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Schweizerisches Idiotikon. 



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Wörterbuch der schweizerdeatschen Sprache 



Vierter Band. 



Hiiber & Co. Buchdruckerei, Frauenfeld. 



Schweizerisches Idiotikon. 



Wörterbnch der schweizerdentschen Sprache 

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Gesammelt auf Veranstaltung 

der 

Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 

unter Beihülfe 

aus allen Kreisen des Schweizervolkes. 

HennuegelKi mit Diterstlltnuis des Budes md der Kantoie. 

Begonnen 
von 

Friedrich Staub und Ludwig Tobler. 



Vierter Band. 



Bearbeitet 
von 

A. Bachmann, 

R. Schoch, H. Bmppacher, E. Schwyzer, 

E. Hoffmann -Krayer. 






Franenfeld. 

Verlag von J. lluhor. 
1901. 



M-. 



Ma, me, mi, mo, mn. 

ma, tno: aber GrAv., Saas. - Aus dem Rom. 

Mai(e"): 1. (vorwiegend mit zweisilbiger Form) 
Name des Monats. Seine Bedeutung für das Wachs- 
tum in Feld und Flur spricht sich in zahlreichen 
Bauernregeln aus. Maie* chüel und Brächmonet nass 
füllt de* Bure* SpV^'r und Fass, Inbichen. £!• chüde 
Mai bringt Allerlei, bringt Frucht und Heu, bringt 
G'schrei [Jubel]. Schild 1873. S. noch chud Bd in 
214. Mit Bez. auf das Wasser lautet eine Kegel, man 
solle Wasser trinken im Merze* toie-n-e* Lüs, im 
Abrelle* tcie^n-e* Müs, im Maie* bis '« M**m de* lAb 
versprengt oder ''ass Lungen und Lebere* {drin umme*) 
schvmmme*^ S; Z; s. noch ChutÜen Bd lU 574. ,Der 
Mai Yoll Wind aller Bauren Lieblingskind.' Ikeichen. 
Sind im M-e* d* Matte* wie-n-e Has [also noch nicht 
grün], so giH *« am este* Gras. Ineiohen; s. noch Gras 
Bd U 792, ferner Aprülen Bd I 364, Imb Bd I 234. 
Bis zum alte* Mai [13. Mai; s. alt Bd I 203] sett 's 
Laub a* *s Schnebelhorn ue, d. h. auf dessen Hohe 
aus den Knospen gebrochen sein Z. Von besonderem 
Einfluss ist der 1. Mai. Wenn 's am 1. Mai rignet, 
bidütet 's e* Heutüri oder e* Heufülli. Schild 1873. 
, Fällt am 1. Mai ein Tau, fällt keiner mehr in diesem 
Monat; fällt ein Reif, so gedeihen die Früchte.' In- 
eichen; Z; vgl. noch Maien-Tau. ,Wenn die Eiche 
vor dem 1. Mai Blätter treibt, so deutet 's auf einen 
fruchtbaren Sommer und ein gutes Weinjahr.* Ineichen. 
,So lange vor 1. Mai das Bucbenlaub erscheint, so 
lange wird vor Jakobi die Ernte eintreten.' ebd. Wenn 
uf der 1. Mai d«** Wald i* 's Laub chunnt, so-n-isch 
es um Jakobi Ernd und s^ Micheli Herbst. Suloer. 
Vgl. noch Mai-Tag. Zuweilen zeigt der Mai noch die 
schroffsten Gegensätze: Bifen und Sehne, (hade*di) 
Bueben im Se, riß Chriesi und blüee*der Wi* ist Alles 
in eim M-e^ g'si* Z; nach Ölhafen 1840, 100 bezieht 
sich der Spruch auf das J. 1644. Im M. sind gewisse 
Pflanzen am heilkräftigsten. ,Für den fallent siechtag 
nimm gamandcr, das ist vergiss nit mjn, chamadris 
genampt, im majen, dann in dem zyt ist es am basten 
und in dem bluost.' Zo Arzneib. 1588. — Auch im 
öffentlichen Leben spielte der Mai eine bedeutsame 
Bolle. In diesem Monat wurde ehedem das eine der 
beiden jährlichen Gerichte abgehalten. ,Geding wird 
gehalten ze mayen und ze herbst, so man nüwen und 
alten wyn trinkt.' 1434, BsBubend. (Burckh., Dingh.). 
S. noch Herbst (Bd II 1593); Gr. WB. VI 1470 und 
RA. 822; Bluntschli, RG. 1« 212. Im M. fanden Ge- 
meindeversammlungen statt zur Neuwahl der Be- 
hörden; s. z. B. Strickler, Horgen, 195 und Maien- 
Gemeind. In Z wurden die Amtsleute von dem Ob- 
mann der gemeinen Ämter auf ihre Ämter aufgeführt. 

Schweiz. Idiotikon. lY. 



vMoos. Am 1. Maisonntag wurde von den Kanzeln der 
Stadt das ,grosse Mandat' verlesen, ebd. Mit solchen 
öffentlichen Anlässen verbanden sich häufig festliche 
Veranstaltungen. In ZHorgen war unentgeltliche Be- 
wirtung der Gemeindegenossen üblich, oder die Ge- 
meinde legte wenigstens so viel zu als die Teilnehmer 
selbst. Einen Teil der Festfreude bildete die Setzung 
eines neuen ,Maien*, die sich alljährlich wiederholte; 
die dabei beteiligten Personen wurden bewirtet und 
oft daneben auch Arme mit reichen Gaben bedacht 
Strickl. 210. In AiL. hielt zu Anfang des XVIII. die 
ganze Bürgerschaft nach geschehener Ämterbesetzung 
auf dem Rathaus ein Mahl, zu dem der Rat Wein und 
Brot lieferte und die Edelleute der Umgegend als 
Gäste geladen wurden; früher tafelte man schon am 
Vorabend, dann am Morgen des Haupttages und wieder 
am Nachtag. LTobler, Gemeindefeste 21. Im XVII. 
pflegten an der jährlichen Landsgemeinde (1. Sonntag 
im Mai) die Ratsherren des äussern Amtes von Zg an 
der Spitze ihrer Gemeindeangehörigen zu Pferd mit 
Trommeln und Pfeifen in die Stadt auf das Rathaus 
zu ziehen. Die Ratsherren erschienen im Amtskostüm, 
mit Blumensträussen auf der Brust, die Bürger mit 
Degen oder Wehr an der Seite. Auch sonst erweist 
sich der Mai als Wecker festlicher Lust und heitern 
Volksbrauches. Am Vorabend des Maitages läuten die 
ledigen Burschen in GSa. udE. unter Teilnahme von 
Jung und Alt de* Maie* i*he*. Nachher spielen sie 
den jungen Mädchen des Dorfes einen Schabernack, 
sei es, dass sie sitzengebliebenen ,Narren-Äste' (s. Bd I 
574) vors Fenster hängen, sei es, dass sie spröden oder 
allzu heiratslustigen Schönen Strohmänner und andere 
verfängliche Gegenstände vors Haus oder aufs Dach 
pflanzen. Senn 1871. Ein ähnlicher Brauch wird in 
L und S geübt, nur dass hier das freundlichere Gegen- 
stück nicht fehlt, die Ehrung angesehener oder geliebter 
Mädchen durch das sog. Maien-Stecken (s. unter 4). 
Die Sitte des ,Maisingens* (de* Maie* singe*) war früher 
besonders in B und F heimisch: am 1. Mai und den 
darauf folgenden Tagen zogen arme Mädchen, so gut 
als möglich herausgeputzt, einen grünen, mit bunten 
Bändern und ausgeblasenen Eiern geschmückten Tan- 
nenbusch in der Hand, von Haus zu Haus und sangen 
ein Mailiedchen. Das bekannteste begann mit den 
Worten: ,Der Maien ist kommen, und das ist wahr; 
es gruenet jetz Alles i" Laub un^ i" Gras.* (Ein W 
Lied hob an: ,Der Mejo chunnt trochu, der Mejo 
chunnt nass : er bringt uns Allen vil Laub und Gras') ; 
vgl. noch und Bd I 320. Hatte man ihnen eine Gabe 
(namentlich Eier) gespendet, so giengen sie weiter, in 
F, indem sie mit veränderter Stimme sangen: lez 
heit-er-is g'gi*, und das ist war; vergclt 's Gott und 
gib-ech im Himmel der Lön! Vgl. JRWyss 1826, (39. 
90; B Hist. Kai. 1844 und Mai-Lied, Mareidi. In 



Mftf ine, mi, mo, mu 



ScH wurde der 1. Mai bes. von der Schuljugend bis 
1827 als Freudenfest gefeiert; s. Sch Wegweiser 1842, 
66. In ZWülflingen richtete die Knabenschaft noch in 
neuerer Zeit am 1. Maisonntag den sog. Freiheitsbaum 
auf, angeblich zur Erinnerung an den Loskauf der 
Gemeinde von der dortigen Herrschaft. LTobler, Ge- 
meindefeste 7. Am selben Tage wird das Bruderloch 
bei TuHagenweil aus den umliegenden Dörfern be- 
sucht, woran sich allerlei Lustbarkeit knüpft. Z Anz. 
1877, 772. Das Maifest in FKerzers schildert der 
Schweizerbote 1822, 155 f.: Am 1. Sonntag im Mai 
werden im nahen Murten zwei Fuder Wein geholt. 
Ein Jüngling in Murtener Festtracht, rotem Wams, 
faltenreichen ,Busclihosen* und kleinem, .mit weissen 
Bändern und Federn geziertem schwarzen Hütchen, 
lenkt die Pferde, ein Hanswurst und ein Wunder- 
doktor reiten nebenher. In festlichem Zuge kommt 
ihnen die Jugend von Kerzers entgegen. Die Mädchen 
schmücken den Wagen, auf dem ein von Blumen um- 
gebener Weingott tront, mit Blumenkränzen; 19 Paare 
kräftiger Jünglinge spannen sich davor und ziehen 
ihn an blumengeschmückten Seilen ins Dorf. Vgl. die 
Gebräuche der rom. Schweiz bei Osenbr. 1876, V 136 AT.; 
T Gem. 253. S. noch Uf-Fart (Bd I 1029); Maien-Zug 
und Rochh. 1857, 490. 493. Obergehend in den räum- 
lichen Begriff der im Maienschmuck prangenden Land- 
schaft oder den abstr. der Mailust: I" Maie* gü; einen 
Frühlingsbesuch bei den Bauern auf den Berggütern 
machen, wobei man sich mit Milch und Rahm be- 
wirten lässt Gl. ,Mir hat mein schöns Lieb zuegeseit, 
er well mit mir in Meyen.* 1669, S Meyenlied. ,Geh 
mit mir in den Mejen, eh dann der Bluest verreist 
[abfällt].* ebd. Vgl. «• '« Bluest fare», — 2. (Maie^) 
junges Grün, frische Weide Ap. »Mit Zurückweichen 
des Schnees finden die Ziegen immer Jf.* — 3. (Maji, 
,Afa»- n.) = Vor-Älp (Bd I 195) W. Syn. M.-Birg, 
Vor-, Maien-Sdss. ,Maien heissen im OW die Güter der 
Mittelhöhen.' Imobersteg. ,Mayen oder Maiensäss-Yor- 
alp.' RöDiGER 1881. — 4. (Maie* m.) junge, hohe Tanne 
mit entästetem (gew. auch geschältem) Stamm und 
büschelförmigem grünen Wipfel, der mit Kränzen, 
Bändern udgl. geschmückt ist; Syn. MaifenJ-Baum. 
Ein solcher 3f. wird »gesteckt* (auch »gestellt* S) 
a) als Ehrung, welche jungen (reichen L um Berom.) 
Mädchen durch ihre Burschen (bes. Bräuten durch 
Freunde des Bräutigams AaF.) zu Teil wird, indem 
sie ihnen in der Nacht auf den 1. Mai einen Jf. (in 
F eine Stange mit daran befestigtem Kranze) vor oder 
aufs Haus pflanzen AaF. f; B; F; L; S. Ein Lied, 
das dabei gesungen wurde, verzeichnet Häfl. 1813, 35. 
In LE. pflogen die Eltern des Mädchens, die sich ge- 
ehrt fühlen, da die Huldigung nur Mädchen von tadel- 
losem Rufe bereitet wird, die Burschen nach voll- 
brachtem Werke zu bewirten, wobei die Tochter auf- 
wartet. HHerzog 1884, 241. — b) auch bei Hochzeiten, 
Namensfesten usw. zu Ehren der Festfeiernden Aa; B; 
L; ScHW; Zo. — c) neugewählten Beamten (Friedens- 
richtern, Notaren, Gemeindeammännern usw.), wobei 
der M, oft jahrelang vor dem Hause des Gefeierten 
stehen bleibt Th. In Qbw wurde ehedem jedem neuen 
Ratsherrn ein M. gesteckt und er spendete dafür einen 
Trunk. Trotz mehrfachen Verbotes erhielt sich die Sitte 
bis in den Anfang unsers Jhts. Obw Volksfrd. Auch in 
U scheint sie bestanden zu haben, wie ans folgendem 
Verbote hervorgeht: ,Wann dann alle ungewohnte 



Gasteryen abgestellt und aber etwan unverschampte 
Personen sich understanden, solch mit Meyenstöcken 
wider aufzuebringen. Dem verzukommen ist derglychen 
Meyenstöcken gänzlich verboten bei vorgestellter 
Buess.* 1628, U. Lt Sprww. 1824, 100 .war bis auf 
die neuern Zeiten in mehreren Schweiz. Kantonen die 
Gewohnheit, den Magistratspers.onen, mit deren Amts- 
führung das Volk zufrieden war, M. zu stecken.* ,Wenn 
in S ein neuer Schultheiss von der Bürgerschaft er- 
wählt worden, zog dieselbe am folgenden Maitag be- 
waffnet vor dessen Haus und steckte zur Bezeugung 
ihrer Freude einen Maien- oder Tannenbaum davor 
auf. Der Schützenhauptmann drückte in ihrem Namen 
die Glückwünsche aus und bot dem Neugewählten 
einen Blumenstrauss dar. Musik und Kanonendonner 
fehlten nicht. Auf diese Gelegenheit wurden zuweilen 
auch Lieder gedichtet, in denen der Held der Fest- 
lichkeit besungen ward.« XVIII. (S Kai. 1858). Vgl. 
Absch. IV 1 e 37. — d) am Maitag solchen Wirten, 
die im ersten Jahr ihres Berufes sich die Gunst der 
Besucher erworben haben L. In AALeer.; S pflanzt 
man solche beim Einzug eines neuen Wirtes oder bei 
der Eröffnung neuer Wirtshäuser. Ein solcher M, 
gilt als das Zeichen einer Weinschenke Bs. ,Ein jeder, 
so allhie wyn schenkt, sobald er uf hört schenken und 
die meigen hinweg tuet.' 1569, Z Weinumgeldordn. 
,Dass hinfüro dheiner dheinen wyn mer vom zapfen 
hingeben, verkoufen noch verschenken solle, er habe 
in dann zuevor durch den verordneten und geschwornen 
wynrüefer öffentlich wie brüchig rüefen und die mei- 
gen ufstecken lassen.* ebd. ,Aufgesteckte Meyen vor 
einem Haus sind ein Zeichen, dass in disem Haus 
sei feiler Wein.* FWyss 1653. ,Der Wynrüefer soll 
[dem Wirte, der das üngeld nicht zahlt] die Meyen 
weg nemen und Solchen kein Wyn mehr g'rüeft nach 
Meyen gesteckt werden, bis dass das alte Ungelt be- 
zalt ist.* 1666, Z Staatsarch. ,Infolge des Neubaues 
hängte die Gemeinde am Gesellenhaus [1G81] eine Ta- 
verne aus; bisher hatte man sich mit einem Maien 
begnügt.* Strickl., Horgen. — e) auf den First im 
Rohbau vollendeter Häuser, zum Zeichen des festlichen 
Ereignisses S; Th; Z; s. First-M. Sie werden mit 
Taschentüchern behängt, auf deren eines Jeder, der 
am Hause mitgearbeitet, Anspruch hat. ,Nicht einmal 
der Meyen, der doch bei der mindesten Ufrichtig oben 
auf der First aufgesteckt wird, war bei der Hand.* 
AHartm. 1852. ,Coronis, Meyen auf einem neuen Ge- 
bäu.* Denzl. 1677; 1716. — Daher Ei*'m en M. stecke* 
in bildl. S. 1) Einem Ehre antun, Freundlichkeit be- 
weisen B; Z. — *2) Einen rühmen, empfehlen ßs; S. 
Auch mit S.-Obj., Etw. fördern. ,Es würde die hier- 
seitige Regierung ebenfalls nicht ermangeln, dem 
Unternehmen durch eine kleine Subvention einen M. 
zu stecken, wenn sie darüber behelliget wäre, zu was 
Ende die Geldbeiträge der Kantone verwendet werden 
sollen.* Schweiz. Lehrbrz. 1863 (S). Doch meist in 
iron. S. oder verneint 1) Einem nicht grün sein. Un- 
günstiges, Schlimmes über ihn aussagen, über ihn 
losziehen, ihm Eins anhängen Bs; Gl; L; GG.; S; Z. 
,Er steckt mir keinen M.*, ist mir nicht günstig ge- 
sinnt. HospiN. 1683. ,Er wird ihm keinen M. stecken, 
in offensa est apud ipsum.* Met., Hort. 1692. (Auch: 
Eim de* M, stj Jmdm einen tüchtigen Denkzettel 
geben Zu. . ,l)em werde er einmal einen M. stecken, 
marmelte er für sich hin, an welchem der Hallunke 



Ma, me, mi, rno, mu 



6 



sich z' tod schmecken könne/ Stutz. — 2) Einen 
mit Worten scharf hernehmen AALeer. ; GbObat. — 
3) M Einem das Auge blau schlagen L;" Z. TTemwie" 
[wenn man] Eine* nit mag (Eivi nid will L; Sprww. 
1824, Eim nit hold ist AaSL; B), so steckt -men im 
kei* M., lobt, verteidigt man ihn nicht AaSt., Wohl.; 
Ap; B; L; GG.; ScH; S; Th; Z. Nach dem-men Eim 
tcHl, steckt men im c" Jf. oder e" Bese'stil L (Ineichen). 
«Das bekannte Spruch wort, welches sagt: Wenn man 
Einem nicht hold ist, so steckt man ihm keinen M.* 
ScBOBiNG. 1695. ,Er hat sich da keinen M. geholt', hat 
sich blamiert TnSchönholzersw. — Waldbänme fibh. 
werden nnter diesem Namen zum Schmucke oder sym- 
bolisch verwendet. So werden M. alljährlich im Mai 
zu den Brunnen gepflanzt Sch (Kirchh.). Am Tage 
des Bannrittes prangte der Kornmarktbrunnen in BsSt. 
mit einem M. oder Maienbanm, einer Tanne oder Linde. 
Bs XIV. An hohen Festtagen wurde der Kreuzgang 
beim Frauenmünster in ZStdt mit M. aus dem Burg- 
hölzli geziert. Als dieses i. J. 1500 an die Gemeinde 
Riesbach übergieng, behielt sich die Abtei als ewiges 
Recht vor, durch ihren Sigrist fünf M. auf ihre Kirch- 
weih und fünf auf das Fronleichnamsfest hauen zu 
lassen. Yöo.-Nfisch. Lt Schild 1889, 77 zierte der 
glückliche Entdecker einer Grube von Hubertuserde 
das erste Fuder, das er heimfuhr, mit einem M., d. i. 
einem Tännchen. — ,M. hauen', lt Rochb. 1857, 507 ein 
Kinderfest, das früher am 1. Mai stattfand, jetzt nur 
noch selten und z. T. auf andere Tage verlegt ist. 
Die Jugend holt ein Bäumchen aus dem Walde, be- 
hängt es mit Blumen und Bändern und bringt es in 
festlichem Zuge ins Dorf, wo es aufgerichtet wird. 
Das Fällen von ,M.* war übh. vor Alters erlaubt. ,Ein 
jeder dorfmann, den es lustot, man [1. mag] ein meyen 
gewinnen in dem selben baan, zu der zyt, so man 
ge wonlich gewinnet meyen.* 1382, U. Später wurde 
es verboten oder doch eingeschränkt. ,[Bcstraft sollen 
werden] die in unseren Banhölzeren M., Wynschenken- 
oder ander derglychen Tänline hauwend.* B Gerichts- 
satz. 1615. ,1659 wurde durch den Gross weibel in der 
Kirche zu ZWthur verboten, dass die jungen Knaben 
am Maitag weder Rot- noch Weissdändli in M. hauen 
sollen, als ein schädlich und unnütz Ding.* Troll. ,Auf 
das schädliche Maienhäuen Acht haben.* Schweizer- 
BOTENKAL. 1806 (Forsterregcl für den Mai). ,Das Maien- 
hauen zu blossen Verzierungen darf nur unter Auf- 
sicht des Forstbeamten geschehen.* Aa Forstges. 1860. 
— 5. (Maie* — Dim. Majalti PAl., Maili Btw., sonst 
Maieli — m., in Gl; GaChur auch f.) Blumenstrauss, 
aus frischen oder auch künstlichen Blumen Aa; Ap 
(selten); Bs; B; Gl; Gr; L; PAl; GG., Sa., W., We.; 
Sch (lt St.»»); ScHw; S; Th (selten); UwE.; W; Zg; Z. 
Ich chann at*'* M. mache* und sehöniy g'schmöch'gi. 
ACorrodl Fingerring und M. sind Narre'zei'^e*, 
alter Spruch ÄAWohl. Beim Erntefest in BRüeggisb. 
(1817) wurden den Gästen M. aus Feldblumen über- 
reicht; s. HHerzog 1884, 190. ,Steckt die Gotte an 
der Taufe ein Maieli an den Busen und in die zier- 
lich gefiochtemen Haare ein Kränzlein, so will sie sich 
als ledig zu erkennen geben.* Breitenst. Bes. reich- 
liche Verwendung findet der M, beim Hochzeitsfest; 
s. HöchzU-M. [Braut und Brautjungfer haben] Chränzli 
uff-^'em Chopf und M-en a" dV Brust. Schild 1889. 
,Was kann die Jungfrau mehr erfreuen als an der 
Hochzeit schöne M.V* Bs Ausruf bilder 1749. ,Der mit 



seinem M. auf dem Hute stolzen und festen Schrittes 
cinhergieng und die Erkorne seines Herzens zum 
Traualtar führte.* Breitenst. ,Uli muss noch einen 
M. haben; dann meinen alle Leute, ihr seiet ein 
Hochzeit, rief eine schnippische Jungfrau, riss dem 
Uli den Hut vom Kopf und sprang damit ins Haus. 
Zornig war Vreneli aufgesprungen im Wägeli: Was 
braucht Uli einen M.?* Gotth. Die an der Hochzeit 
teilnehmenden Mädchen nähen den Jünglingen M. auf 
die Hüte. Der Spisli'g [Bräutigam] ferggt ei* Huet 
nach ^em andere* j gi^d-e* de* Maidle*, und die bieze*d 
d' M. uf, . . Bim tlsse* wird ahg^Use*, was für-eme* 
Chndb jedes Maidli de* M. *gän häd. Schwzd. (GaSch.). 
Auch in AABb. wurde früher ,an Hochzeiten ein M. 
auf den Hut gebunden als Zeichen der Gewogenheit.* 
Der Muni muess e* M, ha*, den Gefeierten muss man 
noch besonders kenntlich machen durch äusserlich 
sichtbare Auszeichnung B, scherzend auf einen jungen 
Mann angewendet, dem man bei einer Hochzeit oder 
einem andern Anlass einen Strauss gibt AALeer. (die 
RA. rührt daher, dass dem Stier, der auf die Alp zieht, 
ein M. aufgebunden wird). Dem Pfarrer hemmer [bei 
der Hochzeit] es Maieli und es Fazenetli fgS*, B Dorf- 
kai. 1870. Auch bei der Alpfahrt stecken die jungen 
Mädchen ihren Burschen M. auf die Hüte GRChur. 
S. noch Schwzd. 1 23. [Am Banntag in BsLiest. haben 
die Burschen] M. uf [auf den Hüten], si rissen-e:* d* 
Chappen uf d* SUe^, Schwzd. ^Wenn ein ,Imb stösst*, 
wird ein von der Tochter des Hauses gebundener M, 
an den betr. Bienenkorb geheftet Z; vgl. Freud-M. 
Maien werden auf die Wagenfasser gesteckt, in denen 
neuer Wein geführt wird Z. Wer sein Eigengewächs 
auszuschenken beabsichtigt, befestigt einen M. aus 
Stechpalmen oder einen kleinen Tannbusch neben 
seine Haustüre im Unterschied zu ,Taverne, Schilt* 
und ,Reif* als Zeichen einer bloss temporären Wirt- 
schaft Bs; B; Syn. Bu^ch. Bai^ jedes Hüs steckt jetzt 
e* M. üs. HisT. Kal. 1889. ,Auf diese Gefrist [1635] 
haben die Weinschenken die M. hineingetan und ist 
kein Wein in der ganzen Stadt feil [da keiner ge- 
wachsen war].* Bs Taschenb. 1862, 128. , Tavernen-, 
Maien- und Gassenwirte* unterscheiden Bs Mandd. 
1714/80. Bildl.: En M. uf-^em Huet (uf-^em Chopf. 
Sprww. 1869) hän, stolz, hochmütig sein W. S. Höch- 
muets-M. ,Ein Stück Fleisch oder Brot im Sack ist 
besser als ein M. auf dem Hut*, besser ordentlich ge- 
nährt als Hochmut und Schein GrD. M. als Aus- 
zeichnung, Preis GG. (dim.); Schw; S. D*s Maieli 
derim* träge*, den 1. Preis GG. ünder Alle* d's Maieli 
ha*, der erste von Allen sein. ebd. Du bisch e* gemachte'', 
e* ganzer Ma**, dir kört der M. (uf-^e* Huet), Schild 
1866. Bigopp, da gehört der M. d%* [der Schwyzer- 
kuh], der schönist uf der grosse* G'schaui [Viehschau]. 
Me* füert-di^^ füre*; hoch de* Grind, dass Alls di^^ 
g'säch im grosse* M.l Schwzd. (Schw). — ,5 becher, 
darin man die mayen stellt.* 1550, SchwE. Inv. ,Fas- 
ciculus, ein büschele wolgeschmackter bluomen oder 
ein meyen. Servia, ein meyle von bluomen oder ein 
strauss. In coronamenta reponitur, man setzt 's in die 
kränz und meyen.* Fris.; Mal.; s. noch Gr. WB. VI 
1474. ,Dcr Strauss, Maie, servia, sertum, crista.* Red. 
1662. ,So brechen wir der Blüemlein vil, dir. Lieb, 
zu einem M.* 1669, S Meyenlied. ,Wann wir kämen 
in einen Blumengarten, da gehen wir nicht daraus 
ohn einen M.* FWvsa 1672. ,Es können jungen, unfür- 



Ma, nie, mi, mo, mu 



sichtigen, holden Leuten mit Zaubersachen zubereitete 
Citronen, Pomeranzen, Liebstreusslein oder M., Bisam- 
knöpf und gemeine schöne Äpfel oder Birnen [als 
,Liebgift*] beigebracht werden.* Anhorn 1674. ,Du 
hast doim Buelen ein M. gemacht, du meinst, er hab 's 
in grosser Acht.* Wahrs. 1675. ,Der Hochzeiter und 
die hernachfolgende Hochzeitleute sollen die M. (deren 
überflüssige Köstlichkeit wir hiemit auch verbieten) 
von denen unter der Türen [des Brauthauses] warten- 
den und mit solchen sich verfasst haltenden Töchteren 
und Jungfrauen ohne sonderes Gepräng gleich im Vor- 
übergehen empfahen.* Bs Ref.-Ordn. 1715. ,Fasciculus, 
M., Büschelein Blumen.' Denzl. 1716. ,Herr JHMejer 
eines M. gleich den Himmelsgartcn ziert.' 1717, Tur. 
Sbp. ,Dass den Herren und Knaben gänzlich verboten 
sein solle, bei Hochzeiten und Gevatterschaften die 
Töchteren mit M., Handschuh, Byband und anderen 
dergleichen Fräsenten zu beschenken.* B Luxusmand. 
1728. ,Ein Bräutigam mit dem Hochzeitkleid und M.* 
Herrlib. 1749. Ebenda ,eine ledige Tochter, in die 
Kirch gehend' [mit einem Meien oben im Mieder]. 
,M. und Kränze an den Leichenbegängnissen auf die 
Totenbäum zu tun.* B Kleiderordn. 1767. ,Fredigten 
ordnen und Zusammenbüscheln wie die Braut den M.' 
Schweiz. Mdb. 1793. — Auch (bes. im PL) einzelne 
Blumen Aa; Bs; B; GRGlaris; L; GSa., We.; Sohw; Z. 
Blumenstock Aa; Z; Dim., Blümchen B; GRUVatz; 
UwE.; W. ÄUi grüene* Rainli volle* M. Stutz. ,Die 
Kinder des Mais, die schönen Meieli und sinnigen 
Röschen.* Gotth. Spec. gBl'^e M, = Viöle IJ 5 (Bd 1 634) 
ScH. ,Ein Büscheli Wintermaieli*, Titel eines Buches 
von TeMETER-Merian (Bs). — 6. (Maie^) „Zwickel an 
einem Strumpfe LE.;** Ineichen. — - 7. Bezeichnung 
festlicher Veranstaltungen, a) Schiessen, Schützenfest. 
,Die Schützen in der Eidgenossenschaft haben einen 
Meyen angesehen nach Laut der schriftlichen Ordnung, 
welche jeder Schützenmeister in jedem Orte hat.* 1500, 
Absoh. ,A1s die büchsenschützen in unser eidgnoschaft 
begeren, ein meyen ufzurichten, und das« der jerlich 
von ort zu ort gehalten werden mit abentür und gaben, 
ist angesehen: sölichs diser zitte abzustellen.* 1500, 
ebd. ,Als dann gemein schiessgesellen, yez Zürich uf 
dem schiessen gewesen, an uns 'bracht haben, ein 
künftigen meyen und schiessen in unser eidgnoschaft 
anzusechen, wie sy dann darüber ein Ordnung vorge- 
nommen und gesetzt haben, davon jedem ort ein ab- 
schritt geantwort ist, soll jeder ort heimbringen und 
zu tagen darumb antwurt geben.* 1504, ebd. Die betr. 
Ordnung s. Absch. HI 2, 293 f.; unser Wort begegnet 
darin mehrfach (Nom. Sg. ,Mey*, obl. Gas. ,meyen'). 

— b) eine Art Fischermesse, auch ,der Fischer Maien- 
tag* geheissen, die am Montag nach Himmelfahrtstag 
(so wenigstens 1510 und 1524) stattfand. ,Da die 
Weidleute die Kosten des Meyens tragen müssen, so 
sollen Landleute, Handwerker und Andere, die nicht 
in dem Meyen sind, nur für ihren Hausgebrauch Fische 
kaufen, nicht aber für den Vorkauf; wer dem entgegen 
Vorkauf treiben würde, soll die Kosten des Meyens 
tragen helfen und von seinen Obern dazu verhalten 
werden.* 1546, B Fischerordn. ; die selben Bestimmun- 
gen auch schon in den Ordnungen von 1510 und 1524. 

— c) der Schneider. ,Am St Marxtag 1441 luden die 
Schneider von L diejenigen von BThun zu ihnen auf 
den Sonntag nach dem Auffahrtsfeste zu einem fröh- 
lichen Feste infolge einer auf dem Meyen in Zg ge- 



machten Vereinbarung. Sie meldeten ihnen, dass sie 
einen Wirt gefunden haben, der ihnen um 4 Denar 
weniger als 3 Schilling eine gute Mahlzeit mit ge- 
sottenem und gebratenem Fleisch, mit Fischen, El- 
sässer- und Landwein u. a. m. vorsetzen wolle.* Lie- 
BENAU 1881. — d) der Schustergesellen. ,Wir [die 
Schiedsrichter] haben ouch in disem unserm spruch 
den schuochknechten usgesetzet und vorbehebt, dass 
sy ein«" küng, einen schultheissen und einen weibel und 
ouch iren meyen haben mugen.* 1421, Z Schiedspruch. 

— 8. (Mai, in GlH. -c" — m.) im Mai gebornes Stück 
Vieh, bes. Ochs AaL.; L; Z. Name für Kühe von 
gelblicher Farbe GlH. 

Mhd. meie. Zu 2 vgl. ,Mai* 7 bei Gr. WB. VI 1471. 

— 3 wird, worauf auch das n. Geschlecht deutet, eine Vor- 
kOrzuDg aus Mei(en)-Sä99 sein. — Bei der RA. Eim en M, 
«tecke*, die unter 4 gestellt ist, mag da und dort (wohl in 
Folge von verloren gegangenem Verständnisse derselben) 
Bed. 5 herein spielen; dies zeigt das in Bs; S daneben ge- 
bräuchliche Eim t» Bösdi tt. und die Stelle aus Stutz, wo 
,schmecken* sich eig. nur auf Blumen beziehen kann. Der 
Mangel an Kenntniss vormaliger Landesverhältnisse macht 
die Entscheidung schwierig, ob das in zwei auf eicander 
folgenden Paragraphen des UwE. Talbuches von 1529 vor- 
kommende W. (,0b einer mit sym muetwillen eim bidermann 
um syn hus bi nacht und bi nSbel lOffe und eim das syn 
wellte geschänden oder losen vor seinen fcnstern oder die 
meyen abhawen.^ , Welcher ein meyen abhawot oder den 
dolden.') in ein und dem selben Sinne zu verstehen sei und 
in welchem. — Zu 6. „Der Ähnlichkeit mit einem Blumen- 
strauss wegen." — 7a scheint den Namen eher als vom 
Monat, in dem das Fest abgehalten wurde, von einem wirk- 
lichen ,Meien' (i. S. v. 4) zu haben, der auf dem Schiess- 
platz aufgerichtet wurde (vgl. die Wendung ,einen meyen 
ufrichten' = ein Schiessen veranstalten) und den man violl. 
mit Preisen behieng. Eine ähnliche Erklärung geht auch 
far 7 b — c an, da , Meien* bei diesen Mai-Festen wohl stets 
verwendet wurden; doch kOnnen auch einfache Übertragungen 
des Monatsnamens oder KOrzungen aus ,Meien-Tag* vorliegen. 

— Zu 8 vgl. den Kuhnamen Men, beide Namensfornien 
wegen ihrer Einsilbigkeit gegenüber den betr. Monatsnamen 
beachtenswert. 

Oster-Mai(e"): Busch- Windröschen, anem. nem. 
AASiglist., Wett. Syn. Gugger-Blnem, — Die Pflanze 
bifiht zur Osterzoit. 

Für- = Johannis-Chrüt 1 (B.l III 896) SG., NA. 

Farb- = F.-CÄröe 1 (Bd III 890) SG., NA. 

First- = Maim 4 e GW. ,F. mit Bändern.* 

Fleisch-: Kukuks-Lichtnelke, lychn. flos cucc. 
AaB., Widen; LHorw. Syn. FL-Blüemli, - Benannt 
nach der fleischroten Farbe der BIfitenblätter. 

F r e n d - : 1. grosser, auf leichtem Holzgestell künst- 
lich geordneter Strauss von möglichst seltenen Blumen, 
den das festlich geputzte Dienstmädchen (s. Freud- 
MaitliJ trug, wenn es im* Auftrag der Herrschaft Ver- 
wandten und Freunden die Geburt eines Kindes an- 
zeigte ScH; ZStdt, Wint. t Am Strausse hieng ein 
rotes Seidenband, wenn das Neugeborne ein Knabe, 
ein weisses, wenn es ein Mädchen war (GFinsler 1884, 
231); nach Soh Wegweiser 1842, (57 deutete man das 
männl. Geschlecht des Neugebornen durch grössern 
Umfang des Fr. an. Die Sitte kam im XVIIl. auf 
(s. Troll IV 136) und in den 60er Jahren des XIX. 
wiederab. S. noch Alpcnr. 1869, 110/11. — 2.= 2<\rs^Jf. 
JRWaser 1829, 37. — Zu 1 vgl. Freud 2a(Bd\ 1274). 

Güggel-: 1. hohler Lerchensporn, coryd. cava Aa 
Ki., Reckingen. Vgl. Guli 4 a (Bd II 221). — 2. Wiesen- 
salbei, salv. prat. AAReckingen. — 3. Klatsch-Mohn, 



Ma, nie, mi, mo, mu 



10 



papav. Rhoeas AAHohonthengen. - Zu 3. Die rötlichen 
BIQten werden mit einem Hahueukamui verglichen; vgl. 
(j üggel'Cha mben . 

G u g g i c h - = Fleisch'M, A ABb. 

«Weil Bich der Schaum der Eintagsfliege oft au der Pflanze 
findet, sagt das Volk, der Kukuk habe drauf gespien'; vgl. 
Gmjifer-CkiU Bd II 506, -Speux. 

Geis8(e")-: \. = Oater-M. LSurs., Willis. Syn. 
Geissen-Nägeli. — 2. (gew. Dim.) Masslieb, bell, per- 
eun. AAÜEhr., Fisib., KL; Gl. — 3. weisse Wacher- 
blume, chrjs. leuc. AABöbikon, Siglist. - Zu 2 und 3 
Syn. Oänse-OeiKH Bd II 373. 

Lieb-Herr-Gotts-: Knabenkraut, orch. raasc. 
AAKi. Syn. Herr- Gotts- Fleisch - und -Bluet, Frauen- 
Trähen. 

Heb- = First'M. »Stecket frisch H. auf auf euren 
Dachgestellen.* XVIIL, Bs Loblie.l der Zimnierleute. 

Heide" Heüe*-: Alpenrose, rbod. rubr. und hirs. 
Gr ObS. Vgl. Eeid II 2 b (Bd II 989). 

Hüener- = dem Vor. WGrächen. Syn. H.-Bluem. 

Nach LQtolf, Sagen 376 wegen der Ähnlichkeit mit dem 
Hflhuerkamm oder der Hühncrhant so benannt, nach Andern 
al» Schlupfwinkel der Schneehühner. 

Herbst-: Herbstzeitlose, colch. aut. AAWürenl. 

Wirts-Hüs- = itfaic« 4 d S. ,Mit Spitzen und 
Bändern ausstaffiert wie ein W.* AHaktm., Lirenhannes. 

Hetzgi-, auch Hexgi- = Güggel-M. 2 GG. 

Sant Johann(i)8-, Sant Johannsch- GrL.: 1. = 
Heiden-M. GrL.; WZerm. — 2. = Geissen-M. 3 LSurs., 
Willis. Syn. Sant Johanns-Bluem. 

Chüechli-: ein bei Anlass der Fastnachtsküchlein 
aus gleichem Teige erstelltes Gebäck, aus einem langen 
Kiemen bestehend, dessen einer Rand gekräuselt wird, 
so dass das Ganze, nachdem es um die Spitze eines 
Stäbchens gewunden und in Butter gebacken ist, das 
Aussehen einer Blume gewinnt; es wird den Kindern 
geschenkt ZHombr. S. noch Siehd-Lösi (Bd 111 1444); 
Chriesi-, Erdher-M. 

Chüentschge»-: l, = Lieb-Herr-GottS'M. AAHet- 
tenschw. — 2. gem. Ragwurz, orch. mor. AAVViden. 

Chürbe»-: Blüte der Kürbispflanze AAEhr. 

Sant- Katarine"-: kriechender Günsel, aj. rept. 
GSa. — Die h. Katharina gehöct unter die 14 Nothelfer; 
dem Kraut wurde Heilkraft zugeschrieben. 

Chetten e»- = Chetten3 (Bd III 564) AABb., Widen ; 
Z Bachs. 

Chle-: Blüte des Wiesenklees, trif. prat. AAKi. 

Ch T &} e^ - = Hetzgi' M. Aa (Mühlberg). 

Chriesi- = Chr.-Chloben (Bdlll 620) GnChur, Pr.; 
GRh., W.; Z. 

Letzi-: Blume nstrauss, den Badegäste zu AaB. 
beim Abschied erhielten. ,Für 2 L. 4 Schilling* ver- 
zeichnet 1736 Pfarrer JRBurkhard in Niederweningen 
unter den Kurausgaben [wobei unter den 4 Schillingen 
doch wohl das Trinkgeld zu verstehen ist, das dem 
Überbringer der L. gespendet wurde]. Vgl. Bader-M. 

Chlei°-Maränd-3/ayi: l. = Chäsli-Chrüt 4 (Bd 
III 897) GnPr. — 2. = Herbst-M, ebd. 

Die Wnrzelknollen ron 1 (Chäili) werden dann und wann 
von Kindern gegessen. Auf 2 ist der Name übertragen wegen 
der Ähnlichkeit der beiden Pflanzen. 

Hoch- Muets- Maie": eig. wohl Strauss, den sich 
ein Bursche auf den Hut steckt, um sich ein hochmütiges, 
herausforderndes Aussehen zu geben; s. Maien 5. Bildl. 
Der H, rlset ab [entblättert sich]. Bruhin 1885. 



Fas-Nacht-: Blumenstrauss, der dem an der 
Fastnacht zuerst auf dem Tanzboden erscheinenden 
Paare überreicht wurde S (Schild 1860, 36). 

Brenn-Nessle"- = G^flr5rc/-ilf.^ AAWürenl. — Die 
niätter fühlen sich rauh an, ähnlich denen der Brennessel. 

Bader-: Blumenstrauss, den man Kurgästen in 
AaB. ,ins Bad verehrte.* Einen solchen erhielt z. B. 
1665 der Z Bürgermeister Waser. DHess, Badenf. In 
verallg. Bed. jedes Geschenk, das man Badener Kur- 
gästen machte; so auch 1663 von einer langen, ge- 
lehrten Abhandlung über die Folgen der Trunksucht, 
ebd. S. noch ,das Brot' S. 108. 

Erd-Ber Epperi-: ähnlich dem Chriesi-M., nur 
dass statt Kirschen Erdbeeren am Stabe befestigt 
werden Z. Eine Abb. s. Z Neuj. Mus. 1777. 

Blau-: 1. kleines Singrün, vinca min. GSa, — 
2. dim., wohlriechendes Veilchen, viola odor. ebd. 

UiS' Maieli = Geissen-M. 2 GrD. 

Ross-Maie"= Hüener-M, GrS. 

Ratte"-: blaue Kornblume, cent. cyan. W. 

Wohl in Folge Verwechslung wegen dos gemeinsamen 
Standortes von der Kornrade, agrost. gith., auf die Korn- 
blume übertragen. 

Sbvi- =^ Ghettenen-M. AiBb. Syn. Söu-Bluem, — 
Weil als Schweinefutter verwendet. 

Süg-: (Dim.) gem. Lungenkraut, pulm. offic. SNA. 
Der Name daher, dass Kinder gerne den sÜKseu Saft aus 
der BlOte saugen. 

^Q\\dki-Maiji = Geis8en'M, 2 GRjenatz. 

Schwi"- = Söu-ilf. GrL.; W. 

Strüss- = Maien 5 SchwE. D* Musikanten mid 
ire* Str., tco s* uf de* Hiiete* 'treit Jiend. MLienert 
1891. — Tautol. Zss. 

Tschugge"-: schmierige Primel, auricula viscosa 
W. Syn. Flueh-Bluem, -Bös. 

Kilch-Wih GhilU". Kirch weihstrauss AaP.; B; 
Lf; G. »Rosmarin strauss, den auf dem Tanzboden die 
Mädchen an der Brust, die Burschen auf dem Hute 
trugen; man wetteiferte um den schönsten Strauss; 
wer keinen hatte, galt Nichts beim Tanze' aScnw (bis 
1820). In LH., Rottal bestand der Gh. aus einem etwa 
20 ciTi langen und 4—5 cm breiten, mit blauem oder 
rotem Stoff überzogenen Karton streifen, auf dem ein, 
oft auch zwei grosse Rosmarinzweige befestigt waren, 
neben allerlei künstlichen Blumen (bes. Rosenknospen 
und Vergissmeinnicht), zwischen welchen an langen, 
dünnen Drähten ,Dort-Ähren' und ,Läubli' [s. Laub 4 
Bd III 955] steckten; unten war eine Schleife aus 
verschiedenfarbigen Bändern [s. Strick] angebracht. 
Den Gh. spendete das Mädchen seinem Ghilbi-Bueb; 
vor dem Beginn des Tanzes heftete es ihm denselben 
so auf das linke Vorderteil des ,Tschopen8*, dass der 
Rosmarinzweig ein wenig über die Schulter hinaus- 
ragte. In G wurde der Gh. unter der Linde gewunden; 
darnach scheint er dort aus frischen Blumen bestanden 
zu haben. S. noch B Dorfkai. 1890, 41. 

Hoch-Zit Eochsig-: Hochzeitsstrauss, welchen 
die »Hochsigjumpfer' [weiblicher Hochzeitsgast] ihrem 
,Hochsigchnab' vorn an die Brust heftet, und welcher 
nachher zur Erinnerung aufbewahrt wird Z. ,Sohns- 
fraue" schön wie H.' Stütz. Spec. der Strauss, den der 
Bräutigam am Hochzeitstag auf der Brust trägt üwE. 

maie": 1. das Gras im ,Maiensä8s* abweiden lassen 
GW. — 2. „einen Baum schälen, wenn seine Rinde 



11 



Ma, me, m\. mo« inu 



12 



noch im Saft ist, also im Gegs. von b\jelen, nöt-rinden*' 
BO. D's Holz m. — 2 auch bair. (Schm. !• 1552). 

Maiete" f.: Ballen von Maibutter. Syn. Anken-, 
Maien-Brüt. ,A. 1599 den 17. Mey (wäre der Auffahrt- 
schiessent auf dem Hofe) stellete man eine Meyeten 
anf, darinnen steckete ein blühender Trauben, reife 
Kirschen und Erdbeere, ein reifes Roggen- und Gersten- 
ahre sammt einer Haber-Tünnen.* JEEscher 1692 (am 
Rande: ,früher Jahrgang'). JJScheucbz. 1716 wieder- 
holt die Nachricht mit dem Zusatz: ,[M.] oder Anken- 
braut.* ,10 p dem Babeli [als Trinkgeld der Tochter 
des Pächters aus ZZoll.] für die M-en den 26. Mai 
1763.' Z Haushaltungsb. ,[An Auffahrt und am Pfingst- 
montag] werden oft M-en, Milch, Zigerli und Anderes 
am Morgen vor der Predigt in die Stadt getragen 
zum Verkauf, die Kirche versäumt.* 1686, ZZoll. Pfarrb. 
- Vgl. ,das Brot* S. 108. 

maiig: im Safte, vom Holz BSi. Im Maie* würt 
d*8 Holz ms. 

Maiera", bzw. -ö", in AALeer., St. -öm: 1. Majoran, 
orig. major. Aa; GT.; Sch; Th; Z. Syn. Maserön. 
,Meyaran.' Zo Arzneib. 1588. ,Meyeran.* Bs Apotheker- 
tax 1701. S. noch Gr. WB. VI 1488. - 2. icüde^ M. 
a) orig. vulg. AAEhrend.; Th; ü. — b) in GWe. Ma- 
garö; Feld-Thymian, thym. serpyll. GWe.; Sch. — 
c) wilde Münze, menth. silv. GGoss., Stdt, Ta. 

Büchel- = Maierän 2 b GG., oT. — Die Pflanze 
wächst bes. an Abhängen. 

Meier Im.: 1. grundherrlicher Beamter, der die 
Aufsicht über die Bewirtung der Hofgüter führt und 
im Namen des Grundherrn die polizeiliche und richter- 
liche Gewalt über die Hofleute ausübt. Er selbst be- 
baut ,das grösste und beste Stück des alten Hofes*, 
den ,Meier-Hor fs. Bd II 1029], sofern nicht hiefür 
ein besonderer ,Unter-M.* bestellt ist, so dass ihm als 
,Über-M.* nur die Verwaltung der Herrschaftsrechte 
obliegtj 8. z. B. Aa Gem. 1844, 2, 330. »Gezwinge und 
benne sind des m-s an des gottshus statt.* 1300, Ztschr. 
f. schwz. R. ,Item wenn ein val also gevelt [s. gc' 
fallen 5 Bd I 756], so soll ein meiger uf dem hof 
dargan und soll man im das vich für schlachen oder 
Jas gewand für legen.* 1417, Gpd. In BBiel stand im 
XVIII. ein bischöflicher M. an der Spitze der Ge- 
meindeverwaltung. ,Der Bischof von Bs setzet Denen 
von Biel einen M.; doch nihmet er selbigen aus dem 
Raht daselbst, und muss ein solcher dem Raht schwe- 
ren und hinwiderum der Raht ihme. Er sitzet auch 
mit dem Raht zu Gericht in den Malefitz-Sachen. So 
[der Rat] Etwas der Stadt halben rahtschlaget, so 
stehet der M. aus und besitzt der Burgermeister den 
Raht.' SiML.-Leu 1722. Über weitere Befugnisse des 
M. s. ebd. S. 640 Anm. Der M. hatte die Wuchertiere 
für die Hofgenossen zu halten. ,Der meiger soll euch 
haben einen pharren, einen eher, einen widder und 
einen bock.* AAErnlisb. Offn. S. noch Frevelt Bd I 
1287. Über Wesen und Entwicklung des »Meier-Amtes* 
vgl. bes. Bluntschli, RG. P 249/54; LABurckh. 1860. 
25 f.; JMeyer 1878, 258/68; über das Verhältniss des 
M. zum ,Keller* s. Bd III 204. An manchen Orten 
wurden schliesslich die M. von der Bauerschaft gewählt 
und leiteten als Vorsteher (s. Dorf-M.) die geraeinen 
Angelegenheiten und Interessen der Genossenschaft, 
besorgten auch die niedere Ortspolizei. Blüktschli, 
RG. P 423. Wenigstens angebahnt erscheint diese 



Entwicklung an folgender Stelle: ,Und denne ist ze 
wüssen von des meigers wegen, dass die gnossen einen 
m. haben send, und soll man inen keinen m. ufsetzen 
denne mit ir willen und der inen gefeilet, welichor 
denne ie ze mal die kleinen gericht inne hat. Und 
soll euch ein m. vor den gnossen järlich schweren, 
so sy ir geding haut.* AALunkh. Offn. — 2. Dorfvor- 
steher, Ammann; entsprechend dem frz. ,maire* BsL.f 
(noch im XVIII. z.B. in Langenbruck) ; S. Am 10. März 
1476 benachrichtigt ,der m. von Locle' den Grafen von 
Aarberg von den kriegerischen Absichten des Herzogs 
Karl von Burgund. Bs Chr. II 368. ,Es gehöret der 
Stadt Biel St Immersthal, und hat vil Gemeinden, da 
ein jede ihren eignen M. oder Amman hat, welche zu 
Meyen und Herbst von ihnen bestätiget werden.* Siml.- 
Leu 1722. S. noch Gr. WB. VI 1903. — 3. Lehen- 
mann, Pächter BsL.f; GiiMaL — 4. Bauer. ,Es ist 
ein vast rieh er m. tot.' NM an. ,Fürwar, du bist ein 
rucher m. Im hus hast schier kein brot noch eier; 
noch wolltest gern mit allen roufen.* Rubf 1540. ,Rau- 
eher m., grob, ernsthaft, horridus, severus agricola. 
Grob, raucher m., austerus.* Mal. In LRickenb. wur- 
den It Jahrzeitbuch die Bauern ,meyger* geheissen. 
MEsTERM. 1882. — 5. Geschlechtsn. allg. 

Lediglich ein MissTerst&ndniss ist es, wenn HsStockiir 
1519, 9 den Namen des Apostels ,St Jacobns major* durch 
,St Jakob der meier* wiedergibt. 

Alp-: grundherrlicher Verwalter eines Alphofes. 
,Die übrige Behausung besitzet des grossen Spitals zu 
Basel A., welcher bey 80 Melchkühen erhaltet.* Witrst- 
iSEN. Das W. auch bei AHeusler 1854. 

Vierling- = Vierer (Bd 1 923)? AiWett. Offn.; 
vgl. Dorf'M, 

Geiss-. ,N. N., genannt G.* 1653, AAWett Eloster- 
arch. Vgl. Gei88-Vogt Bd I 706. 

Hueb- = Meier 1, insofern er auf der Meier-Hueb 
[jB, Bd n 960] wohnt. ,H.* hiess der Verfasser des 
,toufbÜechlins*, auf das Zwingli eine Entgegnung 
schrieb, mit der Aufschrift : ,an Balthazarn Huebmer.* 
,N. N., genannt H.* 1653, AAWett Elosterarch. 

Hof- = Jfeter 1, bes. insofern er den Meier-Hof 
bewirtschaftet ,Wohnte der Hofherr auf dem Gute, 
so baute er mit Hilfe der Hofleute sein Gut selbst 
oder Hess es durch einen sog. H. für sich bewirt- 
schaften.* LABurckh. 1860. S. noch Gr. WB. IV 2, 
1693. Einen ,Burchhard H.' nennt RCysat 

Holz-: Aufseher über die Waldungen Th. ,Die 
vier H. leisteten dem Burgermeisteramte bei vorkom- 
menden Verrichtungen im Walde nur Knechtedienste.* 
JJMüLL. 1867. — Vgl. Gr. WB. IV 2, 1777; Myth. • 811. 

Hard- = H'Herr (Bd II 1532) Z f. ,Der aus dem 
Mittel der täglichen Räte geordnete H., dem die nähere 
Aufsicht über dieses Grundstück [das Hard] aufge- 
tragen war.* 1801, ZStdt (Memorial der Gemeindever- 
waltung). S. noch H.'Büechlin. Geschlechtsn. Z. 

Chilch-, Chirch-, in Ap CäiZ^cä^»-; h^Chilchen- 
Vogt 1 (Bd I 706) Aa; Ap (doch meist nur ein unter- 
geordneter Gehilfe des Bezügers der Kirchen zinse); 
Bs; B; ,V0;« GLf; „S;** Z. Syn. Chüchen-PfUger. 
Er zahlt das Lehrergehalt aus B. »Nachdem jedes 
Kind [nach der Jahresprüfung] seine Batzen hatte, 
brösmete der K. auch mir meinen Lohn aus.* Gotth,, 
Schulm. Die Kinder verspotten ihn : Gh., Milchseijer! 
AALeer. An den K. werden die Bodenzinse entrichtet 
von den der Kirche Pflichtigen Grundstücken. MEsterm. 



13 



Ma« me, mi, mo, mu 



14 



1882. ,Wa8 im jarzytbuech der kilchen stat, das wyset 
Qmb ba, liccht und spengeD, darüber die kilchg'nosscn 
k. setzent, das söllent sy nsschryben, and sönd des 
nüt verkoufen noch verfendren [verpfänden].' 1418, 
L Ratsb. ,E. sond järlich dem kilchherrn usricbten 
an baarem gelt nff Martini alle die jarzjt oder galt, 
das im gefalt von den jarzjten. Daromb soll der 
kilchher den zwcin kilchmeyern and dem sigristen 
geben . . .* LKriens Kirchcnr. ,Wenn [die von ZBir- 
meusd.] auch Dorfmeyer oder K. setzen wollen, soll 
das geschehen darch den Untervogt, den Richter and 
die 10 Benannten [Ehrenmänner aas der Gemeinde].' 
1504, Absch. ,Der L soll alle fronfasten armen lüten 
nmb brot geben 16 seh., 2 viertel körn, 1 viertel haber, 
1 viertel kernen/ 1550, LRickenb. Jahrzeitb. ,yon den 
k-n und pflägern der kilchen.' 1584, Gfd 3, 187. ,£s 
ist zu wüssen, dass aller Hanfzohend, Hanfsam und 
Nuss an der Eilchen Bauw gehörig, und das soll in- 
nemmcn ein K. und soll davon die Gloggen ze oberen 
und zu nideren Baden besorgen.' 1681, AiWett. Klo- 
stcrarch. ,Der K., der von einem Raht der Statt zu 
Baden gesetzt wird, hat die Kilchen mit Tach zu ver- 
sorgen.' ebd. ,Falls sich begebe, dass denen bevogte- 
ten Waisenkindcren oder Kirchen in dergleichen Auf- 
fahlen zuo verlieren gienge und sich erfunde, dass 
solches wegen Saumseligkeit oder Unfleiss der Weisen- 
vögt oder K-en beschechen, sollen solche Wcisenvögt 
oder K. der Weisenkinderen oder Kirchen ihrer Ver- 
lust wider ersetzen.' 1684, ebd. ,Die Kirchen haben 
besondere Verwalter ihres Guts, K. genannt.' JXSchntd. 
1781. ,Ratsherr N. wird zum K. vom Rat erwählt, 
Landvogt N. zum K. von Burgern.* 1792/7, B. S. noch 
frommen 4 (Bd I 1266), S-Gaumer (Bd 11 304) und 
vgl. Seg., RG. II 810. 812; Ochs V 700; Strickler, 
Horgen 195. — 2. = Chilchen-Vogt 3 S; Ndw. 

HEsterm. 1882 belegt einnial die Form ,ky]-ineyer.' 
,KilcheQiD.' begegnet ebd. und bei Zellw., Urk. 

Mit-: Mitbesitzer des Meieramtes. 1445, WEin- 
fischtal Urk, 

Gescheid-: Vorsitzender des ,Gescheids' (s. Ge- 
Bckeid-Herr Bd II 1543, Scheid-Lüt Bd III 1521). .Das 
Amt eines G. der mehreren Stadt [Bs] bekleidet der- 
jenige Herr der Räten, welcher von der höheren Zunft 
ist.* ßs Gescheidsordn. 1770. ,Dio Bahnwarten sollen 
der Stadt Zwing und Bahn, Allment und Herrlichkeit 
getreulich hüten, das Anstössige sofort ihrem G. an- 
zeigen und demselben, wie auch dem Gescheide, ge- 
horsam sein.* ebd. 

Schtlre'*-: Pächter auf einem gewissen Gute des 
Spitals Bs. Schürmeier auch Familienname. 

Schloss-. ,Das Schloss und die Gtleter [zu See 
Herblingen] werdend einem Buren verlihen, den nampt 
man den Schi.' ROegbr 1606. 

Stür-: herrschaftlicher Steuerbezüger, der für die 
richtige Verteilung und Bezahlung obrigkeitlicher Auf- 
lagen sorgt. ,Andere Dienste sollen Vogtleute und 
Gotteshausleute [zu AAWett] und Alle, die im Amt 
Wunn und Weid geniessen, mit einander tragen nach 
Auflage des geschwornen St-s.' 1429, Absch. ,St.' 
hiessen die Mitglieder eines Kollegiums, das 1459 in 
ZEmbr. die damals an Konstanz verpfändete und zahl- 
bare Vogtsteuer einzuziehen hatte, aber von den Steuer- 
pflichtigen ernannt wurde. 1459, Z Ratsurteil. ,Die 
Vogte der Witwen und Waisen sollen alljährlich in 
Gegenwart der St. des Amtes dem Landvogt [zu AaB.] 



Rechnung ablegen.* 1477, Absch. ,Aus8chüs86 aus der 
Gemeinde AAKoblenz klagen, dass der Obervogt in 
seinen Gerichten keine von dem Landvogt beeidigte 
St., die auf die fehlbaren Sachen Acht zu geben und 
selbe zu leiden haben, zulasse.' 1673, Absch. Der 
Landvogt zu AaB. schaffte 1728 die betrügerischen 
Judenschreiber ab und gebot, alle Ausfertigungen und 
Abrechnungen der Juden vor den St-n oder den Ge- 
meindevorstehern regelmässig vorzunehmen.' Ai Gem. 
Die St. wurden gelegentlich auch zu anderm Dienst 
verwendet: ,Die undervögt und st. [in B] sollint ein 
ufsehen daruf haben [dass Niemand an Wiederein- 
führung der Messe denke].' 1532, Egli, Akten. 

Amts-Stür-. ,Bis zum Jahre 1777 war N. N. von 
Oberengstringen Amtsseckelmeister, man nannte ihn 
A.' HWeber 1869. 

Strudel-: flüchtiger Arbeiter Bs. — Vgl. Gr. WB. 
VI 1904. 

Dorf- = Dorf' Vierer (Bd I 924). So oder Dorf- 
richter hiessen z. B. noch in der 1. Hälfte dieses Jhdts 
die Vorsteher der Civilgemeinden von ZGossau, welche 
die ökonomischen Angelegenheiten ihrer Gemeinden 
zu verwalten hatten. ,Ouch soll man wüssen, dass 
man zuo den gedingen ze meyen und ze herbst soll 
vier d. setzen und erkiesen.' Ende XIV., AxZufikon 
Offn. ,Mer ist ir alt harkomen, dass sj söllin setzen 
zwen d. Dieselben zwen sollen einem herren schweren, 
des dorfs ze Wetzikon nutz und ere, iren nutz ze für- 
dern und schaden ze wenden, als vere si mögen, das 
an geverd. Dieselben d. sollen zuo gebieten haben 
Steg und weg, euch efaden ze machen und in eren ze 
halten.' ZWetz. Hofrodel; ähnlich 1475, ZGryfenb. 
HofrodeL ,Darzuo band ouch dieselben dörfer das 
recht gegen einander, dass nieman nit in dem fronwalt 
houwen soll, denne als wenne im erloupt wirt von 
dem keller und den d-n.' AxLunkh. Offn. ,Magi8ter 
viel, d.' Fris.; Mal. ,Es soll ohne erlaubtnuss der 
vier geschworenen d-en zuo Wjach keiner dhein holz 
gar nit hau wen.' 1596, Z. ,I)ie g'schwornen ald d. zuo 
Wjach.' ebd. In ZMöncbalt. nennt man D. Denjenigen, 
der die Aufsicht über die Dorf brunnen hat und sie in 
gutem Stand erhält; Syn. Brunnen-Meister, — Vgl. 
Qoch BluDtschli, RG. 1* 423; Argov. 1861, 145 f. 

Wlle"-. ,Der w., so uf dem hof sesshaft ist* Z 
Dietikon Offn. Vgl. Wllen-Mann, 

Wis-. ,Konrad W. von Niderflachs.' 1527, Z. 
Sonst auch bloss ,K. Meyer.' Noch Geschlechtsn. Z. 

Zins-: Bezüger der Gefalle für eine Herrschaft. 
,Der z. soll von der houptsumm von 20 einen gülden 
ze geben schuldig syn.* 1526, Absch. (Gr). ,Der z. soll 
dem lechenherr nach lut und sag syns briefs Zinsen.* 
ebd. ,Was Erblehenzins sind, diewyl der recht Lehen- 
herr den Zins in Händen hat, so soll im der Z. näm- 
lich nach Lut und Sag des Zinsbriefs und alles das 
Korn, Schmalz, Käs und Wyn, vorbehalten Pfeffer 
und derglychen üngebür, zu geben schuldig syn.* Gr 
Landsatz. 1619. ,Hinderstcllige Z.' 1649, Fofpa. S. Gr. 
Weist. V 705. 

Meiertum: 1. Meieramt, -würde; s. Gr. WB, VI 
1906. — 2. Bezirk, Dorf, worüber ein Meier gesetzt 
ist. Im Mai werde die Stift in allen ,m-en' Landtage 
halten. 1531, Strickl., Akten (S). ,Es sperren sich 
etlich in Münster meigertumb die steur zu geben.' 
1532, ebd. ,Seine [des Bischofs von Bs] Untertanen 



15 



Ma— mu. Mab — mub. Mach— rauch 



16 



in den Dorfern (meigertumben) Eisgau usw.* 1532, 
ebd. ,13 Meiertumb habend mit der Stadt Bs ein 
Burgrecht angenommen.' Wcrstisbn. 

Meier II: Name einer Pflanze. ,Von M. und roten 
Muten. Die Blctter in heisser Eschen gebraten heilet 
die verbrennten Glider. Die erste Brüe von gesotnem 
M. mit Rindsgal vermischt...* ZZoll. Arzneib. 1710. 

Vyl. Majoran und s. Gr. WB. YI 1904; vgl. auch Anm. 
zu Vogel-Chrüt (Bd 111 890). Zu den dort angeführten Pflan- 
zen kommt guter Heinrich, chenop. bon. Henricus, für den 
Pritzel-Jessen S. 91 die mhd. Bezeichnung ,maier* beibringen. 

mhi: faules Ja ApH., M. — Ungefähr die gleichen 
Laute, welche Bd 1 162 mit SA^ bezeichnet sind. 

miägge": schreien, von Katzen B. — Onomato- 
poetische Bildung. 

Mias, Miassli, Gotth., ifcfles ApH., ilf«>sApM.;Bs 
(Spreng), Me^jis LBerom.; UwHergisw.: Jeremias (It 
Spreng .pöbelhaft*). Vo* 's Meijisae*, von der Familie 
des J. LBerom. .Myas Hotz von Dürten.* 1558, ZGrün. 

Diese Verkürzung bezeugt die urspr. Betonung Jeremia«; 
Ygl. die ähnliche Sachlage bei Leies Bd 111 950, Lip« Bd 111 
1362, Brtm, Biui, liitzi. 

Miaueli: Kätzchen Ap (Kdspr.). 

miaue": wie nhd. G; Th; Z. Vor Häusern, in 
denen ein Schwein geschlachtet worden ist, pflegen 
Kinder so lange zu m., bis sie von den frisch be- 
reiteten Blutwürsten bekommen GW. Vgl. mauwen. 

miausle": im Weinberg Nachlese halten, ein Ge- 
schäft armer Leute B; L. Syn. süechlen, 

mö: 1. (mö^J Interj., mit der ein Kind, das sich 
schlafend gestellt hat, plötzlich auffahrend Andere 
erschreckt Th; Z. — 2. (mmmöj Lockruf für Kälber 
S (Schild). Vgl. möggen. 

Infi: 1. Nachahmung des Gebrülles des Kindviehs 
Bs; Th; Z. — 2. (mü-mü) Lockruf für Kühe Gl. 

M ö n., in Th auch f. : Name der Kuh od. des Rindes 
in der Kdspr. Bs; Th; Ndw (Dim. Mülij Majüi); Z. 

Lobe-, Lobeli-: das Selbe GStdt. 

Muchcli-: das Selbe BaStdt. Syn. Mucheli. — 
Über die Bildungsweise dieser Zss. s. GBinz 1888, 5. 

Gueti-Mue: Name der Kuh im Kdld vom Haus- 
halte L. 

mü-e" — Fic.g'müt: briiUcn, von Kühen GRVal. 
Syn. müggen, brieschen, 

mü-ele" (*'~): 1. von Pferden: leise, schwach 
wiehern ZGlattf. — 2. von Menschen: die Laute hm- 
hm-hm hören lassen und dabei schmunzeln, wohlge- 
fällig vor sich hin lächeln, z. B. wenn man gerühmt 

wird. ebd. 

Der Einsender (Spillm.) schrieb zwar stets mühcle*, aber 
das h ist doch wahrsch. nur Silbentrennnngszeichen und wird 
nicht gesprochen. 



Mab, meb, mib, mob, mnb. 

Möbi, Möbili: Name von Kuh oder Kind in der 
Kdspr. L (Ineichen). 

Wahrsch. eine Contamination aus mu (mö) und dem syn. 
Löhi (Bd 111 996), wenn nicht eine blosse Entstellung aus 
Letztcrm im Kindermund; doch vgl. I/olten (Bd II 945), 
Uöpi (ebd. 1485), Wobt. 



Hüs-MobiH f.: Hausrat. ÜBrXogeb 1788; ZO. 

Mobilie» PI., auch f. sing.: Verkürzung aus dem 
W. ,Mobiliarversicherung* Z. [Seinen Hausrat] t" cT 
M. tue: !• der M, händ-si gar NM, 

Möbel n.: 1. von allerlei beweglichen Gegen- 
ständen, meist in verächtlichem S. Th; Z. En alts 
M., z.B. von einer unbrauchbar gewordenen Maschine 
Th; Z. — 2. ebenso von Personen Th; Z. E* subers 
M., ein sauberer Patron; c" füh M., ein Faulpelz; 
en unnützes M. Da' ist e* M. ! auch von einem aus- 
gelassenen, stets zu tollen Streichen aufgelegten Men- 
schen Th. Dim., Dirne Sch. 



Mach, mech, mich, moch, mach. 

g*-iusch, in BE. -ä-, in ZSth. auch mach, in B oO. ; 
UwE. als Adj. g'mäch — in den flect. Formen häufig 
g^nuichne*", g'mächne^, g*mechner: 1. Adj. a) gemäch- 
lich, langsam Aa; Ap; Bs; B; Gr; GG.; ScHwMa.; Th; 
UwE.; ü; W; Z. Er ist (en) g'mäche^ (zer Arheid) 
ßöO., en g-e" Arbiter BSi.; Th; Z. Chleini und g-i 
[Schritte]. Schwzd. (Gr). G. am Bare*, g, am Ckäre*, 
langsam beim Essen, aber auch bei der Arbeit BE.; 
vgl.: Wer nid mag esse*, mag au*^^ nid schaffe* Th. 
Zur Räch bis g.! Sprww. 1824. ,Das höhend und 
schnell macht er g.* Haberer 1562. ,Latitudo ver- 
borum, wenn einer g. und langsam in reden ist.* Fris. 
,Je höher ein Planet am Himmel, je einen gemacheren 
und sittigeren Lauf er hat.' FWrss 1650. .üa die 
christlich Lieb g. und die Waffen aind geschwind.' 
CMey. 1657. ,Die müden Ochsen treten hart: schwache, 
alte, g-e Leut können auch Etwas.' Mey., Hort. 1692. 
,[Es] ist ein grosser Unterscheid zwüschen dem lands- 
knechtischen und eidgenössischen [Trommel-] Schlag, 
dann der unsere etwas gemacher ist.' Siml.-Lcu 1722. 
,Ich habe mich viel beflissen, aber mit g-em Success.' 
XVIIL, Landv. Eschbrs Tageb. — b) zahm, zutrau- 
lich. ,Die [wilden Enten] liessend inen brot fürwerfen 
und holtend das, so g. hatt si der hunger g'machet.' 
Vad. — 2. Adv., wie nhd. S3'n. hübschelich Bd II 966. 
Nur e* chli* g.t Mahnung an einen Übereifrigen. G, 
rtche* [reich werden] tttet wol. Sprww. 1869, auch 
ScHiMPFR. 1651. Bes. in der Verbindung g. tue*, Etw. 
langsam verrichten; behutsam, vorsichtig zu Werke 
gehen Bs; Th; Z, häufig in der Lit. des XVI./XVIL; 
s. tu^n. ,Mir gat der at also g., dass ich nit gan noch 
reden kann.' Haberer 1562. ,Manu longa tradere, 
langsam machen, g. leeren.' Fris. ,.\uf einem langen 
Wäg wandlen auch die Geschwinden g. ; wann aber 
der Wäg kurz ist, wandlen auch die G'machen ge- 
schwind.' FWyss 1655. ,[Es] sind auch Solche, denen 
man zu geschwind oder zu g. prediget.' Moll. 1673. 
,Mit der Leibsübung muss man auch g. verfahren.' 
Hauptweh 1690. ,In Politicis solle man gemacher 
einher treten.' 1713, Absch. ,Maxinia paulatim' e nii- 
nimis, minima subito ex maximis, g. wird das Klein 
gross, gechling das Gross klein.' Denzl. 1716. S. noch 
daher Bd II 1566. — 3. subst., Geschlechtsn. , Jakob 
G.' 1322, Gl Urk. 

Die iirftfixlosc Form wach beruht, obschon sie auch 
anderswo, z. T. schon in alten Quellen, Torkonimt (Or. WB. 
IV l, 2, 3124), kaum auf alt^r Überlieferung, somlern er- 
klart sich am einfachsten als Abstraktion ans Fällen, wo im 



i: 



Mseh, tnecti, mich, moch, niach 



id 



Satzsaodhi das g* dem vorausgehenden Consonanten sich assi- 
milierte. Q'vfkäck ist durch Ausgloichung nach dem Comp, 
oder nach dem Abstr. Q'miLchi entstanden. Der Comp. ,gm&- 
eher' findet sich noch 1546, L; GQotth. 1599; 1650, ZElgg 
Arzneib.; HKeller 1729; NSererh. 1742. 

all- GaObS., V., aXi»- Aa; Ap; BHa.; Gr; GG., O.J 
SceSt; ScHwMa.; Tb; Z, aUs-g'nutehs ThHw.; ZO. tw. 

— Dim. alh-g'mächdi Bs: Adv., yerstarktes g'mach. 
Gönd aJ macht euch einstweilen ganz langsam anf 
den Weg [ich komme gleich nach] GG.; ScnwMa.; 
Th ; Z. Mier wein epp' a. gegen hein träppellen BHa. 
A. dem Heniet euet ruft man Scheidenden nach Ap; 
vgl. Heim (Bd II 1276), lassen III (Bd HI 1397). A. 
chunnt aw* Iiei** AaL., eh. aw*"* nöhe*, ch, men au"'' 
icit ScHSt. (Sulger). Der A-s, Spitzname für einen 
langsamen, allzu bedächtigen Menschen TrHw. ,Sara 
[sagt Tobias] soll allg'mach nocher kon.* GGotth. 1619. 
Sup. ,al]g*machest.* ,[Er] fieng a. an reden.' Morgant 
1580. ,A. ryten.* Haimonsk. 1531. ,Pauzil]atim, a-ist, 
nach und nach, yemer wenig. Pedetentim et gradatim, 
muesslich, a-ist, nit strüttig.' Fris. S. noch an-gän 
Bd II 20, hübschelich Bd II 967. Daf&r auch ,aller 
g'machest.' Wagner 1581 (S Wochenbl. 1846, 2,37 a); 
GGotth. 1619, 214. 

Zsgs. mit aü-, bzw. aüa- (Bd I 170), das entw. mhd. 
alles (ganz und gar; immerfort) oder aüeß (immer) entspricht. 
Allty'machn ist eine Weiterbildung mit dem adv. (eig. Gen.-) 
Suffix Hl. wie das einfache .gemachs' (Gr. WB. IV 1, 2, 3129). 

G*-mach, in AALeer.; BK., Si.; L (Ineichen) -ä- 

— PL G'mäeher BHk., Si. (-ä-J; GrPi.; GA. — Dim. 
G'machji W, sonst gew. G'mächli — n.: 1. abstr., 
Ruhe, Bequemlichkeit. S%*s G, hän, sich ruhig ver- 
halten, ordentlich betragen BO. Heit denn öus G.l 
Ermahnung von Eltern an ihre Kinder BR. „Gang- 
mer jetz i* d* Stube* und hob dl*s G.!"* ,Mänig mann, 
der gern syn g. hette gehan*, in Ruhe gelebt hätte. 
Ap Reimchron. um 1400. ,Etlich hettind gern gehan g.' 
ebd. ,Und w6rd noch hüt guet botscheft kan [kommen] 
von dynem sun . . darumb so hab nun guet g.!' JBinder 
1535. Sehr häufig formelhaft verbunden mit Synn., 
bes. mit »fride*, ,ruow.* ,Dien lüten ze vride und ze 
g-e und ze nutze und ze eren.' 1316, WÖchsli 1891. 
, Durch unser aller nutz und notdurft, frid und g.' 
1393, Gl Urk. Vgl. ebd. 1 421. ,Durch friden, schirms, 
ruewen und g-s willen unser lyb und guetes.* Schw 
LB. 1457/1544. ,[Damit] unser aller land und lüt in 
guotem frid, ruow und g. behalten werden.* 1481, 
Stanser Versommnisb. ,In brüederlicher trüw, frid, 
ruow und g. pliben.* ebd. Eine Frau wird in den 
Spital empfohlen, da sie ,in sölichem alter und übel- 
mogende ruowen und g-s notdürftig' sei. 1491, Z. 
,Ruob und gemacht haben.* Eessl. S. noch Friden 
Bd I 1276. — 2. concr. a) Gebäude, Haus B; Gr; 
LE.; GA.; U; W. ,Von den Entlibuchern wird ein 
ganzes Gebäude ein Cr. und erst die Gemächer selbst 
oder die Abteilungen auf jedem Boden werden Ge- 
hälter geheissen.* JXSchkyd. 1781. üf dim Guet sind 
drü G'mächer GA. I«* ha* 10 G'mächer e* erhalte* 
BHk. Dim., verächtlich für ein kleines, ärmliches 
Haus W. ,Wann also Heuser, Stadel oder was Ge- 
mecher sich teilen müssten.' GRYDörfer 1692. ,Wann 
Einer den dritten Teil in einem Haus oder Gemach 
hette.* ebd. S. noch erguderen (Bd II 123), Gehalt 1 i 
(Bd II 1220). Insbes. (auch Vorsass-G,) Gebäude auf 
den Yoralpen (s. Bd 1 195), das Wohnung und Stallung 

Schweiz. Idiotikon IV. 



oder Scheune zsfasst und den Charakter des Wohn- 
hauses im Tale (HüsJ mit dem der Alphütte (Stafel) 
vereinigt BSi.; W. Syn. VorsBs-HüsU Bd 11 1728. 
Stall und Heubehälter mit einem Schlafkämmerchen 
GwPr. Kleiner ,Stafel* in den Weiden und auf Bergen 
BAdelb. Gebäude in den Alpen, entweder es Huisi 
[Wohnung] oder Gadem, Stall, Schlr PPo. ,Es soll 
Niemands Gewalt haben, ab gemeinen Bergen einiches 
G. zu führen, es werde ihme dann von den Berg- 
anteilern durch das Mehr verwilliget.* 1660, BSa. 
,Wann die Alpen geladen sein, das" ein Jederer solle 
die Gemachi verhagen; wann sie aber von dem Cam- 
paren offen gefunden werden, so sollen sie condanniert 
werden pf. 3 von ein jederes G.* 1747, TB. ,Beim 
Holzriesen im Winter solle man absonderlich zu denen 
darunter stehenden Gemächern Sorge tragen.' GrD. 
LB. Tach und G., Formel für Haus GrD. Vgl. nhd. 
,Dach und Fach.' »Den widen [Wittum] in gueten 
eren haben mit tach und g. nach erbern lüten erkant- 
nuss.* 1432, TeTannegg Offh. ,Man soll auch lyhding 
oder widem in guoten eren halten und haben mit tach, 
mit g. und mit grund und mit grat.* um 1500, GWattwil 
Oifn. »Walther, ein Frey zu Eschenbach, brach diss 
Gottshaus in Dach und G. [zerstörte es vollständig].* 
Gfd (aus einer Inschrift am Kloster zu LEschenbach). 
,Die Baukunst gibt uns die Wohnung, Sitz und Nest, 
Scheür, Kammer, Stuben, Tach, G., Heuser und Pal- 
läst* 1709, Z Neuj. Stadtbibl. Unterhalt von ,Dach 
und (i.* Z Wais. Neuj. 1894. Ein Haus ,zu Dach und 
G. erhalten*, in baulichem Stande. Sulgkr. Sonst ,in 
t. und g. (er)halten, haben.* Syn. ,in tach und eren 
halten.* ,Sartam tectam aedem tradere, ein kirch in 
schütz und schirm, in g. und t. halten. Ut sarta tecta 
habeat, dass er 's in t. und g. halte oder in guotem 
bauw und eeren.* Fris. ,[Der Leutpriester wird er- 
mahnt] das* er das hus im d. und g. erhalte.* XVI., L 
Rickenb. (MEsterm. 1882). S. noch MBlch-Gadem Bd H 
119, Zue-Gadem Bd II 121. Bildl. ,Die BogeuHchosse 
[am Weinstock] verkürze man nicht zu sehr, sondern 
lasse immer drei Blätter oberhalb dem Trauben stehen ; 
man sage ja, man müsse dem Trauben ein Dächli und 
ein Gemächli [gleichsam eine schützende Behausung] 
geben.* Bote von Uster 1884. ,Die Erde gibt uns Das- 
jenige, darnach wir haben Tach und G.* Müll. 1661. 
Auch ,fach und g.* ,Den chor [der Kirche] ze vach 
und g*maach ze halten.* 1531, L Urk. (Stiftsarch.). — 
b) (Miet-) Wohnung. »Weder eigne Hüser noch umb 
den Huszins empfangne Gemächer.* 1660, Z Verordn. 
,Eigen Hüser ald G'mächer.* ebd. ,Vom Ausleihen 
und Bestehen der Gemachen (am Rande: Gemächer). 
Der Hausmann oder Besteher eines G-s, Kellers oder 
Ladens.* Z Stadtgerichtsordn. 1715. — c) Stockwerk 
eines Hauses L (Ineichen); Zq. 2 Gemach hoch L. 
,Eins G-s hoch muren.* Cys. »Die Mur uss dem Pfal- 
ment und von Grund uff dritthalben Werkschuh dick 
eines G-s hoch . . führen.* B Gerichtssatz. 1615. ,Von 
denen Muren, so zwüschen den Höflinen oder Gärten 
gebuwen, soll die Schätzung eines G-s hoch vom Herdt 
uflf gegeben werden.* ebd. ,[N. N. hat] sich zum Fenster 
hinaus drei Gemächer tief auf die Gasse gestürzet.' 
Z Nachr. 1753. — d) wie nhd. AALeer.; B; Gl; GrAv., 
Pr.; L (Ineichen). Stube, Kammer BHk. Insbes. „Zim- 
mer, das als Behältniss, nicht zum Bewohnen dient G." 
Raum im Hause zu verschiedenen Zwecken GrD. ,Der 
hinder hof [Gasthaus zu AaB.] ist mit einem grossen 



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Maeh, mech, micli, moch, mncb 



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hof, darzu mit yil stuben, salen und gemachen beziert.' 
HPantal. 1578. S. noch Würz-Qadem (Bd II 120). 
Spec. ft) = Chamnetm 2 (ßd III 260) GLBilt. (dim.), 
Mnrg; GrRElost.; GWeisst. Zimmer im 1. Stock (auch 
anter der Stabe) zum Aufbewahren von Gerät, Speisen 
usw. GrV. [Die Mutter] fergget de* gross Tschungge* 
[Schinken] ab-^'em Speicher und die Bitte* [Kuchen] 
ab-^em (PmäcMi und mached de!* Merändbüntei [Speiso- 
sack]. ScHWZD. (GnSch.). — ß) Dacbraum, -Kammer 
Gr (Jecklin 1878, 151). ,Von einem Fensterlein im G. 
schaute er hinaus.* Jkcklin 1876. — y) Abtritt L (St.^). 

Un -Gemach: 1. wie nhd. Wer 's U, fürcht% 
tnuess diheim blibe*, Sulger. — 2. Streit. Syn. Un- 
Friden Bd I 1281. ,Die Veranlassung zu dem Be- 
gehren sei ein U. gewesen, welches zwischen einem 
bischöflichen Untertan und einem französischen Sol- 
daten vorgefallen.' 1680, Absch. 

In einer Hdschr. des 6 Stiftsarch. (,UQgemachde der 
herzen') entsprechend dem ahd. unkimahhitha. Tgl. ,Unge- 
roachtlichkeit [incommodum].' KdSailer 1460. 

Oster-: Mietwohnung, die zu Ostern geräumt 
werden muss. DWyss 1796, 166. »Ostergemächer wer- 
den mit Kirch weih und Kirch woihgemäch er mit Ostern 
aufgekündigt.' ebd. S. Gemach 2 h. — Fleisch-: 
(bisweilen ein gewölbtes) Gemach zur Aufbewahrung 
von Lebensmitteln, bes. von geräuchertem oder zum 
Dörren aufgehängtem Fleisch, t. im Erdgeschoss, t. 
im 1., t. im 2. Stock gelegen (in Splügen oberhalb 
des Spichers) Gr. Syn. Chuchi^G, ,Hinder der Kuchen 
ein gewölbtes FL, darin das geräucherte Fleisch und 
andere Victualien aufbehalten werden.' NSerbrh. 1742. 

— Heimli'^*'- -Gemach 2 dy SchwNuoI. Yg\. Sprach- 
Bus (Bd n 1731) und Gr. WB. IV, 1, 2, 1387. — 
G^'hör-: Hörsaal. ,[Das untere CoUegium in Z] wel- 
ches sein Lehr- und G.-Gemach bei der Kirch zum 
Fraumünster hat.' Leu, Lex. — Hüs-: (bequeme, be- 
hagliche) Wohnung. Drü Ding Vhaite^d cfe« Ma** 
diheim: e* gueti Frau, schö^H. und — Unglück. Sulobr. 

— Chuchi-: Speisekammer neben der Küche Gr. -- 
Chirc he'' -Ö'macÄ/i. ,[Zwei Diebe] haben das Heilig- 
tum aus unserm Kirchengemächlin, welches ob dem 
Gewölb des Chors ist und etwas Blei und Pulver ver- 
wahret, weggeführt und gestohlen.' NSerbrh. 1742. — 
Chäs- = Ch.-Gadem (Bd II 118) GRRh. Syn. Pur. — 
Ligg-: Schlafraum der Sennen in den Alphütten 
GRPr. Syn. Ligg-Splcher. — Milch- = M.-Gadem 
(Bd II 119) Gl (Steinm. 1802). — Bi-. ,In das dritt 
b., das am haus des Herrn was.' 1531/1667, Jbreh.; 
dafür: ,den dritten eingang.' 1530; 1868. — Bad-: 
PL, Badegebäulichkeiten Gr. — Bätsch-: Werkstatt 
GRPr. S. TTercÄ-ö. — Raub- Bx>ubmach: Gebäude 
zur Aufnahme des Bodenertrages (Heu, Stroh, Ge- 
treide, Gartengewächse) W. — G*-rümpel- = Ge- 
rümpd-Chammer (Bd III 253) B; GrD. Auch = Hudd-, 
Plunder-Chammer (Bd HI 251/2) BM. i*** sott not- 
wendig einisch mit d*r Büchere* [Wäscherin] ga* üsi 
Wösch abrede*; d's G, isch ganz voll. MWalden 1880. 
,Biel ist MGnHH. [von B] G.' Z8Cbokke1797. - Sattel-: 
Gemach (auf dem Dachboden), in dem Reitzeug, Ge- 
schirre, Leder, Schellen usw. aufbewahrt werden GrD. 
(B.). — Wöber- = Wih-Gadem (Bd II 120). Red. 1662. 

— Chilch-wih- s. Oster-G. — Weid- = Finel 2, 
auch ,Stafel' in den Alpdörfern BFrut. — Wörch-r 
Zimmer mit einer Werkstatt GrD. (B.). 



gemache", Dim. g*mächde*: 1. (im Geben, übh. 
in allen Verrichtungen) langsamer werden, altern 
Ap; BSL; üwE.; Z. ,,Er g'mad^t, es g'machet mit 
im,*" ,Wann mir 's Herz anfangt krachen, mein Atem 
will g.' Ende XVII., St Annalied. — 2. Cg'mächde*) 
langsam, in aller Ruhe und Bequefnlichkeit an Etw. 
arbeiten Ap. — 3. sich von einer Krankheit allmäh- 
lich wieder erholen «VO; G. Der Sohn g'machet 
wieder, es wird allmählich besser mit ihm." 

g'machsam, in BO. ^mac?i«am: I. = ^emac^. ,Und 
sollt denn das ysen g. und sanfte*darine [in dem ,tülle'] 
umbkeren.' XV., Schw Arzneib. ,[Man soll bei Ver- 
steigerungen] die dryg rüef grad g. ungeylet uf cin- 
anderen tuon.' ZWthur Stadtb. ,Gradatim, g. oder 
hflpschlich. Segniores sint, sygind verdrossner und 
g-er oder eilind nit häflftig.' Fris. ,Das [Krieg8-]volk 
sammlet sich g.' HBull. 1572. ,Cancrum lepori com- 
parare, einen G-en einem Geschwinden vergleichen.' 
Denzl. 1716. ,Seit mit der Strafe etwas g-er!' JJUlr. 
1733. Verst.: ,Allg. nebenher reiten.' Heütelia 1658. 

— 2. bequem zu begehen, von Wegen BO. 
gemach samlich s. fülklich Bd I 791. 
G'mächende = Gemach 2 a. ,Ein Gut, darauf G. 

g'sein, Häuser, Speicher und Scheuren.' 1660, BSa. 
,Wenn Einer Gut, Weid, Mad oder G. vertauschen 
wurde.' ebd. 

Das W. scheint einem altern, in unserer Bed. allerdings 
sonst nicht belegten gemechede zu entsprechen; wegen des 
eingeschobenen n vgl. die Änm. zu Laufet Bd III 1143. 

G'mächi f.: Langsamkeit, Bequemlichkeit Ap; 
BSi.; UwE.; Z. Auch bei Mal.; SchwLB.; HKbller 
1729. — Ahd. gimahhi, opportonitas. 

g'mächig: mit Zahlww. verbunden, so und so 
viele Stockwerke enthaltend Ap. Vgl. Gemach 2 c. 

g'mächli'^*», -lig: bequem, von Menschen ÜwE. 
In der ä. Spr. wie nhd. ,Ich will gemächling hinnach 
treiben.' 1531, Gen. = «gemächlich.' 1548. ,Das für 
zundt man gemelich an, ob *s uss gefär oder ungefar 
geschah, wissend die nachrichter. Uss dem langsamen 
rösten sind sy [die Märtyrer] nie verzagter worden.' 
Kessl. Verst. ,alls-gemächlich.' ,Ich will als gmähli''^ 
dem Heimet zue.' GebprXcd 1712. 

Betr. das Verklingen des Spiranten vgl. aU-^nuiklig, all- 
mählich Gr ObS. und nhd. ,allm&hlich' selbst. Das vorge- 
setzte aÜ8 wie in dem syn. aÜA-gtmack. 

üngemächlichkeit: Unannehmlichkeit, Stra- 
paze. ,Beisende, welche der U. Trotz zu bieten keck 
genug sind, machen diese Reise sehr geschwind.' 
AHöpfn. 1788. 

G'mächli'^g m.: I.Hausgenosse. ,E8 sygend ge- 
mächling, fr und oder nachburen.' 1526, Eqli, Akten. 

— 2. langsamer Mensch AAWohl. — Zu 1 vgl. »Geselle.* 

mache", in ZW. -cä'-, in Gr -ä- — 8. Sg. Präs. machet 
GlK.; GrD., Pr, ; Th (veraltend); ZO., Conj. Prät. miech 
AiLeer.; Bs; B; GlK. C-ch^; SchwE.; Th; üwSachs.; Z, 
müechi GRPr., miecht GT.; ZDättl., 0., miechti BsSt.; 
S, ma4:hteti BaSt., sonst machti — Ptc. Perf. g'machet 
AaB.; GlK., Moll; GA.; Sch tw.; Th (veraltend); Z 
tw.: im Ganzen wie nhd. 1. tr. A. mit einfachem 
Acc. P. oder S. 1. von allerlei Gegenständen, an-, ver- 
fertigen, herstellen, zubereiten, allg. (EimJ «• Brief 
m.y schreiben AiL. Warum hesch mer o^ kei*s Briefli 
gemacht? MLknz 1895. ,Ich beschloss auf der Stelle, 
dir einen Brief zu machen.' XHerzoo 1845. ,Also ward 



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Mach, mech, mich, moch, much 



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der brief gemacht.* Haimonsk. 1531. S. noch die Zss. 
mit "Macher. Von den Mahlzeiten des Tages oder den 
betr. Gerichten: Z' Mittag m., ('sj Kaf(f}i m.; Haber- 
snppe* z' Naeht w. Bs; B; Th; Z. — 2. ,Gott m.S vom 
Priester bei der Verwandlung in der Messe. ,A11 die 
priester, die [z*] Zürich syen, mügen Gott nfit sägnen 
noch m. [da sie im Banne sind].* 1385, Z. — 3. Kin- 
der, Junge m., erzeugen, gebären. Wir wollen gehen, 
uns nicht langer hier aufhalten: da simmer [sind wir] 
nüd gemacht worde* GRh.; Th; Z. 100 Franke' händ 
mich nüd gemacht, ich vermag sie zu bezahlen Z 
(Spillro.). ,Die zwei Erontaler haben mich nicht ge- 
macht* Ü. Vgl. gr. TsxvoicoisTv. a) vom Manne Ap; 
Th; auch in ä. Lit, z. B. Bs XIV. 2^8; UEckst., Klaj? 
K 5 e. Auch mit Dat. P. AiLeer.; Bs; Z. Ebenso in 
ä.Lit, z.B. 1491, Ztschr. f. schwz. B. 23, 344; 1525, 
Absod. IV 1 a, 637. — b) vom Weibe, bzw. Tierweib- 
chen. 1460, Ztsohr. f. schwz. B. V b, 112; NMan. 1522; 
XVI., Bs Brief; Voqelb. 1557, 17 b; Harkrer 1562, 
F4a; TiiRB. 1563, 16 b; 1592, Schaubg, Bq. 2, 262. 
Vgl. it. fare. — 4. Beamte m,, wählen Bs; GnSch.; 
Th; Z. Mer känd hiU en neue' iG^'meindamme* g' macht. 
Z' Sä Peter gand si gan hilfe* d* Obrigkeit m. Schwzd. 
(GRSch.). ,Am gleichen Tag sind die Gemeindewablen; 
es werden gemacht der Wächter, der Wegknecht, der 
Kaminfeger usw.* ZSth. Darnach auch: en Hans usw. 
m,j Einen auf den Namen Hans usw. taufen (lassen) 
Th. ,Vordera band wir (Appenzeller) vil Hansen 
g'machet, aber sie sind uns fast all z' Narren worden; 
druff band wir angefangen Kulenen [1. Kudlenen; vgl. 
Bd III 154] m., und die sind zimlich wol geraten.* 
ScHiMPFR. 1651. — 5. darstellen, eine Rolle spielen. 
De* Herr m, B; U; Z. ,Der Herr z' m. geht ringer.* 
GoTTH., Herbstgespr. Fraw^ m., das Haushaltungs- 
spiel machen ZSth. D'r HoUedihö (= Hollehö Bd II 
859) m. ScHwE. Wie hat 's-es aw^ h*elendet, dass es 
eistet müess deheivie' si*, wenn ander Lüt der H 
miechet, MLibnbrt 1891. Be* Gross (Grösse Th) m., 
e* Grosses w. s. Bd II 803/4. De* Narr (Narret Th; Z) 
m. 1) Spässe treiben SchwE.; U. 2) sich zu Allem 
hergeben, Dienste tun, die nicht belohnt werden B; 
Th ; Z. lez isch ps] g^nueg, »*•* mache* nümme* länger 
rf«" N.! 's Anneli mues* 's Bötli m. für ga* Brienz. 
JCOtt 1864. De» Schlicht (de* Schlichte^, de' schlecht 
Hund ThHw.) m. (an Eim), Jmdn treulos im Stiche 
lassen, durch Hinterlist und Verrat ins Verderben 
bringen, bes. ökonomisch zu Grunde richten Th; Z. 
N. N, war nie verlumpet, wenn nid en guete^ Fründ de 
Schi gemacht hett an-em. De* Guggel, Hund, d' Chue 
mache' s. Bd H 193. 1425. III 91. Ein Spiel machen, 
z. B. en Jass m,; m., wer bersten am Ort sei, um 
die Wette laufen; bes. häufig in Verbindung mit 
einem Gen., z. B. Fähens (Bd I 723), Verbergis, A'- 
scMagis, Jägerfljis, Lereris, Mueteris, Bäuberfljis, — 
6. von Jmd, Etwas ein Bild anfertigen, spec. Jmd 
photographieren Th; Z. Du bist guet HroffC, wer hat 
dt** gemacht? St«* m. la', sich photographieren lassen. 
— 7. prägn. JE* Gesteht m., dem G. einen verdriess- 
lichen, zornigen Ausdruck geben Th; Z. En Grind, 
Chopf m. 8. Bd 11 762; III 410. Mit Dat. P. Eim es 
G*sidU m. wie de bär Tüfel Z. Vgl. anC-mtuihen. Bei' 
m., eilen, sich rühren B; „W;" Z. „Er hat vor CMupf 
schier kei' Bei' m. cihennen^ ,Der Michel wolle für 
d's Tüfels Gewalt kein Bein mehr m.*, sich nicht vom 
Flecke rtthren. Gotth. ,Der Meister hatte den Uli an 



den Pflug gestellt, was [als Zeichen des Zutrauens] 
hundert Väter an den eigenen Söhnen nicht tun, so 
lange sie ein Bein m. können.* ebd. P* bin müedef 
g'sin, das' ['s] wt«* 'düecht hed, «** mög keis Bein me 
m, BE. Ich will di*^ lere' Bei' m, Z. — 8. a) zurecht 
machen, ordnen, in gehörigen Stand setzen. Hole m,, 
fallen, spalten, zerkleinern, fibh. für den Gebrauch 
herrichten Aa; S; Th; Z. E' Chlöfter Holz m., kann 
auch das Aufsetzen bedeuten Bs. Witt gc Holz m.!.^ 
fragt man Einen, der sich ein grosses Stück Brot ab- 
schneidet [weil der Holzmacher bei seiner anstrengen- 
den Arbeit reichlicher Nahrung bedarf] AiEhr. ,Alle 
die, so holz verkaufend by dem klofter, die sollend 
es nach der statt Luzern mSss und klafter m. und 
verkaufen.* L Ansehenb. ,Die Tage bestimmen, wann 
das Holz gemacht wird.* Bs Holzordn. 1806. .Sobald 
eine Gemeinde mit dem Gabholzmachen [s. Bd II 1251] 
fertig ist, soll es unserm Oberförster berichtet werden.* 
ebd. S. noch Hoiz-Geber (Bd 11 95) und vgl. uf-machen, 
Heu m., aufschütten AiLeer., aber auch = heuen ; vgl. 
ein-tägig, Öpfü, HBrdöpfel m., (zum Kochen) zurüsten 
GTa.; vgl. aber auch Bed. 10. 17. ,Sj wuesch die 
hefen, die kessi und die schüsslen und machet die 
fisch.* G Hdschr. 's Hör, d' Här m., kämmen, frisieren 
Bs; ScHW; Th; Zo; Z. Dc Bart m. Bildl. ,Lieber 
lasse ich sie ins Bad, als dass ich viir von der den 
Bart m. [mich zurechtweisen] lasse.* Gotth. E' Grab 
m,, bepflanzen und im Stand erhalten Z; vgl Grah- 
Macher. Eine Treppe, einen Zimmerboden, ein Zim- 
mer m., kehren, reinigen, in Ordnung bHngen Th; Z. 
Einer nachlässigen Hausfrau wird nachgeredet, si 
machi d' Stube* nie vor-^em Mittaglüte', — b) bes. 
mit dem Zusatz wider, (etwas Zerbrochenes, Beschä- 
digtes usw.) wiederherstellen, ausbessern, allg. ,[Die 
Arznei] vertrybt die Heisere und macht den WSg des 
Atems.* ZElgg Arzneib. um 1650. Auch mit dem Scha- 
den als Obj. E' Loch [z. B. in einem Kleidungsstück) 
m., zunähen Th. — 9. (eine Schuld) bezahlen, be- 
richtigen B; Uw. ,Den alten Zins, das Alt noch nicht 
gemacht haben.* Ndw Kai. 1868. , Kommst mer jetzt 
nicht anfangs das Alt und Oberalt m.?* ebd. ,0b er 
ihm das Ding [die Schuld] nicht bald m. könne; er 
müsse auch zahlen und habe schon lange gewartet* 
ebd. 1865. ,Ich werchte schier Tag und Nacht, um 
dem Vater den Zins m. zu können.' B Hist. Kai. 1889. 
,[Das Schuldenbäuerlein] jammerte, er könne den Zins 
noch nicht m.' JGProbst 1889. ,Mein Vater bildete 
sich ein, sein Verdienst solle den Zins m.* Gotth. 
S. noch 21 d a. — 10. erwerben, gewinnen, bekommen. 
J^* Vermöge' m. Th; Z. G&t m., bes. durch Handel 
Th; Z; auch: zurücklegen ü. Öppis m. am Wi', Ge- 
winn herausschlagen Z. Ä' dir War ist Nü(nß z' m,. 
Nichts zu gewinnen SonSt. ; Z. ,Ich wollte ausbieten, 
einen Hof zu Übernehmen und darauf mehr zu m., als 
irgend ein Anderer.* Gotth. Mc muess hütz'tags 
luegc mit *em V'ech öppis z' m. [aus dem Vieh Gewinn 
herauszuschlagen], wo d' Fnusht Nünt me gut Th. 
,Darum abt Caspar gezwungen ward, um sich ze luegen 
und gelt ze machen, wo er kund und mocht.' Vad.; 
vgl. Zschokke's ,Goldmacherdorf.* Auch mit wegge- 
lassenem Obj. Er macht i' H' Sack, sorgt für seine 
eigene Tasche AALeer.; Z. Lö' m. B. ,Er machte 
keinen Lohn*, gewann Nichts. N. B Kai. 1840. Von 
Feldfrüchten, landwirtschaftlichen Erträgen : W%' m., 
bekommen Bs; Th; Z. Hür Mmmer wider emol orddi^^ 



23 



Maeli, mech, mich, inoch, mach 



24 



TT«" gemacht. Doppelsinnig fragt man: Wie vü W%* 
hesch gemacht? Bs. En guete; vollem Herbst m, Th; Z; 
s. noch Herbst 4 (Bd II 1594), Wer Hunds wott tcüsse*, 
wie vü Anke* me* tniech. N. B Kai. 1840. Stimme* m., 
erhalten (hei einer Wahl oder Ahstimmung) B; Th; Z. 
Wo es zum Mere^ cho* sig, hätt er bim Dolder nicht 
e* einzige Stimm g'macht. Gotth. Von einem Antrage 
sagt man, er machi nu^ wenig Stimvie*. Slni erste* 
Zän m.y von einem Kinde Bs. fEs grosses) üter m. 
= üteren (Bd I 607) Gr; Z. ,Volk m.*, sammeln, er- 
worhen. ,[König Otto] verfasset sich zuo einem stryt 
und machet noch ein grosse zal volks.* Vad. ,Mit 
aller irer hah, die sj gewannen hattend, nnd seelen, 
die sy gemacht hattend in Haran.' 1531/60, Gbn. = ,he- 
kommen.* 1677/1868. Vgl. noch Volk 5 (Bd I 802) 
und 8. 20 a 5 und kj. — 11. erleiden, durchmachen. 
„E* Bei*bruch m. Er hat e* völligi Krankheit gemacht 
W." — 12. (einen Weg) zurücklegen Aa; Ap; Bs; 
BSi.; ScH; Th; Z. In Hm Tag 12 Stunde* m. Einen 
Berg w., besteigen GnChur; Th; Z. De* Glämisch 
in eim Tag w. ,Die Fremde m.*, auf die Wanderschaft 
gehen Uw. — 13. ausmachen, betragen. Additionen 
schliesst man mit den Worten: macht (z'särnme^) , . . 
(entsprechend dem lat. ,facit*) Th Z. Wie vil 
macht's, beträgt die Summe? Bs; Th; Z. Was macht 
m%* ürti (ml* Sach Th), was bin ich schuldig? L; 
Th; Z. E* Halbi Bändliker [bekannter saurer Wein] 
zu 3 Batze*; was macht e* Mass? scherzh. Eechen- 
aufgabe [die Lösung lautet: Büchwe] Z. ,Die Re- 
formierten allhier machen nicht viel über den 3. Teil.' 
Serkrh. 1742. ,Schams macht 7 Teil, was Einnemens 
und Ausgebens betrifft.* ebd. Wiegen B; Th; Z. Emel 
zwc* un*^ e hdlbe^ Zentner heig si g'macht, MWalden 
1880. ,Mit sammt den Kleidern gewogen werde es 
ein Kleines sein, was sie über 100 Pfund mache.' 
Gotth. — 14. aufschreiben, notieren S. Nun Cheigel 
[getroffen]; mach- sei HInqgi 1893. Vgl. vf -machen. 
An-, berechnen Aa; Th; Z. Er macht 3 Franken 
Taglö*. En tOi/re Tokter, wo für en einzige^ Gang 
5 Franke* macht Th; Z. Machid au^ nüd z' vü [sagt 
der Bauer zum Schmid, mit dem er abrechnet], nüd 
me, weder das er au^^ vor Gott verantworte* chonnid, 
Wolf, Bauerngespr. »Einem Zins m.* ,Du hättest die 
15 Gulden auch noch bis dahin behalten können, ich 
hätte dir keinen Zins dafür gemacht.* Unsiohtb. 1798. 
— 15. ausmachen, vereinbaren; festsetzen, verordnen, 
bes. von Obrigkeits wegen Ap; Th; Z. Mer mache*d 
no^'* ka* Lö* [sagt der Dienstherr zum neuen Dienst- 
boten]; 1*'* wül z'erst luege*, we 's gong Th; Z. Du 
wersch [wirst] -es vom Jokeb inne*, was g* machet [ab- 
gemacht] worden ist. Ap Kai. 1846. Mer wand [wir 
wollen] iez en Franke* m., sagt man etwa vorschlags- 
weise einer niedrigeren oder einer höheren Forderung 
gegenüber Z. Auch niit Bez. auf die Summe, zu der 
man die Forderung eines Andern selber freiwillig er- 
höht. !<'* will iez es Fränkli m. [statt der verlangten 
80 Rp.] Z. ,Wie es dann die dry mann [Schiedsrichter] 
machend und richtend, das* es dann von beden teilen 
also gehalten werden solle.* Ap LB. 1409. Sehr oft 
ist das Obj. durch einen Satz ausgedrückt. Heirats- 
lustigen Mädchen pflegt man zu sagen, es sei g'macht 
worden, dass an dem Hochzeitstage jede Braut einen 
Hosenträger [Wortspiel!] an die Hand nehmen müsse 
Ap. ,So einer ein zins ab synem guot gelten soll, 
haben wir g'macht, das" einer ein scholdner [Gläu- 



biger] nüt soll vor sant Johannstag bezalen.* Ap LB. 
1409. ,Wir sint g'meinlich mit einanderen Überein- 
kommen und band gmacht, dass . . .* 1498, Obw. , Wir 
haut ouch gemacht, wer mit rossen ze alp faren will, 
der soll...' ebd. ,ünd macht mit ir, so er sturb, soll 
sy syns guots syn ein erb.* UEckst. ,£s ist auch 
abgeredt und gemacht, dass um unbekanntliche Schul- 
den soll Niemand über sie Recht erbieten.* GaKlost. 
LB. Vgl. noch Berg-Heuw 2 (Bd II 1819), Land-Lüt 2 
(Bd III 1523) und s. 21 e a. — 16. mit Dat. P., Einem 
Etw. aussetzen, zuerkennen. ,Umb dass sy [die Prie- 
ster, welche die Jahrzeit abhalten und denen früher 
ein Malter Dinkel dafür ausgesetzt worden war] dester 
bass zuo teil kommen mugent, haut inen myn herren 
für das körn IV Ib. gemacht.* nach 1506, S Ratsprot. 
,Uff das jar hatt man gemacht aim burgermaister 20 pfd 
und aim ratsherren 10 pfd [als Einkommen].* 1523, 
HbStockar. Insbes., testamentarisch zusichern, vor- 
machen Bs (Spreng); BHk. Sehr häufig in der ä. Lit, 
namentlich in den Rqq. des XIII./XVII. S. noch ord- 
nen 3b (Bd I 440), Erb-FaU (Bd I 739), Morgen-Gah 
(Bd n 54/5) und Gr.. WB. VI 1374. - 17. bauen, 
pflanzen, von allerlei Kulturgewächsen, deren Same 
in Masse gesät oder in die Erde gesteckt wird BBe., 
Ha.; Th; Z. „Der Nachbar hat seine Erdäpfel schon 
gemacht.** I** han hit Hockeni g*machd im Blätz 
[Pflanzland] BHa. Machst -mi^^ im Neu [sagen die 
Pflanzen], se gib-i'^ für di** und für d' Söu; machst- 
mi'^ im Wädel, so gib-i"^ (Ejtwäderem [keinem von 
Beiden] BBe. — 18. bewirken, verursachen (welch 
letztere Ausdrücke der Volksspr. durchaus fremd sind), 
a) ÄUes wüsse* macht Ghopfwe, RA., mit der man 
einen neugierigen Frager abfertigt Th. Das macht 's ! 
das ist die Ursache Th; ZG. Das Obj. ist durch einen 
Satz ausgedrückt. ,Er wisse es zu machen, dass 
die Hühner in seinen Stall gehen, um zu legen.* Sch 
Pilger 1885. In dieser Weise häufig Vorstärkung einer 
Aufforderung: Mach, dass es göt, dass d' furtchunnst, 
dass d' schwigst! ,So gang und machent, dass ihr 
essent.* GGotth. 1619. Vgl. lat. fac abeasi — b) mit 
Dat. Eim Füess, Bei* m.. Einen zur Eile nötigen 
Bs ; B ; Th ; Z. Wenn t' ez nid machst, dass t' furt- 
chunnst, so tüill [ich] der denn Füess m., Drohung Th. 
's isch e* Buess für e* Frau, so ftdi Chnechte* z* re- 
giere*, wenn der Ma** fürt isch; Di^ weiss scho*, wie 
me* ne* Bei* macht. Bkbitknst. ,Da manglen wir 
keines Treibers, der hinder uns stehe und uns, wie 
man sagt, Füss mache.* FWyss 1672. Eim B'sinni*g 
m., s. umhin Bd II 1327 unten. Eim de* Verstand 
m,, zu verstehen geben B. ,D's Pfarrers hätten sie 
auch geheissen zu ihnen zu kommen, aber Das sei 
ihnen nur der Verstand gemacht, dass sie ihnen was 
brächten, wohl eine Hamme.* Gotth. ,Der Suppen 
einen Gust m.* Sererh. 1742. S. noch Fuess (Bd I 
1087), Chatz (Bd III 583), Bein. — 19. ausführen, 
vollbringen; gleich tuen allgemeinste Bezeichnung 
einer Tätigkeit, t. an Stelle speziellerer Verben, t. mit 
dem Obj. zs. ein Vb umschreibend, wie im Nhd. in 
sehr zahlreichen mehr oder weniger festen Verbin- 
dungen, a) D' (e* B) Hüshalti*g w., besorgen, führen 
B; Th; Z, Dafür auch: D' Sach, sl*s Säehli m. Th; Z. 
Eim d' Sach, s%* Sach m. 1) ihm die Haushaltung 
führen Th; Z. — 2) ihn zurechtweisen, es ihm ein- 
tränken. ,Wir wend im syn sach dermassen m., dass 
er sy" [darüber] gVüsslich nit wirt g'lachen.* Fünkblim 



25 



Mach, mech, mich, moch. mnch 



26 



1552. Im gleichen S. Mm d'a TFfoe" m. GiiPr. S. noch 
Ordning Bd I 441. <SI« Saeh m., seine Pflicht tan 
Tb; Z. I^r Brich m., alle schmutzige oder niedrige 
Arbeit im Hanse tun SchwE. Dili ahe^wäsehe; Heiz 
ufeHräge^, Böde* putzen, Göfe* aufschirre; hält ehe* 
go* dW Driek m, MLibnbrt 1888. — b) „seine An- 
dacht m., verrichten. Er Mi chum ZU g'häbet, en 
gueti Meini^g z^ m., einen frommen Gedanken zu fassen, 
eine Andacht zu verrichten W." — c) Mittag m., 
Mittagsrast halten Th. Samstig m,, die Samstagarbeit 
im Hause tun, aufräumen £; Th; Z. Syn. samstagen. 
,Stüdi sagte, es wolle heim, noch Samstag m.; die 
Mutter balge [keife], wenn man an einem Samstag 
nach dem Feierabend noch arbeite.* Gotth. D' Osterei 
m., die damit verbundenen kirchlichen Pflichten 
(Beichte und Kommunion) erfüllen 8; UwE. De* 
Herbst m., s. Bd n 1593. Sjn. herbsten, — vi) lys 
Mir m., abstimmen lassen, die Stimmen zählen B. 
Syn. meren. Drüf macht d*s Stvndi das Mer, ob-mer 
«■ stüige' Verein well oder nit weU, Gotth. — e) Bericht 
(S; Th; Z), Bescheid (B; S) m., berichten. Eim Bescheid 
m. für Ä€i* e" cho\ Hofst. Jfe" macht *em Meister 
Bescheid t» 's Hüs. Schild 1866. — f) ^ Schluck tn., 
tun B. ,Die Meisten [denen Benz sein Glas darbot] 
taten ein klein Schlücklein und stellten das Glas 
wieder hin. Das nahm Benz Übel und schrie: Mach 
es früsches! Du mevnst ume*, t«* vermag nit e* Halbi 
z' zäle^/ N. B Kai. 1843, 50. — g) Eim Chüssli w., 
ihn küssen Th; Z. — h) J^ Hüret m., sich verheiraten 
GnPr. — i) bei Steigerungen, nachbieten. Mach n&* 
es Zwänzgerli, Meüi, de^* wül d'r *s lö\ EHInggi. — 
k) s. Lutoi Bd XU 1545. — 20. mit allg. Obj. Es ist 
Nüt s^ schwer y «?«■•- wie« '« cha*^ m. Z. Es ist z" m,, 
möglich, es auszuführen B; Th; Z. Formelhaft: Es 
muess nUt z' m. sl* = wenn immer möglich B. Es hett 
nüt miiesse^ s%* z* m., süst hett er [der Käufer] m%*s 
Garn g*no\ N. B Kai. 1841. ,Das dünkte mich gar 
lustig [dass die Hühner mich umgackerten], und es 
musste nicht zu m. sein, oder ich brachte ihnen Hafer 
mit* Gotth. ,Wenn wir für uns ein Kaffee machen 
so zwüschen tche**, so muss es* nicht zu machen sein, 
oder er muss ein Kacheli davon haben.* ebd. .Es 
müsse Nichts zu m. sein, oder er müsse die Tochter 
haben.* ebd. Jf. und tuen neben einander. 3fe* hat 
öppedie me z* tue^ weder z* m,, mehr Arbeit, als man 
bewältigen kann; kommt vor lauter Eifer für Klein- 
liches und Unnötiges nicht dazu, das Notwendige zu 
tun Th; Z. In B; S steht m. häufig, wo die östlichen 
MAA. in Übereinstimmung mit dem Nhd. tuen zu 
setzen pflegen; vgl. auch noch II. Das macht er nüd 
B. Mach es nit! Gotth. ,[Anne Bäbi will den Markt 
besuchen, aber dahin fahren, nicht zu Fuss gehen.] 
Mach 's, sagte Hansli, für-ne° Schoppe'^ lässt dich der 
Bote schon aufhocken.* ebd. ,Sie müsse die gute 
Milch Denen geben, die arbeiten; er mache Nichts 
mehr. Er mache nicht viel mehr als der Bueb.' ebd. 
Spec. a) Öppis (Nüt) m, a) einen Fehler begehen, 
sich Etwas zu Schulden kommen lassen Bs; Th; Z. 
Syn. öppis anstellen. — ß) seine Notdurft verrichten, 
bes. von Kindern, aber auch von (kleinern) Tieren 
AALeer.; Ap; Bs; G; Th; Z. Dafür auch s«" Sächli m. 
ZBauma. Vgl. noch: Kei* Wunder, macht der Hund 
Plunder: er hat dW Muster d' Büchi g'frisse\ Sprww. 
1869. S. noch b. — y) sich rühren, regen, bes. Klagen 
oder Schmerzen äussern Ap; Th; Z. Er Mt Nüt 



g'machty wo-me^ 'n g* schnitte* hat, Syn. kein Mux m. 
Er hat nid vü gemacht [bei einer üblen Nachricht]. 
Von Tieren. Furch -der nid, der Hwnd macht Nüt! 
beisst nicht. Das Boss macht Nüt, schlägt nicht aus, 
wenn man sich ihm nähert. — d) unpers. Es macht 
Nüt, tut Nichts, hat keine schlimmen Folgen Bs ; Th ; 
Z. Macht 's acht öppis, we**-mer dur^ die Wis dwe* 
gönd? Th; Z. Mit Dat., Einem Etw. anhaben, scha- 
den, Nachteil bringen Bs; GnPr.; Th; Z. DSm macht 
Alls Nüt, er hat eine unverwüstliche Gesundheit Th ; Z. 
Brenta* [Bergnebel] hi; Brenta* htr, Die machi im 
Nüd. ScHWZD. (GRPr.). Häufig unpers. Hat 's-em 
öppis g*machty hat er (z. B. bei einem Falle) Schaden 
genommen? Es macht-em Nüt [keine Mühe], en Sack 
GhBme* z* lupfe* Th; Z. — e) „Ich will Etw. daran 
m., will anfangen, daran zu arbeiten. Er kann Nichts 
daran m.. Nichts dazu beitragen, ist ausser Stande, 
Etw. daran zu tun oder zu helfen.** Eim öppis am 
Chopf m., verhüllend für zausen, beohrfeigen Th. 
,Ein Fieber, wo kein Dokter Oppis dra' m. [dagegen 
tun] chönn.* Gotth. ,Wenn man sich [vor dem Spiegel] 
recht drehe und bögle, so werde es viel daran m. 
[dazu mithelfen], dass man sich hinten und vornen 
sehe.* ebd. Was bin *** schuldig? ViJUcht chann ich 
scho* US de* l*bünger [Geschenken] vo* de* C^vatter- 
lüte* öppis dra* m. [an die Schuld bezahlen], ebd.; 
vgl. 7. — 5) *s ist Nüt z* OT. mit-em, Nichts mit ihm 
anzufangen, bes. kein Geschäft mit ihm abzuschllessen 
Th; Z; vgl. II 1 e a. Ist öppis z' m. mit-i^? fragt 
der Hausierer seine Kunden, ebd. Mit dem Junker 
het^s-e-si^^ la* m,, aber d' Frau ist e* hochmüetigi 
Dam g'sl*. CBibderm. 1893. Nid vü m. mit Eim, sich 
wenig mit ihm abgeben Th. ,Buoland macht nüt vil 
mit Ganelon.* Moroant 1530. — nj) Nüt us Eim m., 
sich Nichts aus ihm machen Th. Er macht Nüt drüs 
ZO. I** weiss nit, wa^s »** uss-em m. muess, wofür 
ich ihn halten, was ich von ihm denken soll Bs. — 
b) was machst, was mached-er (Gruets), wie geht's? 
Aa; Bs; B; G; Schw; Th; Z. Darauf wird zuweilen 
die scherzh. Antwort gegeben : Was no*^ nüd gemacht 
ist Z. Auf die Frage: Was macht [wie geht es] 
N. N.? antwortet man etwa: Ghrumbi Bei*, wenn 
er sitzt Bs, oder mit derberm Scherz (wortspielend 
mit 20 a): Was wett-er m.? Ticks und Tünns Z, was 
er ^esse* hat, ebd. Was machst? fragte in BStdt ein 
Papagei, als er ein Erdbeben verspürte. Unpers., vor- 
fallen, sich zutragen. Viele müssen die Zeitung noch 
haben, denn ,8ie müssen wissen, was es in Zürich 
gemacht habe.* XHerzog 1863. — 21. ,es m.* a) eine 
Arbeit aus-, durchführen; auskommen; es treiben Z. 
Gang ncr, t** mache* 's öni dich! Es hat no^^ g*nueg 
Lüt uf der Wtlt, '« würt wider gemacht; wigen eim 
Sticke* göt kein Hag ab. Stütz. Wie me* 's macht, so 
hed me* 's, wie man 's treibt, so geht 's. Ineichem. 
,Wenn ihm das Mutterli abgehen sollte, er wüsste 
nicht, wie es ferner m. [was anfangen].* Gotth. Mit 
adv. Bestimmungen, a) es guet m. 1) gut handeln, 
recht tun. I** ha* fment^ g^ad wemme* 's guet mache, 
geng 's Em au^^ wider guet, ond mach me* 's schlecht, 
so wer^ 'seh Em eben au^^ wider schlecht go*. Ap Kai. 
1848. — 2) bei seiner Arbeit Erfolg haben; mit Ge- 
schick und Erfolg wirtschaften, ökonomisch vorwärts 
kommen B; Sch; Th. Mached's guet! Abschiedsgruss 
an Solche, die an ihre Arbeit gehen Sch; Th. Mi* 
macht 's dtri ng z' halb besser, Gotth. — 3) eine 



27 



3fach, mech, mich, moch, mncb 



28 



yorteilhafte Wahl treffen, beim Heiraten B; Z. Was 
d* Brävi u*^ d's WSreh isty so lue^, wo d's besser miechist 
[sa^t ein Mädchen zu einem Burschen, dem es sich 
zur Frau empfiehlt]. Gotth. Jhm sei es gegangen, wie 
es es nie hätte denken dürfen, nicht nur, weil es es 
gut gemacht, sondern weil es gerade Den bekommen, 
der ihm im Sinne gelegen.* ebd. Wie macht si 's? 
was macht sie für eine Partie? B. Syn. es triffen. 

— ßj «» lang (churz) m., es lange (kurze) Zeit treiben, 
bes. mit Bez. auf die Lebensdauer B; Gr; L; GG.; 
S; Th; Z. Er macht's nümme^ lang, wird bald ster- 
ben. [Die Mutter] ist e* zächi und macht 's no** lang. 
,Die [Grossmutter] hat *s nicht lang gemacht hier im 
Walde; weiss nicht, ob sie vom Heimweh gestorben 
ist oder von der Wassersucht.' AHartm. 1852. ,Ab- 
solom machte es kurz: er musste im besten seiner 
Jahren darvon.* AKtbürz 1753. Zu Etw. lange (nur 
kurze) Zeit brauchen ScnSt; Th; Z. Bes. von Rednern. 
De^ Pfarrer het 's schüH*^ lang gemacht, „Es Einem 
zu lange ro., zu lange zaudern, ausbleiben.** — b) die 
Karten austeilen, beim Spiel ZO. Syn. es geben. Wer 
macht 's, du oder ich? — c) genügen, ausreichen B. 
Syn. es tuen, «Hundert Taler machen es nicht.* Gotth. 

— d) es m. (in Bs auch ^m,) chönne^, g'm. möge*. 
OL) Etw. zu Stande bringen, bewerkstelligen, ausführen, 
sein Ziel erreichen (können) AASt.; Ap; G; Th; üwE. ; 
Z. Scho* lang hätt-en cu'* gerti g' schickt, aber t** hä* 's 
nie chönne* grad m. [es hat sich keine Gelegenheit 
dazu gefunden]. BStbll 1888. Auf die Frage, wie 
lange man nach N. zu gehen habe, erhält man den 
Bescheid: In ere Stund mag-me* 's g'm. Th; Z; vgl. 12. 
I** cha** 's nüd m., habe die nötige Summe nicht zur 
Hand, vermag sie nicht zu bezahlen G; Th; Z. Cha**st 
du 's m., das Geld auswechseln ? Th. Bittenden ant- 
wortet man achselzuckend: I<* cÄ«»« 's, chönnt's nid 
m., es ist mir nicht möglich, die Bitte zu erfüllen 
AASt.; Th; Z. — p) bestehen, leben können, sein (ge- 
nügendes) Auskommen haben, mit dem Nötigen (z.B. 
mit Geld, Speise) ausreichend versehen sein Ap; Bs; 
B; G; Sch; Th; üwE.; Z fg'm.), Ercfw's (mag's) 
nilmmer (q')m,, geht ökonomisch zu Grunde. , Soviel 
Geld verdienen und es nicht m. können.* Gotth. J«* 
cha*** 's (mag ^s) Cg'Jm., bin gesättigt (scherzh.). ,Sie 
hätten erst zu Mittag gegessen, es könnte es m. bis 
morndrist z' Abe»^.' Gotth. ,Er solle doch nicht in 
die Fremde gehen, sie könne es nicht m. ohne ihn.* 
ebd. Er mag 's wider g'm., von einem Genesenden 
Ap; Z. Er mag's nümme lang g'm., treibt es nicht 
mehr lange GG. — e) es m. mit. a) mit Eim Z, mit 
enandfre^J Bs; B; L; W; Z 1) Übereinkommen, sich 
verständigen, sich vergleichen, handelseins werden. 
aaOO. Dafür: es z'sämme* m. B. Wenn dW g'schid 
Sit, so mached-er 's z's, u*^ lad 's nüd zum Spreche* 
[vor den Richter] chon BR. Mit adv. Bestimmungen. 
Es schriftlech m, mit Eim, die getroffene Vereinbarung 
aufzeichnen Th; Z. Es gnädig m. mit Eim, glimpf- 
lich mit ihm verfahren, bes. eine nur massige For- 
derung an ihn stellen Th; Z. 2) es mit Einem auf- 
nehmen Z. Mit S^bem mach-i"^ 's denn scho* na*'\ 

— p)'wii* Oppisem, damit auskommen, sich damit be- 
gnügen Bs; Th. G'mainröt und Fresidänte*, die hai* 's 
flw*"* mit Hdlblln g'macht» — f) mit Dat. P. a) es 
Eim m. 1) ihn behandeln, an ihm handeln Bs; ß; 
Th; Z. Du machsch ['s] dim eigne* Ma**, es üt e* 
Schand, Stütz. Du weisst, wie si mir 's einist g'macht 



het t" d'r ChiV**e^. Gotth. Es Eim wüest, schlecht m. 
In anderm S. : Mach-mer 's recht [führe mir die Arbeit 
richtig aus], Name des Knechtes im Kdld vom Haus- 
halt L. 2) prägn., Einem übel mitspielen, es ihm 
eintränken G; SchSI Syn. Eim defär tuen; vgl. noch 
19 a 2. Wart, t*"* will der 's mj. ,Dtt schwarzer Schölm, 
wir wend dir 's noch wol m.!* sollon / Bauern einem 
Pfarrer zugerufen haben. 1(510, Abbch. ,Ich will es 
dir m.*, dich dafür strafen. Hosp. 1683. ,[Die ent- 
lassene Magd] habe ihm [dem Dienstherrn] getrauet, 
sie wolle es ihnen schon m., darüber zwei Kälber er- 
lämt und ein Kuh verderbt worden.* 1701, ZWast. 
Prozessakten. ,Der Landvogt habe es ihm mehr als 
einmal gemachet.* 1763, Z Staatsarch. — 3) dem Oheiser 
es m,, auf die Zehnerkarte im , Kaiserspiel* [s. Chaise 2 
Bd III 514] eins oder drei aussetzen, zum Gewinnen 
L; Ndw. Syn. chaiseren (Bd III 515). J«* ha* 's mim 
Gh. g'macht, JRoos 1892. — ß) es Einere* in., sie be- 
schlafen AALeer.; Bs; Z. — B. in erweiterter tr. 
Fügung. 1. mit Inf., lassen, veranlassen, bewirken, 
a) ohne ze. Mer hän der Dokter maehe* ko* Bs. Mit 
fortgelassenem Acc: Mache* macht fnegen, frisch ge- 
wagt ist halb gewonnen GaVal. ,Die Hitz einer sol- 
chen Bitt macht alle Tag vom Schatz des Zorns Etwas 
Schnulzen.* FWtss 1672. ,Wenn er sie nur alle drei 
Jahre macht Rechnung ablegen.* XYIII., Eschbrs Tageb. 
,Alle strafmässigen Sachen angeben und m. abstrafen.* 
GaKlost. LB. , Jeden Tropfen Wein kaufen und kom- 
men m. [müssen].* PScheitlin 1828. — b) mit ze, in 
B; F; S; W sehr häufig, in den nordöstlichen MAA. 
auf eine kleine Zahl bestimmter Fälle beschränkt. 
Ein'n z' lache*, z* schreie*, z' flueche*, z' schwitze*, z' 
geine^, z' fürchftje* w. S; Th; Z; so auch bei Ruef 
1540; Fris.; Mal.; Myricäus 1630. Eine* z' Isser, ^ 
trinke* m., seinen Appetit, Durst erregen. Id. B. ,D' 
Ermi macht d' Lüt vil z' tue*, paupertas facile ad vitia 
ducit.* ebd. D'r Schuelmeister het mi^ mache* dvnne* 
z' blibe* [in der Schule nachsitzen]. B Hink. Bot 1861. 
Du han-ig-se mache* zueche* [zum Tische] z' sitze*, 
Dr BXri 1885. Wege* so-n-ere* alte* Chräje* cha**-me^ 
nit Alls m. z' warte*. B Dorfkai. 1871. Die Leute 
brav m. z' verliere*. Gotth. D'r Chlupf het wt*'* machen 
ahi z' gheien. Wohltat. Jünol. 1780. Ein'n Öppis m. 
z' mache*, faire faire B. Eim Eppes z' verleide* m. 
Gr. Öppis z' schicke* m., es so einrichten, dass Etw. 
passt B; Z. Es iüott si^^ mer neue^ nit angers schicke*. 
,So mach 's z* schicke*!' Gotth. Di* Att het (^ feissQS 
Chalb mache* z' metzge*. Dial. (Fü.). ,Fervefecere, 
ze sieden m.* Fris. ,Wir band 's schiff machen z' gehn 
und geylt hiehar.* GGotth. 1599. ,Dise wort werdend 
uns g'wiss nicht m. z' fliehn.' ebd. ,Syn Pfert git er 
[der Graf von Habsburg] dem Pfarr und machet in ze 
ryten.* LOt., Sagen. Mit pers. Dat. statt des .\cc. nach 
Anal, von , Einem kund und zu wissen tun': ,Und wird 
hiemit Jedermänniglich zu wüssen ge>aacht.* Z Mand. 
1691. , Einem eine Aussage zu wissen m.* JMev. 1694. 
— 2. mit präd. Adj., wie nhd. Eine^ hö^, faltsch, bäs 
m., aufbringen, erzürnen. Eine* schlecht m., in schlech- 
ten Ruf bringen, verleumden Ap; Sch; Th; Z. Eine 
Mutter macht ires Ghind schö*, putzt es heraus Th. 
Eine* brever m. [schildern], als er ist. ebd. I"* müesst 's 
sust besser m., weder dass 's g'si* ist, sagt Einer, der 
ein Gerät, Geschirr nicht gern entlehnt Z. ,Man 
könde den tüfel nüt so ung'schaffen m. [peindre]. als 
sy [die Riesin] was.* Moroant 1530. jS^ jung m,, 



2ft 



Maeb, mech, mich, moch, mach 



30 



stellen ScoSt Sieh ffröss m. s. gross 1 d Bd II 804. 
.Eine kälberne Brust gebraten m.* Goldschm., Wint. 
Chr. Etw. o/f'e^ m.^ öffnen GaPr. Etw. guet m. 1) als 
gut hinstellen. ,Der Kapnciner mieche auch das 
Juden-, Heiden* und Türkentum gut.* Flsi 1696. — 
2) eine Geldschuld -abverdienon ScHSchl. I** zale^ 's 
nid, »''* wfü *s dio* guet m, — 3) ein Stück Schlacht- 
vieh, mästen Soh; Th; Z. Mit unbest. Obj. Es guet, 
hösm.y (einen Zustand) als g&nstig, schlimm darstellen, 
schildern; bes. vom Arzt in Bezug auf einen Kranken 
Th; Z; 8. auch Sprww. 1869, 105. Mach 's doch nit gar 
80 schtUifchJ! sagt man zu Einem, der einen Zustand, 
eine Begebenheit in allzu düstern Farben malt Th ; Z. 
Bk rMU m, mit Mm, eine Schuld ausgleichen GaPr. 
'BitieUes tciü'i^'^ nüd und tue" 's speterhi* etten-eswie 
mid-ne rieht m. Scbwzd. Mit fehlendem Acc. Wüest 
m,, seine Notdurft verrichten, von Wickelkindern Bs; 
Th. Heiter m». Helle verbreiten oder herbeiführen 
S; Z. [Ich] ha* no^^ grad müesse* vor däis Fenster 
sitzt^f wo am heiterste" gemacht het, wü keini hölzige" 
Schibe" d'rin gsi" «••. BWiss 1863. S. noch fertig 
M 1 1041. Statt des Acc. steht ein Dat. P. Eim wol 
(B), trd (L) m,, tun. [Der Branntwein] macht d*r wol. 
GoTTH. Eim warm m., bildl., ihm ganz nahe auf den 
Leib rücken, scharf zusetzen (mit Worten oder Taten) 
Th; Z. Die Beiden [Kampfer] händ-enand warm 
gemacht Er hät-mer [mit Zureden] e fange" warm 
g'maeht, Unpers. Vom Wetter: es mclcht ehalt, warviy 
finster (Bd I 873), frisch (Bd I 1331) u. ä. allg. ,Dem 
Einen macht es viel zu nass, dem Andern viel zu 
trocken.* B Hink. Bot 1815. Auch: es maeht sch&n 
Witter AiLeer. Es macht Dag, tagt Bs. ,Das Weiber- 
volk ist Tag für Tag hinter der Brattig und rechnet, 
wenn's wieder Neumond mache.' Ursbnkal. 1868. — 
3. mit präd. Subst. mit Präp. Einen z* Schande" m. 
1) wie nhd. — 2) ausschimpfen; zu Grunde richten 
Bb. Dervor iä'-wt** z' Fitze" m., eb i** nä*^gibe". Gl 
Volksgespr. ,Latine reddere, zu latyn m., in latyn 
verdolmetschen.* Fris. ; Mal. ,[Sein Buch] hat er uss 
dem Tütschen zu Latyn gemacht* 1574, Miso. Tig. 
Die Aare «macht die Statt in zwen Teil.* Cts. — 4. mit 
adT. Bestimmung, welche Richtung oder Ziel der Tätig- 
keit bezeichnet. Einen z' Bode" m., zu Falle bringen, 
eig. und bildl. Bs; B; Uw. Vgl. nhd. .niedermächen.' 
Luege", wie si enangere" z' B, viache"*^. Gotth. ,Zwei 
stürzten auf mich zu und machten mich auf den Boden.* 
ScewKtz. Untsrhalt. 1860. Die Weinreben über den 
Winter z" B,m,^ abe"-leggen (s. legen i 6 Bd III 1175) 
Bs. Einen Handel z^ B, m., niederschlagen. Hausfr. 
1881/2. ,Z' B. macht das Unglück das Haus nicht.* 
GoTTO. Öppis uf d* Site" m. (auch abs.), bei Seite, 
zurück legen, sowohl «inen Teil seines redlichen Er- 
werbes als Ersparniss, als auch fremdes Gut, stehlen, 
yeruntreuen Th; Z. Etw. ,an ein Ort m.' s. Bd I 484. 
Dazu noch: ,Da88 ein Ding wo immer müglich an ein 
Ort gemachet und Gerechtigkeit gefürderet werde. 
Schleunig Recht ist gut Recht.* FWtss 1673. ,Das 
Facenetlein umb den Huot m. [befestigen].' Krieos- 
BÜCBL. 1644. Unpers. .Es hat den Schiffern Wasser 
gemacht auf die Bindläden* Z. S. noch Ordning Bd 1 
441. — C. refi. 1. meist unpers., angehen AALeer.; 
Bs; L; G; Tu; Z. Wie gät 's? Es macht-si'^ (esoj. 
Simärer flissig? Es macht 8i^\ Aufgefordert, in ein 
Lob einzustimmen, antwortet man iron. : Es maeht «t''\ 
Gm, Das ist schö" (guet) ! Es macht-si^^. Schlicht bin- 



t** nüd, und mit der TummJheit m^acht-se-si''^ aw'', 
glaub'i'\ JSbnn 1864. Hut macht-se-si"^ (mit-^em 
Witter) Th; Z. Dafür auch: 's Witter macht-si'^* hüt, 
ebd. — 2. sich ausnehmen; sich anstellen, sich be- 
nehmen Bs; L; GF., G.; Th; Z. Du madMt-dio'^ nid 
übel i" dim neue" Kleid. Er macht «'* besser [stellt 
sich besser an zu seinem Dienste], weder das* t*** 
g'meint ha". Wie macht-er si*"^ jez bi sim neue" Meisler? 
— 3. sich anlassen, sich entwickeln, gedeihen, vor- 
wärtskommen, (-gehen) Bs; GnChur; GF., G.; Th. Das 
Chind macht'Si^ [entwickelt sich] prächtig. Wol, wol. 
De*" maeht si*^ [macht Fortschritte]! Er macht si''* 
guet, es geht ihm gut, z. B. in seinem Geschäfte. 
's macht «'** ganz orde^li^^. 's macht-si'^^ wüest, vom 
Wetter, wenn der Himmel sich bewölkt und mit Re«^en 
droht SThierst. — 4. unpers., es macht-si^^ (scho" 
wider), lässt sich (schon wieder) in Ordnung bringen, 
herstellen Ap. A : Wenn 's iHz use"ehwnnd, so bist du 
g* schuld! B: iSe'& «n>(2-«i'^ m. [sich finden]. ESchönek- 
BEROER 1894. Sich fügen, geschehen, ,0b sich de- 
heinist wurd m., dass einer sjn rechtung verkouft 
hätt.* 1457, AAWett. Klosterarch. — 5. sich (eilends) 
irgendwohin begeben Bs; Gr; G; Th; Ndw; Z. Sieh 
i" 's Bett m. Sieh nöchberlig m., in die Nähe rücken 
Bs. i** maöÄ-mt«* voruse^, KdMbt. 1844. I«* muess- 
fj^ch ^gjm PI ScHwzD. Mach-di^^ gan arbeite"! Ndw. 
,Die stat, hinder die er [ein Flüchtiger] sich gemacht 
hat.* 1421, Absch. .Wele' unser burger sich von 
unser stat macht, dass er von unsef burger recht 
'gangen ist* ältestes L Ratsbüchl. ,Butz dich, mach 
dich, heb dich rösch, e ich dir dyn bös mul er- 
trösch.* RüEF 1540. ,Ich will mich gon Bethlehem 
m.* VBoLZ 1554. ,Domum ire pergam, ich will mich 
gon heim m.* Fris. ,Nun da es ward umb mitte nacht, 
die in dem ross sich drus band gemacht [sind hinaus« 
gestiegen].* GGotth. 1599. ,Sich heimb in syn Hub 
m/ Z Mand. 1650. 

II. intr. oder abs. 1. sich rühren, tätig sein, ar- 
beiten, handeln, a) allein stehend oder mit modalen 
oder temporalen Bestimmungen. Me" cha"" nid me 
als m. [an einem fort arbeiten], antwortet Einer, der, 
trotzdem er sein Möglichstes leistet, zur Eile ermahnt 
wird Bs; Th; Z. Do cha""-me" m. und m., und 's 
nützt Alls Nünt, alle Anstrengung, auf einen grünen 
Zweig zu kommen, ist umsonst Th; Z. Dö cha""'me" 
da"" go" m,, wann 's Eim halt nüd wiü [wenn das 
Glück Einem nicht wohl will]. MLibnbrt 1888. ,Ich 
schien den ganzen Tag zu m., und machte doch nur 
halb so viel als sonst.' Gotth. Mer söttit no^ e" chli" 
m. Th; Z. Uf und devo" m., über Hals und Kopf 
arbeiten. Gotth. Mir wei" jetz ir"stig m. GJEchn 
1806. Mached g'schwitid (Th; Z), /H (W), sputet 
euch ! In dieser prägn. Bed. ,sich beeilen, sich sputen* 
erscheint m. auch alleinstehend, bes. in imperativischen 
Wendungen Aa; Bs; B; L; G; Th; Z. Mach, m, aw**, 
einist, e" chli"! Mach aw**, eb Öpper chunnt! Stutz. 
Gang weidli"*, mach und gib-em Öl! ebd. Mach au*"* 
emol, so göt *s en Wig! Er macht, strengt sich ausser 
Atem an AALeer. lez heisst 's m., sus(t) wir(d)ed-meT 
nümme fertig Th; Z. M., bis..., (in seinen Bemü- 
hungen) nicht nachlassen, bis ein (beabsichtigtes oder 
unbeabsichtigtes) Ziel erreicht ist; in letzterem Falle 
der temporale Nebensatz mit der Bed. eines Folge- 
satzes und m. übergehend in den Begriff ,bewirken* 
Gl; Th; Z, M., bis es ist Gl, bis me" 's hat Th; Z* 



31 



Maeh, mech, mich, mocb, mnch 



82 



ilfe" hat g^machet, bis 's [z. B. eine Maschine] wider 
gegangen ist GlMoII. Du machst (8cho*J, bis d' Tatsch 
[Schläge] überchunnst, sagt man warnend zu einem 
unartigen Kinde Th; Z. Der Hund bellet und macht, 
bis de" Chasper verwachet, RBrandst. 1884. J«** mache* , 
bis »«* 's ha; sagt der Gemächliche Tn; Z. Er macht, 
bis er 's hat, übereilt sich nicht, spöttisch von einem 
Lan amen Th; Z. Lang m., zu einer Arbeit, übh. 
zu ii end Etw. lange Zeit brauchen, zaudern Bs; B; 
VO; Fi; Z. Vgl. es lang w. Wer lang macht, cha** 's 
nid 1 l. Ineichen. Er hat hüt lang g'macht, sagen die 
Kirchgänger vom Pfarrer Th; Z. Df macht lang, 
bleibt lange aus, lässt mich lange warten Bs; Th; Z. 
Unerwartet schnell Zurückkehrende werden mit den 
Worten begrüsst: Der hait (er händj nit lang gemacht! 
ebd. Er macht nümme lang, wird bald sterben GG. 
(Besechend her und nit lang macht, die priesterschaft 
sunst belangen hat.* Habbrer 1562. — b) ,m. an Etw.\ 
daran arbeiten, sich damit beschäftigen, bes. mit einer 
Absicht, einem Plan ; dann auch mit Bez. auf drohende 
Veränderungen, welche nicht vom Willen abhangen, 
z. B. an-ere* Chranket umm^ m. ünpers. Es macht 
am Wetter, die (günstige) Witterung droht umzu- 
schlagen AAÜasenb. Dafür: Es macht am andere* 
Wetter AALeer., a» anderem Wetter (umme*) Bs; Th; 
Z. 's macht an Öppis umme*, ein Unwetter ist im 
Anzüge Bs; Th; Z. — c) ,für sich m.*, auf eigene 
Rechnung arbeiten B oE. Syn. meisterieren. Er macht 
für in, — d) ,m. auf Einen, Etw.*, auf Einen, Etw. 
bauen, rechnen, sich verlassen Ap; GG.; Th; ZO. 
Syn. gän uf. Me* cha** nit uf-in m., er ist unzu- 
verlässig. Du cha**st druf m., darauf zählen. In 
anderm S. ,uf guot Gölt m.*; s. Bd II 638. — e) ,m. 
mit Einem', sich beschäftigen, zu schaffen machen, 
spielen. Mit dW Chatz m, GA. S. noch f a. Spec. 
a) Geschäfte machen, verhandeln; handelseins werden, 
sich vertragen B; Th; Z. Vgl. 20 a 5, 21 e a. 's ist 
guet mit-em e* m., leicht mit ihm auszukommen Sch ; 
Th; Z. ,Mach mit ihm [dem Gläubiger], so gut du 
kannst; mW wei* luege; vne m*r ^s mache*/ Gotth. 
,Wer mit bevogten lüten macht.' Ap LB. 1409. ,Also 
dass sy [die Pensionier] für und für mit fremden 
herren machen, das gelt nemmen und der frommen 
kind die streich ze lösen schicken wöUtind.' Zwingli. 
,Ich will also mit üch han gemacht: wenn ir 's gelt 
band und ich das myn, so will ich wol zefriden syn.' 
BuEF 1540. Bächt m. mit Eim, ihn (bes. durch Geld) 
befriedigen GrD. I«* will scho* rBM m. mit-me. — 
ß) sich messen, es aufnehmen, sich in einen Kampf, 
bes. Wettstreit, einlassen, ringen B; L; Th; Nnw; Z. 
Vgl. 21 e a 2. Mit lederem m. Ober u/nd ober m. mit- 
enandere*, so dass bald der Eine, bald der Andere 
fällt Ndw. Du hend'Si au"^ Guräschi g'ha*: 's hed 
Einer gemacht mit 10 Ma*\ HIpl. 1801. Mit Dhn 
will-i^ im Schwingen schon ei*s m. BR. Mier bed hei* 
mengist mit-enandren g'macht, wBdra*" ender fertig sig. 
ebd. ,Es seien im ganzen Kanton nicht ein Dotzend, 
die mit mir m. könnten.' Gotth. ,Wie ihr ihn [den 
Kittel] der Hans zerrissen, als er mit ihr gemacht 
habe.' MWalden. ,[Die Appenzeller] wolltcnd mit den 
unsern [bei Vögelinseck] g'machet han.' Vad. ,[Beide 
haben] also mit dem weibel g'macht und g'f echten, 
dass sy in zerücken band g'worfen. Indem sy also 
mit dem weibel g'macht und g'rungen.' 1561, ZWint. 
Chr. Wetten Th; Z. — y) necken; mit Worten 



streiten, zanken B; GA.; s. noch 3 b ß. Siheid lang mü- 
enand g'macliet, a^so mit-enand g'machet, bis si enand 
[Schläge] g'ge* heid GA. — d) unpers. Es mat^t mit- 
mer, ich bin unentschlossen, im Kampfe, uneins mit 
mir selbst GG.; Th; Z. 's hat lang mit-mer g'macht, 
(s)eb t** well gä* oder nüd, ,Wie macht es mit dem 
Patienten ? ' B. Vo* Stung a*, wo er vo* dem Zug [der 
Arznei] g'^^o* heig, heig-me* g'seh*, dass es ne* grüsam 
a*gr%f u** mit im mache wde* Wlg, u** du heig 's 
emd du mit im fertig g'macht, Gotth. ,Lang macht 
es nicht mehr mit mir [treibe ich's nicht mehr]', sagt 
eine Schwerkranke. Gotth. — f) m. als Bezeichnung 
anderer specieller Tätigkeiten, a) spielen, bes. mit 
Karten, aber auch von jedem andern Spiel B; Gr; L; 
GA.; Th; Uw; Z. Mit der Frage wie mache^d-mer? 
erkundigt man sich vor dem Beginn des Spiels nach 
der Spielart oder Höhe des Einsatzes Th; Z. Um de* 
Kafi, e* Flasche* Wi* m. Machst du mit Dine* 
[Karten]? Syn. Ä;ommcn Bd III 263. I"^ mache* nid, 
spiele nicht mit. Falsch m, GnSchud. Hindersi^ m. 
= en H.-Jass (Bd III 70) m. Th. ,Grad oder ungrad m.*, 
ein Spiel unter vielen andern. 1530, Absch. S. noch 
fünf 1 (Bd I 852). J** mache* nümme*, sagen Kinder, 
wenn sie nicht länger mitspielen wollen Th; Z. — 
ß) aufspielen, Musik machen B. ,Die Schwester macht 
auf dem Klavier.' Gotth. ,Fidicina, die auf seitenspil 
macht.' Fris. S. noch Hafen Bd II 1010. Bes. in der 
Verbindung: ,zuo tanz m.' ,Welicher spilmann zu t. 
machate.' um 1480, Obw. ,Nit ze t. oder spyl ze m.* 
1502, Z Anz. 1884, 15. ,Es ist euch beschähen, dass 
jung, frölich, muetwillig g'sellen sich verkleidet, uf 
dem kilchhof getanzt und einer mit einem totenbein 
uf einem totenboum zue t. g'macht.' LLav. 1569. 
,4 pfd gab N. N., als er an einem nachhocbzyt zue t. 
gemachet.' 1576, ZGrün. ,Die Spillüt, so z' T. go- 
machet, sollen gestraft werden.' Z Mand. 1601. ,Die 
Spillüt unsrer Landen, so zuo T. machend, mit was 
Instrumenten Das joch beschicht.' B Sittenmand. 1628. 

— Y) schreiben B. ,Es nehme sie Wunder, wie sie 
daraus kämen [die Schrift lesen könnten], jeder Schul- 
bub mache schöner.' Gotth. — ö) seine Notdurft ver- 
richten, von Kindern, auch kleinen Tieren, z. B. Vögeln 
Ap; Bs; B; Gl; GA.; ScH; S; Tu; Z. Vgl. 20 a ß. D's 
Chind hat g'macht B. I* 's Bett, uf de* (an'n) Bode!^ 
m. Die ddine* Chind mache*d Eim i* d' Windle*, die 
grossen uf 's Herz [bereiten Einem Kummer]. Sprww. 
1869. I* d' Hose* w. S; Th; Z. Er hat fast i* d' H. 
g'macht, vor Angst, Ungeduld. ,Vor zorn möcht 's mir 
den buch zerryssen, dass ich z'letst müesst in d' hosen 

— machen.' Funkelin 1552. ,Alles, was das Kind in 
7 Jahren tut, ist schön und artig, sogar wenn die 
Mutter es auf ihren Kopf hebt und es ihr auf die 
Nase macht.' LKInderbitzi 1826. ,Syn kind machtend 
uf den tisch und syn frow was wol als unlustig [un- 
appetitlich].' Auf. XVI., G Neuj. 1893. — 2. sich in 
einer Richtung bewegen, die durch ein Adv. bestimmt 
wird. VorwärtfsJ m., sich beeilen, eine Arbeit (rasch) 
fördern GrPt. ; Th ; Z. P* hetti 's gire*, wenn d' rwcfclt** 
vorwärt müechist und ^/i"* fertig chiemtist. Schwzd. 
(Gr). Fürsi*'^ m, a) = dem Vor. Sch; Th; Z. Mach aw«* 
e* chli* fürsi**^, du Schlarpi! ACorrodi. »Machend für 
üch, wie stand ir gaffend?' JBinder 1535. ,Und mach- 
tend für sich [mit Plündern].' GWyl Copialb. ,Wolan, 
nun lasst uns für uns m.!' MtrioXus 1630. — b) er- 

' sparen, erübrigen Sch; U. Syn. vor-maehen. Aber auch 



33 



Maeh, mech, mich, moch, much 



34 



mit ansgedr&cktem Obj. : 1!jT rtuicht Nünt f. Hindersi*^ 
m. a) zurückkommen, in ökonomischer Hinsicht U; Z. 
— b) yon der Verlobung zurücktreten, sie rückgängig 
machen AaL. Der Jokeb ist itz c" Höchziter, h. war 
€• Schema, MLemz. S. noch die Zss. — 3. sich ge- 
berden, sich benehmen, tun; bes. von auffälligem Tun, 
lobhaftem, erregtem Ausdruck der Empfindungen in 
Geberden und Lauten, bzw. Worten AALeer.; Bs; B; 
L; GG.; S; Th; U; W; Z. Syn. tuen, a) alleinstehend, 
in prägnantem S., toben, lärmen B. De^ macht! Dir 
hed g' fügtet und g* macht ZO. Wueate^j schnüze^ und 
tue' und m. KdMrybr 1844. — b) näher bestimmt 
a) durch Modal- (Folge- und Vergleichungs-) Sätze. 
,Er het gemacht, me* hätt nit dörfe* lose*, ita non 
temperavit ab ira, ut furias audire dixisses.* Id. B; 
In EICHEN. ,5» het gemacht, wo-n-er gestorben ist, me* 
hätt g'meint, si weit nache; tanta ejus erat afflictio, 
ut eum ad infcros sequi videretur.* Id. B. Si hein [im 
Wirtshaus] gemacht, wie wenn d'r Tüfel los wän BB. 
.Der macht, als ob seine Worte Kugeln wären, und 
Jeder maustot, gegen den er einmal geredet.' Gottb. 
,£r macht, als ob er Millionen hätte' B. ,Der war 
Sonderling und machte nicht wie andre Leute.' W 
Sagen. ,Er mache, wie man ihn heisse' S. Er macht 
wie-n-e Narr, In ei oben, „wie ein Kind." ,N. N. machte 
auf seinem Totenbett nicht wie ein Christenmensch.' 
HPest. 1785. Er macht wie d* Mueter, hat die gleiche 
Art in Wort und Geberde GG.; Tb. M., we d* Vögd, 
Vogelstlmmen nachahmen, ebd.; Z. ,Der Drat macht 
wie-n-es Seil [fa le veci di]' W. ,Z*sämme* m,, agere inter 
se invicem. Si inache*^ z's. toie di Taube*, ut canes 
rabidi se lacerant. Si mache*'' z's. wie d* Gauche*, 
ad nauseam usque sibi blandiuntur, asinus asinum 
fricat.' Id. B. — ß) durch einfache Adv?. Wüest m., 
sich Übel geberden B. Wo-n-i*"^ uf N. cho* bi*, het 
dert en Hund so verßuecht w, gemacht über mi**. B 
Dorf kal. 1864. „ W. m. mit Eim, ihn derb ausschelten. " 
Vgl. : Wie D(^ o"* mit-mer gemacht hat, i** Äa" g* glaubt, 
es gib Schlag. B Hink. Bot 1861. Eim umest m., ihm 
übel mitspielen B. ,Vergiss doch nicht, morgen ein 
G'schüch in die Erbsen zu stellen, die Spatzen machen 
ihnen sonst viel zu wüst.' Gotth. GrUsli'^^ m., eine 
Geberde des Ekels machen Bs (Spreng). Mach nur 
nit so gr. drab, tu nur nicht so sehr dawider! Leid 
m,, sich unartig aufführen, über die Massen weinen W. 
Orob m, ebd. ,Wenn man schleiken [leise tun] will, 
macht man erst grob.' Griselli'''^ g'nOog m., von einem 
Sterbenden, der kaum mehr atmen kann BHa. Lüt 
m,, lärmen, laut reden AALeer.; Bs. Still m., sich 
ruhig verhalten Bs. Hühscheli(gJ (Bs; BHa.), Itslig 
(Bs) m. Machid h., dW Att schläft! ,Machet recht 
hübschlig und still!* WSenn. Bürig m., sich grob, 
roh benehmen BHk. Dumm m, B; S. Tue doch uf 
und mach nit sövli d.! Gotth. , Jakob solle es ihr 
ja doch nicht nachtragen, dass sie im Stall so d. ge- 
macht habe.' AHarth. 1852. N. N, liät gester z* Nacht 
e* Busch g*ha* und so lustig g'm^juht. Stutz. S. noch 
glatt II Bd II 653. ,Was ist Aparts, dass du so 
machst', dich so aufgeregt geberdest? Gotth. ,Sie 
sprach Sophie Mut ein, sagte ihm, so solle man bei 
einer blossen Gefahr nicht m., man könne sich ver- 
sündigen; wie es sich denn geberden wollte, wenn 
das Unglück wirklich eintreten sollte.' ebd. ,Mädi 
sagte, es sei doch dV Wirt eso z' m., es werd öppe c" 
Mansch si* icie-n-e* angere*"/ ebd. Los, lueg au^\ toie 

Schweiz. Idiotikon. lY. 



(las [fiebernde] Chind macht! Th. Wie chönne*d die 
Frösche* aw^ m,! KdMey. 1844. — Von der Lebens- 
weise. Mager m., mit schmaler Kost vorlieb nehmen U. 
Es slg e* grössi Hungemöt e*tstande*, und au''^ er heig 
nah und näh m. g'macht und Mangel g'litte*. — c) mit 
Angabe dessen, was durch Geberde und Wort ausge- 
drückt wird. Dabei kann das Wort unter Umständen 
in den Vordergrund treten und die Geberde zur blossen 
Begleiterin desselben herabsinken, ohne jedoch ganz 
zu verschwinden. Jene Angabe besteht a) in einem 
einfachen Wort, aa) Ja, Nei* m,, eine bejahende, 
verneinende Geberde machen; ja, nein sagen Ap; Gr 
Pr.; Th; Z. Er ist en Ma** worde*, der mit Gottes 
Hülf alliv^l hed chönne* ja und nei* m. [den Mut hatte, 
seine Meinung zu äussern] ZStall. — ßß) Adie m., Ab- 
schied nehmen. Adieu sagen B; S; Tb; Z. Er macht 
Allen A, Schild 1885. I<^ möcht o"* no^^ A, m. mit-ne*. 
MWalden 1880. — ff) Gesundheit m., eine G. trinken, 
mit den Gläsern anschlagen Bs; B; S; Tb; Z. Si 
m^iche*^ G, z'sämme*, Schwzd. (BO.). Drüf fät de**^ 
dW Ruedi a* mit-^em Kätheli tschänzle* u*^ G. m. ebd. 
(BM.). Wi* 'trunken und G. gemacht und a*pütscht 
[angestossen]. Joacb. ,Drinnen schenkte, sobald man 
sich gesetzt, der Alte wieder ein, machte G.' Gottb. 

— P) in einem abh. Satze. ,Er macht gar, es sig im 
iiberschi, valde conqueritur de injuria sibi illata.' Id. B. 
,Er het gemacht, wie-n-er im weU bistä*, sanctissime ei 
auxilium suum promisit.* ebd. ,Er het chönne* m., 
wie-n-es im so leid stg, deos omnes poenitentiae suae 
testes vocavit.' ebd. — y) in direkter Rede AaLcct. ; 
Ap; Bs; Buk.; GaChur, Pr.; Scb; S; Th; Z. Hier 
bedeutet also m. so viel als ,sagen, bemerken', aber 
„mit besonderm Ausdruck, Nachdruck reden, apostro- 
phieren; es ist in der Erzählungsart des Volkes üb- 
lich, wenn es eine Eindruck machende Manier des 
Redners beschreiben will." Es steht häufig in einge- 
schobenen Sätzen. Wenn si d' Ürte* 'zalt händ, hat 
er gemacht: Oblisehe! Schwzd. (ScBStdt). Aber, hat 
er g'machet, wa* vmr^ o«* d' Brut säge*, wenn ... ebd. 
Nei*, i'^* üö"-»ii** nüd ztte Allem brüche*, macht er. 
Das ist iez wider Öppis G'schids, i<^ wott Nüt tcOsse* 
devo*, macht er. Toll und voll simmer, m^achet d's 
Näni. ScflwzD. 's st* a«''* schdni Fülli g*st*! macht 
der Bur. BWyss 1863. Der Ätti het gemacht: Ml* 
lieber Son. Dial. (GaChur). Auch von schriftlichen 
Äusserungen Gl; Z. ,Er macht in sym brief...* 
UEcKST. — d) unpers. a) von Witterungserscheinun- 
gen, sehr stark, heftig regnen, hageln, schneien, stür- 
men Bs; B; G; ScB; Tb; Z. Das macht! Lueg au*'^, 
wie 's macht! , Lieber Gott, wie das macht, wie die 
Steine rollen vom Bergjoch ! ' Hennf. Faht 's a* schütten 
und m. und chlöpfen und chrache* wie z' mitzet im 
Summer. Scbwzd. S. noch cMein 2 a^ (Bd III 652). 

— p) vom Schalle, tönen, lauten B; Z. Syn. chiden. 
Me* säg im so en arige* Name*, 's het fast gemacht 
wie... MWaldkn. ,Wann man aber für ein kleines 
Denkzeichen sich so beschwärt, wie wird 's erst m., 
wenn man dem Götti soll grosse Dienste tun?' AKtburz 
1753 (vom Z Drucker 1760 geändert in ,wie wird man 's 
erst m.*, offenbar weil er die Wendung nicht verstand). 

— y) von Geschriebenem, lauten, heissen BHk. Da 
macht's, heisst es. — ö) von Begebenheiten, verlaufen, 
gehen BR. Wie hed 's g'macht? S. II 1 e 6 am Schluss. 

III. Der Inf. als Subst. 1. das Arbeiten, Verfertigen 
usw. Was Mache*s, wenn 's scho* g'macht ist? RBaur. 

8 



35 



Maeb, mech, mich, moch, rauch 



36 



Da* ist e» höefes) M., sagt der Handwerker, wenn er 
eine schwierige Arbeit ausführen soll Th; Z. Ver- 
blasst: Sache, Ding. Es ist e* schtUigs M. mit der- 
gattige* Lüte*, eine verzweifelte Geschichte. Ap Kai. 
1859. Es ist €• Ströls-m,, ,eine verruchte Mache* Ap. 
Chetzers-, StrcUs-m., Interjj., mit denen man Verdruss 
ausdrückt ZO. Ch, [eine unangenehme Geschichte], 
dass 's iezed au^ Das hat mOesse* ge^! Str., iez Äon-t** 
d' Gilttäsche* vergisse* ! — 2. Art, Manier, Benehmen. 
Es ist doch au^ es M.! Ineichen. , Welches gewiss 
ein unmanierliches M. wäre.* GHeideoqbr 1732. Tolles 
Treiben, Lärm. Was händ die volle* Bure* ßr «" M.? 
6b (Spreng). 

IV. Das Ptc. Perf. in eigentümlicher Verwendung. 
1. getan, geleistet, in der RA.: Das ist vü gemacht 
(von im), eine Leistung, ein grosses Opfer, das will 
Etw. heissen, das ist ihm hoch anzurechnen BsL.; B. 
S. vil Bd I 775 o. öppe* vil g, ist es nicht e^ fare* 
wid mi^ da hinger la\ Gotth. ,Ihr vexiert nicht mit 
uns, das wäre nicht viel g.* ebd. ,Das sei viel g. von 
ihm, dass er die Mühe nehme.' ebd. ,So milchst noch! 
Das ist viel g.* ebd. , WSrchigs [arbeitsam] sei Theresi, 
selb sei wahr, und g*wüss viel g., dass es so zu seiner 
kranken Mueter luegi.' Akerik. Schweiz.-Kal. 1888. 
Doch isch 's vom Hans vü g, gsi; ^ass er numme das 
Alls si^ het chönne^ lo* säge*, Breitenst. Das ist NtU 
g, von em, keine Art B; Z (G'machets), Das isch Nüt 
g. von ech, so z* laufe*, toie wenn d' Lanc^eger hinger- 
ech dri* wdri**. MWalden. ,£s Hessen sich Stimmen 
hören, dass es doch Nüt g. sei von dem Engelwirt, 
dass er das Mareili sitzen lasse.' Alpbnh. 1870 (BE.). 
,Was^ist Das g. von einer Mutter, wenn sie es ihrem 
Mann gönnt, dass er beide Beine gebrochen!' Gotth. 

— 2. gemacht im Gegs. zum Natürlichen, Gewordenen, 
künstlich Bs. 's isch kai* rieht Boss, 's isch numme 
so g., beim Sattler. ,Ein gemachter Vatter, gemachte 
Gcschwisterte', die es erst durch Adoption geworden 
sind. 1719, Bs Rq. — 3. a) gebildet, vom Äussern. 
J«* möcht hesser gemachte Tier g'seh* [als Dieses]. 
Bauernkal. 1883. Und 's Fiüli — lueg, lueg, wie uf- 
g'setzt, icie'güggUt, wie schon g,! Joachim 1885. Wol, 
übel g, Th. Prägn., schön geformt, ausgearbeitet, von 
Dingen L (Ineichen). — b) gesittet L (Ineichen). — 
4. prägn., fertig, vollendet, vollkommen Ap; Th; Z. 
Es ist Alles g. gsi*, was er g. hat. Das ist nüd O-s, 
eine unfertige, unordentliche, wertlose Arbeit. Di^ 
Wig isch -es au** Öppis G-s, etwas Fertiges, Abge- 
schlossenes. E^ gemachte Ma**, wie nhd. AALeer.; 
Th; Z. „Er ist ein gemachter Höfling.** ,Homo ex 
mendacio factus, ein gemachter lugner.' Fris.; Mal. 

— 5. aus-, abgemacht, bestimmt Aa; Ap; G; Th; Z. 
's ist g.f topp, es gilt! 's seil g. »•/ Wolf, Bauern- 
gespr. Es ist asa g-a Ap; GTa. D' Frau Nöchberi* 
schimpft e* Betzli, wenn si wider chunnt — s^b ist g. 
[ausgemacht, sicher]. WHaüskhecht 1891. 's ist wie g,, 
wie verabredet, abgemacht; ganz sicher Th; Z. 's ist 
wie g, : wenn t** hott tcill, wott er wist. *8 ist wie g, : 
we**-mer Wösch händ, so rSgnet's, klagt eine Hausfrau. 
,Diser nacht sag ich ir 's g'wiss nit, das ist g. [steht 
fest].* Aal 1549. — 6. »** bi* g,, zwischen Stuhl und 
Bank gefallen B (It Über See und Alp 1865, N. 15). 
Vgl. Gr. WB. VI 1387. — un-g'macht: „phys. grob, 
z. B. ein u-er Stecken ; moralisch ungesittet, z. B. ein 
u-er Mensch." Unordentlich SSchw. Du bisch doch «• 
U-e'! SjTL. ungeschaffen. — selb-g'machet: selbst- 



verfertigt (-gesponnen, -gefärbt und -gewoben), von 
dem sog. Walsertuch GrD. Sonst sUber g'm. ,Der 
Vollblut-Baselbieter liebt es noch immer, sich in S-es 
zu kleiden.' JEbttiger 1857. 

Ahd. mahhön. Darnach wäre fUr die 8. Sg. Pr&s. lad. 
und das Ptc. Perf. -et zu erwarten (vgl. Winteler 1876, 
154 f.); doch sind die betreffenden Formen, wenn auch wahr- 
scheinlich heate noch häufiger und verbreiteter, als unsere 
Angaben erkennen lassen, Oberall im Zurückgehen begriffen 
zu Gunsten der synkopierten Formen, die auch von der 
Schrifteprache gestützt werden. Auffallend ist die ziemlich 
weit verbreitete weiche Aussprache des inlautenden Gutturals. 
Das Prät. miech (auch bei ThPlatter; JCWeisseub. 1678; 
1712, AaKIingn. ; Ulr. 1727) ist nach Analogie der redupl. 
Yba mit Pr&sens-tf (z. B./aUen) gebildet. Miecht(i) ist eine 
Compromissform. Machteti (st. maehti) hat sich an Formen 
wie apaltett von Vbn mit dentalem Verschlusslant als Stamm- 
ausgang angelehnt.. — Etymologisch gehOrt m. ohne Zweifel 
zs. mit gemach. Das W. bedeutete urspr. «passend machen, 
zsfCIgen* und war wohl zun&chst ein Ausdruck der Hand- 
werkersprache. Von hier stieg es zu allgemeinerer Verwendung 
auf in der Bed. von «hervorbringen, zu Stande bringen, be- 
wirken' und wurde schliesslich zur Bezeichnung einer Tätig- 
keit Obh. Immerhin unterschied es sich von dem sinnver- 
wandten tuen dadurch, dass es speciell ein zweckvolles Tun 
bezeichnete und concretern Begriff hatte, und dieser Unter- 
schied ist im Grossen und Ganzen bis heute geblieben; nur 
tw. sind, gerade auf unserm Gebiete, beide WW. dem Sinne 
nach völlig zsgefallen. Tw. lockerte sich auch die Beziehung 
auf ein (bestimmtes) Obj. und verlor sich am Ende ganz: 
es blieb nur noch der Begriff des (raschen) Sichbewegens, 
Sichrührens zurück (vgl. II 1). Indem sich aber (bes. bei 
GefOhlsäusserungen) mit der körperlichen Bewegung sehr oft 
die Tätigkeit des Stimmorgans verbindet, ergab sich eine 
neue Bereicherung des Bedeutungsinhalts (vgl. II 3 c). Über 
die Anordnung im Einzelnen konnte man manchmal im Zweifel 
sein, da die verschiedenen Bedd. sich oft enge berühren oder 
in einander übergehen. Nicht unerwähnt bleiben darf die 
weitgehende Übereinstimmung, die zwischen der Verwendung 
unseres W. (namentlich in den westlichen MAA.) und der 
des frz. faire herrscht; ob und inwieweit freilich geradezu 
Beeinflussung durch das Frz. anzunehmen sei, ist schwer 
auszumachen. Vgl. z. B. I A 3 b mit frz. faire des petits; 
«Int Zän m. mit ,faire ses dents*; ,eine Krankheit m.' mit 
,faire une maladie'; I A 17 mit ,faire ses orges'; ferner die 
Fälle, wo m. fUr tuen eintritt usw. Die Anwendung II 1 d 
erinnert an den Brauch, in den Glückshafen ,auf geliebte 
Gegenstände oder Personen zu setzen, von deren Namsung 
man Glück erwartet zu haben scheint (s. Z Taschenb. 1882, 
280 ff.). 

ab-mache*^: 1. vom Berg ins Tal befördern, z.B. 
Holz W. — 2. beseitigen, entfernen, losmachen, a) mit 
Acc. S., z. B. ein Brett, ein Türschloss, eine Schnur 
Al; Bs; B; Gl; Gr; L; S; Th; Zg; Z. De* Bart a., 
rasieren GrL.; Syn. cibe^'tuen. Es rviacht keim Boek 
kei*s Hörn ab, tut Einem nicht weh, bringt keinen 
grossen Nachteil S (Schild). BUtz, Härwärbe* a., sich 
eine Hautschürfung zuziehen BHa.; L. Bildl. Die 
merste^ [Regierungsleute] hend emd grüsli*^ Sorg, ''ass 
si uf kei* Site* starch a*schiesse* und Platz abmache*. 
L Nachr. 1865. D* Bei* a., die Beine brechen S. E* 
Mose* a., einen Flecken (z. B. aus einem Kleide) ent- 
fernen Bs (Spreng). Eine Ziffer a», wegstreichen, aus- 
löschen „Gl; Gr; L; Zo." ,Sie essen und trinken [so 
viel], dass man es mit einer Mäsb'striche^ oben a. 
könnte, wenn es nicht von selbst oben abliefe.* Gotth. 
Spec. a) Gras, Chom a., abmähen B; S. ,In 3 Tagen 
machen wir unser Korn ab, am Samstag muss Sichelten 
sein.* N. B Kai, 1843. — ß) ein Gewebe vom Webstuhl 
B; Z. ,Wie das ein wichtiger Tag ist, wenn der Vater 



37 



Mach, mech, mich, moch, much 



38 



ein Wubb abmacht und damit anf Burgdorf zu wan- 
dert* GoTTH. — y) mit Verschiebung dos Obj., Bönen 
a. =: ah'fädmm (Bd I 676) Bs; G; Zg; Z. Der Türke^ 
a,, die Körner vom Kolben abreiben Gr; Gßh., We. 
,Da holt der Hausvater jeden Abend eine Zaine voll 
[Maiskolben] herunter, um sie abzum.* WSbnn 1871, 
288. Bäben a,, von den weissen Bflben die Blätter 
abschneiden TeSteckb. Syn. ab-hauwen, — d) ebenso, 
en Wagen a,, abr Osten, z. B. die Leitern sammt Zu- 
behör herunternehmen SThierst; Th; Gegs. üf-m, — 
t) mit Dat. F., wegnehmen, schmälern, vermindern B. 
,Wenn der Schulmeister dem Pfarrer das Ansehen a. 
kann, so spart er's nicht.* Gotth. — b) mit Acc. P., 
Einen von Etw. abbringen, abwendig machen Ap; Bs; 
G; ScH; Th; Z. Mn'n vom Spile^, vo* der Arbet a. 
Er hett 's wol ttu^, aber me^ hät-en abgemacht Auch 
bei Denzl. 1677. — 8. (eine Zeichnung, ein Bild) 
einer Vorlage entnehmen, abzeichnen; (eine Vorlage) 
nachzeichnen, abbilden, spec. photographieren Ap; Bs; 
G; ScH; Th; Z. Vgl. machen I Ä 6; Syn. ab^nBrnmen, 
"rissen. Wo hast die Zeichni^g dbg'macht? Er ist 
guet abg'macht, getroffen. Sich a. Za*. ,Es war eine 
Scene zum A.* GStdt. ,Contrafactur, us Vesalii ana- 
tomy abgemachet.* Bübf 1554. ,A., effingere, einsi 
angesicht läblich a., exprimere faciem alicujus.* Mal. 

— 4. a) fertig machen, abschliessen GrL. ,Darumb 
der Spruch: mach us, mach ab!* ÜEckst. Spec, mit 
dem Leben abschliessen, sterben AiLindenb. Er het 
abg'machi. Bei der Weberei berührt sich die Bed. 
des Abwickeins im eig. S. mit der übertr. des Voll- 
endens, Fertigstellens. «Schneller als es machte Keine 
[Weberin] ihren Zettel ab.* 1860, JMüll. — b) Etw. 
a. (mit Eim)j ausmachen, vereinbaren Bs; Th; Z. Mer 
händ (mit-enandj abg'macht, mer welli^d hüt verreise*. 
En abg'maehti Sach, eine abgekartete Th; Z. Mit 
Weglassung des Acc. cl) sich verständigen, verglei- 
chen, abfinden (gewöhnlich gegen Bezahlung einer 
Entschädigung) Aa; Ap; Bs; BBe.; L (St.*>); GG.; Sch; 
Th; Zo (St.^); Z. Si hend mit-enand weg-em Lö* ab" 
gemacht Ap. Er hat müesse* mit einer Brut a., bei 
der Lösung des Verlöbnisses Th; Z. Si händ chönne* 
a. um 50 Franke*, den Handel beilegen gegen Be- 
zahlung von 50 Fr. an den (die) Geschädigten Th; Z; 
Syn. abschaffen. Auch : I«* ha* 's mit-em abg'macht. 
St.^ Einen für gehabte Mühe, Arbeit entschädigen, 
bezahlen, befriedigen L (Ineichen); GG.; UwE.; U. 

— ß) Einem derb die Wahrheit sagen Bs (Spreng). 
I** ha* mit-em abg'macht. Syn. äb-rechnen. — 5. ab- 
g'machti lAbere^, Hirdöpfel, gebratene ZRafz. — Ab- 
machete'^f.: 1. (Bönli-JÄbmachede*, die Gesammtheit 
der abgezogenen Fäden Bs. — 2. Vergleich, Abkom- 
men Aa; Ap; Bs; B; L; GG.; SCH; S; Th; Zg; Z. 
Der Dohter iü>erchunnt die versprochene* 40 Franke*, 
löt'Si^^ lüt Ä. mit den angere* 40 uf es haJbs Jär ver- 
tröste*. Schild 1876. Spec, gütliche Beilegung eines 
Streites^ bes. nach Rauf bändeln Bs; B; S; Z. Si 
[Streithähne] heige* jo geng i* allne* Eggen inne* A. 
HoFST. ,Wüst sieht 's [nach der Schlägerei] in den 
Köpfen aus. Es kommt eine A., wo wieder brav 
Schnaps konsumiert wird und die wieder mit einer 
Schlacht endigt.* Schweiz. Dorfztg 1863. — 3. Lohn, 
Entschädigung, Vergütung L; GG.; Uw; ü. 

abo»-: 1. tr. a) Etw. abwärts bewegen, z.B. Holz, 
^ab-m. 1 SThierst.; Fensterläden, herunterlassen L 
Stdt; Obst, vom Baume nehmen, pflücken B; L; S; 



Syn. abe*-tuen. ,Als die Kühe dem Melker die Milch 
aufzogen, wollte er mit Schlagen sie a. [bewirken, 
dass sie herunterkomme].* N. B KaL 1840. ,1793 wurde 
beschlossen, der Landjäger solle auf die Orgel [in der 
Kirche] gehen und die Leute ohne den Schulmeister und 
die Sänger a. [hinuntertreiben, -schicken].* AKüchler 
1886 (Obw). Eim d' Hösli a., herunterlassen (um ihm 
Schläge auf den Hintern zu geben), bildl., ihn züch- 
tigen; s. ChnütD Bd III 774. Me* häd-is fast d' Hut 
abe*g'macht, heruntergerissen ; bildl., arg zugesetzt mit 
Bitten Sch. Pots Sehiess, Die [die Frau Meisterin] 
hat den Oring hoch öbe*; aber es müesst d'r Tu fei tue*, 
SU mache* i'^-ne* Dere* ache*, demütige ich ihren Stolz. 
Gotth. Syn. Eim de* Höchmuet abe*tue*. — b) mit 
Acc. F., Einen verkleinern, heruntersetzen, -machen 
GaChur; Sch; Th; Z. „Der Scheinfreund hat seinen 
Mitfreund abeg'macht, in Schatten gesetzt, verkleinert.** 

— c) Ptc abe*g'macht, niedergeschlagen ZLunn. — 
2. mit Dat. F., Einem derbe Verweise geben, ihn aus- 
schelten Bs (Spreng); L; Soh; Z. „Ich habe ihm brav 
abeg' macht.** Wie Mt Die 'balget und mer abe*g'macht! 
Stutz. — 3. abs. a) auch obenabe^-m., unpers., = abe*- 
hauwen 2 a (Bd II 1807) Aa; Bs; L; Sch; Th; Z; vgl. 
machen II 3 da. Da' hat aw^ gestert z' Nacht abe*- 
g'macht, Stei* [Schlössen] hat 's g'gi* we Hasdnuss! 
Unterdesse* macht 's dussen immer erger oben, und es 
ist e* wäri Freud gsi*, am Feister g* sta* tmd dem 
Fletschen und Tatsche!* zuez'luege*. ACorrodi. Tr. ge- 
wendet, 's macht d' Morge*rdti abe^, wenn nach Mor- 
genröte, die Regen verkündigt (s. Bd II 1819 unten), 
dieser wirklich sich einstellt AABb. In Ap einfach: 
regnen, schneien usw., ohne verstärkenden Nbbegr. 
Es macht Nünt abe!*. — b) pers. S; Z, unpers. B, vom 
Preise, sinken; abschlagen, ,0b es [auf dem Markte] 
mit den Schweinen hinauf oder hinunter gemacht.* 
Gotth. S. noch Bd II 1320. — c) ebenso, ufen- und 
äbe*m., von Personen: unschlüssig, heute so, morgen 
anders gestimmt sein ; von Zuständen : beständig wech- 
seln Th; Z. Syn. Hag üf und Hag ab m. Bd II 1067. 
Es häd ufen" tmd abe*g'macht mit-mer, ich rang nach 
einem Entschlüsse ZS. 

über-: 1. überstreuen, z.B. ein Grundstück mit 
Dünger ScnSt. Me* cha** de* ganz Acker dermit ü. 

