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r; 'i 



Schweizerisches Idiotikon. 



Wörterbuch der schweizerdentschen Sprache. 



Dritter Band. 



Schweizerisches Idiotikon. 



Wörterbuch der schweizerdentschen Sprache 



Gesammelt auf Veranstaltung 

der 

Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 

unter Beihülfe 

aus allen Kreisen des Schweizervolkes. 



Eeranssegetiei mit DiterstlltiiiM des Buides nnd der Moae. 



Dritter Band. 



Bearbeitet 
von 

Fr. Staub, L. Tobler, R. Schocb, A. Bachmann und H. Bruppacher. 






Frauenfeld. 

Druck und Verlag von J. Huber. 

1895. 



1 



J»? j«. i'h jo, ju 



Ja, je, ji, jo, ju. 

S. auch Jan usw. 

ja, bzw. jOf und (zerdehnt, s. Bd II 860) in Ap; 
Obw auch ja-h-a, jo-h^, in GT. jä-a: im AUg. wie 
nhd., d. h. mit mannigfaltigen, meist in der Aussprache, 
Betonung und Stellung angedeuteten Besonderheiten, 
die nur im Zshang der Rede ihre genauere Erklärung 
finden. 1. Ausdruck der Zusage, Bestätigung, Ver- 
sicherung, a) einfach gesetzt, a) allein stehend; 
auch als Antwort auf Anklopfen i. S. y. nu ihe! nur 
herein! L. Sprich w.: Nüt g*8eit [heisst] jö g'seit. 
Z rechter ZU jö säge^ ist e* Chunst L (Ineichen). — 
p) mit vorgesetzten Verstärkungen: des, d^sd GaPr.; 
GSa. (auch asd). Besd jou säge'*, die Frage bejahen 
GSa. Dsd jou ynappe*, bejahend nicken, ebd. (Hjei, 
(h)e, (h)ä ja i. S. v. zögernd ausgesprochener Zu- 
stimmung, ja doch! nun ja! Tb; Z; aber in BsStdt 
(meist noch mit folgendem du) als Drohung i. S. v. 
warte! nimm dich in Acht! Noch verst. durch vor- 
gesetztes goppel s. Bd II 515 u. Vgl. noch unter he 
Bö II 850. Eigeli jö ZO. Jere Bs; B, Jen BSi., U.; 
ScuSt., Jeres, Jesesja UwE. Jäjö! nun ja! ja wohl! 
(EJ nu «f ja da*'! nun so sei es denn! B (auch jö- 
s^-dä"» !). — y) mit nachgesetzten Verstärkungen : ja 
wäger(li), leider ist es so AAWohl.; Bb; B; Schj Th; Z. 
Dazu der Titel einer Schrift von Gotth. : ,Anna Bäbi 
Jo Wäger* und der fingierte appell. Name einer Weibs- 
person, welche zu Allem Ja sagt: ^s Anne Mareieli 
Jowäger AxWchl. Ja wärli AxWohl.; Bs; Zg; Z, 
jo's IT. Ap. Jo's gallig, ebd.; s. Bd II 217. Vgl. 
auch ja gill Bd II 276. Ja sust, Beifall Z. Ja 8cho% 
ja wohl! Gr; Z. Ja schier, allerdings BBe.; Z (auch 
iron.). Hieher gehören auch die merkwürdigen, in 
Bd I 198. 200 und Bd II 519 angeführten B Formeln 
ja-n-is Gott (Bott, Potz)! ja 's dW Gott! jä-n-is fwüss 
(wärli)! ja *s g'wüss! Vgl. auch j<iss, 's wirt Müs 
ha" [schwer halten], janis Gott, 's^toirt 's ha\ Äfn<}\ 
Rapisri 1700. — b) verdoppelt: ja, ja! meinetwegen 
BoSi.; sonst Ausdruck bald lebhafter Bejahung, bald 
zögernder Zustimmung. — c) verbunden mit »nein*. 
Jö und JVcf " scheidet d' Lüt, Sülger. 's ist g'sV wie 
jö u. n., schnell getan oder geschehen ZO., z. B. von 
einem aufgehenden Feuer. Ghönne* ja u. n, mache'*, 
selbständig sein Z. Mänge [Mancher] seiti ja und 
M, 8. nei'*, höhnische Verweigerung oder Ausdruck der 
Unschlüssigkeit Z. ,Ir vatt«r ist ein üfrScht mann, 
der gar nÜt dann ja und nein kann.* Rükp 1540. — 
2. freier, abstr. und z. T. elliptisch gebraucht zur 
Andeutung verschiedener Denkweisen und Gefühle, 
a) allein (einfach und doppelt) oder voranstehend. 
a) Bedenken. Ja (in Tu in diesem S. ja statt des 
gewöhnlichen jöj. Das ist nun zwar so, aber was ist 
da zu tun? oder es ist noch Anderes zu bedenken. 
Ja und dö? aber [was geschah] dann? Stutz. Ja ja 
(mit schwankendem Accent, in eindringlicherem Tone 
ja' ja)! Warnung, i. S. v. mach nur zu, du wirst die 

Schweiz. Idiotikon IIL 



Folgen schon erfahren! Tu; Z. Ja ja! in singendem 
Ton ausgerufen, i. S. v. du kannst lange sagen, ich 
glaube es (doch) nicht W. Ja~-nev*! Zurücknahme 
einer Bejahung oder zögernde Verneinung, i. S. v. 
wenn es so ist, so kann ich nicht, oder: Das eben 
nicht, nicht gerade Das AiWohl. — ß) Ausruf der 
Verwunderung Z. Zuweilen verstärkt durch nach- 
gesetztes wöl, au''^, was? Th (ja neben jö); 7a, Jo 
wa* ! seit der Bäre'^wirt ganz verstünet. Schwzd. Vgl. 
noch ja. — b) an zweiter Stelle eingeschoben, a) im 
S. V. nun denn! Gdnged ja! Abschiedsgruss = so 
zieht denn eures Weges P (Schott). — ß) mit dem 
Satzton und durchweg langem Voc. in verstärkendem 
Sinn BHa.; GaChur; Th; Z. Das ist ja schad! Da' 
istjö schlecht von-em! — y) aber ja! i. S. der Einwen- 
dung. Er hat g'meint, er werdi G'meindrät, aber ja! 
[es wurde Nichts daraus] Z. ,Ich han ein wenig Hilf 
begehrt — aber ja! man lasst Ein vor der Türen 
stä".* JMahl. 1674. Vgl. ohä 2 Bd II 846. — 3. in 
der ä. Spr. hat das W. noch eine Reihe von Anwen- 
dungen, die sich zwar z. T. auf die Grund bed. 1 i. S. v. 
«wahrlich* zurückführen, aber im Einzelnen schwer 
unterscheiden lassen, a) i. S. v. ,wahrlich*, eine vor- 
hergehende Aussage nachdrücklich bestätigend und 
ergänzend. ,0n zwyfel ist er herr und meister über 
alle Christen, ja und über alles, dess sy bedörfend.* 
ZwiNGLi. ,Darnöben niemand wissen mag, ja, was für 
zeit, noch jähr und tag wir werden müssen aussen 
[= weg] bleiben.* GGotth. 1599. ,Brüchend der Stim- 
men mancherlei, jo wie die Wolf, Schwein, Ochsen, 
Bären.* ebd. 1619. ,Es war sonst sicher wol ein 
Schand, wenn wir gar Nüt hettind zu ässen, ja, wenn 
der Flaschen war vergössen.* Mtricäus 1630. — b) im 
S. V. ,nämlich*, erklärend und meistens einschränkend. 
,Und gefiel im die sach wol, ja, als er sagte [d. h. 
wenigstens nach seinen Worten].* Zwinoli und ähnlich 
noch heute. ,Dass sj aber fürziechend [vorbringen], 
ja, inen well nit gebüren, den apt abzuostellen.* 1531, 
Strickl. ,Es ist angenommen, dass jeder lantmann, 
welcher will, darf das g'wild schiessen, ja ausserhalb 
den bannbergen.* Ap LB. 1585. ,So sich begäbe, dass 
arme Hausleut, ja Landtkinder bei uns befunden, die 
weder Kuoh noch Kalb mögen wintern.* 1642, GRKlost. 
LB. Oft mit ausdrücklich beigefügter Bedingung: ,Der 
schmutz- und schmächworten halb erbieten wir uns, 
dieselben trülich abzustellen, ja, dass sy aber sölichs 
glycher gstalt mit den iren auch verschaffend.* 1531, 
Absch. ,Die da wol möchtend Christen syn, ja, wenn 
kein crüz und trüebsal herzu käme.* RGualth. 1564. 
,Die sollend für Burger gehalten werden, ja, wo ferr 
sy oberlütert Alter erlanget band.* B Gerichtssatz. 
1615. ,Der Vater will ihm's lassen, ja mit dem Ge- 
ding.* Schimpfr. 1652. — c) i. S. v. doch, freilich, 
allerdings« nach einer Weigerung. Kriegsmann zu 
einem Juden, der kein Schweinefleisch essen will: 
,Bist noch so trutzig und vermessen. Wie, wann du 
aber jo musst essen!* GGotth, 1619. Bauer: ,Ich 



Ja— jn, Jab— jub 



mnes-es nit tuen/ Polizei: ,Du muest 's jo tuen.* 
Mahler 1620. — d) i. S. v. ^sondern*. ,So doch unser 
Seligkeit nit in unserm yerdienen, ouch nit in üssern 
werken stat, ja nur allein in Christo/ Zwingli. — 
e) in Nebensätzen, concessiv: ,Sy sjend ja [seien sie 
auch] schon g'l6rt/ Zwingli. — f ) zsfassend und fol- 
gernd, 1. S. y. also. ,[Da8 Vorgebrachte] bewfirt alles, 
nur dass nit folgt: Christus ist Gott und ist allenthalb ; 
ja, so ist ouch sjn Ijchnain allenthalb.* Zwingli. 

Mhd. ja, nicht nur einfache Bejahung, sondern aach, an 
der Spitze eines Satzes stehend, Bekräftigung, Beten rung, anch 
schon verstärkt durch heigesetztes toaertichen. — In unserer 
Spr., wie anch in der hd. Umgangssprache, hat die ernste, 
bedachte, förmliche Zusage meist a, die lebhafte, leichte, 
zuweilen anch etwas unmutige ^; doch ist dieser Unterschied 
nicht fest und hängt Ton zufälligen, persönlichen, momentanen 
Stimmungen ab; in Th aber gilt fQr beide Fälle j^', die 
gedehnte Form Js' nur im S. eindringlicher Yermahnnng; 
daneben zur Differenzierung derBed., entsprechend der dif- 
ferenzierten Nbf. yä anderer MAA., die Form mit a', bzw. a', 
welche somit in der genannten MA. als stehen gebliebener 
Zeuge längst yerschollener Lautverhältnisse mit besonderer 
Bed. erscheint. Eine scherzh. consonantische Erweiterung 
ist jap Z, jop Ap, jo jopp ZO. ; Jad (uf myn trflw).* RMannel 
(viell. nur zur Ausfüllung des Hiatus). B jat' ist wie ja« 
(wärli udgl.) aus angehängtem e» und dieses aus tüa i. S. v. 
,so wahr als (Gott mir helfe)* zu erklären, ebenso das t« in 
ja-n-%9, mit enphon. n. Dm 1. S. v. ,darauf, dazu\wie mhd. 
jeken mit Gen. ; detd und aad aber sind Missdeutnngen von 
mhd. de»d%u (nhd. desto), also gewissermassen verst. de», 

jä-e": Ja sagen B (Zyro). 

ja: Interj. 1. der Bejahung in familiärem Tone 
AiFri.; BsStdi — 2. der Verwunderung, allein ste- 
hend mit starkem Frageton und langem Vocal, yor 
beigefügten betonten Partikeln kurz abgestossen Ap; 
B; „VO;** Gl; G; Sohw; U; Z. kxkcYi ja 86? ja nti».' 
ja was! ja ja! — 3. (mit d und a, auch y erdoppelt) 
i. S. y. Einwendung, Bedenken gegen Ansichten oder 
Handlungen Anderer Aa; Ap; Bs; B; „VO;" Gl; GA., 
Sa.; S; U; Z. Ja was weit-er [wollt ihr] dann? Aa. 
Ja, das ist öppis Anders. Ja Jire nei*! B. Ja ha! 
ach was! Z. Auch warnend oder drohend Aa; Bs; 
Ndw; Z. Ja wolle! Id. B. Zuweilen in dem Sinne, 
dass der Sprechende seine Ansicht als durch ihm 
yorher bekannten Sachyerhalt oder als durch Er- 
fahrung gerechtfertigt darstellen will; z. B. ja gell he? 
siehst du jetzt! Z. — 4. i. S. y. Berichtigung eigener 
Ansicht durch (zuweilen überraschende) Mitteilung 
yon Andern oder durch neue Wahrnehmung, „e/a, ja! 
wenn es so ist [das ist was Anderes]! Ja nu.' jetzt 
versteh ich! VO; Z." Ja s6! Aa; Bs; Z. Ja jö! 
berichtigende Bejahung, und entsprechend ja nei*! 
Bs. Ja ja! starke Bejahung Ndw. Ja frUi''^! Aa. 
Ja nu! Zulassung Ndw. Ja se nu se! ja nun denn! 
Gl. Vgl. Ā Bd n 850. 

An der urspr. Identität dieses W. mit ja ist nicht zu 
zweifeln, da noch jetzt beide in Aussprache und Bed. ein- 
ander nahe berühren oder geradezu vertreten; 'vgl. 2 und 3 
mit ja 2 a; B jiU der Gott neben ja». Im Gespräch 1712 
steht ja ja' i. S. V. Ja, ja* in Bejahung einer Frage. Aber es 
hat doch, ähnlich wie zwischen äch und ach, eine Differen- 
zierung stattgefunden; der getrübte Laut scheint mit einer 
noch mehr als bei ja^ abgeschwächten Bed. verbunden, die 
Bejahung mit einem noch stärkern Zweifel. In der ä. Spr. 
erscheint auch die Schreibung Je' wie noch nhd. in Je nun*. 
,Je nein* bei Sintern. 1759 i. S. v. ja 4. ,Es hat's ye [ja] 
niemand anders getan.* Tierb. 1563. Ja berührt sich viel- 
fach mit ä IV. V. 



J^ 8. Jesus. 
je s. te. 

ji! Ausruf der Verwunderung Z. Ji! wie glüzred 
nüd d* Sunne^ drin inner! Met. 1844. - Vgl. * Bd I 19. 

jo ! 1. Schlittenruf GAltst. — 2. Fastnachtruf Aa 
Bremg. Jnbelruf Ndw, auch y erdoppelt ,Ju jo, ju 
jo, guet kilhi-leben, süfend, es gat alls zue yergSben.* 
JMvRBR 1565. — 3. Alarmruf; s. io Bd I 20. ,Al8 er 
zue dem stürm zu Hutwyl kummen und geschrüwen : 
Stürmen jo, stürmen jo!' HBull. 1572. S. auch 
hutsch IL — 4. ,Jo, ein spottwort, ä ja.* Fris. — 
5. joli jö, Lockruf des Kühers S (Schild). — Zu 5. 
JoU wohl zu jölen. 

Ja! Juhelruf, meist mit den Zusätzen -he, -hei, 
'hui (s. d.). Jühui, 'zöge*! juchset der Tamhurmcyor. 
LiENERT. ,Ju ho, wir wSnd guet iSben han.* JMitrer 
1559. ,Ju, ju, ganz frölich ist der tag! uf hüt ich 
nümmer wirken mag.' ebd. 1565. 



Jab, jeb, jib, job, jub. 

G*-jäb«l, „-C-" — n.: colL Abstr. zum Vb. joWe», 
ie6/e» 1 (Syn. Ge-jess) und 2 (Syn. G^äg, Gfjäuk, 
Gerüt, Gestrütt). Nur fc«" so G'jabiUs! 's göt drum 
geschwinder nit Bs. 

jäble» Bs; BE.; Gl; G; SchwMuo.; S; W, jebde* 
AaF.; „L;" Zg; ZO.: 1. erbärmlich klagen, jammern 
AaF.; BE.; Gl; „L;« G; SohwMuo.; S; W; Zo. Syn. 
jessenCenJ, webelen, weheren, wefablen. In SchwMuo. 
auch yom nächtlichen Geschrei der Katzen. — 2. rast- 
los, angestrengt und eilfertig arbeiten, z. B. stricken ; 
zappeln, mit Händen und Füssen, .z. B. um sich yor 
Ertrinken zu retten Bs. *s ganz Jör schaffen und 
jäbble* mit Hand und Fiess Bs (Schwzd.). — 3. stark 
kratzen Schw. — 4. singend sprechen Schw. — er-: 
1. Etwas mit Mühe und Hast erlangen Bs. — 2. rcfl. 
=:jdblen 2. — yer-: yor Jammer vergehen SchwMuo. 

Länge des ä ist nicht durchgebend, aber mehrfach be- 
zeugt, auch durch das i des z. T. gleichbed. jebden gestützt, 
aber dass dieses letztere das selbe W. mit jablen sei, ist doch 
nicht ohne Weiteres anznnehmen. Der Bed. 2 würde kurzer 
Yocal besser anstehen und wird wohl anch der Bs Ansspr. zu 
Grunde liegen. JäJUen 8 ist viell. nur undeutliche Angabe 
einer Nebenbed. von 2, 4 eine solche von 1. Jebden lässt 
sich leicht auf die Interj. ji als Ausruf des Schmerzes zurück- 
führen (obwohl das b nicht dem aus te entwickelten des syn. 
leiMen gleichzusetzen wäre; doch liesse es sich ans Analogie- 
bildung nach weiden wie das in jiberm nach wiberen erklären). 
Am Wahrscheinlichsten lässt sich jäJUm als Nbf. zu oMen 
(Bd I 42) aufhssen und zwar mit vorschlagendem j wie in 
Jagini = Agnen, Jueg» = üeek», JaH»haum = Antbaum und 
der Yoc. demjenigen des grossenteils sjn. räblen angeglichen. 

yer -j obere**: yof Ungeduld y ergehen GRh. Syn. 
ver-gitzlen, -räblen, -zahlen, — Jiberen Nbf. zn jthden; 
r viell. mit Anlehnung an jameren. 

Job, Jobbi 8. Jöpi. 

Job: 1. Hieb Gl (auch Japp, Jopp); G. So arm 
als J. SuLGER. Ume*fare'' wie de^ Tüfel im Buech Job 
GBern. ; Z. ,Der dultig Jab.* Com. Beati. — 2. Jodocus 
G Urk. (Scherer). 



Jab— Jib. Jach— juch 



Job«": (dort) oben GO. — J bzw. ♦ Tiell. Überrest 
des TorgestellteB dti, dort Ygl. noch &M-o6eiie" Bd I 51. 

JSMe": flüchtig arbeiten BTh.S. Sy n. jo^ten. — 
Vgl. /<yfe» o*«/«*;. 

JvhSlen: Juwelen. ,J. und Edelgesteine.* Ulrich 
1727. ,J., Uhren, ans Gold oder Silber verarbeitetes 
Geschirr.* Bs Mand. 1779. — B ans w wie in ihig (s. Bd I 
611). Tgl. /«fraier. 

Jnbilier(er) m.: Juwelier. ,Gemmarius, ein 
jubilier.* Fris.; Mal. Auch in Heut, und bei G König 
1693. ,Er zeiget dieses Edelgestein einem Jubilierer.' 
Ulrich 1727. S. noch Bd I 687. 

Jvbiltt n.: Jubiläum ScHwBrunn. 



Jfbsche 8. I6i8C^ Bd I 48. 



Jach, jeeh, jieh, Joch, jnch. 

Jfteh' m. Ndw, G*jäch n. LVitzn.; SchwMuo.; 
UwE., ^Q*iMik ScHW; Uw": Rauhreif. Wenn nach 
Lichtmess im Frühjahr Nebel liegt und Gj. hinter- 
lässt, 80 wird 12 Wochen hernach ein Schnee fallen, 
80 weit herab als es Gj. hatte Obw. - Betr. die Etjm. 
9. QicU IV (Bd II 112/3), Qe-kidi (ebd. 1180). 

jäch'e» UwE., „g«- Schw; Uw": unpers., vom 
Eintreten des Rauhreifs. So weit abbe ass 's im Merzte 
jäehed, so weit schneit 's im FriMig UwE. Kkörst, wie 
der Sehne gixet, g'sehsch g' jachen am Wald? Schw. 

g«-jächet, „g'-jächig, jächtig": mit Reif be- 
faangen SchwMuo.; „Uw". 

Jiebi Jdhi f.: Halde, Abhang W. 

jachli-gjVöi^ gdlich: zufällig, etwa W. We^-'s 
j, nit 90 wäri, — Die Formen mit anl. j anff&Ilig, da sonst 
im Aleni. dorohweg g gilt. 

Javeb m., Fl. Jauch: Jubelruf Z. En J, ablä" 
[ausstossen]. 

jauchen, Jäuchi s, jäuken. 

jSeh^en: sagen. Nur noch in wenigen Formen der 
Gebirgs-MAA. lebendig. JEjihe, ich sage, er jid, sagt 
P (Schott). Was jid (auch jetj-er ? , BHk., Si. ; " GsPr. 
Dujied-er, da sagt er GnAnt. (eingeschaltet in Er- 
zählung). In der ä. Spr. häufig (bis ins XYI. und ver- 
einzelt bis ins XYH.). ,Welcher zum andern in höner 
wys redt: du muost mir's erhjt han, older dass einer 
zum andern jaich: ich wellt, dass dich das fallend übel 
angieng.' Ap LB. 1409. ,Dio dummen hörend, d' stum- 
men yehend.* Aal 1549. ,So gicht 's fass: glunk!* 
Funk. 1551; vgl. Anm. zu glungg Bd II 635. Mit 
Dat. i. S. V. nennen (wie mhd. sprechen und mundartl. 
«sagen*). ,Billich soll man disem ort j6chen : Der 
berg, da der herr wirt suchen.* Habkrer 1562. 

Mhd. jahtn. Die Formen sind vielfach in Unordnung 
geraten: neben dem richtigen ,gich(t)* bei Aal 1549; Fnn- 
kelin 1558; Man. 1558; Z Bib. 1560; Z Mand. 1603 auch 
^rgit* Ende XIV., Bs, ,verjicht.* Bull. 1561, jecht' ÜEckst, 
J&bet* Kunkelstnbe 1655, ,verjehet* 1685» Z Ofeninschr. 
und im PI. ,verg&bent.* 1483, Kind, Urk. statt ,ver-j.* Vgl. 
anch Gicht, gichtig Bd II 109 ff. 



ver-: in unserer ä. Lii. (bis ins XVH.) im Allg. 
wie mhd.; auch abs.: ,Alle zungen [Völker] werdend 
mir V. [mich bekennen].* Zwingli. Ein Mal aber bei 
RMan. 330 in der auffallenden Bed. ,versagen*. 

Jeaehli n.: Griff an der Sense Bs. 

Seheint auf einer Verquick ung von Häuehli mit Jöckli 
zu beruhen ; vgl. aber auch mhd. ji%eh = Joch, zu dem unser 
W. im Ablautsverhftitniss stehen könnte. 

jlchle**: »Jmdm Etw. mit spitzen Worten vorhalten, 
ihn tadeln BO. (auch tw-jf.);* in UwE. auch beschim- 
pfen, verleumden. 

St. fügt hinzu «gleichs. prickeln", scheint also an eine 
Ableitung von einem W. fOr leibliche Empfindung zu denken; 
vgl. etwa ,sticheln* oder unser «^Zen. Aber das W. kann als 
Dim. von jeehen, sprechen, abgeleitet sein und zun&chst eben 
kleinliches Wortgez&nk bedeuten. Vgl. wärtlen. Sollte das 
Merkmal des Spitzen wesentlich sein, so wäre an die Vwdt- 
schaft von ,Zank' mit ,Zacke* und ,Zinke* zu erinnern und 
viell. an Abstammung von dem als Stammw. zu Jäch und 
dessen Synn. angeführten ags. icd, Eiszapfen, zu denken. 

joeh: auch. 1. Conj., aber nicht voran stehend, 
sondern an zweiter oder dritter Stelle, meist mit Conj., 
in allg. Rel.- oder Concessiv-Sätzen nach dem Pron. 
,wer, was' und den entsprechenden Advv. ,wie, wo*, 
auch nach ,ob, so [wenn]* oder nach dem blossen 
Conj. ,Was er j. ist* Zwingli. ,Wie recht j. einer 
habe.* Z Gerichtsb. 1553. ,Welicherlei j. das syge.* 
1566, Z. ,Er ziehe j. mit dem gelt, war [wohin] er 
welle.* XIV./XV., ZDürnt ,Sy habent [mögen haben] 
j. krieg oder nit* Bs Chron. ,Gott geh j. wie bös er 
sy.* UEcKST. So noch bis Mitte XVII. Einige Fälle 
freieren Gebrauches: ,0b jemand unser verderben an- 
zeigen [wollte], wurd er darumb für ein narren gehal- 
ten; wurd's j. so gut, dass man in nit schlueg [wenn 
er nicht gar geschlagen wurde].* Salat. ,Es sünde 
aber ein yetlicher, wie er wolle, das jm j. [und wenn 
ihm das auch] lange übersehen wird, so bin ich doch 
gewiss, dass...* 1560, Fred. ,Nun sag ich 's dir, red 's 
nieman noch, du glo übest 's glych nit oder j.* Haberer 
1562. — 2. Adv. a) auch nur, sogar, schon. ,Die ehe- 
roenschen dann euch die trüw eheliches bunds nie 
begw eltiget [verletzt] habent, j. mit einem unnützen 
wort* Salat. .Andere bekanntend, das* iren keiner 
j. das nüw testament hette ussgelCsen.* HBull. 1572. 
,Satan wusst wol, j. aus der zeugnuss Gottes, dass 
Job Gott von herzen lieb hat* LLav. 1582. — b) doch 
(wenigstens). ,Cedo mihi unum, sag mir j. einen.* 
Fris. ,Man sagt, wenn einer sonst niemand habe, 
dem er sein anligen klage, solle er's j. seinem stuben- 
ofen klagen.* LLav. 1582. — 3. in fragenden Haupt- 
sätzen: (denn) auch. ,Anno est ista? Ist sy's j. oder 
nit? Num cogitat quid dicat? Gedenkt er j., was er 
sagt?* Fris.; Mal. — Mhd. joeh, (und) auch; (ja auch) 
sogar; ja doch. 

Joch n. — PL = Sg., in Gr; LWill. Jöcher, in 
GRYaL auch Jochi: 1. das dem Zugvieh angelegte 
Gerät, bes. zum Pflügen, daher in GnObS. auch 
BuwfetJ-J, genannt; JöchU, sofern es nur für je ^in 
Tier gilt AAFri.; Gr; Schw; Th; in Z spec. das nach 
altertümlicher Weise vor die Stirne gelegte, im Gegs. 
zum moderneren KU, welches auf dem Nacken sitzt. 
S. noch Ämläze, Kä-Isen, Joch-Haim, Krinnen. ,An 
einigen Orten im Kt B spannt man die Ochsen und 
Kühe nicht paarweise ins Joch, sondern man stellt 
sie ins Jöchlein, in welchem sie nicht mit dem Kopfe, 



Jach, jech, jich, joeh, jneh 



d 



sondern mit dem Nacken ziehen/ Alp. 1806. Bildl. 
RAA. Sin Vater ist streng und hät-en eisstig «• Bitzli 
under-em J, Stütz. Er ist vom J. in Kummet ^schlöffe*, 
hat eine Last oder Zucht mit einer andern vertauscht 
Zg. Am gliche* J. zieh*, einträchtig sein. Sulger. 
,Die Eidgenossen erinnern die Zllrcher, wie viel Gutes 
früher daraus entsprungen sei, wenn die Eidgenossen 
an einem Joch gezogen.' 1522, Absch. Zürich an 
Glarus: ,Es wisse, wie villicht im äbtischen handel 
die rinder nicht zu gleichen Jochen ziehen.' 1530, 
ebd. — 2. hölzernes Gerät, mit einem Strick und 
hölzernen Haken an beiden Enden, quer über die 
Schultern gelegt, um Wasser, Milch, Mist in Kübeln 
zu tragen GrA., ObS.; GRh. — 3. fester Bestandteil 
verschiedener Geräte oder Vorrichtungen, a) a) Quer- 
holz, das den vordem oder hintern Teil (Gransen) 
eines Schiffes abschliesst L ; Schw ; Syn. Bieten-Holz. 
Die L Ratsverordnung v. 1469 der Lädinawen wegen 
bestimmt, dass der Schiffsboden gemessen werde ,in 
der mitte und vor dem ioch und vor bj der dritten 
nadel.' — ß) Jochli, Rippe eines Nachens S. — 
b) Jöchli: Sperrscheit; die Querhölzer am Leiter- 
wagen, welche die Leitern zshalten BsLd (Becker); S. 

— c) festes Querholz am Handschlitten Z. — d) Jochli: 
= Heuchii. Rochh. Vgl. HocMi. - e) Querholzchen 
am Weberblatt. ,Damit aber aller Betrug mit denen 
bezeichneten Jöchlenen an denen Blätteren vermitten 
bleibe, sollen die Messere die ihnen vorgelegten Blätter 
in denen 4 Ecken so zeichnen, dass das Zeichen halb 
auf die Blatt-Schinnen und halb auf das Jöchlin zu 
stehen komme.' ß Manuf.-Regl. 1767. — 4. a) , Gipfel 
eines Hochgebirges, hoher, frei aufragender Fels." — 
b) Einsattlung eines Bergrückens GRÜbS. Bergpass 
zwischen zwei Höhen Uw. So der aus UwE. nach 
BHa. führende. Vgl. Stilfser-, Wormser-J. ,Dardurch 
man über die Jöcher in Bergomascen kommen mag.' 
GuLBR 1625. 

Ochsen -Joch. ,62 Käleisen oder Oxen-Joch.' 
1550, ScHwE. Klosterarch. — Ch6l-: = CÄ<'7 LWill. 

— Loch-: eine Art Joch, mit zwei Löchern (Schlau- 
fen) an den Enden, durch welche die Stangen der 
Gabeldeichsel gehen GnPr. Vgl. Wa^en-J, — Bund- 
(Punt'J: Doppeljoch für Zugvieh GRVal. Syn. BrilUJ. 

— Brill- GrL., Brll-GRSchud., Brell- GRChurw.: 
= Bund'J, — Schutte". : = Joch 3 c BSi. — 
Stirne°-: das vor die Stirne (statt auf den Nacken) 
der Zugtiere gelegte Joch TuKreuzl. — Tschippe»-: 
unbeschlagenes, leichtes Joch, welches beim Pilügen 
gebraucht oder auch jungen Zugochsen aufgelegt wird 
STierst. — Wage»-: J. mit einem runden Loch in 
der Mitte, durch welches die Deichselstange gestossen 
wird STierst. Vgl. Loch-J. — Zedal-: das Joch, 
welches man braucht, wenn man nur ein Zugtier vor- 
spannt GnVal. Gegs. zu Bund-, Brill-J. 

Zieter-: dasjenige Joch, in das man die Ochsen 
zum Pflügen spannt; vom gewöhnlichen Joche ver- 
schieden durch einen kurzen Deichsel fortsatz, der mit 
ihm verbunden ist Aa. — Mhd. »ieter, Vordeichsel; s. anch 
Schm.-Fr. I 617. II 1165. 

Joche": Zugtiere unter das Joch spannen ZO.; 
verschieden von kllen. 

a"-: 1. mit Acc. P., hart anfahren, dringend auf- 
fordern, mit einer Zumutung belästigen Aa; „B;" L. 
,Die Gräfin von Toggenburg beklagte sich a. 1437 



beim Kaiser, sie werde überall angejocht.' MltLL., 
Schw.-G. ,Dass man die evangel. Orte* feindlich an- 
zujochcn vorhabe.* 16'28, Aksoh. , Klagend vorgebracht, 
was gestalten sie [die Bäcker von Elgg] von einem 
Beckenhandwerk der Stadt Winterthur aufgesucht und 
angejocht werdind, dass sie von Winterthur ihnen 
wollend die Jahrmarkt verspehren.' 1701, ZElgg. — 
2. mit Acc. S., anstellen, zu betreiben anfangen. ,Un- 
sern gwSrb w6nd wir anjochen, dass niemand uns 
muess überbochen.' Ruef 1550. 

under-: mit Jochen versehen, stützen! ,Das 
Allerbeste aber ist, dass man sich diser Gattung 
Bruggen enthalte, weilen sie sehr schlecht underjochet 
seind.' JEEbchkr 1692. 

be-: zwingen. ,Wir wurden bejochet sein, die Un- 
ersättigkeit euer Begierden zu erfüllen.' 1678, Absch. 

underjöchig: von Zugtieren, zahm, gehorsam. 
,Gleich als ein u. tier, das im f61d gät.' 1531, Jes. 

jöchle": (scher zh.) emsig arbeiten Aa. Vgl. nhd. 
(studentisch) ,ochsen'. 

i'-: ins Joch spannen, z.B. Stiere G. 

Jöch ZO.. Jachem Gl; L; G oT., Jöchem Aa; GStdt; 
ThHw. (ch^) ; üwE. (ch^), Jochum AASt, Jochen ZSth., 
Joche. Stutz, „Jochi BMeir.;" U, Jöchi kkSt., ^Jachi 
W", JöcÄ Gl, „Jöchem'', JdchH ÜwE. — Dim. Jochemli 
Gl, Joch-, Jöch-mdiG, JochdiAv; U; Z (Stutz); Jö- 
cheli AASt; Schw (oJ: m. Taufn., Joachim. 

joch(e)U! jocheli! s. achele Bd I 64. 

jaeli! Ausruf der Freude Scn. Z.B.: Juch, der 
Mai ist dö! ,Juch zue, das ist ein gueter strjt.' 
JMüRBR 1559. — Erweiterung dos gleichbed. jn! 

Jach: nur als Flurn. (nach Ott meist von Äckern). 
,Im J.' Z. ,Reben i. J. gelegen.' Th ürk. 1539. ,Vi- 
neam dictam am J.' 1359, Th. «BoUingers acker am 
J.* 1363, Aa. ,Ein Jucharten uf dem J.' 1653, AAWett. 
Klosterarch. ,In Jüchen' ZBass. ,Unz an das Juchli.' 
1341, Schw LB. ,Die Juch' AAZein. ,Bis ufhin an 
die j.' 1363, Aa. ,Im Jüch' am Freudenberg bei GStdt. 

— G*juch. ,Ein Acker im G.' ZSchlier. Hof in 
GKaltbr. G'jüch, Name steiler Halden GAltst. 

Länge des Voc&Is ist nur für JäcK nnd O'jueh 6 aus- 
drücklich bezengt, aber fUr s&mmtliche Formen wahrschein- 
lich. Dann ist aber auch die etyni. Zugehörigkeit des W. 
zu mhd. jtucA, n. und f., Joch Landes, und zu juckari nicht 
zu bezweifeln. Die Flurnamen wären dann davon entnommen, 
dass das betr. Stück Land (urspr.) eben ein bestimmtes Flächen- 
mass ausmachte, was in dem Präfix ge- noch bes. angedeutet 
sein mag (s. das Folg.). Es werden auch noch Flurnamen 
,im Gjucht' ZDättl. und eine ,Zelg Juchlen' angeführt. 

Jüchert(e") BE., SL; S; Th, Jüchert LWill.; Th, 
Jüfert(e*) BE., Si.; F, JufreteBSU ÖR; Obw. 
Jürete L, Jürte Bs; B; L; Z, Jute Aa; Bs; UwE.; Z 

— f. : Juchart, Landmass, ungefähr = dem deutschen 
,Morgen'. Specielleres s. Bdsino. 1811, 110; Stadlin, 
Hünenb. 219; Skg., RG. II 245; B Anz. 1859, S. 22 if.; 
vgl. auch Schuepiss, Hueb (Bd II 957), Vierling (Bd I 
925). Auf die Frage, ob man auch Reben habe, ant- 
wortet man, wenn man keine hat: Ja, 3 (7) Juten 
an eim Stil (Stichel), aber d' Grossmueter trinkt de* 
Wi* Z. ,Ein halbes juchart.' 1332, AAKönigsf. ,De 
area dicti jurten.' XIV., L. ,Zwo Gucharte Ackers.' 
G Klosterarch. ,Sy erren ze Herbst einen J-en und 
ze Hustagen einen.' Gfd. ,Ab einer juckart reben.* 



d 



Jach— jneh. Jaehs— jnchs. Jacht— jucbt. Jaehz— jaehz. Jad— jud 



10 



1482, Gfd. «Jugerum, was ein par ochsen eins tags 
eeren mag, ein jucharten.* Fris. ,65 Jurten.* 1627, L. 
Mbd. jiuchart, jüchart, -tri, n. f. =s jinch (Terstärktc 
Ablautstofe Ton ,Joch'), eig. so viel, als ein Joch Rinder an 
einem Tage nmznackern yermag. Tgl. Mannwerk, Tagvoann. 
Das Geschlecht nnd in Folge davon ancb die Flexion des 
W. schwanken in der &. Spr. Die ErklArnng des 2. Teils 
ans ari, Pflugland, ist ansprechend, wenn aach nicht sicher ; 
die Form Jacher* ohne ( yiell. nnr dem lat. jugemm nach- 
gebildet. Der bemerkenswerte Wechsel von ek mit/ scheint 
bes. den westl. MAA. eigen; s. Anm. zu Funk Bd I 869. 
S. noch ABirl. 1890, 858 (80). 

M68S-: eine genau gemessene. Dkr. 

«Joehli n.: Bheumatismus der Halswirbel Uw." 
Wahrsch. zu Jüch oder, wenn kurzer Stammvoc. ge- 
lesen werden mnss, zn Joek mit stehen gebliebenem altem u 
Cjufhäi), indem die Besonderheit der Bed. die Form im 
Sprachbewnsstsein ans der Verbindung mit Joeh lOste. Es 
w&re danach eine Empfindung, als ob man ein Joch trüge; 
Tgl. das Syn. Krtitte*. 



jachsen: navigare. Obsichfftidsichj, B It Schulze. 

— Zu Jachaen, Schiff; vgl. jücknen aus jüehaen. 

Jüchs, juchsen s. Juchz usw. 



Jaeht f.: Jagd Bs. — Auch &nhd. 

Jachti'^g f.: geräuschvolles Umherlaufen beim 
Suchen. JE* J. ha*, a^steRe*, viel Wesens machen Bs 
(Seil.). Syn. Gejäg, Gejäük, Jegi, — Gebildet von einem 
Tb 'Jachten und dieses von Jaeht. 

Jächtlor m.: Jagdliebhaber Bs (Seil.). 
Zunächst von einem dim. Vb 'jäehtUn, ein wenig Lust 
zu jagen haben oder Jagd im Kleinen betreiben. 

Jöchter s. Jims. 

Jechtig B; LE.«: = gichtig Bd II 110 f. ,Wann 
zwei einanderen nehmend und sie einanderen j. sind 
[d. h. wenn sie übereinstimmend erklären, dass sie 
einander heiraten wollen], die sollen einanderen be- 
halten.* B Ghorger.-Satz. 1667. 

V^r-jicht, jichtenl, jichtig s. Ver-gicht Msir, 
Bd II 109 f. 

jichte" 11: jucken, prickeln, z.B. es jichtot-mi^^ 
am Rigg [Rücken] W. - Zu aivht K « Bd II 113. 

jiclite" m : = ichtm (Bd I 83). 1532, Ap Urk. 



Jaehzen m. : eine .\rt Schiff. ,Mit einem neuen J., 
80 eine feine Gattung Schiff mitte Imässiger Grösse 
und ring zu fergen.* 1676, VwSee It Aufzeichnungeines 

Zftrehers. — Vgl. jachsen und Jaeeen. 

ver-jächsea: bekennen, zugestehen. ,N. soll 
schaffen [dafür sorgen], dass syn Sfrowe [Ehefrau] 
verjachze, was vorgeschriben ist.* 1318, Z Gerichts- 
urteil. ,Es erfindt sich, dass B. yetz verjachzet und 
zuelasst, hie ein tropum ze syn.* B Disp. 1528. ,Dass 
ein so ^rverletzlich anzug nit änderst von im ver- 
sprochen, sonder vast anhi verjachzet ward.* Vad. 

Sp&t mhd. vefjaehaen, verjauen, a.hd.jamn, bejahen. Intens, 
zu verjehen. — In einem Schiedspruch zwischen Bs und S 
von 1532 findet sich ,bejatzgen (und ann^mmen)* i. S. v. 
Ataerkennen. 



Jaehz B; Gl; Z, /ücTi« ApL, M.; L; GoT.; Schw; 
Th; Zg; Z, Jü8 ApH., Jüx Aa; ApK.; Gl; L; GA. (uJ; 
Th; Ü, Jüz AaWoW.; ApWalz.; B; F; Gr; Schw; Üw; 
ü; W, Jüzg Gl; GaChur; L; GRh., Sa.; SB., NA. — 
PI. Jüchz usw. — m.: 1. a) Freudenschrei, Jubelruf, 
bes. von Hirten. En J, ablä* [erschallen lassen]. Er 
hed dri Jüz gatän, dass 's dür** all Berga* erhUlt hed 
GrD. — b) zuweilen auch nur ein Buf oder Schrei, 
um Andern ein Zeichen zu gehen, sich bemerklich zu 
machen U. — c) Schmerzenslaut, z. B. wenn man ge- 
stochen wird GaMai. — 2. Wiehern GrD. 

G«jüchz Z, G'jüchs GWa., G'jüz üwE. ßüj, 
G'jüz ScHwMuo. — n.: wiederholtes Jauchzen. 

juchze», in Bs jüchzge* (in Birs. auch jüchzne*) : 
1. von Menschen, a) Frendenrufe, -schreie ausstossen. 
allg. Syn. juheien, holen, j ölen. Der wo d' BrütJiei** 
füert, dha** j. AAWohl. J., wie der lüstigisch Senne*- 
hud). BWyss 1863. Stutz lässt sein ,Storchenegg- 
Anneli*, das in der Stadt ein Konzert hörte, berichten, 
eine Sängerin habe angefangen j., aber es sei doch 
kein eigentliches J. gewesen. ,JFVÄt«* j. fhort ü*s^ 
Herrget nid wgBre*, soll zur Zeit der Pest ein Mäher 
gesagt haben, der, 8 Tage später selbst auf dem Toten- 
wagen, an der selben Stelle sich aufrichtete und drei 
Mal juzete.* ErzXhlkr 1855. Jüz nüd, «& (P [bevor 
du] d' Geiss im Stall hast, lobe den Tag nicht vor 
dem Abend ScnwMa.; s. noch KÜch-Wich. ,Mit ge- 
jtzetem Mehr [Stimmenmehrheit bei der Landsge- 
meinde].* Ndw Kai. 1886. ,Wem das wolg'fall, heb üf 
syn hand, d6r juchzg, ouch schry mit lütem g'schrei.* 
RüKF 1550. ,Das sind uns recht lockvögel und kuzen, 
lass mir s' nun singen, prassen und juhzen.* Salat 
1587. ,Wer nachts auf der gassen juchsete, schreite, 
soll 8 pfd zu buss verfallen sein.' ScbwE. Klosterarch. 
, Alsdann von der Jugend in trunkner weis ein wild 
schreien und juchslen zu nachtzeit auf den gassen 
fürgat.* 1562, ZSth. ,Schreyen,jauchzgen also, das...* 
TiERB. 1563. S. noch Anm. zu hauderen Bd II 984. 
Spöttisch für weinen: I** wiU-di** lere* j.! dir das 
Weinen verleiden Bs. — b) rufen, um entfernten Per- 
sonen Zeichen zu geben, z. B. Feldarbeitern zum 
'Essen; auch mit Dat P. Bs; Gr; Schw. Syn. höpen, 
hupen. — c) vor Schmerz aufschreien Aa ; GRHe. Syn. 
günsen. Sich erbrechen SB., NA. — 2. von Tieren, 
a) vom Schreien der Eule S. Syn. holen. Er cha** 
j. wie ne* Nachtüi. jy NachtuU* juxed, es gid gueti 
Jör Ap. — b) wiehern GrD. — c) brüllen, vom Stier 
BSi. I«* ha* der Stier scho* köre* j. und mügge* S 

(Joach.). — Mhd. jüchenen und jütoesen. 

Jüchzer m. = Jüchz 1 Bs; L; Schw; Th; ÜwE.; Z. 

j üchsig: zum Jauchzen aufgelegt. Es ist im nitj. 
ScH (Kirch.). 

J ü z i m. : Einer der jaucht B (Zyro). Auch Eigenn. 

Jüx 1er m.: Name eines Berggeistes, der durch 
Jauchzen Schnee verkündet GA. 



Jad, jed, jid, jod, jnd. 

jad s. Anm. zu ja. 

G'-jaid n.: Jagdbezirk, 's göt Eine*' in es G.; 
was er findt, het er e*weg g*heit; was er nit findig hei 



11 



Jad, jed, jid, jod, jnd 



le 



er hei'* treit, Volksrätsel, von Flöhen und Läusen. 
BocHH. Bei Vad. I 547 i. S. v. Jagdrecht, -gebühr. 

— Mhd. gejegede, -jeide, Jagd. 

Jandle": 1. Jüdisches Gewerbe treiben, schachern, 
wuchern Bs.*" «Tauschen, verkehren und wuchern 
wie die Juden.' Spbbiig. — 2. übereifrig und übereilt 
handeln AAZein. Daher Jaudli m., der das tut; 
j audiig, eilfertig, ebd. 

Da mhd. auch die Aassprache Jude yorkommt (welche 
auch der Qaantit&t des m in dem hebr. W. entspricht), so 
ist der Diphthong nach nhd. Regel zu erkl&ren, aber wahrsch. 
hat emphatische Betonung mitgewirkt, welche in Bs auch 
Teu/d, Tau$ig u. ä. ergeben hat. Daneben kommt allerdings 
auch jüdlen vor, aber nur in Bed. 1, aus der sich 2 leicht 
entwickeln konnte; dagegen in Bed. 2 auch Juden» Doch 
konnte Anlehnung entw. an hauderen oder an jäugglen Statt 
gefunden haben. 

jeder s. ieder Bd I 95. 

Jadel m. : eine der Bevölkerung des Gebirges, bes. 
in Ap; BO.; GO. und in den Urkantonen eigene Art 
von Gesang (ähnlich den Solfeggien der Kunstgesang- 
schule, aber naturwüchsig), ohne Worte, in mannig- 
fach schweifenden und schleifenden Modulationen sich 
bewegend, oft rasch zwischen Höhe und Tiefe wech- 
selnd, die Melodie immer von einem Einzelnen ge- 
sungen, aber in A? nicht selten von begleitenden 
Stimmen in einfacher Harmonie unterstützt (s. grcul 
heben). Für einzelne Arten dieses Gesanges gibt es 
besondere Namen, z. B. Löckler, Schnetzler, ebenso für 
die eingestreuten Triller (TruXler), z. B. verbüdUtr (mit 
ausbiegender Verzierung), ^eggtitr (mit vielen kurzen 
Vorschlagtönen). Vom £t<ereim unterscheidet sich 
der Jodd durch die vorherrschende Anwendung der 
Kopfstimme und durch den Mangel bestimmter Worte. 
S. noch Buggusse*. Dem Zweck nach dient der J., 
wie der Kuereien, zunächst als Lockruf für die Kühe, 
dann aber als Lustäusserung des Sennen, auch als 
Kundgebung in die Ferne und zu geselliger Unter- 
haltung, die sich in Ap nicht selten zu Wettkämpfen 
zwischen verschiedenen Sängern steigert Näheres s. 
ATobler, Kühreihen und Jodel in Ap 1890. 

jodle": 1. Jodel singen. aaOO. Dim. jödelen. Sjn. 
zölen, zauren; landeten. — 2. wild jauchzen, lärmen 
ScHW; Obw. Lätme* und j. wiene* Wüdeli. Lienbrt. 

Joddn (in Kärnten JaitcMn; unäjölen als Bezeichnung des 
Hirtengesanges auch im bair. Alpengebiet und im Tirol. Das 
W. ist (wie jolen) abgeleitet von der Interj. jo. Der Znsatz 
von d mag sich aus (physiologisch begründeter) Angemessen- 
heit dieses Lautes an solche Gesangttbungen erklären, da er 
auch in vielen Kefrainsilben vorkommt wie diri-diridum; 
didddumdei; hodeUi (Bd II 858). S. noch judUn. 

Jodler m.: 1. Einer der das Jodeln versteht und 
übt — 2. Jodelruf. — 2 wie in Juehxer, nhd. Seufzer n. a. 

Joder I, in W auch Jodri: der Taufn. Theodor 
B; L; W. , Joder Bytzius.* 1565, BStdt Auch Name 
eines ausgestorbenen Geschlechtes in AiZof. u. ZStdt. 
Sant J,f der Name des hl. Theodorus, ersten Bischofs 
in W im IV., der als Landesheiliger dieses Tales und 
der aus demselben nach Gr und Vorarlberg ausge- 
wanderten ,Walser' gilt, aber auch als Schutzpatron 
von Kirchen in andern Kantonen BsStdt; Gr; S Welsch.; 
OawSachs.; U uSchächen. St Jödertag [16. Aug.] Uw. 
Ze H Jodete*, in der Kirche des hl. Theodor BsStdt. 
,Sant Joders fründ, die frummon Christen us Wallis- 
land.* Salat. Die Legende erzählt von dem Heiligen, 



dass er den Teufel gezwungen habe, ihm eine Glocl^ß 
nachzutragen; dieser Glocke wird dann die Zauber- 
kraft zugeschrieben, Donner- und Hagelwetter zu ver- 
treiben. Er selbst wird auch für Vertreibung von 
Ungeziefer angerufen. (Scbweizekbote 1833). 

Die Namensform Joder erklärt sich nnr ans der Ver- 
bindung mit vorangehendem Sant, so n&mlich, dass der An- 
laut Th mit dem Auslaut t zsfloss, also eo in den Anlaut 
trat und dann durch Aussprache = io unter Verschiebung 
des Acc. auf das erste o zu jo wurde (wie im Ahd. eo und 
io wechseln). Zu '( Jodere* vgl. '( Albe\ Kirche des hl. 
Albanns. Die Nbf. Jodri mit der an Taufn. oft angeh&ngten 
Endung -i. — In der Legende (und in dem Namen eines 
vi bibegangenen Bergpasses in W) erscheint der Heilige auch 
mit dem Namen «Theodor; es fehlt aber auch nicht eine 
vermittelnde Form ,TheodoIus', ans der die in einem Fasi- 
nachtspiel des B Dichters Hans v. Rfltte vorkommende Form 
,St Joder zu erkl&ren sein wird. ,J5derle* nennt in der Sag« 
der Teufel den Heiligen und diese Dim.-Form erscheint auch 
als Taufn. in Ap. Über die Sage, der viell. ein heidnischer 
Mythus zu Grunde liegt, vgl. Vonbun 1862, S. 21-28; 
Gelpke, Sagengesch. 8. 838 ff. S. noch B Anz. 1873 S. 348. 

Joder 11: fein gespaltenes Holz, das statt Kien 
gebraucht wird Gr. 

Joderen I : = jaudlen 2 B oSi. 

«joderei 11: unnötig jammern LG." 

Konnte urspr. bedeutet haben, den hl. Joder in Not an- 
rufen ; könnte aber auch mit I zsgehören unter dem Grund- 
begriff eilfertigen, ftngrstlichen Gebahrens. 

Jad: 1. pers., Israelit, meist mit ungünstiger 
Nebenbed. a) als Wucherer, gewinnsüchtiger, schlauer 
Händler Aa; UwE.; Zo; Z. S. unter Oüggder Bd II 
195 u. An Ei*"m de* J. mache*, ihn übervorteilen 
Th; Z; Syn. Schelm. QUig wie na* J. Schild. [Bloss] 
in Gidanke* handle* wie die arme* Jude* AaEöII. 
(wortspielend). ,Hin ist hin, es leiht kein Jud mehr 
Etw. darauf.' Sülobr. — b) als der Verworfene, Gegen- 
stand der Verachtung und Verfolgung. ,E8 ist hin, wie 
des Juden SöL' Sprww. 1824. ,Du bist verloren wie 
eines J-en S.' GAlbr. 1679. ,Weniger gelten als ein J.* 
Aa. Wer den Andern anspeit, wird J. ! geschimpft Zo 
Kdspr. Es het-em e* J. i'n Ermel g'speut, er hat ein 
Loch darin BsStdt Spottverse : Jud, Jud, hinder 'em 
Hag, btsst im [dem] Hund das Schwänzli ab L. Jud, 
J., J., t** henk-di"^ an e* Stüd, »** henk-di"* an en 
Gatter, der Tüfd ist dl* Vater Bs. Im Friehjör hemme* 
d* Spatze*, dö esse* d' Jude* Matze*; im Summer kemme* 
d' Finke*, dö tien d' Jude* stinke* Bs. ,Übeler stinken 
als viertägige todte Juden.* Schob. 1699. — c) mit 
bes. Beziehung auf das Verhältniss zum Schweine- 
fleisch. Spring aUe* Säue* nö [nach], es frisst di'* 
denn kei* J.! wird einem Unsittlichen zugerufen. 
Schild. Der J. musste zum Schwören auf einer 
Schweinshaut stehen. 1720, Z. Vgl. dazu noch 2 b. 
— d) zur Schätzung und Behandlung der J. in frü- 
herer Zeit: ,Mit pfänden, die ein Jude um so vill 
guets genemme [Pfänder, die ein Jude sogar um so 
viel annähme].* 1324, ZWthur. Um 1426 musste ein 
Jude, wenn er nach Aarau kam, Zoll geben 30 Deniers 
und 3 Würfel, während ein Karren mit Eisen nur 
6 Deniers zahlen musste.' Ölh. 1840. ,Ein lebender 
Jud gitt 1 p Pfenning; item ein todter Jud git 10 p 
pfg.* ZBheinau Zollbrief 1466/1564. Dazu die RA.: 
,£r machte ein Maul wie ein J. an einer Brücke, wo 
er siebenfachen Zoll bezahlen muss.* HPest. 1790. 



18 



Jad, jed, jid, jod, jad 



14 



Der alte und verbreitete Glaube, dass die Juden 
Cbristenkinder rauben und schlachten, lebte z.B. in 
ZSth. nocli bis auf neuere Zeit. Man meinte auch, 
die Juden könnten kein Land mehr bebauen, weil 
ihnen die Erde keine Frucht mehr bringe, seit sie 
Christum getötet; darum beschäftigen sie sich jetzt 
fast nur mit Handel. Ebenso hiess es, die Juden 
hielten 2 seidene Betten bereit, um ihren Messias, 
wenn er unyersehens komme, zu beherbergen Z. 
S. noch Lieb. 1883. 255/58; Ochs II 1, 70; Bs im XIV., 
116; VöG.-Nüsch. I 417/22. In F wurden am Char- 
freitag vor den Dorfkirchen die J. in effigie geschlagen. 
KüEVLiN, dict. bist. I 281. Andererseits bestand seit 
1835 in AiWohl. eine , Judengesellschaft' zur Hebung 
des geselligen Lebens. Die Mitglieder trugen gleiche 
Kleidung und Kopfbedeckung, hatten besondere Lieder 
find RAA. — 2. a) Hase (Jägerspr.) Bs (Hinderm.), mit 
dem tert comp, vielfacher Verfolgung. — b) Wirbel- 
knochen des Schweines, der die Form eines sitzenden 
Männchens haben soll und selber in einem ringförmigen 
Knochen sitzt, der die Stande [Bütte] genannt wird 
ZSth., Zoll. Daher der erstere in Bs auch ,der Jud 
in der Büttenen* geheissen haben soll (Anon. ad Stald.); 
vlell. = Judenbeinli. Darauf bezieht sich folgende, 
aus ZZoU. bezeugte Legende, eine Parallele zu der 
vom Ewigen Juden. Als der Heiland sein Kreuz 
hinaustrug, wollte ein Jude ihn auf die Probe stellen. 
Er bedeckte seine Kinder mit einer Bütte, befahl 
ihnen, die Töne von Schweinen nachzuahmen, und 
fragte den Heiland, was unter der Bütte sei. Als der 
letztere auf Schweine riet und der Jude triumphierend 
die Bütte weghob, fand er seine Kinder wirklich zu 
Schweinen geworden. — c) ovale Kufe, beim Keltern 
gebraucht, wenn anderes Geschirr (die gewöhnliche 
sog. Stande) fehlt und man Eile hat AxEhr. — d) eine 
im Kartenspiel verkehrt liegende Karte ThHw. 

S. noch ewig i Bd I 609. Die fJadengesellschaft* le^ 
sich ihren Namen bei Teranlasst durch ein Fastnachtspie], 
bei dem Juden dargestellt worden waren, wie die Gesellschaft 
der Japanesen in Schw. Dunkel ist die Anwendung des W. 
bei JMahl. 1620: ,Wa8 hast im Sinn? Na luog und mach 
kein*" Juden drin!^ 

Hunds-Jude*^: 1. -Joda" GG., entstellt aus und 
gleichbed. mit H,'Hode^ Bd II 9J»4. — 2. Knaben- 
kraut, orchis. Dkr. 

Latz -Jud nennt UBrIogbr 1788 einen Garn- 
händler, der ihm kaum die Hälfte des Preises auf sein 
Garn bieten wollte. 

£r meint wahrsch. einen Händler, der im Markten sich 
einem Juden gleich bewies und doch kein rechter (echter) war. 

Bändel-: Jude, der auf dem Markte Seidenbänder 
verkauft Bs. In Ai auch nur Schimpfw. ,Ein Maul 
haben wie ein B.', gut schwatzen können AaZcIu. 

Schummele''-: betrügerischer J. Bs. — Vgl. ,be- 
schummeln*, bebrOgen. 

Stazione'-: Spottn. auf einen ausgelassenen Men- 
schen Ndw, — £ig. Jude, wie solche auf den «Stationen' 
der Wallfahrtskirchen abgebildet sind. 

Diebs-: diebischer Jude oder Mensch übh., als 
Scikitnpfw. ,Die b6sa Diebsjuda.' 1656. 

jtldele«» Uw, jtwler/c" „ÜW, JudU* IL**, jüdele^ 
Bs; ^$ Gl; Sch; Z, yüd^«ITH: 1. markten, Tausch- 
handel treiben, kleine Geschälte machen, handeln, 
BchachiVn Bs; Gl; Th. Syn. jaudlen, schicklen. Be- 
trügen, überfordern Öl; „L;" üwE. .Jüdelen = den 



Judenspiess brauchen.' Met. Hort. 1692. — 2. „nach 
Judentum riechen. Dasjüddet. allg." ^ Judenähnlich 
denken, sprechen, handeln." Dial. Stinken wie in 
einer Judenstube ScuSt. Paulus warf Petrus vor 
(Gal. U 12): ,Du lehrst die Heiden jüdelen; so du 
von der Juden wegen you den Heiden fluchst, machst 
du den Heiden ein argwon, sy syind nüt recht Christen 
oder sy müessind abbruch der menschen und der spy- 
sen halten wie die Juden.' Zwinoli. ,Er [der Predi- 
kant] habe gesagt, wer die Geremonien anders brauche 
als nach der Lehre Christi, der jüdele mehr, als dass 
er Christ sei.' 1534, Abscu. ,0, es jüdelet und pa- 
pistelet allzustark, wann wir [usw.].' JJUlr. 1733. 

Jude*: 1. unehrlichen Gewinn suchen, bes. bei 
Kauf und Verkauf; markten, geizen, wuchern B; 
GoT.; ScnSt.; Uw. — 2. sich in Geschäften über- 
mässig anstrengen Aa. Syn. jaudlen 2. Vgl. die Anm. 
zu Diesem. 

ab-, use°-: Einem, der in der Not ist, Etwas 
unter dem Preis abschwatzen ScHSt.; UwE. — er-: 
auf jüdische Weise, durch schamloses Markten, Etwas 
gewinnen, erschinden ScnSt.; Z. ,Die jüdischen Wuo- 
cherer, die, wenn sie ihr Wuochergelt zellen, so brau- 
chen sie allemal zum dreissigesten Pfenning den Nam- 
men Gottes, als ob sie den mit Gott und Ehren ge- 
wunnen betten, den sie aber mit unchristenlichem 
Wuocher erjudet und erschunden haben.' SHocbholz. 
1591/1693. 

Jude 1er: der gern kleine Geschäfte und Profite 
macht Gl. 

jüdig: hungrig, meist von Tieren BoSi., „Sa." 

Jüdischheit: Judenschaft, Gesammtheit der Ju- 
den. 1491, Absch.; UEckst. 

Jad&, in TuuSee; ZG. Judi: nur in Verbindung 
mit Simon als Name des 28. Getobe rs im Kalender, 
der als ein verworfener gilt (s. Schillers Teil). Simon 
Juda het Sehne a? de* Stüde^, etwa noch mit dem 
Zusatz : und henkt der Juda nit a**, so hinkt dt^* der 
Marti"" a" B oAa. S, und Judä häfäct der [den] Sehne 
»• (a'^J d* Stude"" ScnSt. ; ÜwE., d. h. bringt den ersten 
Schneefall. Ist Simon und Judä fürbi, so ruckt der 
Winter i\ Svlgbr. Simme'' und JOdi jagt 's Veh us 
aUe^" Stüdi Tb uSee. 

Und zwischen die Namen geschehen in Folge von Un- 
kenntniss der grammat. Form des Zweiten, bzw. seiner Ab- 
hängigkeit vom Ersten. Judi nach Analogie von Jakobi usw. 

Judas: 1. der Name des ungetreuen Jüngers, 
sprw. appell. gebraucht. Under zwölf Äpostle"* ist Ei'^s 
e* J. g'st*. Ineichen. .Es wird aber einem Jeden, der 
sich solcher Gestalt TergreifFcn wollte, zu seiner Zeit 
des Judä Seckelschnuor gewüsslich den Hals abwür- 
gen.' SHocbholz. 1591/1693. S. noch gruen 2 (Bd II 
751). — 2. Name eines Turmes in ZWthur, der eine 
Folterkammer enthielt; s. Fallen. 

jadisiere": urteilen. Schild (?on einem Knecht, 
der Bemerkungen über Vieh macht). ,Ist ein knab, 
der von sich nit j. kann.* 1578, L. 

jadle° II: von den Kufen, die früher die Kamin- 
feger ertönen Hessen, wenn sie die Höhe des Kamins 
erklommen hatten und aus den Luken desselben aus- 
schauten Z (Spillm.). Syn. jöten. — jüdle» U: jodeln 
BTh. S. - Im Grunde Eins mit joditn. 



15 



Jaf— JBf. Jag— jag 



16 



Jaf, jef, jif, jof, juf, bzw. jaff usw. 

Jovehöli s. Jofe-Hüenli ßd II 1374. 

•lafenöoli. Wildi J,: gentiana verna AASennh. > 

Joffes Wenn ein Senn vor dem Termin die Alp 
yerlässt, so wird ihm g'juffet, eine Katzenmusik auf 
den Weg gegeben BoHa. 

Die Musik ist wohl von Spottrufen begleitet and das W. 
könnte aus der Interj. *ju/ = jul gebildet sein; doch Tgl. 
auch das Folg. 

jafle» Aa; B (auch f); F (f^J; jofle^ BSigr.; FMu.: 
^Jäble^ Aa; B; F; angstvoll jammern und eilen BBe. 
Die Lüt händ g'juflet und zdbUt uf-em IVd, teo si 
g'seh händ, da^m es Wetter het welle'' cÄo* AaSI. Tfignn 
t«* recht jufle*, so wirde-n-i'^ hüt no'^ fertig BM. Syn. 
fiäderen; hasten; jasten, jausten; strüelen, strütten, — 
er-jufle": in Eile fertig bringen SG. 

y wdt mit dem syn. jobU* oder wahrscheinlicher mit mhd. 
'juf, Scherz, Spott. Übrigens sind die Angaben über Voc. 
und Cons. unsicher. 



Jag. jeg. jig. jog. jng- 

Vgl. auch die Gruppe Jagg usw. 

Jag m.: Verfolgung des Feindes. «Von des jags 
wegen: Welcher hört stürmen...* 1520, UwE. Rq. 
,Dem Yag Nichts mehr nachfragen.* 1609, ebd. — 
Mhd. jac, rascher Lauf. 

G*-jag n.: wesentl. = t/acÄ^in//. a) Jagd GRÜbS.; 
ÜL; Syn. Jaget. Z* G'jag gä"* U. ,Kein Fremder soll, 
dem Gejag, nach einichem GeflQgel nachgehen.* c. 1700, 
ü Rq. — b) Jagerei, wirres Durcheinander, Hin- und 
Herlaufen mit Gedräng und Lärm Bs; B; GaObS. 
Syn. Gejäbel, G(uäuk, I'* h<in es G'läuf und es G'j., 
g'ha'*, dass t** ganz müed warde* W*. Was für e 
G'jags si händ, icas für e Renne'' und Tribe^, Allem. 
1843. — Wie das syn. Jayi direkte Abi. aus jagen; vgl., 
dagegen Jägi, Gejäg(d). 

jage": l. tr., bzw. abs., im AUg. wie nhd. allg. 
a) Yon der Jagd auf Tiere. Bim J. und bim Litbe* 
vcei^s-me^, iro-men a'fohd, aber nid, tco-men üfhört.. 
Ineichen. Wer süft und hueret mid fischet und jagt. 
Der chunnt um Alles, was er hat Z. — b) mit dem 
Namen gewisser mythologischer Figuren als Obj., die 
den betreffenden Wesen geltenden Umzüge abhalten, 
die mehr oder weniger der , Wilden Jagd* gleichen; 
so d* Sträggden, d*s Posterli, Strüdeli, de'* Klaus j. 
(= stäuben, tribe"*); s. u. den betr. WW. nnd Schaub- 
Geislen. Übertr. auf die mit solchen Lustbarkeiten 
der erwachsenen Jugend verbundene Bescheerung der 
Kind er weit; so (fe* Klaus, 's Neujärs-, Wiehnecht- 
Kindlij., und danach auch (ie" Hase^'j., s. Bd II 1666; 
de" Osterhoß j,, Ostereier bereiten, Ostergeschenke ein- 
kaufen S (Schild 1885, 147. 149). — c) (an-, ver-) 
treiben, fortjagen, a) zu grösserer Eile, regerem 
Eifer bei der Arbeit antreiben, von Menschen und 
Vieh Sch; S; Th; Z. 's jagt- is Niemert, die Sache 
hat keine Eile. De* Gegner j., einschüchtern L (Aus- 
druck beim Kaiserspiel). More* j., das bei Rocbh. 
1857, 395/7 beschriebene Spiel BÖ.; Näheres s. bei 



Mören. Unpers., Jmd im schnellen Laufe fort-, mit- 
reissen, z. B. auf der Fahrt mit einem geladenen Last- 
schlitten, den sein Führer nicht mehr aufzuhalten 
vermag Z. Auch geradezu i. S. v. hinunter^chleudern, 
z. B. von Kaminen im Sturm Z. Aus dem Hause, 
Dienste jagen Th. Der Meister jagt de'' Chnecht, — 
ß) Vieh auftreiben, die Gemeinweide benützen (auch 
abs.). Wer jaget, der haget L (Rsprw. von der ünter- 
haltungspilicht der Weidezäune). ,Die Pauren haben 
ihre Ross und Vech auf das Moos zu j. gehabt.* 1606, 
LKnutw. Amtsr. Vgl. ab-, Über-j, Zum Wachstum 
antreiben, von kräftigen Düngemitteln Z. Mit dem 
Gips dia""-m«* nüd büne", nur j., er düngt den Boden 
nicht wirklich, wenn er auch das Wachstum befördert. 

— d) eine Streitsache vor Gericht verfolgen. Etwas 
auf dem Rechtswege zu erlangen suchen. ,Do jegtent 
sie die sach als lang vor den [Schiedsrichtern].* G 
Stdtb. .[Entfremdete] Pfründen j. in eignen Kosten.* 
1501, Ochs V 248. ,Der jagende teil*, die Klagepartei 
in einem Proccss. 1425, Seo. RG. Bes. von Schuld- 
fordernngen, die auf rechtlichem Wege eingetrieben 
werden müssen: .Schulden j., um geltschulde j.* 1457, 
Bs Rq. I 167; H 476. Auch mit Acc. P., Jmd ins 
Recht fassen, gerichtlich belangen, c. 1520, Bs Rq. II 
481. — e) ,ufEtw. j.*, darauf mit allem Eifer achten, 
bes. auf die Beobachtung einer Vorschrift. ,Die sinner 
sollen darüff j., dass sölichs beschuhe.* 1440, Sch Stdtb. 

— f) Ptc. Perf., durchtrieben, schlau, oft nur in stei- 
gernder Bed., übersetzbar durch ,ausgemacht' S ; vgL 
das nhd. ,mit allen Hunden gehetzt sein*. En g'ja^fttr 
Sibe^chetzer ; g'jagti SpHerfinke'*. Schild. — g) Spiele. 
(Umme"') Jogis = Fahens Bd I 723 Zo ; Z ; Syn. Ja- 
geten, Jägeriis, Jäglis, Ziggi jagen (s. Bd II 212). 
,Jagis machen ist eine Übung im Laufen, wobei es 
darauf ankömmt, dass Einer in vollem Jagen einen 
Andern erhaschen könne.* ZNeuj.M. 1788. In TflSteckb. 
schützja^ä mache"*; auch verallgemeinert: umhertollen, 
von Kindern. 27 Jagis spicke", mit Schnellkügelchen 
bloss zu Zweien spielen, wobei man sich gegenseitig 
von Stelle zu Stelle treibt B; Gegs. im Bis. S. noch 
Vogel. — 2. neutr. a) schnell laufen, eilen B. Un- 
pers.: Meikc, wo es dürcjagi, einsehen, welche Mittel 
zum Ziele führen, ,wo hinaus es gehe*, was eine ver- 
blümte Redeweise sagen wolle BE., M. ; s. Gotth. XXI 
198; eig.: erkennen, wo hindurch das Wild seinen ge- 
wohnten Weg nehme. — b) in der Brunst sein (eig. 
sich in der Brunst jagen), bes. von wild lebenden 
Tieren, aber auch von Ziegen „BO.;** VO; rgl.jägisch, 
jägden, jäuken, triben. 

Die umgelautete Form Jegtent* erklärt sich wohl als 
niisslangeDer RecoastructionsTersuch aus dem alten Vtki.jeite, 
etwa nach dem Muster von leite aus legeu» Zu 1 b vgl. das 
,Perchten-Laufeu* anderer L&nder. In iSehüizjaga scheint die 
imperatiTische Formel Schütz, jag a vorzuliegen; vgl. a III 
Bd 1 2, doch ist dies schwerlich die urspr. Gestalt des W. 

ab- s. us-j. — über-: Weideland mit zu viel 
Vieh befahren; vgl. das Syn. übersetzen. ,Wegen der 
allment ist gesetzt worden, damit solche nit überjegt 
werde, dass keiner mehrer ross und vych auf die all- 
ment zu tryben macht haben solle, [als . . .].* 1579, 
LKnutw. Amtsr. — üf-: 1. zum (raschen) Aufstehen 
zwingen, bes. Vieh, das sich lagert, durch den Zuruf: 
Hü üf! auch Langschläfer; aufscheuchen, z.B. Reb- 
hühner Th; Z. — 2. = üf-gabkfi 5 Z. — um-: zu 
Boden werfen Th; Z. JB> Tann u., entwurzeln, vom 



17 



Jag, jeg, jig, jog, jug 



18 



Sturmwind. — er-: 1. durch hastiges Treiben er- 
langen, gewinnen, allg. Was m$* nU e, cha**^ mueas 
w^ er8chUche\ Sulobr. Erjaste^ (»erhasten.* Gotth.) 
und e. ÄUes müesse* t, und erschinder Z. ,Er habe 
bei den Gerichten das Urteil erjagt.' 1524, Absch. 
,Der bjehtvater soll den klosterfrowen das alrauosen 
e,, damit sy gespyset werden.* 1532, ebd. -< 2. nach- 
forschen. «Solche schantliche red yferlich e. und nach- 
dem ich den Ursprung befunde . . .* 1523, Strickl. — 
3. erweisen. ,Tst in anderen [meiner] Schriften g*nueg- 
sam erjagt* Zwingli. — 4. mit Acc. P., gerichtlich 
belangen, für Schuldforderungen. «Welcher einen be- 
richtet am g'richt und in erjagt mit rScht bis uff 
pfand.* c. 1530, AiDietw. Offn.; ähnlich Bs Rq. I 167. 

Ü8-: 1. mit Acc. P.^ Jmd fortschicken, aus dem 
Dienste jagen B. ,Ausgejagte Commis.' Gotth. Recht- 
lich : wegen Schuldforderungen zum zeitweiligen Ver- 
lassen des Stadtbannes nötigen: ,Jeklicher, der einen 
umbe syn schulde üsjaget, im vor den krüzen ze lei- 
stende.* Bs Rq. I 120. Land ü., Kartenspiel unter 
Knaben, wobei der Verlierende, nachdem er Schulden 
gemacht und die eigenen, sowie die entlehnten Karten 
an seine Mitspielenden verloren hat, schliesslich «ans- 
getrieben* wird, d. h. das Gemach, in welchem gespielt 
wird, für einige Zeit verlassen muss L. — 2. Vieh 
auf die (Gemein-) Weide treiben; vgl. jagen 1 c f; 
Gegs. ab-ja^en. ,Wann man Gemeind haltet oder den 
Twing besetzet, soll Niemand allda zugehören, denn 
allein die Twingsgenossen sind, auch uss- und abzu- 
jagen habent* LUff., Wykon Twingrecht. 

Land ü. ist urspr. landüa j.; es scheint noch eine Er- 
innerung an das «AusschwGren*, eine Art Ächtung wegen 
nicht geleisteter Zahlung, zu bewahren; vgl. noch Ztschr. 
f. schwK. R. YII 26 ff. 

ver-: 1. mit Sach-Obj., wie nhd. ,Geringhaltige 
Münzen haben sich eingeschlichen, wodurch die Gold- 
und Silber-Sortes verjaget worden.* B Münzmand. 1724. 

— 2. in Stücke zersprengen, bersten machen Aa; Bs; 
ScHW; Th; Z. ly Hose* v., bes. wenn sie zu eng 
sind. Doch meist unpers., von Geschützen, Fässern 
(beim Gährungsprocess des Inhalts). Lachen und gi- 
geUr, dass 's e [ihn] schier-gar verjagt het, 's wUl-em 
's Herzli v, vor Angst und Täubi ]Zorn]. MLienert. — 
3. liederlich durchbringen, verschwenden Bs. Alles v, 

— Syn. zu 2 und 8 veraprengen. 

Gassen-: Spiessruten laufen lassen; in übertr. 
Bed. : ,Da8s es nicht die Bestimmung der Vernunft ist, 
die schwankenden Begriffe der einfaltigen Gutmütig- 
keit Gassen zu jagen.* HPest. 1790. — Hirs- n.: 
Fastnachtspiel, wobei Vermummte ein harmloses Tanz- 
spiel aufführen, einige von ihnen jedoch als Träger 
stereotyper, lustiger Rollen, ähnlich wie beim bair. 
Haberfeldtreiben, die Torheiten einzelner Personen 
geissein LWigg. Das ,H.* verboten. 1696, L Stdtarch. 
Vgl. hirzenS; Lüt., Sag. 566; Rochh. 1856, 11 195/7; 
Hirs-Mäntag, — nach-: ein Jagdtier verfolgen. ,Die 
fischer mögend den üschen n., als verr sj mit schalten 
gefarn mögend.* AaF. Richtung. Bes. aber in der 
Rspr. a) ,Wo iemand dem andern für gericht gebietet 
umb schult und der kläger als lang nachjagend ist 
gewesen . . .* 1409, Bs Rq. ,Wo ussländische lüte solich 
erb und guot mit recht nit erfordernt, noch dem nit 
nachjagten.* 1451/1544, Schw LB. Bes. vom Recht 
einer Herrschaft oder Steuergemeinde, von ihrem An- 
gehörigen, auch wenn er sich ausserhalb seiner Heimat 

Schweiz. Idiotikon lU. 



niedergelassen, Steuern und Dienste zu fordern. ,Nach- 
jagender (Hals-)Herr, Vogt*, vielfach in Urkunden und 
Dorfoffnungen. ,Ein frye frauen, der niemant nach- 
jagt und [die] niemants eigen war.* SchwE. Hofrod. 
,Wer Jahr und Tag in der Herrschaft Baden ohne 
nachgejagt sitze, gehöre den 8 [regierenden] Orten.* 
1546, Absch. Übertr. auf einen nachfolgenden Termin: 
,[Die Eurzeit in Baden] pflegt man in 3 Einsätz ab- 
zuteilen ; der vorderste fangt an von der Osteren und 
erstreckt sich bis zur Pfingsten ; des anderen Einsatzes 
Anfang ist Pfingsten, desselben End aber ungefiLhr 
St Jakobstag; der 3. beginnet anzuheben von dieses 
Apostels Tag und währet, so lang es beliebig ist, 
sintemal dieser letztere Einsatz keinen anderen nach- 
jagenden Herren, wie man pflegt zu sagen, zu be- 
förchten hat, als nur die bald früher, bald später 
einfallende schlechte Witterung.* SHott. 1702, 53. 
«Nachjagende Ämter*, Gebiete, deren Obrigkeiten 
gegenseitig das Recht des Nachjagens hatten; Gegs. 
,gefreite8* Amt. ,Die von N., ein nachdienent Amt, 
vermögen nicht zu steuern, denn die Leute derer von 
Zürich usw. [die eben an ihre angeborne Obrigkeit 
fortfahren zu steuern] wollen ihnen nicht helfen; der 
Vogt soll erfahren [untersuchen], ob es ein nachjagent 
Amt sei.* 1419, Absch.; vgl. noch Arg. 1861, 132; 1864, 
173; 1877, 60; Seo. RG. II 320/5. — b) das Ptc. Präs. 
in pass. Bed. ,Hab nie gehört, dass sy eigen oder 
nachjagend vogtlüt sjen.* 1454, Zbllw. Urk. Ebenso 
Arg. 1864, 201. — be-: 1. erringen, erwerben. ,Eer 
und sig ynlegen und b.* 1523, Strickl. ,Wer innert 
bestimmter Zeit Kundschaft nicht bejagt, alsdann hat 
sein Gegensächer sein Recht gewonnen.* B Gerichts- 
satz. 1721. Auftreiben: «Dasjenige, so ich aus unzal- 
barlich vil ersuchten Schriften, wo immer möglich, 
mit Wahrheit b. mögen.* Würstisen 1765 (Vorr.). — 
2. Schuldforderungen gerichtlich anhängig machen, 
eintreiben; vgl. jagen 1 d. ,£in unbedeutendes Geld 
so oft fordern und mit grossem Kosten, als die Haupt- 
sache wert sei, bis an*s Recht b.* 1548, Absoh. ,Us- 
ständige Zins forderen, b. und beziechen.* 1600, L Rq. 
Mit Acc. P. ,Wann der bischof vermeinte, dass solichs 
wider sjn gewaltsame [Recht], mag er den herzogen 
dorum b.* 1530, Absoh. ,Der kleger soll den antwurter 
fürnömmen und b. vor synem ordenlichen richter.* 
1588, ebd. Den Beklagten b. ,B., suchen und an- 
klagen.* 1634, ebd. — bolz-: Pfeile mittelst einer 
elastisch-biegsamen Gerte und einer daran befestigten 
Schnur in die Luffc schleudern TuTäg. (Knabenspiel); 
Syn. hohen. 

speck-: 1754/5 neben dem , Hirsjagen* verbotene 
Fastnachtsbelustigung L (Lüt.). 

Scheint mit dem Brauche zszuh&ngeD, dass an der Fast- 
nacht gestattet war (und ist), von Haus zu Haus Lebens- 
mittel zu betteln ; als besonderer Grund, warum die Obrigkeit 
einschritt, wird angefahrt, dass damals Esswaaren (viell. bes. 
Speck) aus den H&usern sogar gestohlen worden seien; vgl. 
auch Mammen-, Käa-^äger. 

dure'-: s= ver-jagenS Th. ,Die überflüssige Mahl- 
zeiten, an denen Vieles unnötig durchgejagot wird.* 
BsRef.-Ordn. 1727; vgl. ,Etw. durch die Gurgel, den 
Hals jagen*. 

Jager m.: 1. Nachtschwärmer, bes. von jungen, 
ledigen Burschen GaObS.; Syn. Nacht-Bueb; vgl. 
jägisch. — 2. junges Schwein, im Alter von 12—20 
Wochen, das stark genug ist, um ,laufeu* zu können, 

2 



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JÄg, jeg, jig, jog» jug 



20 



aad das daher der Treiber mit auf die Strasse nehmen 
und Yor sich her treiben kann Ap; G; Sch; Th (häufig 
als Dim. Jagerli); Z; Syn. Läufer, Traber, Trib-SHw; 
GegB. I^lin Bd I 921. — 3. leicht gebautes und be- 
wegliches, 80—40' langes, 4—47«' breites, häufig als 
Maiktschiff verwendetes Buderschiff, das aber im Gegs. 
zum ebenso verwendeten ,Weidling^ spitzbordig und 
weniger gross ist ZS.; Syn. Schiesser; vgl. Jag- Schiffe 
Jossen und nhd. ,Jacht*. 

finte*^- Jagerli n. : zur Entenjagd benutztes, 
leichtes Schiff 68.; vgl. auch HEEschir 1692, 105. 

Euenzen-: häufig neben andern Fahrenden auf- 
gezählt. XYI./XVII., Z; vgl. Gauggler Bd n 172. 

Dias W. erscheint somit in ansern Qaellen als direkte 
Abi. der Verbalverbindangr ,(den) Kuenzea jagen*, daher ohne 
Uml. ; erst JJBreit. 1689 und SHochh. (doch erst in der 
Aoflg. T. 169S) bieten die Form mit Uml.; vgl. Gr. W6. 
V 2755. 

Bettel-Jager: Büttel, der die Bettler über die 
Grenze zu schaffen hat Ap; vgl. B.-Jägi. 

Tüfels-Jagerli Ap; GF., -Jägerli GTa.: meist 
von Kapuzinern bezogenes, zur Abwehr von bösen 
Anfechtungen und Heilung von Krankheiten bes. von 
Kindern am Halse getragenes Amulet; Syn. Agnusdei 
Bd I 128. 

Jaget m.: Jagd. ,[Den Habicht] vor dem j. mit 
schaaffleisch ätzen.* Yooelb. 1557. ,Nachdem der j. 
schier Überhin ist.* ebd. 

Jaget e f.: = Jogis (s. ja^en 1 g) Sch. 

Jagi f.: = Gejag Z. 

Jagung f.: Jagdrecht. 1550, LKeid. Pfrundbr. 

G«-jäg B; Zq; Z, G'je'g Aa; Bs; B; Gl; Z, G'jägg 
ZO., G^je'gg BSi.; Gr; GRh., G^jägd Aa — ■.: wesent- 
lich = G^ag. a) Jagd, spec. die in voller Jagd be- 
griffene Meute Aa; B; Zg; Z. 's G'j. chunnt-is eH- 
gege*, gät dert use"^ Z. ,Was hört man? Ich glaube 
ein (3rjäg.* Gotth. Auch i. S. v. Jagdbezirk, ,Gehego' 
Aa, in der (meist bildL verstandenen) RA.: Ei*'tn t"'« 
G*j, cho'^: Syn. t*'« Gau. 's mld (Aa), Dürste'^' (BSi.; 
,F; L"), dürstig (B; Sch) G'j., die wilde Jagd; Syn. 
Wuetis-Eer Bd II 1555. Si [die Reiter] ra^le^ fürt 
wie 's dürstig CPjäg B (Schwzd.). Wenn am Hombcrg 
das Herannahen des Sturmes vernommen wird, sagt 
man : 's wüd G'jägd föht a* Aa. S. auch DGemp. 1884, 
111/3. Mit rationalistischer Deutung auf natürliche 
Vorgänge: Bürstig G'jäg heisst in üsem Land a" vüen 
Orte* das Nacht^lärm t'o» den Ore'^chüze'*, wenn si 
schwarmwis uf c" Raub umenandere* fare'' i*"** hiUe^. 
ScHlFERSCHEiD 1831; Vgl. uoch ROCHH. 1862, 100. ,Do 
kam Esau von seinem gejegt.* 1531, I. Mos.; = ,ge- 
jägt* 1548; ,Gejagd.* 1707. Bes. von Treibjagden auf 
Raubtiere, so 1645, Absch. V 2, 1354; GrD. LB. 21 
(,Gejegt8-0rdnung' von 1646); vgl. Wdifs-Gam Bd II 
425. ,Gott hat mich mit seinem gejegt umgeben.^ Z 
Bib. 1560; dafür: ,Garn.' 1667. Jagdbeute: ,Dises 
tier ist im forst under anderm g'jägt gefangen worden.' 
TiSRB. 1563. — b) geräuschvolles Hin- und Herlaufen, 
„z. B. beim Suchen" Gl; L; Syn. Jcuhting. Leiden- 
schaftliches Treiben in der Verfolgungseiner Zwecke Z ; 
Syn. Jägi; Ritt. Du käst au"^ aUiwU es G^jäg! schilt 
man einen lästigen Dränger und Treiber ZTö. Mit 
öppis es G^jäg ha\ Da 'sch es G'jeg im Hüs inn und 
uff-em Land, wenn si ummen e chl% Öppis z* due* 

hei**! Bs. — Mhd. ^ejege, gejegede, Jagd. 



Fürste°-G'jeg: zuweilen st Dürsten-G'jäg BD. 

(Zyro). 

Hase--G^jäg s. Bd H 1666. 

,Kunzon-Gejägd': neben Gaukel- und Taschen- 
spielerkünsten genannt. Anhorn 1674, 535 ; vgl. Kuen- 
zen-Jager, Kuenz und Gr. WB. V 2751/2. 

Land-: Streifjagd auf rcissende Tiere. XVI., Gr 
Rq. ,Der landgejägten halben', neben dem syn. ,das 
gejäg.* Vgl. L.-Jägi. 

Jäger, in BM.; L leger — m.: 1. Jäger, allg. 
Der best J. chunnd mithi'' ler hei*^ — wenn er nid 
truvke* hed. & J. und e* Hund fressen aÜe Stund. 
S. noch Bd I 1107; Bd n 1424. ,Der eisgraue J., der 
alle Fron fasten mit toten Hunden im Wald jagt und 
um Mitternacht in*s Hüfthom blast, dass es weit 
umher tönt, jagt darum mit toten Hunden, weil er 
die Marken veränderet [hat].' HPebt. 1790. Andere 
Sagen von verwünschten Jägern s. z.B. bei Ro«hb. 
1856, 1 103. 109. 219; Kohlrüscb 1854, 141; Rothenb. 
1876, 6 (erinnernd an Bürgers ,Wilden Jäger'). — 
2. a) kantonaler Polizist, Gensdarm ScsKl. ; ZO. ; Syn. 
Land-J. — b) leichter Fusssoldat, der bes. zur Re- 
cognoscierung des Terrains und als Flankier ver- 
wendet wurde Zf; vgl. frz. chasseur in der selben Bed. 
Man unterschied J. rechts und J. links. — 3. , Jäger und 
Läufer* hiessen in Gl und Zo Diejenigen, welche auf 
die Landsgemeinden hin für ,Ämter- und Stellenjäger' 
um Stimmen warben; vgL Blümer, RG. H 1, 116; Za 
Ref. 1723. 

Mhd. jegere; der Yoc. ist aach in unsern MAA. wohl 
Qberall M'; nnr in BM.; L, wo der anl. Cons. vocalisch ge- 
worden ist, geht das e mit dem neu erstandenen Yoc. eine 
diphth. Yerbindnng ein; vgl. lekanne aas *Jehanne, Johanna, 
Hanaierg aas Hant-Jerg, Hans Georg, ond umgek. je' aas ie. 

Ämtli-: Stellenjäger Bs; Z; Syn. Ä.'SchUcker. 
— Feld-: PL, früher Name einer Reiterabteiluug 
bei der sog. Freicompagnie Bs seit 1761 (Jahrb. 1886, 
134). — Hamme"-: .Schinkenjäger*, Schelte auf einen 
bettelnden Mönch. UEckst.; vgl. d. Folg. — Käs-: 
Bettler. ,Die unverschämten kässjeger, wurst- und 
schmalz bsttler, die b6ttelmünch und sunst andre 
münch.' RGuALTH. 1546. 

Land- (in Th auch Lande'ger, in B; L Landieger): 
1. :=s Jäger 2 a Aa; Ap; Bs; B; L; S; Tb; Z. De 
L. nimmt'di'^, chunntl scherzh. Drohung an Kindor 
Th; Z. En L. und en Munni [Zuchtstier] sind glich, 
weil nämlich keinem von Beiden zu trauen ist AaB. 
Es icird Keiner L. oder er heig en Isen ab^rennh 
AABb. ; vgl. Bd I 537. E* rechter Manisch dM*"* nU 
L. »i» und c" schlechte* cha** mf» nit brüchig S (Schild). 
Trau kei'^m L. und kei**m Pfaff! ebd. ,100 Land- 
jäger — 99 Diebe* Aa (Rochh.). — 2. nlang^r Rechen, 
mittelst dessen man nach der Ernte die Fruchtfelder 
säubert S.*" — 3. äusserster Eckkegel beim Kegel- 
spiel, It n. Eins. Kai. 1884; Syn. ,Spitzel*. — 4. dürre 
L., lange, geräucherte Presswurst, sog. lange Appen- 
zellerwurst Aa; Ap; VC; G; Tb; Z. 

Die berührte Umwandlang des anl. / mag durch Ton- 
entzug, der wie in zahllosen andern Beispielen den 2. Teil 
der Zss. traf, begOnstigt worden sein; unzweifelhafter ist 
dieser Gausalzusammenhang fOr den g&nzlichen Schwund desy 
anzu nehmen, zu welch Letzterem an Hanthoh fQr ,Han8- 
Jakob' zu erinnern ist. Zu 1. Der 1. Teil des Comp, ist 
zn erklären wie in dem &. syn. L.'Avthier (Bd I 469/70), 
nach dem es gebildet ist; dem betr. Polizeibeamtea lag bes. 



21 



^•8. j^i jig. Jo«» j»ff 



^ 






I 



die Aasftihronf der «Land-JA^inen* ob. Zq 2. Was nach 
der Ernte aof dem Felde ttbrigr blieb, gehltrte sonst naob 
altem Braach den Armen, denen der Beehen daher Schaden 
brachte wie der Landjftg er, der sie am Bettel hinderte ; St 
^ibt als Definition auch «Hangerrechen*. Es könnte aber 
anch der Beehen als der ^Ordnung machende* bezeichnet sein. 
Zu 8. Die Eckkegel bleiben nach den ersten Würfen oft 
stehen wie Poliristen auf Posten. 4 ist Tiell. schenb. Ent- 
stell ang ans lang tige^ Württ, indem man die beiden Adjj. 
als ein Comp, behandelte; dafOr sprechen anch die in GStdt 
Torkommenden Formen Langtige\ dürri Lantiger; Tgl. zu Letz- 
terem das entstellte Tiger^Wurat. Das steife Aussehen der 
Wurst mochte mit der militärischen Steifheit eines Polizei- 
manns Terglichen werden. 

More*-: im Spiel More* jage* Name des Knaben, 
der die Aufgabe hat, die ausserhalb des Kreises lie- 
gende Kngel (MorenJ in ihr «Nest* zu Jagen*, d. h. zu 
rollen BO.; Sjn. M.-Hüeter, -Triher. — Nacht-: 
einer der Namen des ,wilden Jägers*; s. Heknb 1879, 
191. 536 ff. -— ,Bode"-: wer sich den Fang der 
Mäuse, bes. aber der Maulwürfe zum Beruf macht F." 

„Schi ei k-: Wilddieb B.** -> «SfeJUeüben, (heimlich zu- 
oder weg-) schleppen, schmuggeln. 

Strichli-: Spottn. fftr einen nach guten Censur- 
noten begierigen Schüler BsStdt. 

Dilldappe"-: dummer Kerl, der von den Andern 
zum Besten gehalten wird, indem sie ihn bes. in 
Wintemächten beauftragen, er müsse auf dem Felde 
,Dilldappen* [angeblich ein kostbares Wild] jagen, 
bzw. ^fangen*, worauf sie ihn dann einige Zeit auf der 
Lauer stehen und frieren lassen Bs. — Vgl. Otter Bd I 

604, EU-GrUAi Bd II 802. 

'DÜ8B-: Jäger, der die Hasen heimlieh in ihrem 
Lager zu beschleichen sucht oder ihnen auf der Nacht- 
weide nachgeht JleEBSPR. 

jägere" (in L iegere*): 1. den Beruf eines Jägers 
betreiben BSL ; VO. Er seÜti an de* Sunntige* cPs J. 
[auf Gemsen] läijk hlKbe*, BGemp. 1884. — 2. fumm^-Jj., 
ruhelos umher schireifen, um Terächtliche Ziele zu er- 
reichen, z. B. Neuigkeiten ein- und auszukramen UwE. ; 
ZO. — 8. Jägeris Z, (Land-) Jägeriis Bs; „B;* G, das 
Jägerspiel, Fangspiel übh. ; vgl. jagen, Hos Bd II 1666. 
„Jägeriis macke*, einen Wettlauf versuchen B(Kd8pr.).** 
— Zu der Bildung des Spielnamons s. Faken». 

jäger(i)sch: brünstig, von Ziegen und Schafen 
Gl; Sjn. jägisch, jäukig, böckig; vgl. jctgen 2 b. 

Jägi f.: 1. Jagd Gr. ,Sie hei ein Jägi g*89hen 
an [angeordnet].* MtbioIüs 1630. ,Der Schützern 
[Schützen] an der Jegi Underp&nt.* XVII., G« Bq. 
,Sofem man Etwas in der Jege [angetrieben] hat und 
wann es gefangen oder gestochen würd.* 1646, GrD. 
LB. — 2. über das ganze Land oder ein bestimmtes 
Gebiet sich erstreckende Streife, bes. auf allerlei 
fkhrendes Gesindel; Syn. Land-J. ,Bj jüngster allge- 
meinen, duTchgehnden Jägi ald Hussuechung.* Z Mand. 
1641. -^ 8. « Gejag b, bzw. Oejäg b Gl; Gr; L; Z. 

liand-: StrelQagd, im eig. und übertr. S. Auf 
Bericht des Landvogts zu ZKjb., dass die W51fe sich 
aller Orten stark vermehren, wird verfügt : ,Es sollen 
die Jägermeister sich einer allgemeinen Landsjägi ver- 
gleichen [einigen über].* 1638, Z Batserk. ,Beissende 
Tier m^end durch die gewohnten Landjäginen gejagt 
werden.' B Mand. 1697. Bes. = Jägi 2 „B; L"; die 
angebotene bewaffnete Mannschaft eines ganzen Ge* 



bietes oder nach Übereinkunft dasjenige benachbarter 
Staaten durchstreifte dabei das ganze Land nach hei- 
matlosem Gesindel. ,Wir haben ein hohe Notdurft 
syn erachtet, ein Land- oder Betteljägi anzustellen, 
<himit unser Land von beschwerlichem G'sind gesübert 
[werde].* Z Mand. 1648. ,Es wird eine allgemeine Jj. 
auf den 17. August angesetzt und allen Landvögten 
davon Kenntniss gegeben, damit solche Jägi allent- 
halben am gleichen Tage verrichtet werde.' 1651, 
Absoh. ,Es sollen von 3 zu 3 Monaten ohngeüahr 3 
oder 4 allgemeine Landjägenen zu einem ohnver- 
sehenen Tag vorgenommen werden.* B Mand. 1717. 
Vgl. Anro. zu Land-Jäger, ferner GikugUr Bd 11 361/2; 
Absch. lY 2, 808; N&f 1869, 153/4. 

Bettel-: = dem Vor. ,Die Nacht durch war ein 
Treibjagen und ein Herumlaufen im Dorf, wie im 
Wald unter den Zigeunern, wenn eie erfahren, dass 
eine B. angestellt ist* HPist. 1783; dafür: ,B.-Jagd.' 
1790, II 9. ,Ein allgemeine Landbetteljägi üsschrj- 
ben.* Z Mand. 1662; dafür: ,Ein allgemeine Betder- 
jegL* Z Bettelordn. 1630/4. ,Nach dem Inhalt unser s 
B.-Mandats.* Z 1720. Vgl. noch fiLLuiMAMif 1797, 186. 

Zigüner-:=s dem Vor. ,Die jährliche Zigeuner- 
jäge angestellt, um die in's Lund geflohenen Zigeuner 
und Heiden auszusagen.* 1659, Glvr. 

jägisch ScHwMuo., jägsch, jegsch Uw; U: 1. =ja- 
gerisch Schw; Ndw; U. Dagegen von den betr. Böcken 
UwE. — 2. Subst Masc, Kamerad, in der Sprache der 
Junggesellen unter einander SchwMuo.; vgl Jager 1. 
Hest nüd en Jegisch g'nierkt [gesehen]? 

jägle": 1. Dim.-Bildung zu jagen 1 a, oft und 
viel jagen, in wegwerfendem S. ScnSt — 2. Jägli^s 
mache* == Jagi*s m. 38; «GEh." 

Jägi er m.: leidenschaftlicher Jagdliebhaber SoifSt. 

Jag 11 m.: wer im Fangspiel zu fangen hat Bs. 

„Jagini*. das Schlechteste des Hanfes W.** 
Oewiss eig. eine wie Jeh-Heu, Juega mit Torsehlagendem j 

gebildete Nbf. von Agnt* Bd I 128 und zwar PI. des Dim. 

(irrtOmlich von St. als Sg. und daher als Fem. verstMiden). 

(Herr-)Jdger s. Jesus, 

Jnge'd (in Aa; GT.; ü; ZO. -«) — f.: im AUg. 
wie nhd. a) abstr. ,Allerhand Art>eit, dazu meine 
Juget [jugendliche Kraft] tüchtig gewesen.* XVH., 
BoHNER. — b) concr. a) in coli. Bed., Naohkomraen- 
schaft Bs; B; Uw; U; Z. Wie vil J. hed-er afig? 
,Lauis sei mit einer hübschen Anzahl J. von Gott 
begäbet; öin Schulmeister sei [dafür] zu wenig.* 1594, 
Absoh. ,Zu6 Lenz, da sie mich ufnamend, ire J. zuo 
iSren tütschi Sprach.' Ardüser. ,Mich, sammt meiner 
her[an]wachsenden Jugent.* Wurstisch. Auch bei Mal. 
Brut, der Vögel. ,[Die Hennen] verwundernd sich ab 
irer jugent, so sy nit erkennend.* Voqklb. 1557, im 
Wechsel mit ,Bruet*. ,Nachdem [die Haselhühner] ir 
Jugend auferzogen habend, dass die yetz fluck worden.* 
ebd. — ß) mit Sg.-Bed., einzelnes Kind, spec. neu- 
gebornes Aa; Ap; Bs; B; VO; Gl; G; Th; Z; Syn. 
CMlses [Kleines]. E* J. ubercho"*. Si* Vetter het am 
Sunntig si* J. tceüe* lo* taufe*. Breitenst. Auch im 
PL: B%cö J-e* mit enand OberclM* Tu; It St.^ in L; 
SoH und Za unflectiert: Dri J. Als Bim., e« Jügetli, 
ein unehliches Kind B. .Doch ist dise j. nicht zur 
tauf kommen [vor der Tanfe gestorben].* 1588, Af 






n 



Jag— jng. Jagd—jugtl- Jags-jiigs. Jagg— j«gg 



24 



(Udly. Bibl.). «Ein Jeder, so ein J. taufifen ze lassen 
begert' Z Mand. 1627/50. Auch bei Mal. — Aach mhd. 
schon i. S. t. b. Die Form ,Juget* schon bei JBinder 1535. 

Degeli-Jnge^d: Spottname auf die Patrizier- 
Söhne, die das Vorrecht hatten, einen kleinen Degen 
tragen zu dürfen. Ende XVni., B; vgl. als Gegen- 
stück BarettU'Tochter. 

jftgere": ein gewisses Ballspiel machen, wobei 
einer der Teilnehmer als Ziel zu dienen hat, alsdann 
aber, wenn er getroffen ist, den Ball aufheben und 
selber werfen muss GbD. — Vgl. jog(g)len, 1. 8. t. sich 
herumtreiben. 



Hasen- Jagd. ,Die Wache habe in einer Nacht 
ein grosses Gepolter, so man die H. nannte, auf 'm 
Bathause in der grossen Ratsstube gehört.' 1690, Bs 
(Ochs). — Offenbar handelt es sich um eine gespenstige 
Haseigagd; Tgl. Bd II 1667/8. 

Bare"-: an der Fastnacht veranstaltete Volks- 
belustigung, wobei ein Mann sich in eine Bärenhaut 
kleidet, dann sich im Walde vorsteckt, aber von den 
,HundenS d. h. Knaben, aufgestöbert wird, um dann 
von den , Jägern' verfolgt und erlegt zu werden ; dabei 
wirken als ,lustige Personen' etwa ein Hanswurst, ein 
,Mehlbabi' u. A. mit BE., G. 

Diese Belustigung, welche auch in UAlt. in den ersten 
Decennien dieses Jhdts sich abzuspielen pflegte, war urspr. 
eine bes. Form der FrOhlingsfeste, zu welchen der B&r sinn- 
bildlich in Beziehung stand. 

Birs-: Vogel-, spec. Schnepfenjagd Z. 

Posterli-: Umzug am Donnerstag Abend vor 
Fronfasten in der Adventszeit, . wobei einer aus der 
Schar der aus allen Dörfern zsgekommenen Jung- 
gesellen das ,Posterli' vorzustellen hat, oder eine 
Puppe unter diesem Namen auf einem Schlitten ge- 
schleppt wird, während die übrigen mit Lärminstru- 
menten aller Art (Peitschen, Hörnern, Schellen, Kes- 
seln, Pfannen) ein möglichst starkes Getöse zu machen 
suchen und das ,Posterli' so nach dem Dorfe begleiten, 
wohin der Zug vorher verabredet worden und wo sie 
von der Jungmannschaft erwartet werden, indem ihnen 
Einige mit verhülltem Gesicht sogar ausser das Dorf 
entgegengehen. Ein Gelage beschliesst den Tag LE.f 
Vgl. jagen, greiften Bd 11 708/9; Klaus-Homen Bd U 
1626/7, Krungeli und FXSohittd. 1782, 189. 

Schnöpfe»-: wie nhd. Bildl.: uf d' Sehn, gö**, 
den Lustdimen nachstreichen Ap. 

jägde"j^'^c2e" GrV., sonst mit Assimilation jo^t/e", 
jl^gge*, in W It St. Jeke*'*, nach neuern Angaben 
je'ggo: 1. im AUg. =s jagen 1; auf die Jagd gehen W. 
Hase* j,y ein Spiel mit Bohnen machen (s. Hos) GrL. 
Fortscheuchen, -treiben Gr. Schi heind de* Schwtn- 
kerli mit Schiter uss der Chuchi ^jeg0, Jmd umm<}-j,, 
herumhetzen Gr. Das Vieh treiben GrV. — b) den 
Vordermann beim Mähen zur Eile antreiben, indem 
man ihn zu Überholen sucht GrD. — 2. neutr. a) eilen, 
hasten Gr; nSich mühen, anstrengen W." — b) sich 
in der Brunst verfolgen, brünstig sein, sich begatten, 
bes. von Schafen und Ziegen Gr, aber auch von andern 
Tieren W. — Betr. die Assimilation vgl. auch Qejäg. 

US-: hinausjagen, -treiben Gr. Den Vormann 
beim Mähen überholen und, indem man das Gras vor 



ihm wegschneidet, ihn so gleichs. aus dem Schwaden 
jagen GrD.; Syn. tisfe^'J-hauwen, — strätsch-: das 
Spiel mit dem Plumpsack (Strätsch) machen W ; Sjn. 
L&mpli trägen, L, faUen län, — zer-: 1. verjagen, 
auseinander treiben Gr. D' Franzose* heind di Chaiser- 
liehe* zerjeggt. — 2. = verjagen 2 Gr; s. Tsco. 372. 

Jegder m.: 1. Treiber, beim Vieh GrV.; Syn. 
Hirt X a. — 2, Jegger == O^ag 6, z. B. von den Ar- 
beitern in der Heuernte, wenn ein Gewitter droht GRPr. 

Zu 2. Pie ungewöhnliche Aufregung und Hast scheint 
als abnormer, Iirankhafter Zustand aufgefasst worden zu sein ; 
vgl. Ober Krankheitsnamen in der Form der Nom. ag. auf 
-er Anm. zu Ettiken. 



Jaegs n.: 1. = üechs (Bd I 77) BHa. — 2. Achsel 
WStalden. Mit de"* Juogsu unter die Pretschole (Trag- 
riemen] scMife*, W Sagen. 



Jagft j««g. jiggi joggi ms- 

J&gg Gl; GrD., Jaggd Schw, Joggt B (tw. -a-); 
F; VO; Gr, Jäggli Gl; Gr; ü (neben Jagli), Jäggem 
GRPr., Jäggeli »B;» VO (auch -d-), Jäggsch Gl (auch 
Jäggschi); Gr; Schw, Jägg Gl, Jogget BsBinn. (Jeggel); 
BO.; VO, Jdggi B; VO (auch -d-); Gl, J&ggli Ap; Gl; 
üwE., JäcMiQi\y JäggdilGh, Jäggschi Ql; „GrD."; 
daneben in der ä. Lit. die Formen, bzw. Schreibungen 
,Jagg, Jak, Jack, Jagk, Jag.' XVI./XVII., Ap, ,Hans 
Jagg.* 1709, ZHinw., ,Jacki.' MyricIüs 1630 (Bauern- 
name), , Jackli.' 1380, U ; X VL/XVIU., Z (neben , Jagli.' 
1696: ,J. Gassmann, gen. Schwarzjagli'), ,Jäglin.* XVL, 
LNeud.: 1. Taufname, Jakob. ,Er wöU in der kilchen 
ein altar büwen und eins Jaggele, d. i. St Jakobs 
bildnuss oder götzen darüf stellen.' JosMal. 1593. 
S. auch Jäggi unter Giggis-Gäggis Bd II 170. Als 
Familienn. : ,Jaggi' BSa., ,Jägg(l)i' Aa (schon um 
1500); Br-d-^; Th; Za. ,Jägli.* 1653, AxWett Kloster- 
arch. — 2. ähnlich wie Hans, Jogget, Kobi in halb 
appell. Bed. zur Bezeichnung eines beliebigen Indivi- 
duums, als Name übh., immer mit mehr oder weniger 
verächtlicher Nbbed. JSn tür^er Jäggi, ein langer, 
hagerer Mensch Ap (Halder). Eine* für de* Hans 
Jaggen han, ihm allerlei Dienste, bes. Botengänge, 
zumuten GRVers. (It B.); vgL Joggdi im Edld vom 
Birnenschütten. ,Jäckli', Name eines geschnitzten, 
fr&her an einer Z Apotheke angebrachten sitzenden 
Männchens, das mit beiden Händen in einem Mörser 
Apothekerwaaren zerstiess; vgl. Jagkü bei Schh.-Fr. 
I 1204. — 3. übertr. a) n., Jäggi GRScuolms, Sa., 
Jägschi GRSpl., Name einer kleinen, grauen, bes. an 
Stauden vorkommenden Stechfliege; vgl. Jaggi-Bluest, 
JoggeU 3 h. — b) m., euphem., der Teufel, schon in 
Hexenprocessakten des XVI. W; Syn. Janggi, 

Bes. bei Eigennamen geben die nmgelauteten Formen dem 
W. eine verftchtliche Nbbed.; vgl. Anm. zn Hüdd Bd II 1005 
und über die Begriffs-NOancen der verschiedenen Dim.-Formen 
übh. Wint. 1876, 214. 219. Joggtm scheint sich an ,Jochem', 
Joachim, angelehnt zu haben. Ygl. auch Hanagg Bd II 1310. 
Stalders sowie der &. Quellen Schreibung Jäekli ist wohl zu* 
nächst als J^^gU zn deuten wie in Ap; doch kommen anch 
KOrzungen des Namens Jakob auf ib-f/ ^or. Fflr die Iden- 
tität von 8 a und b spricht ausser dem Umstand, dass der 



25 



i^gSi J«ssr> jigg> Jogg, jogg 



26 



Teufel bes. in Fliegengestalt erscheint, auch die Angabe ans 
W, das W. sei anch in Bed. 8 b Neutr. ; Tgl. Anm. zn Queg ; 
W Sagen 278. 

Hörn Haru*'Jaggi n.: schlimmes Kind, das man 
nicht meistern kann, trotziger Wildfang W. — Vgl. 
das Syn. Bomi Bd II 1627. 

Jftggeger m.: yerächtliche Form des Namens 
Jakob, bes. für ältere Leute GlMoII. — Eig. Weiter- 
bilduDg von einem Patronymiknm 'Jaggi^g. 

JXgg ^^y J&ggd ScBwE. — m., sonst Jctgger f., oft 
Dira. Jaggli Aa; B, sonst Jäggli: Jacke, weites, den 
CH)erkdrper bedeckendes Ärmelkleid von Frauen nnd 
Madchen. -~ Ziemlich modernes W., sonst Ärmd, Seh6pe\ 

F Q r z - Jogge* : scherzh. Bezeichnung einer kleinen 
Hausjacke Bs. Vgl. F.-Glogg ^ Bd 11 613. 

Jaggere": 1. auf einem schlechten Pferde schnell 
reiten, indem man es mit Peitschenhiehen unaufhör- 
lich antreibt Bs. — 2. sich ahmühen, viel Mühe und 
Arbeit anwenden, „z. B. um sein Brod zu verdienen " 
Bs. P* han im Hua um-enttnder g'jaggeret. — ab-: 
refl., sich übermässig anstrengen, bes. aus Geiz Bs. 
Oanz ab^jaggertt, ahgehetzt, vor Müdigkeit — er-: 
mit Acc. S., Etw. durch viel Mühe und Anstrengung 
erwerben Bs. 

Intensiv-Bildnng von Jagen% sowohl hinsichtlich der Ver- 
schärf ong des schliossenden Wnrxel-Cons., als anch hinsicht- 
lich der iteraüTen Abl.-End. -er-. Doch kommt Anlehnung 
an ,rackern* in Betracht 

JSggeli n, doch meist zsgs. Fomci' (It Durh.), 
Dummt*', Damme*', Trumme*- n.: Aprikose U. 

Wahrsch. entstellt ans Pommendajopdi (pomme d'Api), 
welches allerdings eig. eine Apfelsorte bezeichnet, unter An- 
lehnung an Jäggdi J. 

bumper-, pumper- Soh; SchwE.; Z, „bar-'' 
jSggisek (in ScbwE. -jdgglisch, in ScuSt. It Sulger 
-iögiachj: 1. wesentlich = ha/r-gäuggisch Bd II 174 
ScflSt Närrisch, hanswurstmässig Scb; ScbwE.; un- 
beholfen, verkehrt von Personen und Sachen Z. — 
2. geil, Unkeuschheit verratend ScbwE. 

Setrt ein Subst. Jägg» Narr, Torans (vgl. Jagg 2) ; s. anch 
die gleichbedeutenden NäggU und Qügg (wozu als Abll. die 
zu unserm W. synn. h%mper•1»i^gg%9ek und har-gAgguch ge- 
hören), ferner die Entstellung des Namens «Armagnaken* in 
,arme Jäggen, J&cken' in der Lit des XY./XYII. Betr. 
Bumper» Tgl. ,Pnmpernicker bei Gr. WB. 

jänggele": übel riechen wie ein Jude Bs. 

Mischform ans jüdden und *äuggeUn, nach Kot rifchen, 
einer zu erschliessenden Abi. von der in dem Jndendorfe 
Lengnau üblichen Nbf. Äuggi = Äggi. 

Jogg GG.; ScBW; ZO., Jogg Aa; Ap (neben Jock); 
Bs; GRPr.; L; G; Zf fChit*'J, Name des philosophi- 
schen Bauers Jakob Guy er, f 1784; sonst nur noch 
als Zuname von Familien), Jogget „Aa;'' Ap; Gl; L; 
Scb; S; Tb; ZO., Jöggi Aa; Ap; BsL.; B; F; Gl; L; G; 
S; Z, JöggU VO; Gr; G; 1670, ZWetz.; 1684, AaWcU., 
jhggeH Aa; Ap; Bs; B; L; G; Scb; S; Tb; Z; JCWeis* 
SKiTB. 1701, Joggsch GRBhw., Jogg Ap (neben Jöck); 
GlS. ; Zg (andern Namen vorgesetzt, z. B. JöggkarU)^ 
Jöggd Scflw, Jogget „Aa;" BsBinn.; BO.; L; ZO. (fast 
nur noch als Zuname von Familien), Jöggi Bs; BO.; S, 
JöggU Ap, Jöggeti Ap; »Aa; LG.*": 1. Taufn. Jakob. 
Andern Namen nachfolgend, z.B. Bad [Beüi]- Jogget 
LH. Die verschiedenen Formen dienen etwa zur 



Unterscheidung der Trager des so häufigen Namens 
innerhalb der selben Familie, z. B. der Jogget-Joggi, 
Jakob, Sohn des Jakob Bs. — 2. JoggelfiJ, Joggi =:* 
Jogg 2, bes. in Volksliedern und Zss., so im Kinder- 
reim auf denselben : Joggi, Boggi, Haberstrau isst en 
alti Bettterfrau usw. S, oder im Lied vom Birnen- 
schütteln, wo der faule Knecht Joggeli heisst Wer 
leicht zum Lachen oder Weinen gebracht werden 
kann, wird gehänselt: Joggeli Bock uf-^em Pfanne*' 
stit (uf der HuebJ, cha** lachen und eänne*, wenn er 
toüt G; Z. Indem die Kinder reiten, singt man ihnen 
zu : Joggeli, cha**8t om«* rite*? Ja, ja, ja usw., oft 
auch als Zuruf an ungeschickte Beiter ; vgl. joggten. 
Ein Kilterlied beginnt: Joggeli Wt*wage*, (Aumm zue 
mir i* mi* Gade* usw. L. Variierend mit Bantli auch 
in dem Spruche : Lirum, larum, LöffeUtü usw. Chunnt 
hüt e* Chnecht, dir Ärh^t wül, und hesch im Feld Nüd 
1^ ivA*, 80 steüsch in bloss zu-me* Webstuel zue; dö 
föht diSr Joggi i^ weben a\ WSkin 1884. Von üeli's 
Meister, Joggeli, heisst es wortspielend: ,Da8 sei der 
wunderlichste Joggi [Kauz], den es auf der Erde gebe, 
und d' Joggeni seien doch füra" [meistens] etwas wun- 
derlich.' GoTTB. In Zss.: Mist- Bs, Schmier- B; Z, 
Schmutz- L, Schnuder- L, Drick-Jogget (-Joggi), Schelte 
auf unreinliche Menschen, bes. Kinder. ,Schmier- 
Joggel', von einem leichtsinnigen Zeitungsschreiber. 
ErzIbler 1855. Suppe*-, Spil-Joggeli, grosser Lieb- 
haber von Suppe, bzw. leidenschaftlicher Spieler Ap; 
Tb. Über die von TbPlatt. einem Johannesbilde zu- 
gerufenen, formelhaft gebrauchten Worte: ,Jögli, nun 
bück dich!* vgl. Wack., Kl. Schriften III 162 und s. 
noch uber-gän Bd II 11, Anna, — 3. ausschliesslich 
in den Formen Jogg Ap; GT., ^Joggder BO.; LG.", 
bes. aber Joggelfi), Jogg(l)i, im Allg. leichtere Schelte 
auf einen närrischen Menschen nnd zwar vorwiegend 
auf den kindischen, gutmütig beschränkten Narren, 
Tölpol, aber auch auf den lustigen Narren, harmlosen 
Spassmacher, Witzbold, allg. De* Joggeli mache*, 
Spass machen GT. ; vgl. g'spass-joggten. Wenn 's nU 
wör ist, so wüt i«* Hans Joggeli heisse* GW,; Syn. 
en Narr sin, ,Sie hielten ihn wahrscheinlich für 
einen einfaltigen Hansjoggi, der den Verstand noch 
nicht bekommen hatte, als er 40 war.* Breitenst. ,Du 
bist meiner Treu ein Joggle.* UBrXoo. an Lavater 
wegen dessen Physiognomik. Ironisch: E* g'schtder 
Jogg GTa. Verst. durch vorgesetzte Adjj. u. Substst., 
z. B. Ndrsch-Joggeti, scherzh. Schelte auf einen sich 
einschmeichelnden Spassmacher AAFrL Tore*- Z, 
DotzeH- Jogget fi) AAFri. Editrig Tore^joggei- Sache*, 
Stütz. Joggeli, Neckruf, den die Kinder an der Fast- 
nacht spec. hinter den Masken her schicken SG. ; vgl. 
die Compp. Schelte auf einen launischen, immer 
kleinlich klagenden Menschen Aa; L; ygh joggten, 
Spitzname auf einen groben, ungeschliffenen Menschen, 
bes. Bauerntölpel Bs; B, am erstem Orte, wo der 
Name Jakob übrigens zu Stadt und Land übh. der 
häufigste ist (vgl. Breitenst. 1863, 162 die Schilderung 
des Joggi- TagesJ, bes. Spitzname, den die Städter den 
Bewohnern der Landschaft geben, die sich dafür an 
ihnen durch den Beppi rächen. ,Ein Bauernlümmel 
und grober Joggi.' Gottb. Vgl. noch die Synn. Oppi, 
Oogget, Goggoggeti, Goggöli, Göggd, Nogget. — 
4. übertr. auf Sachen, a) meist zsgs. First-Joggeti, 
aufstehender Strohbund an den beiden Enden der 
First eines Strohdaches' BS.; FMu.; SOberd.; Syn. 



27 



Jagg. Jogg, jiggi >ggi j«gg 



28 



Firat'Midtd, Bueb, Ort-Schauh, Busch, Wusch. — 
b) weisses WtnDcben (Maile) einer Fliegenart in 
KirscbeB, Beeren usw. Bs; vgl. Joiggi 3 a, 

Bed Bed. 8 Iftsst »ioh an Einfluss des lal Joculatar, 
Gaukler, denken; vgl. johdman, ,Gaukelmann* bei Lexer I 
1482 and e. ffanäuggd Bd II 1311. 

FrSss-Joggeli: nur in der derb-scherzb. RA. 
beim Anhören der Mittagglocke, sie gebe das Zeichen, 
dass sich der ,Fr.* gehängt habe. Bodshsee (lt. Dan.). 
— Hard-: Korndamon, der Ton dem Betreten der 
Cretreidef eider abhalten soll ZUster; ygl. Kom-Hansli 
Bd II 1472, 'Mueter, Hansdi-, BÖH-Mann, Wolf und 
Makhh. 1868. 

Hose'-Joggi: 1. rohes Beliefbild eines Mannes 
auf einem Lebkuchen L. — 2. der Lebkncben selbst L ; 
Tgl. Hanseli-Mann. — 3. == Hösd 1 L. 

Eig. nichts Anderes als der Hosen Tragende, doch in 8p(^ 
tiachem S. Zu 8 vgl. Jogg 8. 

Kräje"-: scherzh. Bezeichnung des Bildes einer 
Krähe als Wappentier der Spalenvorstadt Bs (auch 
nur Kräi). 

More°-Joggeli: scherzhafte Bezeichnung des 
Mohren ; spec. a) einen Mohren darstellendes Brunnen- 
standbild, das die Knaben am Maitag (nach anderer 
Angabe die Mägde am Pfingstmontag oder Huldigungs- 
tag) mit Sträussen und Bändern schmückten; daher 
noch die RA. früat^ ^" wie def M,, im vollen Staat 
ScB. — b) übertr., Spitzname auf einen Menschen mit 
dunkler Hautfarbe oder von schmutzigem, russigem 
Aussehen Soh. 

Der Brauch (wie yiell. aach die Figur selbst; nach einer 
Angabe soll nämlich am Pfingstmontag eine aasgestopfte Poppe 
auf die Bmnnensäale gestellt worden sein) hat mythologische 
Beeiehnng ond ist einer derjenigen, welche als Feier des 
Sommeranfiings in Yerbindmig mit Wasserknltos auch ander- 
wärts Torkommen; vgl. bes. die am 1. Mai (bzw. zu Pfingsten) 
Qblichen UmzQge mit dem ,Jacl( in tbe green\ dem ,Pfingst- 
LflmmeP und dem «HohrenkOnig' bei Mannh. 1875, 821/2. 
842. 851/2. 865. 

Bure''-Jagg(el)i: 1. Spitzname auf die Bauern 
Bs. — 2. früher sehr beliebte, stehende Fastnachts- 
maske, einen Bauern- (bzw. Älpler-)jungen darstellend, 
in gelben Tuchhosen mit roten Hosenträgern, ein höl- 
aernes Traggefass fftr Milch auf dem Rücken BsStdt; 
ygl. noch HHerz. 1884, 221/2. 

Birche"-Joggeli: scherzhafte Bezeichnung der 
Birkenrute (s. Fitzen Bd I 1152) als Schreckmittel 
für unartige Kinder ZF. 

Die Bote erscheint als der Wohnsitz eines schreckenden 
Dftmoos, bzw. als Dieser selbst 

Speu-Joggeli: im Zeughaus (daher auch Zug- 
huS'J.) aufgestellte Figur eines Narren, den man 
Wasser aus dem Munde speien lassen konnte SStdt 

(6')spass-Joggcl: scherzh. Schelte auf einen 
närrischen Kauz, SpassYogel Z. — (g*)8pass-joggle": 
spassen Z; Tgl. noch pass-jogglen, 

Troch-Joggi: Schelte auf einen wortkargen 
Menschen Aa; Syn. Trochen-BrÖtler, 

Göl*-Joggächer -Joggocher, -Joggeker, -Joggler, 
•^öggler Th, - Jogger ZS.: Apfelsorte; s. Bd I 370 und 
JaJcober. 

Joggebd Jiigg%hk: 1. weiblicher Taufn., Jakobaa Z. 
«^ 2. Pflanzenn., Jakobs-Kreuzkraut, sen. jac. Aa. — 

Vgl. noch Jakohl ond Beli, 



G*-joggel n.: coli., junges, leichtfertiges VolL 
W Sagen 269. 

Jogge le" (in üürs. Joggene*): Pfl&nzenn., be- 
tonienblättrige Rapunzel, phyt. bet. ü. 

Vermutlich nach der eigentümlichen, eiroDden, bzw. wal> 
zigen Form der BlOten&hre benannt, die man mit einem 
Narrenkolben vergleichen mochte. 

Joggelüner m.: Spott- und Scheltname, im Allg. 
gleichbedeutend mit Jogg(el) 2 jx. S kk L; Sch; Z. 
Spec. a) M Scherzname für Jmd, der im Irrtum befangen 
ist Z**. — b) gemeiner, roher, auffahrender, aorniger; 
launenhafter, leichtfertiger Mensch Bs; L; Soh; Z 
(meist nur als Schelte). En J, sehMcht obe* über da* 
Läubli t" 's Hü8 ihe* und dur^üsteret [durchsucht] 
's ganz. Schwzd. (ScnBarg.), wo nachher dafür: Galöri, 
u^g'heitef KBrli. Titel eines Witzblattes, das auf die 
Fastnacht von 1884 erschien BaStdt — c) Spitzname 
bes. auf Sektierer, dann auf Kopfhfinger, politische 
Beaktionärre übh. Bs. 

Das W. ist abgel. r<m Joggd (8), riell. als Analogie- 
bildong nach Dragoner; Tiell. aber mochte die rom., ver- 
grObernde Rnd. one nnsern Söldnern in italienischen Diensten 
80 gel&afig werden, dass sie sie auch an einheimische WW. 
anh&ngten nnd dabei nach den Nom. ag. auf -er erweiterten. 

Joggenberger (in S Joggi-), in Aa Jogge^btrli: 
Apfelsorte; s. Bd I 370. 

Drei-Joggism.: Verderb niss von Tnax, Theriak 
AABb. Als man einen Bauern, der in einer Apotheke 
Vier-Joggis verlangte, über seinen Irrtum belehrte, 
antwortete er: ,Joggi8 sei J., ein J. mehr, ein J. 
minder mache Nichts aus.' 

joggle" (in GrD., L., Pr.; »Uürs.; W" jogle'', in 
AAFri.; Bs; S 2LHchjoggele*): 1. tr. a) Jmd zum Narren 
halten S. Scheid, wenn ml" Meister nit Joggt heissti; 
üsi Ährahamsbrüeder [Juden] hein-e^ wider dnisch 
g*jogglet. Schild. — b) Jmd (Etw.) rütteln, schaukeln, 
z. B. ein Kind auf den Knieen Bs. Das joggled Ei**m 
nit übel ummenander uf der neu^ Ströss, — 2. intr., im 
Reden und Handeln den Joggel (in ßed. 2, bes. aber 3) 
verraten, sich einföltig benehmen Aa; Bs; YO; Gr. 
Spec. a) sich närrischer, ungebundener Lustbarkeit 
hingeben, „wie ein Einfaltspinsel herumschwärmen, 
hasten**, sich springend, scherzend herumtreiben, -bal- 
gen, -tummeln, von Menschen und Tieren Aa; Ba; 
VO; Gr; flW"; Synn. s. bei ^(^pen. Mit beabsichtig- 
tem Wortspiel von der Lustbarkeit an der Feier des 
Jakobstages: 's wird mer Ei*'s absetzet, si [die ver- 
schiedenen Jakobe] werde^ z'sämme* Ei**s j., bis 's 
Füröbe''* isch. Breitgnst. — c) gehen wie ein Ein- 
faltiger, d. h. plump, schwankend, taumelnd, nach- 
lässig einhergehen Aa; Bs; 6; GrD. Tue^-m^rmt so 
j., Imtf a««* grad ! Bs. Schlecht reiten ,wie ein Bauers 
auf dem Pferde auf und nieder geschnellt werden Bs. 
— d) „dummes, einfaltiges Zeug schwatzen bis zum 
Überdruss LE." — e) wegen Kleinigkeiten sich (in 
lächerlicher Weise) beklagen, jammern, weinerlich 
tun L; Syn. joderen, jauJden. — f) „yiel essen ÜUrs." 

Die Bedd. (bes. 2 c) berühren sich z. T. mit denjenigen 
von jucken. In Bed. 2 d ist das Vb It St. tr. 2 f gebt 
Tieil. Ton der spec. Beobachtung aus, dass Geistesschwache 
bes. viel nnd gierig essen. 

pass-: unpers., scherzh. für jpassieren' i. S. ▼. 
zur Not an-, hingehen, angemessen sein Z. JSs pa>S8* 
joggUt na [noch] ^so. 



29 



J»g»-jttgg. Jab— jii^ 



80 



g'jogglet »ScHw; Zq«, g'jogglig Z: närrisch, 
dumm. 

jjSgg^ jog: Adj., zeugungsfähig, erwachsen GnNuf«. 
Tschapp. 

G*-jugg m.: Alpendohle, corv. pyrrh. 6k ObS. 
Violl. so Juckeo\ nach der luitOrlichen Lebhaftigkoit des 
l^ogels. 



Jab, jeh, jili, jok, j»L 

Vgl. auch die Reihe Jach U8W. 

Jehova s. J.'Bluem, 

J^hannefi W; Z (mit dem Ton auf 1. Silbe), ,Jo- 
hans/ XIV./XVm., Jehann P, Johänggi W, ,Jans.» 
Xm., Gfd; ThPlatt. 1572; Zo (nur noch als Familien- 
name), Jan(n) Gr (,Janly Jan Hainz.' 1511, GRJen. 
Arch.; auch Familienname, schon im GaKlost. LB.); 
Uw (Familienname im XVIXI.)« Janniy Jenni Gl (jetzt 
nur noch Familienname); XIY./XY., L; IJw (z.B. 1336, 
Urk., wo die gleiche Persönlichkeit auch ,Johans' 
heisst; 1403, Gfd), daneben die aus dem Frz. ent- 
lehnten Formen Schang, bzw. Schang(l)i, Schängli Bs; 
Th; Z; 1. Taufn., und in Gen.-Form ,(St) Johanni(8)*, 
Sant-, Zant-J,, Gedenk- und Kalendertag. Vgl. noch 
die Koseformen Han, Hannd, Hannes, Hanni, Hanggd, 
Hänggi; auch Habe Bd II d30. Die Abstufung der 
Formen nach der volkstümlicheu Wertschätzung wird 
durch folgende Anekdote beleuchtet. Ein Bauer ver- 
langte, dass sein Kind auf die 8 Namen Johannes, 
Hans, Heisdi getauft werde. Würt 's en Her, s^ 
säg-em Johannes, würt 's «" Pur, s^ heisst 's Hans, und 
würt 's e** StaÜchneeht, s^ säg-em gang Heiseli B. An- 
gehörige des selben Haushalts werden unterschieden : 
,Hans slossers knecht Johans.' XIV., L Ratsprot; vgl. 
Hans Bd II 1468. Die beiden in die Zeit der Sonnen- 
wenden fallenden Gedenktage des Täufers (24., bzw. 
25. Juni, ,St Johanstag zuo Sunngichten, im Sommer*) 
und des Erangelisten (27. Dec, ,St Johanstag zue 
Wienacht, im Winter') halbieren das Kalenderjahr 
ziemlich genau und wurden daher vielfach zu Termin- 
bestimmungen benutzt, so als Verfalltage von Zah- 
lungen und Abgaben (s. z. B. Andres), zu Rats- und 
Ämterbestellungen, z.B. in F; L; S; Z, zur Abhaltung 
von Gemeinden, z. B. der FrÜhjahrs-Landsgemeinde für 
jährliche Wahlen (1391, Gl Urk.), der Schwör- und 
Huldigung»-, der Meistertage usw. An den beiden 
Johannistagen wechselten in L und Z die beiden je 
ein halbes Jahr regierenden Abteilungen der Räte, 
in Z daher auch kurzweg «Baptistalis* und ,NataUs* 
genannt ,Von einem Johanni zum andern* dingten 
die Meister des ,Schuhmacherhsndwerk8* ihre Gesellen. 
1812, Z. Mer hand der Termin nit inng'haMe'', händ 
[dem Gläubiger] der Zins nit püfiktUg in 's Hüs 'hröcht 
a" der Johanni Bs (EKron). Der Johannistag im 
Sommer bedeutet aber auch einen Abschnitt im Jahres- 
. lauf und speciell in der Witterung und kommt auch 
sonst vielfach in Wetterregeln vor. Z* Johanni göd 
(f Wintertür üf Xk; L; vgl. Tag-Kiri, Wenn 's vor 
Johanni wenig rignet (wetteret), so vü me^ rignet (wet- 
teret) 's nachher Z und ähnlich auch L; Sch; S. Z* Jo- 
hanni seU-men us de* Bibe'' gä"* [d. h. sollte das Reb- 
werk beendigt sein] und d' Trübe* blüe* lä* Z. Ist 's 



an Johannis Baptisten Tag sdwn, so giH 's guet^ 
W%* Z, vü Hasetnussef^ Gl; L; Soh; Z. S<^w%nt vor 
Johanni der Bv, «5 giH 's en süre* TTi» SonSt. Vor 
Johanni grössi Wasser, no [nach] «T. Mini Brot S; 
vgl. Wichnacht. Regeil am Johannistage selbst soll 
eine gute Ernte versprechen. L Schreibkai. 1763. Sant 
Johannstag bricht ^em Chom d' Würzen ab, d. h. das 
Getreide fangt mit dem Tage au zu reifen B; S. Legt 
man am St Johannis-Abend Zwiebeln in die Erde (L) 
oder wälzen sich die Bauern an dem Tage in den 
Zwiebelbeeten (Sulger), so werden die Zwiebeln gross 
werden. Von der Aussaat gilt auch: Vor Johanni 
Büebe*, nö"* J. Büebli Bs; vgL Jßkob; anders dagegen 
von der Entwicklung übh. : Vor Johanni Chabis, na£h 
J. ChäbesU; vor J. (JhabesU, nach /. Chabis S. So 
mänge* Ta^ vor J. d^ Gugger schreit, so mänge* 
Batee* schiöt 's Mass Chemen ab; so mänge* Tag 
demö^, so mänge* Batze* schiöt 's üf Aa; Z; vgl. 
noch Ougger und s. Hurd, Glaube und Brauch, a) mit 
Bez. auf Johannes den Täufer. Verschiedene zauber- 
kräftige Kräuter sind nur oder bes. wenn an diesem 
Tage geholt wirksam, so die Hasel als Wünschelrute, 
das Gänseblümchen gegen Pestilenz (s. Schili> 1863, 
144); vgl. auch JMüllbr 1867, 192; J,-(}ürtel, -Bluem, 
Farn- Samen. Bes. heilkräftig sind in der Johannis- 
nacht genommene Bäder L; Vokbun; beliebt ist die 
selbe Nacht auch zur Übung von allerlei Zauber; 
vgl. Andres und BGwkrb 1646, 92. Wie der unmittel- 
bar vorhergehende 22. Juni (10000 Ritter) gilt jedoch 
auch der Tag des Täufers als besonderer Unglücks- 
tag; er fordert jedes Jahr seine Opfer, bes. im Wasser, 
daher soll man an dem Tage nicht baden gehen ; vgl. 
die Sage von der auf dem Rhein spukenden, einst in 
der Johannisnacht verunglückten Hochzeitsgesellschall 
in der Basilea poot. 59. Nach einzelnen Angaben 
müssen es drei Opfer sein, entweder im Wasser aus- 
schliesslich oder auf dieses und noch zwei andere 
Elemente verteilt: in der Luft (entw. durch Erhängen 
oder zu Tode fallen, weswegen man an dem Tage 
nicht auf Kirschbäume steigen soll; vgL Tuben-HtAs 
und LüT. Sag. 106/8), durch das Feuer (den Blitz) 
oder die Erde L; S. Am Bodensee sagt man: ,St Jo- 
hannes müsse einen Schwimmer oder einen Klimmer* 
haben, man dürfe daher nicht ins Wasser gehen noch 
einen Baum besteigen; daher in Z die Formel: Wasser- 
s€hu:ümmer — (Jhriesigwmer [Kirschenpflücker]. Ober 
die mit einer kirchlichen Feier (wobei die Altäre ge- 
räuchert und bekränzt wurden) verbundene weltliche 
Feier, an welcher die Kirchgenossen bes. die Geist- 
lichen zu Gast hielten und Wahlen vorgenommen 
wurden, vgl. ErzXhler 1855, 180 (1588, Schw Kirchen- 
ordn.). Der Heilige wurde auch gegen Epilepsie an- 
gerufen; s. Valentin; auch bei JJNObceblsr 1608, 57. 
S. noch Johannis-Für. — b) auf den Eyangelisten. 
Wer ein Orakel über seine Lebensdauer erlangen will« 
hat unter gewissen Formalitäten einen Schlüssel in 
das St Johannes-Evangelium zu binden und zu fragen : 
Sant Johann, »** fra^e* cK**; Säg, wie alt tcirdeni^? 
worauf der Schlüssel durch bestimmte Bewegungen 
die Antwort erteilt S (Schild 1863, 125/6). Der An- 
fang des Johannes-Evangeliums, der auch auf den 
kathol. Altären steht, wurde in Zaubersprüchen ver- 
wendet (s. glatt Bd H 653) und in Amuleten ge- 
tragen L. Er bildet auch den Inhalt des ,St Johannis- 
Segens', den der Senne Abends, wenn das Vieh sich 



31 



Jah— jnta. Jaj— juj. Jak— jnk 



32 



niD seine Hütte gelagfert hat, mit lauter Stimme betet 
W (Am-Hbrd 1879). In einem Nachtsegen wird neben 
Jesus und Maria Johannes genannt: St Johannes lauft 
über Land, er treit das M. Sakrament t" der Hand, 
de* Chelch, wie de** TT»», hinnächt will i«* wol V segnet 
«I- L (Lüt Sag. 541 ; vgl. 540), Die Weinweihe, die 
Einsegnung von ,St Johanns Segen* bildet noch heute 
am Johannistage einen Teil des katholischen Ritus; 
die vom Bischof von Konstanz an die Geistlichkeit 
hierüber seiner Diözese erteilte Instruktion s. bei 
VoMBüM 1862, 134. Der so gesegnete Wein (Johannis- 
Win) wird vom Priester der versammelten Gemeinde 
geboten, wenn von der Gemeinde gespendet, unter die 
Armen verteilt, oder, wenn von den Familien gebracht, 
wieder mit nach Hause genommen und dort tw. feier- 
lich getrunken, tw. aufbewahrt; einige Tropfen davon 
werden auch in die Wein- oder Apfelweinfässer ge- 
gossen AaB.; GaL. (GLHartm. 1817). ,Das glH ein 
herr oder der vogt ist: 1 halben eimer wyn einem 
lü*priester, das* er an sant Johannstag in den wyn- 
nachten den lüten sant Johanns sSgen gSb.* TnErm. 
Offn. ,[Der Priester] soll lüe kilchen versuchen mit 
opferwyn, mit ostja, ouch sant Johannes sSgen.* 1534, 
Zellw. Urk. In der Beschreibung einer Messe nach 
griechischem Ritus heisst es: ,Das was so vil, als 
wann man bi uns gibt St Johanns sSgen.* ÄaTscHUDi. 
Gesegneten Wein reichte man bes. Scheidenden, bes. 
vor wichtigen, gefahrlichen Unternehmungen, Ver- 
urteilten vor der Hinrichtung; infolge Ausartung des 
Brauches trank man am Schluss von Schmausereien 
auch ungeweihten Wein als ,Johannis Minne*. Wald- 
mann Hess beim Aufbruche nach Murten jenseits 
Gümminen den Zürchern Messe halten ,und nachdem 
fieng er an, mit dem volk zu reden allerlei, wie man 
sich halten sollt und gab da je einer dem andern S. 
Johanns sSgen zu trinken.* Edlib. ,[yor dem Kampfe] 
bettet ietlicher und trank Sant Johannes sögen.* Hs 
SchOrpf 1497. ,Mich sieht die sach an, dass der bapst 
dem kaiser welle den drtrunk [Willkommtrunk] und 
Sant Johanns sSgen mit einander gSben.' 1529, Abboh. 
,Da bracht man [den zum Tode Verurteilten auf ihrem 
letzten Gang], wie man spricht, Sant Johanns sSgen 
oder den scheidtrunk.* Kbsbl.; HBüll. 1572. ,Der 
Tod bringt Isaac Most herbei zum Abschiedstrunk: 
Da, Isaac, kannst no<^^ Sant Johans S6gen drinke'.* 
1743, L Spiel. Ein Nachklang des vergessenen Brau- 
ches scheint noch in RAA. zu liegen, in welchem 
nur noch von dem Segen die Rede ist, den der Heilige 
übh. spendet. Stosse^-mer [wir] no"*-«-«" Möl a" mU-em 
Glas und — Sankt Johanns Sige^. Fblneb 1803. !•* 
wünsch der St Johanns Sige* und Steffels Mantel — 
soll It Sulger ein alter Trinkspruch sein. Auf das 
Martyrium des Evangelisten im siedenden Öl und zu- 
gleich auf die Verbrennung Zwingiis durch die Feinde 
spielt Salat 118 an: ,Uri macht [spielt in dem fin- 
gierten Concert] im [dem ZwingliJ Johannes im fass.* 
— c) auf Johannes und Paulus (26. Juni). ,üf den 
tag fyret man für bagel und wind.* 1588, Schw Kir- 
chenordn. — 2. »Johannes*, einer der Namen des Teu- 
fels in den Hexenprocessakten. Z Gem. II 171; vgl. 
Hans u. Hanni II {Bd II 1311). — sanct-johansen: 
am Johannistag zu Gunsten der Armen nach einer 
alten, urspr. zur Abwendung einer unter dem Alpvieh 
wütenden Pest eingesetzten Übung Käse (,St Johann- 
ser') bereiten B, It Lüt. Sagen 115/6. — Johanser: 



1. Johanniter, s. Bd II 1714. ,Jan8er*, verk. aus ä. 
,Johann8er*, Familienn. Schw. — 2. Sant Johannser, 
grosse Wucherblume, chrys. leuc. BO.; Sjrn. Sant 
Johanns- Maie^y -Stern. 

,JohanDi* eig. unricbtige Gen.-Form nach Analogie von 
,Jakobi* odgl. oder an das vorhergehende ,Sancti* assimiliert 
Das Fem. nach Analogie von «Osteren, Pfingsten, Wieb nacht*. 
Die zur Zeit der Sommersonnenwende in besonderer St&rke 
waltenden, flbernatOrUchen M&chte bringen t. Segen, t. Ver- 
derben; daher die tw. sich widersprechende Bed., welche 
dem Tage gegeben wird; Ober den Glauben an Unglücksfälle 
an diesem Tage, bes. zu Wasser, vgl. AWnttke 1869, Nr 92. 
Yiell. steht auch der Name liebhändi (s. Bd II 1473) mit 
den Beziehungen des Apostels zum Weine in Verbindung. 
Nach einer Angabe soll die Wetnweihe (wie auch in Schwaben; 
Tgl. Wiener Sitzungsberichte 40, 180 f.) am 24. Juni, nach 
einer andern (vgl. 6r Sammler 1809, 189) am St Stephanstag 
Statt finden. 

Johanna, Dim. Johannüi W, Johanne Tb, „Jan«} 
W", Jaun^f GRPr.: Taufn. ,Jouna.* 1539, Arch. Jen. 
Vgl. noch Hd>ee Bd II 942, Hannd M U 1311. 

JohS m.: eine Fastnachtsmaske, einen um Hab 
und Gut gekommenen Sennen in Schwyzertracht mit 
der Narrenkappe darstellend, der zum Zeichen, dass 
bei ihm «ausgekehrt* ist, einen Besen trägt, sowie am 
Hals eine Kuhglocke, da er kein Vieh mehr hat, dem 
er sie anhängen konnte SghwE. 

Wohl eig. wie Bok^ (Bd II 849) subst. gebrauchte Zss. 
zweier Interjektionen, mit denen jene Maske geneckt werden 
mochte; vgl. jo spec. als Fastnachtsruf Bd II 1470. 

Jöhi, Jühi s. Jätiki. 

jnhe': = ju-heien Bd II 854 BO. Vgl. auch ju- 
heen Bd II 849. 



joja: =» ußin (Bd II 1325/6) i. S. v. herauf WGoms. 



Jak, jek, jik, jok, jnk, bzw. jack usw. 

Schub-JSck m.: 1. wie nhd., Schimpf w. i. S. v. 
Schurke, Betrüger G; „Sch (Schob-)*' , Mit Anlehnung 
an «schieben*, Mensch, der überall «abgeschoben* wird, 
den man nirgends leiden mag, überall pudelt Z; vgl. 
verschupft. — 2. eine Art Wurst, «Schübling* GStdtf. 

«schob -Jacke": mit Acc. P., betrügen Sch." 

Jakob, mit wechselnder Quant, t Jakob, t. Jakob, 
t'Jäköb Bs; B (Koseform Jakobi BSi.); Th; Z, Jak^b 
ScHwMuo., Jök^b Aa; Bs; Sch (auch Jö-); Schw; S; 
Th; Z, Jock Ap; G, Jöck Ap, Jäck Gf, ^Jäppi BBiel", 
Joppi AaS.; Bs; B, Tschoggdi GTa.: 1. Taufn., Jakob. 
Jakobi, Jokobi, Gedenktag des Apostels J. des Altern, 
allg. Wenn Jokqbli nöd g^sV^ war, hett Barth [Bar- 
tholomäus] allei* künnq'* er^^* GBern. [Spott auf Jmd, 
der sein Erbe, seinen Gewinn mit einem Andern teilen 
muss]. ,S. Jakobi, des merern Apostels Tag.* 1601, 
RCts. Mit vorgesetztem Hans und Verstümmelung 
der Anlautsilbe ja (s. Anm. zu Land-Jäger) Häns^kob 
GT.; ZO.; vgl. noch das Syn. Soppel, Noppd, ferner 
Hanäuggel Bd II 1311. Brauch und Glaube. Der Tag 
gilt als Tennin für Zins- und Lohnzahlungen, sowie 
für den Dienstbotenwechsel, daher heisst es: Jakobi 



33 



Jak, jek, jik, jok, juk 



34 



ist c" leidi [verdriessliche] Wuche* G. Wetterregeln. 
Jakchi dunkel und trüeb, het der Bur bedi Chüdi lieb; 
Jakobi lüter und rein, wenn Einer zwi Chüe het, ver- 
chauft er die ei* Gl. Wenn no [nach] Jakobi der erst 
Nd>el cibe* muess [sich in Niederschläge auflösen muss], 
«( müend nöhir all abe^ AABb. ; vgl. : ,Um St Jakob, 
Anna und Margret, schweres Gewitter gern aufsteht.* 
Ineichen. Jakob und Anne choche*d in einer Pfanne"" 
Gl; vgl. Bd I 260. Z* Jakobi ist Em, sei 's ungern 
oder gern Sch. Wenn [du] de* Rdbsame* vor Jakobi 
säist, s^ giH 's Bäbe*, wenn nä'* Jakobi, Bäbli Z ; vgl. 
Johannes, ,So viel Schneeflocken an St Jakobstag am 
Pilatas, so viel Gulden das Malter Korn* L (Ineichen). 
TTc""-»»«* £?' Jakobi g*seht Eine* [sc. Apfel], cha**'me* 
im Herbst gä* mit der Zeine" Z Wangen ; vgl. die Va- 
rianten bei Hurd, ferner Johannes. Der Jakobstag 
wurde früher als kirchlicher und weltlicher Festtag 
gefeiert, so in Sohw durch Gottesdienst, Wallfahrt 
an den Steinerberg und nachherige Zusammenkunft 
im Wirtshaus zu Seewen. Da der Heilige Patron 
der Sennen war, verlegten diese die Älplerkirch weih 
auf seinen Gedenktag, so auf dem Stoss, in F, wo 
man auf dem Kulm der Berra zskam (Kuenlin 1834, 
91/2). In ScHwG. feiert die zur Abwendung von 
Krankheiten unter dem Vieh gestiftete Sennenbruder- 
schaft den Tag als Buss- und Bitttag (Lüt, Sagen 123). 
Ober die ,Jakob8feuerS wobei die Sennen brennende, 
mit Werg umwickelte und in Pech getränkte Pfeile 
und Wurfspeere über die Felswände herabfliegen 
lassen, s. Bd I 946; Frickart 1846, 21. In BGr. fallt 
die Feier auf den Jakobssonntag (letzter Sonntag im 
Juli). Wie einst nach der Schlacht bei Vilmergen 
(1712) die Angehörigen der heimkehrenden Krieger 
von der Alp herabstiegen, um sie zu begrüssen und 
mit ihnen Rahm zu schmausen und zu tanzen, so hat 
noch heute jeder Senn an dem Tage seinem Herrn eine 
grosse Mass Rahm ins Tal zu bringen. — 2. = Jogg 3. 
E rechte Jckd), ein närrischer Kerl Aa. Bummer als 
Jokebs Dreck L; Z. Vgl. Joktoberli, — 3. St Jakob, 
in Bs Sant Joppeg, Name verschiedener Siechenhäuser, 
da der hl. Jakobus Patron der Aussätzigen war; vgl. 
Guetlüt-Hus Bd II 1717. 

Der Name Jakob wird in unsern MAÄ. wie Gogg, Jogg 
schwach flectiert In Joppeg hat Umstellang der Cons. j: 
nnd b Statt gefunden, indem sie dabei auch die Articulationa- 
stofe taaschten» S. auch noch Oeorg Bd II 51 und Verena 
Bd I 915 und vgl. nocli ausser den bei Jogg genannten Spiel- 
formen KuM, Chnoppd, Nögg, Noek, Bappi^ Boppd, Beppi, 
Sehagg, Zaggen, endlich die Bd I 366, bzw. Bd II 177 und 
199 nachzutragenden Oppdy Göggd, Oock ZO. — Hieher 
auch die Familiennamen , Jakob', , Jakober*, ,J&k*, ,J&kIi', 
,Jeklin'. ,JakobserS Bergname U. Über das ,St Jakobslied' 
(s. Äten Bd I 587), dessen Inhalt die Geschichte zweier 
Jakobspilger war, vgl. Lüt Sag. 367. 449; Böckel 1885, 9. 

Jakobbergler: Apfelsorte Tu. — Wahrsch. das 

Selbe was Joggenberger, s. Bd I 370. 

Jakobs, J6k<^e(li): 1. = Joggebe 1 Sch; Z. — 
2. Pflanzenname, Aschenpflanze, ein. mar. Ap; Sch; 
Th; vgl. Joggebe 2, 

Jakober: 1. Apfelsorte; s. Bd I 370; s. auch 
Gel(b)'Joggecher. ebd. — 2. KartoflFelsorte = Jakobi- 
Erdepfel (Bd I 380) BO. 

Jakobiner: englischer Kantapfel Th. 

Jaköbler s. Bd I 380. 
Schweiz. Idiotikon, m. 



Jäk (in ApL, H., M. Jägg, „Jäck", in GRObS. Jag, 
in „Sch Jek") — m. : 1. „Schrei, Laut Sch"; Not-, 
Weh-, Schmerzensschrei Th. — 2. Vogelname. a) auch 
zsgs. NusS'J., Nusshäher Ap; GBh.; ScnSt; Th. Syn. 
Märzen-Füllen, Heren- Vogel, ,Schreien wie ein J.*, 
gellend, ängstlich. — b) Nebelkrähe, corv. corn. Tu. 
— c) grosser Würger, Waldelster, lan. exe. Th. 

Laatmalendes W. Vgl. das tw. syn. GAgg. S. auch ,6äkc, 
Jacke* bei Gr. WB. 

jäke" Jeke* ScE'*: kreischen, aufschreien, z.B. 
vor Schreck G; ScuSt.; Th; „laut rufen Sch". 

jankle": wiederholt und durch einander vorzweif- 
Inngsvoll sich beklagen, weibisch jammern, winseln 
L (Ineichen). 

Wohl eig. jauggUn and das W. eine Nbf. von joggten 3 e, 
nnter Anlehnung an jauden (s. jamelen); yiell. auch Fort- 
bildung des Klangwortes jau (vgl. jaulen, jauren). 

G*-jäuk (in S O'jök) — n.: wesentlich = (7^a^. 
Spec. a) „das Yorwärtslreiben des Viehs, wobei die 
Fuhr- und Ackerleute häufig ein Geschrei erheben 
Aa; B; VO; Gr; Z.« — b) „wildfrohes Hin- und Her- 
laufen", bes. von Knaben, närrisches, geräuschvolles 
Treiben; übertrieben hastiges Benehmen Ai; Bs; B; 
VO; S; Z. Das ist-mer es (Erz-) Q*j,! Zurechtweisung 
von Ruhestörern; auch nur Ausdruck der Verwun- 
derung Aa; L; Z. Das het es G'j. abgesetzt [bei dem 
Unfall]! SoHiu). Es Q'j, mache* (mit Etw., Jmdm), 
viel Wesens, viel Lärm um Nichts L; U; Z. ,Ge- 
zänk, Gejöck, Geschrei.* AABrugg Schulordn. ,Sie 
sollen sich [beim Läuten] im Turm alles undrbar liehen 
Wesens, Gejeuks und Goolwerks müssigen.* 1608, L 
Ordn. des Stiftssigristen. — c) rascher Wolkenzug am 
Himmel SchwMuo. Es lang a's nu'* ^o es Q'j, isty 
giH *s nid guet Wetter. — Vgl. bes. die Synn. Jnukeu, 
Jäuki, ferner zu b GeßLeh, FuehieU^ Geföuk. 

jäuke», bzw. jäugge* (in Ap; Bs tw. jauche*, in 
ApL; G jöche*): 1. tr., wesentlich =ja^an, doch i. S. 
eines Intensivums, oft mit verächtlicher Nebenbed., 
herumjagen, rasch vorwärts treiben, (ver-)scheuchen, 
zunächst vom (Weide-) Vieh, doch auch vom Unge- 
ziefer, das man aufstört, z. B. von Flöhen, dann auch 
von Menschen, barsch wegweisen, z. B. wenn man sie 
bei unrechtem Tun, etwa beim Horchen an der Wand, 
trifft; unablässig antreiben Aa; Ap; Bs; B; VO; Gl; 
G; S; Z. Syn. fauken, stäuben, stäuken, D* Hüener, 
chomme* eisder under cF Türe* dho* ge* luege*, geb tcie- 
me*-se jäukt. Breitenst. D* Buebe* sind-mer a* de* 
Nüsse* g'si*, aber ♦** ha* s' g'jäukt Z. Si heige*d de* 
Here* vo* Bern z' Trotz Eine* in en alti Bäre*hut ine* 
g'schoppet und e mit Küehdreck übermaJet und e dann 
im Städtli ume* g^jaukt, GebprIoh 1712. Meitschenij., 
ihnen nachstellen, von jungen Burschen. Gotth.; da- 
für: ,nachjagen.* Ges.-Ausgabe. Auch reciprok: „sich 
laut und mutwillig durch einander jagen." ,Sy jouk- 
tend sj über ^en felsen ab, dass sj zue tod fielend.* 
Edlib. , Venus tuet mich bald uf die gouchmattj eichen 
[:geuchen].* Gengenb. ,£r habe die küegen [Kühe] 
wüest gejöukt.* 1539, Z Staatsarch. ,Sy jöktend sy 
der Stadt zue.* Äg.Tschudi. ,Die Schwyzer jöikend all 
ire bischoff us dem land.* ThPlatt. 1572. ,Jagen, 
jäuken, stäuben, fluchten (flüchten), abigere, expellere, 
fugare.* Red. 1662. .Welcher mit Jeukhen oder anderm 
Muotwillen ein Gejegt schandte [schädigte].* GrD. LB. 



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Jak, jek, jik, jok, Jnk 



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,£r habe sie zum Haus hinaus gejaukt/ ZWast. Proc. 
1701. Jmd zum Besten halten, eig. mit Yexierauf- 
trägen herumjagen Obw; vgl. ,Einen für den Hans 
Jaggen han/ Er häd ^ en Schutz ume^g'jätikt, bis 
er-ne**8 g'seid hed. Auch abs., drängen« bes. nach 
einem bestimmten Ziele« eig. und bildl. Due au*^ nü 
80 j., mer chömmen einist no^^ ane* [wir brauchen uns 
nicht zu beeilen] Bs. — 2. intr. a) „närrische Sprünge 
machen, ausgelassen lustig sein", sich mutwillig, lär- 
mend herumtreiben, spielen, scherzen, von Tieren, 
z. B. jungen Katzen, aber auch von Menschen, bes. 
Kindern Aa; B; P; VO; Gl; Gr; S; Z; Bjn.jogglen, 
— b) in „W jauke^^y eilen, laufen, rennen Aa; BBiel; 
L; ScHw; „W (rennen, zumal bergauf, von Pferden, 
Kühen)". Er ist mit ^em Hwnd um 's Hüs umme* 
g'jeukt, BBrandst. ,Dasjenige Laufen, welches man 
allhier jeuchen oder zeuchen nennet: Dieses geschieht 
solemniter des Jahrs 3 Mal von denen 4 Gemeinden 
Trogen, Spicher, Tüfen und Gais. Die 2 ersteren 
halten^s mit einander und die 2 letzten gleichfalls; 
gibt aber bisweilen grosse Schlägereien darbei, dass 
man genötiget worden, aus einer jeden Gmeind ein 
Batsmann nebst einem Landweibel dahin zu verordnen.' 
1721, Ap Brief. Auch von rasch ziehenden Wolken 
ScBwMuo. — c) „nach dem Ziegenbock rennen, nach 
der Begattung verlangen UUrs." Nachen j'., auf Etw. 
Jagd machen, bes. dem weibl. Geschlecht nachstreichen 
B; „L«. 

Mhd. jöucken, jouehen in Bed. 1. Über das Yerh&ltniss 
des stammschliessendeD Cons. in unsern MAA. vgl. gauehen 
(gäuchen) : gäuggen : ffäuken (Bd II 106/7. 174. 199), Kochen: 
zoggen :söA«n (zihAken); vgl. aach Anm. zu flocken Bd I 1162; 
8. übrigens Anm. zu jucken. Das W. besteht auch anderw&rts 
mit ebenso schwankenden Lautyerh&ltnissen ; vgl. Schm.-Fr. 
Jauken*; Gr. WB. IV 2, 2325/6. Schott 1842, 144 gibt 
fllr PRim. eine Form jecehon in der Bed. 1 (,den Hunger j.*); 
vgl. dazu S. 312. Betr. die Bedentungsentwicklung vgl. 
ausser der analogen von jagen noch diejenige von jägden. 

ab-jäuke**: abjagen. ,[Die Feinde haben dem 
N. N.] einen pelzrock und ein ross abgejäukt.' 1531, 
Strickl. — über-: refl., sich übereilen B. Mer Über- 
jäuken-is nüd, RA., wenn man beim Gehen oder in 
der Arbeit sich gemütlich Zeit lässt. — ,Sn-: in- 
jectare.* Red, 1656. — er-: tr., Etw. erjagen, eig. 
und bildl. „Aa; Bs;" B; VO; „Gr; Z." — ver-: 

1. verscheuchen Ap; VO. En Tondersch Nütsnotz wie 
der Garibaldi, wo der hdig Vatter verjöchf}* wül ApI. 
(Schwzd.). ,Die spiritus verj eicht und abgescheiden 
sind.* Sytz 1510 [Bs Druck, daher ei], ,Wir wönd der 
münchen nit mer, sonder all verjochen und uss der 
statt jagen.* 1528, Strickl. (G Verhörakten). ,Ver- 
jöukt, vertriben us dem land.* Rüef 1540. ,David 
Gotts Feind verjöcht [: flocht].* 1635, G Wappenscheibe. 
,Wenn Mitte August vorhanden, so sollen die Ross, 
Schaf und Geiss in den Alpen nicht mögen verjeucht 
werden.* 1680, Ap LB.; vgl. Stiinm. 1804, 25. — 

2. „durch lärmendes Jagen einen Vorteil verlieren, 
verscherzen Aa; B; VO; GrA.; S; Z.** — S, = ver- 
jagen 3 L. 

Jäuker m. : 1. „Pferd, das bergauf rennt W 
CJauker)'*. — 2. wer den Weibern nachstellt, Huren- 
jäger B; „L". 

Hieher wohl auch ,Jöcker', einer der im XVI. in Hexen- 
processakten vorkommenden Namen des Hölienjägers, d. i. 
des Teufels. 



jäukere«* Cjeiggere*): Freq. z\i jäuken, i. S. v. 1 
(zur Arbeit anspornen) und 2 b (bei der Arbeit hasten) 
BsBinn. Daher Jeiggeri, als Spitzn. 

(Mist-)Jäuk(e)rich m.: 1. kleine Art im Mist 
sich aufhaltender Käfer GrD. — 2. Spott auf einen 
Menschen, der viel schmutzige Arbeiten zu verrichten 
hat, Schmutzfink GrD. 

1 wahrsch. spaeridium scarab. ; jedenfalls scheint das Tier 
seinen Namen der Schnelligkeit und Beweglichkeit zu verdanken. 

„Jäukete" f.: wesentlich = O^ävk^ doch bes. in 
Bed. c, vom raschen Wechsel der Witterung, wenn 
einzelne Regenschauer mit vorübergehenden Sonnen- 
biicken ,sich jagen' B; VO; Gr; Z**; vf;\,jäuken 2 h. 

Jäuki m.: Nom. ag. zu jäuken, bes. i. S. v. Drän- 
ger, Treiber bei der Arbeit Bs. 

Jäuchi,in„F Jöhi" ~ f.: 1. was zwar heftig, plötz- 
lich auftritt, jedoch eben so rasch verläuft, a) kurzer 
Regenschauer „F;** GaMal.; vgl. Jäukete, — b) vor- 
übergehende Anwandlung von a) Atembeklemmung 
(„krankhafte Empfindung im Leibe, vorzüglich in der 
Brust bei beengtem Atem"), Angst, Übelkeit BSa., 
Schw.; „F". — ß) Eifer bei der oder zur Arbeit, ,An- 
lauf* BFerenb., Schw. Er ehunnt öppen e Mal in ^so 
en J, inn^*, verfallt in die Laune, Etwas zu tun. — 
Y) Leidenschaft, bes. von Wallungen des Zorns BSa. 
— c) heftiger, plötzlicher Anfall von Fieber, Krank- 
heit BSa., Schw. Er het nu*" umhi* «" J., z. B. von pe- 
riodisch wiederkehrenden Zahnschmerzen ; vgl. Schöss. 
Es chunnt-na"* [ihn] e» J. a"; er hat Jühi^nq,* Obercho* 
BSchw. Er het e* bosi J. g*hebet, ein schweres Leiden 
W. — 2. als Zeitmass: längerer Zeitabschnitt, Raum 
W. E J, betüigerig «i», ziemlich lange. 

Vgl. das vielfach syn. Sckutx : eckieuen. Mehrfach syn. 
ist auch Juck, Jaut; ferner Hauw; vgl. auch Gäuchi 2» 

„jäukig: 1. bergauf rennend W Cjaukigj, — 
2. dem weiblichen Geschlecht nachstellend, von Wol- 
lüstlingen Aa; B; VO; Gb; S; Z. — 3. nach dem 
Ziegenbock verlangend, von Ziegen UUrs.**; Syn. 
jägerisch, 

JSker(lis), Jekos s. Jesus, 

Jnek, bzw. Jugg, Joch, PL JUck: 1. Sprung, bes. 
in die Höhe, Anlauf, Satz Aa; Ap; Gl; Gr; G; Th; 
üw; Z ; Sjn. Oump, Gupf, Hupf, Sprung, Satz, Schrack, 
Der Bueb hed ab der Stegen abi}" en J, g'no\ ,Sein 
Ross sprang mit jähem J. und Ruck bei Seit.* Ruth. 
Einem Weggehenden gibt man scherz w. den Glück- 
wunsch mit auf den Weg: J«* weusch-^l,er Gliick und 
(nimm) gross Juck! Aa; Ap; G; Z. Im J., im Hui, 
Nu Ndw und schon bei Fris.; Mal.; vgL flux Bd 1 
1239 und das syn. Zuck, ,Er ist ein wahrhafter, un- 
veränderlicher Gott, der nicht Jück nimmt und dann 
nachlasst* FWyss 1673; vgL uf -jucken, — 2. Stoss, 
„stossweises Vorwärtsbewegen einer Last**; plötzliche 
Anwandlung zu Etw., „schnell aufbrausende Gemüts- 
bewegung** ; vgl. Jäuchi 1 b, En J. tue*, eine plötz- 
liche Anstrengung machen Aa. Syn. Ruck. ,Es ist 
uns ein J. zur Buss ankommen.* JMüll. 1665. ,Viele, 
die etwa jucksweise eiferig bStten, damit sie Etwas 
aus dem Heiligtum erwitschen.* SLutz 1756. — 3. zur 
Bestimmung von Mass und Menge, a) kleine Strecke 
Weges Th; ZO.; Syn. Sprung. — b) Augenblick Bs; Z. 
Er ist enJ. zue-n-is dure^ c/w" [zu uns ins Nachbar- 
haus auf Besuch]. Gehäuft verbunden mit dem syn. 



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Jak, jek, jik, jok, Jnk 



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Reimwort Eiick Bs. Im-ene Ruck und J., augen- 
blicklich. — c) kleine Menge ZFäll. Nw es Jückli 
Heu mache^, eine geringe Heuernte. Vgl. Jucker. — 
4. Mal L. In ei^m J, Vgl. Fort Bd I 1027, Hauw. 

«Ab-: 1. Absprung. — 2. Absatz eines Felsens, 
Gebirges." 

Zu 2. Es scheint auch fUr Juck eine Bed. ^anspringende, 
steile Hohe* aogenommeD werden zn dürfen, zn welcher der 
fem. gebildete Flurn. ,Jacken* (1450, SchwTugg.) gehören 
wQrde ; vgl. 6upf(en) : güp/en, HuU : &«toen o. A. 

Ofe»-: = üfjuck 1 GT.; Ztw. . 

Uf-: 1. t. im Ofen, t. auf dem Herde bereiteter 
Pfannkuchen AaF.; Z; Syn. Ffitz-üfm I 121, Juck-uf, 
Scheüenho; vgl. auch Ofen-Gugg, GugeUHupf. , Auf- 
juck. Mehl, Eier, Milch, zp Teig gemacht, im Ofen 
braten lassen; oben darüber einen Deckel, mit Glut 
angefüllt, unten aber muss wenig Feuer sein; dann 
juckt er auf.' Z Zoll. Eochb. 1820 (Mscr.). ,Süs8er 
Auf}.*, unter den Gerichten eines leckern Mahles auf- 
gezählt. ScHWBizcRB. 1821. — 2. „Person schnell auf- 
brausenden Wesens, allg." — 3. scherzh. Name des 
Aufstandes in TnWig. von 1664, da die Bauern aus 
der Kirche liefen, um die Soldaten für ihre Heraus- 
forderungen zu züchtigen Th. 

A»-: Anlauf Th. 

Zue-: 1. der Akt des ,Hinzu-Jucken8' Aa. Spoc. 
Schluss einer Hochzeit, da auch Ungeladene (in ihren 
Werktagskleidern) zur Zeit der Abenddämmerung sich 
herbeimachen, um auch noch am Feste Teil zu nehmen 
Aa. An^n Z, ^ä». — 2. concr., wer hinzujuckt Aa. 

jucke" {in B jucke*): 1. einen ,Juck* tun, hüpfen, 
aufschnellen, z. B. vor Angst, aus Dienstwilligkeit, 
im Schlafe usw. Ap; 6b ; Gl; Gr; G; Sch; Schw; Th. 
Über dt** Orabc* j. Ap; G; Th. Erbs g^gissq'', Bönq* 
geschlackt, dreu Mol ober de" Hag üs g^jockt Ap (Scherz- 
reim). [Die erschreckten Gemsen] juckend z' Luft [in 
die Höhe] OnPr. (Schwzd.). Üfund abj., bei hüpfen- 
dem, hinkendem Gang SchwMuo. ,Dass wir [Prädi- 
kanten] on zucht auf oder an die kanzlen laufind .und 
juckind, wie ein schuehmacher auf seinen stuel.* 1589, 
Zbllw. ürk. S. noch Epfd Bd I 366, Esel Bd I 517, 
KriegS'Gurgd Bd 11 418 und Brugg. — 2. sich sprung- 
weise, in Sätzen vorwärts bewegen, „schnell auf £tw. 
fahren, phys. und moralisch", oft mit dem Nbbegriff 
der Heimlichkeit, unvermerkt (herum) huschen Aa; 
Ap; Bs; B; G; Th; Z. Leicht berauscht sein, wohl 
eig. wie das syn. hinken vom Gange des Berauschten 
AALind. (Umme*-)j.y sich spielend herumtreiben, un- 
nütz umherschweifen, It einer Angabe bes. nächtlicher 
Weile [also heimlich] BM.; Syn. ummen-springen, 
•faren, üse*, d^*, tcegj., leicht, schnell, unbemerkt 
hinaus, hinweg eilen, sich stehlen. Das [unbedachte] 
Wort ist mer use* gejuckt, entschlüpft Th; ZO. Zuej., 
zuspringen, herbeieilen; vgl. ,an den Zuejuck gehen.' 
,Das geschütz tet in sie j. [schlagen].* 1548, Lied. 
,£inhin j. oder wütschen, sich schnell hinein machen, 
corripere se intro, insinuare.* Mal. und so noch heute. 
,Aus8hin j., sich zuo der türen auss machen.* Mal. 
,Dass er an der kanzel mit einer totenschädelen un- 
versehenlich herfürgejuckt* 1589, Zellw. ürk. ,pann 
fliegen wir [Teufel] drum wie die Mucken, könnend 
dest bass in Menschen j.* GGotth. 1599. ,Der Aber- 
glaub und gross Taubsucht ist von Heiden zuo uns 
gejuckt.* Pred. 1601. ,Häufig harzuo j.*, sich in Haufen 



herandrängen (von Zuschauern bei der dramatischen 
Aufführung). MtrioIüs 1630. ,Sie wollt ihme in die 
Haar j.* ZWast Proc. — 3. (meist zsgs.'a»-, i^sem- 
m^*-j,), unversehens, z. B. im Dunkel, mit einem 
andern Gegenstand zsstossen; an-, zsprallen W. — 
4. fischen, mit einem Fischchen aus Weissblech, das 
man rasch empor schnellt, um mit dem daran ange- 
brachten Haken die Fische (bes. Hechte) zu packen 
LSee. — 5. tr., reiben, kratzen. ,So in d' hüt byss, 
woU ich s* im j.* JMürer 1559 (Abfertigung). ,£r 
fand ein alten kriegsmann sich an der steininen wand 
j. und reiben, weil derselbig kein knecht vermocht, 
der seinen wartete.* Tibrb. 1563. ,Mutuum muH sca- 
bunt, die maulesel j. einander, wie wir sagen: Die 
hund flohen einander.* ebd. ,J., kratzen, schaben, 
scabere, scalpere, (per-)fricare.* Mal. Narr droht dem 
Volk, er wolle ,alle die, so unverschämt schwätzen 
wettend, mit dem kolben j.* JMürer 1575. — 6. einen 
prickelnden, zuckenden Beiz verursachen, kitzeln, eig. 
und bildl. a) ,Man schneide die Fasen von den Lum- 
pen, dann sie j. sonst junge und alte Leute, wo sie 
an die Haut kommen.' FWürz 1634. Mit den gereizten 
Körperteilen als Subj. (und dem Acc. P.). ,Die zän 
juckend mich, ich hab grossen hunger, dentes pru- 
riunt* Mal. ,Ihnen solche Lehrer wüntschen, wie die 
Ohren sie j.* JMOll. 1661, nach IL Tim. IV 3, wo 
Luther übersetzt: ,Lehrer, nach dem ihnen die Ohren 
jucken*; mit veränderter Construction : ,Lehrer, die 
die Ohren j. [dem Ohre ihrer Hörer schmeicheln].* 
ClScbob. 1695. — b) unpers., mit Acc. P., wie nhd., 
doch wenig verbreitet (z.B. in Aa; Gl), dafür meist 
bissen, G'juckt und g*krüselet het *s mi^^ [eine scharfe 
Arznei]. ,Der fluss gat mit schmerzen, brSnnen, j. 
und byssen.* Buef 1554. ,Das j., kleine raud, Pru- 
ritus, . frictio, Prurigo.* Mal. und so auch bei RCts. 
— Übertr. auf seelische Empfindungen, bes. Anwand- 
lungen von Gelüsten Aa. „Es hat mich schon lang 
gejuckt, ein Reischen zu machen.** , Welche ein vor- 
ahnendes J. in sich fühlten, alle Menschen für Esel 
anzusehen ausser sich.* Gotth. 

Eine Nbf. Janken* (mit eingeschobenem Nasal), aus wel- 
cher man Janchen* ableiten wollte, darf kaum angenommen 
werden, da Tierbuch 1563, 105, a unrichtig gelesen worden 
und die einzig noch in Betracht fallende Stelle in Bs Chr. 
III 168 (,dö machten wir ein feldgeschrei und junckten 
wider hinüs.') sich ebf. eher als Lese- oder Schreibyersehen 
taxieren lässt. Übrigens würde auch Junken* keine Brücke 
zu Jauchen* bilden, da die Yoc. nicht stimmen (s. Fromm. 
YII 198 f. 201). Dennoch ist Ywdtsch. der beiden St&mme 
kaum abzulehnen und vermittelt sich durch eine germ. Wz. 
*jeuk mit den Ablautsstufen tu, ou, u (o), aus welcher sich 
sowohl Jauchen* als die mit j abgel. J&uchen, j&uken* und 
Jucken* erg&ben. — Die Ausdrücke für Bewegung haben sich 
in unsern MAA. gegenüber andern verschoben; wir haben 
«laufen* für ,gehen*, daher dann ,8pringen* für ,laufen*, Jucken, 
gumpen, gOpfen* für ,8pringen*. 

ab-, abe"-: „schnell abspringen", herabspringen, 
z.B. von einer Mauer Gl; Th. 

üf-: 1. wesentlich =i jucken 1, in verstärkender 
Bed., bes. auch aus Dienstbereitwilligkeit für einen 
Andern Aa; Ap; Bs; Th; Z. Er meint, me» chönn 
numme* u., wenn er bißli AAFri. Spec. beim Schwin- 
gen einen kleinen Sprung mit geschlossenen Füssen 
machen, um den Gegner noch höher vom Boden zu 
heben. Schwikgerbpr. ,£& soll hinfür jedes Ort seinen 
Boten ernstlich befehlen, auf den Tagleistungen bis 



39 



Jak— Jnk. Jakt— jukt Jal— jul 



40 



zum Schiasse zu bleiben und nicht aufzujucken [an- 
vermntet aufzubrechen].* 1533, Absob. »Das* nnder 
andren garben vil myn [Josephs] garb uQuckt in 
schneller jV Büef 1540; vgl. I. Mos. 37. «Ans dem 
schlaf oder bett schnell auQ., e somno vel stratis 
corripere corpns. AulJ^^^^^^St anfreibnng des hin- 
deren, sedis vitia et attritns [vgl. jttcken 5].* Mal. 
,Wie vil gibt's zornmütiger Menschen, die bei schlech- 
ten [geringen] Anlassen auQ., erbrünnen.* FWtss 1650. 
,Er juckt auf wie ein Milch, in iram facile, effunditur.* 
Hospin. 1683. S. noch Güggd Bd II 193. In der ä. Spr. 
mit Dat. P., auf Jmds Wink gleich aufspringen, vor 
ihm ehrerbietig aufstehen; auch bildl; vgl. ,Einem 
aufspringen, -stehen, -hapfen.* ,Sihe, wie jucken [Jo- 
seph und Maria] so stracks dem Engel auf und ge- 
horsammen ihm.* FWtsb 1650. ,Alterius arbitrii esse, 
(ad nutum) praesto esse alicui. Einem auQ., auf- 
wütschen, beistehen, in eines Andern Gewalt sein.' 
Dknzl. 1677; 1716; ähnlich Hospin. 1683. ,Meine$t 
du aber, Gott werde dir alsdann auQ. und dir Platz 
in seinem himmlischen Haus geben?* JMbt. 1694. — 

2. «aufspringen*, sich lösen, von Knoten an Bändern 
ApHeid. Die touüige* Nistdi [Nestel] juckend uf. — 

3. der Imp. in subst. Bed. a) Juck-uf (in alli Schrott, 
Ecken Ndw) mache'', ein Kinderspiel, das sog. ,P]atz- 
wechseln*, wobei auf ein gegebenes Zeichen alle 
Spielenden von ihren Sitzen aufspringen und sich 
neue suchen, indessen ein Sitz zu wenig ist Ndw; U. 
Verallgemeinert: sich in übermütiger Lustbarkeit 
herumtummeln Ndw. Vgl. Vogel Bd I 691/2. — 

b) rasch aufflammende Begeisterung; Eifer für Etw. 
,Ein gleichsnerischer und kurzer Juckauf zur Buss, 
der sich aber bald wider gesetzt hat.* JMüll. 1665. 
,Gallica furia, ein gäbe und hitzige Furi, die aber 
bald nachlasst, ein Juckauf.* Dekzl. 1677; 1716. — 

c) concr., = „ üfjuck In. 2**; lebhafter Mensch ZLunn. 

„a"- jucke": schnell anspringen , an Etwas 
springen." 

ent-: „schnell entspringen, entfliehen." ,Wenn 
sich dyn fuler ruggen huckt, g'wüss ist *s, dass dir 
ein furz entjuckt.* Rükf 1540. 

er-: im Sprung erreichen Ap. 

ver-: refl., sich versteigen, auf Felsen im Hoch- 
gebirge, von Ziegen Ap; syn. sich verspringen, -stellen. 

nach-. ,Dem buech n. oder nachhängen, das zue 
erwütschon und aufzeheben, sequi librum lapsum.* Mal. 

z*w6g-, nur als Ptc.: en Z'wigg'juggeter, ein flin- 
ker, anstelliger, lebhafter Mensch UMad. JEn z'weg- 
g'juggete^ Tlfel, Schelte. 

Jucker m.: 1. Hüpfer, Springer G. Auch Fa- 
milienname Th; Z; davon der Ortsname , Juckeren*. 
— 2. Name einer Pferderace, wohl wegen der leich- 
tern Gangart so benannt. Spr. der Pferdezüchter. — 

3. Jüekerli, Spottname auf ein ganz kleines Fuder 
Heu ZZolL; vgl. Juck 3 c, Quschen Bd 11 482. — 

4. starker Schluck, von dem stossweisen Heben des 
Bechers beim raschen Trinken. ,Credenzer zun Mu- 
sicis: So, so, frisch uf, ir gucten schlucker, es gilt 
einem ein solchen j. [indem er ihnen vortrinkt].' 
JMuRER 1559. 

Heu-: = HeU'Gumper (Bd II 314) GF., T.; Th. 



Joktoberli m. : Spitzname auf einen in Tracht und 
Betragen ein närrisches Wesen verratenden Menschen ; 
lächerlicher Prahlhans L; Syn. Gauggler, Gäuggeh 



Jal, jel, jil, jol, jnl, bzw. jall usw. 

Janle": jammern, wehklagen L; auch jattren.** 
Wahrsch. too der Interj. des Schmerzes auf mit Tor- 
gesetztem j\ welches im Anlaut vieler Wörter für Tonerzea- 
gUDgr vorkommt; z.B. jäblen, joUn, juehnen,' vgl. amgek. mhd. 
(Imertn neben jänuren. 

Jeli : verkürzte Dim.-Forro des Taufn. Daniel Schw. 

Jilli: Koseform 1. des Namens Julius Gr. — 2. des 
Namens Ägidius ZStäfa. 

Jilja: Juliana GnPr. 

Gc-j0l (in Bs; ScH; Th; ZO. auch d) n.: wildes 
Gejauchze, allg. 

jöle'' (d ScnSchl., d AaHoM., Zein.; Bs): wesent- 
lich SS höle\ 1. jauchzen, lärmen Aa; Ap; Bs; B; Gl; 
Gr; L; G; Sch; Schw; Th; W; Zo. Jol-i'^ de^ Jung- 
fr<}'' voT-em Hüs, so streckend wol drissg eri [ihre] Hand 
no^^'fMT üs Ap (Schwzd.). Am End chunnt der Chnecht 
mit dem Stüeli und jolet: Ho Lobe"*, har Cküeii ! 
Schweizerb. ,D6r volle halb [vor Trunkenheit] schryt, 
jolet und singt.* Ruef 1540. ,Wenn einer in einem 
wald jolet und schryet, widerhallet die stimm allewSg 
die letsten wort.' LLav. 1569. ,Es soll alles nächt- 
liche Hin- und Herlaufen, j., juzgen, singen, schreien, 
tanzen verboten sein.* 1618, SchwE. Elosterarchiv. 
,Jolen, jauchzen, juchzen, ovare, jubilare.* Red. 1662. 
,Die diese Zeit her ganz ausgelassen gewordene Hand- 
werksburschen, die durch übertriebenes Lärmen, J. 
und Singen auf denen Gassen die Ehrbarkeit gar sehr 
verletzen.* Z Mand. 1744/57. In der Weise des Jodeins 
Aa; BE., Si.; Gl; Gr; Schw; S; Ndw; ü. Vom Ge- 
schrei der Eule. ,Wenn der Eül eins jolet überlaut.* 
GwERB 1646. — 2. laut rufen, z. B. in einen Wald 
hinein; um ein Zeichen in die Ferne zu geben Th; 
UwE.; ZRfz. Auch von lautem Sprechen Sch; Th. 
Tue aw* nid eso j., t** verstä"* di''* glich. — Mhd. 
jölen, laut singen; von dem Rufe Jd/ 

Jöler m. : Name eines gespenstischen Geistes in 
G Oberriet, der sich durch Rufe kund gibt. Vgl. 
Jöler-Huet. 

jölele": jauchzen, jodeln Schw. Dim. zu jö/en. 

Joli n.: 1. Veilchen GrL. — 2. Frühlings-Enzian, 
gentiana verna Gr. 

Viell. ist der Anlant eher «' als j. Jedenf. ist das W. 
aus VidU (Bd I 633), bzw. einer Zss. mit Diesem Terstflmmelt. 

Jolle: 1. Juliana AxHold. — 2. Julius F. 

Juli: Julian Gr. ,Eaiser Juli*, Jul. Cäsar. Ansh. 

Julier m.: italienische Münze. XVI., wahrsch. 
von Papst Julius IL ,Jeder Bote hat zu Luggaris 
empfangen: 151 Kronen, 6 Gld. rhein., 9 Dukaten, 
3 Dicken und 1 Julier.* 1525, Abbch. ,In Betreff der 
welschen Münzen sollen angenommen werden die guten 
alten dicken Plaperte, Marceller, Julier usw.* 1532, ebd. 



41 



Jalch— julch. Jalk— julk. Ja»— jmn. Janpf— jampf. Jams— j^^n« 



42 



jelch en jelha, en jdhf, es jdis: jeder BGr. — 
Ans mhd. uiirh, wie «welch* aus wdich. 



Jelk, Jilk: Julius BsLangenbr. 



Jam, jem, jün, jom, jnm, bzw. jamm usw. 

Jam: unentschiedenes Ja' BHa. 

Eine der NbfF. Ton Ja*, welche durch Zusate eines Cons. 
eine leise Modifikation der Bed. anzuzeigen scheinen. Das m 
mag hier etwa dem in den Interjj. ,hem, hum' nahe kommen, 
wo es ein Bedenken ausdrQcken zu helfen scheint. 



G*-Jam O'jom: Jammer, klagliches Gewimmer, 
z.B. der Katzen W. 

Die Quant, ist nicht angegeben, aher d für d grilt in W 
nicht, und kurzer Yoc. erscheint auch bei jammeren, jamsen* ; 
die mit der Kttrze auch bei «jammeren* z. T. Terbundene Ver- 
dunklung der Qual, mag dem Einfluss des folg. Nasals zu- 
zuschreiben sein. 

Ear-Jaroei m.: Lärm, Streit, Getümmel, z.B. 
von Kindern Gr ObS., Pani, Schud. 

Da daneben gleichbed. Kar-Jamer besteht und auch jam- 
mden ssjameren yorkommt, so scheint Erweichung des l aus r 
angenommen werden zu mflssen. Aber dass der zweite Teil 
des W. J am/er sei, ist damit noch nicht ausgemacht, denn 
der Begriff ist doch ziemlich verschieden, und auch ob im 
ersten Teil das altdeutsche W. kara, Trauer, Klage, Sorge, 
stecke, wie in nhd. ,Char- Woche*, ist unsicher. Vielleicht 
liegt fibh. keine deutsche Zss. Tor, da auch die Lage des 
Accentes dagegen spricht, sondern ein fremdes (romanisches ?) 
W., das nur ans Deutsche angelehnt ist. Vgl. Karfdngd, 
KarHimpd. 

Jämer, bzw. Jömer, in SchwMuo. -ä-, in Aa It 
H. yorwiegend -d-, m., in Gl; GrAt. b.: 1. subj., 
tiefer Schmerz und laute Äusserung desselben, Klage. 

— 2. obj., bejammernswerter Zustand, Not, Elend, 
allg. und häufig in ä. Lit. ,Ein6 fahrende Frau redete 
übel und schwor Gottes Jammer am h. Donnerstag.* 
Ende XIV., Ochs 2, 1, S. 363. Personif. s. Hos Bd II 
1666. In Zssen wie Heu-, Herdepfd-J. Kaiamitat, 
Notlage mit Bez. auf die betr. Sachen. — 3. eine 
Krankheit des Viehs, welches hinflUt, in Zuckungen 
gerät und aus Schwachheit verendet s= «fallende Sucht, 
das Hinfallen' Gr; s. Gr Sammler 1779, 335. 

Mhd. jäfner m. und n. Die Schreibung des XVI. und 
XVII. deutet Tor wiegend auf langen Voc Das n. Geschl. 
(welches in unserer &. Lit. bis ins XVII. Tor wiegt) ist wohl 
das urspr., wenigstens fttr Bed. 2, entsprechend dem des 
syn. tuende. 

Abend-, nur in der Wetterregel: Morge^dunner 

— Obigjommer AaVIU. Vgl. Äbend-H^i. 

„Kar-: Lärm, bes. von Bufenden, Schreienden Gr.*" 
Die in 6r. W6. V 217 gegebene Erkl&rung ist nach dem 
zu Karjamd Bemerkten nicht ganz sicher; auch die tou 
Hildebrand aaO. beigebrachten, z. T. romanischen Bildungen 
mit ear- lassen andere Erklärung offen und weisen eher auf 
Orundbed. ,Lftrm* als auf ,Klage' ; engl, earboü, Tumult, steht 
TOD eare, Sorge, merklich ab, 

jämer e", in BB. -d-, in AaL.; L; G; S (auch -Ä-); 
Th -d-, mit Umlaut -ö- Nnw, -ö»- Th; Z, -^ Th: 1. laut 
klagen, allg. Auch von Bienen: Der Imb jämeret, 
lässt aus dem Stock Klagetöne yemehmen, wenn der 
Weisel fehlt Z. Anders von der Katze, wenn sie eine 



gefangene Maus zeigen will Ap. — 2. Sehnsucht hegen 
und äussern. ,Der gmeine Mann [im Felde] jammert 
nach Hüs.' 1633, Gfd. — 3. Verwunderung oder Be- 
wunderung äussern Ap; GP., Bh.; Th. P* ha* gad 
müese* jämere*, wo-n-i''^ sovel Obs a» de» Bömme* 
g'aiche* ha* Ap. 

Die Quantit&tsverh&ltnisse sind bemerkenswert und zeigen 
Übergang Tom alten zum nhd. Lautstand. Den Uml. zeigen 
auch Fris. ; Mal. (J&meren*). — Bed. 2 ist auch an der 
Nbf. ameren (Bd I 218) entwickelt Die auffallende Bed. 8 
erkl&rt sich aus der psychologischen Verwandtschaft aller 
starken Affekte und aus dem Gebrauch der selben Ausrufe 
(oh, ach, Gott, Himmel) fOr Schmerz und Lust (mhd. otee 
auch Ausruf der Sehnsucht und Verwunderung). 

Ter-: in Jammer, Elend geraten, nur in der ä.Spr. 
und meist im Ptc. (adj.) i. S. v. ,beklagenswert*. »[Chri- 
stus] ist um unser willen verjameret, dass er uns die 
ewigen freud erwürbe.' Zwingli. ,Der yerjämerten 
und zerrissnen kilchen.* HBoll. 1557. »Zyten mit 
krieg, t&re, hunger und unfal verjämeret.' ebd. 1561 
und ähnlich JMüll. 1673 (,verjamerete*); JJUlr. 1727 
(,rerjammerte') ; Z Nachr. 1756 (,bejammerte Zeiten'). 
,Der hetrübte und verjammerte Zustand.' 1635, Z 
Waisenh. — Mhd. ver-jamem^ refl., sich abhärmen, 
„jammlen: jammern, wiederholt klagen VO." 
Die Verwandlung des r In 2 kann unwillkürliche, rein 
lautliche Abschwftchung sein oder absichtliche zur Bezeich- 
nung einer weicheren Art von Klagen. 

jämer lieh: auch als Ady. i. S. t. sehr L; Sch; 
Zg (St.^); vgl. grüsatn. 

gotts- s. Bd n 520. — mords mards-: von einem 
Lärm AxBued. 

jämerle", bzw. -d'-, -(J*-, -e-, in Zo-o-; halblaut 
klagen, winseln Bs; Sch; Zq; Z. In Z auch von den 
unter jämeren 1 angeführten Tönen der Bienen. 

njämm: aber nicht UUrs." — Der Ort deutet auf 
Entlehnung aus dem benachbarten ital. giammai, niemals. 

janiiie(ii): 1. miauen Gr. Um d' Schlterblgen um, 
wenn -er [der Eilter] d' Meitje* fürher j. het wellen, 
FiKHT 1886. — 2. (jäume*) heulen GaPr. 

Kann von dem syn. jawen gebildet sein, wenn sich vor 
10 ein u entwickelt hatte und w dann In m flbergieng, welcher 
Vorgang nicht selten ist 

Jem: Jemand BSi. — Vgl. Niem far ,Niomand'. 
Jemer(st) s. Jesus, 
jemer(st) s. immer Bd I 222. 

d(e)-Jomiii: dort oben G; vgl. di-oben, -ebenen 
Bd I 51. 



Jemd s. Ämäd, 



jampfl Interj. des Erstaunens GSa. J.! macht Di* 
e* Zänne'* [Grimasse] ! Vgl. janx. 

Sür-Jttmpfer: Sauerampfer S. 
Jumpfer, Ge-Jflmpf s. Bd I 1250. 



jamse'I: scharf verurteilen, mit harter Busse be- 
legen USch. 

jamse*^ 11 jaussen, hzw.joussen I BE., „G.", S. ; W, 
jämsen jeissen B; W: 1. wehklagen, jammern. aaOO. 



43 



Javu— jums. Jan— jnn 



44 



— 2. überlaut schwatzen BE. Es tüei*'d alleweil vier 
Tüfd uf dem Schote dbe** sitze^. Ich soll jetzt nw 
«• Mai an-ere hl, Nacht lose'', wie ^ jausid. Wolf, 
Bauerngespr. 

Die Grandf. 'jamten ist zwar nicht unmittelbar bezeugt, 
aber mittelbar in der Ableitung jamden neben jaulen. Es 
ist also höchst wahrsch., dass hier ein Fall der in Fr. Ztschr. 
YII 18 ff. erörterten Lautver&nderun^ Torliegt Einen Zweifel 
an diesem Hergang kOnnen nnr die syn. Bildungen jauUn, 
jaukien, jauren erregen, wo au als urspr. (wahrsch. inter- 
jektionaler) Ijant vorliegt, der durch Znsatz rerschiedener 
Consonanten erweitert werden konnte. Vgl. noch jatuen. 

„Jamale" L", jauÄ/c» AAWohl.; L; üw; U; Zo; 
Z, jäusle* L; ScHw: oft and stark jammern, wim- 
mern, winseln. Jämere* und jausle*. Es sifzget äUe*- 
einist, a's tät-em d*s Herz so we, es jaislet eister stercher 
und flännet me und me U (Schwzd.). 's hilft alles 
Jausle* Nüt. Hsnoeler. 

W&hrend «, wie im einCtchen jaiMtn, eine Intension des 
Jammerns bezeichnet, bedeutet die Dim.-Form teils Geneigt- 
heit zu häufigen Klagen auch bei kleinlichem Anlass (in L 
mit dem Nbbogr. des Erzwingenwollens), teils höhere TOne. 

„er-: durch Jamseln erlangen L*'; UwE. 

ver-; 1. „durch J. verlieren, verderben." — 
2. „aufhören zu j." — 3. „verzweifeln L." Vor 
Jammer vergehen SchwMuo. 

„Jamsler(in) L", JäuslerfinJ L; Zg (St.»»), 
Jausli UwE., Jäusli ScbwMuo.: wer leicht oder 
immer zu jammern geneigt ist. 

„jamslig: voll Gejammer L." 

G«-jäms S, 0*jeis W — n.: Gejammer, Lärm, 
Durcheinander S; Klage W. 



Jan, Jen, jin, jon, jan, bzw. jann usw. 

Jai Ja, Jö Ap; GaObS.; GSa.; Th; ZB., 0., Jü* 
uTh; ZBafz — Dim. Jätili, Jönli, Jenli, in Ap; Th; 
ZB. Jdli — PI. Jan BR., Jö Ap; Th, Jäne^ BSi. — m.: 
1. a) schmaler Streifen Landes, Stück eines Ackers, 
Weinberges, einer Wiese, aber nicht bleibend und 
sichtbar abgeteilt, sondern nur zur Vornahme einer 
Arbeit auf demselben (z. B. zum Bchufe des Eorn- 
schneidens, Grasmähens, Heurechens, Jätens, Hackens) 
einer oder mehreren Personen fflr ein Mal zugeteilt 
Aa; Ap; Bs; B; Gl; Gr; L; G; Sch; Th; Zg; Z. So 
beim Getreideschneiden dasjenige Stück eines Ackers, 
welches von sämmtlichen Schnittern in einer Fort- 
bewegung quer über den Acker abgeschnitten wird, 
beim Mähen der Weg, den ein Mäher hinter sich 
lässt oder noch vor sich hat. Auch Holzhauer arbeiten 
etwa janweise. Mer wein [wir wollen] e» breite* (^ 
schmale*) J. nl* [in Angriff nehmen] AiZein. Mer 
hei* wider e* J, fertig, mer wein en andere* ni^. ebd. 
Mer nhnme*d de* Acher i* vier Jane:* Th ; Z, I** ha* 
nummen na [noch] es Jändli Herdöpfel z* graben BB. 
Es neus Jdnli a*fange* Z. Mer wend [wollen] d&* 
Ju na^^ gri [fertig] machet ZRfz. Mit Bez. auf einen 
Abhang sagt man etwa : Mer wend enJoue [hinauf] 
machff*, und nachher: Mer händ-en d?6be* ZO. Dem 
J. nä [nach, z. B. fahren] AxWohL Im Ächerli si 
«o** es Jenli nid fertig gehorstet GaPr. (Schwzd.). Bis 
am Mittag g*chumme*'mer [vermögen wir] der ganz 
Ja nit z* nuiche* Gr. Der Jan churzet. pbd. Übertr. 



auf lang gedehnte Streifen von Gras an felsigen Ab- 
hängen, die etwa von Schafen abgeweidet werden BL. 
Bildl.: ,Si isch tis-im J, eig. taugt nicht mehr in den 
Herbst, von einer Frau, die nicht mehr fruchtbar ist' 
Bs. — b) in Weinbergen auch eine feststehende Ab- 
teilung, von bestimmtem Masse, ungefähr ein ,Vier- 
lingS durch Graben oder Fusswege abgesondert GRh. ; 
Syn. Kammer. Fussweg im Rebgarten Aa. — c) Schicht 
Getreide auf einer ,Hi8f zum Trocknen an der Luft 
GRObS. Vgl. Schore*, Schicht von Getreide beim 
Dreschen. — d) Schwall von Luft, Dampf, z. B. en 
J. Rauch BM. — e) je eine Tuchbreite am Weiber- 
rock Aa. — 2. a) Gang. Es geht in 6inem J. AaF. 
Er ist umef* mit dem Jon, er hat der Reihe nach Alles 
gemacht. Alle besucht. Alle in Anspruch genommen L. 
,Es bleib allweg im alten jOn*, die Sache blieb im 
bisherigen Stand und Gang, Unterhandlungen führten 
zu keinem Ziel. B Lied v. 1536. — b) Anwandlung, 
Laune B. Er het ei*smäl e* Jon übercho* z* esse*. Er 
het hüt, schlnt % der Jon s? arbeite*. Er het so Jon, 
wo NtU mit im fürz*ni* isch. 

Mhd. yan, in der Bed. ,Gewinn* nor sp&t und schwach 
bezeugt, früher, aber auch nnr vereinzelt, in der Bed. ,ReiheS 
in unserer Bed. 1 nur in Weistttmern. Dagegen findet das 
W. sich in der letztern Bed. £sst in allen deutschen MAA. 
und reichte bis nach Skandinavien (altschwed. an, nach der 
Lautregel, wie altn. ar s=: Jahr). Nach Schade und Klage 
von skr. ja, gehen, da die Orundbed. wirklich «Gang* ist; 
doch steht das Bedenken entgegen, dass diese Wz. sonst im 
Germanischen nicht fortlebt. Es mflsste also ein uraltes 
vereinzelt gebliebenes W. aus den Anfangen germanischer 
liand Wirtschaft sein, welche jedenfalls noch wenig Ackerhau 
kannte, sondern fost nur Wiese und Weide. — Bed. 2 b 
gehört zu den öfter, zuletzt bei Hauw, citierten WW. für 
Zeitpunkt, Mal und zeitweise sich wiederholende Erschei- 
nungen, an die sich auch das W. Oang selbst reiht — 
Spreng setzt das W. als schwaches Masc. (Jane*) an. 

Us-: die an einem Korngerttst (Hist) auf beiden 
Seiten hervorragenden Latten, auf denen man ebf. 
Garben anbringen kann GaObS. — Zu Jan i c. U»- 
bezeichnet hier das Hervorragen. 

jäne*: 1. eine bestimmte Feldarbeit Jan weise* ver- 
richten Aa; Bb; „B; LE.*" Mit enand j., um die 
Wette schneiden ZWettschw. — 2. in Absätzen gehen, 
z. B. dem Vieh voran, und dann wieder stehen bleiben 
ZB.; eilig und in grossen Schritten gehen ZKn.; matt, 
schwerfallig einhergehen, schwanken, taumeln ; auch : 
verdriesslich arbeiten Th. 

Die unter 2 zsgefasston, scheinbar z. T. einander wider- 
sprechenden Bedd. beruhen auf der gemeinsamen Grnndbed. 
Absätze, Abst&nde, Pausen machen, welche auf 1 zurückgeht. 

Jan er m.: plötzlicher Anlauf ZB. 

Wahrsch. zu janen i. S. v. eilig gehen; vgl. aber auch 
Jan 2 h und die zahlreichen Masc-Bildnngen auf -er, welche 
physische und moralische Affektionen bezeichnen. 

Jone": Nachts herumstreifen, von ,Nachtbuben', 
welche durch die Fenster spähen, ob Eiltbesuch an- 
wesend sei SGrench. Syn. uf de* Strich gä*. 

Mit Uml. von janen (bzw. ö) i. S. v. einer Spur nach- 
gehen. Vgl. jänlen 2. 

ver-: (einen Balken) gegen ein Ende hin ver- 
jüngen, zuspitzen AAWohl. 

„jänlen", jöndle* AABb., F.: l. „einen kleinen 
Jan machen, bes. die abgeschnittene Frucht der Reihe 
nach auf die Erde legen AaF."; das Arbeitsfeld unter 
einander verteilen, z. B. bei der Ernte AABb., Wohl. 



45 



Jan— Jan. Jang— jnni; 



46 



-'2, einen Landstrich, eine Gegend absuchen, der 
Kehrordnang nachgehen ÄAWohl. 

jänisch: toll, unsinnig (z.B. sich geberden) Tu 
Tag. — Viell. von Jan 2 b, welches freilich our für B be- 
zeugt ist. 

jän. j, : ja wohl B oHa. — Vgl. jam, 

be-jane": bejahen Z. 

jän 1(8) 8. ja und ais, 

JSnner: der Monat Januar. J., Hölzverbrenner, 
J, warm, dass Oott erbarm ! Whin *s im J. rignet, 
se git *8 keini Chriesi ScHwMa. - In Urk. des XIV./XV. 
auch ,6enner* geschrieben. 

„Jänni: Personenn., Januarius f.*" VgL ,Jannj*, 
Geschlechtan. 

Jänis: Anis GMarb. 

Janner: Gauner i. S. v. diebischer Landstreicher 
Sch; Th; Z. 

jaunere": leichte, unbedeutende Arbeit tun (z. B. 
Besen binden udgl.), halb mflssig gehen. Er verdienet 
me öb'em jattnere* als cb-em taunere'' [Taglöhnerarbeit 
verrichten] SchKI. — Ton der Lebensweise der Jauner. 

jenn(e*) s. inen Bd I 266 f. 

jSne': in der heutigen Spr. wohl ziemlich modern 
statt in^, distr (sUbe^J 1. in der Bd I 265 angeführten 
Verbindung mit ,diser'. — 2. (stark betont) unbestimmt 
gross, ungeheuer. En Stier vo* j-r Grössi Th; Z. 

Id QDserer &. Lit ist allerdings diese ohd. Form schon 
sehr h&afig, z.B. ,yenen*. Gen. «yenssis.* 1365/1544, Schw 
LB. ,Di8es and yhans.* Gaalth. 1553. Auch mit dem best 
Art, z.B. , Alles dessjennen.* Bossh.-Goldschm. ; und sogar, 
eigentflmlicher Weise, ,der y&nner, yanniger, der, davon wir 
redend, ille, iste.* Mal. 

j9nig: (mit dem best Art.) der Selbe. P* wünsche- 
der au'''' Datijinnig, formelh. Erwiederung eines Glück- 
wunsches Gl. 

Jenne*' Jenno m. WRar., Jenna f. W V. : die Traber 
von Weintrauben, aus welcher noch Wein gepresst wird. 

jenne% nur in der RA. du cha^^st-mer j.: schnöde 
Abfertigung AiZein. 

Scheinbar ein Yb und als Solches Yerstanden ; aber viel!, 
nichts Anderes als das Pron. i. S. y. ,HiDterer* und das 
Ganze eine ellipt Rede. 

jene**, jene(r)t s. ienen Bd I 296. 

Jeneral: General Schw; S. 

Die Aasspr. des romao. g als j wie in Jifm/, Genf, Jenau, 
Genua, Jipa, Gips, ist auffallend und muss ans einer Zeit 
herrttbreo, wo der roman. Laut noch nicht die Ausspr. (d)9ck 
hntte, sondern dj\ dessen erster Bestandteil dann aufgegeben 
wurde. 

Jenesier, Jenueser: 1. Genneser. — 2. Name 
einer Münzsorte mit 15 Lot bis 15 L. 2 Gran Silber- 
gehalt. XVI./XVII. Als minderwertige Art erscheint 
,J. mit dem rössli.' 1503, Absch. 

«Jenni m.: Hurenjäger Bs." 

Könnte durch irgend eine unsaubere Vorstellung mit 
jannen zshangen, Torausgesetzt dass es ein solches Vb gibt, 
aber auch appoll. Anwendung eines Personennamens sein (Tgl. 
Louü, Znh&Iter). Übrigens ist J. wie Han» usw. auch Name 
des Teufels, der h&ufig als Verführer der Unschuld auftritt 

de-jin s. dei-in Bd I 291. 

hi-j innen s. hie-innen Bd I 294. 



Jonas Jonis, Dim. Jönesli: m. Taufn. GoT. 

JOni n. : Närrin B. Auch im Id. B. 
jun 8. unden Bd I 324. 



jang: 1. adj. a) im gewöhnL S. mit einigen bes. 
Anwendungen. Halb scherzh. : Ler Das iez, du 
cha**sch-es nümme* jünger lere*! Bs; Z. Jungi Nidle*, 
frischer Ansatz von Rahm auf Milch Gr ObS. J. sV, 
auf die Welt kommen. TTo-n-t** j. ^'«i» W", am Tage, 
im Jahre meiner Geburt BE.; L. Er ist under der 
StaUs'Türe'' j. ^«i" (wa/r-er ine"" drölet, so hätt-er es 
Chut8cheli[KB\h]'gi*J, vom Grobian. Inbioh. Scherzh.: 
Verzlked-em, er ist gar j, uf d' Welt cho\ ebd. »Das* 
sy ihre junggeborne kind fürderlich zum heiligen tauf 
schicken.* B Widertäufermand. 1597. ,£hmalen, da 
der Eigennutz noch j. war.* 1751, Z. Adv. J, tue*, 
sich jugendlich geberden L; bes. auch verliebt B 
(Zyro). Das jüngste Kind einer Familie geniesst be- 
sonderer Rücksicht Wenn man bei einem Gewitter 
es schlafen lässt, so schlägt der Blitz nicht ins Haus Z. 
,Wann man Nachts schlafen gehe und den Tisch nicht 
abräume, so könne das Jüngste im Haus nicht schlafen.' 
Akhorh 1674. S. noch Qlückshämpfdi, Über die Vor- 
rechte des jüngsten Sohnes beim Erben s. OsBNBROoanr, 
Studien S. 118; Ztschr. f. schwz. Recht IX 177. 212. 
,Junger Zechend* s. u. dem Subst — b) L S. v. neu. 
,Die 12 Richter (des Z Stadtgerichtes) werden abgeteilt 
in 6 stete, 8 Mittel- und 8 neue oder junge R.* vMoo& 
Jungi Fasnacht s. unter dem Subst Nach Analogie 
von dieser letztern Benennung scheint die Datierung 
, Junger St Johannstag.' 1448, ZRüti, erklärt werden 
zu müssen, falls er nämlich die Feier des Tages am 
25. statt am 24. Juni bezeichnet, welche Verschiebung 
Statt zu finden pflegt, wenn Fronleichnam auf den 
letztern fallt — c) im Superl.: spätest, letzt. ,Der 
jüngste Tag*, mit RAA.: Ävi Fritig noch-em j-e* T., 
d. h. niemals L. ,Du könnest es am j-en und letzten 
T. nüd verantworten.* Wolf, Bauerngespr. D^ chunnd 
amj-e* T. no^^ z' spät, ist ein langsamer Mensch Aa; L. 
's iscih wie am j-e* T,, bei einem heftigen Gewitter Tb. 
,Der kleine j. T.* heisst in GWildh. der gegen Ende 
des Jahres abgehaltene Katharina-Markt, weil an dem- 
selben die Kreditoren die Kapitalzinse von ihren 
Schuldnerneinziehen. ,Das jüngste Gericht*: Um 's 
j-e* G-s Wille*, teuerste Beschwörung bei altern Leuten 
ZZoU. Um 's j. G. 1'* halten a\ Ihbiohkk 1859. ,Bei 
der Musterung, das j. G. genannt, hatte ich endlich 
das Vergnügen, zum letzten Male ausgehudelt zu 
werden.* XHerz. 1845. ,Ich bitt üch durch Jesum 
Christum, durch das j. g.* Zwingli. ,Das jüngste Mal 
Jesu*, sein Abschiedsmahl mit den Jüngern. ,Als Jesus 
an dem grossen donstag sjn jüngstes mal mit inen 
nam ze letze vor syncm lyden.* 1517, gr. Gkbkt. Sonst 
aber ,das j. M.* = das letzte Mal. ,E8 was jetz ze dem 
j-en m.* 1407, Wkgeli» 1844. ,Der jüngste Tauf = 
die letzte Ölung. ,Wann der Her mit dem heiligen 
sacrament, mit dem j-en t gat zu kranken lüten.* 
LKriens Kirchenrecht. ,Wiewol uf jüngstem tag [Tag- 
satznng] zu Baden wir üch anzeigt.* 1531, Absch. Adv. 
,ze jüngst*, zuletzt, schliesslich. ,Ze jungest so be- 
stäten wir [usw.]* 1252, Gfd. ,Ze jüngst ist unser 
einhellige meinung [usw.].* Sempacherbrief 1393. — 
2. subst a) mit best Art. Der Jung, der Sohn^ Ge^s. 



47 



Jang, jeng, jing, jong, jttBg 



48 



zu der Alt Ap; Th; Ndwj ZO. Mi* der J., mein Sohn S 
BHa. Mit-ein Jung isch hesser s^ handle!* [als mit dem 
Vater]. Joachim 1883. In 6 auch def Jünger, Die 
Jung, die Tochter im Gegs. zur Mutter Ap; Ndw, 
auch : die Schwiegertochter Aa (H.) ; Th. Das Jungi, 
Kind GrAy. (wo der letztere Ausdr. wenig üblich ist); 
W. Das Junge, junges Tier. Dir würd nid um d^s 
Junge chü*, spöttisch von einem Ungeduldigen Gr; Syn. 
verkalberen, vergitzlen, verjüngten. Das Jung, scherzh. 
Kind, dann auch kleineres Exemplar von Etw. neben 
einem grossem Z. PI. die Junge*, die Kinder im 
Gegs. zu den Eltern; auch: das junge Ehepaar, der 
Sohn mit seiner Haushaltung. J" 's Junges, im Hause 
des Sohnes Ap. Die Schüler. »DersSlb apt begSrt, 
Meinrat ze han in synem closter, die jungen ze leren.* 
Meinr.-Leo. 1464. Vgl. noch alt — b) mit unbest. 
Art. oder ohne Art, also bes. im PI. E* Jungs ha% 
ein Kind, bes. von einer Jungfer Bs (Spreng). ,Bi 
N. N.*s schenki, als ihm ein junges was worden.* 1461, 
Härder, Kaufleuten. Jungini, 1) Knaben und Mäd- 
chen, junge Leute W. 2) Sprösslinge oder Jahrtriebe 
der Nadelhölzer; so Chris-J,, junge Triebe einer Tanne; 
Beckolder-J ., Jahrestriebe des Wachholderstrauches 
6 oHa. Jung ha^. Junge werfen, bes. von Katzen und 
Kaninchen B (Zyro) ; roh auch : Kinder gebären. ,Sie 
könne nichts Anders als J. ha°' warf ein armer Weber 
mit vielen Kindern seiner Frau vor. Gotth. Jungi 
oder Eier ha^ s. j^ 6d I 14. Du würst kani Jungen 
übercho*, würst tcol möge* ^wa/rtef^, RA. zur Beschwich- 
tigung der Ungeduld ThHw.; vgl. jungenen. , Jungs 
und AltsS junge und alte Leute. Met., Chron. Vo* 
Jungem uf, von Jugend an Aa; Bs. 

Bei 2 sind bemerkenswert die Flexionsformen, bzw. auch 
die Flexionslosiglceit. Bei Jung ha* konnte man zwar starke 
Plaralform (m. oder f.) des Adj. mit £11. eines Tiemamens 
(z. B. Chünnd)^ mit Übertragung aaf menschliche Verh&ltnisse 
annehmen ; oder j. ha* (geb&ren) könnte nach Analogie von 
j. H* (geboren werden) gebildet sein; eigentfimlicher Fall 
Ton Flexionslosigkeit Iftge vor, wenn Jung als sahst. Adj. 
im concr. S. von Jugend aufgefasst werden mflssto. Bei i* '« 
Junge» (sc. Haus) ist das Gen.-Yerh&ltniss nach Analogie des 
Sing. (Tgl. %* '• Pfarren) Terdentlicht 

fern- jung: im vorigen Jahr neu gewesen, von 
Wein B (Zyro). Syn. f.-neu, 

hunds- s. Hund 1 q f (Bd U 1428) und kalber- 
närrisch. 

hür-: in diesem Jahr geboren B (Zyro). 

junge": 1. jung, jünger werden oder darnach aus- 
sehen Ap; B; Gl; „L;" G; Th; Uw; „Zo; Z"; Z.B. 
nach einer Krankheit, von der man sich gänzlich er- 
holt hat. ,Renovare aevum, revirescere, wider j. oder 
wider jung werden.* Fris.; Mal. ,Wir sagend: der 
mann oder das weih junget, wenn sy in irem alter 
vermüglich sind und man die ding, die das alter gmein- 
lich mit im bringt, nit sonders an inen spürt.* LLav. 
1582. — 2. Junge werfen, aber nur von kleinen Tieren, 
Hunden, Katzen, Kaninchen BSi. 

jungene": = jungen 2, von Haustieren BO. ; W. 
Du wirst appa nit j,! Vorwurf gegen einen Unge- 
duldigen W; vgl. jung 2 a. 

Junger m.: 1. (in Gl auch Junker Jungger) 
Gehülfe des Sennen in der Hütte oder des Kühers 
auf der Weide (meistens ein Knabe oder Jüngling, 
doch zuweilen auch ein älterer Mann), in letzterer 
Eigenschaft sich auszeichnend durch Ausdauer, Mut 



und durch Wetterkunde Gl; Gr. Wenn der J, ame 
[einem] verlorne!* Häup*li Veh nahgät. Anderl. 1852. 
,Alpen von mehr als 100 Kühen haben einen Senn, 
Küejer, Batzger oder Senntumsjunge, Zusenn.* Gr 
Samml. S. noch Gaumer u. Jagd-Bueb, — 2. (JüngerJ 
wie nhd. Stä* wie d' J. am Ölberg, untätig Th; Z. 
,Ein junger Christi.' Bis. 1548. ,Es ist dem junger 
g'nuog, das* er sei wie sein meister.' 1530, Matte., 
neben Jünger*. — S.Schüler. ,Der junger, leerjunger, 
condiscens discipnlus, auditor. Junger oder schuoler, 
die ich geleert und underwisen hab, alumni disciplinae 
meae.' Mal. — 4. Lehrknabe. 1495, Z. 

Hof-: die auf den Gütern eines Grundherrn (s. 
Hof 2) nach Hofrecht wohnenden Leute. ,Die lüt, 
so in den kölhof gehören, die man nennt die hof- 
jünger.* 1408, TnWig. Offn. ,Die vorgeschribnen hüs- 
genossen und hofjungern sollent järlich einer herr- 
schaft geben...* 1431, ZNossik. Offn. ,Dass er manch- 
mal gehört habe, dass die einwohner recht gottshuslüt 
und hoffinger wären.* 1454, Zbllw. Urk. ,Die hoQunker 
zu Wattweil.* 1463, Inpormatio 1713. ,Es Kirchen- 
und Markt-, Hofjünger und Gottshausleuten sagen.* 
UBrIog. 1780. — Die Hörigen des Hofes sind die Janiores* 
gegenüber dem ,senior (seignenr)*, d. i. dem Lehensherrn. 

Ler-. ,Studens, ein student oder leerjunger. Tyro, 
ein neu wer, angfinder kriegsmann, leerjunger zum 
krieg.* Fris.; Mal. ,Discipulus, Lehrjünger, Schuler.* 
Denzl. 1677; 1716. ,Kinder, Lehrjünger und Gesind.* 
Bs Reform.-Ordn. 1727. 

,Mit-Junger: condiscipulus.' Mal. 

jüngere*^: das Amt eines , Jungers* ausüben Gl. 

Jungete*^ f.: eine Art Abgabe. ,Als dieselben 
schweigen alle jar einem Abt ein jungoten mit anken 
und ziger gebracht haben [usw.].* 1451, SchwE. 
Klosterarch. 

junghaft Gr ObS., junglachtig GA., jung^ 
lochtfigj BLenk: ziemlich jung. Syn. jung-tan. 

Jungtumn.: 1. Jugendalter, -zeit. Er ist no^^ 
im J, BSa. — 2. neugebornes Kind oder Tier BSa., 
Si. — 3. coli.. Junge, Brut; z. B. eine Henne mit 
ihren J. W. 

Za 2 und 8 vgl. Juge*d in concr. Bed. Für die concr. 
Bed. Ton -tuem vgl. Smnium, fUr die Grundbed. die RA. 
jung tuen [sich geberden]. 

junge": a) jung machen. Dial. — b) refl. a) sich 
verjüngen. ,Sein Nam junge sich wie die Sonne.* 
1531, Ps. — ß) von Schlangen: sich häuten. ,J., ein 
neuwe haut an sich nSmmen, de serpentibus dicitur. 
Die schlang jungt sich im früeling, anguis vernat.* 
Mal. — y) gebären. ,Effoetus, das sich gejünget hat, 
oder von der gehurt entladen und entlediget.* Fris. 

er-: refl., von Vögeln: sich mausen. »Etliche 
Vögel eijüngend sich einsmals, etliche aber maussend 
sich langsam.* Vogelb. 1557. 

jüngere*: jünger werden. Dial.; Th. — er-: 
(das Vieh) fortpflanzen durch Zuchttiere. Alpenw. 2, 
75; Mutach 1709, 43. 

Jüngi f.: Jugend, -zeit BO.; GnPr. In der J. 
gross tuten und im Älter verratzgen BB. Jugendliches 
Alter BsL. Buebe* vo* slner J, 

jüngle", in UwE. jungte*, in Gr ObS. jungele* : 
Junge werfen, bes. von Hunden, Katzen, Hasen und 
Kaninchen Ap; BR.; VO; Gl; Gr; G; Th; Z. Mi*8 
Gelds^tj. (scherzh., wenn man daran Mangel hat) G. 



49 



Jang->JnB|;. JaB|;i;— jnngg. Jank— jnBk 



50 



Es ufird wol nüd j.! der Gegenstand leidet nicht 
dnrch Verzag Z (Abfertigung and Entschuldigang); 
vgl. jungenen. 

▼ er-: tote (bzw. anreife) Jnnge werfen Gl; GSa.; 
U. Du wirst nüd v.! za einem Ungedaldigen ; Syn. 
vergitzlen, verbocken, 

Jüngler m. BE.; Ndw, Jünglere^, Jüngleri^ f. 
Gl; L: Weibchen kleiner Tiere, z.B. Katzen (anch 
wenn es keine Jangen wirft). — Das m. Öeschl. yer- 
glelcht sich den m&niilichen Namen Ar Kfihe, Ziegen, Stuten. 

Jüngli m.: ganz frischer Käse aas der Form 
GrGI. Vgl. Buile, Brischetsche, 

Jfingli(n)g: unverheirateter Mann, gleichviel 
welchen Alters PP.; ebenso in der Innern Schweiz, 
doch mehr nur als Titel. Sonst nur in lit. Quellen. 
,Es lobend dich die J. und Töchteren.' Z Lit. 1644. 



Jangg: 1. Jarik LW.; Sckw", janggeli SchwMuo., 
Ausruf der Verwunderung. — 2.j(mggdi, pfui! Schw. 

~~ Vgl. janx. 

jangge*: wankend, nachlässig gehen. Püpik. 

«Jankete f.: 1. wild frohes Hinundherlaufen. — 
2. von einem Kegenschauer oder Gewitter, bei wel- 
chem Regen und Sonnenschein in kurzen Zwischen- 
räumen abwechseln." 

Janggi m.: 1. wer beim Gehen den Oberleib hin 
und her wiegt Püpik. — 2. „Teufel W." 

2 vielleicht mit Beziehung auf den hinkenden Gang des 
Tenfels; doch eher eine Entstellung aus Jaggi. 

„Janggen, Jänggen m.", Jan gge° f.: 1. Eanzel- 
rock der ref. Prediger, bestehend aus einem grossen, 
schwarzen, bis auf die Knöchel reichenden Mantel 
ohne Kragen, aus Kamelot od. dgl., mit aufgeschlitz- 
ten, herunterhangenden Ärmeln, wozu eine weisso, 
gefältelte Halskrause getragen wird 6. ,Der Pfarrer 
in Jenke und Kragen.' AHartm. 1863. ,Sy solltend 
biss uf Sant Jacobs tag noch den orden tragen und 
dwyl [unterdessen] um drber lang rock sehen, das 
sind janken.* Sichbr 1531. — 2. Oberkleid weltlicher 
Personen. Nach Ebel: WeiberkitteL ,Jängen', eine 
Art Böcke. Ölhaf., Chron. , Eltern mögen ihren Kin- 
dern zu ihrer Aussteurung noch 3 oder 4 neuwe Ober- 
kleider, das ist Janken, auch so vil Underkleider 
göben.' G Mand. 1611. ,Niemand, Mann noch Weib, 
soll kein Oborkleid, das ist weder Mäntel, Bock noch 
Janken von ganz seidinem Zeug tragen.' ebd. 

Nhd. Janker, Janker m., Jacke, fQr beide Geschlechter, 
auch in MAA., schw&b. Janke f , weibliches Kleidungsstück. 
Vwdtsch. mit ,Jacke' liegt am Nächsten. Vgl. //uMdbe". 

Tote°-Jänggel: Totengerippe U. 

janggele*^: eigentümlich riechen od. schmecken Bs. 

Jengg: Ultralibcraler aus der Zeit der franz. Be- 
volution Bs (Becker). — Verkürzt aus dtoyen. 



Jnnker, in GrD. Jucher — PI. Junker Gr, sonst 
= Sg. und auch Junkertr: 1. a) junger Herr von Adel, 
eig. der minderjährige Sohn eines ,Herrn' i. S. v. lg 
(Bd U 1525). ,Deu edlen junghrn Johansen, hm ze 

Schweiz. Idiotikon IlL 



Wyssenburg.* 1361, B. — b) seit Anfang des XVI., 
da die alten hochadeUgen Herrengeschlechter fast alle 
ausgestorben oder in den niedern Adel herabgesunken 
waren und die Bitterwürde unterg^eng, Titel der Glie- 
der aller Familien, welche auf adelichen Bang und 
Stand Anspruch machten, während der urspr. höhere 
Titel ,Herr* auf den bürgerlichen Honoratiorenstand 
übergieng — eine Anwendung, welche Mitte des XVII. 
zum Stillstande kam, indem sie auf keine neuen Fa- 
milien mehr ausgedehnt wurde, auch wenn sie Adels- 
briefe erlangt hatten, oder sogar von altem Adel, aber 
neu eingewandert waren. Jetzt nur noch in Gb üb- 
lich, in Z nur noch in altstädtischen Kreisen in her- 
gebrachter Weise für eine beschränkte Anzahl älterer 
Männer von Adel. — c) abgeblasst zum Begriffe des 
vornehmen Herrn, mehr auf die Lebensweise als auf 
den Stand bezüglich, und oft mit einem Nebenbegr. 
von Spott, der sich aus fortschreitender demokratischer 
Entwicklung erklärt. J, am Sonntig und Bettler am 
Wertig [Werktag] Gr. ,A1s die nüwen Unglaubens 
junkeren den karren für die ross setzend.' Salat. 
Ismael zulsaak: ,Ojüngkerli, du mueterkind.' Habbreb 
1562. ,Landlüt, deren vil sind mit grawen rocken be- 
kleidt, nit alle uf banntoflen oder in füchsinen schuehen 
daher tretend und sich j unker lassend schelten.* 1579, 
ZiLLW. ürk. S. noch u. ün-flät ^ (Bd 1 1226), fri^ic 
(Bd I 1261), be-gän i a (Bd 11 32). Auch Beiname: 
,Geörg Güller, genannt Junker.' 1658, AAWett Kloster- 
arch. Bes. auch als Dim. : Jünkerl^a ZÖtw., Mdf. 
Chifdi'J,, Spottn. eines Mannes mit hervorragendem 
Unterkiefer G. Geradezu Schimpfn. = Lauskerl Ap. 
Vgl. auch LüS'J. unter Firlifax Bd 1 1014. — 2. Name 
einer schönen Kuh Ap. — 3. Name eines Fisches. 1493, 
Bs (Ochs y 191). 

Zu 1 b. Auffallend ist, dass, w&hrend in den deatachen 
Reichsst&dten die Junker oder ,Qe8chlechter* mit Vorliebe 
und ohne ihrem Rang dadurch Etw. zu vergeben, den Gross- 
handel betrieben und diese Beschäftigung noch im XIII./XIV. 
anch in der Schweiz fttr eine aristokratische galt (wie denn 
z. B. in ZQrich der Grossh&ndler gerade so gut wie der 
Ritter und Edelmann zur Constafel gehörte), etwa vom XYI. 
an in den Schweizerst&dten die Auffassung Platz griff und 
bis in die Neuzeit gültig blieb, als ob die Pflege von Handel 
und Industrie mit dem Junkerstande unvereinbar sei — ein 
Grund, der einzelne Geschlechter bewog, den Adelsstand ab- 
zulegen. Eine Ausnahme machte hiovon nur die durch be- 
deutenden Handel von Alters her bekannte Stadt St Gallon. 
Dass dies aber schon im XVII. der allgemeinen Anschauung 
zuwider lief, geht aus der spöttischen Bemerkung hervor, 
welche der Verfasser der ,Heutelia* (1658) sich Ober die 
St Galler erlaubt: ,Sie prätendierten zwo Professionen; in 
der Fremde waren sie Kaufleute, daheim Hessen sie sich 
Junker schelten.' 

Fenster- hiessen in B im An f. XVI. Junker, die 
in die Fenster ihrer Wohnungen ihre gemalten Wappen 
setzen Hessen. B Taschenh. 1878, S. 172. ~ Fress- 

8. Fr 088, 

J u p p e '^ - : gefleckter Knoterich, polygen, persicaria 

GoBh. 

Das W. dürfte eig. den Floh bezeichnen (Juppen = Unter- 
rock), und mit Flohen werden die Samen dieses Unkrautes 
verglichen, welches darum auch FlOhkraut heisst. 

Stüde"-: 1. noch um die Mitte dieses Jhdts hie 
und da gehrauchte spöttische Bezeichnung von An- 
gehörigen einiger Geschlechter, welche zwar den 
J.-Titel führten, aber nicht der Constafel, sondern 



51 



Jank— jank. Jans-jnns. Jant-jttiit. Jaiix— junx. Janz— junz 



52 



einer Zunft angehörten Z. — 2. Schelte eines Knaben, 
der in blossem Hemd herumläuft Bs. 

\ffh Stüden-Add. fStanden-* scheiat Unechtbeit oder 
schwere Nachweisbarkeit des Titels, dunkle Herkunft zu be- 
deuten. Doch ?gl. auch den Titel .Stranrhritter'. 

Stadt- Junker: s. t. a. Stadt-Herr, mit verächtl. 
Nebenbed. Ap. 

„junkere": den J. spielen." — ummer-: müssig 
herumliegen oder -schweifen Gr. 

jünkerle": 1. den J. (im Kleinen) spielen Ap; L. 

— 2. „nach einem J. riechen (d. h. aussehen), allg." 

— 3. = herele* 2 (Bd 11 1550) Bs; GStdtj Sch; Th; Z. 

Junkle" f.: ein Ackergerät GrD. [Die Vögel des 
Himmels] sentid nid und ärt^ntan nid, nchi heind kein 
J, und Brächg*schirr Jcei^a. (Übers, des »Winters* von 
Hebel). 

janse* ZWäd., janCtJsche* ZKn.*. hasten, drän- 
gen, treiben; eilig arbeiten. — er-: durch J. erringen 
ZKn. — N\)f. von janxen; Ygl. auch Januen Tl. 

jenset: jenseits. .Yhenset dem berg.' LLav. 1578; 
dafQr jensoit* 1670. 

jansenen: unpers., es geht Wind mit Schnee wirbel 
BHa. Syn. guxen. 



Jante", in B auch Jänte* — f., It St. m.: grosses, 
breites Stück, bes. von Brot B; „Gr;** ZDälL, von 
Kleiderstoff B. Vgl. das Folg. 

Junte" f. — Dim. Junti, j^Junieli'^y Juntli, Jünili: 
1. a) Unterrock Aa; Bs; S; Th. Syn. WuUhemdli, 
GloscMü Lt St. Oberrock, als Dim. Unterrock oder 
Kindcrröckchen Bs; S. Ä* d' J. länge'^, obsc. betasten 
Bs. JB> dicki, röti J. under der Jippe* BsLd. ,Jüntli* 
neben andern weibl. Kleidungsstücken. 1531, Jks. 
,Kurze und vielförbige Junten.* Bs Polizeiordn. 1715. 
S. noch Alt-Frank. — b) Weibsbild Bs. 's tnikse* 
durchüs f/. derhl »i", sunst isch '» nit lustig Bs. Vgl. 
Jüppe\ — 2. grosses abgeschnittenes Stück, z. B. Brot, 
Käse BR., Schw.; grosse Erdscholle BSchw. 

St. gibt fOr unser W. und fSr «/ante* m. Geschlecht an, 
was vlell. davon herrührt, dass er diese WW. zu Jan zieht; 
ebenso bei Jangge*, welches auch in der Bed. mit Junten J 
zsgehOren kann. Ob das W. in Bed. 2 das selbe sei wie 
in 1, ist fraglich; viell. konnte mlat juncta (schott jnnt)^ 
ein Mass, gemeinsamer Grundbegr. für beide Bedd. sein. 
Vgl. auch noch Fetten =■ Stück Obh. 

Juntli^gm. : grosses abgeschnittenes Stück; auch 
Yon einer Wunde herab hangendes Fleisch mit Haut BB. 



janx! 1. Ausruf der Überraschung, meist unange- 
nehmer, durch eigenes oder fremdes Tun. /., wettig 
Bolle' [welche Zwiebeln]! GSa. Bei lustigen Vor- 
fällen Ndw. J., mW** e* Narr bin i*"*.' BoHa.; Schw. 
Pfui! Schw; verstärkt durch vorgesetztes huss (s. d.), 
durch den Zusatz amene^ Hälsegli! «I^W.; aScuw." 
Vgl. jangg. — 2. Ruf zum Antreiben : vorwärts ! Gl 
(selten). Spec. an den Zuchtstier ScHwMa., Muo. 

Ein Natnrlaut, dessen HauptbesUndteil (im Unterschied 
von Jangg) das x zu sein scheint, welches denn auch zur 
Verstärkung zuweilen wiederholt ausgesprochen wird und 
auch in ähnlichen Ausrufen erscheint: xl beim Hetzen von 



Hunden; &c in Bed. 2 (s. Bd I 621); e^/ in Bed. 1 (z.B. 
bei einem Versehen); inxl als Ausruf der Bestürzung, wenn 
man Etwas zu Boden fallen l&sst, und als Zoruf an den 
Zuchtstier (Tgl. auch churw&lsch /ar gnex, inire fominam). 
Das W. war frUher in Bed. 1 bes. in aSchw beliebt, ist 
aber seltener geworden, weil es z. T. Spottw. für jene Gegend 
geworden war. 

G*-janx, G'joux n.: 1. hastiges, ängstliches 
Treiben BO. — 2. Gewimmel, Gedränge, von Menschen, 
z. B. in einer Tanzstube, und von Tieren, z. B. Kühen, 
die alle zugleich in den Stall dringen wollen BHk. 
— 3. „Begattung des Bindviehs ScuwMa." 

janxe'': 1. übermässig eilen, mit ängstlicher Hast 
Etwas betreiben, daher auch schlecht arbeiten BO. ; 
angestrengt, keuchend arbeiten, auch: sich umsonst 
abmühen Schw; Ndw; U. — 2. drängen, plagen, zwän- 
gen U; auch zudringlich bitten Sohw. — 3. zappeln, 
sich sträuben, drehen und wenden U; „wimmeln, 
drängen BO." — 4. mit zsgeklcmmten Schenkeln wie- 
gend gehen; mit dem Hintern hin und her rutschen 
Schw. Vgl. janggen. — 5. coire, vom Rindvieh GSa. ; 
ScRwMa. 

„ver-: (Etw.) übereilen, dadurch verderben, ver- 
lieren BO." 

j an X le°: „sich geschäftig herumtummeln " ; hasten 
üwE. 

Jenz: Besenstrauch, sarothamn. vulg., zum Ein- 
wanden benützt BBipp. — S. Oenenter Bd II 327. 

JSnzene" „B; L", ögtirene" BO., Jenzele** LE.; 
S (auch Enzüe^J, Jimerne* GrD., Pr., Enziöne* 
STh.; Zo, ,Ention.* Mal., Jenze^ GRPr., Jause*, ebd., 
Enzi Sch, Enze"" Gr; LE.; GSa.; aScHW; Uw; ü — f., 
Enziä, 'ö(n), -u Ap; GRh., oT. — m.: 1. Enzian, gen- 
tiana; meistens g. lutea, in BO. auch g. purp., in GRPr. 
auch g. centaur. Spec. tcissi (GaSchams, V.), Wiss- 
(GW.; Schw), breiti (LE.), grössi (Obw) /., g. lutea; 
Röt'Enze (Gr; LW.; Schw; Uw; U), spitzi J. (LE.; 
Obw), g. purp., frOeh G.y g. verna B; siessi Enze, 
Rabensüsswurz Gr ObS. — 2. Jenzene', Enzele*, En- 
ziö", in GSa. Enzni, der aus der Wurzel von g. lut. 
bereitete Branntwein. aaOO. 

Die Erweichung des lat. anl. g vor hellen Yocalen zu j 
wie in Jim/, Jip» usw. J kann dann auch in dem folgenden « 
aufgehen. Der Diphth. äu in Jäu9e statt et (nach Vocali- 
sierung des n) ist schwer zu erklären, da dieser Lautwechsel 
allerdings vor den Spiranten pf und eck (Säup/e, häwchen), 
selten aber vor « eintritt. Die Verkürzung von Emene zu 
Enxe durch Verwechslung von stamm hafteni n mit dem un- 
festen flexiven, oder auch geradezu durch Zsziehung beider. 
Eintritt von l statt n in Abl.-Silben ist sehr häufig. Jemerne 
scheint Combination von Jemen und Jenzer, da die Pflanze 
und das aus ihrer Wurzel gebrannte Wasser mehrfach gleich 
benannt werden. 

Jenz euer m. : l.Jenstener, gelber Enzian, gent. 
lut. BoSi. — 2. Jenz(e)ner „B; L;" Gk, Jensener 
BSi.; GnPr., Jeisener, Jissener F, Jeussener 
BJura, Jenstener BoSi., Jenzer GrD., Enzianbrannt- 
wein; auch „Wiss'Jerufer Gr". 

Jenzer kann aus Jenzener verkürzt sein wie Jenxe aus 
Jenxene, oder direkt aus Jrnze gebildet, mit der Endung -rr, 
welche bei Namen von Produkten sonst die Herkunft von 
einem Orte bezeichnet, hier die Zubereitung aus einem Stoffe. 
,Jenzer' ist in B auch Geschlechtsn. und bedeutet urspr. 
viell. einen Fabrikanten jenes Branntweins, wobei dann -<r 
die gewöhnliche persönliche Bed. gehabt hätte. 



53 



Jap, jep. jip, jop, jnp 



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J»P» J«P» jip» )^h jnp, bzw. japp usw. 

jappe": nach Luft schnappen, laut und schwer 
atmen, keuchen. Dir Hund heig g*jappt}t und 7" 
Lämiq'^ g'macht, a^s wie Einif, der sM'^ halb^* z* Tod 
g'lüffpi ist GrY. 

Sonst nur md. und nd., schnappen. Frz. japper, kläffon. 
Qrnndbed. ist jedenf. nur: das Maol weit öffnen. 

jäpple": jammern, wehklagen GSa. — Dim. des 
▼Öligen, mit entsprechend gemilderter und uneig. Bed. 

Jop(p): männl. Taafn., Jodocus. 1428, G ürk. 

„J0pi, Jobbi n'.: kleine Ohreule, strix scops W.*" 

Benannt nach dem ihr zugeschriebenen Kufe ,Jo6. jol>b.* 

N. Alp. I 459 schreibt ,Jobbein\ welche Form sich als Yer- 

hochdeutschung der Endung H(n) erklaren lässt Schinz, 

Fauna helvei (und ihm nach Tschudi, Tierl.) las Jokkein. 

Joppe" Ap; Bs; Gr; G; Sch; Schw; S; Th; Ü; Zo, 
Jüppe* Aa; BsLd; B; Gl; Gr; L; P; G; ScH; S; Uw; 
U; Z, Jippe* AiZein.; S, Gippe* GnHeinz., Ipe* 
BSchw.; P — f., Juppi n. GRPr.: 1. Kleidungsstück 
und zwar a) ärmelloser Weiberrock der ländlichen 
Tracht mit dem oder ohne das Mieder, von Leinwand 
oder Wollenstoif, in den meisten Gegenden, wenigstens 
früher, nur bis su den Waden oder gar nur bis gegen 
die Kniee reichend, vorwiegend dunkel gefärbt, unter 
der Schürze etwa von ungefärbtem Stoffe, dagegen 
meist geföltelt, in der untern Hälfte etwa besonders 
fein oder am untern Saume mit einer B*hgi (s. d.), 
in L; Zg; ZKn. auch am obern, soweit nicht von der 
Schürze bedeckt, mit feinerer Faltung oder buntem 
Einsätze (0*büsch) versehen, an Sonntagen etwa als 
Unterrock getragen, aber in BsLd unterschieden von 
der Junte, d. i. Unterrock, wie anderseits allgem, vom 
Bock, d. i. Ärmelkleid. Das W. mit spottischem Bei- 
geschmack auch auf den letztern übertr., wo er die 
Landestracht verdrängt hat. Vgl. Kittel; geriget. Die 
alte?^ Trachte* gö* dehi*, mir [man] g'sdit fcei" roti J. 
me. Stütz. Wie chunnt Die dethtr! Amig hat 's J. 
Hrait und jetzt en O'staltrock, ebd. Isch 's nit schier 
e* Wunder, wenn m«" hüttigstags bi eus emol «" Jippe*- 
Willi g'seht, wie iwc» dene* IVaudi seit ah-em Land 
in cre" rein g'fältlete'' J. statt eme* Rock und ere* 
dicke'', rote* Junte"" drunder. Schwzd. XXIII 37. RAA. 
D* Juppe* verbrennt! falsch geraten! Bg. Schi"^ sGb 
in d' J. brunza; sich selbst blamieren GrD. !• d' J. 
maeha, vor Zorn, Ungeduld Ap; Th. Bald hangt *s 
[das Kind] der Mueter an der Jüppe*, bald am Rock 
im [dem] Vater. MHkih. An Jmdm hangen wie d* Lüs 
o» dr J, GEbn. Er hanget [schwebt in ökonomischer 
Verlegenheit] wie ne^ Lüs an-ere* Jüppe^ L (Ineichen). 
Schwänzlet 's Jüppli? fragt ein eitles Mädchen die 
Mutter Z. Einer d' J. schiUtle^, obsc. Sprww. 1869; 
vgl. Flauder-J. Wenn t** nu*" Eine!* fund, dir mer 's 
Jüppli ufe* bund [mich zur Frau machte]! Du hast 
d' J, mf^ nid verdienet und wiH scho* hüröte*! AAWohl. 
!>«• Jfa«^ hebt we" bim Wart, 's Wlb bi der J. Sülobr. 
E* Mueter s(Pt d' J. verchaufe'*, d<kss si dem Chindli 
chonnt W%^ drus chaufe*, wenn es zahnt Z. Kei*s 
WiUchli, rfe*' Himmel ist grad ase* wie-n-e bloni J. 
Stütz. !•* han «• stolzi Gotte* a" der alten Ämmerei: 
si vertrönnt iri Fötzeljüppe^ und mcuM-mer Hose'bei*, 
AdFrkt 1891 (Aa). ,3 jüppen, sind zwo hesetzt.* 1469, 
ZWthur Inv. ,Der weg soll also wyt syn, das« ein 



frouw kann tragen in jetwSderer band ein kessi und 
ein wysse jüppen anhan, dass sy sich mit bereine 
[1. nit beräme? nicht heschmutze].' 1556, ZDielst. 
Offn. ,Zu Zürich uf der brücken g'sieht man zu sol- 
cher zyt [Sommer] der gfilen, dünnen gttppen.* Tobl. 
VL. ,Supparus, ein leinin frauwenkleid, kittel, jüppen.* 
Fris. ,Den Kindern küderin Zeug zu einer Huppen 
[so !] und Ermlen [Jacke] 7 EIL' 1690, ZZoll. ,Ein 
Jepen und ein bar Ermel.' BE. Rechnungsman. S. noch 
Für-Gang 4, mrd II 2 (Bd II 1599), Hose:* 2 (Bd II 
1692). — b) Kinderrock Gl; GoT.; Hebel. — c) ein 
gewisses hemdartiges Kleidungsstück für Männer. 
Jippe* (im Unterschied von der Juppes* der Weiher), 
Jacke von weissem Tuch, insbes. für Stallarbeit Gr 
ObS. Syn. Fueter-Juppe^, In der ä. Zeit häufiger. 
,Der Rat zu Basel stattete die Sinner mit Röcken, 
Gippen und Schuhen aus.' Bs XIV. ,Ein Knecht erhielt 
6—7 Pfd Pfenn., ein Paar Stiefeln, einen grauen Rock, 
ein Gipin, 2 Hemden, 2 Bruech, 2 Paar Hosen usw.* 
c. 1425, B (Gfo.). ,Der pundt in Schwaben, als sy sich 
nampten der stächlin pundt, der in der eidgnoschaft 
gcnempt ward der gippenpundt' 1499, Gfd; auch bei 
JLerz c. 1500 und in einem Volkslied Jnppenbund' 
genannt, viell. von der Tracht der Schwaben oder 
der hemdartigen Bedeckung der Stahlrüstung der Be- 
rittenen. Die Verschworenen in der L Mordnacht ,truo- 
gen rock oder jüppen mit eim roten ermel.' Etterlin. 
,Die Zecher ziehen die Jüppen aus.' RMan. Tanzen 
soll nur an Hochzeiten gestattet sein, ,aber mit zucht 
und erberkeit, also dass sich die jungen gsellen mit 
jüppen oder andrem bis über ir schäm hinab bedeckt' 
1530, Absch. Narr: ,Ätti küng, myn jüppen soll [taugt] 
ouch nüt.* RuEF 1540. ,Hans von Brandy, der hatt 
ganz wyss hosen an, ein küttinierte jüppen.' Mitte 
XVI., Z Steckbrief. ,Do ich [in Konstanz] über brugg 
usshe [d. h. aus dem Reich hinaus] gieng und etliche 
Schwyzer pürlin in wyssen jüpplinen gsach, ach myn 
Gott, wie was ich so fro!* ThPlatt. 157*2. ,Was ein 
ryffen und hatt ich kein schuo, allein zerrissne strimpfli, 
kein barret, ein jupplin on feld [ohne Falten].' ebd. 
,Du grober baur, meinst gViss, du seiest ein edel- 
mann; du hast ein hübsche jüppen an.' Schertw. c. 1579. 
,Kaisers mantel, konigen rock, churfürsten jupen seind 
all auss einem tuch geschnitten.' ApI. LB. 1585/1828. 
Narr zum andern : ,Mit deiner güp [Narrenjacke] und 
narren kappen.' GGotth. 1599. ,Uber die Rüstung 
hatten sy schwarz küttinierte Jüppen.' FPlatt. 1612. 
,Der Mann mit dem schwarzen Gippen und dem Gugel- 
huet', d. L der TeufeL L Hexenprozess (Gfd). Ver- 
ächtlich und spöttisch vom Rock der Männer Ap; Bs. 
Auf die Frage ,wer?' erhält man scherzw. die Ant- 
wort: Teter Blär mit der 'blätzte"" [geflickten] Jippe'^ 
Bs. — d) Kleid übh. (ohne Unterschied des Geschl. 
oder zweifelhaft). ,Schnyder mugent wol uss rowem, 
lynim tuoch und zwilchen hempter, hosen, bruoch, 
äser, jüppen und gewand schnyden.' 1431, Z Stadtb. 
,Darnach zücht er [der Messpriester] an synen nack 
ein jüppen, sieht [sieht aus] wie ein strausack.' Eckst. 
1525. ,[Der Papst hat Alles mit sich in die Hölle 
gezogen] das Gott mit syner gnad nit by der jüppen 
behebt hat.' Zwingli. ,Gib uns die schwarzen giplin 
har, dass wir uns darmit deckind gar!' vRüte, Ged. 
,Der Herzog wolle den Rotweilern gut Ding uf der 
Jüppen machen.' 1540, Absch. ,Die disen blawen 
possen band uff der gippen gniacht, das in«" der bendel 



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Jap— jup. Japs— jups. Jar— jur 



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kracht* HsBMak. — 2. a) Weib Gr; L; Z. Om d' J, 
rnnma* scMüfa'^ k?, de^ J. fuiche*zieh* Gl, den Mäd- 
chen nachgehen. „Darch die J. z. B. zu einem Amte 
gebingen, dnrch Heirat Z." Wo zwo Jüppen in-ere^ 
Chuchi z'sämme* chamtMl'd, ist eint z' vü Aa Ehrend. 
,Una domns non duos alit catnlos, viel Jüppen dalden 
einanderen nicht* Denzl. 1677; 1716; und so noch 
jetzt ZZoll. Jn Frankreich hatte ihn eine Damen- 
joupe am Pension und Regiment gebracht* HLLeh- 
MAini 1797. — b) Schelte für ein einbildisches Weib 
BsLd (Spbeho). — 3. t» dr J., Name eines Wirts- 
hauses mit Fähre über den Rhein bei AALeugg. gegen- 
über Waldshut Blatte J,, Name eines Hauses Z. — 
4. Alpenrose, rhodod. ferrug. und hirsutum F; Gl; 
Gb; TJw; U. 

Mhd. j^p; Joppe, gippe, ans it giubba, gibba, frz. jupe, 
jupan, r&tor. gippa; 8. noch T. 285 und vgl. (T)9chöpe\ 
Die Grundbed. ,Jacke* von weibl. Kleidung ist bei ans yer- 
tanscht an diejenige der (urspr. wohl mit dem Brnstkleid 
nh&ngenden) Bedeckung des Unterleibes. Bed. 4 ist wohl 
daraus zu erklaren, dass die Farbe dos Kleidungsstückes z. T. 
die rote war, ähnlich der Blume. Der Lautunterschied zwi- 
schen « und ü ist ohne Bed., da in mehreren Gegenden beide 
Vocale neben einander vorkommen. Das % der Form Jippe 
ist tw. nur lokale Aussprache von ü, tw. mag es (wenn man 
nicht einen Überrest früheren, jetzt aufgegebenen Lautstandes 
darin sehen will) auf die roman. Nbf. gibba zurück gehen, 
die auch in unserer &. Lit bezeugt ist; daher wohl auch der 
Anlaut g statt J. — Zu 1 d. Die RA. von ,gut Ding, Possen* 
bedeutet viell. urspr. handgreifliche Liebkosung einer weibl. 
Person. Vgl. die J. tcAttttfen, umechwingen. 

Ünder-Jüppe»: Unterrock. ,Zwo ü.* 1469, Z 
Wthur Inv. — Armel-Juppe": Weiberrock mit Är- 
meln Gr. — Fueter-: eine Art Blouse oder Hemd 
von Leinwand, zum Schutz der Unterkleider bei Stall- 
geschäften Gr. Syn. Fueter-Hemd, -Jagge*, -Kutte*; 
Bamer. — Flauder-Jüppe": Weiberrock nach mo- 
derner Art, glatt und weit, zwar auch gefaltet, aber 
nicht eng, mit breitem wollenem ,Fürgang* ZW. ,Mein 
tausents Anneli, biss guter Dingen; ich will dir *s 
Flauderjüplin umbenschwingen.' JCWeissbnb. 1701. 
Vgl die J, schüttlen, — F lan gg-: lang herabhan- 
gende J. (da die J. sonst kurz ist), leichter und luftiger 
als die altmodische Büscheli-J. und nicht gefältelt, 
wesentlich = Flauder-J, L. -— Flott er-Juppe": 
weiter Rock von leichtem Stoff Ap. — Fürgang- 
Jüppe*^: J. mit einem Ansatz, der unter dem Ober- 
kleid hervorguckte. Roohh. — Küder-: J. aus Werg 
oder grobem Flachs gesponnen. Rochh. 's ist am-en 
Ort en ChiWitag, t** mein, »'* wÖR au'* dra*; *•* Äa" 
deheim es alts Chuderjüppli, t'* legg es au'* no'* a* 
AaF. — Kilche*-Juppe": zum Kirchenbesuch ge- 
tragenes Trauerkleid. ,An verschiedenen Orten sind 
bei den Männern [?] kurze, gefaltete Trauerkleider, 
die Einige weiss. Andere schwarz tragen, gebräuchlich, 
K. genannt* DHbrrlib. 1750. — Karre^-Jüppe": 
Fuhrmannskittel. ,Het ein k. an, nennend in darumb 
k., ist ein principal [Führer einer Diebsbande].' 1550, 
Z Steckbrief. ,Etwan kommen sy [die Leute an der 
Fastnacht] auf d' Gassen in unflätigen Puren- und 
Karronjüppen.' Fred. 1601. 

Stdss-b'legi-Juppe*: J. mit vorstehender Saum- 
verbrämung. Rochh. — Stöe»- 1. S. y. Anstoss, Ansats. Vgl. 

Fürgang^. 

Narren-. ,Die Stadtnarren, angetan mit ihrem 
Narrenrock und ihrer Narrengippe.' Bs XIV. Vgl. 



auch die ä. Belege zu J, 1 c, — Nestel- und Ober- 
jüppen werden als Bestandteil der Frauentracht im 
XV. erwähnt Z. — Büscheli-: Gegs. zu Flauder-, 
Flangg-J., feingeföltelt, von ziemlich starkem Wollen- 
stoff, schwarz, zu oberst mit 2—3 aufgenähten bunten 
Streifen Lf; Zg. — Pflungg-: unten durchnässte, 
beschmutzte J. Ap; ZO. — Rig-: gefältelte J.; B,rigen, 
,Die Weiber trugen Riegjippen mit roter Brust bis auf 
die Hüfte.* Glur 1835. — Soloturner-. Die S. ist 
im Gegs. zu der schwarzen der Frauen im Bernbiet 
bunt (rot, blau, braun) gewesen. — Spinn- s. Spinn- 
Wuj)p. — Triesch- s. Triesch, 

Juppli m.: Mann oder Bursche mit langem Rock 
Ap. Syn. Rocldi. 

G«-jüpp n.: coli., Frauenröcke, i. S. v. Weiber- 
volk GRChur. 

Jnpper m.: flüchtiger Mensch BBe. — Yiell. eine 
Entstellung von Jueker. 

jupitren: jubeln, triumphieren BSa. (selten). 

Aus der gelehrten Sprache entlehnt und umgedeutet, 
wohl mit Anspielung auf Jupiter als den all milch tigen, sieg- 
reichen Gott. Der Acc. verschohen wahrsch. nach jukeien. 



Jips Aa; Bs; S; Ndw; Z, Ips Aa; Gl; G; Sch; 
Th; Uw; Ü; Z, Jeps FMu. — m., in S; ThHw. b.: 
Gyps. — ,Ip8* auch schon 1595, B. — Neutr. auch bei 
Nflscheler 1608. 

jipse», ipse^": 1. mit Gyps bestreichen Bs; Gl; 
Th; UwE.; Z. Euphem., s. erbrechen Bs. — 2. Gyps 
streuen (aufs Feld als DüngstoflF) G; S; ThHw.; Z. 

ver-: = jtpsen 1, ,D' Adelswappen sind verjibset 
[mit Gyps übertüncht].* 1799, Lied. 

Jipser, Ipser, Jepser: 1. der mit Gyps arbeitet 
Bs; FMu,; Gl; Th. — 2. Jipserli n., kleine Tabak- 
pfeife oder Cigarrenspitze aus Gyps. Isch emöl per 
Zuefaü c" Cigarre* oder c" J. in vil*'m Hose^sack g'sl* 
BsStdt. 

jipsig: aus Gyps. Di^ het im [dem] ganze* Re- 
gitnent die jipsige Chrüzerpßfli uf-e^ne* Leiterwage* 
noche* g'füert S (BWyss 1885). 



Jar, jer, jip, jor, jup, bzw. japp usw. 

Jftr n. : 1. wie nhd., Kalender-, Rechnungs-, Lebens- 
jahr, allg. Oft dim. Drlssg Järli alt. 's ist scho** lang 
es J, g'sl* [seitdem] Z. a) in adv. Bestimmungen, 
a) abs. Acc. Die Jar (her), seit einigen Jahren Ndw ; 
Th; Z. C«) J' ^ ^nd t- Aa; Th; Z. [Das Kind] 
wo erst a» der Ostere* zwei J, zum Hera* g' gangen ist 
G oT. ,E8 wird ihm vorgeschrieben, wie viel er ein 
J. in das andere zu verzehren habe.' Sintem. 1759. 

— ß) Gen. 's JarSj jährlich, das Jahr über, bes. in 
Verbindung mit Zahladverbien Bs; G; Th; Z. 's git 
(bringt) 's Jors g'umss mänge* Franke* [z. B. an 
Steuern]. ,Wa8 grosser summ gelts meinend ir das 
eins jars bringe.* Zwinoli. S. noch einer Bd I 285. 

— Y) mit Präp. Ob de* Jare*, mehrjährig, confirmiert 
Gl; Syn. ober-jdrig; Gegs. under de* Jare*, undtr- 
jdrig. Über *s J., nach Ablauf des Jahres Aa; VC; 



57 



Jar, jer, jir, jor, jur 



58 



Th ; Z ; s. auch siben. Uf (i*J de* Jar ff* «i* im vor- 
gerttckten Alter stehen Aa; Ap; Gl; Gr; Z. Wenn d* 
e" Mal uf d' Jar chunnst, toas gut 'a, du springst au^^ 
nümme^ eso dervc*, Etw. anders: das Chdnd ist e fange* 
uf de* Jöre*, für öppis ^ Ure*, hat das Alter erreicht, 
wo es einen Beruf erlernen sollte ZO. üf 's J., näch- 
stes Jahr Gl; L; Th; Z; s. Bdl 11. Einen Verstorhenen 
wndtT *em J. ha*, im Laufe des Jahres die kirchliche 
Jahrzeit für ihn zu hegehen haben U. ,Es beschach 
alles under des obgemelten yogts jaren [während 
seiner Amtsdauer als Vogt].* Edlib. Fb" J. ^ Jare* Z. 
Von einem kleinen Kinde sagt man: Es hat chönne^ 
vor *em J. laufef^, es konnte gehen, bevor es sein 
erstes Altersjahr zurückgelegt hatte Z. Vor *em J, 
Aa; GA., dagegen mit dem unbest. Art. vor eme* J, 
Th ; Z, letztes, vergangenes Jahr. Bi JarC s%* = uf 
de* Jare* B; dagegen mit Pron. poss.: Si ist hi ire* 
Ja/re^, volljährig, mündig BO. Z* J, (in GA.r' /ari), 
heute über ein Jahr, nächstes Jahr B; VC; Gl; Gr; 
S ; Th ; in der ä. Spr. auch mit nachgesetztem ,umS 
auch i. S. V.: ein Jahr später, mit Beziehung auf die 
Vergangenheit. I>r würt dir* ^ J. 60 Jar alt BSi. 
I'* wiU z* J, vjider umhi* cho*. Schild. lez weusch-der 
Olück und Heil und z* J. es längs Wiege'seil L (Glück- 
wunsch an einen Neuvermählten); ähnlich wird einem 
jungen Paare ,z' J. um ein Jungs' gewünscht. Com. 
Beati. Z* </. im andere^ Summer, scherzh. = niemals 
6 (Zjro); vgl. auch im Volkslied von den Verliebten 
im Aa: Z* (neben über, uf'sj J, im andere"" Summer 
diumm-i'^ widerum hei^, ,So man yetz all zins uf- 
hieb [-höbe], war es üch nit bis z' jar lieb.* UEckst. 
und so auch noch mit vorgesetztem bis GrD. ,Schier 
zue jar umb nach Huss sei Hieronymus verbrannt wor- 
den.* Kbsbl. ,Z' J. .umb* = über 's J. auch Schimpfr. 
1652; dafür jetzt: Wenn 's J. umme^ ist Z. über z" 
[oder: v^ber d's?\ J,, in zwei Jahren W. Z Jör GT., 
,zuo Jar(en)*, jährlich, bes. von einem bestimmten 
Turnus. ,Zum j. 4 mal.* Z Mand. 1539. ,Sich zuo j. 
mit einem Synodo vernüegen.* XVI., Z Ordn. ,Solen- 
niter, järlichen, ze j. umb.* Fris. • ,Zu halb Jahren 
umb das Regiment besetzen.' FWtsb 1(573. ,Ihre Äcker 
zu Jahren um kreuzweise pflügen.* JScheuchz. 1749; 
vgl. über die Anwendung des PL st. des Sg. ür Bd I 
419. — 8) in Verbindung mit nachgesetzten Advv. 
's J, über Aa; Z, 's J. üs BSi.; UwE. (mit vorge- 
setztem (Jör**^, 's J, dwr** Z, „im J, üse* B; L", im 
Laufe des Jahres, das Jahr hindurch. — b) in stehen- 
den adjj. Verbindungen. JKi"*m es guets, neus J. (a*)- 
weusche*, seine Glückwünsche zum neuen Jahr dar- 
bringen, allg.; auch mit dem best. Art. und dann 
unlösbarer, subst. Verbindung sich nähernd; s. Neu-J, 
,Uf den tag [1. Jan.] bin ich gangen uf all [Zunft-] 
Stuben, wie dann eim burgermeister zuestat und das 
guet j. [ge]wü"scht.* 1528, HsStock. ,Glück und ein 
guet j. [Wohlleben] ist vorband*, ruft ein ,Kuchi- 
knecht*, der reichlichen Proviant herbeischleppt. Ha- 
berer 1562. ,Ich schankt der g' Seilschaft zu yngang 
eines gueten jars ein krönen.* 1585, B Archiv. — 
c) ,J. und Tag*, in lat. Urkunden des Mittelalters 
,dies et annus*, eig. die Frist von ,3 echten und 3 ge- 
botenen Dingen* oder 1 Jahr mit der Zugabefrist von 
6 Wochen und 3 Tagen; häufig in ä. Bq. über Er- 
sitzung und Verjährung; vgl. z.B. frönen Bd I 302 
und 8. Blumbr, Bg. I 166/7. In abgeblasster Bed. zur 
Bezeichnung einer längern, unbestimmten Frist Z. 



,lch weiss auch zue sagen, dass er mer denn in j. und 
lagen in*n tempel niemalen ist kununen.* Holzwart 
1571. ,Die, die J. und Tag ungläubig waren, beteten 
jetzt wieder.* HPest. S. noch voll, erfüllen, an-, in-, 
us-gänds. — 2. Dienstjahr. I» 's J. dinge*, einen jäh- 
rigen Dienstvertrag abschliessen, von Dienstboten S. 
,In 's J. gan*, an dem It Dienstvertrag festgesetzten 
Tage in den Dienst eintreten. ,Als ein dienstknecht, 
wie man spricht, in das j. gan sollt.* JosBIal. 1593. 
,Us (ab) dem J. gan (laufen), das J. brechen*, vor der 
Zeit den Dienst verlassen, vertragbrüchig werden. 
,Wo das beschach, däss thein dienst ab synem dienst 
gienge äne urlob und syn j. also brach.* Schw LB. 
,So ein Dienstknecht us dem J. gienge vor dem Jartag, 
so mag er im g@n vor dem Tag, als vil er will; 
wenn aber das J. us iet...* 1605, SchwG. LB. ,Zwü- 
schen dem Zil auss dem J. und ab dem Dienst gehen.* 
L Stadtr. 1706/65. ,Gott aus dem J. laufen*, ihm 
nicht stille halten, ungehorsam werden. Sprww. 1824; 
SvLGER. ,Dem Herren, unserem Gott, wollen aus dem 
J. laufen, aus der Halfteren schliefen, entrünnen.* 
FWtss 1672 b. S. noch Gott Bd H 510. Uf's lang 
J. dinge*, um die Ehe anfragen GrHo. ,Die Braut- 
werbung oder das Dingen in das lange J. geschah 
durch die Eltern.* Z Gero. I* 's lang (läng) J. dinge*, 
sich verheiraten 6; L; S. Auch = Lebenszeit, in der 
RA. 's »/. ist US, euphem. für sterben Aa. — 3. Jahr- 
ring an Holzgewächsen «BO. (JäreliJ;" S; Z; Syn. 
Järele*, Reini, grobi Jör, ,Bis die äussersten Jahr 
oder Teil der Bäumen erhärtet werden.* JZirglkr 1647. 
S. noch Strlmen, 

Obs-: Obstjahr, allg. Es 0, ist kei*'s W%*jar und 
es Wt*jar ist iei*'s 0. ZZolL Bauernregel. — Alt-: 
der letzte Tag des Jahres ZS. S. Nü-J,, Silvester. 

— Im(b)e"- Ap, Hung- S; Th; Z: Jahrgang, in wel- 
chem es viel Honig gibt Ap. D* W^pi sönd fdsst, 
es ged ke guets L Bauernregel; vgL Schild 1863, 107. 

— Öpfel-, in der Bauernregel: Ö., Hungerjär ZZoll.; 
VgL Obs-J. — Urner-, Basler-, Schwfzer-: Plug- 
jahr der Maikäfer, wie solches zur Zeit der ersten 
gründlichen Beobachtung den betr. Kanton zum Mittel- 
punkte hatte. — Erst-: Hauptgeschenk (im Gegs. zu 
den jährlich wiederkehrenden, kleinern Helseten) der 
Paten an die Patenkinder Nnw; $yn> Guet-J.; vgL 
Gross- Helseten. — F61-: wie nhd.; auch etwa persön- 
lich als Schelte Z. VgL Gerät- J. — Vor-: Frühjahr. 
SHoTT. 1702. — Galt-: unfruchtbares Jahr, in der 
Bauernregel: Schaltjär, G. Z; vgl.: ,Schaltj ah r, Kalt- 
jahr* bei Wander. — Guet- (in OnPeist mit flectier- 
tem Adj.: 's gueti J.), PI. G.-Jorer Ap: Neujahrs- 
geschenk (eig. Geschenk, das beim oder mit dem 
Glückwunsch zum ,guten, neuen Jahr' überreicht wird) 
von Familiengliedern unter einander, Paten an ihre 
Patenkinder, Meistersleuten an Dienstboten (auch G.- 
Chram Z), Krämern an ihre Kunden (s. Hels- Weggen), 
von den Gemeindeangehörigen an die Gemeindeange- 
stellten (bes. Geistliche und Lehrer), von deren Ein- 
kommen die Neujahrsgeschenke früher einen integrie- 
renden Bestandteil ausmachten, indem Grösse und Art 
derselben durch Brauch od. Vorschrift geregelt waren, 
allg. Für Angehörige und Patenkinder werden bes. 
die nach alter Obung auf den Neujahrstag berge* 
stellten Festgebäcko verwendet; so in BE. mit Zwei- 
frankenstücken besteckte Eierringe; vgl. auch Kue* 
chen-Mal, Bäcker backen für ihre Kunden besondere 



59 



Jar, jer, jir, jor, jur 



60 



,Neujahr-Ringe* od. ,-Züpfen* L, ,Gutjahr-Weggeii* ZS. 
Ei**m *8 G, (Öppis zum guete* Jör) ge*, [Die Mutter 
gibt den Kindern] es gross aoubers Halstuech zum d*s 
G. inbinde* [das sie bei den Paten abholen] GaPeist. 
,Herr [sagt die Frau zu ihrem Mann], ihr könntet 
mir doch wohl einmal Etw. zum G. steuern.* B Kai. 
1844. Spec. Der gleiche Unterschied wie bei dem syn. 
Hdseten gilt auch zwischen den «gewöhnlichen Gut- 
jahren' als Patengeschenken und dem «grossen G.S 
welches in L st. aus blossen Geldstücken aus Klei- 
nodien, silbernen Rosenkränzen, Kreuzen, Uhren oder 
Kleidungsstücken besteht B; L; Z. Dagegen ist als 
Gegs. zu JBrst-J. das G. das letzte, jedoch grösste 
Patengeschenk, auch wenn es nicht am Neujahrstage 
gereicht wird Ndw; auch sonst hält man sich nicht 
überall streng an den genannten Termin, so bei den 
jährlichen Patengeschenken GrD.; G; Z. Seit 1598 
überbrachten in Sch auserlesene Jünglinge aus der 
Bürgerschaft dem jeweiligen regierenden Bürgermeister 
am Neujahrstage Geschenke, mit einem angemessenen 
Wunsch bei der Übergabe. Die Magistratspersonen 
Yon GRapp. empfiengen zur , Aufbesserung* ihres spär- 
lichen Gehalts den grossen Lebkuchen, den das Kloster 
Wurmsbach je am 1. Jan. seinen Kastyögten verehren 
musste, den grossen Eierring von sämmtlichen Bäckern 
und die ,Neujahr8käse* von Wurmsbach, Pfäffikon, 
Jona usw.; vgl. über den Brauch, Beamten an der 
Jahreswende Geschenke zu machen, noch FStaub 1868, 
112. In der ä. Spr. ist das Adj. häufig flectiert und 
vom Subst. getrennt. ,Dass unser Stadt Spielleute in 
kein fremdes Land um solche Gaben, die man gut 
Jahr nennt, fahren sollen.* 1425, B Verordn. ,Es soll 
ein jeglicher gesell uf unser [der Pfister] stuben alle 
jar an dem ynganden jare den gesellen ein guet jar 
geben, nämlich zwen plapart' 1469, L (GfJ). ,Das 
liedli will ich üch schenken in ein guot, sälig jar.' 
1476, Lied (Schlussworte). ,Es soll niemands einem 
Stubenknecht rae dann 1 p, synen diensten nit md 
dann 4 den. und synen kinden gar nichzit zum gueten- 
jar geben, noch jemand anders, usgenommen statt- 
knecht und pfyifern.' 1488, Z Mand. ; vgl. auch Stuben- 
Hitz. ,[Die von AAMell.] sond allwggen zue wienachten 
einem vogt ein pfund spetzery zum gueten jar schicken.' 
1490, AaB. (Aro.). ,Dhein vogt soll hin für niemands 
dhein g. oder zimpfeltag geben.' ebd. NSchradin 
schenkt sein Buch über den Schwabenkrieg ,der eid- 
genossschaft zue gefallen willig und gern zue einem 
gueten jar.' 1500, Gfd. Miet und Gaben nehmen ist 
verboten, ,vorbehalten unark wenig grungen, so in 
unser eidgnoschaft von altem harkommen sind, mit 
gueten jaren, badschenkinen oder derglychen.' 1500, 
Absch. ,Die sundersiechen mögend zuo wienächten 
mit irem singen das g. ynn6men.' 1525, Egli, Act.; 
vgl. Nüw-JarC'SingenJ; Al. V 217 (Sch Stdtb.). ,Wie 
der graf by üch [seinen Untertanen] g*syn, die guoten 
jar nach altem bruch zc emp fachen.' 1529, Strickl. 
,Der huswirt [Zunftwirt] soll MHHn ein schyben ziger 
und zwen kuechen zum gueten jar geben.' 1537, B 
Pfisterordn. ,Nach dem imbiss gond die stubenherren 
[im Stift LMünster] uf die stuben, sitzend über die 
gross schyben [an den runden Tisch] und empfahen 
von mengklichen das guet jar; sy g6nd euch meng- 
lichen, so das guot jar g9nd, jeglichem einen dren- 
trunk; welcher ein käs oder kuechen brin^., [erhält] 
2 ß; den maitlinen, so MHKn Hingen, 5 ß.* XVI., 



EsTBRif. 1876, 199 ff. ,Was der frauwen von irem 
mann zum g. gSben, soll iro [als Eherecht] bleiben.' 
1558, Z Verordn.; vgl. Ztschr. f. schwz. R, V 31. Der 
Vicar von Baden bittet um Aufbesserung seiner Be- 
soldung, ,da er uf das nüwjar das g. uf alle gesell- 
schaften geben [müsse].' 1565, AxWett. Klosterarch. 
,Einer erzeigt sich dankbar gegen einem, der im vil 
gnots beweist: er gibt im ein g^ot jar, ein baden- 
oder sonst ein schenky.' LLav. 1582. ,E8 solle Nie- 
mand, der ob 12 Jahren alt ist, am neuwen Jahrstag, 
noch am Abend zuvor we<ior vor noch in den Hüsern 
zum guoten Jahr weder singen noch heuschen.' GrD. 
LB. ,Wil bisher gewöhnlichen um das nüw Jahr junge, 
starke Gesellen von usserhalb Lands in etliche Kilch- 
hören kommen, mit einem Sternen [s. Dri-Königen] 
und abgöttischem G'sang das guet Jahr geforderet.' 
1609, Ap Syn. -Prot. ,Das gute Jahr für alle Christen 
in gemein.' JosMal. 1616 (Titel einer Schrift). ,Dass 
auch fürterhin keine silberinen BScherli, beschlagne 
Gürteli zum gueten Jar geschenkt werden, sonders 
mag Einer oder Eine iren Göttinen ald Gotten einen 
Kes oder BymetzClten zum gueten Jar schicken.' Z 
Mand. 1616. ,Hast du deinen Freunden, reichen und 
armen, gute Jahr geschickt, so gib auch noch etwas 
zum guten Jahr Christo Jesu deinem Heiland.' JMüll. 
1665. ,Zum Gutenjahr dem Rebmann 1 Hausbrot, 
1 Kopf Wein und 18 Kr.' Sch Rebbüechli 1703. ,Es 
hat ein Mülli-Umgeltner zum guten Jahr 3 Pfd 4 f 
[zu seiner Besoldung].' Z Merkw. XVIII. ,Das erste 
G. [an die Patenkinder] soll auf das Höchste mit einer 
Dukaten und die übrige bis auf das 12. Jahr und nicht 
länger jedes mit V' fl< abgefertigt, auch bei dem letzten 
und 12. nicht höher als mit */> A* abgeletzet werden.' 
Z Mand. 1730/55. S. noch Fisch Bd I 1102, Götti Bd H 
528. — 2. Familienname B; XV., ScnwAltend.; 1531, 
Strickl. — ,guet-jare»: 1. das Neujahr feiern B; L. 
— 2. ein Neujahrsgeschenk geben B; L." — ver-: 
als Neujahrsgeschenk verwenden. ,Für 1 Bratpfannen, 
so Schwöster Katherin verguetjaret.' Tageb. Zuber 1689. 

B"-heb- Jar: Jahr, in welchem man mit der Er- 
hebung einer Steuer zurückhält, dieselbe sistiert. 
,MHHn haben erkennt, dass uf diss jar kein b*h. syn 
und [es] by der alten stür belyben soll.' 1541, Sch 
Ratsprot. — Chalber-,in der RA. von einem groben 
Menschen, er sei i" d«» Chaiherjöre^. Sprww. 1869, — 
Milch-, nur als PI.: Jahre der unreifen Jugend. 
,Uss den m-en zue mannlichem alter kommen.' Salat. 

Nu-, Neu-: 1. Neujahrstag. a) RAA., Volks- 
glaube. Wenn 's N. im Summer ist, Abfertigung, bes. 
unerfüllbarer Forderungen Gr; Th; Z. Wenn*s i* 
der Neujörsnacht [Nacht auf das Neujahr] glänz ist, 
so ist es bös für d' Fraue"", wird es das Jahr hindurch 
viele schwere Geburten geben Ap. ,Der gemeine Mann 
zittret vor der Morgenröte am Neujahrstage, denn sie 
deute Ungewitter, Krieg und grosse Plage' L; Z (schon 
ZElgg Arzneib. c. 1588). Bes. ist die Witterung am 
N-stage vorbedeutend für diejenige des kommenden 
Jahres und dessen Fruchtbarkeit; der Wind, der am 
Neujahrsmorgen weht, wird das ganze Jahr hindurch 
herrschen See ; Z. Wer am Neujahrsmorgen aufs 
Geratewohl ein Psalmen- oder Liederbuch öffnet, kann 
aus dem Inhalt des aufgeschlagenen Liedes sein Schick- 
sal im künftigen Jahr erkennen B; Z; enthält das- 
selbe viele Strophen, so hat man ein langweiliges, ent- 
hält es dagegen wenige und schöne, ein kurzweiliges 



61 



Jar, jer, jir, jor, jur 



62 



Jahr zu erwarten. Rotknb. Wer am Nenjahrsmorgen 
zuerst einer Frauensperson begegnet, hat das ganze 
Jahr Unglttck yor sich S; ThHw.; Z; umgekehrt ist 
man bes. erfreut, wenn der erste Neujahrswunsch, den 
man empföngt, von einem ,unschuldigen Kinde' oder 
einem Mannsbild dargebracht wird S; Z. Wer am 
Neujahrstag zu spät in die Kirche kommt, wird das 
ganze Jahr zu spät kommen S. — b) Gebräuche beim 
Jahreswechsel. Der Neujahrstag gilt im bürgerlichen 
Leben auch etwa als Termin, jedoch selten. ,Der 
Wechsel [der Dienstboten] findet erst auf Weihnacht 
Statt, oder eigentlich nach dem N.* Gotth. Mit dem 
1. Jan. begann eine neue Amtsdauer für die niedern 
Angestellten, die am 31. Dez. entw. neu gewählt oder 
bestätigt wurden, bis 1798, Z. , Welcher am nüwen 
jar z* nacht zum ersten [Abteilungen der Allmende] 
zeichnet, der mag das, so er gezeichnet hat, nach der 
Ordnung nutzen ; vor oder darnach zeichnen gilt nüt' 
1543, BHuttw. Am Spinnrocken durfte die Spinnerin, 
wenn sie nicht Unglück oder Schaden gewärtigen 
wollte, kein Werg übrig lassen und ins ,neue Jahr 
hinübernehmen' ; sie spann es daher in der Nacht vor 
Sylvester (s. Übersitz, Durckspinn-NachtJ oder an 
diesem Tage selbst fertig. Das Gespinnst, welches 
allenfalls noch am Bocken bleibt, wird von den mut- 
willigen Burschen in der Durchspinnnacht verbrannt, 
da es nach dem Glauben des Volkes nachher doch 
nicht mehr gesponnen werden könnte und untauglich 
wäre ZO.; vgl. N-s-Fetzen Bd I 1149. Mit Gesang 
und Musik wird von dem alten Jahr Abschied ge- 
nonmien und das neue begrüsst; vgl. Sing^ Abend Bd I 
38, Guggler Bd II 181/2. 's aU Jör üs- und *s neu 
a*'singe^ Th (Schwzd. 33, 49). Die ledigen Bursche 
ziehen in der Zeit von Mittags 1 Uhr bis Nachts 
12 Uhr in Gesellschaft von Haus zu Haus, um aus 
dem alten Psalmenbuch zu singen (Alijarabert-Sing&'J 
und dazwischen einen Glückwunsch zu sprechen; das 
eingenommene Gold verzehren sie am Neujahrstag mit 
ihren Mädchen (Singdbend-Meitli) GhFt. Ahnliche 
Bräuche und zwar zunächst am Vorabend, ehemals 
auch in Bs; Gl; GnEhw. (Samml. 1809, 139); Gr; Th. 
,Das singen am nüwen jars abend.' ApA. Mand. ; vgl. 
Ap Gem. 112/3. Anderwärts dagegen fand das ,Neu- 
jahrsingen' bes. am Neujahrstag und den folgenden 
Tagen selbst Statt; Kirchensänger und Musikanten 
machten so die Bunde im ganzen Kirchspiel L; die 
Geldgaben wurden den Sängern in brennenden Papier- 
wickeln aus den Fenstern zugeworfen, ähnlich wie am 
Weihnachts- und Dreikönigstage UwE. Die Leitung 
des Gesanges besorgte oft der Dorfschullehrer, der so 
1799 in UwKerns sich ,wegen Neujahr singen' 30 fl. 
als Zulage zu seiner Besoldung verdiente. 1645 wurden 
den Schulmeistern das Neujahrsingen ausser ihrem 
Kirchgange und die dabei üblichen Mummereien ver- 
boten B(Frickart); ähnlich in Schw. Missbräuchlich 
entwickelte sich aus dem Neujabrsingen eine form- 
liche, oft untersagte ,(Neujahr-)Bettelsängerei*; sog. 
N.-Sänger zogen fiedelnd (s. N.-Glger) und singend 
durchs ganze Land. In L sangen die Armen nicht 
nur Weihnachts- und Neujahrslieder, sondern beteten 
auch etwa ein Vaterunser, den englischen Gruss oder 
das Glaubensbekenntniss und brachten ihre Glück- 
wünsche dar; vgl auch Lehmann 1799, 277/8; das 
Noujahrslied des Nachtwächters bei Diener 1863, 376; 
den ,Neujahrsänger' von Stutz IV 35/9 und Tobl. 



VL. 1, S. LXXX f. 1553 wurde in Schw den Neujahr- 
sängern, welche 8 Gruppen (Erwachsene, Knaben, 
Mädchen) bildeten, das Singen erlaubt; ,was sie er- 
singen, mögen sie in Brot und Nidlen [geschwungener 
Rahm] verzehren'. ,Zu Nacht, sagt Hospinian [zu Ende 
des XVI.], luffen in Zürich Alte und Junge, Weiber 
und Männer auf den Gassen herum, sangen vor den 
Häusern der Reichen und wünschen ihnen also ein 
glückhaftes Jahr an.' vMoos 1775. ,Wir verbieten, 
des Nachts oder Tags auf den Gassen oder in den 
Dörferen umher schweifen, nächtliche Einzug halten, 
N., Fassnacht und Weinacht singen und schreien.' 
B Mand. 1667. 1738 lässt der Rat von AaL. die Neu- 
jahrsänger polizeilich wegschafifen (Müller). An einigen 
Orten werden auf den Altjahrabend Bräuche verlegt, 
die sonst anderwärts in die Adventszeit, bes. auf den 
6. Dez. fallen; so bes. Mummereien Ap; B; Gl; G; 
Th; Z; vgl. Wiehnachts-, ÄUjär-, Neujär-Esd Bd I 
515/6 und Klaus, In GW. fanden nächtliche Umzüge 
der Knaben mit Masken, Lichtern, Schellen und an- 
dern Lärminstrumenten Statt (AJtijörobe^d sdMe*); 
ähnlich in BHochfluh in der ganzen Zeit zwischen 
Weihnachten und Neujahr; doch erst am Altjahrabend 
fanden etwa auch Mummereien Statt. Anderwärts 
wurde der Lärm durch Schiessen vermehrt, so in Gb, 
wo die jungen Bursche vor den Häusern der Mädchen 
mit Pistolen knallten, für die Ehrenbezeugung ins 
Haus eingeladen und von den Mädchen mit Liqueur 
und Branntwein, Kuchen, Birn- und Eierbrot, Butter 
und Honig bewirtet wurden. Die Haldensteiner be- 
schwerten sich 1737 gegen ihren Oberherren u. A. 
darüber, dass er ihnen das Schiessen am N. verboten 
habe. Das ChncUtere'* göt in es eigeHlichs Rotte^für 
über: Si schiesse* dem alte* Jör «o** in '« Qrah S 
(BWjss). In der Nacht auf den Neujahrstag werden 
von den Bauern während des Geläutes der Kirchen- 
glocken die Dreschflegel, am liebsten 6, hervorgeholt 
und auf hohl gelegten Brettern unter lärmender Fröh- 
lichkeit ,das alte Jahr aus- und das neue eingedroschen'; 
die Stärke und Vernehmbarkeit des Schalles ist vor- 
bedeutend für die Fruchtbarkeit des nächsten Jahres 
Aa; Z. Um U'/i Uhr beginnt nämlich in den refor- 
mierten Gegenden mit allen Glocken das »Ausläuten 
des alten Jahres*, welchem nach Unterbruch von 5 bis 
15 Minuten Schlag 12 Uhr ebenso feierlich das .Ein- 
läuten des neuen' folgt. Die jungen Bursche stritten 
sich um die Ehre, ,das neue Jahr einläuten' zu dürfen, 
so dass z. B. in ZWang. in Folge mutwilliger An- 
strengung derselben einst die grosse Glocke barst. 
Die Gemeinde, in welcher zuerst das Neujahr geläutet 
wird, soll nach dem Volksglauben auch zuerst mit 
Brandunglück heimgesucht werden Z Mönch. ,Zum 
Beschluss des alten und Anfang des neuen Jahres 
wird auf den Dorfschafben allerhand Kurzweil getrieben 
mit Läutung der Glocken, Schiessen, Herumschwärmen 
auf den Strassen und andern sündlichen Handlungen.' 
vMoos 1775. Beim Trinkgelage im Wirtshaus, wo 
man etwa um ,£ierkränze, Neujahr- Weggen' spielt. 
Ärmere auch etwa auf Kosten der Gemeinde bewirtet 
wurden, oder bei fröhlichem Gelage mit den Seinen 
zu Hause erwartet man die ersten Töne der Neujahrs- 
glocken, um dann gegenseitig Glückwünsche zu tau- 
schen und aufs Wohlergehen im neuen Jahr anzu- 
stossen Aa; Bb; B; Gl; Gr; G; Sch; Th; Z. An den 
Familienfesten im Hause, die sich an einigen Orten 



63 



Jar, jer, jir, jor, jnr 



64 



alsdann am Abend des Neujahrstages wiederholen, 
bzw. übh. auf denselben yerlegt sind (so in Ap; L; 
ZO.)) werden die altherkömmlichen Festgebäcke nnd 
-Speisen aufgetischt, in Gl z. B. am Sylvester ,Kalber- 
würste^ Zwetschgen, geschwungener Rahm, Kirsch- 
wasser, Liqueur, Birnbrot und ähnlich anderwärts; in 
GStdt wird am Neujahrstag in allen Klassen der Be- 
völkerung eine Pastete aufgestellt. In Th ; Z werden 
am Sylvester in jedem Hause die üblichen Festgebäcke 
zubereitet, so bes. grosse Kuchen (Dünnen, Wäjen), 
Birnenbrot (s. Birnen- Weggen), Eier-Ringe (Neujar- 
Bing), ,Eierweggen und Zupfen*; s. noch Gugel' Hopf 
Bd n 1492, Elgger-Mann, MütschfellenJ, Gritti-Benz, 
Simmd'Bing, Schnigg, Epfd-Sturm, Hippokras, Klaret, 
und die Schilderung der N.-Bacheten bei Schild 1860, 
43/6; vgl. auch BWyss 1865, 36. Die Zahl der , Wäjen* 
muss mindestens so gross sein, dass die ganze Familie 
daran, sowie an dem selbstgebackenen ,Hausbrod' in der 
Zeit bis zum ,alten N.* [13. Jan.] genug zu essen hat; 
,Becken-Brod* darf in dieser Zeit keines gekauft werden 
ZO. In BHochfluh bleibt der Altjahrabend (ähnlich wie 
in L) ganz still, dafür wird der Abend vor Sylvester 
durch Spiel und Tanz bis gegen Morgen gefeiert; in 
L gieng man am Sylvester-Abend in die Predigt. ,Am 
nüwen jar, so man ze abend 'zert hat, macht man [auf 
der Trinkstube] kein irti.* XVL, LMünster (Esterm. 
1876). ,Die Meisten rüsteten in dieser Nacht [am 
Neujahrs -Abend] ihre Tische mit allerhand guten 
Speisen aus und bildeten sich ein, es würde ihnen 
das ganze Jahr hindurch niemal an solchem Überfiuss 
der Speisen fehlen. Andere setzten auch einen Becher 
voll Wein oder Wasser auf den Tisch; wenn derselbe 
Überflosse, so hofften sie ein fruchtbares, wenn aber 
nicht, 80 besorgten sie ein teures Jahr.* vMoob 1775. 
In der Nacht auf den Neujahrstag geht das K-Chindli 
(bzw. der Cklatis) still herum und bringt den Kindern 
die Bescherungen am (CMaus-jBaum Aa; Ap; B; G; 
ZO.; s. noch inieggen und vgl. Minnich 1836, 67/8. 
Auch am Neujahrs- (wie am Sylvester-) morgen er- 
halten Diejenigen, welche zuerst, bzw. zuletzt auf- 
stehen, bes. Spitznamen; vgl, Stuben-Hund, N.-ChaJb, 
FäUdi-Lupfer, Vor Allem gilt der Neujahrstag als 
die Zeit der Glückwünsche, welche sowohl die Fa- 
milienglieder unter sich, wie auch Bekannte und Ver- 
wandte beim zufälligen Zstrefifen, bes. aber bei den 
allg. üblichen Neujahrsbesnchen sich gegenseitig in 
den altherkömmlichen Formen bieten ; s. die Varianten 
bei Älljär-Äbend, glückhaftig, Sprww. 1869, 12 und 
vgl. Jar 1 b. Ei**m es gtiets neus Jär, *s N, (a""-) 
ijceusche*, a*g'tcünnt'^ (G). E guets N. und e" gu^i 
Bes8eri*g sollen in einem gewissen Dorf die Kinder 
vor den Haustüren den Bewohnern wünschen, auch 
wenn von denselben Niemand krank ist. Ap Sonntagsbl. 
1884, Ledigen wird etwa der Spruch dargebracht: /** 
weusdh d^r Glück zum nette"* Jar (und) dass dW ejungi 
Frau (en junger Ma**) i* 's Bett ie tröl AaF. Jedes 
sucht am Neujahrstage den Andern mit seinem Glück- 
wunsche zuvorzukommen, daher der Ausdr. a"^tn*nnc". 
Der Wunsch hatte in Zo den Nachsatz: Bist mer es 
Eierringli schuldig. Wer zuerst Glück wünscht, erhält 
auch das grösste Geschenk. In GnRh, gieng am Neu- 
jahrstage der Schulmeister an der Spitze der Knaben- 
schaft zum Pfarrer und in die wohlhabenden Häuser; 
der Hausherr erwiederte je weilen den Glückwunsch 
und bewirtete die Gäste. Gr Sammler 1809. ,Wir 



wünschend üch allen ein nttws glückhafts und seligs 
jar.' FuNHELiN 1553, in einem Stück, das am Neujahrs- 
tag gespielt wurde. ,Wir wünschend danebent Jeder- 
männiglichen von Gott ein gut, glückhaftig neu Jar.* 
JosMal. 1616 [Vorrede, am letzten Dez. geschrieben]. 
,Der neue Jahrs wünsch dem Pfcirrer*, als einer der 
Streitpunkte in Folge Ablösung einer Filiale erwähnt 
B Mand. 1728. ,Da8 Glückwünschen am N. wird von 
den Herren Prädikanten öffentlich in der Kirche, an 
vielen Orten von der Oberkeit und von Städten und 
Ortern gegen andern verrichtet. Das Glückwünschen 
überall aufheben gehört zu der fantastischen Lehre der 
Wiedertäufer.» vMoos 1775. S. auch BWvss 1863, 1/2. 
Allg. ist auch die Sitte der Neujahrsbescherungen; 
vgl. (hiet-J, Ei'^'m Öppis zum guete"* N, gi* Bs (Seil. 
153). Vgl. auch TTobl. 1844, 88. Für Arme werden 
am Ende des Jahres von Haus zu Haus Neujahrsgaben 
eingesammelt ApHeid. (Rohner); ebenso erhalten in 
ApHer. die Bedürftigen den von den Dorfbewohnern 
jährlich zsgesteuerten ,Bettelgroschen*. In BBrienz 
gab der Geistliche den Bauern, welche ihm am Syl- 
vester Käse und Schinken als Neujahrsgeschenk über- 
brachten, ein reichliches Gastmahl. , Wegen denen an 
dem h. Weihnacht- und Neuen Jahrs-Abend mit Ein- 
kauf der Steureten [Geschenke] vorgegangenen Un- 
gebühren.' Bs Polizeiordn. 1715. ,Zu Erleichterung 
der Beschwerden in Gevatterschaften wird hiemit ge- 
ordnet, dass hinfüro die Tau^ezeugen für den Ein- 
bund, die Kindbett- nnd Neujahrs- Verehrung zusammen 
eine alte Dublonen, aufs Höchste aber zwo Dukaten 
geben mögen.' B Mand. 1728. Über Austeilung von 
Brot und Wein an die Haushaltungen und an die 
Armen s. vMoos 1775, 248. Der Tag wird übrigens 
allg. als kirchlicher Festtag mit Gottesdienst gefeiert. 
An dem Tage machen selbst die ehrbarsten Bürger in 
der Kirche Chästruckis, wobei einmal ein Mann zer- 
drückt worden sein soll BBc. Der übrige Teil des 
Tages wird mit allerlei Spielen (bes. mit Nüssen, die 
bei den Nenjahrsbescherungen eine Hauptrolle spielen), 
Besuchen und allerlei Lustbarkeit zugebracht Auf den 
Zunflstuben versammeln sich (Bs), bzw. versammelten 
sich früher die Zunftgenossen zum festlichen Mahle 
B; Sch; Z; Vgl. ,Guetjahr-Gelt' (Bd II 251) und Gaüer 
(Bd II 206). ,1604 ward der neue Jahrstag etwas 
sittsamer als zu andern Zeiten gefeiret und den Hand- 
werksgesellen anbefohlen, Nachmittag alle Spiele zu 
unterlassen und nicht mehr bei einander zu Nacht zu 
speisen.* Bs Chr. S. noch Geering 1886, 92/3. In AaL. 
fand auf dem Rathause eine Gasterei für Bürger und 
Ehrengäste Statt, grösstenteils auf Kosten der Stadt- 
kasse. JMüLL. 1867, 155. ,1713 wurde erkannt, dass 
am Neujahrstag drei Hauptpredigten gehalten, die 
Stubenhitzen erst Tags darauf [wie noch heute Üb- 
lich] eingenommen und die bishin gewohnte Mahl- 
zeiten [auf den Zünften] am Nenjahrstag eingestellt 
werden.* vMoos 1775. S. noch vergraben Bd II 684/5. 
Auch das ,alte N.*, nach dem Kalender alten Stils, 
wird noch bei ,Wähen, Stückli- Weggen* und geschla- 
genem Rahm gefeiert Z; Viele backen alsdann zum 
2. Male ,Wähen und Hausbrot* ZO. — 2. Neujahrs- 
geschenk. ,Am nüwen Jarstag früe kaniend 50 Land- 
lüten mit Schenkinen und nüwen Jaren wol beladen.* 
JJROeoer 1606. ,Es ist Jedem aus der Arch ein neu 
Jar geschenkt worden.* JosMal. 1616. — nü-, neu- 
järc" B; L; S; Z, doch häufiger dim. n.-jdrle", jMe*: 



65 



Jar, jer, jir, jor, jur 



66 



1. das Neujahr (bzw. auch dessen Vorabend Ap) festlich 
begehen Aa; Ap; Bs; B; Gr; G; S; Z. „Den Tag in 
Sans und Braus, bes. mit Tanzen verbringen B; LE.; 
Z." Bring mir t* fmsi, achöni Gans, so chann-%''' 
cMi" neuQäre*. Hist. Kau 1813. Mir händ im Jör nw 
«" Möl [Fleisch], we^^'^-mer neujörU^d. Stütz. Wie me* 
xr* Feist nöüwjdrled s. Schwzd. 19, 25/8. Wi ö"* die 
Zu so gleitig geit! Chüm, dass dW [ihr] z'letzt g'neu- 
järet heit, isch schon es g'scMage'**s Jar vorhl BO. 
(Schwzd.) i vgl. auch Stutz, B. V 369/72, ferner altjar- 
ahnen, süvesteren, ,Er zeichne ihm mit seinen 5 Fin- 
gern das Gesicht, dass man meine, der Teufel und 
seine Grossmutter hätten darauf g'neujahrt.' Gotth.; 
vgl. K%lch-W%ch. ,Im 1689. Jar ist [im Stift] wegen 
Absterben des Propsts nicht geneujahrt worden und 
wurde auch kein Gutjahr aufgenommen.* Estsrm. 1876, 
201. Do wei-mer nit n., nicht langer bleiben S. Ge- 
radezu i. S. V. zaudern, nicht fertig werden B; L. 
Her tdtnd iez nüd n.! Aufforderung zur Eile. — 

2. „umhergehen, um Glückwünsche zum neuen Jahr 
darzubringen und dafür beschenkt und bewirtet zu 
werden Gu." 

Die oben erw&hnten Br&ache z. T. schon bei Bnrchard von 
Worms (s. EFriedberg 1868, 88. 93) erwähnt, der mit Recht 
heidnische Krinnernngen in denselben erkennt Auch das 
Herausfordern des Zufalls im Spiel in dieser Festzeit, in 
der, wie u. WuetU-Her (Bd II 1555) dargetan wurde, Wuotan, 
der auch der Gott des Glttclces ist, seinen Umzug hält, hat 
viell. einen tiefern, mythologischen Hintergrund; dafDr spricht 
die am Zürichsee bis ¥or Kurzem gepflogene Übung, nach wel- 
cher au Weihnachten und zu Neujahr je Zwei einen Eier- 
ring, dgl. feil getragen wurden, anfassten und enzwei rissen, 
wobei dann Der, welcher das kleinere Stück erhielt, den 
Bing auch noch zu bezahlen hatte. Über die mythologischen 
Beziehungen der Festspeisen und -Geb&cke vgl. Hinen-Hom. 

Vernunft s-Jär, nur als PL: verständige Jahre. 
Kinder aus gemischten Ehen sollen bei ihrer Mutter 
bleiben, bis sie zu ihren V-en gekommen und sich 
selbst eine Religion auswählen können. 1756, Absch. 

Laubrisi-: Rechnungsjahr, nach der Zeit des 
Laubfalls berechnet. ,r)ie 10 L. [d. h. die Verjährung 
nach 10 Jahren] werden bestätigt.' 1616, U Bq. — 
G*rät-: Jahr, in welchem die Foldfrüchte wohl ge- 
raten, gedeihen, allg.; Sjrn. gäbigs Jär; Gegs. FehJ. 
,£in G., wohlfeile Zeiten.* JMOll. 1665. ,Die Stimme 
des [brüllenden] Eupiler-Sees sei ein gewisser Vorbott 
eines reichen G-s an Wein und Getreid gewesen.* 
JJScHKucHz. 1706; dafür: ,eines reichen Jahres an...* 
1746. — Süchel-: Flegeljahr. B Hink. Bott 1850. 

Schaber-: unfruchtbares Jahr, in dem Sprw. 
Haberjär, Seh. Sch; Z. — Schaber, ,Kratzer*, Werkzeug 
zum Zsschaben; Geizhals. 

Schalt-: wie nhd. Sch., Schalkjär. Ineichen. ,Was 
ich dis jar han angefangen, das ist mir alls hindersich 
'gangen ; darum ist es ein sch. gesyn.* 1520, UsStockar. 

— Schenk-Järli: über die gesetzliche Frist hinaus 
gestattetes Amtsjahr, z. B. eines Landschreibers Ap. 

— , Staffel- Jär: je das sibende oder neunte Jahr 
nach eines Geburt oder empfangener Krankheit, so 
die Astrologi gefährlich achten, climactericus annus.' 
Denzl. 1677; 1716. Auch bei Spleiss 1667, 163. — 
Schuß- Win-. ,.\. 1675 vindemia erat facta inter 
pruinas, imo nivem, glaciem, quod phaenomenon huic 
anno epitheton conciliavit eines Schnce-Wein-Jahrs.' 
SHoTT. 1707. — Zeig-: Jahr, in welchem bei der 

Schweiz. Idiotikon lU. 



Dreifelderwirtschaft ein Acker entweder mit Sommer- 
oder Winterfrüchten (,Sommer- und Winter-Zelg*) be- 
pflanzt wird. B Verordn. 1803; Gegs. Brach- J, 

Järele^ f.: Jahrring im Holze oder an den Hör- 
nern des Bindviehs BSi.; Syn. Jär 3. 

järe»,järe": 1. IuAa; Th järe% sonst järe'*, den 
Jahrestag erreichen, den Umlauf eines Jahres voll- 
enden, von Lebens- und Rechnungsjahren; Syn. ver-j, 
a) unpers. GaPr.; GW.; dabei refl. Aa; Ap; B; VO; 
Gl ; Th ; Z. Hut jöret es si^\ dass min Vater g'storhen 
ist. — b) pers., von Altersangaben Gl; Gr. Er järet 
zwölfi, legt mit heute das 12. Jahr zurück, feiert seinen 
12. Geburtstag GLObst. Refl. P''jär-mi''^ im Winter- 
monet, da tcir^ t** ziJtänzgi GA. Sein Amtsjahr als 
Angestellter vollenden. ,[Der Rathausvogt] soll alle 
Ding einem Ratwürt an die Hand geben, auch wann 
[dieser] gejahret, widerum von ihme empfachen.* GrD. 
LB. — 2. a) sich in die Länge ziehen B. Es järet 
6n**. Zyro. — b) sich ändern mit den Jahren, ab- 
wechseln W. „Es jaret sich mit den Sachen, sie sind 
dem Wechsel unterworfen, sind bald besser, bald 
schlimmer." — 3. verfallen, von Pfändern, nach frucht- 
los verstrichenem Lösetermin. ,So Einer die geschätz- 
ten Pfand nit lösete, so habend dann die geschetzten 
Pfand gejahret und mag sie [der Gläubiger] mit ihm 
hinwegführen als sein eigen Gut.* GuVDörf. 1692. 
.Nachdem die Pfand gejähret.* ebd. — 4. ^järet, in 
Verbindungen wie rein, grob ^j., enge od. weite Jahr- 
ringe aufweisend ZG.; vgl. {in-, grob-jdrig. Übertr., 
von Menschen ; cMi"*, gross g'j., dem Alter nach klein, 
gross gewachsen Ap, eig. von kurzen und langen 
Jahrestrieben. 

über-: 1. nur alle 2 Jahre geschehen, vorkommen, 
z. B. Früchte tragen, von Bäumen Ndw; vgl. über 
z* Jär. — 2. hoch in die Jahre kommen, die gewöhn- 
liche Zahl der Jahre überschreiten. ,Was aber ver- 
altet und überjaret ist, das ist nach bei seinem end.' 
1531, Hebr,; dafür ,verjahret.* 1667 (und HBoll. 1561); 
,abgelebt.* 1882. — nH- = altjar-äbnen (s. Bd 1 37) B; 
syn. silcesteren. — us-: 1. „bis zu Ende eines Jahres 
dienen ; nach einem Jahr den Dienst oder den Meister 
verlassen AaF." Das Jahr vollenden; bildl.: Etw. zu 
Ende bringen L; vgl. järeti 1. — 2. während des 
Dienstjahres den Dienst verlassen LG.; Syn. us dem 
Jär laufen. ,Wann ein. Dienst ohne g'nugsarame Ur- 
.sach aussjahret, solle ihme kein Lohn 'geben werden.* 
1647, ScHwE. Hofr. — ver-: 1. =,;ärew 1 a und b 
Bs; Gl; ZKn. In der ä. Lit. bes. häufig in der formel- 
haften Verbindung: ,v. und vertagen*, ,Jahr und Tag* 
unangesprochen bleiben, von Schuldforderungen; Jahr 
und Tag sich irgendwo aufhalten, von entlaufenen 
Leibeigenen. Stadtrecute von Aarau; LSurs.; ZBül., 
Wthur; vgl. Seg. RG. I 627. 745. Auch sonst häutig 
in der ä. Lit. i. S. des nhd. verjähren, von Ansprüchen. 
,Dass kein zins m^r v. soll: Wann einer zins Hess 
anstan über jar...* 1543, Schw Rq. — 2. a) sich durch 
Jahre erstrecken, in die Länge ziehen. ,So der krieg 
verjarete.* Ansh. * 139. — h) = über-j. 2; veralten. 
,[Gehauenes] holz erfülen und v. lassen.* 1530, Aa 
Weist. — verdri-: verjähren durch Ablauf von drei 
Jahren. ,Glichen [geliehen] gelt, das nit verdrygjaret 
ist.* c. 1550, Z Rq. 

Ober-Järech m.: Apfelsorte ; = Jär-Epfel Bd I 
370 L; vgl. Acher Bd I 65. Syn. Järler. 



67 



Jap— jttP. Jspb— jurb 



68 



järig (in BG. erig): 1. wie nhd. — 2. grossjährig, 
mündig. 1432, Gr. Wst. I 278. — oh er -: ^ ob de* 
Järe"* Gl. — über-: 1. über ein Jahr alt Gb; Ndw. 

— 2. um ein Jahr yerspätet; ein Jahr älter als nach 
der Kegel ; bes. von der ersten Trächtigkeit des Rind- 
viehs Gr. -6?» uberjärigt ZUchue; Syn. Doppel- Zitchue. 

— 3. nur alle zwei Jahre sich ereignend Nnw. — 
nnder-: = under de* Järe* Gl. Bes. häufig in der 
ä. (Eecht8-)Literatur i. S. v. minderjährig Aa; B; VO. 
.Leute, die u. und kein Hecht zum Mehren [Stimmen] 
haben.* Zoßef. 1723. — fi»- Gl; UwE., rein- Obw; Z: 
mit schmalen, engen Jahrringen, von Holz, das darum 
geschätzt ist; Gegs. grob-j, 

järiglich järkli : j ährlich Z . 

Die Affrikata wie in er6ar»»JW»'* 9chonJdi'\ fulkH"* u. A. 
Doch lässt sich das W. auch aus dem in unserer &. Lit., 
bes. des XIV., reichlich hele^n jär-ffdieh (zsgez. Jerglich(e).' 
1307, 6fd 1 41) erklaren. ,Die n&chsten 4 jar iergolich 
70 pfd.* 1328, UwE.; mit vorgesetztem ,aller.* 1314/21, 
6fd. Vgl. menklieh aus manno-gdlch. 

järin: jährig. ,Dreijerinan wjn.* 1523, HsStock. 

Järler: Apfelsorto = Über-Järech Ta, — Zwei-, 
Drü-: Apfelsorten, angeblich nach der Dauer ihrer 
Haltbarkeit benannt S; Th. 

Järli»g (in BG., Schw. fJrli*g, in F jßrlin) — m.: 

1. einjähriges Stück Vieh, vom 2. Halbjahr bis zum 

2. Jahr; spec. von Rindern (auch ChcUber-J,) VO; Gl; 
Gr; von Pferden B; F; GrD.; W. Syn. Fordet Bd I 
995. ,£in Bär, so gross wie ein J.* 1735, Feierabend. 

— 2. Chalber-J., Schimpfwort, Tölpel, ,Kalb* Uw. — 

3. Apfelsorte Th. Syn. Nägeli-, Palm-Epfel, 

Vgl. noch Kue-Eattn S' Bd I 527 und dazu Ztschr. fUr 
seh WZ. R. X b 98. Betr. die Bildung des W. Tgl. Ifürling. 

jaare*' : = jaulen L. — Gehört zu einer Intorj. *jau, 
wie hauren zu hau; vgl. Bd II 1519. 

Jeremis Ap, Jörmis GT., Jeretnieael SchwE. : Tauf- 
name, Jeremias. ,Jerim.* 1414, Zo Urk. S. auch Mias. 

Jero: Taufname, Hieronymus Gr. 

Jerasalem, doch meist Difai. JeritsalemferjU: Pllan- 
zenname. 1. Feuernelke, , Jerusalemsblume*, lychn. 
chalc. AaB.; B; L; Seil; Th; Z. — 2. Kranz-Licht- 
nelke, lychn. cor. Aa. 

ji(e)r : = ir (Bd I 406) BO. ; GRPr. ; GSa. ; U. 

jiere": 1. Pron. poss. 3. Pw»Sg. f. GRPr. — 2. jero*, 
Pron. pcrs., 3. Pers. Sg. f. Dat. Golden Bund 1658.. 

jierne": 1. Pron. pers. 3. P. PI. Dat. GRPr. (neben 
ine" und gekürzt ne*J. — 2. Pron. poss. 3. P. PL GRPr. 

-- Vgl. iren Bd I 411/2. 

Jör(r) Schw; S (neben Jer); ZO., Jöri Aa; Gl; Gr 
(seit dem XVI.); Obw (Familienname ,Jöry', noch 1616 
Jörgi* geschrieben); 1716, Z Druck, Jerli Sch, Jörfrjli 
S (neben Jerli); Th; Z, Jörrel ZO. (grob), Jerg(li) Bs; 
L; Sch (,N. N., Jergen Sohn.' 1706, RebbüchU); Th; 
W (JergiJ, Jörg Aa; Ap; B; G; Z; häufig in der ä. Lit. 
seit dem XV., Jörggel AAOberfl., Jergg L, Jerk, Jörk 
Bs; L; S, Jörtschfi) Gl; GRPr.: 1. Taufname, Georg; 
s. Bd II 51. Zsgs. mit andern Namen : Jöri-Jokeb Aa, 
Jörr-Lieni Schw, Ben-Jöri B (Glur), bes. aber mit 
Hans, wobei der Name vielfach verstümmelt wird, 
indem vor Allem das cons. j sich in voc. i verwandelt; 
vgl. Anm. zu Jäger und ßrandst. 1883, 17. Auch 
Name des Kalenderheiligen. Dem Jörr rüefe*, sich 
erbrechen ZO. (JSenn); vgl. Uelerich. En holziger 



Jörg, ein herzloser, gegen Schmerzen unempfindlicher 
Mensch B; Z; ,homo sensus ezpers.* Id. B; vgl. Bd 11 
1267. An St Jöristag muss ein ruchloser Senne auf 
dem Glärnisch umgehen; s. Gl Gem. 313. ,Der stei- 
nern Jörg*, ein Brunnenstandbild. 1503, Bs Jahrb. 
1886. ,Einer fart uf z' himmel schnell wie Sant Jörgen 
Schimmel.* U Eckst. ,Jörigcn' (1406, Wegelin), ,Jöryen* 
(1501, Gfd), ,Jeris* (1549, Gr Rq.) ,tag*. — 2. appel- 
lativ. a) Jöri, Fastnachtsmaske. Die Einderschar läuft 
hinter den Masken her mit dem Neckruf: Jöri, J., 
Butz! oder: Jöri, J., Chuttle^bUtz [-Fleck] Gr (Vonbun 
1862, 68/9. 104). — b) Lang- Jen, Spottname auf einen 
langen, hagern Menschen ScnwE.f — 3. Jöreli, Name 
einer Kartoffelsorte Gl; Synn. s. Bd I 380. 

Ein ,6eorg Tschudi* heisst bald ,JOrg*, bald ,Gori' (?gl. 
Bd II 408). ,Jorig* (XVI., Sprfingli) ist doch wohl fehler- 
haft für ,JOrig\ Vgl. noch Gerig Bd II 404. Za 3. Der 
Name mag erkl&rt werden wie die Benennungen mancher 
Frachtsorten; vgl. Han»-Udi-Ep/el Bd I 880. Vgl. noch 
Schild 1873, 21. 

Jorre'* m.: furchtbarer Sturmwind BO. Schatten- 
halb-J,, Sturmwind, der zur Winterszeit ,8chattenhalb* 
von der Grimsel herabföhrt BoHa. 

„jurre": brausen, wirbeln, vom Sturmwind bei 
Ungewitter oder Schneegestöber BO." 

Vgl. die Synn. hurren, Jurmen; viell. auch ur Bd I 420. 
Andere Synn. s. bei guxen Bd II 571/2. 

„jarrleB: tölpisch trillern W." — Vgl. jauren, 
jurren, hurrlen Bd II 1584. 

Jarist m. : Rochtsgelehrter, nur in spöttischen RAA. 
GTa.; ScnSt. En rechte^, ken J. sl*, ein Schwachkopf. 
Es bracht ken J. zu Dem, dazu braucht man nicht 
bes. geschickt zu sein GTa. 



(Chä8-)JäPb (in BSi. lerb, in BG.; „F- Erb, in 
Gl Jirb, in W auch Gärb, neben JärbJ — in. Bs; B; 
VO; GA.; S; V\r, n. BG., Si.; „F;" W, Järbe* f. BHk.: 
dünner, elastischer, zsziehbarer Rahmen oder Reif von 
der Höhe der Käselaibe, aus Buchen-, Ahorn- oder 
Tannenholz oder Rinde, in den man den oben aus 
dem Kessel genommenen frischen Käse fasst, um ihm 
durch Pressen eine runde Form zu geben, Käseform. 
aaOO. ,Käsj erben, käsring, -reif, die formen, darein 
man die milch, so dick von dem feur worden, ein- 
geusst, forma.* Mal. ,Ein 3—4 Finger breiter Ring, 
Käsjärbe genannt.* JJScheuchz. 1706 (Erklärung zur 
Kupfertafel); vgl. ebd. S, 33. Järbli, Form für die 
kleinen Ziegenkäse S. S. noch Käs-Fisch, 

Könnte, wenn nicht, wie viele Ausdrücke der Alpwirt- 
schaft, fremden Ursprungs, zu ,gerben* in dem frühem all- 
gemeinen S. ▼. ,zurüsten' gehören; vgl. unser gäch = nhd. jäh ; 
und wirklich wird auch für U die Form Gerb (U Gem. 1834, 
57), für Gl neben ,Kaseyirb' auch ,6irb' (Steinm. 1802, 130. 
174) angegeben, welche letzteren Formen allerdings mit dem 
Voc. « auf eine andere Fährte zu leiten scheinen. 

ungejSrbet: nicht mit einem Käsereif umschlos- 
sen, bes. aber bildl., unbändig, ungebunden, störrisch, 
von Menschen und Tieren BO. 

jerben: stutzen, abschneiden. ,In denen Bann- und 
Hochwäldern soll die Bäum und Grotzen zu järben 
gänzlichen verboten sein.* aNnw Gesetzb. Auch in 
den TB. Statuten, neben dem syn. »schneiten* (Copie 
von 1747). 



69 



Jard— jurd. Jartn— japin. Jarn — ^jurn. Jas — ^jus 



70 



Jordi: Taufnamc, Jordan; nur noch als Familien- 
name AAZof. t; XVIIL, Obw; = .Jordian/ 1516; ,Jor- 
din.* 1513. 



Jerman: = Oerman (Bd II 418). 1454, L Urk. 

j armen, jnrnen: =sjwrren BO. — Wohl lautmalendes 
W.; vgl. gurmen Bd II 419 and Jurren. 



b "-Jörne": ireinerlich klagen, durch wiederholte 
Bitten und Klagen lästig fallen; weinen BoAa., Sa., 
Sl.; Sjn. müeden. Dtts WibU hat schuf ter grüsam 
brieschet u»^ b*jomet über Zandweh. Scbwzd. Björn 
nit destdgen, ebd. Bisten und hj. B Dorf kal. 

Kommt nach einer Angabe auch in der Form bio(r)neH 
▼or, in welcher als Lehnwort auch die benachbarten frz. 
MAA. es besitzen. Ist das W. auf deutschem Boden er- 
wachsen, so Hesse sich etwa an Zss. mit jumen {tfiT jurmen) 
oder mit körnen (Bd II 1626) oder humen denken. Zu dem 
Wechsel zw. h und j Tgl. holen, haulen^ Jtauren : jolen usw. 
Grosse Schwierigkeit stellt aber das Suff. ,be-* entgegen, da 
die Bed. eher ,ge-* yerlangt; vgl. immerhin die Nbff. Biecht 
und Qieeht (Bd II 112 f.). 



Jas, jes, jis, jos, jus, bzw. jass usw. 

JSss: als Flickwort in die Rede eingeschobene Be- 
teuerung i. S. V. wahrlich BO., Schw. S. Bd I 198/200, 
Gott Bd II 519, Anm. zu ja und vgl. jo8 Bd II 217 
(unter göUig), 

Jass m., in Schw auch n. (Erzähler 1855): be- 
liebtes Kartenspiel mit 36 Karten (J,-Charten, -Spü), 
in dem es sich (beim gewöhnlichen Jass) darum han- 
delt, t durch Vorweisen bestimmter, beim Austeilen 
des Spiels zufällig erhaltener Kartenkombinationen 
(s. melden, lolsen), t. durch ,Stiche* im Spiel selbst 
möglichst viele Punkte (s. Äug) zu erhalten und so 
die auf einer Tafel notierten Striche bald löschen 
(s. putzen, toischen) zu dürfen. En J. mache*, schlä'^. 
En J. (/) s&bander oder e(ej Zweit, z(e) Dritte z(e) 
Viert. Anders: (En J.) ä* Viere", r* Drüe^ ab mache", 
nach der Zahl der notierten Striche. Def kritisch J., 
Jass, in dem einer von den (gewöhnlich 3) Spielern 
es mit den andern aus freien Stücken auf eine be- 
stimmte Farbe als ,Trumpf aufnimmt, wobei dann 
seine Gegner gegen ihn vereinigt spielen und er min- 
destens so viele Punkte zu machen hat, als sie beide 
zusanmien Z. Wer zum ,J.' einladet, verliert nach 
dem Volksglauben das SpieL 

Das Spiel, welches nachgerade alle anderen Kartenspiele 
fast g&nzlich yerdrftngt hat, und der Name wohl durch unsere 
Söldner in holländischen Diensten in unser Land yerpflanzt 
Übrigens sind Spiel und Name (Klaver-Jcu9) bes. auch in 
den Rheingegenden bekannt und könnten daher beide die 
alte Handelsstrasse rheinanfw&rts gewandert sein, wofür sich 
auch sonst Analogien finden. N&heres Über das Spiel selbst 
s. in den ,Rege]n des geselligen Jasserspiels.* Zürich, Loh- 
bauer und bei HKoch 1891. Die Unterarten des ,JassesS 
deren Benennungen und Regeln sind z. T. starkem Ortlichem 
und zeitlichem Wechsel unterworfen; ganz Tergessen ist z. B. 
der ScheUen-^a»9, 



Fischentaler-, Bärentschwiler- Z, Schaff- 
hüser- Th: Jass unter 3 Teilnehmern, von denen 
jeder 12 Karten erhält Je einer der Teilnehmer spielt 
eine Partie für sich allein, indess die andern beiden 
vereinigt gegen ihn spielen, doch muss er, um zu ge- 
winnen, nur V> od^i" V* dci* Punktzahl der beiden 
Gegner erreichen Z; unter die geringem Arten ge- 
gerechnet. Abi. fischentaleren. — Hand-: gewöhn- 
licher Jass, in welchem Jeder im Gegs. zum feinern 
und schwierigem ,Kritisch-* oder ,Krüz-J.' auf eigene 
Hand und Bechnung spielt (vgl. Bd II 1386); spöttisch 
auch etwa StaUchnechte^-J. oder scherzh. Feld- und 
TTwe»-/. genannt. — Chrüz-: Jass unter 4 Spielern, 
von denen je die 2 am Tisch quer einander gegenüber 
sitzenden zshalten ; im Gegs. zum »gewöhnlichen Jass' 
werden wie beim ,Schmaus-J.' nicht auf der Tafel 
notierte Striche gelöscht, sondern die Entscheidung 
hängt davon ab, welche der beiden Parteien zuerst 
eine vor Beginn des Spiels ausgemachte Zahl von 
Punkten (gewöhnlich 500, 700 oder 1000, Letzteres 
bes. beim Henken) erreicht; die Punkte werden auf der 
Tafel auf der Form eines lat. Z notiert. — Raub-: 
= kritischer J,, in welchem Derjenige, welcher das 
Spiel gegen die Andern aufgenommen, das Becht hat, 
gegen die geringste Karte (.Sechser*) von seinen Geg- 
nern eine ihm dienende Karte der selben ,Farbe' zu 
verlangen und auszutauschen. — Hindersi**^-: Jass, 
in welchem die Aufgabe die ist, möglichst wenig 
Punkte zu machen Z. — Schmaus-: Jass unter 
2 Spielern, von denen zwar jeder wie beim gewöhn^ 
liehen J. anfanglich 9 Karten erhält, nachher aber 
das Recht hat, nach jedem Stich von dem übrig ge- 
bliebenen Haufen eine ,aufzunehmen' und so die Zahl 
seiner Karten wieder zu ergänzen; das complicicrteste 
aller Jassspiele. Abi. schmausen. 

Zebedäus-: ein ,Krüz-J.' mit einem stummen 
Teilnehmer, indem 9 Karten für den ,Zebedäus' offen 
auf den Tisch gelegt werden; je einer von den 3 Spie- 
lern muss der Reihe nach mit dem Zebedäus als 
Partner spielen Z. 

Zebed&us spielt im Evangelium Matth. eine stumme Rollo, 
da nur seine Söhne und seine Frau hervortreten. Die sonder- 
bare Bezeichnung ,die Mutter der Söhne Zebed&i* gab dem 
Volke auch sonst Anlass zu Witzelei. 

Zuger-: Jass, in welchem an jeden der 3 Teil- 
nehmer 12 st. 9 Karten verteilt und bei der Notierung 
der Punkte nur die Zehner berücksichtigt werden. 
Hat die Summe aller notierten Punkte eine vorher 
festgesetzte Zahl (gewöhnlich 300) erreicht, so wird 
die Rechnung abgeschlossen und jeder Teilnehmer 
bezahlt (bzw. erhält) so viel Mal z. B. 3 Cts, als er 
Punkte unter (bzw. über) 100 hat Z. 

jasse": ,Ja88* spielen, allg. 

Zurzach-Jasser: Spieler, der das .Jassen* aus 
dem Fundament versteht Z; vgl. Z.-Kegler. 

Eigentlich ein so geübter Spieler, wie solche vormals, 
da noch die grossen, weither besuchten Messen in Zurzach 
abgehalten wurden, an diesem Orte zu finden waren. 

Jassi f.: ein Spiel Karten zum Jassen Z (scherzh.). 

Jasse" m., Dim. Jassli: Schiff mittlerer Grösse, 
jetzt vor Allem zum Personentransport verwendet und 
darum auch mit einem Schutzdach überspannt (daher 
auch Boge'*-J. L), früher dagegen als Lastschiff auch 
von allgemeinerem Gebrauch VO. ,Den 6 knechten in 



71 



Jas, jes, jis, Jos, jus 



72 



dem nieren j. 16 ß; den 13 knechten, so den burger- 
meister fnerten in dem minren j. 35 ß.' 1337, Z Seckel- 
amtsrechn.; vgl. über diese beiden obrigkeitlichen 
Schiffe VöG.-Nüsch. I 559. ,Sy sond ouch, was nauen 
sj machen, die klein nnd jasen syn sollen, in der 
kleine machen als jasen und [dass] denn ledenauen 
nit glych old eben gross sygen.' 1469, L Ratsverordn. ; 
vgl. Seg. RG. II 246; ferner Gfd XXXU 162/3. Auch 
in L unterschied man einen ,gros8en' und einen ,kleinen 
J.* Schiffherrn-LiBELL 1745. 

Viell. aus 'Jacksen, Jachzen durch Assini ilntion wiö Jiuia 
»US Jüch« (Jüehx), das W. wiro also eine Abi. Ton jagen; 
Tgl. nhd. ,Jaüht* und unser Jäger. 

jässlig: steil GW. 

Wahrsch. Weiterbildung des syn. gäeh» bzw. Jäch (vgl. 
JAchi) und zwar von der Adv.-Form gaehea (jaehes) ans. 

Jaasel m. : Hitze, Blutandrang nach dem Kopfe AaB. 

jansse" I: laufen, jagen BG. (Zyro). Vgl. jausten, 

G*-jätt8: lärmendes Treiben, Lärm TnWeinf. 
(Pup.); Syn. Gejös, Gehens. 

jausse" II 3, jamseti. 

G«-jf8 n.: Gehege, doch nur bildl. in stehenden 

RAA.: lJ7t"'m im G^j. inne* stä"*, im Wege stehen; 

gang-mer us ^em G'j, use""! GlH. 

Viell. eine Yerqnickung zweier in fthnlichen RAA. ge- 
brauchter Synn. 

»G'-jegg n.: erbärmliches Klagen AaP.;L"; Syn. 
Gejebd. 

jesele" „L**, jdsle* I SchwE., jesCeJne'* BSi.; VO; 
Gr; W (jesunuj, Jessene* AaF.; L", jes(8}me* Gr; 
GRh., jesesle" GA. : den Namen Jesus brauchen, bes. 
in Ausrufen der Verwunderung, Beteurung, vor Allem 
aber der Klage, daher so viel als: beteuern, wehklagen, 
erbärmlich jammern, seufzen, winseln. aaOO. — Vgl. 
auch jam»en, mit dem es sich z. T. berührt, ferner achenen. 

Jesuit Josfwlt F, Jesuiter Ap; B; VC; G; W; Z: 
1. wie nhd. , Jesuiter.' RCys. Entstellt: ,l)ie Jesu- 
wider.' EvANG. Gegenber. 1588/1658 (neben »Jesuiter'). 
,Ein schantlicher, arglistiger und Jesuwidrischer Griff.' 
ebd. Dazu d* Jesuitere* sc. Kirche L. — 2. oft Dim., 
(leichter) Rausch Ap; B; VO; G; Z. En Imtigs Je- 
suiterli ha* L. 

Eine andere Entstellung s. Bd I 513/4 (EmuU). Die 
scheinbare Fem.-Abl. auf -ere" ist nichts Anderes als der 
Gen. PI., abh&ugig von einem ausgelassenen weibl. Haupt- 
wort; vgl. ,die PRsteren' sc. Zunffcstube. 2 wahrsch. aus 
dem Biercomment der Studenten, wo die verschiedenen Grade 
von Biercapacität nach den Graden der Hierarchie benannt 
werden. Doch Hessen sich wie bei den Synn. tierli, Kapu- 
ziner auch andere Beziehungen denken. 

Jesus: 1. Jes^s, im Segensspruch: Gelobt sl J. 
(verstümmelt 'bsjeses L) Girist! kath. Schweiz; von 
alten Leuten noch als Grussformel beim Betreten 
einer Stube, auch etwa bei Begegnung auf der Strasse 
verwendet AaF. Eine unheimliche Begegnung fordert 
man auf, den Namen J. zu sprechen, damit sie sich 
als guten Geist zu erkennen gebe; s. Schimpfr. 1651, 
186. — 2. mehr oder weniger abstr. und in mannig- 
fach entstellten verdeckenden Formen (und weiter ab- 
geschwächt durch Dim.-Bildung) in Ausrufen, a) Jes^s, 
Jesis, allg. (in B; GA. auch mit vocalisiertem j, also 
mit Diphth. ie; in BM. auch etwa IsenJ, Joses Gr; 
GRh., Sa.; ScHW; S, Joses, Juses F (in Ss. Dim. auch 



J%sesli)f J^sses (mehr scherzh.) Aa; Bg; L (auch diphth. 
lesses, doch selten); Z, Jössus W, Jes Ap; GrD., Jits8(e*) 
AAZein.; Z, Dim. auch Jesdi BBurgd. — b) Je. allg. 

— c) Jere(U). allg. (in Aa; B; L auch Jerre, diphth. 
lere B, in S Jöre, in W Jero), Jeri in der Vorbindung 
mit ja (8. Sp. 1), Jeres Uw, Jure F. — d) Jerum Aa; 
Bs; B; Sch; Th, Jerem Gf. — e) Jemer(li) Bs; B; 
Sch; Th; Z, JemersßJ, Jemerfijsch (It Sprww. 1869 
auch Immers) Bs; B; S. — f) Jemine, „Jemini*" Sch; Z. 

— g) Jent BoSi. — h) Jeger(U) Aa; Ap; Bs; VO; 
Gl; Gr; G; Th; Z, Jegerflijs Aa (in F. auch Ji-); 
Ap; Uw, Jegersch GA. (s. e Bd I 12), Jegere AaF. 
(neben J^gere)^ Jögere AARohrd., Jugersch P (nur in 
der Verbindung mit nachgesetztem Maria). — i) Jeg- 
ger(li) Bs; B, fptggeris AABr., Jtggi(s) Bg, „Jffc", 
Jeker(U), Jekerfijs VO (neben JekerschJ, Jökeris S, 
Jeckerli AaF. (neben /e-), Jeklis. Iheichbit 1859, „Ja- 
kerlig VO", Jekos W. — k) Jechess üwE., Jechers Ü, 
Jechter(li) Ap; G, Jechtersß) GRh., T., JBchterlig GStdt. 
Selten stehen jedoch die Formen allein schon inter- 
jectional, sondern meist mit vorgesetztem Herfr), ver- 
stümmelt He (s. Bd II 1526), nachgesetztem (ausser 
bei Je, Jemine, Jerum, JesseJ Gott (s. Bd II 519). 
Zur Verstärkung dienen auch^ die Vorsetzung von 
Interjektionen wie e, ei, o, ach, hei (s. Bd II 852), des 
Pron. poss., die Nachsetzung von t (GRPr.), (denn 
doch) at*'*, die Häufung verschiedener Formen, sowie 
die Verbindung mit den nachgesetzten Namen Marias 
und Josephs (indem die ganze h. Familie damit an- 
gerufen wird). Jere(s)-Je Ndw; (Herr) Jekerlis Je 
ScHw. Joses bi Götz! Ausruf der Bewohner von Schw^ 
Steinen. ErzXbler 1855. Jeker(li)s Mareic* imd Satit 
Josep! AaF.; L. Äch Jes Marei und Joseph! AIIalder. 
Jesis Mareie*, het d* Suppe* lo** g'heie*! Bs (scherzh. 
Reimerei). Aber ach, min Herr Je! Z (üsteri). Spec. 
a) Interj. der Verwunderung, des Staunens, auch des 
Schreckens Aa; Bs; B; VO; Gl; Gr; G; Sch; Th; Z. 
E Jegerli (Herr Jegers), wie schön ist das! Nu, Büebli, 
chumm, Herje, ruft ein Vater, der dem Knaben einen 
Kometen zeigen will. Schild. Sache*, Herr Jesesli, 
tcetta^ [was für welche]! GnPr. (Schwzd.). Jemer 
au*^\ was ist a«** das? KdMeier 1844. Aber Jechter, 
wie-n-e* Mengi so Wörter het *s! JStvtz. Her Jemers 
Kraft, was du nOd seist! CWXlti 1848. Jössis und 
erlös-is, isch das e* Glünggi! Prophet 1855. ,Potz 
Sapperment, Jegers heja!* ApTrog. Wocbenbl. 1829. 
,Herr Jemer, fuhr sie mit grosser Bestürzung aus.* 
SiHTEM. 1759. — b) Interj. des Schmerzes, Bedauerns, 
der Klage, übersetzbar durch: o weh, ach, o wie 
Schade! allg. Jeger-ö süfzge*. Stütz. O Jere Gott, 
Jere Gott, wie hätt-i^^ gern e" Ma**! Jere Gott, 
Jere Gott, iee muess-i^'' keine* ha* L Lied. Jere 
Marei e, was fönd-mer rti*"* a*? 's sind eusre* drei 
Schwöstre*, 's hed keini ken Ma**, ebd. Herr Jesus 
(Jesis) pfife*, Zeter und Mordio schreien, vor Schmerz 
S; vgl. Gott Bd II 513 und s. fauzen Bd I 1147. ,Die 
Wetters Geissen! Hatt ich sie bei den Ohren — sie 
sollten Herr J. pfeifen.* BWvss 1865. ,Ach Jeress 
Gott, myn lieber Herr!* Com. Beatl ,Jegerlis, Je- 
gerlis, b'hüet-is Gott!* JMahl. 1674. — c) Ausruf der 
Bekräftigung, Beteuerung, wahrhaftig, meiner Treu! 
Ap; S. Jökeris Gott! S. I"* hett 's Jechter nud g'globt 
[geglaubt] Ap. — d) der Bejahungs- und Verneinungs- 
partikel zur Verstärkung vorgesetzt, übersetzbar durch : 
Ja wohl, ja doch, bzw. durch: bewahre nein! Aa; Bs; 



73 



Jas, jes, jis, Jos, jus 



74 



B} P; VO; ScH; Z. Jeger, Jere, Jemtrjö! Ja, Jere nei! 
GoTTH. .Die jungen Kinder, welche immerdar den 
Nammen Gottes im Mund haben: A Gott ja wol, ä 
Gott, was sagst! Jesus Gott! Jesus ja! Jesus nein!' 
FWtss 1670. Auch andern WW. «ur Verstärkung, 
bes. Adjj. zur Steigerung, vorgesetzt F; s. ßm Bd I 
1019. — 3. Jesfsjesli, Jesisli AiBb.; Sch; Th, Jasesli 
AiBb., Pflanzenname, a) dreifarbiges Veilchen, yiola 
tric. Aa; Soh; Th. — b) Ackerveilchen, yiola ary., 
doch vom Vor. gewöhnlich als Fdä-, wüds J. unter- 
schieden AiBb. Auf dem Grunde der Blümchen beider 
Pflanzen glaubt man die Nägelmale der Wunden 
Christi zu erkennen, weswegen man sich hfltet, die- 
selben zu pflflcken oder zu beschädigen. Vgl. auch 
JesuS'Bluem, 

Das Schwanken der Quant, des Stamm- Yoc. ist abhängig yon 
der grossem od. geringem Emphase des Aasdrucks. Auf den 
gleichen Grund ist auch das Schwanken (bzw. die Verschärfung) 
des aaslantenden Stamm-Cons. zurückzuführen; so erscheinen 
die Formen auf kx gegenüber denjenigen auf eh (und g, gg) 
als dynamische Steigerung ähnlich wie Eiktr gegenüber Eicker 
(^ Eid); ygl. auch heUker= keüi$ch; ähnlich yerhält es sich 
mit dem dunklem Yoc. in «/o««e», J««et; ygl. Fr. Ztschr. IV 129. 
Die Verwandlung des j in i kann z. T. dem Streben nach euph. 
Verdeck ung des Ausdrucks, z. T. der Hast zugeschriebeu 
werden, mit der das W. oft in bewegter Rede als Interj. 
ansgestoBsen wird; weniger kann im yorliegenden Falle 
Tonentzug infolge der allerdings häufigen Verbindung mit 
Herr und Gott mitgewirkt haben, da dieser tibh. nur selten 
einzutreten scheint. — Die Formen auf t bei c, e, b, i, k 
stehen zwar häufig, doch nicht ausschliesslich yor folgendem 
Oott, Maria und haben eig. den Schluss-Gons. des Grund- 
wortes herüber genommen; das Volk jedoch fasst die betr. 
Formen als Analogiebildungen nach den genetivischen Schwur- 
wOrtern Herrgott», Ketzert, Täggers, Wetter» auf, zu denen ein 
Beziehungswort wie Zug oder ein anderes Schwurwort wie 
Hagel, Keib ergänzt werden kann. Die Formen auf -er sind 
wahrsch. Analogiebildungen nach (Gott) Vater. — In Jähtrlig, 
Jeehterlig (welche zunächst Weiterbildungen der entsprechen- 
den Dim. -Formen auf -li sein wollen) ist -lig eig. das patro- 
nymische -(Ding, welches auch andern SchwurwOrtem als 
euphem. Abschwächnng angefAgt wird ; vgl. Wetterlig, ferner 
auch Scheltwörter wie Narektling u. A. — Zu Jure ygl. die 
ebf. in F yorkommenden Formen Ju^e», Jngereeh. Jimer 
kommt beinahe nur (das ywdte Jemine ausschliesslich) in 
Bed. 2 b yor, wobei der Anklang an Jamer von Einfluss 
gewesen sein mag. Auf die Form mag mhd. iemer, insofern 
es in steigernder Bed. vorkommt, von Einfluss gewesen sein; 
ygl. den Klageruf: ,Ach Gott, ach Gott! ach yemer m6!' 
JBinder 1535. — Jemine ist Analogiebildnng nach Domine. 

JSs m. (in ZRorb. n.): Gärung Bs; B; S; Z; Syn. 
Jast. In J, chö% von Most, Heu u. A. Der Mist ist 
im Jas ^'»t", ^€is8 er g'rückt und 'dämpft hat. Schild. 
,Schmerzen treiben die natürliche Wärme im Menschen 
auf, gleich als in ein Jas.* PWys« 1650. ,Er ist ganz 
im Jas, zornig.' Mbt. Hort. 1692; Schulze. 

Jose", Präs. jisst Aä ; Bs (Spreng, moderner jesst) ; 
ScH; Th (in Hw. isst); Z, Ptc. ^j&c- Aa; Ap; Bs; L; 
Th; Z, s^jiset VO; Gr: garen. 1. zunächst von gei- 
stigen Getränken, doch auch von andern Stoffen, sowie 
bildl. allg. Der Ziger wird tn-e" Salzfass 'brockt, 
cha** do Josse'' mänge' Tag, bis-men-e"* rerbrüche'' mag 
Gl (Schwzd.). ,Dic Sache sagen sei weit besser, als 
den Ärger so in sich zu verschlucken; da jäse dann 
dieser und breche zuletzt unaufhaltsam aus.' Gotth. 
,Der wein gisst.* Fris.; Mal.; = jiset.» Dxmzl. 1677; 
1716. ,Wann die Natur solch Fäulungsgift mit einem 
Jäsen auszutreiben anhebt.* Hauptweh 1690. ,Da8 



gelbe Pulver machet, so man Etzwasser angiesset, ein 
starke Jäsung.* JJSoheüchz. 1706; = ,Gährung.* 1746. 
S. noch Güsi Bd U 478, Hebd Bd U 943. — 2. von 
der Fäulnissgarung, faulen, modern VC; Gl. Eitern, 
von Wunden BSi. ,Tote flügen, die die wolriechenden 
gesälb faulen und jäsen machend.* 1531/1648, PRsn. 
Neben der mhd. (und mundartlichen) Form jif9en her 
geht eine literarische Form J&hren*, z. T. in den selben 
Quellen, so bei JRLandenb. 1608 (,Most, welcher noch j&rt 
oder jyst*); JZiegler 1647; Hauptweh 1690; JMuralt 1697. 
Es ist eine Yerquickung von MA. und BQchersprache ; die 
letztere hat mit ihrem Ptc. g'gore* die crstere an einigen 
Orten bereits verdrängt. 

ta-: zu Ende gären, im bildl. S. ,Einen solchen 
Gärnngsprozess hat man halt für Liebe angesehen; 
es hat nun ausgejäset; der natürliche Zustand kehrt 
wieder.* Gotth. 

ver-: 1. a) aus, zu Ende, „zu viel" gären, allg. 
Verjesner Tf i»; auch Splkibs 1667; DknzL. 1677; 1716; 
Z Mand. 1755. ,A. 1370 wart der wynmönt also kalt, 
dass der wyn an den rSben gefror und wollt derselbe 
wyn nie vergesen unz an die pfingsten; man trank 
den ganzen winter most, der was süess alse honig.* 
Z Chr. ,Legt die oliven an sondere ort, bis sie wol 
V., dass die haut gar ronzlecht wird.' 1595, ThPlatt. 
,Trauben rupfen, mit gutem Wyn das Fass füllen, 
verschlagen und wann er gisst, taglich 2 Mal daraus 
lassen und andern Wyn daran schütten, bis er ver- 
j6sen.* 1686, ZZolI. Hcrbstrodel. ,Wein [als Abgabe] 
nicht als Most, sondern wenn er verjäscn, geben.* 
1728, Abbch. ,Das Vieh mit frischem Gras oder wohl 
vergohrtem (nicht mehr schwitzendem) Heu füttern.* 
L Intelligen zbl. 1822. Obertr.: ,Das langbartisch bluet, 
das undertrnckt was, wollt nit v.* Vad. — b) ver- 
wesen, -modern, z. B. von Fleisch, aufgeschichtetem 
Rasen B; VO; Gl; Gr; W. ,Venenum, ein salb, dar- 
mit man ein leichnam balsamiert, darmit und er nit 
verjäse.* Fris. ,Eincs toten Menschen Cörpel, der 
glychwol allerdings verjäsen, jedoch das Corpus des 
Gebeins noch ganz [gewesen].* RCys. Auch bei VAn.; 
JMabl. 1620. — 2. verjähren, von Rechten üwE. 

2 erklärt sich leicht aus der Bed. 1 b: zu Grunde gehen, 
,dahinfallen*. 

JG8 I, Jöst: 1. Jos Gl, sonst Jöst, Taufname, 
Jodocus Ap; VO; Gl; G. Bittet's Brest [alte Jungfer] 
zum Helge* Jost, so kriegt 's no^^ zuletzt en Ma'*'^ zttm 
Trost üw (Schwzd.). Jost, gib der Chatz en guete* 
Drost [Etw. zu fressen] L (Scherzreim). Der ,h. Jost* 
wurde besonders als Schutzpatron gegen Engerlinge und 
Käfer angerufen und darum sein Tag [12. Dez.] It Be- 
schluss der Landsgemeinde von 1469 in U jährlich fest- 
lich gefeiert; vgl. Gfd XVII 156, ferner dazu Zwimoli 
n 35. Auch Kapellen und Kirchen wurden dem Heiligen 
geweiht, so zu AaB.; L; G; Schw; S; Zo. ,Sant Josen 
kilbi ge&llt am nächsten Sonntag nach unserer 1. 
frauen tag der gehurt.* XV., Jahrzeitb. S^HwObergass, 
woselbst in der Kapelle unter dem Bilde des Heiligen 
geschrieben steht: ,Gott tat mit St Jost gross Wunder; 
d' Vögel und d* Fisch spyst er besunder*; vgl. auch 
NüscH., Gottesh. Hl 519. — 2. halb appellativ als 
Schelte auf einen einfaltigen, bzw. langsamen, steifen 
Menschen G; UwE.; auch zsgs. G'stab-JösGW.; Syn. 
Qtstabi. — 3. Jos, Name des Treffbuben (höchsten 
»Trumpfes*) im Kaiserspiel VO. Der Ratsherr sticht 
mit ^em J. tmd ist üs. Obw Volksfr. 1882. Der J, 



75 



Jas, Jos, jis, Jos, jus 



76 



macht alli Stich (Spü). Spieler: »Arbeiten tuot mir 
also wee; darum so will ich allzeit ehe schellen-jösslin 
[Schellenbube] und den könig in händ tragen leicht- 
sinnig/ SoHEKTW. 1579. — 4. Familienname Sch; früher 
auch in B; Gr. — jöstle": dumme Streiche machen 

üwE. 

Trotzdem in neuerer Zeit die Namensform Jö» als Kfir- 
zung anderer Volluamen gebraucht und angesehen wird (It 
St. im Th für Jonas; vgl. auch ,Jo8ua, Joseph^), so scheint 
sie doch in der ft. Zeit die aosschliessliche oder wenigstens 
überwiegende für Jodocns gewesen zu sein. Dafür spricht 
insbesondere deren Vorkommen in den ä. Belegen, welche 
sich auf den Namen des Heiligen als Kirchenpatron direkt 
beziehen; vgl. noch Nüsch., Gottesh. III 482. 557. So sind 
wir denn auch wohl berechtigt, den in &. Zeit vorkommenden 
Personen- und Familiennamen ,Jo8', bzw. ,Jos8' (151^, Arch. 
Jen.; 1514, Gfd; 1555, ZGrün.; 1774, ZHinw.) hieher zu 
ziehen und nicht auf einen der oben genannten oder etwa den 
in ä. Zeit auch vorkommenden YoUnamen ,Josias' zu deuten 
(der bekannte Dichter war demnach nicht ein ,Jo8ias% sondern 
ein ,Jodocus Murer.* 1530/80, Z). Das Selbe gilt dann auch 
wohl für die Orts- und Flurnamen: «Josenhof ZB&r., ,Jos8(en)- 
hüsli.' 1653, AaWett. Klosterarch. ; 6, ,Jos-Rüti* GTa. In 
2 ist der, wie wir annehmen, bei Bauern h&ufige Name 
(,Jo8t* bei Myric&us 1630 = der Bauer) appell. gewendet 
Neben der Form ,Job' kommt nun allerdings früh schon 
einzeln auch die Form mit angetretenem t vor, die noch mit 
grösserer Sicherheil als die eben genannte auf ,Jodocu8* be- 
zogen werden kann. Wir kennen sie fQr den Namen des 
Heiligen: ,Ze sant Joste.' 1287, Z (vgl. Gfd II 76); als 
Personennamen: ,Jost zer A.* 1419, Seg. BG. (und sonst); 
als Familiennamen. XV., B; Schw; XVII., Gr; W; endlich in 
Ortsnamen, wo sie heute, wie in dem Personennamen, über- 
wiegt. Irriger Weise ist in neuerer Zeit ,Jost* auf ,Jn8tus' 
bezogen worden; vgl. Osenbr. Bilder II 3; It Hunz. 142 
wird im Aa Jöh allerdings in diesem S. gebraucht Wenn 
für Jo9 8, wie oben gesagt, die Bed. ,Bauer* angenommen 
werden darf, so würde die eig. Bed. von 3 sein: Bauer im 
Kartenspiele. Auch das im Holl. vorkommende Ja» für den 
Buben im Kartenspiele scheint auf einen Personen n. zurück- 
zugehen. Viell. ist der Spielansdruck Jöselen* bei Schm.-Fr. 
I 1211 zu vergleichen. 

Jos II G, Jösli G oT., Josin Ap, Jos^we Gl, Jo»ube, 
Josebe G; Schw; Zf, Be SchwE., Jös(U) G, Jusiia Ap: 
Taufname, Josua. Die Verkürzung Be wird auch 
andern Namen vorgesetzt, z. B. Be-Brösi, Josua Am- 
hrosius SohwE. 

Lt Tobler 286 b soll in ApH. Josna auch zu Jott ver- 
kürzt werden. Jo»ube zunächst aus Jo9uwb, und dies aus 
Jo9uä, Gen., der ans der Verbindung mit ,Tag* udgl. sich 
festsetzte. 

Josaphat, nur in der Vorbindung mit ,Tal'. 1. Jmd 
,ins Tal J.', vor das Gericht Gottes, das Weltgericht, 
laden, welches, wie man nach Joel III 2 glaubte, am 
jüngsten Tage im Tal J. Statt finden sollte. Die La- 
dung war ein Appell an die Gerechtigkeit des himm- 
lischen Richters von Seite Solcher, welche hienieden 
die Opfer harter oder ungerechter Urteilssprüche wur- 
den oder schutzlos den Bedrängungen eines Mächtigen 
Preis gegeben waren. Von einem Sterbenden ausge- 
sprochen, hatte dieselbe nach dem Volksglauben zur 
Folge, dass der Geladene dem Vorausgegangenen bald, 
bzw. innerhalb der von Diesem bezeichneten Frist 
folgen musste. Der dem Feinde zugcschleuderte Huf 
wurde so ein Racheschrei zu Gott, eine Verwünschung 
im Namen des Herrn, und noch im Anf. XIX. nahm 
man an, dieselbe führe auf den davon Betrofifencn 
Gottes Strafe in Form von allerlei Missgeschick in 
Haus und Familie oder seinen eigenen Tod in kürzerer 



oder längerer Zeit herbei ZO. ,Der Mann, der mit 
dem Vogt gerechnet, ihn ins Tal J. eingeladen und 
dann in der Nacht sich an einer Eiche erhenkt hatte.' 
HPest. 1785, 207. In ä. Zeit häufig von Verurteilten 
auf der Richtstätte Angesichts des Todes ihren Rich> 
tern zugerufen; vgl. darüber die Beispiele bei Libbenau 
1881, 97; OsBNBR., Studien 833/6. Mit etwas anderer 
Wendung sagt ein ebf. zum Tode Verurteilter; ,Ich will 
ein frommer mann sterben und im tal J. myn Unschuld 
bezügen.' Ardüser 47. ,Dise Berufung und Einladung 
in J-s Tal oder für Gottes Gericht ist zu diesen Zeiten 
sehr gemein, ja so gemein, dass, sobald es Manchem 
nicht nach seinem eigenwilligen Kopf gehet, auch in 
geringen Sachen sein Erstes ist, dass er sagt: Dieser 
und Jenncr müsse ihm am jüngsten Tage für Gottes 
Richterstuhl Antwort geben.' Anborn 1674, 411; vgl. 
ebd. 408/65, ferner noch Monatliche Gespräch 1721, 
161/92. — 2. jBrüeder uss J. dem tal', Josaphats- 
brüder, eine religiöse Genossenschaft. UEckst. Klag; 
vgl. darüber Lonicerub, S. 36. 

Joseph, allg., doch meist nur als Name des Ka- 
lendertages. Dazu die Dialektformen, a) Joseb VO; 
1698, Z Urbar, Josep (t, Jösepp, t. Josep) VO; Sch; 
ThHw. ; W, Josöpp L; SoH, Osepp P, Josop W (ver- 
ächtlich, in der Verbindung cUter J.). — b) Jos III, 
Jos8 BO., Jösi BO.; F; U; W, Jesi F, JosdfiJ P (neben 
JeselJ; „U«, „JosU BGr.«, Jösisli F, Jdschi W, Jösd 
Schw. — c) Sev(Uj GoT., Seb VO, Sebi VO; S, Se- 
bel(i) Schw; Zo, „Sebsch Schw": Taufname. In Ver- 
bindung mit andern Taufnamen „Han-Josi ü", Hants- 
Seb Zq, Jose^'Marti" SchwW. (neben Josep-M.y Josep 
im wilde'' Ried, im Volksliede halb appellativ Name 
eines lustigen, leichtsinnigen Menschen L. Am Ka- 
lendertag [19. März] werden die ,Lichter geschwemmt.* 
Sprww. 1824. S. noch Sepp. 

Josepher: Name eines religiösen Ordens, nach 
seinem Patron benannt. UEckst.; vgl. Lonicerub 44. 

Jösi, Jdschi W, Seva, Dira. Seveli Ar (neben 
Seppeli)y Söffdi ThHw., Sebe VO, Seppe, Seppi (in L 
auch Söppi)y Seppfejli VO; Th, Sepple'' GRh., Sepel 
Schw (Vergröberungsform, daher Masc), Seppine, Sep- 
pene Bs; S: 1. Taufname, Josepha, bzw. (bes. die 
beiden letztern Formen) Josephine. Verbunden mit 
andern Taufnamon: Mari-Seve, -Sebe Ap; VO, Mar- 
Josi, 'Jdschi W, Mari'Sep(pß L, Babq-Sevq Ap. — 
2. Mar-Jösi, scherzh. für eine alte Doppelkanne W. 

G«-jÖ8: = Oejäus Th (Pup.). 

jösle'^ II: sich mit der Jagd abgeben, jagen Sch. 
— Jos 1er: Jagdliebhaber Sch. 

Unsere beiden WW. verhalten sich der Bed. nach za 
einander wie Gejäg b .-jagen. Jlitlen kann als Dim.-Bildang^ 
von jaudten I angesehen werden, wenn, wie in Gejäu», der 
Diphthong Zsziehnng in einen ein&chcn Voc. erfahren hat. 

Ja88el(i): Taufname, Julius L. 

jnsHC": = tisseti. (Bd I 559) GSa. 

h a - j u 8 n e ° : = hie- ussenen (Bd I 561) Gr Pr. 
(MKuoni). 

J'dssel m.: Brühe, Tunke. ,Jusel, jussel, aqua 
coctae carnis, iussal, iussellum.* 1429, Vocab. Sonst 
,Jüssel* in G Handschriften; Vogelb. 1557. 



77 



Jaseh— Jasch. Jasp— jusp. Jast— just 



78 



Jäsehe*" üürs.", jösche'* Gr (in Rhw. **), jöscherz* 
GRPr.: = haschen Bd U 1753, höachm Bd II 1759. 
Ab]. Jäscher, Jöscher. 

jssch, nur mit vorgesetztem {; Interj. als Ansdruck 
der Unzufriedenheit, leider; oder der Versicherung, 
Beteuerung, Bekräftigung, freilich, dennoch, trotz 
alledem (musst du)! GnSch. I jesch, iez chunnd er 
schon! Syn. i jet! — Wahrsch. = J«« (yon Jem»), 

jnsehle" (in STietst. jüschle'') : eine Arbeit mit der 
grössten Schnelligkeit verrichten, eilfertig Etw. abtun, 
hasten S. Der juschlet at*** mit s\**r Arbeit ! Nit ver- 
gSbff* jwfchlet er so und tuet une-n-e Chatz am Hals- 
li^g, Schild. 

Bch wahrsch. entwickelt ans «t and das W. daher znr 
Grnppe yiMt-, /iM/evi gehörig; doch vgl. auch hwchen Bd II 
1760, JuUch. 

j Uschi ig: sehr schnell STierst. 



jäsple": hastige Bewegungen machen S. Zahlet 
und jäsplet und gumpet uf sine* barfise* Füesse* ume" 
und ane\ BWtbs 1885. - Vgl. die Synn. ga»i}Un Bd II 
482, hatpUn Bd II 1762, jatten. 



Jast m. (in AiFri.; Bs; BSi. auch f.), PL JästCe""): 
1. Gärung Aa; ,L''. ,£s wird bei den Teutschen der 
J. oder Jäsen, je nachdem er in einer Materi ist oder 
die Leut guet oder schädlich bedunkt, mit einem ald 
anderem Nammen genennet: der Wein jäset, das Brot 
heblet, die Piren, der Käss usw. faulen.' JZiegler 
1647. ,Der J. ist ein Auftreibung der natürlichen 
Leibern von der inwendigen Hitz, verursachet in der 
Feuchtigkeit.' ebd. ,Das Mehl in dem Kasten kommt 
bei Bedeckung in einen solchen J., dass die Yer- 
Sprengung [des Kastens] zu beförchten.' 1708, Z 
Staatsarch. ,Fermentatio, J., das Jäsen.' Denzl. 1677. 
,Der Most hat bald gej essen; der J. und Geschmack 
war stark.' 1788, ZNiedergl. — 2. durch Gärung ent- 
standener Schaum, Ausschwitzung gärender Körper, 
Gärungsprodukt übh. , Dieses nennen die Schiffleut 
den Seeblühet und ist ein Gattung Jasts der darunder 
ligenden Erden.' HsEEscrer 1692. S. auch noch Feim 
Bd I 825 und Jast. Dampf. Dunst BsL. - 8. Hitze, 
im eig. und übertr. S., doch in der lebenden MA. nur 
noch in Beziehung auf den Menschen : körperliche und 
geistige Aufregung, allg. Im J, st». Oft gehäuft ver- 
bunden mit Synn. ,Komm, Bauch! der Erden J. wird 
deine Fett auskochen.' R u. CMet. 1650. Spec. a) Blut- 
wallung; Krankheitsanfall, Beklemmung Bs; Syn. Zue- 
Fall. Jast, en J. im Chopf ha"", z. B. von vollblütigen 
Personen; von solchen, welche geistige Getränke rasch 
geniessen. Unseri gueti Stadt Basel g'spirt 's aw'', si 
hikunnt dervo"* Jäste^. jy Rotsherene het c" schlechti 
[schlaflose] Nacht dure"* gemacht und der Adam fea"* 
gar nit begriffe'', was si uff ei'^mole* fir Jäste* iber- 
kunnt, dass si us ^em Bett an 's offe"" Fenster springe"" 
muess Bs (Schwzd.). ,Orgasmus, das Aufwallen, der 
J. des Geblüts.' Denzl. 1716. ,Durch den J. des Ge- 
blütes geängstiget werden.' AKlikol. 1691. Erhitzung, 
bes. in Folge körperlicher Anstrengung. P* bin in en 
J. cho"* de^ Berg uf [beim Bergsteigen] Z. Jäst und 
Wollige, weist, eao heiss ha" Aa. In alli Hitz und 



J, go* Wasser trinke* A^Fri. — b) Fieberhitze. En 
grosse* J, ha*, heftiges Fieber Aa. Schiüigi Jäst fther- 
chö*, schreckliche Fieberanfälle. Das ist halt hei* 
natürlichi Böti, seR) isch; 's sind nu Hitzen und Jäst, 
Stütz 1847. — c) fieberhafte Gemütsaufregung, heftige 
Anwandlung einer Leidenschaft, Eifer zur Arbeit; 
Angst; Hast. allg. öppis im J. tue* B. In aüum J. 
schaffe* W. Eine* in'n J. bringe*, erzürnen, aufregen Z. 
„Im ersten J., in der ersten Hitze; Jugend- J., Jugend- 
hitze." Er chunnt im J. iharg'sprunga GRPr. (Schwzd.). 
De^ Hächel hat si'''' ganz in e* J, ihe g'iferet ScH 
(Schwzd.). Das Tribe* mit J. bringt Beue* zur Last 
Th (Sprw.). Im J. sfFt-me* Nüt tue* als Floh föh* 
(flohne*), Sprw., wortspielend mit den Bedd. Zorn und 
Schnelligkeit. Wer wäPt nUd müesse* in*n J. cho*, 
wenn d' Lüt eso verfluecht chönnd lüge* Ober Ein**? 
Stutz. ,Er habe vor Ungeduld sein Schuhmacherzeug 
in die Stube hinausgeworfen und in der Sonne [im 
Gasthaus] seinen J. abgekühlt.' Brbitenst. ,Da sich 
der J., in dem der Pfarrer den Vogt [durch seinen 
Zuspruch] die ersten paar Wochen erhalten, nach und 
nach setzte.' HPebt. 1785. ,Ich war in J. und Hitze 
wie vertaumelt [in der Schlacht].' UBräoo. ,In dem 
ersten j. gar scharpf und unverzagt fechten.' Tschudi, 
Gallia. ,In unbesinnter Liebesjast.' Leu. ,Zeitungen 
nach den Begierden des Pöbels gerichtet und das ver- 
führerische Beispiel der Nachbarn erwirkten einen J. 
[zur Auswanderung nach Amerika].' Z Handelsgesch. 
1763. — d) nur als PL, Launen, Einfalle Aa; Bs; 
L; S. Mänge^ het, voU Jäste*, der Atider gern zum 
Beste*. SLandolt 1845. Der Khi* mit sine* Jäste* hat 
ire* [der RheinbrÜckeJ vil Kummer 'brächt. Hinderm. 
Du hest au*''' b'sunderi Jeste*, 's säge* all Lüt, es neig- 
der nid z' traue* L (von der Emrae). E Meidli wie 
du so närrsch, mit allerlei Jesten im Chöpfli und schalk- 
hafte Sinne S (EHänggi). — Abi. von jtäen. 

jaste" (in Bs auch jastle*; in AAFri.; Bs; VC 
avLch jäste* IJ : 1. gären Aa; Bs; "L". ,Man schüttet 
mich in die Fässer hinein, darin kann ich trauern, 
weinen, j.' AAOlsb. (Lied vom Wein). — 2. in fieber- 
hafter Aufregung, ungestümer Bewegung sein, ent- 
sprechend den spec. Bedd. von Jast 3. Spec. a) wallen, 
vom Blute; erhitzt sein Aa; Gl; G; Z. Unpers.: Es 
jastet mer im Chopf, mein Blut siedet. ,I)as Geblüt 
wird in eine jastende Bewegung gebracht.' JJScheuciiz. 
1721. — b) fiebern, in Fieberparoxysmen liegen Aa; 
VO; Z. Die ganz Nacht (umme*-)j., sich fiebernd, 
unruhig auf dem Lager wälzen. — c) leidenschaftlich 
erregt, in fieberhafter Tätigkeit sein, sich überstürzen, 
allg. Syn. angsten, andere s. bei juflen Sp. 15. Geb 
was erj., was er zable* mag: Es battet nit [bleibt ohne 
Erfolg] Bs (Hagröschen). Vertrünnt [dem guten Hirten] 
ei"*s [seiner Schafe] : Er jästet nödie'^ und treit \h uf 
sine* Achsle* hei**. Schwzd. Das G*jäst [Drängen und 
Treiben] ist iez vorüber. U Sennenkilbi; sonst in diesem 
S. in Aa; Uw; Z 0*jast. ,Ihr seid auch Einer von 
den Jastenen [unruhigen Köpfen, Alles überstürzenden 
Menschen], wo eister allerlei Dummheiten im Kopfe 
haben und die Bauern sturn [kopflos] machen mit 
allerlei Neuem.' Obw Volksfr. 1889. Das Vb. häufig 
verst. verbunden mit umme?* oder gehäuft mit Synn. 
J. utid jiiste*, rennen und jagen. Me* cha** em Nüt 
i* d' Hand gi*, er isch e Jüsti und e (wie nej Jästi 
AAFri. ,Sie hasten und j., sie pusten und glühn.' 



79 



Jast, jest, jiat, jost, jist 



80 



Bbitd. (Sage von den Talherren, welche Sisyphus- 
arbeit verrichten müssen). Schaffe*, werche; j,, bUte*, 
trihe**, atöase^j hotte'', hmte'', oni Bue und ani Chopf 
b*8chüs8t dir Nut, du arme^ Tropf! B Hist. Kai. 1804. 
E Jasteri, Jaste"*, Alles überstürzende, eilfertige 
Frauensperson ß; UwE. Das Vb. auch bei HPest.; 
GoTTH.; 8. Gr. WB. — 3. zur Eile antreiben, z.B. 
Zugvieh kk'y Bs; üwE. Es Huste'' und es J, ha"^ mit 
'^ern Ve*. — über-, über-: refl., sich überhitzen, über- 
eilen und dadurch Etw. verlieren, verderben B; VO. 
— er-: 1. „in Gärung kommen, phys. und mor. AaF.; 
L." — 2. tr., Etw. mit angestrengtester Arbeit, un- 
gestümer Eile erwerben, bewerkstelligen B; Gl. — 
3. refl., sich erhitzen, aufregen, ereifern Bs; Gl; 
ScH; Z. Eso het [der neue Apostel] g'redt und het 
8%^^ gruslig erjästet. Breitbnst. Bi der DupHk, da häd 
we» «** erst no''^ erjästet, Ubteri. — ver-: 1. a) »ver- 
gären. — b) seine Obereilung, Hitze ablegen, gelassen, 
ruhig werden." — 2. tr., Etw. durch Übereilung, plan- 
loses Ungestüm verscherzen, verderben B. 

j astig: 1. gärend Bs. — 2. zornmütig, hitzig, 
eifrig, hastig; übereilt, allg. ,Von Natur hitzig und j.* 
JÜLR. 1727. ,Wegen des jastigen Geblütes.* ebd. 1733. 
S. noch gdch Bd II 100. 

Jäst ra.: 1. = Ja^t 1. ,Do man den wyn im jest 
fuort, sprungend vil fassen die boden uss.' Vad. — 
2. wesentlich = Jast 2. Gärschaum, Gischt Gl. ,An 
demselbigen Ort stund allzeit ein Jest oder Auswurf 
[aus einer Wunde] und so oft ich dasselbige auf- 
trocknete, war allzeit gleich ein anders da.' FWürz 
1634. Ausdünstung erhitzter Tiere: ,Je mehr [das 
verfolgte Reh] lief und bei sich selber kämpfte, je 
mehr der Jescht aus seinem Leibe dämpfte.* Ldw.Met. 
1767. In der lebenden MA. spec. a) Chäs-J., in W 
auch 'Oäst, salzige Ausschwitzung junger Käse (auch 
Grünkäse), die sich in Form einer Kruste während 
deren Gärung aussen ansetzt und weggeschabt werden 
muss BO.; VO; W. S. noch J-Züber. — b) Aus- 
schwitzung auch anderer Körper, z. B. des Fleisches, 
bes. aber krustenartiger Ansatz an den Zähnen (,Zahn- 
stein'), von veraltetem Schmutz am Munde, an den 
Händen und im Gesicht VO; GrD. De hest frl ä J. 
im Gesicht SchwMuo. — 3. = Jast 3. ,Fora litibus 
omnia fervent, es ist zankens und haderens halben in 
allem jäst* Fris.; Mal. 

Neben «Gast* auch bei Gr. WB. ; in der lebenden MA. hat 
sich das W. von Jast durch Differenzierung deutlich geschieden. 

jäste" II: 1. die Ausschwitzung von den Käsen 
abschaben BO. ; VO; W. — 2. bes. mit den Händen 
Geberden der Aufregung und Eilfertigkeit machen, 
lebhaft gestikulieren Bs; „VO.** 

Jästes, in Zg Jästis: nur mit PL-, bzw. Coll.- 
Bed., Geberden, lebhafte Bewegungen, bes. mit dem 
Kopf und den Händen VO. Jästes [viel Wesens, Um- 
stände] mache"*, ceremoniös verfahren. Bes. abwehrend : 
Ma<:h mer kei J.t 

„j ästig: Abschabsei enthaltend BO.; VO." 

jaaste": 1. (in BM. auch jaitMere'*) wesentlich = 
Juschlen, jasten 2 c, von überstürzender Eile bei der 
Arbeit B. Hastig, gierig drauf los, den Andern vor- 
weg essen FS. — 2. =z jasten 3, bes. Andere unab- 
lässig zur Arbeit antreiben B. — Vgl. auch jautmen, Jauwl 
und hauntenen Bd 11 1764. 



Just m. : 1. Stoss. ,Das geschach durch einen star- 
ken j. des lufts.* 1531/48, Bib.; = «starken Wind.* 
1667; ,ein Sausen des Windes.* 1882. ,In einem J.*, 
auf einmal, im Nu, Hui; vgl. Hauw, ,Schlag*. ,Das 
für in einem j. die ganz stuben umbfasset.' Kesbl. 
,Dann [der Bauernaufstand] fast in einem j. und schier 
in einem flammen angangen.* ebd, ,'s menschenlebon 
dem schatten an der wand sich glycht, der in eim j. 
für über schlycht.* Fünkelin 1552. ,Consilia calida, 
geschwinde rät, die in einer eil oder in einem j. ge- 
schehend.* Fris. — 2. ,Fechterhieb, -Streich*, Kunst- 
griff, List. ,[Der vertriebene Tarquinius] b'gört nit 
rechts; es ist ein J.; mit solchem schyn suocht er nur 
w5g, uns under z' tuen.* HBüll. 1533. — 3. Anwand- 
lung, Antrieb, Lust, Reiz, jäher Einfall. ,Die men- 
schen ist unversehenlich ein solcher j. ankommen, 
dass sy ab der arbeit geloffen sind zue dem götzen.* 
RGüALT. 1546. 

Mhd. (Ojotte, (t)ju8t(e), ritterlicher Zweikampf mit dem 
Speere, Speerstoss in einem solchen. Zu 8 vgl. lat. tetiM, 
Schlag, Reiz. Vgl. auch noch JuUeh. 

juste» Bß (neben jtMi^e") ; BSi.; W, jöste^ B; ZKn. 
(auch -ö'), jüste* Aa; Bs; ScHwMa.: 1. wesentliches 
jasten 2 c Aa; Bs; BO.; W; ZKn. Wie 's Wetter 
isch 's plötzUg in s^ g'fare* und 's het c* Jeder g'schriben 
und g*jüstet, g'rad a^s wenn si aUi Strick no*^ weFte* 
verrisse: Breitbnst. Lueg, wie d' Wiber Chüechli 
bachf^, wie si j., wie si zahle'* mit im [dem] Chelle^ 
mit der Gable*! Haoröschen. Oft gehäuft verbunden 
mit Synn., bes. mit jasten. 's isch e" Jömer und G'schrei 
und Wisple^s und Juste'*s und Hastet's in dem Stübli 
g'si*, tcie wenn 's brennti im Hüs inn, Breitenst. — 
2. =: jasten 3 AABb. ; ScHwMa. — 3. sich herumbalgen, 
possenhaft tändeln; springen, hüpfen, ,wie die Kinder 
im Bette tun' W. — „zer-: Etwas mit körperlicher 
Bewegung, bes. der Füsse, in Unordnung bringen, 
z.B. das Bett W.** — jüst(e)le°: Dim. zu juste** 1, 
bes. mit hervortretendem Nbbegr. unordentlich, ober- 
flächlich arbeiten Bs; BBrisl.; S; UwE. 

Das yh,ju9ten konnte man, st. es mit dem vorhergehenden 
Subst. ZQ verbinden, als Ablantform zu dem syn. javuUn an- 
sehen ; als Veranlassung zu einer solchen Neubildung auf dem 
Boden unserer MAA. wäre das Streben anzusehen, auf diesem 
Wege eine der beliebten alliterierenden Verbindungen mit 
gesteigerter Bed. zu erhalten. Zur Umlantung des Vbs j^tien 
hat wahrsch. Anlehnung entw. an das in den* beiden ersten 
Bedd. syn. Kwtten (Bd II 1766) oder an jätten beigetragen. 
Vgl. aber auch hwien Bd II 1765, indem die Anlaute h und 
einander nahe stehen. 

jast (in GrS. jüst): 1. Adj., in der Ordnung, nach 
Wunsch, wie sich's gehört; sehr oft mit Neg. ver- 
bunden, a) von Personen. «) moralisch. Er isch nit 
dur^'^us j., nicht ganz, wie er sein soll, nicht gar zu 
ehrlich und aufrichtig Bs (Spreng). , Zuerst befahl 
man den Liestalern, ihre Arbeiten wieder aufzunehmen 
und sodann, weil sie noch nicht j. [zuverlässig] und 
ihnen nicht zu trauen, die Waffen auszuliefern.* Brod- 
beck. ,Constantius war nicht j. in der Religion, er 
hatte die arianische Sekt an ihm.* FWvss 1673. Oft 
gehäuft mit Synn.: ,J. und g'recht.* Wag». 1581. ,[In 
Glaubenssachen] gesund, j. und bewährt.' FWyss 1673. 
— ß) gesund, bes. auch an den Innern Organen, kräftig, 
rüstig von Natur ; wohlgemut „Aa;" Ap; Bs; „B;- F; 
VO; G; „ScH; S;- Th; W; „Z"; Syn. in der Ordning, 
zeweg. Der jmte oder kärsche Ma'*'* Zg, Nüd j, si* 



81 



Jast— jnst. Jat— jut 



82 



uf-'em Herz, brustkrank 6. Er ist hiU nit recht j,, nicht 
wohlanf W. Er isch scho* lang nitj. und daet der ganz 
Dag Nüt a's grumse* Bs (Spreng). Si hi [haben] mV 
du tio'* gä*' Ru8t%*g [Arznei] gi* u"* gä*' Rusti'g ge* 
i**** du bu/n i«* umhi* justq.^ chön u*** e'wig u^ han uf 
kenne"* F (Schwzd.). '« hebt mit-im Arm der recht EUe*- 
hogtr und tratst «i** hinder-^em Or, a'a wenn'a-em 
neime* [irgendwo] nit j. war Bs (Schwzd.). ,Da der 
Vater nicht ganz j. war, so hiess es, müsse der Sep- 
peli Götti sein.* XHerz. 1862. ,Nicht j. im Kopf, nicht 
recht bei Trost* Bs (Spreng). ,£s ist ihm nicht ganz 
j. [gehener] bei der Geschichte.* — b) von Sachen, 
a) richtig, genau GrS. ; Z. In der ä. Spr. auch : regel- 
recht, untadelhaft. ,Guter Hoffnung, [das Bauwerk] 
werde j. und beständig syn.* 1595, B Taschenb. ,Mach 
ein oft bewärtes Stuck, das ist j. [hilft unfehlbar].* 
ZElgg. Arzneib. «Kirche und Turm j. und wehrhaft 
ufführen.* 1651, Bauaskord. ,£in Ding versuchen, 
ob es gut, j. und währschaft sei.* FWtss 1653. ,1691 
sind die Märchen visitiert und j. erfunden worden.* 
(JwE. Marchenbr. ,Wann die Ausdämpfungen nicht 
j. und wol temperiert sind.* JMuralt 1697. — ß) ge- 
sund, gut, real, von Lebensmitteln „Aa; B; VO; Sch; 
S". , Weinmost, der sich nachgehends nicht j. erzeigte.* 
1715/1829, Z Stadtger. ,Die Schweing'schäuer mussten 
eröffnen, ob die Schweine j. [nicht etwa finnig oder 
sonst krank] seien.* 1717, AWild 1883. -— y) ange- 
messen, passend, schicklich, gelegen, bequem „Aa;** 
Bs; ,B; VO; ScH; S;« W. D^ häiUch nit Channel 
juster (ho^, Hebbl. *s ist j., juhe e* «!• ü (Dial., Übers, 
von Luk. XV 32). ,Sauls Helm ist dem David nit j. 
g'si", aber sf" Krön* Bs (Spreng). ,So wenig ein Hock 
oder Kleid Allen zugleich j., recht und angemessen 
sein kann.* SHott. 1702. — t) geheuer. ,Der Richt- 
platz muss nicht j. sein.* 1634, Bs. ,Dass es mit diser 
Salben so gar nicht j. und richtig ist, sonder äussert 
allem Zweifel, dass Dises magisch und zauberisch 
seie.* BGwERB 1646. — 2. Adv. a) gerade, eben, bes. 
in Zeitbestimmungen ; oft Gleichzeitigkeit, aber wach, 
i. S. V. ,sooben* und ,sofort*, die unmittelbar an die 
Gegenwart rührende Vergangenheit oder Zukunft aus- 
drückend, allg. Du chunnst j. recht Er isch j. kd'y 
do-n-i'^ ha wellen usgo^, Sprbhq. Er istj. fürt g'gange^, 
war soeben hier. Wann «>* a'so justar g^sl* bün, *as 
•«* ha* usi dörfe*, bün »** j, Inist gege* Plaffeie* uhi 
trappet u"' da ebchunnt [begegnet] mV g'rad der 
Pfarrer F (Schwzd.). Mir bruchtid iez zur Winterszlt 
de* lange Gägeri [spottisch: der Storch] j, nüt. Mohr 
1880. Er het 's j. net eso g'sit [gesagt] BSi. Der 
Shawl, j, so het 's Becke* Bertini eine*. Joach. J. Das 
hät-mer gefeit, han-i'*" welle* Z. Der Haiptme; j. [Nie- 
mand anders als] der Vatter U (Schwzd.). J. Seppeli 
isch sin Name: ebd. J"* wäss es jost waul [wohl]. Merz. 
Das (hostet j. usi [geradezu] 100 Taler F (Schwzd.). 
,J. darin besteht der Adel.* Fröhlich. , Wie wol domals 
in demselbigen [Dorf] iust getrüwe gast gelegen.* 
Kebsl. ,Diss Sigel band MHHn ernüweren lassen, j. 
uf die Form [des abgegangenen].* RCts. ,Demnach 
so gewahre man der Zeit, wie j. es falle auf 14 Tage.* 
ZiEOLER 1647. ,J. da die Glogge ruft.* vMoos, Thur. 
,Die j. Das suchen, was Andre entübrigen können.* 
1764, ZWthur Wochenbl. — bj völlig, ganz F. Eh 
er j. wuhi sigi »• Himmel? Antw. Er ist nit ganz j, 
wuhi; es ßlt no*^ grad 100 Stgle* [Sprossen] uf der 
Litere*. — 3. Interj. i. S. des frz. ä propos, richtig, 

Bohwelr. Idiotikon III. 



jetzt weiss ich's, was ich sagen wollte; auch bestäti- 
gend, versichernd, fürwahr BSi. ; F ; L ; S ; W. J., deschi 
[dessen] ÄäW-i** ww** bald vergesse*! W. /., 's chunnt 
m*r i* Sinn L. — Von frz. ju$te, nach deutscher Ansspr. 

justament, just^ment, in ZFlaach ustement, auch 
just am End Th; Z: 1. wesentlich =sjust 2 a; gerade, 
richtig; so ist's, allg. Do het j. en Ägerste* «t«* herer 
h"* Bs. Orad j. wie hOt S. 's ist j. eso! J., das han 
i*** g*suecht. 's ist mer j. nüd drum z* tue*, 's Geld 
furtz*rüere* Z. ,Die Benjaminiten mussten aus den 
Weinbergen herfür brechen und ein Jeder ein Weib 
für sich nSmmen, justament gleich vormals die alten 
Körner die sabinischen Jungfrauen geraubet* AKlinql. 
1688. ,Ist Winterszeit j ustement.* Rihggli 1736. — 
2. = just 3 BSi. J., säg im denn noch usw. 

Frz. juttement; das in Z i. S. ▼. jutt 2 a etwa gehörte 
juttum scheint weniger eine YerstQmmeInng nnsers W. als 
Anlehnung an churx-um zu sein, Ähnlich der Umd. jutt am 
End. Zu Letzterer Tgl. am End Bd I 815. 

Jastine f.: venetianische Silbermünze; oft mit sehr 
schwankender Wertung in den oidg. Absch. und Münz- 
mandaten bes. des XYL/XYII. ,Justiner Silberkronen.* 
1640, Absch. Es gab auch ,halbe' und .Vierteil Justiner*. 

Wahrsch. daher benannt, dass die Pr&gnng das Bild der 
h. Jastina, der Schutzheiligen Venedigs, zeigte. Es ist zweifel- 
haft, was die unter den BeutestOcken von Grandson genannte 
,ysine Justinen*, für die der Yerk&nfer ,7 Blanken* lOste, eig. 
gewesen sei. 

Jnstiis: 1. (mit den Koseformen Jüsti, Jüsteli) Tauf- 
name GFlums. Das häufige Vorkommen des Namens 
in diesem Dorfe, wo der Heilige J. bes. verehrt wird, 
ist der Grund, dass die Flumser mit JOsteli gehänselt 
werden; vgl. Albr. 1888, 4. Ihnen wird nachgeredet, 
sie hätten das von den Meisern zur Zeit der Refor- 
mation in die Seez geworfene hölzerne Justus-Bild 
mit Flösshaken herausgefischt und dem Heiligen als- 
dann an der betr. Stelle an dem Bache die noch heute 
bestehende Justus-Kapelle erbaut. — 2. grösser J., 
Spottname auf einen grossen, einföltigen, nichts- 
nutzigen Menschen Zo. 



Jat, jet, jit, jot, jnt, bzw. jatt usw. 

Jfttt Aa; Ap; Bs; Gl; L; G; Th; Ü; W; ZO., Jjtd 
ScHW; Uw; ZS. — n.: Coli, für Unkraut in Gärten 
und Äckern, sowohl das stehende als auch das aus- 
gerissene, das gewaschen etwa dem Vieh vorgeworfen 
wird ; Syn. WuiCSt. J. ustue*, -zire% in Brunne* legge*. 
Lueg, die sHe* Zwe, wo chönnd: Si g'send jo eidli*^ 
[us] g^rad wie J. Stütz (Frau vom Lande spöttisch 
von zwei Städtern). ,Seinen Hofraum von allem Kot 
und Jätt gereinigt.* 1851, Stutz. ,Wa das bös Jett 
das Guet überkommen [überwältigt] hett* 1406, Ap 
Krieg, im Wechsel mit ,Unkrut*. S. auch noch Ät 
Bd I 589. 

G«-jätt, bzw. G'j^d n.: 1. = dem Vor. B; Schw; 
üw; W. ,Da vorkommt, dass Einige vor dem Lesen 
in den Beben jätten und unter dem Schein des Ge- 
jätts Trauben heimtragen.* 1614, Absch. -- 2. das 
Jäten selbst, bes. mit dem Nbbegr. des Ermüdenden, 
Langweiligen Bs; B. 

6 



83 



Jat— jat. Jatsch— JHtBch. Jaw— j'iw 



84 



jätte" (in Ndw j^de*, j^te"*), Ptc. Perf. (fjjste* B; 
GO., T.; Th; Obw: 1. Unkraat ausraufen, -hacken, 
-rotten, allg. Häufig in Sprechversen, z.B.: I** will 
3 Jute^ ( Var. : Hatte'* us-^em) Kogge* j. und de* Rogge* 
nüd vertrete* Z. J'* ha* drei Dag im Bogge* g'jätted 
Bs. Flachs j., bildl., ein Schläfchen machen Bs. 
,Jätten, sarculare, sarrire, runcare, noxias herbas evel- 
lere, exstirparc, eruere. Den Weingarten j., sarrire, 
vineas occare.* Fris.; Mal. — 2. wählend ausraufen, 
-brechen, von andern Gewächsen. ,Es seie der Meyer 
Klag, dass der Tauner Kinder in Früchten jäten, 
weilen ihnen hierdurch grosser Schaden zuegefüegt 
wurde.* 1657, AAWett. Klosterarch. Vgl. rahd. üßer- 
jeten, auserwählt. — 3. Jmd (Etw.) hart mitnehmen 
(wie einen Acker, bzw. die Gewächse darauf, spec. 
das Unkraut), misshandeln, phys. und mor. Das 
jättet mt«*, Ton einem heftigen Kranklieitsanfall, einer 
schmerzhaften Verletzung L; U. ,Dass man inen den 
stier schalle [erschrecke, verscheuche], den eher und 
hund jätte.* 1528, Urk. Spec. a) mit Schlägen trac- 
tieren, bes. ein Kind mit der Rute, aber auch Er- 
wachsene, z. B. mit Fäusten Ai; Bs; B; VO; W. Uf 
Eine* losj, BO. Büebli, hast e Jättete übercho' ? üwE. 
,Getz Güte, muss ich dich einist jättenV Stettler 
1606 (scheltend), übertr. auf Waffengewalt : We** me^ 
de* Find will j., mu€ss d' Trumpete* z' Feld, Häfl. 
Auch mit Sach-Obj.: Alles z*sämme*'J., im Zorn kurz 
und klein schlagen Aä. Recipr., mit-enandere* (in BR. 
z*sämme*J j., tätlich an einander geraten, sich raufen, 
auf einander los schlagen, mit einander ringen B; 
„L; W." S. noch Kabis, Bugger. — b) Jmd schlagen 
i. S. V. überwältigen, in irgend Etw. übertreffen L; G. 

— c) Jmd mit Worten hernehmen, derb zurechtweisen, 
über ihn losziehen, mit Scheltworten überhäufen, hart 
anfahren „Ai;" B; „VO; S; W.- [Vom Verleumder] 
mu€ssÄlls zerhechlet sl* und durhig^jätte* BSi. (Schwzd.). 

— d) meist refi., sich schneiden, mit einem scharfen 
Instrument verletzen BO. -- 4. meist zsgs., ahhi*-j., 
etwas auswendig Gelerntes gedankenlos heruntersagen 
BO. ; Syn. abeti-hamcen. — 5. inhi*-, dürhi*-, düre*-j., 
mit Gewalt hinein-, hindurchtreiben, z. B. einen starken 
Pfahl in hartes Erdreich, einen dicken Pflock in eine 
enge Öffnung BO. — 6. kräftig, rasch werfen, schleu- 
dern, z.B. einen Stein, Ball Bs. Die het's g'jätted! 
die hat es getrieben, die ist geflogen (von einer Kugel)! 

— 7. verächtlich für laufen, gehen, bes. als Ausdruck 
des Ärgers über Jmd, der wegläuft und uns im Stiche 
lässt BR. Hed Dir iez müesse* da uohi j.! 

Mhd.yerren in Bed. 1. Das st. Ptc. Perf. ,gejetten.' 1599, 
ArdUser; Rhagor. 1639; ,gojäteD.' Sulzer 1772. Bcnierkcns- 
wert an unserm W. ist die reiche Entfaltung abgeleiteter 
Bcdd., die sich aber alle auf Bed. 3 (gewaltt&tig behandeln) 
zurückführen lassen; vgl. darüber gehijen Bd II 1107/8. 
Betr. die Entwicklang der Bed. 3 aus 1 vgl. krfiten (1. Gras, 
Kraut sammeln, ausraufen. 2. Jmd derb prügeln); ferner 
ßmmden Bd I 827. 

ab-: 1. abhauen, z.B. den Kopf BO. Wald a., 
ausreuten B oHa. — 2. Jmd abprügeln AaF.; VO. — 
uf-: ausgleichen, in dem Sprw.: Schwere* [fluchen] 
und bete* muess enand u. L. — er-: 1. von Unkraut 
reinigen, z. B. einen Garten, darin über das Unkraut 
Herr werden BO. ,Consarrire, erlösen, säuberen, er- 
jätten. Disrarare, erhauwen, dass die est nit so dick 
an einanderen standind, e., (er-)dünneren.' Fris.; Mal. 

— 2. z=jätten 3 «B; L; W". Spec. a) Jmd tüchtig 



durchwalken, beohrfeigen, abstrafen „Aa; B;" VO; 
„S; W;* ZKn. , Es tue [in dem Städtchen] nicht gut; 
es korament aber bald lüt, die recht stickcl [Reb- 
pfähle] habint, die werdint es e.' 1510, Absch. ,Er 
soll mit Ruten tüchtig e. werden.* 1688, AaL. (Müller). 

— b) ^jätten 3 d „Aa; B; VO; S; W.- — us-: 
1. (Unkraut) ausraufen, allg. J** ha* zum Herrgott 
'bitte*, er mög doch unde* uf der Welt mich (fheisse* 
'ä Leid M., sagt der En<jel. MvBüoxas. — 2. = er-j. 2; 
mit spitzen Worten durchhecheln Aa; B. — ver- Aa; 
Bs; Schw, zer- BO.; W: 1. = aft-^. 2 AAFrL; Schw. 

— 2. schneiden, durch Schneiden verletzen, z. B. einen 
Finger B oHa. ; vgl. jätten 3 d, — 3. = zerjägden 2, 
z. B. von Geschützen, Gefässen Bs. Auch mor., Jmd 
bersten machen, z. B. vor Ärger W. — b«-, auch 
verst. durch vorgesetztes «*- = ab-j. BO. Si sin** uf 
^en Find mid denen Stangen u"** hein en b'j,, dass er 
ist usg'rissen BBr. (Schwzd.; vgl. ebd. XII 27/8). 

(g')jättig (in Uw g'j^dig): stark mit Unkraut 
bewachsen, allg. 

Jfittli, meist zsgs. Chälbli-J. n.: Maulkorb, welchen 
man den Saugkälbern anlegt, um sie am Fressen von 
Heu oder Streue zu hindern Af; Syn. Ch.-Chratten. 

Viel], mit j st. g (vgl. Anm. zu Järh) zu dem bei gatttn 
Bd II 495 angenommenen Vb. gften. Die Bed. wäre alsdann 
GefOge, Geflecht, wie auch in dem syn. Chratten (zu tat. erattm) ; 
vgl. auch gaiten : Gatter. Stalder* und wohl erst nach ihm 
Arch. Vet. 1820 bieten die irrige Form Chalberzättli ; vgl. 
Steinm. 1804, Errata. 

jet: i= Jesch i. S. V. doch wohl, doch, dennoch 
GaSch. ; GSa. Lös, seit druf der Ma**, was magst j. 
murre*, mi* Wibli? GSa. I Jet geist in, du musst 
dennoch hineingehen GnSch. — Viell. verstümmelt aus 
ie-dock; vgl. notti aus ,nochdenn*. 

Jette f., Jetti n.: Koseform des Taufnamens Hen- 
riette Z. Vgl. Nctti aus Annette. 

Jiitte" I f.: gerollte, von den Hülsen befreite 
Geräte, Grütze, wie man sie zu Suppe fJ.-Suppe^) 
braucht Gr. ,Man findet den J.-Stampf allenthalben 
im Schopf der Ställe.* Z Anz. 1^59. Auch etwa ge- 
rolltes Getreide übh., daher Haber-, Chorn-J, Gr. — 
Rom. jHt(t)a, Gerste. 

Jatte II: Frauenname. 1407, G. 
Die h. Jutta (auch ,Ivetta') war um 1230 Nonne bei 
Lüttich; vgl. auch Schm.-Fr. I 1212. Das Selbe ist viell. 
auch ,Gntte.' UwE. Jahrzeitb. 

jüte! Interj., Ausruf der Verwunderung AaZcIu. 
(Kdspr.). — Vgl. das Syn. ß. 



Jatsch m. : = Just. ,Kapidus actus, ein geschwinde 
nacheilung, ein schneller j. Impulsio, momentum, ein 
j., wank, schwank, ruck, augenblick.* Fris.; Mal.; 
Dkmzl. 1716 (neben ,Antrieb'). 

Lt Gr. WB. Nbf. zu Ju«t; doch vgl. auch yüfacn, hut»ch II 
Bd II 1801 und jucken. Bei Keisersb. ,Jusch'. 



jäwe° W, jäfuju'le* Ndw; U, jaule* U: 1. miauen 
U; W. — 2. laut weinen, schreien Ndw; U. 

Lautmalendes W. ; vgl. engl, to tfuwJ, heulen, schreien. 
Jätcen verhält sich wohl zu jäuw(l)en wie mhd. yeieen : yöwvtn 



85 



Jax— jax. Jas— jaz. Ka— kn 



86 



(Bd II 567). Vgrl. auch javlen uod dazu das Verh&Itaiss von | 
hauhn : häuUn Bd II 1135« ferner betr. die Finchtigkeit dos | 
to bes. in gewisiien MAA. gaulen : gautrlen (Bd II 207). Vgl. 
auch jaueln* bei Gr. WB. 



Jax n.: kleine Menge, Kleinigkeit; nur in gewissen 
R.AA. W; Syn. Lix. Es J. noch druher, noch Etwas 
mehr. Es J. me oder weniger ist mer glich. 

Das W. konnte arspr. Interj. zum Ausdruck der Gleich- 
gültigkeit, Verachtung gewesen sein. 

„Seh lab er- Jax: Kaffee BBiel (scherzh.).*" 
juxe": 1. mit unbestimmtem Subj. ,es' and Acc. P. 
Es juxt mt'**, macht mir Spass BO. — 2. {avich juxle*) 
= jasten 2 r, mit hervortretender Nbbed. der Un- 
ordentlichkeit, Unbesonnenheit, Überstürzung ß. Vgl. 
auch just(l)en, Jutsch. 



Jaz, jez, jiz, joz, juz, bzw. jatz usw. 

Jazingge*^ m.: Hyazinthe, hyac. or. GWe.; Syn. 
CÄb'jZingge: Wilde*' J., dreiblättrige Zottenblume, 
men. trif. GWe.; nach der Ähnlichkeit der Blüten. 
— Dazu auch der Stcinnaroc: ,Jacinth, hyacinthus.' Mal. 



= äzen 1 a f TfiTäg. 

jaiize": 1. lärmend spielen, bes. von Kindern B. 
— 2. „Nbf. zu joussen (s. jamsen II) BG." 

Lautmalend wie das z. T. syn. ganzen; s. gaut$ehen III 
Bd II 561; vgl. jü(ch)aen Sp. 10, jaulen, jauren. 

er-: refl., = ergeisteren 2 (Bd I 235) B. E, wie 
hest de di*^ erjauzt ! du schicitzist ja wie 'ne Bär, 

jetzere", Jätzere*": Jmd zur Eile antreiben, drän- 
gen B. .Wollte man ihn j., sagte ihm die Frau: War 's 
nit Zit? so antwortete er: Es wird nit sövli pres- 
sieren.* GoTTH. „Jrad unaufhörlich plagen, ängstigen, 
quälen, mit Wort und Tat B.'' , Einen verketzern 
und j.* 

Soll noch eine Reminiscenz an die berüchtigte Jetzer- 
geschichte enthalten und das W. eig. so viel bedeuten als: 
Plagen, wie einst die Dominikaner-Mönche dem Schneider 
Jetzer getan; vgl. auch wenneren. Doch vgl. auch jUxen. 

jitze" = hitzen 2, von Hunden S. 

Jua: Frauenname. RCts. 

Wabrsch. mit e gebildete Koseform von dem selben Stamm 
wie Jutte. Hieher wohl auch ,Jntzi*, Frauenname. Anf. XV., 
G Hdschr. Vgl. FOrstemann Sp. 812. 

(uf-)jtttze" = uf'hützen UwE. 

Wenn nicht blosse Mischung ans uf-hütten und dem ebf. 
syn. u/'jueken, kann es Intcnsiv-Bildung zu diesem Letztern 
sein, aus ahd. *juekaMxan (vgl. »chletzen aus * •chUgeaen)^ unter 
Anlehnung an hützen; vgl. Jui»ch. 



K9 bzw. C und Cli« 

Man beachte, dass hd. k im Anlaut gemcin-aloman. zur Spirans (ch-), in BsStdt und einem Teil von Gr zur Aspirata (l^h), 

in ApK. zur AfTrikata (kx) wird. Wir setzen für diesen Fall bloss den Anlaut cA. Die Schreibung k behalten wir uns 

fnr die gemein-aleman. AfTrikata vor, c für Lehuww. aus dem Romanischen. Vgl. Tsch. 161 f. S. auch G, ge-H. 



Ka, ke, ki, ko, ka. 

S. auch Kaj usw., Kan usw., Kate usw. 

Ka: der Buchstabe k; s. aber Bd I 40. 

Kau m., nur in der RA.: Nit (de*) Kau tue*, nicht 
Miene machen, als ob man eine Mahnung vernommen 
hätte und befolgen wollte, sich nicht rühren GnhRh. 

Viell. aus G'-hauie, da das Masc. auch bei einer Zss. 
mit ge- nicht undenkbar ist, indem es von dem einfachen W. 
oder von andern Synn. herübergenommen werden konnte. 
ffauw wftre i. S. einer kurzen, raschen, goringfOgigen Be- 
wegung zu nehmen, verbunden mit Negation = nicht das 
Geringste. Vgl. Hämo 4. Auch an eine subst. Abi. von 
chtiwen i. S. V. einem einzelnen Akt des Kauens als mühe- 
loser Handlung Messe sich denken. Die (störende) Angabe 
des best. Art. dürfte durch den unbest. ersetzt werden, da 
die Ausspr. in dieser Wortverbindung für Beide die selbe 
ist. Syn. der-, det-gltchen, Mujt. Vgl. noch Kaim. 

Chue — PI. Chüe (Dat. Chüee^, Chüeje\ Ghüene'), 
in ScH; Th Chüeje* — Dim. Chueli u. Chüeli: 1. a) die 
Kuh nach ihren natürlichen Eigenschaften, an sich 
und im Dienst der Menschen. Das vertrauliche Vcr- 
hältniss des Hirten zu ihr spricht sich schon in den 



mannigfaltigen, auf Farhe, Gestalt und andere Merk- 
male bezüglichen Eigennamen aus, mit denen die 
einzelnen Tiere gerufen werden; s. besonders Kührei. 
1826, 1—7. 20; JRWyss 1817, 562. Besondere appel- 
lativc Namen nach einzelnen Eigenschaften, Alters- 
stufen, Arten der Zucht und Nutzbarkeit s. u. den 
Zss. Im Kinderspruch vom Haushalt heisst die K. 
Guetimue. Tobl. VL. I 152. Ihre natürlichen Eigen- 
schaften kommen in einer Menge von (zum Teil allg. 
deutschen) RAA. und Sprww. zum Ausdruck, in wel- 
chen die K. t. in eig., t. in bildl. Sinn aufgefasst wird, 
a) in Bez. auf Gestalt, bzw. Plumpheit, Körperteile, 
Alter. Es chunnd nUd uf d' Chrössi a*, sust niöcht 
[würde übertreffen] e* Ch, en Hos. Ineichen. Da' ist 
g^ad wie anere* Ch. e* Muschgetnuss (e* Eperf, Erd- 
beere), das ist viel zu wenig ZSth. Si glicht -ere* 
wie-n-e^ Ch, anere* Muschkardnuss Gr. Wo '« Bruch 
ist, leit-me* d' Chue i* *s BeU Aa; L (Schwzd.). ,Wie 
ein Ch. in es Müsloch.* HBull. 1572; sc. so wenig ist 
eine Behauptung oder Sache wahr oder möglich. ,Die 
Dirggen [Türken] werden zu Himmel faren [so wenig], 
wie ein K. in ein Musloch.' 1606, Obw Volksfr. 1890. 
Er cha"* tanze* wie e»» Ch. cMedere* AiSt. Er cha^* 



87 



Ka, ke, ki, ko, kn 



88 



Midere*, wie öüsi Ch, AaBB. ,So viel von einem 
Hauswesen verstehen, als eine K. vom Tanzen/ Stutz. 
Er weiss-es, wenn euseri Ch. Fiderd^ überchunnt [der 
Dumme]; auch: es isch e* Ch. über 's Dach ^flog^ 
und hed-em d^ Schwanz dehinde* g'lö*. Rochh. Das 
ist so g'wüss, a's d' Chüe flügcd 6. I** cha»^ nid 
springet wie-n-er Ch. i» der Luft B. Es ist e* Ch. ♦• 
der Luft, Etwas ist im Tun BStdt wahrsch. etwas 
Ausserordentliches, ungewöhnliches? Das stöt-em a** 
wie ener^ Ch. en Säbel (Regenschirm) Th; Z. ,Von 
Christo tuond wir nit ahsün, ehe wurd ein k. uff 
stelzen gan.* Waqhir 1581; ygl/noch Stelzen. ,Ca- 
melus saltat, er tut unhöflich, wider seine Natur und 
Gehühr; er ist wider seine Natur lustig, die K. gehet 
auf Stelzen.* Dbhzl. 1677; 1716. Er hed tr Hunger 
g'ha* wi-n-e Wolf, dass er gemeint hed, dir möcht e* 
Ch. mit sammt de* Homere^ L (Schwzd.). «Es kommt 
hald eine Kuh, welche längere Hörner hat* BS. = du 
wirst hald deinen Meister finden ; es wird ein Anderer 
kommen, der mehr Ansehen geniesst. ,Hier stosst die 
K. das Hörn ah.* HPest. 1792, III 249, i. S. ▼. an 
diesem Hinderniss erlahmt der Ungestüm. S. noch 
Hom Bd n 1615/6. D* Ch. bim Schwanz a'binde^, 
Alles falsch anfangen ZWl. ,Wenn die K. den Schwanz 
verloren hat, so weiss sie, wozu er gut ist.* Ixkichbm ; 
SuLGBR. ,Er hat mehr zu tun, als eine K. zu schwän- 
zen.* KiRCHH. Seib [oh] e* Ch. schwanzi oder er redi, 
ist glich. Spillm. WU im Land umme* cho* wie en 
alti Ch. Z (Dan.). ,Alte Kühe lecken auch noch gerne 
Salz*, von betagten Wittwen, die zum zweiten oder 
gar dritten Mal heiraten SchwNuoL ,Die alten Eühe 
sind der Weiher Ankenhäfen* (indem sie fettere Milch 
geben). Die Kuh inwendig: dunkel, finster wie in-ere* 
Ch. inne* Ai; Gl; Gr; L; G; Th; Z; auch schon bei 
Met. Hort. 1692. — ß) schwer zu sättigende Begier. 
J5> Ch. über 's lind Bröd si; darauf erpicht AAZein. 
E* feissi Ch. (Sou, Frau) häd Niemer umsust. ebd. 
Dem Manncvolch na^^e^laufe* wie e" Ch. ere* Salz- 
täsche* ZW. Es weiss «• Ch., wenn si g'nueg hed, aber 
nid e* Sufer. Ineichen. ,Ir trinkend einander zue, bis 
ir kotzend, das tuet kein k.* UEckst. Wart; 's isch 
c" Ch. am Chabis! Schild, Warnung vor Voreiligkeit 
durch Hinweisung auf einen anderswo drohenden 
Schaden. Not lert d' Ch. wate^ BR. ,Er sass da, wie 
wenn ihm eine Kuh am Klee gefallen wäre.* B Hist. 
Kai. 1859. ,Da8 ist eine böse Kuh, welche die Weid 
allein fressen will.* Hobp. — y) gelegentliche Wild- 
heit. Vo* der totibe* Ch. g'frisse* ha; von Sinnen 
sein, Lust an tollen Streichen haben. Tolles, Törichtes 
unternehmen B. V. d. t. Ch. frissc, verblendet sein 
(und erst durch Schaden klug werden), ebd. ,Ein 
Liedlein von einer t. K.* Tobl. VL. I, S. LIV. ,Eine 
Geschäftigkeit, dass man meinen mochte, es sei eine 
K. ab dem Barren.* Dri* scMö; wie ne" Ch. A^Bb. 
Er fart um, wie e" Ch. im Babacher. Sprww. 1869. 
S. auch noch durch-gän, brechen. — ö) Stumpfsinn. 
Öppis a'luege* wie «• Ch. es Tenntor G; Th. ,Ich 
musste schauen, wie eine K., wenn sie in eine Apo- 
theke kommt.* Das chäm [sogar] in-ere* Ch. z' Sinn. 
Ineichen. E^ blinn*i Ch. (d* Ch.) het c" Muschgert- 
nuss (en Eichle*) g'funn^e*, einem Ungeschickten ist 
Etwas geglückt GW. I'* ligge* nider wie-ne* Ch, t*'* 
hoffe!*, 's werd-mer Niemert öppis tue* ZWint., ein- 
fachstes Nachtgebet eines Kindes, urspr. nicht roh 
gemeint; vgl. eine niederd. Parallele bei Rochh. 1857, 



117. So vü von Öppis verstä^, ^ie-n-e* Ch. ton «•«• 
Muschgetnuss Aa; B; Gl; Gr; L; G; Th; Z. Was 
kennt (weiss) e* Ch. von-ere* M. (wenn si no^ nie *• 
der Apitegg g'H» ist)? Aa; L; S. Wa' brückt d' Ch. 
e" M.? Sülorr. Tumm wie e* Ch.; vgL chtie-tumm, 
Chue-Babi u. a. .Etwas so gut verstehen wie eine K. 
Spanisch* Gr; Th; Z, oder: ,Clarinetblasen.* Stutz. Er 
ciw 's so wenig c^s «• Ch. gtge*. J** w^t lieber e* 
Ch. lere* glge* ZO. Vo Dirigem kennt Euserein so 
vü a's d' Chüe vom Bechne^. Stütz. Wenn Einer beim 
Spiel vom blinden Zufall über die Massen begünstigt 
wird, so sagt man : So chönnt 's e* Ch. eme* Pfarrer 
abgünne* Z. ,Er verstände sich uf wildpaan wie ein 
k. uf mittag.* TbFrickart 1470. ,Da88 es sy der alte 
sitt: kein k. acht"* keiner muscat nit* HBüll. 1533. 
«Yerstat sich glych uf musikus, wie unser k. uf muscat- 
nuss.* JBindbr 1585. ,Narr : WiewoU ich bin ein grosser 
läpp, steckt so vil witz in myner kapp, als vil ein k. 
hat muscat g^frSssen.* Aal 1549. ,Ein k. wurd sich 
vil bass verstön uf muscatnuss, ein esel uf musicspil 
und lyrenton, weder sich diser arzt verstat* Funkelin 
1552. ,Es müsste wohl eine Kühe lachen*, es ist un- 
glaublich. Met. Hort 1692; Hobp.; Bantu 1712. ,Wie 
viele schauen diese Sachen nicht anders an, als wie 
eine K., wie man zu reden pfleget, ein neues Tenntor, 
ohne Verstand und Nachsinnen.* Ulrich 1727. — 
s) K. und Kalb. AUi Chüe sind einist ChaXber g'si: 
Ineichen; Sdloer. E* 20järigs Chalb git kei* g'schldi 
Ch. mir. Ineichen. E* gueti Ch. chann at«^ e* schlechts 
Chalb ha: Sulger. Alt Chüe hei» au^'' ChaXber, Alter 
schützt vor Torheit nicht. Schild. Me^ mues* d' Lüt 
la* säge» und d' Chüe la* träge*, so git 's Chalber U; 
ZZoU. Wer es Chalb wiü, muess e* Ch. heusche». In- 
eichen. Brueder, gang ufe-n-uf d' Alp, chunnst sunst 
um d' Ch. und um 's Chalb, schau zur Sache. Sulger. 
,D' Ch. u d^s Chalb z'sämme* ni*, uzorem ex alio gra- 
vidam ducere.* Id. B. D' Ch. mit dem Chalb chaufc. 
Ineichen. 's Chalb mit der Ch. verchaufe* Gr. Es 
hät-em e* Ch. kalberet, von einem Glücksfall, Erbe 6; 
L ; Z. ,Kalb mit der k. [formelhaft = mein Alles] wirt 
bald zergan.* c. 1520, Th Pur. ,Wir kummend g'wüss 
um kalb und kue.* ÜEckbt. ,Bauer: Ich wurd ver- 
rechten [verprocessieren] kalb und k.* HBull. 1533. 
,Da8 Kalb muss oft mit der K. gehen.* Met. Hort. 
1692. ,Er ladet Gäste über das Kalb, ehe die K. ge- 
kalbt hat* ebd. — Q K. und Milch. Wenig Chüe, 
wenig Milch. Suloek. Die guete* Chüeli kennt men a" 
(ifr Milch. Stutz. Die schwarze* Chüeje* gind au*^ 
wissi Müch. Sulger. Me** milcht d' Ch. dur^ 's Mül. 
Sprw., der Milchertrag hängt von der guten Füt- 
terung ab. WcLS hed-me* von-ere* guete* Ch., wenn si 
d' Milch sUber süft (d* Milch wider umg'heit)? (von 
reichen Frauen, die ihre Mitgift für sich brauchen). 
Ineichen; Sulger. S. noch u. Kübel. ,Solche Kieh 
mSlchen schied uns nit*, das Gut von Juden zu con- 
fisciercn würde uns nicht schaden. GGotth. 1619. — 
r^ K. und Schelle. ,Er ist wie eine Kuh, die ohne 
Schelle im Wald herumläuft' Kirchh. E* Ch. öni 
Schelle", eine Frau ohne Kinder Sch. 's lauft aw^^ 
wider en Ch. dwr*''* 's Dorf, as en TreiMe* a*hed, es 
wird wieder etwas Anderes zum Dorfgerede Aa (Stein- 
hauser). Es gät uf's Jär wider en anderi Ch. mit- 
eren andere** Schelle** dur*''* 's Dorf, Beschwichtigung = 
lass dir dieses Gerede nicht so zu Herzen gehen, übers 
Jahr ist es von einem andern bereits verdrängt ZWl. 



89 



Ka, ke, ki, ko, kn 



90 



Vgl. : Es chunnd g*rad wider e" Ch, und brüdet lüter, 
eine Neuigkeit wird von einer andern verdrängt. In- 
sicHSN. — %) E. als Schlachtvieh. Hättist mir weUe* 
lose'', du wärist nit so z'wig wie-ne^ Ch,, wc*» d's Türli 
zue isch «•* der Metzger hingere* [hinter ihr]. Gotth. 
Er ist verirret, wie de^ Metzger t" der Ch. Sulqer. 
Chö"* [gekleidet gehn] wie-n-en ufg*schundni Ch. Z 
(Spillm.). tJsg'seh vjie d' Chttttle^ von-ere" Ch,, un- 
ordentlich ZBauma. — i) K. im Stallverschlass. De* 
Stall zueiue*, wenn ^ Ch. dusse* (g*stoU*) ist. Inbichen. 
,Zno unzjten den stal znotuon, so die kuo hinaus ist, 
sera in fundo parsimonia.* Mal. ,Da, als [«a] zum Teil 
schier was verhergt, Priamus erst den Friden hgehrt. 
Als aus dem Stall was schon die E., will er alsdann 
erst schliessen zue.* GGotth. 1599. — x) Wert der K. 
Dass derselbe hoch geschätzt wird, zuweilen scheinbar 
höher als der nächststehender Menschen, zeigt der 
unter Unflat (Bd I 1226) mitgeteilte Ausspruch. Ähn- 
lich : Es hat mängi Ch. me g*chosVt, Y ergleichung mit 
andern Werten Z. Dew ist e' Ch. wert, dass t** *s 
weiss. Stutz. Es gät um ekei** Ch. (von Spiel mit ge- 
ringem Einsatz) GlMoII. Der Marti* het g^werchet, 
a's gelti's e" Ch. ü (Schwzd.). Mänger schiesst ere* 
Ch. ne^ Stei* nö** und der Stet* isch me wert a's 
die ganzi Ch. (sagen Alchimisten). Schild. Es hed 
Mängen e" gueti Ch., er weiss *s nid. Inbioheh. Die 
beste* Chüe chömme* nid uf-e* MärH. ebd. ,Die K. auf 
den Markt führen*, sich für Andere hergeben, um eine 
Idee zu vertreten, etwas Neues vorbringen. D' Näch- 
bere" chaufen enander ekei* Chüe ab kk. Wer 's het 
und vermaJf, chann e* Ch. (en Hund) ha* B oAa. Wenn 
dtf Wl* wolfel ist, versüft der arm Ma** sl* Chudi. 
RocHH. Wdhi* ist er? 's Land üs go* Chüe bettle* 
Z (Yexierbescheid) ; vgl. Bändli. Bes. beliebt ist die 
BA. bis d* Ch. en Batze* gut, zur Bezeichnung eines 
Zeitpunktes, der niemals eintreten wird, oder eines 
Zeitraumes von unbestimmbarer Länge; syn. bis d^t 
use*, bis anno Tubak u. A. Einmal auch i. S. v. Un- 
möglichkeit: So g'wOss, a's d' Ch. en B. gilt L. Anders 
gewendet: Wenn denn cf Ch. en Batze* giltet, se chunnt- 
me* dich über für en halbe*; es fÜt-der Nüt me'' a's 
d* Homer. Roche. Vgl. HaW-Batzen. Insbcs. wird 
vom Wert einer ,roten E.* gesprochen, i. S. v. grossem 
Wert. D(ts freut-mi'^ me a's e* roti Ch. Schild. ,Sie 
hätte nicht eine rote E. dafür genommen.' Gotth. Er 
hm ekei* roti Ch. dra* tuschet. BWyss 1863. Um 
kei rots Chüdi [bleibe ich] GSa. (Albrecht). P* möcht 
nid i* slner Hut sticke*, nid um e* roti Ch. Job Met. 
1866. I** wett nüd um e* rots Chüdi, verschwige* um 
es Fleckli Z. lezt muess es dur^^e* prozessiert s'%* und 
wenn 's mt** e* roti Ch. chostet ! Sch. ,Ich näm für 
das kein rote Eueh.* HMaul. 1620. Einmal auch ohne 
Betonung des Wertes, gleithbed. mit dem einfachen 
Subst. Es g'sehd [sieht] mängi r. Ch. der andere* 
glich AAZein. Betr. den Wert der E. im Allg. s. auch 
noch eine BA. unter Geisle*. — X) schliesslich ist der 
Besitz der E. auch mit Mühe verbunden und wer 
diese scheut, muss sich selbst dem Tiere gleich stellen. 
Oni Müe giH 's keini Chüe. Ihbichen. Wer will Bue 
ha*, muess 's mit der Ch. ha* L. — p) einzelne BAA. 
und Sprww. De^ Sant Nikiaus b'schert wol e Ch., 
aber tüd 's Seil derzue, Mahnung, zu Geschenktem 
Sorge zu tragen. Sulgbr. Es chunnt nit uf's Hör 
a*, wenn men e* Ch. rupft, bei grösserm Vorteil kann 
man auf einen kleinen verzichten. Sohild. /''* ha* 's 



ufg'schribe*, wo 's kei* Ch. abschleckt. Sclger. Es ist 
bald g'scheh, dass e* Ch. en Aro [Arm] gibrochu* und 
es Boss en Ächslu* usg'chlt [ausgerenkt] hat W. Andrer 
Lüte* Chüeje* händ aüewU e* grösser Uter. Sulgbr. 
Es glichet mängi Ch. der andere* BBe. *s sind aw** 
nid all Chüeje* glich, wo [die] de^ Hirt zum Tor l*trfbt. 
SuLGER (Verwahrung gegen unbedingte Gleichstellung 
gleichartiger Dinge). Die vorder Ch. füere*, den Ton 
angeben, sich an die Spitze stellen Z. ,Es ist ein E. 
oder ein Zeisslin, ich kann es nicht kennen, was es 
eigentlich seie.' Mey. Hort. 1692. — b) die E. in Ge- 
schichte, Sage und Aberglauben. Die Wichtigkeit der 
E. für den Haushalt der Schweiz, bes. der Bergkan- 
tone, wurde als charakteristische Eigenschaft schon 
früh auch von Fremden und Feinden erkannt und von 
den letztern den alten Eidgenossen als Spott vorge- 
worfen, bes. von den deutschen Landsknechten im 
Sehwabenkrieg: ,Ein knecht im Rheintal hat am tanz 
einem landsknecht wellen ein kuo an die band stellen 
und gesprochen : siehst das dirnli, so man da am seil 
füert' 1501, Abbch. Al>er die Eidgenossen schämten 
sich dessen nicht; schon im Sempacher Liede tritt 
die ,Eue Blüemli* als ihr anerkanntes Sinnbild auf 
und so noch später die E. gegenüber dem Bären (Bern). 
,Die von ünderwalden sprechen, zuo ustagen werde 
der bär guot zu fachen syn, dann er sich der zyt 
muse, und werde die kue uf in stygen.* 1528, Abbch. 
Als im alten Zürichkrieg und noch mehr in den Be- 
ligionskriegen des XVI. und XVU. durch innere Spal- 
tung der Eidgenossen die Urkantone den Städten, bes. 
Z, gegenübertraten, verschmähte und versäumte diese 
Partei nicht, den alten Spott auf ihre Gegner anzu- 
wenden und es kamen die argen Schmähungen auf, 
von denen unter an-gän und gehtjen Proben zu finden 
sind. Ein Fall davon auch schon früher: ,Von zweier 
schmidknechten wegen, die zu Meilingen gefangen sind 
von wegen, dass sy gesungen hant: Wann Ammann 
Beding stirbt, mange kuo zu einer wittwen wirt.* 1470, 
Absch. Ein Z Spottlied auf einen Eriegszug der Ur- 
kantone a. 1634 stellt diese unter dem Stichwort einer 
,taul)en E.* dar; s. o. Schöner ist der ebf. in einem 
Liede, aber gegen äussere Feinde (die Schweden vor 
Bheinfelden) vorkommende sagenhafte Zug, dass die 
Belagerten den Feind durch eine ausgestellte Euh 
verspotteten. ,Ein Chüeli stelle si use, das Chüeli 
treit Werch am Hörn. So wenig das Chüeli lehrt 
spinne, so wenig werde d' Schwede Bhifelde gwinne.* 
ToBL. VL. Eine verdunkelte Erinnerung daran scheint 
in der BA. zu stecken: dri* luege* wie d' Chue im 
Schwede*chrieg (It Bochh. vom Geizigen). Sagen und 
Bruchstücke von Liedern erzählen von Grenzstreitig- 
keiten und Baubzügen der Hirten im Hochgebirge, 
wobei es natürlich auf Entführung von Herden und 
bes. einer grossen Schellenkuh abgesehen war. Tobl. 
VL. I, S. cm und B Anz. 1885, Nr. 2. Vgl. auch 
noch einen Beimspruch bei Tsohükpbrt S. 272. Mytho- 
logischen Grund hat der Glaube, dass das sogenannte 
,Nachtvolk*, in Sennhütten einkehrend, eine Euh 
schlachte und nachher wieder herstelle (die von den 
Winden zerrissene und wieder zsgeblasene Wolke). 
VoNBUH S. 4. Auch im Volksrätsel erscheint die Euh 
mehrfach. Vier Dilitappe* [Dielentreter], zwei Här- 
schlappe*. Zwei wischen für eweg [weisen den Weg] 
und Einer besmet [kehrt] hinnenä*\ oder: Vieri lampen 
' [hängen], V. trampen [treten] usw., oder: F. geUe* 



91 



Ka, ke, ki, ko, kn 



92 



und V. zeltet [baumeln] und Zwei wische* schi [sie] 
de* Wege* nä*** und Zwei were* schick gege* de* Wölfe* 
usw. Gr (Tschump. aaO.). Es sind zwei Lotzendi, 
zwei Stotzendi, zwei Trotzendi, Vieri gahendi (oder 
Vieri gangendi, Vieri hangendi) und Eins hesmet wä'* 
W. 's gäd Öppis um 's Hus ummen und leid Teller 
z'weg Z. S. noch Qadm und Rochh. 1857, 221 f. Vgl. 
auch noch eine Wetterregel unter Liechtmess, betr. 
die Milch Bd II 197 unter Rötgügger und betr. Ver- 
zauberung, derselben s. Hex, ebd. Sp. 1825; Fazzelet 
und Hasle*. S. auch noch unter Wetter-GHe^i, Des 
li^en Ootts (GrL., Pr.), d's lieb HergoUsch (GaChurw.) 
Chueli, Chüeli = Frauen-K. — c) die Kuh im Rechts- 
gebrauch. , Eiserne K.* im S. einer stehenden Ver- 
pflichtung zum Halten einer K. und entsprechender 
Abgabe; vgl. Gr. RA. 593 und Halb- Vieh Bd I 649. 
,Der alt Batsch in Galfeisen hat ein ysinin kuo, hat 
syn sun sant Lienharten 'gSben, davon soll er oder 
syn erben alli jär järlich ein biner schmalz gSn sant 
Lienhart.* XV., GPfäff. urbar. — d) der Mensch ver- 
glichen mit der K. Schnarehle* (U), brOele*, laut 
schreien (AaoP.), frBsse^ {Z), süfe-* (B; L; ZO.; Dra- 
men des XVI.) wie e Ch. Vgl. uberweidig auch von 
Menschen, jy Ch. wache'', Dienste tun, die nicht be- 
lohnt worden. Inbicben. Sich einfaltig (S), ausgelassen 
(L) geberden, Spass machen, Possen treiben (Schw); 
auch mit Ei**m Th; Z. Mach nid d* Gh., sei kein 
Narr BSi. Mach d* Ch. nid, 's Fueter ist gar tür! 
Sprww. 1869. Mach nüd d' Ch. mit ^em Städhalter, 
treibe nicht Spass mit dem Starkeren, z. B. einem 
Pferde Z. M. n. d' Ch. m. der Mueter, treib's nicht 
zu weit (scherzh.) ThHw. K. als Schelte für eine 
dumme, ungeschickte Person Ap; Bs; B; GA. ; ScaSchl.; 
S; Th; Z; insbes. für ein schwerfälliges, faules Weib 
Bs. S. noch Kle-K. und Kalb. ,£r [Arner] ist im 
Grund doch eine gute K., und das Mitleiden ist das 
Narrenseil, an dem man ihn ziehen muss.' HPest. 
1790. Augenscheinlich an den bekannten Spiclnamen 
angelehnt ist: ,Das Mareili müsse doch auch eine 
rechte blinde K. sein, dass es das nicht merke.' Brei- 
TEH8T., wo nicht sowohl der Begriff Kuh als derjenige 
der Blindheit urgiert werden soll. Ohne Schelte : Letsti 
Kue, mach d' Türe* zue Bs; B. Chüeli, „Kosewort 
i. S. V. Närrchen. Gebirg". — e) uneig., bildl. ChiU 
tue*, ein Kinderspiel (K. vorstellen, ihr Gebaren nach- 
ahmen) Ap. D' (Jh. verteilest Gesellschaftsspiel. Jedes 
Mitglied wählt sich einen Teil der Kuh. Dann be- 
ginnt der Leiter des Spieles: 0, was han ich für e* 
schöns Messer ! Die Übrigen wiederholen diese Worte 
mit Ausnahme von ,Messer', wofür Jeder den Namen 
des von ihm übernommenen Teiles der Kuh setzt. 
Nachher wird statt ,Messer' ein anderes W. eingesetzt 
usw. Th. E* holzigi Ch., ein Spielzeug von Hirten- 
knaben, aus Ahorn- oder Lindenholz GA., W.; auch 
ein blosser Tannzapfen, der an einem Faden nach- 
geschleppt wird Ai; vgl. Gr. WB. V 2551 und Tann-, 
Tschüpe*'K., auch Hörn- und Bein-K. E* ßoretsideni 
Ch., scherzh., Ziege Z. ,Die K.' hiess auch das Harst- 
hörn von Schw, entsprechend dem ,Stier von U*. — 
2. von Sachen, ohne äussere Ähnlichkeit mit dem 
Tiere, a) ,Kühe' heissen auch die ,Steine' im Mühlen- 
spiel Ap; Z. Zu>e und biss-der ew%g die Ch.! — 
b) Name eines bischöflichen Gefängnisses in Konstanz 
(und andern süddeutschen Städten) für strafbare Geist- 
liche (jetzt Gesellschaftslokal). — c) als Längenmass. 



,Der graben [Bett eines Baches] soll am boden klafter- 
wyt und anderhalb kue teuf sein hei gesessenem erd- 
reich.« 1508, Küchler 1887. Vgl. Kue-Fuer Bd I 972/3. 
—-Abi. Ein-Küeler; Kuerich. 

Mhd. kuo, PI. Icüeje, ahd. chuou In der ä. Spr. ist schw. 
Fl. nicht selten: «KUyen.' 1860, Lauif., Bcitr., ,kajen.' Gl 
Urk. 1395, ,kaen.' 1535, ZEIgg, ,Kühen.' Spiciss 1667. 
Daneben tkfiy.' Bib. 1560. Belege fUr die schw. Form auch 
bei 6r. WB. Der Dat. PI. Küene* mit eingeschobenem resp. 
doppeltem n ist zu erklären wie bei andern Subst., die auf 
Vocal aasgehen, z. B. Schiene'* [Schnhen] und die n- Formen 
von Adjj. wie /ruf, /h ancb im Sg. Ein älterer Beleg dafSr 
ist: ,mit den melchcn KQenen.* 1672, Obw. Die Dim.-Formen 
unterscheiden sich in der Bed. (wie bei andern Subst.) so, 
dass die umlautlose mehr 'Vertrautheit als Kleinheit be- 
zeichnet. — Zu 1 a a (Schluss). Das Innere der Kuh stellt 
man sich als eine Kammer Tor, in welcher das Kalb Raum 
hat; yiell. auch entstand die betr. RA. spec. bei Anlass des 
Kalbens, da der Hülfe leistenden Menschenhand zn Statten 
k&me, wenn sie Tom Gesichte unterstützt werden konnte. 
Der Sinn von ,rote K.* weicht, wenn der Ausdruck ohne 
ironische Nbbed. zu nehmen ist, Ton ,roter Hund' ab; an 
,roter Heller' erinnert er durch die meist negative Ver- 
bindung, in der er vorkommt. -- Betr. den Namen des Harst- 
horns von Schw kann angeftlhrt werden, dass zwei Foucr- 
hOrner auf einem Turm in Breslau ,Kuh und Kalb' hiessen 
(Wackern., Kl. Sehr. III 73). Zu 2 a. Die Steine sind die 
Kfihe auf der Weide, die weggeraubt werden. 

Ober-Chue: wahrsch. = Üher-Rind, ein Rind, 
das erst nach dem dritten Jahre trächtig wird F. — 
Allmein d- s. Heim-Ch. 

£r-. ,£rktthe' hiessen die, deren Anzahl auf einer 
verliehenen oder verpachteten Alp (Schweig) stets vor- 
handen sein, also beim Ende des Lehen- oder Pacht- 
verhältnisses dort zurückgelassen and vorgefunden 
werden musste. ,Der spann und stöss [Streitsachen], 
so sich erhebt haben der schweigküe halb, so uf der 
schweigen beliben sind und nach den alten urber erküe 
heissen.* SchwE. Hofrodel. ,Wenn ein schweig ledig 
wirt, so soll eins herren amptmann mit den Schwei- 
gern, die er denn darzuo berüeffet, gewalt haben uss 
dess küe, so abgestorben oder sust von der schweig 
kommen ist, vorüs und ab nfimen, bis dass die zal 
der erkfie, so dann zu der selben schweig gehöret, 
erfüllt wirt.* ebd. 

^r, Erz =s /«m in dem sog. Eisernvieh-Yertrag (s. Halh- 
Vich) i. S. V. dauerndem, unveränderlichem Bestand. S. auch 
laene Kue unter Kue 1 c, Halb-K. nnd ,erinn rinder* (1879, 
LNunwil It Seg. Rg. I 458), d. i. solche, welche nach dem 
Hinschied eines Meiers auf dem Hof gelassen werden mQssen. 

Oster-. OsterchiJteli nannten die Kinder, welche 
auf Ostern kein Kleidungsstück bekamen und darum 
von den andern Osterchälbli genannt wurden, diese letz- 
tern zur Erwiderung des Spottes ZWyla. — Fardel-: 
Rind, das zum ersten Mal trächtig wird GrS. — 
Fletsch-: reichlich Milch gebende K. Gl. 

Frauc°-(Ap; GW.; ScHSt), Herrgotts-, Herr- 
gets-, Herrgottc- (Ap; BSi.; Gl; Gr; Z), Lieb-Gotte*- 
(GRValz.), Herre»- (Ap), Maie"- (TflSee), Mure»- 
(ScHHa.) Chüeli, in BSi. -Chüeli, in Gr tw. -Chue: 
wesentlich Marienkäfer, coccinella septempunctata ; 
doch auch etwa coccinella übh. Synn. s. Unser-Lieben- 
Frauen-Crüegi (Bd II 162) und Herren-Loben. ,(Unser) 
frouwenküele, cantharides rubeae.' Mal. Herrgotte*- 
Ch., flüg über de* lihi und säg Vater und Mueter, es soll 
möre* [morgen] hübsch (Wetter) st*! Gr (Kdrspruch). 

Da die Tierchen meist in grösserer Zahl au ein und dem 
selben Pflanzenstocke sich vorfiudon, so werden sie mit Kühen 



93 



Ka, ke, ki, ko, kn 



94 



auf der Weide (anderwärts mit einer Schaar Htthner) ver- 
glichen, die dem himmlischen Vater oder der himmlischen 
Matter gehören. 

Gabel- = Oäbd II S (Joach.). -- Gämmeli-: 
in einem OämvueU [kleinen Stall] gehaltene K. Ap. 

— G logge»-: nur in der von Rochh. angegebenen, 
von anderer Seite bezweifelten RA.: Es häd üsg'lütet 
mit der Qh, bildl. von einem Todesfall. — Gränschi- 
Chüeli: kleine, magere K. UwE.; vgl. BäUchdi-K. 

— Hen-Chne: verächtliche Bezeichnung einer K., 
der ein Hörn abgestossen ist und die daher nicht ver- 
kauft werden kann SchwE. Wahrsch. missverstandliche 
Anwendung oder Umdentung einer altern unverfäng- 
lichen Bed., = Heim-K.; s. Anm. z. Diesem. »Denen 
von Altorf soll die einbeschlossne Allment verbleiben, 
doch sollen sie mit den Heukühen darein und daraus 
fahren nach Zeit und Schuldigkeit, auch Nichts heuen, 
als was zur Streue nötig ist.* 1670, U. — Halb-: 
Pachtkuh. Vgl. Halb' Vieh und Er-Kue, Geht ein 
Meier mit Tod ab, so sollen auf dem Hof bleiben 
,ein richnu [erinu?] kuo oder zwo halb küien.' 1379, 
LNunwil (Seg. Rg.). 

Heim- (Heinvach- GoRh.): 1. K., die man im 
Sommer nicht auf die Alp versetzt, sondern zu häus- 
lichem Gebrauche im Stall oder den Tag über auf 
einer nahen Weide (s. Heim- Weid), bes. auf der All- 
mend, hält Gl; Gr; GoRh.; W. Syn. In-hirt-, Hüs-, 
Kost-K. ,Die Kühe, die man Allmeind- oder Heim- 
kühe nennt.' Steinm. 1802. D' Heimchüe und di Geiss** 
sind zum Stall cho" GaSchiors (Schwzd.). ,Zwo hei- 
kue.* 1530, UUrs. ,Die Bysässen sollen nit mehr als 
ein H. uf die Allmänd tuon.' 1698, Ndw. ,Dass arme 
hausleut, ja landkinder, bei uns befunden, die weder 
kuoh noch kalb mögen wintren, so mögen sie ein h. 
zueher treiben und auf gemeine weid schlahen.' Alp- 
brief GRKIost. Vgl. H,-Vich, -Geiss, — 2. Ha-, auch 
Hä^^ive-Chiidi, Person, bes. Kind, die, von der Heimat 
entfernt, leicht Sehnsucht nach derselben bekommt 
und zurückkehrt Ap. 

Nach Blomer, RG. 11 1, 360 bezeichnen ,Heimkahe\ in 
U ,Heu-K.*, im Gegs. zu den Kühen grosser Herden die ver- 
einzelten, nur nebenher gehaltenen KOhe, welche vorzugs- 
weise im Hause ernährt und benutzt werden. Die Nbform 
Heu- kann aus IJei^ entstellt sein, wie Heu-Wt aus «Heim- 
Weh* und andere eu aus et bes. vor m (und Spiranten) ; sie 
kann aber auch urspr. neben Heim- bestanden und die vor- 
zugsweise am Heu stehende Kuh bezeichnet haben. 

H6r-: Meister-K., Leit-K., d. h. die sich im Wett- 
kampf mit den andern bei der Auffahrt auf die Alp 
als die stärkste bewiesen hat (vgl. her gan, siegreich 
aus dem Kampf hervorgehen), darum jenen vorangeht 
und von Seite der Hirten allerlei Auszeichnung ge- 
niesst. Sie bekommt das beste Futter, trägt die grösste 
Glocke, bei der Auf- und Abfahrt auch den Melkstuhl, 
und wird bei festlichen Anlässen mit Blumen und 
Bändern geschmückt im Dorf herumgeführt. Sie gilt 
auch einen höhern Preis, ihr Eigentümer ist stolz 
auf ihren Besitz und bezahlt für die Ehre desselben 
den Alpgenossen einen Trunk. Sie ist auch die beste 
Weiderin, d. h. sie kennt die besten Weideplätze und 
führt die andern dorthin. Bei brauner Farbe soll sie 
einen weissen Strich über den Rücken haben Ap; Gr; 
GRh. Im frz. W heisst sie reinaj in GREng. pugnera. 
Vgl. noch Her-Ochs, Hübsche ausführlichere Beschrei- 
bungen der H., bes. ihrer Wettkämpfe, in Kronfels 



1826, 274 f.; Hlustr. Jugendbl. 1875, S. 12—14. Vgl. 
Her- Messerin nnd sich meinen. — Herd-: die K., die 
die grösste Glocke trägt AABb. — Hörn-: Spielzeug 
aus einem Tannzweig; s. Kue 1 e. — I»-hirt- = 
Heim-K. Schw; Ndw. — Hüs- = dem Vor. Zo; 1596, 
AAMuri Klosterordn. (Arg. 1861, S. 49). — Jar-: K;., 
die gegen einen Jahreszins zur Benutzung ausgeliehen 
wird BHk. — C halb er-: 1. Kalb oder Rind, das 
schon im ersten Jahr empfangen hat und im zweiten 
kalbt Gr. Syn. Sticken-K, Kalbele. — 2. K., die 
kürzlich gekalbt hat oder bald kalben wird Th; Z; 
übh. fruchtbare Kuh BHk. Niid um e Ch,, um keinen 
Preis. Stutz. ,Forda, ein tragende kuo, k.' Fris. 
,Vacca foeta, ein k., die kalberet hat.' Fris.; Mal.; 
Denzl. — 3. dumme Person Gr; Th. — Charst-: 
Ziege, scherzh. wegen der nach hinten gebogenen Hör- 
ner so genannt AaK., L. — Chost- = Heim-, Spls- 
Milch-K. Gr Samml. — Chät-Chüeli: kleine K. Gr. 
— Chuetschi-Chue: weibl. Kalb Gr. Syn. Kuetschi, 
K,-Kalb, Kalber- Küetschi. — Chl6-: Scheit- oder 
Spottn. für eine unbehülfliche, dumme Weibsperson 
Ap; BSi.; Th; Z. — Leb- s. L.-Kuechen. — Leb-: 
Lehen-K., d. h. geliehene, verpachtete Gl; Schw. Er 
hat bloss Leche'^chüehli und drum isch - em glich, ob si 
im Herbst L%b heigeH oder nüd. Gl Volksgespr. — 
Länder-: K. von bes. Gestalt und Farbe [schwarz], 
die in den Urkantonen gezogen und von dort nach 
Italien verkauft wird ZKn. ,Das gemeine Volk sei 
dumm wie d' Länderküh.' Gotth. 

Lös- Lösch-: Pachtkuh, d. h. K., die man für den 
Sommer zur Ausnutzung von Weidrechten, für die man 
nicht genug eigenes Vieh hat, in Pacht genommen hat 
GrD., Vz. — Maen, pachten. 

MS Ich-: meistens bildL 1. Sache, aus der Jeder- 
mann Nutzen ziehen möchte Bß. — 2. Weibsperson, 
mit der man heimlich verkehrt hat und die dann 
immerfort Anforderungen macht Sch (Kirchh.). — 1 in 
pass., 2 in akt. S. 

Milch-: 1. K., welche Milch gibt, im Gegs. zu 
einer galten Gr; GBern.; K., welche viel Milch gibt, 
oder welche man um ihres Milchertrages willen hält, 
nicht als Zugvieh verwendet Th; Z. Syn. Nutzen-K. 
Vor-ere* guete^ M. sett-me^ d' Chappt^ abzieh eb [eher 
als] vor öpper Anderem S. — 2. K., welche man ge- 
pachtet hat und nur im Sommer behält GrAv. Syn. 
Lös-, Summer-K. — 3. = Melch-K. 1, z. B. de^ Stät 
ist e grössi M. Ein einträgliches Amt Sulgbr. Ein 
Beruf, den man nur des Erwerbes wegen betreibt Z. 

Spis-Milch- = Heim-K. Gn Samml. 1781. 

Spu scheint hier den tAglichen Bedarf an der Haupt- 
nahrung zu bedeuten, der durch eine solche Hauskuh ge- 
deckt wird. 

Menn-: K., welche als Zugtier (zum Mennen) 
gebraucht wird Gl; SchwE.; Ndw; Z. -- Mansi-, 
bzw. Mansche-, Meiss-, Meisch-, M6se-, Mßs-: 

1. im Gegs. zur Zit-K. Rind, welches nur die nor- 
male Zeit zu seiner Entwickelung braucht, also im 

2. Jahre zum ersten Male trächtig wird und in dem 
selben oder im nächstfolgenden Jahre kalbt BR.; Gr; 
LE.; zo. — 2. Kuh, die man eine Zeit lang nicht 
trächtig werden (Mansi oder Mes gä'*J lässt GrD., 
Pr., Vz. ,Von jegklicher kuo, die vor pfingsten ein 
kalb hat, 4 eiger und ein mansikuo soll 2 eiger geben.' 
XV., z. 



95 



Ka, ke, ki, ko, kn 



96 



Mos-Chue: Rohrdommel. 8yn,Lö'Rind. S. auch 
Mo8-Stier. «Butio, onocrotalas, ein urrind oder m., 
ein Yogel füert ein wunderbar geschrei, so er den 
Schnabel in's mos stosst.' Frib. ,M., botanrns, vel 
butorius.' Mal. «Ardeae stellares, bei uns Rohrdommel, 
Rohrrind und M.* JLCyb. 1661. - Jfo« i. S. t. Moor; 
,Kuh* wegen des Gebrtllles. 

Mest-: Mast-K., zum Schlachten bestimmt Gr; Th. 
Syn. Metzg-, ScMeg-, AhsteU-K. — Meiste r-^ffir-Z; 
,Es geschieht zu Zeiten, wenn die Sennen auf den 
Alpen sind, dass in der Nacht eine Stimme gehört 
wird, als wenn ein Senn rufte, welcher Stimme denn 
die Kühe alsobald unter der Anführung der M. nach- 
gehen.* JJScHEucHz. 1746. — Hochmuets-: hoch- 
mütige und meist etwas dumme Weibsperson Ap. — 
Mueter-Chüeli: Schosskind Ap. — Metzg-Chue: 
== Mäst'K. Gr. 

Fasnacht-. Eint, die me* ua-em Bettel nim, 
müess-me'* nit ga* uf putze* wie-ne^ F., sust werd di 
ume* z* Stölzl. Gotth. 

Gewissermassen das (Tom SchriftsteHer ad hoc erfundene) 
Seitenstttck zu dem mit einem gewaltigen Blumenstraass aaf- 
gepotzten Oster-Stier. 

Nutze»-: milchreiche K. Th; ZO. — Biemst-, 
Bienst-: K., die vor Kurzem gekalbt hat und darum 
noch die sog. Biemst- Milch gibt Ndw. — Bei»-, auch 
Beine*', Beiner-Chue und Bei^chudi: der das Dick- 
und Schienbein am Hinterbuge des Rind- und Schmal- 
viehs Yerbindende Gelenkknochen, insofern er den 
Kindern als Spielzeug dient, weil seine Gestalt sie an 
eine Kuh erinnert Gr (Tschump.). 

Bluem(e»)-= Her-K, W. — So genannt, weil sie 
zu Zeiten bekränzt wird. 

Plumpe»-: die ,Her-K.* als Trägerin der grossen 
Glocke (Plumpem) Gl; GRVal.; GO. Syn. Schdlen-, 
Trinklen-K, 

„Brenner-Küeli: Käfer, bes. coccinella Th.** 
Vgl. Frauen-K. und die dortigen Synn. — Der erste 
Teil des Namens Ton der roten Farbe? 

Brunne»-: gefleckter Salamander, sal. mac. GT. ; 
Th. Syn. Brunnen- Manhli, -Moüi. — Rämi-Chue: 
K. mit schwarzem Fleck (auf der Stirn) S (Joach.). 
— Rind-: zweijähriges Rind AaB. Syn. Meis, Vgl. 
Mansi'K, — Ring-: die im Ringen mit andern geübt 
ist W. Böschi [böse, d. i. bes. starke] BingchOe findend 
auch iru Meister (Sprw.). 

Ringel-: stattliche K., welche eine grosse Glocke 
trägt. Eine solche, Namens Bluem, kommt z. B. in der 
Sage von der verwünschten Alp vor. In Bs Rinkele-K. 

Die letztere Form ist wohl richtiger, aber selbst entstellt 
aas Trinkeis, indem man das ( als vorgesetzten Artikel niiss- 
deutete; s. das syn. Trinkle-K. 

Rdr*: = Mos-K. ,Rohrdommel oder R., sonsten 
auch genannt Rohrmuni.* JLCts. 1661. 

Rätscheli-Chüeli: magere, schlechte K. ZSchott. 
Vgl. Gränschi'K. 

Das erste W. zu RäUchen, Hanfbreche, mit deren Schienen 
die Rippen einer solchen Kuh yerglichen sind (vgl. das syn. 
Jiättchen). 

Summer- = Müch-K. 2 Gr. — Senne»- Ap, 
Sennte»- Schw: zu einem ,Senntum* gehörende, dann 
übh. grosse, schöne K. ,Senntenkühe oder sog. Erst- 
raelchc* Schw. — Schelle"-: 1. a) K., welche eine 
Glocke trägt Gl; Uw; U. — b) eine der drei Kühe, 



welche mit einer grossen Glocke beim Zuge der Herde 
vorangehen, auch diejenige, welche auf der Weide die 
Glocke trägt Ap, im letztern S. auch GA. ,Die Seh. 
trägt die eherne Glocke* Uw. Die zweit SchaUchue 
Gr ObS. — c) «die beste K. in einem Senntum, welche 
beständig den Vorrang behauptet Ap". ly Seh. mit 
irem Maie* zwüsche^ de* Homere* SchwE. (Lien.). 
P'^ nimme d' Sek, und miss-ere* es Halsband a* und 
henke" denn e* Plumps dra*. — 2. Weib oder Mäd- 
chen mit einem Kropf Ap. — Vor-Schelle»-: die 
K., welche mit der grössten Schelle vorangeht GlK. 

— Schlüf-: K., welche durch den Zaun zu schlüpfen 
liebt Der Weibel von Schwamendingen zeigt an, ,die 
bouw seigind übel versorget und 'zünt, das vech schäd- 
lich; der N. N. hab eine schl.* 1568, Z (Hotz). 

Seh leg-: Mastkuh, zum Schlachten bestimmt Gr; 
ScH. I^e* hem-mer [haben wir] es feists ScMegchüdi 
fha*; hür hem-mer kei*s z* metzg€^ GRSch. — SekUg 
= Schlag. 

^ cYiViii' z, SMitt-Kuechen, — Schnegge»-: die 
Schnecke mit ihrem Gehäuse (welche einer eine Last 
ziehenden K. verglichen worden kann) GA. 

Schwede»-: alte, magere K. AAZein. Vgl. Gran- 
schi-, Rätscheli', Stecken- K. 2. 

Bezieht sich wahrsch. auf die unter Kue 1 b angeführten 
Erinnerungen an die Anwesenheit der Schweden an der Grenze 
von Aa zur Zeit des SOj&hrigen Krieges. Vgl. Tobl., YL. I, 
S. LIII; Kirchhofer S. 112. 

Schweig-: K., die auf einer Schweig [Sennhof] 
gehalten wurde; s, Er-K. — Schwlzer-. ,Sy [die 
Ostreicher bei Dorneck] lüejeten [brüllten] recht wie 
ein schw.' Tobl., VL. «Jungfrauen, denen die Brüst 
zu gross wollen werden und daher gehen wie ein 
Schweizerkuh.* Gufkr; und so noch heute Sckw.-ChiUU, 
Mädchen mit vollem Busen Th. 

Stecke»-: 1. St.-Chüdi, magere Kuh Sch. — 
2. = KaJber-K 1 Gr. 

Der Grund der Benennung ist die auch sonst vorkom- 
mende Y ergleich ung von Magerkeit mit einem Stabe. 2 ist 
secund&re Bed., indem die Rinder, welche das erste Jahr 
trächtig werden und kalben, mager und klein bleiben. 

Stell-: 1. K., meist aus dem Vorarlberg, welche 
gegen Benützung der Milch einige Zeit, namentlich 
des Winters, bei einem Bauer ,an's Futter gestellt', 
d. h. ihm zur Fütterung übergeben wird ApK. Miet- 
kuh, die man anderswo eingestellt hat oder die man 
um ein gewisses Geld auf seinem Eigentum weiden 
lässt. SüLGER. — 2. ältere Weibsperson, die keinen 
Mann gefunden hat ApK. 

Für Bed. 2 wird wohl die Vergleichung gelten, dass eine 
solche Person, weil sie kein eigenes Haus hat, da und dort 
ein Unterkommen suchen muss. 

Ab-stell-: Schlachtkuh Gr. Syn, Schleg-, Metzg-, 
Mäst-K, und das Folg. 

A»-8tell-: K., welche wenig Milch gibt und 
darum gemästet wird .Ap. 

Sachlich gleich dem Vor., nur dass sich ab- violl. auf 
das Abstehen von Milchnutzung oder, nach dem gewöhnlichen 
Sinn von ab$teUeH, auf die Beseitigung des Tieres, an- auf 
die neue Bestimmung für den andern Zweck oder das Stellen 
an die Mast bezieht. 

Tann-: Tannzapfon, den das Kind als Kuh am 
Strick führt Aa; GA.,0.; „ScHwMa.- Syn. Tschüpen-K. 

— Auch in MAA. Deutschlands. 



97 



Ka— kn. Kab— kub 



98 



Ding-: eine für eine gewisse Zeit in Miete ge- 
gebene und genommene K. BHk. Vgl. Lek-y Müdh-, 
Summer-, SteU-K. — Trib-; K., welche über den 
Gotthard (zum Verkauf nach Italien) getrieben wird 
Ndw. Vgl. Walchen-K. - Trinkle»-, bzw. Tric/ite"., 
Trichd-: wesentlich — Her-, Bingel-, Scheüen-K. 1 c 
BHk.; SoBW; Uw. ,[Die Schwaben hatten anf einem 
Streifzug ins Gebiet Ton Scb 1499] ein hübsche, gross- 
kürne [gehörnte], brune tringelkuo mit eim grossen 
kränz heimgefüert, rüemende, die schöne Schweizerin 
von grossem roub gebracht [zu] haben.' Ahsh. — 
Tschäggi-: Scheck-K., gefleckte K. Obw. 

Tschüpe"- = Tann- GlK. 

Tannzapfen als Kinderspielzenir ftQch schon aus &. Zeit 
erwähnt; s. Jferd Bd II 1598. Auch im frz. Patois be- 
deutet Lobe [Kuh] zugleich Tannzapfen. T^chüpe, jungte Tanne. 

Heim-W§- s. Heim-K 2. — Walche"-, Wale»- 
= Trtb-K,, ein für das Walchen-, d. i. Wälsch-Land 
(Ital.) bestimmtes Stück Vieh Schw; Zg. — Wälsch-: 
E. von derjenigen Farbe, Gestalt, Altersstufe usw., 
welche für den italienischen Markt beliebt machen 
ZWäd. — Wand-: die vorzüglichste K., welche an 
die Wand des Stalles gestellt wird Ap. — Zug-: zum 
Ziehen verwendete K. Th. — Zit-: eine Benennung, 
welche derjenigen von Zit-Oeiss (Bd II 464) entspricht 
BO.; FJ.; Gl; GrD.; L; G; Sch; Ndw; Z. Syn. Zlt- 
Bind, Gegs. Mänsi-K. Als Alter wird mindestens 
2 bis 2Vi Jahre angegeben, für Gr die Bestimmung, 
dass das Tier vor seinem vollendeten zweiten Jahre 
nicht empfangen hat und dass es auch erst im vierten 
Jahre kalben kann. Es giH e" Z,, so lange das Rind 
noch trächtig ist; nachher: es ist e* Z. ,Zytkuefleisch, 
das nit kalbret hat.' 1470, Libbenau. ,Juniz, ein z.' 
Fris.; Mal. ,Z., Färse, Verse, juvenca, junix.* Red. 
1662. ,Ein Kalb, so schon etwas gross ist, ein Zeit- 
kühlin oder Ealbelin.' Splbisb 1667. ,BucuIus, kleines 
Rindlein, Kalb ; bucula, Z.* Dbnzl. 1677; 1716. S. auch 
Galtling Bd II 238 und vgl. Zit-Ochs, -Kalb, -Stier 
und das Folg. — Doppel-Zit-: Rind im vierten 
Jahr GRVal. Syn. überjärige Z%t-K. 

chüehaft: kuhartig. ,Wann einer dem anderen 
rinder oder k. vych zu kaufen gibt.' 1595, Aa. 

Chüehi f., nur in der Verbindung: ,eine K. Win- 
terung oder Summerung* = Kue-Esset, -Euer BHk. 

chüejele": nach Kühen, nach dem Kuhstall 
riechen Bs. 

Chüejer m.: 1. a) wer als Eigentümer od. Pächter 
von Kühen im Sommer und Winter Milchwirtschaft 
treibt. Insbes. wer sein Vieh auf den Alpen sommert 
Aa. Senn auf der Alp, der Käse macht B. ,Der Eigen- 
tümer übergibt sein Vieh dem K., d. i. dem Kuhhirt 
oder Senn.' JCFüesslin 1770. ,Wenn einer kein Land 
besorget oder sonst was hantieret, als im Sommer 
alpet, im Winter aber auch durch angekauftes Futter 
seine Kühe hirtet und besorget, hiemit nur allein sich 
mit der Sennerei abgibt, so nennt man ihn einen 
Küher, im ausnehmenden Verstände.' JXScHim). 1782. 
, Wilde K.* heissen , Wilde Männer' CFänken, Wild- 
mannli), die nach dem Volksglauben das Gewerbe von 
Sennen im Gebirge treiben. Vonbun; WSenn. Volks- 
sagen erzählen, dass Sennen, die bei Lebzeiten schlecht 
wirtschafteten, zur Strafe dafür auf der Alp als Geister 
umgehen. So einer in BHk. und der, welcher die Ver- 
gletscherung der ,Blumigen Alp' verschuldet. Vgl. 

Schweiz. Idiotikon. III. 



noch Winter-K. — b) Kuhhirt Gr; L. Knecht, der 
sich fast ausschliesslich damit beschäftigt, die Kühe 
zu füttern und zu melken STh. •— c) Milchträger 
Aa; B. — 2. dicke Haut, die sich aufgekochtem Rahm 
oder Milch bildet B; S. De^ Ch. mit sammt de'* Hose* 
BBe. Syn. Nidle*bäfidel, Wälder, — Abi. Küerig. 

Heim-: der im Sommer die ,Heim-Kühe' weidet 
Gr. — MSss-: ein Angestellter, der im Anfang der 
.\lpzeit die Milch der Alpgenossen zu messen hatte 
GnAnt. — Winter-: verstorbener K., der im Winter 
als Geist in der Sennhütte umgeht. ,Im Winter darf 
man nicht bei einer Küherhütte aus Mutwillen Milch 
fordern, oder hat man sie aus Mutwillen gefordert, so 
muss man sie dem sogenannten W., einem Geist, ab- 
nehmen, sonst ist man des Todes.' Rothbhbach. Vgl. 
Küejer 1 a. 

chüejere'^: den ChO^er machen, Rindviehzucht 
und Sennerei treiben, also bes. Käse machen Bs; B. 
Die Kühe hüten und pflegen Gr; W. Singen und 
jodeln nach Art der Küher STh. Bildl., übh. ein Ge- 
schäft betreiben (Däniker). 

ume»-: sich unordentlich herumtreiben B. — ,er-: 
durch Sennerei gewinnen." — us-: 1. sich ausgelassen 
lustig machen (nach Art von ,Kühern') BHk. — 2. von 
kleinen Kindern: die Windel arg beschmutzen, ebd. 
— 3. „aufhören Sennerei zu treiben**, bildl. auch von 
andern Geschäften B (Dan.). — ver-: „mit Sennerei 
verlieren (sein Vermögen)"; verderben übh. B. 

„ChÜejcri f.: wirtschaftliche Beschäftigung mit 
dem Vieh und Allem, was damit zshängt; in engerm 
S. : Eigentum von einer Anzahl Kühe, mit denen man 
Sommer und Winter Sennerei treibt." 

Chüejerin Ghüejere: weibL Person, welche die 
Sennerei betreibt. Totti, hühschi MeiÜi, es hott Ch. 
g'gi'*» B Hist. Kai. 1882. Auch: Frau eines Chüejers 
B (Gotth.). 

chüejin: was von Kühen herrührt, z.B. Fleisch. 
,Kügis schmalz.' G 1399. ,Guot rindfleisch, küegis und 
kelbers ein pfd um 8 haller.' c. 1480, Obw. ,Ist er- 
kennt, das* die metzger hinfür kein würst mer von 
ochsen oder kuin blut machint.' Sch Ratsprot. 1543. 
,Vieh, es seie Rindernes, Kühins oder Schweinis.' Z 
Metzgordn. 1770. 



Kab, keb, kib, kob, knb. 

S. auch die Gruppen Kap usw., Ka/ usw. 

(Hals-)Chab s. Kam. 

Chabel, Chabi, Chäbi s. Kaspar, 

Kab^ndeeher: eine Apfelsorte SNA. 
Kabeusi s. K.-Ämt. 

Kabin^t n.: 1. Gartenhaus Bs. — 2. heimliches 
Gemach, Abtritt Ndw (e), — 3. ,ira K.', Name eines 
Weilers GRhRh. 

Chabis', in Bs; GnChur, He., Thus. -ä-, in W Cha- 
bus, in Ap; GrA. Chabes — m.: 1. weisser Kopfkohl, 
brass. capit. alba, brass. olerac. Aa; Ap; Bs; B; Gl; G; 
Sch;S; Th;UwE.;U; Z. Ygl Chol, Chrüt. , Brassica, 



99 



Kab, keb, kib, kob, kub 



100 



Köl, Käppis. Brassica condita, eingemacht Eappis- 
kraut, Saurkraut.' Denzl. 1677; 1716. ,In unsern 
Landen haltet man jetziger Zeit viel mehr auf dem 
K., als Kohlen.' Rhag. 1639. Es gät wie Ch., leicht 
Yon Statten Af (eig. vom Schneiden des K. zn Saner- 
kohl; s. schnatzlen)» Vgl. Haupt, Kopf, käbislen. ,Wir 
edlen mögend 's [das Unwesen] nit m6 erlyden, vir 
müessend üch den k. beschnyden.* NMan. ,Sj band 
den k. dir berapfts dich arg zugerichtet, gezaust. 
HsRMan. ,Du dörftest im Landsfriden nicht also 
reden, man würde dir bald den K. gelten [bezahlen]' 
= dich bestrafen. CHLOSTEReuGou ; vgl. jäten. Dir 
meint au"'*, er sei der Ch, und der Stock, Alles in 
Allem AaL. ,Ora pro nobis, Chrut und ChJ/ Ver- 
spottung des Betens von Litaneien L (Ineichen). Er 
Vchönnt nid ^ol Ch, und Chrüt vor enayere*, unter- 
scheidet Weisskohl nicht von Grünkohl B (Charak- 
teristik eines Stadters, dem selbst die elementarsten 
Kenntnisse von Landwirtschaft abgehen). Lieber vo* 
Dere"* da Chrut, a^s vo* Disere [von Jener] Ch. Rocbh. 
Ch. u. Chrut = Kraut und Rüben i. S. eines Durch- 
einanders B (selten). Bildl.: J5'f»*m t» Ch. gä'* = t" 's 
Oäu (s. d.) U; Syn. a» d* Chriesi. — 2. a) scherzh., 
Kopf des Menschen, Schopf Bs. Bes. in der RA.: 
Ein^ bim Ch. ni*, derb anpacken, züchtigen Aa; Ap; 
B; Th. Er nimmt ne" ei*fach bim Ch. und spediert 
ne^ zum Laden üs. Hofbt. Jo, d' Appenzeller hend do 
fi0eh g» WUi Öbel g'hüset, der Abt no'^ recht bim Ch. 
g^no* ond Vschäddi erlöset. Merz. Am Ch. n«" Bs, 
auch i. S. V. Hals, Gurgel, Kragen; Syn. Orips. , Wel- 
cher her wo^'t uns die n6n, ich wott im eins zum [an 
den] k. g6n.' 1539, GScherbr 1859. — b) weibl. Brust 
ThHw. Korpulenz übh. ; De* Ch. t* crZtlrc", mager wer- 
den Z. — c) für die ganze Person. Du chltne Ch., 
Knirps ScnSt.; Th. — 3. etwas Geringes, Nichtiges, 
oft geradezu = Nichts. So in Formeln der Abferti- 
gung oder in Äusserungen von Ungläubigkeit. Kein 
Ch. wert. I** wett [wollte] kein Ch. drum gi*. Du 
verstöst en Ch. G; Th. Das nützt en Ch. vü Th; Z. 
Ja (und en) Ch.! En Ch.! Gl; Th; Z. En Ch. ja 
wol! Th. ,Niclaus Cuonz von Sarbach ist mir schuldig 
ein k.' 1564, BBiel. — 4. a) Name eines Ortes, wo K. 
gepflanzt wird ZRicht. — b) Familienname. ,Heinrich 
K.* 1569, ScHwE. 

Ahd. chaptui, mhd. kah«ß, Ton ]at. ropui, Kopf; die Form 
mit u zan&chst Ton mlat. caputium, wie frz. capu», nordital. 
yabux. Die Form ,Kabi8' schon im XYl., zuweilen auch 
mit p(p). 3 erk]&rt sich viell. ans Geringschätzung^ dieses 
Gemüses; da aber in allen angeführten RAA. eben so h&nfig 
der Ausdruck , Dreck' gebraucht wird, so darf viell. daran 
erinnert werden, dass Ch. auch etwa das menschliche Ex- 
krement bedeutet, wofür wir eine entsprechende geographische 
Verbreitung allerdings nicht nachweisen können. 

Ab-Chabis: Abgang von K., zur Fütterung der 
Schweine gebraucht. Vgl. Ab-Holz. — Flauder- S, 
Flu der- BS.: geringer, lockerer K., der mehr in Ge- 
stalt von Blättern als von Köpfen auswächst. — Hafe"-. 
Es fins Moli: 'brote*" Vögel, Binätsch [Spinat], Brotis, 
H. LiEN. — Hunds-: wohl = nhd. »Hundskohl*, d.i. 
Bingelkraut, merc. bien. ,Rinden von dem h. oder 
wolfwurz.* TiERB. 1563. — Häuptli Häutli- Schw 
Gers., Heitli- Ndw: brass. olerac. var. capit.; s. Haupt. 
,Uberau8s ist inen [den Kaninchen] angenSm der kabis, 
besonder h.* Tierb. 1563. — Chüe-: Kuhkot. Mit 
Zucker und Zimmet cha**"" men en Ch. guet [schmack- 



haft] machen Z (Däniker). — ^höl-; brass. oler. var. 
bullata SoHwGers. Syn. Wirz. 

Murte"-: geringer Tabak, der in FMu. fabriziert 
wird Bs; B. ,Drei Generationen mochten da [in einer 
alten Bauern- oder Wirtsstube] ihren M. verdampft 
und die Wände braun geräuchert haben.' ABitter 
1857. — Schon von Karl von Bonstetten erw&hnt 

Buckerainer-: Pestkraut, tussilago petasites Aa 
Gettnau. — ,Bnckenrain* wohl Name eines Ortes, wo jenes 
Unkraut w&chst. 

Sür-: Sauerkraut Bs; B; in GG. sür^r Ch. — 
Schaf-. ,Die Hauptsache bei einem Muotataler Schaf- 
markt ist nachgerade der Seh., ein währschaftes 
Schwyzergericht, Schaffleisch und Kabis unter ein- 
ander gekocht oder gebraten.' Alpempost 1878. — 
Schlampe"-: ein Gericht von nicht zerhacktem Kohl, 
in Fleischbrühe gesotten Schw; ZRafz. — Stande*^-: 
= Sür-K, in einer Stande [Bütte] eingemacht Gl; 
Gr. Syn. St.-Krüt. — Zettel-: = dem Vor., so ge- 
nannt, weil der kleingeschnittene Kohl in dem Gefäss 
möglichst gleichmässig aus einander gelegt, gezettet 
wird Gr. 

chabis'e" chabese: , Kabis' setzen, pflanzen, sam- 
meln Ndw. Im Augste* tuet me^ chabissege** GrA. 
(Sprechspiel). 

c h a b i s' 1 e " Aa ; Bs, chabes'Ur Ndw, sonst chäbis'le'' : 
1. den K. aus dem Felde nehmen und zurichten GA. 
K. einhdbeln Bs; S. Chabis, wann chabislet m^* di'^? 
Me* chabislet mi**, wann •** Ch. bi\ Schild (Sprech- 
spiel). Sela, wie lang chäbeslet me^ no^*"? Ap. Bildl. 
iron.: 3fc" wird dr eh., deine Wünsche (nicht) er- 
füllen. Däniker. — 2. nach K. riechen od. schmecken 
G; UwE.; Z. Chabis chabislet, Chrud (trudelet Aa; L. 
De^ Chostezer [Konstanzer] Chabis chäbeslet Ap. Es 
chäbeslet mt**, dhäbeslet's dt«*o [auch]? Ap. — 3. Wenn 
der Chabis chabislet, so chäbiskt er si'**, dhäbislet er 
aber nid, so g* chabislet er st** nid. Roghh. 1857. 

Die angeführten Sprflche dienen ÜEist nur zur Übung oder 
Prüfung des Sprach organs ; der unter 3 macht den scherz- 
haften Versuch, die Formen mit ond ohne Umlaut der Be- 
deutung nach zu unterscheiden, was eben misslingt 

Kft'bSber m. : intriguanter, störrischer, eigensinniger 
Mensch ScHNnk. — kabobere°: sich als ein solcher 
Mensch betragen, ebd. Vgl. noch kapoberlen. 

Kaböblin. ,Carpesium, yulgo cubebe, etlich mei- 
nend, es syend caböblin oder cubebä.* KdGessn. 1542. 

Die erstere Form dim. ans der ietztern entstellt. Mhd. 
kuhibe, Zibebe, grosse Kochrosine, mlat. cubeba, aus arab. zibib. 

kabölen s. kawölen. 

Chäber I s. Kaspar. 

b*-cheble'^: neu beleben, was fast abgestorben 
war, z. B. , Kabis', der frisch gesetzt wird W. 

Gheib — PI. Cheibe* — m. : 1. „krankhafter Zu- 
stand des Rindviehs, wobei Ohren und Augen an- 
schwellen BO." Viehseuche Bs (Spreng). Syn. Keibet. 
,Wem Tech von des keiben wegen abgat, der soll es 
begraben.* 1432, Ze Stadt- u. Amtb. ,[Die Leute zu 
Jericho] sind, als hett sy der k. all geschlagen, als 
wärend s' tod und gar vergraben.* Schmid Spielübung 
1580. ,Oft fallen Kühe plötzlich dahin; der Unfall 
heisse Keipe.* Helv. Kal. 1782. — 2. Aas Bs; B; G; 
Üw; U; W. Dass d' Schulde* nit daher chömmc wie 
d' Chräje* uf-ene* Ch. Gotth. Verscharre* wie en Ch. 










.•; 






101 



Kab, keb, kib, kob, kub 



102 



Wolf, Baaerngespr. Da hed «** a" mi**m ganze'' lAb 
d* Hut gescheit; »** ha'* ü8g*8eh wie-n-en Ch. ebd. ,Du 
siehst, dass die natürlich snnn schynet mit anstinken- 
dem glast; von dem scbjn stinkt der k. nun fast.' 
ÜEoKST. 1525 (als Argument für die Theodicee: Gott 
verhängt auch das Übel and ist doch der Qaell alles 
Gaten). Der Leichnam des Herodes ,stank wie ein 
faler keib.* Aal 1549. ,Dise fisch sollend frässige tier 
sein, Terschonon auch den todten, stinkenden keiben 
nit.' FiscHB. 1563. ,K., Todtenaas, cadaver. Der Schelm, 
K., Aas, cadaver, morticinum.' Bbd. 1662. ,Das selbst 
gestorbne Fleisch dämpft einen Eeibengestank ans.* 
Spleiss 1667. Insbes. a) Leichnam eines Menschen. 
Wenn er am erste** Lug erstickt war, so war er en 
alte'' Ch, Inxichik. Lt einer BO. Anekdote lautete der 
Bericht über einen verunglückten Leichenwagen: Hä 
nw*! 's Charrli ofcc», 's Truckli [Sarg] furt, de'' Ch. 
use*. Der Leichnam eines Selbstmörders ZKn. — 
b) krepiertes Tier Aa; Bs; B; L; G; ZO. Auch bloss 
erkranktes, abgemagertes, elendes Tier Aa; Bb; 60.; 
L; Z. Schimpfw. gegen Zugvieh TET&g.CCheuhJ, , Junge 
Bosse, statt so einem alten E., den bei ihnen nicht ein- 
mal der Schinder nähmte.* Gotth. ,Wenn Die mit den 
dreissigdublönigen Rossen Nichts gegeben, was wird 
Der mit diesen Keiben geben?* ebd. Wenn er him 
erste'* Lug es Boss worde* war, er war jetzt en alter Ch. 
Ineichen. S. noch u. abgängig Bd II 361. — 3. Gegen- 
stand der Verachtung, a) von Menschen, a) gemeiner, 
roher Schimpfn. für einen verhassten Menschen Aa; Ap; 
Bb; B; Gl; Gr; L; G; S; Th; ÜW; W; Z. Vgl. Kog, 
Lueder, Oft mit Zusätzen wie: verfluechte^, verreckte, 
verbrannter. Wenn nw*" de Ch. verrecke"* wer [würde], 
der stärkste Ausdruck, mit dem man Einem das Ver- 
derben an den Hals wünscht Ap; Th. OeV'er Ch. s. 
Bd II 292. Latinische K-en, Lateinschüler Bs (Spreng). 
Aristokrate!'*'K. Bs. Cheibli, rohe Schelte für Kinder 
GA. Zuweilen in besserm Sinn für: durchtriebener, 
gewandter, geschickter Mensch Gr; Th. Syn. K-en- 
Bueb. En füler Ch., loser Vogel Bs (Spreng), sonst 
Faulpelz. Vgl. noch K-en-Hund. ,Der g'schwind 
[schlaue], listig keib.* ThFrickart 1470. ,Es ist zyt, 
das* man fast genot sich mit dem welschen keiben 
[Karl V. Burgund] schlag.' HTübch 1477. ,Wie sind 
die keiben [Pfaffen] so glatt und feiss.* NMan. ,Ich 
hett's niemer geloubt, dass die keiben [Eidgenossen] 
als lang verzogen und einander nit erbürstet* 1528, 
Abbob. ,So sy [die V Orte] glych glimpflich von uns 
reden wellend, nennend sy uns gemeinlich luterisch 
buoben oder keiben.* 1531, ebd. ,Wäre es war, so 
wellte ich den alten keiben [einen Messpriester] wie 
einen Juden an die füess henken.* 1532, Eqli, Act. 
,Dass er den keiben, den Müsser, fortwährend bei sich 
gehabt habe.* 1536, Abbob. ,Die keiben, faltschen, öden 
mann!* 1539, GScberer 1859. Gwardiknecht: ,Der k. 
[Johannes] muess uns g'wiss nit entgan.* Aal 1549. 
,Ba88 muoss [ich] in treffen [den toten Abel], schlahen 
druf — demnach ich mich mag rüewig b*han — vorm 
keiben und dem klappermann.* Ruef 1550. Hure, 
ihren Buhlen kosend: ,Hei, du myn tusiger, böser k., 
wie bist du mir von herzen so lieb!* RScbmid 1579. 
,Herr houptmann, kommt und gryfend d' keiben an; 
sy predigend hie und verfüeren alt, jung, wyb und 
mann.* Wagner 1581. ,An eine Seele oder Ewigkeit 
zu gedenken überlässt er den Pfaffen, lateinischen 
Kaiben und Narren.* Sintem. 1759. Hieher gehört 



auch die Formel: ,alls Reiben' (s. Bd I 168). ,Da 
predge yetz so lang du wi"t, das» dich der ritt [Pieber- 
frost] als keibens schitt [schüttle].* Aal. ,Da8s dich 
der donder als keiben schüss!* Buef 1550. ,Da8s dich 
der Ritt als Keiben schänd!* MtricIus 1630. — ß) todes- 
würdiger Verbrecher, und in diesem Sinn klag- und 
strafbares Schimpfwort. Vgl. keibhaft. ,Hänsli sye ein 
zers, vut, schelm und k.* 1381/1420, Ztsghr. f. D. Alt. 
,Merki lüge als ein verhyter keibe.* ebd. Unter den 
ebd. angeführten ,Blasphemiis* findet sich auch das 
Comp. ,Böskeib* und der Zusatz ,malotziger*. ,Wäre, 
dass jemand den tod verschuldt bette, er wäre ein 
morder, keib, dieb [usw.].* 1414, ZKn. Offn. Wer zu 
einem Andern sagt, ,er syg ein schelm oder ein keib 
oder ein böswicht* 1427, Schw. ,Welichcr den andern 
ein keiben schilt, ist auch eine zuredung.' 1566, Zo 
Landrecht. ,Flagriones, bös buoben, keiben und lotter, 
die man redlich streichen soll. Officio improbi viri 
uti, handien wie ein k. oder wie ein buob und schalk. 
Furcifer, galgenschwenkling, lotter, k., buob.* Fris.; 
Mal. ,Wer den andern dieb, schelm, kaib, mörder, 
ketzer, Verräter schilt, der soll dem landvogt zur be- 
strafung verfallen sein; für luren, faulpelz, unflat, 
hudler, leutsch den niedern gerichten.* 1572, Absch. 
,Zuon bösen buoben er sich reiss [riss], zuon spilern, 
huoren, schelmen und keiben.* Schertw. c. 1579. ,Gott 
wird den schuldigen zeigen und ouch strafen den bösen 
keiben.* RSohmid 1579. ,Im schelmen- od. keibenbuoch.* 
Ap LB. 1585; vgl.: ,Sind wir Schelmen, so seid ihr 
Keiben.* Geiler v. K. ,Wer zue einem spricht K. oder 
Schelm im Zorn, soll 10 Pfd ze Buoss gefallen syn.* 
1607, ü. Vgl. noch Keiben-Turm. — b) verwünschtes 
Ding, z. B. ein Gerät, das nicht seinen Dienst tun 
will Z. Oft sehr frei und abstrakt auf beliebige Gegen- 
stände angewandt, z.B. Das ist en Ch., eine verzwickte, 
eine schwierige Sache Th; Z. Der Dreck lauft uf der 
Stross umme'* wie ne** Ch., sagte ein Wegmacher in 
seinem Ärger über den flüssigen Strassenkeh rieht Bs. 
Obenuse* hat 's grad jetz nu [noch] c* gottlose" Ch. 
[Schnee] Schw. Hieher gehört auch die rohe RA.: 
En ganze Ch. voü [wüste Masse] Th; Z. Vgl. Hund. 
Alles Cheibs, Allerlei Th; Z. In verwünschender Bed. 
wird Ch., wie das nächst syn. Kog und wie Ketzer, 
Tunner, Hagel u. ä. in der Form des Genet. andern 
Substst. vorgesetzt, z. B. Ch-en- Arbeit, -Geläuf, -Chälti, 
'Weg Ap; Bs; B; Gr; Th; Z. So bes. Ch-en-Züg, ver- 
zwickter Umstand oder Zustand Ap; Gl; GA.; Th; Z. 
Syn. Keiberei. Anders : K-en- Werch, s. d. — 4. K. in 
bloss verstärkender Bed., bes. vor Adjj., z. B. dumm, 
wüst; aber auch vor solchen von günstiger Bed. wie: 
gut, lieb, lustig, schön, allg. Vgl Hund; keiben-mdssig. 
— 5. starker Rausch AaoF.; Bb; L; aScHW; Th; üw. 
Er het de** Ch. übercho**, von einem Betrunkenen, der 
zu zanken und toben anfängt UwE. — 6. in RAA., 
welche körperliche oder moralische Züchtigung be- 
zeichnen, a) uf de* Ch. ubercho"*. Gib-em de** Ch. 
voll! Th; Z. Vgl. Hund. - b) de^ Ch. iibercho'* ; Ei'**m 
de'* Ch. abe'* tue"* Th. — 7. als Ortsn., mit Bez. auf 
Bed. 2, i. S. v. Grab- oder Gerichtsstätte, Schindanger. 
Vgl. Keibet 3 und Keibler. Einige Häuser in ZKn. 
haben von dem Platz des Hochgerichtes, auf dem sie 
stehen, den Namen K. erhalten. Mem. Tig. 1780. Meist 
in Zss.; s. u. Acher, Ägerten, Orueb. ,K-en-Graben*, 
ein Tobel beim S Dorfe Hauenstein, wo römische 
Münzen gefunden wurden. ,K-en-Halden* ZHettL ,So 



103 



Kab, kek, kib, kob, knb 



104 



vachet der Zwing ze Oberwyle [bei Bremgarten] an 
an der E.-H., da der Steinbrach ist/ 1606, Aa Weist 
Im ,K-en-Hölzli' bei ZUster befindet sieb ein Toten- 
hügel. ,K-en-6üel* ZDüb., wohl der Ort des Hoch- 
gerichts. ,E-en-Birnbaam* bei LSemp. ,Der K-en-Bein.* 
1653, AAWett. Elosterarch. ,Anderthalbe Jncherten, 
genannt das K-en-Stüdli.' ebd. ,E-en-StattliS früher 
ein Schindanger ZHed. Jm E-en- Winkel* 1653, Aa 
Wett. Elosterarch. 

Mhd. keibe m., Leichnam, Aas; Verbrecher, der den Galgen 
Terdlent hat Bed. 1, in der &. Spr. nicht bezeugt, könnte 
doch die urspr. sein, da sich 2 darans ableiten l&sst und 
Schelm den selben Begriffsübergang zeigt, w&hrend 1 weniger 
leicht aus 2 entstehen konnte. Nach der erstem Annahme 
würde 2 den concreten Fall von 1, das mit der Krankheit 
behaftete und ihr zum Opfer fallende Tier bezeichnen. Ohne 
Zweifel geht das W. auf die Grnndbed. des Ybs laben, «nagen, 
zehren*, zurQck und bedeutet im erstem Fall die «nagende, 
zehrende* Krankheit« dann das von ihr oder (nachdem es tot 
gefallen und weggeworfen worden ist) Ton B;anbtieren oder 
Insekten Terzehrte Tier. Die Form Keipe in Bed. 1 könnte 
wohl alt sein (richtig Ton Keib mit j abgeleitet). In gd^'er 
K. bezieht sich das Adj. urspr. viell. auf die Farbe der 
Toten. Der bei 3 a angenommene Unterschied zwischen 
2 Bedd. des W. in der ä. Spr. ist zwar in einzelnen Fällen 
nicht sicher, aber im Ganzen doch nicht unwesentlich; denn 
wahrsch. hat das W. die Bed. persönlicher Yerhasstheit erst 
angenommen, nachdem es einen nach allg. Urteil Verworfenen 
und schimpflichen Todes Würdigen bedeutet hatte. Nur in 
diesem Fall konnte es auch ein ehrenrühriges, verpöntes 
Schimpfw. werden, nnd ist Zshang Ton Bed. 3 mit 2 innerlich 
begründet. Eben solcher ist auch für Bed. 5 denkbar. In 
der RA. de* Ch. übercKo** scheint der Bausch wie eine Krank- 
heit i. S. T. 1 anfgefasst zu sein. Bei 6 wird der betreffende 
Körperteil als Ziel von Schl&gen dem Leib eines abgenutzten 
Zugtieres (Bed. 2) yerglichen sein. Dass aber K. in mehrern 
bildl. Bed. mit Hund zstrifft, hat natürlich nicht den Grund, 
dass Bed. 2 u. A. auch auf jenes Tier angewandt wird. Als 
adj. Anwendung (i. S. t. wund) mutet uns wie eine in Gr. 
WB. aufgeführte Stelle auch folgende an: ,WilI g^sehn, wo 
ich ein Scherer find, der dir dein keiben Arm verbinde 
GGotth. 1619. Auch die Betonung, welche die lebende Spr. 
in den meisten u. 3 b angeführten Fällen dem W. Ch. gibt, 
deutet auf adj. Auffassung. 

Galiotte"-Cheib Th; s. u. Qcäiöt. — Lüs-: 
verstärktes Schimpfw. Th; Z. Vgl. Lüs-Bueb. — 
Milz i -: = dem Vor. Potz Mihi-Ch,! Z. Vgl. Mihi^ 
Fluech, 

Hirrmuets-: Rausch Schw. — Wahrsch. entstellt 
aus Him-Wuetn-Ch. Vgl. die RA. u. Keib 5. 

Matsch-: rohe Schelte auf eine Weibsperson Bs. 
— Mutech wahrsch. i. S. y. Dickkopf. 

Rapp-: der Rabe (als Gegenstand von Verwün- 
schung) BsLd. Rappe*'Ch., Krähe STierst. 

Der Vogel wird so gescholten, nicht weil er sich auf Aas 
setzt, sondern weil er im Volksglauben übh. Übel angesehen 
ist, schlimme Vorbedeutung hat, was allerdings mit seiner 
Witterung für Leichen zshangen wird. Nach der gewöhn- 
lichen Bed. solcher Zss. würde das W. ein von Raben ge- 
suchtes Aas bezeichnen; aber das zweite W. ist hier als 
Appos. zum ersten, nicht als regens desselben zu fasseu, 
also i. S. eines vokativischen : Rabe, (du) Verwünschter! 

SÜ-: stärkste Bezeichnung für einen unordent- 
lichen, unreinlichen Menschen Th. 

Sele"-: Verstärkung von Keib 3 a. Ir S-en ir! 

Du verbrannter Ä Spillm. 

SeU"* hat hier nur abstr. Terstärkende Bed., nach Ana- 
logie von ,seelen-allein, -gut, -froh*. Doch kann man ihm 
die Bed. ,Ton ganzer Seele verwünscht, im Grund der S. 
verhasst* unterlegen. 



Schnapser-: verwünschter, verdorbener Schnaps- 
trinker Bs (S.). — Das grammat Verhältniss der Bestand- 
teile des Comp, ähnlich wie bei Rapp-Ch. 

Schwi"-: rohes Schimpfw. Ap; Gl. 

cheibachtig cheibocht(ig) : = keibisch Ndw. In 
der ä. Spr. i. S. v. Keib 1 und 2. ,Wie der lyb nit 
mer war, dann ein keibechtig fleisch.' Ziely 1521. 
,Das keibechtig vech.* ebd. 

cheibele": 1. nach Aas riechen Aa; Bs; B; S; Z. 
Bildl: Dem Schinder «f» [schöne] Tochter cheibdet 
nüd! ist als Tänzerin gut genug. B Hink. Bote. ^Er 
cheihdet 8cho% von £inem, dem das Messer schon an 
der Kehle steckt [der nicht mehr zu retten ist]' Bs 
(Spreng). — 2. sticheln Bs. Syn. ägelen und kögden. 

Bed. 2 erklärt sich wohl daraus, dass man anch von 
schadhaften Speisen und Getränken sagt, aie haben einen 
.Stich*. 

US-: mit Stichel Worten höhnen Schw; Z; s, tut- 
keiben. 

cheibelig: 1. aasähnlich Bs. Ch, stinke", nach 
Aas riechen Z. ,£in keibeliges Bratis für ein Eisen- 
bahn-Restaurant' B. — 2. i. S. V. Keib 3. Du ch-e 
U^'flat, GoTTH. 

cheibe°, in Schw cheibne*: 1. «Laute ausstossen, 
welche Krankheit verraten, von Schweinen BO." 
(Wahrsch. i. S. v. Clieib L) — 2. das W. Cheib oft ge- 
brauchen, fluchen, schelten, toben; daher umme* ch,, 
das Scheltw. Ch. zurückgeben Uw. Lärmen, rumpeln 
Bs ; Schw. Ch. und chttzeren. So recht cheibnff*, rohen 
Mutwillen auslassen. — 3. grobes, z. T. schimpfliches 
Ersatzwort für Ausdr. der Bewegung, z. B. L S. v; 
mühselig, hastig oder in liederlicher Absicht, zwecklos 
umher gehen Schw; Th ; Z. Devo* eh., Reissaus nehmen. 
De" ganz Tag uf de* Fddere* umme'* ch. I" alle* Wirts- 
hUsere* umme* eh.; Syn. umme* strcUe*. 

er-cheib(n)e": roh durchprügeln Schw; Z. 

ÜS-: 1. dem Zorn durch Fluchen und heftige Reden 
Luft machen ß. — 2. Ein^ u., ausschelten UwE. — 
S. durchprügeln Gl f-cheibne*); Z. 

ver-: 1. Einen als K. schelten, verlästern, aus- 
schimpfen Ndw; Z (Spillm.). — 2. (in GlH.; GA. 
-cheibne^J Etwas zerstören, verstümmeln, zerbrechen, 
verderben AaF.; Bs; S; Th; Z. 

C h eiber 1, bzw. -eH f.: 1. unangenehme Sache, 
Lage Aa; Ap; Bs; Gr; L; G; Th; üw; W; Z. Syn. 
K-en-Zug. — 2. Wesen und Handlung eines schlechten 
Menschen (Cheib 3 a) Gr. 

Cheib et m.: 1. Seuche, bes. des Viehs, ,1m Jahr 
1518 klagte eine Frau, als sie den £rschatz entrichten 
sollte, sie habe in einem K. all ihr Vieh verloren.* 
EsTERM. ,Dachsbluot, in die hörner des vychs ge- 
tröufft, ist guot für die blatern und k.' Tibrb. 1563. 
,Etlich sprechen yetz, die pestilenz sei allein (mit 
Urlaub) ein k. und Gott wüsse nichts darvon.' Jon. 
Murer 1565. ,Ein grossen k. kam ouch dar, schnell 
lüt und vech voll schwären war.' RSchmid 1579. ,Die 
Fische bekommen etliche Dussel, Trüsen, auch den 
K.' JLCys. 1661. Auch das Verderbniss des Nadel- 
holzes durch den Borkenkäfer nennt man an einigen 
Orten K., Holzpest, Borrer. Allg. schwz. Ztq 1803. 
— 2. Leichen von Tieren. ,Todtes Geflügel, Vieh und 
anderer solicher K. und Wuost soll nicht in den Stadt- 
graben geworfen werden.' 1533, Egli, Act. — 3. Name 
eines Ortes bei LSchöz, in der Nähe einer Kapelle, 



105 



Kab, keb, kib, kob, knb 



106 



wo ein Rest der Thebaiscben Legion bestattet sein 
soll. Vgl. Keibler und Keib 7. — Das W. ist gebildet 
wie Sterbet, Seache; s. Dial. 214 f. 

cbeibbaft: mit dem Rufe eines Verbrechers be- 
haftet. Zu Keib daß. ,Wer in [den Geächteten] 
toten bringt oder sust umbringt, dem will er die 
summ gfin, und ob er ein bandit wäre, wie k-en er 
wäre, so gibt er im obbemelte summ.' 1531, Stkickl. 

cheibig: 1. Adj. zu Keib 1 und 2. Es cheibigs 
Tierli, abgemagertes Stück Vieh BBe. Cheibigs Fleisch, 
faules, stinkendes, ebd. ,Aberstorben und k. vich.* Z 
Ratserk. 1421. ,SwSr dehein k. hut in dise statt 
bringet, der git X ß.' L a. Stadtb. ,Der wirt hat ein 
keib ige kuo gemetzget* 1582, Strickl. ,Welicher k. 
oder brSstfaaft vech hat' 1536, ZTöss OfFn. — 2. trotzig, 
polternd UwE.; s. anhin-geben 4 6d II 82. 

Cheibin f.: Zaubrerin. ,Von den schelminen und 
keibinen, so die mann unfruchtbar machend.' Rdef 
1554. — Die Zauberei als verbotenes Gewerbe, Verbrochen 
anfgefasst, i. S. t. Keib 8 a f. 

cheibisch: 1. boshaft, schelmisch, hämisch Z. 
Cheibsch lächle* Z (Spillm.). — 2. abstr. Terstärkend: 
in hohem Grade, sehr Bs; BSi.; Gr; Th; UwE. ; Z. 
Ch. es fris Tier ü. Eine*" eh. uf em Strich ha"* [hassen] 
Z. En cheibiseher Lug. 

Cheibler m.: Name von Ortlichkeiten, welche 
wahrsch. vormals den Schindanger enthielten Aa (Gfd 
XX 263); Z. Name eines Ortes in der Nähe alter 
Grabhügel. Gfd XX 284. Vgl. Keibet 3 und Keib 7. 

„Cheibli»g m. = Keib 2 und 5." 

Chlb Im.: 1. a) Zorn, Unmut, Neid, Gehässigkeit, 
Groll, Verdruss, Ärger, Trotz Aa; Bs; B; Gl; Gr; 
L; G; Sch; Schw; S; Th; Uw; U; Zo; Z. Ch. «-'' 
N%d. Ch. und Täubi. E* Ch. (uf, gege'^ Eine^) ha\ 
,Einen K. bekommen.' Gotth. E* Ch. wie-n-es Hüs 
ha: Säg Nimt zu-nem, er hat de^ Ch. Von einem 
Kinde, das aus Trotz und Eigensinn schreit und sich 
gar nicht besänftigen lassen will, sagt man: es hat 
der Ch. Gl; Th. Es hed d*s Tüfelsch en Ch., von 
einem verwöhnten Kind Gr. Der Ch. tödt mi^** no'^. 
,E8 setzte viel K. in den Herzen ab.* Gotth. ,[Die 
Frau, welche gerne im Wagen gefahren wäre, musste] 
in K. und Kot pfoseln [waten].' ebd. I" «»■•m Ch. 
weiss er nümin«*, was er macht. Er meint 's nit eso, 
das ist nur im Ch. g'redt. Us heimligem Ch: Joach. 
1885. Du hast hüt na [noch] en Ch. oder e" Freud 
z' erwarte*, zu Einem, der nüchtern 3 Mal niest Z. 
,Roboom, der kybs [aus K., wegen K.] um ein teil 
syns rychs kam.' Eckst. 1526. ,Die supersticion et- 
licher bedunkt uns mer ein eigenrichtiger k., weder 
ein vernünftig ermCssen und urteil.' Bis. 1531. ,Also 
folgt darauf ein langer, ungeschickter k.' Val.Tschudi 
1533. ,Die8es sei denen von Lucern mehr ein k. dann 
beschwfird.' 1543, Absch. ,Desshalben die eiteren inen 
[den Kindern] ouch in denen dingen, an denen sunst nit 
yil gelegen ist, iren k. brachen.' Gualth. 1555. ,Da wirt 
ein unüberwindtlicher k. standhaffte genennt.' HBdll. 
1561. ,K.* LLav. 1569; dafür 1670: ,Eigensinnigkeit.' 
,Das hat er dir erst ton zue k., dass er g'non hat zwei 
andre weih, deiner dochter Michol zuc schand.' Uolz- 
wart 1571. ,Uf dym handfesten k. beharren.' Maürit. 
1581. yEs bringt ihnen [den Griechen] den grössten 
keib, [dass] wir jetzmal band das schönste weih.' 
GGotth. 1599. ,Pervicax, hartnäckig, keibig, wider- 



spenstig, Letzkopf. Pervicacia, Hartnäckigkeit, Keib.' 
Denzl. 1677 (fehlt 1716). ,Was Keib, Krieg, Ehr 
oder Bluet antrifft.' 1695, GrD. LB. ,Der langwierige 
Zorn und im Herzen brennende Keib, der das An- 
gesicht gelb oder bleich machet, in den Gliedern ein 
Gezitter und Frost verursachet.' GHbid. 1732. Syn. 
KoUier, Ratz, Schalk. S. noch Höni Bd II 1366. — 
b) Wettstreit, Wetteifer Gl. Z* Chibs mache' mit 
[einer Tätigkeit], mit einander wetteifern; Syn. fechten, 
jägerlen. ,Certatira, in kampfs weis, einer dem anderen 
zuo kyb oder zuo leid, ernstlich in wett weis, wenn 
ye einer den anderen überwinden oder übertrötten 
will, oder dem andern vortuen. Einen ze kyb oder 
ernstlich lieben, oder einen mer wollen lieb haben, 
dann den anderen, amare certatim aliquem.' Fris. 
Mal. — c) Zank, Streit, mit Worten und Werken 
auch der einzelne Verweis, Tadel Aa; Af; Bs; Gl 
Gr; L; G; Schw; S; Z. Jmdm en Ch. abhabe*, ihm 
einen Tadel ersparen Af. Da g'hard ma* Nöud es 
[Nichts als] Ch. und Zank. Die Gusche* hed-isch 
mäng^ Ch. atigericht^t. Das vergisst me*, wie ne" Ch. 
vom Ma*** es Wib. Henoelfr. Der Hafisi het es 
chnurrigs Wib und eisderie ist Zangg und Ch. kk 
(Schwzd.). Zwei Hane* i* «■•w Hus, die Chatz und 
die Mus, en alte"" Ma^* und es Jungs Wtb, debi gid '« 
mänge* Ch. Iveichen. Ch. überchu*, getadelt werden G. 
,Der mensch von s61 und lyb bi im hat ein täglichen k. 
Dann was des menschen sdl hie will, so tuet 's fleisch 
nun das widerspil.' Eckst. 1525, Klag. ,Ist das nit k. 
und Wortkampf?' Vad. ,Jurgium, contentio, zank, 
gspan, hader, k.' Fris. ; Mal. ^Eliphaz hätte sich übel 
geschämpt, ein wüssenliche luge ze sagen. Wiewol 
etwann beschicht, dass fürn6mm leut, sonderlich wenn 
sy in keib kommend [angefochten werden], ir ding zu 
schirmen, sagend, sy habind von anderen gehört.' 
LLav. 1582. ,Deins Gleichen such ein Weib; wo nicht, 
so hastu Kieb [Keib] in deinem Haus all Tag.* Wahr- 
sager 1675. Alliterierend: ,Krieg und kyb.' NSchradin 
1499. Mit scherzh. Vermengung der WW.: Ch, ufid 
Wind, Weib und Kind Bs; Gl; Gr; S; Z. S. noch 
häderig. — 2. Chtd, Halbhengst SchwE. — 3. zufällig 
umgestülpte Stelle am untern Saume eines Frauen- 
rockes ZElgg. Wortspielend mit Bed. 1 sagt man ge- 
wissermassen zur Entschuldigung einer zänkischen 
Frau : si hat au"'' [eben] en Ch. am Bock. — 4. Chibli 
8. Chribli. 

Mhd. ktp, kibe» in Bed. 1. S. aach Gr. VfB. 5, 429 ff. 
2 zunächst wohl eine YerstümmelaDg der Zss. Ch.-Heny»t = 
Chih-H. und Kiber. Die beiden Wortst&mme sind vielfach 
gegenseitig mit einander vermengt worden. — 3 beruht auf 
dem symbolischen Zshang zw. Störungen des Anzuges und 
solchen der GemQtsstimmung (oder der Natnrordnung) ; vgl. 
d' Chappe Uftz, de*' lift* Strumpf, de^ Strumpf- Lätter. 

chlbele" AaHL, chippele"» Gl: zornig sein und 
seinen Zorn in kleinlicher Weise äussern. Syn. täubelen. 

(g*-) chSbelig: 1. schmollend, übellaunig BO.; 
See ; UwE. ; Z ; zanksüchtig Gl (chippdig). • - 2. zurück- 
haltend, von sehr spärlichem Schneefall in ganz kleinen 
Flocken ZW. Syn. hässig. 

chibe"» — Ptc. g'cMbe^ Gl; Ztw., g'chtbet Gr; 
G; See; Th; Uw; Zg; Z: 1. a) grollen, zornig sein, 
bes. einen versteckten Groll mit sich herum tragen 
Aa; B; Gl; G; Sch; Schw; S; Th; Uw; U; Z. Syn. 
Schalken. Wie d* ame* grinist und chibist, we**'me*'der 
Öppis befilt Aa (Schwzd.). Wenn er daub [zornig] isch, 



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Kab, keb, kib, kob, knb 



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86 chibet-er mängisch acht Tag lang Aa. ,Die sonst so 
muntern Vögelein keiben, den ganzen Tag lang stumm 
jetzt bleiben.' HSulz. 1828. S. noch uf-gügdm Bd II 
159. ,Hie sollend aber ouch die kind bedenken, das* 
sy hierumb nit grad kybind.' HBull. 1540. .Meinestdu, 
dass du billicb zürnest, dass du Fug habest zu keiben 
um die Verdorrung dises Gewächses!' FWyss 1672. 
,Ein Kind, das keibet, nicht essen will, es keibet mit 
seinem Bauch und tut's eben ihm selber zu leid.' ebd. 
1673. Übertr. auf leblose Dinge: 1) von Pflanzen, die 
nicht gedeihen wollen ScnSt.; Th; Z. Min Nägdistock 
chihetC-mer). 2) von zögerndem Schneefall S ; vgl. chp- 
bdig, 's Wetter chibet, von unentschiedener Witterung 
Th; Syn. sich ranggen, Refl., sich ärgern S; Syn. es 
gehU mich. — b) tr. und intr. (mit Jmdm) keifen, schel- 
ten, zanken Ap; Gl; Gr (bloss intr.); G (in GA. auch 
mit Dat. P.); Schw; S; Zg; Z. Syn, küderen, us-keren, 
tnüle^i, bcdgen, brummlen, schmälen. Er het albig Eppes 
z' eh. D* Muetter chiht, wenn d' nüd folgist. Hat 
mit-em Vikar weile' eh., dass Dir-em so weltli'^s Zug 
hersdileiki »• 's Hus. Corr. Ber Mueters Beden hüft 
me als des Vaters Gh. Gr. Gh. giH (macht) kei* JBtUa" 
G. ,D' Jünger fiengend an all k., welcher der höchst 
under inen war.' Eckst. 1525. ,Mit einandren k. und 
stryten, und zuo beiden teilen schmach- und schmütz- 
wort bruchen.' 1529, Absch. ,W6nn der ammen zuo 
gericht sitzt, so soll vor am stab do nieraen k. noch 
haderen, olt geschrei machen.' 1549, Gr. ,Altercari, 
j urgare, yelitari, k., haderen, zanken, wörtlen, spätzlen.' 
Fris.; Mal. ,Und was ein wild geschrei, und ky be- 
tend, wie dann die wälschen strytcnd und schreigend.' 
HBuLL. 1572. ,Keiben, protzen, kyyen, succensere, 
rixari.' Bbd. 1662. ,Was diese Vögel für ein Gesang 
singen, wenn sie um ihren Hanfsamen k.' Beitr. 1741. 
Hieher die scherzhafte Ausdeutung des Ortsnamens 
Kyburg: Ghiberg ist de Wibere» Heime^ ZStall. — 
c) mit der Zeit geizen. 1799, G. — 2. plaudernd lallen, 
wie unmündige Kinder tun Z (Spillm.). 's Ghindli 
chtbt scho: 

Mhd. ktben, sw., in Bed. 1 a ond b. Die Aasspr. mit 
aasl. p, welche in aSchw und U yorkommt, hat keinen etym. 
Wert, sondern beruht auf einem allg. dortigen Lautgesetz; 
wohl aber deutet der harte Aus!, neben Yoc.-Kflrze (g. oben 
bei ehibden und unten bei Chtber, chiberen, chibig) auf das 
Vorhandensein einer Tom Participialstamm (g'chlbtn) abge- 
leiteten Intensiyform. — Wohl zu unserem W. in Bed. 1 a 
oder b gehört der Tormalige Z Geschlechtsn. ,Klbli'. Zu 
Bed. 1 c Tgl. CMb 2 b und in4efben. 

über-chibe»: überschreien. ,Yettwederen party 
will die andern mit iren heiligen ü.' G Hdschr. ,Ir 
spillüt, farend dahar mit schall! Der csel überkybt 
uns all.' Salat 1587. ,Das muesst du lassen wahr 
syn und blyben und wirst mich dess nit ü.' NMan. 

!■-: etw. Versäumtes durch verdoppelte Anstren- 
gung nachholen Ap; G; Th. 

er-: 1. intr. Gr, refl. Bs; STierst., böse werden. 
Erchibet, erbost; eigensinnig, starrsinnig Gr. ,Er- 
keibot' 1617, Lied. Übertr. auf Pflanzland : yerwildern 
Gr; Syn. ergrinden. — 2. refl., eigensinnig werden; 
Syn. sich eräffen. Das Buebji hed schich grad erchibet 
und hätte-mer Nüd van der Medizin g'nün. Es hed- 
schi*^ ganz erchibed, hat sich verwöhnt Gr. — 3. tr., 
mit Streit erlangen, behaupten. ,Er wollt *s mit g'walt 
e.' Eckst. 1525. ,Die TöufTer wollend e., dass kein 
Christ möge im Regiment sitzen.' HBdll. 1561. 



ver-, nur als Ptc. ver-chtbe*: zanksüchtig Gl. 
E leids, verchibes Wese^ wird der Teufel genannt 
Andbrl. 1852. 

be-: auszanken. ,Ein Herr hatte ein bös Weib, 
die ihn allzeit bekybet, wann er spat vom Trunk heim 
kommen.' Schiiiffr. 1651. 

Chfber, in BSi. -i-, in SRech. Ghipper — m.: 
1. Keifer, Zänker Ap; Gr; G; Sch. Das Dim. von 
eigensinnigen Kindern oder von Personen mit giftigem, 
bissigem Wesen Gr; G. ,Und so die Männer sind so 
haderhafte Keiber, was sollen die von Art hierzu ge- 
neigte Weiber?' CMbt. 1657. — 2. a) Pferd, das man 
nur zur Hälfte hat verschneiden können, weil die eine 
Hode sich innerhalb der Bauchhöhle befindet Ap; Bs; 
B; P; Gr; S; Th. Syn. Kib'Hodler, -Hengst. — 
b) halb entmannter Eber Gr; GRh. Syn. Kib-Eber. 

— c) Hermaphrodit, Zwitter mit vorwiegend männ- 
lichem Charakter BSi. Ein solches Pferd FO. ; S NA. 
Syn. Zwick. — 3. Batfeisucht der Pferde, da sie an 
der Krippe nagen S (Ghiperjj Th. Syn. Kopper; 
Kripfen-DrOcker, 

2 so benannt wegen seiner unwirschen, zänkischen Ge- 
mütsart, welche Eigenschaft auch abgelöst von der natür- 
lichen Ursache für sich allein als Bed. des W. angegeben wird. 

chlbere": 1. sich bissig geberden, von Pferden 
gesagt B. - 2. zänkeln TuTäg. (chippere'*J. Syn. 
bäfffzgjen. 

chfberle": aufbegehren , mit verkleinerndem 
Nbbegr. S. Numme" nit so g'chiberlet. Joach. 1881. 

Chibete», bzw. Ghibeti — f.: Tadel; Gezänk Gr. 
,Es was ein wilde k., wie dann die Wälschen strüt- 
tend und schryend.' HBitll. 1572. 

Chfbi, bzw. Ghlpi — m.: Polterer, der leicht 
erzürnt wird und heftig aufbegehrt aScaw; S. 

(g''-)chibig I, in B tw. chippig: 1. grollend; 
eigensinnig (auch von Tieren Gr; Syn. stettig); bos- 
haft; zornig, zänkisch Aa; Ap; Bs; B; Gl; Gr; G; 
Schw; S; Uw; W; Zo; Z. Syn. taub. Gh. über Ein^. 
,K. im Gesicht', mit Gesichtszügen, die eine krank- 
hafte Reizbarkeit verraten. Gotth. , Kübiger Ketzer, 
halsstarriger.' Schülzb. äs aitvcUterisches und chibigs 
Männli GrPt. (Schwzd.). Mach mi''^ nid eh. und 
mach mi^* nid hon, was d* mer do fürhest, das ist nid 
schon Zg (Schwzd.). Spec. von Kindern, verwöhnt Gk. 
Übertr. auf Nerven s. Ädere* 4. ,Ir puren sind ein 
fast kybige rott, ir tuend eben, als sygind ir toub.' 
Eckst. 1526. ,Drumb, brueder, gib dyn willen dryn; 
wie kannst allwög so k. syn!' Rubf 1540. ,Da was ein 
kybigs dennen gan [von dannen gehen], eilf büchsen 
liessend sy stan.* Salat. ,Im streit hartneckig und k.' 
VooELB. 1557. ,Di8e sind glych den kybigen und hals- 
starrigen kinderen.' Güalth. 1559. ,Die fünf Örtischen 
fluechten ihm [dem Zwingli] und sagtend: er wäre 
ouch der stettigen, kybigen kStzeren einer.' HBull. 
1572. ,Das k. nnufhörlich zangken und kämpfen.' 
GuALTH. 1574. ,yil sind under dem namen und schyn 
der standhafte vil mer halsstarrig und k., also dass 
sy mit irem kyb ein jede irrige meinung understond 
zue erhalten.' ebd. 1585. ,So aber bei den so keibigen 
Köpfen Nichts verfangen, dieweil sie die Ohren gegen 
alle Under Weisung hartnäckig verstopft.' Mise. T. 1722. 

— 2. von leblosen Dingen, a) von Arbeit, die nicht 
rücken will, ungefügig, verwickelt; daher verdriesslich 



109 



Eab, keb, kib, kob, kab 



110 



Ap; Gr; GRh.; Th; z. B. chtbigs Garn; Syn. leid- 
tcerchig. — b) von zögerndem Schneefall, auch Ton 
Wetter ohne bestimmten Charakter AiBb.; UwE.; ZW. 
Aber anch Ton Schnee, der nur langsam weicht Ap. 
Vgl. ftndlich. — c) von Pflanzen, welche häufig den 
Ertrag oder die gute Qualität desselben verweigern. 
,Warum haut man denn die kybigen Beben nit us, die 
einen so treffentlichen Wyn geben können, und geben 
ihn aber nit allweg!' Müll., Schw.-6. Bei JJScheuchz. 
1706 ebf. von Beben, dafür 174(5: .eigensinnig*. 

G'chlbigkeit Klket f.: Zorn Sohw; Zo. 

chible": zänkeln, schmollen AaoF.; L; G; Uw. 
Wo-n-er üsg'chiblet g^ha* hed, so seid-er mit g'läche- 
rigem Mül , . . JBEoli 1871. 

Chibli'^g m.: zänkischer, mürrischer Mensch L; 
G; ScHW. Jetz lönd 8* dann an-ene* [den Mädchen] 
(F Ch, ü^ ScHw (Schwzd.). D' Busse; di Gh., händ 
Vn Stadt Mostgau no'^ a'zündt. AZurGilobn. 

Chib II 8. Kid, 

gotten-chib s. Gott Bd II 517. 
Chibel s. Kidel 
cht big II s. kidig. 

Kobel I ZO., KM Aa; Bs; B; Gl; G; S, Koblet 
ZO., Köb GA. (roh), KÖbel B; Z, Köbi Bs; B; S; Z, 
Kebi Gl, Dim. Kobdi (in GW. Chohli), Kobeli: 1. Per- 
sonenname, Jakob, im AUg. mit vergröbernder Nbbed. 
— 2. Kobd, Köbi, KÖbi, wie Jogg, Jogg und andere 
Kürzungen von ,Jakob' in halb oder ganz appellativer 
Verwendung und daher dann auch etwa mit PL-Form 
KÖbene B. a) starker, dicker, etw. roher Mensch B; 
Gl. Auch von Sachen; eine schwere, plumpe Last 
wird scherzweise ein .schwerer Köbi' genannt B. — 
b) zornmütiger, grober, mürrischer Mensch; auch etwa 
von störrig- widerspenstigen Pferden Bs. — c) als 
blosses FüUw. einem Adj. beigegeben i. S. v. Mann, 
Mensch Bs; B; Gl; S. En kurrliger KÖbi, wunder- 
licher Kauz. ,Weder der A, noch der B, noch irgend 
ein anderer Köbi.' N. B Kai. 1841. ,Ein vornehmer K.* 
ebd. ,£in wunderlicher K.* Gotth. ,Dass er ein ganz 
anderer K. sei und das Ding verstehe.* ebd. ; vgl. ebd. 
XXn, 189. - d) Kobi, Name für Rindvieh S. 

Koblet wahrsch. Aoalogie-Bildaog nach £ret, Chueret, 
Dav^t [David] a. A. 

Flöten-Köbi: wandernder Musikant, der auf vie- 
len Instrumenten zugleich zu spielen versteht BsStdt. 

Schn^-: Schneemann und scherzw. von Jmd, der 
in einem ,Winterlande' wohnt GlH. 

koble": poltern, mürrisch, verstimmt sein, schmol- 
len BsL.; Syn. kublen, kopplen. ,Wenn man ihm ein 
böses Wort gibt, so koblet er.* Störrig-widerspenstig 
sein, von Pferden. Abi. Kobli, Köbler = Köbel 2 b. 

Das Yb liesse sich aach tod Kohtl III ableiten; vgl. 
9tcA «eriU«ei». Hieher viel!, auch der Geschlechtso. ,Kob]er'; 
vgl. ,Schmo]Ier : schmollen*. 

Ghobel II m.: überhängender Fels, unter dem die 
Hirten und Weidetiere bei Unwetter Schutz suchen 
Ap; Syn. Schluff. Einfach und in Zss. ziemlich häufig 
als Flurname bes. zur Bezeichnung von Felswänden, 
-Wällen, z.B. Jüdis-, roter K. GRh.; davon dann die 
Dorfnamen ,K.-Wald, -Wis* GRh.; Chohel, Name einer 
Mühle Ap. — Auch bair.; vgl. aach Gr. WB. V 1540. 



Kobel UI m., in Bs KöbeU* f., Dim. Kobeli: 1. auf- 
stehender Federbusch auf dem Kopfe gewisser Vögel 
Bs; vgl. Kobeli'Huen Bd II 1374. Syn. Köppdi. ,Wirt 
in allen sprachen von seinem k. h@r genennt, als bei 
den latynern galerita, bei den teutschcn häubel-, kobel- 
Icrch. Dise lerch richtet iren k. allzeit auf.* Vooelb. 
1557. D' Kobele^ steUe*, in Zorn geraten; vgl. koblen. 
Scherzh. auch von einer entsprechenden Haartracht 
Seite* me dreit Eini Zupfe""; n^*, es dreit fast Alles 
Köbel, just a's wie der Widehopf Hagröscben. — 
2. eine Art Haube Bs. — Yiell. identisch mit K. II. 
Vgl. Gr. WB. V 1641. 

Chober m.: Heubehälter hinter dem Stalle Th. 

Berührt sich dem ^iune nach am Nächsten mit , Kobel*, 
enges, schlechtes Hans; enger Raqm als Wohnung für Men- 
schen nud Tiere; s. Gr. WB. Y 1589, ferner mit , Koben.* 
ebd. 1542. Rochh. behauptet fOr den Aa auch Chöberlt, 
Tanbenschlag. 

ehttb! Lockruf für Hühner ZO. 

Knblerl f. : Possenspiel. ,£s sei genug, Gott allein 
anzurufen; Heilige zu bitten, wäre K.* 1522, Absch. 
- Vgl. .Kobelwerk* bei Gr. WB. V 1542. 

€httbel m., PL Chüble* Gr, sonst unver., Dim. 
Chübeli, Chübelti: 1. kleineres, mehr tiefes als weites 
Geföss aus Holz, doch auch aus Leder, Glas und an- 
dern Stoffen (s. die Zssen). allg. Spec. a) der (in 
neuerer Zeit vielfach durch Metallge fasse, Chessi, ver- 
drängte) Melkkübel. Euseri Magd heisst Grite^ und 
was si tuet, ist recht : 8i steüt de*" Oh. uf d' Site* und 
tanzet mit *em Chnecht, Da schlsst-ere* (f Chue t" 
d' Milch usw. Mit ^em Ure^ Ch, chömme* die grdsste* 
Übel. Inbioben. Das Zerfallen und Umwerfen des K-s 
als Bild einer plötzlichen Wendung zum Schlimmen. 
Der Ch. g^heit-em z' Hufe"*, er geht dem Ökonomischen 
Ruin entgegen S. D' Chue hat de* Ch, umg'heit 
('^schlage''), der Gh. ist um, die Sache ist verfehlt, 
das Unglück geschehen, allg. „Den K. umwerfen, die 
Sache verderben, nicht mehr zum Ziele kommen.** 
Hat der Tafel d* Gelte* umg'heit, s^ seü er de* Ch. 
au«* no''^ ne* Z. ,Ich habe halt gesehen, dass ich 
über Nichts mehr Meister sei und gedacht, es sei am 
Ende gleich, habe die Kuh den K. überschlagen, ob 
sie das Geltli auch noch überrumple.* 1854, Ap (Ent- 
schuldigung eines Brandstifters); vgl. noch die Gegen- 
überstellungen mit Gelten Bd II 281. ,Sein alter 
Meister schrieb ihm, beim neuen auszuhalten und 
nicht den K. auszuleeren.* Gotth. ,Der K. kehrt bei 
ihm leicht um*, er ist launisch B. ,Kue Brüne sprach 
zum stiere : Ach, soll ich dir nit klagen ? Mich wollt 
uf dieser riviere ein her gemulchen han. He, ich 
hab im den k. umgeschlagen; ich gab im eins zum 
ore, dass man in muosst vergraben.* Sempacherlibd. 
,[Faber] muess denen, die er milcht, dennoch einen 
schyn dartuen [ihnen Etw. vorspiegeln] oder aber sy 
wurdind mit iStzem fuess in'n k. schlahen.* Zwingli. 
,Wenn die kuo den k. umschlat, es ist aber denn war- 
lich z' spat.* RvEF. ,Er furcht^, dass etwann d' kue 
umschlach den k.; er mag nit alle faar versehen [ab- 
wenden].* Aal 1549. ,Da sonstcn, wann man einem 
über Zyt [zu lange] zueluegt, er ie länger ie mehr 
sich vertieft und letstlich die Kuh den K. umschlacht 
einsraals [unerwartet].* 1641, JJBreit. ,Dieweil die 
Sach angefangen und der K. schon umkert.* 1653, AaL. 
,Kein Rat traf zu, bis dass die Kuh darnider stiess 



111 



Kab, keb, kib, kob, kab 



112 



den K.* Lied 1656. ,Totum subvertere, den K. gar um- 
stossen.* Denzl. Mit bes. Beziehung auf den schroffen, 
endgültigen Abbruch persönlicher Beziehungen. De* 
Ch. hi Ei'^'m umg'heie^, -chere'*, -lere*, -rüere^j -stösse*, 
Jnids Zorn erregen, seine Gunst einbüssen. allg.; vgl. 
»es, den Brei (bei Jmd) verschütten.' De*" Ch. ist um, 
das gute Einvernehmen gestört Aa. ,Er cha** Hecht 
der Gh. bi-n-im umchere*, facile ab amicitia ejus se 
removebit.' Id. B. Wenn emal der Ch. umg*heit ist, se 
blibt er ligge*, ein gestörtes Freundschaftsverhältniss 
lässt sich nur schwer wieder ganz herstellen Z. ,Hätte 
Heiri dem Hs Jakob noch öfters zu einem Bausch yer- 
holfen, ja, dann hätte [dessen nachsichtige Frau] wohl 
auch den K. umgeleert.' Gotth. . ,0b wohl man sich 
zum Friden Anfangs zimlich geneigt erzeigt, so schlug 
sich doch der K. wider umb.' RCys. ,Er hat ausge- 
dienet, den K. umgestossen, man will seiner nicht 
mehr.' Hospin. 1683. ,N. N. hat den K. bei Hm Ca- 
nonicus umgestossen.' 1750, Z Brief. ,Den K. um- 
schütten' dagegen = Alles heraussagen, sein Herz 
leeren: ,Aber noch eins truckt mich übel, sollt ich 
[wenn ich nun einmal...] gar u. den k.' Badenp. ,Dem 
K. den Boden ausstossen', die Sache übertreiben; vgl. 
Fass. ,Aber jetzo stosst N. N. dem K. (wie man 
sagt) den Bode gar aus.' Gulbr 1616. Ein Mal bei 
ZwiNGLi das Bild auch von dem unter der Schlacht- 
bank stehenden Gefass: ,Es zerfällt uns der allerbest 
k., darob wir der rychen und armen säckel gemetzget 
und das bluet empfangen habent'; vgl. Bluet-Ch. — 
b) verschlossenes Eimerchen, in welchem die Milch 
von den oft entfernten Ställen aus nach Hause oder 
Suppe den Arbeitern aufs Feld getragen wird Gr; 
GA.; auch Hand'Ch. GnPr.; vgl. Rügg-Ch., Hafid- 
Fass Bd I 1050. — c) Gefäss, in welches die Trauben 
gelesen wurden. ,Es soll niemand kein mannwerk 
insonders zu tuen verdingen, es war dann, dass einer 
syne reben bis an den k. [das gesammte Bebwerk bis 
zur Weinlese] verdingen wellt.* 1495, Sch Ratsprot. 
— d) hohes, enges Gefass von der Form eines Butter- 
kübels (s. Büer-Ch.) zum Fang der Füchse B. — 
e) Loosbüchse, in Form einer schwarzen, runden 
Kapsel od. Schachtel, in welche bei Ämterverloosungen 
an der Landsgemeinde die Looskugeln gelegt wurden 
GLt; vgl. Gl Gera. 243. 249. 308. 485; Gl Jahrb. 
VIU 10. Als man 1813 die Verloosung aufs Neue ein- 
führen wollte, sagte der Landammann: ,Wenn ihr den 
K. wieder einführet, so tut ihr was, das gegen die 
Ehre des Vaterlandes ist.' — f) hölzernes Nachtge- 
schirr Ap; B; VO; Gr; G; S; Z. Auf die Klage: Fs 
wird mer übel! erhält man etwa die spöttische Reim- 
Antwort: Se gang uf H* Ch.l GA. Xostrf, was will 
*** sage*: d' Glogge* hed Ze^hii g* schlaget; wenn er 
ekei* Ch. händ, so brünzlid ?'■ 's Gade* L (Parodie des 
Nacht wächtorrufes). Eine* über 's Chübli ha* f lüpfe*, 
Imre*), wie ein Kind behandeln, zum Narren halten, 
überlisten, -vorteilen B; vgl. Hafen d. ,Bernervolk, 
du wurdest schon so viel über den K. geworfen.' B 
Volksztg. , Viele rühmen sich ihrer Betrügereien und 
wie sie Don und Diesen über's Kübli gelüpft.' N. B Kai. 
1840. ,Wie leicht es ist, Menschen, die bis dahin nicht 
beachtet waren, durch Schmeicheleien über das Kübli 
büren [zu ungehörigen Handlungen zu verleiten].' 
Gotth. ,Wenn die Weiber wissen, wie viel Geld man 
hat, so kömmt ein Tüfel nach dem andern, bis sie 
sie über's Kübli haben.* ebd. ,Den K. umkeren, dass 



es stinke im ganzen Lande.* ebd., von unangenehmen 
Enthüllungen; vgl. ,den Hafen abdecken.' Hieher 
auch der Reimspruch: 's isch doch au^'' übel, tue*"- 
me* chunnt bis zum Ch. und dinn wf^ nebe*hi* muess 
Aa. S. noch Vit Bd I 1134; Gang-Gelten Bd II 283. 
Sonst in diesem S. meist als Comp. Nacht- VO.; S; 
Z; Balz 1781, Brunz- Gr, Brünz- ZKn., Sdch-Ch. 
Ap; ZKn.; s. auch Gang-, Chinds-, Schlss-Ch. Syn. 
Brunz- Brenten ; andere s. bei Fass, Glas, Hafen, 
Chachlen, Becki, Brocken. — g) = ChaXber-Ch. AaB.; 
Z, bes. in der bildl. RA. : de* Chopf nüd weße* tVn 
Ch. ie ha*, von Jmd, der sich nicht zwingen lassen 
"will Z. ~ h) als Mass, in der lebenden MA. nur noch 
als ungefähres, zur Bezeichnung grosser Menge Z. 
I'* wePt Dim lieber en Ch. voll gi* weder g*nutg; vyl. 
Gelten, Her Bd U 1524. ,Erbl6chenzins für ein k. 
käs, für ein k. schmalz.* 1526, Absch. ,Wenn 's g'sang 
angieng, so sind wir g'sSssen und band d' noten mit 
kühlen g'mSssen.* JMurer 1559. ,Das Gotteshaus sollte 
dem Feeren alltag zwen kübel mit muoss geben.' 1561, 
AAWett. Klosterarch. ; vgl. Mues-K. ,Etwann regnet 
es sanft, etwann fallt es abbin, als ob man mit kühlen 
hinabschütte.' LLav. 1582, und so noch heute Bs. ,£8 
dürst** mich gar marter übel ; hett ich*s, ich schluckt 
ein ganzen K.* Myricäus 1630. ,Ein K. haltet drei 
Mass M61.' B Bettelordn. 1675. Beim Reh werk mussten 
die in der Weinlese gebrauchten Geschirre, Kübel und 
Gelten eine bestimmte Grösse haben und daher geeicht 
sein. Z Ges. 1808; vgl. Sinn-Ch. — 2. spöttische Be- 
zeichnung a) eines grossen, hohen (bes. eines Cy- 
linder-)Hutes Bs; VO; G; Th; Z; Syn. Behör-, Hirats-, 
HochzU-Güten. — b) einer unförmlichen Tabakspfeife. 
Gotth. — 3. meist zsgs. Trumme*- (in AaF. Trumpei*-) 
Ch., Trommel Aa; Soh; ZO. S. noch Bad-Güten Bd 11 
284. Abi. (trumme*-)chühlen. — 4. wie andere Geräte- 
namen (vgl. Hafen Bd II 1010) als Schelte auf Men- 
schen ; = dummer Kerl Aa. ,Du voller zapf, du wüe- 
ster k.!* Rubp 1540. ,Du grober K.!' Com. Bbati. 
Vielfach in Zss. Ere*-Ch., wer sich immer geehrt 
wissen will; ehrgeiziger, eitler Mensch Bs; Abi. er^- 
chüblig. Murr-Ch,, Brummbär Bs; Müs- ZKn., Müsch- 
Ch. Bs, Schmoller; vgl. Muschi- Grind Bd II 767. 
Prozidier-, Prozess-Ch., prozesssüchtiger Mensch Bs 
(Letzteres schon 1756). Räsonnier-Ch., Unzufriedener, 
wer immer zu schelten, poltern hat Bs; Sür-Ch., Sauer- 
topf L, Zom-Ch., Brauskopf Bs, Zwäng-Ch., eigen- 
williger Mensch, Starrkopf Bs; vgl. Zwang-Hafen. 
Die alti Wisheitsbire*, dir Erzzwäng-Ch., wo aüiwU 
Alles besser wisse* tdll. Brritenst. 

Mhd. Ifühel; über die roin. Herkunft vieler Gef&ssnamen 
vgl. Gön Bd II 331, Gcltnt, Gätzi. Küjili. Mütt, Setter u. A. 
In der Bs Taxordnung von 1646 werden die «Kübel' anter 
andern metallenen Erzeugnissen des Kapferschmiedhand werke 
aufgeführt. 

Ach is-Ch übel, Aches- = A.-Fass Gräv., D.f; 
Syn. Sitr-Fass, -Chiibel. — Anke"- GnPr., Auchu- 
W, Ank- GRPr., Auch- BoHa.; GrD., Ach- „F;" GrAv., 
Rh., ObS., V., ^1- GaPr., Sa. : 1. = A.-Fass 1 Bs; B; Z ; 
Syn. A.-Ghar. ,I)er a., der kornkasten, die zeigend 
mir an üwer fasten.' Rükf 1540 (ironisch). — 2. Gefäss 
zur Butterbereitung j Syn. Schmalz-Ch., Ach-ChüpH. 
Spec. a) tiefes, cylindrisches, mit einem durchbrochenen 
Deckel versehenes Gefäss, in welchem der Rahm durch 
Stossen mittelst eines anschliessenden Kolbons entw. 
bloss ,geschlagen' (s. g'siössni Nldlen) oder völlig 



113 



Kab, keb, kib, kob, knb 



lU 



gebuttert wird Aa; Bs; B; F; 6r; S; W; Zf. Dafür in 
GRFelsb., uYatz Schleg-, in Aa; GrA., D., Hc. Stöss-Ch, 
Vgl. auch die Synn. Nidd-, Eüer-Ch., Stösa-Buder, 
Äfikcnstampß'Char, A.'BiUtel, -Tutel, Von einem stei- 
fen, langsamen Menschen sagt man ironisch: Er het 
es Oleich, wie nen A, AaL. Die ÄUe* im Ä* welle^ 
lere"* tanze; (von Jmd) etw. Unmögliches verlangen 
S (Schild). 5«- Äa* [so dick] tcie-nen Ä.- (Llre^-jCh. 
Mg, S. noch u. Büer-Ch. Im Rätsel: E g*hobleti 
(hcii) Mueter und «" magerer (hagere^) Ätti und es 
feissts Chind GrAy.; GBh. ,£in A., dienlich zur 
Ankenbereitung, sonderlich aber gebräuchlich an denen 
Orten, da man nicht viel Butter auf einmal machet.' 
JJScHBucHZ. 1706/46. - b) BoUbutterfass mit Kurbel, 
auf einem Gestell wie ein Schleifstein um seine Achse 
drehbar AA;GRPr.,ObS. Dafür Uoö- Gr, Trib- GkY,; 
W, Trol' „BE.", TröhCh. BHk.; Gr. Vgl. auch die 
Sjnn. A,'Fass, Ankeren , lAren (neben L,-Chiibel), 
PhUsch-Ch,,Trlb-Chüpli,CTrdl'JBuder. MitdenGebsen 
cheglen und d'r A. war d' Chugle^ GaPr. (Schwzd.). 

— 3. = A,'Fass 3 AaZ. — 4. Schelte auf einen 
schmutzigen Menschen. ,Er nammt in ein suw, ein a.* 
BuBF 1540. — 5. Flurname; eine gut gelegene Wiese 
AABb.; ein isolierter Felsblock AAFri. Vgl. die Orts- 
namen Sch^nale-Chueb, A,-, Hung-Hafen und Arg. 
1862, 15. 54. 

Ante"-Chübli: hölzernes Wassergefass zum Wa- 
schen der Hände BG.; dafür Hand- Wäsch-Ch. FSs. 

Wahrsch. yon frz. anu, ente, Griff an Ger&ten, nach der 
an dem Gef&ss angebrachten Handhabe. 

FSg-Chübel: Holzgefäss mit Fegesand und Putz- 
lappen Bs; dafür Putz-Ch. G; Z; Syn. auch F.-Zuber. 

— Für-: 1. (hölzerner oder lederner) Wassereimer 
zum Gebrauche bei einer Feuersbrunst, Löschkübel, 
allg. -Die ersten F. wurden in Obw 1570 angeschafft; 
1624 verordnet, dass jede Behausung eine Leiter und 
wer 10 Kühe wintere, einen F. halte. ,An dem Kefitor, 
wo die F. abhin [in den Stadtbach] fallen.' 1638, Z 
Wthur (Troll). Seit Einführung der Feuerordnungen 
wurde auf dem Lande Neubürgern zu den Einkaufs- 
gebühren die Anschaffung eines F-s zur Pflicht ge- 
macht, so im XVIII./XIX. in Z. Derjenige, der in 
AaB. ein fremdes Weib heiratete, hatte der Gemeinde 
einen F. zu stellen. 1763, Absch. — 2. hölzerne Pumpe, 
eine Art Handspritze, vor Einführung der eigentlichen 
Feuerspritzen im Gebrauch, so noch 1777, OBwKerns. 

— 3. spöttische Bezeichnung eines Angehörigen der 
Löschmannschaft. Z Kai. 1869. — Fleisch-: Gefäss 
zur Aufbewahrung von Fleisch; vgl. Geiss Bd II 455. 
,Ein alten, deckten FL' 1627, TnBürgl. Inv. — Gö°- 
= O&n b Bd II 331 GG. — Gang-: 1. Entsprechung 
von G.'Gelten 1 ZO.f Vgl. ChObel 1 f, 's G-s, fingierter 
Spitzname einer pntzsüchtigen Familie, des Pomade- 
topfs wegen, den sie nicht entbehren zu können meint. 
Stutz. — 2. = Chät-Fässli Bd 1 1051 Z; Syn. Chät-Ch.; 
vgl. auch G. 'Gelten 5. — Güsel-: 1. = Gang-Ch, 2 
VO. Tis Chöpfe* G. z^wigdräje*, Häpl. — 2. „Spott- 
name auf einen Menschen mit seltsamen, verworrenen 
Ansichten und Plänen VO." — Sürchabis-: Schelte 
auf einen griesgrämigen Menschen B (Gotth.). 

Chalber- (in GnMast., UVatz Chelher-): h = Ch,- 
Eimer Bd I 221, Ch.-, Tränk-Fass Bd I 1051 Aa; 
„VO;" Gr. Dafür Saug- Z, Süg-Ch. GaHe., Pr., Seh. 

— 2. Dim., kleiner Kübel mit Luftlöchern, welchen 

Scbweiz. IdloUkon UI. 



man Saugkälbern wie einen Maulkorb anlegt, um sie 
am Fressen von Streue und Heu zu hindern Th; Z. 

— 3. scherzh. a) für Wete-Ch, Gb. — b) Tabakspfeife 
GRPr. — Za 1 und 2 Tgl. die RAA. bei Ckübd 1 g, 

Chinds-: Nachtgeschirr für Kinder Vw; vgL 
ChObä 1 f. Und da no'^ Ei'^'s, nind 's ja nit übel: 
Hab a«** wo** ein Ch. (Var. Chindsschiss-, Schlss- 
chinds-Ch.J, Uavsratbr. — Chat-: 1. = Gang-Ch, 2 7i, 

— 2. scherzh. übertr. auf die letzte Seite des Z Tag- 
blattes, wo die Inserate stehen, in welchen etwa Per- 
sonen ,besudelt* werden Z. — Chäslab-: Gefass in 
Sennhütten zur Aufbewahrung des sauren Kalber- 
magens BO.; dafür Mage*'Ch. GRFurna, Pr. — G«- 
16 ck-: Geföss, in welchem man dem Vieh Salz mit 
Kleie usw. reicht; mit demselben wird etwa Derjenige 
empfangen, der am Neujahrsmorgen zuletzt aufsteht, 
das sog. Neujärs-Chalb L. Vgl. lAck-Fass Bd I 1051. 

— Lei"»-Chübeli: Gefass, in welchem man weissen 
Lehm zum Weissen der Küche aufbewahrte L f. Er 
ist so bleich, wie wenn er e* L. am Chopf hätti. — 
Lire»-: 1. a) = Anken- Gh. 2 a Aa; G; Zq; Z, bes. 
noch in dem Spottverse auf verschiedene Ortschaften, 
z. B. Laufe*burg isch der L,, Walds^t isch der Deckel 
drüber, mit den Var. Nidle'*-Ch, L, d' Horgner händ 
de"" lAre^'Ch, Z. — b) = Anken-Ch. 2 b AALeugg. 

— 2. Kübel mit beweglichem Tragbogen (Liren), um 
z.B. Wasser oder Milch zu tragen AABb.; in L noch 
in dem Liede: B'hüet mer Gott der alti Ma""", treit- 
mer de"* L. nä^\ — 3. scherzh. Bezeichnung der tiefen, 
engen Geflsse für flüssigen Dünger, welche auf den 
Wiesen aufgestellt und in welche der Inhalt der Trage- 
bütten geleert wird Aa. — 4. Schelte auf einen lang- 
weiligen Menschen Z. — Lüre"- = Anken-Ch, 1 Th. 
Vgl. Liren-Ch. 1. — Mßlch- = Ghiibel 1 a, ein stark 
bauchiges Holzgefäss Bs; Th; Z. ,Er musste sticheln 
hören: Der Hut hange ihm über die Ohren, wie ein 
umgekehrter M. über einer Gartenscheie.' Brbitbnst. 
Vgl. M,-Eimer Bd I 221. 

Milch-: zum Tragen oder zur Aufbewahrung von 
Milch dienender Kübel Gr; spec. wie eine Tanse an 
Tragriemen auf dem Rücken getragenes Milchgefass, 
mit einer Luftröhre im Deckel, oben enger als unten 
GrAv., Rh., S., V. Dafür „Bugg-^ Eügg-Ch, GrD., 
Pr., Seh.; PP. VgL M.'Eimer Bd I 221/2, Brenten, 
Zummen, 

Schon ahd. milich-kubäi, mulcrum, was anf Entlehnung des 
W. ,KQber znnächst in der Milchwirtschaft schlicssen lässt 

Märze"-: gelbe Narzisse, narc. pseudo-narc. GRh. 
Vgl. die Sjnn. M.-Glöggli Bd II 614, -Becher, -ScheUen, 

— Mues-: 1. Speisegefass ; vgl. Spis-Ch, ,Deren [von 
der Burgerschaft] die mehriste aus Guttaten des Gotts- 
haus leben, ja sogar zuweilen auf des Klosters M. hin 
Hochzeit machen.' ZRhein. Beantw. 1747. — 2. ,M., 
breiesser, pultiphagus.' Mal. — Nidel-B;S, Nidle»- 
VO: 1. hölzernes Rahmgefass B; L; S. — 2. Gefiiss, 
t. in Form eines ,Ankenkübels* (2 a) mit Stöpsel zum 
Stossen des Rahms, t. kleineres, in welchem der Rahm 
mit einem Besen geschwungen wird VO. . — ,Bad-: 
alveolus in balneis.* Fris.; Mal. — Bei»-: Rohrstiefel 
GnAv.t, D. — Punte*-Chübeli: Kübel mit einem 
Spundzapfen; übertr.: kurzer, dicker Mensch Z. — 
Pflaster- (in Bs Pflaster-) Chübel: Mörtelkübel 
der Maurer ßs; Gr; Th; Z; vgl. Pfl,- Vogel Bd I 693. 
,Dem küefer um 7 pfl.' 1573, ZGrün. Amtsrechn. — 

8 



115 



Kab, keb, kib, kob, kab 



116 



Bläder-, „Plader-, Plätter-«, in Ap BUme*-, 
Blitte^-: kleiner Eimer mit Tragbogen and Deckel, 
in dem Molken zum Gebranch fflr die Sennen warm 
erhalten werden Ap; GBh. — Bluet-. ,Diocletianu8 
und Mazimianus, die in der zehenten Verfolgung der 
Christen den Bl. gar ambge8chütt*^* Gulbr 1616. 

putsch-, Plütsch-: 1. = Änken-Ch. 2 S. — 
2. Waschfass, von der Form eines Rollbntterfasses S. 

— PluUchen, plütichenj klatschen; Butter bereiten. 

Brach-: Kübel für Batter zum taglichen Gebraach. 
. ,Nimm aas dem Br. Anken.' ZZoll. Arzneib. 1710; vgl. 
Br.'Mih — Brot-: 1. eine Abteilang der den Fen- 
stern entlang laufenden, trogartigen Tischbank, zur 
Aufbewahrung der Brotlaibe bestimmt, welche auf 
halbzollweit von einander entfernten Latten ruhten, 
so dass die Brosamen in eine darunter angebrachte 
Schublade fielen Z; schon zu Anf. XIX. sehr selten. 
,Mactra, cartallus, br.-kasten, -korb, -kübel.* Fris.; 
Mal. ,Die Brotlaiblin, die man aus dem Br. heraus 
nimmt.' Spleiss 1667. Das W. auch 1609, Z Iny. und 
1627, TnBürgl. Inv. Bildl.: ly Herre-' vo* Züri'^ sind 
SU8 de" Bademere^ tri Br. g'si* und händ ene* all Jär 
achröckeli^^ vil Gelt z* löse* 'gi\ Gespräch 1712. — 
2. Flurname Aa; Z; ygl. die Flurnamen Anken-Ch., 
Br.'Eübel, -Heiteri, -Chorb, -Lauben, -Btren und s. 
Arg. XU 5/6. — R d - : ovales oder auch eckiges, trog- 
artiges Geflss mit Handhabe, in welchem die Zimmer- 
leute aus Kienruss (Räm) schwarze Farbe bereiten, 
in die sie die Schnur tauchen, um damit dann die zu 
behauenden Balken zu zeichnen Aa; Schw; Z; Syn. 
Schwärzi'Ch., Schnüer-Trog. — Rtier- (in Th; ZSth. 
Buer-J: 1. = Anken-CH, ^ a Aa; G; Th; Z; vgl. Euer- 
Fass Bd I 1052. Die unerfahrne Frau vom Lande 
kann einen B. nicht von der Kettenwalze einer Seiden- 
weberin unterscheiden; s. Stutz 6, 114. E-s dick, 
z. B. von einem Baume Z. ,Er war geschwuUen an 
Beinen wie ein R., dann er wollte wassersüchtig 
werden.* Mise. Tig. 1722. ,2 Ruerkübel.* 1469, Z 
Wthur In?. S. noch Nagel. — 2. Name einer fetten 
Wiese ZDüb. — Söu- (bzw. Sü-) Z, Schwin- Gr: 
Kübel, in welchem man allerlei Abfalle als Futter für 
die Schweine sammelt und aufbewahrt, bzw. ihnen 
solches mengt und zuträgt Gr; Z; vgl. Söu-Gelten 
BdII284, Schwin-Eimer Bd I 222. — C harre»- (in 
Gr TTa^c"-^ Salb-: kleiner, cylindrischer Kübel mit 
einem Deckel, zur Aufbewahrung der Wagenschmiere, 
allg. — Salz-: Geföss zur Aufbewahrung des Salzes, 
bes. auch in den Stallen, für das Vieh Now; Z; vgl. 
S.'Fass, — Sinn-: 1. Kübel als Normalmass für 
flüssige Dinge. ,1 pfd g6n um ein sinnzüberli und 
ein kübel, darmit man sinnet ze Grüeningen.' 1550, 
Z Staatsarch. Unter den zu .fechtenden' Geschirren 
aufgeführt. Brückner 1118. Yg]. S.-Gdten. Bd II 284. 

— 2. obrigkeitlich gezeichnetes Weingeschirr; vgl. 
Chübel 1 h. ,Die Weinstecher sinnen die Fass und 
Geschirr, Zuber, S. [usw.].' Bruckker. — Sür- = 
AchiS'Ch. GrAv., He., Rh., S., Seh. — Schöpf- = 
Gön-Ch, BO.; VO; Schöpfeimer in einem Schiffe Th 
Rom. Vgl. Sassen. — Schotte»-: grosses Gefäss, in 
welchem auf dem Rücken Nachmolken getragen werden 
GrAv., Pr., Seh.; Syn. Sch.-Tansen; vgl. Rügg-Ch. — 
Schlei-: unter ,Sennengeschirr' aufgezählt. 1659, 
ScHwE. Klosterarch. — Schlichti-: Gefäss zur Auf- 
bewahrung von Kleister, wie er zum Steifen des Baum- 



wollgames verwendet wurde Z. — Schilf er-: Wasser- 
gefass mit einer Handhabe, wie es die Schleifer zum 
Begiessen des Schleifsteins braueben B; Z. ,Augen, 
die tropften wie ein Schi.* Gotth. — Schmalz-: 
1. = Anken-Ch. 1 Gr; „G." Syn. Schm.-Brüek. Ein 
unentbehrlicher Bestandteil der Aussteuer einer Braut 
GrO. (Schwzd. XIX 23). ,4 Schm.' 1469, Z Wthur 
Inv. [für Schweinefett?]. — 2. = Anken-Ch. 2 Gr. — 
3. Kind, das zu früh nach der Hochzeit geboren wird 
G; vgl. Schm.'Hafen Bd II 1016. — Seh war zi-: 
1. = Rö-Ch. Gr. — 2. ein demselben ähnliches Gefäss 
für Schusterschwärze GrAv. — Spöu-: Spucknapf. 
Id.B; Syn. Sp.'MueUli. — SpIs- = Jlf««»-CÄ. 1. 1469, 
Z Wthur Inv. — Tinte"-: Tintenfass, auch gläsernes 
Ap; Th; Z. — Sürtrank-: unter ,Sennenge8chirr' 
aufgezählt, = Achis-, Sür-Ch. 1659, SchwE. Kloster- 
arch. — Tränk-: Kübel, in welchem man dem Stall- 
vieh Wasser vom Brunnen holt ZO. — Win-. ,Nach- 
dem er, bei seinen Tagen der stärkest Weinsaufer, 
ein recht amphora Bacchi, sich selbs Iciblos gelegt, 
ward spöttlicher Weis von ihme gesagt, es hange allda 
ein W. und kein Mensch.' Guler. Vgl. ,Wein8chlauch'. 

— Wasser-. ,Nun band wir nit gehört, dass man 
für mit spiess und harnesch lösche, sunder mit w. und 
geschirr.' Zwiholi; vgl. Für-Ch. — Wetz- („Wetzt- 
BMeir.«) = (Wetz-) Stein-Fass (Bd I 1054) 3;" GrS., 
Scuolms. — Ziger-: Kübel, in dem man den ,Ziger* 
[Quark] knetet, um ihn gären zu lassen Ndw. ,Wenn 
die Materi gemenget, so werden die Ziger formen 
oder Z. nach einander ange füllet, wohl eingetrucket' 
JJScDEucHz. 1707. — Zoll-: ,Stock', in welchen die 
Zolleinnahmen gelegt werden, nur verächtlich in der 
RA. (angelehnt an diejenigen bei Chübel 1 a): , Jetzt 
stosst er dem Z. gar den Boden aus und will Alles 
und Alles auf dem Wasser zollfrei passieren lassen.' 
ZRhein. Beantw. 1747. 

chüble»: 1. Kübel, hölzerne Geschirre übh. ver- 
fertigen, die Arbeit eines Küfers verrichten Bs; B; 
Gr; Th. ,Die Gewerbschaft oder Nahrung der Da- 
vosern ist neben der Viehzucht auch by Vielen das 
K. oder allerhand Geschirr verfertigen.' Sererh. 1749. 

— 2. Flüssigkeit in Kübel fassen, kübelweise zu- oder 
wegschütten, ausleeren. Walser us eme" (Wasser-jLoch 
ue eh. Z. Spec. a) heftig regnen, ,in Kübeln giessen' 
Bs; vgl. Chübel Ih. — b) Jmdn mit Wasser begiessen 
Aa; BE. Kübelweise mit Kot bewerfen Gl. — c) von 
der menschlichen Stimme. ,Er küblet einen Wust 
von Latein heraus' Bs (Spreng). „Aus vollem Halse 
laut und unanständig lachen" ; vgl. ganz Schölle* lache*. 

— 3. durch Schlagen auf Kübeln Lärm machen, z. B. 
vom Küfer beim Antreiben der Reife; klopfend, trom- 
melnd lärmen Bs; B; S; vgl. kesslen. „Auf Etwas 
herumkübeln. " Spec. a) mit der Kelle den Mörtel- 
kübel schlagen, wie die Maurer tun, wenn die Hand- 
langer ihnen frischen Mörtel bringen sollen ß. — 

b) Jmdm zum Spott auf Kübeln trommeln Ndw. — 

c) (trumme*-)ch., die Trommel schlagen; meist mit 
ungünstiger Nbbed. oder in verächtl. S. AaF.; Bs; B; 
ScH; S; Z. ,Inscite tympana pulsare, strepitum edere.' 
Id. B. Bumpedi mm chübled 's am Marge* früeih dur^'' 
d' Stadt und chessled 's dur^'* d* Gasse". Breitejcst. 
Mustermanne* [Soldaten] und vil Trumm^*chübler. — 
4. im Rügg-Chübel Milch oder Molken tragen Gr. Es 

' ist nun [nur] g'chübleti Milch, die cha** nit räume* 



117 



Kab— knb. Kfteh— knch 



118 



[Sahne ansetzon], — 5. a) im ,Ankenküb6l' Butter 
bereiten GRCast.; Syn. ank(h)en, schmalzen. — b) im 
,NidlenkQbeP Sahne schlagen UwE. Kübdeti Nidle*, 
Gegs. zu g'schtpungni N., in einem Milcheimer mit 
Birkenreisern geschlagene. — 6. einen Beamteten durch 
das ,Kübelloo8' (s. Chübd 1 e) wählen, das Loos ziehen 
fOr ein Amt Gl. Es Ami us-ch. Mir händ is mit 
dene* Uflage; m^it dem Gh., mit Ämter verchaufe* 
schwer versündt. Gl Volksgespr. 1 834. — 7. den Hut 
ziehen Z (scherzh.); vgl. Chübd 2. — 8. beim Schlitten- 
fahren umwerfen Scbw ; ygl. die RAA. vom Umschlagen 
des Kübels bei 1 a. — 9. eigensinnig, störrisch sein Bs; 
ygl. Murr-, Musch-ChObd bei Chubd 1. — 10. Eine* 
eh., ihm beim Spiele Alles abgewinnen Bs. — 11. refl., 
sich erbrechen Th. — 12. g*chüblet, bauchig, eig. wie 
ein Melkkübel; von Gefössen, auch andern Gegen- 
standen UwE. 

Hieher wohl aoch i. S. ▼. «klopfen' die Drohung UEcksteins 
gegen Dr Eck: Job will euch noch bass k.*, wozu freilich 
die nonern Fassungen des Liedes die Yar. »dühlen, tüblen' 
bieten. Badenf. (Geschfo. Oes. 1882, 195). Zu 10 ygl. das Syn. 
Eine* in'n Sack tuen oder eher die bildl. RAA. bei ChüM 1 /. 

ver-: 1. ein Amt verloosen Gl; vgl. chüblen 6. 
— 2. mit unbest Obj. ,esS Etw. durch Unachtsamkeit, 
Ungeschick verderben, sich so um den Erfolg seiner 
Bemühungen bringen; es hi Ei**m v., ihn vor den 
Kopf stossen Th. Vgl. Chübel 1 a, ferner vergütterlenf 
'Chächden, 's Glück verschütten und s. Bd II 622. 

Chüblerm.: 1. Böttcher, Küfer; zunächst: Klein- 
binder, im Gegs. zum Fassbinder Bs; Th; vgl. chüblen 1; 
dagegen auch: Fassbinder B. ,Küfer* als ,Fassküfer' 
auch unterschieden vom ,K.', der u. A. hölzerne Trichter 
macht. HE Escher 1692, 63. Unter den Berufsarten 
aufgezählt 1458/4, Bs (Schönberg); Anf. XVII., Bs 
Chr. S. auch Gelten Bd U 282 (FWürz); Sester. — 
2. schlechter Trommler B. — 3. Familienname Th; Z. 
,Cuonradu8, dictus K.* XIV., L Propsteirod. 

Chüblete'^ f.: „Abendschmaus, bei dem es laut 
und drollig zugeht L" ; fröhliches Gelage, Abschieds- 
trunk S. Spec, zur Frühlingszeit abgehaltenes Fest- 
mahl der Schüler des phil. Kurses der Stiftsschule im 
Verein mit ihren Lehrern; im lat Text ,convivium'. 
XVIII./XIX., S (Fiala). 

Ygl. cAti62m 2 c und 8 ; viell. aber nrspr. von der Ver- 
wendung des Kübels als Weingef&ss (oder auch nur von 
,Küber i. S. ▼. grosses Mass), so dass die eig. Bed. wäre: 
Gelage, an dem man reichlich, aus vollen Kübeln trinkt. 
Doch Tgl. anch ,Kflbel*, Disputation aus der Philosophie oder 
Theologie bei Schm.-Fr. I 1218. 

ehttbere": sich zornig stellen Obw. 

Tgl. fer-Jitü/eren, sich ereifern, kö/ertn, schelten, zanken, 
aber auch kühlen 9. 



Kach, kech, kich, koch, kuch« 

chSeh(e)Ie" I: laut auflachen BoAa. 

Vgl. das syn. guchlen Bd II lOS, ferner ,kache(l)n^ bei 
Gr. WB. V 18/4, kach bei Lexer I U92. 

Chächeler I m.: spöttischer Lächler ZO.f 

€haeh(e)ler Bs; B; Gb, Chadhtler BSi., Chächeler II 
BHk.; „LE.;- ZO. — m.: 1. Töpfer B; Gr; «LE.;- 
ZO.f ,Figulus, ein hafner, döpfer, kachler.* Frib.; 



Mal. — 2. Hausierer mit irdenem Geschirr, der entw. 
seine VSTare in einem Tragkorb auf dem Bücken oder 
in einem Karren mit si<;h führt Bs; B; Gr; Syn. 
Chachie*'Chrämer, 'Mann, -Träger. »Ein Kacheler, 
der vor dem leeren VSTagen seinen Esel zu einem 
nuLtten Trabe gebracht.' Gotth., neben ,Kachelfuhr- 
mann'. ,Übler sind wir z'weg [daran] als die ärmsten 
Kacheler und Häftlimacher.* ebd. — 3. Spottn. für 
einen gutmütig- einfaltigen Menschen B; Gr; Syn. 
Spengler. En guetef, laaber, aUtr Ch. BSL Auch etwa 
für Tiere B. — 4. Pferd eines ,Kachelfuhrmanns* B. 
,Ein armes Pferd, das aus einem Staatsross zu einem 
Kacheler erniedrigt wurde, zumeist deswegen, weil 
es nicht mehr auf soliden Beinen stand.* Gotth. 

„kachelig, kächelig: leicht zerbrechlich LE.*" 

Chachle" (im Aa Chachde*, in BHa.,Si. ChadtUe'*) 

— f. — Dim. Chachdti B; GrAv., Chachtfeßi BO., 
Chäch(tji BO., sonst Chaehdi, Chächdi: 1. irdenes 
Gefttss, Tongeschirr. Es Trändi (Brieggdi) und es 
Lächdi sind ^ere* (ist z^sämme*) in ei'^Hn Chächdi, 
Yon Kindern, die leicht und schnell zwischen Weinen 
und Lachen wechseln B; Z; vgl. Faxih, Badi. Spec. 
a) Suppen-, Milchschüssel Aa; B; F; Gr; »LE.;" 
GSa.; S; W; Zg. ,Eine Suppe war da: Wenn Einem 
ein Hosenknopf abgesprengt [worden] wäre und in 
die Kachel gesprungen, man hätte ihn auf dem Boden 
von Weitem gesehen; doch war's wohl eine zwei- 
mässige K.* Gotth. ,[Die sparsame Hausfrau] blies 
noch mehr yon den Milchkachlen, welche die Gross- 
mutter [aufs Essen] auf den Ofen stellen wollte, 
obenab in den Nidelkübel.' ebd. — b) niedriges, fast 
tellerartig flaches Geschirr, das man in den Ofen 
schiebt, um darin Speisen zu kochen Ap (Dim.); G; 
Th (auch Brat-Ch.); Syn. Herd-Geschirr; vgl. Ofen-, 
Bor-Hafen Bd II 1011. 1016. »Während der Kirche 
der K. Wasser nachschütten [damit die Speisen nicht 
anbrennen].* Ein Nachklang des Volksglaubens, dass 
Speisen im Augenblicke des Garwerdens, bes. wenn 
sie aufgehen sollen, leicht ,gestÖrt, erschreckt* werden 
können, liegt noch in der Aufforderung, mit der man 
Jmd auf die Anwesenheit unberufener Zuhörer auf- 
merksam macht: StiU, es ist e Ch. (es hat Chachle*J 
im Ofe" (i"" der Stube*)! Ap; GRh.; woraus unter 
völliger Verdunklung des ursprünglichen Zshangs die 
Varianten : StiU, es ist e Ch. z' vü (im Ofe*), es hat 
3^ vü Chachle'* am Ofe*! Sch; SchwE.; vgl. Ofen Bd I 
HO, zinnis Geschirr. S. noch Chachel-, Blatten-Mues. 
,[Die8e8 Arzneimittel] wird in einer kachel gebrannt* 
TiBRB. 1568. ,Öpfel in kachlen braten.* HBull. 1572. 

— c) oft zsgs. Garte*-, Blueme*'Ch., Blumentopf Bs. 
[Die Blumenstöcke werden] so süferlig in d* Kächeli 
g'steckt und Miesch [Moos] um alli umme* g'legt. 
MXblt. — d) Waschschüssel B. — e) Nachttopf GA. ; 
ScBW; Zo. Lustig, wil me" ledig ist; demö*^ ist Nu* 
me s^ modle*: 's Stubdi voU und 's Wiegeli voü und 
Ein^ uf der Ch. MLibn. Hat Bedci und Nacht- 
chächdi g'lötet. ebd. ,Neben die K. pissen*, Etwas 
durch Ungeschick verderben, seinen Zweck ganz ver- 
fehlen SoHwNuoL; vgl. ver-chadUen, ,In der nächsten 
nacht gieng der stein im harn von im, denn er fand 
in morendes in der k.*. 1488, OswSachs. ,Lasanum, ein 
scheisskübel oder seichkachlen.* Fris.; Mal. S. noch 
Brunz-, Röz-Ch, — f) das Dim. in eigentümlicher An- 
wendung, a) Trinkschale, für Kaffee oder Milch, von 



119 



Kacli, keck, kich, koch, knch 



120 



der einfachsten Art his zn der oft als Familienpmnk- 
stflck dienenden, hlnmenhemalten Tasse Aa; Bs; B; 
VC; Gr; S; Ztw. Syn. Muchdi, Beckeli, Schüssdi, 
«Nachdem ans dem Buffert die geblümten Kacheli heraus 
genommen, mit der Schürze der Staub ausgewischt 
war.* GoTTH. Der Name beibehalten auch für Schüssel- 
chen aus Blech ZBafz. Im engern S. bezeichnet Ch. 
die Obertasse im Gegs. zum Ünder-Ch, oder BläUli B. 
Selten und meist mit yergröberndcm Nbbegriff in 
nicht-dim. Form: Es üch es Dotzet KaffeschissU^ g'st* 
mit Erli [Öhrchen] und grossff' Blueme* druff ^mdtt; 
(2' Mamme [aber] häi räsonniert tber die ordinäre* 
Kachlet mit dene" roten und blaue* Dätsch [Flecken] 
druff BsStdt (Schwzd.). BildL: 's Ch, umlire*, die 
Sache durch Ungeschicklichkeit y erschlimmem, y er- 
derben BBe.; ygl. Chubeil, — ß) dreibeiniges, flaches 
Pfannchen zur Bereitung der Spiej^eleier Tu. — 
Y) ChächeUy gegenüber Chachdi in Bed. f oc, kleines 
Tongefttss als Einderspielzeug Bs. — 8) Tuseh-Chä- 
eheii, Schälchen, in dem Tusche angerieben wird Bs. 

— 2. Ofenkachel, an Stubenöfen. allg. DeckeH-Ch,, 
Deckplatte oben auf dem Ofen Ndw; Sjn. Blättli, 
Auch 1540, Z Staatsarch.; Bs Tazordn. 1646. — 3. me- 
tallener, oyaler Knopf an Böcken Ai (Bochh.). — 
4. Pudenda mulieris AiLeer. — 5. Schelte auf Per- 
sonen. En aUi Gh., gebrechliche alte Frau Bs; B; 
ygl. ,Schachtcl'. Furz-Ch., scherzh. yon einem Kinde, 
das häufig Winde streichen lässt Z; ygl. Bdz-Ch. 
Hei^^we-Ch., Schelte auf Jmd, der leicht Heimweh 
bekommt G. Hans Ghacheli, Name eines Wildmänn- 
leins Gr (s. B. II 313); ähnlich Funte*- Ghacheli, Name 
einer weisen Frau (Fee) in einem Märchen, wohl eig., 
weil an einer Quelle (fontauna, fontein) wohnend. 
,Die Baslerkacheln stecken lumpen für dütten ein.* 
Fischart. 

Mhd. kachde, irdenes Geschirr. T nach ch, allerdings 
zan&chst im Aoslant, entwickelt sich leicht; ,Kachtlen' schon 
in einer a. G Hdschr., wo aach das Dim. ,Kftchetli*: jlng^ 
schlagne eier in k.* Die Hansnamen : ,KaGhelh&uschen, -HAusi, 
•Hotte* mOgen urspr. Töpfereien bezeichnet haben. Betr. die 
Synn. vgl. Hafen, Becki. 

Under-Chächeli : Untertasse, -Schale, einer 
Kaffeetasse, eines Blumentopfs Z. Im letztern Falle 
auch nur Chächdi, mit den Synn. U.-Beckdi, -Sätzli, 
Tdlerli. — Anke"-Chachle*: Buttertopf. Syn. A.- 
Hafen, ,Für ein A., yerglasurt, darein V« Ztn. Anken 
gehet.* Bs Taxordn. 1646. — Ore»-, Öri-Chachdi : 
Schüsselchen mit 2 seitlichen, ohrlappen-ähnlichen 
Handhaben B; S. — Cholbe"-Chächeli: quer zer- 
schnittene Mohnkapsel AAZein.; ygL Magsamen-Ch., 
Schkgel'Oaggel Bd II 166, RoUen^Schal. — Löcher- 
Chachle": durchlöcherte Schale, z.B. beim Aus- 
lassen des Honigs gebraucht B£. Vgl. Siene, — 
Brod-: Schüssel, in die Brot zu Suppe eingeschnitten 
wird ß (Gotth. XXII 199). — ßrunz- Ap; Sch; Th, 
Röz-Th; Z: 1. = CÄocÄ/en ie Ap; Sch; Th. ,Matula, 
matella, scaphinm, ein brunzkachel, -kachele oder 
brünzelbecke.* Fris.; Mal.; Dehzl. ,In die brünzel- 
kachlen legen.* Vogblb. 1557. — 2. Spottname auf ein 
Kind, das yiel pisst oder noch das Bett nässt Ap; 
Th; Z. — Mägsame^^-Chächeli: Mohnkapsel Bs. 

— Säupfe»-: Schale für die Seife Aa. — Setz- 
Chachle*: sehr grosse Schüssel, in welcher man im 
Sommer die Milch aufbewahrt, damit sie nicht so 
schnell sauer werde Gr ObS. — Zuegge^-Chacheli: 



kleine, schiffahnliche Schale mit Ausgussschnabel B; 
ygl. Zolggen-Beeki, Mämmdi, 

chachle» U (in BSi. chaehüe*), Dim. ehadhde*: 
1. irdenes Geschirr machen, bzw. heften, den Beruf 
eines Topfers betreiben B; „LE.** — 2. scherzw., 
irdenes Geschirr brechen B; ygL glasen, — 3. „leicht 
brechen, d. i. sich spalten LE.**; ygl. kaehelig, — 
4. hohl tönen B; ,LE.;** S. Was hat g'chaehlet? Das 
chaMet recht! — 5. ein fröhliches Gelage feiern, ,inter 
pocula sermocinari.* Id. B; ygL kühlen, — 6. Ver- 
schiedenartiges durch einander werfen; planlos, un- 
sinnig handeln BSi. Er chachtlet Äüze dür^ enandre*, 
— yer-, zer-: 1. zerbrechen „LE." — 2. Midi., eine 
Sache durch Ungeschick yerderben, den Erfolg yer- 
passen B. Es ist i* der Welt gar bald öppis ver- 
chäehdet. Es hi (mit) Ei**m v,, seine Gunst yerscher- 
zen B. S. noch guet Bd II 542 und ygl. ver-chüblen 2, 

Chachlete^f.: 1. .zerbrochenes Töpfergeschirr 
LE." — 2. eine Schüssel yoll, z. B. Suppe B; Gr. 

Chachli m.: einfaltiger Schwätzer GW.; ygL 
nbd. ,Blech schwatzen*. 

chachli": tönern Gr. E chaMeni Pßfq*, eine 
porzellanene Tabakspfeife. 

umme*-e1iae]iere°: geräuschyoll herumlaufen, bes. 
in Holzschuhen Z. — Schallmalendes W. ; i%\, die Interj. 
,kack!' znr Bezeichnung eines Falles bei Gr. WB. ¥14. 

Ch2e1i m.: Häher, cory. gland. BFrutt. (Zyro); 
Syn. Jak. 

y%\. ahd. caha, coruicola; cack, monedala, bei Mone, 
Anz. VI 345; ferner ,Kacke', Dohle, bei Gr. WB. V 14. 

Chächle'^ f. BSL, doch meist dim. und zsgs. 
Schne-Chächli: Vogel aus dem Rabengeschlecht Spec. 
Bergdohle, Alpkrähe, cory. pyrrh. BO. »Pyrrhocorax, 
apud Glaronenses Alpkachlen.* Waonkr 1680. ,AIp- 
rappen oder Alpkachlen.* JJSchbuchz. 1699. 

Vgl. ,Kachel* bei Gr. WB. Y 12, ferner Alpina 1808, 
510/18, Meisner und Schinz 1815, 58 and die Synn. Tä- 
chde, Chäß. Die Angabe aus BSi.: Nebelkrftfae, darf kanm 
anf die wirkliche N., cory. cornix, die im Flacblande lebt, 
bezogen werden, wenn dieser Vogel anch, wie die Alpdohle, 
sich zur Winterszeit etwa in der N&he der Dörfer (auch in 
Soddeutschland) zeigt. 

ebeeli': 1. lebenskräftig, -frisch, rüstig Bs; B; 
VC; Gr; S; Th; W. a) yon Personen, phys. und mor. 
Syn. busper. D's Marjosi ist [trotz seiner Krankheit] 
^Qch ßn ch-8 W. No** [im hohen Alter] aUq* ch-i}* «!• 
BO. Die ch-ste* und die zachste* Lüt Bs. ,Die meisten 
Weiber erzählen, was sie ausgestanden, wie sie seither 
nicht mehr chäch seien, sie Dieses und Jenes nicht 
mehr ertragen könnten.* Gottb. ,Auch getraute er 
sich nicht recht, Land zu kaufen, da er nicht just der 
Cbächste war, für sich allein ein Bauerngeschäft in 
dieser Wildniss einzurichten.* Harth. Als Ady. mit 
Übergang zu blosser allg. BcgrifFssteigerung: Ch. dra* 
sl", schaffe*, angestrengt arbeiten. Ler eh., lerne 
fleissig! Äi** ch. [wacker] were*. Ch. isse* [mit »ge- 
sundem* Appetit], schlafe* Aa; L. Hab di^ fr% ch, 
tüider, halte dich recht fest! Si hät-mer ehe* ch, 
a'dunge* [lebhaft eingeschärft], »** söU-ech grOeze*, 
Ob öpi>en es Jungs ßüre*fraueli [im Gedränge] cÄ. 
druckt worde* und in Verlege*heit che* s\g, BWyss. 
Henker bei der Hinrichtung zum Delinquenten : ,Nun 
heb k., herz, ich will dich schnüeren, dass der köpf 
muess den galgen rüeren.* Rukf 1540. — b) yon 



121 



Kach, keek, kich, koch, kncli 



122 



Sachen; auch hier mit Übergang znr steigernden Bed. 
J'* gib der E%*'8 und denn na [und zwar] es Ch-a 
[einen derben Schlag] Z (Wolf). Ni'^H noch en ch-e^ 
[derben] Qrueas un* en fründachaftUche'* Tatsch [Hand- 
schlag], ß Intelligenzbl. 1887. Der Wind gäd ch,, 
's rignet ch,, tüchtig Obw. Geistig, ,starkS von Wein, 
gebrannten Getränken, doch auch i. S. y. herb, scharf, 
saner B. Er hed 's [das Gifk] e längers % ch-er g'waret 
brönne* im Buch L (Schwzd.). 's hat deni Chranke* 
eh. 'besseret L. ,Ist das Blut purpurrot, kSck und mit 
wenig Wasser bedeckt, bedeutet [es] Gesundheit.' 
a. Kalkni>eerb6kl. — 2. = nhd. keck, a) getrost, zu- 
versichtlich B; Z. ,£s solle einen Schoppen Roten 
trinken; es werde [seinen falschen Eid] ch-er schweren.' 
GoTTH. XU b, 69/70. Du cha'^^st dt«» eh. [auf mein 
Versprechen] verlä* Z. Ig für mig hätti Das eh. la* 
bliben BEinigen ; vgl. fröUch 2 (Bd 1 1270), nhd. ,ruhig*. 
Auch in der ä. Spr., oft verbunden mit Synn. wie frichj 
kahn (z.B. BuEP 1540), fr/Uich, redlich [von Kriegs- 
leuten], stoU. ,By frommen bis [sei] trüw, hantlich, 
k. ; nit gar z' forchtsam, ouch nit ze frisch.* Fris. 1562. 

— b) frech, ungescheut B; Ndw, It St.* auch Ap; Gl; 
GRh.; Scn. — 3. stramm, derb gebaut, fest a) von 
Menschen und Tieren, allg. Syn. toü. En chich(n)e^ 
Purst. I* der Chichi löt er dem Hcms Jöri nit vü 
nö^^, steht er ihm nicht viel nach Gr. E eh., schö* 
Wiberroleh See (Schwzd.). Liebs Ghindli, ä, wie bist 
A( g'sund, so eh. am lAb und chugdrund. NIgbli 1842. 
E ch-s Chalbf ein fettes BHa.; W. Auch von ein- 
zelnen Gliedern : muskulös. E eh-s Fäf Arme*. E ch-i 
Hand, auch i. S. v. hart [von der Arbeit], fest Bs. 

— b) von Sachen, z. T. in den Begriff des Ausser- 
ordentlichen, Gewaltigen übergehend Aa; VO; Gr; 
SoH ; Z. Ch. Stamm hat 's [bei Hochwasser] abg'kndlt 
icie Hampfbengel. Schwzd. E ch-s Fueder, ein schwer- 
geladenes Ap; Gr; en ch-er Sehne, tiefer GT.; ZO.; 
Syn. gross. E ch-i Stund, eine wohlgemessene Aa; 
en ch'^ Schutz, ein tüchtiges Stück, Baum oder Zeit 
Ap; auch als Adv., steigernd: eh. e Stund Aa; vgl. 
Gr. WB. V 378. — 4. oinflussreich, angesehen, wohl- 
habend; behäbig; bieder Gr; G; Th. — 5. a) dicht, 
fest, zähe, hart, kernhaft Aa; Ap; Bs; B; YG; Gl; 
Gr; Sch; Z; Gegs. grull (Bd II 730), lind, murb, blutt, 
brikhig. Von Brot: gut ausgebacken, nicht schwam- 
mig; von Eis: festgefroren ZO.; von Obst: (noch) 
hart, herb; Gegs. teigg. Ch-i Chirsi, eine besondere 
Art, die in der Reife nicht weich wird Bs; Syn. härti, 
Chnell-Chirsi. Von Butter bei kalter Temperatur. Der 
Chäs siPii e Bitz ch-er m"; er ist noch z' jung und 
z* lugg Gr. Der strauig Hampf ist Nöud, wer todlend 
warte*, bis er ch-er ist GRCast. En ch-e^ Beustock, 
an dem das Heu fest auf einander lagert (ch, uf en- 
andere* Ut) Gr. D^ Chue hat d%., ihr Euter strotzt 
von Milch GT. Chunnt schu*, wenn hat eh., Trost 
jenes Ziegenhirten betr. eine verloren gegangene Ziege 
GT. Ch. ha", ubercho*, Erektionen Ap. ,Die Eichel- 
mast macht einen kecken Speck, die Bücheln [Buch- 
eckern] hingegen einen lucken Speck.' Spring. En 
'tämmter, dh-er Weg, ein festgebahnter U. Auch: 
wohlerhalten, nicht faulig, von Baumfrüchten, Kar- 
toffeln ; hart, im Gegs. zu ,gar*, von Speisen BO. ,Die 
gallren oder sulz wirt kech und wol geston [gerinnen].' 
NMan. ,Kecke traubenbeerle, uva duracina.' KdGesbk. 
1542. fEs sollen der säugammen brüst keck und voll 
sein.* JRüBF 1554. ,Guet und kekh holz ze buwen und 



ze brennen.' Bossn.-Goldschm. ,Da8 fleisch der fischen 
ist k. oder hart, fest, trocken.' Fischb. 1563 (neben 
der Schreibung ,käck'). ,Bocksunschlit ist k., zer- 
schmilzt nit leichtlich wie andere.' Tierb. 1563. ,Den- 
sus, solidus, durus, k., dick, satt, wol zuesammen 
getruckt. K-er leib, unverseert, mastig oder satt. 
Exsiccatum genus orationis, k. und dürr. Callosus 
acinus, ein beere mit einer k-en und dicken haut. 
Turgere, gesteckt, k. oder getrungen voll sein. Nu- 
cleus pinguitudinis, k-e und kernhafte feisste, wie an 
brustkernen.* Fris.; Mal. ,Ein Ballen keck und glatt 
Begalpapier.' 1660, Siml., Urk. ,Ein gut, gesund und 
kack Fleisch.' JLCts. 1661. ,Stark, steif, kek, kech, 
hart, firmus, solidus, infrangibilis, durus.' Bbd. 1662. 
,Anapleroticu8, ausfüllend, das die Wunden keck macht.' 
Denzl. 1677; 1716. ,[Jene Magerwiesen] sind lauter 
Schneelauinenzüge, von den darüber hinabfahrenden 
Schnee und Steinen so keck wie Blei geschlagen.* Gr 
Sammler 1781. ,Stelle die Pastetenhäfelein von ein- 
ander, dass sie trocken und keck werden.' B Kochb. 
1796. — b) straff, knapp Ap; Gr; GRh. 's WöschsdU 
[Waschleine] ist eh. g'spannet, a*zog^ Ap; GBh. Das 
Strumpfband darfst nit söv^l eh. anbinda* GrD. D*8 
Gare* ist eh. g'wunde* [auf den Knäuel]. Die [Heu-j 
Burdi g'htt nit us-enandere*, ich hän-schi eh. g'nuog 
'bunde* GrAv. Ch. dem Land naehe* fare% dem Ufer 
entlang L; Syn. hart. 

Mbd. quie, lebendig, friscb, fest. Die Vereinfach nng des 
Anlaats fg« in k, bzw. eh) schon bei Notker (<A€eh). Betr. 
die Bedeatungsentwicklang vgl. bes. die Synn. /rück (Bd I 
1271), /ruetig Bd I 1340/1, geü Bd II 210/1, brav, tcaeker, 
ferner auch ßat (za 1, 3 u. 4), ckärtch (zn 1 u. 8), ichwer 
(zu 8 Q. 4), »tarch (za 1 a. 8), toU und den Gegs. lugg. 
Zu 1 b Tgl. die ebf. in steigernder Bed. verwendeten hart, 
$tif, tcaeker. Das W. auch Familienname: ,Mathe Kech.* 
1653, AaWett Klosterarch. ,Kechbrunnen' Aa; B; G; Sch 
= mhd. quüc-hrunne, nd. ,Qnickborn', eig. = lebendiger Quell. 

chSche* (in Ap auch chichere*): 1. munterer, 
fester, starker, derber, straffer werden, allg. Oft ge- 
häuft verbunden mit dem syn. dicken Gl; Z. Von 
erstarkendem Gras, wiedergenesenden Kranken Z. — 
2. refl., sich erkühnen, erdreisten; s. Gatter 3 cBd 11496. 

er- = dem Vor. Gl; Gr; Z ; Gegs. er-luggen, -luemen. 
D's Chrüt ist noch luggs, mq* muoss es e. län. D's 
Heu, der Teig, der Chäs, d's Brot ist erchichet. .Gleich- 
wie die Eltern ihre Kinder täglich mit Speise nähren, 
so sollen sie selbe auch stets mit guten Worten und 
Beispielen nähren, dass sie darin erkecken [erstarken] 
und aufwachsen.* LKIndbrbitzi 1826. Bes. von jungen 
Burschen : zu männlicher Kraft kommen Gl. In Etw. 
,e.S bes. in einer schlechten Gewohnheit; es ist in im 
eröhechet ZO.; vgl. ervoUen Bd I 784. ünpers.: Es 
ist en Bitz erchechet, der Schnee ist ein wenig ge- 
froren, die Woge sind fester geworden Gr. ,Das höchst 
Alpgebirg, von Is und Schnee erkecket.* HsEEschbr 

1692. 

Vgl. ,er1iecken', aus ahd. intr. arehichin, neben welchem 
her ein ahd. tr. arquicchan (nhd. «erquicken^) gieng, das vom 
XIY./XYII. auch in unsern ä. Quellen in den Formen ,er- 
kicken* {ehieehoM schon bei Notker) neben seltenerm ,er- 
kOcken' (z. B. XIV./XY., Z Chr.; Salat) und in der auch 
mhd. Bed.: neu beleben, tou den Toten erwecken (daher 
auch fUferkickeu'), stark, gesund, kühn machen hAufig Tor- 
kommt. Nebenher geht in der selben Bed. ,bekicken* (Tierb. 
1563). Daneben hat ,erkicken' auch die intr. Bed. von 
chifehen angenommen, so bei Zwingli (von den Toten erstehen ; 
8. vergeben Bd II 87), Ruef 1554; Yogelb. 1557, 129. Refl., 



123 



Kach, keeb, kieh, koch, kach 



124 



wie mhd. quicken: «Die heiigen erschraken, doch erkfickten 
si sich selber [erholten sie sich von ihrem Schrecken]/ 
1386/1446, Z Chr. 

änrch-chSche**: refl., sich hindurch wagen. «Boi 
der Nacht darf sich Niemand hier durchkecken, weilen 
hei Tag hei grossem Wasser die hoste Schiffleut genug 
zu tun hahen.' GKöhio 1715. 

Chfiggc" f.: Quecke BsBirs. ,Graminis, Keckhen.' 
Bs Apotheker-Tax 1701. Syn. Hacke'. 

k eckhaft: stark, ,tüchtig'. «Geissroilch macht die 
mann k. und die weiher zu empfahen [geschickt].' 
TiERB. 1563. — kecklScht: etwas derh. ,Ein feisst, 
k. fleisch hahend diso fisch.* Fiscbb. 156«*^. — chSch- 
le»: Wäsche steifen B; Syn. cMären, »starken*. — 
kSchlich: mutig, zuversichtlich. , Waldmann ist fast 
k. und kristenlich gestorben.* 148J», Z Brief. 

Ch9chli°g m.: ein Stück gedörrten Fleisches 
GaObS.; It B. IV 63 eig. derbes Fleisch (bes. an den 
Muskelteilen des Körpers) übh. und dem chnrw. puolpa 
entsprechend. 

€hle1i m.: 1. keuchender Atemzug Ap; Gk; G; vgl. 
Atem, Pfnus, Sehnüf, De* letzte'* Ch, hole''; vgl. 
,Atem holen*. Es verlad [benimmt] -mer da* Ch. En 
schwerem Ch. ablö*, einen tiefen Seufzer ausstossen. 
En ringe'' [leichter, nicht beengter] CA., seltener 
neben cn ringe* Otem Ap. Bvtob, tuo-mer du ke Feister 
uf [bei strenger Winterkälte], 's vergöt der söss [sonst] 
der Ch. ond Schnüf Ap (Merz); nach altem Volks- 
glauben. — 2. Rauhreif SG. 

Mhd. Hcke, Atembeschwerde. 2 verderbt aus Oieht Bd II 
112/3 oder Gehick Bd II 1120, anter Anlehnung an unser 
W., die sich viell. ans der Beobachtung erklärt, dass bei 
strenger Kälte der Hauch vor dem Munde sich in Eiskristalle 
wandelt, ähnlich denen des Rauhreifs. 

Chlche'^ f.: 1. Gefängniss, bes. in den Gemeinde- 
häusern Gr; G; in GrD. waren es 2 unterirdische 
Räume; vgl. Fallen ^ Bd I 747 und K-Fallen Bd 1 
748; anderwärts dagegen Türme in den Stadtmauern 
(Ch.'Turn), so in GaChur; TnSteckb. (bis 1834). ,So 
meinend die Lüt, man fflhre mich in die Kelchen ; ich 
hätte £tw. verfält.* 1653, GRArch. ,Man baut auch 
Turn und Kelchen, dem Zwang zu Steur und Statt; 
mösst Mancher darein kriechen, der Nichts verschuldet 
hat.^ ToGGENB. Bid. 1710. ,Es wurden 2 Vorgesetzte 
in die Kelchen gefangen gelegt.' 1744, TnRom. S. noch 
Gigen Bd II 149. Sonst nur noch mehr oder weniger 
abgeblasst in RAA. G; Th; Z. 's ist wie in-ere* Ch. 
tnwe", so dumpf, bes. von verdorbener Luft in ge- 
schlossenen Gemächern. Unartige Kinder werden mit 
der Ch. geschreckt und zwar sagt man wortspielend: 
Wart, i** iviU di*^ t* fP Ch. ie tue'* und denn muefft 
dttr** d' Schnarchte* üs luege* ZF. Völlig abgeblasst 
zu dem Begriff Strafort übh., bes. in der scherzh. 
Drohung mit der Hölle: Du chunnst i" d' Ch. abe* 
ZF. — 2. enger, dunkler Raum übh.; spec. Keller- 
raum GRh.; kellerartiges Speisekämmerchen neben 
der Küche ZHörnli. 

Mhd. ktche, ,Ort, der Einem den Atem hemmt', Gefängniss. 
Das W. dauert bes. im bair.-al. Sprachgebiet fort Vgl. auch 
das Syn. Löli. 

c h i c h e ■ (in Aa ; BsL. ; Gl ; ThHw. ; ZO., S. chüche*), 
Ptc. Perf. 'kVcha ApH., L, M., sonst schwach: keuchen, 
allg. ; Syn. harzen, histefi, chitt-huchen ; vgl. haben III 
Bd II 930. Es blibt nit en Einzig^' e'rugg und wenn 



er mues ch. und hinke*. Scbwzd. Schier nümme* z* 
ch. cho*, nütnme* g^ch. möge*, ausser Atom sein. 0*nueg 
z* ch. hä*, an Engbrüstigkeit leiden. Oft gehäuft ver- 
bunden mit dem Syn. schnüfen. Auch : keuchend Etw. 
sagen Ap; B. Von Etw. «W no^'' ch. darfe*, es kaum 
mehr mit einem Atemzug erwähnen dürfen; vgl. von 
Etw. en Atem verzieh** Bd I 587. Nüd ch. möse* 
[müssen], Etw. unverlangt, ohne Bemühung erhalten. 
,Ein Predikanten-Chichi', Spottname auf Jmd, der 
Alles glaubt dem Pfarrer berichten zu müssen. Gotth. 
, Bringst mich nit drab [von dieser Ansicht], du muesst 
bass k. [dich noch mehr anstrengen].' UEckst. ,Aber 
sy hortend in nit vor keichen des geistes und von 
harter arbeit' 1531/48, II. Mos.; dafür: ,Vor Angst 
des Geistes.' 1667/1882. ,Anhelitu8 aeger, keichend, 
der kaum und schwerlich mag atmen. Ducere ilia, 
hippacare, schnaufen, keichen, kychen.' Fris.; Mal.; 
Denzl. Mittel gegen das ,K. [Asthma]* angeführt im 
TiERB. 1563 (wo an einer Stelle im gleichen S. auch 
das schon mhd. belegte Fem. ,Kyche*) und in den 
Arzneibüchern bis zum XYIII. ,0b ich schon mness 
schnüfen, k.* Maüritiana 1581. ,Ich atme oder keiche 
[verlange heftig, keuchend] nach deinem Wort.* JRHof- 
MSTR 1645. — er-: keuchend erlangen, erreichen; bes. 
in der RA. mit dem unpers. Obj.: Es fast nüd (nüm- 
me*) e. möge*, seine schwere Not mit dem Atmen 
haben Ap; G; Soh; vgl. es i 6 Bd I 509/10. — üs-: 
keuchend vergehen; verächtlich für sterben Ap. E* 
Mol han t"* g'globt, si wÖlli''d u., meinte Einer, als 
er pianissimo singen hörte. — ver-: 1. = dem Vor.; 
ersticken Th; Z. — 2. wieder zu Atem kommen Ap; 
ZO.; Syn. ver-schnüfen. Lass mt** nw au''^ z'erst v., 
dann «'t/Z-i** rede*. Stütz. ,Ein wenig v. und fristung 
nemmen.' Kessl. 

Chtcher m. : 1. Keuchhusten ScaNnk.; sonst 
Chich-Huesten Bd II 1767. — 2. Schelte auf einen 
mürrischen, verdrossenen Menschen TnTäg. 

Zu l. Betr. die End. -er an Krankheitsnamon Tgl. Ettiker, 
FreBKT, Hixer usw. 

Chichere" f.: Luftröhre; Atem L (Helv. Kal. 
1786, 77). . ,Der Rahm gibt eine gute K. [macht den 
Hals geschmeidig].* Wildkirchlein 1786. 

,kicherig% chlchig: keuchend; schwer atmend 
Vor Schwäche; elend Ap; B; VO; Gl; Sch. ,Asthma- 
ticus, kychig, keichig, schwer am aten, der kaum 
atmen mag, kycherig, ikysterig.* Fris.; Mal.; Denzl. 

Chickere" f.: 1. Chüchere*, Zucker-, Süsserbse, pis. 
sat. GRh. — 2. Zunderpilz, an Bäumen wachsender 
Pilz übh. TuTäg. 

Aus lat. cicer, Erbse, wie auch das nhd. ,Kicher*. In 
unserer &. Lit findet sich neben zahlreichen Belegen mit i 
auch einmal ü: ,Bonen, kflchern.* 1529, Egii, Acl 2 nrspr. 
wohl ein anderes W. ; ygl. ,Kickerling' bei Gr. WB. V 662. 

Chichcrc» GRh.; THTäg., chichle* GnChw., L., Rhw. : 
kichern. Eine* us-ch., spöttisch belächeln. Vgl. ga^- 
len Bd II 103, gigelen Bd H 148, giggeren Bd II 176, 
kicklen und kitteren. 

Choch Im.: Koch. allg. De'' Hunger ist en guete"^ 
Ch. : Mag m^* '« nid, so frisst me* 's doch ZSth. Do 
sehe*d-er ^em Ch. under d' Auge'*, sagt die Hausfrau 
zu ihren Gästen, wenn sie selbst kocht und auf« 
trägt; nach einer andern Erklärung im Wortspiel mit 
Choch II: ,Wenn mit wenigen Gerichten das ganze 



125 



Kach, kech, kich, koeh, knch 



126 



Essen aufgetragen wird.* Sulgbr. ,N. N., genannt 
Köclili/ 1658, AiWett. Klosterarch. 

Gift-: Giftmischer. HBulu, Tig. Bim G., Name 
eines Hauses, dessen Besitzer im XYII. seine beiden 
Kinder mit Arsenik vergiftete ZZoll. 

.Hose''-'', - Chocher : yerächtliche Bezeichnung 
des Eleidertrödlers Bs; wohl eig., worauf Sprengs 
Erklärung: »Altreise, -bQsser' zu führen scheint, des 
Kleiderflickers. ,Da flickt und k&nstelt er an jeder 
Predigt wie ein H.-Kocher an einem vernützten Kleide.' 
SiNTBM. 1759. — fHosenkoch, schimpfliche Beneonaog, welche 
die Schneider ihren Pfaschern geben.' Jacobsson II 289 ^. 

,Milch-, der mancherlei speis von milch zuerüst**, 
als die sennen auf den alpen.' Mal. 290*; vgl. ebd. 370^. 

— SÜ-. ,Scrofipascus, porculator, der seuwkoch oder 
losenhirt, der die schwein mostet und feisst machet.' 
Fris.; Mal. Jetzt nur noch i. S. y. Sudelkoch; Abi. 
Sauchocherei. MWaldkn 1880. — Schlöck-. ,Anno- 
narius, ein pastetenmacher oder speis verkauf er, pro- 
yiantmeister, schl.' Fris.; Mal.; Denzl. 1677; 1716. 

— Trübe» (in Bb Trubel)-, bzw. -Chocher: Beiname 
des yormittägigen Herbstnebels, dem bes. die Kraft 
des Ausreifens der Trauben zugeschrieben wird Bs; 
Th; ZS.; Syn. Tr.-Chützler. 

Choch II m.: was auf ein Mal für eine Mahlzeit 
gekocht wird; gekochte Speise Aa; B; Gr; W; Syn. 
M(ü, StUt. De* Ch. ussi}* twm, die Speisen yom Feuer 
heben und anrichten W ; Gcgs. iiber-tuen. Die Doktru" 
und Geistlichu* berchamunt mängs guots Chochji van 
ischer Trechu [von unserm Herd] W (Narrenspruch 
im Bauernspiel). Hd) Oott vor Auge"" und 's Brod im 
Sack und de* Ch. ('s O'chöchJ vor *em Ofe*loch. Sprww. 
1869. Me* cha** de* Schiss und de" Ch. nid H-n-enand 
ha* AaF. (Abfertigung für eine unordentliche Köchin). 
E Ch. Herdhire*, Erbser; e Ziger-Ch., beliebte Sennen- 
speise aus Quark Gr. Es SpinatchöcMi vom Märii 
ni*, so yiel, als zu einer Mahlzeit ausreicht. B Sonn- 
tagspost 1870. Schwin(e*J-Ch., abgekochtes Schweine- 
futter; yerächtlich: schlecht zubereitete Speise Gr. 
Spec: Brei, Brühe WV. ,Sie lö£felte ihm grauen K. 
[Aschenbrei] in den Mund.' 

G*-choch GaAy. ; W, sonst G^choch (in Ap; Sch 
G-tJ — n., PL G4 Gr, G-er S; ZO.: 1. umständliche 
Beschäftigung mit Kochen, allg. Was hait der ati^ 
hüt für es K.? — 2. wesentlich = Choch IL a) ge- 
kochte Speise übh. im Gegs. zu Spis, die besonderer 
Zubereitung nicht bedarf. D*s G. rüste* B. Es subers G. 
bes. von Gerichten mit sehr viel Zutaten Gl. Meist 
aber mit mehr oder weniger hervortretender verächt- 
licher Nbbed. : schlecht, unordentlich zubereitete Speise 
Ap; B; VO; Gl; Gr; Sch; S; W; Z. Merhändsoes 
G. g*ha* a*» dhn Tag. Stütz (nämlich eine verdorbene 
Erbssuppe). Jetz weh 's Esse* ^Zt** a*gange*; aber 
was do allerlei für Köcher uftreit wordc sind, chann 
♦'* nümme* fschribe*. BWvss. , Jakob kochet ein ge- 
kocht; do kam Esau vom feld und sprach zue Jakob: 
Lass mich versuechen das rot gekocht.' 1531/48, 1. Mos. 
, Fleisch, anken, haber- und weissmSl, auch andere 
koch.* 1540/73, UMky. Chr. .Allerlei kocht, als honen, 
linse, hirs, roggen und weizen.' Tierb. 1563. ,Unsere 
koch machend von dem bluet dis tiers [des Hasen], 
eingeweid und pfeffer, ein schwarz kocht, pf^ffer von 
inen genannt' ebd. ,Pulmentum, mues von mSl, als. 



haber, gersten oder kernen, allerlei dick gemües oder 
gekocht. Decoctum, das gekocht.* Fris.; Mal. ,Mit 
Milch- und Brot-Suppen, auch anderem Geköch und 
Gemües.* RCys. ,Wie steigt nur das Geköch [die Aus- 
lagen für den Tisch] so hoch! Wie erdenkt man 
allerlei Schleck!* FWvss 1650. ,An Fleisch, gesotten 
und *braten, sammt übrigem Koch.' 1661/2, Hotz, ürk. 
S. noch fueren 3 Bdl 975. — b) Gemüse Aa; Bs; B; L; 
S; „Z." Scherzh.: Von allem G. isch e gueti Hamme* 
ei*'s VO* de* beste* B; vgl. Bd II 1269. Supjye*, G. und 
Fleisch. BlRi. ,Sie frage dem Kraut, sage man ihm 
G'köch oder Salat, d's Tüfels viel nit nach.* Gotth. 
,Man stellte die Suppe auf den Tisch. War die ge- 
gessen, so rausste man ein wenig warten; dann kam 
das Koch. Man ass ein Paar Gableten, das Fleisch 
kam noch nicht.* ebd. ,Für z* Nacht solle es ein 
Sillery [Sellerie] -Köchli rüsten.* ebd. Büd>e*-, Baf-, 
Schnetz-G.f Gartenrüben, Kohlrüben, Äpfelsrhnitze mit 
Kartoffeln BSi. Auch von Gemüsepflanzen, so lange 
sie noch nicht gekocht sind B. ,Sein Koch und seine 
Eier auf den Markt tragen.* B Hink. Bot 1844. — 
c) Suppe aus Gerste und Hülsenfrüchten Ap; Sch; 
Syn. Chost. — 8. übertr., unordentliches Durchein- 
ander von allerlei Sachen; „allerlei Unrein lichkeiten 
flüssiger Art in einer Stube, bes. von Kindern Aa;** 
B; GaBhw. Einem ein G. anreisen, ihm eine garstige, 
hässliche Geschichte, z. B. eine Strafpredigt, Streit 
zuziehen BHk. 

Im Vogelb. 1557 Dod bei UMey., Chr. kommt aach eine 
Form ,Kflch* aus ,*GekOcb* in Bed. 2 vor. Zu 2 und 3 vgl. 
auch das syn. Ge»torr. 

choche*^: 1. tr., bzw. abs., wie nhd. allg. So toit 
me* (Suppe*. Sch Pilger) chochet (etwa mit dem Zu- 
satz: und backet, oder scherzh.: und ehalt frisst, G 
Proph.), formelhafte Umschreibung für: so weit an- 
ständige Leute wohnen, überall Gl; G; Sch; Th; Z. 
Das g'seht me'* su*st niene*, s. w. m. ch. Si'^ rvne* 
wie Ch. und Salzmesse*. Sprww. 1869 und schon bei 
NM AN. Mueter, choch du d* Platte* [Schüssel] voll, 
sägi*d d' Lüt, was s* weUi*dl formelhafte Aufmun- 
terung an Jmd, seinen eigenen Weg unbekümmert zu 
verfolgen ZB. Du verstöst en Dreck vom Suppe*- 
choche*! Abfertigung SchwE. Du hast d' Suppen 
g'chochet, die böse Geschichte verschuldet, z. B. den 
Streit angestiftet Gr; Yg\. anrichten, übertuen, öppis 
z'u^g eh., einrichten, zsstellen, ,zsbrauen* Bs; UwE. 
D* Begieri*g hed es Stürg'setz z'wlg ^chochet. ünder 
enand eh., Etw. in Unordnung bringen, durch einander 
machen UwE. (EsJ Ei**m eh., ,ihm einen (bösen) 
Trank brauen*, Verlegenheiten bereiten, es ihn fühlen, 
entgelten lassen B ; G ; Z. Dir will i** 's (will i*"* a«** 
e Mal) eh.! Drohung. Es Ei**m recht eh., seinen 
Wünschen aufs Beste entsprechen, ihn ganz befrie- 
digen GT.; Syn. es Einem (er-) treffen. ,Wenn der 
Grossvater Alles [Holzabfälle udgl.] an einen Haufen 
warf und 's bei einbrechendem Abend anzündete, da 
war's mir erst recht gekocht.* UBrXog. Mit deutlicher 
Erinnerung an das Unheil-kochen im Zauberkessel: 
, Wie 's eine Hexe m%**m Chind g'chochet häd.* Wolf, 
Gespr. Eitle* banne*, i* DSnem ist er g'üebt g^sl*; »** 
tri/Z - i jetzt nw säge*, me-n-er 's mir und dem Buedi 
g'chochet hed. ebd. Spec, Fenz (Bd I 877) bereiten 
Gl. Pflaster eh., Mörtel anrühren U. ,Deuen [den 
Erschlagenen] dorfte man nümmen z' k.* a. bist. Lied. 
,Ein Pündtnuss ernüwert; [der] Franzos hat's kochet.* 



127 



Kach, kach, kich, koeh, kack 



128 



ECys. S. noch Hafen Bd II 1009. — 2. intr., sieden. \ 
doch wonig yolkstümlich und häufig nur bildl. 's hed 
lang hi-n-em g'chochet, bis er 's hed channe* anrichte* L. 
Von einem drohenden Gewitter BsL. (Spreng). Gären, 
von Heu am Stocke BO.; FO. — 3. die Participien 
in eigentümlicher Anwendung, a) Ptc. Imp. ^kochet, 
siedendheiss, sprudelnd *"; dafür in Aa; F; 8; Th 
chochig, — ß) Ptc. Perf. (mit st. Flexion Aa; S). 
G'chocihni Zwetschge*, G'chochet Herdöpfel, schon ge- 
sottene, fein zerschnittene Kartoffeln, in etwas süsser 
Butter, Fleischbrühe, Mehl und Zwiebeln breiartig 
gekocht ZS., Stdt; anders s. Erd-Epfd Bd I 379 (auch 
BBe.). Usg'seh wie 'ne g^ehochii lAchpredig, leichen- 
blass Bs (Spreng), 's isch e guete" Kerli: Er frisst 
gern G'chochts, ist ein gutmütiger Lebemann Bs. DV 
Götti het G'chochnigs hefole* und Bratnigs S (Joach.). 
G'choch(e)ts, spec. = Gekoch ^ MJ; = Fmz (Bd I 877) 
Gl. — Die starke Form des Ptc. Perf Tiell. durch die h&oflge 
Verbindung mit ,gebraten' veranlasst. 

ab-choche**: fertig kochen Z. ,Zürichtrauben 
sind schön gelb, welche aber bedörfond nach [noch] 
gut Wetter zum A.* 1729, ZZoll.; vgl. Truben-Choch. 

— uf-: 1. wie nhd. Z. Ufg'chocheti 8uppe% Fleisch- 
suppe, die man noch einige Zeit im Bratofen hat 
stehen lassen, um sie schmackhafter zu machen. — 
2. ,auf wärmen', Cataplasmen auflegen L. — a"-: 
Speise, Futter bereiten Gr. De Hennef SchtHne* a. 

— i"-: wie nhd. I'g'chocht Fleisch, Fl. an einer 
Brühe BsStdt. — us-: 1. ,bei Jmdm ausgekocht', seine 
Gunst verloren haben Bs (Spreng). Syn. 's öl ver- 
schütten Bd I 181 ; vgl. nhd. ,ausbuttern', ferner 
Chiibel, — 2. Streitigkeiten mit einander ausgleichen, 
abtun UwE. 

Chochete" f.: l, = Gechoch 1 Gr; Sch; Th; Z. 
Bas ist mer en Tcerjosi Gh.! — 2. = Choch II Bs; B; 
Th; Z. D' Schnitz han-i'^ g'stole*; t** hätt zwor selber 
«o** neime* e Chöchetli Bire* Bs (Allem. 1843). ,Ich 
merkte wohl, dass ihm Trini noch lieb sei und wenn 
er nicht schon eine andere K. über [dem Feuer] habe, 
er Trini [zur Frau] nehmen würde.* Gotth. Spec. 
schlecht oder unsauber gekochte Speise W ; vgl. Ge- 
choch ^ a. — 3. = Gechoch 5 üwE. 

Chochi»g f. = Chocheten 1 Gr. 

choch erle° Bs; B; S, sonst chöch^eße*: 1. sachte, 
in kleinen Portionen kochen, etwa mit dem Nbbegr.: 
gut k. allg. Si chöchlet, brötlet hinderruggs [ver- 
stohlen]. EFedrer. ,Er sah, wie Bösi, als nur noch 
die Mutter in der Küche war, für sich köcherlete.' 
GoTTH. ,Der Zuname Eöchli ist ihm äussert Zweifel 
gegeben worden darum, weil er sui temporis Apicius ein 
erfahrner Koch und Köchler seiner Zeiten gewesen.' 
Mise. Tig. 1722. Bes. vom Spiel der Kinder, welche die 
Küchen Wirtschaft nachahmen; dafür auch etwa Cho- 
chis mache* Z; vgl. hushcHterlen Bd II 1237. Kecherle* 
mit de* G'schirrlene* [der kleinen Kinderküche] Bs 
(Schwzd.). ,[Es] holet etwa ein knäbli etwas zue 
essen, das* sj hinder dem g*stüd köchlent' Kesbl. 

— 2. schwach sieden, anfangen zu sieden Bs; Tu; Z. 
Syn. sOtterlen. , Stellas auf ein klein glüetlyn und lass 
ein wenig köchlen.' 1592, Bs Jahrb. ,Man lässt den 
Fisch am Dampf k., bis der mittlere Grat ausgeht.' 
ZZoll. Kochb. 1820. 

ChÖchi" S (in B; L Neutr. nach Analogie von 
Maitli, Magd), Chöchefii Tu, CJiöchene Aa; VO; sonst 



Chöchtn, Je hübscher die Chöehi, je besser die Chost 8. 
Wenn e Ch. Hungers stirbt, tuet me* si under e Herd 
[wortspielend: Küchenherd, aber auch ,£rde'] ver- 
grabe* GBern.; vgl. GhOechti-Mueter. En aiti Ch. ist 
imde* verfrore* und obe* verbrennt AABb. ,Köchene, 
Ehrentitel der Mägde; mit-ere K. huse*, mit einer K. 
als Haushälterin' Bs (Spreng). — Hßre"-: Haus- 
hälterin eines kath. Geistlichen VO. Wenn e H. 
hürötet, giH 's es Jubile L (weil der Fall selten vor- 
kommt). Die h. Verena wird ,Herrenköchin' genannt, 
weil sie einst bei einem Geistlichen gedient haben 
soll OBwSarnen. 

Chaeh m., PI. Chüch: Hauch, Atem. allg. Es ist 
so ehalt g'si*, dass men Ei**m de* Ch. g'seh hat vor 
^em Mül. Im glichlige* Ch. sterbe* ^ mit einander Schw. 

Mbd. dass.; Tg\. ,kaucheD' bei Gr. WB. V 305/6 und 
AflcAen Bd II 980. 

chüche*": 1. bauchen, allg. I* d' Hand, i* d? 
Finger eh., um sie zu erwärmen; vgl. Hand Bd II 
1380. A* 's Pflaster eh., damit es zum Oberlegen 
weich werde. I* 's Für eh., um es anzufachen Schw. 
Eletid (Jömer, Demuet) ch. und Trüebsal blase*, in ge- 
drückten Verhältnissen leben, niedergeschlagen sein 
Schw; Z; vgl. gigen Bd II 151. D^ söü mer eh.! 
Abfertigung Bs. Auch i. S. v. atmen: Me* cha** nit 
eh., man erstickt beinahe in der Enge. Spreng. ,Las8 
einen Menschen darüber k. oder atnen, so vergat 's 
hinweg.' ZElgg Arzneib. ,Dem, so böse äugen hat, 
in das gesiebt gehauchet oder gekauchet* Thurhbissbn. 
,Darnach kauchet oder blaset er in das loch.* Stumpf. 
,Die ihnen den Atem stärkt und alle Buchstaben der 
Worten mit hartem Zukauchen herfürtr enget.* Gdler. 
,Blase, hauch, kauch, fla.' Bed. 1662. — 2. laut, ,keu* 
chend* atmen GrAv., D., ObS. ; W. Ch. wie es ChiUli, 
von einem Schlafenden, der laut schnarcht GrAv. E* 
Hund, wa chüchet und mit der Zunge* laüet W. ,Von 
Kröpfen All kirblen [röcheln] und k.< HsRBebm. 1620. 

a"-: anhauchen, -blasen, allg. ,£r hat die ge- 
nannten gründ nit allein nit umg'stossen, sunder euch 
nit [einmal] ankuchet.* Zwinoli. ,Das Evangelien, das 
Gott durch mich mit a. oder jnsprechung synes geistes 
hat wellen reden.* ebd. ,Do er [Jesus] sy ankucht, 
sprechend zu inen : NSnmiend hin den h. geist* yEoKST. 
(nach Joh. XX 22, wofür ,angebla8en.* B Disp. 119^ 
während Zwingli in der Replik wieder ,ankuchet' ge- 
braucht). ,Wo [die Bären] etwas a., so vergiftet das 
selbig diser atem.* Tierb. 15t)3, wofür an anderer 
Stelle (17 a): .Was der bar bekauchet.* ,Afflare, ad- 
spirare, adhalare, anwäyen, a., anbiaasen.* Fris.; Mal.; 
Denzl. 1677; wofür: ,an hauchen.' 1716. , Anhauchst, 
d. i. ankauchst.* Z Anl. 1701 (,Erklärung dunkler WW.*). 

— in-: einflüstern, -blasen, -geben. ,Dieweil die ge- 
schrift von dem göttlichen geist yngekucht und ge- 
öffnet wirt.' Z Bib. 1563 (Vorrede). ,Uss ufstiften und 
i. der widertöufer.* Kessl. ; vgl. ebd. : ,Unser w. blie- 
send im yn.' ,Inha]are, inspirare, insurrare, impellere, 
elnk.' Fris.; Mal. ,Die bösen G*lüst und Brunst des 
Fleisches, uns eingekauchet vom Teufel.* FWybs 1673. 

— zesamraen-: ,zsflüstern', in heimlichen Zskünften 
verräterische Pläne schmieden, sich verschwören; 
Nachahmung des lat. conspirare. ,Wie ich luterisch 
sye und ein pund oder zemenkuchen mit besundren 
lüten hab.* Zwinoli. ,Gott welle dero, so wider in 
zemenkuchet habend, ratschleg ze nute machen.* ebd. 



129 



Kach, kech, kich, koch, kneli 



130 



,Des zemenkuchcns wegen zuo Beggenried.* 1529, 
Absch. [von den Sondertagsatzungen der VO]. ,So 
man ze tagen kommt, sollen [die VO] mit ernst nnd 
trttw helfen handien, ane alles zesamenknchen, heim- 
lich practicieren nnd rotten.' ebd. ,[Sie haben] zemen- 
knchet und g'rnnet.* 1531, MOllbr» Schwz.-G. ,Wie 
durch zuesammenkuchen ein klein fürlin zne grosser 
brunst gesterkt wirt* Kessl. 

Winkel-: = dem Vor., mit besonderer Beziehung 
auf die geheimen Zskflnfte der Wiedertäufer. ,Ich 
will euch etlich pfarrer ermant haben, das* sy von 
irem w. lassind und von irem hetzen.' Zwingli. 

Chüchete f. = Chüch. Id. B. 

ebaehene'': die Küche besorgen OnPr. jy Chu- 
chanv*g, wie sq si verfüert hat. Schwzd. 

Chuchi f., PI. Chuchene^, Dim. Chucheli, Chüchdi: 
1. Küche, allg., doch wird das Verbreitungsgebiet des 
W. tw. eingeschränkt durch die Synn. ä. Ursprungs 
Für-, Baueh-Hus; vgl. auch Bus 3 {BdU 1703). ,Die 
eigentliche Sennhütte oder Küche, wie man sie oft zu 
nennen pflegt.« Obw Volksfr. 1890; vgl Hütten 2 a 
(Bd II 1781). S. noch ge-tdcklet, ,Der koch, der slueg 
die [Feld-]kuche uf, er tet die häfen schumen; eb es 
ward ein halbe stund, da tet man in«" [beim Über- 
fall] die kuche rumen.' 1499, Schlacbtlied. ,Es irrte 
diso Lüt [?on der wilden Jagd] ser, wo man in Hü- 
sern in der Kuche nit flyssig ufrumte.* RCts. ,Das 
Mägdlein spielt mit kleinem Gut [irdenem Geschirr], 
das zuc der Kuchen dienen tut* CMbtbr 1657. — 
RAA. und Sprww. Es rücht i" jeder Gh., überall sind 
Unannehmlichkeiten L. Hast d' Ch, beschlösse* (zueta*), 
fragt man Jmdn, der mit einem Russfleck im Gesicht 
aus der Küche kommt Aa; VO; Gr; G; W; Z; vgl. 
Ch.'ScMüssd, JEt'^fn d* Gh. h'scMiesse*, seinem Treiben 
ein Ende machen Bs (Hinderm. III 66). G*rad dür^ 
d' Ch. fare*, rücksichtslos dreinfahren, handeln S; 
dör** d' Ch. messe*, gründlich aufräumen S. Wenn- 
nie" will £r%de* ha*, so muess-men-e* i* der Ch. stieche*. 
Schild (vom Werte einer guten Hausfrau; vgl. dagegen 
Hagel Bd II 1075). ,Wenn der hagel in die kuche 
schlecht, so bringt's zuo empfangenem schaden erst 
vil donnerens, d. i. zorns, Yorwyssens und haderens.* 
HBuLL.. 1540. Dim hat 's Witter i* d' Ch. g'schlage*, 
auch Yon schweren Unglücksfällen übh. Th; Z. Engi 
Ch,, wUi Spicher macht die chline* Bure* rtcher. Stist 
hett-er d's letzt Med us User Ch. g^ (risse*, Etw. von 
ans bekommen. B Hink. Bot 1862. Ei*^m i* d' Ch. 
g^seh, seine Pläne, Heimlichkeiten kennen Z. Öppis i* 
d' Ch. ge*, nach Taufen, Hochzeiten, Leichenmählern 
derjenigen Persönlichkeit, welche die Küche zu be- 
sorgen hat, ein Geldgeschenk machen, was die Sitte 
von den Gästen Terlangt Th; ZO. Hut hem-mer us 
Ch. und Cheller g*ha*, es uns an Speise und Trank 
nicht fehlen lassen Gr. D* Sach muess g'wüss heimli''* 
g'scheh; t*"* toett jetzt doch nüd, dass-is de*' Tüfd wurd 
i* d' Ch. schisse*. Wolf, Gespr. Auch dem Teufel 
wird zur Bereitung der höllischen Gastmähler eine 
Küche zugeschrieben und der Name Tüfels^Ch. haftet 
an mehreren Örtlichkeiten Sch; Z (u. A. Name einer 
Tuffsteinhöhle ZZell). I* d's Tüfds Ch. cho*, in Un- 
annehmlichkeiten geraten Gr ; Sch, auch mit dem Zu- 
satz: bi Ei**m, Jmds Gunst verlieren. Zug us *s Tüfels 
Ch., unsinniges Zeug Z. Dem Tüfel Öppis i* d* Ch. 
jage* Sch (Sulger); Th; s. noch hindersich-gän Bd II 34. 

Schweiz. Idiotikon III. 



Lucifer: ,Das will ich gänzlich leiden nienen; es wurd 
nit in mein K. dienen.' MtricXus 1630. ,Weil die Je- 
suiter nicht sind Dativi Casus [von ,Gibikon'], sonder 
nur Ablativi, so hätten solche Herren den armen, 
hungrigen Bettelmönchen nicht in die K. gedienet.* 
ClSchob. 1695. ,Es dürfte den Patribus zwüschen 
disen engen Täleren und hohen Bergen ein magere 
Kuchin abgeben.' ebd. ,Ich will dem Leser noch ein 
und andere Tracht [Gericht] aufstellen, zwar nicht 
aus meiner eigenen* Kuchen, sondern wie sie gekochet 
worden in JJHermanns Hirn.' JJScheüchz. 1708. — 
2. küchenähnlicher Raum, a) Name von örtlichkeiten, 
bes. an oder zwischen Felsen; Höhle. Heide*'Ch., 
trichterförmig, mit einem Eingang wie von Menschen- 
hand erbaut, selber den Eingang zu einer rätselhaften 
Höhle bildend SG.; vgl. BiUel-Ch. Chräze*-Ch., nach 
der Sage schätzebergend Uw; vgl. Lüt. Sag. 505. 
Hieher viell. auch der Flurn. Chuchi SLost.; U. — 
b) Baum in Kirchen, a) Vertiefung in einer Ecke 
neben dem Altar, wohin die Geistlichen sich zurück- 
zogen, wenn sie nicht am Altar zu dienen hatten Z 
(bes. im Gross- und Fraumünster; vgl. Vög.-Nüsch. I 
509). — p) Chüchdi, die 2 hintern Bäume des Kirchen- 
schiffes neben dem Turm AxWittn. ; vgl. Aa Taschenb. 
1862, 10. — 3. scherzh. oder euphem. übertr. auf 
menschliche Körperteile, a) Magen B; Z. E gueti Ch. 
ha*; d' Ch. ist nüd i* der Or^i*g, Vgl.: ,[Der] Ma- 
gen, welcher unserem ganzen Leib an Statt einer all- 
gemeinen Kuchen dienen muss.' SHott. 1702. — 
b) podez, in Abweisungsformeln L; Ndw. Blas (schlss, 
chumm)-mer i* d* Ch. ! I** pßf-ech i* d' Ch. — c) pu- 
denda mulieris S. 

Mhd. küehe(n), kuche(n), ahd. eAitAAtna, aus lat. coquina. 
Das Fehlen des Uml. ist alem. Eigen tttmlichkeit (vgl. Gr. 
WB. y 2493) nnd es finden sich fttr die Form ,Kuchi' 
(,Kuchin.' Stettier 1606; Guler 1616) vom XV./XVIII. in 
unserer &. Lit. reichliche Belege, dagegen kaum solche mit 
Uml. Die Tü/ela-Chuchi in ZFlnnt. soll ihren Namen erst 
zur Zeit der Helvetik erhalten haben, als die fremden Sol- 
daten in einer künstlich erweiterten Bodenvertiefung im 
Walde eine grosse Feldküche errichteten. Die ,Kücho' als 
Teil der Kirchen mag ttbertr. sein von der in Klöstern neben 
dem Refectorium angebrachten Küche; vgl. Otte 1883, 138. 

Ofen-: Küche mit Backofen. 1535, ZElgg. Herr- 
schaftsrecht (,0.-kuchinen'). — Böttier-, Bettel-: 
1. Feuerherd, wie Vaganten ihn im Freien aufrichten 
GBChurw., oHe. — 2. =» Chuchi 2 a, bes. von Hohlen 
unter überhangenden Felsen, wo die Vaganten sich 
aufhielten Aa; B; Gr; S; Th; Z. Vgl. Studen-ChüecMi 
und OsBNBR. 1864, 80. — Senn-: Hüttenraum, in wel- 
chem sich der Käsekessel befindet; vgl. Chuchi 1. 
,Nebenhau8 mit einer Sennstube, Backofen und S.* 
1806, L. — Ditti-: Kinder-, eig. Puppenküche Bs. 

Chnch*er m. AABb.; oTh; ZSth., PI. Chücher: 
1. grössere Papierdüte Sch; Th; Syn. Fuiver-Hus 
Bd n 1720, Untschen Bd I 357. — 2. Gefäss in Form 
einer Düte aus frischgeschälter, weicher, mit Dornen 
zsgehefteter Kinde junger Tannen, welches Kinder im 
Walde machen und in Ermanglung eines andern Ge- 
fässes zur Aufbewahrung von Erdbeeren oder auch 
als Trinkgefass verwenden ZSth. — 3. kreisrunder, 
nach oben sich erweiternder Korb mit 2 Handhaben, 
im Gegs. zur Zeinen aus ungeschälten Weidengerten 
Aa. „Kücher, gemeiner, runder Korb, damit Erde zu 
tragen B.** ,Männer trugen die Gypssteine in Hütten 



131 



Kach, kech. kicb, koch, kncb 



132 



und die Weiber [auf dem Kopf] in Eüchern in das 
Dorf.* Alpenp. 1873 (AiEhr.). 

Mhd. kocher, kucker, Gef&ss; am Ältesten jedoch scheint 
die auch in unserer ä. Lit. fQr die umlantlose Form ,Kocher' 
(1444, B: 1531/1667, Job; Fris.; Mal.) bezeugte Bed. : Pfeil- 
kOcher. Bed. 2 auch schwäb. 

Clmeelie'' I m. (in Bs; ZSth. f.): 1. Kuchen. Das 
Recept zur Bereitung eines guten K-s nennt 7 not- 
wendige Bestandteile; vgl. Seilbr 66 a, ferner Gr. WB. 
''V 2498. Wenn in SMatz. der Gerichtsherr zu Gericht 
sass, mussto der Müller u. A. einen grossen, in heisser 
Asche aus Pfeffer, Salz, Mehl und 30 Eiern gebackenen 
K. bringen, von dem Jedermann, so viel er mochte, 
essen durfte; vgl. vArx 1819, 105. Spec. a) flacher, 
runder, im Ofen, meist aus blossem Brotteig, gebackener 
K., dessen Rand man aufrollt, um das Gebäck mit 
allerlei Zutaten belegen zu können, nach welchen es 
verschiedene Namen erhält, als Epfd-, Erdepfel-, 
Chümmi-, Ghäs-, Chrtesi- (Chirsi-J, Chrüt-, Nidel- 
[Rahm-], Bolle*' [Zwiebel-], Ztcetschge^-Ch. Aa; B; L; 
ScHW; Zo; Syn. Fladm Bd I 1167, Dünnen, Wäjen. 
In B unterscheidet man den für besondere Anlässe 
aus Butterteig verfertigten K. von der W., zu welcher 
bei Gelegenheit des Brotbackens der übrig gebliebene 
Teig verwendet wird. Sie werden bes. auf gewisse 
Festzeiten gebacken, so auf Neujahr, auf den Pfingst- 
montag (spec. ,Kämmel-* und ,Kraut-K.*) B, in katho- 
lischen Gegenden an den Fasttagen. Me*" hacket stbe* 
Chueche* und drü Brot, man sorgt für Leckerbissen 
mehr als für das blosse Bedürfniss B. De" gross Ch. 
übercho% eine grosse Ehre, Freude erleben S (Schild). 
Vr Ch. teile*, jedem Ansprecher seinen Teil ge- 
währen B. ,Sie hatte am Samstag gebacken und nach 
üblicher Sitte K. gemacht für das ganze Hausgesinde. 
Dies geschah gewöhnlich in so reichem Masse, dass 
immer übrig blieb und manchmal später den Rest 
Niemand [mehr] essen mochte.' Gotth. S. noch Schild 
1860, 43/6, Ofen Bd I 110, fr% Bd I 1258. — b) Chuech 
(PI. Chüech)j grosser Pfannkuchen, bes. aus Eiern 
(daher auch Eier-Chuech) ZO.; Syn. Ammdlette Bd I 
214. — 2. das Dim. in eigentümlicher Anwendung, 
a) Schmalzbackwerk, in der Pfanne in Butter ge- 
backene Kuchen aller Art Aa; L; S; vgl. Joach. 1885, 
71. G'icaleti od. WahCh. Aa; Th; ZFlurL, Hrölti L, 
trochni Sch, solche aus Teig, der mit dem Wall-Holz 
(Bd n 1263) dünn gewalzt ist, mit dem Messer oder 
einem gezahnten Rädchen meist viereckig, seltener 
dreieckig oder rund geschnitten. „Cfrössi Ch,'*, ähn- 
liche, welche den Umfang der ganzen Pfanne ein- 
nehmen; Syn. Örli'Ch. Ch, mit Schwänz(e*J, K. mit 
eingelegten Salbeiblättern GRPr.; Syn. Müsli-Chüechli. 
S. noch haben J Bd U 864 und verhrueten, -hrüeQen. 
Auf die Klage über den eingerissenen Luxus, z. B. 
dem Karrer die K. sogar mit Zucker zu bestreuen, 
entgegnet der Meister: ,Wenn ich wüsste, dass mein 
Karrer [sogar] auf der Strass die Küchlein ohne Zucker 
fräss, ich jagte ihn auf der Stelle fort.* ADennler 1817. 
,Chüechleni seien den Herrenleuten seltsam [eine Sel- 
tenheit].* Gotth. »Der Burgunder hat sich ganz ver- 
messen : Er wollt zu Bern und Fryburg Kücheln össen ; 
der Bär hat ihm die Pfanne gerumet.' Granson-LiED 
(JViol). . ,Die Kiechlin sind noch warm und frisch 
gebacht, noch ist mir das die liebste Tracht [Gericht].' 
GGoTTH. 1619. jGibt dem Mägdlin zwei Kiechlin [vom 
Tisch als Geschenk].' ebd. ,Weilen die Wirt geklagt 



haben wider Etliche, so Küchlein feil haben, und man 
befunden, dass Solches nit allein den Wirten, sonder 
auch den Armen (weilen hierdurch der Anken auf- 
getrieben wird) schädlich, als ist solches Küchlein 
feil haben gänzlich abgeschafft.* 1632, SchwE. Kloster- 
arch. ,Als 1656 die Katholiken gegen Vilmergen an- 
rückten, waren die [sorglosen] Berner mit Küchlein 
backen beschäftigt.* Stadlin. ,üm Küechli und Baden- 
rössli 1 fl. 3 p.* 1687, Ausgabeposten auf einer Baden- 
fahrt. Vgl. noch Franken Bd I 1309. GhüecMi bei 
besondern festlichen Anlässen und in Verbindung mit 
eigentümlichen Gebräuchen. An Familienfesten dürfen 
K., so bes. an Taufen die ,Walküchlein*, nicht fehlen 
ZO., aber auch nicht bei andern freudigen Ereignissen, 
wenn z. B. ein Familienglied eine ehrenvolle Wahl 
trifft, ein Kind in der Schule sich auszeichnet (vgl. 
Prämi'ChJ Aa; VC. Besuchern, die man bes. ehren 
will, wartet man mit K. auf. allg.; vgl. Roche. 1857, 
Nr. 315 (vom Mädchen, das einen ,Knaben* auf Besuch 
erwartet); Schwzd. XX 19/22. ,An einem Samstag ist 
gut nach den Baurenhöfen zu wandern, dann gewön- 
lich findt man an selbigen Tagen neugebachen Küch- 
lein (an einem andern Ort heisst man's Gebachens).* 
S Kai. 1709; vgl. Glttr 1835, 187. , Verboten [an Sonn- 
tagen]: das unanständige Herumtragen von Spanisch- 
brodcn und Küchlene.' 1764, Z Mand. ; vgl. über diesen 
bes. bei Zünften üblichen Brauch Germ. IV 100/1, 
ferner Bescheid-Essefi, Be-haZtis. Neben , Krapfen' bes. 
an der Kirchweih VO; S; vgl. Stald. 1798, 62; Schild 
1860, 4. Ein armer Knabe, der nicht einmal an der 
Kirchweih K. erwarten konnte, tröstete sich resigniert: 
Isch ChiJbi, so seig 's Chilbi; Mueter, rieht 's Mues 
[Brei] a" .' L. Ch, (bes. g'waleti) sind Weihnachts- od. 
Neujahrsgebäck Ap; B; Gr (vgl. Schwzd. XIX 26); 
Sch; ZSth.; vgl. Glari Bd II 640, Guet-Jar Sp. 59, 
Chuechen-McU. Als eine Frau am Abend vor Weih- 
nachten ihrem Manne nur Haferbrei auf den Tisch 
stellte, rief er: ,Das ist kein h. Abend; Hung und 
Küechli will ich haben; was die Alten errungen und 
erworben, lass ich nicht abgehen!* Volkbbotr 1848 
(für Ap); vgl. Wihnacht'ChHechlL ,Es ist ein wahres 
Wettrennen unter den Zeitungen in Bezug auf die 
vorzunehmenden Veränderungen. Wenn*s so fortgeht, 
so müssen wir auch etwas Anderes anfangen. Viel- 
leicht wäre nicht übel, wenn wir die Zeitung von 
Neujahr an auf g'walleti Chüechli drucken würden.* 
Zeitungsnotiz vor dem Jahreswechsel. Am Hohen 
Donnerstag erschienen in L die Bürger auf dem Rat^ 
haus, um die , Küechli* in Empfang zu nehmen. 1736 
wurde die Anregung gemacht, ,in Massen diese K. 
noch Etwas von Judaismo haben', diese Spende zu 
beseitigen. Ihrem Sohne, der am Ostertag ausgegangen, 
macht die Mutter nachher den Vorwurf: ,0 wärst da- 
heim geblieben; ich hielt dir so dringlich an, wollte 
die Küchli zwei Mal backen und Nidle [dazu] stossen.* 
Gotth.; vgl. Osteren Bd I 581 und ein bes. Recept 
für ,Oster-Kuchen* B Kochb. 1830, 211. Wie schon 
Lohnarbeiter bei mühsamer Verrichtung K. als Zu- 
gabe bei gewöhnlichen Mahlzeiten erhalten (z. B. die 
Knaben beim Traubentreten ; vgl. Rochh. 1857, Nr. 833; 
ferner die Wäscherinnen), so dürfen dieselben um so 
weniger beim ,Krä-Hanen* (s. Bd II 1308) fehlen. Mer 
lösid d' Pflegel mit Chüechlene*. HXpl. 1813, 67. Most 
und Ch. gend es Mdli, reo we* Ät** mit Fretide* U^H. 
ebd. (Erntelied); vgl. ebd. 27/8 und SichehLösi, Am 



183 



Kach, kech, kich, koch, knek 



134 



Sohlnss der Ernte f^bt die ßaaerin den Schnittern K. 
mit nach Hanse Aa (vgl. Boghh. 1856, JI 29); aber 
anch der Orts-Pfarrer und Verwandte werden mit K. 
vom Erntefest beschenkt; ygl. Joach. 1881, 45. Die 
alsdann schaarenweis durchs Land ziehenden Bettler 
erhalten »ungezählt die Chüechleni an der Küchetflre.* 
GoTTH. II 189/90; vgl. ebd. IV 73/4. Vgl. noch Hunig 
Bd U 1367, hänfnen Bd II 1439. Am Dreikönigstags- 
umzug wurde es Brauch, dass Hauptmann und Lieu- 
tenant anstatt des Schlaftrunkes den Gesellen auf 
jeden Tisch ,eine Platte mit Sulz und eine Platte mit 
K.* geben sollten Soh (Härder, Kaufl.). Doch auch 
sonst spielte an den Zunftessen (bes. den Jahres- 
boten) das ,Eüchliessen* eine grosse Rolle; s. die 
Compp. Auch an politischen Feiern, bes. den Ämter- 
besetzungen, konnten K. (Itßochh. ,Ratsherren-Kuchen* 
genannt Aa) nicht fehlen. Wenn am Schwörsonntage 
der neugewählte Schultheiss Abends heim geleitet 
wurde, war es Sitte, zu guter Letzt an die Kinder E. 
auszuteilen. Auch Bettler konnten an ihren ,Standes- 
festcn* der K. nicht entraten ; s. Heiden- JSiÜkn Bd II 
1160, Fecker-Küchwlch, Studen-Chüechli. Auf eine 
durch kirchliche Stiftung angeordnete Euchenspende 
bezieht sich wohl die Stelle: Etliche Bursche haben im 
Kloster TuDiess. ,das küechli reichen wellen.' 1530, 
Abboh. IV 1 b, 569; vgl. übrigens Fastnacht- ChüecMi, 
— BAA., Sprww., BiTSEL. Das sind Sachet: Ch. im 
Anke* hache*, mit der Zunge* chere*, mü de* Zände* 
tise*zere* Zo. 's gäd Öppis tdss ge* bade* (wiss i* 's 
Bad) und chunnt hrünhei** G; S; Z. Ufgä* wie-n-es 
Ch. [beim Backen], an Umfang zunehmen, z. B. von 
Bettstücken an der Sonne, von Menschen, die anfangen 
beleibt zu werden Th; Z. 's göt-em uf wie ineme* Ch,, 
er wird schnell reich Aa; vgl. Bd II 12; Hünz. 158. 
Mit de* Chüechlene* tuet me* 's Brät spare"* L; Z 
(Scherz). Las iez 's Brot sl* und iss Ch,! formel- 
hafte Mahnung, einer Unschlüssigkeit ein Ende zu 
machen Z. Es gut es Ch,, scherzh. Wette, auch Be- 
teuerung Ap; Sprww. 1869. Si hat 's wie die Bett- 
lere*, wo g*seit hat, si möcht hei*' Büri"* st* vo* wige* 
si möcht d' Chüechleni nid erllde*, u*^ wo me* du grad 
drüf im-ene^ Cheüer erwütscht hat, wo si e ganzi Bi- 
gete* [geschichteten Haufen] hat weile* etile*, Sprww. 
1860. Häufig in RAA., welche Resignation, Abferti- 
gung ausdrücken. Wenn i*"* will und der Ätti will 
und d' Chind wind, wenn [aber] d' Mueter nid wiü, 
so gid 's kei*' ChüeMi, häd 's Buebli g'seid. Ineichbn ; 
vgl RocHH. 1857, 26. I** wett gern Ch. bache* (chüech- 
U*), wenn »** Anke* hätt, aber t** Äaw ekei Mel Z ; vgl. 
FisciiART, Bienenk. 139 a. Äch, du liebi Zit, wenn 's 
Braiwürst rignet und Ch. schnU Z (Scherzreim). Ä, 
Ch. und Teig dra*! ei bewahre! GSa. Mom z' Nacht, 
wenn d' Mueter Ch. bacht Bs; Z. Ja, mer wird der 
Ch. bache*! vgl. eine ähnliche Abweisung bei gigen 
Bd II 150; s. ferner chüechlen. ,Der Herr wird uns 
[für unsere Säumigkeit] Küchlein bachen.* Stbttlbr 
1606. ,Ich glaub, si werd mir d' Zunge schaben; mit 
Geifer würd s' mir [in ihrem Zorn] Kiechli kochen.' 
Com. Bbati. S. noch Lüteri. — b) ,Kuchenmahl* auf 
Zünften. ,Es ist die Meinung, fürderhin dem Stuben- 
meister 60 fl. zu bezahlen, der soll dann das K. geben. 
Auf Anzug, dass über Entheiligung des Sabbats ge- 
klagt worden, hat man erkennt: Es sollen des Stuben- 
raeisters und Stubenknechts K. auf den Donnerstag 
angestellt werden.' Ende XVII., Z Saffran; vgl. Emder-, 



Heuwer-ChüecMi, ScHM.-Fr. I 1221. — c) Gegenstände 
von kuchenähnlicher Art. a) ,Die tauben werdend mit 
disem küechlin (ofenlcim, mit menschenharn vermischt 
und wicken oder hanfsamen darunder geton) züoher 
gelockt.' VoGKLB. 1557. — p) Pastüle. ,Zeltlein, Küch- 
lein, die man auch Krebsäuglein heisst.' Bs Apotheker- 
taz 1701. — y) in GnPr. sunne*verbrennti, in Z auch 
Sunne*-Ch., Kuhfladen, bes. der lange der Sonne aus- 
gesetzt gewesen; Syn. Sunnen-Bräten, Wäjen; vgl. 
Iladen Bd I 1168. — d) braun gebackene Kruste 
einer Speise, krause Stelle an der Rinde eines Brot- 
laibes ZS. Chiechili, Dim. des Dim., ein braun ge- 
backenes Kartoffelscheibchen Ndw. 

Die einsilbige Form auch schon bei Daayp. ; Fris. ; Mal. 
Das Fem. unserer MAA. nach den Synn. Dünnen, Wäjen, Fflr 
B; Ndw wird in der Bed. 1 a für das Dim. die difPerencierte 
Form ChuecJUi angegeben, die für GrPeist (ItSchwzd. XIX 26) 
ausnahmsweise auch in Bed. 2 a gilt. Ygl. noch Habich IT, 
Girgel / Bd II 417 und zur ganzen Gruppe Fladen mit seinen 
Compp. (Bd I 1168 f.j, ferner Chrap/en. 

Eier-Chüechli: Eierkuchen Aa; S; vgl. Eier- 
Örli (Bd I 414). Verhabni und drolti und Eier- und 
Öpfelchüechli. Joach. 1881. «EierkÜchlein. Nimm zu 
2 Eiern 4 Löfifel voll gute Nidlen, ein wenig Salz und 
Semmelmehl und würke Dieses so lange, bis der Teig 
trocken ist; hernach tröle solchen dünne aus [usw.].' 
B Kochb. 1796; vgl. B Kochb. 1830, 205. ,Zweifach 
aufgeloffene E. Begiess sie mit Anken in der Pfannen, 
so laufen sie schöu auf.* B Kochb. 1756, 98; vgl. auch 
K- Tatsch, 

Ach er-: aus Mehl, Rahm, Eiern und Salz be- 
reiteter, viereckiger Kuchen ; als Neujahrsgebäck ver- 
wendet BHa.; Syn. Hab-Ch,; vgl. haben I (Bd II 864). 

Seine Form wurde wahrsch. mit dem langgestreckten 
Rechteck eines Ackerfeldes verglichen. 

Ofe"-: im Ofen gebackener K. Aa; Ap; Bs; Gl; 
Gr; Z. Der Kuchenteig wird dabei löifelweise auf 
ein nachher in den Ofen zu schiebendes Eisenblech 
gelegt Bs (Kochb. 55) ; Z, oder auch beim Brotbacken 
einzeln in den Ofen geschoben AjiBb. Vgl. die Synn. 
O.-Gugg (Bd II 179), -Gux (Bd II 572), Ufgänger 
Bd II 358, ferner auch GugeUHopf Bd II 1492, üf- 
juck Sp. 37. ,Ofenküchli 7 ß.* 1763, Z Haushaltb. 
(Ausgabeposten). ,Man nimmt zu einem 0. 2 starke 
Löffel Mehl, 3 Eier, V> Schoppen Milch und stelle 
den Teig in den Ofen.* ZZoU. Kochb. 1820. Vgl. noch 
Landolt, Kochb. 208; «327. Auch etwa Kafi-Chüedüi 
genannt, — Offlete»-: = Oflate ^ (Bd I 115/6). 
, Zucker, Mehl, Eier unter einander verklopft, auf 
Ofifleten gestrichen und im Anken gebacken.* ZZoll. 
Kochb. 1820. — Ämder-: Festschmaus nach voll- 
endeter Einbringung des ,Emds* [s. Amad Bd I 213] 
Ndw; vgl. Hewer-Ch. — Öpfel-: Kuchen aus in 
Teig getauchtca Äpfelschnitten, allg. Hunderttusig 
Ö. gend e ganzi Wanne* [Schwinge] voll und sott »»*** 
Das denn nüd verdriesse*, wenn t** keini habe* soll? 
ZRüml., Anf. eines a. Liedes, dessen Melodie für ein 
Lied von 1792 vorgeschrieben wird. Potz dusige* 
Dotzcd Ö. ! Ausruf, euph. Verwünschung Bs. Die alt 
Täsch [Weib] ist amene* Ö. erstickt. JCWkissbkb. 1701. 
,[Wir haben auf die Berner geschossen] aber es ist 
ihnen grad g'si", als ob Ö. uf sy fingen.* Gespr. 1712. 
,Gute Äpfel- und Birnküchlein. Nimm eine Viertel- 
maass Wein, das Weisse von 3 Eiern [usw.]; hernach 
tunke die Sch^iblein darein.* B Kochb. 1796, 101; vgl 



135 



Kach, kech, kich, koch, kvch 



136 



ebd. die Anweisung, ,lcere Äpfelküchlein^ [ohne Obst- 
schnitten] zu bereiten. ,Öpfelkücchli ald snnst ein 
gebachen[es].*. 1495, G Küchenzeddel (Vorschrift für 
den Mittwoch). — Örli-Ch^echli = (Eier-) Örh 
Bd I 413/4 ,Vü;; ZO. - Vexier-: K., in welchen 
st. Brot- oder Äpfolschnitten usw. irgend ein an- 
geniessbarer, zäher Gegenstand, z. B. ein Stück Leder, 
eingebacken ist; von Mädchen etwa ihren Verehrern 
zum Scherz oder Spott vorgesetzt LG. — Fötzel-: 
Brotschnitten, in Milch getaucht und in Butter ge- 
backen AAAar.; Syn. Fotzd-, ChüecMi-Schnitten. — 
Frösche"-: in Teig gebacken e Froschschenkel AsBb.; 
Tgl. Hosen ^ c Bd II 1692, wo aber die betr. Angaben 
zu berichtigen sind. — Genfer-Chuechen. ,Man 
nimmt ein Ei [usw.]; der Teig wird mit Mödelchen 
ausgestochen, mit Eierweiss und Zucker angestrichen 
und mit einer Fülle gefüllt.' ZZoll. Kochb. 1820; B 
Kochb. 1830, 210. — Gerste"-: K. aus Gerstenmehl, 
im Frühjahr in grösserer Menge bereitet und dann 
den Sommer über dem Alphirten die Stelle des Brotes 
Yertretend BGt., 0. ,Sie sind so dünn, dass man sprich- 
wörtlich sagt, es lassen sich 5 an eine Nadel stecken.* 
JRWyss 1817, 601; vgL 733. — Geiss-Chüechli: 
1. aus , Ziegenbiest' [s. Biest-Ch.] bereiteter K. GrAv. 
— 2. Blüten-, bzw. Fruchtstand des Hartriegels, lig., 
,Geissküchlistrauchs.* Kisth. 1828, 140; vgl. das Syn. 
Gei88'Beri(-StüdJ. — 3. Art Blume, viell. Wucher- 
blume, chrys. leuc. GaFurna, It Tsch. 223. — Anke"- 
groll-Chueche": K. aus Teig, der mit den Rück- 
ständen der gesottenen Butter gesättigt ist aScew. 
Dafür Änke'^rüme^' (B), Änke''8chirete''' (Bi) Gh.; Syn. 
lAlren- Wäjen. 

Grüsch-, Chrüsch-: Gebäck aus grob zerstos- 

senen Mandeln, Zucker, Eiweiss und Spezereien, ohne 

Mehl. B Kochb. seit 1756; Landolt, Kochb. «362. — 

. Nach der Ähnlichkeit mit Kleio, hes. der körnigen Oherfläche. 

Hab-Chüechli = Ächer- Ch, B. ,Hochaufgetürmt 
lagen [am Kindtaufschmaus] auf 2 Tellern die appetit- 
lichen Küchlein, Habküchlein ai>f dem einen, Eier- 
küchlein auf dem andern.' Gotth. E pär düri [Äpfel-] 
Schnitz oder es femderigs H. als Beisteuer zu einer 
Verlobungsfeier. MWalden 1884. Vgl. haben 13 Bd II 
864. — Höckler-: Spritz-, Trichterkuchen, wie sie 
bes. im Wirtshaus zum ,Höckler', einem Vergnügungs- 
orte bei ZStdt, früher bereitet wurden Z ; Syn. Strübli, 
Traufdi. — Hell-Chueche": am höllischen Feuer 
gebackener K. ,Mein vatter wirt [durch seine Härte] 
an meim frommen mann ein hellenkuechen verdienen.' 
Holz WART 1571. Spreng gibt für das Dim. die auch 
bei Gr. WB. IV 2, 1759 angegebene Bed.: Geschenk 
als Bestechungsmittel. — Holder-Chüechli: K., in 
welchen eine Blütendolde des Holunderstrauches ein- 
gebacken worden Ar; ZO. — Hung-: in eine Mi- 
schung von gesottenem Honig mit Butter getauchter 
K. Ap; vgl. Hunig Bd II 1367; Steinm. 1804, 171 und 
Leh'Ch. ,1720 wurde die Einfuhr von H. verboten, 
weil sie die Oppigkeit beförderten.' Bonst. — Herre"-: 
feinere Art K. In ZStdt gab es früher an der ,Sechse- 
läutenfeier' auf den Zunftstuben ,Herren-* neben 
,Buren-K.', die letztern wohl zum Auswerfen unter 
das Gassenpublikum bestimmt. — Obherre"-: früher 
übliches Festmahl auf Kosten des Gewählten bei der 
Neubestellung eines Obherren der Kaufleutenstube 
ScH (Härder). ~ Hori-Chueche" = Ohindbetter- 



Chüechlu ZscHOKKE 1797, 490, Vgl. Hon- Win und 
Hom4k. — Heuwer-Chüechli: Festschmaus nach 
beendigter Heuernte Ndw; Syn. Heu-Krähanen Bd U 
1309; vgl. Ämder-Ch, — C helle"-: krapfenähnliche 
K., bei deren Zubereitung man sich eines besondern 
Kuchenlöffels zum Herausschöpfen des Teiges in die 
Pfanne bedient ZO. Solche werden von einem Hoch- 
zeitspaar zur Wegzehrung mit auf die Hochzeitsreise 
genommen ; vgl JSenh 1864, 22. Dafür Löffel-Ch. Gl; Z. 

— Chille"-: K., in die Blätter von Alpenampfer ein- 
gebacken sind BDiemt. — Chümmi**»-Chueche": 
Kümmelkuchen B; bes. zum Morgenkaffee beliebt; 
vgl. auch das ,Gedicht zum Lob des Ch-s.* B Hink. 
Bot 1843, H 4; BiRi 1885 (Jugedzyt), 39. — Chunst- 
Chüechli: im Feuerherd st. im Backofen gebackener 
K.; vgl. Ofen-Ch, ,Nimm ein Kacheli mit Semmel* 
mehl, ein Vierling Zucker [usw.] ; mach dieses Teiglein 
glatt an.' B Kochb. 1756, 122. — Chäs-: 1. (Ch,- 
Chueche*) = Ch.-Fladen (Bd I 1168) B; VO. Dient 
spec. als Osterkuchen und wurde neben B6Ue*-Ch. 
am Ostermontag in den Wirtschaften den Gästen un- 
entgeltlich vorgesetzt BStdt (bis 1891). Vgl. auch 
MoNE, Anz. 1838. 4. — 2. {Ch.-Chüechli) kleine, in 
Teig getauchte und alsdann in Butter gebackene Käse- 
schnitten üwE. In Butter gebackene, nussgrosse Klösse 
aus einem mit Mehl, geschabtem Käse und Eiern be- 
reiteten Teige. B Kochb. 1830, 201. — Chüsseli-: 
= Wal-Chüechli, sofern sie beim Backen kissenartig 
schwellen L. -- Chneu-: eine grössere Art von Wcd- 
ChüecMi, welche man auf dem Knie breit gezogen hat 
B; Syn. Ch.-Bletz, — Chrone". = ilf<)(W-CÄ. ZWthur. 

— „Chrusi-Chueche": Ölkuchen Aa; B;LG.;Z''; 
Yg\.Nu88-Ch. Syn. Chr.'Brot, — Chrüt-Chueche": 
1. K., mit Spinat oder Mangold belegt B; Syn. Chr,-, 
Bifuitsch- Wäjen; vgl. B Kochb. 1830, 140. ,Der Stadt 
Bern Kr.-Corps' hicss ein Freicorps im sog. ,SchüsBeli- 
Krieg', von dem auf Stöcken mitgebrachten kuchen- 
ähnlichen, zinnernen Tellerchen, aus welchem die Frei- 
willigen nach den Übungen ihr Mittagsmahl genossen; 
vgl. B Taschenb. 1862, 262, ferner Schützenmatt- Gh. 

— 2. Dim., = Münze''', Buretsch-Gh. B Kochb. 1756, 
101. 1796, 102. Vgl. GhüecMi-Ghrüt. 

Lob- (in AAFri., L. L.-Chuhe"", in AaKu.; LG.; 
ScHwE. 'Ghiie und mit Assimilation Leckue): 1. Leb- 
kuchen, allg. Sie sind zuweilen vergoldet B (Küh- 
reihen 1826), mit einem Zuckerguss (einen Baren oder 
ein sich küssendes Paar darstellend B) oder einer 
Herzdevise (,Lebküechli verslein') versehen und haben 
verschiedene Gestalt, z. B. die eines Täfelchens (L.- 
Britt W, -Schiben L, -Dirggeli. Balz 1781), eines 
Mannes (L.-Mannji W), eines Widders, indem an 
einem Lebkuchen-Klosse Kopf und Wolle angedeutet 
werden W (vgl. Hälli-BöckliJ, sogar eines Säbels Bs 
(Mähly 1856, 84). ,E" züri'^Meküechige Sauw' ver- 
spricht u. A. Abraham Gott, wenn er den Isaac nicht 
opfern soll. 1743, L SpieL Vgl. noch Hosen-Joggi 
Sp. 27, L.-Büejen, -Ziebel. Man unterschied den hrüne*, 
auch etwa^tire^-X. genannt, den die Hausfrauen selbst 
buken und auf dem sie den Namen ,Jesns' als Ver- 
zierung anzubringen suchten, und den geUbe"* L., den 
die Lebkuchenkrämer auf Märkten feil boten L. Am 
besten verstanden aber wohl die Klöster den L. her- 
zustellen, worauf die gewissen Klöstern auferlegte 
Abgabe von L. schliessen lässt; vgl. Fasfnacht-Gh, 



137 



Kacb, kech, kich, koch, kach 



188 



Das Kloster Frauental musste 1562 die Oberherrlicb- 
keit des Rates von Zg durch die jahrliche Verab- 
reichang eines L-s anerkennen (Stadiin). Von den 
Klöstern soll man nur L. als Geschenk annehmen 
dürfen (1385, Bs). Das obrigkeitliche Lebkuchen- 
recept von 1583 schrieb als Bestandteile vor: 4 Mass 
Honig, Mehl bis genug, ferner Gewürze (Ingwer, 
Zimmet und Nägeli) und unterschied eine .gemeine* 
und eine .bessere' Gattung. ,Die 1. oder lebzelten, 
mit honig und mSl gebachen, sind harter, schwerer 
däuung.' Ryff 1574. »Lekkuechen, Pfefferkuechen.* 
Bkd. 1662. S. auch Fladen Bd 1 1168, die Becepte im 
B Kochb. 1756, 109. 115. Der L. in Volksbrauch und 
BAA. L. wurden bes. im Christmonat, der darum 
auch etwa .Lebküchleinmonat' genannt wird, gebacken 
und dann bes. auch als Weihnachts- und Neujahrs- 
geschenk verwendet B (s. Gotth. IV, Bd U 20); L; W. 
,Am Weihnachtsabend assen nach der Gewohnheit des 
Landes in einem Bergkanton Mann und Frau Honig- 
kuchen mit einander.' Mihl. d. Sitten 1746. Auf Neu- 
jahr erhielt der Solothurner Stadtschreiber im XV. 
von Klöstern und Privatpersonen L. als Geschenk. 
Der ,L-. oder Bimentzelton-Krieg* fand um die Neu- 
jahrszeit von 1515 Statt, als die Lebküchner auf den 
Gassen überall Naschwerk feil boten ; vgL Arg. VIII 
435/6. ,Neuwjahr-L. wird Herren Landvogt [nach 
Baden] geschickt.* AiHerm. (Ausgabenverzeichniss der 
Äbtissin); vgL L.-Fisch Bd I 1102. ,Und als dann den 
schüelern zu wyenacht zu Küngsfelden zu irem gueten 
jar Wirt ein 1. und 5 ß hlr, derselb lebkuech und die 
5 ß sond werden des schuelmeisters frowen.' AxBrugg 
Arch. 1440 soll es an der Fastnacht und an den 
Kirchweihen bei L. und Branntwein lustig zugegangen 
sein. Äg.Tschudi; 1637 wurden die Landvögte von 
AaB. ermächtigt, allerhand Missbräuche, z. B. das 
L.-Backen an den Kirchweihen, durch Verbot und 
Mandate abzustellen. Sonst wurden L. bes. auf die 
Markttage (Aa), auf kirchliche Feste (S) gebacken und 
feil geboten ; dieselben bildeten alsdann einen beliebten 
.Kram' [Geschenk]. I** ha* ml«*w Lieb welle* L. chrä- 
WC", mit der Liebi schön vergiüdt. Kühreihen 1826. 
Eine bedeutende Rolle spielte der L. früher bes. als 
Patengeschenk; die Knaben erhielten einen ,L.- Widder', 
die Mädchen ein .Brittli' W; noch jetzt herrscht die 
Sitte um den S. Jakobs-Tag auf der Beil-Alp. Als 
Patengeschenk um Neujahr waren u. A. L. erlaubt. 
XTII., Z Mand. «Niemand soll kein 1. feil han one 
uf den gemeinen jarmärchten.' 1590, übw Arch. ,Den 
L. sollen die Krämer [an der Engelweihe] feil haben 
in dem Gewicht, wie er sein soll. Es soll auch der 
Krämervogt den L. alle Tag wägen.' 1608, SchwE. 
Klosterarch. ,Niemand soll um L. spilen, wie bishar 
gebrucht worden, es syge Tags oder Nachts.* XVII., 
U LB.; VgL ScHW LB. 51. In Aarau wurde am Maitag 
der .Herren-L.' gebacken, von einem Schreiner, dem 
dafür die Späne gehörten, zersägt und dann unter die 
Herren, d. h. den Schultheissen und die Glieder des Rats 
verteilt. Ölhafen. L, ahe*-, abe^-schlä*, ein Spiel, bei 
dem man einige über einander gelegte L. am einen 
Ende zwischen die Finger klemmt, und dann durch 
einen Schlag mit der rechten Hand ganz oder tw. 
(so dass nur die zwischen den Fingern gehaltenen 
Stücke, von ,Widder-L.' nur die Köpfe zurückbleiben) 
herunterschlägt oder von einem Herausgeforderten 
herunterschlagen lässt L. Je nach dem Erfolg muss 



der Eine oder der Andere der Wettenden die Kuchen 
bezahlen; die Kuchen werden in dem Masse geteilt, 
wie sie der .Schläger' hinuntergeschlagen. .Das* nie- 
man uf die zyt, so alle spil verbotten sind, soll mut- 
Bchellen [Semmeln], noch L schlau, noch die in zwei 
fingern tragen oder blinzligen werfen.* 1518, Schw LB. 
In L wurde das Spiel bes. in den Tagen des Müsegg- 
Umgangs (s. Bd II 342/3) gemacht und es waltete 
dabei der Glaube, dass durch den Genuss der gewon- 
nenen L. die Finger für den nächstjährigen Kampf 
gestärkt würden ; • doch kam das Spiel seit 1848 in 
Abnahme, mit dem zur gleichen Festzeit geübten Leb- 
chUeehli umme^frBsse*, bei welchem die Kunst darin 
bestand, so viel als möglich von einem L. abzubeissen, 
ohne ihn mit den Fingern festzuhalten. Sobald der- 
selbe den Zähnen entschlüpfte und zu Boden fiel, gieng 
er an den Gegner über. Beim Blindekuhspiel wird das 
Suchende gefragt: Was wottisch? Es antwortet: Hätt 
gern Chäs und lAckuo und Bvre'icegge* dWzuo, wird 
aber abgespeist: Cha**st i* der Stuben umme* go* und 
Müs-ehegel sueehe* L. 3fc» muess frei «I" und L, esse* 
L; vgl. Bd I 1258. S. noch SMifer. — 2. scherzh. 
von einem auf Wunden gelegten Pflaster, nach der 
Ähnlichkeit der Farbe BBe. — Leb-Küech(l)erm.: 
Lebkuchenbäcker Aa; B. 0ha, L,'Chüechler, so soll 
er mich nicht erwischen ! Ntdegobr 1890 (Abfertigung). 
's LebchüeMers, noch als Spitzname auf mehrere Fa- 
milien AaF. ,Lebküecher.' XV.. Bs (unter den Ge- 
werben aufgezählt). ,Die Lebküecher sollen das Pfund 
des allerbesten Lebkuechens höher nicht hingeben als 
5 p, damit Niemanden sich ab ihnen [zu] beschweren 
Ursach gegeben werde.* Bs Taxordn. 1646. 

Mhd. Ubekuoehe; das W. dürfte mit der Sache ans den 
Klöstern stammen, indem der 1. Teil der Zss. das lat. Ubum 
(eig. = Opferkuchen) ist, das dann vom Volke umged. wurde. 
Zu der Form Lebchue vgl. Schlittchue(eken) . Lt einer Angabe 
hat in L DiiFerencierung zwischen L.-Chueehe* und L.-Chue 
Statt gefunden, indem Ersteres als Stoffname, Letzteres ftir 
einen einzelnen Kuchen gebraucht werde. ,lm L.-Acher', 
Flurname. 1658, AaWett. Klosterarch., yiell. der bes. Frucht- 
barkeit wegen; vgl. Anm. zu Schmah-Orueb Bd II 695. 

Hungerlid-Chueche": übortr., Speise, die den 
Hunger nicht stillt, den Magen nicht befriedigt, nicht 
jfuerct' L (scherzh.). — Löffel-Chüechli s. CheUen- 
Gh. — Model-: an einer in flüssigen Teig getauchten 
Form gebackene Kuchen Z. Syn. Ghrone*-, Bose*'Ch. 

— Magdalene"-Chueche": in einer Form ge- 
backener, feiner Kuchen; Ygl B Kochb. 1830, 209/10; 
Landolt, Kochb. * 353. — Münze"-Chüechli: Ku- 
chen mit eingebackenen Pfeffermünzblättern B. — 
Müsli-: = Chiiechli mit Schwänzen, nach der Ähn- 
lichkeit mit einer Maus benannt Z; vgL Müs-Örli 
Bd I 416. Dafür Salbete^- Bs, Safl)b%ne*'Gh. Bs; S. 

— Schützenmatt- Chueche**: grosser Kuchen, 
nach der B Schüttenmatt benannt, wo die «Kadetten' 
jährlich mit solchen bewirtet wurden; vgl. B Kochb. 
1830, 242 und Chrüt-Gh. 1. — Fasnacht-Chüech li: 
= Örli'Gh, Gl; L; G; Th; ZG., = g'waleti Gh, ZS.; 
doch begreift man unter diesem Namen daneben auch 
noch andere Kuchenarten, wie Schöpen, Schnitten, 
soweit sie an der Fastnacht als Fest- (ursprüngliches 
Fasten-)Gebäck zur Verwendung kommen AABb. Im 
Kt. Z sind die betr. Kuchen in dem Masse specifisches 
Fastnachtgebäck, dass der Name F. die genannte Ku- 
chenart schlechthin bezeichnet; so auch bei Lampolt, 



139 



Eacb, kecb, kich, koch, kack 



140 



Kochb. ' 318/9. Die Kuchen werden aaf dem Lande 
am Samstag (der daher auch ChüecMi-Samstig heisst) 
▼or der alten Fastnacht (Sonntag In vocavit, auch Örli-, 
ChüecMi'SonntagJ gebacken und dann bes. aber die 
beiden Fastnachttage neben andern Leckereien (z.B. 
Honig, geschwungenem Rahm) genossen. Vgl. Bars 
Republikaner 1835, 9. Sonst werden (und wurden) 
sie (bes. in den Städten im Gcgs. zum Lande) auch 
auf den eig. Fasten-Sonntag (,Herren-Fastnacht*) ge- 
backen ; Tgl. Jo8.Mal. 1593, 73. ,£s werden auf diesen 
Sonntag in den Hausern der [Stadt-] Bürger Kuchen 
und Krapfen gebacken, welche man von diesem Um- 
stand der Zeit Fastnachtkuchen und -Krapfen nennet.* 
vMoos II 64. Die Verabreichung des F. ist vielfach zum 
festen Brauch, ja in gewissen Verhältnissen zur stehen- 
den Abgabe geworden; daher die RA. 's F. hole", t'^sieh'', 
reichen, bzw. g^*, das betr. Geschenk an F. in Empfang 
nehmen, bzw. darreichen, allg. Der Dorf- (Ziegen-, 
Gän8e-)Hirte darf an der alten Fastnacht nach Belieben 
in ein Bauernhaus gehen und sich dort mit ,F.' bewirten 
lassen S (BWyss 1863, 77). Wenn der Bursche an 
der a. Fastnacht im Wirtshause die Zeche bezahlt für 
sich und sein Mädchen, das er in der Woche vorher 
auf dem Tanz gehabt und gastfrei gehalten hat, wird 
er mit ,F.' bewirtet; das Mädchen aber ladet ihn in 
Erwiderung der empfangenen Bewirtung auf jenen 
Abend obf. zum ,F.* ein Aa; L; vgl. Krapfen, Wenn 
der Bursche am gleichen Tag Abends seine Geliebte 
besucht, wird er von ihr nicht nur beschenkt, sondern 
auch mit ,F.* bewirtet GF. In WL. sind die ,F.* die 
Gegenleistung dafür, dass der Jüngling dem Mädchen 
beim Abspinnen die Kunkel hält. Kuchen schickte 
man früher auch dem Ortslehrer ans jedem Hause zu, 
in welchem schulpflichtige Kinder wohnten; jetzt ist 
an deren Stelle eine Geldgabe getreten ZBär. Wirte 
laden auf den Fastnacht-Sonntag etwa ihre Gäste zu 
F. ein G (Kai. 1862). Bes. erwarteten die an jenen 
Tagen in Scharen herumziehenden Armen F. als milde 
Gabe Aa; B; Z; vgl. Gotth. I 114, ferner die Fast- 
nachtbettellieder bei T., VL. II 235/7 ; Firmehich II 655. 
Die Schuljugend, auch die Kinder bemittelter Leute, 
ziehen mit Säckchen im Dorfe herum und rufen vor 
den Fenstern der Häuser: Holle! holte ! gend-is «m«* 
€8 F,! werden jetzt aber oft mit dürrem Obst abge- 
speist ZW. ,Die [Conventbrüder] sind uf der nacht 
by iro sibnen usser dem gottshus gangen, um küechli 
ze reichen.* 1460, S Wochenbl. ,Der keller soll den 
ackerlüton in der fasten küechli geben und wyss brol* 
ZKlot. Offn. Eine Druckschrift wird It Widmung im 
Titel den Lesern ,zu einem fassnachtkiechlin* darge- 
bracht. 1523, Weller II 299/300; vgl. Nüto-Jär, 
,Wyter verbietend wir, dass weder uf die pfaffen-, 
jung noch alt fasnacht nicmans den andern tags oder 
nachts überloufen und das küechli reichen, nach syn 
wyb, kind und dienst sollicher g'stalt ussenden solle.' 
1527, Z Mand., ähnlich 1528, S Mand.. und wiederholt 
in den (Fastnacht-)Mandaten des XVI./XVIII., die man 
um die Fastenzeit regelmässig von den Kanzeln verlas 
und darum etwa auch scherzhaft ,Küechli-Mandate' 
nannte. Vgl. auch Fabtmacht-Pred. 1601, G 5 f.; Mone, 
Ztschr. XX 75/6; HBüll. 1572, U 45 ; Absch. V 2, 2250. 
,Mit Missfallen bat man in des Landvogts Rechnung 
ersehen, wie grosse Kosten den Obern an den Fast- 
nachten mit dem Küchligeben auflaufen und dessnahcn 
beschlossen, dass die Landvögte hiefür nicht mehr als 



4 Kronen verrechnen dürfen/ 1543, Absch. Bes. die 
Geistlichkeit, welche in der Bereitung von Fasten- 
speisen Erfahrung bcsass, hatte Kuchen, urspr. wohl 
mehr nur als Scheinabgabe, zu spenden; vgl. Leb-Ch» 
,Sy syen uf der pfaffen üsksnacht nachts für des kilch- 
herren zuo Bülach hus gekommen und [hätten] zuo 
demselben gesprochen, ob er inen das küechli wellte 
geben.' 1520, Egli, Act. ,Der kilcher zuo Gossow hat 
offenllch prediget: Es ist hüt der herren fasnacht und 
ich sollt üch das küechli gen wie von alter bar.* 1526, 
ebd. ,Von wegen des küechlis, so dann ein pfarrherr 
bishar jungen und alten [an der Fastnacht] 'geben 
und usg'richt [wird beschlossen]: dicwyl söllichs in 
der merteil orten MHHn der Eidignossen verboten, so 
sprechen wir, dass nun hinfür ein Vogt und Rät zu 
Klingnau in irer kirchen das küechli zu geben ver- 
bieten sollen und ein pfarrherr niemand das küechli 
zu geben schuldig syn solle, usgenommen den schue- 
leren, so zu KL zu scbuel gand.' 1555, Hdber 1868, 
32/3. ,Am Güdismontag haltent die G'richtslout Ge- 
richt; man gibt ihnen einen Trunk, 5 Par Weissbrot, 
eine Platten mit Küechli und Krapfen; niüessen es 
Selbsten abholen im Gottshaus.' XVII., AAMuri (Arg.). 
,Vor Altem hat ein Pfarrer bei StPeter alle Escher- 
mittwochen den Metzgern [als Gegengeschenk] 101 
Fassnachtküechli in einer Schüssel verehren müssen.' 
vMooB 1775, 67. ,F.' bezog der ,tolle Rat' zu Zug 
von dem Pfarrherren daselbst, der sich 1656 von der 
Verpflichtung förmlich loskaufte. Alpenroskn 1866, 72. 
Auch an den Zunftmahlen spielten an der Fastnacht 
die F. eine Hauptrolle. ,Küechli' an der Jungen Fast- 
nacht wurden auf der Bs Schlüsselzunft 1538 abge- 
schafft (Geering). Den Kindern, welche den auf der 
Z Widderzunft (seit 1728) am Aschermittwoch unter 
den Fenstern ausgestellten ,Isengrind' von der Strasse 
her angafften, warf man Kuchen herunter. ,F.' er- 
scheinen auch in einer Z ,Hochzeitsürte' 1794. Vgl. 
auch Chüechli'MaifenJ, — RAA., Lieder« Es ist-em 
nüd um d* Fasnecht, aber um d' ChüecMi Sch; Z. 
Tre»"-»»e« d' F. (^o" der alte* Fasnecht d' ChüecfUi) 
cha"** a* der Sunnen esse*, so muess me* d* Ostereier 
hinder *e»i Ofen esse* Aa; Bs; S; Z. Wenn 's a* der 
Büre*fasnacht de* Bettlere* g'rötet [wenn sie bei gün- 
stiger Witterung Fastnachtkuchen sammeln können], 
so gWötet im Summer de* Bure* d* Em S; vgl.: Tro- 
cheni Faste*, guets Jär. Beim Schlagen der Fast- 
nachtscheiben singen die Kinder: Der Chuchipfanne* 
*s Bei* ab, dem Anke*hafe* de* Boden üs; iez ist die 
alt Fasnacht üs. Hingecht (hüte) ist die FaseCliJnacht, 
wo die Mueter ChüecMi hacht und der Vater umme* 
springt und der Mueter d' Chüechli nimmt (von den 
Kindern am Chüechli- Samstag gesungen) Z. ,Lätsch 
[Schleifen] wie F. [so gross].' Gotth. — Wienecht- 
Chueche": Eierkuchen, dergleichen auf dem Lande 
um Weihnachten gebacken werden B. Büti he, büti he, 
luef, der Ätti chunnt jetz de** un* er bringt e W. 
GJKuHN 1819 (Wiegenlied). — Nuss-: Ölkuchen aus 
ausgepressten Wallnüssen Bs. — Bire'^-Chüechli: 
Kuchen mit eingebackenen Birnschnitten B; Z. Chan- 
nel -Bire*-Ch. und Milch dWzue B. Vgl. Landolt, 
Kochb. * 308. — Bier-: Art Kuchen aus einem Teig, 
zu dessen Bereitung Bierhefe verwendet wird Bs 
(Kochb. 52). Dafür ,Bierbrot-Chuechen.' B Kochb. 
1796, 112. — Bure»- s. Herren-Ch, ,Die Basen und 
Gevatterinnen stellten sich [bei Antistes JJBreit. im 



141 



Kacb, kech, kich, koch, kack 



142 



XVII.] mit Terbraetnen, mit Sprützen- nnd B.-ChÜechli 
ein.* MöiuKOFSR. — Baretsch-: Kuchen mit einge- 
backenen Blättern des Boretsch, bor. off. Bs (Kochb. 
56); ,B«. — Biest- (B; GrAv.), BHesch- (B) Chue- 
che'', bzw. -ChÜechli: ans Milch von einer Knh, die 
frisch gekalbt hat, Mehl und £2iern bereitetes, im Ofen 
gebackenes, vielfach als Leckerbissen betrachtetes Ge- 
richt; Syn. Biest, B.-Braten, -Ti^rten; vgl. Geiss-Ch. 
Wenn man die 2 ersten .Biestküchlein* von einer 
jungen Knh dem nächsten Armen ins Hans trägt, so 
kann ihr die Milch nie entzogen werden B (Rotenb.). 

— Chindbetter-Chüechli: scherzb. Bezeichnung 
der Wal-, bzw. Örli-Ch., da sie bes. an Taufmahlen 
aufgetischt werden L ; ZG. ,Ch.-Chuechen* wurden am 
Bundesschwur mit dem W 1645 aufgetischt. (Wapf.) 
Vgl. die Bezeichnung der Hebamme als ChüeMi- 
Mueter und ChüeMeten, — Pfann(e'')-Chueche" 
(in F PfaU'Chühe*): 1. wie nhd. Aa; Bs; F; vgl. 
Ghueehe* 1 6. «Süsser Pfann-K.S mit Zucker. B Kochb. 
1830, 189/90. Ff. mueas der Bode* sueche; Drescher 
müssen kräfkig (mit Pf.) genährt werden, damit sie 
durchschlagen (bis auf den harten Tennboden) Z. — 
2. Dim., = Chelle^'Ch, ZG. — 3. Schelte auf einen 
faulen Menschen Aa; vgl. das Syn. Tatsch, ferner 
Pfliister, — Blatten- ChÜechli: in einer Schüssel 
gebackener Kuchen. «Streiche ein Blatten oder Pfan- 
nen mit frischem Anken an, schütte den Teig darein, 
tu Glut unten und oben, lass es backen wie ein Blatten- 
muss.» B Kochb. 1756, 121/2; vgl. B Kochb. 1796, 100. 

— Bin et-: Kuchen aus Eierkuchenteig, in welchen 
frisches (Schweine-)Blut geknetet wird Gr; vgl. Süw- 
Gh, — Blitz-Chueche": Art Kuchen mit Füllung 
und einem gegitterten Deckel aus Teig darüber; nach 
der Schnelligkeit benannt, mit welcher er beim Backen 
anschwillt; s. Lahdolt, Kochb. « 362/3. Vgl. Üf-Juck 
Sp. 37. — Brach-: grosser Kuchen, welchem die ge- 
wohnte Belegung mit Rahm, Speck usw. fehlt, also einem 
Brachfeld vergleichbar Aa. — Prämi- Cbüechli: 
Kuchen (meist Böse*- oder Ziger-Chüedhli), wie sie 
einem Kinde zu Ehren, das in der Schule einen Preis 
bekommen, zu Hause oder von Verwandten und Be- 
kannten, denen es die ,Prämie* vorwies, gebacken 
wurden LStdtf. Anders Lüt., Sagen 375. — Brot-: 
1. kleiner, aus Brotteig in Form eines Schüsselchens 
gebackener Kuchen Bs (Spreng). — 2. = Fötzel-Gh. 
AiBh. — 3. ,Bf., artolaganus.' Mal. — Brotzele"-: 
wahrsch. Kuchen in Form von Bretzeln. An einer 
Hochzeit aufgetischt. Balz 1781. — Rüde»-: Art 
Kuchen, wie sie auf der adeligen Stube ,zum Rüden' 
gebacken wurden ZStdtt> Erwähnt 1764, in einem 
ZHaushaltb. (Mscr.). — Ring- (W; Z), Ring(s)el- 
(Id.B; Z), Bing(d)-um' (GrD.; ZZoll.): Art Kuchen 
aus einem flüssigen Teig, den man aus einem trichter- 
förmigen Gefäss (vgl. SprütZ'Ghellen, Strühli-Trächterli) 
in Spiral- od. schneckenförmigen Windungen in heisse 
Butter träufeln lässt ,Bmgel'Gh., Bos-Strübli, genus 
placentarum ad instar funis in orbem torti in butyro 
coctarum.' Id. B. Vgl. noch Schlüf', ^prüz; Trachter- 
Gh., Spritzern, Trauffelen und B. II 44. — Rose»-: 
= ModeL'Ch, Aa; B; L; Z; vgl. ä.-/䀫 Bd I 544. 
Auch in den B Kochbüchern seit 1756, ferner bei 
Landolt, Kochb. ' 312. Vgl. auch »Rosenbrot* bei San- 
ders 1223 a. — SÜ-: \, ^ Bluet-Gh., wie ein Spritz- 
kuchen zubereitet und als besonderer Leckerbissen 
beim Metzgschmaus (s. Wurst-Mal) aufgetischt U. — 



2. als PL, Blätter des (von den Schweinen gern ge* 
fressenen) Löwenzahns, leont. tar. Ap; GRh. VgL 
Süto-Bluem, — Ufsatz- Chueche'^: Kuchen, be- 
stehend aus gewalzten, kreisförmigen, auf einander 
geschichteten Lagen von Kuchenteig, zwischen welche 
Eingemachtes als Füllung gelegt wird. B Kochb. 1830, 
210. --Schlüf-Ghüechli: Kuchen aus Teigstreifen, 
die man beim Einlegen in die Butter schleifenähnlich 
in einander schlingt oder flicht Aa; B; L; S; vgl. 
Ring-Gh., SdUüferli. JYb«* dene^ drei Tänze* füere* 
üsi Tänzer iri Tänzere» i • 's NOfe^tstÜbli und /<5"*' dort 
a», buschierte** TTl» z' hifde^ und tö"* Schh, Prätzeli, 
Taterli und «o** allergattig O^iets üftische*, Hofbt. — 
Schlange"- Chueche^: Kuchen aus einem Teig- 
streifen, ,aus dem man eine gewundene Schlange for- 
miert.* Lahdolt, Kochb. * 365/6. — S chn egge ■- 
ChÜechli: in einem eisernen Modell in schnecken- 
ähnliche Form gebrachter Kuchen AAZein.; Bs Kochb. 
52. Bes. an der ,Pflegel-Henki' (Bd II 1466) neben 
Strübli aufgetischt AAZein. Vgl. Sehneggen-Nudlen. 
— Gllchschwer-Chueche": Kuchen aus einem 
Teige, zu dessen Herstellung gleich grosse Gewichts- 
mengen von Mehl, Eiern, Butter und Zucker genommen 
werden BStdt. U*^ wenn «* Namenstag oder süst öppe* 
c» A*las8 g'st'' ist, het'se* OL 'gi\ BIri. — - Schw!- 
zer-: auf einem Blech im Gfen gebackener Kuchen 
aus Honig, Zucker, Mandeln und Gowürien. B Kochb. 
1830, 238; anders Lafdolt, Kochb. • 367. — Speck-: 
mit kleinen Speckriemchen belegter Kuchen; s. B 
Kochb. 1830, 209; Bs Kochb. 65 (,gefüllte Sp.*). Schon 
1592, Bs Kochb.; s. gäeh Bd II 100. — Spinne"- 
Chüechli: scherzhaft fingierter Gebäckname. Sco 
Bote 1883. 

,Spiss-Kuechen.* Splkiss 1667. — Viell. eioe Art 
,FIei8chküechli*, iu Teig gebackene, bzw. gobratone ,SpissIi*. 

Spritze"- (bzw. Sprütze^- Aa; B; Z, in Gl auch 
Sprutz-, in Z Sprützer-J C h ü e c h 1 i , SprutZ'Ghuechen 
ScnSt.: Spritzkuchen; vgl. Bing-Gh, ,Fülle mit dem 
Teig die Sprütze und stosse mit Sorgfalt diesen Teig 
mit der Sprütze in die zum Backen bereitete Pfanne 
mit Anken.* B Kochb. 1796, 97; vgl. B Kochb. 1756/7; 
1830, 204. An den obrigkeitlichen Lachsmäblern in 
ScH wurden im 3. Gang oder zum Schlaftrunk u. A. 
,Sprützenküchlein* aufgestellt, je eines für jeden Gast. 
,Dem Vogtgerichtsdiener für das Bescheidessen 1 Spr.* 
XVIII., ScH Pfrundenb. ,Scriblita, striblita, (ein ge- 
backen) Sträublein, Sprützkuche, Sprützenküchlein.' 
Rbd. 1662; Denzl. 1677; 1716. S. noch Schmzer- 
Hasen 4 (Bd II 1697), Büren-Gh. — Stüde»-: Kuchen 
an Sträuchern. Die Vaganten pflegten nämlich bei 
ihren festlichen Zskünften im ubermute die Dolden 
der um ihren Lagerplatz (vgl. Bettler-Ghuchi) stehen- 
den Holundersträucher (vgl. Holder-GK) oder die fri- 
schen Zweige junger Buchen in den Kuchenteig und 
dann in die Kuchenpfanne zu biegen und sie hernach 
wieder loszulassen. — Tabak-Chueche": Schmutz- 
fleck von (getrocknetem) Tabaksaft. ,Sie schienen 
sogar auch Fleiss anzukehren, alle Blätter [in Bü- 
chern] mit ihrem Tabaksafte zu betriefen oder mit T. 
zu zeichnen.* Sihtem. 1759. — Tu fels -Cbüechli: 
Schwamm oder Pilz, bes. von der Gattung agaricus 
G; SonHa.; Syn. T.-Ghappen; vgl. auch Ghrotten-HüsU 
Bd U 1716. — Trachter-, Trädhterli' ChÜechli: 
Trichterkuchen Ap; Gl; Gr; G; Th; Z. Vgl. Bing-Gh,; 



143 



Kach, kech, kich, koch, kuch 



144 



Geusch Bd II 479. — Wln-Chuechen: K., dessen 
Teig mit Wein angemacht wird. B Kochh. 1796, 119. 
121. — Wind-Chüechli: K., zn dessen Teig n. A. 
das zu Schnee geschlagene Weisse von Eiern yer- 
wendet wird, der beim Backen stark anschwillt und 
inwendig somit grosse Höhlangen zeigt Z; vgl. Lan- 
DOLT, Kochb. *490. — Wasser-: K. aus einem Teig, 
der vor dem Backen in Wasser gesotten werden muss. 
B Kochb. 1756, 99/100. — Zig er-: K., zn dessen Be- 
reitung st. des Käses (s. Chäs-Ch.) ,Ziger* verwendet 
wird L; vgl. Prämi-Ch,; Z.-Fladen Bd I 1168. 

chüechle*" I (inW dhüecMene"): Kuchen backen, 
allg. Wer sott dem richsW BrUigam vo* London oder 
Änutterdam nu besser weüe^ ch,? Herg. ,A1s es [der 
Familie] besser gieng, war es nichts so Seltenes mehr, 
dass die Mutter küchelte.* Breitbnst. Ein Viehhändler, 
der durch die Treue seines Hundes aus den Händen 
der Räuber gerettet worden war, Hess seinem Hunde 
zu Hause sofort ,ch.* L. Beim ,K.' gibt man das erste 
Stück dem Hund oder der Katze, oder dann den Kin- 
dern, welche aber darum bitten müssen ; tut man das, 
so werden die andern Kuchen dafür um so besser ge- 
raten L (Lüt). Nach der Erbeutung eines mit Lebens- 
mitteln, bes. auch mit Mehl beladenen Schiffes fiengen 
diu Eidgenossen im Schwabenkrieg ,an ze k. und hat- 
tent gar ein gueten prass ob dem.* Müller, Schwz.-G. 
,I)er Spitalmeister soll den im Spital einkehrenden 
Jakobsbrüdern allwegen anzeigen, dass sie wandlen, 
und solle keinem zulassen, zu k. oder andere Schluck 
zu kochen.* 1647, SohwE. Klosterarch. »Weilen man 
findet, dass Kinder und Dienste [Dienstboten] auf vor- 
bcschriebne Art in Speis und Trank g'nugsam ver- 
pflegt sind, hat man das bisherig K. abgestellt.* XVIII. 
u. XIX., Z Waisenhausordn. — In RAA. in mehr oder 
weniger übertr. Beil. (ruet essen und trtchen [trinken], 
chochen und ch, W. Df seUist mer wellen aparti 
ch,? Zuruf an einen ungewöhnlich Aufgeräumten Z 
(Schwzd.). Wenn e Blcher stirbt und en Armtr chüecklet, 
schmöckt 's am Witeste* L ; = es ist Nüt so geschwind 
umme" [bekannt], als der arme"* Lüte^ Ch, und der 
riche* LtUe* Tod Z. Wenn cP Manne* fürt sind, so 
chüechle^d d' Fraue* diheim. Es muess glich g'chüechlet 
si" und wenn der Weihet [Betreibungsbeamte] uf^em 
Pfanne^stü hocket S (Schild). Wenn der Nachbar ch. 
wül, SU geit me* nit und wirft im Wasser i* d* Pfanne. 
GoTTH. (von Einmischungen in fremder Leute Händel). 
Er chüechlet me [ihm = für sich], gönnt sich etw. Gutes 
Gr. Ei'^'m ch,, ihm eine besondere Ehre durch Kuchen- 
backen erweisen, ihn vor Andern dadurch auszeichnen, 
allg., doch meist nur neg. und iron., als leere Ver- 
tröstung oder Abfertigung oder als Drohung; vgl. 
Kilchwich und ,bachen' bei Fr., Ztschr. IV 67; V 415. 
Du cha^^'st lang warte"* Cbeite*), bis mer der chüechlet, 
zunächst Zurechtweisung eines Kindes, das in Er- 
wartung von etwas Besserm eine dargebotene Speise 
verschmäht Gl; Z. Die tuend -em nüd eh., werden 
ihn schlecht genug empfangen Ap. Ja, mer wind der 
(denn) eh., oder auch nur kurz: Ja, eh.! Schmöck, 
wenn i** der ch. und iss, wenn i** der gib. Auch mit 
Sach-Obj. : ,Es kostet 2 Louisdor.* Antw. : ,2 Louisdor 
will ich dir k.* Gr Kai. 1892; doch meist mit ,Ein8' 
oder unbest. ,es'. Ähnlich als Abfertigung die Frage: 
WiPt's 'bröte* oder g'küechlet? L. Im Sinn g'ha*' (der- 
gliche'' '(ö", wellcj ist nüd g'chüechkt (etwa mit den 



Zusätzen: Sust hätt t** *eÄtt" mängs Chüechli g*ha*, 
oder: Numme* d' Pfanne* für en Narre* g'ha*J, vom 
Wollen zum Vollbringen ist noch ein weiter Weg. 
Mänger gehört d* Woret [Wahrheit] nit gern und wenn 
si g*6hüechlet war kk, ,Ich wollte, der Meister müsste 
das Salzsäckli unküchelt fresse".* Gottu. (Ausdruck 
des Ärgers eines Dienstboten über den Auftrag, Salz 
zu holen). Wie g'chüechlet si*, gut zusammen passen 
B; L. ,Der Wittwer wäre für dich [als Mann] wie 
g'küchelt und du für ihn ebenfalls.* Gotth. Me* 
chönnti 's nüd besser eh., nicht trefflicher haben Gr. 
Ei**m Öppis (z. B. eine Arbeit) e'wig (i* rf' Hand, 
zueche*) eh., es ihm aufs Beste vorbereiten, zutragen, 
bequem in die Hand geben B. Er mangleti 's grad 
g'chüechkts, sollte es (vor Allem) bequemer haben Gr. 
,Wie soll ich Das k.*, angreifen, einrichten, dass es 
wohl gelingt? BSi. Ei^^m uf Öppis eh. Gr, Ei**m uf 
öppis nüd ch. welle* Gl, Formel der Geringschätzung; 
vgl. schissen und Chuechen 2 a. Es HüÜi hat si fln 
und wiss, doch häi^re d' Hebann g^chüechlet drüf usw. 
ScHwE. (Ochsner), von Sommersprossen; vgl.: Der 
März hat en a*g*schisse^. Han *•* früecher nes G'sichtli 
g'ha* wie Mildi und Bluet, so bin t«* du [nach den 
Pocken] Einer g'si* wie 'ne ChüecMeter. Joach. 1881. 
Arm si** mer g'si*, hei* Chleidli g'ha*, '^ass Ei**m 
d' Sunne* hätt möge* d' Hut ch. BWtss. Sonst sagt 
man von der Sonne, »sie küchle*, wenn die auf eine 
spiegelnde Fläche fi&llenden Sonnenstrahlen auf einen 
dunklern Gegenstand einen zitternden Schein werfen, 
vergleichbar dem , Weben* der Luft über der erhitzten 
Butter in der Pfanne Sohw; Zo. Wenn Sonnenschein 
und Regen zstreffen, so sind sie ein himmlisches Zei- 
chen, dass die ,Mutter Gottes küchelt' L (Lüt. Sag. 386); 
vgl. Gott Bd II 507 und s. noch under^guggen Bd II 183, 
harzen Bd II 1656. G'chüechlet(s) heisst auch derjenige 
Teil der Kruste des gebackenen Brotes, welcher blätter- 
artig zerrissen und kuchengelb ist, wie dies an geteilten 
Broten beim Schnitte, an aufgesetzten bei der Fügung 
oder Rinne der Fall ist G ; vgl. Chuechen 2 et, , Wer 
kann k. on feur und ankenV* NMan.; vgl. Chuechen, 
Das ,K.* in Sprüchen und Liedern. Bim Brünneli, bim 
Brünneli stat en Birlibaum und wenn die Bireli rifsind, 
so chüechlet euseri Frau. Euseri Frau hat g'chüecMet, 
hat 107 gemacht. Die esse^d-mer dUi i^ Imbiss, so händ 
mer Nüt me z* Nacht Z und ähnlich L ; S. Hut und 
mom und ubermom isch e längi Wuche*; und wenn 
die Wiber g'chüedüet händ, so fönd si afo gruchse^ L. 
Wenn mi* Mueter chüechlet und mir ekeini gid, so 
sdkiss-ren ich i* d' Pfanne* usw. L. 

ÜS-: bes. als Ptc. Perf. mit ,haben* oder ,sein* in 
übertragener Bed. Es isch usg'chüechled, die gute 
schöne Zeit ist vorbei UwE. Usg' chüechlet ha"", ver- 
armt sein Gr; Z. 

ver-: 1. zum Knchenbacken verbrauchen, z. B. 
Mehl, Butter usw. B; Z. Me* seit [die Grossen der 
Erde] bi Oott v. Stütz. — 2. die Kuchen beim Backen 
verderben Ap; B; L; Scii. Meist bildl., sorgfältig 
angelegte Pläne vereiteln, deren Scheitern verschul- 
den, ebd. 

Chüechler m. : 1. Kuchenbäcker GrD. — 
2. schwarzer, altmodiger Festrock, Frack, bes. an 
Hochzeiten, Tauf- und Leichenmahlen getragen GrD., 
Pr.; vgl. B. III 86 und nhd. ,Bratenrock*. 



145 



Kacb — kuch. Kad~ kad 



146 



Ch&echlete'* f.: 1. das Enchenbacken. allg. Bei 
der ,Ch.\ bes. zu gewissen Festzeiten, verlangt es die 
Sitte, Verwandten und Freunden von dem reichen 
Vorrat £tw. mitzuteilen L; Z; vgl. Metzgeten. 1508 
brannten [an der Fastnacht] 11 Häuser wegen einer 
,K.' ab. LiKBRNAu 1881. IF Gh., Titel eines Gedichts, 
welches das Kuchenbacken an der Fastnacht schildert. 
HNXgkli 1841, 41. — 2. das Quantum Kuchen, das auf 
ein Mal gebacken wird. allg. — 3. Festessen, an wel- 
chem die Kuchen eine Hauptrolle spielen, bes. Tauf- 
mahlzeit B; Z. Festmahl am ersten Sonntag nach 
der Taufe, an welchem Pate und Patin die Wöchnerin 
besuchen und beschenken ; a" d' Ch, gä* Ap. Enphem. 
sagt man bei einer unehlichen Geburt, ,das führe bloss 
zu einer K., nicht aber zu einer Hochzeit' B. ,Wir 
nennend die mäler, die man nach der kindbette haltet, 
die küechleten.' LLav. 1582. ,Die Wirte sollen keine 
grossen K. geben und die Biberzeltenkrämer nicht 
einlassen.' 1645, ApHeid. Monatsbl. ,So ir Einer ein 
Kindbetterin hette und dero Wein kauft: Wenn dann 
die Küechlat und die Kindbett ein End hette [usw.].' 
1646, AiWctt. Klosterarch. ,Es sollen auch bei den 
Kindbetteten alle anstellende Taufimäler ald K. ab- 
gekannt sein.' Z Mand. 1692 und ähnlich in zahlreichen 
andern Mand. im XVII./XVIIL Vgl. Ghind-Hebi Bd U 
939, ChindbeUer-Chüeehli, Chind-Beti(i), 

Ghaeche" II (in Gr tw. ; L Chuehe; in AaF. ; ZO. 
Chue, in AiLeer. (Jhühe*J m. (in Gr t,w. ; Th ; ZO. f.), 
PI. Chüe Z, sonst unver., Dim. Chüe€h(eßi Ap, Chuocf^i 
GnPr., sonst Chüdi: 1, Schlittkufe. allg. Vgl. Hau- 
chen Bd II 969, Hütchen Bd II 980, Gh^-SMitten, 
ScMiUen-Chrumm, OäUi Bd 11 207. Uf der (de*) Gh. 
füere*; Gegs. uf^em Rad, E Gütsche* uf d' Ch, tue*, 
zu einer Schlittenfahrt Gl. Der Ch. ist mit he* 
l/scMage'' GA. Uf ei^'^m Ch, fare*, bildl.: einseitig 
sein BHa. ,Die linke Kuchen meines Schlittens ist 
zerbrochen, ich muss aufhören zu reiten, tabula si- 
nistra trahae meae rupta est.' Red. 1662. ,Verbot, in 
den Hochwäldern weder Schlittkuchen, Wagner- noch 
Kohlholz zu graben.' 1697, Bs Rq. ,Der Zicgler habe 
ein Büchli zu Schlittkuchen weggenommen.' 1740, 
Hotz, ürk. Hölzerne (meist ahornene) Sohle, auf wel- 
cher im Winter über steile Schneehalden hinunter 
das Wildheu zu Tale geschafft wird BoSi.; GRRhw.; 
vgl. Gälli und s. Tsch. 275. Auch etwa der eiserne, 
schlittenähnliche Rost, auf welchen das heisse Bügel- 
eisen abgestellt wird. — 2. der Eisenbeschlag der 
Schlittkufen B (vRütte). — 3. kleiner Schlitten, der 
auf Kufen st. auf undurchbrochenen Brettern läuft Z ; 
vgl. Geiss 3 a (Bd II 460) und den Gegs. Hocker (Bd II 
1125), Chessler. — 4. Name eines Bergsattels Uw. 

Vgl. ahd. »litochoho, rostros. Graff IV 861; ferner die 
Twdten Formen bei Gr. WB. Y 2490 and 2530. Wenn die 
Grnndbed. ,KranimhoIz* ist, so w&re Identit&t von Chuechen 
I ond // möglich, denn Erstores wird ahd. mit tortns panis 
glossiert; vgl. anch den Geb&cknamen ,Torte*, ferner ,Kringer. 
Anlehnung an Chue konnte am so leichter Statt finden, da 
die Schuttsohle als die ,Gehörnte* verstanden wurde. — 
3 ist wahrsch. nur Verkürzung aus dem Comp. Chuechenr 
Schlitten. 

Chuechle" f.: kleiner, in der Schlittsohle be- 
festigter Pfosten, der das ,Joch' zu tragen hat L; 
Syn. Schlitten-Bein. 

chuechlo" L, diüecMe* II G; 1. den Kinder- 
schlitten zerbrechen G. 's hat An [Einer] g*chüechlet! 

Schweiz. Idiotikon TU. 



Ruf der Kinder auf der Schlittbahn. — 2. umwerfen, 
zunächst vom Schlitten L ; scherzh. auch von andern 
Fuhrwerken. Kdspr. Der Charre* hat g*chuechlet. 



Kad, ked, kid, kod, knd. 

S. auch die Gruppe Kat asw. 

ekad: seltenere Nbf. zu cha*; 3. P. Sing. Präs. Ind. 
von ,können*. Wortspielend mit Chatz: Die chad 's 
[kann es] ! Z rS. — Die Endung nach Anal, der eig. Präs. 

Gad&l : zweiarmiges Deichselgestell am Einspänner 
GrD. — Vermutlich r&torom. Ursprungs. 

Gadälp m.: Alpmeister GaSaas. Syn. Cavlg, — 
R&torom. ca(u) d'alp. 

Kader m.: Schnupfen. ,Für den c-en, knflsel, 
Schnepfen.* Zq Arzneib. 1588. 

Aus lat. catarrhu* mit Verschiebung des Accents auf die 
erste Silbe, woraus sich die Schwächung des 2. Wortteils 
erkl&rt; vgl. ,Kater' (Studentenspr.). 

Kadett m. : Mitglied eines ,Kadettenkorps*, d. i. der 
zu organisierten Waffenübungen vereinigten (Schul-) 
Jugend Aa; ApA.; BeStdt u. Ld; B; Gl; Gr; L; G; 
Sch; S; Th; Z. Sich anlehnend an die seit dem XV. 
(auch ausserhalb der Schweiz) beliebten, hier sich 
selber überlassenen, dort obrigkeitlich mit gutem Be- 
dacht geordneten und auf allerlei Weise (sogar durch 
Verleihung des Bürgerrechts) unterstützten Waffen- 
übungen, Aufzüge, Armbrustschiessen (s. Tatsch, Blat- 
ten) der kleineren und grösseren Jugend entstand in Z, 
wo schon im XVII. die älteren Knaben zu den eben 
um jene Zeit eingeführten Drillübungen der erwach- 
senen Mannschaft herbeigezogen und von der 2. Hälfte 
des Jhdts an die gesammte männliche Schuljugend der 
Stadt während der Sommerferien militärisch unter- 
richtet worden war (s. noch Knaben-, Studentet^- 
Schiesset), zunächst durch private Initiative i. J. 1759 
und, mit bleibenderem Erfolge, 1787 das 1. sogen. 
,Cadettencorps*, das i. J. 1814 sogar mit einer Ar- 
tillerieabteilung ergänzt wurde. Schon 2 Jahre später 
folgte Aarau dem Beispiele und erhielt den Beifall der 
i. J. 1790 in seinen Mauern tagenden Helvet. Mili- 
tärischen Gesellschaft, welche durch ihren Einfluss 
viel zur Ausbreitung des Kadetten wesens beitrug, das 
heute auch in den welschen Kantonen blüht. Basch 
überspann es wie mit einem Netze den Kt. Aa mit 
seinen zahlreichen städtischen Gemeinwesen, so dass 
derselbe neben dem Kt. B, in dessen Hauptstadt i. J. 
1798 die Waisenknaben von dem französischen General 
Schauenburg ihre Waffen wieder abtrotzten (s. auch 
noch SolennitätJ, sich als der günstigste Boden für 
das Kadettenwesen erwies, während in Z selber, trotz 
dem Aufschwünge, welchen das glänzende Kadetten- 
fest der Ostschweiz i. J. 1856 vorübergehend brachte, 
die offiziellen Waffenübungen der Schuljugend i. J. 
1877 veränderten Anschauungen zum Opfer fielen. 
Sonst waren es jeweilen hervorragende Schulmänner 
und höhere Officiere, welche sich der Sache in vollem 
Ernste annahmen, und mehrmals in kritischen Mo- 
menten waren die ,K-en* in der Lage oder auf dem 
Punkte, dem Vaterlande zu dienen, wie schon in der 

10 



147 



Kad, ked, kid, kod, knd 



148 



Vorzeit die bewaffnete Knabenschaft Berns nur schwer 
von der Teilnahme an dem Zuge der Eidgenossen 
nach Nancy abzuhalten war. Dem weitern Publikum 
waren die Kadetten yon jeher ans Herz gewachsen, 
und man yerwendete^sie gerne dekorativ bei Schlacht- 
feiern und andern Festlichkeiten. 

Von der fast unabsehbaren Literatar, welche das Kadetten- 
wesen hervorgerafen hat, sei hier bloss angeführt: Z Neaj. 
Wais. 1887; Rochh. 1857, 486 ff. ; Ad. Zenz. Die Jngend- 
wehr in der Schweiz. Wien 1881; Alpenr. 1883. Die Be- 
nennung ist dem frz. cadet, ZOgling einer Offtcierschule. ab- 
gesehen, und wahrsch. gab auch die Bekanntschaft mit den 
fcoU8 und oorp« de oadets in Frankreich bei nnsern Zttrchern 
den Anstoss zur Umgestaltung der bestehenden, aber ver- 
altenden Waffenttbungen. 

Gkadi m.?: gutmütiger, einfaltiger Mensch GRFid. 
Syn. Chueri, — Yiell. eig. Koseform des Namens Konrad. 

Cadis, Cadit m.: aus Schafwolle gewobenes Tuch 
Gr ObS. (öadischj. Weicher Wollenstoff, von dem ein 
Streifen an den Frauenröcken zur Befestigung der 
Falten verwendet wurde L (Oadit), Im XVII./XVIII. 
nicht selten als Bezeichnung für ein Wollenzeug, bes. 
zu Futter und Vorhängen, aber auch als Kleiderstoff 
gebraucht. «Von einem Multier, geladen mit Libett, 
Sarge, Burat, Cadist u. drgl.' 1670, Abscb. ,Ausser 
Lintsch, Kadit und Buret sollen alle andern Tücher 
Dings zu kaufen und zu verkaufen verboten sein.' 
1670, Obw (Yolksfr.). ,Knecht und Magd sollen sich 
mit Landtuch oder Cadit und dgl. glatt-ausgemachtem 
Zeug bekleiden.' 1686, Luxusmand. ,Für 33 Ell dunkel- 
graw Kadiss zu 2 Weiberkleidern 6 fl. 14 ß.' 1690, 
Zubers Tageb. ,ümbheng von grüenem K.* 1704, 
ZGerwerz. ,Zu der Knecht und Mägden Leid-Klei- 
deren kein köstlicherer Zeug als allein C. oder Rassen 
gebraucht.' 1715, Bs Polizeiordn. ,£in weisser Rock 
mit C. gefüttert.' Z Nachr. 1754. Vgl. noch Z Taschenb. 
1883, 198; AdBürkli 1884, 30. 

Franz. codi», billiger Wollenstoff, rAtorom. cadueh, engl. 
caddU. Yiell. von dem Namen der spanischen Stadt Cadix, 
wie der Name dos Zeuges ,Arras' von der gleichnamigen frz. 
Stadt? 

kadlsi, nur in prädikativer Stellung: matt, hin- 
fällig, ruiniert Z. K. gä**, zu Grunde gehen. 

Das W. Yiell. (wie kaduk) aus dem Lat. und zwar ans 
eadivu» mit angetretenem n{ (möglicherweise nach Analogie 
des syn. nid-ai"^). 

kadiik(t): betroifen Aa Wohl. 

Aus frz. caduc oder lat. eaducun. Das t, das sonst gern 
an Guttur. antritt, ist hier wohl eig. als Participialendung 
zu verstehen. 

kadan: jeder BKirchb. f - Itai. span. mdaiino. Das 

W. mag durch Söldner eingeschleppt worden sein. 

„K&der I m.: Elster B." 

G^chäder n.; Geschrei, Gekreisch von Elstern, 
Krähen Z. 

chäderei*, in Th „kärdern": 1. schreien wie eine 
Elster B; ZS. ,Es käderten ein ganzes Regiment El- 
stern gar mörderisch.' Gotth. „Krähen, im eig. und 
uneig. S. Th." — 2. zwitschern, z. B. wie die Haus- 
schwalben BSi. — 3. lallen, vom Säugling B. — 
4. keifen, zänkeln B; S; UwE.; ZS., Lunn. Syn. chü- 
deren. ,Es war ein fortwährendes Zanken, Karen, K. 
unter ihnen.* Gotth. Chäderegge^ heisst eine Ortlich- 
keit in B, wo die Müssiggänger zskommen, um mit 



einander zu ,kädern'. — 5. an Etw. herumnagen, von 
Menschen und Tieren UwE. ly Mois händ die ganz 
€f%Mag€^ Nackt ume^g'chädered. 

Schwerlich Intensivbildung zo dem bei uns fast ganz ver- 
schwundenen qu^dan (s. chtden); eher onomatopoietischen Ur- 
sprungs. Die Bedd. lassen sich leicht vermitteln; fraglich 
konnte nur sein, ob nicht 4 als die ursprüngliche angesehen 
werden mnss. 4 und 5 sind auch in cAa/f«n, ehiflen, chärben 
vereinigt. 

Chädere" f.: 1. zanksüchtige Person B. ,Du bist 
doch auch immer die gleiche K., du denkst an gar 
Nichts als der Narre» z' tribe".* Gotth. — 2. fingierter 
Name für einen Ort, wo viel gezankt wird. Gotth. 

Chäderi m.: zanksüchtiger Mensch UwE. 

Chäder 11, Chäderne** s. Kärder. 

KKdIe: Katharina LH. 

Chäader Ap; G; TeTäg., Chöder GRh.; TeBerl. 
— m.: männliche Katze. Syn. Mäuder, Räuel. 

Die Zsgehörigkeit mit Kuder, dem Namen des wilden 
Raters in der Jflgerspr. (vgl. Wäd-Kuder)^ steht ausser Frage, 
obwohl das Yocalyerh&ltniss nicht ganz klar ist; vgl. aber 
Anm. zu ehüdere* I. 

chäudere»: murren, mürrisch sein GTa. Syn. 
chüderen, chüderen. 

umme»-: den Weibern nachlaufen Ap. — ver-: 
die Brunstzeit bestehen (von Katzen) Ap. 

Chäuderi m.: Wollüstling GtKer. Syn. Chüter, 
Ghüder, 

chäuderig: brünstig (von Katzen) Ap. 

chSden and (end, nud)'Chjedan — 3. P. Präs. 
'Ched, Ptc. Perf. -chjeded: antworten P (Schott). 

Das W., das sich auch im Tirol erhalten hat (Fr. Ztschr. 
6, 292), ist sehr alt; vgl. ags. oncwifdKan, ahd. in-enquifdan 
in der selben oder doch nah verwandter Bed. Das dem ch 
nachschlagende j ist auch der MA. von BSa. eigen und deutet 
auf stark palatäle Aussprache des Spiranten. 

Chid I m. B — f. GG. — n. Gr; GSa., Chide' m. 
AAZein.; B {Kiden Ha.); Uw; U — f. B; Gl; L; 
,Schw;" U, „Kidel Im.-, Chidle^ f. GT. — PI. Chider 
GSa. — Dim. Ckidfeßi, Chitli GrPt., Chili GWe.: 
1. Keim AAZein.; B; GG.; Uw; U. Syn. Ghimen, 
E^ke"" einzige^ Chiden isch errunne* [aufgegangen, ent- 
sprossen]. ,Und ist die saat errunnen mit h fipschen 
khyden, ich gloub, ich werd usshina vil guoter garben 
schnyden.' HvRüte 1532. Frisch aufgekeimtes Gräs- 
lein BSi. Es iscfi no^^ es Chidli, noch ein wenig 
Gras. — 2. zarter (sich nicht verästelnder) Zweig, 
Reis, Schoss, Stengel B; L; GSa., „T.; Schw;" Ndw. 
jGhidli, festuca. Es Gliidli Sparz, Mejeran, surculus 
asparagi, ramusculus amaracinus.' Id. B. Spec. Zweig 
des Rosmarinstrauches BE., U. und geradezu dieser 
selbst GSa.; USil. Schmalblättriger Lavendel, lavan- 
dula spica UWas. Blumenstrauss, den sich die Mäd- 
chen ins Mieder stecken BHa. — 3. (Ghideli, GhideUeniJ 
Bläschen auf der Haut; Syn. Bihdi, Daher g'chidelet, 
mit solchen Bläschen behaftet BRi. — 4. kleines Mass, 
Bisschen. Gim-mer au^^ e Chide Salz Gl. Nit es 
Ghideli Mel S. Er seit 's hinderst Chidli [plaudert 
Alles, ist zu oifenherzig] GW. Me* hat rner vo" Dein 
e Chide ^seit Gl. Doch in diesem S. meist verneint: 
Kei Chid(e*J, keis (nit es) Ghid(ejli Aa; B; Gl; Gr; 
G (Chili We.); Z. Es tuet, em kei- Ch. Gl. Um kei» 
Chidli hesser G oT. (B Dorf kal. 1890). Me* darf kein 
Chib daJiinne'' /ä", Aufforderung, das Glas vollends 



149 



Kad, ked, kid, kod, knd 



150 



auszutrinken ZEH. Bi Chid und Bitz, eig. bis aufs 
letzte Hälmchen B8i. Synn. s. u. Flauche* Bd 1 1159. 
Hhd. ladt, ku n., SchOssliog, Spross; yod Wz. ib\ keimen 
(nnpr. wohl spaltoD, herrorbrecheii), zu welcher aach fKeim* 
selbst, sowie ibin«» und got. heian gehören. 1 und 2 Ter- 
einigen sich in der Bed. : Etwas direkt aus Samen od. Wurzel 
Aufgesprosstes. — Zu 3 Tgl. nhd. .Sommersprosse*. — Zu 4. 
Wegen Chtb statt Chid vgl. Anm. zu Chtb, ferner Chidd, 
chidig. Die Form wQrde fibrigens in dem yiell. beabsichtigten 
Wortspiel mit Chib ihre bes. Erklärung finden. 

Chldel II B; GlH.; Th (K-J; Z, Chittd ZW., 
Wein., Chibd AaP. — m.: 1. a) ,cuneu8 ligneus quo 
robora finduntur.* Id. B. ,K., Bisse, Speidel, Wecke, 
cuneus.* Kkd. 1662. ,Schalbs oder überzwärch die 
Zwey beschnjden, wie man dann die K. oder Holz- 
wegken pflegt zu machen.' ZZoll. Arzneib. 1710. — 
b) Holzkeil, durch den das Hobeleisen im Ghibd-Loch 
(s. d.) festgehalten wird AaF. — c) eiserner Keil an 
der Hobelbank zum Einklemmen des zu bearbeitenden 
Stückes GlH. — 2. Querholz am Vorlegschloss des 
Fasses Sch; Th; Z. Syn. Kriden, — - 3. Kleppel. 
Schulze. — Mhd. ladd m., Keil. 

chide** I: keimen, namentlich Yon Kartoffeln, 
Raben, die im Frühjahr im Keller ausschlagen Aa 
Zein.; Uw; ü. Syn. chisten, 

b*-: sich von einer Krankheit erholen GlH. Er 
b'ckidet wider c* cÄ/«*. Syn. be-ch%men. 

b*-chidle» = dem Vor. GWe. Es hat im h^chidlet. 

ab-chidne°: (Kartoffeln) abkeimen GG. 

Chid II s. Chxh, 

chlde" II Ap; Gl; Gj Sch; „Schw;" Th; Z, chUe^ 
Ap; L; G; Th, cÄie» Ap; ZStdt (selten), chei^ Ap — 
Ptc. g'chide^ GG.; Sch; Th; Z, g'chitte* Ap; GRh., 
Stdt, T.; ZSth., g*chid(ejt GTa.; Th: (stark) tönen, 
klingen, schallen, lauten. 1. von Musik und Gesang 
Ap; L; G; Sch; „Schw;" Th; Z. Die Jomerpßffe^ 
chlt nüd 86 leid. Stutz. Da* Lied hat guet fchide*. 
fHerrcngunst und Vogelg'sang kidct wohl und währt 
nicht lang.' Sprww. 1824. S. noch Menschen-Guivtt 
Bd II 378. '« chtt nett Z (iron.). Di^ Stei* chit irie-n-e 
Ghgg. En falsche^ Taler chit nüd, Prägn., rein und 
voll, harmonisch klingen Ap; G; Sch; Tu; Z. Das 
chit! Mer händ g'sunge^, aber es hat nild welle^ ch, 
jy Psalme^ hdnd g'chide^ Sch (Schwzd.). Eis Lied 
chit doch nüd alliuil, verliert, immer wieder gesungen, 
schliesslich seinen Reiz. Stutz. Wenn 's nüd chit, so 
cMepft's (Ap; Th), cMapperet's (Sch), tatscht 's (Z), 
wenn 's nicht schön klingt, so klingt *8 doch laut. 
,Tympana respondentia, welche tönend oder kydend, 
wenn man darauf schlecht. Melos, der ton und das wol 
kyden des gesangs. Dissonare, discrepare, misshällen, 
misstönen, übel k. Consonans, zesamen kidend oder 
stimmend.' Fri8.;Mal. ,Tönen, lütten, kyden, sonare.' 
RCyb. c. 1600. .Canit, die tönt oder kydt.* Cato 1648. 
,Klingen, k., tönen, clangcre, resonare.' Red. 1662. 
— 2. von jedem lauten, durchdringenden Schall Ap; 
Gl; G; Sch; Th; Z. Syn. gipsen 2 Bd II 395. Wenn 
nie* mit de'' Trommcchüble'' under-eme Böge*" dure* 
Zucht, dann chit 's starch. Wenn 's Schulde*mache* 
eh. füür^ wie 's Sägeflle* und Bei*stampfe* t* der Müli 
hine*, me* wür' Land uf und ab nüt anders gj'höre^. 
G Kai. 1891. S. noch T. 99». Es schreit im Holz und 
chit im Dorf (Rätsel von der Säge) ZWetz. S. noch 
Holz Bd II 1247. En Schmatz [Kuss], das' 's lüt 



fchidt hat Tu (Schwzd.). S. noch gUMig Bd II 608 
und Anm. zu hie-en Bd II 857. Spcc. von aufgeregter 
Rede, Zank und Streit Ap; G; Th; Z. Da' hat g'ehide'! 
Es chit lustig, guet! (iron.). Bitzdi hitzig ist er au^ 
öppedie und dann chit 's e*chli'* rückhcht Z (Schwzd.). 
's ist-mer nid haß) eso Ernst und 's chidt vil lüter, a's 
's wert ist. ebd. — 3. von Gerüchten, Nachrede, meist 
schlimmer. Es chit nüd wol (guet) von-em, man hört 
nichts Gutes über ihn Ap; Gl; G; Th; Z. DächWs 
guet, da hört man schöne Geschichten Th. lez chit 
das ailiwil, si chonn nüd mit mer du/re^ cho\ Stutz. 
Wie 's g*chide* hat vo* Lüten alliwü. ebd. 's hat neime^ 
weUef" eh., de^ N. N. sei nüd dir Bravst ZO. Vater, 
es cMt recht über dich, me seit, du hebist Holz g'no* 
ZTöss (Prozessakten). — 4. von gewöhnlicher Rede. 
Die Antwort chit, lautet. Lenggenhagir 1830. Das chit 
nöd übel, z. B. von einer Behauptung Th. 

Von ahd. quüden, sagen, sprechen; mhd. eß qua, kity tönt, 
verlaatet, heisst. Der übertritt in die i-KUsse ist durch 
die fast einzig, auch formelhaft gebranchte 3. P. Sing. Pr&a. 
(Tgl. z. B. Gottmerehit Bd II 517) hervorgerafen worden, 
wofür es auch sonst nicht an Beispielen gebricht. Ans der 
selben Form (die schon bei Notker vorkommt) erklärt sich 
ckien als falsche Reconstruction, indem man da- fDr den 
Stamm, -t für die FIcxionsend. nahm. C%«t-en w&re daraus 
lautgesetzlich entwickelt, wie tehrei-en aus »ehrten. Übrigens 
kommt für Ap in Betracht, dass in dieser MA. intervoca- 
lisch es d überhaupt gerne sich verflüchtigt. — Chiten viell. 
unter Einflnss des tw. syn. eküten oder vom Ptc. ehitte* ab- 
strahiert und Dieses zu erklären wie das von Itden und 
»chntden. Zu der Begriffsentwicklung beachte man, dass 
quiden auch schon im Mhd. zuweilen die Bed. ,8cha]len* hat. 

C h i d e ° f. : Musikinstrument (Kdspr.) ZHombr., 0. ; 
spec. Mundharmonika Th. 

chldig Bs; B; Vw; W; ,Zg;« Z, chidlig S, chitig 
Aa; Bs; Schw; ZLunn., chittig AaF.; Bs, chuttig BsSt., 
chridig SchwE.; Th; Z, chibig B; ZStdt f: nur in der 
Verbindung ch-i Nacht, stockfinstere N. Verstärkt 
dimmer 'Ch. Sohw; Uw; U, tunkd-ch, ScHwE.; Th 
(Pupik.); Z. ,Und ward kidin nacht und finster.* 
Stockab 1519. ,Da8 wert bis in die kidige nacht.* 
Aal 1549. ,E-e nacht, intempesta nox.* Fris.; Mal. 

Ein Ungst nicht mehr verstandenes W., wie die zahl- 
reichen Entstellungen beweisen. An Zugehörigkeit zu ckt- 
den II ist kaum zu denken, trotzdem zu der vorauszusetzen- 
den Bedeutungsentwicklung diejenige von geüig (Bd II 209) 
gewisse Analogien böte. Dagegen scheint es identisch zu sein 
mit k&rnth. keidig, ganz, z. B. dtu Kind ut der k-^ Vater 
(Lexer, Kärnth. WB. 157); dem dort ebenfalls angefahrten 
keit'/remd, ganz fremd, würde sich unser ekU'Naeht (s. d.) 
an die Seite stellen. Zugehörigkeit zu Kid, Keim, ist mög- 
lich, weil sich aus dem Begrilf des Ursprünglichen der des 
Gründlichen und Gänzlichen ableiten lässt (vgl. noulat radi- 
cali» aus radtr), oder viell. eine Abstractlon ans der RA. 
Icein Chid g'»eh denkbar ist. 

Ghoder, in AAZein. ; G -ö-, in GWe. ; ü -u'- — m., 
in „W n.": zäher, schleimiger Auswurf aus Hals und 
Brust, allg. ,Kein k. schluck, kein rotz rüer an, ein 
fatzenlet solt by dir han.' Frib. 1502. ,Damach zuerst 
hauptwee mit einem k. angangen.' Wurstisen 1580. 
,Kumpt im [dem Bären] ein Jäger zuo nahend, so 
speuzt er ein k. auf in.* Tierb. 1563. ,Pituita, rotz, k.' 
Fris.; Mal. ,Ein Patient, welcher umb die Brust voll 
K. oder Schleim stecket.* FWürz 1634. ,K., Rotz, 
Schnuder, mucus, pituita, phlegma.* