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Full text of "Schweizerisches Archiv für Volkskunde"

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Sohweizerisdj|e Gesellschaft ftlr Volkskunde. 
Sociöfö Sufsse des Traditioiis Populaires. 



Sehweizerisehes 

Archiv für Volkskun de. 




Vierteljahrsschri ft 

unter Mitwirkung des Vorstandes herausgegeben 



Ed. Hoffmann-Krayer^ 

Redaktor für den deutschen T«m1. 

HIrxbodcnwer 91, BawL 



Jules Jeanjaqueff 

K«Mlaktnr tVir den romHoischeD Teil. 



Siebenter Jahrgang. 

Mit 7 Illustrationen im Text, 3 inonneliroiucn nnd 1 polychromen Tafel. 



ZÜRICH 
Druck voD .luchli & Beck 

«ona. Rmil Cotti 

1903. 



INHALT. 

Seite 

E. Hoffmann-Krayer, Schatzgräberei in der Umgebung 

Basels (1726 und 1727) 1 

Vittore Pellandini, Spigolatnre di Folklore ticinesi . 2S 
A. Schaer, Balthasar Han*s und Hans Heinrich Grob's 

^ Schützenausreden" 29 

J. Focke, Die hölzernen Milchrechnnngen des Tavetschthals 

(Oraubünden) 36 

Arthur Rossat, Chants patois jurassiens 81. 241 
£. Hoffmann-Krayer, Nenjahrsfeier im alten Basel und 

Verwandtes 102. 187 

6. Züricher und M. Reinhard, Allerhand Aberglauben aus 

dem Kanton Bern 131 

F. \V. Sprecher, Yolkskundliches aus dem Taminathal 143. 210 
A. Daucourt, Traditions populaires jurassiennes . 169 
E. Finkenhofe r, Sprüche und Lieder aus dem Entlebuch . 269 
J. L. Arnold, Das ^Giritzenmoos*" in Dagmersellen (Kt. Lu- 

zern) 29& 

Miszellen. 

Anton Küchler, Ein maccaronisches Sennengedicht yonrUütfer- 

walden 42 

Anton Küchler, Recepte von Dr. Jakob Jenner aus Kerns 46 

5. Gfeller, Zaubermittel 50 

6. Züricher, Hansinschriften aus dem Berner Oberland 53 
Peter Fnrrer, Wie man in Ursern gegen die Kleidermode 

kämpfte 56 

E. Hoffmann-Krayer, Bonaparte und der Schwyzerjoggeli 58 

Anna Ithen, Neujahrswünsche im Muotatal ... 59 

Anna Ithen, Einige Rätsel aus dem Kanton Zug 60 

A. Parner, Aberglauben 61 

S. Singer, Zur Volkskunde vergangener Zeiten (Nachtrag) . 61 

G. Züricher, Amulet 62 

G. Jenny, Vom Tierkreis und den Gestirnen ... 62 

E. Hoffmann-Krayer, , Volkssage im Entlebuch" 63 



IV 



Inhalt 



Nikiaus Emmenegger yoq Wichy (richtiger Agy) und Anna 

Maria geb. Wicht, seine Frau . . . . 

J. Jeanjaquet, Prince frangais amateur de cor des Alpes au 

XVI* siecle 

J. Bolte, Zum Glucksrad 

K. Dürr er, Volksmedizin 

E. Hoffmann-Krayer, Die arme Gred (Nachtrag) 
A. Scbaer, Ueber Spielmannsschilde .... 
Die Einderlosen im Genfer Fastnachtsbrauch 
E. A. Stückelberg, Die Kirchen patrocinien Basellands 
A. Itben, Das böse Weib. Aargauisches Lied 

D. Imesch, Ein eigentümlicher Gebrauch bei den Richter 

wählen in Brig ...... 

Chanson ......... 

Eugene Ritter, Emploi de sortileges contre Tavancement 

des glaciers 

O. Bundi, Das Totenvolk im Engadin .... 
O. Jenny u. A. v. B., Von fünf Leiden Mariae . 
Vittore Pellandini, Storielle ticinesi 

A. Ithen, Passionsgebet 

A. Itben, Bauernregeln aus dem Kanton Zug 

E. A. Stückelberg, Translationskostüme 
Fr. Kestenholz, Mittfastenlied aus Oberwil (Kt. Baselland) 
J. Wirit-,;-ßi*die Brückenkette beissen .... 

BOcheranzeigen. 

Das Bauernhaus in der Schweiz III — V. (E. Hoffmann-Krayer) 

Reuschel, K., Volkskundliche Streifzüge. (E. Hoffmann- 
Krayer) 

Kleeberger, C, Volkskundliches aus Fischbach i. d. Pfalz. 
(E. H.-K.) 

Züricher, G., Kinderlied undKinderspiel im Kant Bern. (E. H.-K.) 

Brunner, Dr. K., Die Verwundeten in den Kriegen der alten 
Eidgenossenschaft. (E. Hoffmann-Krayer) 

Kaindl, R. P , Die Volkskunde. (E. H.-K.). . . . 

John, A., Oberlohma. (E. H.-K.) 

Riehl, W. H., Kulturstudien aus drei Jahrhunderten. (E. H.-K.) 

de Cock en Teirlinck, Kinderspel en Kinderlust in Zuid-Neder- 
land. (E. H.-K.) 

Socin, A., Mittelhochdeutsches Namenbuch. Nach oberrheini- 
schen Quellen des XII. und XIII. Jahrhunderts. 
(E. Hoffmann-Krayer) 



64 

65 

66 

66 

66 

159 

161 

162 

168 

163 
164 

165 
165 
298 
300 
302 
303 
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305 

68 
69 

70 
70 

165 

1«7 
168 

168 



224 



Inhalt. V 

RiDgholz, 0., Geschichte des fürstlichen Benediktinerstiftes 

U. L. F. von Einsiedeln. (E. A. 8.) . . . 225 

Sartori, P., Die Speisung der Toten. (E. Hoffmann-Krayer) 306 

Zürcher, J. B., St. Wendelinsbuch. (E. A. S.) . . . 307 
Ebermann, 0., Blut- und Wundsegen in ihrer Entwicklung 

dargestellt. (E. H.-K.) 307 

Newell, W. W., The Legend of the Holy Grail and the Perce- 

va) of Chrestien of Troyes. (E. H.-K.) . 308 
Drechsler, P., Sitte, Brauch und Volksglaube in Schlesien. 

(E. H.-K.) 308 

Reinisch, L., Die Somali-Sprache (E. H.-K.) .309 
Stehler, F. G., Alp- und Weidewirtschaft. (E. H.-K.) . . 309 
Stehler, F. G., Das Goms und die Gomser. (E. H.-K.) . 310 
Fient, G., Das St. Antöoiertal (E. H.-K.) . . .310 
Stückelberg, E. A., Die Schweizerischen Heiligen des Mittel- 
alters. (E. H.-K.) 311 

Das Bauernhaus im Deutsehen Reiche. YHI (E. H.-K.) . 311 
Riehl, W. H., Wanderbuch. (E. Hoffmann-Krayer) . 312 
Gempeler-Sehletti, D., Heimatkunde des Simmentais. (E. Hoff- 
mann-Krayer; 312 

Kleine Chronik. 

Volkslied im Kanton Bern 67 

Elsässisches Museum - \ '•' .67 

Die „Pierre ä Niton" in Genf und Nuton-Neptunus 67 

Die Gemeindechroniken des Kaotons Zürich .... 313 

Volkskunde der UmgebuDg Frankfurts 313 

Volkskunde-Museen 313 

^Volks-Überlieferungeu" und Bauernmuseum in Mecklenburg 313 



Bibliographie für 1902. (E. Hoffmann-Krayer). . 71 

Jahresbericht 1902 (E. A. Stückelberg) . 226 

Jahresrechnung 1902 (E. Richard) 227 

Bericht über die achte Generalversammlung (E. A. S t ü c k e 1 b e r g) 228 

Mitglieder- Verzeichnis 229 

Nekrolog auf Maler Ernst Stückelberg (E. H.-K.). .314 

Register 315 

Verzeichnis der Mitarbeiter 320 



Schatzgräberei in der Umgebung Basels 
0726 und 1727). 

Mitgeteilt von E. Hoffmann-Krayer in Basel. 

Die im Folgenden auszugsweise abgedruckten Akten liegen 
auf dem Basler Staats-Arcbiv unter Criminalia 4, Fasz. 23. Sie 
scheiden sich in Bezug auf die Beteiligten in zwei Haupt-Gruppen : 
1) die Schatzgräberei in Jakob Abbts Erautgarten zu Aristorf 
(1726), 2) die auf der Spittelmatte bei Basel, in Angst und 
anderwärts (1727). 

Die Yerhandlungen yerdienen nicht nur wegen der Schatz- 
gräberei, sondern auch wegen des übrigen darin Yorkommenden 
Aberglaubens eine YeröfFentlichung. 

L Schatzgräberei in Aristorf. 

1. 
Erster Brief des Yerwesers Seb. Spörlin an Bürger- 
meister und Rat von Basel. 
Dat. Yarnspurg, den 27. Juni 1726, verlesen am 29. Juni. 
Sp. berichtet, man habe letzten Samstag und Sonntag nachts 
Licht bei Jakob Abbt gesehen, wesshalb der üntervogt [Salathe] 
am Montag nach Abbt geschickt und ihn hierüber ausgefragt 
habe. Dieser erzählt, ein gewisser Berner Mann [H. U. Bächler], 
der Metzger Ueinr. Martin von Äugst, der Schuhmacher Wilh. 
Oysin von Liestal, ein Posamenter [Fiechter] „auffem gstadig 
allda"* und Hans Joggi Eeigel von Füllinsdorf seien zu ihm 
gekommen, „mit vermelden, dass an zweyen Orthen in seim 
Krautgarten, und zwar an einem Orth nur 4 schueh tieff 2000 fl., 
an dem anderen Orth aber 8 schueh tieff eine grosse Quantitet, 
so sich zu gewissen Zeiten sehen lasse, verborgen lige, und sie 
nun desswegen zu Ihme kommen , umb diesen verborgenen 
Schatz ausszugraben, versprechend, Ihme auch einen Theil davon 
zukommen zu lassen. Wie nun Er, Abbt, diesen Männeren zu 
graben erlaubt, hätten sie am Sambstag nach Mitternacht umb 
2 Uhren und am Sonntag Nachts umb 12 Uhren dieses Geschafft 



2 Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 

verrichtet, ob sie aber etwas ergraben, das könne Er, Untervogt^ 
nicht sagen, maassen Abbt mit der Sprach nicht recht herauss 
wollen" etc. 



Zweiter Brief Desselben an Dieselben. 
Dat. 10. Juli 1728, verlesen 17. Juli. 

Sp. berichtet, er habe verschiedene Personen über die 
Sache einvernommen. 

Wir heben einige interessantere Aussagen hervor. 

Heini Häring, der „einte" Geschworene, erzählt, die 
Schatzgräber seien auf einen viereckigen Stein gestossen, „so 
in der Mitten ein Loch gehabt, worauff ein Berner-Mann... 
befohlen, mann sollte dieses Loch öffnen, und gleich darauff 
fieyen nicht allein Ihre zwey zu diesem Schatzgraben gebrauchte 
Liechter wie kleine Liechtlin von Schwefel worden, sondern es 
seye auch ein starckher Geruch herauss gestiegen^. Darauf 
phabe der Bern er befohlen, mann sollte d^n Stein gar hinweg 
thun, da seye gleich alles in c. v. Rossmist verwandlet worden". 

Claus Strub, der andere Geschworene, sagt u. A. aus, sie 
hätten, „ehe Sie zum Werckh geschritten, fünff Capitel aus den 
Bücheren Mosis und den 91.' Psalmen aus den alten gelesen". 

Joh. Claus Bowald sagt u. A. aus, sein Sohn habe nachts 
^in Joggi Abbten Erautgarten Liechter wahrgenommen, sich 
•derohalben dahien verflieget, umb zu sehen, was alldorten vor- 
gehe. Wie er sich nun allda ein wenig verweilet, seye er eines 
«chwartzen Hunds gewahr worden, der Ihne je länger je grösser, 
ja endtlich gar wie ein c. v. Pferdt dunckhte und Ihme einen 
solchen Schreckhen eingejaget, dass er sich ohnverzuglich davon 
und nacher Haus begeben". 

Der Schneider Jakob Abbt, Besitzer des betr. Krautgartens, 
erzählt den ganzen Hergang wie folgt: ,;Es sey ongefehr 40 
Jahr, dass seine Frauw in Ihrem Erautgarten etwas gesehen 
und vermeint, es seye ein Häufflein Geld, seye derowegen freuw- 
dig in das Haus geloffen und habe Ihrer Mutter angekündet, 
es gläntze alles im Krautgarten von Gold. Wie sie nun mit- 
^inanderen in Erautgarten kommen, seie nichts mehr da ge- 
wesen. Vor ohngefehr 12 Jahren habe seine Frauw bei Niclaus 
Brüederlin zu Liechstal gedient und damahlen in einer Reben, 
:allwo sie gehackhet, eine Dnplonen hervor gescharret, welche 



Schatzgi^berei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 3 

sie Ihrem Heister gezeiget, und, da derselbe Ihre bedeutet, sie 
sollte solche nur für sich behalten, habe sie sich aoff die Gassen 
begeben und in Beyseyn etlicher Liechstaleren gesagt, wann sie 
nur dassjenige Gelt, so sie in Ihrem Erautgarten zu Arristorf 
gesehen, auch also finden könnte. Diese Liechstaler fragten sie, 
ob sie dann Gelt gesehen, denen sie mit Ja antwortete. Letst- 
verstrichenen Winter [1725/26] seye des Ziegl^ Hanns Joggelins 
Sohn, Rudi genannt [Rud. Mangold], yon Liechstal nacher 
Arristorif zu Ihme kommen und habe sein Frau gefragt, wie 
lang es seye, dass sie das Gelt in Ihrem Erautgarten gesehen, 
deme sie geantwortet, es seye ohngefehr 40 Jahr und habe sie 
seither nichts mehr gesehen. Da sagte er, er wüste einen Mann, 
der solches finden könnte, wann sie suchen lassen wollte. Die 
Frauw erwiederte, sie wäre dessen wol zufrieden, massen sie 
sehr mangelbahr an Gelt seye, auf welche' Erklärung hin er 
wieder fortgegangen. Zween Tag hernach seye er wieder 
kommen und habe Heinrich Fiechter, den Passamenter zu 
Liechstal, einen Bern er und einen frömbden Zimmermann 
[Christoph Schaub ?] mitgebracht, welche in sein, Abbten, Ab- 
wesenheit in dem Krautgarten gegraben. Wie er nun heim- 
kommen, hätte der Bern er Ihme bedeutet, es seye für dieses 
mahl nichts auszurichten, dann solches zu nahe am Weeg lige, 
und sich darauif wieder davon begeben. Vergangenen Sambstag, 
den 23. Junii, da er, Abbt, auff seinem Ackher gehackhet, 
seye Wilhelm Gysin, der Schumacher von Liechstal, Morgens 
früeh zu Ihme auff den Ackher kommen, sagend, Er hätte etwas 
von Heinrich Fiechter, dem Passamenter vernommen und wäre 
anjetzo wieder ein Berner-Mann M im Land, der das bewusste 
Gelt in seinem Erautgarten finden könnte, wanns noch vor- 
handen wäre, worauff er, Abbt, Ihme zur Antwort gab, es seye 
freylich noch da, und wann solches Ihme ohne Schaden gefunden 
werden könnte, so mochte ers wol leyden, dann er das Gelt 
wol brauchte. Gysin fragte Ihne ferners, ob sie dann kommen 
dörffen, sie wollten Ihme den Schaden wol 3 oder 4 fach wieder 
verbesseren und das Gelt mit der Hülff Gottes schon herfür 
bringen; \folle derowegen jetzung den Berner suchen und 
diesen Abend mit Ihme nacher Arristorff kommen, wann ers 
leyden möge. Er, Abbt, erwiederte nochmahlen. Er möge es 



>^ Dieser zweite -Bemer-Mann** ist nun wol Hans Ulr. Bach 1er. 



4 Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727;. 

wol leyden, wanns nur ohne seinen Schaden geschehen könne. 
Wie nun er, Abbt, selbigen Sambstag mit seinen Lenthen in 
der Euchin am Nachtessen begriffen wäre und sich mit Claus 
Bowald ersprachet, käme einer an die einte Haussthüren, 
klopffte an und schrye Holla ho, und da Abt die Thüren auf- 
gethan, seye es Heinrich Martin, der Metzger zu Angst, ge- 
wesen, welcher Ilfbe gefragt, ob er seine Schaaff noch habe, er 
wollte solche kauffen, darauff Abbt Ihme zur Antwort gab: 
Nein,, er habe keine mehr, auff welche Antwort hin er wieder 
fortgegangen und habe er, Abbt, damahlen wahrgenommen, dass 
zween beyeinaoderen waren. Nicht lang hernach seye Hanns 
Joggi Keigel von Fühlinstorff zur andern Thüren kommen und 
habe angeklopft, auch zugleich die Thüren eröffnet und sich in 
die Euchin begeben, fragend, ob nicht ein Schneider da wohne, 
und alss Abbt Ihme bedeutet, dass ers seye, habe er Ihne her- 
auss berufen, deme er auch nachgefolgt und habe Toraussen den 
Berner angetroffen, welcher Ihne gleich mit diesen Worten 
angeredt: Höre gueter Freund! Ich habe yernommen, es seye 
so viel Gelt umb dein Hauss herumb yerborgen, wann man sol- 
ches finden könnte« warestu es zufrieden? Abbt erwiederte: 
Freylich, wanns Ihme keinen Schaden bringen und er seinen 
Nutzen auch darvon ziechen würde. Der Berner führe fort und 
sagte: Habe keinen Zweifel, es wird dir keinen Nachtheil bringen 
und dich (!) auch nichts schaden. Nun wollen sie hurtig lugen, 
ob etwas ausszurichten ; seye etwas da, so wollen sie es mit der 
Hülff Oottes schon bekommen, darauff sie sich in die Euchin 
begeben. Wie sie nun etwas wenig Zeit allda verharret, kamen 
Wilhelm Gysin der Schumacher, Heinrich Fiechter der Passa- 
menter von Liechstal und Heinrich Martin der Metzger von 
Äugst auch in die Euchin getretten, und gieugen samtlich in die 
Stuben; weilen es aber finster waar, fragten sie Abbten, ob er 
keine Liechter habe. Abbt antwortete: Nein er habe keine im 
Hauss. Einer under Ihnen sagte darauff: Hat man dann dem 
Metzger nicht befohlen, dass er Liechter mitbringen sollte? Da 
zöge Heinrich Martin der Metzger von Äugst 2 halbe Eertzen 
aus seinem Sackh und zündete eine davon an. Der Berner 
thate das einte Fenster in der Stuben auff und fragte den Abbt, 
ob das der Erautgarten seye? Abbten Schwieger, welche da- 
mahlen schon im Betth gelegen, erwiederte Ihme: Wir haben 
sonsten keinen. Der Berner sprach hierauff zu Hanns Joggi 



Schatzgräberei Di der Umgebung Basels (1726 und 1727). 5 

Keigel: Eomme, Hanns Joggi, wir wollen dann go lagen, wo 
solches Gelt seyge! seyen auch miteinanderen in den Kraut- 
garten gangen. Die anderen Drey aber seyen jndessen in der 
Stuben geblieben, üeber ein kleine Weil käme der Berner 
wieder in die Stuben, sagend: Ja, wann der Mann das Gelt 
hätte, so in seinem Erautgarten vergraben ligt, er wurde ein 
schon neuw Hauss bauwen können und doch noch Gelts genug 
haben. Die andern fragten Ihne auff diese Reden hin, ob es 
auch der Werth seye und wie tieff solches lige. Er erwiederte: 
Freylich seye es der Werth, an einem Orth ligen nur 4 schueh 
tieff über 2000 fl. und an dem andern Orth noch viel mehr ver- 
graben; aber das letstere könne man diessmahlen nicht herauss 
graben, dann es lige 8 starckher Werckschueh tieff im Boden. 
Hierauff berathschlagten sie sich under einander, sie wollten 
dann anjetzo nur dassjenige anssgraben, so fast oben auff lige, 
desswegeu einen Anfang machen und zuvor betten. Sie satzten 
sich samtlich zum Tisch und sprach der Berner: Nun wolan, 
Willhclm Gysin, fang an! Du weisst wol, was du zuthun hast. 
Da habe er, Gysin, allerhand Spruch auss der heyl. Schrifft 
ausswendig daher gesagt, solchemnach den 91/ Psalm aus den 
alten und zuletst das Unser Yatter gebetten, deme die andern 
nachgesprochen. Nachdeme sie nun solches verrichtet, habe der 
Berner den Gysin und Eeigel mit sich in die Euchin genommen 
und etwas heimliches mit Ihnen geredt. Darnach seyen sie 
wieder in die Stuben kommen und hatten gesagt: Ihr andere 
Zween kommt jetzund! wir wollen in Erautgarten gehen und 
graben. Du aber, Abbt, kanst gehen, wohin du wilt; gib aber 
Achtung, dass du nicht fürwitziger weiss kommest und schauest, 
wass wir machen! Worauff sie in Erautgarten gangen und 
beyde Liechter brennend mitgenommen. Wie nun er, Abbt, 
etwas Zeits in der Euchin gewesen, hätte es Ihne wunder ge- 
nommen, wass sie machen, seye zu dem ende in den Weeg 
gegen dem Erautgarten hinüber gangen, und habe gesehen, 
dass, alldieweilen Zween gegraben, der Berner allda haurend 
[d. i. kauernd] in einem Buch gelesen und die übrigen Zween vor 
dem Garten Schiltwacht gestanden. Alss sie ohngefehr IV2 
Stund Iftng gegraben, seye der Berner mit den Zweyen, so ge- 
graben, wieder in sein, Abbten, Euchin kommen, sagende, sie 
können diessmahlen nichts aussrichten, hätten einen Stein an- 
getroffen, so nicht hinweg zubringen seye. Darauff sie den 



6 Schatzgräberei 'm der UmgebuDg Basels (1726 uod 1727). 

anderen Zweyen auch in die Euchin zugehen zugerufFen und 
der Berner sagte, Zween Ton Ihnen sollten das Loch wieder 
mit grund bedeckhen. Da nun solches geschehen, hatten sie 
sich, ohne weiters ein Wort zureden, wieder davon gemacht. 
An dem daranff gefolgten Sonntag Nachts umb 12 Uhren 
seyen alle fünff wieder in sein, Abbten, Hauss kommen und 
hatten Eertzen mit Ihnen gebracht, selbige beym feur ange- 
zündet und das nöthige Geschirr genommen, vorgebend, sie 
wollten jetzund das verborgene Gelt gleich haben, zu solchem 
ende sich wieder zum vorigen Loch in den Erautgarten ver- 
fueget und angefangen zugraben. Noch Yerlauff ohngefehr einer 
halben Stund seye der Berner wieder in die Euchin kommen 
und habe etwas in Form c. v. Rossmists mitgebracht, selbiges 
ins Feuer geworffen, mit einem Rüethlin wieder aus dem Feur 
gesucht und endlich sich verlauten lassen, er könne nichts mehr 
finden, es schmäckhe gar starckh, und glaube er, es müesse au ff 
eine Zeit etwas allhier verbrunnen seyn und sich mit c. v. Ross- 
mist vermischet haben. Solchemnach habe er den übrigen auch 
herein geruffen und seyen sie darauff samtlich wieder davon 
gangen, ohne Ihme, Abbt, etwas für dassjenige, so sie Ihme im 
Erautgarten verderbt, zu bonificieren*'. 

3. 
Verhör von Fiechter, Gysin, Martin und Abbt durch die 
Siebener-Herren. 
Verlesen 20. Juli 1726. 
a) Heinr. Fiechter (35 J.) von Liestal sagt aus, ^des 
Abbts Frau seye zu Ihm kommen und Ihm erzellet, sie habe 
im garten um Ihr Hauss herum schon zum dritten mahl beob- 
achtet und gesehen etwas, so weiss und gelblecht gewesen und 
wieder in boden geschloffen seye, mit vermelden, wan der Ver- 
haffte nur Jemand zu finden wüste, der mit der Sach umgehn 
könnte, wäre es Ihre lieb, wan Sie es überbekommen thäte**. 
Als bald darauf ein Berner zu ihm gekommen sei, habe er 
mit ihm von der Sache gesprochen, und dieser habe sich sofort 
erbötig gezeigt, das Geld zu heben. Sie seyen dann mit An- 
dern an Ort und Stelle gegangen, hätten aber mitten im Dorf 
bei Tag nicht graben wollen. Etwas später sei er von Hans- 
joggi Eeigel mit einem andern Berner, Hans Uhli Bächler 
aufgesucht worden, und diessmal hätten sie wirklich eio 3 schuh 



Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 7 

tiefes Loch gegraben; aber nichts gefanden. „Wann sie zu 
graben angefangen haben ?^ — „Sie haben erst um 2. ührenen 
nach Mitternacht zn graben angefangen; haben von den 11. Uhren 
biss nm 2. Uhr die Zeit mit betten und lesen zu gebracht/ — 
, Worin sie gelesen?** — „In dem neuen Testament und im 
Psalmen buch.^ — „Was für Capitul sie gelesen?" — „Im 
Testament 2. Marci am 9/ und den 91/ psalmen haben sie ge- 
lesen.** — „Ob sie nur ein Capitul gelesen?" — Der Berner 
habe „aonoch das 1'^* Capitul des Evangelii Johannis gelesen.' 
Gefunden hätten sie nichts. „Die folgende Nacht seyen sie 
wiederumb um 1. Uhren dahin kommen, haben in der Stuben 
das Gebett verrichtet Das Gebett habe Wilhelm Gisi ver- 
richtet und habe ein gebett allein ein gantze Yiertelstund gewährt; 
er hab sein lebtag kein so schön gebätt gehört." — „Was der 
Inhalt Ihres gebätts gewesen?** — „Dass Gott der Herr sie vor 
allem übel bewähren und Sie etwas finden lassen möchte, weil 
sie gar arme leuth seyen.** Gefunden hätten sie auch dies- 
mal nichts. 

b) Wilhelm Gisi, Schuhmacher (31 J.) von Liestal sagt 
aus, er sei von Fiechter und dem Berner verführt worden, 
mitzumachen. In der Stube Abbts habe der Bern er nach 
jungen Zweigen verlangt, welche ihm jener gebracht. Ueber 
die Gebete sagt er Aehnliches aus, wie Fiechter. Die Ruten 
seien zweifelsohne „gesteckt** worden, ^wüsse aber nicht wohin**. 
Die übrigen Aussagen stimmen zu denjenigen Fiechters. Auch 
er glaubte kein böses Werk zu thun und bittet Gott und die 
Regierung um Verzeihung. 

c) Heinrich Martin, Metzger (33 J.) von Äugst sagt aus, 
Joggi K ei gel habe ihn von der Sache unterrichtet. Sonst 
stimmen die Aussagen zu den vorigen. 

d) Hans Jakob Abbt (60 J.) von Aristorf. Aussage ohne 
neue Momente. 

4. 
Beschluss des Rats vom 20. Juli 1726. 

, Sollen alle hier VerhaflFte mit der urphedt Erlassen^ 
für Einen Ehrw. Bahn [Kirchen vorstand] gewisen, Rudi Man- 
goldt der Ziegler von Liechstal, auch Hanss Joggi Keigel von 
Fülistorf gfänglich hargeführt, auch von den Herren Sieben be- 
sprochen und auf den Bern er fleissig vigiliert, dieser auf Be- 



8 Schatzgräberei in der Umgebang Basels (1726 und 1727). 

trotten angehalten, beygfangt, nnd auch yon den Herren Sieben 
besprochen werden.^ (Ratsprotokoll.) 



Verhör von Hans Jakob Keigel nnd Rud. Mangold 

durch die Siebener. 

Verlesen 24. Juli 1726. 

a) Hans Jakob Eeigel (60 J.) von Füllinsdorf , sagt 
aus, der Berner habe ihn überredet, bei dem Schatzgraben mit- 
zumachen, er habe ihm's gleichsam angethan; gegraben hätten 
Wilh. Gysin und er selbst und zwar auf eine Tiefe von ca. 
3 Fuss. Er habe auch gesehea, wie der Bern er Rütlein um 
das Loch herum gesteckt habe. 

b) Rudolf Mangold, gen. Ziegler Rudi (28 J.) von 
Liestal sagt aus, dass er nur das erste Mal mitgegangen sei, 
aber sich gar nicht mit der Sache zu schaffen gemacht habe. 

6. 
Beschluss des Rats vom 24. Juli 1726. 
„Hanss Joggi Keigel und Ruedi Mangelt sollen mit 
der Urphed Erlassen and für Ein Ehrw. Bahn gewiesen werden. '^ 
(Ratsprotokoll.) 

II. Schatzgräberei auf der Spittelmatte und in Äugst. 

1. 
Brief von Leonhard Bartenschlag, Pfarrer von St. Mar- 

grethen an Bürgermeister und Rat von Basel. 
Dat.' 14. März 1727, verlesen den 15. März 1727. 

Zu Gehorsamster Folge des, bey mündlich abgelegten 
Unterthänigsten bericht, ertheilten Hoch zu Ehrenden Befehles 
an mich, habe Ew. Gn., was fehrners die im Spittahlhaus» am 
Ende der Spittahl Matten ohnlängst gehaltene Nächtliche 
Ärgerliche Zusammenkunfften betreffendt in erfahrung bringen 
mögen, hiemit unterthänigst hinterbringen sollen. Was gestalten 
neml. dasige zu unseren Kirchen-Versammlungen und Com- 
munionen bei St. Margarethen sich haltende haussleuthe alss mit 
Nammen Hanss Jacob Honeckker der Mattenknecht samt 
Moritz Hagger dem Zeugdruckher und Anna Saxerin seiner 
Ehefrauwen von Altstetten aussm Rheynthal, welche von Äugst 



Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 9 

hieher gezogen, schon einige Zeithen nach Teuffelsbeschwöreren 
and Schatzgräberen getrachtet, endlich onter anderen aufF einen 
mit Nammen Jacob Schaffner, einen noch nicht alten, ledigen 
Schnmacher knecht von Sasel aus dem kleineu Gärber Gässlin 
ohnweit Herrn Hintenlangs des Färbers Wohnung, gerathen, 
der daselbst bey seiner alten Muter von gleichem Schlag, doch 
das Obrigkeitliche Allmosen geniessende, sich aufFhalten und 
auss allerhandt abergläubischen bücheren^ so man allda finden 
wurde, solch Besehwörungshandwerckh ins geheim Treiben sollen, 
aufF des obgemeldten Spittahlhausers diessmahliger Haussleuthen, 
sonderlich des Zeugdruckhers, Einladung aber sich eines Tischs 
und Betts mit diesen letzteren bedient, darauffhin bey etlich 
Wochen seine Beschwörungen gewohnlich Nachts von 10. biss 
2. und 8. Uhren in der Nebenkammer gemachten Circul oder 
Zauberkreyss , mit anruffung der drey höchsten Nammen, 
auch bey allen bluts Tropfen Christi und durch solche den 
Satan zu anweisung eines Schatzes zu zwingen, in solang ver- 
richtet, biss verwichenen Mittwochen Morgens den 12*'." dises 
Merzen 8 der Scheuren Meyer in das Spittahlhauss kommen, 
den beschwörer in des Zeug Druckhers bett angetroffen und, 
ohnwissend was vorgegangen, dergleichen leuth fortzuschaffen 
befohlen, da dan solcher erst mitten in der Nacht darauff samt 
seinen Zauberschrifften sich salviert und den Tag darauff nach 
Basel retiriert habe. 

Diesen bericht hat erst gestern, alss Donnerstag abends 
den 13*'? Mertzen, sehr hoch bestetiget Christina Zuberin von 
Affholtern anssm Emmenthal, eine baass des Druckers, der sie 
samt ihrem Mann, Thomass Dietrich aus dem St. Gallischen, 
einem bergknappen. von Baden wyler her, da sie gearbeitet, 
unterm schein, das Zeugdruckken sie zu lehren, beruffen, allein 
vorgeblich zum schätz graben in und äussert dem Spittahlhauss 
gebrauchen wollen, maassen diese Weibspersohn heimlich zu mir 
kommen, und mit einem rechten abschüwen zu beruhigung ihres 
gewissens den gantzen Yerlauff crzehlt, auch wo obgemeldte 
haussleuth sollten gefänglich eingezogen werden, über alles auss- 
fuhrliche Nachricht zu geben sich selbsten anerbotten, so das 
die verhaffteten es ohnmöglich wurden läuguen können und habe 
auch, wie diese Christina berichtet, am letztverwichenen Mitt- 
wochen da heimlich vor dem Spittahlhauss vorbey passieret, 
durch die mir Notierte gebrochene Scheiben den Zauber oder 
Beschwörungskreiss vollkommen wahrgenommen. 



10 Schatzgräberei in der UmgebuDg Basels (1726 und 1727). 

2, 
Verhör von Anna Fink, Uonecker, Anna Saxer, Dorothea 
Schad und Schaffner durch die Siebener. 
Verlesen 19. März 1727. 
a) Anna Fink (42 J.) von Unterschlatt, Ehefrau von J. 
J. Honecker von Pratteln. ,,In letztverwichener Hess sey Ein 
Krömer und Einer, dem(!) Si Steinmann genannt, fürs Hauss 
kommen und gesagt, Es sey Gelt in diesem Stahl und wäre 
leicht zu bekommen, auch ein Kuglen aussm Sackh genommen 
und gesagt, wann Si so wüst thüe, sey gewüss Gelt vorhanden, 
worauff Ihr Hausfraw, welche ein Fronfastenkind sey, gesagt, 
Sie verspühr, das Ein Geist da umb ein Ander [in der Nähe] seye, 
und kommen offters die Armen Leuth dergleichen verborgen Gelt 
eher über, als andere; Also das Sie einige Tag hernach, nämlich 
der Willem [Gysin] von Liechstal, der Drucker [Hacker], Jacob 
[Schaffner] der Schuhknecht und Ihr mann [Uonecker] in der 
Nacht anfangen graben, aber nichts bekommen. Da Sie folgendt 
Tags das Loch in der Scheuren offen gesehen, habe Sie selbige 
abgemahnt und Ihnen zu gesprochen, dass Sie Es sollen bliben 
lassen, mit vermelden, es gehöre nicht Dorzu, hab Es darauif 
auch dem Scheuren Meyer, welcher hinauss kommen, ange- 
zeigt und Ihne gebetten, Sie davon abzuhalten, der Ihnen dann 
auch zugesprochen, worauif sie das Loch wieder zugeworifen. 
Darauif Sey der Stein mann wieder hinauss kommen und im 
Garten herumb gangen, auch abermahleu sein Kuglen herauss- 
genommen, und als Sie die Truckeren gefragt, was Er mache, 
hab Sie geantwortet. Er suche ein Brunnen. Es sey aber, wie 
Sie hernoch vernommen, wieder wegen dem Schatz gewesen, 
weil Sie Sie seither vernommen, und Er gesagt, Es sey ein 
küstlin mit Gelt Einer Ellen lang in dem Garten verborgen, 
welches nicht tieif liege, worauff vorbesagte Männer wiederumb 
auff den Abend etwas weniges nachgraben, aber wiederumb 
nichts fundeu. Sie hab Sie abermahlen abgemahnet, weil Sie 
geförchtet, es möchte Ihnen etwas desswegen beschehen, der 
Steinemann Sey seither nicht mehr kommen und Sie haben 

Alles wieder zugemacht" Im Zimmer habe er 

^ein Gross Papeyr heraussgezogen und auf den Boden gespreitet, 
hernach Gebetten oder gelesen, hab auch ein Liecht breunendt 
gehabt**. Diess sei 3 oder 4 Nächte hintereinander je um 9 Uhr 
geschehen und habe 2 bis 3 Stunden gewährt. 



Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727 j. 11 

b) Job. Jak. Honecker (ca. 40 J.) von Pratteln nennt 
ausser ihm folgende Beteiligte: Jakob Schaffner, den Drucker 
Ton Liestal^), Schäublin den Seiler auff der Brücke an der 

Steinen und Christof fei [Schaub] den Zimmermann 

,Der Schaffner habe gebetten, nnd Sie haben die Hüth abge- 
habt und darumb gestanden, auch, was schöne Better geweseo, 
haben Sie dann und wann nachgebetten. Sie haben auch drey 
Wachsliechter ausher dem Loch in drey Eckhen brennend 
gehabt. 

c) Anna Saxer (26 J.) von Altstetten im Rheintal (die 
Druckeriu), Ehefrau von Moritz Hacker. „Es sey Einer, der 
zum druckhen logiert gewesen und aus dem Bernerbiet 
[Steinmann?] sey, mit Einer Ruthen zu Ihnen kommen und 
gesagt, hab Ein Ruthen, die die Schätz zeige; auch als Er selige 
mitgebracht, hab Sie zweymahl geschlagen, darauff Er Sie ver* 
sichert. Es werd da Ein schätz verborgen sein, worauff Sie nach- 
graben aber nichts funden. Der Berner hab Sie hernach. Als 
Er Ihnen das Gelt [angeblich für Wachs und Kerzen] abgelusst, 
davon gemacht; Er hab Ihnen auch ein Kuglen zeigt, sey aber 
alls Betrug gewesen*" .... Als ihr ein Halstuch abhanden 
gekommen, habe ihr Schaffner gesagt, „wenn man gewüsse 
Kräuter, so Osterkraut heissen, nemme und selbiges under das 
Kopfküssen lege, werd der, So Es gestohlen. Einem im Traum 
vorkommen *" .... ^Sonsten hab Er gesagt, man müss die 
Oeister mit Gottes Wort zwingen, sonst bekomme man Nichts ; 
wann mann grabe, müss mann hernach still sein.^ 

d) Moritz Hacker (30 J.) Zeugdrucker, aus der Nähe 
von Altstetten im Rheintal. »Zwey Meydtlin haben seiner Frauw 
gesagt, es sey ein Gespenst wie ein Pfaif im Uauss, und Gelt 
verborgen, darauff sei Hans Georg Steinmann auch mit einer 
Kuglen und Ruthen kommen und gleiches gesagt^ . . . Beim 
Graben sei auch ^Martin, der Frau Gessler Lehenmann^ ein- 
mal dabei gewesen. Auf dem Papier, das sie gebraucht hätten 
.,8ei etwas gelegen, darauff der Namen Jesus mit güldenen 
Buchstaben gestanden^. Weiterhin wollte er von der Sache 
abgeraten haben, er habe aber erfahren, dass das Schatzgraben 
im Baselbiet sehr überhand nehme. 



*) Irrtum? Ist Hacker, der Drucker, von Altstetten, oder Gysin, 
der Schuhmacher von Liestal, gemeint? Doch vgl. auch e). 



12 Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 

e) Dorothea Schad , ^Fürkäuff leren" (64 J.) [Mutter 
Schaffners], sagt namentlich von Ihrem Sohne, der auf der 
Spitalmatte angeblich die Zeugdruckerei hätte lernen sollen, dass 
er Schatzgräberei getrieben habe, doch will sie über das Nähere 
nichts wissen. Gefragt ob er auch vor dem Aeschemer Thor 
in einem Häuschen gegraben, antwortet sie: „Nein . . ., sondern 
die Liechstaler haben gesagt. Es sey der Schäublin . . . und 
des Herren Hoffners Sohn gewesen, Sie hab auch . . . gehört, 
dass der Wannenwetsch in seinem Keller graben, worzu Er 
ein weiss Hündlin gebraucht.'' 

f) Jakob Schaffner, Schuhknecht (24 J.) von Basel giebt 
vor, seine Zauberschriften von einem Sachsen zu haben, der 
sie wiederum von einem Venediger erhalten. Ausser auf der 
Spitalmatte habe er „in des Scheidwassermachers Hauss zu 
Äugst mit einem Aristorffer Namens Christoff [Schaub], und 
dem Haussmeister, Melcherhanss [Zendner] genannt und einem 
Liechstaler, der Ein gelen Rocke habe [Wilhelm Gysin] im 
Keller gegraben**. — „Was Er dazu gebraucht, als Er zu Äugst 
gegraben?^ — „Nichts als drey Kertzen, und hab das Erste 
Capitul auss dem Evangelium Joh. Yiermahl geschrieben und 
selbige auff den Boden in Vier Eckhen gelegt, mit dem Degen 
hab Er ein Creiss gemacht; und die drey Liechter in drey Eckhen 
gesteckt, da haben Sie anfangen graben.^ Auf die Frage, um 
welche Zeit das geschehen sei, antwortete er: ,,Nachts umb 
Neun Uhren haben Sie angefangen und geschafft bis Sie müd 
gewesen. Man köndts am Tag auch machen, man würd aber 

ehendter verjagdt** „Ob er nicht etwas darauff [auf das 

Buch] gelegt?** — „Ja, ein Pergament, darauff geschrieben 

stehe S%ilariels, habe Er darauff gelegt** „Ob Er nicht 

auch Kunst könne, die Leuth zu stellen oder das Gestohlene 
herbey zu bringen? — „Es sey wohl etwas im Buch, Er habs 
aber nie brucht, Er hab dem Tuckher Ein Stuckh Wax, darauff 
etliche Buchstaben stehen, geben; im Buch stehe, wann Einer 
das habe, werd der Dieb Einem im Traum vorkommen.*' — 
„Ob er nicht ein Mittel habe, dass man Einen müess lieb 
haben?*' — „Es stehe auch etwas davon, wann mann Eisen 
Grut [Kraut] nemme. Er habs aber nie probiert, Er sey willens 
gewesen, alle Bücher dem Herrn Ober Pfarrer zu bringen .... 
Die Kerze, die Sie zum graben gebraucht, hätten sie selbst aus 
Wachs hergestellt und etwas Salz hineingeknetet. *- 



Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 13 

3. 

Schreiben des Schultheissen von Liestal, Bernh. Strübin, 

an Bügermeister nnd Rat von Basel. 

Dat. 20. März 1727. 

Zeigt die Auslieferung des Schumachers Wilhelm Gysin 
an, und berichtet, dass auch auf dem Burghaldenberg bei 
dem sog. Schloss Spuren von Schatzgräberei zu finden seien. 

4. 

Verhör von Freuler, Platner, Bürgin, Zendner, Weibel, 

Hindenlang, Anna Fink, Anna Saxer, Qysin, Hacker, 

Honecker, Abt, Meyer durch die Siebener. 

Verlesen 22. März 1727. 

a) Theophil Freuler, Seiler und gewesener Bettelvogt 
im Almosen, sagt ans, er habe sich einmal beim Graben be- 
theiligt und auch aus dem „Buch Salomons^ dem Schuhmacher 
nachgebetet. — „Ob sein Enab die Geister sehe, wie Sie vor- 
geben?^ — „Ja, Er sey ein Sonntagskind und sehe alle Geister 
in den Häusern und hab auiFm Spittal Gut auch ein weissn 
Oeist gesehen und Es dem Jacob [Schaffner] angezeigt. 

b) Ulrich Platner, der Scheuernmeyer sagt aus, er habe 
die Schatzgräberei zufällig entdeckt und scharf getadelt. Be- 
richtet, der Drucker [Hacker] habe ihm gesagt, ^man sehe 
alzeit eine weisse Jungfrau im garten^, was auf einen Schatz 
schliessen lasse. 

c) Martin Bürgin, Lehenmann in Angst sagt aus, er 
habe dem Zeugdrucker [Hacker] ein Halstuch bringen wollen 
nnd, sei dann gleich zum Mitmachen ermuntert worden, was er 
auch gethan. — Beim Graben sei der Drucker „mit Einem 
Glass, darin Sie Wasser gehabt, herumb gangen, das Licht daran 
gehebt und gesagt: hier sey der Schatz, da sei der. Sie haben 
aber nichts gesehen*^. 

d) Hans Zendner von Äugst [Melcherhans] sagt aus, der 
Zeugdrucker [Hacker] sei V^ Jahr in seinem Haus gewesen, 
in dem es gespuckt habe. Daraufhin habe die Druckerin 
[Anna Saxer] das Nachgraben veranlasst. Dabei seien gewesen 
der Drucker, der Scheidwasserbrenner [J. Weibel], Martin 
Bürgin und Wilhelm [Gysin] von Liestal. Mit den Ceremonien 
will er nicht bekannt sein. 



14 Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 

e) Martin Bürp:in sagt ans, auch in des Melcher- 
hansen [Zendner] Haus [in Äugst] habe er gegraben und 
dieser habe den Ceremonien beigewohnt. 

f) Hans Zendner gesteht ein, er habe bei den Cere- 
monien mitgeholfen. 

g) Jakob Weibel, Scheidwasserbrenner in Äugst, will mit 
der Schatzgräberei nichts zu thun gehabt haben. Befragt, was 
den Anlass dazu gegeben, sagt er: „Man sehe ein Liechtlin im 
Hauss herumb fahren, wie ein angezündet Schwebelhöltzlin. Sein 
Fraw und Er sehens öffters und komme des Nachts noch alzeit 
biss in Ihr Stuben**. — „Ob mans beim Liecht auch sehe?* — 
„Ja, mit und ohne Liecht. Es komme zu Zeiten biss los Bett.^ 

h) Emanuel Hindenlang, Färber in Basel sagt aus, „er 
hab vor etwas Zeit zween Modellschneider und Truckher 
bey Ihme im Hauss gehabt . . ., welche gesagt, Sie hören des 
Nachts alzeit ein Känsterlin [kleiner Schrank] auff und zu 
gehen, es werd Ein Geist und Geld im Hi^uss verborgen sein . . . 
Etwas Zeits hernach sey Ein Bergknapp für sein Hauss 
kommen . . ., welcher gesagt habe, Er soll das Hauss nicht ver- 
kauffen, es sey ein Laden mit drey güldenen Eettenen und 
andern Kostbarkeiten in der Mauren . . . Nachgehendts sei der 
Jacob Schaffner kommen und gesagt, Sie woUens herauss thun, 
haben der Jacob und die Druckher mit seiner Erlaubnuss ein 
Loch in die Mauren gebrochen; aber nichts entdeckt . . . Nach- 
gehendts haben Sie auch gesagt, es sey im Färb hauss ein 
Schatz und böse Geister, desswegen auch alda graben . . . Diese 
Kerle haben ihm bey 50 S* geschadet". 

i) Anna Finck, Ehefrau des Mattenknechts [Honegger]. 
Aussagen ohne neue Gesichtspunkte. 

k) Anna Saxer erzählt weiterhin „es Sey einmahl zu 
Liechstal ein Modellschneider bey Ihnen gewesen und hab 
Sein Bruder ein Glass gehabt, darin man den, der Einem etwas 
stehle, sehe. Als nun Ihr mann damahlen ein Par schuh ver- 
lehren, hab Sie auch darin gelugt und den Krummholtz auff 
dem Gstadig . . . darin gesehen. Man müss aber allerhand 
Zeichen und Wort dazu sprechen". — . . . ^Ob Sies nicht auch 
zu andern Sachen brauche ?" — „Ja, Sie habe auch darinn ge- 
lugt, ob Sie den Schatz finde oder nicht. Als auch einmabl 
jemand vor dem Hauss gewesen, habe Sie auch darin gelugt, 
umb zu sehen, wer Es seye, Sie habe aber nichts darinn ge- 



Schatzgräberei in der UmgebuDg Basels (1726 und 1727). 15 

sehen . . . / «Ob Sie nicht aoch den Schatz darin besehen 
wollen?'' — ^Ja, Es hab Sich ein Kessel mit Gelt schier 
later Dublonen darin gezeigt, wobey ein schwarzer PfafF ge- 
standen.*^ — „Ob Ihr mann nicht auch anderer Orth graben 
helfFen?" — ,In Angst in Ihrem Hanss, da Ein Geist sey, 
der gantz weiss, hab der Melcherhanss [H. Zendner] 
graben. Man hab schier keine Buh darin. Ihr Mann hab Ein- 
mahl den Geist gesehen, Sie habe in der Cammern geschlaffen 
nnd nicht ruhen können, weil bald etwas gefallen, gebolderet 
oder als wenn man etwas aussschütte gewesen.'' — „Ob Sie zu 
Angst auch ins Glass gelugt?" — „Ja, und hab in einem Tröglin 
ein güldenen Scepter und Cron gesehen." 

1) Wilhelm Gysin, Schumacher von Liestal, sagt aus, dass 
ihn Schaffner auf die Spitalmatte geführt habe; er sei aber gleich 
andern Tags wieder fortgegangen. Seine letzte Strafe für Schatz- 
gräberei sei Verweisung „für den Bahn" gewesen. *) 

m) Moritz Hacker sagt aus, der Arx Joggi sei auch 
dabei gewesen, als man in Melcherhansens Haus [zu Äugst] 
gegraben „und hab sein [Hackers] Modelgraber dazu anlass 
geben, weil er dergleichen Bücher gehabt und ein Glass, darin 
Sie, wann Sie ein Spruch gesprochen, den Schatz gesehen; Er 
hab aber nichts darin sehen können, desswegen gesagt, Es sey ' 
Lumpensach und das Glass zum Fenster hinauss in Deuch 
[Mühlgraben] geworffen'* .... 

n) Jakob Schaffner. Ueber das Glas sagt er aus, er 
er habe es am Spalenberg gekauft, es sei ein Harnglas ge- 
wesen. Einen Spruch habe er beim Glasschauen weder sprechen 
wollen noch können, da solche nicht deutsch seien. Man müsse 
auch in einem gewissen Planeten geboren sein, um etwas in 
dem Glas zu sehen. 

o) Jacob Honeckher von Pratteln. Ohne Belang. 

p) Jacob Abt von Aristorf (61 J.). War schon einmal 
„für den Bahn* gewiesen worden, weil er gestattet habe, dass 
in seinem Garten gegraben werde. ^) Nach Äugst zu den 
,neun Thürmen** sei er von Wilhelm Gysin geholt worden, 
da dort ein goldene Krone und ein Szepter verborgen lige; er 
habe aber dort nicht gegraben. Beim Melcherhans [H. Zendner] 
habe er nie gegraben. 

*) Siehe die erste Verhandlung Nr. 4. — ♦; Erste Verhandlung. 



16 Schatzgräberei in der Umgebung Baaels (1726 und 1727). 

q) Christoph Meyer von Aristorf war in Melcher- 
hansens Haus mehrmala dabei, hat aber nicht mitgeholfen. 
Auch nicht bei den nenn Thürmen. 

r) Wilhelm Qysin von Liestal. Von der Stelle am Barg- 
haldenberg [s. Nr. 3] habe ein alter Schmied, namens Hans Hei- 
de 1 man gesagt, „es bleib kein Schnee da, werd gewiss Qelt da 
yerborgen sein^. Die Gräberei selbst sei ohne Beschwörungs- 
zeremonien yor sich gegangen. Bei den „nenn Thürmen^ 
hätten sie gebetet: „Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut'' und 
„O höchster Gott* und „Unser Lieber Herr", „welches Er auss 
einem Psalmenbuch Ständlingen gelesen''. 

5. 

Bedenken der Herren Geistlichen. 
„Geben in unsrem Conventu'' 29. März 1727. 
jWohlweyser Herr Burgermeister, 
Hoch Geacbte und Gnädig Gebietende Herren, 
Wir haben die uns zugestellte Acta in der forcht des Herren 
durchgangen und sovil die Eürtze der Zeit es zugelassen unsere 
gedanken darüber walten lassen. 

Wir beklagen und beseuffzen allervordrist herzlich, dass 
bei so hellem Hecht des h. Evangelii der Satan noch immer so- 
vil gewalt hat, und die Leuthe zu solch einem entsetzlichen 
aberglauben verleite, dazu aber derselben grosse Unwissenheit, 
schlechte forcht Gottes, müssigang und unzimliche Begierd nach 
Gelt ihme den weg trefflich gebahnet. 

Die sach selbsten bestehet kürtzlich darinnen : Es hat Jacob 
Schaffner, ein schuhknecht von hier, mit Hülff viler anderer zu 
verschiedenen Zeiten und an verschiedenen orten: als auf allhiesiger 
Spittal Matten vor dem Steinen Thor, desgleichen zu Äugst 
in des Scheidwasser Brenners [J. Weibels] Hauss und sonsten 
schätze zu graben sich unterstanden, zu dem ende bei finsterer 
nacht mit dem degen einen Creyss auff den boden gemacht, dar- 
ein er neben anderen gestanden, sein abergläubisches Eunstbuch 
herfürgezogen und darauss bey dreyen stunden gebettet, dabey 
hat er zugleich das erste Capitel des Evangelii Johannis auf 
Papier geschrieben und in die eken des gemachs geleget, zu 
jedem ein brennendes Hecht gethan und den Anwesenden sehr 
ernstHch verbotten etwas zu reden. Darauf haben sie in dem 
nammen Gottes des Yatters, des Sohns, und des H. Geistes an- 



Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 17 

gefaDgen zu graben und würklich ein zimlich grosses loch und 
gruben gemacht; aber niemahlen etwas gesehen noch gefunden. 

Auss den Actis erhallt zugleich, dass Anna Finckin von 
Unterschlatt, so auf der Spittal Matten sich aufgehalten, in 
diesem Handel sich auch gewaltig brauchen lassen, massen sie 
auch ein Glass gehabt, darin sie ihrem vorgeben nach sowol 
den Geist als den schätz gesehen/ 

All diese Dinge werden als sündlich verdammt, wie auch 
das Tragen von ,6ündtlin mit Kraut angefüllt und mit drey 
Creutzen bezeichnet'. Weiterhin begegnen die Geistlichen dem 
Einwand, dass die Schatzgräber doch lauter fromme Worte ge- 
braucht hätten und erwähnen u. A. das Beispiel ,einer ver- 
schreiten Zauberin, Barbara Dorea genannt, welche A"^ 1577 zu 
Paris hingerichtet worden, dass sie eines von den allerschönsten 
und heiligsten Worten zusammengesetzten Segens gebrauchet; 
aber endlich bekant, dass ihro der Teufel dene von Wort zu 
Wort dictieret habe^ 

Als Strafe für den Hauptverführer Schaffner wird der 
Pranger und eine Leibesstrafe vorgeschlagen, die Papiere, Kerzen 
und Bündel sollen verbrannt, die Zauberbücher im hintern An- 
tistitium aufbewahrt werden. 

6. 
Nochmaliges Verhör von J. Schaffner durch die Siebener. 
Verlesen 29. März 1727. 
Jakob Schaffner gesteht ein, bei seinem Bruder in Neu- 
stadt (Neuveville) ein Zauberbuch gesehen zu haben. „Ob 

sie nicht auch auf einer Matten enet der Biers Bruckh 
gegraben.^ — „Ja, am alten neuwen Jahr (oder am Neu wen 
Jahrs Tag nach dem alten Calender) haben sie Zwo Nacht noch- 
einander daselbst mit den andern Verhafften gegraben.^ 

7. 
Bedenken der Herren Deputaten. 
Verlesen 2. April 1727. 
Für Jakob Schaffner, Anna Saxer, Wilhelm Gysin 
und Joggi Abbt werden als Strafen vorgeschlagen: Vorstellung 
in der Kirche (^vor öffentlicher Gemeind [die beiden Letztern 
in Liestal] vorgestellef^) und, ausgenommen bei Abbt, Zwangs- 
arbeit (^an das schellenwerck geschlagen'^). „Sintemalen aber 



18 Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 

wegen instehender Charwoohen die Yorstellung nicht bald Yor 
sich gehen könnte, nnd doch diese personen nicht so lang in 
der gefängnns zu behalten sind, als meinten wir, dass die drey 
gemelte: Schaffner, Gysin nnd Saxerin sogleich daran geschlagen 
und dan die Yorstellnng, nach welcher sie wiedernm an das 
schellenwerck kämen, bei erster gelegenheit vorgenommen, Abbt 
aber indessen inbehalten oder nach Haus gelassen werden 
könnte"". 

Für Moritz Hacker das ,, Zuchthaus''^), für Theophilus 
Frenler, Em\ Hindenlang, H. J. Honecker, Anna Finck, 
Dorothea Schad, M. Bürgin, H. Zendner, Chr. Meyer 
,, Stellung für den Bahn"".®) 

Die Zettel und Bücher könnten entweder nach dem Vor- 
schlag der Herren Geistlichen teilweise aufbehalten oder sämmt- 
lich verbrannt werden. 

8. 

Beschluss des Rats vom 2. April 1727. 

Der Rat stimmt dem Vorschlag der Deputaten bei. ^Der 

Zirknl und abergläubische Sachen sollen in deren [Deputaten 

oder Delinquenten P] Gegenwart auf dem heissen Stein ^ verbrannt, 

übrige Schriften aber aufbehalten werden''. (Ratsprotokoll.) 

9. 
Brief des Schultheissen Strübin an Bürgermeister und 

Rat von Basel. 
Dat. 17. April 1727. 
Heinrich Fiecbter sei wegen Schatzgrabens verhört wor- 
den. Die Akten liegen bei. 

10. 
Verhör Heinrich Fiechters durch den Schultheissen 

Strübin. 
Dat. 17. April 1727. 
Darin wird zuerst von dem Zauberbuch gesprochen, das 
u. A. das 1. Kapitel des Johannesevangeliums und den 91. Psalm 

*) Das Z. war damals im Waisenhaus, der ehemaligen Karthause. — 
*) Kirchliches Gericht zur Ausübung der Sittenpolizei. — "') Ueher diese 
angeblich aus dem Jahre 1376 stammende Richtstätte vgl. Ochö, Gresch. v. 
Basel VII, 281. lieber den „heissen Stein" im Kinderlied s. Brenner, 
Baslerische Kinder- und Volksreime Nr. 143. 



Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 19 

•enthalten hat. Ferner sagt der Deponent aas, er habe seit 
seiner Haft in Basel bloss einmal, Yor 7^ Jahr, bei einer Schatz- 
gräberei assistiert, die sich zn Angst bei Stingelins Reben nicht 
weit Tom Hochgericht Nachts 9 ühr abgespielt habe. Er selbst 
habe jedoch nicht gegraben nnd sich überhaupt nicht mehr mit 
der Sache abgegeben, während Wilhelm Gysi im ganzen Land 
berum nach dergleichen Dingen geforscht habe. 
Eine Haussuchung bleibt resultatlos. 

11. 
Verhör von Heinr. Fiechter durch die Siebener. 
Verlesen 19. April 1727. 
Heinrich Füchter, Posamenter und Taglöhner, von Liestal 
{36 J.) sagt aus, er habe von einem Solothurner ein Zauber- 
büchlein gefordert, das dann Yon Mehreren abgeschrieben wor- 
den sei, als er aber gesehen habe, dass man trotz des Zaubers 
^nichts als Steine genug" finde, habe er's verbrannt. Er sei 
nicht der Rädelsführer, sondern ,,die Frau [Anna Saxer], so 
am Schellenwerck gehe, hab sie mit ihrem Glass verfuhrt und 
vorgeben, wenn sie darein sehe, könne sie über 4 stund weit 
entdecken, wo gelt verborgen lige^. 

12. 
Verhör von Heinr. Fiechter und W. Gysin durch die 

Siebener. 
Verlesen 23. April 1727. 

a) Heinr. Füchter, befragt, ob er nicht mit Kapuzinern 
wegen des Schatzgrabens sich in Beziehung gesetzt, antwortet, 
er habe dieselben zufällig getroffen und sie nicht ausgefragt. ' 
Er habe freilich vor anderthalb Jahren auf dem Calmen ein 
Loch gegraben, „weil es daselbst getönt ''. Segen habe er nie 
beim Graben ausgesprochen, obschou der Solothurner, von 
dem er das Buch habe, ihm anempfohlen habe „ein Büschelein 
Bauten zu sich zn nehmen und sich Gott zu befehlen^. 

b) Wilh. Gysin von Liestal beschuldigt Füchter als 
Anstifter der Schatzgräberei. Er habe auch mit Geistlichen 
von Dornach und Ariesheim und dem Nachrichter von 
Hüningen verkehrt. „Diese Geistliche haben daselbst [auf 
dem Feld gegen Selbisperg] ein Craiss gemacht, daraufhin 
haben sie gegraben; was aber der Nachrichter darbey zu thun 



20 Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 

gehabt, wisse er nicht, und seye auch in sein (!), Füchters, Haus 
ein Bub von Wyl mit einem Glass gewesen, darein sie gelugt.*" 
Gegen 10 Personen habe F. so verführt. 

Bei der Eonfrontation gesteht F. ein, dass der Nachrichter 
zu ihm ins Haus gekommen sei und dort den Berner bei ihm 
getroffen habe, worauf sie graben gegangen seien. Der Bube 
von Wyl habe auf dem Berg ein Glas hervorgezogen ^selbiges 
voll Wasser gefüllt, welches Wasser er in einem Häffelin mit 
sich genommen, darnach darein geschaut und gesagt, es hab 
etwas daherumb^. Weiter befragt, ^was sie für Ceremonien 
gebraucht, und ob er einige Wort gesprochen", antwortet er: 
„Sie haben nichts gehört, seyn beyseits gangen*'. Fr.: „umb 
welche Zeit das gewesen", Antw.: „auf den Abend bey bettzeit 
herumb, seye schon Nacht gewesen". Fr.: ,,wie er dan hab 
sehn können, was der Bub mit dem Qlass gemacht", Antw.: 
„der Nachrichter hab ein Liecht bey sich gehabt, welches er 
under das Glass gehalten, und hab der Bub von oben herab in 
das Glas gelugt und gleich gesagt, da seye etwas zu finden". 
Fr.: „wer als graben", Antw.: „der Nachrichter, der Georg 
Marx und Er, Verhafte; weilen er aber in werendem Graben ge- 
redt, hab er darvon müssen". Fr.: „Ob Sie nicht begehrt, auch 
in das Glass zu sehn." Antw.: „Ja, aber der Bub hab sie nicht 
wollen lassen, mit dem Vorgeben, es müss einer ein Fronfasten 
Kind seyn. Er hab aber vorher in der Truckerin glass ge- 
schaut, aber nichts darin sehen können.^ Fr.: „So seye er ge- 
ständig, dass er der Urheber und Angeber dieses Schatzgrabens 
seye, wer ihme aber darzu anleitung geben ?^ Antw.: „Es seye 
ein c. V. Stier der ursächer daran gewesen, dann sein Bruder hab 
diesen Stier auf dem Berg bei Selbisperg durchgeführt; er 
hab aber nicht können darüber bracht werden und hab es auch 
daselbst gedönt, welches dann auch der Anfang des Schatz- 
grabens und ihres Unglücks gewesen." 

13. 

Verhör von Erzberger, Senn, Schweizer, Hertner, 

Schmidt, Martin durch die Siebener. 

Verlesen 23. April 1727. 

a) Christoph Ertzberger (40 J.) von Liestal sagt aus, 

dass er mit verschiedenen Andern, worunter auch Gysin und 

Füchter, an der Burghalden gegraben habe. Von Zere- 



Schatzgräberei in der UmgebuDg Basels (1726 und 1727). 21 

monien hätte er nichts beobachtet, weil er und Andere anfangs 
eine halbe Stunde lang sich abseits gehalten hätten. 

b) Durs Senn, Müller (37 J.), wohnhaft in Liestal. Aus- 
sage ohne neue Gesichtspunkte. 

c) Heinrich Schweitzer, Posamenter (50 J.) von Zifen. 
Ebenso. 

d) Basche Hertner (51 J.) von Zifen. Ebenso. 

e) Christen Schmidt, Beck und Posamenter (27 J.) von 
Zifen. Ebenso. 

f) Heinr. Martin, Metzger (33 J.) von Äugst sagt aus, 
dass Füchter „ein Hasslene Ruthen gehabt, die er so gegen 
einem Loch gehalten, so ausgesehen wie ein Rübloch, und hab 
sie dargegen geschlagen, worauf er gleich gesagt, da seje etwas 
zu finden". — „Ob sie nicht etwas abgelesen?^ — nl^ör 
Füchter hab aus einem kleinen Zedulein oder aus ein paar 
blättern etwas abgelesen, es habe ihne gedunckt, es seye so ein 

Catholisch Affairen gewesen.* — „Ob er nicht gesagt, 

was das Ablesen z]^ bedeuten habe?" — „Ja, es seye, dass 

die Böse Geister keine macht mehr haben sollen. '^ — ,0b 

sie nicht auch ein Glass darzu gebraucht?^ — n^^ii^? &ber zu 
Äugst haben sie eins gebraucht." — »Wer dann dies Glass 
gehabt?" — „Die Truckerin, und habe sie zu Äugst ein solch 
Glass gehabt, darinnen Wasser gewesen, dardurch sie geschaut 
und gesagt, wan sie noch ein Blatten hinweg haben, finden sie 
deo Schatz." — Ob er nichts von einem Büchlein wisse, „so 
ihme der Füchter abzuschreiben gebracht?" Auf die bejahende 
Antwort: „Was darin gestanden?" — „Allerhand Catholische 
Phantasien Ton Heiligen Abgestorbenen und dergleichen." 

14. 
Beschluss des Rats vom 23. April 1727. 
„Sollen Fiechter und Martin Ton Äugst auch an das 
schellenwerk geschlagen, vom nächsten Sonntag über acht dag 
80 dan Gysin, Fiechter, Abbt und Martin zu Liechstal ofent- 
lichen vorgestellet und darauf zu tragung des lastersteckens ^) bis 
auf begnadigung angehalten, übrige vor den Bahn gewiesen 

*) Der LastersteckeD gehörte in die Kategorie der Ehrenstrafen. 
Er bestand in einem weissen Stab, auf dem Baselstäbe eingebrannt waren, 
und den der Delinquent während einer bestimmten Zeit immer mit sich zu 
führen hatte, wenn er ausgieng. Vgl. Rechtsquellen II, 248. 



22 Schatzgräberei in der Umgebung Basels (1726 und 1727). 

ottd dass sie bei der TorBtellaog in der Kirchen seyen, ihnea 
anbefohlen werden. Wegen dem Schaffner aber und der 
Druckerin solle Herr Pfarrer zu St. Leonhard ihrer Religion 
und des erstem Burgerrecht halben sich informieren und, ob mit 
denen die Vorstellung vorgenommen werden könne, berichten.^ 
(Rats-Protokoll.) 

15. 
Beschluss des Rats vom 26. April 1727. 
^Sollen Jacob Schaffner sammt seiner Mutter, Anna 
Saxerin und ihr eheman Moritz Hacker mit aufgehobenen 
Stäben*) zur Stadt hinausgeführet und bej straf der ruhten von 
Stadt und Land, verwiesen werden; weilen aber des Schafners 
Mutter als ein Eäuflerin viel Sachen hinder sich hat, als sollen, 
wie auch was die Druckerin zu verarbeiten empfangen, inven- 
tieret, denen proprietariis ohne entgelt zugestellet und zu dem 
end die alte Schafnerin in dem Zuchthaus auf acht dag inbe- 
halten werden.^ (Rats-Protokoll.) 

16. 
Schein des Leutpriesters Joh. Heinr. Brucker. 
Dat. Liestal, 28. Febr. 1728, 
worin er sich für Heinr. Piechter, „welcher den 4**" May des 
verwichenen 1727'**'" Jahrs öffentlich vorgestellt worden", ver- 
wendet, dass ihm die Ehrenstrafe des Lastersteckens von nun 
an möge erlassen bleiben. 

17. 

Schreiben des Schultheissen vonLiestal, Michel Strübin, 
an Bürgermeister und Rat von Basel. 
Dat. Liestal, 25. Febr. 1728, 
worin er sich ebenfalls für Heinr. Fiechter verwendet. 

18. 
Beschluss des Rats vom 28. Mai 1727. 
,, Schreiben von Varnspurg bittet für Heinr. Martin von 
Äugst, dass ihme der Lasterstecken möchte abgenommen werden. 
Erkannt: Ist dieser M. zur Geduld gewiesen, und solle er noch 
andere, die um Begnadigung anhalten, ohne Schein ihres Wohl- 
verhaltens von ihren Hrn. Predigern nicht mehr angehöret werden." 
(Recutsqukllen II, 248.) 

») Eine symbolische Strafe. Vgl. Grihm, Rechtsaltertümer * II, 309. 



23 



Spigolature di Folklore ticinese. 

Raccolte per Yittore Pellandini (Arbedo-Taverne). 
I. Ninne-nanne. 



nanAa popöo, 
YegnerA la mama, 
La porterä '1 coc6o. 

naniD, popin da cüna, 
Vegnerä '1 pap4 
AI porterä la lüna. 

(Noranco) 

girum^ta da la muntagna, 
Vurl vegnl al piao? 
Si, si, che veneria, 
Me Vi: trop de luntan. 

(Noranco) 



Fa la nanna pargolefto, 
YerrX la mamma, 
Ti porterä un novo. 

Fa la nanna, bambin da cuna^ 
Verrä '1 papä 
Ti porterä la luna. 

girometta della montagna, 
Volete venire al piano? 
Si, si, ch'io verrei, 
Ma h troppo di lontano. 



II. Cantifene e filastrocche. 



Oh, oh, ul cttrat da Gambaröo 
AI v6 miga i can in gesa, 
Parch^ i pissa sQ pal mür, 
I spaciügan i pitür, 
I fira e i fara 
E i tuson e i tusann i impara. 

(Noranco) 

Tik e tok, cavalot, 
Quel ch'e sü Te ') mfe gagiot, 
Qnel ch'd giö V^ senza sella, 
Trota via pulincinella. 

(Noranco) 

Bei pom d'or da la riveranza, 
Con un giovin anderem in Franza. 
di & ml, o di fa ti, 
Bei iK>m d'or da la val, 
Dent ti. 

(Noranco) 

Chirieleisonn, 
Tiregh gi6 la pell ai donn; 
E qnela di oman laspela stä, 
Che Vv bona da cunficiä. 

(Noranco) 



Oh, oh, il curato di GambarOo 
Non vuole cani in chiesa, 
Perch^ pisciano sui muri, 
Ed insudiciano le pitture, 
Si moötraro nel loro connubio 
E gli adolescenti imparan, senza 

[dubbio. 

Trotta trotta, cavallotto, 
Quel ch'i'' 8U ^ il mio amoroso, 
Quel ch'e giü 6 senza sella, 
Trotta via pulincinella. 

Bei pomo d'oro della riverenza, 
Con un giovin andreino in Francia. 
Lo faccio io, o lu fai tu? 
Bei pomo d'oro dolla valle, 
Va (lentro tu. 

Chirieleisonne, 
Levate la pelle alle dünne; 
Ma quella degli uomini non la toccare, 
Ch'e buona da conciare. 



24 



Spigolature di Folklore ticinese. 



Lünedi Vh *\ di di spus, 
Martedi V^ di murus, 
Mercoldi di poch da bon, 
Giovedi Yh di strioo, 
Venerdi di disperad, 
Sabat di inDemurad, • 
£ dumeniga di passionad. 

(Taverne) 

cara mamagranda, 
Cumprem un s'ciopetin, 
Che possa andar in Fi*ancia 
A matzä quel' üseUn. 

Quer üselin che canta, 

Che caota nodd e d\, 

cara mamagranda 

Vöi propri matzal mi. 

(Taverne) 

Lümaga, lümaga, 
SciOscia che la caga, 
Scittsciala ben 
Che vegnerA föra el pien. 

(Noranco) 

Gri, gri, vegn arent, 
Ga vegD el tö pä con na sqv^Ia da 
[fomient 
(Noranco) 

Togn, Togn, pelarogn, 
Pelarogn, pelafigh, 
Capitani di fdrmigh, 
Capitani da la gu^ra, 
Mangia pan e dorm in t6ra. 



Magnan da töla, 
Ca tira, ca möla, 
Ca pissa, ca caga, 
Ca mangia paräda. 



(Taverne) 



(Noranco) 



El puliröö 1 tö 8Ü M so gerlu, 
El va, el va a cercaa i öf; 
Si Vä incontrato di una sposina 
I öf, i öf, i öf ga jö anca mi. 

El puliröö el met giö '1 so gerlu, 
E '1 comincia a pizzigaa, a pizzigaa, 
E la Hposina per sua difesa 
In sur na scesa al Vä casciaa. 



Lunedi e il di degli sposi, 
Martedi ^ degli amorosi, 
Mercoledi fe dei birboni, 
Giovedi 6 degli stregoni, 
Venerdi 6 dei disperati, 
Sabato ^ degli innamorati, 
E domenica ^ degli appassionati. 

mia cara nonna, 
Compratemi uno schioppettino, 
Clie possa andar in Francia 
Ad amraazzar queiruccellino. 

Queiruccellin che canta, 
Che canta notte e di, 
mia cara nonna 
Lo voglio ammazzar, si, si. 

Lumaca, lumaca, 
Succhia, che fa la cacca, 
Succhia ben bene, 
Me uscird il miele. 

Grillo, grillo, t'appressa un momento, 
Vien tuo padre con una scodella 

[di frumento. 

Tonio, Tonio, pelaronio, 
Pelaronio, pelafichi, 
Capitano delle formiche, 
Capitano della guerra, 
Mangia pane e dormi per terra. 

Ramajo di latta, 
Che tira, che allenta. 
Che piscia, che caca, 
Che mangia ^arada* (grosso tortello). 

II pollivendolo si mette la sua gerla, 
E va e va in cerca di uova; 
Ha incontrato una sposina: 
Le uova, le uova, le uoya le ho anch'io. 

II pollivendolo depone la sua gerla 
Edincominciaadarpizziconi,pizziconi; 
E la sposina per sua difesa 
Lo manda contro une siepe, a rotoloni. 



Spigolature di Folklore ticinese. 



25 



El puliröö U tö 8Ü 1 80 geriu, 
E '1 va, e '1 va tut sanguinaa; 
La sposina si mise a ridere 
TMmpareret a pizzigäa, a pizzigäa. 
(Noranco) 

Si r^ M murale da la bianca farina, 

Cui Ö66 el guarda, cui man el sgrafigna ; 

Olli '666 el guarda, el rimira la geot, 

E Olli man el sgrafigna, el sgratigna 

[M furment. 

(Noranco) 

Per far indovinare in qua 
an dato 



II pollivendolo si mette la sua gerla 
E se ne va tutto sanguinante; 
La sposina si mise a ridere : 
Cosi iroparerai a pizzicare, a pizzicar. 

Quesf e il mugnajo dalla bianca farina 
Cogli occhi guarda, colle mani rapina ; 
Cogli ochci guarda, rimira la gente, 
Colle mani ruba, ruba il frumento. 



Pin, pin, cavalin, 
Trfe stera dal murin, 
Pan cald, 
Pan fresch, 
Tegn ti (^uest 
E dam a mi quest. 



le delle dne mani si trovi 
oggetto. 

Pin, pino, cavallino, 
Tre staja del mio mulino, 
Pane caldo, 
Pane fresco, 
Tien tu questo, 
(Noranco) E da a me questo. 

III. Gluochi infantili. 



Fare al bei galante. 
I ginocatori formano un circolo. Uno entra nel mezzo ed 
allora quelli del circolo ballano intorno intorno tenendosi per le 
mani e canterellando : 



Bei galante entrato in ballo, 
Innamorato senza fallo, 
Gh*fe qualcuno che vi piace? 
Degh la man, tirel im pas. 



Bei galante d entrato in ballo, 
Innamorato, senza fallo, 
C'6 qualcuno che vi piace? 
Dategli la mano, prendetelo in pace. 



Quelle nel mezzo del circolo si sceglie allora un ballerino 
una ballerina, a piaeimento, poi, quelli ballando nel mezzo e 
gli altri in giro, canterellano in coro : 



Eceola qui che IV) trovata, 
Granda e grossa e ben levata, 
Kccola qui che la bala ben, 
Che la someja un mUgg da fen. 
Degh un gir, intorno, intorno, 
iMgan un altro, amöra, am6ra. 
M6ra, m6ra, lass^la andä, 
M6ra, m6ra, lass^la scapa. 

(Taverne) 



Eceola qui che Tho trovata, 
Grande e grossa e ben allevata, 
Eceola qui che balla bene, 
Che somiglia un mucchio di fieno, 
Date un giro, intorno, intorno, 
Datene un altro, aniore, amore. 
Amor, jimor, lasciatela andare, 
Amor, amor lasciat<'la scappare. 



La Madonna degli angioli. 
Le giuocatrici, meno una che si tiene in disparte, si dis- 
poogono in circolo. Una di esse entra nel mezzo del circolo 



26 Spigolature di Folklore ticinese. 

e fange da Madonna. Le altre, che rappresentano angioli, \& 
si gettano ginocchioni per terra, coUe mani ginnte, in atto di 
adorazione. 

Qaella in disparte si avanza allora, e fra lei e la Madonna 
ha Inogo il segnente dialogo : 

— MadoDna degli angioli, 
Quante figlie voi avete? 

— lo ne ho tante tante 
Da sposare cavalier. 

— Datemene una a me. 

— ISceglietela pur fuori. 

Qaella in disparte fa allora il giro del circolo canterellando : 

Sceglierö il cavallo bianco 
Che mi mena al camposaoto; 
Sceglierö il cavallo nero 
Che mi mena al cimitero; 
Sceglierö il cavallo grigio 
Clie mi mena al paradigio. 

Sceglie dal circolo qnell'angiolo che meglio le aggrada, 
lo prende per mano e se lo condace via. II giuoco h finito. 

(Bedano) 

IV. Nomignoli di paesi ticinesi. 

Quii da Carona i gä la rogna, 
Quü da Ciöna j^ pus a 'n sass, 
Quii da Carabia i ga la rabia, 
Quii da Pasciall jh sassarej, 
Quii da Marchin j^ i püssöe bei, 
Quii da Calprin je i Hö da zücch 
E quii da Funtana je i püss^e brütt. 
A Lamon 1'^ pus a'n sass, 
A sta ben dumä quii che nass, 
Se ga yegn quaidün da furest^e 
I yegn negri cumee giüdee. 

Agn (Agno): purscej (porci), Airöö (Airolo): corbatt (corvi), 
Arbed (Arbedo): asan (asini), Rus (Arosio): matt (matti), Artar 
(Artore) : balabiot (poverelli), Ascona (Ascona) : gatt (gatti), 
Baierna (Baierna): sgüra-medai (bigotti), Bedan (Bedano): goss 
(gozzuti), Belinzona (ßellinzona): ciöd (chiodi), Biasca (Biasca): 
goss (gozzuti), Biögg (Bioggio): sciuri (signori), Bironich (Biro- 
nico): scimas (cimici) , Bosch da Lügan (Bosco Lüganese): 



Spigolature di Folklore ticinese. 2T 

ureei (uecellt), Brion s. Minus (Brion s. Minusio) : müi (muli),. 
Cany^e (Cademario): asan (asini), Cadempin (Cadempino).: tavan 
(t^fani), Camignöö (Camiguolo): ho66 (becchi), Carass (Cara88o)r 
sajötri (locuste), Carass (Carasso): busard (bugiardi), Caslan 
(Caslano): goss (gozzati), Castagnöla (Castagnola) : ratt (ratti)^ 
Castel 8. Pedru (Castel S. Pietro): c&uri (capre), Cagion (Gas- 
tione): sciatt (rospi), Cavian (Caviano): can (cani), Ciass (Chiasso): 
oebiatt (nebbiosi), Clar (Claro): äsan (asini), Coldr6 (Coldrerio): 
raun (rane), C61a (Colla): magnao (calderai), Conton (Contone)^ 
maja scendra (mangia cenere), Cur^ja (Cureglia): sbefard (beffeg- 
giatori), Cüri (Curie): lüf (lupi), Dar (Daro): müi (muli), Dar 
(Daro): sbroja botax (scottapancia), Oentilin (Gentilino): balarin 
(ballerini), 66ra (Gerra Gambarogno): dsan (asini), Giübiasch 
(Giubiasco): goss (gozznti), Giübiasch (Giubiasco): gambalanga 
(gambalunga), Gnosca (Gnosca): goss (gozznti), Gürdün (Gor- 
duno): magnan (calderai), Grancia (Grancia): i re magi (re magi)^. 
Grayesan (Gravesano): maghitt (piccoli maghi), Ison (Isone): 
locon (scapigliati), Lamon (Lainone): bordoii (rape), Lamon (La- 
mone): sfam^e (afFamati), Locarn (Locarno): can (cani), Loson. 
(Losone): goss (gozzati), Lügan (Lugano): sbroja botax (scotta- 
pancia), Lümin (Lumino): masar6e (macerati), Majas (Magliaso) : 
badöla (badolla), Mann (Manno): farinöj (farinelli), Medeja vMe- 
deglia;: lapägg (chiaccberoni), Mendris (Mendrisio): dormioni 
(dormiglioni)^ Mezzvicb (Mezzoyico): ci6ra (ciora', Minusio (Mi- 
nusio): asan (asini), Morbi da sott (Morbio Inf.): ranatt (piglia- 
rane), Morbi da sura (Morbio Sup.): goss (gozzuti), Morcö (Mor-^ 
cote): pnrscej (porci), Müralt (Muralto): sböta piss (syentra pesci), 
Negg (Neggio): picit (forasiepe), Noranch (Noranco): rann (rane\ 
Noyazzan (Noyazzano): scarpa can (squarta cani), Urfi (Origlio): 
capin (attaccabrighe), Urselina (Orselina): bareton (berrettoni), 
Piazzögna (Piazzogna): majök (mangioni), Punt da Tresa (Ponte 
Tresa): müj (muli), Punt (Ponte Capriasca): fiü da zücch (fiori 
di zucche), Püra (Pura): berin (montoni), Ravecia (Ravecchia): 
brüsa cayaj (brucia cayalli), Riyera (Riyera): barleta (bariletti), 
Robasacch (Robasacco) : orök '(allocchi), S. Nazzaro (8. Nazzaro) : 
tarnega (bietoloni), 8ara (8ala Capriasca): müj (muli), 8alorin 
(8alorino): gatt (gatti>, 8. Antiinin (8. Antonino): matt (pazzi), 
Sigirin (8igirino): asan (asini), 8oldün (Solduno): ribelli (ribelli), 
Tores^la (Torriceila): cduri (capre), Tavern (Taverne): becch 
(becchi), Yescia (Vezia): buascftt (vaccari), Vira (Vira): salam 



HS 



Spigolatare di Folklore ticinese. 



{salami), Yira da Gambarögn (Yira Gambarogno) : spelfeca piööd 
•(Bcortica pidocchi). 

V. Proverbi. 



1. Chi che tö föra i pagD prima 

[da San Vitur 
I turnerä a m^ti-BÜ cun gran 

[dulur. 

^. März r^ fiöö d'una baltröca, 
In sur na muntagna el piöf, 

In SU Faltra el fi6ca. 
S. L*invemu 1 ä mai mangiad ul lüf. 



1. Chi 8i alleggerisce di vesti prima 

[di San Vittore 
Tomerä a mettersele con gran 
[dolore. 

2. Marzo e figlio d'una baldracca, 
Sopra una montagna cade la 

[pioggia, 
Su di un altra la neve a braccia. 



3. L'invemo non fii mai mangiato 
[dal lupo. 
(L'estate invemale non sarü di lunga durata, verranno le cattive giomate.) 



4. A mangiäa sa teta, 

A pagaa sa crepa. 

ö. Vin e laöö, fa bon quaöe. 

•6. Agost, setembru et otobar j'6 

[trii mes da Tann 
Che nu s' conoss n^ spus n^. 

[tusann. 



4. Chi per contentar la gola compra 

[a credito 
Sudar poi deve per pagar il debito. 

5. Vino e latte non furon mai nemici. 

6. Agosto, settembre et ottobre son 

[tre mesi delPanno 
In cui non sai distinguere le 

[ragazze dalle maritate. 



vPer le scorpacciate che le ragazze fan d'ogni sorta di frutta.) 



7. La dona giuvina e Tom ve6ö 
J'mpieniss la cii e '1 teöö. 

8. San Bartulame, 

Frec^ö innanz e fegn indrö. 

9. Chi che mazza i püras marziröö 
I mazza la mam e M fiöö. 

10. Qiiela Bpusa che piang miga 

[quand la va a mari 
La piangera pö dopu tüöc^ i di. 

ll.I paroll j'^ cum6 i sciüres, 
Dre vüna gan vegn drt* des. 

12. La caura la 8ta miga bogn 
Fin che nu magra la xogn. 



7. Giovane moglie e vecchio marito 
T'empion la casa ed ogni sito. 

8. A San Bartolomeo non cresce 

[piu il fieno. 

9. Chi uccide le pulci in mai'zo 
üccide colla madre anche i figli. 

10. Quella spo»a che non piange il 
[d) di nozze 
Piangera poi depo giomo e notte. 

ll.Le parole son come le ciliegie, 
Da una ne vengon dieci. 

.12. La capra non e contenta 
Fin che magra non diventa. 



(Chi 8i lamenta neH'abbondanza, s'accorgerd poi nella miseria d'essersi 
lamentato ingiustamente.) 



Balthasar Han's und Hans Heinrich Grob's 
yySchUtzenausreden^^ 

Von Dr. A. Scheer. 

Da J. Baechtold in seiner Geschichte der deutschen Litte - 
ratur in der Schweiz S. 417/8 und Anmkg. 132, wo er von 
Orob's Schützenaasreden spricht, zwar an Hand von Qrobs 
eigenem Bekenntnisse in der Vorrede zu seinem Gedichte darauf 
hinweist, dass es kein Originalwerk darstelle, aber doch noch 
keine Mitteilungen über Grobes Vorlage gemacht hat, erlaube 
ich mir an dieser Stelle auf die unterdessen aufgeklärte Frage 
zurückzukommen. Bei Gelegenheit meiner fortgesetzten Studien 
über Fechtbücher, Spielleutewesen, Schützenfestlicbkeiten und 
Pritschmeistertum fiel mir im Sommer 1901 in der Bibliothek des 
Britischen Museums in London eine Schrift des Heidelberger 
Fechtmeister's Karl VtTassmannsdorff in die Hände, welche 
sich mit diesem Gegenstande befasst und den wie mir scheint 
unwiderlegbaren und einleuchtenden Nachweis geleistet hat, 
welches andere Werk die direkt benützte Vorlage der Grob'schen 
Schützenausredeu sei. Es sei mir gestattet^ da die erwähnte 
Schrift wohl nicht überall zugänglich und jedenfalls nicht all- 
gemein bekannt sein dürfte, hier kurz über ihre Ergebnisse zu 
berichten. 

Balthasar Han^s Ausreden der Armbrust- und 
Büchsenschützen. Aus einer Handschrift des 16. Jahrhunderts, 
herausgegeben von Dr. K. Wassmaxnsdorff, Heidelberg (K. Groos) 
1887. XXXIV u. 27 S. 8^ (N« 11528. k. 20. [4.] der British- 
Museum-Library) giebt nebst einer einleitenden litterarhistorischen 
Untersuchung und textvergleichenden Anmerkungen das in einer 
Wolfenbütteler Handschrift, die speziell Beschreibungen Augs- 
burgischer Schützenfeste enthält, unter dem Jahre 1568 einge- 
tragene, ungedruckte Reimwerk Balthasar Han's im Abdrucke 
wieder. Das Gedicht, von Blatt 224 a bis 235 a der Handsißhrift 
reichend, umfasst dort 548 Verszeilen; nach Vers 294 ist indessen 
eine Zeile ausgefallen, wie sich aus dem fehlenden Reim er. 
giebt, die sich aber mit Leichtigkeit nach der späteren Bear- 
beitung dieses Werkes durch H. H. Grob von Zürich ergänzen. 



•30 Balthasar Han's und Hans Heinrich Grob's „Schützenausreden". 

Iä88t. Der yollstäDclige Titel des Han^schen Spruches lautet: 
„AuBzred aller Schützen, | was sie pflegen zu reden, wann 
sie nit vill { treffen, wie sichs zutragen mag. Es sej mit | arm- 
brost, B&chsen, Hanndtbogen ^) etc. | Mit allerlaj vrsachen, vnnd | 
Auszrede, ganntz nutzbar- { lieh vnd kurtzweillig { zu lesen, Ge- 
stelt I durch Balthasar { Han. Burger | zu Franck- | fürt/ Dar- 
unter steht „P. H. M. R. | 1568.**, das heisst „Paul Hector Mair 
Ratsdiener ^ von Augsburg, der die Sammlung der Denkwürdig- 
keiten angelegt und wohl auch selbst geschrieben hat. 1568 ist 
demnach das Datum der Eintragung, vielleicht auch der Abfassungs- 
zeit des Gedichtes. Wassmannsdorff weist sodann durch Yer« 
^leichung des Han'schen Gedichtes mit den Sohützenausreden 
des Zürichers Hans Heinrich Grob vom Jahre 1602 („getruckt zu 
Zürych | bey Rudolff Weissenbach 1603.**) nach dem Abdrucke der- 
selben in der Zeitschrift für deutsches Altertum Bd. HI, Jg. 1843, 
S. 239 — 266 nach, dass das Grob'sche Büchlein nichts anderes als 
eine etwas veränderte und teilweise erweiternde Ueberarbeitung des 
Han'schen Werkes ist. Dieser Nachweis wird so sorgfaltig geführt 
und giebt so bis ins Kleinste gehende Ergebnisse einer Abhängigkeit 
und Nachahmung des späteren Gedichtes gegenüber dem früheren, 
däss an einer beabsichtigten Bearbeitung Han*s durch Grob bei 
einer solchen Fülle von einzelnen Uebereinstimmungen, wie mir 
scheint, nicht mehr gezweifelt werden kann. 

Yon den bis ins Detail ausgeführten Yergleichungen gebe 
ich hier nur einige Hauptpunkte wieder, die besonders be- 
merkenswert sind. Schon die beiden Titel von Grob's Gedicht 
zeigen eine merkbare Anlehnung an seinen Vorgänger Han. 
GroVs eigentlicher Titel lautet — die anklingenden Worte in ge- 
sperrter Schrift hervorgehoben — folgendermassen : „Auszreden 
vn fürwort | der loblichen Büchsenschützen, Darin- | nen aller- 
hand vrsachen, vnd zufallende gelegenhei | ten, so im schiessen 
fürfallen. Auch in was gestalten { sich die zutragen mögen, er- 
zelt vnd beschriben | werden. Gantz kurtzwylig, vnd den 
Schützen | sonderlich nutzlich zu läsen. | Gestell;. | Zu Ehren 
vnd wollgefallen der loblichen Geselschafft der Buch- { senschützen, 
der vralten Statt vnd Landschafft Zürych**. Die zweite, unmittel- 
bar vor Beginn der Verse stehende Ueberschrift, eine Art Titel- 

'} Der Zusatz „Hanndtbogen" ist insofern unrichtig, als der Verfasser 
in seinem Gedichte ausschliesslich die Ausreden der Armbrust- und Büchsen- 
8chfltzen behandelt hat. — 



Balthasar Han's nnd Hans Heinrich Grob's „SchfitzenausredAn". 31 

Wiederholung, hat bei Grob folgenden Wortlaut: ^AuBzreden 
▼nd Fürwort der Loblichen | Gesellschafft der Büchsenschützen, 
wenn | sie nit vil Träffen, wie sich das | zutragen mag. | 
Auff allerhand vrsachen, so im Schiessen fürfal- 1 len mögen, 
gestelt. Ganz nutzlich vnd kurtz- 1 wejlig zu läsen, etc. 
Gedicht durch ein liebhaber { dess hochberümpten Büchsen- 
schies- I sens, in Zürych." Wenn ferner Han's Werk mit dem 
Verse „Eins mals Ich mich auffmachen thett^ beginnt und Grobes 
Gedicht anfangt: „Ich thet mich auff ein zejt auffmachen, | 
zu bschauwen allerhand weit vrsachen {.../, und es in dieser Art 
Abhängigkeit fast Zeile für Zeile weitergeht, so wird man sich 
mit Wassmannsdorff bald überzeugt haben, wie stark Grob die 
Han'sche Vorlage benützt hat. Eine weitere Uebereinstimmung 
findet sich in der Einleitung der beiden Gedichte, indem Han 
sich als Besucher des von Herzog Christoph von Württemberg 
1560 in Stuttgart abgehaltenen Schiessens hinstellt und Vers 13/4 
dazu bemerkt: „Wiewol Ich doch kain Schütz nit bin, | Noch 
hab Ich dennocht ein lust dahin*^; während Grob sich als „ein 
liebhaber dess hochberümpten Büchsenschiessens in Zürych^, 
womit das Züricher Freischiessen vom Jahre 1504 gemeint ist, 
ausgiebt und damit seine Schilderung um 100 Jahre zurück- 
• datiert. Grob führt im Ganzen 142 Ausreden an, aber nur 
solche Yon Büchsenschützen, da er (Blatt 5a) selbst eingesteht: 
„Auff*s armbrost ich mich nit verstund^. Da er bei Han auch 
Ausreden der Armbrustschützen vorfand, gestaltete er diese 
Stellen so um, dass sie für die Büchsenschützen gelten können. 
Ausserdem finden sich auch Han^s Angaben über die Geschichte 
des Schützenwesens in Grobes Gedicht wiedergegeben, doch 
können diese auch noch aus anderen Vorlagen übernommen 
worden sein, da sie z. B. nachweislich in den von Wolff Most 
über das Amberger Schiessen vom Jahre 1596 verfassten Reim- 
spruch teilweise übergegangen sind und wohl auch schon in 
früheren, vor 1560 entstandenen Sprüchen dieser Art in gleicher 
oder ähnUcher Fassung erscheinen. Der einzige, wirklich origi- 
nale Teil in dem Grob*schen Werke sind daher nur die kurzen 
Schlussstellen, im Ganzen 30 Verse, worin er seine Ermahn- 
ungen zunächst an „die schützen der Eidgnoschafft*^ und so- 
dann an seine engeren Landsleute — „Ir Zürychschützen thund 
euch fleissen" | . . . . — richtet, sie möchten sich der edlen 
Schiesskunst „dem vatterland zu gut^ recht wacker annehmen. 



32 Balthasar Han's und Hans Heinrich Grob's „Schützenausreden **. 

üebrigens muss doch noch hervorgehoben werden, dass Grob 
selbst seine Scbützenausreden nicht etwa als ein Originaiwerk 
auszugeben yersucht, sondern in der am 26. Dezember 1602 an 
den Zürcher Zengherrn Junker Escher gerichteten Widmung seinea 
Büchleins, freilich ohne Nennung bestimmter Namen, was aber 
zu jener Zeit nicht Wunder nehmen darf, ganz offen die Be- 
nützung Ton verschiedenen Vorbildern zugesteht. Es heisst dort 
über die Entstehung seiner Schrift: „Nach dem ich disz gedieht, 
vor etwas zeyts, ausz etliche alten vnd neüwen, getruckten 
ynnd geschriebnen brieffen, vnd zädlen, zusamen ge- 
tragen gemehret vnnd gebesret, vnnd auff das schieszen^ 

weiiches Anno Domini 1504 ( ) alhie zu Zürich gehalten, 

gestelt hab^, ; und es ist eine immerhin merkwürdige und 

auffallige Uebereinstimmung, wenn von Hau sein Reimspruch 
mit dem gleichen Ausdrucke „Brief* (vgl. Hau, Vers 523/4: 
„wellicher dann kain vrsach find, | Der gugk in disen ,briefr 
geschwindt, | . . . .**) bezeichnet wird, den Grob für seine Vor- 
lagen verwendet hat, während er zwar an derselben, Han nach- 
gebildeten Stelle sagt: „Vnd welcher schütz ein (lies: kein) 
mangel findt, | der schaw in disz gedieht geschwind: |.^ 

Es ist hier der Ort, diejenigen Werke über den gleichen 
Gegenstand, welche Grob vor Abfassung seines Gedichtes wohl 
teilweise kennen gelernt hat, namhaft zu machen, soweit uns 
solche bekannt geworden sind. Es handelt sich um gedruckte 
oder nur handschriftlich aufgezeichnete, um solche, die zeitlich 
vor oder nach Han's Gedicht entstanden sind. Von diesen Reim- 
sprüchen anderer Verfasser über Schiesswesen und Schützenfeste 
kommen natürlich in erster Linie diejenigen von Grob's Lands- 
leuten hier in Betracht und erst an ^weiter Stelle auch die 
Werke der ausländischen Festdichter. Zu den ersteren gehören 
die Beschreibung des Herrenschiessens zu Stuttgart durch 
Heinrich Gering aus Zürich von 1560 (Stadtbibl. Zürich, 
Simler'sche Sanimlung No. 98), sowie die verschiedenen Be- 
schreibungen des Pritschenmeisters Heinrich Wirri von Aarau 
von den Schiessen zu Lauingen, Schwaz und Passäu aus dem 
Jahre 1555, dem kaiserlichen Schiessen bei Wien vom Jahre 
1568. Zu der stattlichen Zahl der Werke ausländischer Fest- 
dichter gehören einmal die neun Reimsprüche, welche der 
Pritschenmeister Lienhart Flexel von Augsburg^), später unter 

2) Vgl. Uhlaxi», Schriften z. Gösch, d. Dichtung u. Sage V, 299. — 



Balthasar Hairs und Hans Heinrich Grob's „Schützenausreden**. 33 

Beihilfe seines Sohnes Valentin von den Schiessen zn Heidel- 
berg (1554), Passau (1555), Ulm (1556), Rottweil (1558), Stutt- 
gart (1560), Wien (1563), Innsbruck (1569), Worms (1575) und 
München (1577) verfasst hat. Dazu kommen weiter Balthasar 
John 's Beschreibung des Schiessens zu Dresden von 1582 (ge- 
druckt 1583), des Büchsenschifters ^) und Kupferstechers Peter 
Opel Prosa-Schilderung des Schiessens yon Begensburg vom 
Jahre 1586 (geschrieben 1587), und des Pritschenmeisters Caspar 
Lerff poetische Darstellung des gleichen Schiessens (gedruckt 
1587), sowie des aus Salzburg gebürtigen Pritschenmeisters 
Wolff Most Beimwerk über das Schiessen von Amberg vom 
Jahre 1596 (gedruckt 1596), das eine äusserst starke Abhängig- 
keit von der Beimerei seines Fachgenossen LerfF aufweist, end- 
lich M. Stephanus Schirmeister's gereimte Abhandlung über 
das Armbrnstschiessen unter dem Titel „Der Armbrustschützen 
Praktika^, gedruckt 1600 in Eilenburg, eiu recht interessantes 
Büchlein , das WassmannsdorfF neu herauszugeben gedachte^ 
wozu er leider nicht mehr gekommen ist. Das sind die jener 
Zeit vor der Abfassung der Orob'schen Schützenausreden an- 
gehörigen, mir bekannt gewordenen Schrift- oder Druckwerke, 
von welchen Grob selbst natürlich kaum alle, wohl aber yiel- 
leicht einen Teil gekannt haben dürfte.^) 

Wie weit sich diese Kenntnis Grobes aber erstreckte, kann 
für unsere Betrachtung insofern ziemlich gleichgültig sein, als 
wir bereits gesehen huben, dass er jedenfalls weitaus am stärk- 
sten Yon Han's „Ausreden aller Schützen "^ von 1560 (?) beein- 
flusst war, und dass sein ganzes Werk eine in fast sklavisch zu 
nennender Abhängigkeit davon vollzogene Bearbeitung oder besser 
eine nur wenig und recht dürftig erweiterte Nachahmung seiner 
Vorlage war. 

Damit wäre nun allerdings meine Hauptabsicht, nämlich 
den Hinweis auf die „restitutio in integrum^ des Prioritäts- 
rechtes Han's, als des fast noch unbekannten Yorgänger's von 

') d. i. ein Verfertiger von oft mit kunstreicher Arbeit eingelegten 
Bachsenschäften. — *) Seither habe ich bei Gödeke, Grundriss 2. Aufl. II, 
S. 325 ff., femer bei Bjesecke, J. Fischarts glllckhaftes Schiff, Halle'sche Neu- 
drucke No. 182, S. XIV— XXV, ausserdem in Germania Bd. VIII, 462 ff., 
Archiv für Litteraturgeschichte V, 137 ff., endlich im Jalirbuch für Münchener 
Geschichte I, 324 u. 423 weitere Zeugnisse zur Geschichte des PritÄchmeister- 
weseos gefunden, deren Verwertung ich mir für eine spätere Arbeit vor- 
behalten möchte. — 

3 



34 Balthasar Han^s und Hans Heinrich Grobes „Schatzenausreden''. 

Orob, zu geben, erreicht; dooh mag es mir noch gestattet sein, 
bei dieser Gelegenheit , ebenfaHs an Hand der Wassmanns- 
dorff 'sehen Schrift, auf einige andere interessante Punkte hin- 
zuweisen, die mit dem vorhergehenden Gegenstand in engster 
Berührung stehen. Wohl eines der ältesten Zeugnisse von 
Schützenausreden in der deutschen Litteratur findet sich in 
Sebastian Brant's 1494 zum ersten Mal gedruckten ,,Narren- 
schiff*, wo der Dichter über die „[Ab-]wehrworte* schlechter 
oder wie er sie nennt ^ böser '^ Schützen spottet. Dort findet sich 
(vgl. Zarncke's Ausgabe, Leipzig 1854, S. 73) im 75. Haupt- 
stück, „von bösen schützen^ überschrieben, die Stelle: 

^Keyn schütz so wol sich yemer rüst 
Er fynd allzyt, das jm gebrüst*) 
Dann diss, dann jhens, do mit er hett 
Eyn wörwort*), das syn glympflF') errett 
Wann er nit hett gefälet dran 
So hett er fiy die gob behan."^) 

Unmittelbar vorher ist von einigen der Mängel, die als Ausreden von 
den Schützen verwendet zu werden pflegen, gesprochen worden. 
Han's Ausreden scheinen auch bei anderen Dichtern seiner Zeit 
Spuren zurückgelassen zu haben. So ist vielleicht jene Stelle bei 
Johann Fischart in seinem „Gargantua^ (erste Ausgabe von 
1575), wo der Held der Geschichte von seinem Hofmeister in 
der Schiesskunst unterrichtet wird und von verschiedenen Män- 
geln, die sich in dieser ereignen können, die Rede ist, auf direk- 
ten oder indirekten Einfluss von Han zurückzuführen. Es heisst 
dort Kapitel 27 z. B. „. . . . Solche mängel verwirten zuzeiten 
vnsern jungen Schützen, die klagt er seim Hoimaister: der sagt 

jm hinwider solcher faulen ausreden müsig zustahn ^, 

oder im gleichen Kapitel die andere Stelle: „da waren kain 
Päler, eitel Treffer, es wer im rechten Berg oder [im] 

versüchrein ^, wozu die entsprechenden Zeilen bei Han 

(Yers 62 — 66): «der thet all sein schüss wol treffen | Im 
versuech reyen, wie er was gestelt; \ Im Rechten waz er gar 
gefeit: I Der versuech reyen hat mich betrogen, | Oder hat 
der Rechte Bergk gelogen |^ doch auffallend gut stimmen. 
Dass der Nürnberger Pritschenmeister Wol ff Most in seiner 
1596 von dem Amberger Schiessen verfassten Beschreibung bei 



*) mangelt, gebricht. — *) Abwehrwort, Ausrede. ~ ') guter Ruf, 
Ehre. — ^) die Gabe, den Preis erhalten. -— 



BalthABar Han's nnd Hans HeiDrich Grobes ^ Schützenausreden*'. 35 

«einer DarBtellnng der Oeschichte des SchützenweseiiB an die 
bei Han darüber vorgefundenen Angaben, aber viel freier als 
Orob es that nnd nur teilweise, sich angeschlossen hat, wie 
Wassmannsdorff durch Yergleichung der betreffenden Stellen 
nachwies, habe ich bereits kurz erwähnt. 

Es bleibt somit nur noch übrig, das Wenige, was uns von 
der Persönlichkeit Balthasar Han*s bekannt ist, hier noch 
beizufügen, obschon es leider sehr unsichere Angaben sind. In 
Flexel's Reimspruch über das Stuttgarter Schiessen von 1560 
steht unter den Namen der Schützen aus „Franckhfortt*^ auch ein 
„Balthasar flann*^, nnd ebenso wird von Flexel in seiner Be- 
schreibung des Wormser Schiessens vom Jahre 1575 sogar zwei- 
mal* ein „Balthasser Han von Frannckhfurt* unter der Zahl der 
Schützen genannt, so dass trotz der Versicherung unseres Dichters, 
er sei selbst kein Schütze gewesen, die Vermutung recht nahe 
liegt, dass wir es hier doch mit dem Verfasser der Schützen- 
4iQsreden zu thun haben, um so mehr da die Angaben auch 
jBeitlich sehr wohl zu einer solchen Annahme stimmen würden. 
Möglich ist immerhin, dass der hier erwähnte, als Schütze sich 
beteiligende Besucher der beiden Schiessen nur ein Verwandter 
unseres Dichters wäre, der diesem dann wohl allerlei Mitteilungen 
über das Schiesswesen nach seinen eigenen Erfahrungen darin 
beigesteuert haben würde. Jedenfalls ist zu beachten, dass sich 
unser Balthasar Han selbst auch als „Burger zu Franckfurf* in 
der Ueberschrift seines Reimbriefes bezeichnet hat. Dagegen 
mochte ich die Stelle seines Oedichtes (Vers: 521/2): 

„vnd lob die gut geselschafft baid,^) 
Inn Irem diennst bin Ich bereit." 

im Gegensatz zu Wassmannsdorff, eben weil die Pritschmeister 
in ihren Reimsprüchen sich öfters als „der Schützen Diener'' 
bezeichnen und weil sich dadurch vielleicht erklären lässt, warum 
Han behauptet, er habe nicht zu den Schützen gehört ~ als 
Pritschmeister brauchte er nicht selbst auch ein Schütze zu sein 
— eher dahin gedeutet wissen, dass Hau selbst ein Pritschen- 
meister gewesen ist und seineu Beruf gerade mit dieser Wendung 
angeben wollte, die man so oft in gleicher oder ähnlicher Form 

»j Bei Grob lautet die Stelle: ^Und lob die j?utten gsellschafft 
beid, I io jhrem dienst bin ich bereidt. |**, was eigentlich für ihn sinnlos {«t, 
da UDter den beiden Gesellschaften die Armbrust- und die BUehsen- 
schützen zu verstehen sind, Grob aber im Gegensätze zu Ilan in seinem 
Werke nur die Büchsenschützen berücksichtigt hat. 



36 Die hölzernen Milchrechnungen des Tavetschthals (GraubQnden). 

in den GedichtBchlüssen der übrigen Pritschmeister Yorfindet. 
Bei dem Nachdichter Grob darf man natürlich den gleichen 
SchluBs auf sein Handwerk ans dem Wiederkehren dieser Stelle 
in seinen Schützenausreden nicht ziehen, da es bei ihm reine 
Nachahmung seiner Yoriage und nichts weiteres bedeutet. Be- 
merkenswert scheint mir noch zu sein, dass Grob wohl im An- 
BchluBS an diese Stelle bei Han in den beiden Ueberschriften 
seines Gedichtes yon einer «loblichen Gesellschaft der 
Büchsenschützen ^ redet, ein neuer Beweis, wie stark seine Ab- 
hängigkeit Yon der gegebenen Vorlage gewesen ist. 

Mit diesen Betrachtungen, die nur die Pflicht erfüllen 
sollten, getreulich jedem das Seinige zu teil werden zu lassen, 
nehmen wir für heute von dem behandelten Gegenstande ^Ab- 
schied, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass wir uos auch in 
Zukunft mit den interessanten Erscheinungen des Pritschen- 
meistertums und seiner Vertreter noch weiter zu beschäftigen 
gedenken, und dass uos desshalb jede Anreguog und jeder Bei- 
trag von anderer Seite sehr willkommen ist und mit bestem 
Danke entgegengenommen werden wird. 



Die hölzernen Miichrechnungen des Tavetschthais 
(Graubiinden). 

Von Dr. J. Focke, Syndikus in Bremen. 

Das von romanisch redender Bevölkerung bewohnte Tayetsch- 
thal mit seinem Hauptorte Sedrun, die nach allen Seiten yon 
hohen Bergen umschlossene, oberste Stufe des Vorderrheinthals^ 
hat sich bei der Bewirtschaftung seiner Alpen in den hölzernen 
Milchabrechnungen mit den Hausmarken der Viehbesitzer, in den 
„stialas dil latg"", bis zum Jahre 1901 eine Antiquität bewahrt 
gehabt, die wegen ihres kulturgeschichtlichen Interesses mit einigen 
Worten in der Erinnerung festzuhalten sich yerlohnen dürfte.*) 

Das Milchvieh der Gemeinde Tavetsch wird auf mehrere 
Jahre hinaus durch vorherige Bestimmung auf die verschiedenen 
Alpen so verteilt, dass die Kühe des einzelnen Besitzers auf 

») Weitere Litteratur über „Tesseln" s. in diesem Archiv III, 60 

(Nr. V, ö); V, 74 (Nr. V, !•); VI, 70 (Nr. II, 6). 



Die hölzeraeD Mitehrechnungen des Tavetschthals (Graubünden). 37 

«iner Alp yereinigt sind. Die Alpen werden nicht, wie es sonst 
überall eingeführt zu sein scheint, Yon berufsmässigen, bezahlten 
Sennen, sondern noch von den Bauern selbst bewirtschaftet. 
Die ca. 300 Kühe des Tavetschthals yerteilen sich auf die drei 
Alpweiden Cayorgia, Tgietlems und Tiarms. Die Alpen Tgietlems 
und Tiarms haben je drei Hütten, Cavorgia besitzt nur eine Hütte. 
Auf den Alpen Tgietlems und Tiarms weiden je etwa 1 20 Kühe. 
Nach einer durch das Los festgestellten Reihenfolge be- 
ziehen nun die an der betreffenden Alp mit ihrem Milchvieh 
beteiligten Bauern für einen oder mehrere Tage die Alp und 
gewinnen während der Zeit ihres Aufenthalts für sich den ge- 
samten Milchertrag aller Kühe einer Hütte. Die Länge der 
Bewirtschaftungszeit des Einzelnen richtet sich nach der Zahl 
seiner Kühe und schwankt gewöhnlich zwischen zwei Tagen 
und einer Woche. Nach Ablauf einer Wirtschaftszeit führt 
jeder Bauer die gewonnene Milch in Form von Butter und 
Käse zu Thal und wird sofort von seinem Nachfolger bei der 
Bewirtschaftung abgelöst. 

Ueber den Milchertrag während der Wirtschaftszeit jedes 
Bauern wird eine Rechnung aufgestellt, aber nicht mit Tinte 
oder Bleistift, mit Namen und Zahlen auf Papier, sondern mit- 
telst Gewichtszeichen und Hausmarken auf vieleckigen, rotge- 
farbten^ kurzen Holzstäbchen. Das Aufstellen der Rechnungen, 
d. h. das Schneiden der Stäbe, erfolgt durch die Hirtenjungen. 
Als Material dient das Holz der Erle, die sich an den Bach- 
läufen entlang, bis nahe zu den Alpweiden hinauf, in Büschen 
vielfach vorfindet. Die meist 2 — 4 cm. im Durchmesser dicken 
und 7 — 15 cm. langen Stäbe werden je nach der Zahl der be- 
teiligten Yiehbesitzer mit der entsprechenden Zahl von Flächen 
(5^ 7, 8, 10; gewöhnlich findet man 8 Flächen) versehen und 
dann mittelst feingeriebener und angefeuchteter roter Kreide ge- 
färbt. Rote Kreide wird auch zu andern Zwecken, besonders 
zum Märken des Viehs, auf den Alpen ständig gebraucht. 

Entfallen auf eine Alphütte beispielsweise 40 Kühe, die 
flieh auf die Eigentümer so verteilen, dass besitzen: 

7 Besitzer je eine Kuh = 7 

4 „ « drei Kühe = 12 

2 „ ^ sechs ,. = 12 

1 „ „ neun = 9 und daher 

14 Besitzer mit dem Ertrage von 40 Kühen auf einem 



r* 



33 Die hölzernen Milchrechnungen des Tavetschthals (Graubfinden). 

Stäbchen dazustellen sind, so bedarf es dazu eines Tfläcfaigea 
Stabes. In der Mitte des Stabes werden nämlich in dem ange- 
nommenen Falle rings um den Stab in zwei Reihen Ton je 7 
Stück die 14 yerschiedenen Haasmarken der Besitzer einge- 
f schnitzt, so dass für jeden die Hälfte einer Stabfläohe zum Ver- 

merken des Milchertrags Terfagbar ist. Darauf wird neben jeder 
Marke nach dem Stäbchenende hin das Milchgewicht durch 
eingeschnittene Striche eingetragen, und zwar erfolgt die Gc- 
wichtsberechnung nicht nach dem schon bald nach 1848 in der 
Schweiz eingeführten metrischen Gewichtssystem, nach Kilo oder 
Pfund, sondern nach dem alten Gewicht der crena^) (Plural 
crenas) = ^4 Pfund. 

Ein die einzelne Stabfläche quer überschneidender Schnitt, 
durch den ein Holzsireifchen aus dem Grunde herausgeschnitten 
wird, so dass ein heller Strich auf dem dunkleren roten Grunde 
entsteht, bedeutet 10 crenas. Ein ebenso langer, blosser Ein- 
schnitt, durch den kein Holz entfernt wird, bedeutet 5 crenas. 
Nach den Enden zu, und zwar nahe den Kanten der einzelnen 
Flächen, sind durch kurze Doppelschnitte (durch die je* ein Holz* 
teilchen herausgeschnitten wird) die Einer angegeben, während 
ein kleiner Einschnitt (der kein Holzpartikelchen entfernt) V< crena 
bedeutet. Auf dem einen Querschnitt des Stäbchens wird oft 
noch das Zeichen eingeschnitzt, über dessen Wirtschaftszeit der 
Stab die Rechnung enthält. Auf dem andern Querschnitt hat 
in den letzten Jahren auch oft der Hirtenjunge seine Buchstaben 
(Marke) eingetragen. 

Soll der Stab über die Milch der Kühe von 10 Eigentümern 
Auskunft geben, so muss er fünf Flächen, soll er die Milch- 
rechnung Yon 20 Eigentümern angeben, so muss er zehn Flächen 
haben. Kommen noch mehr Eigentümer in Frage, so werden 
zwei oder mehr Stäbchen geschnitzt werden müssen. Bei unge- 
rader Zahl der Eigentümer wird eine halbe Fläche unbenutzt 
bleiben. Ein Milchhölzchen der gewönlichen Art ist unter 
No. 1 der beigefügten Tafel abgebildet. 

Die Kuhbesitzer und Hirtenjungen, welche die hölzernen 
Rechnungen aufstellen, sind begreiflicherweise besonders gute 
Kenner der Hausmarken. 



2) Heis8t urspr. „Kerbo"; vgl. it. portug. crena, franz. cran, crineauy. 
criner. 



Die hölzeroen MilchrechnuDgen des Tavetscbthals (Graubfinden). 39 

Die Haasmarke yererbt im Tayetschthal vom Yater auf den 
jüngsten Sohn, was yielleicht, wenngleich jetzt dort keinerlei 
Anerben- oder Höferecht besteht, vielmehr gleiche Teilung des 
elterlichen Nachlasses unter allen Kindern stattfindet, auf eine 
früher bei 'Uebernahme des Bauernhofes in Qeltung gewesene 
Bevorzugung des jüngsten Sohnes (Minorat) hindeutet. Die 
älteren Sohne wählen sich eine beliebige Marke, die jetzt mei- 
stens einfach aus den Anfangsbuchstaben des Ruf- und Familien- 
namens besteht, womit dann das Zeichen den Charakter der 
Hausmarke verloren hat. Da stets alte Marken in Wegfall 
kommen und neue Marken hinzutreten, so ist es schwer, einen 
zuverlässigen Kenoer aller Marken zu findeo. Vor ein paar 
Jduren ist daher ein Buch mit allen Hausmarkeo, das beim Qe- 
meindepräsidenten des von etwa 900 Seelen bewohnten Tavetschr 
thals hinterlegt ist, angefertigt. 

Ihre bedeutsamste Anwendung finden die Hausmarken in 
der geschilderten Weise bei der Alp.wirtschaft. Trifft mao auf 
alte Thüren in den Alphütteo, so findet man, dass dieselben mit 
eingeschnittenen Marken übersät sind. Man sieht aber die 
Marken auch sonst noch vielfach. Manche Bauern haben ihr 
Orossvieh mit der Hausmarke auf den Hinterschenkeln ge- 
zeichnet; das Kleinvieh wird sonst allgemein mit einfacheren 
Zeichen: Einschnitt an den Ohren gemarkt, ähnlich wie man 
bei uns an den Schwimmhäuten die Eoten im Blocklande uod 
früher die Gänse in Borgfeld zeichnete. 

Sehr oft sieht man gefällte Holzstämme uod Bretter im 
Wald und in den Dörfern mit Hausmarken ia roter Kreide ver- 
sehen. Ich habe die Marken ferner an hölzernen Eimern, an 
Heugabeln, Harken, Schaufeln, Schabeisen, an Handtüchern, ein- 
mal auch an einer Futterschneidemaschine gesehen. Dagegen 
habe ich sie oft vergeblich gesucht an den Stielen der Sensen. 
Auch die grossen leinenen Laken, in denen das Heu Von den 
Wiesen getragen oder gefahren wird, sind fast immer markiert. 
An Häusern oder Ställen sind die Hausmarken selten; wenn 
sie sich dort vorfinden, so stehen sie nicht an auffallender oder 
bedeutsamer Stelle, sondern sind offenbar mehr zufallig ange- 
bracht. 

Wenn jeder Kuhbesitzer auf seiner Alphütte einmal ge- 
wirtschaftet hat, die erste durchs Los ermittelte Reihenfolge 
also erledigst ist, erfolgt für die an der Hütte Beteiligten eine 



40 Die hölzerneD lülchrechnungeD des Tavetschthals (GraubQnden). 

gemeinschaftliche Rechnungsablage. Da sieben Hütten auf den 
Milchviehalpen yorhanden sind, so ergeben sich also für das 
ganze Thal sieben yerschiedene Abrechnungsgruppen. Sonntags 
nach dem Gottesdienst in der Hauptkirche des Thals zu Sedrun 
treten die an jeder Hütte beteiligten Bauern auf der Strasse 
zusammen; jeder zieht seine hölzernen Milchrechnun^en aus der 
Tasche un4 nun wird miteinander abgerechnet. Wer noch am 
meisten Milch nach Yerhältnis seiner Kühe zu gute hat, kommt 
nun bei der zweiten Reihenfolge zuerst zur Bewirtschaftung auf 
die Alp; wer bei der ersten Reihenfolge am besten gefahren ist, 
kommt zuletzt an die Reihe. Je nach Bedarf wird die Zeit der 
Bewirtschaftung verlängert oder verkürzt. Die Milcherträge sind 
natürlich je nach der Witterung sehr verschieden und lassen 
sich nicht im voraus genau bestimmen; der Bauer, der während 
seiner sechstägigen Bewirtschaftung schlechtes Wetter und Schnee- 
fall gehabt hat, erzielt vielleicht kaum mehr, als ein anderer, 
der während drei Tage bei gutem Wetter wirtschaftete. Nach 
Erledigung der zweiten Reihenfolge wird dann in gleicher Weise 
die dritte fortgesetzt. Schliesslich übrig bleibende Ungleichheiten 
werden in Oeld, nach einem zu Anfang des Sommers festge- 
setzten Einheitspreise für die Milch, ausgeglichen. Wenn die 
hölzernen Milchrechnungen erledigt sind, so werden sie quittiert, 
indem jeder von seinem Stäbchen die Gewichtsangaben rund um 
das Stäbchen wegschneidet, so dass nur die Hausmarken stehen 
bleiben. Er wirft dann das quittierte Hölzchen fort, welches 
nun zum Kinderspielzeng wird. Die No. 2 der Tafel zeigt ein 
quittiertes Hölzchen. 

Um Martini, wenn das Vieh die Alpen längst wieder ge- 
räumt hat, wird über jede Alp, . über die Verpflegung und Be- 
zahlung der Hirtenjungen, über etwaige sonstige Aufwendung, 
Reparaturen u. s. w. und insbesondere auch über die Milcherträge 
eine Generalabrechnung gehalten. 

Im Jahre 1901 wurde, mit Ausnahme einer Alp, die Milch- 
abrechnung auf Papier eingeführt. Im Jahre 1902 haben die 
Holzstäbchen auch auf der letzten Alp dem Papier weichen 
müssen. Charakteristisch ist aber, dass auf den Papierrechnungen 
anfangs die Namen der Kuhbesitzer nicht mit Buchstaben, son- 
dern nur mit den Hausmarken bezeichnet sind, bchon im Jahre 
1902 hat man aber die Hausmarken in den Rechnungen durch 
die ausgeschriebenen Namen ersetzt. Mehr als ein Landmann 



Die hölzernen Milchrechnungen des Tavetschthals (Graubiinden). 41 




No. 1. 



No. 2. 



No. 3. 






42 Miszellen. — Melange». 

hat mir indessen seine Ansicht dahin geäussert, dass doch di& 
Abrechnung mit den Stialas dil latg viel einfacher sei, als die- 
jenige auf Papier. 

Früher wurden die Milchhötechen aa den Enden noch mit 
Verzierungen, Köpfchen oder Türmchen, yersehen. Mir ist in- 
dessen nur iein einziges älteres Stück dieser Art zu Qesicht ge- 
kommen. Ich habe mir von einem Manne, der früher als Hirten- 
junge so yerzierte Stäbchen (stiala cun tur = mit Turm) 
yerfertigt hat, ein solches Stück nachschnitzen lassen. Es ist in 
No. 3 der Ansichtstafel abgebildet. Oben in der turmartigen, 
durchbrochen geschnitzten Verzierung ist eine rotgefärbte kleine 
Holzkugel eingelassen, die sich in der Durchbrechung frei be- 
wegt. Beachtenswert ist, dass bei den mit einer durchbrochenen 
Spitze yersehenen Stäbchen die Anordnung der Hausmarken 
und der Rechnung anders yorgenommen wird, als bei den ge- 
wöhnlichen Milchhölzern. Bei jenen richtet sich der schnitzende 
Hirt beim Einschneiden der Marken und Milchgewichte danach, 
dass die Stäbchen ein unteres stumpfes und ein oberes spitzes 
Ende besitzen; bei den gewöhnlichen Hölzchen sind die beiden 
stumpfen Enden yöllig gleichwertig und es erfolgt das Ein- 
schneiden yon der Mitte aus nach beiden Enden hin. Man yer- 
spürt in dieser yerchiedenen Behandlung der Stäbchen ein feinem 
urwüchsiges Stilgefühl, einen Hauch wirklicher Volkskunst. 



Miszellen. — Melanges. 

Ein maccaronisches Sennengedioht von Unterwaiden. ') 

Ohara Jovis soboles dicit Sylvania Sennen, 
Qui sunt geschähet tecti de schmatzigen Hosen; 
Gens inimica Brodo^ nee bratene vescitur Hasen, 
Sed farcit Bauchuw cum Suti*) Ziger et Anken 



*) Dieses Sennengedicht, worin die Alpfahrt und das Leben der Aelpler 
beschrieben wird, wurde sehr wahrscheinlich von Jos. Anton Omlin verfasst. 
Dieser wurde geboren zu Stans den 10. Sept. 1739. Domkaplan zu Konstanz 
wurde er 1763 und starb daselbst 1801. Schon als Student verfasste er eia 
musikalisches Vorspiel ; s. KCchler, Chronik v. Sarnen S. 164. — *) Die 
nach Entfernung des Quarks im Käsekessel zurückbleibende zum zweiten 
mal gesäuerte FlU8sig:keit. — 



MiszelloD. — Mölanges. 43. 

Vix der Frtthling adest, da nehmens d'Grabelen*) hervor 

Bindend Mntta«^) et Käslab-Kübelos^) daranf 

(htm Kessi, Trankfass*), Compellunt undique KYihaa, 

In Reihen steWunt, prcecedit ordine Trinkler^); 

Vacca $uperba nimis, tollena ad sidera Kopfum. 

Post sequitur Mosli^), Blessi, Fachs, Helmeli, Weissfasa. 

Q^CB fuü im Stechen stärker, prasc^it in Ordnung. 

Agmen agit Stieru«^ tenet Haaros undique gmpplet. *) 

In Städtis nunquam vidi tarn kraaselte Falsohhaar. 

Am Kopf est banden der schön, einfUssige Melcbstahl. 

Sic machend Ordnung melius, quam Bauren in Hochzeit 

Si sauvoll vix aut gar nicht heimplampera *^) possunt. 

Imbellem gregem sequitur Kühgaumer'') und Handknab 

Ebere« magtii, Schweinlein cum Kalberen Jährling.") 

Si vehiunt in d'Alp Schluchi, vel Sewli^ Brunnen^ 

Sörenberg, Ami, Schnabel, Luss, Dundäla, Melchsee^') 

Vel qumque sit |: wollt' um d'Wahl nid falj^re d'Stäg' ab, **> 

Aurea quanta patent Sennorum köstliche Palläst 

QucB in nostro Landbncho dicuntur Hütten. 

Nulla fenestra palet, sed bat ein offne ThUre 

Um und um rimas, dass könn lucescere d's Taglicht. 

Unum sed restat, prat cunctis schöneres Zimmer, 

Est, ubi porcarum grex grunnit, nomine Vigler. **) 

Deficit auch gar nicht domui pretiosa supellex; 

Regius hie lectus, gut deutsch die Daschtärä*^) dictus 

Lectus prcegrandis, Riedgras sunt d'Federen, Kohler 

Lavit Leinlachen, Schnäzel ^^) est aurea Dechin 

Nee taceam Senni das g'mablet'^) schönere Hemli. 

Hinc Muttojj^ TausseP*), Vollen*^) cum Melchteren **) cemis, 

Käsbrächti« ^ *), Näpfli, Göni*^), Hosenkessi««*^) adsunt 

Vollhäber**) et Vollschaub*'^), Wando Läcktäscha^^Me**) pendet 

Ordine jam miro pendent grossschöpiige Löffel, 

Cujus erunt, Stielo portant die gstochenen Namen. 



•) Traggestell für den Transport auf dem Rücken. — ♦) Milchgefässe. 

— *j Kabel zur Aufnahme des Käslabs (Mi Ichscheidemittel. — *) Behälter 
de» „Tranks** (saure Molke, die der Sirte beigemengt wird zur Scheidung 
derselben in Molke und Zieger). — ') Trinkelkuh, — «) Namen von Ktthen. — 
•) Haar in Gruppen = Büscheln. — '°) heimwanken. — ") Viehhüter. — 
«) Einjähriges Rind. — ") Namen von Alpen in verschiedenen Gemeinden. 

— *♦) Die Stiege hinabfallen. — **) Schweinestall, welcher der Hütte ange- 
baut ist — **) Hirtenbett. — •') Hobelspähne. — •^) Mit Kühdreck gemahlet. 

— •') »Taussel" und ,,Melchteren": Geschirre ftlr Flüssigkeiten. — *^) Milch- 
trichter. — *•) Käsbrächer: kleiner Tanngrotzen, der entrindet und dessen 
Aestchen bis auf einige Centimeter zugestutzt sind. — ^3) Hölzerner Löffel. 

— ") Kochgeschirr. — 2*) Traggestell der Folie. — '*) Krissästchen, womit 
die Folie, durch welche die Milch durchgelassen wird, gestopft ist. — 
»*^) Tasche zur Aufbewahrung von Salz zum , Lacken** für das Vieh. — 



44 Miszellen. — Mölanges. 

Si veniat Gastus tunc optima fercula promunt 

Eauchziger") c< Käsfisch 2»), Käsmettel«»), Buldära»^), Koieesalb«^ 

Nidläbrod, Stangen wärmi^*) cum Füsterli ***), Kosi.") 

Si sitis est, Keller viridi plenissima Sufi, 

Ac im Speisgadä prasgrandes accipe Napfos. 

His potes in Suffi fundo disquirei'e Ziger 

Teque putes Fischer, qui vidt piacari ex Anglo 

Cemere Tu ein Spiel, si vis, pulchrosque lahores. 

Huic opus im Spicher zu schabere et salzere Käsos ; 

nie domum portat, die ganz voll Gabälä Alpspeis; 

Hie blasat Alphornum^ subtiles Trillere« macha^/ 

Im Staffel Klihö forti certamine stechwn^. 

Hinc ringunt porci, currunt die Kalber et illijic, 

Congregat hie Küha«, forsan vult heAtere Landsgmeind, 

Cantat Kühreihum^ pendet Läcktascba sub AchsU's. 

Jam sapio, vacccß debent nunc läckere Salzwm 

Allambunt Sennwrn, circumstant ordine toto. 

närsche vacccef Signum non majus amoris -^ 

Huic dare potestis ac ai Sennu« K&ihulus esset 

Vesterf Sed faciet cunctos ein Prügel abire. 

MelchstuhUtm tenet hie, manibus gross Melchteren pendet 

Cantat et inclamans: „Holob" premit ubera vaeece 

Atque faeit Schamum^ Schumu« replet undique Bränten, 

Post bibit et Schumo madet angulus oris uterque. 

Plures restarent sehr puhhras cemere Sachas. 

Tempfore si spato Sennus vult machere KäsuTTi, 

Tunc post Ellbogas manicas am schmuzigä Hemli 

Complicat ac magnos Armos in 's russigi Kessi 

Trudit, eompdlit Käswm^ magnoque labore 

Extrahit, extraetum Steinorwm jwndere beladt. 

Herbst?i« adest; heimwm redeunt ad Kilwene Sennen 

Sind köstlich aufgeputzt, * nimium nimiumque süperbe. 

Est Huto Ma/u«^'), cum Läubliftus undique glitzernd^*) 

Leibschopfum ^^) peetus, caligas^^) brüschlederne Galgen ^^) 

Portat et ohn Schuh w, FUssos Stumpstrilmpfms*®) ambit. 

, 

2') Gerauchertor Zieger. — '^^) Reste, welche nach dem Ausziehen 
'der Küsniasse in der Sirt<> zurückgeblieben sind. — ^Sj Rand des Käses, 
welcher nach der Belastung über den Reif hinausgepresst und dann weg- 
geschnitten wird. — 30) i)i^ ZI, kleinen Körnern zerbrochene Käsmasse. Zu 
dieser Speise wie zu den Kästischen nimmt man noch einige Sirte. Wird 
der „Buldärä" „Nidel" (Rahm) hinzugefügt, dann nennt man es ^Fusterli'*. 
„Kniesalb** ist etwas ähnliches. — '') Pjne Aelplerspeise der Schwyzer; 
vgl, Abchiv I, 60 Anni. 2. — ") „Kosi" oder „Kollermuos" (Köhlermus) 
besteht aus Mehl, Eiern. Butter und Rahm. — *') Auf dem Hut ein „MAien** 
(Strauss). — ^) glitzern. — '*) Weste. — **) Holzschuhe mit Lederriemen 
an den Füssen befestiget. — '") Juchtenlederner Hosenträger. — '^) Kurze 
Strümpfe. — 



Miszellen. — Mölanges. 45* 

Sic pergunt KWlwoa, thun mit einander schwingen'*); 
Ciröurnstant reliqui cum Tabakpfeifen in ore. 
Is tenet unius, tehet hie (dteriua Roaos 
Et circumtrampun^ et longo tempore rilzant*®), 
Unu8 dum socium cum Vorthel**) et impetu stemit 
Rident Hunds-Goschi«**) ac usque ad sidera sohreiunf. 
Si placet, invitanf, foT%an steinstossöre vultis f 
Elsvat hie Steinum^ currit, laafens^ue propellit. 
Sic fadunt reliqui. Steinwm, qui pellere weiters 
Cum Btosaando potest, cum plauau munera portat 
Turba simul modo Leibschopfum^ Strampfo^^ue^ Schaho^^^ua 
Exuit, exspectat Signum, foto agmine laafef. 
Qv,i prius attingit Zweckum *'), sit muneri K&äua. 
Hinc alii currunt, tandem cum zäbeten**) Füssts 
Springend, qui potuit weiters, huic prcBmia dantur. 
Perdit, qui Wasen*^) naribus nasove referrit 
Victorea adaint f Laudem et zwei Dicken**) habebunt. 
Hi Bäumo8 acandunt, faciemx l&Ax^umque remonstrantj 
Immane zännwni*^) oribua et grüseli brügunt *') 
Qui pejus poterit Frazen-Gsicht machere^ portat ^^) 
Risum, judicioqiie senum pro munere Ziger. 
Vesper adest Ueimum redeunt, in tramite jnzgunt 
Conventum celebrant, tum Säckelmeister et Ammann 
Statthalter JU6^ creant, Fähnrich, reliquosque priores 
Qui regant Senno«^ studeant et jura tueri, 
Concelebrant festum Sennorwm nomine Kilwi. *®) 
Conveniunt omnes'^^) cum Trummi«^ Pfeifen und Hackbrett 
Vestiti köstlich proReunt Statthalter et Ammann 
Fähnrich cum Fahnen, portans Strausfeder in Huto 
Plamper^') adest lateri, pendens in Schlingen ab AchsUs. 
Prodit et ein Wild mann faunus cum zotteten Haaren. 



^) Es werden nun verschiedene Aelpl erspiele, Schwingen, Steinstoss, 
Laufen, Springen und Zännen beschrieben. — ♦<>) ümherzehren. — ♦*) Kunst- 
griff. — ♦') Hundsmäuler. — ♦*) Ziel. — ♦*) schnellen. — ^^) Wer auf den 
Boden hinausfällt, verliert. — ♦*) Sechsbätzler. — ♦') Fratzen schneiden. — 
♦») weinet. — ♦*) Vgl. Archiv I, 116. Stalden (Idiotikon II, 464) sagt 
hierüber: „Ehemals gab es auch in den Kantonen Luzern und Zug ordent- 
liche Wettkämpfe im Gesichterschneiden, wo demjenigen, welcher die lächer- 
lichsten und seltsamsten Grimmassen vorzubilden wusste, der Preis zuerkannt 
wurde; man hiess sie Zäune te, so wie in England grinning matches, die 
jetzt noch in ehrenhafter Uebung sind". — ^^) Die Aelpler feiern an einigen 
Orten eine doppelte Kilbi, die eine auf der Hochalp, wo die Aemter für 
die Kilbi nach der Rückkehr in's Thal besetzt werden. An einigen Orten 
wurden früher bei der ersten Kilbi Aelplerspiele vorgenommen, an anderen 
Orten erst bei der zweiten oder auch gar nicht. — *•) Es folgt nun die 
Beschreibung der Kilbi nach der Heimkehr von der Alp. — ") Scheide für 
die Fahnenstange. — 



-46 MiBzellen. — Mölanges. 

Horridus in manu viridem Taangrotzen habet 
Ludit ut ein sttUtus, Gläohter K\iTzwei\que movet 
Cum Fressen, Saufen, Springen cum Tanzen et Umzug 
Sicque diem noctemqvs terunt Fert altera [sc. dies] Kopfweh. 
Hinc inde auf Bänkis faulenzend plegere^') debent, 
Donec den Senntv Rusobu«^^) ceseabit et Kopfweh. 
Sic schwebt, bebt, zäbt ^% frisst, isst, ludit et indyta proles 
Sennorum. Tritamis Tritavum imhuit artibus istis, 
Defidet niemal Sennorum nigra^ propago, 
Dumque manent lixce, dum sunt in Weibern rixce 
Dum Kohler est koblweiss, dum sunt in Spichern Spitzmaus 
Dum klepftin^ d*Karrer, dum sunt die Geizigen Sparrer 
Tamdiu erunt Sennen Kerl, wie russige Bennen. 
Kerns. Anton Küchler, Pfarrhelfer. 



Recepte von Dr. Jacob Jenner aus Kerns. ^) 

Zähne ausziehen. 
Einen Zahn auszuziehen ohne Schmerzen und Instrument. Nimm 
Schmalz von grünen Laubfröschen, die auf dem ^Haslen Laub** sitzen. 
Salbe die „Bilder'^ damit, dann geht er gewiss aus. Ist probiert. 



*') faul herumliegen. — ^) Was in diesem Gedicht über die Trunksucht 
und Unreinlichkeit der Aelpler gesagt wird, passt nicht auf die Aelpler der 
jetzigen Zeit. Wir waren oft bei der Aelplerkilbi und haben gesehen, dass 
sie sich immer ordentlich und anständig betragen haben. Wir können uns 
auch nicht erinnern, bei diesem Anlass einen Betrunknen gesehen zu haben. 
Auch von den Aelplem früherer Zeiten kann das im Allgemeinen nicht ge- 
sagt werden. Dass die Aelpler früher etwas weniger gebildet und reinlich 
waren, geben wir zu. Als ein Vetter des Verfassers, Dr. Franz Omlin, ein- 
mal an der Aelplerkilbi die Mahlschenke hielt, wählte er zum Vorspruch 
den lateinischen Text: Circumdederunt nie vituli multi: tauri pingues ob- 
sederunt me. (Psalm 21, 12.) Die Aelpler verstunden es nicht und die 
Gebildeten, welche es verstunden, lachten und wurden deswegen nicht be- 
eidiget. So sollen auch wir die wenigen schärferen Ausdrücke im Sennen- 
gedicht nicht auf der Gold wage abwägen. — ^^) zappelt. 

') Dr. Jakob Jenner wurde zu Kerns im Jahre 1736 geboren und 
starb 1786. Von den 214 Rezepten, die er in einen Quartband geschrieben, 
haben wir vorzüglich solche ausgewählt, die etwas Abergläubisches ent- 
halten. Er hat sie wahrscheinlich grossenteils aus andern Doktorbüchern 
zusammengeschrieben und sie beim unwissenden Volk, welches zum Aber- 
glauben geneigt ist, angewendet, um sich dadurch das Zutrauen desselben 
zu erwerben und als ein sonderbarer Mann zu gelten, der nicht ist, wie 
andere Doktoren. Er selber hat an diese abergläubischen Dinge kaum ge- 
glaubt. Fast alle übrigen Rezepte sind frei von Aberglauben. Wir besitzen 
auch Rezepte von Dr. Caspar und Nikolaus Jakob und Dr. Job. Jos. Omlin, 
in denen nichts Abergläubisches enthalten ist. Ein alter Mann hat uns 



Miszellen. — Mölanges. 47 

Für den hiDfallenden Siechtag. 

Ist gar oft probiert. Wenn Jemand das fallende Weh von Jugend 
snf hat und doch nicht vom Mutterleib ererbt, dem gebe man nachfolgendes 
Pulver alle Morgen und Abend, ein halbes Quintli mehr oder weniger, je 
nachdem die Person mehr oder weniger alt ist. Dieses Pulver gibt man 
mit Lindenblust Wasser oder mit Wein, darin Linden „Bluost** gesotten ist. 
Dazu nimm „pemien" Kömer, Linden Bluost eine Hand voll, Senfkörner ein 
Lot und ein wenig weisse Senfkörner mit 2 Mass Wein, welcher halb ein- 
.gesotten wurde. Das Pulver soll man also machen: Nimm Esels-myltzy 4 
Lot, Maulwürfen Herz 1 Lot. Wenn man aber nicht so viel haben kann, 
dann nehme man weniger. Ferner nehme man von der vordem Hirnschale 
von einem Mörder oder Dieb 2 Lot, Senfkörner 1 Lot, „corigierten'^ Regen- 
wurm, Pulver und Kreuzwurzel je 6 Lot. Diese Stücke pulverisiere alle 
miteinander. Dieses Pulver und Trank gebrauche, wie gesagt wurde, 3 Tage 
vor dem Neumond und fortan täglich bis zum anderen Tag nach dem 
Vollmond. 

Ist das fiiUende Weh vom Mutterleib ererbt, dann nimm zu dem 
vorigen Pulver Bartlimepulver 2 Lot und brauche es, wie gesagt ist, doch 
mit 2 „Kandel" voll Wasser und 2 Hand voll Kreuzwurzel gestossen und 
in das Wasser gethan. Lasse es 8 Tage an der Sonne stehen. Brenne es 
nachher aus und brauche es, wie gesagt wurde. 

Kommt dieses Siechtum von Zauberei oder Erschrecken her, dann 
thne blaue Jilgen (Lilien) Würzen 3 Lot darin und doposy Stein dazu 
und gieb es ihm in starkem Wasser zu trinken. Dieses ist oflmal appro- 
biert für alle fallende Weh. 

Blut Bestellung. 

EÜne Blut Bestellung mit Worten sprich also: Unsere liebe Frau hat 
drei Rosen auf ihrem Herzen, die erste ist demütiglich, die andere ist sanft- 
mfitiglich und die dritte ist Gottes Will. Blut steh' still. Wenn dieses drei- 
mal gesprochen wird, dann steht es still. Probatum est. 

Haarwuchs. 
Willst du Haar machen, dann nimm schwarze ScUnecken, thue einen 
Angster in sie, nimm ein wenig Salz dazu, stelle es an die Sonne und es 
wird Wasser daraus. Mit demselben bestreiche dich, wo du willst, dass 
Hiuur wachse so wächst Haar ohne Zweifel. 

Gliedersucht. 
Nimm Rehfaro 2 Hand voll, Edelsalbinen eine Hand voll, Wer- 
muolt, was man mit 3 Fingern fassen kann, Wurmsamen für 12 Schi. 
Rosen-Marien-Samen für 1 Schi. 3 A. Hirse ein Löffel voll und vermache 



einmal erzählt, wie Dr. Jenner mit dem Teufel im Bund gestanden sei 
und deshalb mehr wusste als ein anderer. Einmal verlangte er von einem 
Bauer einige Pfund Anken. Dieser aber hatte eine Bürde in Bereitschaft, 
nm sie in Luzera zu verkaufen und erklärte, er gebe keinen, ausser er 
kaufe die ganze Bürde. Bald nachher wurde der Bauer krank und ver- 
langte von Dr. Jenner Medizin. Dieser aber erklärte, dass er keine Medizin 
gebe, ausser er kaufe die ganze Apothek. 



48 Miszellen. — M^langes. 

dieses wohl. Nachher lasse man es in 2 Mass weissen Wein eine Viertel- 
stande lang sieden, seihe es durch und klopfe 3 I^ffel voll Ankenmus» 
darunter. Morgens und abends jedesmal ein Glas voll warm getrunken und 
darauf geschwitzt, nimmt alle Giiedersucht hinweg. Probatum est. 

Schärbock. 

Ein Wasser ftlr den Schärbock und alle Räuden. Nimm 4 Lot Queck- 
silber und l Lot Scheidwasser. Mische es unter einander, stelle es in den 
Ofen bis das Quecksilber verzehrt ist. Nachher stelle es an die Kälte, Iftss 
es dick werden und das übrige Quecksilber davon laufen; nimm die fibrig 
gebliebene „Maltery*" und thue sie in eine „gutteren'^. Lasse eine halbe 
Mass Brunnenwasser daran laufen und das Wasser ist gemacht. Je älter 
es ist, desto besser ist es. 

Brand. 

Den Brand zu löschen, wo sonst nichts helfen will. St. Lorenz lag auf 
dem feiuigen Kost. Der liebe Herr Jesus Christus kam ihm zu Hülf und zum 
Trost mit seiner göttlichen Hand und löscht ihm den Brand. Dieses muss^ 
dreimal gesprochen werden und es muss von dem Menschen das verbrannte 
Glied in die Hand genommen werden. Es soll dazu das Kreuz gemacht 
und ein Vater unser und Ave Maria gebetet werden. 

Melancholei. 

Nimm Benedikten Wurzel und St. Johanns Wurzel. Diese Wurzel 
sammt dem Kraut in ein seidenes Tüchlein gebunden und an dem Hals ge- 
tragen, ist gut Air Melancholei, macht ein gutes Gedächtnis, behaltet den 
Menschen bei gutem Verstand und guter Gesundheit; macht ihn geschickt 
zu allen Sachen, vertreibt die Flttsse aus dem Kopfe, alle Gespenster und 
Geister. Doch soll man die Zeit wohl merken, wenn man die Wurzel graben 
soll. Man soll sie graben, wann die- Sonne im dem ersten Grad des Löwen 
geht, man soll sie einmachen und binden, wann die Sonne in dem 15. Grad 
des Fisches ist und sie anhängen, wann die Sonne in dem ersten Grad des 
Stieres sich befindet. 

Geschwtire. 

Nimm Gerstenmehl und Geissbohnen, mach' die Bohnen zu Pulver, 
nimm von beiden gleichviel, nimm noch guten Weinessig dazu, mache ein 
Brei daraus und lege ihn auf das Geschwür. Es hilft. 
Gegen Müdigkeit. 

Wenn du reisen willst und nicht müde werden, dann nimm Beifuss 
oder Eisenkraut zu dir, welches 8 Tage vor oder nach St. Bartholomäus 
gegraben wurde. Du wirst nicht müde werden, wenn du dieses Kraut bei 
dir trägst. 

Blut bestellen, 

wann sonst nichts hilft. Sprich: Jesus ist geboren zu Bethlehem, getauft 
im Jordan und hat gewohnt zu Jerusalem. Ich gebiete dir Blut! dass da 
still stehest in dem Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des hl. 
Greistes. Amen. Dazu muss der Namen der Person gesprochen werden. *) 

2) Das Beten und der Glaube, dass das Beten nützlich sei, ist nicht 
Aberglaube; dagegen aber ist es Aberglaube, wenn man von einem Gebet 
unfehlbar Heilung von einem gewissen üebel erwartet. 



Miszellen. — Melanges. 49 

Marder zu fangen. 
Nimm 3 Eier samt den Schallen und so viel gute Milch, eine Ochsen 
Galle und klopfe Alles unter einander. Streiche es auf 3 Bretter und lege 
«e 10 Schritte von einander. Wenn sie davon fressen, macht es ihnen ganz 
trfimelig und sie können 12 Stunden nicht von der Stelle gehen. In dieser 
Zeit kannst du sie fangen. 

Gegen das Erbrechen. 

Wenn ein Mensch die Speisen nicht behalten kann, dann nimm Bro- 
samen von einem Eoggenbrod und abgestreiften Wermuth, siede es im Bier, 
dass es werde, wie ein Brei, streiche es auf ein weisses Tuch und lege es 
über den Magen, so dass der Bauch bedeckt wird und so warm, als man 
es vertragen mag. Ist vielfältig probiert worden. 

Versetztes Blut. 

Wenn ein Mensch gefallen ist oder versetztos Blut in dem Leib oder 
bei dem Herzen hat, dann nimm 90 Regen wQrm, wasche sie sauber, lege 
alle Tage abends 9 in ein Glas voll weissen Wein und thue ein wenig ge- 
stossene Nägelin darin. Lasse es durch einen Lumpen, trinke es morgens 
nfichtem und faste 2 Stunden darauf. Wenn du das 9 Tage nacheinander 
thust, dann hilft es gewiss. Probatiuii est. 

Geschwulst. 

Nimm faulen Käs 2 Lot, Brod-Brosamen, in Milch geweicht, 4 Lot, 
Nasskemen 3 Lot und mische Alles wohl durcheinander zu einem Pflaster, 
welches sehr dienlich allerhand Greschwulst zu erweichen und zu zeitigen. 

Gegen das Fieber kleiner Kinder, 
welche noch nichts einnehmen können. Nimm den Harn von diesem Kinde, 
siede ein Ei darin, bis es dick ist. Nachher nimm das Ei heraus und thue 
es in einen Waldhengsten-Haufen mitten hinein, mache den Haufen wieder 
zu und wenn das Ei von den Hengsten (Ameisen) verzehrt ist, so wird dem 
Kind das Fieber nacl(lassen. 

Augenflecken. 

Nimm 9 Schlehen, die an St. Johannes Abend am Brach monat ge- 
wonnen sind, und Pfaffenröhrli-W^ürzen. Dieselben muss man graben, wann 
die Sonne in der Jungfrau ist. Am besten wäre es am St. Bartholomäustag 
.vor dem Sonnenaufgang. Dazu nimm noch Schnellkraut sammt der Wurzel. 
Am besten wäre, wenn es an einem Freitag morgens an den Hals gehängt 
mid dazu 5 Vater unser und Ave Maria und ein Glaube dazu gebetet wür- 
deo. Das nimmt alle Augenflecken hinweg. Probatum est. 
Stich (Lungenentzündung). 

Nimm 7 Nägel aus einem Totenbaum, worin ein Mensch verwesen 
ist, siede die Nägel in dem Baumöl und von diesem Oel gib dem Kranken 
7 Tropfen und salbe ihn, wo es ihn sticht. 

Zittern der Glieder. 

Nimm im Braohmonat die unzeitigen, weichen Haselnüsse sammt den 
grflDen Hiltschen (Hülsen) und brenne ein Wasser daraus. Damit schmiere die 
Glieder oder iss Haseohimi, dann wirst du an Händen und Füssen nicht 
mehr zittero. 

4 



ÖO Miszellen. — M^langes. 

Qegen alle Fieber. 
Nimm 3 schöne Salbinenblätter grün ab dem Stock und trockne sie, 
bis du kannst darauf schreiben. Auf dem ersten Blatt schreibe du: Christus 
ist gestorben. Auf dem andern Blatt schreibe du: Christus ist von den 
Todten auferstanden. Auf dem dritten Blatt: Christus ist gen Himmel ge- 
fEÜiren. Ist Alles vollbracht. Und wenn das Fieber kommen will, so gib 
dem, der das Fieber hat, das erste Blatt zu essen und wenn das Fieber 
wieder kommt, so gib ihm das andere Blatt zu essen und wenn das Fieber 
noch einmal kommt, so gib ihm das dritte Blatt zu essen. Und diese 
Blätter allemal, wenn das Fieber [kommt], im Warmen oder sonst gässen oder 
zerschnätzlet oder küwet — das bestellt gar alle Fieber. Ist approbiert. 

Wann Jemand Verstrüglet und Angeloffen 
eine gewisse und approbierte Kunst. 
Nimm dazu Meisterwurtzen und Hauswurzensaft. Von der ersten 
die Wurzel und von der zweiten das Saft zu einer Salbe gestossen und auf 
den Schaden Vberzwärig (quer) gesalbt, hilft gewiss. 

Gegen Wanzen. 

Nimm an St. Othmars-Tag zwischen Mittag und zwölf Uhr Rinden 
von einem Eschbaum und lege sie in die Zimmer, so müssen sie alle daraus 
Ziehen. Ist bewährte Kunst. 

Kerns. Ant. Küchler, Pfiurhelfer. 



Zaubermittel. 

Aus alten handschriftlichen Aufzeichnungen.^) 

Zu lehren, was du wilt. 

So fach Ein widhopf und nim ihm die Zungen und is [iss] si, so 
kannst du lehren, was du wilt. 

Wilt du Garn stark Seyn im Streit, 
so fach [fange] Ein Läbändiger raph [Rabe] und nimm das Harz von im 
und Trags bi dir, so bist du stark im streit. 

Wilt du Eini zu dantzen Machen, 
schreib der Namen mit fläder müssen blut aufs babir. Wer darüber gaht, 
•der Muss dantzen brobat. 

Dass einer Schlaffen muss, so lang du wilt. 
Leg einer hülen [Eulen?] houpt under sin houpt, so Schlafiet er, biss 
du es dännen [weg] Nimst. 

Wann man Fleisch kocheU 
Nym wall-würzen oder Sanikel, du [thue] das in Ein Hafen, [so] wachst 
das Fleisch an Ein andern. 



*) Im Besitze von fV. Geissbühler, Silberarbeiter in Grünenmatt. 



Miszellen. — MölaDges. 51 

Wann da Etwas verlohren hast und du Garn wüssen wilt, 
war dir es Genommen hat. 
Nimm issenkrut [Eisenkraut], leg es unter dein Haupt, da du schlafest, 
80 komt es dir für, war dirs genomen hat. 

Die Schärhäüfen zu Vertreiben. 
Gang an Einer ^Iten fastnacht am Morgen ob die sonn aufstände, 
zerzüchst die Schärhäüfen, so stosst dasssälbig Jahr keine Mehr. 

Von den Flädermüsen. 
Nim Ein Flädermaus und leg si Läbändig under ein stein, lass sie 
Nun Tag ligen, denn findest du dretl steinli, wo Sie gelegen ist. Der erst 
ist gut: wan du in bei dir hast, das mann dich nit Geseht [sieht]. Dar 
ander ist gut: wann du Eini darmit anrürst, so mus si dich haben. Dar 
dritt ist gut: wann du in bey dir hast, so mag man dich Nit Ubermunden [?]. 

Wann Zwey Ein ander Hold sind, dass si nit können von 

Einandern Lassen, 

Nim Ein stein, dass ein Hund im Mull gehabt hat,- wann mann in hön 

[böse] Gremacht hat. Nym der stein und leg in zweyschen Si ihnen [hinein], 

die Ein ander hold sind, Gab [ob] si sitzen oder si standen, wann der stein 

zweyschen si komt, so würden si Ein andern find. 

Eine Kunst, dass Es dir keini Versegen [versagen] mag. 
Nym ein drey Jährigen han und Stoss ihn in Ein Ungebrauchten 
hafen und bröü ihn im hafen bis er Tod ist, so nym den der Hafen und 
nim der han, vergrab in .ihn ein andbeisen häufen, bis auf acht Tag, den so 
nym der hafen wider Aussen; dan findest Ein Stein in dem Kopf. Der ist 
weis, so du ihn bei dir hast, so Magss dir keini versagen. 

Wilt du Machen, das du jeder man wol gefalst mit Reden 
oder sonst mit allem, 
so Trag bi dir unter der Zungen ein Schwalmen Zungen, so ^Gefalst du 
Jeder man wohl. 

Wilt du, dass du Jedermann Lieb Bist, 
so Trag bey dir Ein Turteltauben Harz, So gefalst du Jederman wohl, i 
Eine Schöne kunst für Hauen und Stächen. 
Du Muflst Von einer Schlangen den Kopf oder die Zungen Nähmen 
an einem sunttag vor Sonnen aufgang. Sie mus aber Noch Lebendig sein, 
du mnsst die Zungen nehmen und zu bulfer machen. Nims Unter den lingen 
[linken] ann, dass ist gut für Hauen und Stechen. 

Dass dich niemand gseht. 
Nim ein sohwarzi katzen herz und Vergrab Es in dass erdreich 3 Tag 
laog und wart darzue. So findest ein fingerring; leg in an den grossen 
finger an der Lingen Hand. So gset dich niemand; ist BeTwärt. 

So dir etwas gestohlen wird. 
So sag Niemand nigs und gang zu einem beinhaus und nim ein zang 
«OB einer schädelen [Zahn aus einem Totenschädel] in den 3 h. N, Du der 



62 Miszellen. — Mölanges. 

Zang in Iflmpli, leg in unter dass bet, da du schlafest, auch in den 3 h. N.^ 
morgens Trag in wider an das ort, da du ihn genomen hast, so komt er 
dir vor, der dir gestohlen hat. 

Das. dich kein Hund anbilt. 
Nimm ein Zaunstecken, der in demselben gut Staht und stell Hn in den 
drey H. n. unter Oben [verkehrt] ins Loch. So kan k^ Hund überdich ballen. 

Ein anderes. 
Du musst, wenn der hund gegen dich lauft, fest laut sprechen: hund 
Stand in frau frena band, frau frena ist gut, das mir Kein Hund nüt Thut. 

Wan du wilt ein gewüssen Schutz Thun und treffen, was du wilt. 
So gang hin und haue £iner Schlangen den Kopf ab und Nim dan 
drey ärbs [Erbsen] und Thu ihren ins maull und setz es in ein Creüzweg, 
und wan die ärbs gewachsen sind ein Spang lang, so nim Sie ab und wan 
du schiessen wilt, so legst in unter dass röhr in den Schaft, so trift du,^ 
was du Wilt. 

Eine Kunst, dass Sich dass weibervolk muss naket entdecken 
* Und dass gewand aufheben. 
Nim Ein eichige Span oder holz Und schreib mit Hassen Bli\t ihre» 
Namen und legs auf die Schwellen, das sie drüber gan muss und Wen sie 
darüber gath, so had Sie dass gewand auf bis auf den Nabel. 

So du drey manns Sterke wilt haben. 
So fah Ein widhopf und haue ihm der köpf ab und brönne ihn zu 
bulfer und Trag es bei dir in den Schuhnen. 

Dass du am Rächten Nüt verlierest. 
So Trag bei dir Wolfzäng und die äugen an blosser Haut. So ge- 
winnst du, was du wilt. 

Wilt du wissen, was eine Frau gethan hat, 
so nim ein Schwarzen hennen hertz und nim die frau in die Rächte band, 
so seit sie dir alles, was sie weis. 

Dass die gast ob einem Mahl Nicht Esen mögen. 
Nimm eine Nadlen, dass ein Totten mensch ist eingeuäit worden. 
So Nim sie, leg sie unter dass Tischlachen im anfang dess mahls. So mögen 
Sie nit essen, will Sie darunter ist. 

Wann dich Einer erschiessen will, so sprich: 
Büchsen stand Still un<i Halt ein, wie Christus der Herr gestanden vor dem 
Kreuz, also wenig Solst du abgahn. Im nauien Gottes des Vatters und des 
Sohns und des Heiligen Geistes. Amen. 

Blut zu stellen: So sprich: 
• *^ 

blut gestand, Vergis deines Gang, Wie gott des Mans, der am gricht sas, 
und mit Wtissen ein Falsche urteil Spricht über Wittwen und Weisen und 
er in Seinem Herzen woll ein bessern Wüsst. Nun gestand blut, wie 
Himmel und Erden thut. Stand im Namen gottes des Vatters etc. 



Miszellen. - M^langes. 58 

Das dir kein Dieb kein Ding aus deinem wählt kan und mag 

Trägen. 

Wenn er schon eine BQrdi gemacht Häte, dass er nit köne dan drey 
Schritt Wan du dissen Seegen Spricht, So hat es 24 stund Zeit. Sprich also in 
Gottes Namen : Maria in der Kindeli [?] lag, drey engel ihren [das folgende 
unleserlich] . . . ., der erst war sant michell der ander sant gabriel und der 
drit sant Haspiell [!] Da sprach sant Peter zu unsern lieben Frauen : Ich Sich 
dert drey Dieben ahen [herunter] gan, wollen dir dein lieben Truzkindli [trautes 
Kindlein] Stälen und Töden. So Sprach unsere liebe Frau : Sant beter bind ! 
Sant beter bind ! Sant beter bind ! Sant beter Sprach im t sprach frau frau f 
ich hab gebunden mit Eisen band und mit Gottes Selbs Händen und mit seinen 
H. fünf Wunden, darmit sig mir all meiner Sach Verbunden, der Dieb muss 
Stil stahn als ein Stock und muss mir zellen alle stärnen die am Himmel 
8tan und Wachsen und alle Schneefloken und alle Regen Tropf, kann er 
dass aUs nit zellen, So stände er mir still zu einem pfand bis ich komme 
mit meinen lieblichen Augen über sich und mit meiner fleischlichen Zungen 
urlub giben ins Tüfels namen. Dass zell ich zu disser Stund allen Dieben 
zu einer buss. brobatum. 

Egg, Lützelflüh. S. Gfeller. 



Hausinsohriften aus dem Berner Oberland. 

1. Isaak Lörtscher Maria Ulnian 

Chorrichter sein Ehgeniahl. 

Wandle Redlich und Aufrichtig Gedenke wohl in allen saehen 

vor dem Herrn deinem Gott, Die du hast auf der Welt zu machen, 

So Zu handien bjst du pflichtig. Dass Gott, der alles hört und siht 

Wann du willst all schand und spott Auch richte was von dir geschiht. 

von dir wenden hier und dort, 

» leb aleo fort und fort. ««" f ^"f «f'«^« «*"" 

Und die dannnen wohnen, 

Ach Höchster schreibe deinen Als guts zu Seel und Leib 

In unser aller Herzen Ein, [Willen Ehr Ihnen lass zukommen. 

Und gibe krafl in zu erfüllen 1759 Wimmis 

Dann diss (g) verleihest du allein. 

(Fortsetzung zum Teil verwitterty unleserlich, weü öfters abgewaschen). Vgl. 

^^^^er^ Das Frutigland. Bern 18S7 S. 1 ; Hagen, Einige Häuserinschriften 

aus der Umgegend von Bern, in: ^Alpenrosen, ein schweizerisches Sonntags- 

Wott» Bd. XI (t881) S. 850. 

2. Wir sind hier Nur fremde Gäste, 

Drum ist dies Haus nicht schön noch Veste, 
Wer Jesum Liebt, Hat dort ein Haus 
Im Himel, das sieht anders aus. 2 Corr. 5 Cap. 

^9^- Bogen S. 341. 1792 Wimmis. 

*) Parallelen habe ich aus der Schweiz beigebracht, soweit niii* solche 
«^Dglich waren. 



I 



^ 54 Miszeilen. — M^laDges. 

i" 
V.- 

\^\ 3. Gott W61 Ale Die Sägne Fin 4. Hans Widmer und Barbara Roller 

l'^ Die In Däm Hus 6aD Us Und In. han lan buwen har 

¥^. 1655 Wimmis. Im 1705 Jahr. Wimmis. 

r; 5. Ve Got vertrvw, 

1^^ Ve kein andern Felsen bvw 

t: Vb das han ich LvdwigPos gebvw. 

i\ ' Lateinische Majtukeln. 1627 Wimmis. 

^ 6. £Ls ist kein Mann so wis und alt, 

i Das er könne buwen, das jeder Man gefoUt. 

i^ • Gefallt es doch nit jeder Man, 

So hab (unvollständig) 
Michel Regetz der Zit Statthalter und Susanna Marie sin Husfrov hein 
'i' " lan buwen har im 1660 Jahr. Wimmis. 

ri (Lateinische Majuskdn.) Vgl. 0. Sutermeisier , Schweizer Haussprüche 8. 24. 

■' . 7. SHst kein Mann so weis noch alt 

Das er buv, das jederman gefalt 
:, Gtefalt es schon nit jederman 

> So hab ich doch mein best getan 

* Jakob Schmid, derzit Obmann und Susanna Schwingruber sin Husfrov 

haben dieses Haus buwen har im 1687 jähr Da Bendicht Bäller von 
Wattenwil Zimmermeister war. Wimmis. 

(L(xt. Majuskeln.) Vgl. Sutermeister a. a. 0. 

8. Der Herr Bewahr Mein Auss Und In Gang 
Von nun an Biss in Ewigkeit. 
, Gott allein die Ehr. 

Gott Auff dein Vertrauwen 
Dttn Wir hier Ein Wohnung Bauwen 
Peter Räber hat disers Hus gemath im 1660 Jahr. Wimmis. 

:.' 9. Gott allein die Ehr, 

Demselben dank ich sehr, 

Der Tadler sich bekehr. 

Auf Gottes Güti und Vertrauen 

Hat David WeissmUller und Madlena Itten hier gebaue. 

Qott es alles wohl bewahr, 

gnadenreicher Gott, hast dir gefallen lassen, 

Dass ich dies Hauslin hier Gebauen an die Strassen 

Dein Gnad und Segen — — — — Wimmis. 

10. Hans Bos, Anna Widmer haben har gebuwen 
Mit Gotts Hilf, dem si virthruwen 
Ir Nachkomnen u Gut. 

Gott erhalte si in synem Schutz, Schirm und Hut. 
Gllick, Gesundhit wel er in gäben, 
Nach diser Zit das ewig Laben 
Nit bis ers kann 
Ich wünsch ihn mir dan. 

Bewachen t und segen si Grott der Her. 1657 Jar. 
(Lateinische Majuskeln; die Ligaturen habe ich aufgelöst.) Wimmis. 



Miszellen. — Mölanges. 55 

11. MDCLXXXVII 

Wir biiwen hoch und vest 
Und sind dennoch frömde Gest, 
Da wo wir ewig sollten sein, 
Da buwen wir gar wenig ein. 
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit, 
Amen, Psalm 121 Soli Deo Gloria. Wimmis. 

Vgl. Sutermeisier S. 65; Hagen S. 341. 363. 397; RoehholZy Aargaiier 
hüttorisches Taschenbuch S. 199; SteUler S. 287. 

12. Wenn Nid und Misgunst brönten wi Für, 

So war das Holz nit halb so thttr. 1777 Weissen bürg. 
Vgl SutermeisUr S. 31. 69 ; HofstäUer, in „Die Schweig" 1858 S. 72; Bochhdlz, 
Aanjauer historisches Taschenbuch S. 105. 

13. Dis Hus steit i Gotts Gwalt, 
Vorne nöü und hinde-n-alt; 
Hätti der Herr ds Galt nit groue, 
Hätt er*s ganz nöü lasse boue. 

Soil sich an einem jetzt abgerissenen Haus bei Thun befunden haben. Vgl. 
Sutermeister, in „Die Schweiz* 1862 S. 30; Rochholz S. 109. 

14. Liebe Gott über alles, liebe deinen Nächsten als dich selbst. 

Willst du bei Christo sein und seinen Himmels erben 
So halte sein Gebot, bleib treu bis in dein Sterben. 

Wir bauen allhier stark und vest Ein Christ und Pilger hier 

Und sind jedoch nur fremde Bloss nur Herberg bestellt, 

[Gast. Weil dort sein Vaterland, 

^. , 1 ^. * « So eylt er aus der Welt. 

Mensch thu die Augen auf, 

Sonst kommst du nicht zur Ruh, Mit Grottes Hilff und Segen 

Verstocke nicht dein Herz, Und auch mit Gottes forcht 

Thu heute noch dazu. Sollen wir alle thun, 

Was Christenpflicht erfordt. 

1759 Därstetten. 

Vgl. Hagen S. 341; Leonhardiy in „Die Schweiz 1859 S. 224. 

15. Von Menschen bein ych gemacht 
Darum laset mich unferacht, 
Habet yhr mehr Weisheit Choun empfon. 
So zeige es an dem gemeinen Mann 
Heiemit Last ungetadlet meich 
Beiss auch Ich Deine Arbeit seich. 
Weihr seind Menschen und nicht Gott, 
Drum ist unser Werk unfolkommen. 

1772 Kinggenberg. 



66 MiszelleD. — M^laDges. 

(Am gleichen Haus:) 

Jesus Wohn in diesem Haus 

Weiche nimmermehr daraus 

Bleib darin mitt seinem Geist 

Wiles sonst ferlasen Ist. 
(Soll von einem Herrn v. Banddi erbaut worden sein.) 1772. 

16. Nicht Kunst noch Kraft noch Arbeit nützt, 

Wenn Qott der Herr das Haus nicht schützt. Ringgenberg. 
Vgl Larder, in „Alpina" 1902 S. 91. 

17. Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut 18. All mein Anfang zu dieser Frist 
ha Himmel und autf Erden. Geschah im Namen Jesu Christ 

Wer sich verlasstauf Jesum Christ Der steh mir bey früh und spatt 

Dem soll der Himmel werden. Bis dass mein Thun ein Ende hatt. 

Ringgenberg. (Majuskeln.) 1745 

Vgl, Sutermeister S. 12; StetÜer S. 276; Leonhardi S. 224. 

19. Baumeister Christen Santschi, Hans und Peter War. 

Ringgenberg. 

20. Ich, Jakob Weissmüller, Madlena Stucki 
Haben gebauwen har 

Im 1620 Jahr, 

Da Bendicht Bähler Zimmermeister war. 

Herr, myn Grott, auf dein Vertrauwen 

Tun ich allhier allhier ein Wohnung bauwen, 

Ich bauwen auch zugleich nit minder 

Ver myne Lieben Weib und Kinder. 

Ach Herr gib, dass drin wohnen rächt 

Dor's bauwet und syn ganz Geschlächt 

Zu deiner Ehr und Nutz des Nächsten 

Und ihm selbsteu auch zum besten, 

Dass allhie die Zeit ist auss 

Wir kommen in ein ander Hauss, 

Dass du uns dorten hast bereit 

Zu wohnen da in Ewigkeit. 
Vgl. No. 7. Wimmis. 

Bern. G. Züricher. 



Wie man in Ursern gegen die Kleidermode Icämpfte. 

Die Bergbewohner am Gotthard kamen durch Eröffnung des Gott- 
hardpasses an den grossen Weltverkehr. Ursems Handelsleute reisten viel 
nach Italien. Knaben, Jünglinge und Jungfrauen suchten jenseits der Berge 
Arbeit. Nicht wenige Ursenier dienten in fremden Heeren und kamen zu 
Ehrenstellen und Vermögen. In ihren alten Tagen kehrten manche mit 
Familie in die Heimat zurück, um da noch würdevoll einen friedlichen Lebens- 
Abend zu geniessen. Es konnte nicht ausbleiben, dass dieser Weltverkehr 
fremdländische Sitten, besonders aber fremde Kleidermoden in das heimische 



Miszellen. — M^langes. 57 

* 
Bergthal trug — zum Schrecken geistlicher und weltlicher Obrigkeit, die 
aber den Kampf gegen die bösen £indringlinge mit Energie aufnahm. 

Am 29. Dezember 1732 forderte der damalige Pfarrer von Ursem, 
der Kapuziner P. Bonaventura von Schwyz, in einem langem Handschreiben 
Thalammann und Rat auf, beim Urserncr Volke die „überflüssige Kleider- 
pracht und Nenwe Mode abzuoschaffen". Es sei „Männigklich bekandt, 
dass mit höchster Verwunderung sowohl der Anheimisch- als Ausländtischen 
■allerhandt Närrische Moden in kleideren eingerissen, dass baldt alle tag ein 
Neuwe pracht verführet wird". P. Bonaventura schlägt nun die „Refor- 
mation in folgenden Punkten ** vor: 

„Erstlich die kleldung der Frauenzimmer betreffend in den damastenen 
brüsten, und gar zuo langen schweiff an selbigen, so Ihnen nicht allein zum 
spott, sondern den Eltern zuo schand gereichet. 

2^^. In der bauptzierd und weissen hauben, welche theils gar zu vast 
ausgebreitt, theils mit guffen also verkrümmet, dass sie hömeren nit un- 
gleich Sechen, könnten also mit ohrenhauben, Nach altem gebrauch wohl 
vergnügt seyn. 

3^. Die schwartze streuss under der hauben von aller reinisten spitzen 
gemacht so weder zur Ehrbarkeit weder Nothwendigkeit, sondern allen zur 
fttinkhenden hoffarth dienen thuot. 

4^. Die grosse gar zuo hoclie, gehörnete Kappen, mit köstlichem 
boden von underschidlichen färben ausgezihrt^ dass man die vornembsten 
vom Adel tnitzen thuot, ein unanständig Ihrem standt nicht gemässe sach . . 

Die Jungfern betreffend : Die Uberflissigen Bindellen, an den Käppiein, 
80 sie T^schuggen Nennen, und der mehrere theil schon abgctrent, und nun 
mehr Ehrlicher und anständiger bekleid kommen, kente hiemit ein gebott 
gemacht werden solches zuo band haben, damit der übrige theil sich den 
Mehreren gleichförmig machte, dan ess gahr zuo ungerrümbt, dass Christus 
Unser herr und könig dornen auf seinem haupt, sie aber Rosen tragen. 

2^ Weilen Ihre Käppiein gar zuo schmahl, dass sie Ihr haupt nit 
bedekhet haben, wider die austruckhentliche Ermahnung des hl. Apostels 
Pauli, dass die Weibspersonen Ihr haupt sollen bedeckhen. 

3^. Die hoche vilfärbige schuoh, so mit grossen Unkosten auss frömb- 
den ländem erkaufft, auch in den vornembsten statten zu köstlich wären. ^ 

P. Bonaventura bittet, das Gerügte „mit aller gewalt auszumusten-n**, 
„an den Ihrigen ess nicht zuo gedulden'' und „mit schein bahrem Exempel 
vorzuol eichten**. 

Die Ratsprotokolle au8 joner Zeit sind etwas lückenhaft, doch finden 
wir Aufzeichnungen, die beweisen, dass der Kampf gegtMi „die Neuwe 
Mode** energisch geführt wurde. 

Am 28. Mai 1745 standen nicht weniger als 12 Sünderinnen vor dem 
Thalrat. Sie hatten Spitzen und Manschetten getragen und auch „viel 
Bendel am Kaplin**, was alles verboten war. Jede wurde um 1 Gl. gebüsst. 

Am 15. Mai 1747 verordnet der Rat: Die Weiber sollen das Haar 
nicht „ krusein " und in den Werktagskleidern keine Taschen haben. Es 
war nur gestattet, einen sogenannten „Pumpersack** unter der Schürze anzu- 
hängen. 



58 



Miszellen. — Melange». 



1751 den 28. Dezember wird das Tragen von gestickten oder mit 
Grold- und Silberbändem eingefassten Schuhen verboten. 

Die letzte diesbezügliche Aufzeichnung datiert vom 28. Dezember 
1772. Vor dem Thalrat erscheint die Schwiegertochter des Statthalter Nager; 
sie muss eine Kokette schlimmerer Sorte gewesen sein; denn weil sie sich 
^gepudert" und „durchbrochene Halskragen *" getragen hatte, wurden ihr 
12 61. Strafe auferlegt. In gleicher Ratssitzung wurden die Reifiröcke 
verboten. 

Ob nun die guten Ratsherren im Kampfe gegen die „eitle Putzsucht*' 
siegten oder unterlagen, darüber schweigen sich leider unsere Protokolle 
völlig aus. Gegen den Ström schwimmen, war nie leicht. 

Hospenthal. Peter Furrer, Pfr. 



Bonaparte und der Sohwyzerjoggeli. 

Als Variante zu Nr. 915 der Kinderlieder von Gertrud Züricher führ» 
ich die Version des Bonaparteliedes an, wie sie in Basel gehört wird: 

„Bisch du nit der Schwyzerjoggeli?" „Du hesch jo kai Pryse** 
Sait der Boneparti. Sait u. s. w. 

|: „Jo das bin i jo, „Jo, my Bäsi Lyse 

Was frogsch du derno?** Git-mer schon e Pryse" 
Sait der Schwyzerjoggeli. :| Sait u. s. w. 



„I glaub, de wottsch my Dochter** 

Sait u. 8. w. 
„Jo, die hätt i gäre, 
Jo die mues-mer häre.** 

Sait u. 8. w. 

„Du hesch jo kai Bett** 

Sait u. 8. w. 
„Jo, zwai Laubseck 
Gänd jo au e Bett** 

Sait u. 8. w. 

„Du hesch jo kai Wiegle** 

Sait u. s. w. 
„Us zwai hohle Ziegle 
Macht men au e Wiegle** 

Sait u. 8. w. 

„Du hesch jo kai Pfanne** 

Sait u. 8. w. 
„Jo, my Bäsi Anne 
Lycht-mer schon e Pfanne** 

Sait u. 8. w. 
Basel. 



„Du hesch jo kai Gäld" 

Sait u. 8. w. 
„Jo, die ryche Here 
Gänd der Gäldsack häre** 

Sait u. 8. w. 

„I glaub, i lo di hänke'^ 

Sait u. 8. w. 
„Se, do hesch e Strick, 
Hänk di, wo de witt** 

Sait u. 8. w. 

„I glaub, i lo di erschiesse, 

Sait u. 8. w. 
„Se, do hesch e Gwehr, 
Heb-der 's Fidle här.** 

Sait u. 8. w. 

„I wott, di hoiti der Teifel** 

Sait u. 8. w. 
„Gott biwahrt mi, 
Ehnter holt er di** 

Sait u. 8. w. 
E. Hoffmanu-Krayer. 



Miszellen. — M^langes. öd' 

NeujahrswDnsohe im Muotathal. 

M'r fiud ig a und stand ig a, M'r singidg hie am Spitzestei, 

M*r wügchid alle es guets NUjahr, Si händ vill Veh am Ise-Seil, 

Ä guete Abig gab üs Gott, Der Himmel und der isch heiter Glanz,. 

Stifel und Sparre und höcbi Rosg; Si bätid gärä de Bosekranz, 

Wt singid's hie und alle glich, Und wann si ghörid de Gloggeton, 

M'r wügchid alle 's Himmelrich, So sind si grflschtet zur Chille schon. 

Will man einen Bauer, einen Hausbesitzer besonders ehren, so wird 
vor dem betreffenden Haus gesungen : 

De N. N. sitzt im Federäspil, 
Er hed es Fraueli wie-n'er-wil ; 
De N". N. träid e höchä Huet, 
Er syg zu alle Ehre guet. 

Zu Ehren der Hausfrau : 

D'Stubedili isch lade lang. 
Die Prau si hed e gradä Gang; 
Es lauft e Mus dur d'Stube us, 
Die Frau si hed gar suber 's Hus. 

Einem Bauemsohne, von dem man weiss, dass er „z'Liecht" geht, 
wird gesungen : 

De N. N. träid e Maiä vo Gold, 
Es isch-'m e hübschi Jumpfere hold ; 
Wohl i dem Gläsli do brünnt de Wy, 
Es chönnt die N. N. sy. 

Einer Bauemtochter, welche einen „Schatz" hat, wird gesungen : 

Di N. N. träid es Chränzli vo Gold, 
Es isch ärrä e hübsche Knabe hold; 
Wohl i dem Gläsli do brünnt de Wy, 
Es chönnt de N. N. sy. 

Auch folgende Reime werden singend gesprochen, doch nicht in. 
Reihenfolge, sondern ganz nach Willkür: 

Das Hus staht uf de Murä, Si wand es par Nüsseli bringe; 

M'r singids dennä richä Burä; MV ghörid's im Kübeli drehä, 

Das Hus das isch mit Schindlä deckt, Si wand is es Nideli blähä ; 

M'r hend dag ganz Hus- Volch erweckt. M'r ghörid's im Röhrli*) rüttle, 

M'r stigid ufä bis under d'First, Si wand is Schnitz use schüttle; 

Si hauid-is appä Späck und Wurst; M'r ghörid's im Kaste kehrä, 

M'r ghörid's Schlügseli chlinge, Si wand is dri Batze verehrä. 

Früher soll es vorgekommen sein, namentlich unter Villgauern aus 
der zu Muotathal "gehörenden Filiale, dass, wenn das Honorar ausblieb, oder 
nicht befriedigte, man sich durch den derben Spruch rächte : 



*) Unter Röhrli ist hier ein Fässchen gemeint, worin Dörrobst auf- 
bewahrt wird. 



•60 



MiBzeileD. — M^Ianges. 



Rfldig und schäbig und inne hohl, 

Si händ au nüd, das wüssid mir wohl! 



Ober-Ägeri. 



Anna Ithen. 



Einige Rätsel aus dem Kanton Zug. 



Bat mer y, rat mer a, was ist das: 
Es sind sechs Brliderä i eim Hus, 
Luegid all zue einer Schybä us, 
's springid all enand no 
's oha cheine der ander foh ? 

(Die 6 Speichen eines 
Spinnrades.) 

Was goht wyss i Bach und chund 
brun use? (Chüechli.) 

De Himmel hets und d'Erde nid, 
d'Meitli händs und d'Wiber nid 
De Lorez hets voom, de Michel 

[hets hinnä 

Und d'Ankelirä zwtlschet innä. 

(Der Buchsabe 1.) 

Es Lädeli, es Gädeli und e Tschuple 
wissi Gizzi dri. 

(Die Zähne im Munde.) 

Rat m'r y, rat m'r a, was isch das? 
's isch chlyner als ä Mus, 
's hed mängers Schibli als ä's 

[Radhus. 
(Ein Fingerhut.) 



Vier Räderidänz, 

Vier höörig Schwänz, 

Es Schlottermändli 

Und e Geisle-Stäcke? 
^Fuhrmann mit der Peitsche auf 
einem vierrädrigen mit vier Pferden 
bespannten Wagen.) 

Es Fässli ohne Bändli und zweuerlei 
Gumpisch ') dri. (Ei.) 

's stahd Öppis ame ne Raindli 
Und gschauet sini Baindli? 

(Erdbeere.) 

Eb isch ä hölzige Vater und dri 
ysig BrUderä. (Mistgabel.) 

Unna vier und obe dri 
Vier Bai und keini Knü. 

(Wergrätsche.) 

Rat m'r y, rat m'r a, was isch das? 
Wyss wi Schnee, grüen wi Klee 
Rot wi Bluet, schmöcked alle Lüte 

[guet. 
(Erdbeere.) 



Wellä Krämer schlad am wenigste Wohi gad de Gugger wann er 

uf si Waar ? (Glaser.) jährig ist ? (Ins zweite Jahr.) 

Was gits US em Heustöffel (Heu- 's lauft öppis um 's Hus ummä 

schrecke), wenn der Heuet überä isch ? und summt: trä, trä, trä. 

(En Emdstötfel.) (Dachrinne.) 

's ist öppis wiss wi-n-äs Ei, mit schwarzem Same gsäet, 's gad dur 
mängs Thal und Dorf uf und weiss doch niemmer was dri inne stahd. 

(Ein Brief auf weisses Papier mit schwarzer Tinte geschrieben.) 
Ober-Ägeri. Anna Ithen. 



*) Dieses Rätsel spielt auf die frühere Gepflogenheit der Hausfrauen 
an, in das Fässchen mit dem eingemachten Sauerkraut einige Aepfel zu 
legen. In etwa 8 Tagen sollen die Aepfel einen aogenehmen Geschmack 
davon bekommen , welche die Kinder mit Vorliebe essen und solche 
^Gumpisch •* nennen. 



Miszellen. — M^langes. 61 

Aberglauben. 

Der Stammheimerberg mit »einem breiten Bergrücken, grossen Wald- 
ungen und verschlungenf^u Pfaden ist schon für manchen, der sich darin 
gut anskennt, zum Labyrinth geworden, aus dem er fast keinen Ausweg 
mehr fand; oder dann kam er an einen ganz entgegengesetzten Ort hin, 
als er eigentlich wollte. Das erklärt sich unser Volk so: es gäbe ein 
Kräutlein; wenn man unversehens darauf trete, so werde man ganz davon 
verwirrt, so dass man sich einfach nicht mehr zurecht finde. Das ist 
ein Ueberbleibsel des auch in Grimms deutscher Mythologie bezeugten alt- 
germanischen Glaubens an die bezaubernde Kraft gewisser Kräuter, speziell 
des Farrenkrauts. 

Noch sieht man etwa auf dem Dach eines Bauerhauses eine sog. 
Hauswurz (Sempervivum), die nur selten zum Blühen kommt. So oft sie 
aber einen Stengel mit Blüte treibt, stirbt Jemand in dem Haus oder in der 
Nachbarschaft. Erst letzthin versicherte mir ein altes Bäuerlein, dass dem 
gewiss so sei; es sei erst vor einigen Jahren wieder eingetroffen, als seine 
Frau starb. 

Wenn Eltern aus hiesiger Gegend mit ihrem Kind zum ersten Mal 
nach Stein am Rhein gehen, so sagen sie ihm gewöhnlich, es müsse dort 
in eine Kette beissen, wenn es über die Brücke gehe. Das verursacht ihm 
DStürHch ein gelindes Gruseln, das sich aber in freudige Ueberraschung ver- 
wandelt, wenn ihm statt der Kette eine sog. Steiner „Gige", ein spezifisch 
Steinerisches hartes Gebäck von der Form eines Rings, dargereicht wirti. 
Liegt in dem Gruseln, das dem Kind beim erstmaligen üeberschreiten des 
Rheins beigebracht wird, vielleicht ein Nachklang des altgermanischen Glaubens, 
dass dem Fiussgott beim erstmaligen üeberschreiten über einen Fluss ein 
Opfer (oft ein Menschenleben) gebracht werden müsse? 

Es wäre interessant, zu erfahren — und könnte zur Klärung der Frage 
dienen — ob auch in anderen Gegenden unsers Landes ähnliche Sitten oder 
Gebräuche herrschen. 

Stammheim. A. Farner, Pfarrer. 



Zur Volkskunde vergangener Zeiten. 

Nachtrag. 

E. Martin (Strassburg) und J. Bolte (Berlin) machen mich auf eine 
interessante Parallele zur vorletzten Zeile der zweiten Strophe des S. 184 
mitgeteilten Reims über das Käsmahi („die Wirtin sein zur goldnen Laus^) 
freuDdlichst aufmerksam. Im 18. Buche von „Dichtung und Wahrheit" 
(29. Band der Weimar'schen Ausgabe S. 84 flf.j erzählt Gcrthe: „Ich hatte 
nach Anleitung eines altem deutschen Puppen- und Budenspiels, ein tolles 
Fratzenwesen ersonnen, welches den Titel : Hanswursts Hochzeit fUhren 

sollte Als Prologus tritt der Hochzeitbitter auf, hält seine herkömm> 

liehe banale Rede und endigt mit den Reimen : 

„Bei dem Wirt zur goldnen Laus 
Da wird sein der Hochzeitsschmaus." 



^2 MiszeileD. — Mölaoges. 

Die Fragmente, die uns von diesem tollen Fastnachtsspiel erhalten 
sind, finden sich abgedruckt im 38. Bande der Weimar'schen Ausgabe 
S. 45 ff., enthalten aber unsere Verse nicht. Doch ist in einem erhaltenen 
Personenverzeichnis (S. 445) die Rolle des Hochzeitbitters Scherwenzel 
vorgesehen. £. Schmidt sagt darüber (S. 436): „Das Yerspaar des Hoch- 
zeitbitters .... haftete treu in seinem Gedächtnis und darf als Paralipomenon 
gelten, denn es stammt wörtlich, nur von der Buchstabenvariante „gülden *" 
Abgesehen, aus jenem alten Singspiel". Dasselbe „Harlekins Hochzeit" oder 
„Hochzeitsschmaus*" ist herausgegeben von Ellinger in Braune's Neudrucken 
Halle 1890 (vgl. Holte, die Singspiele der englischen Comödianten, Ham- 
burg 1893). 

Bern. Prof. Dr. S. Singer. 



Amulet 

eines Luzemer Landstürmers gegen Schuss und Stich ~ aus dem 
Sonderbundskrieg nach Bern gekommen im November 1847. 

Zwei schwarzwollene rechteckige Lappen, ungefähr 5 cm. breit, 7 cm. 
lang, mit blauer Seide umsäumt, an der Innenseite des Saums mit gelber 
Seide ausgenäht. Die beiden Lappen waren zusammengenäht, zwischen 
ihnen befand sich ein rotwollener Lappen mit aufgedmcktem Muttergottes- 
bild und ein weissleinener, der nach gleichzeitiger Angabe vom Hemde des 
1844 ermordeten Leu stammt. Das Ganze wurde an zwei 36 cm. langen 
Schnüren um den Hals getragen. 

Dass man dem Hemde des Leu diese besondere Wirkung zuschrieb, 
bezeugt noch nicht etwa seine Verehrung als Heiliger. Eine Reliquie von 
irgend einem unschuldig Ermordeten hat überhaupt zauberische Wirkung. 
So wurde während der Dauer des Lenker Prozess, einer Meldung des Thuner- 
blatts vom 24. Dezember 1902 zufolge, einem Fetzen vom Hemde dos er- 
mordeten Gerber (ebenso einem Holzsplitter vom Weidhag, an dem er er- 
mordet aufgefunden wurde), die Fähigkeit zugeschrieben, Kranke zu heilen. 

Bern. G. Züricher. 



Vom Tierkreis und den Gestirnen. 

Vadianische Bibliothek in St. Gallen Nr. 401 Pap. XVH. Jahrh. 60 Bl. 8". 

(S. 7—9.) 

Wider. 
Ist guot sterckhen die begyrdt, dess morgens negel abschniden vnd 
aderlassen, au zum haubt. 

ScorpioD. 
Ist guot purgazen inn tranckh innemen, baden vnd schröpfen; böss 
denen so die blatern handt. 

Sol. 
Ein guter tag, die natürlich hitz zemeren, vbrig füchtigkeit zuo deren 
vnd blost zuo vertreiben. 



Miscdlen. — Mölanges. 63 

Low. 
Ist guot die anziehenden nattur sterckhen, haar vnd negel schniden, 
in all andrem zemeiden. 

Venus. 
Ein glückhafftiger tag, baden vnd durch treiben te artzney ein zenemen, 
glider sterckhen, kindt entwenen. 

Stier. 
Ist guot Bterckhen die krafft, fluss vnd durchlöuft stillen, kindt ent- 
weneo, sayen vnd pflantzen; böss den halss mit artzneyen anrüeren oder 
dz zepfli abschniden. 

Wag. 
Ist guot die döwung sterckhen, har abschniden, aderlassen, baden vnd 
schrepfen au am ruggen vnder dem gurt. 

Mercurius. 
Ein mittelmessiger tag in allen obgeschribnen dingen, doch das 
satom» natur gleich. 

Zwilling. 
Ist guot die döwung sterckhen, böss aderlassen, schrepfen insonders 

saff den armen oder banden. 

Jungfrow. 
Ist gnot die behaltenden kreft sterckhen, fluss vnd durchlöuft stillen, 
kind entwenen, seyen und pflanzen. 

Luna. 
Ein guoter tag zu purgieren, insonders in lattwergen; aber böss baden, 
schrepfen vnd aderlassen, so der mon im nüwen oder wedel oder fier teil ist. 

Creps. 
Ist guot purgieren, insonders in lattwergen, innemen, baden vnd 
«direpfen, an zur median mitel aderlassen. 

St. Gallen. G. Jenny. 



„Volkssage im Entlibuoh". 

,Als die ünterwaldner ins Entlibuch einbrachen, und auf dem ersten 
Alphof den Senn mishandelten, entfloh der Eiiecht auf die Flue und hörnte, 
während das Vieh weggetrieben wurde, folgendes Liedchen: 

Hollop und Blässen 
Der Senn, der lyt im Kesseli, 
Der Hüttenknecht ist in der Flue 
Er homet sinem Scholieben [?] zu 
s'Hinder Heini's Trüchel Kuh 
Lauft gegen Unterwaiden zu 
Thut alle Thürli uf und zu. 

Hierauf sammelten sich die Entlibucher, und jagten die Ünterwaldner 
mit Hohn zurück, verfolgten aber ihren Sieg zu wenig, und verscherzten 
darfiber manche schöne Alpweide, aus Ueberfluss und Genügsamkeit da- 
maliger Zeiten.*' 

„1802, d. 31. Jul.« 



64 Miszellen. — Melapj^es. 

Obige Sage findet sich handBchriftlich aufgezeichnet auf einem Oktav- 
blättchen als No. 4 in dem Sanimelband G. 38,22 der Vaterländischen Biblio- 
thek in Basel. Vgl. die Varianten bei LCtolf, Sagen, Bräuche, Legenden 
1862 S. 414; Staldeb, Fragmente über Entlebuch I (1797) S. 81, und dar- 
nach Gremm, Deutsche Sagen. 3. Aufl. I, 194. — 

Basel. E. Hoffmann-Krayer. 



Nikiaus Emmenegger von Wiohy (richtiger Agy) und Anna Maria 
geb. Wiolit seine Frau. 

Jos. Reinhart pinxit 1791. 

Zwei Eheleute 'mittlem Altere. Der Mann steht etwas breitspurig da 
Der Maler hat offenbar des Farbeneffektes halber den braunen Leibrock 
desselben umgeschlagen, so dass das roto Futter sichtbar wird. Auch die 
Weste ist rot, mit gelbem Zwilch geflUtert, die Hose braun, dem Rock ent- 
sprechend. Die Kleidung folgt dem Schnitt der städtischen Mode; nur der 
auf einer Seite aufgeschlagene runde Hut mit der farbigen Schnur ist bäuerlich. 

Origineller ist die Tracht der Frau. Sie trägt den dichtgeflochteneD, 
breiten, flachen Strohhut mit schwarzer Ganiitur, wie er sich als Besonder- 
heit lange bei den Freiburgerinnen erhalten hat. Korsett und geblOmtes 
Halstuch sind mehr städtisch; ländlich dagegen mutet uns der Rock an, 
der zur Hälfte rot, zur Hälfte blau-weiss-rot gestreift ist. Unter der leichten 
durchsichtigen Schürze wird eine blaue bestickte Tasche sichtbar. Die 
Hände stecken in einem mächtigen Pelzschlupf, der zum Strohhut nicht recht 
paHsen will und wohl schon um 1791 bereits antiquiert war. 

Durch Hrn. Staatsarchivar Schneuwly in Freiburg, der sich dafdr mit 
dem Urenkel des obigen Ehepaares, Hrn. Joseph Emmenegger, II. Sekretär* 
der kantonalen Finanzdirektion, in Verbindung gesetzt hat, erhielten wir 
über die dargestelten Pi^rsonen folgende wertvolle Mitteilungen. 

Nikiaus Emmenegger, S(»hn des Melchior E., stammte ursprünglich 
von Schüi)fheini im Entlebuch und lies» sieh in der zweiten Hälfle des 18. 
Jiilirhunderts als ViehliändltT und „Bergbeständer" in der Nähe von Plaffejen 
nieder. Am 22. Novemb(»r 1773 erscheint er wegen eines Rechtshandela 
vor dem kleinen Kate. Er ast^ocierte sich mit einem gewissen Jützet von 
St. Sylvester bei Plaffeyen. Ihre Geschäfte gingen gut und erregten den 
Neid der Nachbarn, der sich in geleg(mtlichen Sticheleien Luft machte. Ein- 
mal wurden diese im Wirtshaus von Plaffeyen den Geschäflsteilhabem sn 
arg, so dass sie mit zwei Zinnkannen in der Faust, die sie ihren Gegnern über 
den Köpfen schwangen, die Gaststube räumten. Später zog E. in die NlÜie 
von Freiburg und verheiratete sich am 18. Oktober 1784 mit Anna Maria 
Wicht, Tochter des Peter W. von Praroraan, welcher Ehe eine zahlreiche 
Kinderschaar entspros». Am 16. Dezember 1794 liessen sie in der Kirche 
S. Nikolas zu Freiburg Zwillinge taufen, bei deren einem Herr von Appen- 
thel, Alt-Land vogt <les Val Maggia, Gutsbesitzer zu Brünisberg und später 
Staatsschreiber Pate war, woraus zu schliessen ist, dass E. wahrscheinlich 
dessen Pächter zu Brünisberg war. Im Jahre 1795 stellte er beim Staatsrat 
zu Freiburg das (besuch um Naturalisation, wobei als sein Wohnsitz Agy 
f Gemeinde Givisi(?z) und Brünisberg (Gemeinde Tafers) genannt sind; seinem 



Schweiz. Archiv für Volkskunde, Band VII (1Q03) 




aus Emmenegger von WJchy (fichtig Agy, Gemeinde Givisiez, 
Kt Frei bürg) und Anna Maria Wicht, seine Frau. 



I 



66 Miszellen. — Mölanges. 

faillir rendre mon debvoir. Vous luy pourrez faire dire chansoos sur son 
coniet et äultres pettites carraces (caresses) qa*il a accoustumö faire 4 ses 
vaches pour leür faire trouver leur desjun^ (döjeüner) bon. Je pense qu'ii 
moustrera qu*il est des maistres, selon que je m'entendz a leur laogaige.» 
Neuchätel. J. Jeanjaquet. 



Zum GlOcksrad. 

Das von Herrn A. Vital im Archiv 4, 174 bescbriebene Engadiner 
Losbuch „Ronda della Fortuna'^ ist offenbar aus einem deutschen Originale 
•des 17. Jahrhunderts übersetzt, das der bis 1638 in Strassburg angestellte 
Professor der Mathematik Eberhard Welper verfasste: „Ein neu erfundenes 
-Glücksrad, durch welches man nach astrologischer Art auf unterschiedliche 
Fragen, so den zwölff himmlischen Häusern nach abgetheilet sind, eine Ant- 
wort finden kan*. Der älteste mir bekannte Druck befindet sich in dem 
um 1695 erschienenen Sammelwerke „Das zeitkürtzende Lust- und Spielhaus'' 
S. 681—623. Einen Einzeldruck o. 0. 1704. 37, Bogen S^ besitzt die 
Berliner Bibliothek, einen späteren „gedruckt in diesem Jahr", der den Verf 
W^lper nennt, die Weimarer. Andre werden gewiss bei Nachforschungen 
zu Tage kommen. Vgl. übrigens noch meine Ausgabe von Wickraxns 
Werken IV, 333 (Litterar. Verein. Tübingen 1903). 

Berlin. J. Bolte. 



Volksmedizin. 

In St. Jost am Bürgen (Kt. Nidwaiden) befindet sich im Altar hinten 
•ein links verlaufender Schacht, in welchen die Wallfahrer den Kopf hinein- 
stecken, um vom Kopfsveh geheilt zu werden. 

Damit möge man das in Band IE S. 58 über den durchlöcherten 
Stein Gesagte vergleichen. 

Stans. Dr. R. Durrer. 



Die arme Gred. 

(Zu Archiv HI, 123.) 

Das an der obigen Stelle von J. M. mitgeteilte Gedicht findet sich 
in etwas anderer Strophenordnung und in stark erweiterter Form schon 
abgedruckt in Jos. Ineichens „Lieder vom alten Sepp" Luzern'1895 S.l ff. In 
unserer Version fehlen die Strophen 10. 12 (1. Hälfte). 14—19. 20 (2. Hälfte). 
22 (1. Hälfte). 23. 24 (2. Hälfte). 25—27, während in ihr Str. 1—9. 11. 12 
(2. Hälfte). 13. 20 (1. Hälfte). 21. 22 (2. Hälfte). 24 (1. Hälfte). 38. 39 ent- 
halten sind. Die Ineichen'sche Fassung weist also 39 Str. gegen 13 der 
unsrigen auf Freilich sind diese letztem auch oft zwölfzeilig gegen die 
^achtzeiligen Ineichens. 

Ob I. ein älteres Volkslied überarbeitet hat oder ob er wirklich der 
Verfasser der ^armen Gred" ist, konnten wir bis jetzt nicht ermitteln. 

E. H.-K. 



67 



Kleine Chronik. — Chronique. 



Volkslied im Kt. Bern. Bei Anlass des kantonalen Turnfestes in Biel 
ist u. A. auch ein Volksliederabend in 5 Bildern mit Gesang und Tanz ver- 
anstaltet worden. Wir begrQssen solche Unternehmungen, die den Sinn ftir 
unser Volkstum in weite Kreise tragen, aufs Beste, möchten aber zugleich 
den Wunsch aussprechen, dass künftighin nur ganz ächte, d. h. wirklich 
vom Volke aufgenommene Lieder zum Vortrag kämen. Dahin rechnen 
wir aber nicht — bei aller lebendigen Frische — das Strasser'sche Grindel- 
waldnerlied und das Heimann'sche Seeländerlied (die französischen Lieder 
kann ich nicht beurteilen). Das ächt-historische Kostüm kann bei solchen 
Veranstaltungen nie genug betont werden. 

Elsässisches Museum. Herr R. Forrer in Strassburg teilt uns 
mit, dass dort ein „Elsässisches Museum" gegründet worden sei, welches 
speziell Material zur elsässischen Volkskunde sammeln werde. Wir 
wünschen unsem Nachbarn Glück zu diesem Vorhaben. In der Schweiz 
ist es leider bis anhin noch nicht gelungen, etwas Aehnliches in Angriff zu 
nehmen, da sowohl das Landesmuseum wie die kantonalen Sammlungen ihr 
Augenmerk in erster Linie auf das Kunsthandwerk richten. 

Die »Pierre ä Niton" in Genf und Nuton-Neptunus. — In einem 
Artikel der „Wallonia" (X, 219 ff.), betitelt „Neptune et NutonB"" kommt 
H. Schuermans auch auf die „Pierre ä Niton'* in Genf zu sprechen, die sich 
durch die am Fusse entdeckten Opfergeräte (ein Beil und zwei Kelt) als 
Altar erwiesen hat. 

Seh. hält nun diesen NiUm, der bei Genfer Greschichtsschreibem auch 
NcUton, Neiton, Neyton, Nyton geschrieben wird, für identisch mit 
Neptunus, und diesen wieder mit den belgischen NiUons^ jenen 
koboldartigen Geistern, wie sie auch im Schweizer Volksglauben so häufig 
vorkommen. 

Die Uebereinstimmung ist für Seh. umso evidenter, als er bei Galiffe 
(Genfeve historique, Suppl., p. 15) die Notiz gefunden hat: «C'est encore de 
r^poque celtique que la campagne ä conservö longtemps, surtout dans les 
localit^s de la rive gauche, certaines croyances superstitieuses, comme celle 
aox yServants', gönies domestiques invisibles, taquins ou complai- 
aants selon les dispositions du manage qu'ils honorent de leur attention.» 
Daxu kommt noch die Entdeckung einer eigentlichen Neptunschrifl in Gtenf 
4un 14 Mai 1884 (CIL. XII, 5878). 

Nach alledem ist der Name Neptunus keltisch (vgl. Schneegans in 
Zeitachr. f. rom. Phil. XXIV, 560 und Wilmotte in Revue de Tlnstruction en 
Belgique) and bezeichnet ursprünglich gar keinen Meergott, sondern einen dem 
NuUm ähnlichen Hausgeist. 



Bücheranieigen. — Camptes rendus. 

Das Bauernhaus in der Schweiz. Hrg. vom Schweiz. Ingenieur- 
u. Architekten- Verein. Zürich (Hofer & Co.). Lief. 8—5. Fol. 

Den bereits angezei^o beiden ersten Lieferungen sind rasch die 
übrigen nachgefolgt, so dass das Werk, wenigstens der illustrative Teil, nun 
abgeschlossen vorliegt. Der Text, der mit Lief. 5 erscheinen sollte, steht 
noch aus. 

Ueberblickt man das Ganze, so fällt vor allem der ungleiche Anteil 
ins Auge, den die einzelnen Kantone an der Darstellung genommen haben. 
Diese Ungleichheit steht auch nicht, wie man etwa meinen sollte, in ganz 
richtigem Verhältnis zu der Grösse der Kantone oder der Vielgestaltigkeit 
ihrer Haustypen. £s fallen auf den 

Kanton Bern 18»/, Tafeln Kanton Freiburg 2 Tafeln 

„ Graubiinden 16 „ „ Appenzell 2 „ 

Tafel 



Wallis 


5Va 


St. Gallen 


3 


üri 


3 


Solothum 


273 


Zürich 


2 


Schwyz 


2 



Thurgau 




Unterwaiden 




Waadt 




Neuenburg 




Genf 




Aargau 


Vi 



Es fehlen somit vollständig die Kantone Basel, Schaffhause n^ 
Zug, Luzern, Glarus, Tessin. Das ist uns ein neuer Beweis, dass die 
Sammlungen nicht systematisch, vom historischen Standpunkt auß angelegt 
worden sind, sondern in Hinsicht auf die praktische Zweckdienlichkeit. Das ist 
aber um so mehr zu bedauern, als dadurch Gegenden, die interessantes Material 
geboten hätten, in Wegfall gekommen sind. So sucht man z. B. vergeblich 
einen typischen Vertreter des deutsch -jurassischen Hauses, wie es sich 
im Kt. Basel und im Frickthal findet. Ueberhaupt ist der weitschichtige 
Typus des dreisässigen Hauses — mit Ausnahme des „Bernerhauses'', das 
aber eine Uebergangsform darstellt — gegenüber dem Länderhause ziemlich 
schlecht weggekommen. Vom Engadiner Haus haben wir wenigstens in 
„Graubünden Nr. 15" einen guten Typus, während Nr. 7 mit seinem kompli- 
zierten Grundriss keinen festen Anhalt bietet. Auch die übrigen Typen des 
rätoromanischen Hauses (Rheinwald, Glarus, Gaster, Sihlthal) sind unge- 
nügend vertreten. Das ^schwäbische" Haus und das des Unterwallis 
weisen je eine Tafel auf (Thurg. Nr. 1 und Wallis Nr. 5), während, wie 
bereits bemerkt, das „Läuderhaus" mit über 30 Tafeln den Löwenanteil 
davonträgt. Dass das sog. „langobardische" Haus vollständig fehlt, 
mag seinen Grund in der Hunzikerschen Publikation des Tessiner Hauses 
haben; wir glauben aber doch, dass in ein so hervorragendes Werk, wie 
das vorliegende, sämtliche Haupttypen hätten aufgenommen werden 
müssen, ohne Rücksicht auf etwaige Vorarbeiten. 

Zum Einzelnen Hesse sich noch manches bemerken; das meiste ist 
schon in der letzten Besprechung gesagt worden. Eine Sache, mit der sich 



Bttoheranzeigen. — Comptes rendos. 69 

Icein Hansibrsdier wird befreaDden können, ist die gutdeutsohe Bezeichnung 
oder gar das Weglassen der Bezeichnung der Räume auf den Grundrissen; 
hat doch Hnnziker auf die grosse Bedeutung der Terminologie hingewiesen. 
Bei den Titein wäre es angezeigt gewesen, den Ortschaften jeweilen eine 
nähere Bestimmung ihrer Lage beizufügen. *) 

Doch genug des Tadeis! Auch in der schweizerischen Publikation 
befinden sich Blätter von grosser Klarheit und Schönheit Das Hauptrer- 
dienst fällt den Architekten J. Gross und A. Müller zu, von denen der 
erstere allein 21, der letztere 11 Tafeln des ganzen Werkes ausgearbeitet hat. 

Trotz gewissen Lücken begrüssen wir das schöne Werk aufs Frendigste 
and geben zugleich der Hofifnung Raum, es möchten in einer Supplement- 
lieferung auch diejenigen Haustypen noch Aufnahme finden, die bis jetzt in 
der Sammlung nicht vertreten sind. E. Hoffmann-Rrayer. 

Karl Reuschel, Volkskundliche Streifzüge. Zwölf Vorträge über 

Fragen der deutschen Volkskunde. Dresden und Leipzig 

(C. A. Koch) 1903. VI + 266 Seiten. 8^ (4 M.). 

Wie der Titel besagt, ist der Zweck des vorliegenden Buches, in 

Form von «Vorträgen'* einzelne Kapitel aus der Volkskunde zu behandeln. 

Den Grundstock des Buches bilden die Erörterungen über das Volkslied. 

Diesem geht eine „Einführung" über Begriff, Geschichte und Bedeutung 

der Volkskunde voraus und folgt ein Abschnitt über Sage, Märchen und 

Aberglaube nach, welch letzterer nur als Anhang betrachtet sein will, der ein paar 

Richtlinien für die Behandlung der betreffenden Forschungsobjekte zieht. 

Ich habe die klaren, einsichtsvollen Abhandlungen mit Genuss ge- 
lesen. Die Einführung ist fern von aller aprioristischen Wortfechterei und 
unterrichtet in knappen Zügen über das Wesentlichste. *j Der Abschnitt 
über das Volkslied teilt sich in drei Kapitel. In dem ersten kommt der 
Begriff des Volksliedes zur Sprache, wobei sich R. der John Meier'schen 
Auffassung anschliesst, immerhin unter Beifügung der Bestimmung, dass die 
Volkspoesie eine gewisse Dauer ^besitzen müsse. Das zweite behandelt die 
„Kunstlieder im Volksmunde", jenes Lieblingskapitel der heutigen Volks- 
liedforscher in überaus ansprechender, die charakteristischen Punkte heraus- 
hebender Weise. Das dritte Kapitel setzt sich mit der Entstehung der 
Volksdichtung aus dem Arbeitsgesang (Karl Bücher) auseinander. Darauf 
folgen Aufsätze über das Schnaderhüpfel (IV), den Stil des Volksliedes (V), 
das Verhältnis der deutschen Landschaften zum Volksliede (VI) und endlich 
die kulturgeschichtliche Bedeutung des Volksliedes (VII), die in allen ihren 
Teilen die reichste Anregung bieten. Das Buch schliesst ab mit drei Ab- 
handlungen über Sage, Märchen und Aberglauben. Auch sie sind gerade 
durch ihre knappe Fassung, die uns die wichtigsten Ansichten über das 
Wesen dieser Grebiete vorfiihrt, besonders wertvoll und lesenswert. 

») Der Titel „Bauernhaus ä Plague" (Bern Nr. 12) ist, nebenbei be- 
merkt, eine rechte Geschmacklosigkeit. 

<) Der Lapsus, dass ich Professor in Zürich sei, ist verzeihlich ; aber 
unter den Hochschullehrern, die seit längerer Zeit volkskundliche Vorlesungen 
halten, hätte Singer in Bern nicht vergessen werden dürfen. 



70 Bücheranzeigen. — Comptes rendus. 

Fachmann und Laie können aus R/s Buche viel lernen: Letzterer 
manche für ihn neue Thatsache, Ersterer die Kunst der übersichtlichen Be- 
handlung eines weitschichtigen Stoffes und — was man bei einer deutschen 
Arbeit ganz besonders hervorheben muss — die einer gewandten, leicht- 
fliessenden Darstellung. E. Hoffmann-Krayer. 

C. Kleeberger, Volkskundliches aus Fischbach i. d. Pfalz. (Samm- 
lungen des Vereins f. bay. Volkskunde u. Mundartforschung. 
Heft I). Kaiserslautern (Herm. Kayser) 1902. VII 4- 130 
Seiten. 8*^. 

Es ist eine erfreuliche Thatsache, dass die Volkskundevereine aller- 
orten zusammenfassende Darstellungen herauszugeben anfangen. Man kann 
diese Publikationen scheiden in Ortsmonographien und Stoffmonographien. 
Vorliegende Schrift reiht sich unter die erstem. 

Kl. hat sich einen sehr weiten Rahmen gezogen und auch Gegen- 
stände aufgenommen, die nicht eigentlich in dem Gebiet der Volkskunde 
liegen, wie z. B. geschichtliche Begebenheiten und einiges Statistische. 
Wir halten das aber für keinen Schaden, so lange es nicht auf Kosten der 
Volkskunde geschieht. Und das ist in Kl.'s Schrift wirklich nicht der Fall. 
Der Verfasser bietet uns ein stattliches und in vielen Teilen auch bedeuten- 
des Material über Bräuche, Aberglauben und Volksdichtung (Märchen, Sagen, 
Kinder- und Volksreime, Kinderspiele, Volkswitz, Sprichwörter und Redens- 
arten). Dabei wird (S. 90) auch das sonst so wenig gepflegte Kapitel der 
volkstümlichen Bilderschriften kurz berührt. Zum Schluss kommt 
die Mundart nach ihrer grammatischen und formelhaften Seite zur Sprache. 
Historische Karten und Situationspläne bilden eine willkommene Ergänzung. 

Wir möchten diese gediegene Arbeit auch unsern schweizerischen 
Volksforschern zum Studium warm empfehlen; denn auch unserm Lande 
thäten solche Monographien mit Hervorhebung des VolkskundHchen bitter not. 

E. H.-K. 

Gertrud ZOricher, Kinderlied und Kinderspiel im Kanton Bern. 
Volksausgabe. Bern (A. Francke) 1903. 256 Seiten kl. 8^ 

Die in Fachkreisen durchweg so günstig aufgenommene Sammlung 
von Berner Kinderliedern ist nun auch in handlicherem Format als Volks- 
ansgabe erschienen; die Schweif. Gesellschaft für Volkskunde hat als Ver- 
legerin der wissenschaftlichen Ausgabe von Anfang an den Plan der 
Popularisierung befürwortet; d(»nn sie erhofft sieh von dem Bekanntwerden 
ihrer Bestrebungen im weitern Volke nicht geringen Erfolg, wenn derselbe 
sich auch nicht sofort direkt bemerkbar macht. 

Wesentliche Aendeningen hat die vorliegende Ausgabe nicht erfaliren. 
Für ihren Zweck ist natürlich der Varianten- und Litteraturap^mi'at weg- 
gelassen worden; dagegen ist ein feinsinniges Vorwort von 0. v. Greyerz 
und ein alphabetisches Register der Liederanfönge neu hinzugekommen. 

Wir wünschen dem liebenswürdigen Büchlein alles Glück auf den Weg. 

E. H.-K. 



71 



^ Bibliographie 

Ober schweizerische Volkskunde fOr das Jahr 1902. 

Von E. Hoffmann-Erayer. 

Folgende Herren (bezw. Firmen) haben sich in dankenswerter Weise 
durch Zusendung von BQchorn, Zeitungsausschnitten und Litteratumachweisen 
an der Bibliographie beteiligt: 

Prof. J. L. Bbandstettkr, Luzem, 0. ÜHAMnAz, Serix, Dr. Th. v. 
LiEBENAu, Luzem, P. Gabriel Meiek, Einsiedeln, Dr. R. Nef, Basel, Dr. R. 
ScHocH, Zürich, Prof. A. E. Schönbach, Graz, Prof P. Schweizer, Zürich, Ad. 
Seiler, Basel, W. Speiser, Basel, Dr. E. A. StCckelbkro, Zürich, Red. der 
„Thiroauer Zeitung", Franenfeld, A. Tobler, Wolfhalden. 



Abkürzung. 
I. SS Schweizerisches Idiotikon, 

I. Bibliographisches. 

1. Ergebnisse und Fortschritte der germanistischeu Wissenschaft im 
letzten Vierteljahrhundert. Leipzig. 8.477: R. Petich, Volksdlohtnog ; 8. 4»9: Ä. 
Fdach, Volkskunde; 8. 506: A, Schuiiertu, Mythologie. — 2. Jahresbericht üb. d. Er- 
scheinungen a. d. Gebiete d. gerraan. Philologie. Jahrg. 1901. Berlin 1902. 
XIX. Mythologie und Sagenkundo. XX. Volkskunde. — 3. Jahresberichte 
fiir neuere Litteraturgeschichte. IX. Bd. (1898) Berlin 1902. Teil I, 5: 
Volkskunde. — 4. Bibliographie der Schweiz. Landeskunde. Bern ^K. ,1. Wyss). 
— 5. Hoffmann-Krayer^ E., Bibliographie tlber Schweiz. Volkskunde f. d. J. 
1901, in diesem Archiv VI, 69 ff. — 

II. Helhodik und Systematik. 

1. Hoffmann-Krayer, E.^ Die Volkskunde als Wissenschaft. Zürich. — 
2. Scfioch, R.j Anleitung z. Anlegen von Gemeindechroniken. Neue Zürcher Ztg., 
19. Jan. Behandelt bauptAächlich die ToIkskundHohe Seite. — 

III. Yeriuischtes. 

1. Viäliäty, H., La Suisse a travers les ages. Bale et Geni've s. a. 
[1902]. — 2. Mohr, A.y Survlsta della literatura ladina. Annalas deUla 
Societä retO'TOmantscha XVI, 13 ff. Daraus besonders- I. Part. La literatura tra- 
dizioDala: 1. Prorerbis e frasas proverbiales. 2. In^^lHTineras. 3. II requint mitlc e la 
ehanson mitica. 4. Iai chanznn d*amur. 5. La satira ed il pasquil. 6. La ballada. 7. La 
fiabla. 8. La ohanznn itorica. 9. La chanzun politica. 10. La chanzun da plaz (Spinn- 
Stuben-Lied). 11. Cbansun da led. 12. L'inscripziun. — 3. Diibiy H., Saas-Fee und 
Umgebung. Bern. Holzkreuze mit Votivtafeln S. 17. 22. 76, Steine 28. 29. 104, Sara- 
aenen Sl. Hioser passim o. spez. HO, Hausthür 47, Murmeltierfang 47, Inschriften 48. 76. 



72 Bibliographie. 

79. 89, Haoageräte 95. 110, Kannen 59, TUch 68, Bflck«Bkorb 100. 101, Landw. Geräte 107. 
119, Jahneitmühler 59, Volksmedistn 61. 63, Be^räbnU 69. 109, Brücken 65, Sagen 87. 
95—100, Anekdoten 100, Heiligenverehrnng 89, Namen 109, Nahning 108, Alp- n. Land- 
Wirtschaft 105. — 4. Wettstein, E., Zur Anthropologie UDd*Ethnographie des 
Kreises Disentis. Zürich. I. Physiach-anthropologlscher Teil. II. EthnographiBcher 
Teil: A. Spraeke: Orti- uid Flomamen, QeMkleehtinamen, Peraonennamen. B. StatU- 
tiaohee: Beyölkemngssahl, Heirattfreqnenz nnd Ueiratsalter, SterbefiUle. C Lebensweise: 
Kahrong, lUeidnng, Beschäftigung. D. Hausaeiohen. E. Tierceiohen. F. Volksdichtung: 
Härchen, Sagen, Kinderreime, Alte Sprüche und Gebete, Landwirtschafts- und Wetter- 
regeln, Sprichwörter, Rätsel. G. Aberglaube. H. VoÜLsmedisinisches. — 

IT. Urgeschichte^ Yorgeschichte, Siedlung. 

1. Garofalo, F. P., Note di storia elvetica. BoUeitino siorico XXIU 
(1901), 133 ff. (Sülle sedi e sui limiti degli Helvetii. — Quali eraDO i pagi 
Elvetici? — Sulla via che tennero i Cimbri per venire in Italia). — 2. Anti- 
chitä di casa nostra nei Musei-di Milano. Ib. 164. — 3. Nüesch, /., Das 
Schweizersbild. 2. Aufl. Zürich. (Vgl. Korrespofidene-Blatt d. d. Ges. f. 
Anthropologie XXXIII, 50). — 4. Heierli, J"., Die Nefritfrage mit spez. Be- 
rücksichtigung der Schweiz. Funde. Anzeig. f. Schweiz. Altert. IV, 1. — 
6. Ulrich, Ä., Der Grabhügel im „Wislistein** bei Wangen, Kt. Zürich. Ib. 8. 

— 7. ReichUn, Fr.^ Les fouilles de Vindonissa. Revue histarique vaudoise. 
X» ann^e. — 8. v. Tröltschy F., Die Pfahlbauten des Bodensees. Stuttgart. 

— 9. Heierli, J., Aus der Urgeschichte des Ütliberges bei Zürich. Globus 
82, 231 ff. — 10. Courthion, X., Les premiers coions du Valais. Almanach 
du Valais (Sion), p. 68. — 11. Caro, G.y Studien zu den älteren St. Galier 
Urkunden ; Die Grundbesitzverteilung in der Nordostschweiz zur Earolinger- 
zeit. 2. und 3. Abschnitt. Jahrb. f. Schweiz. Gesch. XXVII, 186 ff. — 
12. LiUhi, F.f Der Aufmarsch der Alemannen. Pionier (Bern) XXIU, 1 ff. — 
S. auch m, 3. — 

y. Wohnung und Architektur. 

Höhlenwohnvng. Höhlenbewohner in der Schweiz. Basl. Ncuihr. 30. Nov. — 
Haus. Das Bauernhaus in der Schweiz, hrg. v. Schweiz. Ingenieur- und 
Architekten- Verein. Lief. 1—5. Zürich (Hofer). — 2. Isabel. F., Un 
fenil aux Ormonts. Bulletin du Glossaire, p. 30. — 3. Hunziker, J"., 
La maison suisse dapr^s ses fonnes rustiques et son d^veloppement 
historique. Traduction fran^aise par Fred. Broillet. l^* partie: Le 
Valais. Lausanne et Aarau. — 4. Alte Häuser in Ins. Der Schweizer- 
Bauer, [Kal-l (K. J. Wyss), S. 93. — 5. Appenzeller Haus. Neuer 
Appenzeller Kai. (Heiden, b. R. Weber.) — S. auch I. 189. 190 Blatten, 
196 Asch-, 197 Vor-, Füür-, 198 Herd-, 200 Schutz-, 201 Trechen-, 
Wolf-, Wetter-, Ziegel- BlaUen, 315 Breche. — S. auch lU, 3. — 
Brücken. S. lU, 3. — 

YI. Gerät, Fahrzeug und Aehnliches« 

Schiff* 1. Zur Forschung über alte Schiffstypen u. s. w. A. Die Schweiz 
(von H. Messikommer, Dr. Wavre, Dr. V. Gross, Dr. J. Messikommer 
und R. Mielke). Correspondenzblatt d. deutsch. Ges. f. Anthropologie 
S. 36 ff. L Äg^eri- nnd Zugr^r-See. I. Die Einbaum-FlottlUe In Ober- 



Bibliographie. 73 

Äceri. IL Die HeratoUimg des EinbaomaB, ipoüall r. Ober-i«erL HL DI« 
FiMharflotto ▼. Walehwyl. S. Neuenbar ger-, Bieler-, Mnrten-See, Thielle 
und Broye. 8. Bieler-8ee. 4. Einbanm ▼. Robenhausen. 5. Wallen-Seet 
Limmat, Vlerwaldit*tter-8ee. — 

iMmpen. 2. Godet^ Ä., Anciennes lampes grisonnes. Anz. f. Schweiz. 
ÄUert. IV, 67. — 

LandwirischaftUeheg. S. m, 3. — 

HauBgerät. S. m, 3. ~ 

YII. Nahrung. 

AiigemeineM. S. III, 3. 4. — 

£tebä€k. 1. J". M.y A propos des bricelets. Conteur vaudois, 4 janv. — 
2. Margot, Ch.-G.y Casse-museaux. Ib., 15 fövr. Rln hartes, kastanlen- 
förmiges GebSck, schon im 16. Jh. bekannt -* J. 181 Blatt 187 Thee-^ 
Win-Blaü, 203 Plattene, 277 Ha^Ben-, 279 Chnüw-, Leder-, 280 Fa»- 
noc^, 282 Äw-, 283 Schnider-Bhfz. - S. auch XI: Ostern. - 

TIIL YolkskuDSt. 

Heraldik» 1 . Angst^ U., Baueraheraldik. An*, f. Schweiz. Altert. IV, 64. — 

IX, Tracht. 

AppenzMm 1. Appenzeller Sennenbube. Nach einem Aquarell v. K. Liner. 

Die Schweiz VI, 5. Heft. — J. 266 Bletz, 384 BrüecMi. — 
Bern. 2. Bemertracht a. d. J. 1804 (nach König). Eidg. National-Kal. 

(Aarau, b. E. Wirz), S. 69. — I. 282 Schilebletz. — 
rVeihurg. 3. Qeogr. Lexikon Bd. II, 170. 171. — 
Glarus, 4. Joh. Heitz, der grosse Gemsjiiger. Alnianach romand (Beme, 

chez Stsempfli & Cie.). Planche, d'aprfes König. — 
St- Gallen. 5. Die 3 Kinder des „armen Mannes*" (Bräcker) aus dem 

Toggenburg. Hist. Kai. (Bern, b. K. Stämpfli). Färb. BUd nach N. König. - 

S. auch I. 191 Blatten, 203 gehlätüet, 266 fg. Bletz. — 
Grauhünden. S. III, 4. — 

Waadt* 6. Paysanne au marchö, ä Vevey. Conteur vaudois, 23 aoüt. — 
WaUis. 7. 1802. Almanach du Valais (Sion), p. 16. — 8. Männertracht 

der Älplerinnen. Der Schweizer Bauer (Bern, b. K. J. Wyss), S. 79. — 
Zug. 9. Peter Meyer und seine Schwester, von Buonas. Hist. Kai. (Bern, 

b. K. Stämpfli). Färb. BUd nach N. König. — 
Zürich. 10. Joh. Frid. Fröhlich und A. B. Millli (v. Schöfflisdorfj. Alma- 

nach romand (Beme, chez Stfempfli). Färb. Bild. — I. 188 blättlen, 

275 ünderbletz. — 

Zum Ganzen s. auch J. 188 blättlen, 275 Vor-, 276 Göller-, 281 

Brust'Bletz, 383 fg. Bruech. — 

X. Wirtschaftliches. 

JLiigetneines. 1. Geering, Tr., und Hotz, R,, Wirtschaftskunde der Schweiz. 
ZOrich. — 2. Baumgartner, G., Das Curiirstengebiet in seinen pflanzen- 
geogr. und wirtschaftl. Verhältnissen. Zürcher Diss. 1901. -r- 



74 Bibliographie. 

Landwirtschaft» 3. Karte der Landwirtschaft uod Bodenerzeugnisse der 
Kantone Appenzell, Aargau, Bern, Freiburg, Basel. Geograph. Lexikon 
der Schweiz. Lief. 10. 15. 26/7. 34. 56. — 4. Kr^emer, Ad., Die 
Landwirtschaft im 19. Jahrh. mit bes. Berücksichtigung Schweiz. Ver- 
hältnisse. Frauenfeld. — 5. Der Dinkel und die Alamannen. Globus 
87. 83. Beferat eines Artikels t. R. Qradmana in d. Wflrtt. Jahrbb. t Statistik 
1901, welcher den Dinkel, in der Schweiz «Korn'' genannt, als spesiflsch alemann- 
isches Getreide feststeUt. — 6. Pierre d'Anian (Roch, Eug.), Oh ! les 
bonnes vendanges d'antan. Conteur vaudois, 25 octobre. — 

Alp' u. Milchwirt9ch€fft. 7. Per la storia del commercio dei formaggi. 
Bollettino storico XXIU(1901), 180. — 8. Gerber, Gh., Milchwirtschaft. 
Alpwirtschaftl. Monatsblätter 33. — 9. Strüby, A.y Die Alp- und 
Weidewirtschaft im Kt. Zug (Schweiz. Alpstatistik XI). Solothum 
1901. — 10. Strüby, A., et de Chastonay, 0., L'Economie alpestre du 
Bas-Valais. (Id. XU). Ib. 1902. — 11. Die Emmen thaler Alp Wirtschaft 
zu Grossvaters Zeiten. Alpwirtsch. Monatsblätter S. 93. — 12. Die 
Alpwirtschaft im Unterwallis. Ib. S. 96. 190. — 13. Fleischmann, TT., 
Lehrbuch der Milchwirtschaft. 3. Aufl. Leipzig 1901. — 14. Gilliron- 
Duboux, Les alpages communaux dans les Alpes vaudoises. Chronique 
agricole du Canton de Vaud. — 15. Die Alpen im Vallt^e de TEau- 
Froideim Kt. Waadt. Alpwirtsch. Monatsblätter S. 142. — 16. D'Antan, 
P., Le fauchour dauö la montagne. Conteur vaudois, 6 sept. Lebendes 
Alpheuers. — I. 199 Käs-Blatten, 203 Blater. — S. auch III, 3. - 

Viehwirtschaft, 17. Verteilimg der Nutz Viehhaltung im Kt. Bera, Frei- 
burg. Karten in Lief 35/36 u. 53 des Geogr. Lexikon d. Schweiz. — 

Hausindustrie, 18. Karten der hauptsüchlichsten Industrien der Kantone 
Appenzell, Aargau, Bern und Basel. Geogr. Lexikon der Schweiß. 
Lief 9. 16. 28/9. 33. - 19. Webstuhl im Basel-Land. Ib. Lief 10. — 
S. auch m, 4. - 

XI. Sitte, Brauch, Feste. 

Hochzeit. 1. Une ancietme coutume. Conteur vaudois, 5 avril. Abschieds- 
reim an die das ElternhaoB verlassende Brant. — 2. Dalla Calanca. Costumi 
nuziali. II San Bernardino (Roveredo) N». 7. 8. 11. 18. 15. 17. 24. 
Nichts Altertümliches. - 2* L 447 E'Brief,A5S Hirats-, Verhirats-, 479 
Husrat-, 489 Etag-, 491 Wiberbrief. — S. auch XV, 4. 5. — 

Baten. 2^ /. 200 Schienggen- Blatten, 303 Brabanier, 452 Gevatttrbrief; 
457 Göitibnef. — 

Taufen. S. XV, 8. — 

GeburtsUig. 2« I. 472 Bindbrief. — 

Namenstag. 2«* I. 495 Würgbrief. — 

Liehschaß. 2*. I. 197 füürplättelen. — 

Begräbnis. 2t J. 180 Blatt — S. auch III, 3. - 

JahrzeitmUhler. S. III, 3. — 

Holzkreuze. S. III, 3. — 

Älplerfeste. 3. Alphirtenfest in ünspunnen. 17. Aug. 1805. Histor. Kai. 
(Bern, bei K. St<1mpflii, S. 48 und Almanach romand (ib.), p. 72. — 

Landwirtschaftliciie Bräuche. 3». I. 340 Brecheten (Hanf). — 



Bibliographie. 75» 

Sehützenfeaie. 4. LßebenauJ, Th, v., Vorgeschichte der Schweiz. Schützen- 
feste. Fest'Ztg, für das eidg. Schützenfest in Luzem 1901, S. 99 ff. — 
5. Lötscher, Ä., Erinnerungen an die Entlebuch-Eramenthalischen 
Weiberschiessen. Ib. S. 2ö0 ff. — 6. Heubergery S.y Zur Geschichte des 
Bragger Schützenwesens. Offiziel. Festztg, für das aarg. Kantonal' 
schütsenfest. — 7. Liebenau, Th. v., Pritschenmeister Heinr. Gering von 
Zürich. Am. für Schweiz. Altert. IV, 168. — 7t 1. 193 Blatten, 196 
Ürten-, 199 Schiess-, 200 Schützen- Blatten, 273 Bletz, 282 Schibenbletz, 
446 Brief, 484 Schiess-, 485 Schützenbrief - 
Knabenschaften» 7*». I. 402 Hauss-Predig, 414 Brueder. — 
JBrttderschaflen. 7« /. 414 ff. Brueder u. Zss., 424 Bruederachaft. — - 
Spart. 8. Dübi^ H., Der Alpensinn in der Litteratur und Kunst der Bemer 
V. 1537—1839. Neujahrsbl der Litterar. Ges. Bern a. d. J. 1902. — 
S. auch XII. — 
j€Lgdm 9. Forestj L., Une chasse 4 l'aigle. Conteur vaudois, 12 avril. — 

S. auch III, 3. - 
NaciUtvüchter* 10. Morax, R., Les veilleurs de nuit. Gazette de Lausanne, 

30 jaillet. Nachtwache in Reokinf^en (Oombs). — 
Feuerspritzenfest. »0^ /. 304 Spritzenprob. — 
Kirciigang. W /. 183 Öpfel-Bletüi. - 
Kirchliciie Bräfiche. 11. Müller, Jos., Ein alter Bittgang auf Ennet- 

märcht. Histor. Neujahrsbl von Uri a. d. J. liK)2. — 

12. Courtfiion, L., Les Itogations. Journal de Geneve, 18 mai. Bittgänge 
im Walils ror Himmelfahrt. - I2t I. 220 Bluet (Blutfest). — 
Verfassungsbräuche. S. Rechts- und Verfassungsaltertümer. — 
Silvester. 12»: /. 21677 Nest'Blutter{eT), -Blatterling. — 
Neujahr. 13. Das Neujahrsingen. Eidg. National-Kal. (Aarau, b. E. Wirz) 
S. 77. — 13» J. 216 Nest'Blutter, 409 Predikant, 472 Bindbrief — 
JFastnacht» 14. Ebrodensis, Les Brandons. Lieti vaudois, 10 fövr. — 
15. J. B. [lies J. L.], Wie die Gomser [lies Gommer] ihre alte Fast- 
nacht in Ehren feiern. Vaterland 27., 28. Febr., 1. März. — 16. (Ilirs- 
niontag in Münster 1764). Luzerner Volksblatt 14. April. Feuer im 
«KreaE'* zn Münster 1764, durch KttchlibackeD verursacht. — 16* /. 264 Bletz, 
282 Bschuribletz, 468 Fasnacht-, 489 Hirsmäntag-, 490 Dorfbrief — 
JPaimsanntag. 16^ L 185 Balm-Blatt, 259 EselspJätzU. — 
Ostern. 16« /. 185 Balm-Blatt 2, 256 Platz. — 
jyingsten. 161 L 2 17 Pfingst-BlilUer, 218 Pfing.st-Blüttling. — 
3fa€- 17. Der „Maienbrei" in Silva. Züricher Post 8. und 16. Mai. Poienta- 

Mahl der Schalkinder. — 
Wurstmahl. 18. J. 495 Wui-stbrief — 

XII. Spiele. 

ferrnischtes. 1. Die älteste Erwähnung des Steinstossens. (Thüringischer) 
Hauskalender fLuzern) S. 26. Erwähnung des Kegeins, „Walens", 
Stechens, Tnrnierens, Schiesseds und Steinstoäsens im alt. Im. Stadt- 
bach (1310—1815). — 2. S. auch /. 190 Blatte (Steinplatte), 197 Geiss- 
gügi-Blatten, 200 Schiessblatten, Stöckel-BläUli, steinblättlen, 201 Störzli- 
Blatten^ '^02 blattjen, blätüen, Blättiet, 209 bläterlen, 239 Platscligeren, 



IB Bibliographie. 

262 Seholderplatz, ^63 platzen, 298 hlaUgen, 300 Btutzger, blüUgerlen, 
902 Zübrid, 316 brechen, 412 Brüddi, 413 Brueder. ^ 
Kartenspiel. 3. I. 423 WcAdhrueder. — 

XIII. Rechts- und Terfassangs-AItertämer. 

Vermiaelitee* 1. Fient, G., Die bfindu. Grememde in ihrer staatsrechtlichen 
Struktur. Bündn. Monatsbl 1 ff., 25 ff. — 2. iScÄwite, ^., Ueber 
Staatenbildung in der Alpenwelt. Histor. Jahrb. der Qörresges, XXII, 
1 ff. — 3. Cajacobf Die Gesch. der Rechtsquellen des Kt Graubanden. 
Vaterland 1900 Nr. 129. — 4. Meuli, A., Die Entstehung der auto- 
nomen Gremeinden im Oberengadin. Jahresb. der Hist.-ant. Gee. van 
GratiUmnden Jg. 1901. — 6. Beschreibung zweier alter Bräuche. 
Basler Chroniken VI, 307 ff. Bericht yon ea. ISSO fiber alte Wahlbräaohe 
ond die Brbebang des Mmrtinlzinses. - 5^ I. 238 IHütschi, 320 brechen, 
453 Fressbrief, flberh. die Zss. mit Brief. — 

JOandsgemeinde. 6. Die Landsgemeinde in Glarus. (2 Abbildungen). Der 
Tag (Berlin) 4. Mai. — Qt I. 403 Landsgtneindpredig. — 

Hauezeichen. S. III, 4. — 

Jtechtsqfiellen* 7. Dumur, B., Les coutumes de Payeme. Mimoires et 
BocumentSy publ. p. la Soc. d'hist. de la Suisse rom. t. IV, p. 207 suiv. 

— 8. Holder, K., Das Landrecht von Jaun. Freiburger Geschichts- 
Udtter IX, 1 ff. — 9. Jecklin, F., Eine neue Quelle ftlr die Geschichte 
des bündn. Strafgerichtes v. J. 1572. Ane. f. Schweiz. Gesch. S. 72. — 

XIT. Yolksglaubeo und Yolksmeinangen. 

Vermiechtee. S. III, 4. 

JBauem" m. Wetterregeln* 1. Vieux dictons sur le mois de janvier. 
Conteur vaudois, 18 janvier. — 2. (Idem du mois de fövrier). Ib., 
8 fftvr. — 3. (Mars). Ib., 15 mars. — 4. (Avril). Ib., 19 avril. — 
5. (Mai). Ib., 10 niai. — 6. Feierabend-Kalender (Münsingen, bei G. 
Fischer), Almanach du Valais (Sion), (nuring' scher) Hauskalender 
(Luzern, bei Gebr. Rilber), Historischer Kalender (Bern, bei K. 
Stämpfli), Arbeiter freund-Kal. (Bern, Blaues Kreuz), St. Ursen-Kal. 
(Solothum, Union), Grütli-Kal. (Zürich, Grütlidruckerei), Neuer Ein- 
siedler Kai. (Eins., b. Eberle, Kälin & Cie.), Vetter Götti, Lustiger 
Uisteli'Kcä., Schweiz. Volks-Kal. (sämtl. Grüningen, bei J. Wirz), 
Joggeli-Kal. (Zürich, b. Jean Frey), Für Alle, Kai. (Emmishofen, C. 
Hirsch), Badener Kai. (Baden), Der Schweizer Bauer (Bern, b. K. J. 
Wyss), Vetter Jakob (Zürich, b. J. R. Müller), Der nette christliche 
Hauskai. (Luzern, b. Gebr. Ruber), St. Galler Kai. (St Gallen, b. 
Wiser & Frey), David BürklVs Züricher Kai. (Zürich, b. F. Amberger). 
Familien-Kai. (Zürich, b. Th. Schröter), Der Wanderer (Zürich, b. H. 
Gropsslerj, Schweiz. Dorfkai. (Bern, b. W. Gtppper). — 7. Le temps 
qn'il fera. Almanach du Vafais (Sion, b. Kleindienst & Schmid), p. 51, 

— 7* I 177 Merzen- Bluett, 214 hlutt 374 Manbruch, 413 Brueder. 

— S. auch III, 4. — 

Jffexen, 8. Jecklin, F., Beitrag zur Geschichte des bündn. Hexen wesens. 
Bündn. Monatsbl. S. 34 ff. — 9. Nangjs, fi., La deniiöre Borciöre 



Bibliographie. 77 

hrülöe ä GenÄve. Semaine lüUraire X, 1«6— 188. ~ 10. Schweißer, P., 
Der Hezenprozess und seine Anwendung in Zürich. Zürcher Taschen- 
buch 1902, 1 ff. — 11. Semaine Utt&aire X, 295. Urteil Choaets über die 
Hexeret — II» I. 259 HäxenplaU. — 

Zauber. n\ I. 223 bluetig. — 

AljHirtick. 12. Zahler, H., Vom Doggeli. Der Hausfreund (Kai, Bern) 
S. 69. — 

Heidenhäuaer. 12* /. 197 Füür-Blatien. — 

9teine. 13. Die „Fille de Mai'' an der C6te de Mai. Geogr. Lex. d. Schweiß 
S. 649. ~ 14. „Pierre Perc^e" in Courgenay. Ib. S. 553. — S. auch 
III, 3. - 

Tiere, 16. TTtcÄmann, F., Ein sagenhaftes Tier (Einhorn). Basler Nachr., 
1. Dez. — 15^ /. 177 Bmen-Bluest (Aal), 208 Schwin-Blateren. — 

nngemäg^. \b\ I. 177 NageUBluest. — 

Blut, lö« J. 221. — 

Fflamen. 15«! J. 184 Klee-Blatt. — 

Farben. \b\ L 241 blaw. — 

Blitz. W. J. 290. — 

Kinderglauben. 15? J. 423 Waldbrueder. -— 

Volketnedizin. 16. D^Anian , P. , Pour devenir centenaire. Conteur 
vaudois. Aas einem alten Arzneibuch: Kröten, Se;i;enwanner, Schwalbennester. 
, Sehnecken, Ziegengalle, Bienen In der Volksmedixin. — 16* J. 179 Geblati, 
181 Blaä-, 183 Geiss-, Heil-, 184 Chrüz-, 185 Brame-, 186 Ärfrt-, iSJpt««-, 
187 Xat«!>«t<cA;-, 188 Zimmet-Blatt, 204 Blateren (Eselsharn) u. s. 
Zusammensetzungen, 219 ff. Bluet u. Zss., 226 erblüeten, Nasenbliieten, 
241 blau, 293 JB/ite, 295 Schnewblitßiy 304 Pro6, 323 gebrochen, 367 
BrMCÄ. — S. auch III, 3. 4. — 
IW. 16^ J. 192 JB/ae/en. - 

fltfiMifenverelirufi^, 17. Stückelberg, E. A., Greschichte der Reliquien in 
der Schweiz. Zürich (Gesellschaft ftir Volkskunde). Darin auch über 
Beliqolensfeste s. LXllff. — 18. Gauss, K., Die Heiligen der Gotteshäuser 
von Baselland. Basler Zeitschr. II, 122 ff. — 19. Schnürer, G., Der 
Kultus des Volto santo und der hl. Wilgefortis in Freiburg. Freib. 
Oeschiohtsblätter IX, 74 ff. — 20. Stückelberg, E. A., Das Marien- 
patronat des Frauenmünsters in Zürich. Anz. f. schweiß. Gesch, S. 69. 
— 21. Siückelberg, E. A,, Spuren der fränk. Mission in der Schweiz. 
16. S. 104. — 21* J. 264 Placidus, 418 Jakobsbrueder. — S. auch 
Ul, 3. — 
^^^^ffnungen. 22. (Alpsegen von Melchsee-Frutt). Schweiß. Musik-Ztg. 

42. 49. — 22t J. 480 Wundsegenbnef, 486 Schwertbrief. — 
^^^QeKaauber. 22^ I. 207 Binder-Blatere^ 275 St. Ürse-Bletßli (Amulet), 

445 Bnef, — 
^Verfi^ 22«. I. 401. - 
^^^nulsbrief. 221 I. 466 Michelsbrief 

XY. Yolksdichtnng. 

^^•War. 1. Les Chansons de nos aleux: GaUay, /., ^L'iducat^um*^, chanson 
patoise. ConUur vaudois, 18. janvier. — 2. Chamboß, 0., A propos 



i 



78 Bibliographie. 

d'aoe ch^B^DSOD an^jMitois gray^rien. Conteur vai*doi8, 22 mars. — 
3. yaucheTf X., T^iijours les reveilles chansons. Ib. 3 mai. Hooh- 
«eitilled? — 4. Leti vieilles chansons. J6., 17 mai. Ebenio. — 
5. (Gander)i La tsansoD fto Grand Bredi. J6., 31 mai. Mit Musik. 

— 6. La Chanson des Mensonges (Lügenliedchen). Conteur vaudois, 
12 juillet. — 7. Lou batsi (le baptßme). Ib., 2 aoüt. — S. auch 

m, 2. - 

.Kinderlied u* 'Spruch. 8. Tohler^ ^Ifr., Das Volkslied im Appenzeller- 
lande. Zürich 1903. — 9. Brenn&r, Alb., Baslerische Kinder und- 
Volksreime. 2. Aufl. Basel. — 10. Züricher, ö., Kinderlied und 
Kinderspiel im Kt. Bern. Volksausgabe. Bern l903. — 11. J. 177 
Pfirsich-Bluest, 212 bluU, 293 Blitz, 406 predigen, 427 brav (2 mal), 
444 Brief. — S. auch UI, 4; XV, 11»». 33. - 

Volkereime. 11'. L 240 blaw, 416 Brueder, 495 TTKratörfc/" (Heischelied). 

— n\ Alpsegen s. XIV, 22. - S. auch UI, 4; XV, 10 ff. — 
^M>ete. S. m, 4. — 

^Sttgen, LegendeUf Märclken. 11^ Morax, R., La vieille Schmidja. 
Oazette de Lausanne, 11 janv. — 12. Bundi, G., Farevlas engiadinaisas. 
Annalas della Societä reto-romantscha XVI, 337 ff. — 13. C. E., Die 
Schlossruine ob Wädensweil. Die Schweiz VI, 129 ff. BehatzbebongsiAge 
iMoh «Alpenrosen fttr 1821* mit 8 Bildern naob J. M. Usterl. — 14. Brugger, 
H., Aus bemischer Volkssage. Verein f. Verbreit, guier Schriften. 
Sektion Bern No. 44. — 15. Biihlmanny J, L., Der Rodensteiner in 
Sage, Lied und Geschichte. Monat-Rosen 46, 377. — 16. BrandsteUer, 
J. L., Eine Sage aus Sursee. Vaterland, 8. März. — 17. Iniesch, D., 
Sagen des Simplonthales (Aus dem Nachlass des Pfarrers F. Joller sei.). 
Blätter a. d. Walliser Geschichte II, 445 ff. — 18. Bundi, G., En- 
gadiner Märchen. Zürich. (Vgl. dazu: Petsch, R., Rätorom. Volks- 
märchen; in: Beilage z. AUg. ZeHg. 1902 No. 119). — 19. Bigler, G., 
Die drei schönen Hasli-Jungfrauen oder die Sage vom Geissmaidlein, 
Gauli weiblein und Engstlenfräulein. Die Schweiz VI, 389. 438. 471. 
494. Poetiscb aosgescbmäckt. — 19* Luck, Rätische Alpensagen. Davos. 

— 20, Heinemann, F., Tell-Iconographie, Luzem und Leipzig. Dazu 
Nachträge in Die Schweiz VI, 520. — 21. Weiberschlacht auf der 
Langermatte. Sage von der Lenk. Feierabend-Kalender (Münsingen, 
b. G. Fischer), S. 70. — 22. Les deux Vieilles et les 12 mois. 
(Märchen). Almanach du Valais (Sion), p. 23. — 23. Le Pacte in- 
fernal (Märchen). Ib., p. 34. — 24. La Fontaine du Mattre. Ib., p. 45. 

— 25. V. Roosen, W., Wahrhaftige Legend. AUhie wird erzählet wie 
. • . Maria Stadt und Menschen bei feindl. AnfUllen . . . beschützet . . . 
hat. (Alte Einsiedlerchronik 1654). Neuer Einsiedler Kai. (Eins., bei 
Eberle, Kälin & Cie.). — 26. Le cavalier qui se d^monte (Schwank). 
Almanach. romand (Berne, chez Staempfli & Cie.). — 27. Die Berg- 
männchen auf dem Pilatus. Eidg. National-Kal. (Aarau, bei Wirz) 
S. 75. — 28. Baud'Bovy, D., La Cloche du Bonheur. Semaine littlr., 
18 octobre. — 29. Kuoni, J., Sagen des Kantons St. Gallen. (St. Gallen 
1903). — 29*. J. 198 Hell'Blatten, 225 blüeten, 263 Tanzplatz Anm., 
412 brudlen. — S. auch UI, 3. 4. — 



Bibliographie. ' 79 

Inschriften • Gräber. 30. Vegezzi, P. e Tambunni, ^.,11 vecchio cam- 
posanto di Lugano e le iscrizioni dei principali moDiimenti. Lugano 
1901. — Glockeo. 31. Egli, J., Die Glocken von Goldach. Anz. f. 
Schweiz. Altert. IV, 114. — 32. Sutermeisier^ 3f., Glockenchronik aus 
dem Bezirk Baden. Badener Kai. (Baden), S. 55 ff. — 
S. auch UI, 2. 3. — 

JBOtoel. 33. J. 212 bluity 382 Bruech, 416 Brueder (2 mal). — S. auch 
m, 2. 4; XV, lOff. — 
Zum Ganzen vgl. auch I, 1. 2. — 

XTI. Yolkswitz uod Spott. 

Schwanke u. Anekdoten* 1. Bourquin, A., L'esprit du Val-de-Travers. 

Conteur vaudois, 23 aoüt. — !• J. 208 Suw-Blateren, 311 Brächet. — 

S. auch m, 3; XV, 26; XVI, 5. 6. ~ 
Sprichwörter. 2. Feierabend-Kalender (Münsingen, b. G. Fischer), S. 17. 

— 3. (Thüringischer) Haus-Kalender (Luzem, Gebr. Räber), S. 26. — 
4. I. 219 Bluet, 223 Gschwie-Bluet, 225 blüeten 1 a, 265 BletZy 299 
Blutzger, 304 brobieren, 308 Brach, 342. 344 Bruch, 349 Ortsbruch, 
358 bruchen. — S. auch lü, 2. 4; XIV, 1— 7* — 

Ortsneckereien. 5. I. 205 Blateren u. Anm., 209 Bläterler, 222 Bocks- 
Bluet, 282 Seichbletz, 289 Schueh-, Taschen-, Tschopenbletzer. — . 

SpaU" u. Scherzreime. 6. I. 238 PlüUchi, 240 ft^au?, 285 bleteen, 343 
BrttCÄ, 372 Ewbruch, 408 Predikant, 415 Brueder, 427 &rat?. — 
Zum Ganzen vgl. auch III, 2 u. XV. — 

XYII. Mnsik u. Tanz. 

1. Nef, K. Neues vom Schweiz. Volksgesang. Schweiz. Musikzeitung 
42. 49. 75» 83. Ueber OaneluU «£tade aar le Banz des vaoheB*, Sohering^ .Ein Schwelier 
Alpen-Bet-Bnf". Mariage n. Meier «YolksUeder ans dem Et. Bern". — 2. Godet, Ih., 
Musique Neuchäteloise. Musie Neuchätelois, p. 260. Arec s partitions: Marche 
du Lode, Marehe de U Br^yine, Biarche de Nenoh&teL — 3. Der Walzer. Eine Tanz- 
Atndie. Badener Kai. (Baden), S. 93 ff. — 4. I. 185 Mül-BletÜi, 412 Brüdeli. — 

XVIII. Formel. 

^fuch, Kraftwort. 1. I. 177 Bonebluest, 220 Bluet. — 
Jtuf. Schlittenruf. 2. I. 256 Platz. — 

XIX. Namen. 

OrtS' u. Ftumamen. 1. Seiler, Ad., Der Name Liestal. Baselland- 
schafüiche Zeitung 10. 11. Jan. — 2 Salvioni, C, Notereile di Top- 
onomastica messolcina. Bollettino storico XXIV, 1 ff. 58 ff. — 3. Jaccard, 
H., De rorigine de quelques lieux-dits. Chronique agricole du canton 
de Vaud. — 4. (Seäer, Ad.), Klybeck. National- Zeitung 30. Okt. 1901. 

— 5. (Seiler, Ad.), Vom Dorenbach. Ib. 22. Jan. 1902. — 6. Brand- 
stetter, J. L., Die Namen der Bäume und Sträuche in Ortsnamen der 
deutschen Schweiz. Programm. Luzem. — 7. Stadelmann, Etudes 
de toponymie romande. Archives de la Soc. du ct. de Fribourg. T. VII, 
2~ livr. Vgl hiezu Deutsche Erde I, 91. — 8. BadruU, P., üeber 
•die Bedeutung des Namens Pontresina. Der Freie Rätier 1900 Nr. 60. 



80 Bibliographie. 

— 9. Camenischy C, Der Name Pontreaina. Ib. 1901 Nr. 74. — 
10. Brandstetter, J. L., Die GemeindeDamen der ZentraUchweiz in 
Wort und Schrift. Zeitschr. f. Schweiz. StaHsiik XXXIX. — 11. Jac- 
Card, H.y Lausanne. Qazette de Lausanne, 14 nov. — 12. Stadelmanny 
J., Noms de localitös suisses. LiberU (Freiburg) No. 217. — 13. Lüthy, 
E., Woher der Name Üechtland? Pionier {Bern) XXTTT, 17 ff. — 
14. Meyer, Joh., Zur Etymologie des Namens Schaffhausen. Schriften 
d. Ver. f. Gesch. d. Bodensees 31. Heft, S. 26 ff. — S. auch III, 4. — 

Windnamen* 15. Les vents du L6man. Conteur vaudais, 22 ftvrier. — 
16. I. 202 BärenblätÜer. — 

Kranhheitanamen.^ S. Volksmedizin. — 
Zum Ganzen s. auch III, 3. 

XX. Sprache. 

AUffenieines. 1. Schtoeizeiisches Idiotikon, Frauenfeld. — 1^ OauchaJt,L.y 
Nos patois romands. Bulletin du Glossaire, p. 3 — ^24. — 

Spr€ichffrenxen. 2. v. Schwaben, Gr., Von den Schweizer Sprachgrenzen. 
Kyffhäuser (Linz a./D.) III (1901) 284. 306. 322. — 3. Das Vordringen 
des Deutschtums in den Hochalpen zur Zeit des Mittelalters. Deutsche 
Erde (Gotha) I, 26. Refermt aber die Sohweis betr. SteUen in SehmU», A., 
«Gesch. des mtttelalt Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland n. Italien* 
und „Ueber Staatenbiidna^ in der Alpen weit*. — 4. Zemmrich, Joh., Deutsche 
und Romanen in der Schweiz. Deutsche Erde I, Heft 2. — ö. Brand- 
stetter, B., Die Mundart in der alten Luzerner Dramatik. Zeitschriß 
f. hochd. Mundarten HI, 1 ff. — 6. Hoffmann-Krayer, E. Suffix -i», -« 
in Schweiz. Mundarten. Ib. 26 ff. — 7. Alexander, 0., La Fuormaziun 
del Plural nels prinzipals dialects d'Engiadina Bassa. Annalas ddla 
Societä reto-romantscha XVI, 267 ff. — 8. Sdlvioni, C, Di am recente 
lavoro sui dialetti di Lugano e di Mendrisio. Boüettino storico XXITf 
(1901), p. 141. (Ueber K. Brösel, Die betonten Vokale der Sprache 
im Kt. Tessin südl. v. Monte Cenere. Halle 1901). — 9. Byland, A., 
Das Patois der „Mt^langes Vaudois** Louis Favrats. Berlin. — 9» Sal- 
vioni, C, II plurale dei femminili di I* declinazione esposto per -a 
ed -an in qualche varieta alpino di Lombardia. Rendiconti Istitttto 
Lombardo v. XXXV, fasc. XIX. — S. auch HI, 4, — 

Sprachschatz. 10. Schmidt, K., Schweizerdeutsch. Zeitschrift für den 
deutschen Unterricht XVI, 128. Zu Bodmers Zelt in der Schwel« gebräach- 
llohe Ausdrficke ans der Bodmer-Denkschrift — 11. PaHioppi, E., Wörterb. 
der roman. Mundarten des Ober- u. Untereng., des Münsterthals, von 
Bergün u. Filisur. Deutsch-Romanisch. Samaden (Simon Tanner). — 

12. BuUetin du Glossaire des patois de la Suisse romande. Beme. — 

13. Crignoux, L., Terminologie du vigneron dans les patois de la 
Suisse romande. (Zürcher Dissertation). — 14. E, T., Mots d'origine 
allemande pour dösigner le taureau. Bulletin du Glossaire, p. 28. — 
15. L. G., mfä, pilä. Ib. — 16. ForeH, F.-A., Langage des pdchenn. 
Gazette de Lausanne, 17 octobre. — 



Band VH Heft 1, ausgegeben 20. März 1903. 



81 



Chants patois jurassiens 

Publica par M. Arthur Rossat (Bäle). 

IV* partie (suite) 

Chansons satiriques. 

154. 

Chanson contre les gar^ons 
(Patois de Recl6rej 



ä^ 



^E^ 



5;^: 



5=^^-3: 



ä 110 80 - r^ dö nö kä-to tr(J-v^ 



büe - bo . da bo 



E^EE 



13— r— r 



^ 



:3=S: 



J iL 



tö; ^ n'e ka vis ^ ka d# 

--1 — s — nt ■ ^ — 



-P 



fU, § n'yä § plop' 
JS 



^^^ 



*^^rEÖ 



ya kmä k'^. 

-J Ci— &- 



&. 



§1 S tu 1 i>ö tr$ 



d9 glwä - IV); 



89 n'se-r^ 



ä 



ril 8'§ D^^-mTp' bwä - ra. 

S n9 S9re dS nö kSt5 
tr§ve T büöba da bö t5; 
g n'S ka VIS e ka defa, 
e n'y S e pia p' yfi kmä 

[k'e fä. 
el 8 tu T pö trg da glwära; 
sa n' sare rfi s*e n'emT p' 

[bwära. 

t;^5 S le vwä vni ä mötia, 
S märgna da le vüar böyia; ^) 

le ßya 8 pU jöz-intentions^) 
ka la b5 dfia yö devösi5. 



On ne sanrait dans nos cantons 
Trouver un gargon de bon ton; 
Ils n'ont qne vices et que defants, 
II n'y en a senlement pas un 

[comme(nt qu^)il faut. 
Ils ont tous un peu trop de gloire; 
Ce ne serait rien s'ils n'aimaient 
[pas boire. 

Quand on les voit venir ä l'eglise 
On murmure de les voir regarder 

[de tous cotes; 
Les filles ont plus leurs intentions 
Que le bon Dieu leurs devotions. 



') Le verbe höyl9 signifie regarder de tous cotes en ouvrant la bouehe. 
h'ilS't9 hay9? dit-on aux enfants qui vous regardei t bouohe bee. 

«) Cf. n® löö Str. 3: y^t ^täsiö - leur attent^in, qui est la vraie Ie<jon. 

6 



Chants patois jurassiens 



lg t/üri9 da xü lg txw&yiar*) 
vwä bT pü t/\l 8ö yö prw&yl9r. 

3. yö paltö fS kmS de dy^rito: 

^ mäskS T pö sez-ipökrita ; 
mS S vwS bt tg le grimes 
k'e fS lo düamwän S Ig mgs.^) 
8 vwgrT pesg pü dez-8dj8, 
dgvö yö pdet fidyür do fl6dj9. 

4. a' vj vlg sgvwä ygt bei vl9, 
dem^det-le e käbärtia; 

8 e vis vj dir 18 vgrite, 
8 BÖ djo tu evü retrgpe. 
s'g demSdS d'' l'erdjfi' ö dröl, 
8 yö repöjS: käbriöl. 

6. pwä tior*) S le trlnrg bT 
S yö mötrS T vwär d9 vT. 
el ädrT bT djük'g brabgto 
pü evwä pü dö 8Ü d'ggta. 



Le cur^ depais sur la cbaire 
Voit bien pour qui sont leurs prieres. 

Lenrs paletots fönt comme des 

[guirites : 
IIa maaquent un pen oea hypocritea ; 
Maia on voit bien toutea lea grimaces 
Qu^ila fönt le dimanche a la messe. 
IIa voudraient paaaer pour dea anges 
Avec lears vilainea figores de ainges. 

Si voua voalez aavoir leur belle vie, 
Demandez-la anx cabaretiers; 
S'ila veulent voua dire la v6rit6, 
IIa ont dejä tooa it^ (r)attrap6s. 
S'ils demandent de l'argent anx drCles, 
IIa leur rSpondent: Cabriole! 

Par teiTe on lea trainerait bien 
En leur montrant un verre de vin. 
IIa iraient bien juaqu'ä Brebotte (?) 
Pour avoir pour deux aoua de goutte. 



pü bT fini tq yö betija 
e a'SgedjS ä mgri^djo, 
e prgmexß d'etr bT sgdjo, 
do 80 bT k5dUr S menedjo. 
e trgvS Skwe de djüon/oZZe«*) 
pü eküte tg yö triöl. 

en fwä merie, e n' fa pü kötg 

k'e tnöxT^fidelite; 

bS amour e sS aStimS 

c 

e fülS e pl9 le aäkramS. 

ä bü d' xö mwä d^ meriedjo, 

el S djo tg brüyio ygt menedjo. 



Pour bien finir tout[e8] leara betises 
IIa a'engagent an mariage, 
En promettant d'etre bien aages, 
De ae bien conduire en manage. 
IIa trouvent encore des jeunea foUes 
Pour ecouter tout[e8] leura balivernea. 

Une foia mariea, il ne faut plus 
QuMla tiennent fid61it6. [compter 
Sana amour et aana aentiments, 
IIa foulen t aux pieda lea aacrements. 
Au bout de aix mois de mariage, 
IIa ont d6jä tont brouilM leur menage. 



*) C'est le mot habituel pour d^signer la chaire. La galerie 4 IVglise 
fi'appelle l^z-^lQ (*laubja -h e prosth^tique). Cf. le vaudois: la lüyf. dQ 
I^Z'Hq —■ 80US la galerie. Ce mot, toujours pluriel, dt^signe aussi la galerie 
extörieure des maisons. 

2) Le latin missa a donne rc^gulierement mäs daiis le Vadais et une 
partie de TAjoie [e entrave devant s ~ a. Cf. est ä, friscu -- /rö, 
»pissu ----- fpäy *capistru txvätr (lieol) etc.]. Mais DehHnont dit iK)ur- 
tant mos; c'est une exception. — On entend plutot en Ajoie: 1^ m^s; c'est 
une influence du fran^ais. 

') xü h txü ä /f trmr^ In (Var. de Foiitenais et de Bressaucourt). 

*) ^f *'fy^ ^Q^ (Var. de Fontenais et de Bressaucourt). 



Chaots patois jurassiens 



83 



8. t/6 k'^1 8 trä ü kßtr äf5, 
e' n' fgtS pü T kö d' yö mS. ^) 
e fa n8ri äf§ e per; 
vr^mS e fa T tjjfUr d9 mer! 



Quand ils ont trois onquatre enfants, 
IIa ne f...ichent plus an coup deleurs 
11 faat noarrir enfanis etpere ; [mains. 
Yraiment il faat an ccear de mere ! 



djüon djS ka h m^rifdjd flät9, 
vwäli l9 s^r d'en pü9r b§xät9. 
eküte bt s^ k'i v^ di, 
vj n9 8*S V9lg p' r9pSti. 
evit^ da djäz^ e bü9by 
l9 mwäyü n9 vä pi9 p' le 

[kÜ9dJ9. 



Jeunes gens quo le mariage flatte, 
Voilä le sort d'une paavre fiUe. 
Ec>oatez bien ce qae je vous dis. 
Vous ne (s') voas en voalez pas re- 
Evitez de parier aux gargons, [pentir . 
Le meilleur ne vaat pas seulement 
[la corde. 



(If"* L6a JoUssaint, Ereifere.) 

Cette cfaanson, inconnae dans le val de Del^mont, est tr^s popu- 
laire en Ajoie; je Tai retrouv^e dans presque tous les villages 
aveo des yariantes plus ou moins accentu6es, dont voici la plus 
interessante, qui compl^te joliment la le^on qne je yiens de citer. 

155. 

Mdme sujet 

(Patois de Courtemaiche) 



1. S n9 s^r^ dS uö kStS 
trjvg I bü9b d9 bö t5; 
e n'8 k9 vis ^ k9 defa, 
^ n'y S e p§9«) yß kmS 

[k'e £ä. 
el 8 ttt T p9 trg d9 gl war; 
\9 pf9 k'e y ^, el emS bwär. 

2- 8* v§ vle s^vwä ygt b^l vl9 
dmSde-l^ 6 käbertl9: 

c c • c ' 

e v§ vis dir 1^ vgrite, 
l vis etr ttt bT etrep§.») 
i/li k'S dmSdS d'' r'erdjS 

[e dröl. 
e yö fS en bei käbriöL 



On ne saurait dans nos cantons 
Troaver un gar^on de bon ton; 
IIa n^ont que vices et que d^faats, 
II n'y en a seulement [pas] un 

[comme(nt qu')il faat. 
Ils ont tous an peu trop de gloire ; 
Le pis qu'il y a, ils aiment boire. 

8i vous voalez savoir leur belle vie, 
Demandez-la aux cabaretiers; 
Ils vous veulent dire la verite, 
Ils veulent etre tous bien attrapes. 
Quand (qu')ils demandent de 

[l'argent aux droles, 
Ils leur fönt une belle cabriole. 



*) ^'yi^ ^^i (bras) (Var. de Fontenais et de Bressaucourt). 

*) D'habitude on dit: c n'j/ ä e p?^ p' ü il nV en a seulement pas 
od; od a ici supprimö pa«, je no sais pourquoi. — Ym »Vniploie volontiers 
au lien de u avec ce pl9 p' ou pp p' (cf. 154 8tr. 11. niais c'est speciale- 
mPDt ajoalot. 

•) Cf. n® 154 Str. 4, qui donne le vrai sen«. Notre le<;oii est alterte 
f-t ne signifie pas grand' chose. 



84 



ChaDts patois jurassiens 



3. le fey9 6 pü y^t etSsiö 
\l9 V bö dü9 yö devösiö. 
Id tj^üna dxü 1^ txwäyiar 
vwä bT p§ tjf ü 85 yö preyior. 
yo palto fe kmS de dy^rit 

■\ 
k* mäsk*) T pö sez ipökrit. 

4. e vwerl k'S vfiS d' netr 
di bs'^dtia föxT V metr. 

e n'6 p' fik'«) m t/etü9j S 

k'e güvernS dj9 yö pwärS. 
yö per e mer ^ n'ekütS p9, 
Bien heureux s'^ n' le b^tfi p9 ! 

5. en fwä m^rie, e n' fä p' kötg 
k'e tnSxx'fid^lite. 

t/5 k'gl S trä ü ketr äf5, 

1^ mwätia di tS so sS pS. 
e n9 86 pü dySßlo yö vi9,*) 

e yö pü9r fän pü se lödia*) 



6. 8'fi vS rit§ d' pü9tx S pü9tx, 
äkäbyl d'efrS d' t§t 8Ü9tx. 



Le8 filles ont plas letir attention 
Qne le bon Dien lear8 d6votion8. 
Le corä dessus la cbaire 
Voit bien pour qui sont leurs prieres ; 
Leurs paletots (fait) fönt comme 

[des guerites 
Qni ma8qae[nt] an peu ces hypoorites. 

Il8 voudraient qu'en venant de naitre 
Du bon Dien [ils] fnssent le maitre. 
IIa n'ont pa8 encore atteint 

[qoatorze ans 
Qu'ils gouvernent d6jä leurs parents. 
Leurs pere et mere ils n'6coutent pas ; 
Bien heureux s'ils ne les battent pas ! 

Unefoismari^s, il ne faut plus com pter 

Qu'ils tiennent fid61it6. 

Quand (qu')ils ont trois ou quatre 

[enfants, 
La moiti^ du temps ils sont sans pain. 
ils ne savent plus gagner leur(s) 

[vie(8), 
Et leurs pauvres femmes pour oes 

[flaneurs 

S'en vont courir de porte en porte, 
Accabl^es d'affronts de toute sorte. 



*) !/Q pältQ est au pluriel; par contre les verbes /? et mäsk sont au 

singulier. II faudrait ou bien : ypt pältQ fe k' mäsk , leur paletot 

faii et masque ou bien, comme 154 str. 3 : yö paiiQ fS k' mäskä .... 

(leurs paletots fonfy etc.). 

2) Cett^ elision du mot äkp ou äkw^ est tout a fait inusit^e. C'est la 
premifere et la seule fois que je Tai rencontree. 

') yö vld est ici pluriel. 

♦) Le manuscrit qu'on m'a envoye de Courtemaiche porte: pou 
s'ilodie. Ceci n'a aucun sens, car il n'existe pas de verbe s'4lodie en patois 
du Jura. On a bien un verbe: s'qläAjU ou s'qläju — s'aider, se soulager, 
s^all^ger; mais le sens ne serait quand m^me pas satisfaisaut. M. Fridelance, 
instituteur ä Porreutruy, m'a propos6 de lire: s^ iQdl»; le mot t iQcU^ est 
bien connu dans le vieux patois et signifie un fläneury un paresaeux. La 
seule chose qui m'ait enipßchö de souscrire sans reserve d cette explication, 
c'est quMl faut complc^ter le sens de cette strophe par le premier vers de la 
Strophe suivante. Or ce fait ne se rencontre jamais dans notre poösie popu- 
laire, du moins dans les deux cents et quelques chansons que j'ai recueillies. 
— Enfin je donne cette Interpretation pour ce qu'elle vaut; c'est en tous 
cas Celle qui explique le mieux ce passage. 



Chants patois jurassieDS 



85 



djüan dj5 ko l'emür v^ flät, ^) 

vwäli le yl9 d'en püar b§xät. 

evite d9 djäz^ e büob; 

la mwäyü n' vä p' le küadja. 



Jeunes gens que. l'amour (voas) 

[flatte, 
Yoilä la vie d'nne pauvre fiile. 
Evitez de parier anx gar^ons; 
Le meilleor ne vaat pas la corde. 



^m 



(M*"* Maria Galeuchat, Courtemaiche.) 

156. 
la djS di fo di vä (Le) Jean du fond du Yal 

(Patois vädais) 



Moderato. 



::5i=:?: 



:t=t: 



ß ß 



£ 



* 



S^ 



S'ä si pör djö di £5 di va k'a bi mäl-al - rü ä Tö-tä. xa- 



S 



:t 



^ 



3: 



'i=^ 



tp k'§ v^ bwär I txa - vf , s^ v^-jq fön yi fiit - ^ - pr§. 



1. s'ä si pör dj6 di f5 di vä*) 
k'ä bX mälaYrü S l'ötä. 
X9tö k'e ve bwär T txäve,®) 
Fe veya fön yi füt-epre. 

2. vT t'5 pe9, dj5, vT S l'ötä, 



C'est ce pauvre Jean du fond du Val 
Qui est bien malheureux ä la maison. 
Sitot qu'il va boire une chopine, 
Sa vieille femme lui court apres. 



ii^ta sgpe*) ä bitö prä. 

xAtö k9 DJ TerS m6dji9, 

no 8*5 vis äle ^) t^ drwä kütxia. 

3. tjfg 8* fdb per vwä fime le nö, 

kd si pör dj5 drome ä m8, 
He veya la büas p^ l'revwäyia; 
«'ete p2 evwä se vey9 t;föyl9. 



Viens-t'en seulement, Jean, viens 

[a la maison, 
Notre Souper est bientot pret. 
Sit6t que nous Taurons mang^^ 
Nous (s') nous en voulons aller 

[tout droit coucher. 
Quand ce fut par vers le milieu 

[de la nuit, 

Que ce pauvre Jean dormait aumieux, 

Sa vieille le pousse pour le reveiller; 

C'etait pour avoir sa vieille 

[cniller[ee]. 

M Alteration interessante : Jeunes gens que Vamour vous flatte pour: 
9¥f Vamour flotte. 

*) Le vä designe ici la Vallöe de JDdemont. « Die Einsenkungen der 
^rne und Scheulte, welche bei Delömont sich offnen, bilden für den Nord- 
jttragsier la Vaüie xaf i^opju.» (Zimmerh: Die deutsch- französische Sprach- 
r«»«^e in der Schweiz. I, Teil: Die Sprachgrenze im Jura, p. 9.) 

•) Les anciennes mesures etaient: /' pg (le pot föderal = IV2 Htre); 
*^^^J (la bouteille), ou b dm? p^ (le demi-pot); I9 txäv? (la chopine); 
^ ^^^ (la roquille ou demi-chopine), cette demi6re s'employant surtout 
Po^r l'eau-de-vie. 

*) Ce o'est pas le mot habituel; on dit plutot: If märäd», märäd^ 
("»pfendare). 

*) Remarquer la construction : Nous a'en voulons aller. 



[ 



86 



Chants patois juraBsiens 



4. i vcB pr^yio 1' b5 dti9, s'e fä, Je veux prier le bon Dien, s'il faut, 
k'ö pr^fia tj le veya fan Qu'il prenne tout[e8] lea vieilles 

[di vä. [femme du Val. 

ä! m5 dti8, k' i srö bXaYrü Ah! mon Dien, que je serais 

[bienbeareux 
8*ä yi vne en fw& T bu! S'il y venait ane fois (un bout) 

[une fin! 

(M. Tabb^ Defer, cur^ de Roggenbonrg.) 



157. 
le pt^ djä di vä Le petit Jean du Yal 

(Patois de Courfaivre) 

J_^ N 



Adagio, 



^^ 



S^ 



^^ 



s'ä si pQr bo djö di va ^ Tö-tä ka o'ä rä tr^ bi; txi- 



^ 



1 



i: 



5^^ 



tö ka v^ bwar T txa-v§, vwä 



- li 8§ fän k'yi füt - ^ - pr#, vwä- 



3E 



:t 



I 



li 8§ fän k'yi füt - ^ - pr$. 

1. s'ä si pgr bö djS di vä 

e l'ötä k9 n'ä rS tr^ bi; 
txitö k9 ve bwär T txäve, 
vwäli se fSn k' yi fUt-eprö. (bis) 

2. — vT t'S, djSnä, vT 5 l'ötH, 

ngtra s^p^ ä bTtö prä; 

e pö t/S k' DJ l'erS mSdjia, 

n^ valS ii^z-äle kütxi9. (bis) 

3. lo pgr bö djS s'S ve e l'ötä, 

e n' tr§v ni s^pe, ni värä; 

se fan yi fö T käri5 

pro P2 rävwärse le mäj5. (bis) 

4. — t'e T voleur, t'e T frvpon, 
T hl, ta vä mwg k'T lerö; 

t9 ve txSte ä käbäre 
5 depSse mez-Ttere. 



C'est ce pauvre bon Jean du Val 
A la maison qui n'est rien trop bien ; 
Sitot qu'il va boire une chopine, 
Voilä sa femme qui lui court apres. 

— Viens-t'en, Jeannet, viens 

[ä la maison y 
Notre Souper est bientot pret; 
Et puis quand (que) nous l'aurons 

[mange, 
Nous voulons aller nous coucher. 

Le pauvre bon Jean s'en va 

[ä la maison, 
11 ne trouve ni sonper, ni (petit) 

[verre •, 
Sa femme (y) lui fait un carillon 
Aesez pour ren verser la maison. 

Tu es un voleur, tu es un fripon, 
Un loup, tu vaux moins qu'un larron ; 
Tu vas chanter au cabaret. 
En depensant mes int^rets. 



ChaDts patois jurassiens 



87 



5. td m' lex tgt s61^) sS Tu me laisses toute senle sans 

[m^amüze, [m'amnser, 

ta m' lex soefri sS m' kStSt§; Tu me laisses souffrir sans me 

[contenter; 

td mo n'mwän djme evö twä, Tu ne me menes Jamals avec toi, 

t9 m'e v^le me b§n fwa. Tu m'as vole ma bonne foi. 

6. lo p^r bö djS sa kwätx ä ye, Le pauvre boii Jean se caebe au lit, 
el e pävü d*T kö d'xwäye;^) II a peur d'un coup de 
s'ä'k'e se bX k' ee mädls' 
se fer e früne^) !§ bet5. 



7. 5 gäml e pr^sperfi bT; 
e dyfi tö k' s'ä' da V vejT. 

1() p(^r b5 dj6 remes tj 
e tira le f§rne di Igr. 



C'est qu'il sait bien que sa Madelon 
Salt faire (ä) siffler le baton. 

En gamins ils prosperent bien; 
Ils disent tous que c'est (depnis le) 

[du voisin. 
Le paüvre bon Jean raraasse tout 
Et tire la fou^-nee du four. 



8. pü kd le füdr e krS se fSn; Plus que la fondre il craint sa 

[femme ; 
s'ä lea k'e le t;^Ulät da l'än. C'est eile qui a les culottes de 

[l'homme. 
e n'e rS e dir ä femrö ,*) II n'a rien ä dire au cfumoir», 

prSt pidia d'si malcero. Prenez pitie de ce malheureux. 

(Joseph Girardin, secr^taire communal^ Courfaivre.) 



158. 

Tän e düa fän L'homme aux denx femmes 

(Patois de Mettemberg) 



s'ete T an k'eve dü9^) fän, 
h\ S ^ve en da tr^; 
el e mwän| vSdr en 
la ySde ä pwS di dj§. 



C'etait un homme qui avait deux 
II en avait une de trop; [femmes, 
II [en] a mene vendre une 
Le lundi au point du jour. 



^) Kons avons ici le mot fran^ais; le patois aurait dit: ioi per micä. 
i Six tp p^r mvcä — je suis tout (par moi) seul ; vöz-et U) p^r v^ — vous (Hes 
tout seul; i ä tÖtpir 1^9 - eile est toute (par eile) seule. 

*) xwäyf (flagellu) est du patois delemontain ; rAjoie dit xi. 

') Le verbe frün^ se dit d'un bfiton (ju'on fait siffler en le touruant 
vivenient autour de la t^te. 

*) Le f^mrS est Temiroit oü Ton suspend la viande puur la funu»!-, 
le fumoir. Ici la partie d^signe le tout, et signifie: h menaije^ la wufsou. 
— Od entend souvent dire: //'e en köl k*ä fifn; k'ä eyii ptldü ä fcmro 
j'ai un bonnet qu^on dirait qui a et^ pendu au fumoir. 

*) Le latin duos -- du (duz): du frä. dfiz-äff; duas düi ydn?z) : 



I 

1 



88 



Chantä patois jurassieos 



2. U pramio k'e rSk5tre 

fii l9 t/iin« d9v5 txia yö. 
— l^vü t'fi ve-ta evö te fön, 
015 pör an mäläirü? 

3. — i m'ä ve le mwäne vfidr. 
m5 be xir, rgtxetrl-vö bT? 

i V2 dirö b mä k^i e. 

4. tx^ vöz-ädrT txi9 l'öta *) 

i yi sre davS v^. 

t;fS v^ dirT: «bwäyS T vär», 

lea ^) dire : « bwäyS T P2 ! > 

5. t/S V2 dir!: «vS-n^z-S», 



Le premier qu'il rencontra 
Fut le cur^ devant chez eux. 

— Ou t'en vas-tu avec ta femme, 
Mon pauvre homme malheureux? 

— Je m'en vais la mener vendre. 
Mon bean Monsieur, racheteriez- 

[vous bien? 
Je V0T18 dirais le mal qu'elle a. 

Quand vous iriez chez (l'hote) le 

[cabaretier, 
Elle y serait avant vous. 
Quand vous diriez : Bu vons un verre, 
£lle dirait: Buvons un pot! 

Quand vons diriez: AUons-nous-eu, 



lea dire: «e n^ä p' <8k^ tä!» Elle dirait: II n'est pas encore 



Aüegro. 



(M. Laville, ancien instituteur, Soyhi^res.) 

159. 
le b^rg^fio Les BonrguigDons 

(Patois de Beurnevesin) 



15=^51 



e: 



:d- 



m 



rti 



^^mi 



ä mo txa - niT y'^ fö ras - kö - trd da sT sa mil 



^ 



b^r-g$-fiö; § m'S m^r- U'^ xü m^ tä-byä-ta, rä - lö bwär, 






1^ 



8T sä frä p^ d^ rS, - sio, bwä-yä do! 



1. m'i^) prömanä xü k p5 
8ur le pont jusqxia Lyon, 
5 mö txami y'e le räskötra, 

rälö bwär, 
da sT*) sä mil bgrg^nS, 

bwäya d5! 



(M'y) me promenant sur le pont 

Sur le pont jusqu'ä Lyon, 

En mon chemin j'ai fait rencontre, 

(R)allon8 boire, 
De cinq cent mille Bourguignons, 

Buvons donc! 



^) V^t9 correspond a l'allemand: Wirt ^ hotelier, cabaretier. 

2) C'est la forme du pronom personnel absolu ; lü -= lui, J^9 - eile ; 
en proclise, il ^ ?, die ^ i (Vd.) et c (Aj). 

^) Sur w'i - me, voir Arch. V, p. 107, v.^ 97 str. 4, note 1. 

♦) Le patois de Del^niont dit toujours sitxif, et jamais st comme Ta- 
joulot; ex.: sttX9 frä, sitX9 sä frä. 



ChaDts patois jurassiens 



89 



S m8 txamX y'e fö räskötro £n mon chemin j'&i fiait rencontre 
da sT bS mil bgrg^iiö; De cinq cent miUe Boorguignons; 

e m'S niert;|f^ xü me täbyäta, IIa m'ont marqa^ aar ma tablette, 



ral5 bwär, 
8l sS frfi p9 de rSsiö, ^) 
bwäyfi dC! 

3. ^ m'ß mert/e xü me täbyäta 
sX sS frS p9 de räsi5. 
k§m5 ta le p^yarö-yo? 

ral5 bwär, 

i 8cb xi püra k5pen5, 

bwäyS dö! 

4. k^mS td le peyarö-yoV 
i sie xi pür9 köpeiiö. 

— 15 per e dö bü9 e de vetx, 

räl5 bwär, 
de barbiz-e de mgtS, 

bwäyS dö! 

5. t5 per e de btia e de vetx, 
de barbiz-e de in^tö. 

t'e en sobr S le iüdren, 

rälö bwär, 
kd s'äp&la djänit5, 

bwäyfi dö! 

6- t'e en soer S le lüaren, 
ka s'äpcela djänitö. 
1^ beyarö-ta S mSriedja, 

rälö bwär, 
ng ta t;^itr6 t^ rSsiö, 

bwäyfi dö! 

7. 1^ beyaro-ta 5 meriedja, 
n§ ta tjj^itrS te rfisiö. 
— i emrö rnob me scer müatx, 

rälö bwär, 
mwä peri dS se prijö, 
. bwäyfi dö! 

S. i emrö mce m^ swr müatx, 
mwä peri dS se prijÖ 
ka dMe beyia S meriedja, 

rälö bwär, 
8 se l^rö d' bgrg^&ö, 

bwäyfi dö! 



(R)allon8 boire, 
Cinq Cents francs pour (des rancians) 
Buvons donc! [ma ran^on, 



Comment te les payerais-je? 
Je suis si pauvre compagnon. 



— Ton pere a des boBufs et des 

[vaches, 
Des brebis et des moutons. 



Tn as une sceur en la Lorraine, 
Qui s'appelle Jeaoneton. 

La donnerais-tu en mariage, 
Nous te quitterons ta ran^on. 

— J'aimerais mieux ma soeur morte, 
Moi peri dans oes prisons. 

Uue de la donner en mariage 
A ces larrons de Bourguignons. 



«) La tradition populaire a corrompu ce mot qu'elle ne comprenait 
l>as, et.Ta rapproch^ de räsio = ration. Les deux versions suivautes ont 
le iDOt de päsio — pension. 



90 



Chants patois jurassiens 



9. k9 d'l^ b^yia S m^ri^ja 
S se l^r5 d' bjrggnS. 

mg soer e de cheveux ^) S 1^ tet Ma soBur a des obevenx k la tete 
räl5 bwär, 



ke rvonS djUsk' e täl5 
bwäyä d5! 

10. me sobr e de cheveux S le tet, 
ka rvanS djüsk' e täl5. 
nq yi frS l§ra de küadja^ 

räl5 bwär, 

P9 pädr le b^rg^nö, 

bwäyä d5! 

11. n^ yi frS fera de küadja 
P2 pSdr le b§rgon5. 
le bgrg9ii5 s'ä t^ de l§ra, ^) 

rälö bwär, 
de ler5z^)-e de fripons, 
bwäya dö! 
(Nicolas Lanzard, ii6 en 1834, Beurnev^sin.) 



Qai reviennent jasqn'aux talons. 

Nous (y) lui ferons faire des cordes 
Pour pendre les Boarguignons. 



Les Boargnignons, c'est tous des 

[larrons. 
Des larrons et des fripons! 



160. 
le bürgifio Les Bourguignons 

(Patois de Seloncourt, France) 



1 . le bürginö s'ä t{» de ler 

ä rälä bwär, 
de brölera^) da mäj5 
bwäyS dö! 

2. e m'5 pri, e m'S mwäiie 

ä rälä bwär, 
dS la f5 da yö prij5, 
bwäyä dö! 

3. sät-etjfii i so köt§ 

ä rälä bwär, 
so köte pü me päsiö 
bwäyä dö! 



X^es Bourguignons, c*est tous des 
Ab! (r)allon8 boire, [voleurs 

Des brüleurs de maisons, 
Buvons done ! 

lls m'ont pris, ils m'ont mene 
Dans le fond de leurs prisons. 

Cent ecus y sont comptes 
Sont comptes pour ma pension. 



*) Le mot patois est pwä^ litt. poü. On aurait du dire; m^ scer 6 äf 
picä ä 1^ i^t (cf. n** 160 str. 6). 

2) Comine i'ancien fran^ais, nos patois du Jura ont les deux formes 
latro ?^r, et latrone - Iqro (cf. n« 126 str. 12). 

^) i>iiQ d«''sinence -fr^ n'est pas de notre patois jurassien, mais du 
patois franc-comtois. Elle remoute au nominatif latin en -ator. L'accusatif 
*perustulatöro aurait donnö hrobl dans tout le Jura. Cependant le 
n** 161 Str. 1 donne d^^ üröher; mais c'est le mot fran(jais. 



Chants patois jurasBiens 



91 



mwä k'i etö xi püor gexö/) Moi qui ^tais si pauvre gargon, 
ä rälS bwär! 



bwäyS dö! 
5. t'e 15 per k'e de bti9, de v^tx, Ta as ton pere qui a des bcBufs, 



ä rälS bwär^ 
de brobi e de mgtS 
bwäyS d5! 

t'e te Bcer k'ä dS 1^ lüar^n 

ä räl5 bwär^ 
k'ä di pwä ddxii le tet 

k'i repö xü se täl5 
bwäyS d5! 

n^Z'S fdrS de küodja 

ä rälS bwär, 
pü tu pSdr 86 bürginS 

bwäyS d5! 



[des yaches, 
Des brebis et des moutons. 



Ta as ta soenr qni est dans la 

[Lorraine, 
Qui a (du poil) des cheveux 

[dessus la tete 
Qui (rappond) descendent sur ses 

[talons. 

Nous en ferons des cordes 

Ponr tous pendre ces Bourguignons. 



y emrö moe sevwa me stier 

[ni.ö8tx 



J'aimerais mieux savoir ma scsur 

[morte, 
e p6 mwä prodjii ä f5 de prijo Et puis moi perdu au fond des 

ä rälS bwär, [prisoiis, 

ka d' le mwän^ S meriedja Que de la mener en mariage 

S se 1er d9 bürgiiiS, A ces voleurs de Bourguignons. 

bwäy fi dö ! 
(Edmond Rayot, n6 en 1850, de Seloncourt, k Fahy.) 

161. 
le bürgwäiio Les Bourguignons 

(Patois de Viccjues) 
le bürgwäii5 s'ä tö de 1er, Les Bourguignons c'est tout des 



Des voleurs et des larrons, [larrons, 

(R)alIon8 boire! 
Et des bruleurs de maisons, 

Buvons done! 



de v^loer e de lärö,^ 

ralo bwär! 
e de brölter da maj5, 

bwäyS d5! 

2. — eküte 

merke txü me tabyät 

ral5 bwär! 
sSt-etj^ii pü me pSsiö, 

bwäyS d5! 

>) Mot du patois de Seloncourt; le Jura dit: t hü^h ou 7 välä. 
') Cest le'mot fran^ais; voyez ausai str. 4: d^ roher; le patois» dit 
t/>ajoiir8 l^r ou l^rÖ. 



— Ecoutez 

Marquez sur ina tablette 

Cent ecus pour ma pension. 



92 



Chants patois jiirassiens 



3. t'ß eo Bcer S le Igrßn, 
ko s'äpel djäDit5; 



Tu as une soear en la Lorraine, 
Qai s'appelle Jeanneton; 
8* to m^ le beyo S m^riedja, Si ta me la donnes en mariage, 
rälö bwär! 

Je te quitterai ta pension. 



i tö tjf itre te pSsiS, 
bwäyS d5! 

4. — i'emarö mö me scer möarto, 
mw& p^ri d6 vö prejö, 
ke d'le beyia S meri^djd, 

räl5 bwär! 
5 se vgloer dd bürgwänö; 
bwäyS d5! 

(M"* X., ä Vicques.) 

162. 
mo bei 5/ä Mon bei oncle 

(Patois de Coeuve) 



— J'aimerais mienx ma soeur morte, 
Moi p^ri dans vos prisons 
Qne de la donner en mariage 

A ces volears de Boorguignons. 



^ 



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N K ■ h 



-^k ^— ^ 



-^ ^ ^ 



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mo b$l o - x^, mo b#l ö - ;rä, la dy^ - lo vij vdfe 



:ts=45i 



— -fy N- 



i/=J= 



3t=i= 



z ä^ ¥ r- iii3: 



pa.-ra. k'^ n*ö-ja-r^, k'^ n'ö - J9 - r^, k'^ n*ö-J9-r§, k^ 



:^i=*: 



i 



-¥ — r- 



i^l 



»=?^ 



IT 



-i^-j^- 



n'ö-J9- r^, i'§ d^ pior dS m§ t^ - txa. 



1. — mö bei 5/ä, (bis) 
l9 dyel9 VQ vce pära. 
— k'e n'öjare, k'e n'öj9re, (bis) 
i'e de plar d6 me tetx9. *) 



— Mon bei oncle, 

Le diable voos veut prendre. 

— ((iu')il n'oserait, (qn')il n'oserait, 
J'ai des pierres dans ma poche. 



— Petit drillet, 

Viens m'ouvrir la barriere. 



2. — pati drye (bis) 
vT m*Övri 16 döleJ9. 
— k'e n'öjare, k*e n'öjare, (bis) — (Qu')il n'oserait, etc. 
Te de piar dS me tetx9. 
(M'"* Th6r^8e Ribeaud, ancienoe institutrice, Coeave.) 

163. 

in^ fän m*i vT rt;^öri Ma femme me yient chercher 

(Patois de Ck)urtedoux) 

1. me f&n m'i vT rt)('6n^) Ma femme (m'y) ^^ vient 
(re)chercher 

*) Nous avons ici le mot allemand Tasche. On dit d'habitude: 
/? h^gät. 

2) Le latin qua'rere a donne les deux formes: txür et tx9ri; le pre- 



Chants patois jurassieDS 



93 



S m9 fzS le gnmes, 

S m9 dyS: f^tü lourdaud, 

vT dS tS menedjd! 



2. i ji repö 



me ßin, ve t'S vitmS 

pä fer te bezena 

e pö vwärd§ tez af§. 

ö kMe fän da mitnS 
e di txegrT devö yü9 än;^) 
e n' 80 p' xitö S l'ötä 
k'e fä mwaDe ripeya. *) 



£n me faisant la grimace, 

En me disant: F...icha loardand, 

Yiens dans ton menage! 

Je lui reponds ; 

Ma femme, va-t'en vite(ment) 

Pour faire ta besogne 

Et puls garder tes enfants. 

Ob! que les femmes de maintenant 
Ont du cbagrin avec leurs hommes ; 
Ils ne sont pas sitot ä la maison 
Qu'il faut (mener ripaille) gronder. 



(Madeleine ToDoerre, ii6e en 1829, Courtedoux.) 




164. 
1§ pierä s'ä ü . . . (Le) Pierre c'est un . . 

(Patois de Pleujouse) 



— s- 



S_ K 



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1$ pl9-rä s'ä Q, 1$ djüz-Ii s'ä du; s'ä vS txi ]'k(^-lä k^m 

f 



:p=^ 



^öz - ämwä - rö. Mon cceur n^y peut pas, mon cceur Wy peut vivr\ mon 

> . . ^ 



^z 



dr 



^^o*ur n'y sau-rait vi - vre sans re - grets. 



l. 



(Le) Pierre c'est un, 
(Le) Joseph c'est deux; 
[Ils] s'en vont cbez (le) Colas 
Comme deux amoureux. 



L^ piarä s'ä u, 

1§ djüzli^ s'ä du; 

s'ä v5 txi rk^lä 

k^m düz-ämwärö. 

Afon cceur n!y peut paSy 

Mon ccpur n'y peut vivre^ 

Mon cceur n'y saurait. 

Vivre sans regrets, 

^icr correspond ä l'allemand suchen, chercher ce qu'on a egar^, perdu. 
*'^-: i n'f p' mo mptxü (Vb^gät, ? m? Vfä äi^ txur — je n'ai pas mon mou- 
cboir de poche, il me faut aller le chercher. — Le second est Tallemand 
"olen. Ex.: ^ fä äl^ tx^ri V mfdsT ^ il faut aller chercher le mMecin. 

') Forme toute particuli^re, avec hiatus. D'habitude on dit: ypz an 
(cf. n« 154 Str. 3 : yQ paltQ). 

'^ mwän^ ripiy9 n'a pas le sens de : faire bonne chere, mener joyeuse 
^»c» mais iapiiger, gronder: cf. Texpression populaire: quelle vie il a ynenie 
?**<"*d il o appris cela. 

') Le diminutif habituel de döjz^ est djözl^ ou encore djQz^yä. 



94 



Chants patois jurassiene 



2. s'fi vS txi l'kjlä 
k^m düz-ämwärö. 

Frisant ses cheveux. 
Mon cc&ur, etc. 

3. tr^vS sta berbäta 
Frisant aea cheveux; 
Ig piörä i dye: 

frizS le 09 du! 
Mon coeur, etc. 

4. I5 pl9rä i dye: 
frizS-le n^ du! 

le fän ä k^lä yö dye: 
ekm^d^-vg, Messieurs! 
Mon c<Bur, etc. 

5. le fän ä kglä yö dye: 
ekmjdg-vg, Messieurs! 
s ngt' berbät9 ä bei, 

Ce n^estpas pour vous deux! 
Mon coeur, etc. 

6. s' n^t' berbäto ä bei; 

Ce n^est pas pour vous deux ! 
s'ä pg lg djgt;f9 di rjtxe*) 
s'ä 85 ämwärö. 
Mon ccetir, etc. 



Trouyent (cette) Barbe 
Frisant ses cheveux. 



(Le) Pierre (y) lui dit: 
Frisons-les nous denx! 



La femme au Colas leur dit: 
Accommodez-voas, Messieurs ! 



Si notre Barbe est belle, 

Ce n'est pas pour vous deux! 



C'est pour (le) Jacques du Röchet, 
C'est son amoureux. 



(M. Fr. Jobin, maire^ ä Pleujonse.) 



165. 
mämä, y'^ T ^mä Maman, j'ai un amant 

(Patois d'Underv-elier) 



1. mämä, y'e T emS 

X9 pyejS! 
e m'i vT vwä bT svS. 

c 

gl e en bgs p^ dria, 

pe dvS. 
vwäli sez agremS. 

2. el e b ne pwStii 

si bgsii; 
le tx6b 85 tgrjU, 
en göardja sS päreyo. 



Maman, j'ai un amant 

Si plaisant! 
II (m'y) me vient voir bien souvent. 
U a une bosse par derriere, 

Par devant. 
Yoila ses agrements. 

II a le nez pointn 

Ce bossu; 
Les jambes sont (tordues) torses, 
Üne beuche sans pareille, 



2) C*est aussi le diminutif: bqrb + itta = bqrbät9.^ 
') Le Röchet est une ferme des environs de Pleujouse. 



Chants patois jurasBiens 



95 



kjm S n'S 6 dJ9m§ vü 

ni k^fiü, 
fSdil djtts k'ez-^reyo, 
e le pwä töjü. 

3 e vT d8 me piäjC, 

81 mifiS, 
xerm§ tgt 8f fesS. 
e m*i tir en I5g 

X9 grSda, 
d'T dmf pi9 d9 15. 

4 Heia«/ i n' s^ k' pSsg 

d' si b^sU; 
ß'ä r büob d'T grö mertxS. 
e e'e vi e ^vwä dez äfS, 

e rsSbyorS*) leur ph*e 
dS t2 sez-ägremS. 

^. S le ve m^rie 
t^ le dfi, 
l'tjlfäna S riS d'vwä vni si bjsü 
8* prezSte meri^. 
S, yi 8^0 le syötxo 
P2 1^ peuple ^sSbyg. 

(M"* Simon, n6e en 



D en a jamais vu 
Ni connu, 
F6nda[e] jasqu'anx oreilles, 
£t Ie8 cheveux tondus. 

II vient dans ma maison, 

Ce mignoii; 
Charmer toates 8e8 fa^ons. (?) 
II me tire une langae 

Si grande, 
D'un demi-pied de long. 

H61as! je ne 8ai8 que penser 

De ce bossu; 
C^est le fils d'nn gros marcband. 
Et s*il vient ä avoir des enfants, 

Cet amanty 
Ils ressembleront [ä] leur pere, 
Dans toas ses agr^ments. 

On les va marier 

Tons les deax, 
Le cur6 en riant de voir venir ce 
Se präsenter [a] marier. [bossa 
On lui sonne les clocbes 
Poor le peuple assembler. 
1833, Undervelier.) 



166. 
Djä Nivglo*) Jean [de] Nivelle 

(Patois de Courtedoux) 




^t - I tx§ k'^1 ä ba« ^ prä 1$ r§; 

*) Le verbe ressembler a les deux fbrmes : rsiby^ et rsän^ (cf. n** 167 

^^- Ex.: 4 r8än9 tp pitX9 ä so p^r = il ressemble tout «pec» ä son 

P**^» c'est le Portrait de son p6re. (Cf. le vaudois: C'est son p6re tout 

*^*^'*^^».) — Le Frondeur, Journal satirique paraissant autrefois ä Del^mont, 

* put^li^ il y ji une quinzaine d'ann^es la boutade suivante: 

^^ fän dt bo p^izS La femme d'uu bon paysan 

^^^^ f^ T b# grö-l-äfö. Avait fait un beau gros enfant. 

i rsana t$ pit;ta ft p$r, — II ressemble tout pic au pere, 

^ ^>^ 80 fr^r la bw^tü. Lui dit son fr^re le boiteux. 

i dy§l ! y'Qvö prü pävü — Ab ! diable ! j'avai» assez peur 

*^ ^ n' rsänd^x a vitAT^r. Qu'il ne ressemblat au vicaire. 

^) Tres interessante Variante de la cbansou de Cadet Roussel. La 
tbBB^Oo avait bien d'autres couplets, m'a dit ma vieille Agathe Sangsue; 
löBl'^^ttreusement eile ne se rappeile que ces trois. 



k- 



96 



Chanta patois jurassions 



-t^— ^— ^—^ 



E^ 



n: 



3±=t 



? 1# prä M 88 txS-d^-la, äya ä-vS! <ljä ni-v^-la! Etc'pm-dant 



^ 



* 



(Ijä ni-v§la ä bSn -«n-/an(. 

1. djS nivel9 gt-I txe 

k'el ä bän e prS le re; 
e le prS bl sg txSdeb, 
äya äve! djä niveU! 

Et cpendant 
dj5 niv^la ä h^n-enfant, 

2. djä nivela e du büa 

ka d' se mwäüe se txerüa: 
e le xäk*) evö en etel, 
äya ävS! etc. 



Jean Nivelle a un chat 
(Qu'il) qai est borgne et prend les 
II les prend bien sans chandelle, [rata; 
Allons! en avant! Jean Niyelle! 

Et cependant 
Jean Nivelle est bon enfant. 

Jean Nivelle a deax boeafs, 

Qai ne savent mener sa charrae; 

II les frappe avec ane «Stelle». 



3. djä niveld e trä txertia; 

l'ätr ä käse, l'ätr ä rötü; 

l'ätr n'e pa do verveya, 

äy9 ävS! etc. • 

(Agathe Sangsue, n^e en 1833, Courtedoux; cbanson de sa m&re.) 



Jean Nivelle a trois charraes, 
L'aatre est cass6e, l'aatre est rompne ; 
L'autre n'a pas de coateau. 



167. 

1$ metr d'ek§l de vwärek§^) 

Le roattre d'^cole de Var6court 

(Patois de Copiive) 



Gau 

m 



^£ 



jtzd 



s^ä Tmetr d'§-k$l do vwä- r^ - k$, k'^1 ^ bi f^ la bi - g^; 



N .S 



i^ 



^^m 



61 ^ bl tro-pQ 1<J mod, k'^ y'^ f^-yüt-^-no blöd; s'ä 1^ 



^ 



'^^S. 



-* — f- 



^if=^ 



djän mö-rl9 txTa 1^ nä - no, k'^1 ä ^ f^ 8§ do - dö. 

1. s'ä 1' metr d'ek^l da vwärek^ C'estlemaitred'ecoledeVarecourt(?) 
k'el e bT fe b bigo; (Qn'il) Qui a bien fait son bigot; 

el e bT tröpe \\ möd, II a bien trompe le xnonde, 

^) Proprement: ciaquer, xäk^ Je pö9rt ^ ciaquer la porte. 
2) M. Xav. Kobler {Patt. p. 10) donne 2 strophes de ee chant; son 
maitre d'ecole vient de vire-le-cö (Tourne-le-cou). 



Chants patois jurassiens 



97 



4. 



k'e y' e feyüt-8n9 blöd; 

s'ä le djän merl9 txis 1^ nänS 

k'el ä e fe se' dSdö. ^ 

el e Stere so veyo grije,*) 
k'el n'S ete pa txegrine. 
1§ veya metr y'e prej^me. 
p^ r^käzyS d'i p§Ie, 
se txl9vr ät-äle märtxSde: 
mS s' n*^te pa 8§ k e tjföre. 

a p§lS dez-^wi oureWes 
e 89 s5 fe bT de caresses, 

*■ w*" * 

e 89 HO trov^ di mem penchant, 
le vwäli'dS bT kota. 
e n' 89rT ebredje le Iwä; 
e fa ätSdr le dl9x mwä. 

P2 n' pü tS tr^ve l' tS grS, 

e s'i s5 pri ätr9mS. 

vwärek^ e äbSd9ne, 

e rkrgvS s'S ä räle. 

\ s' mgk bT d' kädirätö,*) 

p§ k'e fdex evo ee nänS. 

el äpr9fie bX lez-äf5; 
x'el eve pe9 kStintie! 
e le mwäne ä mötl9 

c • c • 

e le fze bT e preyl9. 
5 s'S als pwä le yi9 
el älT e pte pä 
S dyejS*) b txeplä. 

S s'S als pwä le vi9 
devö se veya nwär Sglez 
e 85 ^r d9 politesse, 
e reSnß 5n-T vey9 t;^ürl9. 



QiiHl lui a fallu une blonde; 
C'est la Jeanne-Marie chez la Nanon 
(Qu'il en a) Dont il a fait sa dondon, 

Elle a enterre son vieux Griset, 
Uu'elle n'en etait pas chagrin6e. 
Le vieux maitre y a fait attention. 
•Pour Toccasion (d'y) de lui parier, 
Sa chevre [il] est all^ marchander; 
Mai8 ce n'^tait pas ce qu'il cherchait. 

£n parlant des amourettes 
Ils se sont fait bien des caresses. 
Ils se sont trouv^s du meme penchant, 
Les voilä donc bien Contents. 
Ils ne sauraient abreger les lois; 
II faut attendre les dix mois. 

Pour ne plus trouver le temps grand, 
Ils s'y sont pris autrement. 
Varecourt [il] a abandonne, 
A Recrovent (?) [il] s'en est (r)alle. 
II se moque bien (de) des qu'en 

[dira-t-on, 
Pour[vuJ qu'il soit avec sa Nanon. 

II apprenait bien les enfants; 

S'il avait seulement continu^! 

II les menait a l'eglise 

Et les faisait bien (ä) prier. 

En s'en allant par les chemins 

Ils allaient ä petits pas 

En disant le chapelet. 

En 8*en allant par les chemins 
Avec sa vieille (anglaise) redingote 
Et son air de politesse, [noire 
II resseinblait ä un vieux eure. 



*) Cf. n** 124 Str. 9. M. X. Kohler a ici : qu'ai Ven e fait sai dindon 
^ sa dindon, sa dinde. 

2) Je ne sais d'oü vient ce mot; Tadjectif gris -4- diminutif -ittu 
doDoerait grijä et non grij^; le mot grisan exi.sto aussi: grijo. Est-ce peut- 
^tre la forme du participe pass^ : son vieux GrisS ? 

'j Litt^ralement: ä se fnoque de quen dira-t-on j corame s'il s'aji^issait 
d'uDe persoDoe de ce nom-lä. 

♦) La forme ordinalre du participe present est dyi. X. Kohler a aussi 
e» diain le tchaipelat 

7 



98 



7. 



Chants patois jurassiens 



8^ püdr e 86 fa jaboU, Sa poudre et ses faax Jabots^ 

m^ fwä, n'i k5vnfi p9 trg! Ma foi, ne lai convieanent paatrop 



^ d^fSde e bexät 

da n' pa') 8* Jexia t8 käjöle; 

tS d' fwä k'e yöz-e di 

do 89 n' p9 lexl9 eprötxia! 

mS lü eprötx se nänS 

kgm le feviöl le bet8. 



II döfendait aax jeane8 filles 
De ne pas se laisser tant cajoler 
Tant de fois qa'il leur a dit 
De ne pas se Jaisser approcber! 
Mais lai approche sa Nanon 
Comme les haricots les bätons. 



(Marie Chavanne-Pe$on, nee en 1823, Coeuve.) 



168. 

Yoici une autre Version assez alt6r6e, qui est pourtant interes- 
sante, et qni se chantait sur le mSme air. 

(Patois de Boofol) 



1. 8^1 !§ metr da Värekg 
ka fze bl I9 big^. 
elTxtrtt^ bl lez-äfS 

s'e n'ete p' evü si metxS. 

2. e le mwäne E mötia 

c • c • 

^ le f^ze e präyia. 

e le mwän^ e petiU pas 

En disant lg txeplä. 

3. 5 n' yöz-5 montrant p' da pü, 
s'ä k'e* n'S sevß p' da pü; 
me b'S et^ bl assez, 

s'el ^ve pea kStinüe. 

4. el ^ bT trSpe !§ mSda; 
e y^ feyü en blSda, 

le djän-meria txia le nänö, 
k'el 5 e fe se dm. 

c c c c 

5. e pese se septfit S; 

e s' n' etäke p' e djtian djS. 



C'est le maitre de Var^court 
Qai faisait bien le bigot. 
II instruisait bien les enfants 
S'il n'avait pas ^t6 si möchant. 

II les menait a T^glise 
£t les faisait (ä) prier. 
II les menait a petita pas 
£n disant le chapelet. 

En ne leor en montrant* pas de plus' 
C'est qa'il n'en savait pas de plas; 
Mais c'en ^tait bien assez, 
S'il avait sealement continae. 

II a bien tromp^ le monde; 
II lai a falla une blonde, 
La Jeanne-Marie chez la Nanon, 
Qu'il en a fait sa dondon, 

II passait ses soixante-dix ans; 
11 ne s'attaquait pas aux jeunes gens. 



^) Remarqaer la negation apres le verbe defendre: il defendait aux 
jeunes filles de ne pas se laisser cajoler. On entend fröquemment la meme 
faute dans le fran^ais populaire. (Cf. la version suivante n^' 169 str. 2 : il 
nous reconimandait de ne pas nous laisser attraper). — On comprend facile- 
ment Torigine de cette erreur : il ne faut pas faire ce qu'on defend ; et Ton 
ne songe pas que defendre de ne pas faire ^ ordonner de faire. Cf. n" 146, 
noto 1. 



ChantB patols jürassiens 



99 



e seve bX k' se bei ^bi 

n'älT k' xtt r dö d'I vey9 gri. 

<. e n'y Sve ka lg nftnö 
Pf py§r £ 86 nwä djipS. 
t§ 86 ko pwä dvS lü pe8Ty 

le reverSs e vi fezX. 

7. 8f k'8 k5pöze le txSsö 
e s' n'a 85, m^ fwä, pe9 p' 

* [vStg. 
^ n'S fe kd d'^gzämin§ 
le pjet^ di tfi pes^. 

S. U pyfte e le vertu 
sh \q' txml di sältt. 



II savait bien que 868 beaux habits 
N'allaient que sur le do8 d'an 

[vieax gri8. 

II n'y avait qae la Nanon 
Poor plaire ä 868 habits noirs. 
Tous ceax qai par devant lai 

[pa88ai6nt 
La rev^rence il8 lai faiaaient. 

Cenx qai ont compo86 la chan8on 
(IIa) ne s^en 8ont, ma foi, pas 

[sealement vant^. 
Il8 n'ont fait que d'examiner 
La pi6t6 da temps paasö. 

La piät6 et la verta 
C^est le chemin da salat. 



(Amölie Joset, nie en 1860, k Bonfol; 
chanson apprise de son p&re, mort en 1898, ä 80 ans.) 



169. 

Voici enfin sur le rnSme sujet ane derni^re yersion qai 
^oua montre comment la tradition populaire peut transformer et 
^It^rer un texte. 



s'ä V vfyQ metra da vgrikf, 
ko s'ete T b5 bigf. 
^ a'fi äl§ ä mötld 
S pr&yS 85 tx^plä. 

e Dg rk^mSd^ bl 
d9 na D9 p' lexia etr^p|, 
<i9 na uq p' lexia käj^le. 
me lü eprgtxe ae DäD5 
k§m lf'f|vyöV)'l9 bät5. 



C'est le vieux maitre de Varicoart 
(Qae c') Qai 6tait an bon bigot. 
11 s'en allait a Tegliae 
£n priant soq chapelet. 

II nons recommandait bien 
De ne noas pas laisser attraper, 
De ne noua pas laisser cajoler. 
Mais lai approchait sa Nanon 
Comme les haricots le bäton. 



%. 



8a 8r| ^vü T b5 metr d'eköl 
99 n'etg p' ^vü X9 metxS. 

(Am6d6e Etienne, n6 en 1845, de Courtemaiche, k Fahy.) 



Q'aarait ete an bon maitre d'6cole, 
S'il n'avait pas 6t^ si mechant. 



^) C'est le mot ajoalot; les Franches-Montagnes disent: fizijQl^ tandis 
<\w le VÄdais emploie exclasivement le mot: /^"dte (faba -f- itta). (Cf. 
*n»»i le patols vaudois: fävtßäi.) 



{ 



100 



Chants patois jurassiens 



170. 
1$ kät^nie Le cantonnier 

(Patois de Mi^court) 



m 



3;: 



^ 



^ 



=ff=ä: 



xü 1^ rü - te da sS dy^, ^ y'^ - v§ T b# 



^ 



^ 



ifc=:t 



kä-U^ 



uia, 



k9 r5 - t§ d§ mö - 8# d'k^ - yQ, mö - sf d'k§- 



?EEö^ 



3^ 



#— =-■ -m— — #■ 



5:=:=t!C 



E£ 



y9, mo - 8# d'k§ - yö, 

: N 



mo 



8$ d'k§ - yp, 



p<J ^- t$ 



§i 



13^ 



L5CT 



xü l'pe-s^dj d# fp. 

. xü le rüta da eS dye 
^ y* eve T be katönio 
ka röte de mSse d' keyö, 

möse d' keyö (ter) 
k9 röte de möse d' keyö, *) 
P2 bgte xü 1' pesedj de fö. 

. ^n gröx dem vT e pese 
k'ete t§ bi et^ipe; 
el yi' di: be kät2nl9, 

be kätgnia, (ter) 
el yi di: be kätguia, 
V2 m' fet li T fgtü metia! 

1' be kät^nia yi repöje: 
ä si y'evö kär^s k^m v^, 
i n' rötrö p' pü do keyö 

pü d» keyö (ter) 
i n* rötrö p' pü da keyö 
P2 bgte xü r pesedj de fö! 

4. le gröx dem xi bT rm^n^ 



3. 



Sur la roate de Saint-Die 

II y avait un beau cantonnier 

Uai cassait des monceaux de cailloax, 

Monceaux de cailloux, 
Uui cassait des monceaux de cailloux 
Pour mettre sur le passage des fous. 

Une grande dame vint ä passer 
Qui 6tait tout[e] bien equip6e; 
Elle lui dit: ßeau cantonnier 



Vous me faites lä un f...ichu metier! 

Le beau cantonnier lui r6pondit : 
Ab! sij'avais carrosse comme vous, 
Je necasserais (pas) plus de cailloux. 



Pour mettre sur le passage des fous! 
La grande dame si bien rembarr^e 

Dit ä ses gens: F...ichons le camp 



dye ä se dj5: f^ta I9 kä 

f^tä 1^ kä (ter) 
dye ä se djä: fotä I2 kä, 

si be kät^nia s' n^ ä p^ T fö! Ce beau cantonnier n^est pas un foul 
(M"' Bertha Phealpin, Miecourt.) 



*) L'Ajoie dit: kqyQ, txiyQ ou meme %(>; Del^mont a txiy^. 



Chants patois jurassiens 



101 



171. 



Le Pdys du Dimanche a doDii6 dans une lettre patoise 
du 12 mars 1898, sign^e Djozet Dibaindaine, ane version de 
cette chanson qui difi%re un peu de la mienne; la voici textael- 
lement : 



1. Chn lai ronte, bin maitnie, 
Ai yaivaie ¥n cantonie, 

Uue cassaie des tas d' cäyos. 

Des tas d' cäyos 

Des tas d' cäyos! 
Que cassaie des tas d' cäyos 
Tain qa'ai lan aivaie mä dos! 

2. In moQciea vi'n ai p^^aie, 
Uu'etaie tre bYn equipaie; 
Que Üy dit: ponere cantonie, 

Pouere cantonie, 

Pouere cantonie! 
Qae ij dit^ pouere cantonie 
Vos ai in fotu m^tie! 

3. Le cantonie l'y repon, 
Sain fair beco de faiQon: 
Si feso i'faquin com' vos, 

L'faquin com' vos, 

L'faqnin com' vos! 
Si feso Tfaquin com' vos, 
Y n' cassro p^ de cäyos! 

4. Le moncieu b\'n rambalaie, 
To capou s'en na raüaie; 
An se diain: ai fa lechie, 

Ai fa lechie, 

Ai fa lechie! 
An se diain: ai fa lechie 
An repos le cantonie! 



Sur la route, bien matinal, 

II y avait un cantonnier 

Qui cassait des tas de cailloux 



Tant qu'il en avait mal [au] dos-! 

Un monsieur vint ä passer, 
Uui etait tres bien equip6; 
Qui lui dit: Pauvre cantonnier, 



Vous avez un fichu metier! 

Le cantonnier lui r6pond, 
Sans faire beaucoup de fagons: 
Si Je faisais le faquin comme vous, 



Je ne casserais pas de cailloux! 

Le monsieur bien remhalU, 
Tout capot s*en est (r)alle; 
En se disant: II faut laisser 



£n repos le cantonnier! 



Sous une forme frangaise un pea differente, la meme 
chanson est tr^s r^pandue dans toute la Suisse romande. 



102 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Von E. Hoffmann-Erajer in Basel. 

Yorbemerkung. 

Die nachfolgende Schilderung beruht in ihrem wesent- 
lichsten Teil auf einem Vortrag, den der Verfasser am 15. De- 
zember 1902 in der Basler Historischen Gesellschaft gehalten 
hat. Einige Erweiterungen, namentlich Vergleiche mit Bräuchen 
in der übrigen Schweiz und noch weitere Belege aus mittel- 
alterlichen Quellen sind später hinzugekommen. Dass es dem 
Verfasser nicht darum zu thun war, eine abgerundete Darstellung 
älterer Neujahrsbräuche überhaupt zu bringen, geht schon aus 
dem eng gefassten Titel hervor. Immerhin dürften die folgenden, 
zu einem grossen Teil aus ungedrucktem Material geschöpften 
Mitteilungen einige Ergänzungen zu den bereits bestehenden 
Untersuchungen über die Jahreswendbräuche bieten. 

Allgemeines. 

Wer immer sich mit altern Gebräuchen der Jahreswende 
beschäftigt, wird sich stets gegenwärtig halten müssen, dass eine 
strenge Scheidung zwischen Weihnachts- und Neujahrs-, ja sogar 
Fastnachtsbräuchen schon aus rein kalendaren Gründen unmög- 
lich ist. 

Ein Jesusgeburtsfest kannten die Christen der drei ersten 
Jahrhunderte nicht. Man feierte zunächst die Taufe, welche 
man auf den 6. Januar legte; also den Epiphaniastag. Erst als 
das Dogma Yon der Gottessohnschaft Christi immer mehr aa 
Boden gewann, kam man auf den Gedanken, auch für seine 
Geburt einen Festtag aufzusuchen, und so war es denn der 
römische Bischof Liberius, der im Jahre 354 als Erster den 
25. Dezember als Geburtstag Christi festsetzte. Der Grund, der 
ihn dazu bewogen hat, gerade diesen Tag zu wählen, mag in 
erster Linie die sinnige Idee gewesen sein, die Geburt des 
Herrn, des „Lichtes der Welt**, mit der Wiedergeburt des 
irdischen Lichtes in Verbindung zu , bringen ^), wie ja auch die 

') Bei den Römern galt der 25. Dezember als Sonnenwendtag. 



Nenjahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 103 

Verlegung des Geburtstages Johannis des Täufers auf den 24. 
Juni, d. h. die Sommersonnenwende, an den Ausspruch anknüpft: 
,Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen". Mitbestimmend 
mag überdies auch noch gewesen sein, dass die Römer vom 
17. Dezember an eines ihrer ausgelassensten Feste, die Satur- 
nalien, feierten, und es somit für die Kirche von Wichtigkeit 
sein musste, diese allzuweltlichen Freuden durch ein kirchliches 
Fest zu YerdrängeUi Dass ihr dies nur zum Teil gelungen ist, 
zeigen die mannigfachen Reste der Saturnalienbräuche in Ge- 
genden, die von den Romern kolonisiert waren. 

Aber noch ein anderer Tag musste für die Kirche unbe- 
quem sein: der eine Woche später folgende Neujahrstag. Die 
Januarskalenden waren im römischen Geschäfts- und Staatsleben 
ein Tag von so einschneidender Bedeutung, dass er dem kurz 
Torausgehenden kirchlichen Weihnachtsfeste leicht hätte gefähr- 
lich werden können. Die Kurie entschloss sich daher im 9. 
Jahrb., den Jahresanfang auf den 25. Dezember zu verlegen, 
um dadurch das ganze Festleben auf Weihnachten zu konzen- 
trieren. Sie hat sich damit einen jahrhundertelangen Kampf 
aufgebürdet, in dem sie schliesslich doch noch unterliegen sollte. 
Jn unsern Gegenden war es die Reformation, welche den alten 
Stand der Dinge wieder hergestellt hat, wenn der Weihnachts- 
anfang auch von der Kurie bis ins Ende des 17. Jahrb. ist fest- 
gehalten worden. 

Dass aber diese Vermischung von Neujahr und Weihnachten 
auch in den Yolksbräuchen ihre Spuren hinterlassen hat, ist be- 
greiflich, um so mehr als die durch den gregorianischen Kalender 
herbeigeführte Verschiebung das ihrige dazu beitrug, die Daten 
zu verwirren. Rechnen wir hinzu, dass wohl der eine oder 
andre Brauch sich auch noch von dem altgermanischen Winter- 
anfang in die Neuzeit hinübergerettet hat, so kann es nicht ver- 
wundern, dass eine allzustrenge Scheidung in Weibnachts- und 
Neujahrsbräuche unmöglich ist. 

Die Bräuche im Besonderu. 

I. Ein alter Brauch, der meist in die Zeit um Neojahr 
oder Weihnachten fiel, war auch in Basel das Umziehen 
grösserer oder kleinerer Gruppen, die unter wüstem Lärm 
und Absingen von Glückwunsch- und Bettelliedern vor den 
Bürgershäusern Gaben, besonders Wurst, erbettelten. Die älteste 



104 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

mir zugängliche Notiz stammt aus dem Jahre 1418 und findet 
sich im Rufbuch^); sie lautet: 

„Feria sexta post nativitatem Christi. 

Es ist euch by kurtzen jaren ein fremde gewonheit, hie 
in der statt uffersten [I. ufferstanden]» daz man die zu eim dorff 
machen mit singen vmb würst yf ein ingond jar, als man 
jn den dörflFern gewohnlich tut" (Rufb. I, 8^). 

Die Sitte scheint also in unserer Stadt um die Wende des 
XIY. Jahrh. aufgekommen zu sein, wie auch das Umziehen von 
Yerkleidetön im Advent, von dem das Rufbuch unter demselben 
Datum sagt: ,,So ist euch ein nüwe gewonheit hie ufferstanden, daz 
man im atvent anfahet, jn Bökenwise ze gonde vnd erber 
lüte ze überfallende jn jren hüsern* u. s. w. Von diesen Ver- 
mummungen werden wir unten noch zu sprechen haben. 

Im Jahre 1420 erfolgt dann ein erneutes Verbot: ^Es soll 
euch niemand singen gan vor noch nach dem hocbzit [Weih- 
nacht], umb würst, gelt noch anders als etwenn beschehen 
ist, noch niemand dem andern an siner thür klopfen . . ." 
(Rufb. I, 28^). 

Dass das Datum der Bettelnmzuge nicht immer dasselbe 
war, zeigt uns übrigens auch der Ruf von 1432, welcher siel) 
gegen das Wurstsingen „zum ingonden jare, darnach und da- 
vor" wendet. 

Solche Verbote ziehen sich dann, mit wenigen Varianten, 
durch das ganze XV. Jahrh. hindurch. Etwas interessanter, 
weil ausführlicher, ist der Ruf vom 18. Dezember 1501: „Ouch 
als bysshar zu Ingang eins jedenn nuwen Jars vil nacbtgesangs, 
wurst samblenn und derglich besphehenn, dadurch unnsern Bür- 
gern, jren Kindern und Töchtern schand und scbad erwachsen 
möcht, des glichen unfür mit Clopfen an den hüsern nachts be- 
scheen ist, lassen unnser Herren . . . gebietenn, dass . . . nieman- 
den (!) . . ., nachtgesang, wurst samlenn oder Gutte Jar singen, 
euch das clopfen bruchen oder euch an Sant Berchten tag oder 
sunst wurst samblenn* (Rufb. II, 42^). 

Dass die Obrigkeit alles Recht hatte, die Bettellieder zu 

verbieten, zeigt nicht nur der Inhalt dieses Verbots sondern auch 

eins vom 2. Januar 1507, wonach „uflf diss hochzytt der wyn- 

. nechten ettlich frouwen unnd man nachts . . . vor der lütten huseren 



2) Drei Manuskriptbände auf dem Basler Staats-Archiv. Sie enthalten 
obrigkeitliche Erlasse, welche öffentlich ausgerufen wurden. 



Neujahrsfeier im alten Basel uud Verwandtes. 105 

vmb ein gutt jar und warst ze singen gepflegen, daruss ze ett- 
lichen zytten frommer lütten kinder gesmeeht [beschimpft] 
unnd ander scheden entsprungen sind...^ (Rufb. U, 50). 
Sagt doch auch Hospinianus (2. Hälfte des 16. Jahrb.): „Da 
diese Bettelumzüge vor den Häusern der Reichen nachts vor 
sich gehen, kann man sich leicht denken, dass diese Gelegenheit 
benutzt wird, um mancherlei Unsittlichkeit mit unterlaufen zu 
lassen." ^) 

Wir können all diesen Verboten entnehmen, dass es um 
die Weihnachts- bezw. Neujahrszeit in Basel wild hergegangen 
ist, und zwar treten uns bei diesen Umzügen deutlich zwei Mo- 
mente entgegen: Das Um sin gen und das Klopfen an den 
Häusern. 

Man würde irren, wollte man diese beiden Bräuche für 
Bpecifisch baslerisch halten. Schon der erste oben zitierte Ruf 
sagt es ja deutlich, dass das Wurstsammeln neuerdings vom 
Lande in die Stadt gedrungen sei. Wir haben also dort Um- 
schau zu halten, und da sehen wir denn, dass dieses Umsingen 
im Dezember nicht nur eine weitverbreitete Sitte war, sondern 
es bis auf den heutigen Tag geblieben ist.^) 

Um mit der nächsten Umgebung Basels anzufangen, er- 
innern wir an eine Stelle in Hebels ,, Statthalter von Schopf heim ^^ 
Dort heisst es Vers 72: 

„I hör, der Uhli heig gmezget. 

's war e Site Speck wol us der Bütene z'hole 

und e Dozzet Wurst; wie wär's? Doch 's Vreneli duurt mi. 

Göbnt e Stücker drei, 's iscb besser, singet ums Würstli." 

Hebel kannte das Wurstsingen gewiss aus seiner Kind- 
heit; denn noch heute wird in seinem Heimatsorte Hausen, 
nach personlicher Erkundigung, folgender Reim gesungen: 

5) De Pestis Cbristianorum. Ed. tertia. Genevje 1674, Fol. 41» — 
♦) Einen altem Nachweis aus der Landschaft verdanke ich Herrn Alt- 
Scbulinspektor Dr. J. W. Hess. Er schreibt mir darüber: Die Geist- 
lichen äussern ihren Unwillen besonders über das Ansingen des Neujahrs. 
Da gehe viel Unordnung vor. Jedermann werde durch den Gesang be- 
lästigt und in seiner Ruhe gestört. Dieser Gesang dauere die ganze Nacht 
hindurch, und niemand werde damit verschont. Wer keine Gabe s])enden 
wolle, dem werde „schmach und tratz" bewiesen. „Was die Sänger also 
ergeilet und ergützlet haben, das fressen sie uff, sitzen zusammen und heben 
das nüwe Jar mit fressen, suffen, schweren und anderem muttwillen an." 
(Famsb. Akten vom 26. März und 24. September 1601, beidemal unter 
Sissach.) 



106 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Gueten Oobe, gueten Oobe! Lönd-mi doch nit gaar verfriere. 

Gott gsägn'-ich's ^) eueri Goobe, 's SüüU het e chrumm Bäi, 

Gott g8ägn'-ich*s euer Assen und Gänd-merWuurscht,80chttmm-ihäim, 

[Trinke, 's SQOli het e chrumme Maage, 

's SUUli würd-ich nümme hinke, Gänd-mer, waas i mag ertraage. 

's SüOli het e chrumme Buurscht^), Stiiget uufe bis an dTaUrscht ^), 

Gänd-mer au e Lääberwuurscht, Hauet aabe Späck und Wüürscht, 

Gänd-mer zwoo fUr äini, Lönd 's Mässer iine goo 

Aaber nit e chläini Und saage, de Metzger häig's too. 
's Süüli het e chrummi Schnööre, 

Ein ähnlicher Sprach bei Meter, Bad. Volksleben, S. 335; 
Brodmank, Heimatkunde von Ettingen 1883, S. 71; (Buser), 
Heimatkunde (von Läufelfingen) 1865, S. 156, wo aber anch, 
wie in Hausen, keine bestimmte Zeit genannt wird, sondern nur 
gesagt wird, dass sich das Wurstbetteln an das Einschlachten 
anschliesse. 

Auch L. Tobler zitiert in seinen schweizerischen Yolks- 
liedern (I, 207 u. H, 238) Wuretbettellieder aus Waidenburg, 
dem zürcherischen Weinland und Dielsdorf ^), die sämtlich auf den 
gleichen Orundstock zurückzugehen scheinen. Abweichend da- 
gegen sind die Vierzeiler im Kanton Bern. ^) 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass dieses Wurst- 
betteln sich nicht von vornherein an das Neujahr anknüpft, son- 
dern in erster Linie an das Einschlachten im Dezember, welcher 
Monat schon bei den alten Deutschen als Schlachtmonat galt. 

Man vergleiche damit die Verse Wandelberts: *®) 

„Hoc siib mense sues pasta iam glande madentes^ 
Distento et pleuam monstrantes ventre saginara, 
Cjedere et ad tepidum mos est suspeiidere fumum 
Terga, prius salis fuerint cuiii sparsa madore." 

In Herzsohns Uebersetzung : '*) 

„Jetzt auch pflegt man die Schweine zu schlachten, welche die Eichel 
Ausgeftittert schon hat, so dass sie die völlige Mast durch 
Wanstigen Bauch bekunden, und hängt in den laulichen Rauch sie, 
Wenn man die Rücken zuvor mit befeuchtetem Salze bestreut hat.** 

Das Wurstbetteln scheint jedoch schon früh mit dem Er- 
betteln anderer Gaben um Neujahr sich verschmolzen zu haben. 

^) Gesegne euch (mit angehängtem unorganischen s). — *) Borste. 
— ') Dachfirst.— ^) Vgl. auch Schweiz. Id. Chrummbeinlied (III, 1096 f), WiMSt- 
brief (V, 495). — «) G. Züricher, Kinderlied und Kinderspiel im Kanton 
Bern. Zürich 1902, Nr. 286. 287. — »^j Carmina ed. E. püramler in: Monu- 
ment a Germani^e. Pa'tiP lat. ani Carol. II (1884) 616. — *') Westdeutsche 
Zeitschrift I, 288. 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 107 

Daher das Verbot von 1501: „dass niemanden nachtgesang, 
wurst samlen oder gäte jar singen, oder auch an Sant 
Berehten tag oder Bunst warst samblen^ solle. 

Aus Basel sind uns solche Wunsch- und Bettellidder nicht 
überliefert; denn die Verse, wie sie arme Kinder heutzutage 
am Neujahr vor den Thüren hersagen, tragen, soweit ich sie 
kenne, ganz modernes Gepräge. Wohl aber haben sie sich in 
andern Gegenden noch erhalten. 

In Baselland sagt man: 

Hütt ist Silfester und mom isch Neujor, 
Gäp-mer au öppis zum guete Neujor ! ") 

Im Kanton Bern : *^) 

D*8 Neujahr isch da und i bi da, 
Ge't-mer öppis, so cha-n-i gah. 
oder: 

1 ha-n-ech welle singe, 
Di Stimm wo't mir nid gah. 
Ge't mir e Neujahrwegge 
Mit sibenesibezg Egge, 
So cba-n-i wider gah. 

und bei den Bätoromanen : 

Bien di, bien onn, 
Dei bien maun. 

(Guten Tag, gutes Jahr 

Gebt ein Trinkgeld.) i*) 

Und ähnlich auch anderwärts. 

Als besonders alten Beleg für das Neujahrsingen sei noch 
ein Verbot aus dem Schaffhauser Statutenbuch (Bl. 23) ange- 
fahrt. Er fällt noch in das 14. Jahrh. : „Wir, der vogt etc. ze 
Schafhusen haben gesetzet dur gutes frides willen, das nieman 
Bol bitten in unser stat und in unsern gerihten ze Schafhusen 
an des lügenden jares abent, ald an dem zwelften abent^^), ald 
an andern tagen, als man in den ziten da her getan het dur 
dehein geverde mit singenne oder süsse [sonst], und sol das 
menglich miden, das man dehain geverde darunter triben sol.*' 
(MoNE, Schauspiele des Mittelalters I, 138.) 

IL Auf die Sitte der eigentlichen Neujahrswünsche 
hier näher einzutreten, ist unnötig. Ihre weite Verbreitung er- 

") G. A. Seiler, Die Basler Mundart 1879, S. 153. Aehnlich ZCricher 
a.a.O. Nr. 279. — »») Züricher Nr. 278. 282. — ^♦) Archiv II, 142. — 
**) Da der «zwelfte abent** nur der vor Dreiköuiitfen sein kann, niuss hier 
das »ingend jar« die Weinacht bezeichnen. 



108 Neujahrsfeier im alten Basel und Venvandtes. 

klärt sich aas dem Bedürfnis, am Anfang eines grössern Zeit- 
abschnittes in die Zukunft zu blicken und für sich und seine 
Freunde alles Gute zu wünschen. Heutzutage wünscht man ge- 
dankenlos, wie ja auch die Meisten keine Ahnung mehr davon 
haben, dass die Geburtstagsgratulation ursprünglich kein Glück- 
wunsch für den Tag, sondern für das kommende Lebensjahr 
ist. In früherer Zeit aber spielte der Aberglauben mit hinein, 
dass durch den Wunsch wirklich ein Segen bewirkt werde. Es 
ist somit der Neujahrswunsch im Grunde nicht anders zu be- 
urteilen als irgend eine Bewahrungsformel. Man vergleiche die 
interessante Stelle in Brants Narrenschiff (Kap. 65 Y, 37 ff.), auf 
die wir auch unten noch zurückkommen müssen: 

Vod wer nit ettwas nuwes hat 
Vnd vmb das nuw jor syngeu gat, 
Vnd gryen tann risz steckt jn syn huss, 
Der meynt, er leb das jor nit uss 
Als die Egyptier hieltten vor, 
Des glichen zu dem nuwen jor, 
Wem man nit ettwas schenken dut, 
Der raeynt, das gautz jor werd nit gut. 

Die älteste Form der Beglückwünschung ist jedenfalls die 
auch heute noch vorkommende mündliche, die nach und nach zu 
einer festen Prosaformel erstarrt ist.**) Schon im Mittelalter 
aber kamen die Glückwünsche in gebundener Form auf, die 
dann entweder auch persönlich hergesagt bezw. gesungen oder 
durch einen Boten überbracht wurden. 

In der Zeitschrift für deutsche Philologie 31, 1 ff . teilt 
Jacobs einen solchen Spruch mit, der einer Handschrift des 
XV. Jahrh. entnommen ist, der aber nach Liliencron in Text 
und Musik noch den Charakter des ausgehenden XIII. Jahrh. 
trägt. Er beginnt: 

„Mein trut geselle, myn libster hört, 
wisse, daz dir wünschen myne wort 
vncz uff den tag daz sich daz nuwe jar anvahet, 
waz czu geluck ye wart erdacht, 
daz werde alleczyt an dir vol bracht, 
vnd daz ich myde, waz dir vorsuiahet [nicht geföllt] 
so wer myn hertze in fremden geil 
vnd dyn gelücke daz ist myn heil; 
wan ich by dir nicht mag gesin, 
so bin ich dach alle czyt daz din 
vnd du daz myn. 
*S) Wie z. B. im Schanfigg. Archiv IV, 342. 



Neujahrsfeier im alten Basel und Venvandtes. W.) 

In zwei weitern Strophen wird die Liebeserklärung fort- 
gesetzt. 

Eine grosse Zahl solcher Olückwanschreime hat auch Schade 
im Weimar. Jahrbuch II, 75 ff. mitgeteilt. *") 

Oft wurden diese Verse illustriert und sind so zu Vor- 
läufern unserer Neujahrskarten geworden. Heitz hat einige 
interessante Exemplare aus dem 15. Jahrhundert publizierte^), 
ein solches ist auch bei Alwin Schulz, Deusches Leben S. 400 
abgebildet. Meist *ist darauf das Christuskind dargestellt mit 
einem Spruchband, das den Olückwunsch „Ein guot selig jar^ 
enthält. Dass sich sogar die Holzschnitzerei des Gegenstandes 
bemächtigt hat, zeigt die Darstellung auf einem Chorstuhl von 
St. Peter in Basel. ^^) 

Dass in früheren Jahrhunderten auch Medaillen mit Glück- 
wunschinschriften verschickt wurden, hat mir Herr Dr. Alfred 
Geigy in Basel gütigst mitgeteilt. 

ni. Unter den von Schade aufgeführten Glückwunschreimen 
läset sich eine grosse Kategorie ausscheiden, die durchgehend 
mit der Formel ^ klopf an^ beginnt: 

„Klopf an ! klopf an ! ' 

' Der Himmel bat sich aufgetan.** u. s. w. 

„Klopf an I klopf an ! 

Ein säligs neus jar ge dich an !" u. s. w. 

„Klopf an mit reichem Schal." u. s. w. 

Das ist nicht bedeutungslos, denn es weist uns auf die alte 
Sitte hin, den Advent des Herrn durch Pochen an den Haus- 
thüren zu verkünden, und diese Sitte ist es auch, aufweiche unsere 

") Es mag hier beigefllgt werden, dass Felix Platter, als er in den 
Fünfziger-Jahren des 16. Jahrh. in Montpellier weilte, einer ihm fremde Neii- 
jabrs^itte begegnete. Er sagt (Ausg. v. Fechter S. 149): „Im anfang des 
Denwen jars fachen glich an allerlei kiirtzwil, sunderlich ze nacht mit dem 
hofieren mit instnimenten vor den hrtseren, mit den cymbalen, drümlin und 
pfifen darzu, so einer allein verrichtet; demnach mit den schalmeyen, so gar 
gemein; item \iolen, eiteren, so domolen erst ufgiengen; item mit den 
dentzen, so man haltet in firnemmen burgerhüseren, dahin die damoisellen 
gefiert werden, und danzt man nach dem nachtessen by nachtliechteren 
branle, gaillarde, la volte, la tire-chaine; dass wert schier biss gegen tag, 
und wert solch ballieren biss an der fassnacht letsten tag." — '^) Neujahrs- 
wünsche des XV. Jahrh. Herausg. v. Paul Heitz. Strassburg 1899. Davon 
sind die Nrn. 3. 6. 8 and 31 baslerischen Ursprungs. — ***) Keproduziert in 
der Festschrift zum 400. Jahrestage des Bundes zwischen Basel und den 
Eidgenossen. 1901. Taf. LVIl. 



110 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

oben zitierten Verbote mit dem „ klopfen an den hüseren'^ an- 
Bpielen. Dieser anfangs wohl sittsamere Oebrauch mnss spater, 
als man seine ursprüngliche Bedeutung nicht mehr verstand, 
übel ausgeartet sein^ so dass die Obrigkeit fürchtete, es möchte 
dadurch den ,, Bürgern, ihren Rinden und Töchtern sohand und 
schad erwachsen^ (1501; s. o.). Und in der That, wer die Reime 
des Nürnberger Spruchdichters Hanz Folz kennt, kann das 
obrigkeitliche Veto nicht ungerecht finden. Nun scheinen frei- 
lich diese Folzischen Verse, ganz entgegen dem heutigen Volks- 
brauch, nicht dem Anklopfenden, sondern dem Insassen des Hauses 
in den Mund gelegt. ^'^) Das wird bestätigt durch folgende Notiz in 
einer Wolfenbütteler Papierhandschrift des 15. Jahrh. (A. Keller, 
Fastnachtspiele S. 1346 unten): „Von klopff an, die man praucht 
an den klofflis nechten^. Auch Weinhold berichtet in seinen 
„Weihnachts- Spielen und -Liedern^ 8. 48: „An den Dienstag- 
abenden der Advente ziehen in Kärnten die Burschen von Haus 
zu Haus und ,klocken' (klopfen). Zwischen ihnen und den 
drinnen entspinnt ein Wettreimen. Die Leute im Hause 
sprechen etwa also: 

Bist a Mon, 
Schloag brav drön ; 
Bist a Bue, 
Schloag brav zue ; 
Bist ä Jungü-au mit roatn Zöpfn, 
Kannst noch a moal zuecher klökn. 
Oder: 

Der Klökler ba der Wond 
Heart sein aigne Sehend. 

Die Klökler müssen in entprechenden Reimen antworten/ 



^^) Man vergleiche z. B. folgenden Spruch an eine umziehende Magd: 

„Klopf an, du fürwiz a ! 

Wie laufst du in der schnurr [Herumbetteln] umb noch? 

Lüg, dass dir nicht ^ü kum dein gleich [deines gleichen] 

Und dir wol halt ein fei ab streich, 

Darzü den bauch vol buben mach. 

Wer meinstu, der sein [darüber] denn nit lach ? 

Ich riet, du giengst und legst dich nider. 

So möchst du morgen aufsten wider, 

Deiner herschaft heizen und kern, 

E dass man dir den rück werd pern [prügeln], 

Damit man dir den fürwiz bässt, 

Dass dich keins klopfens mer gelüst. 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 111 

Aber wenn das auch für einzelne Gegenden zutreffen mag, 
80 können wir es für unsere Gegenden doch nicht annehmen. 
Aach in Bayern scheint es nur in beschränkten Distrikten yor- 
gekommen zu sein; denn im heutigen Bayern werden die Yerse 
zweifellos an die Hausbewohner gerichtet. Hier heisst der Abend 
des letzten Donnerstags vor Weihnachten ^Elöpfleinsnacht^. Der 
Sprach, der dabei ausgerufen wird, lautet meist folgendermassen : 

Holla, holla, klopf a ! 

dTrau hat en schön ma. 

Geit-me dTrau en Küechel z*Loh, 

das i 'en Herrn globt ha, 

en KUechel und en Zeltn, 

de Peda (Petrus] wurds vegeltn. 

de Peda is a haiige ma, 
, der alle ding vegeltn ka. 
(ScHMKLLKR, Bayer. Wörterb. II, 1337, wo noch Weiteres.) 

In Schwaben fallen die ^Elöpflins- oder Enöpflinsnächte'' 
zwischen Weihnachten und Dreikönigen (6. Jan.). Der in ihnen 
gesungene Spruch enthält einen Segenswunsch: 

^HoUa, holla, Knöpflinsnacht! 

gnts jaur, guts jaur, dass 's kom wol grat ! 

Kraut un Zwibel 

is au nit Übel, 

Bhüt uns got vorm Totengrübel! 

(ScHMiD, Schwab. Wörterb. S. 317.)««) 

Besonders wertroU ist für uns der Bericht des Boemus 
(De omnium gentium ritibutf 1520, p. 58^), weil er, obschon er 
speziell fränkische Yerhältnisse beleuchtet, die ursprüngliche 
Bedeutung des Brauches klar darstellt. Er lautet in Ueber- 
setzung: ,,In den drei Donnerstagsnächten vor Weihnachten 
gehen Knaben und Mädchen von^ Haus zu Haus, klopfen an die 
Thüren und verkünden mit Gesang die nahe Geburt des Herrn 
und ein gesegnetes Jahr. Dafür bekommen sie von den Haus- 
bewohnern Birnen, Aepfel, Nüsse und auch Geldstücke. "^ ^^ 



*«) Vgl. noch K. Remeb, Sagen, Gebräuche etc. des Allgilu's n [1902] 
9ff. ; Fr. Panzer, Beitrag zur Deutschen Mythologie II [1855] 115—118; 
£. Mrtkr, Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben 1852 
S. 457— 4SI. 5a0; £. H. Meyer, Badisches Volksleben im 19. Jahrh. 1900, 
S. 195 fir.; J. M. HCbler, Bayerisch Schwaben und Neuburg 1901 S. 166; 
Blätter des Schwab. Albvereins IX [1897] 53; Mitteilun(}kk und Umfragen 
zur bayer. Volkskunde VII [1901] Nr. 1, S. 4. — «J S. auch das Zitat aus 
Naogeorgus* Regnum Papisticum lib. IV bei Flögel, Geschichte des Grotesk- 



112 Neu Jahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Wenden wir uns nun aber wieder Basel zu! Was ander- 
wärts ^Klöpfleinsnacht*" genannt wird, heisst hier „Bochsel- 
nacht'', von „bochseln^ = „klopfen, poltern^. ^^) Heute kennen 
wir den Brauch und das Wort nicht mehr; aber eine grosse 
Zahl von Verboten beweist uns sein Vorhandensein in älterer 
Zeit. Der älteste mir bekannte Beleg aus Basel ist der schon 
citierte von 1420 aus dem Rufbuch [s. o. S. 104]. Hier ist aber 
der Ausdruck „bochseln^ oder „Bochselnacht'^ noch nicht ge- 
braucht; es ist nur vom „klopfen an den Häusern die Rede^. 
Erst ein Ruf von 1432 kommt näher darauf zu sprechen: ,,Vor 
winnachten Bochein". „Lieben fründe, unser Herren Räte 
und meister tünt üch sagen und verkünden, nachdem daz heilige 
concilium ietz by uns ist, um gross mergklich anligende saohen 
der heiligen Cristenheit, darumb auch menglich dester züchtiger 
sol sin und ouch dester ernsthaftiger, und darumb so wellent 
unser Herren und verbietent üch ernstlich, daz niemand booh- 
heln sol und uwer Ejnde dazu halten, daz sy soliches tügent.*^ 
(Rufb. T, 94*). 1436 erscheint dann zum ersten Male das Wort 
„Bosselnacht": „Als denn vf morn die bosselnacht ist, tünt 
unser Herren verbieten, daz niemand bosseln sol, wand den ouch 
frömden Herren [vom Konzil] soliches unkunt ist.^ (Rufb. I, 
106*). Am 22. Dezember 1441 heisst es, „daz si nit wellent, 
daz iemand vf morn bochele^. Darüber steht „bosseln". 
(Rufb. I, 127^). Auch ein Ruf von 1450 hat in der üeber- 
schrift „Bosselen", im Text jedoch; „Diso zijt vor wyennechten 
erbern luten an jren huseren ze bochlen". (Rufb. I, 188^)- 
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. ist „bosslen^ allgemein» 
und erst 1501 taucht die Form „bochslen", 1520 die „Boch- 
selnacht^ auf: „Alsdann mengklich bisshar vor dem heiligeo. 
hochzyt Wiennechten jn Übung gewesen, uff die necht, so maci 
nempt die Bochselnacht, nachtz umbgangen, den lüten gelüt^ 
geklopfet und in die venster geworfen haben''. (Rufb. 11, 69). 

So folgt sich Verbot auf Verbot. Wie zäh man aber an 
der Ueberlieferung festhielt, zeigt nicht nur eine Notiz in der 
2. Fortsetzung der Wurstisen'schen Chronik ^*), wonach noch im 



komischen 1788, S. 187, und ferner Haltaus, Galendarium medii «evi. 1729, 
p. 141. — 23) Bochseln scheint eine Kompromlssbildung zu sein aus bochdrtr- 
und bosseln^ die beide „schlagen, klopfen" bedeuten. — *♦) Chr. Wurstisen, 
Basler Chronick, Neue Aufl. („Fortführung der Basel-Chronick. Drittes Buch*). 
Basel 1779, Fol. 106. 



Neu Jahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 113 

Jahre 1609 die Bochselnächte abgestellt werden mussten^^), 
sondern anch die Fortdaner in andern Gegenden bis anf den 
heatigen Tag. Anch in der Schweiz haftete nämlich die Bochsel- 
naoht nicht ansschliesslich an Basel, sondern sie ist uns auch 
anderweitig bezengt. Im Zürcher Ratsbuch ist unterm Jahre 
1485 von einem Burschen die Rede, der „mit einem steckly 
OAch altem harkommen und bruch der Bochselnacht an des 
Netzen und ander türen geklopft*^ (Schweiz. Id. V, 342). Der 
Rat von Baden im Aargau beschliesst am 18. Dezember 1517, 
^das man über ein jar das bogschien an den dry dornstagen 
vor wienachten sol verbieten in der kilchen by X/?**. (Samm- 
lung Schweiz. Rechtsquellen XYI [Kanton Aargau], I [Stadt- 
rechte], II, I [1899] S. 172). In Schaffhausen wird laut dem 
Ratsprotokoll von 1540 einer um Sß gebüsst, „umb das er über 
miner herren verbot bochslet". Ebenda ist 1553 Einer „in 
fenknus komen, von wegen er uff ain bochselnacht spat uff der 
gassen gangen und ain wosch im woschhus abgelassen'^. (Schweiz. 
Idiotikon lY, 657). In einem handschriftlichen Zürcher Mandat 
aus der ersten Hälfte des XYI. Jahrh. wird geboten, „es sol 
ouch niemants dem anderen an sinen hüsern und gmachen oder 
suntst andern orten bochslen, klopfen oder einich unfür triben^ 
(Staatsarch. Zürich). Der Luzerner Oysat erwähnt unterm Jahr 
1578: „Die bolster nacht (so man hie das stäggely jagen 
genempt) die dry donstag nacht vor wiechnacht, ein gar ungestüm 
wäsen und boldern durch die statt, von alltem här allso jn ein 
gwohnheit gebracht, jst abgestellt upd ewig verboten '^ (Archiv 
f. Schweiz. Reformationsgesch. II [Beilage zu Eathol. Schweizer- 
blätter NF n (1908)] S. 20), und in einer Zürcher Ratserkanntnis 
vom Jahre 1623 wird von allerhand Unfug berichtet, „wie das nit 
allein die zyt har die jungen Knaben nachts under dem Liecht an 
den Hüseren anlütend und bochslind und diejenigen Personen, so 
inen SöUiches abzewehren under die Türen kommind, mit Tuss- 
eggen [Holzdegen] oder Stecken schlachind und beschedigind 
und dann darvon laufind und flüchind, sonders das auch die er- 
wachsne junge Burger und Burst die Handtwerchsgsellen und 
andere Personen uff der Gassen angryfind, stossind und miss- 
handlind^ (Schweiz. Idiotikon lY, 999). 



») EiD gleiches Verbot auch im Jahre 1587 (Ratsbüchlein II, 126 > 
und 1592 (Ratsprotokoll 2, 164>; ) 

• 8 



114 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Gegenwärtig besteht der Name „Boobsel-, bezw. Boxel- 
oder Bncbsle-Nacht" noch iu Rheinfelden, Zurzach, Kling- 
nau, am Zürichsee, in Weinfelden und in Nufenen, der 
alte Braach hat sich aber nach Rochholz (Orenzboten 23. Jahrg. 
[1864] IV. Bd. S. 378) nur noch in Rheinfelden «^ und Zur- 
zach^^), nach eigenen Erkundigungen auch in Elingnau, rein 
erhalten. In Rheinfeldcn durchstreift (laut Rochhblz) die Jugend 
an den drei Donnerstagen vor Weihnachten nächtlicherweile die 
Strassen, klopft an alle Thüren, zieht alle Hausglocken und 
wirft Erbsen und Bohnen an jedes Fenster. ^^) Es läuft nicht 
ganz ohne Schaden ab, wenn der Mutwille auch Steinchen und 
Mauerkalk mit den abermals aufgerafften Erbsen gegen die 
Scheiben schleudert. Streckt dabei jemand, dem man nicht 
hold ist, den Kopf zum Fenster heraus, so fliegt ihm der ganze 
Hagel in's Gesicht. Man erkennt darin, sagt R., eine Spur 
jenes altkirchlichen Zweckes, die Menschen zur Wachsamkeit 
zu mahnen, damit der Herr bei seiner Ankunft die Menschen 
nicht unvorbereitet finde. 

Ueber das Bochslen in Klingnau teilt uns Herr Lehrer 
Bilger daselbst Folgendes mit: 

^Kathrie (hl. Katharina, 25. Kov.) stellt Trumme und Pfiffe ie. 

Thuma (hl. Thomas, 29. Dez.) bringt sie wieder umma.'^ 

Altes Sprichwort. 

Ueber die Adventszeit ist von der katholischen Kirche 
jede öffentliche Lustbarkeit untersagt, das Bochslen sollte ein 
beängstigendes Gefühl erwecken, von dem dann die Weihnacht 
erloste. Es geschah nur an den drei letzten Donnerstagen im 
Advent, abends zwischen 8 und 10 Uhr. (Bochselnächte.) 

Gute Freunde und Nachbarn, ehrbare Handwerker, die in 
angeheitertem Zustande von ihrem Abendschoppen heimkehrten, 
klopften einander an die Thüren, Fenster oder Fensterladen, um 
dann mit gedämpfter Stimme einen frommen Spruch, an diese 
hl. Zeit erinnernd, herzusagen. Erwachsene Mädchen warfen 
Erbsen an die Fenster ihrer Freundinnen, um zu erfahren, ob 



") Für Rheinfelden bestätigt von Herrn J. U. Dietschy daselbst 
Dort leitet das Volk den Brauch, wie das überhaupt oft der Fall, von der Pest- 
zeit her, d. h. man glaubt, dass das Werfen von Erbsen an die Fenster den 
Zweck hatte, zu erfahren, ob die Leute noch lebten. — ^ij Laut einer An- 
gabe von Hochw. Hm. Pfr. Binkert besteht der Brauch in Zurzach nicht 
mehr. — ^^) Diese letztere Form des Bochselns s. auch bei E. ScHiiiTTy 
Sagen u. s. w. aus dem Baulande. Baden-Baden (Programm) 1895, S. 23. 



Neujahrafeier im alten Basel und Verwandtes. 115 

ein „ Schatz^ und welcher bei ihnen sei; denn als unerschrockener 
Manu muBste dieser dem Spuck auf die Spur zu kommen suchen. 
Junge Bursche bochselten ihren Mädchen, indem sie Hände voll 
Traubenkerne an die Fenster warfen. Ein Schneider auf der 
Stör sass auf dem Tisch am Fenster und öffnete dieses immer, 
um sMue Neugierde zu befriedigen. Fünf Jungfrauen bochselten; 
sogleich schaute der Schneider wieder hinaus. Schnell fuhren 
sie ihm mit einem Tuch, das sie in der Küche gehörig ge- 
schwärzt uod an eine Stange gebunden hatten, über das Gesicht. 
Er wurde natürlich iu der Stube ausgelacht. Sie haben den 
Rechten erwischt, meinte er dazu. 

Man erlaubte sich dieses Bochseln als Scherz, denn es 
geschah nicht in böser Absicht und meist nur gegen Verwandte 
ond Freunde, die Fremden Hess man in Ruhe. 

Etwas drastischer trieben es die jungen Burschen, die sogen. 
Nachtbuben. Missbeliebigen Leuten wurde irdenes, schadhaftes 
Geschirr, grosse Schüsseln, Milchhäfen etc., in Ermanglung auch 
Kieselsteine auf leises Kommando „eins-zwei-drei*^ an die Haus- 
thüren geschleudert , so dass die Scherben klirrend auf die 
Pflasterung fielen. Beliebte Gegenstände zum Bochseln waren 
grosse Brantweinflaschen, die man schon während des Jahres 
hiezu auf die Seite stellte. Um. durch Glassplitter keinen Schaden 
zu stiften, wurde dieselbe in einen Sack gesteckt und dieser 
mächtig an die Hausthüre geschlagen. Je stärker das Geklirr, 
desto grösser die Freude. Alte Eisenpfannen wurden an Seile 
gebunden und erst geschwungen, dann angeschlagen. Schaute 
jemand zum Fenster hinaus, riskierte er oft aus einer Klystier- 
spritze einen Strahl Wasser oder Schweineblut. 

Nur einmal ist es vorgekommen, dass Hunde an die Haus- 
glocken geführt wurden, an die vorher mittelst einer Schnur ein 
Stück Fleisch oder Ejiochen gebunden war ; dieser Unfug wurde 
missbilligt und hörte auf. 

15 — 16jährige Knaben liebten es zu bochseln, aber auf 
bescheidenere Art. An den eisernen Klopfer der Hausthüre 
wurde ein langer Faden gebunden und auf gü ästigen Plätzen 
damit der Klopfer gehoben und fallen (^tätschen^) gelassen. Die 
Hausbewohner, im Glauben, es wolle sie jemand sprechen oder 
besuchen, ö&en das Fenster, sehen aber niemand. Im Glauben, 
sich geirrt zu haben, lassen sie alles auf sich beruhen. Das 
Klopfen wiederholt sich. Nun die Frage: Wer klopft? Keine 



116 



Neujahrsfeier im alten Basel und Ver^'andtes. 



6?' 



Antwort, aber abermaliges Klopfen. Aergerlich geht jemai 
herunter. Er sieht niemand, findet aber die Schnur und d 
Zauber ist gelöst. 

Auch Hausthüren, die sich von selbst gern nach Innen offne 
und nicht geriegelt sind, werden mittelst einer an die Falle g 
bundenen Schnur zugeschlagen und dies mehrmals wiederho 
Der Thäter hält sich oft hinter einem Haufen Reb- oder Bohne 
stickel (Stangen), die vor oder neben das Haus gestellt wäre 
verborgen. 

Diese letztern zwei Arten des Bochselns waren noch v 
fünf Jahren gebräuchlich, der übrige Spektakel aber hat sc 
dreissig, vierzig Jahren, um unliebsame Auftritte zu vermeide 
aufgehört. Eine Erklärung des Brauches weiss niemand mehr 

In Weinfelden dagegen besteht die „ Boxelnacht ^ ni 
noch in einem lärmenden Umzug der Jugend mit ausgehöhlt« 
von innen erleuchteten Runkelrüben, und in deo Kantone 
Zürich und Oraubünden ist die Bochselnacht vollends nioh 
anderes mehr als eine gesellige Vereinigung, an der man sie 
nachdem mau bis in die Nacht gearbeitet hat, bei Branntwei 
gütlich thut. «») 

lY. Zu dem lärmenden Umziehen und Klopfen gesellte sU 
aber in früherer Zeit noch eine weitere Sitte: das Verkleide 
S. 104 ist ein Verbot aus dem Jahre 1418 zitiert werde: 
welches von »einer „nüwen gewonheif* in Basel spricht, „di 
man im atvent anfahet in bökenwise ze gonde, und erber lüi 
ze überfallende in iren hüsern^. Das Verbot scheint wenig g< 
fruchtet zu haben; denn es musste beinahe jährlich wiederho 
werden, und zwar nicht etwa nur, um Uebergriffen vorzi 
beugen, sondern es werden geradezu solche Uebergriffe namha 
gemacht. 1424 ist es den Räten „fürkommen, daz man lang< 

*') Mit der Bochselnacht stehen in engem Zusammenhang die noi 
in der Neuzeit üblichen Lärmumzüge, die ich in diesem Archiv (I, 28 
kurz erwähnt habe. Ausser den dort aufgeführten Bräuchen sind noch i 
nennen: Die ^Pfaflfenkellerinjagd** und das „Schmutzlijagen" im Kante 
Luzem, die ^Chlungelinacht" und die „Chläuselinacht" im Kanton Züric 
der Umzug gegen das „Strudeli" und ^Strätteli" bei Brunnen (Kt. Schwyz 
das „Trychele" in Ober-Hasli, das „Ausläuten** in Thusis, die Lärmumzü^ 
in St. Ulrichen (s. Am Herd, Denkwürdigkeiten von Ulrichen [Bern 187! 
S. 195), das „Klaus-Einschellen** im Kt. Glarus Arch. IV, 250. 252, di 
„Andresien" im luz. Gäu und in Obwalden. S. auch Schweiz. Idiotikc 
ni, 688. 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 117 

angefangen hab in Bökenwise ze lonffende^ (Bufb. I, 73*), 

and 1432 wird sogar die Art der Maskierung genannt: Die Be- 

liörden ^verbietent menglichem, dz niemand in tüfels hüten 

louffen solle, noch jn Böcken wise gan, ietz noch zer vassnacht^ 

(Rafb. I, 94*). Noch bestimmter lautet das Verbot vom 

Jahre 1436: „daz niemand in tüfels hütten noch in gölers^^) 

^wise loufFen solle, noch in Böckenwise gan oder sich jn dehein 

andere wise mit kleideren verenderen anders denn sin tegelicher 

iKrandel ist, bede, ietz vnd euch ze vassnacht^ (Rufb. I, 106*). 

Wiederholungen dieses Verbots finden sich in Aufzeichnungen 

der Jahre 1441 und 1447 (Rufb. I, 127^). In einem Ruf 

von ca. 1449 wird noch eigens auf die vielfachen Uebertretungen 

hingewiesen: ,, Solich jr gebott uu schwerlich uberfaren ist vnd . . . 

Til lüten nachts in Böckenwise wider vnd für louffent vnd nye- 

mand weiss, wer der under [darunter] ist, da von nu vil vnrats 

wachsen mochf*; es wird daher verboten, dass man „weder tags 

noch nachts in bocken wise oder in verenderten kleidern verbutzt 

oder verbunden gan oder über vnd über uff der herren oder 

znnfften stuben louffen solle in dhein wise . . .^ (Rufb. I, 172*!). 

Bei der Frage nach dem Ursprung dieser Sitte werden 
wir zunächst Umschau zu halten haben, ob sie ausser Basel 
auch sonstwo noch vorkommt, und da möchten wir auf ein hand- 
schriftliches Zürcher Mandat aus der.l. Hälfte des 16. Jahrh. 
hinweisen, das neben dem „bochsslen'' auch das Böggenwerk, 
^es syge mit lätzen beltzen, vorgespannen hüben ^ u. s. w. unter- 
sagt wird. (Staats-Archiv Zürich). Auch ein Berner Mandat vom 
26. Dezember erwähnt die Sitte: „Als dann hütt anzug besche- 
chen von wegen des unordentlichen trinckens, spät sitzens, miss- 
brach und Unzucht mit umzüchen mit pfiffen und trummen, 
oaeh verbutzens uff dem nüwen jar und darnach zu vass- 
nachten^. (Archiv d. eist. Ver. 16, 644). 

Man wäre im Irrtum, wolle man glauben, dass solche Mas- 
kierungen um die Weihnachts- und Neujahrszeit erst verhältnis- 
mässig spät von den Fastnachtsgebräuchen herübergenommen 
worden seien. Schon der hl. Ambrosius (IV. Jahrh.) spielt auf 
den Brauch, in Hirschmasken umzulaufen, an, wenn er von dem 



^) Geier fehlt im Idiotikon; das Wort wird zu goUn, gölen „wild 
jauchzen, Narrheiten treibeD** gehören. Göli „Spassmacher*" ist noch heute 
io Schweiz. Mundarten gebräuchlich. 



118 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Hirsche spricht, der nach der Yolksaitte zu Anfang des Jahres 
sein Unwesen treibe.**) 

Das ganze Mittelalter hindurch lassen sich solche Yer- 
mummungen (es sind besonders Hirsch- und Weibermasken) aus 
Eonzilakten, Briefen, Bussbüchern u. s. w. nachweisen. Wir 
haben im Anhang I die wichtigste Litteratur darüber zusammen- 
gestellt, wobei wir aber nur diejenigen Zitate wörtlich aufge- 
führt haben, die in den überall zugänglichen Werken von Du- 
cange und Tille nicht abgedruckt sind. Zur allgemeinen Orien- 
tierung seien hier jedoch zwei Stellen aus pseudo-augustinischen 
Predigten (des 6./7. Jahrh.) wiedergegeben, die Panzer**) über- 
setzt hat. In der ersten Predigt **) heisst es: „An diesen Tagen 
kleiden sich die Heiden mit Umkehr der Ordnung der Dinge in 
unanständige Missgestalten ^. „Diese elenden Menschen, und, 
was noch schlimmer ist, einige Getaufte, nehmen falsche Ge- 
stalten und monströse Gesichter an, worüber man sich schämen, 
dann aber vielmehr betrüben mnss; denn welcher Vernünftige 
sollte es glauben, dass Menschen, die bei Besinnung sind, sich, 
indem sie den Hirsch spielen (cervulum facientes), in das Wesen 
von Tieren umwandeln wollen? Andre kleiden sich in die Felle 
ihres Viehes, andre setzen sich Tierhäupter auf, darüber sich 
freuend und ergötzend, dass sie sich so in die Gestalten wilder 
Tiere umgewandelt haben, dass sie nicht Menschen zu sein 
scheinen.^ „Was ist aber auch das schändlich, dass die als 
Männer geborenen Frauenkleider anziehen und in der 
schändlichsten Verkleidung durch Mädchenanzug die männ- 
liche Kraft weibisch machen "^ u. s. w. In der zweiten Predigt: 
„Was ist so verrückt, als durch schändlichen Anzug das männ- 
liche Geschlecht in weibliche Gestalt umzuwandeln? was so ver- 
rückt, als das Gesicht zu verunstalten und Masken anzuziehen, 
vor denen selbst die Dämonen erschrecken möchten P was so 
verrückt, als mit ungeziemenden Bewegungen und unzüch- 
tigen Gesängen das Lob der Laster in schamloser Ergötzung 
zu besingen? sich in wilde Tiere zu verkleiden, der Zieg^ 
oder dem Hirsch ähnlich zu werden, auf dass der Mensch, zu 
Gleichnis Gottes geschaffen, das Opfer der Dämonen werde. ^ 



3') „Sed jam satis in exordio tractatus, dicut in priocipio anc&i 
niore vulgi Cervus allusit**. (Nach Ducanoe, Gloss. II, ä??« ). — '*) Pb^ 
Panzer, Beitrag zur deutschen Mythologie II (München 1865) 466 fif. — 
33) Sie wird von Ducaiige (II, 277) Faustinus zugeschrieben. 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 119 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die noch heute 
üblichen Umzüge mit tierischen oder dämonischen Ge- 
stalten um die Neujahrs- (und auch Fastnachts-)Zeit ^^) zu 
diesen mittelalterlichen Oepflogenheiten in mehr oder weniger 
eoger Beziehung stehen. ^^) You schweizerischen Gestalten 
nennen wir nur das Posterli, die Hakennase, die Stüpfnase,^ 
die Schnabelgeiss, die Hechelgauggele, das Bauri, den P^re 
Challande, den Glockenschellenmann, den Glungel, den Appels- 
oarr, sowie die dämonischen Begleiter des St. Nikiaus: Schmutzli, 
Gurri, Dösseli.^«) 

y. Ein ganz besonderer Brauch muss das ^Bisch#fe und 
Könige machen^'^) gewesen sein. In den von mir benutzten 
Basler Quellen finde ich eine erste Notiz vom Jahre 1420 auch 
wieder in dem mehrfach angezogenen Ruf buch: ^Als man dis 
hochzit [Weihnacht] und davor bischofe machet, bede, herren 
vnd Schüler, vnd denen zu dienst tufel loufFent, heissent üch 
▼nser Herren sagen, daz sy nit wellent, dz yemant in tüfels wise 
loufFen solle in den kilchen noch in der Statd, wand dadurch 
gotz dienst gehindert vnd gewirret wird** (Rufb. I, 28^). Die 
nächste Erwähnung begegnet uns im Jahre 1450: „desglich als 
bitzher künige oder bischoffe ufF den stuben vnd jn hüsorn ge- 
macht sint worden, die euch in die hüser vnd vmb würst gangen 
wellen** (Rufb. I, 189*). ^®) Dass diese Sitte über unsere 
Stadt hinaus muss verbreitet gewesen sein, zeigt allein schon 
das Verbot des Basler Konzils vom 9. Juni 1435; es heisst 
darin: ^Die heilige Synode verabscheut einen schäadlicheD Miss- 
brauch, wonach an gewissen Festtagen des Jahres ^^) Einige mit 

•*) Dazu vgl. die bei Anlass der Bochselnacht ausgeführten Lärmuiu- 
züge (8. Anm. 29). Möglicherweise hat auch das „Hirsjagen" im Kt. Luzern 
(Arch. I, 281, Anm. 1) nichts mit Hirse zu thun, sondern ist volksetymo- 
logisch aus Hirz (Hirsch) umgebildet (vgl. das von Ebel bezeugte hirsen, 
hirzen ^abenteuerliche Mummereien treiben, schmausen"); doch ist auch das 
analoge „Speckjagen" im Kt. Luzern in Betracht zu ziehen. — ^'^) Eigent- 
liche Hirschmasken haben sich noch im Salzburgischen erhalten. Repro- 
duktionen von solchen aus dem Museum für Oestorr. Volkskunde s. Welt- 
PoBT (Wien) 1897 Nr. 1 und Illustr. Zeitung 1897, S. 562. — 36) Maskierte 
an Sylvester im Kt. Glarus s. Archiv IV, 259. Laut mündlicher Mitteilung 
von Herrn Dr. Alfr. Geigy in Basel sollen auch in Genf Verkleidete an 
Sylvester umziehen. — ^') Vgl. Tille, Weihnacht IS. 31. — ^^) Vgl. auch 
noch Fechters „Topographie" in: Basel im 14. Jahrh. (1856) S. 17. 112. — 
^) Der Tag, an welchem der Brauch sich abspielte, mag also je nach der 
(iegend ein verschiedener gewesen sein, wie noch heutzutage. 



120 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

bischöflichen Abzeichen wie Mitra, Stab und Ornat angethan, 
den bischöflichen Segen sprechen, Andere sich als Könige und 
Herzöge verkleiden, was man das Fest der Narren oder Un- 
schuldigen, anderwärts den Knaben nennt, Andere reizen die 
Leute durch Masken- und Schauspiele oder durch ausgelassene 
Tänze von Männern und Frauen zum Zuschauen und rohem 
Gelächter, noch andere veranstalten Schmausereien und Gast- 
mähler'^ u. s. w. *^) Solche Konzilsverbote gehen inmier auf tief- 
gewurzelte Gebräuche, und einen solchen haben wir auch hier 
vor uns. Es handelt sich um nichts anderes als das weitver- 
breitet^Festum stultorum, auch Festum fatuorum, inno- 
centium oder hypodiaconorum genannt. Dncange führt die 
wichtigsten Quellen unter dem Wort „Kalendse^ auf. Wir be- 
gnügen uns hier mit der Schilderung des Festes in Frankreich 
um die Mitte des 15. Jahrb., wie sie Flögel in seiner „Geschichte 
des Groteskekomischen *^ (S. 163)^') giebt: „Man erwählte in 
den Thumkirchen einen Narrenbischof oder Narrenerzbischof, 
welches von den Priestern und Weltgeistlichen geschah, die sich 
dazu besonders versammelten. Dieses geschah mit vielen lächer- 
lichen Ceremonien; hierauf führte man ihn mit grossem Pomp 
in die Kirche. Auf dem Zuge und in der Kirche selbst tanzten 
und gaukelten sie, die Gesichter beschmiert, oder mit Larven 
vor dem Gesicht, und verkleidet als Frauenspersonen, Tiere oder 
Posseureisser . . . Der Narrenbischof hielt alsdann einen feier- 
lichen Gottesdienst und sprach den Segen. Die vermummten 
Geistlichen betraten das Chor mit Tanzen und Springen, und 
sangen Zotenlieder. Die Diakoni und Subdiakoni assen auf dem 
Altar vor der Nase des Priesters, welcher Messe las, Würste; 
spielten vor seinen Augen Karten und Würfel, thaten ins Ranch- 
fass statt des Weihrauchs Flecke von alten Schuhsohlen, damit 
ihm der hässliche Gestank in die Nase führe. Nach der Messe 
lief, tanzte und sprang jedermann nach seinem Gefallen in der 
Kirche herum und erlaubte sich die grössten Ausschweifungen; 
ja einige zogen sich gar nackend aus. Hierauf setzten sie sich 
auf Karren mit Kot beladen, Hessen sich durch die Stadt fahren 
und warfen den sie begleitenden Pöbel mit Kot. Oft liessen sie 



^) Der lateinische Text bei Hkrzoo, Realencyklopädie X, 204. — ♦•) Zu- 
meist Dach einem Statut des Bischofs Ludwig vod Sens aus dem Jahr^ 
1445, bei Ducangk-Favre, Gloss. IV, 484. Die unmittelbare Quelle Flögel» 
war aber wohl Du Tilliot, Fete des Foux p. 5 fg. 



Neujahrafeier im alten Basel und Verwandte». 121 

8till halten and machten mit ihrem Körper die geilsten Geberden, 
die sie mit den unverschämtesten Reden begleiteten . . . Dieses 
Fest wurde zu Paris am Neojahr, an andern Orten am Tag der 
Erscheinung Christi [6. Jan.] und nach andern am Tag der un- 
schuldigen Eindlein gefeiert.^ ^^ 

Nicht weniger ausgelassen mag es 1474 in Zürich bei dem 
Umzug mit dem „ Burenbischof ^, der in die Fraumünsterabtei 
eindrang, zugegangen sein. In den Rats- und Richtbüchern finden 
wir darüber folgende Akten : „Heiüi Widerker d(icit) : er, Peter 
Füssli u. s. w. [14 Männer] syen mit einanderen in schoppen 
[Weiberröcken P] und mit dem purenbischof gangen, und als 
sy in miner gnädigen frowen hof kommen, sye die stägen thür 
beschlossen. Da hab inen der scfaüler, so da sing und übel 
reden könn, zogen [die Thür aufgezogen]. Do syen si hinufge- 
gangen in die stuben, und habensi geacht, es war miner gned(igen) 
frowen will. Und do si also ir wesen bruchten, luogte min 
gnädige frow zu einem vensterli herus und wer zornig und 
trowte inen, das mim Herrn burgermeister zu clagen, daz si ir 
in das ir [in ihre Behausung] prochen betten. Do antwurten si, 
si betten nit hin in prochen, soDdern hett man inen zogen. 
Daruf bürzloten si die stägen ab, und wüss er von keinen 
unwerten zä sagen, die miner gnedigen frowen von inen geben 
syen." Die Andern sagen ähnlich aus. — Felix Werdmüller 
war der ,,Schopennarr^, Stössel und Burri heissen sich „Kapläne^. 
{Rats- und Richtbücher B VI, 229, Fol. 60.) 

Eine andere Gesellschaft [8 Männer] wollte mit ihrem 
Bischof, nach dem Nachtessen im Roten Haus, zum Fraumünster 
tanzen gehn und drang daon, „als man in der Schule nicht 
tanzte"^, in der Aebtissin Hof, wo „das Adelheitli, der Frowen 
jungfrow [Magd]*^, ihnen öffnen sollte u. s. w. „Do Hesse Kuon- 
rat Oul mit urloub ein grossen Furz^ u. s. w. Sie ,,syent mit 
einanderen in narrenwys gangen** .... (Ebd. Fol. 61). 

Die ältere Litteratur über den Narrenbischof findet sich 
in Anhang II zusammengestellt. 

Dass sich der Einderbischof bis in die Neuzeit erhalten 
hat, zeigt der weitverbreitete Einderbrauch am Martins- ^^), 



**) Nach DuRANDus, Ration. Divin. Offic. lib. 7. cap. 42 findet das 
Fest am 1., 6. oder 13. Januar statt ilaut Dr(AXüE, Gloss. IV, 483* ). — 

♦*) Ox» VoLLSLEVKN IX, 46. 



122 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Andreas- ^*)y Nikiaus- ^^) oder Gregorstage ^^) in Bischofskleidung 
umzuziehen. 

Nicht so häufig scheint bei uns die Ernennung eines Knaben- 
königs gewesen zu sein; sie ist jedoch durch den oben zitierten 
Ruf vom Jahre 1450, sowie durch das Eonzilsverbot vom 9. Juni 
1435 („alii ut reges ac duces induti"") zur Oenüge gesichert. ^^) 
Wir werden überdies noch seh«n, dass auch dieser Brauch, wie 
so mancher andere der Jahreswende, auf römische Zeiten zu- 
rückgeht. 

Gehen wir nun aber zu weitern Bräuchen über. 

VI. Schon mehr als einmal sind wir in den Verboten auf den 
Besuch der Zunftstuben gestossen. In Fechters Topographie^^) 
findet sich (S. 112) folgende (urkundlich leider unbelegte) Notiz: 
^In einer weniger anstössigen Form trat der Bettel auf, wenn 
bei festlichen Anlässen, wie z. B. am Neujahrstage, wo Bürger 
und Handwerker auf ihren Trinkstuben zusammenkamen und 
Geschenke in Geld und „Galrei^ brachten, sich Spielleute und 
Pfeifen, auch hübsche Frauen [Courtisanen] einstellten und um 
Geld „gilten^ [bettelten] und dem Stadtpfeifer in das Hand- 
werk griffen, welcher allein das Privilegium besass, bei dieser 
Gelegenheit sich um eine Gabe zu präsentieren.'' Wie so viele 
andere bei Fechter aufgeführte Sitten, wird auch diese kaum 
schon dem 14. Jahrh. entnommen sein. Aus dem 15. Jahrh. 
dagegen haben wir schon schon sichere Nachweise. Ein Ruf 
von 1432 (Rufb. I, 94*!), überschrieben „gute jare** sagt: „Ale 

*+) Tille, Weihn. S. 31; Jensen in: Beilage zur Allgem. Ztg. 1901, 
Nr. 296 S. 4. — ♦5) S. Fechter, Topographie S. 17; Gf:8C'hicht8frkl-nd J7, 133; 
Tille, Weihn. 31ff. ; Jensk.v a. a. 0. (s. Anni. 44); Gemälde der Schweiz III 
(Luzem) I. Teil (St. Gallen 1858) S. 331; LCtolf, Sagen (1862) S. 99. 101; 
Die Schweiz II (1898) 488. 489 (Umzug des Kinderbischofs alle sieben Jahre, 
in Stans; eingegangen 1857); Hochholz in: Grenzboten 23. Jahrg. (1864) 

4. Bd. 384; B. Wvss, Schwizerdütsch. Solothum 1863, S. 23 fg. ; Schweizer 
Freie Presse (Baden) 1897 Nr. 46 (Feuilleton). Schweiz. Idiotikon I, 327 
(Infeie); III, 688. Archiv I, 64; III, 225; IV, 252. - ^^) S. Fechter, Topo- 
graphie S. 97; Fechter, Gesch. des Schulwesens in Basel bis zum Jahre 
1589 [1837] S. 30; Iduna ixd Hermodk (1816) S. 24; Kriegk, Deutsches 
Bürgertum (1868) S. 450; Flogel, Gesch. des Grotesk-Komischen (1788) 

5. 193. — *') Von neuern Gebräuchen sei auf den „Sylvesterkönig" in 
in Mank (Nieder-Oestreich) hingewiesen; s. Vernaleken, Mythen und Bräuche 
(1859) S. 291 fg. Dazu Mannhardt, Baumkultus S. 386. Auch die WahL 
des „Bohnenkönigs" und verwandter Sitten wird damit in Verbindunj^ 
gebracht. — ♦p) Basel im 14. Jahrh. (1856). 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 123 

denn yormals geordnet ist, wie man den zünften gute jare 
geben sol yf dz jngande jare, als sy gewonheit band ze 
samen ze gande, nemlicb einen plapbart vnd nit me, sunder- 
lich der zunfte,* mit der er dienet vnd keiner andern . , . ." 
Man vereinigte sich demnacb am Neujabr anf den Stnben und 
bracbte Gescbenke mit. ^^) Dass diese Zusammenkünfte den 
nmscbwärmenden Lärmern Oelegenbeit boten, sieb einen freien 
Trunk oder eine Geldspende zu yerscbaffen, zeigt ein bereits 
angezogenes Yerbot yon ca. 1449, welcbes aussagt, dass man 
^y^eder tages nocb nacbts in bocken wise oder in yerenderten 
kleidern verbutzt oder verbunden gan oder über ynd über ufF 
der herren oder zunfften stuben louflfen solle ** (Rufb. I, 172^); 
auch der Ruf von 1450 spricht ja von den Königen und Bi- 
schöfen, die „uff den stuben und in büsern gemacht sind 
y^orden** (Rufb. I, 189*) , während der schon mehrfach er- 
wähnte Eonzilsartikel etwas allgemeiner sagt: „alii commes- 
sationes et convivia ibidem [wo?] pseparauf^. Genauere Infor- 
mationen erhalten wir aus den Rechnungs- und Eüchenbüchern 
der Zünfte. Schon die erste Seite des Rechnungsbuches vom 
Schlüssel trägt die Notiz: „Uff den achtten Dag anno Ixxxv® 
[1485]^^) band min heron zum schlussel ein fleischs galreig lossen 
machen.^ Und weiterhin: „Item und nam man das gätt jor uff 
[nahm es entgegen] uff den samstag von den fremden [Nicht- 
zünftern] und lud sy uff den sunnentag^. (ib.) Es folgen dann 
die mannigfachen Ingredientien des Galrei und schliesslich die 
Notiz, dass den „Fremden" 30 Schüsseln davon geschickt wor- 
den seien (ib. I, 2). Unterm Jahre 1486 wird wieder der 
^Fleischgalrei" erwähnt. Dabei erfahren wir zugleich, dass sich 
die Zünfte auch gegenseitig beschenkten: „Item und band min 
heren zum saffran gar fast jr gütt erlichen (!) jar geschicktt, 
aber min heren zum schlussel band innen ein gar fill erlicher^') 



♦') Ein Verbot dieser Sitte, „ulf dem tage des jngoüden Nüwen Jore» 
uff den zunfften gute jor ze geben" s. Ruf buch I, 188*; la. 1450) und im 
Jahre 1458 wurde dies dahin eingeschr«*inkt, das8 jeder nur auf der eigenen 
Zonftstube schenken dürfe. (Rufbuch II, 3^ ). — ^^) Dieser ^achte Tag" ist 
der 1. Januar, da man das Jahr mit Weihnachten begann. — ^'j Vgl. den 
Solothumer Dankspruch : 

Man hat uns ehrbahrlich gegeben; 

Gott lass euch das Jahr mit Freuden erleben u. a. w. 

(B. Wyss, Schwyzerdütsch S. 4.) 



124 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

gütt jar geschickt^ dan sy^ (ib. I, 3*). Es werden dann im 
Folgenden die Namen derjenigeii aufgeführt, die „min[en] heren 
zum Schlüssel das gütt jor geschickt vfF das jngond jor*^ .... 
„und ist dissen, die Y ß geben band und dor über, erlich ge- 
schicktt III stuck galreig vnd I fierteil einss hi\n mit mandel 
erlich" (ib. I, 4^ — 5*!). Auch die Küchenbücher zu Safran er- 
wähnen die Neujahrs- und Berchtengalrey vom Jahre 1491 ab. 
Im Jahre 1485 werden den Ratsherren, Sechsern u. s. w. 21 
Schüsseln mit Oalrei geschickt (Rechnb. Schi. I, 2^). Fiel da- 
gegen der 1. Januar auf einen Freitag, so machte man einen 
Fischgalrei (Ebd. 19'.). 

Eine Nachfeier bestand in dem Berchtentag-Essen ^^) am 
2. Januar, das auch regelmässig in den Ausgabenbüchern figu- 
riert, ausser wenn dieses Datum auf einen Freitag oder Sonntag 
fiel. In Zürich wird der „Berchtelistag* noch heute gefeiert. 

Was ist nun all diesen Angaben zu entnehmen P Zünftige 
und „Fremde" brachten zu Neujahr ein Geldgeschenk auf die 
Zunft und wurden dafür mit einer Pleischgallert regaliert^^) 
oder auch: es wurde den Spendern Gallert und Huhn nach 
Hause geschickt. Die Angabe Fechters, dass der Galrei von 
den Teilnehmern auf die Zunftstube gebracht worden sei, be- 
ruht wohl auf Irrtum; dagegen weisen die Rechnungsbücher 
z. Schlüssel in der That, wie er sagt, Posten „an die hübschen 
frowen und spillüf^ auf. ^*) 

Im 16. Jahrh. hat dann die Sitte in mehrfacher Hinsicht 
eine Wandlung erfahren. Zuerst wurde die Gallert . verboten, 



'2) In den Ktichenbüchern von Safran finden sich folgende Sprach- 
forinen: Bis 152Ö; „hechten tag", 1529: „bechtels tag**, 1532: „sant berch-. 
tolds tag". 1532 geht die Bezeichnung überhaupt aus. — ") In den 90er 
Jahren des 15. Jahrh. wurde zu Safran sogar ftlr 100 Teilnehmer gerüstet. 
— ^) 1494: „Armen lüten, spillüten, hübschen frowen, Sprecher umb zittwer 
win [Wein, mit Zitwer gewürzt] und hadergelt [kleine, lumpige Ausgaben?] 
allerhant** (Rechnb. Schlüssel, I, 48* ). Die „hübschen frowen" hören in 
den Zehner Jahren des 16. Jahrh. auf Dagegen finden wir 1569: „8 Stu- 
denten, so die musik gsungen 6 /J 8 ^, etlichen armen sundersiechen, so uff 
der gassen gesungen 2ß, den fryheiten [Landstreichern], so uns umb das 
guot jor gsungen 2 ß, eim gougkler, so die brütschen gschlagen uff den 
fingern 1 /J" (Ebd.). 1570: „2 bleseren geben, so uns daz guot jar geblasen 
und gewünst 2>J" (Ebd.). Aehnliche Ausgaben enthalten die Gutjahrsrödel 
zu Safran. 1535: y,Den blesseren im munster Iß — den armen zu sant 
jocob 1 ß — der jungfrowen die die Eyger wecken [Eierweggen] hatt 
bracht 8 ^ — den blesseren vberin [1. vber rin] Iß — den blesseren uff 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 125 

wie das aus einem Beschluss im Erkenntnisbacb '''^) vom Jahre 
1500 (I, fol. 192*!) hervorgeht: „Nachdem zu ingange des nuwen 
jars bisshar uff den Zünften mit den galren merglicher cost 
ofgelouffen, euch mancherhande Unwesens uff denselben tag . . . 
fargangen ist** wird geboten, „das hynnanthin uff keyner ?unft, 
es sey welche die wolle, dhein galre gemachet werde, sonder 
ob die Zunftbruder zu dem inganden Jarstag byeinander essen, 
BoUent sie sich mit gesottenem und gebrattenem benügen lassen, 
und euch uff denselben tag bitz nach der predig dhein spyell 
thün .... Item were euch sache, das yemand ein zunft eren 
weit mit einem guten jare jnnmassen bisshar bescheen ist, der 
soll vber i j /? Ǥ nit schencken, er sy wie rieh oder arm er woll, 
und onch durch dhein zunft yemand utzit heimgeschickt werde. ^ ^^) 
Nach diesem Verbot muss es uns befremden, im Jahre 1588 doch 
wieder die Oallert erwähnt zu finden. ^^) Gleichzeitig aber er- 
fahren wir, dass der Empfang der Neujahrsgeschenke auf den 
Zünften ^) und die gegenseitige Beschenkung der Zünfte sich 
nunmehr in Form eigentlicher Umzüge abspielte. Wir ent- 
nehmen dies folgender Angabe Brückners in der ersten Fort- 
setzung zu Wurstisen ^^) : „Es war zu damaligen Zeiten zu 
Basel der Gebrauch, dass man an dem neuen Jahres-Tage mit 
Trommel und Pfeiffen vor die Zünfte zog, und von selbigen ein 
Nea-Jahrs-Geschenck empfing, auch verehrten bisweilen die Zünfte 
einander zum Neu-Jahrs-Geschencke eine Gallert, und begleiteten 
diese Gallert mit vorgemeldtem kriegerischen Spiele.^ 

Zum Jahre 1608 bemerkt die zweite Fortsetzung der selben 
Chronik®^): „Noch immerhin blieb es im Gebrauche, dass das 



sant martty l ß ^ dem knecht zum schlisseil, der den kess hatt brocbtt 1 ß". 
1559: „4 moBS Allandt win** (Fol. 161). 1571 unter Andenn: „vm Sy essen 
wyn [unser jetziger Hypokras] 3 mass 4 batzen ~ dem Becken Knechtt 
2J — den Armen sunder siechen 2ß — dem knecht zum scblisel — dem 
naren 2ß — dem fremden mit dem spil 2ß — den sangeren 6/J — 
Spillitten mit der drumen 4 ß'* (Fol. 253). — ") Staatsarchiv Basel. 

— ^) Von nun an schenken sich Schlüssel und Safran Ziger oder Käse. 

— ") Nachträgliche Nachforschungen haben ergeben, dass die Gallert, wenn 
auch in bedeutend geringerm Umfange, schon in der ersten Hälfte des 
16. Jahrh. vrieder auftaucht. — ^^) In den zwanziger Jahren des 16. Jahrh. 
kommt für die Zunftbrüder das „Heizgeld" [(in Zürich „Stubenhitzen") und 
^Wachsgeld* auf; die üebrigen geben noch das »guot jar*. — ^^) Chr. 
WcROTisKs, Bassler Chronick. Neue Aufl. Basel 1772. Fortführung, Erstes 
Buch, Fol. 27. — W) Ebenda („Fortführung der Basel-Chronick. Drittes 
Buch«) Basel 1779, Fol. 95. 



126 Neujahrsfeier im alten Basel und VerwaDdtes. 

neue Jahr mit SchieBsen, Trommel and Pfeiffen gefeuret wurde ; 
doch ward dismalen weiter nichts gestattet, als dasB die Hand- 
werksgeBellen die Oeschenke unter Trommel- und PfeiJBTenklang 
ihren Meistern naher Haus tragen , so dann aber so gleich das 
Spiel niederlegen sollten/ Dass aber diese Zunftgeschenke bis 
zum Ende des 18. Jahrh. Sitte blieben, erhellt aus den Gutjahrs- 
rodeln der Schlüsselzunft, welche ausführlich die Namen der 
Häupter, Ratsherren, Sechser, Zunftgenossen, Tuchscherer, 
Zünfterwittwen und Halbzünfter aufFühren, welche Guben an 
Geld und, wie das erste Blatt auch sagt, an Gebäck (Neujahrs- 
wecken) empfangen. Auf der Landschaft ^^) wurde in den 
Häusern geschmaust, gezecht und gerauft. Für die damaligen 
beschränkten Wohnungsverhältnisse ist es bezeichnend, dass die 
aufgeregte Gesellschaft einmal zu Tenniken in derselben Stube 
tafelte, wo eine Wöchnerin mit ihrem Neugeborenen lag. Als 
die Männer in Streit gerieten und gegen einander losgiengen, 
erschrack die Frau aufs heftigste. Das Kind bekam die Gichter 
und starb den Tag darauf (Farnsb. Akten vom 26. März 1600 
unter Tenniken). 

Vn. Das führt uns endlich auf die Neujahrsgeschenke 
überhaupt. Wenn wir heute etwa neben Weihnachten und Neu- 
jahr Bescherungen veranstalten, oder wenn der Landschäftler 

singt : 

Hütt isch Sylfester und inom isch Neujor, 
Gäp-mer au öppis zum guete Neujor, ") 

so ist das nicht eine Neuerung, sondern ein Rest des ursprüng- 
lichen Bescherungstages. Das „Neujohrs-Eindli'^ ist älter als 
das „Wienachts-Kindli*'; denn j^nes soll ja natürlich nichts 
anderes sein, als die Personifikation des jungen Jahres, und die 
Beziehung auf das Jesuskind ist verhältnismässig neu. Das 
zeigen uns auch die Verhältnisse in der übrigen Schweiz, in 
der früher wenigstens, fast ausschliesslich auf St. Nikiaus ^^) oder 
Neujahr ^^) beschert wurde. In Basel muss freilich schon zu 



«•) Mitteilung von Herrn Dr. Hess. — **) G. A. Srileb, Die Basler 
Mundart. Basel 1879, Sp. 153^. — ") Vgl. Gemälde der Schweiz: 
Luzern I, 331; Am Herd, Denkwtirdigkeiten S. 195 flf.; LCtolf, Sagen S»8; 
Die Schweiz II, 488; Schweiz. Idiotikon IH, 694; Archiv I, 63; ü, 167; IV, 
253 u. A. m. — ^) Br)L8TERLi, Sempach S. 52; Herzoo, Volksfeste S. 2ü4; 
EsTERMANK, Bickcnbach S. 193; ,,Bund'* 27. Dez. 1899; Schweiz. Idiotikon III, 
63. 64. 346; Archiv I, 66. 183 A.3; II, 142; IV, 260; VI, 36 u. A. m. 



Neujahrafeier im alten Basel und Verwandtes. 127 

Anfang des 18. Jahrb. an beiden Tagen besebert worden sein; 
denn ein Mandat von 1716 Bpricbt von dem ^b. Weinacbt- und 
Nenjahrsabend, daran bisbero viel Ungebübr aus Anlass des so- 
genannten Weibnacbt- und Neujabr-Eindleins, sonderlicb bei den 
Eramständen, die Nacbt durcbbin verübet worden*' (Schweiz. 
Idiotikon III, 346). Trotz alledem muss docb Neujabr in jener 
Zeit der Hauptbescberungstag gewesen sein. Das erbellt un- 
trüglich aus den Oescbenklisten, wie sie sich noch hie und da 
in Privathäusern erbalten haben. ^^) Eine solche bat D. Burck- 
hardt-Werthemann im Basler Jahrbuch f. 1897 8. 171 ver- 
öffentlicht : 

^Weggeschickte gute Jahr" 

(Yon den ca. 25 Posten sind sieben herausgegriffen.) 

^Bürgermeister J. B. Burckhardt: 6 Stöckb Candisbrot und das 

ordinäre Paquet. 
Oberstzunftmeister Wettstein: 4 Stöckb Candisbrot^ 2 Capaunen 

und 4 Citronen und 4 Bomrantzen. 
Madame Formonde: Ein lädlein Confiture, 4 grives, 8 Citronen 

und Bomrantzen, 2 bouteillen Rossoli ®^) und eau cordiale 

de citrons. 
Ratsherr Fäsch: 1 welscbbubn, ein reescblegel, 2 stöckb Candis- 
brot und 4 bomrantzen. 
Dr. Battier: 2 Capaunen, eine Medaille von Carl Y. und 

Ferdinand I. 
Herr Linder im Doctorgarten: 2 stöckb Candis und ein bas. 
Dem Jacob a./d. Steinen: 1 büx Theo, 1 stöckb Zucker und 

Kalbfleisch. <'«') 

Der Verfasser hat dieses Verzeichnis aufgeführt im An- 
schluss an eine Radierung von Hans Heinrich Glaser, die zwei 
mit Oeschenken beladene Dienstboten darstellt und den Titel 
trägt: „wie man einander das gut Jar verehrt^. Mit diesem 
Künstler sind wir nun aber bereits in den Anfang des 17. Jahrb. 
hin aufgerückt. Es beweist uns das, wie wenig sich in dem 
Zeitraum von 100 Jahren geändert bat. A.ber geben wir noch 

") Auch mündlich ist mir von verschiedener Seite bestätigt worden, 
dass in Basel noch zu Anfang des 19. Jahrh. die eigentliche Bescherung nicht 
auf WeUmachten sondern auf Neujahr gefallen sei. — ^) Ein süsser 
Liqueur. — *^) Ein Gutjahrrodel des Bürgermeisters Sam. Merian befindet 
sich im Besitze von Hm. Reg.-Rat Alb. Burckhardt. Dieser teilte mir 
auch mit, dass die Greschenke — die der Beschenkte natürlich nicht alle 
aufzehren konnte — nachher wieder verkauft wurden. 



128 Neujahrsfeior im alten Basel und Verwandtes. 

am 100 Jaiire zurück, so werden wir die Verhältnisse nicht 
wesentlich anders finden. Sagt doch schon Seb. Brant in seinem 
„Narrenschiff" (Kap. 66 V. 42): 

Des glichen zu dem nuwen jor *^) 
Wem man nit ettwas schencken dut 
Der meynt, das gantz jor werd nit gät. 

Die Stelle bei Brant ist aber auch noch in einer andern 
Hinsicht bedeutsam. Sie führt das Schenken auf den Aber- 
glauben zurück, dass die Geschenke ein glückliches Omen für 
das künftige Jahr seien, eine Meinung, die sich in den yer- 
Bchiedensten Varianten bis auf den heutigen Tag erhalten hat. *^) 
Einige Zeilen vorher spielt Brant auf einen andern Aberglauben 
an, wenn er sagt: 

Vnd wer nit etwas nuwes hat 
Vnd vmb das nuw jor syngen gat 
Vnd grien tann riss steckt Jn syn huss, 
Der meynt, er leb das ganz jor nit vss. 

Diese Verse sind nicht nur die älteste deutsche Nachricht 
über den Weihnachtsbaum^^), sondern sie deuten uns auch 
an, was dem Weihnachtsbaum, der also, ähnlich dem englischen 
„mistletoe^, zunächst in Zweigform auftritt, für eine Bedeutung 
innewohne: man will durch den Grünschmuck des Hauses um 
die Wintersonnenwende die Fruchtbarkeit und Lebensfülle des 
kommenden Jahres symbolisch darstellen und zugleich herauf- 
beschwören. 

Das Symbolisch-Ominöse ist es ja überhaupt, was den Kern 
aller geschilderten Neujahrsbräuche bildet; und das führt uns 
nun zum Schluss noch vor die Frage: Ist es nicht möglich, diese 
verhältnismässig spät überlieferten Gebräuche auf 
ihren Ursprung zurück zu leiten? 

Man hat früher versucht. Alles was von Volksbräachen 
sich um die Sonnenwende in Deutschland abspielt, mit dem 
germanischen Götterhimmel in Verbindung zu bringen. Es war 
eine Zeit romantischer Begeisterung, wo man hinter jedem 



^) Auch filr Brant ist wohl der 25. Dezember Jahresanfiuig. 
— *^) Vgl. namentlich Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube § 75. 632 und 
anderwärts. — '^) Eine Notiz aus der Wende des Jahrh. findet sich freilich 
schon bei Burchard von Worms (Decr. 1. X c. 15); aber dieses Verbot ist 
einem Dekret des Pabstes Marti anus entnommen. 



Nenjahrafeier im alten Basel und Verwandtes. 129 

apakenden Straachdieb Wotan und in jedem isolierten Felsblook 
einen Draidenaltar sah. Dabei vergass man ganz, dass einmal 
Römer im Land gewesen, deren mächtige Kultur gewiss nicht 
spurlos Torübergegangen war. Und so ist denn auch der eine 
und der andre unserer Neujahrsbräuche bei der auffallenden 
Uebereinstimmung mit römischen Verhältnissen auf diese zurück- 
luf&hren. Es handelt sich dabei namentlich um zwei Feste: 
die Saturnalien und die Januarskalenden. 

Die Saturnalien ''^), welche Saturnus, dem Oott der Aus- 
saat, geweiht waren, hatten ihren Haupttag am 17. Dezember, 
erstreckten sich dann aber bis über den kürzesten Tag hinaus. 
Die eigentliche Kulthandlung übergehen wir hier. Von Yolks- 
gebranchen war namentlich charakteristisch die Behandlung der 
SklaTen, die an diesem Feste nicht nur die grosstmögliche Frei- 
heit genossen, sondern sogar an ihrer Herren Tische sassen und 
Yon ihnen bedient wurden. In dieser Form hat sich freilich die 
Sitte nicht erhalten ; es ist aber nicht unmöglich, dass in der Er- 
hebung irgend eines Kindes aus dem Yolke zu der hohen Bi- 
schofswürde die selbe Orundidee der „Umwertung aller Werte ^ 
steckt. ''^ Damit hängt zusammen die Auslosung eines Fest- 
königs oder besser Narrenkönigs, der dann die geselligen Spiele 
za leiten hatte. Da diese Sitte auch bei den römischen Soldaten 
der Kolonien im Schwange war, vermutet Paul Wendland'*) 
hinter der Verspottung Christi den selben Brauch, zumal da die 
Sitte, den König nachher hinzurichten, auch durch das Martyrium 
des hl. Dasius in Mösien (20. Nov. 303) bezeugt ist. '^) 

Unsere Zunftmähler entsprechen den öffentlichen Gast- 
mählern an den römischen Saturnalien, und auch die nächtlichen 

'*j Beschreibungen bei Preller-Jordan, Rom. Myth. n, 15 ff. ; Schich, 
Privataltertümer § 273; Wmsowa in Iw. Müllers Haodb. V, iv, 169 ff.; Paily, 
Realenkykl. VI, I, 824; Mabquardt, Rom. Staatsverwaltung ni, 562; Mar- 
viiTAROT, Privatleben I, 245; Friedlander, Sittengesch. II (1864) 146; P, 346; 
ToiiA«cH«K, in: Wiener Sitzünosberr. (Ph.-H. Kl.) 60, 351 ff. — «) Vgl. Fr. 
Vogt, Die schlesischen Weihnachtsspiele (1901) S. 92. Auch Du Tilliot, 
Mdm. p. servir ä Thist.. de la F^te des Foox, p. 8 sagt: ,Par la seule ex- 
Position des Satamales, 11 est aist^ de se former une id^e de Ja Fete dos 
Fouz, car comme dans les Satumales les Valets faisoient les fonctions de 
leurs maltres, de mSme dans la F^te des Foux les jeunes Clercs et les 
autres ministres införienrs de l'Eglise officoient publiqiiement et solemnelle- 
ment, pendant certains jours consacrös 'X honorer les Myst^res du Christia- 
nisme. — ") „Jesus als Satumalienkönlg". Hermes *33, (1898) 175. — '♦) L. 
Pakxevtike, in Revue de Philologie 21, 143 ff. 

9 



130 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Lärmomzüge haben ihr Analogon in dem nachherigen aasge- 
lasseoen UmBchwärmeD unter Ausstossung des Rufes „lo Sator- 
nalia^, eine Sitte, die ausdrücklich auch von den romischeo 
Soldaten in Brittannien überliefert ist. Femer wurden an den 
Saturnalien Geschenke (Wachskerzen und Puppen) verteilt; doch 
ist dieser Gebrauch eben so charakteristisch für die Januars- 
kalenden ^^), die noch weit überraschendere Analogien bieten. 
Das gegenseitige Glückwünschen am 1. Januar war in Rom 
allgemein gebräuchlich. Man that es oft in Form von Zusendung 
einer Lampe oder eines Bechers, die etwa die Inschrift „Anno 
novo faustum felix tibi^ trugen, oder noch lieber eines Geld- 
stücks; denn Geld am ersten Tage des Jahres bedeutet, wie 
noch heutzutage, Wohlstand fürs ganze Jahr; daher nahmen so- 
gar die Kaiser ein Geldstück als Neujahrsgeschenk an. Den 
gleichen Sinn hatte die Yerehrung von allerhand Leckereien, 
wie Feigen, Datteln, Lebkuchen ,^zum guten Omen, dass das 
neue Jahr nur Süsses und Angenehmes bringen möge.^ Diese 
Geschenke nannte man in Rom „strenaB^, welches Wort sich in 
dem französischen „^trennes^ noch fortgesetzt hat. Ursprüng- 
lich sollen nun aber diese „strense^ in glückbringenden Zweigen 
bestanden haben, die man dem heiligen Haine der Göttin Strenia 
entnahm. Daher die spätere Sitte , den Neujahrsgeschenken 
grünende Zweige als besonderes Glücksomen beizufügen. Es 
liegt nahe, auch diese Sitte mit dem Grünschmuck der Häuser 
in Beziehung zu bringen, aus dem dann der mistletoe und unser 
Weinachtsbaum entstanden ist. Endlich sei noch erwähnt, dass 
es auch zu Neujahr üblich war, opulente Mahlzeiten abzu- 
halten und zwar glaubte man auch hier, dass die möglichst 
grösste Fülle von guter Vorbedeutung sei für das kommende Jahr. 

Damit schliesse ich ab. Möge es mir gelungen sein, 'zu 
zeigen, dass es auch an Hand lokaler Gebräuche möglich ist, 
durch Beiziehung analoger Verhältnisse zu allgemeinen, geistes- 
geschichtlichen Agentien vorzudringen. Das wird überhaupt je 
und je unsre Aufgabe sein müssen. Durch die aprioristisch^ 
Annahme einer spontanen und autochthonen Entstehung lokaleir 
Bräuche kommen wir über ein Anhäufen von Material nich't; 
hinaus. Stellen wir uns aber auf eine höhere Warte und er— 



") Vgl. pRELLER-JoRDAx, a. 2L. 0. I, 179 ; Marquardt, Privatleben I, 
245; HosriNiANus, Festa Jud. et Ethn. 1674, fol. 91. 



Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern. 131 

blicken um ans und hinter uns verwandte Züge, dann sind wir 
aach berechtigt, nach der bewegenden Kraft zu fragen, die sich 
in diesen gemeinsamen Anschauungen fühlbar macht 

In unserm Falle ist es ein grosser Grundzug, der in diesen 
Tagen winterlichen Todesdunkels die Herzen der ganzen Mensch- 
heit durchströmt und in Yolksbräuchen zum elementaren Aus- 
bruch kommt: die unsterbliche Sehnsucht nach Licht und Lebeu. 
(Die Anhänge folgen in. der nächsten Nummer.) 



Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern. 

Gesammelt von G. Züricher und M. Reinhard in Bern. 

1. Wenn ein Kind geboren wird, soll man es in das Nacht- 
iienad des Vaters wickeln, damit dieser es auch lieb bekomme. 

(8. Gotthelf, „Der Bauemspiegel", Kap. 37.1 Bern. 

2. Wenn ein Kind geboren ist, schaut man im Kalender 
OM^li, was für ein Zeichen an dem Tag steht. Hat der folgende 
^&Sr ^ gleiche Zeichen, so wird das nächste Kind vom gleichen 
Ööa<shlecht sein. Langnau. 

3. Bevor das Kind zur Taufe getragen wird, soll es die 
ViA-tter auf beide Wangen küssen, damit es Grübchen in den 
^«.Bgen bekomme. Bern. 

(8. ßothenbach«) Nr. 38. 39; Vgl. Nr. 68.) 

4. Wenn die Patin das Kind aus der Taufe bringt, soll 
in&Xk ihr ein Glas Wein vor die Dachtraufe bringen, das sie 
stdltend und ohne zu sprechen trinken soll, damit das Kind 
^r\ werde. Bern. 

5. Man tauft die Kinder oft nach Verstorbenen, z. B. Gross- 
rit^m, Onkeln, Tanten, aber nicht gern nach ihren verstorbenen 
^^^^chwistem, da man sagt, das bringe dem Einde auch den Tod. 
Bern, Thun. 

^) Volkstümliches aus dem Kanton Bern. Lokalsagen und Satzungen 
^^^ Aberglaubens. Gesammelt von H. Grün holz er. Zusammengestellt 
^"^^ berausgegeben von J. E. Rothenbach. Separat-Abdruck aus der 

i^eueo Alpenpost*". Zürich 1876. Ganz Uebereinstimmendes haben wir 

^^bt anfgenommeo. 



132 Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern. 

6. Die anversehrte Rinde eines Apfels wird über die linke 
Schulter geworfen. Der Buchstabe, der dabei entsteht, ist der 
Namenszug des künftigen Oeliebten. Bern. 

7. Dem Mann, den man heiraten mochte, muss man 3 Bluts- 
tropfen im Wein zu trinken geben. Bern. 

8. Man legt ein yierblättriges Kleeblatt in den Schuh; der 
Bräutigam (resp. die Braut) wird- den gleichen (Yor)namen tragen, 
wie die Person, der man zuerst begegnet. Bern. 

9. Man zählt alle Schimmel, die Einem in den Weg kom- 
men. Wenn man bei der Zahl 99 angekommen ist, so achte 
man darauf, wenn Einem ein Kaminfeger begegnet; denn den 
nächsten Mann, der Einem darauf die Hand reicht, wird man 
heiraten. Statt der Schimmel kann man auch Rappen zählen, 
nur tritt dann für den Kaminfeger ein Zuckerbäcker ein. 

Bern. 

10. Aus aufgeschichtetem Holz wird ein Scheit gezogen, 
dessen Gestalt (ob grade, krumm, lang, kurz) zeigt dann die des 
künftigen Oeliebten an. Bern. 

11. Wer bei der Hochzeit den Fuss zuerst in die Kirche 
setzt, wird während der Ehe herrschen. Bern. 

12. Wenn eine Braut ihr Hochzeitskleid selber macht, 
bringt es ihr Unglück. Bern. 

13. Solange eine Frau das erste Wort, das der Mann nach 
der Trauung zu ihr spricht, nicht vergisst, kann sie jeden Knoten 
und jedes „Ghürsch'^ (Wirrwarr) losen. LützelflOh. 

14. Wenn dem Ehepaar auf der Hochzeitsreise zuerst ein 
Mann begegnet, so stirbt zuerst der Mann, wenn eine Frau, 
die Frau. Bern. 

16. Wenn man ein Kleid zum ersten mal trägt, muss maik^ 
sich in jede Tasche ein kleines Geldstück schenken lassen: da^ 
bringt Glück. Bern. 

16. Mit Messer, Scheere, Nadel etc. muss man zugleicTS 
ein kleines Geldstück schenken, wenn man die Freund8cha.^f 
nicht zerschneiden will; 

oder man muss den Empfänger damit stechen; 

oder der Empfanger darf nicht danken dafür. Bern . 



Allerhand AberglaubeD aus dem EaDton Bern. 133 

17. Wenn Einem ein Stück Brot in den Kaffee (Suppe etc.) 
tältj 80 erhält man ein Oeschenk oder einen Brief mit erfreu- 
lichen Nachrichten. Bern. 

18. Wer weisse Flecken auf den Fingernägeln hat, erlebt 
freadiges, sobald die Flecken bis an den Rand des Nagels ge- 
rückt sind. Bern. 

(8. RotheDbach Nr. 358a. b.) 

19. Wenn Einen die Nase beisst, bekommt man Besuch 
oder ein Geschenk. Bern. 

(Vgl. Nr. 41.) 

20. Wenn es nach dem Kirchgang in den Brautschleier 
regnet, bringt es Olück in die Ehe, wenn vor demselben^ 
Unglück. Bern. 

21. Wenu man hundert Schimmel oder hundert Yelocipedes 
gezählt^ acht weisse Tauben und einen Kaminfeger gesehen hat, 
80 findet man etwas. Bern. 

22. Während des Fallens einer Sternschnuppe kann man 
sich etwas wünschen: das geht dann in Erfüllung. Bera. 

23. Wenn man am Abend einen einzigen Stern sieht, 
wünscht man sich etwas: das geht dann in Erfüllung. Bern. 

24. Yon 6 (4^ 8 etc.) Grashalmen, die von einer zweiten 
Person so in der Hand gehalten werden, dass nur je ein Ende 
oben herausschaut, bindet man je zwei Enden auf der einen 
und dann auf der andern Seite zusanmien; dann entstehen 
entweder ein, zwei oder drei Kränze; während des Bindens 
wünscht man sich etwas, das ganz erfüllt wird, wenn nur 
ein Kranz, halb, wenn zwei, und gar nicht, wenn drei Kränze 
entstanden sind. Bern. 

25. Wenn zwei Personen unabsichtlich das gleiche Wort 
sagen, reichen sie sich die kleinen Finger und wünschen sich 
etwas — ohne zu sprechen — : das wird erfüllt. Bern. 

26. Eine ausgefallene Augenwimper bläst man vom Finger 
weg und wünscht sich dabei etwas: das wird erfüllt. Bern. 

27. Wenn bei Tisch gar nichts in der Schüssel zurück- 
bleibt, to gibt es gutes Wetter. Bern. 

28. Um etwas Verlorenes finden zu können sagt man: 
Doggeli, hock drab. Bern. 

(Vgl. Züricher, Kinderlied und Kinderspiel Nr. 62.) 



134 Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern. 

29. Wenn man ein neues EUeid zneret zum Kirchgang an- 
zieht, wird man damit Glück haben. Ltttzelfiüb. 

30. Wenn von vier Personen sich je zwei die Hände so 
reichen, dass ein Kreuz entsteht, so heiratet bald eine davon. - 

Bern. 

31. Auf der Reise bringen Schafe auf der linken Seite 
Glück, auf der rechten, Unglück. Bern. 

82. Wo ein katholischer Pfarrer durchgegangen ist, findet 
man etwas. Bern. 

33. Wenn die Zuckerbläschen auf dem Thee oder Kaffee 
sich alle in der Mitte der Oberfläche treJBTen, schickt Einem 
Jemand in Gedanken einen Kuss; gelingt es Einem, sie alle mit 
dem Löffel aufzufangen, so bekommt man den Kuss wirklich. 

Bern. 

34. W^enn man die Butter anschneidet, bekommt man keinen 
Mann. Bern. 

35. Wenn man die Milch vor dem Zucker in den Thee 
giesst, gibt es eine unglückliche Liebe, oder man bekommt 
keinen Mann (oder keine Frau). Bern. 

36. Wer einen Brautkranz aufsetzt, ohne Braut zu sein, 
wird nie Braut. Bern. 

37. Wer an sieben Hochzeiten war, kommt nie an die 
eigene. Bern. 

38. Wenn die Vögel die Haare zum Ne^terbau verwenden, 
wird man früh grau; Wichtrach. 

oder man bekommt Kopfschmerzen. Bern. 

39. Eine Arbeit, die man am Samstag beginnt, wird nie 
fertig oder gerät nicht. Bern. 

40. Wenn ein Hund gegen den Himmel heult, gibt es 
eine Feuersbrunst, heult er aber gegen den Boden, so stirbt 
bald Jemand. Bern. 

(8. Rothenbach Nr. 290. 347.) 

41. Wenn Einen die Nase beisst, versäumt man ein gutes- 
Essen. Bern. 

(Vgl. Nr. 19.) 

42. Wenn vier Personen sich die Hände übers KreusE 
reichen, gibt es Streit und Unglück. Bern. 

(Vgl. Nr. 30.) 



Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern. 135 

43. Einer Katze am Kreuzweg begegnen bringt Unglück. 

Bern. 

44. Wenn mao am Morgen zuerst mit dem linken Bein 
ans dem Bett geht , ist man den ganzen Tag schlecbter 
Laune. Bern. 

(Vgl. die Redensart „mit em lätzo Bei zum Bett usfahre'*.) 

45. Wenn ein Jäger zuerst einer alten Frau begegnet, kehrt 
er um, weil er an diesem Tag kein Glück hat. Bern. 

(8. Rothenbach Nr. 370 fr.) 

46. Was man träumt, wenn man die erste Nacht an einem 
neuen Ort schläft, trifft eio. Bern. 

47. Was man vom Samstag auf den Sonntag träumt, wird 
wahr. Bern. 

48. Wenn man von Eiern oder von schmutzigem Wasser 
träumt, entsteht Streit. Bern. 

(8. Rothenbach Nr. 424. A'2S.) 

49. Wenn man träumt, die Zähne fallen Einem aus, so ent- 
steht Krankheit in der Familie, oder man verliert einen Freund. 

Bern. 

50. Wenn man von kleinen Kindern oder schwarzen Kirschen 
träumt, Ro stirbt bald ein Verwandter oder Freund. Bern. 

(s. Rothenbach Nr. 422.) 

51. Weon man von Läusen träumt, so erhält man viel Oeld. 
(8. Rothenbach Nr. 427.) Bern. 

52. Wenn eine fremde schwarze Katze ins Haus läuft, so 
j^ibt es eine Hochzeit. Wohlen, Bern. 

53. Wenn 3 Lichter unerwartet in einem Hause zusammen- 
kommen, so gibt es eine Braut im Haus. Bern. 

54. Wenn eine Frau spinnt, bevor das Kind getauft ist, 
so fertigt sie für dasselbe eioen Strang. Bern. 

55. Wenn Einem ein Zweig, besonders eine Dornenranke, 
am Kleid hängen bleibt, ist es ein Zeichen, dass man einen 
Verehrer hat. Bern 

56. So viel Finger beim Ziehen an denselben knacken, so 
viele Verehrer hat man Bern. 

57. Wenn Einem Haarnadeln ausfallen oder das Schuhband 
aufgeht, denkt Jemand an Einen; 

oder ein Verehrer wird Einem untreu. Bern. 



136 Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern. 

68. WeoD 2 Penooen unabsichtlich mit einander das 
gleiche Wort sagen, so haben sie einen Schneider aus der 
Hölle erlöst. Bern. 

59. Um zu wissen, ob und wie man geliebt wird, z&hlt 
man die Zungenblüten an den Johannisblamen und sagt dazu: 
man liebt mich, von Herzen, mit Schmerzen, über alle Massen, 
ein wenig, gar nicht; 

oder: man liebt mich, man liebt mich nicht. Bern. 

60. Um zu wissen, ob man sich für oder gegen etwas ent- 
scheiden soll, zählt man die Knöpfe am Kleid, indem man z. B. 
beim ersten ja, beim zweiten nein sagt. Kommt man zum letzten 
mit ja, so entscheidet man sich für die Sache und umgekehrt. 

Bern. 

61. In den Läden hat man es gern, wenn am Morgen 
zuerst eine junge Person etwas kauft; das gibt einen guten Tag. 

Bern. 

62. In einem Laden wurde am Sylvester etwas verlangt, 
was nicht vorhanden war; der Ladenbesitzer war froh, dass ihm 
das nicht am ersten oder zweiten Tag des Jahres begegnete, 
weil ihm das eine schlechte Vorbedeutung für das ganze Jahr 
gewesen wäre. Bern. 

63. Wenn man Ohrenläuten hat, sagt man die Namen 
seiner Bekannten her; bei demjenigen, der an Einen denkt, hört 
das Läuten auf. Bern. 

64. Wenn man Ohrenläuten hat, sagt man eine Zahl (nicht 
über 25) und sucht den betreffenden Buchstaben aus dem 
Alphabet; es ist der Anfangsbuchstabe des/ Namens der Person, 
die an Einen denkt und zwar in gutem Sinn, wenn es im rechten, 
in schlechtem, wenn es im linken Ohr läutet. Bern. 

(s. Gotthelf, „Uli der Knecht«, Kap. 26.) 

65. Wer ao der Fingerbeere gerade laufende Linien hat, 
bekommt wenig Kinder, wer Schleifen hat, viele. Bern. 

66. Um zu wissen, ob man viel oder wenig Kinder be- 
komme, wirft man die Röhrenblüten der Johannisblumen in die 
Höhe und fangt sie mit dem Haudrücken auf; fangt man viele 
auf, so bekommt man viele Kinder, und umgekehrt. Bern. 

67. Die Linien unterhalb der Handwurzel der Linken zeigen 
das Alter an, das Einem „geordnet*' ist (d. h., das bei unge- 



Allerhand AberglaubeD aus dem Kanton Bern. 137 

störtem Ablauf der Ereignisse erreicht würde), die unterhalb 
der Beohten das, was ^^kommt*' (was wirklich erreicht werden 
wird); und zwar bedeutet je eine starke Linie je 30 Jahre, eine 
schwache relativ weniger u. s. f. Bern. 

68. Grübchen auf den Wangen eines Kindes sind ein 
Zeichen, dass dort Engel geruht haben. Bern. 

(Vgl Nr. 3.) 

69. Wenn etwas binnen kurzer Zeit zweimal eingetreten ist, 
80 wird dasselbe auch ein drittes Mal eintreten. Bern. 

(Vgl. die BedenBart ^was sech zwöiet, das dreiet sech**.) 

70. Gegen Seitenstechen oder Schlucken muss man mit 
Speichel ein Kreuz vorn auf den Schuh machen; 

oder man macht am Boden ein Grüblein, spuckt hinein 
und deckt es wieder zu. Bern. 

71. Gegen Schlucken soll man die Namen von sieben 
Pfarrern in einem Atemzuge sagen. Bern. 

72. Die ersten ausgefallenen Zähne wirft man in eine Ecke 

and sagt dazu: 

MQbH, Müsli, nimm der Zahnd, 
Gl mer e schöne wysse, 
Das i cha Fleisch u Brot dermit bysse. 
(s. Rothenbach Nr. 109.) Langenthai 

73. Damit der neue Zahn weiss bleibe, wirft man den aus- 
gezogenen über die Schulter ohne ihm nachzublicken und sagt: 

Müsli, Müsli, gi mer e wysse, 
Das i cha Fleisch u Brot dermit bysse. 
(s. Rothenbach Nr. 109.) Langenthai. 

74. Gegen Zahnschmerzen soll man jeden Morgen den 
linken Strumpf zuerst anziehen. Bern 

76. Gegen Zahnschmerzen soll man am Charfreitag vor 
Sonnenaufgang von laufendem Wasser trinken. LützelHUh 

76. Gegen Zahnschmerzen soll man auf dem Kirchhof einem 
Totenschädel einen noch stehenden Zahn ausziehen und ihn in 
der Tasche tragen. Lützelfltth 

77. Gegen Zahnschmerzen soll man eine schwarze Schnecke 
in den Mund nehmen. LützelHüb 

78. Gegen Warzen soll man ein Stück Fleisch oder Speck 
auf dieselben legen, mit der andern Hand ein Grüblein graben, 



J38 Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern. 

dann das Fleisch nach 2 Minuten in das Gh-üblein legen. Sobald 
es verfault ist, verschwinden die Warzen. — Es darf Einem aber 
Niemand dabei zusehen, sonst nützt der Zauber nichts Bern. 

79. Gegen Warzen werden der Name und das Geburts- 
datum auf die eine Hälfte eines langen Papierstreifens ge- 
schrieben; dieser wird Hrn. H . . . gegeben, der zur Zeit des 
Neumondes etwas damit anfängt (?), worauf die Warzen ver- 
schwind en. Bern. 

80. Gegen Warzen macht man in ein seidenes Bändchen 
so viele Knoten als man Warzen hat; dieses steckt man in die 
Tasche; wenn man es zufällig verliert; verschwinden die Warzen. 

(8. Rothenbach Nr. 46 -i) Bern. 

81. Gegen Warzen stiehlt man so viele Erbsen, als man 
Warzen hat und wirft sie über die linke Schulter ins Feuer. 

Bern. 

82. Wenn man die Warzen während einer Beerdigung 
unter sieben Brunnen wäscht, so verschwinden sie. Bern. 

83. Man soll andern Leuten die Warzen nicht zählen, 
weil man sie sonst selber bekommt, während sie bei andern 
verschwinden. Bern. 

84. Gegen Rheumatismus muss man drei selbstgepflückte 
Rosskastauien in der Tasche tragen. Bern. 

85. Gegen Rheumatismus soll man eine lebendige Kröte 
in einem Säcklein auf der Brust tragen. Bern. 

86. Eine Frau trug gegen Rotlauf ein Zweirappenstück an 
einem Schnürchen um den Hals. . Lützelflüh. 

87. Gegen Sommersprossen soll man sich mit Maientau 
waschen. Bern. 

88. Damit das Kind nicht Zahnfisteln bekomme, soll die 
Mutter durch die Brust einen Faden ziehen und ihn dort- 
lassen. Bern. 

89. Gegen Krebs soll man auf die kranke Stelle einecs 
Krebs auflegen und ihn liegen lassen, bis er tot ist. Bern. 

90. Schwache Augen stärkt man, wenn tnan sie jede^K: 
Abend mit Speichel bestreicht. Bern. 

91. Einen Kropf vertreibt man, wenn man ihn jeden Abezm« 
mit Speichel einreibt. Bern. 



Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern. 139 

92. Wenn man sich gebrannt hat, muss man die drei höch- 
sten Namen sagen, damit keine Blase entstehe. Bern. 

93. Gegen Schwitzen soll man zwei zerriebene Nussblätter 
in der Tasche tragen. Bern. 

94. Gegen Hühneraugen soll man drei Freitage nachein- 
ander die Füsse baden. Lützelflüh. 

95. Eine Frau, die den Boden scheuerte, hielt sich plötz- 
lich die Hände Yors Gesicht und blieb einige Zeit ganz unbe- 
weglich; als man sie fragte, was sie habe, antwortete sie, sie 
habe sich in den drei höchsten Namen besegnen müssen, denn 
die drei höchsten Blutstropfen seien „fürers gfalle**. Bern. 

(Vgl. Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. Band, S. 40flf.) 

96. Bei einem Gewitter muss man ein Leintuch mit drei 
Zipfeln unter die Dachtraufe halten, damit der Blitz nicht ein- 
schlägt. Bern. 

97. Bei einem Gewitter legt man ein Besteck unter die 
Dachtraufe, damit der Blitz nicht einschlägt. Bern. 

98. Bei einem Gewitter stellt man Speisen in die offene 
Daehlucke, damit der Blitz nicht ins Haus schlägt. Wichtracb. 

99. Wenn man etwas rühmt, seine Gesundheit, sein Glück 
etc., so soll man nachher immer sagen ^ unberufen *" und dazu 
dreimal auf die untere Seite der Tischplatte klopfen. Bern. 

100. Schwalben sollen nicht ins Haus genommen werden, 
sonst stirbt Jemand im gleichen Jahr. Bern. 

101. Wenn Jemand im Tod nicht steif wird, so stirbt bald 
Jemand anders nach. Bern. 

102. Wer den Toten zuletzt anschaut, stirbt bald darauf 
auch. Bern. 

103. Wenn die Mäuse Häuflein von Staub oder Papier 
etc. zusammentragen, so stirbt bald Jemand. Bern. 

(8. Rothenbach Nr. 410.) 

104. Wenn sich ein Rabe oder eine „Wiggle^ auf ein Dach 
setzen und ^chreien, so stirbt bald jemand im Haus. Bern. 

(8. Rothenbach Nr. 337 ff.) 

105. Wenn ein vor einen Leichenwagen gespanntes Pferd 
Tor einem Haus scharrt, so stirbt bald Jemand in diesem Haus. 

Wohlen. 



140 AllerhaDd Aberglauben auB dem Kanton Bern. 

106. Wenn über den Sonntag eine Leiche im Haus liegt, 
80 stirbt bald Jemand. Wohlen. 

107. Wenn eine Scheibe plötzlich springt, stirbt Jemand. 

Wohlen. 

108. Wenn ein Hochzeitszug einem Leichenzug begegnet, 
so stirbt bald die Braut oder der Bräutigam. Spiez. 

109. Wenn drei Krähen zusammen auf ein Haus fliegen 
und krähen, stirbt dort Jemand. Bern. 

(8. ßothenbach Nr. 339.) 

110. Wer bei der Trauung zuerst kniet oder zuerst ,Ja' 
sagt, stirbt zuerst. Bern. 

111. Wenn ein Huhn einen Strohhalm ins Haus trägt, stirbt 
Jemand. Bern. 

112. Plötzlicher Sprung in einem Hausgerät bedeutet den 
Tod eines Hausbewohners. Bern. 

113. Wenn Jemand gestorben ist, bindet man ein weisses 
Tuch (gewöhnlich dasjenige, mit dem man dem Toten den 
Seh weiss abgewaschen hat) um einen Baum; 

a) wenn das Tuch verfault ist, ist der Tote auch verfault; 

b) wenn der betreffende Baum gedeiht, ist der Tote im 
Himmel, gedeiht er nicht, so ist er in der Hölle. Bern. 

114. Qegen das Doggeli soll man ein Messer über dem 
Bett einstecken. Kehrsatz. 

(8. Rothenbacli Nr. 77 ff.) 

115. Gespenster soll man ja nicht dutzen; man rufe: ^I 
Ootts Name, was weit der?*^ so können sie nicht schaden, auch 
kann man sie eher erlösen. Wohlen, Bern. 

116. Läuse, die Einem angehext werden, kann man nur 
durch Gegenhexerei vertreiben. Man steckt drei lebendige Läuse 
an eine Stecknadel und wirft diese ins offene Feuer und spricht 
dazu den Namen der Hexe aus. Sofort verschwinden die Laus» 
und die Hexe bekommt ein schreckliches Brandmal im Gesicht. 

Därstetten. 

117. Es gibt Leute, die durch Zauberei die Eier ziehen 
können, so dass sie aus fremden Hühnerställen durch die Luft 
zu ihnen fliegen ; dagegen kann man sich auch nur durch Gegen- 
zauber schützen. Mittelland, Därstetten. 



Allerhand Aberglanben aas dem Kanton Bern. 141 

118. Im Schloss Bipp soll ein Mönch spuken; wenn man 
ihn antrifft, löscht er Einem das Licht ans und man wird ge- 
schwollen. Bern. 

119. Einem Bauer war die Thüre, so oft er in den Stall 
gehen wollte, „yerha^, andere konnten sie ohne weiteres öffnen. 

Wohlen. 

120. Wenn man ein schwarzes Tier im Hause hat, kommen 
die Gespenster nicht. Deshalb halten sich viele Leute schwarze 
Katzen oder Hunde. Bern. 

(8. Rothenbach Nr. 294.) 

121. Im Schloss Rümligen verschwinden nach kurzer Zeit 
alle Hunde spurlos; plötzlich heult der Hund, wie wenn er einen 
Schlag bekommen hätte, und darauf verschwindet er. Bern. 

122. Wenn man Gespenster antrifft, muss man die drei 
höchsten Namen sagen, um sie zu erlösen. Bern. 

123. Im Mädchen Waisenhaus sind eine Menge Waschbütten, 
die man ineinander stellt; in der heiligen Zeit fallen sie immer 
auseinander. Bern. 

124. In der grossen Kastanie beim Aebischlössli sass eine 
Eule, die abends den Leuten, welche dort vorbei durch den 
alten Feldweg gehen wollten, die Augen auszukratzen versuchte ; 
deshalb machten viele Leute den Umweg der breiten Strasse 
nach. Bern. 

125. Ein Oberst, der den Sonderbunds-Feldzug mitmachte, 
kam nach Luzern, wo er sich in eine Kellnerin verliebte. Man 
warnte ihn vor ihr, weil sie den bösen Blick habe. Er zog sich 
zurück, magerte aber von da an schrecklich ab; er sagte, jedes- 
mal, wenn er kaum eingeschlafen sei, springe ihm etwas auf die 
Brust. Man riet ihm, sich mit dem Säbel zu Bett zu legen; 
er that es und es sprang eine schwarze Katze zum Fenster 
herein. Er schlug sie auf die Pfote und sie sprang mit einem 
Seufzer davon; aber am Morgen fand er neben seinem Bett eine 
Frauenhand. Spiez. 

126. Damit keine Hexe ins Haas kommen könne, vergräbt 
man ein Tier, besonders eine Kröte, unter die Schwelle. Spiez. 

127. Wenn ein Schwein geschlachtet wird und es sieht 
jemand zu, der Mitleid mit dem Tier hat, so k^nn das Tier nicht 
sterben, bis die betreffende Person weggeht. Wimmiö. 



142 Allerhand Aberglaubeo aus dem Kanton Bern. 

128. Stellt man beim Schlafengehen den rechten Schuh vor 
den linken, so wird man vom Doggeli nicht geplagt. Bern. 

129. Pflanzen, bei denen man den in der Erde steckenden 
Teil yerwendet, soll man in der Zeit des ^nidsig gehenden' 
Mondes säen oder pflanzen, diejenigen, bei denen man die andern 
Teile yerwendet, beim ,ob8ig gehenden^ Mond. (^Nidsig gehend' 
ist der Mond, wenn beide Spitzen der Sichel nach unten, ,ob8ig 
gehend', wenn sie nach oben sehen.) Bern. 

130. Den Winterspinat soll man im August-Krebs säen. 

Lützelflüh. 

131. Die Kartoffeln, im Zeichen des Krebses gesetzt, setzen 
keine Knollen an, sondern machen nur Wurzeln. Lützelflah. 

132. Die Haare, im Fisch geschnitten, werden lang und glatt. 

Lützelflah. 

133. Krause Haare soll man nicht im Stier schneiden, 
sonst werden sie glatt. Bern. 

134. Im Krebs geschnittene Haare wachsen nicht nach. 

Bern. 

135. Butter soll man im Vollmond kochen; im zunehmenden 
Mond gekocht, läuft sie über den Topf, im abnehmenden Mond 
geko'bht, ist sie nachher schnell verbraucht. Lützelflah. 

136. Redensarten, die auf Aberglauben weisen: 

a) We me der Tüfel a d'Wand malt, so chunt er. 

b) We me vom Wolf redt, so chunt er. 

c) Frässe wi ne Wärwolf. 

d) I allne Egge sy wi ds Unghür. 

e) Es isch im öppis übere Wäg gloffe. 

f) Su het di armi Seel Rue. 

g) I-n-e böse Luft cho. B« 



143 



Voikskundiiches aus dem Taminathal. 

Anfgezeichnet von F. W. Sprecher in Kriegstetten. 

I. 

Gebart. 

Wenn in den Kreis einer Familie ein Weltbürger eintritt, 
dann ist derselbe nicht vom Storch gebracht worden, sondern 
der Yater hat ihn, so erzählt man der übrigen Jugend, „Yum 
Poppalistei aha gholt^. Der .Poppalistei ist ein beinahe haus- 
grosser, moosbewachsener Felsblock in Gauis, ca. 10 Minuten 
oberhalb Yättis, mitten in einer Wiese liegend. Er besteht ans 
einem sehr soliden, halb granitischen, halb sercitischen Gesteine, 
and wurde schon wegen seiner scharfen Ecken und Kanten 
fälschlicherweise als Findling angesehen, der durch die früheren 
Gletscher hieher gekommen, sein soll. Ein Vergleich mit der 
Umgebung deckt aber sofort seine geologische Zugehörigkeit zu 
den anstehenden Felsen des Steinbruchs auf, von denen er vor 
Zeiten eben wie mancher andere Genosse heruntergestürzt ist. 
Der Jugend aber ist er ein geweihter, ehrfurchtgebietender Stein, 
an dem die Buben gar oft herumklettem, um die Thür oder ein 
Fenster zur „ Popalistabe ^ zu finden. 

Taufe. 

Wenige Tage nach der Geburt wird das Kind getauft. 
Hiezu ist neben der Hebamme auch ein ^Götti*" und eine 
«Gotta^ als Paten notig, die vom Yater vorher um diesen Dienst 
angefragt werden. Meistens werden dazu Verwandte, Freunde, 
oder dann sonstige mehr oder minder habliche Personen ge- 
wählt. In gewissen Fällen sind es aber auch jüngere, ledige 
Leutchen, die sich gerne sehen, oder denen man einen guten 
AnlasB zur gegenseitigen Annäherung geben möchte. — Es ist 
eine grosse Ehre, aber auch, wie wir noch sehen werden, eine 
grosse Bürde, recht vielen Kindern Pate zu sein. — Die Paten 
begleiten die Hebamme mit dem sorgfältig in Tücher und 
Spitzen eingewickelten Sprössling zur Kirche, vor deren Thür 
alsbald der Pfarrer mit dem Messner erscheint und die Zeremonie 



144 Volkskundliches aus dem TamiDatbal. 

beginnt. Ist der Täufling ein Knabe, dann hält ihn der G5tti 
während dies feierlichen Aktes in den Annen, andernfalls die 
Ootta. Nach der in katholischem Ritus erfolgten Feier gehts 
wieder ins Elternhans des Kleinen zurück, wo dieser mit einem 
kleinen Geschenke von Seite der beiden Paten der Mutter zu- 
rückgegeben wird. Anschliessend daran, oder an einem folgen- 
den Tage findet das Tanfmahl statt, an dem ausser der Mutter 
die ganze übrige Familie nebst den beiden Paten teilnehmen 
und Küche, Keller und Rauchkammer des Hauses ihr Bestes liefern. 

Begräbnis. 
Vom Tode an bis zum Begräbnis eines Gestorbenen wird 
allabendlich im Trauerhause von Eandem und Erwachsenen 
1 — 2 Stunden gemeinschaftlich gebetet. Vor dem Hinausgehen 
tritt Jedes zum Abschiede noch einmal ins Nebenzimmer, wo 
der Tote unter einem weissen Tuche liegt und besprengt den- 
selben mit Weihwasser. Während der Nacht hält immer Jemand 
die Totenwache. Neben, dem Totenlager steht auf einem Tisch- 
chen ein Gefäss mit Oel, in welchem fortwährend kleine Toten- 
lichtlein brennen. — unmittelbar vor der Beerdigung der 
Leiche kommen die Leidtragenden im Trauerhause und vor 
demselben zusammen, um wiederum zu beten. Nachdem der 
Pfarrer erschienen und die Leiche eingesegnet hat, geht der 
Leichenzug mit der Totenfahne an der Spitze, die bei allen 
Trauerfeierlichkeiten vom Präsidenten des Kirchenverwaltungs- 
rates getragen wird, unter lautem Gebet zum Friedhof, un- 
mittelbar Yor der Leiche wird das schwarz umflorte, hölzern« 
Grabkreuz hergetragen, welches nach der Beerdigung in de 
weichen Grabhügel gesteckt wird. Nach jedem Gt>ttesdienf 
wird am Grabe von den Verwandten und Bekannten für di 
Verstorbenen gebetet. Den Ueberlebenden bleibt die Ehre 
schuld, das Grab stets sauber und rein zu halten, und r 
Blumen und Grün zu schmücken. 

Jngendspiele und -Gebräuche. 
Im Winter ist das Haupt vergnügen das „Rita"" ( 
Schlittlen, das besonders an den Sonntagnachmittagen 
der „ Ritgeis ^ oder dem „Grntsch^ gepflegt wird. Ist 
günstige •Schliferbahn'^ (Eisbahn) vorhanden, dann wird d; 
„g'schliferet^, d. h. mit blossen, genagelten Schuhen da* 
hingefahren. Schlittschuhe sind hier noch ziemlich unbel 



VolkBkoiidliches aus dem Taminathal. 145 

Häufig Yeranstalten die Buben Sohneeballschlaohten, wobei 
die Besiegten jeweilen mit Schnee eingerieben werden; andere 
üben sich in der Treffsicherheit darch das Herunterwerfen von 
,01et8ohzapfen^ an den „Dachchienel^ (Dachrinne), oder durch 
das Bewerfen eines „Chimmi^ (Kamin), oder lassen Schneewellen 
an der ^Qamshalda'* herunter und machen sich aus dem Staube, 
wenn dieselben unten mitsammt einem Fenster in ein Haus ein- 
brechen. 

Ein besonderes Vergnügen der Buben war ehemals auch 
das yRaffla^ auf einem klappernden Holzinstrument, mit dem 
die Buben während der üharwoche durch das Dorf zogen. 

Im Frühling erweitert sich das Feld. Zur Zeit der ersten 
Saft- und Sprossbildung schneidet sich jeder Bub vor allem 
seine „Surra^, indem er Yon glatten, dünnen Erlenzweigen ein 
&— 4 om. langes Rindenstück abstreift und am einen Ende des- 
lelbea die dickere braune Oberhaut entfernt, so dass nur die 
dünne Bastschicht übrig bleibt, welche beim Hineinblasen einen 
hellen, klagenden Ton erzeugt. Auch Pfeifen und sogar Wald- 
hörner weiss er herzustellen. Zu letzteren schneidet er sich 
aas dem dicken, platten Stämmchen einer Salenstaude ein mög- 
iiohit langes, biegsames Rindenstück heraus und windet es spiral- 
/Srmig auf. Am dünnem Ende der so entstandenen Röhre wird 
eine luftdicht ßchliessende „Surra^ eingefügt. Diese erzeugt 
lui^ Art einer Oboe oder eines EJarinetts den Ton, welcher 
diajreh die sich erweiternde Spiralröhre je nach ihrer Form und 
GFr^e Terschönert und bedeutend verstärkt wird. Im Sommer 
s^lmeiden sich die Buben aus ^Gugastuda^ (Schierlingsgewächs) 
i^K^e ^Gnga^ (Blasröhren) und „Sprütza^. Die „Guga"" wird 
^^^8 einem Internodium, die „Sprütza^ aus einem Knoten plus 
iK&^nodium herausgeschnitten. Bei letzterer wird der Knoten 
^'^^^ einer feinen Oeffnung yersehen und für die Röhre des Inter- 
^^>^iuns ein passender Stöpsel („StösseP) yerfertigt. Zieht man 
^^^ Stöpsel unter Wasser heraus, dann strömt dasselbe durch 
^^^ Knotenöffiiung in die Röhre. Beim Zurückstossen des Stöpsels 
^^^xd das Wasser oft auf grosse Entfernung wieder ausgetrieben. 
^He diese Instrumente gewinnen dadurch an Wert, dass sie 
^^^iitens eigene Fabrikate der Inhaber sind und dadurch das 
^^«hdenken und die Handfertigkeit derselben üben. 

Sogenannte Aprilscherze kommen hier ebenfalls unter 
lindem und Erwachsenen vor, aber nicht blos im April, sondern 



146 Volkskundliches aus dem Taminatbal. 

auch im Februar und März. Der aaf den Leim gegangene heisst 
alsdann „Hornibock% **Merzafühli" (Füllen) und ^Obrellachalb*' 
(Aprilchalb). 

Früher mehr geübt wurde das Plättla und Chnöpfla. 
Ein im Boden befestigtes Stück Holz oder ein hervorstehender 
Stein dient als Ziel, auf welches jeder Teilnehmer aus einer 
Entfernung eine Steinplatte wirft. Der nächste Treffer hat 
das Recht, die von jedem Teilnehmer gesetzten Knöpfe (von 
Hosen, „Tschöüpa*' [Röcke], „Himper" [Hemden], Bettzeug her- 
rührend) zuerst in der Hand zu schütteln und hernach alle 
Stücke, welche auf die Aversseite fallen, einzustecken. Dann 
kommt der zweitnächste Treffer an' die Reihe; dann der dritte, 
yierte; event. beginnt die Reihe von neuem, bis jeder Knopf 
seinen Gewinner gefunden hat. Alsdann wird das „Plättlen"* 
mit einer zweiten Serie fortgesetzt. — Vordem gab es einmal 
eine Zeit, in der auch die Erwachsenen geplättlet haben, aber 
nicht mit Hosenknöpfen, sondern mit Fünflivren! 

Im Sommer thun sich die schulpflichtigen Elnaben jeweilen 
zu einem „Armbrustschützenverein^ zusammen und wählen 
ihr Komitee (Schützenmeister, Kassier und Fahnenträger), welche 
Schützengaben zu sammeln und die Geschäfte zu leiten haben. 
Das Schiessgeräte, die Armbrust, ist meistens ein sehr primitives, 
oft selbstverfertiges Instrument. Die Bolzen sind runde und 
10 — 20 cm. lange Holzstücke, vorn mit einer Metallspitze und 
seitlich mit 2 oder 4 Federn versehen, welche zum Pfeile ähn- 
lich gestellt sind, wie die Flügel eines fliegenden Vogels. Oft 
ist am hintern Ende des Pfeiles auch eine etwas grössere Schwanz- 
feder angebracht, um die Treffsicherheit zu erhöhen. — Die 
Schiesstage werden vom Komitee bestimmt. Alsdann versammeln 
sich die Mitglieder mit ihren Waffen und marschieren mit Musik 
oder Gesang zum Schiessplatz. Dort wird die Scheibe, ein 
ca. 0,3 — 0,4 m^ messendes Holzbrett, an passender Stelle, ent- 
weder an einem Hanse oder einer Scheune, aufgehängt und darauf 
der Reihe nach geschossen. Für jeden werden die Punkte notiert 
und darnach die Gaben verteilt, die jeder Gewinner bei dem 
Spender persönlich einzuziehen hat. — Nach Abschluss des jähr- 
lichen Schiessens wird jeweilen aus der durch Vereinsbeiträge 
und gesammelte Geldgaben entstandenen Kasse Wein, Wurst 
und Brot ein Schützenmahl abgehalten und hernach der Verein 
wieder aufgelöst. 



Volksknndliches aus dem Taminathal. 147 

Beliebte Spiele sind aach jetzt noch das „Fouhatis- 
macha^ [Tanzen], „Verbergatismacha" [Verbergen] und 
^Ringschlaha'^. Letzteres wird selbst von der erwachsenen 
Jugend, den ^Ledigen"" und „Meitla" noch an schönen Sonntag- 
D8chmittagen des Frühlings gepflegt. Bei diesem Spiele -schliessen 
sich die Knaben und Mädchen abwechselnd zu einem Ring zu- 
sammen. Zwei oder drei Spielende spazieren um den Ring 
herum, schlagen, sofern es Knaben sind, irgend einem Mädchen 
im Ring mit der flachen Hand auf den Rücken und springen 
eiligst' dftY6n. Umgekehrt schlagen die herumgehenden Mädchen 
nur Knaben ,,aus dem Ring^. Die so Geschlagenen haben nun 
die Aufgabe, ihrem Schläger nachzurennen und ihn einzufangen, 
worauf beide wieder zum Ring zurückkehren. Der Geschlagene 
tritt nun als Schläger auf und das Spiel beginnt von Neuem. 
— Die freie Auswahl der Schläger bringt es mit sich, dass 
die beliebtesten Burschen und Meitla auch am meisten geschlagen 
werden, um auf dem Rückwege vom Einfangen einige fröhliche 
Scherze machen zu können. Burschen und Meitla fühlen sich 
hochbeglückt, wenn sie den sanften Schlag ihres Herzliebsten 
auf der Schulter fühlen und dem flinken Partner nachjagen 
dürfen.*) 

Die „Ledigen**. 
Ist der Knabe 16- oder ITjährig geworden, also bereits 
unter die Erwachsenen getreten, dann lässt er sich der Sitte 
gemäss unter die ,,Ledigen** oder die sogenannte Knaben- 
gesellschaft einkaufen. Die Knabengesellschaft umfasst alle 
unverheirateten Männer des Dorfes, die sich eingekauft haben, 
und dadurch das Recht besitzen, nachts auf den Gassen herum- 
zuschwärmen, Sonntags in der Kirche die „Borchilche** [Empore] 
zu besetzen, ins Wirtshaus und zur , Stubati** zu gehen und an 
der Chilbi und Fastnacht eine eigene Tänzerin zu „holen**. 
Jüngere und nicht eingekaufte Knaben werden daher, falls sie 
nachts noch auf den Gassen oder gar bei der Stubati getroffen 
werden, unverzüglich mit einer Tracht Prügel oder einer tüch- 
tigen Wassertaufe heimgeschickt und riskieren zudem, ein Jahr 
länger auf das Einkaufen warten zu müssen. Aehnlich ergeht 
es fremden Burschen^ oder abenteuerlustigen Passanten, welche 
die alten Satzungen missachten wollen. Auswärtige können sich 



«) Vgl. ZCrichkb, Kinderlied Nr. 995. 



148 Volkskundliches aus dem Tamioathal. 

auch während des Jahres einkaufen ; für die Einheimischen aber 
findet dieser Akt immer am Sylvesterabend statt. Da versammelt 
sich die ganze Gesellschaft mit den Kandidaten im Gemeinde- 
lokal und wählt unter dem Vorsitz des alten einen neuen Präsi- 
denten für das kommende Jahr. Sofort übernimmt dieser den 
weitern Vorsitz. Nun schreitet man zur Diskussion über die 
Neuaufnahmen, wobei jeder Einzelne in die Kritik gezogen wird. 
Durch Stimmenmehrheit wird die Aufnahme entschieden. Hie 
und da wird auch ein noch gar zu junger oder vorlauter Geselle 
auf das folgende Jahr ^zurückgestellt^. Alle Neuaufgenpia«yimiBn 
haben dem Präsidenten ein Eintrittsgeld von 3 bis 5 Franken 
zu bezahlen. Je nach der Anzahl ist der Preis verschieden. 
Hierauf folgt ein kurzer Vortrag des Präsidenten an die „neu- 
gebackenen*^ Ledigen über die Rechte und Pflichten ihres neuen 
Standes. Alsdann zieht alles unter gemeinsamem Absingen eines 
heimischen Liedes ins Wirtshaus, während einige in der Nähe 
des Dorfes mit Mörsern schiessen. Unter dem Vorsitz des 
Präsidenten wird nun ans dem eben eingenommenen Eintritts- 
gelde ein Trunk abgehalten und abwechselnd gesungen und ge- 
jodelt, bis die Fröhlichkeit um 12 Uhr ihren Höhepunkt er- 
reicht. Durch die Klänge der Kirchenglocken daran erinnert, 
erhebt sich der Präsident und richtet unter dem Eindrucke des 
feierlichen Augenblickes einige warme Abschiedsworte an das 
alte und ein herzliches Willkommen an das neue Jahr, und 
wünscht vor allem dem freundlichen Wirte, sowie der ganzen 
Knabengesellschaft und den übrigen Anwesenden ein „glück- 
haftiges'^ neues Jahr. Dankend richtet auch der Wirt einige 
Worte an die Versammlung und lässt als Neujahrsgabe einen 
Schock Birnbrod und Weissbrod nebst einigen Doppellitern gratis 
servieren. — Nach und nach aber machen sich die Jungen auf, 
um auch ihren Meitla die Neujahrs wünsche zu bringen, und 
die neuen Ledigen vorzustellen. Die „Meitla'' oder „Jumpfera* 
beeilen sich, die nächtlichen Besucher für ihr „Awüscha'' mit 
Schnaps, den sie selber n&gniacht'' haben und mit „Birabrod'' 
nebst „Säft^ zu bewirten. — So macht man in mehreren Ab- 
teilungen bei allen Mädchen des Dorfes die Runde, bis der 
Morgen graut. 

Um den Zuwachs der Ledigen auszugleichen muss natür- 
lich auch die Zahl der Mädchen entsprechend zunehmen; und 
heute in der Neujahrsnacht hat man die beste Gelegenheit, 



Volkskundliches aus dem Taminathal. 149 

herangereifke, lioiFDUDgsYolIe Mädchen in diese neue Rolle ein- 
zufahren. Mitten in der Nacht zieht ein Detachement singend 
und jodelnd vor das betreffende Haus, woselbst noch eiü Eztra- 
ständchen zum besten gegeben wird. Dann klopft man an die 
Hausthüre oder an das Fenster und wird auch richtig einge- 
lassen. In Erwartung des Kommenden — oft hat ein Lediger 
an der richtigen Stelle einen verheissenden Wink gegeben — 
ist alles zu einem freundlichen Empfang bereit. Manchmal aber 
geht die Sache nicht so leicht. Auf das Klopfen hin erscheint 
statt des Mädchengesichtes der Kopf des Vaters im Fepster. 
,i)'s Meitli*^ sei noch zu jung, heisst es da. Nun redet man 
hin und her. In den meisten Fällen hat man Erfolg, besonders 
wenn sich die Ledigen im vergangenen Jahre gut aufgeführt 
haben. Andernfalls muss man den Besuch auf das nächste Jahr 
Yerschieben. 

Die „Stubati**. 

Unter „z'Stubati" oder „z'Hingert gu** ist nach der ur- 
sprünglichen Bedeutung immer ein Besuch der ledigen Männer 
bei den ledigen Mädchen, zum Zwecke gegenseitigen Bekannt- 
werdens oder zur Unterhaltung, zu verstehen. Da die jungen 
Leute während des Tages durch die Arbeit abgehalten werden, 
finden diese Besuche gewöhnlich zur Nachtzeit zwischen acht 
und zwölf Uhr statt. Indessen können dieselben, besonders bei 
aussergewöhnlichen Anlässen und gemütlicher Unterhaltung bis 
gegen morgen ausgedehnt werden. Auch geht man in der Regel 
nur am Samstag und Sonntagabend, allenfalls auch am Donners- 
tagabend „z'Stubati'*, solange keine ernstlichen Absichten gehegt 
werden. Die diesbezügliche Regel lautet: ,,Am Sunntig gund 
[gehen] di rächta [rechten], am Mintig [Montag] (gund) di schlechta, 
am Zystig di Wittlig [Witt wer], am Mittwucha d'Buaba, am 
Dunstig [Donnerstag] di Lediga, am Fritig di Schebiga [Schäbige], 
am Samstig d'Hochziter**. In diesem Falle geht man auch nicht 
allein, sondern sucht immer einen Begleiter mitzunehmen. Ein an- 
ständiger Mensch wird bei solchen Besuchen nicht blos vom Mäd- 
chen, sondern von der ganzen Familie freundlich aufgenommen. 
Oft bleiben auch die Eltern noch längere Zeit bei den jungen 
Leuten, die sich gegenseitig unterhalten, sich necken, Jass spielen 
oder singen, wie^s eben der Einfall bietet. Wird die Stimmung 
ausnehmend fröhlich, dann wird Wein herbeigebracht, dazu eine 



150 Volkskundliches aus dem Taminathal. 

„ Musik **y Mund- oder Handharmonika, oder gar das berühmte 
EUarinett des allzeit muntern Dorfmusikanten, wobei drauf los 
gefestet und getanzt wird, als wäre man mitten in der „Chilbi^, 
bis der gestrenge Hausvater, dem der Spektakel allmälig zu 
toll wird, in Hemdärmeln und Filzschuhen unter der S[ammer- 
thür erscheint und die Jungen ermahnt, nicht alles „z'under 
obsi z'chera". 

Während dieser „ Stubati '^ passiert es oft, dass draussen 
stehende Ledige durch Fenster und Thüren hereingucken, um 
die Insassen kennen zu lernen, oder mit verstellter Kopfstimme 
„ihi z'raua** [hineinzureden]. Der Hauptreiz dabei ist, nicht er- 
kannt zu werden. Wer besonders frech ist oder Lust zu Aben- 
teuern hat der «chlepft^ [klatscht] vor der Stubenthüre oder 
vor dem Hause die Andern heraus. Eine solche Herausforderung 
lassen sich die Burschen drinn nicht gefallen, sondern suchen 
den Thäter zu erwischen. Ist das möglich, dann wird derselbe 
nach allen Regeln durchgebläut. Oft gehts dabei in wilder Jagd 
über die Gassen und Zäune und Bäche, in Schlupfwinkel und 
auf die Dächer hinauf, bis die Verfolgung eingestellt wird. Da- 
bei spielen Zwistigkeiten, Eifersüchteleien, Kraftmeierei u. s. w. 
eine grosse Rolle. Es Hessen sich Bücher schreiben über all' 
die Bräuche und tollen Streiche, welche im Gefolge der Stubati 
und Nachtschwärmerei zur Ausführung gelangen. Das ist das 
Feld, auf dem die männliche Jugend ihren Erfindungsgeist be- 
thätigen und ungesehen so recht nach Herzenslust austoben kann. 
Schade, dass dabei heutzutage nicht mehr blos der Uebermut 
und oft geistreiche Witz von ehemals, sondern noch viele andere, 
weniger entschuldbare Dinge sich offenbaren. 

Der „Samachlaus". 
Der St. Nikiaustag wird im Taminathale im Gegensatze 
zu anderen Gegenden nicht gefeiert. Dafür aber ist. der ganze 
Monat Dezember dem „Samachlaus^ als Vorläufer des Christ- 
chindli geweiht. Der Samachlaus ist nach der Vorstellung der 
Kinder ein grosser Mann in einem langen Mantel, mit weissem 
Bart und schwerer Pelzmütze. Gegen Ende November und 
während des ganzen Dezember bis Weihnacht fährt er allabend- 
lich mit einem Schlitten oder Wägelchen durch die Gassen. 
Das Gefährt ist mit Aepfeln, dürren Birnen und Nüssen beladen, 
womit die guten Kinder belohnt werden; für die schlimmen 



5l 
Yolkskundlicbefl aus dem Tamlnathal. 1 

Kinder Bind Birkenruten beigelegt. Schon von Ferne hört man 
das Olöoklein des Esels, den der Samachlans am Halsband führt. 
Gate und sorgliche Kinder haben immer unter der Treppe oder 
im Hausgange für den Esel etwas Heu gerüstet. Der Sama- 
chlaus kommt aber nur dann ins Haus, wenn er die Kinder 
darin beten hört. Deshalb beten dieselben nach dem Abendessen 
mit lauter Stimme ein Vaterunser nach dem Andern und horchen 
dazwischen auf das Eselsglöcklein und die Geräusche im Haus- 
gange. Vor lauter Furcht und Herzklopfen verkriechen sich 
die Furchtsamen hinter den Ofen oder die Nebenkammer. Kommt 
der Samichlaus immer noch nicht, dann wird weiter gebetet. 
Endlich geht die Thüre leise auf und ehe man sich's versieht, 
fliegen die Aepfel und Nüsse lärmend in die Stube herein, ein 
zwei, drei Mal; oft kommt in der Thüröffnung drohend eine 
Rute zum Vorschein. Dann schliesst sich die Thüre und man 
hört den Samachlaus wieder fortgehen. Nun ist der Bann ge- 
löst. Jauchzend stürzen sich die Buben und Mädchen auf die 
umherrollenden Nüsse und Aepfel und füllen sich die Taschen. 
— Sind die Kinder brav und fleissig im Beten, dann wiederholt 
sich dieser Vorgang bis Weihnachten sehr oft, wobei ältere 
Familienglieder oder gute Bekannte den Samachlausdienst versehen. 

Weihnacht. 

An Weihnachten kommt das Christkindlein. Dieses dürfen 
aber die Kinder nicht sehen; deshalb schickt man sie zu 
Bette. Mitten in der Nacht, wenn die Glocken zur Kirche rufen, 
da flammt der Christbaum mit seinen Lichtern auf und jubelnd 
schauen die Kleinen zu ihm empor. Eine heilige Wonne erfüllt 
die frohen Herzen und dankend preisen sie das Christkindlein, 
das so viel Licht und und schöne Gaben brachte. — Eine eigen- 
artige, tiefe Poesie liegt in diesem Kindesglaubeo, der, als gutes 
Mittel zu einem guten Zweck doch unendlich mehr Glück zu 
stiften vermag, als ein Christbaum, den die Kinder selber ent- 
stehen sehen. 

Neujahr.^) 

Kaum ist der erste Tag des neuen Jahres angebrochen, so 
eilen die Kleinen — die Mädchen in neuen Röcken, dieJBuben 
in neuen Hosen und einem roten Rappen in der Tasche — dem 
Oötti und der Qotta das Neujahr „anzuwünschen"^. Oft frierend 

*) Einiges hierüber s. schon S. 14b. 



152 Volkskundliches aus dem Taminathal. 

und farohtsam treten sie ins Haus der Betreffeaden und stam- 
meln schon anter der Stubenthür ein «guata, glückseligs neu's 
Johr''. Der Götti drückt lächelnd die kalten Händchen und die 
Qotta gibt den Kleinen einen herzlichen Euss und ermahnt sie, 
recht bray zu sein. Beide legen ihnen ein tüchtiges Stück 
^Birabrod mit Schmalz und Saft druf^ auf die Hand. Dann 
holen sie aus dem Nebenzimmer für jedes einen langen Ijjftib 
Weissbrod und in einem Papier eingewickelt ein Stück Tuch 
zu Hosen oder Röcken, eine Tschärppe [Schärpe oder Schlinge], 
Kappe, Handschuhe, Strümpfe oder dergleichen. Freudig um- 
fasst der Kleine das Geschenk mit beiden Armen und eilt, 
nachdem er noch ein „Yergelts Gott, z'tuusig Moula^ gesagt 
hat, glückstrahlend nach Hause. — Dieses Neujahrswünschen 
mit den damit verbundenen Geschenken wiederholt sich jährlich, 
bis die Patenkinder die Schule verlassen haben. 

Als Tagesgruss hört man auch unter den Erwachsenen 
noch nicht das prosaische „Prosit!^ oder „Gratuliere!'* sondern 
das alte, heimelige Sprüchlein: „I wusch der a guats nöüs Jouhr, 
vil Glügg and Saga und z'letscht das ewig Läba!^* — In jeder 
Haushaltung hat, wie schon oben erwähnt, die sorgliche Haus- 
mutter eine Flasche Neujafarsschnaps, nach seiner Farbe „Rötali^ 
genannt, aus Branntwein, Zacker, gedörrten Kirschen und andern 
Ingredienzien für diesen Tag bereitet. Daneben figuriert ein 
währschaftes „Birabrod^, das man früher ebenfalls selbst aus 
Mehlteig, Nosskernen, gedörrten und gehackten Birnen, Wein- 
beeren, mit etwas Branntwein und Gewürzen gebacken hat. 
Dieses alles wird nebst Butter und dem unvermeidlichen „Saft'^ 
am Neujahrstage jedem serviert, der ins Haus kommt and 
natürlich aocl^ einen aufrichtigen Glückwunsch mitbringt. 

Fastnacht. 

Das ^Butzilaufa*^ während der Fastnachtstage, bei dem 
junge Burschen sich das Gesicht verhüllten und alte, zerlumpte 
Männer- oder Weiberkleider anzogen und die auf den Gassen 
stehenden Buben und Meitli erschreckten und „ruasleten^ [Infinit, 
^ruasla*" Gesicht und Ohren mit Russ einschmieren], hat infolge 
polizeilicher Massregeln etwas nachgelassen, besteht aber ia 
vereinzelten Fällen immer noch fort. 

Weniger verbreitet sind die improvisierten Fastnacht- 
spiele. Diese nach der Art der schwyzerischen Japanesenspiele 



Volkskiiodliches aiis dem Taminathal. 153 

seit Yielen Jahren durchgeführten Ortekomodien finden unregel- 
mäflsig nur Ton Zeit zu Zeit statt, je nachdem ein passender 
Stoff und passende Darsteller Torhanden sind, welche ihre Auf- 
gabe mit Geschick und Energie durchführen können. Als Schau- 
spieler treten nur ledige oder jung verheiratete Männer auf. 
Das Stück wird öffentlich auf den Strassen und Gassen gespielt 
und hat das ganze übrige Volk, klein und gross, als Zuschauer. 
Der Gegenstand ist immer mitten aus dem Leben gegriffen. 
Bald wird irgend eine unbeliebte Persönlichkeit mit ihren 
äussern und Innern Mängeln auf sarkastische Weise charakteri- 
siert, bald eine Strassenyermessung mit den zugehörigen Instru- 
menten aufgeführt, oder ein interessanter Prozess mit allen da- 
bei auftretenden Personen und Schuldobjekten demonstriert. 
Kein Wort ist geschrieben, kein Theaterdirektor hat das Spiel 
inszeniert ; alles wird auf originelle, volkstümliche Art nach den 
Eingebungen des Augenblickes aufgefasst und dargestellt. Der 
Stoff wird erst wenige Tage vor der AuiSTührung, welche entweder 
am Fastnachtmontag oder -Dienstag stattfindet, von den Haupt- 
personen bestimmt und dazu die technischen Vorbereitungen in 
aller Stille getroffen. Erst am kritischen Tage zirkuliert das 
GFerücht über die bevorstehende Tragikomödie; und richtig, am 
Mittag reiten auf Eseln und Rossen ein Trommler oder Pauken- 
schläger und hinter ihm zwei Herolde daher, welche der ganzen 
Gemeinde kund und zu wissen thun, dass heute das grossartige 
Schaustück So und so in fünf Aufzügen an dem und dem Orte 
sich abspielen werde, zu dessen Besichtigung wegen der Wich- 
tigkeit des Gegenstandes Jedermann eingeladen werde. — So 
wurd e vor etwa zwanzig Jahren ein Prozess aufgeführt, der sich 
im Vorhergehenden Herbste wegen einer in der Alp verwechselten 
S&u abgespielt und grosse Dimensionen angenommen hatte. Da 
Bah rM\9iu nicht nur alle Beteiligten in Person dargestellt, sondern 
auch das corpus delicti, die Sau selber, wackelte leibhaftig über 
^8 Strassen. — Vor etwa drei Jahren fuhren bei einem anderen 
Proxesse mehrere Landauer mit den Gerichtspersonen, Advokaten, 
Aerztea und selbst einigen »höheren^ Damen daher; sogar das 
Telephon kam in Gestalt einer Kaffeemühle zur Verwendung. 
Die interessierten Personen, die auf solche Weise ohne Nennung 
de« Hamens, aber in ihren Fehlern und Missethaten unverkeuu- 
W ausgespielt werden, halten sich jeweilen im Hintergrunde, 
finden aber niemals eine Handhabe oder einen Beleg, mit deren 



154 Volkskundliches aus dem Taminathal. 

Hülfe sie eine gerichtliche Verfolgung der Spötter einleiten 
könnten. 

Der Sonntag nach dem Aschermittwoch, die alte Fast- 
nacht, heisst auch „Chüachlisunntig^; denn sowohl am Vor- 
tage, als auch am Altfastnachtssonntag werden allerorten ganze 
Türme von ^uströülta Chüachli^ [ausgewalzten Kuchen] bereitet. 
Zuerst kommen die Buben dran, von denen sich ein jeder bei 
seiner Mutter, Patin oder einer guten Nachbarin einen soge- 
nannten „Chüachlimeia** bestellt hat. Dieser ^^Meia*' ist nichts 
anderes als ein Straus von Kuchen oder Backwerk. Zur Her- 
stellung desselben benutzt man einen sich gabelnden Zweig einer 
Haselstaude, biegt die Gabeln nach beiden Seiten vollständig 
um und bindet sie unten am Stumpfe zusammen, so dass das 
ganze die Form eines an der Spitze angestielten Herzens 
bekommt Die Zweige der Herzform werden nun ringsum mit 
Kuchenteig spiralig umwunden, in Butter gebacken und schliess- 
lich mit Gold- und Silberpapier reichlich geschmückt. Morgens 
wird dieser goldstrotzende Kuchenstrauss von den Buben abge- 
holt und triumphierend durch die Gassen getragen. Nachdem er 
von aller Welt bewundert worden ist, wird er über dem Tisch 
in der Stubenecke oder hinter einem Heiligenbilde aufgesteckt, 
wo er das ganze Jahr unversehrt bleibt. 

Der Abend dieses Fastnachtstages ist ein Fest für alle. 
Da wird beim Nachtessen der Kuchenberg aufgetragen, den die 
Mutter gebacken hat; der Vater schlägt im Milcheimer mit einem 
extra hiezu verfertigten Besen aus geschälten Reisern einen 
schäumenden „Nidel" [Rahm], der Töpfe und Teller füllt. Sitzt 
alles bei diesem seltenen Mahle, dann kommt auch eine Abord- 
nung der Knabengesellschaft mit einer grossen „Chrätze*^ [Korb] 
auf dem Rücken und bittet in mitleiderweckendem Tone auch 
um eine kleine Gabe für die Ledigen, die so oft hungrig auf 
der Strasse stehen müssten. Und der gutherzige Hausvater, 
der auch einmal ledig gewesen, lässt sich erweichen und wirft 
den armen Reisenden einige Küchlein in die Kräze. Herzlich 
dankend machen sich die Glücklichen wieder davon, um im 
nächsten Hause ihr Unterstütz nngsgesuch zu wiederholen, bis 
sie die ganze Kräze gefüllt haben und jeder Ledige zum guten. 
Nidel, den die Knabengesellschaft von den Jumpfern erhält, anclm 
einige gute Küchlein essen kann. 



Volkskundliches aus dem Taminathal. 155 

Das „Schleiz^a^ [Hanfbrechen]. 

Die Kultur des Hanfes wurde früher eifriger betrieben, 
blüht aber auch heute trotz den billigen Tuchwaren immer noch 
fort. Denn man fertigt daraus das solide Bettzeug: ^Ziecha^ 
[Bettanzug], Laubsäcke und Leintücher oder ,,Lilacha^ und die 
Heutücher oder „Plaha". Der Hanf wird im Frühling in der 
'Sähe des Dorfes gesät und Ende August „glocha^ (Infinit, lücha), 
d. h. ausgerissen. Dann kommt er auf ^d'Rosi^, wobei er an 
sonnigen Halden zum Trocknen ausgebreitet wird. Dabei wird 
das grüne Chlorophyll zerstört und der Hanf nimmt eine grau- 
braune Färbung an. Hierauf wird er eingesammelt und in einer 
Reihe von Abenden durch die Hausleute und eingeladenen 
Männer, Weiber, Mädchen und Kinder „g'schleizt^, d. h. die 
Bastfasern werden durch Zerbrechen der Stengel abgestreift. 
Die Bastfasern jeder Hanfgarbe werden zu einer Schleife, einem 
sog. Poppali, aufgewunden; neun Poppali zu je drei Strängen geben 
hernach einen Zopf. — An solchen Abenden wird auch viel ge- 
redet; die Mädchen besonders haben sich viel über die nahe 
„Chilbi^ zu sagen. Ist die Stimmung recht heiter und fröhlich, 
dann klingt auch manches lustige und ernste Jugend- und Liebes- 
lied in die Nacht hinaus, welches die auf den Gassen stehenden 
Ledigen herbeilockt. Aber zuerst beschauen sich diese die Sachlage 
(Personen und Stimmung der Anwesenden) von aussen, durch die 
Fenster, Schlüssellöcher und Thürritzen, allenfalls genügt ihnen 
auch das Hinein „rauen*" durch die halbgeöffnete Stubenthür. 
Ist alles günstig, dann treten die Burschen ungeniert in den 
geselligen Kreis, setzen sich um den Tisch herum, oder neben 
die Schleizerinnen, wobei muntere Spässe hin- und herfliegen. 
Beim „Ausschleitzen^ geht es besonders hoch her. Am Schlüsse 
desselben werden bei Handorgel- oder Mundorgelmusik einige 
Tänzchen geschwungen und dabei das gegenseitige Engagement 
für die Chilbi getroffen. 

Die .Chilbi** [Kirchweih]. 
Im Gegensatze zu den übrigen Gemeinden des Kantons 
wird hier die Kirchweih nicht am Sonntag nach Galli (16. Oktober), 
sondern am letzten Sonntag und Montag des September abgehalten. 
In seiner altern Form ist das Fest ein „Heuermohl^, wie sich jetzt 
noch ältere Leute ausdrücken; denn erst Ende September ist 
auch das Heuen und Emden im Thal und y,'BiTg"^ beendet. Die 



156 Volkskundliches auB dem Taminathal. 

Hirten sind mit ihrem Vieh glücklich yon den Alpen heimge- 
kehrt; und auch die vielen Angestellten haben sich aus den 
Fremdenorten wieder bei den Ihrigen eingefunden. Selbst die 
femer weilenden und auswärts Verheirateten kehren gerne auf 
diesen Tag in die Heimat zurück, sofern sie nach einer alten 
Redeweise nicht das ^ Bürgerrecht^ yerlieren wollen. So findet 
sich die ganze Familie und Gemeinde mit allem Hab und Gut 
nach glücklicher Ernte wieder beisammen und bekommt da- 
durch die Chilbi mehr als anderswo den Charakter eines freu- 
digen Familien- und Gemeindefestes. 

Yon Alters her ist es in jeder Familie Brauch, auf dieses 
Fest hin einen „Chilbitschudd^ [Schaf] zu schlachten, woraus die 
Hausfrauen ein dampfendes ^Yoressen^ [Ragout] kocht. Nach- 
mittags findet entweder ein Preiskegeln oder Freischiessen statt, 
welches yon Polizeiwegen erst zum nachfolgenden Tanz berech- 
tigt, da ausser den yom Gesetz bestimmten Tagen, wie EAntons- 
Chilbi (siehe oben), Neujahr, Fastnacht u. s. w. ein anderer äusserer 
Grund, wie Konzert, Schiessen, Jugendfest u. A., yorhanden sein 
muss, auf Grund dessen das Tanzen gestattet ist. Dieses be- 
ginnt um 4 oder 5 Uhr. Auf jedem Tanzboden funktionieren 
zwei, früher durch die Enabengesellschaft, jetzt yom Wirte be- 
stimmte ledige Spielmeister, die sich durch Blumensträusse auf 
den Hüten auszeichnen und sowohl die Musik als auch den Tanz 
zu leiten und die anwesenden Gäste zum Tanze anzuregen haben. 
Nach dieser Seite hin sind sie „Burschen für alles^. Jeder bringt 
auch eine „Yortänzerin^ mit; welche dann das Mädchen für alle 
sein muss, die sich nicht auf andere Weise yersorgt haben. 

Jeder Bursch, der sich für die Chilbi eine eigene, gewandte 
Tänzerin sichern will, engagiert dieselbe auch rechtzeitig oft 
mehrere Monate yor dem Feste. Dabei hat er aber auch die 
Erlaubnis ihrer Eltern persönlich einzuholen. Wird ihm ent- 
sprochen, dann erscheint der Tänzer am Kirchweihabend mit 
einer „ Kante ^ [Kanne] yoU Wein im Hause der Tänzerin, wo 
er mitsamt der ganzen Familie am Nachtessen teilnimmt und 
den mitgenommenen Wein unter alle yerteilt. Nach dem Abend- 
essen begleitet oft der Yater das Paar auf den Tanzplatz. Das 
Gleiche wiederholt sich am folgenden Montag. An beiden Tanz- 
abenden wird bis zum Anbruch des Morgens getanzt. 

Das Honorar für die Musik oder der „Spiel-Luh" ist frei- 
willig. Jeder weiss ungefähr, wie yiel er für sein Yergnügen 



Yolkskiindliches aus dem Taminathal. 157 

zo leisten hat, nämlich 2—5 Fr., je nachdem er wenig oder 
Tiel tanzt. Die Tänze werden zu je drei Stücken zusammen- 
gefasst und wird auch f&r diese Zahl oder ein yielfaches der- 
selben engagiert, während in andern Kantonen, z. B. Zürich, je 
zwei Stück, im Kanton Schwyz gar sieben Stücke als Einheit 
gelten, für welche ein fixer Preis festgesetzt ist. Jeder Tänzer 
kann beliebig engagieren, sofeme ihm vom Spielmeister keine 
Tänzerin zugeführt wird; dafür steht den Tänzerinnen aber das 
Recht zu, dem einen oder andern einen Korb auszuteilen. Beim 
Engagement .ist nicht blos die Tänzerin, sondern auch ihr Tänzer 
oder Begleiter anzufragen. Niemals kommt es unter normalen 
Yerhältnissen yor, dass Mädchen oder Frauenspersonen über- 
haupt ohne männliche Begleitung auf den Tanzplatz gehen. 
Wohl aber nimmt oft der Familienyater nach dem Abendessen 
seine ganze Familie ausser den minderjährigen Kindern mit ins 
Wirtshaus, um bei einem Liter ^Alten^ mit den Freunden und 
Nachbarsleuten einige fröhliche Stunden zu yerleben. Die ge- 
bräuchlichsten Tänze sind auch hier der Walzer, Schottisch, 
Polka und Mazurka, wobei yon den tollsten Burschen nach 
Mnotathalerart gestampft, gejauchzt und gejohlt wird. Die 
echten, einheimischen Tänze und Tanzspiele, wie sie unsere 
Aeltesten noch yor Zeiten ausgeführt haben, sind in Vergessen- 
heit geraten. In Liedern und Jodlern, in Tänzen und Bräuchen 
▼erachwindet eine Eigenheit nach der andern. Neues dringt herein 
mit Macht und yerflacht den Geist und die Kultur. Die Schuld 
tragen die ,, Alten", die keine Sorge für die Ueberlieferung 
ihrer eigenen Erlebnisse und alten guten Sitten getragen haben. 

Religiöse Gebräuche. 

Am 6. Januar, als am hl. Dreikönigsfeste, sowie am 
Charsamstag wird in der Kirche yon einem Geistlichen 
Wasser und Salz gesegnet. Jede Familie ist dabei mit einem 
Krug, Schlegel, einer Flasche oder einer Kanne yoU Wasser 
und einem „Peggali*" [Schüssel] yoU Salz yertreten; denn in 
allen Wohnstuben der Häuser ist neben der Stubenthür ein 
Weihwassergefass angebracht, welches das ganze Jahr geweihtes 
Wasser enthalten muss, womit alle Familienglieder sich morgens 
und abends, sowie beim Unternehmen einer grössern Reise be- 
sprengen können. Das geweihte Salz wird mehr bei Krankheits- 
fällen in Haus und Stall gebraucht. 



158 Volkskundliclres auB dem Taminathal. 

An Lichtmess werden Kirchenkerzen und Kerzen- 
rodel [zu einem rundlichen Knäuel aufgewundene Wachskerzen] 
geweiht. Diese Kerzcnrodel gebraucht ausschliesslich die Frauen- 
welt bei Trauerfeierlichkeiteo, also bei Begräbnissen, Gedächnissen 
in der Kirche und auf dem Friedhof, auch oft nur zur Beleucht- 
ung bei nächtlichen religiösen Handlungen. 

Am Palmsonntag findet die Weihe der sog. Palmen 
statt. Es sind das in der Regel Zweige des „Sevibaumes'^ (Juni- 
perus Sabina), welcher an einigen wenigen Stellen des Thaies 
wild gedeiht; vom Messner aber gewöhnlich in mehreren yollen 
Körben von der ^Gaspusplatta^ geholt wird; in einigen Fällen 
sind auch Eibenzweige verwendet worden. Jeder Hausvater, 
der noch an den alten Ueberlieferungen festhält, versorgt sich mit 
einer Anzahl solcher geweihten Zweige. In jedem Zimmer und 
Stalle wird ein Exemplar aufgesteckt, um dadurch alles Unglück 
oder „Leidwerchen^ böser Mächte fern zu halten. Auch die 
Hütten der Maiensässe und Alpen werden damit versorgt. 

Eine ähnliche Bedeutung haben die Kohlen, die am Kar- 
samstag aus alten Friedhofkreuzen vor der Kirchenthüre ge- 
brannt und nachher vom Geistlichen gesegnet werden. Alle 
diese Kohlen werden von der anwesenden Jugend sorgfältig ge- 
sammelt und zu Hause aufbewahrt. 

Neue Gebäulichkeiten, Häuser, Ställe, Hütten und 
Schermen werden vom Ortspfarrer benediciert oder eingesegnet. 

Die angeführten geweihten Gegenstände, wie Wasser, Salz, 
Brod, Kerzen, Kohlen u. s. w. gehören zu den sog. Sakramen- 
talien, deren Gebrauch nach der Lehre der katholischen Ejrche 
nicht durch sie allein, sondern durch den Gottesglauben, der 
dabei zum Ausdrucke kommt, Schutz und Segen bewirkt. 

Der „Üserherrgottstag^, d. h. das Frohnleichnamsfest, 
ist, sofern die Witterung günstig, nicht blos in der hehren Ge- 
birgsnatur, in welcher eben erst das neue Leben erwacht, sondern 
auch im Herzen des Yolkes der schönste Frühlingstag, der mehr 
als andre Feste das religiöse Gefühl belebt und offenbart. Schon 
morgens in aller Frühe streifen die Buben durch die Wälder 
bis zu den „Chöpf" hinauf, um „Üserhergottschüali* (Cypripedium 
calceolus) zu holen. Alle Gassen werden sauber geputzt und. 
mit Gras und Blumen bestreut. Die Häuser , vor welchei^ 
die Frohnleichnamsprozession mit dem Allerheiligsten jeweileci 
Halt macht, werden mit allen vorhandenen Kunstgegenstände^s 



Miszellen. — M^laoges. 15i> 

uod Heiligenbildern geschmückt and vor und neben dem errich- 
teten Altare junge Buchen aufgepflanzt. Auch das Eirchenportal 
und die Altäre in der Kirche werden von solchen Bänmchen 
eingefasst. Die Prozession findet in der allgemein üblichen 
Weise statt, wobei der „Himmel*^ von den drei Kirchenverwaltungs- 
räten und ihrem Schreiber getragen wird. 

Die Sitte des „ Wetterläutens*^ besteht immer noch fort. 
Gewöhnlich läutet der Messner erst während eines heftigen Ge- 
witters mit der grossen Glocke allein. Indessen ist das Thal 
und Dorf mit wenigen Ausnahmen immer vom Hagel verschont 
geblieben, der sich ähnlich wie der Blitzschlag auf die um- 
liegenden Gebirge und Alpen beschränkt. 



Miszellen. — Melanges. 



Ueber Spielmannsschilde. 

In diesem Archiv IV, 338 machte Herr Staatsarchivar Dr. Th. v. 
Liebenau in Luzem einige MitteiluDgen über SpielmannsBchilde. Zu dieser 
vom 15. — 17. Jahrhundert stark verbreiteten Sitte, Spielleute, Pritschen- 
meister, Spnichsprecher und dergleichen Leute als Auszeichnung mit Ehren- 
Schilden zu beschenken, mögen hier noch einige Nachträge gegeben werden, 
die ich teilweise meinem in der Luzemer Schützenfestzeitung 1901, S. 218 ff. 
und S. 234 ff. erschienenen Aufsatz tlber die „Fechter und Spielleute in der 
Schweiz*^ entnehme. 

Einer freundlichen Angabe von Herrn Staatsarchivar von Liebonau 
zufolge, erhielt der aus Freiburg i./B. stammende Sänger der Burgunderkriege, 
Veit Weber, der auch auf seine Vaterstadt 1475 einen Lobspruch verfasst 
hatte, von den Bäten der Städte Biel, Freiburg i./B. und Zürich solche Ehren- 
Bchilde verliehen, die er als Auszeichnung trug. Er sagt selbst in einem 
seiner Sprüche darüber: 

„Mit gesang vertreib ich min leben, 
von tichten kann ich nit lan, 
darum b mir stett band geben 
die Schild, (die) ich an mir bann.** 

Als Weber 1483 in Bern gestorben war, sandte der dortige Rat den 
ZQrcher Schild wieder zurück (vgl. Anz. f. Schweiz. Gesch. VII, 406 f.). 

In Haffiier's Solothumer Schauplatz U, 242 findet sich zum Jahr 1559 
die Notiz: „Zween Pfeiffer Schilt von Silber new gemacht, wägen 
99 Loth, vom Loth L Ib. Macherlohn''. 



160 Miazellen. — M^Ianges. 

Ein weiteres Zeugnis für diese Sitte gibt der gegen die oft sehr 
unverschämten Forderungen fahrender Spielleute gerichtete Spruch des 
Elsässers Sebastian Brant. Derselbe lautet nach Alsatia 1875 S. 75 
folgendermassen : 

„Histrio post victum nummum poscens vel amictum, 
. Non est delictum, si quis sibi porrigit icturo; 

Ein spielmann der sein speiss und tranckh 

nit annimpt zu vermög und danckh, 

sonder will gelt, schilt, kleider han, 

dem gschicht kein sttnd, unreht daran 

ob man ihn schlecht ^ unnd partschett') frey, 

da^s er wüss unnd auch spür darbey 

dass er ein wahrer schalcksnarr sey." 
Auch der aus Salzburg stammende Pritschenmeister Wolff Most, 
erhielt bei Grelegenheit des Amberger Hauptschiessens vom Jahre 1596, bei 
dem er das Pritschenaro t versah, von dem Kurfürsten und Herzog von 
Bayern, Pfalzgraf Friedrich vom Rhein, als Auszeichnung einen Schild 
verliehen. Er sagt selbst darüber in der von ihm verfiASSten, gereimtao Be- 
schreibung dieses Schützenfestes, gedruckt 1596 in Nürnberg (Exemplar der 
British-MuseumUiibrary, London) an der betreffenden Stelle : 
„Ihr Churf[flr8tliche] 6[naden] Hat mich verehrt mit einem 

[vnverdroBsen [Schild 
Haben das Schiessen auch mit Der auch wol etlich g&lden gild. 
[geschossen. Ihr Chnrf 6. sag ich lob vnd dandc. 
Ein frommer Herr seins Lebens zeit Ich will ihn tragn mein lebenlang 
Der wol regiert sein Land und Leut Von jhr Churf. 6. wegn, 
Gott verley jhm auch langes lehn.** 



Endlich findet sich im „Spiel vom reichen Mann und armen Laza- 
ms**, gedruckt in Strassburg 1611, wohl einer erweiterten Bearbeitung des 
Zürcher Lazarus-Spieles von 1529, dessen Verfasser ebenfalls unbekannt 
ist, eine Stelle, die als Beleg für unsere Sitte des Schildschenkens gelten 
darf Nachdem der Freihartsbube '), auch eine Art fahrenden Spielmanns 
hier, wie es scheint, vor den reichbesetzten Tisch des vornehmen Mannee 
getreten ist und emen längeren Spruch gethan hat, sagt der Beiche zu 
seinem Kämmerer (Exemplar der Strassburger Univ. Bibl. Blatt 7) : 
„Kümmerling band diss Manns gut acht 
Er hat die beste(n) Spruch gemacht. 
Mich wundert wie ers kann erdencken 
Gang hin thu jhm auch ein Schilt schencken.** 
Die Mitteilung weiterer Zeugnisse über Verbreitung und Anwendung 
des vorliegenden Brauches ist dem Verfasser dieser Zeilen jederzeit äossent 
willkommen. 

Strassburg i./E. Dr. A. Schaer. 

*) schlägt. — «) ebenfalls ein Ausdruck füir ,prUgeln*. — ») Vgl 

Chablxs ScmoDT, Hist. Wörterb. d. elsäss. Mundart S. 108. 



MiszeHon. — Melanges.. 161 

Die Kinderlosen im Genfer Fastnachtsbrauch. 

lieber eioeo intereBsanten Brauch des Genfer Landvolks berichtet 
L. Reichstetter in der Tribüne de Genhve vom 4. März 1903: 

Dans la campagne genevoise subsistent encore d'antiques traditions 
qui se sont transmises de pöre en fils; telles les «allouilles»^ et les cfäilles»^) 
qui oDt lieu le premier dimanche de mars. 

L4)r8que dans une commune il y a des nouveaux mari^s qui 
n'out pas eu d'enfants dans le courant de Fannie, les enfants du village 
se reunissent et, devant la porte des 6poux, vont «^crier les allouilles« ou, 
si Ton pr^före, vont «allouiller». Ils crient: 

• Failles, failles, faillaisons!» (Failles, failles, faillaisons !) 

«La fenna ä Dian va fara') on (La femme d Jean va faire ^) un gros 
[grou garQon.» fgar^on.) 

Alors les jeunes mari^s lancent par poign^cs des bonbons, des caramels, 
des papillottes, voi1-e m^me des sous que les \\ei\\A manifestants se disputent 
d «tire-poils». Si la distribntion se fait attendre, la jeunesse impatiente 
tf'arme d'arrosoirs, de bidons, d'ustensiies rösonnants, et frappe dessus k 
tour de bras, faisant «charivari>. 

II parait que les intt^ress^s qui voudraient se soustraire k Tobiigtition 
ties «" allouilles», et rompre avec la tradition, seraient expos^s ä toutes sortes 
de malheurs, vicissitudes, contrari^t^s et accidents; entre autre que leur 
premier gar^on serait ch6tif, contrefait, mal venu et disgracioux, ou pis 
encore, que ce serait un «gargon d'hiver». Aussi n'est-il pas d'exeuiple 
que des tVpoux de Fannie se soient refusi^s de feter les «allouilles». 

En Savoie, ^galement, cette coutume subsiste encore, mais le» Sa- 
vuisiens «allouillent» de la mani^re suivante: 

*0h! les alou-yas!»*) (Oh! les alou-yas!) 

«La fenna ä groussa!» (La femme est enceinte!) 

('e (|ui est aussi coneis qu'^nergiqiie. 

Et le soir oo fait les «fuilles». Ce sont des feux que Ton allume 
Iiour feter le retour du printemps. 

En dehors du village, on entasse (|uelques fagots auxquels on met le 
feil. Les gamins, autour du brasier, prominent ce ({u'on appelle alors les 
«failles» proprement dites. Ce sont des branches de bruyt^e s^ches et 
facilement inflammables, litVes au bout d'une perche assez longue. 



') AlhuiVe, en Savoie, designe les friandiscs ([ue les gens marii^s 
dopuis une annee et qui n'ont pas de rejeton doivent jeter aux enfants qui 
ä'assemblent devant leur porte le 1" dimanche du careme. Dans les villages 
des (»nviroQS de Gen^ve allouille signifier la f^te des Brandons, aUouiUd - 
jeter par les fenetres. (Note de M. Octavk Ohamhaz.) — ^j yCiUle, falia, 
dans les patois du canton de Genöve et de la Savoie, signilie «fiambt^e, 
feu de bourröe», la dtnese de falie, dcz aVoille «limanche des Brandons. 
(Note de M. Octave Chambaz.) — ') Plutot vo fara vous fera? (Rfco.) 
— ♦) Le pluriel devrait ^tre idouyh et non nhut/us. [Rvak] 

11 



162 Miscellen. — Mi^langes. 

Groupös aatour du feu, hommes, femmes et enfants chant«nt, crient, 
s'interpelleDt,. et quand il ne reste plus qu'un tas de cendres rouge« et 
ardentes, les plus hardis sauten t par deasus le foyer. 

Le feu, bien eteint, et les «failles», consumöes, bras dessus, bras 
dessous, gar^ons et filles, hummes et femmes, rentrent au villag«» et rega- 
gnent leurs p^nates en chantant de gais refrains. 



Die Kirchenpatrocinien Basellands. 

In der „Basler Zeitschrift fttr Geschichte und Altertumskundt»'* 11, 
122—162 findet sich ein sehr beachtenswerter Artikel von Karl Gauss, be- 
titelt „Die Heiligen der Gotteshiluser von Basolland". Wir können zwar die 
Verallgemeinerung der Aimahme, dass St. Martins-Invokationen überall aiit 
römische Ansiedlungen weisen, femer die Gleichung St. Romay -- St. Romani 
capella nicht acceptieren. Romay oder -ey ist Remigius, wie Polay oder -ey 
Pelagius. Der Kult des Heiligen ist im IX. Jahrhundert im Bistum Basel, 
ferner in der Abtei St. Gallen (Sacrarium lll, 522), 1290 in St. M. Magda- 
lena zu Basel (Basler U. B. II, 381), 1377 zu St. Theodor in Klein-Basel, 
ferner in Mettau (Trouillat V, 130j, in Mervelier (ebenda V, 128), in Fellers 
(IÜ15\ St. Urban (1232), Töss (1325), Sirnach, Münsterlingen, Rheinfelden, 
Ehrenfels (Graub.) und Loco (Propsteikirche, Borrani S. '250) nachweisbar. 
Weitere Spuren des Remigiuskultes könnten leicht in der ganzen deutschon 
Schweiz gefunden werden. Von St. Romanus aber haben wir im Lauf 
vieljähriger Nachforschungen nichts gefunden, üeberhaupt gilt auch hier 
der allgemeine Satz, dass die Kirchenpatrocinien nicht an das gelebte, sondern 
an das posthume ].ieben eines Heiligen anknüpfen. 

Als älteste Peterskirche nennt sodann Gauss (S. 148) diejenige zu 
St. (fallen. Der Apostelfürst ist indes schon vorher Patron der Kathedrale 
Genf, einer Kirche zu Saint-Maurice, Saint-Ursjinne, später Moutier-Granval 
(VII. Jahrhundert), auf Lützelau (741), in Disentis (766), in Komanshom (779) 
u. s. w. (Vgl. Egli, Kirchengeschichte p. 131). Die häufige Nebeneinander- 
stellung von SS. Lorenz und Stephan beruht auf dem ganz äusserlichen 
Unistand, dass die Leiber der beiden Märtyrer seit Papst Pelagius II im 
gleichen Sarg zu S. Lorenzo fuori le mura ruhen; deshalb wurden Reliquien 
von beiden zusammen verschenkt, verehrt, bei der Kirch- und Altarweiheu 
verwendet (z. B. Wettingen 1440). Näheres darüber findet der Leser in 
meiner Geschichte der Reliquien S. LI. 

S. 152 wird S. Apollinaris als Bischof von Hieraj)olis in Phr^'gien 
bezeichnet; das ist ein Irrtum. Der bei uns und am Rhein (Remagen) ver- 
ehrte Heilige dieses Namens ist der Bischof und Märtyrer von Ravenna. 
Seinen Kult findet man z. B. im X. Jahrhundert zu St Gallen (Sacrarium 
St. Galli m p. 552-554), 1231 in St. Urban, dann in Petershausen, 1460 
in Luzem, 1513 in Schaffliausen (Rüeger I, 314), 1524 in Luzern (Liebenau, 
Das alte Luzern S. 28). 

Dies nur einige Bemerkungen, welche d(^n Wert der sehr anregenden 
und dankenswerten Darstellung von Gauss in keiner Weise herabsetzen 
wollen. 

Zürich. E. A. Stückelberg. 



Miszellen. — M^langes. 



163 



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AndoMt«. 



Das böse Weib. 

Aargauisches Lied. M 



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E8 wütt e Frau z*Mär-ti goh, be nu nu.^) Si wott ih-re Ma nid 



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mit e - re loh, he nu, so so, m he. ^) 

„Nei Hans de muest de heime blibe, 
Muest d'Stube und Kammer schüre." 

De Hans de hett si müxli still. 
Er denkt i tune was i will. 

Und als die Frau käme hei, 

,Säg Hansli wie mängs Huehn hod gleid ?** 

„Das wiss das schwarz, das hetts verdrait, 
Das wiss das schwarz, das hetts verdrait.** 

„Nei Hans, de hesches selbtT gessä, 
Ha d'Schalo gfunde i d*r Äschä." 

Duä nimmt de Hansli d'Ofegablä 
Und stüpft si Frau bis si zahlet. 

Die Frau die nimmt es fUrigs Schit, 
Und haut de Hansli bis er blid. 
Oborägeri. Anna Ithen. 



Ein eigentOmlicher Gebrauch bei den Richterwahlen in Brig. 

In frühern Zeiten versammelten sich die freien Manner des Zendene 
Bri^ jHhrlich am Sonnttg vor St. Katharina (25. November) in der „Platz- 
matte** (der heutigen „Sandmatte"), um einen Zendenrichter oder Gross- 
ka.stlan zu wählen. Dem erwählten Richter überreichte dann die Bürgschaft 
Briir ein Geschenk, bestehend in Wein, Brod und Aepf(»ln. In einer Rech- 
nung des Seckelmeisters Hans Stockalper vom Jahre 1636 heisst es: 

„Item dem Hr. Castlan Supersaxo in seiner Erwellung presentirt 
6 Mass, 6 g Brot, item ein par Blatten mit öpflen." ') 

Eine Rechnung aus dem Jahre 1738 bringt folgende Notiz: 

^Den 23. Nov. an der Richterbesatzung gt»g(»ben das gewonliclie 
pre«ent als fünf Masse Wein, item V2 FischeP) Obst; item ein Fischel 
miitzis brodt.**') 



') Vgl. Ebk-Böhme, Deutscher Liederhort II, 689 ; L. Toblkr, Schweiz. 
Volkslieder H, 188. — *) Wird bei jeder Sti-ophe wiedcM-holt. 

') Stockalperarchiv Brig. F no. 36. — ^i Ein llohhuass (uilat. fischelinum). 
— *) Rechnungsbuch des Procurators F. G. Burgener im Stockalperarchiv. 
.Mntzis Brot** bezeichnet eine bessere Sorte von Brot , die eigens zu- 
bereitet wird. — 



164 Miszellen. — M^langes. 

Diese Gaben wurden unter einer geziemenden Rede flberreicbt 
und vom Kastlan auch verdankt. In einem Buche des Christian Albert, 
Notar und Kastlan von Naters, , welches Buoch handlet von unterscheid- 
lichen schönen Reden und Ck)mplimenten*', findet sich eine Reihe von solchen 
Reden, die bei Ueberreichung der Gaben gehalten wurden.*) Selbe geben 
uns einigen Aufschluss über den Sinn, den man damals den Geschenken 
unterlegte. In der Ansprache von 1717 heisst es, die Bürgschaft offeriere 
Aepfel, Wein und Brot, „durch die epfel anzeigend den süntlichen epfelbis 
der ersten mutter Evae, dass ist dass verbrechen der menschen, dass solches 
abzustraffen seye : durch den Wein die nothwendige Gerechtigkeit, als etwas 
scherpfers, durch das brodt die Gnadt und barmhertzigkeit** (S.-71). Auch 
in andern Reden werden die Aepfel mit dem Verbrechen, das Brot mit der 
Barmherzigkeit und der Wein mit der Gerechtigkeit verglichen (S. 273 etc). 

Eine andere Auslegung erlaubt sich der Redner im Jahre 1737. Unter 
Brot versteht er die väterliche Vorsichtigkeit, unter Wein die Starkmütigkeit 
und unter den Aepfeln sowohl „die Miltigkeit als die nothwendige Gerechtig- 
keif* des Richters. 

Wie lange diese Sitte bestanden, ist mir unbekannt; sie dürfte wohl 
durch die franz. Revolution, die auch die Wahlart eines Kastlans von Brig 
umänderte, verdrängt worden sein. 

Brig. D. Imesch, Prof. 



Chanson. 



Une daroe de Lausanne nous communique la chanson suivante, qu'elle 
a souvent entendu chanter ä sa belle-m^re, n6e en 1828 et morte en 1894. 
Cette vieille dame l'avait apprise, toute enfant, d*une bonne du Gros-de— 
Vaud, qui la lui chantait en la tenant par les deux mains et en la faisanfcr 
toumer. 

«Je connais tr6s bien», nous ^crit M. Henri Mercier, «pour Tavoi'K-- 
souvent entendu chez ma grand'm^re et chez notre]tante, le bout de ch&nsoK-Si 
qu'on vous a envoyö. L'air seulement ötait un peu diff(6rent. Deux autn^a 
personnes plus jeunes me Tont chant6 tel qu'il est notö . . . .» 

JiouB saurons grö ä ceux de nos lecteurs qui pourraient nous com — 
muniquer des variantes du texte ou de la musique. 



^^^^E MIUJLJLjlS-^ ^ 



J'ai - me mieux, cent fois mieux un jeu - ne ma - ri qu'un vieox. 



$E^$^^^^^^^^^^^^ 




Les vieux vous fönt la gri-ma-ce et les jeu-nes vous em- 



gj^rjr^ ^^^ jzgjiijte^ 



bras-sent; J'ai-me mieux, cent fois mieux, un jeu - ne ma - ri qu*un vieux 



*) Historisches Museum in Brig. 



/ 



Bücheranzeigen. — Comptes rendus. Iö5 

Emploi de sortiliges contre ravancement des glaciers. 

Les (^diteurs des Oeuvres d'Abauzit (6en{*ve, 1770) ont ins^n» au toin»* 
j»econd, pages 174 et suivantes, udo «Lettre de M. Mann a M. Abauzit», 
Oll je copie les lignes qui suivent: 

Je me häte de voub faire part de ce que j'ai trouvt^ de plus remar- 

r|un.ble dans les glaei^res du canton de Berne EUes ne 

i^^^t-cndirent janiais davantage que dans les plus fortes chaleurs de r^t<^ de 

17Xtl Elles firent alors une teile peur aux paysans. que, se voyant prös 

€f^» perdre leurs belles prairies, ils viiirent demander au baillif d'lnterlachen 

Ia. X3ermi88ion de se servir d'une personne du pays de Vaud, qui, dit-on, 

A^'.^Lit le secret de faire recaler les glaces. La demande paraissant au bailli 

■ odi<|uer des voies illicites, ne fut pas accordee. II m'a pourtant dit qu*il 

«^••"O^yait (jue les paysans avaient employ«^ secr^tvment ce sortiK'ge, parce 

•"!***■■ est certain que, depuis ce temps, les glaces ont diniinue chaque ann^e. 

Gen6ve. Eug(?ne Ritter. 



Das Totenvolk im Engadin. 

Alte Leute im Engadin erzählen: Bei der verfallenen Kirche von 
^-^ ^ <st.pella (zwischen ScaniB und Brail am Ausgang des Sulsanna-Thales) 
'^"^^^ man früher oft das Totenvolk gesehen. So mancher Fuhrmann ist 
^^•'^^»♦r unheimlichen Schaar begegnet. Dem Zuge voran schreitet eine 6e- 
* "^^^j die in der Rechten an einer aus Knochen gebildeten Kette ein Beil 
^ ^ jrs * t. Derjenige, der dem Zuge nach der linken Seite ausweicht, ist un- 
^^'«llDar des Todes. Das Beil wird ihm mit Wucht in die Seite geworfen 
•^^-i dort haftet es. Kein Mittel vermag es zu lösen und der Getroffene 
^>^^Ä« sterben. 

Bern. G. Bundi. 



Bücheranzeigen. — Comptes rendus. 



•*• Konrad Brunner, Die Verwundeten in den Kriegen der alten 
Eidgenossenschaft. Geschichte des Ileeressanitätswesens und 
der Kriegschirurgie in schweizerischen Landen bis zum Jahre 
1798. Tübingen (H. Laupp) 1903. XVI + 418 Seiten. 8^ 
Preis 12 Mark. 

Der hervorragende Kliniker und Chirurg in Münsterlingon hat sich 

^•^»'chdie Bearbeitung des vorliegenden Stoffes ein grosses Verdienst erworben, 

^^ es ist seine Arbeit um so höher zu schützen, als es sonst nicht leicht einem 

**oiker möglich sein dürfte, neben seiner reichen Thätigkeit als Chefarzt eines 

'^'^^^^sen Spitals, sich mit historischen Studien zu befassen. WtMin man den ge- 

^aliigen Umfang des Stoffes überblickt, den der Verfasser hier gcsannnel 



166 Bücheränzeigen. — C'omptes rendus. 

und verarbeitet hat, so wird man seiner Thatkraft und seinem Wissen die 
höchste Bewunderung nicht versagen können. 

Spezifisch volkskundlich ist der Gegenstand zwar nicht, wenigstens 
nicht so weit er sich auf die Entwicklung der Chirurgie als philanthropischer 
Kulturbestrebung erstreckt; aber wie jedes starke Licht auch starke Schatten 
erzeugt, so hat auch diese grosse Wissenschaft eine Anzahl dunkler Existenzen 
ins Leben gerufen, die sich der sog. niedern Chirurgie bemächtigten und 
unter marktschreierischem, hin und wieder auch mystischem Gebahren im 
Volke zur Anwendung brachten. Mit solchen auf das Volksleben kräftig ein- 
wirkenden Elementen hat sich die Volkskunde je und je beschäftigt. 

Nach einer kurzen Einleitung über die Knegsheilkunst im Allgemeinen 
bis zum 14. Jh., die Kriegsgegner der Eidgenossen im 14., 15. und 16. Jh. 
und das Kriegsheilwesen des Auslandes im spätem Mittelalter wendet sich 
Br. seinem Ilauptgegenstaude zu. Er scheidet denselben in zwei Teile : den 
Zeitraum vom Anfang der Eidgenossenschaft bis zum 17. Jh. und den Zeit- 
raum des 17. und 18. Jh.'s. Der erste derselben umfasst folgende Kapitel: 

I. Die staatliche Fürsorge filr die Verwundeten, 2. Truppenäushebung. Mili- 
tärische Stellung des Heilspersonales (die Seh er er), 3. Zahl und Sicherung 
der Verwundeten, Heroismus derselben, ihre erste Behandlung und Pflege, 
4. Arten der Verwundungen nebst historischen Betrachtungen über die Be- 
waffnung, 5. die Leistungen der Kriegscliirurgie, 6. u. 7. Thätigkeit der 
Seh er er im Frieden und im Felde. Biographisches über einzelne Feldscherer, 
8. Die gelehrten Aerzte, ihr Verhältnis zu den Scherem, 9. Anteil der Frauen 
und Priester an der Verwundetenpflege, 10. Die Apotheker im Felde, 

II. Verpflegung der Truppen, 12. Bestattung der Toten, 13. Epidemische 
Krankheiten im Heere — Der zweite Zeitraum: Abschn. I— IV. Allgemeineres 
über das ausländische Sanitätswesen und das schweizerische Wehrwesen im 
17. und 18. Jh., V. Das schweizerische Heeres-Sanitätswesen : A. des 17. 
Jh.*s; hierin die Kapitel: 1. Organisation im Frieden, 2. Ausrüstung des 
Sanitätspersonals, 3. Besoldung und Hang, 4. Instruktion, 5. Sanitätswesen 
im Felde (Einzelheiten über die Verwundeten im ersten Vilmergerkriege 1656), 
B. des 18. Jh.'s mit annähernd denselben Unterrubriken, sowie Ausführungen 
über den zweiten Vilmergerkrieg (1712), die französische Invasion (1798), 
den Aufstand der Nidwaldner, die französischen Militärspitäler in der hel- 
vetischen Einheitsrepublik und weiterhin zwei Kai)iteln über das Sanitäts- 
wesen in Schweiz. Söldnerregimenteru des 17. und 18. Jahrh. und das Kriegs- 
recht, »j Abschn. VI wirft einen Blick auf die wissenschaftliche Entwicklung 
der Chirurgie uinl ihre Ilauptvertreter im 17. und 18. Jh. und den Anteil 
der Schweiz. Aerzte, Abschn. VII erörtert die kriegschirurgische Therapie 
des Zeitraums, darin 1. Fachtechnische Ausrüstung, 2. Wundbehandlung, 
3. Die kriegschirurgischen Operationen (Amputation, Exartikulation, Resektion, 
Trepanation), Abschn. VIII. Hervorragende Schweizerärzte des 18. Jh.'s und 
die wissenschaftliche Entwicklung der internen Medizin, IX. Die allgemein 

') Diese Kai)itel wären, da sie die beiden Jahrhunderte umfassen, 
wohl besser mit einer römischen Zahl, statt einer arabischen versehen wor- 
den. Auch typographisch entbehrt «las Inhaltsverzeichnis einigermassen der 
IJebersichtlichkeit. 



BüclHM*anzei|j:rn. — (\)in])t(*8 ren<IuH. 167 

zivilärztlichon ZustÜDde des 17. und 18. Jb.*8 in der Schweiz (((«orin u. A. 
Scherer-Ordnungen und Zunft leben, der Scharfrichter als Chirurg^ 
Volks- und Vieharzt). Im Anhang sind einige willkommene Exkurse 
über ältere medizinische Handschriften schweizerischer Herkunft beigegeben. 
Zum Schluss verdient ausdrücklich hervorgehoben zu werden, das» 
die Darstellung <lurchaus nicht mit fachwissensehaftlichem Ballast beschwert 
ist, sondern allgemein verstiindlich und in angenehmer, leicht fliessender 
Form geschrieben. E. Hoffmann-Krayer. 

Raimund Friedrich Kaindl, Die Volkskunde. Ihre Bedeutung, 
ihre Ziele und ihre Methode. Leipzig und Wien (Deuticke) 
1903. XI + 149 Seiten. Lex. 8^ Preis 5 Mk. — 

Ein Werk, das mit so viel Liebe und Wärme fiir seinen Gegenstand 
inntritt, wie das vorliegende, darf man mit rückhaltloser Freude begrüssen. 
Gern vergisst man über dem Eindruck des Ganzen die im Einzelnen auf- 
fallenden Lücken und Ungleichheiten. 

KaindPs Buch wendet sich vor allem an die Lehrerschaft, dann aber 
auch an ein weiteres Publikum, und bezweckt die Klarlegung der Grund- 
fra«:en, der Begriffsbestimmung, der Bedeutung, der Sammel- und Forschungs- 
methoden dieser neuen Wissenschaft. Allzudürftig ist die Geschichte und 
tiie Darstellung der heutigen Ausübung «ler Volkskunde ausgefallen. Der 
schöne Aufsatz R. M. Meyers über die Anftlngc* der Volkskunde im 2. Bande 
*lw Zeitschrift für Kulturgeschichte scheint dem Verf entgangen zu sein; 
noch mehr aber wird es joden Leser wundern, neben den volkskundlichen 
Bestrebungen Deutschlands, Oesterreich«, Englands, Dänemarks, Schwedens, 
Norwegens, Islands und der Niederlande nicht auch die der Schweiz er- 
wähnt zu finden, die denn doch in Männern wie Stalder, Kochholz, Lütolf, 
^' Staub und Ludw. Tobler hervorragende Förderer der Volkskunde aufweist. 
Auch über die Existenz einer schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde 
und ihres nun im 7. Jahrgange gehenden Vereinsorgans sagt K. nicht«, 
^'r bedauern das; denn mancher Unkundige, der sich aus dem Buche Rats 
wholen will, wird sich verwundert fragen, ob denn die Schweiz das einzige 
{fermaniüche Land sei, wo das Interesse an der Volkskunde noch schlummere. 

Abgesehen aber von diesen Lücken halten wir das Buch für geeignet, 
•l'is Studium der Volkskunde zu wecken und zu fördern. 

Kine eingehendere Besprechung wird der Unterzeichnete in der 
iHtschen Litteraturzeitung erscheinen lassen. E. 11. -K. 

Alois John, Oberlohma. Geschichte und Volkskunde eines Eger- 
länder Dorfes. (Beitrr. z. deutsch-böhm. Volkskuude IV. Bd. 
2. Heft.) Prag (Calve) 1903. 195 Seiten. Preis 3 Mark. 

Vorliegende Arbeit gehört in die Kategorie von Ortsbeschreibungen, 
^'^ wir sie in unsrer Zeitschrift schon öfti»rs anzuzeigen (TelegeiihtMt hatten. 
^'♦^ «tammt ans der Feder des verdientt»n Hegrüntlers der Volkskunde-Zeit- 
^^^h , Unser Egerland** und Herausgebers der Grüner'schen Sammlungen 
•8- Archiv VI, 66), bietet also von vornherein eine Garantie für Gediegenheit 
in der AusfÜhruDg. 



1Ö8 Büchoranzeigon. - ()()mi)te8 rendus. 

Dem speziell volkskundlichen Teil geht ein geschichtlicher voraus, 
der sich in die Kapitel: Natur und Boden, Urzeit (Besiedlung, Fundstätten, 
Ortsnamen, Dorfaulage, Hufenverfassung, Flurnamen), Geschichte 
der Höfe, Die Kirche, Die Schule, Aeussere Schicksale des Dorfes einteilt. 
Der volkskundliche Teil beschreibt zunächst die Dorfmark, Haus und 
Hof, geht dann zu Nahrung und Tracht über und kommt in einem 5, Kap. 
eingehend auf die Sitten und Bräuche zu sprechen, die uns ein belebtes und 
interessantes Bild jener Gegend entrollen. Die Einteilung in Lebensbrüache, 
Festbräuelie, Wirtsehaflsbrciuche und Rechtsbriluche scheint mir durchaus 
zweckmässig. Den Sitten reihen sich naturgemäss Aberglaube und Volks- 
diclitung an. Den Schluss bilden Zusammenstellungen mundartlicher Aus- 
drücke und Formeln. Sehr willkommen sind auch die beigegebenen Pro- 
spekte, Pläne und Karten. E. H.-K. 

W. H. Riehl, Knlturstudien aus drei Jahrbunderten. 6. Auflage. 
Stuttgart und Berlin (Cotta) 1903. XII + 446 Seiten. 8^ 
Preis 4 Mark. — 

Wir wollen nicht ermangeln, auch unsre Leser auf das Wieder- 
erscheinen der weitbekannten Riehrschen „Kulturstudien** aufmerksam so 
machen, die ja u. A. auch manches Volkskundliche enthalten, wie z. B. die 
Kapitel „Volkskalender im 18. Jahrhundert, „Alte Malerbücher als Qaellen 
zur Volkskunde" und namentlich im zweiten Buch den Vortrag „Die Volks- 
kunde als Wissenschaft". Dass Riehl jeden Gegenstand, den er anfassti 
geistvoll und anregend zu behandeln weiss und trotz seiner Vielseitigkmt 
nirgends oberflächlich bleibt, braucht an dieser Stelle nicht mfehr eigens 
hervorgehüben zu werden. Diese Eigenschaften sind- es, die all seinen 
Arbeiten je und je einen besondem Zauber verliehen haben. Sie wirken 
auch nach seinem Tode lebenskräftig w«Mter. E. H.-K. 

A de Cook en Js. Teirlinck, Kinderspel en Kinderlust in Zuid- 
Nederland. Tweede Deel: III. Dansspelen. Gent (A. Siffer) 
1903. 389 blz. 8^ 4 Prs. — 

Dem im „Archiv" (VI, 311) angezeigten ersten Teil dieses gediegenen 
Werkes, welclier die I.auf- und Springspi(»le vei-zeichnete, ist rasch der 
zweite mit den Tanzspielen nachgefolgt. Was schon an jenem rühmewi .■ 
hervorgehoben wurde, gilt auch von diesem: wissenschaftliche, klare Dlr- 
stellung in übersichtlicher Anordnung. Ganz besonders möchten wir nosk - 
auf die beigegebenen Zeichnungen hinweisen, die uns ein deutliches EiU:.^ 
machen von der Aufstellung und Bewegung bei den betreffenden Spifllfl^r^ 

E. H..K. • ' 



Band Vll lieft 1. ausgegeben 12. Juni 1903. 



AfiCtllVES SU1BSES DES TRADIT30N5 t^at>UUitRE& T, Vll, 

7 S^^ 




S A I N T - F R O M O N D 
EX-VOTO u BONFOL 




ARCHIVES SUISSES DES TRAOITIONS POPULAIRE8 T. VII 




SAINT-FROMOND, SA CHAPELLE ET LE CHENE 

EX-VOTO a BONFOL 



169 



Traditions populaires jurassiennes 

Recueillies par Tabb^ A. Daucourt, cnr^ de Mi^court. * 
(Avec deux planches) ' 

Sons ce titre nous n^avons pas la pr6teDtion d^ecrire rhistoire 
des peuplades primitives du Jura, mais simplement de recueillir 
des traditions plus ou moins modifi^es par la civilisatiou moderne. 
Beaucoup de traditions jurassiennes sont semblables ou ä peu 
pres ä Celles de la Franche-Comtd ou de la Bourgogne, pays 
habites par le meme peuple celtique, les S6quanais. Ces tradi- 
tions se sont perp^tu^es de g6n6ration en gen^ratiou, et cela avec 
d'autant plus de fid61it6 que la memoire a du s'exercer plus vive- 
ment en Tabsence de T^criture. C'est pr6cisement la facilit6 de 
la lecture qui, de nos jours, a fait perdre de vue les anciennes 
legendes populaires. 

II est regrettable que nos vieilles gens de la campagne 
n'osent plus raconter au foyer de la famille ces innocentes tradi- 
tions. Elles n'osent plus le faire parce que la jeunesse plus in- 
Btruite les traite de superstitions, de niaiseries et pire encore, 
ne comprenant pas tout ce qu'il y a d'instructif dans ces recits, 
qui sont ä proprement parier les seules bases de l'histoire primi- 
tive de nos populations. Nous retragons ici quelques-unes de ces 
traditions, que nous connaissons depuis notre eniiance, et qu'on 
retrouvo en partie dans les ouvrages de W^^ Vautrey^), 
^l^^ Chövre^), Quiquerez'), dans TAnnuaire jurassien, etc. Plusieurs 
sont encore racontöes dans les familles. 

Jean des Cötes. — A Fregi^court, sur une colline voisine 
du village, il y avait une forme disparue depuis longtemps. 
C'etait Celle de Jean des Cötes. Ce Jean avait la r^putation 
d'etre un sorcier si mauvais que les gens du village d'Asuel 
offrirent ä leurs voisins de Fr6gi6court une foret de 50 arpents 
pour brüler le «genet».*) La tradition rapporte que le marche 
fut conclu. La forme brülee, le territoire fut converti en foret. 
Les bonnes gens croient encore que cette foret est hantee par 
ce Jean des Cötes, qui apparatt de temps eu temps pour attaquer 
les femmes, dont il abuse. 

*) M»» Vautrey. Villes et villages du Jura Benwis. — 2) M«' Chevre. 
Histoire de la ville et prevöU de St-Ursanne. — ^} (Jui(|uerez. Topographie 
du Jura. — *) Genet, genadje, cn patois jurassien, un sorcier, une sorciero. 

11* 



170 Traditions populaires jnrassieDnes 

V Esprit de Heujouse. — Lorsque la tempete de 1789 jeta 
le d^sarroi parmi les religieax du monastöre des Beroardios de 
Lucelle, pr^s de Pleujouse, les moines crurent que ce n'etait 
qu'un orage passager. Toutefois, quand les paysaos revolt^s 
d'Alsace Yinrent menacer le couveut, leB religieux eurent la pr^- 
cautiou de sauver le num^raire de leur tr^sor et de se le par- 
tager entre eux. Quelques- uds, se croyant plus sages ou plus 
ruses que les autres, allerent cacher leur part^ les uns au pied 
d^nn arbre qui fut marqu6 avec sein, les autres dans une ca- 
verne voisine. Cependant, devant le flot revolutionnaire qui en- 
vahissait l'Ey^che de Bäle, les Bernardins se dispers&rent en Suisse 
ou en Allemagne, sans avoir eu le temps de reprendre leur bien. La 
tradition persiste k dire quo, bien des^anoees apr^s, un religieux 
serait revenu d' Allemagne pour reprendre son tresor dans la 
caverne, et qu^un autre, moins heureux, ne put retrouver Tarbre au 
pied duquel il avait enfoui son argent. L'arbre avait &t& coup6 
avec d'antres depuis longtemps. Aussi on dit que Täme en 
peine de ce religieux erre souvent dans la foret k la recherche 
du tresor. Ce n'est qu'avec crainte qu'on s'aventure dans la forSt, 
surtont de nuit. 

La Pierre de FAuiel. — Cette pierre n'est autre chose 
qu'une röche naturelle qui se dresse sur la montagne du Repais, 
chaine du Mont-Terrible, dans la paroisse d'Asuel. Elle est 
haute de 18 pieds, sur 7 de diametre. Yue de certain cötä, 
eile ofFre Tapparence d'une tSte d'homme k figure leonine. Ell» 
n'a point 6t6 taill^e, et sur sa sommit6 aplauie, que Ton peufc^ 
escalader au moyen de quelques entailles, on observe de nom — 
breuses traces de feu, qu^on allumait pour les sacrifices druidique^ 
Sa forme bizarre, sa Situation ^cart^e sur cette montagn^^ 
ont du öveiller Tattention des peuples celtiques venus sur c^^ 
haut Heu. Cette röche est d^jä cit6e dans les actes de l'Eygckiria 
de Bale en 1210 et a toujours porte le nom de Pierre ^cz: 
VAutel' «inde ad rupem quae appellatur de Altare»*). 

Une legende curieuse concerne ce monolithe et se perp^k^ ^ 
encore de nos jours. Au VIP si^cle, saint Ursanne, saint Imier- 
Saint Fromont etaient arrivds au sommet du Repais, prös d^ 
Pierre de l'Autel. La, incertains du lieu oü ils fixer&l^j 
leur demeure, ils interrog^rent Dien pour les diriger dans l^a 
choix. Aprfes aToir pri^, ils jeterent leurs bätons au hasard WLt 

■') Trouillat. Monuments, I, p. 452. 



TraditioDS populaires juraHsiennes l71 

milieu de ces contr^es encore d^sertes. Le bäton de saint Ursaune, 
dirig6 vers Touest, alla tomber snr un roc au bord du Doubs, 
oü Termite fixa sa demeure, qui doDna naissance au monastöre, 
puis k la coI16giale et k la ville de St-Ursanne. Le bäton de 
Saint Imier fut porte au sud snr les rives de la Suze, en Erguel, 
oü ce Saint bätit un ermitage qui devint le nionastere, puis la 
coll6giale de Saint-Imier. Le bäton de saint Fromont partit Yers le 
nord. Le saint, qui l'avait suivi, le retrouva dans une Taste 
foret, oü il se cpnstruisit un ermitage. 

Le Chine et la Source de saint Fromont. — Dans une 
foret pr^s de Bonfol se trouve une tr^s vieüle souche d'un chdne. 
Xa tradition rapporte qu'au VII® sifecle saint Fromont retrouva son 
l)äton prös du Heu oü s'est bäti depuis le village de Bonfol. II 
l^aorait plantö en ce lieu et ce baton aurait pris racine et donn£ 
naissance k un ebene s6culaire. 

Depuis des si^cles un d^bris de souche, une loupe de chSne, 
proTenant d'un mSme tronc et dont la grosseur ne d6passe pas 
cclle du Corps d'un homme, est encore aujourd'hui Tobjet de la 
▼ön^ration des peuples Yoisins de Suisse, de France et d'Alsace. 
Personne n'oserait songer k enlever cette souche. On s'en dis- 
pute les parcelles, qu'on d6tache k grand peine pour en faire des 
reliqoes, et la masse si facile k enlever reste lä k attendre la 
*>i^feohe qne lui fera un nouveau couteau. Autour de cette souche, 
trois ou quatre tiges sortant de terre finiront par se substituer 
*ö ebene de saint Fromont et d6jä les croix et les noms de p61e- 
riaa se grayent sur ces sonches. Nous nous souvenons que, 
datiQ notre enfance, nous faisions chaque ann^e le voyage de 
^^Ofrentruy k Bonfol, au ebene de saint Fromont. 

A quelques cents pas de lä, k l'entr^e du village de Bonfol, 

*® trouve une source tres abondante, appel^e « la fontaine de 

*^irit Fromont». D'aprfes la tradition, le saint anachorfete aurait 

^oHBtruit sa demeure pr^s de cette source, qu'il a sauctifif^e par 

^^^ usage. Aussi chaque ann^e, le lendemain de l'Ascension, on 

*^it la föte de saint Fromont. Avant Toffice solenne!, oü preche 

^^jours un pr^dicateur 6tranger, une immense procession se d6- 

^'^ule vers le ebene de la foret, puis vers cette source. Quand 

^ Service religieux est termin6, les foules accourues de toutes 

^^ contr^es environnantes vont boire k la source miraculeuse. 

^uaque p^lerin empörte de cette eau dans des bouteilles ou des 

L ^^doDs et on cueille 6galement l'herbe qui croit en abondance 

\ 



172 Traditions i)opulaire8 jurassiennes 

autour de la source pour la donner au b^tail, afin de le 
pr^server de maladie. Avant de rentrer chez eux, les pieux p^Ierins 
ont soiQ de placer cette herbe sur le tombeau du eaint, qui se 
trouve daus la grande dglise. Le jour de la föte, le lendemain 
de rAscensioD, une animation extraordinaire r^gne dans le villagede 
Bonfol, oü les marchands forains fönt de bonnes affaires. L'^glise 
est tapissee d'ex-votos naifs, et pendant toute l'ann^e le tombeau 
de Saint Fromont est visitc par des milliers de p£lerin8,^[qui y 
Yont demander la gu^rison de leur b^tail malade. 

La Roche de la Colnate. — Tont pres de Cesais, hamcau 
de la commune de St-Brais, se dresse, sur le flanc de la mon- 
tague, une colonne de rocher de plus de 60 pieds de haut, 
pos^e seule et isolee au pied de la Haute Roche de St-Brais, 
sur laquelle on a plac^ une borne trigonometrique. Cette röche 
rappelle Tdpoque druidique. Plus tard on y allumait les feux 
de la St- Jean et de Noel, et c'est encore lä qu'on fait les feux 
des Brandons. 

La Pierre des Sorci^res. — Un peu en arrifere de la maison 
des orphelins, ä Courtelary, dans une d6pression du sol, la na- 
ture a creus^ un petit bassin rempli d'une eau pure et limpide. 
Tout k cote, une röche sortant de terre olfre une surface concave 
qui parait creus^e par un long usage. C^^tait une röche ä sacrifices, 
que le peuple appelle aujourd'hui < la Roche des Sorcieres». 
Ce lieu devait etre favorable aux sacrifices et aux incantations 
druidiques. Encore de noa jours les gens de la contr^e croient 
entendre des chaots lugubres autour de cette pierre. 

La Pierre des F^es et la Pierre Perc^e de Courgenay. — 
A quelques pas de la « Pierre Percee » se trouvait encore, il y a 
quelques annees, une röche informe, presque entiferement d6truite 
aujourd'hui pour fournir les materiaux des constructions modernes 
du faubourg de Courgenay. La tradition rapporte que cette röche 
recouvre la boulangerie des fees, que durant la nuit on eutend 
battre la päte dans le petrin et souvent on voit la flamme du four. 
La aussi on voyait errer, durant la nuit, un grand troupeau de san- 
gliers noirs. Un cavalier tout noir, mysterieux, chasse ces trou- 
peaux, et les gens du pays avaient soin de laisser aux environs 
de la Pierre des Fees des bottes de.foin pour la uourriture du 
cheval de cet etrange chasseur. La Pierre Percee, qui est voisiue, 
est encore aujourd'hui Tobjet d^uu usage superstitieux. Une 
Ouvertüre circulaire de 2 d^cim^tres de diam^tre a 6t6 pratiqu6e 



i 



Traditions populaires jiirassiennos 173 

au milieu de ce monolithe ou menhir, et c^est ce passage p6rilleux 
que les gens de la contr^e traversent pour se guerir de la 
eolique. Des g^o^ratioDS entiferes y ont passä et poli Touver- 
ture. Celle-ci a encore la propri6t6 de donuer au vinaigre qu'on 
y fait passer des vertus curatives de premier ordre. 

Pierre de saint Germain. — Ce monolithe se trouve pres de la 
^ieille ^glise de Courrendlin. II est, croit-on, du VII® siecle. 
Ija tradition rapporte que cette pierre 6tait autrefois ä Tentree des 
gorges si pittoresques de Montier et qu'elle servait de siöge k 
aaint Qermaio, abbe de Moutier-Grandval, au VII® siecle. On sait 
que ce premier abbe de Grand val fut tu^ par Catticus, duc d'Al- 
0ace. Saint Germain avnit fait construire une route, ou plutot fait 
reparer Tancienne voie romaine de Pierre Pertuis ä Bäle. Assis 
0Ur cette pierre, il appelait les ouvriers autour de lui pour les 
iostruire et les oncourager. Cette pierre, dit la tradition^ aurait 
&ti amen6e il y a un siecle par un bourgeois de Courrendlin 
aupres du cimeti^re de la vieille 6glise. Catholiques et protes- 
tasts la Y^n^raient et allaient s'y asseoir pour la gu^rison des 
rhumatismes. 

La Roche de Faira, — Cette röche se trouve k quelques 
Riioutes de Beurnevesin, dans la direction de la frontiere fran- 
^aise. Elle renferme deux petites cavernes, sejour d'uoe bonne 
^^6) etre eminemment moral qui exer^ait une heureuse influence 
^^f la jeunesse du pays. C'est la Tante Arie^ la f^e topique 
de 1' Eisgau. Elle etait la protectrico des femmes laboriouses, 
lennemie des filles peu sages, dont eile emmelait la quenouille 
quancj elles s'^taient oubli^es. La plus grande de ces cavernes de 
Beur^nevesiu präsente yne cavit6 de 20 metres de large, 3 de 
naut^nr et 6 de profondeur. Son aire a ete nivelee et son Ouver- 
türe porte la trace du travail des hommes, qui ont entam^ le 
foc pour y fixer quelque paroi de bois et fermer Tentree de la 
pott©. La seconde, peu ^loign6e de la precödento, est perchee 
8ur Un roc d'un acc^s difficile. Sans doute la nymphe u'arri- 
^**^ qu'au moyen d^une Schelle k sa « chambratte », pour nous 
s^rrir du nom local. 

G'est dans cette caverne que la tradition löge la Tante 

^**^* Son Souvenir est reste tres vivace; on entend encore ^ä 

^^ »a. des femmes de Beurnevesin et de Rechesy dire k leurs 

rowniots indociles : « Tais-toi ou je te conduirai ä la röche de la 

Tante Arie*, On d^fend encore aux enfauts de passer devant 



174 TraditioDS populaires jarassieoDes 

cette röche, parce qae la f6e, qui a des dents de fer, prend 
les marmots, les met ä califourchon aur son cou, leur tend^nt 
ses grandes mamelles pendantes pour les nourrir de son lait s'ils 
ont 6i6 sages, ou bien les jette dans la rlvi^re s'ils ont etö mi- 
chants, rendaat ainsi une justice sommaire propre k coDtenir la 
p6tulance du jeune äge. 

Au dire de nos vieilles gens, autrefois on n'aurait pas osä 
passer deYant la röche de Faira apr5s le coucher du soleil. 
De jour, quand on s'en approchait, il ätait prudent d^y d^poser 
un peu de lait ou un morceau de pain. L'offrande d'une brauche 
de gui avait la facultS de rendre la f6e propice. 

On racoDte que la Tante Arie allait fr^quemment k la yeilläe 
dans une maison de R^ch^sy^, pour activer le trayail des fileuses. 
Des jeunes gens indiscrets, voulant s'assurer du chemin qu'elle 
parcourait, rdpandirent des cendres sur la Yoie; mais, le matin, 
ils virent avec stup^faction que la f6e avait des pattes d'oie, 
comme la dame des cavernes de Yallorbes dont parle M. Monnier. 

Yoici une autre tradition concernant la f4e Arie de Beurne- 
Yesin, qui s'est perpdtuee dans le peuple: 

Un paysan et son valet de Beurneyesin avaient attel6 
deux boeufs blancs k leur charrue, et ils labouraient un champ 
Yoisin de la caverne de la Tante Arie, lorsqu'ils crurent sentir 
Todeur du gäteau sortant du four. C'^tait sans doute la föe 
qui faisait du pain, comme ses sceurs de la Pierre de Courgenay, 
dont on a parl6 plus haut. Les deux paysans manifest&rent 
hautement- leur dösir de goüter un morceau de ce gäteau. Arriyes 
au beut du sillou, ils trouvärent Tobjet de leur souhait plac^ 
sur une blanche iouaille^)^ avec un couteau pour faire le partage 
du gäteau. Le repas termine, le valet, un malotru, au lieu dei^ 
remercier la f^e, empocha le couteau; mais la Tante Arie n'^tai^^ft 

pas loin; ello fit aussitöt entendre sa voix irritöC; et Tingra ■ 

laissa tomber le couteau derob^. Les f^es battaient la päte dan 
le petrin de Courgenay et celle de Faira faisait de mSmi 
Cette tradition des fees boulang^res se retrouve encore da^^iK: 
plusieurs localit^s du Jura. 

Une autre tradition concerne la caverne de Faira. Les jeui^^ «i« 
fillos qui d^siraient se marier ne manquaient jamais draller, 
soir, ä la tombee de la nuit, au mois de mai, döposer une brancs.K3 

*) Village paroiösial franyais, a la fronti^re Buisse. — ') Mot pak.'ft-^D/« 
qui veut dire uappe. 



Traditions popuIairoB jurassiennes 175 

de gui au pied de la röche. Cette tradition est encore si vivace 
que chaque fois qu'au mois de mai une jeune fille se rend dans 
la prairie de la Yeudelioe, oü se trouve la röche, les gargons du 
village ne manquent pas de lui crier: «Tu y revas», en patois: 
<Te y r'vais». 

Tont k c6t6 de la bäume de la Tante Arie, dans la prairie, 
il y avait nagu^re une grosse pierre qu'on avait roulee ä force 
de bras jusqu^au bord de la rivifere. Cette pierre a ^te brisee 
au moyen de la poudre pour en d^barrasser la prairie, et bientöt 
sa disparition fera oublier les traditions qui s'y rattachent. L'une 
d'elles affirme que cette röche tournait sur elle-meme chaque 
jour, k rhenre de midi, et trois fois, ä la meme heure, le dernier 
jour du siöcle. 

Une autre tradition attribuait k ce monolithe un autre pou- 
Yoir. Quand une jeune fille paresseuse abandonnait sa fourche 
oa son rateau pour aller se reposer a Tombre de cette röche, 
une force surnaturelle repoussait la nonchalante et Tenvoyait 
rouler jusque dans le ruisseau, oü eile prenait un bain inattendu. 

La Tante Arie et Milandre. — Du chtiteau de Milandre, d6- 
moli en 1674 par le mar^chal de Turenne, il ne reste qu'une 
grosse tour quadrangulaire qui dato des Romains. Sous ces 
ruines se trouvent des grottes renommees, que la famille Burries 
a am6nag6e8 pour le public. Chaque ann^e une foule de touristes 
parcourent ces profondes cavernes illuminees au gaz et y vont 
admirer toutes les beautcs que la capricieuse nature a accumul^es 
depuis des siecles dans ces immenses galeries. 

De ces cavernes sort un ruisseau limpide, une de ces fon- 
taines consaer^es par le s^jour d'une f^e bien aimee. La tradi- 
tion populaire assigne depuis des siecles k cette bäume Tun des 
B^jours de la f6e Arie, en patois jurassien «lai Tainte Airie», 
cette patronne de l'Ajoie. 

En röunissant et en commentant tous les Souvenirs traditionnels 
qui se rattachent k ces cavernes, ä cette eau, a la riviere qui la 
regelt, k cette Tante Arie, la fileuse de TElsgau, comme la reine 
Berthe est celle de la Suisse romande, on arrivera facilement a 
6tablir qu'il y avait \k un de ces sanctuaires v6n6res des peuplades 
primitives du Jura. 

II y a dans ces cavernes de Milandre des petits bassins rem- 
pliB d'une eau fraiche et limpide, qui invitent a s'y d^salterer 
ou ä y prendre un bain ä l'abri de tout regard indiscret. C'est 



176 Traditions populaires jurassiennes 

\k qae la Tante Arie allait se rafratchir durant les brülants jours 
d'6t6. Mais avant de se plonger dans l'eau, eile d^posait sur la 
margelle du bassin la couronne de diamants qui ornait son front 
et, crainte d'accident, eile se changeait en Youivre, le serpent 
mythique de l'EIsgau^), afin d'efFrayer ceux qui auraient 6t6 
tent^s de s'emparer de la pierre pr^cieuse. La tradition rapporte 
qu'un jenne audacieux, qui avait vu la föe Arie avant sa trans- 
formation, en devint amoureux et qu'il mit la main sur la 
vouivre, en dedaignant les diamants. On ne sait si tant d'au- 
dace d^plut ä la f^e. Elle ^tait bonne et indulgente, et les 
demi-dieux savaient au besoin s*humaniser. 

On raconte que la fce Arie a une parente, qu'on appelle 
la Dame blanche, Celle-ci apparait tous les cent ans au sommet 
de la Tour de Milaudre, attendaut qu'un jeune homme vienne 
la d^livrer. La Dame est fort belle et, pour se rajeunir, eile 
se plonge dans Tun des bassins des cavernes. Pour la voir tous 
les cent ans, il faut se trouver le premier jour de mai, vers le 
soir, ä Tentree de la Baume. 

La tradition raconte encore que dans l'une de ces grottes 
profondes se trouve un grand tr6sor renferm^ dans un coffre 
de fer. Les pieces d'or viennent une fois par si^cle s'etaler au 
clair de la lune. Pour les saisir, il ne s'agit qne de connattre 
le jour et Theure. La clef du coffre se trouve dans la caverne 
meme, entre les dents d'un dragon qui jette feu et flammes. 
Jusqu'ici les richesses que garde ce Cerb^re n'ont pu sortir de 
l'antre^). 

Nous pourrions recueillir une foule d'autres traditions con- 
cernant la Tante Arie dans le beau pays d'Ajoie. Cette f^e 
est prise comme symbole moralisateur et son action s'exer^ait 
plus sur les femmes que sur les hommes; eile les r6compensait 
ou les punissait seien Toccurence. Ce souvenir de la f6e Arie, de 
la Dame blanche, rappelle les traditions analogues d'antres penples 
ayant la meme origine celtique que celui de TElsgau ou Ajoie. 

Chdteaii de Soyhidres, — Differentes legendes, de prove- 
nance celtique, ont leur origine au chäteau de Soyhi^res***). 

8) Ce serpent, ou vouivre, en langaj^e ajoulot, est reste dans les ar- 
raoirios et sur la banniere d' Ajoie ju8<]u'a nos jours. On y a ajoutö parfois 
une feinuie vetue de blanc, qu'on a alors nommee la Vierge Marie. — 
^) Vautrey, /. c, 1, 25. — ^^) Soyhieres, village paroissial, ä 4 kilom^tres de 
Deleraont. Son chateau, ancienne rt^sidence des comtes de ce nom, a ^te 
dötruit par le tremblement de terre de 1356. 



Traditioos populaires jurassiennes 177 

Qaelques-unes sont citöes d4jä en 1796 par Hentzy'^). II ra- 
conte ainsi oe qu'il a appris au village de Soyhi^res : « See habi- 
. tants cr^dules et yisionnaires, m'ont assur^ que des spectres ef- 
frayants apparaissaient fr^^uemment dans les ruines du chäteau 
et que leurs ombres inqui^tes ne peuveut *goüter aucun repos. 
Selon cea bonnes gens, elles sont condamnees, en expiation de 
leurs erimes, k etre les gardes des tr^sors volSs, enfonis dans 
les Yoütes de leur ancien domicile. La croyance populaire est 
qu'ä rheure de minuit des fantömes, arm^s de pied en cap, se 
montrent au haut de ces masures et y fönt la ronde jusqu'ä ce 
que le chant du eoq les force k rentrer dans leur prison sou- 
terraine pour y g^mir sur des monceaux d'or mal acquis». 

On raconte aussi que beaucoup de gens avaient yu un chieo 
noir aux yeux de feu, nomm6 Augenbrand, cherchant son mattre, 
le comte Rodolphe de Sogren, assassin6 en 1233. D'autres 
ayaient rencontr6 plus d'une fois le cavalier myst^rieux, le chasseur 
Banyage. Le soir, lorsquMl n'y a plus qu'une lumi^re douteuse, 
il Bort des redoutables cavernes de la Teufelskuohi, mont^ sur un 
petit cbeTal noir et couvert lui-mgme de vetements sombres ; son 
Corps court et ramassä s'^l^ye k peine au-dessus de la seile et 
son ohapean k larges bords est tellement enfonc^ et rapprochö de 
868 Spanlos qu'on pent douter s'il y a une tSte sous cette coif- 
fure. II galope dans la direction de Soyhi^res et sa vitesse est 
ai grande qu'on croit entendre le bruissement de Tair qu'il fend 
dans sa course rapide, mais les pieds de sa monture ne laissent 
ancune trace sur le chemin quMl parcourt. La poussiere ne 
e'^l^Ye point sous ses pas, Feau et la boue, en temps de pluie, 
ne jaillissent point sur son passage, mais, par contre, les cavales 
qui le rencontrent hennissent d'^pouvante et le voyageur s'ecarte 
de son chemin ayec terreur. Ce chevalier myst^rieux ne döpasse 
Jamals le vieux pont de Soyhi^res, lieu memo oü le chien Augen- 
brand commence ses rondes nocturnes. 

Les gens cr^dules croient voir ce chasseur et son chien. Ces 
peraonnes citent m^me des t6moins^^). 

Le Goguär^. — En face du monastere de Mariastein, de 
Tautre c6t£ du rayin tr^s profond qui coupe le plateau^ s'öl^ve 
ane röche de 16 pieds de haut et de forme bizarre, qui a du 
(rapper Timagination des populations primitives. On pourrait 

") Promenade de Bale Ä Bienne, 1796. — '^) Voir Actes de la Societe 
jurassiemte d'EmukUion, 1856, p. 132. 

12 



178 TraditioDs populaires jurassieoDes 

Tappeler la soeur de la FiUe de Maiy dont nous avons parl6^'). 
Comme la Fille de Mai, la röche de Mariastein reprösente gros- 
siörement nn buste de femme qui, yne de profil, paratt yStue 
d'nne robe serr^e et laissant la gorge en partie dScouyerte. 
Tout pr^s de lä, un enfoncement de terrain rempli de buisBODS 
et de pierres s'appelle le Gogu4r4, ou le monceau de t^moignages. 
Les p^Ierins qui se rendent ä Notre Dame de la Pierre ont 
eucore la contnme de se munir d'une pierre, en partant de obez 
eux, et la jettent dans le GoguSrd pour se rendre le gf^nie fayo- 
rable. Les personnes qui fönt pour la premi^re fois le p61erinage 
de Mariastein, en traversant la montagne de Blauenberg, entre 
le yillage de Tittingen et le ch&teau en ruines de Rothberg, se 
rounissent ^galement d'une pierre quelconque. Arriy^es sur le 
sommet de la montagne, elles jettent leur pierre sur un monceau 
döjä consid^rable. La tradition persiste ä dire que, il y a de« 
siöcles, on ayait demand^ au couyent de Mariastein r^rection 
d'une chapelle sur la montagne et qu'il ^ ayait donn6 la r^ponae 
que, quand il y aurait assez de pierres, eile serait bätie. Depuis 
cette ^poque les p^Ierins apportent des pierres an Oogu6r^, au 
monceau ddjä consid^rable forma de ces sortes d'oiFrandes. 

La Pierre de Vareroille. — Entre les yillages de Damphreux 
et de Bonfol, existait autrefois le yillage de Yareroille, qui ^tait 
d^jä une commune en 1343. Ce yillage fut d6truit au commen- 
cement des guerres de Bourgogne par £tienne de Hagenbach, 
qui, pour yenger la mort de son frfere Pierre, d^truisit 40 yillages 
de rAjoie. Sur Templacement de Tancieu yillage, sur un plateau 
41ey6 et cultiye en champs, on yoit encore une röche informe qui 
a äte transport^e lä par les hommes on ne sait quand. Leg gens 
du pays ne yeulent pas Tenleyer, ni la d^trnire. Ils la laisseut 
lä. Si on leur demande pourquoi ils ne la fönt pas disparattre 
pour faciliter les labours, ils r^pondent myst^rieusement que ce 
serait dangereux, qu'on ne sait pas ce qui est cach6 sous cette 
röche. 

La grotte de sainte Colombe, — Cette cölebre grotte est sitn^e 
entres les anciennes forges et le yillage d'Underyelier, ä droite' 
de la Chaussee. Elle forme une magnifique arcade naturelle dans 
le roc, eile est profonde de 80 pieds, large de 72, sur 120 de 
hauteur. Au fond de Tantre, ä droite de Tentree, une cascade 
d'eau tombe du haut de la yoüte. Cette eau est re^ue dan^ 

*') Voir Archives, I, p, 99. 



TraditioDS populaires jurassiennes 179 

HD bassin qui se d^yerse par an canal souterrain dans la riyi^re 
de la Sorne, qui coule tout pr^s. 

Une ancienne tradition populaire rapporte qae sainfce Colombe, 
princesse espagoole, y a passä de longues anales dans la con- 
templation des ^ternelles v^rit^s. Elle habitait egalement une 
antra cayerne, celle de Freuois, qui se tronye dans la montagne 
an-dessus du yillage de Soulce. La meme tradition ajoute qua 
cette yjerge £tait yenue dans les Gaules chercher la couronne 
du martyre. Ce qui est certain, c'est que de yieux parchemins, 
anciennes chartes de T^glise d'Underyelier, foot mention de la 
grotte de sainte Colombe au XTTT* sifecle'^). 

L'eau de cette grotte est deyenue c^l^bre par les gu^risons 
qui s'op^rent depuis des si^cles. Les femmes de la Franche- 
Comt^, d'Alsace, du pays de Neuchätel, de tout le Jura, y 
portent leurs enfants soufFreteux et rachitiques. Ces pieuses m^res 
se mettent k genoux deyant la croix qui est k Tentr^e de la ca- 
yerne; elles prient d^votement et, les priores faites, elles plongent 
leor enfant dans Teau, lui fönt receyoir une douche fortifiante 
80UB la cascade qui tombe du rocher, puis retournent gaies et 
contentes en remerciant le Seigneur. Plusieurs enfants däbiles, 
plusieurs adultes en sont sortis parfaitenient gu^ris. Chose sin- 
guli^re, protestants comme catholiques y yont prier et plonger 
leurs enfants malades dans Teau de sainte Colombe''^). 

Les Brandons, — Le Phve J^suite Voisard, qui enseignait 
au College de Porrentruy, nous a laissö une histoire manuscrite 
de rEySch6 de Bäle et un ouyrage, Egalement roanuscrit, intitul^ : 
De religione Rauraco7^um. A la page 26, il nous apprend que 
les Celtes rauraques allaient adorer la divinite sur les hauts lieux 
pour se rapprocber davanfage d'elle. Ils allumaient, dit-il, des 
flambeaux appel^s h^es ou heyes, qu'ils tournaient en cercle au- 
tour de leur tete. De lä l'origine de la coutumc conserv^e dans 
la contr^e, le premier diraanche de Careme, d'allamer ä la nuit 
tombante des heyes ou feyes^ termes encore employes de nos 
jours. 

Ce que le P^re Voisard öcrivait au XVIP siecle sur les cou- 
tumes des Celtes se fait encore de nos jours dans tous nos 
yillages d^Ajoie. On appelle encore feyes le flambeau de bois 
gras, fendu menu et qu'on pr^pare bien k Tavance, afin qu'il seit 

*♦) Vautrey, Z. c, V, p. 617. — ^^) Actes de la Societe jurassienne 
d'EmuicUiany 1856, p. 139. 



180 Traditions populaires jurassieDnes 

bien sec. Comme anx temps celtiqaes, sur tous les haute lieux, 
les enfants fönt un tas immense de bois qu'ils ont recueilli les 
jours pr6c6dents. Le premier dimanche de CarSme, toute la 
population se rend pr&s de la heutte ou chavanne (monceau 
de bois) ä la tombSe de la nuit, et quand le feu y est mis chacuo 
scanne de sa feye^ Tallume au grand feu et la toume autour 
de sa tSte en dansant en mSme temps autour du feu central. 
Tous les coteaux, toutes les collines s'illuminent et de toute part 
on entend des cris de joie et des chants. Souvent il arriyait 
que le curö de la paroisse attendait que tout le peuple füt r6uni, 
et alors seulement il mettait le feu au bücher, dont la flamme 
yiye et 6clatante 6clairait la jeunesse, qui chantait et dansait eu 
tournant les feyes. 

Quand les feux sont ^teints, tous rentrent au foyer paternel 
pour un souper dont le mets principal consiste en beignets 
connus en Ajoie sous le nom de crapä, oriettes, totes, beignets 
secsj beignets lev^s. 

Apr^s la bataille de Yilmergen, les protestants de la Pr4- 
YÖt^ de Moutier-Grandval prirent la r^solution d'allumer les feux 
de la St-Jean en memoire de la victoire des cantons protestants 
sur les cantons cathollques; ils cess^rent alors immödiatement 
dans tout le Jura catholique et plus tard ils disparucent aussi 
des oontr6es protestantes. 

Legendes du Voy^bourg. — Le chäteau du Vorbourg, pris 
de Del6mont, fut detruit par le tremblement de terre de 1356. 
II n'en reste debout que la tour Ste-Anne et la fameuse chapelle 
consacr^e par le pape L^on IX en 1049. Prfes du chemin creus6 
dans le roc, ä cötö de la tour Ste-Anne, on remarqne une ex- 
cavation dans la röche meme, ressemblant assez ä Tempreinte 
qu'un Corps humaiD aurait laissöe en se couchant sur le flaue 
gauche. 

D apres la tradition popolaire, le d^mon occupait Templace- 
ment du sanctuaire et le pape le chassa en b^nissant la chapelle. 
Mais le maudit, d^sirant y rentrer apres le d^part du pape, alla 
se r^fugier derriere la tour Ste-Anne et se coucha sur un 
banc de rocher, qui s'amollit sous sa pression diabolique. 

Uue autre tradition dit au contraire que ce fut le pape qui, 
se mefiant des intentions de Tesprit des t6n&bres et craignant 
soD retour, alla le gaetter sur ceite meme röche. Le roc, sensible 
ä tant d'honoeur et voulant rendre la position du saint personnage 



TraditioDS populaires jurassiennes 181 

plus confortable, s'amollit et prit l'empreinte du pontife. L'in- 
spection des lieux ne permet pas de dire quelle est la Y^ritable 
tradition. 

Tout en face du Vorbourg, sur la röche de Courroux, il y 
avait un haut lieu oü se faisait le culte des Druides, et sur le 
bord m6ridional, le peuple veut qu'il y ait des anneaux de 
bronze qui serraient k amarrer les barques quand la vallee de 
Del^mont n'etait encore qu'un lac. 

La Sainte-Croix pris deFontenais. — Tout prfes dePontenais 
et isol6e de toute habitation, se dresse T^glise de la Sainte-Croix, 
aiosi nomm6e parce qu'elle possfede une parcelle de la Yraie 
Croix, consery^e dans un riebe reliquaire. Une tonchante legende 
86 rattache k la constructioD de ce monument, oü depuis plus de 
cinq siecles des g^D^rations enti^res vont faire leurs d^votions. 

Au commencement du XV' si^cle, dit la tradition,^®) un 
paysan de Fontenais labourait les champs oü se trouve T^glise 
actoelle de Ste-Croix. Tout k coup ses boeufs s'arretferent et 
refas&rent d'avaucer. Leur maitre, pour les stimuler, les frappa 
ä coups redoublSs; peine inutile, l'attelage resta sur place. Ne 
sachant que faire et Yoyant que ses betes restaient sourdes k sa 
Yoix et aux conps de fouet, notre homme voulut retoarner chez 
lui en emmenant son attelage, quitte k refaire le travail com- 
mencä k un autre moment plus propice. Mais de nouveau ses 
boeufs refus^rent absolument de changer de place. Etonne, eifray^, 
le laboureur retourna au village pour annoncer r^v^nemcnt. 
Pinsieurs Toisins arriv^rent sur le champ, oü les boeufs demeu- 
raient toujours immobiles. La voix, les coups de tous ces hommes 
ne paryinrent pas non plus k faire avancer d'un pas les pauvres 
b^tes. L'^pouyante commengait k gagner tout le monde, lorsque 
quelqu'un proposa de fouiller le sol, ce qui fut ex^cutä k 
Tinstant. Bient6t un trösor apparut: c'ätait un grand reli- 
quaire en argent, portant enchässe un morceau consid^rable de 
la Yraie Croix, muni de son authentique. Le reliquaire recueilli, 
les boeufs ob^irent fid^lement k la voix de leur maitre. 

La d^Totion amena bien vite un grand concours de pelerins 
sur le ohamp sacrä, oü fut bätie Töglise qui existe encore 
de no8 jours. Pendant la guerre de Trente Ans, le reliquaire 
fut enY0j6 k Besannen pour le soustraire k la rapacit^ des 
Su^dois. A la paix, la paroisse de Fontenais, soutenue par le 

") Vautrey, l c, U, 23. 



182 Traditions populaires jurassiennes 

prince-^ySque de Bä,le, r^olama son bien. L'archevfiqae de 
BesaD^on ne rendit pas le pr^oieux reliquaire, mais envoya k sa 
place un antre reliquaire dor^ oontenant une parcelle de la Yraie 
Croiz. II fallut se contenter de cette modique restitation. C'est 
le reliquaire qui est eucore aujourd'hni exposö ä la y6n6ratioQ 
des fid^les. 

A.U milieu de la nef se trouvait un trou qu'on avait entour6 
de barri^res. La tradition veüt que ce seit dans ce trou qu'ait 
6t6 trouvö le reliquaire de la Sainte Croix. En 1713, Varchev^ue 
l'avait fait fermer, mais il ne put empScher les p61erins d'enlever 
de cette terre, qu'ils regardent encore comme sacr^e. 

On trouve dans cette mgme eglise certains oercles de fer 
auzquels le peuple attribue la vertu de pr^server de la niigraine 
en les plagant sur la tete et en r^citant certaiaes priores. 

Legendes de saint Ursanne. — L'antique coll^giale de Saint- 
Ursanne poss^de uu magnifique buste en argent massif, artistement 
ouvrage, qui renferrae le chef de saint Ursanne. Une tradition 
curieuse se perp^tue dans la petite ville et se trouve cit^e dans 
rhistoire de Saint-Ürsanne par M^ Ch^vre, page 291. Voici 
comment cet hisiorien raconte la legende: 

«Une tradition trois fois s^culaire oous apprend qu*un 
n^gociant isra^lite s'en venait un jour de Porrentruy ä 
Saint-Ursanne, chevauchant sur la route de la Croix. Arriv^ en 
vue de Termitage, il se prit ä vomir d'odieux blasph^mes contre 
saint Ursanne. II disait eotre autres: «Si tu peux quelque chose, 
montre-le en rendant aveugle le cheval qui me porte.» Aussitöt 
dit, aussitöt fait. Le cheval s'arrSte, se cabre; le cavalier 
descend, et constate avec terreur que son cheval ne voit plus. 
Ce n'est pas tout. Au moment oü il veut conduire sa monture 
par la bride, il perd la vue ä son tour. Deux aveugles aa 
Heu d^un. C'en 6tait assez pour ouvrir au blasph^mateur les 
yeux de räme. II comprit, il avoua que saint Ursanne avait 
r^ellement quelque pouvoir dans le ciel. Constern6, il se 
Jette ä genoux. «Saint de la grotte, s'6crie-t-il, je vous 
promets que si vous me rendez la vue, un buste en argent 
massif sera fait k mes frais en votre honneur.» A peine ce 
voeu est-il exprim6, que la vue revient, non seulement au 
cavalier, mais encore k son cheval Le juif 6tait riebe. Seit 
crainte, seit fidölitö, il tint parole, et c'est k lui que F^glise 
de Saint-Ursanne devrait, d'apr^s la legende que nous avon^- 



TraditioDS populaires jurassieDnes 183 

reeaeillie des vieillards de la paroisse, le magnifiqae reliquaire 
qui a ^chapp^, comme par miracle, aax mains rapaces et sacri- 
l^ges de la R^volntion.» 
üne aatre legende toucliante concerne encore la yille de 
Saint-Ürsanne. Le 5 f^vrier 1462 fut marqu6 par un ^v^nemeDt 
dont le souveuir se perp6tue encore dans la petite yille du 
Doubs. L'hiver avait 6t6 rigoureux et la rivifere fortement geWe. 
Toat k coup un vent chaud du midi se fait sentir. Le d6gel 
est rapide, la glace se rompt sur mille points et descend le 
Doubs en gla^ons Enormes. La debäcle etait teile qu'elle Dfie- 
na^it d^enlever le pont. Toute la population de Saint-Ursanne 
est sur pied. On court dans la foret abattre de gros arbres 
qa'on pr^oipite dans la rivi^re en amont des arcbes du pont, 
pour le d^fendre contre ces b^liers d'un nouveau genre. Cependant 
le danger, loiu de diminuer, grandit d'heure en heure. Personne 
n'ose plus s'aventurer sur le pont, qui semble chanceler. Enfin, 
nne voix s'^läve de la foule constern^e : «0 Sainte que nous 
boDorons en ce jour, prot^gez-nous! Si votre priere toute 
puissante nous garde ce passage, une messe sera c^l^br^e en 
votre fete chaque annee: nous en faisons le voeu solennel!» 
Ce Yoeu est ratifi^ par le murmure approbateur de la foule. 
A Tinstant, dit la chronique latine que nöus traduisons, les fiots 
86 calment, la d^bäcle se ralentit, et le pont reste debout. Deux 
messes furent chaque annöe c616br6es en Thonneur de sainte Agathe, 
Tune pour Tinvoquer contre le feu — on se souvenait de Tin- 
cendie de 1403 — l'autre pour lui demander protection contre 
la fureur des fiots. Une procession se faisait dans toute la 
Tille avec le Saint Sacrement et au cbant des litanies des saints. 
Cette procession, pieuse coutume n^e d^un voeu, a et^ violemment 
Bupprim^e en 1874 par un 6dit de TEtat de Berne^^). 

L' Esprit de la Montoie. — - La Montoie est une petite foret 
qui s'6tend entre les villages de Miecourt et de Cornol, distants 
Tun de l'autre de 2 kilomötres. Cette foret est hantce par des 
esprits ou des f6es qui ögarent les voyageurs assez temeraires 
pour s'approcher de ce bosquet oü ils tiennent leurs rondes 
infernales. Beaucoup de personnes ue voudraient pas, encore de 
nos jours, s'aventurer seules dans cette forSt. C'est lä que 
r^side le foulta jurassien, le lutin qui fait le mal aux hommes 
et aux animaux. De ce foulta on avait mille id^es superstitieuses, 

") Chevre, /. c, p. 272. 



184 TraditioDS populaires jurassiennes 

qui ne sont pas eDcore tout k fait d^racin^es. Cet esprit maliD 
exer^ait ses mal^fices surtout sur les bestiaux. Ainsi avait- 
on achet6 un nouveau cheval, il fallait le faire entrer ä reculons 
dans r^curie pour le pröserver de rinflaence de Vesprit. Pour 
le pr^server, on pendait k sa ergehe une pierre perc^e naturellement. 
Lorsque le bonvier ou le valet d'6carie, en entrant le matin 
dans r^table, trouvait deux boeufs ou denx vaches attach^s 
dans le mSme lien, ce que nulle force humaine ne pouvait 
faire, il fallait, sans les perdre de vue, couper aussitöt le lien, 
80U8 peine de les voir s'6trangler dans cette rade 6treinte 
du foulta, Souvent les campagnards disent qu'ils aper(oiyent 
l'esprit errant de la Montoie sous forme d'un feu qui oircule 
dans le bois et qui semble les suivre. Ce feu qui les ^pouvante 
n'est au fond qu'un 'gaz qui ^mane du sol mar^cageux. 
Le peuple, tout en ne croyant pas r^ellement k ces super- 
stitions et pratiques ridicules, y tient encore sans s^en douter, 
par suite d'une longue tradition et d'usages qui ne dureront 
plus longtemps. Quoi qu'il en seit, le foulta fait encore 
r^pouvante des enfants et des geus simples et cr^dules. 

Le culte des Arbres. — On sait que le ch&ne itait un arbre 
sacre aux temps des Druides. Le gui qui crott sur le ch§ne 
^tait Tobjet d'un culte special. De lä cette v^nöration pour les forets 
de ebenes. Ce souvenir druidique, combattu par le christianisme, 
a cependant laiss6 des traces dans nos populations. On plantait 
des ebenes ou des tilleuls devant les öglises. Ainsi k Cornol, 
il y a quelques annöes, on voyait quatre magnifiques chdnes 
repr^sentant les quatre ^vang^listes. A Bure, k Damphreux, 
k Beurnevesin, k Chevenez et en une foule d'autres lieux, de 
magnifiques tilleuls ombragent les sanctuaires. A Lugnez, devant 
la chapelle de saint Imier, quatre tilleuls Enormes forment un 
ombrage pour les pölerins. Nous avons parl6 plus haut du 
ch^ne de saint Fromont k Bonfol. La magnifique coU^giale de 
Saint-Ursanne est encadr^e d^une süperbe all^e de tilleuls et rien 
n'6gale en beaut^ la longue all6e de tilleuls du Yorbourg, 
longue de pr^s d'un kilom^tre. 

Jusqu'an commencement de ce si^cle, la loi ordonnait k 
chaque nouveau mari^ de planter trois ebenes la premi^re ann^e 
de son mariage et de les entretenir. *^) Cette loi avait sanctionnä 
un usage fort ancien consistant k planter deux arbres Tann^e du 

'8) Ordonnances foresti^^res de 1755, art. 22. 



Traditions populaires jurasBiennes 185 

manage. Tan pour le mari, Tautre pour la femme. Celui des 
deox arbres qui p^rissait le premier pr^sageait la mort de celui 
des ^poox qu'il repr^sentait. 

On plantait aassi un arbre ä la naissance de chaque enfant, et son 
plus DU moins de vigueur annon^it la prosp^rit^ ou le malheur 
du Douveau-n^. 

Le chSne est encore an arbre qu'on v^D^re. Beaucoup de 

ces arbres renferment ane image oa une statae de la Yierge ou 

d'un Saint. Le ebene pr^s du Yorbourg est cel^bre. Od Tappelle 

^otre Dame du ebene. Les chapelles creusees dans les arbres, 

les images clou^es k leurs troncs, les traditions attachöes k leur 

existence, tombent malheureusement sous la hache moderne. 

^'appät du gain engage souvent les particuliers comme les 

^^ommanes k abattre ces pieux monuments et bientot il n*en 

i'ostera plus de traces. 

Pr6s de la forme des Orties, paroisse de Soyhieres, il y 
A^ait un chSne colossal, au trone dnquel pendaient souvent des 
pattee de lievre et quelques döbris de gibier, qu'un vieux bra- 
^^^nier y clouait, pr^tendant par ce moyen s'assurer une bonne 
cha^Be. 

Tout pr^s de cet arbre existait un autre ebene environnö 

d une haie et qu'on entretenait soigneusement. La tradition 

rapporte que le foulta faisait perir le b^tail. Pour conjurer le 

g^net^ il fallait le forcer k entrer dans cet arbre. On environna 

^ arbre d'une enceinte pour que le b^tail ne puisse etre en contact 

Ä^«c le foulia. Ce n'est que quand la hache du proprietaire actuel 

Vabattit avec la cl6ture que le charme superstitieux disparut. 

La Roche des Duses ou Hairodes. — Prfes de Montsevelier, 

du c6t^ de Corban, s^ouvre une cluse imparfaite creusee dans le 

flanc de la montagne, et dans laquelle ud torrent se fraie avec 

peine un Streit passage, resserr6 par des rochers caverneux. Un 

petit sentier fort raide et tres ancien cötoie le bord oriental de 

cette coupure^ mais on n'y passe pas sans crainte pendant la 

nuit, parce que la tradition fait habiter les cavernes de ce lieu 

par de petits Stres faotastiques, noirs et velus, parfois mal- 

faisants, appel^s les Duses ou les Hairodes, M^ Vautrey rapporte 

cette legende en ces termes: «Les hotes de ces lieux ^taient, 

dit-on, de rooeurs simples et douces; ils ne quittaient pas ces 

parages oü ils semblaient se cacher et vivre dans T^loignement 

de tont Yoisinage. Lorsqu'au printemps ou en automne, les 



186 TraditioDS populaires jurassiennes 

habitants de Montseyelier s'en allaient travailler lenrs terres 
dans le yallon des Duses, les Hairodes se montraient avec un 
air bienveillant et pacifique; ils tenaient ä la main des gäteaux 
de leur fagon, qn'ils ofFraient ä tont venant. Si od les acceptait, 
ils paraissaient heureux ; si on les refusait, ils entraient en col^re 
et maltraitaient ceux qui repoussaient lenrs ofFres. Le peuple 
disait qa'ils avaient lear four k gäteaux dans la grotte sur 
Corban, qu'on appelait le four des Hairodes. Chaqae aiui6e, 
disait-on, les Hairodes^ ä un jour fix^, s'exer^aient ä la course. 
Un but d^terminö, tous partaient k un signal donnä et le dernier 
arriv^, reconnu le plus fälble, 6tait port^ sur un bücher allumö 
et mis ä mort. On trouve, dans Thistoire des barbares, des 
d^ils de moenrs qui rappellent les Hairodes de Montsevelier. 
Les Hdrules en particulier avaient pour les infirmes et les vieillards 
de la nation des traitements barbares, qui mettaient fin ä leur 
miserable existence. Lorsqu'ils 6taient reconnus inhabiles k la 
course, on les portait sur un bücher pr6par6 oü on les poignardait, 
puis on y mettait le feu et ils perissaient ainsi en pr6sence de 
tout le peuple.»^®) 

Ces Duses ou Hairodes n'ötaient peut-etre que des Tsiganes 
ou Boh^miens, des forgerons nomades, habitant les cavernes des 
Duses en ^t6 et qui ne quittaient le pays qu'avec les poches 
pleines d'or. Ils revenaient toujours dans les mSmes lieux et 
leur costume, leur couleur jaune noire, leur corps velu, les 
firent prendre, probablenient, pour des etres surnaturels que le 
peuple appela les Dussats, Musais ou Hairodes. 

Le Creux des Sarrasins. — Lorsqu'en 940 les Sarrasins 
ocenperent les passages des Alpes et qu'ils marchörent vers le 
Jura, la Rauracie se vit fortement menac6e. L'histoire ne peut 
nous dire si ces musulmans occupörent les vall^es du Jura; 
mais, d*apres la tradition, plusieurs lieux rappelleraient cette 
terrible invasion. Le plus celebre est le Creux des Sarrasins. 
* A une demi-lieue de Develier, sur la montagne, au 
nord-ouest, tout pr^s de la voie romaine qui de la vall^e de < 
Del^mont couduisait en Ajoie, il existe un chemin entaillä dans ^ts 
le roc sur une largeur de neuf pieds, avec des orni^res distantes -^ r- 
entre elles de quatre pieds, y conipris leur propre largeur..^ 
Cette entaille s'appelle le Creux des Sarrasins. Une traditionE=] 
remarquable se rattache ä cet endroit; les vieillards de Develie^^K- 

»^) Vautrey, l c, V, p. 312. 



Neujahrefeier im alten Basel und Verwandtes. 187 

raeontent, comme lears p^res le leur ODt racontö, qa^une horde 
de Sarrasins, post^e en ce lieu, allait abreaver ses chameaux k 
la Sorne, pr^s de Coartetelle, en suivant la longue charridre. 
8ur Tun des rocs du Creux des Sarrasins, on remai^que le 
Chiffre 23, gray^ profond^ment en chiffres arabes. Comme ce 
Chiffre est tr^s ancien et qa'on ignore d'oü il proTient et ce 
qu*il signifie, on pr^tend qu'il a 6t6 gravö par les Sarrasins qui 
gardaient ce poste'^). 

Pr^ du camp romain du Mont-Chaibeut^ non loin de 

RoBsemaisony un chemin porte encore le nom de Chemin des 

Sarrasins. 

La tradition rapporte aussi qn'en certains temps des esprits 

Doirs foDt leur apparition au Creux des Sarrasins et qu'on 

ies met en fuite en se sigoant. 



Meujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Von E. Hoffmann-Erayer in Basel. 

(Schluss). 

Anhang I. 

-Ak. ältere Zeugnisse betr. Saturnalien- und Ealenden- 

bräuche. 

1. Q. SEPT. FLOR. TERTÜLLIANI [f ca. 230], De Ido- 

*Ä»^«-ia c. 14: ^Nimirum Saturnalia et Kalendas Januarias 

^^l^brans hominibns placebatP an modestia et patientia, an gravi- 

^^"^^^j an humanitate, an integritateP* . . . „ ,Sabbata, inquit, vestra 

^^ ^eomeniaa et caeremonias odit anima mea' (Isa. I, 14). Nobis 

^vkil)Qg Sabbata extranea sunt et neomeniae et feriae a Deo 

^^^quando dilectae, Saturnalia, et Januariae, et Brumae, et 

^^tronales frequentantur? munerae commeant? strenae 
^^Bonant? lusus, convivia constrepunt ?** (Patrologia lat. 
^^igne] 1, 758.) 

2. SANCTI PACIANI [Ep. Barcinonensis f ca. 390]. 
^^^aene8i8 ad poenitentiam cap. I: „Hoc enim, puto, proxime 



i 



Abh^ S^rasset, VAbeille du Jura, t. U, p. 150. 



]88 Nei^'ahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

CervaluB ille profecit, ut eo diligentior fieret, quo impressius 
notabatur . . . Me misenim! Quid ego faciDoris admisiP Pato, 
nescierant Cervulam facere, nisi illis reprehendendo monstras- 
sem^ (Patbol. lat. 13, 1081.) 

3. „In actis S. ALMACHII M. [f ca. 394] legitur, cum 
spectacala cerneret gladiatoram, quae calendis lanuarii 
dabantur coram popalo, clamasse: Hodie octavae doroinici diei 
sunt, cessate a SDperstitionibus idolarum, et a sacrificiis pollutis.^ 
(Mart. Qebbebtus, Vet. Liturgia Alemannica 1776, p. 842.) 

4. 8. AMBROSII [f 397] De interpellatione Job et David 
IV (aliter II) 1, 5: „Vide cervum dominum lesum, quando venit 
ad lohannem Baptistam et dicenti sibi lohanni: ego a te debeo 
baptizari, et tu venis ad meP respondit: sine modo. Et hoc dicto 
in aquas salutem sitiens publicam tota aviditate descendit. Sed 
iam satis nobis in exordio tractatus sicut in principio anni 
more vulgi cervus adlusit.*' (Corpus Script, eccl. lat. ed. 
cons. Acad. Litt. Caes. Vindob., Vol. XXXII, Pars II, p. 271,) 

5. 8. AMBROSII [f 397] Sermo VII De Kalendis januariis; 
„Est mihi adversus plerosque vestrum, fratres, querela non modica: 
de bis loquor qui nobiscum natalem Domini celebrantes, gen- 
tilium se feriis dederunt, et post illud caeleste convivium Super- 
stitionis sibi prandium praepararunt; ut qui ante laetifi- 
cati fuerant sanctitate, inebriarentur postea yanitate . . . Ergo, 
fratres, omni studio gentilium festivitatem et ferias declinemus; 
ut quando Uli epulantur et laeti sunt, tunc nos simus sobrii 
atque jejuni . . .* (S. Ambbosii Opp. stud. Mon. e Congr. S. Mauri 
em. Venet. t. IV [1751], 496). "«) 

6. S. CHRYSOSTOMI [f 407] Homilia 23. in eos qui novi- 
lunia observant. T. I p. 297: „Qui in tabernis ludi hole fiunt, 
illi me maxime excruciant, et impietatis et intemperantiae pleni 
sunt; impietatis quidem, quod qui haec faciunt, dies obseryant, 
et auguriis addicuntur, et putant, si noyiluninm mensis 
hujus cum yoluptate et laetitia degant, reliquum ae 
annum sie transacturos: intemperantiae yero, quod cum prima 
luce feminae et yiri pocula implentes, multa cum intemperantia 
yinum merum hauriunt . . . Neque extreraae hoc est amentiae, 
propter unum diem, si auspicatus fuerit, per uniyersam hoc 
exspectare annum, neque amentiae solum, sed diabolicae cujuadam 

'*) Eine gleichlautende Predigt schreibt die Patrologia latiDa (57, 543) 
dem hl. Maximus. Bischof von Turin [f 465] zu. 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 189 

efficientiae Judicium est, noo proprio studio et alaoritate, sed 
quibusdam dierum circuitionibus yitam nostram commendare.^ 
(Jos. BiNOHAH, Origines Ecclesiast. Ex lingua angl. in lat. vert. 
J. H. Grischovius Halae 1729, p. 7.) 

7. ASTERIU8 V. AMASIA [f 410] Adro^ xarriropcxdc 
r^c eopTQC Tuiu KaXai/duiv: ^Leute aus dem Pöbel, Herumstreicher 
und Gaukler, ziehen rottenweise von Haus zu Haus und 
belästigen Jedermann, vor allem die Magistratspersonen, mit 
glöckverheissendem Händeklatschen und Geschrei, sie 
heischen Angebinde. Auch Kinder treibt die Habgier; sie 
ziehen herum, pochen an den Thüren, und bieten zum 
Glückwunsch mit Denaren besteckte Aepfel dar, um ein 
wertvolleres Gegengeschenk davonzutragen. Roher Scherz 
wird mit den Bauern getrieben, die sich in der Stadt sehen 
lassen; sie werden mit Spott und Schlägen bedacht, was sie bei 
sich tragen, wird ihnen abgenommen. Den ganzen Tag bis spät 
in die Nacht dauert das Wogen und Lärmen." (Uebers. von 
ToMASCHEK, Ueber Brumalia etc. in: Sitzungsber. d. ph.-h. El. d. 
Kais. Akad. d. Wiss. [Wien] 60, 367.) 

8. PRUDENTIUS [flor. 348— ca. 410] Contra Symmach. 
I, V. 237—244: 

„. . . Jano etiam celebri de mense litatur 
Auspiciis epulisque sacris, quas inveterato, 
Heu miseri, sub honore agitant et gaudia ducunt 
Festa Calendarum. Sic observatio crevit. 
Ex atavis quondam male coepta, deinde secutis 
Tradita temporibus serisque nepotibus aucta 
Traxerunt longam corda inconsulta catenam 
lUosque tenebrosus vitiosa in secula fluxit.^ 
(Kbaus, Real-Encyklopädie U, 494.) 

9. S. HIER0NYMU8 [f 420], De viris inlustribus, Cap. CVI: 
,Pacianus, in Pyrenaei iugis Rarcelonae episcopus, castigatae 
eloquentiae« et tam vita quam sermone clarus, scripsit varia 
opnscula, de quibus est Cervus [in Kalendis Januariis et contra 
alios ludos paganicos] et contra Novationes, et sub Theodosio 
principe iam ultima senectute mortuus est.^ (Texte und Unter- 
suchungen, hrg. V. Gebhardt u. Harnack XIY, 49.) 

10. S. AUGUSTINI") [t 430] Ep. Serm. 198 De Kalendis 
Janaariis U: „Admonemus Caritatem Yestram, Fratres . . . . ut 

'') Vgl. auch die Predigten des Caesarius unter No. 15. 16. 



190 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

metnineritis, qaod modo cantastis, ne sit lingua perstrepens corde 
mute; sed quod sonuistis voce ad aures invicem Testras, clametia 
affectu ad aures Dei. Hoe enim cantabatis, Salva nos Domine 
Deas noster, congrega nos de gentibus, ut confiteamur Domini 
sancto tao. Et modo si solemnitas gentium, quae fit in 
hodierno die in laetitia saeculi atque carnali, in stre- 
pitu yanissimarum et turpissimarum cantionnm, in con- 
yiviis et saltationibus turpibus, in celebratione ipsius falsae 
festivitatis, si ea quae agunt gentes non vos delectant, congre- 
gabimini ex gentibus . . . Actnrus es celebrationem strenarum, 
sicut paganus, lusurus alea, et inebriaturus te... Quomodo 
Hbera fronte cantas Salva nos Domine Dens noster, et congrega 
nos de gentibus ? . . . . Dant illi [sc. gentes] strenas, date vos ' 
eleemosynas. Avocantur illi cantionibus luxuriarum, avocate 
Yos sermonibus Scripturarum: currunt illi ad theatrum, vos ad 
ecclesiam: inebriantur illi, tos jejunate. Si hodie non potestis 
jejunare, sattem cum sobrietate prandete . . . Sed dicis mihi, 
Quando strenas do mihi accipio et ego. (S. Aub. Augüstini 
Opp. [Ed. Mon. Congr. 8. Mauri 2. Venet] t. VII, pars 2. 
p. 906 sqq.) 

11. 8, AUGUSTINI Ep. Contra Paustum, lib. XX, c. IV: 
^Faustus dixit: . . . Schisma vero aut nihil immutare debet ab 
eo unde factum est, aut non mnltum: nt puta vos, qui desciscentes 
a Gentibus, monarchiae opiniouem primo vobiscum divulsistis, id 
est, ut omnia credatis ex Deo: sacrificia vero eomm yer- 
tistis in agapes, idola in Martyres, qnos votis similibus 
Colitis: defnnctorum umbras vino placatis et dapibas: 
solemnes Gentium dies cum ipsis celebratis, ut kalendas 
et solstitia: de vita certe mutastis nihil." (Ibidem t. X [Venet. 
1767], col. 400.) 

12. Zu Augustin vergleiche noch: GUIL. DURANDUS ^ 
[t 1296] Rationale divinorum lib. VI c. 15: „Postremo notandum .«-j 

est, quod olim pagani et gentiles in his kalendis multas super 

sticiones observabant, quarum aliquas Augustinus in quodamciar: 
commemorat sermone'**). Credentes enim inquit Janum quenda u r jg. j 
deum esse, euni tune venerabantur ei duas facies iigurantes unanran^ 
ante aliam post eo quod est principium anni sequentis et fini ^cr 
precedentis. Assumebunt enim formas monstruosas, alii er ^^ 



'^) Vgl. hiezu dio pseudo-augustinische Predigt (von Caesarius?) unt« 
No. 15. 



V 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 191 

pellibuB pecudam, alii ex capitibus bestiarum, alii yestientes 
tanicas muliebres, alii auguria observabant dantes vel reci- 
pientes diabolicas strenas, alii mensas laute praeparatas 
tota Docte manere sioebant, putantes totum anni spa- 
ciam convivia in tali cibi abundancia perdurare. Que 
prohibet christiauos facere.*" (Die bei Hain Nr. 6464 erwähnte 
Ausgabe [unpagioieit].) 

13. PETRI CHRYSOLOGI [f 450] Sermo 155 De calendis 
Januariis: ^Ubi nostram Christus pie natus est ad salutem, mox 
diabolus divinae bonitati numerosa genuit et perniciosa portenta, 
ut ridiculum de religione componeret in sacrilegium verteret Sancti- 
tatem, de honore Dei Deo pararet injuriam. Hinc est fratres, 
hinc est quod hodie Gentiles Deos suos foeditatibus ex- 
quisitis, excogitato dedecore, et ipsa turpitudine turpi- 
ores DeoS' suos videndos trahunt, distrahunt, pertrahunt, 

qao8 faciunt uon videndos Sed dicit aliquis, non sunt 

iiacc sacrilegiornm studia, vota sunt haec jocorum: et hoc esse 

Doiritatis laetitiam, non yestustatis errorem: esse hoc annj prin- 

eipium, non gentilitatis ofFensam. Erras, homo, non sunt haec 

iadica, sunt crimina .... Imaginem Dei portare noluit, qui 

idoli Toluerit personam .... Abstrahat ergo pater filiuni, 

sef-Tom dominus, parens parentem, civem civis, homo hominein, 

Cfa^stianos omnes qui se bestiis compararunt^ exaequarunt 

J^^nnentis, aptaverunt pecudibus, daemonibus forma- 
^» runt.** (P. Ohrysol. Sermm. Col. Agr. 1578, p. 218.) 

14. S. MAXIMI Ep. Taurinensis [f 465] Sermo de Calendis 
^-^^narii. (Stimmt mit der Predigt des Ambrosius [Nr. 5] überein. 

15. S. CAESARII [t 542] (?) '^) Sermo De Kalendis Janu- 
^*^i«I [Append. Serm. 129, alias 14 post hom. ex Chart, maj. 

^ X parte supplem.] : „Dies Kalendarnm istarum, Fratres caris- 

^'^■^i', quas Januarias vocant, a quodam Jano homine perdito ac 

,^^^lego nomen accepit . . . Hinc itaque est, quod istis diebus 

^-gani homines perverse omnium rerum ordine obscoenis de- 

^^mitatibus teguntur, ut tales utique se faciant qui colunt, 

") Anm. der Mauriner zu dieser pseudo-augustinischen Predigt : ^ A ugust i no 

^^^^ribit vetns quidam . . . Bibliotheeae jam Colbertinao codex: sed quo 

^'^tjB ipgius esse credatur, obsistit cum dicendi ratio, quae Caesarium potius 

•<^rt, tum quae posteris aevi est, ac diflficulter ante Caesarii teiiipus reponi 

^*»it, observatio hie n. 3 facta de publico jejunio per omiies Ecclesias Ka- 

^*ii8 Januariis indicto . . .• Eckhart, Francia orientalis I, 433, schreibt 

^^ Predigt Bischof Faustin us zu. 



192 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

qualis est iste qoi colitnr. In istis enim diebus miseri homines, 
et quod pejus est, aliqai baptizati, sumunt formas adulteras, 
species monstruosas, in quibus quidem sunt quae primum 
pndenda, aut potius dolenda sunt. ^^) Quis enim sapiens poterit 
credere, inveniri aliquos sanae mentis qai cerynlum facientes, 
in ferarnro se velint habitum commutareP Alii vestinntnr pel- 
libus pecudum, alii assumunt capita bestiarnm, gaudentea 
et exsaltantes, si taliter se in ferinas species transformayerinty 
ut horoines non esse videantur. Ex quo indicant ac probant, 
non tarn se habitum belluinum^') habere, quam sensum. Nam 
quam vis diversorum similitudinem animalium exprimere in se 
velint: certum est tamen, in bis magis cor pecndum esse, quam 
formam. ^') Jam vero illnd quäle et quam turpe est, quod viri 
nati tunicis muliebribns vestiuntur et turpissima demum demu- 
tatione puellaribus figuris virile robur effeminant, ^non erubes- 
centes tunicis muliebribus inserere militares lacertos: barbataa 
facies praeferunt, ®') et videri feminae volunt . . .^ (S. Aürbl. 
AuGüSTiNi opp. ed. Maur. Antw. t. V, pars II [1700] col. 164.) 

16. S. CAESARn (P) ^^) Sermo De Christiano nomine com 
operibus non christianis [Append. Serm. 265, alias De Tempore 
Serm. 215]: „ ... Et licet credam quod illa infelix consuetndo, 
quae de Paganorum profana observatione remansit, jam nobis 
castigantibus et de locis istis fuerit, Deo inspirante sublata; 
tamen si adhuc agnoscatis aliquos illam sordidissimam turpitu- 
dinem de hinnicula [forte anicula] vel cervula exercere, ita 
durissime castigate, ut eos paeniteat rem sacrilegam commisisse.'' 
(::. AuR. AüGUSTiNi opp. ed. Maur. Antwerp. t. V pars II [1700] 
col. 309.) 

17. VITA 8. SAMSONIS Episc. Dolensis [f ca. 565] Lib. 2 
Lemma 13: „Nam cum quodam tempore in Resia insula praedi- 
caret, veniente per annuam vertiginem Ealenda Januaria, qua 
homines supradictae insulae hanc nequam solennem inepte juxta 
patrum abominabilem consuetudinem prae ceteris sane cele- 

8'0 Bei Eckbart (offenbar nach Burchard v. Würzburg [s. Nr. 36]): „in 

quibus quidem, quae primum ridenda aut potius dolenda sint, nescio." 

»») vel Visum. Eckb. — ^^) formte. Eckb. — ") pras se ferunt Eckh. — 
**) Anm. der Mauriner: ,,Stilu8 et res apprime conveniunt CaeBario a quc^ 
Praedicationes contra . . . Kalendarum quoque paganissimos ritus ... fac — 
tas in ejus vita logimus, que populis in Ecciesia legendae per diversas pro— 
vincias circumferebantur.* Ducange (II, 277) schreibt die Predigt nocb 
Augustin zu. 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 193 

brare consneverant, ille providus spiritu ob duritiam eoram miti- 
gandam, convenire eos omnes in, unum fecit, ac Deo revelante, 
seroio ad detestanda tarn gravia mala sit . . Ille omnes par- 
yqIos qui per insulam illam ob hanc nefariam diem 
discurrebant, vocavit ad se, eis singalis per sobriam vocem 
mercedem nummismunculi auro quod est mensura donavit, prae- 
cipiens . . ., ne ulterius ab illis haec sacrilega cousuetado 
senraretur. Qaod ita Deo operante factum est, nt usque hodie 
ibidem spiritales joci ejus solide et catholice remanserint." (AA. 
88. BoLL. Julii VI, p. 590.) 

18. CONCILIUM TUR0NEN8E II [a. 567] Can. 17: ^Et 
quia inter natale domini et epiphania omni die festivitates 
8Qnt, itemque prandebunt. Excipitur triduum illud, quo ad cal- 
candam gentilium consuetudinem, patres nostri statuerunt 
priyatas in Ealendis Januarii fieri litanias^ ut in ecciesiis psallatur, 
et hora octava in ipsis Kalendis circumcisionis missa Deo pro- 
pitio celebretur." 

Can. 22: „Enimvero quoniam cognovimus nonuullos in- 
teoiri sequipedas erroris antiqui qui Ealendas Januarii co- 
lunt, cum Janus homo gentilis fuerit: rex quidem, sed Dens esse 
non potuit." (Mansi IX, 796. 803.) 

19. CONCILIUM AUTIS8I0D0R. [a. 578] s. Duc. II, 277. 

20. 8. MARTINI BRACARENSIS [f 580] Collectio or. 
canonum LXXIII: ,,Non liceat iniquias observantias agere kalen- 
danim, et otiis vacare gentilibus, neque lauro, aut viriditate 
arborum cingere domos. *" (Bibuotueca juris can. veteris 
ed. Voellus et Justellus Lut. Par. 1661 T. I Append. fol. XXX.) 

21. Notae et observationes in S. GREGORII MAGNI 
[t 604] Librum sacramentorum, auctore D. Hugone Menardo, 
Honacho Benedictino. Lemma 134: „Ratio Missa hujus insti- 
tuendae est, quia olim Ealendis Januariis homines multis paga- 
oorum superstitionibus erantobnoxii."^ (Patrol. Lat. 78,292.) 

22. CONCILIUM TOLETANÜM IV [a. 6331, cap. XI: 
Jn temporibus quoque reliquis, id est, Ealendis Januariis. quae 
propter errorem gentilates aguntur, omnino Allein ja non de- 
cantetur.* (Mansi X, 622.) 

23. I8IDORÜ8 HISPALENSIS, [f 636] De ecclesiasticis 
officiis Lib. I, cap. 41 : „Jejunium Kalendarum Januarium propter 
errorem gentilitatis instituit Ecclesia. Janus enim quidam 
prineeps paganorum fuit, a quo nomen mensis Januarii nuncu- 

13 



194 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

patur, quem imperiti homines velut Deam colentes, in religione 
honoris posteris tradiderunt, diemque ipsum scenis et luxuriae 
Baoraverunt. Tanc enim miseri homines, et, quod pejus est, 
etiam fideles, sumentes species monstruosas, in feraram ha- 
bitu transformantur: alii, femineo gestu demutati, virilem 
Yultnm efFeminant. Nonnulli etiam de fanatica adhuc consne- 
tudine quibusdam ipso die observationum auguriis profanantnr; 
perstrepunt omnia saltantium pedibus, tripudiantium plausi- 
bus, quodque est turpius nefas, nexis inter se utriusqne 
sexus choris, inops animi, furens vino, turba miscetur/ (Patrol. 
LA.T. 83, 774.) 

24. CONCILIUM ROTOMAGENSE [Rouen] [a. 650], can. 
13: „Si quis in Ealendis Januariis aliqnid fecerit quod a paganis 
iuTentum est, et dies observat, et lunam, et menses; et 
horarum efFectiva potentia aliquid sperat in melius aut in deterins 
▼erti: anathema sit^ Mansi X, 1202.) 

25. VITA 8. ELIGII [f 683J: s. Duc II, 277. 

26. THEODORI Archiep. Cantuar. [f 690] Lib. poenit. c. 
27 § 19: „Si quis in kalendas januarii in cervulo aut vetula 
yadit, id est, in ferarum habitus se communicant [1. commu- 
tant] et vestiuntur pellibus pecudum, et assumunt capita 
bestiarum; qui vero taliter in ferinas species se transformant, 
in annos poeoiteant, quia hoc daemoniacum est. ^ (Tille , Weih- 
nacht 8. 288.) 

27. Derselbe (?) § 24®^): „Qui observat divinos, vel 
praecantatores, philacteria etiam diabolica, et somnia, vel herbas; 
aut quintam feriam, honore Jovis [Donnerstag], vel kalendas 
Januarii, more paganorum, honorat; si clericus est, quinque 
annos poeniteat; laicus tres annos poeniteat.*' (Tille, Yule and 
Ohristmas p. 98 n. 2.) 

28. CUMMEANI Abbatis Scoto Hiberni Liber de mensura 
Poenitentiarum. ®*^) c. VII (al. IX): „Si quis Ealendis Januarii 
aut in vecola aut in cervolo vadit, tribus annis peniteat; ^ 



85) In „Yule and Christmas" p. 98 n. 2 führt Tille nicht mehr TheodoÄ- 
V. Canterbury als Urheber des als § 19 zitierten Verbotes an. Infolgedessec^ 
bleibt es auch unklar, ob der (in der Gesch. d. „Weihnachf* nicht erwähntem 
§ 24 Theodor v. C. angehört. Die Quellenangaben sind in dieser Anm. 2 flbei^ 
haupt etwas konfus. — ^^) Ueber dasselbe und seinen umstrittenen Verfass^^ 
ausser Schmitz noch Wetzer u. Weite's Kirchenlexikon * III, 1239 flf. 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 195 

qnia hoc daemoniam est.^ Var.i Cod. Paris.: „Si quis in 
cerynlo in . . . I annum et in vefula aut in cervulo vadat . . .^ 
Cod. Yindob.: „Si quis in Ealendis Januarias [!] in cervulo 
ant in yetula vadit . . .^ (H. Jos. Schmitz, Die Bussbücher und 
das kanon. Bussverfahren. II [1898] 627.) 

29. CONCIUUM TRÜLLANUM |a. 692], can. 62: .Ka- 
lendas qnae dicuntur, et vota, et bramalia qnae vocantur; 
et qni in primo Martii mensis dei fit conventum ex fidelinm 
uniTersitate omnino tolli volumus: sed et publicas mulierum 
saltationes multam noxam exitiumque afferentes: quin etiam 
eas, quae nomine eorum, qui falso apud Gentiles dii nominati 
sunt; Tel nomine virorum ac mulierum fiunt, saltationes ac 
mysteria, more antiquo et a vita Christianorum alieno, aman- 
damns et expellimus; statuentes, ut uullus vir deineeps muliebri 
veste induatur, vel mulier Teste viro conyeniente. Sed 
neque comicas, vel satyricas, vel tragicas personas induat; neque 
execrandi Bacchi nomen, uvam in torcularibus exprimentes, in- 
vocentf neque vinum in dolus effundentes, risum movent.^ (Mansi 
XI, 971.) 

30. SANCTI ALDHELMI Schireburnensis Ep. [f 709] epist. 
ad Eahfridum: ,,Primitus (pantorum procerum praetorumque pio 
potissimum, paternoque praesertim privilegio) panegyrioum poe- 
mataque passim prosatori sub polo promulgantes, ^^) stridula vocum 
symphonia, ac melodiae cantilenaeque carmine modulaturi, hym- 
nizemus, praecipue quia taudem almae editum puerperae sobolem 
(ob inextricabile sons protoplastorum) piaculum priscorum chiro- 
graphum peccaminum oblitteraturum, terris tandumdem destiliare 
dignatus est, luridum qui unguis chelydrum trisulcis rancida 
virulentaqne Tomentem per aevnm venena torrenda tetrae torti- 
onis in tartara trusit. ^'^) Et ubi pridem ejusdem nefandae natri- 
eis ermuli [1. hinnuli?] cervulique fanis colebantur stoliditate 
in profanis, versa yice discipulorum gurgustia (imo almae ora- 
minum aedes) architecti ingenio fabre conduutur/ (Patrol. lat. 
89, 92.) 

31. S. GREGORn, Papse 11 [731] Capitulare [für Bayern] 
c. IX: ,,. • . Ut incantationes, et fastidiationes [An fatidicti- 
ones?] sive diversa observationes dierum kalendarum, 
qnas error tradidit paganorum, prohibeantur, sicut maleficia, et 



*^) Man beachte die Lautspielerei mit den Wortanlauten p und t. 



196 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

magomm praestigia, senetiam sortileginm, ac diTinantium 
observatio exsecranda . . .** (Patbol. lat. 89, 534.) 

32. EGBERTS Poenitentiale [a. 732—766] Vm, 4 stimmt 
sachlich mit No. 26 überein. (Zitat bei Tille, Yule p. 98 n. 2.) 

33. BONIPACn Moguntini Archiepisc. Epistola 49, ad 
Zachariam papam [a. 742]: «Quapropter paternitas vestra hnjus 
rei yeritatem indicare non dedignetur, at Ecclesiae sacerdotibos 
vel populo Christiane inde scandala et Schismata, vel novi errores, 
non oriantur, et concrescant, quia carnales homines, idiotae Ale- 
manni, vel Bagoarii, vel Franci, si juxta Romauam urbem aliqaid 
facere viderint ex his peccatis quae nos prohibemus, licitum et 
concessum a saoerdotibus esse putant, et nobis improperium de- 
pntant, sibi scandalum vitae accipiunt. Sicut affirmant se vidisse 
annis singnlis in Romana urbe, et juxta ecclesiam in die vel 
nocte, quando Ealendae Januarii intrant, paganorum consuetudine 
choros ducere per plateas, et acolamationes ritu gentiliam, 
et cantationes sacrilegas celebrare, et mensas illa die vel 
nocte dapibns onerare, et nallum de domo süa vel ignem, 
yel ferramentum, yel aliquid commodi vicino suo praestare 
volle.- (Patron LAT. 89, col. 746 sq.) 

34. 8. ZACHARIAE papae epist. 2, ad Bonifacium archiep.: 
„De kalendis vero Januariis, vel caeteris auguriis, yel phylac- 
teriis, et incantationibus, yel aliis diyersis obseryationibus, quae 
gentili more observari dixisti apud beatum Petrum apostolnm; 
yel in urbe Romana; hoc et nobis et omnibus Christianis dete- 
stabile et perniciose esse judicamus, dicente Deo: ,Non aogura- 
bimiüi nee observabitis somnia* (Leyit. XIX). Et iterum: ,Non 
est augurium in Israel, nee obseryatio in domo Jacob' (Num. 
XXIII). Ita et a nobis cavendum esse censemus, ut nullis 
auguriis vel obseryationibus attendamus, quia omnia haec abscissa 
esse a Patribus sumus edocti. Et quia per instigationem diaboli 
iterum pullulabant, a die . qua nos jnssit diyina dementia . . . 
apostoli yicem gerere, illico omnia haec amputayimus.*" (Patrol. 
LAT. 89, 921.) 

33. CONCILIUM ROMANUM I [a. 743], can. IX: „Ut 
nuUus Ealendas Januarias, et broma ritu Paganorum colere- 
praesumpscrit, aut mensas cum dapibus in domibus prae^ 
parare, ut per yicos, et plateas cantationes et choroi^ 
ducere, quod maxima iniquitas est coram Deo: anathema sit."^^ 
(Mansi XII, 384.) 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 197 

36. 8. BURCHARD von Würzburg [f 754], Homilie in, 
De Caleudis Januariis. (Stimmt fast buchstäblich mit der Predigt 
des hl. Csssarius [Nr. 15] überein). 

37. ^Contra complures eins modi superstitiones, Yulcanalia 
et kalendas observare etc. graviter S. PIRMINIUS [f ca. 755] 
invehitur in libello a Mabillionio (Analect. p. 69) edito: ,Ger- 
Yulos et vehiculas [!] in Quadragesima vel aliud tempus noiite 
ambulare. Viri vestes femineas, feminae Testes viriles 
in ipsis kalendis, vel in alia lusa plurima noiite vestire.*" (M. 
Oebbebtus, Lit. AI. p. 843.) 

38. ALCÜINI [t 804] Lib. de Divinis Officiis, cap. 4: „De 
kalendis Januarii. Hac kalendae secundum dementiam gentilium 
potius dicendae sunt cavendae, quam calendae. Ea siquidem 
tempestate (quando judices praeerant filiis Israel, hoc est, ante 
Samsonem) fuit qnidam princeps gentilium in Italia, nomine 
JanuB, a quo Januarius mensis postea nuncupatus est. Hunc 
vero Janum imperiti homines, qui Deum non cognoscebant, quasi 
regem metuebant, et pro Deo illum colere coeperunt, . . . diem 
ipsum mnltis spnrcitiis sacraverunt. Quidam mutabant se in 
species monstruosas, in ferarumque habitus transformabant. 
Alii in femineo gestu mutati, virilem vultum effeminabant: nee 
immerito virilem fortitudinem non habent, qui in mulieris habitum 
transierunt. Aliqni fanaticis auguriis profanabantur, perstrepe- 
bant saltando pedibus, tripudiando plausibus; nonnulli ita 
auguria observabant, ut focum de domo sua, vel aliud quod- 
cunque beneficium, cuiquam petenti minime tribuerent. 
Diabolicas etiam strenas et ab aliis accipiebant, et ipsi aliis 
tradebant. Nee non etiam mensulas plenas ad manducan- 
dum tota nocte paratas habebant^ credentes quod kalend. 
Januarii per totum annum praestare possent. Et quia bis 
atque aliis miseriis mundus universus repletus erat, statuit 
universalis Ecciesia jejunium publicum in isto die fieri, quatenus 
bis calamitatibus auctor vitae finem imponeret . . . Sed neque 
illud reticendum, quod dum quadam die hae superstitiones dia- 
bolicae Romae agerentur, quidam sanctus Almachius cum diceret: 
Hodie octavae diei Dominicae sunt, cessate ab bis superstitionibus 
idolorum et sacrificiis poUutis; jubente Alypio urbis praefecto, 
hac de causa interfectus est. (Patrol. lat. 101, 1077.) 

39. [Duc. erwähnt IV, 481' auch ATTONIS Ep. Basiliensis 
Capitola ecclesiastica, [a.807— 823] Cap. 79. Dieselben enthalten 



198 N^njahrsfeier im altea Basel und Verwandtes. 

aber keine 70 Kapitel. Yielleicbt ist gemeint oap. 19: ^Nono 
decimo ut aliad in ecciesia non legatar aut eantetur, nisi ea quae 
auctoritatis divinae sunt et patram orthodoxorum san^t auctori- 
tas/ (MoN. Gebm. LL. Sect. II, Capit. I, 865.) Aber auch 
hierin kann ich keine Beziehung auf Neujahrssitten sehen.] 

40. HALITGARH Ep. Cameracensis [f 831] Liber Poeni- 
tentialis: De sacrilegio: ^Si quis in kalendis Januarii, quod multi 
faciunt, et in cervulo dicunt, aut in vehiculo [!] vadit^ III annos 
poeniteat.** (Patrol. lat. 105, 699.) 

41. REGINO PRUMENSIS [f 915], De synodalibus causis 
etc. lib. I, c. 304, p. 145: ,,Fecisti aliquid, quod pagani faciunt 
in kalendis januariis in cerTulo vel yetula, tres annos poeni- 
teas." (Tille, Weihn. S. 288.) 

42. Vita S. HUQONIS monachi Aeduensis et priores Enzi- 
acensis [f ca. 930], Lemma 15: ,,Praestigiorum quoque fas- 
cinationes et verborum illusoriorum apotelesmata®^) (quae tam 
in Kalendis Januarii quam in Nativitate S. Joannis Baptistae 
insipientium multitudo committebant) ita abhorrebat, ut sub ana- 
themate, hoc a nullo mortali fieri prohiberet.^ (AA. SS. Boll. 
Apr. II, 766.) 

43. QEORGII CEDRENI Compendium Historiarum. Paris. 
1647, Tom II, fol. 639: „Quin et hunc morem introduxit 
[Patriarcha Theophylactus], qui hodieqne obtinet, quod in 
splendidis atque solennibus festivitatibus Deo et sanctorum recor- 
dationi fit contumelia per foedas cantilenas ac risus et insanos 
clamores, quibus adhibitis sancti hymni cantantur, quos a nobis 
opportebat corda compunctis atque contritis pro nostra salute Deo 
offerri. At ille coetu flagitiosorum hominum coacto, iisque prae- 
fecto Euthimio quodam ... et ab ipso est domesticus templi 
constitutus, diabolicas istas saltationes, obscuras vociferati- 
ones, cantilenasque e triviis et lupanaribus petitas tunc 
adhiberi instituit/ 

44. C^SAR BARONIUS, Anuales ecclcBiastici (Mogunt. 
1603) T. X. Col. 864 [ad a. 956]: JlUus [Theophylacti] item^ 
opus fuit, mos qui etiamnum viget, in sacris et publicis populiK- 



^^) Hiezu die Note: „Apotelesmata Graecis proprie sunt operationi 
seu respoosa genethliacorum, quibus praenuntiant, quaenam fortuo 
aliquem maneat, ex eo quem sibi figunut uatalis constellatiooi 
iDfluxu. 



Neujahrsfeier im alten Basel imd Verwandtes. 199 

celebrationibas contnmelia af&ciendi Deum, et Sanctornm me- 
moriam per quaedam indecora cantica ac risus, et temerariis 
exclamationibas, dum matutino tempore hymni perficiuntur, quos 
opportnit afflicto atque contrito corde pro noBtra salute Deo ad- 
hiberi. Coaeta enim frequentia hominum infamium, ipsisque prae- 
fecto Eutbymio quodam cognomento Caesne, quem ipse Ecclesiae 
domesticum creaverat satanicas saltationes, et indecoras 
clamores, et cantica ex trivüs atque fornicibus percepta, 
eos celebrare docuit.** ^ 

45. ATTONIS VercellensiB Episcopi Capitulare, c. 79: „Ut 
DulluB Ealeudas Januarii et brumas ritu paganorum colere prae- 
Bumat: Bi quiB Ealendas Januarii et brumas colere prae- 
BumpBerit, aut mensaB cum lampadibuB in domibus prae« 
parare, aut per vicos et plateas cantiones et choros ducere 
praesumpserit, quod magna iniquitas est^ coram Deo anathema 
Sit.** (Patrol. lat. 134, 43.) 

46. BURCHARDÜS WORMACIENSIS [f 1025], Decret. 
Üb. 19: B. Duo. II, 277«: 

47. Ein anderes Zitat aus Hom. III, (De Cal. Jan.): „Dies 
kalendarium istarum, fratres dilectissimi, quas Januarias Yocant, 
a quodam Jano, homine perdito ac sacrilego nomen acceperunt^ 
etc. bei Eckhard, Prancia or. I, 837. 

48. PETRUS DAMIANl [f 1072] wird von Ducange s. 
V. cervulus u. nach ihm von Tille, Yule S. 99 Anm. erwähnt; 
die Stelle in Epistulae ed. Paris 1610 ist jedoch nicht unter 
p. 384 auffindbar. 

49. Scholia THEOD. BALSAMONIS [XII. Jh.] et JOAN- 
NIS ZONARAE [XII. Jh.] ad canones concilii sexti in Trullo, 
ad. can. 62: Balsamen. Nota praesentem canonem, et quaere 
correctionem in iis, quae iiunt a Clericis in feste Natalis 
Christi, et feste Luminarium, adversus eum, et magis in 
sanctissima magna Ecciesia. Ex Chronologica enim historia 
Scylitzae, hoc malum non fuisse ab antiquis traditum, 
sed ex permissione Theophylakti Patriarchae Constantinop. filii 
Imp. domini Romani Lacapeni pro comperto habetur. Enumerat 
enim hie historicus, una cum reliquis improbis et diversis ejus- 
dem Patriarchae actis, hoc malum . . . Mos ergo erat apud 
Romanos . . . festum annuatim pauIo gentilius magisque more 
Oraeco celebrare, et quaedam indecora facere: quod etiamnum 



200 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

fit a quibasdam ruBticis, primis Januarii mensis diebus, non more 
Romano calendaram et reliquorum recordantibus, sed eo qaod 
Luna tanc temporis renovetur, et ejus fandamentum ab 
hujus mensis principia stataatur, et quod existiment se laete 
ac JQCunde totam annum transacturos, si in ejus prin- 
cipio festum celebraverint . . . Bota et Brumalia Graeca 
festa sunt . . . Mense autem Martio fiebat magna Graeca concio, 
seu aniversalis conventus, propter bonam temporum et aeris 
temperiem: quo tempore etiam indecorae saltationes a qui- 
busdam mulierculis virisque fiebat. Quae omnia et bis similia 
sancti patres aversantes, nulli viro permittebant muliebri stola 
ullo modo uti, vel contra; sed neque personas induere comicas 
Yel tragicas yel satyrioas: nee Bacchi quidem, nomen in torcu- 
laribus nominare, nee yino dolus infuso ridere et cachinnari . . . 

Zonaras. Sunt Calendae primi mensis cojusque dies, quos 
Graeci solenni religione ac ceremonia de more celebrabant. 
Bota quoque et Brumalia Graecorum festi dies fuere. Bromius 
siquidem Bacchi epithetum. Eos igitur aliosque ejusmodi Grae- 
corum festis dies, ne cultu aliquo prosequi fidelibus lioeat, Patres 
decrevere. Publicas quoque mulierum saltationes, quibua 
spectandis videlicet ad libidinem bomines incitantur, tum quae- 
cunque Graeci viri aut foeminae, commentitiorum numinum honori 
tribnentes, peragere soliti sunt, exhiberi vetant. Praeterea Tiris 
muliebri ornatu, virili foeminis, quae bacchantium sibi con- 
suetudo permiserat; quinimo personarum quoque, comicae, 
tragicae, satyricaeve usu penitus interdictum . . . (Güil. Bevb- 
REGIU8, ITNOAIKON s. Pandectae Canonum etc. t. I, fol. 230.) 

50. J. G. ECKHART (sive ECCARD), Comm. de rebus 
Francia Orientalis I (Würzburg 1729) 433: „De pagano cnrsu, 
quem Yrias nominant, scissis pannis vel calceis . . . Pa- 
ganus ille cursus celebratus mihi videtur in Ealendis Jannariis; 
nam sanctus Bonifacius cum illum in nova Francia sive Pran- 
conia abregare vellet, affirmarant ipsi Francones reoens ad fidem 
Christianam conversi, ut ex ejus ad Zachariam Papam Epistola 
patet . . .^ Es folgen dann ausserdem die Citate: Augustinus 
Serm. de Tempore 215, Audoenus in Vita S. Eligii Lib. U, 
cap. 15, Conc. Autiss. Gan. 4, S. Pacianus Paraen. ad poen., 
Ambros. in Psalm. XLl, Faustinus Serm. de kal. [von Cae- 
sariusP], Halitgarius Poenit. c. 6, Burch. Wormat. 1. XIX, 
c. 5. Er fügt dann bei: „Geremonias omnes si considero, videtur 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 201 

mihi carsQs ille paganus in hoDorem Velledae sive Huldae, 
Oermanoram Dianae, celebratas esse.'' 

Anhang II. 
Aeltere Zeugnisse betreffs parodierte Bischofswahl. 

Fraglich ist, ob die vier ersten Stücke sich auf unseren 
Brauch beziehen: 

1. 8YN0DUS CONSTANTINOPOLITANA [a. 869], can. 
XYI: ^Propter contentiones et tnmultus, qui in Dei ecc- 
lesia contingunt, hoc quoque est definire necessarium, ut epis- 
copus nullo modo constituatur in ecclesia, cui qui prae- 
est, adhuc vivit, et est adhuc in proprio honore constitutus, nisi 
episcopatui sua spbnte renunciaverit. Oportet enim causam ejus, 
qui est episcopatu expellendus canonice examinatam ad finem 
priuB deduci: deinde post ejus depositionem, alterum in ejus 
episcopatum provehi ..." (Mansi XVI, 547.) 

Dagegen habe ich folgende von Ducange flV, 481** unten) 
zitierte Stelle nicht finden können: „Fuisse qaosdam laicos, 
qui secundum diversum Imperatoriam dignitatum videbantur ca- 
piUorum comam circumplexam involvere atque reponere ... et 
gradum quasi sacerdotalem per quaedam indusia et 
vestimenta sacerdotaiia sumere, et, ut putabatur, Episcopos 
coDstituere^ etc. 

2. Chronici jussu CONSTANTINI PORPHYROGENNETI 
conscripti, a Leone Armenio usque ad Michaelem Theophili F. 
[sive: Constantini Porphyrogenneti Continuator sive Theophanis 
continuati lib. lY] lib. IV, cap. 38: „Quodque his gravius, quod 
secum habebat [Michael, regn. 862-867] sodalitium .... his 
ille honorem habens eosque colens, divinorum contemptu, sacer- 
dotales auro contextas vestes ac Pontificum humeralia eis 
adhibebat, ac haecque turpiter ac impure, quae pura sunt, eos 
peragere cogebat. Ejus chori principem, sie nuncupatum Grylum. 
Patriarcham vocabat: reliquos undecim, praecipuarum illustrium- 
qae Sedium Metropolitas . . . Qaia vero etiam cantillare, 
divinaque peragere Mysteria illis incumbebat, cantica 
modulosque explendo citharam adhibebant, modo sensim pulsantes, 
et ud illa stridulum argutumque sonum ederet, hoc aemulati quod 
Sacerdoti secreto agitant; modo pulsu libero ac claro sonitu, pro 
eo ac Sacerdotes sie clare quasi perorando pronantiant. Aurea 



202 Neiljahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

quoqae ac gemmis baccata vasa aceto at sinapi implentes, atque 
Ulis impartientes qai erant percepturi, per eam modam impollutis 
Mysteriis illudebant. Accidit autem et qaandoque ohoras hio 
beato Ignatio Patriarchae obviam fieret, cum is sapplicationiB 
causa ex Ecclesiastico ordine cum Clericorum pompa procederet. 
HuDC ut conspexit Qrylus, lubentissime rem capescens, pulsare 
auspicatur^ retractaque casula cum sodalibus^ contentiore citbarae 
sonitu, sanctiBsimos vires convitiis compluit Terbisque turpissimis 
fatigat. (HisTORiAE Byzantinae Scriptokes post Theopbanum, ed.' 
Combefisius. Paris. 1685, fol. 124.) 

3. C0NSTANTINU8 PORPHYROGENNETES de Basilii 
Imp. avi vita et rebus gestis [sive: Const. Porph. Basilius 
Macedo, sive: Theophanis continuati Lib. Y] Cap. 21 handelt 
ebenfalls von dem Sacrileg Michaels. (Hist. Byz. Script, p. Theoph. 
fol. 152.) 

4. SYME0NI3 Magistri ac Logothetae Annales, a Leone Ar- 
monio usque ad Nicephorum Phocam [sive: Symeonis Mag. et 
Log. Annales, sive: Symeon Mag. De Const. Porphyr.], Michael 
et Theodora, cap. 18, über das Sacrileg Micheals. (Hist. Btz. 
Script, p. Theoph. fol. 437.) 

5. BELETUS [Amiens c. 1180], Liber L Divin. Offic. c. 
72. 120: Duo. 4, 481'" 

6. „Extant enim literae PETRI CAPUANI, Card, legati in 
Francia a. 1198, quibus praecipit Odoni Episcopo Paris, et ali- 
quot canonicis ejnsdem Ecclesiae, ut hocce festum, quod fatu- 
orum appelabatur, et ia Ecclesia Paris., ut in exteris invaluerat, 

penitus abolerent.** (Dürr, De Episcopo puerornm, in: A. 

Schmidt, Thes. jur. eccl. III, 75.) 

7. CONCILIUM PARISIENSE [a. 1212], P. IV. c. 16 
Duc, IV, 482« 

8. „LUCAS CUSENTINUS [1. Consentinus] Episcopi]^ 
[t 1224] in suo ,Ordinario' inquit: ,Puero Episcopello Pont^-^ 

ficalia conceduntur insignia, et ipse dicit orationes.^" (Dcr 

1. c. 71 seq.) 

9. CONCILIUM COPRINIACENSE [a. 1260], cap. BKI 
^Rursus cum in balleatione quae in festo sanctorum Ini3^ 
centium in quibusdam ecclesiis fieri inolevit, multae riKi^ ^ 
contentiones et turbationes, tarn in Divinis officiis quam ftJI i 
consueverint provenire, praedictas balleationes nlterius snb Mm 
timatione anathematis fieri prohibemus: necnon et episcopos Mi 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 203 

praedicto festo creare: cum hoc in ecciesia Dei ridicalum 
existat, et hoc dignitatis episcopalis ludibrio fiat. Divina tarnen 
of&cia, prent melins et honestius fieri poterit, ut in aliis festivi- 
tatibus, celebrentur.« (Mansi XXIII, 1033.) 

10. CONCILIÜM SÄ.LZBURGENSE [a. 1274] cap. XVII: 
^De Episcopis puerornm. Ad haec quidam ludi noxii, quos 
vulgaris elocutio Episcopatns puerorum appellat, in quibus- 
dam Ecclesiis exercentes [1. exercenturP] adeo insolenter, quod 
nonnumquam enormes culpae et damna gravia subsequnntor. Ex 
ipsis hos Indes in Ecclesiis et a personis ecclesiasticis de cetero 
fieri prohibemus, nisi forti parvi sexdecim annorum et infra 
fuerint, qui hujusmodi Indes exercent: quibns alii seniores ipsis 
nullatenus se misceant aut iutersint/ (Goncilia Oermaniae ed. 
Schannat.Härtzbeim 1760. t. III, p. 642.) 

11. WARDROBE ACCOUNT of the 28 Edward I [a. 1299]: 
„Septime die Decembris, cuidam Episcopo Puerorum di- 
centi Yesperis de Sancto Nicholas coram Rege in Capeila sua 
apud Heton . . ." (Brand. Populär Antiquities I [1840], 232^ ) 

12. 8YN0DUS DKECESANA WORMATIENSIS a. 1316: 
^. . . quod olim a Praßdecessoribus nostris causa devotionis ordi- 
natum fuerat, et statutum, videlicet: ut Sacerdotes singulis 
annis in Festivitati B. Joannis Evang. uuum ex se eligant, 
qui more Episcopi Missam illa die gloriose celebret, et 
festive, nunc in ludibrium vertitur, et in Ecciesia ludi fiunt 
theatrales, et non solum in Ecciesia introducuntur monstra 
larvarum, verum etiam Presbyteri, Diaconi, et Subdiaconi in- 
saniae suse ludibria exercere prsesumunt, facientes prandia 
sumptuosa et cum tympanis et cymbalis ducentes choreas 
per domos et plateas civitatis . . . Prseterea districte inhibemus: 
ne sacerdos, qui, ut in festo S. Joannis more solito Missam 
celebret, assumetur, aliquam personam Ecclesiasticam vel mun- 
danam, mimos, Yillegatores, vel tympanatores ad coenam 
vel prandium invitet, vel illos, aut alios, qui musicis instru- 
mentis canere consueverunt, in Ecciesia vel extra, in domo vel 
platea, eundo vel corizando sequatur . . . Prandio autem facto, 
praedictus sacerdos non equo, non asino, more insani, per 
vicos equitet et plateas. *" (Ant. Schmidt in: Thes. jur. eccl. 
III, 81.) 

13. STATUTA ECCLESIAE COLLEGIATAK S. DIONYSII 
LEODIENSIS [Lüttich] de anno 1330: „Item statutum est, quod 



204 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

ultiraus receptuB in CaDonioam, qai in perceptione erit froctaam^ 
et non erit foraneus cujascanqae sit ordinis solyet Episcopatum 
paerorum illius anni (i. e. expensas pro hao ceremonia neces- 
sarias feret) et semper quousque alius de novo reoeptas faerit. 
Canonicas . . . ipsum exemerit, qui tenetar solyere dictam Epis- 
copatum . . . Adjectum . est etiam, qnod Canonicus, qni primaa 
expensas in die Beati Nicolai fuerit, ille idem expensas in dei 
Innocentinm salvet . . .^ (Ant. Schmidt in: Thes. jur. eccl. 

III, 82.) 

14. „In the WARDROBE ROLLS of King Edward the 
Third, an. 12. [1388], we have this entry . . . : ,Epi8copo 
puerorum Ecclesiae de Andeworp cantanti coram domino Rege 
in Camera sna in festo Sanctorum Innocentinm.'*^ (Brand, 
Pop. Ant. I, 285.) 

15. CAEREMONIALE (Manuskr.) der Kirche von Viviers 
V. J. 1385: Düc. IV, 481^ 

16. DEKRET des Kapitels von Auxerre v. J. 1400: Duc. 

IV, 484^ 

17. BrauDSchweig 1400: „Vermnmmungen am Nütlaastage 
und damit verbundene Umzüge werden schon im J. 1400 in 
Braunschweig erwähnt. Die Schüler des Blasiusstiftes statteten 
damals einen Popanz aus, der allerlei Possen und Thorheiten 
ausführte; dann wählten sie einen Bischof und Abt, der 
die priesterlichen Handlungen nachahmte. Der Unfug war so 
gross, dass 1407 das Kapitel dagegen einschritt/ (Akdbee, 
Brauuschweiger Volkskunde ^ S. 325.) 

18. Dioecese Viviers i. J. 1406: Duo. 482f 

19. CONCILIUM BASILEENSE [a. 1435] Sessio XXI § Xli 
^Turpem etiam illum abusum in quibusdam frequentatum Eccle — 
siis, quo certis anni celebrationibus nonnuUis cum mitra, ba — 
culo, ac vestibus pontif icalibus more Episcoporum bene — 
dicunt, alii ut reges ac duces induti [sunt], quod festanzs 
fatuorum v.el innocentum, seu puerorum in quibusdam re^— 
gionibus nuncupatur, alii larvales et theatrales jocos, a&i 
choreas et tripudia marium ac mulierum facientes homin^^ 
ad spectacula et cachinnationes movent, alii commessation^^ 
et convivia ibidem prseparant.** (Mansi 29, 108). 

20. Saint-Rieux [1437]: „On passe dans le oompte de ItL. 
coI16giaIe de Saint-Rieux de Tan 1437, 8 sons parisis, donn^s aoxi 



Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 205 

▼icaires pour avoir tena le lieu du petit 6yeque le jour des Inuo- 
centa, comme il etait de coutume/ (La Tradition 1901, p. 72.) 

21. KAPITELALKTE von Amieos [1438]:»^) Jn preeenti 
capitalo comparentes J. C, J. de N. . . . Ecclesiae Ambianensis 
capellani pridem lecti iDstitati ordinati et assumpti in papatum 
stultorum villa Amb. missi ut dicebant aliis suis successoribus 
et pcedecessoribus Snperstibus in Papam hajus modi . . . remon- 
strayerunt per Organum dicti C. quod J. de C. nunc deffunctus 
dum viveret papatum prsedictum obtinens suo in testamento et 
ultima Yoluntate qui decessit legavit papali feste ipsius viliae 
LX sol . . . paris suplicantes iidem missi isdem dominis (cano- 
nicis) quaternis ipsi consentirent quod dicti C. et sui praedeces- 
Bores in papatu ordinati superstites die circumcisionis Do- 
mini facerent prandinum in quo beneficiati ipsius viliae convoca- 
rentur, in iidem in ibi [?] eligere instituere et ordinäre valereat 
[!] papam ac papatum revoiarent. ** (La Tradition 1901, p. 10.) 

22. Ad Opera PETRI BLESENSIS Appendix (Copia cujus- 
dam Epistolae a venerabili Facultate theologiae studii Pari- 
siensis, praelatis et capitulis ecclesiarum regni Franciae Trans- 
missae etc.) 

„, . . Porro a gentilibus venit haec spurcitia, atque de 
reliqniis gentilitatis est haec festivitas, licet festum Fatuorum 
a suis fautoribus intituletur . . . Hoc autem exsecrationis coa- 
gulnm, quod vocatur Festum stultorum in ecclesiis, in locis sancti- 
ficatis, et a personis Deo consecratis fit . . . 

Quis, quaeso, Christianorum seusatus non diceret malos illos sa- 
cerdotes etclericos, quos divini officii tempore videret larvatos, 
monstruosos vultibus, aut in vestibus mulierum, aut leonum, 
▼elhistrionum choreas ducere in choro, cantilenas inhones- 
tas cantare, offas pingues supra cornu altaris juxta celebrantem 
missam oomedere, ludum taxillorum ibidem exarare, Thuri- 
ficare de Thumo fetido ex cario veterum sotularium, et per 
totam ecclesiam currere, saltare, turpidudinem suam non eru- 
beacere, ac deinde per villam et theatra in curribus et vehiculis 
sordidis duoi ad infamia spectacula, pro risu astantium et con- 
correntium turpes gesticulationes sui corporis faciendo, et 
yerba impndicissima ac scurrilia proferendo? . . . 



•9) Ich gebe dieses stellenweise fehlerhafte Zitat buchstäblich wieder, 
ohne zn untersuchen, wem die Verstösse zuzuschreiben siud. 



206 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Consuetado introducta ab antiqao, secundum quftm in qni- 
busdam ecciesiis tarn oathedralibos quam coUegiatis, vel aliis, 
annis singalis in festo Innoeentium, aat S. Stephani, vel Circom- 
cisionis Domini, aut alio, ab ecclesiasticis viris fit quoddam festum, 
qaod Festum stultorum vocant, in quo solent per eosdem fieri 
mille derisiones et fatuitates, etiam contra reverentiam Dei, et 
in yitnperium magnum cleri et totius Status ecclesiastici, est a 
sanctis Patribus et generalibns conciliis reprobata, et magis est 
dicenda corruptela quam consuetudo, nee praetextu cujuscunque 
statuti observanda. 

Non licet in aliqna ecclesia sub prsetextu prsefatee malse, 
et damnatae consuetudinis eligere episcopum vel archiepiscopmn 
fatuorum, yel etiam electum derisorii et cum ludibrio confirmare . . . 

Non licet hujusmodi episcopis vel archiepiscopis fatuomm 
uti quovis modo insigniis pontificum, videlicet, mitra et bacnio 
pastorali aut ceteris hujusmodi . . . 

Non licet insnper praefatis episcopis vel archiepiscopis fatu- 
orum facere divinum officium in ecclesia cum supradictis insigniis, 
nee dare benedictiones legentibus lectiones matutinaleSi nee etiam 
benedicere populum ... 

Si non licet . . . facere episcopos aut archiepiscopos fatu- 
omm . . . ; a fortiori ratione non est licitum etiam prsetextu 
cujuscunque antiquae consuetudinis . . . facere unum papam 
Fatuorum . . . 

Non licet . . . viris ecclesiasticis et maxime in sacris er- 
dinibus constitutis . . . quod sub praetextu aut colore dicti feeti 
Fatuorum faciant officium divinum, aut illi intersint habitibus et 
vestimentis ecclesiasticis, sicut in quibusdam ecciesiis pridem fuit 
observatum . . . 

Non licet ducere choreas in ecclesia, quando fit divinum 
servitium, aut comedere seu bibere circa altare, quando 
missa celebrantur . . . 

Non licet ecclesiasticis . . . dimittere . . . vestimenta sua 
clericalia ... et uti vestimentis saecularium virorum, aut stul- 
torum . . . ; et adhuc minus licet eis larvatas accipere facies 
aut depictas, vel assumere vestimenta rauliebria; ac faoere 
ludoitheatrales, vel ludibria aut spectaculum suorum cörporum, 
et alios personagiorum ludos, et maxime in locis publicis, vel 
coram magna popularium multitudine . . .• (Patbol. Lat. 207, 
1169 sqq.) 



Neujahrsfeier im alten Basel uod Verwandtes. 207 

23. Brief KARLS VH. t. Frankreich vom J. 1445: Duc. 
IV, 483! fg. 

24. LUDWIG, Erzbischof v. Sene 1445: Duc. IV, 484^ fg. 

25. JOH. STONE, De Obitibue et aliis meraorabilibua 
[Eccles. Cantuar.] Mscr.: ,,Hoc anno 1464. In Feste Sancti 
Nicolai non erat Episcopus pueroram in Scola Qrammaticali 
in Civitate Cantuariae [Canterbury], ex defectu Magistromm.^ 
(Brand, Pop, Ant. I, 236\) 

26. STATUT von Toul 1497: Duc. IV, 483': 

27. ORDINARIUM von Ronen XV. Jahrb.: Dua IV, 483' 

28. Prag im XV. Jahrb.: „Die Rectoren der Schnlen nnd 
ihre Studenten veranstalteten jedes Jahr einen Aufzug, bei 
welchem Einer als heil. Nikolaus in reichen, prächtigen Bischofs- 
gewändem herumgeführt und von einem Gefolge begleitet wurde, 
das von Schmuck und Juwelen strahlte. Man nannte diesen 
Aufzug: ,den Bischof in die Häuser geleiten^ (episcopum conducere 
in domns) und das Gefolge des Bischofs: ,die Ritterschaft des 
heil. Nikolaus/ ^ (Reinsbero, Fest-Ealender S. 530.) 

29. GUIL. MARLOT, Metropolis Remensis Historia 1679 

T. n, 769: ,,Invaluerat per omnes fere cathedrales Ecclesias 

die Ss. Innocentium laudabilis primum consuetudo; sed que in 

tot münicos, et scurriles jocos deflezerat, ut hujus ecclesiastici 

coetus primarios puduerit, donec penitas abrogata est. Vicarii 

et Cappellani puerum hoc festo die episcopalibus orna- 

mentis indutum, mitra, supparo, chirothecis et pedo pastorali, 

in Ecciesiae chorum inducebant, benedictionem populo im- 

pertientem: tum per vicos Urbis et plateas cum joco et ca- 

chinnis indecentibus, et Clericatu indignis. Guillelmus Durandus 

hujus meminit in Rationali, aitque festum inchoari solitum a 

Vesperis Nativitatis Domini, quibus Diaconi antiphonam sancti 

Martyris Stephani modulate canere, Matutinis prseesse, Lectiones 

T«citantibu8 benedictionem largiri, et alia quaedam contra recep- 

tam Ecciesiae morem facere. Diaconos excipiebant Presbyteri 

d«i S. Johannis, et hi regendi Officii munus pueris remittebant 

festo Innocentium, quod puerilis episcopus ornabat, ritu haud 

"^Mimili ab eo, quem Ivo Carnot. tetigit epist. 68 

Eligimus puerum, puerorum festa colentes 
Non nostrum morem, sed Regis jussa sequentes. 



208 Neujahrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 

Quibusdam locis SubdiacoDi Circumcisionis diem 8ibi 
vendicabant, alibi octayamEpiphanae, quam StuUorum festum 
Tulgo quidem, sed mimice Yocitabant. Cognatus refert eo pro- 
^ressas hujus modi sannas et abusus, ut pro honestis et licitis 
animi remisBionibus, juniores Beneficiarii stultorum episcopum 
in theatro pro foribas Ecclesiae erecto, singulis annis instituerent, 
cui mox per urbem tumnltuose, et petulanter deducto epulnm 
parabatnr SBque ridiculum et ineptum, quod Senatus Parisiensis 
decreto, Decani et Capituli rogatu, abrogatum est anno 1490. 

Remis puerilia haec oblectamenta faciendi facultas petebator 
singulis annis in Capitulo ab Innocentium archiepiscopo, magistro, 
et pneris, dariqne coDSueverat cum sumtibus epuli, modo fierei 
sine larvis et strepitu tubiciniSy et sine equitatione per villarn^ 
ex conclusioni anni 1479. Patet ex alia conclusione anni 1508, 
discordiam emersisse inter scholae Remensis Ecclesiae, et templi 
episcopos, pro hoooris gradu, et incedendi praerogativa. San- 
citum tarnen reperio, Petri Remy majoris Archidiaconi hortata, 
ne deinceps coriales pueri mitram, ac pedum gestarent, nee epis- 
copalibus vestimentis induerentur, juxta Concordata, et Pragmati- 
cam-Sanctionem alias in Concilio Basileensi renovatam, qua cau- 
tum est Sess. 21 ut larvati et theatrales illi joci, qui in festo 
Innocentium usurpari solebant, ab Ecclesia arcerentur. 

Ueber das XV. Jahrh. hinaus wollen wir die Sitte nicht 
verfolgen. 

, Undatiert. 

30. „TÜRONENSE S. MARTINI RITUALE manuscriptum: 
,Po8t primam S. Johannis vadunt Clericuli super equos ad bellum 
montem, et ibi in cathedra levant Episcopum, et incipit 
cantor puerorum ad majorem portam Ecclesiae R. Sancta et 
ante altare B. Mariae antiphonam alma cum Gloria^ post facit 
Episcopus revestitus in cappa serica Benedictionem in Choro 
super moniales. Post redeuntes cum Episcopo revestito levant 
eum in cathedra ante portam Thesaurarii et dicunt R. Sancta, 
et ducunt eum ante B. Martinum, ubi dicta oratione facit supei 
populum Benedictionem, et debet succentor ire cum eis ad Ec- 
clesiam Belli montis. Ad missam serviunt sicut in festo S. 
Stephani excepto quod Juvenes non caotant Epistolam, sed sub 
diaconus legit eam, in choro. Ad vesperas super psalmos anti 
phonsB de laudibus, et quando magnificat canitur, veniunt den 



Neujabrsfeier im alten Basel und Verwandtes. 209 

culi in Choro cum Episoopo habentes candelas accensas de proprio, 
et qnando deposuit oanitur, ac6ipit cantor puerorum bacalum, 
et tanc in stalla ascendunt pueri, et alii descendunt, et dicta 
oratione vadant ad altare crucifixi bantantes R. sub altare, post 
antipbonam innocentes cum magnificat et Oratione, post dicit 
ibi EpiscopuB benedictionem , scilicet Dominus omnipotens. 
Deinde ducit eos cantor in domam suam, et ibi bibnnt et dant 
Candelas janitori cantoris.' * (Dürr, De Episc. puerorum, in: 
Schmidt, Thes. jur. eccl. III, 72.) 

31. „Similiter Ecclesia Suessonensis [Soissons] sustulit anti- 
qoum morem: in ejus enim antiquo RITÜALI libro tempore 
NiYelonis ^^) scripto habitur: ,et sciendum est, quod haec 
festivitas (S. Stepbani) de communi totius capituli assensn ab 
Omnibus exolusa antiqua consuetudine Diaconorum et Ludorum 
solenniter, sicut aliae triplices festivitates, debeat celebrari/ ^ 
(DQrr, De Episc. puerorum, in: A. Schmidt, Thes. jur. eccles. 
III, 75.) 

Dass ein ganz analoger Brauch bei den Nonnen bestand, 
möge endlich noch folgender, freilich dem XYI. Jahrhundert an- 
gehörender Beleg zeigen. 

32. VISITATIONS der CarrowNunnery (in Norfolk, 0. S. B.) 
[14. Juni 1526.]: „Item habent in feste Natalis Domini juniorem 
monialem in abatissam assumptam vocandi [sie, für jocaudi?] 
causa; cujus occasione ipsa consumere et dissipare cogitur, quae 
yel elemosina Tel aliorum amicorum largitione acquisierit. *" Der 
Bischof verbietet darauf diesen Gebranch. ^*) (Visitatioxs of 
the Diocese of Norwich 1492—1532, ed. A. Jessopp, London 1888, 
p. 209). 



5®) Es giebt deren zwei im XIII. Jahrhundert. 

^*) Gütige Mitteilung von Herrn Dr. E. Pueter in Basel. 



14 



210 



Volkskundliches aus dem Taminathal. 

Von F. W. Sprecher in Kriegstetten. 

II. 
Wirtschaftliche Gebräuche. 

Hirtenleben. 

Alljährlich wird im Frühjahre für flie Ziegen, Schafe und 
jungen Rinder je ein Hirte neu gewählt, welcher seine Yiehhabe 
täglich von der Morgen- bis zur Abendämmerung auf den All- 
menden oder Oemeindeweideplätzen (gewöhnlich mit dem Sammel- 
namen „Allmei'^ bezeichnet) zu hüten hat. Zur Sammlung der 
Herde am Morgen dient dem Ziegenhirten oder „Oeisler*" die 
sog. ^Guga," ein altes, grosses Ziegenbockhorn, das er in rhyth- 
mischen Stössen erschallen lässt. Der Schafhirt oder ^Schötler^ 
und der Rinderhirt begnügen sich, die Bevölkerung durch lang- 
gedehnte Pfiffe aufmerksam zu machen. Ausser einer festen 
Belohnung haben der Rinderhirte und der Oeisler mit seinem 
Buben das Recht, ^uf d'Spys^ zu gehen, d. h. morgens und 
abends bei den Ware auftreibenden Bauern der Reihe nach 
zum Essen zu gehen, während er den „Z'nüni*^- und Mittags- 
tisch, bestehend in Schnaps, Käse und Brod mit sich auf die 
Weide nimmt. Für jedes Stück „Geis" hat der Bauer eine 
Mahlzeit; für jedes Stück Rind aber einen ganzen Tag, also 
drei Mahlzeiten zu spenden. Dem Rinderhirten muss ausserdem 
von den „Spysenden*^ als Gehülfe ein Bube oder „Fissner" 
gestellt werden. Vom ersten Frühlingserwachen bis zum „Ein- 
schneien** im Spätherbst hütet der „Geisler*^ in dieser Weise di& 
ihm anvertraute Habe; doch zieht er im Hochsommer alle 
Wochen zwei- bis dreimal ins Vättnerälpli „Ladils" hinauf, unn 
die steileren Weideplätze, wohin die Kühe nicht mehr getrieben 
werden, abgrasen zu lassen. Wegen der Milch der Ziegen ie^ 
er aber gezwungen, seine „Geis^ allabendlich heim zu treiben. 

Der Rinderhirte ist ähnlich wie der „Schofler" in dieser 
Beziehung freier und kann seine „Rindli** und „Chelber** während 
der Nacht oft « ausliegen ** lassen. Im Sommer, d. h. Ende Juni, 
treibt man ihm das Vieh auf die Alp „Calvina,* wo er dasselbe 



VolkskuDdliches aus dem Taminathal. 211 

gemeinsam mit zwei Buben bis Mitte September za hüten hat. 
Dazu liegt ihm noch die Aufsicht über die Schafe und etwelche 
Pferde ob, die man zur Kur dort hinauf schickt. Den Unter- 
halt bezieht er nunmehr auf Kosten der Gemeinde. Auch nach 
der Alpentladung („ Alpfahrt '^) im Herbst bis zum Rosenkranz- 
sonntag (das ist der erste Sonntag im Oktober) hat er im Thale 
drunten das Vieh wieder auf ähnliche Weise zu hüten, wie im 
Frühling. 

Immer bleibt den Sommer über einiges Jungvieh nebst 
zahlreichen einheimischen oder von auswärts gemieteten Milch- 
kühen, den ^Heimschkühen,^ im Dorf zurück. Für diese wird 
bis zur Wiederkehr des Rinderhirten von der Alp ein besonderer 
Hirte, der „Heimschküher,^ gewählt, der die gleichen Funktionen 
wie jener hat, aber nicht „z'Spys" geht. — Sowohl der Rinder- 
hirte wie der Heimschküher pflegen den Brauch, ihren schönsten 
und stärksten Rindern und Kühen Kränze und ,,Plümppa'' 
[Schellen] anzulegen, wenn jener von der Alp und dieser am 
Abend desgleichen und letzten Weidtages heimkehren. In den 
häafigsten Fällen geschieht das aber nur, um ein entsprechendes 
Trinkgeld von Seite der Eigentümer einzuheimsen. 

Bis vor kurzem bestand auch der Brauch, alljährlich Mitte 
oder Ende Mai die jungen ,,Gitzi" und ^Nöser" — das sind die 
^« und 1 V^jährigen Zicklein, die noch nicht geworfen haben, — 
^auszustellen.^ Zu diesem Zwecke werden dieselben ge- 
zeichnet, indem man ihnen bestimmte Figuren, sog. „Zeichen^aus 
den Ohren herausschneidet. Alsdann führt man sie ein Stück weit 
ins Gebirge z. B. auf die ^Gitziplatta" oder in ^d'Grapperfirst" 
hinauf und lässt sie dort bis zum Spätherbste frei laufen. Nahrung 
ist in den Wäldern und Grasplätzen genügend vorhanden. Ihre 
Wohnung suchen sich die Tiere unter den überhängenden 
Felsen oder „Balmen." Viele Stücke bleiben zahm und kehren 
oft wieder ins Thal zurück ; andere aber verwildern und können 
im Herbste oft nur mit grösster Mühe und tagelanger Jagd 
wieder eingefangen werden. Im Jahr 1898 hat eine Forstver- 
ordnung diesem „Ausstellen'' ein Ende gemacht. 

Maiensässleben. 

Jeder Bauer, der ein Berggut oder nMaiensäss** besitzt, 
zieht im Frühling, oft auch im Herbst mit seinem Yieh dort 
hinauf. Oft tragen diese Bergwiesen den abgekürzten Namen 



212 Yolkskundliches aus dem TamiDathal. 

„Berg/ So habeo die Yalenser ihre „Yalenserberg'^, die Yasöner 
ibre „Bachberg'/ die Pfaferser und Yadurner ihre „BIäserberg\'^ 
Die Yättnerbauern habeo als Maieosässe den „umg7airna Wald*", 
Calfeisa, Luterazug und Yättnerberg. — Wir wollen hier nur 
auf den letztern etwas näher eingehen. 

Der Yättnerberg ist eine wunderschöne, etwas hügelige 
Wiesenterrasse am Abhänge des Monte Luna und gehört einer 
Korporation von Yättis. ' Letztere besitzt auch in der Umgebung 
mehrere »Birg^ (Wildheuplanggen), deren Ertrag jährlich ver- 
steigert wird, ferner besondere Yorrechte an der Alp Calvina. 
— Alle Bergwiesen liegen unmittelbar nebeneinander, sind aber 
ebenso zerstückelt wie die Güter im Thale unten. Ausser den 
für Yieh und Heu nötigen Stallungen, bestehend in Stall und 
Stadel, besitzt jeder Berger auch sein eigenes „Hüsli^ mit 
„Stübbli^, Küche, Holzschopf und Keller. Manche dieser 
Wohnungen stehen frei, andre sind an die Ställe angebaut. 
Alle Gebäulichkeiten sind in fünf Gruppen oder Weilern ver- 
einigt. Wasser ist in zwei kleinern, aber ausgezeichneten 
Quellen vorhanden. — Da hinauf zieht der Bauer Mitte Mai 
mit dem grössten Teil seiner Yieh-Habe. Morgens und abends 
wird dieselbe auf die Weide getrieben und dort eine Stunde 
lang von einem Buben gehütet. Da keine Bäume oder Sträucher 
den Ueberblick über den „Berg^' verhindern, so gewährt dieses 
Weidenlassen des Yiehes mit all' dem Geläute und Geklingel 
und der herrlichen Aussicht über das Thal und die fernen Ge- 
birge ein überaus ansprechendes, heimeliges Bild. Yiele Berger 
nehmen auch von andern Bauern, die keine eigenen Maiensässe 
besitzen, sog. Lehenkühe ins Futter an, deren Nutzen sie gegen 
eine geringe Entschädiguag an Molken beziehen. — Jeder Berger 
ist, sofern er keinen Knecht hieher schicken kann, sein eigener 
Herr und Senn, der seine kleinen Maienkäse, sein „Schmalz^ 
[Butter] und Zieger selber fabriziert und hiebei von seinem 
Buben unterstützt wird. Dafür bekommt dieser auch nach dem 
„Anggen" (Zentrifugieren) die erste „Schnitta** Butter und Brod, 
aus dem „Chessi" den ersten ^Pulder* (junger Käse), und am 
Schlüsse einer ^Käsata^ a Muttla voll Schotta und Zieger^ zum 
Essen. 

Solche ^Chäsata'' finden je nach dem Milchvorrate mehr- 
mals in der Woche statt. Käse, Butter und Zieger werden im 
Keller aufbewahrt und am Sonntag Morgen in Gemeinschaft mit 
den übrigen Bergern auf dem ^RäfF*^ ins Thal heimgetragen. 



Volkskundliches aus dem Taminathal. 213 

Als Haoptspeisen figariren hier oben überall neben Kaffee 
und Miloh ein „Tatsch, Finz"" oder „Türgg."" Der Tatsch ist 
eiDe der Omelette ähnliche, aber gewöhnlich ohne Eier zube- 
reitete Mehlspeise, welche über dem Feuer in kleinere oder 
grossere Stücke zerstossen und in Butter gebacken wird. Kommen 
noch Eier hinzu, dann heisst das Produkt auch , Eiertatsch. ^ 
Der Türgg wird aus siedender Milch und darin gestreutem Mais- 
mehl, unter Zusatz von Salz und Butter, bereitet. Der Finz 
oder Fenz ist ein in Butter gebackenes Mehlmus. Alle diese 
«festen^ Mehlspeisen gelangen mitsamt der Pfanne und dem 
darunter gestellten «Pfannachnechf^ auf den Tisch. — 

An den Nachmittagen wird von den nahen Abhängen 
Streue oder Holz herbeigetragen, oder der Dünger mit der 
„Binna'' ausgeführt. Die Binna ist ein niedriger, zweirädriger 
Brücken wagen, der von zwei Stück Jungvieh an einer langen, 
geraden Deichsel gezogen wird. 

Des Abends nach vollendetem Tagwerke sitzen die Berger 
da und dort, in einem Stübbli, auf einem „Bühel^ [Hügel] oder 
^Gafer* [Felsrippe] zusammen, um zu „tabäklen^ [rauchen] und 
zu ^ tatschen*^ [plaudern]. 

So lebt man hier drei bis vier Wochen lang bis anfangs 
Jnni. Alsdann zieht alles gemeinschaftlich mit dem Vieh eine 
Viertelstunde weiter hioauf zu den sog. „Hütten'^, wohin auch 
die nötigsten Haus- und Milchgeräte gebracht werden. Hier 
wohnt alles Vieh in kleinen niedrigen „Schära^ [Ställe] 
beisammen. Dem „Schära** hat jeder Berger einen besonderen 
Raum als Hütte angebaut, in welcher er sich des Tages aufhält 
und seine Käserei fortsetzt. Des Nachts schläft er in dem 
wenigen Heu auf dem „Scharastadel'' [Heuraum]. Auch die 
wegen der Milchabfälle mitgenommenen Schweine haben ihre 
eigenen, winzigen „Schwy-Schära."" Morgens und abends wird 
hier das Vieh mit wenig Heu, das man im vorigen Sommer in 
den etwas unterhalb liegenden „Hüttenstückli'^, einer besonderen 
Abteilung des Yättnerberges, gesammelt hat, gefüttert. Während 
des Tages wird sämtliches Vieh unter einem gemeinsamen 
Hirten auf die Weide in die Alp Calvina getrieben. Zu diesen 
Hirtendiensten ist jeder Berger verpflichtet; indessen richtet sich 
die Zahl der Diensttage nach der Anzahl der von ihm aufge- 
triebenen Stücke. 



214 Volkskundliches aus dem Taminathal. 

Bei längerem Schneewetter und folgendem Heumangel ist 
man gezwungen, wieder auf den Berg hinunterzuziehen, wo man 
noch Heu übrig gelassen hat, um bei günstiger Witterung wieder 
zurückzukehren, 

Ende Juni findet die eigentliche A.lpfahrt statt. Das 
Jungvieh mit den im Thale zurückgebliebenen Stücken wird in 
die ^Galtalp'' [A.lp für Jungvieh] Calvina, Tersol oder ins Cal- 
feisenthal getrieben; die Kühe und Schweine kommen in die 
A.lp Ladils. Die Berger tragen ihren Hausrat wieder auf den 
^Berg'^ hinunter. Nachdem alles in Ordnung, brennen sie am 
letzten Abend oft noch auf der „Chrachawand^ ein Freudenfeuer 
ab und ziehen dann des andern Tages allesamt wieder ins 
Thal hinunter, wo bereits das Heuen begonnen hat. Ist mau 
dort damit fertig, dann wird auch auf dem „Berg^ das Heu ein- 
gethan. Nach dieser Arbeit wird drunten wieder geemdet. Ist 
man damit zu Ende, dann wird oben «birget^ [Wildheu ge- 
sammelt] und „g'streunet^ [Streue gesammelt], bis das Vieh von 
den Alpen kommt. Bis anfangs Oktober wird dasselbe im Thale unten 
gehalten. Alsdann ziehen die Berger damit wieder hieher auf den 
„Berg^, um den grösseren Teil des gesammelten Heues zu verfüttern, 
welcher vielen Bergern bis Weihnachten oder Neujahr ausreicht. 

Der Winter ist auch hier die Kehrseite des Frühlings^ 
und es braucht schon einen ganzen Mann, um hier in NebeL 
und Schneestürmen, oft mit Lebensgefahr, seines Amtes zim. 
walten und beim „Ahistella*^ oder Hinunterfahren durch die ge — 
wältigen Schneemassen und Lawinenzüge sein Vieh wiedeir 
glücklich ins Thal zu bringen. 

Alpfahrt und Aelplerleben. 

Mitte bis Ende Juni wird in alle Alpen des Thaies de^ 
Vieh aufgetrieben. Die letzte Alpfahrt ist immer diejenige i^^^:: 
die Oemeindealp Ladils. Für diese Alp werden alljährlich a^^^j 
der Zahl der Viehbesitzer zwei „ Alpmeister ** gewählt. Di^c 
haben die Wahl der Hirten, oder Alpknechte, und Alles, w^^ 
die Bestossuog, Behirtung, Milchwirtschaft genannter Alp !:>< 
trifft, für das laufende Jahr zu leiten. Schon einige Tage ^^^ 
der Alpfahrt begeben sie sich mit den Alpknechten auf die A^^l 
um alles in Stand zu setzen. Am festgesetzten Tage erschuf ii 
jeder Bauer selbst mit seinen Kühen auf der Alp, um die»«J 
ihre Plätze im „Schära*^ anzuweisen, den sie den ganzen Somnrme^ 



VolksknDdliches aus dem TamiDathal. 215 

über beim Melken behalten. Jedes Jahr werden diese Plätze 
bei der sog. Yieheinzählung der Alp bestimmt. Ausser den 
Kühen bringt auch jeder Auftreibende seinen Melkeimer [rundliches 
Holzgefass zum Melken] mit, den er in der Alp zurücklassen muss, 
weil seine Kühe wegen Erleichterung der Milchmessnng jeweilen 
nur in dieses Geschirr gemolken werden. Der Reihenfolge gemäss 
müssen auch je zwei Bauern alljährlich zwei schwere, gefütterte 
Decken für das Nachtlager der Alpknechte besorgen. Die Unter- 
lage desselben, bestehend in Alpheu, haben die Knechte selber 
herbeizuschaffen. 

Ist alles Yieh an seinem Platze, dann wird es von seinen 
Eigentümern noch einmal gemolken und die Milch gemessen. 
Alle Milch des ganzen Sommers wird für jeden Bauer in 
wöchentliche Listen eingetragen und daraus der zugehörige 
Molkenertrag am Schlüsse berechnet. — Ein Teil der eben er- 
haltenen Milch wird sofort gekocht und von allen Anwesenden 
gemeinschaftlich aus grossen ^Muttlen"^ gegessen. Hernach beten 
noch allesamt entblössten Hauptes zum Wohlergehen ihres 
Yiehes und der ganzen Alp ein Vaterunser, Ave Maria und den 
englischen Gruss und kehren allmählich wieder thalwärts nach 
Hanse zurück. 

Die Oberleitung über das gesamte Yiehwesen und die 
Hütten Wirtschaft übernimmt nun der Senn unter Mithilfe und 
Beirat der zwei Eüher und des Zusennen. Die Tagesord- 
nung ist in Kurzem folgende: Morgens um 2 Uhr erheben sich 
die Küher vom Lager, durchstreifen die abgelegensten Teile 
des ,,Säss^ oder „Staffel^, um alles Yieh zu sammeln und in 
den ^Schära^ zu treiben. Dort wird es angebunden und alsbald 
Ton sämtlichen Alpknechten gemolken. Da die Zahl der Kühe 
infolge Rückganges der Alpstösse nur mehr 60 bis 70 beträgt, 
fallen auf jeden Melker noch 15 bis 20 Stück zum Melken. 
Nach Erledigung einer „Schära"-Abteilung wird in der Regel 
die Milch von den Kühern gemessen, vom Buben oder Zusenn 
notiert und vom Senn im Milchkeller versorgt. Ist die ganze 
Melkerei zu Ende, dann wird das Frühstück, bestehend in einem 
feisten Tatsch oder Finz nebst Milch oder Kaffee, Käse u. s. w. 
eingenommen. Um 6 bis 7 Uhr „fahren die Küher aus", d. h. 
sie treiben die Kühe unter lautem Hallo in die entferntem Alp- 
gründe und Grasplätze, wo sie dieselben den ganzen Tag hüten 
und zu bestimmten Zeiten „mieten,^ d. h. ihnen aus ihren Miet- 



216 Volkskundliches aus dem Taminathal. 

taschen Salz austeilen. Die Weideplätze werden in Halbtag- 
und Tagweiden unterschieden. Die ersteren werden wegen ihrer 
geringen Ausdehnung nur für je einen halben Tag bezogen; 
letztere aber für den ganzen Tag. Abends zwischen 4 und 5 Uhr 
wird die Herde wieder heim in den „Schära" getrieben, gemolken 
und alsdann für die ganze Nacht wieder „ausgelassen^, wobei 
sie sich auf dem Sasse frei herumtummeln kann. Jede ältere 
Kuh sucht dabei immer ihr bestimmtes Lieblingsplätzchen auf. 
Nach Besorgung der Milch setzen sich die Alpknechte zum 
Nachtessen und verweilen noch nachher bei einem Schnäpschen 
in gemütlicher Plauderei. Gegen 9 oder 10 Uhr machen sich 
die Küher nochmals auf, durchstreifen die Alp und treiben die 
„gingsta"" [weitestgehenden] Kühe für die Nacht auf die sichersten 
Plätze des Säss zurück. Nach ihrer Rückkehr wird gebetet und 
zwar allabendlich in derselben Weise: fünf Vaterunser und Ave 
Maria, der englische Gruss und der Anfang des Evangeliums 
Johannis. Alsdann begibt sich ein Eüher oder der Senn vor 
die Hütte oder auf das. Gufer oberhalb derselben, um mit lauter 
erhobener Stimme den Alpruf zu thun, womit er die ganze Alp 
während der Nacht dem Schutze Gottes und seiner lieben 
Heiligen empfiehlt und dabei nach der Aussage mancher Hirten 
oft von bösen Geistern und Menschen angefochten wird. ^) 

So geht es alle Tage, wobei jedoch stets die Weideplätze 
gewechselt und die tieferliegenden für die Schneewetter des 
Herbstes aufgespart werden. An den Sonntagen steigt der 
Zusenn mit der Milchliste der vergangenen Woche ins Thal 
hinab, um Proviant, Kleidungsstücke und diesen oder jenen 
Auftrag der Bauern zu holen. Das Mittagessen bekommt er 
der Reihe nach von den Bauern, welche Schweine in der Alp 
sommern und deren Besorgung ihm speziell obliegt. Auch ist 
Brauch, ihm privatim hie und da einen „Schlegel Schnaps" allen- 
falls mit einem „Birabrod** für die Alpknechte unter die Arme 
zu stecken mit dem ungesagten Wunsche,, auf gewisse „Chüali^ 
besonders Acht zu geben. Da auch Sonntags auf der Alp ge- 
käset wird, muss an Stelle des Zusenn ein Küher dabei assistieren. 
Um dies zu ermöglichen, werden die Kühe an diesem Tage in 
die ausgedehnte und gefahrlose „Suntigweid" oberhalb der Hütte 
getrieben, wo sie keiner besondern Aufsicht bedürfen. 



M Diesen Alpruf s. Jahrb. des Schweizer Alpknclub IV, 316; H. Hebsoo, 
Schweizer Volksfeste S. 250. 



Volkskundliches aus dem Taininathal. 217 

Falls weder Hirten noch Vieh ein Unglück trifft und vor 
allem kein Stück „erfallt'', d. h. abstürzt, dann wird alljährlich 
am Abend des 15. August, also am Feste Maria Himmelfahrt 
(gewöhnlich «Augsth eiligtag" genannt) auf dem weithin sichtbaren 
Sennenstein ein grosses Freudenfeuer angezündet. Dazu werden 
brennende LegfShren als Fackeln geschwungen; einer bläst das 
langgezogene Alphorn, ein anderer eendet seine Jauchzer ins Thal 
hinab. Drunten im Dorfe steht alles auf den Gassen und Strassen 
und schaut hinauf zum flammenden Punkt; die frohe Jugend be- 
antwortet das Freudenzeichen mit Jauchzern und Liedern. In 
neuester Zeit werden ausser dem Dorfe ..auf der Rüfi'' nebstdem 
noch bengalische Feuer abgebrannt, und Mäanerchor und Blech- 
musik geben zum Schluss der kleinen Feier ihre Ständchen. 

Mitte September, wenn der erste Schnee gefallen oder 
die Weiden abgeäzIT sind, fährt man mit dem Yieh wieder 
zu Thal. Am Vortage erscheinen wieder die Alpmeister, welche 
mit dem Sennen die Butter und Käse wägen und das gesamte 
Molken auf die produzierte Milch verrechnen. Das Quantum 
der letztern variiert jährlich zwischen 13 — 18,000 Liter, wovon 
für ein Pfund Magerkäse ca. 7 Liter, für 1 Pfund Butter aber 
15 — 17 Liter Milch verbraucht werden. Am andern Tage kommen 
die Bauern mit Schlitten und einem Bündel Säcken und Tüchern 
ausgerüstet. Der Senn tischt ihnen die Milch der letzten „Melchi"' 
in grossen „Muttlen^ auf, aus denen jeder mit dem mitgebrachten 
Löffel schöpft. Sind alle versammelt, dann wird mit der Ver- 
teilung des Molkens („Molcha'') begonnen. Zuerst kommt dieButter, 
dann der Zieger, und schliesslich der Käse an die Reihe, wobei 
immer eine besondere Reihenfolge eingehalten wird. Beim Zieger 
geht es „nach den Häusern^ im Dorf drunten, beim Käse ent- 
scheidet das Los die Aufeinanderfolge. Uebrig bleibende Stücke 
werden versteigert, oder unter die Alpknechte verteilt. Jeder 
wickelt sein „Molchen^ in Tücher und Säcke und schliesslich in 
^Heugfüateri^ [Emballage] ein, befestigt es so gut als mög- 
lich auf seinem Schlitten, und fährt damit — oft beträgt die 
Ladung mehrere Zentner — durch den steilen Felsweg ins Thal 
hinunter. Hiezu sind tüchtige Muskeln und grosse Gewandtheit 
erforderlich! Schon mehrmals sind Schlitten mitsamt dem Molken 
über den Weg hinaus in die Abgründe gestürzt. 

Am Morgen des gleichen Tages haben auch die Küher mit 
dem Vieh die Alpen auf dem weiteren Wege über Vasön ver- 



218 Volksknndliches aus dem TamiDathal. 

lassen und ziehen nun nach der Heimkehr der Bauern feierlich 
ins Dorf ein. Alle Leute, Gross und Klein, stehen auf den GFassen, 
wenn der jauchzende, flott aufgeputzte Eüher mit der „Heer-Chua^ 
[Herrkuh] erscheint. Diese trägt um Hörner und Hals herum 
festliches Blumengewinde. Auf dem Nacken ist der ebenfalls 
bekränzte Melkstuhl befestigt und am Halse hängt die schwere, 
dumpf tönende ,,Plümpa'' [Schelle], welche die stattliche Kuh zu 
ihrem majestätischen Schritte auch passei^d zu schütteln weiss. 
Ohne die Leute zu beachten, marschiert die Gefeierte stolz an 
ihnen vorüber ihrem alten Heime zu, wo sie ihren Eigentümer 
muhend begrüsst. — Auch die „Herrmesserin^, welche die meiste 
Milch lieferte, ist mit Melkstuhl, Kranz und ^Plümpa^ bedacht 
und marschiert unmittelbar hinter der Herrkuh daher. 

Das „Tratten". 

In früheren Zeiten war nach den Thalfahrten allgemein das 
^Tratta** üblich. Es besteht darin, dass sämtliches Grossvieh des 
Thaies unter einem gemeinsamen Hirten aufgetrieben wird, welchem 
nicht bloss säititliche Allmenden, sondern auch die Privatgüter, 
seien es nun Aecker oder Wiesen, zur Verfügung stehen, um 
alles zurückgebliebene oder nachgewachsene Gras abweiden zu 
lassen. Die Bauern haben nur die Aufgabe, alle Morgen ihr 
Vieh an eine bestimmte Stelle hinzutreiben, wo es der Hirt in 
Empfang nimmt. Die Bodenbesitzer, die kein Vieh auftreiben, 
können, kommen dadurch natürlich in Nachteil, und infolge der — 
artiger Klagen ist denn auch das Tratten immer seltener geworden « 

Ist die Alprechnung durch die Alpmeister fertig gestellt, danK=] 
findet der ^Alpluh" [Alplohn], eine Art Festessen, statt. Hiezi 
werden von den Alpmeistern alle Alpknechte und Hirten, neb 
dem Verwaltungsrate und den übrigen Bauern eingeladen. 

Die Ziegerfabrikation. 

Erwähnung verdient noch die Verarbeitung des Ziegers niL. 
der Thalfahrt, die von jeher ähnlich wie im Glarnerlande bmz 
geführt wurde. Fast jede Haushaltung verschafft sich im Herb '- 
ein grösseres Quantum billigen und doch nahrhaften Zieger. KI 
Pfund Alpzieger kostet unverarbeitet 20 — 25 Rappen. Die weise 
unförmlichen Klumpen desselben werden nun „g'mörschlet*, A. 



VoIkskoDdliches aus dem Tamlnathal. 



219 



durch den „Mörschel^ zerkleinert. Der Mörschel ist eine vier- 
beinige Bank (Fig. 1 u. 2), welche in der Mitte eine aufrecht stehende, 
ziemlich weite (ca. 400 cm^) vierkantige Röhre trägt (Fig. 2, a) 
Das untere Ende dieser Röhre ist mit einem soliden Blech- oder 
Eisensieb versehen (Fig. 1, s). An dem einen Ende der dicken 
Bank (Fig. 1, d, 2, d) ist ein langer, massiver Hebelarm (Fig. 2, c. 
befestigt, der ungefähr in der Mitte einen znr Ziegerröhre passen- 
den, beweglichen Stöpsel („Stössel") (Fig. 2, b) trägt. Der 




Fig. 



Fig. 2 



Zieger wird in kleinere Stücke zerschnitten in die Röhre ge- 
stopft und vermittelst des Stöpsels am Hebelarm durch das Sieb 
biodurchgepresst. Allzutrockener Zieger wird mit Milch auf- 
geweicht. Der in feine Stränge zerteilte Zieger wird von Zeit 
ZQ Zeit mit gepulvertem Ziegerkraut, blauer Steinklee (Melilotus 
csBrulea) und Salz bestreut; hernach in ein grösseres Holzgefass 
flGelta*' oder „Standa^ gebracht und dort eingeknetet. Nach 
ca. 14 Tagen, innert welcher Zeit die ganze Masse vom gelösten 
Salze und dem Ziegerkraut durchsetzt wird, formt man dieselbe 
nach Art des Brotteiges zu den bekannten Olarner Schabzieger- 
Btöckli, hier „ Ziegerballen '^ genannt, welche alsdann an der Luft 
getrocknet und weiter zur Speise verwendet werden. 



220 Volkskundliches aus dem Taminathal. 

Das Losholz. 

Die Wälder des Taminathales gestatten den Gemeindebürgern 
einen unentgeltlichen Holzbezug, der früher fast gänzlich frei- 
gegeben war, nunmehr aber durch das Gemeinde- und Eantous- 
forstamt etwas eingeschränkt und geregelt ist. Dessenungeachtet 
sind noch sehr viele Eigentümlichkeiten desselben geblieben. — 
Anfaogs Oktober, wenn ausser dem Streunen und Bettlauben 
alle landwirtschaftlichen Arbeiten beendet sind, ,)geht das Los- 
holz auf^. Auf diesen Tag hin ist alles in den Wäldern vor- 
handene dürre Holz vom Gemeindeforster in so viele Lose ein- 
geteilt worden, als das Dorf einheimische Haushaltungen besitzt. 
Alle Lose sind ferner immer nach bestimmten Waldstrecken num- 
merieit. Diese zwischen gewissen ^Többler'^ oder Tobein sich 
befindenden Waldstrecken sind mit geringer Veränderung von 
jeher die gleichen geblieben. Es giebt deren etwa zwölf, also 
auch zwölf Nummern. Diese lauten in der Regel folgendermaasen: 

1) Steg (St. Peter bis Stegtobel), 2) Gonscherauswald-Chri- 
stusköpfe (Stegtobel bis Breitegetatobel), 3) Tschegg (Breitegeta- 
tobel bis Yidameida\ 4) Eöpf-Gonscherola (Yidameida bis Gonsche- 
rolatobel), 5) Pardätschböden (Gonscherolatobel bis Balmentobel), 
6) Sagarütiwald (Balmatobel bis Chüanigazug), 7) Rofanetschli- 
Züg (Ramozenatobel bis Tröge), 8) Bannwald-Luterazug (Tröge bis 
Fluh), 9) Gamswald (Rüfena bid Kreuzbachtobel), 10) Birchegg- 
Suttersboden (Kreuzbachtobel bis Alprüfe), 11) Gaspus-Eühwald 
(Alprüfe bis Radeirüfetobel), 12) Spinatkopf (Radeitobel bis 
St. Peter). 

Auf jede Nummer treffen je nach dem vorhandenen Dürr- 
holz mehrere gleichlauteude Lose. Alle gleichlautenden Lose, 
und nur diese, haben das Recht, während der ersten zwei Tage 
nach Eröff'nung des Losholzes in ihrer Nummer zu „holzen'^, und 
jeden andern, den sie mit der Axt oder Säge in ihrem Gebiete 
erblicken, einzuklagen. An einem passenden Sonntage im Oktober 
wird non im Gemeindelokal von jedem Hausvater oder seinem Stell- 
vertreter das Los gezogen, über welches jeder nach Belieben ver- 
fügen kann. Oft wird dasselbe gegen ein anscheinend besseres 
vertauscht, zuweilen auch verkauft. Alle Inhaber gleicher Lose 
können nach eigenem Gutfinden entweder gemeinsam „zusammen- 
holzen"", um den Ertrag nachher zu verteilen, oder es kann jeder 
auf eigene Faust sein Glück versuchen. Wer die besten Stücke 
weiss und am meisten auf seine persönliche Leistungsfähigkeit 



Volkskundliches aus dem Taminathal. 221 

Tertraat, wird sich darnach einrichten. Alle Nummern beeilen 
flieh innert den zwei ersten Tagen natürlich, ihr Gebiet möglichst 
allseitig zu durchforschen, oder auch zu ^durchforsten^, und das 
Holz in Sicherheit zu bringen. Denn vom dritten Tage an wird 
gewöhnlich das Holzen für jedermann in allen Nummern frei- 
gegeben, und bleibt bei der grossen Nachfrage für den Winter 
kein auch noch so entlegener Winkel des Gebirges übrig, der 
nicht von diesem oder jenem kundigen Holzer aufgesucht würde. 
Bis in die verborgensten Schluchten und über die Waldgrenze 
hinauf (,,ob Wald^) dringt nicht bloss der Blick, sondern auch 
die Axt; und wehe dem schmächtigen, tuberkulösen Bäumchen, 
der umgestürzten Föhre, die verräterische, gelbe Nadeln zeigt! 
Ein rasches Ende ist ihnen gesichert. 

Die Aeste fallen, der Stamm wird zersägt oder „zerschroten'^ 
(„schroten* = mit der Axt voneinander trennen) und ins „Ries" 
[Fahrbahn] getragen. In hohem Bogen fliegen die Hölzer 
and Blöcke, ,Hohen^ [Stammstücke] und Gipfel, Latten und Stöcke 
polternd und krachend und oft in hundert Stücke zerschellend, 
über die Felsen der Tiefe zu. Auf allen Seiten des Thaies dröhnt 
und donnert es in diesen Tagen durch die Holzrieser herab, eine 
Xawine von Steinen und Schutt aufwirbelnd. 

Das beste Holz wird meist als Blöcker-, Bau-, Stickel- oder 
Slafterholz zum Verkaufe bearbeitet. Zur Deckung des eigenen 
Bedarfes hat man im Winter immer noch Gelegenheit. In frü- 
leren Zeiten fanden manche Leute im Holzen ihren kleinen Ver- 
dienst. Oft vorkommende Holzfrevel aber haben nunmehr einer 
Segelung dieser Beschäftigung gerufen. 

Im Frühling, sobald die Wälder wieder treiben und grünen, 
wird das Holz fQr die Axt geschlossen, und nur das Sammeln 
von sog. Leseholz an bestimmten Tagen gestattet. Vordem 
wurde mit dem Kien („Chea^) nach auswärts ein ziemlich lebhafter 
Handel betrieben. Der sehr reiche Harzgehalt macht den Kien 
zum ausgezeichneten Brennmittel. Infolgedessen werden die vom 
Walde gebrachten gröberen Stücke zu feinen ^Cheaspü^ [Eien- 
flpäne] zerspalten, und von der Hausfrau beim Anfeuern im Herde 
verwendet. Ein einziges Zündhölzchen genügt, um den „Chea- 
spu" und damit das Holz im Herde in Flammen zu setzen. Hie- 
durch wird das Aufgiessen von Petroleum unnötig gemacht. 

Oft dient auch der Kien in Ermangelung eines andern Lichtes 
lor Beleuchtung und erspart deshalb manche Kosten. Aus diesen 



222 Volkskundliches aus dem Taminathal. 

Gründen sucht sich jeder einsichtige Hausvater einen möglichst 
grossen Yorrat von gutem Kien anzulegen, der f&r das ganze 
Jahr ausreicht. Wegen der infolge des Terpentingehaltes starken 
Rauchbildung kann aber der Kien nur in der Küche oder in offenen 
Räumlichkeiten verwendet werden. 

Durch das ungebundene, individuelle Leben, durch die körper- 
liche und geistige Anspannung und die oft zahlreichen Gefahren 
ist das Holzen im Gebirge eine Beschäftigung geworden, welche 
mehr als andere auf die Veranlagung und den Charakter der 
Gebirgsbewohner bestimmend einwirkt. Von frühester Jugend, 
sobald der Kleine eine „Respa^ [Reisig] oder einen Prügel 
zu tragen vermag, bis zum späten Alter, wo die Beine steifer 
werden, übt sich jeder in dieser ihm liebgewordenen Thätigkeit, 
die den Geist und Körper gesund und frisch erhält. 

Ein winterliches Familienfest. 

Jede Haushaltung hält sich während des Jahres ein bis zwei, 
allenfalls auch mehrere Schweine, die man zu Anfang des Winters 
als kleine „Fährli^ [Ferkel] von zugereisten Händlern kauft und 
mit Milch, Erdäpfeln, Mehl, „Plagga'', [Ampfer] Kabis und an- 
dern Gemüsen nebst Küchenabföllen füttert. Während des Sommers 
bringt man die meisten in die Kuhalpen Ladils oder Malanseralp, wo 
sie die Molkereiabfalle „Schru^ [Sirte, Käswasser] und ,Schotta^ 
in langen Trögen, die man zu diesem Zwecke an den Hütten 
angebracht hat, verzehren, und im Uebrigen sich während de» 
Tages auf dem Säss frei herumturomeln können. Während Aerr 
Nacht werden sie in einen eigenen ^Schära" eingepfercht. Nachm. 
Beendigung einer Käserei ist es oft possierlich, zuzuschauen, wi^3 
diese schwerfälligen, manchmal halbwilden Dickhäuter auf de^KZ 
Ruf des Zusenn aus allen Winkeln und Löchern herbeieilen, ntrm 
ihr Getränk aus dem Trog zu schlürfen. 

Sobald im Herbst die Milch infolge des Galtwerdens d^^ 
Kühe nach und nach ausgeht, führt der Zusenn sämtliche SchweiiBm 
wieder heim, welche dort gemästet und Ende November oA.^ 
anfangs Dezember geschlachtet werden. Diese Exekution wm:K: 
von einem Bauernmetzger — denn einen Berufsmetzger giebt ^ 
hier noch nicht — unter Mithilfe der Familienglieder und Na»<5 1 
barn vollzogen. Der Metzger bringt zu diesem Zwecke s^ixa 
grosse ^Schwi-Standa"" nebst Leiter und an einem Ledergurt ein^' 
Köcher mit scharfgeschliflfenen Messern mit. In der Küche wi-K"^ 



Volkskundliches aus dem Taminathal. 223 

ein j^Kessi^ voll Wasser gekocht und das Opfer, das man oft nur 
mit grosser Mühe vom Leben zum Tode gebracht hat, damit be- 
gossen. Alsdann wird der tote Körper mit Hilfe der Leiter quer 
über die Stauda gelegt, der Metzger giebt jedem Anwesenden 
ein Messer in die Hand, und alle beginnen am Tierkörper die 
Behaarung samt Epidermis wegzuschaben, wobei fortwährend 
siedendes Wasser nachgegossen wird. Ist der Körper blank und 
sauber geputzt und gewaschen, dann wird er von starken Hän- 
den in die Küche oder Stube auf einen passenden Tisch gebracht 
und dort vom Metzger verarbeitet und zerlegt. Das Meiste wird 
vom Metzger für die Rauchkammer zugeschnitten, anderes zur 
Bereitung der Brat- und Leberwürste beiseite gelegt. Alle diese 
Arbeiten füllen den Vormittag aus. Am darauffolgenden Mittag- 
essen nimmt natürlich auch der Metzger teil, und die Hausfrau 
ist besonders stolz darauf, wenn sie neben einer jungen Speck- 
seite auch noch einen von der vorjährigen Metzg herrührenden 
^Tschunggen^ [Schinken], den sie irgendwo in einem verborgenen 
Winkel aufgespart hat, servieren kann. 

Zum Schlüsse gelangt noch ein mächtiger Stoss zierlich ge- 
ringelter „Bluatchüachli** auf den Tisch, welche aus einem dünnen 
Brei von Blut und Mehl bereitet worden sind. Dann wird weiter 
gearbeitet. Die jungem Familienglieder hacken auf einem aus- 
gehöhlten Buchenholzklotz mit breiten Beilen das ^ Wurstfleisch", 
während die übrigen das Rauchfleisch in einer grossen ^Oelta'^ 
oder «Standa*^ einsalzen. Die einzelnen Stücke werden dabei 
einfach ins GeßLss gelegt und lagenweise mit einem Gemisch von 
Salz, Pfeffer und Knoblauch bestreut. Das Wurstfleisch wird 
ebenfalls gewürzt, und mit Hilfe eines ^Wursters"*, der bei solchen 
Gelegenheiten von einem Haus zum andern wandert, in die Darm- 
häute hineingetrieben. Sind alle Stücke zubereitet, dann werden 
sie einzeln mit Hacken oder Bindfaden reihenweise an lange 
Stecken gebunden und oft in mehreren Lagen über dem Küchen- 
herde im weiten- offenen Kamin aufgehängt. Nach ungefähr 14 
Tagen wird auch das eingesalzene Fleisch aus der ^Sulz" ge- 
nommen, die sich unterdessen als rötliche und scharfe Flüssig- 
keit angesammelt hat, und in gleicher Weise geräuchert. Mit 
Vorliebe verwendet man beim Räuchern tagüber Wachholderholz, 
weil dieses dem Fleische einen bessern Geschmack geben soll. 
Sobald die Stücke getrocknet und durch Rauch und Russ ganz 
schwarz geworden sind, bringt man dieselben in einen trockenen. 



224 Volkskundliches aus dem Taminathal. 

luftigen Raum, die sog. Fleischkammer, und bewahrt sie dort 
zum weiteren Bedarfe auf. — Das Honorar, das der Metzger 
für die oben geleistete Arbeit neben der freien, und man darf 
wohl sagen, reichen und gastfreundlichen Bewirtung noch bezieht, 
besteht altem Brauch gemäss in einem Rüokenwirbelstück („Hou- 
Rugg^) genannt, samt anhaftendem Fleisch und Speck. Auf die 
angegebene Weise wird erreicht, dass bis anhin die meisten Haus- 
haltungen wenigstens an den Sonntagen des Jahres zwar nicht 
ein gebratenes Huhn, wohl aber sehr schmackhaftes, selbst be- 
reitetes Schweinefleisch auf den Tisch bekommen, ohne von einer 
Wursterei bedient zu werden. 



Bucheranzeigen. — Comptes rendus. 

Adolf Socin, Mittelhochdeutsches Namenbuch. Nach oberrheini- 
schen Quellen des XII. und XIU. Jahrhunderts. Basel 
(Helbing & Lichtenhahn). 1903. XVI 4- 787 S. 4^ Preis: 
50 Fr. 

Wir dürfen nicht versäumen, auch unsere Leser auf dieses in Plan 
und Anlage einzig dastehenden Werkes hinzuweisen. Freilich, der Verfasser 
hat sich zeitlich und örtlich Beschränkungen auferlegen mOssen, um das 
Ganze so durchftlhron zu können, wie er es geplant hatte; dafür aber be- 
sitzen wir nun in dem Buche nicht nur eine Materialsammlung von bisher 
ne rreichter Vollständigkeit sondern auch eine durch übersichtliche Gruppie- 
rung und allseitige Beleuchtung des Steifes mustergültige Arbeit. Socin hat 
sich also nicht mit einer blossen Zusammenstellung der Namen begnügt, 
sondern dieselbe nach Form sowol wie nach Benennungsprinzipien sorgfiiltig 
gruppiert. So stellt er z. B., um von den 34 Kapiteln wenigstens einige 
herauszuhobei), zusammen : die deutschen und die fremden Taufnamen (männ- 
lich und weiblich), die altgormanischen Kurznamen, die Bedeutung der alt- 
germanischen Namen, den Adel mit und ohne „de**, die Bürger mit „de", 
die Uebernamen, di<» Satznamen (wie „Hebenstrit", , Käsundbrot"), die Namen 
nach Amt, Stand und Beruf, die Judennamen u. A. m., wobei er noch Jedes 
einzelne Kapitel besonders erläutert. Wahre Kabinettstücke von Gewissen- 
haftigkeit sind auch die 3 Register, von denen das erste die Bildung der 
Namen, das zweite (und wichtigste) die Namen selbst, das dritte die ent- 
sprechenden heutigen Familiennamen enthält. 

Wir hoffen, dass das Buch zu ähnlichen Forschungen in andern Ge- 
genden anrege und sprechen zugleich den Wiuisch aus, der Verfasser möchte 
seine grossen Kenntnisse und reichen Erfahrungen auf diesem Grebiete weiter 
bethätigen und auch die beiden folgenden Jahrhunderte in ähnlicher Weise 
bearbeiten. 

Einstweilen aber sind wir fiir das, was er uns in dem vorliegenden 
Werke geboten hat, zu gn^ssein Danke verpflichtet. 

E. Hoffinann-Krayer. 



BQcheraDzeigen. — Comptes rendus. 



225 



P. Odilo Ringholz, Geschichte des fürstlichen Benediktinerstiftes 
U. L. P. von Einsiedeln. Benziger & Co. A.-G. ' 

Schon sechs Lieferungen dieser kostbaren, vielseitigen und inhaltsreichen 
Publikation liegen vor; sie zeichnen sich durch ausserordentliche Sorgfalt 
in Sammlung un<l Darstellung aller fUr die Kenntnis des alten Stiftes VAn- 
siedeln wichtigen Ereignisse und Zustände aus. Neben der politischen, 
Kirchen- und Kulturgeschichte kommt dabei auch die Volkskunde nicht zu 
kurz. Wir finden da höchst wertvolle Aufschlüsse über die Wallfahrt, Pilger- 
weg und -Befördenmg , wir lesen, wie schon im XIV. Jahrhundert ein 
Appenzeller einen bessern Weg von Speicher zur Gnadenstätte herbei- 
wünscht, wir erfahren Einzelheiten über das Gnadenbild und seine schwarze 
Farbe, die Feste, die Patrone des Stifts, der Altäre, der Gotteshäuser in 
den einsiedlischen Besitzungen, über die berühmten Reliquien. Henri Gaidoz' 
Angaben über den alten Brauch, unter dem HeiJtum durchzugehn, erfährt 
wertvolle Ergänzungen durch das, was Ringholz bezüglich des Messgewands 
des h. Ulrich und des Chamer Bischofs ohne Namen beibringt. 

Der Erforscher des Volkstums wird femer mit Nutzen die zahlreichen 
Notizen über Geschlechter. Familiennamen, die Stellung der Eigenleute, die 
Zinsen, Leistungen, Hofrechte, das Asylrecht, die jFischereiordnungen durch- 
gehen; wertvolle Aufechlüsse über Bruderhäuser, Waldschwesteru, den Frauen- 
bninnen zu Einsiedeln, das im XIII. Jahrhundert gefundene Wurzelkreuz in 
der Au n. s. w. sind mitsamt vertrefflichen, meist unveröffentlichten Ab- 
bildungen eingestreut. 




Die alte OoadenkapeHe von Kiiisinleln mit de» Votivpcnhen. 

Wir werden nach Abschluss (l(»s er^*ren Handcs mit* (iit'!?<*s «re<lit*{;»Mn» 
Pmchtwerk zurückkommen ; es verdient den grossen Er1'oI;r. «leii rs ül).»nill 
icehahi hat. K A. S. 



Jahresbericht 1902. 

In vier Sitzungen hat der OesellBchaftsvoratand folgende 
Traktanden bebandelt: 

a) Mitgliederzabl. 

Status auf 31. Dezember 1902: 465. 

b) Herausgabe der vier Quartalhefte des sechsten Jahrgangs 
der Zeitschrift. Dem Bande wurde beigegeben die dritte 
Farbentafel, deren Kosten aus einem bezüglichen Legat 
bestritten wurden. 

c) FortfQhrung und Erweiterung des Schriftenaustausches. 

d) Verwaltung der Bibliothek. Hierüber berichtet Herr 
Privatdozent Dr. Ed. Schwyzer, welcher die Nachfolge 
von Herrn Dr. Waser übernommen hat : 

Die Gesellschaftsbibliothek zählt etwa 330 gebundene 
Bücher und (von den laufenden Zeitschriften abgesehen) 
rund 250 ungebundene Drucksachen, der Zettelkatalog 
825 Titel; Für 1 902 sind etwa ein Dutzend Benützungen 
durch 6 Benutzer zu verzeichnen. 

Die Schenkerliste weist folgende 14 Namen auf: 

1. Herr A.. Daucourt, Curä, Mi^court, Erziehungsrat. 

2. „ J. L. Brandstetter, Luzern. 

3. ^ Alex. Francke-Schmid, Buchhändler, Bern. 

4. „ Prof. Henri Gaidoz, Paris. 

5. . Prof. Dr. Ed. Hoffmann-Krayer, Basel. 

6. ^ Dr. 0. Hovorka Edler von Zderdas, Bosnien. 

7. « Hans Knüsly, Zürich. 

8. ^ Prof. Dr. J. Leite de Vasconcellos, Lissabon. 

9. S. Exz. Herr Minister Prof. Dr. B. Machado, CoTmbra. 

10. Herr Dr. E. A. Stückelberg, Zürich. 

11. ^ Prof. Dr. E. Tatarinoff, Solothurn. 

12. ^ Prof. Dr. Theodor Vetter, Zürich. 

13. Germanisches Museum, Nürnberg. 

14. Schwäbischer Albverein, Tübingen. 

e) Abhaltung der siebenten Generalversammlung (in SoI(k 

thurn). 

f ) Drucklegung und Herausgabe von Band DI der „SchrV^^ 
ten der Schweiz. Gesellschaft für Volkskunde*" : Tob\^^ ^ 
Das Volkslied im Appenzellerlande, erschienen im I^;;^ ^ 
zember 1902 in einer Auflage von 600 Exemplar. y^ ^^ 
wovon 300 kartonniert. 



Jahres-BechDung 1902. 227 

g) Erforschnng der Yolksmedizin. Der von den Herren 
Dr. Oswald und Dr. Zahler durhhberatene Entwarf eines 
Fragebogens wurde gesetzt und in 50 Exemplaren kom- 
petenten Persönlichkeiten vorgelegt. Ein definitiver Druck 
ist noch nicht erfolgt, da eine endgiltige Redaktion 
aussteht. 

Zürich, Januar 1903. 

Der Aktuar: 
E. A. Stückelberg. 



Jahres-Rechnung 1902. 

Einnahmen : 

Saldo Yom 31. Dezember 1901 .... Fr. 2019.60 

Mitgliederbeiträge und Zeitschriftenabonnements . , 3526. — 

Fr. 5545.60 

Ausgaben: 

Druck des Archivs für Volkskunde und sonstige Drucksachen Fr. 2330.65 

Zinkographien und Photographien . . „ 128.05 

Boreau, Mietzins, Abwart, Buchbinder . . . ^ 227.90 

Mitarbeiter „ 100.— 

Porti ^ 133.50 

Fr. 2920.10 
Saldo per 31. Dezember 1902 . . . . . „ 2625.50 

Fr. 5545.60 
Zürich, im April 1903. 

Schweiz, Oeseüschaft für Volkskunde^ 
Der Quästor : 
Emil Richard. 

Bericht der Bechnungsrevisoren. 

Hochgeehrte Herren! 

Die unterzeichneten Rechnungsrevisoren für das Jahr 1902 haben 
die Jahresrechnung 1902 sorgfältig geprüft, sie mit den Büchern und 
Belegen verglichen und in allen Teilen richtig gefunden. 

Wir empfehlen Ihnen daher die Annahme der Rechnung 1902 
und bitten Sie, dem Kassier, Herrn Oberstl. E. Richard, den herzlichen 
Dank unserer Gesellschaft aussprechen zu wollen. 

Hochachtungsvoll 

Prof. Dr. E. Bovet. 
E. Tatarinoff. 



Bericht über die achte Generalversammlung. 

Abgehalten in Winterthor, 7. Juai 1903. 

Der Präsident eröffnet die Sitzung des GeBellschafts- 
aaBBchuBBes im Stadthaus und berichtet in Kürze über die Aus- 
sichten betr. Verbesserung unserer Finanzen angesichts der sich 
mehrenden, an die Gesellschaft herangetretenen Aufgaben. Das 
Jahr 1904 wird indes erst den Entscheid bringen. Der Präsident 
und der Redaktor des deutschen Teils unseres Archivs sprechen 
für eine Yerbilligung unserer Zeitschrift; Quästor und Aktuar sind 
dagegen. Es wird Zuwarten bis zur nächsten Versammlung be- 
schlossen. Der Präsident berichtet sodann über seine Verhandlungen 
mit Herrn Prof. Stell betreffend Erforschung der Volksmedizin ; 
Prof. Singer wünscht die Unternehmung in kantonalen Grenzen 
zu halten und warnt vor zu breiter Basis. Er hält die Sache 
für noch nicht reif. Prof. Hoffmann wird im Verein mit dem 
Initianten die Unternehmung weiter vorbereiten. 

An der Generalversammlung erstatten Präsident, Aktaar 
und Quästor ihre Berichte; sie werden genehmigt. Es folgen vor 
sehr zahlreichem Publikum die Vorträge von Prof. Dr. Brandstetter 
über : „Die altschweizerische Dramatik als Quelle für volkskund- 
liche Forschungen** und Tobler über: „Der Volkstanz im Appen- 
zellerlande, mit Musikbegleitung der Streichmusik Wolfhalden^. 
Beide Darbietungen wurden lebhaft verdankt. 

Im Kasino folgte sodann ein belebtes Bankett, das die Be- 
hörden Winterthurs durch ihre Anwesenheit wie durch geistvolle 
Willkommgrüsse auszeichneten; als Tafelmusik traten die fünf 
Appenzeller, die schon Toblers Vortrag begleitet hatten, auf. 
Gegen Abend fand ein Spaziergang in die waldige Umgebung 
Winterthurs statt und bis zum Abgang der letzten Züge genoss 
eine stattliche Zahl unserer Mitglieder die Gastfreundschaft des 
Herrn Stadtpräsidenten, der zu den ersten Begründern unserer 
Gesellschaft gehört. 

Weiteres über die Versammlung brachten die Tagesblätter 
von Winterthur, Zürich, Frauenfeld, Basel u. s. w. 

Der Aktuar: Stückelberg. 



229 



Mitglieder 

der Schweiz. Gesellschaft für Volkskunde. 

Membres 

de la Societe suisse des Traditions populaires. 



Vorstand. — Comiti. 

Präsident: Dr. Th. Vetter, Prof. für englische 

Philologie Zürich 

Vice-Präsident: Dr. E. Hoffmann-Krayer, Prof. fUr 
deutsche Philologie, Redaktor für 
den deutschen Teil des Archivs 
für Volkskunde Basel 

Aktuar: Dr. E. A. Stücke Iberg, Privatdozent 

für Altertumskunde Basel 

Qnästor: Oberstl. E. Richard, Sekretär der 

Zürcher Handelskammer Zürich 

Beisitzer: Dr. Jules Jeanjaquet, Prof. für ro- 

manische Philologie, Eledaktor für 
den romanischen Teil des Archivs 
für Volkskunde Basel 

Ausschuss. — Conseil. 

J. Bonnard y Prof. de philologie romane Lausanne 

Dr. R. Brandstetter, Prof. an der Eantonsschuie Luzern 

Dr. A. Burckhardt-Finsler, Prof., Regierungsrat Basel 

L. C. Bosinger, Regens KreoieD b. Solotliini 

Dr. L. Ganohat, Prof. für roman. Philologie Bern 

A. Küchler, Pfarrhelfer Kerns 

Dr. H. Mercier, Priv.-doc. a l'üniversit^ Geneve 

Dr. G. Meyer v. Knonau, Professor für Geschichte Zürich 

J. C. Muoth, Gymnasialprofessor Chur 

E. Pometta, Vicepresidente del Tribunale Locarno 

Dr. R. V. Redi n g -Biber egg, Oberst Schwyz 

Joseph Reiohlen, Artiste peintre Fribourg 

Dr. Ris, Arzt Thun 

Dr. S. Singer, Prof. für deutsche Sprache u. Literatur Bern 

Msgr. J. Stammler, Pfarrer Bern 

Dr. Otto Was er, Privatdozent in Bern Zürich 



230 MitgliederverzeichniB. 

Ehrenmitglieder. — Membres honoraires. 

1. Panl Sebilloty Seor^taire gin^ral de la Sooi^tä 

des Traditions populaires Paris 

2. Hochw. P. Heinrich v. Bickenbach, Bektor 

des Collegio Greco Born 

3. Dr. Elard Hugo Meyer, Prof. a. d. Universität Frakirg wl 

4. Henri Gaidoz, Directear k l*äcole des Haates 

l^tudes; Prof. k l'Ecole des Sciences Politiques Paris 

Korrespondierende Mitglieder. — Membres correspondan 

5. A. Daacourt, Gore lieeoirt(Jin 

6. Henri Janod, Missionnaire Neachätel 

7. J. Leite de Yasconcellos, Prof. Dr. Lissabon 

Mitglieder. — Membres. 

8. Alioth, Manh^d, Dr. (Rittergasse) ^ Basel 
9: Alioth-Vischer, W., Oberst (Rittergasse) Basel 

10. Amberger-Wethli, Fr. (Sihlhofgasse) Zürich 

11. Amberger, H., Direktor des Schweiz. Bankvereins 

(Böcklinstrasse) Zürich 

12. Ammann, Albert (Dafourstrasse 4^) Zürich 

13. Ammann, Gnstav (Seestrasse 61) Zürich 

14. Andreae, Fritz Peehelbron ( 

15. V. Arx, 0., Prof. Dr. Wintertht 

16. Anckenthaler, H. A., Dr. med. (Gartenstrasse 16) Zürich 

17. Bachmann^ Alb., Prof. Dr. (Heliosstrasse) Zürich 

18. Bachofen-Petersen, J. J. (Gellertstrasse 24) Basel 

19. Balmer, H., Dr., Privatdozent Bern 

20. Bär, F., Pfarrer Castiel b. 

21. Baad-Bovy, Daniel, Aeschi (E 

22. Baomann-v. Tischendorf, E. (Thalgasse) Zürich 
23.*Baamgartner, A., Prof. (Hottingerstrasse) Zürich 

24. Baar, Hans, Architekt (MUhlebachstrasse 173) Zürich 

25. Bedot, M., Prof. ä l'CFniversite, Birecteur du Mosee 

d'Histoire naturelle Gen eye 

26. Beer, Rob., Bachhändler (Peterhofstatt) Zürich 

27. Bendel-Rauschenbach, H., Prof. Schaffhaoi 

28. Benziger, Nik., Nationalrat ^Einsiedeln 

29. van Berchem, V. (60, route de Frontenex) Geneve 

30. Berger-Schürch, Revisor Bern 

31. Bernoulli-Burckhardt, A., Dr. (Leimenstrasse 78) Basel 

32. Bemoulli-Riggenbacb, Frau E. Basel 

33. Bemoulli, Job., Dr., Landesbibliothekar (Pavillonweg) Bern 

34. Bischoff, J. J. A., Dr. med. (Freie Strasse 44) Basel 



Die mit * bezeichneten Mitglieder sind Nicht-Abonnenten. 



Mitgliederverzeichnis. 231 

35. Bischoff- Wünderly, Ed. (Augostinergasse) Basel 

36. Bisehoffy E., Dr. (Sevogelstrasse 53) Basel 

37. Biondel, Angaste (14, rne Senebier) Gen&ve 
38.*Blainer, Dr. A. La Yarenne-Saint-Hilaire (Seine) France 
39.*Bodmer, Hermann, Dr. phil. (Gemeindestrasse 5) Zürich Y 

40. Bonnard, Jean, Prof. k 1' Uni versitz Lausanne 

41. BooB, H., Prof. Dr. (Kanonengasse 3) Basel 

42. Borel, Mlle. C.-Ch. (6, me da Yieax-Coll^ge) Geneve 

43. ßouvier, B., Prof. ärUniversit^ (10,Boarg de Fonr) Geneve 

44. Boyet, Prof. Dr. (Pestalozzistrasse 29) Zürich 

45. Bovet, Mme Emest (Pestaiozzistrasse 29) Zürich 

46. Brandstetter, R., Prof. Dr. Lazern 

47. Brenner, K., Pfarrer Simach 

48. Bridel, Ph., Prof. de th^ologie (route de Morges) Laasanne 

49. Brindlen, Jos., Hoohw., Präfekt Glis b./Brig 
50.*Brocher-de la Flachere, H., Professenr ä l'üniversiti Geneve 

51. Brnn, C, Prof. Dr. (Zollikerstrasse 106) Zürich 

52. Branner, J., Prof. Dr. (Plattenstrasse 46) Zürich 

53. de Bnd^, Eag., Pabliciste Petit-Saconnex, pres Greneve 

54. Bngnion, Ch.-A., Banquier (Hermitage) Laasanne 

55. Btthler-Weber, H. Winterthar 

56. Bühler, M., Dr., Redaktor Bern 

57. Baadi, P., Redaktor Bern 

58. Borckhardt'Finsler, A., Prof. Dr., Regierangsrat 

(Sohaffhaaserrheinweg) Basel 

59. Bnrckhardt, Aag., Dr. (Albanvorstadt 94) Basel 

60. Barckhardt-Werthemann,D., Prof. Dr. (Albangraben) Basel 

61. Barckhardt, Otto, Architekt (Bäamleingasse 44) Basel 
6£. Barkhardt, Alphons (Rittergasse 21) Basel 

63. Barkhalter, Dr. med. Langenthai (B«n) 

64. BUrli, J., Arzt Zell (Lazern) 

65. Barmeister, Albert, Professeur Payeme 

66. Bamat, E., Architecte Yevey 

67. Basinger, L. C, Hochw., Regens Krenun b. Solothini 

68. Boss, E., Dr., Pfarrer Glarus 

69. Caro, G.^ Dr. (Freiestrasse 88) -Zürich 

70. Cart, W., Professear Laasanne 

71. Chabloz, Fritz Saint- Aubin-le-Lac (Neuchätel) 

72. Chambaz, Octave (Gesellschaftsstrasse 21) Bern 

73. Claraz, G., (Sprensenbühlstr. 20) Zürich 

74. CUasen, F., Jage f^d^ral Lausanne 

75. Coolidge, W. A. B. (am Sandigenstutz) Grindelwald 

76. Cornn, Jules, Prof. Dr. Graz 

77. Coarthion, Loais, Joamaliste Geneve 

78. Coavrea, Eag. (Grande Place) Vevey 

79. Dändliker, K., Prof. Dr. Küsnacht-Zürich 

80. Delessert-de Molin, Eug. (Villa Verte-Rive) CuUy 

81. Demole, Eagene (40, rue da Marche) Geneve 



232 



Mitgliederverzeichois. 



82. Denk, Jos., Pfarrer (Qerrenstrasse 17) München 

83. Dettling, A., Lehrer Seewen-Schwyz 

84. Dettling, M., Kantonsrat, Gemeindeschreiher Schwyz 

85. Diggelmann, Charles (Hirschengrahen) Zürich 

86. Dilthey, Prof. Dr. Göttingen 

87. Doge, Fran^ois La Tour-de-Peilz (Vaud) 
88.* Dörr, C, cand. med. (Zürichhergstrasse 16) Zürich 

89. Dühi, H., Dr., Gymnasiallehrer (Rahhenthalstr. 49) Bern 

90. Duhied, Arthur, Prof. (avenue de la Gare) Neuchatel 

91. Dncrest, Fr., Abh^, Professeur an College Fribourg 

92. Durrer, Roh., Dr., Staatsarchivar Stans 

93. Eberle, H., Sekundarlebrer (Hammerstrasse 14) Basel 
94.*£gli, P., Sekundarlehrer (Zürichhergstrasse 15) Zürich 

95. Egger, Fräul. Sophie (Bollwerk 17) Bern 

96. Ehrenfeld, A., Dr., Bezirkslehrer Ölten 

97. V. Ehrenberg, Frau L. Luzem 

98. Ernst, Alfred, Konservator des Kunstvereins Winterthur 

99. Escher-Ziegler, Konr., Dr. (Bleicherweg) 

100. Escher, Herm., Dr., Stadtbibliothekar 

101. Escher-Bürkli, Jak., Dr. (Löwenstras^e) 

102. V. Escher, Frl. N. 

103. Esohmann, Frau M. 

104. Etlin, Dr. med. 



Zürich 
Zürich 
Zürich 

Albis-Langnau 
Cardina sopra Chiasso (Italia) 
Samen 



105. Farner, A., Pfarrer Stammheim 

106. Facklam, Ferd. P. H., Dr., Zahnarzt (Wallstrasse) Basel 

107. Favey, G., Prof., Juge föderal Lausanne 

108. Favre, C, Colonel (6, rue de Monnetier) Geneve 

109. Favre, Ed. (8, rue des Granges) Geneve 

110. Fehr, E., Buchhändler St. Gallen 

111. Feigenwinter, Ernst, Dr. (ob. Heuberg) Basel 

112. Feilberg, H. F., Dr., Pastor Askov pr. Vejen (Dänemark^ 

113. Fierz-Zollinger, Frau E. (Villa Freudenberg) Zürich 

114. Finsler, G., Dr. phil. (Hardstrasse) 

115. Fischer, K., Dr. med. 
11 6.* Fleckenstein F., Kauftnann 

117. Florin, At, Regierungsstatthalter 

118. Forcart, M. K., Dr. med. (St. Jakobstrasse) 

119. Forcart-Bachofen, R. (St. Jakobst rasse) 

120. Francke-Schmidy A., Buchhändler 

121. Frankenthal,LeoJ., Vice- and Debuty-Consul U.S. A. Bern 

122. Fridelance, F., Maitre ä TEcole d' Application Porrentrny 
123.*Friedli, Emanuel, pr. adr. Dr. H. Bruppacher 

124. Furrer, Jos., Landrat 

125. Gansser, A., Dr. (via Principe Umberto 4) 

126. Ganz, R., Photograph (Bahnhofstrasse) 

127. Gauchat, L. W., Prof. Dr. 

128. Gay, Henri, Maison Scholder (Boul. de Grancy) 

129. Geering, A., Buchhändler (Bäumleingasse) 



Basel 

Arosa 

Zürich 

Serneus (Graub • ) 

Basel 

Basel 

Bern 



Zollikon 

Silenen (Uri) 

Mailand 

Zürich 

Bern 

Lansanne 

Basel 



MitgliederverzeichDis. 933 

130.*Gkeringy T., Dr., Sekretär der Handelskammer Basel 

131. Geigy^ Alfr., Dr. (Leonhardsgraben) Basel 

132. Geigy-Uagenbachy Fraa £. (Schweizerplatz) Basel 

133. Geigy-Hagenbacb, E., Eanfmann Elein-Riehen b. Basel 

134. Geigy-Merian, Bad. (Aesobenvorstadt 13) Basel 

135. Geigy-Schlambergery Bad., Dr. (Babnbo&tr. 3) Basel 

136. Geilinger, R., Oberst, Nationalrat Wintertbar 

137. Geiser, E., Dr., Adjankt d. Scbweiz. Landesbibl. Bern 

138. Gemoseas-Passavant, '.Rad. Brombacb (Baden) 

139. Genoad, L., Dir. d. Masses indastriel et p6dagogiqae Friboorg 

140. Georg, A., Dr.jar., Secr. de la Cbambre de Commerce Geneve 

141. Georg, H., Bacbbändler Basel 

142. Gerster, L., Pfarrer Eappelen 

143. Gertscb, Fritz, Oberstlt. Bern 

144. de Giaoomi, Dr. (Bärenplatz 4) Bern 
145.* y. Girsewald, Baron C. (Rämistrasse 33) ZUricb 

146. V. Girsewald, Baronin M. (Rämistrasse 33) Zürich 

147. Gobat, H., Inspectear des IGcoles Delemont 

148. Graf, J. H., Prof. Dr. (Wylerstrasse 10) Bern 

149. V. Grebel, H. G., Dr. (Pelikanstr. 18) Zürich 

150. Grollet, Jean, Joarnaliste Bäle 

151. Graner, H., Ingenieur (Nanenstr. 9) Basel 

152. Häberlin, A., Postverwalter Kreuzlingen 

153. Haiher, C, a. Regierangsrat Frauenfeld 

154. Hagenbacb, Ed., Dr. (Missionsstrasse) Basel 

155. Haller, B. (Herrengasse) Bern 

156. Häne, J., Dr., Staatsarchivar (Elansstrasse 50) Zürich 
157." de la Harpe, Edmond Vevey 

158. Hebbel, 0., Oberst Bern 

159. Y. Hegner- V. Jayaita, Eaufmann (Bürglistrasse 6) Zürich 

160. Heinemann, F., Dr., Bibliothekar Luzem 

161. Herzog, H., Dr., Eantonsbibliothekar Aarau 

162. Heosler, Andr.. Prof. Dr. (Grellingerstrasse) Basel 

163. Heosler, Andr., Prof. Dr. (Schöneberger Ufer 41) Beriin W 

164. Heyne, M., Prof. Dr. Göttingen 

165. His, Rod., Prof. Dr. (Kaiserstrasse 33) Heidelberg 

166. Hoefler, M., Dr., Hofrat Bad Tölz 

167. Hofer, Hans, Eanstanstalt (MUnzplatz 3) Zürich 

168. Hofer, J. J., Notar Oberdiesbach 

169. Hoffmann, A. A., Eanfmann (Hirzbodenweg 89) Basel 

170. Hoffmann-Barckhardt, Fraa A. (Rittergasse '2\) Basel 

171. Hoffmann-Paravicini, Alb , Dr. med. (Dufourstr.) Basel 

172. Hoffmann-Fleiner, E. (Eapellenstrasse) Basel 

173. Hoffmann, Hans (Hammerstrasse) Basel 

174. Hoffmann, E., Dr. med. (Albanvorstadt 1U2) Basel 

175. Hoffmaun-Erayer, E., Prof. Dr. (Hirzbodenweg) Basel 
176.*Hoffmann-Erayer, Fraa H. Basel 



234 



MitgliederverzeichDis. 



177. Holenstein, Th., Dr. St Gallen 

178. Hölzer, A., Seminarlehrer Hofwyl (Bern) 

179. Holzmann, M., Dr. med. (Seestrasse) Zürioh 

180. Honegger-Weissenbach,Rob.,Oberstl.(Bahnhofstr.) Zürich 

181. Höpii, Ulr., Dr., Commendatore, BnchhäBdler Milano 

182. HotZ; R., Dr. (Schanzenstr.) Basel 

183. Hnber, J., Dr., Buchhändler Fraaenfeld 

184. Hng, Arnold (Sonnenqnai 28) Zürich 

185. Hnggenberger, Alfr. BettBgea.IilikM 

186. Hnnkeler, Hans ^ Lnzem 

187. Hürlimann, Dr. Unter-Aegeri 

188. Hnnziker, Rnd., Dr., Gymnasiallehrer Winterthar 

189. Htirbin, J., Dr., Rektor Luzern 

190. Jaques-Dalcroze E., (20, Cite) Geneve 

191. Jeanjaquet, Jules, Prof. Dr. Basel 

192. JecWin, C, Prof. Dr. Chur 

193. y. Jenner, £ug., Fürsprech Bern 

194. Jenny, G., Dr. (Blnmenaustrasse) St. Gallec 

195. Imesch, Dion., Hochw., Prof. Brig 

196. Imfeid, Xav., Ingenieur (Asylstr.) Zürich 

197. V. Ins, A., Dr. Bern 

198. Isler, A., Stadtrat Winterthar 

199. Ithen, Frl. A. Ober-Aegeri 

200. Jullien, AI., Libraire (32, Bourg-de-Four) Geneve 

201. Junod, Henri, Missionnaire Nenohätel 

202. Kägi, A., Prof. Dr. (Stockerstrasse) Zürich 

203. Kälin, Kanzleidirektor Schwyz 

204. Kasser, G.^ Dir. d. bist. Museums Bern 

205. Kaufmännischer Verein Zürich 

206. Keiser, A., Hochw., Rektor Zug 

207. Kennedy, Mrs. Marion (16 Oriental Place) Brighton 

208. Kessler, Gottfr. Wil (St. Gälte 

209. Kirsch, J. P., Prof. Dr. Freiburg (8dir^ 

210. Kisling, R., Kaufmann (Grossmünsterplatz 9) Zürich 

211. Kissling, R., Bildhauer (Klausstrasse) Zürich 

212. Knüsly, Eugen (Thalgasse 20) Zürich 

213. Knüsly, Hans (Thalgasse 2'J; Zürich 

214. Köchlin, E. A., Dr., Notar (Rennweg) Basel 

215. König, E., Dr. (Könizstrasse 47) Bern 

216. Koller, E., Professor an der teohn. Hochschule Stuttgart 

217. Koller, J., Dr. med. Herisau 

218. Kracht, C. (Villa Baur) Zürich 

219. Krayer, Ad. (Wartenbergstrasse) Basel 

220. Krayer-Förster, Frau H. (Sevogelstrasse) Basel 

221. Krayer-La Roche, Georg (Sonnen weg) Basel 

222. Küchler, A., Hochw. Kerns 

223. Kümin, Jos., Hochw., Kaplan Merlischaohen 



MltgUederverzeichnis. 



235 



224. Kttndig, Bnd., Dr., Notar (Sevogelstrasse) Basel 

225. Enntsohen, Job., Nationalrat Sitten 
226.*Laggery Franz, Hochw., Ffr. Zenneggen, Bez. Yisp (Wallis) 
227. La Boche, Hans (Albanvorstadt 83) Basel 
228.*Lanterbarg, £d., Dr. (Gare 5) Neachatel 

229. de LavallaZy L. (Aeademy) Leith (Scotland) 

230. Lavater- Wegmann, H. (Anbrigstr. 10) Zürich 

231. Leconltre, J., Prof. 2il*Acad6mie (avenne de la Gare) Neachatel 

232. v.Lengefeld,Frl.S.,Dr.(PensionKoch,Lottenstr.7*) Weimar 

233. Liohtenhahn, C, Dr. (Sevogelstr.) Basel 

234. ▼• Liebenan, Th., Dr., Staatsarchivar Luzem 

235. Lnchsinger, B. (Klansstrasse 2) Zürich 

236. Lorenz, P., Dr, Chur 
237 Marohand, M., Directeur de l'Ecole normale Porreotmy 

238. Marti, K., Prof. Dr. (Marienstrasse) Bern 

239. Martin, B., Prof. Dr. (n. Beckenhofstr. 16) Zürich 

240. y. Martini, Fritz St. Gallen 

241. Mathej, Mlle H. Wavre (Neichitel) 

242. Meier, Gab., P., 0. S. B., Stiftsbibliothekar Einsiedeln 

243. Meier, John, Prof. Dr. (Pilgerstrasse) Basel 

244. Meier, S., Lehrer Jonen (Aargan) 
245.*Mei88er, S., Dr., Staatsar chivar Chur 

246. Mercier, H., Priv.-doc. ä l'Univ. (49, route de 
Frontenex) Geneve 

247. Merz, C, Dr. med. Baar (Zug) 

248. Meyer, Adolf, Prof. Dr. New- York 

249. Meyer, C, Prof. Dr. (Gartenstr.) Basel 

250. Meyer v. Enonan, G., Prof. Dr. (Seefeldstr.) Zürich 

251. Michel, A., Pfarrer Mintettea (Thrgio) 

252. Micheli, Horaoe, Dr. es lettres, Redacteur Geneve 

253. Miville-Bnrckhardt, R. (St. Jakobstrasse) Basel 

254. de Molin, A., Privat-docent k TUniversite Lausanne 

255. de Montenaoh, G., Baron Fribourg 

256. Moosberger, H., Dr., Advokat Chur 

257. Morax, Benä Morges (Vaud) 

258. Morel, A., Bankdirektor (Freiestr. 96) Basel 

259. Morf, H., Prof. Dr. (Elettenbergstrasse 8) Frankfurt a./M. 

260. de Morsier, Mlle Mathilde Plongeoa, pres CeatTe 

261. Müller, Hans, cand. phil. (Brnnaustrasse 65 ^ Zürich 

262. Müller, H., Pfarrer Lanfenburg 

263. Mttiier-Mttiier, Roh. S. (Münstertreppe 9) Zürich 

264. Muoth, J. C, Prof. Chur 

265. ▼. Mnralt, W., Dr. med. (Rämistrasse) Zürich 

266. Moret, E., Prof. ä Tüniv. (19, me Toepffer) Geneve 

267. Mnrel^ M., Dr. med., Privat-doc. (5, me du Midi) Lausanne 

268. vanMnyden, H., Peintre (12, avenuedeFlorissant) Geneve 

269. Mylios-Paasavant, Alb., Dr. (Rennweg) Basel 



236 Mitgliederverzeiohnis. 

270. Nabholz, Ad., Dr., Rektor Glarus 

271. Nägeli, 0., Dr. med. Ermatingen 

272. Nater, J., Lehrer Aadörf 

273. Naville, A., Prof. k l'Uni versitz Genfeve 

274. Naville, Ed., Prof. k rUniv. (2, rue des Granges) Genfeve 

275. Naville, Lonis (15, conrs des Bastions) G«neve 

276. Nay, J., Dr. Thasis 

277. Nicati, Paul, Architecte Vevey 

278. Oechsli, W., Prof. Dr. (Gloriastr. 76) Zürich 

279. Ochsner, M., Verhörrichter Schwyz 

280. Oltramare, Paul, Prof. ä T Uni versitz (avenae des 

Nant Bosquets) Geneve 

281. Oswald.Ad., Dr.med., Privatdoc. (Gotthardstr. 55) Zürich 

282. Paravicini, Carl R., Dr. (St. Jakobstr. 20) Basel 

283. Pellandini, Y., Ajatante capostazione Taverne 

284. Peschier, Engene, Prof. Eonstanz 

285. Pestalozzi- Janghans F. 0. (Grütlistrasse 20) Zürich 

286. Pineau, L^on, Professeur (18, rue Godefroy) Lyon (Fran< 

287. V. Planta, J. Tänikon (Tili 

288. V. Planta, P. FiretenM (6ni 

289. V. Planta, P. C. Zuoi (Grau 

290. V. Planta, R., Dr. (Mythenstrasse 15) Zürich 

291. V. Planta, R. U., Oberst (Pelikanstrasse) Zürich 

292. Pletscher, H., Reallehrer Schieitheim 

293. Pometta, E., Grossrat u. Redaktor d. Popoloe Liberta Locarno 

294. de Pury, J., Colonel Neuchätel 

295. Ragaz, J., Prof. Dr. Chur 

296. Rahn, J. R., Prof. Dr. (Thalacker) Zürich 

297. Reber, B. (3, Cour St-Pierre) Geneve 

298. V. Reding-Biberegg, R., Dr., Oberst Schwyz 

299. Reichlen, J., Artiste peintre Fribourg 

300. Reinhard, Hans, Oberrichter Ölten 

301. Reinhard, Fräul. M., Lehrerin Bern 

302. Reinle, K. E., Dr., Lektor Basel 

303. Richard, E., Oberstl. (Börse) Zürich 

304. Ris. Dr. med. Thun 

305. Rivett-Carnac, J. H., Baronet Schloss Wildegg (Aarj 

306. Rivoire, E., Notaire (15, qnai de l'Ile) Geneve 

307. Robert, W. Jongny,p.Ve 

308. Rod, Ed. (19, rue Erlanger) Paris 

309. Rossat, A., Prof. (Schweizergasse 10) Basel 

310. Rössel, Virgile, Prof. Dr. Bern 

311. Roth, A., Dr., Schweiz. Gesandter (Regentenstr. 1 7) Berlin 

312. Roth, Hans, Dr., Ereisdirektion II Basel 

313. Rothenhäusler, 0., stud. pharm. (Spalenthorweg 25) Basel 

314. Röthlisberger, W., Artiste peintre Thielle (New 

315. Ruepp, P. A., Dr. med. MereiisehwtB4 b. 



MitgliederverzeichDis. 



237 



Ettlt^izneyer, L., Dr. med. (Socinstrasse) Basel 

Etyliiner, Gast., Dr. (Schanzenstr. 22) Basel 

Et^rliiiiery W., Pfarrer Winterthur 

ir- Salis, R. (Villa Gruber) Genua 

S&r&siD, Alfr., Bankier (Langegasse 80) Basel 

ä&ircteiny Ernst (St. Albanvorstadt 14; Basel 

3a.ir&8in-Iselin, W. (St. Jakobstr. 14) Basel 

de Saossure, F., Prof. k l'üni versitz Geneve 

de Saossnre, Tb., Colonel Gen&ve 

ScliabelitZy Friedr. (Olgastrasse 2) ZUricb 

Soliär, A.y Dr. (Silbermannstrasse) Strassbnrg 

Scliirmer, A., Dr. med. (Leonhardstr. 16) Basel 

Sclilumberger-Vischer, Ch. (St. Jakobstr.) Basel 

Solimid, il. R., Postdienstchef Basel 

Sclmorf, Kasp., Prof. Dr. (Plattenstr. 52) Zürich 

Scliccb, B., Prof. Dr. (Zürichbergstrasse) Zürich 

. ScHnüriger, J. M., Hochw., Pfarrer Steinen (Sdiwyi) 

. Schnler, H., Dr. (Jenatschstrasse 6) Zürich 

. Schulthess, 0., Prof. Dr. Frauenfeld 

. Schiippli^ H., pr. Adr. Handschin & Wirz Moskau 

. Sohniryzer, Ed., Dr. (Hegibachstrasse 71) Zürich 

• ^* Schwerzenbach, C. Bregen« 

». Secretan, Eng. (le M^leze) Lausanne 

>. Seeburger, E., Sohn Zürich 

). Seiler, E., in Firma Seiler & Co. Basel 

L. Senn-BemouUi, Frau Pfarrer Sissach 

-• Senn-Holdinghausen, W., Verlag Zürich 

3. Simon, J. (Albananlage) Basel 

4. Singer, S., Prof. Dr. Bern 

5. Sonderegger, Herm., Dr. med. Heiden 
k6. Sonderegger, Paul Heiden 
17. Smeding, L. H., Libraire Anvers 
4B. Speiser, P., Prof. Dr. Basel 
49. Spiess, Ed., Dir. d. Allg. Gewerbeschule Basel 

'50. SpUler, Reinhold, Dr. Frauenfeld 

^51. Spinner- Waser, H. (Friedhofg.1 Zürich 

552. Spörri, J., Kaufmann (Bahnhofstr.) Zürich 

^^3. V. Sprecher, Th., Oberst Maienfeld 

354. Stadler, E. A. (Schönberggasse) Zürich 

355. Stähelin, Jos. (Ilgenstr. 8) Zürich 

356. Stammler, J., Monsignore, päpstl. Kämmerer Bern 

357. Stehler, F. G., Dr., Vorstand der eidg. Samen- 
kontrollstation (Bahnhofstrasse) • Zürich 

35B. Stehlin, K., Dr. (Albanvorstadt 69) Basel 

359. Steiger, A., Antiquar (z. Löwenburg) St. Gallen 

36<). Stem, A., Prof. Dr. ( Englisch viertelstrasse) Zürich 

' " r, H., Prof. Dr. Burgdorf (Bern) 



361. 



238 



MitgliederverzeichDiB. 



362 

363 

364 

365 

366 

367 

368 

369 

370 

371 

372 

373 

374 

376< 

376. 

377. 

378. 

379. 

380. 

381. 

382. 

383. 

384. 

385. 

386. 

387. 

388. 

389. 

390. 

391. 

392. 

393. 

394. 

395. 

396. 

397. 

398. 

399. 

400. 

401. 

402. 

403. 

404. 

405. 

406. 

407. 

408. 



. StoU, 0., Prof. Dr. (Klosbach) Zürich 

. Strasser, 6., Pfieirrer Grindelwalc 

, Stränli, E., Pfarrer Ober-Hittna 

> Strehler, Alfred (Selnaustr. 14) Zürich 
, y. Strele, B«, k. n. k. Bibliotheksvorstand Salzburg 

Streuli-Httniy E. (Bleicherweg) Zürich 

StroBhlin, P.-Ch. (54, roate de Chene) Greneve 

Stückelberg, Alfr., Dr. (Petersgraben 1) Basel 

Stückelbergy £. A., Dr., Privatdozent Basel 

> Stückelberg, Yico (Petersgraben 1) Basel 
Stürm, Jos.y filaofiaatann (Florastrasse) Zürich 

'Styger, M., filantonsschreiber Schwyz 

Sütterlin, G., Hochw., Dekan Ariesheim 

*Sntery P., Dr., Sekundarlehrer (Kasernenstr. 15) Zürich 

Tappolet, £., Prof. Dr. (Eidmattstrasse 53) Zürich 

Tatarinoff, £., Prof. Dr. Solothum 
V. Tavel, Albert, Fürsprech (Laubeckstrasse 20) Bern 

Tavemey, A., Privat-docent Lausanne 

Thommen, B., Prof. Dr. (Angensteinerstrasse) Basel 

Thurneysen-Hoffmann, Frau A. (Albanvorstadt) Basel 

Tobler, A., Dr. jur. (Wettingerhaus) Zürich 
Tobler, Alfr., V. D. M. Wolfhalden (App< 

Tobler-Blumer, A., Prof. Dr. (Winkelwiese) Zürich 

Tobler, C, Nationabrat Thal 

Tobler, G., Prof. Dr. Bern 

de Torrentä-Waser, Ingenieur (Spitalacherstrasse) Bern 

Urech, F., Dr. (Graben) Aarau 

Usener, H., Prof. Dr. Geheimrat Bonn 

Usteri-Pestalozzi, E., Oberst (Thalgasse 5) Zürich 

Vetter, F., Prof. Dr. (Aargauerstalden) Bern 

Vetter, Th., Prof. Dr. (Plattenstrasse) Zürich 

Vodoz, J., Prof. Dr. Zürich 

Voilmöller, K., Prof. Dr. (Wienerstrasse 25) Dresden-A. 

Von der Mühll, G. (Albanvorstadt) Basel 

Von der Mühll, W., Dr., Notar (Albangraben) Basel 

Wackernagel, B., Dr., Staatsarchivar Basel 

Walter, E., Stadtrat Winterthur 

Waser, J. H. (Limmatquai 70) Zürich 

Waser, M., Hochw., Pfarrer Schwyz 

Waser, 0., Dr. (Limmatquai 70; Zürich 

V. Wattenwyl, H. A., Ingenieur (Spitalg. 40) Bern 

Wavre, W., Prof. Neuchfitel 

Weber, H., Dr., Kantonsbibliothekar Zürich 

Weckesser, J., Relieur-artiste (93, rue Ducale) Bruxelles 

Wegeli, R., Dr. (Landesmuseum) Zürich 

Weidmann, F., Fürsprech Einsiedeln 
Weitzel, A., Secr^taire de la Direction de 

rinstruction publique Fribourg 



MitgliederverzeichoiB. 



239 



409. Welti, Fr. E., Dr. (Jankemgasse) 

410. Welti, H., Dr. (Lützowstrasse 20) 

411. Werzinger, Arthur (Bahnhofstrasse 20) 

412. Westermann, E., Ingenieur (Grallosstr.) 

413. Wettstein, Emil, Dr. (Nordstrasse 36) 

414. Wickart, A., Hypothekarschreiber 

415. Wiget, Th., Dr., Dir. der Kantonsschule 
-416. Wildberger, W., Oberlehrer 
417. Wille, ü., Dr., Oberstdi visionär 
4i8. Wind, AI., Pfarrer 
iX9.*Wirz, E., Buchhändler 
1:20. Wirz, M., Architecte 

2 1. Wymann, Ed., Kaplan (Krenzstr. 46) 
^ S. Wyss, 0., Prüf. Dr. (Seefeldstrasse) 
!aS.*v. Wyss, W., Prof. Dr. (Fehrenstrasse) 
^^. Zahler, H., Dr., Sekundarlehrer 
^ .fi. Zahn, £., Schriftsteller 
^ ^. Zai, P. 

^ ^7. Zellweger, 0., Basler Nachrichten 
t .^3. Zemp, Jos., Prof. Dr. 
- ^^. Zetter-Scherrer, E. 

^<ZJ. Zimmerli-Glaser, J., Dr. (Hotel Beau-Bivage) 
Zindel- Kressig, A., Telephonbeamter 



Bern 

Berlin W. 
Zürich 
St. Gallen 
Zürich 
Zug 
Trogen 

Nennkirch Seliaffk. 
Mariafeld-Meilen (Zürich) 
Jonen (Aargau) 
Aarau 
La Tour de Peilz (Vaud) 
Zürich 
Zürich 
Zürich 

Münchenbuchsee 
Göschenen 
Turgi 
Basel 
Freiburg (Schweii) 
Solothum 
Luzern 
Schaffhausen 



Züricher, Frl. Gertr., Lehrerin (Landhausweg 9) Bern 



Fbliotheken und Gesellschaften. — Bibliothiques et SociMis. 



' ^^ . Allgemeine Lesegesellschaft 
* '^k: . Bibliothek des Lesezirkels Hottingen 
l ^^ . Bibliothek, Königl. 
^ ^ . Bibliothek, Kgl. Württemberg. 
^ "^ • Biblioth^ue de l'üniversiti 
^^^. Bibliothek der Museumsgeselischaft 
^^. Bodleian Library 
^O- Harvard College Library 
'^X. Hofbibliothek, Grossherzogiiche 
^^4.^. Hofbibliothek, K. u. K. 
4^43. Hof. und Staatsbibliothek, Kgl. 
444. Eantonsbibliothek 

445. Eantonsbibliothek des Kantons Thurgau 

446. Kantonsbibliothek Obwalden 

447. Kantonsbibliothek Solothum 

448. Museumsgeseilschaft 

449. Schweizerische Landesbibliothek 

450. Schulvorstand der Stadt Zürich 

451. Staatsarchiv d. Kantons Bern 



Basel 
Zürich 
Berlin 
Stuttgart 
Lausanne 
Zürich 
Oxford 
Cambridge, Mass., U. S. A. 
Darmstadt 
Wien 
München 
Zürich 
Frauenfeld 
Sarnen 
Solothum 
Ölten 
Bern 
Zürich 
Bern 



240 


Mitgliederverzeichnis. 




452. 


Staatsarchiv des Kant. St. Gallen 


St. Gallen 


453. 


Stadtbibliothek 


Schaffhansen 


454. 


Stadtbibliothek 


Winterthur 


455. 


Stadtbibiiothek 


Zofingen 


456. 


Stadtbibliothek 


Zürich 


457. 


Universitätsbibliothek, K. u..K. 


Gm, 


458. 


Universitätsbibliothek, E. a. E. 


Innsbruck 


459. 


Universitätsbibliothek, E. n. E. 


Prag 


460. 


Universitätsbibliothek, Eaiserliche 


Strassburg 


461. 


Wessenberg-Bibliothek 


Eonstanz 

1 



Die verehrlichen Mitglieder sind ersucht, irgendwelche Un- 
richtigkeiten oder Ungenauigkeiten in obigem Verzeichnis Herrn 
Dr. E. A. StOckelberg, Petersgraben I, Basel, anzeigen zu wollen. 



Les membres dont Tadresse 
priis de bien vouloir en informer N 
graben I, ä Bftle. 



ne serait pas exacte sont 
' E. A. StOckelberg, Peters- 



Band VII Heft 3, ausgegeben 24. September 1903. 



241 



Chants patois jurassiens 

Pabli^B par M. Arthar Rossat (Bäle). 

IV partie (fin). 

Chansons satiriques. 

172. 

mo tx^pe pwStü*) MoD chapeaa pointu 

(Patois de Villars-sur-Fontenais) 

y*evö T be txepe kär|, pwStü, J'avaisunbeaucbapeancarre, pointu, 

Q,ui me coütait cinquante-neuf Boas 
Presqne un ecu, sapredieu! 
Presqae un 6cu, youp! sapredieu! 



k9 019 k^te sTkSt-noe so, 
presk T et;|^ü, sap^rdias! 
presk T etjj^tt, y^p! sapdrdias! 

2. y'^vö en bei perük da be fT 

[pwä 
k* i m' detxerpexö*) fet e düa- 
devö T rete, etc. [mwän 

3. y'evö ^n b^i mttstäx d'sü9 d*pü9 

k9 m' djwSfie ätwe d' le gdel 
t^ kmS T tris^^), etc. 

4. y'evö de be süle da be ff tjffla 

kd m' djwSfiX ätwe de pia 
kmS de säbä, etc. 

o. y'evö de bei chatissettes da pc 
[da txT 
ka ma djwßfiT ätwe de txSb 
kmS de beträ*), etc. 



J*avais une belle perruque de beau 

[poil ün 
Qne je me d^melais fetes et di- 
Avec un rateau, etc. [manches 

J'avais une belle moustache de soie 

[de porc 
Qui me joignait autour de la gueule 
Tout comme(nt) nn ...... 

J'avais des beanx soaliers de beau 

[fin cuir 
Qui me joignaient autour du pied 
Comme(nt) des sabots, etc. 

J'avais des belles chaussettes de peau 

[de chien 
Uui me joignaient autour des jambes 
Comme(nt) des barattes, etc. 



*) (Vtt<» vioille chanson, tros n^pandui» djms tout \o Jura, n«» manque 
pas^ d'int«^ret: eile donne de pnV'ieusos indications »ur h's diverses parties 
de» anciens vetemont«. 

') 1? pers. sing, imparfait indic. du verhe dftxqrpi d<''mcler les 
cbeveiix, d'oü le subst. t d^txfrpü un dt^neloir, un peifrnt». 

•) D^rivö de li.tri8 — la diarrhe»», la foin»: (''«*st donc un tas dVx- 
rr^ments. Les Del^montaios ont n»gu \o sobriquet do: /f trisii, les foireux. 

*) « b^trä -- baratte ä faire lo bcurre: le niot rat ajoulot. Le vadais 
dit « bitxä. 



242 



C'hants patois jurassiens 



k\. y'^vö ^n bßl tjjfülät da be fT dre J'avais une belle colotte de beau fin 

[drap 

kd m' djwSüe ätwe de fes Qni me joignait autonr des fesses 

kmä T ;|füo;^ä, etc. Comme(nt) an soufiPlet, etc. 

7. y'evö T be jlle ^) do pe 69 txe, J'avais un beaugilet depeaa de chat^ 

kd ms djwSne ätwe di dö Qai me joignait autour dn dos 

kmS T bü d' s^, etc. Comme nn bont de sac, etc. 

S. y'evö en bei jaquette d» be J'avais une belle jaquette de beau 
[t'T dre, [fin drap, 

k'i rsänö T prezidS Qae je ressemblais un president 

t§ pwä le rtia, etc. Tout par les rues, etc. 

D. i m'5 süßt-äl^ vüa me metres Je m'en suis alle voir ma maitresse 
[t^ bT et;^ipe, [tout bien 6quip^, 

k'el m'^ b^te dria le püatx Qu'elle m*a mis derriere la porte 

tg kmS T bäle, etc. Tout comme un balai. 

lO. y'^vö fe kädö ä me metres J'avais fait cadeau ä ma maitresse 
[d' T p^ d'büsr frä, [d'^un pot de beurre frais, 

k'el s'fi ä freyl9 h mwer Qu'elle s'en est graisse la bouche 

trä mwä do tS, etc. Trois mois de temps, etc. 

(Ernest CouUery, horloger, k Villars-sur-Fontenais.) 



173. 

Memo sujet. 

(Patois de Del6mont} 



m 



^ 



T 



::t5=:t 



Ö^ 



j=ru-ii/- ii 



y'^ - vö T b$ tx^- p^ kä- fq, pwS-tü, ko ma k$ - t^ sT - kät n* 



-fHl-S^ 



E5E 



:i=E 



ÄI3 



8Ö, pr^sk T ^ - tA'ti, sä - k^r - die ! 

1. y'evö T be txepe käre, pwStü, 
kd ma k^te slkSt nob sü 
presk T et;^ü, säkerdia! 

2. y'evö en bei perük d* pwä 

[d'pürsö. 
i le peiiö fet e dtiamwän 
d^vö T rete, säkerdio! 



J'avais un beau chapeau carr6, pointu, 
Qui me coutait cinquante-neuf sous 
Presque un ^cu, sacredieu! 

J'avais une belle perruque de poil 

[de pourceau. 
Je la peignais fetes et dimanches 
Avec un rateau, sacredieu! 



*) Ce n'ost pas le mot oidinaire; on dit d'habitude tkprsli (cf. n* 173, 
Str. 4). Le patois de Tavannes dit mßmo kprs^ (cf. n® 177, str. 3) et oeloi, 
de Tramelan-dessous kprsä (cf. 176, str. 2) cf. n^ 181: mÖ kw^rti. 



Ghants patois jurassieos 



243 



3. y'^vöt-en bei grevät da twäl J'avais une belle cravate de toile 
[möle, [peinte 

ka mo xit/e*) darw le kö Qui m'allait derriere le cou 

k^m T tx9YSl9^), sakerdid! Commeuncoassin dejong, sacredieu! 

4. y^evö t be k^rsle d'pe da txe, J'avais un beau gilet de peaa dechat 
ka 109 xitjife deno l9 dö Qui m'allait derriere le dos 

k^m T setxä, 8äkerdi9! Comme un sacket, sacredieu! 

ö- y'^vö ^n bei tjj^Ulät d9 tjj^üa möle, J'avais une belle culotte de cuir verni 
k9 in9 frTJ9ne^) d9rl9 le fes Qui me criait derriere les fesses 
k§in T xüaxä, säkerdia! Coaime un soufflet, sacredieu! 

^. y'evö dö be süle t^t Sroiadje, J'avais des beaux souliers tout 

k9 m9 xitjjfT xü Tkö di pi9 
k^m de säbä, sakerdio! 

7. i m'S sob räie vwär me metres 
' [t9 bl eyfip§; ' 
k'^1 m'e f^tU daria le pödrt 
k^m T balai^)j säkerdia! 



3- y'e fe kädö e me. metres d'T 
[p§ d' bü9r frä; 
k'el m'fi e fr|yl9 le gö9rdJ9 
trwä mwä d9 tS, sakerdia! 



Qui m'allaient sur le cou du pied 
Comme des sabots, sacredieu! 

Je m'en suis (r)all6 voir ma maitresse 

[tout bien equipe; 
(Qu') Elle m'a f. . . derriere la porte 
Comme un balai, sacredieu! 

J'ai fait cadeau ä ma maitresse d'un 

[pot de beurre frais; 
(Qu') Elle m'en a graisse la bouche 
Trois mois de temps, sacredieu! 



(Justin Kohler, cordonnier, Delemont.) 



1, 



174. 
Meme sujet. 
(Patois de Boncourt) 
y'evö X be txepe r5, pwStü, J'avais un beau cliapeau,rond,poiDtU; 



[käre, 

ka m9 k^te sTkSt nee sü 
käzi X etj^a, ö 8ak9rbl8! 
kizi X et^^y ö lä, rä d9ri d9rä ! 



[carre, 

Qui me coutait cinquante-neuf sous 
Presque un ecu, oh I sac^reblen I 
Presque un ecu, oh ! la, tra deri dera I 



*) C'est Tallemand (sich) schicken. On dit aussi xik^. ('»» niut a sui- 

**^^ le sens (Vajusterj arranger, convenir: sgli xik bl c'e.^t bifii arranj^r. 

^^ ^ In xik^ sifli — il a bien arrang<^ cela. Cf. Pan. 600: Voilä des boitlpts 

^^•**^c« .... qü'e (iX9) se sehiqu'an (xitxä) tres-bin po des pendnins d'o- 

***5^«« = Voilä des boulets rouges .... (lui convionnent tres bien pour dof* 

^«Äcbnts d'oreüles. 

*) Cest le coussin qu'on met sur le cou des banif« pour quo le juug 
^^ ^e» blesse pas. 

•) Ce mot a le sens de: pitiUer ; on lo dit du beurre, do la graisse 
^^ p^tille, gr^sille dans la poele. 

*) C'estle motfran^ais; le patois dit toujours: cm fAwr (latin: scopa). 



244 Chants patois jurassiens 

2. y^^vö T be jil^ do pe da tx^, J^avaisanbeaugiletdepeaadeohat^ 
ko md djwSü^ t^ l^üd di k9 Qui me joignait tont le toar du ooq 
t$ k'T^) bü d's^y etc. Todt comme an bont de sac, etc» 

3. y'evö en bei t/Uiät d'p^ J'avais nne belle cnlotte de peau 

[d'^lüät, [d'alouette, 

ko md djwSü^ t^ l'tüd d6 Qai me joignait tont le tonr des 

[tjj^oex [cnisees 

t§ k'T /üoj^ä, etc. Tont comme nn sonfflet^ etc. 

4. y'evö de be 8Ül§ da pe d'ran^ ; J^avais des beanx sonliers de peau 

[de renard; 
e ma djwSfit iq l'tüa de pia Ils me joignaient le tonr des pieds 
tg k' de säbä, etc. Tont comme des sabots, etc. 

5. i m'S äle vüa me metres t^ Je m*en allai voir ma maitressCf tont' 

[bX ^t;|^ipe; [bien Equipe; 

el m'e f§tU dria 1^ püatx Elle m'a f . . . derriere la porte 

t§ kmS T balai, etc. Tont comme(nt) nn balai, etc. 

(M"»« Cattö, n6e en 1820, Milandre, pres Boncoart.) 

175. 

Memo sujet. 

(Patois de Ck)urtedonx) 

1. y'evöt-T be tx^pe käre, pwStU, J'avaisnnbeaachapeaucarre,pointn^ 
ka ma k^te sTkSt nüa sü Qni me coütait cinqnante-neuf sons 
käzi T et^fU, säkarbtta, Presque un eon, sacrebu! 

ka ma kgte sTkSt nüa sü Uni me coütait cinquante-nenf sons 

käzi T etj^U, t^[\, t;fü! Presqne un eon, cu, cn! 

2. y'evöt-en bei perik da pwä J'avais une belle perrnque de poil 

[d'p^rsö, [de ponrceau, 

k'i ma pSnö t^ le düamwän Que je me peignais tons les di- 

[manches 
d§vö T rätji^ö^), eäkarbö, Avec un rätean, sacrebd! 

k'i ma p^nö t^ le düamwän 
devö T rätj^ö, tjjfö, tj(ö ! Avec un rateau, to, . to ! 

3. y'evö en bei t;^ülät da t;^ür J'avais nne belle culotte de cnioK 

[betU [battu 

ka ma kake daxü le les Qui me frappait dessus les fesse* ^! 

kmS T Houjflet, säkarble, Comme nn soufflet, sacrebletl 
ka ma käke daxü le f^s 

kmä T soufflet, fie, fiel Comme nn soufflet, flet, flet! 

V) Remarquer cette expression quo je rencontre pour la premiöre foi 
iö AT, au lieu (io la forme habituelle: ti^ kmä t -^ iotU comme(nt) un. U^^ 
forme co comme se trouvo luissi dans les patois vandois et friboarge<^^ ä 

2) Le mot habituel est: r^t^ Cette corruption est völontaire p<^'«J 
rendre la chose plus coiiiique. 



Cbants patois jurassiens 



245 



4. y'evö en bei kr§vät da känovä 
ke m8 Iwäy^ ätw^ dl kö 
d^vö T l^kä^), säkorbrä, 
ke me Iwäye ätwe di kö 
d§vö T l§kä, kä, kä! 

ly. y'evö T be djän djip5 küjü S 
[fi byS, 
k'ä obx dl S ID9 vwäyS 
etr T prezidS, säkorbttd! 
k'S cex dl S me vwäyS 
etr r prezidS, dS,'dS! 

ö- y'evö de bei txäs da pwä 

[d'fotpin*), 
ke m^ mer m'^ve trik^te 
ä kar de n9t föe, sakerbäe! 
ke me mer m'ev^ trikgt§ 
l kär' de'n^t iW, lue, räe! 

7' - y'gvö de be süle de pe de 

[txevri, 
ke le k2rd9nie^) m'^v^ fe 
t/5 y'etö pet^, sakerbtie! 
ke le k^rd^nie m'eve f| 
tjfS y'etö pete, te, te! 

5 - i üi'S scetäle vwä me metr^s 
[bTet/ip§;' 
i m' 8CB flfit;^^*) derie le püetx 
k^m T balai, säkerbfie! 
i m' 8CB flSt;^e derie 1^ püetx 
k^m T balai, le, le! Comme un balai, lai, lai! 

^ * y'§ ^^ prezS S m^ metres d'X J'ai fait prdsent ä ma maitresse d'un 
[p9 d' büer frä, [pot de beurre frais, 

kH m*S etö fr^t^ le dy81 (Que) Je m'en etais frotte la goeule 

pSdS trä mwft, säkerbfie! Pendant trois mois, sacrebleu! 
k'i m'fi etö firjt^ le dyöl 

pSdS trä mwäy mwä, mwä I Pendant trois mois, mois, mois ! 

CExtrait d'nn vienx Cahier de Chansons^ roanuscrit, sans date, 
ayant appartenu ä Ludwig Studer, ä Conrtedoux.) 

*) D y a ici une comiption ; on attendrait : kmä % Ifkä comme un 
*^uet (cf. strophes pröcödentes, et n« 179, str. 5). 

') Le patois dit: t tx^ni^ du lat: cuniculus. 

') L'ajoulot a les deux mots: ktofdjäni» et knvwäjl^; le viidais n'a 
<iucle mot : kfrvfji». Ici nous avons une forme frangaise. 

*] Malgrö son extörieur patois, ce mot est fran^ais; le patois aurait 
^ ici: /Jwi. — Remarquer aussi Taltt^ration du sens (cf. n° 174, str. 5; 
"8> »tr. 7; 172, str. 9; 177, str. 7, etc.). 



J'avais une belle cravate de canevas 
Q,ai me liait autoor da cou 
Avec un loqaet, sacrebret, 

Aveo un loquet, quet, quet! 

J*avais un bei habit jaune cousu en 

[fil blanc, 
Qu'on eüt dit en me voyant 
£tre un pr^ident, sacrebleu! 

£tre un prdsident, dent, dent! 

J^avais des beaux bas de poil 

[de lapin, 
Que ma mere m'avait tricotös 
Au coin de notre feu, sacrebleu! 

Au coin de notre ieu, feu, feu! 

J'avais des beaux souliers de peau de 

[chevreau, 
Que le cordonnier m'avait faits 
Quand j'^tais petit, sacrebleu! 

Quand j'etais petit, ti, ti! 

Je m'en suis all6 voir ma maitresse 

[bien equipe: 
Je me suis flanqu6 derriere la porte 
Comme un balai, sacrebleu! 



246 Chants patois jurassiens 

176. 

Mdme Bujet. 

(Patois de Tramelan-dessous) 

1. y'^vö (ß be txäpe kärä, pwSttt, J'avaisQnbeaachapeaucarrd^po 
kd m^ k^tfv kärSt-sS sü, Qui mB coQtait qaarante-cinq a 

k9zi S et/ü, Presque an ^q. 

79P säpardi, ygp 8ap9rd|! Yop saperdi, yop saperda! 

2. y^evö S be k^rsä dd pe do J'avais an beau gilet de pea 

[txä, fehl 

ko roa k^t^v tg r5 döz etj^tt Qni me eoütait tont rond douze 
y9P, ete. 

3. i m'S all txi mä metres tg Je m'en allai chez ma maitresse 

[b6 et/ipj, [bien 6qai] 

el roo mi dorir 1^ pö^t Elle me mit derriere la portc 

k§m S &a^t^ Comme an balai. 
yöp, etc. ^ 

^^me Droz, n6e en 1825, Tramelan-dessous.) 

176 bis. Yoici une autre Version en patois de Tramelan, 
M. H. Monnier, horloger k Sonvillier, a commaniqaöe k 1^ 
prof. Tappolet, qui a bien vonlu me TenYoyer. 

1. y'ävö 6 be txäpe t;färä, pwStü 
kd mo kötäv9 k^röto-sS 8Ü 

presk 5 et/ü 
h^p säpdrdid, presk S et;^ü. 

2. y'ävö en bäla perütjfa d'pwä d'pursö 
k'i peiilva fet ä dämwSne (dimanche) 

tq km^ S rözo (roseaa)') 
Etc. 

3. y'ävö u be k^rsä (gilet) da pe da txä 

ka ma djSje (joignait) t^ 1* t^ (toar) du dö 
t^ km2 8 bü d'sä (an bont de sac) 
Etc. 

4. y'ävö de bäl t;fülöt da fi därg (dore [?]) 
ka ma dj5j6 t^ la t§ de t/obx 

t2 km^ T x^xä (sonfflet) 
Etc. 

5. y'ävö äna bäl vesta djöna küzü d'fi byS 
i rs^byäva (ressemblais) pä dria, pä dve 

fi prezide (prfesident) 
Etc. 



^) Variante: avö 6 ratö. 



Chants patois jurassiens 



247 



y'ävö de be sülä do pe d^ene (peau d^agaeau) 
ka md djSjS t§ Tt^ du pi9 

Etc. 

y'ä fä kädö ä mä metrSs d'ü pgtiig d'bür frg 
k'i m'j ßtö freyid le d^ (dents) 
tre mwä do t§ (temps) 
Etc. 

i m'5 ^li txl mä metres t^ bS §^/ip^ (eqaip6) 
äl ino i^tä ä lä poätd (porte) 
to km^ u bäle 
Etc. 



3. 



S. 



e. 



177. 

MSme sujet. 

(Patois de Tavannes) 



^'^vö 5 be fT txäpe t;färä, 

[pwStti, 
ki in9 kötä karät-flX 8ü 
pre«k' 5 et;fti, ö säpardia! 
' ä k'y etö be! 

y'evö en b^l vest djön küzü 

[d'ti'byS; 
i reSbyö tj pe dria 
T prezidS, etc. 

y 'evö 6 be k^rse da pe dö txä, 
kd md djTj^ t^ l't^ da dö 
t§ kjm S bü d' sß, etc. 

y'evö de b§l t;fülät d'pe 

[da tx5, 
k« ma djTjg t^ Tt^ du t/ü 
t§ km' S /üa;fä, etc. 

y'evö de be sülg d'pe d'äiie, 

k^ ma djTje tg l't^ di pia 
t^ km' i säbä, etc. 

y'§ f| kädö ä mä metres d'S 

' [pö d' büar frj ; 
i m'S etö frwgyl 1^ iSg 
trwä mwä d' tS, etc. 



J^avais un beau iiu chapeau carr6, 

[pointu, 
Qai me coutait quarante-cinq sous 
Presqae un ecn, 6 sapredieu! 
Ab ! que j'^tais beau ! 

J'avais une belle veste jaone cousae 

[de fil blanc. 
Je ressemblais tout par derriere 
Un President, etc. 

J'avais un beau gilet de peau de cbat^ 
Qui me joignait tout le tour du dos 
Tout comme un bout de sac, etc. 

J'avais des belles culottes de peau 

[de cbien, 
Qui me joignaient tout le tour du o. . . 
Tout comme un soufflet, etc. 

J'avais des beaux souliers de peau 

[d'agneau, 
Qui me joignaient tout le tour du pied 
Tout comme un sabot, etc. 

J'ai fait cadeau ä ma maitresse d'un 

[pot de beurre frais ; 
Je m'en 6tai8 frott6 la langue 
Trois mois de temps^ etc. 



§1 m'ä fjtü dn Iß pöart Elle m'a f . . . . derriere la porte 

t§ km' S bataiy etc. Tout comme un balai, etc. 

vH^^ Julie B^gneliD-Möschler, nee en 1821, de Tavannes, Tramelan.) 



i 



248 



Chants patois^ jurassiens 



178. 
MSme Bujet. 
(Patois d'Argiösaot, France) 
i m'5 8^t-äle vgr m^ metres Je m'en suis all6 voir ma roaitressc 



tq bT r2t;|füpe; 
^l n9 VI9 pe m'i r9t;fün9tr 
tS i etö be, säpardia ! 

2. ä ! y'e di : bö djwe, metres, 

kmS k' 8ül^ v|? 
el s'ä für§ dria Je pü9tx 
tu kmS r balai, säpardio ! 

3. ä! y'evö T be txepe kär§, 

' " ' [pwstn, 

ko m9 k^te sTkSt-ncb bü 
presk 1 et;^U, säpordia! 

4. ä! y'evö ßn bei krävät evö de 

[pwä byS, 
k'gl m'i sere l'Stwä di kö 

c c c • 

kmä T rötxö*), säpardia! 

5. äl y'evö T be jile d' pe 

[d'krgpä 
k9 m'i sere xü l'extüme 

c c c c 

^v^ T kädne, säpardia! 

6. ä! y'evö T be djüpö d' be 

[träs byä 
kd m'i bet^ xii le mole 

c c • t c 

kmS T ekave, säp9rdl9! 

7. ä! y'evö ^n bei t;fül&t d9 be 

[dr^dye, 
k9 lü teycer*) m'ev^ fe 
djttk e m^]^, 8äp9rdi9! 

8. ä! y'evö de b^l txös byöv 

[^vö de kw5 S byR, 
k9 me mer m'eve f^ lü swä 
ä kwS di fö, 8äp9rdi9! 



Tout bien (r)6quipe ; 
Elle ne voulait pas me reconnaitrc 
Tant j'etais beau, saperdien ! 

Ah ! je lui ai dit : Bonjour, maitresse^ 
Comment (que) cela va? 

Elle s'est fonrree derriere la portc 
Tout comme(nt) un baljai, etc. 

Ab! j'avais an beau cbapeau, etc. 



Ah! j'avais nne belle cravate avec 

[des pois blancs, 
(Qa^elle) qui me serrait i'entoai 
[du cou 
Comme un lien, etc. 

Ah! j'avais un beau gilet de peaa 

[de crapaud 
Qui me serrait sur l'estomac 
Avec un cadenas, etc. 

Ah! j'avais an bei habit de beau 

[triege blanc 
Qai me battait sur les mollets 
Comme un balai, etc. 

Ah! j'avais une belle culotte de 

[beau droguet 
Que le tailleur m'avait fait[e] 
Jusqu'aux mollets, etc. 

Ah! j'avais des beaux bas bleua 

. [avec des coins en blanc, 
Que ma mere m'avait faits le soir 
Au coin du feu, etc. 



<) C'est un d(^riv6 du niot que nous retrouvons dans rajoulot: riMx ou 
rp9lx et dans le vädais: r^^rty du latin retorta En revanche, rü9t9 = verge, 
rü9t9n^ -= battre de verges, ^ rü9tn^ = une fouettöe de verges, etc., »e 
rattachent ä Tallemand Rute. 

2) Le patois de Del^mont et l'ajoulot disent: p9Uu. 



Chants patois jurassiens 



249 



9. ä! y'gvö de be xtiye d'pe Ah! j'avais des beaux souliers en 

[d'käbri, [peau de cabri, 

ko lü kw^dj^nid m'ev^ fö Que le cordonnier m'avait faits 

tjfß i etö pt9, säp^rdie! Quand j'etais petit, etc. 

XO. y*e fe kädö S m^ metres d'T J'ai fait cadeau a ma maitrease d'un 

[pS d'bttjr frä; [pain de beurre frais; 

i m^S etö früte le g^l Je m'en etais frott^ la gueule 

" pSdS xe mwä, säp^rdia ! Pendant six mois, saperdien ! 

(Justine Lhote, nee en 1814, Argiesant, France.) 



179. 
Mai mie Pierrette*). 
^Patois de Pont-de-Roido, France) 



L-^-i t-^- i^-i '^ ^ 



t j '-J^-^ ^ 3 



Y m'en feus voiir mai mie Pier - ret - te bin re - ta- 
JH 1 -ttnr— fc- 



3^-£ 



^E^ 



1f ¥ 



i 



Eir ne poy - at pais me r*coueu-gnn - tre taint y6-to 



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^E^^ 



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be 



cre di - e! Ell' ne poy - at pais me r'coueu- 



^m 



^F?-^ : 



^ 



bt^ 



ö! 



tre taint y ^ - to 

Y m*en feas voar mal mie 
[Pierrette bin retapa. 

Eir ne poyat pais me r'coueu- 
[goätre taint y 6to be sacredie 

Ell ne poyat pais me r'coueu- 
[gn&tre taint y eto be 6! 

T aivo in b6 tcbaip6 rond, 

[carra, pontu, 
^QB me cota cinquaint'nine sos 

[presqn' in 6cUy sacredie! 
^ne me cota cinqnaiDt'niue sos 

[presquMn ^n, n! 

IT aivo in be baibit bien coasu 

[d*ß biain; 
Od airat dit, quaint y mairtcho, 

[in priesidaint (Sacredie-dint) 

^) Cette chanson a pani dans 



Je m'en fus voir ma mie Pierrette 

[bien retape. 
£11 e ne pouvait pas me reconnaitre 

[tan t j 'etais beau, sacredie! 
Elle ne pouvait pas me reconnaitre 

[tant j'etais beau, eh! 

J'avais nn beaü chapeau rond, 

[carre, pointu, 
Qui me coütait cinquante-nenf sous, 

[presque un ecu, sacredie! 
Qui me coütait cinquante-neaf soos, 

[presque nn ecu, u! 

J'avais un bei habit bleu cousu 

[de fil blanc; 
On aurait dit, quand je marchais, 

[un President, etc. 

le Diairiy Alnianach montbeliardais 



250 



Cbants patois jurassiens 



4. Y aivo ne bell' tchemis' biaintche 

[en tale ^crae 
De fi qu'mai mere aiva fela ä 
[quart di fae. 

5. Y aivo ne belle graivatte en 

[gros canVas, 
Qoe me serra dedo lai gordge 
[qa' ment in loucas. 

6. Y aivo in be gilet gris en p6 

[d'tchevri, 
Qae loa pell'tie aiva doabia en 
[drogaet gris. 

7. Y aivo ne belle culotte en cae 

[mollet 
Qae me gonchat derie les fess's 
[qa'meDt in soafflet. 

8. Y aivo des b^s soulas neux en 

[cue d'gouri 
Qoe loa coaeadjainnie m'aiva fat 
[pou in bon prix. 

9. Y li dis: Eh ! bondjouen mai mie, 

[quement qu' te vais? 
Ell' me flanquait derrie lai poütche 
[ve loa balai. 

10. Y f'ze cadeaa ai Pierrett' d'in 

[pou tat d'bearr' fräs 
Qu' y m'en ^tos frouta lai gale 
[pendaint tras mois. 



J'avais ane belle chemise blanoiie 

[en tolle 6cnie 
De fil que ma mere avait fil6 au 

[ooin du feu. 

J'avais nne belle oravate en gros 

[canevas, 
Qui me 'serrait (dessons la gorge) 

[sous le cou comme an loqnet. 

J'avais un beau gilet gris en peaa 

[de chevreauy 
Qae le tailleur avait doabl6 en 

[drogaet gris. 

J'avais nne belle culotte en cnir 

[vemi 
Qui me gonflait derrlere les fesse» 

[comme un soafflet. 

J'avais des beaux souliers neufs en 

[cuir de göret 
Que le cordonnier m'avait fait& 

[pour un bon prix. 

Je lui dis: Eh! bonjour, ma mie^ 
[comment que tu vas? 

Elle me flanqxia derriere la porte 
[vers le balai. 

Je fis cadeau k Pierrette d'un petit 
[pot de beurre frais, 

Que je m'en 6tais frotti la gueale 
[pendant trois mois. 



(Communiqu^ par M. Ad. Petermann, rödacteur du Diairi, 
AlmaDEch montb^liardais.) 



180. 

Meme sujet. 

(Variante en patois de Courgenay) 



y'e fe prezS S me metres 
d'T be mgxe d' beer frä; 
i m'fi etö fräyia le dl9tr 
pSdS six mois, säpdrdlax! 
pSdS 8ix moisf 



J'ai fait pr^aent ä ma maitresse 
D'un beau morceau de beurre frais; 
Je m'en etais froltä les dartres 
Pendant six mois! 



(M. Metthez, instituteur, Coargenay.) 



Chants patois jurassiens 



2ö 



181. 
M. VMM Daucoart, curö de Miöcoart, a eu Tobligeance de 
m'enToyer les trois atrophes suivantes qui, selon lui, faisaient 
partie de la Yadine. Cette contamination d'une des chaiisons par 
raotre est fort interessante. 



3. 



P9 $vwä mä y&dTna 
i m^elf m^e bT ä; 
h 1^ fwär da Chindon *) 
y'^v$ ^txot§ T bidö. 

y'Svö I be tx^[>f 
k'fte' ß d'pwä d'tx9vri; 
*y'^V9 ^n b^l kräväta 
k'l 8' bö/e' df v$ T Jjkä. 

mä std b^gres sS txäM 
et| ^n xläpüzd da käfe; 
B* n'^te p' ^09 täsa, 
e yi f&yg t§ py5 T tjjfüve. 



Poar avoir ma Yadine 
Je m'etais mont^ bien baut; 
A la foire de Chindon 
J'avais achete un bidon. 

J^avais un beau chapeau 

(olui 6tait fait de poil de chevreao; 

J*avai8 une belle cravate 

Qoi 86 bonclait avec un loquet. 

Mais cette bougresse sans bas 

Etait une buveuse de cafe; 

Ce n^etait pas une tasse, 

11 lui fallait tout plein une cuve. 



182. 
y*^ vädü mg t/üläte J*ai yenda ma culotte. 

(Patois de Courtedoux) 



Modtrato, 




Y'$ vi-dQ m^ tArtt - lä - to, mo bon - net, ^ pö m^ ra- gi- 
#^ - te, iDokw^r-8^. i m*ä rd-v^txidmoptk'niadi: ]>U täd'sisU-p^r- 



\ I i" r " ' ' FJlTTT X JI^ ^^ 



Äfl, tö pan-ia-lon ä vä-dn, tavwä-li bi - tp t^ nü. 



y^ vadü me t;ftil&t9, 

mö bonnet, 
? pö m^ ragXgjtö*) 

niJü kw^rs^. 
* 'ä'ä r9y^ txid m9 öto 
^'^ m* di: pü tS d'si* sttp^rflU, 
^^ paniaUm^) a vfidu, 
^ vwili bTt$ t§ nü. 



J'ai venda ma culotte 

Mon bonnet, 
Et pnis ma redingote, 

Mon gilet. 
Je m*en (re)vai8 chez mon böte 
(olui roe dit : Plus tant de ce superflu, 
Ton pantalon est vendn, 
Te Yoilä bientut tout nu. 



(Madeleine Tonnerre, nöe en 1829, Courtedoux.) 

*) Chindon, commune de Reconvillier, est c(^16bre par ses foires aux 
"^*^am, üü Ton vient de fort loin. 

') Corruption ponr ndigpt9 ; c'est le mot fran^ais. 
') Ce mot paMUüon, comme plus haut : mon bonnet, est fran^is ; on 
^^ ^joors: txiks ou ixiHät», et ^p» ou k(Üd pour bonnet. 



252 



Chants imtois jiira^siens 



183. 
1 m'^rüyan^ .... Je me fatigue 

(Patois de Courtedoux) 



fe-^-i^T.-r^^^^TTj^^ ^ 



i m'^-rüy»)-n§, i m'^-kwäye-n§ txC k'^ f^ frä Q pö k*^ 



'^^^^^^^m 



i^^^^ 



g$ - 19. i m9 r9 - dr^8 ä kä - bä - r^ t$ kmä i pü da - xü s^ 



^f l ^f-T-n^£J~^W ^ ^^ ^=^ M 



izjC 



b$-89. rä Dd ma pyQ pü k'a 1a brü ka rldya %. - tw^ da iii^z - ä- 



J^ij ii J'T^f 



i^ 



js:^: 



^^ 



rwä-ya, t^rö s'a kM bridya ä drü drli drü, d§ • vö mo vär ^ m§ b<J-twä-yo. 



i m'erüyone, i m'ekwäyane 
t]((ß k*e ie frä e pö k*e g^ta. 

i ma radres ä käbäre 

c c 

t^ kmS T pü daxU se b^sa. 

rS na ma pye pü ka la brü 
ka rldya Stwe da mez-ärwaya, 
t/5 s'ä k*i brfdya a dVti, drü, drü, 

dgvö m5 vär e me bgtwäya. 

(Marianne Guenin, nee 



Je me fatigne, je me donne da mal 
Quand (qa')il fait frais et pois qa'il 

[goutte. 
Je me redretse au cabaret 
Tout comme un coq (dessos) snr 

[sa bo«8e. 
Rien ne me plait plus que le brait 
Qni resonne autour de mes oreiiles 
Qnand (cVst que) je trinque ah! 

[dm, dru, dm, 
Avec mon verre et ma bouteille. 

en 1813, ä Courtedoux.) 



184. 
t;fe s'ä k'i bwä . . . Quand (c'est que) je boia . . 

(Patois de Montsevelier) 

1. i/<ß s'ä k'i bwä, k'i m'emüz, 



Quand (c'est que) je bois, que je 

[m'amnae, 
Assis derriere la table, 
On bien que je saute, que je daoae. 
Je suis content comme un diable. 
Rien ne me plait tant que le brait 
Qui resonne autour de mes oreiUea, 
t;^S s'ä k'i bwä drü, drü, drü, Quand (c'est que)jeboi8dra,dni,dra, 
d^vö m6 vär e me b^teya. Avec mon verre et ma bouteille. 



siate daria le täl, 

ö bT k'i yüp, k'i dßs, 

i scB kölS k^m T rwäbya *). 

rS na ma pye tS ka la brü 

ka rTJya St^r da mez-gr^ya, 



») Cf. Arch. 17, p. 262, note 1. 



(■hants patois jurassiens 



253 



'2. exbl p^kwä ma xegrTne V 
i lex» d'etr ^de b5 e brgv. 
d€ mö vär i n* för pw6 mö ne 

t/5 e n* i e dadS k» d' i'äv. 
i m'erStd e i m' rüdn; 
da k'i ßOe pjjfß i rgüas *) ; 
mS i ms rdräs ä käbär^ 
kmS T pü dxU ne bgs. 



Aiifisi pourqaoi mc chagriner? 

Je täche d'etre toujours bon et brave. 

Dans inon verre je ne fourre point 

[inon nez 
Q,aand il n'y a dedans que de Teau. 
Je m*6reinte et je me ruine; 
Des qae je suis plein, je vomis; 
Mais je me redresse au cabaret 
Comme an coq sur sa bosse. 



(M. F. Chetelat, inatituteur, Montsevelier.) 



185. 

T swär m^ayo Id dy^l. Un soir monsieur le diable. 

(Patois de Develierj 

T swär m§syo la dyel 

v{»ye fer T rape, 

B9 fi Kervi txii \K\ 

I7n grand plat cTavocat, 

Un röti de notaire, 

Un bouillon d'dSHassin, 

vwäli kmS U dy^l 

Ne vit que de voleurs, 

(Entendu ä l'auberge de Corban.) 



Uq soir monsiear ]e diable 
Voalait faire un repas ; 
(II) se fit servir sur table 



Voila Cüinment le diable 



Lento. 



186. 
le lü. Les loups. 

(Patois dt» Courtedoux) 




föt - ä - 1^ § kw6dj-dil pü I) - vi o - n^ 1$ lü; 'ya ^ 







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yü kd rvT di bö, ka rvi di ho, ko rvT di Im), ^ - vö ^n 



^n J-hd:^ 



txfSb dd txvä txa Vdö. 



h Le vadais dit plutöt köts^ ou rköts^, d«» rjilK'niand : kotzen. Le 
iDot est employ^ dans ta plupart des patois romandt^. 



254 



ChantB patois jurassiens 



1. fötale e kw^djdä 
pü qyi öne le lü '). 

'y«) a e yü ka rvT di bö, 

k9 rvT di iö (bis), 
evö en tx6b da txvä txü Tdö. 

2. el 6 fe esSbye le tpmnät§, 
k' e y eve T txvä krave ; 

v^ pdet bt krer kmS i 85 rit^ 
km5 i 80 rite (bis), 

3. v§ kweuäxT bT djarmS vätia 

ka fde 1' deria p^iedjia. 
el ^t-evü le trip di t;^ü, 
le trip di t/ii (dis), 
B2 k9 nfi n'e vüIU. 



II laut aller ä Courtedoux 
Poar ouir hnrler les loups. 
(II) y en a un qui revient du bois, 

Qni revient du bois, 
Avec une Jambe de cbeval sur le dos, 
Ils ont fait asserobler la commanaate, 
Qa'il y avait un cheval creve ; 
Voas pouvez bien croire oommeiit 
[ils ont cooru. 

Vons coiinaissiez bien Germain 

[Vautier 
Qui fut le dernier (partage) servi. 
II a en les tripes du c . . . 

Ce qne personne n'a voulu. 



(Louis Vetter, n6 en 1850, Courtedoux.) 



$• 



187. 
s'ä le txf txie nö vejT. C'est le chat chez nos Yoisins. 

(Patois de Courgenay) 
itn rhytmd. 



^^ 



45=^ 



^. 



::15:=ts 



t^ 



^^ 



5: 



-J—z 



s'a la tx^ txl3 np v§ - ji 



kd l'mä-tjl txH 14 b# - ta! 



g^^g^^^^gj ^f!?^ 



^1 ^ mö-djia l<Jpüe-xö, ^l § txla dö 1'^ - siJ - ta. tö-da to-da 



:t=:f 



^T 



to - dir - 11 - re, to - da to - da to - dir - 15. 



1. s'ä la txe txia nö vejY, 
ka l'mätä tyüe le beta! 
el e m^djia 1^ püaxö, 
el e txia dS l'esiata. 

c c c 

t5da, töda, tödirlira 
töda, t5da, t5dirl5. 

2. el e mSdjia I9 püax5, 
el e txia de Tesiata. 
s'i la taiiö pä ie küa 

• » c c 

i yi käsrö le teta ! 
t5da, etc. 



C'est le obat chez nos voisins, 
Q,ue le diable (tue) empörte la bete ! 
II a mange le poisson, 
II a ch . . . dans Tassiette. 
Tonde, tonde, tondirlire 
Tonde, tonde, tondirlon. 



Si je le tenais par la quene 
Je lui casserais la tete! 
Tonde, etc. 



(M. Girard-Mouhat, Courgenay.) 



*) Les habitants de Courtedoux portent 1p sobriquet de: les loups (If hl^ 
2) Elision pour q y ä ^ yü ~ il y en a un. 



Chants patois jurassiens 



255 



1. 



188. 

s'etf 1§ tx^ txi9 Vetx^tiQ. 

C'^tait le Chat chez (V) Etienne. 

(Patois de Pieigne) 



s'ete lö txe txia l'etjfena 
ko rvdfi^ d' le f^to, 
ko krie : mifia, miii5 ! 
r mätS ttt^ )g beto! 

c c c 

— djäno roeri9, m'Sme-v^ bT? 

— d'fizUS'Maria, ke kStal 
p^kwä vg n'Smrö-ya p9 bl? 
▼9 m'e fe t§t sütxa da bT. 

D§t txe k'e fe de djtian, 
t§ fl py6 ^na tx^rpen. 
88 t'etö gvü S Pötä' 
td 8^re ^Yü le maren. 



C'etait ]e chat chez (l') Etienne 
Qai revenait de la fete, 
Qui eriait : migna, mignon ! 
Le diable (tue) empörte !a bete! 

— Jeanne -Marie, m^aimez-voos 

[bien ? 

— Jesns-Maria, qnel, conte ! 
Poorquoi ne vous aimerais-je pas bien ? 
Vons m avez fait toute sorte de bien. 

Notre chat qni a fait des jennes, 
Tout fin plein un panier ä bois. 
Si tu avais et^ ä la maison, 
Tu aurais dt^ la marraine. 



,Unto, 



(M™* Broquet-Bome , Pieigne.) 

189. 

ö Ten ä txwä d6 T b^rbf. 

Oh! räne est tomb6 dans un bourbier. 

(Patois d'Alle) 




^S B{ ^^3gJ 



$ r§n a txwä dö 1 b^r - b^, $ - l^s! I§ püa -Td b^- ta! 




«5 ptQ -1-^ nö s'ä 



vwT vwi vwl, ha hä hä! 



^^ 



:«? 



E3: 



sä. 



^ m$r, $ - t9-v$ müe-txa? vwi-k^n! 



\. 



%. 



ö l'gn ft txwä d6 T bgrbe, 
eles ! le püard bete ! 
•5 pte-l'|n5 8*S vT epre, 
ö vwl, vwT, vwT, hä, hä, hä! 
ö mfr, et9-v$ müetxo ? *) 
vwi kgn! 

— ö nyS, nyfi, i n' sce p' mü9 *) 
pisko i djäz Skgro. 



Oh ! l'äne est tonibe dans un bourbier, 
Helas ! la pauvre bete ! 
Son petit änon s'en vient apres, 
Oh! vouin, vouin, vouin, ha, ha, ha! 
Oh ! inere, etes-vous morte ? 
Voui kene! 

— Oh ! non, non, je ne suis pas 
Fuisc^ue je parle encore. [mort[e] 



Remarquer ces deux formes milstxs et mü^ = morte. Cette demiöre 
'^ la forme nuuculine. L^änesse r^pond : Je ne suis pas mort. 



25r, 



Cbants patois jurassiens 



ö vwT, vVT, vwT, hä, hä, hä 
ö Dyfi, i n' ßoe p' mü9 
vwi kgn ! 

mö pt^-l-gnö, s'tA m' vö krgr 
e t' föt-älf t;fri rnjter. 
t;f5 l'njt^r ä ^rive 
ö vwT, vwT, vwT, hä, hä, hä ! 
d§vö 85 ^kritüre ') 
vwi k§n! 

ekrive, inSsyB l'ngtgr, 
ikriv§ 8Q k'i vö dikto. 
i b^ye & m5 pte -lenö 
ö vwT, vwT, vwT, hä, hä, hä ! 
m^ küd e mez-äräya, 
vwi ken ! 



Oh! non, je ne suis pas mort 

MoD petit anon, si tu me veux cfo 
II te faut aller chercher le nota 
Qnand le notaire est arriv6 

Avec Bon ^critoire. 

Ecrivez, monsiQur le notaire, 
Ecrivez ce que'je vous dicte. 
Je doone a mon petit anon 

Ma qaeue et mes oreilles. 



S se m5sy6 ka s5 prezS A ces messieurs qui sont pres« 

ö vwT, vwT, vwT, hä, hä, hä ! 

le ptxü di t;^ü p§ bwär Le troa du c . . . ponr boire ! 

vwi ken ! 

(Pierre Caillet, ne en 1827, Alle.) 



190. 
Yoici mainteoant la Version, bien plus compl^te, de 
Bi^trix (Op. CiL, p. 35—37): 

Le Teichtäment de Tainasse. 
Le Testament de Tänesse. 



Mai mere ut tchoit dains in 

[borbet 
H^lais! lai pouere b6te! 
Son ptet ainon s'en vait de- 

[geain*): 
HSlais ! hi, hi, helais hi hau ! 
Mai mere etes-vous mouetche 
Hi haine ! 



Ma mere est tombee dans un bo 

[biei 
H61as! la pauvre bete! 
Son petit änon s'en va disant : 

Helas! hi, hi, helas. hi hau! 
Ma mere etes-vous morte? 
Hi haine! 



*) Le latin -oria = -ür»: m^txär^ (mächoire) ; qtx^mür? (öcumoii 
txiilr^ (latrines) ; h^xnürd (bassinoire) ; txdsürd (litt, ^chassoire", ficelle 
bout d'un fouet). 

2j Cette forme d^ji du participe präsent, n'est pas habituelle; oi 
plutöt dyf. (Cf. Arch. VII, n" 167, str. 5.) Y a-t-il peut-etre une influei 
du fran^ais disant? Le präsent indicatif est: i di, t9 di, (dt, nfdyä,vfdi 
? dyä. 



ChaDts patois jurassiens 



257 



— non, non, non, mon ptet 

[ainon, 
Fat allai tyery l'notalre. 
Tyaind lo notaire feut airrive 
HSlais ! hi, hi, h^lais hi han ! 
Aivö 8on ^cretoire *) 
Hi hihaine! 



3. 



4. 



€>. 



— Oh ! non, non, non, mon petit 

[änon, 
[II] faut aller querir le notaire. 
Quand le notaire fot arrive 

Avec 8on 6critoire. 



— £crivaiz et r^crivaiz . — Ecrivez et r^crivez 

(^o qne mai m^re vos dicte. Ce qne ma mere voas dicte. 

— Hü i te baye mon pt6t ainon, — Ho ! je te donne, mon petit änon, 
HMais! hi, hi, h^lais hi han! 

Mai t^te et mes arayes Ma tete et mes oreilles. 

Hi hihaine! 



Y baiye ai monsieu lo tyurie 
Mai qaone po einne aspergesse. ^) 

Y baiye ai monsien lo shiaivie *) 
Heiais! hi, hi, hälais hi han! 
Po y^t mai driere Uce. 

Hi hihaine ! 

Y baiye ai monsieu lo notaire 
£n dyige d'hennoraire 

y y'y baiye mes sabbats, 
Heiais! hi, hi, h^lais hi han! 
Po yi servy de goblats 
Hi hihaine! 

y yi baiye mes sabbats 
Po yi servi de goblats. 
Ai ces Messieurs que m'6coutant 
Heiais! hi, hi, helais hi han! 
Totes les vertus de Taine 
Hi hihaine! 



Je donne k monsieur le eure 

Ma qaeue pour aspersoir. 

Je donne ä monsieur le saoristain 

Pour lit ma derniere litiere. 



Je donne a monsieur le notaire 

£n guise d'honoraires, 

Oh ! je lui donne mes sabots 

Pour lui servir de gobelets. 



Oh ! je lui donne mes sabots 
Pour Ini servir de gobelets. 
A ces Messieurs qui m'ecoutent 



Toutes les vertus de Täne ! 



Et M. Bi^trix ajoate: 

cToujours rhiatoire de Vaittraipe ä boutf 



M Nous avons ici le mut fran^ais (Cf. n** 189, str. 3). 
^) C'est la premK^re et unique fois que jo rencontre ce niot, <|ue M. 
*^taix ne donne meme pas dan» son Diciionnaire patois-ajoulot (Manuscrit 

') Le xicl9 (Ajoie), xivl9 (Delemont) est proproment cehü qui a la 
le r^glise, le clavier; lat. clave — if et x^. — M. Biötrix, dans son 



«Vef 



V 



'^^^ionnaire peUois-ajotdot, donne au mot shiaivie (i^vU) le sens de : clavier, 
^^*^e-clef; Guelat donne aussi au mot x^vu (xqv}9) le sens de : clavier, 
''^^^gmller. 

17 



258 Chants patois jurassiens 

«Nons pourrions relater bien d'autres pi^ces de meme geore ; 
mais nous pensons qu'en voilä d^jä bien assez pour donner une 
idee süffisante des malices que se permettaient nos vieux Ajoulots. 

«On chantait cela — les jeunes gens, cela va sans dire — 
ä gorge deploy^e, sur champs et pr^s, aa temps des moissons 
et des fenaisons. Une vieille tante, morte il y a une vingtaine 
d'ann^es, ä Tage de 88 ans, nous racontait que lorsque les chan- 
tears arrivaient au dernier couplet, les jeunes fiUes se bouchaient 
les oreilles en criant de toute leur force : he, h^, h6, h6 ! pour 
ne pas m^riter leur part du cadeau. On voit que la malice 
n'excluait ni la bonhomie, ni la gati6.» 



Tout enfant, je me rappelle avoir chante, ä Lausanne, le 
premier couplet d'une chanson analogue, dont malheureusement 
je n^ai jamais connu la suite; la voici teile que ma mere me 
Ta apprise: 

Moderalo. 



i 



* 



qtfcifc 



^ 



f^— h — |V 



LTine est tom - bö dans le bour-bier, Et ron - ii - fi et 
^ Plus vif. 



f - jY]^Tj]±.t.L-iv-^8^E^ 



ron - fa - fji. La paii-vre bete estmor-te, bi - ha, bi - ha, hi- 






ha! La pau-vre bete est inor-te, hi - ha, hi - ha, hi - ha! 



191. 
1^ txiovr ez-ädyäs. La chfevre aux audiences. 

(Patois de Porrentruy) 
Vif et gai. 



p^-f -i^J^h^ ^ 



^^^ 



^^ 



t=*r 



n^z - § - vT §n nwär txiovr, l'ä byä-txa mi - ta - nS. §1 



T-T-r^W^ ^ ^^ ^ ^-^^ ^ ^ E^ 



s'ät-ä-l^ f ^ - r§ ä tA'&- txi d^ iiö djä. vw^-tl9 I§, vwä-li 1^ 



[_j: ji j' n ^^äi 



txiavr d'i grä- 1-ä - tä - do - mä. 



Cliants patois jurassieus 



259 



J.. n^z-evT eo nwär txiavr, 
l'ä byStx9 mitanS. 
el s'ät-äl^ f^re 
ä t^jfdetxi da nö djS. 
vweti8-le, vwäli IS txwvr 
dt grä-l-StädamS. 

"2. el s'ät-äle fore 

ä tj^oetxi dd nö dja. 
el i e mSdjia T txö 
kd viye sT sS fra. 

3. el i e mSdjid T txö 
ko väye sT sS frS; 

el i e mSdjia en larbäta 
k'5 väye dü9 fwa te. 
fite. 

4. el i e mSdiia en larbät 
k'ä väye dü9 fwä tS. 
el ät-SvU Site 

c c 

pe dv5 1^ yüdtnS. 
Etc. 

5- ^1 ät-evü Site 

pe dvS 1§ yü9tn6. 
i][^ ^1 fce ez-ädySs, 
s'ä ^ate xU X bS. 
Etc. 

tjfg el foe ez-ädySs, 
s'ä 8ldt§ xü T bS. 
el e f| T pa po 1^ djtidja, 
du p2 1§ ytiatnS. 
Etc. 

^1 e fe T pä P9 1^ djüdja 
iü p§ 1§ yüatnß. 
Sl§ fe T pnäO d^gegel^) 
jpj mösyö 1^ serdjS. 
Etc. 

• ^i ? ^g Y pnä d'gegel 

"J^ mSsyÖ lg serdje. 



Noos avions une noire chevre, 
Elle est blanche maintenant. 
Elle s'est allee fourrer 
An jardin de «nos gens». 
Voyez-la, voilä la chevre 
D'un grand entendement. 



Elle y a mange iin chou 
Qui valait cinq Cents francs. 



Elle y a mange une herbette 
Qui en valait deux fois [au] tan t. 



Elle a ete citee 

Par devant le lieutenant. 



Quand eile fut aux audiences, 
[Elle] s'est assise sur un banc. 



Elle a fait un pet poar le juge, 
Deux pour le lieutenant. 



Elle a fait un boisseau de crottes 
Pour monsieur le sergent. 



') Le pnät le penal^ est une ancienne niesure, un boisseau. Dans 
Ytv%i^*]j^ de Bale, le pnd di prh (boisseau du prince-evOiiuei ctait pluw 
grt^^ que celui de Berne. 

*) Les gigfl sont les excrements, les crottes dt» chevre ou de mouton. 
Ce^t le Bobriquet des gens de Courtetelle. 



260 



Chants patois jarassiens 



el e f9r§ sS eküan*) 
ä t/ü d9 TekrivS. 
Etc. ' 

el ^ fgre 85 ekü9n 
ä t/ü da l'ökrivß. 
fi rtriS 85 eküon 
remwäne da l'5gS. 
fetc. 



Elle a foorr^ sa corne 

Au cul (de l'6crivain) du greffier. 



En retirant 8a corne 

Elle a ramen^ de Tonguent. 



C'est pour frotter les levres 
A oeux qui m^icoutent. 



10. S rtirS 85 eküQn 
remwäne da TSgS. 
s'ä p2 fräyia le levr 
^ 86 ka m^ekutS. 
Etc." 

(M™« X., Porrentruy.) 

M. A. Bi6trix (Chansons patoises, p. 29—32) donne nos 
Btrophes 1, 3, 5, 6, 7, 8, 9, 10, sans variantos. II les accom* 
pagne de commentaires dont noas extrayons ce qui sait : 

«Cette sottie, que nous nous garderons bien de traduir^ 
textuellement en frangais, et pour cause, est depuis le premier 
au dernier mot empreinte d'une malice extreme. 

«C'est rhistoire d'un gendre qui paratt n'avoir pas vecu ei^ 
trfes bonne intelligence avec nos dgens, seit le p^re et la m^r^s 

de sa femme. Sa ch^yre ayant fait une escapade dans le jardia 

ils lui firent des mis^res k ce sujet. La mani^re d'ävalaer L ^ 
dommage cause indique d6jä, par son exag^ration, le prix re^^ 
qu'il y attachait. II laisse le sein k sa bete elle-mSme de p^«^ 
der sa cause, et Ton vient de voir de quelle fagon änergiqL:=:s 
eile s'en acquitte. Cette ch^vre de grand entendement •^■— 
parait pas avoir etä desayouSe par son mattre, qui aurait jg^j 
toutefois nous dispenser de Vonguent^ nous qui ne fdmes po ^k. 
rien dans cette affaire. 

«On doit neanmoins conyenir que Tauteur n'etait pas plwLz 
bete que sa ch^yre. C'est bien \k Tesprit caustique et malin (Z i 
yieil Ajoulot.» 

192. 
MSme sujet. 

(Patois de Courgenay) 
GaiemetU. 



i 



^ 



HF 



^ 



*=ti= 



8 y'^ ■ v^t - § - na txio - vro k'^l ^ mfi - djTo 1$ txp, 

') L' « prosth^tiqae ne se trotive d'habitude pas au singulier. Od dit 
sf kü»n (Ajoie), s^ k^»n (Delemont) = sa corne; mais s^^-fitfiM (?i^ii> 
(Cf. n» 192, Str. 6 et 193, str. 3). 



Chants patois jurassiens 



261 



Vnn> [t=^^^:ru:l 



^ 



tzö di pr^ - zi - d£. 



Ql $ dTä - Ol - da - mä, mQ 



^T-ZfÜJ-U 



i 



3Ss: 



=tf=t: 



txidvr, ^1 ^ dM'ä - tä 



da 



2. 



G. 



. ^ y' evet-eii txidvra, 
k'gl e m8dji9 le txö, 
le txö di pr^zidS. 
el e d' rStSdomS, me txidvr, 
^l l d' l'StSdomS. 

c c 

Jd prezidS le fez^ f sit^ 

pe dvS tu se grö di tribunaL 

^1 rdtrfis^ 8^ küd 
e 89 BidtS xü T bS. 

Id pr^zidS le köd&ne 
^ k^tr9-vS-dloj-&. 

t][9 me txi9vr ^ye s^li 
el SHtoe 8^ kü9n ä tyü di 

[pr^zidS. 

tjjrS ^l r9tir^ 8^ kü9n, 
el ramwäne d9 l'5gS. 
s'ft P2 Sgrfxi9 16 dfi 
d9 ttt 8e kd m'g'kütS. 



mä. 
II 



y avait une chevre, 
(Qa'elle) qni a mange les choux, 
Les choux du prteident. 
Elle a de l'entendement, ma chevre, 
Elle a de Tentendement. 

Le President la fit (k) citer 

Par devant tous ces gros du tribunal. 

Elle retrouBsa sa queue 
Et s'assit sur un banc. 

Le pr^ident la condamna 
A quatre-vingt-dix ans. 

Quand ma chevre entendit cela, 
Elle enfon^a sa corne au cul du 
[prösident. 

Quand eile retira sa corne, 
Elle ramena de Tonguent. 
C'est pour engraisser les dents 
De tous ceux qui m'ecoutent. 

(M. Metthez, institateur, CourgeDay.) 



193. 

M6me sujet. 

(Patois de Develier) 



f y' 8v€ en fWfi en txi9vr 
k'«v§'d^ l^atadms' 
|f S'd' l'StÄdamS, mg txl9vr, 
|1 l d' rstSdomS. 

i ft ^ytt djttdji9 
Vi Sr§ 1§ kü9 k9p§. 
' ' Etc. 

i § pitj|f§ 8fc-ek!5an 
ft tjütt di prezidS; 
fite:' 

ramw&o^ d9 l'5gS 
p$r tg Idz-^kütS. 
Etc. 



II y avait une fois une chevre 
Qui avait de Tentendement. 
Elle a de l'entendement, ma chevre, 
Elle a de l'entendement. 

Elle a Qte jugöe 

Qu'elle aurait la queue coupee. 

Elle a pique ses comes 
Au cul du President. 

[Elle] ramena de Tonguent 
Pour tous les ecoutants. 



262 



Chants patois jurassiens 



5. en pwän§ do gegel 
P9 peyl9 le serdjS. 
Etc. 



Une poign^e de orottes 
Pour payer Jes sergcnts. 



(Jean-Baptiste Joray, ne en 1807, Develier.) 



On me permettra de citer enfin la version donnäe dans 
VAlmanach des Bonnes gens du Pays de Montbdiard (ann6e 
1895) sous le titre de: 

194. 
Lai Tchievre de Bertrand. 
(Vieille chanson du pays de Montbeliard) 
AlUgretto gaiement. 






Utzrt: 



atzi^ — L.JL 



EP e - taie t'i - ne tchie-vre, lai tchie-vre d'tchie Ser- 
ben marcato. 



3E2E 



^ 



^ 



iW4^'^^ 



3^ 



-:i"-3r 



trand, tire lire tire, tire lire tan. Qu'ai-vaie main-dgie in tchö 
marctUo. 



que 



*^s 



i- i'' J r j'U 



va-yaie bin cent fraocs, tire lire tire, tire lire tan. • Elle ait d'len-ten. 



1 



^ 



s 



i 



d'len-ten, niai tchievre, eil' ait d'len - ten - de - ment. 



El' etaie t' ine tchievre, 
Lai tchievre tchie Bertrand, 
Tire lire tire, tire lire tan 
Q,a' aivaie maindgie in tcho 
Que vayaie bin cent francs. 
Tire lire tire, tire lire tan. 

Refrain 
Elle ait d' Tentend, d' l'entend, 

[mai tchievre, 
Elle ait d' l'entendement. 

Q,u' aivaie maindgie in tcho 
Que vayaie bin cent francs, 
Tire lire, etc. 
Elle fea-t-aissignie 
Dvaint V Juge di President 
Tire lire, etc. 



II 6tait une chevre, 

La chevre ohez Bertrand 

Qni avait mange nn chon 
Uni valait bien cent francs. 



Elle a de l'entend', ma ch^vre^ 
Elle a de l'entendement. 



Elle fnt assignte 

Devant le juge dn President. 



ChantB patois jurassiens 



26a 



3. Elle fen-t-aissignie 
Dvaint TJuge di President, 
Tire lire, etc. 

Elle drossait sal quouetotte 
Et s' ch^tit ohu loa bano. 
Etc. 

4. Elle drossait sai qaouetotte 
Et s' ohetit chu loa banc, 
Tire lire, etc. 

Eir fesit des diaidielles 
Poa payie les sordgents. 
Etc. 

5. Eir fesit des diaidielles 
Pou payie les sordgents, 
Tire lire, etc. 

Eir piantit ses 6coaones 
A tia di President. 
Etc. 

6. EU' piantit ses eooaunes 
A tin di President, 
Tire lire, etc. 

En tirant ses ^couones 
Eir raimenit d' l'ongaent. 
Etc. 

7. En tirant ses ecoaones 
Ell raimenit d' l'ongaent, 
Tire lire, etc. 

(-'ä poa firoattai les lävres 
D'gä qae n' sant p6 Contents. 
Etc. 



Elle dressa sa (petite) qaeue 
Et s'assit sur le banc. 



Elle fit des crottes 
Pour payer les sergents. 



Elle planta ses cornes 
An cul du President. 



En tirant ses cornes 
Elle ramena de l'ongaent. 



C'est pour frotter les It'vres 

De ceux qui ne sont pas contents. 



Et VAlvmnach ajoute: «Cette chanson faite pour narguer 
la justice, si dure aax pauvres gens d'autrefois, doit etre tr^s 
ancienne et originaire de notre pays.» 



Modirato. 



195. 

Y f 8ät§ gn txievr 5 ii§t t/tntxi. 

II a 8aut6 ane chevre en notre jardin. 

(Patois de Courtedoux) 



\^*i j' i : '-L j'r^pTTfg^^^^^^ 



y ^ sa-t^ §n txievr a n^t t.r* - txi, y§, sa-tQ §n txiovr ä 



264 



Chants patois jurassiens 



/^ j- j- ,1 j' j- jlM-1 r j n^-i-i-J: 



n^t t;tr<)&-txi, k'§ m^djia s^-l^dje § p§r-xi. dyidya, bwär-djiar, ö 



rrrrr^?^=g ^r r77^ 



1^ 1^ 1?, dyfdye, bwär-dj9r, 1$ tä s^ä v^! 

1. y ^ 8&t§ en txidvr S ngt [II] (y) a saate nne ohevre en notre 

[tjjfcBtxi (bis) pardiiiy 

k'e inSdjT9 sel^djo ^) ^ perxi. Qai a mangä salade et persil. 

dyXdya, bwärdjiar, ö le, ]|, le ! Joae da violon, bergire, o la la la! 

dyXdya, bwärdjiar, lg tS s'S v^! Jone da violon, bergere, le temps 

[s'en va! 

2. kSper lg lü l'&le tr§vg (bis) Compire le loap Talla trouver. 
— k^mer le txlQvr, Sbr^sl9-md. — Comm^re la chevre, embrassez- 

dyTdya, etc. [moi. 

3. — köpgr lg lü, i n'özarö; (bis) — Compere le loap, je n^oserais; 
s'ä lg bwetxä') k'ä m5 emi. C'est le boac qai est mon ami. 

dyXdya, etc. 

4. y S §t-evü trä be txavri, (bis) J'en ai ea trois beaax chevreaiix, 
yiin-ä mw&n, Tätr ä b^yi. L*an aa moine, Taatre aa bailli. 

dyTdyo, etc. 

5. Tätr ä k^pusT e föyi (bis) L^aatre aa capacin ä Fahy. 

dyldy», etc. 
^Keiie Studer, de ConrtedouX; ä la eure de Bressaucourt.) 



J'ai retrouvS cette chanson k Courtedoux mSme; les trois 
Premiers couplets sont semblables ; Yoioi les variantes des quatri^me 
et cinqui^me. 



4. y 5 gt-^vti trä b^ txavri ; 
y S e b^yiö un-ä b^yi. 
dyTdyo, etc. 

5. ^i^pö l'ätr ä t/ürlo d' fgyi, 
i pö l'ätr ä rwä e peri. 
dyTdy», etc. 



J'en ai ea trois beaox cheyreaox; 
J'en ai donn^ an aa bailli. 

Et pais l'aatre aa oarä de .Fahy, 
Et pais l'aatre aa roi k Paris. 



(Marianne Guenin, n^e en 1813, Courtedoux.) 



^) C'est le mot ajoulot pour salade. DeI^.mont dit : d'lf ßäläd». 
>) Le mot ordinaire est bfk — bouc. Remarquer la formation jrr^gu- 
liere du diminiitif : bwitxä. 



Chants patois jurassiens 265 

196. 

$ Yoz-ä bT ^jia ... II yous est bien ais^ . . . 

(Patois de Fahy) 

I vöz ä bX ejidy m^ mer, II voas est bien aisä, ma mere, 

e vöz ä bT ^jia d^ djäz§. 11 vous est bien aise de parier, 

vg kütxTd d^vö m6 per, Vous couchez aveo mon pere, 

vj djäze tS k' vg vjyg Vous jasez tant que voas voulez. 

e yüp säsä! m^ püor vej9, Et youp sasal ma pauvre yieille, 
detx&sio Yö sabä! Dechaossez vos sabots! 

(Emile Daumont, n6 en 1864, Fahy.) 

197. 

T djwe ke nö bf rbi . . . ün jour que nos brebis . . . 

(Patois de Courgenay) 

2. T djw^ ko nö b^rbi Un jour que nos brebis 

ftT ttt e l'ötä, Etaient tout[e8] ä la maison, 

nöz-S dfxikdten ^n Nous en d^chiqaetames nne 

Stro n^ U Oargantua. Entre noas les Gargan tna. 

2. t/S s'a k' me mer la seve, Quand (c'est qne) ma mere le sat, 

^1 mo füdt^: Elle me foaetta: 

XJfi s'ä k' m5 per l'e sevü, Quand (c'est que) mon pere l'a su, 

^ m'S g fgtti! ' '^ ' II ni»en a f . . .! 

(M. Metthez, instituteur, Courgenay.) 

198. 

mo pfr ^ m^ mer . . . Mod pere et ma m^re. 

(Patois de Fahy) 

mS per e me mfr Mon pere et ma mere 

t;^ ii'e d'^yT ptt d' pS, Quand ils n'avaient plus de pain, 

ä s' pTsT If t/dex IIa se pingaient les cuisses 

ptt 8*pe6§ 1§ ä. Pour se passer la faim. 

(AmM^e Etienne, ne en 1845, de Fahy, ä Courtemaiche.) 

199. 

y'§ $n b^tät . . . J'ai une petite bete . . . 

(Patois de Courgenay) 

y'l en b§tät dS me t/lilat; 
tjfS i\ düo, i 1^ revwäyd, 
i le prS, i 1^ rv»r9, 
^1 m9 fö kräv^ do rlra. 



266 



diants patois jurassiens 



200. 
t/5 s'ä k'i etö djüenä. . . Quand j'^tais jeunet 

(Patois de Courgenay) 



Gai, 



|t.t<? s'ä k'i # - tö djüo - näj i pi - xö ütr 1# mü - rä ; 



^^ 



JJ.J! j! , 1 1 jT^^jfrxTfl 



m6 mit-n? k'i 8(fe v^-yä, i pix do - xü m§ sä-bä. 

1. t/^ s'ä k'i etö djüanä, 
i pixü ütr le inUrä; 
m6 initnS k'i sOe veya, 
i pix ddxü lue säba. 

2. t;^e s'ä k'i eto djüanä, 
niö /öträ ^) et^ rwädä ^) ; 
me mitnS k'i soe veyä 
e ii' fe pü ka b korbä. 

201. 

Meme sujet. 
I Patois de Trainelan-dessus) 

t/e y'etö djün, 

i pixT ämä ^) le pwär^ *) ; 

mitnS k'i sii veye, 

i pixe xü me sabo. 

(Benedict Rössel, aux Iteussilles.) 



202. 

f in'ä svT k'y eto djüenäte . . . 

II m'en souvient que j'etais jeunette 

(Patois de Delemout) 



^ ::m mj^rT\jjYm^ 



§ m*ä Hvi k'y$-tö djüa-natd, k'i pra-tö mS lüs-tü-krü. 



)!=g= 



^^^^^^^m 



i>* ^ JL 



ine mit-n(^ k'i s(i? v^-yÄta, dfia sq bni! fiB n'ä vdfe pü. 



*/ sifflet; *) roide, raide; ^) en haut; ♦) paroi. 



Chants patois jurassiens 



267 



i m'S 8vT k'y etö djtianäta 
k'i prätö mö lüstükrü. 
mS mitnS k'i soe veyäta 
dü9 8e bni! nu n'ä vcb pü. 

(Joseph Rais, fossoyeur, Del^mont.) 



203. 

mo per ^ m^. mer . . . Mon p^re et ma mfere . 

(Patois de Boufol) 



^^^ 



#rt c I" r 



mo p^r Q mQ m#r sa b^ - tl txiX nü, Tsüa- tä da md p#r $- 



^ 



i: 



tr^p m^ m^r ä t.rti. 



m5 per e nie mer 
89 betT t^VL nü, 
1' süatä ^) d9 m5 per 
etrep me mer ä t)r\l. 

(M. Chevrolet, n6 en 1865, Bonfol.) 



204. 
i vöröjirav^rö... 
Je Youdrais, je revoudrais 
(Patois de Del^mont) 



^^g 



:lS=t 



:t 



i v$ - r?, i r» - vjj - rö ka tö d§ fopx S in§ röa, 
* i s . T r^ t-i = ^^^ 



F? ?=mr^-q :^=c=F ^^ ^' ^ 



i b^yo-rö bi sät • ö - t^ü ko to n^ fa»x H mo trü. 

i vgrö, i r9vorö 

k9 t5 ne fcex 5 me rö9, *) 

i bey9rö bT sSt-etjKii 

k9 t5 ne fcex a m5 t;^ü. 

(M"« C. C, nee en 1840, Delemont.) 



1) MtOD, trique. 

*) Du latin riga = sillon, raie (Arch. Uly p. 215, n^ 8, str. 5). 



268 ChaDts patois jurassiens 

205. 

lebfxät^)... Lesfilles... 

(Patois de Vendlincourt.) 

le bex&t k'S 1§ fwdr 
n'5 p9 Ij t/ü \r2 nä, 
^1 S de gXgornä') 
ittre lö'dü /öträ»). 

(M. X., Vendlincourt,) 

Un compatriote yaudois, 6tabli depuis 30 ans ä Paris, 
chantä rannte derni^re un couplet analogue. La compara 
pouvant Stre interessante, je me permets de le transcrire 
bien que le patois vaudois ne rentre pas dans le cadre de < 
etude. 



206. 

Toutes les filles. 

(Patois de Pompaples) 



^JH J z^£fa- 3n:-J'l j; J'-?=?^ 



t$- t§ 1# %9 k'o lä rä-ßi n'o dzä-m# 1$ t;tü bS n 



Vo ä - d^ kaö-t^^ grö-gä- 1^ ä - tra - mi 1§ du sü-by^. 

t^tä le %a k*5 lä rata 
n6 dzämö Ij t;f ü b5 ne ; 
rs ade kköt/^ grSgäl§ ' 
Strami le du sübye. 

(M. E. B., Paris.) 



*) Se chante sur Tair de Yadine. 

«) Grelot (Cf. Ärch. III, p. 264, n^ 1, str. 18; p. 265, n« 2, str. 

») Sifflet. 



269 



Sprüche und Lieder aus dem Entlebuch. 

Von E. Pinkenhofer in Zürich. 

Yermoge ihrer geographischen Abgeschlossenheit entwickelten 
sich die Entlebucher im Laufe der Jahrhunderte zu einem Yolks- 
Bchlag, der in Sitte und Sprache gegenüber den Stämmen der 
I^achbarschaft nicht nur früher manche Abweichung aufwies, 
sondern von der ursprünglichen Eigenart vieles selbst bis auf 
den heutigen Tag bewahrt hat. Aber seit längerer Zeit durch- 
saust nun die Eisenbahn das ehedem so stille Bergtal, und die 
modernen Verkehrs- und Erwerbsverhältnisse haben sich mit dem 
glättenden Einfluss der Volksschule verbunden, um wie ander- 
wärts, so auch hier das Volksleben allmählich seiner Originalität 
zu entkleiden. Zum Olück für die Volkskunde haben aber 
schon vor mehr denn hundert Jahren die Wägsten und Besten 
der Talschaft ihren Ruhm darin gesucht, Land und Leute nach 
dem Geschmacke ihrer Zeit zu schildern und die Sitten und 
Oebräuche dieses Hirtenvölkleins wenigstens in Buchform in das 
neue Zeitalter hinüberzurettcn. 

Der würdige Kirchherr zu Schüpfheim, J. Xaver Schnider 
von Wartensee, schrieb 1781 eine „Geschichte der Entli- 
bucher" *) und widmet in deren zweitem Teil (S. 133 ff.) auch 
den Lebensgewohnheiten einen eigenen Abschnitt. Vom nämlichen 
Verfasser stammen auch drei Hefte „Beschreibungen etlicher 
Berge des Entlebuchs^ ^). 

Li der Ueberzeugung, „das Entlebuch sei merkwürdiger 
durch seine Personifizierung als durch seine Naturgeschichte und 
Landwirtschaft*', liess F. J. Stalder, Pfarrer in Escholzmatt, 
1797 als Ergänzung zu den Arbeiten Schniders „eine vollständigere 
Charakteristik der Einwohner selbst, ihrer Sitten, Gebräuche 
and Feste*' erscheinen. Es sind die bekannten ^Fragmente über 
Entlebuch'' ^. Stalder kennt seine Entlebucher durch und durch 
und sucht unter den Titeln „Ihr Ehrstolz, ihr Freiheitssinn, ihre 
Anhänglichkeit an ihr Land und Ihresgleichen, ihr Frohmut und 
Leichtsinn, ihre freundschaftliche Geselligkeit im Umgange mit 



») Luzem (Salzmann) I. Teil 1781, II. Teil 1782. — h Luzern 1783 
und 1784. - ») Zürich (Orell) I. Teil 1797, IL Teil 1798. 



270 Sprüche uod Lieder aus dem Entlebuch. 

Fremden, ihr Witz und ihre Geistesanlagen ^^ auch Ferner- 
stehende mit den guten und weniger guten Eigenschaften seiner 
Lieblinge vertraut zu machen. Auch die tägliche Beschäftigung, 
das Eiltgehen, die Gymnastik und die Volksfeste kommen in 
eigenen Kapiteln zur Sprache, so dass es unschwer hält, Land 
und Leute in weitgehendem Masse kennen zu lernen, ohne je 
am Strande der Entle verweilt zu haben. Doch beschränkt sich 
Stalder in seinen Schriften auf die ungebundene Redewebe. Die 
Volkspoesie ist nur durch einen gereimten Liebesbrief (I, 116) 
und durch einige Possen (Hirsmontagsbriefe, II, 83) vertreten. Das 
Stalder'sche Idiotikon *) befasst sich seiner Natur nach erst recht 
nicht mit solchen Sachen. 

Mit Schnider und Stalder bildete der musikalisch veranlagte 
Dekan von Hochdorf, J. Bernhard Häfliger, ein zeitgenössisches 
und gesinnungsverwandtes Trio. ^) Hääiger, der Präsident der 
Schweiz. Musikgesellschaft, bietet uns in seinen Liedersammlungen 
zwar nur eigene Dichtungen, muss aber hier dennoch genannt 
werden, weil 1796 seinem sangesfrohen Herzen das in der ganzen 
Zentralschweiz noch immer gern gesungene Lied entquoll: ,,Wa8 
sust d'Schwytzer bniuchid"*. 

In Lütolfs Sagen ^) ist das Entlebuch ebenfalls mit einigen 
Nummern vertreten, aber wie schon aus dem Titel zu erraten,^ 
fanden Sprüche und Volkslieder in dieser Sammlung keine Be — 
rücksichtigung. Von den „Volksliedern aus dem Kt. Bern"- 
welche in diesem „Archiv*^ V, 1 £P., zusammengestellt sind ^ 
werden viele auch im Entlebuch, namentlich in dem an Beri^ 
grenzenden Teil desselben gesungen, so z. B. von den auf Seit»^ ^ 
3 — 6 registrierten Gesängen die Nummern 7, 13, 18 — 23, 26, 31^ 
33, 35, 36, 39, 44, 45, 49, 51, 52, 53, 57, 60, 61, 64, 66—6^ 

*) Versuch eines Schweiz. Idiotikon mit etymologischen BemerkuDge^B^ 
untermischt. Aiirau (Sauerländer) I. Bd. 1806, IL Bd. 1812. Stalder pub' — 
zierte ferner: Die Landessprachen der Schweiz oder Schweizerische Diale ^ä" 
tologie mit kritischen Sprachbemerkungen beleuchtet. Aarau 1819. 424 
Schöne biographische Notizen über diesen hervorragenden Mann finden su^^ 
im Jahrbuch der luzernisclien Kantonaliehrerkonferenz, 1858, S. 35 ö*. n 
in der Allgem. Deltscukn BicKiRAi'HiE Bd. 35. — ^) Häf liger, geb. 1769, gi — - 
1837, gab 1801 in Luzern eine erst^ und 1813 eine zweite Liedersammli^^ ^ 
heraus. Letztere trägt den Titel : Schweizerische Volkslieder nach der ]w^ ^ 
nerischen Mundart. — Hier erwähnen wir auch In eich ans: ,Drtt Lie-^^^M' 
vom alten Sepp**, Luzern 1844 und „Lieder vom alten -Sepp in Luzern» * 
Mundart**, Luzern 1859. — ^) Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünfürt«^*^ 
Luzern (SchifTmann) 1862. 



Sprache und Lieder aus dem Kntlebuch. 271 

luid ^OD den mit Melodie versehenen Stücken die^ Nummern 1, 
2, 4, 5, 7, 8, 9, 12, 13, 18, 17, 18, 24, 26, 31, 34, 35, 37, 39, 40, 
41, 43, 46, 49-51, 54, 55, 57—59 und 66—70. Das Appen- 
zelleirlied 1, S. 46 ist allen Zentralschweizern und daher auch den 
Entlebuchern geläufig. Als Hilfsmittel für gesangliche Produk- 
tionen im Familienkreise dient im Entlebuch noch vielfach das 
alte ^Allgemeine Schweizer-Liederbuch". ') 

^Wenn auch vielleicht etwas hinterdrein, so kommt doch, 
ungeachtet der verschiedenen Vorarbeiten auf diesem Gebiete, 
der Freund und Sammler des Yolkskundlichen selbst heute noch 
nicht völlig zu spät. Die Entlebucher verfügen noch immer 
über einen reichen Schatz von urchigen Sprüchen und melodiösen 
ReimeD, die noch nie veröffentlicht worden sind, und die im Inte- 
reaae der Volkskunde verdienen, der Vergessenheit entrissen zu 
werden. 

Das Material, das wir nachstehend verarbeiten, stammt fast 

Auaechliesslich aus der Gegend von Marbach. Wir erlauben 

^^^ jedoch, der Sammlung auch einige Stücke einzureihen, die 

Dicht mit völliger^ Sicherheit als entlebucherisch bezeichnet werden 

können, die aber in der nächsten Umgebung dieses Landes ge- 

san^en oder gesprochen werden und daher den Vormerk ^Gäu" 

trag-eu. — In Bezug auf die Denkart nähern sich die Entlebucher, 

^^^ historischen Ueberlieferungen getreu, mindestens ebensosehr 

*'®*^ benachbarten „Ländern** als den übrigen Luzernern. '^) Auch 

l^ 3M[andart zeigt auffallende Aehnlichkeiten mit derjenigen 

^^^rwaldens, mit welcher sie das sehr charakteristische Dimi- 

Duü-V" ili (z. B. Böndüiy Schätzili) gemein hat. Das / der Schrift- 

P^'^^ihe klingt im Dialekt nach einem Vokal stets wie w, z. B. 

^***^ sieuty Schäuili statt „alle", „8tellt^ „Schellelein^ 

Es ist alter Brauch unter den Luzerner Ortschaften, einander 

^ ^^ gentlich mit Uebernamen zu begrüssen, die dem Selbst- 

/^^ Ehrgefühl der Betroffenen nicht gerade schmeicheln, aber 

^^^Vl. die freundnachbarlichen Beziehungen nicht wesentlich zu 

^^«en vermögen. So nennt man die Sempacher „Strau welle", 

y ') Allgemeines Schweizer-Liederbuch. Eine SÄiumlung von 570 • der 

r|,^^^T)teBten Gtesäuge, Kühreihen und Volkslieder. 4. Auflage. (Aarau und 

. ^^H) 1888. Von den im Archiv Bd. V S. 305 iX. publizierten Sprüchen 

^Bieren im Entlebuch die Stücke: Meitili bis {^schider etc., Meitli, wenn 

*^^tate Witt etc., Der Schnider hed etc., alle S. 305. — ^> Die Luzeruer 

^^iren alle Urachweizer als „Länder" zu bezeichnou. 



272 Sprüche and Lieder aus dem £ntlebuch. 

die Hildisrieder „Gertelhefti", die EscheDbacher ^Frösche*', die 
Raswiler «Monjager'', die Neuenkircher „Mützer^, die Neadorfer 
^Kabisstirzel", die Rainer ^Mntschlidrücker*, die Erienser ^die 
Wilden vom Pilatus* oder ^Räbenstirzel", die Horwer «Haue", 
die Ettiswiler ^Mugge^ und die Grosswanger „Fleuge", daher 
der derbe Reim: 

P'Ettiswiler Mugge 

Chönid i de Wanger Fleüge i's Födle gugge. 

Yon den Hergiswilern heisst es in einem Entlebncher Tanz- 
liedchen : " 

S'isch sohad, s'isch schad für d'Hergiswiler, 
Dass si, dass si hei gross! Mttler. ®) 

An den Rootern hingegen will man etwas zu lange Finger 
bemerkt haben. Wenn sie daher als Wallfahrer nach Einsiedeln 
kommen, rufen die dortigen Marktweiber einander zu: „D'Router 
chönd! D'Router chönd! D's Lädeli zu! D's Lädeli zu!* *^ 

Aber auch die Bewohner des Entlebuch erhalten ihren red- 
lichen Teil an diesen luzernerischen Liebenswürdigkeiten. Schon 
ihre Abstammung ist von einem etwas zweifelhaften Glänze um- 
strahlt. Als nämlich der Hergott nach Erschaffung der Welt 
noch einige Erdklösse übrig hatte, schleuderte er sie in der Rich- 
tung nach dem Entlebuch fort, verächtlich dazu sprechend: „Gäbs- 
(drus) was wöll!^ Und siehe! Es wurden Entlebncher daraus. ^ *) 

Gehen die Schupf heimer, Hasler, Doppelschwander und 
Entlebncher mit Kreuz nach Romoos, dann schallt ihnen bei 
Einzug vom Kirchturm herunter der Willkomm entgegen: 

Bimm, bumm, behn! 
D'Schelme sind all da! ^*) 

^) Die Marbachor setzen dann als zweite Strophe regelmässig hinzu ^ 
SMsch schad, sMsch schad fQr d's Brune Bäbi, 
Dass es, dass es d's Jepli verzehrt. 

(Ueber e Rain abedrohlet ist.) Vgl. Archiv Bd. VI, S. 289. — 
^^) Aehulich werden die Lunkhofer, Kt. Aargan, charakterisiert. V ^ 
Kochholz, Alemannisches Kinderlied. Leipzig 1857. S. 62. — *') Das Gleic^s-l 
behaupten die Entlebncher von ihren Landsleuten im Gäu. — ") Die nämÜcz^l 
Sprache sollen auch die Glocken von Werthenstein führen, wenn der Kr&* 'm^. 
gang von Sempach in dortiger Kirche seinen Einzug hält. Die KrettzgäiK=i£ 
(Prozessionen) in andere Gemeinden sind namentlich bei der Jugend ^^t 
beliebt. Doch führten sie von altersher gerne zu Neckereien und Strem^i^ 
keiten zwischen den Buben der verschiedenen Gemeinden, so dass vor eiam^^'^ 
Jahren ein Knabe von Hildisrieden gestand: „I gab gern mit Krüz uf Nftd'r^ 
es cheibet öppis." Vgl. Archiv Bd. VI, S. 152. 



.p.ucue und Lieder aus dem Entlebuch. 273 

Den einzeloen Gemeinden des Entlebuch werden vom Volks- 
mand folgende Lieblingsbeschäftigungen zugeschrieben: 

Z'Marbä 

Tili si d'Nidle schlarpe, 
Z'Eschlismatt 

Faehre si Chäs i d'Stadt, 
Z'Sohttpfe 

Tüent si d'Nidle dttpfe, 
Z'FlOeUi 

Windä si am Fadesplieli, 
Z'HasU 

Hei si Fleisch i d'r Asni [Kamin], 
Z'Entlibuech 

Hei si Dräok am Taech, 
Z'Romoos 

Gäi die Junge de Alte ne Stoss. 

Zar ferneren Charakteristik dieses Bauernvölkleins singt man 
w-oit; bemm: 

Entlibneoher, 
Brotversueoher, 
Birebe'isser, 
Hosesoheisser. 

Während die Auswärtigen dieses Signalement auf alle Entle- 

bucbcr anwenden, glauben die Talbewohner dasselbe nur auf 

jeiio Ortschaft beziehen zu müssen, welche der ganzen Talschaft 

den D^amen gegeben, um den angetanen Schimpf abzuschwächen > 

teilo^ die an ihrer nationalen Ehre Angegriffenen den übrigen 

^^^Hdelenten, den Gäuern, ein möglichst geringes Mass von 

*^^®lligenz zu. Die Gäuer geniessen insgesamt den Ruf, ganz 

•'^Berordentliche Liebhaber von Ziger zu sein. Die Wallfahrts- 

«ärclj^ hL Kreuz im Entlebuch hat eine prächtige Lage und 

*^»aut von einem Hügel aus weit in die Lande. Betritt nun 

^^ Oäuer das Tal und sieht er von ferne im Strahle der Sonne 

^^ Kirchlein erglänzen, so meint er einen mächtigen Zigerstock 

^^^ «ich zu haben, eilt freudetrunken zu ihm hin und — beleckt 

^^ Geissen Eirchenmauern. 

Kicht viel hoher als die Intelligenz der Gäuer wird von 
^«Ä Entlebuchern die Moralität der östlichen Nachbarn geschätzt, 
^öm sie die „Länder" durchaus dem Teufel verfallen wähnen; 



18 



274 Sprache und Lieder aus dem Entlebiioh. 

Z'hinterst ufern Schwändaberg ^') Er nimmt si a d'Gktble 

Nimmt d'r Tttfel d'Länder zweg. Und lat si versaple. 

Er nimmt ai of e Totze Er nimmt si ofe Tisch 

Und hacket se wie d'Erote. Und isst si wie d'Fisch. 

Die übrigen Luzeroer halten aber beide Yölkeratamme für 
wetterwendisch und unzuverlässig, und meinen daher: 

D^Entlibnecher und d'Länder 
Gend der best Kalander. 

Die Entlebuoher gelten auch sonst als Vertreter eines ur- 
wüchsigen Naturvolkes und als glückliche Besitzer eines konkurrenz- 
losen Appetites, deshalb der Vergleich: ^Er ist grob wie ein 
Entlebucher*^ oder „er isst wie ein Entlebucher*. Hinter dem 
Rümlig, einem Bache bei Malters, gibt es aus dem nämlichen 
Grunde kein Kopf-, sondern nur Grindweh. Die Entlebucher 
selbst taxieren sich als nicht sonderlich feine Leute und ge- 
brauchen ungescheut die Redewendung: „D'Schärliger Chüe' und 
j, Eschlismatter Chalber ^ . 

Dass die Luzerner alle insgesamt „Katzenstreoker'^ sind, 
weiss Jedermann. Als aber ein Luzerner von einem Zürcher 
wegen genannter Titulatur gehänselt wurde, fragte er seinen 
Widerpart rasch entschlossen, ob er denn wisse, wie weit man 
bei ihnen die Katzen strecke. Da der Zürcher die Antwort 
schuldig blieb, erklärte der Luzerner mit überlegener Ruhe:. 
„Yo Luzem bis uf Züri, damit ene d'Zürcher is Födle blas^ 
chönid.« 

Zum Zwecke der Abzahlung beim Spiel bedient sich di^ 
Entlebucher Jugend etwa folgender Sprüche und Reime: 

Änege, bänige, doppos tee, Fade, Nadle, Fingerhuet; 

Tripns, trapas, trommele me, Sohnapfdi - Böndili, die si gnet. 
Anke, Bohne, Schmauz Aengili gange mit d'r Lieh. 

Habermehl and Sauz. Husch, Hasch, Hagelnnss, 

Gager ^*) Vögili nsä. 

Schnüerii zöge, Fäoili >^) glüpft. 
Da and da bist osä pftttzt. ^^) 

Wie ein erratischer Block nimmt sich der folgende, einer 



<>) Schwendelberg bei Kscholzmatt. — <^) UDfuhig, herumhüpfend. — 
<^) FälleleiD. — ^^) Plötzlich herausfallen oder herausplatzen, namentiich auch 
beim Lachen. Vgl. Archiv Bd. VI, S. 294. 



Sprüche und Lieder aus dem Entlebuch. 275 

fremdeo Sprache nnd Kultur ^^) entlehnte Zählreim neben den 
Produkten alemannischer Muse aus: 

ün, deux, trois, quatre, Un, deux, changez-vous, 

Mamme Lisel vonlez-vate? Mamme Lisel voulez-voos? 

H&lt man kleine Kinder auf dem Arm, oder schaukelt der 
Yater oder Grossvater sie auf seinen Knieen, so werden die 
Hebungen und Senkungen xßit dem Sprüchlein begleitet: 

Hüti, httti, Bössili! Die Erst schnätzet Chride, 

Z'Bade ist nes Sohlössili, Die Zweit spinnt Side, 

Z'Rom ist nes galdigs Hus, Die Dritt' tuet d's Tor uf 

Es luegit drei Mari6 d'rus. Und lat die heilig Sunne us. 

(Und lacht die dumme Buebe us.) ^^*) 

Es steiht nes Buebili a der Wand^ 
und het nes Sohäuili i der Hand, 
Und wenn es de tuet chlingele, 
So wei mer alli z'Himmel springele. ^^) 

Mit dem letzten Yerse hebt man zur bessern Yeranschau- 
lichung des Gesagten das Kind flugs in die Höhe. 

Soll das Kind schlafen, so wiegt man es ein mit der Strophe: 

Butti, buttiy soli! Butti, butti, Wiegestrau; 

D's Kindli lit im Choli. . Brieget d's ühind, so lachet d'Frau. 

Wollen die kleinen Schreihälse nicht ruhig sein, und ver- 
langen sie irgend ein Geschichtchen, dann beginnt die Mutter nach 
einigem Besinnen und mit einem langen Atemzuge: „Es ist 
einist e Ma gsi, de het wöue es Süppli choche und du ist em 
d's Cheuili broche, aber d*s Gschichtli ist no nig us. Es ist 

") Bochholz bringt S. 114 einen ähnlichen Zählreim und glaubt ihn bis 
ins Mittelalter zivückverfolgen zu können. Die Ansicht, dass es sich um eine 
EiDschmnggelung durch französischen Sprachunterricht bandle, scheiot ihm 
daher nicht richtig. Zum Vergleich seien aber die ähnlich klingenden Ritour- 
oclles et rondes enfantines Freiburgs hier angeHlhrt: 

Un, deux, trois, (luatre 

Savary m*a voulu battre 

M*a donnö un coup de sa cape 

Sa cape est tombt^e en bas 

Pour abattre les soldats, etc. 
Nouvelles Etrennes Fribourgeoises 1895, S. 160. — "•) Vgl. L. Toblkb 
Schweiz. Volksll. II, 239 ff. — ^^) Mit wenigen Abweichungen ist das Sprüch- 
lein auch in UnterwaMen gebräuchlich. Verstümmelt bei Lütolf, Sagen S. 299, 
vollständig nach Un^rwaldnerart, ebenda S. 576. Vgl. auoh Rochholz S. 139 
and Archiv VI, 151. 282. 



276 Sprüche and Lieder aus dem Entlebuch. 

einist^ und dann beginnt die Erzählung immer wieder von Torn, 
bis die Kinder der Geschichte satt sind. *^) 

Das Nikolausfest (6. Dez.) haftet als Bescheernngstag der 
jungen Welt tief im Gedächtnis und schon lange Torher wird 
dieser Heilige mit Bitten um hübsche Gaben bestürmt. Die 
Mädchen bedienen sich zu diesem Zwecke der Formel: 
Samichlaas i bitt di, Nit nes grosses, oit es chlis, 

Schenk mer aa es Ditti. Eis,' das Annebäbili heisst. '^) 

Um herauszukriegen, welche von den angenähten Knöpfen 
ehrlich erworben seien und welche nicht, zä^lt man dieselben 
der Reihe nach mit den Worten: 

Liseli, Liseli, lauf! 

G'funde, g'stohle, kauft! (Gäu.) 

Yon Zahlreimereien sind folgende in Umlauf: 
D'r Chüngilifranz het d'Hose versprengt: 
Ei tusig achthundert und siebenezwänzg. 
oder: Drtti mau siebe si einezwänzg. 

Siebe mau drüi si einezwänzg 
Ich und du und d'r Heinilifränz. 

Es chunt ne Rege, Es chömit ftif, 

I chan ech's säge» Si hei LUs. 

Es chömit Zwe, Es chömit sechs, 

I ha si g'seh. Si hei nes G' wachs. 

Es chömit drei. Es chömit acht, 

Si hei ne Ring. Si hei's g'macht. 

Es chömit vier, Es chömit nttn, 

Si hei ne Stier. Si springit über d'Zün. 

Es chömit zäh, 

Si hei nes La -*). 

Auf dem Schulweg oder auf dem Spielplatz kommt es 
zwischen Knaben und Mädchen hie und da begreiflich zu 
Sticheleien, die etwa folgende Gestalt annehmen: 
Wei beere, wei beere, ^'^) Es llitet Mittag, 

Wei d'StUdili la stah. Mit de Herre i d's Grab, 

Wei d'Meitschi ufhänke Mit de Buebe i d's Wirtshus, 

Und d'Buebe la gab. Mit de Meitschene* i d^s Schisshos 

(oier Wäschhusj. 

'■') In Nidwaldon hat der Text folgende gereimte Fassung: 

l will d'r eppis erzelle 

Vom e neYwe und alte Chelle. 

Der neiw ist mer verbroche 

.letzt muesH i wider mit em alte choche. 
Vgl. Archiv Bd. VI, S. 288. — 2«) Vgl. Archiv Bd. VI, S. 292. — »M Lehen. - 
22) Beeren ablesen. 



Sprache und Lieder aus dem Entlebuch. 277 

Läng^, länge Isedraht, Suri Ankeminoh and blaui Tinte^ 

finebe laufit de Meitschene na. D'Buebe schmöckit wou und 

d'Meitli stinke. ^^) 

D'Meitsohi schmückit wie nea Nägili 

Und Buebe wie nes Gägili. 

Eigili guet Oepfel, git eigili guet Schnitz; 
D'Buebe si öppis und d'Meitsohi si nix. 

Alli Vögili pfifit schön Alli Btiebili hätted mi gern, 

Sis am Sundig z'Abed. wie bin i au plaget. ^^) 

In der Fastnacht gehen die Kinder maskiert zu Bekannten 
uod Verwandten und sprechen sie um ein kleines Geschenk an 
mit; den Worten: 

X bi nes arms Scbniderli, I bitte um enes Füferli, 

X ha nes arms Bei. De gan i wieder hei. 

Kommt die Jugend yom Spiel oder von der Schule nach 
HcL^sjase, dann bringt sie selbstyerständlich einen gesegneten Appetit 
ini^ und glaubt ihn alsogleich befriedigen zu dürfen, was freilich 
nic^lmt immer gelingt, denn: 

Hix^t;« am Ofe steit e Tisch, Am Brünneli, am Brünneli, 

J^or ^ chocht d^Muetter Bireschnitz. Det staht e Birlibanm, 

HckK3i ere wüoe eine näh, Und wenn die Birrli rif sind, 

I> u iDet s' mer grad uf d'Ohre gä. So chüechlet Usi Frau. 

I^*^ tin i's gange im Vater säge, Uesi Frau het g' chüechlet, 

^^ liaet mi no ärger dttre g^sohlage. Het hunderttusig g'macht, 

G'H^Ta.ck Vater, i leb de no! Und wenn mer alli ässit, 

G-^Ktick Vater, i leb deno! ") So he-mer nild me z'Nacht. (Gäu.) 

D'Moeter hat g'seit, i söu d's Kindli wiege, 

Si w5a mer de drtti Eier sUde. 

Si sttdet mer zwöi 

und Stint mer no eis. 

I wett d'r Gugger müesst wiege 

Um nes ei enzigs £i! 

D'Lungge Macht d^Buebe z'gumpe. 
D'Ubere Macht d'MeiUchi z'zäbere.^^) 

Auch sonst sind die Buben vom Entlebuch zu allerlei losen 
^^^ wichen sehr aufgelegt, wie sie selbst unumwunden eingestehen 
^^ den Verslein: 

L 4. *') Vgl. Rochhülz S. 178. — ^*) Auch im Thurgau. Archiv VI, 148. — 

^ *^ A\ich in Baselland mit dem Zusatz: Sperrt er mi in's Chällerloch. Vgl. 

Archiv VI, 284. — ") Mit den Füssen ungeduldig trippeln. 



278 Sprüche und Lieder aus dem EDtlebuch. 

Es 81 ttsere drei Brtiederli Es ist d'r Maeter ne Chnmmer, 

Und i bi der Jüngst. Dass üsere so via si. 

Es si au*^ ne chli liederli. Ach Yater^maohit doch neChmmme*^ 

Aber i bi der schlimmst. Und gheiit tts zäme dri! 

Selbst die Hausbewohner und Nachbarn sind yor ihrem 
Uebermate nicht sicher, wenn sie behaupten: 
Uesi Jungfer Dorethe D's Lunzi Madleni 

Mit ihre länge Füesse Het Anke im Sack, 

Ist sibe Jahr im Himmel gsi Es mag ne nid braohe. 
Da het si abe müesse. '^) Drum salbet's dV Sack. 

Uesri Magd heisst Iddä, Du auti Rnngangie ^') 

Es ist ere niene z'rächt. Wie Inegst da so sur, 

Si st^at der Stuel uf d'Site Wie tropfet d'r d'Nase 

Undgonggletmitem Chnächt.^^) Wie lampet d'r d's Mul. 

Dert äne ischt's lastig, D'r Bauz 

Wo's d's ganz Jahr nüd schneit, Git d'r Chae Sauz 

Wo d'r Chemiföger i d'Mäusuppe Und wenn si nid wia, 

abe ghel't. So bisst er si i Stiu. 

D'r Chemifäger mit dem BHsestampe 
Macht die ante Wiber z'gampe. 

Gaete Abe, aati Gret! 99 Herdöpfelstöck, ^^) 

Seg mer, wo di Bettlade steht! E Chue 

Hinter em Ofe, hinter em Bank, und hed no nit gnue. 

Wo die Auti Flöh fangt. Es Chalb, 

D'r Wicki ^' ^^ °^ °** ^^^' 

l88t 77 Gitzi, ^J^ "^^ ^"^^ ^^ \«^ 

88 Bock ^^ ^^ "** gspise. '^ 

Nicht einmal der sonst so populäre hl. Antonius und no^^ 
yiel weniger der Pfarrer und sein Vikar bleibt vor dem leicbr^ 
fertigen Spotte der Jugend gänzlich verschont. 

Sant Antoni von Padua üese Yikari hed Lederhösli 

HedlängiBeiundkeiniWadedra. Hed si verschnnderet 

Wenn d'r Sigrist g'itttet het, ^•'<* Charesalb dra. (Gfa.) 

So het d'r Pfarrer d'Mess, Uese Herr Yikari hed Suii^ 

UndwennerheizurChöchichunt, Mit Leder überzöge [hostt— ^ 

So het er sini G'späss. Und Charesalb dra. 

(Entlebuch.)»^:> 
") alle. — 2P) Bretterverachlag, zumeist im Sinne von Hühnerwohnnng- ^ 
"braucht. — »») Auch in Nidwaiden, Thurgau und Basel. Archiv VI, 149 u. 290-- 
») Vgl. Rochholz S. 184. — ") In Nidwaiden: Tschurigunggele. — •*> 
Platten voll Kartoffeln. — ") Vgl. Rochholz S. 39. — »♦) Vgl. Archiv V, S. ^ 
und Rochholz S. 311. — ^'') Die Sehwyzer singen; 

D'r ihriger Pfarrer hed Lederhösli a, 
Es zwilchenis Jäckli 
Und Cbarasalb dra. 



Sprüche und Lieder aus dem Entlebuch. 279 

Fast ebenso schlecht wie die Hosen des Yikars kommt in 
der Volksdichtung die Askese der Waldbrüder weg. Da aber 
Roohholz (S. 305 u. 306) die bezüglichen zwei Strophen schon 
veröffentlicht hat, so nehmen wir Ton einer Reproduktion Umgang. *^) 

Ertönt an Samstagen oder am Vorabend eines Feiertages 
um 2 Uhr die Glocke vom Turme, dann heisst es: „D'r Sigrist 
macht d*Sundighose z'plampe."* 

Zur würdigen Begehung des Festtages selbst gehört nach 
Entlebucherbegriffen unbedingt eine fettere Küche. Doch muss 
sich mancher auch mit dem Gegenteil begnügen. 

Uüt ist Heiligtag, 

Soll chüechle, wer^s vermag. 

Wer's nit vermag, soll mit (Jschlig schmürze 

Und zanderobsi über d'Stäge ab btirtzle. 

Kommen einmal Soldaten in die Nähe, flugs schallt es 
ihnen entgegen: 

£8 Bataillon Soldate, DV Tambnr scblaht de Zapfestreich, 

Nur ei Offizier! Bis d'r Bor i d'Hose seicht. (Gäu.) 

Der Naturbeobachtung ist der Entlebucher keineswegs 
abhold. 

Schneewiss Kräje und brandschwarze Schnee, 
I ha mir Lebtig nUd so g'seh. 

Drei Rösili im Garte, Lustig uf d'r Tanne. 

Drei Tännli im Wald. Es leit nes sufers Hömili a 

Im Snmmer ist's lustig, Und lat das dräckig la hange. 

Streckit d'Bei i d'Hdchi j^^^ y^^^^. .^ ^^^ 

Und machit: Budälihe! (Gäo.) ^.^^ ^^^^^^ ^^ ^^^j. s«) ^ ^y^^^ 

D'Sonne sohint, D'Maeter geit uf Solotharn 

D's Vögili grint, Und chouft em Kari^^) e Chriesi- 

[starm. 

^) In Nidwaiden sagt man: 

Der Waldbnieder im Raift [Ranft] 

Hed d's Gundi [Kunigunde V] vorchaift 

Um-ene Bitz Ziger 

Und wo-n-er e gässe hcd, 

So chund er und will'« wider. 
*') Aus MisBverständnis und unbewusster Bosheit setzen manche Buben 
statt Ente das Wort Tante ein. Vgl. aucli Rochholz S. 314 und Arohiv VI, 
149. — •*) Schwarzes Pferd. Die ersten drei Verse auch in Baselland. Archiv 
VI, 287. - ») Karl. 



280 Sprüche und Lieder aus dem Entlebuch. 

Wenn üsi Chatz nid bttsele^^) win^ Es geit ne Bur i Garte; 

Was Tttfos ist de guet? Er nimmt ne Hampfle N^e u. ribt. 

Oepfuschnitz und Wikaffee; Und bat d'r Bur das Chrtltli kennt, 

Was giuts ^*), si büselet de. So hät's ne nid a d's Kinder brennt. 

Der Gesang der Wildente wird mit folgendem Spruch und 
entsprechender Melodie trefflich nachgeahmt. 

Mis Chind, wo bist gsi? Mis Cbind, was best ghaV 

Im Wauis, im Wauis. **) Ntid weder Chrut und Cbabis, 

Cbabis, Chabis. 

Der Landwirtschaft sind folgende Reime entnommen: 

Aui mau, wo-ni dängele wiu, 
Lödelet mer d'r Hämmerlistin. 

Wenn d'r Dängustei und dV Wetzstei nid war; 
I wett', dass d'r Tütii d'r Mäder näbm.*^ 

Ton und Takt des Sensewetzens klingt uns ziemlich deut- 
lich entgegen aus den Worten: 

D'r Metzger ist e Lumpehund, d'r Metzger ist, er ist. 
D'r Metzger ist e Lumpehund, d'r Metzger ist^ er ist. 

Von lehrhaftem Gehalte ist das Lied, welches das Mar- 
bacher Stalder Mädi (Magdalena), eine 90jährige Weibsperson, mit 
eigentümlicher Melodie zu singen weiss. Weil die Reime vielfach 
fehlen, könnte man fast meinen, der Text sei ursprünglich in 
hochdeutscher Sprache abgefasst gewesen oder aus einer andern 
Gegend nach dem Entlebuch verpflanzt worden. 

Am Morge soll me früh uüstab; Gang du über d'Witi hei. 

Am Sundig mach es au e so. Dass dir di längi Zit vergeit, 

Gang du flissig i Gottesdienst, Oder nimm es geistlichs Buech i 
Wenn du Gott im Herze liebst. d'Hand, 

Wend' dini Oug ufs Choraltar, Und bätt für die arme Seele ne 
Schau nit uf e jedere Narr. Rosekranz. 

Jitzt geit e schöni Predig a, Bist im Ehstand und best vil Chind, 

Me höi-t si ja vo obe a. So lasssi nid laufe wie d's G'wülch.^^) 

Drunte tüent si seh wätze und lache, Schick si flissig i d'Christelehr, 

ümesohaue grad wie d'AfPe, Frag de, was si drus hei g'lehrt. 

Und Gott luegt zue, Wüsse si aber nüd darus, 

Wie-mer i der Chile tuet. So leg'ne de ne Buesse uf: 

Am Sundig und Firtig Namittag Chlini Chind, chlini Bness, 

Geit au des Tüfus Nutze a, Grossi Chind, grossi Buess. 

Mit Spiele, Tanz und Eartespil, Wo aber das nid ischt. 

Hie und da, da gits es vil. Ist au scho kei guete Chrischt. 



♦«) Junge werfen. — ♦«) Gilte. — ♦») Wallis. — ♦») Soll auch in ünter- 
walden gebräuchlich sein. — ^) Wolken. Vielleicht hiess es ursprünglich: 
wie der Wind. 



Sprüche uod Lieder aus dem Entlebuch. 281 

Der Süss Badist in Schüpfheim kennt ein goldenes Alphabet 
von ähnlichem, lehrhaftem Charakter, wie das vorstehende Gedicht. 

Bei der landwirtschaftlichen Bevölkerung pflegt man mit den 
Speisen einerseits als einer Gabe Gottes, anderseits als Frucht 
harter Arbeit höchst ehrfürchtig und haushälterisch umzugehen, 
so dass man lieber noch etwas über den Appetit isst, als einen 
Speiserest zu Grunde gehen lässt. Dieser Auffassung entsprang 
der Grundsatz: 

Gschider der Buch versprängt, 
Weder d'Gab Gottes g'schändt. 

Wer aus irgend einem Grunde schlecht aufgelegt ist zur 
Arbeit, der spricht entschuldigend: 
Lieber e leere Darm, 
As e mUede Arm. 

Der Arbeitsame hingegen meint: 

Der Fulenz und der Liederli, 
8i beidi glichi Brüederli.**) 

Auf die Berufe beziehen sich folgende Strophen: ^^) 

Der Melker. Der Metzger. 

Dert äne am Bergli, D'r Schärliberg *^) uf, 

X)ert steit ne wissi Geiss. DV Schärliberg ab, 

X ha 81 wöue mäue,^^) Kauf mer doch mis 

XDa haut *s mer grad eis. **) Cheibefleisch *®) ab. 

Aus der Zeit, wo man auf selbstgemachte Kleider noch stolz 
'^*" und daher mit Geringschätzung auf die windige Sippe der 
^ 1^ Beider herabsah, mögen die Reime stammen: 

^Schnider scbnuf ufl Dert unte bi Hasli, 

"^^as Vormittag geschafft best, Dert steit ne Kapäu, 
*^^e8t Kamittag uf. Dert sufit dri Schnider 

Us einer Budäu. ^*) 
Es hat ne Schnegg ne Schnider g'Jagt, 
Und war d^r] Schnider nid so gsprunge, 
So hätt' ne d'r Schnegg Übersprunge. ^*) 

Vermischte Scherzreime. 
"^Vart nur, wart nur Bäbili, Dr Waudi ^) wott go gige, 

"^^art i krieg di scbo bim Schnäbili, D's Frauili wott's nit tue. 
^^art nur, wart nur Bäbili, Da nimmt d'r Wouf d'rWaudi 

^^art i krieg di scho. ^') Und 's Frouili ou derzue. 

(Tanzliedchen.) 

♦^) Auch in Zug. — ♦«) Vgl. Archiv V, 304 ff. — ♦»} Melken. — *r) Auch 
^^ ^idwalden. — ♦*) Schärliberg bei Marbach. — ^) Kossfleisch. — *») Bii- 
^^tte (Flasche). — **) Vgl. Archiv V, 307. — ^») Auch in Nidwaiden und 
— *♦) Waldi « Stier. 



282 



Sprache und Lieder aus dem Entlebuch. 



Heitschi tne d^Httender i. 

Chnm bibi, ohom bibi! 

Ist d'r Hahn ou d*rbi? 

Cham bibi, chnm bibi! 

Was frag i doch dem Hahn d'rna! 

Cham bibi, chnm bibi! 

Wenn i name d^Httender ha! 

Cham bibi, chnm bibi! 

SchangnoaerWi **), Schangnouer Wi, 
Er ist, er chönt nit besser si. 
Mit Stösliwasser *^) ist er toaft, 
und wird derzue no tür verchouft. 

Hut ist Büntilistag, 
Und morn ist Liechtmess. 
Meitschili mach d's Büntili zVäg 
Und säg: Gott b'httetis! 

Dr Giger mit dem Fiselboge 
Tanzet i de Läderhose. 

(Tanzliedchen.) 

Chlini muntiri Appezäuer, 

Si frässit d'r Speck mit samt d'm Täner. 

Um den Jodlern etwas üoterbrechang und Abwechslang 
geben, legt man denselben den einen oder andern Yers zu Gmi 
den der Vorjodler stets von neuem anstimmt, um ihn vom Cl 
so oft durch Gejauchz und Gejohle schliessen zu lassen 
man sich gründlich ausgejodelt hat. Sehr beliebt sind die k' 
vollen, aber nicht gerade geistreichen Texte: 

Wo d'r Adam d's Evili het g'seh, D'r Adam und d'Eva hei C 
Ist er nfgampet und het g'jachzet: strumpf a^^): Hu7 

Juhe! Si schlafe nä nander, geit 

nttd a: Haha etc 



Wenn i am Fenster steh, 
Da töd i mini Flöh, 
Die liebe Chleine 
Mit d'knrze Beine. 
Und nach ihrem jähen Tod, 
Streich i si a£s Batterbrod, 
Das schmeckt gerade 
Wie Chokolade. 

Hut ist dV erst Tag Apria, 
Da sprängt mer d'Narre, wo mer wi 
Aber am erste Tag Mai, 
Da chömi si wider hei.**^ 

D'r Honzschitter yo Bern, 
Macht er nid Schitter, so macht 

Spä 
D'r Honzschitter vo Andnfinge ' 
Mag's nttd von enandere bringe. 

Ueber e Gotthard flttge d'Brämi 
Und wenn si übere si, so si si däne. ^ 



D's Meitili Babi 

Het Geiss im Chabis 

Und Gitzi im Klee; 

I ha mir Lebtig nüd so g'seh. 

Huhn, je ho etc. 



Japeidi and jnpeida! 
Schnaps ist gnet für d'CJ 
Jnpeidi and japeida! 
D'Frou ist Meister, nid 



'*^) Schangnau bei Boni. — ^^) Stösli, ein kleiner Bach, der 
^Bären" in Schangnau vorbeifliesst. — '»') Auch in Zug und Thui 
iVI, 143. — -8) Andelfingen, Kt. Zürich. — ^'») Auch in Nidwalc 
m Thurgau. Archiv VI, 149. — ^^) Chuder «= grauweisser 1 
gänzlichen Verarbeitung. 



Sprüche und Lieder aus dem Entlebnch. 283 

Honkede Badi, Hankede Badi, Hang a de Wade, Hang a de Wade, 

Sof au nit so, Buf aa nit so! Friss ao nit so, friss aa nit so! 

Mir mögid sttst nllmme Mir mögid stist nüd ame 

D'r Rank ttbercho. Rank ame cho. ^') 

Als gute Freunde und Nachbarn rühmen die Entlebucher 
nicht bloss ihr eigenes Tal, sondern auch das Land ihrer ber- 
nerischen Nachbarn und singen: 

Im Oberland ist's schön Im Emmetal ist's schön, 

Wo Gletscherwasser fliesst. **) Wo schöni Meitli si. 

Im GlcTglital *^) ist's schön, Im Entlibaech ist's schön, 

Wo vili Aelpler si. Wo's schwarze Esffee git. 

Im Simmetal ist's schön; 
£s 11t zwisohe Bergeshöh'n. 

Eine Variante zu dem Bd. V 44, veröffentlichten Volks- 
lieder^) lautet: 

1. Was steit de jange Buebe wou^*) a? 
Gedalt, Gedalt, Gedult! 

Nes schöns Meitschi a d'Hand, 
Z'probiere ne Tanz. 
Gedult, Gedalt, Gedalt! 

2. Was steit de jange Meitschene woa a? 
Nes Bettli bereit 

Und d's Schätzili dri gleit. ^^) 

5. Was steit de aate Buebe wou a? 
Früehzitig i d's Bett, 

Dass niemer nüd merkt. 
(Mit Schittere zuedeckt.) 

6. Was steit de aute Meitlene wou a? 
D'rBese i d'Hand, 

Z'wUsche d'rGang. 

7. Was steit de ante Manne wou a? 
Nes Gläsili Schnaps, 

_ Nes Päckili Taback. 

*M Auch rings um den Vierwaldstättereee als C'horlied von Mostbrüdern 

•*** Verbreitet. Daselbst singt man aber Hunkeler Badi etc. und bezieht 

^ Text auf einen nunmehr verstorbenen gleichnaniigen Luzerner, der mit 

*^^in schwimmenden Schlagwerk sämtliche Dampfschiffbrücken herstellte 

™^ durch seine Virtuosität im „Görpsen* (Aufstossen) einen interkantonalen 

^ erUngt hatte. Seine Arbeiter pflegte er w(»gen ihrer Sympathien für den 

^tstnndentag die Achstundencheiben zu nennen. — ") Beide Verse 

^^''Icn je nochmal wiederholt und dann mit einem Jodler geschlossen. — 

^ Bei Thnn. — •♦) Wird übrigens nicht bloss im Kanton Bern und im Entle- 

7^K aondem mit wenigen Abweichungen auch in Unterwaiden gesungen. — 

') Wol. — Wj Strophe 3 und 4 enthalten keine Abweichungen. 



284 Sprüche und Lieder aus dem Entlebucli. 

Wird irgendwo zum Tanze aufgespielt , dann können die 
Entlebncher Mädchen nicht mehr ruhig sitzen bleiben. Un- 
willkürlich föbrt ihnen der Hopser in die Beine und sie gestehen 
freimütig: 

Ponka, Ponka ^') tanz i gäm 
Mit de schöne Herre z'Bärn; 
De tanze mag i nid äUei, 
Und 'sAnnäbäbl het Dräck am Bei. 

Poaka, Pouka tanz i gäm, 
Hür nu lieber weder förn. 

Mueter, i mag nid spinne, 
DV Finger tuet mer weh. 
Giger spann dV Saite! 
Tanze möcht i eh'. 

Will man aber auf den Tanzboden gehen, so muss man 
hiezu begreiflich auch eine Liebste haben und die Entlebucher 
Burschen gehen diesbezüglich ausserordentlich früh auf die Suche, 
sonst würde man ihnen nicht nachreden: 

Hinte am Hus und vor am Bus Hinte am Hus und vor am Hos 

Steit ne längi Wide, Steit ne auti Banne, 

Wenn d'Buebe jährig si^ Wenn d'Buebe keini Meitschi hei, 

So denke si scho a d's Wibe. So fai si afe pflänne. 

Hut und morn und übermom, 
Git ne längi Wuche. 
Wenn d'ßuebe keini Meitschi hei, 
So fai si afe gruchzge. 

Gäuit ®®) Vater, es ist kei Sund, 

Wenn mer Speck i de Rüebe findt? 

Nei, nei, mis liebs Chind! 

We mer ne g'seht, so nimmt mer ne geschwind. 

Gäuit Vater, es ist kei Siind, 

Wenn ne Bueb nes Meitschi nimmt? 

1. Wo-n-i bi füfzähni gsi, bin i zur Mueter gange 
Und ha g'frägt, ob i dörf nes Meitschi ha. 
Nei, nei, het si g'seit, du bist no vil z'jung. 
Du bist no vil z'dumm. 

2. Du bin i zum Herr Pfarrer gange 

Und ha ne g'frägt, ob i dörf nes Meitschi nä. 

Nei, nei, bi miner Seel! 

Wenn nes Meitschi nimmst, so chunst i d'flöll. 



6') Polka. Vgl. Archiv VI, 151 und 285. — w) Mehrzahl von „Gelf* 



Sprüche und Lieder aus dem Entlebuch. 285 

. 3. Du bin i zum Herrgott gange, 

und ba g'frägt, ob i dort nes Meitschi nä. 
Ja, ja, bet er g'seit und bet g'Iacht: 
Für d'ßuebe ban i d'&leitscbi g'macbt. ®*) 

Wenn auch etwas weniger stürmisch, so scheinen doch die 
Mädchen ähnliche Gefühle in ihrem Busen zu tragen und pflegen 
daher für die Schwächen ihrer jungen Landsleute nicht ohne 
zartes Yerständnis zu sein. Früher kamen die jungen Bauern- 
mädchen häufig zum Spinnen zusammen, yergassen aber trotz 
eifriger Arbeit nicht, die Strassen und Gässchen zu kontrollieren 
ond, auf eine bestimmte Mitarbeiterin deutend, zu singen: 

Mir wei spinne und gizig st, 
D'r erst, wo chunt, oba dine si. 

Kam dann etwa ein alter Knabe oder der Herr Pfarrer des 
VKoges daher, so signalisierte ein schallendes Gelächter das 
fjEttAle Ereignis. — Das stille Liebessehnen der Entlebucher- 
nn^n wird uns auch in den Sprüchlein verraten: 

M^Zn ist kes Lied so heilig, Und wenn si das nid täte, 

M^Ca g'hört nes Tänzli druf. Es würd' ne übel ga. 

iMIDie Meitschi si barmherzig, D'r Vater tat si jätte ^^ 

fc^i töi de Buebe uf. Und d'Mueter gVüss no scbla. 

D'r Lunzi ebund, d'r Lunzi obund, 
^ Me g'hört e uf de Steine. 
Es muess e si, es mness e si, 
Es cbnnd mer süst e keine. ^^) 

Auf die zukünftige Verehelichung spielen die folgenden 
^*"^e an: 

Gan i wit nsä, so ban i wit hei. 
Gan i d'r d's Gänsli, so sticht mi d'r Stei. 
Gan i d'r d's Mätili, so netzt mi das Tau 
Und blib i debeime, so krieg i kei Frau. 

Sari Holzöpfili und längi Stiu dra, 
Freu' di' Mariann ili ! muest ou ne Ma ba. 

Bei der Wahl der Zukünftigen erhalten junge Mädchen 
'^^^ altem Frauenzimmern, wie billig, den Vorzug, wofür aber 
^^^ Mädchen Gegenrecht üben. 



i 



**) Der gleiche Stoff ist von Roseg^cer verwertet in seinem bekannten 
J^ bin jüngst verwich'n'*. — "'») Mit der Rute abstrafen. — "') Auch in 
^n^rwalden. 



286 Sprüche und Lieder aus dem Entlebnch. 

Sibe Sack von anti Wiber, Maeter, ne ante Ma mag i nid 

Bi froh, dass i kes ha; Weg dem stechege Bart. 

Will lieber nes jangs Meitschi, Ne junge Bneb wot i de [ahed. 

Da chan i Freud dra ha. Und wenn er umme näs Paar Hose 

SchwiDdet aber im Herzen einer HeiratalaBÜgen mit der 
Zahl der Jahre die Hoffnung auf einen Mann immer mehr, dann 
macht sie einen letzten Versuch und ruft im Gebete den Himmel 
und seine Heiligen an um ein gnädiges Einsehen. Als bevor- 
zugter Zufluchtsort' für solche Bedrängte gilt im Entlebuch die 
St. Annakapelle auf dem Schwändelberg bei Esoholzmatt. Dem- 
entsprechend geht im Yolke die Rede: 

D'Meitli gai ufä Schwändu 
6a hätte um ne Idändu. 

Läutet das Glöcklein des abgelegenen Wallfahrtskirchleins, 
so heisst es wiederum in Escholzmatt und Umgebung: 

Es 81 Meitli bi dV Sant Anna 
Und bätid um Manne. 

Um die Mädchen zu necken, wird hin und wieder das Glöck- 
lein auch von jungen Burschen gezogen. 

Mit einem bedeutend realistischem Mittel als die Jungfrauen 
Entlebuchs suchte eines Tages der kleine Sohn des Melk sein 
Schicksal zu korrigieren. Ein Bauer, Melk mit Namen, hatte 
zwei Söhne, einen grossen und einen kleinen. Ein Mädchen 
hatte sich den grossen zum Bräutigam gewünscht, fand aber 
keinerlei Gegenliebe, während der kleine ein Auge auf das 
Mädchen geworfen hatte. Das Mädchen ging in seiner Not und 
Bedrängnis in die St. Jostkapelle und betete daselbst laut und 
innig : 

Heiliger Sant Jost 

Schick mer d^s Melke der Gross ! 

Das hörte einstmals der Kleine und sann auf eine List. 
Sobald sein geliebtes Mädchen wieder nach St. Jost wallfahrtete, 
eilte er ebenfalls dortbin, versteckte sich hinter dem Altare und 
als Entgegnung auf die obstehende Bitte der Jungfrau erscholl 
nun vom Heiligenbild herab die Antwort : 

Hör uf mit diner Bitt, 
Wenn d'r Chli nid witt ! 

Ortsneckereien, die sich auf das Heiraten beziehen, sind 
folgende : 



Sprüche und Lieder aus dem Eotlebuch. 287 

Schärlig ^^ ist kei Stadt, Es ist kes Öa 7^) im Dägili, ?&) 

Es ist Dur e Flecke. D'r Da ist abe bnmne. 

£s n 99 Jampfere dri; Es ist kes ledigs Meitschi me 

Es hei aoi rüdig Näcke. ^^) Im ganze Chröschebmnne. ''^) 

Die Frage, ob man sich vielleicht nicht einen Korb hole, 
wird in dem Spruche erörtert: 

Eine oder zwe. Fünf oder säcbs. 

Wer ist bim Annili mehV Wer het mit em Annili G'späss? 
I nid aber da woa Sachs oder sibe. 

G&nst im Annili gäng no woa. ^^) Wer hets mit em Annili gschribe? 

Zwe oder drelf. Sibe oder acht. 

Wer chocht im Annili BreüV Wer het's mit d'm Annili gmacht? 

Drei oder vier. Acht oder nun. 

Wer zaat im Annili Bier? Wer kännt im Annili d'Lün? ^^) 

Vier oder fttnf. Nun oder zäh. 

Wer bindt d'm Annili d'Strümpf. Wer macht d'm Annili: äh!^^) 

Wenn auch nicht alle sagen müssen: 

Mis Schätzili ist im Entlibaech binde, 
Z'hinderst im Ofe, im Aeschetaech inne. ^^) 

Bo ist der Besuch der Oeliebten noch mit genug Hinder- 
niseen yerbunden und ist zuvor nicht selten ein heisser Faust- 
kampf mit den Nachbarn oder Rivalen zu bestehen. Oanz melan- 
cholisch bekennen daher die Marbacher Burschen: 

I Schärlig übere gan i nttmme z'Chilt, 
Si stehle mer süst d'r Hömlischilt. ^^) 
Hömlischilt ist no nid gnue, 
Si stehlit mer no d*Strümpf and d'Schaeh. 

Nebst diesen Abenteuern müssen sich die Marbacher auch 
noch spitze Stichelreden gefallen lassen, wie z. B. 

Vo de Marbacher Baebe wiegt keine kes Pfund. 
Der Erst wiegt drei Vieriig, 
Der Zwöit es halb Pfand. 
Der Dritt ist nit g'woge, ^^ 
Der Viert ist nit g'sand. 



'•) Weiler, zu Marbach gehörig. — ") Nacken. -- '♦) Oel. — "j Lämp- 
chen. — ■'') Zwischen Wiggen und TnibBchachen, Kt. BerD. — ") Diese 
letzten zwei Verse werden zweimal gesungen und desgleichen nach jeder de- 
folg^den Strophen wiederholt. — '^j Die Launen. — '^) äh machen = liebr 
kosen. — *•) Vgl. Bochholz S. 311. — ***) Der sogenannte Ilemdstock, nich. 
etwa der Brustlatz. — wj oder auch: Der Dritt ist maladij^ (schagränig) 
Aehnlich in Nidwaiden. 



288 Sprüche und Lieder aus dem Entlebuch. 

Zu den äussern gesellen sich aber gar oft noch innere 
Schwierigkeiten, da es zum Heiraten von jeher zweier Per- 
sonen bedurfte und das Mädchen unter Umständen recht wählerisch 
sein kann. Beweis dessen ist uns das folgende Selbstgespräch 
mit den yielen Erwägungen und Gegenerwägungen. ^^) 

1. Wenn eine ne schweri Bnrdi bet, so bet er gnueg dra z*lräge; 
Meitsebi, nimm ne Barebaeb, de bet de Koss und Wäge. 
Wart i will d'r, wart i will dV i d's Cbämerli ine cbo! 

2. Si säge gäng, die Bnrewiber müessi d'Ross ispanne. 

Yil lieber will i ne Kessler näh, er'bletzet mer de mi Pfanne. 
Wart i will d'r, u. s. w. 

3. Si säge gäng, die Cbesslerwiber mUessid d'Nägu spitze. 

Vil lieber will i ne Cbrämer näh, de bet de Band und Spitze. 

4. Si säge gäng, die Cbrämerwiber kriegid vile Kinder. 

Yil lieber will i ne Metzger näh, de bet de Scbiaf und Rinder. 

5. Si säge gäng, die Metzgerwiber müessid d's Fleisch ibeitze. 
Vil lieber will i ne Becker näh, de tuet mer d's Öfili heize. 

6. Si säge gäng, die Beckerwiber müessid d*r Hebi knätte. 

Vil lieber will i ne Schnider näh, de tuet mer d's Jepli blätze. 

7. Si säge gäng, die Schniderwiber mäessid d'Nadle fädne. 

Vil lieber will i i\e Sobuester näh, de tuet mer d'Schueb laggiere. 

8. Si säge gäng, die Sobuesterwiber müessid d'Schueb verbändle. 
Vil lieber will i e Dokter nä, de tuet mi de kuriere. 

9. Si säge gäng, die Dokterwiber machid dräckigi Händli. 

Vil lieber will i d'r Jäggili nä, der git nes tapfers Mändli. 

Auf gleiche Weise wird noch eine Reihe von Bernfsarten 
zum Vergleiche herangezogen, bis schliesslich, angesichts der 
Schattenseiten, die jede Lebensstellung mit sich bringt, das Mäd- 
chen bescheidener wird und sich zum Geständnis herbeilässt: 

Vom Stübili i d's Gädili ^) Wenn i d'r schmutzig Joggili hätt, 

Vom Gädili i d's Bett. So hätt i, was i wett. ®^) 

Dass die Bräute mit dem Jawort nicht immer grosse Eile 
haben, beweisen auch folgende Reime: 



^^) Diese Verse lassen sich aber auch als eine Art Zwiegespräch 
denken, wob(M ein Bauernbursche die drei ersten Zeilen als Heiratsantrag 
spricht und im Refrain: Wart i will d'r etc. sein Vorhaben bekannt gibt. 
Das Mädchen antwortet darauf in den drei nächsten Versen und gebraucht 
den Refrain in abwehrendem Sinne. Die ferneren f^in Wendungen: Si säge 
etc. dürften dem abgewiesenen Bauernhurschen in den Mund gelegt werden, 
der seine Sache noch immer nicht t\lr verloren hält. — ^) Schlafzimmer 
neben der Stube. — *••) Y^\. Archiv V, 304. 



i 



Sprflche und Lieder aus dem Entlebuch. 289 

Liseli, was denkist, 

Dass s'Eöpfili so bänkist, 

D's Mliatili ^^) so spitzist, 

Keis Wörtili zu mer seist? ®') 
;>*8 Aetüs, Mietis Chabismesser Cblini Cbügili mness mer giesse, 

laut nf beide Site. Wenn mer cblini Vögili wiu scbiesse. 

Ifeitsohüi, wenn mi du nid wit, D's Sobwigermtteterli mness mer 
k> säg mers de bi Zite. griiesse, 

Wenn mer d's Töcbterli ba win. 

unter umständen kann aber auch die Auswahl den Freier 
a Verlegenheit setzen. 

Yo z'binderst der Hilfere ®®) Wenn eine zwei Scbätzili bet, 

£is zVorderst am Spitz, So steit er i d'r Mitz. 

Die erwiederte Liebe äussert sich nicht selten in aus- 
^lassenen Reimen. 

Lnstig nnd manter, 
Am Sandig d^s Nacbt cbont er, 
und wenn er nit cbond, 
So ist er nit g'sond. 
und wenn er de obnnd^ 
So tnet er wie ne Hand. 
X wett, es war Samstig I and mis Scbätzili 

TJnd Sandig z' Nacbt on, Si beidi wobl af. 

X!)e gsäcbi mis Cbrasili Wir scblttfe mitenandere 

TJnd d's Cbrasili mi ou. D'r d's Ofelocb uf. ^») 

Nes nigelnagelneüs HüsH, 
Nes nigelnagelneüs Dacb, 
Nes nigelnagelneüs Scbätzili, 
Dem alte: Gnet Nacbt! 
^ Scbätzili vom Selbelocb, Wenn mi Schatz e Zackerstock war, 

^^fcli di nit, so g'scbmöok di So täti d'rab schlacke, bis ntt me 

[doch. »^) [d'ra war. »^ 

Itz ban i mis Scbätzili echo lang niime gseb, 
Wenn i's de finde, so klopf i-n-is de. 
Itz bockets dert obe am Thunersee 
und jättet d*r Klee. Jähe! (Tanzliedcben.) 
^f i Schatz ist vom Wanis, ^^ Und i am Blamkobl. 
XZTDd i Yom Tirol. oder: Mi Schatz het d'r Schiss 

£r bandlet am Cbabis Und mir ist ganz wohl. 

W) Das Mäulchen. — »') Vgl. Rochholz S. 304. — ^s) Alpengegend 
'•^«cben Marbach, Escholzmatt und FlUhli, wo die Ilfis (Bilfere) entspringt. 
^ •^) Oeffnung in der Stubendecke über dem Ofen, in alten Häusern ofk 

**" einzige Eingang in die Schlafkammer. — ^®) Eigentlich von einem Arz- 
^^mittel gebraucht. Vgl. Rochholz S. 174. — «') Auch in Unterwaiden. — 

^) Wallis. Vgl. Rochholz S. 305. 



290 Sprüche uod Lieder aus dem Entlebuch. 

Oegen die sittlichen Oefahren, welche die yielen Eilt- 
gänge mit sich bringen, sind die Entlebucher nicht blind. Die 
Barschen selbst gestehen nicht völlig za ihrem eigenen Böhme: 

Am Meitsohili 

St Schleipfili. »3) 

Mis ist no keis. 

I wette ne Haabbatze, 

Bis d's Jahr ist aa eis. 

Aber nicht bloss der Liebhaber, sondern auch das Mädchen 
kann das ruhige Temperament zeitweise verlieren. 

Chrut and Uebercbrat 
lind Chrut im (jarte, 
Uesers Bäbili ist ne Brut, 
Es wot nid länger warte.* 

Trotz dieser Ungeduld bleibt vielleicht der Besuch des 
Bräutigams das eine und andere Mal aus. 

Eigili guet Oepfu ^^) Httt ist Chilbi und mom ist Chilbi, 

Git eigili guet Schnitz. Bis am Samstig z'Abe. 

Meitili mach d's Lädili zue, Wenn da zu mim Sohätzili obunst, 

Hine gits nix! So säg em: Gueten Abe! 

Wagt aber ein anderer in die Lücke zu treten und beim 
Schatze einen Besuch zu machen, da erwacht sofort die Eifer- 
sucht. 

Gang mer nid immer d'r d's Mättiii, 

Gang mer nid immer d'r d's Gras, 

Gang mer nid immer zam Sohätzili, 

Süst sohlah di de einist ab. ^^) 

Aber auch der Spott bleibt zuweilen nicht aus. 

Mi Schatz ist e schöne Wenn i emau es Sohätzili ha, 

Vom Faess bis zum Chopf. Beteli muess' mer heisse. 

Am Hals het er nes Dingli, I leg em de nes Schäuili ^*) a 

Das nennt mer e Chropf. Und schick es mit de Geisse. 

Wenn i emau nes Sohätzili ha, Wenn i einisoh e Alti ha, 

I weiss de, was i tue: So weiss i was i tue. 

I g'heie 's de i d' Schisse abe I legge 're de e Schelle a 

Und schlah d'r Deckel zue. Und ha si für ne Chue (Schwy^ 

Herztusigs Sohätzili, was soll i tae, 
Es wachst mer e Chropf am andere zue. 
Hauä-ne ab, so tuets mer weh, 
La ne la stah, so han i zwe. 



8*) Leichtfertige Weibspersonen. — ^^) Ausserordentlich gute Aep^ 
- 9^) Vgl. Rochholz S. 322. - 9«) Schelleli. 



Sprache und Lieder aus dem Entlebuch. 291 

Die Schärliger singen auf ihre Mitbürger von Marbach 
folgendes von Jodlern begleitetes Spottlied: 

Wenn d'Marbacher Buebe wei z'Chilbi gab 
So mttesse si z'erst vor e Spiägu stah. ^^) 

£8 hei irere drei nes Meitschi gba, 

Eine ällei hätte nid vermöge z^ha. 

Si säge 4'r Frau Wirti, si soll bringe ne ohli Fleisch, 

Kid e so schmutzig und doch e chli feiss. 

Und wenn si keis Gäld i de Säcke me hei. 

So frägid si d^s Meitschi, ob es ne chli heig, 

Si sägit d'r Frau Wirti, si sells schribe a d'Wand. 

Ist das nid e Spott und e ewigi SchandV 

Am Samstig und am Sundig z'Kacht, 

Da gai die Buebe durch die Gase. 

Si legit schöni Hüetli uf 

Und sueohid die hübsche Meitli uf. 

Da gai 81 de vor d's Uns, 

und ist d's Meitschi nüme uf: 

üfe g'stige und d'Red verkehrt, 

Abe g'heit und d'Hose verzert. — 

Da gai si de uf d'Stäge, 

Da chunt 'ne d's Meitschi scho ätgäge. 

„Hest nid Schoaps, so best doch Wy, 

Dass mer chönit e chli binenander si''. 

I d'r Kutscha ist ne Sack, 

Wo mer d'Liebi zäme packt. 

I de Chile ist ne Tritt, 

Wo mer d'Liebi zäme git. 

Me git si z'säme Paar um Paar, 

Chumin-i acht ou dethar? 

Rückt der Hochzeitstag trotz allen Hindernissen endlich 
beran, so kommt auch noch die Aussteuer zur Sprache. Sie 
ist im Entlebuch nicht immer sehr umfangreich und wertvoll. 

Nes rOdigs Gitzi, Ne gläserne Haubbatze, 

Ne ghnzerigi •*) Geiss, Ne hölzerne Kueh, 

Das git mer d'r Vater, Das git mer mi Vater, 

Wenn i Eini weiss. Wenn i biirate tue. 

Damit es lustig hergehe, werden zur Hochzeit auch Spiel- 

") Diese ersten zwei Verse scheinen {^ar nicht zum Nachstehenden 
zusammenzupassen, sondern ursprünglich zu einem andern StUck gehi')rt zu 
haben. Was ihnen zunächst folgt, bildet eine Variante zu dem bereits im 
Band V 15 publizierten Bernerlied. Wie die Schärliger auf die Marbacher, 
80 wenden umgekehrt die Marbacher das gleiche Spottlied auf die Schärliger 
an. — * '•) Struppige. 



292 Sprüche und Lieder aus dem Entlebnch. 

lente bestellt. Bevor aber das glückliche Paar zur T 
geht oder beim Hochzeitschmause den Reigen der Tänze e 
pflegt man der Braut zu Ehren Yorerst das Lied zu sing 

Was wei-mer d'r Brut ufgige? 
D's Eränzli ab und d's Httbli nf, 
Chrütz und Lide obe dmf: 
Das wei-mer d*r Brat ufgige. 

Auf die Haushaltung wird folgende Schnitzelba 
sungen : *^ 

D*8 erst Jahr, wo-n-i g'huset ha, 
Het-mer d'Goite nes Huen gä. 
Huen han i Name gä: 
Hoppe heisst die Henne, 
Am Morge frie i d's Tenne, ^^^) 
Si sc^nipperlet und schnäpperlet und schnäbelet. 

D's zweit Jahr, wo-n-i g'huset ha, 
Het-mer d'Gotte ne Hahn gä. 
Hahn han i Name gä: 
Sprigiligrau heisst d'r Hahn, 
Hoppe heisst die Henne, 
Am Morge frie i d^s Tenne, 
Si schnipperlet und schnäpperlet und schnäbelet. 

D's dritt Jahr, wo-n-i g'hoset ha, 
Het-mer d'Gotte nes Schaf gä. 
Schaf han i Name gä: 
Wulezart heisst das Schaf, 
Sprigiligrau heisst d'r Hahn, 
Hoppe u. 8. w. 

D's viert Jahr, wo-n-i g'huset ha, 
Het-mer d'Gotte ne G^iss gä. 
Geiss han i Name gä: 
Längbei heisst die Geiss, 
Wullezart u. s. w. 

D's ftift Jahr, wo-n-i g'huset ha, 
Het-mer d'Gotte ne Kue gä, 
D'r Koe han i Name gä: 
Tttrli zue! heisst die Kue, 
Längbei u« s. w. 

D's sächst Jahr, wo-n-i g'huset ha, 
Het-mer d'Gotte e Frau gä. 



99) Vgl. A. ToBLER, Sang und Klang 1899, 430 ; Ders., Das Volk 
Appenzellerlande 1903, 15. — *«^) Der Sinn ist offenbar der: Am 
früh geht die Henne in die Tenne, um dort Fruchtkörner zu suchei 



Sprüche und Lieder aus dem EDtlebiich. 293 

Fraa han i Name gä: 

Haberstroa heisst mi Frou, 

Ttirli zu! heisst die Eue a. s. w. 

D's sibet Jahr, wo-n-i g^huset ha, 
Het-mer d'G^tte nes Clhind gä. 
Cbind han i Name gä: 
Chrusiligrind heisst das Chind, 
Haberstroa heisst mi Froa u. s. w. *^^) 

Auch die Enttäuschungen im Ehestand werden besungen, 
üriy Schwyz and ünterwaade 
Wo ist die Froa, die nit cha bauge? ^®*) 

£ fingerlänge Mända, Si hei mitenandere Hända, 

£ dammi, dicki Froa, Chömit luegit oa ! ^^^) 

I weiss woo, wenn-mer d's Singe and d's Jutze vergeit, 

Wenn d'Chindswiege i d^r Stabe steit, 

Wenn d'r Wind za aune^^**) Löchere le blast 

Und d*r Ma mit de Füste dri sohlat. 

^o-n-i bi ledig gsi Sid as-i gVibet ha, 

3t8-mer am wönste gsi. Han-i längi Zite. 

Vo-n-i g'hüratet ha, D's Bett ist von 

ÄD-i g'meint, i mach nes Schickli. Und d'Wagle *®*) von, 

u bin-i da i d's Elend che Jitz han-i nüme d'Wite. ^^^) 

^ie im Ongeblickli. 

D'r Sattler uf em Möösli, 
De het ne Fron, and das ne bösi. 
Si ist die bösist ttberaa 
Und an die böst im Emmetau. 
Si het g'seit, si chön schön singe. 
Si hed-mer g'seit, si wöa-mer fiifzähni *®^) bringe ; 
Da het-s' mer amme fUfi brange. 
Da han-ere da d'r Bagga '^^) g'schwange. 
Da het-s' mi da la vor d's G'richt zitiere, 
Doch aber nid la nsä fdere. 

Sibe Wache bin-i z'Trachsuwaud **®) im Tarm g'sesse, 
Ha nttd weder Chmt no Rüebli gässe. 
Und jitzt güi-mer d'Lttt no d's Lob d'rbi: 
Keine sig so lustig gsi. 
Es nahm ou d'r Landvogt grUsli Wunder, 
Worum die G'fang'ne hei kei Hunger. 
I wett, dass er dert sitze müesst 
Bis em d'Miesch ^®^ am Hinder wiechs. 

*•*; Vgl. Rochholz S. 163. — ««^j ßalge = schelten. — »o3) Aohnlich 
mBaseUaiid. Areh. VI, 290. — »«»•) allen. — <♦>*) Wiege. — »»^j Nicht mehr 
P\Ä \^i Kochholz S. 314. — <««) Fünfzebntausend Franken. - »«') Buckel. 
- *•) Trachselwald. — '^) Moos. 



294 Sprüche und Lieder aus dem £ntlebuch. 

üesi anti Sohwigere^ wenn mi Sohwigere Ziger war, 

Si het e länge Hans. ^ '^) Und Hnnd u. Chatz derhinter ohäm, 

Si mag ne strecke, wie si wiu, So frässe si der Ziger ganz und gar, 

So gseht si doch nit aus! ^^^) und i war miner Sohwigere bar. 

Fast ebenso unpopulär wie die Schwiegermütter sind die 
alten Weiber. 

Offertorium ! 

Auti Wiber lanfit chrnm. 
Paulus schribt de Eorinthere, 
Me söu keini auti Wiber überwintere. 
' Si houit grossi Stüokli ab 
Und essit chlini Mümpfli drab. 
Si hockit mitts vor'em Für 
Und wärmit ihri Schür, "*) 
Und drum ist's Brot so tür. 

RechnuDgsaufgabe : 

gSibe anti Wiber, es het jedes sibe Köck; jede Rock het sibe Sack; 
jede Sack het sibe Zopf; jede Zopf het sibe Rappe. Wi vis 
git da?« 

Fängt der Gefragte an zu rechnen, so lacht man ihn aus ah 
einen, der den alten Weibern die Taschen untersucht. 

Doch sind die alten Weiber manchmal besser als ihr Ruf. 
Sie können zumal für ihre verstorbenen Männer ein recht zart- 
fühlendes Herz haben. So betete eine Entlebucherin am Grabe 
ihres Gatten, der im Leben viel Durst gelitten: 

OeV ihm Gott die ewig Rueh 
Und es Gläsli Schnaps derzue! 

Hiemit haben wir einige Zeilen des grössten Buches dei 
Welt, des Entlebuches,'*^) entziffert und herausgeschrieben. Mogei 
andere das begonnene Werk fortsetzen und nicht rasten, bis allei 
kopiert ist, was dieser Riesenkodex mit dem samtnen Einbaue 
Yon dunkelgrünen Matten und den Eck- und Randbesohlägen yoi 
Felskuppen auf jenen Blättern enthält, welche durch ein ungeheorei 
Buchzeichen, das Silberband der Entle, bereits näher bezeichne 
sind. 



"0) Hals. — <") Alles. — *") Ihre Bäuche so gross wie Scheunen 
"3) Ein bekanntes Rätsel. 



Das ,,Giritzenmoos^^ in Dagmersellen (Kt. Luzern). ^) 

Yon J. L. Arnold in Dagmersellen. 

Das OiritzenmooB war eine Fastnachts- Belästigung, die im 

Kanton Lozern, vorzüglich im sog. Hinterland and im antern 

Wiggerthal, heimisch war. Noch vor 40 Jahren warde z. B. in 

Dagmersellen dieser Braach alle Jahre am „Hirsmontag^' (Montag 

Dach Invocavit), später am ^Güdismontag^ (Montag nach Estomihi) 

aufgeführt. In den 1860er Jahren fiel er indessen schon das 

eine oder andere Jahr aas, bis er um Mitte der 1870er Jahre 

ganz verschwand. Der Braach bestand in einer Art Yolksjustiz, 

also, ähnlich der heutigen Fastnachtlitteratur, in Neckereien ver- 

0cbiedener Art, meist lokaler Natur, insbesondere aber gegen 

die „alten Jungfrauen" gerichtet. Unter diesen „alten Jung- 

/jra.uen" verstand man aber nur die ledigen Weibspersonen zwi- 

sc^lien 24 und 35 Jahren. Aeltere blieben unbehelligt^ oder es 

iD«:s88te schon etwas Besonderes dahinter stecken, wenn über 

d£^8e Altersgrenze hioausgegriifen wurde. Mit dem sittlichen 

It«:mf sowolil der Spielenden, als der Gefoppten, nahm man es 

aolmr streng. Eine Jungfrau mit irgendwie anrüchigem Wandel 

^w'va.xde gänzlich unberücksichtigt gelassen. Ebenso musste ein 

B^^^arsche von zweifelhaftem Ruf fernbleiben. Es lag darin für 

^s^xche eine Art Entschädigung und ein stilles Lob, das ihr die 

^■**"t^TiDter argen Neckereien versüsste. Dass das „Giritzenmoos" 

^^^^^ Kit etwa eine bestimmte Lokalität bezeichnete, sondern eine 

-^^ ^«1-Oegend, ein gewisses Jenseits, in das die alten Jungfern 

**^*^ Leib und Seele aufgenommen werden, um in alle Ewigkeit 

^^^**t tu verbleiben, unter dem Regiment des Giritzvaters, geht 

^^•-^ dem nun zu schildernden Brauch hervor. 

In allen Fällen waren es die jungen Burschen des Dorfes, 

^^^ das Spiel anordneten. War man über das «ob** einig und 

^^1* es: „d'Meitschi uf's Giritzemoos z'näh*, so bestimmte man 

^^** allen Dingen den „Giritzvater". Wer das geläufigste Mundwerk 

^^^ und SU den tollsten Streichen fähig war, wurde zu diesem 



\ 



M Kurze SchilderuDgen des Brauches im Kanton Luzern s. auch 
T^^^'Hw I, 189 fg. und Wochestl. Unterhaltixciex (BtMlttj^e z. Luzernor Ta^j- 
^^U) 1900 (Nr. 9) S. 68. 



296 Das „Giritzenmoos** in Dagmersellen (Kt. Luzern). 

Amte ausersehen. Ihm war ein „Schreiber'^ und gewöhnlich 
zwei Mann als Scharwache beigegeben. Sodann wurde ein 
YerzeichniB angefertigt über diejenigen Jangfern, die „aufs Moob^' 
kommandiert werden sollten. Zum Yoraus wurde bestimmt, wer 
Yon den Burschen die und jene Dorfschöne darstellen solle. In 
irgend einer Scheune wurde ein möglichst grosser Leiterwagen 
hergerichtet, mit Bock und Sitzen versehen und mit Tüchern 
überspannt, wie sie etwa die Wagen des fahrenden Volkes haben. 
War dann endlich der ^grosse Tag^ nahe, so wurde das geplante 
Yorhaben öffentlich angezeigt, gewöhnlich durch einen Ausrufer. 
Am Tage selbst begaben sich nach Mittag die jungen Burschen 
in die Scheune, wo der Wagen bereit stand, gewöhnlich war es 
n Dagmersellen die Mühlescheune zu oberst im Dorf. Dort 
wurden die letzten Vorbereitungen getroffen. Oegen 4 Uhr ging 
dann das Spiel los. Voran kam der Giritzwagen, Yon Pferden 
oder Ochsen gezogen, welche der Lenker an der Hand führte. 
Auf hohem Bock thronte der GUritzvater, als steinalter Mann ver- 
kleidet, und sein Schreiber, mit einem möglichst grossen Buch 
vor sich. Die Scharwache lief nebenher. Im Wagen und hinter 
demselben kamen die jungen Burschen als Jungfern maskiert. 
Auf der Dorfstrasse, wo der Zug stets von einem zahlreichen 
Publikum empfangen wurde, ward Halt gemacht und der Giritz- 
vater hielt eine Ansprache an das „Volk^ und insbesondere an 
die „alten Jungfern". Er stellte sich als Herr und Herbergs- 
vater vom Giritzemoos vor, und tröstete die, welche abkomman- 
diert wurden, damit, dass sie es bei ihm gut haben würden: 
gesprächige Gesellschaft, Hühner^ Katzen und überhaupt alles, 
was eine alte Jungfer billigerweise verlangen dürfe. Wollte er 
sich galant zeigen, so bat er für sich und seine Kamaraden zum 
Voraus um Nachsicht, wenn man etwa so oder anders in dem. 
Scherze etwas zu weit gehen sollte. 

Sofort begab sich der Bursche, welche die nächstwohnend^ 
Jungfer (Nr. 1 des Registers) darstellte, zu deren Wohnung nn3> 
geberdete sich dort etwa in der Weise, wie das Original es zu türm 

pflegte. War das Gefährt — immer auf der Strasse fahrend 

auf der Höhe des betr. Hauses angelangt, so wurde wieder E[al^ 
gemacht, und der Giritzvater rief die Jungfer N. N. heran, aber 
immer ohne Familienname. Kam sie nicht sofort, so liess er ei^ 
(d. h. den sie darstellenden Burschen) durch die Scharwache 
holen. 



Das ffGiritzeamooB** in Dagmersellen (^Kt. Luzern). 297 

War sie dann da, so kündigte er ihr an, dass sie jetzt 
aufs „Moos^ kommen müsse. Er begründete seinen Befehl damit, 
dass sie schon so und so alt, und keiae Aussicht auf eheliche 
Verbindung mehr habe. Dann erhielt die Kandidatin das Wort 
zur Yerteidigung. Diese wurde oft sehr geschickt gefasst, ihre 
Chancen dargelegt und alles vorgebracht, was nar zu sagen war: 
Wer mit ihr getanzt, und was ihr gesagt worden sei, wie 
mancher Freier schon yon ihr abgewiesen worden, Erbschaften, 
die gefallen oder in Aussicht, neumodische Kleider u. s. w. Da 
kam manches aufs Tapet, was manche sich selbst verheimlicht 
zu haben glaubte, zum grössten Gaudium des Publikums. 

Aber nur selten Hess der Giritzvater Gnade für Recht er- 
gehen; hin und wieder gab er auch etwa ein Jahr Gnadenfrist. 
Die Jungfer wurde in diesem mit heilsamen Ermahnungen ent- 
lassen, und beigefügt, wenn sie nächstes Jahr noch nicht unter 
die Haube gekommen, sei ihr Schicksal besiegelt. Im andern 
Falle wurde sie von der Scharwache gepackt und in den Wagen 
geschoben. 

Dann setzte sich das Geiahrt wieder in Marsch bis zu 
Nummer Zwei u. s. f., wo dann der Spass sich mit entspre- 
chenden Abänderungen wiederholte. Unter dem Gejohle der 
Gassenjungen und mehr oder minder Beifall des immer zahl- 
reichen Publikums wurde das Aufgebot erlassen, und ein Ver- 
hör mit Jeder durchgenommen, deren Namen auf dem Register 
stand. 

Es kam aber auch vor, dass junge Bursche arg durchge- 
hechelt wurden. Der Giritzvater lenkte oft mit scheinbarem 
Wohlwollen die Aufmerksamkeit einer Jungfer auf einen Jüng- 
ling, wogegen sie dann antwortete : lieber wolle sie gleich mit- 
kommen als den heiraten ; der sei eine etwas zweifelhafte 
Persönlichkeit und erzählte dann dem erstaunten Giritzvater 
haarklein all die Dummheiten, die er gemacht, seine Fehler, 
schlechten Eigenschaften u. a. m. 

War das Spiel programmgemäss mit allen Kandidatinnen 
beendet, so fuhr der Giritzwagen mit seiner ganzen Sammlung 
alter Jungfern auf der entgegengesetzten Seite zum Dorf hinaus, 
zu einer alten Eaesgrube. Dort hiess es: „Alles aussteigen!^ 
Die Fräulein wurden in Reih und Glied gestellt und in voriger 
Reihenfolge auf Mehrerlös versteigert. Wollte Einer aus dem 
Publikum, eine Jungfer ehren, so tat er ein hohes Angebot. 



298 MiszelleD. — M^langes. 

Hundert Franken waren aber schon viel. Oft wurde sogar nur 
um 50 Rappen Eine losgeschlagen. Diejenige, auf welche gar 
kein Angebot gemacht wurde, warf der Giritzvater einfach in 
die ELiesgrube und überliess sie dort ihrem Schicksal. 

Eür die Jungfern war dieser Tag immer ein wahrer 
Schreckenstag, und nicht selten suchten sie durch Spenden eines 
Abendtrunkes, oder etwa einer Flasche „Chriesiwasser^' und 
Aehnliches die Gunst der Spielenden zu gewinnen. Oft auch 
sorgte aus besondern Gründen der eine oder andere Bursche 
Yon sich aus dafür, dass die Sache nicht gar zu arg herauskam. 

Das Aergste war der Jungfer immer die fatale ,,Gant^. 
Es war daher begreiflich, dass diese zuerst dem Untergang ver- 
fallen musste. Bald darauf aber kam auch das vorausgehende 
Einsammeln der Jungfern in Abgang. Nun ist der Brauch seit 
mehr als einem Yierteljahrhundert — wenigstens in Dagmersellea 
— verschwunden, und die junge Generation kennt ihn nur noch 
vom Hörensagen. 



Miszellen. — Melanges. 



Von fünf Leiden Mari». 

Do vnser frow ze himel was gevarnett hatt sy nant iohans gross gird 
das er gern vff vnser frowen hett gesehen Dach himelsches ere. Do fugt 
es sich das sant iohans verzuckt ward in den hiinel vnd bort das voser 
herre vnd sin liebe müter mit ain andren retten t von der angst vnd der 
not die sy off ertrich durch in erlitten hett. Do fragett vnser bere sin liebe 
muter, welles das grösst liden war, das sy off ertrich durch in erlitten hett 
Do sprach vnser liebe frow: liebes kind, mini liden warent gross vnd ma- 
nigfalt, aber fünf liden vnd fünf hertzlaid, die hattich sunderlich durch dich. 
Die tattent mir vnmässenklich we vnd wirs denn alles, das ich ie erUud. 
Das erst hertzlaid, das was, do ich dich in den tempel trüg vnd dich opfrett — 
vff den altar. Do enpfieng dich her simion ain sinen armen vnd wissaget -^^^ 
mir, das ain schwert min sei durchschniden sfilt. Von dines todes wegen .^mr: 
ze band ain derselben stund begraiff das schwert min hertz, das ich voii^c= 
stund bis ain minen tod niemer fro ward. Do sprach vnser here: fipow müter. — ^ 
wer sich des laides ermainet all tag mit ainem pr nr *) vnd mit ainem avi 
maria dem mentschen wil ich helfen, das er in kainer todsnnd nieme 
verschaiden sol vnd wil in behüten vor allem hertzlaid hie vnd d6rt 
fragt vnser liebe herre sin liebe müter, weles das ander hertzlaid war. 
sprach vnser frow: liebes kind, das was do du in diner kinthait in da 

') pater noster. 




Miszellen. — M^langes. 299 

schil wärt, do hatt ich dich verloren VDd sucht dich mit betrübtem hertzeD. 

Do ich dich Dit finden kund, do gedacht ich an das schwert, da mir her 

simion von hatt gesait. Das durchgieng min hertz zil dem andren n)al wen 

€la8 ich sorge hatt, das ich allen minen trost ain diner blUgenten kinthait 

so zitlich an dir verloren sölii han gehebt. Do sprach vnser liere; frow 

mäter wer dich des laides ennainett alltag mit ainom pr. nr. vnd mit aimun 

ave maria, das du mich dry tag verlorn hattest, dem mentschen wil ich 

geben dry tag vor sinem end an dem ersten tag rechti rüw, an dem andren 

tag geware bicht, an dem dritten tag volkomnen Ion, als ob er mir allzit 

mit volkomnem leben gedienett hett. Do fragt vnser her sin liebe möter, 

weles das dritt hertzleid war, das sy vff ertrich durch in enpfangen hett. 

Do sprach vnser frowe : liebes kind, das was, do petrus vnd Johannes koment 

vnd mir saitent, das du gefangen wärist. Do kaim ich geloffen vmb das 

hoss kaypfas, da du ingefttrt ward worden vnd ich hört, wie sy dich ver- 

spuwtent vnd schltigent vnd stiessent vnd ain geschray umb dich was, als 

ob du aller der weit ain vertäuter mentsch wärest. Do zerschnaid das 

schwert min hertz ze dem triden mal vnd mir wirs beschach, den ob ich 

aölte gestorben sin. Do sprach vnser here : frow müter, wer dich des laides 

ennainett all tag mit ainem pr. nr. vnd mit ainem ave maria, das ich ge- 

vangen was, den mentschen wil ich behflten vor aller gevan^nust. Do fragt 

vnser lieber here sin liebe muter. weles das fiord hertzlaid war. Do sprach 

vnser frowe: sun vnd here das was, do du off das krütz gelait wurt vnd 

man dich naglett durch hend vnd durch füss. Do was das getreng also 

gross, das ich zu dir nit mocht komen vnd do ich hört die handschleg vnd 

nit wissett, wie sy dir tattent, bis das du würt vffgericht, das ich dich sach 

hangen ain dem crütz nackent vnd bloss als ain vertalter mentsch , do 

zerschnaid dz schwert min sei ze grund vnd sölt ie kaiii niiiter von laid 

gestorben sin, so war min hertz ze derselben stund zebrochen. Do sprach 

Vnser here: muter, wer dich des laides ermaint alitag mit ainem pr. nr. 

Vnd mit ainem ave marin, vnd war ain dem mentschen min marter erlöschen, 

Bo wil ich im sy nflwren, das er ir niemer me vergist; ist aber der mentsch 

**« kranck, das er mit miner marter nit vmb kan gän, so wil ich im den- 

«ielben Ion gen ain sinem end, als ob er alle sini zit mit miner marter ver- 

tribeu hett. Do fragt vnser here sin liebe müter, weles das fllnft liden vnd 

^las iungst hertzlaid war. Do sprach vnser frow: das was, do du von dem 

Wtktz genomen wurt vnd mir tott ain minen armen gelait wurt mit offnen 

'^ninden. Vnd ich sach, das du sogar ersigen würt vnd ain blütstropf in 

Einern Hb nit me was, do zerschnaid das schwert min hertz, das ich sin 

miemer me vergis, dasselb liden müss ich sunderlich bedencken. Do sprach 

^nser here: frow muter, wer dich des laides ennainett all tag mit ainem 

pr. nr. vnd mit ainem ave maria, das ich dir tott ain dinen armen gelait ward 

mit offnen wunden, dem mentschen wil ich vff tun all min erbärmd vnd 

wil im nit verziechen, wes er mich bitt ain sei vnd ain lib, vnd wer der 

mentsch ist, der dich diner fllnf hertzlaid ennainett alitag mit fünf pr. nr. 

vnd mit f&nf ave maria, den mentschen wil ich dir geben, das du mit im 

tüist, was du wellist amen. 

Obige von Herrn Dr. G. Jenny in St. Gallen mitgeteilte Legende 
findet sich in einer Papierhandschrift des XV. Jahrhunderts auf der 



300 Miszellen. — Mölaoges. 

Vadiaoischen Bibliothek (Nr. 356) in St. Gallen. Auffallend ist, dass hier 
von nur fünf Schwertern und fünf Leiden die Rede ist: 

1. Darbringung im Tempel; 

2. Verlieren im Tempel; 

3. Gefangennahme; 

4. Kreuzigung; 

5. Kreuzabnahme. 

Heute spricht man allgemein von sieben Schmerzen und sieben 
Schwertern Mariens und im brieflichen Oftizium (Brevier) werden zu deren 
Ehre jährlich zwei Feste (Septem dolorum Beats". Marise) gefeiert. Diese 
sieben Schmerzen werden aber im Ofüzium selbst nicht angegeben. Nach 
Papst Benedikt XIV. sind diese sieben Hauptmomente auf die sieben Stifter 
des Ordens der „Diener Maria" (Serviten) zurückzuführen, die im 13. Jahr- 
hundert gelebt haben. Oft werden zu den oben angegebenen fünf Geheim- 
nissen die zwei andern gerechnet: Flucht nach Aeg>pten und Begräbnis 
(Christi. Vgl. Wetzer & Weites Kirchenlexikon, 2. Aufl., von Kaulen, Bd. 8 
(Freiburg i. Br. 1893), S. 819-820. Die bildende Kunst hat vielfach die 
sieben Schmerzen darzustellen versucht; vielfach sieht man Maria mit sieben 
Schwertern in der Brust oder es werden die sieben oben ei-wähnten Szenen 
auf einem Bilde dargestellt. Beides vereinigt sehe ich in einem mir vor- 
liegenden Pergamentband in 4** mit dem Titel : Fasciculus Myrrhae, variis ex 
tetrastichis, in dolores deipane virginis, colligatus a. F. Beato Bishalin, 
Franciscano, Fr. M. C. P. Friburg. Helvetiorum apud Stephanum Philot 1612. 

A. V. B. 

Storielle tioinesi. 

Un sindaco gabbato. 

Un tale, scroccone e mariuolo ad un tempo, ando un giorno a far 

visita al sindaco di il quäle era conosciuto come il piA gran bur- 

lone del paese ma aveva il debole di compiacersi grandemente che altr 
niagniflcasse la roba sua. 

Essendosi lo scroccone qualiflcato come un signore invaghito delle 
bellezze naturali del pnese e de^ideroso di acquistare la casa del Sig. Sindacv 
con tutte le »ue dipendenze per farne una villa, il sindaco Taccolse gentiU 
inente e depo averne sturato un pajo di bottiglio di ([uel buono, lo condusae 
a visitare le sue possessioni. 

Naturalmente, il forastiero diceva nieraviglie di tutto quauto gli veniva 
mostrato ed esaltava la oasa <lel Sig. Sindaco come un paradiso terrestre. 

Arrivati sulla cortc, 11 forastiero ifennossi a contemplare una fontana 
de osciamo : 

— Come (' st^ito previggentc», Sig. Sindaco, qui non vi manca proprio 
nulla : ecco qui una bella fontana da cui spilla un bei getto d^acqua pura 
vt fresca. 

— Ma qiicsta non »i chiama fontana, lo interruppe il Sig. Sindaco 

— E como si chiania dunque, di grazia? 

— Si cliiania ahhondnnza. 

— Ha ragium», Sig. Sindaco : abbondanza, ecco ud nome piü 
appropriato. 



Miszellen. — M^langes. 301 

Visitaroiio di poi il fienile ed anche ({ui il forastiero esclamo: 

— Quanto bei fieno ha qui, Sig. Sindaco, e come 6 bone ammontie- 
ehiato. Come stanuino bene quelle bestie che maiigiano di questo tieno. 

— Ma <|uesto non si chiama fieno, interrappe il sindaco. 

— £ come lo chiama, di grazia? 

— Si chiama rniUe erbe. 

— Ben pensato, Sig. Sindaco, ben pensato, mille erbe. 

Dopo aver visitato Testeriore con tutte le dipendenze rientrarono in 
casa e visitarono tutti i locali ed il forastiero non si stancava di magnificarne 
la spanositA, i mobili e tutto quanto cadeva sotto gli occhi. 

L'afißAre fn adunque conchiuso con gran contento del Sig. Sindaco, che 
vendeva quella roba ad nn prezzo doppio del valore reale. 

Si convenne che il forastiero avrebbe passato la notte ospite del 
Sig. Sindaco ed intanto rientrarono in una saletta per la cena. 

Yicino al Camino stava accovacciata una grossa gatta ed il forastiero 
veggendola esclamö: 

— Che bella gatta ha Sig. Sindaco ; ma questa 6 una piccola tigre ed i 
topi dovran stare ben lontani da una si terribile divoratrice 

— Ma qnesta non si chiama gatta, interruppe ancora il Sig. Sindaco. 

— E come diamine si chiama dunque? 

— Si chiama miidre degli spasimi. 

— Madre degli spasimi! ben detto Sig. Sindaco, ben detto, nome pin 
appropriato non si poteva trovare. 

Durante la cena, alzando gli occhi, lo straniero signore fermö lo 
s^ardo au dei salumi appesi ad una trave, ed esclamö: 

— Che bei salami ha qui, Sig. Sindaco e che belle luganighe e che 
bei prosciutto! 

— Vingannate, signore, riprcse a dire col suo fare burlone il Sig. 
Sindaco; qnesti non sono nö salami, n^ luganighe, nö prosciutti. 

— £ che sono mai? Come chiama questa bella e buona roba, 
Sig. Sindaco? 

— Ecco, queste alla destra, che voi chiamate luganighe, sono gli 
angdi; questi alla sinistra, che voi chiamate salami, sono gli arcangdi e 
qnesto nel mezzo, che voi chiamate prosciutto, i> Bio. 

— Sig. Sindaco, mi congratulo proprio di vero cuore con Lei per la 
flcelta dei nomi, disse il forastiero, e tutti e due, nn p6 alticci, diedero in 
una gran risata. 

Terminata la cena, preseru una tiaiiimata al caminetto ed il forastiero 
saltu SU a dire di nuovo: 

— Che bei fuoco, Sig. Sindaco, io me ne staroi qui volontieri per tuttu 
la notte; con un boccale di vino accanto, che ineglio potrebbesi dt^sidorare? 

— Fate come meglio ; credete, signore, potete poi riposarv'i su (juel 
traversoriOj quando avrete sonno, disse il nindaco, additando un divano. 
l>evo per6 farvi osservare che questo non si chiama fuoco, ma 

— Ma che cosa, Signor Sindaco? Mi dioa come chiama questa fiamma 
ehe arde, che riscalda, che consola? 

— Questa fiamma io la chiamo g audio. 



302 MiszelleD. — Mölanges. 

— Bravo, Sig. Sindaco, bravo, si, 8i, ud vero gaudio. Cr vada pure a 
letto e doima pacifici sonDi, io mi rimango qui al gaudio come Lei dice 

— Si, rispose 11 signor siDdaco, buona notte, dod vado per6 a letto, 
ma mi sdrajo Del mio riposorio. 

£ barcoUando ascese le Bcale ed entrö nella sua stanza. 

II forastiero disse allora fra s^ e s^: Ali! sindaco, ta hai voluto bur- 
larti di me, ma io mi burlero piü bene di te. £ piaii piano, preee il divano 
e Io pose di traverso in fondo alla scala. Staecö poi le luganighe ed i 
Salami e se le gettd sulle spalle. Asperse poi la gatta di petrolio e con un 
tizzo vi appiccö il fuoco si clie la povera bestia fuggl miagolando ed andö 
a nascondersi sal fienile, incendiaDdo pur quelle. Allora il briccone si portö 
presso la scala e chiamö ad alta voce : 

— Signor Sindaco, Signor Sindaco, si levi dal suo riposorio, ma si 
guardi dal traveraario. Sappia che la tniidre degli aptuimi ha portato il 
gaudio sul müh erbe e se rabbondanza non l'ajuta, la sua casa brucierä tutta. 
Intanto io me ne vado cogli angeli ed arcangeli, e Lei, Signor Sindaco la 
lascio solo con Dia. £d il briccone scese frettoloso le scale e se n*andö. 

Un ragazzo spiritoso. 

Grli abitanti del paese di in Isvizzera sono rinomati ovunque 

per la loro prontezza di spirito. 

Un signore buontempone volle una domenica recarsi coU apposita- 
mente per persuadersene, sembrandogli che si esaltasse un p6 troppo quegli 
ignoranti contadini. Arrivato in paese, trovö le case chiuse e le strade 
deserte, tutti trovandosi a quell'ora in chiesa, alle sacre funzioni. 

Si reco egli pure sul piazzale della chiesa, e, di fuori, in un canto, 
vide un ragazzo di circa 10 anni che giuocava da solo e solo con dei ciottoli. 

II signore Io chiamö a se onde provare se pure quel ragazzo avesse 
gia 4^1 Io spirito. II ragazzo accorse a lui, e, quando gli fu vicino, mostran- 
dogli uno scudo gli disse: 

— Guarda, ragazzo mio, vedi questo scudo ? Se sei capace di baciarmi 
sulle guancie senza montare n6 arrampicarti su checchessia, Io scudo ^tuo. 

II ragazzo Ü8s6 in volto Io straniero e pronto risposegli : 

— £d io , signore , se siete capace di baciarmi il c . . . senzaM 
curvavi, vi do subito non uno solo, ma due seudi. 

n signore si morse le labbra e senza aspettare che la gente usciss^ 
di chiesa, ritom6 fiund'era venuto. ^ 

Arbedo-Taverne. Vi ttore Pellandini. 

Passionsgebet. 

Unlängst hörte ich von einem alten Bettler aus Schemen (Kt. Schwy^z. 
folgendes Gebet: 

Am Palmtag ist er dV grösste König,. 

am Montag ist er der weise Prophet, 

er ist weis und wohlgelehrt, 

am Dienstag ist er der ärmste Ma, 

hed-e i Hus und Herberg niemer wellä ha, 

am Mittwuche habed-s' ihn verkauft um dryssg Silberliog, 

sie haben ihn ganz wohl fäll [wohlfeil] verkauft, 



Miszellen. — Mölanges. 303 

am DoDDentag hat er mit seinen zwölf JOngeni das letzte Mahl 

am Freitag habed-s' ihn an das Kreuz genagelt, [genossen, 

am Samstag habed-s' ihn auf die grosse Erde hingeworfen, 

daraus ist ein weisses Kömlein *) gesprungen, 

viel tausend und tausend FrQchte und noch viel mehr, 

am österlichen Tag ist er de stärkste Ma, 

hed möge de bittm Tod usgsta. 

Wer das Gebät i de grosse Wuche all Tag drtt mal spricht 

nnd's bittere Lydä und Stürbe nid vergisst, 

däm 'wird Gott sendä dry Engel: 

der erste wird er selber sy, 

der zwent' di lieb' heilig Muetter Gottes, 

der dritt de heilig sant Michael, 

wird gnädig d'Seel führe us-'em Paradys 

i das ewig Himmebych. 

Vater unser, u. s. w. 

Ober-Aegeri. A. Ithen. 

Bauernregeln aus dem Kanton Zug. 

Mathis, bricht's Is, 

Hed er keis, so bringt er eis. 
Will sagen, dass Sankt Mathias, der 24. Februar, ein launischer Patron 
ist, cier bald Schnee schmelze, bald erneuten Winter bringt. 

Geritrud, Geritrud [17. März], 

Säet Bollä und Chrut. 
Ebenso: Geritrud Mitte Meerze, « 

Löscht d'Schnider und Schuemacher Keerze. 

Wie si' de Fraufaste-Mitwuehe tuet halte. 

So wird si' 's Wätter vier Wuche lang gstalte. 

Sant Jakob mit dem Stab 

Schlad de Geis di halb Milch ab. 
Bedeutet, dass am 25. Juli die besten den Ziegen schmeckenden 
"^^Ä^er schon vorüber seien. 

Ka me am Jakebstag d'Birrä zellä, 

So ka me im Herbst Zeine Stella. 
Will sagen, dass wenn am 25. Juli die Birnen an den Bäumen zu 
^*^*3 seien, die Obsternte reichlich ausfalle und die Körbe fttUe. 

Vil a de Tanna, 

Vil i de Wanna. 
Enthält die gleiche hofinungsreiche Aussicht (tXr einen fruchtbaren 
'^^t, wenn die Tannzapfen zahlreich gedeihen. 

Weniger günstig heisst es von Sankt Laurentius |10. August] : 

Schiächte Wy gits hür, 

Wenn Sant Lorenz ohne Für. 
Sankt Laurentius sollte Sonnenhitze sein. 
Ober-Aegeri. Anna Ithen. 

^) Vielleicht Waizeukömlein. 



304 Miszellen. — ^l^laDges. 

Translationskostome. 

Im XVII. und XVIII. Jahrhundort haben in allen katliolischen Gegen- 
den der Schweiz feierliche Prozessionen und Festspiele bei Gelegenheit von 
grossem Reliquien- Uebertragungen stattgefunden. Dabei wurde häufig lehr 
grosser Aufwand gemacht; sowohl die BClhne, als die Ehrenbogen und die 
Wagen des Festzuges wurden kostbar hergerichtet, die Berittenen und Fuss- 
gänger in eigens f&r den Anlass hergestellte KostQme gesteckt. 

Bei keinem Translation sfest fehlten die Engel; sie pflegten meist in 
grösserer Zahl an der Spitze des Umzuges oder am Kopf der einzelnen Ab- 
teilungen einherzuschreiten. Da sah man nicht nur die Erzengel, sondern 
Gruppen von gewöhnlichen Engeln, wie auch die besondern Schutzengel des 
Ortes, der Abtei, des Bistums , der katholischen Schweiz, der katholischen 
Kirche, oder des Rosenkranzes. Angetan waren diese Engel nach der Vor- 
stellung der Zeit mit federgeschniUckten Helmen, glänzenden Kleidern und 
farbenprächtigen Flügeln. Seide, Samt, Spitzen und Borten aus Silber, Gold 
und Federn spielten eine bedeutende Rolle in ihrer Ausstattung; in den 
Händen trugen diese leuchtenden Grestalten glitzernde Sehwerter, vielleicht 
auch brennende Kerzen, Palmzweige, Kissen mit Reliquien u. a.; am Ann 
glänzte der Schild, auf dem die Wappen o<ler Farben der beteiligten geist- 
lichen Stiftungen und Behörden zu sehen waren. 

Fast alle TranslationskostQme sind untergegangen ; Motten und Rost 
haben das Ihrige getan, um die Zerstörung dieser für ephemeren Gebrauch 
hergestellten Trachten zu beschleunigen. Nur zwei vollständige StQcke sind 
uns bisher zu Gesicht gekommen ; sie befinden sich in <ier KostflmsammliiDg 
des t Malers StUckelberg. Sie bestehen je ans einem Helm aus Papier-maehA 
mit reicher Vergoldung, Versilberung und Bemalung ; oben sind auf Metall- 
drähte montierte FederbUscne eingesteckt. Die Übrige Tracht, die für Knabei 
von 8 bis 10 Jahren berechnet ist, besteht aus ehemals fleischfarbenen, jetit 
weissgewordenen, enganliegenden Trikothoseii, eleganten , gelben Leder- 
stiefeln zum SchnQren und einem Rock. Dieser reicht bis zu den Knien, 
winl hinten zusammengeschnürt und enthält an jeder Schulter je eine eiserne 
Platte, in welche der Hacken der Flügel eingesteckt wird. Um die Ver- 
schnürung auf dem Rücken zwischen den Flügeln zu decken, sind dem 
Kostüm kleine Tüchlein, als eine Art Mäntelrhen, beigc^geben. Der eine Bock 
besteht aus gt^lbein Brokat, der andere aus blauem Damast ; an den Aermeln, 
die bei beiden bis zum Ellenbogen otTen sind, hängen beim gelben Kleid 
Quasten, beim blauen ein Futter von weisser Gaze. Das letztere KostOm 
hat ausserdem ein(>n dreieckigen Brusteinsatz von rotem, gemustertem Seiden- 
sanit ; Silber- und Goldborten säumen die Bestandteile der Röcke ein. Die 
Flügel sind ungemein farbenprächti«? ; sie bestehen aus einem Holzgerflste, 
über welches dicke Lagen von federartig ausgezogenen und ausgekämmten 
Seidenfaden liegen. i)as eine Flügel])aar ist ganz in mittelalterlichem Styl 
gehalten und gleicht den Fittigen de^ heraldischen Adlers, wie er im XIII. 
und XIV. Jahrhundert durgestellt wird ; das andere Paar ist in horizontale 
Zonen eingeteilt, dit^ alle Farben des Regenbogens aufweisen. Die FIflgri 
HJnd )»räclitig erhalten und zeigen solche Farbenfrische , dass man glauben 
möchte, tnie seien nie den Sonnenstrahlen ausgesetzt gewesen. Unsere Bilder 
veranschaulichen die beiden Translationskostüme und ersparen uns eine ^ 
Beschreibung. 



Miszellen. — M^langes. 305 

Die beiden StQcke sind Ueberbleibsel von der Uebertragung eines 
beiligeh Leibes, der aus den Katakomben stammte, im Kanton Tessin. Dan 
Datum der Anfertigung und ersten Benützung iiess sich bis jetzt nicht eruieren. 

Basel. E. A. Stückelberg. 

Mittfastenlied aus Oberwil (Kt. Basel-Land). 

An Mittfasten zog die DorQugend, einen Sack und einen Strohmano 
mit sich ftihrend, in Gruppen von 3—4 Kindern von Haus zu Haus, indem 
sie folgende Verse ,,absang'' : 

Heer, Anneleis, hat ist Mitteliaste; 
Mer trette-d'r in d*Lache. 

Heer, Anneleis! 
Wenn-dV is weit kei Mehl ge, 
So muss-ech der Müller nim [nicht mehr] mahle. 

Heer, Anneleis! 
Wenn-d'r is weit kei Anke ge, 
Muss-ech [d'] Kueh kei Milch me ge. 

Heer, Anneleis! 
Wenn-d'r is weit keini Eier ge, 
Muss-ech der Iltis d'Htiener ne. 

Heer, Anneleis! 
Tannerüs, Tabneriis, 
Mer chaufe d'Chüechli um e Priis. 

Heer, Anneleis! 
Mer hei e brennige Ma *) gTange, 
Er sig e Johr im Cheemi g'hange. 

Heer, Anneleis! 
Binningen b. Basel. Fr. Kestonholz, Lehrer. 

In die BrOckenkette beissen. 

Zur Frage des Hm. Pfr. A. Famt^r in Stammheim, im ersten Heft 
dieses Jahrgangs, Seite 61, ob auch noch in andeni Gegenden der Brauch 
bestehe, Kindern, die zum ersten Mal über eine Brücke gehen, in Aussicht 
zu stellen , sie müssten dabei in eine Krtte beissen, kann ich aus eigener 
Erfahrung folgendes beibringen : Ich bin in Wenslingen, im obem Baselbiet, 
aufgewachsen. Als ich als kleiner Bube , um das Jahr 1980, mit meinem 
Vater zum ersten Mal nach Aarau ging, sagte er mir selbst: Jeder, der 
zam ersten Mal die dortige Kettenbrücke überschreite, müsse tüchtig in die 
Kette beissen, dass man die Spur davon sehe : sonst falle er unfehlbar ins 
Wasser. Und so haV ich denn auch tapfer eingebissen , so dass es einen 
Kritz in die Kette gab. Ich weiss noch die Stelle, wie ich auch heute noch 
den Schauer fühle, mit dem ich damals die Brücke betrat. Diese Sitte ist 
abrigens auch gegenwärtig noch ein verbreiteter Spass im obern Baselbiet. 
Sie gilt als eine Art Kraftprobe. 

Ganz dasselbe — mit der Rheinbrückf in Basel — begegnet in den 
«Erzählungen und Bildern aus dem Basolbiet" von B. T. Jonas^ wo es in 

^) Damit ist der Strohmann gemeint. 

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906 Bflcheranzeigen. — Comptes rendus. 

„der Baselfahrt'', cap. ^11, von dem kleioen Christeli also heisst : „Darüber 
machte er sich noch die meisten GManken, dass er wie Alle, die zam ersten 
Mal nach Basel kommen, werde mQssen in die Kette beissen. Denn das 
wurde ihm so bestimmt in Aassicht gestellt, und er hatte schon so oft da- 
von reden hören . . . ., dass er daran nicht mehr zu zweifeln wagte und 
schon im Stillen fQr seine armen Zähnlein fürchtete .... Jedoch .... er 
dachte, wenn es ihm etwa zu heiss und schwer werden sollte : „Äbba ! 
wenn es andere haben erleiden mögen, so mag ich es auch erleiden ; der 
Ätti hat auch in die Kette beissen müssen und hat doch noch ein gutes 
Biss.* 

Etwas verwandtes ist wohl auch der Brücken stein in Chr. F. Grelleres 
Gedicht: „Der Bauer und sein Sohn**. 

B e n k e n (Baselland). J. W i r z . Pfarrer. 



Bücheranzeigen. — Comptes rendus. 

P. Sartori, Die Speisung der Toten. Programm des GymnasiumB 
zu Dortmund 1903. 70 doppelspaltige S. Gross-S^ 

Dass der Verfasser auf dem Gebiete der vergleichenden Volkskunde 
kein Neuling mehr ist, hat er schon durch verschiedene einschlägige Arbeiten 
bewiesen.*) Auch die vorliegende zeichnet sich durch eine umfassende 
Sach- und Litteraturkenntnis aus. Zum ersten Mal finden wir hier ein grosses 
Material über diesen Gegenstand aus allen Himmelsrichtungen zusammen- 
getragen. S. fasst den Begriff der Totenspeisung, wie aus der folgenden In- 
haltsübersicht hervorgeht, möglichst weit: A. Pflege der einzelnen 
Seele: I. Vor der Bestattung: 1. Speisung des Toten, 2. Schmausereien der 
Hinterbliebenen; H. Die Mitgabe von Speisen an Tote: 1. Die Speisen wer- 
den ins Grab gelegt, 2. Die Speisen werden ausserhalb des Grabes ange- 
bracht; lU. Der Leichenschmaus der Hinterbliebenen: 1. unmittelbar nach 
der Bestattung : a) am Grabe, b) im Hause, 2. Abschliessender L.-Schm. 
erst einige Zeit nach der BesUittung, Wiederholung des L.-Schm ; IV. Fort- 
dauernde Speisung des Toten : 1. am Grabe, 2. im Hause oder in dessen 
Nithe. B. Die Allersoelenpflege: I. Gelegentliche Speisung; II. Speisung 
zu bestimmten Zeiten und Tagen. C. Das Trauer fasten. D. Wie die 
Toten essen. K. Uebergang der Gaben an Tote in Opfer für Tote. 

Der reiche Stoff bringt es mit sich, dass hin und wieder Dinge als 
Beweismaterial angeführt werden, über deren Rubrizierung man vielleicht 
anderer Ansicht sein könnte; auch dürfte sich der Satz, dass es kein Volk 
ohne Jenseitsglaube gebe, nach den Wedda- und Toalaforschungen der HH. 
Sarasin nicht mehr aufrecht erhalten lassen. Trotz alledem bedeutet die in- 
haltsreiche Arbeit eine grosse Bereicherung unserer Wissenschaft, und ich 
möchte es fast beklagen, dass sie nicht durch den Buchhandel einem grösseren 
Leserkreis zugänglich gemacht worden ist. £. Hoffinaun-Krayer. 

*) Der Schuh im Volksglauben. ZfVk. IV; Sondersprachen. Am 
Ubql-elI V; Zählen, messen, wägen. Ib. VI; Glockensagen und Glocken- 
aberglaube. ZfVk. VII. Vlll; üeber das Bauopfer. ZfEthn. XXX. 



i 



Bücheraozeigeu. — Comptes rendun. 



307 



Jos. B. Zürcher, St. Weadelinsbuch. Gebet- and Erbauungsbuch 
z. Verehrung d. hl. Wendelin für d. Landvolk. Menzingen, 
Et. Zug (Depot kath. Yolksschriften) 1903. Preis: 1 Fr. 

Anno 1901 waren 300 Jahre seit der Konsekration der Wendelins- 
kapelie auf dem Stalden bei Menzingen verflossen ; dies gab dem Verfasser 
des vorliegenden Büchleins den Anlass, Nachforschangen über diesen Volks- 




heiligen xat iSoj^i^u zu veranstalten. In Abschnitt II, p. 47—113, widmet 
er der Verehrung des hl. Wendelin in der Schweiz eine sorgfältige und ein- 
übende Erörterung; jeder, der weiss, wie viel Fleiss and Umsicht dazu 
gehört, um das Material über einen Heiligen zusammenzutragen, wird dem 
Verfasser för seine Arbeit Dank wissen. Auch die Verarbeitung des Mate- 
rials ist durchaus gediegen und getragen von Sachkenntnis. Für die Volks- 
kunde wäre es überaus wertvoll, wenn auch andere volkstümliche Kulto in 
ähnlicher, erschöpfender Weise geschildert würden. £. A. S. 

0. Ebermann, Blut- und Wundsegen in ihrer Entwicklung dar- 
gestellt. (Palaestra fid. XXIY). Berlin (Majer & Müller) 
1908. X + 147 8. 8^ Preis M. 4.80. 
Der Zweck dieser verdienstvollen Abhandlung ist die Klarlegiiu^ i\vr 

entwickluDgsgeschichtUcheo Verhältnisse einer bestimmten Gattung von 



308 Bücheranzeigen. — Comptes rendus. 

Segensformeln : der Blut- und Wundsegen. Dass nur die germanischen Land 
Rücksicht gefunden haben, hätte im Titel angedeutet werden, sollen :. 
diesem engem Bereiche aber verfügt R über ein gewaltiges Material. ') Da 
selbe hat er auf die typischen Formeln hin geprüft und nach diesen in b 
stimmte Gruppen eingeteilt, die er dann unter Beiziehung aller zugängliche 
Varianten entwicklungsgeschichtlich untersucht. Die einzelnen Gruppen sii 
unter folgenden Titeln untergebracht : Der zweite Merseburger Zaubersprue 
— Jordan-Segen. — Drei gute Brüder. — Longin us-Segen. — Sie quelh 
nicht. — Blut und Wasser. — Glückselige Wunde. — Sanguis mane in te. 
Adams Blut. — Der Blutsegen von den 3 Frauen. — Drei Blumen. — E 
Baum. — ' Der ungerechte Mann. - Scherzhafte Wundsegen. - Die beide 
Schlusskapitel enthalten allgemeinere Bemerkungen über Geschichte ur 
Prinzipien des Segensprechens. 

Künftige Forscher auf diesem Gebiete werden der fördernden Arbf 
E.'s nicht en traten können. £. Ü.-K. 

William Wells Newell, The Legend of the H0I7 Grail and tfa 
Perceval of Chrestien of TroyeB. Cambridge, Mass. (Seyei 
and Leipzig (Harrassowitz) 1903. 94 Seiten 8^. 

Die in den Jahrgängen 1897—1902 des Journal of American Foll 
Lore erschienenen Artikel tlber die Graal-Sage hat der Verfasser in vo 
liegender Schrift gesammelt. Die Arbeit behandelt in leicht fasslicher Da 
Stellung den Ursprung, die verschiedenen mittelalterlichen Verzweigungc 
und die Bedeutung der Sage. 

Die gut informierende Abhandlung wird jedem willkommen sein, d( 
sich über diese mysteriöse Legende Klarheit zu verschaffen" sucht. 

E. H.-K. 

Paul Drechsler , Sitte , Brauch und Yolksglaube in Schlesien. \ 
(Schlesiens volkstümliche Ueberlieferungen, hrg. v. Friedric 
Vogt Bd. II 1.) Leipzig (B. G. Teubner) 1903. XIV + 3J 
Seiten. 8^ Preis: M. 5.20. 

Nachdem Friedrich Vogt mit seinen „Weihnachtsspielen" (s. Archiv 
132) die Sonderpublikationen der Schlesischen Gesellschaft fUr Volkskun 
würdig eröffnet hat, folgt nun in gleich gediegener Behandlung und A~ 
stattung die zweite nach. 

Was uns Drechsler in vorliegen<lem Halbbande liefert, ist BraK 
und Glaube, wie er sich an den Kreislauf des Jahres und die Festzei^ 

') Weiteres (von ¥j. unbenutztes) Material findet sich bei: Schm- 
Saj^cn, Volksfi^laubo u. s. w. aus d. Baulande. Baden-Baden (Progr.) L - 
S. 18" ff.; MosKR, Kine Sammlun':: Odenwälder Se^en in : Zeitschr. f Kuk ' 
geschichte IV, 213 ; Dikhl, Aussagen der Protokolle d. hess. Kirchenvisita. ^ 
V. 1628 ebd. VIIl, 299 : Klkkijek(skr, Volkskundliches aus Fischbach i- 
Pfalz 1902, S. 49; Birlinükh, Aus Schwaben I, 441; Schitlknburo, WendL»< 
Volkswagen 1880, S. 217; Witzsihel, Sagen u. s. w. aus Thüringen lö' 
S. 295; i.fioi.F, Sagen u. s. w. Luzern 1862, S. 540 ff. 



/ 



Bücheranzeigen. — Comptes rendus. 30i> 

Wneraeito and den Lebenslauf des Einzelnen anderseits anknQpft. Ein zweiter 

HaibtMmd soll das häusliche Leben des Schlesiers darstellen. Nach dem, 

H-ita xuaB bis jetzt von dem Verfasser geboten worden ist, können wir der 

^aldi^en Vollendung des Werkes auf das Freudigste entgegensehen. Nicht 

mir ein reiches und fast durchweg bedeutendes Material tritt uns hier ent- 

ire^c^n, sondern wir gewinnen aus der ganzen Darstellung den Eindruck, 

<Jass Dr. wirklich am lebenden Volke geforscht und gelernt hat. Und das 

l»t nir uns bei dem Zusammenbruch aller Tradition die Hauptsache: heute 

UIUSI0 geborgen werden, was noch zu bergen ist; denn morgen schon ist oh 

vie'Uoicht zu spät. E. H.-K. 

Leo Reinisch, Die Somali-Sprache. III. Orammatik. Wien (Holder) 
1903. VIII + 126 Seiten. 4^ M. 10.40. 
Von dem in dieser Zeitschrift VI, 66 angezeigten Werke Beinischs 
*** n^inmehr auch der 3. Band erschienen. Da derselbe jedoch keine volks- 
k u 11 dlichen Gegenstände enthält, können wir hier auf eine nähere Besprech- 
»■^*C ^nicht eintreten. Wir gestatten uns nur, unsere Leser auf den nunmehrigen 
A.l>a^*|jly8g dieses in allen Teilen gleich vortrett'lichen Werkes aufmerksam 
zu -machen. E. H.-K. 

^^-^ F. 6. Stehler, Alp- und Weidewirtschaft. Ein Handbuch für 

Viehzüchter und Alpwirte. Mit 42 L Textabbildungen. Berlin 

(Paul Parey) 1903. XII + 471 S. 8^ 10 Mark. 

Die Bewirtschaftung der Alpen ist mit dem schweizerischen Volkstume 

'^^^ ^>»ige verknüpft, dass sie von dem Volksforscher unmöglich umgangen 

^^'***~*lpn kann. Nun verlangt aber dieses Gebiet nicht nur eine grosse Ver- 

^«^m^^eit mit dem täglichen Leben lier Aelpler und den äussert verwickelten 

rj^^^^^itsverhältnissen, sondern auch ausge<lehnte botanische und zoologische 

'^^^^''^»itnisse. Da man jedoch eine derartige Vielseitigkeit von keinem Volks- 

^*"'**<iher verlangen darf, so ist eine Publikation wie die vorliegende» als Weg- 

^^'^'^^ng durch das schwierige GelHnde von grossem Werte. 

Das Unternehmen, das wir hier unsern Lesern empfehlen möchten, 
*^*<"^- in den besten Händen. Dr. Stehler hat sich nicht nur durch seine rein 
*^ ^.wirtschaftlichen Arbeiten einen hervorragenden Namen gemacht, sondern 
^^^'^^^i durch verschiedene volkskundliche Schriften gezeigt, dass er unserm 
^•^^^Ivolke in all seinen LebensUusserungen ein reges Interesse und Ver- 
"'•■^^dnis entgegenbringt. Wir dürfen also aus seinem Werke auch fllr die 
/*^li8kunde einen reichen (gewinn erhoffen. Und dass uns diese Hoffnung 
^.^^^*t getäuscht hat, zeigt der Inhalt der bis jetzt erschienenen 6 Liefenuigen, 
**^ in Text und Abbildmigen zahlreiche volkskundliche Gegenstände auf- 

.. Unter den 22 Kapiteln vermissen wir freilich eines : die Aelpler- 

** »^üche, soweit sie ausserhalb der eigentlichen Bewirtsohiifrnng fallen. 
"**chon ja dieser (Gegenstand nicht in dem Begriffe ^Alp- und Weidewirt- 
^•ft* eingeschlossen ist, würde er doch dem Buche eine besondere Würze 
^^ ''liehen haben. Wir wollen jedoch dem Verfasser daraus keinen Vorwurf 
^*^^hen, da ihm vermudich ganz bestimmte Grenzen gesteckt worden sind. 
^**ffeD wir, dass er uns in einer spätem Arbeit einmal mit einer Schilderung 



310 Bttcheranzeigen. — Comptes rendus. 

der Sitten und Bräuche auf den Alpen beglücke. Einstweilen sind wir von 
Herzen dankbar für das, was er uns in diesem gediegenen Werke geboten 
hat. £. Hoffmann-Erayer. 

F. G. Stehler, Das Goms und die Gomser (Beilage zum Jahrb. 
des 8. A. C. Bd. XXXVHI) Zürich (Amberger) 1908. VIH 
+ 112 Seiten. Lex.-8. Preis 3 Fr. (für Mitglieder der 
Oesellschaft f. Volkskunde 2 Fr.). 

Das frisch geschriebene und vielseitig anregende Buch, das uns Stehler 
vor 2 Jahren geschenkt hat (^Ob den Heidenreben '^), hat mit Recht so grossen 
Anklang gefunden, dass der Verf sich zur Ausarbeitung einer zweiten Mono- 
graphie aus dem Wallis ermuntert sah : der vorliegenden Aber das Gombs. 
In Bezug auf Inhalt und Ausstattung steht diese Publikation vollständig autf~" 
der Höhe der ersten. Auch sie zeichnet sich wieder durch die selbe Le — 
bendigkeit der Darstellung, den gediegenen Inhalt und den Reichtum ar^ 
schönen Abbildungen aus. Man vennute in dem Buche nicht etwa nttchtern^^ 
historische oder landwirtschaftliche Daten: es schildert uns vielmehr da-^ 
heutige Land- und Aelplerleben des Gombsers, wobei besonders auch di^s 
volkskundliche Seite eingehende Berücksichtigung gefunden hat. 

Die Schriften Stehlers haben eine grosse Eigenschaft: sie lehren urü^ 
beobachten; und darum wäre es zu wünschen, dass jeder Schweizerwander«k= 
sieh mit ihnen vertraut machte. Wir können es bei der erschreckenden Z ^^ 
nähme rein turistischer Litteratur nicht genug wiederholen : weniger Selb^=== 
verheiTlichung turistischer Heldenthaten und mehr Beobachtung von Mens^ ^ 
und Natur! — Schon lange empfinden wir es als eipen Mangel, dass d^H 
8. A. C. nicht ein billiges illustriertes Vereinsblatt herausgiebt, wie etwa ^k^ 
„Blätter des Schwäbischen Albvereins** oder „Aus dem Schwarzwald (Or^^^ 
dos Württemb. Schw^arzwaldvereins), welches Schilderungen von Land l ^^ 
Leuten in der Schweiz brächte und unseres Krachtens ftlglich neben A^ ^ 
ernst-ehrwürdigen „Jahrbuch** bestehen könnte. 

Mit suveräner Verachtung pflegen wir heute auf unsere UrgrossvS^C 
herabzublicken, die für die wilde Gebirgswelt noch gar keinen Sinn hatfc.^^ 
flabei vergessen wir aber, welch grosse Verdienste die damalige Zeit * 

die Beisebeschreibung und die Sittenschilderung hatte. Allmählich scbfc^^- 
nun der Sinn fUr die Eigenart unseres Volkes wieder zu erwachen. MIZ 
beste Zeugnis liiefür ist die freundliche Aufnahme der Stebler'schen Schrick-« 
Möchten diese eifrige Nachahmer finden ! E. Hoffmann-Kray eir* - 

G. Fient, Das St. Antöniertal. Chur (Chr. Meisser) 1904 

24 8. 8^ — 

Vorliegendes reich illustriertes Schriftchen stammt aus der Feder ^^^ 
ersten Kenners des Prättigau und der umliegenden Täler. Obschon es ^"^ 
nächst als rasch informierender Touristen- und Kurführer gedacht ist, ^**^ 
hält es doch auch einige volkskundliche Notizen, vor allem eine anzieher^^ 
Beschreibung der Landsgemeinde von Luzein. Ob die vortr^ •^ 
liehe, aber leider schwer zugängliche Monographie Prof. Schröters benim*^ 
worden ist, kann ich nicht konstatieren. E. H.-K. 



BflcheranzeigeD. — Gomptes rendus. 311 

EL A. StBckelberg, Die Sohweizerisohen Heiligen des Mittelalters. 
Ein Hand- und Naohsohlagebnch für Forscher, Künstler 
und Laien. Mit 87 Text-Abbildungen, 1 Karte und 1 Licht- 
dmoktafel. Zürich (Fritz Amberger) 1903. XYI + 150 S. 
S\ Preis: geb. Fr. 10.— (Mk. 8.—), br. Fr. 8. — 
(Mk. 6. 40). — 

Die hagiologischen Arbeiten St.'s nehmen deu gedeihlichsten Fortgang. 

Mit ton in den Vorbereitungen zur Drucklegung eines zweiten Bandes der 

Reliqiiiengeschichte hat der Verfasser Zeit gefunden, vorliegende, jedem 

Volk. eiforscher' höchst willkommene Schrift auszuarbeiten. Was er uns hier 

bietest, ist (nach einer allgemeinen Einleitung über die Kulte überhaupt, die 

Bil<]eiT und Attribute) die Lebensgeschichte, die Entwicklung des Kults und 

^1^ bildliche Darstellung derjenigen Heiligen, die in der Schweiz eine Grab- 

»tütte gefunden haben, also nicht sHmtiicher Heiligen, die in unserem Lande 

v*^reliirt werden. Wir hoffen aber, dass nach Erledigung dieses wichtigsten 

B^ftt^cudteils des einheimischen Heiligenkults auch die übrigen, importierten 

Kul te? mit EinschluBS der Ikonographie von dem Verfasser behandelt werden 

"»Öc^l:^ten. Erst auf dieser Grundlage ist es dann weiterhhi möglich, eine 

'wias^außchaftlich zuverlässige Darstellung der Heiligen im Volksleben 

anfÄKibauen. 

Diese letztere Aufgabe halte ich für eine der schönsten und lohnend- 
^terM. 4ier gesamten Volkskunde ; denn nur durch ihre Lösung vermag endlich 
wc^^-f in die bis anhin so verworrenen Anschauungen über die „Mythologie" 
ona-^^jer Vorfahren zu fallen. Wie mancher anscheinend „heidnische" Glaube 
*^^^^* Brauch würde dadurch plötzlich in ein christliches Licht gerückt! 

Die Anlage des Stückelberg*schen Buches ist vortrefdich. Mit strenger 
WisSA^eDschaftlichkeit (Quellenstudium, sorgfältig benützte Litteratur) verbindet 
^^ ^^raktische Handlichkeit (Alphabethische Anordnung der einzelnen Heiligen, 
^•"^^^en- und Ortsregister, Kultkarte). Aber auch für die Ausstattung haben 
^^'^^fasser und Verleger weder Mühe noch Kosten gescheut: die Abbildungen 
**^^1 durchweg klar und plastisch schön, Druck und Papier tadellos. 

Wie mit der Reliquiengeschichte, so wird auch mit diesem Buche 
w^-'s jede künftige hagiologische Arbeit der Schweiz rechnen müssen. 

E. H.-K. 

Das Bauernhaus im Deutschen Reiche. Hgb. vom Ver- 
bände Deutscher Architekten und Ingenieur-Vereine. Lief. 8. 
Dresden (Eühtmann) 1903. 
Vorliegende Liefenmg des unsern Lesern schon mehrfach empfohlenen 
Prachtwerks enthält wiederum 12 Tafeln, von denen 4 auf Bayern (Allgäu, 
Oberbayem, Oberfranken, Oberpfalz), 3 auf Schleswig-Holstein (Süder- und 
Norder- Dithmarschen, Insel Fehmahrn), je 2 auf Brandenburg und Ostpreussen 
und 1 auf Braunschweig entfallen. Auch hier wieder ist die Reichhaltigkeit 
der Blätter, die neben den Grundrissen, Durchschnitten und Ansichten auch 
maDches interessante Detail enthalten, rühmend lu^rvorzuheben. Hie und da 
vennisseD wir freilich die mundartliche Bezeichnung der Räume und stellen- 
weise auch die nähere Beschreibung des Dachstockgrundrisses. Bei dem 
Neakennither Hause bleibt man im Unklaren, ob noch weitere vom Wohn- 



312 Bücheranzeigen. — Comptes rendus. 

haus abgetrennte Wirtschaftsgebäude dazugehören. Endlich sollte man ni« 
unterlassen, die Lage eines Hauses zur Strasse anzuführen. 

Im Uebrigen reiht sich diese Lieferung wQrdig den vorausgehenden an 
Allgemeine hausgeschichtliche Betrachtungen werden wir erst nacl 
Abschluss des gans^en Werkes, einschliesslich des erklärenden Textes, an 
stellen können. E. H.-K. 

W. H. Riehl, WaDderbuch. 4. Aufl. Stuttgart u. Berlin (Cotta] 

1903. 8^ Vni + 402 Seiten. Preis: M. 5.—. 

Vorliegende Reise- und Riüturschilderungen deutscher Gaue bildet 
den vierten Band der „Naturgeschichte des Volkes als Grundlage eine 
deutschen Sozialpolitik*^, sind aber inhaltlich durchaus selbständig. Auf di< 
Vielgestaltigkeit des Inhalts und die überall anregenden Beobaehtungei 
braucht man bei einem Manne wie Riehl, der ja einen merkwürdig scharfei 
Blick für alles Charakteristische besass, nicht eigens aufinerksam zu machen 
Hingewiesen sei hier nur auf den reichen volkskundlichen Stoff mu 
die mannigfachen nützlichen Anweisungen zum Sammeln eines solchen, di* 
sich in dem schönen Buche finden. E. Hoffmann-Krayer. 

D. Gempeler-Schletti, Heimatkunde des Simmentais. Mit 87 lUu 
strationen und einer Karte des Simmentais. Bern (A. Francke 

1904. 503 Seiten 8^ Preis: br. Fr. 6.—, geb. Fr. 7.50. 

Der den schweizerischen Volksforschern als Sagensammler des Simmen 
tals längst bekannte Verfasser hat in vorliegendem trefflichen Werke sein« 
Studien auf die gesamte Heimatkunde des Simmentais ausgedehnt. Wir be 
grüssen es immer mit besonderer Freude, wenn derartige Monographien voi 
Männeni bearbeitet werden, die schon mit einer gewissen volkskundlichei 
Schulung an ihren Gegenstand herantreten ; denn weit wichtiger als die Orts 
geschieh te (deren Dokumente ja zumeist gesichert sind), ist die Darstelluni 
des von Jahr zu Jahr sich ausgleichenden Volkstums. G. hat diesem letz 
tem einen erfreulich grossen Raum gegönnt, ohne deswegen die übrigei 
heimatkundlichen Gebiete • wie Topographie, Flora, Fauna, Greschichte, In 
dustrie u. s. w. zu vernachlässigen. 

Von speziell volkstümlichen Stoffen heben wir hervor : Bauart de 
Häuser, Haussprüche, Volksschlag, Frauentracht, Volks 
Charakter, Mundart, Sprichwörter, sprichwörtliche Kedensarten 
Sagen (Auswahl aus den bereits veröffentlichten Sammlungen des Ver 
fassers), Aberglauben (besonders reichhaltig; doch vermissen wir die Er 
wähnung von Zahlers Abhandlung [s. Archiv H, 310]), Volkssitten un< 
Gebräuehe (etwas zu wenig ausgebaut), Volkssprüche. Eine reich» 
Auslese, für die wir dem Verfasser Dank wissen. 

Möchte durch diese schönen Schilderungen das Interesse an der Volks 
künde auch in weitern Kreisen geweckt werden ! Die Mitarbeit gerade de 
Lehrerschaft ist für unsere Bestrebungen unentbehrlich. 

E. Hoffmann-Krayer. 



f 



313 



Kleine Chronik. — Chronique. 

Die GemeiDdchroniken des Kantons Zürich und die Volks- 
ki& Ddp. In einigen Feuilletons der «Neuen Zürcher-Zeitung» hat Prof. Emil 
E^li die ersten Resultate des vor zwei Jahren erlassenen Aufrufs (s. Ar- 
chi-^r VI, 223) zusammengestellt. Die Ausbeute ist wie vorauszusehen war, 
aa^li für die Volkskunde eine reiche und mannigfaltige. Von volkskundliclien 
<^e»^engtänden haben wir uns gemerkt: Bauernregel, landwirtschaftliche 
(Gepflogenheiten, Sprichwörter. Volkslieder, mundartliche Spezialausdrücke, 

Sitten und Bräuche, Spiele, Aberglauben, Tracht, Sagen, IlaussprUchts 

Bauemieben überhaupt. Eine reiche Blumen- und Ährenlese! 

Möchte das schöne Unternehmen auch weiterhin gedeihen und FrUchto 

tragen; möchte es aber auch in andern Gauen der Schweiz Nachahmung 

liiulen ! 

Volkskunde der Umgebung Frankfurts. Das sUidtische 

iiistorische Museum hat in den Schaükiisten im oberen Gange des Lein- 

^Änclhauses eine neue Ausstellung von Einzelblilttern veranstaltet , mit 

<ier Absicht, die Landes- und Volkskunde der Umgebung Frank- 

^J^rt» zu fordeni. Eine stattliche Reihe von Abbildungen hessischer 

* ^Ik st rächten, sowie von Orts- und Landschaftsbihlern der Umgegend 

^^ zur Auslage gebracht. Die hessischen Lande sind in dem Aufgeben 

^"^ Volkstrachten nicht so schnell vorgegangen wie viele andere deutsche 

'^^g'enden, es ist daher hier noch möglich, eine ziemlich lückenlose Samm- 

^^^^ zusammenzubringen. Das Direktorium des Museums hat die Reihe 

(Kölner Originaltraehtenstücke dadurch vervollständigt, das» es eine stattliche 

. '•^äIiI von Trachten in genügender Grösse nach dem Leben aufnehmen 

1^*^**. Der Kunstmaler Rudolf Koch hat sich dieser Aufgabe mit vielem 

^^**<ihick unterzogen. Eine Anzahl von Landschaftsbildern aus unserer 

l^^hei^p,, imil weiteren Umgebung erinnern den Beschauer an die Harmonie, 

'•^ Uer die Bauerntrachten koloristisch zu der umgebenden Landschaft zu 

'•^<*ht>n pflegen. 

Volkskunde-Museen. In einer „Museen und Sammlungen" (Berlin 

^^^j betitelten Schrift redet Rob. Mielke der Schaffung von Museen, dit^ 

^'^ Heimat- und Volkskunde gewidmet sind, das Wort. Es konstatiert, dass 

**'it8ehland bereits 91 öffentliche uncl private Anstalten dieser Art besitzt. 

„Volks-Ueberlieferungen" und Bauernmuseum in Mecklen- 

^^^'IJC. Herr R. Wossidlo schreibt uns, dass das Manuskript des 3. Bandes 

^**iuer yMeckl. Volksüberlieferungen **, enthaltend Teil I der Kinder r e i m t* 

^ ^ie Redaktions-Kommission abgegangen sei und dass das im Jahn» 1900 

*^^SiÜndete Bauernmuseum heute iJSOö Nummern zähle. 



i 



314 



Maler Ernst Sfückelberg. f 

1831-1903. 

Mit dem grossen Schöpfer der Fresken in der Telia* 
kapeile ist ein Mann von uns geschieden, der auch in unserer 
Zeitschrift verdient, ehrend erwähnt zu werden ; denn nicht 
nur seine bekannten fertigen Bilder oder die Studien sn seinen 
Teilfresken, sondern noch viel mehr seine Skizzenbttcher und 
Sammlungen haben gezeigt, welch' reges Interesse der Ver- 
storbene dem Volksleben entgegengebracht hat. Gbtns besonders 
waren es die religiösen Volksfeste, auf die er immer wieder 
seine Aufmerksamkeit lenkte. Jedermann kennt seine herrliche 
„Prozession im Sabinergebirge^ im Museum zu Basel. Was 
an diesem Bilde neben dem rein Künstlerischen so auff&llt, 
ist die absolute Treue im Kostüm, und zwar verstehen wir 
hier unter „Kostüm^ nicht nur die Trachten des Volkes and 
der Prozessionsbeteiligten, sondern auch alle dabei zur Ver- 
wendung kommenden Geräte, Kirchen fahnen, Rauchfässer, Gebet- 
bücher U.S.W., U.S.W. Zu air diesen einzelnen Gegenständen 
existieren sowol erste Vorstudien in den Skizzenbüchem als 
auch mehr oder weniger ausgeführte Oelstudien. Zumeist frei- 
lich sind diese kirchlichen Festszenen dem italienischen 
Volksleben entnommen; manches andere aber wurzelt auch in 
unsern, oder wenigstens benachbarten Landen. So z.B. eine Kinds- 
taufe vor der Kirche, die, den Trachten nach, in der Gegend 
von Säckingen sich abgespielt haben muss ; ferner ein Schwing- 
fest auf der Bälisalp bei Spiez, eine grössere Anzahl von 
Haustypen aus dem Kt. Tessin (besonders Maggiatal), Studien 
zu- Säumung und Bepackung von Lasttieren u. A. mehr, der 
Trachten- und Volkstypenstudien für die Tellskapelle gar nicht 
zu vergessen. — Daneben ruhen in Kästen und Schränken 
zahllose Trachten- und Kostümstücke, teilweise aus frühem 
Jahrhunderten und von hohem historischem und materiellem 
Werte. 

Stückelberg's künstlerisches Schaffen lässt uns erkennen, 
welch' bedeutende Rolle das Volksleben in seiner Kunst gO' 
spielt hat. Möchten sich Andere an ihm ein Beispiel nehmen 
denn ein unversiegbarer Uuell von Poesie und warmem Lebe 
entsprudelt dem heimatlichen Boden. 

K. H.-K. 



Aal (77 XIV 15 */ 
J^berglaabe (72 IIL 4) 
abstreifen von Krank- 
heiten 66 
^dleijagd (75 XI 9) 
Advent (B. Bochseln, Um- 

zOKe) 150 
^AgiSie, hl. 183 
..AliDtwein 12b A. 
^amJlouälea 161 
^^^IpeosinD (75 XI 8) 
^tf^^lpdrack (8. a. Doggeli) 

(77). 140 «»^ 141»" 
.^^IpHhrt 214 
.jALiphon 65 
JL Ipler 42 ff. (74 X 7 ff.; 

X^l 8). 210 ff. 
-A. Ijpsegen (77 XIV 22). 216 
.A^lp^irtBcbaft 36. (72 III 

3>- (74). 210 ff. (809) 
.A.lui.r 170 
A.nD^i8en 41t 
^xnulet 17. 50. 62. (77 XIV 

2a b). 138»» w 
A.n<ljrea8tag 122 
An^lcdoten i. Schwanke 
A^ncbropologie (72 III 4) 
A.nxtfblreim 274 
A.p€c^l 132^ 189 
ApV^^Iraarr 119 
Ai>oIlinari8, hl. 162 
A.pvnl8cherze 145. 282 
Art^, Tante 173 
A.rt«i 12 

AnolHuatachatzen 146 
^^•••oM, /. L. 295 ff. 
-^^^enleiden 138»« 
»^»Weihen 196. 197 
^^»pirien 189. 194. 197 

^*ckende Dämonen 174. 

g*nn (Kirchenvont) 7. 18 
S^ubräache 158 
g*HenibiBchof 121 
^uernbaus (68). (811) 
***«iernregel (s.a. Wetter- 
regel) (72 III 4). (76) 
U*^ itf. iK». ut. 303 

^«omkult 171. 184 fg. 
^mamwinden 140"» 
«»ri 119 

»««Tilbnii (8. auch Tote) 
172 III 3). (74). 139 »«* 
^140««». 144 
BehexiiDg 140"* 
»•«», linkes 135^ 
^bteotag 124 



Register. 

Beschäftigung (72 III 4) 
Besteck 139" 
Betteln s. Tm singen 
Biene (77 XIV 16) 
Bilderschriften (70) 
Bischofswahl, panKÜerte 

119 ff 201 ff. 
Bittgang (s. auch Kreuz- 
gang, Prozession) (75 XI 

11. 12) 
blau (77 XIV 15») 
Blitz (77) 
Blumenorakel h. Orakel : 

Blumen 
Blut (77). 132'. 139»^ 
Blutfest (75 XI 12* ) 
Blutsegen 47. 48. 52 
Bochseln 104. 109 ff. 112. 

116 
Bolte, J. 66 
Bonaparte 58 
Brandwunde 139 »2 
Branntwein 152 
Brot 163 A. 3, Abergl. 

133" 
BrQcke (s. auch Kette 

beissen) (72 III 3) 
Bruderschaft (75) 
Brumae 187. 195 
Brunnen suchen 10 
Brunner, K. (165) 
Bubenstacke 115 
Bundü G. 165 
Butter: Abergl. 134 3* 
Butzi laufen 152 

Char- 8. Kar- 
Chiromantie 136" «' 
Christkind 151 
Columba, hl. 179 

Dachtraufe 139 '^ •»' 
Dame blanche 176 
Dämonen (s. auch Doggeli) 

183. 185, weibl. 172. 173 
danken 132 <<^ 
Daucourt, ^.169 ff. 
De Cock (168) 
Dieb 47 
Diebszauber 11. 12. 14. 51 

(2 mal). 53 
Dienstag 24 
Dinkel (74 X 5i 
Doggeli (8. auch Alpdruck) 

(77 XIV 12). 133 w 

142 «" 
Donnerstag 24. 111. 113. 

114 



Drechsler, P. (308) 
drei s. Zahl 

drei höchste Namen 139 
92- 9» ]4i 122 

Dreikönige 157 
Durrer, R. 66 
Duses 185 
Üüsseli 119 

Eber 172 

Ebermann, 0. (307) 

Ehe s. Orakel 

Ehrenstrafen s. Laster- 
stecken, aufgehobener 
Stab 

Ei: Abergl. 135 ♦« 

Eibe 15b 

Eiche 184 fg. 

Eierweggen 124 A. 54 

Eindrücke in Steinen 180 

Einhorn (77 XIV 15) 

Einreden 150. 155 

Einschlachten 106. 222 

Eisen riege 182 

Engel 137*9 

Epiphanias 102 

Erbsen werfen 114 

Emt(*mahl 155 

Ermordete (vgl. Hinge- 
richtete) 62 

Esche 50 

Esel 151 

Eselsharn (77 XIV 16*) 

Esi'lsmilz 47 

Essen: Abergl. 133 2" 
134 ♦» 

Eule 50. 139 »•*. 141 «^ 

^illes 161 

Farben s. d. einzelnen 

Farfter. A. 61 

Farm 61 

Fastnacht(75).152ffl61fg. 
179. 295 ff., alte F. 154 

Fastnachtspiele 152 fg. 

„fest" macnen 51. 62 

Feste, kirchl. s. kirchl. 
Bräuche 

Festum Iiinocentium, Stul- 
torum 120 ff. 201 ff. 

Feuer: Älpler 217, Fast- 
nacht 161. 172. 179 

Feuersbrunst s. Orakel 

Feuerspritzen fest (75) 

Fient, G. (310) 

Fille de Mai (77 XIV 13) 

Finger 135 ^\ 136 " 

Fingernägel (77). 133 »« 



316 



Kegister. 



Finkenhofer, E. 269 ff. 
Fledei-maus 50. 51 
Fluch (79) 

rrurnamen (72 1114). (79) 
Focke. J. 36 ff. 
fouita 183 fg. 
Frau, alte 135 ^^ 
Freikngeln s. Treffzauber 
Freitag 24. 139»* 
Froniund, hl. 170. 171. 

Tafel 
Fronfastenkind 10. 20 
Fronleichnam 158 
Frosch 8. Laubfrosch 
Fruchtbarkeitssvmbol 128. 

161. 162. 189 
FrühliDgsbräuche 161 
Furrery P. 56 ff. 

Galrei 122 ff. 

GänsefÜsse 174 

Gebäck (s. a. Neujahr) 61. 
(73). 180 

Gebet (72 III 4). Älpler 
215. 216.302, b. Schatz- 
graben 16 

Geburt fs. a. Kinderglau- 
ben) 143 

Geburtsbaum 185 

Geburtstag J4) 

Gegenzauber (77). 140 "« 

141. '21- 126 142. »28 158 

Geister s. Gespenster 
Geld 8. Orakel : Reichtum 
Geldstück 47. 132 i^- »« 

138 8b 

GcMueindechroniken (71 II 

2). (313) 
Gempeler-Schletti (312) 
Gerate (71 III 3) 
Geniian, hl. 173 
Geschenke im Advent 150, 

nn Fastnacht 161, an 

Weihnacht und Neujahr 

111. 187. 190. 191. 197 
Geschlechterverkehr (s. a. 

Kiltgang, Liebschaft) 

148 i^. 15.>. 156 
Gespenster 11. 13 (3 mal). 

14. 15. 140. "'> 141 '«8. 

119. 120. 122 142. ^'*d 

Gestirnglaube 15 

Gewitter 139 a«-^» 

G feiler, S. 50 ff. 

Giritzenraoos 295 ff. 

Glas : Abergl. 140 »**', z. 
Diebzauber 14, z. Schatz- 
tinden 13. 14 fg., 19. 20. 21 

gleichzeitiges Wort 1332^- 
136 ^« 



I Gletscherbeschwörung 165 
Glockeninschriften (79. XV 

31. 32) 
Glockenschellenmann 1 19 
Glockensprache 272 
Glück 8. Orakel 
Glucksen 137 '^- '» 
Glücksrad 66 
GlungelM19 
„Goldene Laus" 61 
Gräberpflege 144 
Grabin8chrift:en (79 XV 30) 
Gral (308) 
„Gred, Arme«* 66 
Gregorstag 122 
Grob. Heinr. 29 ff. 
Grünes 108. 130. 193 
Gurri 119 

Haar 134. »« 142 »»2 »33. m 

Haarnadeln 135 "' 

Hnfliger 270 

Hahn (s. auch Henne. Huhn) 
51 

Hairodes 185 

Hakennase 119 

Hau, Balth. 29 ff. 

Hanf (74 XI 3a). 155 

Harn 49 

Hasel 21. 46. 154 

Hasen blut 52 

Hasenhirn 49 

Haus (71 III 3). (72). 212 

Hausindustrie (s. a. Be- 
schäftigung) (74) 

Hausinschriften (s. a. In- 
schriften) 53 ff. 

Hausmarken 36 ff. 39. 
(72 HI 4) 

Hauswurz 61 

Hechelgamppele 119 

Heidenhäuser (77) 

Heiligenverehrung (72 III 
3). (77). 162 (311) 

Heischelieder: Mittfasten 
307,Neujahr59.107.126, 
Wur8tlied(7811»).104ff. 

„heisser Stein" 18 

Heizgeld 125 A. 

Heiuie ^8. a. Huhn) 52 

Heraldik 73 

Herodias s. Hairodes 

Heerkuh 218 

Herrmesserin 218 

Heu 214 

Hexen (s. a. Behexung, 
Gegenzauber) (76). 141 

125- 12b 

Hexenmeister 169 
Himer, hl. 170 



Himmelsbrief (77) 

Hingerichtete (s. a. Er- 
mordete) 47 

Hirschmaske 117 fg. 119 A. 
188 ff 

Hirsjagen 119 A. . 

Hirtenleben 210 fg. 

Hochzeit (72 III 4). (74), 
Tag 24, Abergl. (s. a. 
Orakel: Ehe) 132 »»— »*^ 
133. 20 134. •' 140. »•»• "• 
292 

Hoffmann-Krayer E. l tT: 
58. 63. 66. 71 ff. 102 ff. 
187 ff. 315. res. 69. 70. 
165. 167. 168. 224. 306. 
308-12) 

Höhenkult 181 

Höhlen 178. 179. 185 

„hübsche" Frauen 124 

Huhn (8. a. Hahn, Henne) 
140»" 

Hühneraugen 139»* 

Hund 134.*« 141«», schwar- 
zer 2.141. "»^ 177, weis- 
ser 12 

„Hütten" 213 

Hj-pokras 125 A. 

Jagd (71 III 3). (75), 

Abergl. 135 ♦» 
Jäger, wilder 172. 177 
Januarskalenden 103. 130. 

187 ff. 
Jean des Cotes 169 
JeanjaqueL J. 65 
Jenner, J. 46 
Jenny, G. 62 ff. 298 ff. 
Imesch, D. 163 ff. 
Industrie (s.Beschäftignng, 

Hausindustrie) 
Inschriften (s. a. Hausio- 

8chr.) (71 III 2. 3j. (79) 
Johannes d. T. (Tag) 49 
Johannesevangelium 7. 12. 

16. 18. 216 
John, A. (167) 
irreftlhren 61 
Irrlicht 184 

J«Äew,>l. 59.60. 163. 802fg. 
junge Person 136** 
Jungfern, alte 295 ff. 

Kaindl (167) 
Kaminfeger 132. *» 133 *» 
Kapuziner 19 
Karfreitag 137 '« 
KarHamstag 157. 158 
Kartenspiel (76) 
Karwoche 145 
Kastanien 138^ 



Kegistor. 



317 



rz 51 

isik (s. a. Länn- 

;) 115. lül 

r5 XII 1) 

I. a. Lichter) 158 

z. Fr. 305 

ssen 61. 305 

24. 149. 287 

prgl. 131 »-^ 135 

17. 6S 138 88 

chof 119 ff. 
luben (77). 143 
1er (8. a. Keime) 

(70). (72 III 4). 
)9 ff. 

igkeit 161 
el 25 fg. (168) 
il «.Orakel: Kdz. 
?(75) 

iiache (s. a. Hei- 
rehrg. (75) 
1 155 

Hchwarze 135 *® 
rblittt. 132 8 
;r, C. (70) 

n\ 134 «9 

\. Bochseln 
Hnacht 111 
schof 8. Bischofö- 

haften(75vl47ff. 
6 

146 

a.Doggeli)67.183 
18 Friedhofskreu- 

Advent 119. 122 

29 

74 X 5i 

;(79) 

fei) (8. a. Volkg- 

ij abstreifen 173. 

men 13b''', ver- 

137'», übertragen 

'■®'*,weg8chwem- 

d -waschen 137 •'' 



tsnamen s. Volks- ' 



Irankh. u. Tier; 

fl III 3j, Abergl. 

♦2 137 -« 

l?e 272 

C 52. 135 *3 

»-« 

fXIV 16). 138.^' 

A. 42 ff. 46 ff 



I Küchlimaien 154 
, KUchlisonntag 154 

■ Kugel z. Sehatztinden 10 

I 

Laienbischof 119 ff. 
Lampe (73) 

Lamfsgemeinde (76). 310 
Landwirtschaft (74 X. XI) 
Lärmumziige 103ff. 116 A. 

130. 189. 190. 196. 198. 

199. 200 
Lasterstecken 21. 22 
Laubfrosch 46 
Laus 135 ". 140 "^ 
.Ledige" 147 ff. 150 
Legende 170. 171. 173. 

180 ff. 298 ff 
Leiden Maria, ftlnf 298 ff. 
leihen 196 
Leintuch 139 »« 
Leseholz 221 
Lichter b. Schattheben 11 

fg., im Abergl. 135 ^^ 
Lichterscheinungen 14 
Lichtmess 158 
LichtHtubeten 155 
Liebeszauber 51 (3 mal). 

132' 
Liebschaft (s. a. Geschlech- 
terverkehr) (74) 
Linde 184 
linke Seite 132. « 134. »» 

135. ♦♦136. ♦^137.'* 138.»» 

142. ««> 165 
Lorenz, hl. 48. 162 
Losholz 220 ff. 

nühWr (72 III 3). (75 XI 
18). 122 ff 129. 155.187. 
i89-U>l. 196 fg. 199.204 

Mahlzeiten 210 

Mai (75). 175 fg. 

Maiensässe 211 ff. 

Maitau 138 ^' 

Miirchen (72 III 4\ i78) j 

Maria Himmelfahrt 217 

Martin, hl. 162 

Martinstag (76 XHI 5). 121 

Masken : im Advent u. an 
Neujahr 104. 116 ff., 121. 
187 ff., an Fastn. 152, 
an Silvester 119 A. 

Matronales 187 

Maulwurf 47 

Maus 137 -2 139 »^5 

Messe, parod. 120 

Mesj*erl32. »*^ 139. 5^40 «♦♦ 

Milchmessen 215 

Milchrechnungen 36 ff. 

Milchwirtschaft 36 ff. (74) 



Minorat 39 

Mistelzweig 174. 175. 184 
Mitleid 141 >»' 
MiUfasten 305 
Mittwoch 24 
Möbeln (71 III 3) 
Mond 47. 62. 138. " 142 
129. 13V 187 igg 194 200 

Montag 24 
Mörder 47 
Mosis, Bacher 2 
Most, Wolff 160 
Müller 25 

MUnze s. üeldstück 
Musik (79». 109 A. 145 
Musikinstrumente 145. 150. 
210 

Nachtbuben 115. 150 

Nachtwächter (75) 

Nadel 132 »^ 

Nägel 8. Fingernägel 

Nahrung (72 ül 3. 4). (73) 

Namen (s. a. Orts- u. Flur- 
namen^ «721113. 4). (224) 

Namengebung 131 ^ 

Namenstag (74) 

Napoleon 58 

Narr 125 A. 

Narrenbischoff 119 ff. 

Nase 133. '» 134*» 

Neptun 67 

Neujahr (75). 102 ff. 148. 
151 fg. 187 ff., Abergl. 
128. 136 « Gebäck 107. 
124 A. 126, Geschenke 
123 ff. 126 ff. 130. 152, 
Getränke 152, Glück- 
wünsche 107. 130. 148. 

151. 152, Karten 148. 

152, Mähler 122 ff. 130, 
Masken 116 ff., Medaillen 
lOi) 

Neujahrswünsche59.1()7ff. 

l;^0 
Newell, W. W. (308) 
Nikiaus, St. 122. 126. 150 fg. 

•ii04. 207. 276 
Nussblätter 139 '^^ 
Nuton 67 

Ochsengalle 49 

Ohrenläuten 136 ^^- ** 

Omen s. Orakel 

Omlin,J. A. 42 A. 

Opfer 17, an Dämonen 174, 
ato Donnergott 139 »" »% 
an Tote(JaTirzeitmähler) 
(72 HI 3), an wilden 
Jäger 172. 185 



318 



Register, 



Orakel (s. auch Hochzeit) 
Abzählen (s. a. Blumen) 
136 w Alter (s. a. Tod) 
136«', Besuch 133« 
Blumen 126 =^««6, Brief 
133 ", Denken an Jmd. 
135". 136«», Ehe 132 
'•» »* 1332«134*<'- **-37 

135 WM Erfolg 134. w 
135**. 136 61 Feuere- 
brunst 134 ^, Freudiges 
133 »8, Freundschaft 132. 
««. 135*9, Fund 133 «*. 
134« Geschenk 133"« 
gleichzeitiges Wort 1 33**. 

136 ^^ Glück u. Segen 
108. 132 »^ 133 2^ 134 
w»«, Grashalme 133", 
graues Haar 134 '^ Hand 
S.Chiromantie, Kinder- 
zahl 136 6i- w Krankheit 
134.3«! 35*», Laune 135 
*♦, Liebe 132. «• »• »» 184. 

33. S5 135 55-57 136 59^ 

Koichtum 135", Selig- 
keit 140 »«», Streit 134 
*2. 135*», Tod 61. 131. 
* »♦ 134. ♦" 135 ^. 13«. 
100-112 165^ Traum 135 
♦6-51^ Wetter (s. auch 
Wetterregel) 133", Wie- 
derholung l37*5,Wunsch- 
erfüllung 133 »«-«^ 

Ortsnamen i72III4). (79) 

Ortsneckereien 26. (79). 88. 
90. 91. 271 flf. 286. 287. 
291 

Ostern (75) 

Othmarstag 50 



Palmsonntag (75). 158 
Passfonsgcbet 302 
Paten 74). 143. 152 
Polagius, hl. 162 
lellandini, V. 23 flf. 300 if . 
Pore Challande 119 
Pest 114 A. 
Petrus 53. 162 
Pfarrer, kath. 134 « 
Pfeifen 145 

Pferd 132 ^ 133 >«. 139 ^^^ 
PferdtMuist 2. 6 
Pfingsten (75) 
Pflanzen (77) 
Pierre A Nitou 67 
plattlen 146 
Popanz 173 
Posterli 119 
Predigt (77) 



Prozession (s. a. Bittgang) 

272 304 
Psalm, 91ter: 2. 5. 7. 18 

Quacksalber 138 ^^ 
Quellenkult 171. 175. 179 

Raben 139 «»*. 140 »•• 

Rabenherz 50 

Rahm 154 

Rätsel 60. (71 HI 2). (72 

m 4). (79) 
Rauten 19 
rechte Seite 134 ". 136 •♦. 

142 »" 
Rechtsaltertümer (76) 
Regenwurm 47. 49. (77 

XIV 16) 
Reime (s. a. Heischelieder, 

Kinderiieder) 23 ff. 63. 

72 m 4). (78). (79). 149. 

161. 269 ff. 
Reinhard, M. 131 ff. 
Reinisch, L. (309) 
Reliquien 181 
Remigius, hl. 162 
Reuschel, K. (69) 
Rezepte (s. a. Zaubermittel) 

46 ff 
Rheumatismus 138 e*- «173 
Riehl, W. H. (168). (312) 
Ringholz, (225) 
Ringschlagen 147 
Ritter, E. 165 
Rosenkranzsonntag 211 
Rossat, A. 81 ff. 241 ff. 
Rotlauf 138«'« 
rückwärts 137". 184 
Ruf (79) 

Sage 63. (72 IE 3. 4). (78). 

170 ff. 272 
Salz 12, S. segnen 157 
Sakramentalien 158 
Samstag 24. 134 " 135*' 
Sarazenen (71 HI 3). 186 
Sargnägel 49 
Sartori, P. (306) 
Saturnalien 129 ff. 187 ff. 
Schabziger 218 ff. 
Schaf: Abergl. 134" 
Schaer, A. 29 ff . 159 fg. 
Schatzgraben 1 ff. 170. 

176 fg. 
Scheere 132'* 
Scheit 132 »• 
Schellen 211 
SchieB»zauber s. Trefft. 
Schiff (72) 
Schimmel 132 '. 133" 



Schlange 176 
Schlangenkopf 51. 52 
Schlangenzunge 51 
Schlittenruf (79 XVlü 2) 
Bchlittlen 144 
Schlucksen 137'»" 
Scbmutzli 119 
Schnabelgeisa 119 
Schnaderhttpfel (69) 
Schnecke 47. (77 XIV lfc=^ 

137" 
Schnitzelbank 292 
SchöpfuDgssage 273 
Schuh 142 >w 
Schuhband 135»^ 
Schutz s. Gewitter, Oeg^-^ 

Zauber 
Schützenausreden 29 ff. 
Schützenwesen (75). 1 

160 

Schwalbe 139*«» 
Schwalbennest (77 XIV TSGj 
Schwalbenzunge 51 
Schwank 47 A. (72 III^ 3). 

(79.. 300 ff. 
Schweiss 139 «« 
Schweisstuch 140"* 
Schwelle 141 «« 
Seelen (s. a. Gespen 

l42 >»«• •" 
Segen 47. 48 (2 mal^ ^ 

52 (3 mal). 63. {^ 

133 ". 137 «. (307> 
Seitenstechen 137 '• 
Sennengedicht 42 ff. 
Sevibaum 158 
Siedlung (72) _ 

Silvester (s. a. Ncuhlj .«hr • 

(75). 119 A. 136*^»- 148 
Singer, S, 61 
Socin, A. (224) 
Sommersprossen 1^^^ •' 
Sonntag 24. 135 ". :l^ -40 '•• 
Sonntagskind 13 
Sonnwend 102 
Speckjagen 119 A. 
Speichel (s. a. 8pix<?keti; 

13890.91 

Speisen (s.a. Nahnin^T/ ^^ 
Spiel is. a. Kindersp- > ^75). 

146 fg. 
Spielmannschilde 1^^ 
Spielmeister 156 
Spinnerinnen 174 
Sport (75) 
Sprache (80) 
Sprecher, F. W. imSm 
Sprlchwörter28(71UIÄ<; 

(79). 274 
Spritzenprobe (76 XI W'j 



Kegister. 



319 



Heischelieder, 
^en 

er 159 

r 70 

tiobener 22 

fg. 

L 310) 

a. Tiersteine) 
(77). 143. 170. 
7 fg. 180. 187, 
te 184. Steine 
'8 
162 

pen 133" 
13 



E.Ä. 162.304, 

311) 
(Maler)Nekrol. 

19 

Silvester 

uoae 8. Mähler 

r 

09 A. 155. 156, 
190. 194. 195. 
>00, Tänze 157 
n 272. 281. 282. 

. Turteltaube) 

Paten, Unge- 
\i^\ 143 fg. 
!f. 

»»«•• 180. 253 
Len 117 

48. 49. 62 ff. 

I. 134 

(scherzh.) 



ikter s. Mähler 
3rakel) (77) 
101 140 to6. 144. 

idel V. Toten- 
Reliquien von 
Schweisstuch 

165 

51. 137" 

, Dissentis (72 

reiburg 64 fg., 



Translationskostüme 304 
Tratten 218 
Traum 135«-'^» 
Treflfzauber 52 
Turteltauben herz 51 

Übernamen siehe Orts- 
neckereien 

Umsingen (s. a. Heische- 
lieder) 107 

Umzüge im Adv. u. d. 
Zwölften 103 ff., Neu- 
jahr 125 

„unberufen«* ISd^ 

ungetaufte Kinder 135 ^ 

Unglück 8. Orakel 

Unschuld. Kindlein Tag 
120. 204 ff. 

Unservater 5 

unsichtbar 51 

Urgeschichte (72) 

Ursicinus, hl. 170. 182 

Tenediger 12 

Verena: im Segen 56 

Verfassung (76) 

Verlorenes 133 « 

Vermummung s. Masken 

Viehwirtschaft (74) 

Vogel: Abergl. 134" 

Volkskundemuseen 313 

Volkskunst (73) 

Volkslied 58. 66. (67). (69). 
(71 in 2). (77). 81 ff. 
163. 164. 241 ff. 269 ff. 

Volksmedizin (s. a. die 
einzelnen Krankheiten, 
Orakel: Krankheit) 46 ff. 
50 ff. 62 ff. 66. (72 Ifl 
3). 136 ff. 173. 182 

Vorbedeutung s. Orakel 

Vorgeschichte (72) 

Votivalien (71 III 3). (225) 

Wachs 12 
Wachsgeld 125 A. 
Wahlbräuche (76 XUI 5). 

163 fg. 
Wahrsagen 196. 198 
Wallfahrt 171. 181. (225) 

286 
Wangen 137« 
Warzen 137 ^»-et 
Wasser (s. a. Queiienkult) 

137 ", schmutziges W. 

135*8, w. segnen 157 



Wasserschmecker 10 
Wassertaufe 175 
Weber, Veit 159 
Weibermasken 118 
Weihnacht (s. a. Neujahr) 

151, Abergl. 141. 123, 

Baum 128, Geschenke 

127 
weisse Jungfrau 13. 176 
Wendelin, hl. (307) 
Werwolf 142 ««c 
Wetterläuten 159 
Wetterregel (s. a. Orakel) 

(72 UI 4> 
Widehopf 50. 52 
Wimper 133" 
Wind 142 "«« 
Windnamen (80) 
Wirtschaftskunde (78) 
Wirs, J. 305 
Witz (79). 81 ff. 241 ff. 
Wochentage 24 
Wolf 142 "«b 
Wolfsaugen, -Zähne 52 
Wünschelrute s. Zauberr. 
Wurm s. liegen wurm 
Wurätbetteln 104 ff. 
Würste 120 
Wurstmahl v75) 



Zahlen: S 138 »♦. 139 •«• »• 
140«»«, 7 137". 188" 
8 133*«, 77 107, 99 
132». 287, 100 133" 
Zähne 135 ♦». 137"-" 
Zahnfisteln 138 »» 
Zahnschmerzen 137^*-" 
Zauber (77). 140 »" 
Zauberbücher 12. 16. 17— 

19. 21 
Zauberkreis 9. 12. 19 
Zaubermittel (s. a. Rezepte) 

öOff 
Zauberrute 7. 8. 11. 21 
Zauberspruch s. Segen 
Ziegenffalle (77 XIV 16) 
Zigerfabrikation 218 ff. 
Zltwerwein 124 
Zunftbräuche 122 ff. 
Zürcher, J. B. (307) 
Züricher, G. 53 ff. 62. (70). 

131 ff. 
Zweige (s. Grünes) : Aber- 
glaube 135" 



320 



Verzeichnis der Mitarbeiter. — Liste des Coilaborateurt.' 



J. L. Arnold Dairmeraellen 

H. Balmer Bem^ 

J. BoLTB Berlin 

A. BoN?rARD Lausanne 

E. BovsT Zärlch 

H. BncrPACUER Zollikon 

G. BüNDi Bern 

A. BcROKHARDT Fi:<«8LKa Basel 

Auff. BuRCKHARDT Basel 

J. BüRU Zell (Luzern) 

L. C. BütuüoxR Kreuien 

E. Büds Glarus 
H. Cavibel Ühur 

F. Chablos SU Aobln-le-Lac 
O. Chambax 8erlx 

U. CoRREYo:! Genf 
L. CoüRTUioN Genf 
A. Daitoürt (alias D^Aucoirt) 

[Midcourt 
K. DvRRiR Stans 
A. Farker Htamnihelm 
6. Font Chur 
K. Fischer Arosa 
U. Fleisch Char 
A. Flubi Muri (Bern) 
.1. Fooke Bremen 
J. Führer Silcnen 
P. FcKRER Ilospontul 
O. Oächter 8t. Gallen 
P. Ganz Basel 
H. GrELLER Egfif (Bern) 

A. GoDLT Neuenbürg 

J. U1behun-8chaltcooer 

[Zürich 

E. IlArFTER Bern 

B. Haller Bern 

F. IIeinemann Luzern 
J. Hess £nf?elberg 
P. UiRZEL Zürich 



Die H e r r e D : 

M. HOFLBR Bad Tölz 

K. HonrMAKN-KRATBR Basel 

R. lioppSLSR Zürich 

J. HimsiKBR Aaran 

.7. Jeanjaqcet Basel 

J. Jboerlehner Bern 

G. Jenny 8t. Gallen 

D. Imesch Brlg^ 
M. KAlln Schwyz 
H. Kasser Born 
G. Kbüsler Wil 

F. Kbstxnhols Binnlngen 

F. Kluoe Freiburgr l. B. 

A. RUculer Reros 

A. Fjandad Wien 

Th. y. LiEBENAO Lozem 

R. Martin Zürich 

J. Meier Basel 

8. Meiek Jonen 

8. MEI88BR Chur 

A. MiLLiocn I^AOsanno 
R. Morax Morges 

J. C. MuoTii Chur 

E. MrRET (ienf 

V. PEU.ANDINI Taverne 
E. Peschier Constanz 
Pfister Zürich 

B. RcBER Genf 

R. V. REDiMO-BxBEREaa 8chwyz 
K. E. Reinle Basel 
E. RiBEAiTD Luzern 
O. RiNOuoLS Klnsiedeln 
Ris Thnn 
E. RrrTBK (^enf 
W. Robert Jongny 
A. RosHAT Basel 
J. E. RoTHENBACu Küsnaoht 
(Zürich) 

E. ROTHRNIliUBLER BaSCl 



A. ▼. Ri'TTE Bern 

Ph. A. RL'iTiMANN Vali 

G. Rthiner Basel 

A. ScHAER Strsssbarg 

O. SouuLTHESs Zürich 

H. SoHOPPu Moskaa 

A. SsiLBB Basel 

8. SiNOBR Bern 

H. 8piLLBa EIgg 

F. W. Speechbr Kriegstetton 

A. SPBENOEa Grub 

F. O. 8TBBLU Zürich 
K. V. 8TBIOEK Bern 

H. SncKXLBEBOKR Burgdorf 
O. Stoll Zürich 

E. A. 8TÜCULBIRO Basel 
O. STüCKBaT Basel 

G. SüTTBRLCf Arl«aheUn 
A. TATsaNBT Lanaanne 
N. W. Thomas London 
A. ToBLER Wolfhalden 
G. ToBLiB Bern 

J. Ulrich Zürich 

F. Urech Tübingen 
Th. Vetter Zürich 
A. Vital Chur 

J. VoLMAR E^stayayer 

K. Waldis Schw>'s 

O. Wasbb Zürich 

R. Wbgbli Zttrieh 

J. WaairsR Lenabnrg 

J. Wbricu Lanfenharg 

K, Wibland Basel 

J. WimcLBR Aarau 

J. WiBs Benken 

E. WriiAMa Zürich 

A. Zinobl-Kbbssio Schalt- 

[haiiien 



1) i e Du in e i) : 



Mm« C£:R£tiOL£-Di:-Lo£ä I Frl. M. K. Makkiaoe lleidel- 

[Lausanuo ' [berg 

Krau E. Frick CR Raden (A.'ir^.) i Fruu M. Poxiltta Locarnu 
Frl. A. Ituen Oberägeri ■ Frl. M. Rki.miakd Bern 



Frau A. RimasHArs Zürich • 
Frl. G. Zl^CHKB Bern 



Band VII lieft 4, aus^-efcobt^n 28. Dezember 1903. 



ä 



Soh'weizerische Gesellschaft fUr Volkskunde. 
Soci^f^ Suisse des Traditions Populaires. 



Sehweizerisehes 

Archiv f tir Volkskun de. 




Viertelj ahrsschrift 

UDter Mitwirkung: des Vorstandes herausgregreben 

von 

Ed. Hoffmann-Krayer^ Jules Jeanjaquef^ 

Redaktor für den deutscheD Teil. Redaktor Air den romanischen Teil. 

r tl, B«mL MlttelttrMt« f, B«ra. 



Aehter Jahrgang. 

Mit 15 niuBtrationeo im Text und einer Tafel. 



: i I : - 



ZÜRICH 
Druck von Juchli & Beck 

«onn. Rmfl CoCti 

idoSL 



INHALT. 



Seite 

Alfred Tobler, Der Yolkstanz im Appenzellerlande 1. 100. 178 
Renward Brandstetter, Die altschweizerische Dramatik 

als Quelle für yolkskundliche Forschungen . 24 
Onstay Tobler, Gedichte aus der Zeit des Bemer Ober- 
länder- Aufstandes des Jahres 1814 87 
S. Meier, Wettersegen ....... 47 

£. Hoffmann-Krayer, Enabeoschaften und Volksjustiz in 

der Schweiz . 81. 161 

Arthur Rossat, Les Paniers .116. 196. 282 

£• Hoffmann-Erayer, Yolksmedizinisches 141 

E. A. Stückelberg, Die Verehrung des h. Morand Mon. . 220 

Vittore Pellandini, Usi e costumi di Bedano . 241 
G. Züricher und M. Reinhard, Allerhand Aberglauben 

aus dem Kanton Bern .267 

J« Ochsner, Yolkstümliches aus Einsiedeln und Umgebung 296 

Miszellen. 

A. Dauoourt, Les sobriquets des yilles et villages du Jura 

bemois 49 

£• A. Stück elb er g, Notizen aus dem Urserenthal II 53 

A. Zindel-Kressig, Reime und Redensarten aus Sargans 57 
^* A. Stückelberg, Schweizerische Santiagopilger 61 

B. Wymann, Würgen und Würgeten am Namenstag . 63 
E. Wymann, Feuerbüchsen und Pluderhosen im Tessin 1564 63 

A. Eüchler, Mitnehmen junger Leute beim ^Marchen^ 64 
£• Hoffmann -Kray er. Zum Eingang des Weingartner 

Reisesegens 65 

B. Hoffmann-Krayer, Der Kuhreihen der Schweizer in 

preiXisisohen Diensten 1756 .... 65 

B. Haffter, Nachträge 66 

8. Gfeller, Der Schulgang vnseres Herren vnd Heylandes 

Jesu Christi 154 

£. Haffter, Alte Qalgen in der Schweiz .157 



IV 



Inhalt. 



Seite 

W. Keller, Yariante zum „Maartwybli** .... 158 
A. Augastin und A. F a r n e r , Zum Kapitel des 

Kettenbeissens 223 

J. Jeanjaqnet, Formules traditionnelles sut la oouTerture 

des liyres 224 

J. Jeanjaquet, Mandement neuchätelois de 1596 interdisant 

de ^barrer*' les äpouses 225 

G. Kessler, Schweizerische Santiagopilger .... 226 
A. Daucourt, L6gende populaire sur les armoiries de 

Laufen, Del6mont et Porrentruy . .315 

A. Dauoourt, Autre legende populaire sur Laufen .316 

8. Meier, Ein Freitagsgebet aus Jonen .316 



BOcheranzeigen. 

(Wo Dichta BesoDderes bemerkt ist, sind die Aozeigen von E. Hoffmann-Krayer») 



Ettnger, Schweizermärchen 

Meiche, Sagenbuch des Königreichs Sachsen 

Banmberger, „ Juhu-Juuhu". — Baumberger, St. Galler 

Land — St. Qaller Volk . 
Das Bauernhaus im Deutschen Reiche . 
de Cook en Tierlinck, Kinderspel en Kinderlust in 
de Montenach, L'Art et le Peuple 
Ein Trachtenbild als Zimmerschmuck 
Stephani, Der älteste deutsche Wohnbau. (E. A. St.) 
Byffel, Die schweizerischen Landsgemeinden 

Bundi, Engadiner Märchen 

Meier, Kulturhistorisches aus dem Kelleramt 

Zahler, Ferien 

von Greyerz, Kleines deutsches Wörterbuch . 
Kubier, Aus Berg und Tal ..... 
Courthion, Le Peuple du Valais (J. Jeanjaquet) . 
Das Bauernhaus in der Schweiz, mit Text von Probst 
Bibliotheca Magica et Pneumatica 
Jegerlehner, Das Val d'Anniviers .... 
S4billot, Le Folk-Lore de France .... 
Schwindrazheim, Deutsche Bauernkunst 
Brandstetter, Der Genitiv der Lazerner Mundart . 
Odermatt, Die Deminntion in der Nidwaldner Mundart 
Doncienx, Le Romancero populaire de la France (A. B.) 



67 

67 

68 

69 

69 

69 

15fr^ 
159— 
159E 
16CII 
16C3 

16 

8 :»t 

3^€ 
S^Sl 
9^1 
»S2 



Inhalt 


V 


Kleine Chronik. 






Seite 


chliche Volkskunde- 


70 


eindechroniken im Kanton Baselland 


70 323 


nische und westfälische Volkskunde 


. 160 


3tö des Traditions valaisannes 


. 323 


iskunde im Kgr. Württemberg 


. 323 


iographie für 1903 (E. Hoffmann-Krayer) . 


71 


esbericht 1903 


. 227 


esrechnung 1903 


. 228 


cht über die neunte Generalversammlung 


. 229 


;liederverzeichnis 


. 230 


ister ...... 


. 324 


besserungen 


329 







Der Volkstanz im Appenzellerlande. 

Von Alfred Tobler in Wolfhalden. 

Der Appenzeller ist ein leidenschaftlicher Tänzer '). Die 
azlust war in unserem Ländchen schon seit Jahrhunderten ein 
ikapfel zwischen Volk und Regierung. Einschränkungen^ 
izliche Verbote, und vom Volke jeweilen wieder erzwungene 
stattung des Tanzes wechselten fortwährend miteinander ab. 

Im 15. Jahrhundert wurde bei der Linde in Appenzell zu 
»mmeln und Pfeiffen alle Sonntage getanzt. Der Tanz war 
Qals in Innerrhoden weit weniger verboten als in Ausser- 
den, jedoch bald und überall an Sonn- und Festtagen unter- 
t, ausser an den Alpstuberten ^). 

An den Alp- oder Wääd- oder Allmenweg-Stuberten^) 
rde im Freien getanzt, an den gewöhnlichen Stöberten oder 
berten *) in Wirtschaften, noch mehr aber in Privathäusern, 
jondere Tanzanlässe waren der Jahrmarkt, „d'Rilbi'^, die Mu- 
rung, das Blockfest und der Elösler (St. Nikolausfest) ^). 

Nach den Mandatenbüchern ii9 Landesarchiv zu Appenzell *) 
rde schon im Jahre 1570 verboten, bei Trommeln, Pfeiffen 
1 Saitenspiel zu tanzen ; die Busse wurde auf zwei Pfund fünf 
lilling festgesetzt für den, der auf seinem Eigentum spielen 
18 und ein Pfund fünf Schilling für den Tänzer. 



») G. Waijjek, Neue Appenzeller- Clironik. St. Gallen 1740. S. 667; 
i. Ebel, Schildening der Gebirgsvölker der Schweiz. 1 (1798), S. 169; 

NEUESTEN Briefe AUS DEK ScHWEiz, iii8 väteHiche Haus nach Ludwigsburg 
Zeller) 1807, S. 373 flf. ; J. C. Schäker, Materialien zu einer vaterländi- 
*n Chronik des Kantons Appenzell A.-R. (Herisau) 1811, S. 56; .1. (\ 
-^wiER, Geschichte des appenzellischen Volkes. Bd. I (1830), S. 549; 

III (1840), S. 358; G. Ur^cH, Der Kanton Appenzell. 1835, S. 109. 110. 
; T. ToBLER, Appenzell ischer Sprachschatz. 1837, S. 409; Jon. Koxu. 
-^WEOER, Der Kanton Appenzell. 1867, S. 88 ff. — *) J. R. Steismiller, 
chreibung der schweizerischen Alpen- und Landwirtschaft u. s. w. 2. Band- 
Ä 1804, S. 192; T. Torleh, a. a. 0. S. 409; G. RCsch, a. a. 0. S. 109; 
'- Zellweoer, a. a. 0. Bd. III, 2, S. 365; Ebel, a. a. 0. I, 169. — ») G. 
CH, a. a. 0. S. 109. — *; T. Tobler, a. a. 0. S. 409. — ^) Alfr. Tobler 
Appenzellißche Jahrbücher 1897 S. 1 ff. ; Alfr. Tobler, Das Volkslied im 
^enzellerlande 1903, S. 106 ff. — ß) .1. C. Zellweoer, a. a. 0. Bd. III, 2, S. 358. 



2 Der Volkstanz im Appenzellerlande. 

Im Jahre 1574 wurde erlaubt, in Wirtshäusern, bei den 
Kirchen, an Kirchweihen, Jahrmärkten und Hochzeiten zu tanzen, 
jedoch nur nachmittags und bloes drei Tänze; um Yesporzeit 
aber, und wenn es zum Gebete oder bei Ungewittern läutete, 
sollte man aufhören zu tanzen. Im Herbstmonate des nämlichen 
Jahres wurde der Tanz wegen der herrschenden Pest gänzlich 
untersagt, im folgenden Frühjahre aber unter den erwähnten 
Einschränkungen wieder erlaubt. Schon im darauffolgenden Wein- 
monate erschien abermals ein Tanz-Verbot, das jedoch im Früh- 
jahre 1576 auch wieder aufgehoben werden musste. Im Herbste 
bestimmten erneuerte Einschränkungen, dass am Sonntag Nach- 
mittag nur bis zur Yesperzeit, an den Werktagen nur bis zum 
Ave Maria ^, („Hofemaje") getanzt werden dürfe. 

Im Jahre 1577 wurde das Tanzen abermals gänzlich ver- 
boten, aber kurze Zeit daraufhin auch wieder erlaubt^). Die 
Alp- oder Weidstuberte ^), an denen nebst dem Tanz namentlich 
auch kraftstählende Spiele zur Aufführung kamen, wurden des- 
halb von der Obrigkeit empfohlen. Sie sollen dem jungen Yolke 
nach der Mittagspredigt erlaubt sein, damit sie ihren Mut in 
Zucht und Ehrbarkeit zeigen könne und es soll desshalb jeder 
Messmer eine Stunde früher einläuten, damit man an dieselbe 
gehen könne *®). 

Im Jahre 1582 wurden aber nach den Berichten der 
Mandaten-, Rats- und Urphede - Bücher in Appenzell diese Stu- - 
berten schon wieder verboten, weil es den Leuten wohl im Ge — 
dächtnisse sei, dass Gott der Allmächtige sie zu den Zeiten dieser*^ 

„Stubeten** mit Hagel und grossen Wassergüssen gestraft habe ") 

Ein obrigkeitliches Edikt vom Jahre 1590 lautet: „Es ist auch^ 
menklichen noch unvergessen, wie uns der allmächtige Gott^ ^ 
wenn die Stubeten in Alpen und Wähden [Weiden] sind gsyn ^ 
uns wieder mit Hagel und Ungewitter und grossem Wasser har^ 
gestraft, von wegen unserm sündigen, boshaften, ruchen Lebens 
desswegen haben wir einhellig uf und angenommen und verbotene 
dass fürnhin am Sonntag und au denen Fyrtägen in Alpen nnm^ - 
Wähden die gemeinen grossen Stubeten verboten sein solleoB=i 



^) Av(?-Maria-, Feiorabend-, ,,Hofemaje"-Läuteii : morgens bei Tage^s^ 
anbnicb und ubendr* bei Einbrucb der Nacht läuten; s. T. ToBLt^jt, a. a. C^ 
S. 271. — ^) J. r. Zkllwkokh, a. a. 0. Bd. lll, 2, S. 358. — 9) G. Ko* 
a. a. 0. S. 109; T, Todlkk, a. a. 0. S. 409. — »») J. Konk. Zkllwbgkr, 
Kt. Appenzell. S. 89. — ««) J. ('. Zellwk<;ku, a. a. 0. Bd. III, 2, S. 365. 



Der Volkstanz iiii Appenzellerlande. 3 

hey der Baas, der etwa würde haben 10 Schilling und dem 
Setr gieng 3 Schilling, so oft es beschicht^*)." 

Wegen der Tenrung des Heues wurde im Jahre 1594 
noc^ Simals ein Tanzverbot erlassen ^% worauf aber schon im Früh- 
jalm^K- 1597 den jungen Leuten versprochen wurde, wenn sie sich 
zü^slitig hielten, würde ihnen das Tanzen wieder gestattet werden^^). 
581. csh Gabriel Walser wurde anno 1686 das „Tantzen und aller- 
lejr Spiel-Leute verbotten** ^^), und vom Jahre 1726 bemerkt er, 
da.^s ^die aus dem Heydenthum herstammende , so genannte 
W^^yd- und Alp-Stoberten, da sich das junge Volk gleichwie in 
alt;^o olympischen Spielen im Lauffen und Ringen uebte, abge- 
stellt und verbotten worden" *^). So ging es weiter bis in die 
neiaeBten Zeiten ^^. 

Nach Steinmüllers Berichte vom Jahre 1804 '^) waren die 

Alpstubeten, als eigentliche Alpenfeste, nur noch in Innerrhoden 

üblich und sie wurden folgenderweise ausgeführt: „Zu Anfang 

^^8 Sommers, bald nachdem die Sennen die Alpeu bezogen 

i^aben, gehen die erwachsenen jungen Leute paarweise in einige 

•^Jpen, in denen eine Alpstubeten gehalten wird (denn nicht in 

*llen Alpen ist das der Fall), z. B. in die Botersalp, Ebenalp, 

Sentis- oder Meglisalp, in Seil und Säntis. — Am Schutzengels- 

föBt hören sie zuerst eine Predigt und eine Mess im Wild- 

'^ifchli, und erst dann eilt man völlig nach Ebenalp, und am 

^'^kobstag geschieht das nämliche zuerst im Cronbergskirchli 

^^im Jakobsbrunnen, worauf man erst in die Botersalp hiuunter- 

Btei^^ und Hand in Hand, unter lautem Jubelgeschrei und 

öxit^j- Johlen, Zauren und Löcklen *^) den Sennhütten zu- 

^auft;. Hier bedient jeder Liebhaber seine Geliebte mit Alpen- 

^pBi^en aiiej. ^^t, die in dieser Gegend, unter frohen Scherzen 

PX>elt gut schmecken. Nach diesem wird auf dem offenen 

®l^e, teils nach der Geige und dem Hackbrett getanzt, teils 

®^^lit man sich mit Ringen, Laufen und anderen Spielen zu be- 

^^ttgen. Des Abends spät hüpft jeder Junggesell mit seinem 

^^cichen über Stock und Stein ins Tal hinunter, wo er denn 

*') T. ToBLER, a. a. 0. S. 409. Annierkunj? ; StkinmC i.lk«, a. a. 0. 

^- ^33 ff. — «) J. C. Zkllwfxjer, a. a. 0. Bd. 111, 2, S. 358. — »*) Mandaten- 

^^^«r im Landesarchiv zu Appenzell; s. Zkllwk(;kr a. a. O. Bd. III, 2, An- 

^«^kg. 383. — ») a. a. 0. S. 667. - »«) a. a. 0. S. 740; Ebel, I, 174. — 

^^ <^.RC8CH, a. a. 0. S. 109. — «) a. a. 0. S. 192 ff. ; Khel, a. a. 0. I, 172. 

^ ^•) Alfr. ToBLKR, Kühreihen, .Todel und Jodellied in Appenzell. 1890, S. 19 ff. 



4 Der Volkstanz im Appenzellerlande. 

gewöhnlich die Erlaubnis erhält, dasselbe bis in ihr väterliches 
Haus begleiten zu dürfen/ 

Nach dem „Entwurf zu einem Land -Mandat für den 
Kanton Appenzell der äussern Rhoden'^ vom Jahre 1822 '^) soll 
das Tanzen an den Musterungen und Nachtagen derselben und 
an den zwei letzten Tagen in der Fastnachtzeit erlaubt sein,, 
jedoch nicht ohne Yorwissen der Vorgesetzten und nicht länger 
als bis 10 Uhr abends, bei der Busse von zwei Gulden dem. 
Tänzer und vier Gulden für den Wirt. Wer ausser diesen er- 
laubten Tagen tanzen lässt, soll ebenfalls der erstere um zwei 
Gulden und der letztere um vier Gulden in den Landseckel ge- 
straft werden. Auch die sogenannten „Lichtspinnen^^*), wo junge 
Leute beiderlei Geschlechts zusammenkommen, sollen bei der 
Busse von zwei Gulden und nach Beschaffenheit der dabei yor- 
kommenden Umstände höher bestraft, auch von Jedermann ange- 
zeigt werden. 

Der Landsgemeinde vom 24. April 1836 in Trogen wurden 
die „Sitten- und Polizeigesetze'' zur Annahme empfohlen. Der 
Tanz-Artikel ^^) wurde als allzu beschränkend vom Volke bei der 
Abstimmung verworfen, aber an der ausserordentlichen Lands- 
gemeinde vom 25. Herbstmonat desselben Jahres in Trogen in 
bedeutend erweiterter Fassung angenommen. Die sogenannter 
Tanz- oder Lichtspinnen (Nacht-Stuberten) und Winkelstubertei 
sollen gänzlich untersagt sein (Art. 40). Wer dieselben dulde 
soll um zehn Gulden, und wer an denselben Teil nimmt, u 
zwei Gulden in den Landseckel gebüsst werden. Aehnliche Z 
sammenkünfte wurden auch im Freien bei Busse verboten. 

Im Jahre 1894 endlich wurde vom Regierungsrate ( 
Regulativ zu den §§ 153 und 156 des Strafgesetzes betreffr 
Tanz- und Polizeistunde erlassen, welches das Tanzen an So 
und kirchlichen Festtagen, sowie an deren Vorabenden in 
Regel bei einer Busse von 5 Franken für den Tanzenden 
30 — 60 Franken für denjenigen, welcher in seinen Raum 
keiten tanzen lässt, untersagt. Ausnahmen sind gestattet 
Neujahrstag, Fastnacht-Sonntag, Ostermontag, Pfingstmonta/ 
in jeder Gemeinde an einem von dem betreffenden Gemeii 
zu bestimmenden Oktobertag, je von Mittag an. Personen 

*") „Der Neu- und Alt-Riithen-Vorsaramlung vorzulegen" § 38 } 
") T. ToBLKR, a. a. 0. S. 299; Alfk. Toblkr, in: Appenzellische Jal 
1896, S, 6. — "I Art. 21. Aitknzellische« Monatsülatt 1836. S. ö( 



Der Volkstanz im Appenzellerlando. 5 

16 Jahren dürfen nicht tanzen. Wirte, die tanzen lassen wollen, 
«ind bei einer Busse von 10 Franken verpflichtet, dem Polizeir 
•amte hievon Anzeige za machen. 

Heutzutage werden nur noch an Werktagen Alpstuberten 
auf der Ebenalp, Meglisalp, auf dem hohen Kasten und auf dem 
sogenannten Soll beim hohen Kasten gefeiert. An den Sennen- 
'Und Schöttlerbällen **) in und ausserhalb Innerrhodens bereiten 
die Alpstuberten-Auffuhrungen immer noch den Ausübenden und 
Jftitwirkenden Freude. Im Weissbad geben di^ Innerrhoder den 
Kurgästen alljährlich die Meglisalper - Stuberte zum Besten.^^) 
Die Darstellung der Alpstuberte wirkt ergötzlich und zugleich 
l^el ehrend^ da in ihr ein gutes altes Stück originellen appen- 
2 ellischen Yolkslebens in Tanz, Spiel, Musik, Gesang, Jodel, 
"Witz und bunter Volkstracht zu mannigfaltiger und farbenreicher 
Erscheinung kommt. Sie macht auch Arnold Halders „Säntis- 
^eise** zu einem beliebten Zugstücke ^^). 

Rittmeier hat uns in seiner prächtigen ^ Alpstuberte ** ein 
lebensvolles und wahres Bild dieses Alpfestes gemalt ^^). 

Die Innerrhoder unterscheiden bei Hochzeiten ein soge- 
nanntes ^sitzigs^ und ein „tanzigs Mohl" *'). Dem „sitzige MohP 
sprechen namentlich die Vermöglicheren und Reichen zu. Essen, 
Trinken, Plaudern und Singen sind dann Hauptsache und nur 
am Schlüsse des Hochzeitschmauses „weerid no wädli e paar 
Buuchryberli gnoh". Beim „tanzige Mohl" aber ist der Tanz von 
Anfang an Trumpf und erst gegen den Schluss der Feier hin 
-<,weerd no näbes off d'Gable gooh ond trunke^^ 

Von den im Tanz verböte vom Jahre 1570 erwähnten Saiten- 
instrumenten bemerkt Joh. Caspar Zellweger ^^), dass dabei wahr- 
scheinlich an unser jetzt noch gebrauchtes „Hackbrett^ zu denken 
sei. — Es dürfte jedoch wohl auch an die Geige oder an Geige 
^nd Hackbrett zugleich gedacht werden ^^). Heutzutage besteht 
unsere Tanzmusik, wenn anders sie origiaell appenzellisch sein 
.,ODd au näbes glych seche soll"" aus erster und zweiter Geige, 



») T. ToBLER, a. a. 0. S. 398. (SchöiÜer, Molkonverkiiufer). — 24) Pro- 
framm vom 28. August 1898. — ") Alfr. Bkkthchen, Ein Nationalschauapiel 
^"8 Appenzell -Innerrhoden, in: Sönntagsblatt des „Bund* 1892, No. 19; 
Alfr. Toblbk, Das Volkslied im Appenzellerlande. S. 26 flf. — ^ß) Im Museum 
' '• Gallen. — '') Th. Grünewald u. .T. Nkff, in die Berge des Appenzeller- 
^•iw^lchens 1881. S. 70. — ") Bd. III, 2, S. 358, Anmerkg. 382. - ") K. Nkf, 
•f'^-rainand Fürchtegott Huber. Kin Lebensbild. St. Gallen 1898. S. 9. 



G Der Volkstanz im Appenzellerlande. 

also „088 zwoo Chly-Gyge", Hackbrett ^^), kurzweg „'s Brett"^ 
Cello, „Zello*^ oder „Chorz-Gyge*^ genannt und Bassgeige „Pass'*. 
Die Musikanten beissen „d'Spillüüt^, „d'Spillmanne**, ^d'Uf- 
macber*, ^dTanzbodegyger**, der Hackbrett-Spieler wird aucb 
kurzweg „Brettler^ genannt und dann beisst es etwa bei Pia- 
zierung der Musikanten : „Sälewie, Brettler, cbomm gad do here 
mit dimm Brett, tuescbt e-n-Uustock ringer do, 's gueng-dV 
ebe ringer, wenn-t' gad cbönntiscbt ofF-ere Tummibääre **) brettle,. 
statt oiF-eme so e-n-ooringe Tiscbli^. 

Szadrowsky spricbt in seiner Abbandlung ^^) namentlich 
aucb von der appenzelliscben Alpenmußik und gibt uns damit 
eine interessante und wertvolle Beschreibung und Gescbicbte des 
Hackbrettes. Darnach ist das Hackbrett, andernorts auch Cym- 
bal genannt, ausser im Appenzellerlande noch im Wallis und 
auf den südlichen Abdachungen der Alpen zu Hause. In der 
Urschweiz soll es bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts sehr 
verbreitet gewesen sein. Ferdinand Huber fand in den zwanziger 
Jahren in mehreren Tälern der Urschweiz noch mehr Cymbal- 
spieler, als selbst im Appenzellerlande. Wenn aber Szadrowsky 
dazu bemerkt, dass das Hackbrett früher mehr gepflegt wurde, 
als zu seiner Zeit, weil die jüngeren Leute das mühevolle Er- 
lernen des etwas schwierig zu behandelnden Instrumentes scheuen, 
so ist zu erwidern, dass diese Befürchtung glücklicherweise ^ 
heutzutage im Appenzellerlande nicht mehr ausgesprochen werden ^ 
muss. Trachten, Jodel, Appenzellerlieder, Appenzeller Streich- — 
musik und namentlich auch unser Hackbrett werden neuerdings ^ 
wieder iu Ehren gehalten und sorgfaltig und eifrig gepflegt. Das ^^ 
Hackbrett ist verschieden beurteilt worden. Ein Schriftsteller— ^ä' 
des Jahres 1539^^) empfand ^den ungeheuren Lärm der Töne** ^ "" 

sehr unangenehm, einem andern misfallt der helle, spitzige, durch -ä 

dringende Metallton. Das Volk aber liebt sein „instrnmentun 
ignobile^, und ich persönlich habe, so oft ich es, namentlich als 
Solo-Instrument, höre, immer eine angenehme Empfindung. '*) Ic 
der Regel ist das Hackbrett ein die Violinen begleitendes Tanz. 



^®) SzADRowHKY, Die Muslk uiul die toiierzeugenden Instrumente de— ^— ^ 
Alpenbewobner, in: .Jahrb. des Schweiz. Alpenklubs IV (1868) S. 322. 
*') An den Alpstubeten spielt der Hackbrettler statt auf einem Tischche 
stets auf einer umgekehrten „Tummibääre*', d. h. einem einrädrigen Dttngei 
Karren. — ^'') S. 317 ft". — ^sj S/.ai>rowskv, a. a. 0. S. 319. — *♦) Alfbc==^ ^*^ 
Bkktschkn, a. a. (). S. 149. 




Der Volkstanz im Appenzcllerlande. 



Instrument. Aber es ist auch, wie bereits bemerkt, melodie- 
führendes Solo-Instrument; alsdann begleiten die Geiger den „Brett- 
^er^ Pizzicato, oder wie die Musikanten sagen: ^sü töönd dezue 
spicke, spikle^. Gute Brettler sind selten. Kann es aber einer, 
60 übt sein Spiel stets eine erfreuliche Wirkung aus. 

Szadrowsky bemerkt richtig, dass die Musikstücke auf dem 
XIackbrett meistens lebhafte Ländler sind. Von dem „häufig 
^erkünstelten** des Hackbrettes aber, von dem Szadrowsky spricht, 
liabe ich nichts entdecken können. .^Immerhin*^, schreibt Sza- 
drowsky, ^triflFt man oft merkwürdige und unnachahmliche Wei- 
sen, deren Urform weit zurückreichen mag. Ich hörte gegen 
3Iitte der 1850er Jahre in Appenzell Innerrhoden einmal einen 
^chon älteren Hackbrettspieler, der mich immer durch das eigen- 
t: ümliche Gepräge seiner Musikstücke fesselte. Es lag ein 
^^ewisser Zug Chopin'scher Mazurken in den kurzen, nur höchst 
selten verzierten Stückchen. Ein auffallendes Beispiel möge 
selber sprechen.** 



Langsamts Ländler- Tempo. 



Notation vou H. Szadmwskv 1867. 

I I I *f. I 




Anfangs einer Chopinschen Mazurka: 



^ta^^^^^ 



Auf Szadrowsky machte diese Musik einen Chopinschen, 
zigeunerhaften Eindruck. Er hat damit wirklich das Richtige ge- 
^i^oifen. Aber seine sonderbare Idee, dass diese Hackbretttänze 
von wandernden, herumziehenden Zigeunern abstamme, muss 
ganz entschieden zurückgewiesen werden. Wie oft kamen Zi- 
geuQerbanden zu uns? Wunderselten! Und wenn sie kamen, 
'^ hielt sich Alles fern von ihnen, man behütete und besegnete 
«ich 'Vor diesen unheimlichen braunen Söhnen des Ostens, und 
'^n möchte den Appenzeller gesehen haben, der sich von einem 
2»igeviner hätte in der Musik unterrichten lassen. Nein ! Die 
"^^kbretttänze tragen durchaus appenzellischen Charakter, viel- 



Der Volkstanz im Appenzellerlande. 



leicht, dasa die Melodieen, von denen Szadrowsky spricht, in alte 
Zeiten zurückgehen. Das Szadrowsky'sch-Zigeunerhafte lässt 
sich aas der Natur des Hackbrettes erklären: es ist etwas zap- 
peliges, prickelndes, unrahiges, spriogendes, das sich aus der Art 
herleitet, wie das Instrument gespielt werden muss. Zigeunerhaft, 
wenn man so sagen will, ist auch die Art, wie das Hackbrett 
(und die Geigen) erlernt werden: zunächst in der Regel nicht 
nach Noten, sondern traditionsgemäss nach dem Gehör, wobei 
dann wohl auch später hie und da die Noten zu Rate gezogen 
werden mögen. Einem von Anfang an nur nach Noten erlern- 
ten Tanze fehlt nach der Sprache der Musikanten der „Rank^, 
^LaDk*", „Nack**, „Zick**, „Schabritz'', „Kapritz*, „Kaparitz" d.h. 
der bodenständige Appenzeller-Charakter. 

Ramend, der fanzösische Übersetzer der ersten Reise Coxe's 
durch die Schweiz, vermutet, dass der Eühreihen eine „Tanz- 
Arie* sei, deren Tanzschritte wegen zu hohen Alters verloren ge- 
gangen seien. ^^) Dieser Vermutung tritt jedoch Ebel überzeugend 
entgegen. ^^) Steinmüller jedoch scheint Coxe's Vermutung 
wahrscheinlich zu sein; er fügt bei, dass alle Jahre die jungen 
Leute an ihren Alpstuberten auf den Alpen unter freiem Himmel 
und an den Fassnachtstägen im Thal, ^nach dem Kühreihen 
tanzen"". ^^) Gleich darauf aber lässt er einen seiner Bekannten 
^mit vieler Selbstzufriedenheit: den geistlichen Küh reihen 
«ingen!" '*^) 

Szadrowsky überliefert uns^^) einen „Appenzellertanz^, 
den er einem alten Klarinettisten in Innerrhoden nachgeschrieben 
hatte, und einen „bekannten tiroler Tanz-Ländler*^ : 

Appenzeller Tanz. 



^jgsig^ ^^i ^ ^ 



i^^l^^i^i 



-Bekannter tiroler Tanz-Ländler* 



Pf a ^^fe^ i^^ j ^^^^f^ 



■y-j<— -^ ^ 



''j W. CoxK, Lettresii M. W. Melnioth »iir . . . la Suisse, trad. et aiigiiu 
\K JVI. Ramond de Carbuimion'». Paris 1781—1782, Bd. II, S.56 A. 11. ~ «) »-- 
a. 0. I, i:)3. - 3') a. a. O. IL 129. - W) a. a. 0. II, 130. — »») a a. 0. S. 279 (0^ 



Der Volkstanz im Appenzellcrlando. 



\ , > P i jyp^ m 



A — V 



1 



Nachdem er zunächst einen interessanten Vergleich zwischen 
m Appenzeller- und dem Tiroler-Tanz-Ländler gezögen hat, 
»ist er darauf hin, dass die Schweizeriche Bevölkerung nicht 
^entlieh als musikalisch erfinderisch zu bezeichnen sei: „Ihr 
isizieren ist ein mehr reproduktives, als ein eigentlich prodnk- 
68 ; sie liebt es, das einmal gebräuchlich gewordeniB festzuhalten 
d die Tonweisen unermüdlich — man darf wohl sagen unersätt- 
h — zu wiederholen/ Ferdinand Huber machte Szadrowsky 
r eine charakteristische Erscheinung an der appenzellischen 
»Iksmusik aufmerksam, die aber schon damals nicht mehr in 
auffälliger Weise hervorgetreten sei, nämlich: auf die erhöhte 
larte, (Fa) **^). Ein in C gestimmtes Alphorn besitzt z. B. für 
9 und F nur einen Tod, der nach unsern jetzigen melodischen 
^griffen bald als Fis und bald als F aufgefasst werden muss, z. B.: 



^^^^^M 




^-jt^ ^^^^^^^^m 



In diesen Beispielen müssen mithin die mit X bezeichneten 
»ne als leitereigene Töne, das heisst als F aufgefasst werden, 
« Fis in den Sechszehntel-Triolen dagegen als Wechselnote, 
^o als wirkliches Fis. Diese in der Natur und Beschaffenheit 
8 Alphorns liegende Eigentümlichkeit übertrug sich auf den 
del und die Tanzmusik. Irrtümlich sind solche Stücke we- 
ai dieses aus der Alphornweise herübergenommenen Zwischen- 
1-68 auch schon als Moli- Weisen aufgefasst und somit der zu 
miDde liegende tonische Dur - Dreiklang übersehen worden, 
^em entspricht dem fröhlichen Appenzellerwesen die Molltonart 
ixeswegs und sie muss überall, namentlich in den Schulen, 
t vieler Mühe künstlich eingetrichtert werden. **) 

Diese erhöhte vierte Leiterstufe, diese übermässige Quarte, 
^sea Alphorn-Fa, wird „eu bbrochne*^ Ton genannt und kommt 

der Szadrowskyschen Notatioa des Appenzeller -Walzers vor. 

*•) a. a. 0. S. 279 ff. — *M Ai.hiku Tohlek, Kühreihon S. 46 ff. 



10 Der Volkstanz im Appenzollerlaiide. 

In dem modernen appenzellischen „Wälserli^ aber werden diese 
Alphorn-Zwischentone nur noch höchst selten gehört „oder bim-e 
schlechte Gyger chaa-^s eppe-n-emool vorchoo, dem-'s eben-n-eso 
omm en halbe Schue uaf oder aab off sinner Gyge nüd graad 
ase droff aachont! Josoo!^ Wohl aber kommt dieses Alphorn- 
Fa mit ganz besonderer Vorliebe in einem appenzellischen Jodel 
stets noch zur Anwendung, den man wegen dieses ^bbrochne" 
Tones ^e-n-Innerööderli" nennt, oder auch „e Chüärähjerli** und 
„e Chüädräckerli**. ^-) 

Die Appenzeller Streich- oder Tanz-Musik bewegt sich 
gleich dem Jodel in den einfachsten Ilarmoniefolgen, nämlich 
im tonischen Dreiklang, im Ober- und Unter-Dominant-Dreiklang 
und im Dominant-Septimen-Akkord. Der beliebteste Tanz im 
Appenzellerlaude ist der Walzer, d.h. „Ländler, Ländlerli, Appe- 
zeller, Appezellerli, e Hierligs, Hiesigs", oder auch „e Buuch— 
ryberli,*' in welchem Musikanten und Tänzer eine bedeutende 
Fertigkeit haben. 

Wenn der appenzellische Dichter J. Merz*') den Tänze » 

sagen lässt: 

E Tänzli, gelt, no möchtist thuo? 
Jo Schätzli, lopf no d'Füessli! 
No Gyger! mach du wacker zuo, 
Se do best e paar Biessli. 

Ond alle Schwüngli geb der äs, 
Mach no en Appezeller! 
He, Werth, geb her no Brod ond Chäs 
Ond was d'Gaots hast im Cheller! 

so ist unter dem ^Appenzeller^* eben unser Ländlerli zu ve — J- 
stehen. Bei diesem Ländlerli drehen sich die Päärchen langSM ^ 

und bedächtig kreisend möglichst ruhig auf einer möglichst klein *^^ p 

Fläche herum oder sie bewegen sich nur äusserst langsam kr fc g '* 

send vorwärts. Man sagt: .,Bim Länderli gohd's gaanz gst^^Ä-^^ 
ond manierli; off-eme Flääschtäller sött-me'sch chöne; mit- -^de 

Füesse fascht nütz mache; all gad am glyche-n-Öörtli blybe '^' 

ond nüd noichoo" [nicht vorwärts kommen]. Die Tanzend -^^^ 
legen einander die Hände auf die Schultern oder am den L^^ -r»-»» 
.,wenn-'s au no aaltfrääntsch soll zuegoh**. Der Raum innerh^='^^ ^^ 



*^! Alkki;i> Tohi.kk, ebd. S. 46: Der», Siinjj: und Klang aus Appens^ *•■ 
I891». S. XII. — ^3, j Mkkz. Des poetisch(Mi Ap])enzeller8 sämtliche Gediel 
.St.Gallrn J83ti, S. 13:5: Aiiia/.ki.i.imhks Munatsulatt. 1827, S. 116; 1828, S.l 



( 



Der Volkstanz im AppenzellerlaDcle. 11 

luod ausserhalb der tanzenden Paare soll nie betreten werden. 
^Während des Tanzes wird ab wechslangs weise „gstämpflet ond 
£JQQchzet^. Dieses Stämpfeln nennt man „mit de Bäane appe- 
aellerle*", „bääle^, „schlötterle^, ^doppeltere *". 

Das ^Solo-Appezellerle mit de Bääne'' ist eine Fertig- 

!keit, die bedeutende Kraft und Ausdauer verlangt. Es besteht 

^arin, dass ein Tänzer entweder für sich allein, oder als Inter- 

jmezzo zum Tanze neben seiner im Schritte Hand in Hand 

^inhergehenden Tänzerin streng im Takte der Musik und ganz 

langsam sich vorwärtsbewegend so schnell als nur möglich mit 

^en Absätzen wirbelnd stämpfelt. ^Je länger! Qsätzli as Ann 

:inache cha*", d. h. je länger Einer dieses anstrengende Stampf- 

gewirbel anshält und je feiner und ruhiger im Tone er es macht, 

desto mehr wird er bewundert. Das Doppelieren geschieht, wie 

bemerkt, nur auf den Absätzen, und muss, soll es recht sein, 

„hell^, d. h. leicht, ohne Getrampel tönen. 

Das korrekte Solo-Doppelieren des Tänzers ist eine seltene 
Kunstfertigkeit, womit sich Einer gelegentlich auszuzeichnen 
Bucht: „'s nehd aber au d'Bää vyl vetämpter zweeg as 'sTaanze! 
Seb glob-i!" Das Doppelieren wird, wie bemerkt, wohl auch 
mit fröhlichen Ausrufen oder mit Jauchzen begleitet und ge- 
schlossen. Zu den Pantomimen- und Spiel-Tänzen wird auch 
ab und zu doppeliert. Dies aber nur als momentaner Ausbruch 
der höchsten Tanzbegeisterung, nie in der solistenmässigen Weise, 
wie das beim „Wälserli** geschieht. 

Auch die Musikanten begleiten den Rhytmus des Tanzes 
gewissenhaft mit diesem leichthörbaren Fussstämpfeln, d. h. „sü 
^loppelierid'', „sü schlöönd de Doppel." Dieses Doppelieren ist 
das Zeichen des guten, seriösen Spielmannes ^ond andescht 
t^t-si-'s halt suuber ond glatt nüüd.*" Es hat einen doppelten 
^weck: einmal sollen durch's hörbare Doppelieren die Musikan- 
ten beim „Ufmache'^ stramm unter sich zusammengehalten wer- 
ben, namentlich dann, „wenn-'s ofF-'m Taanzbode-n-onue efange-n-e 
fietzeli eerber rääss chnotterid ond ebe-n-au efange mit de Bääne 
Behlötterlid.'' Dann aber sollen durch das Doppelieren Spielleute 
Und Tänzer in sicherem, gegenseitigen Takteinverständnisse sein 
und bleiben. Das Doppelieren der Musikanten wird auf folgende 
XlV'eise ausgeübt: sie klopfen leicht hörbar mit der Spitze des 
linken Fusses ganz kurz, gleichsam ^Pizocato^ den zweiten Achtel 
des ersten Yiertels, um nach diesem sofort den vollen zweiten 



12 Der Volkstanz im Appenzellerlaixle. 

und dritten Viertel mit dem Absätze des rechten Fasses su 
stämpfeln. Beim Schottisch und bei andern Tänzen wird nur der 
volle Takt mit dem rechten Fasse gestampft. Dies Doppelieren 
soll mit Mass geschehen. 

Es kommt vor, dass Spielleute, die ihrer Sache nicht ganz äicher 
sind, durch ein allzu lautes Doppelieren auch etwa das Instrument 
^u übertönen suchen. Von einem solchen minderwertigen Spieler 
sagt man: „Das sönd kä rechti Musikante! Das sönd gad nahes 
dere strohlege Chnotteri ond Rompier! seu stampfid jo lüüter, das-si 
ufmachid! Me sött-ene chöne-n-en Sack onder dTüess schoppe! Das 
gsiäd bim Tonder nütz meh glych!"^ Während des Spieles haben 
die Spielleute das unentbehrliche, schwarze silberbeschlagene und 
mit Silberkettchen verzierte Appenzeller Tabakpfeifcheu, das söge- — 
nannte „Lendauerli^ und zwar meist mit abwärtsgerichtetem Deckel, ^ ^, 
d. h. „ondeschöbeschi im Muul.^ „Defryli gueng's mit Zah'-Locke <^^e 
nüd ase ring!** Den Tabak bergen sie in einem weissledernen, ^ mi^^ 
am Boden messingbeschlagenen „Backseckel^ in der Seitentasche^^^c=tie 
der roten Weste. „Aber e-so hie ond doo thue-'s au e Sa — m:m nM- 
blootere** [Schweinsblase], wenn gad de Strossborger guett ischt.^'^^ -^Jk." 
„Ond denn zletscht no en Struuss off-'m Huett — seb tued-'nncK * 'm 
guett! Josoo!" — 

Geht gelegentlich einem ^Spillmaa 's Füür uns im Leo ^=b ^o- 
dauerli^, so kann man wohl auch vergnüglich zusehen, wie e:^» er 
mit wahrhaft stoischer Gelassenheit sein Tabakpfeifchen wiede^^ JSer 
in Ordnung stellt und unterdessen seine Kumpanen lustig alleir^^ssio 
drauflos fiedeln und brettein lässt. So geigt dann etwa gelegen#'.fl:xnt- 
lich der zweite Geiger interimistisch die erste Geige, „bis der erschf ^ucht 
Gvger 's Pfyfeli wider ausklopfet ond gstopft ond aazönt hS^ mM 
ond denn ebe-n-au ase-n-allsgmach wider aafoot gyge-n-onc^K: ^nd 
stämpfle ond bäckle." 

Neben dem eigentlichen Appenzeller- Walzer unterscheide Jen 
die Musikanten noch zwei 7» Takt- Walzer, nämlich: den „Schly "^^f- 
Walser, Schlyfer" und den „Juck- oder Jock-Wals 
Jocker, Jucker oder Gump-Walser, Gumper*. 

Der Schlyfer wird auch langsam, aber stets vorwärtskr* 
send getanzt. 

Der Gumper dagegen wird in sehr schnellem Tempo 
nommen. Es ist der bekannte und überall getanzte Walser. 

Von diesem Tanz wird gesagt: „Er gohd gjocket o» ^^^^ 
ggumpet. Die Päärli schüssid im Saal omme wie Brieme [Brems«. "^^ 



Der Volkstanz im Appenzellerlaode. 13 

in-ere Laterne ond jockid ond gumpid ond pfuasid omme, dass-^ 
jiomme wessid wofaee!"^ Yon diesem V» Takt -Walzern sagt 
der Spillmann: ^Die zwee frönte Täanz gohnd üüs e-n-Aard 
nütz aa; me nehd-s^ eso, will me-p-ebe-n-au efange-n-eerber vyl 
Schwoobe-n-im Appenzellerländli häd.^ 

Erst in neuerer Zeit aufgekommen und weniger gebräuchlich 
sind Mazurka („MasoUke'*), Polka („BoIIke'^) und Polka- 
Mazurka (^BoUke-Masollke''). Diese Tänze werden mehr auf 
Verlangen, als ans eigenem Antrieb gespielt: „'s ischt ebe-n-au 
e frönti, ygwandereti Sach, die-me e-so weges de vyle Frönte 
Bpillt, wie d'Sechsachtel-Täänz ; aber's Ländlerli ischt ond blybt 
halt äänzig ond elää appezeliisch: *s lopft ämm gad bschäädeli 
d'Bää ond ropft-di hönder-'m Tisch hönne vöre ep-t' welischt 
oder nüüd. Me chönnt nüd rüebig zuelose*'. Ausser diesen 
Tanzarten giebt es noch sechs andere, die zum Teil vergessen 
sind oder nur noch selten getanzt oder aufgeführt werden. Sie 
sollen kurz charakterisiert werden. 

Der ^Galopp er*" oder ^Hopser" wird wohl auch der 
Yon Tituö Tobler erwähnte „Hopper** sein**), von dem er schreibt: 
„Der Hopper wird vom Walser unterschieden. Oft klopfen die 
jungen Bursche mit ihren plumpen Schuhen aus allen Kräften 
auf den Boden, dass dieser ordentlich zittert, vorzüglich dann, 
wenn sie einen Sprung nehmen, und der Jüngling und das Mäd- 
chen, neben einander gekettet, sich um den Kreis bewegen.*' 

Der Hierig, Hierege, Hierlig, d. h. der hier im Lande 
alte Appenzeller- Pantomimen-Tanz, wurde seiner Zeit in Inner- und 
Aasserrhoden getanzt, ist jedoch leider nicht mehr an der Tages- 
ordnung. Ich begegnete ihm in Ausserrhoden ein einziges Mal, und 
zwar an einer theatralischen Aufführung. Auch in Innerrhoden 
wird er nur noch bei festlichen Anlässen und Aniführnngen und 
xiamentlich an den künstlich arrangierten Alpstuberten mit Virtuosi- 
tät aufgeführt. Er ist ein anstrengender Solo-Tanz, wobei Tänzer 
mid Tänzerin in der Tracht eines alten Appenzeller-Paares auf- 
treten und als altvaterisches, komisches Pas-de-deux in grottes- 
kor Weise darstellen, wie sich zwei Liebende entzweien, sich 
STög-enseitig auf alle mögliche Weise necken, sogar lange Nase 
'"»«.eben, an Nase und Ohren zupfen und sich verhöhnen. 

Der Tanz nimmt ungefähr folgenden Verlauf: Das Paar 
^^^bt zunächst nebeneinander^ hält sich nach alter Appenzeller- 

**) Appenzellischer Sprachschatz. S. 6. 2ß8. 



u 



Der Volkstanz im Appenzellerlande. 



art d. b.: Er legt seine rechte Hand anf ihre linke Schulter 
und Sie legt ihre linke Hand auf seine rechte Schulter. In 
dieser Haltung gehen sie etwa zwei sogenannte ^Runden^ im 
Kreise herum. Die Musik beginnt und spielt ein flottes Ländlerli 
und das Paar tanzt etwa zwei Runden nach folgender Musik: 



i^^^j^üfea^fe^^ 



^^^^^f^^ mnu unri^^^ 



gf frFr j^ ^l jr^jjzf- i^ ^ ^^EB 




2. 



fe^;£L±L £ }£: ^j^^l^ p 




r^^^^^ ^^^m^^^^ 



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Nach diesen Runden trennt sich das Paar und es tan 
jedes für sich, einander aber stets mit den Augen verfolgen 
Das Tanzen ist nunmehr in ein hüpfendes, trippelndes Fua 
wechseln nach dem Takte übergegangen. Die Hände in d. 
Hüften, wird abwechselnd bald die rechte, bald die linke SchuH 
erhobeu, bald nähern sie sich, bald entfernen sie sich von eini 
der, bald hüpfen sie einander nach, kreisen, reichen sich 
Hände. 

Das Paar hält sich nun wieder wie anfangs: Hände auf c 
Schultern. Seine linke Hand und ihre rechte sind frei, 
dieser Haltung wird vorwärts getanzt, dann plötzlich gedr 
und der Tanz gebt rückwärts. Wiederum trennt sich das Pi 
Sie tanzt kreisend Runden und Er gleichsam als Zeichen 
Grolles frei in stampfender Bewegung ihr nach, wobei sie i. 
neckische Blicke über die Schulter zuwirft. Dann fasst er pl9 



9n 
er 

ie 




Der Volkstanz im Appenzellerlande. 



15 



1 seine Tänzerin bei der linken Hand und — Häode hoch — 
list sie immer aa derselben Stelle. Er jauchzt and doppeliert 
la während einigen Takten, aber ohne zu kreisen. Mit eiaem 
jenseitigen Umfassen und in ursprünglicher Tanzhaltung wird 
;h einigen Runden der „Hierig^ geschlossen. 

Die Bewegungen bei diesem Tanze sind ziemlich frei und 

Q gegenseitigen Einverständnisse des Paares anheimgestellt. 

Ein anderer Tanz heisst: „Der Drei-lederni-Strömpf" *^) 

Dieser komische Tanz wird im SchottischTempo getanzt 

1 hat seinen Namen ^on den Anfangsworten dei^ Textes, der 

I allen Tänzern und Tänzerinnen mitgesungen wird. z. B.: 



pH-^^^^^^ ^ ^ Yf^ ^ ^ 



Drei le- der- niStrömpf, zwee de-zue geed fönf, minu Vat-ter häd e 



:|=^ 



'rf=f=--^ 



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Char- te-gspiel, ischt baar luu - ter Trömpf! 

Die tanzenden Paare stellen sich einander gegenüber mit 
die Hüften gestemmten Armen auf. Die Musik beginnt und 
\ Tanzlied wird gesungen, dabei sind folgende Abteilungen 
bemerken : 

1. Auf das Wort „drei" schlägt Jedes für sich beide Hände 

die Hüfte. Auf das Wort „lederni" klatscht Jedes für sich 

die Hände. Auf das Wort „Strömpf^ aber klatscht sich jedes 

ar kreuzweise in die rechte Hand und auf das Wort „fönf** 

die linke. 

Nach dieser Figur folgt jeweilen ein Schottisch, aber nur 
F dem Platze, d. h. die Tanzenden bewegen sich nicht vor- 
.rts. Dieser Schottisch lautet: 






^^i^^ 



:t 




Nach diesem Schottisch folgt ein Kreistanz, d. h. ein trippeln- 



**) Vgl. Rbiser, Sagen, Gebniuche und Sprichwörter des Allgäus. II 
W), 42<); HCbleb, Bayrisch Schwaben und Neuburg 1901 S. 172. 



16 



Der Volkstanz im Appenzellerlande. 



des Gehüpfe, sodass auf den letzten Takt die Tanzenden wieder 
beieinander sind. Gewöhnliche Melodie dazu: 




Bei sämtlichen folgenden Touren sind die Bewegungen auf 
die Worte ^drei*" und ;,Iederni'^ die . gleichen, dagegen bei 
„Strömpf*^ und „fönf* finden folgende Varianten statt: 

2. Strömpf: Handschlag rechts 

Fönf: ^ links, dann wieder Schottisch und 

3. Strömpf: Fussspitzen aneinander rechts. 
Fönf: „ „ links, 

4. Strömpf: Ellenbogen „ rechts. 
Fönf: „ ^ links, 

5. Strömpf: Ohrläppchen berühren rechts. 
Fönf: jf „ liuks, 

6. Strömpf: Nasenspitze fassen m. d. r. Hand. 



Föüf: 



1. 



7. Strömpf: Wange kneifen m. d. r. Hand. 



Fönf: 



1. 



8. Strömpf: Rücken links kehren. 
Fönf: y, rechts „ 

9. Strömpf: drohen m. d. r. Zeigefinger. 
Fönf: , , , 1. 

10. Strömpf: Kinn m. d. r. Hand fassen. 
FöDf: , ..!.'. 

11. Strömpf: Wange au Wange rechts, 
Fönf: ., „ ., links, aber 

in äusserst zärtlicher Weise, 

12. Strömpf: umarmen und küssen rechts. 
Fönf: ^ ., ^ links, 

13. Schluss-Buchrvberli : 



[Kreistanz, 
do. 

do. 

do. 

do. 

do. 

do. 

do. 

do. 

do. 
do. 



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Der Volkstanz im Appenzellerlanile. 



17 




^ 1 llJf^ lo^ 



{jHfTftrr^^ ^ 



Dieser Tanz ist offenbar mit dem im Elsass bekannten so- 
nannten Fischingertanz identisch, den uns Erk-Böhme fol- 
ndermassen überliefert : *•) 



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^^ipq-jT:^;^ 



1 



Drei led - ri-ge Strumpf, drei led - ri- ge Strumpf, und drei und drei gän 




^s ^i^j-U±±:a±±M 



fDn -fä. Wer da» Lied nicht sin >ge ka, der fangt wiedrum vor-ne a. 



Die pantomimische Beschreibung dieses Tanzes stimmt mit 
rjenigen unseres ^drei lederni Strompf^ bis ins Einzelnste 
erein. Erk-Böhme schliessen: „Zu dem Tanze singen die Zu« 
lauer nach obiger Melodie ein Lied, das die symbolische 
räche der Bewegungen begleitet und erklärt, indem es den 
erlauf einer Liebesgeschichte erzählt (Bavaria II, 883). Yen 
m Liede selbst ist nur der obige Anfang gerettet. Jedenfalla 
dieser pantomimische Tanz sehr alt, und älter als all unsere 
indtänze.*" 

Der Aliwander wurde nur in Ausserrhoden getanzt und, 
e der Schicktanz, gewöhnlich erst dann, wenn es anfieng etwas 
Bgelassen herzugehen, „wenn-s' efange-n e Betzeli Staub in 
Chöpfe gkaa händ.*^ 



Im Muottathal wird der .Allenmandler'' 



,AIIemander'', „AU 



♦♦) Deutscher Liederhort, II (1893) 775. — In Basel wird ein ähnlicher 
nm zum Zapfenstreich gesprochen. Hier lautet er: 

Drei läderi Strimpf 

Und zwai derzue sind fimf 

Und wenn i ain verlier. 

So han i nur no vier vier vier 

So han i nur no vier. 
Auch in der Stadt St. Gallen ist dieser Zapfenstreich-Keim Üblich. Siehe 
iraber: K. Alfb. Toblkb, „Nahes oss mine Buebejohre." St. Gallen. Zolli- 
>fer Bacbdnickerei. 1903. S. 38. 



18 Der Volkstanz im Ap])enzellerlandc. 

maDdler^ oder „Alliwander^ immer noch getanzt ^^), in den Kan- 
tonen Lnsern, Zng, Aargan und Zürioh^^) ist er wenigstens dem 
Namen nach noch bekannt. Dieser Tanz ist nichts anderes als 
die aus Frankreich nach Deutschland zurückgekehrte „ AUemande'', 
die seiner Zeit auch in den höhern Ständen sehr beliebt war 
und sich heute noch als Überrest und als Erinnerung an die 
Tanzkunst unserer Urgrossväter im Muottathal und in Appen- 
zell Ausserrhoden erhalten hat. Rhythmisch bewegte sich dieser 
Tanz, wie bei uns, im V* -(Schottisch-) Takte. 

NiM»h der Ueberlieferung bildeten im Luzemischen die Paare 
einen Kreis, der nach einigen Umgängen sich in den Ländler 
auflöste, um sich nachher wieder zu vereinigend^) Im Muotta- 
thal war es ein Tanz, bei welchem die Tänzerinnen der Reihe 
nach gewechselt wurden und allemal ein Tänzer leer ausging.^ 
Dieser Tanz ist im Appenzell der sog. „ Schicktanz ^. Bei ont 
ging es beim Aliwander folgendermassen zu: y,Musi! Der Ali- 
wander! Wer will Tanzmääschter seeP^ Dieser, der sog. „kenn- 
bare'' Führer übernimmt alsdann die Leitung des in 5 Abtei- 
lungen zerfallenden Tanzes. Die Musik spielte, wie bemerkt 
zum Aliwander jeweilen eine kleine Anzahl stereotyper Schottisch- 
Formen. 

Nachdem sich schon während des Spieles Tänzer und Tän- 
zerinnen im Kreise Hand in Hand aufgestellt haben, gehen sie 
so im Kreise herum. Der „kennbare^ Führer klatscht und die 
Tänzer stehen still: „d'Wyber weerid fortgschickt'' und sie winden 
oder schlängeln sich händereichend und wieder lösend bald an 
<ler Vorder-, bald an der Rückseite der Tänzer yorbei. .Wah- 
rend dieses sich um die Tänzer windenden Rund- oder Schling- 
ganges, „appezellerlid diese mit de Bääue ond löönd e so zwü- 
schet-ine eppe-n emool en Juuchzer aab*'. Nach etwa 2 — 3 Touren 
packt der Tanzmeister seine Tänzerin, ^'s Wibsbild'^, und klatscht, 
worauf sich Alle wieder, wie anfangs, ketteuartig halten und in 
einer Reihe im Kreise herumgehen. Auf weiteres Klatschea 
stehen Alle still. Die Tänzer bilden um die Tänzerinnen herum 



*^J ScHWEizEuiscHF^j Idiotikox I, 172. — ♦**) Kt. Zug i Archiv 1, 120; Kt 
Luzern: M. A. FEiERAnKSD, Cber Volksfeste und Volksspiele im Kt. Luzem 
1843, S. 103; IVvkfkr, Der Kt. Luzern (Gemälde der Schweiz Bd. in, 1) I 
(1858), 312; Kt. Aargau; Schweizer Freie Pkessk (Baden) 1897 Nr. 45. — 
*^) Stirnimaxn, Volksbräuche aus dem Kantou Luzern. Im „Centralblatt dea 
Zofinger- Vereins". 1898. S 387. — •<>) Schweiz. Idiotikon I, 172. 



i)er Volkstanz im Appeuzellerlande. 19 

einen Kreis und zwar in der Weise, dass sich die Tänzer so 
fest als möglich die Hände reichen. Nnn setzt sich jeweilen 
eine Tänzerin auf die zusammengepressten Fäuste zweier Tänzer 
und wirft ihre Arme diesen über die Schulter. In dieser leben- 
digen Schaukel werden die Tänzerinnen im Kreise herumgetragen. 

Eben so fest, wie sich die Tänzer gegenseitig aneinanderketten, 
haben sich auch die Tänzerinuen an die Tänzer zu schmiegen: 
^botz tuusi tonder, sös woorid-s' abikeje ond seb wäär letz!^ 
Auf ein gegebenes Zeichen bin stellen sich Alle wieder in Reih 
und Glied uud verlassen Hand in Hand im Gänsemarsch das 
Tanzlokal, um durch alle möglichen Räume des betreifenden 
Stockwerks ^ond eppe-n-emool gad au vo zonderischt bis zobe- 
rischt^ zu wandern uud dann, wo immer möglich, zu einer an- 
deren Tür wieder herein^umarschieren. Ist dies geschehen, so 
seilt sich der Tanzmeister in die Mitte des Tanzraumes und es 
wird der sogenannte ^Wendelbomm"^ gemacht, d. h. die ganze 
Gesellschaft windet sich Hand in Hand um den Taozmeister 
herum auf, wie man Faden um eine sog. Fadenseele aufwindet, 
,80 e das-es Gatti häd, wie en Spuel oder e Läärli bim Spuele'^. 

Nun bricht sich der Tanzmeister Bahn und schlüpft unter 
den in die Höhe gehaltenen Arme der ihn zunächst einschliessenden 
Paare hindurch und ihm schliessen sich der Reihe nach die 
Anderen an, bis sich der Kneuel aufgelöst hat, um aufs Neue 
wieder Hand in Hand im Kreise herumzugehen. Der Tanz- 
meister giebt endlich das letzte Zeichen, worauf sich alle los- 
lassen, einander rücklings übers Kj*euz die Hände reichen und 
10 rückwärts tanzend den Aliwaudor beschliessen. Dieser 
lustige Tanz wird offenbar nur desshalb nicht mehr getanzt, 
,wilI-8' hüttigstags efange z'fuul sönd, Näbes rechts z'Ieerne ond 
lieber gad wällserlid oder sös efange gad lieber vo ämm Egg is 
ää jockid, wie d'Hell ond de Tüüfl**. 

Zu Titus Toblers Zeiten^') nannte man diese oder eine 
ähnliche Tanzart im Mittel- und Hinterlande „e Schwööbli"*, 
welcher Name auf unsere ^Allemande" hindeutet. 

Alte Aliwander. 
1. 




**; Appenzellischer Sprachschatz. S. 6. 



20 



Der Volkstanz im Appenzellerlande. 



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Fon Anfang. 




^^^^^Jg MitgjHg^ 




Neuere Aliwander. 
I. 




Der Volkstanz im Appenzellerlande. 



21 




Der Ballbierer-Tanz ist ein Pantomimentanz, der sich in 
an- und Ausser-Rhoden bis in die neuere Zeit stets grosser 
»eliebtheit erfreute. Jetzt aber wird er nur noch selten auf- 
efuhrt. An theatralischen AiifTührungen oder bei Abendunter- 
altungen kann man ihn gelegentlich noch zu sehen bekommen, 
simer aber amüsiert er das Yolk, „dae-s* gad d' BüQch habe 
loönd vor Lache^. Zu diesem sehr anstrengenden Tanze ge- 
oren ein Barbier, dessen Frau und ein Kunde, der sich den 
orschiedenen immer tänzelnd ausgeführten Operationen geduldig 
nterzieht. Als Instrumente figurieren: Ein Riesen-Rasiermesser, 
las e Gattig häd wie e Segess,^ eine grosse Seifenschüssel, 
pvie 's grööscht Milechbecki", ein grosser Hammer, ein grosses 
temmeisen zum Aderlassen und endlich eine grosse Zange zum 
ahnziehen „vom Vechtoktr*". Die Musik zu dieser Tanz-Opera- 
>ii ist der Schottisch. Zuerst wird der ruhig hereinkommende 
ctude von den ihn bis zum Schlüsse dieser Operation unablässig 
■^tänzelnden Rasierersleuten, „vom Ballbierer ond simm Wyb* 
' den Operationsstuhl geleitet. Alsdann wird er rasiert, frisiert, 
'^ Kopf gewaschen, geschröpft und endlich zur Ader gelassen. 
^Q Schluss bildet das Zahnziehen, wo bei der Patient als Schluss- 
^kt, „no en Malioo-Schrää ablood**. — 

Der Schicktanz^^) ist ein Tanzspiel, welches sich in Inner- 

**) T. ToBLKB, Sprachschatz S. 386. „Schicke, en guette Schick tue'', 
'^»J guten Kanf oder Verkauf machen, d. h. dabei gewinoen". Beim „Vech- 
^ckle* wird der Handel durch gegenseitiges dreimaliges klatschendes 
^^"»^gelübde beteuert, d.h. „me chlepft y". 



22 



Der V^ülkstanz im Appenzellerlande. 



und Ausser-Rhoden noch immer grosser Beliebtheit erfreut. Er 
setzt einen überzähligen Tänzer voraus, der „Bletzbueb'' genannt 
wird. Die Tanzenden stellen sich paarweise auf. Sowie ge*^ 
rufen wird: ,,Schicktanz! Bietzbueb, (oder) Bletzbuebe-n-ine ! 
Chlepfid!^ spielt die Musik in gemässigtem Marschtempo den 
Schicktanz oder Schickmarscb, zu welchem die Paare Hand in 
Hand ruhig im Kreise herumgehen. Nun beginnt das „Schicke^^ 
d. h. der Bletzbueb, oder wenn mehrere Bletzboebe da sind, 
klatscht der vorderste Bletzbueb in die Hände, „er chlepft", 
worauf sich ihm die Tänzerin des zunächst hinter ihm her- 
marschierenden Paares sofort anzuschliessen hat. So klatscht 
der Reihe nach Einer nach dem Andern, solange bis die Musik 
plötzlich und an ungeahnter Stelle den Schicktanz verläast und 
einen Walzer spielt. Wer bei diesem Übergange vom Schick- 
tanz zum Walzer keine Tänzerin erwischt hat, bleibt Bletzbueb 
„ond taar gad wider nebet-usi stoh**. Sind einige Walzer-Run- 
den getanzt worden, so geht die „Bletzbuebegeschichte'' wieder 
von vorne an. Gewöhnlich leitet der erste Geiger das Ganze, 
sodass er gelegentlich einem Tänzer oder einer Tänzerin übel 
mitspielen oder aber auch „vyl z'Lieb thue chaa". „Säle wie, ^Dor- 
nessler*^ oder „Guscht, machid de Jokeb zom Bietzbuebe, i möcht 
emool mit Syner taanze; Myni ischt-mer vetläädet". 

An einer Hochzeit kam einmal ein Bauer direkt aus dem 
Euhstall in den Tanzsaal, also „gad ase n-in Holzbodeschuje ond 
im Stallhääs'^. Die Musikanten Hessen solange schicken, bis der 
Senne in seinem duftigen Stallkleide die Braut erschickt hatte 
und zu allgemeiner Freude „e-n-eebegi Längi"* mit ihr tanzen 
durfte. Als der Tanz endlich aus war, meinte sie: i hätt-*8 ehe 
no lang uusghaalte mit-'m Haastoni; i cha denn Minn scho no 
lang gnueg aaluege dehääme!^ 

Schicktanz. 




Der Volkstanz im Appenzellerlande. 



23 



oder: 




Appezeller-Wälserli oder Bncbryberli 
nach dem Schicktanz. 







^lj:L^L^tLfe-^tt£jL^I^^ 




i ^^P^S 



Der „Cheerab" ^^) endlich ist der Schlusstans des Tane- 
ends. So wie die Musik den Kehrab spielt, spazieren Tänzer 
d Tänzerinnen, sich an der Hand führend, paarweise im Kreise 
rum und singen dazu: 

Jetz ma-chid-mer no deCheer-ab, deCheer-ab, deCheer-ab, jetz 



^hrii- g^s j^^^g^gi 



ma-chid-nier do de Cheer-ab, de Oheer - ab, de Cheer! 

Nachdem der Kehrab einigemal gespielt und berumgesungen 

irde, ,,heenkt d'Musi wädli e National- Buchryberli aa ond denn 

eppe-n-ääs, bis de Pflaanz e-so eppe-n-em morge-n-omme 

ea oder vieri oder foöfi omme-n-uus ischt, wenn's guett gohd 

d 8ÖS fangt-me gad no emool e Betzeli vo vorne-n-aa; 's ischt 

all no Zyt ond früe gnueg zom häägoh!^ — 

(Fortsetzung folgt.) 

") Anderwärts Id der Schweiz auch Cherüs; s. Schw. Id. I, 32. 557. 



24 




Die altschweizerische Dramatik als Quelle für 
volkskundliche Forschungen. 

Von Renward Braudstetter in Luzern. 

(Vortrag, gehalten an der VIII. Generalversamnihing der Schweizer. 
Gesellschaft filr Volkskunde, Sonntag den 7. Juni 1903, in Winterthur.) 

Qrossartig, glanzYolI, märchenhaft waren die AoffQhrungen 
der altschweizerischen Dramen im 16. und im Anfang des 17. Jahr- 
hunderts. Versetzen wir uns in die Stadt Luzern, am Oster- 
montag und Osterdienstag des Jahres 1597! Zweimal zwölf 
Stunden lang, von morgens 6 bis abends 6, zieht eine unendliche 
Reihe prunkvoller Bilder an unsern Augen vorüber, rauschen 
die Lieder von drei Gesangchören in unser Ohr, dampft be- 
täubender Weibrauch gen Himmel. Wenn z. B. das alte Testa- 
ment fertig gespielt ist und das neue beginnen soll, so verkündet 
ein Kirchenlehrer, als Papst verkleidet, den Anbruch der Gnaden- 
zeit; aUe Anwesenden, Schauspieler wie Zuschauer, sinken auf 
die Kniee, Posaunen und Harsthörner ertönen, die Donner- 
maschine tritt in Funktion, in sämtlichen Kirchen der Stadt wer- 
den alle Qlocken geläutet, und von den alten Türmen der Ring- 
mauer erdröhnen Böllerschüsse gegen den Spielplatz hin. 

Da das altschweizerische Drama eine solche Fülle pracht- 
voller Bilder bietet, so hat es schon seit längerer Zeit die Auf- 
merksamkeit der Forscher auf sich gezogen. Die bisherige Forsch- 
ung hat allerdings fast ausschliesslich die litterarhistorische and 
die dramaturgische Seite des Themas ins Auge gefasst. Nun 
hat aber unser altschweizerisches Schauspiel noch eine dritte 
Seite, die ebenso sehr Berücksichtigung verdient, es ist dies das 
volkstümliche Element, das ihm innewohnt. 

Das altschweizerische Drama ist einmal ein nationales ur- 
wüchsiges Produkt unseres Landes. Unsere Dichter sind, wie 
Altmeister Baechtold nachweist, meist originell, Anlehnungen an 
ausländische Spiele, Übersetzungen lateinischer Stücke kommen 
selten vor. Luzerner Autoren wählen wohl eine lateinische Le- 
gende des Surius als Grundlage, aber diese Legende umfasst nur 
1 — 2 Seiten, und unser Dichter macht daraus einen Folianten. 



Die altschweizer. Dramatik als Quelle für volkskundl. Forschungen. 25 

Das altschweizeriscbe Schauspiel ist dann auch in dem 
inn national und volkstümlich, dass es seine Stoffe und An- 
3hauungen zum grössten Teil aus dem Kreise des 
olkes, des schweizerischen Volkes nimmt. Dies findet sogar 
ei den so zahlreichen religiösen Dramen statt. Diese, die selbst- 
arstlndlich ihre Ideen aus Bibel und Legende beziehen, haben 
Imlich fast immer populäre Einlagen, Gastmähler, Streitszenen, 
;c., welche von den Autoren mit sichtlichem Behagen sehr weit- 
ufig ausgesponnen und recht volkstümlich durchgeführt werden. 
3 werden bei den biblischen Gastmählern der Centralschweiz 
üechle und Krapfen, die jetzt noch so beliebten Lecker- 
ssen unserer bäuerlichen Bevölkerung, aufgetischt und es wird 
)r jetzt noch so geschätzte Yeltliner getrunken; hiebei wollen 
ir uns erinnern, dass auch C. F. Meyer in seinem „Engelberg*^ 
m Feuerwein vom Yaltellin kredenzen lässt. — Der Tenor der 
»Ikstümlichen Dramen und der volkstümlichen Einlagen in den 
nst-religiösen Spielen ist nun meist ein derber. Im Roten- 
irger Drama „Isaaks Opferung'', ruft Abraham Gottvater zu: 
^enn Du mich nicht erhörst, so soll Dich, Gottvater, das noch 
if dem Todbett ängstigen.^ Diese Derbheit ist zwar allgemeine 
»itrichtung, aber ein grosser Teil derselben wird doch- auf das 
ezifisch-schweizerische Konto zu setzen sein. Wir können zum 
argleich und Beweis auf Gotthelf hindeuten, wir können daran 
nken, dass unsere beiden begabtesten Minnesänger Steinmar 
id Hadlaub vom feinen höfischen Sang, den sie in der Jugend 
(lernt, bei erwachter Selbständigkeit zur grobkörnigen Dorf- 
>e6ie übergegangen sind. 

In unserm alten Drama ist drittens auch die Szenerie, 
ie Landschaft echt schweizerisch. Hans von Räte begnügt sich 
icht, zu schildern, wie die Arche auf irgend einem hohen Berg 
:ehen geblieben, sondern sie ist auf einer „Alp" festgefahren, 
riebei fallt mir ein, dass auch in Zwingiis Psalmenübersetzung 
ie Landschaft ein heimelig schweizerisches Kolorit hat: Die 
sbafe weiden nicht auf den Fluren Galiläas, sondern im „Gäu^, 
Weht nicht ein heisser Wüstenwind, sondern der Föhn, u. a. m. 

Und endlich spricht sich in unsern alten Dramen nicht 
Iten ein kräftiges Schweizerbewusstsein aus. Wenn im 
^arbali**, jenem bekannten Stück unseres grössten altschwei* 
i'iBchen Dramatikers, des Nikiaus Manuel, die Heldin ihre 
i^ersacher durch die Wucht ihrer Argumente niedergerungen. 



26 Die altschweizer. Dramatik als Quelle ftlr volkskundl. Forschungen. 

80 ruft die Matter, falls die Gegner es noch einmal aufnehmen 

sollten : 

Da solt du sie aber ^) wol usfegen 
Grad wie ein polierter schwyzertegen. 

Im Rotenburger Drama lobt am Schluss Abraham den Gott* 
vater mit den Worten: 

De hast dih ghaltä wienä Thäll. «) 

Ich habe Ihnen hiemit einleitend in einigen Zügen die 
Volkstümlichkeit der altschweizerischen Dramatik bewiesen. Da- 
mit sind wir beim Kernpunkt unserer Betrachtung angelangt: 
Was ich nur im allgemeinen angedeutet, muss ich nun im ein- 
zelnen ausführen, und ich muss Ihnen zeigen, wie diese volks- 
tümlichen Momente für die volkskundliche Forschung verwertbar 
sind. Und da sage ich, dass uns dieses volkstümliche Wesen 
der alten Dramatik in dreifachem Strahl entgegensprudelt, in 
Sachen, in Worten, in Gebärden. 

Erstens also in Sachen! Es ist nämlich einmal, wie Hoff- 
mann-Krayer in seiner Schrift ^die Volkskunde als Wissenschaft '^ 
so treffend auseinandersetzt, Aufgabe der Volkskunde, die gei- 
stigen, moralischen, rechtlichen Anschauungen des Volkes, seine 
Mythen und Sagen, seine Sitten und Gebräuche, u. a. zu er- 
forschen und darzustellen. Verweilen wir gleich einen Augen- 
blick bei den alten Sagen. 

Es ist bekannt, dass der reiche Schatz an alten deutsche» 
Sagen, der uns in der mittelalterlichen Litteratur so glänzend 
entfaltet entgegentritt, in der nachhohenstaufischen Zeit allmäh- 
lich und zum Teil sehr rasch vergessen wurde. Aber gerade 
diesseits des Rheins blieb das Andenken daran, wenn auch immer 
trümmerhafter, so doch noch recht lange lebend. Baechtold weist 
nach, dass die Gestalt Dietrichs von Bern noch um 1600 bei 
uns bekannt war. Und Dietrichs Residenz Verona heisst in de» 
Luzerner Verhörprotokollen noch im Jahre 1578 Dietrichs Bern. 
Von Karl und Roland und der UnglQcksstätte Ronceval weis» 
die Russ'ische Chronik^) und wissen andere volkstümliche Chro- 
niken der Schweiz noch allerlei zu berichten. — Aus dem Volks- 
bewusstsein sind nun die Ausklänge der alten Sagen auch in 
unser Drama hineingerankt. Ich betone, aus dem Volksbewusst- 



*) Noch einmal. — *) Wie ein Teil. — ') Der einzige Abdruck dieser 
Chronik ist mangelhaft und veraltet. Rektor HQrbin-Luzern bereitet eine 
neue Ausgabe vor. 



Die altschweizer. Dramatik als Quelle für volkskundl. Forschungen. 27 

«ein, nicht aus gelehrten BQchern, denn alle diese Anspielungen 
finden sich nur in ganz volkstümlichen, urwüchsigen Scenen. 
Im Rotenburger Spiel beklagt sich Gottvater darüber, dass die 
Engel ihm nicht gehorchen wollen, er will sein Amt niederlegen 
und fügt bei: 

ich hab gschworä, seg's noh ä mahl 
ä so^) kam ih föUig in runtzifahl. 

Hier ist der Name des Engpasses Ronceval figürlich ver- 
wendet im Sinn von „Klemme^. Als Berg gedacht ist Ronceval 
am Schluss von Manuels Stück „Ecks und Fabers Badefahrt^ : 

Do Egg und sin gsell Faber log, 
dass sich der berg Runzefal bog. 

Auf ähnliche Weise hat sich bei uns auch das Andenken 

an Eriemhildens Rosengarten erhalten, im volkstümlichen 

Drama, wie im Volkslied. Ein altes Volkslied von der ,, ewigen 

Richtung^, das uns Tobler registriert, sagt von einem ungetreuen 

freund : 

Von dem du wandest *) trost erwarten, 
der schlenzt *) dir selbs din rosengarten. 

Und in den Luzerner Osterspielen murren die von Hunger 
^nd Durst gequälten Juden wider Moses: 

Schow, wie sind wir jm rosen gartten! 
Müessend Lang vmbzien vnd wartten. 

Wir stossen in der Dramatik sogar auf Reminiszenzen, die 
weit hinter die hoheustaufische Zeit, bis ins alte Germanentum 
zurückreichen. Die Werke über altgermanische Mythologie reden 
auch davon, dass dem germanischen Heidentum die Zahl Neun 
eine heilige oder eine ominöse Zahl war. Hievon finden wir 
noch mannigfache Spuren im Volksbewusstsein der alten Schweiz. 
Die Luzerner Gerichtsprotokolle aus den Zeiten der Schlacht von 
Sempach registrieren, dass man sich damals unter dem Volke, 
um dem Haas oder Zorn Ausdruck zu verleihen, die Epilepsie, 
^das vallende Übel"^, anwünschte; nicht selten finde ich aber 
protokolliert, dass „das nun vallende Übel^ angewünscht wor- 
-den war. In derben Partien der Dramatik findet sich diese omi- 
nöse Zahl ebenfalls, so im Luzerner Spiel vom hl. Leodegar: 



*) ä 80 = mhd. ie s6, verstärktes so. — *) wähntest. — •) verwüstet. 



28 Die altBchweizer. Dramatik als Quelle für volkskundl. ForschuDgeo. 

Fort, fort '') dan ^) in seckellärs orden, 
Ein junger Man *) nun mal verdorben 
Sol dennocht nimmer sin verzagt. 

Es ist nun interessant, dass das Schweizerische Idiotikon 
ein ganz ähnliches Sprichwort noch lebend aus einer schweize* 
rischen Mundart verzeichnet: ^En junge Ma cha nun Mol z'Grund 
go und doch wider, z'weg chu/ ^^) 

Selbstverständlich treffen wir auch spezifisch schweize- 
rische Mythen- und Sagenstoffe in reichem Masse in der 
Dramatik. Die Sage vom verruchten Spieler von Willis- 
au, der, aus Unmut wegen fortwährenden Verlustes, sein Schwert 
gen Himmel warf, um Qottes Seite zu treffen, worauf Bluts- 
tropfen aus der lichten Höhe herunterfielen, diese Sage hat auch 
Aufnahme in die alte Dramatik gefunden, sie wird im Bigandus, 
der 1679 in Ölten aufgeführt wurde, erzählt. Ferner berichtet 
die schweizerische Eirchengeschichte oder Lütolf in seiner Sagen- 
sammlung, man habe den Wiedertäufern in Art Yorgeworfen,. 
dass sie statt der Hostie eine Hummel zur Kommunion genössen, 
welche Hummel aber eigentlich der Teufel sei. Auf diese 
krause Volksmeinung spielt das Luzerner Stück von der Kreuz* 
erfindung an, in der Stelle, wo der fanatische Romelias den 
andersdenkenden Isachar anschreit: 

Ein Humel hast gfressen on Zwyffel, 
Das gsägno dir der schwertzist Tttffel. 

Werfen wir unsern Blick auf ein anderes Gebiet, das des- 
volkstümlichen Rechtslebens, so erweist sich die alte Dramatik 
als wahres Dorado für den Folkloristen. Betrachten wir z. B. 
einen der am meisten volkstümlichen Rechtsbränche, das Friede- 
trinken und das Friedeabtrinken, ein Rechtsbranch, der 
u. a. in Segessers Rechtsgeschichte oder im Schweizerischen Idio- 
tikon ausführlich geschildert ist. Weon irgendwo ein Streithandel 
ausbrach, so hatte jeder ehrliche Bürger, der dazu kam, Recht 
und Pflicht, Frieden zu bieten. Die Formel, die dabei zur An- 
wendung kam, war in Luzern nach dem Statut von 1484: „gib 
Prid!**, in Unterwaldea: „Ich büt üch miner Herre Prid**. Oe* 
horchen die Beteiligten dem Friedebieter, so folgt gemeinig- 
lich noch ein Yersöhnungstrunk. Wollen sie aber den Frieden 



') Auf und davon in die Fremde ! — ^) denn. — ') EÜn junger Mann 
aus dem Orden, der Zahl derjenigen, deren Beutel leer ist, die ihr Geld ver- 
lumpt haben. — '*') wiederhergestellt werden. 



Die altschweizer. Dramatik als Quelle für volkskundl. ForschoDgen. 29 

^geben^, so eotsteht daraus das positive mit öffentlicher 
B bedrohte Vergehen des Friedversagens. Wird der 
le gegeben und dann dessenungeachtet mit Worten oder 
ken gebrochen, so resultiert daraus sogar ein Verbrechen, 
ies Fried bruchs. In unsern Dramen also kommt dieses 
lebieten sehr oft vor. In den Luzerner Osterspielen bietet 
Schreiber des Pilatus, der zufällig vorbeigeht, den sich bal- 
en Wächtern Friede, im Weinspiel, das von Rudolf Manuel, 
Sohne des Nikiaus Manuel verfasst ist, tritt der Narr als 
lebieter auf, ebenso in Peter Spichtigs Dreikönigspiel von 
^ern, welches kürzlich von Bibliothekar Franz Heinemann 
isgegeben worden ist. — Nach einiger Zeit dürfen die Be- 
ten dieses besondere Friedensverhältnis wieder lösen, da- 
1 kehren sie unter das gewöhnliche Recht zurück. Dies 
lieht gemeiniglich durch einen Trunk, und das ist das Friede- 
oken, welches uns u. a. das Luzerner Drama vom hl. Leo- 
r vorführt: Die zwei Henkersbuben Servus und Sorbet, die 
gezankt hatten, gehen ins Wirtshaus zum Friedeabtrinken: 

Holla, württ, schow vns schlacker ann 
Die mttesäend httt gesoffen han; 
Drnm trag winn bar, dir on schad, 
Das triben möcht ein müli rad. ^') 

Hospes bringt den Wein. 
Ich bann gwys win den aller besten, 
Der machett freUd den lieben gesten. 

Servas trinkt dem Sorbet zu. 
Sorbett, an mich kein vnmnott hab; 
Bring dir des trancks den friden ab. 

Sorbet antwortet. 
Schon ^^) ich der streichen dencken sott, 
So gsegne dirs recht dennocht Gott. 

Das Motiv des Friedebietens hat auch ausserhalb der 
latik in der älteren volkstümlichen Litteratur Verwendung 
iden. Im „Paradies'', einem humoristischen Produkt des 
ten Luzerner Dialektdichters, des Pfarrers Ineichen, bietet 
Serr dem Adam und der Eva, welche beide sofort nach 
Erschaffung Zank angefangen haben, Friede: 

Stille, stille, i bUte Fried, 

Schreit do der Herr, sind doch an g'schyd. 



') Diese gleiche Hyperbel verwertet auch unser Minnesänger Steinmar. 
ObschoD. 



30 Die altscbweizer. Dramatik als Quelle ftlr volkskundl. Forschungen. 

Adam will nicht sofort einwilligen, er droht, er gehe in 
fremde Kriegsdienste, wenn Eva ihr Maul nicht halte, aber end- 
lich gelingt die Versöhnung. 

Über ein ferneres Objekt der folkloristischen Forschung, 
die alten Spiele und Volksbelustigungen, welche wir auch 
aus den so zahlreichen Luxusedikten der alten Zeit studieren 
können, giebt uns auch unser Drama eine ebenso reiche, aber 
viel lebendigere Auskunft. Im jüngsten Gericht des Zugers Za- 
charias Bletz werden auch die Lehrer zur Hölle verdammt, weil 
sie die heiligen Pflichten ihres hehren Standes vernachlässigt 
und nur an eitle Vergnügungen gedacht: 

Gluckeren *'), stöcklen war ir leer, 
würfflen, kartten tribeos seer, 
platten schiessen vnnd derglichen, 
klotz werfen, keglen 

Im Rotenburger Drama „Isaaks Opferung^ gehen Gott- 
vater und Abraham, nachdem sie am Ende des Spieles aufs 
neue Freundschaft geschlossen, zu einer Kaiserpartie; das 
Kaisern war aber das altschweizerische nationale Kartenspiel, 
das jetzt durch den Jass fast verdrängt ist. — Wie populär 
die dramatischen Aufführungen in der alten Schweiz waren, 
geht übrigens auch daraus hervor, dass sie auch zu den Kin. 
derspielen gehörten, wovon uns der jüngere Platter in seiner 
Autobiographie ein reizendes Beispiel vorführt. 

Recht amüsant ist, dass man aus unserer Dramatik ein 
ganzes Lehrbuch der volkstümlichen Gastronomie erstellen 
könnte. Es kommen in derselben viele Gastmäler vor, so enthält 
die „Belagerung der Stadt Babylon^ von Jos Murer, der in der 
gleichen Stadt wirkte und dichtete, die uns heute so gast- 
freundlich empfangt, ein grosses Bankett, und da figurieren denn 
stets und ausschliesslich die Leckerbissen, welche damals recht 
populär waren, und die zum grössten Teil jetzt noch zur 
Gourmandise unseres Landvolks gehören: Küechle, Krapfen, 
bachner Imper**), Schlottermilch *^) etc. In der „armes 
Gret^, dem volkstümlichsten Produkt des oben erwähnten In- 
eichen, erzählt die Heldin, die, um einen Mann zu ergattern, den 
Kanton durchwandert, sie sei auch nach Neuenkirch gekommen, 
wo man das Spiel vom hl. Pius aufgeführt, und sie habe gesehen, 



") Das Schweizerische Idiotikon erklärt alh» diese Ausdrücke. — *♦) Ing- 
wer. — *^) Gestockte, saure Milch. 



Die altechweizer. Dramatik als Quelle flUr volkskundl. ForBchuDgen. 31 

wie der Heilige zusammen mit dem Teufel eine Schussel Schlot- 
termilch geschmaust: 

Bi Barfis ^^ so nf Neüechilch, 
s'iscb nf d'Kuomedi ^^ gsy, 
Der Tüfel hed e Scblottermilch 
Schön knanslet ^^) mit Sant Py. 

Zum Schluss dieses Abschoittes sei noch ein Kuriosum er- 
wähnt, das damals seinen Einzug in die Yolksphantasie gehalten 
und sich auch in der Dramatik niedergeschlagen hat. Der Lu- 
zerner Leopold Cysat hat im Jahre 1661 eine für seioe Zeit 
ganz annehmbare Beschreibung des Yierwaldstättersees geliefert: 
»BeschreibuDg dess Berühmbten Luceruer- oder 4. Waldstätten 
Sees, vnd dessen FQrtrefSichen Qnaliteten vnd sonderbaaren 
Hygenschafften*". Das 24. Kap. dieser Schrift handelt ^von den 
lahmen vnnd wilden Thieren, so vmb disen See gefunden wer- 
den*^, und hierbei berichtet Cysat, wie einst zu Einsiedeln beim 
^est der Engelweihe ein Ochse geschlachtet worden sei, der 2250 
I^fand gewogen. Das Andenken an diesen Ochsen hat nun die 
V^olksphantasie lange bewahrt, denn noch im Rotenburger Spiel 
^Isaaks Opferung'' Yom Jahre 1743 ist von ihm die Rede, von 
grosser Kraft heisst es da: ^so stark wie der Ochse auf der 
^^ngelweihe'^. 

Die Volkskunde beschäftigt sich zweitens auch mit der 

Sprache des Volkes, nicht mit Grammatik und Syntax, denn 

dieses Gebiet gehört ihrer Schwester, der Philologie, wohl aber 

Xftiit vielen andern Dingen, als da sind: Bildliche Redensarten, 

Sprichwörter, Fluch und Schwur, Witz und Wortspiel, 

C^russ und Anrede, Euphemismen u. s. w. Hier nun liefert 

^ns die altschweizerische Dramatik den allerreichsten und aller- 

dchtesten Stoff und ich will gleich eine Beobachtung vorfuhren, 

^6 uns schlagend zeigt, dass hier echt volkstümliches Material, 

:xiicht etwa willkürliche Erfindung der Dichter vorliegt: Die 

^ten Dramatiker schütten in ihren derberen Elaboraten ein 

wahres Füllhorn von Fluch- und Schimpfwörtern aus; und die 

ganz gleichen Ausdrücke treffen wir auch in den gleichzeitigen 

Oerichtsprotokollen als Blasphemien und Injurien, die unter dem 



") barfass. — ") Noch jetzt gebräuchliche humoristische Wortverdreh- 
log, unter AolehouDg an „Kuh*', mhd. kuo. Das mundartliche Komedi be- 
seicbnet jede Art Drama. — ^^) schmausen. 



^2 Die altschweizer. Dramatik als Quelle für volkskundl. Forsch iin|i^en. 

Yolke gebräuchlich wareo, eingeklagt und bestraft wurden. 
Manche leben übrigens auch noch in den heutigen Mundarten. 

Es ist nun« um gleich bei der Materie des Fluchens und 
Schwörens ein wenig zu Ter weilen, nicht auffallig, dass hier 
unser echt nationales Eeib ^^ die Hauptrolle spielt. In Rufs 
Telldrama führt Gessler dieses Wort im Munde, er nennt den 
Teil „der keib vnd gross vnflat^; in dem Drama ^Adam und 
Heya^ vom nämlichen Autor schimpft Eain seinen Bruder einen 
Keib. Recht derb klingt es unserm modernen Ohr, wenn es im 
Luzemer Drama „Martyrium Apostolorum" bei Anlass der Kreu- 
zigung des Andreas heisst: „das Crütz ist schon gerüst, daran 
der arm keib hanngen muoss^. 

Yiel Stoff zur Betrachtung liefern die Euphemismen. 
Religiöse Scheu lässt es bedenklich erscheinen, den Namen Gottes, 
der Madonna, heiliger Dinge leichtsinnig zu verwenden, daher 
werden solche Namen durch ähnlich klingende ersetzt. Ein in 
den Gerichtsprotokollen vom 14. Jahrhundert an oft belegter 
Ausruf oder Fluch war Gotts Lyden. Diese Wendung 
konnte man nun mildern, indem man entweder für den ersten 
Bestandteil oder für den zweiten oder für beide Surrogate der 
geschilderten Art einsetzte; für Gott: Bott, für Lyden: Kryden; 
so entstanden die Phrasen Botts Lyden, oder Gotts Kryden 
oder endlich Botts Kryden. Diese und ähnliche Yerschleiernn- 
gen sind in den Gerichtsprotokollen genugsam belegt, und 
ebenso in volkstümlichen Dichtungen wie in Wittenweilers „Ring*, 
der 3 c 32 Götz plunder für Gottes Wunder sagt, und natür- 
lich auch, im reichsten Mass, in unseren Dramen. Zuerst ver- 
steht man den Sinn des Wortes Bott = nuntius noch und orthogra- 
phiert den Gen. demgemäss mit is oder tts^ so noch in Binders 
^Acolastus*", Vers 663, wo „bots armuot* steht. Aber allmäh- 
lich verdunkelte sich der Sinn dieses Wortes, und von da an 
schrieb man botz und potz. Als so der erste Bestandteil an- 
verständlich geworden war, musste sich der zweite, „Lyden*, 
resp. „Kryden*^, oder was es für ein Ausdruck war, die mannig- 
fachsten Umformungea gefallen lassen, so ist z.B. potz Chride- 
mähl daraus erwachsen, das in Luzern noch gebräuchlich ist 
und auch in einem modernen Dialektdrama, in Kneubühlen 
„Es gflausigs Jlocheig" Aufnahme gefunden hat. Solche Wort- 
verdrehungen treffen wir nun in der Dramatik zu Hunderten. 

*^) Eigentlich: Aas, beisuiulors PferdeaaB. 



J 



\ 



I>io altschweizer. Dramatik als tiuelle ftlr volkskiiiidl. Forscliungen. 33 

Radolf Manuel sagt in seinem Weinspiel: botz tuft für Gotts 
Tonf, botz blnost für Ootts Bluot, Spichtig in seinem Drei- 
konigenspiel hat sogar: botz hundert hüender hauss. 

Unter den böswilligen Anwünschungen steht der Ritt 
im Vordergrund. Ritt ist die echt deutsche Bezeichnung jener 
Krankheit, für die wir jetzt das Lehnwort Fieber brauchen. 
Dieser Ritt nun erscheint in den Dramen meist personificiert, 
als ein mythisches Wesen, als Rivale des Teufels. In Wendun- 
gen, wie „Schutt dich der Ritt,*" die so ziemlich in allen Dramen 
vorkommt, oder „dass im der ritt das Herz abschitt" iu Ru- 
dolf Manuels Weinspiel blickt zwar die ursprüngliche Bedeutung: 
das Fieber mit seinen Schüttelfrösten noch durch; aber in Zu- 
sammenhängen wie .,Hol dich der Ritt; ins Ritten Namen; 
Hat mich der ritt vnd teufel bschisseu^, bei Spichtig; ^Du 
schnöde kutt, sehend dich der ritf", im Luzerner Leodegar, ist 
der Ritt das mythische Wesen geworden. Wir wollen uns hier- 
bei erinnern, dass der Ritt auch bei Boner, den Baechtold einen 
<lurch und durch volkstümlichen Erzähler nennt, eine allerdings 
i^nders geartete Personifizierung gefunden hat, in der bekannten 
lsabel vom Fieber und vom Floh. 

Als Grussformel figuriert überall das bekannte Gottwill- 
Icomm, oft in abgeschwächter mundartlicher Form als „Qott- 
^vrilchen*^ erscheinend. Eine eigenartige Begrüssung habe ich bei 
Salat, bei Rudolf Manuel und im Luzerner „Wilhelmus" ge- 
funden. Der Ankömmling begrüsst die zechende Gesellschaft 
xnit den Worten: „Gott eer's Gloch**. So steht in Rudolf 
IManuels Weinspiel: 

Gott eer's gloch, ir lieben brüeder. 

Was soll dieses ^Gloch^? Das Dictionarium latioogermani- 
cum des Johann Fries giebt für ^Geloch'' die Bedeutung ^Ürte" 
an'^), also meint ^Gott eer's Gloch*^ so viel als .,Gott ehre das 
Zechen'' oder wohl eher die „ Zechgesellschaft ". 

In reichem Masse verwenden unsere alten Dramatiker 
figürliche Redensarten und zwar solche, die offensichtlich 
aas dem Ansohauungskreis des Volkes herausgewachsen oder 
besser gesagt, die von den Dichtern dem Yolksmund abgelauscht 
sind. Es ist zum Beispiel recht amüsant, zu beobachten, wie 
gerade die obenerwähnte volkstümliche Gastronomie in die dra- 



^) J. Baechtold, Nikiaus Manuel, S. 451. 



34 Die altseliweizcr. Dramatik als Quelle für volkskundl. Forschungeu. 

matische Bildersprache hineinreicht. In den Luzerner Osterspielea 
will Veronika Christus auf seinem Gang nach Golgatha einea 
stärkenden Trunk reichen, einer der Henkersknechte stösst sie 
aber zurück mit den höhnenden Worten: 

Ja frylicb, man muoss im kUecblin bachen. 

In Nikiaus Manuels Stück ^die Krankheit der Messe^ sagt; 
Doktor Lügegk: 

Wer kan küechlen on für und anken? 

Im Luzerner Leodegarspiel beklagt sich die Meretrix, man. 
müsse den Männern immer Honigkrapfen backen, d. li. 
Schmeichelworte geben. — Diese Bildersprache ist überhaupt bc 
den schweizerischen Schriftstellern des 16. Jahrhunderts, auel 
in den Produkten einer ganz verstand esmässigen Prosa sehr b^ — 

liebt, yiel mehr, als bei den gleichzeitigen reichsdeutschen Ai^b. - 

toren. So sagt Yadian in einem geschäftlichen Brief: Man w^i^Sl 

maynen, die sach werd on ainen blast ^^) nit zergon. Ich find e 

es bezeichnend, dass das Grimmsche Wörterbuch ,,Bla8t*' m _n 
dieser figürlichen Verwendung nicht kennt. 

Von besonderm Interesse für den Kulturhistoriker, ab^^^r 
auch für den Folkloristen ist das Lehnwort einer Spractm ■ c, 
einer Mundart, denn dasselbe legt davon Zeugnis ab, wie äL^^^r 
Handel und Wandel zwischen einem Lande und seinen Na<3^Hi- 
bargebieten sich hin und her bewegte. Nun hat die Schw^^f z, 
vor allem der gegen die Alpenpässe hin gelegene Teil derselb^sr- n, '^ 
stets regen Verkehr mit Italien unterhalten, daher die gras -^e 
Zahl italienischer Lehnwörter in unsern Mundarten. t> '^r 
Kaufherr brachte Wörter heim wie Bolete „Billet** oder K j^- 
barre, dessen Verwendung sich mit dem des schriftdeutschen „Ml Mo- 
neten** deckt; der Viehtreiber führte die Hundenamen Car" o, 
Belle, Fido, Fino ein, dem Reisläufer verdanken wir M '«a- 
statz „Ohrfeige^, italienisch niostaccio. Nun findet sieh dieses 
Wort nur in den Luzerner Dramen, und nur um 1600, z. B. "Am 
„Wilhelmus'': Ein mustatz gib ich dir zum grind^'). Den and^ ^fl 
alten Dokumenten ist es unbekannt, ebenso den heutigen schw ^i- 
zerisohen Mundarten. Und doch muss dieses nur durch die D«"^- 
matik belegte Wort einst wirkliche, lebende Mundart gewe»^n 
sein, denn die Dramatiker nehmen, offensichtlich, nur solc I^ö 
Fromdwörter auf, die zugleich Eigentum des Volksmundes ware^^f 

-'y Für: puliti.scho L'nrühe. — --) Schädel. 



Die altschweizer. Dramatik als Quelle fllr volkskundl. Forschungen. 35 

was, nebenbei bemerkt, ein noch nicht genanntes Moment an ihrer 
Volkstümlichkeit ist. 

Da also die alte Dramatik den mundartlichen Sprachschatz 
in so reichem Masse yerwendet, so drängt sich die Frage auf: 
Sind denn die Dramatiker nicht auf die Idee gekommen, ihre 
Stücke gerade in der Mundart zu schreiben? In der Blüte- 
zeit, im 16. und im beginnenden 17. Jahrhundert, ist das noch 
keinem Autor eingefallen, die Stücke sind in der damaligen Schrift- 
sprache, die man gewöhnlich als Kanzleisprache bezeichnet, ge- 
schrieben. Dagegen weisen das ausgehende 17. und das 18. Jahr- 
hundert Stücke auf, die in der Mundart verfasst sind, allerdings 
in einer ungeschickt gehandhabten und besonders ungeschickt or- 
thographierten Mundart. So ist das oben erwähnte Rotenbnrger 
Spiel „Isaaks Opferung^ in das Gewand der Mundart gehüllt, 
das Luzemer Dorfspiel von der hl. Magdalena enthält sogar zwei 
Mundarten: Die Luzerner reden luzernerisch, der Berner Freier 
handhabt die Mundart seiner Heimat, in Spichtigs Dreikönigenspiel 
brauchen die Tomehmen Personen, Gottvater, Herodes die Schrift- 
sprache, die Hirten, Vers 1776 flF, sprechen Mundart und zwar 
erkennbare Nidwaldner Mundart, z. B.Vers 1996: „ysers ase liebe 
Kind"^ (unser so liebes Kind). 

Der dritte volkstümliche Bestandteil der altschweizerischen 
Dramatik sind die Gebärden. Es ist eine Errungenschaft der 
Qeuesten Zeit, das Gebärdenspiel in den Bereich strengwissen- 
96haftlichen Studiums einzubeziehen. Wundt, Delbrück u. a. Ge- 
lehrte wenden ihre Aufmerksamkeit dieser Materie zu, allerdings 
ron der hohen Warte der Sprachphilosophie aus darauf hin- 
blickend. Dass aber dieser Gegenstand auch zum Arbeitsfeld 
ies Folkloristen gehört, lässt sich unschwer zeigen, ein einziges 
Moment beweist das zur Genüge: Wo es sich um ernste, rein 
religiöse, fremdartige Szenen handelt, da wissen die altschweize- 
rischen Dramaturgen sozusagen keine Vorschriften über das Ge- 
bärdenspiel zu geben, es heisst etwa bloss, ^der Apostel, der 
Seiligo solle die Hände falten, gen Himmel blicken, sich de- 
mütiglich verneigen'^, etc.; bei den derben Einlagen und in den 
Pastnachtspielen, wo Stoff und Sprache volkstümlich sind, da 
iiessen auch die Angaben betreffend die Gesten reichlicher und 
lie Gebärden sind volkstümlich- urwüchsig: in der Luzerner 
,Kreuzerfindung^ verleiht der Kaiser seinem Zorn gegenüber 
lem Pilatus so Ausdruck, dass er ihn anspuckt. 



36 Die altschweizer. Drauiatik als Quello für volkskundl. Forschungen. 

Oft geben die Dramaturgen nur die Stimmung der Per- 
sonen an, nicht aber die Aktion, welche eine solche Stimmung 
verkörpern kann. In Bullingers ^Lucretia*" heisst es, Brutus solle 
^herrlich dapffer, ernsthafft, ruch, ghrecht, oder der Bauer solle 
„trurig vnd bekümmert" sein. Oder aber die Dramaturgen 
schreiben beides vor, die Stimmung und die sie verlebendigende 
Gebärde. So heisst es in einem zentralschweizerischen Stück 
vom Tyrannen: „er ist vnwillig, schütt den Grind *". Auf ähn- 
liche Weise heisst es in der „Kreuzerfiodung* von Pilatus, der 
die Meldung von seiner Absetzung erhält: ^So er den brief gla- 
sen, bysst er dryn, schüttlet den köpf, spricht zornig**. Und 
wenn in den Luzerner Osterspielen Judas den Verräterlohn em- 
pfangen hat, so „gschouwet'' er das Geld und ^gschouwets*" 
abermals, zählt es und zählt es abermals, schnalzt, ruft froh- 
lockend aus: 

Da da ^^) nun bin ich ein stoltzer Knab 

Dz ^*) ich ein sömlicbs ^*) güettlin hab. — — 

Wir sind am Schluss unserer Betrachtung angelangt. Ich 
darf wirklich behaupten, und ich glaube, Sie überzeugt zu haben^ 
dass wir an unserer altschweizerischen Dramatik eine erfreuliche 
Fundgrube für volkskundliche Forschungen haben, und es 
ist meine Meinung, dass man diese Fundgrube am besten mo- 
nographienweise ausbeutet, sei es in der Form von strengwissen- 
schaftlichen Abhandlungen, wenn man z. B. den Rechtsan- 
schauungen der Schauspiele, wie etwa dem Friedebieten, seine 
Aufmerksamkeit zuwendet, sei es im Kleide von Feuilleton plau- 
dereien, wenn man etwa die Geheimnisse der altschweizerischen 
volkstümlichen Gastronomie in den schweinsledernen Manuskrip- 
ten unserer alten Dramatiker ergründen will. 



*' Giebt (las Schnalzen wieder. — ") Dass. — *•') ein solches. 



Gedichte aus der Zeit des Berner Oberländer- 
Aufstandes des Jahres 1814. 

Mitgeteilt von G. Tobler in Bern. 

Das historische Lied wurde bis jetzt in unserm ^ Archiv^ 
recht stiefmütterlich behandelt. Ich nehme allerdings den Begriff 
^historisches Lied^ im weitesten Sinne, und verstehe darunter 
ein Gedicht, das irgend eine öffentliche Angelegenheit zum Gegen- 
stände der Behandlung macht. Streng genommen können viele 
solcher Elaborate nicht zu den Volksliedern gerechnet werden, 
aber wie diese geben sie doch einer gewissen im Volke herrschen- 
den Stimmung Ausdruck und verdienen deswegen die volle Be- 
achtung des Historikers. So halte ich auch die nachfolgenden 
Oedichte aus der Zeit des Berner Oberländer-Aufstandes vom 
Herbst 1814 für bemerkenswert. Über das Historische ist zu ver- 
gleichen J. Hodler, Geschichte des Bernervolkes : Die Restaurations- 
zeit I 253—291 ; Hilty's Politisches Jahrbuch 1887, S. 243—253; 
A. V. Tillier, Geschichte der Eidgenossenschaft während der soge- 
nannten Restaurationsepoche 1 192 — 198. 

Die Lieder befinden sich in einer handschriftlichen „Samm- 
lung von Allerhand Aufsäzen, Urkunden und Aktenstüken^ von 
6 Heften (in meinem Besitz). Der Schreiber ist unbekannt. Auf 
dem Titel des ersten Heftes steht: „Angefangen 1815." Das 
zeitlich späteste Aktenstück trägt das Datum vom 12. Dezember 
1816. Demnach sind die Lieder in jenen Jahren kopiert worden. 

Das erste Gedicht steht abgedruckt bei Hodler S. 275, und 
Hilty S. 543, bei beiden unvollständig. Vom zweiten zitiert Hodler 
S. 287 ungenau den Anfang, vom fünften kennt er S. 290 nur 
fünf Strophen. Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass 
als Verfasser des ersten Gedichtes der Helfer Samuel Roschi von 
Interlaken gilt. 

I. 

Lied für die Oberländer. 

(Melodie: Wohlauf Canieraden aufs Pferd, aufs Pferd.) 

1. Frisch auf Oberländer ! stellt euch zur Wehr I 
Es gilt jezt da» Höchste auf Erden. 



38 Gedichte a. d. Zeit des Berner Oberländer- Aufstandes d. Jahres 1814. 

Ob Knechtschaft und Schand, ob Freyheit und Ehr, 
Ob Unglück, ob Glück uns soll werden? 
Wir haben zu wählen, wir stehen am Rand, 
Drum auf zu den Waffen ganz Oberland ! 

2. Wir haben in Jahren von Elend und Noth 
Die Berner gastfreundlich beschüzet, 

Wir haben mit Treu unser Blut bis zum Tod 
Für ihre HeiTSchgierde versprizet. 
Und nun wird Bedrükung, Verachtung und Hohn 
Uns freyen Männern zum schändlichen Lohn. 

3. In altern Zeiten, da rings um uns her 
Zwingherrschaft die Völker noch schrekte, 
Und kümmerlich sich der jezt trozige Bär 
In seinem Aarwinkel verstekte, 

Schon damals vereint in glüklichem Band 
Die Freyheit uns V^ölker im Oberland. 

4. Und jezt, da Europa der Freyheit sich freut, 
Jezt da sie im Vaterland thronet, 

Jezt — wo sie vom Oligarchismus befreyt. 
Im Waadt und im Aargau froh wohnet — 
Jezt sollen wir Männer auf ui-freyen Höhn 
Dumm Knechtisch den Launen von Junkern fröhn ? 

5. Die Männer, die ftlr uns mit redlichem Muth 
Die Wahrheit zu sagen es wagen. 

Die der Alpensöhne vortrefflichstes Guth, 
Die Freyheit, in warmer Brust tragen. 
Die werden tyrannisch in Kerker geschleppt. 
Ha! Oberland ach! W^as hast du erlebt! 

6. Und wer ist's, der's waget uns also zu schmähn ? 
8ind'?i unsere rechtmäss'ge Regenten? 

Ach Nein ! eine Rotte Patrizier-Söhn, 
Erschöpft an Finanzen und Renten ; 
Verworfene, denen ja alles ist feil. 
Die Schweizerehre, des Vaterlands Heil ! 

7. Sie selbst verdrängten rebellischer Weiss 
Die von uns erwählten Behörden, 

Und schakkerten Jüdisch um jeglichen Preiss, 
Um uns gleich vierftissigen Herden, 
Zerstörten selbstsüchtig mit frevlender Hand, 
Die glükliohe Eintracht im Schweizerland. 

8. Drum auf, Oberländer! stellt euch zur Wehr! 
Es gilt jezt das Höchste auf Erden ! 

Ob Knechtschaft, ob Schand, ob Freyheit und Ehr, 
Ol) Unglük, ob Glük uns soll werden ? 
Wir haben zu wählen, wir stehen am Rand, 
Drum auf zu den W^affen, ganz Oberland ! 



Gedichte a. d. Zeit des Berner OberlHiider-AufstaiKles d. Jahres 1814. 3^ 



II. 

Den Gefangeoen zum Grass. 

(Bey der Rückkehr der Oberländischen Staatsgefangenen, 
zu ihrem Willkomm von den Mädchen im Bödeli gesungen, al& 
ihnen grosses Volk entgegen gieng.) 

(Melodie: Freut Euch des Lebens.) 



1. Freunde willkommen 

Hier in der Heimath Schoos, 

Lange beweinten 

Wir euer Loos. 

Weil ihr nicht sklavisch vor dem 

[Huth 
Des Junkers kröchet, Schweizer- 

[muth 
In Wort und Thaten zeigtet, gab 
Man Hochverrath Ench SchuM. 
Freunde willkommen u. s. w. 

?- Von Weib und Kindern wegge- 
[schleppt, 
Weil freyer Sinn noch in Euch 

[lebt 
Warf man in dunkle Kerktn* Euch 
Und spottete des Recht's. 
Freunde willkommen u. s. vv. 



3. Doch mannlich wiederstandet ilir 
Der List und Drohung fUr und für 
L^nd kehrt von Freunden froh be- 

(grüsst, 
Geliebte, noch nach Haus. 
Freunde willkommen u. s. w. 

4. Mit Sang und Kränzen grlissen wir 
Euch froh, und schwören Freyheit 

[dir 
Zu leben dir zu sterben, stets • 
Der Kriecher Feind zu seyn. 
Freunde willkommen u. s. w. 

5. Auf Euch als unsers Volkes Zier^ 
Auf unsre Stiizen sehen wir 

Ihr Gatten, Brüder, seyd nur frok 
Seyd hei-zlich uns gegrüsset! 
Freunde willkommen u. s. w. 



IIL 
Trinklied. (Nach erfolgter Heimkehr der Gefangenen.) 

(Melodie : Herr Bruder dir zu Ehren, u. s. w.) 



l - Herr Fischer '), Euch zu Ehren 
Trink ich mein Gläschen aus ! 
Sollt auch ein Liedlein liören 
An unserm frohen Schmaus. 
Herr Borter auch daneben, 
Euch schHzt ja jedermann, 
Ihr beyde sollet leben 
Auf stosst die Gläser an ! 

Hailoh! Hailoh! Hailoh! Hailoh! 

Bey uns gehts immer so ! 



Wir alle sind voll Trauer 
Dass Euer Regiment 
Nach allzukurzer Dauer 
»Schon gieng zu seinem End. 
Euch pries man ohne Kasten 
Als Junker May uns noch 
Regierte — leicht die Lasten 
Und sanft war euer Joch. 
Hailoh ! u. s. w. 



^) Anmerkung des Ko])isten. Amtsstatthalter und «gewesener 
Bäreuwirth zu Brienz. Die Oberländer l)ehaupteten : Fischer und Borter 
haben den Oberamtmann May geleitet. Als aber Herr Jenner das Amt Inter- 
lacken übernahm, minderte sich deren Einttuss mächtig. 



40 (^(HÜclite u. d. Zeit des Berner Oberländer-Aiitstandct) d. Jahres 1814. 



Nun leider ist's nicht so ! 
Auf! munkelt nicht so leise! 
Laut preisen soll mein Lied 
Wie Thonnann^) damals weise 
Die Bök und Schaafe schied; 
Wie sein erlauchter Schwjv^er 
Der tretle Hinkend Bott 
Kek kesselte, als schlag er 
Zehn Jakobiner t<)<lt. 
Hall(>h I u. s. w. 

Ach ! blieb es immer so 
Als Junker von Bonstetten 
Uns väterlich geliebt 
Das böse Kind zu retten 
Der Vater Schläge giebt.i 
Da stellet ihr als Väter 
Des Vaterlands Küch dar, 
l'nd züchtigtet, wie» Wetter 
Der bösen Kindlein Schaar. 
Ilalloh ! 



5. Wie waren wir so froh ! 

Wie hat siehV nun verschlimmert, 
Seit ihr nicht mehr regiert ! 
Hört ihr, wie jeder wimmert 
Dass ihr uns nicht mehr flihrt? 
Herr Jenner lohnt die treuen 
Verdienste nicht, will nicht 
Dass wir uns hocli erfreuen 
Ob etierm froh (Tesicht. 

Hailoh! Hailoh! Hailoh! Hailoh! 

Ach ! wttni es wieder cho. 
(3. Lasst nur den Muth nicht fahren. 
Wir werden wie<ler frey! 
Will's Gott ! nach ein paar Jahren 
Kommt uns ein zweyter May! 
Es giebt gar Mancher Junker 
Von dieser Art in Bern : 
Nur her zu uns ! und stunk er 
Wie Bok — wir sehn ihn gem. 

Hailoh! Hailoh! Hailoh! Hailoh 

Bt^v uns geht's immer s»». 



IV. 



May-Lied (beim Abzug des Oberamtmanna gesungen). 

(Melodie: Jez geh ich nicht mehr heim u. s. w.) 



Marsch ! Marsch ! Herr May ganghey ! 
Mer bruclie setig Lüt nUt meh. 
Marsch ! Marsch I Herr May gang li<\\ ! 
.Mer bruche dl niU meh : 
Du bist an üs key Vater g'sy, 
Hest iis behandlet wie (bis Vieh, 
Drum Marsch! Herr May gang hey, 
l'nd iss jezt B^rnerbrey! 
Mjirsch ! Marsch ! 1 lerr May ganghey ! 
Mer gseli dl alli Irendig gab, 
Marsch ! Marsch ! Hi'rr May ganghey, 
Du bist nit üse Mal 
Du h«»sr nur uf di Xuze g'luegt, 
l'nd was den Herren z'Bern eintrug. 
Drum Marsch ! Herr May gang liey, 
r schauidi fV nv clilev ! 



3. Marsch! Marsch! Herr May gang hey! — 
S'ist gut wenn soll ig use ga, 
Marsch ! Marsch ! Herr May ganghey I ^ 
Dass num o schnuufe cha. 

Nimm diner G'selleu fry o mit 
Das Lumpenzeilg brauchen mer nit._ 
Marsch ! Marsch ! Herr May gang hey ,*Br 
Samt diner Kum])eney! 

4. (Tiang hey. Herr May gang hey! 
l'nd säg sie solle naidie cho 
Dort aus der Schreiberey, 

Mir sys gar herzlich froh ; 
Nimm mit dys ganz Spionenheer 
Landjäger, Spengler 2), Statthalter^ 
(iath ortli zäme liey, 
Voran der Mussjö May ! 



') Anmerkungen des Kopisten. Vormaliger Oberamtmann undausser — - 
or«ientli<-her Kegierungskonimissär Ijerief einmal die getreuen Vcirgesetzten^ * 
mit Ausschlus.s derieiiigiMi in di»» man Zweifel sezte. Krsteren wurden GoM- 
münzen ausgetheilt. 

') Der Amtsclireiber von Interlacken, Jakob Schärer von ThuD, ist Suhir ^ 
♦'Ines Spenglers oder Kesslers und mit der Tochter des Statthalters Fisdie^^ 
verheyi-MtlHf. xMan wart" ihm besonders <ias Spionieren vor. Die I^JuidleHib^* 
hatten es schon Irüher nicht genu^ gesehen, dass einer von Thun und nich ^ 
einer aus dem Amte s»»lbst Amtsschreiber gewonlen. 



Geiiichte a. d. Zeit des Berner OberlUnder- Aufstandes d. Jahres 1814. 41 



Marsch ! Marsch ! Herr May ganghey ! 
Je wyter as du vo-nis bist 
Mi laube brist May, 
Je lieber es is ist. 
Du best fast alli taube g macht, 
Hest is i grosse Schade bracht, 
My Junker Obrist May, 
Aus hiter Tyraniiey. 
Pack uf Herr May, gang hey! 
Denn hie bist du nur Aergerniss ; 
Ich schwor's bey meiner Treu, 
Dass du nit geachtet bist : 
Hest User Lüt i d'Kerker g'hyt, 
Bigott für nüt u wieder nttt, 
l)nnn pak di nur, Herr May, 
Dass wir is freue cheü ! 
Adie ! Herr Mussjö May I 
Adie I Adie ! Herr Oberist I 
Adie I Herr Mussjö May, 
Gut dass bald von-is bist ; 



wäret du doch nie zu nis cho, 
Wie mänge Traurige war jezt froh 
r)y8 Gwftsse, Junker May, 
GitlJ, plagt di doch e chlei? 

8. Du weist es Junker May, 

Wo du hie Landvogt wonlen bist, 
Wie glQklich u wie frey 
Das ganze Land g*sy ist. 
Kennst du o üsere Elend jezt ? 
Und weist du, wer no gTange sizt ? 
Wer ist die Schuld, Herr May ? 
Junker ! du allei ! 

D. Drum allong ! fort Herr May ! 
Hier ist dy Rok u hie di Huth ! 
Fort ! Fort ! u mach di hey, 
So laub dier Lyb u Guth ! 
Mer zieh'n dir alli d'Kappen ab, 
Gott bhüti, May ! du ziest jezt ab. 
Juhe ! der May geit hey, 
freO di, gross u chley ! 



V. 

Wie gehts jezt in der Welt? 

(Melodie : Bekränzt mit Laub u. s. w.) 

NB. Das Lied ist gleich Anfangs mit den Anmerkungen erschienen. 

1. Umhängt mit Flor den umgestürzten Becher 
Und trauert um ihn her. 
In ganz £Uro])ia, ihr Herren Zedier, 
Haust Despi)tismus ') schwer. 

2. Er kommt nicht aus der Schule wahrer Weisen 
Aus Unstern Köpfen nur; 
Hm mögen wohl die Bonzen'^) heilig preisen: 
W^er baut auf Btmzenschwur ? ^) 

3. Das Last<'r zeuget ihn in seinem (Trimme, 
Des Eigen nuzes Sohn. 
Er lobt sich selbst mit feiler Pfatfenstimme 
Hoch von der Dummheit Thron. 

*) D e s j) o t i s m u 8 heisst <liejenige Kegierungsart, wo der Herrschende 
** aller Gesetze überhebt, und Land und Leute so regiert, als ob sie nur 
**cinem Vortheil oder Kui-zweil da witren. Die Unterthanen pflegen sich 
'^^*y selten wohl zu befinden. 

^) Bonzen sind in Japan die Klasse der Eingeweihten Priester, die 
^ der Einfalt und dem Aberglauben des Volkes mannigfaltigen Nutzen zu 
'''^c»n wissen. 

*) Man glaubt nämlich, die Bonzen machen sich nichtts daraus, Eide 
^•* heilige Zusicherungen zu brechen, weil sie den (4rundsaz haben: Ge- 
'^ fingen Eid thut Gott leid. 



42 Gedichte n. d. Zeit des Berner Oberlilnder- Aufatandeft d. Jahres 1814. 

4. Die Freyheit treibt er fort aus allen Reichen ; 
Wie Nebel dicht und schwer 

Muss ihm das Licht der goldnen Sonne weichen, 
Hell wirds nicht um ihn her. 

5. Die Schweizerberge zum Exempel tragen 
Ein Volk, sieht aus, wie frey ; 

Ists aber nicht ; Es darf nicht einmal klagen. 
Wie ihm zu Muthe sey. 

6. Im Oberlaml am Fuss der Alpenfinie *), 
Wie Hchön Natur auch sey. 

So herrscht doch dort mit nie entwölkter Stirne 
Despoten-Iludeley. 

7. Man schafft in Bern statt fi*eyer Vi»lkeswahlen 
Nepoten-Regiment ■*). 

Das Volk ist höchstens etwa gut zum Zahlen, 
Sonst wird ihm nichts gegönnt. 

8. Tief muss es sich vor Ihro Gnaden*) büken, 
Vor Stadt und Republik, 

Und will es etwa Vorstellungen', »chiken 
Schrekt man's mit Macht zurUk. ^) 

9. Frisch auf Soldaten ! steiget rasch zu Wagen ! ^) 
Dort giebts Exekution. 



^ IfV 



♦) Firne hoissen die höchsten (lipfel der Eisgebirge. 

^) Nei)oten-Regiment heisst eine solche Regierung, wo nur 
Brüder, Schwäger, Vettern und Verwandten gewisser Familien zu a^ ■♦*" 
Staats-Ämtern un<l Ehren gelangen, ohne vorhcM-gehende Prttfimg, ob ci"^'**'' 
auch dazu filhig sey. 

*) Der Titel Ihro Gnaden! will eigentlich sagen: Das Volk kö«- "^"^^ 
von Rechtswegen nicht« von der Regierung verlangen, sondern müsse a "•^»'* 
al.«* Gnade annehmen. 

') Wie zum Beyspiel die Vorstellung vom 25. Äugst 1814. von ^^ 

Tartikularen und mehrern versammelten Gemeinden aus dem Oberla^^*^"^ 
unterzeichnet. 

^) Die (M)erhringer jener Vorstellung mussten auf der Stelle Beni ^^^^»'''* 
las.sen, und die Ehren-Namen von Verräthem und Jakobinern mitnehn ^<*" 

'•) Die Soldaten wurden auf Wägen nach dem Oberlande geführt. "°* 
jreacht der Herr Oberamtmann May und die Regierungs-C'^nnmissaiien hc^' '"- 
gelobt hatten, es sollten keine Soldaten gegen die Oberländer gesell ^*^^ 
werden, und diese darauf sich ruhig verhalten hatten. Herr Oberst Effinr^^'''* 
d«*r die Exekution kommandirte, äusserte sogar, er wflnsche W^iderst^'"' 
zu finden, damit er das Nest Unterseen verbrennen könne. Herr Haup/xtf- 
von Bonstetten als er aus dem Schiffe beym NeUhans an's Land stieg, sagte: 
, Jetzt sind wir da, wir wollen alle auffressen, wenigstens 40 müssen ^ 
liangen werden." l'nd Herr Landvogt May hatte früher ge<1roht, das (ie" 
.«infiel mit Kariiitsrlien aus einander zu jagen. 



Gedichte a. d. Z e\t des Beraer Oberländer- Aufstandes d. Jahres 1814. 4ä 

Rebellen prügelt, lasst in Fesseln schlagen ! *"j 
Ihr kriegt noch guten Lohn. 

10. Passt auf Spione!") schmiert ihr Pamphletschreiber!* 2) 
Euch winkt auch Sündensold ! 

Wir bleiben Euch, verkappte Schelmentreiber**) 
In allen Gnaden hold! 

11. Seyd auch nicht blöd, ihr Diener auf den Posten!**) 
Entstehe Schweizerfreünd ! **) 

Und sollt es uns auch schwere Summen kosten, 
Wir honorieren blind. '^) 



*") Zur Beruhigung des Volkes Hess nachher Herr Effinger wacker Prügel 
istheilen, der arme Zimmermann Wieder, dessen Frau ein Halbjahr zuvor 
egen willkührlicher Einsperrung wahnsinnig geworden, erhielt auch seine 
)rtion. Herr Lieut. von Büren 21. Jahr alt, wollte sogar einmal den acht- 
iren Landsekelmeister Peter Seiler aus eigener Autorität abprügeln lassen, 
err Landvogt von Muralt drohte dem Herrn Handelsmann Eggimann, Mit- 
ied der Räth und Burger in Thun mit 12 und 25 Stokschlägen. 

") Man rechnete, dass im ganzen Canton über 600 Spione angestellt 
yen. Diese heissen dann auch ZehnbHzler, weil sie von jeder Angabe Bz. 
) Lohn erhalten. 

*2) Pamphletschreiber heissen Leute, die zu Gunsten einer Politischen 
iirthey kleine Büchlein schreiben und druken lassen, dergleichen bekannt- 
*.h viele in Bern erschienen sind. Die Regierung pflegte die, welche zu 
ren Gunsten schrieben aus dem Staat ssekel schön zu belohnen. 

**) Die verkleideten I^andjäger sind eine bekannte Landplage. 

*♦) Jedermann kennt die den Postbeamten auferlegte eidliche Ver- 
licbtung, alle ihnen verdäciitig scheinenden Briefe an den Oberamtmann 
iszuliefem, der sie dann heimlich erbricht. In Bern besorgte dieses Ge- 
häfk Herr Geheimrathschreiber Benoit und Herr Verhörrichter von Watten- 
yl, wechselweise. 

**) Der Schweizerfreünd war ein auf Veranlassung der Regierung ent- 
andenes Volks-Blatt, das in Fabeln, Verschen und Geschichtchen aller Art - 
as Volk belehren sollte, wie gut es regiert werde. Auch wird es, so wie 
ie Bemer Herren-Zeitung, mit offiziellen Einsendungen aller Art beehrt, 
'ffiziell nennt man das, was die Regierung mit ihrer Unterschrift erlässt. 
tey den öflfentlichen Zeitungs-Artikeln fehlt jedoch meist die Unterschrift 
nd in diesem Falle kennt man sie sogleich daran, dass sie unberufener 
Veine die Regierung in einem gar vortheilhaften Lichte darzustellen suchen, 
der über bekannte F>eignisse Erzählungen enthalten, welche dieselben so 
arstellen, wie die Regierung wünscht, dass man sie glaube. 

**) Honorie[re]n heisst bezahlen; da aber ein Schriftsteller nicht so wie 
in Holzhaker um's Tagelohn arbeitet, so nennt man die Gebühr, die ein 
chrifbteller ftlr seine Mühe und Kopfarbeit erhält: Honorar d. h. Eliren- 
>Id. Wenn aber ein Schriftsteller gar noch die Kunst versteht, eine schlimme 
ache als gut darzustellen, so muss man ihm billig mehr bezahlen; weil er 
)er hiebey gewöhnlich gegen sein besseres Wissen und Gewissen schreibt, 
) nennt man denn spottweise solche Bezahlung Sündensold. 



44 Gedichte a. d. Zeit des Berner Oberländer- Aufstandes d. Jahres 1814. 

12. Eröffne deine engverwahrten Klansen 
Bemischer Spital!*'» 

Dort müssen künftig Philosophen *^) hausen. 
Die denken liberal. 

13. Bleib immer wach und ernst, Censurbehörde *^) . 
Und streich mit keker Hand ! 

Mit Chinas Mau'r rings um versehen werde 2") 
Das freye Bernerland. 

14. hör nicht auf mit allem deinem Treiben, 
(4eheime Polizev ! *M 



*') Im hintern Theil des Spitals zu Bern sind die bürgerlichen G< 
tangnisse, viilgo Spinnstuben genannt, und auf der andera Seite die eigen 
liehen Staatsgefangenschaften unter dem alten bekannten Namen derCrimina 
Zellen angebaut. Dorthin wurden die von dem bernerischen Appeilationi 
Oericht verurtheilten Thuner, Simmenthaler und Oberländer gebracht, i 
sind meist alles angesehene Leute, Kathsherren, Statthalter, Sekelmeistt 
und denen es jezt wehe thut, je zu zwey in engen wohlvergitterten Kerke 
stübchen wohnen zu müssen: doch dürfen sie alle Tage eine Stunde lang i 
einem mit einer hohen Mauer umschlossenen Hof spazieren gehn, in weichet 
auch die Schweinsstiille angebracht sind. 

*sj Philosopiien und Liberale wenlen die genannt, welche <iie gegei 
wärtige Regierungsart nicht unbedingt billigen. Es ist sonderbar, das» m» 
jene zwey Benennungen sogar zu Schimpfnamen erniedrigt, da doch di 
grössten Milnner eines jeden Jahrhunderts sich eine Ehre daraus machtei 
mit jenen Namen belegt zu werden ; und man doch gewöhnlich seine Feind 
nicht mit Ehrennamen tituliert. 

*'^) Censurbehörde ist diejenige Commission, die darüber wachen sol 
dass das \'olk nicht etwas zu lesen bekomme, wodurch es in den Stan 
gesetzt würde, seinen Zustand mit der bessern Lage anderer Völker zu vei 
gleichen, o<ler wodurch es auf den unglücklichen Gedanken gebracht wej 
den könnte, dass es auch etwas zu der Regierung zu sagen habe. In alle 
im Kanton erscheinenden Schriften muss daher der Onsor solche Stelle 
durchstreichen und diese dürfen alsdann nicht gedrukt werden. Auch dürfe 
keine fremde Drukschriften verkauft werden, ehe sie der Zensor gelese 
hat. Gegenwärtiger Censor ist Herr Wurstemberger von Wimmis. 

20) China ist eines der berühmtesten Reiche Asiens. Es ist von de 
Nord- und Westseite mit der berühmten 500 Meilen langen und aus Ziege 
steinen vor 2000 Jahren erbauten Mauer umgeben. Eine solche Mauer u 
sehr nüzlich und hindert, dass nichts über die Grenze komme, was die Rc 
gierung nicht im Lande haben will. Bildlich kann man auch von einei 
Lande, desr*en Grenzen mit Landjägern und Spionen bewacht sind, sagei 
es .<ey mit einer Mauer umgeben. 

2*) Eine geheime Polizey ist eine gar gute, aber kostbare Anstal 
Man vernimmt dadurch alles was in den Wirthshäusern, Leisten, Gesellschafte 
und selbst in Familienzirkeln geredet wird. Der jetzige Chef ist der Vei 
hörrichter von Wattenwyl von Malessert, unter der Leitung des obige 
Herrn Wurstemberger. In Luzern versieht diesen Ehrenposten Herr Obersi 



Gediclite a. d. Zeit des Berner Oberlilnder-Aiifstandes d. Jahres 1814. 45 

La8S frech hiuaus in alle Länder schreiben, 
Wie man hier glüklich sey. 22) 

15. Treibts nur so fort, geheimer Kath ! ^^) berufe 
Nicht oft den grossen Rath ; 
So bleibst du hübsch zu oberst iiuf der Stufe 
Bis nach gelungner That. 



Heut. Göldlin, ganz nach dem Plan Mrhh. In Freyburg lässt sich Herr Gross- 
weibel Chollet in diesem Fach instruiren. In Solothurn stehts böser nn*t dem 
{?eheinien Spionieren, weil der Chef unter dem Pantoffel seines Weibs und 
ihres Beichtvaters steht. 

^^) Man erinnert sich unwillktihrlich an das Adressensi)iel, was von der 

l^«*gierung getrieben wurde, indem man die Zeitungen mit Adressen der 

^''gebenheit und Anhänglichkeit anflillte, welche die Regierung von den Ge- 

"öebden erhalten haben wollte, und wovon die Gemeindsgenossen gewöhnlicii 

•*r8t etwas erfuhren, wenn sie dieselben gedrukt lasen. Nach den Oherländer- 

^nruhen iieng das Adressenspiel von neuem an, damit die Regierung be- 

^«^ise, wie sehr Ihr das Volk anhänge und jene Unruhigen misbillige. Frey- 

'*ch machen die darinn unterzeichneten Gemeinden bey weitem nicht die 

'^iiJfte der Einwohnerschaft, selbst nur des Amtes Interlaken aus; allein im 

-^^slande weis niemand ob die Ed* Gemeind Sundglowen nur 3 Haushaltungen 

''*be oder nicht, und ob der Obmann W^yss die Gemeinde Isentiuch, in 

'•^ren Nahmen er unterzeichnet, wirklich versammelt hab«» oder nicht ? Bey 

scjichen Gelegenheiten müssen dann auch die I^andpfarrer besondert thätig 

*^yn, und im Schloss Interlaken wird den Sammlern solcher Adressen z. B. 

^^orrichter Jaun von Battenberg, rother Wein und Fenchelschnitten serwiert. 

Aiicli kommt es auf ein StÜk Geld nicht an, wenn etwas Gutes zu Stande 

^^tninen soll. Ganz kürzlich wurden durch <len eigends hiezu abgeordneten 

"'^. Ratbsherrn Thormann von Interlaken Medaillen an die gutgesinnten 

▼ orgesezten des Amtes Interlaken ausgetheilt, wobey die Wohl Ehrwürdigen 

* larrherren von Grindelwald und Batenberg für ihre politischen Umtri(d)e 

^Uch ein paar schöne Goldstüke abfiengen. Die getreuen Vorgesezten wurden 

^^' dieser Grelegenheit von denjenigen, welche für das Wohl des Landes ge- 

^l>it>chen, wie die Schaafe von den Böken gesondert, und die erstem sogar 

^Ur Tafel gezogen und abgefüttert. Solche treffliche Massregeln beurkunden 

^^'J ächten und angeboiiien Regienmgs-Verstand. 

2') Der geheime Rath ist die bernerische Inquisitions-Behörde. Die «ou- 

^ ^Htne Gewalt in gesezgebenden, administrativen und richterlichen Sachen 

*^^*ii<l nach der alten Verfassung eigentlich beym grossen Rath, oder dem 

**5lth und Burger. Um aber demselben die Geschäfte zu erleichtern, hat sich 

. ^•^ Geheime Rath im Sommer 1814 Vollmachten erbetten und auch erhalten, 

^^ l?^olge welcher er nun thut, was er will, ohne jemand Rechenschaft zu 

^^t^en. W^er daher etwas will, der muss beym geheimen Rath ankloi»fen. 

*^f^lbe besteht aus 5 Mitgliedern, nämlich den beyden gnädigen Hrn. Schult- 

^^Bcen, dem Hrn. Sekelmeister Jenner, Hrn. Rathsherr May und Hrn. Censor 

''^^rrtem berger. Der grosse Rath wird seit jener Zeit gar selten versammelt 

**'*<1 ihm die Sachen gewöhnlich erst berichtet, wenn sie nicht mehr zu 

'^^ern sind. 



46 Gedichte a. d. Zeit des Beriier Obeiiäiuler-Aufstandes d. Jahres 1814. 

16. Schik nur Agenten aus in alle Welten, ^*) 
Verschanze deine Stadt ! >^) 

Das ganze Volk muss es zulezt entgelten, 
Giebts nur Argau und Waadt. 2«) 

17. Schik Geld nach Schwiz, schik aus nach Unter>\'alden *'} 
Nach Freyburg, Solothurn "j, 

Es muss das Afifenvolk auch endlich mit dir halten, 
Troz allem Schreyn und Murr'n. 

18. Und schwiege dann im Unterthanenlandt^ 
Nicht jedes Mäuschen still, 

So schimpf, und sprich von Jakobinerbande, 
Die selbst regieren will. 

19. In Zürich auch muss man Intriguen spielen ; 
Wo kämen wir sonst hin ? 

Die ganze Schweiz muss unsre Tttke fühlen 
Und tröhnen unserm Sinn. 

20. So geht es dort im lieben Schweizerlande 
Wo man von Freyheit spricht. 

Umsonst sucht ihr der Eintracht holde Bande, 
Man tindt auch Freyheit nicht. 

21. Nach Deutschland daif man wohl auch keinem rathen 
Der aus nach Freyheit geht, 

Da giebts nur Durchlaucht, Exzellenzen, Gnaden 
Und etwas Majestät. 

*^j Nach Wien Hr. Rathslierr Zeerleder, nach London Hr. alt Schulthe-:^S 
Fieü<lenreicli und Banquier Haller, nach Frankreich Hr. von Graffenried v —^ 
Blonay, und früher Hr. Landvogt von Muralt von Thun, woran sich c^i^ 
.Staatskasse wohl erinnern wird. 

2^) Bekanntlich sind im Herbstm. 1814 zwey Verschanzungen vor d^=^ 
untern Thore mit grossen Kosten aufgeworfen worden. 

") Die Wieder-Erlangung der Cantone Argau und Waadt und die Zurl— -*• 
führung der ehmahligen Unterthanen-Verhältnisse, besonders aber der Gen^t—^ 
der Einkünfte v(m den elimals dort befindlichen Landvogteyen sind ^^^ 
Achse, um die sich das ganze i)olitiHche System drehet. 

2') Es ist bekannt, das» in Schwyz im Sommer 1814 plözlich viele Ben» ^^ 
l)ukaten in Umlauf kamen, und dass Schwyz und Nidwaiden plözlich ^* 
]>olitisclie8 System geändert u. auf der Tagsazung mit Bern gestimmt hab-^^'^ 

25 j Frey bürg un<l Solothurn haben eine ähnliche Verfassung wie B^J^*^- 
und desswegen schikt man bisweilen ehrbare Rathsboten dorthin, um je***^ 
Stände in d(»r wahren Kegierungskunst zu unterrichten, oder um ihnen cl/^ 
Augen über die grossen Vergehungt^n ihrer politischen Verbrocher zu öfn«*!'- 
Gegenwärtig betindet sich der liathsherr Mutach, vulgo der Schwarze, »d 
Solothurn, um sein möglichstes zu thnn. dass seine schon im Jahr 1804 er- 
probte Ilenkerslust befriedigt werde. Freyburg holt seine Weisungen durch 
wöchentliche ("ouricrc von Bern. 



Wett<»r8egen. 47 

22. In Spanien tobt der rechte Herr Philister, 
Und Fernand brüllt umher 

Drum morden auch daselbst die Hohenpriester 
Der heiligen Kirch zu Ehr. 

23. Von Wien, von Wien, da rufen edle Brttder, 
Da kommt uns Freyheit noch ! ^9) 

Herab den Flor und füllt die Becher wieder, 
Sie lebe lange hoch ! 

24. Und trinkt ihn aus und lasst in allen Wegen 
Der Freyheit Fahne wehn 

Und jauchzt dem Frieden jubelvoll entgegen : 
So niuss 's, so wird es gehn ! 



Wettersegen. 

Mitgeteilt von S. Meier in Jonen. 

Bricht in der Nacht ein schweres Gewitter los, so stehen 
hei' and Kellerämtler auf, kleiden sich an und versammeln 

in der Stube, um durch lautes Gebet die Blitzgefahr vom 
se abzuwenden. Wo ein „ Wettersäge ** vorhanden ist, so 
er hervorgenommen und von einem Familiengliede vor- 
sen. Ein solcher einer gewissen Bauernfamilie gehöriger 
tersegen ist uns momentan zur Hand. Es ist dies ein Blatt 
18 Papier, Gross Folio (43 X 35,5 cm). Die obere Hälfte 
alben trägt den Titel: Katholischer Haussegen des heiligen 
itels Jakobus. Darunter steht in grobem Holzschnitt ab- 
Idet die hl. Dreifaltigkeit (Gott der Yater mit der Erdkugel 
dem Schoss, in der rechten Hand ein Szepter, auf dem der 
3eist in Gestalt eines die Flügel ausbreitenden Vogels sitzt, 

gegenüber der Heiland mit dem Kreuz). Sechs kleinere 
»chnitte, wovon zwei zur Linken, zwei zur Rechten und 

zu den Füssen, stellen dar: Jesus, Joseph, Maria, Angelus C, 
Btus am Kreuz, Kaspar, Melchior, Balthasar. Der Glorien- 
in der Dreifaltigkeit ist mit Dreiecken von Goldpapier beklebt; 
gleichem Papier beklebt sind auch das Kreuz auf dem Bilde 



') Von dein Congnvsse und drm allgemeinen Frieden in Wien erwartiMi 
die unterdrükten Völkersiliaften der Schweiz ihre liettung. 



48 Wettorsegen. 

der Dreifaltigkeit und der Stern der drei Weisen aus dem 
Morgenlande, mit hochroten, bezw. dunkelgrünen Papierschnitzeln 
die Gewandung der übrigen heiligen Personen. Die farbigen 
Papierabschnitte sollen wohl deshalb auf die Bildchen geklebt 
worden sein, um letztern das Aussehen von Chromobildchen zu 
geben. Der Wettsegen selbst lautet: 

allerheiligster Herr Jesus Christus, du gewaltiger and allmächtiger 
Gott des Himmels und der Erde, du König von Nazareth, du alier- 
heiligster Herr Jesu Christi I du Sohn Davids, erbarme dich über dieses 
Hausvolk, welches dich allezeit in seinem Gebete ehret. Gekreuzigter 
Herr Jesus Christus, ich bitte dich, bewahre dieses Haus; das heilige 
Kreuz, an dem du gestorben bist, beschütze dieses Hans; der Segen 
Gottes komme reichlich über die Menschen, die in diesem Hause sind, 
und die Gnade des heiligen Geistes erleuchte sie. Gott Vater, Gott 
Sohn, Gott heiliger Geist, segnet dieses Haus und alles was darin ist, 
Speise und Trank, ja alles was dem Hause zugehörig ist; Vieh und 
Früchte sollen gesegnet sein. Der allerheiligste Name Jesus behüte 
dieses Haus. Die allerheiligste Dreifaltigkeit beschirme und segne alle 
Menschen, die in diesem Hause aus- und eingehen. Die heiligen vier 
Evangelisten durch ihre Fürbitte beschützen dieses Haus, dass weder 
Unglück noch gefährliche Krankheiten darin kommen: als Pest, Fieber, 
Wasser, Feuer, schwere Ungewitter und Uebel, welche sowohl den 
Menschen als dem Vieh schaden könnten; dieses verbiete der heilige 
Name Jesus und die heiligen neun Chöre der Engel. Der Friede Jesu 
Christi sei mit denen, so in diesem Hause sind. Hl. Dreifaltigkeit^ 
Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, die wollen dieses Hauses 
Hüter sein, und du heiligste Jungfrau Maria, bitte Gott für uns, dass 
er dieses Haus vor allem Leid behüte. Die heiligen Erzengel, diese 
stehen uns bei und wollen dieses Hauses Wächter sein, und die heiligen 
zwölf Apostel, die wollen dieses Hauses Schaffner sein, damit alles in 
dem Hause zum besten angewendet werde, das heilige Kreuz Jesu sei 
über uns. liebreichster Jesu! wir bitten dich durch die Kraft deiner 
heiligen Krone und Nägel, dass dieses Haus verschlossen und mit den 
heiligen Worten Gottes wider alle sichtbare und unsichtbare Feinde 
bewahrt bleibet. Herr Jesus Christus von Nazareth, erbarme dich 
unser! heilige Jungfrau Maria, bitt Gott für uns! liebliche Mutter 
Jesu, bitt Gott für uns! 

gnadenreiche Mutter Jesu, bitt Gott für uns! Heiliger Joseph, 
du Nährvater Jesu Christi, bitt Gott für uns! Heiliger Johannes der 
Täufer, bitt Gott für uns! Ihr heiligen Patronen und insonderheit 
auch du, heiliger Schutzengel, bitt Gott für uns! Ihr heiligen drei 
.Könige, Kaspar, Melchior, Baltasar und auch ihr Heiligen und Aus- 
erwählten Gottes insgesamint bittet die hochheiligste Dreifaltigkeit Air 
niiR, dass uns und allem demjenigen, was unserm Hause zugehört, kein 
Unglück widerfahre. Dazu helfe uns Gott der f Vater, Gott der 
t Sohn und Gott der heilige f Geist durch seine göttliche Gnade 
und Barmherzigkeit. Amen. 



i 



MiBzellen. — Melangen. 4^ 

Unter Evrem Sohntz steht dieses Haus, 

Jesus, Maria, Joseph! 
Glücklich, die oft sprechen ans: 

Jesus, Maria, Joseph! 
Behiit dieses Haus vor Pest und Brunst: 

Jesus, Maria, Joseph! 
Vor Zauberei, Unheil und Missgunst, 

Jesus, Maria, Joseph! 
Gebt über uns den Segen allezeit, 

Jesus, Maria, Joseph! 
Nach diesem Leben die ewige Freud', 

Jesus, Maria, Joseph! 

Mache das heilige Kreuz fQr dich and über aUes, was Gott dir gegeben hat and sprich ; 

Also segne mich und alles das Meinige Gott f Yater, f Sohn 

und beiliger f Geist, alle drei Personen in einem göttlichen Wesen, 

o du heilige Dreifaltigkeit! Damit ich dir hier zeitlich würdig diene 

und dort ewig mit allen Auserwählten liebe, lobe und ehre. Amen» 

Darnach sprich ein Vater unser, Ave Maria, und beschliesse es mit dem ohrlst- 
lleben Olanben. 

Zu haben in Einsiedeln. — Druck von A. Kessler in Lachen. 

* * 

* 

Ein älterer, jetzt abgegangener Wettersegen von Dottikon 
lautete: 

„Lukas, Markus, St. Johannes, Matthäus! Wer die vier Evan- 
geliste wird nänne mit Name, wird 's Wetter weder schieb no bräune*. 

(Wird dreimal gesprochen und allemal ein Yaternnser ge- 
betet.) 



Miszellen. — Melanges. 

Les sobriquets des villes et villages du Jura bernois. 

Alle: «les Gras», les corbeaux. — Asuel: «les Vermeches», le» 
Vers Inisants. 

B(i88ecourt: « les Pateües », ceux qui battent aveo des barres de 
tJer. — Bepraoni cles Reuards». — Beurnevesain: cles Gravalons:»^ 
les frelons. On leur donne aussi le sobriquet de «queues de poulain». 

Bimlard: c les Gagueules ou gaiguelles >, fiente des chevres, 

tMKTce quMtrefois on ^levait beaucoup de chevres dans cette commune. 

Ax&oiirt: «les Boelons», les longs culs. Maladie des poules. — 

-So» (les): «les Grema^ », les grumeaux. — Bonfol: «les Bats», 



50 Miszelleij. — M^langes. 

les crapauds. Les etangs (^ui se trouvent en cet endroit sont remplia 
de crapauds. On fait croire anx enfants et aux Daifs qne le < gros bat » 
est encbaine ä une arcbe du pont et qu'on doit le saluer en entraot sur 
le pont. Cette legende est encore tres vivante. On qualifie aossi les 
gens de Bonfol de caquelons, du nom de la poterie grossiere qu'on 
fabrique dans cette localite. — Bourrignon: «les Borets», canards mäles. 

— Bressaucourt : « les Gueules de foue » , le« gueules de four. — Breu- 
leux (les): « les Malliers», mangeurs de bouillie de farine. — Brislach: 
^les Comes», parce qu'ils passent ponr etre peu polis. CVst un dicton 
populaire que si on veut acbeter du drap encore plus grossier qu*a Brislacb, 
il faut aller a Nenzlingen, et qne si celui-ci n'est pas encore assez 
grossier, on en trouvera ä Reinacb. — Buix: «les Gravalons», les 
frelons. — Bure: «les Sangliers», ä cause du sanglier peint sur l'an- 
cienne banniere sequanaise de Tavocatie de Bure. — Burg: «les 
Tourteaux»^ les gateaux, ä cause des armoiries des nobles de Wessen- 
bergy seigneurs de Burg jusqu'en 1793. 

Champoz: «les Meulons», les meules de fromage. — Charmoille: 
«les noires Gouailles», les noires guenilles^ allusion a ce que beauooup 
d^babitants faisaient le commerce deschiffons. — Chevenez: «les Renards». 

— Chindon: « les Letcbepotcbes », ceux qui lecbent les pocbons. — 
Cije^uve: « les Tiaissats », les casseroles^ les marmites. L'armoirie des 
nobles de Cceuve est une dame d'argent sorlant nue d'une cuve d'or. 

— Communances: «les Rainets», les grenouilles. — Corban: «les 
Tcbeneilles», les cbenilles. — Corcelles: «les Fefioles», les copeaux. 

— Corganont: « les Bacons >, les mange-lard. — Comol: « les 
€orbe-dos», les courbe-dos, parce qu'ils pliaient devant le prince. — 
Coriebert: «les Bretchelles», sorte de patisserie. — Courchapoix: «les 
BreuUe-toyelles », les brule-draps. II est d'usage dans la plupart des 
paroisses catboliques qu'apres Tenterrement on brüle la paillasse oü est 
mort celui qu*on a enterre. On la brule sur un grand chemin pour rap- 
peler aux passants qu'on doit prier pour le defunt. A Courchapoix pro- 
bablement on brülait les draps du mort. — Courchavon : « les Baque- 
trons » , ceux qui piquent la m . . . avec le bec. — Courfaivre : « les 
Mergats », les matous. Terrae injurieux tres frequent. — Courgenag: 
«les Courbe-nez». — Courrendlin: «les Piotches 3, les piocbes. — 
Courroiix: «les Loups ». Les nobles de Courroux portaient le nom 
de Loupeudorf ou Loutfendorf. — Court: «les Courtisans». — Courte- 
doux: «les Loiips ». — Courtelarg: «les Pieds de Cabri», ou «les 
Cbevrettes». — Courtemaiche: « les Pousseyais», les sangliers, comme 
u Porrentruy. — Courtetelle: «les Gaiguelles», tiente de chevre. Ce 
village etait autrefois renomme pour l'^levage des cbevres. — Cremine i. 
« les Bcvous », les baveurs, qui ne savent pas manger proprement. — 

Damphreux : «les Queues d'ecureuii >. — Damvant: «les 
Deinvois», les orvets. On trouve beaucoup de serpents sur ce territoire. — 
DeUmont: « les Trissous », les foireux, a cause des trois montagnes de 
«es armoiries, qui ressemblent a trois excrements. — Develier: « les 
Yemaises», les iimagons. Gens reputes tres leuts. — Dittingen: «les 
Escargots ^. Le village de Dittingen est appele par moquerie « la ville 



Miszellen. — MtManges. 51 

du creux >, parce qu'il est fort rare qu'on puisse traverser le village 
u sec et que les escargots aiment rhumidite. — Duggingen: «les Oars», 
a cause des nobles de Bärenfels. 

Ederschwiler et Roggenbourg : < les Cloches ». Les cloches de 
Roggenbonrg sonnent: < Sind zwei arme Dörfli » et les cloches de KiiTis, 
en face, repondent: < Eiffis aach, Eiffis anoh». — Enfers (les): c les 
Edjalais >, les geles, ä canse da feu mis aax forets pour defricher ce 
pays. — Epauvillersi «les Malliers », les mangeurs de bouillie a la 
farine. — J^iquerez (les): c les Piqae-merde ». — Eschert: < les Vers ». 
— Ettingen : « les Ooncoos » . La tradition rapporte que les gens 
^'Ettingen avaient fait fabriquer une banniere pour le p^lerinage annael 
-de la Pierre. Sar cette banniere ils avaient fait peindre une colombe 
-povLT representer le St-Esprit^ mais cette colombe ressemblait tellement 
-» un coucou que les gens de Therwyl appelaient ceux d'Ettingen 
-< les concons » . 

Fahys: «les petits Bats», les petits crapauds; par Opposition a ceux 
-*Je Bonfol qui sont «les gros Bats». — Fontenais: «les Tchaits», les 
-^shats. — Fregtecourt: «les Vouichaits », les sales. Ce village est dans 
^«.-an endroit marecagenx, abondant en sources et ses rnes sont toujours 
"^res sates. On dit c'est «vouiche», c'est sale, de lä « les Vonichaits». 

Fuet: «les poues», les porcs. 

Genevez (les): «les Taille-fromage». — Glovelier: « les Tripets», 
'xmangeurs de tripes. — Goumois: «les Lais-Due», litt^ralement «les 
J WLS Dieu ! » interjection familiäre aux habitants de Goumois. — 
^jrandfoiitatne: «les Raines»^ les grenouilles, abondantes dans la r^gion. 

Grandval: «les Frelons». — Grellingen: «les Erdbeerkranz», 

1^» conronnes de fraises, parce que les pauvres gens y vivent du com- 
ZKxerce des fraises, des müres, etc. 

Huüe (la): « les Charbonniers >. 

Lajoux: «les Pous», les coqs, les amoureux. — Laufoyi: «les 
^^tjgres ou les Maures ». La banniere est noire, chargee d'une crosse 
-d^ Bäle d'argent. On dit que pour faire les armoiries de Laufen il 
^-«affit d^avoir de I'encre et du papier. — Loveresse: ^ les Cretches », 
J ^« bottes. — Lugnez: «les Queues d'agneau >. 

Malleray: « les Tcheulaires > , les avaloires du harnais. — Mervelier: 

-=~ les Gravalons », les frelons. — Metteinberg: « les Tchievres >, les chevres. 

^E^^ndant des siecles le fief de Mettemberg fut tenu par la famille Chevre; 

cl %a restc ce nom est tres repandu dans la commune. — Mu'court : « les 

U*Ä-otcbats >, les accrocheurs, terme injurieux. — Montavon: «les 

B<x;af8 ». — Montenol: «les Euvenats», petits cochons de trois mois. 

X^^jnis des siecles ce village a la specialite de vendre des euvenats. 

— • — Montfaiu^on: « les Pinsats », les linges des petits enfants. — 

^^<3ntignezT « les Queues d'agneau ». — Montmelon: «les Queues de 

boTio. — Montsevelier: '< les Tchevatcheris > , les chauves-souris, parce 

<l^\e de 1793 k 1797 cette commune a forme une petite republique 

Sotivemee par son eure et son maire et que les habitants ne pouvaient 

•^rtir que de nuit pour eviter les Frangais. — Mormont: «les Mouer- 



k 



52 Miszellen. — M^langes. 

meuets ». — Montier, < \es Letche-potches », les-leche pochons. — 
Mavelier: < les Molets ». — Muriaux: « les Mange-merde >• 

Nendingen: « les Rudes >, les grossiers. — Neuvevüle: « les 
Jacqaemailles >, en souvenir de la vaillance des premiera habitants de 
cette ville, «les Jacqnemailles >. — Notrmont: «les Poiliers »^ 
chercheurs de poix, de r^sine de sapin. 

Perreßtte: «les Beutchins», pommes sau vages. — Plague: « les 
Magnins», drouineurs, etameurs ambulants. — Pleigne: «les Geais »» 

— Pleujavse: « les Coquereilles», les escargots, oa plutot les coqaillea 
des escargots. — PommeraU (les) : « lesTaivins », les taons. — Pantenet: 
« lesBonrguignons », parce qn^antrefois ces gens allaient moissonner dans lea 
pays etiangers comme les Bourguignons. — Porrentruy: < les Poussayes », 
ies sangliers. On dit ä Forrentroy que quand on tue nn porc, on saigne 
im bourgeois. Le porc s'y appelle an bourgeois. A l'^poque du carnaval^ 
il est de tradition que les bourgeois tuent « un bourgeois » et mangent 
du boudin, etc., ainsi que de la chonoroute avec des qoartiers de 
pommes seches. Enfin vient le pät^ des bourgeois, fait de viande de 
porc marin6e et de forme carree. 

Renan: « les Bacons », les mangeurs de lard. — Roche: < lea 
Rochets», ä cause des gorges. — Rocourt: « les Gravalons», les frelons. 
Röschenz: «lesMossengumper», les santereiles, parce que, ne poss6dant 
qu^un petit territoire, les gens de Röschenz sont obliges d'acheter oa 
d'amodier des terres dans les environs. — Roasemaison: « les Rossignols »^ 
par moquerie, ä cause de leur maniere de parier cbantante et d^gr6able. 

Saicourt: « les Foues», les porcs. — Saignelegier: « les Lonet- 
chous », les 16cheurs, les gourmands. — St-Brais: «les Chevres». — 
St-Imier: «les Moutons». — St-Ursanne: «les gros Anes». Allusion 
ä l'ane de St-Ursanne. — Saulcy: «les Craitchis », les porteurs de 
hottes. La craitcbe est une hotte d'osier dont les fermiers se chargent 
pour apporter en ville les produits de leur culture. — Saulea : « lea 
Saueres». — Sceut: «les Boutchets», les boucs. — Seieute: « lea 
Boucs». Le bouc de Seieute est c^lcbre dans tout le Jura. — Seprais: 
« les Tiaissats », les casseroles. — Sonvilier: « les Potets », les pots. 

— Sorvilier: «les Batturies», buveurs ou mangeurs de babenrre. — 
Soubey : « les Y^messes » , les limaQons. — Souboz : « les Tetes de 
fo», les tetes de fou. — Soulce: «les Roquets». — Soyhürea: «les 
Lievres » . 

Tavannes: «les Renards ». — Tramelan: «les Tramelottes »^ 
celebres petites chevres blanches. 

Undervelier : « les Bidets ». 

Vellerat: « les Poulats », jeune« coqs. — Vendelincourt: « les 
petits Anes». — Vermes: «les Breule-Tchins», les brüle-chiens. On 
caut^risait, ä Vermes, les gens mordus par un chien enrag6, avec la 
clef de St-Hubert. — Vicques: « les Tchaivots», vilains petits poissons 
grossiers qui se cachent sous les pierres. — Villeret: «les Gros», les 
corbeaux. 

Wahlen: «les Geschwelten Erdäpfel», mangeurs de pommes de 
terre en robe de chambre. 

Miecourt. A. Daucourt, eure. 



Miszellen. — MelaDges. 



53 



Notizen aus dem Urserental. 

II. 




Krenzkonobenkapelle ob Hospootal. 

Als Nachtrag zu <len im V. Jahrgang dieser Zweitschrift (S. 5()— 60) 
mitgeteilten Beobachtungen, seien hier noch einige volkskundliche Notizen 
«lus dem Urserental veröffentlicht. 

Zunächst sei hier der Grundriss einer kleinen Wegkapelle, die 
längst kein Dach mehr hat und dem völligen Zeifall entgegengeht, wieder- 
gegeben ; er zeigt den schon in den Katakomben, dann in der romanischen 
Avie in der Renaissancearchitektur auftauchenden Typus der Kreuzkonchen- 
onlage. Unser Denkmal stammt, wie ich aus Fnrbspuren vermute, aus dem 
:XVII. Jahrhundert. 

Das lange Fortleben altertümlicher Knnstformen lässt sich besonders 
-^m sog. Eselsrücken verfolgen. Hier seien noch einige Proben dieses 
Motivs mitgeteilt; sie zeigen eine in primitive Ranken auslaufende Spitze, 
-Oiler sie sind mit Monogrammen oder Inschriften gekrönt, oder die Spitzen 

Jos EH 




Andemutt Andermfttt 

<<ind durch horizontale Kinsctinitte kreuzartig abgeschlossen. Das letztgenannte 
Omameot findet sich an einem alten Holzhaus gegenüber dem Gasthaus zu 
'^len drei Königen und zeichnet sich dadurch aus, das» es von abwechselnd 




Disentls. 



M 



I 






Miszellen. — Melange». 

roten und blauen Lilien flankiert ist. Die primitivste 
Abreviatur des EselsrUckens findet sich an einem höl- 
zernen TUrsturz zu Andermatt, dessen Kante nur fünf 
kräftige Aus- oder Abschnitte aufiveisen, deren mitt- 
lere drei die Reminiszenz an die zwei Bogen und die 
mittlere, mit Kreuzchen abschliessende Spitze des Kiel- 
bogens darstellen. Während im Urserental die^e 
Eselsrücken den ständigen Schmuck des untersten 
Wandteiles ausmachen, begegnet man jenseits der 
Wasserscheide im Osten anderen Ornamenten, die 
nicht auf spätgotischen Vorbildern zu beruhen scheinen 
(vgl. die abg. Probe aus Disentis). Aeusserst roh. 
und dem Formenschatz der Barockkunst entlehnt, 
sind seitliche Fensterumrahmungen, wie sie z. B. in 
Andermatt vorkommen. 



Fenstenunrahmung 
Andermatt 



Zudem, was wir über die Steinöfen ') berichtet haben, seien noch 
folgende Aufzeichnungen gefügt: 

XVI. Jh. Andermatt. Bis vor wenig Jahren (um 1896) im Gasthof zu de» 
drei Königen. Angebliche Jahrzahl 1651. 






Andermatt Ofen von 1651. Andermatt. Ofen Ton 1691^ 

1651. Andermatt Gasthof zu den drei Königen, Wirtstube. In zwei Schilden 

je ein Dreiberg, darauf eine Hausmarke, die Inschrift: EVA ud» 

I H 8 und Jahrzahl 1651. 
1680. Ilospental. Im Hause Gk)tthard Schmidts. 




Hospental. Ofen von IGSO. Gez. Yon Stelnhauer Regit 



1) Vgl. K. f. Lusser. Der Kanton Uri 1834 p. 127; darnach w 
i^ager von Topf- oder Giltstein u. a. an der Wylerstaude oberhalb Za— — 
dorf, am Gnrschen, in der Göscheneralp, im Meienthal, in Fellineo und 



Miszellen. — MiManj^es. 



55 




HospentAl Ofen von 1680. Gez. tou 8teinbaaer Regll. 

. Andormatt. Im ehemaligen Nager-Hau8, jetzt Adelr. Meyer gehöreiuU 
l Andermatt. Gasthof zu den drei Königen: 

H A C A M = Herr Am mann Caspar Anton Meyer. 
F M A I M = Frau Maria Anna .Tosepha Müller. 
l Andermatt. Gasthof zu den drei Königen. 
. Andennatt. Pfarrhaus. Der Bär von ürseren unter einer Krone nebst 

.lahrzahl, alles in Relief. 

Weitere Oefen aus Giltstein finden sich im obern KhonetaK Oberhaupt 
Vallis (Stehler, Ob den Ileidenreben p. 2«), im Reusstal und obern Rhein- 
Zu Disentis hat man aus Giltstein einen Ofen in Form eines Winter- 
er Kachelofens errichtet und mit dem Wappenschild des derzeitigen 
es verziert. 

Die Darstellung des im „Archiv" 53 abg. Ofens wird uns von kom- 
nter Seite genauer erklärt: es sind Werkzeuge eines Dachdeckers. Ueber 
Schlegel ist das Schindeleisen, genau so, wie es heute noch verwendet 
I , abgebildet ; das dritte Werkzeug ist ein Deckerhammer, in dessen 
tseite sich ein Emschnitt zum Ausziehen der Nägel befindet. Der Ofen 
e<lenfalls tlQr einen Dachdecker hergestellt worden. Die S. 56 wieder- 
?benen Inschriften F. A. M. B. und A. B. von 1690 und 1691 beziehen 
, wie die Wappenbilder, nicht auf die Familie Bässler, sondern die 
tiner. 

Bezüglich der Spiele im Urserental schreibt uns Hr. Staatsarchivar 
D 11 r r e r , was folgt : 

„Was das S. 60 genannte Kartenspiel „Pan<luren" betrifft, so ist 
lelbe in der Urschweiz keineswegs neu, sondern geht nachweisbar in's 
e des vorigen Jahrhunderts zurück und hat seinen Namen von den 
rreichischen Panduren erhalten, die es in den Kriegen von 1799/1800 
;eführt zu haben scheinen. Es ist eine Abart des Jasses'), wobei die 



>j In Bezug auf das 
» Skat. (Red.) 



.Bieten" hat das Spiel auch Aehnlichkeiten mit 



oö Miözellen. — Melange». 

kleinen Karten bis zur Neun ausgeschieden werden. Man gibt je acht KarU^n 
und drei können spielen, der vierte, der das Spiel gibt, bleibt „Ap|)endix''. 

Man bietet nun der Reihe nach, entweder 100, 150 etc. oder einen 
^jkleinen Pandur", einen „kleinen Bettler*^, einen „grossen Pandur^ oder einen 
„grosnen Bettler". Wer das grösste Angebot thut, kann den Trumpf be- 
stimmen und muss nun gegen seine zwei Partner spielen. Er darf nicht 
weniger machen, als sein Angebot beträgt, sonst putzen seine Gregner. Man 
schlägt jeweilen 7 o<ler 10 „Kritze" auf. 50 putzt einen, 100 zwei „Kritze** 
und so fort, ein „kleiner Pan<lur" (d. h. alle Stiche bis auf einen) und ein 
„kleiner Bettler** (kein Stich bis auf einen) putzen fünf, ein „grosser Pandur-" 
(alle Stiche) und ein „grosser Bettler" (gar kein Stich) putzen alle sieben. 
Die Haupttrümpfe sind wie beim Jass der Bauer und das Neil. 

Das* Spiel ist auch in ünterwalden sehr verbreitet, während das 
Kaisern, ein sehr kompliziertes Kartenspiel, auch bei uns immer mehr in 
Abnahme kommt." 

Ueber die Hexen winl uns von Herrn Pfarrer Peter Furrer 
mitjjeteilt: 

„Im Prozess der „kattryna simon ze steinbergen*) wird diese ge- 
ständig, ihre ^Kunst** auch einer „gret schullte*' in Zumdorf gelehrt zu 
haben. Nach dem Gange solcher Hexenprozesse ist nun fast sicher, dass die 
„Gret** bald in's „Examen" kam. Ich vermute, diese Gret ist die „Schneider- 
gret" unserer Sage.*} Leicht möglich, dass vor gar nicht langer Zeit auch 
(Iber diese n^ret' Prozessakten vorlagen. — Das Urteil Ober „kattryna 
Simon" ist auch nicht mehr auffindbar und wurde doch vor nicht manchem 
Jahrzehnt Im „Geschiohtsfreund** veröffentlicht. Auch die Prozessurkunde 
musste ich Jahre lang suchen ; endlich kam sie wieder zum Vorschein. 

Die.Men Winter fand ich nun weitere „Hexenprozesse" in Ursern aus 
<lem 17. Jahrhundert. 

a) C'atrina simmen genampt Jungkttngenen. 

Sie wird schon in Strafprozessen 1665 und wieder 1666 verdächtiget, 
kommt 1667 den 6. Juni in Gefangenschaft wegen „leidiger UnhoUdery*'. 
Sie wird öfters verhört, zuerst „gtttiglich", dann „an die Marter geschlagen** 
mit „5 und 10 und 15 und 30 ^ stein". Der Teufel „Jögli" habe ihr „Tauf 
und Chrysam ausgsogen", sie auf der rechten Achsel gezeichnet, darum 
tlo}*s kein Blut, wenn sie mit einem „spitzigen allseli" (Ahle) fingertief ge- 
stoohtMi wurde. Hexentanz auf dem Gurschen, u. s. w. — Urteil fehlt. 

h) Anna Maria Regli von Zumdorf, 
verhört 16()r> imd 1666, sogar mit „50 ß* stein ufzogen*. Sie bekennt niemals. 

(•) Madalena Periacob, 
1<)66 im Verhör mit Cathrina simmen verdächtiget. 1667 Verhör gegen sie. 
1668 kommt M. Periacob in Gefangenschaft. Auch sie soll auf der reehteik. 
•Schulter das Hexenzeicheii haben, dagegen behauptet die Arme, in der Ju- 
gend habe sie dort „Kissen" (Geschwüre) gehabt. Wiederholtes Experiment:^ 
mit <lem „Allseli". > Periacob gibt nun eine Jugendsünde mit einem LÄuiser^ 
und diu Diebstahl von 30 Batzen im Spital zu Baden zu, und doch iinnP- 
sit» mit Hüten durch «las I>orf Andermatt gepeitscht und 101 Jahre „ver — - 

*i V«r. (tks<iim Hl.«*! RKiM» VI, 244 [Red ]. — *) Vgl. schon LCtoi.k, Sagei* 

S. 211 [Red.]. 



Miszelleo. — Melange». 57 

bandiflieit** aus den 13 eidgenössischen Orten, allen Vogteien, aus Wallis und 
3 GravenpQnten. 

Im Verhör heisst es : ,Der hat man Ihr Muoter verbrönt.** Ob in 
Ursem, ist unsicher. Der Name Periacob weist auf Eingewanderte hin. 
Andernfalls hätte Ursem auch eine Hexenverbrennung. ** 

Die Ueberreste des Galgens, versteckt in Wald und Gebüsch, haben 
vrir seither aufgesucht; er bestand aus zwei mit Bruchsteinen gemauerten 
starken Pfeilern. Der eine steht noch aufrecht, der andere liegt am Boden. 
Besonders merkwürdig ist, dass dieselben beide nach der Lawinenseite mit 
sog. Lawinenbrechem versehen sind, mit andern Worten, der Grundriss oder 
Schoitt der Pfeiler ist nicht kreisförmig, sondern er schliesst geg^n Süden 
(Bergseite) mit einer Spitze, gegen Norden (Talseite) mit einem Halbrund. 
X£in Balken, an den man die Delinquenten hängte, verband einst den Ober- 
teil der beiden Pfeiler; die OeiTnung für diesen Balken hat einer unserer 
•Oewährsmänner noch gesehen. Alte Gralgeq sind ausserordentlich selten ; 
unseres Wissens ist in der Schweiz nur noch ein Denkmal dieser Art (in 
Jörnen im Oborwallis) erhalten. Es wäre deshalb Pflicht der zuständigen Be- 
fi45rden und Interessenten, die geringen Kosten der Erhaltung und Wieder- 
,Ii«r8tellung dieses eigenartigen Werkes auf sich zu nehmen. 




^ a» e 1. 



cf-TB 



Steinrelief in Andermatt. 



E. A. Stückelberi 



Reime und Redensarten aus Sargans. 



i 



A n z ä h 1 r e i m . 

>-niiagä, bennägä, rumpeUli 

^*ffel, raffel, manewi 

^^^^ barä Schmalz 

^^Wr, Mahl und Salz 
"^^^tä, Pfannä, Tuss, 
^^•änä ChrOzer Nuss, 
^^-anä Clirüzer Bärädrägj? 
"^^t mä Diär der Chopf äwägg. 



Wa n <i (• r r e i ni v. 
( 'huni, mer gund gä wanderä 
Vu einer Stadt zur andeni; 
Wibi, wäbi, wupp 
A niäelitig unigs Stugg 
Und Wim mär nttmmä witer cliund. 
Sä cheTn» nier wider um. 



58 



Mißzellen. — M«'»langes. 



Chuin, mer guud in «rHaselnuss; 

D'Haselnuss sind na nit rif; 

Sä chum, mer gund in^s Bäsäris; 

D's Bäsäris ist au vil z'hert; 

Sä chum, mer gund ins Schwoubäland, 

Im Schwoubäland häts gu«*iti Lilt 

Si Schinken eira HungundAnkäbrCU*). 

Verschiedene Volksreime. 

Der Lnttntüt hat d'Hosä gflüggt 
Döt joubä uf emä Reili; 
Er hat ä gstumpäts Himpli a 
Mä gsiäht eni sini Belli. 

Liederli, Liederli, wie geht es zuä 
Uni Strumpf und uni Schuäh ; 
Hettischt d's Gäldli nit vertuä 
Hettischt d«1 Winter Strumpf und 

Schuäh. 

Alti Wiber und Intä 
Schwaderen ttber'ä SeY 



Strecken d'Bei in d'HöUchi 
Und singen: Jubbähei! 

Überm ourä, an disem Tag 
Hätt der Bätt^elma Hochzit; 
Es gigät ä Flouh, es tanzät ä Lu> 
Es schlout U Wintälä Tnimmä; 
Alli Tierli, wo Schwinzli hind, 
Chünd zur Hochzit chummä. 

Miner Muätter KafHmühli 
Humplet all zVinguro; 
Schätzli, wiun d'mi du nit wit 
So säg mer doch worum? 

Es lUttät Mittag, 

Mit da Herrä ins Bad ; 

Mit da Buäbä ins Würtshus *) 

Mit da Meitlä ins Bett 

Mit der Ruätä zuädeckt. 

Wolle mer amal, wolle mer amal. 

heirassa^aT 
Lustig sein, fröhlich sein, tralalala! 



T a n z r e i m t» . 
Schottisch. 
O^pfelschnitz und Bfräschnitz und gaibi Küebii deründer; 
Winn mi Schatz ä Büggel hat, sä-n-isch ä wttestä Dünder. 

Meitill winnd mi du nit wit gfggeriggiggi 
Zeig der au mis Heimat nit giggen^g'iggil 

GaJopp. 3) 
Wart, wart, wart nu Bäbeli, 
Wart, i krieg di schü am Schnäbeli! 
Wart, wart, wärt nu Bäbeli, 
Wärt i krieg di schü! 
Und winn di emol am Schnäbeli ha 
Muäst-mer au es ChiissÜ ha. 
Wart, wart, wärt nu Bäbeli, 
Wärt i krieg di schü ! 

Mazurka. 
Friderikä, Friderikä gib mer ä Biräweggä ! 
Biräweggä, Biriiwöggä sind guät. 



M In Sargans sagt man einem Butterbrot: ^.SchmodzhruV' . — *) Oder 
wenn die Mädchen die Buben ärgern wollen: „Mit da Meitli ins Würtshus, 
Mit da Buäbä ins Bett" etc. -- ^) Der Rhythmus scheint uns hier, wie bei 
der folgenden Mazurka und namentlich beim Walzer, zweifelhaft (Red.). 



MiszeHen. — M^lan^s. 5ö 

Polka. 
P61ka, Polka tanz i gärn '* 

Mit emenä schUnä jüngä Herr ; 
Und isch es au an Offizier 
D^stu lieber ist er mir. 

Walzer. [?] 
I gü nit hei bis es hallälüt 
Und bis mer Muätter schäl lällät 
Und bis mer z'Meitli z'Morgä bringt 
Sä gun i au nit h6i! — 

Wenn man die kleinen Kinder, wenn sie im Hemdlein in der Stube 
t<ind, ärgern will: 

Himpäläri, Spillätroug 
Lauft dä-n-altä Wibärä nou. 

Wenn man die Kinder zufrieden stellen will, nimmt man »ie aufs 
K^nie umi reitet mit ihnen, folgende Worte sprechend : 

So riten diä Bättier 

(schwache Bewegrung) 
So riten diä Burä 

(stärkere Bewegung) 
So riten diä Herrä 

(starke Bewegung) 
Un<l ä so riten die Schelmä. 

(ganz starke Bewegung) 

Wenn man die Kinder zum Lachen bringen will, nähert man sich 
'l*«i^n mit der Hand, die Bewegung einer Raupe ausführend und sagt: 
Es chunt ä Bär 
Und tappet dohär 

Und bisst dem . . . (Same des Kindes) 
Grad d's . . . . (Bezeichnung des betr. Gliedes) äwägg. 

Um das Kind zum Schweigen zu bringen : 
Soli, soll, Poppili, 
I mach-der Milch und Broggili. 

Das Kind singt dem Marienkäfer: 
Marti-, Marti-Vögeli 
Flüg-mer über's Töbeli 
Säg Vater und Muätter sollen 
's guät Wättär bringä. 

Wenn man Birnen isst, <lie Magendrücken verursachen, so klopft mau 
*uf die Brust, bezw. Magengegend und spricht dabei : 
Würgili, Wttrgili, Birästil 
Würgst mi du, sä töud i dich; 
Hing di an ä Galgärad 
Und lu di hangä Jour ond Tag. 



60 Miezelleo. — M^lauges. 

Wie man den Haustieren ruft. 

Der Kuh: „Busch, chom sä'' oder: „Chom sä, Buschili, chom sä^'. 

Der Ziege: „Giz, Giz, Giz'* oder: „Gizili, chom sä" oder: „Chom 
sä, Gizili**. 

Dem Schaf: „Sugg, Sugg, Sugg". 

Dem Schwein: „Hoss, Hoss*'. 

Der Katee: „Zi, Zi, Zi" oder: „Zizi-Busä, chom". In Pfilfers: „Chom 
Minzä". Scheuchruf: „Gohst usä Chuz!" [so!] 

Dem Hund: ,,De, De, chom De, De". 

Den Hennen : „Bi, Bi, Bi, Bi". 

Lockrufder Fastnachts-Masken (^Huttli**). 

Dou, dou Hüdili, 

Chum buz-mer s'Füdili, 

Mit-emä langä Basal 

Redensarten. 

Wenn ,,gwundri£^e" Kinder den Erwachsenen bei der Arbeit zusehen 4 

und fragen : 

„Was machst Du dou?" 

so antwortet man: 

„Ä Stiel an ä Laubsagg!" 

Wenn die Kinder etwas erzwingen oder gerne etwas mitmachen m:m 
wollen, so berufen Hie sich gewöhnlich auf andere Leute oder Kinder, indem mm 
sie sagen: 

„Ander Lüt (oder andiri Chinder) hinds, tuends oder gimd au;^ j 
dörf-i nit au ? " 
Dann antwortet man ihnen : 

„Ander LUt sind Laubsagg ! '' 
Das Kind erwidert hierauf gewöhnlich : 

,,1 will au einä si*' 
und erhält dann in der Regel das £i*zwungene oder die gewünschte Krlaubnis^^sai 
Wenn ein Kind sagt : 

„I ha Durst" 
8(» entgegnet man ihm : 

.,8ä schlüf in-ä Wurscht", 
und wenn es sagt: 

„I ha Hunger': 
„Sä schlaf in ä Bunger" ♦). 
S c h e r z w a r n u n g : „I lu der grad d'Ouhrä stu". 
Wenn ein Kind umgefallen ist: 

„('hum dura, i lui)f di uf ". 
Wenn (»in Kind eine Kommission machen muss, trägt man ihm sehen — -^ 
weis(^ die Ausrichtung eines Grusses auf, wobei es sagen solle : 
„I läss-es grüezä mit ärä goldenä Zeinä, 
Und der Bott heT r)rägg an da Beinä.'' 
Seil affli au 8en. A. Zindel-Kressig. 

^) Bunger = eingezäumtcs, an Obstbäumen reiches Wiesland in d^ 
Niihe de» Ortes. Aus: Baumgart. 



MiBzellen. >- M^laoges. 61 

Schweizerische Santiagopilger. 

Im Ansohlnas an nnsere Notizen ttber ^SobweizeriBche Santiago- 
ger* ') sei hier die Ghrttndungsarkande der S. JakobAbmderschafit von 
chieln nach der Originalhandschrift mitgeteilt:*) 



^T^a^Srü 




Zelchnang im Baehlein der 8t. Jakobtbrudenchait za SaohMln. 

„In dem Namen der heiligen Dryfaltigkeit, Amen. Es ist zn 
Ben, dass die Schwester and Brüder, so nss dem Landt Underwalden 
^em Waldt, sindt gen Sanct Jacob in Gallicia gewandlet: Hänt 
brnderschafft angefieingen, im Jahr 1560. Und lassendt järlich ein 
sjt began, ailwegen Uff S. Conrads tag, Za lob Gott dem All- 
tlitigen Und in der ehr Marie der Matter Gottes^ Und des heiligen 
txmelfürsten Und Zwölffbotten S. Jacobs. In meynang, dass sie da 
lent den Allmeohtigen Gott bitten für alle Cbristgläabige Seelen, 
•onderheit aber für alle Schwester Und Brüder, so die Heilig Statt 
i^acobe besacht hänt, sie seyndt glych tod oder lebendig; dass ihnen 
t, wolle gnädig Undt barmhertzig syn, aach allen denen, die 
b Willens wärendt, die Statt des h. Zwölffbotten zu besachen Und 
n denen die noch Uff der Strassen sindt, wolle sin göttlich genad 
tlieilen, sie mit fröwden wider führen in ihrs Vatterlandt, den ab- 
borbenen aber geben die ewig fröwd rahw Und Seligkeit. 

Und erstlich, soll ein jeder, der in die gemelt heilig Brnderschafft 
U ^ben, einer der by S. Jacob .gsin ist, ein galden an müntz, Und 
)r der nit da gsin ist, soll geben ein dicken Pfennig, oder was sin 
er Will ist. Hieneben ist angesähen, wenn ein Bruder oder Schwester, 
i gemalter Brnderschafft stirbt, Und man einen tod vernimpt, so soll 
^Ib oder dieselbe in allen Kilchen verkündt werden, Und soll 
n dass gemeyn gebett für sie thun, Und gan lassen. 

*j Bablbb Jahrbuch 1903, S. 190-190. — ») Handschrift in 4^^ im Pfarr- 
^iv Sachsein. 



62 Miszellen. — Mölanges. 

Uod welcher in die gemelte Bruderschafft will der soll sich an- 
zeigen by dem Vogt oder F&rrherren allbie zu Saxleii Und das gelt 
g]ych angents erleggen, damit so wirdt man ein jeden innschryben. 

und folgen! hernach die Namen der Geistlichen. Erstlich, Herr 
Johannes Rossacher selige ist Amman gsin disers Jjandts, Und Pfliger 
diser loblichen BmderschafPt, Und Anna Rnss, sin Ehliche Hnssfraw. 

Es folgen nun 12 Seiten voll Namen, denen gelegentlich auch die 
einbezahlten Beträge beigefügt sind. Sie hören ant mit dem Jahr 1688. 

Die älteste Jakobsbraderschaft ist nach Abb^ Danx*) die votv 
Paris 1295; in Bagneres-de-Bigorre entsteht eine solche 1325, i«^ 
Ikloissac 1523. 

Der. Höhepunkt der S. Jakobsverehrung und der Pilger&hrt xc%^ 
nach demselben Autor das XIV. Jahrhundert; damals bedeutet Pilgrm-iKsi 
z. B. bei Dante schlechthin den Santiagofabrer, während für Rom- m«-^^d 
Palästinapilger besondere Bezeichnungen bestehen. 

In der Schweiz sind noch hervorzuheben: eine Bruderschaft '^mu. 

Solothurn,*) der Gemäldezyklus von Bern,*) die mit 6 Tafeln j^ ^- 

ziertc Kapelle von Tafers*) und folgende Pilgerfahrten^): 

1578 drei JakobebrUder von Toggen bürg, ünterwalden *%ji^ vid 
Luzern®). 

1579 ein Pilger von Eywyl (Obwalden) ^), einer von Schwyz, 

1580 Balthasar Müller und Begleitung aus Ünterwalden^) 
1591 Jakob Stalder von Nidwaiden, offenbar identisch mit d 

1640 März 6 verstorbenen Ritter J. St. von Beggenried, dt^tm 

Grabstein die Santiagofahrt meldet.^) 
1650 drei Pilger aus Toggenburg. ^^) 
vor 1660 Christoph Suter von Schennis*') 
., 1663 Carl Jubil von Schennis ^*) 

Weil Freibarg der letzte katholische Ort der EidgenossensclB a/t 
war, den die Jakobspilger auf der Hinfahrt, und der erste, den «'« 
auf der Rückfahrt passierten, wurden hier häufig Beiträge an di^^ 
Wallfahrer ausgerichtet, die in den Seckelmeisterrechnungen auftreten, 
üeber Misshandlnngen der Pilger hören wir in den Eidg. Abschieden • * 7 
Vielleicht liefern unsere Leser weitere Beiträge zur Geschichte ^^ 
schweizerischen Anteils an der Santiagofahrt. 



3) \jO P^h'rinage a (,'onii)08telle. Paris. 1898. — *) Mitg. v. G- ^• 
Vi vis. — ^) verütfentliclit von Msji^r. Stammler in Kath. Schw. Bll. l8d3: 
Die St. Antoniiiskirche in Bern. — ^) M. v. Diesbach in: Fribo«**'? 
nrtistique 1902. - ") V<fl. auch Anzeiger f Schweiz. Geschichte VII. S. X^- 
— ^) Mit^. v. Hw. IL Kaplan Ed. Wymann nach den Freiburger Sedt-«! 
nieisterrechnungen. — •') Mitj?. v. Hw. II. Kaplan Ed. Wymann nach ^^" 
waldner Quellen. — '"j Mitg. v. Hw. H. Pfarrer A. Fraefel nach der H^'* 
ehrunik des Klosters S. Maria Anjjreloruni. — ") Mitg. v Hw. H. Pfarre*" 
Fraefel naeli dem Schenniser Neerolo^ium. — ^^) IV, 2, S. 777. 

Basel. E, A. Stöckelberg. 



Miszellen. — M^langes. » 63 

Wflrgen und WOrgeten am Namenstag. 

In Ergänzung eines bezüglichen Artikels im Archiv III, 139 
zu konstatieren, dasa die Sitte des Wttr^ens am Namenstage, seltener 
ch am Geburtstage, noch in ganz ünterwalden besteht. Die Be- 
ichnnng ,,Wttrgeten'' für das Namenstag- oder Geburtstagsgeschenk 
aber meines Wissens so gut wie ausser Gebrauch gekommen und 
roh ,Helsete^ ersetzt worden '), welch letztere Bezeichnung mit Yor- 
be auf die Geschenke der Taaf- und Firmpaten Anwendung findet, 
^egen muss auch hier zu Lande ehemals mit dem Ausdruck ^ Wür- 
ben^ ein Geschenk bezeichnet worden sein, das man bei Anlass der 
mensfeier machte. Als Orgelbauer Nikolaus Schönenbüel von Alpnach 
41 an der Erstellung einer neuen Stiftsorgel in Engelberg arbeitete, 
lielt er von dortigem Konvent zu seinem Namens- und Geburtstag 
n 6. Dezember folgenden Gratulationsbrief: 

^Wilen dess Herren Geburtstag beut uif dass U. Fest S. Nicolai 
t, hat ein ehrw. Convent allhie nit könnden underlassen, damit der 
irr in zeitlicher Prosperitet lang wol erhalten werde^ durch dass 
rbit seines H. Patronen auch dörten die ewige Früwd erlangen, ein 
ler Priester ein H. Mess, die Fratres ein ieder 3 Rosaria in die 
ürgeten zuo verehren. 

Der allmechtig Gott welle ihne benedien, damit er mit Gesund- 
it dissen Tag noch vil erleben möge. 1641. 

Ein ehrw. Convent allhie.^ 
Schünenbüel, ein praktisch veranlagter Mann, rechnete nachher 
f der Rückseite dieses Glückwunschschreibens das Gewicht der Orgel - 
iifen aus. 

Zürich. E. Wymann. 

Feuerbflchsen und Pluderhosen im Tessin 1564. 

Unsere Tagsatzungen pflegten im XYI. Jahrhundert ihre Traktanden- 
te nur selten mit Kieidermandaten zu belasten. Man über Hess dieses 
ichtbare Gebiet der Gesetzgebung neidlos den gnädigen Herren und 
>em jedes einzelnen Ortes zu beliebiger Kultivierung. Sogar die ge- 
iinsamen Yogteien blieben vor solchen Massnahmen seitens ihrer 
lerherren ziemlich verschont. Dagegen bildete das Banditenwesen, 
r Kornfürkauf und das Tragen von Wehr und Wafifen in den ennet- 
rgischen Yogteien einen bevorzugten Verhandlungsgegenstand der eid- 
nössischen Tagherren, aber auf die Redaktion eines welschen Mode- 
imals verzichteten sie lange Zeit. 

Als jedoch die Untertanen jenseits des Gotthards begannen^ an der 
leiderpracht ein übermässiges Gefallen zu finden und zehn, ja sogar 
ranzig Kronen an ein Paar Hosen zu hängen und nicht zufrieden 
arien, zwei oder drei Büchsen am Gürtel zu tragen, sondern auch 
ick solche in ihren grossen Hosen versteckten, um einander zu er- 



M Aum. d. Red.: „Helsetc" ist sonst wohl der ältero Ausdruck. 



04 Miszellen. — Molanges. 

schiessen und za ^ermttrden^, da wurde es den gntmütigen Vätern dies- 
Seite der Alpen doch zn bunt. Sie erliessen deshalb auf der Tagsatzung 
zu Baden den 9. Januar 1564 folgenden strengen Befehl: 

Und alsdann uf disem Tag uns für komen, wiewol vor Jaren 
von unseren Boten ennet dem Gepirg die FUrbttchsen zu tragen, dess- 
glychen die vnntttz Becleidung der grossen Hosen, by einer gesetzten 
Buss yerpoten, so sye doch söllichs alles widerumb ganz gmein hy 
unseren Undertanen ennet dem Oepirg. Nämlich das etwan einer eii:^ 
Bttchs, zwo, dry an der Gürtel, in der Taschen oder in sölliohen gros — 
sen Bossen hab, damit einanderen erschiessen und ermttrden. Zudem ^ 
ouch ein übrige Hoffart, das einer biss in X oder XX Kronen an ei 
Par Hosen henken darf. 

Desshalb so habend wir allen unseren Landyögten ennet dem G« 
pirg geschryben, das sy ein Ruf und Mandat ussgan lassen und 
drissig Kronen gepieten, das mengklich sine Fürbttchsen hinder d 
Comun zu verwarn lege, da bliben liggen und keinem wider geb 
werden sollen noch gestattet ze tragen, es were dann das einer 
Gwild oder Yegel pirsen weite, das möge einer tun. Doch solle 
Buchs anderthalb Ein lang sin. Und wan derselbig Pirser wider v« 
Fäld heim kompt, solle er die Buchs von im tun und in kein Fläd^^z. 
und Dorf keine tragen, dessglichen söUich gross Ploderhosen nit ma 
lassen machen, und die, so gemachet sind, lassen enger und cleii 
machen. Dann wellich diss Gepot übersächen, den- oder diesell 
sollend unsere Landvögt umb die obgemelt Buss und nach Gstalt 
Sachen strafen und ob diser Satzung styf und stät halten, ob i 
söUich es Unrats abkommen möchte. 

(Landesarchiv Obwalden. Abschied Nr. 68.) 
Zürich. E. Wymann. 

Mitnehmen junger Leute in Obwalden beim „Märchen''. 

1441, 25. Homung, als Nikiaus von Einwil Landammann m «■ '"> 
erschienen vor dem gescbwomen Gericht in Samen Abgeordnete <S^r 
Gemeinde Kerns und Stans wegen Marchstreitigkeiten. Die Kerrs^^^ 
verlangten, dass man diejenigen verhöre, die damals als jurm^^^ 
Knaben zugegen waren, nämlich Heini Büler, Heioi Sucer, S^"^^ 
Jäckli Ergöwer, Rudi Snider und Jenni Heiden. Die Alten, die -vo" 
Seiten der Gemeinde Kerns zugegen waren, hiessen: Ruf [Rudo^^i 
-unter der Flu, wahrscheinlich Grossvater des sei. Bruder Klans, Andr^^^f 
zen Höfen, Heini von Zuben, der alt Rorer, der alt Trütsch, J©«*^* 
Zurmühli und Brendli. Die obgenannten Knaben, die unterde»«^*^ 
Männer geworden waren, wurden nun verhört, und Heini Büler erklfcr"'^» 
wo man die March zwischen Stans und Kerns gemacht habe. C^^^ 
übrigen bezeugten, was Heini Büler geredet habe, sei wahr, sie »«»^ 
auch dabei gewesen. Jenni Heiden sagte noch: Er wisse wohl, d^*^ 
die Alten auf sie gewartet und zu ihnen gesagt haben: Ihr Jung^^^ 
bis dahin geht unsere Kilchhöri und unsere March. Wir haben o**-^ 
die March gezeigt, damit ihr es behaltet und eueren Nachkoni.ÄÄ^ 
mitteilet. (Kopie vom 20. Juli 1835 im Gemeindearchiv Kerns). 
Kerns. A. Küchler, Pfarrhelfer. 



\ 



Miszellen. — M^langes. 65 

Zum Eingang des Weingartner Reisesegens. 

in Miillenhoifs und Scherers ^Denkmälern Deutscher Poesie und 
[,18 abgedruckte Reisesegen aus dem XII. Jh. beginnt mit 
ten: 

c dir nach sihe, ic dir nach sendi 

lit minen fünf fingirin funvi undi funfzic engili. 

r die Eingangszeile ist in den Anmerkungen (Bd. 11, 54) nichts 

ünde ich eine überraschende Parallele in dem Liebessegeu der 
rin**, die im J. 1407 wegen Zauberei in Basel vor Grericht 
iigeheftete Akten im sog. „Leistungsbuch" des Basler Staats- 
Dieser Segen lautet: 

sich dir nach 

sende dir nach 

gewere wolffe [Wehrwölfe]: 
, die dich zerbyssent, 

die dich zerryssent, 

die dir dia hertzlich blüt uss lappent und sügent. 

lege dich har zu dieser glät, 
sinne und euch dinen müt, 
schlaffen und diu wachen, 
essen und diu trinken, 
du min in dinem hertzen 
;üttem nyemer mögest vergessen, 
müsse nach mir werden als wunder we, 
iem wachse by dem füre. 

helffe mir Lutzifer in der helle 
alle sine gesellen. 

E. Hoffmann-Krayer. 

reihen der Schweizer in preussischen Diensten 1756. 

en bisherigen Abhandlungen über den Kuhreihen sind m. W. 
n folgenden Erwähnungen dieses Gesangs in der „Lebens- 
des armen Mannes in Tockenburg'^ (Ulrich Brägger), Zürich 
beachtet geblieben. Sie lauten: 

.29) y,So bald das Exerzieren [der kgl. preussischen Rekruten] 
.r, flogen wir miteinander in Schottmanns Keller, tranken unsern 
liner- oder Gottwitzer-ßier, schmauchten ein Pfeifgen, und 
ein Schweitzerlied. Immer horchten uns da die Brandenburger 
leraner mit Lust. Etliche Herren sogar Hessen uns oft express 
arküche rufen, ihnen den Kuhreihen zu singen.* 
45) „Scbärer [ein Landsmann Bräggers in preuss. Diensten] 
r lustig und wohlgemuths, und sang bald seine Mänrerlieder, 
i Kühreih'n^ 

E. Hoffmann-Krayer. 



65 BUcheranzei^en. — Coniptes rendus. 

Nachträge. 

Arch. Y, 126 ff. Den Schwank von den Stiefeln mit den 
Totenbeinen hörte ich anch einmal in Graubünden erzählen; die 
Einleitnng der Geschichte and anch die Motivierung des eiligen Fort- 
lanfens des Helden (nachdem er beim Erwachen ein Kalb neben sich 
gefanden), war aber genau dieselbe, wie sie von A. Rittershaas für die 
Wetterau und für Island angegeben wird (a. a. 0., S. 128/129). 

Arch. V, 129. Den Kniereite reim: „Hanselima, etc.*^ erinnere 
ich mich in meiner Jugendzeit und noch später auch in Weinfelden 
gehört zn haben. Anch am Untersee ist derselbe bekannt, wie ich 
vernehme '). In beiden Fällen entspricht Inhalt und Form des Reims 
der Nidwaldner Version keineswegs derjenigen von Zug (Arch. V, 245). 

Bern. Dr. Ernst Haffter. 



Bücheranzeigen. — Comptes rendus. 

Prof. Dr. S. Singer, Schweizer Märchen. Anfange. Kommentars 
zu d. veröflfentlichten Schweizer Märchenlitteratur. (Unter- 
Buchangen z. neaeren Sprach- u. Litteratur-Gesch., hrsg. v. 
Prof. Dr. 0. F. Walze 1, 3. Heft). Bern (A. Francke) 1903. 
77 S. 8^ Preis Fr. 1. 50. — 

In diesem Anfang eines schweizerischen Märchenkommentars werden 
die acht (oder eigentlich sieben) ersten Märchen der Sutermeister'schen Samm- 
lung auf ihre Beziehungen zu verwandten Motiven geprüft. Es sind 1. Das 
Kornkind, 2. Goldig Betheli, 3. Die Geisterküche, 4. D'Brösmeli uf em Tisch, 
5. .Müsli, gang du z'erst, 6. Die drei Raben, (7. Junker Prahlhans), 8. Der 
Bueb mit dem isige 3pazierstecke. Von diesen hat das erste insofern eine 
ganz besondere Behandlung erfahren, als neben den ähnlichen Erzählungen 
jiuch die im schweizerischen Volksglauben fortlebenden Korn-, Wald , Alp- 
und sonstigen verwandten Dämonen verfolgt werden. Manch eine auf den ersten 
Blick bedeutungslose Erscheinung ist dadurch in einen bedeutungsvollen Zu- 
sammenhang gerückt worden. Dass auch Fernerliegendes, vielleicht völlig 
Unverwandtes, beigezogen wurde (S. 24), wird den Wert der Untersuchung 
kaum beeinträchtigen. Zum „Kindlifresser** ist auch noch Bolte's Notiz in 
Herrig's Archiv 106 S. 18 zu vorgleichen. Dem Märchenmotiv von den un- 
gleichen Töchtern und ihrer Vergeltung (N^' 2) reihen sich die beiden von 
Pellandini im „Archiv" IV, 213 ff. wiedergegebenen Tessiner Märchen ein. — 
Der Kommentar zu N'^ 4 hat uns wegen der ausgiebigen Beiziehung von 
Tierstinimen und ihrer Deutung interessiert, während der von K" 5 lesens- 



Ebenso gilt er für Basel. iRki».) 



Bücheranzeigen. — Coroptes rendiw. 67 

werte Betrachtungen über das ätiologische Tiermärchen, die sinnlosen Reime 
<ler Kinder und das »Häufungsmärchen** enthält. (Zu S.53 vgl. auch Rückert's 
Märchen vom Bäumlein, das andere Blätter hat gewollt.) Eine besonders 
ausführliche Besprechung erfahren N° 6 u. 8, wo den verwandten Zügen 
bis in die entlegensten Femen nachgegangen wird. Dabei fehlt es nicht an 
Erörterungen grundsätzlicher Natur. Wie der Veif. schon am Eingang (S. 9) 
den wesentlichen Unterschied zwischen Märchen und Sage als den zwischen 
phantasievoll unterhaltender und Wahrheit beanspruchender Erzählung charak- 
terisiert, so spricht er gegen den Schluss die Ansicht aus, „dass wir für die 
Dichtungsgattung ,Märchen' keinen Ursprungsort suchen sollen, da sie zum 
<iremeingut der Menschheit gehören''. 

Die Abhandlung ist, wie man sieht, reich an neuen und anregenden 
<^esichtspunkten, und es wäre für unsere heimatliche und die vergleichende 
Volkskunde förderlich, wenn der auf dem Gebiete der Sagenkunde so treff- 
lich geschulte Verfasser, recht bald auch die übrigen schweizerischen Märchen- 
motive in den Kreis seiner Betrachtung ziehen wollte. 

E. Hoffmann-Krayer. 

-Dr. AKred Meiche, Sagenbuch des Königreichs Sachsen. (Yer- 
öffentlichungen des Vereins für Sächsische Volkskunde [I]). 
Leipzig (G. Schönfeld) 1903. LVH -h 1085 S. 8^ 
„In redlichem Bemühen ist mein Buch entstanden ; Liebe zur Heimat 
liat es gefördert.** Mit diesen schlichten W^orten kennzeichnet der Verfasser 
— vielleicht unbewusst — sein Werk am treffendsten. Das ist auch in der 
^hat der Standpunkt, den jeder Sagensammler einnehmen sollte : „redliches 
^^mühen** in Sichtung und Anordnung des tausendgestaltigen Stoffes und 
-^Liebe zur Heimat", die nicht nur vor Erlahmung bei der gewaltigen Arbeit 
schützt, sondern auch der Eigenart des heimischen Volkes ein offenes Ver- 
^ständnis entgegenbringt. Bei Meiche kommt aber noch eine dritte Eigen - 
^Schaft hinzu : der kritische Sinn. Wie hoch diese Eigenschaft bei einem 
^agensammler zu schätzen ist, weiss der zu beurteilen, der als Volksforscher 
Ynit kritiklos zusammengerechten Sammlungen zu hantieren gehabt hat. In 
^er „Einführung* lässt uns M. mehr als einen Durchblick auf die zahlreichen 
^u überwindenden Hindemisse; aber angesichts dieses sauber und über- 
sichtlich geordneten Bandes wird es nur Wenigen klar, was für eine Summe 
"x?^on Arbeit darin steckt. 

Durch Meiche's Work ist nicht nur der Sagen.schatz des Königreichs 
^^achsen für alle Zeiten geborgen, sondern auch ein leuchtendes Vorbild ge- 
^<haJSen für alle künftigen Sagensamuihmgen. 

E. Hoffmann-Krayer. 

^ieorg Baumberger, „Juhu — Juuhu!*" Appenzellerland und 

.Appenzellerleut'. Skizzen und Novellen. Mit 60 Bildern. 

Einsiedeln u. s. w. (Benziger & Co.) 1903. 292 Seiten 8^ 

Preis: br. M. 3.20, geb. M. 4.—. 
^eorg Baumberger, St. Qaller Land — St. Oaller Volk. Ebenda 

1903. 206 Seiten 4^ Preis: br. M. 5.20. 



(j8 BücheranzeigßD. — Coraptes rendus. 

Von B's Schilderungen geht ein eigener Zauber aus, der sich jedenr 
mitteilt, der in dem Geschäftsgetriebe der modernen Welt noch nicht völlig 
verknöchert ist und des Tags ein stilles halbes Stündchen für die Poesie auf- 
behalten hat. Im Spiegel dieses warmen und reichen Gemüts erscheint uns 
Alles in reinerem, verklärterem Lichte. Dass das oifene Auge des meister- 
haften Schilderers von Natur und Menscbenherz dem typischen Volksleben 
und seinen sittengeschichtlich bedeutsamen Erscheinungen nicht verschlossen 
sein würde, Hess sich schon aus seinen frühern Sehriften ahnen. Nun hat er 
durch diese beiden letzten den Beweis geleistet, dass er auch auf unserm 
Gebiete ein feiner, man möchte sagen „geschulter" Beobachter ist. Freilich, 
beide Bücher sind in der Anlage grundverschieden. Während in „Juhu** 
das Volkskundliche meist novellistisch eingekleidet erscheint und so nicht 
ohne weiteres in die Augen springt, hat ihm B. in der St. Galler Monographie 
unter dem Generaltitel „St. gallische Volkssitten und Volksbräuche" einen 
eigenen grossen Abschnitt gewidmet, und da dieser Abschnitt mehr als die 
Hälfte des ganzen Buches einnimmt, kaim man füglich von einer Dar- 
stellung der Volkskunde des Kantons St. Gallen sprechen. Soweit 
ich die Schilderungen nachprüfen konnte, benihen sie alle auf sorgfältiger 
Benutzung zuverlässiger fmündlicher und schriftlicher) Quellen und bieten 
somit auch der wissenschaftlichen Volksforschung ein wertvolles Material.') 
Aber auch aus der erstgenannten Novellen- und Skizzensammlung wird der 
Kundige Nutzen ziehen ; denn nirgends versteigt sich der Verfasser in's- 
Abenteuerlich-Komanhafte ; wir haben vielmehr überall den Eindruck, dass 
er auf dem Boden urwüchsigsten Volkstinns steht und nichts schildert, was 
nicht die Volksseele wirklich hervorbringen könnte oder hei-vorgebracht hat. 

Unsere Bestrebungen haben in Baumberger einen thätigen Förderen 
gefunden. E. Hoffmann-Kray«r. 



Das Bauernhaus im Deutschen Reiche. Lief. 9. Dresden (Oerh 
Kühtmann) 1904. 

Von dem schon mehrfach angezeigten prächtigen Werke der Deutsches 
Architekten- und Ingenieur -Vereine ist die 9., also die vorletzte, LieferuiH 
erschienen. iJie Schlusslieferung soll gleichzeitig mit dem Text zum ganzF= 



»> 



Werk in einigen Monaten herauskommen. Dass sich die Publikation vo 
ständig auf der Höhe gehalten hat, braucht wohl nicht eigens bemerkt 
werden. Die vorliegende 9. Lieferung ist, mit Ausnahme von «Bayern N^ V2 
ausschliesslich dem Norden gewidmet. Zum ersten Male lernen wir hier d — - fl 
pommersche und das posensche Haus kennen, ersteres in 3, letzteres ii 

einer Tafel; Schleswig-Holstein ist mit 4 (N^ 8 — 11), Westphalen mitz^ 
fN" 3 u. 4), Schlesien mit einer (N^ 3) Tafel vertreten. 

E. Hoffmann-Krayer. 

M Kinem weitverbreiteten Irrtum ist freilich auch Baumberger verfalle ''. 
wenn er auf S. 200 das „Obsigent*' mit dem »wachsenden" Monde verwech»^ ' '• 
„Obsigenf (ob sich jrehend) ist der von dem niedrigsten Stand im Sütlt^ » 
zu dem höchsten Stand im Norden aufsteigende Mond. 



j 



BücheraDzeigen. — Comptes rendus. 69 

. D. Cook en Ls. Teirlinck, Einderspel en Eiaderlust in Zuid- 
Nederland. III: W erpspeien, Vinger-, Hand-enVuistspelletjes. 
Gent (A. Siffer) 1903. 284 Seiten 8^. 

Die musterhafte Publikation, vod der wir s. Z. die beiden ersten Teile 
igezeigt haben*;, nimmt ihren steten gedeihlichen Fortgang. Diesmal sind 
i also Wurfspiele (mit den Unterabteilungen: Werfen im Allgemeinen^ 
fVrfen mit Steinen, mit Pflöcken, mit Münzen, mit Früchten, Ballspiele, 
ugelspiele, Varia) und Finger-, Hand- und Fanstspiele bzw. Reime 
labei auch die Schnurspiele). Dass unsere Kinderliedsammler hier einen 
eitern Schatz von Parallelen finden können, liegt auf der Hand. 

Wir machen nochmals alle Freunde der Kindervolkskunde auf die 
ihöne Sammlung aufmerksam. E. H.-K. 

G. de Montenach, L'Art et le Peuple. Fribourg (Imprimerie 
ragnifere Frferes) 1903. IV. 41 pages in-8^ 

Die Schrift, welche den Gesamttitel „1. Brochure de propägande esthö- 
(jue et sociale" trägt, enthält die am Luzerner Katholikentag gehaltene Rede 
inschliesslich der daraufhin gefassten Resolutionen) und das Vorwort zu 
Fribourg Artistique", 

Ihr Zweck ist klar: sie wendet sich vornehmlich gegen die sinn- utod 
anlose Verunstaltung unserer Städte durch hässliche, uncharakteristische 
auten und verlangt vor allem liebevolles Verständnis der Architekten und 
assgebenden Behörden für die Eigenart der heimatlichen, ursprünglichen 
auweise. Die schmucklos-öden Mietskasernen sind der Ruin nicht nur des 
amiliensinns, sondern auch allen Schönheitssinns. Auch die Aufrechterhaltung 
?r alten, farbenfreudigen Volksbräuche wird aufs Wärmste befürwortet. 

Möchten die lobenswerten Beschlüsse des Katholikentags, 
ie getragen sind von dem Geist der Liebe für das Gute und 
chöne, Wiederhall finden in allen Gauen unseres Vaterlandes! 

E. Hoffmann-Krayer. 

Ein Trachtenbild als Zimmerschmuck. 

In dem um die Volkskunde so verdienten Verlage von Alexander 
r a n c k e in Bern ist 1903 eine von Rudolf Münger gezeichnete 
irbenlithographie im Format von 50x71 cm. erschienen, auf die wir unsenv 
»ser aufmerksam machen wollen. Sie stellt eine Oberhaslerin in ihrem 
irzen roten Mieder mit hohem Stehkragen und dem blauen Wollrock dar. 
er gelbe Hut mit schwarzem Band ruht auf ihren Knien. So schlicht diese 
•acht ist — sie gehört zu den einfachsten der ganzen Schweiz — so wohl- 
uend berührt die harmonische Stimmung der Farben, die durch das frische 
eiss der Hemdärmel noch belebt wird. Der Kopf scheint uns in seiner 
ropathischen Anspruchslosigkeit besonders gut- gewählt. 

Der Preis von 6 Fr. ist bei dem kostspieligen Verfahren des Farben - 
eindrucks kein zu hoher. E. Hoffmann-Krayer. 



») Vgl. Abchiv VI, 311; VII, 1<»8. 



- 70 



Kleine Chronik. — Chronique. 



„Kirchliche Volkskunde**. — Im „Tag** vom 30. Sept. 1903^ 
lesen wir: .^Yor etwa einem Jahrzehnt erschien ein anonymes Buch 
eines Thüringer Dorfgeistlichen: „Zar häuerlichen Glauhens- und Sitten- 
lehre^, welches eine gewisse Sensation erregte durch den Nachweis, 
dass die religiöse und sittliche Gedankenwelt der einfachen Leute auf 
dem Lande in vielen Dingen gar sehr von ihren offiziellen kirchlichen 
Meinungen ahweicht. Es war dieses Buch vielleicht der erste Baustein 
zu einer neuen Sonderwissenschaft^ die sich religiöse Volkskunde nennt. 
Der Verfasser war Pfarrer Hermann Gebhardt in Molschleben , der 
hernach durch d^n theologischen Doktortitel ausgezeichnet wurde. Jetzt 
ist es eine Thüringer Kirchenbehörde, der weimarische Oberkirchenrat, 
der, von dem gleichen Interesse wie Dr. Gebhardt geleitet, die Geist- 
lichkeit zur Mitarbeit an der religiösen Volkskunde auffordert. Nach 
einer Verfugung dieser Behörde sind die Geistlichen des Grossherzog- 
tums angewiesen worden, soweit wie raöglich alles zusammenzubringen, 
was an alten kirchlichen Sitten und Gebräuchen auf dem Gebiete der 
Landeskirche nachgewiesen werden kann, bezw. die noch im Volke 
lebende Kunde von allem, was an gottesdienstlicher Ordnung, kirchlicher 
Zucht und volkstümlicher christlicher Sitte besteht oder bestanden hat, 
zu sammeln und aufzuzeichnen. Zumal seien ins Auge zu fassen volks- 
tümliche Gebräuche, die sich gebildet haben im Anschlues an Verlobungen, 
Hochzeiten, Kindtaufen, Kirchgänge und Beerdigungen, auch solche, die 
an sich nicht kirchlicher und religiöser Natur sind, selbst wem sie 
zum Volksaberglauben gehören. 

Je schmerzlicher die Verarmung unseres Volkslebens au heimat- 
licher Sitte zum Teil infolge der fortschreitenden Industrialisierung zu 
beklagen ist, um so mehr erscheint es als Pflicht aller, die dazu berufen 
sind, aus den Trümmern der Überlieferung zu retten, was gerettet 
werden kann. Und das Vorgehen der weimarischen Behörde verdient 
deshalb allerorten Nachahmung.** 

Gemeindechroniken im Kanton Baselland. — Dem guten 
Beispiel der Zürcher (s. Arch. VI, 223; VII, 213) ist nun auch 
Baselland nachgefolgt. Vor kurzem erliess Herr Regierungsrat Bay in 
Liestal einen ersten Aufruf an Geistliche, Lehrer, Gemeindeschreiber u. b.w., 
worin er auf ähnliche Unternehmungen in den Kantonen Zürich, Wallis 
und Deutsch-Frei bürg hinweist und zur Mitarbeit auffordert. Die Re- 
daktion dieses „Archivs** hat sich mit Herrn Reg.-Rat Bay in Ver- 
bindung gesetzt behufs Aufnahme volkskundlicher Punkte in den 
Fragebogen. Möge das schöne Unternehmen von reichem Erfolg gekrönt 
werden ! 



71 



Bibliographie 

Ober schweizerische Volkskunde fOr das Jahr 1903. 

Von E. HoflPmann-Krayer. 

Folgende Herren (bezw. Finnen) haben sich in dankenswerter Weise 
nrch Zusendung von^ Büchern, Zeitungsausschnitten und Litteraturnachweisen 
a der Bibliographie beteiligt: 

,Baselland.scii. ZKiTrNo*, Liestal, Prof. .1. L. Braxdstktter, Luzeni, 
rof. I)r. E. E«Li, Züricli, 0. Chambaz, Rovray, Dr. E. Hafi-ter, Bern, Alb. 
OFFMANN, Basel, M. Kälix, Einsiedeln, Pfanli. A. Kcchlew, Kerns, Dr. Th. 
LiEBENAr, Luzern, P. Gabriel Meiek, Einsiedeln, Prof. Dr. 0. Schülthes.s, 
rauenfeld, Prof. Dr. S. Six<jeu, Bern, W. Speiser, Basel, Dr. E. A. StCckel- 
:r<j, B»i8el, Red. der „THiiimAiER Zeititxi;", Frauenfeld, A. Tobler, Wolf- 
ilden, Prof. Dr. Th. Vetter, Zürich. 

Ferner die Verleger bezw. Herausgeber folgender Kalender : Almaxach 
Vai.ais, Sion, EiiMJ, Xatioxalkai.., Aarau, Almaxach pe GExfevE, Ff r Alle, 
onstanz, Einsiedler Kal., Almaxach nr Foyer, (4eneve, Nidwaldxer Kal., 
:ans, Pilger a. Schakfhaisex, Schaffhaiseh Bote, Almaxach dv „GoxTErR*, 
iiusanne, Neier Einsiedler Kal., Almaxach uomand, Berne, Appenzeller Kal., 
rogen, Arreitekfreind-Kal., Bern, ^Schweiz. Dorfkal., Bern, Familiexkal., 
irich, GrCtlikal., Zürich, HArsFREixo, Bern, Hist. Kal. od. Hixkexder Bot, 
:»riJ, Vkritarle Me.ssa«er «oiTEi X DE Berxe et Vevey, Vevey, St. Galler 
AI... Si. Fk.sex-Kal., Solotluirn, SciiwEizER-BArEu, Bern, Volksbotex Schweizer- 
AL., Basel, Vetteu Jakoh, Zürich, I)er Waxderer, Zürich, Züricher Kal., 
hiiEK Appexzeller Kal., Heidcu, Badener Kal., Feierabexd-Kal., Münsingen, 
NKiE «HRisTL. Hauskal., Luzem, LrzERXER Hafhkal., (ThüHng'scher ) Hais- 
AL., Luzern, Joogk.li-Kal., Zürich, Almaxac( o dkl popolo Ticixesk, Bellinzona, 
:n/.i<;kum Marikx-Kal., EinsiedeliL 



Abkürzung. 
/. =B Schweizerisches Idiotikon. 

1. Bibliographisches. 

1. Hauff en, A., Volkskunde, in : Jahresberichte f. neuere Dt. Litteratur- 
5e8ch. X (1899), Berlin 1903, Nr. 1, 8. — 2. SchuUerus, A., Volkskunde, in : 
hkresbericht ü. d. Erschein, a. d. Gebiete d. Gennan. Philologie. XXIV (1902), 
295 ff. — 3. Ders., Alytholoji^ie u. Sagenkunde. Ib. 282 ff. — 4. Bibliographie 
:1er Schweiz. Landeskunde. Bern (K. J. Wyss). — 5. Hoffmann-Krayer, E.y 
Bibliographie üb. Schweiz. Volkskunde f. d. .1. 1902, in diesem ArchicWl, 71 ff. 



72 Bibliographie. 

II. Methodik und Systematik« 

1. Strack, A., Volkskunde. Rtss. BlätUr f. Volkskunde l [1902] 149 ff. 

— 2. Bieterich, A., Über Wesen und Ziele der Volkskunde. Ib. 169 ff. — 

3. Hoffmann-Krayer, E., Naturgesetz im Volksleben ? Ib. U [1903] 57 ff — 

4. Strack, A., Der Einzelne und das Volk. Ib. 64 tf. Entgeffoong auf den Torl^ren 
Artiktl. — 5. Kaindly R. Fr., Die Volkskunde. Leipzig u. Wien. S. Archiv 7,i67. 

— 6. Beuschel, K., Methodik u. Geschichte der Volkskunde. Rorrespondenzbl. 
d. Gesamtver. der deutsch. Gesch.- u. Altertums vereine S. 125. 

III. Yermisclites. 

1. Stehler, F. G., Das Goms und die Gomser. Zürich. Sagen s. x3 fg. 25. 
26. 28. 81. 39. 41. 46. 81, 108, Legenden 5. (Barnabas) 8. (Ahasver). 21, StäUe 28, Hans 27. 
60 ff., Sohmnck am Hause 60, Hansinschriften 63, Ueidenkrenze 6i, Volksglauben 4. 105. 
109, Ortsneokerelen 12. 48. 104, Gedenktafeln 13. 48, Charakteristik des Volkes I6 ff. 88. 
94 ff. 104, Schwanke 35, Kranzjongfern 40, Wetterregel 44, BUtgang 45 (.Kalt-Antheiss*) 
46.47, Wallfahrt 46, Eheorakel 46, Volksmedizin 47, Verfkssnng 55 ff., Tesslen 55 ff. 69. 87, 
Hauszeichen 56. 87, Nachtwächter 56, Möbel 61, Sprichwörter 68.97. 102.109, Flnreinteilnng 
72, Alpfeste 82 (Snifete), Alpverfassung 84, Milchmessen 85, Käsebereitnng 87, Tischgebet 
99, Mahlzeiten, Rauchen 100, Tracht 101, Liebe 103, Hochzeit, Tod 104, Fastnacht 105, 
Nikiaustag, Prozessionen, Namenstag, Spiele 106, Sprache 109, Namen iiO. — 2. Baum- 
berger, G., St. Galler Land. St. Galler Volk. Landschafts- und Charakterbilder, 
Volkssitten und Bräuche. Einsiedeln, onsneckereien 8. 69 ff , Witz ». 69, Nahrung 
15. 79 ff., Sagen 25. 107. 178 ff., Nachtwächter 33. 105, Stall 45, Haus 57. 83. 87. 88 (Tafel). 89, 
Volksreime 71. 144, Originaigestalten 71 ff. 90, Hauseinrichtung 72. 82 ff., Tracht 88 ff. 157. 
160 (Tafel), Charakteristik 86 ff., Sprichwörter 80. 89, Rechtsaltertümer : Eid 90, Weihnachts- 
bräuche 97 ff., (Ni)klau8en 97 ff., Volkslieder 104. 113 fg. 118 ff. 127. 150. 165, Stubete 104, 
Heischelieder: Weihn. 104, Fastn. 114. 123, LärmumzUge 97 ff. 104, Silvester 104 fg., Ge- 
sohlechterverkehr 104. 105. 116. 182. I84. 137. 142. 143, Neujahr 105 fg., Dreikönige 107, 
Liohtmess 107, Fastnacht 108 ff., Musik 109. Gebete ill. 128. 150. 159 (Alpsegen), Spiele 117. 
132. 142. 162. 175. 176 fg., Palmsonntag 126, Karfreitag 127 ff., Sprflche 12S, Brot geweihtes 

128, Aberglauben u. Volksglauben 128 fg. 133. 153. 159. 200 ff., Karsamstag 129, Lorenztag 

129, Ostern 129 ff., Pfingsten 132, Fronleichnam 132, Mai 134. 186 ff.. Prozessionen 134, 
Bubenstücke 140, Volk^ustiz 137 ff., Knabenschaften 142 ff., Ranftitten 144 fg., Landwirt- 
schaft!. Bräuche 115 ff., Bettlanben 151, Bauernregeln 155. 200, Inschriften 155, Alpfahrt 157, 
Schwanke 158, Älplerbräuche 160 ff , Tänze 161, Talfahrt 162, Spitznamen 162, Legenden 
164, Hochzeit 166 ff. 202, Taufe 168, Begräbnis 168 fg., Jugendfest 170 ff., Kinderreime 170. 
175, Schlittrufe 174, AprU 177, Wetterregeln 202 fg. — 3. GempeJer-Schletti, 2>., Hei- 
matkunde des Simnieutiils. Kern. Haus 112, Hausinschriften 120, Volksschla«r 813, 
Frauentracht 314, Volkscharakter 316, Mundart 319, Sprichwörter 330, Sprichwörtliche 
Bedensarten 334, Sagen 336, Aberglauben 318, Hirschmoutag 366, Volksjustiz 369, Volks- 
reime 370. — 4. Egli, E., Die (-Jenieindechroniken des Kantons Zürich. Neue 
Zürcher Ztg. 27. — 30. Juli. — 5. Baumberger, 0., „Juhu — Juuhu!" Appen- 
zellerland und Appenzellerleut'. Einsiedeln. Möbeln u. i6, Leichenbretter i4, Palm- 
BonnUg 17, Nahrung 24, Hausein richtung 25, Formeln 26, Begräbnis 26, Schützenessen 27, 
Winterabende 28, Tod 30, Sagen 39. 178, Alpstubete 41 ff. 61, Volkslieder .'>2. 81 (?), Tracht 
54. 55. 03. 118 fg. 218, Tanz s. Alpstubete, Ruf 122, Prozession 168 ff. 205, Pfeife 182, Andreas- 
tag 236, Hecken und Durchlässe 282. 237. 289, Landsgemeinde 241, Sennhütte 259 , Baum- 
ung 271. — 6. Courthion, L., Le Peuple du Valais. Paris et Geneve. Reich- 
haltige und vielseitige Monographie Über die Wirtschaftsverhältnisse im Wallis. — 
7. Bähler, A., Das Guggisberg. Schiceiz \\\, 534 ff. Tracht (mit Abbildg.), 
Häuser, Kapelle. Markt, Schafscheid. — 8. Liebenan, Th. v., Geschichte der Stadt 
Willisau I. Geschichtsfreund LVIII, 1 ft*. Schützenwesen 99, Hexenprozesse, Zauber- 
wahn, Aberglauben Hl, Musterung, Schwörtag, Miihler, Wirtshausnamen 121, bist Volks- 
lieder 170. 



( 



Bibliographie. 73 

IT. Urgeschichte. ') 

1. Heierli^ J. u. Oechsliy TF., Urgeschichte Graubündens mit Kinschluss 

<ler Eömerzeit. Zfirich. -- 2. Reber, B., Les sculptures pröhistoriques a Salvan 

< VÄlais). Ä?M«ede TEcole d* Anthropologie de Paris. XllI, 270. — 3. Heierli, J., 

'A.reMologische Fuode in den Kant. St. Gallen u. Appenzell. Am. f, schw. 

^It^ V, 2flf. 103 ff. 

Y. Siedlung. 

1. Lüthi, E., Sind unsere Eidgenossen der welschen Schweiz Nach- 
^omiimen der Burgunder oder der Alamannen ? Pionier XXIII, 49—55 [1902] 
'^'S'l- hiezu Deutsche Erde Uy 59. — 2. Meyer, Joh., Gesch. d. deutschen Be- 
^i^^dloDg des Hegaus und Klettgaus. (ca. 298—1050). Schriften d. Ver. f. 
^^«^^ch. d. Bodensees XXX. H., S. 38 ff. Lindau 1901. 

Tl. Architektur. 

^^^P^Biii«. 1. TjTpische Holzhäuser in Haslen (Kt. Glarus). Geogr. Lex, d. 
Schweiz II, 337. — 2. Altes Holzhaus in Ennetbttlil. Ib. 338. — 
3. Toggenburger Laube. Schweiz VII, 366. — 4. Häuser in Bevers, 
Vals, im MQnsterthal, in Sent. Geogr. Leu: d. Schweiz II, 428. 429. — 
5. Dorfpartie in Grengiols (Wallis). Ib. 443. — 6. Reichien, F., Le 
chalet fribourgeois. Le döpart pour la montagne. Les ustensiles du 
chalet. Fnbourg ariistique 1903. — 7. /. 516 Brägezen, 523 ff. Briigi, 
541 ff. Brugg u. Zss. 
"^rücketu 8. Die alte Eumenbrlicko b. Luzern (mit Abbildungen). Luz. 

HausKcd. 
runnen. 9. /. V, 655 Brunnen. 

YII. Hauseinrichtung. 

^^^iJiitmer. 1. Bauernstube aus Brülisau ^Kt. Appenzell). Zeielin. v. ('. Liner. 
Die Schweiz VII, 317. — 2. Wohnzimmer in Sent. Geogr. Lex. d. 
Schweiz II, 430. — 3. /. 503, Provat. — S. auch VI, 6. 
-^^üeher. 4. I. 572 Brattik. 
-^^oW«ar. 5. J. 572 Brattiktäfeli. 

Till. Wirtschaft. 2) 

-'<äUgenieine9. 1. Tobler, Streiflichter über Land- und Alj)wirt8chaft im 

Kt. Appenzell A.-Rh. Alpic. Monatshl S. 256. 
-MAindwirtBchafU 2. 's Werch. (Ilanfkultur u. -Verarheitun«?.} St. 

ürsmkcd. S. 71 ff 
-^IpwirtaelMift, 3. F. O. Stehler, Alp- u. Weidewirtschaft Ein Handbuch 

für Viehzüchter u. Alpwirte. Berlin. — 4. Tobler, J. J., w. Strüby, A.. 




Wir bringen hier nur die Titel der uiufussenderen oder speziell vtilkskundlich in- 
^«reoanten Art>eiten. Fttr alles Weitere verweisen wir aaf den Anztigtr f. Schweiz. 
Altertnmsknnde. — <) Aach hier nur das Umfassendere od. spezieU Volkskundliche. 



} 



74 Biblioj^phie. 

Die A. im Kt. Appenzell A.-Rh. 2. Aufl. Herisau 1902. — 5. Hqffmavtrx- 
Krayer^ E., Milchrechnung und Milchwirtschaft in Bormio vorlüOJahrcri.^. 

Alpw. Monatsbll S. 267. Tetslen. — 6. /. 562 Brocken, 619 brännen. 

S. auch XII, 1 ff. 
Transportvorrichtungen. 7. Heutrilgerin, Milch transport im Kt. Gr^L mji- 
btinden. Geogr. Lex. d. Schweiz II, 434. 

IX. Tracht. 

Aargau, 1. Chr. Merkli u. Elise Fischer v. Wettingen (nach König). hf^F %i. 

Kai od. Hink. Bot (Bern). 
Appenzell* 2. Appenzeller Sennen u. Sennerinnen ; Handstickerin. In ti*r^-'m 

Kurprospekt Gontenbad [1903] S. 18 (Abbildung:). 
Bern. 3. Heimkehr vom Felde (nach Freudenberser). Hist Kai. od. ä. Hink. ^ H 

(Bern) und AhnanacJi Romatid (Bern). — 4. Aus dem nK^rhr» A I 

Grosser Farbensteindruck v. ß. Müng9r. Bern (bei A. Francke). 
Oraubünden, 5. Geogr. Lex. d. Schweiz II, 432. 433. 
Schaff hausetu 6. H. G. Baumann u. Barbara Schab v. Hailau. Alma>^^-^:^ch 

Roniand. 
Unterwaiden. 7. Nidwaldner Kai. S. IG ff. (mit Bildern). — 8. Beii<S> ich 

u. Maria Käsli v. Beckenried (nach Künlg). Almanach Romami. 
Waadt. 9. F. Delayoux u. Marg. Gilleron v. Vevey. Hist. Kai. od. Hink ^ ^JS*yl 

(Bern). — 10. R.^ichlen, F., Loi somptuaire et costunie. Revue Ft «T ««/o- 

rique vaudoise 1903. 
rerachiedenes, 11. /. ö08 Bräm. 590 Brämen u. Z.^., 600 Brämi. 

X. Volkskunst. 

Volksheraldik. K. Ä. S., Bauern- und Handwerkerwappen. Schtc. —-Ä^ /-<:ä. 
/-. Hernldik XVII, 104. 

XI. Nahrung. 

J. 510 Brägel u. Zss., 516 Präg, 549 ff. Brüej u. Zss., 554 brü^Z>^»r 
o.")6 cerbrtiet, 559 ff. Brock n. Zss., 562 inbrocken, 564 Brocketen ii. ^^ ^^ 
Bröclii u. Z.'^hs., (124 gebrannt^ 648 brun. 

XII. Sitte, Brauch, Feste. 

Älpler, (s. auch VIII, 3ff) 1. Tobler, J. J, u. Strüby, A., Die Alpv^-^«»^- 
Schaft im Kt. Ai)penzell A. Uli. 2. Aufl. Herisau 1902. S. 18 C ^ 

2. Ih-r Betnif (in Nid- und Obwaideni. mdw. Kai. 26. — 2* V[\rm^^'l 
H. r'.. Der hetzte Betruf Schweiz VII. 567 (mit Tafel). Allgemeine^ ^^** 
mcrkimg. — 3. Kine alte ^ute Sitte (Die „Kilsgemeinde", die "^ ^* ' 
\i)i<\u\\r dos AI]MM-tra«ci*). Uifit. Kai od. Hink. Bot (Bern) S. 62. ^ 

4. L. S., La iiioutee des trou])eaux. Gaz. de Lausanne^ 13 jwin. 

Zunfthräuche, 5. El scher], C, Das ^Kabespiel" und das „Sidelerito** {^^^f. 
Ilt'inrich Freudwciler . iJie Schweiz VII, 191. Aaegvluaene Brmnebcr 
ilen TrinkgoIa<;cn d. Zunft zur Meise. Mit 2 Abbildangen. 



Bibliographie. 75 

rufe. 6. (F^te des Vignerons.) Conteur vaudois , 6 juin. Cnt«teliung 
des Feste». — 7. R. S., Strahler im Berner Oberland. GriUH-Kal. S. 63. 

iützenwesen* 8. Le tir cantonal de Fleurier. Messager hoiieux de Neu- 
chätel, p. 69. 

\detten. 9. Von den Berner K. Schweiz. JDorßcU. S. 86. — 10. P. P., 
Les cadets veveysans. Canteur vaudoiSf 2 mai. 

tsterungen. 1 1 . Die A r m u r i n s von Neuenbürg. (Thüringischer) Haus- 
hol. S. 28. — 12. Trü II sonn tag im Emmenthal vor Anno XXX 
(n. Waltbard). Badener Kai. S. 64. — 13. Piaget, A.y Revues uiilitaires 
ä Neuchätel au XV et XVI« s. Mus^e Neuchätelois XL, 275 ff. 

m feste. 14. La fete cantonale de gymnastique (Neuchätel). Messager 
hoiieux de Neuchätel, p. 82. 

bilden II. Gedenkfeiern. 15. A. T., Sängerfest und Schlachtfeier auf 
Vögelisegg, d. 4. Aug. 1825. Neuer Appenzeller Kai. Bog. 4. — 16. Ein- 
weihung des Schetfeldenkmals auf dem Aescher. Ib. Bog. 5. — 
17. Ceresole, A., Un patriotique centenaire. Le veritable Messager boi- 
teux de Berne et Vevey^ p. 44. — 18. E. Z., Die Toggenburger Jahr- 
hundertfeier in Lichtensteig. Schweiz VII, 429. — Schilderungen der 
aargauischen, tessinischen und waadtlandischen Gedenkfeiern s. in den 
betr. Tagesblättern und den Kalendern auf 1904. 

Zkshelustigungen s. XIII, 4. 5. 

ttiche (der eidg. St«ände unter sich). 19. Les uns chez le autres. Co^iteur 
vaudois, 30 mai. 

'cJUiche F'este u. Brüuche. 20. Nidwaldner Kai. ^bei d. einz. Mo- 
natenV — 21. Die Übertra^^ungen der Gebeine des sei. Konrad Scheuber 
in die Pfarrkirche zu Wolfenschiessen. Nidwaldner Kai. S. 21 fF. — 
22. Ducrest, F., Les processions au tem])s pass^ dans le canton de 

Fribourg. — 23. Translation des [hl.] Vitalis. Archiv f. Schweiz. 

Koformationsgesch. S. 115 i^in : Kathol. Schweizerbll. 1904. Heft I). — 

'/(issungsbräuche. 24. Landsgemeinde. Denier, A., Eine Schweiz. 
L. Benziger's Marien-Kai. Bog. 3. — 25. Landsgemeinde in Trogen. 
Schweiz. Dorfkai. S. 44. 45. — 26. Hyffel, H., Eine Landsgemeinde 
auf dem Landenberg zu Sarneu. Schweiz MI, 257. — 27. Bytfel, H.^ 
Oie Schweiz. Landsgemeinden. Zürich. Grundlegende Abhandlung. — 28. 
Lundsgemeinde in Glarus. Geogr. Lexikon d. Schxc. II, 335. — 29. /. 528 
Tanzbrügi. 

"^terabende, 30. E. 3/., Dernieres veillees. Gazette de Lausanne, 2avril. 
Die letzte Lichtstubete des Winters, am 25. März, im Ormont-Talo. — S. auch 

xm, 4. 

thnacht s. XVI, 12 
tjahr 8. XVI, 12. 

^^ster. 31. M. B., Das Altjahrabendlied. Der Bund 31. Dez. Singen 
der ledigen Burschen u. Mädchen vor den üüuflern. Graubünden ? 

Hkönige s. XVI, 12. 32. 34. 

Hnacht. 32. Reichstetter, L., Les «failles* et les «allouilles». Tribüne 

de Geneve, 4 mars. S. Archiv vii, lei. — 33. /. 533 Brögg. 
hsHätUen. 34. Grivelhj, U., Das diesjährige Sechseläuteu. Schweiz 

VII, 238. 



76 Bibliographie. 

Aprilscherze* 35. Kessler, G., Aprilscherze in d. Schweiz. Vaterland l.Apr, 
Mai. 36. (Mailäuten im Sarganserland.) Neue Zürcher Zeitg. 4. Mai. 
KiUgang. Nachibuhen. 37. /. 516 hräugen, 519 brögen, bröglen, 5S4 

Bröggeler, 535 bröggen. 
Voike^ustiz s. 37. 
Hochzeit» 38. [GaJ'SS-fmannJy Das Niedersingen im luzemischen Wiggertal. 

Vaterland 20. Dezember. Hochzeitslied. 
Taufe. 39. /. 623 brännen. 
Baubräuche. 40. Gaudefroy-Beniombynes, Notes sur le Valais. Revue des 

Trad. pop. 18, 600. 
Tischgebet. 41. J. 653 Brunnen. 

XIII. Spiele. 

JCincier^pM* 1. Singer y Ä, Deutsche Kinderspiele. Zeitschr, d. Ver. f. 
Volkskunde 13, 49 ff., 167 ff. Manches Schweizerische. — 2. Dahn, F., 
Die Kapuze -Männli. Beil. z. AUg, Ztg. S. 390. In Chnr beobachtet — 
3. /. 539 fg. Brugq, 548 bruggen, 552 Hüenerbrüej, 579 Bräuen, Breuer, 
PreUerinSj 586 5roM, BroUi, 622 6ränn^n, 631 verbrännen, 653 Brunii«n. 

Fol/TMpiele. 4. Volksbelustigungen aus dem Boowald. Eidg. Nationai-KaJ. 
S. 71. Sackffumpet, Kässtechet, Spinnet. — 5. Steinstossen auf 
dem Rigi (n. Ludw. Vogel?) Badener Kai. S. 79. 

Kartenepiele. 6. Bonjour, E., Autres temps, autres jeux. Revue du Di- 
manche (Suppl. de la Revue, Lausanne), 15 mars. 

XIY. Tolkstömliche Reehtsalterlfimer. 

Tiet*proze88. 1. Proc^s contre les larves des bannet ons. Almanach Ramand, 

p. 78. 
Baufnfrüchte. 2. Zur Zeit der reifen Kirschen. Schwyzer Zeitung 29. Juli. 

Kirschen früher Gemeing^nt. 
Schimpfliche Tracht. 3. /. 586 Gemeindsbrillen. 
yttchbarrecht. 4. Schmid, P., Das ländliche Nachbarrecbt des Kantons 

Thurgau. Berner Diss. — 5. /. 497 ff. Zss. mit Brief, 538 Brugg. 

XY. Yolksglauben. 

Vermischte». 1. ..ur, Aberglauben. Baseüandschaftl, Ztg. S.,{^., 10. Jtai. 
— 2. I. 523 Brügi. 

Brunnensuchen. 3. Die Wünschelrute und der Blitz oder das Greheimnis 
des Quell wassei-findens. Alptcirtsch. Monatsbll. S. 22 ff. Verschiedene 
glaubwflrdigre Angaben bestätigten die Möglichkeit, mittelst der Zwei^r^abel anter- 
irdische Quellen aufzofinden. 

Gespenster. 4. /. 639 brinnen. 

Hexen. 5. Liebenau, Th. v., Von den Hexen, so in Wallis verbrannt wur- 
den t in den Tagen, do Cristofel von Silinen berr und lichter was. 
Am. f. Schweiz. Gesch. IX, 135. — 6. Ein Hexenprozess in Brugg 
1620. Neujahrshll. f Jung u. Alt. Brugg. 

Vorzeiclien n. Orakel. 7. T o d. I. 590 brüelen. 



Bibliographie. 77 

Teiligenverehrung. Ö. Stückeiberg, E. A., Die ältesten Reliquien der 
Schweiz. Schweiz. Rundschau III, 237. — 9. Derselbe, Schweiz. San- 
tiagopilger. Bad. Jahrb. 1903, S. 190. — 10. Müller, C, Die Reliquien 
in d. Pfan'kirche zu Baar u. die Translation des hl. Silvanus in die- 
selbe 1697. Zuger Neujahrsblatt. — 11. Stückelberg, E. A., Die Mär- 
tyrer von Nyon. Anz. f. Schweiz. Gesch. S. 169. — 12. Derselbe, Der 
Kult der hl. Euphrosyna von Basel. Basler Zeitschr. lU, 37. — 13. Ders., 
Das Marienpatronat des Basler Münsters, ib. 65. — 14. Schnürer^ G., 
Die Kümmernis- und Volte santo-Bilder in der Schweiz. Freiburger 
GeschichtsbU. X, HO ff. — 15. Stückelberg, E. A., Von St. Fridolin. 
Freiburger Diözesanarchiv S. 361. s. auch XII, 20 ff. 

f^n. 16. (Für verstauchte Hand.) Ber Schweizer Bauer (Kai.) S. 96. — 
17. Friere des Joratiers. (Gebetartige Besegnungs-Formel.) Conteur 
vaudois, 6 juin. — Alpsegen s. XII, 2. 2* 

IMssmedizin. 18. Loosli, A., Aberglauben in der Alphütte. Alpwirtschaftl. 
Monatsbl. S. 233 ff. Aus dem Emmenthal; teilweige wörtlich mit Arohir 6, 51 ff. 
übereinstimmend. — 19. Hoff tnann- Krager, E., Fragebogen über V.-M. 
in der Schweiz. (Verlag d. Gesellschaft f. Volkskunde.) — 19* I. 630 
verbrännen, 647 brun.. — 20. Krankheitsnamen /. 511 Brätzd. 

^^^nderglauhen. 21. /. 570 Prattik. 

XYI. Tolksdichtang. 

g ^ r , 1. (Kuhreihen.) Veni tote a la montagne. Conteur vaudois, 
31 janvier et 21 f^vrier. Jura. — 2. Viv6 noutra libertä. Ib. 7 f^vr. 
Polit. Lied von 1830. — 3. Vitcdy A,, Cbanzuns popularas ladinas. Annalas 
della Societa retoromantsclia XVII, 33 ff. Davon io von Sandri, also Knnst- 
licder. — 4. Napoleon et Alexandre. Conteur vaudois, 7 mars. — 
5. Gehrmann, H., Rätoromanische Volkslieder. Frankf. Ztg. 5. März 
(Nr. 64, 1. Morg.). — 6. Der Buirästand. Ged. in Nidwaldner Dialekt. 
Nidwaldner Kai. 29. — 7. Preissecker, K., Das Guggisberger Lied. Das 
deutsche Volkslied. Y, 101.119. — 8. Charmante Sylvie. Conteur vau- 
dois, 1 aoüt. — 9. Chantez, soldats. Ib., 29 aoflt. — 10. Chants popu- 
laires a 2 et 3 voix ^*gales, publ. p. le D(^p. de l'instr. publ. de la 
Rep. et Cant. de Neuchätel. — 11. Reichten, J., Chansons et Rondes 
<lu Canton de Fribourg. La Gruyere illustree VIII* livr. s. 1. et a. 
(Fribourg 1903]. — 12. [Gajssfmann, A. L.], Das Weihnachts-, Neu- 
jahrs- und Dreikönigssingen im luzernischen Wiggertal. Vaterland 27. 
J)ez. 1903 u. 1. Jan. 1904. — S. auch XII, 38. 
^^, Legenden^ Märchen. 13. Solandieu, Le Nain de la Maigrange 
CL^gende fribourgeoise). Alnuinach du Valais, p. 47. — 14. Widmann, 
JH., In der Heidenhöhle („Casa de! Mago** am Monte Generoso ob 
JMendrisio). Der Hausfreund (Kai.) 68 ff. — 15. Sagen aus dem Bemer 
Oberland. Feierabend- Kai. S. 113. — 16. Die drei Riesen von Iselt- 
^ald. Hist. Kai. od. Hink. Bot (Bern) S. 90 ; französ. Verison : Alma- 
»locÄ Romand (Bern). — 17. Müller, A., Die dramatischen Bearbeit- 
ungen der Genovefalegende. Muri im Kt. Aargau (Progr. d. Bezirks- 
8chule.) — 18. Singer, S., Die Zwergsagen der Schweiz. Neue Denk- 



78 Bibliographie. 

schrr. d. allg. Schweiz. Ges. f, d. ges. Naturtoiss. XXXESC, 23ff. — 

19. Maag, Ä., Die Volkssage im EiDfischtal. BaüerNachrichim 12. Juli. 
— 20. Les Föes de Grand' Combe. Bulletin du Glossaire p. 26. — 
21. Singer, 5., Schweizer Märchen. Anfang e. Kommentars z. d. ver- 
öffentl. Schweizer Märchenlitteratur. Bern. — 22. Bundi, G.y Engadiner 
Märchen IL 111. v. Giacoraetti. Zürich. — 23. /. 537 Brugg, 547 TüfeU- 
brugg, 639 fg. brinnen, 646 brinnig, brinhlig, 652 Brunesen. 

Lnseh'Hften. 24. Haus. Cerisole, Ä., Nos vieux chalets. Conieur vau- 
dois, 14 fSvr. — 25. Almanach du Conteur t\, p. 21. — 26. Ga\idt- 
froy-Demombynes, Inscriptions des chalets (au Valais). Bevue des Trad. 
pop. 18, 599. — 27. /. 623 brännen. 

Rätsel. 28. /. 623 brännen^ 638 brinnen. 

Volksreime (s. auch XVIII). 29. I. 514 bräglen, 590 briielen, 623 brännen, 
624 gebrannt^ 647 brun. 

Kindermund* 30. Reim. J. 530 brieggelen, 531 BrieggeH, 541 Brugg, 
546 Rinbrugg, 560 Brock, 561 Brummet- Brocken, 572 Braitik, 604 
Bramen, 623. 624 brännen, 627 anbrännen, 632 verbrannt, 637. 638. 
639 brinnen, 647. 648 brun, 656 Brunnen. 

Schatispiel* 31. Fo««, Peter Spichtigs Dreikönigsspiel v. Lungern v. 
.]. 1658. Zeitschr. f. d. dt. Unterricht 17, 73 ff. — 32. Bruder Klausen 
Abschied. (Aus Pfr. Joh. Zurflüe's Bruderklausen spiel v. J. 1601). 
ünterwaldner 21. ^lürz (Nr. 23V — 33. Wagner, P., Das Dreikönig- 
spiel zu Freiburg i/Schw. Freiburger Geschiditsbll. X , 77 ff. — 34. 
Kasser, H., Notizen über dramatische Auifühnmgen und militärischen 
Jugendunterricht im alten Bern. Anzeiger f. Schweiz. Altertumskunde 
V, 175 ff. 

XYII. Mosik n. Tanz. 

l. (Verzeichniss von Appenzeller Liedern u. Jodlern) in dem Kurprospek' 
Gontenbad (gedr. v. Schlüpfer u. Cie., Herisau [1903]) S. 7— 9. - 

2. Appenzeller Ilackbrettmusik ; Tänzer und Tänzerinnen (Abbildung 
Ib. S. 16. — 3. Nef, A'., Die Stadtpfeiferei. Schweiz VII, 540 ff. 

XYIII. Witz und Spott 

Übernatnen. 1. (Völkerj. Tschinggen und Schwaben. Basler Kac 

20. März. Enthält auch andere VÖlkerabernamen. 
Ortsneckereien. 2. La ronde du Jorat. Conteur vaudois, 25 avr. 

3. Surnoms de villes vaudoises. Ib. 3 octobre. — 4. /. 511 Bri 
516 Brägler, 529 brüginen, 552 FleischbrüeJ, 553 Zigerbrüßj, 557 Br 
605 Brameti, 622. 623 brätmen. 

XIX. Rede des Volkes. 

^üpridiwörter, 1. Almanach Bomand S. 3. 5. 7. 9. 11. 13. 15. 17. 1 
23. 25. — 2. /. 513 bräglen, 531. 532 brieggen, 549 Brüej, 5 
brocken, 593 verbrüelen, 622. 623 brännen, 626 abbrännen. 



Bibliographie. 79 

Farmelm 3. Zutrinken. I. 503 profass, profatschin. — 4. Abweisung. 
I. SSBbrögg. — ö. Grnss. I. ß^ bräunen, — 6. Fluch- u. Kraft- 
wort, Beteuerung. I. 632 verbrännty 646 brinnig. 

Jtnf. 7. Lockruf. I. 529 bragg. 

JSalender-9 Wetter- u. Batiernregeln, 8. Almanach du Conieur vau- 
doiSy p. 58. — Ferner: Schweizer Bauer, Züricher Kai., Benziger's 
Marien-Kai., Vetter Jakob (KbX.), Der Wanderer, (Thüringischer) Haus- 
Kai., Der neue chrisü. Hauskai, Für Alle (Kai.), Almanach du Valais, 
Schweizerischer Dorfkai., Grütli-KcU., St. Galler Kai, Feierabend-Kai, 
Pilger aus Schaffhausen, Hinkender Bot (Bern), Neuer Einsiedler Kal.j 
St. Ursen-Kal., Der Schaffhauser Bote, Joggeli-Kal., Arbeiterfreund- 
Kai, Familien-Kai., Badener Kai. — 9. La pluie et le beau temps. 
Conteur vaudois, 24. oct. — 10. I. 545 Ishrugg, Mergenbrugg, 590. 
592 brüelen, 604 Brameti (6 mal), 605 Abrellenbramen, 628 inbrännen, 
629 underenbrännenj 632 verbrännen, 635 Bränner, 636 Holzbränner, 
645 verbrimien. 

XX. Mamen. 

^:9^^(mennamen. 1. (Art der Benennung.) Sobriquets. La Suisse (Geniive) 
10 f^vr. Beneturangr Im Kt. Appensell I.-Rh. — 2. DfegenJ, W., Aus dem 
Kapitel der ^Dorfaamen" [d. h. der Personennamen auf dem LandeJ. 
Neue Zürcher Zeitung 12. u. 16. Juli. — 3. J. 544 Brugg, 648 brun. 
— Kurz- u. Koseformen. 4. I. 516 Bregel, 518 Brigitta. 

'^S^mHamen- 5. Muoih, G. C, Observaziuns historicas a rapport dils nums 
locals grischuns. Annalas dclla Suc. reto-romantscha XVII, 223 ff. — 
6. Jud, J., Was bedeutet der Name Engadin ? N. Zürcher Ztg. Nr. 173 
Morgenbl. — 7. ScMatter, Th., St. gallische romanische Ortsnamen u. 
Verwandtes. St. Gallen. — 8. Jaccard, H, De l'origine de quelques 
lieux-dits. Chronique ngrioole du Canton de Vaud. — 9. Salvioni^ C, 
Ancora i nomi leventinesi in -^ngo. BoUettino storico XXV, 93. — 
10. Stadelmann, J., Die Etymologie des Namens Biel-Bienne. Berner 
Taschenb. 1903. — 11. I. 543 Brugg, 594 Brüel, 648 brun. 

^^*lkim«»i. 12. I. 588 Brüller, 608 Primeli, 648 brun, 650 Brunnen, 
Brunettli, Bruni, Bruno, Brün, Brunei, 651 Brünen, Brünett, 652 Brüti- 
len, Brunellen, 653 Brunnelen. 

^^rtMimen s. XVIII. 

XXI. Sprache. 

^^^mzen* 1. Büchi, A., Die deutsche Sprache in der Westschweiz. Schiceiz. 
Rundschau III, 115. 276. — 2. Hotz, 7?., Deutscher Gottesdienst in 
welschen Landen. 1. Deutscher evang. (Tottesdienst in der welschen 
Schweiz. Deutsche Erde II, 74. — 3. Brunhes, J., Allemands et Ru- 
mands en Suisse. Amiales «le (^eographie XII, 72 ff. (Vgl. Deutsche 
Erde U, 92). — 4. Gauchat, L., Gibt es Mundartgrenzen? Archiv f. 
d. Studium d. neueren Sprachen CXI, 365 ff. Mit bea. Berücksichtigung 
der weltch-seliireic. Verhältniäse. 



Bibliographie. 

pr€ich8ohatz* 5. Schweizerisches Idiotikon. Heft 47 (Brief bis Br 

— 6. BuUetin du Glossaire des Patois de la Suisse Romand« 
sanoe. — 7. PA. G., Locutions neuchäteloises. Measager boii 
Neuchaid, p. 72. — 8. Byland, H., Der Wortschatz des Zürche 

* Testaments von 1525 u. 1531. verglichen mit d. Wortschatz I 

Berlin 1903. 

Chrammatik^ 9. Tuor, A.^ II Komontsch della Lumnezia. Annak 

Soc. reto-roni. XVII 245 flF. — 10. Huonder, J., Der Vokalisu 

Mundart von Dissentis. In: Boman. Forschungen Bd. 11. Erlange 

— 11. Augustin, H.y Unterengadinische Syntax, mit Beriicks. c 
lekte des Oberengadins u. Münstertals. Ztlrcher Diss. — 12. 
mann, H., Der Vokalismus der Mundart von Goldbach (Obern 
Zeitschr. f. hochd. Mundarten IV, 295 ff. 



Band VIII Heft 1, ausjrc-ehon 30. März ' 



81 



Knabenschaften und Volksjustiz in der Schweiz.') 

Von E. HoiFmann-Erayer in Basel. 



Benutzte Litteratur. 

Allgemeines. 
n. UsENEB in : Hessihchk Blättkb f. Volkskunde I (1902) S. 207 ff.; J. R. 
Dieterich ib. 87 ff. ; E. OsenbrOgoen, Studien z. deutschen u. Schweiz. Hechts- 
geschichte 1868, 407 ff. ; H. Sbhubtz, Altersklassen und MännerbUnde 1902 
S. 110 ff.; 0. GiEBKE, Das deutsche Genossenschaftsrecht I (1868). 

Schweiz. 

Allgemeines. Schw. Id. III, 709 fg. (Chnab). 521 (chesslen). 1 16 
(chüblen); V, 402 (Hauss-Predig). 414 (Brueder). 519 (brögen); II, 1679 (Hauss). 
1626 (Homer). 151 (morengigen) ; IV, 304 (Knaben-Gemeinde). 1625 (honien 6). 

Aargau. S. Meikb im Abchiv VI, 121 ff. 

Appenzell. E. OsenbbCggkn , Wanderstudien V (1876) S. 152 ; 
<j. RCscH, Der Kant. Appenzell. (Gemälde d. Schw. Bd. XIII) 1835, 110; 
T. Tobleb, Appenzellischer Sprachschatz 1837, 329. 

Bern. Schw. Id. II, 1625 fg. (hörnen 6) ; D. Gempeleb-Schletti, Heimat- 
Icunde des Simmentais 1903, 369 ff. ; D. Gem peleb, Die Rosenhalde, in : Album 
des Litterar. Vereins in Bern 1858 S. 73 fg.; Hidbkb, Der ehemalige sog. 
eiussere Stand, in: Bebneb Neujahbsbl. 1858; Lumbroso in: Abchiviu per lo 
studio delle Tradizioni popolari XV (1896) 69 (Gessenay). 

G 1 a r u B. 0. Heeb u. J. J. Blumer-Heeh, Der Kant. Glarus (Gemälde 
zier Schweiz Bd. VII) 1846. S. 303 ff.; E. Buss im Archiv IV, 297. 300. 308. 

Graubünden. H. L. Lehmann, Die Republik Graubünden. II ( 1799) 
^12 ff.; J. A. V. Spbecheb, Gesch. der Republik der drei Bünde. II (Cultur- 
^schichte) (1875), 336 ff.; J. C. Muoth im Abchiv II (1898) 119. 123. 127. 135. 
i.36. 138 ff. 140. 143. 144. 147; J. A. Spbecheb im Böndn. Monatsblatt 1897 
S. 62; mr Tomils: Archiv I (1897) 144 ff.; Vincent, M.... u. Chr. Christofkel 
« Annalas della Societad Rhaeto-romanscha V (1890) 339 ff; IX (1894) 103 ff.; 
KU (1898) Iff ; Deb Fbeie Rhatier 1900 Nr. 117. 125. 133 (1813); G. Lkonhabdi, 
Bhätische Sitten. St. Gallen 1844 S. 18; H. Hebzoo, Schweiz. Volksfeste 1884, 
^05; A. Balletta, Novellen und Aufsätze, hrg. v. Derungs. 1888, 225. 229 ff.; 
W. BChleb, Davos in s. Walserdialekt I (1872) 277; IV (Obersaxer Dialekt 
L886) 37. 108. 128; C. Carisch, Taschenwörterbuch d. rhaetoroni. Spr. 1818, 
i7fg.; Wanderer in der Schweiz V, (1839j 188; BCnüner Kalender 1878 
Bog. 5, 2? Seite. 

L'uzern. Hoffmann-Krayer im Archiv I (1897) 276 ff., wo weitere 
Citteratur über d. Hirsmontagsbrief. 



*j Nachfolgende Abhandlung ist die stark erweiterte Überarbeitung 
eine» akademischen Vortrages, den der Verfasser am 12. Januar 1904 in der 
Basler Uni versitäts- Aula gehalten hat. 



82 Knabenschaften und Volkssjustiz in der Schweiz. 

N e u e n b u r g. A. Henry, Reglement d'une Society de gar^ons (de 
Boudry), in: Musfjä Nkuchatelois 10 (1882) S. 54 ff.; Ch. Ciiatklain, Les an- 
ciennt-s SocitHi'S de Gargons. ib. 27 (1800) S. 208 ff. 

St. Gallen. G. Baumuekükk, ßt. Galler Land — Sf. Galler Volk. 
1003 S. 132. 140 ff ; 143 ff ; Akchiv I (1897) 265; VII (1903) 147 ff. 154. 156; 
X. RicKENMANN, Gescli. d. StadtllapperawiP (1878) I, 92. 234; II, 119; Ed. 
0«ENimr;(i(iE.N , Wanderstudien V (1876) 246; ZuRicnER Post 1899 Nr. 118 
(Oberes Toggenburg); Ohkhländer Anzeiger (Riigaz) 1897, 17. Febr. 

S c h w y z. 0. ScHAHE in : Weimarisches Jahrb. II (1885) 143 (Separat- 
abdruck S. 71); H. Herzog, Schweiz. Volksfeste 1884, 205; Archiv 1 (1897) 280. 

Thurgau. Schw. Id. I, 1116 (Narrenfest); Archiv I (1897) 267; 
J. M. Keller, Kleine Weinfelder Chronik 1864 II, 26 ff. 

U n t e r w a 1 d e n. .1. Buslnger, Die Geschichten d. Volkes v. ÜDter- 
walden II (1828) 311; A. Businger, Der Kant. Unterwaiden (Gemälde d. Schw. 
Bd. VI) 1836 S. 78. 82. 

Waadt. L. M. in: CWfeir vahdois 1900, 6. Oktober (leider oihne 
Quellenangaben); L. Vullikmin, Der Kanton Waadt (Gemälde der Schweiz 
Bd. XlXj II (1849) S. 42 fg.; A. Ckrk-sule, in: Au Foyer romani» 1899, 148. 
153. C<j.n8ervateur huisse X (1820) 48 (2» Edition p. 233); VIII (1817) 295 
(2" Ed. p. 236); C. Jaccard in: Helvetia (Monatshefte d. Studentenverbindung 
H.) IX (1890) 69. 

Wallis. Am Herd, Denkwürdigkeiten von Ulrichen 1879, 236 Anm.; 
L. CouRTHioN, Le Peuple du Valais 1903, 104. 

Zug. F. L. Stai.lin^ Gesch. d. Stadtgemeinde Zug (1824) S. 216; 
C. BossARi), Ilistor. Zeitbilder v. 1736—1770, in: GE-sruRUTSKREUND 14 (1858) 
S. 120; S. Plattner, Die Gesellen des thörichten Lebens, in: Alpemroskn 
(Illust. Zeitschrift) I (Bern 1866), 68 ff.; Kleiner Zugerkalenükr f. 1868 S. 3—15 
(sehr reichhaltig); Archiv I (1897) 264. 

Zürich. H. Angst im Anzeiger f. Schweiz. Alt. 1899, 28; Scnw. Id. 
III, 209 (kollater). 

A u s 1 a n d. 

Belgien. V<»lk«kuni.e XII, Iff; XIII, 65 ff.; Wallonia IV (1896) 
156. 157 Anm. 158; V (1897) 156 ff.; IX (1901) 221 ff; X (1902) p. 94. 157; 
XI (1903) 237 ff.; 'Friuline de (Ikn^ive 1898, 26 Juin. 

Itali(Mi. Veltlin: Joh. Salz^jeuers Erinnerungen (1748—1816). 
Churer Progr. 1902, 27 ff. 

Bayern. J. A. S(ii.meller, Bayerisches Wörterbuch (1827 — 1837) 
2. Aufl. 1877 I, 191 (Bubenbruderschaft). 1033 (Haberfeld); II, 851 (Haberweid). 

Osterreich (s. auch den Artikel v. Usexer unter „Allgemeines**). 
Revie des Traditions popuhiires XVIII (1903) 321; Zeitscur. des Vereins f. 
Volkskunde XI (1901) 451; Zehhchu. f österr. Volkskunde HI (1897) 326. 

Frankreich. Nimes : Di'caxije, Glossarium med. et inf. Lat. s. v. 
carirarium; Verberie : Revie des Trad. p. XVIII (1903; 244. 

D e u t s c h I a n d (a. auch die Artikel von LVener und DiETRRirn unt^r 
„Allgemeines"). J. Si'ee, Volkstümliches v. Niederrhein 1875, I, 3 Anm. ; 
A. BiRLi.NGER, Aus Schwaben II (1871) 46 (Stockach); A. Birlinqkr, Volks- 
tümliches aus Schwaben II (1862) 35 u. Anm.; Sarrazin in: Alkmannia XX 
(1892) 211 . Stockaeh); J. AI. Hluler, Bayerisch Schwaben u. Neuburg 1901, 176. 



Knabenschaften und Volksjiistiz in der Schweiz. 83 

Wir hatten in dieser Zeitschrift schon mehr als einmal Ge- 
enheit, Ton den ^ Nachtbuben'' zu sprechen, die, oft unter 
en Ruhestörungen, nächtlicherweile umziehen, allerlei Unfug 
ben und, meist an bestimmten Tagen, ihre Auserwählte auf- 
ben , um mit ihr eine mehr oder weniger gestörte Schäfer- 
iide zu verbringen. Diese Sitte des Umschwärmens der „Nacht- 
uen** ist in der Schweiz wie auch anderwärts bei der Land- 
ölkerung eine allgemein bekannte und auch, soweit die Exzesse 
lit allzu schlimm sind, allgemein erlaubte. Heutzutage scheinen 
den meisten Orten diese „Nachtbuben** sich weder an eine 
timmte Altersgrenze ^) noch an irgend welche genossenschaft- 
le Abkommen zu binden. In erster Linie beschäftigen sie sich 

dem Kiltgang, bzw. seiner Überwachung, und wehe dem 
»den Burschen, der von einem benachbarten Dorfe herüber- 
:ommen ist, ein Mädchen zu besuchen ! Wird er erwischt, so 
f er mit Sicherheit auf eine gehörige Tracht Prügel oder ein 
1 im nächsten Brunnentrog rechnen. Wie es zwei Studenten 

Mathematik bei ihrer improvisierten Eiltfahrt ergangen ist, 
ildert uns drastisch Walter Senn v. Wartau in seinem Büchlein 
rättigau** (Zürich 1875, S. 43 fF.). Da sich dieser Akt der Lynch- 
tiz in einer bitterkalten Winternacht abspielte, mag das Bad 
Dorfbrunnen nicht eben mollig gewesen sein. Immerhin aber 

der Gelynchte noch mit heiler Haut davougekommen, was 
ht Jeder von sich rühmen kann ; denn mehr als einmal schon 
1 die Verletzungen derart gewesen, dass der Betreffende bleiben- 
i Schaden davongetragen hat, ja ihnen erlegen ist. ^) Neben 

KiltkontroUe treiben aber die Nachtbuben noch allerlei Schaber- 
ic und Unfug: Bubenstreiche, wie sie zu allen Zeiten in Städten 
l auf dem Lande verübt werden. ^) 

Das Alles wäre aber nicht der Erwähnung wert, wenn sich 
3t bei diesen Nachtbuben hie und da Erscheinungen bemerkbar 
iahten, die auf eine mehr oder weniger strikte Organisation 
Hessen Hessen. Im Kt. Olarns z. B. dürfen sich nur die „Ober- 
rigen", d. h. die Burschen über 16 Jahr, am Gassengehen 
eiligen, und zwar erst, nachdem sie sich durch eine Wein- 
^r Geldspende eingekauft haben. ^) Dieser „Einkauf*" setzt aber 

') 8. Archiv VI, 121 („kaum der Schule entlassene Jüngelchens"). — 
anfangs der 70*' Jahre soll ein zur Winterszeit in den Brunnen Geworfener 
Eirkältung gesorben sein. Spueciikk S. 337 Anm. — ♦) Darüber s. Aacniv 

122. - 5) 8. AucHiv IV, 297. 



84 Knaben Bchafben und Volksjustiz in der Schweiz. 

seinerseits wieder eine Genossenschaft voraas, die die Spende iv^ 
Empfang nimmt. Eine solche besteht im Kt. Glarus wirklich (od^LS mr 
hat wenigstens bis vor kurzem bestanden) unter dem Nam^ kh 
„Qassenledige^'. Nnr die ^ Gassenledigen ^ sind berechtigt, slc^^ 
nachts herumzutreiben, nur sie dürfen „2u Licht gehen^, auf d^ n 
„Stubeten^ (Tanzbelustigung in Privathäusern) erscheinen a nm. d 
von Verlobten das Gassengeld fordern, „ünterjährige** oder IT mtm- 
eingekaufte werden unsanft heimgewiesen. AU diese Gepflog^:x3- 
heiten, wie auch der Brauch, an zwei bestimmten Tagen der Woc^S-^c 
das Gassengehen zu veranstalten , zeigen deutlich genug , d ^m^ ss 

wir hier — wenn auch nicht mehr in ganz reinen Formen 

jenes uralte Institut der Enabenschaften vor uns haben, wie «s 
sich (unter verschiedenen Namen und mit zahllosen kleinen A^ !>- 
weichungen) in ganz Europa und bis ins vorchristliche AlterfcvJK m 
zurück nachweisen lässt. — 

Dass wir es hier nicht mit einer regellosen Schar zufäl "M ig 
vereinigter junger Leute zu thun haben, geht u. A. aus d^3m 
Namen dieser Verbindungen hervor. Freilich, Namen '^^irio 
„Ledige** (Glarus, Taminatal), „Jeunesse**, „Gar^ons* (Waa^^t, 
Neuenburg), „Gioventü" (Soglio) wollen nichts sagen ; aber wc^it- 
aus die Mehrzahl der Namen hebt das genossenschaftliche lk£o- 
ment unverkennbar hervor; so z. B. „Knabengesellschaft" (Ol>^2r- 
saxen, Vättis), „Ledige Gesellschaft** (Maienfeld), „Soci^te oc5ier 
Compagnie od. Confr^rie des Gar^ons** (Kt. Neuenburg), ,9^^^' 
baye od. Sociöte de la Jeunesse** (Kt. Waadt), „Compagnia cÄils 
mats** (rom. Graubünden); von ausländischen Knabenschaf^cn 
etwa die „Bubenbruderschaft" in Mittenwald.®) 

Steht es also einerseits fest, dass die Knabenschaften wirkLici 
eine Art Genossenschaft waren, so muss anderseits hervorgehol:> 60 
werden, dass, wie es überhaupt bei Volksbräuchen zu gescheta^n 
pflegt, die Organisation mit der Zeit vielfach locker geworden 
ist oder sich vollständig aufgelöst hat, sei es nun durch Ai^^- 
artung in's Zügellose, sei es durch Verkümmerung. Und so wt 
es gekommen, dass der alte Stand der Dinge nur noch in a»'*" 
zelnen Gegenden unseres Landes unverändert geblieben ist. ^^ 
reinsten hat er sich erhalten in Graubünden, wo noch he^t« 
fast jede Gemeinde ihre geschlossen organisierte „Knabenge»^^'' 
Schaft" hat. Auch scheinen in Waadt die „Jeunesses" imrtt^^ 
noch eine erhebliche Rolle zu spielen, obwohl uns hier bei d^^ 

«) »RssibciiK Blättku L 217 flf. 



Kuabcnschaflen und Volksjustiz in der Schweiz. 85 

ingelhaften Quellenangabo nur ein dürftiger Stoff zur Ver- 
i;ung steht. 

Wir wollen nun im Folgenden den Typus der bündnerischen 
labenschaften schildern^), wie er, mit unwesentlichen Abweich- 
gen, in den meisten Gemeinden besteht, und wie er yermut- 
li auch in andern Gegenden der Schweiz bestanden hat. 

Die , Knabengesellschaft", rem. „Compagnia de mats", be- 
bt aus denjenigen jungen Männern eines Ortes, die das 16. 
18. Altersjahr zurückgelegt haben®), moralisch (oft auch 
ysisch) makellos sind und sich durch Entrichtung eines Eintritts- 
ides eingekauft haben. ^) Die Mitgliedschaft berechtigt zu den 
lon früher genannten Ausübungen. Dagegen müssen die Statu- 
{ strikte befolgt werden. „Dieselben enthalten Verordnungen 
er wechselseitige Pflichten und Rechte der Mitglieder gegen- 
er der Gesellschaft. Zu diesen letztern gehörte in erster Linie 
i Aufsicht über das sittliche Verhalten der Mitglieder. Wer 
chte oder schwor, sich betrank, Unanständiges redete oder 
it, ohne Licht nachts bei einem Mädchen verweilte, eheliche 
iticipation nahm, Streitigkeiten provozierte u. s. w., musste an 
B Gesellschaftskasse eine, je nach Umständen geringere oder 
össere Geldbusse zahlen. Diebstahl auch der geringsten Eleinig- 
it — mit Ausnahme von Obst — schloss den Thäter sofort 
Q der Gesellschaft aus. Die Knabenschaft stand aber auch 
t nach aussen zusammen und übte ein zuweilen unbarmherzig 
^Dges strafrichterliches Amt gegen Verheiratete und Wittwer, 
ih mehr aber gegen Fremde, die sich in geschlechtlicher Be- 
gnüg mit einem Mädchen der Gemeinde vergangen hatten, 
ein sie den Fehlbaren oft bei strenger Winterkälte in den Dorf- 
Dnen tauchten. War er ein reicher Mann, so konnte er sich 
ch eine, zuweilen sehr hoch — bis auf 1000 fl. — bemessene 
idspende lösen. Auch schon bestrafte Ehemänner mussten 
ler Orten von der ihnen drohenden Strafe des ,Au8Schellcns* 
^tzenmusik mit Sündenregister) sich loskaufen.** An einigen 
^en thaten sie sich , früher untef dem Vorsitze eines „Land- 
Jtes" zu einem eigentlichen Gerichte zusammen, dem „Knaben- 
'icht*, das über Vergehen , Nachlässigkeiten und Liederlich- 

') Vorzugsweise nach den Schilderungen Sprechers und Muoths — ®) Nach 
hniann ,oft schon Kinder von 12 Jahren"*. (Ob das nicht auf einem Irr- 
^ beruht?) — ') Lehmann nennt „einige Maass Wein, Käse und Bi-od" 
* Einkanfsteuer. 



8G Knabeoschaften und Volksjustiz in der Schweiz. 

keiten, die sich der offiziellen Qerichtsbarkeit entziehen, abzu- 
urteilen hatten. (Vgl. Lehmann S. 273.) Der Gesellschaft steht 
vor ein Kommandant, der durch Stimmenmehr am Dreikönigstage 
gewählt wird. Andere Beamte sind der Kassier, der Schreiber, 
der Fahnenträger, der Weibel. ^^) Die Gesellschaft hat „eine ge- 
meinsame Kasse, die grösstenteils aus Hochzeitsgaben der sich 
verheiratenden und damit austretenden Mitglieder gespeist wird, 
und hält hin und wieder ihre Versammlungen und Feste ab^. 
„In friedlichen Zeiten bildeten sie auch die Feuerwehr, sorgten 
bei Kirchweihen und Hochzeiten für militärischen Pomp, bei 
Festlichkeiten und in der Fastnacht für UnterhaltuDg der Dorf- 
bewohner durch Bälle, Umzüge und Theater. In katholischen Gegen- 
den übernahmen sie den Kirchengesang. ^ In politisch beweg- 
ten Zeiten spielten sie auch als Partei eine hervorragende Rolle. ^^) 
Dass diese Bräuche jahrhundertelang im wesentlichen die 
selben geblieben sind, beweisen die Statuten der „Ehrlichen Ge- 



***) Wir lassen hier die uns bekannt gewordenen Ämter schweizerischer 
Knaben Schäften folgen : Graubünden: Knabenkominandant od. -Führer 
od. (^apitani dils niats od. Platzmeister (vgl. Hgbs. Bll. I, 219) od. Kilbi- 
vorsteher; Kassier, Schreiber, Fähndrich, Weibel. — Ve 1 1 1 i n : Capitano della 
Gioventü. — W a a d t : Abbö od. Capitaine. — Neuenburg: Capitaines 
od. Gouverneurs, Porte-Enseigne, Secr^taires, Sautiers od. Ck)mmandeur8. — 
Zug: Schultlieiss, Statthalter, Seckolmeister, Schreiber, Bannerherr, Läufer, 
Grossweibel, Pfarrherr, Ritter, 2 Mitritter, Edelmann, Junker. — Bern: 
Schultlieiss, Statthalter, Seckelmeister , Stadtschreiber, Grossweibel, Klein- 
weibel, 2 Läufer, 4 Venner, 2 Heimlicher, Land- u. Klostervögte, einige 
militärische Ämter. — Rapperswil: Ammann, Statthalter, Hauptmann, 
Fähndrich, Stubenmeister, Weibel, Trommelschläger, Vikar, Knabenschult- 
heiss. — S t a n s : Schultlieiss, Reichsschatzmeister, Reichskanzler, Panner- 
herr, Hühnervogt, Tieriivogt, Hurenvogt. — Taminatal: Präsident. — 
Zürcher Oberland: Kollater. — **) s. Sprecher S. 338. Derselbe sagt 
im BfNDN. MoNATsiJLATT f 1897 S. 62: In Zeiten politischer Aufregung spielten 
im vorigen Jalirh. (18. Jh.) noch die Knaben Schäften oft bei Landsgemein- 
den in terroristischer WcMse eine bedeutende Rolle, wenn sie nicht in Parteien 
gespalten waren. Im Prätigau, Oberland, Engadin und anderwärts bildeten 
sie gleichsam die Leibwachen von Parteihäuptern. Der sog. „Heerochse*, d. h. 
der Stärkste dieser Wache, in vielen Fällen der Hauptmann der Knabenschaft, 
begleit(;te dann unter Zuzug einer Anzahl seiner Leute jene Parteiftlhrer, 
wenn sie an Landsgomeinden auftraten oder auch sich in gegnerische Ort- 
.schaft(Mi, z. B. zu Gerichtssitzungen begaben. Bei solchen Anlässen kam es, 
wie z. B. 1728 und 17G2 im Prätigau, zu fiu'chtbaren Raufereien mit den 
Knaben anderer (Tonieindeii, infolge (ieren mehrere Personen das Leben 
verlon^n. — Über ihre politischen V(»rrechte s. auch Muoth im Abchiv H, 139 
u. Leonharui S. 18. 



Kaabenscliaften und Volksjustiz in der Schweiz. 87 

llschaft^ von Tomilß aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts.'^) 
eselben bestimmen z. B. die Abgaben von austretenden, d. h. sieh 
rheiratenden Mitgliedern, sowie von Witwern und Auswärtigen, 
) in der Gemeinde heiraten. Schon hier wird die Brunnen- 
uche erwähnt. Ein folgender Paragraph enthält die Bestimm- 
g, dass die Gesellschaft einem Unbotmässigen gegenüber das 
cht habe, „ihme zu schellen*' [d. h. eine Katzenmusik zu 
ngen] und um den verweigerten Tribut zu pfänden. Be- 
rkenswert ist dann weiterhin die Stellung der Gesellschaft als 
legericht: „Was verheurathete Eheleuth sind, die Sich in 
eitigkeiten Begeben, vnd Eins von dem andern aus dem Hauss 
let, vnd anderstwo überaacht Bleibt, so solle man jhunen, 
n Sie widerum Einig werden, 16 mass Wein zu fordern haben, 
fern Sie dan Nichts geben wohlen , solle man jhnnen nach 
ein Brauch schellen vnd mit Trummen zusammen Leuthen.^ 
briftlich überlieferte Statuten kommen nicht häufig vor, doch 
then diejenigen von Toniils nicht einzig da. Wir besitzen solche 
ch aus Andeer*^), Zug*^), Boudry*^) und einer ungenannten 
»aenburger Gemeinde *^). Auch spricht Lehmann '^) ausdrücklich 
n einem „Gesetzbuch** der Enabenschaften und führt sogar 
izelne darin erwähnte Strafbestimmungen an. Ferner besass 
Klingnau die ehemalige Koabenschaft *^) eine Lade mit Statuten 
d Protokoll, die nun allerdings verschwunden ist, und endlich 
wähnt Baumberger (S. 143) die Statuten der Meiser Knaben. *^) 
In den bündnerischen Knabenschaften haben wir den cha- 
£:teristischsten Typus kennen gelernt. Wir haben nun im Fei- 
nden einige interessante Abarten zu betrachten. Wir nehmen 
rvfQg eine dokumentarisch unbelegte Notiz aus dem Schweiz, 
otikon (lY, 303) über das untergegangene Institut der „Knaben- 
aaeinde** (Chnabegmeind) im aargauischen Freiamt. Dieselbe 
eine „Versammlung der Jünglinge von über 16 Jahren, ge- 
•liolich am Sonntag Abend vor der Kirchweih auf dem Dorf- 
i.t;z bei der Linde abgehalten, wobei der Knabenrat, das Ge- 
llt, der Seckelmeister und der Weibel bestellt wurden. Der 
•t; hatte die Pflicht, den Jünglingen passende Mädchen zu ge- 
rentlicher Heirat anzuweisen, auf diese selbst ein wachsames 



*') 8. Abchiv I, 144 ff. — ' ') Anxalas XII, 4. — ^*) Kleinkk Zuckb Kau 

>B, S. 10. — »!^) MisAk Nei ci.atelois XIX, 54. — '6) Ebenda XXVII, 209. — 

Republik II, 273. — *^) Liiut gütiger Mitteilung von Herrn Lehrer Bilger. 

'') Hier hiessen die Ausgelasseneren „Buben", die Gesetzteren „Knaben". 



88 Kiiabonschaften und Volksjustiz in der Schweiz. 

Auge zu haben und überhaupt auf Alles bedacht zu sein, was 
den Interessen der Jünglinge förderlich sein konnte. Das Gericht 
sprach Recht in streitigen Angelegenheiten der Jünglinge und 
fällte auch Strafen, die gewöhnlich in einigen Maass Wein oder 
Most bestanden und gemeiDschaftlich getruntten wurden. Alljähr- 
lich am Rirchweihfeste war dann yon Rat und Volk grosser Um- 
zug; wo es tunlich war, sogar zu Pferd. Nachher Tanz und 
Trunk bis abends 10 Uhr." Leider wird uns nicht gesagt, 
wann dieser Brauch eingegangen ist; jedenfalls aber tritt uos ^ 
hier noch eine merkwürdig rein erhaltene Form der Knaben- -^.«^ 
Schäften entgegen. 

Auch Klingnau und Rapperswil sind oben genannt worden ^^. 
Diese beiden Städtchen sind für die Entwicklungsgeschichte dec: =r 
Kuabenschaften besonders bedeutsam, weil sie nicht nur neu 4^ 
Gesichtspunkte eröffnen, sondern auch vermittelnde Formen au f- 
weisen, die uns zu gewissen andern städtischen, scheinbar fem^^ar 
abliegenden Institutionen hinüberführen. *®) 

Für Klingnau^*) ist charakteristisch die Bethätigung d «r 
Enabengesellschaft bei den Fastuächtslustbarkeiten. Sie bessB^^ss 
eine Anzahl hölzerner und kupferverzinnter Larven und eiai ge 
Narrenkleider, die an Fastnacht zur Verwendung kamen. B&^no 
besondere Rolle spielt hiebei der „Obern arr". Am Morgen € :3e8 
Fastnachtsdienstags zieht derselbe zunächt unter ohrbetäubend ^^ni 
Peitschenknall durch die Strassen, ein Brauch, der lebhaft an -^ie 
dämonenverscheuchenden Lärmumzüge der Winters- und Fr^Äih- 
jahrszeit erinnert. ^-) Dann versammelt er, während die Knal> «n- 
schaft einer Messe beiwohnt, die Schuljugend um sich und in- 

struiert sie über die Antworten, die sie nachmittags auf ^^ein 
Fragen zu geben hat. Nach einem Frühstück der KnabenscB"^]aft 
zieht der Narr, eine grosse Puppe auf den Armen, mit Pfc 'Sfcr 
und Trommler vor die Häuser der „Guggichmannen'', d. h. c^ler- 
jenigen Männer, die sich im Laufe des Jahres verehelicht hal^^o'i' 
tanzt dort und zeigt der jungen Frau die Puppe, wofür er e'ß 
Trinkgeld erhält. Die letztere Handlung ist ein uraltes, in z^»W- 
reichcn Abweichungen wiederkehrendes Fruchtbarkeitsymbol, ^^ 
hier nicht näher erörtert werden kann. Am Nachmittage ve:r'Än- 
staltet die Knabenschaft einen Umzug. Mit dem Seitengew ^i^*) 



2") Vgl. die Knaben schfifttMi in Siebenbürgen bei Usknkb in Hjäb, Blatt«« '^ 
215 ff. — -" Niit'li brietliclier Mitteilung von Herrn Lehrer Bilger io IwI'dK" 
„au. — 22) Akch.v 1, 192. 281; Vll, 116 Anm. 



Koabenschaften und VuIksjuBtiz in der Schweiz. 89 

n Zeichen des freien Mannes, umgürtet und einem Strauss 
i der Liebsten auf dem Hute, schreitet man durch den Ort 
1 um die Brunnen. Dann besteigt der Narr den Brunnentrog 
i stellt an die umstehende Jugend die vormittags eingelernten 
Igen. Oewöhnliah werden hier zunächst die alten Jungfern und 
iggesellen durchgehechelt. Auf die Frage: „Wo sind die alten 
igfern?'' erschallt die Antwort: „Im Oiritz'^, d. h. im Giritzen- 
os, jenem eingebildeten Yerdammungsort der Mädchen, die die 
B verschmäht haben.'') „Wo sind die Knaben (Junggeselleu)*^? 
1 Holz', was das selbe für die ledigen Männer bedeutet. Dann 
l^t die Persiflage einzelner lächerlicher Vorkommnisse: „Wo 
bnt die Jungfer, die im Korbe Wasser holen wollte"? „Oben 
der Stadt.^ „Wo wohnt die Jungfer, die das rechte Hosen- 
Q verloren" ? „Im Dorf** u.s.w. u.s.w., bis alles durchgehechelt 

Man sagt daher von Einem, der eine spottwürdige Handlung 
;angen hat: „Er kommt auf den Brunnen*', wie etwa in Basel: 
r kommt an die Fastnacht^. Nachher wird um den Brunnen 
;anzt, indem die Knaben aus den umstehenden Mädchen ihre 
izerinnen aussuchen. Ein Trunk aus der Weinspende, zu der 

geistlichen Niederlassungen des Ortes verpflichtet sind, be- 
liesst den fröhlichen Tag. 

In Klingnau konzentrieren sich also — wenigstens soweit 
Überlieferung reicht — die Gepflogenheiten der Knabenschaft 

den einen Fastnachtstag und auch die Yolksjustiz hat hier 
ch die Inquisition der Narren einen karnevalesken Anstrich 
lommen. Daneben aber bestehen uralte Kulthandlungen, wie 

Umgehen und Umtanzen der Brunnen. 

Noch eigenartiger waren die Bräuche in Rappers wil.**) 
r ungleich grösseren Bedeutung, die hier der Knabenschaft 
sam, ist es zuzuschreiben, dass in dieser Stadt auch die Über- 
ernng eine ungetrübtere und die Bethätigung der Knabenschaft 
e vielseitigere ist. Diese nannte sich in Rapperswil „Unübcr- 
idliche Gewalt der Junggesellen^, etwa auch „Knabenzunft^ 
»r, wenn sie in den Fall kam, Yolksjustiz auszuüben: „Sau- 
ichf*. Mitglieder waren alle ledigen Bürger vom 18. Jahre an. 
ch sie hatte, wie ihre Bündner Schwestern, Vorgesetzte und 
amte: einen „Ammann**, „Statthalter" u.s.w. Ihren Ursprung 

") 8. Archiv I, 139 fg.; VII, 205(1. — ") 8. Rickenmax.h a. a. 0. 



90 Knabenschaften und Volksjiistiz in der Schweiz. 

leitet die „Knabenzunft^ von einem historischen Ereignis ab.^'^) 
Während der Belagerung durch die Zürcher nämlich, im Jahre 
1388, sollen die Frauen und Töchter, die ihre Männer und Väter 
in der Schlacht bei Näfels verloren hatten, auf der Burg getanzt 
haben, um den Zürchern zu zeigen, wie wenig sie entmutigt 
seien. Dieser Tanz wurde in der Folgezeit fortgesetzt und je- 
weilen mit einem pomphaften Fastnachtszug eingeleitet. ^^) Er 
bewegte sich um den Platzbrunnen und endete auf der Burg. 
Die Tänzerinnen durften nur aus ledigen Töchtern bestehen. 

Neben der Fcstthätigkeit , zu der natürlich auch eine auf- 
wandreiche Mahlzeit gehörte« übte die Knabenschaft aber auch eine 
sittenrichterliche aus, indem sie Vergehen gegen die Sittlich- 
keit mit Bussen, besonders in Form von Weinspenden, belegt«. 
Dass dieses Sittengericht sozusagen staatlich sanktioniert war, 
geht aus dem Umstand hervor, dass man von ihm an den Kleinen 
Rat appellieren konnte. ^^) Auch gemeinnützige Handlungen sind 
von der Zunft nachweisbar. So verkaufte sie im Jahr 1656, „als 
die Frucht sehr* wohlfeil war, 46 ihrer silbernen Becher, um da- 
gegen Korn aufzuspeichern, 8 andere wurden zu frommen Zwecken 
der Kirche gegeben*. Der Reichtum an silbernen Bechern *'') 
lässt auf ein verhältnismässig hohes Alter der Gesellschaft schliessen, 
und wenn vielleicht auch die Entstehung im XIV. Jahrhundert 
ins Reich der Fabel gehört, so sind uns doch schon regelrecht 
geführte Protokolle aus dem Anfang des XVII. Jahrh. überliefert. 
Eingegangen ist die Zunft, wie auch die Gesellschaften von Zug 
und Bern, im Jahr 1798, also in der Revolutionszeit, jener für 
unzählige Volksbräuche so verhängnisvollen Klippe. 

In Rappers wil wie in Kiingnau tritt uns Ernstes and Fa- 
schingsfreudiges in bunter Mischung entgegen. In beiden Städten 
sind die Grundelementc dieselben : festlicher Umzug, Umgehen 
und Umtanzen des Brunnens, Volksjustiz; aber diese Elemente 
sind in beiden Städten so verschieden ausgeprägt, dass wir den 
Eindruck von völlig heterogenen Erscheinungen bekommen. Solche 
Divergenzen aus dem selben Stamme geben uns nun aber ein j 
Mittel in die Hand, auch andere, bis anhin rätselhaft gebliebene « 
Institutionen richtig zu beurteilen: ich meine den sog. „Grossen .fl 
Rat*" in Zug und in Stans und den „Äussern Stand** in Bern 

-■•) Das itlt(»st(» Protokoll datiert j«»docli erst vom Jahr 1612. — ") Kine-^= 

ausfülirlichp liesclinMbiinj^ im Au« inv I, 260 — ^') Rickknmann I, 235. 

2^) 1653 waren es deren 69, darunter der 127 Loth wiegende „Saubecher* 



KDabi^oschatlten und Volksjnstiz in der Schweiz. Ol 

Wir müssen uns diese sonderbaren Gebilde etwas näher 
ansehen. Der volle Name der Zug er Gesellschaft lautet „Ge- 
sellschaft des grossmächtigen, gewaltigen und unüberwindlichen 
Rats*, ein pompöser Titel, der auf ein nicht geringes Selbst- 
bewusstsein schliessen lässt. Dieses Selbstbewusstsein findet unter 
Anderm aber auch seinen Ausdruck in der natürlich sagen- 
haften Herleitung aus den Zeiten Ottos I. ^^), und wie schon die 
Rapperswiler Enabenschaft mit einem historischen Ereignis in 
Verbindung gebracht wurde, so identifiziert sich nun der Zuger 
«Qrosse Bat'' mit jener berüchtigten „Bande vom tollen Leben^, 
die zur Fastnachtszeit des Jahres 1477 den tumultuarischen Zug 
nach Genf unternahm, um die rückständige Brandschatzungs- 
summe einzuziehen. '^) Unwahrscheinlich ist diese Aufstellung 
nicht; denn es ist nachgewiesen, dass das dem „Grossen Rat** 
gehörige und jetzt noch im Zuger Altertumsmusenm befindliche 
^Saupanner'' **) von der „tollen Bande* wirklich gebraucht worden 
let» und wer würde sich nicht bei diesem „Saupanner^ an das 
Xlapperswiler „Saugerichf^ und seinen „Saubecher* erinnern? 
'Zudem sind die Analogien in Bern und Stans so auffallende, dass 
jedenfalls die ehemalige militärische Bedeutung der Knaben- 
^cshaften über allem Zweifel steht. Nun ist aber in Zug, wie in 
^em und in Stans, Eins bemerkenswert: es wird nirgends ge- 
imaigt, dass die Gesellschaft nur aus Ledigen bestehe oder je be- 
ifcanden habe. Schon aus Rapperswil wird uns berichtet, dass 
m<ih an dem Umzüge „sämmtliche Herren und Bürger'^ beteiligt 
I ^ben ; in Zug können aber auch wirklich Ehemänner Mitglieder 
l ^8 „Grossen Unüberwindlichen Rates ^ sein. Da die Protokolle 
»misch dieser Gesellschaft erst mit dem Jahre 160S einsetzen, so 



V 



^) Auffallend ist, dass auch die Meistersin^^er ihre Entstehung auf 

t"to I. zurückführen (s. Wagknseil, Von der Meistersinger holdseligen Kunst 

1^^7 S. 504). — Das lilteste Protokolihuch (1608) der Zuger Gesellschaft 

-t^xrs.^^ die Überschrift: „In diesem Buch ist verzeichnet und beschryben di«? 

l^^^KTliche Statuten, Jurisdiktion, Gewaltsame, Fryheit, Herrlig- und Gerechtig- 

%& «ernten der grossmächtigen Herren des grossen, gewaltigen und unUherwind- 

lics-^enBathes der Stadt Zug, mit welchem Sy befryet und begäbet sind von 

^ ^m grossmächtigen Keyser Otto, dem Ersten diss 

"M" 2» mens, so vor unzalbaren Jaren regiert und gelebt" u. s. w. Klkinkk 

X«.T<3EE Kalkndkb 1868 S. 3. — 30) Vgl. K. Dändlikke, Gesch. d. Schweiz. 

^- Aufl. II (1894), 233; J. HfHuiN, Handb. d. Schweizer Geschichte I (1900), 

313; Alphiroskm 1866, S. 08. — ^i) Vgl. Aiuiiiv I, 265 A. 2. Ähnliche Banner 

»^i Du TiLLioT, M^moires pour servir ä Thistoire de la Fete des Foux 1741 

^Tafeb). 



92 Rnabenschaflten und VolkBJuBtiz in der Schweiz. 

ist es unmöglich, zu sagen, wann diese Erweiterung stattgefunden 
hat; doch möchte ich angesichts all der analogen Erscheinungen 
vermuten, dass die Ausdehnung der Mitgliedschaft auf Verhei- 
ratete eine sekundäre, in grössern Ortschaften entwickelte Form 
der alten Enabeuschaften ist. Im Übrigen weist auch der Zuger 
„Grosse Rat^; dessen Mitgliederzahl freilich auf 40, später auf 
50 beschränkt war, und der schliesslich nur noch regimentsfahige 
Bürger zuliess, alle Eigenheiten der bisher behandelten Enaben- 
schaften auf. Er hatte als Vorgesetzte einen auf 3 Jahre wähl- 
baren „Schultheissen^, einen „Statthalter^ und einen „Seckel- 
meister". Der Einkauf war 10 Thaler und mehr. Die Versamm- 
lungen und Wahltage fanden am „schmutzigen Donnerstag^ auf 
dem alten Oerichtsplatz unter der Linde statt, ähnlich den alt- 
germanischen Gerichtsyersammlungen, und dabei ist es bemerkens- 
wert, dass Yollständig die Formen der Landsgemeinde innege- 
halten wurden. ^^) Dieser Parodie der Landsgemeinde werden wir 
auch noch an andern Orten begegnen. Dass bei der straffen, 
durch Statuten geregelten Organisation auch Justiz geübt wurde, 
ist selbstverständlich, und zwar erstreckt sich die Gerichtsbarkeit 
des „Grossen Rats^ auch wieder auf geringfügigere Vergehen; 
ähnlich wie bei den bereits erwähnten Enabeuschaften. Besonders 
interessant sind hier aber die StraHnstrumente, deren Handhabung 
jewcilen einem besondern Beamten zugeteilt wurde. Als solche 
werden erwähnt: der Eisengrind, das Hühnerbrett, der Holz- 
schuh, der Eolben, das Hundebeil, der Bogen, das Leiterlein, 
das Joch, der Weiberfeind, der Judenspiess, das Urren- (d. h. 
Stieren-) Antlitz und die Leimpfanne. „Es sind dies Eennzeichen 
gewesen", sagt der Anonymus im Eleinen Zuger Kalender für 
1868 (S. 11), „die man nachts denjenigen vor die Wohnungen 
zu stellen pflegte, welche sich in Dingen versündigt hatten, die 
der Gerichtsbarkeit des Grossen Rats unterworfen waren. Leider 
ist uns eine nähere Erklärung des Eisengrinds, Kolbens, Hunde- 
bcils, des Hühnerbretts und der Leimpfanne nicht möglich. Die 
Blätter im ältesten Protokolle, auf denen sich die Gebrauchs- 
erklärung dieser Instrumente befand, sind herausgeschnitten, ver- 

"j „So sollen sy Jilrlichen an Einem Schnnizigen Donnstag Lanndtss- 
gmeind halten, Mit gannz gesessnem Kath, Under dem Heyteren 
II i m m e l , daniitten inn der Statt Zug, An gewöhnlichem Blatz, da dann 
die gross Linden gestanden, Unnd alda Erwelen Inen Einen Schult- 
heissen*' u.s.w. (Es folgen dann die einzelnen Bestimmungeo über diese Lands — 
gemeinde.) Kl. Zugkr Kal. 1868, 10. 



V 



Kuabenschaften und Volkajuatjz in der Schweiz. 93 

mutlich weil dieselbe in Bpätern Zeiten zu mittelalterlich derb 

klang und deshalb Anstoss erregte. Der „Wybfyend**, der „Juden- 

spiess^, das „Urrenantlit" und der ^Holtzschuo^ hingegen blieben 

stehen. Der ,Wybfyend, diss ist menigkhlichen zu wiissen, wie die 

Wyber etwan zunZyten den Mannen gar keinGnad mögend han unnd 

nit by inen wend blyben; demselben [Manne] ist verordnet der 

AVybFyendtS Den ^Judenspiess soll man auch besetzen, so Einer 

Ocldt usslehnet umb einen zimlichen Zinnss, dass imo nochmals 

[nachher] weder Zinss noch das Hauptgnt [Kapital] wirdt. Dem- 

selbigen soll man den Judenspiess fürsetzen damit das er stechen 

kböne das wo behafFce^ ^^) ,Item das Urren-Antlit soll man dem 

j henigen geben, der da gern ein hübscher Mann wäre, aber dessen 

Hjyb, Angesicht, Gang unnd Proportion unflätig wüost unndt 

bosser einer Suw zu verglychen, dann einem hübschen wolgestal- 

t^en Mann^ ,Die Holtzschuo soll man denjänigen mitteilen, weliche 

^%^ol mit dem Praticiren khönncnd umbgehen, heimlich thrölen 

vand Äropter überkhomend, damit sy ein anderss mal desto leyser 

Stehen können, oder denen, so das Pratiziren gefehlt bat [miss- 

I vjDgen ist]^ ,Der Bogen wird also verdienet, so einer wäre, der 

"v^on unbillichen Sachen redete unnd nit zu glauben ist, noch 

^%^ehre, dass ein Jegkhlicher woU gespüren oder gryffen mag, 

cl.as8 er den Bogen zu fast spannet [also ein Aufschneider], dor- 

^ olbig soll mit dem Handtbogen versorget werden'. Das Leiterli 

■^^r- arde schliesslich solchen gegeben, die lieber durch die Fenster, 

^^Ib durch die Thüren in gewisse Zimmer stiegen.'' Die Yolksjustiz 

cX ^9 , Grossen Ratos*^ bestand aber nicht ausschliesslich in Persi- 

F9 ^mge ; er wendete sich auch strafend gegen alle Gottlosigkeiten 

-«jm. vnd sittlichen Vergehen. Das beweist nicht nur die Strafexpedition 

-^r^i^n 1523 mit der schreckhaften Maske gegen die Nonnen von 

rauenthal, die moralisch in schlechtem Rufe standen ^^), sondern 

Lch die in den Protokollen verzeichneten Fälle von Türmung, 

Qogerkuren und Geldbusseo, ferner der Zwang zu Wallfahrten 

ch Einsiedelu, zur Abbetung von Rosenkränzen und Psaltern. 

^ Im frühem Zeiten war Übergiessung mit einigen Zubern Wassers, 

cls^« Herumtreiben von Gasse zu Gas^e mit Körben voll Unrats 

nxid mit dem Strohkönig unter klingendem Spiel, sehr gebräuch- 

^i<5h. Auch war eine grössere hölzerne Kette vorhanden, um mit 

S^^issen unreinen Individuen gelegentlich eine Schwemme im 

") Dieser Zusatz iat mir nicht klar. — ^) s. Ai-rENnöSEN 18()6 S. 70. 



9i Knabenscbaften und Volksjustiz in der Schweiz. 

See vorzunehmen." ^^) Wir werden auf die alte Reinigungestrafe 
des Wassergusses bzw. der Tauche noch zurückkommen. Er- 
wähnung verdient endlich die rege Bethätigung des ,Qrossen 
Rates bei kirchlichen Festen und die geflissentliche Abhaltung 
von Seelenmessen für verstorbene Mitglieder. ^^) Das Ende aber 
war Versumpfung in Schlemmerei und Schulden. ^^) 

Wieder etwas anders hat sich der sog. „Äussere Stand*" 
(oder das „Äussere Regiment") in Bern ausgebaut, obschon er 
auf den gleichen Grundlagen ruht. Seinen Namen führt er im 
Gegensatz zum „Innern Stand*^, der eigentlichen Regierung, und 
ist schon im 16. Jahrhundert völlig organisiert. Er hat mit dem 
Zuger Rat unter Anderm gemein die Zulässigkeit Verheirateter 
und die alte Ursprungssage, nur ist es hier der Herzog von Zäh- 
ringen, dem er, wie die Stadt Bern selbst, seine Gründung zu 
verdanken hat. Die Anfange sollen ganz kriegerisch gewesen sein. 
Ähnlich der „Bande vom tollen Leben" soll sich auch hier eine 
Schar von Freiwilligen („Fryhärster") im 13. Jahrh. zusammen- 
gethan haben zur Verteidigung des Landes, und aus dieser soll 
dann der „Äussere Stand^ mit seiner weitschichtigen Organisation 
sich entwickelt haben. Die Vorgesetzten und Beamten waren un- 
gefähr die selben wie in Zug: Schultheiss, Statthalter, Seckel- 
meister, Stadtschreiber u. s. w. Daneben militärische Ämter wie 
Hauptmann , „ Lütenampt^ , Schützenhauptmann , Fahnenführer, 
„Spiessenhauptmann" u. A. (Hiubek S. 13). Auch hier fanden - 
„Rats Versammlungen^ statt, die eine genaue Kopie der Versamm- - 
lungen des „Innern Rates* darstellten. Während aber in Zug -^ 
die Volksjustiz ein Hauptelement des „Grossen Rates^ bildete, .^ 

scheint sie in Bern auf Kosten des immer mehr überhandnehmen 

den Festpompes etwas verkümmert zu sein. ^^) Wohl vernehmec 
wir auch hier von Bussen bei Übertretung der Sitten- und 
Anstandsgesetze; aber sie finden ihre Anwendung, soviel ich 
in Erfahrung bringen konnte, nur auf Mitglieder des „Äussere 
Standes** und nicht auf anderweitige Personen. Wichtiger warei 
der Berner Gesellschaft die Umzüge, die sich, aus Ursprung 
lieh einfachen Musterungen, im 17. und 18. Jahrh. zu einec 
pomphaften Schaugepräoge entfalteten. Diese Umzüge fand^ 



3^) Kl. Zuger Kal. 1868 S. 15. — 36) Ebenda S. 14. — ") Ebenda S. 12€J;r- 
— '^) Schon früh hat sich übrigens der Äussere Stand durch wilde Au8g*e — 
lassenheit in Tanz und Schwelgerei ausgezeichnet (Hidber S. 7). Der Geisslec 
spotten sie. 



Knabenschaften und V^olksjustiz in der Schweiz. 95 

jeweilen nach der Ämterbesatzung im Sommer statt und hatten, 
je nach Vereinbarung, bald einen vorwiegend kriegerischen, bald 
einen mehr fastnächtlichen Charakter. In altern Zeiten war noch 
der „Aufritt" des „Rossvolks^ von dem Umzug des Fussvoiks 
getrennt, und es wurden Scheingefechte^^) aufgeführt, was deut- 
lich auf den Zusammenhang mit den alten Musterungen hinweist. 
Später wurden beide Schaustellungen vereinigt. Bei den burlesken 
Umzügen, die uns leider erst im 18. Jahrh. durch bildliche Dar- 
stellungen und Beschreibungen näher geschildert werden, er- 
scheinen als typische Figuren die „Bärenhaut", der Affe und der 
^Urispiegel" ; letzteres eine die neueste Mode karrikierende Dame.*®) 
Itferkwürdigerweise ! denn das Wort ist identisch mit „Ulen- 
spiegeP = Eulenspiegel'' ^*). An diese Umzüge schlössen sich auf- 
^^^andreicheMähleran, zu deneu die Regierung eingeladen wurde. *^) 
^\hnlich den Bündner Knabenschaften muss der Berner ,,Aus8ere 
Stand'' durch alle Entwicklungsphasen hindurch eine nicht geringe 
politische Macht gehabt haben ; ja von 1 687 an galt er als eigent- 
X iche Vorschule für das Staatsleben. Gegen Ende des 18. Jahr- 
Jrmunderts machte man aus ihm eine Art Freikorps und damit 
|^:ehrte er wieder zu seinen ursprünglichsten Anfängen zurück. 
;^^reilich nicht für lange; denn im Jahre 1798 wurde er, wie die 
^3''^8oll^<^h^f^^Q ^OQ Rapperswil und Zug, endgültig aufgelöst. 

Ein längeres Leben war dem „Qrosseu, Unüberwind- 
1^ i •chen Rat'' in Staus beschieden. Derselbe steht nämlich noch 
X^ C3ute in der alten Blüte. Da jedoch aus berufenster Feder, von dem 
^ Üeichsschatzmeister" der Oesellschaft, eine Monographie über 
clic^ae in Aussicht steht ^^), will ich hier nur so viel sagen, dass sie 
in den wesentlichen Punkten mit denjenigen von Zug und Bern 
übereinstimmt, ihren Ursprung auf die „Bande vom tollen Leben" 

^'^) Etwas AhDliches war der „Landsknechtonumzug" in Luzern mit seinem 

Scheingefecht; s. Arcuiv I, 262 fg. — ^^) Doch erst seit 1747. — *•) Also 

'iicht aus „Hiirenspiegel'* entstanden, wie Uidber vermutet. — ^-) Wie wacker 

^* Solchen Mählem getrunken wurde, das zeigen folgende zwei Berichte: 

l>en 13. Juni 1619 klagt Hr. Ulisang, er habe Meister Wilhelm Dingnaner, den 

^»Urtier, auf dem „Hapstetter Viild, gantz zugerüstet angetroffen, also, das 

^'^nn er Ime vf einer Syten erhaben , sye er vf der anderen Sythen vom 

»^osu gesunken vnd hirmit Imme syn Koss übergaben, er aber uss Fölli Irr 

^^gangen, inn ein Höltzli kommen und alda übernaeht verbliben.** — »1614 

^Jirü der Ufritt gan Burgdorf gehalten, darzu die Herren von Solothurn ge- 

>Ä<len worden, da mann zu beyden j^eiten so gewaltig geschluckt, dass im 

**^inreiteo etliche Sättt»l und Wägten leer worden" (Hidbkk S. 20». — *^) Die 

^^beit ist uns fUr diese Zeitschrift freundlichst zugesagt worden. 



96 Knabenscbaften und Volksjustiz in der Schweiz. 

zurückführt, humoristische Strafprozeduren gegen Mitglieder ver- 
fügt und von einem jetzt eingegangenen „Hirsmontagsrat'', also 
offenbar von einer Landsgemeindeparodie, berichtet. Eine Eigen- 
heit des Stanser ^Grossen Rats^ ist es übrigens, dass laut dem 
sog. „ Weiberbrief ** von 1627 auch die Frauen der „Reichsritter*, 
d. h. der weltlichen Mitglieder, aufgenommen werden können. 
Demnach ist auch hier die Mitgliedschaft seit Langem nicht mehr 
auf Unverheiratete beschränkt. 

Wir haben im Vorausgehenden nur eine kleine Auswahl 
wichtigerer Typen von Knabenscbaften herausgehoben , um das 
Hauptsächliche, das Gemeinsame, möglichst deutlich darzulegen. 
Wir müssen nun nochmals auf diese wesentlichen Punkte zurück- 
kommen, weil sie allein im Stande sind, uns nach dem Ursprung 
zurückzuleiten. 

> Als besondere Merkmale betrachten wir die Organisation, 
die sittenrichterliche Thätigkeit, die hervorragende Rollo 
bei Festen, in früherer Zeit auch das militärische Gepräge. 
Alle diese Kennzeichen finden sich, wenn auch verschieden stark 
ausgebildet, bei den Knabenscbaften vor. 

Was zunächst die Organisation betriift, so ist sie heute, 
gegenüber den altern Phasen mit ihren Statuten und Protokollen, 
in den meisten Gegenden eine ziemlich lockere geworden und 
tritt fast ausschliesslich nur noch bei Festanlässen oder bei der 
Volksjustiz zutage, indem für erstere sog. Kilbivorsteher (Prätti- 
gau), Spielmeister (St. Galler Oberland), Capitani (Brigels), Platz- 
meister (Obersaxen) oder wie sie sonst heissen mögen, bestellt 
werden , die die Vergnügungen zu überwachen, etwa auch die 
Mädchen an die Burschen zu verteilen, bzw. auszulosen haben. ^^) 
So sagt z. B. der Bündner Kalender f. 1869 in der Erzählung 
„Das Kreuz**: „Die Geseilschaft wählte einen [Kilbi-] Vorsteher. 
Der leitete die Angelegenheiten des Jungvolkes ein ganzes Jahr, 
hatte namentlich die Pflicht, auf Sitte und Ehrbarkeit seine Wach- 
samkeit zu richten ; er hatte aber auch das Recht, sich zum 
Voraus ein Chilbimädchen zu wählen .... Die Wahl des Vor- 
stehers fand jedesmal am Abend beim Mondschein auf einer Wieso 
vor dem Dörfchen statt/ (Ähnlich Balktta S. 225.) Ferner war 
dieser Vorsteher gewöhülich auch der Wortführer der Knaben- 

. **) HitMülxT v;^l. Mr.mi im Auiiiiv II, I4.*5; Axnalas XII, 7. Im Freiaint 
war <*s der ^Rut**, wclclier die Miülchcii zuwies. Sciiw. Id. IV, 304. 



Knabenschaften und Volkejustiz in der Schweiz. 97 

aft, wenn es sich darum handelte, bei Hochzeiten dem jungen 
ir Glückwünsche darzubringen und den üblichen Tribut zu 
lern. Dass bei Ausübung der Yolksjustiz eine Leitung not- 
idig ist, bedarf keiner besondern Begründung. Die Organisation 
aber auch bedingt durch das Vermögen, das die Oesellschaft 
itzt. So geringfügig dasselbe oft sein mag : es erfordert doch 
) Verwaltung und zwar durch eine dazu bestimmte Person- 
keit. 

Das Eigentum der Gesellschaften besteht gewöhnlich nur 
Wein und Geld; doch werden diese Schätze, heutzutage 
tigstens, selten aufgestapelt, sondern bei der ersten besten 
egenheit wieder verprasst. Die Bezugsquellen sind verschiedene. 

häufigsten laufen diese Spenden bei Verlobungen bez. Hei- 
en ein. So war die Abgabe in Tomils statutengemäss 16 Gul- 

oder 100 Mass Wein (Archiv I, 146), in Bern 1 S" (Hidber), 
Kanton Glarus haben die „Ledigen^ das Recht, das „Gassen- 
I" zu fordern (Abchiv IV, 297. 300) und auch in Brigels er- 
en sie ein schönes Geldgeschenk (Baletta S. 232). Hie und 
wird die Abgabe auch in der Form des „Spannens** gefordert, 
;he darin besteht, dass dem Brautzug oder auch dem Braut- 
)r durch eine querüber gespannte Kette der Weg versperrt 

erst nach Entrichtung eines Lösegelds wieder geöffnet wird. 
968 ,,Spannen^ ist eine weit über die Grenzen unseres Landes 
)reitete Sitte und wird im Tirol sogar mit einer Art Volks- 
iz, die sich in satyrischen „Reimen*^ äussert, verbunden. ^^) 
Kanton Neuenburg wird die an die Knabenschaft zu ent- 
tende Abgabe geradezu „barrure^ genannt, obschon das 
annen*' selbst dort längst verschwunden ist.^^) Dass übrigens diese 
dforderungen zu eigentlichen Erpressungen ausarten konnten, 
;en ältere Berichte dieses selben Kantons: „A Dombresson, 
3oci6t6 des gar^ons exigea d'une fille Fallet, riche de 22,000 
3, un louis d*or par 1000 äcus (509 Fr.), somme qui fut pay^e 
r ^viter un charivari et le cortfege d'horreurs qui en 6tait la 
ipagne ins6parable." „ A Villiers, les gargons tax^rent une fille 
oe somme tellement forte qu'elle refusa de la livrer ; mais 
epoux, cruellement punis, furent lobjet des plus horribles 
ations; ils durent en passer par des charivaris sans fin; on 

meme jusqu^ä infester leurs terres en y semant tout esp^ces 

♦^^ Zkitbchb. f. österr. Volkskunde HI, 326. — ♦«; MusfeKNeuchätelois XXVII, 



98 KnabeDBchaften und VolksjuBtiz in der Schweiz. 

d'herbes nuisibles et malfaisantes qui caus&rent un immense dorn- 
mage.^ ^^) Anderwärts sanken diese ehemaligen Abgaben an die 
Knabenscbaft zu einem Ehrengeschenk an das Schulgnt oder an 
Vereine herab.*®) Ausser Geld wird auch etwa Wein gespendet**), 
oder es findet überhaupt eine Bewirtung statt.*^) 

Besonders aber wird von ausheimischen Brautwerbern 
Tribut gefordert. Die Tomilser Gesellschaft bestimmt für einen 
fremden Eilter eine Abgabe von 12 Mass Wein oder einen 
„Philipp **, für einen Hochzeiter 7 Gulden oder 55 Mass Wein.*') 
Auch die Glarner „Ledigen'^ erheben schon von dem Kilter 
ein „ Gassengeld ^^^), gewisse Zürchergemeinden die ^Hauss'' oder 
den „HeiseP^^) oder das „ Passiergeld ^ **). Die „Soci6t6 des 
gar^ons^ von M... (?) im Eanton Waadt setzt Folgendes fest: 
^Nous ordonnons que tout ^tranger qui Youdra prendre femme 
en Mariage en notre Yillage soit entendu k nous payer et ce 
promptement pour ayoir gard4 sa dite ^pouse assavoir deux 
pistolles en or ou la valeur en argent.'^ Die Braut dagegen 
hat zu liefern: einen Golddukaten, einen „s^tier" (ca. 77s Liter) 
Wein, einen Ofen voll (^fonrn^e**) Brot und genügend Fleisch 
„pour accompagner et manger raisonnablement le dit pain^/^) 
In Obersaxen (Graubünden) wird die Geldabgabe des fremden 
Hochzeiters, welche zwischen 10 und 80 Franken schwankt, 
„Schall wein* genannt, was entweder auf eine frühere Weinabgabe 
oder doch wenigstens auf eine Geldspende zum Zwecke des Yer- 
trinkens hinweist. ^^) Und so Hesse sich diese gäng und gäbe 
Sitte noch weiter verfolgen, ohne dass wesentliche Abweichungen 
zu verzeichnen wären. ^^) Besonders beachtenswert aber ist ein 
früher im Bündner Oberland geübter Brauch: „Heiratete ein 

•^'} M[ .SEE Neuchatelois XXVII, 214. — ♦») s. Scew. Id. 11, 55 (Hochzit-Gab.). — 
♦5) „Hofiervvein" in Davos (Buhler, Daves I, 277), „Brutspini'* im Toggenburg, 
„Letzi" im Einnienthal (Schw. Id. III, 1561). — ^<') Berner Albdm 1858 S. 73 
(zum Dank für das Hochzeitschiesson) ; vgl. auch Schw. Id. I, 494 (Nacht- 
Crtej; III, 1561 (Lotzi 4). — ^^) Archiv I, 146. — ") Abchiv IV, 297. — 
^3) Scnw. Id. II, 1679 (2^). 1682 (2). - s*) Ebd. 258. — ") Conteür vaudois, 
6 oct. 1900. — '^) V. BChlek, Davoa IV, 38. 103. — ^7) Vgl. Schw. Id. U, 
1679 fg. (Haus 2% mit weitern Synonymen); II, 260 (Brut-Geld); III, 1440 
(8tumi)e-Lösig 2); J. Salzceber's Erinnerungen hrg. v. F. Pieth. Progr. d. 
Bündn. Kantonsseliule. Chur 1902 S. 27 ff. — Etwas Anderes sind natürlich 
die Abgaben, welche die ausheimische Braut nach gesetzlicher Vorschrift an 
die Gemeinde des Bräutigams zu entrichten hat. (Vgl. hiezu namentlich H. 
JrcKER, Einzugs-, Braut- und Beehergeld im Kanton Zürich; in: „Die Sonn- 
tagspost" [WinterthurJ 1901 Nr. 9. 10. 11). 



KnabeDSchaflen und VolksjuBtiz in der Schweiz. 99 

Idchen ans dem Dorfe in ein anderes, so spannten die Knaben 
i Tage der Abreise eine Kette über die Strasse und stellten 
neben einen Tisch mit Brot, Käse und Wein. Erschien dann 
r fremde Bräutigam, so hielt man ihm eine Anrede, worin er 
ichuldigt wurde, dass er dem Dorfe die schönste Rose entreisse, 
3h möge er nun freundschaftlich von dem Weine kosten. Dies 
icbah ; er legte ein schönes Trinkgeld auf den Teller, und der 
äutigam wurde mit einem Strausse geziert.^ ^^) 

Von ausländischen Parallelen mögen nur die aus dem Distrikt 
imay (Belgien) angeführt sein. Dort wird von dem ausheimi- 
len Werber eine Summe von 50—100 Franken an die „ Jeunesse^ 
sahlt, welche ,,pi^ce^ oder auch, auf eine frühere Yiktualabgabe 
ideutend, „pät^'' genannt wird.^^) 

Dass auch bei Witwerheiraten und bei Wiedervereinig- 
g Entzweiter Weinspenden flössen, zeigen uns die Tomilser 
ituten. «^ 

Eine Einnahmequelle ganz anderer Art sind die Gelder, 
w. die Weinlieferungen , durch die man sich in die Knaben- 
aft einkaufte. Zehn Thaler und mehr sind es in Zug, 2 Batzen 
Bern, 3—5 Franken im Taminathal^*), 4 — 20 Batzen im Kanton 
aenburg^*) ; an Wein verlangt die Tomilser Gesellschaft 3 Mass^'). 

Gelegentlich greift man etwa auch, bei schlecht gefüllter 
sse, zu weniger legalen Mitteln: man bettelt herum, wie im 
ninatal^^), oder man heischt sein „ Stütz weingeld*^ von beliebigen 
isanten, wie im alten Chur^^). Von den Strafabgaben weiter 
en. 

(Fortsetzung folgt.) 



M) H. Herzoo S. 305. — *») Wallosia IX, 221. In aermont (Belgien) 
Ät die Weinspende ,,Valtonage", s. Wallonia XI, 239. — *') Archiv I, 146. 
*') Archiv VII, 147. — ") MrsfeK Neuchatelois XXVII, 210. - ") Archiv I, 
►. — Vgl. hiezu noch Schw. Id. II, 1679 (Hauss 2») und A. Birlinger, Aus 
iwaben II, 47. — «♦) Archiv VII, 154. — «*) Vgl. die Stelle in der Prokla- 
•tion des Kleinen Rats vom 28. August 1813: ^Zu solchen Ausartungen 
hören vorzüglich die Ansprüche auf Stütz- oder Hochzeitweine, wenn Rei- 
ode dieserhalb angehalten, oder solche Gaben auch von andern Persohnen 
•f ungestüme Art gefordert oder erpresst werden sollen" (Der Freie Rätier 
HX) Nr. 133). 



100 



Der Volkstanz im Appenzellerlande. 

Von Alfred Tobler in Wolfhalden. 
(Portsetzung.) 

Wir lassen nun eine Anzahl beliebter Appenzeller Tänze 
in der üblichen Instrumentation folgen. 

Appenzeller Tänze, 

wie sie von den Musikanten mit einer Violine, einem Hackbrette 

und einem Basse gespielt werden. 

Nr. 1. 

Schottisch. Aufifcsetzt von Ferd. Hub er, 8t. Gallen (1791—1863). 



Violine. 
Violoii. 

Hack- 
brett. 
Tym- 
pauoii. 

Ba»s. 
Ba»»e. 



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her VolkstaDZ im AppeDzellerlande. 
Nr. 2. 



Violine. 
Violon. 



Schottisch • Aufgesetzt ron Ferd. Uuber, St. Gallen (1791— 196S). 






Hackbrett. 
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Der Volkstanz im Appenzellerlande. 



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In: Sammlung von Schweizer-Kühreihen und Volksliedern. Vierte, 
vermehrte und verbesserte Ausgabe. Bern bei J. J. Burgdorfer, Buch- und 
Kunsthändler. 1826. 

Diese zwei Tänze sind daselbst Nr. 73 und 74. 

In der Vorrede heisst es Seite II unter Anderem : Notre compositeur 
^erd. Huber) n'a pas entendu sans surprise les deux Dauses appen- 
zell o i s e s , ins^röes dans notre recueil, qui ont ^tä jou^es en sa pr^sence 
0ar le tympanon (Hackbrett). 



Ländlerli; Wälserli, Buuchryberli. 



I. 



Viol I. 
Viol.U. 



Hack- 

brett. 



CeUo. 
fiass. 






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Von Anfang, 



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I>er Volkstanz im AppenzellerlaDde. 

Schluss jedes Appenzeller Walzers. 



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106 



Der Volkstanz im Appenzellerlande. 



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