— 2. unpers., übertreiben. „Es hat ihm's Übermacht, 
das Brot ist zu hart gebacken, das Fleisch zu stark 
gebraten, das Heu zu dürr geworden BO." Sonst nur 
im Ptc. Perf. ubermach(e)t in adj. und adv. Verwendung, 
= übertrieben, übermässig, ausserordentlich, sehr Ap; 
GF.; ScH; Th. Das ist doch Übermacht, übersteigt 
alles Mass GF. Ü. gross, tür, vil. Zo alle* LöcJUene* 
und aUe* Spältlene* i* schüsse*d ü. vü ötere*, g'rad 
we wenn si z* Hütte* voll here* 'trat worde* wdri*d. 
ScHwzD. (ScuBargen). ,Si leiden grosse ü-e Unge- 
schicklichkeiten.* JJBreit. 1616. ,Von den unzahl- 
baren, Ü-en und nicht mehr träglichen Missbräuchen 
und Neuerungen.* ebd. 1629. ,0 der ü-en Frächheit 
des Satans!* FWvss 1653. ,Die Juden waren ü. gott- 
los.* ebd. 1655. ,Der Gassenbettel ist ü.* 1677, Z 
Synode. ,Sie konnten ihren ü-en Seelenschmerzen 
nicht widerstehen.* AKlingl. 1691. ,Die ü-e Kleider- 
hoffart.* Z Mandd. 1703/57. ,Mit ü-er Kostbarkeit.* 
Bs Polizeiordn. 1715. — 3. Überwältigen, töten; z.B. 
von einer Krankheit, die einen Menschen dahinrafft 
BHk. — 4. refl., es mit Arbeiten übertreiben Ndw. 
Syn. ü.-tuen. — Zu 2. Der Dat. wird wohl nicht eine 



39 



Maeh, mech, mich, tnoch, mach 



40 



bestimmte Person moinou, sondern sich aaf das betr. Sahst, 
beziehen, oder das unbestimmte Pron. (s. e« 4 Bd I 511) 
repräsentieren. 

übere"-raache": 1. auflegen, z.B. ein Pflaster Z. 

— 2. a) überstehen, durchmachen Ap; Th; Z. P* 
ha* '8 jetzt obere* g'macht [nämlich die Hochzeit], sagt 
ein junger Ehemann. Ap Kai. 1816. — b) erledigen, 
abtun ZO. ,Wir wollen 's [das z' Nüni-Esse*] gleich 
ü., so gibt 's noch Etwas aus, bevor zum Mittagessen 
gerufen wird,* JSenn. Das Weitere s. unter über-hin 
Bd 11 1323 unten. 

u f- : 1. tr. a) (etw. Zerstreutes, Ungeordnetes usw.) 
zsnehmen und aufhäufen, aufnehmen, wegräumen Bs; 
G oT. ; Uw. a) Heu u., auf der Wiese ausgebreitetes 
Heu zsnehmen, -rechen, sei es, um es einzusammeln 
Uw, oder um Mahden oder Häufchen daraus zu bilden 
G üT. ; ZO. ,Das gras und stupflcn, so auf feissten 
ackern ston bleibt und wie höuw aufgemacht wirt.' 
TiKRB. 1563. — p) Wüschete' [Kehricht] u., aufkehren, 
wegräumen Bs; B; ,V0; Gr (St.i).« — y) d' Bär u,, 
aufbinden, von Frauen GrS., Scuolms, Tschapp.; Z. 

— ö) Frucht u., auffassen Bs. — •) Brot m., den Teig 
zu Laiben formen, ,ballar il pane* GRPr. Vgl. laiben 
Bd III 954. — b) aufarbeiten, a) Holz (auch Chris 
Th; Z) m., spalten, aufhacken; aufschichten Ap; Sch; 
Th; Z. S. Heizi Bd U 1833. ,Alt rünn [verdorrte 
Tannen] und umgevallen holz mag man wol u.' 1472, 
GBurgau Olfn. ,Wellicher holz howen tuet und das 
nlt ufmacht und zuesammenhufet.* 1524, Schw LB. 
,Sj betten aber das [Holz] zuo keiner rechten zyt 
genommen ald ufgemacht, sonder allein die schyter 
hinweg gefüert und das abholz oder rys ligen und er- 
fuleu lassen.' 1554, Hotz, Urk. ,Das" man nun für- 
hin keim [Bürger] welli das abholz lassen, sonder 
myne hcrren wellind 's u. und zue Iren banden nämen 
und keinem burger mer vergunnen, das abholz ufzem.* 
1556, ZWint. Katsbeschluss. ,Was uf jeder syten lyt, 
holz und studen, soll ein jeder u. und dannen nemmen.* 
1597, LMalters Amtsr. ,Wann Einer grün Holz hawte 
und aber das Holz nit aufmachte und hinweg führte, so 
hat alsdann ein Jetlicher Gewalt, dasselbig zu seinen 
Händen zu nemen, es seie aufgemacht oder nit* SchwE. 
Klosterarch. ,Wie das Klafter aufgemacht werden 
solle.' B Holzordn. 1738; wechselnd mit »aufsetzen.' 
,Das Holz solle zum Behuf der Armen und Bedürftigen 
aufgemacht werden.' Bs Waldordn. 1781. , Aufmacher- 
lohn per 5 Klafter ä 30 ß.' 1789, ZGrün. Amtsrechn. 
S. noch HolZ'Giber Bd II 95. — ß) Vieh m., geschlach- 
tetes Vieh zerlegen, für den Verkauf herrichten ? »Den- 
jenigen Frömden, so verdorben Vieh schinden oder 
aufm., [wird] vielmal bei hocher Buss angokündt, 
äussert dem Land zu verbleiben.' 1654, Gr ßq. — 
Y) Frucht u.f mittels der Windmühle, auch durch 
Schwingen reinmachen Sch; Th; Z. Sehr oft auch 
abs. — c) auf-, zurüsten, in guten Stand setzen, für 
den Gebrauch herrichten. »Omare, zuorüsten, bereiten, 
ein ding hüpschlich aufm.' Fris.; Mal. a) e* Bett u., 
aufschlagen, rüsten Th; Z; auch in der lokalen Schrift- 
sprache heimisch. Ufg'machti Better. »Bettstatt und 
Kasten zu Marthalen abgeschlagen und zu Rudolfingen 
widrum aufgemacht, dem Tischmacher 13 Kr.' 1682, 
Zubers Tageb. E* Zelt u, Bs; Sch. Fn Wagen «., auf- 
rüsten» spec. : die Leitern aufsetzen Aa; Sch; S; Tu; Z. 
Scherzfrage: Was mucss-me' ha', uemmer will e* W, 
u,Y Das Gefragte nennt einen Bestandteil des Wagens. 



worauf das Fragende es belehrt: Nei; de* Platz Aa 
Suhrent. Fn Webstuhl u. Schw; Th; Z. Ztcei Web- 
g'stüedel, die me* chönnt u. Schw Hausratbrief. D* Most' 
müli, d' Trotten u. Tu. En Tisch u., zum Bügeln 
herrichten, indem man die Platte mit einem Tuch 
überspannt Z. D* Chüchle* u., mit Werg behängen 
GrD. S. noch Heimen Bd II 1477. — ß) de« Oarte* 
u. = gartnen (Bd II 440) GRObS. — d) fertig machen» 
beendigen; s. uf Bd I 119/20. »Damit ich es aufmache, 
ut luduro finiam.' Red. 1662. — e) öifnen. allg. S. uf8 
Bd 1 120. Syn. tüffen, uf-tuen. En Chnopf «., auf- 
lösen. Es wird verboten, »ohngeheftete und aufge- 
machte Hauben [Hauben mit aufgelösten Bändern] zu 
tragen.* G Kleiderordn. 1727. — f ) Wild m., aufspüren, 
aufjagen, vom Jagdhunde B; Z; Syn. uf-tueti. — g) Für 
u., anzünden (eig. aufflackern machen) Ap; B (It Alpenh. 
1870). Ond der Senn macht 's Fürli uf. Ap Sennenlied. 
— h) mit Acc. P.» aufreizen, -wiegeln Ap; G; ScHSt. 
(Sulger); U. Syn. uf-stiften. Ufg'macht han i*'^ dann 
Niemer, Das lammer -i*"* [lasse ich mir] da** nit la* 
nä^^rede* U. ,Ihr macht meinen Mann immer auf, 
dass er so hagelschlächtig ist.' UBrIoger 1777. — 
i) Etw. auf einer Fläche, bes. an einer Wand, be- 
festigen, anbringen; aufhängen, -kleben usw. Aa; Scu; 
Tu; Z. Be* Spiegel, de* Kalender u. Auf Pappe auf- 
ziehen ScH (Kirchh.). — k) (mit Strichen) auf kreiden, 
aufschreiben, notieren, aufzeichnen Bs; B; L; Sch; 
Th; UwE.; Z. S. milchen IAH. Beim Kartenspiel 
werden dem Verlierenden Striche und Nullen (s. Herd- 
Öpfd Bd I 379) uf gemacht; der Käser macht d* Milch 
uf, welche die Bauern ihm bringen, der Weinbauer 
die gefüllten Eimer, die der Kelter entnommen wer- 
den, der Wirt den Wein, den die Gäste trinken usw. 
Me* chönn doch nit mer Wi* u., ah d' Lüt Hrunke* 
heige*. Brbitenst. ,Aufm. lassen*, ankreiden lassen. 
GoTTH. Mach 's öppe* uf, ich will 's o*"* u., sagt Einer, 
der von seinem Freunde Geld entlehnt hat, zu Diesem, 
ebd. »Kauf dir eins dere" Bücher, wo Alles drin auf- 
gemacht ist, was man kochen kann.' ebd. ,Benz hatte 
nie gewusst, dass 3x8 24 machen und ganz ver- 
gessen, wie manchmal er Geld eingezogen, und aufm, 
hätte er es auch nicht können.' N. B Kai. 1843. An-, 
berechnen. Der Dachdeck macht me Bise* uf, a's er 
a* Usern Dach verbracht hed BStdt. Lö* u. B; Tu. 
De'" lieig da** z' u*v^rschamt ufg'macht für si* Müej. 
GoTTH. ,Noch blypst mir schuldig umb und umb für 
dich, dyn gest und allen bracht ob 200 guldin ufge- 
macht.' Salat. — 1) = machen I A 16, testieren Gr. 
Schi hünd nid chmne* erpe*: er hed 's ganz Ver- 
möge* der Frau ufg'machet g'ha*, ,Ein Viztum soll 
zu Gericht sitzen an offner Reichsstrass, so Ainer 
dem Andern will u. oder geben', d. h. bei Auflassungen 
oder Güter Übertragungen. XV., GnChur. ,Wo zwei 
elich menschen einandcrn das ir mit recht ufmachend 
oder verschaffen woUtend, das soll besten syn Icbtag 
zuo end syner wyl und nit furo noch lenger.* 1482, 
GRag. Landrecht. »Wo zwei Ehementschen einan- 
deren das Ihrige aufmachent oder verhusent.' 1674, 
GSa. Landrecht. ,Wann Eheleut gegen einandern 
zimbliche Gescheft teten oder u. wollten, das mögend 
sy wol tuon.' GrD. LB. ,Was ein Vater seinem ledigen 
oder unehelichen Kinde aufm, mag.' GRKlost. LB. 
S. noch B. 116/7. — 2. refl. a) sich aufheitern, vom 
Wetter GRMaienf. Syn. sich uf-tuen, — b) sich er- 
schöpfen, aufreiben, mit Arbeiten PPo. — c) mit refl. 



4t 



Mach, mech. midi, moch, much 



42 



Dat., sich vergnügen PAl. Wann d* teerest chemme* 
am Samstag, hattest-der wöl ufg'machud, ti saresti ben 
divertita. Giordani 1891. — 3. a) meist abs. oder mit 
Dat. P. = «lacÄen JI i /• ß Aa; Ap; Bs; Gl; Gr; L;G; 
ScH; ScHw; Th; üw; Z. Wer gim tanzt, demistguet 
u. Ineichbn; Sulger. Wenn 100 Giger u. fcw*^e*d, 's 
Ewickt-mi^^ nümme i* de!^ Beinen. EFeurer. ,Am Sonn- 
tag war der Schulmeister [von ehemals] den Kindern 
nichts mehr und nichts Besseres als ein ordinäri 
Mann, der aufm, kann.' JSenn. Giger (Glgeli Th), 
m43Kh uf! eig. Aufforderung der Tänzer an die Spiel- 
leute, dann allg. i. S. v. juchhei! lasst uns lustig 
sein! Gr; L; G; ScnSt; Schw; Th; Uw; Z. Isch's 
Chilbi, se seig '« Chübi: Giger, mach uf! nun so 
lasst uns fröhlich sein! Imeichen. Trost Gott die arm 
Seil Giger, mach uf! Sprw., das den raschen, un- 
vermittelten Übergang von der Trauer um Verstor- 
bene zur Lebensfreude malt, ebd.; ähnlich bei Häfl. 
1813, 205. Auch mit Acc. Ei*s u, En Psalmen u. 
Stutz. ,Pfifer: So huy, schnell dran und lond uns 
gon; all machend uf!' Rubf 1550. ,So nun, ir spillüt, 
machent auf!' Com. Beati. ,Der ufmachet oder uf dem 
Synen tanzen lasst.' 1607, Ap. .Diewyl sich diser 
Trummenschlacher dergestalten ungeptlrlich und un- 
gehorsam erzeigt und zu Tanz ufgomacht.' 1616, B. 
,Mit einer Pfyflfen darby ufgeraacht.» 1629, ZWint. 
,Uiezu [zum Imbiss] soll man musicieren und aufm.' 
MtricXds 1630. ,Aufm. mit Saitenspielen, canere fidi- 
bus. Sie machen den Herren auf bei der Tafel.' Denzl. 
1677. ,Auch wird von den darbe! stehenden Trom- 
peteren, Trommelschlageren und Pfeiferen Eins auf- 
gemachet.' JEEscher 1692. , Aufgemacht und gValtig 
gesprungen, angehalst und lustig geschwungen.' JCWeis- 
senb. 1701. S. noch lAren-Mann. Bildl., mit Dat. P., 
den guten Mann spielen? ,Der herr säch gern, dass 
wir uns deren [zuchtloser Kriegsleüte] abtäten und 
redlich lüt annämen; es will aber jedermann [von den 
eidg. Hauptleuten] den synen u., Gott geh, wo unser 
eer syg.' 1524, Absch. — b) „von Vögeln, bes. von 
Birkhähnen, singen Aa; B; L; S." — Ufm acher: 
Musikant GBh. ; ZG. ,Der Teufel [ist] ein Haupt- 
stifter des Tanzens und der rechte Aufm, darbe!.' 
JWirz 1650. — Holz- s. uf- machen 1 b a, ,Den 
17. Februar denen H-en 1 Batzen 2 Kr.' 1733, Sculoss 
RüED. — Ufmachete": ein kleiner Best Heu, Streue, 
der beim Einsammeln noch zurückgeblieben ist BK. 
— Ufmachi: Musikinstrument ZO. Ufmachene*: 
Glanete*, Glgen und zwe Trumme*chübel. Stutz. 

ufe"-, ue-: 1. ein Stück Kulturland ue-m., (von 
unten) bis zum obern Bande bearbeiten ZO. — 2. abs., 
im Preise steigen B; Z. ,Die Käse hatten heraufge- 
raacht; deshalb wünschte jeder Bauer, soviel Vieh wie 
möglich in seinem Stalle zu haben.' FSchlacbter 1891. 
S. noch abe*'m. 3 c, 

um-: 1. der Reihe nach abwechseln Ap; ScuSt.; 
Th; Z. S. noch um II 3 (Ud 1 226). — 2. Erdreich, 
z. B. ein Beet, ein Stück Ackerland, umgraben, um- 
brechen ScHSt.; U. — 3. Bäume, fällen BE. Syn. um- 
tuen. Wügen ir [einer] Tanne* cha^^-me* nit dW ganz 
Wald u. — 4. einen Umweg machen. Gotth. 

ume"-: 1. an Öppis u. s. um-hin Bd II 1326; vgl. 
noch Geiss Bd II 455 und machen II 1 h. An Eim 
u., ihm in den Ohren liegen Te; Z. Er macht all 
a*'mer u., «*^* soll doch a«** emol ztie-n-em cho'. — 
2. umbinden Th; UwE.; Z. Mach e" Tuech u. [um 



den Kopf, Hals], vercheltst-di^^ sus. — 3. umgraben, 
pflügen s. Bd II 1328. — 4. ausbessern, flicken s. ebd. 
DV Drdjer macht-ne" [die Pfeifenspitze] under u. • 
JHopst. 1865. — Ume"macher: Flicker BBe. 

a"-: 1. tr. a) befestigen, anbinden AALeer.; Bs; 
BRüegg.; GuLandq.; GF., G.; Sch; Th; Z. ,Dessen 
b. Bildnus an den Mastbaum angemacht ist.' GKönig 
1695. S. noch Gatter Bd II 495. — b) Einem Etw. 
a., vermachen. ,Wann auch ein Mann seiner Ehe- 
frauen bei Leben Kleider und Dergleichen kauft, 
schenkt und anmacht.* 1706, L Stadtrecht. — c) Eim 
«• G'sicht a. = anhenken (Bd II 1460) Th. ~ d) be- 
schmutzen, verunreinigen Ap. Du tuest Alls a. Auch 
refl. Mach'di'^ nüd mit Dim a*, besudle dich nicht 
mit Diesem! ebd. — e) mit Acc. P., Einem .einen 
Bären aufbinden', ihn zum Besten haben, betrügen. 
G 1799. Syn. an-schlssen. — f) den Anfang machen 
zu Etw., Etw. in Gang bringen, anbahnen; erstellen. 
Eine Schleif bahn auf Eis oder Schnee a. ScnSt.; Th; 
Z. — g) Etwas zurüsten, zubereiten, insbes. durch 
Mischung verschiedener Bestandteile Aa; Bs; BR.; G; 
ScH; Th; Uw; Z. Frucht a., Saatgut mit (Jauche 
oder) Vitriollösung besprengen und anrühren [um die 
Körner gegen den Brand zu schützen] AALeer.; Th; Z. 
G'mües (Bs; G; Th; Z), Teig (Bs; Th) a. Wichsi a., 
mit Wasser anrühren Th; Z. Huppert (s. Bd II 955) 
a., mit Essig befeuchten Z. Tinte*, e* Mixtur a. G; 
Th; Z. Wl* a., durch Zutat fälschen, künstlich zu- 
bereiten. aaOO. A*g'machti War, von jeder Art fabri- 
zierten, vermischten Getränkes Th; UwE.; Z. D*Würt 
händ efange* blös no^^ a*gi'machts Zug im Cheller. 
Dagegen in BR. a*g'machter Wl*, mit Zucker und 
Safran versetzter, hciss gemachter Wein. A*g'machts 
BranZy eine Art selbst zubereiteten Liqueurs Ndw; 
Syn. Rasöli. Auch bloss A*g*machts, Liqueur, Schnaps 
L; S. Dö nimm es Schlückli warmi Milch, ob [du] 
fjösch; oder wottsch-nes A.? Joach. 1881. Nusswasser 
a. Z. ,Marchstaller: Des fuctcrs halb und anderen 
Sachen will ich dasselbig selbs a.' JMdrer 1575. ,Ein 
bad a.' HPant. 1578. S. noch haben I (Bd II 864). 
— h) ,oin Bett a.' = uf-m. 1 c ol ,Ein Wirt soll haben 
8 angemachte Better und 8 Ross Stalli"g.* 1638, Ap 
Jahrb. — i) aufputzen, renovieren GF. Er löt sl*s 
Hüs (schü*) a. — k) ein Stück LancJ a., bestellen, 
bepflanzen GRPr. ; ScnwE.. Muo. A*g'machete^ Bode*, 
angebautes Feld. MKüoni. E* chliner Gummelgarte*, 
wenn er-e* nid z* fül g'si* ist a* zumache*. MLienert 
1892. — l) EiWn (zue Öppis) a., sein Verlangen 
wecken, ihn anreizen, anspornen, bereden, verlocken 
AALeer.; Ap; Bs; Gl; Gr; G; ScH; Th; Z. Die Pflüme* 
mache*d Ein'n a* [sie zu essen, hineinzubeissen]. De 
chönntst-mi"^ nüd a., gib dir keine Mühe, mich zu 
überreden! Z. Ein Narr macht der ander a* G; Th; Z. 
Er löt'Si^'' a. wie Salät, Wortspiel mit 1 g. Sprww. 
1869. Er hat eso (fschroue^, das* er mi''* fast a*g*macht 
hett [mitzuweinen]. Häufig unpers. 's macht-mi'''' nüd 
a*f ich habe keine Lust dazu Ap; G; Th; Z. 's macht 
Ein'n nüd a*, bi dem Wetter z* spaziere*. [Die Vögel 
singen] es macht der Herr Ehrli a*, er summt e* Liedli. 
Breitemst. jGute Kinder sollen sich von den bösen 
dadurch [durch ihr leichtsinniges Leben] nicht a. 
lassen, Gleiches zu tun.' JWirz 1650. ,Orgetorix 
machete seine Lamlslent an [auszuziehen].' JEEscher 
1692. S. noch hätschen Bd II 1800. Auch refl. Du 
machst'di*'^ mit dum Zug g*'ad dezue a*, machst dich 



43 



Mach, mech, mich, iiioch, rauch 



44 



damit nur darnach begehrlich Ap. ,Bald machte ich 
mich selber an, mich aufzumuntern und den Weg fort- 
zusetzen.* GKöNiQ 1695. — m) mahnen TnBodensee. 

— 2. refl., sich einschmeicheln Gr. Er kann «*'* 
fftiet a. — a°machig: 1. Verlangen (z.B. Esslust) 
erregend, verlockend, reizend, anmutig Gl; GW.; Th. 

— 2. von Einem, der sich an-, einzuschmeicheln ver- 
steht GrLuz., Val. Zahm, zutraulich, von Tieren Gr. 

— 3. floissig GrL. — a'mächelig, in G oT. auch 
a*g'm, = a^machig 1, von Personen und Sachen, z. B. 
Speisen, Frachten Ap; G; Th; Z. Eti a. Meitli, En 
a-er öpfd. Das [Geschäft] ist nüd a. Auch vom 
Wetter, 's C Witter) ist hüt nid a. fzum Spaziere* gä'J, 

In Bed. 1 a— e nnd 2 des Yb bezeichnet an AnnäheruDg 
an, Richtang auf einen Gegenstand, in Bed. 1 f— m Anfang, 
Anstoss za Etwas. 

ane'^-mache" s. anhin Bd U 1331. 

i^'i a) einschlagen, -hüllen, -wickeln, -packen AaF., 
Fri.; Bs; Sch; Th; Uw; Z. Mack-di"^ guet I», '» ist 
ehalt dusse*. Einen Brunnen, einen Baum, einen 
Schweinestall mit warmen Stoffen umhüllen Th; Z. 
,Wann ein Bürger seine Waren, so ihm ab der Fremde 
zukämen, entweders im Kaufhaus oder daheim in 
seinem Haus aufbindt und wiederum einmacht.' 1725, 
Z Ges. Spec. einen Toten mumienartig in ein weisses 
Leintuch einwickeln, welches dann zugenäht wurde 
Ap f. Dagegen : einbalsamieren. ,Und ward syn [des 
zu Konstanz gestorbenen Abtes] corpel yngemacht und 
gen SGallen gefüert.* Vad. Refl., sich bei der Gärung 
mit einem ,Pelz* überziehen, der nach und nach Hefe 
wird, vom Obstwein Ap. Dc Most tuet st** I. — 
b) Gebälk i.^ mit Brettern, Latten zudecken Bs. E* 
Ghammer ♦., mit Tafel werk verkleiden Th; Z. I"- 
g'matheti Chuchi, eine Küche, welche durch Erstellung 
einer oder mehrerer Wände von dem übrigen Haus 
flur geschieden und mit einer Decke versehen worden, 
wodurch zugleich die Erstellung eines Eauchfanges 
nötig wurde Z. ,Ein Haus, halt in sich zwei ein- 
gemachte Kuchi.* G Avisbl. 1727. j&" Hüs »., seine 
Wände mit Brettern, Scheiterbeigen usw. verkleiden 
Th; Z, im Innern ausbauen AiLeer. — c) einhegen, 
-zäunen Bs; B; „Gl; L;" Sch; Th; UwE.; Z; »valvis 
claudere.' Id. B. ,E" schönen, grossen, eingemachten 
Hof.' HisT. Ka€. 1802. ,Derselbige Platz [soll] wol 
verzünt und eingemacht werden.' 1671, Hotz, Urk. — 

d) d' Chnöpfl&m Kleide] i., einknöpfen GnPr.; Th; Z. 
Syn. in-tuen. D' Chnöpf chann-er fast nümme* f., teil 
d' Hand zitterend. Schwzd. E* Eäftli %., einhaken Th. 
Begriffstauschend: de* Bock %,, zuknöpfen Th. — 

e) Etw. in einem Gegenstand fest machen, einsetzen B. 
,Ein neues Huhn kriegt hier einen Pick, dort wieder 
einen, sie [die andern Hühner] wollen halt sehen, ob 
seine Federn gut eingemacht sind.' Gotth. Sich einen 
Splitter %., ins Fleisch stossen B. Einrahmen. Der 
Wirt schreibt die Zeche im %*g*machete* Tafeli a* der 
Wand an. Gl Volksgespr. — f ) Tubak f., einstopfen 
Aa; B; L; S. Uf ''en Ofen ufe* g'hocket und D. i"- 
g'macht. BWyss 1863. Da** mache* si [träge Tage- 
löhner] ne halb Stund T, «■ und schlöih sätteli''^ [ge- 
mächlich] Für, JoACH. 1881. Bildl., etw. Unangenehmes 
bereiten, ,eine Suppe einbrocken' L. Es ist-mer sehe* 
mängist von andere* Lüte* T, %*g'machi worde^, wo- 
mer es böses Mül g'macht hed [mir übel bekommen 
ist]. — g) Chäbis, Rabe*, Sür-Chrüt f., zur Gärung 
einlegen, -stampfen Aa; B; Th; Z. S. noch Sür-Chrüt 



Bd UI 908. Trester (Trost) I., nach dem ersten Ab- 
druck zur Gärung in ein Fass verschliessen, um nach- 
her Branntwein daraus zu brennen Th. Fleisch V, 
einpökeln, in Beize legen Aa; Gl; L; Sch; UwE.; 
Zg (It St»>). Frucht i., wie nhd. Bs; B; Sch; Th; Z. 
P*g*mach(e)t8, eingekochter Fruchtsaft, Confitüre Bs; 
Th; Z. — h) in die Scheune bringen, einheimsen B. 
,Hatte er eine Bährete Herd und Gras eingemacht und 
das Ding in den Bahren geworfen.' N. B Kai. 1B42. 
,Fuetdr, so ich yngemacht han von matten, die ich 
zwuren [zweimal] höwen.' HvROtte 1546. ,Emd war 
wol g'waxen, kond aber nassen Wetters halben nit 
yng'macht werden.' 1605, ArdOser. ,Der lieb Gott 
hat vil guoti Frucht lassen wachsen nnd sint guot 
yng'macht worden.* 1611, ebd. 

ine"-, ie-: l.=ln-in. e Bs; Th; Ndw; Z. E*8p%ss€^ 
[Splitter] r Fuess f. Ndw. — 2. = in-w». h S. Eim 
helfe* *s Gras u Joach. 1881. — 3. refl., sich (eilends) 
hineinbegeben Bs; Th; UwE.; Z. 

under-: 1. (untrennbar) „eine Stube, ein Gemach 
durch eine Bretterwand abteilen." Syn. under-schlahen. 
— 2. (trennbar) refl., zu Bette gehen, unter die Decke 
schlüpfen GRPr. 

undere°-: 1. einen Gegenstand unter einen andern 
legen B. ,Kinder, wo Nichts als zu plären wüssten 
und Alles zu netzen, was man ihnen untere"mache.' 
GoTTH. — 2. Same*, Hirdöpfel «., mit Erde bedecken 
ScHW; Th; Z. Begraben UwE. — 3. mit Acc. P., ver- 
kleinern, demütigen UwE. — 4. refl. a) sich ducken 
ScnSt.; Th; Z. McLch di*^^ u.! befiehlt man im Zimmer 
einem Hunde Th; Z. — b) = un(2er-m. 2 B; S; Th; 
UwE.; Z. S. noch underhin Bd II 1338. 

ent-: „einen Zaun durch Auflösung oder Zer- 
legung öffnen BO." Zerstören. ,Es hat ie und ie 
einer iedlichen kilchhöre 'zimt götzen ze machen, ob 
sy wollt; worum wollt inen denn iemann daryn reden, 
so sy s' entmachen oder dennen tuen wölltind?' 
ZwiNOLi. Vgl. frz. defaire. 

er-: zu Stande bringen Bs (Spreng). Es ist s* vil 
übers Mol, i«* ka***s elai* nit e. — Vgl. <t- 5 6 (Bd I 408). 

ÜS-: 1. tt« i. S. V. (hin-, her-) aus, im AUg. wie 
nhd. a) Wein, auspressen, keltern AASt. — b) Mist, 
aus dem Stalle schaffen B. ,Der Mist ist noch nie 
recht ausgemacht worden [Kennzeichen einer verwahr- 
losten Wirtschaft].* Gotth. — c) „Etw. aus den Fugen 
reissen B; L;" UwE. Spec, ein Glied (z.B. die Achsel, 
die Hüfte, den Knöchel) ausrenken Bs; B; L; Zg. Isi 
Chüo hed d* Haxe* üsfmacht BHa. Er isst, ^ass er 
fast der Ghifel üsmacht Bs. S. noch üs-cheglen Bd III 
183. — d) de* lAb, s. lAb Bd III 977. — e) ein Tier, 
ausbalgen, -weiden ScnSt; Th; Z. — f) »Einen ausm., 
einen ledig erkennen oder sprechen, von dem er dann 
ist angeklagt, absolutionem conficere.' Mal. — 2. üs 
i. S. V. fertig, zu Ende, a) ein Gefäss, leeren. *s Teller 
u. BR. Gewöhnlich mit weggelassenem Obj., das Glas 
leeren, austrinken B; L. Se, machid üs, ich wül-ech 
i*schei^ce*. Zg Kai. 1882. , Mach et doch aus, es ist 
dafür da, dass man ihn trinkt.* Gotth. — b) eine Ar- 
beit, fertig machen, vollenden, abschliessen Bs; B; 
GF., G.; Sch; Th; U; Z. ,Wohl anfangen ist nicht 
genug, sondern wohl ausm.' Sulgbr. Sind d* Schueh 
üsg*macht? fragt man den Schuhmacher GG. Die 
Arbet, die machi e* Andrer hie üs! Schwzd. (U). ,Im 
1480. jar ward der chor an unser kilchen angefangen 
* buwen und im 1481. jar usgemacht.' Z Anz. 1884. 



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Mach, mech, mich, moch, mnch 



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,61ycli als ob 's vor nit nsgemacht sye/ Zwingli; 
dafür vorher: «vollkummenlich vollendet* ,Das* du 
die ding ze vollen nsmachest, die ich nit vollendet 
hab.' BoLL., Wiederi »Sobald ich das ganz werk über 
Jerusalem aasgemach [Präs.]/ 1531, Jeb. = «vollendet 
habe/ 1667. ,Der discbmacher [hat] die staben nnd 
nebetkämmerlin auch nsgemacht.* 1540/73, UMet., 
Wint. Chr. ,So wend wir nach dem morgenmal disers 
spil gar u.* HvROtb 1546. ,Yetz soll Xoe die arch 
nssg'machet han.* Rubf 1550. ,Exaedificare, ansbauwen, 
ein baaw ansm.' Fris. ,Fach alle ding in sjnem 
[Gottes] namen an and mach s' mit im as.* ThFlatt., 
Br. ,Die nüw Kirch [ward] asgemacht and fertig.* 
Cts. »Das Grab a.* GGotth. 1619. ,Für ein Kleid 
ganz glatt aaszam.* Bs Schneidertax 1646. ,Die nea- 
lich auf kommone Aasmachang [Schiassfeier] der Hoch- 
zeiten in oder aassert der Statt and aaf dem See.* Z 
Mandd. 1680/91. S. noch freUen 1 (Bd 1 1338), ge- 
(Bd n 50). Eine Zeit, darchmachen. ,[Der Lehrling] 
soll asbringen einen leerbrief, damit man sehen m5ge, 
dass er sjne leerjar vollkommenlich by einem er- 
liehen meister asgemachet habe.* 1594, Z Anz. 1889. 
Insbes. a) Anke^ ü,, za einem Ballen zarechtdrücken, 
in welcher Form er auf den Markt gebracht wird Z. 
— ß) Halme* ü., Stroh zerschneiden and sortieren 
zam Behufe des Flechtens Aa. — c) eine Sache, einen 
Streit, aasfechten, erledigen, abtun, allg. »Gedenkend 
die sach uszem. [den Streit za beendigen] ! * Moroamt 
1530. ,Vor ussmachung diser sach.* HBull. 1572. En 
üsg'macfUi Sach, eine endgültig erledigte, abgetane 
Sache Th; Z. Er hat wt«'* a*g'loge^, das ist en ü. S. 
[steht fest]. »Briefe, die zwischen zweien Parteien 
Käaf, Täusch» Gerichtssachen» ausgemachte Sachen 
ansehen.* BThun Handf. »Was erkennt wird, darby 
soll es dann blyben und ein usgemachte Sach syn.* 
Gr Landsatz. 1619. ,Recht u.*, eine Rechtssache zum 
Aastrag bringen. ,[Der Vogt] soll euch fürderlicb 
recht u., darin niemand in personen angesehen noch 
gespart' 1531, Absch. Etw. ü, (mit Eim), wie nhd. 
Spec, (es) ü. (mit EimJ = ab-m, 4 & a Bs; B; L; PAL; 
GG.; Th; Z. Si händ('sj üsg'macht mit-enand, sich 
gütlich verglichen. Si sägind, ier haiged 's üsg'machttd 
[conchiuso V affare], und dise* Winter gangid er nef 
heirute*, GioRDAKi. ,Bald prügelte er Alle, die in einem 
Wirtshause waren» und leerte es; am folgenden Mor- 
gen konnte er dann ausm. um schwer Geld dutzend- 
weise.* GoTTH.; in der Berliner Ausg. »es ausm.* »Mit 
dem Schelm begehre er nicht auszum.* ebd. In anderm 
S. : »Mit dem [Diebe] N. N. ist vorige Woche ausge- 
macht [der Prozess zum Aastrag gebracht] worden; 
man konnte auch mit vielen Schlägen nichts Beträcht- 
liches aus ihm herausbringen.* 1820, Z Brief. — 
d) Spielausdruck, a) gew. ohne Obj.» die letzte, ent- 
scheidende Partie spielen Th; Z. Bes. in Spielen, 
bei denen von mehreren Mitspielenden schliesslich 
nur Einer verliert; dann müssen die Beiden ü., die 
zuletzt noch im Spiele bleiben. — ß) der Acc. be- 
zeichnet den Gegenstand, um den gespielt wird Ap; 
Th; Z. Vgl. üS'jassen, -chegUn (Bd III 183), »aus- 
knobeln.* En Schoppen, es Schaf u. ,Sich zum Karten- 
spiel setzen und es Möössli u.* Stütz 1852. — e) ein 
Tier, schlachten, töten ü; W. In der ä. Spr. in dem 
allgemeinern S. von zerstören, vernichten, ausrotten, 
a) mit Acc. S. ,Es wäre noch nmb 14 tag ze tuen, 
so wurde die ketzery verdruckt und usgemacht* 1529, 



Sthickl., Akten. ,Ich will euch heimsuechen bald mit 
geschwnlst und fieber, die die augon ausmachind und 
die seel verschweinind.' 1531/1667, III. Mos.; dafür 
1882: ,dass euch die Augen verschmachten.* ,[Die 
Stadt] Legg sampt aller zuogehört, so zuo dem krieg 
dienet, u.* 1531, Absch. Man vernahm, dass die Eid- 
genossen von L und andern Orten in 2 oder 3 Tagen 
anher [nach S] kommen und den [reformierten] Glau- 
ben ,a.* werden. 1533» ebd. Gott habe Z davor be- 
wahrt, dass es nicht wie andere Städte ,verbrennet, 
ausgemacht und verstöret* worden. Z Ofeninschrift 

— ß) mit Acc. F., hier auch von bloss moralischer 
Vernichtung. ,[Es] wurden gesellen auf in [den Herzog 
Burkhard] verordnet, die in auszum. befelch hatten.* 
Vad. ,Ich sich, dass sy ir bossheit umbringen und 
ausm. wirt.* 1530, Tob.; dafür 1882: ,dass die Sünde 
Ninive's dessen Endo herbeiführen wird.* »Dass man 
ihn wohl in einer Nacht überrumpeln und verderben 
(u.) könne.* 1531» Absch. ,Anf welchen Paroxysmus 
«ein grössere Hitz folget die den Kranken bald ausm. 
kann.' FWürz 1634. »Das Podagra» nachdem es einen 
rychen Junker ganz ausgemacht und getöt* ScHrMPFR. 
1651. »Bis die Pestilenz dich ausmache.* 1828» IV. Mos. 
S. noch ergräuwen (Bd U 833), chaJben 6 (Bd lU 223). 
Das Ptc. Präs. = nhd. »vernichtend.* »[Die frühern 
Heimsuchungen] waren freilich keine ausmachende 
Gerichte» wir stehen noch aufrecht* JMüllbr 1673. 
»Land und Leut ausmachende Strafe*» von Seuchen. 
Z Mand. 1720. — f) mit Acc. P.» Einen herunter- 
machen» herabsetzen, schmähen Bs; B; W, verleum- 
den, ins Gerede bringen AALeer.» St.; Bs; Th; Z, 
durchhecheln» aus-» verspotten, verhöhnen, bes. indem 
man seine Geberden und Beden spöttisch nachmacht 
(Syn. anteren i Bd I 349) Aa; Ap; Bs; B; Gl; Gr; 
L; G; Sch; S; Th; Zg; Z. Er hat in üsg' macht, dass 
kei* Hund kei* Stückli Brot me von im frdss Bs. Es 
Usmacher-Pack, verächtlich von Solchen» die alle Leute 
durchzuhecheln pflegen Z. Si ist guet z* verbrüche* und 
macht Niemed üs, formelhaftes Lob einer Frauens- 
person GlMoIHs. ,Wie oft tut man etwann in kurzer 
Zeit Den und Diesen ausm. und den Selben zu der und 
dieser Stell bei dem Eid für den wegsten und besten 
erkennen!* Müller 1673. ,Ausm. Einen, exagitare, 
proscindere alqm convitiis.* Dbnzl. 1677. ,Einen ver- 
leumden und ausm.* AKlinol. 1702. Auch mit Acc. S. 
,Trini rühmte Alles gar sehr, während Eisi es aus- 
machte.* Gotth. — g) spielen, vorstellen, einen Dienst 
versehen U. Es muess doch Epper d* Magd ü. Scbwzd. 
I«* ha* miesse* Chnecht und Magd und Narr ü. ebd. 

— h) gew. unpers., betragen, kosten Bs; G; Sch; 
Th; Z. S. machen I A 13, Es macht Nut üs, ist 
nicht von Belang, verschlägt Nichts. Das \cird iez 
nüd Alles ü.» die Summe wird nicht unerschwinglich 
sein Th ; Z. Auf die Frage an einen Handwerker nach 
dem Preise seiner Ware antwortet er einleitend: He, 
das toird tcol nit so vil ü. Bs; Th; Z. Mit Dat P. 
Es macht -mer Nüt üs, liegt mir Nichts daran GG. 
,Der Tod ihrer Schwester habe ihr so viel ausgemacht 
[habe sie so arg mitgenommen], dass sie krank ge- 
worden' Sch. — Lüt-Usmacher: Verleumder Bs; Z. 

— „üsmacherisch: verleumderisch.** — Usma- 
chete" = Ab-M. 2 B. »Das sei für reiche Bauern- 
söhne, welche gern ihre Neutaler sonneten und denen 
ihre Alten Nichts darauf hätten, wenn sie nicht alle 
halben Jahre eine Ausm. hätten, wenn sie nicht 



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Mach, inech, mich, moch, ranoh 



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während ihrer ledigen Zeit einige 100 Neutaler an 
Schmerzengcld und Buiisen zahlen müssten.' Gotth. 
, Zuweilen eine Ausm. steht einem Bauernsohn wohl 
an.' ebl. — Nuss- üsmächeler m.: kleinlicher 
Mensch, Knicker Gl. Vgl. er-chenilen. 

use^-raache": 1. tr. a) hin-, herausschaifen, ent- 
fernen, z. B. den Mist aus dem Stalle S (BWyss 1863), 
Klecken aus einem Kleide Tb. 8. noch u^hin (Bd II 
L*)89) und vgl. üs-m. L — b) Korn, reinraachen B. 
S. uf-m. 1 b f. ,Er möchte gern beim ü. des Korns 
sein.* GoTTii. , Zuerst redeten sie vom Korn, wie viel 
Jeder use^mach [durch die Reinigung erhalte] im Tenn 
von 100 Garben.* ebd. — c) bis zum Ende aushalten, 
z. B. die Fastnachtlustbarkeiten Ndw. — 2. refl., sich 
körperlich entwickeln Th. Syn. lisenand-gän, sich us- 
enand-län. — 3. abs. a) „Geld hergeben VO." Syn. 
füren-m. — b) seine Schulden vollends bezahlen Tu. 
Machend use* das Jär. 

voll-: vollenden. »[Handwerker] son*^ das wörch 
nit setzen wan ganzes und vollemachet' um 1400, T» 
Diess. Stadtr. 

ver-: 1. ,delere, diluere.* Id. B. E* Fleckt* v. — 
2. Holz, klein machen, zersägen und zerspalten ; auch : 
Zucker in kleine Stücke zerschlagen Bs; B; Sch; Th. 
Drei Pursche* gönd in'n Winterhau 's Holz z* hole* 
und vermached's att'*. BDorfkal. 1892. Einen Haufen, 
zerstossen B. — 3. zumachen, ver-, abschliessen, ver- 
sperren Aa; Ap; Bs; B; VO; Gl; Gr (St.t>); GRh.; 
ScH; Th; Z. a) eine Öffnung, einen Durchgang. L* 
Loch (in der Wand, im Dach, in einem Kleidungs- 
stück), en Wäg. ,Wenn es wieder Löcher [in der 
Kutte] geben solle, so werde es sie schon wieder v.' 
GoTTu. ,Ich hab ein Haus, darauf kein Tach; die 
Fenster seind mit Lumpen vermacht.* BO. Lied. Auch 
von tiefhangenden Wolken, die den freien Ausblick 
versperren. Wenn am Obig d^ Schtcarzwälder ver- 
macht ?Mt oder: Wenn de WaXd vermacht ist [der 
nördliche Himmel mit Wolken verhangen ist], se giH's 
Eige* AABb. S. noch Füeteri II (Bd I 1139), gehab 
(Bd II 869), Chlimsen (Bd III 649). Auch: ein Faden- 
ende festmachen B. Nimm nit so längi Ndtli'ge* m"*' 
vermach-mer besser, Das geit ja Äües wider uf. M Walden 
1884. Mit Dat. P. oder S., aber weggelassenem Acc, 
den Weg versperren, den Zutritt wehren B; Tu; Ndw; 
Z. Mer wend der Sunne* e^chli* v., durch Sch Hessen 
der Fensterläden. — b) eine Fläche, einen Raum v., 
nach Aussen abschliessen; spec, ein Grundstück ein- 
hegen. De*" [Kauf-] Laden isch scho* vermacht g*si* 
Bs. ,W^ie eine Art von Auszehrenden die zuträglichste 
Luft in Kuhställen findet, so eine andere Art in wohl- 
vermachten Weinställen, ungelüfteten Lokalen.' Gotth. 
Wo dW Atii g'storbe* g'si* ist, so het d*r G'meinröi 
rtM'"* de* Chaste* vermacht [durch Siegelanlegung] und 
nachher 's Inventari 'zöge*. Aa Schulm. 1887. ,Eine 
Strasse v.', mit Schutzwehren versehen. ,8 Pfd den 
N. N., unib dass sy die Strass, da man nach Stettbach 
gat, ufm Zürichberg vermacht, damit Niemand by 
Nacht hinabfalle.' 1648, Hotz, Urk. Abs., im Herbst, 
wenn die Trauben zu reifen beginnen, die Weinberge 
abschliessen Z rS. Wetid-er go* v.? — c) Etw. ein- 
schlicsscn, verbergen. IT Sunn vei'macht si*"^ Z. - 
d) bildl., verbieten. ,Amniann und rat band gcwalt. 
das spilen ze v. in der vasten unz nach ostern.' um 
1470, Gl. ,Obernie]te sonderbare Verniachung newer 
Pündnussen.' Gülden Bund 1658. — 4. mit Dat. P., 



wie nhd,, durch letztwillige Verfügung Einem Etw. 
bestimmen, zusichern L; Schw; Th; UwE.; Zo; Z. 
Syn. verschaffen. Eine alte Jungfer, die an Verstopfung 
in Folge unroässigen Kirschengennsses sterben sollte, 
sagte zu ihrem Vetter Ambros, der an ihrem Bette 
stand und dem sie sich dafür dankbar erweisen wollte : 
Brosi, t*"* tcill-der doch au*^ nu [noch] r. Worauf er 
in seiner wohlmeinenden, aber derben Art erwiderte: 
Du g' stures Chalb, de hast, metn-t***, vermacht g'nueg; 
's war, mein-t*'*, besser, de tdtist uf, a's dass d' nu 
vermiechist Schw (Kyd). Ironisch: eine Strafe, Züch- 
tigung in Bereitschaft halten Z. Es ist-der vermacht. 

— unvermacht: nnpers., durch kein Vermächtniss 
bedacht. ScnNeukirch Offn. (Gr. Weist. I 295). — Ver- 
mächniss: Verschluss, Schutzwehr Bs. — Mhd. ver- 
machen io Bed. 1. 3. 4. 

vor- Aptw.; Bs; Sch tw.; Th; Ztw., sonst für-: 
1. Etw. nach vorn bewegen, vorn anbringen. Vor- 
ziehen; s. Schüch-LBder 2 (Bd III 1073). ,Der Sattler 
demonstrierte, was man [an der Chaise] Alles abelah 
und Alles v. könnte.* Gotth. Wä** [die Sonne] schxnt, 
SU cha**-me* [den Kinderwagen] decke* «■' f. ebd. 
Einem e* Bigel f., vorschieben BM. D' Legi f. BSi.; 
s. Legi ^ c (Bd III 1196). Abs., verschliessen ; s. Bd I 
959. ■— 2. abs., vorarbeiten ; s. Bd I 960. — 3. = vor- 
hüsefi (Bd II 1743) Aa; Ap; Bs; B; „Gl; L;" Sch; 
Th; UwE.; „Zg;" Z. Bi so-mene* Verdienst sött-men 
Öppis chönne* vj 

füre»- s. fürhin Bd II 1344. 

fürt-: 1. abs., in seiner Arbeit usw. fortfahren 
ScH; Th; Z. — 2. refl., sich aus dem Staube machen 
L; G; Sch; Th; Z. 

g«- s. Bd II 47. Die Herre* z* Bern obe* g*machid '« 
nimme [= möged 's n. g'm.] Obw. 

hei"-: 1. abs., sich eilig nach Hause begeben ZO. 

— 2. tr., einheimsen B. ,Rüben h.' Gotth. 
hi(n)-: tr., roher Ausdruck für ,töten' Th; Z. 

S. noch Bd II 1318. 

hindere»-: 1. tr., bei Seite schaffen, unterschlagen 
B. ,[Die Erben] muckelten von H., Verschleipfen, 
Verläugnen.' Gotth. — 2. refl., sich (eilig) zurück- 
ziehen Th; üwE.; Z. 

lustig-: sich belustigen, bes. durch Bewegungs- 
spiele Z. — Lustigmachete»: Unterhaltung, Kurz- 
weil Z. Vgl. engl, merry-making. 

nä*'*»(e»)-: 1. tr. a) Etw. Versäumtes nachholen, 
einbringen Bs; B; „L; Sch;" S; Th; ÜwE.; Z. P* 
ha* hinecht nüt chönne* schlafe*! t*"* möcht 's e'chlt* 
nache*m. wäred der Predig. M Walden 1884. 's Vreni 
macht der Vorsatz, was der Son versümi, well es noche*m. 
BWyss 1863. ,Er betete; es war, als ob er es für viele 
Jahre n. wollte.' N. B Kai. 1840. — b) nachschieben L. 
D'r Dahe' [Docht] nahe*m. JRoos 1892. — 2. refl., 
sich sputen, vorwärtsmachen G; ScuSt.; Th; Z. Mit 
Dat. P., Jmdn einholen ßs; GG.; Th. Vorwärtskom- 
men, Fortschritte machen, sich entwickeln, von Men- 
schen, Tieren und Pflanzen, bes. solchen, die in der 
Entwicklung zurückgeblieben sind; von Menschen auch 
in ökonomischer und moralischer Hinsicht Bs; G; Sch 
St.; Tu; Z. De Haber macht-si''^ wacker nöh. Schwzo. 
(GT.). Sich hervortun, -drängen, eig. und bildl. UwE. 

— 3. abs. oder intr., mit Etw. höher gehen, es steigern. 
Er hat 3 Fränldi no1ie*g' macht, mehr geboten (bei 
einer Versteigerung) AiLeer. ,Dir mit dem Lohn noch 



49 



Mach, roecb, mich, mocb, mach 



50 



viel nache'z'm., graset mir', sagt der Meister zam 
Knechte. Gotth. — 3 konnte auch als tr. erklärt werden; 
Tgl. machen I A 19 i. 

nid er-: mit \cc. P., za Boden werfen. ,Mit Einem 
n.S ringen, insofern es sich dabei darum handelt, den 
Gegner za Boden zu werfen. Gottb. Holz n. a) fällen 
B. ,Er and noch Einer wollten dem Karrer wohl so 
Yiel [Holz] n. nnd zarüsten, als er heiraza führen ver- 
möge.* GoTTH. — b) zu Tal befördern. ,Das Gebürg 
gibt viel lärchin und ander Holz ab, das hernider- 
gemacht in Bretter gesägt wird.' Gulcr 1625. 

dur'^^e"-: 1. durchmachen, überstehen Th; Z. 
Syn. dure^'hauwen 2 a (Bd II 1811). i«* mache» kei* 
so-n-en [strengen] Winter me d. E* Nacht d., durch- 
wachen, bes. in fröhlichem Kreise bei Spiel und Tanz 
AaoF.; Th; Z; in Th; Z sehr oft ohne Obj. Vgl. 
Durchspinn- Nacht. — 2. Kleider, Werkzeuge usw.. 
beschädigen, abnutzen, verderben Bs; B; Sch; Uw; Z. 
Ein Vermögen, durchbringen, verschwenden Bs; B; L; 
Sch; Th; Uw; Z. Syn. dwre^-tuen. Die Gesundheit, 
zu Grande richten üwE. — 3. töten, umbringen, von 
Tieren, roh oder derb auch von Menvschen AAHoMerb.; 
B; P; L; S; UwE. Kei*s SchtcänzK [keine Spur von 
einer Waife], *<w» me» numme* hätt chönnen e Müs 
d. d'rmit. BWyss 1863. 's war no'^ Alles z' schlucke*; 
aber dass si^ d* Ching müesse* entgelte:» ^ Das wott-mi^^ 
fast d. BDorfkal. 1866. Wer Enen hingerlistiger Wis 
dürenmacht Wohltat. Jüngling 1780. — 4. Einen ver- 
leumden, ihm die Ehre abschneiden Sch. — 3 und 4 
verhalten sich zn einander wie fi«-m. 2 e und /. 

z^sämme"-: zsnchmen, -binden, sammeln, auf- 
häufen Bs; B; Sch; S; Th; UwE.; Z. (E» BurdiJ 
Heu z's. Auch: zsnähen UwE. Es wärt wider wellen 
es Witter z's., wenn die Gewitterwolken sich drohend 
zsziehen ZUhw. Refl., einander näher rücken, sich 
vereinigen, zstun Bs. ,Wie vil starker küngen und 
Volkeren machtend sich zemmen wider sy?* Zwingll 

(e")w6g-: tr., entfernen Sch. Aufarbeiten Th. 
Refl., sich entfernen Ndw. 

z'wög-: tr., zurechtmachen, zurüsten, herrichten, 
(wieder) in Stand setzen Bs; B; Th; Z. ,Er het s%»s 
Hüs lä» z'w.f renovavit aedes suas.' Id. B. Z' Hüs- 
tage*, ti70-n-t«'* mi» Herdöpflere» ha» welle» z'w, B Hink. 
Bot 1886. ,Sie sei um Mitternacht aufgestanden, um 
Etwas für den Tag z'weg z' m/ Gotth. Refl., sich 
rüsten, bes. zum Ausgehen Bs; B; Th; Z. 

zue-: 1. tr., a) herbeischaffen B. I"* hi» nit so 
dumm, das* t^* n«6€* m%»'r War [Vieh] z' besorge» «o"* 
selber 's Gras z. hUfe. Schweiz. Bauernkal. 1887. — 
b) schliessen Bs; Sch; Th; Z. Auch scheinbar abs. 
Eim z., seine Habe unter Siegel legen Bs; Th; Z; 
dafür auch : Eim 's Hüttli z. Th. Unpers. Es macht 
zue gegen Äb€»df der westliche Himmel verhängt sich 
mit Wolken Th; Z. — 2. refl., in Bs; B si«* zueche» 
m., sich (zudringlich) nähern, „sich zutätig machen" 
Bs; B; .Gr; L;" Z. ,Er macht si''' an allen Orte» z., 
ubique se admiscei' Id. B. — 3. abs., (in der Arbeit 
usw.) fortfahren Ap; Bs; G; Soh; Th; UwE.; Z. Syn. 
für-, zue-faren. Mach numme zue, lass dich nicht 
stören ! Mach no*" so zue; du würst dann scho» sehe», 
wo f a/ne»chunnst ! — zuemachig, „-machisch* 
= anmachig 2 Gr; „L." Syn. ztie-tätig. 

Machenschaft, in B auch Machetschaft: 1. meist 
in tadelndem oder verächtlichem S., (schriiftliche) Ab- 

Scbwelz. Idiotikon. lY. 



machung. Übereinkunft; auch allgemein: Handlungs- 
weise, Praktiken AaSI; B; ,Gl; L; Sch;" Th; Z. 
Das simmer netti M-e» [saubere Praktiken]! ,Fall8 
ein Burger mit Fremden oder Äussern axsociert wäre, 
soll Derselbe den Vorgesetzten des Kaufhauses seine 
M-en und Associations-Briefen vorlegen.' B Kaufhaus- 
ordn. 1754. ,Gütliche M.* 1763, ZWetz. ,Von derlei 
M-en sei in den oidg. Bünden keine Spur anzutreffen.* 
1792, Absch. S. noch Gr. WB. — 2. Art des Machens, 
Einrichtung; Ordnung, Zustand; lebhaftes, aufgeregtes 
Treiben Ap; Bs; BBe., Si.; Sch; S; Th: Z. Was ist 
Das für-ne M,? fragt Einer, der z. B. in Verlegenheit 
ist, eine zerbrochene Maschine wieder in Gang zu 
bringen. Das ist e» M. a" dim G'wer! Das ist e» 
schöni M„ (iron.) eine ungenehme Arbeit S. Die händ 
e" M.! Bes. auch tadelnder Ausdruck für unbetrie- 
«ligende Ausführung. Das ist mir iez e M.! afen e 
süferi M.^yiüT will sich da zurechtfinden! oder Das 
ist hinterlistig eingefädelt. Was hest da fer ne M.? 
in was für einen Handel hast du dich ver\vi«*keltV — 
U. Machwerk Bs; B; Sch; Th; U; Z. Da' ist e» trürigi 
M., e» so Öppis tarf-me» jo keim Mensche» zeige»! 

Öl-Macher = Ö/er Bd I 182. ,Eiii ö. (oder Siäm- 
pfer).* JGross 1624. ,N. N.. ö.. von Glattleiden.* 1677, 
Z Synode. ,Dem Ö. um 67* Vlass Nussöl samrat dem 
Öifässli 3 fl. 10 ß.* 1678, Zubers Tageb. .Factor, Ö.' 
Denzl. 1716. - AUes' = Kann'Alles Bd I 169; Fac- 
totum. ,Der Schulmeister war Gemeindsschroiber, und 
last alle Tage wurde er mehrere Male aus der Schule 
gerufen; er war der A. in der Gemeinde.' Gotth. — 
Ampeli-. Din Vater ist ken A., du stehst mir im 
Lichte Bs. Vgl. Laternen-M. - Klein-Uren-: Ver- 
fertiger von Taschenuhren. Bs Chr. 1779. — Ord- 
nung(s)-: 1. Leiter und Aufseher beim Tanze. ,Die 
Musikanten rüsteten sich zum Spiel und der bestellte 

0. begab sich in der Mitte des Saales in Positur.* 
HsNtdegobr. — 2. eine Art Generaladjutant, der die 
Schlachtordnung zu bilden hatte. XVL, B (Gfo. V 341). 
— Orlei-: Uhrmacher. 1439, L. S. noch Orli Bd I 
452. — Finettli-: Jmd, der sich feiner dünkt als 
Andere, sich ein besonderes Air gibt und mit beson- 
derer Rücksicht behandelt werden will S. D' Bett- 
lecher [Bewohner von SBettlach] sir^ d' F. Schild 
1863. — Finke»- L; s. Bd I 868. — Fenster-, 
,Der f-n güeter in der Eierbräch Hirslanden.' 1551, 
Z Urk. — Hinder-für-, 1637, Z; s. Mnder-für II 2 
(Bd I 964) und Z Taschenb. 1879, 88. — Faxe»-: 

1. wer Faocen (s. Bd I 1142) zu machen liebt, Spass- 
vogel Ap; Bs; Gl; Gr; L; GRh.; Th; Z. — 2. Wind- 
beutel, Aufschneider, Ränkeschmied Bs (Spreng). — 
, Fladen-: der die fladen (s. Bd I 1167) macht, liba- 
rius.* Mal. — Fridli-: spöttisch für Fride»-M,, 
Friedensstifter Z. Mit dieser Bezeichnung wurden 
1664, zur Zeit des Wigoldinger Handels, die Gesandten 
der unparteiischen Orte in den Strassen von ZStdt 
gehöhnt. Gfo. II 140. — G^fräss-: wer Gesichter 
schneidet Bs (Schweizerbote 1807. 71). S. Gefrdss 2 
(Bd I 1318). — Gufe»-. Bs Chr. 1779. 8. Glufen 
Bd II 608. — Gätterli-: wer Holzgitter für die 
Kellerlöcher verfertigt, eine einfache, wenig lohnende 
Arbeit Aa. Unter dem Namen G, veröffentlichte der 
Kk Staatsmann Augustin Keller eine Reihe politischer 
Aufsätze. — jGutter-: ampullarius.' Fris.; Mal, 

Un-glich-: Händelstifter, streitsüchtiger Mensch. 
1561, ZWint. Chr. .[Zwei Gefangene] die grössten 



51 



Mach, mech, mich, moch, rauch 



52 



anfänger and nnligsm. dises handeis.* 1581, Strickl., 
Akten. , Wäger isfs, der ungehorsam angligm. werde 
gestraft, denn dass der fridsam und rechtsbegirig synen 
entgelten müesse.* 1532, ebd. — Über die Form des 
1. Teils 8. unghch 2 (Bd II 598). 

61ogge"-Macher: nnter den Handwerkern in L 
aufgezählt. 1456, Gfd. — Zit-Glogge"-. ,Der z. von 
Luzern.' vor 1491, Gfd. 

ün-glück8- = Ünglich-M. Ein dorf bekannter ,ü.' 
erhält vor Gericht kein Gehör. 2. Hälfte des tVlI., 
AABrugg Neuj. 1890, 29. 

Darch Umdentniig oder MissTerstftndniss zan&chst aus 
,UDglig(s)-M.'^ Ün^%ch-M.; B. noch Anm. za «n^fcA Bd II 599. 

Grab-, Oreber-: Totengräber, insofern er nicht 
nur die Gräber gräbt, sondern sie auch in gutem Stand 
erhält ZStdtf; s. machen I Ä8 a. Knecht des Toten- 
gräbers. 1792, ZStdt. -- Gross-: Prahlhans Tb; Z. 

Haber-: Geschlechtsn. XVI., LRickenb. S. noch 
Bd II 932. — Eig. wohl = H.-Miler. 

Hafö"-: in der Glashütte Der, welcher die Schmelz- 
tiegel (Räftn) bereitet S. 

Häftli-, in GaObS. Hafli-: 1. Verfertiger von 
metallenen Häkchen (s. Eaft J i a Bd II 1053) B; 
Gr ObS.; U. Er bedarf zu seiner Arbeit eines scharfen 
Auges; daher: Äuge^ ha* me-n-en H., scharfe Augen 
haben ScnSt. Auge* mache* (Ap; Th), drufluege* (S). 
ufpasse* (Aa; Bs; B; Gr; Sch; S; Th; Z) wic-n-e* H.y 
mit gespanntester Aufmerksamkeit auf Etw. blicken; 
scharf, genau Acht geben. TTte-n-e H. uf si* Chrüzer 
luege*. Schild 1866. Eim uf passe* ide-n-e H., ihn nicht 
aus den Augen lassen B; Th. ,Joggeli passe ihm auf 
wie ein H.* Gotth. So denk-i**: H., pass uf! Bs 
(WSenn). Me* säid, de' Abt spannt wie-n-e /f., bis-em 
der Kaiser ^8 Bättenbrod schicke. GesprIch 1712. Auch 
die Gewandtheit und Fertigkeit des H. ist sprichwört- 
lich. Er ist tifig [schnell, gewandt] wie en H. Sch; Z. 
Du bisch ekei* H., ungeschickt und beschränkt B (Zyro). 
Öppis channe* une-n-e H., grosse Fertigkeit in Etwas 
besitzen AAWohl. Vgl.: es gät-em fus de* Fingeren) 
wie ^s Häftlimache*, die Arbeit geht ihm flink von 
Statten AAWohl.; Ap; L. In andern RAA. erscheint 
der H. als Typus eines arbeitseifrigen Menschen: 
Flissig si; sdhaffe* wie en H. Z; s. noch Ernst 2 
(Bd I 465), an-haben 3 b (Bd II 900). Sein Gewerbe 
ist ein armseliges und wenig lohnendes; s. Chacheler 2 
(Bd III 118). Zunächst durch Übertragung vom Ge- 
sichts- auf den Gehörsinn (lost^ wie-n-e* H. Ap) wird 
das W. allmählich zu bloss abstr. Verstärkung ver- 
wendet, üßeggre* wie-n-e H, B (Gotth.); Z. Lügt^ 
wie en H. Sprww. 1869. ■— 2. Hausierer, Vagabund, 
gering geachteter Mensch übh. B. — 3. Pfuscher, 
Stümper Gr ObS. — 4. Wortverdreher. Chlostbrouoou 
S. 30. — 5. Intrigant U. 

8 bezeichnet eig. den ,Kaon-Alle8', Tausendkünstler, der 
A]les verstehen will und Nichts recht versteht. In 4 und 5 
erscheint der Begriff des Gewandten aufs Geistige fibertragen. 

Profet-Häftli-: Wichtigtuer Z. — Hagge--: 
eig. Verfertiger von Hakenbüchsen. Noch als Ge- 
schlechtsn. erhalten in ZWint; seit dem XV. be- 
zeugt. — Heil-: Heiland; Übersetzung des lat. ,sal- 
vator*; vgl. ,Seligmacher.* ,üas hail in aller h.', übers, 
aus ,8a1utem in omnium salvatore.* ZTöss Urk. ,Von 
der mensch werdung Jesu Christi, unsers h-s.' 1535, B. 
Auch bei ThPlatt., Br. — Harz- = Harzer 1. D*s 
H'S Tochter und d's Hungerltders Su*, die Beide* heind 



enander g'nu* [geheiratet]. Sprww. 1869. — Hu et-: 
wie nhd. War ««* en H. worde*, so chiemid d* lAU 
üni Chopf uf d' Welt, klagt ein Pechvogel. Sulobr. 
HUf dir der H., er hed mlne* au^ gemacht, Ausdruck 
des Bedauerns, wenn man erbetene Hilfe nicht leisten 
kann. Ineichen. — Schinn-Huet- s. Schinn-Hüetler 
Bd II 1791. 

JvLngi'Macheri*, PL -eme*: Katze SThierst. — 
So benannt wegen ihrer Fruchtbarkeit. 

Chübel-Macher r. Chu&Zer 1 (Bd III 117). Die 
meiste* Chinder händ d' Gh. und d' Bi8e*binder, Sprww. 
1869. ■— Chappe"-: Verfertiger von C/uipp«n (s. Bd III 
384), Pelzwaren; Kürschner Ap. ,1697 entstand ein 
Streit zwischen den Kürschnern und den K-n über die 
Frage, wer Pelzstösse machen dürfe. Die K. giengen 
als Sieger hervor.' Lisbbnau 1881, 156. — Chorn-: 
Kornhändler? ,Dass einkein k. uf deheinen pfragen 
noch gewinn enkeiner slacht [Weise] körn koufen 
soll. Es soll dis verhücten ein ieklich k. und korn- 
köufer.* 1341, Z Ratsbuch. — ,Clau8uren-: der die 
schloss und schlössle macht, so man zue den büechern 
brucht, die in prättcr yngebunden werdind.' JMaler 
1593. — Chnöpf-. ,Huetstaffierer- und K-en Tax.* 
Bs Taxordn. 1646. S. noch Leu XX 395; Liebenau 
1881, 93. — Chrage"-3facÄ«n» s. Chragen2d {Bd III 
790). ,Der Kragenmacheren, für 3 Kragen zurecht 
zu machen 2 fl. 16 ß.' 1763, Z Haushaltungsbuch. — 
Chratte^-Macher: Korbflechter GA.; Z. ,Krätti-M.* 
Wolf, Rel.-Gespr. — Stei°-Chratte»- B; s. Bd III 
875. — Chräze"-: 2 ,Chr.* werden erwähnt in der 
Aufzählung der Gewerbe von ZStdt 1637; s. Chräzen 
Bd III 924. — Chrüzli-: geringschätzige Bezeich- 
nung eines Katholiken ApA. — Lieder-: Golegen- 
heitsdichter, der auf Bestellung arbeitet SoflStdt; Z. 
L.y WO um e* Biessli [kleines Geldstück] ^ ganzi Site* 
voll schmieri*d, Bareplümanne^ und sust eso HdUb- 
herre^. Schwzd. — Latßrne"-: in gleicher Anwendung 
wie Ämpeli-M. Ist di* Vater e* L, (g*s%*)? AASuhrent.; 
ScuSt. (Sulger), din Vater ist eken L. Z, gang e*wig, 
min Vaier ist kan L, Sch. ,Z einen- und L.- Mac her' 
erscheinen unter den Vaganten Z Mand. 1641. — 
Lüte»-. Mal.; Bs Chr. 1779. 

Mügli^'*-: Rechtstriebbeamter, Gemeindeammann 
AAMenz. — So genannt, weil er es , möglich macht', von 
Andern das schuldige Geld zn erhalten. 

Möl*-: r\Q\\, =1 Haber-Meler ; vgl. Chom-M. ,N. 
N.'s, des m-s sun, burgers [z'] Zürich.' 1428, Z. — 
Mappe"-. ,Auf die Anzeige des Landschreibers, dass 
ein Burger von Bern behufs der .Anfertigung einer 
Landkarte die Grenzen und Märchen vermessen wolle, 
wird beschlossen, diesem M. es zu gestatten.* 1721, 
Absch. — Mutscheli-: spöttische Bezeichnung des 
Bäckers. WIchtbr am Pil. 1872, 43 a. ,Mutschellen-m.', 
Kleinbäcker. 1451, Bs (Schönberg 299). — Nnnne"- 
^Galzer (Bd II 296) Lf. Syn. N.- Weider, ,Den [L] 
boten gen Baden ist bevolhen, mit den boten von Z 
ze reden, dass si mit irem nünnem. redent, den unsern, 
Hutzelbrant, in sjner weid unbekümbert ze lassen.' 
1435, Absch. ,Wer an der Museggprozession nicht 
Teil nahm, zahlte 1 Pfd Busse; davon erhielten u. A. 
die N. eine Entschädigung.' 1470, L (Liebenau 1881, 
285). ,Und soll ein yglich n. geloben und schweren, 
den kreis der herschaft alle jar zue syncr rechten zyt 
ersuechen und ze erfaren, und darin niemans andren 
gewerb lassen tryben noch üeben, und soll in ein 



53 



Nseh, mech, mich, rooch, mach 



54 



vogt daby schirmen; and daramb soll ein yglicher 
n. einem vogt alljärlich geben ein pfd pfe£fer/ 1490, 
AaB. Urbar. ,[Der Vogt] klagt über den N., dass er 
sein Lehen nicht von ihm empfangen wolle/ 1524, 
Absch. ,Sölche kanst [des Vorschneidens] ist bekannt 
vilen bruchschneideren and n-en.* Tjerb. 1563. Das 
W. auch 1451, Bs; 1779, Bs Rq.; s. noch Gr. WB. VII 
885. Geschlechtsn. 1434. 1488, ÄABr emg.; FrHaffner 
1666. — Nun Hg- = dem Vor. ,Ein ietlicher buwman, 
der in disem kilspell buwet, als vil dass [wenn auch] 
er ein n., der soll ein lesgarben geben einem custor.* 
um 1530, L Ürk. — Näw e"- = ^awwer. ,Schiff- ald 
n.-macher.' 1469, L. — Bulver-. ,Unser b., der fast 
wol mit grossem geschütz kond.' Vad. ,[Wenn zu 
Bellenz Pulver nötig wäre, sollte] selbes dem F. zu 
Schwjz, einem kundigen Meister, übertragen werden.' 
1568, Absch. — Bolz-. 1451, Bs (unterschieden vom 
,pfyl-m.*). ,Bölz-.* 1487, Gfd. 

Bändeli-: 1. Bandfabrikant Aa. — 2. flatterhafter 
Mensch Aa. Du lustiger Füifausd, du B. Tobl., VL. 

Die Anwendung 2 ist yiell. yeranlasst durch das Lied]ein: 
Seho* tcider Eint, 9eho* wider Eini am Bändeli g'ha* nsw. 

,Bantoffel-: crepidarius.* Mal. — ,Banzer-: 
loricarius.* Mal. — Parisöli-: Schirmmacher Gr 
ObS. — Bart-: Barbier PAl. — Am-boss-: unter 
den Berufsarten aufgezählt. Bs Chr. 1779. — Peste- 
len z- = Qißer; s. Bd II 136. — Pastete»- s. Schliek- 
Choch Bd 111 125. — Putsch-: Bereiter von Obst- 
wein. ,Uf mentag post crucis exaltationem band die 
hier- und putschmacher gesworn, dass si das hier von 
obs machen und darjn kein wasser tuon.* uro 1481, 
L (RBrandst. 1890, 76/7). — Blatt-: Der, welcher 
die »Blätter* für den Webstuhl anfertigt, Rohrmacher 
Z. Jn der weher zunft sind die bleiker und bl.' Vad. 

— Prügel-: Verfertiger von Knitteln. Lt vRodt 
1834, 216 kaufte die B Regierung im Jahre 1691 
einem Pr. aus den Freiämtern 200 Knittel ab. — 
B rattig-: Kalendermacher „Aa; B; VO; S." Der 
Br, macht d' Brattig, der Herrgott 's Witter. Iiteichen. 

— Brött-: Verfertiger der beim Einbinden von Bü- 
chern verwendeten Brettchen Zf. — Ritere°-: Sieb- 
macher ZSth. — Schueh-, in AxLeer. ; ZW. Schü^, 
in ThHw. Schö-: 1. wie nhd. D' Seh. händ die scMech- 
tiste* Schueh AABb. 's ist besser, me" gib 's Oelt ^eni 
Seh., als ^em Dokter Z; Sülqer. D' Sch-re* sind da 
uf der Ster, es ist in diesem Hause Jmd niederge- 
kommen W. ,Es ist ein Unterschied zwischen dem 
König Salomo und dem Seh. von Bremgarten' ZNer. 
8. noch giren I (Bd II 406), abe'-lasse' (Bd III 1401). 
,Sch., Schmied und Wagner mögen einander helfen 
Bein- und Arroglieder einzeuhen.' 1431, Z. Seh. heisst 
in GlH. ein Berggeist. GHeer 1887, 17 (Syn. Feier 
Bd I 633); nach BFreuler 1888, 66/7 eine Hypostase 
des ewigen Juden. S. noch Rochh. 1857, 84. 95; 1856, 
1, 379; 2, 308. — 2. Name von Käfern, a) Marien- 
käfer, cocc. sept. GW. (im Kinderlied). — b) = Chlö- 
pfer 6 (Bd lU 678) Gl; Gr oHe. — 3. Schotenklee, lot. 
com. GW., We. Syn. (Frauen-, Herrgotten-jSchaehli. 

— schuehmachcre'': ein Spiel für Knaben, von 
denen der eine den Schustermeister, die andern, mit 
ausgezogenen Schuhen im Kreise uro ihn herum auf 
dem Boden sitzend, seine Gesellen vorstellen. Auf den 
Ruf: O'selle^, schaffit! fängt jeder Geselle an, mit den 
Füssen auf den Meister los zu stampfen, bis Dieser 
Halt gebietet. Wer nach diesem Befehle dem Meister 



noch einen Stoss versetzt, gibt ein Pfand B. — 
Scheide"-: Verfertiger von Schwert- und Messer- 
scheiden. ,Schlosser, Sporer, Spengler, Sich.* Z ZoU- 
ordn. 1639/40. ,Alle frömden Krämer und Kräzen- 
trager. Seh., auch all anders dergleichen verdächtiges 
Gesind.' Z Mand. 1696/1774. Auch Bs Taxordn. 1646; 
Bs Chr. 1779. Als Geschlechtsn. «Heinrich Seh., der 
koufmann.* 1392, Bs. — Schiff-: Schiifsbauer Z. ,Die 
seh. sollen ire schiff uf dem platz zu Vischenhüsern 
machen und verschaffen.' 1546, SonRatsprot. ,Schgffm.' 
Geschlechtsn. Sch; 1442, Z Staatsarch. — Schiffli-: 
Verfertiger von Weberschiffchen Z. — G'schäftli-: 
„Mensch, der sich gerne in die kleinlichsten Geschäfte 
unberufen mischt und daran Teil nimmt L.** Einer, 
der überall, wo ein auch nur ganz kleines Geschäft 
zu machen ist, zugreift, um für sich Etwas zu er- 
gattern Th; Z. Geschäftsagent AALeer.; Bs; Z. — 
G*8chis8-: Kleinigkeitskrämer, Pedant; kleiner 
Mensch Bs. — Schatte'-: , Jalousie vor einem Fen- 
ster Gr." — G*schmeiss-: ein , Kannalls*, bes. in 
Metallarbeit S. Einer, der sich einbildet. Alles zu 
verstehen, in Alles hineinpfuscht, Stümper S. ,Ihr 
ein Künstler, fragte er, ein G. oder Kesselflicker 1' S 
Wochenbl. 1819, 44. 

Schnitz-: Spitzname auf die Bewohner des Kan- 
tons Zo. 1776, Finalprozess des Lor. Plac. v. Schu- 
macher S. 14. 

Der Kanton Zug ist ansserordentlich obstreich, weshalb 
die ,Schnitze' dort einen Hauptbestandteil der Nahrung bilden. 

Spille''-. N. N. wird gebusst, ,dass er kostlich 
Spillenholz von Ahornen aus dem Wald gehauwen 
und an die Schifflendi gefüert, den Sp-en verkouft.' 
1625, Hotz, Urk. ,N. N., der Sp. von Meilen.' 1686, 
ZZoll. Herbstrod. — Spiess-: Verfertiger von Spiess- 
stangen. Die Sp. wurden in Ehren gehalten und der 
Rat [von L] Hess sich leicht herbei, ihnen seine Zu- 
friedenheit durch Schenkung von einem Paar Hosen 
zu bezeugen. Es war ihnen verboten, ohne obrigkeit- 
liche Bewilligung im Lande Eschen zu fällen, um 
daraus Spiesse für den Verkauf ausser Landes zu 
verfertigen. Von ihren Lieferungen hatten sie der 
Obrigkeit den Zehnten zu entrichten. Im Jahr 1645 
roussle ein Sp., der Dies versäumt hatte, ausser einer 
ihm auferlegten Busse für Zehnten und Zoll für jeden 
unrechtmässig abgelieferten Spiess 10 Batzen bezahlen. 
Gfd. ,Die Sp. und Schüsslendreher, die bei der Alp 
Grew im Eschentale wohnten.' Stadlin 1824. S. noch 
Sunder-IM Bd UI 1524. — Spruch-. ,Pocta, ein 
reimendichter oder spr.* Fris. ; Mal. — Stäublig-: 
Müller (in der Gaunerspr.). Lütolf. — Sträl-: Kamm- 
raacher Ap. ,Die watlüt, kremer, str. [usw.].' 1567, Z 
Staatsarch. ,N. N., Strälmacherin.' 1637, Sch Ratsprot. 
Das W. auch Z Zollordn. 1639/1711. — Strasse»-: 
Strassenaufseher. ,Die str. old wasservögt.* 1540, Ndw. 
,Wer in unserem land str. oder buwmeister oder wasser- 
vögten um das, so inen iri herren befolen heind und 
iren [ihr] eid zuogid, üt etwas arigs täti, der soll [ge- 
straft werden].' 1545, ebd. ,Und soll ietliche urti syn 
str. dartuon, wenn man die eindliffer dartuot.' ebd. 

— Tach- UwSachseln, TäcMi- Ap; GF., G.: Schirm- 
macher, -flicker. — ,Tocketen-: coroplates.' Mal. 

— Dolle**-: Der, welcher verdeckte Abzugsgräben 
macht Z. — Tisch-: Tischler, Schreiner Ap; Bs 
(Spreng); B; Obw f; Z. ,Den T-n und Meister Uol- 
richen, die manche Woche an der Orgel arbeiteten, 



55 



Xaell, mech. mich, moch, niiich 



56 



zu essen und za trinken gegeben/ vor 1491. Zo. 
,Peter, t. Yon Ure [macht einen getäfelten Plafond in 
verschiedenen Kapellen].* 15<>6, AKücbl. 1886. .Dem 
t. als er die spannbett. so in's schloss hörend, bessret.' 
1532, ZGrQn. ,35 pfd 10 ß gab ich dem t zne Grüen- 
ingen, 5 grosser bettstatten mit himmeln. 1 karrenbett 
1 grosse almergen för die stnben. stabeilen und andere 
arbeit ze machen.' 1541. ebd. .5 pfd dem t. Ton einer 
fleiscbasslen in die kuchi.* 15t>7. ebd. S. noch Gr. WB. 

— Wichtig-: Wichtigtuer BsL. ,Es gab zu der 
schönen Omnibaszeit im Baselbiet unendlich viele 
solcher W.; sie f&hrten das grosse Wort in allen 
Omnibus und an allen Wirtstischen.' Breitehst. — 
W6g- = 5«räwm-, Wig-Chnicht (Bd 111 732) Bs. .Es 
ist Pflicht der W., die ihnen anvertrauten Strassen- 
strecken gehörig zu beaufsichtigen und Alles in un- 
klagbarem Stande zu erhalten.* Ap Ges. 1843. Zoller, 
W. und Harschierer auf der Landschaft sollen dafür 
sorgen, dass das Mandat , wegen den Wagen lä:»ten* 
beobachtet werde. 1706, Bs Mand. — Wille*-": fing. 
Persönlichkeit. Der W. tuet Alles, me* muess nw 
tceüe*, SuLGER. — Wanne"-: Yerfertiger von Ge- 
treideschwingen L; S. Auch 1451, Bs; 1637, ZStdt; 
Bs Chr. 1779. 5t** breit mache' tcie-n-en W. Iheicheh; 
Schild. Auch Geschlechtsname Z, wie Wanner. — 
Brennte"-Wi»-: Branntweinbrenner. 1561, Abscb. 

— Winde"-: Handwerker, der Winden [zum Heben 
von Lasten] macht. ,N. N., der scblosser oder w.' 
JMaler 1593. Auch Bs Chr. 1779. — Wgtter-Ma- 
c her in: Hexe, insofern sie das , Wettennachen* ver- 
steht. ,Den Unholden, die man gemeinlich W. nennet.' 
FWyss 1672. — Guet-WCtter-: wer als Mittels- 
person bei Jmdm gute Stimmung fy*^ Wetter) macht 
Z. — Zeine"-: Yerfertiger von grossen, weiten Kör- 
ben Ap; Th. Z. führen R und CMey. 1650, 88 unter 
den Vaganten auf; s. noch Latemen-M, ,Die Z. aus 
dem Tale Galanka in Bündten.- Stadlik 1824. — Zit-: 
Handwerker, der Wand-, auch Turmuhren verfertiget 
Ap (im Gegs. zum Cr««-Jf., der sich nur mit Taschen- 
uhren befasst); Z. ,14 ß verzert der z. von Winter- 
thur, als er das zyt am schloss gemacht.' 1561, ZGrün. 
,l)em Z. den Bratspiess [d. h. das Räderwerk daran] 
zu bessern.* 1600, Z Schnecken. .Den 24. L 1724 
dem W^irt 'geben, das der Kirchmeier mit dem Z. ver- 
zehret hat, da er das Zyt [die Turmuhr] anders hat 
machen wollen.* BE. Rechnungsman. — Hochzit- 
Macherli: Kind, das bald nach d<;r Hochzeit geboren 
wird und keine Geschwister bekommt BBe. 

Blutt-Macheri f.: betruglicher Bankerott. ,Beim 
Oberhandnehmen betrüglicher Geltstagc (,Bl-eien*).' 
1822, ß. Vgl. BluU-Müs, 

Machete" f.: 1. aufgeregtes, in lebhaften Ge- 
stikulationen und Reden sich äusserndes Tun, Treiben 
Th ; Z. Es ist e^ Grüessete* ond e* M., bis AUi am 
Tisch sitzend, dass 's Eim fast trümmlig [schwindlig] 
hett chönne* verde*, Schwzd. Spec, Spiel mit leb- 
hafter Handlung VV. S. Am-Herd 213. — 2. Vergleich. 
Abmachung B; ,Gl; L; Scb; Z." 

Chinder-: Kinderspiel, Kurzweil W. Syn. T'er- 
ttrelleten. Das ist so a" Ch. 

Machi, in GrL.. Pr.; HG. Machi'ff f.: Arbeit Bs: 
„BO.; Gl;- GrL.. Pr.; L; GG.; Sch; Th; Z. i- (auch | 
tt/*GG.) der M. si", von allerlei Gegenständen, insbes. 
Kleidungsstücken. aaOO. Ist der Rock fertig? fragt 



man den Schneider; worauf dieser antwortet: Aei", 
aber er ist t" der M. An der M. «i", von Personen 
GrL. !• S M. gi*, tue*, in Arbeit geben GRPr.; LStdt 
/«* ha* mOesse* d' Sehudi i" d' M. gf r= zum Maeke* 
ge^j, Öppis t" der M. ha* 1) in Arbeit haben, vom 
Handwerker; aber auch vom Besteller: beim Schnei- 
der. Schuster usw. haben Bs: GRPr.; Tb; Z. — 2) in 
Aussicht im Auge haben Bs. Das ist kei* M,, keine 
(gute) Arbeit GG. 

Musik-: Mnsikdose. Diu. Sjn. 3f.-7Viidbeii. 

G'mäch. in BG., Stdt; F; L; üw -d- n.r 1. Etw. 
Gemachtes. Werk. Arbeit GRÜbS.. V.; GG. E* sehen», 
wuests, küngüi'^s G. Bes. von Werken mit kunst- 
reichem Mechanismus U. 's ZU ist doeh e" sehons G. 
Meist aber in geringschätzigem, verächtlichem Sinn, 
schlechte Arbeit. Pfuscherei. Machwerk Gl; L; GA., 
Ta.; Srn (St.*»); Schw; UwE.; Zc. Das ist mer an** 
es G. ! Von lästigen Gesetzen : .Sy welltend myn heren 
bitten, sömlich gemech innen abzutuen.* Edlib.; dafür 
vorher: ,nüw ufsätz.* — 2. Testament. .Ein testament 
oder g. brächen und unnütz machen.* Mal. — 3. ver- 
hüllende, schamhafteste Bezeichnung der männlichen 
und weiblichen Geschlechtsteile Bs; B; L; G; Ndw; 
U; Z. spec. der männlichen Aa (Rochh.); F; ScaSt.; 
Th; U; W; Z; Schamgegend Bs; Gl; Schw; UwE. 
(auch von Tieren); Zg; Z; Hinterer G; Z (Spillm.). 
Eim Ei*s t" > (a* 's) G. gi*. Öppis am G'mädiii ha; 
von Kindern. BildL An 's G. (auch an'n G''mäehere^ 
abe*) länge*, an den Geldbeutel langen, bezahlen Bs. 
Aha, da tcirt der Vatter au*^ vider miesem an 's G. 

länger! 

Vgl. das durchweg syn. (Jemäckt, aos dem nnser W. 
wenigstens in Bed. 3 geradem eotstanden sein kann, indem t, 
viell. aoter dem Eiofloss von 1, abfiel, wie es anderswo an 
ck angefQgt wird. 

Schiff-: Schiffbau. .Ein Brunnen flüsset da von 
Päch fürtreffenlich zum Sch.* HRBkbm. 1620. 

mächele", in Bs machel^: Dim. von machen, 
meist gegenüber Kindern verwendet Bs; Schw; S; Z. 
Was mächelist? Muest m., die Notdurft verrichten? 
Schw. Das cha*"* me* m. Hofst. Kleinliche, unnütze 
Arbeit tun AAWohL Syn. ddggelen. Gemächlich ar- 
beiten Ap. 

Machan. Wer am M.-Tag (2. Jan.) zuletzt auf- 
steht, wird an diesem und wohl auch noch an den 
nächstfolgenden Tagen von seinen Angehörigen Jlf. 
genannt L. Vgl. Silvester, 

Maf heier: ein Stoff. Mohair? .37 stuck m.' 1571. 
Z Inv. ,1 grünen Füraltar von M.* XVIL, L. 

macheierin: von Macheier. .Ein schwarz ma- 
cheiarin Messgewand.' Bestandteil des Kirchenschatzes. 
L Propsteiarchiv. 

miehle", in F male* I, mdle* : 1. intr., sich verloben, 
vermählen. 2» Josi malet mit dem Belli FSs. Male*, 
vor dem Pfarrer die Ehe versprechen, im Unterschiede 
von mafine", iri6c*, d. i. heiraten F. — 2. zum Braut- 
geschenk machen. ,Dgr mächelt ir einen ring.* Anf. 
XV., G Hdschr. — Mhd. makeUn, mekden, malen, vermählen. 

zue-: antrauen, vermählen. , Dieselbig fürstin ist 
•lern Herzogen ze österrich in der heiligen ee zue- 
geniechelt worden.* 14 IS. Abscb. .Wer 's GlQck hat, 
der führt heim die Braut, wie das gemeine Sprüch- 
wort laut, dem wird sie zugemalen [: zahlen].' XVll., 
LiBD. — Die starke Form wohl nar des Reimes wegen. 



57 



Mach, tnecb, mich, moch, mach 



58 



(g')inaach Gl; 8, mauchig ZW., mäue/i ScaNnk. ; 
Th, (g')mäuch%g äa; SceSt.; ZW.: 1. a) trockenfaul, 
von Früchten (z. B. Runkelrüben , weissen Rüben, 
Äpfeln), die im Innern anfangen zu faulen und dann 
hohl werden (vgl. das syn. flosch Bd I 1225) GMels; 
ScHNnk.; TuSteckb.; Z. , Manch, mölsch, mäusch, 
faul, semiputridus, fracidus, raitis, rancidus, saper.' 
Reo. 1662. — b) morsch, wurmstichig, von Holz (z.B. 
dem sog. »erstickten*) AAStilli; Sch; Th; ZW. — c) mit 
dem Ohropf (s. Bd III 848) behaftet, von Weinreben 
ZWthur; vgl. rüdig. — d) weich, dumpfig, von schlecht 
gedorrtem Spätheu (s. Ämad Bd I 213), das sich zu- 
sammenballt und dann bald schwarz wird Gl. — 
e) von Zeug = g'kar fangen 2 (s. Bd I 859) ÄAKais. 

— 2. hungrig; matt, niedergeschlagen S. 's isch besser, 
me* tuet tnauch arbeiten, ah voll juble*. Schild. Be- 
nebelt, z. B. von einem Pferde, dem Branntwein ein- 
geschüttet worden war. ebd. 1876, 76. 

Tg], die Gruppe ,niaach, maak' bei Gr. WB. nnd bes. 
Schade unter mnJcs. Die Grundbed. scheiDt diejenige der 
mit unserer Gruppe im Ablantverhältoiss stehenden Gruppe 
müch-, uämlich die des Niederdrückens, Einschränkens, Yer- 
bergens zu sein. 

Manch (in Gtw.; Th tw. MöchJ, „Mauk B" — m. 

— PI. Mäuch, Dim. Maitchli Ap; „Gr", sonst Mäuchli: 
1. kropfiger Auswuchs am alten Rebholz Z. — 2. un- 
ordentlicher Haufe, z. B. von zerknitterten Kleidungs- 
stücken ScnNnk. 's ist Alls an-eme* M. — 3. auch 
Räb(e*)-, Rüebß'*J- Mäuchli, PI., gesottene, mit Zwie- 
beln oder Kümmel gewürzte, etwa mit Schnitten aus 
geröstetem Brot gemischte grobe Klösse oder Schnitten 
von weissen Rüben Aa; Bs; Sch; Schw; Z; Syn. 
Schnätterling. Zu Jmdm, der nicht sieht oder findet, 
was er doch vor Augen hat, sagt man: Du hast glaub 
Babe^inäuMi vn'n Auger Sch. Klösschen ans Rüben, 
Kartoffeln und Mehl, in Milch gekocht L. Würfelchen 
aus Brot Ndw; Syn. Möckli; vgl. FStaub 1868, 94. 
Ganze, gekochte weisse Rüben, die mit Salz gegessen 
werden Z. Z' Morgen Schnätter [zerstückelte w. R.], 
z* Imbig Bläder [Brei von w. R.], z' Nacht Mäuch, 
Beschwerde unzufriedener Dienstboten über ihre Kost. 
Spillm. „Mäuchli [PL], Metzelsuppc Sch"; s. noch 
Mäuchli' Suppe^. — 4. a) Maük, liebkosender Aus- 
druck für ein appetitliches, sehr wohlgenährtes Kind B. 
Chumm, du dicker M., muesch es Mündschi ha* ! E was 
bisch du doch fer ne" toller M., was hesch du ämel o«* 
fer Ffusibacke' [wie bist du doch so pausbackig]! 
Nur gröblich für Erwachsene: Das isch o** ne" rechte 
M. un^ c* Miiesler! — b) Schlemmer Ap. Vielfrass, 
unverschämter Schmarotzer Th. — 5. geringschätzige 
Benennung eines Niedergelassenen Sch; vgl. die Zss., 
ferner Schweiz. 1859, 64/6. Mauche'wort — am letste* 
Ort, das Wort eines Niedergelassenen wird erst in 
letzter Linie berücksichtigt ScnSt. — 6. Familien- 
name. Ostschweiz. — 7. Zuchtstier TuStettf. Junger 
Stier G. — 8. Chriesi-M. = Chirsi-Gauch s. Bd II 106 
GT.; Th; ZO. Beri'M. = Gauch 3 Bd II 104. — 
9. Dim.. sog. ,süssc' Erbse, eine Abart von pis. sat. GRh. 

Die ZurtlckftlhruDg aller obigen Bedd. auf einen Grund- 
begriff, bzw. auf das gleiche Etymon (mficA, manch) ist uicht 
ohne Schwierigkeiten. Zwar schliesst sich l an manch 1 c, 
5 bezeichnet Den, der sich ducken muss (v^^l. bair. Meuchel, 
furchtsamer Mensch), 7 bezieht sich auf den gedrungenen 
Körperbau und in 4 a könnte eine Übertragung aus 7 vor- 
liegen; Tgl. Muchd (Stier und fetter Mensch). Der Gauch (8) 
ist ein Tier, das sich dociit, verbirgt (vgl. bair. ,Mauchen\ 



Assel); diese Nummer Hesse sich auch unmittelbar zn mauchen, 
stinken, stellen, womit wir noch immer nicht ans der bisher 
herbeigezogenen Vwdtschaft träten. Zu 8 vgl. schles. ,Mauke', 
Mehlbrei, altn. mauk, Suppe, Tunke, mhd. mouch, obsomo- 
gerus; viell. aber ist Vwdtschaft mit Mocken anzunehmen. 
9 sollte viell. mit 3 vereinigt werden, wenn nicht vielmehr 
die Erbse als die kugelige bezeichnet werden soll. 

Forr(e»)- G oT.; Z, Före'- G uT. « Forch-Güggel 
(s. Bd II 194). — Fröss-: Vielfrass, Nimmersatt Ap; 
G; Th; Syn. Fress-Bütterich. — Git-: Geizhals Th 
Steckborn. — Haber-: Wiesen-Bocksbart, trag. prat. 
GT.; ZO. Vgl. Mäuchling; ferner das Syn. H.-Malch, 
Schwab. ,H.-Mauchel' bei Schm.-Fr. I 1034. 

Hali- (JMevkr 1866, 121), Hamme*- (Sch; Th), 
Hanne*- (Sch Kl.), Hanni- (ZRafz) Mauch (in Sch 
auch -Mauche*), doch meist unlösbar verwachsen Hä- 
mauch GRh.; Sch; ThHw., Tag.; ZWl., Dim. Hammer*- 
Mäucherli (neben -Mäuclüi) ScnSchl. : 1. = Müvh-Heim 
(s. Bd II 1289/90) Sch; Th; ZWl. — 2. = Mauch 5 
GRh.; Th. 

Zu Grunde liegt ' Heim-Mauch, aus dem sich zunächst 
Hamm(e*)-^ dann Hanne*-, Hanni-, Häli-M. erklären; vgl. 
übrigens auch ,Hamm(el)mau8' bei Gr. WB. IV 2, 812 und 
,HammeImeichelein' in Kuhns Zeitschr. XV 271. Vgl. bes. 
die Synn. Heim-Müch, Seham-M. 

Milch-Mäuchli: in Milch geweichter Brot- 
brocken oBs; Syn. M,-Bröckli. — Bolle"-: Gericht 
aus Zwiebeln TflSteckb. Vgl. B.-Buder. — Bone"- 
(in AABb. -Mäuchlig): Gericht aus Bohnenkernen an 
einer sauren Brühe SosSt.; TflStcckb., aus dürren 
Bohnen in den Hülsen mit Brotschnitten AABb. — 
Sammet- : Spottname der Küfer, ihrer Sammetkleidung 
wegen Sch. — S ch i\i- = Sch.-Güx (s. Bd II 571) U. 

Scham- (in Bb It Anon. ad St. auch Sdhau-, in Aa 
Hold. Schö-, in Bs tw. Tschä-J Mauch (in ZZoll. -MaukJ, 
in BsLiest. auch Scha-, Tseha-Melch: l.^ Mauch 5, 
bes. einer ohne Grundbesitz Aa; Bs; G; Sch; Th; Z 
(in Wthur SchamäuchliJ. Wer si* eigener Ban [Bann- 
grenze] nit g'chennt het vor hinden und vomer, het 
zu de* Tschamauche* zeilt und d' Burger hain in ver- 
achted. WSenn (Bs). Um sich für den ihnen ange- 
tanen Schimpf zu rächen, sagten die Niedergelassenen 
von sich mit Beziehung auf die Burger: Fn Sch. ist 
en Narre**gugger TnWeinf. — 2. Schelte auf einen 
Menschen, der hinterrücks Etw. tut, bes. Esswaren 
entwendet, um sie verstohlen zu geniessen, Näscher Z. 
Unverschämter Schmarotzer, Bettler Bs; L; „G; Sch;* 
Z ; Syn. Gueni Bd II 335. Auch mehr abstr. Schimpfw. 
ohne bestimmte Beziehung, auf einen Menschen mit 
verwerflichen Eigenschaften übh., z. B. auf einen 
Geizhals Bs; Z. — schamauche": schmarotzen Z. 
- „ab-: abschmarotzen.** — ver-: verschleppen, 

verheimlichen, bes. Esswaren Z. 

■ 

Der erste Teil der Zss. ist viell. ,Scham* oder ,Schand*, 
womit der betr. Stand als ein verächtlicher gekennzeichnet 
werden soll; vgl. Schands- /Ms. Dem Volke scheint immerhin 
das etymologische Verständniss abhanden gekommen und es 
scheint fremdländischer Ursprung angenommen worden zu sein. 
Darauf deuten der nebenher gehende Anlaut ttoh und das 
Schwanken des Äccentes C AaLeer., dagegen **' Th; Z). 
Es Hesse sich etwa an lt. scianiannato, unanständig, plump, 
von Manieren, denken. Nicht klar ist das Verhältniss zu 
der sinnvwdten Gruppe schmauch-, deren Grundbegriff ebf. 
der der Heimlichkeit ist; vgl. Blattaer 1890, 19. Sieben- 
rock (Bern 1866) gibt fOr Sch auch die Form ,Scharnauchen.* 
Zu der Form Mdch ist viell. malchen^ gierig, mit vollem 
Munde essen, zu vergleichen. 



59 



Naeh, meeh, mich, moch, mnch 



60 



manche'': 1. heimlich naschen Schw. — 2. sich 
hineinschmiegen, in Ritz«n verstecken ZWthnr. — 
8. „sich hegatten AaF." — 4. tr., einweichen, mürbe 
machen Sch. 

Betr. die n&here Yerwandtschaft des W. Ygl, .Mauche, 
Mauke' bei Gr. WB., ,meichet, menchel-, Meuchel' bei Schm.- 
Fr. 1 1561, »manchen, Mauke' bei Fr., Ztschr. VI 17. 357, 
sowie die Gruppen mattk- und schmauch-. 

ver-: Kleider zerknittern, so dass sie Falten be- 
kommen ScnNnk. 

maUchle": wesentlich = mauern. 1. anf die Seite 
schaifeh. ,Abt Waldfrid meldet, dass sein begrepnnss 
etwann anftnen worden und ein lömd ansgangen sei, 
dass man [den Leichnam des h. Gallns] hinweg ge- 
mauchlet habe.' Vad. ,Da8s die zum Wareneinkauf 
jeweilen nach St Gallen kommenden Jaden mit den 
blossen Schacher- oder Maucheljnden nicht in die 
gleiche Klasse zu stellen seien.' 1784, Weoblim, Joden, 
S. 14. — 2. = „mauchen J^^ — 8. = mauchen 5 Z um 
Wthur. 

Maachle°: Name einer Birnsorte ApK. 
Der Name viell. von der gedrungenen kugligen Gestalt; 
Tgl. Maueh 7, Mancher, ferner Müchler. 

Manch li hl: l.^ Manch 4 b Ap. — 2. = Manch 7 
„Gr.- . 

mäach(e)le'*: 1. Brot in Würfelchen oder kleine 
Brocken zerschneiden Ndw. — 2. einen leisen Wind 
streichen lassen, stinken See; vgl. Mauch 8. 

„mäuchelig: gemein, schlecht, nach Art eines 
,Maachd' (s. 5) Sch." 

Mancher: Apfelsorte mit festem, feinem Fleisch 
und glatter, nur unten etwas rauher Schale Bs; vgl 
M.'Epfd Bd I 372. 

Mäuchlig m.: Blütenknospe des Wiesenbocks- 
barts, kurz vor dem Aufblühen, wo sie am süssesten 
und kräftigsten ist und von Kindern gegessen wird 
AsBb. Brandig gewordene Blütenknospe der selben 
Pflanze Aa; Sjn. Ti*bäklig. 

NeebS'ner m.: Mechaniker Z (im Munde unge- 
bildeter Leute). 

Mechanerei f.: mechanische Werkstätte Z. 

Mechanik f.: mechanische Einrichtung Bs; Z. 
Spec, Spannvorrichtung am Wagen Aa; B; VO; S; 
Th; Z. jy M, a**zieh; d' M, het g'la\ 

mieh (in BEinigen; S mt^, in unbetonter Stellung 
mi Aa; Z): Acc. des Fron. pers. der 1. Fers. 

Verstäsch-mi''*'; euphem., ein , Versteh st-du- 
mich', d. h. ein Frügel S. Si het niben an-ere* ne« 
länge* achtoarzdörnige* V. g'ha*, BWysb. 

Michael, Michel, allg., Mich Gl, Mix BBe., Michi 
BSi.; VO (in L auch Nicht); W: 1. Taufname (ziem- 
lich selten) und in den Gen.-Formen ,Michaelis, Mi- 
chgli(s)' Gedenk- und Kalendertag (29. Sept.); als 
solcher, weil in die Zeit des Herbstanfangs und in die 
Herbst-Quatemberzeit fallend, im Volks- und Rechts- 
leben (als sogen. ,Loo8tag' und Termin) von grosser 
Bedeutung, bes. für den Landmann. Marie [Verkün- 
digung, 25. März] bläst das Licht aus, Michael zündet 
es wieder an, d. h. um diese Zeit beginnt man Abends 
wieder bei Licht zu arbeiten. Ineichen ; Sulqer. Mi- 
chelstag zündt de* Schuehmachere** und Schnidere* d' 
Liechter a* (bes. wenn sie in fremden Häusern, auf 
der ,Stör', arbeiten) ScHwMa. ,Die wachter sollen 



all weg an sant Michelstag anfahen und bis zu ostren 
abend, so es anfacht nacht werden, für und liecht zu 
versorgen rüefen.' 1535. ZElgg Herrschaftsr. So män- 
gist [oft] '8 vor Micheli riß (Elfe* giHj, so vil Frost 
chömme*d nö«* Jörge*tag Aa ; S, nd** Maitag Aa ; VO ; 
Z, ,nach Waldburgi.' Inbichen; vgl. Schild 1868. 116. 
Wenn 's a" der Nacht vor Michelstag loarm isch, so 
bidület 's e" ehalte* Winter S, und ähnlich L (Ineichen). 
Wenn 's vor Michel uf d' Berg schneit, so gi^d 's e* 
guete^ Herbst Aa. ,Wie der Wind um Michaelis in 
den 12 Stunden von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends 
weht, so weht er auch in den verschiedenen Monaten 
des Jahres; kalter und trockener Wind in der ersten 
Stunde am Michaelistag bedeutet einen trockenen 
Januar.' Sdlger. Micheli gilt bes. für den Weinbauer 
als Entscheidungstag. Michlli sur oder süess, an die* 
sem Tag kann man urteilen, wie der Wein des Jahr- 
gangs werden wird Z. Micheli und no^ kei rot Berli, 
het d' Frau ab *em Sunne*berg g'seü, und het doch en 
guete* W%* 'gi^ Sch. Doch soll mit diesem Tag in 
vorzüglich guten Jahren die Weinlese beginnen, nach 
dem Spruche : Micheliu)i* — Here*tDi*, GallUd* — 
sure* W%* Sch; Th; Z; vgl. JKettiger 1857, 43. Mi- 
cheli, Micheli, wiHt nüd Wümmes, magst weder Eife* 
fw«* Sehne vertrünn^ Z. Wenn 's am Micheli nid 
cha** si", so bringt der Galli sure* Wi* Bs. Micheli, 
Micheli, tue toümme*, su*st chunnt de" Gaüi und tuet 
di^ zvnnge* Z ; vgl. Gall 1 Bd II 200. ,Dicamus uno 
et altero verbo patrio : Es werde noch einen gesunden 
Tischwein abgeben; id quod nostrates proprium esse 
judicant vindemiae incidenti in diem Michaeli dica- 
tum.' SHoTT. 1707. Michel chunnt mit *em Sticke*, 
sagen die Älpler, weil es dann höchste Zeit zur Tal- 
fahrt ist BSi.; vgl. Brenten, Tuttel. Der Michaelstag 
ist der beste zur Aussaat Aa; Z. Auch die Haferernte 
fällt in diese Zeit; vgl. den Kinderreim: Micheli mit 
^em Sichdi gät i* (T Em und schnidt nit gern, nimmt 
de* Lö* und springt dervö*, lät im Bür de* Haber 
stö* ScHSchl. Um Michaeli werden daher auch Ernte- 
feste und andere Feierlichkeiten (in LE. ein Schwing- 
fest beim Wallfahrtsort Heiligkreuz) abgehalten. ,In 
der Regel schliesst sich die eigentliche Kässaison mit 
Michelstag.' Gotth. In Schw ist der h. Michael, wie 
das Christkind und der h. Nikolaus, ein Gabenspender; 
während der Vesper fliegt der Erzengel in den Häu- 
sern umher, um die braven Kinder, welche unterdessen 
in der St Michaelskapelle bei Schwyz andächtig beten, 
mit Geschenken zu erfreuen; vgl. Lüt., Sagen 562; 
ScHwE. Kai. 1851. Am Festtage wird ebd. seinem 
Bild ein Blumenstrauss in die Hand gegeben. Da St 
Michael der Patron der Sterbenden ist, so sind die 
Friedhofkapellen gewöhnlich ihm geweiht; vgl. dar- 
über Gfd XVIII 6; BAnz. 1887, 109/10. St Michael 
ist bes. der Patron des Stifts LBcromünster, weswegen 
schon vor dem östreichischen Urbar der Name St Mi- 
chclsamt für den Sprengel des Vogts über das Gottes- 
haus aufgekommen war; dieses Amt umfasste freilich 
auch noch andere Gebiete als diejenigen, wo die un- 
mittelbaren Stiftsangehörigen, ,die St Michelslüt', 
sassen; vgl. Seg., BG. I 703 ff. Grossartig wurde 
früher der Stiftungstag (zugleich Kirch weih fest) des 
Stifts begangen : man prägte ,St Michaelspfenninge*, 
verteilte ,St Michaelsbrödli', brannte Feuerwerk ab 
usw.; vgl. M AFeierabend 1848, 152/3. ,Michael8- 
Krcuz', Name einer Kapelle auf dem Rooter Berg L; 



61 



Mach, mech, mieb, moch, nneh 



62 



,St Michaels Weiler mit Kapelle LE. «Welcher einem 
Apte zu Einsidlen erh> oder schweigzins järlichen 
schuldig ist zu geben, der soll den schweigzins [zu] 
Sant Michelstag in den hof zu Einsidlen antworten.' 
ScHwE. Hofrodel. St Michael wird neben St Anton in 
einem Segen zur Abwendung von Schaden an Mensch 
und Vieh angerufen. BGwerb 1646, und so noch jetzt 
in den Alpsegen. — 2. halb oder ganz appellativ (nur 
in der Form Michel), a) ungeschickter Mensch, Dumm- 
kopf YO; S. Statt Jmdn geradezu einen Dummkopf 
zu heissen, gibt man als seine Genealogie an, er sei 
'8 Tachampel [Dummkopf] 'Änni's M. L. Nix für e 
M,! Abfertigung S. , Einem leichtgläubigen Walliser 
M.* Goliath 1741. — b) Mensch (bes. Kind) mit wohl- 
genährtem Körper Z, auch mit dem Nbbegr. der Un- 
ordentlichkeit. Drolliges Bürschchen Te. — c) einer 
der Kosenamen der Hauskatze Aa (It Bochholz 1857. 
294). — d) in den Zss. Haber-, Chorn', Weize'-M, 
einer der vielen Namen der letzten Garbe Z; ygl. die 
Synn. bei Fuehs Bd 1 657/8 und Muchd. 

Die mythologische Bez. des h. Michael ist z. T. noch 
sehr dorchsichtig; ygl. Gr. Myth. * 796/7; ttber Odhio als 
Totengott spec. s. Paul, Grundriss I 1074; vgl. noch Wuetvt- 
Ber Bd II 1555. Znr Bechtfertigang der BaaerDregeln muss 
darauf anfmerksam gemacht werden, dass der alte Kalender 
um 13 Tage differierte, ein fQr die Reifezeit wesentlicher 
Zeitraum. Betr. den appellativen Gebraoch des Namens vgl. 
Wack., kl. Schriffcen III 61, ferner Gr. WB. 

First-Michel = F.-Joggdi (s. Bd III 26) B Arch. 

— Gift' ^Oifter 2 (s. Bd II 136) Gr. — Hader-: 
Spitzname eines Bauern, der die Gewohnheit hat, mit 
der Hacke vom Acker seines Nachbars Erde in sein 
Land herdberzuziehen AaF. Vgl. uber-aren Bd I 386. 

— Hans-: Hanswurst, als Schelte ZWäd. — Chuchi-: 
1. Russfleck im Gesicht B; vgl. Ch.-Schliissel, Brämlig. 

— 2. leicht aufgehendes Ofengebäck ans Milch, Mehl, 
Brotschnitten und Gewfirzen Z. Ein dem «Bettelmann' 
ähnliches Gebäck, doch mit Mehl st. des Brotes GStdt. 
Vgl. Schm.-Fr. I 1221, ferner das syn. üflauf Bd III 
1114. - Chatze"-Michi: Einfaltspinsel BD. ^Id. B); 
vgL chatZ'dumm, ferner Bd III 586. — Lugene"^- 
Michel: Scheltw. 1. auf einen Lügner. — 2. auf einen 
Dummkopf GRLandqu. 

Chris-Burdi-: scherzh. Bezeichnung des Manns 
im Monde G. — Betr. den za Grunde liegenden Yolks- 
glanben Tgl. Rochh. 1867, I 18; Gr., Myth. 681. 

Buess-: Schelte auf einen unsanbern Menschen 
Bs. — Sau-, 8ü-, Sü-: Schweinekerl Ap; VO; Sch; 
Th; Z; Sjn. Dreck'M. — Schuss-, Schutz-^s Schutz- 
Gatter 3 (s. Bd II 498) ,Aa; B; L.- — Schmier-: 
Schmierfink Bs; Tb; Z. — Tige'-: Spottname eines 
langen, hagern (dürr wie Rauchfleisch aussehenden) 
Menschen ScnSt. — Dumm-: Schelte auf einen un- 
überlegten Schwätzer Zo. — DrSck-s^au-üf. BsStdt. 

Tschdli-: Dummkopf L. — Tautologische Zss. 

michle°: 1. tr. a) Jmdn zum Besten haben S; 
vgl. Schild 1866, 128. — b) auch abs., stehlen, bes. von 
Holzfrevlern GaSpL, V. Holz m, — 2. intr., schlecht, 
mit einem schlechten Instrument ungeschickt schnei- 
den Uw. — g'vatter-: scherzh., zu Gevatter bitten 
BHk., S. — „chrumm-: Etw. auf krummem, d. i. un- 
redlichem Wege vorbereiten und ausführen Aa." 

Mich 1er m.: Holzfrevler GnSpl. 

uTehele": wiehern; wiehernd lachen; knirschen (vor 
Zorn) ScHw. Vgl. die Synn. hichlen, hüchlen, hehelen 



Bd II 972. 980. IIOQ. ~ Ans wich^ie^ mit Vertenschnng 
der Labiale wie in mir : wir, Muer : Wuer. 

mleha = um-inhin (s. Bd II 13S7) und aus Diesem 
verkürzt W. 

Mach m.: 1. stiller, verschlossener Mensch, Duck- 
mäuser, Schleicher Gl. — 2. Mücheli = Hali-Mauck 
Bs. ■— 3. zur Verstärkung der Neg. Bs. Kei* M, due^, 
sich nicht rühren. Syn. kei* Mux maehe^. 

Hei»- Bs; Gl (in Th Ha-, in AaZ.; Sch; Z Heini-, 
in Th auch Hani-, in Aa tw. Häni-, in AAKlingn. 
Häli-, in ZTö. HeiriJ-Müch Aa; Bs; Gl; Sch; Th; Z 
Dättl, S., 'Mücher AaZ.; Th; ZO., S., Tö. (PI. mit 
üml), -Müchel AABh., -Müeher ZWl., -Muck AAKlingn., 
Heimue Aa (An. ad St.) — m.: 1. = HcUi-Mattch 1 Aa; 
Bs; Gl; Sch; Th; Z. Wenn d' Heinimüchel pßfe^d, 
«f gi^t '8 Bige^ AABb. Mager wie-n-en döre« H. Z. 
Auch: Feldgrille, gryllus camp. AaF.; mTH. ,Die 
gryllen oder heimuchen auf dem feld und in den hän- 
sern.' VooELB. 1557. ,Der Heimel, Heimmuke, Grill, 
gryllus, cicada.* Red. 1662. ,Die Grillen (Heimuken) 
kirren des Nachts.' Splkiss 1667. ,Gryllus, Grill, 
Heimemuck.* Denzl. 1677; 1716. ,Blatta, Heimemuch.' 
ebd. 1716. - 2. = „Hali-Mauch ^ Aa; B; VO; Gl; S.« 
- S, = Müchl Gl; „L;* Z. Ungeselliger Stuben- 
hocker Gl; Syn. Ofen-Brueter, ,Sie stellte sich vor, 
sie sei gar viel mehr als diese Schnattergans und 
wisse gar viel besser, wie es im Dorfe stehe, als sie 
und ihr Bruder, der Heinirauch.' HPbst. 1785. Leichte, 
oft nur kosende Schelte Z. 

In der Form ,Heimaniuch (grillus)' schon in den Rei- 
chenaner Glossen. Am nächsten stehen die Formen mit 
stammanslautendem g(g); s. Heini-Mügg(er). Eine weitere 
Entstellung ist Heim-Buch. S. noch Heimieh Bd II 1285/6 
and Tgl. Fr., Ztschr. VI 228/9. 

müch: in gedrückter Stimmung, in sich gekehrt, 
z. B. wenn man eine Strafe empfangen hat; heim- 
tückisch BsStdt; Syn. müehig, tüch. 

Neben nnserer Gruppe her geht eine syn. mit dem Anl. 
9chm' nnd im Übrigen gleichen Stamm, sodann eine solche 
mit Diphthong ue (mit und ohne ausl. t), welcher wiederum 
Formen mit anlautendem sehm- entsprechen. 

müche» (in Aa; Gl; „GG.;" Schw müche^, Ptc. 
Perf. g'mocihe* Gl; Schw): l. = grüpen 3 AAPri.; Gl; 
Schw; Th; Z; Syn. müdhlen, tüchen; andere s. bei 
gräggen Bd II 725, häpen Bd II 1479. Eu8er8 Chindli 
müchet efange'' Z. Euserer Holzg*halter under ^em 
Tach ist eao nider, dass me* nur eso m, cha»* Z. — 
2. verstohlen umhergehen, in verdächtiger Absicht 
herumschleichen AAFrL; Gl; „GG.;" Schw. Bi* ge- 
ster* umme* g*moche*, weiss nüd wohi^, wo üs Schw 
(der Neugierige). Mürrisch, verschlossen sein; heim-' 
tückisch aussehen und sich so benehmen, duckmäusern 
Bs; Schw. G'moche; duckmäuserig Schw. — 8. heim- 
lich essen, naschen Gl. Tüchtig zugreifen Schw. 

Mhd. mucken, verstecken, verbergen, ans ahd. mühkan, 
mühhön, heimiich ianernd anfallen. Das starke Ptc. nach 
ckrüche* : ^chrovhe*. Die urspr. Bed. der Gruppe ist wahrsch. 
, weich*, woraus die Bedd. ,geduckt, geschmeidig, heimlich, 
heimtOckisch' sich entwickelten. Vgl. über die vwdten WW. 
noch Kuhns Zeitschr. XIX 149; AI. I 185/6, ferner Anm. 

zu MüLUch. 

und er e"-: sich unter die warme Decke machen Z; 
Syn. u.-schmucken, 

ver-: 1. sich heimlich davon machen Gl. Er 
ist zämeli^^ [sachte] vermoche*. — 2. verheimlichen, 



63 



Mach, raech, mich, mocb, mnch 



64 



heimlich entwenden; Sjn. (verjmauchen. ,Der*s aber 
in ermel geschoppet, wie die barfüesser das gelt ver- 
mühend.' Zwingli. — 3. moderig, morsch, dumpfig 
werden, von Samen, Holz, Kleidern nsw., ans Mangel 
an Luft und Licht AAFri.; Bs; 3Brisl.; SchwMuo. 
Vgl. maueh 1, ver-hocken. Wie tausig Ckörnli im 
Bode*, ICO vennuehet wäre*, jetz neu zum Lebe^ ver- 
wache^. Breitenst. Von Menschen, dumm werden Bs. 
Er vermücht ganz um die Lüt umme*. 

Vgl. ahd. vir-müchan, hebetare, suffocaro, ferner .meuch- 
teln' bei Schm.-Fr. * I 1564; ,müchelD' bei Or. WB. 

Müche" f.: Frau, in der Gaunerspr. (Kyd); vgl. 
Maukeren, müchlen; Muech. 

Mücher Gl; „LG.", Müchi Bs, Müchi AAFri.; 
ScHwE. — m.: 1. in Gl auch Heimli^^-M. = Müch 1 Bs; 
Gl. Jo tool, einfältige'' Müchi! redet ein Trunkenbold 
einen eingezogen lebenden Mann an. Breitenst. En 
aller Müchi. MLibnert. Er isch e Müchi und lot si^^ 
nie zu de* Lüte*! Hinterlistiger Mensch AiFri. — 
2. „Kirschen, welche zsgewachson sind LG.** 

2 viell. zu müchen i. S. v. sich in einander schmiegen; 
doch wird uns diese Form nicht bestätigt; s. Muecher und 
Muger., 

müchle": l. = mücÄ«» 1 Gl; Th; Z. Es cha** scho* 
m., von einem kleinen Kinde. Geater* ist er g'muchlei 
My^, hüt probiert er *s Läufele* scho*. ESchönenberger. 
D* Schuelmeister gönd sust all uf recht, hingegen euserem 
war 's [in dem engen, niedrigen Schulzimmer] nüd 
mügli^ g'sl*: er Mt fürwor schier müesse* lere* m. 
Stutz. S. noch Chnü-Schlifer, Auf dem Bauche krie- 
chen, z. B. von einem Jäger, der das Wild beschleiclit 
ZDättl. ünder 's Bett u/ndere* m, Dim. müchele* Ta ; 
Z. Ä'«* z'sämm^-m,, zskauern. — 2. heimlich Etwas 
tun, z. B. „naschen, bes. von Weibern, die es ohne 
Wissen der Männer tun Ap"; vgl. Müchen; Syn. mau- 
chen. Von heimlichen Abmachungen mit dem Ge- 
schädigten, um straflos auszugehen. ,Mit dem, dem 
der schad beschehen, heimlicher wys überkommen und 
hinderrucks eines vogtherren müchlen und tädingen.* 
1552, Th Rq. Auch tr., verdecken, vorbergen; vgl. 
Der-mauchen. ,Der rechtsbrüch aber auch vermag, 
dass stand der täter an dem tag und nit also ver- 
muchlet sj, dass man sy recht mög sehen fry.' SBirk 
1532. ,Aus dem im Stiftsgebicte befindlichen und 
dahin vermüchelten Gut rechtsflüchtiger Bürger und 
Falliten.* 1650, Absch. — 3. munkeln Z. — Mhd. ver- 
miucheln (neben vermachen), heimlich auf die Seite schaffen. 

Müch 1er, PI. mit Uml.: l. := Müchel-Eissen (s. 
Bd I 531) Ap. — 2. eine Sorte Birnen, rote (bes. zum 
Dörren) und weisse Ap; Th. Vgl. Mauchlen. 

müch: 1. morsch, mürbe, moderig, von Holz, 
Stoffen usw. B. De^ Lade* ist nümmen Alls, er ist 
ganz m. — 2. im phys. und mor. S. übertr. auf Per- 
sonen, gebrechlich, kraftlos; nachgiebig, gefügig B. 
Müde, ermattet B oE. — Vgl. ,raOch(eu)zen' bei Gr. WB. 

müchig: l. = mwcÄ AxFri. — 2. mit der Mauke 
behaftet, von Pferden Bs; SThierst.; XV., L; Syn. 
räppig. ,So ein pferd muchig oder möchig ist, so soll 
man schweinsgallen aufbinden. Etlich brennend die 
haar an solchen orten herab.* Tierb. 1563. — Zu 2 
Tgl. mhd. müche^ eine Pferdekrankheit. 

g'müchet: langsam, heimlich, verstohlen SchwE. 
Er ist eso g'm. im Änneli zueg'ruckt. MLienert. 



Mftch'el, in ZO. ch^ (PI. mit Uml. ZF.; Dim. Mu- 
ehdi J, in Z auch MuchiJ, Müchel L — m. : 1. = Chosi 1 h 
(s. Bd III 525) Bs; VO; G; Th; Z; Syn. auch Broüi, 
Brosli. Meist mit dem verstärkenden Zusatz dich, recht 
oder auch als Zss. Speck-M. Das Dim. von wohlge- 
nährten Kindern, bes. Knaben. Da' ist iez e nett Mu- 
Chili! ZWyl. Mit dem Nbbegr. ,dumm' L. - 2. Tier, 
bes. Rindvieh, von gedrungenem Körperbau, spec. 
Zuchtochse, junger, fetter Stier Z. Si schreit wie ne 
Here*hex und er g'rad wie-n-en M. Stütz. Der 
G'meindS'M., der von der Gemeinde gehaltene Zucht- 
ochse Z. Syn. G'm.-Muni. — 3. Hurer Z; Syn. Muni. 
— 4. Spottname desjenigen, der bei gewissen land- 
wirtschaftlichen Arbeiten, bes. in der Erntezeit, vor 
Allem beim Schneiden (Schnitter-M. ; Syn. Michel 2 dj, 
beim Binden der Garben oder Stroh wellen (Garbe*-, 
Weile*'M.), beim Dreschen (Tröscher-M. ; Syn. Pflegel- 
Esd, s. Bd I 521). in der Weinlese CTrübe*-M.J hinter 
den Andern zurückbleibt, bzw. den letzten Streich 
tührt Z. Nach der Getreideart. die eben geerntet oder 
gedroschen wurde, unterschied man einen Gerste*-, 
Haber-, Cham-, Eogge*-, Weize*-M. Der M. hatte 
mancherlei Schabernack zu leiden; vgl. Fül-Acher 
(syn. in Bed. 1 auch Muchel-Acher ZBüL); so musste 
der Schnitter- Muchel nach dem Dreschen entw. den 
StraW-Bögg verfertigen, oder gar, in Stroh gewickelt 
und an einen Baum gebunden, sich als Vogelscheuche 
einige Zeit ausstellen lassen; auch hatte er beim 
Schneiden oder Garbenbinden in einem andern Acker 
zuerst zu beginnen. — 5. scherzh. Entstellung aus 
Mussiö, in der RA. wui M.! Th; Z. Dann in Folge 
irrtümlicher Lesung des frz. W. oni M., womit man 
in scherzh. Weise seine Zustimmung kund gibt Th. 

Das W. scheint mit dem mehrfach syn. Mauch im Ab- 
lautsverhftltniss zu stehen; in den Bedd. 4 und 5 ist aach 
Muffel syn. Zu 4. Die Bed. geht viell. unmittelbar aus 2 
hervor, da für dieselbe (eig. den im Ful-Ächedi seine Zu- 
flucht suchenden Vegetationsdänion) oft Tieruamen verwendet 
werden; vgl. Fuchs 6 (Bd I -657/8); ferner Sü\o ; die Über- 
tragung ergab sich möglicherweise ans der phlegmatischen 
Art des Stieres. Doch konnte auch einfach der dicke, plumpe 
Mensch (s. Bed. 1) mit dorn tr&gen identificiert sein. Hieher 
viell. auch der Name ,Hans Müller, genannt Muchel [neben 
,Muherj.' 1653, AaWett. Klosterarch. 

Oster-Mücheli=0.-CÄö€K(8.BdIII92) ZWyla. 

Git-Muchel: Scheltw. auf einen Geizhals G; Th. 
Dazu das Fem. G.-Muchele*, 

Mucherli n.: runzliges, von Alter gebeugtes 
Frauchen G uT. ,Ein altes Weiblein, so ein M.* 
NSenn 1869. 

Muchle" f., Dim. Muchdi II: Suppenschüssel Bs 
das Dim. = Chacheli 1 f ol (s. Bd III 119/20). ebd. 

Das Gefäss ist nach seiner runden Gestalt benannt; das 
W. gebildet wie die Synn. Chachlen, Sch'uasUn. 

Müchi m. = Muchel 1 G. 

Macheli, neben Müchi n. : Kuh (Kdspr.) Bs; Syn. 
Mücheli-Mü, 

Nach der Stimme benannt; vgl. ,nuich!' Interjektion des 
Brummens, bei Gr. WB., ferner ,muchsen, muchzen.' ebd. 

m u c h e " : brüllen, von Rindern. ,Blären, lüen, man- 
chen, brare, mugire. Inmuchen, immugire.* Red. 1662. 

„3faech f.: in Kleidung und Benehmen an der 
alten Sitte festhaltendes Weib G.** Vgl. Müchen, 
vielleicht auch Mucherli. — Über das Verh&ltniss dieser 



65 



Mach— maeh. Maebd— inachd. Machs— machs. Macht — mncbt 



66 



Gruppe zu Müoh s. die Aom. zußlc^t Bd I 669, ferner Diechtel: 
mhd. dihael. 

rnnech: ohnmächtig B; Sjn. g'8chmu(e)ch. Vgl. 
An in. zn müch, 

ver-mueche": philisterhaft werden, den Umgang 
mit Andern verlernen, versauern G. 

g'mnechet: nnbeholfen, nnfeln im Benehmen G. 

mQech: l, = müch 1, von Holz ScewMao.; Syn. 
müeeht — 2. = müch 2, bes. i. S. v. : gebrechlich (von 
alten Leuten), müde SchwMuo. 

Mnecher m.: Zwillingsfracht, z.B. von Nüssen, 
Pflaumen, Zwiebeln, bes. aber von Kirschen S. 

Yiell. aus Wuecher; m für io im Anl. kommt auch sonst 
▼or; vgl. mXckden. 



Mttehde" f.: Mädchen ZBanmaf. 

Wahrsch. doch erst aus der Schriftspr. aufgenommen, 
wobei sich das Geschlecht nach demjenigen von Jungfer 
richtete; vgl. die ähnliche Umsteliung in Fückten (Bd I 728), 
B'uekten. 



„Maebs, Mnchz m.: Bmmmton." 

mnchse" (in ,Z muchze*"): 1. , einen langgedehn- 
ten dnmpfen Ton hören lassen, zunächst vom Rind- 
vieh Z^ Nachgeahmt als Spott auf die Eidgenossen; 
vgl. lü^en Bd III 1244. »Jener habe über ihn ge- 
niuchzet und blerret; er habe erwiedert, er sei kein 
Kalb, sondern ein ehrlicher Gesell.* 1553, Absch. — 
2. brummen, „unwillig und mürrisch vor sich hin 
sprechen Z." Schwach stöhnen, ächzen AiFrL; BsL.; 
S; Syn. grochsen (s. Bd 11 702). Er miichset, wie 
wenn er w^tt ufgeiate^ S. Was hait-der aw** für e 
Mttchse^s? 

Der Yoc. scheint (so nach Angaben ans AaFri. ; Es) meist 
kurz zu sein; im Übrigen vgl. machen, ferner müygen. Das 
W. in Bed. 1 auch bei Fris. ; Mal.; Äg.Tschudi; vgl. ,much- 
zen* bei Gr. WB. Angelehnt an das nhd. ,mucksen* : ,Schweigt 
doch! Wenn Eines nur muchzet, so sehet zu.* HPest. 1781, 
woftlr 1790: ,einen Ton gibt' 



Macht f.: 1. im Allg. wie nhd. allg. Ke^ ChräftU 
(in ScHSt. SäftliJ und ke* Mäehtli ha\ kraft- und 
saftlos sein Ap; G; Th. In der ä. Lit. häufig i. S. v. 
Kriegsmacht. Wenn der König im Sommer Krieg 
führe, wolle er seine ,oberste m.' [Kraftentfaltung] 
mit den Eidgenossen machen. 1544, Absch. Bei Gottes 
Macht (,G Ottsmacht.* 1528, Strickl.; ,samer botz m.!' 
1528, ebd.; Absch.) wurde geschworen; vgl. auch £gli, 
Akten 697. ,Mit M. und FuegS mit Fug und Recht 
(eig. Vollmacht). Com. Beati. — 2. Menge. ,[Der Feind] 
hette ein m. weit [Kriegsvolk] in einer letz'.* NSchra- 
niH 1499. ,.\ngesechen die gross m. volks, so ir ge- 
schickt band.* Morgamt 1530. — 3. Zeugungsglied 
(eig. Zeugungskraft). ,Und ergreift in bei seiner m.* 
1581, V.Mob.; dafür ,Scham.* 1548/1882. Sonst ,Ge- 
mächt.* — Mhd. mäht. 

A- B; VO; Z, Ö- Bs; Z, PI. Omächt Bs, sonst meist 
-machte; — f. : Ohnmacht. In A. (in Bs «■ d' Ömächte») 
falle^, cho\ — a-m ächtig (in Ba scher zh. entstellt 

Schweiz. IdioUkon lY. 



ö-mdehterig): ohnmächtig. Verst.: ,Es wurd mir 
steinohnmächtig.' Scbimpfr. 1651; vgl. das syn. stein- 
übel, -we. 

Mhd. a-maht; a-me&tec. Zss. mit a (s. Bd I 1/2), das 
sich bald mit dem vwdten ane (s. Bd I 268) mischte (,an- 
mechtig.* Stulz 1519; 1558, ZGrQn., ,on'm&chtig/ Fris.; 
Mal.). Bei Morgant 1580 mehrfach und im Zg Arzneib. 1588 
in der Form ,Ammacht*; vgl. noch ,Un-Macht.* Der PI. 
,Ohnmachtenen* (Z Bericht 1690) setzt einen Sg. ,Ohnmächti' 
voraus. Sofern das W. als Schimpfw. erscheint, bedeutet es 
wohl ohne Zweifel Impotenz : fWenn ein manns- oder frowen- 
blld in zorn nnd scbalkheit zuo einem redt das wort onmachl' 
1884, AaB. Stadtr. Darauf deutet auch die hohe Busse von 
1 5 Pfd, die Jmd zu zahlen hatte, weil er ,die Hflsser^ [Fa- 
milienname] geschulten, sy sygind anmechtig fnl iQt.' 1558, 
ZGrÜn. ; vgl. auch : ,Wer hinfilr dem andern, es syent frowen 
oder mann, mit zornigem muet zue schmach zueredt und sagt: 
du bist ein onmechtiger mann oder frow . . . Myn herren 
wOllent das selb wort onmechtig glycher wys haben als heissen 
liegen oder das fallend Qbel flnechen.* 1493, 3 Batsmannal. 

Eige»-: Willkür AiZ.; Z. — eige"-mächtig: 
1. sein eigener Herr, nicht unter Vormundschaft nnd 
Leitung Anderer, majorenn L ; Z f (Rspr.). ,Per8onen, 
die e. und nicht bevogtet, die schon mannbar oder 
nach [noch] wolvermögenden Alters [sind].* Z Stadt- 
und Landrecht 1715. — 2. willkürlich AiZ.; Z. 

All-: 1. wie nhd. ,In A.', adv. Ausdruck der Ver- 
stärkung, mit aller Macht. ,0 loufond, d* hell brünnt 
in a. [steht in hellen Flammen].* JMürer 1565 und 
ähnlich HBull. 1572; Grasser 1625; 1634, BsTaschenb. 
,Die Bewohner flechteten [flüchteten] in A. Pferde, 
Rindvieh usw.' 1634, Bs Taschenb. ,Die Trüben blüyg- 
tend in A.' BossH.-Goldschm. Auch in Zss. Aa. En 
ÄllmachtS'Büsch; Syn. en AJlerwelts-B. — 2. umge- 
deutet aus Ä-Macht B; ZKn., S.f I** &»• fast die 
ganz Nacht t» der A, g'lige^. Wolf, Gespr. »Albets 
[ehemals] sei es Einem nicht der Wert gewesen, we- 
gen einem jedere' Müpfli [Stoss] so i** d' A. z' lige*.* 
GoTTH. D' Flüge!* nur i* d' A. schlä; mit dem Wedel 
nur so schlagen, dass sie betäubt sind ZZoll. f — 
all-mächtig: 1. wie nhd. Gewaltig, sehr gross 
Gr; Z. As a-8 Loch GrD. En a-i Freud ha; 's ist 
en Ort Straf! ein grosses Elend ZO. Scherzh. Ausruf: 
du Ortr Strausack ! Th; Z. Auch adv. Gr; Z. A. 
gross. A. frö sl* über Etw. — 2. ohnmächtig LE. ; Z. 
Es wird mer a. Wolf, Gespr. 

ü»-: Ohnmacht Gl; Sch; TeErm. Iseh fs] en 
ünmcuiht oder stirbt er-is [uns]? APletscher. 

machten: meist in der formelhaften Verbindung 
mit ,prachten', prahlen. ,Si machtend darzue mit 
Gottes allmechtigheit und prachtend darzue mit frev- 
nen werten.* Zwingli. ,So ir ye also machtend und 
prachtend.* ebd. ,Er schrygt und machtet ouch.* ebd. 

über-: 1. übermächtig werden B. — 2. tr., über- 
winden B. ,Wenn sie, von Beiden zusammen Über- 
machtet, um den Verstand kömmt.' Gotth. 

Machtheit f.: Macht. ,Soferr und es nit sunst 
Gottes will oder uss desselben m. angeschirret [an- 
geordnet] gewSsen., 1532, Strickl. 

G'mächt I n. (in AAFri. nur als PI. Gemachter) 
= Gemäch 3, spec. die Weichen, Lendengegend AAFri. j 
Ap; B; GRRh.; S; TflSteckb., die Genitalien des Man- 
nes Ap; G; Z tw. 

Mhd. gefnaht stf., PI. gemekU; später Noutr. Da das W. 
in unserer ä. Lit. (fast nur i. S. v. Genitalien) beinahe nur 



67 



Macht, mecht, miclit, niocbt, mueht 



68 



im PI. Torkommt, so Iftsst sich Ober sein Geschlecht nichts 
Bestimmtos sagen. Das Dim. als PI.: ,Den Kn&blein ihre 
Gemächtli abschneiden.^ 1529, Absch. Vgl. noch Macht 3, 

mächtig: 1. a) Macht besitzend, wie nhd. ,Dise 
pfrOend sind all von rjchen, m-en bürgeren zue Winter- 
thur gestift.* BossH.-Goldschm. ; vgl. ,vermöglich.* In 
der Rspr., mit Vollmacht ausgestattet, berechtigt. 
,Aber um die banne, do sye er nit m. [er besitze keine 
Competenz, vom Banne zu befreien].* 1418, Gl ürk. 
,Dass ouch dis erblehen fest und m. [d. h. dass der 
betr. Vertrag rechtskräftig] syg.* 1435, Z Staatsarch. 
,Die Mutter ist m., ihren Teil einem andern Mann 
zuzubringen.* SMütach 1709. — b) gewaltig i. S. v. 
,gros8.* En m-er Ma** Gr ; Syn. häumig. E ms Fueder; 
e m-i Blatte* [Schüssel] voll. Von Getreide, Gras: 
üppig Aa; Z. Die Stadt Zürich kommt den Ober- 
ländern vor als c ms Ort, Stütz 1841. ,Die Mutter 
schnitt m-e Stücke Brot' Vbrg. Tage. An m-er Gau- 
cka*, arger Dummkopf GrV. 's ist mächtig im Tue*, 
man betreibt es mit allem Nachdruck Z. ,Es was 
ein m-er märk[t] zu Jaifam.' HsStockar 1519. ,Von 
seiner scheutzlichen grosse und m-en geruchs wegen.* 
FiscHB. 15ö3. ,So findet man ouch Eolcn in m-er 
Vile.* Ziegler 1647. Verst. durch Zusammenstellung 
mit dem Syn. gross , im ZO. gröss-e-m.; s. auch die 
Zss. E grausses, m-s, unigs Stuck. Götzinger, Liederb. 
,Grüsse, m-e Fenster.* Stütz. So chunnt-me* mit Müe 
und grosse, m-er Ströf [trotz mühevoller Arbeit 
und Plage] um d* Sach. Hklvetia 1894. ,Ich bin in 
grosser, m-er Not.* Stütz. ,Mit grossen, m-en, hohen 
rossen.* NMan. ,Ein grosser, m-er brief, der kein 
ende han wollt.* XVI., Hilty. ,Mit einem schönen 
grossen, m-en Fluss.' Stockmann 1606. (irossartig, 
vornehm, von oben herab GrD. [Der Hochmutsnarr] 
heiji m. gemeint [gefragt], was aw^ Das für es ver- 
tcunderli^^s Wäfe* siji. Auch adv. zur Steigerung 
eines Begriffes. M. trüe*, sehr gross, fett werden 
Gl; Z. Auf die Frage nach dem Befinden antwortet 
man : Nid gar m., nicht besonders Aa. Alls hed schi 
m. darzuag*ha; tüchtig Hand angelegt GrPt. ,Sene- 
scit aetas, altet m., nimmt redlich zuo.' Fris.; Mal. 
und ähnlich noch heute; vgl. noch Bd II 1179. ,Ritter- 
spörlisaft, in die ougen getan, küelet m.* Zg Arzneib. 
1588. ,Sie haben m. angehalten, dass er widerrufe.' 
1608, Mise. Tig. jDoch hatt es m. abengeschütt mit 
Regnen.' XVII., ebd. ,Dises nit m. achten ich*, Diesem 
lege ich keine grosse Bedeutung bei. MyricXüs 1630. 
,Es hat sich m. geenderet.' FWyss 1673. ,Dass wir 
durch keine Krankheiten ra. verhinderet worden.' 
JMOll. 1673. ,Wann gleich der Boden für sich selbst 
gut und aber der Sonne m. abgelegen ist.' Rhag. 1676. 
»Nützen wurd 's nit m.' Kosmopolit 1782. S. noch 
ushin-geben Bd 11 86. Bes. vor Adjj. und Advv. Synn. 
s. grusig Bd II 808. M. elend, vil, gross, dumm. M, 
früntli'^^ mit Ei**m tue*. Der Eege* hat m. guet *ta*. 
E* dicks Hdbermues, das ose* m. guet, guet 'züget war. 
Stütz, ,Sang so m. hoch.' ebd. ,M. gern.' SBirk 1535. 
,Wie m. wol erfröuwt mich das.' Z Laz. ,Es syge im 
m. wee.' 1540/73, UMey., Chr. ,Wir ouch sind m. alt.* 
RüEF 1550. ,M. lieb.* HBüll. 1597. ,Sehr m. rych.' 
GGotth. 1619. jVogt Lussi war dem Wyn m. hold.' 
ScHiMPFR. 1651. ,M. müed.' Zurgilgen 1656. ,M. 
schwach.* JMüll. 1665. ,Es frürt in so mächti übel.' 
Rapieri 1700. ,Er war m. unnütz.* 1700, ZGlattf. 
(Notiz in einem Sterberegister). S. noch begangen 



Bd II 33. — 2. „beinahe, fast BO.- Es wird 's m 
ge*, es wird beinahe ausreichen. J^* ha 's m. ufbrücht. 
Zu Bod. 1 b vgl. Fr., Ztschr. V 183/4. Betr. die Be- 
deutungsübergänge zwischen 1 und 2 vgl. das syn. fast :fefti 
Bd I 1111/3. 

voll-: 1. in vollem Masse machtig. .Ich bin der 
Gott Schadai, d. i. ein v-cr und ein überflüssige [über- 
fliessende] g'nuegsame und volle alles gueten.' 1531/48, 

1. Mos. ,Das v-e Wort Gottes.' JRHopmstr 1645. — 

2. in der Rspr., bevollmächtigt. ,Der v-e G'walts- 
haber*. Vollmachtträger. 1612, BLaupen Arch. 

voll- mächti gl ich: mit Vollmacht. ,I)ass die 
sach von beiden teilen v. uf babst und kaiser [als 
Schiedsrichter] gestellt werde.* 1475, Bs Chr. 

für-mächtig: überaus mächtig. ,Üwer f. hör 
[Heer].' Ansh. 

ge-: ertragreich. ,Ein gueter ort, g. und allen 
dingen fruchtbar.' 1460, Gpo. (Bs). ,Ein g. fruchtbar 
land.* ebd. 

gross-: 1. mächtig gross, allg. E gr-i Freud. 
Gr-i Sunn. Stütz. In früherer Zeit formelhaft in 
Titulaturen. ,Gr-en, edlen, strengen Herren' reden 
die Hauptleute in Briefen ihre Regierung an. 1521, 
Absch. ,Gr-e Herrschaft [der Eidgenossen].* ebd. (als 
Titulatur von Seite der päpstlichen Legaten). Paro- 
dierend wurde an der Fastnacht auch der Narrenrat 
in Zg der ,gr-e Rat' genannt; vgl. Isen-Grind Bd 11 
764; Renaud 1847, 38; Osenbr. 1876, 153. ,Er ist für- 
war ein gr-er g'sell.' NMan. ,Ihr Lager mit gr., weiten 
Gräben umgSben.' 1531, Strickl. ,Ample, wyt, herr- 
lich, grossmächtigklich.' Fris.; Mal. ,I)ie gr-e Statt 
Niniveh.' JMüll. 1673. ,Ein gr-er Unterschied.' 1800, 
Z Zuschrift. — 2. hochschwanger Bs; Syn. gross. 

Keine eigentliche Zss., da auch der Accent sehr oft auf 
der zweiten Silbe ruht und die Leiden WW. ihre Stolle 
tauschen können. 

g ' w a 1 1 s - : gewaltig gross G A. ; Syn. g^walts-mentig. 

mächtigen: 1. in Kraft erklären, gutheissen. ,Die 
Ratsboten der 3 Orte haben im Namen ihrer Obern 
die Verglcichsartikel gemächtiget.* 1525, Absch. — 

2. bevollmächtigen. ,Si haben den herren regenten 
von Zürich vermocht und gemächtiget, zuo ryten zuo 
hinlegung der erbörung [Empörung].' 1525, Absch. — 

3. rcfl., sich die Befugniss nehmen, in einer Sache auf 
nachträgliche Genehmigung des Dritten hin zu han- 
deln, oder trotz seiner Weigerung eine Verfü^ng zu 
treffen. ,In dieser Antwort sind die Eidgenossen einig, 
mit Ausnahme Luzerns, das sie nochmals heimbringen 
will. Damit jedoch die Sache keinen Aufschub leide, 
hat man sich Luzerns diesfalls gemechtiget' 1483, 
Absch. ,Wiewol uns das nu zemal nit bevolhen sye, 
so wellent wir uns dennocht m.' Fründ. 

ent-: mit Gewalt berauben. ,Die Berg[-Bewohner] 
wurden von Detaschementeren ohne Widerstand der 
Gewehren entmächtiget.' Z Nachrichten 1756. 

ver- = mächtigen 3. ,Die Boten nach Rottweil 
haben Vollmacht, im Notfalle sich derer von R. zu v. 
und sie zu weisen.' 1502, Absch. ,Da der Bote von 
Glarus Bedenken trägt, seine Beistimmung zu geben, 
so haben sich die Andern für ihn vermächtigt, in guter 
Hoffnung, dass seine Herren sich nicht sondern wer- 
den.' 1521, Absch. ,Dass dann die hotten sich der 
p]idgnosscn v. und die summ gelts zuosagen.' 1529, 
ebd. ,Auf Das haben sich die Boten gegen beide 



dO 



Macht, luccht. raichtf mocht, maclit 



70 



Parteien vermächtigt, dass diese den Sprach der Ge- 
sandten annehmen sollen/ 1544, ebd. 

uiächtiglich(cn): mit aller Macht, mit Heeres- 
macht ,Das volk kam also ni. zesammen gen Stein- 
husen/ 1404, Absch. Häufig (auch in der Form ,roäch- 
tenklichen*) 1476, Bs Chr. 

Ver- mächt n.: Vermächtniss Gl; 1737, ApHeid. 
Schulordn. 

Gemacht II n.: 1. = Gemäch 1 i. S. v. Machwerk 
GuL. Sehr häufig in der Lit. vom XVI./XVIII. in der 
Bed. ,Werk, Einrichtung, Geschöpf*; s. Gr, WB. — 
2. Abmachung, Verabredung, Vertrag, Verfügung. ,Die 
metzger haben zuegcsagt, dass ir g. soll absyn.* Ansh, 
Jn dem gmächd zwüschent den Gottshuslüten und 
uns, welches sich iez besiglen sollt.' Val.Tschudi. ,Die 
summ der Vereinigung des g-s oder des Verstands und 
Verbindung [Gottes mit den Menschen] stät in zweien 
artiklen.* OWerdm. 1552. Spec. in der Rspr., letzt- 
willige Verfügung, Vergabung auf das Absterben hin, 
Vermächtniss. XIV./XVIII. Betr. das Sachliche, bes. 
über die Unterschiede vom Testament, vgl. Bluntschli, 
RG. P 309 ff.; Blunier, RG. I 522/30. II 230/6; Re- 
naud 1847, 79; Esterm., Rick. 135. ,Ein g. ist erst 
dann ufgericht, w^enn der stirbt, der es geordnet hat.' 
ZwiNGLi. ,Nun wird aber Testament etwo zu zelten 
genommen für ein g.' Z Bib. 1560 (Vorr.). Ober die 
Vergabungen wurden in Z eigene Protokolle (,Ge- 
mächtbüecher') geführt, die sich dann freilich zu Fer- 
tigungsbüchern übh. (auch über Kauf) erweiterten; 
vgl. Ztschr. f. seh WZ. R. IX 8 IF. — 3. der vermachte 
Gegenstand; vgl. Vad. I 179. — 4. Stockwerk. ,Ein 
türm, so ungefähr drei gemächt hoch.* 1595, Müll., 
AA.; vgl. Gr. WB. IV la 3148. 

Mbd. ytniecht(€) in Bed. 1 und 2. Bed. 2 wurde in der 
neuem Zeit nicht mehr allg. verstAndcu; so setzte man im 
Ndw LB. über den Titel: ,Von g'mechtiu', wo von letzt- 
wi]ligon Verfügungen nutor Ehegatten [Leibdingsrertrag] die 
Rede war, den nenern Titel: ,LybJing'; länger erhielten 
sich die Zss. 

Uf- = Gemächt 2; letztwillige Varftigung, bes. 
Legat GrD.; vgl. B. 11 116/7, ferner uf-machen, üf- 
Gemäch. — Erb- = dem Vor. ScnSt. (Sulger). ,l)ie 
Pfarrpriester sollen die Erbg'mechte der Abgestor- 
benen nach dem Willen derer, welche testamentieren, 
verbleiben lassen.' 1555, Absch. ,Legatum, testamen- 
tum, diatheca, ein testament, oder e. oder das erb.' 
Fris.; Mal.; Denzl. 

E"-: 1. Ehegemahl „Gr; Sch, doch bes. in der 
Kanzleispr." In der Lit. vom XIV./XVIII. sehr häufig. 
— 2. Erb vertrag unter Eheleuten. ,N. N.'s und syner 
husfrowen egemächd ist nach der statt Zürich recht 
ergangen.' 1531, Egli, Akten. 

Mhd. €</*:mechicU in Bed. 1. Die alten Formen erhielten 
sich z. T. mit grosser Zähigkeit: ,Zwei egentcchide.' 1404, 
B Kq. ; ,under beiden eegeniechtidon,' 147G, ebd. Die Pl.- 
Form ,Egenu'cliti' (Küiizli, Wthnr Chr.) in Bed. 1 scheint 
Analogienach W nchwüHti-rH und jindern Verwanütscliaftsuanien; 
vgl. Anni. zu GtHvInriHUrt-C/nnd Bd 111 3 48. ,Kt'gL'Uiechtide' 
ist eine Contaniination aus .geniecht' und ,geuiochide/ 

a"nu'ich tele" = a«-mac/ie/i i. S. v. reizen Gr. 

ver- mächten: jnit Acc.P., einen Schuldner (durch 
Schuldübertragunf?) durch einen andern ersetzen. 
,VVann einer eintMii schuldig und verfallen und der- 
selbig disen vermäclitet und verstos.st und inie dann 
[vom neuen Gläubiijer] die schuld gefordert wirt, dass 



er [der Schuldner] danne der schuld leugnet, der ist 
kommen um 5 pfd.' 15G2, Obw Rq. 

Mächtniss, -nuss = Vermächt ßs (Spreng) ; 1 530, 
Absch.; Bs Rq. (neben »Mächniss'). 

Vermächtnuss n., in ZZoll. Vermächnt*88 f.=dem 
Vor. Bs (Spreng); ZO. 

G*mächtniss n. : Gegenstand von kunstvoller, 
mannigfaltiger Zss., bzw. dessen Einrichtung AAFrL 
Das isch emöl ne G^m. i* dem Hüs inne^; do hat *8 
Gang und Zimmer, nie* chönnt fast verirren drin 
wnme*. Vgl. Gemäch. 

Ehe-Gemachtnuss = Ew-Gemächt 2. , Wofern 
zwei Ehegemächt mit irem gueten Wüssen and WüUen 
ire E. endern wollten.' 1627, Bs Rq. 

möchtele'' : von Sachen oder unpers.. Verlangen 
wecken, bes. die Esslust reizen, nach mehr schmecken 
Th; Z; s. hieen Bd II 857. Vexierend sagt ein Gast zu 
seinem Wirte von einem ihm vorgesetzten Gerichte, 
es habe einen Beigeschmack; um genauere Erklärung 
gebeten, sagt er: es möchtelet ZS.; vgl. auch ge-nOe- 
gde*. Auch pers., ein wenig gelüsten ZÜhw., nach 
mehr begehren von guten Speisen Aa. — Abi. von f»**j 
möckt, 80. (noch mehr) davon. 

a"-: mit Acc. P., Jmdm Lust machen, ihn reizen 
Gr; Syn. an-machen. In hetti '« recht a^g^mdchtelet, 
in de* [unterirdischen] Gang i*z*gu: Schwzd. 

(g')möchtelig: 1. Lust (nach mehr) erweckend 
Z ; Syn. an-mäch^lig, gemögdig. — 2. = ämerig Gr. 

möchterli*'*» mechterli: nur adv. in der Verbin- 
dung mit tuon, grosses Verlangen nach Etw. in Worten, 
Geberden usw. ausdrücken BHa.; Syn. gammerig. 

Mucht f.: Kraft, Gewalt, Mut Aa (Minnich); „B;" 
L; Z; vgl. mucht 'los. Am Morgen han t«* wider M. 
und schaffe* halt uf's Neu. HXpl. I** fti" besser z'wSg, 
aber ha* no^^ kei* M., sagt ein Genesender L. 

Abstraktbildnng auf -ti znm Stamm mug- (vgl. mhd. mugen, 
mügen, mügelich usw.) wie MueJU zu mag-; vgl. mhd. tinmuht, 
Allmacht; ferner das syn. Tucht : tugen (Kraft haben). 

g'rauchtsam, g'müchtsam: ertragreich, ,Ein 
g'm. land.' 1460, Gfo. 

macht (in Schw g'mücht, in Bs; B auch muechtj: 
1. hungrig, schwach, matt, erschöpft BsBirs.; B; S; 
Syn. öd, blöd. Es wird-em m. Alt und m. S. Bi* 
so elend müed und m. g'si*, tcie [in] m%**m Lebe* no^^ 
nie l M. im Mage*, m. im Herze*, so unsäglig m. und 
trürig. Joach. /«* bi* m. u*^ bi* frö, wenn ig öppis 
Warms im Lxb ha*. Hängqi. Eine* oder der Anger, 
wo halb m. oder halb nüechter vom Esse* cho* isdi. 
Schild. ,Wenn es Anne Bäbi fehlte, wenn es m. ward 
oder schwere Glieder kriegte oder Kopfweh.' Gotth. 
,Er kehrte alleine ein [im Wirtshaus], ganz m. und 
öde an Leib und Seele.' ebd. — 2. = müch Schw. 
Keine*" [der Krieger an der Schindellegi] müchet 
g^mucht drvo". Schwzd. 

Die Yocalverh&Itnisse sind schwankend; n^ in B; S steht 
fl in BsBirs.; Schw gegenüber. Die kurzvocalige Form steht 
im Abi. zu' dem syn. mauch, die langvocalige, bzw. diphthon- 
gische ist zunächst Nbf. (mit angetretenem t) von mUch, bzw. 
tnuech; Vgl. auch müch, .Muchtol' bei Gr. WB. VI 2604. 

ver-muchte", -muechte*: verschmachten BsBirs.; 
BBrisL 

Muchtigkeitf.: Mattigkeit BsBirs. ; S. Vor lüter 
M. Schild. Dort unger-nere* Danne* isch-er vor M, 
%*g'sunke*. Hofst. 



71 



Macht-— mneht. 



— niud 



72 



mQchtelig: Dim. von mttcht S. TTo-n-cr so m, 
und eUei^ uf-^em Bett pflegen iseh. Joach. 

mlicebt: etw. fencht, dampfig, z.B. von Zimmern 
Ndw; vgl. das sjn. müech. 

nÜechtelCcht. ,Mncidus, nüecht(e)l9cht, graw, 
schimmlig, das fast nüechtelet oder grauwelet.* Fris. ; 
Mal.; Dehzl. 

n st m erkl&rt sich in diesem und den folg. WW. durch 
AnJehnang an nüeckter; ygl. darüber Gr. WB. VII 967 ff. 

müechtele» BE., 0.; S (in L. tnuechtek*, neben 
nuechtele^J, sonst nüechtde* (in ZO. auch nüechterle»J I: 
schimmlig, moderig, dnmpfig, mnffig riechen (bzw. 
schmecken), bes. von Esswaren, Hen, Stroh, Getreide, 
Mehl, Tuch usw., welche in feuchten Räumen oder 
im nassen Zustande, ohne Luftzutritt, gelagert werden, 
dann von der Luft in feuchten Räumen Aa; Ap; Bs; 
B; Gl; L; Sch; Th; Zo; Z. Es nüechtelet t« der 
Chammer, Me* ka** das Kaffi sunst nit abe* bringe^, 
jo 's nieehtelet; t«* muess mi^ em^l zwinge*. Kelterb. 
,Man muss mir den Kaffee schmelzen [würzen] wie 
ein ander Gemüse, oder er wässerlet und nüechtelet.' 
SiNTEM. 1759. , Angegorenes Getrcid hat einen beson- 
deren Geruch und Geschmack, so wir Nüchteln nennen.' 
AHÖPFHER 1787. ,Mucore, graw oder schimmlig sein, 
nüechtelen.« Fris.; Mal.; Dbnzl. 1677; 1716. »Mäch- 
ten, mäkelen, nüchtelen, muffen, mucere, situm redo- 
lere.* Rkd. 1662. ,Der Kernen nüechtelet ein wenig 
und ist anjetzo bestochen und von Wurmen ange- 
griffen; ich lasse ihn rüeren, allein [er] je länger je 
mehr anlaufen tut und schadhaft wird.' 1774, Z Staats- 
arch. Von Wein-, Bier- und Theegefössen, welche 
eine Zeit lang ungeschwenkt stehen gelassen werden 
und dann den Geruch des Inhalts annehmen Bs (Spreng). 
, Womit man neue Häfen füllt, nach Diesem nüchteln 
auch die Scherben.* ebd. „Vom ersten Grad des Ver- 
derbnisses von Fleisch Gr." 

Vgl. ,nifiecheln, müechten, mfiechzen', nach Schimmel oder 
Moder riechen, bei Schm.-Fr. I 1562, ,meachteln.' ebd. I 1564. 
Unser W. gebildet wie e'tsde*, «ürele* usw. 

müechtelig, bzw. (g') nüechtel ig = mö«cÄ< A?; 
Bs; L; Zg; Z. Fade, abgeschmackt Ap; Bs (Spreng; 
von einer Predigt). 

müechte» B; F; üw, sonst nüechte* = müechtele* 
Aa; Bb; B; F; VO; S. .Wenigstens einmal im Jahre 
müsste gelüftet werden, was darin sei, sonst graue es 
ihnen [in den Schränken] und fange an zu nüchten 
(faul riechen).* Gotth. Die Ptcc. mit adj. Bed. B 
(g'müeehtet)} S (hüechtendj. Im ehalte*, nüechtende* 
Stübli. BWyss. ,Dein würmig und müechtend körn.* 
JMüKKR 1565. 

raüechtig = mu€CÄfrft^ B; VO; „S." 



Mad, med| mid, mod, mnd. 

Vgl. auch die Gruppe inat(t) usw. 

Mad I B. (Fl. Mäder), in Te tw. f.: 1. das Mähen, 
die Arbeit des Mähens Gl; Gr; TsTäg. Es geid an 
d's M, üf 's M. gä; als.Tagelohner in der Heuernte 
TnTäg. Es ist da e" scMechts M., ein mühsames Mähen 
Gl. ,Nu g6nd den mädern z* essen, denn si sind an 
dem mad*, rufen nach dem Sempacherlied die Ritter, 
welche vor dem Städtchen das Getreide abmähen, den 



Eidgenossen höhnisch zu. — 2. das zu Mähende oder 
Gemähte, bzw. der Ort, wo es sich findet, a) Heugras 
GrD., L., Pr. Fü, wenig M. ha*. Bes. in den Off- 
nungen in der Reimformol: ,Sät and M.' — b) Boden, 
wo das Gras gemäht und gedörrt wird, im Gegs. zur 
Weidf wo man es abweiden lässt, aber auch im Gegs. 
zum eigentlichen, kultivierten Wiesland (vgl Matten, 
Pünt), wo auch Grünfutter geschnitten wird. ,Da sie 
zu wenig allmend gehabt, so band biderb lüt ire eignen 
meder und gfieter zu allmeind geleit* 1486, Obw 
Volksfr. Vgl. noch laufen Bd III 1124 unten. Spec. 
a) magere, des Jahrs nur einmal gemähte, nie ge- 
düngte Wiese an den untersten Bergabhängen (Riet- 
3f. BSi.), besonders aber im Gebirge (die Wildheu- 
plätze mit umfassend BHa.; vgl. d) BO.; Gr; vgl. 
Mäd'Heuw Bd II 1819, Tristen, ferner die Synn. Us- 
Ort (ßd I 480), Berg-Guet (Bd II 550), Mägen, Heuw-, 
Mäd-Berg, M.-Teil, Rüchi, Rüch-Wisen und den Gegs. 
Feissi (Bd I 1073/4). Auf Alpweiden ist das M, eine 
seit alten Zeiten vor dem Vieh eingezäunte grössere 
Wiesenfläche mit weichem, oft sumpfigem Boden, die 
nach ,Mannsmad* gemessen wird BSi. Auf den , Mä- 
dern* steht kein ,Viehstall*, sondern nur ein .Heustall* 
(Bargaun) zur vorläufigen Bergung des Heus, das 
•lann im Winter auf Schlitten ins Tal geschafft wird 
Gr; vgl. M.'Qeiss Bd II 463. ,Wir stiegen auf die 
Höhe der hiesigen Bergwiesen (Mäder) und schliefen 
auf Heu in einer Bärge, um folgenden Tages dem 
Berge näher zu sein.* Gr Sammler 1784. Wer heind 
no^ d* Mäder z* heuen, eine Arbeit, die den Schluss 
der Heuernte bildet GrL. ,Heuwen in denen unzu- 
geteilten Modern.* GRKlost Alpbr. ,Ligende Güter, 
es seie Weid, Berg, Mäder oder Mattland.* 1645, BSi. 
,Im Fall er in seinem M. sein Ämd etzen wurde.* ebd. 
,So ein Gut, Weid oder M. (neben ,Matt*) im Land 
Sanen geliehen wurde.* 1667, B Rq. ,Der Besitzer der 
Matten oder Mads.* 1747, BSi. Mittelgute, ungedüngfte, 
oft sumpfige Wiese, auf der sogenanntes Rossheu oder 
Streue gedeihen, die abgemäht und gedörrt werden 
BHa.; GRh. ,Wir sehen noch grosse Strecken, die 
keinen andern Ertrag bieten als Lische zur Pferde- 
fütterung (die Mäder unterhalb Meiringen).* B landw. 
Wochenbl. 1847; vgl. Jahn 1850, 335. Die ,Mäder* 
waren urspr. Gemeindeland und wurden etwa in Loosen 
verliehen, die selbst ,Mäder* hiessen (vgl. d), sind 
nun aber längst in Privatbesitz. In GRh. sind sie t. 
in kultiviertes Wiesland (Heu-, fette Mäder) umge- 
wandelt worden, t. dienen sie noch als Streueland 
(Riet'Mäder), t. wird Torf darauf gewonnen (SchoUen- 
Mäder); vgl. Steinm. 1804, 283, Mäder-Gelt ßd U 255. 
,So müessen sj ir guet und meder mit banngraben 
beschirmen.* 1497, GAltst. Archiv. ,Im Rheintal ge- 
legenes Rebland und Mäder.* 1796, Absoh. — ß) 'bües 
M., gedüngtes Wiesland GrV. — y) in Flurnamen. 
,Auf dem (im) Maad* B, ,im G'meinmaad* BMeir. (vgl. a). 
.Gott gibt den Menschen Gnad, ich aber wohn im M.* 
B (Inschrift auf einem Teller). ,3 Mannwerch Wisen 
im Mad.* 1696, Z NGlatt Urk. Sölimad(li) Gl. .Das 
Muetergottes-Mahd auf Wiesonberg.' Ndw Kai. 1865 
(unter Grundstücken aufgezählt). ,Uss der schwarzen 
erlen in das nüw mad.* 1431, GRcbst. Offn. ,Sonnen- 
halb stosst si an MHHn guot, an das medli.' 1540, 
GBuchs Jahrzeitb. ,Die meder.* 13S0, Seq., RG. (Flur- 
grenze). S. noch Fron Bd I 1301, gäch Bd II 101. 
— c) Wiesenflächc, auf der mau eben mäht, bzw. wo 



73 



Mad, med, mid, mod, mud 



74 



das Gras in ,Maden' [Schwaden] liegt; Bezirk, der auf 
einmal gemäht wird Ndw. „Der Knecht ist ans dem 
M. heimbernfen worden." ,Hentc haben wir ein grosses 
M.S viel Hen einzusammeln Obw. ,So sich sommerszyt 
der höwet begibt und etwa ain bnrger an ainem fyr- 
abend ain mad schlachen lasst, und aber morndrigs, 
so ain fyrtag, nit höwen dörfen, so tragend sy am 
abend das gras us der landschaft [GF.] über die march/ 
1566, Absch. — d) Flächenmass für Wiesland, zu- 
nächst ungefähres Mass: so viel Wiesenflächä, als ein 
Mähder in einem Tage abmäht UwE. Als festes Mass 
ungefähr dem Ackermasse Juchart entsprechend B 
(wo die ,M.' in späterer Zeit nur 31250 Quadratfuss, 
gegenüber 40000 der Juchart, umfasste); See; S; Tb; 
ZWl.; man nimmt nämlich an, dass ein fleissiger Ar> 
heiter von Morgens 2—11 Uhr ungefähr eine ,Mad* 
zu mähen im Stande sei; vgl. Z Anz. 1859, 24, ferner 
MannS'Mäd. ,M,, jugerum agri.' Id. B. Das Hüsli 
mit sant [sammt] drü Mäd Juhehübeli [Flurname]. 
JoACu. 1885. ,Die etwann in ir marchen by 4—500 
mäder inhaltent.' 1530, Absch. ,Ein bletz der Mert- 
matten, ist 4 maden.' 1539, AaL. Schlossurbar. ,Es 
sollen dem Prädikanten ein Hausgarten, Bünden und 
3 Mäder Matten zustehen.* 1539, Absch. ,Das Gesuch 
um Verleihung einiger Mäder Matten.' 1571, Absch. 
,Ein Stück ihrer gemeinen Matte, ungefähr 40 Mäder 
haltend.' 1572, ebd. ,10 Jucharten oder Mäder auf 
dem Murtenmoos.' 1649, Gfd. Spec. als Loosanteil 
eines Bürgers am Gemeindeland; vgl. Burger-Lös. 
,Für das Winterfutter erhält er von seiner Gemeinde 
ein sogenanntes Maad zum Wildheuen und ausser 
diesem sind noch grosse Strecken unausgeteiltes Wild- 
heuland.' B landw. Wochenbl. 1847. 

Mhd. mad. Beachtenswert ist, dass im Alem. der Yoc. 
kurz ist (z. B. Th) oder wo Länge eingetreten ist, diese sicli 
in der Ansspr. als secnndäre kennzeichnet; er steht also wie 
in Mad II im Ablaotsyerhältniss zu dem a in mäjen. Der PI. 
Mädene*, der für 6rPr. angegeben wird, setzt einen Sg. 
Mädi f. voraus. Das Fem. iu Bed. 2 d ist Analogie nach 
Juchart. In den ä. Belegen bei 2 d könnte z. T. auch die 
Bed. ,Loo8anteil' vorliegen, doch wurden diese Anteile wohl 
eben nach ,Mannsmad' abgemessen. Vgl. noch Ämad Bd I 
218, Grwmet Bd II 785. 

Us-: wesentlich = Mäd 2 b cty mit magerm Gras 
bewachsener, sehr steiler Abhang FJ. — Zu erklären 
nach Analogie von ü«-Ort; s. Bd I 480. 

Fer-: Loos auf den ,Mädern' des Rheintals, wel- 
ches jeder Rheinschififer als Anteil erhielt. 1675, Hof 
Kriessern 303 j vgl. Fer Bd I 904/5, Mad 5 d. — 
Vor-: 1. die Verpflichtung, beim Mähen den Anfang zu 
machen. ,Uf den surbwisen soll niemand mäygen, bis 
ein gemeind zuo Wäningen des zuo rat wird, die 
söllent dann heissen den, so da v. hat, mäygen.' Z 
Niederwon. Oifn. — 2. Wiese, an der die betr. Pflicht 
haftet. ,Ordnung und gerechtikeit der v. ; die kal wys 
ist ein v.; item die faldenwys ist ein v.' 1556/62, Z 
Dielsdorf Offn. — Henne"-: Bergwiese, auf welcher 
viel Herbstzeitlosen (s. Hennen 6 a Bd II 1312) wach- 
sen Gr. — Heu''-: 1. wesentlich = Jkfaci .8 6 a B; 
Obw; vgl. Kasth. 1829, 153; Alpenw. II 41. ,Die- 
jenigen, welche Güter und Heumäder besitzen.' 1824, 
Obw. — 2. = Mad 2 c Ndw. 

Mann- GnChur, sonst 1) mit Verkürzung und Ver- 
stümmelung des ersten W. Mäniad Gr (in GrL. auch 
M^d); «G-, Mämatt BSi.; W. — 2) mit Verkürzung 
des 2. W. und Degradierung desselben zur Ableitungs- 



silbe „Mdmm^d Gr; G", Mammut GRiv.; GRh. : we- 
sentlich = Mad 2 d, d. h. 600—1000 Klftr Gr (s. Leh- 
mann 1798, 221), 8—900 Klftr W, etwas weniger als 
eine Juchart BSi.; vgl. Bergmann, Beitr. 146, Mone, 
Ztschr. XII 66; III 220, ferner die Synn. Mal, Morgen, 
Mann-Grab (Bd II 677/8), -Schnitz, -Stafel, -Werch. 
In Beziehung auf Wildheubezirke nicht nach dem 
Flächeninhalt gemessen, sondern nur nach dem Ertrag 
(ungefähr 1 Klftr Heu GrL.) abgeschätzt. ,Dry man 
mat.' 1305, B Staatsarch.; = ,pratum trium dietarum' 
in einer entsprechenden lat. Urk. aus der gleichen 
Zeit. ,Cum tertia parte prati, quantum homo in die 
tondere potest, dicta cim dritten teil eins mansmad.' 
1318, ebd. ,Zwei mammet r6ben und dry juchart 
acker.' G Stiftsarch. ,Die Stadt hat zu der Allmende 
93 Mannsmeder erkauft.' BThun Handfeste. ,Nun fort- 
hin soll man in gemeinen zeigen auf einen acher oder 
auf ein manmad zwo kühe besetzen.' 1598, BSa. Rq., 
neben ,mannsmad.' ,12 Mannsmäder auf dem Saxer 
Ried, da man 4 Haubt Halbvich halten kann.' 1693, 
Z Pfrundenb. Der Pfarrer von GSev. bezog bis 1798 
von den dem Besitzer der Herrschaft Werdenberg 
jeweilen gehörenden Ehrschatzgütern den Ertrag von 
11—12 ,Mammet.' 

Mhd. mannernat, dass. ^hr häufig in unserer ä. Lit., 
natürlich meist verbunden mit vorgesetzten Num. und dann 
im PI. fast durchgehend unveränderlich, iu den Formen 
,Mannniad' (häufig), ,Mann8mad' (bzw. ,-mat', z. B. 1653, 
ÄaWett. Klosterarch.), vereinzelt ,Mammat.' 1350, Mohr, 
Urk. Das Geschlecht ist schwankend, z. T. in deu selben 
Quellen (z.B.: ,Ab einem manmad riet', neben: ,Ab einer 
manmad wisen.' 1540, GBuchs Jahrzeitb.) und scheint sich 
nach dem damit verbundenen Hauptworte zu richten. Das 
Fem. auch 1331, ZRhein. Zinsrodel; Gr Sammler 1779, 177; 
Lehmann 1798, 221 und nach einer Angabe auch jetzt noch 
in Gr. Die zwei WW. auch bloss syntaktisch verbunden: 
,Ain juchart ackers und aines mannes mad.' 1342, Zellw., 
Urk. I 137. Wahrsch. i. S. v. (Loos-)Anteil an Wicslaud 
(vgl. Mad 2 d) scheint das W. verstanden werden zu müssen, 
wenn in einem Th Wässerbrief von 1643 bestimmt wird, 
,wer jeweilen das Wa.s8er zu seinem Mannmad brauchen 
dürfe.' S. noch frön Bd I 1301. 

Morge"d-: ein Stück am Morgen (in der Frühe) 
gemähtes Wiesland Ndw; vgl. Mad 2 c. ■— Berg- = 
Mad 2 b Gr. ,Si sullent mit ir vich nit weiden noch 
faren in geferden von derselben alpe wider die berg- 
meder.' 1398, B Spruchbr. Vgl. noch Gr Sammler 
1783, 186. — Wild-: hochgelegener, begraster Berg- 
kamm, doch fast nur noch als Lokalname Gl, wo man 
ein ,Bischof-, Embächli- nnd Kuhboden- Wildmad' unter- 
scheidet. — Wis- = Mad 2 b. Die ,Wismeder' werden 
den ,Alpen' gegenübergestellt. XVII., Gr (Ztschr. für 
schwz. R. 25, 341). 

Mad II AaF., Leer.; L; G; Sch; Z, sonst Made* I 
— f., in Gr; W (Mado) — m., PI. Mad^; Dim. Madli 
Bs, sonst mit üml.: Schwaden, langgestreckte Reihe, 
zunächst von gemähtem Gras, Getreide, dann auch im 
weitern Sinne, allg. Made* (Zatte*) machen, zieh*, 
z* Made* reche*, das völlig dürre Heu zu Schwaden 
zusammenrechen oder -werfen als Vorarbeit zum Ein- 
tragen. Das noch nicht ganz gedörrte Gras wird 
Abends bei sicherer Witterung zu Mädli, bei un- 
sicherer zu Schochli, Birlinge*, bei drohendem Regen 
zu Wetterschöche* zusammengezogen Th; Z. S. noch 
breit, Schwaden, den man beim Cheren des Grases 
(s. Bd III 435) bildet Gr. S. auch ein-, zwei'Zügig. 



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Mad, med, mid, mod, mud 



76 



Das in der Tenne zu einem länglichen Haufen auf- 
geschüttete, abgedroschene Getreide L; vgl. Häfl. 
1813, 21. Kleiner Erdwall, der beim Fürrelen (s. Bd I 
939) im Kartoffelacker entsteht Ap; vgl. T. 1830, 26. 
S. auch Grat Bd II 821. An e* M. stä*, in Reih und 
Glied, z. ß. beim Turnen Aa; Bs. Se, stande*d an e 
M.! Kommando. ,[Bei der Speisung der Fünftausend] 
soll sich allwcg ein rott in eines manns maden [ein 
Mann hoch] in das grüen gras [setzen].^ 1531/48, 
Marcus; dafür 1882: ,dass sich alle nach Gesell- 
schaften in das Gras setzen sollten.' ,Nata herba ad 
spem foeniseciae, so wol gewachsen, dass man ein 
maden darein schlachen mag.' Fris. ; vgl. Schlacht- 
Mad, — Mhd. made. Die Vocalyerhältnisse wie bei Mad /, 
Kürze auch aus Seh bezeugt. 

Hau-Mad: der erste Schwaden, der beim Beginn 
des Mähens in einer Wiese vom Yormäbder gebildet 
wird, und zu dem man von beiden Seiten zumäht 
ThHw. — Schlacht- ZZoll., SMatt- ZRüml. = 
HaU'M, — Streu-: das Recht der Anwohner, am 
Ufer des Pfäffikersees, auf sog. ,Reichsboden', einen 
Schwaden Streue zu mähen ZSeegr. 

mäde" (in GA. madne*) = Made* machet VO; GA.; 
Syn. schwarben. Im Kartoffelacker, = fürrelen (s. Bd I 
939) Ap; Gr; vgl. hüfelen Bd U 1051; Tsch. S. 328. 

Mäder I (in GrD., L.; GSa. Mader) — m.: Mähder, 
bes. der als solcher angestellte Tagelöhner, allg.; Syn. 
Mäjer-Chnecht. Wenn ein Mähder unter der Sense 
noch Gras, stehen lässt, sagt man, man könne den M. 
daran anbinden Aa; Z. S. noch Richer, über-schlän. 
,Ze Birmensdorf ligend nun schuepossen, dero git icg- 
lichs alle jar dem meiger einen meder, nüt wann um 
die spyse.' ZBirm. Offn. Vgl. M.-Tagwan, 

Die Vocalkürze ist bei diesem W. noch weiter verbreitet 
(auch Aa; 6r tw.) als bei Mad. 

Glatt-: Mähder, der das Schilfgras im Glattbett 
sammelte ZGlatttal. — Bei"-hüsli-: 1. der Tod, eig. 
das Bild desselben (dargestellt als Sensenmann) in 
den Beinhäuseru L. Bes. auch als Schreckwort für 
Kinder. De^ B. nimmt di*^, icenn du eso tuest. — 
2. übertr., verächtlich von einem bis auf die Knochen 
abgemagerten Mann, auch von einem Geizhals L; vgl. 
Bd II 1720. — Linggs- = dem Vor. in Bed. 1, da man 
von ihm glaubt, er führe seine Sense von links nach 
rechts S. ~ Tau-: Neckname für einen Mähder, der 
nur so lange aushält, als der Tau vorhält, ohne wel- 
chen das Mähen viel schwieriger ist ZZoll. 

mädere": 1. die Arbeit des Mähens verrichten Z. 
— 2. eine besondere Art des Schneidens, angewendet, 
wenn Disteln u. Ä. das Anfassen hindern, und darin 
bestehend, dass man die Sichel wie eine Sense schwingt 
ZRafz. Syn. db-swicken. 

Heu-Mäderi f.: coli., =^ Heu- Mad 1. ,Die Züge 
des Berghasen vom wildesten, höchsten Gebirg in die 
Heumädereien hinunter.' Gr Sammler 1783. 

ei^-mädig: im Jahr nur einen Grasschnitt lie- 
fernd, von magern Wiesen, doch auch vom darauf 
gewonnenen Gras und Heu Th; Z; vgl. Ort-Heuw 
Bd II 1817. 

mädle" (in ^S madle**') = Mädli mache* AxFri.; 
Ap; GRtw.; G; „S;" Th; Z. Isch 's Gras nid für, 
so fangt men a" m. und macht dann Birli*g [kleine 
Haufen] Tii; Z. A: M er tuend nW m., nüd schöchle*; 
's Witter ist wie Gold. B: Und mir lönd's breit Ugge*; 



mer müend 's dann morn nüd vertue*; mer chered 's 
dünn nw na*^^ e*m<ü Z. Arbeit im Kartoffelacker L. 
— Id Stalders madUn ist das Uml. -Zeichen wühl ausgefallen; 
der Voc. ist in Th kurz. 

ander-, in ApM., Stein bander-: tr., einen Mähder 
dadurch übertreffen, dass man in der gleichen Zeit 
zwei Schwaden mäht, in welcher er nur eine zu Stande 
bringt Ap. I*"* ha**-en (pjandermädlet. Vgl. bi-atider 
Bd I 308; use*-, hindere*-tue*. 

Madam f.: verächtlich von Modedamen, die keinen 
Sinn und kein Verständniss fürs Hauswesen haben; 
Frau, welche vornehm tut Sch; Z. Si ist e richti 
(nur so e) M. 

Made" II f. (in W m.) : wie nhd., fusslose Insekten- 
larve, allg. Wurm W. — Das Geschlecht hat sich im W 
nach dem Syn. Wurm gerichtet. 

madle*^: 1. stark zittern, schwanken Grü. Er het 
di Tür zuog* schlage* y dass 's g'madlet het. — 2. , brum- 
men, schmollen W." 

Viell. verderbt aus icadlen; s. Anm. zu Mttccher. A'iele 
Verben der Bewegung bezeichnen zugleich auch den begleiten- 
den Ton; vgl. (ß-gdgen Bd H 1Ö7. 

er- (in GnPr. -mattle*): l.tr., „erschüttern, zittern 
machen BO. ;" GaPr. — 2. intr., ins Schwanken, in 
zitternde Bewegung geraten, ebd. Es hed g'grimmeled, 
dass d*s ganz Hus irmadled ist BBr. 

T für d bes. vor l oft in den Gebirgsmnndarten ; vgl. 
riuttle* : Hudle* Bd II 995. 

er-mädere": mit Acc. P., in einem Entschluss 
schwankend machen SchwMuo. Es tuet mi"^ c. 

Mad(e)r4tz(e") f.: Matratze, allg. 

D aus (, da in Lohnww. in der Regel die vor oder nach 
unbetontem A'oc. stehende Fortis erweicht wird. 

Miesch-: mit Moos gefüllte Matratze; armseliges 
Lager übh. L. 

Madräss(e''), in Ndw auch Madrässi (PI. Madras- 
sene*) — f.: Mätresse VO; ZS. f Oft ohne moral. 
Nbbegr. als Schelte auf eine sich spreizende Matrone 
Ndw. ,Einer schreibt an ein Jungfrau w, die er ver- 
meint, sie were sein Matressen; etlich namsend's Mai- 
stressen, wyl es ein Meisteressen ist.' Schimppr. 1651. 

„mädele": klatschen, plaudern LEscholzmatt." 
US-: ausplaudern, ebd. 

„mädelig: plauderhaft. ebd." 

Vgl. das syn. bair. maden bei Schm.-Fr. I 1568. Schwer- 
lich darf an got, mathljan, reden, gedacht werden. St. schreibt 
dd, wohl um die Kßrze des Vocals zu bezeichnen. 

Ger- Made» GT., -Mäder Ap (auch Dim.); G, -Mä- 
dere* G oRh. = Germeren 1 a (s. Bd II 418). ,Durch 
die Ausrottung dieser, von den Hirten Germäder ge- 
nannten Pflanze.' Alp. 1821, wo ,G.' als ver. lob. von 
ver. alb. getrennt ist. Nach T. nur Name der Stengel 
der weissen Niesswurz Ap. ,Das Mehl oder Pulver 
von der Gerraäderwurz.' T. 1830, 159. 

\'ielleicht, wie das syn. Ger-Mmjen, nur Entstolhiug von 
Gtrmeren, unter Anlehnung an Mad 5 fc ß, da die Pflanze gern 
auf ,Mädern' gedeiht. Das spärlich bezeugte Ger-Mädc* könnte 
Anlehnung an den Personennamen , Magdalena' sein. 

miidle": kleinen Tauschhandel treiben, bes. von 
Kindern GSev. — Ob mit Ausfall von r und Erweichung 
von t aus jnärchÜenT 

Maid Me^id, doch nur in abgeleiteten Formen: 
1) Maidje*, -t- Gr; PAI.; W, Maidle*, -t- GRAv.,He., 



77 



Mad, med, mid, mod, mud 



78 



Pr., Rli.; GRh., Matte* Z (ijelten), Maigg(j)e* GnTersn.. 
V.; W. Mätel (PI. Math*) ApHundw.. L. Stein, Mätel 
(PI. Malle*) ApM. - f. — 2) Maidli GrRIi., S.,Tschapp., 
Val. (PL Maidle*), ÜVatz; W, MddU ApHundw., Stein, 
Teufen, Maitli Aa; Ap (Mätli); Bs; B (PI. Maüleni); 
F (Metli, PI. Metleni); VO; Gl; Gr tw. (PL in Pr. 
Maitla*); G (in Stdt f Märtli, PL in W. Maidle% 
V\\km^ Maitla*) ; Sch; SB., NA.; Th; W; Z, Maüschi 
(PL Maitscheni BO., M., Scliw.; UwE., sonst unver.) 
Aa; B; VO (in L auch Maigschi); GlK.; GftRh., UVatz; 
S; W — n.: 1. im Allg. dem nhd. »Mädchen* entspre- 
chend, allg. Syn. Göf Bd 1 130/1, Chind 1 h Bd 111 
340/1; Ant. Bueb. Er bisst t" d' Lippe* , er wott nit 
gern e Maitli schine^ Bs (Mähly; von Einem, der die 
Tränen zurückhält); s. noch SeiL 202. Dazu als wirk- 
liche Diminutiva die Formen Maiteli AaF.; Bs; B; F; 
VO; Gl; Gr UVatz; GO; Th; W; Z. Maidli, Maidji 
W, Haiti Bs; B; L; Z (selten und nur kosend), Mai- 
teUi BHa.; W, MaigjiYf, Maitschi AAWohL; UwE.; 
W, Maitscheli S üw. Zweu Chind, es Maiteli und 
es Büehli Aa. VgL bei Hebel: Doch de tnsdi ke* Mai- 
teli me*", iez sag i*>^'der Maitli. Pfudi, pfudi, du leids 
Gaggimaiteli! redet man scberzh. oder drohend ein un- 
artiges Kind an Gr. S. noch die Kinder- und Wiegen- 
lieder bei SeiL 202. Es Maidscheli, ein schon ziem- 
lich entwickeltes Mädchen AAWohlen. , Knaben oder 
meitlo/ 1419/1544, Schw LB. und ebenso (in der Form 
,Meitlin') 1526, Absch.; 1634, JJBreit.; Bs Taxordn. 
.Das erst kind ist ein meitlin g'syn.' 1544/73, ÜMey., 
Chr. ,Puella, ein töchterle oder meitle.* Fris.; Mal. 
«Darnach warend geboren ein knäblin, hiess Hans und 
ein meitlin, hiess Elisabeth.* 1574, Mise. Tig. ,Ich 
hielt schuel, hatt 37 knaben und 13 meitlen.* 1599, 
ArdVser. ,Dis Meitli*, abwechselnd mit ,Tochter.* 1605, 
ebd., von einem 14jährigen Mädchen. ,Für ein acht- 
jähriges Meitlin Ermel eingefasst.* Bs Taxordn. 1646. 
Spec. a) nur in der Form Maitli (in Ap tw. auch Metla*, 
Matel, Mätel), Tochter des Hauses Ap; B; F; L („ledige 
Tochter, älteste Tochter eines Bauern, bes. in LE.'*); 
ScH; ScHW; Th; Ndw. , Wer ist 's Marieli? Mis M. 
MLiENERT. Maitlene*, losid! ruft die Mutter den Töch- 
tern zu. Ndw Kai. Ib9-1. Miner Metla* Ma**, mein 
Schwiegersohn Ap. — b) wesentlich = Jung-Frau 1 b 
(8. ßd 1 1246)17). allg.; s. Federen Bd 1 677, Schätter- 
Gold Bd II 2*:!6, Gersten Bd II 430. Heim-Gart Bd II 
434; Bühler IV 78. ,[Die alte Mutter] geistete in der 
Stube herum, wie ein zwanzigjähriges Maitschi.' Ndw 
Kai. Noch M'etle* s\*, noch ledig F. En alti Maidja*, 
en alts Maitli. Mir gitnd halt alti Maitli, ivirsch-es 
g*si**. Stütz. Vil lieber en alts M. ge*, als so en Tirann 
zum e* Ma**. ebd. ,Das alt Maidli sei eine Hexe.* ebd. 
An hühschi, ßni, tolli, wacker i Maitja* GrD. Die 
Chue het e Grind wie-n-es Maitschi (als Typus der 
Schönheit) BSchw. ; vgl. Jung-Frau 3. Du muesst 
singe*, wie du Das als Maitli nso guet hast chönne* 
Th (Schwzd.). So bald der Pfarrer d* Hochzitlit 
z'sämme* 'gi** haig, so sig-i"'^ der Ma** und 's Maitschi 
d' Frau. Balz 1781. Me* muess 's Gras nit im Tau 
und d' Maitli uf ^em Tanzbode* chaufe* B. Hoffärtigi 
Maitli, schmutzigi Wiber. National-Kal. Wie hof- 
(artiger Maitli, wie schmutziger Frau, Ineichen. E* 
feisses Maitli, e* mageri Frau L; Sch; Z. E"* Maitli, 
ico jätet, ist besser weder ei*% wo betet. Ineichen. Es 
bracs Maitli ist am schönste* delieiyn. ebd. Das Maitli 
wett-er a«** recht lieb ha*, wo-n-im c" Bingli gäbti. 



BWvss 1863. D' Maitschi und Abrelle*wetter sind rer- 
ändern^*'. Ineichen. Wenn d' Maitli bitte*d, se tuend 's 
d' Chnabe* nu .sv gern. Sülrer. Wenn e erlieh Maitli 
nu chient derzue cho*. ebd. 2>' Maitli säge*d nei* und 
tuend 's doch. ebd. Das sei g^seit under üs Maitlene*, 
im Vertrauen, ebd.; vgL Pfarrers-Tochter. Z* Appt^- 
zell ond z' Hcrisau sind die Metla* wolfel, ma ged e 
ganzes Hüsli voll för e Sdiötzli Polver Ap. Maitschi- 
güggel, Ise*dröt springt de* Maitschene* eisster no*** L ; 
ygl. Maitsclii-Pfützeler Bd I 1157, Güggel Bd II 192. 
's t>ös M, muess -di^ i* Sack ine* ni*, Drohung für 
Kinder ScHwIb. S. noch Müs, Tsch. 150. Gelegent- 
lich wird auch ein kleines Mädchen, sogar ein Wickel- 
kind, mit diesem Titel benannt, wenn man es als ein 
dralles und gesundes bezeichnen will. Das Mädchen 
als Gesellschafterin an Festlichkeiten, auf dem Tanz- 
boden usw.; Geliebte Ap; B; L; Syn. Jump f er. Was 
het er für nes Maitschi ^ha*? BSi. Ond denkt, es 
sei ke grössersch Guot, denn 's 8p%ne*gö* [Kiltern], e 
Metle ha*. Lenooenh. 1830. ,Nimm dir das meidlin 
(meitlin) zum weib.' 1531/48, I. Mos. J)arum auch 
dir die meitlin hold sind.* 1560, Hohelied; dafür , Jung- 
frauen.* 1882. , Damit euch die meitli irer eeren dest 
behuetsamer syend.' XVI., Z Mand. Eine Dirne wird 
angeredet: ,Duck dich, meitly.* JMurer 1565. ,Pig- 
mentum, salb, so die meitle anstreichend, das ange- 
sicht schön ze machen.* Fris. ,Meitli' im Wechsel 
mit ,Jungfrouw.' Z Mand. 1580. ,Das Zusammensitzen 
der Knaben und Mädlin.' G Mand. 1657. , Weiber und 
Meitli sollen nit vil in der Alp übernachten.* 1749, 
Obw Volksfr. ,Gemeine Meitlin', öffentliche Dirnen. 
1601, Absch. — c) nur in der Form Maitli, Dienst- 
mädchen AA; Bs; B; VO; G; ScH; Th; Z; VgL das 
Syn. Jung-Frau. Es M. ha; eine Magd halten. Es 
Obenabe*'M., ein Dienstmädchen aus dem »Oberland*, 
aus dem Baselbiet herab BsStdt. ,Des meitlys meister 
sollt sölichs abgestellt han.* 1511, Z Staatsarch. ,DIe 
meitlin* nennt SBirk 1532 die Dienerinnen der Su- 
sanna. ,Der Herr [ein Geistlicher] setzt dem Meitli das 
Baret auf.* 1533, Z Synode. — 2. übertr. a) Maitschi, 
mehr scherzh., Dame im Kartenspiel ß. I** ha 100 
Maitscheni, ruft beim Jass Derjenige, der alle vier 
Damen erhalten hat. — b) Maitli, Name einer Neben- 
scheibe, in welche um geringere Gaben von Solchen 
geschossen werden darf, welche in der Hauptscheibo 
kein Glück gehabt haben W. — c) blutti Maitli Nnw, 
Maitschi SchwG., Name des Frühlings-Safrans, croc. 
vorn., zunächst seiner Blüten; vgL blutti Jung-Frau 
Bd I 1248, ferner Bueb. — d) bim Maidli ZO., bi 
mt**m Maiteli Gl, cuphem. Entstellung des Schwurs 
bim Eid! (s. Bd I 92). 

Das W. Maid, etym. identisch mit ,Magil', hnt aas Inuern 
und aussein Gründen (t. zur Bezeichnung der Alters- und 
Kntwickluiigsabstufungon, sowie aus Freude an der Schöpfung 
von Koseformen, t. weil die Versteinerung der Formen Maitli, 
Maitschi, die nicht mehr als Dim. gefühlt wurden, die Schaf- 
fung neuer Dim.-Formen notwendig machte) eine FUlle von 
Formen entwickelt. Nur noch in Ap gilt Mädli (gegenüber 
Matel, Mätel) als Dim., in W Mcidli (neben Maidji, Maitnchi) 
gegenüber der Verst&rkungsform Maidjrn, die (wie auch in 
Gr) ein grösseres, kräftiges, wenn auch junges Mädchen be- 
zeichnet. Maitschi selbst wird tw. (in L; SB., NA.; Ndw) 
als Dim. von Maitli gefühlt. MartU erklärt sich durch Ein- 
schiebung eines r aus der alt-sanktgallischen Form Math. 
Auffallend ist eine Angabe aus WLÖ., welche Maitjgt* als 
Neutr. angibt; sie Iftsst sich bogreifen, wenn M. den Cha- 



79 



Mad, med, mid, mod, mud 



80 



rakter eines Eigennamens erhalten hat: vgl. da» Anna und 
Qbh. die weib}. Taufn. Die Geschlechtsangaben bei B. (I 89. 
98. II 58) scheinen in Verwirrung geraten zu sein. In B 
und der Westschweiz ist MaiUchi der allgemeine Ausdruck 
und bezeichnet ein M&dchen Obh., Maitli (wenigstens in BSi.) 
die ledige Tochter, in StAdten auch eine Magd ; Ähnlich im 
Aa; vgl. H. 179. ,Haitli, Maidlin* ist in unserer Lit des 
XVI./XYII. häufig, beschränkt« sich aber in der lebenden 
Spr. (wenigstens Th; Z) immer mehr auf Bed. 1 c mit ZurHck- 
dr&nguug der andern Bedd. 

Sing-Abe(n)d-Maitli: die Mädchen, mit denen 
die ledigen Bursche am Nenjahrstag das am Sing- Abend 
(s. ßd I 38) erhaltene Geld verzehren GrA. — Ober-, 
Under-: Ober-, bzw. üntermagd B; L. — ,Erb- 
M eitle*: Erbtochtcr. ,Es soll Jeder seinen Obern 
berichten, wie die Vögte hier die E. Überschätzen 
[überfordern] und ihnen grosses Geld abnehmen.* 1532, 
Absch. — Fabrik- Th; ZO., Fabrikler-Maitli 
Ai: (ledige) Fabrikarbeiterin. — Vor-: Brautführerin 
S; vgl. Vor-Chnah (Bd III 711), Var-Lüt. Was muess 
do mf« Brut für es V. sueehe^? JSchild 1889. — 
Freud(e'')-: zum Ansagen der Geburt eines Kindes 
bei den Verwandten mit dem Freud-Maien herum- 
goschickte Dienstmagd Sch; Z; vgl. Bd I 1275. — 

— Fratze**-: Schelte auf kleine Mädchen U; s. Bd I 
1343. — Gägi-: Schelte auf ein Mädchen, das den 
Burschen gern nachläuft Scuw; Syn. Blieben- Maitli, 
-RolU, -Schmöckeri*, -Drät. — Gaumer-Maitli, 
-Maitschi: Kinder Wärterin B; W; Syn. Gaumerin 
(s. Bd II 305). — Ganggel-Maitschi: spöttische 
Benennung eines hochaufgeschossenen, noch jungen 
Mädchens S; vgl. Bd II 363/4. — Fröss-Gänterli-: 
verächtlich für Kellnerin L; vgl. Gänterli 4 b (Bd II 
381). — Gas8e"'Maitli: Schelte auf ein (jüngeres) 
Mädchen, das sich gern auf den Gassen, übh. ausser 
dem Hause aufhält, ohne moral. Nebenbegr. BsStdt; 
Syn. Trolli-Maitschi. — »Gciss-Maidlein*: Name 
einer Dirne mit ZiegenfÜssen, welche verzaubert auf 
dem Hasliberg hausen soll; s. Wyss 1817, 715. — 
Gotte°-Maitli = Goeten ^ BsStdt; ant. Götii-Bueb. 

— Güeter.Maitschi = (^.-CÄtnd B; s. Bd III 345. — 
Hefter-: Mädchen von 14—18 Jahren, das in der 
Zeit des Reben-Heflets (s. Bd II 1064) meist aus den 
umliegenden, Ackerbau treibenden Gegenden in die 
Weingegenden des Seelandes kommt und sich für die 
Dauer der betr. Arbeit in den Beben als Arbeiterin 
verdingt B. Der .Heftet' ist für diese Mädchen eine 
Lustbarkeit, wie für die Bursche der »welsche Heuet.' 

— Hüener- Maitli, -Maitschi: Dienstmädchen, 
das sich bes. mit der als niedrige Arbeit geachteten 
Besorgung des Hühnerhofes zu befassen hat B; vgl. 
H.-Magd und s. GöU Bd II 215. ,Eisis Hauptbestreben 
war, sich darzustellen als eine vornehme Frau, der 
manche Bäuerin zu gering wäre zum Hühnermeitli.' 
GoTTH. — Hcrre"-Maitli: junge, vornehme Dame, 
volkstümlich statt Fräulein Schw; ZO, Si hed au^*', 
wie d* H.'Meidli, mängist es ftns FlÖrli o". Tryner 
1840. — B'hör- = B'hör-Chind (s. Bd III 345), bes. 
sofern das betr. Mädchen schon stark entwickelt ist 
ZO.; Syn. Beter-Maitli. — Hüs-: 1. Dienstmädchen, 
das im Hause, st. auf dem Felde, arbeiten muss Ndw. 

— 2. Mädchen, das man, z. B. als Kostgängerin, ins 
Haus aufnimmt, ebd. Vgl. Chost-M. — Hüeter- 
Maitschi: Mädchen, welches das Vieh hütet. B Hink. 
Bot. — Jüppe"-Maitli: Mädchen, Jungfrau auf der 
Landschaft, die noch die alte Tracht trägt Bs ; s. Bd III 53. 



— Oh uchi- Maitschi: Gehilfin in der Küche, die 
zunächst das Abwaschen zu besorgen hat B. Ch.-MaOli, 
Küchenmagd Z. — Cheller-Maitli: Kellnerin Bs; 
vgl. Keller-Magd, Stuben-, Win-Maitli. D' Ch.-Maüli 
hei* z* luege*, ^ass ene* Kein*^ us der Ürti lauft. 
Breitknst. — Kilche"-: Kirch ensänger in. ,Dem N. N. 
von wegen denen Kilchenmeitlinen hab ich 'gSben 
3 Kronen.* BE. Bechnungsman. — Chammer-: Kam- 
merjungfer B; vgl. Bari 1885, 43. ,Ein kammermcitlin 
aus des künigs haus.' Holzwart 1571. — Ohinde**- 
(B; L; Z), Chinds-(TH) Maitli, -Maitschi: Kin- 
dermädchen; Syn. Ghinds-Magd. De^ Bueb isch e 
halb^ Chnecht oder e ganzes Ckinge^meitschi, Gotth. 
,Chindermeitschi.' B Hink. Bot 1863. ,Ich wette mich 
ouch gern strecken by eim solchen kindsmeitlin mit 
krusen locken an der scheitlin.* Haberer 1562. — 
Chäri-Maitschi: Schelte auf Mädchen, die Einen 
unaufhörlich mit Bitten quälen BoAa. — Kuss- 
Meitlin. Der Umgang mit dem ,K.' wurde von 
Zwingli den Wiedertäufern als Beweis ihrer Unzucht 
vorgeworfen; vgl. EEgli 1878, 77. — Chost-Maitli: 
ledige Weibsperson, die in einem fremden Hause Kost 
und Wohnung hat ZO.; Syn. Tisch-M.; vgl. Bast-M. 

— Chränzli-Maitli L, -Maitschi S: I.Mädchen, 
das, mit einem Kranze geschmückt und mit einer Kerze 
in der Hand, auf Prozessionen das Hochwürdige be- 
gleitet L; vgL Esterm., Rick. 46, ferner Chränzli- 
Jungfrau Bd I 1249. — 2. Chorsängerin, sofern sie 
nach der in einigen Dörfern herrschenden Sitte einen 
Blumenkranz im Haare trug S. — Laube'-Maitli: 
alte Jungfer mit Genossenrecht (Anteil am sogen. 
,Bürgernutzen'), die sich auf ein bescheidenes Wohn- 
stübchen (s. Lauben Ibf Bd III 963) zurückgezogen 
hat Uw (vgl Uw Gem. 182; Ztschr. f. schwz. R. X 81); 
Zg. — Libet-: von Leinwandfabrikanten, z. B. als 
, Wiflerinnen' [zum Vernähen], angestellte Arbeiterin G. 

— Läli-Maitschi: Schelte auf ein gedankenloses, 
einfaltiges Mädchen, das seinen Vorteil nicht zu wahren, 
sich nicht zu helfen weiss Aa; B. ,Für zu Etwas zu 
kommen, müsse man ein so dummes L. nicht sein 
wie das.* Gotth. — L6r-Maitli Aa; VO; G; Z 
-Maitschi B = Ler-Chind 2 (Bd III 347). ,Discipula, 
leer-meitle, -töchterle.* Fris.; Mal. - Lasch i- 
Maitli: Schelteauf ein dummes, leichtsinniges, nichts- 
nutziges Ding B. Jiz däichit umme*, list das L. da 
so nütnutzige* Zug am ne* heiige* Swnnde* [Sonntag], 
anstatt öppe* d's Testament oder d's G^sangbuech z* 
n€". MWalden. So geit 's Ei**^m; da cha** tne" Hung 
si*, bis me» bal*^ alli Vieri von im streckt; de** muess 
so-n-es Jungs L. [als Dienstmädchen] zueche*. ebd. — 
Maie°-: (geschmückte) Begleiterin (die Schwester 
oder die Zukünftige) der ledigen Älplerbcamten an 
der Äiplerkirchweih Obw; Syn. ChiUäiwth- Maitli. — 
Meister- = M.-Jun^/'ratt (s. Bdl 1'249) L. — Nidle-- 
Maitja: Name der Teilnehmerinnen an der sogen. 
Schueler-Nidlen, einem Kinderfest GRD.Unterschnitt; 
Syn. Schlitten- Maitja; vgl. Bühler I 373. — Buebe»- 
Maitli Z, -Maitschi W= Gägi-Maitli. — Erdbßri- 
Maitschi: Mädchen, das Erdbeeren sammelt und 
nachher feil bietet B; S. 

Berner-: 1. Bernermädchen L; Z. B, kamen bis 
in die 30er und 40er Jahre an den ZSee aus dem 
BO., um den Winter über zu spinnen ZErl. Wer um 
den Mund Pusteln oder Blasen bekommt, von Dem 
sagt man: Er hed ime* B. e* Schmutz [Kuss] *gi^ L. 



81 



Mad, med, mid, mod, mud 



82 



Hellt sich der Abendhimmel auf, so heisst es: 's B, 
lüpft de* Boek, es gi^d guet Wetter, — 2. gemein, es 
B. a* der Nase ha*, eine Rotznase L; S. 

Das B. in der Wetterprognose bedeutet den westlichen 
Himmel. 2 hat die herunter bangenden Zöpfe der Berner 
Mädchen von vormals vor Augen. 

6ä8i-Mait(e)li: junge Base SchwE. Liebs B.! 
MLiBMEKT 1891, 239. — B«ttel-Mätel: Bettelmäd- 
chen ApH., M. — Bötter- = B^hör-MaüU ApStein. — 
Pläri-Maitschi: Schelte auf ein Mädchen, das oft 
und stark weint BSchw. — Strau-Blatz-Maitli: 
Mädchen, das mit Strohmatten hausiert Z; s. MUsteri 
1 206. — Bruech-Maitschi: Jungfrau, ,dio den 
Gürtel trägt* S. Mit Freude» zu de» Tänzele», mit 
Trure» widerwn hetr, — so got 's i» mängem Br,, nit 
nummen i» mir alki». a. Volkslied. — ,Brueder- 
Meitlin: mendicantes:' Mal. Sjn. Bettel- Mdtel, — 
Brief.Maitli==Po«t-C%tn(i.2 (Bdm 347) Zf. Vgl. 
DUess 1818, 513. — Rad-: Mädchen, das, vor Ein- 
führung des Dampfbetriebs, in Seiden Zwirnereien das 
Schwungrad der Maschine zu treiben hatte. XVII. his 
Anf. XVni., ZStdt. - RoUi-: Schelte auf ein un- 
bändiges Mädchen Schw. — Bast-: erwachsene Toch- 
ter, die einen Teil des Verdienstes (den ,Ba8t*) den 
Eltern für Kost und Wohnung abzuliefern hat, im 
Obrigen selbständig ist Zf. ,Die Tischgänger und 
Tischgängerinnen, auch Rastmeitli.* Z Instruktion 1769. 

— Sudel- Z, Sudel' B: Dienstmagd, welche die ge- 
ringsten Arbeiten zu Terrichton hat B; Z. — Sand- 
Maitschi: Mädchen, das mit Scheuersand (aus Tuff- 
stein) hausiert B. , Ehedem ward das Besenmannli, 
das Eierfraueli, das Tuft- oder Sandmeitschi usw. so 
gleichsam zur Familie gerechnet* Gotth. — Singer-: 
Mädchen des Dorfes, die regelmässig zur Pflege des 
Gesangs zskommen LKriens. — Schuel-Maitli Bs; 
B; Ndw, -Maitschi B, -Mdtel, -Mädli A?, Sehucdar- 
Mai^a» GrD.: Mädchen im schulpflichtigen Alter; 
Syn. Schueler-Grütt (s. Bd II 829), -Chind. — Tanz- 
Schenker-Maitli: Mädchen, das von den , Tanz- 
schenkern' als Auf Wärterin an den Tanzfesten gedungen 
wird ScHwE. — Schappel-: \92i,hTsch, = Bosenkranz- 
Jungfrau (s. Bd I 1249). Im L Heiligenspiel von 1549 
tritt ein ,Sch:* auf. Vgl. Tsckappd-Chnab Bd III 713. 

— G*schir'-: Abwaschmädchen, bes. in einer Wirts- 
küche L; Sjn, Abwasch' Maitli. — Schützlig-: hoch- 
aufgeschossenes, junges Mädchen, zugleich mit dem 
Nbbegr. von Schutz-Gatter 3 (s. Bd II 498) BsL.; S. — 
Schlaf- = Schlaf gä/ngervn (s. Bd II 360) B. ,Sie hatte 
sich gewohnt, ihre Schi, als Leute aus der untersten 
und Terkommensten Klasse zu behandeln.' MWalden. 

— Schlitte'^-Maitja": Teilnehmerin an einer Schlit- 
tenfahrt GRPr.; spec. an der unter Schueler-Nidlen 
genannten Festlichkeit, mit welcher auch eine gemein- 
same Schlittenfahrt verbunden ist GrD. Oberschnitt. 

— Schnuder-Mädli: verächtlich, kleines, nase- 
weises Mädchen Ap. Vgl. Schn.'Bueb. — Schnitter- 
Mai tschi: Schnitterin B; s. N. schwz. ünterhaltungs- 
blatt 1852, 349. — Schratten - Maitli : nach der 
einen Sage eine Jungfrau, die vom Teufel zur Strafe 
für ihren Hochmut und ihre Grausamkeit in die Höhle 
unter dem Scheibengütsch an der Schrattenfluh ge- 
bannt wurde; nach der andern Sage ein geheimniss- 
volles, zauberkundiges Wesen, das im Bunde mit dem 
Satan den h. Justus an der Predigt des christlichen 
Glaubens hindern wollte und diese Tat dann mit grossen 

Schweiz. Idiotikon. lY. 



Qualen büssen musste LE. ; vgl. Lüt, Sagen 58/9. •— 
Schwenk-Maitschi: Mädchen, das in Wirtschaften 
die Gläser zu spülen hat; Abwaschmädchen B. — 
Stube»-Maitli, -Maitschi: l, = Cheüer-MaitU B. 
.Lisabethli, welches heute in der Pinte seine Base als 
Stubenmeitschi vertritt.' Ntdegokr 1890. Bei Gotth. 
verhochdeutscht : ,Die Kellnerin oder das Stubenmäd- 
chen, wie wir im Berngebiet sagen.' ,Als sie am Wein 
sassen und die Stubenmagd fragte, ob sie noch £tw. 
zu essen bringen solle.* ebd. Vgl. St.- Knecht. — 2. St- 
Maitli, Stuben-, Zimmermagd Z. Gegs. Chuchi-M. — 
Stubeti-Maitli = Chüterin (s. Bd HI 245/6) GSa. 
Am Abend des Mai-Hereinläutens wird unbeliebten 
,St.-Maitlinen' etwa ein Strohmann oder ein ,Narren- 
ast' vors Fenster gehängt ; vgl. Maien 1 und Alpenp. 
II 204. — I'stands-: Dienstmädchen, das die eigent- 
liche Magd, z. B. während deren Erkrankung, vertritt 
B. ,Nun kamen [für die Magd] auch Krankheiten 
und Schwächen; hier musste sie ein Einstandsmeitli 
bezahlen, dort den Dienst verlassen.' N. B Kai. 1843 
(Gotth.). ,Eine Einstandsmagd, die kochen kann und 
den Hausdienst kennt.' B Intelligenzbl. 1880. — Tä- 
feli-Maiteli: Mädchen, das am ,St Johannesmahl' 
(zu Weihnachten) die kirchlichen Gremälde in der 
Kirche herumzutragen hat; s. Ap Geschichten 71. — 
Verding-Maitschi:alsFerdin^.C^tn(2(s.BdIII849) 
untergebrachtes Mädchen B. 's Betli isch es arms V. 
g'si»; hed kei» Vatter und kei» Muster me g'ha» t**** 
isch vo» «••m Ort zum andere» cho», wo s' es am Wölfel' 
ste» g'ha» hend, AzGilqkn 18^7. ,Das wäre mir ein 
lustig Dabeisein, wenn jeder Taunerbub und jedes 
V. schreiben sollte.' Gotth. — T isch -Mai tlisCTiofft- 
Maitli Z. Viele T., die sich meistens mit Spinnen und 
Weben ernährten, wurden 1690 von der Dor^emeinde 
Horgen weggewiesen. Strickl. — I"e-träger-: Mäd- 
chen, welches den Täufling in die Kirche trägt ZNer., 
Rüml. — TroUi-Maitschi = (?(Msey^3fatt2i Zq. — 
Tschuto-Maitji: mitleidig-verächtlich, armes, hilf- 
loses Mädchen, z. B. von einem Waisenkind W. — 
Chile h-wt«»» Chübi'Maitli (in Gr ObS. 'Maüja): 
Kirchweihtänzerin Gr; spec. = itfaien- Jfaitschi L. Die 
Kirchweihmädchen werden 'von den Jungburschen ge- 
wählt und der sog. ,Kirchweihvorsteher' hat das Becht, 
zuerst die Wahl zu treffen Gr ObS. ; vgl. Jäklin 1878, 7 ; 
Bühler IV 39. D'r Fänderi^ hed 's Anne»marili scho» 
lang vorane» als Ch, angaschiert fha» und 's iezt [an 
der Sennenkirch weih] kei» Augenblick ab dW Hand 
g'la» L (Schwzd.). — Wuche"*-: Mädchen, das nur 
ein oder einige Mal in der Woche die Besorgung der 
Hausgeschäfte im Tag- oder Stundenlohn übernimmt B; 
Syn. Spetterin, — Wäldler-: Schwarzwälderin Aa; Z. 
Als Euphem. (viell. für , Wetter') in einem Schwur: 
I«* wett, das* der Bonner und 's W. dri» schlüeg. Hüw. 
Bad. Kal. 1851. — Wümraer-: Winzerin Z. Syn. 
Wimmerin. , Während dem Wümmet war es so warm, 
dass die W. ohne Schuh und Strumpf barfuss ge- 
wümmet, welches meiner Lebtag nicht gesehen.* ZZoll. 
Herbstrodel 1727. — Win- = GheUer-Maitli. Pris.; 
Mal.; s. Cheüerin Bd ÜI 205. — Wörch-: 1. Dienst- 
magd, die zu Feldarbeiten verwendet wird S; vgl. 
Joach. 1885, 71. — 2. Taglöhnerin bei einem Bauern 
ScHSchl. — Wasser-. DHess 1818, 513 erwähnt unter 
den Personen, welche von den Badegästen Trinkgelder 
erwarten, die ,W.-Magd' (neben dem ,Bad Wäscher'). 
— Abwasch- = Geschirr- Maitli Z. — Zimpfer- 



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Mad, med, mid, mod, mad 



84 



Mai t seh i: Schelte auf ein zimpferliches Ding B. 
,Wie ein Z. auf Eiern geht.* Gotth. — Zaupf-: ver- 
ächtlich, schwächliches Mädchen Zo; Sjn. Zaupf, — 
Zotter-Maitli: Schelte auf ein Mädchen mit zer- 
rissenen Kleidern und aufgelösten Haaren UwE. 

maitele" S, maitschene"* B: sich zu den Mäd- 
chen, halten, ihnen nachstreichen. Er geb a\ er mach 
G'stihäfti, um hesser m. und e Frau suechei* z" chönne*. 
Schild. 

Maitscheler m.:. verächtlich. Junge, der sich zu 
den Atädchen. hält B; Syn. MaitschirFötzler (s. 6d I 
1150), 'Ouggd, 

Maiide^ f.: Schelte auf ein gleichgültiges, un- 
ordentliches Weib SoHW. D' Annei' Katri, die alt M, 
MLiehert. MoMdelin,: kurzes, dickes, unordentliches 
Mädchen BM. 

Die Grappe scheiut im Ablaatsverh&ltQiss zn stehen mit 
der Gruppe müd^, mUd- (Grondbed. 4fedrflckt, verborgen*, in 
phys. und mor. Beziehung?); vgl. ,maudern* bei Gr. WB. 

maude'': heimlich essen BumAarb. 

Mau der Aa; L (neben -äu-); S, sonst Mäuder, 
bzw. Moder — m., Dim. Mauderli Aa: 1. B,) = Chäuder 
(s. Bd m 148) Aa; ,B;« VO; Gl; Gr; G; Sch; S; 
Th; Z; Sjn. aucli JBufren. ,An der sonnen zücht die 
katz den augsternen zuesammen ; sölichs tuend voraus 
die mäuder.* Tikrq. 1563. Spec. Kater in der Brunst- 
zeit LSctap. — b) schwarze Katze Sch (Kirchh.). — 
2. flbcrtr. auf Menschen, a) fette, dicke Person GA. 

— b) auch Chole^'M^, Person mit dunkler Hautfarbe 
Sch (Kirchh.). — c) Wohllüstling, Mädchenjäger „B;" 
VC; „Gl; Sch; S;" Th. Mehr scherzh. von ledigen 
Burschen übh. Schw. — d) „Schwächling 3; VO; 
Gl; Sch.- 

Betr. die Etymologie vgl. Anm. zu chaderen I (Bd HI 153). 
Die Form Moder (bes. GRh.) entspricht der Nbf. Choder zu 
Chäuder. Vgl. auch Mauger. Hieher viell. auch der Familien- 
name Mauderli SStüssl. 

Ohuchi-: Spottname auf Jmd, der vor dem Essen 
in die Küche schleicht, um zu sehen, was es gibt L; 
Syn. Ch.-Schmecker. 

maudore^, mäudere**: 1. a) mürrisch sein (,wie 
ein alter Kater*) GA.; Sjn. chäuderen, ,Maudercn, 
traurig sein, moerere, tristare.* Ked. 1662. ,Maudercn, 
mu88are.*DEHZL.1716. — b) schwach regnen ZoWalchw. 

— 2. der Wohllust nachjagen, Wohllust treiben L; „Z." 
,N. N., wil er mit einer motzen gemäudert und morn- 
dess mit den h. Sakramenten umgangen, soll er ein- 
getürmt wenden.* 1550, L Urteilsspruch. — 3. rasch 
und geschickt Etwas entwenden L. 

mauderig: 1. vom Wetter, trübe, ohne dass es 
gerade regnet L; Zg; Sjn. müderig, maugel, mass- 
leidig (Bd III 1084). — 2. von Personen, in sich ge- 
kehrt, niedergeschlagen, ebd. 

Maudi (in Aa tw.; BoSi. Mäudi) m. (It einer An- 
gabe in B auch n.): 1. &) = Mauder 1 Aa; B; VC; 
„Gl;** Sch; S. Üse* M,, we^^-me^'ne* t* Stil Memmt, 
madU nit es settigs O'sidht BStdt (Schwzd.). ,Im Hause 
lebte eine schöne, schwarze Katze, ein gewaltiger M.* 
GoTTH. Ein** a^schnüz^ (^schnauze*) wie-ri-e* taube^ 
M., anfahren wie ein zorniger Kater B; vgl. MWalden 
1884, 128. Etwas misstrauisch und missvergnügt an- 
blicken wie der Bless [Hund] de* M. L. — b) Männ- 
chen von Tieren übh. B oSi. — 2. übertr. auf Menschen. 



K) = Mauder2aBSidt — b) einfältiger, auch: hastiger 
Mensch BE. Kleiner, armer Mann B oSi. ~'^c) mür- 
rischer, unzugänglicher Mensch B. Du Chetzers M.! 
Anrede an eine spröde Geliebte. Guckkasten 1843. 

Betr. die Form vgl. bes. noch die Synn. Mauai, ßaudi. 
Das Neutr. wohl nach dem syn. Bü«i, das z. B. bei Joach. 
18SI, 104 mit Maudi wechselt 

Fröss-: Schelte auf einen Vielesser B. 

C h 1 e '' - : kohlschwarzer Kater B ; vgl. Mauder 2 b, 
Vo* dem PiUvere* [Verpuffen von Pulver] het Mänger 
wie ne Ch. drf« g'seh, B Hist. Kai. 1890. 

Suppe"-: spöttisch von Einem, der viel Suppe 
isst B. 

mäadig: steigerndes Adv., euphem. für mein-^idig 
(s. Bd I 93) Z. M. gross, z. B. von einem Stück Brot. 

Medäli f. Ndw, n. Z., Dim. „Medajeli, McidajeU, 
Med^di'' : Medaille Nnw; Medaillon Z. , Halsge- 
hänge Gr." 

Aus dem frz. midaille, bzw. ans dem r&torom. medaja, 
welche Form wir auch bei Kessl. troffen. Vgl. auch Schm.- 
Fr. I 1570, ,Medeie* bei Gr. WB. 

Medardas M^der II, bzw. MJtder (in ZO. auch 
M^deriJ, häufig Dim. M^derli Ap; Bs; Sch; U; Zc 
Name des Kalenderheiligen, bzw. seines Gedenktages 
(8. Juni; auch Mäderlis-Tag Ap; Bs; B; Z), der als 
einer der wichtigsten Loostage, bes. für die Heuernte 
gilt. Wie der Mäder ist, so wird der Heuet, ist am 
M. en Eege^schutz, so gif't 's en Juckheuet Z; vgl 
Bd II 1821. Wenn es nämlich an diesem Tage regnet, 
so soll es 21, 40 Tage, 4, 7 Wochen regnen Bs; L; 
Sch; Z; vgl. vMoos 1775, 144/5. Der.Mäderli bnngt 
kei Bikhi mer derher, wo-n-em Rfbstock g^förli"^ war 
ScH (Sulger); vgl. Wander, Sprww. 

Die Form Mäder hat sich in der Aussprache völlig an 
Mäder, M&hder, angelehnt, ein Vorgaug, der erleichtert wurde 
durch die Beziehungen, die der Kalenderheilige nach dem 
Yolksglanbon zur Heuernte hat ; doch ist der Vorgang viell. 
der umgekehrte, dass man n&nilich dem Heiligen, verleitet 
durch den Gleichklsng der Worte, diese Beziehungen erst 
andichtete; vgl. Boni/azi : Bon. Hieher gehört wohl auch 
der QeBchlechtsnamo Mäder Aa (,Roni Seiler, genannt Meder.* 
1658, AaWett Klosterarch.): Sch; Th, während der Knb- 
name Mäder (s. Alpina I 138) wohl eher zn Mäder I, M&hder 
(eig. wohl: Kuh, die im Grase tüchtig aafr&nmt, wie ein 
Mahder) gehört. 

mediati GsPr., mediart Ndw: 1. ohne Säumen, 
sofort GaPr. — 2. heinahe Ndw. Mediart wärist 
g* fallet, — Aus frz. imtnfdiat in Bed. 1. Die Bedd. ver- 
mitteln sich durch den Zwibchenbegriff «unmittelbar darauf.* 

Medizin f.: Arznei, allg» Syn. Dökter-Busti^g, Es 
ist mV wi M., es ekelt mich an Aa. 

Medizinierete" f.: Coli., eine Menge von Arznei- 
flaschen, Flaschen ühh. GRMai. Syn. Oütterleten. 

Medon S, Medöri Uw: Name von Hunden. 
Wahrsch. aus frz. mfdor, Liebhaber (vgl. den Namen Ami 
fnr Hunde). Medon ist ?iell. nur fehlerhaft fOr Medor. 

Meidel m. = Midel-Fisch (s. Bd I 1102). Bodenseb. 
Das Selbe sind wohl die ,mftdling* (, Allweg 2 m. = 1 yser 
Zellen'). 1582, ZEgl. Urbar; s. Wild 1888, 213. 

„Meide"", im Aa (It Rochh.) Meider m.: Zucht- 
hengst „LG." 

Mhd. (und in unserer Lit. des XIV./XV.) meidem, m&nn- 
liches Pferd, Wallach. Das W. wurde latinisiert: Medius 
eqnus; vgl. Rochh. 1887, 108. 



85 



Mad, med, mid, mod, mud 



86 



MideB, nur in der Inteij.: Potz 3f./ WLo. — 
Wahrach. eaphem. fttr Liden; vgl. Bd III 1089. 

mlde", Ptc. Perf. fmüte* Bs (Spreng), g'midet P: 
wie nhd. meiden, doch wenig volkstümlich. Verlassen 
S. IHe Magdy wo unter dW ZU het müeas^ d*r Platz 
fw., U8 b'sundere* Chründe^, wie d' IM säge*. Joagh. 

ab-: Termeiden. ,Dass die Ansführnng als Zeit 
verzehrend so weit möglich abgemitten werde.* SMd- 
TACH 1709. Aach sonst in B Mandaten des XYIIL — 
Viell. ngs. nach Analogie der synn. ab-ßiehen, -wiehen. 

ver-: vermeiden, unterlassen, allg. Es isch^ver- 
mitte* 'blibe* Bs (Spreng). Er het 's vermitte* ^lo*, 
hat es unterlassen zu tun AALeer. «[Unterhandeln] 
nachdem und si besser dunket getan denn vermitten.* 
1415, Sbg., RG. und ähnlich formelhaft häufig, bes. 
im XV. ,Alle geferde, untrüwe und argelist harinn 
ganzlich vermitten.* 1475, Bs Chr. 

Bas Pto. Perf. ,¥ermitten', auch sonst in unserer ft. Lit. 
h&ofif, ist die nrspr. lantgesetiliche Form; vgl. g'litten, 
^achnitten. 

unverraidenlich: unvermeidlich. ,Wie es die 
Notdurft und schwere Zeiten u. erforderend.* Z Mand. 
1650. 

M5'del B., in Ap; Bs; G; Th m. — PI. mit üml. Ap, 
sonst unver. •— Dim. Möddi: 1. im Allg. wie nhd., 
Form, Muster, Modell, concr. und abstr. allg. Spec. 
a) die Form, in welche man Trester-Chäsli (s, Bd III 
509) presst roTn. -^ b) Form zu Backwerken, z. B. 
Gufere*', ChüecfUi-, Chrone^-, Böse*-, Turte^-Model Bs; 
Th; Z; vgl. Model'Chüeekli Bd IH 138; Gofferen Bd U 
131. — c) vom Gussmodell hergenommen wird die BA. 
sein: Wi us-eme* Möddi use*, blank, wie gegossen 
Aa; Z. — d) ,£inen 2h" langen M., fOr Hauben zu 
röhrlen.' ApHer. Avisbl. — e) hölzerner Klotz, auf 
dessen glatter Flache eine Zeichnung eingegraben 
oder aus Blech eingesetzt ist, zum Bedrucken von 
Zeugen gebraucht Gl; Z; von den Stickem ange- 
wendet, um die Vorzeichnung für ihre Arbeit zu er- 
halten Ap (auch Stick-M.). S. noch Göller Bd II 218. 
-— f ) Vorlage für Brodier-, Häkel- und Strickarbeiten ; 
auch die Zeichnung selber, welche durch diese Ar- 
beiten ' entsteht Ap; VO; Z. Beim Stricken unter- 
scheidet man ein Chrebs-, Müggli-, Badint-, Bändeii', 
Pfaue*', EreisehütS', Weste^-Mödeli als sog. Typen- 
muster, beim Häkeln ein Bose^-Mödeü u. A.; vgL 
lismen. — g) übertr. bes. in BAA. betr. Ähnlichkeit 
der Kinder mit ihren Eltern Aa; Ap; Bs; VO; G; 
Th; Z. 's (de^J M. vom Vater (vo* der Mueter) ha% 
dessen Ebenbild sein; syn. siti wie ab-em abt^g^schmtU^. 
Me* kennt in am M, (a^J, an der Familienähnlichkeit 
Si sind wie us ei**m M, use*, händ 's gtieh M., sind 
sieh nach Aussehen, Kleidung ganz gleich, vom glei- 
chen Schlag. ,[£r] pfiff nach meinem M.' UBrIgoer. 
Von Kindern mit regelmässigem Körperbau, von 
schöner Gestalt sagt man : Das ist ei**s wie-n-es Mo- 
deU ZO. ,XJnd was einerlei mass und einerlei m. bei- 
der Cherubim.* 1531/48, I.Köm.; dafür: ,Form.' 1882. 
,Zue einem vorbild und madel.' Kessl. ,£s sollen alle 
fiseher die jser über den m., so jeder vor seiner 
Obrigkeit gegeben, stricken, auch die reuschen ob- 
angeregten m. gemess und in der selben weite gemacht 
werden.* 1598, JVkttir; vgl Iser^Oam Bd 11 420. 
»Sonst gehören All in eben gleichen Rodel berufner 
Zauberei, die nach der selben M. Böses treiben ab 



mit Bösem widerum.* BGwirb 1646. ,Ein Mägd tragt 
ein Kind auf dem Arm, das hast du suvor nie ge^ 
sehen ; gleichwol weil es Dem, Disem gleichet, zweiflist 
du nit, es sei sein und kennst das M.* FWtss 1650. 
,Das Ziegelmodel.' 1653, Z Anz. ,Nacb dem vollkomm- 
nesten M., der ersten Begul und Richtschnur des 
Worts Gottes gebesseret.' JHHott. 1666. ,Spitzlin und 
Mödelin uf ein Brittlin gewunden.' XVU., L. »Das 
M. eines neuwen Rathauses.* 1694, Z Ratsb. ,Man 
weisst wol, dass keine Zwei zusammenkommen, die 
überall in ein M. seien gegossen.' JMever 1694. — 
2. Bildchen GRh. Einem Kinde en M. gi*. Bjn. lU 
Bd 1 179. 

Mhd. wtodd ■., m., aas lat ntodultu wie Bodd aas rottdut. 
Das Masc. aach Bs Taxordn. 1646: «Für ein fleissiger M.* 
nnd JLCys. 1661: ,In ein schOnern M. gegossen.* Der Uml. 
aach SchStadtb. (AI. VI 277); JBLandenb. 1608. 

Fisch -Mödelin. ,1 F. zum Pacht [Gebäck, 
Backen].* 1627, TnBürglen Inv. — Hose'-Model, 
auch 'Modli G: scherzh. Benennung eines Knaben, 
der die ersten Hosen trägt Ap; G. Sjn. Hosunggeier 
Bd II 1698. — Chugle'-r Form zum Kugelgiessen. 
Ein solches musste jeder Scharfschütz (sammt Cheüe^ 
und BleiJ mit sich führen Zf. — Cherze*^-: Form, 
um Kerzen zu giessen. Z Inv. 1600/1815; 1659, SchwE. 
Klosterarch. Dergleichen, aus Glas verfertigt und 
reihenweise in einem Gestelle hängend, finden sich 
noch beutzutage auf dem Lande in bessern Privat- 
häusern des Kts Z. — Liechter-s dem Vor. ^Ein L., 
so wenig nutz.' 1627, Inv. TnBürglen. — Strich-: 
Werkzeug der Tischler und Zimmerleute, bestehend 
aus einer Holzleiste mit scharfen Eisenspitzen, mit 
denen Linien ins Holz (bes. Bretter) eingeritzt (»ge- 
strichen*) werden B; Z; Syn. Sirieh-Mess. — Tirg- 
geli-: hölzerne Form, in der die Bilder und Sprüche 
der Tirggdi eingegraben sind Z. Es Gesicht ha* wie- 
n-es T., von einem Pockennarbigen ZZoll., auch Spitz- 
name eines Solchen. 

modle'I: 1. wie nhd. allg. Ein bestimmtes Dessin 
ins Tuch weben oder in einen Strumpf stricken Ndw. 
Weidli^ modlet 's a* de* Buggett [Blumenstrauss] 
umme*, ^ass me* in tröstlige* Versli gttet g'seht S 
(Hausfrd). ,Der, der mich in mueterleib gemodlet und 
gestaltet* 1531/48, Hiob; dafür ,gebildet.* 1882. — 
2. langsam kauen (gleichs. als wollte man die Speisen 
im Munde formen?) Z; Syn. dhautschen; s. Bd III 578. 

g'modlet: 1. verziert, durch Brodier- oder Häkel- 
arbeit oder durch eine aufgedruckte Zeichnung; bos- 
siert VO; Gr; Z. G'modlets Zug, z.B. Baumwollstoff. 
G'modleti Tischtüechli, SchwMuo. ,Gemodlet und ge- 
blümt-seidene Kleidungen.* Z Mand. 1744. S. noch 
Schwzd. XIX 26. — 2,=g'förmt (s. Bd I 1016), bes. 
von Vieh, doch auch Menschen Ai; S; Z. E g'modleti 
Chue, Es guet g'modlets Maitschi AaF. ,Da8 seien 
einmal schöne Tiere, gut gemodelt und füllten sich 
brav; allen Zeichen nach müssten es von den besten 
Milchkühen sein weit und breit.* AHirth. 1855. —^ 
Unmittelbar abgeleitet von dem Sabst, wie g'ßtrmt von Form. 

modele* I, It St auch modelet: 1. Dim. zu modU^, 
Etwas zierlich ausarbeiten (daher auch zsgs, us-m,); 
allerlei kleine Handarbeiten (drechseln, schnitzen) zu 
verrichten, Allerlei mit Kunst und Sorgfalt zurecht 
zu machen wissen B; VC; „S"; Syn. häseheien. — 
2. genau ausmessen, einteilen B. ^Sie dachten nicht 



87 



Mad, med, raid, nod, niid 



88 



daran, d' Sach in ein Mass za bringen, z' mödelen.* 
GoTTH. Ei**fn öppis use^-m., Jmdm eine Speise beim 
Vorlegen genau zumessen B. 

ab-mödele": 1. mit Dat. F., karg zuteilen, genau 
abmessen beim Austeilen 6; Syn. äb-stäübdenf -teilen. 
Me' muess de^ Ghindre* d's Esse e chli a, — 2. mit 
Acc. S., Etwas beim Verteilen, Verbrauchen zu Rat 
halten B. ,Wie sie auch die Kreuzer abmodelete, hier 
konnte sie yerschwenden.* Gotth. — zue-: mit Dat. 
F., Jmdm Etwas sorgsam, sparsam zumessen B. itfe" 
muess fro s%; we"" tne^ numme^ g'nuef uberchunnt; 
m»* sott meinef^, si hätte* 's ere" Jedere^ [einer Jeden] 
apparti zueg'mödelet. Schwzd. ,Bei grossen Anlässen, 
bei Waschen konnte ihm [dem Dienstmädchen] sein 
Meister das Brönz am wenigsten nachrechnen oder zu- 
mödelen.* Gotth. ,Eine Flasche vom besseren, aus wel- 
cher der Alte den Jungen die Tropfen zumödelet.' ebd. 

Mödeler m.: sorgfaltiger (gleichsam nach einem 
,Model* arbeitender), aber langsamer Arbeiter B; S. 
D' Pfuscher esse*" '« Brot und d* Mödeler llde* Not, 

g'mödelet: 1. zierlich geordnet, eingerichtet B; S. 
Alles g'möddet und Höggdet ha* weüe*; Syn. 'huschelet 
und g*ördelet. Schön g'mödeleti Oärte*. Hopst. — 
2. mit Figuren bedruckt, fa^onniert, von Stoffen L ; Z. 
S. Kammerein Bd III 255/6. — 1 Ptc. Perf. von mödelen, 
2 Abi. YOD Modelt. 

yer-nodele": vermodern L (St.*»). — Zu nhd. ,Moder.' 

modere**: glimmen, langsam brennen L (Incichen); 

W (ImObersteg); Zg (St.»»). Das [feuchte oder faule] 

Hole moderet nur, — Ygl. das Folg. Doch ist anch Zshang 

mit ,motteii* zn erwftgen. 

modle" II: modern, schimmlig werden VO. D' 
WäsMümpe* und d* Abdröchner modli'd, we** me* s^ 
nass uf (f Slt^ dued Schw. Es modlet Alls im Cheller 
ScHwMuo. G'modlet, moderig, faulend SchwMuo. Nach 
Moder oder angebrannten Sachen riechen üwE. 

modlig: moderig, faulig, schimmlig VO. Es m-s 
Zimmer, 

Mode" f.: im Allg. wie nhd.; Art, Brauch Bs; Tb; Z. 
öppis (nid) i* der M, ha*, (nicht) zu tun pflegen Bs; 
Th ; Z. Es ist sl* M., drx* z' schlä*, wenn er Hrunke* 
hat Z. Häufig Dim. und PI., mit verächtlicher Nbbed., 
Umstände, Sonderbarkeiten, Eigenheiten Z. Das sind 
nw Modeln Möddi 7nache*, auch: mit seinem Gut 
verschwenderisch umgehen ZEls.; von Pferden: un- 
ruhig sein Z. (NeuiJ Mödeli a*fang^, sich auffällig 
machen Z. 

Moderei f.: modisches Zeug. ,Die Jugend tanzt 
leidenschaftlich, auch die kinderlehrpflichtige, und die 
Tänzer kriegen Preise, Uhren, Fleisch, Würste, M-en.* 
Anf. XIX., Bericht des Pfarrers von ZRüschlikon. 

ala-modisch: modisch, der Mode gemäss Bs; 
ScHSt. (Sulger). Häufig in der Lit. des XVI./XVUI. 
Dazu die Subst. ,Alamoderei, AUermodereiS Nach- 
äffung fremder Moden; Modesachen. JMüller 1673. 
,AlamodistS Modenarr. AElingl. 1688, 41. 

Modistin f.: Putzmacherin Ap; VO; Te; Z. 

Jange Entlehnang aus dem Frz. beweist die wenigstens 
tw. vorkommende Ausspr. mit reinem ». 

ab-mödele». Ein** von Öppis a., ihm Etwas 
abgewöhnen BG. 

Der Yoc. wird zwar als kurz bezeichnet, was uns aber 
nach den Lautverhftltnissen im Kt. B nicht abhalten kann, 
das W. eher zn Modelt als zu M^del zu stellen. 



(g') modig: modisch, bes. von der Kleidung Z. 
G'm. chö*, s%*. Gebräuchlich : Da* ist nid m. biils Th. 

alt-m.: altmodisch Th; Z. 

Nü*-Modler m.: Neuerer, anch auf politischem 
Gebiet. 1779, Bs (Syn. mit »Franzmänner*). Und ich 
meine* iez, d* Nümödler sige*d die grösst Schuld a* der 
Unor^ig im Schtcizerland. Gl Volksgespr. 1834. 

Bot- Moder: Gauchheil, anagallis. Bs Apotheker- 
tax 1701. 

M5derich B; «LS •^ Müderech ZEls., „Mutterech 
L" — m.: Haufe über und durch einander liegender 
Sachen, Durcheinander B; nLE.;" ZWl. Diehänden 
schöne* M. vo* me* Husratl Weiche Masse BR,; 
n Haufe, bes. von Speisen L. Man hat mir einen M. 
aufgestellt." Ganz Modreche* G*choch fresse*, 

£s scheint eine Mischung verschiedener StiLmme vorzu- 
liegen; Moderich mag einen Haufen gleichsam in einander 
modernder Sachen bezeichnen. Müderech und Mutterech da- 
gegen lehnen sich an Mütich, Muttich [verborgener Vorrat] au. 

M5di, Mudi n.: wegwerfende Bezeichnung der 
Mädchen im Jargon der Knaben BStdt. 

M8del m.: Schelte auf einen sehr leichtsinnigen 
Menschen Schw. — Viell. zu modle* IT wie Lödel zu 

hdele*. 

„inSdele': brausen, vom Laute des siedenden Was- 
sers F.* — Vwdt mit ,motten'; vgl. müderen, Nbt von 
mutieren. 

mflder: kränkelnd AALeer. 

G 'müder n.: Zustand der Verdriesslichkeit AaF. 

müdere", in GA. müdere*: 1. wesentlich = cWm- 
deren 1 (s. Bd III 624). a) sich in sich zsschmiegen, 
vor Frost oder Angst, besonders von Vögeln ; frösteln 
AiFri.; B; Sch; Schw; U; Z. ,Die Hühner stehen 
mudernd und frierend auf der Holzbige [Holzstoss].* 
Wanderer. ,Muderen, schauderen, horrere, tremere.* 
Red. 1662. — b) auch umme*'m,, matt, unbehaglich, 
verstimmt, ohne Arbeits- und Esslust herumsitzen oder 
-liegen, wie es bei leichterm Unwohlsein oder bei Hy- 
pochondrie der Fall ist; kränkeln Aa; Ap; Bs; 6; 
VO; Gr; G; Sch; S; Z; Syn. auch gruchsen Bd II 702, 
grüggen Bd II 729, grüpen Bd II 790, mauderen, 
müggren, hrueten. Er tuod so EUes ummer-m. GrL. 
Aus Verdruss, Zorn mit Jmdm längere Zeit nicht 
reden, ihm grollen BHa.; F; Gr; L; Zo; Syn. chd- 
deren Bd III 237. ,Turgere alicui, sich gegen einem 
bläyen oder müderen, mit einem m. oder on reden 
gon, feindschaft und neid gegen einem tragen, wider 
einen erzürnt sein.* Fris.; Mal. Langsam sein, zau- 
dern Aa (Rochh.). Auch, z. T. refi., von Tieren, bes. 
Vögeln, und übergehend in den Begriff ,sich mausern' 
Bs; B; G; Sch; S; Z. Das Hüenli wird wol welle* 
drufga*, es muderet gäng B. ,Siechen, mucken, wie 
die Vögel, wenn sie sich mausern oder den Pips haben' 
Bs (Spreng). Lt Spreng nach einem Bs Mand. von 
1715 auch eine Krankheit des Rindviehs, bei der sogar 
die Hausbewohner sich innehalten sollen; Syn. mau^ 
geren. Von Pflanzen, welche die Blätter senken und 
welken B. — c) leicht schlafen, im Halbschlaf sein, 
bes. am Morgen nach dem Erwachen noch eine Zeit 
lang behaglich im Bette bleiben Gl; G; Z; Syn. ha- 
chden; vgl. ,du8e(l)n* bei Gr. WB. — d) meist nnpera., 



89 



Mad, med, inid, mod, inii<l 



90 



anentscbieddn sein, vom Wetter bei trübem Himmel 
Aa; Ap; B; VO; Gr; G; Sch; Z; Vgl. müäkn, Müder- 
Wetter, Es G'Hcht mache*, wie wenn 's neblet und 
muderet. Stutz. Leicht regnen Aa. Es hed hütie g'mü- 
deret, aber iezt wül 's mein »** cho-g^ schone* [zu regnen 
aufhören] AaF. Von eintretendem Tauwetter BSigr. 
— e) nicht recht brennen, vom Feuer, glimmen Z; 
Syn. motten; vgl. moderen, — 2. Schall wort a) brum- 
mend sein MissTergnftgen äussern, sich beschweren, 
murren; widersprechen B; VO; Gb; Syn. chüderen 6 
Bd III 152/3. Der Bür mudered eisder über sini Chneeht 
Ndw. S. noch flismen Bd I 1212. — b) leise und un- 
deutlich sprechen Aa ; Syn. mutteren, — c) schnarchen 
Ap. — d) schnurren, von der Katze Ap; „GEh."; vgl. 
MOderli, — e) dumpf rollen, von fernem Donner VO. 
Es muderet geg-^em Pilatis üse* scho* lang; es gi^d 
es Wetter Ndw. — Vgl. Anm. zn Mauden und betr. die 
Bedeuta ngsentwicklong Anm. zu chüderen. 

i*-: refl., sich zum Schutz gegen Kälte recht dicht 
einhüllen Sch. Syn. In-mummeien. — us-: aufhören zu 
müderen, von Menschen, die ihre körperliche und gei- 
stige Frische, gutes Aussehen und gute Laune wieder 
gewinnen; von Singvögeln, die den Gesang wieder auf- 
nehmen; vom Wetter, das allmählich sich aufhellt 
Aa; Ap; Bs; B; VO; Gr; G; Sch; S; Z. Ausschlafen 
i. S. V. müderen 1 e Z. — ver-: vor Frösteln fast 
vergehen, ,ganz frostig werden* SchwE. 

Müdere" f.: Scheltw., in der Abfertigung: Stillet, 
M., (f Oeiss ist chrank, Sprww. 1869. — Wahrsch. das 
Fem. zum Folg. i. S. y. : klagende, mürrische Person. 

Müderi m.: kränkelnder, niedergeschlagener, mür- 
rischer Mensch Aa; Ap; Bs; B; VO; Gr; G; Sch; S; Z. 
Me* hätt de* Maritz mängist scho* me für ne" alte* 
M. und Wunderli chönnen a'luege** L. 

müderig, in L tw. ; G ; Z g^müderig : wesentlich 
= mauderig, 1. unwohl, kränkelnd Aa; Bs; B;G. Es 
ist mer m,, neben: I** bi* m, B. Von Vögeln in der 
Mauser oder wenn sie das Gefieder sträuben Bs; B; Z, 
von welkenden Pflanzen B. ,Etlich Springer erzeugen 
auch wol [Maulesel], die man hoch schetzt und die 
doch ganz muderecht [frostig], selten brünstig werden.' 
TiBRB. 1563. Matt, schläfrig, niedergeschlagen, in sich 
gekehrt Aa; Ap; Bs; B; VO; Gr; G; Sch; Th; Z. Wo 
feit 's, dass d* eso g'm. bist? Z. Dhn isch 's nöd recht, 
er ist tuf&<* so g'm, G. 's isch Alles m. und d' Tierli 
und d* Mönische* wie verstört, Breitenst. ,Die3 [die 
Hinrichtung Brehms] sah aus so schauderig. Alles war 
ganz mauderig.* Krapf. — 2. s mauderig 1, dünn be- 
wölkt, so dass die Sonne noch durchscheint, neblig 
um die Berge Aa; Ap; Bs; B; VO; Gl; Gr; G; Sch; 
S; Th; Z. Me* hat kei Freud zum Schaffei*, wenn 's so 
m. Wetter dtisse* isch AaFH. — 8. schimmlig. ,Wenn 
der Wein einen sauren Stich oder sonst einen m-en 
Geschmack bekommen hat.* Schweizers. 1817. 

Über die weitere Verbreitung unseres W. in al. Gegenden 
vgl. AI. III 281. In GrL. ist der Voc. (in Bed. 2) kurz. 
Die Bedd. 1 und 2 vereinigt auch tück. 8 gehört viell. nicht 
hieher; vgl. nhd. moderig und unser modUig. 

MÜderli n.^Hudill 1 (s. Bd II 1001) Z. Vgl. 
auch Nüderli, 

Herrgotte»-Ä Unser'lieben'Frauen'Oüegli (s. Bd 
11 162) G. — Wahrsch. davon benannt, dass »ich das Tier- 
chen oft lange ruhig an der selben Stelle aufhält, wo es zu 
sehlommern scheint. 



müderle** (in Ndw müderle*): Dim. von müderen, 
1. a) traurig, träge oder schläfrig herumschleichen 
Sch. — b) oft zsgs. mit us-, leicht schlummern; im 
halbwachen Zustande langsam ausschlafen, mit dem 
Nbbegr. des Wohligen, Wohltuenden, bes. von Kindern 
Ap; Gl; G; ScH; Th; Z. J** to no^ ^em Esse* gern e 
chli m. G; Z. — c) meist unpers., sich trüben, vom 
Himmel G; Z. — 2. leise seine Unzufriedenheit zn 
äussern anfangen Ndw. 

Müderli n.: 1. ein leichtes, kurzes Schläfchen Z. 
— 2. Kätzchen, bes. als Kosewort in der Kdspr. Ap. 

Mftder m. : Ziegenname GT. , Wie schaute der M. 
ihn^s noch so gescheid an mit seinen grossen Augen 
und schüttelte zum Abschied lustig die Glocke.* Hausfrd 
1881. ,Der M. mit seiner hellen Glocke geht dem Zug 
[von Ziegen und Schafen] voran.* III. Kal. J851. — 

Vgl. Mutti (Mudd), Mutti-OeUe. 

G'mider n.: Durcheinander von allerlei Abföllen, 
bes. von Brennmaterialien, z. B. in Schreinerwerk- 
stätten, im Holzschuppen, auf dem Dachboden usw. 
Ap; L; G; ZO. «Niemand soll deheinen bü [Dünger], 
kummcr, erd, stein noch ander gcmuder in der statt 
burggraben füeren.* 1417, Z Batserk. ,Uf der tili im 
gemueder [so!] liggen.* 1485, Gfd. 

Das W. gehört wahrsch. mit modlig zu einer Gruppe zu- 
sammen. Vgl. bes. die Synn. Oehüder, Qenüderf Oeackmüder, 

Chrüsch-Mtder m. : kleiner Sack für Kleie B. 
Viell. mit Müder zur gleichen Wortfamilie gehörig, deren 
Grundbed. w&re: kurz, gedrungen, gestutzt 

Miidelich m.: Dickbauch. Id. ß. - Vgl. die Anm. 
zum Tor. und Mutti. 

HBderli n. : eine Entenart, kleiner Steissfuss, pod. 
minor B; vgl. Meisner und Schinz 1815, 254. 

Wahrsch. ebf. zu den nächst vorangehenden YfVf. ge- 
hörig, den kurzen, gedrungenen Körperbau bezeichnend; vgl. 
aber auch das Syn. Tüehel, 

Mneder Ap (PI. Müeder, neben Müederer, Dim. 
MüederliJ; PAl., sonst Müeder I n.: Mieder, Schnür- 
brust Aa; Gr; PAl.; G; ScH, und zwar glattes (im 
Gegs. zum Brisi) AABb.; langes, altmodisches, das 
wie eine Weste getragen wird Ap. Das nü*' M, mit 
d'r S%dq*sehnuer und dem stlf^*, hiü>sch gamiertg,* 
Papir GRPr. (Schwzd.). Wortspielend: 's Müederli 
a*ha*, mit weitläufigen Beden langweilen Ap. ,Capi- 
tum, Brusttuch, Müder.' Denzl. 1716. S. noch GöÜer 
Bd II 218; Z Taschenb. 1883, 87. 

Mhd. muodfr, Leib, Leibchen, Mieder (auch von der 
M&nnertracht). Vgl. auch Libli Bd III 979. 

Für-: der vordere Teil eines Mieders nach altem 
Schnitt Ap. — Bris-Nestel-: Mieder, das mit Schnü- 
ren zsgezogen wird Ap. — Batze*^-: Mieder, an dessen 
Klappen und hinten über dem Rückgrat t. Silberplätt- 
eben, t. Verzierungen 'aus Silberdraht (Bösen, Schössen- 
CheUeli; vgl. Bd III 567) prangten ApH., K., M. — 
Schnabel-: Mieder, das unten spitz ausläuft Ap. — 
Ponter-Spange'-: Mieder, das mit einem Sammt- 
band geschlossen wird Ap. — Uochzits-. ,Ich lass 
die Schneiderin kommen, damit sie mein rotes H. und 
den Spenz [Jacke] dem Mädchen auf den Leib passt' 
Joachim 1892. 

nfied: 1. wie nhd. müde. allg. Mach di^ nit z' m. 
— 's isch ja mom o** no^^ e Tag! Zuruf an Arbeitende. 
MWalden. ,MHHn sind m. zu sitzen [an der Dispu- 



91 



Mad, med, inid, mod, mad 



92 



tation].* ZwiNOLi. Gesteigert kundwerde*- Th, tod-erde^- 
Z, hund8'(tod'J Aa; Gr; G; Z, z' Bode» m. B. Obertr. 
a) eaphem.» betrunken Bs (Spreng). — b) „ stampf, 
von Schneidwerkzeugen LG." — c) Milch w. machen y 
durch Bühren im Butterfass zum Buttern bringen; 
sog. »ganze Milch* in einer Flasche schütteln, damit 
sie als Getränk für Kranke diene W. Von Butter, 
die z. B. beim Kuchenbacken zu lange gekocht hat 
Aa ; S. MW miUsse^ no^ einlach Anke* übertuen [über 
das Feuer setzen], der iseh m., d* ChüeMi wei* nümme^ 
recht ufgo*. Joacu. 1881. — • 2. «ermüdend' geschwätzig; 
lästig, von Personen und Sachen Ap; YO; Gl; G; Th; 
Z. Bis mer nüd m.! Abweisung G. Der Appenzeller 
erwidert auf eine Neckerei: Bis nöd so m.! Jmd, der 
noch eine Frage anbringen möchte, entschuldigt sich: 
Er [ihr] werdend ahn denke!*, i'* sig e* m-tr Ma**. 
Alpenbott 1808. Einen Zudringlichen schilt man: Du 
m-e Gast (8. Bd II 484), Joggeli Ap, Christ (s. Bd 
m 867), du m-i Oret 6, JJenne* (s. Bd n 1312). Sei! 
Wenn d' [du] 5!?6 probierst, du m-s G*schöpf, so 
chunnst denn sieher um di* Zopf! EFbukbr. ,Aber so 
man den müeden tant lang b'sicht, so sind es nüt an- 
ders dann arbeit der müessigen wortkempfen.* Zwinoli. 
,Das8 die Burgerstädte sich des landflüchtigen Abtes 
nicht annehmen und um die Freundschaft Zürichs 
mehr geben würden als um die m-en Umtriebe jenes 
Mannes.' 1530, Absch. ,0, nun schwyg, du m-er mann !* 
JBiMDKR 1585. ,Sie freuen sich, dass sie der m-en 
bürde abkommen sind.* LLay. 1587. Auch bei Mal. 
(s. Gr. WB. VI 2617); HsRMan. 1548 (s. Baecht. 355). 
Adv., in der Verbindung miat e* vü, pur troppo PAl. 
(Giordani). — 3. arm(selig), unglücklich, bedauerns- 
wert PAl. Miat^ Gast, Tising ! povero diavolo, miati 
Zonn, poveretta! Giordani. ,Ich meint, er [1. es] war 
niemand müeder dann allein wir armen lantsknecht.' 
HsRMan. 1548. — Mhd. müede in den Bedd. 1 und 8. 

wSrch-: müde vom Arbeiten B. 

G'müed n.: ermüdendes Bitten, Drängen VO; G; 
Z. Es G'm, ha*", Blös-mer Äsch$*! hast all ^ G'm,! 
GRh. Sjn. Müedi' Wesen, -Zug, 

müede": 1. „ausruhen G." — 2. intr., durch Ge- 
schwätz, bes. aber durch anhaltendes Zureden, unab- 
lässige, zudringliche Bitten beschwerlich fallen Aa; 
Xf; VO; Gr; G; Sch; Th; Z; Syn. gresten (s. Bd II 
819/20), nöten. Er hed alliwil z* m., bringt immer 
das Gleiche vor Ap. Hast du dlletril e* Müede*! zu 
einem lästigen Bittsteller Th. Was dir min Bart 
doi^ if* schaffe giH! Er schiniert dt** nüt und doch 
tuest all droh m. EFeurer. Bald müedest, haldgiH's 
süs [sonst] en Ghib. ebd. Alli Brei heind nid gehört 
m. und heind dem alte* Ma^* hei* Rueb g'lan Gr 
(Schwzd.). , Einmal Hess Nikiaus nicht nach mit M., 
bis Babeli und die Schwester ihm ins Schilf folgten.* 
III. Kal. 1851 (GT.). Müed-mer nüd! Abweisung G. 
Mer wend höre* m., wollen nicht mehr unnötige Worte 
darüber verlieren G, auch scherzh. mit dem syn. Zu- 
satz: und anfange!* räzge* Ap; GBern. An Ei**m um 
Öppis (Nahes) umme* m., ihm unaufhörlich mit Bitten 
anliegen Ap; VO; G; Sch; Z. Schelten ApHer.; vgl. 
us-m. — 3. sich abmühen. ,Das Weibervolk ist Tag 
für Tag hinter der Brattig und rechnet und miedet, 
wenn das beste Zeichen sei für den Hanf zu säen.' 
Ursbn-Kal. 1808. — 4. tr., Jmd bemühen, mit Bitten 
belästigen L. 



a"-: Jmd belästigen G ^ er-: mit Acc. S., >Etw.' 

durch unablässiges Bitten und Drängdta entwing^n', 
sich zu verschaffen wissen VO; Z. -^ t's-: mit Acc. P«, 
Jmd ausschelten üwE. — yer-: ermüden. 1566/1644, 
II. Hblv. Conf. Refl., sich müde machen. > ,Darinii 
stiessent sy den Herrn, bis es tag ward, und battent 
sich die Juden an im vermüedet^ HsSchOrpf 14974 — 
be-: 1. ermüden, belästigen. ,Da8 land mit raub und 
brand sehr bemfledet ward.* Würbtism 1580/1766.' «Die 
pfaffen werden mit geistlichem krieg di« kirch Cbri«ti 
b.' LLav. 1587. ,Die Helvetier, durch den. tehveren 
Tross heftig bemüedet* JRübgkr 1606« 

Müede" f.: träge, unordentliche, gleichgültige 
Weibsperson W. En unlustigi M, Auch : bbdauenifs- 
werte Weibsperson, ebd. En armi M: 

Müeder, Müedi m., Dim. Müedeli GA!: lang- 
weiliger Schwätzer, unablässig Bittender Aa; Ap; VO^ 
Gr; G; Sch; Th; Z. Syn. GresH (s. Bd II 820). 
Schimpfer ApHer. 

Müederf G, sonst Müedete* f.: langweilige Er- 
zählung, unablässiges Bitten Ap; G; Th; Z, E* Müe- 
dete* ha* an Ei*»m. Hab nüd so e* stroligi Müedete*! 
Ap. J<* cha** der *sch wol säge*, wenn f Giduld hest; 
es gi^d hcdt e" langwtligi M, BOrobr- und Bauern fr. 
1825 (ApK.). 

Müedi f.: Müdigkeit allg. ,So schnell Hitze und 
Müde es mir erlaubten.' Gotth. ,Do unser Herr nider- 
fiel US müedin mit dem krüz.' HsStockar 1519. Auch 
sonst oft im XVI. und XVII. 

müedigen: müde machen. Vgl. müeken. ,Bis si 
bcd gemiediget [waren].' Ansh. 

Müedi(n)g Gr ObS., sonst Müedli(n)g m.: alter, 
durch Kummer und Arbeit entkräfteter Mensch Tu ; Z ; 
unbehülflicher Mensch (der sich mehr als Andere 
mühen muss), armer Teufel GRObS.; Z. ,So alle 
Tag frühe und spät als arme Müdlinge bei Wind und 
Wetter nach der Stadt hin- und herzugehen.' AHöpfn. 
1788 (vom Bauernstand). ,So ich das Murmeltier mit 
den müssigen Appenzellem vergleiche und die Ameise 
mit den Müedlingen in unserm Zürichgebiet.* LMbt. 
V. Knon. ,Ein alter müedling.' Jos.Maler 1593. Ein 
durch harte Bussübungen Gequälter wird ,ein arm 
Müding' genannt. Fastn.-Pred. 1601. ,Ich hab gekennt 
ein guten, armen Müedlig, dem ward sein Seckel ge- 
stollen.* RGwERB 1646 und ähnlich Zaubbrbi 1704. 
,Es war Nacht, sie [die Hirten vor Bethlehem] waren 
arme Müdling, die nieneran gedacht als an ihre Herd.* 
FWyss 1650. ,Ein arbeitsamer Müdling, ein dürftiger 
Handarbeiter, der sein Stück Brod im Schweiss seines 
Angesichts essen muss.' JUlr. 1733. Bes. häufig bei 
HPest.; vgl. Gr. WB. VI 2622. - Mhd. müedinc. nn- 
glQcklicher, elender Mensch. 

müedlige": vorwitzig nachforschen Schw; Zo. 

Ü8-: tr., Jmd ausforschen, ebd« 



93 



Mar, mef, niif, mof, muf 



94 



Maf, mef, mif, mof, mnf, bzw. maff usw. 

«maifle": (ohne Zusammenhang und Überlegung) 
darch einander plaudern LE. Sjn. chaflen, baffen." 

Maffli m.: Einer, der viel spricht, ungeschlacht 
und unverstandig drein redet; „Plauderer" BHa.; „LE." 
Dazu das Fem. r^Mafflere^." — Vgl. schwäb. MaffeU n., 
maulfertiges M&dchen. 

mäffele": still grollend Widerreden, hinterher 
brummen, keifen BM., 0. Syn. hrüwen, hrumnUen, 
wäffden. Mir wein guggen fir en anderi Jungfrow; 
disi hed d's ganz Zu Eppes ^ m., wf'me*-ere JEppea 
seid BHa. 

ver-galii-mäffe"; Etwas durch Unachtsamkeit 
übersehen BoE. 

Das Yb mafflen steht im AblautsverhftltDiss zu dem gyn. 
mufften; vgl. ,MafFmRfi* and ,maffen* bei Gr. WB. Zu ver- 
gaUi-mäffen vgl. GcUli II Bd II 203, zu -mäffen das mit 
muff(l)tn stammverwandte Möff. Vgl. auch bair. mäffzen. 

Kutz-Mev: Scheltw. auf die Kürschner. .Nieman 
soll deheinen kürsner noch sjn knecht anrnefen noch 
besweren mit disen Worten: kutz mev noch mit de- 
heinen andern sämlichen Worten.* um 1400, TsDiess. 
Stadtrecht. 

Es ist sehr fraglich, ob es gerechtfertigt sei, ein Oompos. 
anzusetzen, da es eine ,KaQzm0ve* nicht gibt, und der auf 
Spitzbergen vorkommende Name ,Katge Gehf* nicht zu uns 
gelangt sein kann. Auch deutet die Schreibung des Textes 
eher auf zwei getrennte WW., und das erstere wäre entw. 
in dem Subst. Chüx (Bd III 603) oder in der Interj. chutz 
(Bd III 605) zu suchen. 

Moff Bs; S, Möff I Bs; BG., Stdt und ümg. — m. 
(in B n.): Scheltwort, Laffe, Dummkopf; Lümmel B; 
gefühlloser, beschränkter Mensch oBs. Syn. Gösch 3 
(Bd II 480). ,Au8 dem M. von Ammann ist Nichts 
herauszubringen.* Alpenh. 1870 (BE.). Du donstigs 
M.l GoTTH. ,Ein M. und Grobian.* ebd. , VST er die 
eine rechte Ansicht nicht habe, sei e* Böff, «• M, oder 
«• Tüfd.* ebd. »Was sagst du zur Bildung des Volkes, 
das einen solchen M. wählte?* ebd. Das Neutr. von 
vorlauten, unverständigen Frauenspersonen. U'^ da** 
toott 's no^ derzue hifele, das M. ! Ämene* settige* M, 
sött-me^ grad ei* fach d's Mul verbinge*. 

Stadt- 8. GHeggi Bd II 728. 

moffle» AaoF.; BsL.; BU.; L; ScHW; S; Uw; „Zg", 
Dim. moffelef^ BsL.; ß; L; S; Uw: 1. langsam, mit Mühe 
oder auch mit Behagen kauen, bes. vorn im Munde 
mit sichtbarer Bewegung der Kinnlade, wie alte, zahn- 
lose Leute; das Dim. von Kindern, Hasen und Kanin- 
chen Bs; B; S; Uw. Syn. mänggden. Auch: mit vollen 
Backen, unanständig essen AaoF.; L; S; „Zo." De 
[du] mofflist doch eswe-n-es alts Müeterli SchwMuo. 
Brod moffle*, nach Herzenslust Brot essen BM. ; S. 
Der Hens [Pferdename] möffdetjo so langsam wie-n-es 
Chüngeli S (Joach.). A b'hüet-is, e" Schenkeli [kleines 
Backwerk] möffele* cha** me* allitvil und e* Gläsli, das 
bringt-men öppen-au^^ abe*. Breitbnst. Auch bildl., da- 
hinrafifen : £s hed-e* [ihn] möge* g'möffele* LMegg., es 
hed't* g'möffdet, der Tod hat ihn bezwungen. Imeichen. 
— 2. „undeutlich sprechen L; Zo." Syn. mänggden. 
Spec. a) leise, aber mit sichtbarer Mundbewegung 
beten L; Schw. Z^ Kriens han-i"^ [eine Wallfahrerin] 
g'mofflet sev^l düch: Erwirdiger Herr Sani Gaü usw. 



(Ineichen). Die Boten machen es wie die Pharisäer: 
B'schissen-is, moffU^, aber gind Nüd z' Älmuesei* L. 

— b) dri* m., mit halbunterdrftckter Stimme, unbe- 
rufen, unschicklich drein reden B; S. ,Wo sie mdchte, 
dass er rede, da schweige er, und wo er schweigen 
sollte, da möffele er drein.* Gotth. — 3. a) (rnöffeU*) 
nach Hasenart Maul und Nase rümpfen, zum Spotten, 
Höhnen BBrisl. — b) schmollen L, „das Maul hängen 
lassen, sauer drein sehen Uw." 

Moffle** f.: Maul AABremg. 

Moffli m.: Einer, der mofflet BsL.; SchwMuo.; 
S; UwE. 

Möff U SG., 3fö/j« IBsL.; BBrisL; S — n.: Maul. 
Halt 's MJ BBrisl. Mach, »«* gib-der Ei*s uf's MJ 
SG. Spec. a) Hängemaul, krummes Maul BsL. — 
b) Möffi BsL,; SL., Möffdi BsL.; B, kleiner, spitzer 
Mund SL., Kindermund, drolliges Mäulchen BsL.; B. 
Auch auf das Kind selbst übertragen B. Sjn. Wäffdi. 
Vgl. die Anm. zu muffen. 

Möffeler m.: Einer, der möffeUt L. 

Möffeli n.: scherzende Schelte auf ein Mädchen S. 
's geit-em Alls gttet, dem M, Hadsfrd. 

Möffi n m.: 1. wer heimlich isst ZcWalchw. — 
2. wer ein böses Maul macht Bs (Becker). 

Maff I m. : Weinmass, ein alter Schoppen BsStdt 

Muff Hm.: 1. = Moff Gr; G. Syn. Kamuff Bd III 
257. — 2. Mops Ap. — Zu Moff wie mufflen neben mofflen; 
auch bair. = Murr köpf; vgl. muffen und MujUß. 

Stadt-: Spottname für Städter B. Syn. St.-Möff. 

„muff: schmollig Uw." 

G«-muff n., in der RA.: Eine* Hm G. ni**^, 
Einem ins Gesicht fahren SchwE. — Vgl. das Syn. (?«- 
fräa», zu dem es sich verh&lt wie muffen :/rlt»9en. 

muffelig: spitzmäulig, naschhaft TnTäg. 

muffe» BG.; L; Sch; TnTäg.; Ndw; ZW., muffe* 
Gl; SRechersw.; ZKn., Stdt: L = moffle*! ,B;« ZW. 

— 2. = moffle* 2 a L. — 3. schmollen, widerbellen, 
mürrisch Widerreden BG.; L; Sch; TnTäg.; Ndw; 
ZKn., Stdt. Syn. mofflen 3 b. Er het g'muffet, wie 
wenn er mi*^ weUi friss^ BG.; vgl. ,maulen.* — 
4. Jmdn zu wiederholten Malen stark stossen SRech. 

— 5. nach Faulniss riechen, von (eingeschlossener) 
Luft Gl. 

Zu Grunde liegt ,Muff', eig. der durch das Kauen oder 
Schmollen entstellte Mund; vgl. Gr. WB. VI 2622. Zu 8 
vgl. das frz. faire la mtme. Syn. zu 8, 4 und 5 ist mup/en, 
müp/en. Zu 4 viell., doch in der cor reisten Bed. ,zupfen': 
,Wir [Landsknechte] tuend doch nüt denn saufen, das E&tter- 
lein beim Rock st&ts maufen.' Myric&us 1630; zu der Deh- 
nung des Voc. mag diejenige in M^ verglichen werden. 
Zu 5 (mhd. muffeln) passt it. muffa^ Schimmel, das indeisen 
viell., wie dos frz. moue, auf das deutsche ,Muff ' zurückgeht, 
welches zunächst als Interj. ,mufr den Widerwillen sowohl 
beim Schmollen und Widerbellen als beim Empfinden eines 
üblen Geruches, verbunden mit der entsprechenden Bewegung 
des Mundes und der Nasenflügel, ausgedrückt haben mag; vgl. 
Gr. WB. aaO. 

er-: schimmlig werden, ersticken, zunächst von 
zu wenig dürrem Heu, auch von Holz GrL., Pani, 
Pr., Schud., Tschiertschen. — ver-: ersticken, vom 
Korn im Boden Gr UVatz. 

Zn muffen 5; es ist wohl hier aus lokalen Gründen Ein- 
wirkung des syn. it muffare anzunehmen. 



95 



Maf— nmf. Maft — inaft. Mafz— mafz. Mafzg— mafzg. Mag— mag 



96 



Muffi: 1. m. a) mürrischer Mensch, Marrkopf, 
Widerbeller B. ,Er antwortete trotzig, er hätte nicht 
Zeit. Dcbs ist mir c" M., sagte Sophie, aber geb toie 
er tuet, d*8 Herz ist im doch i* de* Hose*.' Gotth. — 
b) wer ein verdriessliches Gesicht macht, Sanertopf 
„LG.;" ScH;.UwE. — c) dicker, kurzer Mensch BÖ. 
Dim. Muffelt, Person von kleiner Gestalt üwE. — 
d) Hundeart, Mops BO.; ü. Er chunnt, Eierwegge* 
im Mul, un^ chaulet un^ wafflet [kaut mit vollem 
Mund] wie c" M. BO. (Alpenr. 1827). — 2. n., saures 
Gesicht ÜwE. 

1 d entspricht insofern genau dem schriftsprachlichen 
,Mop8\ als dessen p nd. ist, also hd. ff entspricht, wie in 
ndl. moppen = nnsorem muffen; vgl. Qr. WB. VI 2525. 

muffig: 1. (auch „muffig") „schmollig L." — 
2. modernd, schimmlig Gr UVatz. 

Muffle" f.: grosser, vorstehender, bes. von Un- 
willen aufgeblähter Mund Ndw; zahnloser Mund Scnw. 

Vgl. das ebf. vom deutschen ,Mufr* herstammende syn. 
frz. moufle (mußt). 

muffle» AaF., Frl.; Bs; B; Gl (mufie^); L; G; 
Sch; Schw; UwE.; U; ZDättl., Dim. muffele^ AAWohl. ; 
Bs; B (häufiger als -o-); SchwMuo.; Th; UwE.; Z, 
«*/•/•«/<?• ZRüml.: l.^mofflen, möffelen 1. &aO(). ,Ore 
pleno loqui aut deglutiro.* Id. B. Si mufflet äbe* 
geschwind und frogt . . . Hinderm. Was hest z' muffle'? 
He, Brot AASt. Er hed «■ schönet Mumpfel Chäs und 
's legscht Mutschli dezue g'mufflet L (Schwzd.). Er 
het Brot g'muffelet zvmschen ine* [verstohlen in der 
Zwischenzeit] BM. Maitdi, tue de* Geissbock hei**, 
gib im brav Heu, dass er brav muffele* cha** wie-n-en 
Laggai, Stutz. ,Alte Leut mufifelen gern, viro seni 
maxillae baculus.* Mby., Hort. 1692. Die arme* Diebe 
hättid nüd mer z' mansche* und z* muffele* g'ha*, Gb- 
SPR&GB 1712. Bildl., gleichs. an Etw. herum kauen, 
schnüifeln, d. h. leicht arbeiten BHa. Jitz han-i^ all 
Tag dran umhe^ g'miffeled und bin doch menen hin 
chun BHa. — 2, (muffle*J = m>offlen 2; unverständlich 
reden GrL., Mal., Pr.; Syn.munggen. S^ec.=mofflenJ2a 
L ; Schw. — 3. = muffen 3 Sch ; zanken, gereizt reden 
GrL.; Ndw; (muffele*) immer Etw. zu tadeln haben 
Z (Dan.). Syn. mänggden. Hieher die scherzh. RA.: 
Mit Respek z* milde* und mit Gunst ^ muffele* Z 
(Dan.). -- 4. ächzen, stöhnen, klagen W. Syn. mugglen. 
— 5. (müffele*) = muffen 5; nach Schimmel, altem Käse, 
nach Sch weiss riechen B ; Gr. Vom Fleisch = herden 2 
(Bd II 1550) ^B; Z." ,Exhalationes corporis humani 
in Camera clausa redolere.' Id. B. ,Du stinkst |und 
müilelst wie ein otter.' NM an. ,01ida capra, der böss 
geschmack und g'stank under den uechsen eines men- 
schen, etlich nennend es müffelen oder böckelen.* 
Fris.; Mal. 

miss- Schw, ver-miss- AASt.; G 1799: sich ver- 
reden, etwas Unrechtes oder am unrechten Orte reden. 
Syn. vermisS'Umfflen, 

Muffler Bs (Spreng), Muffli Bs; UwE., Müffeler 
Aa — m.: Einer, der langsam, mit vollem oder zahn- 
losem Munde kaut. So het 's dene* längwilige* Müffeler 
endlech emol beliebt, 's Mül z' wüsche* und z* gö* Aa 
(Gysi). 

mufflig BAarb.; GrD., muffelig GWa.; TuTäg.: 
1. dick, unförmlich B. Muffligi [vorn breite] Schueh 
BAarb. — 2. spitzmäulig, naschhaft TuTäg. — 3. schim- 
melnd, von erstickter Feuchtigkeit GrD., von nicht 
mehr frischem Mehl, Getreide GWa. Syn. nüeehtdig. 



Gras-Müff^rli n.: Maul im Bätsei von der Kuh 
Aa (s. Schwzd. lU 62). 

„Müffi m.: Sauertopf LG.; Sch.« 

Müffi n., in Gl; GrHc. Müfi: 1. saures Gesicht 
Bs; Sch; UwE. Krummes Maul, unzufriedener Aus- 
druck des Mundes, schmollender Mund Aa; Gl; Schw. 
Er HMcht en artigs [sonderbares] M, Gl. — 2. zu- 
friedener Mund Sch (MüffiiiJ. E* 8eU!*-z'fride* Müffi, 
Hindern. Spöttisches, schelmisch verzogenes Mäul- 
chon Bs. D's Hüssi's G'sieht isch ntr e* M, dergeget 
[gegenüber einem pausbackigen Bilde]. Prophbt 1855. 
- 3. (MüffiJ Zahnlücke GlH. — 4. (MüfeliJ Mund- 
voll GrHc. Syn. Mümpfeli, 

Merkwürdig ist für Gl die Doppelform Muß und MüJJß; 
die L&nge des fi kann auf dem Einfluss des syn. Schnüß be- 
ruhen; doch vgl. auch t. die Anm. zn muffe*, t muffle*. 

(er-, ver-)iiiftfcre": meist refl., sich regen, ein 
Lebenszeichen geben, sich mucksen GRPr., Sch. We^* 
V schi^'' noch es einzigs Bitz mäferet, se scMän-en in 
de* Grundsbode* in GnSch. (Tsch.). — Wahrscb. von 
rom. nwuver; vgl. Büfi aus rooina. 



Mufti m.: 1. dicker, plumper Mann L; S. Fett- 
wanst Zg. Syn. Muchel, Blätech. — 2. Mensch mit 
stumpfem Gesichte Sohw. — 3. „Murrkopf W.* 

EigentOmliohe, viell. durch Anlehnung an das tQrkische 
W. sich erklärende Nbf. zn dem Syn. Muffi j auch bair. 



Mafz m.: Schimmel Gr. — Abstrahiert von mußten; 
s. die Anm. zu mußtden. 

mufzele": nach erstickter Feuchtigkeit, Moder 
riechen, wie z. B. Kleider, die lang in einem Schranke 
lagen GrD. Syn. müffelen, nüechtelen, ~ Dim. zu * mußten 
(s. das Folg.), einer Ableitung von muffen. 

er-mufze": von Feuchtigkeit beschädigt werden, 
wie Kleider in einem Schrank GrD. Syn. er-muffen. 

mufzig: schimmlig, nach ersticktei: Feuchtigkeit 
riechend GrD. Syn. muffig. 



mttfzge": ein unzufriedenes Gesicht, schiefes Maul 
machen Bs. — Abi. vom syn. muffen. 



Mag, meg, mig, mog, mug. 

Vgl. auch die Gruppe Magg usw. 

Mag m. : Verwandter, verschieden von Fründ und 
häufig mit diesem verbunden, wie schon im Mhd. 
, Witwen und weisen soll man bevogten nach recht 
von fründen und magen.' 1422, Absch. ,Wer da vatter, 
mueter, fründ oder mag hat, die im von göttlichem 
und natürlichem rechten hilf und narnng zu mitteilen 
schuldig sind.' 1525, Egli, Akten. ,Wäre, dass die 
kind keinen magen betten, der ir vogt solt ayn.' 1531, 
ZWthur. ,Es gibt Kinder, die mit den Eiteren zanken 
und fetzen, Freund und Maag, wie man sagt, wider 
sie anrüefen, allerlei böse Charten wider sie aus- 
stossen.' JWirz 1650. ,Einer, der Ehre [Ehrenstellen] 



97 



Mag, meg, mig, mog, mug 



98 



sucht, stellt Alles an, Freunde, wie wir reden, und M. 
und wenn er nur das Geringste versäumt usw.' JJUlr. 
1727. ,Achtet weder Grosse noch Kleine, weder Freund 
noch M.* ebd. 1738. Auch Geschlechtsn. Th (Mä*gg 
Hw.); Z; vgl. die Geschlechtsn. Vetter, JVa/" [Neffe]. 

Amhd. mac. Neben Fr^Said scheint M. noch immer wie 
im Mhd. die nähere oder Blutsverwandtschaft zn bezeichnen, 
oder wenigstens Fründ weitern, M. engern Begriff zu haben ; 
vgl. das Folg. 

Yatter-: Descendent des Vaters, väterlichen 
Grossvaters, Urgrossvaters usf., im Gegs. zu den 
Mueter-magen, d. 1. allen übrigen Cognaten (FvWyss); 
zuweilen übergehend in den coli, oder abstr. Begriff 
von ,Mag8chaft.* Nur in der ä. Rechtsspr. und in 
verderbter Form bis auf jetzt, so ,yater-mark' U 
(Kanzleispr.), V,-march Gl. ,Der Vogt [für Waisen] 
soll bei dem Vatermarch oder Erbstamm genommen 
werden.* Gl LB. 1835. ,Die Verwandten von Vater- 
und Muttermarch.* ebd. ,Al8 Vogt soll den Notdürf- 
tigen der ehrbarst Nächstverwandte erkiesen werden, 
der beste von Vater- oder Muttermarch.* Indkbbitzi 
1831. ,Al8 vogt und nechster anerborner vatermog 
Henman Sevogels.* 1419, Bs Urk. ,Wäre dass kein 
[irgend ein] erb fiele in dem hof, dass da v. soll vor- 
gan ; es wäre dann, dass muotermag eins gelids nächer 
wäre, so send sj beide zue glychem erb gan.* 1424, 
AaHoM. Offn. ,Da8S vatermarg erben sollen unz an 
das tritte glid.* 1490, LRotenb. Amtsbuch. ,Nun so 
fahet an die magschaft: Sind v. und muetermag glich 
nach, so soll m. abstdn und dem v. das erb lön.* 1495, 
Ai Weist. ,V. soll erben vor muetermag bis uf das 
viert glid und von dem vierden glid hin soll v. und 
muetermag mit einander erben.* 1536, ScHwBeichenb. 
Hofrod. S. Bluetsfründ Bd I 1305. ,V. soll ze der 
fünften, muetermag zue der vierten linien zue gllchem 
erb gan.* 1581, ZStdt Erbr. ,Vatermarg erbt eines 
Glids mehr denn Muetermarg.* 1602, GUzn. Landr. 
,Geht vor dem Wort Maag das Wort Vatter ald das 
Wort Mutter, so zeucht es sich nicht auf Schwager- 
schaft, sonder auf Blutsfreundschaft und wirt gebraucht 
nit, wenn es antrifft eine Ehe, sonder wenn es antrifft 
ein Erb. Die Personen, so da tragen des Abgestorbnen 
Geschlechtsnamen, sind V., die verwandt sind von irer 
Mutter wegen, sind Muttermaag.* JJBreit., Anl. 1626. 
«Welcher Gestalt Bruederskind vor Schwösterkinden 
und hiemit V. der Mueter Maag in Erbschaften vor- 
zezüchen.* 1629, Z Satzung. ,Die Stiefkinder vom 
Muttermarch sollen nit erben mit den Rinderen oder 
ihren Geschwüstrigen vom Vatermarch.* 1649, SchwE. 
Hofrod. ,Befründte, die Muetermarks, sind nebend 
denen, die Vatermarks sind.* 1652, ScHwLach. Hofr. 
,Es solle auch ein Vatter seine Kinder erben und dar- 
nach allwegen der Nächste dem Vattermarch nach 
Erb sein.* 1756, ScnwBq. Auch im bildl. S.: ,Welcher 
fürst am meisten gab, der selbig dann was v. [der 
wurde bevorzugt], dem zugend s' [die Söldner] zue 
in pencion.* Rukf 1538. 

Die Formen mit eingeschobenem r sind volksetymologische 
Anlehnungen des nach seinem Ursprünge nicht mehr ver- 
Btandenen Wortes an die begrifflich nicht ganz abliegenden 
Stämme March und Marg, Über den verschiedenen Begriff 
von Vater- und Muttermag je nach Ort und Zeit vgl. Schaubg, 
Beitr. 1, 75; 11, 488; Blnmer 1,187 f.; Ztscbr. f. schwz. 
R. V 28. 

vatter-mägig: Adj., von väterlicher Seite ver- 

SebwelB. Idiotikon. lY. 



wandt. ,Wor elich geboren ist und vättermägig ist, 
soll erben.* 1520, Ndw Rq. ,Was ussert dem 4. Grad, 
solle je der Nechste bei dem Blut, sie seien vater- 
oder muttermarch ig, erben.* 1662, SchwE. HofrodeL 
,Man soll dem Geblüt nach, das ist vatermärchig, 
erben.* 1706, Obw Rq. ,Vatermägig* schon 1491, L. 

Lid- Mag: Blutsverwandter. 

Schon mhd. Bei uns noch belegt 1747, BSi.; vgl. tuich- 
gän Bd II 31. Stark flectierter PI. 1474, LSemp. Stadtr. 
Scheinbar als Fem.: ,Den n&chsten bluetfründen an der 1. 
und linien der sippschaft.* 1598, BSa. S. auch Seg., R6. I 
767 und vgl. die Anm. zn Mag. 

Manns- = Vatter-Mög. «Sollend die Beschwer- 
nussen, die Kinder zu erziechcn, gleich der Nutzbarkeit 
des Erbs von beiden Teilen, Manns- und Weibermark, 
gleich gehalten werden.* 1646, SchwE. HofrodeL 

Mueter- s. VcUter-Mäg, ,Das8 diejenigen, so von 
Muotermark herkomen, für vicini aufgenonunen wer- 
den.* 1646, TB. Urk. 

Sipt-: Sippschafts-, Blutsverwandter. ,Wo ge- 
schwistergote erb oder verfangen guot mit einander 
band, das ungesundert und ungeteilt ist, darin erbt 
ein geschwistergot das ander, für [vor] vater und 
muoter; wann sy aber geteilt band, so erbt je der 
nächst sibtmag, er sy von vater oder muoter.* 1530, 
AARheinf. Stadtr.' Vgl. Sipt-Fründ Bd I 1305. 

Wiber- 8. MannS'Mäg, 

mäge", in der RA. ,es mäget sich*: die Gesetzes- 
bestimmung über ,Magschaft* findet Anwendung. , Wann 
brueders kind und schwesterkind ein erb anfällt, die 
erben miteinanderen. Dann fürhin so moget es sich, 
und wann muttermog eins glids nächer ist denn vatter- 
mog, so erben sie miteinander.* XVI., ZoHünenb. Offn. 

ver-: Einen durch Verheiratung in seine Ver- 
wandtschaft bringen. ,Der Kaiser [Barbarossa] be- 
zwang das ganz Italien und Rom, vermaugt im [durch 
die Heirat seines Sohnes mit der Erbin Siziliens] das 
küngrych Sicilien.* Ahsh. I 30. ,Vermäget*, verschwä- 
gert. ,Man ist z. B. mit der neuen Gattin des ge- 
wesenen Ehemanns einer verstorbenen Schwester oder 
mit dem neuen Ehemann einer Bruderswittwe v.* 
Wyss 1796. 

Magschaft f.: , Verwandtschaft durch Heirat Z." 
,Sib- oder Matschaft* 1585/1828, ApI. LB. S. Votier- 
Mag, ,Von den graden der sibschaft und maagschaft.* 
1531/48, IV. Mos.; dafür 1667: ,Blutverwandtschaften 
und Schwägerschaften.* ,Diewyl nun hievor allein von 
wegen der bluetfründschaft lüterung 'geben und aber 
der m. halb kein sondorer bescheid gemacht* Ende 
XVI., Z Sittenmand. ,Dass keine Personen, so im 
dritten Grad der Bluetsfründschaft oder im anderen 
Grad ald Glid der M. oder näher einanderen verwandt 
sind, sich mit einanderen zu verehlichen befuegt syn 
söllind.* Z Mand. 1650. ,M. heisst man allhier nach 
gemeinem Brauch nicht allein, wann einsen Ehefrau 
mit des andern Ehefrauen, sondern auch, wann einer 
oder einsen Ehefrau mit der anderen Ehefrauen vori- 
gem Ehemann in Blutfreundschaft stehet* Z Ges. 1757. 
,M. muss von Blutsverwandtschaft der beidseitigen 
Eheweiber herrühren.* Wtss 1796. S. noch Leu, Stadt- 
und Landr. I 110; Fricker, Kirchengebr. 136. 

Die Ap Form Mateeka/t reiht sich an die in der Anm. zu 
Mag besprochenen Entstell angen, nur dass hier, erleichtert 



99 



Mag, meg, mig, raog, mug 



100 



durch den folgenden dentalen Zischlaut, Mad nntergelegt ist 
Im Z Rechtsleben scheint sich eine specielle Bed. von M. 
herausgebildet zn haben, da das W. an sich nur Verwandt- 
schaft im Allg. bedeutete, so im Mhd. 

Kön-Magschaft: Verwandtschaft durch Ver- 
schwägernng, hauptsächlich als Hinderniss bei Wah- 
len usw. ,Was zu den Tierten kinden frünt- oder 
kemigschaft wäre, mag urtei sprechen.* 1538, GftMal. 
Statut. ,Bluotsfründschaft oder Keniegschaft.' GrD. 
LB.; nachher: ,B1. oder Gcmachscbaft.' ,In Gegen- 
kemagschaft, wo die Weiber recht Geschwisterkind 
sind.' ebd. neben: ,in Gegengemach sc ha ft recht Ge- 
schwistertkind.* ,E8 soll Keiner, der dem Land- 
ammann oder Geschwornen näher als Geschwister- 
kind zum Dritten, es sei Blutsfreundschaft oder Ee- 
mogschaft, [im Gerichte] sitzen.' 1660, GrD. Ratsprot. 
, Schwagerschaft und Eömmigschaft sollen der gericht- 
lichen Kundschaft [Zeugenaussage] müssig gän.' Anf. 
XVL, GRMai. Stadtrodel. 1666 wird eine Kundschaft 
verweigert ,wegen Cömmigschaft.* ebd. 

Das mhd. hont-, kön-, kifn-mac. Verwandter von Weibes 
fktmej Seite, hat sein Leben am l&ngsten auf diesem Fleck 
Erde gefristet. 

Ver-mag, in der Formel ,nach V.': vermöge. 
,Nach V. der eidg'nossen erkantnuss.' Kessl. 

Gebildet nach der sehr häufigen Formel: ,Wie der Brief, 
der Spruch vermag.' Vgl. Ver-mög, -mug. 

mSga'ri GRChur, D., Pr.; W, mangäri GRÜhur, D., 
Mal., migäri GaNuf.: Adv. (eig. Int.). 1. beispielsweise, 
zum Beispiel; vielleicht, allenfalls GrD., Pr.; W. Kun- 
tent sind sch^ g'si* und kettend nid 'tosche* [getauscht] 
m, mid^ere^ G'slheti [Taufeschmaus] GRSch. (Schwzd.). 
M. [traun], du hetsch-es chönne* toüsse» [Rüge]! GrD. 
Bin ünsch hed Eintf uf emal nid sävel [so viel] Tag- 
löner a^s im Engadin, wo e chleini HushcUtig iibei' d' 
Heuig m. ftLf bis sechs hed GrD. (Bühl.). Das wä'' m, 
z' prohieru: Mu cha**-mu [ihm] m. Abhas gl* W. — 
2. meinetwegen Gr; Sjn. wtVä«. ,Mangari kannst du 
gehen, wohin du willst.' GaChur. I«* fca"" Bcls m. 
aw'' no^ tue*, ebd. Es ist-mer m. glich, ebd. I'^* gib 
dir 3 Franken, m. 3^1% GrD. — 3. m. iez, gerade jetzt 
GaNuf. 

lt. and chnrw. magari (Dio) [urspr. seliger Gott!], wollte 
Gott! dassdoch; auch tir. A'gl. Diez II' 381 unter macäri. 
Zu der abgeblassten Bed. vgl. Formeln wie OoUmer»prich, 
goppd, auch will '« Gott Bd II 511. 

Magaali m. JE> grosse^ M., grosser, plumper Kerl 
Bs (Sieber). Syn. Gallöri, 

Mage° I, in ScHSchl. Me'ge* — PL Mäge* und 
Mege; Dim. Mägli und Megli — m.: 1. a) wie nhd. 
allg. S. &TicYi Bluetsiene*, Tau. In übertr. Anwendung: 
Uf-em, im M. Ugge*, drücken, zu schaifen, Sorgen 
machen Th; Z. ,Es lyt mir noch in minem m. [dass ich 
das Geld für einen Ablassbrief ausgegeben].' NMan. 
Nüd in'n M. möge*, welle^y zuwider sein BR.; vgl. 
,dem Reichskanzler geht die neue Orthographie auch 
wider den M.' Bs (im Grossen Rat 1882); vgl. it. 
contra stonnaco. — b) Geschmack, Lust, Sinn für 
Etw.; Wille, Zuneigung für Jmdn Ap; Bs; B; Gr; 
G; ScHW (bes. häufig dim.); U; Z. Eim 's Mägli hä* 
ScHwNuoL Bes. aber neg.: Eim, zu Eim (Öppis) kein 
M. hä*, de* M. verlüre*; Syn. Gü. ,Er hätte keinen 
M., einen andern Knecht zu suchen.' Gotth. Dir 
Schlufi [Taugenichts] sdl-mer wider chö*, Dir hät-mer 



jetze* 's Megli g'nö* Schw. ,Das Volk von ihm selbs 
hat kein M., Willen, Trib und Lust zur Buss.* FWtss 
1672. ,Zu einer rechten Hauptcur haben wir keinen 
rechten M.' JMOll. 1678. ,Animatus bene erga alqm, 
der einen guten M. oder Willen zu Einem hat.' Denzl. 
1677; 1716. ,Er hat mir keinen M., ist mir nicht 
günstig.' Ho8P. 1683; Met., Hort 1692. ,Ich hab den 
Quackern einmal kein M.!' UBrIgger 1780. In un- 
günstigen S. übergehend: Si hätted-em d's Mägli, Lust, 
sich mit ihm zu messen. ErzXhlkr 1856. Eim d's 
Megli ha*, einen Groll gegen Einen haben, ihm auf- 
sätzig sein Schw ; Syn. Biggen. — c) in Beteurungen : 
,Botz ofengabol und botz m. ! ' Rdef 1550. ,Jä Pose, 
ich muess gätz M. hei.' HMahl. 1620. — 2. Migt" 
Ap; GA.; ZO., Velth., sonst Mage*: bl) = Bluethund 
(Bd II 1433) ZVelth. — b) Lab, womit die Sennen 
die Milch gerinnen machen, eig. der Kälbermagen, 
woraus das Lab bereitet wird Ap; GrD., Rh., Yal.; 
GA. ; ZO. ,Coagulum, der m. oder der mägen.' Fris., 
bei dem auch .Hasenmägen, coagulum leporinum' vor- 
kommt; vgl. , Hasen-Lab, -Lupp' bei Gr. WB. ,Mägen, 
Käsrinne, coagulum.' Denzl. 1677; 1716. 

Die Kürze des Yoc. ist in den meisten MAA. gewahrt. 
Bei 2 hat die in den Sg. gedrungene Pluralform (vgl. Ep/d, 
Brüeder, Töchter) zagleich tw. zur Differenzierang der Bed. 
gedient. Zu 1 b vgl. lat stomachari, sich ärgern, und als 
Übergang von der eig. Bed. zur bildlichen: ,l)ie Katholischen 
haben beobachtet, dass der noch immerdar bei Denen von 
ZQriüh gegen uns verderbte M. noch gar nicht znrecht ge- 
kommen und also vermutlich sein will, dass sie solche böse 
D&mpfe ferners auszulassen gemeint seien.' 1656, Absch. 
Übrigens kann man sich der Vermutung kaum erwehren, 
dass die KA. ,ich mag ihm, ihn wohl' Einfluss geübt habe. 

Hunds-: 1. Magen, der Alles verdaut Uw; Z. — 
2. Schelte S. Vgl.: Du bist en H., du magst mef 
fresse, weder der alt Bugsli. Wolf, Bauerngespr. 

Herre°-. E Herre*mägli tuet e halb Viertel mef 
als en anders. Sulgkr. 

ChÜe-: Scheltwort Aa (Hunz.). 

Chalber-: 1. als Schimpfwort AxFri. — 2. = ilfa- 
gefi 1 2 b. ,Hau8ierpatent für Kalbermägenverkäufer.* 
Helv. Verordn. 1801. 

Kappe"-: der Haubenmagen der Wiederkäuer. 
,[Die Rinder] haben vier Mägen an einander: Den 
Wammmagen (Vorwanst), den K., den Faltenmagen 
(Manigfalt) und feissten Magen.' Splkiss 1667. Syn. 
Ghappen, 

Chrägli-Mägli(auch Chrägdi-Mägeli Z) : L Ein- 
geweide einer Gans, d. h. Lunge, Magen, Herz „B;" 
ScH. — 2. das daraus bereitete Vorissen, wozu noch 
Flügel, Hals und Kopf, kurz Alles, was nicht am 
Gänsebraten gelassen wird, genommen wird „B;" Scu; 
Z ; Syn. GanS'G'schnäder. Das selbe Gericht auch von 
anderm Getitigel, z.B. Kapaunen, zubereitet ZWthur; 
vgl. Chragen 5. Das B Kochbuch 1756/96 redet von 
,K.-Pasteten.' — - 3. übh. die Fülle, das Mancherlei, 
bunte Durcheinander B. 

Sou-Mage» Ap C-Mege*); B; Th, Söu- Xa; Z: 
1. Magen eines Schweines. Der häd en 8., verdaut 
Kieselsteine, ist ein Vielfrass Tb; Z. — 2. pera. = 
SäU'Glogg 2 Aa; Ap; B; Z. Mit Dim hesch-mer Nüt 
z' tue*; das isch einer vo* den ärgste* Soumäge* [Wüst- 
lingen] B. — 3. Dim. Sm-Mägli, Nachthaube Z (Dan.). 

3 nach der Ähnlichkeit mit einem halbierten SchwMne- 
iiiagen. 






.• •• 



•• 



101 



M»|J, meg. mig, rnog, niug 



102 



Wamro- s. Kappen-Magen, «Ronien, das Köder 
nnder dem Kinne, der W., da die Widerkänang ge- 
schieht* Dbnzl. 1677; 1716. 

Zöri*"**-: starker Appetit ßs. 

mague" GrD., L., me^ge* Ap: (die Milch) durch 
Lab (Magen 2 b) gerinnen machen. Dtr Chäs ist 
z' vü g'magnet, ,So nimmt der Senn das Rinnen oder 
Megen Tor, d. h. er sucht die Milch vermittelst eines 
Ziegen- oder Kalbermagens zum Scheiden zu bringen.* 
Steinh. 1804. 

Über-, Ter-: durch zu viel Lab die Milch, den 
Käse verderben, bitter machen Ap; GrD. 

blöd-mägig: mit schwachem Magen. ,Eine Tafel 
für bl-e und an dem Scheine sich begnügende Gäste.' 

SiNTKM. 1759. 

Mage» II AAßb.; ,Ap; GEh.;" ZKn., S., WL, Mager 
.\a; B; VO; „Gl;" GrD.; S, Meger BE., Magere» GrD., 
L., Pr. (nach einer Angabe f.), „Magerer GrA." — m.: 
1. a) Blutzehrung des Rindviehs GrD. ,£ine der 
Mästung widerstehende Magerkeit des Rindviehs, bei 
welcher an verschiedenen Teilen der Haut haarlose 
Stellen entstehen, an welchen die Haut vertrocknet 
und hart, bisweilen auch wund wird.* Aroh. Vet. (Ap; 
GRh.; Z). ,Wenn das vich den mager hat, so macht 
[die Hexe] ein ysne gablen g'lüegig und brennt dem 
vich mit einem zinken durch die oren.' Z Staatsarch. 
1500. ,yren von Bonstettcn hat verjechen, das' sy 
nüts anders gebrucht habe dann etlich sSgen. Und 
naralich wann ire küe den mager band, so spricht sy 
die wort: es ist hüt samstag und der Juden sonntag, 
darumb so rayd du mager und loss dyn nüelen und dyn 
graben.* ebd. Auch das allmähliche Mürbewerden an 
der Wurzel und schliessliche Abfallen der Hörner bei 
altern Kühen ZS. Die Chüe^ wo de* M. an*n Homere" 
händ, sind meste^s die beste* Müchchüe, — b) von 
Menschen, a) Abmagerung. ,Das fleisch der kräbsen 
wirt gelobt denen, so absSrbend, seh weinend, megerend, 
den mager habend und misslenge yngenommen.' Fischb. 
1563. — ß) Hautausschlag, Schorf, bes. im Gesicht 
GRPr., Milchschorf der Kinder mit Hinterlassung von 
Narben B; L; trockene Flechten Ndw; roter Fleck 
auf der Haut GrL.; „eine Art kleiner Räude B; VC; 
S; Z." Das Ching het dW feiss Mager [nur fette 
£inder sollen ihn bekommen] BE. Feissti Magere*, 
Ausschlag, welcher Jauche absondert GRpr. , Allzufette 
Milch gebe Kindern den Meger* [sagt ein Milchliefe- 
rant] BE. (RWyss 1891). ,Von Anfang an hatte das 
Kind so dicke Schüpen; seit einigen Tagen brechen 
etliche auf (es hat Eiter darunter); zugleich zeigt 
sich, zumal auf der Stirn, ein guter Anfang des Ma- 
gers.* EKopp, Tageb. Vgl. noch Freissam Bd I 1329. 
,Der mager, kleine, umbfrCssende oder spitzige raud, 
inipetigo.* Mal. «Auswendig zu der Raud und Mager 
und andern hesslichen Flecken brauchen.* JJNüsch. 
160Ö. ,Petigo, Zittermal oder Flecken an der Haut, 
der Mager oder Magere.* Denzl. 1677; 1716. ,Psora, 
ist ein Gattung der Raud, bestehet in Geschwärlein 
und Schuppen und hat, weilen ihr saueres Wesen 
magerer macht, den Namen eines Magers überkommen.* 
JMuRALT 1692. ,Die kleinen Kinder kommen an der 
Haut Büggelein über, welche zu Eiter werden und 
eine fliessende Raud oder den Mager abgeben.' ebd. 
1697. S. noch Grind Bd II 759. — *2. Baumschorf, 
Krebs an den Stämmen der jungen Obstbäume, bes. 



Apfelbäume Aa; ,Gl;* L; S; Ndw; „Zg;** Z. Syn. 
Frisser, Brand. Oeg-en M. a^-me* Baum isch guet, 
wenn-men es THecMi um e* Stamme* bingt, wo men e* 
Tote* dermit abg'wäschef^ hei. Wie si^ der Baum 
Vchlmt, so hilft 's au^^ em G'storbne* zur Seligkeit S 
(Schild). Der gleiche Glaube und Brauch auch in BM. 
Scho* mänger Baum ist drüf g' gange*, wÜ er de* M, 
g^ha* häd. Auch von Reben: ,Der Mager oder das 
sog. Rautigwerden der Reben.* Mittel gegen das Reeren 
1819. ,Under allen Bäumen sind keine dem Mager 
also sehr underworfen als die Öpfelbäum; Etliche 
heissen es den Wurm.* Rhagoe. 1676. ,Der Krebs, 
sonsten das Mager genannt, ist eine Krankheit der 
Bäumen, da die Rinde aufläuft, sich schellet und ist 
darunter Alles schwarz.* JCSulzer 1772. — 3. a) „Holz- 
schwamm an Gebäuden GrA.**, Morschwerden und Er- 
sticken des Holzes mit Schwammbildung, bes. im Vieh- 
stall GaPr. X» Magera wott in Ws Holz chö*. ,Der 
Magerer, eine Krankheit und Verderbung des Holzes, 
der viele unserer Häuser unterworfen sind.* Gr SammL 
1781. — b) (Magere*) sichtbar magere Stelle oder 
einzelner, schmaler Streifen von gröberem, langem, 
gelblichem Gras, oft in Form eines sog. Hexentanzes 
in einer Wiese GrD. 

Als Grandf. ist Mcufer anzusehen. Das Adj. mager scheint 
hier unter Annahme einer £llipse, wie etwa Fraw, Brand, 
substantiviert. Jedenfalls aber reiht der Ausgang -er, wie 
die erweiterte oder auf dem Vb mageren beruhende Form 
Mayerer noch deutlicher zeigt, das Wort unter die Kategorie 
jener Krankheitsnamen, welche in personifizierender Weise 
das Übel als eine Art von Dämon bezeichnen; vgl. die Anm. 
zu Ettiker Bd I 601 und das Syn. Fr^tser. Die Formen mit 
abgefallenem Schluss-r beruhen bei Mage* auf Anlehnung 
an Ma(jen I, bei Magere* auf Erleichterung der Aussprache 
bei geh&uftem r. Meger : Mager =s Megen : Magen, viell. nicht 
ohne Einwirkung von megeren, mager machen. Das n. bei 
Sulzer 1772 steht ganz vereinzelt. Wenn ahd. ^magar, macios* 
(sonst magar%) bei GrafF, Diut. zuverlässig ist, so könnte unser 
W. Dieses sein. 

„Feiss-Mager: Ansprung , Milchkruste VO. " 
Vgl. Magen i & ß. 

iji^r (Qere*- GKapp.) -Mage», gew. PL -Mage* GT., 
'Magere* GSa. = Germeren i a Bd II 418. Syn. Ger- 
Mäder. 

Das deutlich aus zwei Bestandteilen zsgs. W. l&sst sich 
kaum als einfache Entstellung von Germeren erklären. -Magen 
scheint zunächst Anlehnung an Magen I. Wahrsch. aber 
fristet das mhd. ,g6rmäc*, männlicher Verwandter = ,Schwert- 
mag* in dem Pflanzennamon sein versteinertes Dasein. -Mä- 
ger(en) durch Einfluss des Syn. O.-mäder(en). Vgl. auch den 
Pflanzennamen Madel-Oer. 

mSger, bzw. mager, Comp, magerer Z, migerer Ap; 
Th; Z, Sup. megerist Ap; Z, megerst Z: im AUg. wie 
nhd.; verst.: brenn-irde*' ZStdt, brand-erde*- ZS., 
hunds-, Denzl. 1677; 1716, chib- (= ehid-J BoE., bei*- 
S; Zu., brinn- Sch; Z, brennend- ZO., S., brand-m. 
ScH; ZO. Spec. 1. von Menschen, auch Haustieren. 
Si ist eso brennmager, winn si am-ene* Straühüs dure*- 
gieng, so chdm 's a* ZNer. Er ist so m., er brünnt 
schier ZS. (Syn. dürr wie-n-e* Schindle*); er chient e* 
ChaJb zwüschet den Ore* (ScnSt.), e* Geiss zwuschet 
de* Hörnere* (Z) chüsse"; s. Geiss Bd II 455. M., 
wie-n-e* Bei*hüs ZWyla. ,Er ist so m. als ein Lad- 
stecken.* Mby., Hort. 1692. Vgl. noch Post-Gül ßd II 
220, Ghüchen Bd III 232, leid Bd UI 1080. Ab-em 
beste* Fueter werd 's em [das Vieh dem Eigentümer] 



103 



Mag, meg, mig, mog, mug 



104 



beifnager. Stutz. i)a8 Boss, die Chue ist so mager, 
tue" chonnt Schinnhüet an-ere^ [an ihren Knochen] üf- 
henke* Z; vgl. Schinrihuet Bd U 1790. — 2. übertr., 
m-s Heu, auf nngedüngtem Boden gewachsenes Ndw; 
Z; vgl. Magert und Mctger-Heuw Bd II 1819. 3f-« 
CAdtö^ aus abgerahmter Milch, allg.; vgl. feiss Bd I 
1071. Mageri Süffi, Molken, welche es beim wi. chäse'^ 
(s. Bd III 511) gibt Ndw. „M. essen, d. h. keine 
Fleischspeisen.'* Schi [sie] machunt hit m., sie essen 
heute Fastenspeisen; s. übrigens noch unter machen. 
Es ist hit m., es ist heute Fasttag W; vgl. frz. jour 
maigre. 

magere": mager werden, allg. 

er- = dem Vor. ,E. wollte keine Bäuerin.* Gotth. 

magerlächt, -lochtig: etwas mager BHa. Men 
g'sehd'der 's soift an, das de bist chrank g'sin, du bist 
newtoen m. BHa. «Von Statur mittelmässig, mager- 
locht.* Z Mand. 1698. ,Magerlechter Statur.* 1768, 
Z Kanzl. 

magere*^ Sch, mi'gere* Ap; Th; Z, mehrere" Ni»w ; 
ZO.: 1. tr., mager machen. Nüt megeret's Acher fdd 
wie d' Summergerste'^ ZZoll. Der Mist megered der 
Gartet nur Ndw. — 2. intr., = wabere* Ap; Sch; Th. 
Dim. megerle^ in Bez. auf ein kleines Geschöpf Z. 
,Nach der brunst pfiägt der hirz abzuenemmen und 
zue m.* TiERB. 1563. 

Sih' = mageren 1 üwE.; Z. Die Chranket häd-e* 
ganz abg^m^^geret ZS. 

,er-megeren: mager machen, ausmärglen, ad 
maciem reducere corpus.* Fris.; Mal. 

US- = dem Vor., bes. vom Boden B; Uw; Z. We**- 
me^ drü Jar Bolle* macht, tuet 's de* Bade* total 
üs-m, ZS. 

Me^geri f.: 1. Magerkeit, allg. M, ist mängmal 
gesünder als Feissi Z. ,Er sandte inen ein megere in 
ire Seelen.* 1531/1667, Psalm 106; dafür: ,eine Seuche 
über ihr Leben.* 1882. ,Von z' vil magere wirt der 
falk blöd und krank.* Voqelb. 1557. ,I)a muss eine 
geistliche Magere kommen und eine ewige Serbsucht 
erfolgen.' JJUlr. 1727. — 2. a) Weideland; mageres, 
ungedüngtes Wiesenland Gl (Obst, ä im Gegs. zu MB^- 
geri 1); GrD., L., S., V. (Megemi); L; GSa. Syn. Eüchi, 
Gegs. Feissi 2 d; s. Bd I 1073. D' Schof uf d' M. usc 
tue* L. — b) das aus solchen Wiesen gewonnene Heu 
Gl; GrS.; vgl. Magerheuw Bd II 1819 und mager 2. 
S. auch Gl Gem. 380. — 3. Mageri, Pflanzenname, 
Spark, spergula arv. S. 

Zu 2 b und 3 vgl. Ried^ sowohl Sumpfland als Sumpf- 
pflanze, dann Stein-ächerli Bd I 68. 3 hat übrigens von ihren 
sparrigen Rispenästen ein mageres Aussehen. 2 a auch ins 
Chnrw. (üh tnegger») fibergegangen. 

Mägerli Ap; Bs (Spreng), Megerli*g Aa; Ap; Bs; 
B; L; 6; S; Uw; Z — m.: magere Person, „ausge- 
mergelter Mensch**, Schwächling; auch von Vieh und 
Pflanzen. aaOO. Von kleinen Mädchen bisweilen auch 
als n. gebraucht Bs (Spreng); L. Rätsel vom Hanf- 
stengel: E* lange*, dünne* M., hat kei* Fleisch und 
kei* Bluet, doch ist si*' Hut guet G ; e* lange*, ranne* 
Magerli*g [so], hed weder Fleisch «o«* Bluet und d' 
Hut ist notte* [dennoch] guet GrD. ,Permacer, gar 
mager, ein mägerle.* Fris.; Mal. — Mägerli von einem 
Yb *mägerlen, Megerling unmittelbar von mager abgeleitet. 

mägersch (in GWa. megersch): etwas mager Ap; 
G. — Vgl. närrteh ans ,nftrrisch.* 



Bot-Magetji: Rotkehlchen PAl. 

Der Annahme, dass sich hier das mhd. ,maget*, Magd, 
i. S. V. Jungfrau erhalten habe, so dass es = ,Rotjüngferchen* 
wftre, scheint der Umstand entgegen zu stehen, dass wenig- 
stens die jetzige MA. fUr Mädchen nur Maitji kennt. 

Magisl', seltener Mögest n.: Magazin Z. 

Magisträte": Gericht aus zerhacktem Fleisch, wozu 
man gewöhnlich das übrig gebliebene Fleisch des 
Mittagstisches verwendet SStdt Sjn. Fleiseh-Blätzli, 

— Zu der Übertragung vgl. Landjäger. 

Magnus Manges, Dim. Mangesli Uw, auch nur 
Mang Sohw; Uw, verächtlich Mängel Uw: männlicher 
Taufname. 

Die AuBspr. -«gr- beruht auf der früher und z. T. jetzt 
noch da und dort üblichen Weise, die genannte Gonsonanten- 
verbindung umzustellen; -e» aus -im wie -i» in KatU; s. Bd 
III 502. Die Kirche des heiligen Magnus in GStdt noch 
jetzt St Mangen benannt. Über den Glauben, der sich an 
den Heiligen und seinen Stab knüpft, s. Lüt., Sagen 313; 
Osenbr., Rechtsgesch. 1868, 145. 

magollin. ,10 silbrin bächer m.' 1566, L Inv. 

Es lässt sich kaum entscheiden, ob hier ein dim. Subst. 
oder ein Adj. zu einem vorauszusetzenden ,Mag011e* vorliege. 
Jedenfalls steckt darin churw. magöf, majöt m., Trinkglas; 
dies zu nuujioula f., Steingut, it. tnajoUca^ urspr. von der 
span. Insel Majorka. Vgl. Gr. WB. VI 1901 s. v. Meief. 
Bei Schm.-Fr. I 1575: ,Magele, Magölen, MakhOllein.' 

Magrdne* f. = Makaroni und Makrone Bs; Th; Ndw. 

MSgetli: Pflanzenn. = Glas 8 c (s. Bd II 644) Aa. 
Syn. Gemsdi Bd II 321. — Wahrsch. stehen gebliebene 
alte Form für Mägdli, vgl. Jümp/erli Bd I 1248. 

Migi Al; „Gl;" L; ScuSt; Th; Zg; Z, Mägich 
AAEhr,, F., Z.; Sch; Th, Mägis ScHSt, Stdt, Mags 
ScHBuch, Schi., Mögt AiLeer. — m.: 1. Mohn, pap. 
somn., bzw. der zu Öl verwendete Same; vgl. Mag-Öl 
Bd I 182. De' Schlaf schüttet sin Mägi uf d' Chöpf. 
UsTERi. ,Us hanf, us Ijnsat, us mäge öl machen.' 
1431, Z Müllerbr. ,Magsamen, Mohn, Mägiblumen, 
pap. sativum.' JCSulzer 1772. Bisweilen auch wegen 
der Gleichheit des Samens und seiner Verwendung 
missbräuchlich für ölreps, Lewat, brassica napus Z. 

— 2. (Megi) das, was nach Auspressung des Öles aus 
Nüssen, Leinsamen oder ölsamen übh. übrig bleibt 
GG. Sjn. Chrüsi. — 3. Klatschrose, pap. Bhoeas AAEhr. 

Ahd. mago, mhd. tn4ige(n), mähen. ,(öl-)Magen' noch im 
Tierb. 1568. Auffallend ist die Kfirzung, welche der Stamm- 
vocal bei uns erfahren hat; dass sie auf Anlehnung an 
Mäge* I beruhe, indem das Volk den Mohnkopf und seinen 
Inhalt mit einem Magen verglichen h&tte, ist nicht unwahr- 
scheinlich ; vgl. , Katzenmagen' bei Gr. IVB. ; doch der gram- 
matische Wechsel von g und h im Mhd. deutet darauf, dass 
es eine Form mit kurzem Yocal schon in alter Sprache ge- 
geben habe. Die in unsern MAA. Torherrschenden Formen 
sind wohl nach Chümmi, Chümmich, Chömmi» (Bd III 294) 
gebildet; vgl. noch ChimU. Ob Maga aus den Synn. Mag-Sat 
und Mag-Samen verkürzt sei, ist zweifelhaft; vgl. Pflanzen- 
namen wie ,Reps, Spars'; Magt viel], aus der copolativen 
Verbindung des W. mit Leioat und Letzterem nachgebildet. 

Maagel »m.": 1. „Dämmerung BO.; VO;" Z. ,Cre- 
pusculum, mougel, die zeit, wenn tag und nacht 
scheidet am abend.* Fris.; Mal.; Syn. Mugel. — 
2. düstere, trübe Witterung Zo. 

maugel: Adj. 1. „dämmerig BO.; VO; Z." — 
2. vom Wetter, trüb, bewölkt, „neblig", auf Begen 
deutend AiF., Hold., Seet.; BHa.; VO; SsJura; „Z.« 



105 



Mag, meg, mig. mog, mag 



106 



itfe* ^ö<{ nui go mähe^y 's ist m, AAWohL — 3. vom 
Gesichtsansdrack , düster, missyergnügt B (.tristis.* 
Id. B) ; L. Jlfe* g'sehd [am Sängerfest] kes ms G'sicht 
HlFL. 1813. -- 4. unwohl AASeet. 

Zum Stamme mug-, auch (durch folgendos l oder r) ge- 
sch&rft maugg-: Tgl. engl, mug^ Nebel, Dunst, muggy, feucht, 
dunstig. Ais Wurzel liegt viell. das gr. pÄo), blinzeln, zn 
Grunde; vgl. die Anm. zu naulen und ,munkeln, munken* 
bei Or. WB. VI 2697 f. Bei der BA. e» ist m. kann man 
schwanken zwischen subst. und adj. Auffassung; Tgl. glan». 

tag-mangels: Adv. UwE. T, aüfstä; bei der 
Morgendämmernng anfstehen. T. hei^^chö*, vor Ein- 
brnch der Nacht heimkommen. — Temp. Gen. wie «Mor- 
gens, Tags.' 

manger: 1. dämmerig. ,M., heiterlächt, sublustris.* 
Mal. — 2. = maugd 2. ,M., tusel, trüb, wolkicht, 
feucht, ndns, nnbilosns, plnviosus.' Rkd. 1662. 

mangere": (anch refl.) kränkeln, bes. vom Vieh, 
liegen bleiben, nicht fressen wollen AAFri. ,Wann 
ein Stück Hornvieh sich maugern und erkranken 
wurde.' Bs Mand. 1715. Syn. mauderen, 

mangle": 1. dämmern „BO.; VO; Z", spec. am 
Abend Schw; U, am Morgen Ndw. Es mauglety wenn 
die Sonne untergegangen ist Scbw. Um Maugleszlt, in 
der Abenddämmerung, ebd. Er isch eso zwischet Tag 
und Nacht cho»; es het afig g'maüglet USil. — 2. vom 
Wetter, „nebeln BO.; VO; Z"; zeitweise sich auf- 
hellen, dann wieder trüb werden; unsicher sein Aa; 
Uw. Es häd (si'^J g'mauglet, der Himmel hat sich 
umwölkt Aa. — 3. mit den Augen zwinken Uw, wie ein 
Schlaftrunkener die Augen bald öffnen, bald schliessen 
Ndw; „üürs." Syn. maugglen, — 4. fmaugele') dahin- 
siechen ScHwMa. — 5. roh, sterben SchwMuo. 

ab-: langsam dahinschwinden, sterben, zu Grunde 
gehen, bes. vom Vieh S; ü. 

ver-: zu Grunde gehen, vor Elend usw.. verenden 
LG. (mit haben); Schw. ^yn, ver-mauzen, -reblen. Er 
ist so toit usse^, dass d" meintist, er tcett alli Augen- 
blick V. ScHwNuol. Vermauglet als Steigerungsadv. 
„L." Syn. verreckt. ,ünd fitzt dich [schlägt dich] v.* 
Balz 1781. 

zue-: him Z., ,beim Zunachten*, bei Einbruch der 
Dämmerung aScnw. 

Maugli f.: Abenddämmerung SchwMuo. I^han-e* 
»• der M, g'seh* verbl gä: 

mauglig: halb bewölkt, trüb Aa; BHa.; SB., NA. 
Syn. hol. 

MS'giggel m.: 1. Brettchen, Sieb, welches in der 
Mühle das Getreide herunterrüttelt ZRafz. — 2. Wind- 
häspelchen, Wasserrädchen als Spielzeug der Knaben. 

ebd. — Wahrsch. aus Mifl-Gäggd; vgl. Oäggd, gäggeUn, 
GäggeUr (Bd II 169) und das analoge Nüggeier, nägyelen, 

mi^gele" AALeer. ; L; Zo, me^gene* UwE.: meckern. 
Syn. mdggelen. 

Vgl. gr. p,TpcdO|iai, das far das Germanische h (mhd. 
mechaen)y bzw. g erwarten Iftsst. So wird wohl anch ck des 
schriftdeutschen W. wie des Boner ^schen mtcke, Ziegenbock, 
auf gg beruhen. 

Mege* f.: 1. „Kinderpuppe in Gestalt eines ein- 
gefaschten Kindes Aa.** Syn. Bäben, — 2. „Schimpf- 
name auf ein unflätiges Mädchen, ebd.** 

Gleichsetzuog mit ,Maria' Iftgo begrifflich nahe, und es 
m(Sgen die Koseformen dieses Namens verglicben werden. 
£a flUlt aber auch das syn. Mäggm in Betracht. 



Mige] GnKübl., Migeli I Dim. Gr; GO.: 1. Bro- 
samen, Krümchen von Brot, Käse, Zieger u&w. Gr; 
GO., S., We. — 2. (PI.) geröstetes Mehl GWeisst., ge- 
rösteter Mais mit und ohne Butter GMels, in Butter 
gekochte Mehlknöllchen (nicht Klösschen) GnChur; 
GMels. Syn. Bibel. — 3. eßj Migeli, typische Be- 
zeichnung des kleinsten Quantums, ein klein wenig, 
ein Bisschen GRPr.; GO., Sa. Syn. Brös(m)eli. Es 
Migeli Schmalz [Butter] GRKübl. Auch verdoppelt: 
e M.y M. Gr; vgl. es Birebitzeli. Nid e M. Es M, 
Impert und es pär Lörbone* müessend-er au^^ no*^ hä^ 
GnPr. (Schwzd.). Es M. lichter sl 's-ere"* [der Kranken] 
a's nächtig GnSchiers. 

Von chnrw. migla. 1. Brosame, Bisschen. — 2. Teig- 
gericht aus winzigen Teigkrflmchen; lt. mioa, frz. mUtte in 
Bed. 1 und 8. Länge des i ist nicht immer bezeugt; in 
GWeisst. ist es i', welches i voraussetzt. Vgl. auch Mu^en, 
Mujgen, MiggUn, Mirgd. 

üf-migele°: die Oberfläche des Gebäckes brosaro- 
artig aufreissen, kraus machen; Syn. schrämen? «Dass 
die pfister, feiler hinfüro die simmelring u., brechen 
und in einer grosse, ässig, guet machen.* Z Batsver- 
ordn. 1568. ,Zuodem brSchind und ufmiglind sy die 
ring so gar schlechtlich, das nit allein nit lieblich zuo 
essen, sonders glych inen euch am vertrib und kouf 
nachteilig.* ebd. 1582. 

ver- GSa. (auch -gg^). ver-miglc^ GRChur, He., zer- 
GRPr. : 1. tr., zu Brosamen zerbröckeln, zerreiben Gr 
Chur, He., Pr. D's Fräuli tued 's Schnifeli Brod mit 
dem Hegelpätschli schinte* gär chlei^heriy um d's Brod 
ringer zermiglc^ und vermalgge* z' chonn^ mid de* 
Zendstumpe^ GnSchiers (Schwzd.). — 2. intr., in Bro- 
samen zerfallen, z. B. Käse GSa.; Syn. ver-brosmen, 
ver-hrmmelen. D*s Brod ist-mer im Sadc vermiglet, 

migle": in kleine Teile zerschlagen GRPr. 

Nlgeli II n.: Schweinchen und übh. jedes kleine 
Tier, das geschlachtet wird Sch (Kirchh.). 

mlge": schlachten Sch. 

Miger m.: Schlächter, Metzger Sch. 

Die Koseform Migdi viell. wie Miggi fUr Kätzchen, laut- 
malend nach der Stimme des Tieres, die bes. beim Schlachten 
sich geltend macht. \g\. auch mtggen. 

Migi, Dim. Migeli: Remigius L; Schw; üw. 

Vgl. Lari (Hiiarius) und Anm. Dazu wohl: ,Ein dummer 
L&nder-Migi.' Ndw Kai. 1862, appellativ wie Jogget, liuedi; 
Bahi; vgl. auch Miggi. 

Miglen PL, Migling m. = Midd-Fisch, MiUing ZSee. 
,Es soll auch niemand kein miglen fangen von einem 
St Martinstag unz zum andern.' Mit der Note: ,M. 
seind jung bläwling.* 1512, Fischer-Einung auf dem 
ZSee (ScHwE. Klostcrarch.). »Allerlei kleine albulen 
werdend zue Zürich migling genennt.' Fischb. 156B. 
S. noch Felch Bd I 800. ,Wir verbieten das Fähen 
der Miglen und des Brüets.' Z Ges. 1757/79; vgl. 
,Mügli', eine Fischart im LSec 1423. 

mieglieht: braungestreift, von schlechtgebackenera 
Schwarzbrot, an dessen Krume inwendig ein brauner 
Streifen entlang läuft GrD. 

Mögel m.: 1. ^Schraaddcrer", Einer, der schlecht 
schreibt, Schmierer Sch. — 2. Schimpfname für eine 
hässliche oder dumme Person, ebd. Dim. Mögili. 

mögle": „schmaddern*, schlecht schreiben, sudeln 
ScH. Abi. Möglete^ f., Sudelei. 



107 



Mag, raeg, mig, mog, mug 



108 



„mögWg: geschmaddert, wüst"; Dim. mögüig. 
Vgl. mögglen 11, dessen gg sicher bezeugt ist, während 
einfaches g auf schwachen Füssen steht. 

MÖg m.: kleine Gartenschnecke GaPr. (Kdspr.). 

Ver-mög: Inhalt, Wortlaut, Aussage. ,Nach us- 
wysung und yermög der spruchbriefen.* 1523, Absch. 
,yon lutrem und hellem y. uusers landsfridens.' 1532, 
Strickl. ,Nach Laut und Vermög der Mandaten.' 
1533, Hess, Samml. ,Ü8 yermug eines zusags.' 1538, 
Z Burgerb. , Wider y. der schrift.* Vad. ,Nach Laut 
und Vermog unser Chorgerichtssatzung.* B Mand. 1648. 

Das in seiner Bed. sich eng an vermögen S anschliessende 
Sqbst. ist, wie das syn. ,Laut\ schliesslich nach Unter- 
drOcknng der Prftp. selbst zur PrÄp. geworden. ,Verniög 
sprflchen und vertragen.' Kessl. ,Vermog syns zedeis.' 1562, 
B Staatsrechn. , Vermog ufgerichter brief und siglen.' 1572, 
ZThalw. OfPn., neben: ,nach vermeg.* ,V. meiner schuldigen 
Pflicht.' 1618, JJBreit. ,Vermog Vertrags.' B Abzugsordn. 
1715. Vgl. Gr. WB. Die Form schwankt nach den ver- 
schiedenen Vocalen des zn Grunde liegenden Verbums «ver- 
mögen'; vgl. noch Ver-ntag. 

mögele° I: unpers., yon Speisen, die Appetit 
erwecken ZWang. 

mögeligTn, p'm. Bs: appetitlich, hcgehrenswert, 
einladend, reizend. Syn. gemöehtelig, mögig. 

möge", hzw. me'ge*, Ptc. g*möge* FS.; WGräch., 
Lö., mo GrV., g'megut WSaas, sonst wie der Inf.; 
Präs. Ind. Sg. 1. 3. F. tna B; PAL; S; ZW., sonst mag; 
2. mäsch B, sonst magst; PL mönd G; ZO., möu, mü 
B, sonst möge'd; Cond. mieg ZKn., Limm., mächti 
ScHwE.; WGräch., meddi WNaters, müechti Th (Stell), 
sonst möchtfijf in ThHw. -ö-: 1. kräftig, gesund sein; 
meist mit Ncg.: nüd, nüd am beste*, schUchtli'^, übel 
m., unpässlich sein, kränkeln BR. Nid so wol m., 
unwohl sein ApHundw. Wer c* chll rück mag [nicht 
verzärtelt ist], D^ mag df Wi*" trinke* ApSchöngr. 
Dur^ 's Nidmege* tourd '5 im «i** ha* virsterchered, 
durch Unwohlsein würde sich bei ihm die Schwermut 
vermehrt haben BHa. i** mag nümme* 1) bin nicht 
gesund BB. — 2) bin erschöpft, kraftlos (mit Be- 
tonung von magj Th; Z. ,Die allerbest ze fuess moch- 
ten', die besten, kräftigsten Fussgänger. 1425, Gl ürk. 
,Wüss, myn husfrow, dass ich wol mag, früsch und 
gesund bin.' 1440, B (Gfo.). ,Nun warend die Cristnen 
als muod und als kreftlos worden, bede von arbeit und 
von hitz, dass sy nüt mer möchtend.* 1475, Volksbb. 
,Als er lang Übel gemugen hat [kränklich gewesen 
war].' Sicher 1531. ,Myn at ist schwach, dass ich nüt 
mag.' Haberer 1562. ,Infirma valetudo, ein blöde ge- 
sundheit, da einer nit ze bett ligt, mithin aber übel 
mag.' Fris.; Mal.; vgl. vbd-mögend. ,Wie ist unser 
Urselin so christenlich gestorben; ich mag nit mer. 
So ich an das Urselin gedenken.' ThPlatt. 1572. ,Den 
sterkern und bass mögenden.' JRLandenb. 1608. — 
2. vermögen, können, in phys. und geistigem, mora- 
lischem S. a) mit Inf., dem in lebender Sprache ge- 
vorgesetzt wird, während es ohne gt' ,Lust haben' 
bedeutet; vgL hierüber ge- 5 Bd II 47. In PAL, wo 
das Präf. ge- vor mögen als Prädikats-Verbum treten 
kann, entsteht dann ein Unterschied zwischen ich 
g^man, ich kann, und ich man nid, ich mag, will nicht. 
Es mag g*s%; es ist erreichbar AALeer.; Z. I** mag 
das Stuck nüd g'esse*. Was mer nüd g* wir de* mag, 
Äan-t** kei* Trüre^ d^rab Z. ,Ich mochte gar nicht 
erwarten, bis ich antreten konnte.' Gotth.; s. noch 



ver-heben Bd II 908. ,Hat im nieman syne gründ 
g'mögen umkeeren.' Zwingli. ,Da man nun die schloss 
ufgetreit, do mocht man die stüblitür nit ufbringen.' 
1534, Äo.TscHUDi. ,Ich mag dir nit bezalen.' OWbrdm. 
1552; dafür: ,kann.' 1588, Herb. ,£r mag die strafen 
der Sünden hinnemen.' ebd.; dafür: ,er hat macht.* 
1588, Herb. ,Die menschliche blödigkeit mag nit 
gnueg tuen.' ebd.; = ,vermag.' 1588, Herb. ,.\ber 
überwinden mögend si dich nit.' 1587, Jerem. ,[Der 
Tod meiner Hausfrau] verdross mich so übel, dass 
ich meint, ich möcht iren myn Lebtag nit vergSssen.* 
1603, Ardüser. ,Dic fünf torachton Jungfrauen eileten 
zu den Krämeren und widerum zur Hochzeit; aber sie 
möchten nicht geschwind g'nug kommen.' FWtss 1673. 
,Traurig ist 's, ^wann bei den Armen Holz oder Decke 
gebricht, mögen sie ja nicht erwarmen.' Z Neuj. M. 
1798. — b) scheinbar abs., in Wirklichkeit aber el- 
liptisch, mit zu ergänzendem Verbum. ,Lauf, was du 
magst.' Gotth. ,Meine Alte und ich sind schitter [dem 
Zusammenfallen nahe] und mögen nicht mehr nach.* 
ebd. ,Wenn ich ab Tatsch [vom Flecke weg gehen] 
möchte, ich gienge auch mit, aber mit meiner Gliedsncht 
in der Hüft komme ich nicht ab Platz.' Ndw Kai. 1889. 
Wie tankt rft*'* mm Most? Mag-er a* 's Webmeisters? 
Ap. Die ma/f wol, die kann wohl (Aufwand machen). 
Gotth. Es gät, wie 's mag Aa ; Th ; Z. 's mctg Heckt 
[sein], es kann leicht sein AALeer.; s. Bd III 1048. Mer 
mönd bloss [mit Not] Meister Z. Wit möge*, z. B. mit 
einem Stein wurf, einer Arbeit, einem Marsch, Lesen 
in einem Buch usw. Tu; Z. Er häd nüd wit möge* 
*" dir ZU. Di^ Herdöpfel möged nüd i* de* Chorb 
ine", der Korb fasst diese Kartoffeln nicht Z. Ä* 
öppis, Öpper ane^ m., hinanreichen, ihm gleichkom- 
men Th. /«* Im* nüd uf de* Baum ufe* möge*, meine 
Kräfte reichten nicht aus; abcrauch: ich hatte keine 
Lust dazu Th; Z. S. noch üf Bd I 120, üsBdl 553, 
fürhin Bd II 1345. ,Mag ich, so will ich selbs doby 
syn.* 1475, Bs Chr. ,Quam potui, als ich gemögen 
hab. Citra satietatem data glans, nit als vil sy 6ssen 
mögend, oder nit als vil in sy mag. Aedes nostrae 
vix capient, sy mögend kaum in unser haus, unser 
haus wirt sy hart mögen fassen.* Frib.; Mal. ,Es 
half als vil, als mocht' 1584, ArdOseb. ,Die ir gern 
geholfen, aber nit gemögen.' 1601, Gfd. ,Die Kirche 
sye zu eng, mögend nit alle Kirchgnossen daryn.' 1652, 
Z OGlatt; s. noch KoUatz Bd III 210. — c) scheinbar 
mit Acc. Obj., das aber ebenfalls von einem zu er- 
gänzenden Vb abhängt, a) mit pers. Obj. Eine* m., 
Jmdm an physischer oder auch geistiger Kraft über- 
legen sein. allg. Es hat Keiner der Ander m., Keiner 
von Beiden blieb Sieger. Er mag-nen im Schunnge^, 
im Schribe^ BR.; vgl. ,Das mag-ne, hoc persuadetur.' 
Id. B. In Mängem mög in sicher Ekein. Breitehst. 
I^ &*■ der Stärkst, ♦«* ma-n-ech aü. B Hist. KaL 1851. 
,Es sei im ganze Bernbiet keine Küherstochter, die 
mich möchte, und es werde nicht mancher Kühers- 
sohn sein', prahlt eine auf ihre Stärke stolze Vieh- 
magd. Gotth. ,Sie wolle zeigen, dass mit Husen sie 
Keine möge.' ebd. ,Er mög [übertreffe] d'r Pfarrer 
weit.' ebd. Auch mit Dat.: Ünsche Pläss [Kuh] hed 
der Herchue m., hat ihr obgesiegt (im Stossen mit den 
Hörnern) GrD.; vgl. Hdggel Bd II 1097 und ge-hand 
Bd II 1396. Der hä^-tner 's m., colui mi ha vinto PAL 
Abs. Der hat a* der Abstimmig m., hat gesiegt in 
der Wahlabstimmung SchwE. (Lienert). Auch übertr.: 



109 



Mag, meg, mig, nog, mttg 



110 



,Da8 Kirschen wasser möge d* Lüt yiel schneller [rui- 
nieren sc] als der Branntwein.* Gotth. D^ 65er häd 
Mängel m,y der Wein von 1865 hat Manchen berauscht 
oder ihm den Tod gebracht Th; ZS. Übertreffen, an 
List: ,Die meinen, wie witzig sie seien und verstehen 
doch Nichts; einmal für 40 Kronen habe ich sie m.S 
d. i. 40 Kronen habe ich ihnen abgewonnen. Gotth. 
Unpers. Es häd-e^ fnög0<^, die Krankheit hat ihm den 
Tod, die Geldschulden haben ihm den Konkurs zu- 
gezogen Tb; Z; bes. aber von Gemütsbewegungen: 
übermannen, einen überwältigenden Eindruck machen 
Aa; Bs; B; Th; Z. Es Äat-wi** (sdiier) w., ich habe 
(beinahe) weinen (seltener: lachen) müssen vor Rüh- 
rung, Schmerz, Ärger (Lachreiz); auch von Ekel: es 
brachte mich (fast) zum Brechen, 's het-mi^ im 
Innerstem m. Bs (Becker). Wo der Vater »■ Hm grus- 
lige Zorn das Vreneli Möntsch titeliert het, jo Das het 
in m,, Das het im Jokeb in 's Herz g'längt. Breitenst. 
Das het-mi^ du m. und »** fdh a* springe*, B Dorf- 
kai. 1870. Das hä^-mer 's m., cio mi ha soprafatto 
PAl. — ß) mit Sachobj. öppis m,, eine Last zu heben, 
tragen vermögen, eine Arbeit zu rechter Zeit zu Ende 
bringen Bs; Gl; Th; Z. Magst di* Chorb? I«* mag 
hüt du* Strumpf nümme* Z. I«* mag 's n&d fertig 
Gl; Th; Z. TTmn-er-t [euch] wered, somöged-er dÜ* 
Acker [sc. pflügen, schneiden, hacken] bis z' Äbig, 
Oid 's wol üs? Möged-er 's? Anrede z. B. an Mähder, 
Feldarbeiter usw. Sprww. 1869. I** voett, t** möeht 's, 
mein Wunsch wäre, das Pensum fertig bringen zu 
können Z. Dir Stich mag ich (beim Kartenspiel), ich 
habe eine stärkere Karte Gl. Magst ? fragt ein Spieler 
den Andern, d. h. hast du hiefür eine Stichkarte? — 
d) gepaart mit dem syn. ,können.' Der d' Lüt bidrängt, 
wo-n-er cha** und maf. Hofst. Do jommeret das Fräuli 
gar bidurlig: 0, i** cha 's nümme* und ma '« nümme*! 
BWtss 1863. Wo-mer cfiönd und mönd, helfed-mer 
enand ZO. ,Beholfen und beraten syn, mit was er 
dann kunne und muge.* 1495, G Küchenordn. ,So 
wir getuen sollen, könnden und m.* 1525, Strickl. 

— 3. Lust, Neigung haben zu, gerne wollen, a) mit 
pers. Obj. im Acc. Ap; Bs; GF., G.; Th; Uw; U; W; 
Z, im Dat. Gl; GA.; Z, Jmdm gewogen sein, für eine 
Person Wohlwollen, Sympathie, Vorliebe haben ; auch 
etwa mit Zusatz von wol, guet. Si händ enand nie 
m,, standen nie mit einander auf freundschaftlichem 
Fuss Ap; G; Th; W; Z. Ermag-ennüd, hat persön- 
liche Antipathie gegen ihn; er mag-em nüd Z, Nüd 
GA., ebenso, doch auch in dem differenzierten S.: 
fördert seine Zwecke, Bestrebungen nicht Z. I^ mag 
sus [es] nit, ich kann's nicht leiden W. Er mag im 
vil s%; ist ihm gewogen Gl. Es hät-is hüt nc* wol m., 
das Wetter blieb uns günstig, der Erfolg ist uns nicht 
ausgeblieben Th; Z. Scheinbar mit Gen., der aber 
von dem subst Nut bedingt ist: ,1«* wo* dine* Nüt, 
aversor te.* Id. B. Der Inf. subst: 's het dem alte* 
Wütlig 's Möger gär nöd g'ha; G Kai. 1894. Unpers., 
von günstigem Wetter : Hüt het 's na m. B oHa. 
(Grussformel). Verbunden mit können s. d. Bd ÜI 323. 

— b) mit Sachobj. und abs., bzw. mit unterdrücktem 
Obj. (oder Inf.), Lust und bes. Appetit haben, allg. 
Magst Brot? Ich man d's Fleisch nid. Er mag vil, 
wenig, d. h. essen, trinken. Er hat 'denkt : Vom s&be* 
Fass mag-i'^ Nünt mer, BStell 1888. Qott Loh, dass- 
mer 's hei, Gott Lob, dass-mer 's meii, Gotth. (Tisch- 
gebet). S. noch Hund Bd II 1421 und vgl. Mögi. - 



c) mit Inf. Er mag wider isse* [nach einer Krankheit]. 
Fraue*, wo nüd gumpe* mönd wie d' Ghind, Müller, 
Jgdschr. I^ mag mühalter, ich stimme bei (Formel 
bei Abstimmungen). Ap Kai. 1859. Jetz sind s^ jo sehe* 
z'friden und mönd wider lache*. Stutz. D' Lüt lache* 
jetz no^'' u*'' mün-im 's gönne*, B Dorf kai. 1871. Jo, 
i^ möcht 's wüsse* ! Das will ich meinen Bs. «Pfeift 
der Wind uns auch durch 's Haar, mögen wir nur 
lachen.* Z Neuj. M. 1784. I«* möcht au^! ironisch: 
Das lass ich schön bleiben AALeer.; Bs; Th; Z. Am- 
plificiert durch ,wissen': I^ ma^ und weiss nüd, ich 
habe durchaus keine Lust Z. — 4. moralische Mög- 
lichkeit, wie nhd.: dürfen BBr., Ha.; U. Dumagsi'Se 
ni*, darfst sie behalten. Mag 's m%*s sin, darf ich 
es als Eigentum behalten? BHa. Er mag nit, darf 
nicht U. ,Es magen an die zedel geschriben werden 
allerlei namen.' G Gesellenschiessen 1485. ,Si esset 
licitum per nautas, wenn ich der schiff leuten halb 
gemögen hette.* Fris. — 5. sollen, müssen GrS. Nu*, 
i* Gotts Nammer, me* tr»rd-si«* halt mege* dri* schicken. 
ScHWBizERMUND 1891 (ü). — 6. mit dem Gen. dessen 
oder s%n, daran schuld sein; gyn. vermögen. Ich ma^ 
si* nid PAl. ,Sind dann schon vil schantlicher under 
inen, was mögend dess die gueten?* HBüll. 1530. 
,Was mögend wir syn, qu'en pouvons nous?* Haimonsk. 
1531; ähnlich mehrfach. ,Ich pitten üch, ir wellent 
myn Früntschaft mynes Tods nit lassen entgelten, 
dann si mag dessi Nüt.' 1607, AroOskr. Mit Präp.: 
,Wir mögen nüts für das geschrei*, wir können Nichts 
gegen das Gerücht tun. ThPlatt., Br. 

Mhd. mugen, mügen in Bed. 1, 2 und 6. Wo in den 
Belegen ,niOchte* als Ind. (so auch bei DTomann 1708 und 
ZZoll. Tagb. um 1750: ,£& wäre so heiss, mau möchte es 
fast nicht erleiden*) vorkommt, ist Dies zu erkl&ren aus dem 
Bestreben der MA., sich irgendwie für den Mangel dieses 
Modus im Pr&t. zu helfen. Zu mönd vgl. yönd, ehifnd, lOnd, 
9önd, 9t0nd usw.; ,8y mond/ schon 1433, Gfd, ,niönd.* Ruef 
1540; RSchmid 1579. In ma, ma$ch, mOu das g verflachtigt 
viel], nach Analogie von «schlagen* oder nach Analogie von 
ehä**, cha**»t; la, lOtt; mOu nach chGu, liiu, teei. Zu mieg 
Tgl. 9chlieg und chient in der Anm. zu ehtSnnen Bd III 324. 
Meddi wohl assimiliert aas mächti oder möehti oder nach 
Analogie von teetti. Ein Cond. ,mahte* und ein Ptc. «gemOgt* 
schon im Mhd. ,Muchi* = magst. XY., LUt, Sag. Was die 
Bedeutung betrifft, so findet sich der unter 2 c a aus GrD. 
bezeugte Dat. schon bei Notker: ,nbe du ne hilfest, sd gemag 
er mir.* Über Vertan seh ungen oder Übergftnge der Modal- 
begriife (betr. Bed. 4 und bes. 5) vgl. den Schluss der Anm. 
zu ehönnen aaO. 

Üher-: überwältigen; überwinden. ^Das war zu 
viel für mich! Das übermochte mich.' Becker 1868. 
,Die Kirchen Gottes ist nie übermögen worden.* FWtss 
1672. ,Solches Gebet muss den Allmächtigen ü., den 
Unüberwindlichen überwinden.* JJUlr. 1727. ,Da ein 
jedes Lüftlein sie übermag.* ebd. — a"-: 1. langen 
Ndw. Das Seil mag nid ä*, — 2. angehen Nnw. Fül 
sl* mag bi dem Pur gar nid a*, geht bei ihm gar 
nicht an. Das mag nid ä* Ndw. — 3. Eim a.. Einen 
anmuten AaLeer. Si mag-mer nid ü*, 

ver-: 1. die (Geld-)Mittel zu Etw. haben. S. Hund 
Bd II 1421, Chaiz Bd III 587. Er vermag 's wol, hat 
dazu reichliche Mittel. Er vprmag fsj z' warte*, z. B, 
mit dem Landverkauf Bs; Th; 7i, ,Im nächsten Dorfe 
trank man wieder eine Flasche ;' der Götti musste 
zeigen, dass er auch Etw. vermöge.* Breitenst. Wenn 
ir numme* guete* Wi* vermeut und de** am Abend 
hei** plampet mit euem Milchgeschirr wie-ne* Kue mit 



111 



Mag. meg, mig, «lOg, rang 



112 



ere^ grössef" Tringele^! B Hist. Kai. 1777. ,Eine Fa- 
milie, die kein Brot vermag.' B KaL 1841. ,Heu kaufen 
vermag unser Einem [s. Bd I 272] nicht.' Gotth. ,Sich 
gross machen [den Grossen spielen, Aufwand machen], 
ohne es zu v/ ebd. Wer 's vermag, ka** schnupfe^ und 
röhe'^ [rauchen] GBern. Ich vermag z^ laufen, ironisch : 
ich bin nicht so reich, um mir das Fahren zu er- 
lauben Th; Z. Er vermag öppe^ 10000 Fr., hat so viel 
Vermögen Th; Z. Es ist Einer ken Bür, wenn Einer 
nid en ruehige^ Ma** vermag LE., sich durch die 
Wechsclfalle, welchen er in der Landwirtschaft unter- 
worfen ist, aus dem Sattel heben lässtV S. noch haben 
Bd II 871. ,Sy straften den um 100 fl., disen um 80, 
je nachdem, einer vermocht.' WSteiner 1582. ,Ich 
meint, er vermocht eins fürsten guet* Salat 1537. 
,UeFod«s mächtig ist im gwalt; vermag's an landen, 
lüt und guet, dass im das gemein volk nit vil tuet.' 
Aal 1549. ,Wir wend trinken, dass schwitzend d' wand. 
Wir band ein herren, der *s vermag.' Haberer 1562. 
,Vermag Eine nit Windlen, wie es gern wollte, so 
brauche ihm Lumpen und schneide die Fasen darvon.* 
FWOrz 1634. ,Einer, so 6 Küe vermag, soll nit mer 
als 4 Geissen haben.' 1675, B Rq. ,Der Gang vermag 
1000 Gulden; er gehet toll daher, janonium ingredi- 
tur.' Mey., Hort. 1692. ,Wenn Einer einen Gugelhut 
vermögen, so hat er geglaubt usw.* HPest. 1790. Auch 
in Bez. auf Truppen: ,I)6r herzog von Berg ist mechtig 
und vermag vil volks.' 1475, Bs Chr. ,Ir vermögen 
ist g'syn 8000 reisbarer mannen.' 1538, Äg.Tschudi. 
,Lucern vermag an streitbaren Männeren usw.' RCvs. 
— 2. allgemeiner, im Stande sein, zu Stande bringen, 
leisten können. ,St Vit hat den längsten Tag, Lucia 
die längste Nacht vermag.' Sprww. 1824. ,Der helle 
Tag vorhanden ist, der schöne Tag, den Gott vermag.' 
WiCHTERKDF. ,Schweig, leid und vermag [sc. zu tra- 
gen], dein Unglück Gott allein klag.' Sprww. 1824. 
Ebenso elliptisch in: G'schwtäle*, was t" d' Hut ie 
vermag [sc. zu gehen] AaF. ,Unsern lieben lantlüten 
ze Glarus embieten wir, die lantlät ze Switz, unsern 
willigen dienst und was wir eren und guotes ver- 
mugen.' 1394, Gl Urk. ,So ver ir lyb, er und guet 
reicht und vermag.' BossH.-Goldschm. ,Pro mca parte, 
nach meinem vermügen, als vil mir müglicli ist.' Fris.; 
Mal. (Übergang zum Subst.). Vgl. auch Glossar zu 
Hairaonsk. 1531. — 3. bedeuten, in sich schliessen, 
besagen, bes. vom Inhalte eines Schriftstückes, Doku- 
mentes usw. Er gehört vom Präsidenten was das Urtd 
vermög. Usteri. ,Wie es Gottes wort und unser amt 
vermag.' HBull. 1531. ,Wie ein abscheid das heiter 
Inhalt und vermag.' Eessl. ,Die gemeinen chronik- 
rödel vermögend, dass Otmar bei 38 jarcn das kloster 
verwalten habe.' Vad. ,Was die Urtel vermag, voll- 
ziehen.* 1652, GrD. LB. ,Die Lehenbrief der an- 
grenzenden Lehen vermögind, dass sie stossend an das 
Schnebelhorn.' 1701, Z Staatsarch. ,Die Ratserkannt- 
nuss vom 30. Maji vermag, dass usw.* 1703, Z Zunft- 
prot.j vgl. Ver-mug, - 4. bewirken; Einen wozu ver- 
anlassen, mit pers., direktem oder präpositionalem Obj. 
,Man solle im den schryber v. [verschaffen, bewilligen].* 
1531, Abbch. Die Klosterherren wenden sich an König 
Rudolf gegen ihren Abt, ,da88 er inen den zu recht 
V. [zur Verantwortung zwingen] wellt.' Vad. ,Die 
Edellüt haben an im [BuUinger] v., dass er inen 
Jesajam gelesen.' LLav. 1576. — 5. refl., mit Gen., 
a) (meist negiert) wofür können, Schuld sein woran. 



»Vermag ich mich dessen, dass mein Freund dir etw. 
Leides getan hat?" I** vermag mi** Dessen Nild, ich 
kann Nicht» dafür Ap; B; GrD.; Th; Z und schon bei 
Mey., Hort. 1692. Da vermag ich «li«* Nüt, dass 's eso 
gegangen ist Z. Si^ Nünt v,, dass 's Puiver chlepft, 
das Pulver nicht erfunden haben Ap. Wie vü Ö**- 
scholdege het 's au'\ die se [sich] ke Betzele [Bischen] 
vermöged! Ap Kai. 1848. ,Wa8 vermögen wir uns, 
dass es so gegangen?* Gotth. ,Was y. sich Andere?* 
Gbspr. 1712. Auch abs.: ,Ach Gott, ich dessen nit 
vermag!' Uolzw. 1571. — b) Zuneigung, Sympathie 
zu Einem bekommen, haben. ,Wie ein lieb ding es 
ist, wo zwei eins mit einanderen sind und sich eins 
des anderen wol vermagj' 1527, Mise. Tig. ,Adam 
hatt alle andere tier beschowet, aber keinse hat er 
sich vermögen.' HBull. 1540; vgL mögen 3 a und 
Katzen-Himi Bd II 1614. — Ver-möge» n.: wie 
nhd. 1. abstr. ,Sy tetend all ir v. [was sie vermoch- 
ten].' MoRGAMT. ,Von allem v.' OWerdm. 1552; s ,von 
allen kreften.' 1588, Herb. Jch will sein Wort, so vil 
mir möglich, ffirtragen, best Vermögens.' 1692, Gr 
VDörf. — 2. concr. a) Geldbesitz, allg.; auch dim. IHr 
wird si's Vermögen gli"* g'nueg durff* 'tä* ha* Th; Z. 
Die het es ordXigs Vermögüi g'hä: BWtsb. — b) krie- 
gerische Macht, Streitmacht. ,Wir haben uns ent- 
schlossen, mit unserm v. zue verrücken [aufzubrechen].' 
1525, Absch. Vgl. auch Glossar zu Haimonsk. 1531. 

— Lfbs-: Lebenskraft, Gesundheit. ,Als nun der 
könig alt und an lybsverraögen abgehend [war].* Ahsh. 

nahe"-, mit Dat.: 1. Einen auf dem Wege ein- 
holen Th; Z. — 2. Einem gleichkommen, es ihm gleich 
tun in Etw. B. ,Eine Säumutter [Schweinezüchterin] 
ist sie; es mag ihr keine Luzernerin nach.' Gotth. 

— zue-: 1. viiige{B.hr = nahe^-mögen 2, erreichen in 
irgend einer Eigenschaft. D«^ hürig W^ mag dem 
femdrig^ nOd zue Th ; Z. S. hancUieh Bd II 1405. ,Brei, 
bevor Kindsbreie, lassen sich schön daraus [aus dem 
Dinkelmehl] zurichten, doch mögen sie denen von 
Weizenmehl an Kräftigkeit nicht zu.* AHöpfnbr 1787. 

— 2. beikommen, aggressiv. »Welcher hett im [dem 
Papst] hie zue mögen oder etwas abgewinnen, diewyl 
er alle waffen in syner band gehept?' Kbssl. ,Diewyl 
si im änderst nit zuemochtend, verklagtend si in bi 
dem Bapst.' JRüeger 1606. 

übel-mögend BO., -mö^cd GG., T.; üw; ZStern., 
-möget L; U, -mögig Ap; GWa.; S: 1. kränklich, ge- 
brechlich (bes. vor Alter). aaOO. ; auch : geistig schwach 
L (Spillm.). ,Ich bin schon alt und ü.' Morgant 1530. 
,Dann ich merwyls zyts krank und übelmögig, ouch 
ein schwer band ze schryben überkommen.' 1572, Äo. 
TscHüDi. S. Leid Bd III 1082. ,Da die armen Lüt 
liegend, verstand krank und Ü.* ROeger 1606. «Kranke, 
ü-e, alte Personen.' 1635, Z (Spyri, Waisenh.). ,Ein 
Pfrundhaus, darinnen eine Anzahl alter, armer und 
übelmögender Bürgeren underhalten werden.' HEEscH. 
1692. ,Trage Geduld mit uns, wenn wir [alte Eltern] 
Ü. sein.' Sintem. 1759. Vgl. auch Glossar zu Haimonsk. 
1531. Dazu das Subst.: Übel-mögendi f.: Schwach^ 
heit. ,Das* etlich eerenlüt, alters übelmügende (übel- 
mögende) und sonst geschäften halb, den angesetzten 
rSchtstag gar kümerlich besuechen mögen.* 1546, Z 
Ratsverordn. 

Yg]. miitfen 1. Bei Fris. findet sich mehrnmls eio Adj. 

,unverniUgeii' i. S. t. : schwach, kraftlos; bei Mal. dafür 

' ,uDverinOgen, debilis'. Tgl.: , Fast gesund und vermögen sein 



113 



Mag, meg, mig, mog, mag 



lU 



wie ein filchter oder ringer, athletice viüere/ Mal.; daza: 
«der sass unvermOgens an seinen fQessen und was lam.* 1530, 
Apostelgesch. Das Letztere kann als adverbialer Gen. von 
,UnTerniOgen' gefasst werden, bei den andern ist ein Abfall 
von d schwer anzunehmen und es bleibt schliesslich nur 
Obrig, sie als Ptc. Pr&t. in aktivem S. zu erklären; vgl. 
ting'schla/en. 

wol-: körperlich kräftig, gesund. ,Zog man, was 
wolmogender knechten warend, uss.* Edlib. ,Was wol 
mngcnder gesellen warend und wol loufen mochtend.' 
ebd. »Integer, frisch und gesund, wol mögend.' Fris. 
,Wann der Leib des Patienten stark und wolmögend 
sein wirt, so gib ihm ein 10 Gran dieses Pulvers.' 
JRLandenb. 1608. Vgl. auch Glossar zu Haimonsk. 
1531. Dazu als Comp. ,bass mugig.' ,Er wollt bass 
mugiger syn, dann er was.' Sicher 1531. 

Möger m.: Lust. I** glauben, es 8%g nüd grad 
d's Süferlichste [Reinlichste]; ich hält eimel nüd den 
üf., im Eppis abz'futn für ^ esse* BR. ; vgl. als Gegs. 
Verleider. — Gebildet als Nom. agentis wie die Krankheits- 
namen auf -er; Eitiker, Magerer, Borer, Brenner, Spanner usW. 

Mögi m.: starker Esser, „Nimmersatt" Zg; auch 
der gern nimmt AaZ. 1815. 

Mögi f.: Esslust, Leistungsfähigkeit im Essen 
Aa; Z. E* gueti M, ha; starken Appetit haben. Er 
het en rechti M., konsumiert viel. En Salat, 6 Eier 
drüf. . . Du schinst'tner na di dlti M. z* ha* Z (ACor- 
rodi). Ja, si liend e gueti M., t*'* behaupte*, kein Be- 
formierter frisst so viL Wolp, Bauerngespr! Mehr 
abstr., Kraft, Vermögen: Der Wille* ist besser g*8%* 
ah d' M. AABad. Kai. 1852. 

mögig Ap; GrI)., Pr.; GTa.; Sch; Th; Uw; U, 
g'tnögig ApSchönengr,; GA., Stdt, T., Wa.; Z: 1. guten 
Appetit habend Ap; Z. I«* bin nüd so gar g'm, — 
2. den Appetit reizend, schmackhaft GWa. — 3. von 
Personen und Sachen, anziehend, sympathisch, ange- 
nehm. aaOO. Syn. güstig, an-mächdig. E m-s Gesicht, 
Chind <iStdt; ScB; e g^m-s Trutscheli, dickes, kleines 
Kind, das man sogleich wohl mag ApSchönengr. Ein 
Kurort ist g'm., angenehm G. Von einer Kuh, die 
den Wünschen entspricht GsPr. E m-i [anziehende] 
Underhalti*g UwE. ,Ein m-er Mann', den Jeder wohl 
mag. SoH Pilger 1885. — 4. gerne nehmend U. — 
5. „ stark an Kraft" 

u»-: das Gegenteil von mögig 3 AxWohl. (auch 
u*g'm.J; Ap; GRPr.; L; GTa.; SchwMuo.; Uw; ü. 
E* didci, wüesti, u*mögigi Schmuttere* [fettes Weib] 
ScHw. U'S Witter UwE. 

mump fei-: gebrechlich. Alt und m., von Men- 
schen, auch von altern Pferden S (Schild). — Wohl 
eig. : wer nicht mehr recht kauen, nur noch mümpfelen kann. 

be-: vermögend, im Stande, leistungsfähig. ,Das 
[sog. Jahrzeit] hat myn her der kilchen mit barem 
gelt bezalt und darum b. gemacht.' 1467, Wild, Eglis. 

Magel I = Maugdl ,Lux, die zeit abents und mor- 
gens, da man nit weisst, ob es tag oder nacht sei, m. 
Spat, m., zu spatem abend, so es anfacht timber wer- 
den, so man die liechter aufzündeu will.' Fris.; Mal. 

Magel II m.: 1. (auch Mügel BHk.; Schw) runder, 
fetter Mensch, Dickkopf B öO.; Schw. E* feisse 
Mügel. Kleines Kind mit Pausbacken BBr. Dim. 
Mugi, Mugelli, Mugdti BHa. Es herzigs M. Mugeli, 
kurze, dicke Weibsperson AASeetal. Syn. Muchel, 
Chnollen, Kugel und bes. Chrugel 2 Bd III 800. — 

Schweiz. IdioUkon IV. 



2. meist PL, Mugle*, auch Comp. Boas-M,, runder 
Pferdemist, „Pferdeäpfel" Aa; L; Schw. Syn. Ross- 
Ghuglen, -Miggen, — 3. überh. etw. Rundliches, Ku- 
geliges, z. B. in dem Rätsel von Eichel und Schwein, 

S. Chrugel Bd III 800. — Vgl. Mauggd, Muggd, Muehel. 

mugelocht: rundlich BR. 

Muger AaWoM.; Gl; L; üw, Müger L; Zo — m., 
PI. in Uw Müger und Mugeren: 1. rundlicher, kurzer, 
dicker Gegenstand ttbh., z. B. ein solcher Holzklotz 
üw. E* M. im Ofe* hed lang ane*. Spec. ,Ziger- 
Stock': ,ein müger ziger ist mit 4, ein halber müger 
ziger mit 2 haller zu verzollen.* 1531, L Zolltarif. — 
2. (spöttisch) Mensch von unförmlicher Statur, rund- 
liche Person, kleiner, dicker Mann A AWohl.; L; Uw; 
Zo; ZO. Auch von einer kurzen, dicken Kuh Gl. 
Syn. Mugel — 3. Dim. a) Mugerli G oT.; UwE. (auch 
'ü'J; Z, Muggerli GrHo.; GW., Mügerli BHa., Schmei- 
chelname für Kinder; auch für ein kleines Kalb G oT. 

— b) Mugerli SchwMuo.; UwE. (auch -u-); U (auch -»-), 
Mügerli L; aScnw; Zo, kleiner, runder Brotlaib, spec. 
kleine, semmelartige Brötchen, die paarweise an ein- 
ander hangen, aber geteilt vorgelegt werden. Jetzt 
nur aus Weissmehl, vordem auch aus ,Rauchmehr L; 
Schw; vgl. Wlss-Halberli Bd II 1171. Paustgrosses 
Brötchen, dgl. täglich eines der Bauer seinem Geiss- 
hirten zu verabreichen hat SchwMuo.; Vs Laib aScBW; 
„Uw;" ü. Syn. MutscMi. Er hed ts Sennchessi voll 
War üfg'lade*, dass ekeis Mügerli mer druf Platz g'ha* 

hätt. Schw Fasn. 1883. Ein M, Brod, ein Stücklein 
Brot Zg. — c) Mügerli, runder (unbehauener) Pflaster- 
stein Schw. »Maurersteine und M.' Schw (Bote der 
Urschw. 1882). „Backstein Schw." — d) Mügerli, ge- 
ringschätzig, kleines, unansehnliches Ding L. So in 
der Sage vom Kestcnbaum bei Horw die an Zahlungs- 
statt gegebenen Kastanien. Mugerli, mit einander 
verwachsene Kirschen, Äpfel, Kartoffeln usw. LG. 
Kleines, rundes Ding übh., z. B. Herdepfelmigerli BHa. 
Syn. Ghrügelti. — e) Mugerli, eine Halskrankheit Zo. 
Vgl. Oren-M. — Bair. Mugd, syn, zu ßed. 2 und 3 b. Vgl. 
Machen, mit dem es viell. vwdt ist. 

Ore»-Mugerli: Geschwulst in den Ohren Zo. 

— Wahrsch. eine Entstellung aus Oren-Müggel. 

Herrgotte"-: Marienkäferchen, coccinella sep- 
temp. G oT. 

G*-muger, -müger n.: Ansammlung von ,Mü- 
gern', d. i. Klumpen, Knoten, spec. 1. ein Stück Land 
mit Stein- und Erdhaufen Uw. — 2. knorriger Brot- 
laib Uw. 

mugere": 1. (auch ver-m., mugerle*) Etwas zu 
einem ,Muger', d. i. einem unförmlichen Klumpen ma- 
chen Uw. — 2. besiegen, Meister werden Zo; Z. Er 
häd in g'mugeret. — 3. (auch er-m., in ZStäfa muggere*J 
quälen, doch mehr nur im Scherze gegenüber Kindern, 
indem man sie zwischen die Finger nimmt oder würgt, 
kitzelt, gleichsam zu erwürgen droht ZO., S. Mues*- 
di*''' e* cMi* m.? Vgl. marixlen. 

Mugeri Z (Hürlim.), (Stei*-) Mügeri ZKn. — f.: 
magerer, steiniger Boden; Haufe oder Schwade von 
zusammengelesenen, etwa mit Erde vermischten Stei- 
nen; geringe Trockenmauer. 

Uieher viell. der Zg Flurname Stei*-Mäggere* (zu dem 
WechseJ von g : gg vgl. muggere*) und Mugere*. Ortsn. Z Wad. 

g^-mugerig, -mügerig: 1. von plumper, klotzi- 
ger, zusammengedrückter Gestalt Uw. — 2. ,Müger* 



115 



Mag, meg, mig, mag, mig 



116 



an sich habend ; z. B. von Holz, das viel Maser, yiele 
Knoten hat Uw. 

Mugle" f. Gl; GA., Dira. Mugeli Gl, Mügeli GA., 
G., S., Quarten (ü») = Migel 

Das lautliche YerhAltniss za Migd betr. den Yocal ist 
rätselhaft; viell. hat Mugd IJ eingewirkt. 

Hen-: PL, Heublamen, d. h. die Samen und bro- 
samenartigen Abfalle den Heues auf dem Heuboden GA. 

mugle'^, meist ab-: abbröckeln, a) intr., bes. von 
morschen Dingen Gl; GG. — b) tr., z. B. Käse, Brot 
zerbröckeln, anstatt sie ordentlich abzuschneiden Gl. 

ver-: zerbröckeln, zerkrümeln Gl; GA. Syn. ver- 
brosmen. 

g'muglet: 1. abgerundet und fett; mit fettem, 
rundem Kopf Scnw ; Syn. gemutachlet. — 2. mürbe, von 
Holz, Steinen GlH. Syn. 'brosmig, 

Muglete" f.: die durch Verkleinerung von Brot, 
Käse usw. entstandene Unordnung GA. Syn. Brosmeten, 

G*-mügel n.: 1. was aus kleinen Stücken, Ab- 
fallen besteht, klein zerteiltes Gemengsei Gl; Syn. 
Qüselj Oeniülb, Gemüider, Ffnisd, Eüst, Die kleinen 
Holzabfalle in Holzbehältern, welche als Kehricht zur 
Feuerung benutzt werden GA. Nimm d*8 Om, zäme* 
und kl '8 i* Ofen ini. Auch bildl., Gesindel Gl. — 
2. = Chratzeten 4 (Bd III 931) Gl. Syn. Tatsch, Tschü- 
chd; auch bildl. von versottcnem Fleisch : 's ist Aües 
eis Gm, 

Mflgeli n.: Kuh oder Ochs, in der Kdspr. Sch. 
Syn. Müy Mücheli, Müggeli. 

Ijautnachahmeiid gebildet wie der Name des Kuckucks, 
vom Rufe mfi/ Vgl. das folg. Yb. 

müge" AäF.; Scn, mühe* GnVaL: muhen. ,lr 
spott ward [begann] mugen wie ein kue.' 1499, Lied 
(Arg. 1861). ,[Die Franzosen habcnj uns mit schand- 
lichen Worten geschmächt und gelestert, über uns 
gemuget und unchristenliche werch zuegeleit [d. h. 
uns Küegeh%jer gescholten].* 1521, Absch. ,Die Kuh 
und Ochs m., das Kalb bläret.' FrHaffker 1666. ,Das 
Pfert wichlet und trapet, die Kueh wird mugent g'hört.* 
JCWeissenb. 1678. ,Mugen, mugire.' Denzl. 1677; 1716. 

Mhd. mügen. Syn. mü(jyen; Tgl. die Anm. zu moygen und 
Gr. WB. YI 2632. 

miglich BAdelb., mugli^^ Ap; BG.; G oT., muglig 
BE.; GRh., iii%Zi**L; Schw; Z, mu^.^K«* GnMai. ; GSa.: 
1. möglich. S%*s Müglichist tue* Z. Ei' hebet 's Mögli'^ 
und löt 's Merli laufe*. Sprww. 1869, von Einem, der 
sich mit dem Möglichen begnügt, mit Verzicht auf 
Mehrgewinn. ,Die Züricher möglicher Weise [so viel 
als möglich] schädigen.' Wurstisen 1765. — 2. kräftig, 
stark. ,Das [der Fähndrich] was so gar ein müglich 
Mann.' HsRRbbm. 1620. 

Mhd. müg(e)lich. ,Mnglich.' Zwingli; ,mnglich.' Müller 
1665; FWyss 1673. Unsere umlaatlosen Formen scheinen 
also die ahd. Stufe zu repräsentieren. Zur Fortis vor l in 
müggli'^ vgl. entli^'*, endlich, IxejUi^^, lieblich u. a. 

un-: 1. unmöglich, allg. — 2. von Personen, un- 
verträglich, so dass es beinahe unmöglich ist, mit 
ihnen auszukommen BHa. Das ist en Unmuglicher. 
— 3. fast nicht zu bewältigen, schwer passierbar. 
,Die büchsen haben wir mit schweren kosten über die 
unmüglichen birg gefertiget.' 1525, Arsch. — 4. un- 
vermögend, schwach. ,Alte, unmögliche Menner [sind 
dienstfrei].* 1674, GSa. LR. — 5. adverbial verstär- 
kend, sehr, äusserst AxFri.; Sch Bargen, St. ü. gross. 



,Er war unmüglich feisst.' 1607, ArdOser. ,Bei dem 
u. grossen Schuldenlast.* 1702, AaMuh Archiv. Vgl.: 
,E8 kam sj ein unmüglich forcht an.* KucuiMfiiSTER. 
— ver-wo^&'** Z, -möglech Th, -mögüich Sch (Sulger): 
1. wohlhabend. aaOO. ,Die Tochter, welche 3 Tonnen 
Golt vermüglich.* 1601, ArdOser. — 2. körperlich ge- 
sund, kräftig ScaSt. ,Wiewol ich noch vermüglich 
bin, von tag n6nd ab die kreften myn.* Rukp 1550. 
,Diewyl er noch vermügenlich und by gueter Vernunft 
synen letsten willen o£fhe.' RGualth. 1584. ,Ein jeder 
Armer, sowol presthaft als vermüglich, soll in syn 
G'meind gewisen werden.* B Sittenmand. 1628. ,Lybs 
halber vermögei\lich.* Z Bettelordn. 1630/34. ,[Die 
Kranken besuchen] diewyl sy noch guter Vernunft 
und vermögenlich syn.* B Syn. 1728. — 3. tauglich, 
hinreichend, stark genug. ,Dass die gar grossen 
eichigen Fass, wann keine starke und zu dero Ab- 
führung vermögliche Zug [Fuhrwerke] vorhanden 
wären, beiseits getröhlet [gerollt] werden.* FMu. Fuhr- 
ordn. 1723. — 4. möglich. , Vermögenlich, vermoglich.* 
1475/6, Bs Chr. ,In vermöglicher zyt*, so bald als 
möglich. 1521, Absch. ,Nach allem vermöglichen flyss.* 
Ansh. ,Nun ist gewüss alles das, so unmöglich dem 
menschen, by Gott vermöglich.* B Disp. 1528. ,Mit 
allen vermöglichen eeren begrüezt* Vad. — un- 
ver-: 1. ohne Geldvermögcn Sch; Z. — 2. körperlich 
schwach, unvermögend. ,Blöd, schwach, unvermfigen- 
lich.' OWerdm. 1552, = ,unvermöglich.* Herborn 1588. 
S. chiniüich Bd III 351. ,Die Kinder sollen, bis sie 
12 Jahre alt, erhalten werden, bis sie tauglich sind, 
ihr Brod zu gewinnen; es wäre dann, dass sie un- 
tauglich, unvermöglich und auch in selbem Alter nit 
in dem Stand wären, ihr Brod zu gewinnen.* 1716, L 
(Seg. RG.) ,Von wegen der krankheiten und unver- 
mügliche [Schwäche] des lybs.' RGualth. 1559. — 
3. fast nicht zu leisten; gleichsam unmöglich; uner- 
schwinglich (von Abgaben). ,Unlydenlich und unver- 
möglich Schätzungen.* 1521, Absch. — c briste*- Ap; 
GA., Sa.; ZO., christes- Obw: verstärktes möglich; nur 
in der Frage oder mit Neg. Wie iseh ai««* Christen- 
mügglig'si*? GSa. (Propb. 1855). Ist das christesmigli? 
Obw. Es ist nüd ehr., ^as» er [ihr] chönd recht tue* 
GA. Das ist ke Ghriste*müglichkeU BBe. Unchristes- 
mügli^, rein unmöglich GRChur. — mensche"- = 
christenm. Th; Z. Beide verbunden zur Verstärkung: 
Wurd meine*, *s war umentsche*christe*mügli'^. MLis- 
NERT, absolut unmöglich. Vgl.: ,So vil imer möglich 
und mönschlich gesyn wäri.* 1578, RCys. — wol-: 
wohlmögend. «Wolmügliche bitt.' 15*29, Absch.; hin- 
gegen »Wolmugligkeit* = Wohlbefinden: ,Wir bittend 
Gott, das* er üch allezyt wolmuglikeit und gesunt[heit] 
verlych.* 1442, Absch. 

Vermöglichkeit f.: l. s^ Vermögen 1. , Helfen mit 
lyb, guet und aller vermuglikeit.* 1476, Bs Chr. ,Wer 
fragt nach Gotts vermüglichkeit [Macht]?' UEckst. 
,Ouch die taatlich sünd in uns würket, so bald und 
die vermüglicheit da ist.* RGualth. 1559. — 2. körper- 
liche Kraft, Gesundheit. ,Vitriolöl behaltet die alten 
Leut in irer Vermüglichkeit und Sterke.* JJNObch. 
1608. ,Nachdem der Arzt den Zustand der Kräften 
(der Vermöglichkeiten) vernommen hat, so stellet er 
an eine Vorerkenntnus, ob die Krankheit tödlich.* 
Spleiss 1667. 

Un-V. ,Bewahre mich zu aller Zeit vor Geiz 
und U.* SuTERM. 1860. — Kann in diesem Haassprach 



117 



Mad— mud. Na|;d — mugd 



118 



entw. Armut oder Kränklichkoit bedeuten; wohl eher das 
Erstere; rgh: ,6ib mir weder Armut noch Reichtum/ 

lilha-Y, = Libsvermögen. ,Vil alter Männer wer- 
den gefanden in die 70, 80 und mehr Jahren alt und 
dennoch mit gnter L.' RCys. 

G'mttegi = l^te^ 5 (Bd I 1178) GSey. - Vgl. das 

syn. Müeggi. 



Magd, in Ap; GStdt Matt — f.: 1. wie nhd., Dienst- 
magd Ap; 6r; U. In Th; Z seltener als Maitli und 
viell. ans der Schriftspr.; vgl. Jung-frau 2 Bd I 1247 
and Maid, Mäggli, junges Dienstmädchen (gegenüber 
dem Maitli) TaTäg. In GrD., Fr. helobend und ko- 
send von der minderjährigen Tochter des Hauses, in- 
sofern sie fleissig und eifrig arbeiten, die Hausge- 
schäfte machen hilft. Ähnlich das Dim. MägÜi für 
kleine Mädchen, die diensteifrig sind GlK.; vgl. 
Chnichtli Bd III 720. ,ünd ist ein Sprichwort, wie 
man sagt: Gleich wie die Frau, also die M.* GGottu. 
1599. — 2. Mägdlein, Mädchen übh. ApI., in ä. Spr. 
keusche Jungfrau. ,An der einliftuseudMegteu Abend.* 
oft in ä. Urk. ,Der h. Megte husS d. h. Haus des Ka- 
plans des Altares der h. 11000 Jungfrauen. 1408/69, 
ZStdt. ,Mit einer reinen maget.* Tibrb. 1563. ,Seit, 
quando Jupiter duxerit Junonem, er weiss sich zu 
besinnen, dass sein Mutter ein M. gewesen.* Sylloge 
B 1676. ,In der reinen Magd*, Ackername ZBül., wo 
in katholischer Zeit wahrsch. ein Marienbild stand. 

— 3. Kostgängerin , z. B. Weberin , die bei Jmdm 
Wohnung und Kost nimmt, daneben aber auch etwa 
in den Hausgeschäften oder sonstigen Arbeiten mit- 
hilft ZG. Syn. Tisch-Magd. 

Zur Assimilation in Matt vgl. Chletten aus Chlegden, Nicht 
hieher gehört der Name tur Mägd fUr ein GeseJlschaftshaus 
in BsStdt (s. vielmehr Anm. zu Akt Bd I 165); obwohl der 
Name schon sehr fröh so gedeutet wurde: ,Domns in dem 
magtun.* 1327; ,ad virgines.* 1427. 

£ r ( e n ) - : ehrbare, anständige Magd, Dienerin, im 
Gegs. zur Buhlerin, Dirne. Eine ,Ehrcnmagd' hat die 
Meisterin im Frauenhaus LStdt (Staatsarch.). ,Dann 
sy einen Jüngling in Wybskleidcrn zue irer firmagt 
brüchi.* Rüeoer 1606. — »Fuess-: Aufwarterin, pedi- 
sequa.* Dbnzl. 1716. — Hü euer-: Hühnerwärtcrin. 
,Salome Bessert, H. auf dem Hof [zu L.].' 1658, Gfd. 

— Chüe-, in der RA.: Um 's Kaisers Bart machet 
oder uin's K. Gh. AAZein. — Keller-: Kellnerin B 
(Gotth.). ,Kellermägd, welche dabei keine Begangen- 
schaften haben.* B Keglern. 1763. — Kinds-: Kinder- 
mädchen Ap; B; Th; Syn. Chinden- Maitli. Er [der 
Mann] cha** selb aw** nüd all [immer] Chendsmatt se 
[sein]. Merz 1836. ,Frau N. hätte Annebäbeli zu sich 
genommen, um ihr Mädchen als K. zu gaumen.* B 
Hist. Kai. 1866. — ,Ler-mägdlein: discipula.* Denzl. 
1677; 1716. — Pudel-Matt: eine Magd, welche die 
niedrigsten Geschäfte verrichten (de^ Pudel machet) 
muss Ap. — Spüse"-: Brautjungfer GhL.; vgl. Spü- 
sen-Fiier Bd I 973. — Stunde«*-: Magd, welche nur 
während einzelner Arbeitsstunden dient BsStdt; Syn. 
Spetterin. — Tisch-: Kostgängerin ZG. — Wuche"-: 
ungefähr was Stunden-M. B. ,Eine Wochenmagd, die 
einmal des Tages kam, um Holz und Wasser zu tra- 
gen.* Gotth. — Zottel-: Nachtreterin, Zofe ScuStf 
(Sulger). 

magde"": als Magd dienen GA., Sov.; vgl. chnichten. 



Mägden: die Jnngfrauschaft, Jungfräulichkeit. 
,Welche frow old dim mit eim ze schaffen hat und meint, 
dass ir der selb ir megten genommen hab.* L Stadtr. 
,Virginita8, junkfrauwschaft, mägdten.* Fris.; Mal. 

Aus ,niegtum*, einer, wie es scheint, früher yolkstOm- 
licheu Schweiz. Form für ,niagdtum*, welch letztere, offizielle 
Form sich noch in Z Mandd. 1628 und 1650 findet ,lcb 
empfilh mich in den rainen megtum der wierdigon mueter 
Gotts.' um 1450, Z Staatsarch. (Gebet). ,AIs etlich froweu 
und dirnen, die mann und gesellen gen Constanz um den 
megtum und bluemen ladent* 1459, L (Seg. RG.). 

ent-mägden = verfallen 114 Bd I 760. »Welche 
dim das [die Anzeige] in jarsfrist nit tuet, die soll 
demnach den, so sy meint sy entmegtet [Var. ,atmegtet*] 
hab, unbekümbert lassen.* 1480, L Stadtr. ,Der ein 
tochtor schwecht und entmägdet* 1531/48, Sirach. 
Syn. ent'blüemen, 

„Mägdler m.: Schütze, der die Scheibe fehlt Gl." 
Wohl eig. sarkastisch oder ironisch Einer, der gleichs. 
die Scheibe in jungfräulichem Stande Iftsst 

Magdebarg. In der RA.: Es wird (öppe^J nit M. 
choste*, es wird nicht Alles kosten, nicht ans Leben 
gehen B. ~ Reminiscenz an Belagerung und Fall von M. 
im dreissigjährigen Kriege; vgl. Landau. 

Magdenaner: Apfelsorte Th. ~ Nach einer Ortschaft 
in G uT. benannt. 

Magdalena „Magddle, Maddcde VG", Mattete, 
MäUle Ai», Mädlene» Gl; GA., Mädle Bs; VG; GTa.; 
Sch; Th (-eV; „W;** Z, MädU' „LE.;" ZG., Made» 
Th; Z, Mad(e)lung B (Gotth.); S — f., ^MadUniyO; 
W**, mehr od. weniger derb MddlentSiM aScHw, Modi 
B; Gl; ZG., S. — n., ^adoz G t" — Dim. Mädlenli 
Bs, „Madleneli VO; W«, Mddleli ZSth., Mattleli, 
Matteten Ap, Madi. Id. B, Mädeli B; Sch; Tu; Z 
(selten Mädli): 1. weiblicher Taufname. aaGG. Jum- 
pfer Madie Bire'stil, ♦** sött reden und cha"* nid vil. 
Sprww. 1869, Spott auf einen ungeschickten Redner, 
eine Zungendrescherei; nach Sulger Parodie der Ab- 
forderungsrede eines unbeholfenen Brautführers. ,Die 
Wittwe R. mit ihren drei Töchtern, die ehemals Mad- 
lung, Gattung und Bethung gehoissen hatten, sich 
jedoch später umtaufen Hessen und nun Madi, Kitti 
und Bethsi genannt wurden.* AHartm. 1855. Er hat 
es Mül wie 's Madleli Bader, ist ein Schwätzer. Sprww. 
1869. Bei Gotth. heisst Mädi gewöhnlich die Magd 
(Jumpfere^) des Bauernhofes. Wie alle häufigen Per- 
sonennamen geht auch M. in appellativen Begriff über: 
Du narchtigs Madie! Zuruf an ein närrisch sich ge- 
berdendes Weib übh. Sghw. ,Der Bräutigam sprach: 
Ach liebe Madien, soll ich jetzund dich nimmermehr 
g'sehn!' Aa Taschenb. ,E früntlis Gespräch z wüschet 
einem Landrichter und einer Wirtin, Madleni genannt.* 
Titel einer Flugschrift 1712; vgl. noch XeweBdIII 1233 
Lungi Bd III 1339. — 2. scheinbar missbräuchlich für 
Marie. ,Diese Marie Matzenauer, in der Landessprache 
Köchlis Mädli geheissen.' Hknne 1867. — 3. Mädi, 
Pferdenamc B; vgL Lisi. Auch Name für Kühe L. 

,Madalona.* Taufb. ZRüml. , Madale.* Edlib. und Diener, 
ZOGlatt. ,MadnlIen.' 1712, Z Mskr. ,Martanena.' 1823, 
LE. (wohl zsgezogen aus ,Maria Magdalena*). Madluny ist 
frz. Maddon. 2 Iftsst sich nur erklären, wenn die Person 
Maria Magdalena hiefts; doch konnte auch Maidli i. S. v. 
,Tochter' gemeint sein. 



119 



Magg, megg, migg, mogg, mugg 



120 



Magg, megg, migg, mogg, mugg. 

maggele" W, mäggde» I Ap; GrD., Pr.; S; Th, 
mäggele* AauF., -.«- AaSuHf.; üwE., -•»- AABb.; B; 
Gr; L; GoT.; Schw; Ndw; Zg; Z, -e- Bs, -«- AaRuc- 
dert., -e*- AAFrL; G, -^*- ThHw.: 1. Ziegengernch und 
-Geschmack verraten Bs; BHa., Si.; Th; Syn. böckelen. 
Der Gä888tall ist ganz neu g*8t% desicige* hat 's gär 
nöd starch g'fnäggdet drinn, Schwzd. (Th). Von der 
Ziegenmilch, stark schmecken BBe., Si. Syn. geisseien 
Bd II 464. Jitz sig im die toissi Gibe* hüt o [auch] 
no'^ gvst g^gange* u*^ vo* der schwarze* mäggeli d' 
Milch eso starch, MWalden 1884. Das ist Geisse*- 
fleisch; es mäggelet ja, das* me* 's schier nüd niag er- 
lide*, WoLP, Bauerngespr. — 2. faulig riechen, auch 
schmecken, bes. von nicht mehr frischem Fleisch, 
schlecht gedörrtem Schinken usw. Aa; Ap; Bs; B; Gr; 
G; Schw; Th; Ndw; W; Zg; Z; Syn, rächelen. Auch 
von faulem Käse SchwMuo., nach Angebranntem, Ver- 
kochtem riechen und schmecken GrD., fad, ungesalzen 
schmecken, von Brot Ndw. Mir miessen isers Schtvinig 
jitz libig [d. i. mit Maden] brüchen; es fät an m. BHa. 
D's Higne Fleisch erleidet Eim, h'sundersch wenn 
Spaizenister dri* sind, wenn 's rek ist, 61 [oder] wenn 's 
mäggelet. Schwzd. (GnSchiers). Bi der Fischahieili*g 
het 's mi^ do neume* scho* z' alleri-erst möge* g^stelle*, 
wenn schon 's eige*tlich grad süb am meiste* g'meggdet 
und g'schmikkt het, Gysi 1881. Vgl. die z. T. synn. 
herrelen, jünkerlen; auch näckeUn Bd I 163. Bei 
Spreng auch: »riechen wie ein verharntes Kind'; vgl.: 
Das Chind hat, twcin-t*'*, öppis gemacht, es mäggelet 
ämmd ZO. ,Alles, das böckelet oder mäckelet und 
übel schmöckt.' Tierb. 1563. S. noch ver-glasen Bd II 
646. ,Müchten, mäkelen, nüechtelen, muffen, mucere, 
situm redolere.' Bed. 1662. ,Alle schimmlechte und 
verlegene ding faulelcn, mäkelen und stinken.' Splbiss 
1667. ,Sordere, unflätig sein, mäkelen.' Denzl. 1677; 
1716. ,Des Geizhalses Lesen und B€ten, sein Kirchen- 
gehen mäggelet nach dieser Quelle [dem Eigennutz] 
und zicket nach einem geizigen Herzen.' JJUlr. 1727. 
— 3. übertr. Es fät a* m,, wenn es um ein Geschäft 
nicht mehr gut steht BO.; auch beim Spielen zur Be- 
zeichnung des Verlierens BBurgd. — 4. schwanken, 
beim Kegeln vom Kegel, beim Bock schlän oder 
Stöcklen vom Bock oder Stöckli, wenn sie zwar 'ge- 
troffen, aber nicht zu Fall gebracht werden AASuhr.; 
SL. — b. = Lotze* schlän BsBiel; Rochh. 1857, 449 
(meggerlenj. Syn. nöpperlen, hölzlen, 

Obschon dor Yoc. nicht überall zum Ziegenruf mal und 
zu den denselben ausdrückenden Verben mäggen und mäijfjelen 
stimmt, 80 blickt doch von Seite der Bed. die Beziehung zur 
Ziege, bzw. dem Bock, so stark durch, dass man geneigt ist, 
hier die ohnedies schwierige Etymologie des Wortes zu 
suchen, zumal dasselbe nirgends vorzukommen scheint, als 
in dem ebenfalls ziegenreichen Tirol (maggelen in Bed. 1 u. 2) 
und Vorarlberg (mägyelen); vg]. mhd. mfirke, Ziegenbock (bei 
Boner). Vgl. auch die Anm. zu Maggen und ,minkeln' bei 
Gr. WB. VI 2238. 3 könnte auch bildliche Anwendung von 
4 sein. Zu 5. Im Tirol Meggaleg. Übrigens lässt sich fragen, 
ob 4 und 5 hieher gehören, oder nicht vielmehr zu nätjgele* 
(vgl. müechteU* neben nüechtele*) und bair. naghdn, nägktln. 

Mäggele'^: Ziege, als Name eines Spielgerätes in 
dem Spiel Meckele* sehlö* = d' Geiss (Bd II 460), Lotze* 
(Bd III 1569) schlä* Bs (Spreng). 

Mäggeler Im.: 1. auch Bocks-M., Derjenige, wel- 
cher beim Bock schlän (geissen) den Bock durch seinen 



Wurf nicht zum Fallen, sondern nur zum Wackeln 
bringt SL. — 2. Nörgler B oAa. - 2 (^iell. auch 1) ist 

Spielform zu Näggder. 

(g®-)mäggelig, in AAWohl. auch g'meggdet: 
widerlich riechend i. S. v. maggden 2 AAWohl.; GRh, ; 
UwE.; Z. 's G'mäggdig [Fleisch] dem Hammebei* nä** 
han-i*^ na*^ [noch] am liebste*, sagt etwa ein Lieb- 
haber von Pikantem ZS. 

mägge" = maggden 2, vom Fleisch „BÜ.," R. 

g'mägged (Ptc.) = mäggeUg BR.; vgl. tir. maggig, 
dasselbe. 

Mäggi n. : die sog. Durchfäule oder Klauenseuche 
des Rindviehs SghwE. 

Vom Übeln Geruch, der mit dieser Krankheit verbunden 
ist, oder Obh. als Fänlniss aufgefasst. Vgl. fibrigens noch 
nAggen. 

Mfigge" f. : Fäulnisswunde an einem Baumstamme, 
Ähnliches an Schinken AAEhr. 

Am wahrscheinlichsten ist, dass das W. aus dem Juden- 
deutsch (der angrenzenden Ansiedelungen Lengnau und Kn- 
dingen), in welchem ,der Maken* Beschädigung, Fehler an 
Kleidern oder Geschirr bedeutet, nach Ehrendiugen einge- 
drungen sei; doch vgl. auch maggelc* und das syn. Mage*. 

mäggle" I ScaNnk., mö^ggle* ScnStdt, mö^ggele* 
ZAndelf.: schlecht malen, schmieren, klecksen, bes. 
von Kindern. — Viell. entstellt aus mö'le*, malen, und 
Pejorativ zu Diesem. 

ver-: verschmieren, z.B. ein Blatt Papier Th. 

Mögglete" f.: das schlechte Schreiben, Geschmier; 
schlechte, verkehrte Arbeit übh. Sch (Kirchh.). 

Mü'ggell m.: schlechte, verschmierte Zeichnung 
od. Malerei SonStdt; kleine Malerei (geringschätzig) Gl. 

maggle" II: mäkeln, kleinlich klagen, häufig von 
Kindern BBr. Vgl. Mäggeler 2. 

Hällo--, Uälli-MSgg m. AASchinzn.; GStdt, 
'Mäggeli Sch (auch nur Mäggeli); TnFr., -Meggdi 
AaL. (selten Halli-) — n.: 1. Schaf, Schäflein (Kdspr.) 
AaL.; GStdt; Sch; Th. Syn. Beggdi. Auch Schafwolke 
ScflSt. Schau d' H., sagt die Mutter zum Kind. — 
2. Ziege (Kdspr.) AASchinzn. - Vgl. £fd«t/(BdII 1185). 

mäggele» II F; L, -d- AAWohL; BSi., -e»- S, ^-e- 
Sch", -•»- AAFri.; GoT.: 1. meckern, von Ziegen AaF., 
Fri.; BSi.; F; GoT.; SL. - 2. „blöken, von Schafen 
ScH," Syn. megelen, meggden. — Das Vb ist wohl als 
Dim. zum folgenden zu fassen. 

mägge» Bs; G, -d- AAWohl.; B, -e*- ZA., 0., S.: 
1. meckern, von Ziegen AAWohl.; B (Zyro); „Gr;* 
G; ThHw.; W; Z. Syn. meggen. ,Es war, wie wenn 
die Geissen lauter maygeten [1. mäggcten].* HPest. 
1785. — 2. blöken, von Schafen G; „Gr (auch von 
Kälberu)"; Syn. möggen. — 3. übertr., schreien, ver- 
driesslich weinen, von Kindern AAWohl.; ZO. Wtis 
hast z' m.? Hast doch eisig Öppis z* m.! zu einem 
weinerlich klagenden Kinde; vgl. gdggen, — 4. tadeln 
BsL. Syn. grumsen. 

Lautnachahmend gebildet nach der Stimme der betr. Tiere, 
entsprechend gr. p.Yjxaop^i. Zu 8 u. 4 vgl. übrigens näggen. 

Mägge" f.: 1. Ziege (scherzh.) BSi.; Syn. Meggen, 
— 2. Puppe, mit der die Kinder spielen W. 

Vgl. das homcr. p.Ypcd^, Ziege als die meckernde. Bed. 2 
als das weinende Wickelkind vorgestellt. 

mKggele" III: langsam, bedächtig, auch mit wenig 
Appetit oder gar mit Ekel essen; wählerisch sein im 



121 



Magg, megg, migg, inogg, inugg 



122 



Essen VO; „GrA.; G; Z." Syn. müggelen. — Für L 
ist ä uod A angegeben. S. noch mänggeUn. 

Mäggeler II in.: wer ohne Appetit oder gar mit 
Ekel isst UwE. 

Mäggene" f.: Schneepflug ü. — Viell. aus it. machina. 

Mttggis, nur in der RA.; nid lang M. [Federlesens] 

mac7t€* ZRafz. — Gen. vom Inf. mäggen i. S. v. mäggden J 4 
oder TOD mäggen 3. 

Bire^-mäggis m.: Birnbrot (scherzh.) Gl; vgl. 
Bire^'hinggis ; auch Miggis 3, 

Mauggel I m. = Mangel 5 L; S; Z. Feisterer M., 
dunkel, wolkig Wetter LHa. Tseho [fort], M.! <Tlans 
fürff"! Ausruf bei trübem Wetter S. 

mauggel: \,~maugel 2 AiSt.; LG., Semp.; S. 
Es ist m. Wetter, nicht Regen und nicht Sonnenschein. 
— 2. = maugel 4 AiZein. Er luegt m, dr%; sieht un- 
wohl, krankhaft aus. Traurig S. — 3. wählerisch im 
Essen AiFri. Er isch so m., dass er cfte" it Alles isst, 
was W«* im time* stellt, 

mauggel ig Aa, g*mauggelig LG., g'maugglet Aa 
Lindenb.; Gl: düster, bedeckt, trübe, bewölkt, vom 
Wetter, Himmel. '« G'mäugglig, Haufenwolken Lj 
vgl. Möggd II 4. 

maugge" I: 1. Abend werden U. — 2. „sauer- 
töpfisch, finster, unfreundlich sein B; LG.** Schmollen 
AaZ. (1815). — 3. „kränkeln Bs;" Z. Min Blueme»- 
stock maugget ZNer. Vor Übelbefinden schwach, leise 
reden ZGlattf. — 4. (niedrig) sterben, krepieren, zu- 
nächst von Tieren Aa; L. 

ab-: 1. langsam erlöschen. Das Liecht macht a. 
ZNer. — 2. langsam dahin siechen, von Kranken Z 
Küsn. Syn. abserblen. 

ver-: verenden, krepieren AALindenb.; L. Ptc. 
vermaugget, verwahrlost, nachlässig und schmutzig 
gekleidet LG.; vgl. mauggen 3 und 4. 

z u e - = zue-mauglen ü. 

„Maugge" f.: Sauertopf B; LG." 

Mauggere° f.: 1. saures, finsteres Gesicht, schmol- 
lende, unzufriedene Miene B; GlS. ; S; Syn. Latsch. 
E* M. (B; Gl), d* M. (B; S) mache; sauer sehen, 
grollen, schmollen; Yg\. gramauggen Bd II 731; auch 
frz. faire la moue, Si het e guets Herz und ist nit 
im Stand y gege* ml^s Glück d* Mü*ggere* und d' 
Tuble" z' mache: B Bauernkai. 1889. ,Mädeli kehrte 
mir mit einer gewaltigen M. den Rücken.' Gotth. 
,Anne Bäbi Hess jetzt Kuppen und M. erst recht her- 
vor und fötzelte das neue Süniswib aus.* ebd. ,Mit 
langweiligen Gesichtern und mit unflätigen M.' ebd. 
,Hatte Trinette eine längere Badefahrt gemacht, eine 
vornehmere M. ersonnen oder zümpferere Schcssti.' 
ebd. — 2. pers., „Sauertopf B; LG." 

Surri-: sauertöpfisches, böses Weib BBe. 

mauggere": 1. = matteren Bs. — 2. = mauggen 2 
„B; LG." — 3. heimlich verhaltene, leise Ausdrücke 
des Unwillens vernehmen lassen B. 

mauggis L; SG., mäuggis AASt. : Adv., nur in 
den RAA. m. gän oder mache', kaput gehen, verenden 

(niedrig). — Aus mauggen^, <ien. von mauggen 4. 

mauggle'*, dim. mauggele* : 1. dämmern. Es 
mattggelet Gl. — 2. dem Erlöschen nahe sein, ab- 
sterben, von Licht, Feuer L ; Z. Det hed es Öl-ämpeli 
mir g'maugglet a^s 'brunne^. Schwzd. (L). — 3. von 



Tieren und niedrig von Menschen, verenden SG. Der 
ürfel ist g'maugglet. — 4. = m^mglen 3 Obw; ü. 

ab-: (mit sein) endlich sterben, scherzh. oder ge- 
ringschätzig ü. — umme"-: sich kränklich umher- 
schleppen AAZein. — üs-: verenden. Am ü. »i* Z. 
~ ver-: (mit haben) = dem Vor. L. 

Mauggli m. : Person mit hässlichem, bes. pocken- 
narbigem Gesichte LG. 

Mauggel m.: \. = Maugge}'en 1 .AABb., Wohl. De* 
M. henket, ein mürrisches Gesicht machen. Syn. Mäuel. 
— 2. mürrisch dreinblickender, auch ein äusserlich 
schmutziger oder ein pockennarbiger Mensch LG. 

Über das -gy- der ganzen Gnippe neben -g- vgl. die Anm. 
zo maugel. Die Bedd. Jassen sich unschwer vereinigen. S. auch 
Müggd. 

Mauggel II m., Dim. Mauggeli Gl; L, Comp. Bilsi- 
Mauggel ZO. : Schmeichelname der Katze. Mauggeli 
auch übertr. auf im Wachstum zurückgebliebene Men- 
schen L. — Vgl. den Ziegcnnamen Mäggdi, sowie Afugger. 

„maugge** II: miauen Gl; L." Syn. mausen; vgl. 
müggen, muhen. 

B öl i- Manggel m.: Popanz ZO. Syn, BÖH- Mann; 
vgl. Möggel II 3 und Mauggel 2, 

Maaggis: scherzhafter, mehr individueller .Aus- 
druck für Geld Gl. Wä** me* Das will, so muess-me* 

M. ha*, — Wahrsch. zu (ver-)mauken, verbergen; also = (Jeld 
im Visi (Bd I 1077). Vgl. noch Afüggia und Schm. 1* 1565. 

Mäaggc" = Ghräzen (Bd III 923) SouSt. 
Vgl. Chräzeii (Bd 111 926} und Maubcn, Hängekorb. 
bei Schm. 1« 1565. 

mäugge"; 1. schielen Ap; „GL;GRh.;" TnTäg. — 
2. starr oder schief auf Etwas hinblicken, versteckt 
seitwärts blicken GRh.; Th. Syn. schächefi, moggen. 

i(n)e'*-: hinein-gucken, -schielen Ap; ScnSt. 

Mäuggi m. : 1. „ein Schielender, Schieler Ap; Gl; 
GRh." — 2. ein Schwersehender Ap (Tobl.). 

Schille"-, Schilli-Mäugg(i) m.: derber Aus- 
druck für Schielcr Ap; „Gl;- G; ScnSt.; Th; Z. Syn. 
Schilli-bingg. 

Stube"-ÄIegg: Stubenhocker AAEhr. 

meggele": 1. = megelen „Aa;" BM.; „L;" GSa.; 
SThierst. ,Ein stimm, wie der bock meckelet.' Tierb. 
1503. — 2. C-e-J nach der Ziege riechen BBrisl. 

me*gge°: 1. meckern, von Ziegen AAHold., St.» 
Wohl. Hälebdggeli und Gitzeli [als Spielzeug] , tco 
vor-em selber laufen und bäggen und megge*. AGysi 
1881. — 2. plärren, wie Kälber Bs. — 3. kreischen 
AAWohl., unverständlich reden Bs. 

Me*gge" f.: Kosename der Ziege BM. 

meggere": meckern GaVal., UVatz, 

meggeniert: auf besondere Art gebügelt B. E* m-s 
Mänteli. — Angeblich von m^cani4£ue, der Art dos Bügohis. 

Migg GlK. fgrob), MeHgge* ZZell (grob) — f., 
Miggi I Bs; Gl, Miggli GlK., Miggeli I Bs; GLÜbst., 
Miggschi GlK. (grob) — n.: Entstellungen des Na- 
mens Maria. 

Miggelen: PI., Klumpen geschmolzenes Erz. ,Was 
beim Schmelzen des Erzes zum ersten Mal heraus 
kommt [im Bergwerk zu GFlums], wird Roteisen ge- 
nannt, das zweite Mal werden die M. geschmolzen, 
das dritte Mal die Masslen, der oft schwarze, runde 



123 



Magg, megg, mi^^, mogg, inugg 



124 



Flecken, welche sie Rosen nennen, hat.* JJSciieüouz. 
1746. — Wabrsch. zum Folg., woil dioso Erzklumpen die 
Form vou l&nglichen Brotlaibon haben; vgl. die Anm. zu Migel. 

Migge" GaHe.; ZBenk., Migge* GrD.; PAl.; GMels; 
W — f . (in „GSax; Uürs. n."): 1. Semmelbrötchen 
Gr; PAL; „GSax; Uürs.« In Gr der 4. Teil eines 
,Miggonschildes.* Von feinerem Mehle und die vier 
Teile der Länge nach neben einander sind die Ca- 
saccier-Miggen. In GMels Wetzstein förmige Eier wecken 
mit Weinbeeren. In W feine Brötchen von der Grösse 
eines grössern Apfels, deren je zwölf Stücke an einander 
haften und eine Grische bilden, aus dem Ossolanischen 
importiert; vgl. Muger 3 b. — 2. Meggeli = Än'ggeli 1 
(Bd I 340) GW. — 3. c» M. ge% einen Stoss mit dem 
Knie in den Hintern geben GRChur, i). (Chürer-, 
Butler- M.). Syn. Chnie-Bir, Biren- Weggen. — 4. meist 
PL, Spannklötze ZBenk. 

Churw. micha, Laib Brot, WcissbrOtchon, lat. mwa, Krüm- 
chen; nilat. = panis modictis, qui fit in curiis magnatorum Tel 
in inonasteriis; frz. miche, kleiner Laib; ndd. , Micke*, kleines 
Brot; holl. ,Mik'; schwilb. die , Mike', spitzer Brotlaib; niftrk. 
, Micke', Semmel, und schon mbd. micke f., kleines Brot. Vgl. 
noch Miyel, Mirgd. Bed. 1 und 4 lassen sich Tercinigen 
durch die Ähnlichkeit der äussern Gestalt; vgl. Wegytn, 

BCttler- = ilf«^^cn5GRD. — Ross-: l. = Epfel2 
(Bd I 367) GfiKlost. - 2. = „Miggen 3 Gr." 

Tessiner-Migge": langer Laib Weissbrot, in 

Stücke abgeteilt U. — Vgl. churw. ün bantun d' mivha; 
langer Laib. 

migge" I: spannen, den Lauf eines Fuhrwerkes 
durch Anziehen der Spannklötze an die Räder hem- 
men ZÖrlingen. 

Miggle»: l, = Migel 1 GWe. - 2. Gericht aus 
geröstetem Mais Gr. 

iniggc" II: = gujgen II (Bd II 170) TiiHw. Mo 
[soll ich] 'di'^ m.? 

„Migg6ri n.: Stück Fleisch, das zur Fette gehört, 
am Bauche des Rindviehs; auch das Zwerchfell am 
Schweine ß«*; vgL Hoden, Lampen. 

Ahd. mittigami, caro pinguis, aryina, nihd. mitiger. 3. 
,Müekor' bei Schm.-Fr. I 1567. 

niiggerig (selten -%-)'. gering, elend, armselig; 
kränklich aussehend B. Zug für-nes Fürtuch oder es 
m-8, halbsldigs Hahtüechli. BXri 1885. Orüslich es 
dünns Böckli, es m-s Hösli. ebd. 1886. Papa, du 
muesch-nier ß^tcüss «ic»" Sackgeld gi*; es macht «»'* so 
m., wf-me* gang keusche* muess BStdt. Es macht «i"* 
verdammt m., en arme' Ma** uf d*s Geld la* z^ warte*. 
BInt.-ßlatt 1880. 

Miggerli n.: kleines, geringfügiges Ding, kleine 
Person Bs (Seiler). — Aus BsL. auch die Schreibung 
Müjrrli. 

Miggi II, Miggeli III n.: Kosename der Katze 
Bs; Z. 's dreifarbig Basier- Miggi. EKron 1867. — 
Vgl. aber auch Mauggtl II und Miez bei Gr. WB. VI 2183. 

Hus-: wer am liebsten immer zu Hause sitzt Bs; 
eig. Hauskätzchen. 

Miggi 111: 1. m., Kmil AaL., St.; Z. — 2. n., Emilie 
AaL.; Bs; Z (Dan.). 

Miggiss Schw; Th; Z, Mlggiss Aa; Bs; L; Scu; Z 
— ra,: 1. Durcheinander, Gemenge von verschieden- 
artigen Dingen, auch von Personen Aa; Bs; Th; Z. 
Syn. Minggis. Da ist en rechte*' M. [allerlei Leute, 



hunte Gesollschaft] bin-enand ZEls. „Ein M. Geld, 
ein Haufen Geld, von allerlei Münzen L; Sch." Wim- 
melnder Ameisenhaufen Z. Unordentlicher, den Raum 
beengender Haufe Waren L; „Sch;** Th; Z. Ein mit 
allerlei Bewohnern überfülltes Haus, auch diese Be- 
wohner, als enge wohnende, selbst Aa; L ; Z. Beschränk- 
tes Lokal, enger Raum übh. L; Z. Syn. Chripfeten, 
Chrotteten, Ghrutz. Im-ene* M. inne* s%; eng zusammen- 
gepfercht wohnen Aa; Z; auch bildl., in Verlegenheit 
sein, sich nicht zu helfen wissen Z. Bou kes Hüs i" en 
M., z. B. wegen Feuersgefahr AAWohL ZM^ Flatz ist 
jo nur e* M. ebd. Hürot mW »• ke* M. ebd. Von Ge- 
witterwolken : *s het en M., es steht ein Gewitter am 
Horizont ScnSt. — 2. Unrat, Kehricht, Schmutz, z. B. 
Ohrenschmalz Bs. „Ausschlag am Kopf bei Kindern 
Bs." ,Ein Geniste und Gebrüte von allerlei Unflat, 
ein Geflecht von Lumpenhändeln, die man nicht wohl 
erlesen darf.' Spreng. Auch: wertloser Plunder, Ge- 
rumpel in Schubladen, Taschen (wie Brosamen usw.) 
Bs (Syn. Giggernillis Bd II 176); übh. etw. Gering- 
fügiges, Kleines. Spreng. Dreck, breiige Masse Schw 
Muo. Vom Käsen z.B. bleibt ilf. in den Fingerwinkeln 
zurück; s. noch über-gänd Bd II 11. — 8. ein Gericht, 
= Gunggisl (Bd II 368) BsBirs.; Syn. Geschmitter. 

miegge": 1. mit gedämpfter Stimme, gleichsam 
seufzend, brüllen, von Rindvieh GRVaL; GO. Mieg- 
gend Chie und blärend Schaf sell-ma' nit us-^em StctU 
tue", d. h. nicht verkaufen und nicht schlachten, son- 
dern für sich behalten GRVaL — 2. schreien, von 
Kindern, Weibern GO.; Syn. mienggen. 

Mieggi m. : Jammerseele GO. 

Mieggcn vorhält sich zum Syn. mäggen = brxegyen : bräggen; 
OS stoht viel], im Ablautsvorhältniss zu dem syn. müggen. 

mögge** I: schnell und gierig essen LG. Ant. 
mänggen. 

ver-: zerdrücken, zerquetschen BHa. Die Hinteni 
[Himbeeren] sin ja ganz vermöggeti und verpatscheti. 

— Vgl. tir. maggtn, zerdrücken, oder ver-murggen. 

mOgge*^ II: glimmen, im Verborgenen brennen 
BHa.; Syn. motten. 

ver-: versauern, verkommen, z.B. von Einem, der 
stets daheim bleibt Gl. 

mogge" III: beim Spiel Einem abgewinnen AiAarb. 

möggle": beim Spiel betrügen AALeer. — Wohl 
8t. möglen^ ndt Verschärfung des g vor l. 

möggl Int. der Abweisung, Verneinung: Ja, m.! 
ZStdt. Syn. möb, brögg. — Viell. eig. vou moggen I. 

MÖgg m.: „heller Brummton LE." M. a'lu*, 
Schreie ausstossen wie das Kalb GRPr. M. und Pop 
ablü^, stossweises, halbunterdrücktes Gelächter aus- 
stossen. MKuoNi. 

G'm ögg n.: widerliches, halb unterdrücktes Ge- 
schrei GA. 

mögge" I: 1. auch möggle* AaSIus, Dim. „wi<5y- 
gde"*, muhen, brüllen, vom Rindvieh, bes. Kälbern, 
auch blöken, von Schafen und Ziegen BM.; F; GRPr.; 
Syn. böggefi, bläggen; „laut, hell brummen, von Zucht- 
ochsen LE." ,I)ass man d' Kälber am M. kennt, d* 
Hüener am Gagglo* und d' Babeni am Tschalpe".* 
GoTTH. — 2. Übertr. auf Menschen, unschöne, un- 
artikulierte Töne ausstossen, z. B. von Betrunkenen, 
die widerlich brüllen, von erwachenden Kindern, von 



125 



Magg, megg, migg, mogg, mugg 



126 



.NachtbubenS welche die Stimme verkehren B; GA., 
Stdt. Du möggisch ämel o^ der ganz lie^ läng Tag B. 
Aber mach, dass de aUeiniß mit im bist u"' der Niemere* 
dri» mdgget. Gottü. Du bisch doch en etotge" Möggi B. 
Vermittelst </y gebildet Tom NataHaat md (Stimme dos 
Kalbes); vgl. mäffgen, maugyen, müggen, häggen, hoggen, Uäyyen, 
rüygen, auch gdggen, gäggen, güggen, gügyen, gteatjgen, nhd. 
,qaaken', und die Anm. zu üüggel Bd II 194. 

Möggel II m.: 1. r= Mäuggel 1 A AWohl. Er macht 
hüt d^ M., ist unwirscher Laune. Si hed wider de* M. 

— 2, -Mäuggel 2, Im Bes.: nissiger, schmutziger 
Kerl, auch Vermummter AiLeer.; unreinlicher Mensch 
mit unsaubern Kleidern L; Z; Mensch mit grob ge- 
zeichneter Physiognomie L. So-ne* M, ! Fß Tüfel ! L. 
Das ist iez en schwarze" M.! eine Person mit dunkler 
Haut, schwarzen Haaren und Augen Z. Der Kamin- 
feger ist en schwarzer M. ebd. — 3. Popanz, Schreck- 
männchen fQr Kinder AiHallw.; L. Sjn. Böli-Mann. 
Wenn d' nid folgist, so nimmt di'^ der M.; Syn. 
schwarzer Ma", — 4. schwarze Wetterwolken L. Es 
stönd Mögglen uf hinderm Pilatis. — Nebf. zu Mäuggel 

(ü, d. und mauggdig). 

Butze''-: Popanz ZBk., Vogelscheuche ZMönchalt. 
Möggi I m. : 1. wer schwarz im Gesicht ist ZBk. 

— 2. unreinlich gekleideter Mann L. 

Ma""-: fabelhaftes Gespenst, die Kinder zu 
schrecken LRickenb. Lueg, der M, chunnd und 
nimmt-di'^. Esterm. 1882. Syn. Mann-Müggi; vgl. 
Möggel-Mann. 

ver-mögglet: verunstaltet, z.B. durch Vermum- 
mung L. 

mogge" II: die Dinge ganz nahe betrachten (von 
Kurzsichtigen) GStdt, Etw. dumm ansehen. G 1799. 
Syn. böggen. — Nebf. von mäugym. 

schille'-: schielen (spöttisch) GRh., Stdt. 

Schille'-Möggim.: Spottname für den Schielen- 
den G; Th; Z; auch für Einen, der durch neugieriges 
Blicken sich lästig macht oder eine finstere Miene 
hat Th. Vgl. Schüli-Mäugg. 

mSgge", auf Einen: Einen schlagen BAdelb. (Zyro). 
Möggi II: Mathilde Z. 
Möggli: Monika GStdt. 

MSgg: 1. m. „halblauter, grober Jamraerton B; L." 

— 2. f. a) Kuh (Kdspr.) Z. — b) Katzenname Bs. 

S. bei Gr. WB. VI 2603 die Int ,much.' Zu 2 b vgl. 
das syn. Mügger^ Mawjgd II. 

Müggeli n.: Kuh (in der Kdspr.) Aa; Z. Syn. 
Mügeli. — Vgl. Mäggdi, Sch&fchen. 

mügge": eig. den Laut mü ausstossen. 1. muhen, 
brüllen, vom Kindvieh, bes. langsam, dumpf AaF. ; B 
(,mugire.' Id. B); L; Sch; Schw; ,S;« TnTäg.; üw; 
„ü; Zo;" Z. Der Muni hed a*g'fange* m. [auf der 
Alp], do si^^-mer fgange' L, scherzh. Schluss beim 
Erzählen. So.fart eruiswied* Schellcchue und muigget 
gar der Boss derzue Obw. ,Das mugkhen und plerren.* 
1553, Absch. ,Sein [des Büffels] stimm wie ein ochs 
(muggen), doch nit so laut oder hoch.' Tierb. 1563. 
,Das meerkalb schlaft sterker dann kein ander tier, 
mit schnarcblen und mugen, von wegen des wuests 
und schlyms der lungen.* Fisceb. 1563. ,Die Kuh dem 
Hirt zum Melken mugt und brüelt, weil sie die Milch 
beschwäret.* LCys. 1661. ,Taurus mugit, der Stier 
mugket (brüllet).* Red. 1692. ,Die Rohrdrummel (das 



Uhrrind), so wie ein Rind muhket (lüjet).* Spleiss 
1667. ,Der Ochs lüjet, der Stier mukot.* ebd. Auch 
von Fröschen AiSeet. ,Das" die krott in einer nacht 
für ir hus kommen syge, gan m. oder schryen.* 1574, 
L (Brandst. 1890). — 2. übertr., weinen (derb) S. 
Syn. brüelen. ScW-t** öppe* flenne* und m. ? Oieng 's 
da*' bas? S (Joach.). Er het wu** scho* mängist z* m. 
gemacht. CWXlti 1848. — 3. „vor Schmerz stöhnen, 
unartikulierte Jammertöne ausstossen B; L." Wenn 
öppis mügget, so hat 's Libe* TuTäg. — 4. vor sich 
hin brummen; unverstandlich, halblaut reden (aus 
Verstimmung), kurze, mürrische Antworten geben Aa 
Leer., Seet.; BM.; S; UwE.; Syn. munggen; mugglen, 
,Muke, möne, mummle, gilbze, brötsche, mussa, muti.^ 
Red. 1662. Umme^-m., missvergnügt und halblaut 
brummend umhergehen (von Menschen und Vieh) 
UwE. Trotzig schweigen, ein unfreundliches Gesicht 
machen, schmollen Aa; Bs (Spreng: ,das Maul hängen, 
frz. bouder'); BM., 0. (,frontem caperare.' Id. B); „L;* 
aScHW; Uw; \J (üj. Syn. mutschen, schaüceti, täubelen ; 
vgl. eslen i c Bd I 522. Vor sich hin brüten, den 
Kopf hängen lassen S ; schlaff umhergehen, wie etwa, 
wenn eine Krankheit im Anzüge ist .4AZof. 

\g]. mügen uud müggen, sowie die Anm. zu muggen. Zur 
Bedeutungseutwickelun^ bietet ein sprechendes Analogen 
gruggen Bd II 728. Vgl. ,mucken* bei Gr. WB. VI 2609 
und mugglen. 

Mügge" f.: 1. saures, unzufriedenes Gesicht Ndw. 
~ 2. mürrische Weibsperson B. — 3. Murmeltier Ndw. 

Mügger m. : 1. Sauertopf, mürrischer Mensch Bs. 
— 2. Kosename der Katze GlH. Dim. Müggerli Z. 
Syn. Mauggel II und Mügg. Man lockt: Zi-zi M.! Gl. 

müggere" = mü^^^n 4 c BM. 

g'müggot: mürrisch, schweigsam, unfreundlich 
ScHwBrunn.; Zg. 

Müggete" f.: das dumpfe Brüllen des Rindviehs 
und das Brummen von Menschen UwE. 

Muggi m.: l. Murrkopf, Schmollender AASt.; B; 
S; UwE.; Syn. Munggi. Bist «■ M..' chast nüd rede*? 
hast kes Mul? B Hink. Bote 1887. Und du, Hans — 
mach doch nit so d'r M.! Trink doch üs! Joach. 1881. 
E* M. mache*, ein verdriessliches Gesicht machen 
Bße. D'r M. hä*, den Kopf hängen lassen, launisch 
sein L. Mürrisch verschlossener, leutescheuer Mensch, 
Duckmäuser, Schleicher, verschmitzter, doch beschränk- 
ter Mensch AaF., Fri.; Bs; B; SchwNuoI. (-ü-J; Zq. — 
2. langsamer, schlaffer Mensch AAZof. - Zu müggen 4. 

Hu dl- n.: Person, die nachlässig gekleidet ist, 
z. B. noch im Neglige steckt S. 

Ma""- LRickenb.; Zg, So- Zo — m. LRickenb., 
n. Zq = Mann- Möggi. Vgl. noch Lüt. Sag. 125. 

Türe"- m.: Knabe, der nicht mitspielt, sich ab- 
seits (bei der Türe) hält, gleichs. schmollt AAZof. 

mügg ig BM., muggocht BHa.: böser Laune, un- 
freundlich. Du g'sehst hitten eso muggocht firhe*; was 
ist 0** mit-der? BHa. ,Mareili, vorhin so z'weg [auf- 
geräumt] und jetzt so muggig. Ist 's de**"* sövli lünig 
oder hat's mit den Alten Etwas gehabt?' Gottu. 

m üggle" : vom Naturlaut des Kaninchens AAWobl. 

m ^gg: Unkenruf Aa; vgl. gügg und. grügg, sowie 
das Vb müggen 1 b und OüUen-Mügger, 

Müggel m.: l. Trotzkopf .\aF. — 2. zum Weinen 
oder Schmollen verzogener Mund AAWohl.; vgl. 
Mäuggel und müggen. 



127 



Magg, megg, migg, mogg, na^g 



128 



Heini-Müggel Aa; LHa.; SchwE.; Zo, -Mügger 
AiPri.; VO; ^B; Gl; S-, -Müggi UwE. — m.: Grille, 
sowohl Haus- als Feldgrille. aaOO. Das Zirpen Cgrüg- 
gen, müggen) der Feldgrille verkündet gut Wetter 
AaF. Der H. singt: m — m! händ ir mtni blaue* Hose* 
[bezieht sich auf die blauschwarze Farbe des Tier- 
chens] niene* g'se? m—m! AASuhr. Auch Neckname 
der Bewohner von Muhen Aa, wohl mit Deutung des 
Dorfnamens auf das syn. Muheim. Irrtümlicherweise 
auch etwa, z. B. in UwE., für die Küchenschabe, 
blatta or. 

Das Syn. lieini-Müch(er), umgestellt aus ahd. muhheim 
(s. Bd II 1290), wurde in seinem zweiteu Bestandteil bo- 
eiuflusst durch das den Naturlaut oaühahmondo Vb. tnüggen; 
eine Mischung von zwei Stämmen, wie sie auch beim Vb 
müygen und viugglen^ muHfjfjen mitgespielt zu haben scheint. 

müggc" = müggen I, doch meist in hellerem, 
schärferem Ton; eig. den Laut mü- ausstossen. 1. von 
Tieren, a) von Kühen, Stieren, wenn sie z. B. nach 
Futter verlangen -\a; L; Schw; „Zg." Von der Kuh: 
mit schwachem Laut Sehnsucht nach dem Jungen 
äussern W ; auch mlggis [müggens] sf*. Wenn 's Veh 
[am Abend J gege* hei** zue gunglet und mügget. JRoos 
1892. De^ Stier hed g* mügget vor Schmerze*. Schwzd. 
(L). Lang ist-er [der vom Baume heruntergefallene 
Bär] g'Iige* wie tod, doch entli^^ föd er a* m. Ppypper 
v.N. Blöken, von Böckchen PAL, von Kälbern BRohrb. 
— b) vom Unkenruf SThierst.; vom Heimchen AAZein.; 
Syn. güggen; auch von Tauben, girren BRohrb.; Syn. 
grüggen. — 2. von Menschen, a) = müggen 3 L. — 
b) unterdrückt weinen, von kleinen Kindern AAZein.; 
L; vgl. grüggen 5 Bd II 729; seine Unzufriedenheit 
durch weinerliche Töne äussern (von Kindern) AaFH.; 
LSemp.; vgl. grammauggen, — Vgl. gr. jiüxdopiat in 
Bed. 1 a. 

Gülle "-Mügger, in AABb. auch -Müggel — m. 
= GuOen-Grügger (Bd II 729) Aa; BStdt; L; S; ZO. 
Mügg, mügg, mügg^ GiiUe*mtigg, hend-er mini Brüedre* 
niene* nit, no nig g^seh mit de* gile*. Hose* umme*- 
pfose* [plumpsend schwimmen]? rufen die Kinder am 
Unkenteich Aa (Rochh.). Auch bildl., unreinlicher, 
schmutziger, gemeiner Mensch L; S. ,Er war ein nicht 
mehr junger, aber steinreicher Chutter, dem böse 
Zungen den Namen G. angehängt hatten.' Nyd. 1885. 
-- gülle"-müggere": Jauche ausführen (scherzh.) 
AASt. Syn. güUerieren. 

Burli-Mügger: scherzh. Schelte für einen kleinen 
Müssiggänger, Herumschwärmer Z (Spillni.). — Vgl. 

burli-munter. 

mügger e^ = müggen 2 b AaP. 

Müggi m.: Schmeichelname der Katze S. 
Wie das Syn. Miggi wohl lautnachahmend gebildet nach 
der Stimme des Kätzchens; vgl. mauggen. 

Mngg Aa; Bs; B öO.; GlH.; L; GO.; Schw; Uw; Z, 
Mugge* Ap; Bs; B; GlK.; GrI)., Pr.; GS.; Sch; S; 
Tii; W — f., in Ndw auch ni., Muggi n. (Dim. Müggli) 
Gr ObS. ; GSa.: 1. Mücke, allg., in GS.; WLö. (Miggli) 
auch : Fliege ; vgl. auch Alet-Mugg, D' M-e* frSsse'd 
Ein schier oder stecherd: es gid (enj Bläst Th; Z. 
, Tanzen im Januar die Mucken, muss der Bauer nach 
dem Futter gucken.* Kalenderregel. Wetm d' Mugge* 
tanze*d im Jänner, so halt 's Fuetei' z'säme*, d. i. so 
folgt ein später Frühling AAEhr.; Z ; s. Hornig Bd 11 
1628; vgl. Jungfrau Bd I 1248 und Muggen-Tanz. 



Die Mücken .singen.' allg., .brtielen* AAWohl. Die M. 
als Vogelfutter: Gross Mugge*, feiss Vögel Z Mönchalt 
(sprich w.). Als lästiges Ungeziefer in Verbindung mit 
,Floh': Anne Babeli, bis nüd hö\ la*-mer d* M-t* s\* 
und db Flöh. Volksl., mit Anspielung auf Bed. 7 a. 
Wer Händel will, fitidt alliwil e* M. i* der Suppe*. 
CBiEDERM. 1893. Geringschätzig wird eine verspätete 
Neuigkeit, eine längst bekannte Erfahrung, ein alter 
Witz en alt* M. genannt. Das ist en alti M. Aa; S; 
Th, die ist ßrn scho* g' flöge* (häd fem scho* 'tanzet) Z, 
si ist scho* lang g* flöge* ScuNnk. Das ist en cUti M., 
was d* Grossmueter pßft Z (Spillm.). Bes. aber dient 
die Mücke als Bild und Typus I) der Kleinheit, Wenig- 
keit: Us der (ere*) M. en Elifant (Th; Z), en Hengst 
(W), e* Märe* (Gl), en Stier (Z) mache*, arg über- 
treiben; s. auch Gurren Bd II 409. , Kannst da aus 
einer Mücke eine Mähre machen.' UBrIgger 1777. 
Er hebet d* M. tmd lod d' Märe* laufe*, opfert grossen 
Gewinn einem sehr kleinen Ap. D' M-e* uf dem 
Hinderrhi* [Berg ob dem Dorfe] g'seh geine*, ein Auf- 
schneider sein GSev.; s. Glogg Bd II 610. Platz für 
7 Ma**, es chunnt e* M., scherzhafte Bitte, einem 
Kleinen Platz zu machen Aa. Wenn der Tüfel Hunger 
het, frisst er M-e*, Not lehrt mit dem Wenigsten sich 
begnügen Aa; SL. Z* Wintertur i* der grosse* Metzg 
händ «' e* M. 3 Zentner g'schetzt ZS. (Spottreim). 
Das ist e* grössi M., wenn si es Pfund schisst ZWl., 
Abfertigung einer Prahlerei, Aufschneiderei. E* M-e* 
hett 's üs(fwoge* [hätte der Wagschale das Übergewicht 
gegeben] = beinahe, um ein Haar, z. B., so wär-er wer- 
trunice* ScnSt. So ril e* M. am Bei* lun** treit Z, 
fast gar Nichts. Me* chann-ere* M. nid ml*' Bluet 
etveg ne*, weder das* si hat, alle Erpressung hat ihre 
Grenzen Z (Dan.). ,[Der Geizige] presst d' M-e ums 
Bluet und schindet den Floh um den Balg.' Rochh.; 
s. auch Floh Bd I 1183, — 2) der Schwäche, Hin- 
fälligkeit. E* M-e* chient-en umstösse* ScuSt. ?7fii- 
falle* wie d' M-e* Z (Dan.); vgl. Hüetdi. Si [die 
Östreicher bei Sempach] stürzid hi* wie d' M-e*. HXpl. 
1813. Er ist wie-ne* M-e* ame* Heuseil und en Ele- 
fant am-ene* Zwirns fade*. Rochh. - 3) der Zudring- 
lichkeit, Lästigkeit, Gier. ,Wellent mich denn die 
m-en fressen?' Erwiderung auf unangenehme Erörte- 
rungen, 1462, Z Ratbücher. ,Da nun ist leicht zu 
gedenken, wie die armen versorget seien, wann solche 
hungerige m-en über die kirchengüeter gesetzt wer- 
dend.' SHochh. 1591/1693. ,Wer nicht Dauben hat, 
der hat Mucken, suos quisque patitur manes', Jeder 
hat sein Kreuz. Mey., Hort. 169'2. Daher auch Be- 
zeichnung einer .giftig stechenden' Weibsperson B. 
[Die Schwiegertochter] ist e* hoffärtigi Gans, e* lötigi 
Täsch, es Bei [Einfaltspinsel], e* M-e*. Gotth. Jungi 
M-e*, alti Huere* (Dan.). — 2. künstliche (falschi) 
Mücke, zum Fischfang dienend und bestehend aus 
feinen Federchen, die um die Angel befestigt sind 
GrD.; Z. S. Hund Bd U 14'29. — 3. „Schön- oder 
Schminkpflästerchen, iiz.mouche VO; Z." — 4. fleck- 
artiger, kleiner Zwickelbart unter der Unterlippe Bs; 
Th; Z; frz. woMC?k'. — 5. a) in der Stickerei, durch- 
brochene, mucken- oder spiunenähnliche, runde Stellen 
.Vi». Man unterscheidet , Hufeisen-', (französische und 
deutsche) Blättli-, 6-, 8-, löbeinige Bölleli- Mugge* ; 
vgl. Hol Bd II 1156. Syn. Sjnnn. — b) in der We- 
berei, leichte, mit Blumen besetzte Leinwaudstoffe 
ä jour. Ap Geschichten 107. ,Von 1760 — 70 wurden 



129 



Magg, megg, raigg, inogg. mügg 



130 



in Ap leinene, geblümte Artikel zn Schossen, Man- 
schetten, Chorhemden, Sacktüchern usw., Maggen ge- 
nannt (von den kleinen, eingewobenen Blümlein her- 
rührend), verfertigt.' Bürorr- uhd Baüerhfr. 1819; vgl. 
g*müggleL — 6. Visierkorn am Gewehr, allg. Drum 
lueg-er wci uf cT Absicht, M-e», Sticher und ob nid 
d* Ladig e" gross? Und, ratscht der Hane; schrüb-er 
ne* no^^ chicher, wie» luegt nit e' vü für 's Q'schoss. 
B Schützenlied 1822. RAA. üf d' M, ««•, mit pers. 
Obj. = nhd. Jmdn aufs Korn nehmen, d. i. eine be- 
sondere Aufmerksamkeit auf Jmdn richten; Jmdn her- 
nehmen, sei es mit Spott oder mit Verfolgung und 
Hass „Aa;- Ap; B; VO; Gl; Gr; S; W; Z. ,[Ein 
nicht mitmachender Rekrut] wird Ton seinen Kame- 
raden auf die Mugge genommen, bis er zahm wird.' 
Gotth. Uf der M. hä\ mit pers. und sächl. Obj. 
a) als Spekulations-, Kaufsobjekt im Auge haben L. 
Er hed es anders Füüi uf der M, g'ha; darauf spe- 
kuliert. — b) nicht leiden können, hassen ; eig. unter 
feindlicher, übelwollender Beobachtung halten; ein 
scharfes Auge auf Etw., auf eine Person gerichtet 
halten Bs; ß; Gl; L; Schw; Th; üw; Z. Byn.uf-em 
Chritz, Strich, Zug ha; ,Es [das Mädchen] hatte den 
Schreiber auf der M.' Gotth. [Herzog Albrecht] het 
die Baslerhurger gar grisdi"* streng uf der M. ^ha: 
Hagenbach. Si händ enand uf der M,, sie sind heim- 
liche Feinde Th; Z. Das han-i^'' uf der M,, das ist 
mir zuwider, das tue ich nur mit Widerstreben Bs; 
BR.; G; Th; Z. Mit yeränderter Constr.: c* M. ha* uf 
öppis. Gotth. ; s. Ge-gunscher Bd II 376. — 7. geistig, 
nur PI. a) Muggen (im Chopf), Tücken, hinterhaltene 
Gedanken, Absichten, Launen, Kniflfe, (eigensinnige) 
Ideen Ap; Bs; B; VO; Gl; Gr; G; Sch; S; Th; Z; 
Syn. Chritz (Bd III 935). Mm d* Me* üs-, vertribe* 
(d' M-en uss-em Chopf tribe* Bs; S), den Eigensinn aus- 
treiben, Jmdn derb zurechtweisen. S. für-gän Bd II 29. 
MHgg und Tügg, Kniffe und Hintergedanken GnPr. 
(DV Mugge* hinder den Ore* hä; auch von versteckt 
gehaltenen guten Einfällen, Witzen Z ; vgl. Or Bd I 
413. D* Stadtlüt Mnd tri M-e* Z. Der Aberil hat 
M-e* Gl; Th. ,Üie Vermutung, dass das Mareili noch 
andere Mücken möchte in seinem stolzen Köpflein 
haben.' Breitenst. Duo seid der Cheiser: ,Nu, mier 
wei de** guggen!' ün^ hed duo ganz lan faren siner 
Muggen, Schwzd. (BBr.). ,Mit Tabakrauch zur Som- 
merszeit vertreibst du leicht die Mücken. Und musst 
du oft zur Winterszeit Verdruss und Ärger schlucken, 
dann rauche nur und mit dem Rauch vertreibst du 
dir die Mucken.' B Langn. Kai. 1892. ,Solche Muggen 
[Anwandlungen von Hochmut, stolze Pläne] stechen 
die meisten Vater beim ersten Kinde.' Gotth., mit 
deutlicher Bez. auf Bed. 1. U*^ flissig tuet si der 
Jumpfraue* uf d* M-e* un^ uf d' Ise* g' schaue*, hält 
genaue Aufsicht. GJKuhh 1806. ,Wa8 hast für seltsam 
mens und mucken!' GGotth. 1599. ,Er hat Mucken 
im Kopf.' Mky., Hort. 1692. — b) Lust zu Etw. BHa.; 
Ndw. Wenn-er M-e* heid s' gä*, wenn es euch beliebt 
zu gehen. ,Von den andern Herren, die auch noch 
etwa M-en hatten, Pfarrer zu werden.' Ndw Kai. 1887. 
,Da8 Volk hatte keine M-en, einen solchen groben 
Kummet auf den Rücken zu nehmen.' ebd. 1886. — 
c) Schwierigkeiten Sch; Th; Uw; Z. Syn. Müs. Das 
Ding häd M-e*. Es wird M-e* hä*, es wird schwierig 
auszuführen sein. — 8. Ortsname G; vgl. Muggen- 
Bild Z, Muggen-Matt B. Hausname BsStdt; ,zur 

Schweiz. Idiotikon. IV. 



grossen m-en.' XV., ZStdfr; ,im grossen mugg.* M67 
(It Dan.). — 9. Dim. Mügg(e)li, eine Kleinigkeit? Nur 
in dem Kinderlied: Stüre*, stüre^ Müggfeßi, 's gät e* 
Frau dur^ (über) 's Brügg(e)li, si hat en Chrueg volle* 
W%* umd es Stückli Brot derlk; Dir, wo-n-öppis git, 
Dir ist en goldene* Engel, und Der, too-mer NiU git, 
Dir ist en füriger Söubengd! wobei die Kinder mit 
geschlossenen Augen gegen ein anderes Kind die Hand 
vorstrecken, das im Besitz von Brot oder anderer Ess- 
ware ist Z. In BU. : Stüre*, stüre^ Müggeli, über 's 
Herre* Brüggeli; wer mer öppis gid, ist e* liebs En- 
geli, wer mer Nüt gid, ist e* böses Ghatze*stengeli. 
Dazu stüre*'müggele* : 1) ein Weniges beitragen B. — 
2) überall Etw. liegen lassen B; dafür auch: es Stüre*- 
müggeli manchen, 

Mhd. fnvLcke. Zam Fehlen des Uml. vgl. Brugg, Stuck, 
Ruggen. Zu Bed. 7 vgl. Gueg Bd II 161, dann den Zimamon 
Mutea-in-cervdh, am 1000, it ürk., engl, to have a bee in 
the head, verrückt sein; s. auch die Anm. zu Humhel/ri^iuier 
Bd I 1326 und Kuhn, Ztschr. XIII 71; auder» Gr. WB. 
Zn 7 b Tgl. frz. ü me prend la fantaitie de... 7 c eig. uur 
erweiterte Anwendung von 7 a. — Bed. 9 zweifelhaft. Ist 
Müggeli viell. das Dim. zn Miggen II (Miggeli). unter An- 
lehnung an Mugg, und liegt im Anfang des Liedes eine An- 
spielung auf den Brückenzoll? 

Äugst-. Wenn d' A-e* erst im Herbstmonet d' 
Aare* uf chömmed, sc git 's en Nö^summer AABöttst. 

Alet- s. Alant Bd I 171. 

Hornig-, nur in der Wetterregel: H.-Mugge*, 
MerZ'tsbrugge* ZB., d. h. wenn im Februar die 
Mücken fliegen, so ist ein strenger März zu erwarten, 
wo die Bäche sich mit Eis bedecken; vgl. auch Hornig 
Bd II 1628. 

HÜS-: \. ^ Rot'Hüserli (Bd II 1748) Aa; Z; nach 
einer Angabe in AAßb. auch der Fliegenschnäpper, 
rauscicapa. — 2. a) Person, die immer gern zu Hause 
sitzt, wie z. B. eine Hausmutter, die nur selten aus- 
geht AABb., L., Wohl.; vgl. Rüs-Mlggi, — b) ledige 
Weibsperson, die in einem Hause bei einer Familie, 
auch bei Handänderung, Wohnrecht hat und für sich 
haushaltet AAWohl.; vgl. Schliss. — hüs-mugge°: 
auf solche Art eigenen Haushalt führen, ebd. — Zu 
dem Vogelnamen vgl. , Grasmücke.* 

Limm ei' = Bader-Mugg Z (Dan.). 
Weil hauptsächlich Ober der Limmat schwebend und von 
da sich verbreitend; vgl. Rhin-Mugg. 

Bade(me)r-: hydropsjche pellucidula ZStdt. 
„Gabelschwanz, phrygena bicaudata Aa; Z.** Die 
grösste Art der ,Köcherjungfern* heisst in Zürich Ba- 
demermücke. HSchinz 1842. Dicht, zahlreich, wie 
Bademermugge* Aa (Schwzd.). ,Musca aquatilis aestiva 
major, ein grosse Baderrauck.' JJWagn. 1680; ebenso 
Cappelbr 1767 mit dem Zusatz: ,culex, Flachs-Müggle, 
Gelse.' ,Nacht- und Badermucken.' JJScheuchz. 1699. 
,Die bekannte, also genannten Badermucken.' SHott. 
1702. — Benannt nach ,Baden' im Aa; über die Form Ba- 
demer s. die Anm. zu Heim Bd II 1277. 

Rhi"-: Rheinmücke BsStdt; vgl. Limmet-Mugg, 
1. Art Mücken, die im Spätsommer in Schaaren über 
dem Rheine schweben; Eintagsfliege, Ephemeride (It 
Becker). — 2. Spitzname a) für die Bewohner von 
Kleinbasel. — b) auch für Flösser und Schifl:er auf 
dem Rhein; vgl. die ,Rheinschnaken* in Mainz. — 
3. scherzh. Benennung für zwei kleine Rheinfähren 
in BsStdt. Vgl. das Gedicht: ,die zwei Rheinmücken', 

i) 



ISI 



Magg, ttiegg, migg, mogg, ümgg 



132 



von Hinderm. 1866, welches beginnt: '8 händ am Ehi* 
zwei netH Müggli «*«* am Ufer niderglö\ 

1 wahrsch. sachlich identisch mit Bader-Mugg. Zu 3 
vgl. frz. mouehe, kleiner Flassdampfer. 

S6-Mngg: Seemücke L. — Auch hier wie in Limmet-, 
Bhtn-Mugg vom Lieblingsaufenthalt über dem Wasser. 

Summer-. ,Die snmmermuckcn, mulio.' Mal. 

Schabe"-Müggli: fliegende Motte Z (Dan.). Syn. 
Seh,' Vögelt, 

Spill-Mugg G; Sch; ZA., 0., Tösst., Sptlle^- G 
Stdt, Ta,; ZSth., Spinn-, Spi- AAWohl.; Ap; „Gl;" 
GA., Rh., T. (auch Spinne*-); Scew; Z (in Mönchalt. 
Spinne*-): 1. Spinne. aaOO. Es G' sieht mache*, wie 
wenn-me* Sp-e* g*frSsse* hett, eine saure Miene machen 
ScH; Th; Z; vgl. Sp.-Himi Bd II 1614. Spimmugge*- 
Heiri hiess ein Wetterprophet (Heinrich Weber), der 
nach seinen Beobachtungen an den Spinnen das Wetter 
voraussagte GRapp. Aberglaube: D* Spinnmogge* loi- 
bi*d vü, es toird-si^ mit-dem G'wirh bessere*. Wenn 
d* Sp-e* Fäde^ machid, so isch-es e böses Zache*: 's 
Garn schlöd üf Ap. ,Es geschiehet etwann, dass der 
Teufel den Gefangenen erscheinet als eine Eatz, eine 
Maus, als eine Spinmug.* JMey. 1694. — 2. meist PL, 
Spinngewebe GA.; Schw; Z. Syn. Spinn- Wupp; vgl. 
Spinnmugge*-Gam Bd II 422. — 3. Sp-en im Chopf 
hä*, unklar, verworren, ein Dummkopf sein Z. — 
4, auch Sp.-Müggli = GreÜi im Busch (Bd 11 825), sel- 
tener Ackerschwarzkümmel, nig. arv. Z. Syn. Spinn, 
,Schabab, Nonnennägelein , Spinnmucken, nigella.' 
JCSüLZER 1772, — „spill-müggele": nach Spinnen 
schmecken Sch." Syn. spinnden. 

SpiU(en) entstellt aus Spinn(en), viell. unter falscher An- 
lehnung an Spüh*, Spindel. Auch der 2. Bestandteil beruht 
auf Entstellung aus Wupp, Gewebe, mit naheliegender An- 
lehnung an Mugg, Mücke. Dieser Vorgang trat zuerst ein 
fllr Bed. 2, übrigens kommt auch Spinn-^oupp in Bed. 1 vor; 
vgl. gr. dpdxvi] und lat. aranea in beiden Bedd. 

Spanisch-: 1. span. Fliege, canth. ves. Z. Spa- 
nisch-, Spanisch- Mfigge*, flüg über de* Eoh-Eugge* 
[Berg in Sch], flUg iü>er de* höh Birg, da^ 's mom 
guet Wetter gib (Kinderspruch). Sprww. 1824. — 
2. Goldkäfer, scarabaeus aur. ScHSt. ~ 2 wahrsch. nur 
missbräuchliche Übertragung von 1. 

Spittel-: (scherzh.) 1. alte Pfrtindnerin oder alter 
Pfründner im Spital BsStdt — 2. alte Person, die 
gerne jammert BsStdt. 

Weidli^g-: Eintagsfliege an der Aare AAKlingn.; 
vgl. Hhin-Mugg. — Wohl davon benannt, dass sie die 
Flussnachen (Weidlinge) begleitet. 

Wi»-= Wm-Käfer (Bd HI 162) Bs. ,ßibio, wyn- 
mugg.' Ebinger 1438; ebenso Mal. 

Gros-Muggele", auch Tüfels-Gr, — f.: die stark 
behaarte Bärenraupe ZAff. b. H. 

Syn. TÜfeU-Groamueier, aus welchem unser W. unter An- 
lehnung an Mugg verderbt ist. 

Spille"-: Spinne ThHw. — Zu der abgeleiteten 
Form vgl. das Syn. Spinn-Wuppden. 

mugge" I AAZein.; B; GrD.; ScnSt.; Schw; ZW., 
Dim. müggle^ L; Schw: 1. (von Fischen) nach Mücken 
schnappen GrD.; L; Schw. Syn. tupfen. , Zuerst schien 
CS mir eine grosse Forne zu sein, welche muggi.* B 
KaL 1843. ,Da die Landwasserflsche dies Jahr mei- 
stens falsch m. [an der künstlichen Mücke der Angel 
vorbeischiessen und nicht anbeisscn], so sind sie jetzt 



höher im Preis.' GrD. 1862. Im Sprich w. auch vom 
Wolfe: Das b'sdiüsst, icie wenn der Wolf mtigget 
[Mücken fangt] AAZein. ; ZW., von einer kleinen Por- 
tion. Tue*, wie wenn d^ Wolf muggeti, von einer 
Schaar Kinder, die gierig nach Brot verlangen Z. Im 
Homing sieht-me* lieber e* Wolf m., als en Ma** uni 
Schöpen in'n Bebe^ SonSt. — 2. (vom Fischer) mit 
künstlicher Mücke fischen GrD.; s. Mugg 2. 

üf-: unpers., aufstossen, -jucken ScHwBrunnen. 
Es tuet-mer eisstig e ehli* ufm., von Zeit zu Zeit er- 
wacht der alte Ärger. - Zu muggen i (bildl.); doch s. 
auch Muggete*. 

ge-muggct: mit Mücken, L S. v. Mugg 5 b, ge- 
ziert. ,Dem gemeinen Stand Angehörige sollen keine 
weiss gemuckete Schoosen mit Blnemen und Strichen 
tragen.* G Kleiderordn. 1727. - Abi. vom Subst. Mugg, 
nicht vom Vb. 

G'mügg n.: die Mücken BSL Vgl. Geflieg Bd I 
1178. Angeblich auch Kosename ZStdtf- 

Ore"-Müggel AABb., Hold., -Miggel GaLandqu., 
-Müggder Sch; ThHw. ; Z, -Miggeler Bs — m., -Müggeli 
AaZoL; B (-Ü- It vRütte); S (auch -Müggli), -Mlggeli 
Bs — n.: 1. = Oren-Grübd 1 Dd II 691 Aa; Gr; 
Sch; ThHw.; ZKn., 0., S. Syn. OrelefrJ. Nach dem 
Volksglauben kriecht dieses Insekt gerne in die Ohren 
des Menschen und verursacht die unter 2 genannte 
Krankheit oder auch Taubheit. ,Man kann keine 
Ohrenmüggler [aus dem Getreide] sieben; si* fallen 
durch.* Z KaL 1809. ,Der gemeine Ohrwurm, Ohren- 
müggler, forficula auricularia.' HSchinz 1842. ,Mille- 
peda, Ohrenmückel, ein Wurm mit vielen Füssen.' 
Denzl. 1677/1716. ,Bei den Nelken gibt man Achtung 
auf die OhrcnmüggeL* JCSülzer 1772. Scherzh. vom 
Abnehmer der Ohrenbeichte: ,Dcr alle Wochen zwei 
oder drei Mal seinem gewohnlichen Ohrenmüggeler 
seine Sünden in das Ohr hineinflissmet.* Schob. 1699. 
— 2. Geschwulst, Entzündung hinter den Ohren, Paro- 
titis; auch Mumpf, Mumps, Halsbräune, weil beide 
Obel oft zusammen auftreten AaZoL; Bs; B; S; ThHw.; 
ZO., Wthur. jTaubenmist g'legt die orenmüggel, mit 
habermöl aufgestrichen.' Vogelb. 1557. »Spicanarden- 
salb zorstossen und in die oren gegossen benimpt 
schnell den o.* ebd. .Parotis, ein geschwulst hinder 
den oren, der orennüttel oder orenmückeL* Fris.; 
Mal. (bei Letzterm: ,Orenmüttcl*). ,Für den Ohren- 
mügel oder Geschwulst hinder den Ohren.' 1710, Z 
ZolL Arzneib. 

Die Synn. Oren-Müttel, -Mützel(er), -Nügtfcler, -Niggeler^ 
welche aus Gr. WB. VII 1257 noch vermehrt werden kOnncn, 
zeigen, wie etymologisch haltlos der zweite Teil des W. von 
jeher war. Doch ist bei unserer Gruppe Anlehnung an Mugg 
(Ygl. bei Gr. ,OhrmUck') sehr wahrscheinlich. Die Formen 
mit t, bzw. f sind Anlehnungen an andere Stämme. 

müggle" I: mit aller erdenklichen Sorgfalt schies- 
sen AALeer. — Wohl zu Mugg 6. 

g«mügglet: von Steifen, Geweben; mit kleinen 
Blümchen oder Punkten, die entw. vermittelst des 
Jacquardstuhles eingewoben oder nur aufgedruckt sind, 
wie mit Mücken besäet Z. Syn. 'tüpflet, ,Das Tragen 
alles glatten, gemügleten, ge strich leten, gemödleten 
und gerösleten Kammerreins und anderen dergleichen 
ab der Frömde kommenden weissen Zeugs [ist ver- 
boten].* Z Mand. 1703. ,Gemüglete Mousseline.' ebd. 
1722. — Abgeleitet vom Dim. Müggli und entsprechend frz. 
moucheti. 



133 



Magg, megg, niigg, uiogg, mogg 



134 



6"iDiggol 11.: 1. Gemurmel „B; L." 's ist nit 
kauscher da inne*; da ist öppis los. J^* ha so nes 
G'm. Uff es G'fiegg glwrt. B Dorf kal. 1863. — 2. Ge- 
munkel, dumpfes Gerücht, heimliches Gerede B; L; S. 
I" der Gemein umen ist es g'wüssnigs G'm. g* gange* 
L (JBEgli 1871). Hingegen göt au^ d' Bed und göt 
's Gemuggel, 's Hüs heb sich 'bldit, d* Mür heb en 
Buggd. BWtss 1884. ,Die Gelehrten geben manchmal 
ein geheimes Gemuckel Über Knssland von sich ; aber 
nur ein Gemuckel oder Gemunkel.* Gotth. — 3. „fernes 
Donnern LE.** 

mugge^II: 1. unverständlich, mit halben Worten 
reden WRar. — 2. mucksen. ,Kaum muken oder das 
Maul auftun dörfen.* Spleisb 1667. ,Du magst dich 
leicht mucken, so heisst es: Sihe dieser Hurer usw.' 
JMet. 1694. — 3. schmollen, unfreundlich, trübsinnig 
sein ü; W. Muggi m., Kopfhänger U. — Vgl. die 
Synn. müggen, mungyen und mugglen nebst Anm. 

er-: refl., sich regen, mucksen GaObS., Pani. 
Dim. er-müggle*, refl., sich bewegen, rühren GrS., 
Scuolms, Spl. 

muggere" I: murren GRMai. (Dan.). 

Muggete** f.: ein Mundvoll Flüssigkeit, bes. beim 
Erbrechen oder Aufstossen aus dem Magen BO. — 
Viel!, abgeleitet von muggen II i. S. v. muggUn 1; doch B. 
auch ü/-mugytn. 

muggiere": rofl., sich mucken. 1. Laut geben, 
Mucks machen, mucksen, sich regen, als Zeichen des 
Widerspruchs, Trotzes, der Klage, meist nur mit Neg. 
AAZein. (neben mtmggiere*), Z.; Ap; GRÜhur; GF., oT., 
Wa.; ScuSt.; SoHw; S; Tu; Z. Muggier - di*^ ! wage 
es zu mucksen! (Drohung). Er häd si''^ nüd dörfe^ w. 
Angeri [Andere] hei-mer heinUig lfti|)/'[Pülfe] i* Bügge* 
g'ge*, und Äa»-wit«* muggiert, Tiet-mi"^ der Vatter am 
Hör g'rupft Hausfrd (S). — 2. sich brüsten, sich 
anheischig machen ZKn., S. Er seil si"^ nüd m,, das* 
er Das so use^brdcht [zu Stande brächte]. I** wett- 
mi^'^ nüd m., ich würde nicht die Anmassung haben. 

Zur rom. Abi. vgl. hantieren, htuieren, güüerieren, ,8chim- 
pfieren* u. a. ; es bat wohl frz. «e moquer hereingespielt. 

muggle" 1: dumpfen Laut von sich geben. 1. von 
loblosen Wesen, z. B. von fernem Donner f^es mugglet) 
LE.", von Schlägen S; auch: in gurgelnden Tönen 
hervorquellen, von Flüssigkeiten BBr. — 2. vom Vieh, 
stoss weise, gedämpft, stöhnend brüllen. .Marei musste 
in den Stall, weil es ihm war, als muckle die Kuh.' 
Gotth. ,Der Geizhals muggelte wie ein Alpmuni und 
brösmete [klaubte] 50 Rappen hervor* AxZof. (Eulensp.- 
Kal.). — 3. von Menschen, a) Unbehagen, Schmerz 
äussern durch Ächzen, Stöhnen BM., Si. Syn. grochsen, 
grüggen. Ein altersschwacher Mensch hat viel z* m. 
BSi. Er muggletf geberdet sich wie ein Kranker, ebd. 
Einer, ico säst gäng z' m. het u»'* nume^ albe* vor ere* 
Äbstimmig wider z'wBg ist BE. Weinen, in geringem 
Grad BM. Was hast z^ m.? die Mutter zum Kinde, 
das in unartikulierten Lauten seine Unzufriedenheit 
kund gibt BSi. — b) heimlich murren, aus Unzu- 
friedenheit brummen, sich mürrisch geberden B; „L;" 
S ; Obw ; W. Si* Vetter, de*' Gizgnäpper, het geng Öppis 
über in z' m. g'ha*. Bari. Oni z* m., ohne Widerrede. 
B KaL 1889. ,Wie still es Anfangs auch gewesen war, 
in. und brummein war allgemein.' Gotth. ,Man muckelte 
über magere Suppen, selten war das Fleisch allen 
recht.* ebd. ,Joggeli hatte gemuckclt, über den vielen 



Verbrauch mit seiner Frau gebalget.' ebd. — c) leise 
murmeln B; W. Im Geheimen lachen B oSi. — 
d) halblaut, im Geheimen mit einander reden, mun- 
keln AxLeer. (neben tnun^^2^) ; B; L; S; W. „Dim. 
müggele*.'* Mu [man] mugglet Allerlei BSi. ,Die Nacli- 
barsweiber fiengen an zu m., redeten mit einander 
über die Gartenzäune hinein.* Gotth. , Heimkommend, 
sah er allerlei Gesichter, hörte hier m., dort m. und 
wenn er dazu kam, so schwieg man, gieng aus ein- 
ander.' ebd. All Lüt hei jo g^mugglet, er sig ne Frei- 
mürer. Joach. 1881. — e) beim Essen, keuchen, stoss- 
weise ächzen wegen vollen Magens BBurgd. Syn. 
blsten, pfnächzen. 

iDtensivnm zu muggen II. Über das Etyniologische vgl. 
Gr. WB. unter ,niuniceln' und ,niunkon', sowie bes. ,D]ucken.' 
Ober die Mischung zweier St&mme s. die Anm. zu Ileini- 
Mügger und mugg(e)len II; denn auch bei unserem Vb spielt 
das Verborgene, Heimliche wesentlich hinein. 

Muggler m.: Murrkopf S. 

Mugglim.: 1. = Muggler Obw. — 2. Geschlechtsn. 
Z und nach zwei verbrüderten Hausierern dieses Na- 
mens appelL gewendet zur Bezeichnung eines dicken 
Knirpses ZStdt. 

müggele°l: Dim. zn mugglen L 1. (leise) meckern, 
von Ziegen BHa., B., Schw. — 2. halblaut widerbelfern, 
munkeln B. Was heseh z* m.? Leise und abgebrochen 
reden, z. B. von Kindern in der Schule, denen das 
Schwatzen verboten ist SL. — 3. leise, aber anhaltend 
wimmern, kaum hörbar stöhnen, von Säuglingen B. 
Syn. grüggen 5. Spottende Bezeichnung des Singens: 
,Und wenn du noch so laut zu deiner Zither müggclist, 
das hilft Nichts.' B KaL 1847. 

Müggele'^ f.: Ziege, die durch unaufhörliches 
Meckern lästig wird BD.; vgl. Brüel; auch Mdggen, 
Mdggden. 

mngg(e)le» II TnTäg., müggele* II Ap; TnTäg., 
müggle* II GoT.: 1. heimlich entwenden, stehlen; 
bes. Kleinigkeiten. aaOO. Syn. ficken. Eine Frau klagt 
über ihren Mann, der dem Holzfrevel ergeben ist: 
Wenn er das Mugglen nW chonnt lö*. Feorer. — 
2. (muggle*) im Verborgenen handeln L (Ineichen). 

— 3. (müggde*) in kleinen Bissen essen, langsam 
kauen L; Syn. mäggelen III, mänggelen. — 4. un- 
pers., es mugglet, es dunkelt ScHwMa. Syn. m^iuglen. 

S. die Anm. zu mugglen I und vgl. bair. mockdn, ver- 
stohlene Bewegungen machen, aber auch ver-mäuken, müken. 

— 8 wohl eig.: heimlich kauen. — Zu 4 \g\. nd. ef munkelt, 
der Himmel bedeckt sich. 

ver-mugg(e)le": verheimlichen Th. — Vgl. bair. 
vermockeln, heimlich bei Seite schaffen. 

m u gge" 111= muggelenl Ap. — Vgl. ,mockcn*, schlei- 
uheu, lauern, bei Gr. WB. VI 2435. 

Muggerer m., Muggeri f.: Personen, die Kleinig- 
keiten entwenden Ap. 

iiiaggc"IV: hinterrücks foppen, spötteln GSev. — 
Am wahrscheinlichsten zu Mugg l oder 6. 

Ü8-: durch Stichreden necken Gr. 

müggle" 111: Einen aufziehen, verächtlich be- 
handeln Schw. 

ÜS-: verspotten, auslachen L; Scuw; S. Wenn-ere* 
Einer im Schaffe* nid hed nache* möge*, De* hed si 
hinde* und vore* a*fäli üsm. L (Schwzd.). 



135 



Magg-mugg. Mah— Blüh. Maj— muj 



136 



Mag^iss m.: heimlicher Vorrat von Speise, bes. 
übst, von Kindern Z. Syn. Mütiss. — Vgl. dio Anin. 
zu Mawjgi* and dio Gruppe mauk-, mük. 

miggc": stossen BSi. — Vgl. müke*. 

Müeggi n. : der Batzen, Kelchüberrest am Kernobst 
GRh. Syn. Flieg, Güegi (Bd II 161). Vgl. G'müegi, 



Mah, meh, mih, moh, mnh. 

Muhe" f. : »faules Weibsbild, das auch seine Worte 
nur schleppend herausbringt und das gerne sich ver- 
schleichet und vermauchelt.* Spreng. — Diese Angabe 
beruht auf der altbaslerischen Ausspr. für Mücke*. 



Maj, mej, mij, moj, muj. 

Maje" nMaien, Meyen m.: Sense LE." Syn. Mä- 
Segessen. 

Ge-mäj n.: Gemähe. ,Dorfwisen sollen mit dem 
meeren geraeyg gehöwet und ingefuert werden, und 
wer das mit dem mindern weren wollt, der ist on 
gnad umb ein pfund haller verfallen und kommen.* 
1496, ZSün. Offn., d. i. es soll der Mehrheit der Be- 
teiligten zustehen, den Tag des Mähens zu bestimmen. 
Vgl. Ge-schnitt. 

mä(i)je» AALeer.; ßs; BR.; PJ.; Gl; GSa.; Th 
(in Fr. mäije»); üwE.; ZO. (auch wetc«), Rafz (äj, 
me(i}je* BM.; ü, maihe* ApK., M., mähe* ApL; Gr 
ObS. (äj, mde* ApH., L; ZS. — Ptc. g'mät Gl, g'mäit 
Ap; Bs; TüFr., g'mäit S; Tu (dj, g'meHt AAEhr., 
g'mäet ZO. (auch g'meiet)^ 8.: mähen. 1. wie nhd., 
im Unterschied von grasen 2 Bd II 797. Sit de* Dräe^ 
am Morgen m. (abhauen) und bis z' Nacht am Nüni 
[Heu] ablade* Th; Z. Wottsch gom.? fragt man den 
Kegler, welchem die Kugel in dio Wiese hinaus rollt 
S. ,Ein [dem Kloster Pflichtiger] mann soll meyen 
und ein fraw soll schnyden oder hewen.' 1582, UwE. 
Herrschaftsr. RAA.: Wer säit, der mäit [erntet] L 
(Ineichen). Bildl.: Süber m., (zu) sparsam sein Ap. 
Chä**sch gö luege*, wo 's g^mäit isch, wenn Etw. ge- 
schehen und nicht mehr zu ändern ist S. ,Heute, wo 
die Sache schon lange vorbei und gemäht ist' B Hist. 
Kai. 1873. Was dahinden (übere*, hingere* S, hinder-is 
Bs) isch, isch g'mäitfsj BHk., was rückwärts liegt, was 
geschehen ist, ist abgetan. ,Von Dem, was Dahinten 
ist, will ich nicht reden: was gemäht ist, ist gemäht.* 
GoTTH. Das ist e* g'mäiti Wis (Matten BsL.), eine 
erwünschte, sehr günstige Gelegenheit Ap; Schw; Th; 
Z, wohl, weil eine gemähte Wiese bequem ist zum 
Wandeln und als Spielplatz. Mim Arnold ist das e* 
(frnaits Wisli g'sx*; drum schlöt-er uf der Stell !• und 
sät: 's soll gelte*. Schwzd. (Th). Das kunnt-mir z' 
Statte*, das ist für mt«* e* g*mäiti Matte*. Hinderm. 
S. noch Häggm 5 6 Bd II 1091 und heuwen Bd II 1821. 
— 2. a) beim Gehen die Füsse kreuzen oder mit den 
Füssen seitwärts ausholen, von Menschen und Vieh 
Th; ZRafz. Von Kühen, mit den Hinterfüssen beim 
Gehen gleichsam mähend ausgreifen und schwingen 
ZZoll. — b) mit Armen und Beinen beim Gehen in 



der Luft herumfuchteln AALeer. Buche*, wo mäied 
[die Hände verwerfen], und Meitli, wo schreied, gind 
[geben] die wackerste* Lüt. Sulger. 

Mbd. mA/en, ahd. majan. In g'mat scheint sich der alte 
,ROckumlaat* erbalten zu haben; vgl. auch chräjm Bd III 805. 
,Majen, gemait', auch 1484, AaSuhr Olfn., ,abinaien.' XV., Z Rq. 

über-, untrennbar: 1. über die Grenzmark mähen 
und dadurch den Nachbar schädigen, allg. N. N., wo 
mit s%**r Matten an m%*s Land stösst, hed mt«'* übermäid, 
dass [s] en u*verschanti Sach ist BR. S. noch über- 
eren (s. Bd I 405), -graben, -bü^'en, -schnlden, -zünen; 
vgl. über-hüsen Bd II 1741. — 2. über eine Wiesen- 
fläche hin mähen, sie abmähen, mit dem Nbbegriff 
leicht, obenhin, flüchtig Z. ,Doch das" nieman uf den 
güetern soll sennen, sunder die güeter höwen, zum 
minsten des jars einmal übermäyen.' 1514/44, Schw LB. 

in-: einmähen, für Stallfütterung B. Wä**-mu* 
tnmäid. Das nimmt ab den Matten [tut dem nach- 
maligen Heuertrag Eintrag] BL. 

ver-: das Gras zu nahe der Wurzel abmähen QrD. 

vor-: 1. von mehreren Mähenden der vorderste 
sein und dadurch die andern in ihren Bewegungen 
leiten, sie anspornen Bs; B; vgl. use*-tue*. — 2. bildl., 
anführen, in der Arbeit mit gutem Beispiel voran- 
gehen B. ,Die rechten Weiber, welche einem Hause 
wohl anstehen und v. in der Haushaltung.' Gotth. 

Mäjer FJ.; PAl.; üw, Mder Z — m.: Mäher, 
selten st. Mäder. 

Zue-: wer beim Mähen ähnlich verfährt wie der 
Zue-Charster (Bd III 48(5) beim Hacken ZO. 

Maihete», Mähetc* Ap, 3fÄye/€«-GSa. — f.: so viel 
Gras, als auf ein Mal gemäht wird, Partie Gemähtes. 

mäjig: gut zu mähen ÜwE. 

majestäte" ma(j)isteHe* : 1. = hoffärtig s%* (Bd I 
1033) SchKL, Schi.; ZBül. f Du chwinst dether, wie 
wenn d* wettist ge^ majestete*; ich mMCÄ*-Mit** schier 
schäme* nibet-der. CBiederm. 1888. — 2. (ein Privat- 
übereinkommon) bekräftigen, bestätigen, obrigkeitlich 
sanktionieren Gl (Kanzleispr.). 

ma(j)istetisch: majestätisch, a) von Menschen, 
die grosstuend, prunkend auftreten, einhergehen Ndw; 
ZZoll., meist Adv. — b) von Dingen, prachtvoll Ndw. 
E m-i Chille*. 

Major Major — PL Majore*, selten Major — m.: 
militärischer Grad, wie nhd. allg. ,Wie das Sprich- 
wort heisst: Öppis het dW Herr M. rieht und Öppis 
d's Lisebetli/ Gotth., auf einer lokalen Anekdote be- 
ruhend. 

Erde"-: entstellt für Aide-Major Z. 

Land-: ehemals militärische Würde, ungefähr = 
Muster-Herr (Bd II 1587) Aa; Bs; B; Gl; L. In L 
5 Landmajore bei den 5 Brigaden der Landschaft; vgl. 
Leu, Lex. XII 302; III 223; Seg., RG. III 157. In 
Gl seit 1694 ein L., welcher das Militärwesen des 
Landes beaufsichtigt; vgl. Gl Gem. 486. 

Pfiff er-: Instruktor der beim Militär verwendeten 
Pfeifer. XVIIL, B; s. vRodt 1834, 273. 

Tambur-. Kinderreim: T., nimm *s Höndli bem 
Or und *s Chätzli bem Schwanz, mach met-em en 'Tanz 
GStdt; Z. — tämburmajerle": den Tambourmajor- 
stock in die Luft werfen BsStdt. 

Trüll-: höherer Instruktionsoftizier, welchem die 
Abrichtung der sog. Trüllmeister oblag. 2. Hälfte 
XVIU., B; s. vRodt 1834, 289. 



137 



Maj, mej, mij, moj, maj 



VdS 



Trompeter-: Inätruktor der Drag^onertrompeter. 
1782, B; 8. yRodt 1834, 271. 

Major n.: Mehr, in politischem Sinne ApK. — 
Verk. aus (per) majora, das Gescbl. nach dem von Mcr. 

Major in: Fem. zu Major. D* Frau ist d' M, 
[d. i. Meister] im Hüs. Sprww. 1869. 

Mist-Majorini: unreinliche Weibsperson Scu 
(Kirchh.). 

majorisch: 1. Adj., mutwillig, boshaft Gl. En 
W-« Bwrseh. — 2. Steigerungsadv., z. B. ni. erschrogge; 
sehd^. ebd. Syn. müliönisch, 

Mejes: Geld, Vormögen BsStdt. En einzig Kind, 
derzue het-si M., botz Wilt! — Jaden- oder Gauoor- 
deutsch? Vgl. Mie» im gleichen Sinne. 

Mijel, M%üf bzw. Me^id — m.: 1. grosses, weites 
Trinkglas, Pokal, Humpen, glatt oder kraus, mit oder 
ohne Griff, meist ohne Fuss und gewöhnlich 1 Schoppen 
(V« Mass) haltend, für Wein, Most, Bier, daher auch 
Bier-y Sehoppen-M. genannt AaF., S.; BsStdt; BO.; 
VO; S; ZWäd., auch V« Mass fassend BM. fHalb- 
mä8S-M.); Ndw, sogar 1 Mass (Mäsa-M.J BM., Si.; 
Syn. Hobel 5 (Bd II 946). Glas mit zwei Henkeln 
BoE.; Meieli, kleines Kelchglas mit Fuss L. ,Nach- 
mittag holt uns mein Weiblein ein Meiel Koten.* 
Stockek. ,Er [der Prasser] trank den köstlichen Wein 
zuletzt aus M-n.' B Kai. 1860. , Einem siegreichen 
Schwinger reichen seine Kameraden ein mit Wein ge- 
fülltes Schoppen-M.' Schäker, Anl. Dert steit e" M. 
uf-em Bänkli obe^; vil Ereud und Trür iseh mit dem 
Glas venvobf; 's het d' Bunde gemacht zur Hochzit, 
Taufi, Grebt JCOtt 1864. ,Den christlichen Schlaf- 
trunk aus grossen Meylen, Bechern, Krügen nehmen.* 
ADemnl. 1817. P* trinke für ett**, ir Herren, es Meieli 
z' Ere"". MUsTBRi. ,Gross stützen und mygel voll aus- 
bringen, potfcere majoribus poculis. Stotzen, grosser 
mygel, cymbium.' Mal. ,Man soll der grossen Meyeln 
entbehren.* 1605, Bs. ,Guet Leberwurst, Meyel voll 
Wein wurd mir der beste Doktor sein.' Stettler 1606. 
;[0b] schon ein halb Moss im Meyel war, gar bald 
wollt ich ihn machen 1er.* GGotth. 1619. ,Als Einer 
etlichen Pauren zulugete, wie sie immerdar ganz halb- 
mössig Meyel in sich schlucktend, sagt er: Dise M. 
sind Kerzen, die den Pauren ab den Höfen, den Jun- 
kern ab den Schlössen und den Pfaffen ab den Pfrün- 
den zündend.* Schimpfr. 1651. ,M., Stauf, Kopf, hocher 
Becher, crater, poculum, scyphus.* Bed. 1662. ,Boim 
Pannerschwur a. 1700 gab der Pannerherr einem Jeden 
der 400 zum Panner gehörenden Mann einen Mühel 
Wein und ein Mutschli.* Obw Volksfr. 1880. A grösser 
M, Brante'wei: Balz 1781. — 2. als Trockenmass, 
ein Schoppenglas voll AxLcer.; BBe., S. (bes. für Steck- 
zwiebeln). — 3. a) auch Blueme*-M., Blumenbechor 
AaKu. — b) das cylinderförmige Glas einer kleinen 
Laterne BHa. — Mhd. miol, Pokal, mlat. mUÄium, lt.-lomb. 
miolo. 

Chnöpfli-: knöpfiges, grosses Trinkglas, Bierglas 
mit knotiger Au.sladung Bs f- 

möje": dumpf stöhnen, jammern BSa.f Syn. ^isicn. 
Kig. den Laut mö ausstosseti; vgl. muhen; j nur silben- 
trennend. 

Moji n., nur in dem PI. Mojini: Grimassen, dumme 
Geberden W. Er macht allerlei M. — Vgl. frz. moue. 



j, in GRÜVatz Muej, in B; S Müe(j)if sonst 
Mike — f. : Mühe. allg. Ir mached-i [euch] nw z* vil 
M., Hötiichkeitsformel, mit der ein Gast Bedienung 
und Bewirtung anerkennt Tb; Z. Ähnlich: Machid 
kei M.! B Dorfkai. 1892 (Zq). Vgl. noch Jungfrau 
Bd I 1247. ,Wir folgend dir nach dynem will, ir hand 
mit uns [den Gästen] der müy zue vil.* Haberek 1562. 
,Gar z' vil Mühe hand ihr mit uns ka [gehabt].* GGotth. 
1619 (von Gästen, nach eingenommener Gastmahlzeit). 
'« tüird M. hä; es wird schwierig sein B; Z; Syn. 
Harz, Muggen, Mus. 

Xhd. müeje, müege, auch muo, abd. muolhH, abstr. Subst. 
zum Vb muo(h)an, mühen. Die Schreibung Müei noch bei 
BOeger 1606. 

Gaum-: durch Aufsicht, Überwachung verursachte 
Mühe. ,Es wird des gerichtsherrn sorg und gaummüe 
[durch Aufnahme von Insassen in die Gemeinde] ge- 
meret.* 1479, AAWett. Klosterarch. 

müejele", müde*: Einem Mühe machen BBrisl.; 
S. Er het im g*müeilet, er hat ihn mit Stichelredcn 
gekränkt S. — Zum Dat. vgl. unter yemüejen J. 

müe(j)eli«'»ZKn., müeüig S, müelich GrV.; ScuSt, 
wÄeZi«* Ap; Sch; Z, mielich Gr ObS. (auch -ig, -isch); W, 
müdig Bs: 1. beschwerlich, mühsam, lästig, von Pcrs. 
und Sachen BsL.; SciiSt.; S; Z. D* Boss trampe* mit 
m-e* Sehritte* langsam dervö*, Breitenst. Das ist «• 
m. Ghind, 's Predige* chunnt-en m. [sauer] a". Wü 
mer 's Laufes z* müdi worden ist. Mey., Sprachb. Er 
het em *s m. g'macht, hat ihm weh getan S. Der m. 
C/ietzer! wird Einer tituliert, der am Morgen früh die 
Schläfer weckt. Joacii. ,l)er was ein müelich mann.* 
Ap Reimchr. 1409. ,Sich, ob ich auf einem müylichen 
wog sei.' 1531/48, Psalm, = .schmerzlichen.' 1067, ,Weg 
des Unglücks.* 188*2. ,Der müy liehe zufall der über- 
röte.' Jos.Mal. 1593. ,Weil dismalen noch das kleine, 
aber doch mühliche [dem Verwalter Mühe verur- 
sachende] residuum bei meinen Händen ligt.* 1674, 
ScH Mscr. — 2. wählerisch beim Essen, leckerhaft, 
bes. auch vom Vieh Gr; W. E* mielichi Dampe* 
[Person] W. Syn. fämsch, ungefräss (Bd I 1319). — 
3. lustig und lebhaft, unermüdlich in der Bewegung 
beim Spiele ApK. Was jung ist, ist m., sei 's c* Kälbli 
oder e* Küeli. 

Mhd. müelich in Bed. 1. 2 und 3 lassen sich mit 1 be- 
grifflich unschwer vermitteln; eig. durch lockorhaftes Wesen 
oder durch Unruhe Mühe machend. 

müe(j )e°: meist unpers., mit Acc. P., bekümmern, 
schmerzen, verdriessen AALeer.; B; „LE." ,Das zu 
verlieren müeheti sie hart.* FSchlachter 1893. ,Sie 
bekümmerten sich so durchaus nicht um mich und 
die Schule, dass es mich fast mühen wollte.* Gotth. 
,Es freut mich, aber es müht mich, dass ihr selbst 
kommt.* ebd. Es heig *s scho* lang g'müjt, dass es d*r 
junge* Frau Nüt heig chönne* dWfür tue*. MWalden 
1880. ,Müeget dich das, so machen es anders.' 1501, 
Bs Safr. (verpönte RA.). ,Ir sind nit 'kummen und 
hend dorzue uns nüt geschriben, das mich recht red- 
lich an üch miegt.' XVI., Bs Briefe. - Mhd. müe(j)en. 

g*-müeje": 1. Kummer machen, verdriessen, wehe 
tun B. ,Das gmüehe sie [die Kinder] so sehr, dass 
sie Nichts mehr für ihr Müeti tun könnten.* Gottu. 
,Wenn sie sich von Weitem zeigten, so taten ihre 
ehemaligen Freunde, als hätten sie keine Augen. Das 
begann sie doch zu g.' ebd. Die Verkäufer eines Hofes 
versprechen, sie wollen den Käufer und seine Nach- 



139 



Maj— miij. Mak— muk 



140 



kommen .niemer an dem hof gemüegen [beunrnhigen, 
belästigen], sondern den kauf stete halten/ 1315, Z 
Urk. — 2. refl., sich anstrengen, bemühen, die Mühe 
nicht scheuen B. I^ mag-mi^^ für in nit gmüje! B 
Kai. 1846. ,Zu ihren Zeiten hätten die Schulmeister 
sich anders g. mögen, heut zu Tage mache Niemand 
mehr, als er müsse.' Gotth. ,Sich mit den ärmsten 
Leuten g.' ebd. — Mhd. gemüejen in Bed. 1. 

b e- : refl., Verdruss, Schmerz empfinden, sich ärgern. 
,üywyl E. W. sich ob den grüwlichen historien be- 
mieigt, schick ich E. W. ietz etwas frölichers.* XVI., 
Bs Briefe. Das Ptc. «bemühend* spec. schweizerisches 
Schriftwort für peinlich, frz. penible. 

,müejig: zornmüetig, zornräss, reizig, irritabilis.' 
Fris.; Mal. 

„klein-: leicht empfindlich, z.B. für Zorn, Schmer- 
zen BO," — „lis-: weichherzig B." 

Ver-mÜei"g f.: Verschlimmerung durch Über- 
anstrengung GRPr. 

müesam: 1. schmerzlich, Kummer erregend. ,Vil 
müegsams ich allthalb erfar.' Buef 1542. — 2. in akt. 
S. von einer Person, sich Mühe gebend, sich anstren- 
gend. ,Er gieng noch immer seinem Beruf nach, darin 
er fast allzu mühsam gewesen war.' Z Nachr. 1755. 

Müesam keit f.: Beschwerde, Not. ,Wir band 
vil erlitten, gross übelzyt [schwere Zeit] und müeg- 
samkeit.' IIdef 1542. 

müeselig: 1. beschwert, geplagt; Syn, arbeitselig. 
,Ein m-er Hausvater, der die ganze Woche keinen 
Augenblick zu seiner Erholung übrig hat.' 1712, 
Landvogt Escher. — 2. schwer zu behandeln, mür- 
risch. ,I)ifficilis niniium, z'vil schwermüctig, m. oder 
fjendselig, mit dem nieman kann nahin kommen.' 
Frjs. ; s. auch^Vn«^ Bd II 465. ,Zwüschen unwilligen, 
m-en Eheleuten.' B Chorgor.-Satzung 1667. 



iM;ik, iiiek, mik, iiiok, miik, bzw. mack usw. 

mauke" L; S, mäuke* B; Scnw; S: 1. „verheim- 
lichen B; L; ScHW." — 2. = maiichen 1 B; L; Schw; S. 
Wenn Der us-^em Spicher oder Gheller mäukt. Schild. 
— 3. mit Lust und Begierde, schmatzend und mit 
gefällten Backen essen; fressen B; L; S. 

Eine Verhärtung von maucfn* durch j- Ableitung. Das 
Fehlen des Unil. ist för au nicht selten; vgl. rauhe* von 
niuvhe*. Die von St. angegebene Nbf. mit ü bedeutet viell. 
nur die in BM. übliche Ausspr. des Diphthongs (ü'^). 

er-mäuke": ermüden B. Wie leue* mir [die 
Hirten] so gern; denn h* sunders dert die Wulf so z* 
jäuke^f mag Eine* würklich recht e. und ist Eim öni- 
dem ke* Freud. ScHÄFERScnEii» 1831. 

Zu dein Begriffswcchsel vgl. mauch, niedergeschlagen. 
Vidi, ist aber das W. dein Keime zu lieb willkürlich ver- 
derbt aus rr-müA-cn. 

vor-: p]tw. verheimlichen, im Verborgenen abtun 
HThun, U.; L; S. Syn. ver-müchlen; ver-schmauken. 
,Furtim subducere.' Id. B. ,Mädeli verbarg sein Ge- 
sicht an meinem Halse und vermäukte dort seine 
Freude.' Gotth. Mängi Frau vermäukt [isst im Ge- 
heimen], was si cha** S. Er isch e* vermäukte^ Burst, 
er ist verschlagen, will mit der Wahrheit nicht heraus 



SL. Das Ptc. Perf. häufig adv. gebraucht i. S. v. ver- 
stohlen, heimlich, schlau BThun, U.; S. Etw. vermäukt 
(im Vermäukte*) nmche*. ,L)as Fleisch ass die Frau 
V. selbst, ihr Mann erhielt wenig davon.' Gotth. ,Si6 
lachten nur v.' ebd. V. Wi* ufe* träge* [aus dem 
Keller holen].' Schild 1885. — 2. vermäukt^ betroffen, 
in Verlegenheit gesetzt B. Ja gSll, jxz bisch v. 

Maukere" f.: scherzh. Schelte auf eine Frauens- 
person ScHW; vgl. Machen. 

Steck-Meck: ein, bes. früher, von (Hirten-) Knaben 
geübtes Spiel, bei welchem ein geöffnetes Taschen- 
messer, das im Boden stecken bleiben soll, unter folgen- 
den Ausdrücken und in dieser Reihenfolge geschleudert 
wird: 1. Steck! beim Griff gefasst und geschleudert 
2. Meck! ebenso. 3. Flachhand! aus der flachen Hand. 
4. Fmt! aus der Faust. 5. Örlimäss! die linke Hand 
muss über den rechten (schleudernden) Arm hin das 
rechte Ohr anfassen. 6. Sergust! die Klinge bei der 
Spitze erfasst. 7. Ufgümperlis! ebenso gefasst, aber 
gegen sich geschleudert. 8. Rechts! mit der rechten, 
9. Links! mit der linken Hand wie Anfangs. Wer die 
wenigsten Treffer hat, muss StümpU bisse*, d. h. ein 
in den Boden geschlagenes circa 1 Dezimeter langes 
Stück Holz mit den Zähnen herausreissen GKh. 

Mik n., Mtkete* f.: Dominika SchwE. 

Mock m. : Nepomuk Ap. 

Moeke", in Ndw auch Mock — m., PL Möcke*, in 
Ndw; ZO. auch Mocke*, Dim. Möck(e)li, in Ndw auch 
Mockili: 1. dickes, derbes Stück, grosser Brocken, 
z. B. Brot, Fleisch, Käse, Butter, Seife, Zucker, Stein, 
ein Klotz Holz, ein Klumpen Erde, Blei usw. allg., 
in Th immerhin seltener als Brocket. Vgl. Schollen. 
,Wenn Buedi mit seinem Messer in's Hausbrod fuer 
und einen gar grossen M. absprengte.* Alpemu. 1871. 
Es Möckli Rindfleisch tued dem Menschen am wölste* 
ZS. ,Wir haben alle Tage unser Möckli Fleisch, die 
Diensten aber nur am Sonntag.* Gotth. Dort über- 
chimnt me* no^^ rechti Möcke*, an jenem Orte erhält 
man ungewohnt grosse Portionen. S, was fer ne* 
wettige* M. gisch-mer da use* [servierst du mir da]! 
Der Glämisch, Das war e* waggerer M., wenn 's nw 
Chäs war Gl. Typisch für etw. auffallend Grosses: 
Das ist e* rechte M. Hüs, ein grosses, festgebautes 
Haus; e* schöne*" M. [Stock] Heu Gl. S. auch ver^gän 
Bd II 27. Übertr.: Er het e* schöne* M. [vom Erb- 
gut] ubercho* B. — 2. im Bes. : das in Milch (Milch-M.), 
Kaffee (Kafi'M.J, Suppe (vgl. Chost-M.) eingebrockte 
Brot, aber auch klein geschnittene Stücke Fleisch, 
Kartoffeln usw. Hei-mer Möckli [in Kaffee mit Milch 
gebrocktes Brot] z* Morgen oder Bräusi [geröstete 
Kartoffeln]? Joach. Schittet-em Milch derzue und 
brocklet-em Meckeli Brot dri*. RHaqenb. 1846. Gross 
Möcke* (gindj feiss Vögel, sagt die Mutter zum Kinde, 
um es zum Essen aufzumuntern Aa; L; vgl. Oitzi 
Bd II 577. Spls Gott! d' Möcke* alli an m%*s Ort! het 
silb Büebli g^seit [das bekannte Tischgebet nach seinem 
Sinne wendend]. Breitbnst. Nimm au''* Möckfeßi, nüd 
nu*" Milch! sagt das Kind in der bekannten Sage (s. 
Gr. Myth. 650) zu der mit ihm aus der gleichen 
Schüssel essenden Schlange L; Z. Sen [so] alt ivie 
Mues und Möcke*, überaus alt Z. Er macht und 
frisst Möcke* wie Kinderschüeli. Spreng; vgl. Brueder' 
Bueb. Er het Durst nö^'* Möcke*, ebd. (scherzh.); vgl. 



141 



Mak, niek, mik, Aiok, mnk 



14^ 



Mocken-Durst. Die guete^ Möckli, die guten Bissen Z ; 
Syn. Mümpfdi, Jungen Wein mit den Möcken [mit 
Kämmen nnd Hülsen, gleichsam die Br&he mit den 
Brocken] kaufen Bs. Syn. de* W\* mit sammt dem 
Träsch. Möcke* jodlet Z, Icuiher Bs, vomere. ^Möckli, 
würfelformige Bröckchen Brot, dergleichen man in die 
Suppe tut** LG.; Z. Syn. Choat-M. — 3. specielle Be- 
zeichnung von Leckerhissen oder Gerichten; s. auch 
die Zss. a) Dim., eine Art Zuckerhrötchen Ap, eig. 
ein guter Brocken (T.). — h) (Miss-JM., dicker, kurzer 
Zuckerstengel (parfümiert, auch etwa mit Chokolade, 
Mandeln usw. vermischt), eine Spezialitat der Messe 
und hei der Jugend sehr helieht BsStdt. — c) „das 
knochenlose, fleischige Lendenstück vom Rind zum 
Kochen oder Braten**, Schlachthraten ; das grosste 
Stück Fleisch eines Bindes am Hinterteil, Muskel- 
stück; trockenes Bindfleisch zum Kochen B. Der 
grosse, runde Muskel des Hinterteils B; Syn. rundei^ 
M.f ÄrS'Baggen. Süessef" M,^ solches Rindfleisch ver- 
dampft und mit gelber Sauce; auch von Kalbfleisch 
BM. Sürer M., ein zum Beizen in Essig gelegtes und 
nachher in brauner Sauce gekochtes Stück solchen 
Rindfleisches B. Nierstück-M., ein Teil des Nieren- 
stückes eines Schlachtochsen Bs. ,Suppe von Rinder- 
mocken. Will man die Frigande ungefüllt machen, 
so klopfe man den M. wol/ XVIIL, B Kochb. — 4. M., 
Möcikli, Baumstrunk und was man von demselben ab- 
spaltet AauF., Z. Syn. Stock. — 5. Übertr. von 1, 
dicker, fetter, auch plumper Mensch Aa; Bs; B (gröber 
alsifauA;); YO; Gl; Sch; Th; Z. Syn. Bitz, Das ist 
en rechter M., bes. von Kindern Bs; Sch; Tb; Z. Spec, 
e* dolUf M., ein kräftiges, wohlgenährtes, schönes 
Kind BsStdt Durch vorgesetztes Herrgotts (Th; Z), 
Herrschafts (ZS.), Wilts (ZO., S.) verstärkt, aber auch 
übergehend in den Begriff eines durch geistige Eigen- 
schaften in Erstaunen setzenden Menschen; Syn. 2'ti- 
sigs; WiltS'Kerli. Von einem im Wachstum zurück- 
gebliebenen Knaben sagt man: Er isch numme* so nes 
Möckli B. — 6. Mock Ap; 1555, ZStäfa, Möckli uTh; 
ZMarth., Geschlechtsn. 

Spftt mhd. moeke m., in Bed. 1, 2 und 5; anch schw&b. 
und bair. Zu Mäuchli, Müch (wie Loi'ke* zu lüche*). In 
ZKrl. hat sich fQr die speo. Bed. Kaffeebrocken ein Fem. 
Mock (PI. -o- neben -ö-) gebildet. Blocke* auch aus GrV. 
als f. angegeben. Zu 6 vgl. aber auch Mo^k. 

Herdöpfel-Möckli: Kartoffelklösschen, Gericht 
aus zerschnittenen Kartoffeln SL.; Z. ,Lisebeth er- 
zählte den Kindern von all den guten Sachen, die es 
ihnen aus den Erdäpfeln zubereiten wolle, wenn sie 
reif wären: Erdäpfelmöckli, E.-bri, E.-röste, E.-suppe.' 
AHartm. 1852. — Üterli-Mocke»: Stück Fleisch in 
der Gegend des Euters BM. ,Oterlin-Mocken, ge- 
klopftes Kalbfleisch.» XVIIL, B Kochb. — Chalber-: 
Gericht aus Kalbfleisch B; s. unter Mocken 3 c. — 
Chost-Möckli: (geröstete) Brotwürfelchen, dgl. in 
die Chost [Erbssuppe] getan werden Sch; Z. — WSg- 
luegere^-Möckli: die zum Behufe des Dörrens aus 
den Wurzeln der zahmen Wegwarte geschnittenen 
kleinen Würfel ZS. — Pfaffe»-Möcke": Eierbrot- 
schnitten oder Semmelstücke, in Milch oder Wein 
eingeweicht (auch etwa mit Rosinen und Mandeln ge- 
füllt), nachher in Butter gebacken und in Zucker und 
Zimmet gewälzt „GT.;- SciiSt.; Z. Syn. Pf.'Mümpfel, 
'Brot; vgl. Pfaffen-Chlotz. — Beputaz Bebedäz-, 
BdnddZ', Bepidciz- Möckli: Best von einer vorgesetzten 



Speise, welchen ein Gast Anstands (Reputations)-halber 
nicht auHsst ZS. Ein bei Seite gelegter Bissen, auf- 
gesparter Leckerbissen AAWohl. 

Schele-Mocke": Rindfleischstück B. — Benannt 
7on der dabei befindlichen Sauce (Gelee); vgl. Mocken 8 c. 

Speck-: tüchtiges Stück Speck Th; Z. Fig., ein 
überfetter, plumper Mensch, ebd. Sp.-Möckli, Speck- 
würfelchen, -klümpchen, in Würsten usw. Z. I'* ha* 
d* Chümmiwäje* am liebste* zeige* de* Sp.'Möcklene* 
druff. — Turbe" Turpem- : Stück, Brocken Torf L; Z. 
Es Schit oder e* T. hed 's-mer ai*** no^ nie nöche* 
g*rüert [geworfen]. Brandet. 

We4cher-Möcke» = Herdöpfeilmöckli ZNer. 

Benannt nach der benachbarten Gem. Weiach, wo, wie 
es scheint, dieses Gericht bes. h&ufig auf den Tisch kommt. 
Übrigens ist jene ganze Landesgegend kartofTelreich, daher 
die dortbin führende Bahn scherzweise die Hcrdöp/el-ban 
genannt wird. 

mockC*: in Brocken zerschneiden UwE. 

1"-: einbrocken Bs; Z. — ver-: 1. tr., in Brocken 
zerlegen Z. — 2. intr., in Brocken zerfallen Z. 

g'mocket Gl; GWa.; Schw, (g*Jmockig AALeer.; 
Bs; GRh.; S(möckig); Z: 1. knollig, plump, am Leibe 
oder Gesicht; ungelenk, schwerfällig Aa; Bs; Gl; 
GRh.; ScHW; Z. — 2. schwarzfleckig, von Kartoffeln 
Schw. — 3. mit vielen Brocken versehen, z. B. Suppe 
Bs; Z. — 4. holperig, von unebenem Boden S; vgl. 
g*chlotzet. 

Moggis m.: in Kaffee oder Milch gebrocktes Brot 

Bs. — St. Mocken» wie Brati» aas Braten». 

Mockli m.: dicker, fetter, kurzer Mensch AAWohl.; 
Gl; G; Ndw. Dazu als Fem. MockUne* Ndw. 

möckle": 1. bröckeln, in kleine Stücke zerlegen 
G; Schw; UwE. ; Ü; Z. Bes. das Ptc. als Adj. g'möcklet, 
zerstückelt, zerbröckelt. Scherzh. 's g'möcklet Hirz- 
wasser GoT.; Z, Büchwe, der g'm. Wueste* AAWohl. 
= vomitus. — 2. Stücke Holz von Baumstrünken ab- 
spalten, „ Baurastunimel ausgraben" AAEhr., „uF.," 
Klingn. Syn. stocken; vgl. Mocken 4. Dazu: MÖck- 
lete° f.: 1. Anhäufung von kleinen Stücken, Gebröckel 
AALeer.; Z. — 2. von Baumstrünken abgespaltene 
Holzstücke AAEhr. 

ver-: tr., zerbröckeln G; üw; Z. 

Mak, in BHa. Mük Mik — m., PI. -ü-: nach- 
drücklicher Stoss BöO.; Syn. Mupf, Puff, Stupf 

Steht wohl im Ablautsverhältniss zu der Gruppe nwuk 
(er-mäuken) ; zur Bed. vgl. chlupfen : Chlap/, cklopjht. 

müke" I: 1. stossen, bes. hinterlistig, Rippcn- 
stösse geben B ö. und wO. Syn. müpfen, stünggen, Stu- 
pfen. Wa d's Grossen Hans und d*s Stettiers Vreni 
sin Z'verchinte* g*sin, hein d* Lit in der Chücheti en- 
anderen g'mikt BHa. Jmdn umhe*, fürt m. ß. Auch: 
drängen. Sich durch einen Haufen Menschon mit den 
Ellbogen Bahn machen B. — 2. „zsstosscn, bes. beim 
Pflügen von nicht verfaultem Mist BLängenb.** 

ver-: Verstössen, untereinander wirren, verlegen 
B. Syn. ver-schüpfen. 

Maek m.: Stillschweiger; unfreundlicher, gi'äm- 
licher, verschlagener Mensch, Duckmäuser W. Syn. 
Cholder, Batz. — Zur Etyni. vgl. das syn. müch, sowie 
ver-mäuken. 

mtike«*!!, ver-: heimlich wegnehmen, verstohlen 
essen Uw. 

zue-: (Einem Etwas) heimlich zuwenden UwE. 



143 



Mak — mok. Mal — mal 



144 



ver-raücke", nur im Ptc. ver-mückt: heimtückisch 
ZNoft. Syn. versteckt. 

Makarell, auch Schnuz-M,: Nas-, Taschentuch PAl. 

OfTonbAr aus dem Ital., von muco, Rotz, mucare, frz. 
moucher, schneozen, mouchoir, Nastnch; vgl. das ebenfalls 
dim. it. Syn. moceirhino. 

mackbar mockber. Comp, und Sup. mitUml.: frisch, 
munter, lebhaft ApI., K., M. Syn. muH'er, buschber. 
— mockbere": munter, wohlig worden, ebd. 

Vidi, zu muck(n)en, sich regen, und nach Analogie von 
buarhUir, vxichbar gebildet. 

mucker Apf; GrI)., ObS.; GoT.; Sch; Tu; Z, 
mugger GaPr., much^er Gl, möker G (1790, Dr Wartm.): 
munter, frisch, lebhaft, rüstig. Syn. nuefer, hell-üf, 
rösch. Das ist-na'^^ [noch] en m-e*" 3/a"* für si's Älter 
[im Verhältniss zu seinem hohen Alter] ZS. Scho* 
früe m. sl". M. a" der Ärbet Sch. M. Bagge*, schöne 
rote Wangen ZRorb. (Dan.). ,Wer sind dise mann, 
die hie so m. stan?' VBolz 1554. .Nachdem die hanen 
gnueg g'schlafen und jetz m. sind.* Vooelb. 1557. ,Se 
belle habere, m. sein, sich wol ertragen. Becolligere 
se dicitur aeger, widerumb aufkommen, gesund und 
m. werden.* Fris. »Freven, unverzagt, munter, küen, 
m., dapfer, herzhaft, audax.' RCys., Voc. ,Nuefer, hüge- 
lich, m., vegetus, alacer.* Rkd. 16G2. ,My dusigs 
Grossli [Grossmütterchen], du magst noh se m. um- 
enandere zumplen.* Grspr. 1712. — Zu eh neben ck vgl. 
Arher neben Acker. 

muckere" Z, muchere* Gl: wieder aufleben, ge- 
sunder werden. 

mügger*8ch = mucker GGrabs. 

mtieke": 1. ermüden, anstrengen, affaticare, tediare 
PAl., „verdriesslich machen, kränken Bü.** — 2. refl., 
„sich mühen"; sich ermüden, sich Verdruss machen 
BO. Dir mag st'^* nüd g^m. [erspart sich den Ver- 
druss], mit rf'n Ukten z' zanggen BR.; ähnlich: Si hei 
st*^* nOd mögen g'm., wüest z^ tuen. ebd. Müek äi^^ jize 
glV^y halte dich still, eig. werde nun bald müde Bße. 

Zsgezogone Abi. von mhd. müeciec, welcher Annahme 
jedoch die Affrikata statt der zu erwartenden Tenuis Oj(ß 
Schwierigkeit macht. 

er-: 1. refl., sich stark ermüden BSi.; W. Schi 
heint schick ermiekty hatten strenge zu arbeiten. — 
2. unpers., mit Präp. ,an', an Etw. gemahnen, erinnern 
WVisp. Es ermiekt mt*^* (an Das), kommt mir vor 
wie Das und Das. 

Ob Bcd. 2 durch den Mittclbegriif «beunruhigen* sich 
mit 1 vereinigen lAsst, ist fraglich. Viell. liegt ein anderes 
Ktynion, etwa M\iet (vgl. ,anniuten*), zu Grunde. 

ver- = vergüeten Bd II 556, bes. von oifenen Wun- 
den, durch Vernachlässigung verschlimmern GrL. — 
Eig. wohl durch Ermndung verderben. 

m ü e k 1 i '^ ** : müh lieh, mühsam. Dan. — Aus müedediche. 



Mal, mel, mil, mol, mal, bzw. mall usw. 

Mal l n., PI. MäUr, Dim. Mälti BO.; Gr tw.; Ndw, 
sonst Mali, Möli: 1. Zeichen, Merkmal, a) Eigentums- 
zeichen, das ins Ohr der Schafe und Ziegen geschnitten 
wird und je nach dem Besitzer verschieden ist Gl; 
GO., Sa.; Syn. Hack (s. Bd II 1112); vgl. Feder-, 
Fetister-, Joch- Mal. — b) nur als Dim. (Weher-) Möli, 



in der Kette eines Gewebes, bes. zu Anfang und Ende, 
mittelst Farbe (z. B. Grünspan oder Zinnober) von dem 
Fabrikanten angebrachtes Zeichen zur Controlierung 
des Webers, dann auch die so bezeichnete Länge 
selbst (10 Ellen Ap, It anderer Angabe die Länge 
eines Webstuhls oder 4 Ellen) Ap; G; Z. Hast 's M. 
tM)** chönnen ine^webe^? ,l)em N. N. ein Zettel mit 
8 Mali, 2596 Fäden.' 1827, TeBirw. Tageb. N<^ es 
Möli webe*. Man unterschied HaUhM., ei^fachi 3f. 
und Äbhau-M., durch welch letztere eine Abhauete* 
(Bd II 1806) bestimmt wurde Ap. — c) obrigkeitliches 
Schau- und Controlzeichen auf Leinwand, auch die 
Handlung des Anzeichnens oder die amtliche Stätte, 
wo dieselbe stattfand; s. auch Schau-M. ,Wer zer- 
brochen lynwat verkouft ald zuo dem m. trait, durch 
das soll man zehen snitz tuon, eine entschlache sich 
dann zuo den heiigen, dass es im an gefard beschehen 
sye.' G Ratssatzung. ,Wel'^^e8 tuoch als bos ist, dass 
es under das m. noch zuo entoren nit hört, das soll 
man durch den grat snyden.' ebd. .Wer ouch du guoti 
ald du kleinü m. uss der lynwat houwet ald weschet.* 
ebd. ,Wer ein falsches m. an die lynwat schlecht 
oder wer die lynwat entoret.* ebd. ,Kein lynwattnech 
under iren von Appenzell zeichen und mahl koufen.' 
1542, Zellw., Urk. St Gallen verlange, dass die von 
Appenzellem verfertigten Leinwandtücher an ihr ,M. 
und G\schau' gebracht und nur, wenn sie als gut er- 
funden und bezeichnet worden, ausgeführt werden 
dürfen. 1542, Absch. S. noch Lauif., Beitr. II 126/7. 
— d) Muttermal Aa; Bs; G. Blaus M., blaugrüner, 
von einem Schlag oder Stoss herrührender Fleck auf 
der Haut Aa; Bs; G; Sch; Th; Ü; Z. Narbe UwE. 
,Blawe Möler vom Fallen oder Stosscn.* um 1650, Z 
Elgg Arzneib. ,Er krieget blaue Mähler wie von 
einem Stocke.* Sintem. 1759. — 2. Dim. (in BO, Mali, 
PI. MAleni, „in B Mali, 3f<5/t-), Bild, Gemälde; Syn. 
Gemäh - 3. in Z auch f., Farbstoff, Malerfarbe Sgh; 
U; ZWl.; Syn. Mali. De hast M. a« 's CMeid über- 
cho% bist voll M. tcorde*. Boti und grüeni M, hole!*, — 
4. Zeitpunkt, allg. Uf's M., 's M-s, auf ein Mal Aa; 
Bs; VO; Tu; Z. M. für M. Scii; Th; Z, ö5cr 's and^ 
M. Ndw, einmal nach dem andern ; vgl. über Bd I 58. 
Vo* Mal z* 3fal(e*), von einem Male zum andern Aa ; Z. 
,Es kamen von einem Male zum andern [eins nach dem 
andern] neue Völker dahergeströmet.* Sintkm. 1759. 
,Diesen Auftrag vergassen wir hundert M. [an einem 
fort, immer wieder].' Stutz; vgl. tüsend; ewig vil M. 
En aller Gotts M., nur ein einziges Mal GrH. S. noch 
einest Bd I 277, ewig Bd I 611, ungerad. Bes. in 
stehenden, meist adverbial gebrauchten Verbindungen; 
mit dem vorhergehenden Bestimmungswort oft zsge- 
schoben, bzw. zsgs. a) ,emal(s), -malen', zuvor, auch 
als Conj., ehe, bevor. ,Swele emals dannen gienge.* 
ä. L Katsb. ,Der soll gSben, emaln und er klagen will.* 
1469, GRorsch. Offn. ,Vor der zyt, emals herr abt 
Franciscus herr und abt des gottshus Sant Gallen 
worden ist.' 1525, Absch. ,Er hab ouch sömlichs dem 
houptmann zuo Wyl verschriben, eemals er verritten 
syge.' 1529, Absch. ,Sy habind dem Abt den ziehenden 
darus müessen gSben, eemals sy es [das Feld] habind 
dörfen nutzen.' 15'29, Strickl. ,Da die Ehgaumer 
schuldig syn [sollen], alle Monat oder auch ehmahlen 
in der Kilchen nach vollendetem Gottesdienst stillze- 
stahn und mit dem Pfarrer zu berahten.' Z Kirchen- 
ordn. 1628. — b) es-ie-m/d(e*). 1) = es-ie (s. Bd I 21) 



145 



Mal, inel, mil, mol, mul 



146 



GrD., He., ObS., Pr. — 2) mit Betonung der zweiten 
Silbe, häafig GA. — c) t«tt«*- (in AAA&rh, jÖU-, in Bs 
anch jere*', in S auch hieli-y jen%')mol, bisweilen, hie 
nnd da Aa; Bb; S; vgl. Bd I 22. Br tieg ^«* jielimol 
gar jeee^ na^ höre* /ö«. Allem. 1843. Es friert Ein** 
j. ti^tig an d* Hand, toe** m«* nit flUsig schafft. 
ebd. Jelimal gegen Bad, ielimal gegen Bachs.' 1539, 
Z Staatsareh. (von einer Flargrenze). — d) ,abermalS 
wiederum ; vgL Bd I 40. A, machet, einen Handel so 
abschliessen, dass er nach Ablauf einer verabredeten 
Frist wieder rückgangig gemacht werden kann AxFri. 
Mer hai* 8 Tag a, gemacht. — e) öftersmal , oftmals 
AaF. ,Der könig selbs zum oftermal in schwerer sach 
suecht rat bei mir.' GGotth. 1599. Daneben in der 
ä. Lit die Formen ,oftmalen.' 1527, HBull. (s. Göffel 
Bd II 132), ,oftermals.* RGüalth. 1553, ,oftermalen.* 
CMet. 1657. — f) aUrmäl 1) aXli Möl, cUlenml, allmal, in 
Bs; S; Th amind, in GT. ämdZ, jedesmal, im gegebenen 
Falle; immer G; Th; Z. ÄmaJ mues* es ich si; werde 
ich beschuldigt GTa. 's ist alU Möl eso, pflegt immer 
so SU sein. N. N. hat aUfeJmai (ammd) g*sait, pflegte 
zu sagen. ,[Sie haben] ihren bösen Mutwillen ge- 
triben mit bösen Geisteren wie allmal.' Ap Malefizb. 
,ünder allen Malen', auf alle Male verteilt, insge- 
sammt; vgl. Bd I 325. ,Die Tyroler Holzhacker haben 
unter allen Malen eine unglaubliche Quantität Gams- 
tiere geschossen.' Sererh. 1742. ,Nach Diesem sind 
in solchen Unruhen unter allen Malen 8 oder 9 Mann 
umkommen.' ebd. — 2) allimol(e*J Scr, sonst zsgez. 
ammel, ehemals, vor Zeiten, sonst „L;" Sch; Th; Z. 
*s ist ammel nüd so g'si*. Me^ hat ammd vu* Dim 
Nut g*wüsst, — 3) subst., das Allemöl, das Brettspiel, 
in welchem man, falls man auf allen 3 Würfeln 3 Augen 
geworfen hat, zählt: 1x3, 2x3, g'nueg oder aUemöl 3 
Ap (It T. 22), «so genannt von dem Spiel ,der lange 
PufT, in welchem der Fall vorkommt: 1x1, 2x1, 3x1 
nnd allemöl 1 Ap." 's A, mache*. Vgl. aU Bd I 169. 
— g) ein Mal, einmal 1) ei*, ei*s M,, oder e* Mal (Möl), 
in Z auch emalet, numeral. allg. Ei*s M. ist kei*s M. 
B; ei*m(il ist nüd cdlimal, alliwil Z; s. auch Chatzen- 
Schenk. E* M. umme*, Gegs. etoei M. umme^ Th; Z. 
Es ist nur emäl (s^) tür, mit Bez. auf einen Gegen- 
stand, dessen Ankauf zwar hoch zu stehen kommt, der 
aber dafür sehr dauerhaft ist, Gewinn bringt Th; Z. 
Der nämliche Satz könnte aber auch als iron. Trost 
über einen unvorteilhaften Kauf bedeuten : der Preis 
ist nur um das Doppelte zu hoch, da emal (bei Ver- 
gleichungen) häufig in multiplikativem Sinne ange- 
wendet wird, z. B. &r ist emal elter als sin Brüeder; 
emal länger, grösser Z. Uf e^ Mal, z. B. ein Glas aus- 
trinken. Mer händ im Wintermonet emalet 8itei*g 
und emalet im Oiristmonet Z. Es M. drü oder vieri 
Th; Z; vgl. Bd I 273. ,Das wasser muosst du ein 
m. zwei oder dreu darab schütten.' Vooelb. 1557. — 
2) ei*8' B, »•- GRh.; Sch, es- BO.; L, aonat e-mal, in 
ThUw. emäl, in Schw; Z auch -male*, -maledj -mälets, 
in BHk. -mäls, in L; S auch ne Mal, einmal, einst 
(auch von der Zukunft), ehemals, vor Zeiten, allg. 
Esmal gan Beren gän BGr. Er chunrU eismal zue 
mer und seit-mer . . . BO. (Zyro). jy Mueter selig het- 
mer glV^ emol g'seit,. . BWtss. J** hon do-n-emol die 
aUe* Bäecher Vschaut. Probst. Es mues* e* Möl si*, 
einmal hat die Sache (bes. von widrigen, doch unab- 
wendbaren Ereignissen) zu geschehen Th; Z. Alls 
Aa; Bs, sonst öppen, etschen emol, bisweilen. Potz Herr 

Schweiz. Idiotikon lY. 



Oott oder Wetter, Blitz no"^ (und no^^J emal. ,Ein 
Zufall, der sich noch selten ereignet hatte, vielleicht 
noch nie, aber einmal ist das erste Mal, meinte Lise- 
beth.* AHartx. 1852. Mit modalem Nbbegr., nun, 
endlich einmal Aa; Th; Z. Das ist doch schön, dass ir 
e* Male* wider i* d* Stadt chömme*d. Stütz. Heb doch 
au*'^ emol d* Oosche* zue. ebd. Es ist emöl nid recht, 
du chast säge*, toas du v)i"tt Aa; Th; Z. ,Nun [nur] 
dass ich alles Unglücks einmalen abkomme.' BGualth. 
1584. ,Will einmalen mehr nit als 5 fl. geben [trotz 
Mahnung].* 1652, Z Staatsareh. Einstweilen: *s hed 
iez mit der Freiheit eumalig ke G^for. HIfl. Emäl 
nit W. — 3) emälfe^J, neben Bmmel, in Zo ammel, 
Adv. (oft verbunden mit S.ynn.) zur Verstärkung des 
Ausdrucks, wie das nhd. ,einmal' i. S. v. doch, sicherlich, 
selbstverständlich, freilich, gewiss, jedenfalls Aa; Bs; 
B; VO; Gr; G; Th; Z. Das ist amöl wör G; Z. Emmel 
au*^! Ausruf der Verwunderung, i. S. v. ist's möglich, 
wirklich üGösch.; Z. 's Versprlche^ gS*, ^ass si ämmel 
jo mit-em z' Hochzit welle* cho*. Schild. Sache*, wo 
e. jo e* rd>edierligi Person nit löt uf si** cho*, Dinge, 
die eine auf ihre Ehre haltende Persönlichkeit in 
keiner Weise an sich kommen lässt Bs. Du warst 
doch emmü nöd [mir Dieses oder Jenes zu Leide tun] ! 
G. Ja, e. au*^! iron., eig. i. S. v. : ja. Das wird doch 
geschehen, = ei, bewahre! Z. Emmd wol! Formel der 
Beipflichtung oder Bejahung B öO. A: Mir chönne* 
mit im z'fride* si*. B: Emmel wol! BGr. Weisst du 
Das? Antw. Emmel wol! ja freilich! ebd. Syn. mit 
allwlg Bs. Der Joggeli chunnt, denk, au** in d' Mess? 
Antw. Emöl. A: Das war doch nüA Bösis. B: EmÖl 
nit. ,Es ist eimd Keiner ud Der, hie propheta sui 
similem non habet.' Id. B. Nüd emal! (mit Betonung 
des zweiten W.) mit Nichten, durchaus nicht, oft als 
gelinde Ablehnung, doch nicht Schw; Th; Zg; Z. 
,Amalreich heisst der, der ja reich ist*, sagt namen- 
deutend Vad. ,Sein [des Bibergeils] gerucht muess 
ein mal stark sein, also dass die geschirr lang dar- 
nach schmöcken.' Tierb. 1563. — 4) ei*md B (in R. 
einimalj; Gl; Gntw.; G; ZWL, Smmd Aa; Bs; B; 
VO; Gl; GRPr.; S; Z, ömmel L; S, ämm^ Bs; B; Gr; 
GT.; Th, ommd F, emme* S, wenigstens, immerhin. 
Ich e. weiss nüt Bessers. E. ich bi* nüd schuld, 's ist 
e. war, Böst duo ahi g'chit? Antw. Amel nit wohi 
[hinauf] F. I«* weiss e. no^ Nüt dervo^, dass es Mal 
öpper g'storhe^ stg a* de* CHftberer B. Einem Ab- 
reisenden ruft man (mehr scherzh.) nach: Chumm e. 
au** wider hei*" ! Th ; Z. Er ist wol daheimen, d' Hustxr 
ist eimd achari [offen] BGr. Heid eimd Sorg, Buebe* ! 
ebd. Er hat 's e. dö z'letzt chönne* [begriflFen]. Es 
ist e. «o«* nid am Letzte*. Jo, chumm e. de**! spöt- 
tische Abfertigung Aa. ,Wenn du eimd wi^tt, si 
modo unquam volueris, quaeso. Oang eimd nit, oder 
du sägist mer 's, quaeso dicas, cum discedere volueris.' 
Id. B. Si hei* ^seid, mu chönn Witters halbem nütd uf 
d' Eeis, aber einimcd t** gan BR. J** hett 's eimd at*"* 
wellet i* der Ndchi g'sdi. Wolf, Gespr. 's isch ömmd 
Summer, 's trochnet under. BWtss (Trost bei drohen- 
dem Regen). Da si*^ mer i* der Zit nüd us-enand, 
c. nüd icit Gl (Schwzd.). Jö, 's Bure* chönnt ömmd 
verleide* mit frönde* Lüte*. Joach. Euser Bür macht 
hür ömmel tüsig Oarbe* mir als fem. ebd. I** wül 
de^ Hüenere* säge*, si sdle* ömmd nit gaggle*. ebd. 
's Spude* giH ammel a««* kei* Schwüle*. EF eurer. 
Oott dank d'r und Gottioüchen dahir. Bist emal g'sund? 

10 



147 



Mal, mel, mil, mol, mul 



148 



GRPr. (Schwzd.). ,Jetz ist es noch emel d's Halb mo"^ 
wert/ GoTTH. , Einmal, wenn's mir auch an Geld nicht 
gebrochen, hättich nicht mehr Zeit gehabt, dem Becker 
zwei Brot zu bezahlen.* UBrägg. I«* lon-e* »!•, teer 
er g'8%* ist; um ei'mal hin t«* frö, dass er au^^ si* 
Lö* überko* häd. Gespräch 1712. Sig '», weis es wolle; 
um ei*7nal 8%g 's Gott ^ höchst im Himmel 'danket. 
ebd. »Einmal Jedermann glaubte, dieses Geschäft wäre 
nun ausgemachet und an Weiteres nicht zu gedenken.* 
PTscHüDi 1726. ,Was meinest du wohl, dass daraus 
entstehen werde? Einmal möchte ich [ich wenigstens] 
den Lohn nicht mit dir teilen.* Sintem. 1759. Oft 
verstärkt durch ,auch': iV häd emmel au^^ es V« Pfund 
Chäs g'esse^ Es sind emmel aw«* 200 Ma** uf-em 
Platz g'si: — 5) ei*s- Aa, einer- Schw, einers- (bzw. 
änersch'J Gl; G; ü, eier- GrD., änsch- (neben en 
änerschjmäl Ap, einfdjers-möle* Schw, ei"s- Aa; Bs; B; 
Gl; S; Th; UwE.; Z, einer(8)-mäls Z, ei^s-mös L; S, 
zuweilen verbunden mit vorgesetztem uf, z\ auf ein- 
mal; unerwartet, plötzlich. — h) einist-mal, = einsmals 
GT. 's Wuter het e. g'änderet. Er het e. usg'chlchet, 
ist unvermutet gestorben. — i) under-mäle; bisweilen 
Aa. Under 's Mal s. Bd I 325. — k) , vormal', bzw. 
,-malen* (z. B. 1781, Z Brief), ,-malets.' G Klosterarch., 
früher, ehemals. — 1) ,letzmals', das letzte Mal, neu- 
lich. ,Boten, die 1. hier gewesen.' 1523, Absch. — 
m) mäng- Bs; B; Gl; Th; Z, mängers- Ndw, mängs-mäl 
ScH; Th; UwE.; Z, mängs-möletfsj Soh; Schw, -inö/e" 
GA., zsgez. ma-wöZ AAtw.; ScHwMa., manchmal, oft; 
Syn. mängist, ,Ze (zu) mängem mal.' 1450, Absch.; 
1457/1544, Schw LB. ,Mäng mal', neben ,zuo mengen 
malen.' Morgant 1530. ,Menges mal.' Koep 1540. ,Et- 
wann mengs mal.' 1540/73, UMet., Chr. ,Manchmalen.» 
Sererh. 1742. — n) , näher-, nächstmal(8), -malen', das 
letzte Mal, letzthin, neulich. ,Die anzal lüt, die wir 
im nächstmals ufgeleit.' 1529, Strickl. ,Die antwort, 
so MHHn nächermalen, als ir potschaft hie ist g'syn, 
inen 'geben band.' 1531, Absch. ,Die biderwen lüt, 
so des altarsturms halb nähermalen in gefänkniss 
kommen.' 1532, Strickl. ,Ich was nächstmals vor 
üch erschinen.' Rüef 1540. ,Als ich nähermals ein 
kruckentle zerlegt.' Vogelb. 1557. ,Du bist yetz vil 
züchtiger gar, dann nächstmal, als ich by dir war.' 
JMuRER 1560. ,Danksagung wolhaltens halb unserer 
schützen, so nächermalen by inen gewesen.' 1565, B 
Schützenfahrt. ,Weisst nit, wie es gieng nähermol, 
da er dich wollt erschossen han?' Holzwart 1571. 
— o) nochmal no^^mal Aa; Z, nämal ZS., no^^^nemöl 
Aa; Bs; L; Th, nochmals. — p) selb- B; Sch; S, selbets-, 
sBllets-, selhis' Bs, sebftgsj-mal Th ; Z (in Bs auch -möle^J, 
jenes Mal, damals. S. isch no*^^ kei* Ise'ban g'st: Das 
Ding ku/nnt halt vo* anno s. Probst. Nei*, eso scheni 
Lit wie sSUetsmöle* giH 's nimine^ me^ Bs. Sider sUb- 
mol, Schild. — q) ,sid-, sit-, sitte(n)-, seit-mal(s)', 
bzw. ,-malen.' 1) seither. ,Wann der von Torberg 
sidmals erber lüte in trostung hat genommen.' 1386, 
Gescbfo. Ges. — 2) da, weil, entsprechend dem ver- 
alteten nhd. ,sintemal.' ,Sitmalen üch unverborgen 
ist.* 1526, Absch. ,Wann sytmal und üwer und myn 
bruoder and üwer wyb und kind tod sind.' Morgant 
1530. ,Sy(t)tenmal kein mensch ist, der nit sündige.' 
1531/48, IL Chron.; dafür: ,sintemal.' 1667. ,Seitmals 
du ein halsstarrig volk bist.' 1531/48, V. Mos.; bei 
OWerdm. 1552 ,sitmal8', 1588 ,sintemal.' ,Sytmal es 
nit mag anders syn, so gib ich recht den willen dryn.' 



RrEP 1540. ,Seitenmal und ich vormals hohe befelch 
gehabt.' Tierb. 1563. ,Quum, sittenmal, dieweil. Istaec 
cum ita sint, sittenmal dem also ist oder dieweil und es 
also stat.* Fris. ; Mal. .Sittenmal die weit weit hinder 
sich kommen und verdorben ist' SHochh. 1591. ,Soiten- 
mahlen ihr gnedig gelieben wollen.' 1653, AHecslbr. 
, Sider dem mal, dass...' 1415, Gl Urk. — r) da-, dö-, 
in BO. duo; dü-mal(e*), dazumal. ,Domalen.' Morgant 
1530. Abi. damalig. — s) das M. Z, dämäl Th, dies- 
mal, gegenwärtig. Wie göt 's der aW^, Zusann? 
Bist g'sund das Mol? Stütz. — t) des Mals BHk., 
die-f dt' (in GTa. de-, in Nnw d%-)mdl(e*) Aa; B; VO; 
Gr; G; Sch; Z, diemoUg L — an vielen Orten mit 
Betonung des zweiten W. : neulich, einmal, letzthin. 
Demol ist er einist zue-n-is cho*. 1** ha* diemaiig 
einist g'gauml. HXfl. 1813. — u) dick-mal Uw (mit 
comp. Form es dickers Mal, z' dickere* Male*), in Ap ; 
Gl; G; ZF. t dick-emal, manchmal (auch distributiv), 
ziemlich oft, hie und da einmal, zuweilen. ,So sich 
aber dickermal begibt, dass...' 1510, Aa Weist. ,Die 
zum dicken mal missbrucht [worden sind].' 1525, Gfd. 
,Zue den dickeren malen.' Zwingli. ,Er hat es zum 
dickem malen verdient.' Morgant 1530. ,Zum dicker- 
mal hotten geschickt.' 1532, Strickl. ,Zue dickenmal 
voll wyns worden.* 1547, Sch Ratsprot. ,Er widerholet 
zum dickermalen dise meinung.' OWerdm. 1552; dafür 
,zum ofterinal.' 1588. ,Es ist uf etlichen tagleistungen 
solliches spans halb dickermal anzug beschehcn.' Z 
Vertrag 1555. — v) teil- (in Z tw. tei-)möl(e*), bzw. 
-möle'd, zuweilen Bs; Z. , Teilmals.* Z Pfisterzunft 
S. noch teilig. — w) ,e-denn-mals', bevor. ,Edemraals 
und sy [die Kantengiesser] den [eingekauften Gegen- 
stand] schmelzen, 14 t-ag offcnlich lassen stan.* 1412, 
Sch Stadtb. — x) dJe(r)mal(e*), dies Mal, gegenwärtig 
L; G; Z. Syn. dier Fakte*, Gang. De* Mol ist er dem 
Herrgott [euphem.: dem Tode] vertrunne*. I** wül 
's Manne*volch für d. lo* gö*. L Nachr. 1865. ,Dep> 
mahlen eins', dermaleinst. AKlinql. 1691. — y) diss- 
mal, diesmal B. Es ist g'nueg für d. ,Sy hat wenig 
hilf uf diss mal.' ThPlatter, Brief, und oft — 
z) ,widermalen', neuerdings, wiederholt. B Mand. 1782. 

— zb) z* mal l) auf einmal, zugleich Aa; Ap; G; Soh. 
^* cha** nit Alle* z'mol helfe*. Mit Pl.-Form z' Mole!* 
ZO. Er isst schüli<^ wenig z' M. Mit adv. » GT. [Die 
Kuh] giH Milch, z' möls g'wüss en grosse* Schapf 
[Menge]. EFeurer. ,Er ist nie mee zemal weder an 
eim ort g'syn.' Zwingli. ,Dem eilften [Schützen] war 
das Schloss gehangen, im Schiessen nit zumal umb- 
gangen ; so war dem zwölften 's Schloss zu hart, wollt 
nicht umgehn zu einer Fart.' JHGrob 1603. ,Beidd 
i' Malen.' JCWeissenb. 1681. ,Nur ein Wusch zur 
[so!] Mal.' Sererh. 1742. Plötzlich Tu; Z. Z' mal 
wie de Blitz. Auch bei Morgant 1530. — 2) in Zss. 
a) ,iezzemal', jetzt. ,ln praesentia, in praesenti, zue 
discr zeit, yetzzemal.' Fris.; Mal. ,Lasst uns den 
besten wein auftragen, der jezung z'mal vorhanden 
ist.' GGoTTH. 1599. — ß) »nunzeraal*, diesmal. 1476, 
Bs Chr. (,nuzemal'); 1531, Strickl. — y) döz'mal, da- 
mals Ap; Th; Z. Auch bei Morg. 1530; Jßüeger 1606. 

— 3) insgesammt. ,ln acht wuchen zemal einist.* Z 
Mand. 1580. — 4) besonders. ,l)as gefall ime zuemol 
übel.' ;1474, Bs Chr. — 5. meist Dim. Es Moli (in 
Ndw MältiJ Milch, so viel, als auf einmal (Morgens 
oder Abends, daher Abig-, bzw. Marge*-, Morge*d-M.J 
gemolken wird Ap; Schw; Uwj Z. Hit Ää»*'-mer es 



149 



Mal, mel, mil, mol, mnl 



150 



guets M, Ndw. E* schUchts Moli erhält man, wenn 
die Kühe, z. B. zur Zeit des Nordwin<ies, nnr wenig 
Milch geben. Ein Becken voll Milch ApK. B' Kue 
hed drü Moli Milch g'gi: S. v. a. Chäseten 2 (s. Bd 
111 513) BSi. Auf der Alp werden taglich meist zwei 
,Male' gokäset. Imobbrsteg. So viel Getreide, als man 
auf einmal in die Mühle gibt, d. h. so viel, als zu 
einer Bachete» nötig ist ZO.; Syn. Milw, z* MüllL Es 
3L z' Miüli tue*. Es Mali Schmalz, so viel Butter, 
als bei einem einmaligen Buttern gewonnen wird 
GRpr., oder so viel zu einem Ballen zsgeknetet wird 
GrD., dann auch ein kleiner Ballen Butter (als Mass- 
bezeichnung) GrO., Spl. So viel Futter, als man dem 
Vieh (einer Kuh GRPr.) auf einmal in die Krippe 
gibt; gewöhnlich erhält es drei Moli bis zur Tränkung 
und nachher noch ein Lockji (Heu) GrD., L., ObS. 
(Malii), Pr. ; Syn. Schiebeten. Vorzua [bald] muass t*'* 
in da* Stall, um das erst Meli z* fresse* z^ ge: b'cHwzD. 
— 6. Tag, in Zeitbestimmungen BHa. Moren ist [es] 
denn 8 Mal, das* i''* zen Gadmen inhi* g*8%*. 

Mbd. mal, Zeichen, Merkmal, Schmuck, Zierat, Grenz- 
zeichen, Zeitpunkt. Zu 8. Das Fem. wahrsch. nach Ana- 
logie von Färb und die Form erst aus dem Yb malen^ pin- 
gere, abstrahiert. Zu 4 d. Diese (adv.) Form ist aus Um- 
dcntung aus dem Subst. Aber-Wal entstanden. Zu 4 f 2) 
fdbrt St. ffir L und Z neben der Form ammd auch eine mit ä 
an, die aber richtiger zu ,einmal* gestellt wird. Zu 4 g 2. 
Die Form -maleä scheint Analogie nach ieted (s. Bd I 630) 
zn sein, wfthreud eumalig, diemalüf sich an iezig mOgen an- 
gelehnt haben. Zu 4 m. Die in der Etymologie begründete 
Ausspr. ifk (Tb) wird anderw&rts (z. B. Z) zu jj erweicht oder 
der Nasal schwindet sogar ganz (mämol). Zu 4 x. Wenn 
dkmal nicht blosse Verstümmelung des Gen. PI. ist, so muss 
man Beeinflussung durch das syn. de^ Gang annehmen. 

Ab-Mäl: Muttermal Gl. Narbe FSs. Vgl. »Ab- 
zeichen* bei Gr. WB. I 157. 

A»- (ä- BBe.; Üw, d- AxLeer., Z.; Btw.; ZO.), Am- 
Aa; Ap (Ämmel); BsSttit; BBr. (ÄmmelJ; FSs.; S; Zg, 
in Bs auch Arno, in Aa (It Rochh.) Mammol : = dem 
Vor. (z. B. von den sog. ,Feuerflaramen*; s. Bd 1 1196). 
Er hat aw** so lang Bagge* [wie der Mond] und es 
A. dra; Stutz. Das Kind het en A. vo^-mene* Glust 
vo* siner Mueter. Spreng. „Eine vernarbte Wunde." 
Merkmal übh.; auch: ererbtes Leiden, sowie von 
ererbten moralischen Fehlern VO. Es Amdli ha*, 
schlimm geartet sein. ,ln grossem zorn gab er im so 
ein herten streich in syn ang'sicht, das" man das amäl 
g'sach.' MoRQANT. ,Der hatt ein amel an eim baggen; 
was also von ainem ross geschlagen.' Vad. II 269; 
daneben (S. 271 It Götzinger) ,ämel.* ,E8 bljbt ye- 
merdar etwas von dem alten groll kleben, glych wie 
das anmaal blybt, ob die wunden schon zuegeheilet 
ist.' OWerdm. 1552; dazu 1588 die Erklärung: ,Das 
anmahl oder die narben.* , Kinder, mit ammalen er- 
boren oder muoterzeichen.* JRuef 1554. , Vertreibt 
die wüesten ammäler, so vom brand oder anderen 
schaden kommend.* Vogelb. 1557. ,Es bringt den am- 
mälern ir natürliche färb widerumb.* ebd. ,So einem 
das haar ausgefallen und die grindige rud zue einem 
ammal kommen ist.' Tierb. 1563. ,Macula, angeborner 
fleck, ammaal, zeichen. Ducta cicatrix, ein geheilte 
wunden und darüber ein ammal worden. Das ammal 
ist wider ufbrochen, ist verwachsen. Argema, ein 
holgeschwär beim kreis des augs, so um den augstern 
ist, weisse flecken oder anmaal der äugen, wären im 
aug, wenn eim ein eissle auf dem auglid wachst. 



Nota malitiae, ein anmal einer bosheit.' Fris.; Mal., 
die für den PI. sowohl ,ammäl' als ,ammäler' gebrau- 
chen. S. noch Mäsen, Wund-Zeichen, , Wasser vom 
Menschenkaat vertreibt die Anmäler und machet sie 
der andern Haut gleich.' JELandenb. 1608. ,Das 
Wasser von Nussbaumbletter vertreibt die Anmal und 
machet ein andere Haut darüber zu wachsen.' ebd. 
Bei JJNüscH. 1608 , Anmal' neben ,Malzeichen.' S. noch 
zuegehen Bd II 94. ,So bleibt doch stets das Anmahl 
[Obers, des frz. les marques] seiner Wunden.' Stettler 
16 i2. , Anmaal, Fleck, naevus, genitiva nota.* Red. 
1662 und ähnlich Denzl. 1677; 1716. ,Bekommt das 
Kind einmal Anmal oder Flecken.* AABrugg Arzneib. 
«Diese ist seine Mutter; ich erkenne das mütterliche 
Ammal an der Angst ihrer Seele', lassen die ,sittlichen 
Erzählungen' (Zürich 1773) Salomo sagen. — Abi. 
Ammöli m.: Spitzname für Jmdn, der ein Muttermal 
hat L. — Mhd. nne-mal, dass. ; vgl. auch , Anmal' bei 6r. 
WB. I 405 und das syn. Ängemäl. 

Feder-: in den Ohren der im Gebirge weidenden 
Schafe und Ziegen angebrachtes Eigentums- oder 
Hauszoichen, bestehend aus zwei oder mehreren Ein- 
schnitten, welche dem Ohr ein federiges Aussehen 
geben Gl; GSa.; vgl. WSenn 1871, 297, sowie Fen- 
ster-, Joch-Mal, — Fenster- Pß'ster-: Eigentums- 
zeichen wie das Vor., doch viereckig, anzusehen wie 
eine Fensteröffnung Gl. — F ür- = F.-Flamm (s. Bd I 
1196). ,Die Feuermäler und andere geringe Fleckmäler 
[an Neugebornen] soll die Hebamme mit dem Geblüt 
aus der Nabelschnur bald bestreichen.' JMüralt 1697. 

Graben-: in einer Grenzangabe. »Der hirte soll 
farn uf der spanweid unz an das gr., das man nennet 
Wärikoms Ort.' XV., ZFlunt. Offn. ,Die allment soll 
belyben als die marchstein und grabemal wysent.' ebd. 

Viell. f^^grabeu Mal', d. h. in einen Fels oder Baum 
eingehauenes Grenzzeichen; vgl. Lack 2 Bd III 998. 

Hag-: Grünhag oder Baumstumpf als Überrest 
eines solchen, sofern sie eine (lütergrenze bedeuten; 
Hecke übh. ApK.; fcJyn. Hag-^ Lächen-StocJc ; vgl. Lach 
IM lll 999. ,Wo in allem unserm land weiden und 
äcker an ainandcren stossend und heg und hagmäler 
entz wüschen sind.' .Ap LB. 1409. S. noch Leb- Hag 
Bd II 1070. — Hunds-: wunde Stelle an den Fuss- 
sohlen S. Wir i* de* Hundstage* badet, überchunnt 
girn [leicht] Usschlag oder H.-Möler a* de* Füesse*, 
Schild. — Hunger-: immer grösser werdender flech- 
tenartiger Fleck auf der Gesichtshaut GRh. Er kann 
durch Besegnung vertrieben werden. ,So der falk 
oder habich ungestalt flocken, so man die hungormaal 
nennt, am gefider überkuramt.' Vogelb. 1557. - Joch-: 
Eigeutumszeichen wie das Füder-Mal, bestehend aus 
einem joch-, d. i. halbkreisförmigen Einschnitt Gl; 
Gr ObS.; GA., Sa.; Syn. J.-Schnitt; vgl. Bühler IV 09, 
ferner auch Hack^ Bick, Halb -Man. — Chalb-: 
flechtenartiger Ausschlag der Kälber, der sich leicht 
auf den Hirten überträgt G.4. 

Lob-: eine Abgabe an den Landesherrn, bestehend 
in einem Quantum Butter und Käse, welche die Vieh- 
besitzer von Ap; GRh. jährlich für die Benutzung der 
Alpen zu entrichten hatten. Was die Richtung zwi- 
schen der Landvogtei im Oberland und der Grafschaft 
Werdenberg vorschreibt von des ,Loubmals' wegen 
zwischen beiden Grafschaften. 1491, Abscii. 

Zu Lob 2 (s. Bd III 993). Die vereinzelt dastehende 
Schreibung ,Loub-M.' will vlcll. der landesüblichen Ausspr. 



151 



Mal, inel, inil, mol, inul 



152 



für 6 gerecht worden. Der 2. Teil der Zhs. lÄsat sich entw. 
Rus dem Begriffe von Mal 1 oder aus der niiuierativon Bod. (4) 
orklftron; es ist aber auch denkbar, dass unser Wort wie 
Alptn-M. t\\ Mal II gehöre. Materiell wird die Abgabe ziem- 
lich identisch sein mit den bei -l/;>fn-, Vwjel-M. genannten 
Abgaben benachbarter Landosteilo. S. noch Planta 1881, 267 ; 
Zollw., Urk. Ko 186. 

Müni-M&l: Münzstempel. ,Wir sollen euch die 
niQnxnml und die g'wicht, die zne der münz gehörent, 
dem münzmeister ynantwürten.* 1373, G Mitt. ,Dass 
ein abt zu St Gallen in der statt die münz, das m. 
und alle gewicht haben soll/ Vad. Vgl. ,malen*, prä- 
gen, und BlaU'Mann. — Mueter-: wie nhd. Bs; Sih; 
W ; Z. Nach dem Volksglauben ist es die Folge davon, 
daas man nach Etw. ein besonderes Gelüste hat W, 
allgemeiner davon, dass die Mutter während der 
Schwangerschaft einmal erschrak oder sich an etwas 
Hasslichem vergaffte. Es kann vertrieben werden, 
wenn man die betreffende Stelle an der entsprechen- 
den eines Leichnams reibt SonSt — Na«*»-: das 
nächste Mal 60. •— Nüni-: das Mühlenspiel mit 
9 Steinen, Bohnen udgl. Ap; GaPr.; G; Sch; Th; Z; 
Syn. K'Spil, -Stein, -ziehen, '$ N. mache*, tue*, zühe'', 
in üaPr.; Tu nüni-mäle*. .Daby zuchend sich all syn 
ratschlog uf Hat und alenfanz; darum aincm jeden wol 
fürzescehen was, der mit im zue schaffen hatt, so 
listenklioh und verborgenlich konnd er. das nünd ain 
mal Ziechen, bin er «ue einer figgmüli [Zwickmühle] 
kam.* Vai). S, noch Xivölfi-Mdl und vgl. T. 330 b, 
Gr. WB. VI lUKV 

Brand-: wie nhd. Dazu die Abi. brand-malen: 
brandmarken, wozu Zwingli das Ptc. ,malgebrennt* 
bildet (,einjn-e couHcionz*). Freiburg will an Stelle der 
Galeerenstrafe .Brnnünmlilung' und Vereidung treten 
lassen. 1773, Aühcii. — Schau'*- = 3fa/ 1 &; s. Mal- 
Gelt Bd II 255. — Streich- = Afa/ld, von Streichen. 
,Sy sind onversohenlich in ir ang'sicht geschlagen 
worden, dass sy bluotruns worden und die blawen 
streichmal harheim gebracht [haben].* 1529, Absch. 
— Zitter-: Schwindmal Aa; VO; Z. Syn. Schind- 
Holder (s. Bd II 1190). Die Entstehung der ,Zitter- 
Mäler' wird der Fledermaus, bzw. ihrem Harn, zu- 
geschrieben, und sie werden geheilt, indem man sie 
mit Tinte oder mit einem ,Lutzer-Schilling* reibt Z. 
,Die beulen, z. [usw.].* 1531/48, III. Mos.; dafür ,Ge- 
schwulst, Geschwür [usw.].' 1607. ,Reiniget die haut, 
zittermäler, umb sich fressende raud und andere der- 
gleichen prßsten.* Vogelb. 1557. ,Lichen, Impetigo, 
mentagra, z., der mager, böse, kleine, umfrSssende 
oder spitzige raud, ausschlecht des kinnes.' Fris.; 
Mal. ,Das Lörlibad soll heilen: Zittermähler, Hitz- 
bläterlein usw.* 1697, Troll. ,Wie nun ein kleines 
Flecklein im Aug einen Menschen mehr entgastet als 
ein grosses Z. am Arm oder anderswo.' Mise. Tig. 172*2. 
S. auch Antonius-Für Bd I 944, Schwind-Flecken Bd I 
1190. — Zwölfi-: das Mühlenspiel mit 12 Steinen 
Ar; Z. Syn. Zw.-Spil. ,In quibus nuUi calculi, aut 
te^erae, sed lapillulis duntaxat aut virgulis minuatim 
cuucisis colluderent. Quos ludos vocant duodecim 
scruporum zwelfte Maal, novem scruporum nunte 
Maal.* Goldast (Glosse zu ,nudis tabulis*). 

mäle*I, F tc. g'mäle* S; Z (selten), sonst g'mälet : 
1. wie nhd., mit Farbe bestreichen, färben, verzieren; 
bildlich darstellen, allg. Syn. färben. Die g'maJete^ 
[geschmückten] Fraue*, Kuhn, Volksl. Das g'malet 



schöneri Hemli [mit farbigen Stickereien verzierte 
Oberhemd]. Uw Älplergedicht. Einem allzu wähleri- 
schen Junggesellen gibt man den Rat: Wenn der 
Keini g* fällig «f muest-der Eini m. Sch; Z. 3fe" wird 
der dann (Öppis) m., ironische Abfertigung, wenn man 
Jmds Wunsch als unerfüllbar bezeichnen will Th; Z. 
Syn. chüechlen. Me^ wird dir *s m., sagt man von 
Einem, der Andern immer vorschwatzt, wie er etwas 
in die Augen Fallendes ausführen wolle Bs (Spreng); 
vgl. gigen, Nit g'malet, nicht einmal in bildlicher 
Darstellung. Ausdruck starken Absehens B; S; Z. Da 
begirt i'* nit g'malet <er' «!•. I«* macht zu dem Nist 
US, ico-n-i** nit g'molet, g'schwige* de** töd macht s%*, 
Schild. Wie g'mtüet, gleichs. von idealer Schönheit 
Bs; VO; SiH; Th; Z. Si ist wie e* G'mdl, me* ehännt 
si nüd schöner m. Ap; Th; Z. Dim, molele*, kleinlich 
malen, zierlich und langsam schreiben Z (verächtlich). 
,Wer aber fassen, molen, vergulden will, die [gehören 
zur Zunft] zum himmel.* 1463, Ochs. ,7 riuder, gar 
feiss und hüpsch, als wärend s' g'malt von farw und 
von aller glidmäss.* Rcef 1540. .[Zum Einlegen der 
Stimmzettel] soll man ein anzal büchsen machen, ge- 
füeger grosse, schwarz gemalet* 1594, Seg., KG. 
,Solche Tyranney, solcher Jammer, dass es gemahlet 
stehen möchte am Himmel.* FWtss 1672; vgl. Bd II 
1291. , Welcher Zeichen im Rathus machen würde, 
gemahlet oder eingeschnitten, es seige an Muren, 
Wänden oder Tischen.* GaD. LB. .Verdienen diese 
Umstände nicht ein wenig Mitleiden? Möchte dieses 
nicht Alles in dem innern Bleicherweg — der Pöbel 
nennt diesen Ort noch Saumarkt — gemalet stehen?* 
1762, HsLeu. ,Gemalte Halstücher von Gaze.* 1772, 
Z Inv. S. noch Land Bd III 1299. — 2. (Münzen) 
prägen; vgl. Mal-Isen Bd I 542; Bs XIV. 87; Ochs 
II 1, 397. ,Man soll die phenninge versuechen, e dass 
man si malet* 1377, Absch. ,So die münzen usbereit 
sint und man sy m. und bilden soll.* 1425, Gl Urk. 
,Wird das gelt nach vorgeschribner Ordnung gerecht 
funden, so sullent das die versuecher heissen zeichnen 
und m.* 1425, Absch. — 3. täglich nur noch ein Mal 
melken Ga; Z; vgl. iiber-m. Er tuod [die vor dem 
Kalben stehende Kuh] noch m. 

Mhd. malen, wesentlich in Bed. 1 (auch i. S. ▼. : schrei- 
ben, auf-, verzeichnen). Die meisten MAA. vermögen unser 
W. Yon mcüen II (mit sekundJlrer Länge oder mit KBrze des 
Voc.) durch den nach ö neigenden Voc. zu unterscheiden. 
Da3 st. Ptc. auch 1605/66, B Kunstmuseum (neben ,ge- 
malet.* 1578); ,ein gemahlener Wappenschild.' Stadiin 1824. 
— 8 ist abgeleitet Ton Mal 4. 

ab-: abbilden,porträtieren, nachzeichnen Bs; „VO;** 
Th; Z. Syn. ab-rissen, «Diese ungeheure Traube 
werde abgemolet und in die Chronegg getan.* Stutz 
1853. ,Ouch heisst nit ein iedlich ding dem nach, ab 
dem es abg'malet ist; dann sust war ein gemalter 
mensch euch ein mensch.* Zwimqli. ,Es ist uns zwar 
kein Ehr vor den Frömden, wann wir uns selbs mit 
so hässlichen Farben a.* JMOll. 1665: — über- (un- 
trennbar): 1. mit Farbe überstreichen, beschmutzen. 
Narrchänd übermöle*d Türe*, Tisch, Bank und Wand. 
SüLQER. — 2. (in ZZoU. -^-) eine in (regelmässigen) 
Zwischenräumen wiederkehrende Tätigkeit einmal aus- 
setzen „VO.;- Gl. „I<^ wilVs ü. für iez.'' Eine Kuh 
ü., = mälen3 Aa; BoE.; Gl; „LE.;- Z. Ir häitid die 
Chue nW" solle* früener ü., dann hätt si mi«* ^em ChaU 
bere* me Milch g'ge*. Im weitern S. auch: nur noch 



153 



Mnl. niel. mil. inol, mul 



154 



zeitweise melken, was z. B. unmittelbar yor dem Kalben 
nur noch je den 2., dann den 3. Tag geschieht, bis 
man ganz damit aufhört ZZolL; ygl. er-galten Bd II 
237, er-gusten Bd II 493. — a"-: 1. mit einem An- 
strich versehen, (be)malen Bs; Th; Z. A'g'mölet rot 
und blö. Stutz. «Diese Geschichte war an dem Zeit- 
glockenturm angemalet.' B Hist. Kai. 1845. S. noch 
NadU-Hafen Bd II 1015 und vgl. anfärben Bd I 990. 
— 2. Jmdn anschwärzen Aa; Bb; B; VC; S. Jmdn 
betrügen Aa; vgl. anschmieren. 

Maler I m., PI. Möler BM., sonst unver.: wie 
nhd. Syn. Ab^risser. Wenn sich die Trauben ent- 
färben, sagt man: ,der M. geht herum.' Spkww. 1824. 
Auch Geschlechtsn. SchwE. f; Z. 

Fass-: Maler, welcher in den Kirchen die Be- 
malung und Vergoldung der Fensterrahmen, der ge- 
schnitzten Figuren usw. besorgt VO. — S. /awen 4. 

„Ginggeli-: schlechter Maler L; Ndw.** — Vgl. 

Gingyd I 8 (Bd 11 865). 

Blähe'-: wer Wagendecken mit Firniss und Öl- 
farbe bemalt Ap. — Brief-: Illuminist, Steindruck- 
oder Kupferstichausmaler. XVI./XVIII. .Brief- und 
tuechmaler.* 1594, Z. Vgl. Schm.-Fr. 1 351. -.„Sele*^-: 
Portraitraaler Z (Bauernspr.)." — Tüfeli-: spöttische 
Benennung der Maler, welche die symbolischen und 
historischen Figuren malten, mit denen man die Frei- 
heitsbäume zierte; vgl. ZWthur Neuj. St. 1886, 21. 

malere"!: malen. ,Da ich dem maier das duech 
wollte bringen, dass er mir die figur dar ane malere.' 
XV., LüT., Sagen. 

Mali (in BO. Mali, in ApUrn.; Th; Z Moli) — f. 
= Mal 5 Ap; Gt; ZO. M, a^'striche^, ,Es ist die 
Möble eine die Farbe des Zettels zerstörende flüssige 
Ingredienz.* HDolder 1851. 

nie-mälig Gl, -mäli* G: niemals vorkommend, 
in dem Vexierversprechen (vgl. Lärheim-Gängdi Bd II 
347): I«* gib dir was? Was ist denn Bas? E* süberis 
Wartre!*' WUi, e^goldis Nütdi in-eme!* niemölene* Büchsli 
G f^ goldigs Nüteli im-ene* niemaligf Büteli Gl). 

G'mäl, bzw. G'möl (in GrHo., L., ObS., Pr., Rh. 
G*fndliJ — n., PL Q'mdler Aa; Bs; S, Dim. G'mältji 
GrD.: L^Mäl2 Aa; Bs; VO; Gr; PAL; G; S; Th; 
Z, in AAFrL; Bs mit verächtlicher Nbbed. : geringes 
Gemälde, schlechtes Bild, Karikatur. Als Dim., Bild- 
chen, Buchzeichen GrD., Ho. Synn. s. Ili (Bd I 179). 
Mit Bluemen und G'mälen üsstaffiere^. Usterl Ja, 
Das gab emmig au^^ es G'möl! sagt mit Stolz eine 
Mutter, deren Sohn porträtiert werden sollte. Stutz. 
Wie-n-es G*m,, von fleckenloser Schönheit ; vgl. malen 1, 
G* molig' schauet, Bilderbücher besehen Gr; vgL G^mcUi' 
Buech. Von einem hässlichen, unangenehmen Men- 
schen heisst .es : Dir gdb aw^ ne* G'm. t« [in den] 
Kalender ine^! AAZein. Auch von tätowierter Zeich- 
nung: Z*letzt chunnt no^^ üs im Dorf, er heig allerlei 
für^G'moler inwendig uf den Arme* und uf '^em Herz 
[Brust], 's sig so blau wie rifi Zwetschge; BWybs. 
,l)as8 kein buochtrucker einich buoch noch g^mäl zue 
drucken underston [solle].' 1526, Absch. ,Das gemäl 
was me von färben, dann von der band oder der kunst 
guet.' Vad. ,Ir schnabel, als das gemäl [der dazu ge- 
hörige Holzschnitt] anzeigt, ist schwarz.' Vogblb. 1557. 
,Mit Gemahlen oder Bildwerken.' 1566/1644, Helv. 
CoNF. ,Graphice, pictura, ein gemäl.' Fris. ; Mal. ,An 
den Sonn- und Fyrtagen [soll] Niemand Lieder, G'mäl 



usw. feil haben.' Z Mand. 1650; vgl. Buech-Füerer 
Bd I 948. ,Catagraphe, das Abreissen eines Gemahls.' 
Denzl. 1677; 1716. ,Mit künstlichen Gemahlen ob 
den Altären.' 1676, Reisebeschr. ,T)ie Bawherren wer- 
den N. N., dem Flachmaler, anbefehlen, dass er in 
einem In die Batsstuben verordneten Gemahlen das 
jüngst Gottesgericht mahlen solle.* 1678, S Ratsprot 
,In gewaltigen Kupferstichen oder Gemahlen das rö- 
mische Vatican fürgebildet' ClScbob. 1695. 1703 be- 
schloss der Rat, dieses Gemälde renovieren zu lassen, 
,8ofern man die Lüt findet, die den Bestich machen 
und ein wahrhaftes Gemahl machen können.' Liebbnau. 
— 2. = Mal 3 LG. Rots G'm. — 3. (Scheltw.) Lümmel, 
schlechter Mensch GrHo., Pr. Mir wend nit zu dentf 
laida G'möli g'hört}. 

Ab-G. ,WS8enlich abgemäL icon.' Mal. Kes A,, 
formelhaft = gar Nichts Gl. Er het kes A, g'sait. — 
A"-: Narbe; Zeichen, Spur Gl; GWe. I** ha* wi** 
am Finger g*hau^, aber mi g'siht kes A, mi [mehr]. 
VgL das syn. Anmäl. — ,Vor-: adumbratio.' Mal. 

möle": in die Kette eines Gewebes Möli zeichnen 
Z; vgl. HDolder 1851, 19. - ünmittolbar von Mali ab- 
§feleitet. 

mäli*'*': in der steigernden Formel tägli^ und 
m,, jeden Tag und jedes Mal Gl. ,Wie dass ir täg- 
lichen und mellichen üwer potschaft in dem Ryntal 
heigend.' 1530, Strickl. 

mälig, mältig, in den Zss. ei*-, zwei-, dri-, vier-i 
Milch, in der letzten, bzw. zweit-, dritt- oder viert- 
letzten Melkzeit gewonnene Milch Ndw. — blau*-: 
mit blauen ,Malen', von Schlägen, bedeckt; vgL Mal Id. 
.[Ihr habet] die unscrn geschlagen, bluetruns und bL 
heimgeschickt.' 1529, Absch. — da-: damalig. ,Do- 
möliger Pfarherr.' um 1640, ZZolL Taufb. — den-: 
gegenwärtig. ,Nach Beschaffenheit den-mähliger Läu- 
fen und Zeiten.' 1655, Hilty. 

Mal II n., PL Maler, Dim. in BO.; Gatw.; Lf; 
üw Mälti, sonst Mali, bzw. Möli: 1. im Allg. wie 
nhd., Mahlzeit, allg. . Alli vier Möli, Morien-, Mittag-, 
Abend- und Nachtessen BBe. Die geschwinde* [un- 
vorhergesehenen, rasch zubereiteten] Möli sind die 
beste*, Antwort auf die Entschuldigung der Gastgeber 
bei unerwarteten Besuchen oder auch Ermunterung, 
rasch zuzugreifen, sich eine gute Gelegenheit nicht 
entgehen zu lassen Z ; aber auch ebd. : Die g'scfiwinde* 
Möli sind nie guet (nie die besteh), 's Jar ist längs 
und der Maie* ist mängs, het Christe* am Neujar g'seit, 
wann er nit het welle* vil brüche* BO.; Sprww. 1869; 
= es sind der Tage^ vili und der Malu no^ mereri W. 
Z* Male* (um), bei den Mahlzeiten (z. B. anzutreffen 
sein). Er isst nid vil z' Male*, er isst defür me zwü- 
sehen i*e* Aa; ZO. Eine Mutter ermahnt ihre Kinder, 
sie müssten z* Male* Wls essen, also nicht zwischen 
hinein L. Under Mole*, zwischen den Mahlzeiten Aa. 
Keis Mälti isse* ehönne* öni Schmirze*, z. B. bei Zahn- 
weh BHa. D's M. ha*, Mahlzeit halten FO.; vgl. 
Dial. 306 (Obersetzung von Lucas XV 24). Ei*'m 's 
Möli abe*tue*, Jmdm heftige Vorwürfe machen, eig. : 
ihm eine tüchtige Portion zu Teil werden lassen Z; 
Syn. Mdw, ,Man funde noch so verwegen lüt, die 
sich für Seelen oder geister dörftend usgöben, allein 
dass sy under disem schyn ir maal möchtind besseren 
[dabei gern ihren Vorteil suchen möchten].' LLav. 
1569. Die Verabreichung eines Mahls ist in alten 



155 



Mal, mol. niil. mol. niul 



156 



Reclitsbestimmangen vielfach geregelt; ein Anrecht 
darauf hatte der Bauer nach gewissen Frondiensten, 
der grundherrliche Beamte, wenn er Gericht hielt usw. 
,Als dann bishar die, so vech gehebt, dem gottshus 
alle jar ain fuoder niist geben muessen, damit ist ain 
hof beschwert, und Termaint, den fürhin nit schuldig 
ze gyn, man gab inen dann das m.' 1525, Absch. 
,Darum soll der vogt dem weibel das m. gdben.* XIV. 
bis XVII., Zßass. Offn. 8. noch Fueter Bd I 113Ö und 
vgl. dazu noch Geschfo. Ges. XV 36. ,Das M. zu 
geben', d. h. warme Speisen auftischen zu dürfen, war 
Vorrecht einer Klasse von Wirten (der heutigen Speise- 
wirte); vgl. Ochs II 154 und s. Gastung Bd II 243. 
,Die Wirte sollen den armen, so nur einer suppen oder 
brüen bcgören, gleich so wol als denen, so das ro. 
össcn, gSben und auch beherbergen.* 1586, SchwE. 
Klosterarch. ,I)ie Gast- und Tavernen wirten sollen 
den Gesten Dasjgnig, so sie beg?rend, es sye, dass sy 
das Pfennwert ngmmen [nach eigener Wahl bestellen] 
oder in 's Mahl sitzen [an dem gemeinsamen Mahl 
teilnehmen] wöllind, nit abschlachen.* B Mand. 1628. 
,Gesatztes Mal', Mahlzeit nach Bestellung, zu be- 
stimmter Zeit, nach ,Satz- und Ordnung.' .Der Vicar 
zu Baden müsse dem Orglentreter im Jar 2 Mal uf 
die 4 Hochzylteg allwegen 2 g'satzti Möler geben.' 
15(y5, AAWett. Klosterarch. Die Wirte dürfen bis auf 
weitere Verfügung für ein .gesatzt M.' 8 ß beziehen. 
1575, Absch. ,Ein röcht g'satzt mahl 2 ß.' 1400, KCvs. 
»Köstliche und überflüssige Mählere.' Bs Polizeiordn. 
1715. Im Ganzen in der Umgangsspr. wenig üblich 
(dafür jKssc«); meist mit dem Nbbegr. der Festlichkeit 
oder der Gemütlichkeit; Letzteres bes. für die Dim.- 
Form (welche dem Volksmunde allerdings geläufig ist). 
Es gär zue wie amene* M. VO; G; Z. Von schönen 
Aussichtspunkten wendet man die RA. an: Bo g'seht 
men über mängs guets Moli (und über mängs ChrüzJ 
ine; üs L; Z. ,üamit der vater syn möli teglich er- 
bessern mög.' 1552, MEsTERM., Rick. ,Impensis coe- 
narum suifragia plebis venari, mit ausgeben gueter 
mahnen den gunst und huld des volks überkommen 
und erlangen. Orare veniam dapibus, betten, dass 
man verguot habe an einem schlechten [einfachen] 
male. Das male, schlechts male, coenula.* Fris.; Mal. 
,Zue einem bescheidenlichen Mähli laden.' Z Mand. 
1636. ,Man muss die Mählin teilen, nicht Alles auf 
einmal verzehren.» Mey., Hort. 1692. Spec. a) die 
Hauptmahlzeit in den Klöstern; vgl. Gfd XI 98; XXV 
142; ferner das Syn. Imbiss Bd I 236. — b) Suppe 
PAger; Syn. Chuchi. — c) nurüim., ein solches Quan- 
tum von einer Speise, als zu je einer Mahlzeit, einem 
Gerichte erforderlich ist. Eh Möli Herdöpfel üstue" 
G; SoBW; Z; vgl. Stutz VI 34. Es Mali Bönen ab- 
g(w)ünne* [pflücken]. Du wirst au''^ bald es Möli ha*, 
iron.: du wirst das Nötige kaum zsbringen, wirst 
deinen Zweck wohl nicht erreichen Z. Es Möli, Mälli 
Milch, 80 viel, als man zur Sättigung einer Haus- 
haltung oder seiner selbst bedarf Ap; Schw; Uw; Z. 
— Obertr. auf Lustbarkeit, Vergnügen übh.; Gewinn. 
Der N. hat l'eis Möli, wenn er di^^ scho* überchunnt 
[zur Frau bekommt] SchwE. (vgl. das syn. Fressen 
Bd I 1324). Vgl.: ,Wie muess Abram die gueten mal, 
mit Agar g'hebt in disem fal, so hert büessen!' Ha- 
BBRER 1562. — 2. ein Flächenmass von 250 — 400 
Quadratklftrn oder Vs — V« Jucharten, je nachdem es 
sich auf Weinberge oder Äcker bezieht; vgl. Gr Samml. 



1779, 41; 1780, 323; 1809, 197 f. .Ein neues Feldmal 
enthält 400 und ein altes 300 Klftr zu 7 Schuhe 
GnChur. So viel Ackerfeld, als man in drei Stunden 
pflügen kann, ebd." ,Uf einem acker sind es zwei maL' 
1464, GSa. (Senn). ,Ein m. ackers', = eine Drittels- 
Juchart. Aq.Tschudi, Mise. hist. 

Der k. PI. .Maler' and der jQDgrere ,Mal^ zuweilen bei 
dem selben Schriftsteller, z. B. bei Ll^av. 1532. In 1 b bat 
sich der Begriff auf den Hauptbestandteil b&aerlichen Mahles 
eingeschränkt. Zu 1 vgl. noch .\Dm. zn Hirte* Bd II 1649. 
2 ist wohl nur verk. aus den Synn. Imbin-, Mitt-M. 

Eier-Mäl s. Eier-laufen Bd III 11*27 und vgl. 
Gotth. VII 134, Hofst. II 136. 

Abe"d-, Abig-: 1. Abendessen PAl. — 2. das h. 
Abendmahl, ref. Schweiz; Syn. Nacht-M. I«* we^tt 
*s heilig 0. druf »i^*, ßeteurung ScnSt. 

Die Formel unter 2 appelliert eig. an ein Gottesurteil 
(der hl. Bissen soll im Munde stecken bleiben, wenn die 
Unirahrheit geredet wurde) oder bezieht sich .auf die Sitte, 
der Eidleistung den Genuss des A. vorangehen zu lassen. 

Ängsten-: aus dem Ertrag einer alten Stiftung 
jährlich an Hülfsbedürftige abgegebene Spende von 
Lebensmitteln Schw; vgl. Steinauer I 58. — Alpe"-: 
, Mahlzeit aus Alpprodukten'; Name einer Abgabe an 
den Landesherrn, bestehend in so viel Butter und 
Käse, als man aus der in einem Tage auf der Alp 
gewonnenen Milch bereiten konnte. 1436, MOller, 
SchwG. III 488 (fürGT.); vgl. Vogd-M., Tag-Mulchen. 

A mm- Möli: Mahlzeit, bei der man sich gütlich 
tut L f. — Wohl verstümmelt aus Ammann-M. ; s. Amm- 
Mann 2. 

Heb-Amme"-: Festlichkeit der Frauen nach der 
Wahl einer Hebamme ThHw.; Zü.;;vgl. Wiber-Trunk; 
ferner Bd l 21'2. — Eimer-. ,Die sinner gend an das 
e. 1 pfd hlr.' um 1400, TaDiess. Stadtr. 

Imbiss-: 1. wesentlich = Ifii&i«« 2 (s. Bd I 236). 
,Der Prior hat einen neuen Brauch angefangen, indem 
er des Gotteshauses Zins- und Trottenleuten auf St 
Laurenzentag ein Imbissmahl gegeben.' 1533, Absch. 
Hierauf werden die Gesandten auf der Zunft zum 
Safl^ran mit einem gar köstlichen «Imbismahl tractiert.' 
1586, ebd. Auch sonst häufig im XVI.; s. noch u/** 
haben Bd II 894. — 2. so viel Ackerland, als man 
bis zum ,Imbiss', d. h. in einem halben Tage, pflügen 
kann, ungefähr 600 Quadratklftr GRPr. Vgl. , Morgen.' 
,Man säet auf ein sog. Immismahl etwa 12 Quartanen 
Gerste.' Gr Sammler 1805. — Zu 2. St. gibt mit Bex. 
auf B, wohl durch ein ScbreibYersehen, 60 Elftr an. 

firen-: Ehrengastmahl. XVI./XVIL ,Wir habend in 
kinderen Jobs ein beispil eins eren- und fröudenmals.' 
LLav. 1582. - Oranie"-Mäli: ein zu Ehren des 
fürstlichen Hauses Nassau-Oranien alljährlich in Bs 
gehaltenes Festmahl, dessen Kosten aus den Zinsen 
einer Stiftung bestritten wurden, die a. 1764 ein aus 
holländischen Diensten zurückkehrender Offizier ge- 
macht hatte; vgl. Ochs VII 633. — Ürten-Mal=: 
Ürten 3 (s. Bd I 490/1). ,l)es wegen man gar selten on 
feldhüener in den gueten Wirtshäusern das irtenmahl 
nimmt.' 1595, ThPlatt. — Vogel-: „so viel Milch, 
als am Milchprüfungstage gemolken wird GSa. f * ; 
Syn. Mal-Milch. Das Selbe, was Alpen-Mäh als Ab- 
gabe an den Landesherrn Gr; GSa. ,Dera Grafen ge- 
bührt von den Alpen das V., von jedem Kessel so viel, 
als man eines Tages macht.' 1462, Planta 1881, 300; 
vgl. Absch. VHI 421. ,Die Leute im Oberland ver- 



157 



Mal, niel, niil, mol, mal 



li^8 



langen vom Vogt, dass er ihnen die Bären vcrjago 
und [wollen ihm] dämm das V. geben/ 1504, Absch. 
,Da unsere Herren in jedem Senntnm im Sarganser- 
land ein V., nämlich einen Tag Milch jährlich haben, 
so begehren die Landleute, dass man ihnen dafür alle 
wilden Tiere vertilge/ 152(5, ebd. ,Des v-s halben ist 
gesetzt also: wo ein herr darum gegen den synen brief 
und sigel hat, sollen sy das hinfür wie von alter her 
ze gSben schuldig syn/ ebd. ,Das v. hat pracht [ein- 
gebracht] 160 roass.' 1531, Strickl. ,I)as v. hat uf 
diss jar an anken pracht 162 mass, an käs 90 wert- 
käs.' 1533, ebd. 

Die Abgrabe bezieht sich auf das Recht des Landesherrn, 
wenn er in die Landschaft kam, von den Untertanen nicht 
nur ein Mahl für sich und seine Begleiter, sondern auch 
Futter fUr die Jagdhunde und Jagdfalken (vgl. Hnbich Bd il 
936/7) zu vei langen. Diese Abgabe wurde dann in den alpinen 
Gegenden von Gr und im GO. als Grundla-st auf die Alp- 
weiden gelegt und 1787 in eine Geldabgabe von 16 Krzrn 
vom Stück Vieh umgewandelt. Nur noch undeutlich schim- 
mert die urspr. Bed. durch in der Gegenverptiichtung des 
Laudesherrn, einen Jäger und einen Hund zu halten, um 
die wilden Tiere im Lande unxch&dlich zu macheu ; vgl. noch 
Absch. IV 1 a, 302; Vll 1, 1335; Vlll 425; Planta 1881, 
314. lu der von St. angegebeneu Bed. ist vollends nur 
noch das Mass geblieben, das einst als Grundlage fOr die 
Berechnung der .\bgabe diente. Vgl. noch Syerbtr-M., Tag- 
Mulehen. 

Landvogt-: Mahl, das man dem Landvogt der 
Herrschaft Thurgau bereit halten musste, wenn er 
die Huldigung entgegennahm; so It G Neuj. 1884, 9 
in TnBürglen. — Gefangnen-: Mahl, das der Land- 
vogt von ZGrün. den Untersuchungsgefangenen auf 
Rechnung der Herrschaft Zürich gab. XVL, Amtsrechn. 
ZGrün. (stehender Ausgabepost^). — Fir-. ,Die hand- 
wSrchslüt sollen an fyrmalen fyraben haben, wie einer 
ouch uf dem fCld haben muess.' 1558, Obw Rq. — 
Vor-, zsgz. Vorm^l^ Vor-Äzi (s. Bd 1 626) Ap; G; 
Th. Z^ V.isse^i- Auch: Trunk etwa eine Stunde vor 
dem Nachtessen G uT. Vormahlzeit, die man an länd- 
lichen Hochzeiten den Gästen am Morgen vor der 
Einsegnung bereit hält L (It CPfyffer 1850, 312); Syn. 
Margen-Stippen. ,Nachdom eine tüchtige Suppe zum 
V. eingenommen ist.* Pfyffer. - üi'farts-: Schmaus 
des Flurgerichts am Himmelfahrtstage Bsf- — Visi- 
taz-: Mahl, das der Pfarrer dem amtlich bestellten 
Yisitator (vgl Bd I 1080) zu geben verpflichtet war 
AaL.; der Rat gab daran 5 fl., sowie 2 Kanneur La 
Cöte; vgl. JMüller 1867, 156. - Fisch-: Mahl, an 
welchem Fische (wahrsch. Lachse; vgl. Letzi-M.) das 
Hauptgericht bildeten. Einem Zuchtmeister wird ver- 
gütet für 4 Fischmäler 24 Krzr. XVllI., Sch Ämterb. 
— Freud-: Kindtaufschmaus Gl. — Fron-: Fest- 
mahl zu Ehren eines Fürsten. ,[Nach der Krönung] 
der küng uf das rathus g'füert was in ainen kostlichen 
sal. Da hielt man nun das fr. mit unsäglichem prang.* 
Vad. — Gant-Möli: Schmaus, den man nach einer 
Versteigerung, bes. von Liegenschaften, abhält Ap; 
ZG. — Gisel-Mäl: Mahl im Einlager, auf Kosten 
des Qtsds (s. Bd I 467/8). XIV./XVl.; vgl. Troll VI 
212; Arg. IV 233. — Gläris- s. Bd U 642. ,Das 
guot ist eigen unz etwas an das gl.' 1420, Arg. — 
G raube"-, Orübe^-: Mahlzeit am zweiten Abend 
nach dem Schlachten eines Schweines fürs Haus, zu 
der ausser den Nachbarn auch Verwandte eingeladen 
und bei der in erster Linie Oräuben (s. Bd U 686) auf- 



getischt werden Gr ObS., Sa. ; vgl. Melzgi-y Wurst-M. 
- Grueber-Mäli: Schlussmahlzeit nach dem ,Grue- 
ben* (s. Bd II 696) ZS. Vgl. Ghrä-Hanen. - Gräbt- 
Mäl = Gräbt 2 (s. Bd II 698) B; S; Syn. Liehen-, 
Toten-M. A. 1611 erlässt der Landrat von Ndw Ver- 
ordnungen über die ,Gr.-Mähler' und Hochzeiten. 
,Zuglych sollend verbotten syn die unnotwendigen 
Greb(d)nussmähler (Begräbdmähler) und dass man 
deren weder in eignen noch offnen Hüseren halten 
solle.' B Man.l. 1628/07. S. noch Schild III 83 ff.; 
Glutz-Hartraann 1879, 15/6. — Griffe»-Mäli: von 
den drei Ehrengesellschafton von Klein-Basel jeweils 
im Januar veranstaltetes Fest. Mittags 12 Uhr an 
dem festgesetzten Tage kommt der , wilde Mann' den 
Rhein heruntergefahren und wird beim Gesellschafts- 
haus von seinen Genossen ,Greiff* (s. Bd IJ 709) und 
,Löwe' empfangen; darauf begeben sich die drei 
.Wappentiere' auf die alte Rheinbrücke bis zum Käp- 
pelijoch, der ehemaligen Grenze zwischen Gross- und 
Klein-Basel, wo sie einen höchst primitiven Tanz auf- 
führen. Nach dem darauf folgenden Mahle halten die 
drei , Ehrenzeichen' einen Umzug durch die , Kleine 
Stadt.* S. noch Bs Taschenb. 1884, 248. Uelerich Bd I 
183. — Groppen-Mal: Mahlzeit, an der hauptsäch- 
lich Groppen (s. Bd II 788/9) aufgetischt werden. 
,N. N. behauptet, dass die Fischenzen in der Aare bei 
Döttingen stets dem Bischof gehört haben, da die 
Fischer schuldig seien, dem Vogt die Fische zu brin- 
gen, und da der Vogt jährlich mit grossen Kosten ein 
Mahl, Gr. genannt, halten müsse.' 1586, Absch. ,I)er 
Vogt zu Wangen haltet noch jährlich das Hofgericht 
zu Subingen und darauf ein Mahlzeit, das Gr. ge- 
nannt.' Fr.Haffnkr 1666. ,Das Hofgericht oder ge- 
meinlich das Gr. genannt.* ebd. — Hebel-: alljähr- 
lich unter Leitung der Basler historischen Gesellschaft 
zu Hausen im Wiesental abgehaltene Gedächtnissfeier 
zu Ehren JPHebels. — Holz-: Mahlzeit, die nach 
Schluss des Holzschlags in der Corporationswaldung 
den Holzhauern im Pfarrhaus gegeben wurde und an 
der auch die Dorfvorsteher Teil nahmen ZDüb. 

Hü euer-: jährliches Festmahl in ZWthur, an 
welchem die Nachkommen der altadeligen Geschlechter 
in und um die Stadt, ferner die Stadträte und die 
Pfarrer von Wülflingen, Pfungcn und Hettlingen Teil 
nahmen, und zu dem vormals der Landvogt auf Kyburg 
einige Hühner beizusteuern hatte; vgl. Troll III 104/5; 
Leu, Lex. XIX 501; Garn Bd II 420. ,Am H. zu 
Winterthur, da man g'rad den Prosynodum gehalten.* 
1696, Z Syn.-Mscr. ,Hücnermäler* veranstaltete auch 
der Staat Luzeru als Gerichtsherr seit dem XV. t. auf 
dem Rathause, t. auf den Zunftstuben aus den Herbst- 
hühnern; doch wurden sie in der Mitte des XVII. als 
zu kostspielig abgeschafft; vgl. Liebenau 1881, 206. 

Das Wtharer //. gieng hervor aus dem Mahl, das der 
Landvogt auf Kyburg zun&chst aus den Zinshühnern bereiten 
Hess und zu dem er die Honoratioren der Nachbarschaft einlud. 

Henker-: 1. wie nhd.; dann übh. ein reichliches 
Mahl Sch; Z. D'« H, ge*, reichlich abfüttern W (auch 
vom Vieh). Vgl. Fr., Ztschr. VII 297; henken Bd II 
1457. — 2. bei Bauersleuten eine aussergewöhnliche 
Fleischmahlzeit, die sie sich gestatten, wenn sie das 
Fleisch eines ins Haus geschlachteten Schweines aus 
der Salzbeize nehmen, um es in den Rauch zu hängen 
ZPfäff., S. — 2 bezieht sich auf d&s Aufb&ngen (henke*) des 
Fleisches, lehnt sich aber in der Form scherzh. Weise an 1 an. 



159 



Mal, inel, mil, mol, mal 



160 



Herren-Mal: Mahlzeit, die der Vogt anfSchloss 
Grflningen den Abgesandten der Herrschaft Zürich, 
den Pflegern, Amtleaten, Vögten, Richtern usw. bot; 
solche ,H.* verrechnete er dann als stehende Aasgabe 
in seinen jährlichen Amtsrechnangen. — Herbst-: 
Mahlzeit, die der ,Bebmann' am Schlass der Jahres- 
arbeit von dem Eigentümer der Reben erhielt ,Für 
das H. 1 Mass Wein, V« Brot und 1 Pfd Rindfleisch.' 
1696, ScH Rebbüchli. — Jadas-: Festmahl am Grün- 
donnerstag Abend LRicLf Wer zuerst in die Schüssel 
mit dem Hauptgericht langte, wurde Judis gcheissen, 
wer es nach ihm tat, McUchü, — St Johannes-: 
Festmahl nach Weihnachten Ap; vgl. Ap Geschichten 
und Sagen S. 71. — Jars-r alljährlicher Festschmaus 
auf den Zünften. ,Als etliche Male bei Jahrsmälern 
so grosse Kosten ergangen sind, soll man fortan 8 
oder 14 Tage vorher ein Bott [gebotene Zskunft] 
halten und beraten, was der Oberstubenmeister ein- 
kaufen solle.* 1602, Gkerinq (Bs). — Chueche»- 
Möli: Mahlzeit beim ersten Patengeschenk am Neu- 
jahrstag, zu der die Paten grosse, gebackenc Ringe 
(Kuchen) mitbringen S (Schild). Het Eintr g'rad es 
Gh., he nu, so chömtne^ d* Chndbe^ z* Chilt, eho* singe^, 
iaaen und cko* trinke^. Schild. Bi-n-üa uf-em Land 
nimmt me* 's justement nit so g'nau, gab Eis [ein Kind] 
me am Tisch oder nit, gab es Gh. me oder weniger, 
wenn 's Oottstüill isch, ebd. — Kanzlisten -Mal. 
,Jch holete [meine Braut] ab an unser K.' 1663, Z 
Taschenb. — Chäs-: Schmaus bei der Verteilung des 
Gewinns einer Gesellschaftskäserei B; vgl. Gotth. XX, 
Kap. 17 ,die Abteiltig.* ,Unser Amtleuten und Bur- 
geren Hochzeit-, Zehnd-, Käs- und andere Mähler.' B 
Mand. 1661. •— Ghaste°-: Mahlzeit bei Anlass der 
Rech nungsab legung des Kloster Verwalters Ndw. — 
Klause'-: jährliches Fest der Schiff leute auf dem 
Vierwaldstättersee zu Ehren des Schutzpatrons St Ni- 
kolaus; vgl. ab'kuren Bd III 447. — KnSchten-: 
Mahlzeit der Knechte im Schloss Grüningen; sofern 
daran die Tagelöhner Teil nahmen, wurden die betr. 
Auslagen regelmässig unter dem Titel ,Kn.* in den 
Amtsrechnungen aufgeführt. — Chrom-: von einem 
Verein oder einem Privatmann veranstaltete Mahlzeit, 
von welcher jeder Teilnehmer einen Teil der Über- 
reste [als Chram] mit nach Hause nehmen durfte GStdt. 
Es wurde zum Voraus angezeigt, ob es eine Kröm- 
oder eine gewöhnliche Mahlzeit sein werde. ,Unsere 
Mahlzeit war eine Krömmahlzeit Wir mussten sie 
so um unserer Frauen und Kinder willen wollen!* 
PScBEiTLiN 1829. ,Später kommen die Mägde mit den 
Laternchen und den Körben, denn es ist eine Kröm- 
mahlzeit.* ebd. Vgl. Bescheid-Essen Bd 1 528, B'haUis 
Bd II 1239, Chram Bd HI 810. 

Krüt-: Mahl, das man den Bauern von Zllln., 
Kyb., Lind, bei der Zehntenverleihung verabreichte. 
«Jährlich uf Johannis im Summer hat man den G'meins- 
lüten ein Mal geben müessen, das ward das Kr. ge- 
namset* JJROegbr 1606 (nach ihm erst a. 1580 ab- 
geschafft; vgl. dagegen Krüt-Fond Bd I 850). ,1517 
ward geordnet, diss Kr. zu besuchen, ein Zug mit 
2 Mannen, ein halber Zug mit 1 Mann, wie auch die 
mit der Howen buwend und den ZShenden göbend.* 
ebd. 1517 und 1580 wurden besondere Verordnungen 
betr. das ,Kr.* erlassen. 

Wnhrsch. benannt mit Bez. auf das ,Kraut* [Mangold], 
das nm die genannte Zeit in bester Entwicklung und Frische 



steht und Yiell. eben bei diesem Mahle vorgesetzt warde; 
Tgl. noch Mem. Tig. 1845, 815 und Chrüt Bd 111 885. 

Sür-Chrüt-Mäli: Mahlzeit auf der Zunft zur 
Saffran um die Zeit, da frisch eingelegtes Sauerkraut 
als Erstlingsgemüse aufgetischt werden kann ZStdt. 

— Ltch(e")-Mäl (in ZSth. lAcht-) = Gräbt (s. Bd 11 
698) Ap; Th; Z. ,Die Tauf- und Leichenmähler sollen 
in den Wirtshäusern zu halten verboten und nur in 
den eignen Häusern erlaubt sein, Erstem nur die 
einzelnen Taufzeugen beiwohnen, bei den Letztern 
aber nur die £ltern, Kinder, Geschwisterte, Schwägere 
und Geschwcien, so aus entfernten Orten herkommen, 
bewirtet werden mögen.* 1785, Z Ges. S. noch Ruppen 
1851, 70; Osenbr.. W. I 23; V 80; Schild 1885, 175. 

— Leid- = dem Vor.; daran nehmen Teil die ,Leid- 
lüt', die Träger der Leiche und der Lehrer, der das 
,Leichengebet' übernommen hat ZG. ,Die uf unserer 
Landschaft von neu wem yngerissne Lych- und Leid- 
mähler.' Z Mand. 1650. — Wörch - Lüten-: den 
, Werkleuten*, bes. am Schlossbau, verabreichtes Mahl, 
so ziemlich stehender Titel in den ZGrün. Aratsrech- 
nungen. — Leu^e^-Mäli: jährlicher Schmaus der 
Kleinbasler Gesellschaft zum Löwen; vgl. Bs Taschenb. 
1884, 239; ferner (3^ri/*en-ilf. - Letzi-Mäl: Abschieds- 
mahl Z; Syn. Letzi. «Bisher haben die Landvögte vor 
ihrer Abreise auf der Obrigkeiten Kosten ein L. an- 
gestellt, wobei mindestens 50 fl. aufgegangen sind.* 
1626, Aoscu. ,Diss Nachtmahl ist zugleich das erste 
Nachtmahl und des Herrn Christi Letzemahl. So oft 
wir's halten, Sssen wir mit Christo gleichsam die 
Letze.* FWtss 1650. ,I)ie G'richtserkanntnnss, welche 
a. 1721 ist am gewohnlichen L. geordnet worden.' 1740, 
ÜUrs. Rq. ,Auf den Antrag des Landvogts [im Th] 
wird unter Ratifikationsvorbehalt das sog. L., welches 
die Land Vögte in ihrem zweiten [d. h. letzten] Amts- 
jahre bisher zu geben pflegten, abgestellt.* 1740, Absch. 
,Dem Vogtg'richtsdiener an dem Lachs- und Letzimahl 
für das Bescheidessen 1 fl.* XVIIL, Sch Pfrundenb.; 
vgl. Fisch-M. — Maien-: Name des Gastmahls, das 
früher nach der Ämterbesetzung am 1. Mai auf dem 
Rathaus für die Bürgerschaft veranstaltet wurde AiL. 
Nachdem das ,M.* 1735 abgeschafft worden war, gab 
man den Bürgern als Entschädigung eine Geldspende ; 
vgl. JMüller 1867, 153 und Mai, — Ammann-: 
Nachtessen nach der Landsgemeinde, an welcher die 
Standesämter neu bestellt wurden, auf Kosten des 
neuen Landammanns oder, wie 1650 in Schwyz, sammt- 
licher neugewählten Beamten; vgl. Bluroer, RG. I b 
120 ff.; Gfd 38, 149 ff. ,Und als dann ein Zyt har, 
wann ein Landammann erwählt worden, ein grosser 
überschwenklicher Kosten mit dem A. über dieselbigen 
ufgelofen, nit allein mit Landlüten, sondern auch 
frömde und junge Knaben, so nit über die 14 Jar, 
auch die Maler uf den Landammann getan, derohalben 
habend MHHn für gut befunden, dass zu künftigen 
Zyten, welcher als Landammann erwählt wird, kein 
Mal mehr gSben solle, sonder einem jeden Landmann, 
der fürüber die 14 Jar ist, 5 Btzn dafür solle gegISben 
worden.' 1611, Gpd (Ndw). ,Wer eine fremde Weibs- 
person heiratet, die nicht 300 fl. Kapital besitzt, soll 
am .Allmendnutzen, an Pensionen und an Ammann- 
mählern keinen Teil mehr haben.' 1703, U Rq. ,Das 
sog. A. soll nach ordentlich abgehaltener Landsge- 
meinde in Zukunft wieder gehalten werden.* 1864, 
Ndw Gesctzb. — Müs-. ,Prandium abstenium, prov., 



161 



Mal, mel, mil, rool, mul 



162 



Mänsmahlzeit, Mahlzeit ohne Wein, da man mit den 
Gänsen trinkt.* Dbkzl. 1677; 1716. — Mischel-: 
Mahlzeit, an der ein Gemengsei yon allerlei Speisen 
(»mescolanza*) aufgetragen wird PAL (Giordani). — 
Meister-Mali: Mahlzeit zu £hren eines neuge- 
wählten ,Zunft- (bzw. Stuben-) Meisters* Bs (Spreng); 
vgl. Geering 1886, 104. — Bü^-Meister-Mäl: Mahl- 
zeit bei der Ablegung der Jahrrechnung des Bau- 
meisters [des ersten städtischen Vorgesetzten]. XVI. 
bis XVIII., ZEgl.; vgl. Wild 1883 I 109. 

Mitt-, Mitim^l, Mittel: ein Flächenmass, ungeföhr 
100—120 Quadratruten, 9000 Quadratfuss oder »/* Jn- 
chart GBh. ,4 mitmel ackcrs, 2 kurzi mitmel.' 1393, 
GaChur Urbar. ,Ein mittmal ackers.* Tschudi, Mise, 
bist. ,Mitmel-, Mittel-Äcker* werden erwähnt im GSev. 
Urbar von 1609; vgl. Mal- Acher Bd I 67. 

Mhd. mite-mal (vgl. Lexer); Tolksetymologisch aoBge- 
dentet: So viel Land, als man zwischen zwei Mahlzeiten zu 
pflogen, fibh. zd hearheiten vermag. 

Metzgi-Mäli: Metzelsuppe BBe.; Sjn. Metzgeten ; 
vgl. Orävhen-M. 

Nacht- Mal: 1. Abendmahlzeit. ,N., cena ob- 
.sonium.* Uw£. Voc. «Das beschach am nechsten sun- 
nentag darnach umb das n.* 1388, Gl Urk. ,Zue 
vesporzjt umb das n.* NScbkadik 1499. ,Es ist auch ihr 
brauch, auf stroh oder einer sträue sitzende ihr ymbis 
und n. zu essen.* Tschudi, Gallia. ,Die schenke oder 
n. [am Hochzeitstag].* Jos.Malbr 1593. , Ammanmahls 
halber blybt [es] wie von Altem bar, [dass] jeder Land- 
mann über 14 Jahr das N. am Ammansatz tuon möge.' 
1612, Gfd (Ndw). ,Den Brütigam und Brut samt ihren 
Eiteren und Geschwüstergiten by einem bescheidenen 
Nachtmäli in ihrem Hus ald Herberig allein lassen.* 
Z Mand. 1636. — 2. das h. Abendmahl Bs; B; Gb; 
Th ; Z. 's N, ni*, zum Tisch des Herrn gehen. D*8 
N, ha; konfirmiert sein BHa., B. Zum N. gä; kon- 
firmiert werden GrD.; vgl. zum Her gän. Wie der 
Budb denn üsg^sckuokt zum N. g'Hn ist. Schwzd. 
(GrD.). ,Wir band ouch nützid für uns genommen 
wider den einfaltigen ynsatz des n-s unsers Herren, 
das man bishar die mSss genemmt hat.' B Disp. 1528. 
,£& solle der evangelische Sigrist mit einem sonder- 
baren [besondern] Kilchenschlüssel und Ghalter usw. 
insonderheit [zu den] dem h. N. gehörigen Sachen ge- 
bürlich versehen werden.* 1639, AAWett Klosterarch. 
,l)a8 Nachtmahlfest in der Karwochen.* JMOll. 1661. 
, Weilen das Brod bei ihrem N. kein Segnung bedarf, 
so könnte ja ein Jeder selbiges zerschneiden und seinen 
Mocken [Stück] nemmen.* Fisi 1696. — g*nacht- 
malet: konfirmiert B. 

Betr. den Gebrauch der beiden Synn. Abend- nnd Nacht- 
Mahl vgl Gr. WB. I 25; s. auch noch ebd. YJI 199. 

Becher-: ein früher in ZWthur von der , Gesell- 
schaft der Bürger* bei Anlass der Untersuchung des 
Silbergeschirrs gefeiertes zweitägiges Fest; vgl. Troll 
III 74. — Beile"-Möli: ein alljährlich am Schlüsse 
des Holzschlags von den Beilengenossen [Holzkor- 
poration] der Kehrordnung nach bei einem Mitglied 
gefeiertes Mahl, wobei man zur Bestreitung der Ko- 
sten gewöhnlich einen der gefällten Stämme verkaufte 
ZZolL — Bone*-Mäl: die Bewirtung, welche der 
Pfarrer von AAMumpf den Einziehern der Bodenzinse 
und Zehnten zu Teil werden Hess, wenn sie dieselben 
ablieferten. — Bären-: Mahlzeit nach glücklich ver- 

Sohweiz. Idiotikon IV. 



laufener Bärenjagd. XVI., BSigr.; vgL Wcif-M. — 
Buesse"-: Mahlzeit, die aus den Gerichtsbussen ver- 
anstaltet wird, so z. B. einst bei den Knabengerichten 
von Graubünden. — Kindbetti-: Kindbettschmaus. 
Die Kindbettermähler, wie sie an etlichen Orten üb- 
lich waren, wurden bei 10 fl. verboten. XVII., L (Gfd). 
, Kindbetti- oder Kindstaufimähler.* B Mand. 1667. — 
Botten-: Mahl, das im Schloss ZGrün. den ankommen- 
den Boten (bes. obrigkeitlichen) gereicht und regel- 
mässig in den Ausgaben verrechnet wurde. — Bruch-: 
bis 1798 alljährlich auf Schloss Kjburg abgehaltenes 
zweitägiges Mahl, zu dem alle hoheitlichen Beamten, 
viele Gäste aus der Grafschaft und aus der Verwandt- 
schaft des Landvogts eingeladen wurden und das mit 
allerlei Spielen schloss; vgL ZWthur Neuj. St. 1886, 
13/4. — Bruederschafts-: Mahl einer (religiösen) 
Bruderschaft Aufgezählt neben ,Gc8ellen-MähIern.* 
1683, URq. — Brunne^-Möli: Mahl bei der Bech- 
nungsablegung des sog. ,Brunnenmeisters* an die 
,Brunn6ngeno8senschaft* ZZolL — Büebli-Mäl: all- 
jährlich im Frühling und Herbst auf der Zunft der 
,Metzger* abgehaltenes einfaches Fest, das in drei 
Gabenverteilungen an die Armen und ein Gastmahl 
der Zünfter zerfällt BStdt; vgL B Taschenb. 1862, 
155 f.; Durheim, Beschr. 162/5. , Während früher auf 
Neujahr bei den Botten [Zunffcversammlungen] und 
bei der Waffenschau Mahlzeiten gehalten wurden, 
haben sich auf Metzgern einzig noch die beiden Rüebli- 
mäler erhalten.* B Taschenb. 1866, 434/7; 442/4. ,Die 
Rübli- und Metzgermähler sollen eingeschränkt und 
nicht mehr als 6 Ztr Fleisch und 6 Mütt Dinkel dazu 
verwendet werden.* 1693, ebd. — Röche"-: Mahl bei 
der Ablegung eitaer Rechnung oder Rechenschaft; eine 
solche gab der Amtmann z. B. den ,Rechenherren* 
ScnSt. S. noch Bechen-Gdt Bd II 260. — Ufricht- 
GnD.; Soh; Th; Z, 'Hchter- ScoHa., -richti' S, -richts- 
Bs: Mahl, das der Eigentümer eines neuen Gebäudes 
den Zimmerleuten und Maurern, sowie den helfenden 
Nachbarn und Dorfgenossen nach der Ufriehti [Er- 
richtung des Dachstuhles] gibt; Sjn. Ufrichteten. In 
LSerop. leisten auch die Nachbarn Beiträge an Speisen 
nnd Getränken; vgL JBölsterli 1867, 104; HsHerzog 
1884, 266. — Richter-: Mahl der Gerichtspersonen. 
,Us'geben r. [der sog. Landrichter] an gelt 5 Ib.* 1537, 
ZGrün. Amtsrechn. ,Der Richtermähleren halber ist 
unsere Erlüterung: Wann neuwe Richter an unser 
Stattg'richt erwellt werdend, dass dennmalen die zwen 
neuwe Richter zu ihrem Antritt ald Ynzug kein Mahl- 
zyt nit, sonder beid mit einanderen nur einen be- 
scheiden liehen Abendtrunk halten [sollen].* Z Mand. 
1650. ,Wir verbieten, dass an die Richtermähler keine 
andere Personen mehr als die jederweiligen Richter 
geladen werden.* ebd. 1680. ,Das r. für beide rate und 
das gericht sammt ihren wyberen [soll bleiben].* 1509, 
Wild, EgL — Landgerichts-: Mahl der Land- 
richter im Thurgau. ,Es will auch das Landgericht 
die vier ordinari Landgerichtsmähler fallen lassen.' 
16*26, Absoh. — Ufritt-: Mahl, welches der neu auf* 
ziehende Amtmann seinem Ehrengeleite gab. ,Der 
Ufrittmähleren halb habend wir gesetzt, dass fürhin 
Niemand an solche Ufrittmähler solle geladen werden, 
dann nur Diejenigen, welche an den Ufritt geladen 
sind und mit dem G'ritt ryten worden.* B Mand. 1628. 
— S ihn er-: Mahl des sog. ,Siebn erger ichts* [eines 
Civilgerichtshofs] ü. ,I)ie Fünfzechner- und Sibner- 

11 



163 



Mal, mel, mil, mol, mal 



164 



mähler abzaestellen.' 1625/56, Gfd (für ü). — Sech- 
ser- Mal: Mahl, das ein neu gewählter Znnftvorstand 
(fSSchser*) seinen Kollegen gab; ygl. Geering 1886, 106. 

— Seckel-: Mahlzeit bei Abnahme der ,Seckelamts- 
rechnung' (vgl. Bd I 245). ,Als anzng ist beschechen, 
ob man well das s. abstellen und eim für das mal 5 ß 
geben, oder ob man das mal well in einem wirtshus 
haben, damit zuo verhüeten unnützen kosten, der in 
yil weg mit essen schicken [vgl. Bescheid-Essen] and 
in ander g'stalt nflonfe.* 1519, Eeu, Acten. — Ge- 
sellen*. Jch will dich euch laden, dassda nf sonntag 
nf den [Linden-] hof kommest; da werden gnot gesellen 
znosammen kommen und ein g's. da haben.* 1522, 
E«Li, Acten. Ygl. Schenki, — Senne"-: Mahlzeit an 
der Sennenkirchweih SchwW.; vgl. Schwzd. 35, 32. — 
Süser-: in der Sanserzeit von Vereinen (Zünften 
ZStdt), Privaten und spekulativen Wirten veranstal- 
tetes Mahl, wobei neben Schweinefleisch und Sauer- 
kraut der Sauser eine Hauptrolle spielt Z. Dergleichen 
Mähler scheinen schon früh üblich gewesen zu sein, 
wie eine Verordnung von ZEgl. beweist (XVI. Jhdt), 
laut welcher in der (Ernte und) Weinlese den Ver- 
ordneten der Lohn (offenbar st eines Mahles; vgl. Wild 
1888, I 109) entrichtet werden sollte. — B'setzi-: 
Mahlzeit der Wahlbehorde bei der Ämterbestellung 
GnPr. Betr. die , Besatz ungsmäh 1er* im alten Luzern 
vgl. Liebenau 1881, 203/4. — Gescheids-: Mahlzeit 
des ,GesGheidsS d. h. des Gerichts über Grenzstreitig- 
keiten. ,Dass die SSchser-, Statt-Ehegerichts-, wie 
auch die neulich eingeführte Gescheidsmähler auf die 
seit etlichen Jahren eingerissene überkostliche Weis, 
in sonderbaren Häuseren oder auf den Zünften, keines- 
wegs mehr gehalten werden [sollen].* Bs Mand. 1658. 

— Schüeler-: jährliches Festmahl der Schuljugend 
von AaL.; vgl. JMüller 1867, 157. — G'schwornen-. 
,Als ich den 6. Jenner Vogt und sechs G*^9chwornen 
[Dorfvorstehern] und Weibel das G*schw. gäbe, kostet 
es mich 7 fl. 13 ß.* 1692, Tageb. Zuber. -< Sperber- 
= Vogd'M, ,Wegen des Sp-s soll der Landvogt für 
jeden Markt mehr nit als 20 Pfd verrechnen.* 1653/4, 
Absch. — Stuben-: Mahlzeit auf den Zunft- und 
GescUschaftsstuben. ,Wann die Stubenmeister zu 
gemeinen St-Mälem Wjn uf Borg nSmmend.* B Ge- 
richtssatz. 1715 und ähnlich ebd. 1721, 95. — ,In- 
stand-: Willkomm, adventorium prandium; aditialis 
coena, quae in aditu bonorum datur.* Denzl. 1677; 
1716. — Stür-: Mahlzeit, welche bei oder nach dem 
Bezüge der Steuer stattfand. 1540/73, UMet., Wthur. 
Chr. Vgl. Zdmten-M. — Tue hei-: Mahlzeit beim 
Fang von Haubentauchern. ,Disen tag, da im Züricher 
gebiet, g'wonlich in der mitte des augstmonats im 
Gryffensee, ein grosse vile von dücheln gefangen wird, 
nennend diesolbigen leut dücheltag und das mal, so 
sy nach dem fang mit einandern essend in des vogts 
haus, düchelmal.* Vogelb. 1557; vgl. HSchinz 1842, 
275. — Tauf- (in ApH., M. Täufer-, in GrD.; Schw; 
Th; Z Taufi-J: Kindtaufschmaus. Das Fest wird am 
Tauftag oder später, in neuerer Zeit für mehrere Kin- 
der zusammen, gegeben GrD. Wie bi-mene* T., reich- 
lich, herrlich und in Freuden Schw. ,Die Taufmähler 
[sollen verboten sein], ausgenommen ein bescheiden- 
lich Mittag- oder NachtSssen der Hebamm und denen 
Frauen, die in der Kindsnot beigestanden.* Z Mand. 
1718. ,Ehedem wurden in der Stadt sehr kostbare 
Taufmähler gehalten, die nun auch abgeschaffet, auf ' 



der Landschaft aber noch gebräuchlich sind.* Hbrrlib. 
1751. Vgl. noch lAcheti-M., ferner Gotth. XV 87. — 
Nach -Taufe- = Chüechieten 3 (s. Bd III 145). Z 
Mand. 1718, 8. — Donnstags-: auf den Donnerstag 
fallende Festmahlzeit der Bäte von AaL. (bis 1614); 
die Kosten wurden aus der Bussenbüchse bezahlt; 
vgl. JMüller 1867, 156. — Torggel-: Festmahl nach 
dem Keltern der Trauben, zu welchem auch der 
,Torggel-Meister* zu Gast geladen wird Gr; s. Tsch. 
358. Vgl. die synn. TroU-M., Trunten, — Tote°- = 
Gräbt-M. nBs;** Gl; Gr; L; G; Z (wo auf dem Lande 
ausser den Verwandten auch die ,Träger* eingeladen 
werden). Nach dem Mahle knieen alle teilnehmenden 
Verwandten nieder, um für den Verstorbenen zu beten 
L. Betr. die Ausartung der Totenmähler vgl. T.-Fresaen 
Bd I 1324, ferner B. II 72. ,[ Verbot] dass man einiche 
totenmäler uf jarzyten und begengknussen der abge- 
storbenen meer halte.' 1596, L Verordnung; vgl. Gfd 
X 236. ,Nach der Leichpredigt werden, wo das Ver- 
mögen zureicht, weitläufige und kostbare Totenmähler 
gehalten, so vielen hierum von Zeit zu Zeit errichteten 
obrigkeitlichen Verordnungen zuwider.* Herrlib. 1751. 
S. noch Germ. XI 1 ff. — Trunten- s. Tfunten, — 
Truesen-. ,£in feisst maal, ein tr., von feissten, aus- 
getrueseten dingen.* 1548, Jes.; dafür 1531: ,ein feisst, 
kostlich, säuberlich maal*; 1882: ,ein fettes Mahl, ein 
Mahl von alten Weinen, von fetten, markigen Speisen, 
von alten, geläuterten Weinen.* Vgl. woi-he-marget, 
— Trott- = Torggd'M. AaB.; Z. ,Klage wegen Ver- 
vielfältigung der Trottmähler, wie dass nämlich alle 
Teilhabere einer und derselben Trotten sich anmas- 
sind, sich bei selbigen einzufinden, da doch zu einer 
Trotte eigentlich mehr nicht als nur ein Mann ge- 
höre.* 1765, ZWein. -- Wöber-: alljährlich oder alle 
zwei Jahre an einem Sonntag gehaltenes Familieu- 
mahl, wenn der (ebf. eingeladene) Leineweber das aus 
dem Eigengespinnst hergestellte Tuch bringt ZSth. 
,Dass alle und jede Liechtstubeten und die sogenannte 
Webermähli hochoberkeitlich vorbotten sein.* HDienkr 
1863 (ZOGlatt). — Weibel-: Mahlzeit, welche der 
Vogt von ZGrün. den Gerichtsboten gab; stehende 
Ausgabe in den betr. Amtsrechnungen. ,3 vtl fueter- 
haber brüchtend die weibel sammt andern, aln ich 
das w. gehept hau.* 1547, ZGrün. — WSber-: eine 
alle 2—3 Jahre stattfindende Lustbarkeit der Frauen- 
welt eines Dorfes Aa; Z. Die Frauen versammeln 
sich dabei im Hause derjenigen von ihnen, die als 
,Wiber-Hauptmann* bezeichnet ist, und werden dann 
mit Musik ins Wirtshaus zu einem Abendessen ab- 
geholt, dessen Kosten aus der ,Wiber-Kasse* (s. Bd III 
501) bestritten werden. Nachher stellen sich auch 
die Männer ein und das Fest schliesst mit Tanz ZKn. 
,Dass die ein Zyt her brüchig gewesnen Wyber- 
mäler und andere unverschämten Nachzöcheten aller- 
dings abgestrickt syn söllint.* Z Mand. 1636/50. — 
Chilchwich Ghübi-: Mahlzeit am Kirch weihsonntag 
SoHW; U. ,Statt des Kilbi-Mahles, das die Obrigkeiten 
jährlich ein nicht Geringes gekostet hat, soll fortan 
der Landvogt den Priestern, Prädikanten, Schulmei- 
stern und Messmern jedem 6 Btzn geben und damit 
soll das Mahl abgestellt sein.* 1626, Absch. (GBh.). -— 
Äsche<>-Mittwuche"-Mäli: Zunftessen der ,K&uf- 
leute*, ,Hau3genossen' und ,Krämer* am Aschermitt- 
woch BsStdt— Wolf- Mal: Mahlzeit nach glücklich 
abgelaufener Wolfsjagd; so z.B. 1557, BSigr.; vgl. 



165 



Mal, mel, mil, mol, mul 



166 



BärenrMal, Wolfs-Oam Bd II 425. J)en Jagdtag be- 
schloss ein Wolf- oder Barenmal, dessen Hauptbestand- 
teile Wein, Brot and Käse waren/ Haobnb., Sigr. — 
Wümmer- = Chrä-Hanen (s. Bd n 1308) am Schlnss 
der Weinlese Z. — Glück-Wunsch-: Festmahl zu 
Ehren von Gratulanten. ,Wann je Einer, so uf ein 
nsser Amt gesetzt wird, synen Verwandten und Nach- 
buren, den Mannspersonen uf sjner Gesellschaft und 
den Wyberen im Hus ein Gl. halten und geben wollte.* 
BMand. 1628. — Wuer-Mäli: jährliches Festessen 
der Basler und markgräflich badischen Behörden, denen 
die Aufsicht über die Wasser- und üferbauten am 
Wiesenfiuss zustand; das Mahl fand am Martinstag 
nach Abwicklung der gemeinsamen Geschäfte zu Klein- 
Hüningen Statt und die Fischer mussten dazu einen 
Lachs liefern; vgl. W.-Essen Bd I 528. — Gemein- 
wSrks-: auf Kosten der Stadt veranstaltete Mahlzeit 
der Bürger, die zur gemeinsamen Arbeit am Gemeinde- 
land zskamen. XVIII., AaL. (bis 1745); vgl. JMüller 
1867, 156. — WTirat' = Oräube^-,Metzgi'M. Aa; B; 
G; Th; Z. Es war üblich, auch den Dorfschullehrer 
einzuladen B; Z. Die Hauptspeisen bilden im AUg. 
sog. .Voressen*, Blut-, Leber- und Bratwürste und ein 
Braten vom geschlachteten Schwein; Verwandten und 
Nachbarn werden ebf. Würste oder eine Schüssel mit 
Suppe und verschiedenen Einlagen ins Haus geschickt; 
vgl. Metzgeten; (verkleidete GWe.) Kinder und Bettler 
kommen vors Haus und singen, um beschenkt zu wer- 
den, das Chrummbein-Lied (s. Bd HI 1096/7); in GWe. 
klopfen sie und miauen ; erhalten sie Nichts, so singen 
sie: '8 stBcket «" Gappk^ in der Wann*; vfenn er is 
Nüt ffinn, isch e* Schann*» Das Landmädchen erzählt 
vom Abendessen in der Stadt: Fürwör, i€ie am e W. 
isch es g's*»; grüe^'s Heischt und StOdcli [Schnitze]« 
Suppen, Brot und Wi: Stütz. Zuegä» wie ff TFatt 
[einem Z Dorf] am W,, unordentlich, drunter und 
drüber; in Saus und Braus Z. ,Fründligkeit und 
Gastfrye üebend die Landlüt mit einanderen mit Ürten, 
Wurst^ und Hochzytmäleren.* JEOeger 1606. <Sdt g^möx- 
get und 's Würstmol g'ha\ Gespr. 1712. S. noch 
Chessdi-Fleisch (Bd 1 1222), Schwzd. 33, 52/6; PHWolff 
1881; JMüller 1867, 162. Dem Wurstmal geht (z.B. 
in ZZoU.) das Bluettcürst-Versueeke^ um ein paar 
Stunden voraus. — Wisi^gs-: Mahlzeit, welche 
ehemals im Kloster Fahr [welches früher die Grund- 
herrlichkeit besass] nach dem jährlichen Maiengericht 
gehalten wurde ZWein. — Fünf-Z8chner-: Mahl- 
zeit des Fünfzehner-Gerichts Ü f; vgl. SUmer-M. — 
Zins ZeiS'Möli: Trinkgeld, das in üblicher Weise 
der ,Zinsherr' dem Überbringer des Zinses gibt und 
das an die Stelle der frühern Bewirtung getreten ist 
ZW.; ygl Z.'Brot. " ZShnten-: (reichliches) Mahl, 
das der Zehntherr alljährlich den Zehntpflichtigen zu 
geben hatte; vgl. Seg., RG. II 768; ferner ebd. I 536. 
N. N. habe ihm gesagt, er gedenke 120 Jahr und habe 
nie anders gehört, als dass Jeder, der eine Garbe zu 
Zehnt gab, an dem Mahl essen helfen dürfte ,und soll 
ein erlichs mal syn, gesotten und gebraten und Sssen 
und trinken genueg.* Es wird festgesetzt, damit das 
Z. ,nicht ungebürlich gebrucht werde, soll [das Klo- 
ster Schännis als Zehntherr dafür] 2 pfd hlr geben 
können.* 1489, LWinikon. Beim Z. der Gemeinden 
Bonstetten, Birmenstorf und Stallikon sollen auf jeden 
Pflug zwei Personen am Mahl teilnehmen. Wer keinen 
Pflug hat und ,mit der howen rütinen macht', soll 



ebenfalls zum Mahle das Recht haben. 1521, Eqli, 
Acten. Die Beschwerde des N. N., als Inhaber des 
Zehntens von Oulens, dass diese Gemeinde prätendiere, 
er müsse beim jährlichen Ausruf des Zehntens den bei 
der Steigerung Anwesenden ein Gastmahl oder aber 
20 Florin geben. 1585, Absch. — Hoch-Zit-, Hoch- 
sig-, Hösstig-: Hochzeitsmahl. ,Für ein H. soll ein 
Mann bezahlen 1 Pfd 2 p, ein Frau 18 ß; doch ver- 
steht es sich, dass auf den Tisch Nichts solle bezahlt 
werden.' Bs Taxordn. 1646. A H. asa mit Voressa, 
Sau- und Bindfleisch, Bittot- und Libertoürst oder 
Brotis? KoRNHOFER 1679. ,Offentliche Hochzeitmähler 
an Sonntagen.' 1700, Ap Synodalprot. ,[Die Teilnahme 
an] Hochzeitmählern ist höchstens bis 50 Personen 
[gestattet].' Bs Mand. 1758. S. auch noch Gfd X 242. 

über-möle**: refl., an einem Mahle des Guten zu 
viel tun AAp.f ,Wenn si«'^ Eine' übermölet, dass [es] 
zum Hergd" chunnt, ist die Buoss 1 Pfd ß.' 1604, Aa 
Wohlen Dorflibell. 

malSder (bzw. -öder) Aa; Ap; Bs; VC; G; Scb; 
Th; Z, mdläderig Ap; B; Z, malaterisch ZWäd. (neben 
malddi), ^tmalöd" : matt, abgespannt (bes. im Infektions- 
stadium von Krankheiten), vorübergehend unpässlich, 
kränklich, krank, von Menschen und Tieren, 's ist 
mer (i^ bi*) m, ZF. In einem Spottvers auf die 
Schneiderinnen heisst es: die drittistm*, die viert ist 
nüd gesund ZStall. S. noch Chatz Bd ÜI 588. 

Ans dem frz. nudade, tw. Tiell. anter Einflass des syn. 
marodi; wie Dieses eines der WW. aas der Zeit der fran- 
zösischen Dienste oder Tiell. der französischen Invasion. Die 
End. er scheint nach Analogie deutscher Adjj. angef&gt. Der 
Accent ist schwankend: «^ (so in ÄaF.; Bs; ZS.) oder ge- 
wöhnlicher hl. 

malass: sich übel befindend, schwach Ap. 
Gleichen Ursprungs mit dem Vor., jedoch unter Einflass 
Ton maktz, MalcM; doch Tgl. auch frz. malaiw, 

malanebe" : einem Pferde die Kauzähne absägen S. 
Wie men uf e Ghauf dlti Boss färbt und malaucht. 
Schild. 

Malanse** f.: 1. die Traubenkirsche, prunus Padus 
Gr; GO. — 2. Spottname der Bewohner von GVättis, 
wo die Traubenkirschen sehr häufig sind GO. — Betr. 
den etym. Zshang vgl. das Syn. Lan Bd III 1416. 

malaz Bs (Spreng), neben mdlotsch und neuerm 
malz(ig), ,maliz.* Lüt. 1860, sonst in der Lit. ,malazig* : 
aussätzig. Usg'seh wie-n-en Malz Bs f. ,Du malotzigor 
kcib!* Schelte. 1381/1420, L Batsprot ,Die Bettler 
und die Malizen soll man allenthalben vom Lande 
fern halten.* 1491, Arsch. S. auch noch ,malz(ig)* 
bei Gr. WB. 

Malaz t, bzw. MaJazei, Mcdzl, -ei — f.: Aussatz, 
ä. Lit. Betr. den Glauben, derselbe könne durch 
Einderblut geheilt werden, vgl. Ansh. * 233. Bildl. : 
,Er nimmt hin die Malatzj der Sünden.* B Synode 1728. 

Mhd. maHmzi mit verschiedenon NblF. ; Tgl. ,Malzei* bei 
Gr. WB. .Mala- (bzw. ,Ma]e-', ,Ma]i-*)zt% bzw. ,-zei' ist in 
unserer &. Lit. die h&aflgste Form, seltener sind ,Malzl* (bzw. 
,Malzei'), z.B. Tierb. 1563; Fris.; 1571, Absch. und noch 
bei Wurstisen 1765; ,malitz.' Tierb. 1568. Zweifelhaft ist, 
ob nicht venerische Krankheiton in späterer Zeit, als der 
Aussatz im Schwinden war, darunter Terstanden wurden ; vgl. 
darflber Gfd XYI 239. Unser W. steckt in dem Namen ,Malz- 
gasse* in BsStdt; Tgl. Bs XIY. 103 und Bd II 452. Vgl. 
,Malz-HaIden*, Flurn. AaEhr. ,Malizmos.' 1450, SchwTngg. 



167 



Mal, mel, mil, mol, mal 



168 



MiUi- in YerwflnschaDgen wie M.-Flueeh, -Hagel, -Cheib asw. 
ist wahrsch. euphem. Entstellunsr aas unserm W. ; scboo in 
der mhd. Periode galt mcdaz als basswürdiges Scheltw. ; vgl. 
das ebf. als Scbimpfw. verwendete Siech (= Sondernech). 

Maledl f. : Verwünschang. .Es was nit syn heiiger 
segen, yil mer ein m.' BGlettino. 

mal edle' (in Aa -dete*): verwünschen, bes. im 
Ptc. begriffsverstarkond AaF. ; VO. E mdladiti Hex, 
Schelte anf ein Weib Zg. ,Der geist Christi bringt 
an das liecht die heimlich sünd und verborgene ma- 
ledyung der herzen.* B Synode 1532/1775. 

ver- = dem Vor., wiederum in participialer Ver- 
wendung, t. als Verwünschung, t. zur Steigerung Aa; 
Ap; VO; Gl; Gr; Sch; Th; Z. F. guet, schön, gross. 
E* vermcUedtter Baum, ein erstaunlich grosser Ndw. 
Es het m'r vermaJedit *grüset Sohw. Auch i. S. v.: 
schlimm, böse, arg GS. Euphem. abgeschwächt ver- 
malet Ap und so viell. auch vermal Ap; Sch; Th, ver- 
malaschiert Gr; GO. Mit Vorsetzung des verstärken- 
den un- GkPt, (w^vermal^dit). Vgl. das syn. verfluecht 
Bd I 1164. 

Vermal kOnnte auch aas fermaluch (s. Bd I 1015) ge- 
kürzt, vermalqachiert darch Yermengung von Letzterem and 
vermaUdit entstanden sein. 

malefiste* (in GRHe. -fische^, in Igis, üVatz -firste*) : 
an Wegrändern die Äste der Bäume und Sträucher 
zurückschneiden, was bes. vor der Heuernte geschieht, 
um für die beladenen Wagen den Durchgang frei zu 
machen Gr. Die Arbeit wird bes. durch Beamte (in 
Chur z. B. durch den Stadtknecht) besorgt, welche mit 
einem Wagen durch die Feldwege fahren und mit 
einem an einer langen Stange befestigten sichelförmi- 
gen ,Hagme8ser' bewaffnet sind Gr. Gestrüpp, Un- 
kraut ausreuten Gr (Eilias). 

YielL entstellt aus maUßtzen, indem die Instandhaltung 
und der Schatz der Strassen der gleichen h. Obrigkeit zn- 
stand wie auch das Malellzgericht, oder indem die Operation 
mit der Enthauptung verglichen wurde. ,-First* war eine 
naheliegende Umdeutung. 

Malefiz n.: 1. todeswürdiges Verbrechen; im wei- 
tern Sinn: Verbrechen, dessen Bestrafung der h. Obrig- 
keit zufällt, dann diese, bzw. die peinliche Gerichts- 
barkeit selbst; vgl. Osenbr., al. Strafr. 197; Tsch. 389. 
,Der bropst hat alle frevel ze richten bis an das ma- 
lefitzi, das gehört dem vogt zue.' 1518, ZEmbr. Offn. 
,Wir freien alle Bergleut, ausgenommen Übeltäter und 
die das M. angetast hat' 1530/69, Steinm. ,Es sagen 
die Alträte noch, wenn es um schwere Verbrechen zu 
tun ist: MHHn die Alträte sehen es als M. an.' Ochs. 
Substst. vorgesetzt i. S. v.: verflucht, verrucht als 
Schimpfname; vor Adjj. begrifTsverstärkend Aa; Ap; 
Bs; VO;Gr;G; Th; Z. En M. Kerli, Cheib, M, guet, 
ehalt, schon, umest. Mehr scherzh. m.-blond für rot- 
haarig Bs; S; Z. — 2. Kasse, in welche Bussen für 
Kriminalvergehen fallen. ,Der Vogt kann 8 oder 10 
Kronen aus dem M. verteilen.' 1525, Absch. 

malefizisch: der peinlichen, hohen Gerichtsbar- 
keit zugehörig, verfallen; vgl. Tsch. 389. ,Da Der- 
selbe wider Eid und Ehre gehandelt, die Sache somit 
m. sei.' 1537, Absch. ,Er soll dises schwert Gottes 
zucken und gebrauchen in alle m-en oder Übeltäter.^ 
II. helv. Conf. 1566/1644. , Bürgerliches oder m-es 
Halsgericht' 1587, Absch. ,1601 hat man angefangen, 
die m-en Weibspersonen mit dem Schwert zu richten.' 



Mem. Tig. 1742. S. noch gichten Bd II 112 und die 
Aufzählung der ,m-en Vergehen.* Z Beitr. IV 217; 1658, 
Absoh. Wie Malefiz begriffs verstärkend, einen hohen 
Grad bezeichnend Bs; Gr; Th; Z. Ein*^ m. s* Hände* 
nil». M, schwär, Jiärt udgl. 

vermale fizt: verhext, nicht mit rechten Dingen 
zugehend Schw. Steigerungsadv. (auch -fiz) AAWohl. 

Male» W, Mola"" PAL — f.: Tasche, in der man 
z. B. Esswaren aufbewahrt W. Lederner Mehlsack 
PAL Pelleisen. ,Der [im Land herumreisende] Fran- 
zose habe sein Malen als Pfand anerboten.' 1536, 
Absou. Auf eine Baden fahrt werden u. A. mitgenom- 
men ,die malen und rytbulgen [usw.].' 1566, BrOqger. 
,Hippopera, ein mallen oder bulgen, waatsack.* Fris.; 
Mal. — Wahrscheinlicher aus frz. mcdU (Reisekoffer; Fell- 
eisen) als aus mhd. malhe. 

Choslup-Mola": Kälbermagen (als , Käslab' ver- 
wendet) PAL — Vgl. die Bezeichnung des Magens als Sack. 

Malzte'' f.: Reisesack mit Schloss Zg. „Mit einer 
Schnur um den Leib befestigte Tasche, dergleichen 
es nur bei städtischen Weibertrachten gibt, wo die 
Taschen abgesondert [unter dem Oberkleide getragen 
werden] L; Zo." — Aus frz. malUtte (Dim. Yon maUe), 
R&nzel, Bettel-, Brotsack. Vgl. Anm. zu Mantchetu: 

mSle» II BO.; Gl; Gtw.; Th, anderwärts möic» — 
Ptc. g'male*: 1. mahlen (bes. Getreide in der Mühle); 
zermalmen, allg. (Jmdm) Bachen und M. abschlä; üf- 
säge*, in bildl. S. Gl; Z. Wenn d* China ivi BeU sind, 
ist wie Bachen und M. abg'schlage* Gl. Syn. vne-ne 
MtUli abg'steUt, In der Verrufung eines Ächters wird den 
Luzernern verboten, dass sie ihn ,nit mer enthaltend, 
weder hdsend noch hofend, malend noch bachend, en- 
hainen kouf, weder Gssen noch trinken gSben.' 1421, 
Seo., BG. ,In unser teutschen sprach sagen wir: Im 
ist m. und backen abgeschlagen, wenn wir anzeigen 
wollen, man habe einen gar verschuptet [Verstössen] 
und von der gemeinschaft ausgeschlossen.' LLav. 1587. 
,Die Alten pflegten von einem Solchen, welchem die 
notwendigen Lebensmittel abgeschnitten waren, sprüch- 
wortsweis zu sagen : Aqua et igni interdictum est, d. L, 
wie wir nicht unähnlich zu sagen pflegen, es seie 
Einem M. und Bachen abgeschlagen worden.' JHHott. 
1666. Der Chime* guet nache^ m., das Mehl so weit 
als möglich herausmahlen Ndw. Arbeiter, welche eine 
Arbeit in die Länge ziehen, entschuldigt man ironisch 
damit, ,das6 sie halt eben denken, so lange man mahle, 
gebe es Mehl* ZW. Z'm. fare*, Getreide in die Mühle 
führen, um es sich für^s Haus mahlen zu lassen Ndw; 
Syn. z' MiUli fare* (gä*); vgl. Ndw Kai. 1889, 5. 
,Die8e, jene Frucht malet so oder so viel, heisset: So 
oder so viel, z. B. Halbviertel Korn, von solcher Frucht 
geben so oder so viele halbe Viertel rechtmässig ge- 
mahlenes Mehl.* AHöPFN. 1787, 65. Es hed-nen g'rad 
g'male*, hat ihn, bei einem Unglücksfall, förmlich zer- 
malmt Gr. ,Gemalen [zerrieben] Gold oder Silber ans 
der Federen zu schreiben. Nimm ein Blatt fein Gold 
oder Silber, reib je eins nach dem andern.' a. Bbzbpt- 
RUCH. — 2. mühsam, mit sichtbarer Kaubewegung, mit 
den Zähnen zermalmen, kauen; wiederkäuen Aa; Bs; 
B; VO; Sch; „S;« Th; W; Z; Syn. mäuwen; vgL 
XSchnider 1782, 113. As Bitzji z' wenig z* m. ha; 
zu wenig zu essen W. Hoch m., ohne Appetit an 
Etw. herumkauen, als ob man zu lange Zähne hätte 
Aa; Syn. hoch chiXwen (s. Bd II 972). ,Wenn *8 ein 



169 



Mal, mel, rail, mol, nml 



170 



vorgestriges Brötchen ist — macht Nichts, er hat nnr 
desto länger daran zu m.* Gotth. E* Teü Chile föt 
scho* a" I». und leit-si^^, Breitenst. Es lit und malet, 
das Ding ist einstweilen abgetan. Ineichen. 

Mhd. maln in Bed. 1. Von dem schwachen Yb male* hebt 
sich uQser W. tw. auch im Präs. Ind. ab (mäUt, mHlt : mcUuit, 
malet) Th. Aas der &. Lit. sind bemerkenswert: ,So man 
melt [in der Mühle].' XIV./XV., Seh Stadtb., das Prftt. ,muo- 
lend.' HBall. 1572, das Ptc. ,gemahlet' (doch nar in der 
Verbindung mit ,gobachet'). HsEEscher 1692. 

abe**-: 1. heruntermahlen, z.B. Obst mittelst der 
Mühle Th; Z. En Track a, -— 2. hastig essen, ohne 
recht zu kauen, hinunterschlingen Sch. 

ver-, zer-= malen 1, mit verst. Bed. [Hafer] in 
chleini Ckömli vermale*. Hebel. ,Dass er das bild zue 
stucken schlahet, ja gar zermalet.* RGuälth. 1559. 
S. noch ver-chnütschen Bd III 773. 

dur''^-: lose Zss., eine Mühle die ganze Nacht 
hindurch laufen lassen Z ; vgl. durch-spinnen u. ä. Zss. 

Maler 11 m.: 1. Mühlknappe Aa. In dem Spott- 
vers auf die Müller: Muller, M. usw. (neben Müller, 
Mil^'er). — 2. wer Getreide in die Mühle zu mahlen 
gibt ,Die maier zu Bürren sind 'twungen, an die 
müli gan Bürren ze malen ze gen.* 1460, L Hq. ,Dass 
man ein mülli nit verpfenden mag, dann dass sye den 
malern male, noch dem und sye des notdurftig sind.* 
1490, LRotenb. 

Malete" f.: so viel Getreide, als man auf einmal 
mahlt oder mahlen lässt Sch; Z; vgl. Bacheten, Mali 
(s. Med 1 e). 

Us-: geringeres Mehl, so wie es beim Mahlen in 
der Mühle nach den bessern Sorten, doch noch vor 
der Kleie, herausgebeutelt wird Ap; Bs. 

Mali f.: 1. Vorrichtung zum Mahlen, Mühle, Mahl- 
gang Ndw. ,Die müle zu Triengen soll hau zw6 malen.* 
1460, L Rq. ,Wil derselb [Brief] einzig von einer 
Malen und einer Bellen spreche.* 1625, SchwE. — 
2. auch Mali*g = Gheri 4 (s. Bd III 441) beim Mahlen, 
das Mahlen S (nur in bildlichen RAA.). Ä* d' M. 
cho*, (über Etw.) aufgeklärt, klug werden. I«* toill-ech 
scho* a* d* Mali*g bringet [gefügig machen], jetz wei 
mer '« lo* drüf ab cho*. Schild. — 3. (in L, It Ineichen, 
MaU*g) das wiedergekäute Putter im Maule des Viehs 
,Aa;** B; „VO; S.« Syn. Mäui. 

Ditti-Maler: Name des Wolfsmilchschwärmers, 
bzw. der Raupe Bb. 

Aus lat. tithymalns, dem Gattungsnamen der Wolfsmilch- 
arten; vgl. auch MiUmalen bei Schni.-Fr. I 1588, ferner 
Muni-Mälen. 

malere** II: unpässlich sein B. — Von frz. mal, mit 
deutscher Endung. 

nialiflgg: prächtig ZO. — Aus frz. magnifKiue. 

MaliO m., PL Maliö: Schuft, Schurke Ar. Stei- 
gernd wie Malefiz, z. B. m. schö*. ebd. 

malitzig: mürbe, trockenfaul, von Obst TuWeinf. 
Syn. maucih, mänig. 

Vgl. mhd. mah, weich: doch muss sich das W. an ma- 
laziy angelehnt haben, indem die Trockenfäule als Krankheit 
auTgefasst wurde. 

Malmasy m.: Malvasier. 1450, B (Gfo.). — Zu mhd. 
malmaHer. 



Maloggi: Schimpfw. 1. (auch Malöggis) m., wider- 
licher, unreinlicher, einfältiger Mensch L. — 2. f., feile 
Dirne üwE. 

Zu Grunde liegt viell., von Söldnern heimgebracht, it. 
maloticOf Nbf. von maliyno, böse, viell. auch mal' occhio, böser 
Blick, dann Mensch mit einem solchen. Viell. ist es aber 
nnr Parallel form zu Galoggi oder mit Mbggd zu vergleichen. 
Die Endung U wie in GäuggU u. A. 

Ma1fln(e*'), in AAHold. Molüne*, in AAF.f Madlüne* 
— f.: Melone Aa; Zg; ZKn. Gemeiner Kürbis, cuc. 
pepo Aa; Bs; S; Z; spec. eine Varietät mit grössern 
Früchten GG., S. „Flaschenkürbis, cuc. lag. L." Von 
einem Menschen mit einem vollen Gesicht heisst es, 
er, habe ein Gesicht ,wie eine M.* Z. 

Aus Mdone. Ä in der ersten Silbe scheint schon alt zu 
sein (schon bei Haffner 1666, I 135), daneben erscheint 
aber auch e (vgl. Guggummeren Bd II 191); der Vocalwechsol 
wie in Maliate*, Barügge*; zu dem in der zweiten Silbe vgl. 
Katün^ Dragütier. Es mag Anlehnung an Malünen (Bd I 174) 
vorliegen, zu dem viell. auch der gleichlautende Neckname 
der Bewohner von LEbikon gehört. 

Maliins (neben Meluns, Malum, -lonz, in GT. Ma- 
lutz, in GSa. MoUunz): 1. „n.** (nach neuern Angaben 
m.), Gericht aus Mehl, spec. Maismehl (Türgge*'M.) 
oder ßuchweizenmehl fHaid<}*'M.J, das, oft mit zer- 
riebenen Kartoffeln (Hh'dbire*'M.), in Butter geröstet 
wird GSa., T.; bes. aber Gr, wo das (oft mit kaltem 
Wasser übergossene) Gericht die Nationalspeise bildet; 
Syn. Rihd, Bösti; vgl. G^-mügel (Sp. 115), BibelTiJ- 
Suppen, ferner Lehmann 1799, 2(57. — 2. du arme*" 
M., leichte Schelte, i. S. v.: du armer Tropf Gr. — 
Aus dem RAto-rom. 

Malunsi m. En trockner M., Schelte auf einen 
wortkargen, einsilbigen Menschen GRChur. 

Malara: Zerfall, grösste Unordnung Gr. In M. 
»i«, (la*) ga*, richtet. 

Aus r&to-rom. ir in malur, zu Grunde gehen; in mehr 
frz. Form: ,In Malhor und Ruin gestürzt.* AKlingl. 1693. 

Muni-Mfile" m.: Schmetterling (iaThusis. Vgl. 
Anm. zu Ditti-Maler. 

Mali n.: Name des Schafes in der Kdspr., nach 
seinem Kuf Z. 

„Manlete" f. : Durcheinander von schlechtem Zeug 
Sch. Wenn der Schlächter z. B. viel Zutaten zum 
Fleisch schickt [vgl. In^igei\ so sagt man : Es ist tW 
so a itf." — Viell. zu der Gruppe mauio gehörend, also so 
v. a. das Zusammengekaute, sc. Gemisch. 

Md: Personenname, Emanuel Gl. 

Melampesm.: Schelte auf einen langsamen, trägen 
Menschen oder ein solches Tier Ai»K. 

Ob der grioch.-lat. Männer- und Uundenamo ,Mclampus* 
(eig. Schwarzfuss) aus gelehrten Kreisen ins Volk gedrungen, 
etwa mit Anlehnung au lumpen f 

Melancholei f.: Geisteskrankheit übh.; so von 
Einem, der sich für Elias hielt. JGross 1G24. 

Meli I: Personenname, l.m., Emanuel Soii; Tii; Z; 
vgl. Mel. ■— 2. n., Salomea „Aa;" Bs; B. 

311^1111: Personenname, l.m,, Melchior Bs; Z. — 
2. n., Melanie AaK., L.; Z. 

Meli III n.: Name einer geologischen Schicht. ,An 
dem andern Ort ist wieder ein Roterz l*/« Schuhe und 



171 



Mal, «el, «iL «ol, iuqI 



172 



über deinHclben das M., ungefähr von 4 Schnhon. Aas 
der Yermischnng dieser drei Arten: Kot, Schwarz und 
M. wird der Stahl gemacht/ JJScokuchz. 1746. 

Wabrsch., wie die beiden andern Ausdrücke, der Name 
einer Farbe, viell. unserm meliert (aus frz. tneU) entsprechend. 

Meli- Meli in. = Titti-Maler GRThusis. 

■eliere°: 1. sich einmischen Bs. Es gab i* der 
Schwiz tf" gruslige' Chn'eg, wenn «• Kanton «»''* tcett 
in andei'i m, 's duet Niemeds «'** girn m. dr%*, denn 
's soll nit Alles süfer Hn-itn s%*. — 2. Ptc., gemischt, 
YcrHchieden von Farbe und Zeichnung, von Zeugen 
G; Th; Z. Verächtlich werden Bücher ,m-e8 Papier* 
genannt. UBrIooer 1777. — Aus frz. (»e) meUr. 

melllge"! nur in der reimhaften Abweisungsfonnel: 
Seheilige*, m.! holla, da wird Nichts daraus ZBauma. 

Melisse" I: nur als PL, Gartenmelisse, meL off. ZO. 
,Mali88en (melissen), ein kraut, melissophyllum.* Fris.; 
Mal.; 8. noch Frauen-Chrüt Bd IIl 892. — Gold-: 
monarda did., eine Garten Zierpflanze B. 

Melisse" II, nur in der RA.: M, spüe*, das Loos 
ziehen bei der Rekrutenaushebung Uf- — Name nnd 
Sache sind fremden Ursprungs (frz. müice, it müizia). 

melitiere" Bs, melidiere* S, malatiere* PAL: ver- 
dienen. Du hesch 's, mi Sex, nit melitiert. 's schön 
Ämmereili melidier d'r Dursli zue M"*m Ma**. Schild. 

— Aus ,merlticrcn*, frz. mMter, it. mcritare. 

meiliseh: mailändisch, von der Münzwährung. 
,8 pfd m. für ain mark zu rechnen.' 1297, Kind, Urk. 
, Einen m-en grosen.* 14(^3, Seq., RG. — Von der altern 
Form des StAdtnaniens (Mailan, Meilen) aus gebildet. 

Meilen m., Diin. Meüöneli: Litzenhäuschcn, Auge 
aus Glas für die Fäden in der Bandweberei BsStdt. 

— Aus dem gleichbedeutenden frz. muitton. 

Milantsch, neben Milentschm.i Blutwurst PAL — 
niilantsche", hivf.müentsch^*: Blutwürste machen. 

ebd. — Aus it. migUaccio m., dass. 

Milli n.: Mädchenname, Emilie Bs; Z. 

Milling m. = Meidet. Manoolt; Fischb. 1563. 

Daneben die Form ,MülIing.' ebd. und 1469, G Hdschr. 
Das W. soll It Flschb. elsässisch, nach Siobold dagegen zür- 
cherisch gewesen sein. Die Form ist offenbar aus ,Midling' 
durch Assimilation entstanden; vgl. Midel-FUcK Bd I 1102. 

Million n. L, sonst f. Der Gen. i. S. v. verwünscht, 
bes. auch in Zss., dann steigernd B; G; Z. En M-e*- 
Siech, von einem erzschlechten Menschen Th. En 
MsKerli, M-s guet. Oppis M-s mache*, abstelle*, eine 
verfluchte Geschichte anzetteln, einen tollen Streich 
ausführen B; vgl. (oppis) Tüßigs. Potz M.! B; G (so 
auch bei UBrägger 1780), potz Müliönli 7i (Studenten- 
sprache), ^Joi^ Millionen- Cheib ! Z, roher Ausruf der 
Verwunderung. — Das Ncutr. nach Analogie von Hundert, 
Tutend (Tusig). 

Millionär m.: Bezeichnung der Levkojen-Stöcke, 
welche sehr viele Blüten hervorbringen ZStdt. 

millionisch, milliönisch: Steigerungsadv. Aa; 
VO; Tu; Z. M. heiss, guet. P* ha* mi''^ m. a*- 
g' schlage* Aa. 

milttftrle": Soldat spielen, von Knaben; von Er- 
wachsenen und Behörden: das Militärwesen allzu 
eifrig pflegen Bs; Z. 



Mllo: Handename L. — Wohl der bekannte griechische 
oder römische Eigenname Milo. 

Mol Mol Bs; L; GKh.; Z (im O. mit dem PL MoOe*, 
Dim. Moli, in Zoll. Mal, im 0. auch Ol), M6U ApH. ; 
Gl (PL Motte*)', L — ■. (in Ap; Gl; L f., in Gl; Z 
auch m.). Maul (PL Mau!) f. ApL, Stein. G'möl ■• BsL. ; 
Uw, Mole* (in üwE. ö, sonst ö) ApH., M.; BE., R. (PL 
Motti); GRh., T.; Sch; SchwMuo. ; Th — f. (in See m.)» 
Moller Aa (It Rochh.); Gl; SThierst, Moler L; Zg; 
Z (auch Maler) — ■., MoUere* f. Gl; G tw. (Mullere*, 
It Götz.), Motti BsL.; B; S, Möli Btw.; GRPr.; U 
(PL unver.) — ■. (in GaPr. f.), G'tnßl n., PL G'mdler 
Aa; Bs; „L;- zw., WL, Mötter m. Bs, Mölli Btw. 
(Müli. G Strasser); Scsrw (n., PL MÖttene*), Möli 
AaF.; L, Botti (PL BotteniJ BSi. - b.: 1. Name yer- 
schiedener Weichtiere, a) Molch, und zwar im Allg. 
unterschiedslos alle vorkommenden Arten, bes. aber 
der gefleckte Molch, saL mac., der Alpen-Molch, sal. 
atra (VO; Gl), die Wassermolche, bes. der gefleckte, 
triton punct., der Wasser- oder Sumpf-Salamander, 
trit. paL allg. Die gefleckten oder verschiedenfarbigen 
Arten werden als g'flicketef, g'fllckets M. yon den an- 
dern unterschieden. Erscheint der Molch fspec. der 
schwarze, saL atra, zum Unterschied vom Wasser- 
salamander, dem Brunne*-M,; vgl. das Sjn. Br.-Chalb 
Bd III 220) auf dem Lande, bes. auf Wegen, so wird 
Das allg. auf Regen gedeutet, und das Tier wird daher 
meist 22e^c"-ilf. genannt Bs; B; VO; Sch; S; Z; vgL 
das sjn. Wmer-Gueg Bd II 163. Tw. infolge Ver- 
wechslung mit der Unke, bomb. ign. (vgl. Gügger 3 
Bd II 196) wird dem Molch auch eine Stimme zuge- 
schrieben und heisst es daher : Wenn d' Mola* gluggid, 
so ged'a guet Witter Ap; vgL die folgenden Zss., 
ferner die Synn. Boden-GlünggerU Bd II 636, Nacht- 
Glüng(g) Bd 11 632. Man redet dem grossen, gefleckten 
Molch auch nach, dass er die Weinstöcke benage und 
schädige ZS., und allg., dass er giftig scL Dagegen 
ist der grosse, gelbe .Regenmoler* gut gegen die Glie- 
derkrankheit und braucht man nur einen solchen an 
einem Seidenfaden aufzuhängen und so sterben zu 
lassen, um von der Schwindsucht zu genesen L. Aus 
den g'flickete* M-e* wird auch Gold gemacht, indem man 
am Charfreitag Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr 
drei dieser Tiere in ein Gefäss bringt, ,Haromerschlag* 
darauf schüttet und das Geföss vergräbt. Ein Jahr 
darauf liegen die Molche oben auf und haben die 
Flecken verloren, die Eisenfeilspäne dagegen sind zu 
Gold geworden SchKI. ; vgl. das syn. Pardel und Gr., 
Myth. ' 650. ,Gott nähii; [auch] die Regenmolleni, 
Muhelmc** usw.' Gotth. ,Du kennst hinter den Gärten 
den wüsten Fröschenweiher mit dem grünen Dach, in 
dem Regenmolleni und anderes Gezüchte so anmutig 
gramseien V ebd. ,Saura, moU sc. vermis.' Ebinoer 
1438. ,Von der wassermoll. Lacertus aquaticus, ein 
wassermoll, ein wasseradex.' Tierb. 1563. ,Salamandra, 
ein maal, moll, molch, moldwurm.* ebd. ,Die quaxen- 
den f röschen und mollen in disen Wassergräben.* 1586, 
Laüfp., Beitr. S. noch Olm Bd I 193. — b) Kaul- 
quajjpe von Fröschen und Kröten Bs, insofern sie zwar 
schon Füsse, aber noch den Schwanz hat, also Molchen 
ähnlich sieht GRh.; vgL Mollen-Ghopf Bd IH 413. — 
c) „Kröte, die sich in Kellern und an feuchten Orten 
aufhält Bs." — d) schwarzer Regenwurm SchwMuo. 
— 2. die Maulwurfsgrille, gryllotalpa vulg. BO. — 
3. Engerling Tu. — 4. grosse Eidechse Aa (It Rochh.). 



173 



Mal, mel, mil, mol, mal 



174 



— 5. übertr. a) Molle» f. BR., m. B; Sch, MÖlli m. Bs; 
ScHw, sonst Moüi m., etw. unförmlich Grosses, Um- 
fangreiches, bes. von (gemästeten) Tieren BB. Syn. 
Mocke». TFc"" d' die Sütc no^^ e" chlin mestist^ 8u gi^d 
das nc^* ßn en Mollen, Potz, c* tcetegi MJ soü Das 
e" ChistQ^sin! BB. Dicke, kurze Mannsperson AiFri.; 
dickes, fettes Kind BsL.; ScuSchl. Du Miner, ungWlnt^ 
M,! Au kleiner, ungelecktcr Bär! MLienert. Vielesser 
Obw; dafar Friss-Moldi Z. Mensch mit Pausbacken, 
mit einem dicken, runden Kopf BsL.; BO.; Gr. Verst. 
durch Zss. mit einem Syn. Tscköli-Möler, dummer 
Tölpel L. Auch das pausbackige Gesicht, der dicke 
Kopf selber Bs (auch Moller) ; Gr. Weit-er-is jetz lo* 
go*? Oder lueget, t*'* g'heie* die Laugen Ei'Hn an\M,, 
jo wol! Brbitbnst. Übertr. auf das Geistige und Öko- 
nomische: Dummkopf Schw. Reicher Mensch, Protz 
ScHSchL; vgl. feiss Bd I 1072. Noch mit direkter Be- 
ziehung auf das an unsaubern, feuchten Orten lebende 
Tier nennt man unreinliche Leute Dricktnöüene* 
ScHwE. — b) Beiname. ,Hans, genannt Molli, und 
Hans, genannt Bitterli, Gebrüeder, beide Truchsess 
von Diessenhofen.* 1413, Rübobr. 

Mhd. mal(U) m., Molch, Eidechse. Unsere Formen zeigen 
mehrfach Aulehnnog an Mal (tw. gespr. Möl), Fleck, und 
seine Abi]., wozn das grell gefleckte Tier Veranlassung gab. 
Möli^ MöUi als Nentr. kann als Dim. angesehen werden. In 
unseren MAA. hat die nhd. Form mit auslautendem cA erst 
in der neuesten Zeit Eingang gefunden (s. o. das Scheltw. 
FrBM'M.). Im Vogelb. findet sich die Form , Molken (das 
ro. oder heidochsen)* neben dem fast durchgftngigen ,Maal, 
Moli(en)' im Tierb. S. noch die Umd. unter Mann. Bei 
den Tolkstümlichen Bezeichnungen niederer Tiere sind Ver- 
wechslungen, Vermischungen und unvermittolto Übergilnge 
nicht befremdlich (vgl. Gueg Bd II 160 ff.); hier um so 
weniger, da es scheue, die Verborgenheit liebende Tiere be- 
trifft; 80 könnten 1 c und d (gemeint ist wahrsch. nur der 
schwarze Alpen-Salamander) und 4 auf Verwechslungen be- 
ruhen, definiert doch der Anonymus ad St. O'mol als eine 
Art schwarz und gelb gestreifter Eidechsen, womit aber doch 
nur der gemeine Molch gemeint sein kann. Vollends be- 
greiflich werden Verwechslungen, wenn es sich bei solchen 
Tieren um Constatierung der Stimme handelt; daher sind 
unter 1 a z. T. auch die Unken mit zu verstehn, doch haben 
die Wassermolche immerhin einen leisen, dem der Unken 
Ähnlichen Ruf. Vgl. Gügcn-Mol. 

Güg(g)e"- (in Z tw. Güg(g)e*', in AaP. auch 
Gtlgge*')Mol (bzw. -Moli) AaF.; „B;- L; Schw; Z, 
-Maler Z: 1. = Gügger 3 (s. Bd 11 196) Aa; L; Schw; 
Z; Vgl. auch die Synn. Güll(en)'Ünggen Bd I 345, 
-Gügger Bd II 197, -Glüggerli Bd II 621, -Mügger, 
ferner Maien-Ferlin Bd 1 921 und die weitern Umdd. 
unsers W. Güg(g)€n-Mümmeli, -Männli, -Moni, -Mörli, 
-MörcJüi und s. mügg. — 2. Molch (spcc. kleiner 
Wassermolch ZZoll.) Schw; Z; vgl. das Syn. Güxli 
Bd II 572. 

Sirte°-Mölli m.: Spottname auf die Alpler [weil 
sie Käsewasser trinken] Schw (MLienert). 

Schild -Mol: 1. gefleckter Molch GnPr. — 
2, = Güg(gjen-Möl 1 GRh. — 3. „Schildkröte GRh.« 

— Ffir GrPr. wird die moderne Form Mdch angegeben. 

g'moll GrD., g'mollet GW., sonst mollig I (in 
AaB.; ZS. ^'mo^^i'^): dickköpfig, aufgedunsen, fett, 
plump AaB.; „Gl;" Gr; GRh.; Sch; Z. G'molleti f., 
seh wammartiges Pett GnPr. 

L&sst sich vom Vor. fUr nnsere MAA. nicht trennen, 
obscboD nicht zu lengnen ist, dass die Bedd. sich tw. mit 
denen des gemeindeutschen Ausdrucks ,iiioll, mollig* decken; 



vgl. Gr. WB. VI 2480, ferner ,mo(l)let, Molen' bei Scbm.- 
Fr. I 1589 und nnser Mull, miHtaeh. 

moll8cht(ig) = dem Vor., mit dim. Bed. GnPr. 
.[Der Molch] hat einen grossen und mollechten köpf.' 
TiBRB. 1563. .[Der Gottlose] hat ein feisst mollachtig 
angesicht.' LLav. 1582. 

Molle", PL: ungebrannte Backsteine Th. 

Viell. zu Mull; oig. die zorbröckeludon, oder wahrschein- 
licher, viell. der Gestalt nach benannt, zu Md 5 a; vgl. 
Chrßttli. 

Mole" f.: eine Missgeburt, die in einer gestaltlosen 
Masse besteht B (It Zyro). — Aus frz. m/)/e, dasselbe; 
vgl. das syn. Mond-Chalb. 

Molkst (in Aa; Bs; VO; Z Maläst, in Z auch Ma- 
läschge*, in Ap Morast, in Tnläg. Mueläst) f. (in L; 
Ndw; ZO. m.): meist PL, körperliche und geistige 
Beschwerden, Plagen Aa; Ap; Bs; B; VC; G; S; Tu; 
Z. [Schwerverdauliche Speisen] machend (Eim) Mo- 
kstCe^J. Es par Pfund Fleisch un^ es pfündigs Brödli 
heigen im keiner Moleste^ gemacht BM. (Schwzd.). Wenn 
ieh fnder seit bettligerig werde» — und wie glv^ war 's 
richtig g*H; ^ass mW 's Bei» Moläste» g'macht hätt! 
so war Niemer do zum Abwarte^. BWybs. , Brutale 
Väter gibt es allenthalben, die Jahre lang um ihre 
Kinder sich nicht kümmern, aber bei der ersten Mo- 
lest, die sie ihnen macheu, mit der Schlegelaxt auf 
sie dar wollen.' N. B KaL Auch L S. v. : Schererei, 
Plackerei; Umstände, Dummheiten Bs. Syn. Stäm- 
peneien. Der Choli macht schint 's Maläste». Breitknst. 

Aus dem gleichbedeutenden it. moUstia. Das Masc. nach 
den syn. Last, Schmerzen. 

molestiere": Jmdm beschwerlich fallen, Jmdn 
belästigen, beunruhigen Aa; B; VO; Z. 

ver-malestiere": Jmdn belästigen, verdächtigen, 
heruntermachen B; S. Hei-ne» Angeri vermalestiert, so 
het er ne» i» Schutz g'no», Hofst. ,Die Geiger ver- 
malestierten den Wirt schrecklich, der sie dursten 
Hesse, dass es ihnen ganz blöde geworden.' Gotth. 
,Es erzählte, wie Seine [die Seinigen] ihn's vermalc- 
stierten und wie er deswegen mit ihnen Streit ge- 
habt.* ebd. ,Der als kurzer Mensch, der weder fassen 
noch urteilen könne, vermalestiert und abgefertigt 
werde.* ebd. 

mol estig: belästigend, lästig VO. 

MoK»88 m. : Zwischenhändler beim Vichhandcl, bes. 
Gehülfe des Käufers GnVaL Syn. Bouss. — Aus dem 
it. molo9so^ Jagd-, Treibhund, in spottweiscr Anwendung. 

möl, in der Verbindung: ja m.! Ausdruck der Wei- 
gerung ZStdt. — Wahrsch. Gontamination von mwjg und 
moU (fUr reol). 

Mdlelin: eine Frucht. ,Pfirsich, Kestenen, die 
grossen und klynen M., Tatelkernen.* ZZoll. Arzneib. 
— Viell. ungeschickte Wiedergabe des it. mdlrme. 

möle": den Laut mö! hören lassen. 1. muhen, 
von Kühen und Kälbern G (schon 1799). — 2. brum- 
men, von Menschen G. Weinen BMeir. — Vgl. die 

Synn. moggen, monen^ muelen; auch holen. 

Mal 1 n., PL Muler, Dim. Mülti BO.; Uw; U, sonst 
Muli: 1. a) Mund, nicht nur in roher, sondern auch in 
der gewöhnlichen Umgangssprache der allg. Ausdruck. 
En richter Ma»» hed aw*'* e» rechts M. Aa. Einem 
Etw. immer um 's M. umme» stricl^e», zieh», immer 



175 



Mal, mel, mil, mol, nnl 



176 



wieder vorbringen, z. B. Jmdn stets an empfangene 
Wohltaten erinnern B; Z. Er ist kei* Batze* wirt 
und wenn er sichs Chrüzer im M. hätt Aa; vgl. ,Mor- 
genstund hat Gold im Mund.' 's M. in Opjyis, %n Alks 
henke; sich unbefugt einmischen B; Th. ,Wenn afe 
Eine eine Tochter in einem Hause [verheiratet] hat, 
so hängt sie schon d's Maul in jedere Pfanne [mischt 
sie sich in die intimsten Geheimnisse des Haushalts].' 
GoTTH. 's Wasser lauft-em dur*^ 's M. i% er ist in 
dringender Not (eig. nahe am Ertrinken) Aa. 's Wasser 
tcird-em wol na i" 's M, rünne*, er wird schon noch 
in höchste Not kommen, zu Kreuze kriechen müssen 
ZZoll. ,Keine Besserung an die Hand nemmen, bis 
dass die Straf vorhanden und inen das Wasser in das 
Maul lauft.* Fastn.-Pred. 1601. ,[Noe und Loth] glau- 
ben gänzlich nicht, dass Gottes Straf vorhanden, bis 
Jfinem an dem Maul das Wasser war gestanden.' 
CMey. 16r)7. ,Sie haben die statt erobert, alles er- 
würgt und uns zur schhicht das maul aufgesperrt 
[uns zornig zur Schlacht gemacht; vgl. Gr. WB. VI 
1790].' 1590, Bs Jahrb. ,Leiden, dass Einem die Mäuse 
im Maul nisten.' GHeid. 1732. Zur Bezeichnung eines 
grossen, hässlichen Mauls dienen Yergleichungen wie: 
Es M. ha* wie en Bachoff, Wäh-Schüssel, es Ofe*- 
Loch, Wäje^'Britt, Schüre*- Tor, e Leck- Tasche*, ^ass 
me* chönnt mit-ime* Heutoage* drt* fare*, en halbe* 
Tag Batze*brötli, Schue^schlurgge* ine* bengle*, ^ass 
men-em [dem Betreffenden] chönnt mit-eme* Händsche* 
z' iBcke* ge*, wie wenn er sibe* Tu fei g'frisse* hätt und 
der achti aw** no^^ we^tt; wenn er lachet, se-n-ist de*" 
halb Chopf e*wig Z. Es ist Nüt an-em, a's 's M. 
Der tuet 's 3f. uf, ^ass-em d' Scfiwalbe* ehönnte* drin 
niste*. Der lose Mund: Er het e* M., nie* sott b' schisse* 
[beschmutzte] Windle* drin waschen. Suloer. Vgl. 
auch die groben Bezeichnungen für Mund: Goschen 
(s. Bd II 480), Loch (ßd III 1019), lAff, Scfineuggen, 
Sehnurren, Wa/flen. Auch Bezeichnung für das ganze 
Gesicht oder der Mund als Das, wovon hauptsächlich 
der Gesichtsausdruck abhängt: Wenn 's dt** uf's M. 
liSre* leit Aa. /• 's M. giH-er Ei**m gueti Wort und 
hinterruggs schimj)ft er Aa. Es Ei*'m g'rad i* 's M. 
säge* GkVt. E* wiiests M, mache*, Grimassen schnei- 
den B; Z. Enunguets M. mache*, eine unzufriedene, 
saure Miene machen. Es Müh mache*, ein weiner- 
liches Gesicht Tn; U; Z. E* M. macJie*, wiene* Chue 
uf en Ebberi Scn. 's M. rümpfe*, henke*, lampe* la* 
(wie-n-es alts Boss Bs; S); vgl. fül Bd I 788, henken 
Bd II 1456/7 (dazu Hinderm. III 159), anhenken Bd II 
1460, chrumb Bd HI 821. RAA. betr. den Mund 1) als 
den essenden. Me* muess am meste* für 's M. sorget 
Scn; Z. M%*s M, chosVt wii«* vil, Schild, 's Jar het 
e* gross M., erfordert viele Ausgaben. Sülgkr; vgl. 
hüs-halten Bd II 1237. Me* cha** 's M. nüd an en 
Sticke* binde*, kann nicht leben, ohne zu essen Z. 
Wenn 's Esse* nüd so gär tür g'se* ist und me* 's M, 
no** all (yrdele dore* 'bröcht het. Ap Kai. 1848. Wie 
muess st** de^ Mensch au^^ plage*, bis er nw 's M. 
versorget häd ZS. Von einem wohlgenährten Manne 
heisst es : Es chunnt em Alles zum M. l*, er hat 's 
nüd vom Luft, er spart sich Nichts am Munde ab Z. 
Von einem Reichen oder Jmdm, dem alle Wünsche 
erfüllt werden, heisst es: Er cha** nw säge*: M., was 
Witt? Do hesch! Bs; Scn; S; Th; Z; vgl. gampen Bdll 
810. Vgl.: ,Sy hond gross pfruenden, zent und gült, 
sind nach allem wollust erfüllt: Mund, was magst, herz, 



was Witt?' NMan. Scherz w. fordert man Kinder auf: 
Heb (tue) 's M. uf und d' Auge* zue, um ihnen dann 
etw. Gutes (oder boshafterweise etw. Schlechtes) in den 
Mund zu stecken Bs; Th; Z; vgl. die betr. Scene bei 
HPest. (Ausg. ▼. 1881) I 161. Mer triffed (finded) 's 
M. scho* (no^J, RA., wenn man am Morgen früh oder 
Abends spät ohne Licht speist Th; Z. Gesundheit für 
ml*s M. — die Andere* sind doch s^ fül, sagt Einer 
scherzh., wenn er selber tapfer zugreift, während die 
Andern blöde sind Z. 's M. wüsche* und gä*, un- 
mittelbar nach dem Essen mit Verzichtleistung auf 
den Anstand, tw. auch ohne Dank, vom Tische auf- 
brechen und seinen Gastgeber verlassen Aa; Bs; B; 
Gl; L; S; Th; Z. Man lässt sich etwa zu Tische 
nötigen, indem man sein Widerstreben damit recht- 
fertigt, dass man doch nicht anders könne als 's M, 
w. u. g, Bildl.: D' Hexi hV chjäne* d's M, w. u. g. 
[mussten leer abziehen] BLenk. Übertr. auf andere 
Verhältnisse erhält die RA. den Sinn : einem Andern 
überlassen, die Suppe auszuessen, die man angerichtet 
hat; den durch uns in Verlegenheit und Not Gebrach- 
ten allein zappeln lassen. Bildl.: An Eppem d's M, 
wüsche*, unanständige, unverschämte Worte an Jmdn 
richten, spöttelnde Bemerkungen über Jmdn machen 
BR. Er ist e* dhlein e* Leider, er mues* an allen Lüten 
d's M. wüschen. Ei*'m Öppis vor ^em M. (e^)wcg ne; 
aus Neid gar Nichts gönnen mögen Th; Z. ,So man 
[den Belagerten] 's brot byni m. tuet b'schnjden, wer- 
dend s' dest e in'n ab fall g'richt.' JMurer 1559. ,Da- 
mit nit vermeint werde, dass sj andern nationen das 
brot vor dem m. abschnyden.* 1585, Zellw., Urk, und 
ähnlich 1651, Seq., RG. III 198. Bildl.: Ei*'m Öppis 
vor ^em M. ewig (us ^ein M,) ne*, Jmdm eine Be- 
merkung vorwegnehmen Aa; Bs; G; Th; Z. Er gab 
Ei*'m [aus Herzensgüte] d' Sach zum M. üs. D* Mueter 
gi''t 's de* Chinde* vom M. wig, darbt es sich am eignen 
Munde ab G; Z. Da bllbt em 's M, süber, da hat er 
Nichts zu erwarten S; Z. Zwüsdie* 'm M. und der 
Suppe* vergönd vil Sache* Aa. Zwisehe* M. und Löffel 
wird vü Suppe* verschüttet L. Ei**m (de*) Speck, 
d' Speckschwarte* düf * 's M. ziehn* = Ei*'m 's Hälmli 
durch's M. zieh (s. Bd II 1201) Bs; GrD.; Th; Z; vgl. 
Päckli. 's Wasser lauft-mer im M. z'sämme*, es hät-mer 
's Wasser im M, z'sämme* 'zöge*, 's Wasser ist-mer i* 's 
M. chö*, der Mund wässert mir darnach Aa; Bs; Th; Z. 
Ei**m 's 31. z' wässere* mache*. Id. B. ,l)cn Galilcern 
hat das Maul nach der alten Freiheit wiederum ge- 
wässeret.' JMüLL. 1665; vgl. Gotth. I 269. 358. 's M. 
verbrefine*, sein Gelüsten durch schweren Schaden 
büssen müssen B; VO; Th; Z. Wer einist 's M. ver- 
brannt hed, blöst d' Suppe*. Ineichen. Wer es eige*s 
M. hed, brücht st«* d' Supjye* nid von Andere* lo* z' 
blö.se*. ebd. Wer 's M. no^^ em Sack richtet, der ver- 
dirbt nit AAFri. J** ha* deich [denke ich mir] so nes 
süfers M. a's du, lässt Joach. Jmdn zu der Tisch- 
nachbarin sagen, die Ärgerniss daran nimmt, dass er 
aus ihrem Glase getrunken. Es ist kei**m M. z' troue*, 
auch wenn man satt ist, gelüstet man noch nach mehr 
Z. Wer Olli Welt f risse* wiU, muoss es gross M. ha* 
W. Es M. (in Aa auch Mu) voll, ein Bissen; vgl. 
Mumpfel. Kes M. voll, fast gar Nichts. Bildl. : 's M, 
(z'J voUne*, aufschneiden, überfordern, übertreiben Bs; 
Sch; S; Th; Z. Auch pers.: Esser B; Z. ,Er het vil 
Müler z' erhalte*, multi convivae mensae ejus assident* 
Id. B. ,Ist es um des geltes willen ze tuen, so ist es 



177 



Mal, mel, mil, mol, mnt 



178 



der recht papstb'schiss, dass raan die narren nm die 
müler salbet [ihnen Speck dnrch's Manl zieht], dass 
sy gold and gelt gebind/ Zwingli. Beim G<98andheit- 
trinken redet Einer seinen eigenen Mund an: ,Ich 
bring dirs, m., bed backen voll.* Aal 1549. Mit Bez. 
auf den Nachgeschmack auf der Zunge Ap; Bs; B; VO; 
Th; W; Z. I> guets (u*guet8, sckUchtaJ M, ha\ ,E8 
guets M, machen, optimo ferculo convivium claudere.' 
Id. B. Zucker giH e« süess M. Th. ,Etw. zu einem 
guten Maul zurficklegen, einen Leckerbissen, eine 
SQssigkeit auf einen gegebenen Augenblick sparen* L. 
jys gans Gegrämpulwireh [kleinliche, unangenehme 
Arbeit] mues* t** a/W" tuen und du hest nur d^s guet 
Jtf. [den Vorteil davon] W. Ei*in es süesses M. mache^, 
bildl.: Jmdm Etw. recht anpreisen, in ihm das Ver- 
langen darnach wecken BO. — 2) als den sprechenden, 
singenden, 's ist im en Jedere^ 's M. sBlber g'wachse^, 
Jeder darf seine eigene Meinung sagen Ap. Jfe" cha** 
Ei^tn 's M. nüd verbüeze^ [zunähen] 1) man soll ihm 
das Essen gönnen Aa; Z. 2) muss ihn reden lassen 
Aa; VO; Th; Z. I«* gibe' dem M. z* isse^, es muess 
rede*, wie ich unll L; Z. Äl**w M, nüd vergebe* s^ 
isse* gi* Sch; Z. Si müend au*^ Öppis sägt^ [wenn 
auch nur, damit Etw. gesagt sei], si gend ire* Mülere* 
att** nid vergibe* z' l^e\ Wolf, Gespr. Vil Müls, 
wenig Hirz Z. ,Sy ward verwandlet zue einer salzsul, 
darurab dass ir g'müet, herz und m. sich stets ängstet 
nach irem guet.* Haberer 1562. Es M. ha* wie en 
Bändd-Jud (s. Bd III 18), wie 's MadicUi Bader 
(Sprww. 1824), wie en Bittler-Bueb, Anke^-BUtler; vgl. 
Advckat, Pfarrer. Dir het es M.! ist ein gewandter 
Redner, Zungendrescher, urteilt gern nachteilig über 
Andere Aa; Th; Z. Der het es M.: es haut und sticht 
wie en Schwizerdege*, wie *s AnnVs BöUe*messer. Auch 
pers. wie im Nhd. ; dazu das Dim. Muli, Plaudermäul- 
chen Z. ^s M. lo* flOge*, seiner Zunge freien Lauf 
lassen Aa. Me* muess-em uf d' Finger luege^, nid uf 
's M. Sprww. 1869. 's ist Nüt als M. an-em Z. ,Äll8 
mit ^em M. mache*, habere verba et praeterea nihil.* 
Id. B; Th. 's ist gll*^ «» lärs M. üf- und zueg'schlage*, 
Spott auf Solche, die unerfüllbare, leere Versprechun- 
gen machen Z. 's M, nüd diheime*, nüd im Sack ha*, 
nüd in'n Sack stecke*, am rechten Ort ha*, um eine 
Antwort nicht verlegen, kock, beschlagen sein im Reden 
und Antworten Sch; Th; Z; vgl. gelächerig Bd III 1003. 
In Allem 's M, wasche*, in Alles hineinreden OrHc. 
Er het 's M. eisster off; 's M. stat-em nie still, allg., 
g'stdt-em nie. Id. B. 's M. lauft (er hat es M.) wie 
ne* Belle* Z; vgl. laufedi Schuld (Bd lU 1125) und 
Wasserstelzen. Ei**m über 's M. fare*, im Reden un- 
anstandigerweise ihn unterbrechen, mit einer treffen- 
den oder derben Bemerkung zum Schweigen bringen 
Aa; Th; Z. ,Männer, die ihren Gehülfinnen sogar vor 
Kindern und Fremden über das Maul fahren.* Sintem. 
1759; s. noch Bd I 890. ,D's M. geschweige*, linguam 
occludere.* Id. B; = Ei**m 's M. verschoppe* L; Th; Z. 
Wir aüe* Lüte^ d' Müler toill verschoppe*, Di^ brücht 
vü L&mpe*. Ineichen. ,Wölcher fürhin den vollen 
[vom Wein trunkenen] Noah allein für gerecht und 
guet will halten, dem kann ich 's m. schoppen damit 
[da er sich nun diese Blosse gegeben].* HvRüte 1546. 
,Hamman: Ich will in*>' d' müler g'wüss verstopfen 
und b'sunders dem heillosen tropfen [Mardochai].' 
JMurbr 1567. 's M, z* wlt üftue*, sich allzu zuver- 
sichtlich äussern; zu viel verraten Th; Z. Si schwätzt, 

Schweiz. Idiotikon. IT. 



^ass m^ meint, 's M. sott-eren abfdüe* Bs. «Bist du 
denn noch nicht müde [vom Singen]? 's isch-mer, 
's sott'der bald 's M. abg'heie* dervo*. Brbitbnst. Halt 
's M.! heb 's M. zue! allg., zur Abschwächung der 
Derbheit etwa mit scherzhaften Zusätzen, wie : 's chunnt 
ehalt ine^ Z, oder: Halt 's M. mit 8tei*wirfe* Bs. 
D' Hand vor 's M. ! man schweige ! Aa. Zu Kindern, 
die bei Tische immer reden, sagt man: Gib dem M. 
z* esse* und schwig! Th; Z; vgL zue-han Bd II 925. 
Schwig, M., d% mues't dann e* Chüedhli ha* Z, t''* gib- 
der e* Weggli Ap (Abfertigung). Besser, dass mq* dem 
M. e* Brötli chaufi, a^s all schwätzet Ap. ,£inem Ver- 
lürader sein Sprach zu änderen ist kein besser Mittel, 
als ihm etwas Guts in's Maul werfen.* FWyss 1670. 
's M. verlöre^ ha*, nüd uf- (ab-ena/nd) tue*, keis M. 
spalte* möge^, (beharrlich) schweigen, wo man reden 
sollte Ap; Gl; Z (etwa mit dem Zusatz: m«* muess» 
em e M., oder derb : e* Chalberschnorrli chaufe^J. Ein 
Wortspiel beabsichtigt die Anekdote vom Sämichasper, 
der, als er in den Jauchetrog fiel, gesagt haben soll: 
I** mag nid 's M. uftue* Ap. Ei**m 's M. abchaufe*, 
ihn zum Schweigen bringen ZWäd.; vgl. Bd III 171. 
D' Mueter luegt verstünet, si findet d's M. nw bloss 
[findet keine Worte mehr]. Schwzd. (U). Ist-der 's M. 
zueg* fröre*? Sulger. Einem 'sM. bredhe*, zum Schreien 
öffnen BHa. Duo han t""* düo miessen uif sägen [auf- 
schreien] und düo hed 's-mer düo d's M. 'brochen. ,Es 
ist uns die Freiheit nicht darzu gegeben, dass wir 
widerwertigen Leuten das Maul wider Gott und seine 
Religion aufbrechen.' Pontisella 1602. ,Das Maul 
will ich verbinden, was ich auch je von Leuten werd 
gefragt.* Z Neuj. M. 1706, im Wechsel mit ,Mund.* 
Uf's M. sitze*, hocke* (s. Bd II 1122), wenig und nur 
mit gutem Bedacht reden VO; Sch; Z. Me* muess 
(sett) uf ^em M. hocke* (wie uf ^em FüdU), sott im 
[sich] selber uf'sM. hocke*. ,Sio waren schweigsam, 
hocketen sich selbst, wie man zu sagen pfiegt, auf 
dem Maul.* Gotth. Von Jmdm, der zur unrechten Zeit 
geschwatzt, Etw. ausgeplaudert hat, sagt man: 's war 
besser, er war sUb Mol uf's M. abg'hocket als uf's 
Füdli ScH; Z. Si hat irem M. Sorg, schwatzt nicht 
viel Aa; Z. 's M. (g'Jmeistere* (möge^J B; Z; vgL 
hinderen-haben Bd II 915. D'm M. d' Bichni*g mache*, 
seine Zunge im Zaume halten B. Züsi, schwtg u*^ 
v'rsüng-di^^ nit! Denk, wie 's dein alte* Schilf er 'gange* 
ist, wo 0*^ sim M. kei Bechni*g g'macht het! Gotth. 
M%*s M, ist-mer so lieb als ire* ires, warum soll ich 
den ersten Schritt zum Entgegenkommen tun? sagt 
der schmollende Ehemann Z. 's Wort im M. umme^- 
tröle*, ein Wort nicht finden oder herausbringen GRh. 
Es gat (lauft, fartj-mer im M. umme* Aa; Ap; Bs; G; 
Th; Z, 's ist-mer om 's M. omm^f* Ap, es schwebt mir 
auf der Zunge; vgl. Bd II 16; Bd III 1162. De* Lüte* 
i* d' Muler (in'n Müdere* umme*, in alli Müler Ap) 
cho*, Gegenstand ihres Gesprächs werden (meist in 
ungünstigem Sinne) Aa; Ap; Bs; B; VC; S; Th; W; Z; 
Syn. in 's Geschrei chon; vgl. Fuess Bd I 1088. Me* 
chunnd lieeht de* Lüte* i* d' Müler, aber nid liecht 
wider drüs. Ineicren. ,Volitare per ora virorum, aller 
weit im maul umbhingon.* Eris.; Mal. ,Dass der 
vatter nit gern hatt, dass syn dochtor also den lüten 
im m. louft.* ThPlatt., Briefe. ,Du gast wunderbar- 
lich mit dym Madlenlin den lüten im m. umb [deine 
Liebschaft mit M. ist in aller Leute Mund].' ebd. ,Es 
ist im bloss us ''em M. g'st; nondum dixerat.* Id. B. 

12 



179 



Mal, mel, mil, mol, iml 



180 



öppis (• *8 3f. ni*; t* 's M. nS% von öppis z' rede*, das 
Gespräch auf Etw. bringen B; L. I«* ha"^ Da* nü 
g'sät, t** nimmen eso-n-e* Wort nie t* 's M., brauche 
es nie Th. ,Geng im M, Äa*, verbum frequenter usur- 
pare.* Id. B. Höflich st* und gueti Wort g^, bricht 
Keim 's M. Sulger. So Appas durch 's M, zieh*, von 
einer Sache etw. Unnötiges reden W. Wir Alles tcett 
verzeUe^ — hrüchte es nasses M. MLievert. ^Sein Maul 
zur Tasche machen, seine Worte wie ein Lügner 
zurücknehmen müssen* Bs (Spreng). ,Er ist häderig, 
lässt sich das maul übereilen [spricht unbedacht].' 
1534, Synodälcbnbür. — 3) als den (wegen vorlauten, 
unanständigen oder lügnerischen Bedens) zu züch- 
tigenden Körperteil; vgl. Hand Bd II 1384. ,Ein 
dreck uf 'sm., der war dir guet!' derbe Abfertigung. 
YBoLz 1554. ,Er schlueg die feind sighaft auf's maul.* 
WuRSTiSEN 1580. S. noch Ofen Bd I HO, Aug Bd 1 134, 
Ougel'Fuer Bd I 972, in-gän Bd H 21, Gid Bd 11 213, 
G^ Bd U 219, gunnen Bd H 882, gäng Bd 11 355, 
Gitzi Bd II 577, dar-han Bd H 924, Hammer Bd II 
1272, Hunig Bd II 1367/8, un-be-hauwen Bd II 1811, 
ehalt Bd III 241, ver-cheren Bd III 489, ver-chrättien 
Bd III 876, baschgen, Brot; Sprww. 1869, 71/2. — 
b) Maul der Tiere, jedoch in beschränkter Anwendung 
(sonst Läfff Schnorren) Aa; B. ,Kühe melkt man 
durch's Maul', d. h. der Milchertrag hängt von der 
Fütterung ab AaF. ; vgl. das syn. d^ Milch muess dur**^ 
de* Baren l\ Jf. für M., ,Tier um Tier im Tausch*, 
z. B. ein ,Maisrind' für ein ,Zitrind* auf die Alp; oder 
es wird unter dieser Formel z. B. ein Bergrecht auf 
Rischern mit 4 Füssen gegen ein Bergrecht auf Gem- 
menalp mit 5 Füssen getauscht B öO. ,Worüberhin 
Ihr Gnaden denselbigen Platz, bis der Schutz [Auf- 
wuchs an Jungbolz] dem Vieh us dem Maul erwachsen 
[also von ihm nicht mehr erreicht und geschädigt 
werden kann], alten Landsbrüchen gemess einhagen 
wollen.* 1677, AAWett. Klosterarch. — 2. 's ober Run- 
der) M., die Ober-, bzw. Unterlippe B; Gr; S; Z. ,Ein 
obermul eines ochsen umb 1 ß; ein undermul umb 
5 ^.* 1544, ScH Ratsprot. — 3. *s M. uftue*, von 
Schuhen, = ginnen L; Z; vgl. Läff 2 (Bd III 1110). 
— 4. Schnauze, Ausgussrinne an Gefässen Bs. — 
5. Dim., der 16. Teil einer Mass (gloichs. ,ein Mund 
voll') ZO.; Syn. es Ghllses (s. Bd III 652), Budeli. 

Mhd. mül(e) in Bed. 1. Die Form Mn, ist in AaLeer. 
die gewöhnliche in Zss. ; vgl. H. 185 und Schue-Meiater. Eine 
Parallele zu der Yerdrängang des edlern Ausdr. durch den 
gemeinern bildet das lat. bucca, welches in den rem. Tochter- 
sprachen zar Alleinherrschaft, mit Ausschliessung von o9, 
gelangt ist. Zu 1 a 2. '« MadUUi Bader ist wahrscb. eine 
Erinnerung an die auf den Namen Göldi veröfTentlichte 
Satire über den Religionskrieg von 1712. 

Acker Aier-MOli = Sammet- Violen (s. Bd 1 635) 
GWe. — Die Blüte hat viel Ähnlichkeit mit einer Bachen- 
oder LippenblOte. 

Fluech-: Schelte auf einen Menschen, der oft 
flucht und schwört Z; Syn. Schwer-M, — Flotz-: 
das haarlose Hautstück am Maule der Wiederkäuer, 
das sich von der Oberlippe an aufwärts bis zum obern 
Bande der Nasenlöcher hinzieht. YeterinIrspr. Syn. 
Nasen- Spiegel. Ein wisses FL, d. h. weisse Behaarung 
um das eigentliche Fl. herum, ist das Zeichen reiner 
Rasse der braunen Oberhasler und Walliser Rinder. 

Frösche**-: 1. Zange mit breitem, dem eines 
Frosches ähnlichen ,Maul' L. — 2. Dim., eine Art ' 



Verzierung am Saum von Frauenkleidern, an Elauben, 
Hüten oder an Halskrausen, bestehend aus ,gofferier* 
tem* [s. Bd II 131] Tüll udgl. oder aus zackig umge- 
legten Bändern Bs; L; Sch; Z. — 3. Dim., Pflanzen- 
name. &) = Leuen-Läjf (s. Bd III 1110) See; Z. -- 
b) gelbes Löwenmaul, gem. Leinkraut, lin. vulg. Tu 
Mamm. — c) gem. Milzkraut, chrys. alt G. — frö- 
sche'^-müle': Spitzen usw. auf die unter 2 bezeich- 
nete Art falten „L; Sch." 

Zu 3. a und b sind benannt nach der Form der Blflte ; 
vgl. die Synn. zu a: (Leuen-) Scknorrtn, Drachen-, Wot/»- 
Seknörrli, Schnapper, Leuen-Zand; zu b: HatenrMul. Zu a 
und b sind syn.: MtU-Äffli (Bd I 101), Leuen-Räehdi. 8 c 
dagegen Ist benannt nach dem Standort am Wasser ; vgl. die 
Synn. Chrotten-Mm, -ßlüetnli, Füecht-BeHi. 

Geifer-: Scheltname, = Qeiferi (s. Bd n 129). 
,Vorhin galt bei menklichem alles, was ich [Hiob] 
redt und tet, gar vil; yetz verspottend mich die jungen 
geifermeuler.' LLav. 1582. Auch bei Hibbrer 1562. 
— Ginn-: 1.= dem Vor. Haberer 1562. — 2. der 
Blutstrieme, serr. cabrilla. Fischb. 1563; s. ginnen 
Bd II 329. — Gränni- = Grannen 1 (s. Bd II 744) 
,Aa; Bfl; B; LG.; S"; Vgl. Zänni-M. Es Gr.-MvUi, 
Schmollmündchen B. — Gross-: Grosssprecher L; Z. 
Gr, ist bi der Arbet fül, — ,Höch-: brochus et bron- 
chus.* Mal. — Höll-: Höllenrachen; unter Theater- 
requisiten genannt 1588, OswEerns. — Hampetzgi-: 
Schelte auf ein weinerliches Gesicht ZBicht. S. Amei- 
sen Bd I 216. — Han-: derjenige Teil des Gewehr- 
hahns, in welchen der Feuerstein festgeschraubt wurde. 
Z Verordn. für die Büchsenschmiede 1821. — Hase"- 
Müli: 1. stark gespitzter Mund, Zuckermäulchen Bs; 
B (,osculum.* Id. B); L; vgl. H.-Kuss Bd III 528. Es 
H machen. — 2. = Fröschen- MiU 3 b Aa. — Chüe- 
Mül: Euhmaul, von Menschen: grosses, breites Maul 
Z. Wenn Jmd ohne Gruss vorübergeht, ruft man' ihm 
nach: Wenn i** emäl ge^ Züri** gä*, so wilUdW denn 
es Ch. chaufe* ZS., W. Es Ch, voll, ein tüchtiger 
Schluck, Mund voll ZS. Es Tröpfli Brenz — ja, bloss 
es Ch. voü. Wolf, Gespr.; vgl. ChOe-Schluck. Nach 
dem Schwabenkriege (a. 1499) Spottname auf die 
Schweizer; vgl. ABirl. 1868, 43; 1890, 43. ,Wann 
wend die küemüler wychon?' Spruch von der Schlacht 
bei Dornach. ,Zu Konstanz haben Zwei einen Schwei- 
zer als K. angeredet und ihn gefragt, wo er den Kuh- 
schwanz habe.' 1522, Absch. Noch im 30jährigen Krieg 
auch von Schweden und Franzosen angewendet; vgl. 
Gfd27, 263. — Chalbs-: 1. Pflanzenname. ii) = Frö- 
schen-Mül 3 a. Ddrh. — b) ChaJbermiUi, hohe Schlüssel- 
blume, prim. el. BSa. — 2. Zuname. ,Hans Walther, 
genannt KalbsmuL' 1449, Absch. — Chirsi-, Chriesi-: 
Mund, der vom Genuss schwarzer Kirschen dunkel ge- 
färbt ist Aa; Ba; VO; Th; Z. Es Chr. ha\ Ähnlich: Es 
Heiti-, Heuberi-M. u. A. B; Z. — Ch läpp er-: Plapper- 
maul BsL. ; Syn. Lafer-, Bappelen-, Blader-, Bläder-, 
Eätsch-, Schnäder-, Schnatter-, Tratsch- M. — Chrot- 
te"-Müli = ^cwcÄen-ilf. 5 c G. — Lafer- = (7ÄZai>- 
per-M. BR. Syn. Laferen Bd III 1109. — Luge"-, in 
Z auch Lugi'M. : Lügenmaul B8;Gl;Z. — LSckerli-: 
Spitzname Bs; vgl. Breitenst. 1864, 89. 

Lampele"-, in Sohw; Zg Lampi-M. ^ Lampden 
(Bd III 1274) YO; Z. Es L. mache*, ein unzufriedenes 
Gesicht zeigen; Syn. Lätsch-M. — Vgl.: ,Kommt das 
ampolenmul [KPfyffer] asshin [ans Frankreich].' 1569, Seg., 
Pfyffer. Vgl. noch Lammelen Bd III 1206. 



181 



Mal, mel, mil, mol, mal 



182 



Läscbi- 1*: einfaltiges Plappermaul ZKüsn. — 
Latschi- ä: HäDgcmanl L; vgl. Latsch 3, Es ver- 
tschieggtta [nn förmliches] X. — Latsch- sXamj>e2e»i- 
Jf. B; „L;" Z; Syn. Xotoc^. — Läntschen-. ,HaDds- 
schlund, löutschenmanl, caninns rictus/ Fris.; Mal. 

— Leu^e"-Müli: Pflanzenname. i)^Frö8ch€n-M,3a 
Aa ; B ; ScH ; Z. — b) gll^8 Leuenmüli = Frö8chen-M. 3 b 
ÄABb. — Bappele"-Mül= CMapper-M. Z. — Bap- 
pe*-: 1. Mund mit dicken, fleischigen, lüsternen Lippen 
ScH. 8i het e* rieht B. — 2. Bappe^müli, scherzh. 
Schelte auf ein Kind, das gerne Brei isst. ebd. — 
Bdscheli-Müli: Zuckermäulchen, Spitzmäulchen B; 
Tgl. StrÜ88'M, Eine Frau, welche, im Begriff'e in Ge- 
sellschaft EU erscheinen, ihren Mund schon zu einem 
B. zurechtgelegt hatte und der Magd noch den Be- 
fehl erteilte, ,Böhnli* zu kochen, flel aus der Bolle, 
als das Dienstmädchen den Befehl nicht verstehen 
konnte, und herrschte die Magd an: Bone* ehochest- 
mer! Mueat-mer du iez 's Mül doch tio^ verderbe^! 
,Eine hübsche [Schwiegertochter] wollte es, aber doch 
nit so ne Gäuggel mit emene B. und zVegknüblets 
Kruselhaar nf d'r Stirne**.* Gotth. ,Ürsi flattierte dem 
Ueli, machte süsse Büschelimüli/ ebd. — Blader- Z, 
Bläder- Gk ^GMapper-M. — Blutt-: bartloser Mund; 
unfähiger Mensch. ,B1. 1 Bl. ! * Ruf des Kuckucks, auf- 
gefasst als Vorwurf, den die enttauschte junge Frau 
ihrem impotenten Ehemann zuschleudert. Schimpfr. 
1651. ,Wottst saufen, Bueb? Ja frylich, ja! Zum 
Wasserkrueg sollt du nach sta^ Den Barten g'hort 
der küele Wein, d' Bluttmüler sond darnSben sein.' 
Joh.Mahler 1674/1761. Hieher wohl auch: ,Es sygen 
vil der Blutmüler im Rat, sy können kein Rat nit 
geben.« 1651, Seq., RG. S. noch ehlepfen Bd 111 674. 

— Prolosche"-: Prahler, Unverschämter SohKI. 
Syn. PrcHosch. ,£in wüster Grosshans, sie sagen ihm 
Pr.' PiLOER 1884. — „Brummel-: äin aus Unwillen 
verzogener Mund B; L." 

Bris-Müli = Büschdi'M. Sch (Sulger). Es Br, 
maehe\ — Von 6rf«c*, f&lteln, kräaseln. 

Brictschi-Mül: zum Weinen verzogener Mund 
Aa. Si luegen-ech so trürig dr%* und fönd a» Br.'MiUer 
mache: SLakdolt 1845. — Rüde*-: Mund, um den 
die Haut, z. B. in Folge von trockener, kalter Luft 
oder Schnupfen, aufgerissen (und gerötet) ist GlK. 

— Rife»- Bs; Z, Rufe»- Th: Mund, der von Schorf 
umgeben ist; vgl. Gräuben Bd II 686. — Ruepel-: 
beschmutzter Mund Sch. — Rätsch-= CMapper-M., 
doch derber Bs; Z. — Söu-: Maul eines frechen oder 
schamlosen Menschen, auch dieser Mensch selber Z. 

Salat-: Schelte, grosser Mund AaL.; Bs. — Vgl. 
das Sprw. bei Wander: ,Zu oim Salat gehört ein gross Hau].* 

Sürfeli-: Mund, der sich spitzt, um behaglich 
Etwas trinken (schlürfen) zu können S. DV Hans- 
Christen seit no** me^ büsdhelete^ [vgl. BüscheK-MJ S, : 
Da' 'sch e* famoser Tropfe! Schild 1885. — Süess-: 
Leckermaul Bs; s. Schwzd. 28, 3. Syn. Zucher-M, 

Schaf-: 1. im eig. S. Wann ine* all Segese^züg 
numme* no"^ nes Sch, voll abmäit, verdienet-me^ no'^ 
Ghüechli und Fleisch S. — 2. Dim., Pflanzenname, 
a) Acker- oder gemeiner Feldsalat, valerianelhi ol. (von 
Pritzel- Jessen als schwz. angegeben). — b) Keusch- 
lamm- oder Keuschbaum, vitex agnus castus. ,Abra- 
hamsbaum, künschbaum, schaffmüle, salix amerina, 
vitex Dioscoridi, agnos.* KdGessn. 1542; Fris.; Mal.; 



Denzl. 1677; 1716. ,Agnica6ti, SchaffsmüUensamen.' 
Bs Apothekertax 1701. 

Za 2 b. Wahrscheinlich durcli Mistiverst&ndniss, indem 
der griech. Pflanzenname agnos mit dem lat. agnos ver- 
wechselt warde; auch ,Mü]e' steht nicht fest, indem die 
Pflanze sonst aach ,M011en' (wahrsch. zu ,Mu]l, MUH*, Staub) 
heisst; vgl. Bock, KrÄuterb. 1677, 379/80; Zwinger 1696, 
200/1; ,Schafmaul* bei Gr. WB. S. noch Sch.-Müten. 

Schlehe"-: saures Gesicht, wie nach dem Genuss 
von Schlehen GSa. Winn-i"'' üser*ge* [Wein] versuechti, 
machti e« heOs ScM. d'rzue. G Prophet 1855. Vgl. Sür- 
erbsele^'G' sieht. — Schlöck-: Leckermaul ; auch pers. 
Bs; B; Tu; Z; Sjn. Zucker-M, ,Eruditum palatum, 
ein schl., der gern guete bissle oder mümpfele isst.' 
Fris.; Mal. 

Schlucke'-: Mund mit Zahnlücken BsAllschw. 

— Das Wort ist els&ssisches Sprachgut; vgl. mhd. ducke, 
Lücke. 

Schlutten-: Scheltw. ,Der Pfaff, der hölzin Äff, 
das Schi.* JMahl. 1620. — Zu ,Scblutten% weite Hausjacke. 

Schnäder- Bs; Z (in Ner. Näder-), Schnaiter- Ap 
s Chlapper-M. ,Schw&tzer, SchnSttermul, ungstümer 
Redner, Schryer, loquax.* BCts. 

Schrl-: Schreihals Ndw. — Schwer- s= Fluech- 
M. Z. ,Ein gottlos Schw.* FWyss 1672. — Strüss- 
= Büscheli-M, Scu. E Str. mache*, den Mund spitzen. 
Sch Pilger 1869. — ,Täschen-: Löffelente, anas clyp.' 
VooELB. 1 557. Syn. Sehüt-Ent (s. Bd 1 855). — T r o 1 1 i - : 
Mund mit aufgeworfenen Lippen AaZ.; L. „Grosses 
Maul mit herabhängenden, gleichs. übergelegten Lip- 
pen VO; Z"; Syn. Wurst-M. ,Labeo, Chile, der gross 
löfzen oder ein grosses maul hat, troll(en)-maul.* Fris.; 
Mal.; Dbwzl. 1677; 1716. — Trüsche"-: spitzer Mund, 
bzw. ein Mensch mit einem solchen Z. E^ Tr. machen. 
Nach anderer Angabe: Mund mit rundlichen, nicht 
spitzen Winkeln Z. ,TrischenmulS Schelte auf einen 
Pfaffen. NMan. — Tratsch-« Chlapper-M. »Hätte 
Eätti mit ihrem Tr. Alles hintereinander gereiset 
[gegen einander aufgestachelt].' B Hist. Kai. 1849. — 
Wäueli-: zum Spott verzogener Mund, wobei die 
Unterlippe herabgezogen wird BAarb. — Wäje"-: 
grosser, weiter Mund, bzw. Mensch mit einem solchen 
AAFri. ; Bs. — W o 1 f -. ,Üie Arzatin N. N. wurde be- 
schuldigt, mancherlei Zauberei bei sich zu tragen, 
Wolfaugen, WolfmiUn . . .* Bs XIV. — Wanne»- = 
Wäje^-M. ZO. — Wurst- = Trolli-M., bes. wenn die 
Lippen, z. B. infolge Insektenstichs oder eines Schlages, 
angeschwollen sind ScuSt.; Z. Ein solches W. be- 
kommt man auch durch das Anrufen eines Gespenstes 
Z. ,Labeo, Gross-, Wurstmaul.' Vestib. 1692. Es W. 
mache^, den Mund verziehen, die Lippen aufwerfen, 
wenn man mit Etw. unzufrieden ist ZO. (JSenn) ; Syn. 
«• chrumms M. mache. — Zucker- = SchUck-M. Ap. 

— Zänni-: grinsender Mund, bzw. Mensch mit einem 
solchen Mund Ndw; vgl. Gränni-M. 

müle": 1. den Mund stets bewegen SchwE. — 
2. verächtlich für sprechen; schwatzen, ausplaudern 
GrO.; Sch; S; W; Z; Syn. goschen. D' Meidlen us 
^em ganze* Dorf chäme* zur Spüsen. Da wird denn 
Ei**s g'müled, ei Vhüet-is Gott! Schwzd. B'hiet-isch 
Gott, van am so braven Her so Äppes z* m. W. Er 
het-em möge* vorstelle*, rcie lang er [der Lehrer] für 
das Geld mües*i m. und Ohib und Schuelstaub schlucke*. 
HoFST. Spec. a) oft mit Dat. P., auch umme*'m., = 



183 



Mal, mel, mil, mol, nnl 



184 



*8 Mxd brücke*, bes. gegenüber Obern, z. B. von Kin- 
dern beim Tadel ihrer £ltern; trotzen Aa; Ap; Bs; B; 
F; VO; Gr; G; Tm; Z; Syn. ufbegiren (s. Bd II 403/4). 
lyr Chnecht hed ''em Herr g'mület Schw. ,Er maalte 
im Haasgang.' Z Prozess 1876. ,Kein Landvogt sei 
mehr sicher, dass ihm nicht Einer manle in der 
Andienzstnbe.' Gotth. — b) zanken, schelten, schim- 
pfen Gr; L; Ndw; U; W; Syn. chtben, chiflen (derber 
als Dieses). Si muJed mid enandere* Ndw. Der Marti* 
het g'wtrchet und g'mület und g'fluechet derzue. Schwzd. 
(U). Jmdn mit derben Worten zurechtweisen, aus- 
spotten W. — 3. grollen, schmollen ; das Maul hängen 
lassen; heimlich erbost tun Aa; S; U; Syn. müsen, 
schaOcen. — 4. ächzen, stöhnen, vor Schmerz, Schwäche 
BSi. — Vgl. das mohrfach syn. mudtn. 

ab-müle": Jmdn derb abfertigen TuTäg. — 
über-: Jmdn nicht zu Worte kommen lassen, im 
lauten Reden übertreffen, überschreien, zum Schwei- 
gen bringen Ap; VO; Gl; Gr; G; Sch; Z; Syn. über 's 
Mül faren, üa-handlen (s. Bd II 1403). Er hat AUi 
übermület, Ü. ist nid übertoise*. Ineichbn; Sulgbr. — 
„a"-: Jmdn im Sprechen trotzig anfahren." — ns-: 
Jmdn ausschelten, kritisieren U; W; Syn. üs-schuren. 
— schmal-: nur kärgliche Eost, wenig zu verzehren 
haben, sich am Munde absparen müssen L; Syn. schm.- 
borten. ,Schmal leben, schmalmäulen, tenui victitare 
salino.' Dbnzl. 1716. — schnarr-: 1. «gierig, schma- 
rotzend nach Speisen verlangen B." ,Schnarmaulen, 
esurire apud saturos, esuriens spectat edentes.' Denzl. 
1716. — 2. = dem Vor. Gl (It Prophet 1856). — dürr- 
= schmai-mülen, mit verst. Bed. ZGlattf. — wider- 
= mülen 2 a B; FMu.; vgl. das syn. chläffden Bd III 
629. I** ha* möge^ säge*, was i** ha* toöUe*, si hat- 
mer gang fcidermület. 

Mule"ri {*'^^) m.: Einfaltspinsel AxÄugst, Ober- 
flachs. 

Die Betonnng deatet auf eine Zss.; 8. Läri (Bd III 1862) 
and ADm. zu QaULöri (Bd III 1375); das erste W. der- 
selben hätte Verkürzung erfahren wie dasjenige in Grot- 
Mueter, Sch)i~Macher usw. 

g'mület: mit einer geläufigen Zunge versehen 
Gr. E guet g'm-i Frau, 

Mületei* f.: ein Mundvoll BHk.; Syn. Mump fei, 

mületschen: das ,Maul brauchen* zum Zanken 
und Schelten W. 

mülhaft: zum Widerspruch geneigt S. 

Müli m.: Mensch, der oft und gern ,mault' Bs; Z. 

g'mülig: zum Ausplaudern geneigt ZO. 

lind-mülig: weichmäulig, von Pferden Bs; Gl. 

litz-mulig. ,Bist oben *rum so litzmaulig', redet 
UBrägger 1782 den Mai an. 

Wahrsch. 1. S. v. : mit verzogenem Mund, indem Brägger 
sagen will: die Witterung sei Anfangs Mai launisch; vgl. 
'« Mül Utxe*. 

zwei-mülig: zweiseitig, von sogen, englischen 
Schlüsseln ZStdt (Tagblatt 1884). 

spar-müle": an Holzblöcken, bes. Sägehölzern, 
die man über einen ,Holzlass' hinunter lassen will, 
an den Sägeschnitten ringsum die Kanten abschroten, 
damit die Blöcke leichter gleiten, den Boden weniger 
aufwühlen, auch weniger leicht an den Enden be- 
schädigt werden BO. ; VO. ,So Einer ungehorsam im 
Spalten oder im Sparmülen in beiden Orten [Enden], 



so mögend Inhaber der Güter selbe um den Schaden 
anlangen.' 1645, OswKägiswyl. 

Vgl. das syn. achnönen, von Scknan 1) vorragendes, ver- 
dicktes Stammende, 2) H&ngemaul. 

Mal n n., Dim. MülH Ndw; W. Müli n. BSa., 
MtU m. GrD., V., Mute* f. GRPr.; PAL: 1. Maultier. 
Starch wie as MiUti W. — 2. Pferd von der Farbe 
eines Maultiers GrD. Gaul mit einem Fleck über 
dem Maule GnPr. 

Mhd. mflZ, aus lat. multu. In unserer &. Lit. finden wir 
die Pl.-Formen: ,Mul.' 1478, T., VL.; ,MOI.* JCWelssenb. 
1681; ,Mau]er.' WHuber 1787. ,Mit mulen.' 1419, Abscfa.; 
,by 26 mulen.' 1526, ebd. Das Gcschl. richtet sich z. T. 
nach dem von Esel, z. T. nach dem von Mären. Auf den 
Palmesel bezieht sich wohl die Stelle: ,SoI. 12 ad lumen 
vor dem m. Lumen, quod deputatum est zuo dem mule.^ 
XIV., L Propsteirodel. 

Mall n.: Sand, lockere Erde BO. 

Vgl. Gr. WB., ferner Muü-Wur/und die Gruppen G'müel, 
O'mülb, Mola, G'mtUder. 

Mulle", Molle" f.: 1. aufgeworfene Erde L (Bü- 
cher). — 2. a) ungereinigtes Korn sammt der Spreu 
GrD., Pr. — b) = Karjänten (Bd III 429) GRTschiertsch. 

muUe" (in Uw molle*): 1. „kauen, essen"; bes. 
mit (üb6r-)vollem Munde und mit sichtbaren Kau- 
bewegungen BO.; üw; W; Syu. mufflen, mumpfen. 
— 2. = mülen 2 a BSi. — Eig. zermalmen; vgl. Schm. !• 
1590. steht offenbar fUr u'. 

über- = u5er-mü2en BSi. 

inhi"-: gierig, hastig in den Mund stecken und 
verschlingen BO. 

MuUete" f.: 1. alte, kleine Beste von Ähren und 
Stroh; leichtes, ungereinigtes Korn GRObS.; Syn. 
Müllen, Gemüster, — 2. lockerer, un fester, nicht fest- 
getretener Schnee in einem Wege GrV. — 3. = Mü- 
leten BO. 

mullig, mollig II: locker, von Schnee, der sich 
nicht leicht ballt, oder der nicht festgetreten ist Gr 
ObS., V. 

G*müll n.: allerlei kleinerer, mehlartiger Abfall, 
wie er z. B. beim Beinigen des Getreides sich bildet 
oder auf dem Heuboden, Zimmerplatz usw. zurück- 
bleibt Gr; SThierst Syn. Gehuder Bd II 999. Estoas 
z* semmag' seharrats G'm. Schwzd. 

müUele" (in Uw möllele*): Dim. von mullen, in 
kleinen Bissen verzehren, behaglich kauen VO. 

Mülli"g m.: Schwätzer BSL 

Mnlletang B, sonst Multum m.i eine Art Flanell B; 
dicker Wollstoff, bes. zu Frauenkleidern VO; Z. ,Ich 
hatte darauf hin schon der Frau M. zu einem warmen 
Gloschli gekramet.' Gotth. Adj. muUummi*. En mul- 
tummene^ Underrock. — Aus frz. moUeton 'Abi. von »wm, 
mol), dasselbe. 

Mnllibas: eine Art feiner Spalierbirnen Bs. — Aus 
frz. mouiüe-louche, eine Birnenart. 

üf-mälle": das Getreide nach dem Dreschen mit- 
tels der Putzmühle reinigen AiEhr.; Syn.uf -machen; 
wind-müJlen; vgl. G'miillet. 

Das Vb kann nicht als Abi. von Mülli erkl&rt werden, 
welche mülUne* heissen müsste, sondern ist als Grundw. zu 
Diesem construiert. 

Müller (in PAl. Miliner) m.: 1. Berufsname, wie 
nhd. allg. Das Gewerbe des Müllers war privilegiert, 



185 



Mal, mel, mil, mol, miil 



186 



anderseits dagegen wieder au verschiedene Betriebs- 
vorschriften gebunden ; vgl. EhaftftJ Bd I 8/9, ferner 
Seg., ßG. III 175. »Erstlich sollen die müller einem, 
80 ein mütt des besten kernens in die müli tuet, 
14 halb gestrichene viertel m6l geben, wie man es 
den pfistern malet, krClsch und m6l under einandern. 
So es husguet ist, soll ein m. geben von einem mütt 
18 halbe gestrichene viertel rein gebütlet m6l und 
2 halbe gestrichene viertel krüsch.' 1580, L Müller- 
ordnung. ,Es sollen die MüUeren schuldig sein, einen 
gelehrten Eid zu schweren, dass sie mit dem trug- 
lichen Hauwen der Steinen, vorteiliger Richtung der 
Müllenon, überflüssigem Anfüchten der Früchten, als 
in einich anderen Weg dhein G'fahr bruchen wöllind. 
Was aber den Lohn betrifft, obwohlen man den Gelt- 
lohn am lydenlichsten befunden; die weilen jedoch 
die Müllere meistenteils einen schweren und grossen 
Hausbrüch habend und ihr Gewerb mit schweren 
Kernenzinsen beladen und anderwärts der Geltlohn 
auch nit brüchig, sonderlich in diseren Landen nie- 
malen üeblich gewesen, so sollend sie den Lohn von 
zugebrachten Früchten wyter dergestalt haben, dass 
ihnen aus jederen Mütt Kernen ald andere Frucht 
6 Pfd an Gewicht darvon ze Malerlohn und für den 
Abgang gehören.' Z Yerordn. 1628; vgl. auch Oriff 
Bd II 710; Z Ges. lU No 10; IV 197/212; Ap LB. 
1585/1828, 93/4; AI. VI 277 (Sch Stdtb.). In einem 
Fahndungsbuch heisst es : ,Gibt sich vor einen M. aus ; 
führet auch deswegen einen Zollstock wie ein M.* Z 
Nachr. 1754. Das Volk rächte sich an dem in be- 
vorzugten Verhältnissen lebenden Stand durch ein 
böses Leumundszeugniss, offenbar nicht immer ohne 
Grund; so beschwerten sich 1554 die Bauern über 
den Geiz der Müller, kauften einige Mühlen an sich 
und Hessen darauf durch angestellte Knechte mahlen 
(Pup.). Wi mache» 's denn di M,? Si bitte» 's Vatter- 
unser, das hcUbi Korn ist unser Aä. Der Volksmund 
behauptet, ,der Müller lasse die Bäder am schnellsten 
laufen, wenn er sollte den Mahllohn taufen', d. h. er 
sorge dafür, dass die Räder der Mühle am schnellsten 
arbeiten, wenn dasjenige Korn aufgeschüttet wird, das 
seinen Mahllohn bildet (das er gleichsam als seinen 
Mahllohn tauft) L (Schürmann). D* M. sind Schelme», 
aber nid all Schelme» sind M. Ineichen; Sdlger. De 
bist-mer se lieb, une-n-em M, de Dieb, d. h. ich liebe 
dich wie mich selbst. Suloer. 'RedXi»d in'n Müllene» 
d' Seck mit enand — wa' horti»d nid d' M, für Schimpf 
und Schand! Sch. D' M. si»^ der Mueter Oottes z' ver- 
gliche» : si isch vor der Cfiburt, u)äre»d der Giburt und 
no^ der Giburt «• reini Jumpfere» g'si», d* M, aber 
g(nd ^f^ ^gf. Mülli, mitts t" der Mülli und hinget der 
Mulli die gliche» Schelmef' S (Schild). Die Mühle klap- 
pert: M., M., KObelitröler, Hör abhaue», Hüsli baue» 
G ; oder : MtÜlerli, Driülerli, 's Bedli göt um, DW M. 
(Meister) wird (ist) zornig und weiss nid worum kk 
(mit noch andern Var.); Bs; oder einfach: D' M. sind 
all Schelme» Aa. «/b, jo, das glaub 'i'\ d' M. sind 
staubi9, d* Bettler sind arm, im Sommer isch 's warm G 
(Scherzreim). Maitli, wenn d' hürote» wi% hürot du 
an M.! und wenn er nöd de» G'rate* häd [übel aus- 
fallt], so steck-em du de» LüJler, ebd. Auf die Frage: 
Biksdi [Kätzchen], was stilt der M.? erfolgt nach der 
MA. des BU. die Antwort: Mau [Mehl]; vgl. Rochh. 
1857, No 199. Jmd, der sich in seinen Berechnungen 
getäuscht, wird der überriehnet M. genannt Z. Ein 



Zwerglein verdingte sich einst bei einem Müller als 
Knappe ; nachdem es am Jahresschlüsse das Mehl aus* 
geteilt hatte, gieng es davon und sagte: Für einen 
braven Mann taugt das Müllerhandwerk nicht W; 
vgl. W Sagen 163. , Einer, wann er Andere Lugen 
strafen wollte, sagt: Der redt wie ein M. [d. h. lügt], 
und wann man fragte, wie dann die M. redind, ant- 
wortet: Laut, dass man^s mag hören.' Schimpfr. 1652. 
,Das gemeine Sprüchwort, den M-en müsse man eine 
Sach zweimal, den Narren aber zum dritten Mal sagen.' 
ClSchob. 1695. S. noch Sch Volksfreund 1861, E 4/5; 
BHist. Kai. 1851, G 8; S Kai. 1714. — 2. Name einer 
Ziege, die immer ins Mehl will Ap (T.). — 3. Name 
einer Kuh mit weissen Flecken Uw. — 4. a) Motte; 
kleiner, weisser Nachtschmetterling; Nachtfalter übh. 
B ; F. D'r müesst d' Pfeister nid offe» la», das» d' M. 
nid geng um d's Liedht umhafare» BG. ,Ich flatterte 
immer näher um's Licht herum, wie ein M., eine 
Fliege, welche am Ende die Flügel sich verbrennen.' 
GoTTH. — b) Kohlweissling, pontia BBurgd. — 5. Dim., 
Zaun- oder Hausgrasraücke, sylvia curr. L ; Aa Gem. ; 
TscHUDC, Tiorl. ->- 6. Dimu a) Gänseblümchen, bellis 
per. AABb.; vgl. die Synn. MuUer-, Müch^Blüemii, 
Wisseli; andere s. Bd II 378. — b) Mehlprimel, prim. 
far. TnMamm. ; Syn. MH-BlOemli, — 7. Familienname, 
allg. Dazu der Scherz: en M. oni Mel Z. ,Mülner', 
Name eines alten Z Rittergeschlechts, das die Mühle 
in Stadelhofen zu Lehen besass. Auch in Zss. wie 
Frei'Müüer Z; ,Fort-Müller.' 1530, Kessl. (viell. be- 
nannt nach der ,Furt-Mülli' ZWalt). 

JAhd.' mülmxere, ahd. mtdinari, aas nilat. molinarias. Dazu 
das Fem. ,Mul«ra.' 1329, Kopp, Urk. 5 ist benannt nach 
dem einförmigen Ruf: Klapp, klapp! 6 a (wie 3 und 4) 
nach der Farbe; vgl. M.-Chnecht Bd III 726. 

Hans-: Name einer Apfelsorte; s. Bd I 372. 

Wie in andern F&llen, so mag auch hier die Fracht nach 
Demjenigen benannt sein, der sie zuerst culti vierte oder ein- 
führte; doch ist es viell. nicht znAllig, dass hier der ge- 
meinste Vorname mit dem gemeinsten Familiennamen die 
wenigstens vormals gemeinste Apfelsorte bezeichnet. 

Lumpe"-: Schelte auf einen schlechten Papier- 
müller Bs (Spreng). 

Siden-: Seiden zw im er. XVI./XVIIL, ZStdt, Zoll. 
,Einen guten S., der das Tramenarbeiten, Seile und 
Qreppen wol versteht, auch mit Packen umgehen kann.' 
1778, Z Intelligenzblatt. Vgl. noch Siden-MiÜli und 
Chambler Bd III 299. 

Diebs-: Scheltw., neben ,D.-Henker, -Mörder.' 
XVIL/XVUL, Gkspr.; s. T. 1869, 7. 

müllere": 1. a) das Gewerbe eines Müllers be- 
treiben, malen B; S; Z. ,Es ist fast, als ob ich Nebel 
m. wollte, um Mehl zu machen, oder mit Wolken oder 
Schnee Fundamente zu einem Hausbau.' Gotth. — 
b) = chomen c (s. Bd III 475) FMu. — 2. „Kartoifeln 
durch ein Drahtsieb stampfen LE."; vgl. Erdepfd- 
Mülli. 

ÜS-: mit Acc. P., Jmdn ausspotten BhE. 

Wahrsch. eig. : au Jmdm seine böse Zunge üben, wie man 
es an den Müllern tut 

Mülleri» f.: Frau des Müllers, allg. Dr%» luege» 
wie ne M,, ein behäbiges, (geld) stolzes Aussehen 
haben L. 

G'müllet n. = G'müU; vom Abfall beim Beinigen 
des Getreides durch die Windmühle SoaSchl. 



187 



Mal, mel, mil, mol, nnl 



188 



Mülli f., PL MHÜene^, Dim. Müüdi: 1. Mühle, 
allg. ,£s 8ond alle pfister zue Santgallon zae den 
selben vier mülinen maln und farn als von alter sitt 
und g'wonlich gewesen ist.* 1373, Bichtukg zwischen 
dem Abt und der Stadt G. ,Eein mülin sollt ihr gar 
nicht schleissen, auch kein bachofen niderreissen, die 
beckenhäuscr nicht zerstören.* GGotth. 1599 (Mahnung 
an die Soldaten). RAA. Er hat's wie cUr Müüer z* 
Bürgle^: Er leitet Aus uf s%* M, Th. ,Sie sei eine 
Mühle, denn sie mache immer: Gib abe*, gib abef^ (vgl. 
Bd II 77), sie sei aber auch eine Müllerin, denn sie 
leite alle Wässerlein auf ihre Mühle.' Sch Pilger 1884. 
, Kinder, in der Waage geboren, wissen geschickt das 
Wasser auf ihre Mühle zu leiten.' ß Bist. Kai. 1862. 
,Das Wasser des weltlichen Intressens auf das Rad 
der Societat [Jesu] und dero Mülle hinrichten.* Goliath 
1741. Mit Verblassung des ursprünglichen Bildes: 
Uf si* M, rede*, in seinem eigenen Interesse S ; ZO. 
Das ist Wasser uf s%* M,, kommt ihm sehr zu Statten, 
sehr gelegen Bs; Gl; Th; Z. I« der M, sait m^*s 
zwei Mol, Abfertigung lästiger Frager, die Etw. das 
erste Mal nicht verstanden haben Bs; G (mit dem Zu- 
satz: Und eme* Narre* drü GBern.; Z). I«* sage* Nüt 
zum zweite* Mol als in-ere* M, Bs. Wenn ein lästiger 
Lärm, ermüdendes Geschwätz auf einmal aufhört, sagt 
man: 's ist g'rad, wie wenn e M. abgestanden war G; 
Z ; vgL ab'lassen Bd III 1400, Stutz V 29. ,Abgestellt 
die Mühle [das Treiben hat ein Ende].* Ybrq. Tage. 
Von einem Menschen, an dessen Ehre ein Makel klebt 
(in S bes. von einem Mädchen, das unehlich geboren), 
häufiger aber von Einem, der beschränkten Geistes 
ist, sagt man : 2>c^ ist (e cMi*J dur<^ d' M. g'loffe* 
(dure* g'gange*) B; L; S, ist bi 's Löli's M. ane* 
g' gange*, a* 's Löli's M. vorbi g' gange* Z; er het au''* 
Ei**s mit ^em Sack übercho*, wo-n-er bi der Lölis-M. 
duren ist Spbww. 1869; vgL laufen 5 & a (Bd III 1123), 
Löli 1 (Bd III 1260). Us der M,, us ^em Buech, RA., 
die sofortige Baarzahlnng (wie sie in der Mühle üblich 
ist) empfiehlt AABb. Z* M. gi* Cfare*, gä*, tue^, träge*), 
Getreide zum Mahlen aufgeben (vgl. CJier, uf-laden, 
'Uggen). allg. ; vgl. MüHi-Guet Bd U 550. ,Es sei gar 
gemein, mit Rindvieh z* Mühle fahren.* Ndw Kai. 1889. 
Me* seU nit uf H*'m Esel z' M. füere* S ; vgl. Bd I 514. 
Z" M. trösehef*, von der Ernte so viel Getreide dre- 
schen, um ein ,Mäli* in die Mühle bringen zu können 
Th; Z. Z" M, fassen, Getreide in Säcke fassen, um 
es in die Mühle bringen zu können Bs; Th; Z; da- 
gegen in S: das Gemahlene vom Müller wieder in 
Empfang nehmen. ,Der Paur gibt dem Müller z' Mülli.' 
ScHiMPPR. 1651. Mit Dat. P., ^ M. gi*, trösche* (schon 
Mey., Hort. 1692), Jmdm tüchtige Prügel verabfolgen, 
und entsprechend z' M. übercho* Aa; Sch; Z. Ei**m 
z' M. tue*, eine tüchtige Tracht Schläge, eine herbe 
Züchtigung in Aussicht stellen ZO.; vgl. Ei**m 's Bad 
übertue*. Uf Ei**m z' M. rite*, Jmdn recht ausbeuten 
BO. M%ni M. göt, dtni M, b'stöt, mini malet Zucker- 
erbsli, dini malet Ghatze*- (Spatze*-) Dreckli, Vers zu 
einem Fingerspiel, wobei Jmd die Finger in einander 
zu ficchten und dann den Daumen und den Zeigefinger 
auf einander zu kippen sucht Ap; G; Sch; Z; viele 
Varianten s. ünot 1868, 50, gän Bd II 5/6, T. 176 a. 
^Gelt und z' müli ausleihen, commodare argentum et 
triticum.* Mal. ,Vil habend im Brauch, ohne Under- 
scheid in den Hufen hinyn zu fragen, wie es die Mülli 
ohn Gefehrd gibt.* 1626, JJBreit. ,Es sei aber weit 



gefehlt, dann alldorten [in der Ewigkeit] werde ein 
Jeder seinen Sack selbs zur Mühlen tragen und ein 
Jeder sich selbs verantworten müssen.* Heut. 1658. 
,Er gehet zu Andern zur Mülli, schändet Anderer 
Weiber.* Met., Hort. 1692. ,Ein geiziger Müller sollte 
einem Schnitter, der, wie er meinte, zu viel essen 
mochte, gesagt haben: Nun, nun, deine Mühle geht 
streng!* B Hist Kai. 1821. S. noch Plämp, ab-gän 
Bd II 9. — 2. Z' MuLli n. (in Sch; ZO. auch m.), so viel 
Getreide, als man zu einer ,Bacheten* [als Bedarf an 
Brot und Mehl für 1 -3 Wochen] in die Mühle gibt, 
d. h. ein Sack von 2—7 Vierteln, bzw. das Quantum 
Mehl, das man zurück erhält Aa; Bs; B; L; Soh; S; Z; 
Sjn. Mali. Zum ene* Z" M. trösche*. E* MUes, 
grosses Z" M. 's Z* M. fasse*, 's Z' M. hoUn. De 
Z" M, langet no^^ bis zur Em, wir haben bis dahin 
noch Mehl (bzw. Brot) genug Sch; ZO. Um eine dank- 
bare oder anhängliche Gesinnung auszudrücken, ver- 
sprechen Bauernknaben dem Müller: Wenn-mer einisch 
grösser si*^, muesch üsi Z' M. ha*. Schild. Du müessest 
ga* es Z" M. reichen, dV MüUikarrer heig 's vergesse* 
z* bringe*. Gotth. So band [bald] a'« der Gharer 
chunnd, su lad-em euses Z M. üf AaF.; Z. I^ vermag 
das Mal e grosses Z* M. ZAff. Euser 0'mei*rot hed 
dur*^ de* Wächter lo* umme*8äge*, es muess jedi Hüs- 
halti*g uf 's Neujör es Z* M. bache*, üb 's MU hdn*d 
oder kei*s ZKn. Chumm, blös-mer du es Z' M.: i** 
will-der gjtm der Sack üfha* Aa (Bochh.), höhnische 
Herausforderung. ,Man hatte nicht mehr Korn genug 
für Brod, es musste Z' Mühle gekauft werden.* Gotth. 
,Wer eigene Frucht oder ein erkauftes Mühlin hat, 
bacht es meistenteils selbst.* 1698, ZEgL Bericht. 
S. noch H&r Bd II 1526. — 8. als Verkürzung von 
Wind-M. — 4. die Mühle im MühlenspieL allg. D' M. 
uf-, zue-tue*. Ei**m d' M. stopfen, das Handwerk 
legen Bs; vgL Hinderm. 1861, 59. S. noch Figgen 
Bd I 712/3. 

Hhd. mül(e), ahd. mttlHn), ans vulgärlat. moUna. Die 
Form mit aasl. i wiegt auch in anserer &. Lit. vor (vgl. 
dazu Chuchi Bd III 129, Chämin Bd III 259, Büfi), ebenso 
die Schreibung mit Doppel -{ (XV./XVIII.;. Neben der regel- 
rechten Plural-Form (,Von mfllinon. Die ze ZQrich mQliue 
haut.' 1804, Z R.-Brief. ,MQlline.* 1309, Alpenp. ,Maiinen, 
Müleoen.' 1360, Gfd; 1550, UMey., Chr.; 1572, Ardüser; 
1585/1828, Ap LB.; Z Mand. 1699; dazu der Geschlechtsu. 
,von MQIinen* B und ebenso in den Haimonsk. 1531 als 
Übersetzung von ,de Moulins*) kommt auch seltener ,Mlillen* 
vor, so 1303/11, Ol Urk.; Helv. Kai. 1783. Vgl. noch 
Steinm. 1802. 254. Die RAA., welche den Einfältigen be- 
zeichnen, gehen vi eil. aus von der Befleckung mit Mehl, 
welche dem Tölpel angetan wird; vgl. ,mit dem Sack ge- 
schlagen.* Die Art der Entrichtung des Mahllohnes wird 
illustriert durch eine Einrichtung in der aus dem Jahr 1533 
stammenden Mühle in ZHirsl., wo sich bis auf heute eine 
in die Mauer zwischen den Mahlgängen eingelassene eiserne 
Geldkasse befindet, in welche durch eine Spalte der Lohn 
geworfen wurde. Betr. die Verschmelzung der Prftp. •' mit 
dem Subst. zn einem W. vgl. Anm. zu Abend Bd I 36. Das 
W. auch, einfach und zsgs., in einer Menge Flurnamen, z. B. 
,MQhlen' B; Gr (r&torom. MoHhb); W, ,MQlenen, MOUnen' 
B; Schw; Z, Rdmd(Oi B, aus Är-M., ,Feld-M.* Bs; L (1293, 
Gfd); G. 

Obs-: Mühle mit vertikalen Reibsteinen, zwischen 
welchen ,Mostobst' zum Zwecke der Mostbereitnng 
xerqnetscht wird, Quetschmühle Th; Z. Syn. Most-, 
Biren-M, — Ochse"-, scherzh. in der RA.: Ä* der 
0, a*renne*, geistig beschränkt sein Bs (An. ad St.). 



189 



Mal, mel, mil, mol, nnl 



190 



— Yatter-Unser-: spottischer Name der Betschwe- 
Bteru L. — HSrd-öpfel-: Stampfmühle, in welcher 
vermittels eines Kolbens gesottene Kartoifeln durch 
ein unterhalb der Schale angebrachtes Sieb durch- 
gepresst werden, worauf man die dadurch entstehen- 
den wurmartigen Gebilde (z. T. zum Behnfe der Men- 
gung unter das Backmehl) dorrt Th; Z. >- Figg-: 
\. = Figgen Bd I 712/3 GrS., Scuolms. ,Spe duplici 
nti, zwo (,eine/ Denzl. 1677; 1716) fickmüle haben, 
zwjfache hoffhung haben/ Fbis. ; Mal. — 2. = Figg 
(Bd I 714) L. — Frei- oder Freiheiten-: Name 
der Schultheissenmühle zu BHuttw., welche im Be- 
sitze besonderer Rechte und Freiheiten war und als 
Wahrzeichen hievon zwei Fähnchen auf der First 
trug. (Nyif. 1871, |120.) — Frön-: herrschaftliche 
Mühle mit Mühlzwang, Bannmühle; Syn. Twing-M. 
.[Die von Mumpf] haben ouch ein fr., darin soll man 
haben das alt mäss, und wann er malet, so soll er von 
einem mütt dürrem nemen ein ymmi und von dem 
grüenen ouch ein ymmi.* 1585, Arg. — GSlt-: übertr., 
sehr einträgliches Gewerbe, bes. von einem landwirt- 
schaftlichen Besitz, Bauerngut Gl; Syn. G.-Chloben 
(8. Bd III 620). ,So ist [durch die Predigt des Evan- 
geliums, wodurch dem Ablass ein Ende gemacht wor- 
den] dem papst syn geltmüle abgeschlagen.' KGualth. 
1546. — Glästi-: Mühle, welche die Töpfer zur Be- 
reitung des Glasurmehls brauchen, Glättmflhle Ap. 

— Grüsch-: Mühle, in welcher die gröbste Kleie 
gewonnen wird Ap. 

Hell-: Name einer ehemaligen Mühle AiZof. 
Ortsname S. Euphem. für Hölle in der RA. : Der H, 
zue fort* S. 

Anlass zn der Übertragung mag die Yorstellang von der 
trichterförmigeo Gestalt der Hölle (verglichea mit dem Hühl- 
trii^bter) gegeben haben; vgl. Ckeanel-, Jtoll-Ha/en, 

Hirs-: Mühle, in der Hirse gemahlen wird; noch 
als Eigenname einer Mühle ZDielsd.; vgl. Schaubg, 
Rq. 1 188. Von einem dummen Menschen sagt man : 
Di^ ißt aw^ für d' H. antl^ mit ^em Sack ZReg.; vgl. 
MaUi 1. HirsmOUer, Familienname Z. 

Hüs-. ,Nachdem wir dryerlei gattungen des hü- 
rigen kernens uf der h. (wie man es nennt) malen 
und probieren lassen.' Z Mand. 1598. 

Viell. eine kleinere, auf dem Kornhaos (s. Bd II 1715) 
aufgestellte HandmQhle. 

Kafi-. D*8 Mül geit-m^}^ iri^ uf-^r^» K., er ist 
ein unermüdlicher Schwätzer GnRh. — Chunde"-: 
Mühle, die für Kunden mahlt Th ; Z ; Gegs. EandeU-M,; 
vgl. Mmi 1, ferner Mater-, MMer-Lön (Bd lU 1290/1). 

— Knöchten-: Mühle, die mit Mühlknappen in 
Regie betrieben wird. ,Einen Ratschlag abfassen, ob 
diese Mülle fernerhin eine K. verbleiben oder aber 
zu einer Lehenmülli [in Pacht gegebene] gemacht 
würde.* 1734, Z Staatsarch. - LS der-: Walkmühle 
der Weissgerber. Z Mem. 1801, 14. — Wög-Luege"-: 
eine spec. zum Mahlen der Wegluege* (vgl. Bd III 
1229) verwendete Kaffeemühle Z. — Lumpe*"-: Pa- 
pierfabrik Ndw. Armliche Papierfabrik Bs (Spreng). 

— Münz-: Münzstätte. 1567, BStaatsrechn. — Möl- 
Mues-: Mühle für , Breimehl' (Hafergrütze). ,Zwei 
Mühlen, da die obere ein Mahlhaufe und ein M., die 
untere eine Relle haben.' Z Prozess 1805. — Most- 
= Obs-M. Ap; Th; Z. 

Narren-: fingiertes Gerät, in dem unheilbare 



Narren zu Mehlstaub gemahlen werden sollten; s. Z 
Kai. 1811 D 3. 

Yiell. beruhend auf dem Sprw. Salomons: ,Und wenn du 
den Narren in einem Mörael zerstossen würdest, so würde 
er doch nicht von seiner Narrheit lassen* ; viell. aber nichts 
Anderes als eine Yerhochdeutschang von Lälit-Miilli. 

Bi-: Nebenmühle, kleineres Gebäude mit 1—2 
Mahlhaufen am gleichen Bache, welcher die Haupt- 
mühle (im grossen Gebäude) treibt, doch unterhalb 
Dieser und in deren Nähe Z. — Pelz-: fing. Ortsname, 
in der Abfertigung auf die Frage ,Wo?* Z* Bümpliz 
(TripstrüllJ uf der P, Sch; Sprww. 1869. —Bändel-: 
Kunststuhl der Band weher. XYIL/XYIIL, Bs; vgl. 
Ad.Bürkli 1884, 18; Bs Jahrb. 1885, 69. Dafür 'in 
neuerer Zeit Band-Stuel, ,Dies bewog mehrere Bürger, 
diesen Gewerbszweig ohne Zunftzwang zu betreiben, 
geschickte Arbeiter anzustellen und den Gebrauch der 
sog. Kunststühle, Bändolmühlinen, einzuführen.' um 
1650, Bs (Ochs). — BiTe''' = 0b8'M. Z. — Bütel-. 
,Beutelmül]e, mola pollinaria.* Mal. — Brot-: Brot- 
Einschneidemaschine ZStdt; Syn. TünkH-Maschlnen. 
-— Roll-: fingierter Name, in der RA.: albig uf der 
R. ga*f von Gegenständen, welche der rechtmässige 
Eigentümer oft entbehren muss, weil sie häufig von 
Andern entlehnt werden Gr oHe. Sjn. eisster uf der 
Fari «1«. — Rell-, Roll-: Schrot-, »Gärbemühle 
Gr; Z«; Syn. Belli. — Ratz-: Mühle, die wenig 
Wasser hat. Sulger. — Siden-: Seidenzwirnerei. 
XV1./XVIII., ZStdt Eine solche errichtete Zanino 
1567 in dem Gebäude, das später in , Wollenhof' um- 
getauft wurde. Yg\, S.'MaUer. — Sager-: Sägemühle, 
doch nur als Hausname ZStdt 1796, sonst Sagi. — 
Semmel-: Mühle für Semmelmehl. Syn. Wiss-M, 
,1533 ist die erst s. allhie in Sant-Gallen gemacht 
worden; darnach Hess der spital ouch aine machen, 
vormals nie gebrucht noch erkannt in MHHn statt' 
KsBSL. — Schw6rt-: mit der eisernen Jungfrau, dem 
bekannten Strafinstrnment, verbundene Vorrichtung, 
bestehend aus Schwertern, auf die der Verurteilte 
beim Kuss der Jungfrau stürzte; vgl. die (immerhin 
phantastisch ausgeschmückte) Beschreibung bei DHess 
1818, 274. — Spinn-: Spinnerei. Aa Gem. 1844, 1 478. 
Syn. Maschine*. — Sprür-: wahrsch. eine Mühle, 
welche mit einem Putzwerk versehen war, so z. B. in 
L, wo die Sprür-Brugg ihren Namen von einer solchen 
daran gebauten Mühle erhalten hat — Staub-: Putz- 
mühle S; Syn. Wann-, Wind-M, Wenn Einer nie 
dur^ d* St. geit, toird er nit lüter, Erfahrungen lassen 
sich nie ohne Opfer gewinnen. Schild. ,Sy send ouch 
du st nit da han ald aber der stoub soll bi den sprüren 
belyben.' ScHStdtb. — Trib-. ,Moletrina, einwasser- 
müle oder treibmüle.' Fris.; Mal. - Trübe"-: 
Quetschmühle mit hölzernen Walzen, für die Trauben 
in der Weinlese, welche mehr und mehr den Trüben- 
iSto««cZ verdrängt Z. — Twing- = Fron-Jlf. ,E8 sind 
zwo twingmülinen, die nider und die ober, und hat 
ein her ze gebieten da ze malen allen denen, so in 
dem hof gesessen sind.' 1427, ScHwPfäif. Offn. ,Es 
war altes Herkommen, dass eine gewisse Gemeinde 
des Buchsgau's der Tw. in Rickenbach nach Abnutzung 
des Wendelbaumes beim ersten Mahlgang einen Eich- 
stamm zur Erneuerung verabfolgen musste.' BWyss 
1865. 

Wann- (in W Wannu-M., in Th WammÜlUJ = 
Staüb'M. Gb; GT.; Th; W. - In dieser Benenuung liegt 



1dl 



Mal— mal. Malb— malb 



192 



die Erinnerang daran« dass ehemals alles Getreide von Hand 
<^iHifiii«e [geworfelt] werden masste. 

Wiiid-M. Wimmiau zz dem Vor. Sch; Th; Z. ,Die 
Samenhülsen [des Klees] werden aasgedroschen, nach- 
her über ein Staab- oder Habermehlsieb durch die W. 
gelassen.* Z Ges. 1788. — wind-mülle": das Ge- 
treide nach dem Dreschen mittels der Windmühle 
reinigen Z. 

Winter-. ,Garten und Haus bei den W.-Mülinen 
[in LStdt].' 1331, Gfd. — W iss- = Semmd-M. 1653, 
AiWett. Klosterarch. Mühle, in der sehr weisses Mehl 
erhalten wird Ap. «Weissmüller*, Familienname B. — 
Z ie c h - : durch Zugkraft von Tieren getriebene Mühle. 
,Die kelte war also streng, dass die stehenden und 
fliessenden wasser überfroren, desshalb [man] die 
müllinen stellet und ziechmülen anrichten muesste.* 
WüRSTisKN 1580. — Ziger-: Mtihlwerk, in welchem 
der eingelegte Quark mit fein zerriebenem Ziegerklce 
und Salz gemahlen und nachher in die bekannte Eegel- 
form gebracht wird Gl; vgl. Schweiz. Milchbuch 113; 
Alpenp. 1874, 274; Syn. Z.-Ribi. 

. yjV9ir\g- = Twing'M.; vgl. vArx 1819, 105/6. ,Und 
sollen die waldleut zu den Einsidlen die vorgenannt 
ir müle hinanhin für ein zw. oder wie es inen füeglich 
ist, um den vorgenannten erbzins haben und niessen/ 
1390, SciiwE. Klosterarch. ,Ist der amptlüten ver- 
meinen, dass si dhein zw. mer haben wöllint, dann 
si es ganz ungöttlich bedunk.* 1525, ZGrün. (Egli, 
Akten). ,Auf ihre Beschwerde, dass kein fremder 
Müller zu ihnen fahren dürfe, lässt man, weil diese 
Zwingmühlen von Alters her häufig, auch meistens 
mit schweren Zinsen beladen sind, und es sich nicht 
geziemt, solche Mühlen zum Nachteil der Zinsherren 
zu befreien, auch des Gotteshauses Mühlen nngeändert 
bei dem Herkommen bleiben; doch soll der Hauptmann 
Vorsorge treffen, dass die Gezwungenen [unter dem 
Mühlzwang Stehenden] immer vor Andorn gefertigt 
werden.* 1530, Absch. (GT.). 

Die Einrichtang hat sich mit den Ehehaften bis in diu 
neuere Zeit erhalten, eine ,Zwangniahle* befand sich z. B. 
im Distrikt Aabonne. 

Müliseiler m.: veraltete Bezeichnung des Teufels, 
z. B. als Herrscher in dem berüchtigten Rottal B. 

Nach einem der bernischen Weiler MQliseilen benannt; 
vgl. Jahn, Emmentaler Sagen. 

Nuel m. (PI. Muelege*) BR., n. BHk.: lauter Schrei, 
von Menschen; Gebrüll, von Kühen BO. — Abstrahiert 
ans müden. 

G'muel n.: Geschrei BR. 

muele": Schall wort. 1. von Tieren, a) brummen, 
dumpf brüllen, von Kühen BO.; U; „laut, unangenehm 
schreien, wie ein Esel BO.; Uw." ,Der stier von Ure 
treib ein grob gesang, us grossem zorn er fast wuelt, 
mit luter stimm er schrei und muelt.' NSchrädin 1499. 
Hieher wahrsch. auch: ,Dass dich der stier so rüch 
hatt angclüyt und wider dich gemulet, er lüyt dort 
her mit rucher stimm.* Lenz 1499. — b) „quaken, 
von Fröschen Uw." — 2. von der menschlichen Stimme, 
unartikulierte Töne ausstossen. a) „Unverstand lieh 
reden, sprechen Uürs." Syn. mit mülen 2 BO.;GrA.; 
LV. ; üw. Br het umme* g'muelet üwE. Di^ het g'muelet 
und 'prediget! Lallen, im Traume unverstandlich reden 
Ndw. — b) hässliche Töne ausstossen, wie Jmd, der 
grossen Schmerz leidet (Syn. mülen 4) oder sein Miss- 



vergnügen äussert (Syn. mutieren) BO.; GrA.; üw; 
ü; W; Syn. auch flännen, heplen, briielen. Öppis w., 
von einem Unzufriedenen. M. und fucht^, zanken 
W. Schi muoUt hü der ganz Tag W. Im Traume 
seufzen GnObS. — 3. unaufhörlich farzen GrL. — 

4. a) dumpf rauschen GrO. — b) in der Ferne, bes. 
mit langem Nachhall im Gebirge, donnern GrD., L., 
Pr., Sch.; W. Es muolet timmer [dumpf). Der D<mner 
muol^ W. Wer, wenn er im Jahr das erste Mal m» 
hört, sich auf den Rücken legt und am Boden herum- 
wälzt, bekommt keine Rückenschmerzen mehr GrI). 

Das Verhältniss zu mlUen ist unklar. Viell. darf ein drei- 
silbiges mu-e-U* als Abi. von dem Scballw. mu vorausgesetzt 
werden, in welchem dann « nnd e zum Diphth. verschwommen 
wären, wie z. B. in FieU^^ Bid. 

Muele" I f. : laute, schreiende Stimme BR. E M, 
ha\ Syn. s. bei Gellen I Bd II 208. 

Mueli m., PI. Muelige^: Schreier, Schreihals, 
Brüller, von Menschen BO. 

miielig: viel weinend, laut schreiend BO. Ems 
Chind. 

Maele° II: Name einer Kirchgemeinde mit unver- 
hältnissmässig kleiner Kirche G. Von einer Frau, die 
kaum jemals aus der Schwangerschaft herauskommt, 
spottet man : Si hat 's wie 's Mudemer Chilcheli, si ist 
's ganz Jar voU Th. 

G'niiel n. = G'müll (i. S. v. Kehricht), das sich 
bes. in Holzschuppen von faulendem Holz, Erde usw. 
bildet BSi.; W. Holzsplitter, wie sie auf dem Koch- 
herd oder von feuchtem Holz unter der Pfanne zurück- 
bleiben GRRh. - Viell. im Abl.-Yerh&ltniss zu maJm im 

5. V. zermalmen. 



Malb — mulb. 



molb: neblig, bedeckt, vom Himmel AASuhr. 
Wahrsch. liegt eine Form molw(iff) zu Grunde, eig. staubig, 
unrein, dann auf die Trübung dos Himmels übertragen. 

G'mülb n.: l. = GemiUly bes. allerlei lockere Ab- 
falle beim Sägen oder Abladen von Holz, von Torf 
usw. G. ,Wann [da] ich g. bin nnd flaisch.' 1476, G 
Hdschr. — 2. Laub udgl. für Laubsäcke GStdt — 
3. Durcheinander von altem Gerumpel G 1799. 

Zu mhd. gemüwe (Coli, von MHw); vgl. ,6emi]be, -mQlbe*, 
bei Or. WB. und die Gruppe MHw, ferner Malm. 

vermülbc": 1. (in ZZoll. vermüWe*) vermodern S. 
Morsch werden, zu Grunde gehen, bes. von der Saat, 
die z. B. bei grosser Trockenheit nicht Wurzel schlägt 
ZZoll. — 2. tr., zu Pulver und Mehl zerreiben B. — 
In vermulbe* fehlt der Umlaut, wie h&uilg bei u vor l -f Cons. 

G*mülber n. = GemiUb, bes. i. S. v.: „zu Pulver 
und Staub gewordener Abgang, z. B. Oberreste von 
Getreide, Tuch usw., nachdem die Mäuse sie zernagt 
haben BO.;** G. — Neuere Einsender aus BO. (spec. BR.) 
kennen nur die Form O'mülder. 

g'mtilbre" = vermulben 2 BO. 

mülbig: in (Mehl-) Staub und Moder zerfallend, 
z. B. von wurmstichigem, altem Holz BE. 



193 



Maleh, meleb, milch, molch, mnlch 



194 



Malch — mulch. 

Haber-Malch LW.; Zg, -Molch (PL -Molche») GS., 
'Molch ZO., -Müch ZO., -M&ech G oT. — in., -Molche» 
AaZ.; ScHwlb., Taggen; ZRiesb., -Molche» AkBh, — 
f.: Wiesenbocksbart, trag. prat. 

Die Etymologie des yielgestaltigen W. ist nicht auszu- 
machen, wenn auch die Form kabermcdch die älteste erreich- 
bare scheint (schon mhd. ; Tgl. Or. WB. lY 2, 84) und ein 
Zshang mit mfleht Milch (Tgl. die Synn. Haber-Mulchen, 
Milch (e)li-Chrüt, Mdchelen, Müehercn, Müchlig) am meisten 
fOr sich hat. Vgl. auch noch die Synn. Haher-Mauch, -Mdw, 
-Mnrch (-Marg), ferner HGrassmann 1870, Nr. 415. 

malehe": mit Gier und vollem Munde essen LG. 
(Ineichen). Syn. mullen, maischen. Dazu die tr. 
abe»-fn,, tc-m. Aa; vgl. Rochh. 1857, 47. 

Malehns U, Molches Ap; Ndw, Maichis Aa; L, 
Molchis ScHwE.; S, MaUcis Aa: I.Personenname. — 
2. (PI. McUchese^ Ndw) ßezeichnung eines fetten, plum- 
pen, vierschrötigen Menschen Ap; VO, mit dem Nbbegr. 
grob L; Ndw, nimmersatt L, böse S. Unsauberer Mensch 
AaFh. ich dummer M,! MLibnert. Langsamer 
Esser Aa (Bochh.). 

Malehu9 bildete in den mittelalterlichen Osterspielen eine 
stehende Figur und Terniutlich gehörten die wesentlichsten 
ZQge der appellatiTen Bcd. schon der Darstellung der Rolle 
durch die Schauspieler an. MoLchin scheint sich an , Molch* 
anzulehnen; Tgl. die Bezeichnung eines dicken Menschen als 
(dicken Molchs' (Campe). 

Gülte'*-Malchis: Bcsftzer vieler «GültenS Ka- 
pitalist L. Der Baggerhur hed vor-'^em G. Angst toig- 
^em Zeise». Brandst. — Suppe"-: Spottname Des- 
jenigen, der mit dem Löffel zuerst in die Morgensuppe 
fahrt Aa (Rochh.). 

Wlss-: Name einer Sorte kleiner, runder, weisser, 
sflsser Äpfel Zg. 

meleh (in Aa; ßs; B; L; S; Th auch melchig, bzw. 
mel^gj: 1. Milch gebend, im Gegs. zu gait, gust (s. 
Bd II 236. 493) Bs; B; Gr; G; U; W; Z. M, blibe», 
im Stadium des Milchgebens verharren, nicht ergalten. 
Er het kener milche» Striche» [Zitzen], hat keine melke 
Kuh BHk. ,0b aber ainer nit mer dann ain khue oder 
zwo bette mölch, der mag die mSlchent khüe den kin- 
den behalten.' XVL, Gr Rq. ,Unter dem Vieh wurden 
'/s Melchs (Kühe) und V* Galts (Rinder) verstanden.' 
1545, Ahoerd. ,Esel, die all truegen und nielkig wären.' 
TiERB. 1563. ,Die Allmenden mit den mSlchen Küenen 
nutzen.' 1672, OswRq. ^. noch Melch-Geiss Bd U ißS. 
Auch prägn., viel Milch gebend, milchreich B; Gl; Uw, 
leicht zu melken B. Übertr. a) leicht zu behandeln, 
gefügig ; vgl. d' Milch ahe» gl». ,Damit [der Redner 
in einem Rechtsstreit] uns zue der güetlikait melch 
machte.* Vad. ,Ain pratik, ob man uns schrecken und 
m. machen möcht.' ebd. — b) leicht zu verstehen, 
yfasslich', verstandlich Obw. Do» Biechli ist nit m-s 
für iserMns, Obw Volksfr. 1891. — 2. triefend GrS. 
E mäehi Nase»; vgl. ermelchen. — 3. von Viehfutter, 
Milch erzeugend, den Milchertrag fördernd B; Gl; 
Gr; ü. G*8tob€^*s [Staub enthaltendes] ist nie m. We»» 
mu» schon weniger Haffen madid, su isch [das Heu] 
d'rfür welcher und fuoriger BR. ,Sie hatte die grösste 
Freude, wenn die Kühe viel Milch gaben und das Heu 
m. wurde.' Gotth. ,Dass ilas Heu melker und Blu- 
men von stärkerm Gerüche um die Gegend Camana 
sollen gefunden werden als anderer Orten.' Serbrh. 

Schwelx. Idiotikon IT. 



1742. — 4. günstig (zunächst dem Gedeihen milch- 
reicher Futter kr äuter), z. B. vom Wetter SchwMuo. 

— 5. reichlich fliessend (wie eine ergiebige Milch- 
quelle) GaPr. ly Wasser [der Mineralquellen], die 
fruer so m. g'si» sind, wirdend nid verscMoffe» s%» 
im Bode». MKuoni (GaPr.). Ertragreich, „vorteilhaft, 
nützlich BO.; LE.;" SchwMuo. „Der Gewerb ist 
jetzt melchig, wirft vielen Nutzen ab." D* Bödmeren 
ist die milchist Alp, wo 's giH SchwMuo. — 6. „von 
Personen, in grossem Lob und Ansehen stehend" 
(gleichs. wie eine milchreiche Kuh). Reich Ndw. Er 
ist e» M-e. 

Mhd. mUlch in Bed. 1 ; vgl. nhd. ,melk.' Betr. den Aus- 
fall des ch in der zweisilbigen Form vgl. mdchen. Zn 1 a. 
Id diesem Sinne meinte es wohl auch Sicher 1531: ,Darmit 
die mOnch malch wnrdend, sich uszekonfen lassen.' Zu dem 
Vocal Wechsel vgl. Weinh. al. Gr. 16; D. Yolksb. Eiuleit 
LXXIX, ferner lointer-melth. Bed. 2 auch nd. Tw. syn. (bes. 
in den Bedd. 4 und 6) sind/eu« (s. Bd I 1071/2), nhd. ,fett.' 

alt-mSlch(ig): von Kühen, die noch bis in die 
Zeit vorgerückter Trächtigkeit, bis kurz vor dem 
Kalben, gemolken werden Bs; B; „LE." Milch a-er 
Kühe ist stark, schmeckt nicht gut. Vgl. ,altmelk' 
bei Gr. WB. 

ei"-, zwei-, drei-mSlig = ei»-mdlig usw. (Sp. 
154) ZO. 

ander-: in der zweiten Melkperiode stehend, von 
einer Kuh, welche das zweite Mal gekalbt hat Ap; 
B; Z. Auch subst. B, und sogar als Masc. Ap; Z. 
,Zu verkaufen: Ein frisch gokalberter A.' 

Ähnlich sagt man: E» drittt Mulchi, Kuh, welche zum 
3. Mal gekalbt hat B£.; vgl. das Folg., forner ander-chälberig 
Bd III 225. 

erst-: in der ersten Melkperiode stehend Ap; VO; 
Gl; Gr; Th; Z. ,Erst, wenn das Rind sein Kalb ge- 
worfen, bekömmt es den Namen einer Kühe, und zwar 
einer erstmelchen, weil es das erste Mal gemolken 
wird.' JXSchnyd. 1782. Subst. 1. Erst-Melch n. (in 
UwE. n.), Erst'MÜchi n. GrV. = Erstden Bd I 472; 
Syn. auch en ersti (sc. ChueJ, Erst-M&chen, Mäns-, 
Senten-Chue (s. Bd III 94/5). Auch von Ziegen GrV. 

— 2. scherzh., Lediger ZO. „Er (sie) hat einen 70- 
jährigen £. geheiratet." 

Das Noutr. in UwE. viell. Verkürzung aus Erttmdch- 
Chueli. Eraimelchi ist Dim., nach Analogie von Galti, GuHti. 

härt-m9lchig Aa, zäch- (in B eäj-)müch(ig), 
bzw. -miliig Aa; Bs; B; L: schwer zu melken. ,Die 
Kuh ist zähmelkig und am Ende noch heimtückisch.' 
Brritenbt. S. noch langlicht Bd III 1835/6. Auch 
übertr., nicht nachgiebig; knauserig L. Doss er e» 
schlichter Spekulant war, wenn er in-ere» settige» Sach 
wtPtt knauserig oder gar zächmilig sl» L. 

lind-mSlchig AABb., ring-mSlch B: leicht zu 
melken. Syn. l.-mulch, 

neu-mSlch(ig): aufs Neue Milch gebend, von 
einer Kuh unmittelbar nach dem Kalben Aa; Bs; Gl; 
S; Z. ,Hat man Kühe, die nahe am Kalbern sind, 
die, wie der Bauer sagt, alte Milch geben, so tränkt 
man die Kälber mit dieser ab, weil sie viel fetter ist 
als die der neumelchen.' Steinm. 1802 (für Gl). 

winter-mSlch s. Galtling Bd II 238. 

Daneben findet sich sowohl bei Fri8. als bei Mal. ,w.- 
malch' und wahrsch. nach diesen Beiden bei Spreng; vgl. 
die Anm. zu mflch. 

13 



195 



Malch, melcb, milch, molch, mtilch 



196 



G*m@lch D.: coli. 1. die milchgebenden Teile des 
Melkviehs, bes. das Euter der Kühe ,Aa; B; VO;" 
Gr; „S;" Z. — 2. grob, die weiblichen Brüste Z. 

Mölchele' t - Haber- Modch ZooÄgeri. 

Melche» f.: l. = G"melchl Af] Gr. — 2. Verhalten 
während des Melkens, Melkfahigkeit Ap; GrD.; Syn. 
Melchi. E» zähi M. ha^ = zächmUch st" GrD. Die 
Chue hed e* schönt M,, ist gnt und angenehm zu 
melken. — Betr. die Wortbildung Tgl. Luege: 

Erst- = E.'MJäch Gr; W. Dreijährige Kuh, die 
einmal gekalbt hat, im Gegs. zur Chalbelen, einer nnr 
zweijährigen, die bereits einmal gekalbt hat GaSeewis. 

Mänschen-Erst-Melche*' a i(fanst-C7iue (s. Bd 
m 94) GRKlosters. 

mSlche" AiBb., Fri., Leer., L.; ßsj ß; Gl; Gk; 
GT.; SCHW; S; Th; ÜW; U; Z tw., m&he» BSi.; GrHc., 
meleche^ Ap; TnBerg, Hw., miUe* AaF., Leer., L., St.; 
„B;" L; GA.; SchwE., Ma.; Obw; ZO., S. — Präs. Ind. 
1. mBlhe* BSi., mSle* Z tw., sonst müche^ (in Sch; ZO. 
auch miUce^J. 2. mü(ehj8t, 3. müfchjt, in ThHw. mi- 
lecket, in ZS. auch miüet — Cond. 1. muieh Aa; Z, 
weichte BSi., milleti ZS. - Imp. meleh BSL, sonst milch! 
— Ptc. Perf. g*mulehe^ (bzw. g*molche*) kk\ Ap; Bs; 
BO.; Gr; G; S; UwE.; Z, g'moleclie^ Ap; ThHw., 
g'muüe^ (bzw. g'molle») AaZ.; L; GA. (in tr. Bed.); Z, 
g'meUet GA. (in intr. Bed.); Z: 1. tr., bzw. abs., (das 
Vieh) melken, allg. Man unterscheidet beim Melken 
der Kühe g'hämpflingen, chnöcUingen, tümlingcn m.; 
vgl Bd II 1304. M&che»d-er brav? formelhafte Grnss- 
frage beim Eintritt in einen Stall, in dem eben ge- 
molken wird aScHw; dafür sonst auch: Sind-er am M.? 
Meldie^S'Zlt L; Z; vgl. Hirten Bd II 1649. Melket 
er ml? geben die Kühe viel Milch? BSi. Her m., die 
meiste Milch geben GaHe.; vgl. Bd II 1520, ferner 
Her-Melckerin. I" me^ verborgene* Tal, wo me* NiU 
su^st weiss ah vum M. Andkrlinth 1852. AUes in 
ei*s G'sckirrli (in ein** Napf) iw., Alles in einen Topf 
werfen, keinen Unterschied machen, gleich behandeln 
BO. Drescher sagen spottend von einem Anfänger, 
er mele, wenn Derselbe mit der Hand am Stiel des 
Dreschflegels immer auf und ab fahrt, statt mit der- 
selben an einer Stelle zu bleiben ZZolL Wottst de* 
Pfiegelkalm m,? er gid ja ke* Milch. Durch gewisse 
Zaabermittel kann dem Vieh Milch entzogen werden, 
indem man die Handlung des Melkens nachahmt; so 
können Hexen einen Hand-Fetzen (s. Bd I 1 149), ein 
Stuhlbein, einen Pflock melken. An en anders Ort 
go* m,, sich weiter begeben, um die Arbeit an einem 
andern Ort aufzunehmen BO.; Sjn. um es Hüs witer 
gä*, „Melle*, das Vieh im Sommer, z. B. auf den 
Alpen, besorgen B; VO"; Gegs. hirten. S. noch Or 
Bd I 413, geben Bd II 75, Gans Bd II 371, Mm, 
Spatz. Übertr. : An Ei*'m, Ein** m., Jnidn ausbeuten ; 
tüchtig hernehmen Aa; Bs; B (,beneficia extorquere.' 
Id. B); VO; Th; Z. Gm, die Spüer kend'di*^ ne ckli* 
g'mulcke*! 's isch Nut me an em z* m.. Nichts mehr 
bei ihm zu holen Bs. Me* ket-en fmulcke* bis uf's 
Bluet Bs (Spreng). Von Einem, der leicht zu betrügen 
ist, sagt man: De* cha** me* ständli*ge* m. aScnw. 
«Michel sah wohl, er war gemolken worden, nicht 
bloss wie eine Kuh von einem Melker, sondern wie 
ein Staat, an dessen Euter jedes Kalb im Lande sein 
durstiges Maul hängt.* Gotth. De* GÜdseckel m., ihn 
erleichtern, durch grosse Ausgaben UwE. ,Er [Faber] 



muess aber denen, die er milcht, dennoch einen schyn 
dartuen, oder aber sy wurdind mit letzem fness in'n 
kübel schlahen.' Zwinoli. ,Sy schindend uns, die 
grossen schälk ; es war zyt, dass man s* ouch melk, dass 
inen die spannadren krachtind.' UEckst. — 2. intr., 
Milch geben, an Milchertrag zunehmen GlK.; GRPr., 
V.; „LE.;- GA. Die Ckue meUet wider GA. Scki känd 
g'molche*, haben (wieder) den vollen Ertrag gegeben 
GrV. Auch im weitern S., fliessen GRPr.; GA. Der 
Brunne* milfchjet, er fängt an Wasser oder mehr 
Wasser als bisher zu liefern. 

Mhd. milchen und miflken^ in Bed. I nnd 2. Die Grenzen 
der Formen mit und ohne Spirans lassen sich nicht scharf 
ziehen, an vielen Orten kommen beide Formen vor, ohne 
dass die eine oder die andere als die ältere ang^osehen wfirde ; 
vgl. Hunz. 179. Über den Grund des Schwindens der Spirans 
s. Braune, ahd. Gr. § 145, Anm. 7; vgl. auch be/dchen Bd I 
799, fpere* für ,worchen.* In BSi. ; QrPr. ist die Spirans vor 
Yoc. zum blossen Hauchlaut geworden; vgl. das Ptc. ,g'molhen.^ 
RcgimentskOhcr 1781 (B). Ck (st. des hd. k) wiegt auch in 
unserer ft. Lit. vor, die schwache Flexion in der intr. Bed. 
auch GlK.; vgl. darQber Wint. 155, ferner ermülcken. 

abe"-: tr., eine Kuh durch vieles und langes 
Melken mager machen ZZoll. En äbe^g'mülni Ckue. 

— über-: eine Kuh vor dem Kalben über die nor- 
male Zeit hinaus melken 6; Z. Das Ptc. tibermuldie* 
i. S. V. alt-milch BoE. — ufi-: (eine Last) an einem 
Seil emporziehen, das man mit beiden Händen ab- 
wechselnd fasst, so dass eine Bewegung entsteht, wie 
beim Hampfligen- Machen JJ ; Syn. silcken. — u m m e ■ - : 
tr., herumzerren, z.B. Katzen; eine Weibsperson un- 
anständig antasten BsStdt. Wenn er t»t** het welle* 
a*döpe* und u. oder ungattig s%*. Vgl Chatze*'MUcker. 

er- 1. an Milchertrag zunehmen, von Kühen BSi.; 
Gr; U; Gegs. ergalten 1 (s. Bd II 237). — 2. übertr. 
a) von Hühnern, wieder anfangen Eier zu legen GrD.; 
Gegs. er-galten 3 a. ~ h) wieder anfangen (reichlicher) 
zu fliessen, von Brunnen und Quellen GrD., L., Pr., 
Tschiertschen. Me* muess jetz noch a* warma* Rege* 
wüntsche*y dass d* Wässerli und di Brünne* vor 1*- 
schnle* noch e* Bitz ermilchend. MKüoni. Vom ,Flies8en* 
der Nase bei Kälte, Schnupfen GrD., Pr., Tschiertsch. ; 
vgl. melch 2. — 3. „aufhören, Milch zu geben, zu 
fliessen." — 4. tr., durch Milchwirtschaft gewinnen Z. 
1^^ kan a* dem Chüdi 100 Fr. ermülle*. 

Zu 1. Die Flexion ist in Gr im Pr&s. allg. schwach 
(ermdchei), dagegen ist das Ptc. Perf. nur in GrL. schwach, 
sonst (in S., ObS., Pr., Scuolms, Spl.) stark (ermoiehen); vgl. 
mdcken 2, 

ÜS-: ZU Ende melken, was etwa von ungeschickten 
oder nachlässigen Melkern unterlassen wird, zum 
Schaden der Kühe Tu ; Z. Übertr., mit Acc. P., Jmdn 
aussaugen S. — use**-: herausmelken Ap; Sch; Z. 
Vil U8e*-m., am Milchertrag einen grossen Gewinn 
machen Ap; Z. Durch Melken wegbringen; bildL: , An- 
geborne Laster, lassen sich nicht ausmelken.* Sclobr. 

— ver-: 1. das Melkgeschäft beendigen B; Z. Sihei* 
grad vermolhes g*häbe* BSa. Hand er vermuld^e^? 
Grussfrage Z; vgl. melcken 1. — 2. durch unzeitiges, 
ungeschicktes Melken dem Vieh, bzw. sich selbst, 
Schaden zufügen, a) tr., bzw. abs., eine dem Kalben 
nahe Kuh zu lange oder so melken, dass sie am Euter 
Schaden nimmt BO.; „LE." — b) intr., „so melken, 
dass der Ertrag der Milch nicht hinreicht, den Scha* 
den zu decken, den man anderwärts am Vieh oder 
wegen des Preises des Winterfutters erleiden mnss. 



197 



Malcb, nielcb, mileli, molch, mulch 



198 



So geschieht es Dicht selten, dass ein Älpler an seinem 
Senntum im Winter mehrere 100 Frkn verliert oder 
vermelket. ** — 3. „aufhören Milch zu geben, bzw. zu 
fliessen BO.; L£.^ Syn. ergcUten (s. Bd 11 287). „Die 
£uh, der Brunnen hat vermClet." — nach-: nach 
beendigtem Melken die Zitzen noch einmal streichen, 
um rein auszumelken Ndw; Sjn. nach-strupfen, — 
wSchsel-: im Melken abwechseln, eine der Mass- 
regeln, um auf gemeinsam bewirtschafteten Alpen eine 
unparteiische Bestimmung des Milchertrags vornehmen 
zu können. Je drei und drei Vieheigentümer werden 
zusammengestellt in eine Gruppe und A melkt dann 
die Kühe des B, B die des C, C die des A GBh.; 
vgl. Steinm. 1804, 886. Etw. anders in Gr, doch auch 
80, dass Keiner seine eignen Kühe oder die seiner 
Verwandten melken darf; vgl. Gr Sammler 1809, 852. 

MSlcher, bzw. MÜer — m.: 1. Melker, meist ein 
besonders hiefür bestellter Knecht, dem gewöhnlich 
(ausser im BSi.) auch die Viehfütterung, bzw. übh. die 
Besorgung der Kühe übertragen ist; Kuhhirt B; L; S; 
vgl. Gotth. XIX 164. De^ Hirter, Dr seü im Vieh 
md 80 wl Fueter gi^ und der M,, Di^ seil luege^, *<i8s 
er me müi, stueh mües^-er furt, Havsfrd. S. noch 
hürnen Bd II 1682. — 2. Kuhname. Kuhreihbn. 

Oren-: Schmeichler. ,Es stat Übel, wenn einer 
liebkoser und o. gern hört.* LLav. 1582. — Früe-: 
1. Kind, das vor Ablauf von neun Monaten nach der 
Verehlichung geboren wird U. — 2. eine Apfelsorte, 
ebd.; 8. Bd I 372. — Geiss-: Nachtschwalbe, capri- 
mulgus eur. B. Sie kommt bisweilen in die Ställe, 
um, nach dem Volksglauben, Kühen und Ziegen die 
Milch auszusaugen. — Chüe-: 1. Kuhmelker. ,Mor- 
gens und Abends lasst man [die Kühe auf den All- 
menden] von einigen sogenannten Kühmelkern melken.* 
Steinm. 1802 (für Gl). — 2. Spottname a) der Schwei- 
zer von Seite der Deutschen, nach deren Ansicht das 
Melken der Kühe den Mann herabwürdigt. Der Aus- 
druck gehörte zu den Hauptneckwörtern bes. in der 
Zeit des Schwabenkriegs; vgl. Birl. 1890, 48/4 und 
Chüe-Mül. ,Die Eidgenossen wären nur Küemelcher.* 
RCts. — b) im Toggenburger Krieg (1712) Schimpf- 
wort auf die katholischen Kantone (an deren Spitze 
die Alpenkantone standen); vgl. das Schirapfw. Chüe- 
Drecheler, — Chatze'-Möler: Schelte auf Jmdn, 
der die Katzen zu plagen liebt Zo ; vgl. ummen-melchen. 
— Näch-Mölcher; Melker, der bei der Milchmessung 
auf der Alp nachzusehen hat, ob alle Kühe recht aus- 
gemolken seien; für jeden Stall wird ein besonderer 
N. bestellt Gr (It Sammler 1809, 352); Syn. Strüppeler. 

nü*-ra6lcherig = nütc-melch Bs. Subst., Neu- 
ling, z. B. von neuangestellten Schutzleuten Bs. 

Her-MSlcheri» f.: Name der Kuh, welche in 
einer Herde am meisten Milch gibt GaHe. 

M9l(ch)ete° (inGR Mächeti) f.: was auf einmal 
(„von sämmtlichcn Kühen auf der Alp, z. B. des Mor- 
gens oder des Abends") gemolken wird „BO. ; LE.;" 
Gr; Scbw. 

Melchi f.: 1. r: G'milch 1 GRVal. — 2. das Melken, 
bzw. der Ertrag eines einmaligen Melkens Gr. D' 
Müeh wird jedi M. [auf der Alp] g'miasa* und uf- 
^schriba^ GRÜaMenstein. D' Hermisseri* hai an w*- 
erhörta* Schöpf Milch g'gi'; im Mass [bei der Messung] 
8% 8ch' uf d' M. cho^ bis uf dr% Binner. Schwzd. 29, 51. 
,£s ist in einigen Gemeinalpen üblich, dass bei der 



Messzeit die Milch der gemeinschaftlichen Haabe nur 
von einer Melke gemessen wird.* Gr Sammler 1782. 
— 3. Melkfähigkeit Gr; Syn. Melchen, JS> «a** M. 
ha; zunächst von einer Kuh, dann scherzh. von einem 
Redner, dem die Worte nur langsam und stockend 
vom Munde fliessen; s. noch frl Bd I 1260. 

M ö 1 c h i » g f. : Milchertrag S. Wott d" Chüeli z'ersch 
»• d* Herbstweid trlbe; wo 's «o** *ne gueti M. giH. 
Schild. 

Melchior Me^cher Gl; GoT.; SchwE.; Z, Melker 
üwE. (nur in Verbindung mit andern Namen), Mdch 
B; GoT.; ScHwE., Melk GlK. (Me^l^; L; SchwE.; 
S; UwE.; Zo, Melkel ScuwE., Mi^yk BO. (It Alpenr. 
1827, 869 Meink), ^Mek BGadmen"; Dim., bzw. Kose- 
formen: Mdcherli (in Gl auch Mdcheli), MelMi, 
Mdkli (in Gl MeHl^li, Me^lkschiJ, Me»uki (BO.): 1. Per- 
sonenname, Melchior, Name des zweiten der h. drei 
Könige, allg. Melker-Sepp, Melchior Joseph UwE. 
Badi'Melk, Baptist Melchior Zg. jy Melcheri, Mel- 
chiors Frau Z. Auf den Umzug der h. drei Könige 
(vgl. Bd III 833) bezieht sich noch der Beimvers: 
Chasper, Melk und Balz — wenn d's [das Geschenkte] 
nit g'isse^ magst, so geholt 's L (Ineichen). — 2. über- 
gehend in appellative Bed. Hesch-mer e" niene^ g'seh, 
der Melk oben am Se? L (Reimvers). Läferi-Melk, 
Scheltw. auf Jmdn, der unordentlich isst und trinkt, 
beim Sprechen geifert oder die Lippen hässlich be- 
wegt L; Syn. Läferi, 

In unserer ä. Lit sind belegt die Formen: ,Melker.' 1541, 
Uw (Gfd); ,Melcher.* XVI. ,MolchorS auch Familienname Gr; 
,Molcherrüti', Flurname Z. S. auch Melli JI. 

Milch (in Ap; Th; Ztw. Müech, in BSchw. MiÜch, 
in Ap It Merz MüeJ — f.: 1. wie nhd. allg. Nüi M., 
von einer Kuh, die eben gekalbt hat; alti M,, von 
einer Kuh kurz vor dem Kalben BHk.; Gl; vgl. alt-, 
nüw-melch, ferner Steinm. 1802, 55, galt Bd II 236. 
Ersti, zwüti, dritti M,, Milch vom ersten, bzw. zweiten 
oder dritten Tag nach dem Kalben BHk. I» der erste* 
M. si; von einer Kuh, die das erste Mal gekalbt hat 
Gr. JSi^'m e* Ghue um d' M, gi^ [zum Ober wintern], 
um den Milchertrag B; Z. (Wider) a» d* M. eho; 
wieder anfangen Milch zu geben, bes. von Kühen nach 
dem Kalben VO; Th; Z; Gegs. ab, vo» der M. chö"^; 
vgl. er-galten Bd II 237. Doch a» d' M. chö' auch 
i. S. V. an die Reihe kommen L; vgl. er-müchen. E* 
Chue tcider a" d* M. bringet, durch gute Pflege Z. 
,Der Geiss ja recht viel Kohl und Kartoffeln füttern, 
um sie möglichst an die M. zu treiben.* Benzigers 
Marienkal. 1896. Bildl.: Jmdn a" c2' M, bringet, 
Jmdn zur Erfüllung seiner Pflichten zwingen, nach- 
giebig stimmen L. Das ist die (best) M,, wo-n-er gi^d. 
Das, so viel kann er leisten ; Das ist sein Meisterstück ; 
doch meist iron. Gl; S. Me"^ weiss scho; was d^ [du] 
für M. gisch, was du kannst S. Du gisch dl* M. 
glich [gleichwohl], Abfertigung i. S. v.: du brauchst 
nicht von Allem zu haben S; Z. Du gi^st hinedU 
nüd minder M., wirst nüd a** der 3f. abbrachen (ab- 
sdilä"*)^ an Jmdn gerichtet, dem man eine etw. grössere 
Leistung zumutet oder der sich sperrt, Hand anzu- 
legen Ap; G; Z. Eine* rüeme*, dass er möcfit M. gel*, 
übermässig Z. !>' M. abe*ge!*, -lä*, zunächst vom 
Melkvieh: beim Melken die Milch nicht zurückhalten; 
dann bildl. (in Sch *s MilcMi), den Widerstand auf- 
geben, im Zorn oder Eifer nachlassen, seine Ansprüche 



199 



Malch, melch, mileh, molch, mulch 



200 



herabstiromen Aa; Ap; Bs; B; Gr; S; Th; Z. Er häd 
z'erst d* M. nüd rieht weUen a. Z. ,Der Landjäger 
Hess die M. hinunter nnd endlich kam ein Vergleich 
za Stande.' Gotth. ,Es nähme sie Wunder, ob Änni 
jetzt die M. hinuntergelassen und ob es jetzt mit 
Leuten wie sie sich abgeben möchte.* ebd. ,Ich mein, 
[die Prozessgegner] soliden schier die m. nider lan.* 
1512, Absch. ,Zu Bern sei beschlossen worden, auf- 
zubrechen; nun dürfe man aber hoffen, si werden die 
m. niderlan in Gotts namen.* 1523, ebd. ^Demnach 
und man si [die Wiedertäufer] an gelt aniieng ze stra- 
fen, liessend si die m. gar nider und wurdend so ge- 
Schlacht, dass man si um einen iinger gewonden hette.' 
Vad. ,Darum gibt sy im dise schenke, dass er die m., 
wie wir sagend, niderlasse.' LLay. 1584. ,Die stolzen 
Regenten demütigen, dass sie die M. und das Gemüt 
niderlassen.* FWyss 1673. ,Spiritus ponere, die Fet- 
tich fallen lassen, das Milchlein niederlassen.* Denzl. 
1677; 1716; Met., Hort. 1692. ,Je hitziger ihr werdet, 
je mehr lässt N. die M. fallen.* Sintem. 1759. Ei^'m 
Staub (Dreck, Wuest) i* d* M, mache*, Jmdm eine 
Freude, das Spiel verderben Aa; Bs; VO; Th; Z; das 
Bild zunächst entnommen von der Kuh, welche Ton 
ihrem Kot in die frischgemolkene Milch fallen lässt. 
Ei**m d' M. swr mache:*, im gleichen Sinne Z. ,Aber 
die Herren Compilatores streuen Wust in die M.' Fr 
Haffnbr 1666. ,Bei dieser Wahl schlug der Partei- 
geist seinen Schwanz in die M. [spielte störend mit].* 
Ndw Eal. 1886. Wer ein saures, missvergnügtes Ge- 
sicht macht, von Dem sagt man : Er m,axiht es G'sicht, 
wenn er e" M, a*luegeti, wurd si scheide* [gerinnen] 
Z. ,£s hilft doch nicht, säur sehen; die M. säurt 
davon nicht* XVII., Lied (DTomann). Wib" will lang 
Übe*, Dir schwemm d' M. ab der LBber. Sulger. ,An 
manchem Ort M. über [dem Feuer] haben', nach ver- 
schiedenen Seiten Acht geben, seine Aufmerksamkeit 
teilen müssen. Sprww. 1824. Wer sich unüberlegter 
Weise sein eigenes Spiel verderbt, den rechten Augen- 
blick verpasst, muss den Spott hören : Das ist g'schld, 
VO* der M. eweg (^ gä*), wenn si ob ^etn Für ist Z. Von 
einem Mädchen, das unglücklich heiratet, sagt man wort- 
spielend : Das het e* heissi M, erwdlt mit Dem S ; Z. 
Grüess di*^, Joggi [bravo !], Tausch d' M. gtiet a*g'richtet, 
mach 's no^ einisch so ! HiNOGi 1893. 2>* M. viOesse* chalti 
triche*, seinen Zweck nicht erreichen BR. Häufig dim. 
(in der Edspr. Mücheli, Mincheli) Ap; Z. Müend s' 's 
Milchli chaufe* oder händ s' e* Qeiss? ZG. 'Bratni M., 
eine Speise, bestehend aus einem Gemenge von Milch, 
Eiern und Zucker, das in einer flachen Schüssel ge- 
braten wird Z; Syn. Eier-M., Chachlen-, Blatten- Mues ; 
vgl. auch Ufjuck. ,Diss ass [Essen] ist einer gebratnen 
m. nit ungleich.* Vogelb. 1557. Vgl. Birl., Eochb. 10. 
.M. im Napf.* ,Wann ir wenen, ir haben m. im napf, 
so scheint üch der mon darein [so ist es Nichts als 
Täuschung].* 1489, Zellw., ürk. ,Glych wie man in 
gemeinem sprüchwort sagt von dem, der da wond 
[wähnte], er hätte m. im napf und schein im aber der 
mon darjn.* HBull. 1563. «Mancher voller Zapf, der 
meint, er habe M. im Napf: So ist es Nüt denn Eitel- 
keit.* MtricIus 1630. ,Wiewol ich nach Gottes leer 
und art mit m. gespjst hab [meine Herde mit der 
reinen Milch des Evangeliums gespeist habe].' Zwingli. 
,Wie denn unsere heutigen Älpler, die sich mehren- 
teils von der M. ernähren, noch immer vor andern 
Schweizern, die ihre Natur durch allerhand fremde 



Speisen verfälschen, an ihrer lilien weissen, mit Rosen 
untermengten und lebhaften Farbe zu erkennen sein.* 
Spreng. Vormals bedienten sich die Bäurinnen saurer 
M., um ihre Hemdärmel zu stärken Z. S. noch garui 
Bd II 385, Bach, abnämen, dick. Glaube und Brauch. 
Man soll nicht mit schneidenden oder stechenden 
Werkzeugen in die M. fahren, denn sonst verletzt man 
der Euh das Euter Ap; B; Z. Hexen konnten den 
Eühen die M. entziehen; vgl. Hand-Fetzen Bd 11 149; 
ferner RGwerb 1646, Vorrede, Wolf-Mannh., Ztschr. 
IV 118/9. ,Es geschiehet vielmahlen, dass die sonst 
milchreichen Eühe keine M. geben, welches daher 
kommt, weilen die Hexen sich oftmahlen an ein ge- 
wisses Ort zu setzen pflegen, da sie ein Messer, Gabel 
oder ander Instrument mit zauberischen Worten und 
Ceremonien in eine Wand oder Saul stecken, einen 
Milchkübel zwischen die Bein nemmen, ihrem teuf- 
lischen Buhlen rufen, eine Euh, die sie melken wollen, 
benennen und dann anfangen melken, ihren Eübel 
füllen.' Amhorn 1674. Bevor die Bauern M. über die 
Strasse tragen, giessen sie einige Tropfen Wasser 
hinein ZA.; vgl. Dien. 1863, 405/6. Am ZS. pflegte 
man Wasser [das Weihwasser der katholischen Zeit?] 
vor dem Melken in den Eübel zu sprengen und glaubte 
damit die Eühe vor bösem Einfluss zu bewahren. ,In 
die M. ziehen', ein jährlich wiederkehrendes Fest der 
Schuljugend. ,Es zogen jährlich im Sommer alle 
Schulerknaben [in ZStdt] mit Fahnen, Trömmen und 
Pfeifen, in Begleit ihrer Herren Lehrmeister, auf eine 
Wiese oder in einen grossen Garten, ergötzten sich 
daselbst mit allerhand erlaubten Spielen und assen 
mit einander M. und Brot.* vMoos 1775. Eine Zeit 
lang gab man ihnen sogar das Prunkschwert mit, das 
Papst Julius II. den Eidgenossen geschenkt hatte; 
vgl. Vög.-Nüsch. I 297. ,Der schueleren in Winter- 
thur railchzug uf den Lindberg. Nach gehaltenem 
Examen nach pfingsten 1589 sind die schueler in die 
m. gezogen uf den Lindberg; und ward us dem spital 
allen schuelern m. und brod genuegsam *geben.' Jos. 
Maler. — 2. mit unbest. Art. oder Zahlw. a) eine 
Schüssel voll Milch Aa; Ap; VO; G; Th; Z. Zwo Mil- 
che* brüche*; e* M. abne* [abrahmen]. E* M, esse* Z. 
— b) das auf einmal (Morgens oder Abends) vom ge- 
sammten Milchvieh gewonnene oder vom Milchliefe- 
ranten bezogene Quantum Milch Z. Es sind zwo 
Milche* z'sämme* cho* Z. De^ Milchma** hat e« M, 
z'vil ufg'schribe*, — c) der von einem ,Sennen* ge- 
kaufte, bzw. gepachtete, jährliche oder halbjährliche 
Milchertrag eines bestimmten Bezirks (einer «Eäserei*) 
oder eines Senntums VO; Th; Z. Man unterscheidet 
Maie*- und Martini- oder Früehli'gs- und Herbst-M. 
Z, Summer- und Winter-M. VO; Th. E* grössi M, ha*. 
,Ein rechter Senn, der seine fünf Milchen hat.* Herzog 
1863. ,Wenn ein Eäser eine M. kaufen will und man 
ihn fragt, ob er Bürgschaft leisten könne.' Alpenp. 
1873. — d) die Gesammtheit der Eäse, die während 
des Sommers auf einer Alp gemacht werden »BSi.;** 
P; Syn. Mulchen, ,Im Eanton Freiburg werden jähr- 
lich 500 Milchen, jede zu 80 Zentnern, verfertigt.* 
EuENLiN. ,Es sind weniger M-cn vorhanden als sonst, 
was von der verspäteten Alpfahrt und dem teuern 
Preise der Eühe herrühren mag; denn Salzspeicher, die 
sonst 7 — 8 M-en zählten, halten dies Jahr nur 5 — 6.' 
Schweizerb. 1817 (für F). — 3. Pflanzensaft (in noch 
unreifen Feldfrüchten). ,Manchmalen geschieht's [im 



201 



Malch, melch, milch, luolch, mulch 



202 



Engadin], dass mitten im Sommer scharfe Reifen die 
Feldfrüchte in der M. verderben.* Sererh. 1742. 

Mhd. mä(i)ek, aas ahd. miluh; die zweisilbige Form, 
die allen altgormanischon Dialekten eigen ist, findet sich in 
unserer ä. Lit.-Sprache ebf. : ,milich.* 1319, Z Ratserk. 

Eier-Milch: l.^'hratniM. ZMönch. — 2. ,Coa- 
gulatio lactis.* Sulger. Oaüi glgat nit, er 0gat notte^, 
frisat lieber E, toeder Schotta*. 1700, Gassenhauer. ,E., 
gescheidne milch, da der iiger und die schotten noch 
in einanderen sind, schistum.' Mal. — Über-: 1. Za- 
mass beim Milchverkanf Gl; G; Z; Syn. Ü.-Mäss. 
JEn guete^ Pur giH Ü. — 2. die Milch, die der Milch- 
käufer über das gewöhnliche Mass hinaus nimmt Gl. 
En Liter Ü. Vgl. Extra-M. — Anke"-, bzw. Auch-, 
Äeh-, Ah- : Buttermilch ; Syn. Bumpel-, BUer-, Schleg-, 
StosS'M, ,Seram batyri, a batyro separate relictnm, 
a.' CGessn. 1555. A. w *em Chübel vertrlht alli Übel; 
ist si älter als e* Stund, ist si dem Menschet nümme* 
g'sund. Imeichbn. Bes. dem Gelüsten eines Kranken 
nach A, schreibt man eine instinktive Bed. und der 
Erfüllung desselben heilende Kraft zu Z; vgl. cib- 
issen 5 (Bd I 524). Wenn etwas Erwartetes ausge- 
blieben ist oder wenn man einen Schaden erlitten 
hat, tröstet man sich: Es chwnnt de"* öppe^ no^^ t« 
der A, nachts oder D<xs chunnt Alls «m€« i« der A, B. 
Von zwei Verliebten, die an sich gegenseitig nur Tu- 
genden sehen, sagt man : Iri Auge* sind mit A, Vg^ setzt 
ZZoll. Knaben und Mädchen necken sich gegenseitig 
mit dem Spruch: SüriA. und bktui Dinte*: D' Bttobe* 
(d^ MaitschiJ sehmöcke^ wol und d' Maitschi (d' Buobe^J 
stinke'^ L. Tu fei, schiss A., so Jiänd d* Hüener z' trinke», 
RA., mit der man seine Überraschung ausdrückt über 
unerwarteten Ausgang der Erzählung eines Vorfalls L. 
Der Spruch: drei Ell A., drei EU süri soll die ,an- 
kende Bewegung' (s. Bd I 344) der Glocke malen Aa. 
A, bore; durch Reibung ein Feuer (Notfeuer) er- 
zeugen; in neuerer Zeit nur noch als Knabenspiel 
Aa ; BE. ; SG. Ein Pflock wird zwischen einen Balken 
und ein anderes härteres Stück Holz oder zwischen 
die zwei Pfosten einer Haustüro in Bohrlöcher ge- 
steckt und eingezwängt, sodann durch ein umgelegtes 
Seil in quirlende Bewegung gesetzt, bis in den Bohr- 
löchern Selbstentzündung eintritt. Mit diesem Feuer 
wurden früher zu beiden Seiten der Dorfgasse auf- 
geschichtete Haufen leicht brennbaren Materials in 
Brand gesteckt und Menschen und Vieh hatten den 
Weg durch diese «Feuergasse* zu machen. Mit Kien- 
fackeln , die an dem neu gewonnenen Feuer ent- 
zündet waren, gieng man auf die Viehweide hinaus, 
um sie zu räuchern (,Weidbräuki'); nach der Heimkehr 
folgte auch noch die ,Husbräuki.* Den Dorfbach hin- 
unter Hess man auf Brettern Feuerbüschel schwim- 
men; vgl. Arg. IV 175 if.; Hunz. 16; Rochh. 1867, 
II 145 ff.; Nationalkai. 1892 und heiUn Bd II 1145. 
In SGunzgen war der Brauch an ein bestimmtes altes 
Haus gebunden; die Reibung aber wurde einfach da- 
durch erzeugt, dass man ein Seil durch ein Bohrloch 
zog. S. noch Gr. WB. VII 936 und bes. Kuhn, Herab- 
kunft (1886, 41 ff.). — Esel(s)-: Saft der Cypressen- 
Wolfsmilch, euph. cyp., dann auch die Pflanze selbst 
Aa (vgl. Rochh. 1857, 180); Gr. Syn. Gugger-, Juden-, 
Boss-, Schlangen-, Tufels-, Toggi-M, — Vogel-: späte 
Lloydie, Lloydia ser., eine Alpenpflanze BO. — Fisch-: 
s MücMi^g 1 b (Sp. 207). ,F., lacteum intestinum.' 
Mal. ,F., milchlig genannt' Zo Arzneib. 1588. — 



Füsterli-: wesentlich = Fusterli ^ (s. Bd I 1124). 
,Nec porro deerit celebris illa F., verae aestatis cu- 
pediae; constat illa recocta ex pingui lacte, nee ebu- 
tyrato, lentissima coctione parata, et mnlto alio lactis 
cremore seu brodio mixta: et quia succussione sapidior 
redditur, delicatiorque, longius saepe transfertur in 
abiegnis lagenulis, quarum arcuatum manubrium pugno 
amplectitur, hinc vasi suum nomon et lactis a vase.' 
Oappelkr 1767. — Frauen-. Lt den Arzneibüchern 
und auch in der neuern Zeit in der Volksmedicin als 
Heilmittel verwendet. ,Fr., so ein Knäblin söuget.' 
JJNC8CH. 1608. S. noch Gr. WB. IV 1 a 81 (ThPlatt.). 
— Jungfrauen-: Name von Arzneimitteln, l, Jum- 
pfere^-M., eine Benzoe-Lösung in Weingeist. Apo- 
thekerspr. — 2. die Quintessenz von Spiessglas, lt den 
alten Arzneibüchern. ,Von Einigen von seiner Köst- 
lichkeit und Seltsame wegen J. genannt.' JRLamdenb. 
1608.'— G üggel-: scherzh. Bezeichnung eines Bürger- 
meistern genannten Liqneurs, sofern er mit Wasser 
vormischt wird, wovon er eine milchweisse Farbe an- 
nimmt BsStdt. — Gugger-: 1. „Milch, auf der sich 
Zieger- [Quark-] teilchen befinden BO;" W. ,üie Spin- 
nerin im Hohbach nimmt unartige Kinder in eine 
Berghöhle, wo sie ihnen Mäuseaugen zu essen und 
G. zu trinken gibt, so viel sie nur verdauen können.' 
W Sagen. — 2. ^EseU-M. GrD. — Gelt(e»)-: „Nach- 
molke, mit frischer Milch und ein wenig Zieger LE. ; 
frische Nachmolke, mit etwas säuerlicher Nachmolke 
und etwas Rahm ; ein angenehmes, durststillendes Ge- 
tränk BE." — Gamfer-: Kamphergeist (spir. camf.) 
Z (Apothekerspr.). — Glück-: die erste Milch nach 
der Biestmilch; man macht damit meistens den Milch- 
kunden ein Geschenk ScuSt. (Sulger). — Gras-: Milch 
von Kühen, die luit frischem Gras (st. mit Heu) ge- 
füttert werden Ai»; Z; Ant. HeutthM. Vgl. Oras- Anken 
Bd I 342, gräselen Bd II 798. — Jude»- = JEsete-ibr. 
GSa., We. — Kafi-: geringere, abgerahmte Milch, 
die sich nicht mehr zur Butter- und Käsebereitung 
eignet BBe. — Chalber-: 1. erste Milch einer Kuh 
nach dem Kalben, die für den menschlichen Geschmack 
ungeniessbar ist und daher dem Kalb gegeben wird 
ZZoll.; Syn. Biest-M. — 2. Wiesenbocksbart, trag, 
prat. GnRh. — C häs- : die milchige Flüssigkeit, welche 
im Käsekessel nach der Käsebereitung zurückbleibt, 
aus der dann noch ,Vorbruchanken' und ,Zieger' ge- 
macht wird W (Syn. Wlss-M,), und zwar a) diese 
Molke, bevor sie neuerdings zum Sieden gebracht 
wird üwE.; Syn. Sirten, — b) nach dem Sieden BE., 
0. Syn. Süffi. Vgl. ehäsen Bd III 511, Chäs-Wasser, 
Scheid- M., ferner Wöch. Beitr. 1785, 64. ,Die nahr- 
hafte Milch, K., Zieger, Erdäpfel sind nicht mehr gut 
genug.' N. B Kai. 1838. ,Uli schaffte so viel Wein an, 
dass er nicht bei jeder Flasche, welche er aus dem 
Fässlein zog, in Versuchung kam, K. aufzustellen in 
Ermangelung des Weines, ein bös und dünn Surrogat 
desselben.' Gottii. ,K. und Mehlsuppen ohne Mehl 
für Dienstboten.* ebd. 

Lugg- (bzw. Logg-, in Ap; G auch Lupp»): 
L^luggi M. (s. Bd lU 1233) Ap; GnChur, He., L., 
Pr., Rh.; Syn. auch Büm-M., Nidlen, 'bläete" Nidd. 
Die L. ist bes. Festspeise und wird z. B. aufgetischt 
an der Geburtstagsfeier (vgl. Schwzd. 19, 48), am 
Himmelfahrtstag Ap, am Sonntag Lätare G (s. Eier- 
Örli Bd I 414), in der Fastnacht G, spec. am ,Funken- 
Sonntag' Gr (s. Vonbun 1862, 21), der daher auch 



203 



Malch, melch, nileh, molch, mulch 



204 



,L.-SonDtag* heisst; doch ist sie auch sonst im Früh- 
ling and Sommer ein helicbtes kühlendes Essen am 
Abend und wurde früher darch hausierende Rinder 
auf den Gassen feil geboten GStdt; ygl. GLHartmann 
1817, 7. Reis und «L/ (die so dick sein muss, dass 
ein Löffel aufrecht darin stecken bleibt) gelten als die 
Speise des Paradieses; der Jungbursche, der am Fun- 
ken-Sonntag von seiner Tänzerin zur ,L/ eingeladen 
wird, bringt dazu eine Flasche des besten Branntweins 
mit GrO. (vgl. Herzog 1884, 229); ähnlich im GRh., 
wo die junge, ledige Welt am Fastnacht- Abend bei 
,L. und Schnaps' zskommt, um sich mit Spiel und 
Tanz zu vergnügen. 2>' Ousboutoer-L,, Schlagsahne, 
die man nach der Beendigung des Pflügens auftischt 
GRSch.; vgl. Schwzd. 19, 21. »Gestern wollte man mir 
mit einer sogenannten Niedel oder Lackmilch auf- 
warten und als man dieselbe auf den Tisch stellen 
wollte, so war solche geronnen, ob sie gleich erst den 
Vormittag vom Maiensäss war gebracht worden.* Gr 
Sammler 1780; vgl. noch ebd. 1811, 365. ,N. N. hat 
[als Vergabung an ein Kloster] 'gen ein halben mütt 
kern[en] den frowen umb [1. ,und*?] ain lugmilch.* 
TuTän. Jahrzeitb. ,Und giH man den frowen ain 
lagmilch von Elsinun von Andelüngen.* ebd. ,Wann 
der senn die lugmilch machet.* ZWthur Stdtb. S. noch 
früsen Bd I 1331 und Tsch. S. 312. — 2. geronnene, 
,dicke* Milch G. Zum Nachtisch eines Festessens 
wird u. A. auch aufgetragen: ,Lugmilch, süss und 
sauer.* 1651, PScheitlin. 

Luckmäch bei Lexor, mhd. WB., in Bod. 1. Viell. haben 
sich aber auf anserni Boden zwei WW. Terschjedener Ab- 
stammuDg mit einander gemischt: das eine zusammengesetzt 
mit lugy, locker, das andere mit Lupp (Bd 111 996/7). Doch 
küunte auch Lujip- aus Lugy- entstanden sein durch Assimi- 
lation des Gutturals (Jf) an den labialen Nasal (m). ,Lop- 
milch* auch in einem Briefe des Appenzellers Zollweger XVIII., 
während sich im G Stiftsarch. ans dem XIV./XV. die Form 
.Luckmilch' findet Über die beiden Belege aus dem Jahr- 
zeitbuch von ThTftn. vgl. auch Schm.-Kr. I 1463. 

Mal-Milch = Vogel-Mal vArx 1810, I 314 (Ap; 
GT.). 

Ma»-: Berg-, Mondmilch, die weissliche, schaum- 
artige Masse in den Klüften der Kalkalpen Ap; B; F; 
VO; Syn. War-Milch, Himmeh-, Berg-Melw; Berg- 
Ziger. Vgl. Män-Loeh Bd III 10ä4; Ziger-Loch Bd III 
1041, ferner JXSchnyder 1782, 44/6; JJScheuchzer 
1746, 413/7; Steinm. 1804, 219; Germ. VII 422; Rochh. 
1862, 252. Die M. wird gegen Entzündungen beim 
Vieh angewendet F (vgl. Schwoizerb. 1818, 364) und 
soll Gold enthalten (vgl. Wildkirchlein 1786, 43). ,In 
spelunca qnadam per summum montem, ut diximus, 
fornici adhaerens nascitur substantia quaedam fungosa. 
alba, levissima, friabilis, quam fungum petracum di- 
xeris, vel agaricum saxatile, ipsi monmilch appellant, 
id est lac lunae, a substantia alba et spuniosa. Si 
aquae misceatur, albo lactis colore eam inficit. Super- 
stitiose et stulte quidam adversus quemeunque mor- 
bum aegroti cujusvis, propter quem expresso ipsius 
nomine e spelunca petatur, salutarem esse putant.* 
CGessner 1555. ,Lac lunae, Monmilch, Steinmark.' 
Wagner 1680. ,Agaricus saxatilis seu lac lunae, Mon- 
milch.' Bs Apothekertax 1701. 

Die M. wurde dem Einfluss des Mondes zugeschrieben : 
nairerweise meinte man auch, sie werde aus dem Monde ge- 
molken (S). 



Nä°*^-: die zweite Hälfte der Milch, die von einer 
Kuh gemolken wird; sie ist starker und nahrhafter 
als die erste und wird bes. den Saugkälbern gegeben 
Gl; vgl. Steinm. 1802, 55. Sie wird auch zu Wa- 
schungen gegen Euterentzündungen verwendet. 

Nidel-: Milch mit dem Rahm darauf; solche wird 
als bes. leckeres Essen aufgestellt ZO. ,Die spil sind 
ungljch: Eins allein um kurzwyl, das ander umb wyn 
ald n.' 1533, Eqli, Akten. ,Schistum, gescheidne milch ; 
etlich haltendes für n.* Fkis. ,Gangend bald hin und 
luegend, wo der anken sei und d' n., sammt dem 
linden eierziger.* Ha obrer 1562. S. noch Orüschier 
Bd U 818. 

In dem Beleg aus Egli, Acten, ist viell. Lugg-Müek ge- 
meint; noch heute wird z. B. in ZO. an ,Lichtstubeten' um 
Nidel gespielt. 

Biest- Aa; Ap; GrD., Biesch- BO., Bienst- GT., 
Biemst' Z, Briest- Aa; Th; ZDättl., Briesch- Bs; BM., 
Brüsch- F, Briemst- AASeetal, Primst- AAWohlen: 
1. = ChcUber-M,, doch, ausgenommen in GrI)., mit Ein- 
schluss derjenigen ersten Milch, die, wenn zubereitet 
(vgl. B.-Chuechen Bd III 141), bereits geniessbar ist 
allg. »Nach der Geburt darf das Kalb nur 3 — 4 Mal 
an dem Euter der Kuh (so lange sie sogenannte Biest- 
milch gibt) saugen, und nachher tränkt man's Mor- 
gens und Abends ab.' Steinm. 1804 (für Ap). ,Man 
muess das fülhin vor dem dritten tag die eslin nit 
saugen lassen, dann es stürbe ab der selbigen milch, 
so die biensch- oder prieschmilch genannt* Tierb. 
1563. — 2, =z Bieat-Chuechen AaZ.; F. ,Sie brachte 
Brieschmilch (es hatte eine Kuh gekalbert), Hirsbrei 
(es war Hirsmontag), Küchli und Brotzelen.* Schwei- 
ZBRB. 1818. — Pfingste' Pfeiste^^: Milch, welche 
am Pfingstabend oder Pfingstmontag Morgen von den 
reichern Bauern verschenkt wurde; Frauen und Kin- 
der ärmerer Familien giengen, mit einem Gefass ver- 
sehen, herum, und bettelten: Oind'is au^^ e" Pf,! 
Die Bauern hielten es nicht nur für eine Ehrensache, 
die Bitte zu gewähren, sondern glaubten auch, damit 
für das nächste Jahr ihrem Viehstand Glück und 
Gedeihen zu sichern ZO. — Binder-, Ploder-: 
Schlippermilch ApH. (ohne Stein); Gl; GA., T.; Syn. 
ScfUotter-M. — Rabe»-: Milch von Kühen, welche 
mit weissen Rüben, bzw. deren Kraut gefüttert werden ; 
sie hat einen Beigeschmack (s. räbden) und kann 
schädlich wirken Z. — Rüm- = Luggtnileh 1 Bs. 
,Lac agitatum, Raummilch.' Denzl. 1716; dafür: ,Rühr- 
milch.* 1677. — Rumpel- = Anken-M. SEQmmel- 
ried. — Rüer- (in ScnSt. Euer-) = dem Vor. AaZ.; 
Ap; GF., Rh., Sa., Ta. ; Sch; ScnwMa.; Th; ZO., Wl. 
.Oxjgala, saure milch, ruer (rüer)-milch, dicke milch, 
ankenmilch, die man lang gehaltet' Fris.; Mal. S. noch 
Eüm-M. — Ross- = JBs«if»>7tf. GrD. (neben der Wald- 
Wolfsmilch, euph. silv., It B.); GSa. — Magsamen-: 
der in Wasser aufgelöste Milchsaft der Mohnkapseln. 
,Ein wenig M., Opium genannt* JJNOsch. 1608. — 
Sonnte"-: so viel Milch, als ein Senntum (70—80 
Kühe) auf ein Mal liefert, also 30 — 40 Mass Zg. — 
Sür-: saure Milch. , Weiss Eiter, als ein S.* Würz 
1634. — Scheid-: Molke, d. h. Milch, aus welcher 
der Käse ausgeschieden ist; vgl. Chäs-M, ,ln luterer 
Sch. von Geissen.'^XVII., B Arzneib. — Schinnerli-: 
durch einen ,Schinner' [Korb] geseihte geronnene Milch, 
aus der somit die festen Bestandteile ausgeschieden 
werden L. 



205 



Malch, melch, mileb, molch, mnlch 



206 



Schleg- (in Gr tw.; GRh.,Sa. Schlegg-J=Äfiken-M. 
GlH., S.; Gr; GA., 0., Rh., Sa., oT.; .ScnwMuo.; Uw;«* 
ü. Vgl. Steinm. 1802, 156 und s. Surberg-Händi 
ßd n 1809. 

B. 11 149 unterscheidet für 6rD. die Sekleg-M. (, Über- 
rest der Battermiloh*) yod der Ankenmüch. Vgl. auch nhd. 
»Schlagsahne.* 

Schlampe'-: Milch von Kühen, die mit Schlampe 
genährt werden B. Sie gilt für geringer als Gras-M, 

— Schlange*' = EseU-M, Roche. 1857, 180. 

Schlipp- = ^nX:en-i(f. Ebel 1804, 250. 

Yg]. das nhd. ,Sch]ipper-Milch* ; ferner »chltpperig; doch 
stellt die obige Form viel), nur eine eigentümliche Auffassang 
des W. Sekltgg-M. vor. 

Schlotter- (in L auch SMatU^-): 1. Ton selbst 
geronnene Milch AaP.; VO; ZKn.; Syn. Lugg-, Blu- 
der-M, Sie ist eine beliebte Speise zu gesottenen 
Kartoffeln Z. Wiss si" wie ne SM., sehr blass L. 
Cho* icie ne Müe us er^ Schi., absonderlich, geschmack- 
los gekleidet einhergehen L. Als der Lnzerner ,Wahr- 
heits freund' behauptete, die Beschlüsse der Schützen- 
hausversammlung seien ,Schl.S die man dem Volke 
vorgesetzt, antwortete der ,Sprütze"hannes': ,Noin; 
frisch vom Enter weg war sie gemolken, warm und 
süss zu trinken, die Milch, die du geschmäht.* ,Das 
Schreiben, so von der Oberkeit herkomme, koste viel 
und sei nit eine Schi, wert* 1653, Hblvbtia. Einem 
parodistischen L Spiel von 1743 ist ein Lied beigefügt 
,yon Eitelkeit der Schi, und Fusterle.* ,Ge1atum lac, 
stockmilch, gerunn[en]e, g^standne milch, schl.* Frib. ; 
Mal. ,Was aber das Trank belangt, soll man sich 
goumcn von unerwöltcr kalter und Schlattermilch.* L 
Postbüchlein. ,Adponunt oxjgalam sie Aeginetae vo- 
cataro: lac videlicet concretum Taciti, acido gustu 
blandiens, quod vemacula voce Schi, vocamus, a tre- 
mulo, gelatinae in modum, motu: yel etiam hoc ipsum 
a sero liberant et conquassatum cum cremoris portionc 
remiscent et sie inspissatum (Dicke Milch yocatur), 
afferunt.* Capfbler 1767. — 2. eine Wolkenbildung 
am Firmament, bestehend aus kleinen, dichtgereihten 
Uaufenwolken (im Gegs. zu den grossem, mehr ver- 
einzelten ,Schafen*) L. — 3. Schimpfname auf eine 
sauer dreinsehende, böse Person L. — Stock- = 
Schlotter-M. 1. Fris.; Mal. — Stöss- = Anken-M. 
AAFri., Z. Me^ muess Gott für Alles danke»: Für 
d' St. wie für de« Anke». Ema. Nat.-Kal. 1866. — 
Tüfels-: I.Name des Milchsafts gewisser Pflanzen, 
bes. des nachdunkelnden, giftigen, dann auch die betr. 
Pflanzen selbst; vgl. Flüechi-Chrut Bd II 891; Wolf- 
Mannh., Ztschr. IV 174. Spec. a) (Saft der) Wolfs- 
milcharten, bes. der Cypressen- Wolfsmilch, ouph. cjp. 
Aa; B; GT., We.; ScB; Th; Z, doch auch der kreuz- 
blättrigen Wolfsmilch, euph. lath. Hbgbtschw., und 
anderer Arten. Vgl. Esda-M, — b) in Zo -Milchlig, 
des gem. Schöllkrauts, chel. majus AASigl.; Scr; Zg; 
ZW., Zoll. — c) des Löwenzahns, leont. tar. Sch; Syn. 
Milch-Stock; andere s. bei Müch-Chrüt Bd III 901. - 
2. einer der vielen verächtlichen Beinamen des Brannt- 
weins Aa. — Tag-: das Quantum Milch, das eine Kuh 
in einem Tage gibt Gr; vgl. Tsch. 265, T.-Mulehm. 

— Toggi- tz Eeda-M. (eig. Milch eines Albs) GnEh. 

— Tause"-, Täusli-: Marktmilch, d. h. Milch, die 
der Milchverkäufor in einer Tanse den Kunden täg- 
lich bringt und die von geringerer Qualität ist, als 
die (in Flaschen gebrachte) ,ganze' ZStdt ,Was will 



Tansenmilch heissen? Gibt es denn Milch, die in 
Körben in die Stadt gebracht wird?* fragt ein gemäss- 
regelter Milchhändler im Z Tagbl. 1876. — Wal(l)e»- 
= Hengst 5 (s. Bd II 1450) GT. (Pup.). ,Lac passum, 
lactarius s. cibus, gewellte milch, milchbrocken, wallen- 
milch.* Mal. — Well-: gesottene Milch Gl (Bochh.). 
„Milch, die zum Zieger machen oder zum Vermehren 
nachgeschüttet wird GrA.** — Wolfs- = Eaeis-M. 
Aa; B. ,Carytis, die gemein gross w. mit den burzlen- 
bletteren, ist das ander geschlecht der w.' Fris. ; vgl. 
Plin. XXVI 40. — Yiat-^Mön-Müch (eig. »Arznei- 
milch'). Z Apothekerspr. — Wärm-: abgerahmte 
Milch, die man bei der Bereitung der ,Walleten* oder 
des , Ziegers* (also wenn man Milch erwärmen will) 
zusetzt Gr; vgl. Gr Sammler 1805, 261. — Wfss-^ 
ChäS'M. LE. — Ziger-: 1. Milch, die unter dem 
Einfluss von Wärme (bes. beim Sieden) gerinnt, in 
der die , Ziegerteilchen* herumschwimmen Aa; Zg; Z. 
Es ist heiss g'si» im Tal, t«* Äa" gemeint, t** müess 
zun-re Z. scheidet wie im ene» Chäs-Chessi, 7jQ Kai. 
1882. — 2. süsse, über Zieger geschüttete Milch, eine 
beliebte Speise Bs; S; vgl. Breitenst, Erz. 303. ,Eine 
nahrhafte Z. besteht aus einer grossen, ein paar Mass 
haltenden, mit guter, süsser Milch gefüllten Kachel, 
in welche Milch eine reichliche Menge Zieger, das 
beisst frischer, ungesalzener KäsestoiT, eingebrockt 
wurde.* AHartm. 1879. — Zeine»-: saure, dick ge- 
ronnene Milch, aus der mittelst eines dünnen Tuches 
über einem geflochtenen Korb fZeine»] die Molke ab- 
geseiht wird und die dann, mit süsser Milch oder 
Rahm gemischt, als Delikatesse genossen wird ZO.; 
Syn. ufg'schütteti Milch, 

milch bar: milchgebend. ,Guet m. oder schlechte 
Küe.* RCvs. 

milchele": nach Milch schmecken Bs; L; Z. 

milche": einem Kalb Milch reichen, essäugen U. 

Milche" Gr; Sch tw., sonst Miüce» — f.: 1. auch 
ChaJhS', Chalher-M., Brustdrüse mit Milch genährter 
Tiere, bes. der Kälber, doch auch der Lämmer, eine 
Delikatesse; Kälberbröschen Gl; Sch; Th; UwE.; Z; 
De Lacour 1736 (,le laites, du ris de veau'); Syn. 
Müchling. ,Ein Essen Kalbsmilchen* erhielt Bürger- 
meister Waser 1665 als ,Badenschenke.* Ein Pfund 
Kalbermilken schenkte u. A. alljährlich am Ascher- 
mittwoch die Zunft zum Widder dem Pfarrer zum 
St Peter. - 2. a) = Müeh-Chrüt 1 c (Bd III 901) Gr. — 
b) die Blätter des Löwenzahns Zg; Syn. MUcheren. 

Mi Ich er m.: Milch Verkäufer, der die Milch den 
Kunden zum Haus bringt BsStdt; L; Syn. Chü^er, 
Milchler, Milch-Mann. 

Milchere" f. = Milchen 2 SchwE.; vgl. das syn. 
Mdchtemen. 

milchig U, milchi* Z: aus (mit) Milch bereitet. 
M'8 Kafi, U; Gegs. schwarzes; vgl. Cholflji Bd III 
208/9; Kafi'ce mit ausgiebigem Milchzusatz Th; Z. 
Müchi^s Habermues, mit Milch st. bloss mit Wasser 
gekochtes ZWyt. 

milchle": Vieh halten, um die Milch zu ver- 
kaufen Ap. 

Milch(e)ler m. » Mücher Ap; BE.; L. — Blau-: 
Verkäufer von ,blauer* [abgerahmter] Milch B. 

Milch li"g m.: 1. a) in Bs auch MüMi n. = Mü- 
chen 1 Bs; B; UwE. Die Fleischer unterscheiden 
,Herz- und Halsmilchli* eines Schlachtoehsen Bs. 



207 



Malch, melch, mileh, molch, mnlch 



208 



fVoressen von Hirn, Milchlig usw.' Gotth. ^Milchlig- 
Pasteten. Schwelle and schele die Milchling' nsw. 
B Kochb. 1756; 1796. ,Eine Platte mit zerschnittenen 
Milchlein und Leberen.* Leücht 1767. ,Milchlin und 
Eros.' XYIL, Bs Mand. — b) SamenmilchdrQse. , Kar- 
pfen, in welchem weder milkly noch rogen gefunden 
worden.* Fiscbb. 1563. «Gefüllte Karpfen. Die Einge- 
weide, die Milcher zerhackt... Das gehackte Milchlein 
darunter gerührt.' Bs Kochb. — c) s Milchen 2 (bes. 
die Blätter des Löwenzahns) L; Schw; Ndw. — 
2. a) mannlicher Fisch, Milch(n)er. ,Keiire männly 
oder milkling, sonder alle rögling oder weiblin.' Fischb. 
1563. «Diso fischlin wachsend nit Ton inen selber, 
sonder habend railchling und rögling.* ebd. «Plscis 
lactarius, Milchling.* Dbkzl. 1677; 1716. — b) eine 
Art Schwamm, wahrsch. der Milchblätterschwamm, 
lact. Z. 

Tüfels- s. T,-Mileh. 

lind-mnlcb, in Gl auch li-m, -h'WÜchig »VO;" Gl. 

Mulche", bzw. Molcher (in Bs; B Muleh, in L 
MfdUr) — B. (in Bs in Bed. 1 a f., in GrD. m.): 
1. Coli., das ,Gemolkene* d. h. der Gesammtertrag an 
Milch, bzw. den daraus bereiteten Produkten, in einer 
gewissen Zeit, von einer bestimmten Anzahl Kühe 
(einem Senntum) Ap; Gl; GaPr.; GRh.; Sjn. Mulehi. 
Wo-n-e Pur itne^ Hüttli d's M, hat besorget Gl (Becker). 
Der Senn hed e" sckUchts M., wenig Milch, bzw. einen 
geringen Ertrag an Käse und Butter Ap. Mer wend 
hoffet, e» gueUr Summer a* der Alp bring-is Dcls wider 
ncuiher, wds-is bi dtm troehner FrüMi*g im M, z*rugg 
'bliben ist Gl Volksgespr. Spec. a) der Ertrag an 
Milch selbst Gl. ,Die Sennen suchen aus der Milch, 
oder, wie der Älpler sich ausdrückt, ans dem M., 
Butter, Zieger und Käse zuzubereiten.* Stbinm. 1802. 
Wesentlich = Müeh 2 d, die in eine Käserei vertrags- 
mässig abzuliefernde Milch Ap; Bs (als Fem.); ZKn. 
Ein Senn kann mehrere M. haben. ,Die hiesige M. 
ist eine der kleinern im Kanton.* Zbitunosinserat 
(BsL.). — b) der aus einem bestimmten Milchquantum 
(einer Sennerei auf der Alp, einer Käserei in der 
Ebene) während des Sommers gewonnene Ertrag an 
Butter, Zieger, bes. aber an Käse Ap; B; VO; Gl; 
Gr; GRh.; «S-; vgl. Milch 2 c. Wa M. hola% auf 
der Alp GRh. Wem gesch [gibst du] 's M. [Butter 
und Käse]? fragt man einen Sennen Ap. In B (bes. 
Si.) wird das M, [die Gesammtheit der fetten, auf den 
Verkauf fabrizierten Sommerkäso] unterschieden vom 
gesammten Milchertrag (an Butter usw.) einer Saison, 
dem Summer-Nutzen. Es M, Chäs, ,Die halbfetten 
Käse, welche vor und nach dem eigentlichen Mulch 
gemacht werden.* Gotth. ,Wic viel Zentner ihr Mulch 
in der Käserei gewogen hätte.* N. B Kai. 1840. ,An 
einem Orte sei über 16000 Pfd aus einem Mulch ge- 
löst worden.* ebd. ,Ein Käsehändler hat ein Mulchen 
zu Frkn 96 [per Zentner] gekauft.* Alpenp. 1873 (für 
BE.). ,Der Salzer hat aus Unkenntniss schon manches 
M. verdorben.* Schatzmann 1870. ,Weit und breit 
werden die Käshütten bekannt, aus welchen die teuer- 
sten Mulch verkauft wurden. Eben so weit erzählt 
man sich von den Mulchen, welche am schlechtesten 
oder gar nicht verkauft werden. Je teurer das Mnlch, 
desto besser der Senn.* Gotth. ,I)ass si ir mulken 
behalten sulln in dem huse, boidü, in kclre und in 
spychern.* 1336, Gfd. ,Was von zwain tagen mulchen 



gemachet ward.* 1419, Zellw., ürk.; vgl. Tag-M. ,Sie 
dürfen eine Hütte bauen, die mulchen ab melchsee 
darin und von dannen zue söumen.* 1452, KOchler. 
,Es soll jedermann sjn mnlchen nüt verkouffen, denn 
uf nnsrem offnen merkt* 1427, ScHwMa. LB. ,Si band 
gesetzt zwei mes mulchens ewiger gült an das gotts- 
hus.* XV., Gfd XI 35. ,Das m. [d. h. der Gcnuss bes. 
von Käse und Butter als Fasten speisen ; vgl. Chäs 
Bd III 503; Absch. V 1, 1649] ist in einer Eidgenoss- 
schaft erst in den 100 jaren sünd worden. Unser lieb 
Eidgenossen band erst inner 100 jaren das m. erkauft 
[d. h. die Erlaubniss, es in den Fasten zu geniessen] 
von dem bischof zue Rom; in der bull wirt 'klagt, man 
hab in unsrcn landen nit gewonet öl ze essen, je so 
band sj die landbrüchigen spys, milch, ziger, käs, 
anken, geessen.* Zwinqli. ,G'schandten vil an m. und 
vich.* WSteimer 1532. ,Unter andern Mulken wird in 
diesem Lande [Gl] viel Zieger gemacht.* STEnm. 1802 
(nach Stumpf). ,Sy band geboten, das molken und 
sunderlich den anken nit uf fürkouf, noch ussert 
lands zue verkoufen.* Anbh. ,Yermainende, einem land 
Abbazell von ie weiten her nichts bas erschossen noch 
fürbas erschiessen möchte, dann fijssig der mulchen, 
kuen und alpen warten.* Kbbsl. ,Hier ban ich anken, 
molchen, käs.* HvRüte 1546. ,Lactis massa coacti, 
caseus, käs oder mulhen.* Fris.; Mal. ,Wo man vil 
anken und mulchen hat, da hat man keinen hunger.* 
LLav. 1582. ,Gott hat seinem volk verheissen ein 
land, das von honig und milch fliesse. In denen landen 
hattend sy ir grös*t guot an vech und m.* ebd. ,Es 
band neu und alt rät erkennt wegen denen mnlchen- 
grempler[n] : Was sie unseren landleuten auf molchen 
geben oder vorgeben betten, eh dass mulchen vor- 
handen wäre.* 1585/1828, Ap LB. ,Es verbrann ein 
alp mit dem molchen.* 1588, Ardüser. ,Die molchen- 
grempler send in jedem umgang ein säum schmalz 
und käs auf dem markt monatlich feil haben.* 1598, 
Ap Ratserk. ,Dise Züger [aus Gl] haben den Prys 
wyt und breit über alles Molchen, so man in der Eid- 
gnossschaft macht.* RCts. , Molchen, als Käs, Ankhen, 
Ziger.* ebd. ,Zinset 4 Mass Mulchen.* 1604, LEscholz* 
matt ,Wegen Dingskaufs des Vychs und Molchens.* 
B Wuchermand. 1628. ,Dadurch, dass die Landlüt 
ihre Küe und dadurch auch das Molchen aus der 
Landschaft hinlichen und veräussern, wird an Molchen 
und Anken ein Mangel im Land gespürt.* 1644, BSi. 
Rq. ,Man erachte es an der Zeit, auf Beschränkung 
der Ausfuhr der Mulchen Bedacht zu nehmen.* 1674, 
Absch. ,Mulchen [im it Text ,de' laticini*] von Alp 
führen.* 1700, U Rq. ,Sie formieren die Zigerlin in 
Form einer Schneeballen und verkaufen dieses Molken 
ziemlich teuer.* Sbrerh. 1742. ,Alle Mulchen, es wäre 
Käs, Ziger oder Ankhen.' 1756, Schw Rq. ,Jeder Land* 
mann soll auch berechtiget sein, aus einer ganzen Mnl- 
chen oder nur zum Teil Käs, so von einem Frömden 
in unserer Landschaft erhandlet wird...* 1769, ebd. 
S. noch durch-gän Bd II 35, vergelten Bd U 280, Chem 
Bd III 466, Eädling; helv. Almanach 1802, 28. — 
2. „geschmauchter süsser Zieger, geformt wie Butter- 
striezel BG.** — 3. Molche*, Käsewasser PAl. (,ricotto*); 
Syn. Sufi, Schotten. ,Die suwen wurden faisst ab mol- 
chen, die pfaffen ab pfruenden.* Vad. ,Käs, der wol 
ausgetruckt ist: dann das molken schadet den jungen.* 
Vooelb. 1557. , Wässerig, wie molchen oder käs wasser.* 
TiRRB. 1563. ,So lang, bis der Käs ansgetropfet, die 



209 



Malch— mnlcb. Malchst— mulchst. Malcht— mulcht 



210 



Molchen abgelaufen ist* SLuts 1732. «Molken aatem 
in specie serum lactis, non quidem apnd nos verna- 
cale, nam Schotten dicimns, sed per totam Gennaniam 
vocatnr.* Cappbler 1767. 

Mhd. molchen (bzw. moUun; muhhen, mulken). Das (auch 
in ft. Lii. hie und da Yorkomniende) Fem. richtet sich wahrsch. 
nach dem Geschl. des syn. Müch; das Masc. nach demjenigen 
Ton Nutzen. Vgl. noch CGessner, Libellus de iacte et operibus 
lactariis. Tig. 1541. Im Flurnamen: ,MnIchenrain.' XIV., 
L Propsteirodel (Gfd). Vgl. auch «Molke' bei Gr. WB. 

Ab-: Zieger Gl (It Steinra. 1802, 1(55). 

Die Zicgerbereitnng bildet gleichsam den Abschluss der 
Verarbeitung der Milch (vgl. Bd III 511): doch vgl. auch 
Abgang. 

Haber- = H.-Mahh ZaBaar. 

Margel-: Name einer Abgiibc. .Vierdhalb Schil- 
ling jerlich inargelnmlken.* XIV., L Propsteirodel (für 
ScHwK.). 

Die Abgabe war viell. fällig an einem der Marientago; 
Yiell. ist aber ,Marge1farch', durch Eichelmast fettes Schwein 
(Schmid, schw&b. Id. 321), zu yorgleichen. Das nicht mehr 
Yerstandene W. erseheint schliesslich in der Entstellung 
,Mardermulchen.* 1561, SchwK. Rq. (Ztschr. f. schwz. R. II 47). 

Mass-: Einheitsraass zur Berechnung der Alp- 
Produkte, bestehend aus 20 Erinnen (s. Bd III 827) 
Butter, 2 Käsen und 2 Ziegern GrS., 28 Pfd Butter, 
40 Pfd Käse und 10 Pfd Zieger GaVal. 

Schaf-: Name einer Abgabe; viell. urspr. be- 
stehend in Produkten aus Schafmilch oder Abgabe 
für Benutzung der Alp zur Schaf weide. ,Do hat im 
ain abt ainen schafmttlchen daruf gemacht [auf eine 
Alp gelegt] für ein schirmgSlt järlich zins.* 1529, 
Strickl. ,Sy habend demnach ainem kloster müessen 
gen seh. und schmalzzins.' ebd. ,I)er Käse, des Zigers 
und Ankens wSgen, die man Seh. nennt.* 1529, Absoh.; 
vgl. ebd. IV 1 b 653/4. 

Tag- = Vogel'Mäl, eig. die Quantität Milch, welche 
die Kahe während eines Tages geben, bzw. die daraus 
gewonnenen Quantitäten Butter und Käse; spec. die 
Quantität Milch, welche die Kühe auf den Alpen am 
Morgen früh liefern, bevor sie auf die Weide getrieben 
werden GSa. ,Da8 T. solle der Landweibel dem Land- 
vogt urab den Ziger ohne sein Kosten liferen.* 1653/4, 
Absch. ,Be8chwerde des Landvogts, dass die von Flums 
ihr Vieh auf die Glarnoralpen treiben, wodurch einem 
jeweiligen Landvogt in Beziehung auf die T. ein Nam- 
haftes entzogen werde.* 1732, ebd. ,Aus dem Berichte 
des Landvogteiamts ergibt sich, dass der Ertrag des 
Titels T. von Zeit zu Z^eit in den Rechnungen sich 
vermindere, weil die sargansischen Angehörigen ihre 
Alpen an Fremde zum Hintrieb für Pferde und Schmal- 
vieh ausleihen, ihre eigenen Kühe aber ausser Landes 
verstellen/ 1786, ebd. Dem Landvogt von Werdenberg 
spec. kam die gesammte Butter- und Käseproduktion 
am Jakobstage zu; vgl. noch Steinm. 1804, 375. 

Mulcherer m.: Berufsname; wahrsch. Händler 
mit Milchprodukten. ,Die gelübde, die m. und mülner 
geton hatten.* um 1311, ä. L Ratsb. 

Mulchete" f.: Coli., Butter und Käse aus der 
Alp GRh. 

Mulchi f. ^ Mulchen 1 BBe.; S. 



M^lchster ApI. (neben Meister), Muster Ap — m. 
(It einer Angabe f.). Meistere"^ f. GRh. : einfache Hütte 
auf den Alpen, in welche das Vieh zum Melken ge- 
trieben wird und die ihm auch etwa Nachts eine 
Unterkunft bietet; sie ist offen bis unter den Giebel 
und hat keine Tenne Ap. Viehstall auf der Alp GRh. 
,Die Sennen trafen (im Juli 1879) hie und da eine M. 
vom Schnee eingedrückt.* Zeitungsnachricht. ,Ho1z, 
irene melster und käsgadner zue besseren.* 1491/1527, 
Zellw., Urk. ,[Sie haben auf der obern Gamor] zira- 
mer, gaden und melster gebaut.' 1529, Hof Kribssbrn. 
,Sol] jeder Alpgenoss von seiner Meister den Bau 
[Dünger] ausführen.' 1678, GRh. Alpordn. »Meister.* 
XVIIl., GOberried Arch. ,[Uli Rotach] stellte sich an 
die Ecke einer Meister und eines kleinen Gädeleins.* 

XVIIL, RBIHQEDrCHT. 

Zur Abi. Tgl. .Oalster* : ahd. galan und s. Kiuge 1886, § 94. 
Die ft. Lit. zeigt ancfa eine Form mit anderer Abi.: ,Si brann- 
tent 7 Bt&del and meiktran.* 1405, Wegelin. ,Die Melchtcr 
lag bis an die Einbinder oder obere Sehl [Schwelle] nnter 
dem Schnee.' 1687, Ap Chr. 



Schweiz. Idtottkon lY 



M(ilchtere° (in GO. It Zahner Maultere'J f., PI. 
Mdchtri BO., sonst unver.: 1. hölzernes, langrundes, 
offenes Gefäss für Flüssigkeiten, mit einem Öhr, das 
meist in einer verlängerten Daube angebracht ist, in 
GlS. statt dessen mit zwei Tragzapfen; verschiedenen 
Zwecken dienend: (oft Dim.) als Melkeimer Aa; Bs; 
B; Gl; L; G, (in BSa. auch Hand-M.) 2Lh Trag- oder 
Schopfgefass für Milch, Wasser (bes. in den Stall, 
daher auch Wasser-, Stall-M.), für Schweine- odor 
Pferdetränke Aa; Bs; B; F; Gr; S; üw; W, oder 
auch, um den Arbeitern das Essen auf das Feld zu 
tragen W; als Rahmeimer Aa; Gl; zur Auf bewahrung 
des ,Etschers* (s. Bd 1 608) Gl (vgl. Etsdher-Tansen). 
In die M, (in BG. Abtrag-M,) wird auch die Milch 
aus dem Melkeimer geschüttet, um sie darin stehen 
zu lassen, bis der Schaum vergangen ist, worauf man 
sie in die Qepsen (s. Bd U 393/4) umschüttet B; Gl; 
LE.; vgl. FXSchnyder 1782, 125; Gl Gem. 1846, 421, 
ferner Handfass (Bd 1 1050/1), Füsterli (Bd I 1124), 
Gwnmerll (Bd II 308), Gausdi (Bd 11 453), Melch- 
Chübd (Bd III 114), Bränten, endlich noch PSchild 
1893, 358; JRWjss 1817, 557; Steinm. 1802, 127. 
,Wenn sie das Melchterli untersuchten, in welches er 
melke.* Gotth. Dermit het '« d*s Mdditerli vo^ d'r 
Brunne^öre^ wifzoge^, e Outseh Wasser drüs g'sehüttet 
BM. (Schwzd.). Er schüttet d' Nidle^ us dem MddUerli 
»• «i» Bränte», Nat.-Kal. 1864. Nimmt «• Bränte^ 
uf ^e^ Buggd und *s Mdditerli a« d' Hand. ebd. In 
Vergleich ungen typisch für ein grösseres Mass. Es 
schüttet abe* [giesst] wie mit Mdchtere^ B. ,Ha89 und 
Misstrauen melchtere'weis eingiessen.* Gotth. ,Etn 
Euter wie eine Melchter.* AHartx. 1852. All Mdchtere* 
voll! verhüllend für: allmächtiger Gott! Aa. Wahrsch. 
ähnlich zu erklären ist die Rochholz'sche Aufzeich-' 
nung: Alli Mdchtere^ und alli Chübeli lär (Letzteres 
ein Zusatz in verhüllender Absicht). ,So seine brüst 
oder mSlkteren voller milch sind.* 1548, Hiob; dafür 
,Me]kfasse.* 1667. ,Umb ein mClchtern in markstall.* 
1566, ZGrün. (Staatsarch.). ,Mulctra, ein melchteren, 
melchgeschirr.* Frib.; Mal. ,Melkkübel, Melkter, 
roulctra.* Rid. 1662. ,Nachdem der Senn die Milch 
gemolken in die Melkteren (welche den Namen scheinet 

14 



211 Malcht— mnlcht. Maid— mnld. Malv— mulv. Malg— mtilg. Malgg— miitg^. Malk— mulk. Malm 212 



her za holen von dem lateinischen Wort Mnictrnro 
oder Mulctrale) and aus vilen Melkteren ausgegossen 
in das Milchtäuslein.' JJSchbüchz. 1706. ,Hic Muttas, 
Taussel, Folien cum Melchtere» cernes/ XVIII., makk. 
Gedicht. S. noch an-gän Bd II 18. Feuereimer. ,Aach 
soll ein jeglicher burger ein melchtran han in synem 
huse unt nächtlich syn gross fass volles wassers.* um 
1311, ä. L Batsb.; vgl. Liebenau 1881, 48 und s. Gelten 
Bd II 282. - 2. zinnerne Kanne GrV. - Vgl. ahd. 
chumdhtra, maltra, und s. Kluge 1886, § 96. 

Fisch-MSlchtere": Fischbehälter. ,Denne ist 
auch verboten, einige Fischmelchteren unter die Röh- 
ren zu stellen.* B Brunnenordn. 1740/84. Vgl.: ,Die 
Melchter des Fischers war voll Fische.* Euenlin 1834. 

Brunz-: hölzernes Nachtgeschirr mit Öhr, meist 
in einem Nachtstuhl untergebracht Gr ObS. ; vgl. 
Gang-Chubd Bd III 113 und B. IV, Tafel. 

St-, Sil-, Söu- B; L; S; Ndw, Schwi*- Gr: ,Melktcr* 
zur Fütterung der Schweine. Ersetzt in Sennhütten 
oft Stühle und Bänke, indem man ein Sitzbrett dar- 
über legt, wobei die Handhabe als Rückenlehne dient 
,Man kochte Haufen, zumeist halb z' viel, und wenn 
die S. und die Schüttsteine reden könnten, die hätten 
Einem sagen können, wie viel in sie spaziert sei.' 
GoTTH. Das wird öppe^ schön stä^ $" dim Loch, g'rad 
wie e" Sunntighuet uf eme* BBse^stil oder e* HochziU 
rock a'-re* S, ebd. Über d' S. faüe*, in eine wüste 
Geschichte kommen; spec: der Paternität angeklagt 
werden S. 2>' S. liUe» = d' Sü^'-Glogg. Ndw Kai. 1895. 
,X und Z [Buchstaben auf einer Figurentafel] stellet 
vor eine mit einer Schindlen belegte Säumelkteren, 
ein Geschirr, darin man den Schweinen zu essen bringt: 
gibet ab den vornehmsten Sitz bei den Sennen, wel- 
chen auch geniessen die fremden Gäste, denen sie 
wollen Gutes tun.* JJSoheuchz. 1706. 

Mälchterno" f. = Mücheren GRPr.; vgl. auch 
mdch 4. 

MSlchtrete" f.: eine ,Melchter* voll Milch. 
DiAL. 218. 



mSlde": 1. wesentlich wie nhd., doch wenig volks- 
tümlich, dafür cfiünden, berichten. Mit Respikt z* m,, 
Formel zur Entschuldigung eines groben, unanstän- 
digen Wortes; salva venia Bs; Z. Im Kartenspiel, bes. 
Jass (s. Bd U 69) kund tun, dass man eine bestimmte 
Kartenserie bekommen habe, wobei dann, wenn mehr 
als Einer meldet, die höhere Zahl oder die Vorhand 
(s. Bd II 1394) den Sieg davon trägt Bs; G; Schw; Syn. 
wisen, Drü, fufsgi, d* Stock m, ,M., monere.* Id. B. 
Anführen, erwähnen, in Rede und Schrift nennen, 
meist formelhaft. ,Wir dickgemelt Burgermeister usw.* 
1535, ScH ürk. ,Wolgemelt unser GHHn.* 1609, Z 
Mand. ,Er muesst ein[en] schweren eid tuen, sie 
nimmer ze m. [zu verraten].* Bosse., Chr. — 2. refl. 
a) anklopfen, um Einlass zu begehren W. — b) = chün- 
den 3 b (s. Bd III 355) W. — c) concurrieren. Stieret, 
so schön tmd feiss, dass «** mängen Osterei-Stier nüd 
muess m. JbEgli 1895. — Mhd. in Bed. 1. Bei Morgant 
1530 ,durch den gemeltnen kaiser.* 

er- s= melden 1, i. S. v. erwähnen. XV1./XVIII., 
Kanzlbispr. , Ermeldte Gegno.* Wurstisin 1580. ,Oft- 
ermelte.* 1718, DHess. 



vor-: (Grüsse, Empfehlungen) ausrichten Z f. 
Verraten, ausschwatzen (ein anvertrautes Geheimniss) 
L; ZKn. ,Es enist aber kain v. [Verrat, Untreue] in 
uns.* 1336/1446, Z Chr.; vgl. ebd. 39. ,Da wurdent 
sy von frowen gesßchen und von in"" vermeldet.* Edlib. 

be- = er-melden, ,Vorberaelte historien.* Rüep 1554. 

G'mnlder (in BR. Gmülder) n. = G'müll, G^mulber 
BO. , Zerknittertes, zusammengedrücktes, klein gebro- 
chenes Stroh.' St.*» Zun dem Ghrämer gän t** nüm-me 
ga^ Gaffe un^ Haber eherne* choufen; da uberchunnd 
mw nummen G'm. BR. 2>' Müs si^'-mer in der Tilli, 
d's Heu isch gli*'^ es lötigs G*m, ebd. — Zu Mult. 

g'muldere", bzw. g'müldrei' : 1 . = vermülben 2, ge^ 
mülbren BO. — 2. Moos, Reisignadeln usw. sammeln, 
um sie als Dünger zu benutzen, wie ärmere Leute 
tun B oHa. 

g'mulderig: locker, staubartig BoHa. G'm-e^ 
Sehne. 

g'mulderocht: breiartig BoHa. 



Mal visier Schw, Malmsijer Ndw: Malvasier; vgl. 
halb Bd II 1161. ,Malfensiger.* Edub. ,Die stouf 
füllend ir mit malfasy, mit muscatell.* Rubf 1540. 



Melge" 1 f.: 1. weisser oder gemeiner Gänsefnss, 
chen. album SchwE.; üw. — 2. guter Heinrich, eben, 
bonus Hen. Üw. — Vgl. ,Mclde*, Mute», MglteeU: 

Melge" II f.: 1. Mais PAl. Maügi's miu, Mais- 
mehl. — 2. Moorhirse, sorghum, unterschieden als 
.Kolben-M.*, gem. Moorhirse, sorgh. vulg. und ,Besen- 
M.*, sorgh. sacch. Gr; vgl. Gr Sammler 1781, 74/5; 
Lehmann 1798, 190/1. — Aus it. tneliga in Bed. 2 und 
Dies aus dem l&t. PflADzennameu mdica (Abi. von md), 

Molge" m.: grosses Stück, Brocken BBe. (Dan.) 



g'molgget: plump GLÜbst. — Vgl. Möix. 

Mälggeli n.: Name einer Entwicklungsstufe der 
,Albelen' (s. Bd 1 185/6) Z. - Vgl. die Synn. Milling, 

Meidel, Midel, Migliruj. 



Melkerli n.: Kätzchen des Haseln nssstrauches G 
uRh. (Wartm.). 

Höchst wahrsch. zur Gruppe mdch- gehörig, indem die 
K&tzchen mit Zitzen verglichen werden können. 

mölke": Jmdn mit Milchspeisen bestechen, ge- 
winnen BO. (vMülinen). 



Malm I m., nur in der RA.: In Malme* län gän, 
zu Grunde gehen lassen GrL. 

Viell. angelehnt an rem. Icuchar ir %n malura. Zu Grunde 
liegt wohl die concr. Bed.: das Zermalmte (vgl. got. malma. 
Staub); vgl. auch frz. r^duire en poussiere, vernichten. 

malm malam, malern, maium: 1. zutraulich, zahm, 
sanft, von Menschen und Tieren PAl.; W. «Ein ma- 
lemer Bär, eine malume Taube, im Gegs. zu wild.** 



213 



Malm-mnlm. Maisch — mnisch. Malt— mult 



214 



— 2. mild, sanft, z. B. vom Gesicbtsansdruck, vom 
Klima, Wetter W. Bi Berga"^ sige^ friejer vil malumer 
g'stn. Es ms Guot, ein in der Ebene gelegenes 
Bauerngut, Wiesland. Weich, zart, leicht W. Das 
Ärgern ist es malums VogoUt, man kommt leicht dazu, 
sich zu ärgern. 

malme", in PAL; W malame', malum(en)e* : 
1. zahmen PAl. — 2. .«zahm werden W." — 8. zer- 
malmen, vernichten GiiL. 's het der Stein grad [ge- 
radezu] g'mcilmet. — Zu der ÜbcrtraKung auf das Mora- 
lische vgl. lugfj. 

Malm 11 m., nur in der Beimformel: ,Halm und 
M.* Ar. ,Saat und Ernte, H. und M. kommt von Gott.* 
Ap Sonntagsbl. — Dem Ri-im zuliub geschnfTenu Abi. von 
,mahIeD* oder , malmen.* 



malsebe", maltsche": undeutlich reden G; Syn. 
muesUny nuslen, 

nVlseh Aa tw.; Bs {mdseh. Spreng), sonst möltsch, 
bzw. mültsch (in AaWoIiI. mölgsch): 1. weich, morscli, 
mürbe, faulend. S. noch mauch, Spec. a) von Holz, 
das lange auf der Erde gelegen hat, auch an seinem 
Standort rotfaul geworden ist Aa; Bs; BBe.; S; Z; 
vgl. stock-rot. Oh und m. si* [die hölzernen Bilder] 
g'si', nie* hätt chönne* glaube*, st slge^ us ^em Holz 
ro" der Arch Noe g' schnitzlet worde*. BWyss. — 
b) trockenfaul, von Äpfeln, dem ,teig* der Birnen ent- 
sprechend Aa; Bs; B; S; Z. Syn. flösch (Bd I 1225). 
Mürbe, mehlicht, von Äpfeln und Birnen AaF.; Bs 
(Spreng). — c) = gefosen (s. Bd 1 1083), bes. von Rü- 
ben B, oder Obst Z. — d) zerschlagen, gequetscht, 
von Rüben, Fleisch, bes. aber von gefallenem Obst 
Aa; Bs; S. — e) braun und blau, bes. in Folge von 
Prügeln Aa ; S. DV Grind het er verbünde^ g*ha» und 
het so erbärmlig blau und m. use*gluegt. Joach. P* 
chönnt »«• w. sMoh*; Syn. verchniit sehen. — 2. un- 
fähig zur Arbeit, matt Aa Äugst. 

Vgl. botr. die iiAhere Ywdtschnft ,mö]sch* bei Gr. WB., 
ferner die synn. mäw«ch, malz, mönuj. 

ver-möltsche": leicht quetschen, wöZ<«c/i machen 
(i. S. V. 1 d) AAFri. 



Malte- f.: 1. (in GuObS. Maulte'^) Mörtel Gr. - 
2. = M.'Chellen (s. Bd 111 201) GrV. — 3. süsser 
Weinmost, bes. solcher, der von den in Zuber ge- 
schütteten Trauben abgezapft wird, ehe man sie keltert 
BThun. Der unter der Presse wegfliessende Weinmost 
BSigr. (It Alpina 111 151). ,yon der trotten trinkt 
man m. des edlen rebensaft.* BGlettino. — 4. ^Malte* 
f.-, Malter I (in BHk.; U MoUer) ni. Aa; Bs; „VO-, 
B. L; S; Ndw; U, MaUere^ f. AABb.; FJ. (Moltre»); 
ZW., meist zsgs. Frösch(e*J'M. = Fröschen- Laich Bd 111 
1010. An enand(er) hangen wie ('s) It. B (vgl. Gotth. 
II 214); S; Z. Aus Missverstandniss auch von den 
grünen Fadenalgen im Suropfwasser Z. ,Die eier [der 
Frösche], so die Toutschen fröschmaltcr nennend.* 
TiEKB. 1503. ,[Der Wassermolche] eier sind zac- 
samraengehenkt wie ein fröschenmalter.' ebd. ,Der 
entchrist und die gottlosen hangend an einanderen, 
wir sagend wie fröschenmalter.* LLav. 1582. , Frösch- 
malter, ranarum ova, sperma ranaruni.* TuSimbskr 1710. 



It. malta, cbnrw. maulta, motta, Scblamm, Kalk, Mörtel, 
und Diese wahrsch. aus lat. maltha, Bergteer, Kitt, Mörtel. 
Das W. auch bafr.-östr; Tgl. Schm.-Fr. I 1598 (,MÄlter*). 
Auch in Bod. 1 scheint die Form , Malter' vorzakommen; 
ein Buch von 1775 führt den Titel: ,Neue Methode, unauf- 
lösliche Malter und Kitte zu machen.' 8 wird den Namen 
dem trüben, schlammigen Aussehen verdanken, ähnlich wohl 4, 
da die Froscheier yon einer schleimigen Substanz umgeben 
sind. Vgl. auch ,Früschmalter' bei Gr. WB. IV 1, 254; 
VI 1512. Doch haben wir es viell. mit ganz verschiedenen 
WW. zu tun. 

Schwider-: Frucht des gem. Berberitzenstrauchs, 
herb. vulg. W. 

Wahrsch. ist zunächst der aus den Berberitzen bereitete 
kohlende Trank so bezeichnet worden ; vgl. MaltenS. Vgl. auch 
Erbwlen Bd I 433, ferner Sckwider(en), Schttider-Biri (Stüd). 

zer-malte": zerbröckeln BTh. ,Zermalteter Ton- 
schiefer zur Düngung.' 

m alter ig: dem Froschlaich ähnlich, schleimig Bs; 
syn. sMiferig, 

Malter II n.: 1. Hohlmass für Getreide, in 4 .Mütt' 
(B; VO; S; Z), 16 Aargauer Viertel (BHk.) zerfallend; 
vgl. Seg., RG. II 249; AHöpfner 1787, 67/8; helv. Al- 
man. 1804, 147. , Alter ist ein schweres M.' Z. ,Se- 
nectus ipsa morbus, das Alter ist ein b&s M.' Drnzl. 
1677; 1716. — 2. ,Gotz m.!' euphem. Schwur für , Gottes 
Marter!' 1490, RBrandst. — Mhd. malter in Bed. 1 ; zu main. 

Aarauer-: ein M. zu 4541 französischen Kubik- 
zollen, das in einem Teil des Aargau und im östlichen 
Teil des Kts Solothurn gebraucht wurde; vgl. S Gem. 
105. — Frohburger-: ein in SHägend. gebrauchtes 
Getreidemass zu 34 Solothurner ,Mässen.' — Gau-: 
auch das «grosse M.', ein Getreidemass, das bes. in 
Ölten, Hägendorf und Trimbach gebräuchlich war; 
vgl. G.'Mütt, 'Vier-Teil. — Körn-: eine Natural- 
abgabe, bestehend in einem Malter , Kernen.' .Yolumus 
ut postea illi servi sua tributa non magis sicut et 
antecessoribus nostris reddant; sie et kernmaldrum 
non solvant.* Trad. Sanqallensis. 

Schis(s)-Malter(e") Aa; B; G; Z, -Martele* ß; 
ThHw.; zw., -Mätde* Scu (Sulger), -Mätere'^ ZWl., 
-Mäder mTn, Schisch- Malte* GRh.: Name von Pflan- 
zen, welche Durchfall bewirken. 1. Name von Melden- 
Arten; spec. a) gem. oder Ackermelde, eben, album, 
ein lästiges Unkraut Aa; G; Th ; Z; Syn. Schiss- Bürget, 
Holz-Schissen. — b) guter Heinrich, eben, bonus Henr. 
DuRH. — c) roter Gänsefuss, eben, rubrum GO,, We. ; 
ScH; ThHw. — d) ausgebreitete Melde, atr. pat. AaB., 
Habsb.; ZW.; Syn. Schlss- Muten. - 2. Vogel-Kno- 
terich, pol. av. AASigl.; Syn. Hunds-Schiss. 

Zu Grunde liegt zunächst malten, eine Nbf. des nihd.-iihd. 
Pflanzennauiens melde; die End. er mag sich nach Analogie 
anderer Pflanzennamen, wie Taueren usw. (das mit uuserm 
W. such den vorwiegenden Gebrauch als Fl. gemeinsam hat) 
eingedrängt haben. In Martelcn scheinen r und l die Stellen 
getauscht zu haben, worauf dann (in Match-n) r ausfiel, wie 
l ausfiel in -Mader, -Materen. Doch könnte man auch eine 
Nbf. 'Mcdtelt:*, nach Analogie von Buntjele*, Jtieswie* und 
andern Pflanzeuuameu, annehmen, die dann durch Dissimi- 
latiun zu Martele* usw. geworden wäre. Für die Garten- 
melde, atr. hört., hat der modernisierte Name .SVÄM«-^l/r/</**, 
bzw. -Meldt, Eingang gefunden G. Nach einer unbcstfltigten 
Angabo soll das einfache Malteren einen Pilz (,Schwamm') 
bezeichnen, wohl einen giftigen, drastisch wirkenden. 

Her-Multer: gem. Beifuss, art. vulg. Zu Arziieib. 

1588. — Eigcntnmliche Eiitstulhing und Umdeutung aus dem 
mlat. Namen der geschätzten Arzneipflanze: Mater herbarum. 



215 



Malt, melt, nilt, molt, malt 



216 



Malterser m. .* Bewohner des L Dorfes Malters, 
welche mit dem Verse geneckt werden : Chasper, MeU 
eher und Baltisser händ d* Här und cf Chröpf wie d' M. 

naltridiere": verderbt aus n^altraitieren, misshan- 
deln L. Quinieref^ und pinginiere* und m. L Sprach- 
probe. 

milt: im Allg. wie nhd., freigebig Aa; nicht rauh 
(von Wegen LE., von der Witterung, allg.), nicht herb 
oder scharf, vom Geschmack, allg. ,All Eidgenossen 
band das für das milter ufgenommen [nicht so streng 
beurteilt] und die iren ungestraft gelassen.' 1522, 
Strickl. ,Denn was du willt, des bin ich milt [darin 
gebe ich dir nach].' Aal 1549. ,[Der Apfel] ist so 
süess, ouch milt und guot.' Ruef 1550. ,Lene vinum, 
ein milter wein, der nit rauch ist.' Frib.; Mal. .Mil- 
dere und bessere Butter und Käs.' Sbrbrr. 1742. 

Mhd. müiU, mute, frenndlich, liebreich, freigebig. Die 
Formen mit t sind in ooserer &. Lit. Tom XIV./XVIll. noch 
reichlich belegt; jetzt dringt aber aach in die gesprochene 
MA. die erweichte Form aus dem Schriftdeatschen immer 
mehr ein. ,Mi]t* auch GeschlechtsD. 61. S. auch noch ^6 
(Bd II 68), rtck-gib (Bd II 64). 

un-: hart, grausam. ,Die menschen so u. gegen 
uns sind, das* sy uns in unserem presten, den wir 
mit inen gemein band, erst mit den uneeren beschwe- 
rend.' ZwiKGLi. ,Des menschen art, dass er gemeinlich, 
wo er gewalt hat, rauch und u. ist.' HBull. 1597. 

Miltech, in Summer-, Sür-, Sehicizer-M. : Name 
von Apfelsorten Gl; vgl. Mütacher Bd I 872. 

milte", iwt/<fe": mild(er) werden, die Rauheit, 
Herbigkeit verlieren, vom Wetter, Früchten, Sitten 
Aa; B; VO. 

Süess-Milter: Name einer Apfclsorte GRh. 
(Steinm. 1804). 

miltere": tr. und intr., mildern Bs (Spreng); 
milder werden. ,Den 19. und 20. Febr. wäre es kalt, 
mit dem 1. Merz fieng es wider an milteren.' ZZoll. 
Tageb. 1770. ,Umb Gnad oder Milterung der Urtel.* 
GrD. LB. 

MilteB f.: Melde. «Chrysolachanon, wilde M. [im 
Gegs. zur Gartenmelde, atr. bort.].' Denzl. 1677; 1716. 

Schaf- = Sah.'Mül 2 b, ,Somen von sch.-milte, so 
man viticem zu sein vermeint.' Tikrb. 1563. 

Schiss- = 5cÄ.--afa/teren i d B (Durh.). 

Mnlt ZS., Muld ZA., Möld ScuSchl.; ZA., Dättl. — 
m.: die unter Einfluss der Sonnen wärme zerbröckelnde, 
in Staub zerfallende, mürbe werdende Erde in Äckern 
und Weinbergen, als Frühlingszeichen geschätzt. Me* 
cha*^ bald t" d" Eibe'', es häd scho"" M, I** gane* nid 
go* htrdöpflef^, bis 's M, häd. Es häd scho» wider M., 
wenn nach Regen der Boden wieder trocken ist. Auch 
etwa Strassenstaub ZDättl. Auch als präd. Adj. Es 
ist m,, locker, mürbe, auf den Äckern. — Mhd. molt(e), 
multe, molde. Staub, Erde, Erdboden. Vgl. Mull, G'mulder. 

Mnelt G; Tetw., ^Mold Sch", MoU Aa; ApK., 
MtUte^ AALeer., L. (neben ue), in ZO. auch Muetle^, 
sonst Mudte* — f., Dim. Mueltli Aa; B; S, Mueltji 
Gr (in D. auch MueltiJ, MueltscMi S, sonst Müeltli: 
Mulde 1. als Gefass. Spec. a) ausgehöhlter Baum- 
stamm als Wasserbehälter Gr. — b) auch Bach-M., 
Backtrog, allg., in der primitivsten Gestalt ein aus- 
gehöhlter Holzklotz (vgl.: ,Hebet und wälzt sie das 
Mehl in dem rundlich gehöleten Eichklotz.' JStacb, 



Pädag. Beobachter 1839), später aber, in Nachahmung 
eines Troges aus Brettern gefügt, oder aus einem 
ovalen Zuber auf drei Füssen bestehend, zuweilen zu 
einem eleganteren Zimmermöbel umgeschaffen durch 
Combinicrung mit der Commode. In ZO. wird die 
(aus Dauben gemachte, zuberähnliche) üf. dem (aus 
Brettern hergestellten) Bach-Trog (auch Beeke*-M.) 
gegenübergestellt. Syn. B.-Gdten Bd II 284, Schor 
binggen. Die M. als Lärminstrument s. unter mören- 
glgen Bd II 151, Mueltschaft ,Als sie [beim Kneten] 
den Kopf über die M. hatte, habe er [in verbreche- 
rischer Absicht] ein Beyel oder Allein herausgezogen.' 
1716, Z Staatsarch. ,Dass alle pfister, so husbrot ba- 
chend, erberen lüten in unser statt, die des begerent, 
mueltcn geben söllent' 1406, B Stadtsatz. ,[Der Pfister 
soll] die pfistry mit allen dingen, es syg mit tüecher, 
muolten usw., suber halten.' 1495, G Küchenordnung. 
,Als kummen wer der recht müUer und auch der heck. 
Seind frech und keck; wcnd nit abstan. Das rad [der 
Mühle] muoss gan, die muold ist brait [bereit ge- 
macht] und ausgesprait' 1520, ScoAns, Satyren. ,A1- 
veatus, ausgehölt wie ein m. oder känel. Mactra, die 
m., darin man knit, brotkasten, -kübel, -korb.' Frib.; 
Mal.; Dehzl, ,Ein Bachmult' 1627, TuBürglen Inv. 
,Zur Einsammlung der Früchten hast du uns die aller- 
beste Witterung bescheert, dessen man das ganze Jahr 
geniessen kann auf der Schütti [Kornboden], in der 
M., im Ofen und über Tisch.* FWyss 1672. ,Das 
Multenbachcn [an Sonntagen verboten].' B Mand. 17*28. 
,£ine underschlagene [mit Abteilungen versehene] M. 
sammt dem Stuhl.' Bs Avisblatt 1732. S. noch heblen 
Bd II 944. Das Fahren in der Backmulde galt als 
Kunststück der Hexen; vgl. Rochh. 1856, II 58/9. — 
c) = Bad-Gelten (s. Bd II 284) Gl (Schuler). — d) „höl- 
zernes, offenes Gefäss, Handbrente B." — e) ein Kinder- 
schlitten, von der Form einer kleinen Backmulde, mit 
hoher Rückwand und Seitenlehnen G. Spöttisch, ein 
kleiner, bes. ein abgenutzter Knabenschlitten mit mul- 
denförmig vertiefter Sitzfläche Z; Syn. FadH-Schlitten. 

— '2. muldenförmige Vertiefung des Erdbodens, bes. auch 
in einem Flussbett, gerne als Badeplatz benutzt Gl; Z. 
,Cavitas in superficie agri.' Id. B. Syn. Sank, SchOsslen, 
l'üelen. Hieher wohl: ,Ein Jucherten ob dem Multle.' 
1658, AAWett. Klosterarch. ,Uf dem Müeltlerain.' ebd. 

— 3. spöttisch, sehr beleibte Weibsperson W; Syn. 
Speu-M. E* scharpß M. van am Fräuwi. — 4. Dim. 
a) auch Fleisch-, It Spreng Schal-M., zinnernes oder 
blechernes, muldenförmiges Gefäss, worin die Mägde 
das Fleisch an der Metzgerbank holen Bs (Spreng). 
«Fleischmültlin.* Bs Taxordn. 1646. — b) kleiner 
Nachttopf für Kinder Bs (Spreng). 

Über Abstammung nud Formeo s. ,Molde' bei Gr. WB. 
Die Form ,Molton' auch 1587, Hagenb., Sigr. 

,Fisch-Müeltli oder sant jakobs muschelen zuo 
bulver gebrannt und das getrunken.* Zg Arzneib. 1588. 

— FrÖ8s-Müelteli = (?e/>«en 1 c (s. Bd II 393) F; 
vgl. Ess-Gepsen Bd 11 394. — Ham- = Mtidt 1 b PAl 
(Giordani). — Choder-Mueltli: verächtlich, Spuck- 
napf B. Syn. Speu-M., -Chubli (s. Bd HI 116). — 
G'meng-Muelte': mu Idenartiges Holzgefass, in dem 
das ,Gemenge* [Glasfritte] von den ,Anmengern' zum 
Glasofen getragen wird S. — Bach- = MueUen 1 b 
Gr. - G'bacht- GrD. (neben ö»6äcÄ-;,J5dc/*t-GRV. 
Muelte» (bzw. -Mueltji, -MueltiJ: kistchenartige Keh- 
richtschaufel; Syn. Gebacht'Schuften. — Pflaster-: 



217 



Malt— malt. Malw— raulw 



218 



flacher Kasten oder Trog, in dem Mörtel zubereitet 
wird Z. fMortarinm, ein pfla8t6rmaelt(en) oder pflaster- 
pfenn.* Fris.; Mal.; Red. 1662; Dknzl. 1677; 1716. — 
Soller-: Gang, in Form eines Steges mit niedrigen 
Bandlelinen, vom SoUer zam Hö^-Soller FEerz. — 
Sllw- BR., Schwin- BBe.; GrD., L.: Trog, in wel- 
chem die geschlachteten Schweine g^brQht werden. 
— Speu- AAAarb., L.; B, Spüt-MueltU S: 1. Spnck- 
napf Aa; B; S. Syn. Speu-Beckeli, Speuz-Truckm, — 
2,sMudten3 B. -> Tisch-Muelte": Backmnlde, 
die auch als Tisch benatzt wird ZBüL, R&ml. — 
Trank! Treichi-: tragbarer Tränketrog BR. Vgl. 
Mudten 1 a, 

Mueltete" f.: eine Mulde voll Mehl. Dial. 218. 

mne Itig: muldenförmig vertieft, vom Erdboden L. 

Mueltschaft f., in der Verbindung: ^ M, gä*: 
mit allerlei Lärminstrumenten, u. A. mit einer Mulde 
(s. muelte'-chratze^ Bd III 930) an einer Hochzeit ein 
Charivari bringen S oA. 



M«lw n. (in PAl. Mdu, in Ap; Th; ZSth. Mm, in 
GlK. MH, sonst meist MM, bzw. MMJ: 1. Getreide- 
mehl, allg. RAA. und Sprww. Wie der Cheme*, so 
wird '8 M. ,Wie 's Korn ist, so wirt 's M.* 1566, Z 
Inschrift auf einer Glasscheibe (zu einem Bilde, wo 
Geistliche in eine Mühle geschüttet werden und Schlan- 
gen herauskommen). Nüd vom richte» M, H; nicht 
von der rechten Art oder Gesinnung G. ,Elsi ist frei- 
lich nicht vom besten M.* UBrIgger 1780. Das ist 
anders M., das ist (freilich) etw. Anderes Z ; s. noch 
ander Bd I 803. Das ist g'spässigs M., eine ver- 
dächtige, sonderbare Angelegenheit Z. Ei»*m scho» 
9äg€», wie twr *s M,, Jmdm den Standpunkt klar ma- 
chen Z. JK»'w *s Meli abe'tue; ihm tüchtig den Text 
lesen, ihn derb ausklopfen; vgl. erbürsten; Ei'^m de» 
Staub uscMopfe», Ei»*m welle» M, afnache», ihn be- 
trügen wollen B. Von Jmdm, der seinem Ende naht, 
sagt man: Di^ isst kei» Pfund M. me ZWeissl. Von 
Jmdm, der den Hut schief oder hinten am Kopfe trägt, 
etwa wie ein Betrunkener, heisst es: D^ hat 's M. 
verchauft Z; s. noch Chemen Bd III 465. Er isch 
so troch (vor Durst), er chönfU M, üsblösf^ S (Schild). 
M» im Mül ha», mit der Sprache nicht herausrücken, 
undeutlich sprechen Gl; Sch; Z; vgl. Haher-M, und 
das syn.: En Mdsack uf der Zunge» ha». Das ist 
e» BesoluH: die häd ekei» M. im Mül Z. ,Die per- 
sonen aber, mit denen ich darvon geredt, band meel 
im mul, wend aber nit blasen*, wüssten viel von dem 
betr. Handel zu erzählen, wenn sie wollten. 1552, Z 
Staatsarchiv (Untersuchungs-Akten). ,Dabar etliche 
Scribenten diesem Hus [Österreich] mer dann z' vil 
flattierend, Andere schonend, band M. im Mul, wie 
man sagt, wend aber nit blasen.* JROeobr 1606. ,Pre- 
diger, die M. im Maul haben und die Stimm nit recht 
erheben dörfen.* FWyss 1650. ,Bos in lingua, er hat 
M. im Maul, er darf nicht reden.* Denzl. 1677; 1716. 
In '« M. g'hit s%» W, M. am Ermd ha» B, dumm sein. 
Einere» 's M, röste», mit ihr (bes. verliebten) Scherz 
treiben, sie necken AaF. Nie gind Zwätschge» M.I 
Abfertigung. G Kai. 1890. Nei», M., du gisch nit Bröd! 
daraus wird Nichts! JHofst. ,Man sprichet, wör von 
forchten stirbt, dass dör im selber das erwirbt, dass 
man in soll in m. begraben.* Bonbr. ,Ungelych als 



der wind und das m.* HbSobürpf 1499; vgl. über diese 
Zusammenstellung Gr. WB. VI 1865. S. noch Ghue- 
chen Bd III 138. — 2. übertr. auf mehlartige Stoffe. 

a) Staub, mehlartig zerbröckelte Erde BO.; ZO. — 

b) Arzneipulver Ap ; G. — 3. verbunden mit dem un- 
best. Art. oder mit einem Zahlwort, auch Dim., so viel 
Mehl, als auf einmal in einer Haushaltung verbacken 
wird Aa; Th; Z; Syn. Badt-M. Zwei, dr& Meier. 
So viel Getreide, als man zu einer «Bachote"* in die 
Mühle gibt AaKöU. 

Mhd. nun, -we» in Bed. 1 und 2, ahd. m^lo. Das stainm- 
auslautende te erscheint in den Abll. (fpew. za & yerbftrtet). 
Die urspr. Kürze des Yoc. hat sich bes. im Gebirg erhalten, 
z. B. in BOadmen ond GrAv. Zu der RA. Ei»*m '• M. abe»- 
tu«» vgl. Ei»*m d' Lü8, de» Staub usw. abe»lue»; 8. auch 
Mali (Mal II), Zu den Mehlaorten vgl. Fluj 2, MtMchUten, 

Agathe" Agede»-: Mehl, das am Agathentag ge- 
segnet und gegen Krankheit und Verhezung ange- 
wendet wurde S. Hesch [für das Vieh] d' Tränki 
z^weg, mit gesegnetem Ä, und Dreifaltigkeitswasser 
drinn? Schild. 

Ammele"- Aa; Bs; Th; üwE.;;Zg; Z, Ammdi- 
Ap, Ammer- B; „Vw; Z**, ÄmmerCe»)- B; Gl; Schw; S; 
üw : Starkemehl; Syn. StärdU; vgl. GMäri Bd IH 685. 
Neben dem syn. «Kartoffelstärke* unter den Zutaten 
in die Würste genannt. Obw Volksfr. 1892. ,0b man 
wohl gutes Aromermehl hätte von körnigem Mehl.* 
GoTTH. Früher giengen Hausierer herum mit dem 
singenden Rufe: A. und Bldni! Z. Wenn idi ge^ 
Züri^ ko» bin mit AmmdenmdU, Gbspr. von zwei Am- 
melenmehl-Trägeren 1712; dafür ,mit Ammermehl* in 
einer Ausgabe von 1713. »Amylum, amelmöl.* Fris.; 
Mal. ,Nimm AmelmCl oder Kraftmgi.' JRLandbnb. 
1608. ,Da8 Amelmeel ist Meel, das man nicht malet 
und wird nur aus dem eingebeizten und ausgetretenen 
Weizen gemacht.* Spleiss 1667 (der damit nur eine 
Erklärung des zu Grunde liegenden gr.-lat Etymons 
Amylum gibt). — 2. feines Staubmehl zur Überstreu- 
ung der ,Frattwunden* (s. Bd I 1837) kleiner Kinder 
TflTäg. - Ammel-Mßler: Fabrikant, bzw. Hausierer 
mit , Ammeimehl' Z (bis in die neuere Zeit). Sie mach- 
ten sich bemerkbar durch den Strassen ruf: Ammdi- 
mel! Ammdimel! 

Die Formen mitr lehnen sich an Ammer I (s. Bd I 218) 
au. In GIK.; GA. ist tf lang, viell. in Anlehnung an Ämerli 
(s. Bd I 214). Die Form ,am(m)elm3l* auch im Yogelb. 1557, 
,emelmel.* Zg Arzneib. 1588. 2 ist wohl identisch mit 1, 
da Amlung zu dem bezeichneten Zwecke gebraucht wird. 

Holz-Opfel-: aus geddrrteu Holzäpfeln und Holz- 
birnen in der Mühle gemahlenes Mehl von säuerlich 
süssem Geschmack, das als Zusatz zu Milch, bes. aber 
zu geschwungenem Rahm geschätzt war ZG.; vgl. 
Stutz II 122. — Fratt-: die Sporen des Keulen-Bär- 
lapps (lyc. Clav.), die auf ,Frattwunden* kleiner Kinder 
gestreut werden Z; vgl. Melw 2; Oäbdi-, Hexen-, 
Zäpfli-M, und Bd 111 1350. — Gäbeli- = dem Vor. 
Ap ; Zo ; vgl. T. 1830, 158. — G u r k e ■ - neben Gurgk»- : 
zerriebene Gurkensamen, als Heilmittel ApK. — Gna- 
den-: Mehl, das die Obrigkeit aus Gnaden an die 
Armen der Landschaft wöchentlich austeilen liess Z 
(bis 1798); vgl. ANäf 1870, 153. — Gräbt-: Mehl 
für das Brot, das auf die ,Gräbt* (s. Bd II 698) ge- 
backen wird S. I** muess hiUt wo** 'nes Gr. m^che», 
wenn 's scho» Sunndig isdi. Schild 1885. — Gries-: 
Dinkolgrütze L; Zc; Z. Mehl aus Kleie Ndw. 



21» 



Malw, melw, milw, roolw, mnlw 



220 



Haber-MSlw: 1. Hafergrütze, allg. Von Jmdra, 
dessen Stimme keinen Klang hat, der an den Worten 
gleichs. herumkaut, sagt man: Er redt aXliwll, wie 
wenn er H. im Mül hätt ZO. Syn. mit Mel, in der 
RA.: Kei* H. im Mül ha* ZO. »Sein [des Hafers] 
Mehl gibt grobes Brot; doch von Weisshaber eben 
nicht schwarzes. Das gröbere Mehl oder Grütz vom 
Haber (welches wir schlechtweg H. und von anderer 
Frucht auf ähnliche Art zubereitetes Griesmehl nennen) 
dienet absonderlich zu Suppen.' AHöppner 1787. — 
2. Wiesenbocksbart, trag. prat. GSa. — Haber- 
mSl^er: 1. wer Hafergrütze bereitet, bzw. feil trägt. 
Bei der Beliebtheit des Hafermehls gehörten die ,Ha- 
bermehler* zu den stehenden Figuren des Hausierge- 
werbes; so in ZO. bis in die 50er Jahre. ,N. N., der 
hebrinmelwer.* 1297, Bs Urk. ,Die brodbecker oder 
die habermehlier, die ihre Zunft hand.^ 1335, Ochs. 
,Habermelber.* 1453/4, Bs. ,üie Habermehler und 
Fassmissverkäufer sollen, wenn sie das beim Viertel 
und Halbviertel verkaufen, es am offenen Eornmarkt 
feil bieten, wenn sie aber bei Bechern, Vierlingen 
und halben Vierlingen vorkaufen, so sollen sie im 
Kaufhaus feil haben.' 1492, L Ratsb. ,Hans Studer, 
habermelwer', gehörte dem ,hürnin rat' an. Edlib. 
,In des habermelbers hus.' 1532, Eqli, Akten (neben 
»Habermelwer.* 1528, ebd.). ,So und wann es sich be- 
gibt, dass uf eins habcrmelwers guot by synem leben 
oder uf synen abgang ein uffall kommt, ist dise er- 
kanntnuss gegeben: Soferr der habermelwern wyber 
ynnement und usgebent, dass sy dann, wie ander 
wyber, so zuo bank und laden stand, in ufföllen für 
ir[en] eemann zuo bezalen schuldig syn söUent' 1564, 
Z Ratsverordn. Im XVIII. waren sie in Z, neben den 
Grämplern, der Zunft ,zum Kämbcl' zugewiesen (Leu, 
Lex.). Die ,H.' mussten in Z in ,der Brotlauben' feil 
bieten. 1575, Ratsverordn.; vgl. Bd III 965. — 2. ,im 
H.' Zlllnau, ,Habermgli' ZTurb., Wyla, Name einer 
für sich abgeschlossenen Abteilung im Hintergrund 
der Kirche, unter der Empore ZTurb., Wyla, der drei 
hintersten Stühle bei der Ausgangspforte Zlllnau. 

HabemiHto 2 eine der vielen Umdeutnngen aus H.-Maleh. 
Zu Habermtler S. Diese Benennung (wie der Name Chuchi 2 h 
Bd III 130) bezieht sich darauf, dass frahcr die Verteilung 
des von der Obrigkeit oder der Gemeinde den Armen ge- 
spendeten Brotes oder auch Hafermehles (vgl. Gnadenmel) 
wirklich nach dem Gottesdienst hinten In der Kirche (wo 
die Armen sich einfanden) stattfand. 

Heide»-: Mehl von Heidekorn GaPr. Vgl. Bd II 
990. — Halb-: die geringste, zum Mästen des Viehs 
verwendete Sorte Mehl Gl. — Holz-: zu Staub ver- 
modertes Holz Aa; Z. ,Der Blauspecht nistet in 
hohlen Bäumen auf H.' Aa Gem. 1844. — Hüs-: ge- 
wöhnliches Mehl zum täglichen Hausgebrauch; aus 
dem selbstgepflanzten Getreide gemahlen BSi.; vgl. 
Brüch-M. ,Cibarium sive secundarium, das m6l, das 
nach dem simmelmöl gemalet wirt, h.* Fris.; Mal. 
,[l)er Müller soll liefern] währschaft H.' Z Mand. 1693. 
, Dieses wird von gutem einzügigen oder sogenanntem 
H. verstanden.' BsMand. 1740/72. — Hexe°- = Fra«- 
3f. G; Z. — Chüechli-: feineres Mehl zum Kuchen- 
backen Gr; Z. — Kommiss-: Mehl, aus dem da^ 
,Kommiss-Brot' [zur Austeilung unter das Militär] ge- 
backen wird. 1 1)55/(5, Gfd (für Z). — C hin de»-. 
Chindli-, Chinds-: Mehl, gewöhnlich Semmelmehl 
(zweiter Qualität. Z techn. (les. 1840), aus dem Brei 



für kleine Kinder gekocht wird. S 1746; Z. Wenn 
die Schnitter bei der , Ackerscheide' (am Ende des 
Ackers) angekommen sind, ratschlagen sie, ob sie den 
Rest zu Chindlimel stehen lassen wollen oder nicht 
und entscheiden, je nachdem dem Besitzer des Ackers 
eine Vermehrung der Familie in Aussicht steht oder 
nicht ZBass. Noch jetzt dürfen fünf katholische und 
fünf reformierte Familien von AiGebistorf, welche 
kleine Kinder haben, wöchentlich je ein Immi Mehl, 
das sog. Kindlimehl, in Königsfelden abholen; diese 
Stiftung ist angeblich gemacht worden, weil König 
Albrecht in den Armen einer Frau von Gebistorf seinen 
Geist aufgab (Liebenau). — Chunde"-: Mehl, das 
der Müller aus fremdem Getreide, nicht aus eigenem 
auf den Verkauf, mahlt Z; vgl. Chunden-MiÜli. Gegs. 
Becken-M. ,Dass die Müllerraeistere und derselben 
Knechten das K. an Sonn- und Feiertagen eher nicht 
denn nach vollendetem nachmittägigen Pfarrgottes- 
dienst den Kunden, es seie tragend, reitend oder 
fahrender Weise, überliefern sollen.' S Mand. 1783. 

Chopf-: schwärzeres Mehl, aus dem die Bäcker 
noch etwa Büch-Brot machen, das aber sonst meist 
zur Viehmast verwendet wird Z; vgl. Büch-M, 

Vermutlich davon benannt, dass dieses Mehl gemessen 
wurde, während feinere Sorten beim Gewicht verkauft wur- 
den; vgl. Pfund-M. 

Chörne"- = Chernen 2 (s. Bd III 466) GrAv., Rh., 
S.; vgl. cī'ni^ Bd III 468. Weizenmehl Ap; Z. Die 
Mittelstufe zw. Semmel- und ,Bollmehl' Bs (Spreng). 

Chaiser- GRÜbS., V., sonst Gai3(8)er-: eine 

feine Sorte Mehl Gr. 

Viel], liegt der Name des Ap Dorfes Gais zu Grunde (das 
Mehl heisst auch St Galler Md) und Chaiwr i»t dann Umd. 

C h n p f - (neben ChnÖpf- Obw) = Chopf-M, L ; Obw. 

Laib-: Nachmehl, das nach dem Kernenmehl aus- 
gemahlen wird Bs (Spreng); Syn. Boll-M, 

Vgl. ,Laib', Brot ans Roggenmehl, bei Schm.-Fr. 1 1403. 
Viell. zu leiben, übrig lassen. 

Lim-, Li- = Lim. 3 (s. Bd III 1268); Haferkleie, 
Abgang der Hafergrütze; wird in Zeiten der Teuerung 
auch gegessen „Ap;** G; Sch; Tu. — Eig. die Kleber- 
substanz des Getreides, die bes. in der Kleie zu finden ist. 

Lor-: zerriebene Lorbeerblätter. ZZoll. Arzneib. 
1710; s. Durch'Füli Bd I 703 und vgl Lor-Öl Bd I 
182. — Lau"- (in Z auch Laub-): Gerberlohe (aus 
zerriebener Tann- oder Eichenrinde), die nach der 
Verwendung getrocknet und als Brennmaterial ver- 
wendet VO, oder auf Gartenwege gestreut wird Z. 
— Mues-: 1. kleingebrochene Hafergrütze Ap; G; 
„Sch;- Z; Syn. Haber-M. M. us-^em äjWo/* [Schlauf]- 
sack esse*, d. h. aus dem Sack, in dem man es eben 
geholt hat, also roh, ungekocht; bildl., ein Dummkopf 
sein GT. ,So man hat dis zue m. in den löifen ver- 
prucht, mit namen 1 malter, 2 mütt haber.* 1489/00, 
Zellw., Urk. ,Ziger, m. und ander gcmües.' ebd. 
, Demnach man das muess ettliche nionat 'geben, haben 
unsere herren nit on ursach das muess abgestellt und 
gebend darfür alle frytag den älteren klain und gross 
m. nach erhäschung [Erheischung] der notturft.* Kbssl. 
,Der Müller soll zue Lon nemmen von 2 Viertel dürren 
Haber, daraus man M. machen will, den zwenzigsten 
Teil.' 1038, Assen. Gerstengrütze GaPr. — 2. Gänse- 
haut Ap. — Mittel- = Mitider- Chernen (s. Rl II 467), 
eine Mittelstufe zwischen Wiss- und Büch-M,, doch 
etw. feiner als Bure'^-Bach-M., Mehl, das man nach 



221 



Malw, melw, milw, inolw, m\x\vf 



222 



dem 3. Aufschütten erhält Gr; Z. — Nach-, in Ap 
Nä-: wie nhd. ,Nahmehl, welches noch vor dem 
Grüsch vorangeht.' Stbinm. 1804 (ffir Ap). ,Us dem 
N. mag er die schillingwertigen Brot wol bacheu.' 
1617, Z Pfisterordn. — Not-: Mehl, dergleichen man 
in Zeiten der Not aus allerlei Ersatzmitteln bereitet. 
,Am Morgen stellte die Mutter eine Brühe von N. 
auf den Tisch.* Schwbizbrseppbli 1818. — (Pure"-) 
Bach- B Miitd'M.f sofern es in den Haushaltungen 
zum Backen verwendet wird, bzw. noch eine etwas 
schwärzere Sorte, die man nach dem zweiten Auf- 
schütten erhält Gr; Z. Auch i. S. v. Melw 3 ZO. 

— Bill-. ,Wann die müller die zargen uf heben, so 
sollen sie bei iren eiden dieselben zargen mit dem b. 
widerum zufüllen und bj denselbigen iren eiden nil 
malen, sie sygend dann zuege füllt.* ZWthur Stadtb. 
Vgl. hiUen-mil bei Leier I 276. 

Boll-: Mehl, welches nach dem ,Eernenmehl* (Bs 
It Spreng), nach dem dritten Aufschütten (S It St.^) aus- 
gemahlen wird; Syn. MHiel-M. ,Auf einen Sack Ker- 
nen solle nicht mehr als 30 Pfund Semmel-, 28 Pfund 
Boll- und 12 Pfund Griesmehl gemacht, das Übrige 
aber zu Vorlauf oder Hausmehl gemahlen werden.' 
Bs Mand. 1740/72. Syn. mit Büch-M. Z; vgl. Z techn. 
Ges. 1846, 66. 

Tgl. mhd. boUe (aus lat. poUen), feines Mehl: dagegen 
werden folgende drei Stufen unterschieden : ,Seinmel-, Bollen- 
oder Mittel- und Nachmehl.* (Entdecktes Geheimniss der 
Mflller usw. Nfirnberg 1769) und bedeutet auch an der Mosel 
fBollmehl* ein Nachmehl, aus dem ein dunkleres Brot ge- 
backen wird. S. noch Boll- Weggen. 

Bei"-: Knochenmehl, zu Lieh oder als Dünge- 
mittel verwendet L; Z. Eine* zu B. verribe' (ver- 
stampfet), B, U8 Ei**m machen , gleichs. seine Knochen 
zu Mehl zerreiben; Drohung. — Bürli- = Mittel' M. 
Gl; G; Th; ZO. Mehl, das eben so fein, aber weniger 
weiss ist als ,Schiltmehl*, doch weisser als ehernes 
Mel Ap. 's JB. hat abg'sdilage* bei-n-em, er spannt 
seine Ansprüche weniger hoch G. — Bitte"-: feineres 
Mehl zu Bitte; einer Art Kuchen Gr. — Bütel-: 
Mehl von der weissesten und feinsten Sorte, «gebeutel- 
tes* Mehl Ap; Syn. Simmel-, Schill-M. — Pfeffer-: 
zerriebener Pfeffer. ,Der Zwingli ist grüen und gel, 
darus brönnt man pf.* 1528, Strickl. (Spottlied). — 

— Pfund-: feines Mehl, zum Backen von Pasteten, 
Kuchen usw. VO; ZO. Er wäget Chrisch fir Pf, us. 
Haü8Frd(U). ,4 Becher Pf.* 1795, Obw Rechnung (für 
ein ,Ehrenmahl*). Vgl. Anm. zu Chopf-M. 

Bri- (in Sch; Th; ZWl. auch zsgez. Brim^l, in 
Th auch Brüm^l) = Mues-M. Neben dem sonst syn. 
,Mues* unter den Dingen aufgezählt, deren Kauf und 
Verkauf auf den Märkten frei sein soll. 1599, Abscu. 
,Breimehl*, aufgezählt unter den Besoldungsposten. 
XVm., Sch Pfrundenb. ,Dem Spitalbeck, für Br. 
dörren, jedesmal ein Kerzen.* ebd. — BrlmSlber: 
Fabrikant, bzw. Verkäufer von Brimd. ,Müller und 
Prymelber* sind der Pfisterzunft zugeordnet 1535, Sch 
Zunftbr. 

Bruch-: Mehl zu taglichem Gebrauch. ,1 Nuss- 
schal voll Br.* ZZoll. Arzneib. 1710. Vgl. Hüs-M, 

— Brati-: geröstetes Mehl Gr ObS. — Räch-: 
Mittel gegen die Lecksucht ZBuch; Syn. B.'Ptdver, — 
Ruch-: die geringste Sorte Mehl, die man nach dem 
ersten Aufschütten erhält G; Tb; Z. ,B. gibt es [in 
der Teuerung von 1770J keins oder wenig.* UBrXgoer. 



,Man hat in der Spitalmühle zu Baden mit Kernen 
sowohl als Roggen und zwar mit der in der Grafschaft 
gewachsenen besten, mittelmässigen und geringsten 
Sorte eine Probe vorzunehmen, um zu erfahren, was 
jede Gattung sowohl an zwei- und einzügigem Mehl, 
als auch an Rauchmehl oder Krüsch auswerfe.* 1797, 
Absch. S. noch Gries Bd II 80 1. ,Von der Kleie oder 
dem Krüsche werden vornänilich unterschieden a) das 
Reinkrüsch, b) das Rauchmehl und das Grobkrüsch.* 
Z techn. Ges. 1846. — Sau- = dem Vor., oft noch mit 
Kleie vermischt, zur Schweinemast verwendet Z. — 
Sag- (in Ap; BsStdt; G; Tu Säg-): Sägespäne Aa; 
Ap; Bs; B; VO; Gr; G; Sch; Z. ä. chnüpfc, eine 
der nutzlosen Beschäftigungen alter Jungfern auf dem 
»Girizenmoos* L. Hans Heinrich, Hans Heinrich, jetz 
hand mer no^^ ka* Mel, Herr Epepe, du tüsigi Gret, 
's git öppe* AbsägmU G Volkslied von den Erforder- 
nissen eines neu zu gründenden Hausstands. Auf dem 
Wege über die Musegg in Luzern wird für die all- 
jährliche Prozession S. gestreut. ,Das Sagmßl, scobs.* 
Vestib. 1692. ,Saagra6l.* Sbrerh. 1742. S. noch sagen, 
Abfiekten Bd 1 779. — Simmel-: Semmelmehl Aa; 
Bs; Z; Syn. Schüt-M, ,Nimm dreu mäss s. und bach 
kuochen.* 1531/1667, I. Mos. ,Similago, pollen, s., das 
ist das reinest oder feinest möl.* Fris.; Mal. ,Der von 
Gades Trüben mostet, mahlt das reine S.* JCWbissenb. 
1678. — Gesundheit S-: Arrow-root, Mehl von der 
Pfeilwurz, mar. ar., mit Gerstenmehl gemischt Z (Apo- 
thekerspr.). — Schilt- = 5mm<rZ-2fcf. Ap; Gl; ZO. - 
Vorschuss-: Auszugmehl Ndw. — Schwing-: aus- 
geschwungenes Mehl; vgl. ,Stauben.* Wenn Leute 
rellen [rennein], sollen die Müller ihnen unverküm- 
mert lassen folgen u. A. das ,Schw.* ZWthur Stadtb. 

— Staubete"-: Staub-, Flugmehl, welches die Müller 
in der ,Stauben* [einer Schwingvorrichtung] erhalten 
Ap; Syn. Staubeten, Vgl. das Vorige. 

Tann-: gebräuchlicher Baldrian, val. off. XIV., 
SCHW .Arzneib. — Vgl. das Syn. Tannmarg. 

Weggli- = Simmel-M, BHk. 
Wurm-: staubförmige Masse in wurmstichigem 
Holz Gr; Z. ,l)as w. vom eschbaum.* Tikrb. 1563. 

— „wurm-m€lig: Wurnimehl enthaltend VO." 
Ziegel-: Pulver aus zerstosscnen Ziegeln Tu; Z, 

bes. als Putzpulver für Metall verwendet; sonst genoss 
es auch bis in die neuere Zeit eines gewissen Rufs 
zu Heilzwecken. Oft bei JRLandenb. 1608, wo z. B. 
auch ein ,Ziegelsteinöl.* In Zubers Tagb. 1668 als 
Ingredienz zur Bereitung von Firniss. ~ Zunn-, 
Zonn-, assimiliert Zwwiw^Z, Zornmil: feines, oft noch 
mit einigen Körnern vermischtes, daher meist als 
Hühnerfutter verwendetes Mehl, welches beim Schro- 
ten des Hafers (Ap, It T.), bzw. dann abfällt, wenn 
die gebrochenen Haferkörner noch einmal durch eine 
Staubmühle getrieben werden Ap; ScnSt. Wird in 
Zeiten der Teuerung auch zu Brei (s. Zunnen) ver- 
wendet; vgl. Steinm. 1804, 143. 

Zäpfli- = Fratt-M. B; „LE.** Jst er no«»» nit 
trocken hinter den Ohren oder manglet er no*"*» Zöpfle- 
Mehl unter die Ohren?* B Nachtspruch. 

,Z&pfli' bezieht sich auf die Fruchtkolben der Pflanze. 
Dieselben liessen sich ganz wohl auch mit ZOpfchcu ver- 
gleichen ; da aber aar ein einziges Mal bezeugt ist, so ist 
es wohl als Druckfehler zu taxieren. . 

Melwele- BO., MilbeU» B; F; VO; G uRh., Milbe^ 
F; ScHwG., Ma.; OawGisw. — f»: 1. Melde, atr., bzw. 



221^ 



Malw — malw. Malx — mulx. Malz— malz 



224 



eben. F. nAckermclde, eben. atr. B; L; Schw." Spec. 
ti) SS SchisS'Malteren 1 a B; GnRh.; Schw; Obw. — 
b) = Sch%88'MaiUren 1 e B; L; Schw. — 2, Meblbeer- 
baain, erat, aria B (Dan.). 

Za 1. Die PAaozen sind dayoD benannt, dass Stengel 
und Bl&tter gleichs. einen Mehlbewurf tragen; vgl. das Syn. 
Mal-Baum, ferner auch Mtigen. 

mSlbele", in Ap; üwE.; Z mHele*: meblicbte Be- 
scbaffenheit haben, nach Mehl riechen oder schmecken, 
bes. ?on Speisen, wenn das Mehl nicht verkocht ist 
„Aa;- Ap; B; VO; ,S." ,Die [Mehlspeise] ob dem 
Feuer gerQhrt, bis es nicht mehr mehlelet.' ZZoli. 
Kochb. 1820. 

zer-m6lben: za Mehl, Stanb zermalmen. ,Wie 
der zermelbet staub.* 1531/48, Jes.; dafQr ,zermalmet.' 
1Ö67. 

Mfilwcr, Mfilber m.: MehWerkänfer. ,Ruedolfn8 
dictus Melwer.* 1253, JRüEesR 1606. «Burkhard Mel- 
wer.' 1357, Z Steuerb. ,In der mülier zanft [zu St 
Qallen] sind die pfister, melber, kornkönfler.* Vad. 
S. noch Maler, 

g*-mSlbet Schw, g*milet Ap; Gl; GSa., g'm&beret 
Ap, milbig Gr; Schw, mümig Gr, (^JmUig Aa; Ap; 
„B;- VC; PAL; ,S;« Th; W; Z, fnÜbelig ,Aa;- B; 
VO; ,S-, müberig Th (Pap.): mehlicht, z. B. von 
Birnen, Kartoffeln; Gegs. n(»88. Wie Mehl anzafahlen; 
mit Mehlstaub bestreut; fein zerrieben; nach Mehl 
riechend oder schmeckend. aaOO. - Betr. das Verh&lt- 
niss Uo : Utt : Ib : l vgl. Anm. zu hüw Bd II 1245. 

„un-g*mSlberet: unangefochten, unbeschädigt. 
Du kommst nicht u. davon BO." 

Die eig. Bed. ist wohl: nicht mit Mehl beworfen, ohne 
einen Mehlfleck; vgl. brämen. St. freilich denkt an Zss. mit 
beren, schlagen, setzt also eine andere Betonung voraus als wir. 

Melligm.=:iS^ein.i7irt(s.BdII 1649) W (Tschein.). 

Der ,Steinhirt* erscheint oft wie mit einem mehlartigen 
Staub Überzogen, der sich bes. an kalkhaltigen Steinen als 
Yerwitterungsprodokt bildet. 

Milwe» üw; U, Müme^ GrD.; „ü", Wilme^ ZO., 
W., MübCf) Gl; S; ZS., „Jtft'Kie" W (PI.)" — f., 
MiUn B. S : Milbe, bes. Eäsemilbe, ac. siro. SchtUdi}* 
han wie ^n alta Ghäs Milma*, d. h. viele GrD. ,So 
wirt er ze nichte wie die milwen.* 1531/48, Psalm; 
dafür ,Schaben.* 1667. 

Mhd. mürc€, zn mü. Die Form Müht (eig. Dim.) hat sich 
wohl nach dem syn. Güegi gerichtet. Ans Aa wird auch 
eine Form Mühig. Motte (,Schabe') angegeben. Zu Wüme* 
vgl. Wunnete* aus Munoele^. 

vermilbe": eine Beute der Milben, von M. zer- 
fressen werden S; ÜwE.; Z. Vermühete^ Chäe, vennübets 
Tüech ÜwE. Deis «"** die öltere* Schnitz; ai wei» scho'^ 
V, JoACH. Formelhaft verbanden mit vergilben S. 

„milbig: von Milben zerfressen L"; Syn. milwen- 
8tiehig, 

Mil'^tum: Coli., die Milben, bzw. ihre Brut W. 
fMerze^luß zerstört das M, in den wollenen Kleidern', 
deswegen hängt man im März alle Wollstoffe an die 
frische Luft. 



M9lx m.: verächtliche Bezeichnung eines groben, 
dummen Menschen Schw. 



nali: 1. faulig, verdorben, in Folge von Feuchtig- 
keit, bes. TOD Früchten, z. B. Bohnen, Kartoffeln 



nsf. Z. ,Die Sojabohnen sind bei dem langen Regen- 
wetter in der Erde m. geworden, wie unsere Bauern 
sagen.' Basellandschaftlicbe Ztg. ,M. und rüdig Erd- 
äpfel.' Stutz. Von Äpfeln i. S. v. mölsdh 1 b nnd d; 
saftig, weich Sch (maUig); ZW. — 2. ganz frisch, 
noch nicht sauer, ranzig oder abgestanden, von Milch, 
Butter üw. 

Bed. 2 scheint zunächst mit 1 im Widerspruch zu stehen ; 
doch lassen sich aus dem amhd. mal», weich, sanft, schlaff, 
kraftlos, je nachdem man den Begriff wendet, sowohl 1 als 8 
ableiten. Indess wird 1 wohl richtiger als Nbf. in wtakaiig 
aufgefasst. Vgl. auch möUch^ mctng. 

Mal zech: Apfelsorte ^j = M<üzecher s. Bd I 372. 
Bot-Malzer: eine Sorte roter, später Äpfel Bü. 

Milzi n.: 1. die Milz Aa; Ap; Bs; B; YO; Gr; G; 
Sch; Th; Z. Die Milz soll die Ursache des Seiten- 
stechens und Leibschneidens (s. Müzi-Sehnlden) Aa; 
B; Th; UwE., sogar des Herzklopfens sein (s. dMoekeHf 
Herz-Chloeker nnd T. 319 a). Läufern wird geraten, 
sich die Milz ausschneiden zu lassen, ebenso den Ad- 
vokaten, da das Lügen Leibschneiden erzeugt. ,Ich 
han mir Ion das milz usschnyden, dass ich mag wandlen 
wyt und feer.' JMurer 1559. ,Das milz des esels hilft 
denjenigen, so das milze sticht' Tibrb. 1563. Wenn 
Einen ,das M. schnidet', soll er ein Steinplättchen 
nehmen, drei Mal darauf speien und es mit der be- 
spieenen Seite nach unten wieder an seinen frühern 
Ort legen (ohne dass man beim Bücken die Kniee 
biegt) Bs; B (Rothenb.); Th; ZS. 'g M. uf der Sunne'- 
8%te^ ha; eine durstige Leber GrD. Wer Jmdn hei- 
ratet, der eine weisse Milz hat, stirbt bald B; L; Z 
(an Herzkrankheit). ,Was bei den Juden die Be- 
schneidnng und bei den Christen die Taufe ist, das 
war bei den Wildmannli das Herausschneiden der 
Milz.' WSbnn 1875. ,Man soll enhein haupt, lungen, 
leber, noch milzy zue anderem fleisch tuen noch wä- 
gen.' 1365, Ochs. ,Ist der harn tünne und schumhaft, 
das betüt einen siechtagen des milzis.' XIV., Arznbib. 
,Be8chwerden von einem versteckten Milze.' a.ARzNEiB. 
,Die eine Krankheit kommt vom undäuwigen Magen, 
die viert vom verstopften Milz.' PWvss 1653. S. noch 
kneUen Bd 111 739. — 2. Milzkrankheit, Entzündung 
der Milz S; Z. Eecept für 's Milzi. Usteri. ,Hirzen- 
zungen Wasser ist gut zu dem M.' ZElgg Arzneib. — 
3. fast nur verbunden mit Adjj., Schelte auf einen 
durchtriebenen, boshaften, schlechten Menschen Gr. 
E* hellis [,hoIlisches', heilloses], litzes [schlechtes], 
schlechts M. Du bist e» richts M., auch nur scherzh., 
ein rechter Schalk GrD. — 4. zur Verstärkung von 
Flüchen und Scheltww.; vgl. M.-Fanen, -Fluech Bd I 
1163, -Hund Bd II 1432, -Cheib Bd lU 103. Auch 
M.'Hagel Z und aus diesem und den Synn. verk. das 
Scheltw. Milzi m. ZO.; vgl. Stutz VI 195. 

Mhd. m%lz(e) n., in Bed. 1. Betr. die End. • vgl. Anm. 
zu Hirn* Bd II 1614. In unserer &. Lit. ist das neutr. Ge- 
schlecht Begel und zwar bis ins XVIII.; die vorwiegende 
Form ist ,Miiie% neben ,Milz.' Der Gen. lautet: «des Milzis.* 
Guler 1616, ,de8 milz.' Zg Arzneib. 1588, sonst ,de8 Milzes.* 
S. noch tirien Bd il 748. Betr. Müzi als Verstärkung von 
Flüchen vgl. Anm. zn malazig; doch Iftsst sich diese Ver- 
wendung auch an 3 anschliessen. 

molzig: aufgeweicht, von Schnee Th (Pnp.). Vgl. 
malz, ,molzet' bei Schm.-Fr. I 1597. 



225 



Man, 1II61II, niiB, mom, rnnm 



226 



Mam, mem, mim, mom, mnm, bzw. mamm usw. 

nanm Aa; G; Th, mämm Aa; Bs; Z: meist wieder- 
holt, Natarlaut, den lallende Kinder knnd geben, wenn 
sie zu trinken begehren. Vgl. WWack., Voces 96. 

Mamma, Mamm: l, Mammen Sch; Th, Mammen 
Aa; ApK.; BBQren — f., Mammi SThierst, Mämm 
Aa; Bs; B; G; Z, Mämmi Aa; Ap; Bs; B; VO; Gl; 
G; S; Th; Z, Mämmdi Aa; Bs; B; F; S; Uw; ZO. 

— n., Getränk, in der Kdspr., bes. Milch, in SchwE. 
dagegen Wasser, im Gegs. zu Btttzi; oft durch Zss. 
unterschieden als Milch-, TTl»-, Wcaser-, Te-, Tokter- 
M, [Arznei]. Syn. Mimmi. Nei; lueged au^, wie vü MJ 
soll ein Kind ausgerufen haben, als es zum ersten 
Mal den Zürich see erblickte. Im Rätsel vom Stroh- 
dach heisst es Ton den bei Regenwetter triefenden 
Strohhalmen: HunderttHsig Stängdi gind enandre^ 
Mämmdi Aa; S. Da heitrer 's best MämmeU iibercho; 
spöttisch, da seit ihr an den Rechten gekommen FMu. 
,Das mämmele, der unmündigen kinden trank, bua.* 
Mal. Scherzweise im Munde Erwachsener bes. Ton 
gutem Wein; vgl. mämmelen. Wer jetzt [in der Wein- 
lese] Mämmi mache' cha^; hänkt getrost si*s Bückti 
[Bütte] a*. Haoröschen. ,Der Wirt in N. habe gutes 
Mämmi.* Estbrm., Neud. Wahrsch. mit Beziehung auf 
die Abschlagung des Proviants sagt Zwingli: ,Da88 
die 5 ort fürchtend, inen werde das memmelj *zuckt.' 
1530, Absch. — 2. Mammele* G; Sch; Th, Mamme* 
AaZ. - f., Mammen Aa; Ap; B; Gl; Gr; L; G 1790; 
8; ü; Zo, Matfdi L, Mämmi W; Z, Mämmdi Aa; 
Th; Z — 11. = Ammdi 1. 's feit Nüt, a^s dass er-em 
[dem alten Mann] na e" BtUiehappe' uf setzend und es 
M, gend zum Süge*. ACorrodi. Me* sött-der 's no'^ 
t* der M. ge^, s&gt man zu einem altern Kinde, das 
beim Trinken verschüttet Th. ,Für ein Mämmeli 10 ß.* 
176«*^, Z Gbiushaltungsb. (Ausgabeposten). — 3. Mammi 
n., Mutterbrust PAl. — 4. Mamme* Bs; GnObS., Fr., 
Val.; Th; ÜBeusstal; üw; W; Z — f., mit den Kose- 
formen Mammi Bs; Gr; Z (It MUsteri auch Mämmi), 
Mammen Bs; U; Z, Mutter, in GrD., ObS., Pr., Val. 
ausschliesslich, in W in der Kdspr., sonst nur in den 
vornehmern Ständen und erst seit Ende des vorigen 
Jhdts sich ausbreitend; in GrL. auch von Tieren. 
Frau aus den bessern Ständen Ndw; Syn. Herren- 
Prau, Mammerlis machen, Papa und Mama spielen, 
von Kindern BsStdt; Syn. Müeterlis. — 5. Mämmi 
(PL Mämmem), Mammen BBrünigen, Mämmdi B 

— n. a) neugebornes Kind BO.; W. — b) Puppe, als 
Kinderspielzeug BO.; F. ,Es wäse mir auch nicht 
recht, wenn man meinte, ich könne es ganz gut ma- 
chen ohne dich und du seiest [als Frau] nur für mich 
da wie ein M. für ein Kind.* Gotth. JSs Glider-M., 
eine Gliederpuppe; vgl. Firmenich II 579. Es Brieggi- 
M,, eine Puppe mit einer Vorrichtung, um sie weinen 
zu machen. Es Charte^-M», eine Puppe aus Pappen- 
deckel, Carton; auch: Maske BO. — 6. Mämmdi n., 
Läppchen am Halse der Ziegen ApK; Syn. Olöggn 
(s. Bd II 611). — 7. Mammen n., c. V>~-2 Mass hal- 
tende Flasche, um Wein auf das Feld zu tragen, entw. 
in Form einer Feldflasche oder eines Fässchens mit 
Eisenreifen und einem eisernen Tragbogen GrD., L. 

Die Bedd. 1 nnd 2 vereiDigt auch Ammei, die Bedd. 3 
nnd 4 lat. mama nnd die davon abgeleiteten WW. Nhd* 

Schweiz. Idiotikon. IV. 



, Docke* nnd , Puppe* vereinigen die Bedd. Spielpnppe; Wickel- 
Icind; Brustwarze; vgl. auch ,Mama: Mamme; Memm : Morome' 
bei 6r. WB. Zu 4. FQr 6r liegt Entlehnung aus dem Rom., 
für die übrigen Kantone frz. Einfluss auf der Hand. Vgl. 
noch Mumme*. MammerlU ist Analogie nach den Spielnamcu 
MüeterlU, Häuheriit usw. Zu 6. Die Troddeln am Halse der 
Ziegen sind mit Zitzen yerglichen. Zu 7. Obschon sich zwi- 
schen dem Gef&ss nnd der Sangflasche unschwer eine Ähn- 
lichkeit herausfinden l&sst, so liegt doch wahrsch. direkte 
Entlehnung aus dem gleichbedeutenden rätorom. mamma vor. 

mammele" ZA., ^mamme^ Sch", sonst mämmde!*: 

1. (Milch) aus der Saugflasche trinlfen, von kleinen 
Kindern; von Erwachsenen mehr scherzh., sich den 
Wein in kleinen Zügen schmecken lassen, behaglich 
schlürfen; auch euphem.: oft und im Stillen dem Glase 
zusprechen, dem Trunk ergeben sein Ai; Ap; Bb; B; 
VO; Gl; G; Sch; S; Th; Z, Er het es Bitzdi z* vil 
g'mämmdet und mV [man] het-em 's aXben a'g'merkt, 
h'sunders uf en Ohe*. 'Joach. ,Subbibere, ein wenig 
trinken, mämmelen. Bibulus, der gern trinkt oder 
mammelet.* Frib.; Mal. Mämmder, Trinker G; Syn. 
Lödder, — 2. mit der Puppe spielen B. 

ÜS-: mit Trinken zu Ende kommen, leer trinken Z. 
lez isch 's üsg*mämmdet. 

mämmig: 1. „einer Puppe ähnlich BO." — 

2. blöde, unbehaglich, etwas kränklich (eig. wie ein 
neugebornes Kind) BHk. (St^). 

Manelnek m.: falscher Mensch Schw. Verräter, 
Abtrünniger: ,Es könnten Mamelucken da sein und 
erzählen, wie wir hier in Eintracht in diesem Ecken 
Bat gehalten haben.* HPebt. 1781; dafür ,Schelmen.* 
1790. ,Mameluken, die den Mantel nach dem Wind 
hängen.' ebd. 1785. Parteiname in Genf im XV J. 
Dann sei aber Einer zu Genf zu denselben gegangen, 
habe sie Mameluken gescholten und ,ein party an sy 
gehenkt [ihnen einen Parteinamen angehängt].* 1519, 
Absch. ,Mamelus warden um das Jahr 1518 if. in der 
Stadt Genf von denen sogenannten Eignots genannt 
die Burger, welche des Herzogs von Savoy Partei ge- 
halten, als wann sie, wie die Sklaven der egyptischen 
Sultanen, das Christentum abgeschworen und die Frei- 
heit des Lands nicht geachtet' Lrü, Lez. S. auch 
Ztschr. f. d. Alt XXU 174. 

Me'nne" f.: leichte Schelte auf weibliche Per- 
sonen, bes. kleine Mädchen, PQppchen, Närrin BG.; 
weniger stark als Fafd. 

Me'mi: Koseform des Namens Salomea BsLiestal. 
Syn. Mlmi, 

Menminger: eine Art Barchent, aus der Stadt Mcm- 
mingen. 1571, Z Inv. 

Memite: Name einer Arznei aus dem Saft des 
Hornmohns, glaucium. ,Glaucium, ein kraut, saft, in 
berüemten apoteken memithe genannt' Frib. 

MenOri n.: Gedächtniss L. 

Das Nentr. nach dem syn. 6ed&chtniss; im Übrigen folgt 
das W. der Analogie der Fremdw. wie Qlori; s. Bd II 64 3 

Memorial n.: Geschäfts verzeichniss für die Lands- 
gemeinde Gl. 

nlm! 1. meist wiederholt, Lockruf für die Katze 
Ap. — 2. f., Katze Th. 

Mfmeli (in G auch Mimmdi) n.: 1. Name der 
Katze in der Kdspr. Ap; G; Th. Vgl. die Synn. 
Simdi, Zlmdi. — 2. Kätzchen der Sah l weide, sal. 

15 



227 



Mam, mem, Bin, iiioin, nwHt 



228 



caprea G. — 3. die Wollbüschel (.Kätzchen') des Woll- 
grases, bes. des schmal- und des breitblättrigen, er. 
„poly.", = er. ang. und er. lat. „Ap;" G. Vgl. die Synn. 
bei Chünnel (Bd HI 326). 

Mim er m.: l. = Mim€li 1 Ap. — 2. nur Dim., = 
Mlmdi 2 ApK. — 3. Flaumabgang unter den Bett- 
stellen, an den sich der Staub setzt Ap. ^yn.Staub-Müs. 

mlma: in dem Wiegenliedchen: ,Bruta, m., bruta.' 

EbiNGER 1438. — Vgl. nina. 

Mimma: Emilie Gr. 

Mimi: 1. = dem Vor. BsStdt; Gr (%). — 2. Maria 
Zo; Anna Maria UwSachs. (%). — 3. Salomea Gl; Syn. 
Memi, 

Mimmi n.: Milch (Kdspr.) Gr; GRh. Vgl. das syn. 
Mämm und Mmcheli (unter Müeh). 

Moim^, nur in der Verbindung: Im M, H; nicht 
wissen, was man tun soll GrV. 

Ans der it. Interj. des Schmerzes aim^, mit welcher das 
m des dentschen Art. Terschmolzen wurde. 

mamml Brummlaut, in dem an einen Zuchtstier 
gerichteten Beimyers: Hage; Hage^, mumm, mumm, 
mumm, drät de* Chübel dringd-um Sch. Vgl. Gr. WB. 

Mummellm.: 1. Mensch, der halblaut, unver- 
ständlich vor sich hin spricht TuTäg. -— 2. (PL Müm- 
mel Gr) Insekt, das beim Fliegen einen brummenden, 
surrenden Ton hören lässt, wie Pferdebremsen (PAL), 
Hornisse (GRPr.), bes. aber Hummeln B; Gr; PAL; 
Obw; YgL Hummel Bd II 1295/6, ferner die Synn. 
Bummel, Brummd. D' Mümmd hend g'surret. Schwzd. 
— 3. verächtlich für Mund (als der brummende) S. 
De» 3f. hange* la*; vgL henken Bd II 1457. — 4. Der- 
jenige, der den Sami-CMaus (s. Bd III 689/90) darzu- 
stellen hat TnTäg. — Vgl. ,Mummel* bei Gr. WB. VI 2661. 

Butze**-, Butzi-: 1. vermummte Person, Mas- 
kierter, z. B. an der Fastnacht, bes. aber i. S. v. Mum- 
md 4 Bs; S. Popanz, Schreckgespenst, -Männchen 
übh. Bs; Syn. Böli-Mann, I«* g^her e* StigeHritt gixe* 
a'« kam e" B, Auch bildL Bs. ,Den B. muss man 
Kindern machen [nicht Erwachsenen].' Das ist no** 
lang kein B, für nti«^, Das macht mir noch lange 
nicht bange. Männchen oder eine andere Figur, die 
nach einem Druck auf eine Springfeder aus einem 
Schächtelchen herausspringt Bs. Uf-fare^ (-jucken) 
icie e* B, U8 ^em KästU, — 2. unordentlicher Kopf- 
putz (zunächst ein Mensch mit einem solchen) Bs. 
Tuch, das den Kopf gut einhüllt, ebd. — Eig. tanto- 
logische Zss. 

Mumme 1 II ZG., Q*mummel Bs (Spreng), O^müm- 
mel ScHW; Zg — n.: Gemurmel, Gerücht, Gemunkel, 
Gerede. ,Jetz ergeht das Mumol, sie seien närrisch.' 
Stutz. ,Sölichs ist nun alles lang ein red g'syn und 
ein m., den ich vil gehört hab.' 1525, Egli, Akten. 
,Uf sölichs anbringen ward ein unruow und g'mümel 
im sal under den fürsten.' UEckst. ,Wie ein mummel 
und ein geschrei under gemeinem volk sye.' 1532, 
EoLi, Akten. ,Es was ein solch gemummcl [wirrer 
Lärm], dass vor nie kein solch unrüewige g'meind 
ersechen ist g'syn.* 1533, Val.Tsohudi. ,Wie wol lang 
ein g'mummel ist um'gangen.* 1540/73, UMey., Chr. 
,Und was das gemömmel, dass die fürsten um gelt 
reiche gestiftabteien verliebend.' Vad. ,Rumor, su- 
surrus, ein gasseng'schrci, märe, geräusch, gemümmel, 
als der bäumen und des wassers. Admurmurarc, 



murmlen oder ein gemümmel über ein ding machen.' 
Fris.; Mal. ,Wie dann schon das gemümmel gehe.' 
WüRSTiSEN. ,Das gemümmel wüchse allgemach.' ebd. 
,Rumor, murmur, rumusculus, Gemümmel, ein gemein 
Geschrei, Sag, Gegenred, Gericht.' Dbnzl. 1677; 1716. 

Mummele" f.: 1, = Mummd 2 L S. v. Hummel 
GnObS., VaL; ZRafz. — 2. auch Mummie*, Betschwe- 
ster, scheinheilige Person Schw. 

Verhält sich zn Mummd wie Mummele* zu Hum(h)el. Zn 2 
vgl. frz. mfknier, Mucker. 

Hus-: Frau, die (wie eine Hummel) sich geschäftig 
im Hause herumtreibt B; Syn. E.-Mugg. 

Chüzi-Mummle°f.: Schelte auf ein phantastisch 
aufgeputztes oder unordentliches Frauenzimmer BSL 
(It Hausfreund 1877). — Nur gelegentliche, nicht Tolks- 
tOmliche Zss. 

Surr-Mummle» f.: 1. = Mummd I 2 B, — 
2. Schelte auf ein übellauniges Frauenzimmer B. ,Es 
hatte gedacht, wenn sie Zwei recht zusammenspielten, 
ob sie dann der alten S. nicht Meister würden.' Gotth. 
— surr-mummle": gleichsam wie eine Hummel 
herumfahren, im Zimmer oder um das Hans herum; 
unwirsch, übler Laune sein B; Syn. surren. — surr- 
mummlig: unwirsch, übellaunig B. ,Er war s., 
surrete und brummte.' Gottb. 

mumm(e)le'', in BBurgd. mummelet : 1 . murmeln 
(z. B. ein Gebet, bes. von Betschwestern), murren (z. B. 
von Unzufriedenen), brummen (auch von Tieren Sch), 
in dumpfem Ton, unverständlich Etwas vor sich bin 
reden AAFrL; Bs; B; Gr; GT.; Sch; Th; Syn. mu(n)g- 
gen, bäfflen, hismelen. Me* mummlet devo*, es geht 
das Gerücht, es wird gemunkelt Aa; Bb; Sch. ,Fn 
solcher red ich das, das vor dick gemummlet was, 
hört wor syn.' 1525, Egli, Akten. ,Uf der Rhynbruck 
was ein krucifiz zerschlagen worden, darus etlich 
mumletend, die Behem bettend es tuen.' Vad. ,Su- 
surrare, lins reden, brumlen, mumlen, rauschen, 
götschlen wie ein bächle, schnurren. Forum argutum, 
daran ein wild geräusch und gross mumlen ist. 
Dostinare sermonibus aliquem hostem esse, mummlen 
und gemeinlich sagen, er seie ein feind.' Fris.; Mai. 
,Wenn der Mensch leis redend flismet und mnrnlet 
oder murmlet und brumlet.' Spleiss 1667. ,Die Waar- 
sager und Zeichendeuter, welche schwetzen und mum- 
melen.' LLav. 1670 (nach Jes. VIII 19; vgL fiismen 
Bd I 1212). ,Man habe von diser Sach gemttmmelet' 
ZWast. Prozess 1701. ,Alle, die mich hassen, mumlen 
zusamm wider mich.* 1707, Psalm; dafür ,mnrme]n.' 
1882. ,Als einen Menschen, der in der Einsamkeit, 
nur bei sich selbst pippe und mumle.' JZimmermann- 
Hang 1731. — 2. summen, ,wie eine Hummel', von 
Kindern vor dem Schlafengehen, indem sie dabei den 
Daumennagel über die Lippen führen B. — 3. „un- 
pers., grollen, dumpf rauschen, z.B. vom fernen Donner. 
J!!s mummlet (scho*), das Gewitter zieht näher heran 
L." — 4. heimlich Etw. kauen, essen; vgL Gr. WB. 
VI 2663. ,Stehet ihren gleich der Keller offen, muss 
er doch nicht förchten, dass sie hinderrucks seinen 
gästle und mümle oder sich fülle, und in einer Völle 
Etwas verwahrlose.' FWyss 1673. Hieher wohl auch 
der Personenname ,Mummeli', eig. als Spitzname. 1637, 
AAWett. Klosterarch. 

t"-: oft refl., (sich) einmummen, warm einhüllen 
Aa; Bs; B; S. Er het d' Bei* mit Watten %*g'mum' 



229 



Mam, niem, mim, mom, mam 



230 



melet Bs. De tuesch-di^ i., ''aas nie* di'^ nit l/chönnL 
Schild. 

▼ er- = dem Vor. Bb. 

sür-: sauertöpfisch drein sehen oder sich ge- 
berden; verletzende» bittere Beden führen B. Syn. 
sür^niblen, 

Mnmmeli (in SB., NA. Mommdi) n.: l, = Muin- 
md 12 B. — 2. Enh, bzw. Kalb, in der Kdspr. Bs; Z. 

— 8. Lebkuchen in Gestalt einer Enh (aufgezahlt in 
einem Kdld unter den Sachen, die man an den Weih- 
nachtsbaum hängt) Z. — 4. Laus, in der Edspr. Bs; B. 

— 5. Gänseblümchen, bell. per. ApHer. — 6. auch 
Bitt'M., = Mummelen 2 L; Schw. — 7. vermummte 
Weibsperson L. — 8. unordentlich gekleidetes, ein- 
geschrumpftes, altes, geistig beschränktes Weiblein 
Bs; L; SL. — 9. Name gespenstischer Wesen. Das 
,Bibern-Mummeli' muss zur Strafe dafür, dass es einst 
sein Eind in der Bibern ertränkt, in alle Ewigkeit 
umgehen LE.; vgl. Lüt., Sagen 288 ff. 

Das W. I&sst sich als Dim. t. von MummeUn, t. von 
Mummi aaffassen. 5 und 6 bezeichnen wohl das Versteckte, 
Geduckte. Za 9. Das «Bibern-Mommeli* hat seinen Namen 
wohl von den unterdrückten JammertOnen, die es hOren 
lasst; Fahrwangen im Aa hat seinen Mummdi-Ma**. Betr. 
den Kamen ,Manimel' für d&monische Wesen Tgl. Gr. Myth. ' 
457; Ztschr. f. d. Phil. VI 465; Gr. WB. Hieher wohl auch 
die Sago yom ,AeckelmQnimoliS einem sAgenhaftou Manne, 
dessen liebster Aufenthalt bei einer Quelle (,A-s-BrQnne]i*) 
gewesen sein soll; vgl. Kohlrusch 1854, 299/301. 

Side"-: in der Edspr. Bezeichnung für otw. Seiden- 
weiches Bs. 

munim(e)lig: brummend, leise, undeutlich Scu. 

Strau'^-Mummc": Name einer Fastnachtsmaske, 
ein altes Weib mit einem Strohhut S; vgl. Hänggi 
1892. 112. 

mumme*: 1. „Etwas zwischen den Zähnen mur- 
meln, nn vernehmlich sprechen L**, mit geschlossenem 
Mundo singen BHk. — 2. die Betschwester spielen 
Scu (Sulger). 

sür-: weinen BE. 

Mumme r m.: Name einer im Anfang dieses Jhdts 
in Genf und Waadt aufgekommenen Sekte, dem frz. 
momier entsprechend; vgl. Schweizerbote 1825, 81 ff. 

mummere": dumpf tönen B; vgL mummelen 3, 
bummeren. ^Ea mummeret, von einem heranziehenden 
Gewitter L." ,Es ist oft am hellen Mittage vom Boden 
bis in den Eeller hinab ein schreckliches M. [von 
Geisterspuk].* B Tagblatt 1798. 

Mummer i f.: auch pers., Maskierter ScuwE. 
Mummerte* sind umme*g* Sprunge*, MLiensrt. Die 
bcde* übermuetige* Mummerie*, ebd. 

Mummi (in AxZein. Jlfummt) n.: l, = Mummeli2 
AiZein. — 2. = Mummelt 4 Bs. ■— 3. auch Bett-M, = 
Mummeli 6 L. — 4. = Mummdi 8 L ; vgl. Hummi 
Bd II 1297. ~ 5. = Mummeli 9, bes. als Schreckwort 
für Einder L. 's M. chunnt und nimmt-di"^! 

, Mummler m.: der das Maul nicht auftut, sub- 
mussus.* Demzl. 1677; 1716. 

Bdtt-: Mucker, der an Einem fort Gebete murmelt; 
vgl. Mummeli 6. ,B., Predigfresser.' UBRlaasR 1777. 

Gugge^-Mümmcli n. =: Gugen-Mol i Z. — Be- 
nannt nach der Stimme. 

Manftlle": Name einer Birnsorte GRh., It Steinm. 
1804, 458. 



Manme" f. = Mamma 4 Gr; PAger. — Steif-: 
Stiefmutter PAger. — Wohl direkt aas dem gleichbed. 
oberl&ndisch-romanischen mumma. 

Mummerli = Hummerli (s. Bd II 1297) AiBb. Vgl. 
Mummeli 5 und 6, 

Mnem „Gl; Gr;" L, sonst Mueme* — f., Dim. 
Muemi Gr; P, Muemli L, Muemeli Gl, sonst Müemli: 

I. Muhme, Tante Gr; L; P; W; Syn. Bäsi. ,Und 
Amram nam sein muem Jochebed zum weib.' 1531, 

II. Mos.; dafür: ,seines vatters brneders Schwester J.* 
1548; ,seine Base.' 1667. Auch sonst in der Lit. des 
XV. und XVI. — 2. verächtliche Bezeichnung von 
Frauenspersonen, a) alte Weibsperson L. Arms M,, 
armer Tropf L. — b) auch Bitt-M., Betschwester VO ; 
„Z.« E* richti M,; e- tüsigs M. und Chifelidb. Gleis- 
nerisches Weib Gr. — c) „schmeichelnde Bettlerin, 
die Etwas gern hätte, ohne es zu sagen Gr;" Ndw; 
Schmeichlerin, Schmarotzerin L; Ndw. Si gind i» 
arme* Muenüene* ne* par Batze^, L Nachrichten 1865. 
— d) gefallsüchtiges, eitles Weib L; Sch, ,das nach 
Männern strebt' Bs (Spreng). ^Müenüi, Dämchen, 
Hürchcn* Bs (Spreng). Vgl.: ,Mueme, apud Helvetios 
in deteriorem sensum abiit atque scortillum denotat* 
Schulze. — e) naschhaftes Weib Aa; Gl; Frau, die un- 
ordentlich haushält Gl. — f) fette, langsame, energie- 
lose, zimpferliche Frau GWe. Dickes Eind BBe. 

Mhd. muom^, Mnttorscbwester, weibliche Verwandte Obh. ; 
vgl Fr., Ztschr. VI 113. Dass sich die abgeleiteten Bedd. 
mit der Gruppe mumm berühren, ist wohl nur Zofall. Zu 
den verschlechternden Bedd. bei 2 haben wir Analogien an 
andern Verwandtschaftsnamen; vgl. Schwätz-Bän, nhd. , Bet- 
schwester, Saufbruder', ferner auch Oötti, lat wjmm 1) Neffe. 
2) Schlemmer. 

Muem m. : wer durch Schmeicheln Etwas zu er- 
langen sucht VO. — B6tt-: Betbruder Ndw. — Aus 
dem entsprechenden Fem. erst abgeleitet. 

muem(e)le'': Altweibergeschwätz treiben. Ebkl. 

^bött-: die Betschwester spielen VO; Z." 

mueme": 1. „Altweibergeschwätz führen", mit 
alten Weibern Umgang haben und ihre Albernheiten 
gern anhören Bs. Behaglich, weitschweifig erzählen; 
Jmdn mit seinem Geschwätz, oder mit undeutlichem 
Reden langweilen BS. Vertraulich mit einander reden, 
plaudern, scherzen Bs. Wie 's Jwnpfere* machei*, we*** 
me* nit mit-ene* m. vjHI und lache* und zum HöfUr 
het kei* Lust BRbber. Vgl. das syn. frau-hasen, — 
2. die Betschwester spielen VO; „Z." — 3. „schmei- 
chelnd sich umtun Gr." Durch Schmeichelei Etwas 
zu erhalten suchen, ohne dass man es heraussagt 
Ndw; Syn. guenen. Euphem. für betteln; heimlich 
betteln Gr. — 4. mit dem männlichen Geschleclit zu 
intimen, verdächtigen Umgang haben, sich gern mit 
ihm abgeben ; kokettieren Bs. — 5. heimlich naschen ; 
„allerlei Näschereien kaufen, bes. von Weibern hinter 
dem Rücken der Männer Gl." Abi. müemelen. 

Muemeri» f., PL Muememe* : gleisnerisches 
Weib Gr. Frauensperson, die dem heimlichen Bettel 
nachstreicht und sich zu diesem Ende an die Frauen 
macht GrL. Muemerne* ha*, von Hausfrauen, welche 
solchen Weibern heimlich Etwas zustecken. 

Muemeri,-ei: 1. verdächtiger Umgang mit Manns- 
personen Bs (Spreng). — 2. verwandtschaftliche Rück- 
sichten, Nepotismus. ,Da8s im versoldeten regiment 
frye wal bestände und nit durch muemery, gunst, 



231 



Mam— niiiB. Mamf— mumf. Mampf— nwnpf 



282 



anhang und pratik der sold- und Srgjt diss pfruend- 
regiment besitze.* Ansh. 

maemig: eintönig, langweilig GRChur. 

müemele'*: verstohlener Weise essen nnd trinken 

Gl. — Dim. zu muemen 5. 



Mamfele" f.: 1. »ein Bflndel Flachs; so viel, als 
ein Mann nach Hanse zn tragen yermag W." — 
2. eine Handvoll Hanf FS. 

Id 1 steckt ohne Zweifel das W.',MaDn' und das Ganze 
ist eine Analogiebildung nach Hampfden (s. Bd II 1802/3); 
2 dagegen ist viell. eine Yerqnickang des letztern W. mit 
einer syn. Abi. des frz. maiti (Patois man). 



mampfe": hörbar kanen, bes. an Obst herum; be- 
haglich essen B oAa. — Lautmalend wie das bair. ,mam- 
pfen', mit vollen Backen essen. 

Mampf I m. : Mumps, Entzündung der Ohrspeichel- 
drüse; Entzündung des Halses 6; Z. — Vgl. Ztschr. f. 
d. Phil. I 809/12. 

Mampf U m., PI. mit Uml.: 1. Stoss mit der Faust 
oder dem Fusse, Puff AiFri.; Bs; auch Ohrfeige Bs. 
,Die Mutter hatte ihm zuerst im Unwillen ein paar 
Mümpfe zugedacht.' Brbitenst. — 2. Anschnitt des 
Brotes ß; Syn. Mutsch. — 3. „stolze Person, die ihre 
Verachtung gegen Andere nicht zurückhalten kann G; 
Zg" (It St.'). — Wenigstens in den Bedd. 1 und 8 aus 
dem syn. Mupf, unter Einschiebung eines m. 

mumpfe**: 1. (auch i"-fn.) den Mund voll stopfen 
BO. Vgl. mampfen. — 2. tr., im Munde weich machen, 
z. B. hartes Brot SchwE. — 3. mümpfe*, in Ndw auch 
mumpfer, durch Geberden oder Worte seine Verachtung 
oder seine Unzufriedenheit ausdrücken; boshafte An- 
deutungen über Etw. machen, sticheln A^Zof.; Bs; 
Ndw; Syn. föpplen, chöglen. Wo Die jetz 's Süseli 
an '8 Her Brunen Arm g'seh het spazieren, so het-si 
glich anfange* w. Breitenst. ,Er wusste wohl, wie 
4ie grossen Mädchen m. würden, wenn er vor dem 
Pfarrer in der Kirche wäre.' ebd. Verblümt reden 
Gl. — 4. schmecken, munden ZTurb. Das hät-em 
nüd g'mumpft, nicht gepasst. 

In das Yb, bes. in den Bedd. 1, 2 und 4, spielt die 
Gruppe Mump/d herein, Bed. 3 aber deutet auf Y^wdtschaft 
mit müp/en, 2 bedeutet eig. : im Munde halten, hin und her 
bewegen, bis die Speise vom Speichel erweicht ist. 

ver-mumpfe**: 1. „Jmdn verächtlich behandeln, 
durch spöttische Geberden aushöhnen B; VO; G; Z" 
(It St.'). ,Um diese überfreimütigen Kügen zu hin- 
dern, wurde ernstlich untersagt, die Verkündiger des 
Gotteswortes in der Kirche zu v., zu schänzcln und zu 
stumpfieren.' XVI., Z Mand. — 2. Jmdn als einen vom 
Lande Geächteten öffentlich auskünden Zg (Kanzlei- 

spr., It St.*). — St.' hat bloss tfermup/en, -tnüp/en. 

Mümpfi n.: Stoss L. Es hed hie und do so nes 
M, VO* 's MarUze* Bassglge* a* ^ner EUboge* g'spürt. 

Mampfel Aa; Ap;Bs;B;VO; G; S; Th; Z, Numpfü 
TiiHw., Tag., Umpfd Sch — m., Mumpffejk* f. Gl; 
Ndw, PI. MumpfUr BSi., sonst PI. und Dim. mit Uml. : 
1. ein Mund voll. Bissen, Brocken, allg. E* M. Speck, 
ein grösserer Bissen, verschieden von Speek-M, Müm- 
pfel wie Kinde^schuMi Bs. Gross Mümpfel, feiss 



Vögd kk. Legt <f Gablei* mit ^em M, ab, Himdbrh. 
Ei'^m [sogar] de* M. zum Mul üs gi^, Alles für ihn 
tun Z. DI« M. sÖU-mi'^^ (in all Weltteil) versprenge^, 
Beteurung Z. Wer sich Abends recht schläfrig fühlt, 
sagt: I** will au^ Mümpfd ni* hiUt z' Nacht, mit Be- 
ziehung auf die tiefen Atemzüge Z. CMini Mümpfdi 
isse!*, ScHwzD. ( Aa). ^a"* de* beste* Mümpflene^ suedie*. 
UsTERi. De farst d^it dem MiÜi zue und wottsch es 
ganz drt* inne* tue*; ja wärli*'^, 's LöMi ist na z' 
ehl%*, es gönd na ke* gross Mümpfd dri*. NIoeli. IH**m 
en ieders Mümpfdi vergunne* Z. Oueti Mümpfeli ha*, 
gut zu essen, Wohlleben haben Bs; Z. D^ Meie* 
het irem Ma** gueti Mimpfdi 'kocht Schwzd. (Bs). 
AüftJ Mümpfd (Mümpfd), dann und wann, jedesmal 
Aa; L (Häfl. 1813, 101). Es muess do dure*, und 
wenn 's aUi Mümpfd en Ma** chostet. Sprww. 1869. 
Jedes Mümpfdi gnappet die* Bart, bei jedem auch 
noch so kleinen M. kommt der Bart beim Kauen in 
Bewegung (man soll also auch für Weniges dankbar 
sein). 1850, Stutz. Weggli — so Mümpfdi, wie *s iez 
giH. ANehbr. ,Der schnitte [vom Braten] ab und ässe 
ein mümpfel.* 1522, Egli, Akten. ,Ich lüffe eim durch 
ein für umb eines mumpfels willen.* JBinder 1535. 
«Foecundi leporis sapiens sectabitur armos, ein meister- 
loser Schlecker, der die gueten bissle oder mümpfele 
kennt, wirt aj suechen.* Fris.; Mal. ,£s geschiehct 
oft;, dass auch ein gutmütig Schaaf eben so bald auf 
ein guts Mümpfeli trittet, als dass es dasselbige Ssse.' 
1615, JJBrbit. ,Ich will dir s@lb dein Mul ufsperen 
und disen Mumpfel stossen ein.' GGotth. 1619. ,[N. 
V. der Flüe] äss zum Tag nit mehr denn drei Mumpfel.* 
1633, Obw Volksfr. Der Bewerber um eine Stelle, der 
mit einigen Maltern Korn abgefunden wurde, äusserte 
sich unwillig: ,Das heisst ein Mundpfel in's Maul 
werfen und schweigen machen.* 1668, Ebtbrm., Rick. 
,£in Mümpfelein Brot.* JUlr. 1727. Auch gelegent- 
lich von ungeniessbaren Dingen, z. B. von Fetzen Bs 
(s. Schwzd. 23, 77). — 2. cn dicker M., dicker, fetter 
Mensch Bs (s. Schwzd. 23, 82); vgl. das syn. Moeken, 

— 3. Dim., der 16. Teil einer Mass Schw; Syn. Buddi. 

— 4. unwillig verzogener Mund Ndw. Vgl. mumpfen 3. 

Betr. die Abschwftchong des 2. Teils der Zss., ferner die 
Fem.-Form vgl. die Anm. za Arfd (Bd I 448/4), sowie zu 
Hampfd (Bd II 1303/4). Das BewusstseiD der Eotstehnug 
des W. war wohl nie gauz geschwunden, wofQr folgende 
Rekonstruktionen desselben sprechen mOgon: ,Aas einem 
mundfol 8 teil machen.* Salat ,Nec sumito magnos morsus, 
gross mandvoll. Zwen mundToll oder ein nrnndvoll Ober den 
anderen. Die gueten bissle oder mOndvole.* Fris. 1562. 
,6net mündvoll abbeissen. Ein mundvolle, bissle. Gnete bissle 
oder mQndpfele (mündTolle) 6sson.* Fris. ; Mal. ,Er ist mit 
seiner Gesundheit [seinem G. trinken] den Andern fast eine 
Viertelstunde hintennach gekommen, weil er den Mundvoll 
nicht bat kOnnen herunterbringen.* HPest. 1785. S. auch 
Mervd. 

Ise**-: Eisenklumpen Bs. In der hei Giggemitlis 
(s. Bd II 176) angeführten Stelle spec. Bruchstücke 
von Bomben von der Belagerung von Strassburg her; 
solche wurden in Bs verkauft und u. A. als Brief- 
beschwerer benutzt. — Hus- m.: Person, die gern 
zu Hause bleibt und ihre Freude daran hat, im In- 
nern des Hauses zu walten; Hausmütterchen Bs. — 
Chuchi-: Mädchen, das die Küche gerne besorgt Bs. 

— Ohraft -Mümpfeli: kräftiger Bissen, Speise, die 
Kraft gibt; Leckerbissen Bs; „VO; Z." — (Guet-) 
Nacht-: Bissen, etwas Weniges, das man vor dem 



233 



Mampf- mampf. Mams— mums. Man — mun 



234 



Schlafengehen noch geniesst, bes. Leckerbissen, den 
man den Kindern gibt, wenn sie den Eltern ,gate 
Nacht* sagen Z ; Syn. Bett-Mümpfdi, Zungeiv- Mump fei, 

— N ü n i - s Z'nüni'Essen (s. Bd I 527) Bs ; vgl. Zihnu 
M, — Bett-, meist Dim.y SS Guet-Nacht'Mümp fdi Bs 
Gl; Z. — Pfaffe'-Mnmpfel, mei8tPl., = P/'.--afocÄ:en 
Aa; Z; Binch = Pfaffen-ChäppH 2 (s. Bd III 898) Z. 

— Bepntaz(ions)-Ml^mpfeli = B,'Mocken Sch; Z. 

— Sack-: was man von den Speisen an Mahlzeiten 
in die Tasche steckt, um es nach Hanse mitznnehmen ; 
vgl. BehdUens Bd II 1239. Er habe den eingesteckten 
Braten nicht gestohlen, ,nnr für ein S. geachtet.* 1690, 
Z OGlatt. — Schöf-, meist PL: Name einer von den 
Schafen gern gefressenen Pflanze, rundblättriges Lein- 
kraut, lin. spuria AiBb. — Spöck-: kleiner Speck- 
würfel, z. B. in der Wurst oder auf sog. Spick- Wäjen 
Bs; S; vgl Mump fei 1, — Tau*-: Mensch, der die 
üble Gewohnheit hat, den Mund immer wie zum 
Kauen zu bewegen GTa. — Z6hni-: Zwischenessen 
um 10 Uhr Morgens BsStdt, wo der Z, bes. in den 
Familien an die Stelle des mehr bei den Arbeitern 
üblichen »Nüni-Mumpfels* tritt. — Zunge"-: l.^Ouet- 
NaefU'M., da er oft nur in einer Kleinigkeit ,auf die 
Zunge*, z. B. Bonbons, besteht ZElgg. — 2. Zunge*' 
MümpfeU mcuihe; die Gewohnheit haben, die Zunge 
zwischen die Zähne zu legen, gleichs. um daran zu 
kauen, wie viele Leute tun, wenn sie etwas Unge- 
wohntes, Heikles auszuführen haben Z. — 8. Mensch 
mit schwerer Zunge ZElgg. 

mumpf(e)le» (in GlH. mumfle^): 1. auch i»-w., 
=^mumpfen 1 BSi.; sonst wesentlich = muUen 1 Aa; 
Ap; BO.; VO; Scu; Z. Er mumpflet 's, ioe-n-es alta 
3füeterli, wo-n-ekeini Zänd me hed SonwMuo. ,M. und 
Kauen ist nicht Einerlei.* Tobl. 1844. Beim Essen 
grosse Bissen nehmen, gierig drauf los essen BSi.; 
VO; Z. ,Er mundvelte drauf los, als ob er die halbe 
Welt verschlingen wollte.* 1851, Stütz. Etw. appe^-, 
e^toig-m, SchwMuo. — 2. durch blosse Bewegung des 
Mundes einem Andern Etw. zu verstehen geben GlH. 

Mumpfli m.: Schelte auf Jmdn, der beim Zer- 
arbeiten grosser Bissen die Kauwerkzeuge stark be- 
wegt ScDwMuo.; Z. 

mümpfele**: kleine Bissen, einen nach dem an- 
dern, langsam, behaglich kauen Bs; B; VO; Z. Syn. 
grummelen Bd II 734, müffden, Iss doch, du müm- 
pfüist numme^ BSi. 

vor-: Etw. in ganz kleine Bissen, Stücke oder 
Maasse teilen SohwE. 

Mampferlne", auch Muffeline* — f. : frz. Tanz weise, 
die im ersten Drittel unsers Jhdts mit Vorliebe ge- 
tanzt wurde BStdt Es Anders pressiert, um mit dem 
Chammermeitli e* neui Mumpferine* z' probiere*, dW 
Kutscher heig versproche*, er well-ne* flöte* d'rzue, 
GoTTU. — Ans dem frz. mont/trrine (Adj., abgel. von Mont- 
ferrat)t ein it. Tanz. 



Mamsell f.: 1. französische Stubenmagd. 2. Hälfte 
des XVIIL, Z; vgl. Jung-Frau Bd I 1247. Titel der 
Kammerjungfer übh. XVIIL, Bs (It Sintemal 1759). 
— 2. Frauenzimmer, das »aufgehört hat eine Jungfer 
zu sein, ohne sich zu verheiraten.' 1794, Merian. 



Man, men, min, mon, innn, bzw. mann usw. 

M&n, bzw. Mön AiLeer.; BsL.; BBr. (neben Mä*), 
G., Ha., R. (neben Mä*); Gr (selten); LHa.; S; USch.; 
W, Mäne* B uSi.; GrD., S., Spl., Tschapp., V., Mannen 
B oSi., Mön BG., M.; Gr tw.; USil., Möne* GrAv., Mö 
(nas.) GRFelsb., Mun GrAv., uVaz (neben Mä**), Mä, 
bzw. Mö AaL.; Ap; BHk., ,G., 0.;" FJ.; „LE.;" PAl.; 
G; Sch; Schw; Th; Uw; Zo; Z, Mü'Gl; GaSeew. ; GSa. ; 
ScHStdtt; ZRfz, PL Mö* Ap; G; Th; Z, Dim. Mönli 
AABb. — m.: Mond. 1. der Himmelskörper. Vgl. Herr- 
gotte*'Liecht; Män-Bübeli; Ghnabe*-, Buche*- Sunn. 
a) nach seiner Stellung und Bewegung (ähnlich der 
Sonne). Er het de* Chopf üf, wie wenn er am M, 
wett schmöcke*, trägt den Kopf hoch AASt So g'wüss 
dass Stmn und Mo* am Himmel städ Z. Es send zwe 
Mö* [Mond und Nebenmond] am Himmel GStdt. Der 
Mond chunnt, gät (stät ZO.) üf, geht auf, gät abe\ 
under, geht unter. S. noch Gold Bd II 224. — b) Licht- 
wirkung. De^ M. schint; vgl. M.- Heitert; M.-Sehin; 
Durch-Schin, Er ist so dürr, de" Mo* schint duf^-ne 
dure* L (Ineichen). Bildl. der Mö schint, von unan- 
ständiger Entblössung Ap; vgl. gemeind. Mondschein 
für Glatze. Das Bild der Mondscheibe gleicht einem 
Antlitz, daher und wegen der Homonymität mit Mann 
der Entlebucher den Mond für einen Mann hält. St.^ 
Ober die Sage vom Mann im Monde vgl. Gr. Myth. 
681. Den Kindern sagt man, es sei ein Ma** im Mö* 
drin Ap. Wir am Sunntig Holz trat [trägt], chunnt 
in Mö*, KSteiqer 1839, ähnlich jetzt noch Z; s. noch 
Rochh. 1867 I 13. Seine Spiegelung im Wasser: Auch 
den Gersauern in Schw wird nachgeredet, sie glauben, 
dass der M. im See liege. — c) nach seiner Veränder- 
lichkeit, seinen Phasen. Der M. schwint, nimmt ab, 
toadist, wird voll; es ist schw%ne*der, wachse^de^ M, 
S. ah; üf-, obsich-, nidsich-gänd Bd II 9. 13. 33. 34. 
Hiezu : VoUer M,, volli Jar, läre" M,, läri Jar, d. h. je 
nachdem der Mond in den nächsten Tagen auf Neu- 
jahr voll oder leer wird, ist ein fruchtbares oder un- 
fruchtbares Jahr zu erwarten Z. Geschäfte, Tätig- 
keiten, welche auf Wachstum und Gedeihen des betr. 
Gegenstandes abzielen, sollen im zunehmenden oder 
steigenden, solche dagegen, bei welchen ein Abnehmen 
oder in die Tiefe Wachsen wünschbar ist, bei ab- 
nehmendem oder absteigendem Mond vorgenommen 
werden. So soll man z. B. Hühneraugen bei abnehmen- 
dem Monde schneiden S. Wenn Blatternkranke im 
schtvlnete* Mö* den Ausschlag verlieren, so bleiben 
nach dem Volksglauben die Narben sichtbar Z. S. Voll-, 
Nüw-M. und nüw. Der Mondwechsel hat Einfluss 
auch auf das Gemüt der Menschen, bes. bei Geistes- 
kranken S; Z. Mit dem Mö* gö*, von Frauen, nach 
der Mondphase unpässlich, schwermütig sein Ap; vgl. 
,mondsüchtig*, lünig, mönig, ,Die Cartoffel wollen umb 
das Wedel in undergehendem Monn gepflanzet sein.* 
Rhao. 1639. ,Der Monn soll obsich oder nidsich gehen, 
bald Schweinen, bald wachsen, je noch dem der Scha- 
den zu- oder abnemmen soll.' RGwerb 1646. ,Wer 
spielet und mit dem Rücken gegen den Mond sitzet, 
der verspiele Alles.' Anhorn 1674. ,Dein Sein [Sinn] 
ist wie der Mohn gericht; was dir z' Nacht geliebt, 
erleidt dir hinacht.* Wahrsager 1675. Man soll das 
Holz [zu einem Bau] ,bei instehend und abnehmendem 
Mond' fallen. 1713, Absch. Vgl. noch über den Mond 



235 



Man, men, min, inon, niun 



236 



in der Mythologie und im Volksglauben: Birl. 18(51, 
186 f. 446 f.; Kochh. 1856 I 262 f., II 237. 306; Baurag. 
7; KUassenkamp, der Mond in den Anschauungen der 
Naturvölker 1874; WWack. 1872, 250 if. — 2. a) als 
Wirtshausschild. Selten, z.B. SOlt. ,N. N., Wirt 
zum halben Mon.* 1653, AAWctt. Klosterarch. — 
b) Bild des Mondes auf Kirchtürmen. ,1488 stackt 
man den sternen mit dem man uf den münsterturn.* 
Kdlib. ■— 3. Schelte: DuMö'I Einfaltspinsel GStdt. 
Verkürzt aus Mö'-Chalb Bd III 219. — 4. (meist PI. 
MdnJ ringförmiger Fleck, a) Ringe von ausgewasche- 
nen Flecken, Fettropfen usw. an Stoffen, Tapeten Aa 
Wohl.; B. Das [Hemd] chasch ämd wdger ntwm«" 
brücke*, 's isch ja ganz k^rfange*, g'sesch, es het ja 
hie ne* Man m»** dort eine* B (vRütto). — b) dunkle 
Kinge um die Augen, durch Blutauflauf bewirkt B. 
Schwarzi Mön um d* Auge* umme* BBe. Vgl.; Die 
Unholden hätten ,rote Mönli* in den Augen, daran man 
sie erkenne. 1576, L (Turmbuch). — c) rote, blaue 
oder grüne rundliche Flecken in der Haut, bes. im 
Gesicht, in Folge eines Schlages AxLeer., St.; Bs (gew. 
blaue" Mön)\ rote, entzündete Augenlider BsL. ,Der 
dicke, aufgedunsene Kopf mit den roten Mönen.* Brki- 
T8N8T. — 5. Dim., runde Klammer, Parenthese. ,Was 
funden würt stau zwüschen zwei solchen (..) män- 
lincn, soll mit stillerer stimm gelesen werden.* Salat. 
In uuscrerä. Lit. gilt fast durchweg ,Mön\ so noch 1715; 
Salat braucht neben einander ,mun* und ,män.* ,Zum Man(en)', 
Hausname in ZStdt 1357/1504, «zum halben Moon.' 1637. 
Erst 1772 (JCSulz.) begegnet uns ,Mond.' Von FJexionsformen 
notieren wir: ,den monen.* 1336/1446, Z Jahrb., ,de8 mons.' 
Zwing]!, ,d6s Mones.* HRKebm. 1620, ,de8 Monden.' vMoos 
J777. Die Form fUr den (seltenen) PI. schwankt: ,zwon 
monen.' um 1530, Bs. ,Dry mon am himmel.' Salat Bei 
Anh. 1674 Sing. ,MonS PI. ,Mönd.* — Unsere einsilbigen 
Formen sind aus dem Nom. des mhd. mane, die zweisilbigen 
aus dem Acc. desselben zu erkl&ron. Über den Abfall des n 
und die verschiedene Gestaltung des Yoc. vgl. analoge Fälle 
wie (jany lan, »tan, (y')tan; auch Lön u. ä. Auffallen muss ö 
für a in MAA., die diesen Lautwandel sonst nicht anerkennen. 

Voll-Man m., in „Z n.": 1. Vollmond, allg. Syn. 
Wädel. Volksglaube: We**'me* Bluemen im F. ver- 
setzt, werde*d-si gefüllt Z. We**-me* im VoUmäne* 
hüratet, so het-me* vil Str%t im Hüs GrD. ,Si seien 
im vollen Mon worden, mögend widerheben wie hagen- 
büchin Zaunstecken.* Schimppr. 1651. Vgl. Gr., Myth. 
(1854) S. 676. - 2. Vollmondgesicht Th. 

Das „n." nach Analogie von Neu, Neumond. Die Zss. 
ist eine lose: ,Im vollmon oder wädel.* 1584, Zellw., Urk., 
wechselnd mit ,im vollen mon oder w.* und so noch heute ZO. 

Finster-: Neumond, f^yn, Schwarz- M. ,Bim Fy- 
stormond.' B Kai. 1858. — Halb-: Halbmond. 1. halb- 
mondförmiges Messer der Sattler, Schlichtklinge Tu. 
Vgl. das frz. lunette, — 2. Rundeinschnitt ob dem Herd 
BsBaus. — 3. Vorwerk einer Festung, Lünette. ,Von 
den halben Mönen.* JCLav. 1644, ,Monden.* 1667. — 
4. halbmondförmiger Einschnitt auf einem Brücken- 
pfosten als Grenzzeichen? , Auf der Sensenbrücke soll 
von der Mitte der halben Mönen [ )( ] oder Ringe an 
die Souveränität der Kantone B und F anheben.' 
1655, Absch. — Herbst-: Herbstmonat. ,Merzens und 
Herbstmons Gelegenheit.' HlißfiBM. 1620. — Churz- 
Mäne": Februar GaRh. 

Nu w -Man: Neumond; vgl. Nütc. ,Im N. ist gut 
düngen.' L (Ineichen). Drei Tage vor und nach N. 
sät man gern Weizen und Roggen Z. Vgl. Gr., Mjth. 



(1854) S. 676. ,Biss auf das neüwmon des ersten 
monats.* 1531, Z Bib., = ,auf den neuwnion.* 1548. — 
nüw-mönlich: zur Zeit des Neumonds stattfindend. 
,I)ie nüwmönlichen fest und sabbat.* Zwingli. — Über 
das Nentr. vgl. die Anm. tu VoH-Men. 

Schwarz- = Finster- M, GRh. 

halb-monachtig: halbmondförmig. ,Der krunnne 
and halbmonachtige Louf des Rhjns.* Rüeoer 1606. 

möne» ThRom., wo'tic» Tu (Pup.) ; ZRafz: 1. un- 
pers. Es mönet si^\ der Mond ist wieder in gleicher 
Phase wie damals Th; vgl. jären. — 2. tr., eine ge- 
wisse (krumme) Form geben. Er het-em dt* Huet 
ff hörig g* mönet ZRafz. ,G'mönt*, halbmondförmig ge- 
bogen. Als Zeichen der Güte beim Rindvieh werden 
aufgezahlt: ,Horne on alle böse, arge krümm g*mönt.* 
Tiere. 1563. 

ver-möne^*: durch runde Flecken entstellen. Bas 
Tapir isch ganz vermdnet BsLang. — Zu Man 4. 

Manende" f. D' M. ha*, die Zeit der Trächtig- 
keit erfüllen (von Kühen, Ziegen) BHk., oE. — Zu der 
Bildung Tgl. tGem&chende.' 

Man et BHa. (MänedJ; GrL., ObS., Pr.; T (Mänot); 
Uw; W (Mänot); ZKn.f. Mänet BE.; LE.; ZLimm., 
W., Mönet GaObS., Mönet Ai.St. ; LG.; Th; Zö., Mü^net 
Gl; GRÜVaz, Haldenst.; GO. — PI. meist ohne Uml. 
— m.: 1. Monat, allg. I>V M. (GG.), d' Mänete* (B) 
ha*, die Menses haben. — '2. Mond GrL., ObS. (Mönet, 
dagegen Mönet in Bed. 1); W. Im üfgendw* M. 
[schwanger] sin W. — 3. Mönetli ScuSt., Munetli 
GWe., Massliebchen, bellis per. 

Mhd. manot, mdnet. Aus &. Lit. : ,manod.' TbDiess. Stadtr., 
«des manots.' 1413, Bs Urk., ebenso 1531, Strickl., ,Muuet' 
ueben ,Manat..' Salat, ,Manet.* EUlib., aber schon bei Mal. 
,Monat.' S. noch loedemänt. Bed. 2 auch bair. und kärnth. 
Zu 3 Tgl. bair. ,Monatb1üeml', tir. ,Monatle.* — Über die 
folg. Zss. (Monatsnamen) s. Gr., Gesch. d. d. Spr. 78 ff.; 
Weinhold 1869; auch die Anm. zu Homing Bd II 1628. 
Es mag beachtet werden, dass, während im dentschcn Reich 
trotz dem gegenwärtig herrschenden Purismus mit Vorliebe 
die lat. Namen beibehalten werden, die Schweiz bis in die 
neuere Zeit den alten Namen treu geblieben ist Dass frQher 
die Monatsnamen auch für die Benennung Ton Geschützen 
dienten, zeigt folgende Stelle aus HBull. 1572, welche zu- 
gleich auch für die schwankende Orthographie, bzw. Aus- 
sprache des Wortes Monat Ton Interesse ist: ,der Aprell, 
der Mey, der Brächet, der Äugst, der Wynmont, der Winter- 
monet, der Wolfmanet.^ Z Geschütze, welche 1531 bei Kappol 
verloren giengen. Wahrsch. bildeten je 12 Geschütze mit 
den 12 Monatsnamen eine Einheit; vgl. die analoge Benennung 
nach den 12 Aposteln. 

Augst-Monet neben Augst(e*) (Bd I 153) Th; Z. 

Herbst-: September, allg. Was der Äugste^ 
nüd chochet, cha** der H. nOd brate* ZS. ,In dem 
ersten herbstmanet.* 1334, BFraubr. Urk.; 1409, Ap 
LB. ,£rst herbstmant' neben ,h.-manot.* Edlib. ,1m 
dritten hcrpstmanot 1498. jar.* ebd. S. Herbst Bd II 
1593. -- Herbst-Moneter: im Herbstmonat gewon- 
nener Käse B. , Keinen einzigen Aasschuss hatte der 
exakte Händler unter den Sommerkäsen finden können 
und auch die H. versprachen kein schlechteres Re- 
sultat.' Nydegger 1890. 

Hcu(w)-, in PAl. Hei-monud: Juli. allg. — 
Heu-Moneter: frühste Kartoifelsorte B. 

Churz-: Februar Gr. D' Mamme leid denn AUs 
[am Neujahr Geschenkte] in en grössi Bandzeine*, bis 
d' Chind itten im Churzmanet Alls g'schnablet heind. 



237 



Man, men, min, mon, man 



288 



ScHwziK (GRpeist). Vgl: ,A. 1583 am ersten Sonnen- 
tag im kurzen monat.' ArdOser 1572/ 1&12. 

Ohatze"-Manet: Februar Gr ObS. — Vgl. Äwtiem/ 
B«l II 1627. 

Christ-Monet: Dezember. Betr. Gebräuche in 
diesem Monat vgl. AU-Jär, GMungeren, Chlaus, Lös- 
Tag. — Lächli-: die Flitterwochen Gl. — Mßss-: 
November, weil der Jahrmarkt zu BsStdt in diesen 
Monat fallt Bs. 

Bon-. ,Am fünften tag bonmanot' Datum einer 
Urk. vom 5. Juni 1371, LMünster. 

Nach der BlOtezeit der (Acker-) Bohnen benannt; bei 
Fischart heisst der Mai ,Bonenmonat.' 

Bar-, Bär-: Januar. ,Der erste manod in dem 
jare, der da heisset barmanot' 1313, Urk. (Gfd). ,Bar- 
manot.' UwE. Psalter. ,Datum im Bärmonat.* ürk. 
vom 1. Jan. 1343 (Regesten von BBuchsee). ,Antonii 
im bärmonat [17. Jan.].* 1415, BKaufbr. ,Ze mitten 
barmenod.' 1436, B ürk. ,Barmonat ze tütsche, in 
latyn januarius.* 1449, L Urk. 

Gerne wOrde man dem ,Wolfnionat* einen ,Bärenmonat* 
anreihen, allein die Belege mit dem W. ohne Umlaut sind zn 
gnt vertreten. Soll bar die aller Vegetation entblOsste Erde 
andeuten? Doch s. avch die Anm. zn bar-kämmig Bd II 1271. 
Zo dem Wechsel von a und ä vgl. Bisr-Luehe*, -Meter neben 
Bär-; Gnu neben Orä». 

Brach-: Juni. alig. Syn. Brächet, Br, nass Mrt 
Schüren (Spir, Speicher) und Fctss L; Z. De^ Nord- 
wind im Bröchnumet todü Chom t* 's Land. Sin.GBR. 
,Brachmant.* Edlib. ,Man rechnet vom ersten Brach- 
monat, da der Knab das erste Mal Hosen und das 
Mägden das erste Mal die Schnürbrust angezogen, bis 
wieder zum ersten Br. auch ein Jahr.' Erinnrrbr 1766. 
Bildl. Das isch Einer wie der lang Bröchmanet, von 
einem langen, hagem Menschen S. E* lange" Bröch- 
nwnedf lange, magere Gestalt Bs; vgl. Brächet, 

Die blldl. KA. entweder, weil im Br. die Tage am läng- 
sten, oder, was wahrscheinlicher, weil die Zeit von Pfingsten 
biM Jakobi, wo die Erntevorr&te zar Neige gehen, der ,lange 
Brächet^ hiess. Zn Brach' vgl. den umgekehrten Fall in 
it. magyeae, Brache, eig. Maifeld, von nrnggio, Mai, weil in 
diesem Monate nach altrömischer Weise das Brachfeld um- 
gebrochen ward, wie diesseits der Alpen im Juni. 

Red-, Reb-: Februar. ,In dem manot vor merzen 
(redmanode).' F Handfeste. .Februarius, der hornung, 
der redmonet.' BFraubr. Jahrzeitb. ,Im rebmonat, im 
merzen und im abereilen.* 1336/1446, Z Chron. ,Am 
hindersten tag rebmant und am ersten tag merzen 
Übcrschoss der Zürichsee.* Edlib. 

Die erstere Schreibong auch 1292/1371, Z Ratsbuch; 
1305, BInterl. ürk.; 1312, ZUrk.; 1369, B Urk.; 1378, 
GPfäf. üric.; UwE. Psalter; ,redim.* um 1400, ApReimchr.; 
,rebm.* 1382, Z Kichtebr.; 1456, L Urk.; Kessl. Das W. 
stellt sieh zn ags. krtdm&natk, s&chs. rhedmonath, M&n;. Diese 
Nanran gehen znrflck auf ahd. (k)radi, redi, celer, agilis, 
mit Beziehnng auf das im Februar nnd M&rz sich wieder 
regende Leben in Natur und Feldarbeit. Die Schwankung 
in der Schreibung erklärt sich daraus, dass einerseits das 
Etymon dem Syrachbewusstsein abhanden gekommen war, 
anderseits im Sandhi beide Schreibungen gleich berechtigt 
sind. Ob zu der Schreibung mit h der Gedanke an die zu- 
meist im Februar beginnende Arbeit im Weinberge den An- 
stoss gogoben oder mitgewirkt habe, bleibe dahin gestellt, 
weil in diesem Falle eine Änderung des Yoc. h&tte geschehen 
mflssen. 

Mittwuche"-: ein mit Mittwoch, nach dem Volks- 
glauben einem »verworfenen* Tag, beginnender Monat 



E» Mittwuche^mänet und en Holderboge* und en rote* 
Ma'% icenn die gerate; so sind-sf^' besser als alli 
anc2m 6k D. — Wolf-: Dezember. ,Uf dem vierteljar 
der manoten wjnmanet, wintermanet und wolfmanet* 
1527, Absch. ,Wolfraond.' 1528, L (Strickl.). ,üf den 
11. tag des roonat decembers ist M. Uelrich Zwingli 
erweit zum liprister und demnach ufF den 31. tag wolf- 
raont bestallet.* Edlib. ,Wolfmon.* 1555, Z Kai. ,Nach 
der wienacht oder christtag, das ist nach dem ende 
des wolfmonats.* Fiscbb. 1563. , Wolfsmonat.* 1573, 
Z Urk. ,Christmonaty december, wirt sunst der wolf- 
monat genannt.' Mal. So noch 1587, Z Ratserk. und 
bis 1589 in BSigr. (Ehtagsrodel). »Von uns Teutschen 
wird der December genennet der W., weil die Wolf 
in diesem Monat allermeist sieh' merken lassen.* JMüll. 
1665. ,Der Dezember sei nicht mehr der Wolfsmonat, 
weil die Wölfe siebt mehr im Christmonat wärfFen 
[nach Einführung des gregorianischen Kalenders].* 
Beiträge 1785. Vgl. ,der monat, so von den rüssigen 
[brünstigen] Wolfen genempt* Ansh. — Wi»-: Oktober. 
Im Wtmanet, wä me* schon entalp^get g'han hed GaPr. 
Gewitter in diesem Monat deuten auf einen unbe- 
ständigen, nassen Winter. Ikeichen; Sulger. Warmer 
W.y ehalte Homer L (Ineichen). Warmer Regen am 
Ende dieses Monats deutet auf kalten Jenner und 
Hornung. ebd. — Winter-: November. En nasse* 
W. bringt en nasse* Merz, Sglgrr. ,Wie der W., so 
der März.* Ineichbn. ,Den wintermanet so soll der 
bach gän in die allment.* 1436, ZNioderhasli Oifn. 
Der läng W,, der Januar GrY., wohl mit appellativer 
Auffassung des Wortes; übrigens werden hie und da 
Dezember, Januar und Februar die drei Wintermonatc 
(par ezcellence) genannt In ä. Zeit war es der De- 
zember; so in UwE. Psalt. und im Nekr. AAHermetschw. 

monetli®** Z, -lig Ap; GRh.; S: wie nhd. , Basel 
hatte schon 1541 einen monatlichen ßettag eingeführt 
aus Veranlassung einer Pestseuche.* Frick, Kirchen- 
gebr. *s M, Ar; S; Z, 's m, Zug GRh., die Kata- 
menien; vgl. noch Schild 1873, 70. 

Moni, in ThHw. Mö^ni, in PAl. Meni — f.: 
1. Mondphase, auch der Mond selbst PAl. N%w M., 
Neumond, haJbi M,y Vollmond. D' M. chinnd hör, 
der Mond kommt her, geht auf. — 2. PI. Menine*, 
Biegungen, Krümmungen PAl. — 3. Männi, Mond- 
blindheit oder periodische Augenentzündung, zunächst 
von Pferden „Vw;** S. — 4. Laune, Einfall ScnSt.; 
ThHw. Syn. Lün, Wenn en d* M, a'chunnt, macht 
er e* Eeis, Du hast Mönene*! sonderbare Einfälle. 

Von einer Gdf. *Mani(n), abgeleitet von Man, Mond, 
bzw. vom Vb. manen, mönen (s. d.). Zn 1 vgl. frz. lunaigon. 

raönig AAFri., Wohl.; Ap; Gr; L; „ScHwMa.;" Th 
(Pup.); ZLunn., mö-ig SchwE., männig Gl; L; Zo; 
ZKn., me'nnig ZZolL, mü'nig ScuStdt, münnig GlMoIL : 
1. mondähnlich Tu (Pup.). — 2. einen Monat alt Gr; 
Z. E* sibe*mönigs Chind, E* dreimonigs Chalb, ,Er 
machet einen drymönigen bestand [WafFenstillstandJ.* 
Ansh. ,6imensis, zweimönig, semestris, seehamönig.* 
Fris.; Mal. — 3. mondsüchtig, zeitweise geisteskrank 
L; ScHwE. ,Cerebrosus, vicium habens in cerebro, 
scilicet mönig.* Ebinger 1438. , Juno was Libero, dem 
bankhart, so g'hass, dass sy in ganz ro. und unsinnig 
macht* TiKRB. 1563. Hiezu wohl: brünstig, von Katzen 
Ap. — 4. a) übelgelaunt Gr; SciiStdt; „ScnwMa." Syn. 
lünig. „Ist 's Neu oder Wedel, dass der Kerl so mönig 



239 



Man, men, min, mon, man 



240 



ist?" — b) angetrunken, berauscht AiWohlen. — 
5. fleckig; vgl. Man 4, a) Yon den Aagen, bes. Yon 
Pferden B; L; S. ,Mönnig heisst das Pferd, wenn es 
bei jeder Mondsyeränderung einige Tage beinahe blind 
wird.* Steinm. 1804. ,Einen Staatsgaul meint er von 
den Juden gekauft zu haben. Nun findet der Gaul 
sich biästig und undersätzig, mahnig und stettig.' 
GoTTH. ,Dämpfig, stättig, mönig' sind nach dem alten 
U LB. Fohler, welche einen Pferdekauf ungültig ma- 
chen. S. Blumer, RG. I 4d8. ,Frouwen monstrum in 
die ougen getan, nimpt die flecken und feP in ougen, 
so sy menig wellend werden.' Zo Arzneib. 1588. ,Wann 
ein Ross mönig werden will. Nimm ungelöschten 
Kalch, schütt Wasser daran, lass es sieden. Dis Wasser 
vertribt alle Fleck in Augen.' 1710, ZZoll. Arzneib. 
S. noch fül 5 Bd I 787. — b) = gläsig e (Bd II 647) 
AaFH., Wohl.; Gl (auch toasser-mänig); L; Zo; ZEn. 
(auch von Rettigen), Zoll,; = möl8ch (verschieden von 
glasig) GlMoII. ; L; von Waldbäunien, stockrot L. 
Auch Übertr. von Menschen, faul zur Arbeit L. 

Mhd. manig und tnänig in Bed. 2 und 8. Dass dem 
Volksbewusstsein der etym. Zshang abhanden gekommen ist, 
beweisen die Formen männigt mennig, lantliche Ausweichnngen, 
die sich schwerlich von Man ableiten lassen. Die Beziehung 
aaf den Mond und seine Einwirkung blickt nicht nur bei 
Bed. 3 und 4, sondern auch bei 5 deutlich durch, zumal 
wenn man bei 5 b noch das Syn. ,mondsOchtig' hinznnimmt. 
S. noch ,monig' bei Gr. WB. VI 2518. 

winter-mönig: wintermonatlich, zum November 
gehörend, in den November fallend. Der wintermönig 
Cw.-münnig ZTagelschw.) Sehne tuet dem Söme we 
ScuSt.; Z. Wenn de^ wintermönnig Sehne in'n Christ- 
monet überef blibt, so giH *s na [noch] 30 Sehne uf- 
enand ZZoll. 

wStter- manisch: wetterwendisch, übellaunig 
ScnSt. 

Möni"g f.: 1. (halb)mondförmige Biegung, Win- 
dung AAZein.; SchKI.; ZPföif. — 2. auch „Männigi^^ 
= Moni 3 y w. ,Mänig', als ein sog. Hauptmangel beim 
Pferde. L Stadtr. 1706/65. 

Mann B; GkD., L., Man (neben Mo) GaVal., sonst 
Mä, in TaFr., Hw. Mä, in Gr ObS. Dat. Sg. Mäne - 
PI. Männer GrD., L., V., Me'nner GaPr., sonst Manne* 
— m., Dim. MannfdjH, Mänfifäßi. allg., in GnPr.; W 
Mannji, in BO. ; W Mandschi, noch stärker dim. Man- 
cfeK B; L; W; Z, Mänddli BHa.; W, Mandschdli W: 
im Allg. wie nhd. 1. a) männliche Person übh., im 
Gegs. zu Frau (s. d. Bd I 1241). allg.; vgl. Mannen- 
Volch Bd I 804. Es häd vil Frauen t- der Chille^ 
g'ha*, aber wenig Manne:* Z. ,Der Fuhrmann und die 
Mannen im Coupe stiegen aus.' Breitenst. 1860. Der 
,blaue Mann* hiess früher in LStdt der in einen blauen 
Mantel gekleidete und, um späterer Bache zu ent- 
gehen, jedesmal vermummte Vollzieher der Ruten- 
strafe an ungezogenen Schülern ; vgl. Liebenau 1881, 
41. Als kosende Anrede, t. schmeichelnd, t. scher- 
zend, bes. in der Dim.-Form und in Zssen ; vgl. Vetter-, 
Hansel-, Heiri-M, He, Mannol Anruf an einen Mann 
aus einiger Entfernung Aa; Bs; L; S; Z, und von 
dieser Yocativform aus auch als freie Neubildung 
Bs; BM.; „Bauer, den man nicht zu benennen weiss." 
Respek vor so ime* Manno! Breitenst. (scherzh.); zur 
Form vgl. ö III (Bd I 22), Hanso Bd II 1470 u. Über 
die Stellung der Männer im ä. Recht gegenüber den 
Frauen vgl. Frau Bd I 1243. — b) formelhaft und 



abgeschwächt in gewissen RAA., Mensch übh. D' Sack 
avCn M, bringet, einen Käufer, Abnehmer finden L; Th; 
Z ; ähnlich : Sid Mos (Gl), Mäsch (GaPr.), Manns (Z) 
Denket, soweit ein Mann sich zurück erinnern kann. 
,By mannsdenken war nie so tür g'syn.* 1585, ArdOser. 
Es sind jo wässt kän Ma [Niemand] toie vü Lut dort 
g'si: ScH Gespr. 1838. Ober vom Ma [Fuhrmann] 
und die Versteinerung Vundem (VonderJ-Ma für das 
Zugtier selbst s. von Bd I 840; ähnlich: Zuedem-Ma, 
s. zue. „Beim Scheibenschiessen von der Richtung 
der Schüsse: vo' M,, rechts; zum M., links Aa; B; 
VO; S; Z." — c) mit Adjj., in abgeblasstor, z. T. 
abstr. oder mjthologisch-personifizierender Bed. Der 
alt M., der Greis, auch personifiziert: das Greisen- 
alter. 3f«" brücht der alt M. wie der Arsch (wie der 
Appiziller, der im Sommer keine Schuhe trägt) d' 
Schueh, alte Leute werden überflüssig, bei Seite ge- 
stellt. Sprww. 1869. Em Vit isch der alt M. uf ^e* 
Bügge* g'sisse* und het in vor abe^drOckt! er i^ch ne 
Sibziger worde*, BWyss. I* der Juged vtrgiss der alt 
M, nid L (Ineichen). ,Denke an den alten Mann, so 
wirst du nimmer müssig gan.' Met., Hort 1692; vgl. 
auch alt Bd I 203. AlUr Ma**, Fruchtstand (Pappns) 
vom Alpen-Buschwindröschen, anemone alp. Ap; vgl. 
lat. senecio. Ärmtr M., s. arm Bd I 454. ,Ein guter 
M.\ Jemand. S Kai. 1709. Otiet M. („auch vom weib- 
lichen Geschlecht") si*, mache*, s. guet Bd 11 535; an- 
haben ebd. 900; wozu noch: ,cutem curare, seinem balg 
rat tuen, guet männle sein, guet laben haben.* Fris. ; 
Mal. ,Warzue hülfe es dich, ein wenig guet menlin 
mit inen [den Leichtsinnigen] syn und die alleredelste 
zyt verlieren?* ThPlätt., Briefe; vgl. guet Hanseli 
Bd II 1469 und 1471. D^ ehalt M., die Kälte; s. cJialt 
Bd in 239. Es isch e* ehalte M, ub&r Feld 'gange*, 
der Winter ist gekommen. Sprww. 1869. Ähnlich: 
der u)%ss M,, in der Kindersprache der Schnee Ap. J^* 
schwarzer M., die Nacht A^Leer. '« hat di^ t* schwarzer 
M. a*'blöse* zu Jmdm, der sich bei Nacht im Gesicht 
erkältet hat AAWohl. f E* böser M., ein scharfer 
Wind AxLcer. — d) als zweiter Bestandteil in Zss. 
a) bei Appellativen als Träger der Beziehung oder 
Bestimmung, welche das erste Glied ausdrückt. In 
sehr vielen Fällen der Sg. zum PI. -Lüt (s. d.). Milch-, 
Chorb-, Bürste*-, Bese*-, Sand-M, usw., der betr. Ver- 
käufer, Händler. Zins-M., Zinser; Stür-M., Stener- 
einzieher (verschieden von Stürme, Steuermann). Of 
ist dieses -Mann, doch nur, wenn das 1. Glied ein- 
silbig und die Zss. eine alte ist, zum tonlosen Suffixe 
-m% zsgeschrumpft ; ein ähnlicher Vorgang wie bei 
-voll, -fuess, -bäum, -statt, -teil, -wirch u. a. ; z. B. : 
Amme*, Ammann; Fuermi; Hüsml, Sg. zu Hüslüt; 
Bebm^, Schi/fm^, Spüm^ u. a. Ein Teil solcher Ap- 
pellativa hat sich nur noch in Geschlechtsnamen er- 
halten, wie z. B. W%n-mann; s. die Zssen und die folg. 
Abteilung. — ß) in Personen-, bes. Geschlechtsnamen, 
wo bei einsilbigem 1. Gliede immer -m^ gesprochen 
wird, häufig den frühern An- oder Bewohner einer 
Lokalität bezeichnend und danh syn. mit den damit 
parallel gehenden Familiennamen auf -er von gleichem 
Etymon oder mit den durch Präpositionen mit Orts- 
namen gebildeten Namen : Äsch-m,, Gubd-m., Oass-m,, 
Hof-m., Loch-m., Büd-m,, Boll-m., Berg-m,, Stock-m., 
Stadel-m., Täl-m,, Wile-m., Wis-m, neben Escher , 
Ghibler usw.; Bach-m, neben Mar-, Brugg-, Stett- 
Mcher; Wig-m., vgl. Her-, Holen-iviger, Im J. 1565 



241 



Man, roen, roin. mon, muH 



242 



erscheint ein Berner mit dem Namen ,U&ns Solatur- 
mann'; vgl. hiezu noch Hinder-, Nider-m, ,A colle 
[bei Gnndelingen L] mei majores nomen adepti sunt, 
nt dicantar Zorn Bfiel vel Am Büel vol Bäelmanni. 
Nam his nominibns hodie [um 1560] indifferenter no- 
minantnr.* Vita Rod. ,Collini' in Mibc. Tig. Vom Beruf 
her sind genommen Namen wie Acher-m., BW-m. = 
Bür, Bauer, Flachs-tn. u. a.; dem alten Bechtslebcn 
gehören an Eigen-m,, Leibeigener, Fri-m., Freier. Die 
Konfession bezeichnet Jud-m. Ein Jude, Judmann 
genannt, lebte Ende des XIV. in Sch. Wie leicht 
dieses -mann sich anhängte, beweist folgende Stelle: 
,lten Öchenmannin [Dat.], Ruedolf Öchcns, des metz- 
gers, elicher wirtin [eine geb. Ita von Cham].* 1438, 
Z Urk. So wurde es, gleichs. als Exponent des männ- 
lichen Individuums übh., auch an Taufnamen gehängt, 
die dann wieder Goschlechtsnamen werden konnten: 
Ud-m., Ulrich (Bd 1 183); ,üeliman Ochsner.' 1652, Sch 
Batsb.; Hansen-, Hansd-m,, Hans; Heini-, HdfnJZ'tn., 
Heinrich; Gatl-m., Gallus; Kuenz-m., Konrad; Peter-m,, 
Peter; Bttetsch-m., Rudolf; Bitz-m», Moriz. Der Fa- 
milienname ,Thoniann' ist aus Thomas, gespr. Thoma^ 
durch Anlehnung an Mann entstanden. Zum An- 
denken an ihren Sieg Über die Savoyer bei Visp am 
S. Thoraastag 1388 feierton die Oberwalliser Jahr- 
hunderte lang diesen Tag und gaben ihm den Namen 
,Mannen-MittwochS weil jedesmal am Mittwoch nach 
S. Thomas gefeiert. — 2. der Mann im prägnanten S., 
nach seinen Eigenschaften der physischen und gei- 
stigen Kraft, des Mutes, der Ehre; Ant. Buth. AMt 
hat *8 no'* Manna gigi*, ehemals hat es noch wackere 
Männer gegeben. Das sind andri Manna g'si* W. 
Ja, du bist «w** en Ma! Du bist en Burst! Stutz 
(ironisch). Du vrärist e* rechtet Ma, wenn d' nur 
änderst tätist L (Incichen). ,Der Eid gieng nicht vor 
sich; es legten sich Mannen dazwischen. Das ist ein 
ganz eigen Wort: d* Manne" haben gesagt, dem Spiel 
ein Ende gemacht. D* Manne", das sind nicht die Er- 
wachsenen, nicht die, welche Weiber haben oder gar 
Gemeinderäte sind oder auch Neutäufer mit Barten. 
D' Manne können Gemeinderäte sein [usw.], das ist 
gleichgültig, aber drei Dinge dürfen nicht fehlen : ein 
weiser Bat, ein festes Wort und saubere Finger.' 
GoTTH.; vgl. noch ebd. Erz. und B. 3, 215. ,Mannen' 
schickt man auch als Vermittler, Unterhändler an den 
Beleidiger B ; s. Gotth., Vehfr. S. 270 f. und vgl. An- 
sehicks-Mann, I** mues' M. st% das* »** guet hei*^ 
chumme', ich darf mir nicht zu viel Wein einschenken 
lassen (kann auch eine Frauensperson sagen) Z. J<^* 
cha" e" Ding nüd grad behalte*; aber wenn »** 's im 
Chopf inne* ha; so han t*'* 's; i** bi* M. denn. Wolf, 
Bauerngespr. ,Bis du nun der mann [wage es] und 
kumm [nach Zürich].' Zwingli an Eck. (DerJ M. für 
(auch um, eue Ap) Öppis si*, einer Sache gewachsen 
sein, auch dafür gut stehen (auch von weibl. Personen) 
Ap; G; Th. Es g* reut di*^ nüd: dei bin-i^^ M, der für 
Ap (AHaider). Ma**s g*nueg zu Etw. sein, stark genug 
sein, um Etw. zu leisten Aa; L; G; Tu; Zg; Z; bes. ncg. 
nüd M'S g*n. s. , Ulysses ist vil schädcr g'west dem 
feind, dann des Ajacis zChen seind. Zue seiner stärk 
ist er manns g'nueg.* GGotth. 1599. ,Und vermeint, 
ietz allen Nationen Manns g'nug zu sein.' RCysat. 
Züricher und Bämer werden-a [ihnen, den Feinden] 
notta* no** Ma^^s g'nueg »«•. Göldi 1712. ,N. ist der 
Schuel nit Manns g'nug, sollte sich nach Hülf um- 

ScliwpJ«. Idiotikon IV. 



sehen.' 1751, Z OGlatt. Vü Manns, geschickt, ge- 
wandt; wenig Manns Schw; Zo. Davon abgeleitet ein 
Adj. vü-, wenig-mannsig. Bim z' M. si*, Einem über- 
legen sein, physisch und geistig VO. Mä* seit, dem 
Tlfel sig gar Niemer z* M, ErzAhler 1856. I** bin-em 
z* M., z* issef, vermag mehr zu essen als er Ndw. 
,Wie Joseph US mit dem Hebräischen bei den Römern 
nicht wol angekommen wäre, also war ihm dargegen 
das Lateinische zu Mann [zu schwer].' JBOtt 1736. 
Z* M. wBrde*, Meister werden, überwältigen BSa.; 
Gr; Schw; Uw; U. Es würd fsj mer z* M,, es würde 
mir über den Kopf wachsen Gr. Mann zur Frau: 
Je* fürchte* nu*', es [das Stillen] chönnte d'r z* M, 
werden [dich zu stark angreifen] uf d' Lengi GaPr. 
(Schwzd.); vgl.: Si [die Welschen] ligiH ab und 
schnurrid [schnarchen] bald de* Dütsche* z' M,, über- 
treffen die Deutschen. Zg Kai. 1872 (L). ,Hilf, hilf 
mir, sust wird er mir z* man.' Com. Beati. Vgl. noch 
das syn. her Bd II 1520 und bei Gr. WB. VI 1562 : 
,zu vil Mannes sein', über den Kopf wachsen. — 
3. Ehemann ; verheirateter Mann, im Gegs. zum ledi- 
gen Burschen (Chnab, Kerli, BuebJ Aa; Th; Z. Im 
Oberdorf sind aJH Wiber Meister, im Underdorf fec* 
M. AAWohl.; doch nicht immer so glatt weg, denn: 
Wenn Einen «• braver M, will «!•, so scMöt-er der 
Frau der Buggd !• S (Schild). ,All ihre Lebtage 
bloss Buben zu heissen und zu bleiben, wenn sie es 
nicht vorzögen, durch den Prozess einer Heirat in 
Mannlein (s. auch 6 b) sich umzuwandeln.' ABittbr 
1864. ,Das Wettschiessen, an welchem die Buebe* 
gegen die Manne* zu wettkämpfen haben.' MXokr 
1871. Vgl. Frau ^ Bd I 1243 und g&), ebd. 67. ,Swer 
syne tochter git ze manne.' um 1305, Gl Urk. ,Etlich 
frowen giengend uss dem kloster, nament mannen.' 
1525, BossH., Chr. — 4. der Hausherr gegenüber den 
Dienstleuten ScnSchLfi jetzt von »Herr* verdrängt 
Syn. er, Meister, Bür. — 5. Untertan, Vasall, Eigen- 
mann. ,Die spenne seien vor die man ze wysen.' 1423, 
L Urk. (Seg., RG. I 120). ,Es soll fürohin des bann, 
des mann on alle nachfolgung der [Leib-] eigenschaft 
gehalten werden.* 1527, Absch. IV 1 a, 1172. — 6. was 
die Gestalt eines Mannes hat, sei es in Wirklichkeit 
oder bloss vorgestellt, a) der Mann als Popanz. Dtf^ 
M, nimmt di^^l Z (Dan.). Der bös M, chunnti SohwK., 
Schreckruf an Kinder ; vgl. ,der Mann, der unter dem 
Herzen liegt und anstatt 1000 Zeugen ist [das Ge- 
wissen].' La OPFER, Beitr. D^ fi^rig, brünnig M,, s. 
Brenni-M, Der schwarz Mä [eig. der Teufel oder eher 
der Tod, der zu seinem Reigen holt. In den Toten- 
tänzen sagt das Kind: ,Ein schwarzer M. zieht mich 
dahin'], beim Spiele schwarze^ M. jage* Aa ; B, maehe!^ 
B; Z, wobei ein Einzelner als schwarzer M. aus einiger 
Entfernung der ihm gegenüber stehenden Schar zu- 
ruft: Fürched-er de* schw, M. nüd? dann, auf die 
Antwort: Nei*! auf sie zurennt und Einzelne mit je 
drei Schlägen zu seinen Gefangenen macht, die ihm 
wieder fangen helfen. Wcw machet-dir [ihr], wenn die 
schwarze* Manne* chömme*? Üsrissen und flieh! BIri 
1885. Wilde^ M., s. Wüd-Mann. — b) Vogelscheuche 
Z. Me* muess en 3f . uf de* Chriesbaum' ufe* tue*, sust 
nimme*d d' Chräje* Alls. — c) en töte^ M., ein Skelett 
Ap. — d) a) Gebäck, Kuchen in Form eines Mannes 
Aa; Bs; vgl. Frau Bd I 1243. ,4 Männer [s. Pasteten- 
Mann] den Kindern 4 Schill.' 1834, Z Hausb. In 
Winterthur erhielten die Patenkinder zur sog. Letzi 

16 



^& 



Man, raen, min, moü, mtit^ 



m 



die Mädchen einen M., die Knaben eine Fran, l'/t— 2' 
hohe Figuren, in der Tracht des 17. Jhdts auf Guetdi- 
teig geprägt. — ß) alter M,, eine Speise aas Teig, 
mit Käse in Butter gebacken Gr ObS. ; aus Käse, Brot 
und Butter bereiteter Kuchen Ap, Tiell. so benannt, 
weil wegen ihrer Weichheit für alte, zahnlose Leute 
bes. passend; vgl. Bed. 1 c. Ähnlich: ,armer M.', s. 
arm Bd I 455. Vgl. Bittler-Bueb. — e) Name von 
Bergen, wie Frau (s. d. Bd I 1244), so des Matter- 
horns W; der alt M,, Berggipfel am Säntis Ap; die 
Mannen, Gruppe Yon Felskuppen, riesigen Steinmän- 
nern ähnlich, beiGLElm; Hardermann, grosser, einem 
Mannskopf ähnlicher Felsen am ,Harder' ob Inter- 
laken. — 7. das Dim. (von Menschen vorwiegend 
Mandli, von Tieren MäncUiJ in besonderer Anwen- 
dung, a) als kosende Anrede, ohne dim. S., entspre- 
chend Fraueli. Ouete^ Tag, wil"s Mannjil GsPr. 
Mandschi^ Kosewort für den Sohn BHerz. — b) em- 
phatisch von einem körperlich kleinen, aber an Geist 
oder Charakter bedeutenden Manne. Das ist na^ 
[noch] es Mandli! Bs; Z; vgl. für S^b tvill ich no<* 
's Mandle s\*, das strich ich dene^ Here* ♦•. Feürkr. 
's isch en a'schickligs Mannli, ein geschickter Mann 
6s. ,Pabst Hiltprand, ein vergeitig, listig und rach- 
girig mandli.* Vad. — c) a) Familienvater mit ge- 
ringem Landbesitz, Kleinbauer Aa; B; ZO.; oft mit 
dem Zusatz arm, Mtn. ,Die ultramontane Partei im 
Aa stützt sich wesentlich auf die armem Bevölke- 
rungen, die sich selbst Manli betiteln.' (Hunz.). Ir 
söttet-ech schäme*, wie d* Budle; dass-er en arms Mandli 
zum Spüe* verfüere^d! Gl Gospr. 1834. ,Die gehen 
[vom Jahrmarkte] heim, welche mit einem halben 
Schoppen vorlieb nehmen, Anken, Garn verkauft haben 
oder sonst Etwas, Ziegen, Schafe, Schweine gekauft, 
die sog. Mannlein und die Hansmutteni, die sich nicht 
gerne lange säumen und doch noch Etwas möchten, 
ehe sie heim ans dünne Kaffee müssen.* Gotth. ; s. noch 
gelten Bd 11 277. — ß) Verheirateter im Gegs. zum 
, Ledigen' Ndw. ,Im Spätherbst wnrde gewöhnlich ein 
Grümpelschiesset, verbunden mit einem Wettkampf 
zwischen den Mandli und Ledigen, veranstaltet.' Ndw 
Kai. 1896. — d) Figur eines Männchens, a) im Ge- 
birge Steinhaufen, welche als Wegweiser dienen; Syn. 
Stein-Manfdi, Hirt Bd II 1647. — ß) = First- Joggeli 
(Bd III 26 u.) AAMettau. — y) Backwerk für Kinder W 
(Mannji). Figuren mit feiner Mandelfüllung, zur Neu- 
jahrszeit gebräuchlich G. — d) Zauberfigur (viell. aus 
Holunder; vgl. Lüt., Sag. 223). ,Hab sy [die Hexe] 
helfen mit anderen bösen Wyberen ein Wetter machen 
durch die Mendly.* 1603, Ap Malefizb. — t) Hahn an 
der Flinte, mit Lunte st. Feuerstein; Syn. Männli- 
Schhss, Den Reitern ist ein langes Rohr vorgeschrie- 
ben ,mit Füwrschloss oder Manli oder je beiden Mittlen 
zugleich versehen.' 1614, B Verordn. (vRodt 1831, 70). 
— e) Mändlij das Männchen von Tieren im Gegs. 
zum Wibli, allg. Vom Kater GRh. In Zss. Amsic*-, 
Finke^-M. udgl. \g\. Frau 3 (Bd I 1244) und dazu: 
,In die arch alls tuon, je par und par von allen tieren, 
's männlin und *s fröwlin.* Rubf 1550. Übertr. a) auf 
Pflanzen, z. B.lVeiden, Pappeln ; auch bei den Spazier- 
stöcken aus Meerrohr nennt das Volk diejenigen mit 
längs laufender Kante Mandli Z. Mannli und Wihli, 
ein Pärchen zsge wachsener Wurzeln von AUermanns- 
harnisch, welche den Kindern um den Hals gehängt 
werden G. — ß) auf Sachen. 1) der Hafthaken, welcher 



beim Häftli (s. Haft Bd n 1053) in die Ose (WibliJ 
eingreift Aa; BßStdt; ,B0.;- Gl; „LE.;- W. — 
2) Schlussglied einer Kette, welches in dasjenige einer 
andern eingreift L (Ineichen). — 3) = Ghamben 10 
(s. Bd m 297). — 4) Schleife am Peitschenstock, in 
welche die Schlinge eingehängt und befestigt wird 
Aa; ZW. — f) 's M. (Ap; Bs; L; GT.; Sch; Schw; 
S; Th; UwE.; Ü; W), es M, (Gl; Ndw; Z) machet, 
a) von Hunden, Kaninchen, Hasen, Wieseln, sich auf 
die Hinterbeine stellen. aaOO. Die Hase* chömme* us 
allen Egge* z' springe* und machet '« Männli. BWybs 
1863. S. auch gaulen Bd II 207. Fn zame Leu, der 
vor sim Wlbli 's Mandli macht und den deis Fräüli 
a* der Chette* füert [Wappen von Franenfeld]. Scuwzd. 
— ß) bildl. von Menschen. 1) sich in Positur, zur 
Wehr setzen, zeigen, dass man sich nicht einschüch- 
tern lasse Bs; L; Sch; Th; W; vgl. das schriftd. syn. 
,sich auf die Hinterbeine (-füsse) stellen.' Du muost 
oich d's Maniyi machu* W. Auch: sich ermannen. 
,Der Präsident sagte ermunternd zu Jakob: No, no, 
Vetter, mach 's Mannli, nimm di* Wurm [die arme 
Waise] uf!' Sch Pilger 1894. Auch im PI: M.madie*, 
sich sperren Z. *s macht no«* Mänger [Mancher] 
Mandli, eha** «** schier nid dri** ergl^**' HIfl. 1813 ; 
vgl. Fppem d*s Männli ä^^chünte^, Jmdn ernstlich zur 
Rede stellen, z. B. der Käufer eines Stückes Vieh den 
Verkäufer wegen eines Währschaf tsmangels BR. Dazu: 
„Es steigt dem Peter, seiner Frau, oft das M., d. h. 
der Peter, seine Frau, werden oft zornig, allg." — 

2) so vorteilhaft als möglich erscheinen wollen, sich 
über sein ökonomisches Vermögen hinaus einen gross- 
artigen Anstrich geben, gross tun GT.; ScHwNuol.; 
ZWthur (PL, M. machen); sich Etw. einbilden Bs. 
Vgl.: ,War doch das wieder eine erwünschte Gelegen- 
heit, das M. [den ,Herrn'] zu zeigen.* Brbitemst. — 

3) höflich, schön tun Th; ü; Z um Wthur (PL). — 

4) (auch PL) Vorspiegelung, Vorwand; Ausflucht Z. 
Madh-mer au^^ kei* M.! ,Was macht ihr mit dem 
Schuldentrieb und andern Plänen *s Mandli.* L Naishr. 
1865. VgL: ,Ein blosses Mandli und Einbildung.' 
JKHoFMSTR 1744; s. noch itel Bd I 602 und vgl. Mach- 
Männli. — g) Eigenname von Tieren. 1) Manndli m., 
der Herdesticr SchwE. — 2) Mandli n., für Pferde 
ScuSt.; Z. — 3) Hundename: ,MannlL* 1504, Z. 

Anihd. man(n), PL man und mannen; erst spftt mhd. 
menner. Bei nns ist ,M&nDer', mit Ausnahme von Gr, der 
lebendeu Volksspr. ganz fremd, doch im Kriegsexerzitiiim ftlr 
Uri 1785 stehender Aasdruck für die gemeinen Soldaten. Die 
ältere PL-Form ist auch in unserer Lit. stark vertreten. 
,Zween mann.* 1580, Apostelgesch. ,Iren eignen mannen 
gehorsam.* 1531/48, Tit.; dafllr: ,Mftnneren.* 1688. ,Die 
mann.* Qualth. 1559. ,Die wyber überredend sich vll meer 
dann die mannen.* LLav. 1569; dafOr: ,Mftnner.' 1670. ,Die 
mannen.* 1595, ThPlatter und so noch bei JJHott. 1666. 
Zu 7 f a Tgl. Jümp/erli und it donncla, Wiesel. Die Be- 
deutungsverschicdonheiten in 7 f ß erklären sich so, dass 
bei 1) das Bild von dem Tiere hergenommen ist, das sich, 
wie Bären, Hunde n. a., angegriffen oder gereizt, aufrichtet 
und zur Wehre setzt, bei 2) und den folg. aber ist an ab« 
gerichtete Tiere zu denken, welche zur ErgOtzung der Zu- 
schauer diese Leistung zeigen und damit gleichs. gross oder 
schön tun. Bed. 7 e ß 1) auch bair. Bei den nun folgenden 
Zss. Tgl. in vielen Fällen auch die entsprechenden mit -Frau, 
-Herr, -Lfit, -Men»ch, -Meiater. 

£-Mann: 1. Ehemann, Gatte, allg., doch nicht 
recht volkstümlich. — 2. rechtlicher Mann. ,Die 
Richter sollen, wo ihrer zu wenig seind, die Ge- 



245 



Mftn, men, min, mon, rann 



246 



schworenen oder andere oh n parteiische Ehemänner, 
welche die Güter wohl verstehen, zu sich nemmen.' 
1757, Bs Rq. — Über die BerOhrang von J^ mit 6r vgl. 
die Anm. zu E Bd I 7. 

Ob-: 1. „Scliiodsrichter Gr; oder Präsident hei 
schiedsrichterlichen oder andern Collegien, Gemeinde- 
yersammlungen B." ,Der erste Gemeindebeamte als 
direkter, erster Subaltern des Landvogts.' An. Habk. 
,Die Zwölfer [StadtbehÖrde in AiBr.] bestanden aus 
zwölf Männern, deren erster den Namen 0. trug.* Aa 
Gem. S. noch zerfallen Bd I 758. ,Gott nimmt sich 
selb der sach [des Hiob] an und tuot als ein o. den 
ausspruch.* LLav. 1582. — 2. , Vorsteher einer Hand- 
werksgesellschaft, Zunft Zf; jetzt noch derjenige 
von Schiessvereinen Z; vgl. Schützen-, Zunft-Meister. 
— 3. ,0. gemeiner Klöster*, Vorwalter aller säkulari- 
sierten Elostergüter seit der Reformation, der seinen 
Sitz im Obmann- Ami (s. Bd I 245) hatte Zf; vgl. 
Simmler, Reg. 1722, 482; Vög.-Nüsch. I 595. — 
4. Meister, in der RA.: Er hat «in Ohme* g'funde* 
ScnSt. (Sulger). — Mhd. obeman in Bed. 1. 

Ober- = Ob -Mann 1. ,Unt nam ietweder. teil 
willeklich ein schideman ze dirre sache unt mit ir 
willen, da gaben wir ein von dem rate dar zeim o.* 
1310, Z Urk. (Staatsarch.). ,0b sach wer, dass solich 
richter sich nit mochten vereinigen, so soll einer von 
gehell beider partyen, der ein o. [frz. Text surarbitre] 
sy, gewclt werden, der in den stucken, do si sich nit 
vereinigen mögen, ein mers mache.' 1475, Bs Chr. 

Ach er-: 1. a) der pflügende Bauer Z. Es Stuck 
Brod tcie für en A, ZZolLf »Der A. ist auf das fol- 
gende Jahr reich.* ScnSt. (Sulger); vgl. ,der Säemann 
sät auf Hoffnung.' — b) Pflüger, der dem ärmcrn 
Landbesitzer sein Feld bestellt ZWald. — c) Ge- 
schlechtsn. Th. ,Hans Ackermann.* 1503, BsPratt. 
Früher auch in G; Sch; Ndw, z. T. viell. zu erklären 
nach Mann 1 d fy vgl. ,Paulus Enentachers.* 1478, 
Ndw ürk. — 2. A,-Männli, Odermennig, agr. eup. 
AAWohlenschw. — 3. eine Art Latwerge. ,.Ackerm. 
ist auch ein confect und latwergen.' Mal. ,Die Wurzel 
der gelben Speckgilgen (acorus adulterinus) wird zur 
Arznei gebrauchet und eine kostliche Latwergen, A. 
genennet, daraus zubereitet.* HEEscuer 1692. 

Mhd. ackerman in Bed. 1 a. Bed. 2 scheint volksetym. 
UmdeatuDg aus ,agri-inonia', welche sich auf die Wahr- 
nehmung stützen konnte, dass die Pflanze bes. gern an Acker- 
wegen w&chst. 3 dürfte auf dem lat. acorus fussen. 

Eichle»-: angeblich im Walde hausender, ge- 
spenstischer Mann, mit dem man die Kinder vom Be- 
treten des Waldes abschreckt Th. Brumme' wie-n-en 
Ächle*-Mä*; von einem unwillig Brummenden. — 
Edel-: Offizier (weil gewöhnlich vom Adel). , Einer 
jeden Batterei solle auch ein E. vom Geschütz zuge- 
ordnet werden, ohne welches Geheiss die Constabler 
nicht schiessen dörfen.* HCLav. 1644; 1667. 

Oder-Mändli: Odermennig, agr. eup. Aa; Bs; S; 
vgl. Agermönli Bd I 127. Syn. Männli-Chrut. 

Eine Angabe .Zauberwnrz*, ans 3, Iftsst deutlich die per- 
sonifizierende Bed. des zweiten Teiles in der Yolksphantasie 
durchblicken. Rätselhaft und viell. anders zu deuten ist 
,Aderm&nnli* in: ,[Ein Marcbstein] steht am Port unter dem 
A.* 1788, Glnr, Roggw. 

n.^ffs-Männlein: zornmütiger, höchst empfind- 
licher Mensch GrA." — -» nach Analogie anderer Com- 
posita; vgl. A/ Bd I 99. 



Ofen-Mann = Hüs-Fürer Bd I 950. ,1318 wird 
das Ofenhaus bei Gundoltsbrnnnen verliehen an Hein- 
rich den ().* Bs XIV. S. 85 Anm. 

Eigen-: Höriger. ä.LiT. Auch Geschlechtsn. Th;Z. 
— Eigenmannschaft: Hörigkeit. ,Die e. von im tuen 
und sich in freiheit setzen, exuere servitutem.' Mal. 

,.\lraun-Männlin, mandragoras mas.* KdGbssn. 
1542. Vgl. Mann 7 e ol 

Elgger-Ma"": aus mehr oder weniger feinem 
Brotteig gebackenes, mit Augen aus Wachholderbeeren 
versehenes Männchen (zuweilen bisauf 2'hoch ZFlurl.) 
mit gespreizten Beinen, als St Nikiausgabe oder auf Neu- 
jahr ScHSt; uTh; ZSth., um Wthurf. In TuFr.; ZO. 
auch auf Märkten feilgeboten. Sie wurden bisweilen 
durch ein an den Bücken gestemmtes, abgestelltes 
Schwefelholz aufrecht gestellt, daher die BA. : Da stä* 
wie en E., verdutzt dastehen; vgl. Öl-Götz. Am Neujar 
bringt-mer dC Samechlaus en Simmering, Wähen und 
gross Bire^y en E. und es Name*hüechli und ujissi und 
bruni Dirggdi. Stütz. ,Was ich denn nur davon ver- 
stehen könnte, der ich noch nicht grösser sei als ein 
Elggermannli.* JSenn 1888. — Benannt von der orspr. 
Herkunft, dem Z Orte Elgg, wie Steimr-Gigen von SchSt. 

Alpe--: Älpler PAl. 

Alt-: 1. alter Mann, Greis. So neben dem Miesch- 
und Blätzli-Ma*'' eine der Gestalten bei den frühern 
Umzügen in BStdt, wahrsch. eine Greisengestalt mit 
langem, weissem Bart. Vgl. ,Altman*, alter, weiser 
Mann. Morgant 1580. Als Personenn. ,Altman de 
Bateroaringa.' 1091, Sch ürk. (Rüeger). Vormals auch 
Geschlechtsn. in AiZof.; Gl. — 2. Name eines Tei- 
ches am Freudenberg bei GStdt. — Vgl. die syn. syn- 
taktische Verbindung altt^ Ma** unter Mann 1 e und 6 d. 

A mm- Mann Amme!*, PI. Ämme* AiLeugg. (neben 
Ammänner); Ap, sonst wie Sg.r Beamter. 1. Gemeinde- 
vorsteher, , Dorfschulze* ; auch Vorsteher eines Fleckens 
Aa; BM. (früher direkt unter dem Landvogt stehend; 
vgl. Under-Vogt); F; Gr (auch Dorf-, Gemeinds-A.) ; 
G; S. Syn. Vogt; Kaßg (vgl. Tscb. 168); President; 
churw. mastrel. !• dim Dorf isch guet A, z* ««•; es 
«*•«' all z*8ämme* glich guet (iron. st. schlecht). Schild. 
Das ist dem liehe* Gott helcannt und dem A. z' Müde* 
[der ein sehr einbildischer Mann war] G. Wenn «• 
grössere Chue im Dorf g'st* war, war si A. worde* S ; 
ygl. Gemeind-Rat. En Süstaü (e* Sü. Sülokr) und 
en A. h'halted (aUiwil) de* Name*, geringschätzige 
Taxierung des Ammanntitels G; ScnSt. Vgl. noch 
U-Gaumer Bd 11 804, Hunig ebd. 1367. 'Butzt wie 
d?8 Ammes Tächter [Tochter], wenn si z* Märit geit. B 
Hist. Kai. 1777. ,Den Ammen, Räten und ganzen Ge- 
meinden [in GT.].' Informatio 1713, nach einer Urk. 
von 1437. ,Die niedern Gerichte [in GT.] wurden von 
dem Stifte von jeher durch die Ammänner verwaltet.* 
1797, G. Obertr.: Vorsteher des sog. Knabengerichtes, 
d.i. des Gerichtes der erwachsenen Burschen GRÜbS.f; 
vgl. B. IV, 38. — 2. verk. st. Land-A. (s. d.) Gr; in 
UwE. st. Tai-A. Der erste Vorsteher der ehemals 
selbstherrlichen Hochgerichte in Gr; im Domleschg 
Landvogty in den it. Tälern podestä. Landesoberhaupt 
in den Kantonen mit Landsgemeinden Ap; Gl; Schw; 
Uw; U; Zo, welche Verkürzung in den Urkunden des 
13./16. Jhdts häufig (z. B. ,B. Schüpfer, A. von Uro.' 
1275, Urk.; 1567, Ndw LB.; vgl: ,N. N., altaman.* 
1478, Ndw Urk.). Nach Leu, Lex. I 191 m seiner 



247 



Man, men, min, moD, man 



248 



Zeit (1747) nur noch in Zo gebräachiich, während an 
den andern Orten die volle Bezeichnung galt. ,Er 
sei der A. und des Tages Haupt/ Schiller (nach Äo. 
Tschudi). ,Auch die March Schw [welche früher ein 
eigenes ,Land* bildete] hatte ihren A., Statthalter, 
Seckclmeister, Bau- und Zeugherr.' Steinauer 18(51. 
— 3. Vertreter des Grundherrn, z. B. eines Klosters, 
Stiftes zum Bezug der Grundzinse, Gefälle, z. T. auch 
zur Verwaltung der niedern Gerichtsbarkeit. Einen 
solchen Beamten als Einzüger des Zehntens usw. hatte 
z. B. das Kloster Einsiedeln in ZErl., Mann., Stäfa bis 
um 1830, wovon der Zuname '« Ämme's den betr. 
Familien bis in die neueste Zeit geblieben ist; ähn- 
lich das Stift G im Rheintal. ,Her Hans Waldman, 
amen im hof des gottshus Einsidleu.' Edlib. ,T)er 
grichtsäman oder nndervögten [die das Stift G über 
seine Gotteshausleute setzte] halb, wie denn die by 
iren herren und obern und in iren landschaften ge- 
wonlich genempt werdend, dass durch die wort vögt 
oder grichtsäman anders nit soll verstanden werden, 
dann die grichtsäman [Ausüber der niedern Gerichts- 
barkeit].* 1529, Abscu. Wie die Grundherren anstatt 
der mächtig und unabhängig gewordenen .Meier' und 
, Keller' schon seit Mitte des XIH. für beide Be- 
amtungen einen einheitlichen, von ihnen mehr ab- 
hängigen und geringer besoldeten Ammann (.minister', 
vgl. das entspr. roro. mestrdl aus ministerialisj er- 
nannten, darüber vgl. Blumer, RG. I 68 f. 238. 306 ; 
Bluntschli, RG. I 248; Seg., RG. I 84 f. 364. 5'24; 
II 234 f. Amroann hiess in der Regel auch der Ver- 
treter und Verwalter der in der Vogtei (der alten 
Zentgrafschaft) gelegenen Gerichtsbarkeit, woraus das 
Amt der Landammänner sich entwickelte. Darüber 
Blumer, RG. 1 120 f.; Bluntschli, Gesch. des B.-R. I 28; 
Gfd XXVI 7 f.; XXVIII 221 f.; Gl Gem. 482. Auch in 
Ge treten die Amniänner schon im XIII. in der dop- 
pelten Eigenschaft als Richter und als Verwalter auf; 
seit der 2. Hälfte des XIV. aber auch in unfreien Ge- 
richtsgemeinden, wo sie urspr. nur die Verwaltung 
der Güter der Nutzungsgenossenschaften gehabt hatten, 
nun aber von den Gerichtsherren die niedere Judikatur 
erhielten, da sie anspruchsloser als die Vögte und 
unter der Bevölkerung sesshaft, daher ihr genehmer 
waren. Nach Planta 1881, 207. In eigentümlicher 
Form erhielt sich die alte Ammanns würde bis ins 
vorige Jhdt in Luzern. ,Es haben die jungen Burger 
im Gebrauch, jeden St Johannistag [d. h. sowohl im 
Sommer als zu Weihnachten, wo die periodische Er- 
neuerung der Räte stattfand] aus der Gemeind einen 
zu einem A. zu erwehlen, der etwas Spottwürdiges 
begangen, und solle das geschehen zu einer Gedächt- 
nuss als vor Zeiten das Closter ,im Hof noch grossen 
Gewalt und seine Jurisdiktion in der Stadt und im 
Rat gehabt, aus den Burgern einen A. genommen, 
welcher von des Closters wegen im Rat und Gericht 
seinen sonderbaren Befehl gehabt. Diser wird in dem 
Umzug, desgleichen bei den Mahlzeiten, Weinschenken 
und andern Anlässen wie die Ratsherren gehalten, 
aber sonst hat er gar kein Amt noch Befehl, dann 
dass er von der Stadt mit einem Rock und gewohn- 
lich von einem jeden Burger, der sich dasselbe Jahr 
verheuratet, mit einem Par Hosen beschenket wird.' 
Simml., Reg. 1722, 512, wozu Leu ergänzt: ,Selbiger 
A. wird von dem Ammanschreiber vorgeschlagen und 
dem abgehenden ernamset, und wann diser etwa eine 



curiose oder lächerliche Tat begangen, öffentlich er- 
zehlet. In dem Umzug aus der Kapellen zu der Mahl- 
zeit auf das Rathaus wird er von dem ältesten grossen 
Ratsglied begleitet. Er wird aus dem Stadtseckel mit 
etwas Geld beschenket, hat aber wegen dess, was er 
auf die Gesellschaften geben muss und wegen des 
Ammannbrots, so teils bei disem Anlass öffentlich aas- 
geworffen, teils unter die Armen ausgeteilet wird, 
etwas Kostens, danahen gewohnlich Einer, der in den 
grossen Rat erwehlet zu werden die nächste Hoffnung 
hat, darzu genommen wird.' — 4. Familienname Aa; 
I3s; B; F; Gr; Sch; Th; Z. Vgl. die Geschlechtsnamen 
,Vogt, Keller, Meier, Schulthess (Schulz), Weibel.' 

Schon luhd. amman, vork. aas ambet-man in Bed. 1 — 3. 
Zu 3. Zu der Kochtskarrikatur vgl. deu ,Narreurat' in Ap, 
den ,gros8niäc.litigeD Rat' iu Zg. 

Landvogts-A. ,ln jedem diser Höfen [GRh.] ist 
ein von dem [eidgenössischen] Landvogt zu Obsicht 
der hochobrigkeitlichen Geschäften gesetzter, so ge- 
nannte L. befindlich.' Simml., Reg. 17'22. ,Die Land- 
vogtsammänner [in GRh.] sollen bei den Bussenge- 
richten anwesend sein, um zu verhüten, dass vor den- 
selben Criminalfälle behandelt werden.' 1740, Absch. 
— Vazer-: eig. Ammann von GuVaz. ,Zu Igis und 
Trimmis sind sehr viel Menschen mit Kröpfen ver- 
sehen. Sie sind gemein lieh auch etwas träger im 
Geist als ihre Benachbarte, massen die gegenüber 
stehende Untervazer beinahe alle ganz geschwinde 
[gescheide] und überaus beredte Leut, danahen man 
sie durch ein Beiwörtlin in genere die Vazer- Aman 
nennt.' Serbrh. 1742. — Flocken-: Ammann des 
, Fleckens' Beromünster L. — Hof-: Vorsitzender eines 
Hofgerichtes, wie z. B. früher in GRh. »Jeder Hof [in 
GRh.] hat seine eigenen Gerichte und zwei Ammann, 
deren einen die Eidgenossen, den andern aber der Abt 
zu SGallen setzet. Der Hof zu Rüti aber erwehlt 
ihren H. selbst.' Simml. Reg. 1722; vgl. auch Absch. 
IV 1 b, 472. Geschlechtsname oTh; Z. 

Hüs-A. : Geschlechtsname Th. 

Viell. vcrk. aus Ootta- oder Gred-f/üB-A.; vgl. Hu«her 3 
(Bd II 1532) und Grvd-Hüi (Bd II 1710), sowio Hüs-Mann4b. 

Hüsli-A. : Spottname um Luzern. Syn. Schiss- 
hüsli' Verwalter. 

Wohl Einer, der oft das HiisU 5 h (Bd II 1708) in Be- 
schlag nimmt, oder Einer, der Nichts zu verwalten, zu be- 
deuten hat. 

Rathüs-A.: Saalinspektor und Stimmenzähler im 
alten Bern, eine gesuchte Stelle, weil sie bei Regi- 
mentserneuerungen ein Präsentationsrecht gab; vgl. 
Mörik., Lit. des XVIIL, 45. Nach Leu, Lei. war der 
R. Mitglied des grossen Rates, wohnte im Rathaus 
und .wartete den kleinen Ratsversammlungen ab.' VgL 
die RA. von einem korpulenten Manne : Das isch Eiruf 
wie-n-e* Röthüsamme* oder er het c" Buch wie-n-e^ E. 
S; vgl. dazu BatS'Herr, — Chäfer-: der amtlich be- 
stellte Aufseher über das Sammeln und Abliefern der 
Maikäfer Gr oHe. — Chreis-: in G seit der neuen 
Verfassung 1814 st. des frühern Friedensrichters. ,Der 
Kr. hat in seinem Kreis Schuld- und Streitsachen zu 
besorgen, der Gemeindammann in seiner Gemeinde/ 
SüLQER (ScnSt.). Er hat e» Buch tvie nei* Chr., ist 
wohlbeleibt GA., W.; vgl. Land-A. 

Land-A. , PI. L.-Ämme* Ap; Ndw: 1. Haupt der 
Regierung und der Landsgemeinde; s. Ammann 2 und 
vgl. um-gän Bd II 15, Land 4 a Bd III 1298, sowie 



249 



Man, men, min, mon, man 



250 



Panner-Uerr Bd II 1538. Titel des Regierungsober- 
hauptes auch in Aa und G. In BSa. werden nach der 
Verfassung von lÖ09 je zwei gewählt, die sechs Jahre 
lang alternative jeder ein Jahr die Stelle versehen. 
S. Kohli, Saanen, S. 45. Seit der Verfassung von 1814 
führen in G zwei Kegierungsräte als Landammänner 
von Jahr zu Jahr abwechselnd den Vorsitz im kleinen 
und grossen Rat. So auch in Ap ein stillstehender und 
regierender L.; vgl. Haupt-Mann, Auch in B hiess 
eine Zeit lang der Präsident des Grossen Rates X., 
während derjenige des Regierungsrates den Titel 
Schultheiss führte. ,L. der Schweiz* war zur Zeit der 
Uelvetik der Titel des jeweiligen Tagsatzungspräsi- 
denten. Wenn jetz der L. und die ganz Tagsatzig 
Cham und tcött-mer-e* n^""», so göb-etie* nüd us de* 
Händen, AHaldbr 1839. Auch ganz kleine Gemein- 
wesen wie ScHwG. und K. hatten ihren L. ; vgl. Stein- 
auer 1861 I 79 und 89 f. Über den L. im Thurgau mit 
seinen Kompetenzen neben dem , Landvogt' s. Absch. 
VII 1, 734 vom J. 1717. In den frühern Schreiben 
fremder Mächte als Anrede der betr. eidgenössischen 
Stände selbst ins Frz. und It. übergegangen: ,Land- 
animans, Landammani.* ,Porträts der Herron Land- 
ammannen.' Helv. Kal. 1782. Über den Stellvertreter 
des L-8 vgl. Statt-Halter 1 b (Bd II 1241) und Land- 
Weibel. In der Volksspr. gilt X. wie Landvogt u. ä. 
als Typus des Bedeutenden in geistiger und körper- 
licher Bez., auch der Redegewandtheit und Zungen- 
fertigkeit mit schlimmem Nbbegr. Äerfc" esme ne" L. 
Ndw. Schrihen und schwätze*^ sogar lüge* wie en L. 
Ap; vgl. Vazer- Ammann. TTie-n-en X., korpulent Th. 
Sogar das Schnaderhüpferl wagt sich an das Landos- 
oberhaupt: Zöge* am Böge*, d'r L. tanzt! SchwE. 
(Lienert). Übertr., Name einer schönen Ziege ApL, 
nach Rochh. auch der Mittelfinger als hervorragender 
Ap. Ober das älteste Vorkommen der Benennung und 
die Entstehung und historische Entwicklung der Würde 
in den demokratischen Kantonen vgl. Blumer, RG. I 
120 f. 211. 275 f. — 2. a) Gemeindepräsident GRPr.; 
vgl. Ammann 1. — b) Präsident des Kreisgerichts 
(frühern Hochgerichts) GkI).; vgl. Ammann 2. Rätsel: 
Es steid en Tanne* Isenfest, hed me*" a^s dritthalb hun- 
dert Ast; jede*" Ast hed en eigenem Namme*, und wer 
das errate, würd z* Jar [übers Jahr] L. GrD. (B.). 
,Der Landama, die Amptleut, Gericht und ganze Ge- 
meinden der vier Dörfer Zizors, Trimmis, Igis und 
Undervatz als ein besonders Hochgericht.' Gr VDörf. 
1692. Auch hier ist die Benennung geblieben, unge- 
achtet sie an die Zeit der Untertänigkeit erinnerte, 
als die Herrschaften sich in Ausübung ihrer Herr- 
schaftsrechtc, namentlich der Gerichtsbarkeit, durch 
Amtmänner vertreten liessen. — 3. eine Art Ballspiel, 
bei welchem dem L. nach dessen Rufe: Rischalle, Ro- 
schalle, der N. nimmt d* Balle*, der Ball aus dem 
Schosse genommen und auf den Ruthalt! von N. nach 
den mitspielenden Kindern geworfen wird. Das ge- 
troffene tritt aus, das zuletzt übrig bleibende Kind 
bückt sich, den Ball am Boden vor sich, und wird vom 
L. unter Hersagung des Spruches : J** bin e» Jörli L. 
g^si*, i** bitt und bett um no^^ es [eins] z'si*. /'* ha* 
17 Chind «•** 's chlinst het de* grös't Grrrrind! um- 
kreist. Mit dem letzten Wort eilt der L. seitwärts. 
Das Kind ergreift den Ball, ruft halt! und wirft nach 
dem L. Wird dieser getroffen, so ist das werfende 
Kind für das nächste Spiel L. GFlaw. Vgl. an-halten 3 



(Bd II 1227). — land-ämmele": wie ein Landam- 
mann auftreten, auch von Beamten: nach dieser Würde 
streben Ap. Vgl. ,hauptmännelen.' — Bund(e)8- 
Lan dam mann, Bundslamme*: früher Name des 
Hauptes eines der drei Bünde, welche periodisch zu- 
sammentraten. Seit 1803 bildeten diese drei Land- 
ammänner, vom grossen Rat aus jedem Bunde |frei 
gewählt, unter dem Titel Landrichter, Bundespräsident 
und Bundeslandammann den permanenten kleinen Rat 
Gr; vgl. Gr Gem. 79; Kasthofer 1822, 177. 

L a n d - A m m i g , auch -Ämmig — m. : Landammann, 
bes. PI. D* Land-Ämmig, die Landesregierung Schw. 
Im Uothüs z' SchwyZf da lueged siletewis [reihenweise] 
d' Landämmig [die Bilder der Landammänner] uf d* 
Schwyzer abe*. Souwzd. Der Stifelwirt häd es gistrengs 
Amtsg'sicht g'ha*; im [dem] G' sieht nachts hätt-er 
chönne* Kantonslandämmig st*. Lienert 1891 ; s. mwi- 
gän Bd II 15. 

Ans Land- Amme* mit dem patrouymischen Ausgang -intj, 
welcher in Schw auch sonst beliebt ist, gebildet; vgl. z. B. 
d' Schmidig, die Glieder der Familie Schmid, und G'vatterig 
Bd I 1129. 

G'mein- (L), G'meind- (AxFri.; Th; Z), G'meis- 
(GWa.) Amme*: Gemeindeammann. 1. Vorsteher der 
Munizipalgemeinde; Dorfpräsident AiFri.; GWa.; Th; 
vgl. Stab- Halter Bd II 1241 und Ammann 1. Spottn. 
für einen breitspurig einher gehenden, wichtig tuenden 
Menschen ThHw. — 2. Schuldbetreibungs- und Polizei- 
beamter der Gemeinde L; Z. Ißn Buch ha* wie-n-en 
G., wohlbeleibt sein Z. — g'mei"-ammele": ein 
Knabenspiel, wobei Einem, der als G. sitzt, ein An- 
derer als , Landjäger' einen Dieb bringt, der abbitten 

muss GSev. — Die Funktionen von G. i und 2 waren früher 
im Undenxtgt vereinigt. 

Senne»-A.: Vorsteher der Sennen. S. und Senne*- 
Fänderi, zwei Ehrenämter an der Senne*-Chilbi LW. 
S. Schwzd. 42, 10. — Stadt-: 1. Beamter für den 
Rechtstrieb in der Stadt Z, was G*meind-A. 2 auf dem 
Lande. — 2. Vorsteher einer städtischen Munizipalge- 
meinde, Bürgermeister Aa; G; Th, ,Die Städte Rheinegg 
und Altstetten haben ihre eigne Stadtamman und Rat, 
welche ihre Stadtsachen verwalten.* Simml., Reg. 1722. 

— 3. Abwart (concierge) des Rathauses in F^tdtf. 
Küenlin, Dict. bist. Bd I 298; vgl. Rathüs-A. — Zö- 
hend-: Verwalter der Zehnten des Ritterhauses ZBub. 
(Z Staatsarch.). — Bezirks-: Regierungsstatthalter 
eines Kantonsbezirkes Aa seit 1803. S. Aa Gem. 133. 

A mm a n n i n Ammene* B, Ammänni* kky Ammene* 
UwE., Ammeni* GaPr., Ammi* Ap — f.: Frau eines 
Ammanns. 

Ammannschaft f.: 1. politische Gemeinde G. 
St Josefe* und Engelburg sind e* Amme*schaft, 's hässt 
Gäserwald GGoss.; vgl. Ammann 1 und G*meind-A. 1. 

— 2. Ammanns würde. ,Es betreffe Landammen und 
andere Ammenschaften.' Gr Landsatz. 1619. 

Imbe»-Ma"" Z, Impe*- AaoF.; LG., Imbli- Z: 
1. Bienenwärter, Zeidler Aa; L; Z (Dim. Imb(€jli- 
Mannli in verächtlichem S.); vgl. Häfl. 1813, 177. 
Syn. Imben- Vatter, — 2. Händler mit Produkten der 
Bienenzucht (It Menzel); Syn. Hunig-Mann. 

Amt-: 1. Beamter im AUg., Sg. zu Amt-Lüt Bd III 
1519; s. noch ver-geben Bd II 88 und Tag-Ürten 4 
Bd I 495. Ein A. sass als Verwalter im Ritterhaus 
Bubikon, einer im Amthaus Rüti Z. — 2. Regierungs- 
statthalter AABb. (Amtm€*J. Überh. Vorsteher eines 



251 



Man, men, min. mon, man 



252 



, Amtes*, Amtsbezirkes. ,Die Landgrafschaft Baden zer- 
fiel in Ämter (offieia). Über jedes Amt war ein Vogt 
oder Amtmann (wohl zu unterscheiden von dem Am- 
mann, minister) gesetzt.' Seo., BG. I 140. Auch im 
alten B in gewissen Landesgegenden s. t. a. ,Land- 
vogt'; vgl. EFvFischer 1868, 28 und Leu, Lex. I 212. 
Als Ausdruck der Yolksstimmung gegenüber dieser 
Obergewalt ist viell. der Reim: Der Ämtme^ verdammt- 
me* (Ineichen) zu betrachten. — 3. Angehöriger, Be- 
wohner eines gewissen Amtsbezirkes. ,Es soll ouch 
ein amptman vor dem frömbden nächeren kouf [Näher- 
recht] haben.* LMünster Amtsrecht. ,Kein a. von 
Groningen.' Eoli 1878. S. Hodler Bd II 992. - Über 
die Aasspr. vgl. die Anm. zu Haupt-Mann. 

Amt-Männerlis: ein früher in Bs sehr beliebtes 
Jugendspiel; vgl. g'mein-ammelen. 

Ober-Amt-Mann: 1. Regierungsbeamter über ein 
Oberamt (Bd 1 244) B- Z. Syn. Obervogt 5. Von 1814 bis 
1831 Regierungs-Statthaltcr Z. En Buch hä* wis-n-en 
0. Z um Wthur. — - 2. = Land-Vogt Bd I 706. Gegs. 
Unter-Ä. ,Der Gläubiger mag die Schätzung einem 
0. anzeigen.' 1659, BE., für: .einem Vogt.' 1559, B 
Rq. (Ztschr. f. schwz. R. IX b, 201 f.). ,l)er Ünter-A.' 
1659, BE. (ebd.). »Beide Unteramtsleut, der Statthalter 
und Landsvenuer, sollen mit unserem 0. an die G'richt 
sich verfügen.' 1670, BSi. (Ztschr. f. schwz. R. IX b, 
172). ,Ein jeder 0. sammt seinen Unteramtleuten, 
Gerichtsässen und Chorrichtern.' 1659, BE. (ebd. 
S. 212). Auch ßß hatte seine Oberamtmänner. 

In Bed. 1 eine Zrs. aus Oberamt und Mann, in Bcd. 2 
eine solche aus Ober und Amtmann. 

Pri-A.: urspr. Vorsteher der Freien am Land- 
gericht, zu welchem sie in besonderer Beziehung stan- 
den, und als solcher Gehülfe des Landrichters (Fr 
vWyss). Im freien Amte Aa (s. Amt Bd I 248) übte 
der Fr. beim Blutgerichte die landgräflichen Rechte 
der Herzoge von Österreich aus; seine Wahl stand 
der Gemeinde zu. Blumer, RG. I 120 f. Der Obervogt 
[beim Landtag »Landgraf' genannt, s. d. Bd II 707] 
beauftragt den Fr., durch alle Unter vögte der Herr- 
schaft den Landtag in allen Kirchhörenen verkünden 
zu lassen. Er verbannt auch auf Geheiss des Land- 
grafen das Gericht. Bluntschli, RG. I 204. In Bb der 
älteste der drei dem Gerichte beigeordneten Beamten, 
bes. im Malefizprozess tätig, wo er als Fürsprech des 
obersten ,Ratsknechts' die Anklage führte; vgl. Heusl., 
Verf.-Gesch. 209 f. und s. fr% Bd I 1256. ,Und als 
dahar [bisher] der fr. des gerichtes g'walt g'hept hat, 
solich schlecht friden ze schenken, dadurch den reten 
10 ß pfenn. ab'gangen und nit worden sint, da soll 
hinathin [von nun an] der fr. nit wyter gwalt haben, 
solich friden [Busse für Friedensbruch] ze schenken, 
denn synen teil, so im davon gehört.* 1457, Bs Gerichts- 
ordn. Anno 1615 heisst er »Statthalter des freien Amts' 
und ist beim Blutgericht neben dem , Herrn Reichs- 
vogt und Obristen Knecht' genannt. Bs Rq. — Holz- 
= HoU-GBber Bd II 95. ,Erst a. 1646 wurde [st. des 
,Holz-Gebers'] ein H. durch den kleinen Rat gewählt.' 
Z Wthur (Troll). — Sei-: Amtmann, der den Schwe- 
sternhausfond gemeinschaftlich mit dem Seelhausfond 
{s. Selen-Hü8 Bd II 1726) verwaltete Senf; vgl. S6^ 
Meister. ,Vora kleinen Rat zu einem S. gewählt Herr 
N. N.' 1753, Z Nachr. 

„A"-Ma°°: wer bei einer Sache, einem Geschäfte 
den Anfang macht AaF." — Vgl. an Bd I 256. 



G'radane"-: ein Leichtsinniger, eig. Einer, der 
es mit Allem obenhin (graä-an^) nimmt FMn. — 
Hebanne"-: Ehemann der jeweiligen Hebamme ZSth. 

— Ä n i - : Vater des Grossvaters Ndw. Syn. Änivatier, 

— U"-: 1. ungewöhnlich grosser, starker Mann Ap; 
ScHwE. Vgl. Mn- 5 (Bd I 298). — 2. Unmensch, un- 
billiger, unfreundlicher, hartherziger Mann Ap; Gl; 
GnPr.; ScowE.; Th; Z. Bes. in der neg. Verbindung: 
er ist Jcein U. — Anke"-: ButterhSndler Z. RA. Es 
ist iez Bas [eig. es wiegt so und so viel]! Wennd^ 
me' tciti, legg üf — seit der A. (Z) oder: '« muess 
Bas s%*y 's ist Bas, seit der A. (ZO.), Feststellung 
einer Tatsache oder Rechtfertigung einer Behauptung. 
Vgl. noch Esel Bd I 515. — Enzi- s. Enzi II Bd l 
358. — Erdöpfel-: Kartoffelesser. Spottname für 
die Talbewohner ApWalz. Bu tüsigs Katrili, most 
aw** en Ma** ha*, eti alte' RtHaler, en E. — fire"-: 
Ehrenmann, Biedermann. Guettf Fründ und E.! ge- 
mütliche und vertrauensvolle Anrede, mit der man 
eine Eröffnung oder Bitte einleitet Th; Z. He! gueter 
Fr. und E., mues* t" dem Borf ml* Herberg ha* Z, 
It Meyer, al. Sprachb. Wg^ wett aw** schöners Witter 
treusehe*, seid der Balz zum Ueli. Ja, es müesst ja 
Eine*" eken E. st*, wenn er öppis dWa* ändere* wett 
ZWettschw. Er isch e* E., aber me* chann-em *s nit 
betrtse* S; Z (iron.); vgl. noch bei Gr. WB. III 62. 
wonach das W. spec. schweizerisch ist. — Arbets-: 
Arbeiter, bes. Handwerksmann Sch; Z. *s ist en 
schlechten A., wii' nid vum Handerch rede* cha** 
SciiSt. (Sulger). — Erd-, H6rd-Mannli, -Männli : 
1. Wichtelmännchen, Zwerg im Volksglauben Aä; B; 
L; S; Th; üw; Z; Vgl. Erd-LütU Bd III 1520; Erd- 
Männli-Loch. ebd. 1034; Fänk Bd I 866 f. In SGüns- 
berg hausten ehemals die E. Sie taten den Landleuten 
viel Gutes, besorgten ihre Wiesen u. A. m. Sie ar- 
beiteten nur des Nachts oder früh Morgens. Als sie 
einst alle auf einem Aste sassen, kam ein mutwilliger 
Bursche, sägte den Ast ab, so dass sie alle zu Boden 
fielen; seither kamen sie nie mehr. Im Leberberg 
kamen sie früher aus den Höhlen hervor, halfen den 
Leuten mit ihren kleinen Fingern Wirch reiten und 
allerlei Anderes. Wenn ein Bauer ein Fest hatte, 
erschienen auch sie und assen vorzüglich gern Wahen. 
Endlich seien sie durch mutwillige Bauernbursche, 
die, um die Form ihrer Füsse zu erfahren, Asche 
streuten, vertrieben worden. Ihre Fussspuren aber 
seien Entenfüssen ähnlich gewesen. Nach anderer 
Oberlieferung zogen sie sich zurück, als die Menschen 
überhaupt böser wurden und zu fluchen anfiengen. 
Lt einer Sage aus dem Tu beschenkten sie die Feld- 
arbeiter mit köstlichen Gerichten, welche in silbernen 
und goldenen Schüsseln sich befanden. Als einst ein 
habsüchtiger Bauer eine solche Schüssel für sich be- 
hielt, hörte der Brauch auf; vgl. hiezu Venediger Bd I 
833. ,Von den Erdmännchen hätte es ihnen erzählt, 
wie sie ganz kleine Leutchen seien und den lieben 
Kindern allerlei schönes G'vätterzeug brächton.* Nat.- 
Kal. 1891. ,Herdraännli, die zue nacht in kestlinen 
und muren oder wenden gleich als schmidend.' Mal. 
,In einer hölzinen wand g'nagend etwan die holzwürm 
lut. Da überredend sich etlich lüt, es seiend hcrd- 
menli, habend ire seltsamen fablen und gedieht von 
denselben, die sy von iren müeteren und grossmüe- 
teren gehört, wie sy dem husvolk erschinen, gedient, 
die kind gewieget und wie es glücklich eye, wo sy 



25ä 



Man, meti, nun, moti, mun 



254 



in einem hus gespürt werdind/ LLav. 1578. ,£tlich 
Landleut sagend, dass auch Erdraännle im Stigelfatt- 
balm am Rigi ge wohnet haben.' JLCtb. 1661. ,Vor 
Jahren seind yil abentewrige and wunderliche Dinge 
von Erdmännlin oder Zwergen, so in dem Pilatnsberg 
and dessen vilfältigen Klüften und yerborgenen Gängen 
ihr Wohnung gehabt [erzählt worden].* ebd. Vgl. 
auch Cappelcr 1767, 10 f. ,[Beim Walterschweiler Bad 
Zg fieng man an nach Gold zu graben, wie annoch 
die unterirdischen Gänge anzeigen] dessentwegen sie 
das warme Wasser verloren. Item wie sie auch von 
denen Bergmännlein übel geplagt worden seind und 
leiblich erschinen, auch vilmalen ires Vieh gestriglet, 
gcbutzt und gehirtet (so bishero auch geschehen) 
under dem Schein der Dienstbarkeit; also tut der 
Teufel vilmals die Menschen äffen.' Bkscbrbibüno d. W. 
B. um 1700. Weiteres über die E, s. bei Rochh., Sag. 
1 264 f.; Lüt, Sag. 50; Ndw Kai. 1888, 8 f.; Gotth. 

IV 2, 79; BWyss 1863, 52; RWyss 1815, 101. 320; die 
Schweiz I 142; neue illustr. Ztschr. 1850, 270; Schwzd. 

V 47. Vgl. auch Berg-, Wüd-M. — 2. gefleckter Sala- 
mander TnEgn. — Örgeli-Ma"": herumziehender 
Drehorgelspieler, meist Savoyarde Gr; G; Th; Z. Die 
Abneigung gegen eine Annexion Savoyens durch die 
Schweiz 1859 drückte sich in dem Satze aus: Was 
hrüehed mir direi^ Ö-e*? ZS. 

Erst-: der Erste auf dem Plan, beim Angriff, 
einem Unternehmen, Anfänger. ,L besorgt einen Über- 
fall von B; weshalb es besser wäre, dass wir E. wären 
und einen geeigneten Anschlag beraten würden.* 1534, 
Absch. ,Im schlämm [Schlemmerei] will ich gern e. 
syn.* RuEP 1550. «Antistes, qui in aliqua re princi- 
patum tenet, ein rädlefüerer, anleiter, e., anfüerer.' 
Fris. ,A1so hören wir, wer im Handel unsers Heils 
Erstlimann ist, nämlich der liebe Gott.' FWvss 1672. 

Erz-: Minenarbeiter, Erzknappe PAl. 

Ei88elc'-(ZGSchonbr.), Ei8se°-(ScHw)Mandli: 
1. der h. Rochus, bzw. sein Bild ScbwE. Dieser heilte 
mit Geschwüren (Bissen) Behaftete, indem er den Eiter 
aussog. — 2. ein Bild der h. Kümmern uss (s. Bd III 
304) in ZoSchÖnbr., zu welchem man gegen Eissen, 
Geschwüre, Kopfweh udgl. seine Zuflucht nimmt. 

Die Form EineUn, dio sonst für Einen nicht belegt ist, 
beruht wahrsch. auf einer Mischung mit Etüden (Bd I 582) 
= Einsiedeln, wo nach Gfd 19, 195 eine silberne Statue der 
hl. KQmmerouss sich befand. 

Äsche"-Ma"°: Aschensammler, Mann, der von 
Haus zu Haus die Asche sammelt BStdt; vgl. Schwz. 
Dorfkai. 1891, 54. In ZStdt früher Bauer, der in den 
grossen Aschen-Tansen die Asche aus den Aschen- 
Tollen holte. — Äxe"-: axttragender Mann; beim 
Militär der Sappeur Ap. Auch bei der Feuerwehr: 
,Die Axtmänner sind gehalten, alle Hindernisse aus 
dem Wege zu räumen, welche einer Spritze entgegen- 
stehen.» ApHeid. Feuerordn. 1836. — Vßch-: 1. Vieh- 
kenner Z. — 2. Viehzüchter. ,Mesa aber, der Moa- 
biter künig; was ein vychmann.' 1548, II. Kön. ; dafür : 
,war ein Viehemann.* 1667. — Fade"-: Fadenver- 
käufer, Hausierer mit Faden, allg. (F.-Maniüi Ap). 
Qlück sue, F.! iron. Glückwunsch zu einem zweifel- 
jiaften Unternehmen Ap; G; Th; Z. Guet Nacht, F.! 
scherzh., s gehab dich wohl! oder: ich danke, im S. 
der Ablehnung ScuSt. (Sulger). — Fgdere"-: Mann 
mit einer Feder auf dem Hut, Vornehmer. Sprww. 
1824. Er steUt «t«* wie en F., ist ein Hochmutsnarr, 



eig. wie ein Junker mit der Feder auf dem Hut ScuSt. 
(Sulger). — Vogel-: hausierender Singvögelhändler 
ZO.f »Es seind in dorn Lande nicht zu gedulden die 
Vogelmänner, Schleifer, Löter, Zeinenmacher.* Th 
Mand. 1789. 

Vogt-: 1. Vormund Aa; Bs; S (Vogtme'J, — 2. Sg. 
zu Vogt'Lüt (s. Bd III 1520). ,Fart ouch jcman in 
die obgenannten gericht heryn, den soll man haben 
für einen v. und in schirmen.' 1538, Z Rq. — Zu Bed. 1. 
V. für Vogt wie Witt-Frau für ,Wittwo.' 

Fall-: Höriger, der den Leibfall zu geben schuldig 
ist ,Ein leben- oder fallmann soll geben das best tier 
on eins, wenn er stirbt.' XIV., Bs Rq. S. noch Hueber 
Bd II 962. — Venediger-Männdli = Venediger 2 
(Bd I 833) GMosn.; ZF.; s. die Anm. zu Gdd Btl II 
225. — Fänken-Mannli = FänifcBdI86ÖGR. ,Da8 
gefangene Fänggen-Mannli*; s. KARutishauser 1880, 
100 und bes'. Jecklin 1874, 20 f. 

Vor-Mann: 1. „der Erste, Vorderste in der Ord- 
nung, allg." ,Des Petrus, des vormannes der apostel.' 
ZwiNQLi. — 2. = Erst'M. Mit Zg solle man die Sache 
,kurz anbinden, damit man, wo sy den bösen w6g üs 
welltind, v. syn möcht' 1529, Absch. ,E8 ist ze be- 
sorgen, dass sy uns überfallen werden; darumb wäre 
guet, dass wir v. syn möchten.* 1531, Strickl. — 

Mhd. vor-man, vgl. engl, foreman. 

Für-Mannli, -Mannli: \. = füriger Mann (s. 
fürig Bd I 951) Ndw. ,Die sog. Fewr-Männlin .sind 
keines Wegs, wie viel einfältige Leut ihnen einbilden, 
die Seelen und Geister Deren, die Grenzen und Marken 
verruckt haben.' Anhorn 1665. ,Die Feuermännlein, 
wie man sie nennt, wann etwann in Räbcn, auf den 
Kirchhöfen hin und bar schweifend Feur gesehen 
wird, worvon einfaltige Leut wunderliche Gedanken 
haben.' JMOll. 1666. ,Das Scheinholz, mit welchem 
muetwillige Junge ihre Gesellen erschrecken, dass sie 
vermeinen, sie sehen böse Geister und Feurmännlein.' 
LLav. 1670; dafür ,fürin mannen.' 1578. ,Ignis fatuus, 
Irrwisch, Feurmännlein.* Denzl. 1677; 1716. ,Die 
Teutschen heissen dises Liecht auch Wischraännlein, 
feurige Männer, Feurmännlein, Irrwisch, Irrlicht.* 
JJScHKüCHz. 1707; 1746. — 2. eine Art Feuerwerk. 
Syn. Für-TüfeL ,Dass die jungen Buben die grösste 
Freude daran haben, wann sie schiessen und Feur- 
männli machen können.' Z Kai. 1762. 

Fuer-Mann Fuernii*: 1. Fuhrmann, allg. PL 
Fuer-Lüt, selten Fuer-Manne^, ,Was für einen herr- 
lichen Tag die Fuhrmannen hatten.* Breitenst. RAA.: 
Wo 's ibe* göd, ist guet F. si* L. Lass du nw de* 
F. sorget, bis '« umg'heit! auch Vorsorge schützt vor 
Unheil nicht Z. Da färt der F, um der Eggen umme; 
wenn man einen Gedankengang verlässt und uner- 
wartet zu andern Erwägungen übergeht, ebd. S. noch 
chlepfen Bd III 672. Auch der Treiber beim Pflügen 
GRh. — 2. Säumer W. ,J. Truffer starb 1756 als F. 
auf dem Theodulpasse.' Ruppen. Neben Chlaus und 
Esel die dritte vormals zum Chlausen durchaus ge- 
hörende Figur mit einer zu diesem Zwecke eigens 
angefertigten, besonders starken Peitsche, mit welcher 
der F. gewaltig knallte ZKüsn.-Berg f. — 3. Führer, 
Anführer. ,Josua, der f. Israels.* RSchmid 1579. 

Eggiwil-F. : personifizierende Benennung der 
Emme, insofern sie Überschwemmungen verursacht 
und Geschiebe mit sich führt B uE. Wenn d' Emme* 



255 



Man, men, min, mon, tnnti 



256 



recht gross chunntf so säge* de** 6C Lüt : der E. chunnt 1 
aber BLimpach. — .Kggiwir, Ortschaft beim Zsflnss des 
Rötenbaches und der Emme. 

Güeter-Fuerme": Frachtfahrmann „B; L;** Z. 
Sein Leben geschildert bei JDcnnler 1817, S. 198. — 
Höchster- = Höchster Bd II 981. Z>' Zuschg [Sunt, 
Warenniederlage], wo d' H-fuermenne* d" Wägen %*- 
gestellt hind. Schwzd. (GaMai.). — Chacheli-, Gha- 
chelg* schirr- : Fuhrmann mit Töpferwaren, spec. „einer, 
der aus der Ferne [oft aus dem Elsass] her, meist 
mit seiner ganzen Familie, zu den grossen Töpfereien 
im Heiniberg bei Thun fährt" B. Typus der Roheit: 
,Er [ein ausgelassener Mann] redet manchmal Sachen, 
welche einem Kachelfuhrmann oder Schweinhändler 
übel anstehen würden.' Ootth. — Ländi- = Ein- 
Kärrler (Bd III 42S) Z. Vgl. Ländi- Jioss. — Mol- 
che"- = Alp-Füerer (Bd 1 983) GaChur, oHalbstein, 
Pr.; vgl. Tsch. 353. - Mordio-: Fuhrmann, der 
seine Zugtiere quält, sie unter Fluchen und mit 
Schlägen zu übermässigen Leistungen anstrengt S; Z. 

— Schwabe"-: Fuhrmann aus Württemberg, welcher 
vor der Erbauung der Eisenbahn über Eglisau Ge- 
treide nach Zürich führte Z. En Appitit ha* wie en 
Schw. — Stadt- = Äarref (am ötenbach) Bd III 427 
ZStdtf. Auch in ZWthur: ,Wenn der geschworen 
Stadtfuermann die notwendige Fuer nit fertigen könnte.* 
1695, Verordn. — Wi"-: Weinfuhrmann, allg. Spec, 
früher in ZStdt obrigkeitlicher Beamter, .der, wann 
Oberländer Wein kauften, die lären Fass zum Ver- 
käufer und von dannen voll widerum an die Schift- 
lände zu führen hatte.* Mem. Tig. 1742, 008. 

fuerme": aus dem Subst. gelegentlich zum Verb 
gestaltet im Kinderreim. En alier Ma**y en arme'' 
Ma**, Dir mues* na [noch] Fuerme* werde*, utid ivenn 
er nümme* /". cha**^ so muetf-er under rf' Erde* ZZoll. f 

Die volle Form wäre elg. fuermene*; vgl. auch lernen 
Bd III 1267. 

Fcrden-Mann = Verden Bd I 995. , Sammer botz 
fcrdenmans!* Aal 1549. — First-Männdli = F.- 
Joggeli (s. Jogg 4 a Bd III 20) Aa; vgl. Mann " d ß 
und Kochh. 18()7, 95 f. — Viert-Mann: \. ,Viertme*, 
quartus.* Id. B. — 2. = Vierer 1 Bd I 923. ,Dass N. 
do zue Schinznach ein vierdman wäre.' 1484, Aa 
Schenkenb. Arch. , Sodann werdent zwen v. g'setzt 
mit der meren band, die stSg, wgg, zun usw. söllent 
beschowen.* 1562, Esterm., Rick. — Fuess-: 1. Fuss- 
soldat. ,40 wolmögender f.' 1443, B (Gfo.). ,900 f. 
und 200 ze ross.* ebd. — 2. Teil eines Harnisches; s. 
Bd II 1610. — Fisch-: Fischer PAl. — G'vatter-: 
Benennung des Taufpaten von Seiten der Eltern des 
Kindes und des Vaters von Seite des Paten B; L; 
S; Z. Er ist min G., sagt z. B. der Vater von einem 
Freunde, der einem seiner Kinder Göiti ist. Er isch 
G. z* Hüstage*, wenn d' Geiss gilzlet, er hat keine Be- 
deutung S (Schild); vgl. G'ratter-LiU Bd III 1520. 

— Vetter- = Vetter, bes. in familiärer, gemütlicher 
Anrede an einen Verwandten Aa; Bs; Th; Z. Kinder- 
reim: Ich und du sind V-e*, wie-n-cn alti Chupfer- 
pfanne* Aa; ZO. Vettermannis machen die Kinder 
auf der Schlittenbahn, indem sie ihre Schlitten einen 
hinter den andern hängen TnFr. — Fäuzen-: Sg. 
zu Fäuzen-Lüt (Bd III 1520). Ein tobender Mann aus 
ZMaschw. wird ermahnt, Gott zu bitten usw. Ant- 
wort: ,Ä, Gott ist eins föizenmendli und die heiigen 
ouch; si habent nieraant nünz zue helfen.* um 1500, 



Z Staatsarch. — Flue-Mannli = Enzi-M. L. Die 
Fl. schiessen in den Flühen am Napf, wenn Bcgen 
eintreten will. Lux., Sag. 27. — , Flachs-Mann: der 
im flachs werket, linarius.* Frib.; Mal. Auch Ge- 
schlechtsname Z. 

Fri-: Scharfrichter. »Weilen durchgehends die 
Scharpfrichter und Wasenmeister als Freimänner an- 
gesehen worden, auch man niemals den Zehnden von 
dem zu einem Wasendienst gehörenden Land gefordert, 
so soll auch der dismalige Scharpfrichter gleiche Rechte 
geniessen.* 1765, Aar. Ratserk. ,Geörg Fleischer, dem 
Nachrichler zu AUkirch, und W. Vollmar, dem Wasen- 
meister zu Schöpfen, woraus erhellet, dassauch fremde 
Freimänner allhier Recht genommen haben.* Bs Chr. 
1779. ,I>er Freimann oder Exekutor zu Lauis.* 1780, 
Absch. .I)er Fr. J. Math. Vollmar zu Lauis.' 1781, ebd. 

So schon nihd., doch in erster Linie = Freier im Gegs. 
21] ,EigciimauD*, und aus diesem Begriffe, nicht (wie im XYIH. 
missverst&ndlich Angenommen wurde) aus dem der Freiheit 
von Abgaben, erwuchs die Red. ,Scharfricht4)r.* Am Land- 
gericht Sassen nämlich nur Freie und Einer aus Diesen voll- 
zog das Urteil. Die zünftigen Scharfrichter der spätem Zeit 
erbten dann allerdings von Amtswegen mit der Benennung 
auch die Privilegien des Freien. Im XVIIl. mosste die 
Freiheit, weil ihr Ursprung vergessen war, eben nenerdings 
sanktioniert werden. Mehr über den Fr. in dieser Bed. bei 
Schm. -Fromm. 1816. Auf die urspr. Bed. geht der Z 6e- 
schlecitt^u. (Frimc*) zurück. 

Freiheits-: Einer, der des Klosters Freiheit 
(s. B<1 1 1205) benutzt. ,Articul, die ein Fr. zu halten 
schuldig.* 1590, SohwE. Klosterarch. — , Frisch-, 
ein anderen zue beleidigen, alacer ut alteri noceat.' 
Mal. — Frösche"-, Frösche*hei*- : Verkäufer von 
Froschschenkeln /. - Gäbeli-: 1. scherzh., der 
Teufel GF., G., T.; Th; UwE.; ZO. Syn. d(f Tüfd 
mit der Ofe*gable*. Und hat -er nüd recht Hö*, se 
chunnt halt der G. und högglet-e* dei äbe* [in die 
Hölle] und 's wird-em, was-etn gehört. Stütz. Zu der 
argen Beschimpfung: ,Leck den gabelmann!* (um 1450, 
L blasphem.) ist an das angebliche Küssen des Teufels 
durch die Hexen zu erinnern. — 2. neckische Be- 
zeichnung der Toggenburger als Heugabelnmacher, 
auf die Zeit zurückgehend, da die Baumwollenindustrie 
dort noch nicht heimisch war. Gäbelima^ G., d* Togge*- 
burger müefid en Ise*han ha*! Z (Spottreim). — Gu- 
gel-: 1. Mann, welcher als Kopfbedeckung einen 
Gugel (Bd 11 155) trägt. Als Schreckgespenst haust 
ein solcher im Steinhölzli ob der sog. Nase, der Stadt 
ScH gegenüber, auf der Z Seite. ,Ä Samiklaus, du G.!* 
St Nikolaus mit der Bischofsmütze. JMabl. 1G74. — 
2. Geschlechtsn. Z, von dem Flurn. Gugel gebildet 
oder auch urspr. = 1. S. die Anm. zu Gugel Bd II 156. 

Güge«- (GlH.; GSa.; Nr>w; ZO.), Güger- (GW.), 
Güge*' (GA.), Gugger- (GWe.) Mandli, -Mändli, in 
GlM. und U. -3Ia**, PL -Manne*: 1. Feuerkröte, Sala- 
mander, Unke. In Gl Güge*-Ma** und G.-Wtb auch 
bildl., Eheleute, welche getrennt von einander leben. 
— 2. Güge*-Mannli, Gebäck, das eine männliche Figur 
darstellt ZKn. 

Syn. fiuffin-Mo!, -.Vö/i, woraus unser W. njit Anlehnung 
an Mann cntsti»]lt ist; die Übertragung auf die getrennten 
Ehpli'ute vom einsamen, nicht im Chore ertönenden Unkenruf, 
eher als vom Brauche, solchen Eheleuten ein Charivari zd 
bringen, zu g^ujen (Bd II 157). 

Gäggeli-Ma"" -ä- = Gägg IV 3 (Bd 11 168) Z. 
Nei*, luegcd aw^ de*' G. da im Rasierersli'tbli a*, wie-n-er 



257 



Man, men, min, iiion, man 



258 



»•* drM, wie-n-er «** dtuM, toü d* ScfUhr um swU Ore* 
juckt; er meint ganz sicherli*\ perse, es sei seho* um sin 
Chrage* g'scheh. Müll.» Jugendschr. — Gaug(g)el-, 
in ZO. Gäuggel-: Gaukler. 1. Possenreisser. De* G. 
(Gäuggeli-M. Th) mache*, den Hanswurst spielen Z. 
Beim Crrümpelsehiesset in BBurgd. wurde die Jagend 
darch einen G.. unterhalten, um sie vom Schiessplatz 
fern zu halten. ,Gouggelmann', die lustige Person im 
Schauspiel. 1533, Aar au Ratsprot. Die Tänzerin zum 
Narren : , Wolan, my n fryer gouggelmann ! ' Mauritiana 
1581. ,So wirstu auch ein Narren han und er an dir 
ein Gaukeini.' GGotth. 1619. ,Gaugelmann.* Joh.Mahl. 
1674. Vgl. Gauggler Bd II 171. — 2. possierliche 
Figur, Puppe, wie sie der Zeiger nach einem Zweck- 
schuss aufsteigen lässt Z ; ygl. Gauggler 3, Gauggüi- 
Mä L, Gäuggel'Mandli Z, am Schnürchen gezogene 
Figur als Kinderspielzeag; Syn. Bajass. Juhe, es 
Gaugelmänndli, i** g'seh-n^m scho* es Bei; in einem 
sog. Baderkram. Scuwzd. (Z). — 3. Heheniaschine, 
Flaschenzag Tu. Syn. Gauggd II 6 (Bd II 173). — 
GbU- = Göli'Ghrämer (Bd III 814) Gr. - Gülle"-: 
im Munde des Stadters der Bauer, welcher mit seinem 
GMen-Fass die Jauche aus der Stadt holt ZStdt — 
Gelte**-: seine Ware auf der Gasse ausrufender Gelten- 
verkäufer Aa ; Z. Büeffe* (Z), schreie; rumpüse* (Aa) 
wie-n-en G. — Gampi-: ein Spielzeug, bestehend aus 
einem etwa 2'* hohen, rund gedrechselten Uolzmänn- 
chen, welches statt auf Füssen auf zwei Metallspitzen 
steht Am Bande des Tisches wird dasselbe durch 
einen vom Bauche ausgebenden, sichelförmigen Draht, 
der unten in eine Bleikugel endigt, ins labile Gleich- 
gewicht gebracht und durch einen Stoss in regel- 
mässige, lang andauernde Bewegungen (zum Gampen) 
versetzt ZBauma. — Gänggeli- = Gän<7(/e^ (Bd II 
364) ThHw. 

Gänsen-: verächtlich für Gäusehändler oder eher 
= Gänserich? ,Du hast vor geschrauen laut und auch 
verkauft die Bärenhaut, do du ihn noch hast nienen 
g'han. Lueg, was bist für ein G.!' MtrioIub 1630. 
— Oänn'Mann = Gäuserich aach schw&b. 

Garte"-: Gärtner im Kinderspiel. S. Garten 1 
BdII433. — Wingert-: Weingärtner, Winzer GRHe. 
Auch 1668, Z Ofeninschr. ; vgl. Wingart-JM. — G i s 1 i - 
= Glsd-JB risser 2 (Bd I 1325) S. — Götti-: 1. Pate, 
im Munde der Eltern des Patenkindes B; s. Gotth., 
Gcldst 315. — 2. der Vater des Täuflings am Tauf- 
feste B (Zyro); vgl. G'wUter-Mann — Gütterli-: 
= GüUerler (Bd II 535) B; Z. S. gumpen Bd II 312. 

Guet-: 1. Lebemann, hon vivant; vgl. Mann 1 c. 
.Die epikureischen seuw sagend : Lassend uns g. sein, 
fressen, saufen.* LLav. 1582. — 2. Geschlechtsn. Z. 
Guet(e^Jmä**shüs, Hof in FSs., der seinen Namen von 
der Guttätigkeit eines Besitzers erhalten haben soll, 
der die auf rauhen Pfaden herübergekommenen Sim- 
mentaler und Saanenländer gastfreundlich aufgenom- 
men habe. Daher die KA.: Z' G. ist der Tösch [Tisch] 
för alli Lüt 'deckte^. Nach anderer Tradition war es 
ein Einsiedler, der die Gegend, bes. die Herden, vor 
bösartigen Einflüssen schützte. ,St G.* in Z vor der 
Reformation Patron der Schneider. — guet-männlig: 
leutselig GaPr. 

Güeter-: Landwirt ScuSt. En G. «ö«-«** chönne' 
7 Jar hinder e* ESbe* verberge*, 

Gatze- (auch Gatzi-), Dim. Gatze-Mannli: grosser 
Muff der weiblichen Bevölkerung auf dem I^ande F f. 

Schweiz. Idiotikou IV 



Syn. Sehlauf, M%* G. lat d' Här gä*; d* Schabe* «•- 

mer drl* ehö*. — Aus frz. cache-maint waadtl. oatzc-tnan, 
mit AnlohDung an Mann; vgl. Bmeli-M. 

GleUti-: mit Tuch überzogenes, etwa manns- 
langes Plättebrett Aa; Bs; Syn. Gletti-Brett. 

Gruebe**-: „Jener, der die Hausjauche zur Dün- 
gung seiner Felder abholt G." Syn. Güllen-M. 

Id Ap auch als Geschlechtsn., womit abor viell. oher 
,der an der Grube Wohnende* gemeint ist. Syn. Orueber. 

Greä' = Greding (Bd II 705); s. er-getzen (Bd II 
574). Verallgemeinert: zu gewissen Festzeiton an 
Dienstleute abgegebener Lohn, Geschenk übh. ,Ein 
käller am g'stift gibt dem weibel zue Schwamendingen 
die gredman am helgen abend zue wienacht an brot 2, 
an wyn 1 köpf, an gelt 1 ß 8 hlr.* XVI., Hotz, Schw. 
,Dem Weibel zu Wienacht an Gr. Brot 3, an Gr. Wyn 
1 Kopf.* 1(549, ebd. — Aus .Grodmi*''" mit Anlehnung an 
das in Gebäcknamen so häufig verwendete Mann. 

, Grafschaft-: der in einer vogtei sitzt, der ander 
einem vogt oder bevogtet ist, provincialis.' Mal. — 
Graffel-Manndli = Graffei 3 BHa. - Gröggel- 
Mannli = Gröggel Bd II 728. Es söttigs Gr. sott 
schwige* vo* Schwächt, sollte nicht Andern Schwäche 
vorwerfen. Schwz. Dorfkal. 1860. — Grisen-Mann: 
Greis. S. gr%s Bd II 799, Anm. Als Geschlechtsn. um 
1330, Z Stiftsurb. — Gross-: Grosstuer; vgl. Gross- 
Hans, ,Es ist begegnet gar Manchem, der bei wäreu- 
dem Friden Grossmann syn und nicht den Kämmen 
haben wollen, dass er ihm förchte.* JJBreit. 1042. 
Auch Geschlechtsn., gespr. Grös(s)me* Aa; Schw; Z. 
— Grätti-: Gebäck für Kinder in Gestalt eines 
Mannes mit gespreizten Beinen Bs. Syn. Gritti-Benz. 
Auch ähnlich gefonute Holzfigur als Spielzeug, ebd. 
8. auch Grätti, — Haber-Männdli: kleines Gebet- 
buch in Sedezformat, benannt nach dem Verfasser Joli. 
Habermann f 1^90, beim Volke bis heute beliebt Z. 
,Die Mutter betete den Abendsegen aus dem H.* JSenn. 
Spottweise, ein Spiel Karten GaPr. ; Syn. Bett-Büechli. 

Hübsch-Mann: 1. Buhle, Ehebrecher. , Wer seine 
Frau an seiner Unehre findet und er tötet sie oder 
den H. oder Beide, soll 18 Heller auf den Leichnam 
legen und damit unschuldig sein.* 1398, Z Ges. (nach 
Joh.v.Müller). ,Hübschmann, amasius.' XV., G Voka- 
bular. ,0b sich begSbe, das* der eeman dewäders lyblos 
täte uf der tat und darnach frid an sy erfordert wurde, 
so söllent sy alle, es syg der eemann, die frow oder 
der hüpschmann, schuldig syn, frid ze g6ben und ze 
halten.* 1578, Z Ratserk. — 2. = hübscher Mann; s. 
hübsch 4 Bd II 965. Dazu: ,Swele' burger dehein 
brutlouf hat, gibt der deheim hübschen man [Gaukler] 
mä denne zwene gygern und zwein toibern und an 
das zwein hübsch mannen essen oder trinken oder git 
er deheim me, so git er von ieglichem 1 mark silbers.' 
um 1300, L ä. Ratsbüchl. 

Zu 1 vgl. frz. galant-honime, zu 2 maiire de pUtUir, I)ass 
das W. Compositum war und ein Gewerbe bezeichnete, be- 
weist auch der Geschlechtsn. ,HUbschmann.* 

Hechel-: Hanf- oder Flachshechler. ,Den Heehel- 
mannen von Wengi aus dem Turgau von 25 Pfund 
Reisten zu hechlen 25 ß.* 1670, Zubers Tagb. ,Hechcl- 
mannen, deren drei, täglich 1 Mass Wein sammentlich 
und V" Bissen Käs.' XVII., AAMuri Gesindeordn. 
,N. N., der H.* XVIII., Bs Stdt, oft unter den Bürgor- 
aufnahmen. *-Heide"-Manndli: mythisches Wesen 

17 



259 



Mftn, men, min, mon, man 



260 



der Vorzeit UwGisw. Syn. Wüd-Mannli, S. Ltit., 
Sagen 480. — Hudel-Mann Bs; B, Hudle*- GlH., 
Hudiii' Ndw: 1. Lompensammler Bs; Gl. — 2, der 
,Wild-Mann* an der Älplerkirch weih Ndw; vgl. Hudet- 
Wib. — 3. Lump B; ZO. Wenn Eine cUli Hand- 
werch cha**, so gtH-er e'letst en H, B. — Häfeli-: 
Hausierer mit kleiner Töpferware. Im Kinderreim: 
H., Beckelima**, d's Häfeli mutss es Deckdi ha: 
ScBwzD. (Gl). — Hage"-: der Halter des Zuchtstiers 
(Hage*) Tii; ZSth. — Hoger-: 1. Mann mit einem 
Höcker ScHW; Z. — 2. Hoger-Mändli = Högerli (s. JBTo- 
ger 6 Bd II 1080) Za. I« d* H. gö\ sie pflücken gehen. 
■— Hugel-Ma"", -Männdli: Nachtkäuzehen Bs. 

Hägge"-Ma"", hezw. Högge*-: Hakemnann. 
1. Wassermann, Nix, vorgestellt als alter Mann mit 
langem Bart usw., welcher in allerlei Gewässern haust 
und mit seinem langen Haken die zu nahe Tretenden 
in die Tiefe zieht. Hauptsächlich Schreckgespenst zur 
Warnung an Kinder. »Tridentifer quo infantes terren- 
tur ne nimis aquae appropinquent.* Id. B. Heb Sorg, 
nimm-di^^ in Acht! Der H. nimmt di^^! oder: Gang 
nüd z'näch zum Se (Giüle*loch, Gumpe*, Bach) ztte, 
sust nimmt'di<^^ der H,! Aa; Bs; B; Gl; G; Sch; Tu; 
Obw; Z. S. Bach-Hdggel Bd II 1097 und lussen Bd HI 
1455. Chinde*, göm-mer [geht mir] niid zum Weier, 
's nimmt 'i [euch] sust de" H.; tüf im Wasser hockt 
er stille; Mt en toite* Mantel a». KdMey. 1860. De»" 
H. im Oberblegise vrird-en bim Bei* g'nu» hä* Gl 
(Kohlrusch 237). ,An Hakenmann und Bölimann glau- 
ben wie die Kinder.* Gottu. Mer [man] het [in der 
Jugendzeit] nit Chummer brücfie* z' hä* vor Landvogt, 
Oberg'richte*; der Bölima*; der H. Iiet Alles wiisse* 
z* schlichte; Ott 1864. ,Man zecht bis in die Nacht 
hinein, gar Mancher geht auf dem Heimweg kreuz 
und quer, bis ihn der schlaue H. in Bach hinunter 
ziehen kann.* Dietschi 1844. In BBiel ein hagerer, 
grosser Geist in Mannsgestalt, der die auf dem Heu- 
boden spielenden Kinder mit einem langen Haken 
herunterzieht und raubt: Gang -mer nit uf d* Büni, 
süsch nimmt -di"^ der H,! In Z um üster Höggeli- 
Mä*; ein Gespenst im Kornacker, mit welchem man 
die Kinder vom Betreten des Letztern abschreckt. 
„Eine Art Totengerippe als eines verpersönlichten 
Wesens L"; vgl. den ,Sensenmann.* — 2. Geizhals; 
„niederträchtig geiziger, zanksüchtiger Mensch" Gl. 

— 3. gemeiner Milizsoldat, oft in geringschätzigem S. 
Bf; vgl. vRodt 1831, 64. — 4. Hägge*manne* = Halde*- 
Chrüt (Bd m 894) ZS. 

Zu 1. Über deu Wassernix vgl. Gr. Myth. 275. 462. 
486; Kohl, Alpenr. III 334. Bod. 2 zum Vb hagtjen 4 (Bd II 
1096). Bed. 3 nach B Taschenb. 1862, 41 eig. spöttische 
Bezeichnung der nicht mehr im Auszug beflndlichcn, mit den 
alten Hakenbüchsen bewaffneten Mannschaft, während, seit 
der I. Hälfte des XYII., der Auszug Musketen trug. Bed. 4 
eine Übertragung von 1, weil diese Wassorschlingpflanzen 
den Schwimmer, wenn er sich darein verwickelt, in die 
Tiefe ziehen. 

Holli-: Schreckgestalt für Kinder Bs. Syn. BöH-M. 

— Zu koUen. pochen (Bd II 1157) ; vgl. auch Holleho. ebd. 859. 

Hold- Holl- = Holder I (Bd U 1183) PAl. 

Wachholder- = Elggermann TnTäg. 
So benannt wegen der an Stelle der Augen, oft auch des 
Nabels, eingestockten Wachholderbeeren. 

G'hilf-(ScH¥rMa.), G'hüfs- (L), G'Ät«/*- (SohwE.; 
S; Th; Z) me*: Gehilfe, z.B. eines Zahnarzts, in einer 



Apotheke. — Helge»- Bs, Helgeli- ZS. f: Verkäufer 
von Helgen 1 (Bd II 1199). In ZS. waren es bis um 
1860 arme Vaganten, welche Kindern gegen Glas- 
scherben, altes Eisen, Lumpen und Knochen ,He]gen' 
und sog. ,Men8chenhäute* austauschten. Der U. lauft 
der Mamme* noh und seit: Scheni Madam, kaufe* si 
doch die empfindsami Historie vo* der heilige^ Geno- 
vefa. ScuwzD. (Bs). 

Holz-: 1. Pl.J3(rfjerwawM?-ZZoll., Holzfäller G Sa. ; 
Z. — 2. Holzlieferant, -Verkäufer. »Meister Uolrich, 
der h. von Lou£fen.* 1386, Bs Rq. ,Kein H. oder Holz- 
führer soll das Holz in höhern Preis bringen [als die 
obrigkeitliche Taxe].' Z Ges. 1757. -- 3. im Kinder- 
spiel = schwarze^ Mä** ScHwMa. 

8 wohl eig. Gespenst aus dem Wald; ,Hulz, Wald* ist 
viel]. Sinnbild der Unterwelt; vgl. Mann Q a, mhd. tcalt- 
»Min, Waldgeist, Satyr, nhd. ,Waldmuhme.* 

Züudhölzli-: Hausierer mit Zündhölzchen Z. 
— Hung- = Imben-M. 2, — Han8el(i)-, Hänscli-: 
eig. Träger des Namens Hans (Bd II 1468), in ver- 
schiedener Anwendung und Übertragung. 1. als Vorn. 
,Hanselm.* 1520, ZÜet; 1521, ZStdt; 1524, BThun; 
,Hansenm.* 1525/1600, ZHinw. (auch ,Hansam.'); ,Han- 
senmändli.* 1539, Abscu. (Th); 1598, ZZoll. Jetzt noeh 
als gemütliche Anrede an einen Knaben Namens Hans, 
wie Heirima** für Heinrich; daher der Kinderreim: 
(Der) Hanselima** hat Hösüi a*, (hott) 's Degdi uf 
der Site*, hat 's Boss verchauft, hat 's €HUd versauft 
(verspilt ScHw; ZO.), iez chann^-er nümme* rite* Bs; L; 
ScHW; S; Z. H. häd Hosen a*, hind und vor es SchHleli 
dra* ZReg. H, hat Dreck am Bä*, hinnen und vorne* 
Bölleli drä* ThHw. I«* wett nit d'r Hanselma** singe*, 
ich möchte mir nicht die geringste Mühe geben mit 
der fraglichen Sache S ; vgl. Hans (Bd II 1469 u.). Im 
Kinderrätsel für deu Pflug bezeichnet der Name den 
Bauer als Pflughalter: Zweu rundi Bunddi [Räder], 
zweu g'hörigi Zunddi [Ochsen], Hansima^* ist hinde* 
dra*, ^ass 's Niemer wol errötet cha** S. — 2. ein 
Backwerk für Kinder, Lebkuchen in Form eines Man- 
nes mit gespreizten Beinen, Rock und Hut L (Han- 
seli'J; S (Hansel-M,). Syn. Grätti-M. Bring-ne* öpjten 
e* H.; i** wül-der n<f^ dürri Ghirsi und Zwätschge* 
derzue ge* und g'spasswis Öppis e* chli* us-^em Chämmi* 
und säg-ne*, der St Nildaus heb-nes g* schickt! BWyss 
1863. Auch eine Drahtpuppe S. — 3. Hansdi-M,, 
Maskierter = Hans 3 b Üw. — 4. Hänsdi-M, = Bib- 
Hansel (Bd II 1473) ScuSt.; TuTäg. Er schneidet 
den Kindern die Hand ab, wenn sie nach Trauben 
greifen wollen. 

Heinz-: Koseform des Namens Heinrich (s. Bd II 
1313). ,H. Lüdin, der fassbinde.» 1368, Bs Urk. ,H. 
von Silinen.' 1431, W. ,11. am Grund.' 1572, W. 
S. noch Henz Bd II 1477. 

Auch ,Uoinzel-M.' kunimt vor als Geschlecbtsn. BsL. ; 
,Hanzel-M.^ welches Käfig als Geföngniss od. Drille (Druhkorb) 
als Strafniittel bedeutet haben muss (,lu schwereren Fällen 
wurden die Vorgeladenen auf dem Ratliause in den Hantzel- 
mann gesetzt oder getürmt.' um 1700, ZKgl. It Wild 1883), 
damit zu vereinigen, hätte keine begriffliche, wohl aber laut- 
liche Schwierigkeit. Zu dieser ev. appell. Verwendung wären 
die ebf. auf den Personennamen ,Heinrich' zurückgehenden 
Heime (Bd II 1477) für Holzgestoll und ,Stifelheinzer für 
,Stiefelknecht' bei Schm.-Fr., bei Gr. WB. 4 b, 890 ,Qeinz\ 
Wasserhebemaschine, zu vergleichen. 

Haupt- Hoptme* (PL Höptme* und Hoptlüt) Ap, 
Hopme* oTh, sonst Haupme*, Dim. (verächtlich) Häup- 



201 



Mftii« meti, min, mon, mml 



262 



meli, Höpimdi: 1. beim Militär, Anführer einer Kom- 
pagnie, allg., früher eines Fähnleins. «Jedes Fähnlein 
hatte einen H. nnd einen Yenner, alle Fähnlein stun- 
den unter dem Panner der Stadt; der H. beim Panner 
war des Zugs oberster Feldhauptmann, der Panner- 
herr der zweite im Range.*' Seo., RG. II 417; s. auch 
yRodt 1831, 163. ,H. Niclaus, als er zum ersten mal 
ein halben h. was*, d. h. ein halbes Fähnlein befehligte. 
1563, Obw Staatsprot. ,H. über das grosse Geschütz', 
Chef der gesammten Artillerie. 1528/89, B (vRodt 1831 
II 174). ,Bei jedem Regiment war der Oberst auch 
H. des ersten Fähnleins, das alsdann der Lieutenant 
befehligte.* XVII., B (ebd. 185). — *2. (auch Q'meind- 
H.) einer der zwei ersten Vorgesetzten einer Gemeinde 
oder Rhode, wovon der eine der regierig [regierende], 
der andere, meist dessen Stellvertreter, der stillstent 
[stillstehende, qniescierende] H. heisst Ap. Emm de" 
H. sMdce^, bei einer Injurienklage Einen durch den 
H. zur Rede stellen lassen. Etwas hönder de* H, legge*, 
zur Sicherheit beim Ortsvorstand deponieren. Sie sind 
zugleich Mitglieder des grossen Rates; vgl. H-s-Ge- 
meind, ,Der ammann und der hoptmann und ge- 
mein lantlüt ze Appenzell.* 1404, Ap (Zellw. Urk.). 
Klage von sieben Gemeinden in G: ,Der Abt setze 
jeder Gemeinde (gegni) einen H. nach seinem Gefallen, 
während früher jede selbst den H. gewählt habe.' 1525, 
Abscr. ,Wenn Landesbeamtete, wie früher, dem Go- 
meindrate beiwohnten, so hiess er Amt-, Hauptleut 
und Räte. Hauptmanns- oder Rodsgemeind.' LZellw. 
an Leu 1720; vgl. noch Seg., RG. I 141. Über die 
wahrscheinliche Entwicklung der bürgerlichen Würde 
aus der militärischen vgl. Lands-Fänner Bd I 832. 
— 3. der Vorzüglichste, gleichsam der Führer unter 
Vielen, in Etw. Uw; Z. Das ist der Hautmen under- 
ne*; er eha** 's am beste* Ndw. So in ApI. die statt- 
lichste Ziege der Horde; Syn. Fuer-Geiss; Land- 
Ami¥iann; Fänner. 

Von &Itern Schreibangen seien noch notiert: ,Hoptnia.* 
1500, Absch. ,Hötmon.* B (wohltAt Jüngl. 1780). Zum 
ersten Bestandteil s. Haupt Bd II 1495. 

Vier-Orten-, auch Lands-H.: bevollmächtigter 
Gewalthaber der vier Schirmorte Z; L; Sciiw und Gl 
Über die sämmtlichen Landschaften des Abts von G, 
mit zweijähriger Amtsdauer und Sitz zu Wyl; vgl. 
Leu, Lex. VIII, 118. Syn. ,der Schirmorten H.* — 
Für-: Kommandant der Feuerwehr, Vorgesetzter über 
das Loschwesen einer Gemeinde TiiHw.; Z. Jetzt noch 
als Zuname von Familiennamen ZS. ,I)ie von Bülach 
schicktend [bei einer Feuersbrunst] iren fürhoptmann 
mit etlich 20 mannen gen Winterthur.* JMal. 1593. 
Scherzh. für Hebamme ZO. — Frei-: Hauptmann 
einer Freikompagnie (Bd III 306). ,Fr., capitaneus 
s. centurio selectae cohortis.' TuSpibsrr 171G. — 
Läubli-: wer am Silvester zuerst auf den Abort 
(Läuhli) geht Ap. Vgl. die Zssen mit -Fuchs. — 
Lands-: 1. der von der Landsgemeindo gewählte 
zweitletzte Staatsbeamte, einer vor, der andere hinter 
der Sitter ApA. In ApI. der dem Seckelmeister fol- 
gende, einzige Landesbeamte dieses Namens (T.); vgl. 
LandS'Fänneri Bil I 832. Früher auch das Landes- 
oberhaupt von W; frz. haillif. — 2. Kriegsoberster 
über die gesammte Streitmacht von U (Leu, Lex. XVIII 
756). — Fürleite re"-: Führer des Leiternkorps bei 
der Löschmannschaft ZStdtf. ,Zimracrmei8ter, wel- 
cher zu einem Feuer-Leitcren-Haubtmann verordnet 



ist' Z Sturmordn. 1772. -- S ch^ fW fSehüflis-JLOte*-, 
Schuf d-Pure*-: Befehlshaber der Pioniere. 1533/88, B 
(vRodt 1831, II 143). — Panner-: Hauptmann ,zur 
Panner' ; vgl. Haupt-mann 1, ,Der P. und sein Venner 
(Pannerträger), Chargen nach dem obersten Anführer 
(Oberst-Hauptmann) und seinem Venner beim Auszug.' 
Bf bis um 1590 (vRodt 1881 I 114 und II 168). 

Quartier- H.: vom Landvogt ernannter Beamter 
über eines der vier äussern und vier innern Quartiere, 
in welche die Landschaft Th eingeteilt war; Oberauf- 
seher über die ,Kriegs-Ordnungen', etwa entsprechend 
dem heutigen ,Bezirks- Kommandant'; vgL Simmler, 
Reg. 1722, 687. Ebenso waren Stadt und Landschaft 
Z in 20 Quartiere mit einem Q. eingeteilt Lbü, Lex. 
XX 439. Vgl. Q,-Herr, 

Die Einteilong in «Quartiere* geht anf die st&dtische Or- 
ganisation zu militärischen, bes. aber Löschzwecken zurück. 

Senne^-H.: neben Sennen- Fänderi, •Ammen und 
'Pfliger eines der Ehrenämter an der Sennenchilbi LW. 
(Schwzd. 42, 10 f.). — Schanzen-: Befehlshaber der 
,Schanzgraber', wie seit 1588 in B die vorher ,Schuflis- 
lüt' genannten Pioniere geheissen wurden. vRodt 1831, 
II 144. — (Büchsen-)Schützen-: Anführer der ver- 
einigten Schützen des , Auszuges' Bf; vgl. Schützen- 
Meister und s. vRodt 1831, 120. — Spiessen-: der 
Hauptmann über die Spiessträger im Gegs. zum ,He]l- 
parten-H.' Früher allg. (s. vRodt 1831 I 123, II 179, 
wonach es in B 1533 deren 3, 1560 und 1598 aber 
nur 1, doch mit einem Lieutenant, gab). ,N. N., 
Spiessenh.* 1638, ZZolL Taufb. — Stuck-: früher 
Befehlshaber der Artillerie B; ü; vgL Züg-Herr Bd II 
1549. — Stadt-: Befehlshaber der Stadtwache. XVIII., 
Z. S. Leu, Lex. XX, 439. — Trossen-: Hauptmann 
des Trosses, Fuhrwesens, Trainkommandant, seit 1580, 
B. S. Val.Friderich 1619, 32. 73 und vRodt 1831 II 
181. — Wiber-s. Wiber-Mäl. ^ Wagen-: Befehls- 
haber über die Wagen, den Tross eines Regiments. 
XVIII., Z. Der ,Ober-W.' war als solcher Beisitzer 
des Kriegsrates; s. Leu, Lex. XX 434. — Zehn den-: 
vormals Vorsteher eines der sieben ,Zehnden' oder 
Landesbezirke im oW. 

haupt-männele" höptmele* : den Hauptmann 
spielen ; spec. von Ratsherren : Lust zur Hauptmanns- 
stelle verraten Ap; vgl. landämmden. — haupt- 
männisch: adv. verstärkend, sehr. H, brav Bs. 
Syn. hauptendisch, 

Här-Manndli: Alpenwindröschen, an. alp. BHa. 

Der Name bezieht sich anf die ans haarfthnlichen Fasern 
bestehende Blttte; vgl. Mann 1 c, fSehüder-M., Wald-M. 4 b, 
Siden-Ifuet, Tu/ds-Bart. Durh. schreibt ,H.-Manteli.' 

Herrschaft -Mann: Angehöriger einer Herr- 
schaft; vgl. Ämt-M. 3, ,Dass ein jeder H. [der Herr- 
schaft Wädensweil] befüegt syn sollte, in die Statt 
zu ziehen.' 1646, Z Staatsarch. (,Burgrecht der Herr- 
schaft Wädischwyl mit der Statt Z*). — Heiri-: 
Heinrich als Koseform und meist nur in traulicher 
Anrede; oft in der Reimformel: H» hat Hosen a* Z. 
Vgl. Hansd-M. und Hosen- M, 2. — Hori-: Vater 
des Täuflings B. Syn. Chindbetti-M. Zu Hort = Hörn; 
vgl. Bd II 1618 (4 k). — Hurrli-Mä-, -Jtfannd/t 
= Hurrli-Chnopf (Bd III 751) Aa (Rochh.). Vgl. 
Hurrli-Bueb. — Harnisch-Mann: vormals Krieger, 
der einen Harnisch trug. In späterer Zeit, als die 
Harnische beim Heer mehr und mehr ausser Obung 
kamen, dienten solche bei Umzügen als Dekoration. 



263 



Mftn, metif min, mon, mtin 



264 



So seit 1713 in LStdt beim Fritschiamzng einige 
,H.-mannen* als Erinnerung an die vormalige mit der 
Harnischschan verbundene und nun durch den Fritschi- 
umzug ersetzte militärische Feier des ,Landsknechten- 
umzugs.* Liebenau 1881, 242. ,Pall8 etwa erwachsene 
Knaben sich in den Waffen üben wollten, so wollen 
wir ihnen nach Pfingsten Umzüge erlauben, wobei 
alle Harnischmänner und alles Schiessen ausser der 
Ordnung verboten sein solle.* Bs Ref.-Ordn. 1765/68. 
So auch beim ,Aufritt* des ,äussern Stands* im alten 
H im XVII. und XVIIL, wobei nur der ,Rat' und 12 
, Hurger* als ,H-en* zu erscheinen hatten; vgl. B Neuj. 
1858, 17/8. Hölzerne Puppe oder Figur als Träger eines 
Harnisches in Zeughäusern usw. B; Z. Der grüas 
[grosse] Harnischmändel [am Zeitglockenturm in BStdt] 
BGr.; s. Christophel Bd III 869. ,Harni8chmännchen* 
neben Vögeln, Putten als ornamentaler Schmuck gemalt 
um die Fenster an der Aussenseite eines Hauses LStdt 
(Liebenau 133). — Hörndli-Ma»» = öä6cK-3f. i L; 
GF., G.; S. Wenn doch cUf H, die frönde^ Wörter 
hoJe^ tcür^, G Kai. 1891. Das üch Alls so voddli'^ 
'gange*, dass der Muller hätt chönne" glaube*, der H. 
sig hinger si g'röte*, BWyss 1863. S. noch Runggdis- 
Hafen (Bd II 1016) und Hom 6 (Bd II 1619). — 
— Harpfe"-: wandernder Harfenspieler Z f. Wie 's 
g'heisst i" dem Lied, wo de H. g'sunge* hat. Stütz. 
Hose»-: 1. bei der Armbrustschützengesellschaft 
in BThun Derjenige, der die meisten Treffer hatte; 
der erste Preisschütze; vgl. Äschlim., Chr. von Burgd., 
12. So vormals auch in aScnw und in U. War Einer 
im Stich der Erste, so rief man: //./ oder: er ist hütt 
Ji. [Schützenkönig] aSciiw; ü. S. noch (Herren-) 
Hosen-GHd Bd 11 250. — 2. (scherzh.) hosentragender, 
dem Flügelkleid entwachsener Knabe S; Z; s. Hösi 
M II 1699 und vgl. Heiri-M. — 3. Hösdi-Mä, cha- 
raktcrsch wacher Mann , Achselträger U. Syn. HöselerS. 
Si sölled-mer nW [zum Handgemenge] c/tö", trenn »* 
Ö^ipis sind, die Hose^manddi. MLienert 1888. - Zu 

Bod. 1 vgl. Hmi-n 2 c (Bd II 1690). 

Hüs-, in B; S auch G'hüs-, in S B*hüs-Mä, -me: 
1. Hausmieter, Einer, der in einer gemieteten Wohnung 
wohnt B; ZO.; vgl. Hüs-Lüt. Syn. Hüseler. ,Sein Kei- 
met war sein grösster Stolz und von Jedem, der keines 
hatte, sagte er mitleidig: Er isch umme* e* G^üsme*, 
er isdi umme* z* Hüs.' Gotth. ,Still gieng's zu auf der 
Zeughauswache, welche hauptsächlich aus schittern 
[gebrechlichen] Hausmannlene bestand.* ebd. ,Der 
Bauer will seinem (Thüsma höchstens ein Eggeli Land 
geben, und soll ihm noch einen schweren Hauszins 
abwerfen.* B Wochenblatt 1847. Er isch en armer 
Oliüsma g'st; Schlapper 1851. Auch als Titel und 
Anrede und zwar auch von Seite dritter Personen B. 
,l)er hett ein hussmä drin [im Hause] g'han.* 1540/73, 
UMey., Chr. .Hausmann, Beiwoner, inquilinus, in- 
habitator.* Red. 1662. ,Nemmet die liebe Gottsforcht 
an euch, losieret disen Gast in euer Haus, diser Haus- 
mann gibt dir den besten Zins.* FWvaa 1673. ,Der 
Verleiher kann den Besteher oder Hausmann nicht 
länger darin [in seinen Räumlichkeiten] haben.* XVIIL, 
Z Stdt- und Ld-R. — 2. als Correlat zum Vor., Haus- 
vermieter B (selten). S%* W^rchzüg ist scho* längst 
verpfändet dem strenge!^ G'hüsma für ''e" Zeis. Ott 
1864. — 3. Verwalter eines (Gottes-) Hauses. ,l)er- 
jenig husm., welchem das obgemelt schwösterhus in- 
gSben [verliehen].' 1596, AaZ. Stiftsarch.; ygl GoUs- 



hüS'Mann 2, — 4. Hauswirt, der seinem Hause wohl 
vorsteht Bs; BHk., „wirtschaftlicher Mann mit oder 
ohne eigenes Haus und Land L*", oeconomus BHa. 
(Id. B). Vgl. H.'Frau (Bd I 1246). Er war sust eso 
brav und so-ne* richtsdiaffener Hüsma**. Breitenst. 
En jede Bür ond Hü^a** chonnt in Sdmden ine*, 
wo si [die Strasse] döre* channi, Ap Kai. 1847. — 
5. Einer, der spart (hüset), sparsamer Mann Sch; Z. 
Wie ist Das nid en Hüsmä** g*sl* vor Z%te*, jetz h(it 
er bald keis Hüsrotli wc*". Stütz. - 6. Hüs-Mannen 
= H.'Lüt 2 (Bd III 1521). Man sah sie häufig mit 
einem Knotenstock in der Hand und der Tabakspfeife 
im Mund; so in einem Trachtenbuch aus dem Anf. 
•les XIX. — Hüsmeni": Haushälterin ScdwE. Zum 
Schrödce* vo» der alte*, u*wirsche* H. [kam ein Bettel- 
kind in das vornehme Haus]. MLienert 1891. 

Was NMan. (,Der fromm arm krank hQsmann.*) unter 
dorn W. Ycrstoht, I&sst sich nicht mit Bestimmtheit mgon. 

Gottshüs-: 1. Sg. zu Gottshus-Lüt Bd III 1521. 
,Es sond gotshuslüt gotshusgüeter inhaben, nutzen und 
niessen, und ob ein ungotshusman ein gotshusguet 
inngehebt kurz oder lang on gunst und willen eines 
herren und abts, mag ein jetlichcr g. [dasselbe] an- 
sprechen.* 1464, ZRhein. Offn. ,Wenn ein g. seinen 
herren verrat oder einen g. oder ein gotshuswib er- 
schlecht ze tot, des lyb und guet ist dem gotshus 
verfallen unz an des apts gnad.* 1582, üwE. — 2. „Be- 
amter, der für die Kirche, d. i. das Gottshaus, zu 
sorgen hat. In alten Luzerner Urkunden.** ,20 blap- 
hart sond an die spend gon und soll die der g. us- 
richten.* 1470, LE. Jahrzeitb. An anderer Stelle von 
gleicher Hand »Kilchmeier.* ,Der Spendmeister und 
der G. sollen das GemOess versuchen, damit es die 
Armen gut erhalten.' 1555, Aaraubr Ratserk. (Ölh.). 

— Ebben*-: Maskierter, auf dessen ganzem Gewand 
Epheu aufgenäht ist S (Schild). — Häxe°-Männli: 
Holunder-Männchen Bs. Syn. Häxe*'Wibli. 

Heiz- Mann = Heinz-M,, erhalten als Geschlechts- 
name Z. Appellativ gewendet: ,Der schwarz h.*, der 
Teufel. KoLRos 1532. 

Letzteres viell. mit Anspiolungr auf ,(die Hölle) heizen*; 
doch helsst der Teufel auch wirklich ,Heiuz(Ii).* 

Hotze"-: Schwarzwälder aus dem Oberamt Hauen- 
st<;in in alter Tracht; vgl. Hotz I (Bd II 1835). 

Chabis-: 1. wandernder Krautschneider, meist 
aus Vorarlberg und Tirol Z; Syn. Cfiabis-Sdinetzler, 

— 2. Nebenbuhler BG. (Nydegger 1890). - 2 eig. wer 
dem Andern in den ,Kohr (s. ChahiM), ins Gehege geht. 

Chacheli- B; LE., Chadüe*- Gk = ChacKler, — 
Lgbchueche"-: Lebkuchen in Form eines Mannes Bs. 
L-e* hanged am [Christ-] -Baum AaB. (Landesztg 1867). 
In Uw mit Abbildungen des h. Nikolaus und auf den 
S. Nikolaustag bereitet. Vor Altem hat der Gfüaus 
de* Chinde* dür^ Bire*, Nuss und Mutschli "brunge* 
und e* L,, e* linde*. Schwzd. (Gl). L-en und Leb- 
chuechenfrauen in B an Weihnachten, Silvester und 
Neujahr. »Stattliche L-en [auf der Messe] mit den 
grossen, steifen Zuckerfedern auf dem Dreispitz.* Mby.- 
Mer. 1854. — Chüechli-: Fastnachtkuchen in Form 
eines Mannes ZS. Vgl. Chüedüi- Maien. Kind aur 
.Mntter: Milcht es Hämpfli Teig denn [an der Fast- 
nacht] ha*, dass i*^* wider vhönnti forme* en famose* 
Ch. EScHÖNBNB. — Chüder-: 1. komische Person bei 
VolksaufzOgen (in B z. B. am Hirsmontag), ganz in 



265 



Man. men, min, mon, mun 



266 



Werg eingehüllt (vgl. Ebheuw-, Miesch-M.), bes. aber 
mit einem Barte von Werg B; S f. — 2. Ch.-Mannli 
a) kleiner Mann mit struppigem Bart Z. — b) ge- 
ringes, altes Bäuerlein B; S; auch mit dem Nbbegr. 
des erfahrenen, witzigen S. ,Ein klein, unscheinbar 
K., wir glauben, er trug noch Spitzhosen.' Gotth. 
,So ein alter Bartli, ein sechzigjährig K., hat gut reden.' 
ebd. S. noch ömwnce Bd II 744. ~ Chafel-Manndli: 
heftiger, vorlauter Schwätzer BHa. 

Chäfer-Ma"": Grenadier Z (scherzh.). 

So benannt, weil in den Spitzen der Frackschösse Ver- 
zierongen von rotem Tuch (Granaten) aofgcn&ht waren, welche 
einem Käfer fthnlich sahen. 

Chauf-: Käufer Gr; L; Schw; Uw. Er (si) ist 
zu Dem Chaifme^ Ndw. S. Hütten Bd II 1778, laufen 
Bd III 1120. - Für K. im schrifl^. S. ist beim Volk 
llandeUma^* üblich er, 

Chelle"-: Krämer, der mit hölzernen Kochlöffeln 
hausiert Z. Büeffe* wie-n-en Gh., laut rufen. — 
Chille"-: Mann, der, wegen Vergehens zu öffent- 
licher Kirchenbusse verurteilt, vor den ,Still8tand' 
gestellt worden ist ZKn.f -— Kund-: Einer, durch 
den man Kunde einzieht, Kundschafter, Gewährsmann. 
,Wir schickten einen k. üs um geleit.* 1460, Gpo. (Bs). 
,Also lutend die wort unsers kundmanns, der uns der 
handlung boricht hat.* 1530, Absoh. (B). — Charro"-: 
K vormals Verbrecher, der zu öffentlicher Arbeit in 
Fesseln, eig. zum Ziehen von Karren, verurteilt war Z. 
En ledere^ luegt-di*^ für en Gh. a*, wo erst us ^em 
ZudUhus cho* ist, Wolp, Bauerngespr. ,Die sog. 
Karrenmänner, davon einige ihre Ketten Tag und 
Nacht tragen müssen.* HBossh. 1810. — 2. ,ordinari 
Kärrlismann', Fuhrmann, der den Warenverkehr ver- 
mittelt und zwar zu bestimmten, regelmässigen Zeiten. 
B Mand. 1763. Vgl. Bännli-Karrer (Bd III 427). — 
Chürbse"-: ausgehöhlter Kürbis, an dessen Aussen- 
Seite ein menschliches Antlitz eingeschnitzt ist und 
der durch eine Kerze von innen erleuchtet wird. Die 
Knaben laufen Abends mit solchen herum, indem sie 
selbige über ihren Kopf halten, oder sie stellen sie 
in eine dunkle Ecke, um die Leute damit zu schrecken 
Tu; vgl. Bäben-Liecht, — Cherzli-: Spottname für 
einen Geistlichen. ,Mein Herrgottsfrösser, K., will Nüt 
tuen weder g'nustert [das Paternoster gebetet] han 
von einer Kirch zur andern; da tuet er Nüt dann 
blöderen.* JMahl. 1620. — Chäs-: Käsehändler, -Ver- 
käufer Z. Am läre* Stand [Bude] schmöcke* wie d^ 
Ch,, das Nachsehen haben. Sprww. 1869. ,I)ann konnte 
er [der verschmähte Freier] nach dem Markt am Stand 
schmöcken, wie der K.' JSenn 1854. , Käsmannen von 
Brienz husieron.* 1722, Scii Zun ftprot. -- Chette"-: 
in Ketten einhergehender und angeblich für den Los- 
kauf von Christensklaven Geld sammelnder Vagant. 
Absch. (It Sonntagspost 1869, 789); vgl. Mer-Mann, 
— Chatze*-: Mann, der mit einem Sack auf dem 
Rücken Katzen aufkauft, um deren Bälge zu ver- 
kaufen und das Fleisch zu essen Zf. — Chutze"-: 
Popanz, womit man die Kinder schreckt BRoggw. 
(Glur 1835). Syn. Nacht-Ghüz Bd 111 603. - .Klaf- 
fen-: der mit der klaffen [Klapper] das almuescn be- 
gärt, als die aussetzigen.* Mal. — Chlinge»-: Burg- 
wart auf Hohenklingen ob ScnSt. De*- GM, steckt en 
fflrige" Besen use\ zeigt durch ein Feuerzeichen eine 
Feuersbrunst an, die er gewahr worden (Dan.). Sind 
d" FrOehtoise* g'mäit, het 's alti Sprüchwort g'sdt, so 



leit der Glü. de** Ghriesichratten rt", d. h. es beginnt 
die Kirschenernte. Sülger. — Chnebel-: kurzer, 
dicker Mann GnPr. — Chrache"-Mannli: Mann, 
der wegen eines Meineides um einen Wald, »Krachen* 
gen., als Gespenst rumort GrL. (Jecklin 1874, 36). 

— Chraft-Ma"": zu erschliessen aus dem Vb chraft- 
männle*, seine Kraft in übermütiger Weise zeigen 
wollen, „das Kraftmännchen spielen BO.," Stdt; „LK.** 

— Chriegsme»: Söldner. En alte*- Ghr. ZS. ,G. 
Hauser, gen. Kriegsmann.* 1653, AAWett. Klosterarch. 

— Chrippeli-Maniili : 1. die kleinen Figuren, 
welche man zu den sog. Krippen braucht, die zu 
Weihnachten in den Häusern aufgestellt werden GA. 

— 2. übertr., kleines, altes Männchen mit breitem 
Hut und einem Stock in der Hand. ebd. 

Chris-: 1. komische Figur an den Hirsmontag- 
aufzügen in B, ähnlich dem Wild-Mannli an der Uw 
Älpler-Kirchweih. — 2. Übername der das Burgergut 
gegen kommunistische Gelüste verteidigenden Bürger 
B (1885). Syn. Gkris-Ast. 

Bed. 1 bezieht sich darauf, dass das Chr. ganz in Tann- 
reiser gehüllt ist, 2 darauf, dass das Bürgergnt hauptsAchlich 
in Brennholz und Reisig bestand. 

Chriesi-Ma"": mit Kirschsteinen gefüllter Sack 
als Bettwärmer Ap; GnPr. ; GA., Rh.; ScnwMa.; oZS. ; 
Syn. Stein- Sack. Vgl. Oluet-Hund. 

Bes. vom zartorn GcRchlecht gebraucht und daher wohl 
das W. urspr. mit scherzhafter AuBpielung gebildet; vgl. 
Münch. 

Chrätte"-: hausierender Korbhändler aus dem 
ZO. ; vgl. Ghellcn- Länder, Zeinen-Mann. — C h r ä z e " - : 
Träger einer Ghräse* Th; Z; ,dossuarius, gerulus.* 
Id. B. Im Bes. a) Glasträger oder Hausierer mit Ti- 
roler Holzgeschirr Aa. — b) Popanz für Kinder Aa; 
Tn. Der Ghr. isch einisdi chö*, hat l)ösi Ghitidli wolle' ; 
do folge* d' Ghind enander-nö''^ da muess-er d' Chräze" 
lär lo* stö* und öni d' Ghind si'* dröle*. Rochh. Ähn- 
lich der , Kinder-Mann* bei Gr. WB. — Lieber-: ein 
(dem Lehensherrn) vor Andern angenehmer und darum 
bevorzugter Mann. ,ünd soll der herr dem mann das 
guot nit beschwären noch nCmen, weder durch 1-s 
noch durch mcr zinscn willen noch nicncr umb.* 1432, 
TuFisch. Offn. ,Von dem guet nit trängen noch stoasen 
weder um mer zins noch 1-s willen.* 1518, Z Staats- 
arch. jAUdicweil die Lehenlcut die Güeler in guetcn 
Ehren halten, so sollent wir sy von disem Hof nit 
treiben weder umb Mehrzins noch L-s willen, sondern 
darby ohne Steigerung bleiben lassen.* 1670, Aa Urk. 
,Ihr Herren Regenten werdet auch änderst zun Sachen 
tuen müssen; die Parteilichkeit, die Menschenforcht, 
den L. nicht also bei euch regieren lassen.* FWyss 
1672. 

Libdig- ('pt'): Mann, der bei einer Familie um 
das ,Leibgedinge*, den .Altenteil', lebt Z. Syn. Ver- 
libdingeter. 

Läche^-Männli = Gügeti-M. 1 SOlt. — Uichen, 

PI. zu Lachen Bd III 1004. 

Loche"- (Bs; S), X«'cäc»- (GLÜbst.) Mä"°, Lerne* 
L; PAl. (-mä); Zg; Z: Lehenmann, Pächter (eines 
Bauerngutes). Wenn en L. nüd de* halb Nutze* häd, 
chann-er nüd b'stä* Z. 's gefallen Obs (was abe*falltj 
(fhört dem L. Vgl. Gotth. I 34. Auch scherzh. von 
irgend einem Geschäft, wo Etw. ,abfällt* oder man 
sich Etw. zueignen darf; ebenso: Was nibet use* 



267 



Man, men, min, mon, mnn 



iies 



(defnuSbtt) chunnt qsw. Z. Anch scherzh. beschönigend, 
wenn beim Messen, Essen usw. Etw. daneben föllt. 
Vgl. Hof'Meier, In der ä. Lit. oft noch i. S. v. Lehen- 
träger; dem Leheiisherrn zinspflichtiger Hofbauer. 
,l)hein leman soll dhcin guot von einander teilen on 
eins lehen herrn gunst und willen.' 1384 (bzw. Anf. 
XVI.), AaB. Stadtb. ,Der herbst wirt aus sein und der 
lehmann nit kommen [um den halben Ertrag oder den 
Zins abzugeben].* 1531/48, Jbb. ,Wenn du einen leman 
oder räbman hettlst, den du uf dyne güeter gesetzt.* 
KGuALTH. 1553. ,Was rechts ein lechenherr zue des 
leemans hab und guet haben soll.* 1569, Z Rq. Ver- 
breitet ist ,Leh-, Lee-Mann' als Geschlechtsn. — Ver- 
lSchcn- s. begüeten Bd II 555. 

Lßder-Männli = L.-Ghvuicht (Bd III 725) ZO.; 
vgl. Mann 6 d ß 4. — Leid-Ma»": Leidtragender, 
Einer aus dem Trauergeleite Z. ,Es giengend zween 
leidmann nach der baar.* 1522, NMan. — Lafer-- 
CMapper-M,; s. laferen Bd III 1108. ,Laformann, 
Schwätzer, locutor, locutuleius.* Mal. 

Lögero°-Manndli: eine Art Schreckgespenst, 
Kobold. TTo-n-t** gö* und tuo-n-i** stö*, lauft-mer 's 
L, nö**. Wenn t'* will i* d* Chammer gö* und i** 
toill ge^ scMöfe*, lauft-mer 's L, wo** und toill wt** us 
der Chammer sMö*, Wenn i** will t" d* Ghille* gö** 
und t** will go* bitte*, lauft-mer 's L. wo** und lad- 
wit** gar nid bette* AAWohl.f — Ein ähnliches Kiuderlied 
aus Z mit ,BuckeIinftnn]ein* st. L. b. bei Staub, Kinderb. 7, 8. 

Lumpe^-Ma"": 1. Lumpensammler Aa; Tu; Z. 
Sein Ruf war: Alti Lümpe*, wer-r-r hat? Z. Du diast 
de* Hock dem L. ge*, er taugt Nichts. ,üass der Herr 
den Sündern rüetfe, wie der Hudellumpenmann den 
Lumpen, ie böser ic besser.' J Breit, um 1630. — 
2. ,Lümplismann', elender, nichtswürdiger Mann. 
jWenn er allweg ein besonders haben [eigensinnig 
sein] wollte, so müesste er doch wol ein L syn.' 1521, 
Eqli, Akten. ,Hast des vergessen, so bist du wol ein 
lOmplinsm.' HBüll. 1533. 

Land-: Sg. zu Landlüt 2 (Bd III 1522). ,Wer 
unser lantra. will worden, der soll gSn den lantlüten 
10 pfd; git er sy nit, so ist er nit L* XV., Gl Rq. 
S. I^nd'Frau Bd I 1250, Gast Bd II 484. , Weller 
zue einem 1. wirt angenommen, der soll dem seckel- 
meister geben 60 pfd, und einer, der ein halber lantm. 
von syner mueter ist, 40 pfd.' 1510, Obw Rq. ,Wann 
einer einem fremden ligende güeter zue kaufen geh, 
der nüt 1. ist, so magt's ein 1. dem frömden wol ap- 
züchen in jar und in tag, wann er des teilig ist, und 
ein 1. dem anderen in dryen manat* 1533, ScnwMa. 
Rq. ,Wo jemants vermeint in unserm land Schwyz 
ein L zue sinde, dSr und die söllent allwögen in 10 
jaren ir lantrecht erfordern, ja die so usserthalb lands 
gesessen sind; und wellicher übersitzt, der soll dannet- 
hin nüt mer am landröcht haben.* 1536/44, Schw LB. 
»Welcher fürhin lantm. werden will, der soll uns 
50 guldin gen, das soll das uedel syn.' «um 1550, Ndw 
Rq. ,Ihr Landmann und Undertan.* 1634, ApHeid. 
Dem Ausdruck ,Landmannen' [in einer ürk. SchwG. 
1528J wird der Sinn gegeben, dass die Betreffenden 
zu Landleuten und nicht zu Beisassen aufgenommen 
worden seien. 1635, Abboh. — Land-Mäi}nin = Zand- 
Frau Bd I 1250. So 1562, Ndw LB. ,Wann ein Frauw 
ein Beisassen nimbt und bei ihme Kinder erzüget, 
dannethin der Mann stirbt, dass danne die Frauw 



wider L. wird.' 1692, Schw LB. ,Eine Bürgerin und 

L.* Z Mand. 1699. 

Lands- me": scherzh. von einheimischem Wein, 

auch Früchten Aa. S. auch Fön Bd I 844, L.-Chraft. 

Lor- = FatZ-M. — Vgl. GdL-Lnri Bd III 1375 und 
mhd. lörli(n)9man. 

Aderlass-Männli: das Aderlassmännchen im 
Kalender. ,Das Kuttlen- oder A.-Männlein.* Der lust. 
Schweizer 1788. Indem man das A. mit seinen Tier- 
zeichen als Anschauungsmittel benutzte, ergötzte man 
die Kinder durch folgende Knittelverse: ,Die Widder 
gestöss, die Kinder sind bös; der Stier, dSr zücht, 
de' Chröbs, d6' chrücht; de' Skorpion sticht, die Jung- 
frau spricht; der Leu, dör brüllt, die Wog, die schnellt; 
der Schütz, dör schiesst, de' Wasserma"" giesst; de' 
Steinbock chlümmt, der Fisch, dö' schwümmt' ScnSt. 
(Sulger). Vgl auch Kuhn, Volksl. 1819, 109. 

Der Name ,KuttIen-Männlein' bezieht sich darauf, dass 
die Figur einen aufgeschlitzten Baach zeigt, zu dessen ver- 
schiedenen Eingeweiden je eine Linie von dem beeinflussen- 
den Tierzeichen führt. 

Lösch-, X<5«cÄ-Mä»°: Pächter GrD., L. — Zu 

lH9en 1 e (Bd III 1441). 

Leist-: zu einer (Tag-) Leistung (s. leisten 2 a 
Bd III 1479) Verordneter, Kommissär. ,Jetweder teil 
soll zween ^rber und vernünftig 1. als zuesätz in das 
röcht setzen.* 1500, Absch. — L eitere"-: wer dem 
sog. Leiternkorps bei der Feuerwehr zugeteilt ist L; Z. 

Mach-Männli: eitler Vorwand, Schein manöver, 
Popanz Bs. Bas isch nur eso e* M, — S. Gr. WB. 
VI 1396. 

Michels-Mann: Sg. zu Michds-IM Bd III 1523. 
, Erlaubt die stift einem, der nicht m. ist, zue holzen.' 
1471, LNeudorf Urk. — Muchel-: Zuchtstierhalter 
Z (Spillm.). — Möggcl-: vermummter, hässlich ge- 
kleideter Mann LRickcnb. Vgl Ma**-Möggi (Sp. 125). 
— Müle" üftZuwo: Maultiertreiber PAl. — Milch-: 

1. Milchhändler oder Bauer, der Milch zum Verkauf in 
die Stadt fährt Bs; Ni>w; Z. — 2. der Senn, der vom 
Bauer die Milch kauft Ndw. — Mannes-: eines andern 
Mannes (Bicnstherrn) Mann, Leibeigener. ,Umb die 
darkommen lüte: ist er ein mannesmann, so soll er 
dienen unsern herren jerlich umb 4 vierteil babern 
und umb ein fassnachthuen, ob er jar nnd tag do sitzet 
unversprochen.* XV., Bs Rq. 

G'mein-: 1. amtliche Würde im alten S; eine Art 
Ädil. Er wurde von den Jungräten aus ihrer Mitte 
erwählt und war Mitglied des geheimen Rates. Bei 
der jährlichen Ämterbesetzung am St Johannistag im 
.Rosengarten' dankte er Schultheissen und Venner ab. 
Er war der Vertreter der Gemeinde und Fürsprecher 
aller Parteien, die sich vor dem Rat erstellten, daher 
frz. procurcur general betitelt Die Aufsicht Über 
Mass und Gewicht, Marktverkehr, sowie über das Vor- 
mundswesen lag ihm ob. Kruttbr 1845. S. auch 
StätS' Haupt Bd II 1500; Simmler, Reg. 521. — 

2. Obmann eines Schiedsgerichtes Th (Pup.). ,Be- 
suecht ich obgenannt gemeinmann mit den zuesätzen, 
die sach in der minn zu vereinbaren.* 1458, GBuchs 
Urk., wechselnd mit ,gemeiner obmann.* ,Z wüschet 
Zürich und Schwyz ward die sach zue dem rechten 
g'setzt uf vier man, dero zwcn von Zürich warend 
und zwen von Schwyz. Der g'main man was von 
Underwalden.* Vad. — Bed. 1 vom Subst ,G«mein*, Ge- 
meinde, 2 vom Adj. ,gemeiu* i. S. v. neatral. 



269 



Man, raen, min, moD, idqd 



270 



G'meins-: 1. , Bürger einer Gemeinde im Gegs. 
von Bei- oder Uintersass" B. — 2. Mitglied der Ge- 
meindebehörde, Gemeinderat B; S. — 3. G'meind- 
Ma**, Teilnehmer an der Landsgomeinde Ap; Syn. 
G*niein(d)ler, Ist er Bräutigam, so steckt ihm die 
Braut einen Strauss auf den Hut. — Mer-: von den 
türkischen Galeeren wirklich oder angeblich befreiter 
Sklave, der mit seiner Kette bettelnd das Land durch- 
zog. ,Drei Meermanneo ein Stür 'zahlt 3 Btz.' BE. 
Rechnungsman. 1723. ,Allom fremden Strolchen- und 
Bettler-Gesind: Eorbmacheren, Kessleren, Spengleren, 
Kräzen-, Schleifstein- Trägeren, Schwummkrämeren, 
Schaubhütlcren, Sterzeren, Liederkrämer, M-en, Quack- 
salberen, Musicanten verbieten unser Land zu be- 
tretten.* B Mand. 1742. , Alles fremde Strolchen- und 
Bettelgesind, sich heissendc Kefügies, Proselyten, De- 
serteurs, M-en sollen aus dem Land geführt werden.' 
ZGes. 1757/93. \g\, Chetten-M. — Mär(i)t-: Mann, 
der zu Markt geht Aa; B; L; Z. So lär d%thBr chö* 
ttne-n-tn [vom Markte zurückkehrender] M. ZNer. 
,So ein Märitmannli, welches sein Körbchen gerne 
regelmässig nach Bern oder Langental trug und das 
erlaubte Schöpplein sich zu Gemüte führte.' Gotth. 

— MÜ8-: Mäusefänger GrL. — Mues-: ,MussmannS 
als Personifikation der harten Notwendigkeit Gl. Der 
M, ist c» böse'- itfd«», häd die s&b Frau g'seit Gl. — 
Muster-: Soldat B; ZG. lez schnlde^ d' M-en [Brot 
zu Suppe] i" M»<* checkte da u*^ backe: Schwzd. (B); 
8. Camp Bd HI 304. — Mittel-, in Bs Mittels-: 
wie nhd. Ap; Bs; P; Schw; Z. 

Mutte"-, nur in der RA.: Bede* aswie-n-e^ M,, 
eine geläufige Zunge haben, viel plaudern SchwE. 

Yiell. Krämer, der mit BOttcherware hausiert, oder 
neckische BeDennnng der Sennen. Idi letztem Fall würde 
sich die RA. darauf beziehen, dass Älpler, wenn sie Milch 
zu tragen haben, dieselbe unterwegs etwa abstellen, um mit 
einander zu plaudern. 

NSbel-Männli: elbisches Wesen, vorgestellt als 
altes Männchen, das einen Hut mit breitem Rande, 
wallendes, weisses Hirtenhemd, Holzschuhe und Tasche 
mit Lecksalz für die Kühe trägt und welches bes. ge- 
sehen wird, wenn dunkle Regenwolken über der Alp 
sehweben. So oft das N. erscheint, und wäre es auch 
am klarsten Abend, so schneit es doch ganz sicher 
am nächsten Morgen GnPr. Näheres bei Vernaleken 
78; Plugi 1843, 80; Vonbun 73 f. Vgl. auch Gr. Wß. 
Vn 485. 

Hinter dieser Gestalt steckt wohl Wuotan mit seinem 
breiten Hut und weiten Mantel; auch er ist Wetterherr und 
Viehhirt. S. noch Simrock, Myth. 374 und vgl. Lamj/i-, 
WuU-Huet Bd II 1788. 1792. 

Näch-Manu: 1. der Nachfolgende, Zweitnächste, 
z. B. beim Schiessen BR, (Nahi-M.), ,secundu8 in or- 
dine.* Id. B. — 2. „der Letzte in der Ordnung, allg." 

— 3. naher Verwandter. ,Der mann hört uns zue 
und ist unser n.' 1530/31, Ruth. ,Es ist war, dass 
ich der n. bin, aber es ist einer neher dann ich.* ebd. ; 
dafür 1548: ,naher freund', ,der nach freund', ,nächst 
freund*; 1667/1882: ,naher Verwandter.* 

1 und 2 zur Präp. nach, 8 zu nach = nahe; Tgl. Nachbür 
und mhd. nächgeseJU, Nachbar. 

G'nägi Tnäffi-: Knochenmann, Skelett ZWyla. 

— Nunneli-M. und N.-W%b, zwei Geschwister am 
Hallwilersee; vgl. Aa Taschenb. 1862, 124 f. — G^nis- 
(meist PI.) : Gemeindebeamte, welche bei der Nieder- 



kunft unverheirateter Personen zugegen sein müssen 
Bf. VglGeniS'Verhör Bdll 1572. — G'nossamc»-: 
Mitglied der (. filmend-) Genossenschaft Gl. , Jeder 
Tagwen- oder Gnossammemann, der eine eigene Haus- 
haltung führt, hat das Recht, eine Kuh auf die All- 
ment zu treiben.' Steinm. 1802. — Nüts-Mä"", 
-Manndli: verwahrloster Mensch, Taugenichts Ap; 
G. — Bü-Mann: 1. Rebmanu, Weingärtner TaTäg.; 
s. auch Sü'M. ,Ich bin ein warer wynstock und mein 
vatter ist ein (der) bawmanu.' 1548/1707, Jon. 15; 
dafür 1531 und 1882: , Weingärtner.* ,Gott ist der 
trüwe buwmann oder räbmann, der uns immerzue 
reiniget* RGualth. 1586. ,Die Reben tragen reiche 
Frucht ohne sondere Mühe des Bawmanns.* Guler 
1625. ,Gott, der himmlische Bauroann, wolle uns zu 
allem Guten weiter reinigen.' JMOll. 1673. — 2. (Bü- 
me'J Gcschlechtsn. Ap; Z. Vgl. ,Heini Widmer, gen. 
Bumann.* 1653, AiWett. Klosterarch. ; viell. Bearbeiter 
von Klosterreben. — Biber-: Gebäck aus feinem Leb- 
kuchenteig mit aufgeprägter männlicher Figur G. Vgl. 
JJ.-i'Va« Bd I 1252. — A-bach-: Gespenst, Unhold, 
welcher die Überschwemmungen des Aabaches ver- 
ursachen soll UwDallenw.; vgl. Lüt., Sagen 281. — 
Bider-: wie nhd. I»ch wör, isch dln Vatter en B.9 
Neckformel für Kinder Th; ZWyla. S. auch Geiss 
(Bd II 458) und seüier-iois. ,Rüef oder keer dich etwa 
zu einem traut biderroann, ob jemand sye, der dir 
antworte.* Z Bibel 1531/60. — Bode"-: 1. Freund 
und Kenner des ,Bodens* oder des Landbaues Ap. — 
2. Geschlechtsn. W. Syn. ,Bodmer*; cig. der im ,Boden', 
in der Niederung Wohnende. — Bifer-Mann(li): 
hämischer Kobold, welcher das Eiferen [Sauerwerden 
der Milch und Blähung des Käses] bewirkt BG., 0. ; 
viell. Personifikation des Föhns. ,üer gefürchtete B., 
der besonders gern in den heissen Augusttagen auf 
den Sennalpen seinen satanischen Spuk und Schaber- 
nack treibt.' Nydeookr 1890. — Bagäschi-Ma»»: 
Oberbub oder König beim ,Bagaschispiel* Ndw. 

Bagge<*-Männdli: Entenart, Männchen von ful. 
crist. TüErm.; vgl. Nider-Länderli Bd III 1303. 

Verderbtaus ,Backelniann* mit einer Anlehnung, welche in 
dem aufgedunsenen Kopf dieser Ente ihre Rechtfertigung fand. 

Böggel- ö (TnSteckb.), Bögge^- (SciiSt.), Böggi- 
(B), Broggel- (AAoEnd.), BröggeU (AaZ.; Z), Brög- 
g(e)li- (Z) Mä"*: Popanz, Schreckgestalt für Kinder. 
aaOO., auch Maskierter Z. ,Bögenmänner, gell'ones.* 
Denzl. 1677; 1716. — Buggeli-Mann (li): l. = Äo- 
ger-M. 1 B;Z (P-J. — 2. eine Art Hausgeist, Kobold ; 
vgl. Lögere^'M, Ich und du tmd *8 B.-Männli händ 
en halbe* Baize^, ich und du und 's B. tuend -en 
z'sämme^chratze* Scu. ,Ich und du und 's P. giengen 
zu dem Pfaffen und als wir zu dem Pfaffen kamen, 
sassen wir zu Tische. Und als wir zu dem Tisch 
gesessen, assen wir die Fische. Und als wir d' Fisch 
gegessen hatten, giengen wir zu Bette. Und als wir 
in das Bette kamen, fieng es an zu krachen. Ich und 
du und 's P. muessten da d'rab lachen.* Z (Dan.). — 
Bfje»- Ndw; W, B\ji-L, BiK-Ma»» ZHombr. = Im- 
ben-M. 1 und 2. ,Die B-en reisen gegen Ende August 
mit dem Täusli auf dem Rücken oder dem Zuber auf 
einem Wägelchen im Lande herum, um gegen Ent- 
schädigung die Zeidelung vorzunehmen, Honig und 
Wachs einzukaufen und zu verhausieren. Man über- 
lässt ihnen auch etwa die Besorgung der Stöcke, weil 
sie (freilich ohne Grund) als Sachverständige gelten.' 



271 



Man, men, min, moii, mun 



272 



Z Neuj. Naturf. No LXVIl. lez chunnd c» fremder 
Biima*; tued 's Hung und d' Webe* »«€"•••. Inbichen 
1859. — ,13ecke"-Mäunli nennt man die trockenen 
Mehldrüsen oder -kügelchen, welche von den Weibern 
im Brot und anderm Teig zuweilen gelassen werden 
und nicht zu geniessen sind' Bs (Spreng). Syn. Bedke*- 
Bueb. — Becki-Mä**": Krämer, Händler mit irdenem 
Geschirr, Becken Scuw; Z. — Bieli-: Sappeur G; 
Syn. Äxen-M. 

Böli- Aä; Bs; B; Gl; L; G; Schw; S; Tu; Uw; 
Zq; Z, Böüi' GG.,Nessl.; Tutw., Böle*- ThHw., Bröli- 
GRh., Bolle*' GT. tw.; Tutw., Boli- FSs.; GT. tw.; 
ZoÄg.: 1. Poltergeist, zumeist als Schreckgespenst für 
Kinder. aaOO. Syn. Bali, Möggel. Vgl. Butzen-M.; 
Böli-Butsch und BöU-Flueh Bd 1 1185. Lueg, der B. 
nimmt dv^ t" Sack! zu einem Kind, das nicht ge- 
horchen will LKick. ( Ester m.). Mit dem B. droht man, 
um die Kinder Abends zur Betzeit von der Gasse weg- 
zubringen AAZein.; Tu, um sie vom Verlaufen in ein 
Getreidefeld abzuschrecken, in dem der B. angeblich 
sitzt ZBül. Sonst wird er vorgestellt als Kobold, der 
auf der Diele oder in den Gängen des Hauses durcli 
Geräusch und Gepolter, bes. des Nachts, sich bemerk- 
lich macht Gl; Th; Z. Ke* Mansch glaubt meT a* 
d' Sträggde*, se wenig a's a* JB., 's tued Alls de* 
Chinde* däggde^ [schmeicheln] und gid-'nen öppis 
G'schulers a*. Häfl. 1813. ,Gro8smüeti, wenn jetzt 
der Böllimann käme oder gar der Tüfel, was wollten 
wir machen?' Gotth. ,Die Grossrautter musste dem 
Johannesli erzählen vom Teufel und dem B., von Gott 
und den Engeln.* ebd. ,So wurde das Schulgehen 
einige Woclien lang als ein recht wirksamer BoUima 
[für die Kinder] gebraucht.' ebd. S. Häggen-Mann. 
IJüt hed-er [der Pfarrer in einer Strafpredigt] der B. 
wider einist recht füre*g'no* L. G'firchtet hetid s* e* 
[den gespenstischen Steinibachhund in UwDallenw.] 
wie der Belima** Uw. S. Grüivel Bd 11 831. ,Er 
wolle der Stadt den B. zeigen*, droht der äbtische 
Hufmarschall 1617, G. Vgl. noch Gügi Bd II 157. 
Eine Anekdote vom Bauer, der, um seine zudring- 
lichen Kinder zu beschwichtigen, das für die verkaufte 
Kuli erlöste Geld am Abend dem B. zum Fenster 
hinausstreckt, s. im B Kai. 1814. Äuge* mache* wie 
de" B. Stutz (sg\. Boll-Aug Bd 1 137); daher: Mann 
mit grossen Augen GG. ■— 2. übergehend in die Bed. 
Teufel L; S; Z. En wäre Satan ist die Frau, e* 
Stuck vom B. Mer sündige*d halt früeh und spät; 
de' B. git 's mängs Möl Eim gar listig a*. Stütz. 
Ndtn 's de*' Schinder und de*" B. ! ebd. Wart, de*- B, 
chnnnt und nimmt di''^ in'n liollhafen abe*! ZO. Pu! 
wie isch'CS se scliwarz, als Jiett der B. g'wissget! KMey. 
IS 11. Wenn Eine" meint, es gWäti, und zu, der Chistc* 
chunnd, se schlüft icie us-em Bode* en schwarze Zottel- 
hund. De" lueget-i dann a*, dass Keiner me' d*ra* 
zwiflct, er sei de" B. UBaur, Sagen. — 3. Vogel- 
scheuche AxBb., Hold., Z.; Bs; L; GKh.; ZSth.; Syn. 
Böli, Löli. Vgl. noch Hanf-Löli Bd 111 1201. ,Ein 
B. (Butzemann), den man in dem Feld oder auf den 
Schütten aufriebt, die Vögel zu stäuben.' JMüller 
1({()5. - 1. vermummte Person; Fastnachtsbutz BSi.; 
ZStli.; Syn. Bögg; vgl. Gäuggel Bd II 172. Possen- 
reisser Schw. .Meinst, was ich dir zu sagen hätte, 
dürfte ich dir nicht mehr selbst sagen, müsste weit 
her einen Hanswurst und Böllimann kommen lassen, 
um dir was zu sagen.* Gottu. Usfseh ivie-n-es Böli- 



mannli B. ,Dem Mädchen, welches dem Volksgericht 
verfallen ist, wird in der Maiennacht statt des Maxens 
ein kolossaler Strohmann, B. oder Doggd genannt, in 
irgend eine alte Uniform gesteckt, mit einer scheuss- 
lichen Maske versehen und zu oberst aufs Dach ge- 
pflanzt. Ist das Mädchen im Gerüche der Unreinlich- 
keit, so wird dem B, ein gewaltiger Kehrwisch in die 
Hand gesteckt oder ein sog. Ofonwisch angehängt. 
Einem, der im Verdacht stand, Heu und Stroh ge- 
stohlen zu haben, wird ein martialischer B. mit einer 
Bürde Stroh vornen, einem Büschel Heu hinten, in 
Sträflingskleidern und mit einem Strick um den Hals, 
auf das Hausdach gepflanzt.* JHopst. 1865 (S). — 
5. = Gunggder (Bd II 369) B; Syn. Chüz, — 6. = Mög- 
gd 4 L. Es stönd B-e* hinder-em Pilatis üf, SchOrm. 
Mhd. bolen^ rollen, wälzen, schloudurn. Über den Unil. 
yg\. die Aiini. zu Gol Bd H 214. Entsprechende Namen 
fUr den poltcrudcu Hausgeist sind hull. btiU(er}nutnH, nhd. 
,RunipclstiIz*, schw&b. ,PoppcIo'; ,PopAnz* (aus ,Pop-Hans'); 
vgl. Gr., Myth. * 473 f. und die Aum. zu Hamnicr Bd II 1273. 
Die Gestalt dieses, neben CfUunyerin, Ifagt/en-Mann und ßoz 
allgeniüiustou scliweizürischen Landesgespcustes ist in der 
Volksphnutasiu nicht scharf umrissen. Der Z Dichter Rcithaar 
(1853, 124) malt den B. als alten, b&rtigcn Mann, glotz- 
äugig, mit wullencm Sack, worein er die bösen Kinder packt, 
um sie in seine Höhle im ütliberg (vgl. KineUi/reMer Bd I 
1326) zu bringen, wo er sie mit Brot aus Hobelspänen speist. 
Blosses Uomonym zu unserm W. ist B. als Bezeichnung eines 
Mannes, der auf oder am BiUi CDim. zu lioll, Hügel) wohnt GT. 

(Fleisch-) Bei"-, in Ba auch Beiner-: Knochen- 
samniler, der von Haus zu Haus gehend die Knochen 
aufkauft Bs; B; Z. ,Wie die Beimaunen, welche you 
weitem schreien: Hid-er [habt ihr] Bi oder Biner?' 
Gotth. - Bunds-: I.Bundesgenosse. «Diese warend 
mit Abram pundtsmänner.' Z Bibel 1560. — 2. Ange- 
höriger des Bundes, spec. eines der drei Bünde von 
Gr. ,Pundtsm.* Gr Ges. 1827. ,N. N., us den Buntz- 
mann und Engendin.' HStockar 1519. ,Delineation 
gemeiner dreien Bünden, durch Nie. Sererhard, einen 
B., beschrieben.* Serkru. 1742, Titel des Werkes. 

Bündeli-: Spottname auf Einen, der sich in den 
1850er Jahren als , Wahlknecht* für die Liberalen in 
GG. hergab. 

So geheissen, weil die Partei nach verlorener Schlacht 
den Bündel schnüren musste oder wahrscheinlicher weil diese 
Leute mit dem Bündel kamen und giengen. 

Bengel- = Ghndtd-M, Gr. — Boppen-: Geck; 
PrahlhansV Vgl. ,Poppe* Gr. WB. Vll 2001. Uer 
Melchior sei ein ,b., dann man hielte nüt uf im.* Ent- 
gegnung: ,er sei ein bidermann, kein b.' 1524, Egli, 
Akten. — Bare"-: Kindergespenst G (Götz.). 

Bereli-: ebenso GG. — Etwa Waldgespeust, das die 
Kinder beim Beerensuchen schreckt? 

Füre"- (PI. P.-Lüt generell, -Manne* individuoll): 
Bauersmann (als Vertreter des Standes) Th; Z. — 
Birche"-: Birkenrute zur Kinderzucht ZWyla. — 
Berg-: 1. Sg. zu Berglüt 1, In ZZoll. Bewohner der 
,Berg-* im Gegs. zur ,Dorf-'Gemeinde; s. Dorf-Mann. 
— 2. Dim. = HSrd-Mannli, sofern es in den Bergen 
haust BO.; GRh.; ScuwE.; ZoWalchw.; ZBachs. I* 
der Chrummjlueh obe* s%g es Bergmandli, das trägi 
der Grind eisler unterm Arm. MLienkrt (Vermischung 
mit dem wilden Jäger). In den Bergen von G uRh. 
pflegten die Bergraännli, nachdem sie das Vieh ge- 
füttert, auf dem Heustock Feuer anzumachen, ohne 
zu schaden. Eine Bauersfrau, der sie Etw. in die 



273 



Man, men, min, moD, mun 



274 



SchQrze legten, mit dem Verbot, hineinzuschauen, 
bevor sie daheim sei, blickte hinein und fand nur 
Kohlen. Zu Hause war eine dieser zurückgebliebenen 
Kohlen zum Goldstück geworden, um 1820 (Land- 
ammann Zach); vgl. Stadiin 1^9, II 221 f. Nach dem 
Volksglauben des BO. leben sie von der Milch der 
Gemsen, deren Verfolger sie bestrafen. In den Höhlen 
hocken sie beisammen und bewachen die Kristalle. 
Sie lenken den verheerenden Bergsturz und beschützen 
das gastliche Dach. Die rätselhaften Kreise, Ringe, 
die man etwa im Grase sieht, werden als ihre Tanz- 
plätze betrachtet; vgl. Toten-Chranz Bd III 840. Sie 
sind jähzornig, neckisch gegen das Hirtenvolk, strafen, 
was Übel oder rauh geredet wird, und verschwinden 
wegen der Bosheit oder der Neugierde der Menschen. 
Ober ihre Gestalt s. RWyss 1815, 69. 101 f. 319 f.; 
vgl. auch den Alpnamen MännluFlueh BFrut. Aus 
Grotten bei ZBachs kamen 6. nach der Mühle und 
holten Mehl; bald aber, als der Müller Kleider für 
sie hinlegte, damit sie ihre Nacktheit verbergen könn- 
ten, verschwanden sie. , Bergmännlein, daemon me- 
tallicus.* Denzl. 1677; 1716. Schreckgestalt in den 
Reben AaZ.; vgl. lUben^, Trühen'Hans. — 3. B.- 
Männdlif Pfianzenn. a) Alpen Windröschen, an. alp., 
spec. der Fruchtstand derselben B; GWyl; Syn. alte*' 
Ma»»; s. Mann 1 c. Vgl. Här-M,, Wildmännli-ChrtU 
Bd III 902. — b) Odermennig, agr. eup. Aa. Vgl. 
Acher-M. — Bergs-: Gebirgsbewohner PAL Birgs- 
nie; Jäger SchwMuo. — Bürste»-: hausierender 
Büfsten Verkäufer, allg. D' Bürste^manne' händ gueti 
Lösig bt-n-em; er g'seht üs [so sauber] tvie us-eme* 
Trückli use*. Scuwzd. (ZWthur). — Bart-: bärtiger 
Mann. Syn. Bartli, BartUmi, ,Das ansehen Hieronymi, 
so du in den b. nempst [weil er gewöhnlich als bär- 
tiger Greis gemalt wird], uns gar nit bekümniret* 
Gtrbnrcpfen 1519. ,B., gebartet, voll barts, barbatus. 
Bartmännlin, der ein bärtlin hat, barbatulus.' Mal. 
,Wann ich [Knabe] mein Sach nit g'schicken kann, 
so helf Gott wol eim Bartlimann.* JMahl. 1674. — 
Bürt-: Genosse einer ,Bäuert* BHk. Syn. Bürter. 
,Reisbare [kriegstüchtige] Personen mögind auf der 
Bürt oder Dorf, da sy haushoblich sind, ein Recht 
[Anteil] Allmend als ein anderer Bürtmann besetzen.' 
1675, B Rq. — Baseli- s. Baseli, — Bastete"-: 
flaches Gebäck aus Butterteig mit aufgeprägter Figur 
eines Mannes Z. — BSttel-: 1. wie nhd.; s. GulU 
Bd II 221. — 2. a) Gebackenes von Eiern, Brot und 
Milch GStdt. — b) eine Art geringerer Küchlein, aus 
Brot statt Mehl gemacht ApHer. ; vgl. Brueder-M. — 
Peter- = Peter als Vorname in ä. Zeit. In der RA.: 
I** toett-der nüd de* P. singe; ich setze keinen Wert 
darauf, achte es für Nichts (ScuwE.; ZS., Stdt) könnte 
eine historische Reminiscenz an die Z Mordnacht 1850 
liegen, nach deren Misslingen das Losungswort der 
Vcrschwornen: ,Ich heisse P.!* viell. in einem Spott- 
lied der Sieger Verwendung fand. Auch das Bonen- 
Lied (s. Bd III 1097) erinnert an die Bohne, welche 
die Vcrschwornen der Z Mordnacht einander als Er- 
kennungszeichen in die Hand drückten, verbunden mit 
dem Aussprechen obiger Worte; vgl. auch peteren, 
Hansel'M, und Z Taschenb. 1883, 170 f. — Chind- 
betti-: Vater eines neugebornen Kindes, bes. insofern 
er zu Gevatter bittet oder den Taufschmaus gibt B. 
,Die schwarze Scheube gehört der Leichenbitterin, 
der schwarze Hut einem K.* Gotth. .Selten eine Woche 

Schweiz. Idiotikon. lY. 



vergieng, dass nicht ein schlotternder K. erschien, mit 
stammelnden Worten zu Gevatter zu bitten.* ebd. 
'D's Elisi sass in der Wartstube [besseres Gastzimmer 
in einem Wirtshaus], sah sich zuerst die gräulichen 
Helgen an, welche an den Wänden hiengen, zu grosser 
Erbauung manches K-es, der nie etwas Gemaltes ge- 
sehen als die Wegweiser, die Kirchenzit und Hochzeit- 
schäfte und Tröge.' ebd. Vgl. bes. noch ebd. Schulm. 
II 135 f. ,Ein K., dem die alten Gebräuche noch immer 
am Herzen liegen, Hesse vor einigen Tagen einen Sohn 
taufen. Nicht nur die Gevatterleut, sondern auch noch 
viele andere gute Freunde und Verwandte musstcn 
das zu dieser Feirlichkeit ezpress geschlachtete Frutig- 
schaf verzehren.* B Hist. Kai. 1777. — Böttier-: 
1. = Bittel'M. 1, , Todschlag, den N. N. begangen hat 
mit einem b.' 1540/73, UMey., Chr. — % = Bittel' 
Vogt. ,Ich fordere Nichts [keine Unterstützung], bevor 
mich der B. nehmen will.* Indbrbitzi 1826. — Bitt-: 
Bettler PAL — Botte"-: Bote. Wer von den Kindern 
zuerst die Worte: Pottemä*; P., MtUlihach! ausruft, 
hat den ersten Anspruch auf den Besitz eines von 
Mehreren begehrten Gegenstandes TuFr. — Patsch- 
= Chindbetti'Mann GrD. Syn. Gevatter- Meister. — 
Butze"- Ap; GRh.; ZAuss., Butzi- Ap; GRoHe.; ZO.: 
l. = Böli-Mann 1 und 2 Ap; GroHc.; GRh.; ZAuss. 
Eppes Butzema**s, etw. Schlimmes Ap. Syn. Öppis 
Tüfds. — 2. = Böli'Mann 3 ZO.; vgl. JSenn 1864, 
35. — 3. = Böli'Mann 4 Ap. ,Durch den furcht- 
erregenden Aufzug des Butzmannes, der in Deutsch- 
land Knecht Ruprecht heisst, den Kindern Schrecken 
einjagen.' Ap Kai. 1875. ,Butzenmänner, gelones.* 
Dknzl. 1677; 1716. ,Den jungen Kindern ist ein aV 
scheulicher Cappuziner oder ein anderer verhülleter 
Butzimann zum Schreckzeug.* ATschcdi 1696. '— 
Pfeffer-Männdli: freundliche Bezeichnung eines 
kleinen Jungen Z. — Pfands-Mann s. 6^«2BdII467. 

Planete°-Männdli: kartesianischer Taucher Z. 
Syn. Holländern. 

Die BenenDnng davon, dass das Schicksal des Orakel- 
sacliers von demjenigen PlaDoten abh&ngig gemacht wurde, 
gegen dessen Bild das MftoncheD schaute, wann es zum Still- 
stehen kam. 

B]att-Mann: Münzplatte, d.h. für den Münz- 
stempol zubereitetes, rundes Metall- (Silber-, Kupfer-) 
Blech, ,0b dekein der vorgeschriben münzen gemacht 
werden, die an der ufzal ze liecht wäre, als man die 
versuecht, so sy ze bl. usbereit sind und man sy 
malen [= ,mit der stett zeichen zeichnen.* ebd.] und 
bilden [prägen] soll, dass man die selben Hechten 
münz, die also ir gewicht an der ufzal nit enhettin, 
vorhin, e si gemalet werden, soll uslesen so vil, unz 
dass die andern bl. swer genueg werdent.* 1425, Absgu. 
Vgl. ,Platte* 6 d bei Gr. WB. VII 1907. — BleHtli-: 
1.. Zeitungsverträger Bs. — 2. Feuilletonist BsStdt. 
— Blätzli-: Fastnachtmaske, deren Kleid aus bunten 
Flicken zsgesetzt ist S. Syn. Blätzli-Bögg. Mosch- 
grate* git 's von dller Art, es BltUtg'sicht und e* öhuder- 
hart, €» Barligingg, e" Bl. Schild. — Brach s-, 
Prachts- s. Brachs^nen. 

Brueder-: 1. Bettler, bettelnder Vagabund Gl; 
L; Tu; Z. Syn. Brueder, Brueder-Bueb ; vgl. Brueder- 
Frau. Wie ist dort es Elend! Me* g'seht 's Hm Hüs 
usse* dur**e* sehe* a", es stöt Jo dort vne-n-en Br. 
Stütz. Abhalte* wie-n-en Br., flehentlich bitten Z. 
Druff' si* tcU-n-en Br. uf-em Almuese*. Stinke* wie 

18 



275 



Man, inen, min, mon, man 



276 



en Br. Gl; Z; Syn. brüederh: Das ist hart wie 's 
Bniederma**s Anke^brüt, sehr hart [zu beissen] ZHinw. 
Hitzyi hätzgi hinder-em Hag, Br., nimni-mer 's Hitzgi- 
hätzgi ab! Spruch gegen den Schlucken ZErl. Schnee- 
flocken wie i^r-c*, sehr grosse ZO., Wäd.; Syn. Bittel- 
Bueb; vgl. Brueder-Bueb. ,Br-i mendicantes.' Mal. — 
2. kloin zerschnittenes Brot in heisse Butter geworfen, 
einige Eier darin aufgeschlagen, das Ganze etwa 8 Mi- 
nuten gekocht und oft umgerührt ZLunn. ; vgl. Bettel- 
Mann 2 und BHtel'Bueb. 

Urspr. wohl «BettelniGnch^ Almosen samDiclnder Wald- 
brudcr; vgl. «Einnahmo wegen des zu Lnnkhofen gestorbenen 
Br-s.^ 1555, Absch. 

bruederraannig tue*: wie ein Bettler anhalten, 
zudringlich bitten ZO. 

Brügel-Ma°" = Bengel-M. Gr. — Prämi-: einer 
der Schüler, welche berufen waren, prämiert zu wer- 
den. L Schulkatal. 1855/6. — Brenni-, Brönni- (13), 
bretin(e)liger (Bs), brönnlige^, brünnlige^ (AxSt.; B oAa; 
L; S), brünnige'' (ÄAFri.; ZWl.), brünnete^ (SciiwMuo.) 
Ma'; brünnigs Mannli B = füriger Ma** Bd I 951. 
,T)ie Gespenster oder die bründligen Mannen und 
Wandelnden.' MEsterm., Rickenb. Sie laufen bes. über 
die kirchlichen Festzeiten Nachts 11—12 Uhr den 
Marken entlang. Man hört sie oft kläglich seufzen 
und stöhnen, so das Brennemannli bei BErlach; s. 
B Sonntagspost 1870, 301. Betenden kommen sie 
näher; fluchen treibt sie ab L; S. Do fohn-ig dWuf 
du z" bSten a", ^ass wt*'* das G'spenst [der bröncUig 
Ma**] löi gö*; ie tne, ^ass ig do 'betet ha**, so nöcher 
isch es cho"; i* minen Ängste* schwer-ig dWuf und mach 
es schröckligs G' schrei; do flüchtet 's g* schwing dür^ 
d* Marchi uf. Schild. Wer sie anredet, dem müssen 
sie Rede stehen; aber wehe dem, der ihnen das erste 
Wort lässt, oder ihnen die dargebotene Rechte drückt, 
statt ein Scheit Holz zu reichen ! Ineichen. Als eines 
Abends einige Bauern in SLommiswyl beim Karten- 
spiel sassen, hörte man draussen rufen: Wohin soll 
ich den Markstein setzen? Da antwortete einer der 
Spielenden: In's Loch, du Narr! Nach einiger Zeit 
kam der ,brünnlige Mann' in die Stube, um dem Rat- 
geber zu danken. Weil aber seine Hand, wie der 
übrige Leib, feurig war, so durfte er ihm dieselbe 
nicht reichen. Er berührte ihn darum mit einem Stabe ; 
gleichwohl entstand eine Brandwunde. Der Geist 
jubelte: Ich bin ein Kind der Seligkeit und in vier 
Wochen bist du auch eines! Und wirklich lebte der 
Angeredete nur noch so lange. Auch andere Gewalt- 
taten als das Markenversetzen mussten mit solchem 
Umgehen nach dem Tode gebüsst werden. So ist der 
br. M. hinter der S Lehmfluh der Geist eines Zwing- 
herrn, welcher einem pflügenden Bauer das Gespann 
rauben wollte, von Diesem aber mit der Pflugschar 
erschlagen und dann verscharrt wurde. Laufe* ?c?€ 
ne* Brönnliger (Ma**), eilig hin und her laufen L; S. 
,Mancher laufe wie ein Brönniger, um ihn einzuholen.* 
GoTTH. Worum dass es l'eini brennelige* Fraue* giH. 
Dorum giH 's keini, will d' Fraue* nit guet chönne* 
umgo* mit dem Mar chstei*ver setze*. CScunkider 1880. 
S. auch geisteren Bd II 491, Haslen Bd II 1076 und 
Simrook, Myth. 3, 448. ,Brönnimaiin' auch Goschlechts- 
namc B. — Brunne"-: 1. Statue, Steinflgur auf einer 
Brunnensäule ZwStdt. — 2. (Br.-MannliJ = Brunnen- 
Chüeli (Bd III 95) G; Th; vgl. auch Mol — Brenz-: 
1, Branntweintrinker Z. — 2. Branntweinhändler. 



-hausierer ZO. Jetzt nur noch als Zuname fortlebend. 

— Hackbrettli-: Hackbrettspieler bei einer ,Alp- 
stubeten' Ap. — Brätscheli- = Chläffler 1 (Bd III 
629) ScuStdt. Der Br., ein Insasse des Armen-, früher 
Sondersiechenhauses auf der Steig, pflegte jeden Sonn- 
tag nach dem Morgengottesdienst, gekleidet in eine 
lange, braune Kutte mit grünen Aufschlägen, einen 
Cylinderhut auf dem Kopf, mit seiner Holzklappcr 
(Brätschele*) laut klappernd in den Strassen der Stadt 
herumzugehen und milde Gaben für das Armenhaus 
zu sammeln, die ihm aus den Fenstern zugeworfen 
wurden und die er in halb singendem Tone verdankte 
mit dem Spruche: Dank-i Gott! b^hüet-i Gott! ersetzend 
Gott «u€* Armuese* a* Sei und lAb! Gott gihen-i Sege* 
und G'sunket tnUi^! So bis 1860. — Britsche»-: 
Pritschenmeister, Harlekin mit Pritsche bei einem 
Schützenfest Sch f. A. 1774 wurde ,das Komische und 
Burleske, nämlich der Zug von dem Schiesshaus und 
der sog. Brütschemann' abgeschaift. Härder, Kaufl. 42. 

— Reb-: Einer, der die Reben eines Andern lehen- 
weise oder um Lohn bearbeitet, übh. Einer, der sich 
auf die Pflege des Weinstockes versteht Bs; G; Tu; Z. 
Me* g'seht 's dem Eibwerch a*, ob Einer en (guete^J 
Bibmen ist ZS. ,N. N., der R.' 1535, BsStdf Archiv. 
,Putator, ein r., der die rSben schneidet. Consitor, 
ein pflanzer, zwyer, r.' Fris.; Mal.; vgl. auch Bü- 
Mann und Herbst-Mal. Geschlechtsn. in AAB.f; Th f 
(Räbm.); ZStäfa. 

Rob(b)-: eine Art Harnisch. 1387, B. S. Harnisch 
Bd II 1610. - Vgl. FutM-M. 

G'richts-: Mitglied der Orts vorsteherschaft, des 
,Ortsgerichtes' S. D' G'mein geit z'sämme* [versammelt 
sich] und der Amme* [Präsident] chunnt und d' Grichts- 
me* hingerdrl*. Schild. Der Fänner het i* der Chüchen 
i* de* G'ricfUsstHele* wie-n-e* Gr. sl* Ere*poste* g'ha*. 
ebd. ,8. Martii 1724 haben die G'richtsmannen an der 
Huldigung vertan 3 fl. 4 Btz.' 1725, Aa Schloss Rued. 

Die Benennung stammt aus der Zeit, da die Ortsvorsteher 
ihr Amt hanpts&chlich als Richter der (unter freiem Himmel 
versammelten) Gemeinde ausübten; vgl. Schild 1860, 80. 

Red-: Sprecher. Vormals der oberste Leiter aller 
Einungsgeschäfte der acht Einungen oder Gemeinden 
des Hauensteiner Ländchens, der von den acht Einungs- 
meistern (Achtmannen) gewählt wurde; vgl. Bed- 
Meister. ,N. N., burger zue Zeiningen, gemeiner land- 
Schaft Mülinbach gedingter und erloubter r. und für- 
sprech.* 1594, Aa Urk. - Mhd. redeman, Rechtsanwalt 

B'ruefs-: Handwerker B; Th; Z. — Rolle"-: 
ein Kindergespenst GaL.; vgl. Böli-M. — Rölleli- 
= Zeifjer-Hans (Bd II 1474) BsStdt; vgl. Bs Taschenb. 
1858, 5(5. — Run-: Vertrauensmann. »Es werden un- 
sere 1. Mitbürger [des Kantons Säntis] aufgefordert, 
zu der bemeldeten Zeit sich in bürgerlicher Kleidung, 
mit dem Seitengewehr versehen, jedoch ohne Mantel, 
in den bestimmten Sektionsversammlungen cinzuflnden 
und allda den bestellten geheimen Raunmännern zwei 
rechtschafl'ene Bürger aus der Mitte ihrer Sektion zu 
Wahlmännern zu nennen.' 1798, Rbgierungserlass. 

Hinder-Risi-Manndli: Gespenst an der (Quelle 
der Thur G. — Vom Lokalnamcn Jiüii, Bor^chlipf. 

Ross-Ma"": Pferdehändler S. B. luegt de* Brue- 
der nid a*, d. h. betrügt auch seinen Nächsten 8 
(Schild). — Rössli-: figuriert neben den ,frömden 
Spill Uten' [Musikanten] bei der Festlichkeit des ,Am- 
mannsatzcs.' XVII., Ndw; vgl. Wild- Mann 3 b. ,Den 



277 



Man, men, min, mon, man 



278 



frömden Spillüten, so die Schild tragen, jedem V> ^^o- 
nen nnd dem R. glycb falls.* 1609, Ndw Ratsprot. ,Den 
frömden Spillüten, so den Schilt haben, 7« Kronen 
sammt der Zerig, den andern aber 1 Dicken sammt 
der Zerig, dem R. aber 1 Par Hosen, jedoch MHHn 
Färb.* 1644, ebd. Vgl. Landspiüüt Bd IH 1525. — 
Rnsch- (in ZRafz auch Büschi-): Berauschter (auf 
der Strasse) L; Z. Imene* [einem] B. muess-me* mit- 
eme* Fueder Heu us Weg färe*, Ingichen. — Rats-: 

1. (Gemeinde-)Rat8mitglied PAl. — 2. Ratgeber, Be- 
rater. , Bisweilen, z. B. in Elgg, standen [im XVIII.] 
den kleinen noch einige grosse R-en zur Seite [^kleiner 
und grosser Rat].' GFinsl. 1884. — Ritere»-: Sieb- 
händler Z. — Rott-: Vorgesetzter, Leiter einer ,Rotte*, 
Abteilung Dorfbewohner, die an einem Gemeindewerk 
(an Strassen, im Wald beim Holzhau) arbeiten Z uKn. ; 
yg\,CRmeindwereh8-Mdl. — R ü e 1 1 i - = Was^erschmecker. 
Z Post 1889 Nr 46. — Ratze»-: Rattenfänger, 's wird 
MÜ8 [Schwierigkeiten] ha*, oder es wird «i** müse* 
[wortspielend st. wise*] hat der B, g'seit Z. — Sü-, nur 
in der RA.: de Seher [Maulwurf] ist in'n B&ben en 
Büme*, tn'n Wisen en Siime*, baut die Reben, verwüstet 
die Wiesen ScuSt. — Nidsich Nitschich-Mo: Nieder- 
länder, d. i. spec. ein Bewohner des tiefer liegenden 
Tales Varallo PAl. — Slde»-: Seiden fabrikant, 
-Händler. ,Anna Sydenmannin.' 1555, BsStdt. — Sö- 
ge sse»-: 1. Sensenhändler Th; Ndw; Z. Vgl. ,Hans 
Segisman, Burger und Schlosser zu Bremgarten.' 1628, 
Aa Urk. Syn. Sigesser. — 2. = nhd. Sensenmann, der 
Tod, personifiziert L; Ndw. — Segi-: einer der (18) 
Anteilhaber an einer Gangfisdhsegi TnErm.; s. anhalten 
Bd II 1228. Vier Segimannen bilden die Bemannung 
eines Segischiffes Tu Bodensee. — Säckli-: Ein- 
sammler des (Kirchen-) Almosens Sch; vgl. Armen' 
Säckli. — SG\e^- = Sek*- Vater (Bd I 1130) üwE. - 
Salz-: 1. von der Behörde bestellter Salzauswäger Z; 
Syn. Salzwäger. „Obrigkeitlicher Salzmesser B." ,Ist 
angesehen, das* keiner einem s. syn salz soll abkaufen 
uf einem märcht, das" er das widerumb well verkaufen 
vor vesperzyt* 1489, L Rq. Vgl. noch Müs und Garten 
Bd II 438. — 2. Geschlechtsn. Bs; B;. W; Z. - 3. im 
Kinderspiel, s. Garten Bd II 433. — Sand-Männli: 
hausierender Sand Verkäufer Bs. — Sess-Mann: In-, 
Hintersasse. Syn. Bi-Säss. ,Wär, das» ein burger older 
ein seidner [Kleinbauer] older ein sesman einen us- 
man erschluege. Wer in der stat ze Rynfelden seshaft 
ist, es si burger, seider older sesman.' 1290, AARheinf. 
Stadtr. S.Arg. I 32. — Sust-me» = iS.-Ärr (Bd II 
1543) Ndw. Syn. Sust- Meister, ~ „Satz-Mann: Der- 
jenige, der ,Satz* macht beim Spiel VO." — G'satz-: 
Gesetzmacher, -geber. ,Du gibst ein gueten g.* ü Eckst. 
— Scheid-: 1. Sg. zu Scheidlüt 2. ,Wann in künf- 
tigem am g'scheid önent Ryns ein fünferherr oder 
sch. manglen wurde, so sollent die fünferherren 6ncnt 
Ryns fürer dhein sch. setzen noch machen, sonder 
iren mangel uns anzeigen, damit ein Srsamer rat den 
selben sch. sSlbs machen und das gescheid mit toug- 
lichen personen versuchen mög.* 1513, Bs Rq. — 

2. Schiedsrichter. ,[Es] versambleten sich die siben 
Sch. (Scheidboten).* Hapn. 1666. ,Es ist zwtischen 
uns kein Sch.* 1707, Hiob; dafür 1683: ,Schiedmann* ; 
1882: »Schiedsrichter.* — Schid-, in AALeer. Schids- 
!»€•: Schiedsrichter, Vermittler. ,Honorarius arbiter, 
ein sch. oder willkorlicher richter. Für ein sch. kom- 
men oder zue einer täding. Pacificator, fridmacher. 



sch.* Fkis.; Mal.; vgl. auch ,Befrider* Bd I 1284. 
,Ein sch. oder mittler, der zwüschend zweien spänen 
oder zwytrachten frid und einigkeit zuewggen bringen 
will' OWbrdm. 1552. — Sch üd er- ^ITär-Jf an» GSa. 

— G'schäfts-: Einer, welcher Geschäfte vermittelt, 
Schreiber für Aufträge udgl. B. Syn. ,Geschäftsagent.* 

— A"-8chicks-, in Schw; Zo Schick-: 1. Unter- 
händler Aa; B; ScHW; Th; Zg; Z. Im Bes. Vermittler, 
Friedensstifter bei einem Rechtsstreit Schw; Zg; Z. 
In B pflegt nach einem Scheit- oder Raufhandel der 
Geschädigte zwei A-en zu dem Angreifer zu senden, 
welche Diesen zu einem gütlichen Vergleich auffordern 
sollen. — 2. Schigg-M., wer sich zum Kaufen an- 
schickt, Kaufliebhaber GTa. 

SchSllen -Männli : Katzenname. 1504, Z. — 
Nach Gr. WB. scheint das W. Kater zu bedeuten. 

Glogge"-SchSlle"-Ma'*»: Maskierter, der zu 
gewissen Zeiten herum zog, um an den Hausglocken 
zu ,schollen' AAKais. ,Um Weihnacht und Neujahr 
pflegt der Gl. umher zu ziehen als ein maskierter 
Teufel, zum Andenken, dass bei so hl. Zeit die höl- 
lischen Geister den Menschen mehr als jemals zuge- 
setzt.* 1736, AAKais. Ratsverordn. Das Verbot dieses 
Brauches wurde später dadurch umgangen, dass in 
der Bochselnacht Fleisch an die Glockenzüge gehängt 
wurde, damit die darnach schnappenden Hunde das 
Schellen besorgten. — Schimpf-: Vertrauter, mit dem 
man zu ,schimpfen' [scherzen] pflegt. ,Der Zollner, der 
sin sunders gueter sch. und gevatter war.* 1533, B 
(Gfo.). — Schln- = Für-M. 1. ,Von disen Scheinmän- 
neren ist bei unserm Volk die meiste Sag, das seien 
die abgestorbene, nun von der Höll oder Fegfeur an- 
geflaramte Geister Deren, welche sich mit Versetzung 
der Marchsteinen versündiget.* JJScheuchz. 1707/46. 
— - Schür-: Pächter eines ,Schürgutes* (s. Bd II 551). 
,Lasse er das Gut durch einen Sch. oder selbst buwcn.' 
1649, Absch. Auch Geschlechtsn. L. 

Schüssel-: Scheltwort. ,N. ist gestraft worden, 
darumb das" er Hansen ein sch. und Verräter ge- 
schulten.* 1551, Sch Ratsprot. — Entw. = Tellerlecker 
oder dann = hausierender Händler mit Schüsseln, Vagabund. 

Schatte"- Mann dli: Schatten eines Menschen 
Ndw. — Erbschatzi"gs-Mann: von den Behörden 
ernannter unparteiischer Mann, welcher mit Andern 
zs. die amtlichen Erbteilungen vorzunehmen hatte 
Bsf. — Schlänggel-: Müssiggänger, der von einem 
Wirtshaus ins andere zieht [schlängget] Zq; vgl. StSckli- 
Mann 1. — Schnß-Manndli: Eindruck, welcher 
entsteht, wenn ein Kind sich, etwa an einem ,Strassen- 
borde*, zum Scherz in den frischgefallenen Schnee 
legt Sch; Ndw; Z. Hast e* Sehn, gemacht? Scherz- 
frage an ein Kind, wenn es in den Schnee gefallen 
ist ScnSt. — Schnögge"-Ma°": Schneckenzüchter, 
-händler; vgl. Schn.-Frau Bd 1 1252. ,Hat der Schnigg- 
ler eine beträchtliche Menge Schnecken bei einander, 
so trägt er sie zum Sehn., der ihm 20 Cts für je 
100 Paar ausbezahlt.* Alpenp. 1874. — Schnüerli-: 
1. eig. Puppe, die an der Schnur gezogen wird, Ma- 
rionette. Dann bildl. (meist PL): Abhängige, die bei 
öffentlichen Wahlen nach Vorschrift der Parteihäupter 
stimmen, Drahtpuppen Z. — 2. eine Art Gauner. In 
Anschlägen der Polizei auf dem Schützenplatz Schw 
1867 wurde das Publikum gewarnt vor Taschendieben 
oder sog. ,Schn.-M-en.* — Schnitter-: Schnitter S. 



279 



Man, men, min, mon, mun 



230 



D* Schn-e* und d* Schnütei'meüU hei^ e* Meie* uf-^em 
Huet oder c" Eose* im Brustgänterli. 

Seh wänzli-Ma"": Angehöriger des Juste-niilieu 
in dem Streit zwischen ,Horn-' und «Klanenmannen* 

SCHW. 

Eig. Einer, der (zwischen) beiden Parteien ^Hcbwänzelt', 
oder ohne reale Bez. spöttisch nach dem Schwänze benannt, 
welcher den ,H6rnorn' nnd , Klauen* gegenübergestellt wird. 

Schwätz-: Schwätzer, Ausplanderer; vgl. Laferer 
Bd III 1109. ,Er schweiget, will kein Schw. sein. 
Daher etwan boso Sachen fürgehen, die Niemand straft. 
Warumb? Es leidet [verzeigt] sie Niemand.* PWyss 
1672. — Schwizer-: ein als alter Schweizer Ge- 
kleideter BO. Auch Geschlechtsn. Th. — Syi\ Spill- 
me*: Musikant, bes. auf Tanzböden Aa; Ap; L; Ndw; 
Zg. Schauspieler PAl. In ä. Zeit oft zugleich Gelegen- 
heitsdichter. ,Des spihnans hus.' 1301, Bs Urk. ,Bo- 
num dictum Spilmans guot.* um 1330, LNeud. (Urbar). 
,Gleichwie ein fürst ein sp. bestellt, der im kurzwyl 
soll machen.* Glettino. .Der sp. g'hört an das hoch- 
zyt.* ZwiNGLi. ,Ein schöner Hochzeitspruch durch 
Heinr. Wirri, ein Spillmann von Aarau.* 1556, Z. 
,Spilmannli% Name einer Voralp F, It Kuenlin, Alpenbl. 
97 und 101, von den Sennen benannt nach einem Ko- 
bold, der dort Tänze und Lieder auf der Geige spielte. 
Sp. auch Geschlechtsn. Zo; Z. — Spille"-: hau- 
sierender Verkäufer von Spindeln ZO. ,Ein Korb- 
krämer oder ein Spielenmannli, mit dem kleinen Räv 
am Bücken.* Stutz. 

Spenzer-: Anhänger des Alten in Ap. Sonntags- 
post 1868, 3*24. — Spenzer, altertümliches Oberkleid der 
Innerrhoder. 

Sparre" Spare*-: 1. PI., junge Ehemänner, die 
es vorzogen, noch ein paar Jahre mit den Chnahen zu 
gehen und, wie Diese, nicht an den Gemeindeversamm- 
lungen teilzunehmen. Mit der Knabenschaft des Ortes 
hatten sie am Bertelistag (2. Jan.) Vormittag, während 
die , Männer* im Gemeindehaus Beratungen pflogen, 
die Verpflichtung, einen Tannenstamm aus dem Go- 
meindewald zur Dorflinde zu holen (der später ver- 
steigert wurde), wobei unter Vortritt eines Trommlers 
oder Musikanten die , Knaben' den nur auf einem 
Vorderwagen oder Schlitten liegenden , Klotz' zogen, 
die Sp. hingegen mit ,Sparren* [Holzhebeln] dem 
Hinterteil nachhalfen, wo es nötig war, und über die 
Chnaben eine Art Kommando führten. Beim Friedhof 
machten sie einen kurzen Halt und verrichteten ent- 
blössten Hauptes ein Gebet, worauf der Zug lustig 
weiter gieng. Am Nachmittag durften die Sp. mit 
den , Knaben' in der .Knabenstube' (neben dem Ge- 
meindesaal für die Männer) am Gemeindetrunke, der 
bis in die Nacht dauerte, an einem besondern Tische 
teilnehmen. Wann die Sp. durch Anmeldung bei den 
Gemeindevorstehern Zutritt zu den Gemeindeversamm- 
lungea erlangt, wurden sie zu Mannen und hatten 
dann kein Recht mehr, in die , Knabenstube' zu gehen 
ZSth. bis in die 1850er Jahre. Vgl. Eichen-Schleiket. 
— 2. Leibgedingmann ZSth., Trüll. — Bed. 2 meint 
wohl eig. den ,alten Knaben.' 

Spiesse"-: Spiessträger. So heissen in Ap bei 
Anlass der Landsgemeinde die (Spiesse tragenden) 
Nachtwächter, welche mit den Trommlern und Pfei- 
fern paradieren. — Zur Form vgl. Spiesten'JJauptmann. 

Spatze»-, im Zuruf: Hellüf, Sj).! ZNer.; vgl. 
Fade^'M. — „Spitz-Männli: wer gern mit Worten ' 



stichelt [spitzt] G; Z." — Bruederstuben-Mann: 
Aufseher der ,Bruderstube.' Aufgezählt unter allerlei 
Angestellten, die vom Almosenamt ein Gutjahr be- 
zogen. 1784, Z Amtsordn. — Stübi-Männdli: Po- 
panst, Kobold, der die nach dem Stübilüten [Betzeit- 
läuten] noch herumlaufenden Kinder nimmt OnMastr. 
Wart, d' St.-Manndli kunnt und nümmt di'^ in de* 
Sack! GuMai. — Stächeli-Ma"*: wohl scherzh. ge- 
bildetes Syn. zu Gäbeli-M., im Neckreim auf die 
Toggenburger: Gäbelima [s. d.], St., d' Togge^hurger 
müend en l8e*ban ha'* (Götz.). Der Geschlechtsn. (,Han8 
Stachelmann, burger zu Baden.' 1463, AAUrk.) bedeutet 
viell. den Stahlhändler. — Stüde"-: 1. Popanz, mit 
dem die Kinder Abends von. der Gasse gescheucht 
werden G ; vgl. Holz-Mann 3. — 2. St. -Manne*, junge 
Männer, die um Urbanstag, durch angebundene grüne 
Stauden rie§engross erscheinend, aus dem Walde 
Abends durch die Dörfer schreiten GSa. (Republikaner 
1844, 21). — 3. ,Studeman', Geschlechtsn. 1309, L 
Eschenb. Urk. Syn. Stüder. Eig. der bei den Stauden 
Wohnende. -- Stöckli-: 1. Träger eines Spazier- 
stockes; verächtlich für müssiger städtischer Spazier- 
gänger ZO. Syn. StiekH-Gumper (Bd II 314), -Bueh. 
,So faule, gottlose Herronleut können in der Welt 
herum schlänggen und am Steckli spazieren, und er 
müsse seinen Verdienst den verdammten St-en geben', 
klagt ein unzufriedener Landmann bei Stutz. — 2. Trä- 
ger eines Knotenstockes, mit einem Knotenstock be- 
waffneter bäurischer Insurgent. Am 6. Dez. 1830 
drangen ,Steckleinmänner und Sack leinträger' in Aarau 
ein. Aa Gem. Ähnlich am 6. Sept. 1839 in ZStdt. — 
„Stückli-: Fabrikant, der Musselin- oder Baum Woll- 
tücher [Stückli] feil bietet G"; Syn. Stüddi- Träger. 

— Stei"-Mannli : pyramidenförmig geschichteter 
Steinhaufen 1. um als Wegweiser auf den Schnce- 
feldern der Alpen passe zu dienen „Schw;" W. Syn. 
(Stein-) Hirt Bd II 1647. 1649; vgl. Mann 6 e a. — 
2. als Zeichen der Besteigung einer Bergspitze von 
Bergsteigern, Touristen errichtet. — 3. Stein(e)mann, 
Geschlechtsn. Gl; G; Zg; Z; ygl. Steiner. ,Der Steinm.*, 
ein Leibeigener. 1379, Z Urk. — Stür-Ma»»: Steucr- 
bezüger GG. — Strau-: 1. grosse, menschenähnliche 
Strohpuppe. Ein Str. wurde der Jungfrau, die mut- 
willig braven Bewerbern Körbe austeilte. Nachts zur 
Strafe vors Haus gestellt GW.; vgl. Maien 4 a (Sp. 3). 
In Aa; Z soll bei anhaltender Sommerdürro der er- 
sehnte Regen symbolisch dadurch herbeigelockt wor- 
den sein, dass man einen Str., mit leerem WasscrkÜbel 
in der Hand, im Dorf oder im Feld aufpflanzte. — 
2. Stroh lieferant, spec. Schiffer, der im Spätherbst 
Schiffsladungen schwarzer Streue aus ScnwMa. oder 
GLBilten. in die Dörfer am ZS. bringt ZS. — 3. Ge- 
schlechtsn. Bs; S. — Strale"-: Kristallsucher W. — 
The-: Händler, der mit sog. Glarnerthee hausiert Z. 

— Tach-me": Dachdecker ZZoll.f; Syn. Tach-Stlger. 
Noch Familienzuname, ebd. — Tuech-Mann: Tuch- 
händler, ä. Spr.; vgl. Wät-M. So 1521/44. Schw LB.; 
1527, Absch. ,Wie jener cdelman, der tuech zue einem 
rock auf die borg nam, die er dem t. erst in jener 
weit zalen sollt.' Gyrenrupfen. ,N. N., burger und t zu 
Bischofzell.' JMaler 1593. — T bebte'' -(d^J: L hau- 
sierender Dochtenverkäufer Z. — 2. PI. Töehtemanne*, 
spöttisch st. Tochtermänner Z (Dan.). — Tochter-, 
in ScH; Tu Töchter-: wie nhd. ,T6chtermann', altes 
F-er Geschlecht, wie frz. »Legcndre.* Vgl.: Jakob 



281 



Man, men, min, mon, rann 



282 



Meiers ,des Tochtermännlis.' 1733, AaB. (Absch.). — 

— T&^i^gs- = Tädings-Herr (Bd II 1545) ,Z"; vgl. 
Schid-M, ,Si gerten auch keines teidingsmann/ 1400, 
Lied. ,Hcr pfalzgraf am Ryn, der sich erbot, dis 
kriegs ein tedigsman zu syn.' 1500, Sohradin. ,£s ist 
zwischen uns kein tadingsmann, der sein band zwü- 
schend uns lege.* Z Bibel 1560. ,Prozeneta, under- 
tadiger, mittler, underkönfor, tadigsmann.' Fris. — 
Tnft-Mannli: Manu, der mit Scheuersand (aus 
Tuffstein) hausiert B. ,Nur so arme Leute, Besen- 
binder, Tuftmannleni und Ueubeeriweiber.' Gotth. 
VgL Sand-Mdtschi (Sp. 81). 

Tag-Mann: Taglöhner am Gemeinde werk. ,Jeder, 
der Bosse, Kühe oder Esel auf die Allmende treiben 
lasst, sei schuldig, fQr jedes Stück einen T. zu schicken.' 
1739, Absch. (für T). — Übers, des it. gionudiere. 

Fritigs-Mannli: Schuldner, der Freitags (d. i. 
am Markttag) in die Stadt geht, um Aufschub für Be- 
zahlung seiner Schuld zu erlangen S. Das si* Fr., 
Schulde^bürli, wo-n-i* d' Statt chömme* cho* Zali^ge* 
mocÄc". HoFST. — Tagme"-Ma"»: 1. Anteilhaber am 
,Tagwenrecht* [Nutzen des Gemeindelandes] Gl. — 
2. Taglöhner am Gemeinde werk. ebd. — D ü gge li- 4: 
Teufel, zu Kindern st. Dtl^^^c? AAWohl. — „Docke"- 
Männli: Zärtling G.« — Tal-Mä«": 1. (nutzungs- 
berechtigter) Einwohner eines Tales, so in BUk. 
,Wenn ein talman von dem tal ze Engelberg ziechen 
will, der soll usw.* 1582, Obw Rq. , Keiner mag weder 
alp noch buwland nutzen, er sye dann sässhaft im 
tal und V 1588, ebd. — 2. Talmii; Geschlechtsn. Th. 
Syn. Taler. — Till- s. Chappen Bd UI 384. ,r)er 
nydhart und her dilleman nan mit den puren vil 
angefangen im land zu österrych.* 1499, Lenz. ,Man 
sieht wol, das* du von her tilmans kappen redest, das* 
du ein langen tant machest, nun das* du nit müessest 
antwurt geben, so man dich fragt.* Gtkemrüpfen; vgl. 
Tüdum und Öl-Götz Bd II 581. — Till i-: das auf 
der Diele wohnende Gespenst TuTäg.; vgl. Böli-M. 
Man ruft ihm herausfordernd zu: Düima*** talli hüt 
hö fäl! — Tilderi-, im Kinderreim: dir T, hat de* 
Sunntigrock am Wircktig a* Z; vgl. tilderen, — Tem- 
pel-: 1. urspr. Höriger oder Lehensmann des Templer- 
ordens; erbalten als Geschlechtsn. Z; vgl. ,Tempelhof* 
ZBüml., ein dem Orden der Templer angehöriger Hof. 

— 2. = Priester? ,Mein T. in d* Kilchen stets mich 
nöten tuet.* JMahler 1620. — Temperaments- 
Männdli = Planeten- M, Z. Vgl. Vom Fels zum Meer 
1883, Heft 6. — Tann- Mann: der am oder im Tann 
Wohnende. Geschlechtsn. 1472, GBurgau. ,Dannmann* 
noch in Gr. Syn. Tanner. — Tauner -Mannli: 
armer Tagelöhner S. 

Tangel-(ApK.), Tängel- (GWildh.), Tängeli- (k? 
H., M.) Mannli, -Mannli: der Holzwurm; vgl. Toten- 
Ur Bd I 420. Syn. Erd-Schmidli. 

Der Name deutet aaf Yorstellnng eines yerborgcnon Ko- 
boldes, der mit seinem Hämmerchen pocht ftängeUtJ; vgl. 
BSli-M., Hammer (Bd II 1273). Das Klopfen des T-» zeigt 
in ApH. gutes, in GWildh. schlechtes Wetter an nnd wird 
daher bes. von den M&hdern beachtet. 

Dorf- Mann: Dorfbewohner im Gegs. zum Aus- 
wärtigen oder auch zum Bergbewohner. ,Man soll 
niemder roe nemen ze dorfma, er geh denn 2 gülden 
den dorflüten gemeinlich.' 1399, Ndw Rq. ,Ein ussre, 
der nit dorfma war.' ebd. ,Nieman soll kein ströiwi 
US der ouw verkoufen, er sy denn d. ze Buochs oder 



aber bergman am Bürgen.* 1433, Uw ürk. ,So ein d. 
ein dochter usserhalb des dorfs etter näme.' 1559, G 
Niederst. Dorfr. ,Ein D., der die Gemeinde verliess 
und ein anderes Dorfrecht annahm.' 1618, ZHorg. 
(Strickl.). ,Ein D. soll die Unzucht [Polizeibusse] zu 
geben schuldig syn als Ussleute.' Bs Chr. 1779. Ge- 
schlechtsn. 1348, ßStdt; 1504, Z; ,Joh. D. (Coman- 
der)' hiess der Reformator von Gr. 

Dorz-Männlin: fackel- oder sQhildtragende Figur. 
,Ein becher hat uf dem deckel ein dorzmenlin.' 1469, 
Bs. — Mhd. tone, Fackel; kleiner Schild. 

Tessel-Mann: Aktivbürger, Teilhaber an den 
Gemeinderechten WGräch., Saas. 

Der Name bezieht sich darauf, dass das Bürgerrecht 
damit bestätigt wird, dass Einer seine Teeele*, d. i. einen 
kurzen Holzstab, auf welchem seine Nanienszüge eingeschnitten 
sind, im Gemeindehaus aufhftngeu darf. 

Tause"-Manndli: meist kunstvoll geschnitztes 
Männchen mit Bütte am Rücken, welche Zünften und 
andern Gesellschaften als Trinkpokal diente ScHwBr.; 
ZStdt. ,1 hölzin DeusmannlL' um 1600, Z Inv. — 
Tos(e)li-Mä°'^: alter Mann, kleiner Knabe, welcher 
seinen Weg gemächlich und gemütlich dahin geht G 
Stdt. — Trübe»- (GSa.; Th), Trubel- {XaZ.) Männdli 
= Trüben-Hans Bd 11 1474. Die Isi* Ältsaggristeitür, 
wo das heilig Grab und d?8 Tr. däjinnt?^ ist. Albr. 
1888. ,TrübelmannS Geschlechtsn. Bs. — Drache"- 
Mann(li): Bergkobold, der in dem von einem Ge- 
witter hoch angeschwollenen Bergbache auf einem 
Wurzelstock oder Stein mit dem reissenden Strom ins 
Tal hinabfuhr und dem man ja kein Hinderniss in 
den Weg legen durfte GFreienbach f. — Trüdüteli- 
Mä»°: spött. = Ör^eli-M. SchKI. — Dräj-Männdli: 
in einer Höhle hausender kleiner Kobold, welcher 
nach dem Abendläuten auf dreimaligen Ruf: Dr,! ent- 
weder selbst zürnend herauskommt oder ein schwarzes 
Hündchen herausschickt, welches beisst SBalst. — 
Trüs8el-Ma°*: Träger einer Keule, eines ,Morgen- 
sterns', zum Landsturm gehörend L; Zo. ,Musketiere, 
Dr-en und endlich Kanonen [im Bauernkrieg 1653].' 
Feierabend 1864. ,Die Tr-en von 1798 in der Nähe 
von Villmergcn.* Stadlin 1824. — Trost-Mannli: 
meist ärmere Leute aus B£., die mit einem Sack auf 
der Schulter im Lande herum laufen, um Waben- 
trester und leere Waben aufzukaufen. Z Neuj. naturf. 
Ges. 1865,25; vgl. iw5Zi-M. — Drötli-Ma": Draht- 
geflechthändler Aa. ,Ein Mann mit einem Pack wie 
ein Dr. oder dgl. Handelsmann.' AASarmenst. Hausfrd 
1856. — Dritt-: unparteiische dritte oder Mittels- 
person Gl; Schw; Ndw; Zo; Z. Öppis hinder en 
Drittme* legge*, einen (streitigen) Gegenstand zur 
Sicherheit in unparteiische Hand legen. S. hinder 
Bd II 1416. ,Die30 vier Kühe befinden sich zur Zeit 
an Drittmannsort hinter Recht.' ZoBaar (Z Amtsbl.). 
,Deponere aliquid, pfand hinder einen dr. legen.' Fris. ; 
Mal.; s. auch tnit-hellen Bd II 1142; behaltsam. ebd. 
1243. ,So der Beleidigete den Täter nit leidetc und 
ine ein Dr. angäbe, sollend sy Beid die Buess ver- 
fallen syn.' 1607, U Rq. — Trotte»-: Eigentümer 
einer Kelter, der, wenn Andere dieselbe benutzen, die 
Aufsicht über das Keltern führt und von jedem Saum 
Weinmost ein gewisses Quantum als Trottion bezieht 
ZSth. ,Trottmann.' Geschlechtsn. AaMuh*. 

Tritschel-, Trutzel-: Dolmetsch, Wortführer. 
,N. N., der gar wolbedacht ir tritschelm. ist gesyn.* 



283 



Man« meiif min, mon, mun 



284 



Zellw., Urk. II 2, 113. ,Trutzelm., das ist ein tol- 
motsch, der die türgisch sprach kann.* Stulz 1519. 
,Die Araber band uns disen Tag nocb drymal geran- 
zionicrt und brandscbatzet; als aber unser Trizelm. 
mit inen geredt, band sy uns lassen basieren.* Stockm. 
1606. — Frz. truekeman, Dragoman. 

Weier-Mann: Aufseher über die einer welt- 
lichen oder geistlichen Herrschaft zugehörigen Mühl- 
oder Fischteiche. So der Beamte, der die im XIII. in 
den Besitz der Stadt Bern gelangten, zu den Mühlen 
am Sulgcnbach gehörenden Teiche zu Bümplitz zu be- 
aufsichtigen und ihren Wasserstand zu regulieren 
hatte, und von dessen Amtssitz der Weiler »Weier- 
mannshaus* den Namen empfangen hat. Vgl. Messmer 

1830, 5. 

Der in B; F; 6 yorkommende Geschlechtsn. wird z. T. 
eher als Anwohner eines Weihers gedentet werden müssen; 
vgl. ,Teichinann* und frz. ,Diivivier.* 

Wabe»-Manndli = Trost-M. — Wiber-Mä"»: 
1. wer gut ist mit der Frau, mit den Frauen Ap; Z ; 
,homo uxorius.* Süloer. Ann^ Bäbeli, «7tW-mi** ha; 
»'** bin en gueter W,: »"* will am Marge frUe üfstä* 
und go* 's Käfeli choche; und wenn i** 's Käfeli 
g'machet ha; will i''* <f Frau go* wecke*. Schuderi- 
schür, wie ischfsj so ehalt; wend-si na'^ c* chli* decke* Z. 

— 2. Weiberfreund im schlimmen S. ,Sunst ist er 
ein W. gewesen.* Rükger 1606. — Erdwibli-, nur 
in der RA.: Silber 'tö; selber g'ha", seit der E, AiFri. ; 
vgl. Erd'Manndli und Wild-Mannli. — Wechsel-: 
Personifikation des Wechsels, der Veränderung; s. 
gllMig Bd II 602. - Weid-: Fischer. XVI./XVIII., 
ZS. Bei JMurer 1575 auch syn. mit , Vogler.* Als 
Geschlechtsn. Z ebenso gut von ,Weid* in lokalem S. 
abzuleiten; vgl. ,Vollonweider.* — Wagen-: Wagen- 
lenker, Fuhrmann. ,N. N., eines w-s und burgers zu 
Rynfelden elicher sun.* 1488, Aa Urk. ,Es fuer einmal 
ein w.* Gletting. ,Ein ung' felliger und selbs muet- 
willig verdorbener, einhändiger w. [Fuhrmann, der 
durch Ungeschick um eine Hand gekommen ist].' Ansh. 
,Bei dem hellen Sternen Arcturo oder W.* JGross 16*24. 

— Baumwollen Baude*-: Baumwollfabrikant Z. 
D' B-e* wend ja vom Pfund Oarn nümme me*" weder 
10 Schillig gi^. Wolf, rel. Gespr. 

Wald-: 1. Sg. zu Wald-Imt Bd lU 1526. ,Wenn 
ein gottshusmann oder ein waldmann von tots wegen 
abgat, von dem soll man einem herrcn von Einsidlen 
einen fall folgen.* XV., SchwE. Hofrod. — 2. Wald- 
gespenst. ,Da werdend die gspenst und roenschentier 
einander begegnen und die waldmennlin einander 
laden.' 1530, Jbs. 34; dafür 1683 und 1882: ,die Feld- 
teufel einander rufen.' — 3. Geschlechtsn. Th; XV., 
ZoBliggenst. ; als Vorn, schon ahd. und (selten) wieder 
modern ; auch Hundename. — 4. a) Waldmändli, Wald- 
meister, asp. od. Aa; vgl. Hirz-Freud Bd II 1275. — 
b) Waldmandli, = Här-M, UwE. - Zu 2 vgl. die Anm. 
zu Hobt-Mann, 

Wild-, -Manndli, häufiger wilde^ Mä**: 1. Dim., 
Sg. zu Wüd'Lüt (Bd III 1526) Gr; Uw; U; vgl. Berg- 
Manndli. Wann alli Witter Witter sind, das aller- 
er gsti ist der Wind, hat d's W. g*seit Gr ; vgl. Erdwibli- 
Mann, Wilde^männlis-y Wildmannlis-Loch, -Balm, 
Namen von mehreren Höhlen im ehemaligen rätischen 
Gebiete; s. Schumi 1869, 67. Die wilde!* Mannle, wo 
drin g'ujont, sind schwarz vo* Färb und cMt* und 
völlig gehöret g'sl*. Alpehbote 1827, Nr 36. Ihr Brot 



machten die W. aus Erde. Das Glockenläuten hassten 
sie GnPr.; GWe. Einem W., das als , wilder Küher* 
jahrelang gedient hatte, legte der Bauer zum Danke 
Kleider auf einen Stein. Nachdem es dieselben an- 
gezogen, rief es aus: Was wett au^ so en Weideli- 
Mä** [stattlich gekleideter Mann] me^ mit «fe» ChUene* 
z' weide(le)* gä*? und verschwand von da an GRPr.; 
vgl. noch Dorf kai. 1896, 87. Sagen von Wildmännchen 
in der Umgebung von GVättis s. bei FlKaiser 1876, 
73 und in Gr bei Sererh. III, 32 f., auch Alpenpost 
VII 161; Bündn. Kai. 1870; WSenn 1883, 30 ff.; Von- 
bun 1862, 45 ff, — 2. dr Wildmä**, wild Mä**, urspr. 
wie Fänk (Bd I 866) Riese der Vorzeit, der im Walde 
hauste. Vor Einbruch schlechter Witterung oder vor 
schweren Unglücksfällen lässt sich der wilde M. ver- 
nehmen GRPr. Weil die Bernor 1712 mehr als 100 
, wilde Männer' (es war eine Kompagnie Berner Gre- 
nadiere mit Bärenmützen) bei sich hätten, sei ihnen 
nicht zu widerstehen, sagten die Gemeinden der Graf- 
schaft Baden. DHess, Badenf. De** han-i do e" Vogel- 
büchs, me^ könnt mit schiesse* Wälf und Luchs. Si 
ist 's Wild-Ma**s vor Zite* g'si*, spottet der mit einem 
alten Gewehr Ausgerüstete in Eliata und Mahomet 
1762. — 3. seit alter Zeit als Festmasko in Volks- 
spielen figurierend. So im W in der sog. Jagd auf 
den wilden Mann an der Fastnacht, wobei derselbe 
(vorher von der Jungmannschaft des Dorfes gewählt) 
in möglichst zottige Tierpelze vermummt, in der Volks- 
menge Etw. stiehlt, als Räuber von einer bestellten 
Polizei unter Pistolenschüssen und Geschrei durch 
Klüfte und Schlupfwinkel verfolgt, endlich eingeholt, 
abgeurteilt und zur Strafe des Spiessrutenlaufens 
verdammt wird. Näheres s. Alpenrosen 1869, 426; 
HHerzog 1884, 233; Nat.-Kal. 1878, 47. ,An dem Bann- 
wald ob USchaddorf liegt der Wildenmanns-Stein, der 
den Namen hat von der Sag allda, dass darauf der 
Letste von denen dort gewesenen wilden Leuten ge- 
sehen worden und seit langer Zeit junge benachbarte 
Knaben jährlich an der sog. Herrn- Fasnacht sich ver- 
sammlen, sich wie wilde Männer ankleiden, auch einige 
Ämter unter sich durch ordenliche Wahl austeilen 
und dann in dem Dorf herum laufen und ein Mahlzeit 
in Milch halten.* Leu, Lex. Vgl. auch Schämmeier. 
Auch im GRMünstertal pflegte früher die Jungmann- 
schaft nach einem gewissen Hügel, der noch immer 
Dös deir om salvadi heisst und den Kindern zum 
Schrecken gewiesen wird, an einem bestimmten Tage 
auszuziehen, um den W., der sich, in Grün gekleidet, 
vorher dort versteckt hatte, einzufangen und im Tri- 
umph ins Dorf zu führen. An der Alplerchilbi zu 
Sarnen, Stans und Gersau treten nach dem Gottes- 
dienste ein W. und ein Wild-Wlb, mit grotesken 
Masken angetan und ganz mit Tannreisern oder Tann- 
fiechten bekleidet, als lustige Figuren dem Zuge der 
Sennen voran, wobei sie mit entwurzelten Tännchen 
den Weg kehren und allerlei Schabernak treiben. In 
Sarnen, wo das Paar zu grösserem Spasse auch eine 
Puppe (das Lumpenditti)^ die sein Kind vorstellt, mit 
sich führt, haben sie dem Festprediger einen grossen, 
fetten Käse zu überreichen; den an der Festmahlzeit 
ebenfalls teilnehmenden Kapuzinern aber überreichen 
sie unter vielem Spass zwei ganz kleine und unge- 
niessbare Käse. Ebendaselbst unterhalten sie das 
Publikum durch gegenseitige Anklagen von Mann und 
Frau und durch verdeckte Angriffe auf weltliche und 



285 



Man, men, min, inoti, rann 



286 



geistliche Obrigkeit oder Geisselnng von allerlei Lä- 
cherlichkeiten nnd Ungebührlichkeiten, welche Dieser 
und Jener sich im Laufe des Jahres hat zu Schulden 
kommen lassen. Daher erheben sich zuweilen Stim- 
men aus dem Publikum und Erlasse der Obrigkeit 
gegen den beleidigenden und Misshelligkeit veran- 
lassenden Charakter der Sprüche. ,Prodit et ein Wild- 
mann, faunus mit zotteten Haaren, horridus in manu 
viridem Tanngrotzen habeto, ludat ut ein stultus, 
G'lächter, Kurzweilque moveto.* XVIIL, üw Älplerged. 
Zwei Wildmannen mit einem jungen Knabli traten 
auch im J. 1578 bei der festlichen Erneuerung des 
Bündnisses der VII Orte mit W in L auf, um einen 
von KCjs. gedichteten Spruch vorzutragen; der erste 
Sprecher führte sich folgendermassen ein: ,Ich komm 
dorther us wildem waldj da iss ich krüter, würzen 
manigfalt*, und erinnerte an sein «ruches g'wand und 
spys, gar hartes leben, arbeit und flyss.* Vgl.: ,Den 
spillüten, item dreien von Brugk, so wildenmänner 
g^syn, und einem mit einem rösslin 13 par hosen' bei 
Anlass eines Jugendfestes Ende April 1551 in Aarau. 
ÖLH. 64. Vgl. noch Uw Gem. 79 ff.; Vw Volkskai. 1884, 
17 f.; Lütolf, Sag. 480; WSenn 1870, 156 ff.; Osenbr. 
1864, 85 und Britschen- Meister. — 4. der W. (ge- 
wöhnlich nackt, z. T. haarig, mit entwurzelter Tanne 
oder Keule in der Hand) im Wappen oder als Wappen- 
träger. So führt ihn der Zehngerichtenbund von Gr 
im Wappen; ähnlich die bürgerliche Gesellschaft in 
TuFr., welche 1424 mit der Gründung ihrer Trink- 
stube zum ,w-en M.' auch einen ,w-en M.' in ihren 
Wappenschild aufnahm. Als sprechendes Wappen hat 
ihn auch die Familie ,Wild' ZWäd. Wappenhalter 
der Gesellschaft zur Hären BsStdt, eine entwurzelte 
Tanne tragend, weshalb die Kleinbasler als Wirsse*- 
graber gehänselt werden. In einem Wandgemälde im 
Stadttorturm zu St Gallen trugen zwei ,wilde Mannen' 
die Schilde der verbündeten Stände. Seit 1577, da 
man zu Beiden Mammutknochen ausgrub, die man für 
Überreste eines Riesen hielt, wurde ein wilder Mann 
zum Schildhalter des L Wappens gemacht und ein 
ebensolcher in EiesengrÖsse an den Rathausturm ge- 
malt. ,Bärcndanz oder Streitliedlin zwischen dem 
Bären [Stand B] und Wildenmann by Villraorgen ge- 
halten.* Titel einer Druckschrift 1656. ,Do hat man's 
'klagt dem Wildenraann.* Yillm. Schlachtlicd 1656, 
Mscr. Als Wirtshausschild und -name kommt der 
, wilde Mann' seit alter Zeit fast überall vor, so in 
Aa; Bs; Th; Z. Nach dem Wappenhalter der Familie 
Holzhalb hiessen in ZStdt zwei Häuser zum ,w. M.', 
welche Figur beim einen in Stein, beim andern in 
Malerei je an der Fassade angebracht war. S. Vög.- 
Nüsch. I 352 und 634; ähnlich an einem Hause in 
OrZüHs, von Ardüser gemalt. Ein Felsgebilde an der 
kleinen Windgelle Scuw trägt den Namen , Wilder M.* 
als VerstcincrungeinesJägerSjWelcher am Sonntag jagte. 

Die Scheidung in mehrere Bedd. ist natürlich nicht ur- 
sprünglich, hat sich aber nach und nach herausgebildet, 
wiowohl sie auch jetzt nicht Überall streng durchgeführt 
werden kann ; s. Funk. Neben allem Mythischen liegt ein 
historisches Moment im vielfachen Durchblicken einer Er- 
innerung an frühere Ureinwohner. Näheros s. noch Arg. 
HI 27 f.; V 316; auch Gr. Myth. » 520 f.; Weinhold, Riesen 
290; Ztschr. des Ferdinandcums, Innsbr. 1870, 209 f. 

Wammis-: der zweite Preisschütze, der zum Preis 
ein Wams erhielt Uf (It Rochh.); vgl. Hosen-M. — 



Wl"-: 1. Weinbauer, dem man jährlich im Herbst 
den Wein abkauft Scn; Z. , Weinmost auf des Wein- 
manns Gefahr hin in den Keller legen lassen.* Z Stadt- 
gerichtssatz. 1715/1829. Correlat: Win-Herr Bd II 
1548. — 2, Weinbauer übh. »Wfnmann, vinitor.* Mal. 
Auch Geschlechtsn., gespr. Wime* Z rS. — 3. Wein- 
händler Ap. — 4. Weinschenk. ,Der wynman soll den 
ald die leiden, die übersitzen.' 1304, Z RBr. ,Heinr. 
Widerspach, der wynmann*, Zeuge. 1347, Bs ürk.; 
ebd. 1555, Archiv. — b. en voller Wima*; ein Be- 
trunkener ScH (Kirchh.). — Gewand-: Tuchhändler 
Bs (Spreng). ,Heinr. Ein faltig, der gewandtmann.* 1494, 
AAÜlsb. Arch. ,Kd Bollenbutz, der gewandtraann.* 
1532, ZStdt. ,Dieb. RyfF, burger und g. in Basel anno 
1583.' — Wingert-: Weingärtner Z (Juckcr). — 
Wgrch-, Wirchml*: 1. Arbeitsmann, Arbeiter, bes. 
Landarbeiter und im prägn. S. Aa; Ap; B (,operarius, 
multi laboris homo.' Id. B); L; Sch; S; Z. S. ang&}en 
Bd II 81. Auch Tagelöhner Ap; L; Sch; Schw; Z. 
Werchmä**y im Bes. ein von einer Alpgenossenschaft 
Angestellter mit der Obliegenheit, auf der Alp die Steine 
zszulesen, Gesträuch zu entfernen, die Zäune zu flicken, 
Dünger zu verteilen, die Wassergräben zu offnen usw. 
Er ist sammt Hirty Salzer und Hüeterhueb dem Schwei- 
ger untergeben BHk., R. Auch: Mann, der eine Land- 
arbeit in Akkord übernommen hat UwE. «Gesucht: 
ein tüchtiger, arbeitsamer Werkmann, der ein Heim- 
wesen zu werchen übernimmt.* 1882, Schw Ztgsinser. 
Ein Mörder wird in ZWthur 1434 auf fünf Jahre 
wieder aufgenommen, mit dem Beding, in dieser Zeit 
,der Stadt werchmen zue syn.* Troll. ,Wer um ein 
utzit dienet mit synen glidinen, er sy hantwerchman, 
sy werchman oder burman, das ist lidlon.* 1460, L Rq. 
.Das gottshus [üwE.] soll ie dry werchman darzue 
tuen und die tallüt sollen helfen [am Aawasser] wee- 
ren und werchen.* 1514, Obw Rq. »Gueter werkman 
kam nie zue spat.* Schade 1863. ,Kain muess mir helfen 
die erden erbuwen, ein werkmann werden.* Rüep 1550. 
,Den zwei werchmanen, so fünf tag holz geschytet, 
jedem zum tag 2 btz.' 1594, ß (Gfo.). .Weilen an 
den gmeinen Werken merklichen gelegen, sollen die 
Tauwner fürohin nicht Kinder oder Leut under 16 
Jahren senden, sondern selbsten oder einen Werkmann 
schicken.* 1657, AAWett. Klosterarch. — 2. Händler 
mit Hanf (Werg). ,Einem Werchmann zalt ich für 
265 Pfd Fimmelwerch und 5 Pfd Flachs 55 fl.* 1688, 
Tageb. Zuber. — Handwörks Handerechs-, Han- 
ter(e)ch8-, Hamper chs-, in BsStdt; S Hampers-: Hand- 
werker. Es iM Eis e" schlichte^ H, wenn er nid vom 
Hanterech rede^ cha** L (Ineichen). — Würze"-: 
Händler, der mit Kräutern und Wurzeln aus den Gl 
Bergen hausiert ZF. — Wasen-: Scharfrichter. 
(xKöNiG 1715. Syn. Wasenmeister. Als Geschlechtsn. 
bedeutet es wohl urspr. nur den am Wasen Wohnen- 
den; vgl. den syn. Geschlechtsn. Wasmer. ,Margret 
Wasenmännin.* 1526, Sch (Rüeger). — Wasser-: 
l. Zeichen des Tierkreises im Kalender, allg. Wer im 
W. fischet, g'hld gere* i" d's Wasser BBe. — 2. unten 
mit einem Steinchen beschwertes Holzstäbchen, das auf- 
recht im Wasser steht oder tanzt; ein Spielzeug der 
Knaben TuSteckb. ■— 3. Wasserdoktor, Quacksalber 
Schw; s. Gütterler Bd II 535. — 4. de^ schwarz W., ein 
Dämon mit Ziegenfüssen, der Überschwemmungen ver- 
ursacht GrV. (Jecklin 1876, 128). — 5. Geschlechtsn. 
TnFr. — Wässer-: 1. Einer, der das Recht besitzt. 



287 



Man, nien, min, nion, man 



288 



seine Wiesen aas dem Dorfbache za wässern Aa 
Merischw. — 2. von mehreren Wiesen- oder Rietbe- 
sitzern angestellter Mann, der die Bewässerung zu 
leiten und zu beaufsichtigen hat Z. ,Es sollent die 
von Rog^wyl einen w. haben in irem kosten, der das 
Wasser leite und wise uf die acker allenthalben ge- 
lychlich.* BRoggw. Offn. 

Bleiwisli-Ma"": Einer, der insgeheim Notizen 
über die Steuerkraft der Leute macht, um sie dem 
Steuerkommissär zuzutragen Z. 

So geheissoD, weil solche Aufzeichnungen, damit sie mög- 
lichst rasch und unbeachtet vor sich gehen, meist mit dem 
Bleistift gemacht werden. 

Wiss- Majine": PI., die Levkojen (mit ihren 
stattlichen weissen Dolden), matthiola incana GWyL 

Wät-Mann: Tuchhändler. 1391/1410, ZStdtürk.; 
RCys.; 1639, B Arch. »Demnach sind sy [die Mönche] 
zum wadmann 'gangen und hand ander kutten usg'nan.' 

1529, Strickl., Akt Ein Appenzeller, der ein ,wadm.* 
sei. 1529, Abscb. ,N. N., huetmacher und wattmann.* 

1530, ZStdt (Edlib.). In BStdt bildeten (schon It ürk. 
von 1460) die Wat- (Watt-, Wad-, Waad-, Waadt-) 
mäuner mit den Spezereikrämern, Glasern, Tuch- 
süherern und Schneidern die Gesellschaft zu den Kauf- 
leuten. Sie waren hauptsächlich Leinwandhändler; 
vgl. BTaschenb. 1862, 11 f. - Mbd. wat, Gewand. Zur 
Erweichung des t vgl. Rad-Hu« u. A. 

Watte»-: Hausierer mit Watte Z. — Wetter-: 

1. der am Tenntor angenagelte, schwebende, dürre 
Tannzweig, der als Barometer dient, je nachdem er 
sich hebt oder neigt; s. Rochh. 1867, II 107. — 

2. '8 WBtter-Manndli, ein Kobold mit grossem Hut; 
sein Erscheinen bringt Regen BSumisw.; vgl, Nibel-M, 
— Zedel-: Zinsherr, eig. Inhaber eines Schuld- 
briefes (^Zcdefe^ Ap. — Zigor-: mit Schabzieger hau- 
sierender Glarner Z. ,Das graubärtige Zigermänndli 
aus dem Linttale mit seinem Maüli auf dem Rücken 
und dem Knotenstock in der Hand.' Senn, Charakterb. 
1 75. — Zigerli-: Einer, der sich den Bauersleuten 
verdingt, um aus Trestern sog. Zigerli herzustellen 
ZZoll. — zehnten-, Zende*-: Zehntenbezüger. So 
noch in der 1. Hälfte unsers Jhdts ein Beamter in 
ZSteinm., welcher den vom Kloster Wettingen ange- 
pachteten Zehnten bei den einzelnen Bauern einzu- 
ziehen hatte. ,Der Frauen zu TuFeldbach Z.* 1529, 
Abscii. — Zucker-Mann li: ein Festgebäck LE.; 
vgl. Mann 6 d a. 

Zimbcr-Ma»» AiFri.; Bs; S; Z, Zimper- B ([)oTf- 
kal.), Zimmer- Ap; BsStdt; Gl; S; Tn; U: 1. wie nhd. 
allg. Neckreira : de Z, liäd am Werchtig d' Sunntig- 
hosen a* AABb. Marjanneli, Susanneli, nimm du ne* 
Z.; er bauet dir es Hüseli, es Schürli nebe* drä* S. 
RAA. Anders Holz hir, seit der Z. Z. Eim zeige* j 
wo de'' Z. 's Loch gemacht häd, ihm die Türe weisen 
S; Tu; Z. ,Wenn N. das Bettelmensch nicht sogleich 
aus dem Sinne schlage, so habe der Z. 's Loch gemacht 
und er könne gehen, so weit der Himmel blau ist.' 
Stütz. ,Dic Span fallen am Z. abe"', wer Andere ver- 
leumdet, macht sich selbst verdächtig. Sch Pilger 1890. 
D's Z-s Här (s. Bd II 1508) ist e* Zoll GbObst. Grosse 
Äste in Brettern nennt man Z-s Söhne WLeuk (Dan.). 
Von einem Abgemagerten sagt man scherzh., er habe 
den Z. gehabt Bs; S; Z; Yg\. Cab-Jzimberen. Ähnlich 
von den Katamenien ZS. (selten). — 2. a) = Geiss- 
Hirt 3 (Bd II 1648) Ap; B; VO; ,Scn;" S; Tu; Z. 



Wenn Einem dieses Insekt auf die Hand komme, kriege 
man den Zitter ZS. — b) Warze mit Haaren GRh. 
Syn. SchandS'Lüs. 

Bei Bed. 2 a sind die langen Beine dieses Tieres, die 
beim Gehen weit ausholen, mit der T&tigkeit Holz behauender 
Zimmerleute verglichen; vgl. die auf Ähnlicher Vorstellung 
beruhenden Synn. Zeiger-Hcini, Weber-Cknücht, Lang-ßeinhr, 
in Henneberg ,Haber-M&der* und zur Personifikation etwa 
Müller-Chn^cht. Der erwähnte Aberglaube beruht darauf, 
dass das Tierchen in beständiger zitternder Bewegung ist. 
Zur Vermittlung von 2 b mit a vgl. Miigg, auch Gotthelfs 
Erzählung ,die schwarze Spinne.* 

Zeine"-: Händler, der mit Korbwaren hausiert Z. 
Syn. Chrätten-M. Bin au^ wider da, de*" Fische*laler 
Zeine*ma**. Schwzi». V 87. , Einem Z. für 4 Zeinen 
24 ß.* 1691, Zubers Tagcb. - Zundel-: sein Pfeif- 
chen rauchender, hinter dem Pfluge einhergehender 
Bauer. Im Rätsel: Zweu rundi Rünzli [Rädchen], 
zweu g^hörigi Bünzli [Ochsen oder ihre Schwänze], 
hi7ide*dra* de'' Zundelmä**: Röt-mer, was isch denn 
Dos.^ AAZein.; vgl.Bo^eh'.— Zünd-Männli=^renm- 
M. Syn. Zünsler. ,Wer in der Pinsternuss wandlet, 
der gehet etwan einem Z. nach, da er meint, er gehe 
einem Liecht nach.' PWtss 1673. — - Zins Zls-, Zeis-: 
Zinser, Schuldner eines Kapitals, das jährlich zu ver- 
zinsen ist B; Z; Ant. ZinS'Herr. Hyperbolisch wurde 
der Reichtum eines Bauern ausgedrückt mit der RA., 
die Bäurin müsse alle Jahre auf Maitag oder Martini 
nur für d' Zeislüt [Bewirtung der Zinser] einen Bach 
Brot backen Z f. ,So der, so das guet in hat von dem 
z., zue schaden kam, es wäre mit dem weibel oder 
mit zerung in das wirtshus.* 1529, Ap LB. ,[Der Kre- 
ditor] mag das Vech bis zu Vernüegung des Jarszins 
pfänden, obglych das Vech nit des Z-s wäre.* 1607, 
Ü Rq. ,Der Ambtsmann soll die Summ hinder dem 
Z. verbieten [d. h. der Zins soll nicht ausser Landes 
entrichtet werden].' B Pfandordn. 1678. 

Zusei-: Geliebter, Anbeter. ,So henk mir an, 
myn z., dises halsband!' sagt die Dirne zu ihrem Bur- 
schen. G Binder 1535. 

Viell. hat das W. gedehntes u und konnte in diesem 
Falle aus ,Zunsel-' hervorgegangen sein. Dann Hesse es sich 
der Bed. nach mit .Flamme' zshaltcn. 

Zottel-Männli: der Fuhrmann (im Rätsel). Es 
ist e* vierredrigfT Tanz, 'der härigi Schwänz, es Z. 
und e* Schnellbüchs GrD. — Wohl so genannt, weil er 
eine Mütze mit Troddel trägt. Vgl. Zundd-M. 

Zitzcli-Ma"°: im Kinderlied: d' Sunne schtnt, 
's Vögeli chrttf es hogget undrem Lade*, d' Mueter ist 
go Bade*, de Vatter ist go Züri*"** g'sl* ; d' Mueter hat 
es Chindli gründe*, mit Silber und Gold isch-es ein- 
gebunde*. Z.! Z.! Mer wend das Chitidli selber hü*; 
mer wend-em wacker z* isse* gi, nüi Milch und Wiss- 
bröd dr%*. Karlisepeli, wottsch-mer 's wieget, mll-der 
Nussdi und Blrdi gi und will di^ mit-mer i* 's Htm- 
meli ni GRh. — Zwings-: wer in einem Zwinghof 
(Bd II 1035) sesshaft ist und demselben rechtlich an- 
gehört. ,Welicher nun in disen zwing ziechen [wird], 
der soll zu ynzug oder zwinggelt erlegen 10 guldin, 
damit er aller gerechtikeiten in dem zwing wie ein 
anderer zw. gehalten werde.' 15G8, AiBünzen Offn. 

man m*/n) Bs; BHk.; Th; Z, m^BBe.; F, mi B; 
Seil; S, w;r Aa; L; S; ZO. (neben twc), Rafz, Riebt, 
mir S (Schild) : unbestimmtes Pron. Me* cha** ja ! 
Formel der Zustimmung zu einer Aufforderung, einem 



289 



Man, meii, min, tuon, man 



290 



Vorschlage Tu; Z. Mir want der Mens nit bi, und 
geü-mer mf^ m« oXior G'wonig hi; so blibt-mer vor 
der Chilche* sio* S (Schild). -Äft" fant<isiert, als ob- 
iwc" enere* angere* Welt a*g'hörti. Öchwzd. Will man 
eine Person weder mit Da noch mit Ihr oder Sie an- 
reden, so hilft ,man' aas der Verlegenheit, aber aach 
in Fällen, wo man die direkte Frage oder Anrede 
mildern will Th; Z; z.B.: Ist-me* z' MärH g'sl*? In 
ä. Spr. ist der Gebraach noch freier: ,Umb Ostern 
ficng man an ze sterben.' 1544/73, Mey., Chr. 

Allgemeiuste Form ist me(n), die bei der Inversion auch 
da eintritt, wo sonst tut gesprochen wird. Finales r erkl&rt 
sich wie in der Zss. Niemfr durch Einwirkung des Pruu. 
Öjjper. Neben mer kommt fibrigens immer anch me vor, z. B. 
bei Joach. (für S). Schon mhd. men (min), me. 

le-man lemed: Jemand Z; doch nar selten statt 
des gewöhnlichen Öpper. In ä. Sprache ,iemands.* So 
1494, BsRatserk.; Zwingli; Z Bibel 1581/48; Mal. ,So 
wir jemands hettind beleidiget.' Hklv. Conf. 1566/1(544. 
,Yemas.* 1518, GWyl Urk.; 1522, Z Urk.; Zwingli. - 
Über die Form mit -« vgl. die Anm. zum folg. W. 

Nie -man Nietne* AaF., Lengn.; Ap; Bs; BÜ.; PP.; 
GWildh.; S; T; Th; W {Niemu, auch Dat.), Niem 
AiPri.; BsL., A^tcww AxLeer. (selten); Bs (Breitenst.), 
Nietnund P (Schott), Niemed Grü., Val.; ZG., Nieniet 
GuPr.;GO., Neimd GrS., Niemeds B&Stdt; B, Niemes 
AAFri.; Bs; BM.f, Schw., Niemeser BM., Niemer Aa; 
Ap; Bs; BE., M.; L; G; S; Th; Uw; Ü; ZG., S., Nie- 
mer(d) GRLandq., GbS.; aScHW, Niemerts B, Niemere 
B (Nom. and Dat. Gotth.), NdmerfdJ Sch, Nämert Th 
Tag., Ne^mer(t) ApK.; TuBerg, Egn. (neben Nemed), 
Niemerist ScHwMa., Niemert AaFIs., Lengn.; Ap; Gr 
Pr.; GSUit, T.; Sch; Th; Uw (selten); ZS., Sth.: Nie- 
mand. Niemesem g'seit, het Niemesen (freut B (Sprich- 
wort). Hand' er N. über Nacht? Frage des Nacht- 
herberge suchenden Fremdlings, Bettlers Ap; Z. Und 
danach im Spielreim, der von einem Kinde gesprochen 
wird, während es eine langstielige, durch die Röhre 
eines Löwenzahns gesteckte Blume fortwährend Bück- 
linge machen lässt: Gueten Äbig, Chupferschmid ! 
Hand -er Niemert Ober Nacht? Wall, mer händ es 
grosses T'ach, aber wenig Better. B'hüet-i Gott, Herr 
Vetter! Z. Will Niemer me" g%* (büte^)? Gantruf Z. 
,Tabula, das ausrüefen an der gant: Will niemen mer 
göben?* Fris. Es göd em [ihm] wol ond Niemerten 
öbd, RA. bei einer sog. ,Freudleichc' Ap. Muest Nie- 
med fürchen und vor Niemedem d* Chappe^ lupfe*. 
Stütz. Wenn 's nw Niemer gehört häd! sagt der Kü- 
ster, welcher das Läuten vergass ZS. Niemertem säge* 
weder alle* Lüte', ironische RA., die auch im Kinder- 
reim (Sesseli träge*, N. säge* usw.) vorkommt Z; vgl.: 
,Gemeinlich wird der Vatter im Hus erst eines Dings 
innen, wann es Niemand weisst, als Jedermann.* 
JJ Breit. 1638. N. auch personifiziert wie der OZktg 
der Odyssee. De»' Herr Niemert Mt 's Hä* ZStdt. 
,Niemants und was böss geschieht hat er tön.' 1504, 
Z (Lotterieloosinschr.). ,lch bin der nieman. All ding 
muess ich verbrochen hau.* 1515, Holreintiscu. ,Der 
uns das liedlin new gesang, der niemand hat 's getan, 
ist er genannt, er darf sich selbst nit nennen.' 1533, 
LiKD; s. noch Bs Jahrb. 1879, 217; Anz. für Kunde 
der deutsch. Vorzeit 1806, 179 und vgl. Niemerlis-Tag. 

Mhd. nieman, nit-ntcn und auch schon niemant, nicm(d), 
nienHin(d)». Das W. wird bald flektiert (bes. im Dat.), bald 
nicht ihi Nicme. Hindcrui.). Gutth. braucht promiscuü Nic- 

Schwelz. Idiotikon IV. 



mere, Nom., und Nieinandea, Dat. Aus B sind folgendo Fle- 
zionou augegebon: üqu. Nu:meH, ^iemetti. JKuhu 1806; Gen. 
Niemeremn, Dat. Niemere(m) BM. ; Gen. und Dat. \ü'ni€nia)e 
BM.f Uuscre Formen gruppieren sich um die drei Typen 
Nitrnan, Niemand, Niemer, mit den gewöhnlichen Reduktionen, 
bzw. Entstellungen der tonlosen zweiten Silbe. 1. ,Xieman.' 
1407, G (Wegelin). So noch 1476, Bs Chr.; 1500, Absch.; 
1530, Matth., ,Niemen.' Hadloub; HsStockar 1529; Gespr. 
1712, ,Niema.' HsSchürpf 1497, ,Niemft.' JCWeissonb. 1702. 
— 2. a) ,Niement.' XY., ZKyb. Offn.; 1516, Hess, Badenf. 
,Niemet.* Kdlib. ,Niemant* wechselnd mit ,Niemants.* 1530, 
Z Bib. ,Nieniat.' Kessl. ,Nienmndt.' 1603, Ap Malefizb. — 
b) ,Nieniants.* 1476, B Schreiben; 1494, BsRatserk.; Zwingli 
(neben ,Nieman'); 1531/48, Z Bib. (dafür 1667: ,Niemand*); 
RGualth. 1553 (neben ,Nieman'); Mal.; ThPlattor 1572; 
Gulden Bnnd 1585/1658; Z Mand. 1650. .De-niemants.' um 
1550, G Urk.; 1570, Absch. (wohl Analogiebildung nach 
,de-koin'). ,Niemantzer.' 1630, Härder 1859. ,Nieuian8.' 1476, 
Bs Chr. ,Niemads.' Göldi 1712. ,Niemas.* 1490, B Hdschr.; 
öfter in den Absch. seit 1521; 1525, Strickl., Akt; Gespr. 
1712. — 3. ,Niemer.' 1383, ZRq.; Ansh.; 1580, Z Mand. 
,Niemort.' 1527, Z (Egli,Akt.); zu ,Niermant* vorhochdeutscht 
von Mey., Wthnr Chr. Vgl. noch das Glossar zu den Hai- 
monsk. 1531, S. 296; Deutsche Volksbücher S. 499. .Vte- 
me(d)8, ,Niemas^ ist verk. aus ,Nieman(d)8', urspr. Gen., der 
aber als neuer Nom. gilt, wie ,Nichts*, oder nach Analogie 
vom pers. gebrauchten ,Ein8^ ,Keins*; vgl. Gr. WB. IV 2, 
2302. Niemeger und ,Niemanzer' sind Weiterbildungen dieser 
Form, wahrsch. durch Einwirkung von Niemer^ dessen -er 
sich nach Analogie von Öpper, Etter einstellte zu einer Zeit, 
als das -er der Letztern nicht mehr als aus ,wer* entstanden, 
sondern als blosse Endung gefühlt wurde; vgl. »dber und 
Helger. Niemert (vgl. Öppert) ähnlich erweitert wie nhd. 
, Niemand.' Zu Niemere* vgl. iedere. Zur Superlativbildung 
Niemerist (vgl. oberint, üsseriat u. Ä.) muss der dem W. inne- 
wohnende Begriff der Ausschliesslichkeit beigetragen haben. 
Zur Vorkürzung Niem(») vgl. Falle wio (fest aus geater. Zur 
Flexion Niemesne* vgl. die Anm. zu ein Bd I 273. Der Gen. 
Niemermes scheint eine Kontamination aus Dat. und Gen., 
jedenfalls eine pleonastische Bildung. Schwierig zu erklären 
bleiben die Formen mit ä und i in der ersten Silbe; an 
Einwirkung des Fron. Neimer (,Nei88wer') zu denken, wie 
etwa bei Neimet Gr, erlauben die Lautgesetze der betr. 
Mundarten, die et vielmehr zu a wandeln, nicht. 

Mannbarschaft: Mannesalter. ,Der Mensch hat 
seine vier Alter: die Kindheit, die Jugend, die M., da 
der Mensch in seiner Beste, und das hohe Alter.' 
FWtss 1655. 

„mannele": sich als Mann fühlen und betragen." 
DiAL. Ant. büebelen. 

manne": 1. einen Mann nehmen, heiraten Aa; 
Ap; Bs; ß; Gr; P; G; Sch; Schw; Z. iT m. finde* 
ScHwMuo., 2f' mannid chö* Ar, Heiratsgelegenheit be- 
kommen. Z* mannu*, da marito, heiratsfähig PAL I<^* 
wott nit w%be*, si wott nit m. Stutz. J** han düo [da] 
g'manned und bin düo derdurchttcillen vum Tanzboden 
chun BHa. .Bisweilen wurde die p]rblichkeit der Zunft 
auf die Töchter ausgedehnt, insofern sie in das Hand- 
werk manneten.* BsStdt (Ochs 2, 1, 158). ,Es were 
dann, das sy zu mannen oder wyben manottind oder 
wybottind, die der obgenannten eigen werind.' 1492, 
Z OGlatt ürk. ,Wybent oder mannand kuaben oder 
tochtran uss dem huss, dass sy ir eigen brot und 
rouch band, so ist dem gotzhus gefallen der fal.' 1515, 
ZRhein. OflFn. ,Etlich vermeintend, dass nieman eigen 
syn sölt und ouch iren herren, so sy wider sy wybent 
oder mannent, kein strafgclt und [1. umb V] ungnossame 
schuldig syn söltend.* Edlid. ,Sy mannetcnd, sy wei- 
betcnd.' 1530/48, Luc. 17; dafür 1G83: ,sie namcn zur 

19 



291 



Nah, nien, min, raon, man 



292 



Ehe, sie wurden zur Ehe gegeben.* ,Ach, Kosa, mann 
nimmermer, diewyl du siehst, was für gross herzleid 
die männer iren wybren anstecken/ 1585, B Arch. 
»Verzeichnuss derjenigen Tochteren und Frauen, welche 
aus dem Dorf mannend.' 1696, ZZoll. Pfarrprot. ,We- 
liche Wittib oder Tochter mannet und einen Unge- 
nossamen oder Ausländischen nimmt, soll gestracks 
aas dem Land gewiesen werden.* 1757, Bs Bq. — 
2. = chüten 2 (s. Bd III 245). 

über-manne": 1. überwältigen (phys.) S. I^hin 
übermannet; mit Gewalt cha'^-men c" Geiss wnme*- 
lüpfe; Schild. — 2. refl., überanstrengen. Er hat 
si^ übermannet AaZ. Syn. Übermeisteren» — 3. durch 
numerisches Obergewicht einen Gegner besiegen, 
a) beim Handgemenge; s. laufen laa (Bd IIl 1121). 

— b) bei Abstimmungen. We^'-mer «• ehli* z'sämme' 
hebed, so übermanned-mer die i" den andere* Bezirke*. 
Gl Volksgespr. — !■-: refl., in eine Familie, einen 
Ort sich einheiraten (von der Frau) B; Now. — er-: 
durch Heirat mit einem Manne erwerben B; W; Z. 
Du hast grad so vü enotbetf das* [als] tc^ ermannet 
hol*, sagt die Frau zum Manne. Stutz. Elsi: 's ist 
doch nüt Besser s weder Nidelmüch; ach, wenn ich doch 
Htt** aw** cha** Chüe e.! ebd. ,Wär, dass ein söllich 
kind ein ehgemacht gehabt, von dem es besonder guet 
erwybet, ermannet oder ererbt hätte.* vor 1596, Tu 
Diess. Erbrecht — yer-: 1. refl., sich mit einem 
Manne verheiraten. ,Wo sy [die Ledigen] sich ver- 
mannet oder gewybet hättind.* Zwinoli. — 2. tr. 

a) durch Heirat dem Manne zubringen B. Ant. ver- 
unben, ,Natürlich ledig wäre ihm [dem Bruder] das 
Mönsch [die Schwester] am liebsten gewesen, was 
brauche es das Geld zu v.* Gottb. ,Wio kinder [einer 
Wittwe] iren teil guets verwyben oder v. mögend, also 
soll die mueter auch mächtig syn, iren teil einem 
andern mann zuezebringen und zue v.* 1541, B Bq.; 
und ganz ähnlich 1572, Aarauer Stadtrecht; SMutach 
1709. ,Die Muoter mag das Guot, so ira in der mit 
iren Kinden getroffnen Teilung worden, v. oder sonst 
nach irem Willen vergaben.' B Gerichtssatz. 1615. — 

b) durch Heirat mit einem Manne verlieren, verwirken 
B; Gr. ,0b ein dochter hinus mannen und einen 
uemmen wurde, der nit burger ist, soll sy darumb ir 
burgrecht des abzugs halb nit verwürkt ald vermannet 
haben.* 1536, Z Staatsarch. .Diejenigen Weiber, so 
ihr Burgerrecht v., sollen aus der Stadt weggeschafft 
oder die andere Woche in die Trülle gesetzt und her- 
nach eidlich verwisen werden.* 1685, Aarauer Batserk. 

— sack-: plündern. ,Und also das kaiserisch volk 
in Bom hinyn gefallen und daselbst g'saccamannet, 
dem Papst hab und guet genommen.' Ebssl. Vgl. Gr. 
WB. unter ,Sackmann.* — wog- = ver-mannen 2 b. 
,Nach unsern Gesetzen, da Sie Ihr Landrecht weg- 
gemannet hat, kann Sie nicht mehr, besonders mit 
Kindern, im Lande bleiben.* 1796, Brief JCLavaters. 

Mannete" f.: Mann werk, als ideelles Landmass 
AAWohl.; vgl. die Synn. Mann-Wih'ch und Jüchert(e*). 

mannhaft: 1. wie nhd. ,Das land der eidgnossen 
ist fruchtbarer, schöner, mannhafter lüten, dann dhein 
land uf dem erdboden.* Zwinoli. Bes. in Titulaturen : 
,Die ehr- und m-en Scckelmeister* udgl. XVIII., Z. 

— 2. s= ,namhaft' (durch Mctathesis) Sciiw; Zo (Dr 
Iten); vgl. ,manhaftosten dioner', Übersetzung von 
,nominatissimi8 ministerialibus.* XIV., B Handveste. 



Manni m.: 1. (auch Bäre*'M,) das Bärenmännchen 
im Bärengraben zu Bern. Der M. ist es ruehigs Bluet. 
BXrentalpen 1882. — 2. Pferdename Aa; L; S (-ä-J. 

— 3. Name für Kanarienvögel Bs (-ä-J, — Kowjform 

von Mann (7 /); Tgl. Buebi u. &. Syn. zu 2 und 3 Han». 

Gügger- (üj: Dompfaff. Postheiri 1875. 

Hirsche**-: das Hirschenmännchen im Hirschen- 
graben zu ZStdtf (Dan.). 

mann ig: heiratslustig, mann süchtig „BO.; LE.;" 
SchwMuo.; W. Mannbar: ,Es solle keine Jungfrau 
Dorfschaft haben, oder sie habe zuerst das m. Jahr 
erfüllt.* 1829, Kyd, Bartlispiel. 

manni**: männlich Gl. Junjs und Alts, Wtbis 
und Mannis. Es Mannis, ein Mannsbild Gl. ,N. N. 
und syne mannine kind.* 1370, Gl Urk. 

mannli(ch): 1. mannhaft, tapfer Bs (Spreng); 
Z (selten). — 2. frisch, munter GnSch. Er ist «o** 
ffrad m-er. 

Mannlichi f.: Manneskraft. ,Myn sterke, man- 
liche und lob ist der Herr.* Zwinqli. ,Es werde mit 
der zyt vil abgon an m.; man erlindet in dem Wol- 
lust.* ebd. 

mannliche": mannbar werden. Dial. 

Mannoggel m.: 1. bewegliche Puppe in Gestalt 
eines Mannes; Männchen als Kinderspielzeug, als gra- 
phisches oder plastisches Bild BsStdt; B; ZO. Die 
Berner erklärten, sie sehen in einem Soldateulieder- 
buch nicht gerne solche Mannöggeli, d. i. Figuren. ,Ich 
meinte, man wollte mich einsperren und mit mir wie mit 
einem alten M. ein Narrenspiel treiben.* HPest., Brief. 

— 2. „Manöggd, -(5-**, Zerrbild eines Menschen, „dum- 
mer Bauer von übler Figur** AaHI. (n.); Männchen 
Gl (Mannöggeli); scherzh. Bezeichnung eines drolligen 
Menschen, bes. Knaben Th; ZO. — 3. Backwerk, 
Mann, aus Teig gebacken Aa; BoAa.; Gl [Mannög- 
geli); Syn. Gritti'Benz. 

VergrOberung von Hanno (s. Mann 1); vgl. aber auch 
Hanoggel (aus Han« Jogget), Zur Büd. vgl. frz. mtinnef/nm. 

Mannschaft Mannscheft — f. : 1. wie nhd. Das 
ist e* süberi M., eine saubere Gesellschaft, i. S. des 
Vorwurfs, auch mit Bez. auf Unerwachsene, bisweilen 
sogar auf Frauen, ja auch auf ungeberdiges Vieh aus- 
gedehnt Z, Auch in Zss. : D* Heuer-, Wümmer-M., die 
Gesammtheit der Heuer, Weinlescr. ebd. — 2. Mann- 
schaftsrecht, Lehenspflicht. , Wurden wir kriegen wider 
die beid, da sond sy nit gebunden syn, hilf wider die 
ze geben, alle die wyle sy ir mann sind und die m. 
nit band ufgeben.* 1418, L Urk. ,Zue Worb hette ein 
herrschaft von Kyburg nüt anders gehept, denn die 
m. und den reiszug.* ThPrickart 1470. ,Das» man 
der statt Costenz die grafschaft und die m. im Tu 
yngeben sollt.* 1500, Absch. Der Abt fleug an, ,ura 
die statt und in das Turgöw um gericht [die Gerichts- 
barkeit] und m-en zu werben.* Vad. — 3. Mannes- 
lehen; Mannesrecht. ,Der man mag geben, wem er 
will, so er in das todbett kompt, syn fry mannlechen 
oder m-en.* 1476, BKrattigen Rq. ,Wann einem Mann 
allhier [BEschi] sein Eheweib mit Tod abgat, so mag 
derselbig wol ein Pferd für M. voraus nehmen. Wei- 
ters soll sich die M. nit erstrecken.* 1075, B Rq. — 
4. Mannheit. ,Spado, ein verschnittener, one m. ge- 
boren, der von natur nichts mag.* Fkis. 

Ober-. ,Die über die 10,000 Manu [Auszug] vor- 
findliche Mannschaft vom 16. bis 60. Altersjahr hicss 



293 



Man, mcn, min, mon, miin 



294 



0. lind war in RcscrFekoinpagnien eingeteilt/ 1782, 
L (Seg., RG. III 2, 159). 

StSckli-: Mannschaft, welche, nnr mit Stöcken 
bewaiTnet, bei Festlichkeiten und Feuersbrünsten die 
Ordnung aufrecht halten, bzw. das gerettete Gut be- 
wachen muss BBargd. 

all-mäunig: allgemein L; Zo (St^). 

zwei-mannig, nur Attr. zu Hüs: Haus, in dein 
zwei Haushaltungen wohnen PPo.; TB.; Wülr. 

niännisch: munnerartig, dem Weibe nicht an- 
stehend. «Herzogs Amadol hochmüetige, m-e wittfrow 
Jolanda.' Amsh. ,Ein mennisch wyb [Semiramis] bringt 
nf das rych, ein wybscher mann verlArt es gljch.' 
J&luRER 1559. ,M-e, unanständige Überlitz [an der 
Frauenkleidung].' Z Mand. 1680/1713. ,Die grossen, 
m-en Halstücher.' 1703/15, ebd. 

sür-, jTurgöwische saurmänische [Pfründen].' 
Gbistl. Pfründemb. 1740. 

Yiell. mit Anspielung anf den Geschlechtsn. «Süre-mano', 
mit appellat. Deutung. Die Pfründen in den gemeinen Herr- 
schaften waren mit besondern Schwierigkeiten verbunden nnd 
wenig gesncht. 

mSne" BO.; Gl; Gr; Th; Z, mäne* Aa; Bs; BM.; 
GSa.; Uw: mahnen. 1. Einen an Etwas gemahnen, 
erinnern, eine Kemiuiscenz wach rufen, pers. und un- 
pers., von Personen und Sachen Aa; Bs; B; Gl; Gr; 
GSa.; Seil; Th; üw; Zg; Z. Er man(n)et (GSa.; Th; 
Uw; Z), mäni(kk\ Bs)-nu** ganz a" sin Vatter selig. 
„Er manet-mi^'* an c» Jud, ich finde, er gleiche einem 
Juden." Es mannet-mi'^ iez prezis [es kommt mir 
vor] wie,,. Aa; Z. Dc G'schmack [Geruch dieser 
Blume] mamiet-mi^'^ an e* Tulipane*, »Manet es [das 
Bilderverehren] dich nit an das zueloufen gen Betbel?' 
ZwiNGLi. ,Mich mannet dein Brief an das Sprüchwort.' 
ScniMPFR. 1651. ,Dann lucg ich ihre Kloidig an, so 
mannet 's mich, weiss nit woran.* JMaul. 1674. ,Du 
mahnest mich an meinen Bruder, facie et moribus 
fratrem refers.* Hospin. 1683. — 2. ermahnen, an- 
treiben, z. B. einen säumigen Schuldner Aa; Bs; Th; 
Z; auch vom Zugvieh, das man antreibt AALeer. 
Mann-mi'''' drä^ (wenn ich es vergessen sollte) Th; 
Uw; Z (Formel bei einem Versprechen). De*' Schnei- 
meister muess (T Buebe* m., balge* Z. ,Er soll die m. 
ir eids.* 1385, ScnSt. (Vetter). Der Stadtschreiber 
,soll all wegen einem [so] Schultheissen daran [an die 
Beschlüsse] mannen und erinnern.* 1484, ZWthur. 
Spec: Verbündete, übh. Pflichtige zur bewaffneten 
Hilfeleistung aufbieten, allg. So auch Morgant 1530. 

Mhd. mänen. Die Dehnung, sowie die Synkope in der 
End., dringt allmählich ans der Schriftspr. auch da ein. wo 
sonst Kürze herrschte und zwar zuerst fDr Bed. 2, so dass 
dann DiflTerenzierung auch fllr die Bed. sich ergibt. In der 
Literatur ,geiriahn6t* schon Z Mand. 1650, neben ,ab-niannen.' 
ebd. Die End. -et erklftrt sich aus der ahd. Form manön 
(neben mansn) ; vgl. die Anm. zu machen. 

ab-: wie nhd. Z. In spec. Anwendung: weg-, ab- 
(be)rufen. ,A., mit der trnmmeten einen zeug wider- 
umb hindersich manen, wider abziehen ermanen, re- 
ceptui canere, ab armis revocare; avocare, dehortari. 
Von der vogtei abgemant und widerumb berüeft werden, 
de provincia deducL* Mal. ,A1s ich in Bischofzeil ab- 
gemanet und uf die pfaar Winterthnr erfordert ward.* 
ebd. 1593. - üf-: 1. zu den Waffen rufen, (Soldaten) 
aufbieten, aufs Piket stellen Aa; „Sch; Za; Z." ,Sy 
habend nfgomanet, was spiess und stangen tragen 



mochte.' LLay. 1569; dafür 1670: ,versammleten Alles, 
was ins Heer zu zeuhen taugte.' »Hauptmann N. N. 
soll den vierten Fahnen ufmannen, dass, wann man 
dessen würde begehren, selbiger gerüst seie, in die 
Stadt zu ziehen.' 1637, Sch Batsprot. — 2. auffordern, 
z.B. zum Bezahlen Z (selten). — an-: I. wie nhd., 
antreiben, -spornen ZS. ,Wir wollen zu dem Guten 
a., Yon dem Bösen abmahnen.' JMüller 16<>1. — 

2. „gelüsten, unpers. Zo; Z." Syn. an-mau^hm. — 

3. = „manen 1, I^ toeiss nid, wie d* mi^ ä^manist 
L; Sch; Zo." Auch bair. — er-: l.s^tnanen 1 Gl; 
Gr; Z. Er ermann(e)t mi"* üf und dnäH"^ an'n Midml 
,Dyn märitant [Geschwätz] ennanet mick gljch, als 
wenn man von roten hosen sagt, die dienent aber wol 
zum doktorat.' Gtrbkr. 1528. — 2. = an -manen 1. 
Gend-mer, was'i [euch] Gott [zu geben] ermani Z. 
Auch bair. — 8. von einer Kapitalzahlung in Eennt- 
niss setzen, i. S. einer Auf kÜndung. ,Ist aber, dass 
N. ald syn erben N.* ald syn erben ermanent mit 
21 pfunden Züricher pfenningo hinnen ze der nechsten 
wiennachte, so sint die dri mütt kernen [Gültzins auf 
dem Hause] abe und ist der halb teil des hnses fftr- 
bass ledig.' 1317, Z ürk. — ver-: 1. bei Anlass einer 
Beschimpfung die Anwesenden durch den Ruf: 1^ 
cermane^! als Zeugen anrufen und dadurch zur ev. 
Zeugenaussage vor Gericht verpflichten B. J"* 2ä* 
drum V., ich bringe die Sache vor Gericht und ihr 
seit Zeugen BHa. ,Der Fritz sagt zum Ludi vor 
allen Leuten: Ich will dir einen Feuf bätzier geben, 
wenn du mir einen grössern Esel zeigen kannst als 
du bist. Und der Ludi hat vermahnt usw.' B Hist. 
Kai. 1822. ,Er begann die Gesellschaft zu schelten, 
dass vermahnt wurde und Denkwein gebracht' N. B 
Kai. 1843. — 2. gerichtlich verklagen BoAa. Ver- 
mäne* hättisch-ne^ sölk^, sc. den Baumstamm, gegen 
den Einer den Kopf gestossen hatte. B Dorf kal. 1878. 

— 8. ermahnen. LLav. 1582; Z Kirchenordn. 1628 
(,trostlich vermannen'); Bs Taxordn.; Z Mand. 1650. 

— g^'=: manen 1 AAWohl.; Z. 

Man er. E* gueter M, ist besser als «" füle^ Ar- 
beiter. Ineichek. Vgl. Zue-lueger Bd III 1228. 

Manii^gf.: Mahnung. 1. Aufforderung, Warnung, 
wie nhd. Bs; Uw; Z. Es soU-mer e* M. m", ich will 
CS mir gesagt sein lassen Bs; Z. — 2. Mahnzettel von 
Seite der Schulpflege an die Eltern wegen versäumten 
Schulbesuches eines Kindes Z. — 3. eine formliche, 
bundesgemässe (nicht verschlossene, aber mit dem 
Siegel des mahnenden Ortes versehene) Aufforderung 
von einem ,Ort' an das andere, sei es zu Hecht zu 
stehen oder Hülfe zu leisten, z.B. 1530, Absoh. Vgl. 
üs-gän Bd II 25; für-sich-gän Bd 11 33. 

Ver-: Ermahnung, Erinnerung. ,Das brot [im 
Abendmahl] ist ein t., dass der lychnam Christi für 
uns ist in tod hingegeben.' Zwingli. 

ver-manlich: ermahnend. ,VermannIich.'ZwiHGLT. 
,Er wirt ein v. geschrei füeren.' 1531, Jerim.; dafür 
1667 : «antreibendes.' ,£& wird dem Ausschnss v. zu- 
gesprochen.' 1587, Absch. 

Man^stre" U ; W, Minestre^ PP. ; T ; W — f. : Suppe 
mit Einlage von allerlei Grünem, Gemüse; mit Aus- 
schluss der Brotsuppe; Syn. Chu4M-Suppen. .Morgens 
erhält der Bewohner von Ulrichen eine gute Suppe, 
die man M. heisst.' AmHbrd. ,Wett inen ein sür me- 
nester kochen.* Salat. ,G'sotten und brates gnueg, 



29h 



MuH, men, min, mon, rnnn 



296 



fünferlei pastctcn, vil monester, kriese, cr'bere, pfer- 
.sich, biren, pfandkucchen' usw. 1557, Gsscnpo. Ges. 

(Pariser Reise). — Chnrw. manettm, it. mineMtra, Snppo, 
TOD lat. minütrare, auftrngon (bei Tische). 

Mäni: Marianne AiSt.; Z (Dan.). 

NSni BHa., Mdni Gr; Ndw — f.: 1. Mähne, bzw. 
Halsrücken des Pferdes, auch Rindviehs. ,Ein Weib- 
lein [Hexe] schaute das Rind an und strich demselben 
mit den Worten: Das ist doch en hübschi Mähni! mit 
der Hand über den Rücken.' JIklin 1878. .Die (hals-) 
mänin.* Tibrb. 1563. — 2. Dim. Mändi, Mäneli S, 
Männeli BM., &) ^ Lämeli 2 (Bd III 1267) BM.; S. 

— b) zwei bleistiftdicke Auswüchse, welche am Halse 
von Schweinen etwa vorkommen BM.; S. 

Über die Vwdtschaft s. Kluge (5) 245. Zu unserem 2 
Tgl. die Bed. Halsschmuck, welche in aisl. men und lat. 
monüe liegt. 

Manier f. : 1. wie nhd. allg. ,Jmdn in der M. [in 
den Schranken des Anstandes] behalten.* Gotth. M. 
lere' wird als Zweck angegeben, wenn junge Leute in 
eine Erziehungsanstalt (der französischen Schweiz) 
gehen Tu. Worum bist au'^ du t» '« Wälschhnd 
g'gange*? Antw.: i/a, go* Maniere* lere*, du Chue! Z. 

— 2. PL in concr. S., Gegenstande nach Mode. Art 
eines Volkes. .Dero von Ougspurg burger, so in Östcr- 
rych lagend am Türken, schicktend mancherlei tür- 
kischer monieren gen Ougsburg, nämlich dem doktor 
Peutiger ein türkische schrift, vilen Chorherren säbel, 
türkisch hüet, kocher, gürtlen, bärt, oren [usw.].' Vad. ; 
vgl. Art 6 (Bd I 474). - Zu o für n in vortoniger Silbe 
von Fremd w^^rtern vgl. Polier, Soltit. 

manierli«*', -ech, -ig: wie nhd. Ap; Bs: Tu; Z. 
,Einc raanierligte Frau.* Gotth. 

u"-: Steigerungsadv. Ap. Omanierlig müed. 

lütscheli- GrD., lutzi- GrAv.; wenig manierlich, 
nur subst. im Volksrätsel als Name der Stubenfliege: 
Es ist es cMcins schwarzes Tierli, heisst L. und hed 
schi''^ vermisse; mid Her und Frau (z^ Mittag) z' ässe*. 

manierliche": manierlicher werden „VO;" W; Z. 
Auch yon Sachen : „das Kleid manierlichet, fällt (durch 
diesen neuen Zuschnitt) netter ins Auge." 

maniere": 1. „den Mittelweg wählen, z. B. bei 
Handel und Wandel. Er hat's gemanieret, hat keinen 
übertriebenen Preis gefordert. Das Wetter mauieret, 
geht an, ist zwischen gut und schlecht VO." — 2. hand- 
haben. ,Gott hätte uns langest den Eid aus den Hän- 
den gewunden, weil wir ihn nicht besser m. könuen.' 
FWyss 1673. ,Als ob Alles nur an uns stehe, an 
unserem schürgen und manieren.* ebd. — 1 von ,Ma- 
nier*; 2 von frz. monier. 

ManoVer n.: 1. Sg., Scheinmanöver, Kniif Bs; Sch; 
Tii; Z. — 2. PL, Spässe, Possen Bsj auch: auffallige, 
närrische Geberden Thj Z. 

Mäimel AaL., St., Mdnewel Bs; GlH., Mannt AaL., 
St.; „FMu.; L;" Z, Mäni (Dim. Mäneli) UwE., Mannli 
Z, Mannt AALeer.; Bs (Dim. Männeli m.); „B", Man- 
net AALeer. : 1. Emanuel. aaOO. — 2. Mani, auch 
= Gcrmann L, Mannli, Hermann Gr (Vassali). — Zu 

Maneicrl vgl. artjtwifren aus arguicren. 

Menaseliere" f.: ,Vorfleck, Tändelschürze, eine 
kurze Schürze des Frauenzimmers, womit es sich das 
Ansehen einer Hanswirtin oder Köchin gibt.* Spreng. 



Frz. mfnnfjfre, Hauswirtin. Das Getragene mit dem Namen 
des Trftgers bezeichnet wie mit hergere der Hut, wie ihn 
eine Schäferin trftgt. 

Men&sehi f.: Lebensmittel, Proviant GRPr. Pack 
«• gueti chrepfegi M. in d's Renzli. MKüoni 1886/7. 

Vgl. frz. pain de mfnage, hausbacken Brot, jamhon (le m., 
selbstgerftncherter Schinken ; zur Form des Fremdwortes vgl. 
Fueteraacki, fourrago, Ouraachi^ Bagattrhi, 

Mennel, Menner I C-*e-) — m.: niederer Hand- 
sch litten für Holz, Heu aScnw. Auf leichten M-n 
wird z. B. Ende Januar das Wildheu aus den Alp- 
hütten ins Tal herunter geholt, gewöhnlich zwei ,Bur- 
denen* auf einmal; Syn. Zug- Schlitten. — mennerc": 
ein Fuder (Holz, Heu) auf einem Zugschlitten ziehen, 
bes. aber bergab lenken Schw. Syn. böckleren. Es 
fichwers Fueder z' m., wo "s stotzig ist, brücht grad 
nw e* chH' Ellboge^schmalz [Kraft und Behendigkeit] 
ScHwMuo. — Vgl. mhd. menel, Trelbstachel. 

H6re"-Mennel Schw, -Menner ZooÄg.: Hand- 
schlitten mit zwei Hörnern, d. i. vorn emporragenden 
Schlittkufen, zwischen denen stehend oder (wenn es 
bergab geht) auch sitzend und daran sich haltend der 
Mann den mit Holz oder Heu beladenen Schlitten 
lenkt (mennet, u-istj. Vgl. Hom 4 k (Bd II 1618) und 
Böckler, [Der Holzfrevlcr] häd mängsmol z* Nacht uf 
si^'m alte* H. die schönstem Schtter us-eme* rüche* 
Tüfd [rauhen Berghalde] appe* ntefot*'* g'schleUct und 
i" der andre* Nacht i" 's Dorf g*füert mit-enie* Zieh- 
rindli. MLirnert. 

monne", in Th tw. c', in GT. -e'-, sonst -.?-, bzw. 
-c'- (in Gl mit geminiertem n), in ScnwMa. -.*-, Ptc. 
Perf. g'mennt Tu, sonst häufiger -et: 1. das Zugvieh 
antreiben und lenken, mit Zugvieh fahren, a) beim 
Pflügen GTa., T.; Th; Z. Syn. z' Ächer trtbe*; vgl. 
Menn-Bueb. Er menn(e)t, das* me* '» Über 's ganz 
Feld %-e* gliöi't. Wann Eine^ 's M. nüd verstät, sc 
cha** de*' Pflueghaltei' ke* schöni Art [Farche] macJie* Z. 
Bisweilen auch allgemeiner = pflügen ZRüml.; Syn. 
z' Acuter fare^. — b) beim Fahren übh. BO.; Gl; Gr; 
GA., T.; Schw; üw; U; W; Zg; Z. Syn. fuer-werchen. 
In den Gebirgsgegenden ganz bes. vom Fahren mit 
dem Schlitten, auf dem man Holz nach Hause, Dünger 
auf die Wiesen führt. Übh. schwere Fuhrmannsarbeit 
tun Gl; ZRichtersw. Der Mennende chunnt mit dem 
Rennende; der Bedächtige [eig. langsam Fahrende] 
kommt mit dem Hastigen ans Ziel GrD. Du bW*st 
en Stock, zum mit-der M., so dumm, dass man dich 
als Zugtier brauchen könnte. Sciiwzd. (Schw); vgl. 
noch Guntenl (Bd II 383); gresten (Bd II 810). Da»* 
wird schätzwöl ha* müesse* w., komische Deutung der 
Bewegungen eines Musikdirigenten. Stutz. ,Es soll 
ein yetlicher, so holz uss den bergen fertigen will, 
faren uf den nächsten holzzug und nit darüber noch 
daruss m., sunder strags dem selben zug nach zu 
boden farn.* 1530, Schw LB. ,Wo Einer dem Andren 
durch syn Guet holzeti, fiert oder ment und da Schaden 
tuet.* 1605, ScHwG. LB. ,M., leiten, treiben, minare, 
ducere, agere, instigare, stimularo.' Red. 1662. ,Agi- 
tare equos, boves, m., die Ross, Stier treiben.* Denzl. 
1677; 1716. Auf das angetriebene Zugtier übertr.: 
Wänn-er wand [wollt] g* fresse* ha*, so müend-er au*'^ 
m. MLiENBRT. ,Welicher mensch v6 hat, [der soll] 
mit VC helfen, und welicher nit menetz [= mennendes] 
hat, soll sust ein tagwcn tuen.* 1558, Gpd. — c) tr. 



297 



Man, men, min, mon, man 



298 



a) mit dem Zugtier als Obj. Es Rind m. Gl. E** 
guets Boss mues^-me* nüd m. Gl; Z. ,Equo8 exlior- 
tari, die ross redlich m. nnd nachhin treiben/ Fris. ; 
Mal. - ß) mit der Last als Obj. BO.; Gl; GT.; üw; 
W. Chäs ah der Alp m. Büw w., Dünger auf einem 
Schlitten in die Wiesen führen W. Höh [Holzblöcke], 
Schutt m., mit Hornvieh führen Gl. Frijer hei* si 
d' lAhi [die Leichen] abhi* g'mennd äb-em Berg und 
«o** vun Husen [Ortsn.] hei**'Se-sen üfi [nach Meiringen 
gefahren]; jitz wollt Alls 'tragen sin BHa. ,Da8 Laub- 
holz wird des Winters, wenn der [Klöntaler-] See tief 
hinunter überfroren ist, auf den Holzschlitten heraus- 
geführt (herausgemännt).* Steinm. 1802. Was «* Alles 
dur^e^ saumed [auf Saumtieren transportieren], män- 
ned [fuhrwerken]. Schwzd. (Schw). Alles an ein Hü/fe* 
m., sich Alles aneignen Gl. ,Bei GRheineck worden 
die Schiffe stromaufwärts gemennet, d. h. mit am Ufer 
gehenden Pferden heraufgezogen.* TTobl. 1837. ,Wer 
ein nüw hus machen will, dem süllent die herrcn 
geben vier seilen und einen first, und wenn die tallüt 
das in den bodon bringent, dass man si da dannen 
mag gemennen, so sullent si denn die herren unz uf 
die hofstatt m. mit ir vich.' 1413, UwE. Talbuch. ,Die 
mülistein sollen wir fertigen unz an Stanzstaden und 
dannothin sollen die herren die stein m. unzt an den 
herg.* 1483, Obw Rq. ,Wer theinerlei holzes hüwi, 
rütti oder schwantti oder fallti oder theinerlei türs 
oder grüens daruss züge, trüege oder mänte.* 1493/1544, 
ScHW LB. ,Es ist abgeredt worden, dass Herr Statt- 
halter ihme Lehenmann jährlich mit drei Karrenrossen 
ein ganzen Tag soll lassen m. das Holz vom Walde.* 
1630, ScnwE. Klosterarch. S. noch Gart Bd II 432. — 
2. bildl. a) mühsam schleppen, herumziehen (schwere 
Gegenstände) Nnw. Er männd g'nueg a" siner Hüs- 
haUig^ er schleppt sich damit, ernährt sie mühsam, 
ebd. Übh. sich abmühen, streng arbeiten Gl; L; 
GWe. Hütt han-i"^ (f mannet L. I«* ha* müese* w., 
bis t** dobe* g*si* bi*, z. B. von Einem, der einen 
schwerHilligen Gang hat, wie wenn er Etwas zu ziehen 
oder zu stossen hätte Gl. — b) durch wiederholtes 
Zureden, Ermahnen zu einer Arbeit antreiben Z. An 
Eim m., an Einem treiben. Me* muess doch eister es 
M, ha* mit dir, es toott ekein Wig gä*. Wenn i*'^ 
nüd alUtcil manne*, so gät Nüt, sagt der Hausvater 
zu seinen Kindern. »Meister, bruchend zimlichen üwer 
knecht, trybend s' und mannend s' nit all stund, nit 
änderst, ob sy sjgind hund.* Rüep 1540. 

Mhd. mcn(n)en, ahd. mennnn nuB wanjan; vgl. vnlgftrlat. 
mnnnire. noboii miiwre (,niinare pcciis in alpcm.' Acta Mu- 
rcnsia), it.. menare, frz. mener. Die Angabe Metuj-Burh, -Sterken 
Air ApH. lAast fürs Vb die Ausspr. menfjtn vcrniiitcn; vgl. 
die nihd. Nbf. men(i)yen, aber auch Fälle wie Chängd, Ching, 
Lung neben Channel usw., n. a. fthulicho, bloss lautliche Spiel- 
formen. 

ab-, abe"-: ;,[das Vieh] durch zu vieles Mennen 
erhitzen und entkräften Gr." ,Conterore boves, die 
ochsen gar a., mit arbeit übereilen, übernötigen, ze 
fast brauchen. A.. das vych übertryben, fatigare ju- 
menta. Emeriti boves, abgemännte oder erlägene 
ochsen.* Fris.; Mal. Übertr. auf Menschen Sciiw. Syn. 
ahe*g'schafft. — über-: die Zugtiere überanstrengen 
Gl; „Gr;** Ndw. — umme"-: 1. „das Vieh herum- 
führen Schw; üw; U; Zg." — 2. bildl., an Etw. müh- 
sam arbeiten, doch ohne merklichen Fortschritt; hin- 
schleppen, verzogern, z. B. einen Prozess „Sciiw;** 



Uw; „ü; Zo." Syn. umme*'Schleike*. — I"-: 1. durch 
zu schweres Fuhrwerk schädigen, zerstören Nnw. Es 
Briggli t. Syn. %n-charren, — 2. refl., sich abarbeiten, 
zu Tode arbeiten Z. I'g'mennt, abgearbeitet. — ver-: 
1. einen Vorrat, z. B. Dünger, aus einander führen, 
mit dem Nbbegr. des Auf brauchens Schw; Z. 's müesst 
e* Hauderer vier Boss ha*, wett er all dir Mist v. 
MLiBMRRT. — 2. „das Vieh verführen [gleichs. in eine 
Sackgasse leiten] Schw; Uw; Ü; Zg." — 3. „bildl., 
eine Sache verschleppen, d. i. hinlegen, dass man sie 
nicht leicht finden kann, ebd."; Syn. ver-sckleiken. 
Der Bueb he* mir 's [z. B. das Buch] vermennt, sagt 
etwa eine Mutter Schw. — 4. Ptc. vermännt, durch 
strenges Arbeiten abgenutzt, entkräftet, von Tieren 
und Menschen GW. En vermänneteT [abgearbeiteter] 
Ma** Gl. — z'sämme"-, z'w6g-: gefälltes Holz 
mit dem Fuhrwerk zum Behufe späterer Wegfuhr an 
eine Stelle bringen; s. Gunten Bd II 383. ,Er mag 
das Holz zusammen mSnnen und legen.* 1483, Gfd. 

Menner II m. : Bursche, der das Pflug- oder Zug- 
vieh übh. antreibt Ap; Gh; Syn. Menn-Bueb. In Gr 
ObS. ein Knabe (bisweilen auch Mädchen, Menneri*), 
welcher beim alten Vor- und Nachpflug (vgl. Krieg 
Bd lU 799), in der Furche vorausgehend, am Pflug- 
baum oder an Seilen, die um die Hörner der Zugtiere 
gebunden waren, lenkte. ,Der herr ward zornig und 
wollt den m. [Arnold von Melchtal] übel an, der 
muost entrünnen.' 1468, Obw (weisses Buch v. Sarnen). 
.Ein Prediger sagt, er sei ein geistlicher Ackermann. 
Sein Pflug sei Gottes Wort. Sein Zug seiend die Pro- 
pheten und Apostel. Sein M. seig syn Wyb. Sein 
Acker seigind seine Zuhörer.' Schimpfr. 1651. 

In der folg. Stelle scheint das W. durch Übertragung 
i. S. T. Gespann (Menni) gebraucht zn sein. ,I)isc nachge- 
schriben töbler seint behalten allen denen, die nit menncrn 
haben; euch möchte einer wol, der ein m. hat, mit seiner 
selbst lyb daran ss tragen.' 1488, Zellw. Urk. ; vgl. Menni 1. 

Mcnneten f. s. Fueter-Haber Bd II 932. 
Vgl. das in Gr Urkunden öfter yorkommende tntmaidfi 
und frz. men^e. 

Me*nni GnVal,, Meni, 3f«*m GnHe., ÜVatz; GSa.. 
W., Mannt Ap; Gl; GnEh.; Schw; üw; U, Mäni U 
— f.: 1. Gespann, Fuhrwerk mit Zugtieren, meist je 
zwei Stücke Hornvieh, auch Pferde Ap; GrD., L., ObS.; 
GSa., W.; Schw; in GrD. nur mit einem einzelnen 
Rind. Er hat die Blöcker mit dem schwache* Meneli 
nit g'füere* möge* Gr UVatz. D' Meni icBtte*, das Zug- 
tier einspannen GnPr. ,Da die Äcker und Wiesen 
oft sehr weit vom Dorfe entfernt liegen, so muss jeder 
Bauer in dieser Gegend [G oRh.] eine Mähne haben, 
d. h. Ochsen und Pferde.* Steinm. 1804. ,Mit syn selbs 
lyp darus zühen und tragen, aber usgeschlossen mit 
der meni.* XV., G Hd.schr. ,Wenn der Herr auf Wartau 
wohnt, soll jeder, der eine Männi hat, demselben eine 
Fahrt Holz auf das Schloss bringen.* 1437, Sbnn, Chr. 
,Das feld ist ze buwen mit einer starken menni.' 1468, 
Zellw., Urk. ,Seinem buchen, der im die mäni traib, 
baiss er [ein Wolf] ain or ab.* Vad. ,Ain wolf Inf 
N. N. und N. N.* an, wie si ain meni fuertend.* ebd. 
,Mit Boss und Meninen.* 1661, GRebst. Arch. Ge- 
spanndienst, Frohndienst mit Fuhrwerk: ,N. N. von 
Alchistorf soll schwören : dass er und seine Vorderen 
auf den Gütern des Twinges zu A. in 30 oder 40 Jahren 
dehein Meni nie getan haben, dass er noch um die M. 
ledig sei.* 1398, B Urk. — 2. „m. HO.; U-, f. GrD., 



299 



Man, men, min, mon, man 



300 



Pr., Rh., Schod.; SchwMoo., n. GrO.; ü, einzelnes 
Za^ier, meist Rind (Ochse), in ScHwMno. auch Pferd. 
,Wer Zugtiere (Mähnen) besitzt, muss dieselben, wo 
nötig, statt eines Arbeiters auf Gemeinwerk schieken.* 
1868, Gr Ratsbericht; vgl. Bahler I 89; II 126. jy 
Spü8e*fuer [s. Bd I 973] chound [kommt] am Morged 
frie nUt zehe^, fufzthe* Menü Schwzd. (GrO.). — 
3. Schlitten, bestimmt för Hornvieh Gl. Syn. Menn- 
Schlitten. — 4. Stück Holz, das gemennet werden soll, 
Mennlast. a) „abgesägter Klotz, zwei Scheiter oder 
ca 5' lang B(}r. (m.)", Hk. — b) von Ästen und Rinde 
entblösster, gefällter Baumstamm. Auch bildl., beleibte 
Person Obw (f.). Syn. Trämmd, — 5. Platz, Stelle, wo 
eine Last auf das Fuhrwerk, bes. den Schlitten, ge- 
laden werden kann Gl; SchwMuo.; Uw. Holz (aus 
dem Walde) a" d* M. (z. B. die Strasse) tue^, füerer, 
S. noch grichen Bd II 701. 

Zu Bed. 2 Tgl. lat. jumenium, Zugtier, eig. Gespann, im 
frz. jument zam Begriff Stute verengert, io welch letiterem 
W. zugleich der Geschlechtswechsel (das Masc. wohl durch 
Orhti, Stier, das Neutr. durch Rind veranlasst) eine Ana- 
logie findet. 

£ren-Menni: freiwilliger Frohndienst durch un- 
entgeltliches Fuhrwerk, z. B. für Geistliche oder An- 
dere, die kein eigenes Fuhrwerk haben. Früher ge- 
schah dies auch an Feiertagen (z. B. an St Sebastian, 
Agathen) mit vorgängiger Yerkündung von Seite des 
Pfarrers an das Volk am Sonntag vorher von der 
Kanzel Zof- Ygl, Sr-Tagwan. — üss-: Zaunlücke, 
Ausfahrt für ein Fuhrwerk, einen Pflug. ,Es gat ein 
ussmänni uss dem Riethof uf den Tollacker.' 1497, Z 
Glattf. Urk. Syn. Menn-Loch, -Lucken. — Holz-: 
Holzzufuhr als Prohnde. Der Abt von Kappel ver- 
langt, dass gewisse Lehensleute ,der wynmcnni ge- 
horsam syn' [Wein ins Kloster fähren] sollten, diese 
aber behaupten, sie seien nur ,ein h. schuldig g'syn.' 
1505, ZKapp. Urk. — Chüe-: Fuhrwerk mit Kühen, 
Pfluggespann, aus Kühen bestehend Gr UVatz. Syn. 
Chüe- Zug. In se sehwärem Bode* lät-se st** mit-ere* 
Gh. nit wol bräche* [pflügen]. — Ross-: Pferdege- 
spann GnHe. — Win-: Weinfuhr als Frohnde oder 
auch Geldabgabe an deren Statt. ,Summa den[ario- 
rum] tam de servicio dicto w. quam de decima minuta.' 
Anf. XIV., AAMuri Zinsrod. .Von der w. git N. N. 
von Buochre ze w. '20 den.* XIV., L Propsteirod. Die 
Bauern von ZHausen a. A. kommen bei der Regierung 
ein, ihnen die ,wyn-mennc' zu erlassen oder zu er- 
leichtern. 1525, EoLi, Akten. ,W. 4 p [für je 1 Schu- 
pose].' 1526, BPrienisb. Klosterrechn. ,Die Lehenlüt 
[zu ZKappel] sollend jährlich zwen Ertagwen tuen, 
auch der Wynmänni oder derselben Fuhr gespannen 
stahn, man führe viloder wenig Wyns.' 1662, Z Lehenbr. 

Menning f.: Fuhre, Fuhrlcistung. , Dieselben lüte 
söUent euch ir jeglichen zwo mennung, eine zuo wic- 
nacht und eine ze ostren, dem meier ze Biel tuon; 
will er aber husen [ein Haus bauen], so söllent si 
ime die dritten m. tuon.' 1352, BÜlfingen Offn. Der 
Spitalmeister [zu GUzn.] zeigt an, dass das Gottes- 
haus, wenn dasselbe oder die Kirche gebaut werden 
müssen, mehr ,Mennung' bedürfe. 1763, Adscu. 

g^'-mein, in AaF.; Ap; Bs tw.; Gl; Gntw.; G; 
ScH; Th; ZO., Wl. g'mei*: wie nhd. allg. 1. a) all- 
gemein, was Alle betrifft und von Allen ausgeübt 
wird. G'wßt"« 'l^lär [Gerede] ist aelte* lär [ohne 
Grund]. Ineicrrn. — b) öfl'entlich, das Gemeinwesen 



angehend oder davon ausgehend, 's g'mei* WSse* [die 
Gemeinde] muess-en erhalte*, er ist ,almosengenö68ig* 
ScnSt. G'mdne Alpe*, dem Staate, insbes. dem Armen- 
amte, gehörige Bergweiden, die an ärmere Bürger um 
ein Kleines jährlich verpachtet werden ApI. ,Geis8 
aufs Gemeine [Gemeinalp] treiben.' 1778, UwLung.; 
vgl. Ällmend. ,Die gemeinen Werke (Frohndienste, 
um die Alimenten zu säubern, die Misthäufen darauf 
zu verschlagen usw.), die es einem Jeden auf seine 
Kuh trifft.' Steinm. 1802. ,[Vermächtniss] an die ge- 
meinden kerzen.' XV., Züst. Annivers. »Ein g. [öffent- 
liches] mandat uss lossen gan.' 1476, Bs Chr. ,Dem 
N. N. von den gemeinen rüefen.' 1500, B Ausgabe- 
posten. ,Ein gemeiner ruef, öffentliche Bekannt- 
machung. 1521, Absch. ,[Huss begehrte] man sollte 
im doch einer g-en red [Öffentlichen Verteidigung] 
vergönnen.' Vad. ,Ein anders gebürt dem, der ein 
ampt hat und ein g. person ist, dann dem, der allein 
ein besondere person ist.' JHaller 1597. ,Alle die 
Hab und Güeter, so man inen g. gemacht [lat. publi- 
care], genommen und conflsciert.' RCys. ,Landstry- 
chcnde Bettler, die zur Arbeit vermüglich, zum ge- 
meinen Werk anfesslen und bruchen.' B Mand. 16*28. 
Das ,g. B6tt' verrichten. 1653, LNeud. ,Wenn ein Amt 
ist zu bestellen, sei es kirchisch oder g. [staatlich].' 
CMey. 1657. ,Da8 Büchlein g. machen [veröffent- 
lichen].' SüLZER 1772 (und schon bei Zwingli). S. noch 
Dings-Kauf Bd II l 167. — c) gemeinschaftlich, ge- 
meinsam, vereint. G'm-% Ätz%*g, gemeinsames Abweiden 
der Weideplätze und Wiesen im Herbst und Früh- 
ling ohne Rücksicht auf die Quantität des Privatbe- 
sitzes an Wiesen oder Vieh eines jeden Partikularen 
Gr UVatz. Die g. [Reformierten und Katholiken ge- 
meinsame] Chüdie* Gl. Mer [wir] händ d* Schür 
cfmd* mit enand Z. Si händ *s g'm. wie die erste* 
Christe". Sfrww. 1869. I«* macht nöd mit-em g*mä* 
ha* GBh. Die zweu Meidschi hei* es Chrättli z'sämm^ 
z' g. [zum Ostereiersuchen]. Sohwzd. (BSt4lt). G. hüse*, 
geraeinsamen Haushalt führen GT.; Tn. E* b'soffe* 
Wib, en g-er lAb. Sülger ; vgl. femme publique. iT g-em 
Hat, gemeinsam, zusammen, z. B. gehen, Etw. tun Gr 
Chur, D., L., Pr. ,Die Bauern seien einig, nächstens 
eine g-e Teilung [Gütergemeinschaft] zu machen.' 1524, 
Absch. Die Täufer hätten ,wyb und mann g'meind wie 
die Gruebenheimer.' 1525, G Ratsb. ,Ein so herrlicher, 
ansichtiger mann [wie der Papst], so ein g-e [der 
ganzen Menschheit gehörende] person ist.' JWolf 1561. 
,Es gibt in sömlichen anstössen gemeiniglich ein g. 
wetter [es trifft Alle gleich].' 1585, ü Ncuj. 1827. ,Sie 
müssen den Hag g-d machen.' 1767, ZWang. Ehfad- 
rodel. — 2. zwei Parteien gemeinsam, unparteiisch, 
wie änhd. Übergehend in die Bed. genehm, annehm- 
bar : ,Dass mir Baden [als Ort der Disputation] keins- 
wegs g. ist.' ZwiNOLi. ,Es ist den predigeren der statt 
Zürich weder g. noch gelegen, in das concilium von 
Trient zu kummen.' HBull. 1546. S. noch gli(^ 4 (Bd II 
595). — 3. ordinär, mittclmässig; Gegs. besonder, her- 
vorragend, selten. En g-er Ma**, ein Mann aus dem 
Volke Gr; G; üw; Z. Der g. Ma**, coli., der untere 
Mittelstand Z. Me* cha** mid-em umgä*, tri« mid-eme* 
g-e* Mensch Ndw. J** will lieber en g-tr Ma** si* 
und in*n Himmel chö* [als reich oder vornehm und 
gottlos sein] Z. Das Trölcn [Prozessieren] ist ntki 
für die G-e*. JKMey. 1844. Chömmed ir au^'^ mü? 
Ja frili''^, we**-mer [wir] so zwe* Herren, wie-n-ir sind, 



30 i 



Man, men, min, uion, iiiuu 



302 



nüd z* g. sind. Jugbvdbghatz. So g., so ziomlich, nicht 
gerade viel, nicht eben sehr Gl; GA., G. Heid-er vü 
//et* überchö*? Antw. eso g. GA. G'mei* (so g. ane^J 
GG., Sev., 80 g^mcUächt GT., Antwort auf die Präge: 
Wie geht's V Si hänked de' Chopf und drtiesed so 
umme^, icie wännd s* g'mei* cfirank [geradezu krank] 
foäre^d. Feurrr. O. [nur mittelmässig] g'faüe* Gl. 
,G-e Schulden*, solche, die sich durch nichts Beson- 
deres, wie Pfandrechte, Privilegien, auszeichnen Z 
(Fr. V. Wjss). ,Die g-en Handschriften, in denen keine 
benannten Underpfönder, sondern allein des Haupt- 
schuldners Hab und Gut verschriben.* SMutach 1709 
(für B). — 4. gering, schlecht Ap; G; Z. JS> g-8 Jar Z, 
g'mä's Jörli GTa., unergiebiges, unfruchtbares Jahr. 
Hür giH *8 g-i Frucht, leichtes Getreide Z. Wie 
stät '8 w'n Bibe^? '« stät gruselt^ (fmei^. HBrandenb. 
1870. Ik hed 's fschädeli''* [bescheidenlich] g'mäne* 
Ap, es stät g'mei* nut-em ZDättl., leiblich oder öko- 
nomisch. ,Der Verdienst im Bauin wollgewerb ist g.' 
Tageb. Schumi 1785. ,Er befindt sich g.* 1788, Apid. 
.Oberhaupt war*s ein elendes Jahr, allenthalben Krieg, 
Teurung, Hunger. So g-e Jahre hatten die Alten nie 
erlebt* 1789, HWebbr 1869..— 5. herablassend, nicht 
stolz im Benehmen, leutselig Aa; Ap; Bs; B; Gr; S; 
Uw; U; Z. Gegs. g'herrsch, G'mei* «i", einfach, be- 
scheiden auftreten GRPr. Der Her von 8. tued ganz 
g. GRPr. G. mache* Gr; Sch (St*»), «»^* g. mache* (mit 
Eim) Aa; Th; Zg; Z, sich herablassen, mit geringen 
Leuten (allzu) vertraulich sein. W6U, t** «?e*^-im** 
a«** g. macht* mit dirige* LiUe*! Th. Wie der Herr 
B. i«o ne* gueter und so nc* g-tr Mensch sig und me* 
mit im chönn rede*, tele mit eusergattigt^ Lwte*. Schwzd. 
,Da8 Meitschi komme immer daher wie aus einem 
Dräckli und sei doch ganz g., möge sich mit den 
ärmsten Leuten g'm&hen, könne mit einer alten Frau 
berichten ganze Stunden lang.* Gotth. ,Die Vorge- 
setzten rühmten mich [den Schulmeister] und sagten, 
das hätte ihnen gefallen, dass ich gar so ein g-er sei 
und niederträchtig mit Jedermann.* ebd. ,Bi8 aller 
weit früntlich, bis nit aller weit heimlich; bis g., nit 
geheim!* WSteihbr 1530. ,Machet sich Gott mit uns 
g., so ist er nichts desto geringer; machet er sich uns 
selzen, so ist er nichts desto grösser.* JJBreit. 1616. 
,Gar zu g. mit den Untertanen bringt gern Verachtung 
[der Regenten].' Lindinner 1733. — 6. adv. Gebrauch. 
Si pursed si*^ da iez g, ine* z'säme*, sie versammeln 
sich da jetzt ordentlich [ordentlicher Weise, gemeinig- 
lich] BHk. (St»»). 

all-: 1. wie nhd. allg. Das Neutr. subst: Publi- 
kum, Volk; die öffentliche Fama, 's Ä. denkt änderst Z. 
Öjtpis für 's A, tue*, etw. Gemeinnütziges ZO. 's isch 
's A,, es ist allgemeines Gespräch, die Leute sagen 
allgemein Bs. — 2. mittelmässig BoSi.; s. gemein 3. 

In der Z Kanssleispr. 1818 dio Form ,allmein*: ,Dio Unter- 
pfand, und so hieran nicht genagsani w&re, dann auch a. des 
Schaldnors übriges Haab und Gut angreifen.* 

G*»-mein Aa (PI. G-e* und G-de* Leer.); Bs; BoE.; 
L; S; W, G'mei» FJ.; Gl; GrHo.; PAL; GSev., 
G'meind äaF.; Ap; BsStdt; B; Gl; Gr; G; Sch; Th; 
ü; W; Z, Tmänd Sch, Mänd ZSth., G'meid Th (Feier- 
abend 1860) — f.: 1. Gemeinde, wie nhd., wobei in 
der neuern Zeit unterschieden werden Bürger- (Civil-), 
Einwohner-, Kirchen-, Schulgemeinden, sowohl recht- 
lich als lokal, allg. Ohne nähere Bezeichnung ist es 
gewöhnlich die politische, Heimats- oder Ortsgemeinde, 



Oorfschaft Gang G. uf und ab, ob 's öpper eso machi 
ZS. Der Eichst i* der G. inne*, der reichste Bauer 
des Dorfes. Die ganz G. red*t dervo*, es ist Dorf- 
jjespräch. Er mö [muss] -»i** schäme* aor der ganze* 
G. Th. Es gät mich Nüt a; ich bin nit vo* dirc* G., 
scherzende und die Kirchturmspolitik verspottende 
.ausrede Z. Wenn-mir Nüt lösed us Wi* und Spise*, 
so chönned-mer au'''* der Tmänd nit zise* [zinsen] Scu. 
Was chunnt dt''* o*** a*, e* Seüige* [einen Solchen] 
a* d' G. welle* z* tue*, d. h. ihn zum Beamten zu 
wählen? B Kai. 1840. Ufd' G. gö*, an die Arbeit bei 
den öffentlichen Frohndiensten, bes. an den Strassen, 
gehen AaF. Syn. a* '« G'mei*- Wirch, A* d' G, ane* 
eho*, der Gemeinde zur Last, der öffentlichen Unter- 
stützung anheim fallen Z. Dass mer im vorhaltet, er 
sig der G. uf em Hals. BWyss 1863. Die heig-me* 
hei*^ uf d* G. geschickt; die wtrdi scho* öppe* für-se 
sorge*. BXri 1886. «Heimischen Krankon und Armen 
gibt man Nichts; geh vor die G.! ist da der allgemeine 
Trost.* Glur 1835. In einem Schreiben Zürichs vom 
J. 1442 bei Edlib. scheint das W. die Bevölkerung 
von Stadt und Landschaft Z zu umfassen : ,Das land- 
kündig ist unser ganzen gemeind.' In einem Briefe 
von 1373 werden dio Bürger von der Gemeinde unter- 
schieden, wohl nach der alten Klassifikation der Bürger 
von den Stuben und der Bürger von den Zünften. Als 
ein Ratsglied von Zünften zum ersten Male zum Bür- 
germeister erhoben wurde, so schrieb man, dass der 
B. zum ersten Male von der Gemeinde genommen 
wurde. Ochs; vgl. Bed. 1. Über den Ursprung und die 
Entwickclung der schweizerischen Landgemeinden s. 
bes. Fr. v. Wyss, Ztschr. f. schwz. R. Bd 1 ; auch Seil. 
140 f.; Tsch. 583 f. — 2. Gemeindeversammlung, allg. 
Hut ist fe") G. Öppis für (T G. bringe* Th; Z, cäo- 
lö* Gr. D' G. ist bi Buess, Ausbleibende werden ge- 
büsst Z. A* d' G. biUe* Gr, i*lad€* Tu, durch den 
,Weibel' zu einer Gemeindeversammlung einladen. 
'BoUeni G., obligatorische Bs. ,Die By- oder Hinder- 
sässen sollend sich der G-en müessigen.* 1641, ZoHün. 
Urk. ,Ein ganz potne G.' ebd. ,Dem Wirt allhior für 
zwei Jahr die Stuben zu heizen und dio G. zu dulden 
2 Krön.' BE. Rechnungsman. 1728. ,Die kleine G.' in 
ZRheinau bildete der Abt, Vertreter des Convcnts, 
geistliche und weltliche Beamte im Gotteshaus. Sie ver- 
sammelte sich in der ,Tafelstuben* zur Schultheissen- 
wahl, während die ,grosse G.' daselbst in der ,Burger- 
stubcn' sich versammelte. S. auch zer-gän Bd IL 37. 
Die jährlich wiederkehrenden Gemeindeversammlungen 
werden nach dem Tage oder der Jahreszeit benannt, 
so die Hl. Dreikönigen-G. Zo. ,Sonntag den 8. Jan. 
an bei Eiden versammt-, sogenannter Hl. Dr-G.* Urk. 
S. noch die Zssen. — 3. das Publikum, die Leute. 
,Sich halten nach der g., der meinung folgen des ge- 
meinen mannes, abire ad vulgi opinionem.' Fris. 

Das Ycrhältniss von Tmand einerseits zu O'meind, ander- 
seits zu Mand l&sst sich kaum mit Sicherheit feststellen; 
wohl kommt Vertauschuug von g bzw. ^ vor einer Liquida 
mit i vor; aber in dem vorliegenden Falle könnte Ver- 
schmelzung des synk. Art mit dem Subst. Statt gefunden 
haben. Letzteres kommt auch in deutschen MAA. und im 
Mhd. ohne das Prftf. vor; so auch in dem Flurnamen Mändli 
^ApL), welcher zugleich als Zeuge des ursprünglichsten Bo- 
griffes (Allmende, Gonossenschaftsgut) beachtenswert ist; die 
selbe Bed. liegt dem Flnru. U'meind ZWyt zu Grunde und 
ist in unserer &. Lit. vielfach erhalten. 

Heb-annc"-: Versammlung der Frauen zur Wahl 



303 



Man, men, min. mon, man 



304 



einer Hobainiue Th; Z. — Uss- Gemein: 1. Gemeinde 
au8serl)alb des Hauptortes Gl. Syn. üss- Dorfschaft. 
— 2. Vorstadtgemeinde mit eigener Vorwaltung Z. — 
V ö h - : 1. Versammlung und Beratung der Viehbesitzer, 
zumeist über Haltung des Zuchtstiers ZZoll. — 2. Vieh' 
gemeiuschaftsvertrag. Vgl. Halb-Vich ßd I 649 und 
bes. Seg., RG. II 516. ,Der vechgmeiaden halb, >Yann 
einer dem andern ein gmeind absagt yor S. Johannes- 
tag, so soll im der gmeinder dasselb jar, darin die 
absagung beschicht, züche[n] unz dass einer eim das 
gelt gibt und nüt hören zien, so bald einer eim abgseit, 
und soll aihveg einer dem anderen liehen uf ein kue 
11 pfd den. und giong die selb kue ab, so soll dem, 
der das gelt ussg'lichen hat, ein pfund pfennig ab- 
gangen syn, und wend si dann, so die kue abgat, die 
gmeind me han, so soll der gmeinder ein ander kue 
darstellen und diser im ein anders pfund pfennig gen.' 
Ai* LB. 1409. ,Die fechgmcinden und was angeleit 
gelt ist, das nutz und zins bringt, soll gelegen [liegen- 
des] guet syn und hei.ssen.' 1537, Ai» LB. Auch bei 
ÖtrickL II 26 (für GRh.). - Hfts-vätter-; Versamm- 
lung der Hausväter. ,Es ist heute Hausvätergemeinde, 
heute macht man neue Sittenrichter und neue Go- 
meinderäte.' B KaL 1840. — Fri-: freie, d. h. unab- 
hängig von der Oberbehörde einberufene Gemeinde- 
versammlung. ,Das3 denen Gemeinden [in GT.] fürohin 
unbenommen sein solle, in denen besonderen Gemeinds- 
angelegenhciten Freigemeinden zu halten, jedoch mit 
dem Beding, dass selbige von Niemand anders als von 
den Vorgesetzten gehalten, vorher aber dem Landvogt 
sowohl die Zeit, als auch was darauf verhandlet wer- 
den solle, angezeigt werden soll.' 1759, Absch. — 
Hof-: L die auf den Höfen, d. h. ausserhalb der 
engern Gemarkung Angesessenen und deshalb keinen 
Anteil an der Nutzung der AUmend Besitzenden B 
Huttwyl; ebd. auch Land-G. Gegs. Herd-G. S. Nyflf. 
1871, 135 f. — 2. Gemarkung der Höfe in GRh. ,[I)ie 
Rebsteiner bitten] ob unsere hoflüt nit euch dörfend 
im Ramstal kriese gewinnen, öpfel und biren schütten, 
als wol als üwer landlüt [die Appenzeller] in unsern 
hofsg'meinden kriese ze gewinnen, äpfel und biren 
ze schütten angedinget habend.' 1534, Schreiben des 
Ammanns von GMarb. an Ammann und Rat von Ap 
(Zellw., Urk.). 

Höflor-: die jährliche Versammlung der Dorf- 
bewohner in ApSpeicher je nach der ordentlichen 
Landsgemeinde. — Die Baustollo in Speicher hiess ehedem 
,Hor, die Bewohner ,HÖtter.' 

Herbst-: Gemeindeversammlung zur Bestimmung 
dos Tages, an dem die Weinlese beginnen soll Th. Syn. 
Wimmen-G. — Hörd-: durch gemeinschaftlichen Be- 
sitz von Allmendland verbundene Gemeinde B. Vgl. 
Herd 3 h (Bd U 1599) und Alhnend-Herd. ebd. ,üms 
Jahr 1050 wurde durch eine besondere Verordnung dos 
Rates von Huttwyl etwa 15 — 20 Minuten rings um das 
Städtchen eine Grenzlinie gezogen und dieselbe mit 
Marchsteinen deutlich ausgemarchet. Was innert dieser 
Linie lag, bildete die H.« Nyff. 1871. Syn. Stadt-G.; 
Gegs, Hof'G. — Trüben -hirten-: Gemeindever- 
sammlung zur Wahl eines Traubenhüters. 1727, Scu 
Schi. Urk. — Chäs-: Versammlung einer Käsereige- 
nossenschaft Zj Korporation von Viehbositzern, deren 
jeder so viel Rechte an der Käserei hatte als Kühe, von 
denen er Milch zu liefern versprach B. Vgl. Gotth., Veh- 
frcude 28. — Chnabe"-: Versammlung der Jünglinge 



von über 16 Jahren, gewöhnlich am Sonntag Abend 
vor der Kirch weih auf dem Dorfplatz bei der Linde 
abgehalten, wobei der Knabenrat, das Gericht, der 
Seckelmeister und der Weibel bestellt wurden. Der 
Rat hatte die Pflicht, den Jünglingen passende Mäd- 
chen zu gelegentlicher Heirat anzuweisen, auf diese 
selbst ein wachsames Auge zu haben und überhaupt 
auf Alles bedacht zu sein, was den Interessen der 
Jünglinge förderlich sein konnte. Das Gericht «sprach 
Recht in streitigen Angelegenheiten der Jünglinge und 
fällte auch Strafen, die gewöhnlich in einigen Mass 
Wein oder Most bestanden und gemeinschaftlich ge- 
trunken wurden. Alljährlich am Kirchweihfeste war 
dann von Rat und Volk grosser Umzug; wo es tunlich 
war, sogar zu Pferd. Nachher Tanz und Trunk bis 
Abends 10 Uhr AaP. f — Lands-: öffentliche Ver- 
sammlung der Bürger eines , Landes'; vgl. Land 4 a 
Bd III 1298. Spec. die je Anfangs Mai (oder Ende 
April) unter freiem Himmel mit feierlicher Eröffnung 
abgehaltene Versammlung aller aktiven Bürger des 
Kantons zur Wahl der Regierung und gewisser Be- 
amter, Abnahme der Landesrechnung und Abstimmung 
über Gesetze (früher auch über Krieg und Frieden), 
welch letztere Verhandlungsgegenstände in den vor- 
geschrittenen Kantonen den Bürgern gedruckt zuvor 
zugestellt werden; jetzt noch in ApA. u. L; Gl; Ndw; 
Obw; U, früher auch in aScHW; ScbwG., Ma.; Zg, sowie 
den Gr Hochgerichten; vgl. Land- Ammann, Auch in 
den Landvogteien GG., Sa., T., Uzn. hatten die Unter- 
tanen die Freiheit, sich für gewisse Landesangelegen- 
heiten zur L. zu versammeln. Zur Teilnahme be- 
rechtigt und verpflichtet ist joder Bürger vom 20. 
(früher sogar vom 14.) Altersjahre an; Ausbleiben bat 
Busse, früher sogar den Verlust des Landrechtes zur 
Folge; ausgeschlossen sind die ,£hr- und Wehrlosen.' 
In einigen Kantonen lag den sog. Hintersassen ob, in 
Kriegsausrüstung Wache zu halten. In Gl sind be- 
sondere Plätze für die unerwachsenen Knaben auf- 
gespart. Die Teilnehmer erscheinen in ihrem besten 
Staate und (nach strenger Vorschrift) mit Seitenge- 
wehr. In Gl halten vor der ,ganzen gemeinen L.' 
(deren Ort ,im Zun' heisst) die beiden Konfessionen 
ihre gesonderten L-en. Der wichtige Tag wird schon 
am frühen Morgen durch Mörserschüsse, Trommeln, 
jetzt auch durch Musik angekündigt. Ist die Stunde 
da, so verfügt sich die Regierung in Begleitung von 
gewissen hohen Beamten und Geistlichen (in U zu 
Wagen, früher zu Pferde) in mehr oder weniget pomp- 
haftem Zuge, bei welchem Trommler und Pfeifer mit 
althergebrachter Marschweiso nicht fehlen dürfen (in 
Scuw waren es ehemals ihrer 100), und die Weibel 
und Spiessträger in altertümliche Tracht in den Landes- 
farben gekleidet sind, auch das Landesbanner, das 
Richtschwert, das Landessiegel, die Schlüssel der 
Staatskasse und das Landbuch feierlich einhergetrageu 
werden, nach dem Orte der L., wo sie von den Land- 
leuten mit entblössten Häuptern empfangen wird; vgl. 
Helmillihd II 1205), Uri-Stier. Für die Regierenden 
sind in der Mitte des Platzes ein oder zwei sog. Stühle, 
Tribünen, errichtet. Der Landammann, welcher, auf 
das Landesschwert gestützt, während der ganzen, oft 
stundenlangen, Verhandlungen zu stehen hat, redet 
die Versammlung an mit: .Vertrüti, getreui, liebi, 
hochgeachtcti Landlüt!' (ApI.) oder: «Hochgeachtete 
Herren, ein hoch- und wohlweis gesessener Landrat, 



305 



Man, men, min, mon, man 



306 



und ir, getrüwe, liebe LaDdlüt!' (Uw). Wann der 
Grossweibel in die Verhandlnngen einzugreifen hat, 
wendet er sich an seine Vorgesetzten und das Volk mit: 
^Hochgeachteter Herr Landammann, hochgeachtete, 
hochgeehrte Herren, hoch- und wohlehrwürdige Geist- 
lichkeit, sämmtlich yertriüte, hochgefrite, liebe Herren 
Landleut!' Gl. Bevor die Verhandlungen beginnen, 
wird von der ganzen Gemeinde, an einigen Orten 
knieend, ein Gebet gesprochen oder das L.-Li6d ge- 
sungen. Abstimmungen und Wahlen erfolgen durch 
Aufheben der Hände, wobei jede Partei die Zahl ihrer 
Anhänger durch laute Rufe wie ,he, he!' oder ,ei''- 
hellig!' zu yermehren sucht. Falls die mit dem Blicke 
abzählenden Beamten sich nach dreimaligem Versuche 
nicht getrauen zu entscheiden, bei wem der Sieg liege, 
so muss das mühselige Geschäft des Abzählens von 
Mann für Mann vorgenommen werden, welches da und 
dort dadurch vollzogen wird, dass man eine Partei 
nach der andern unter den zsgehaltenen Händen zweier 
Zählbeamter oder unter dem Landesschwert durch- 
schlüpfen lässt Zum Schlüsse leisten zuerst der neu- 
gewählte Landammann und dann in brausendem Chor 
das gesammte Volk mit aufgereckter Schwör band den 
Eid der Landestreue. In ApA. ist der L.-Sonntag der 
einzige des Jahres, an welchem Hochzeit gehalten 
werden darf, wovon mit Vorliebe Gebrauch gemacht 
wird. In ScHw hat sich der Name noch erhalten für 
die jährlich stattfindende Versammlung der Bürger 
eines Eantonsbezirkes, in Gr ähnlich für diejenige 
eines an die Stelle der alten Hochgerichte getretenen 
«KreisesS nur alle zwei Jahre abgehalten zum Behufe 
der Bestellung der Kreisobrigkeit und der Wahl der 
Deputierten zum Grossen Rate. E* zitigi [eine ordent- 
liche], en o*zitigi [eine ausserordentliche] L. Ap. Om 
cP L. umme*, ungefähre Zeitbestimmung, ebd. Es 
Volch toe an-ere^ L., eine grosse Volksmenge Gl. ,Ich 
teilte aus meiner grossen Dose Tabak wie an einer 
L-e aus.* Sonntags?. 1866, 671. Ausführlicheres über 
Bedeutung und Verlauf der schweizerischen Lands- 
gemeinden s. bei Leu, Lei. 1 288. 292; VIII 574; XI 
345; XVI 615; XVIII 637. 653. 738; XX 486; ArGem. 
110; Ap Jahrb. 2. Folge, 6. Heft 83; T., Sprachsch. 
292; Sonntagspost 1868, 323; Wanderer 83; Schäfer 
1813, 124; Gl Gem. 490; Ap Kai. 1894; Zo Kai. Eis. 
1877; NnwKal. 1863; HHerzog 1884, 44; Dubs, De- 
mokr. 24. 36; Bergmann 1865, 81; Illustr. Schweiz 
1871, 284 ff.; Osenbr. 1868, 4. 51. 94; 1874, 189; neue 
Kulturb. 32; Wanderer V 218; Senn 1870,47; Alpen- 
rosen 1869, 144 (mit Abbildung); Centralbl. des Zo- 
fingerver. Juli 1891; N. Z Ztg 1869 Nr 123; 1892 
Nr 122 Beil.; Z Freitagsztg 1892 Nr 20; Tschumpert 
586; GPient 1896, 86. Vgl. noch gefrit Bd I 1264; 
Besatsing, — landsg'meinde'*: L. halten UwE.; 
8. auch ge-meinelen IL 

L ismer-: scherzhafte Bezeichnung der Gemeinde 
ZRümL; vgL lismen Bd III 1424. — Maie»-: die An- 
fangs Mai stattfindende Gemeindeversammlung, welche 
die Hauptgeschäfte des Jahres erledigt Z. ,An der 
järlich gewohnten M., Sonntag den 26. Mai 1726.* Zg 
Urk. — Hauptmanns HopmeS': acht Tage nach der 
Landsgemein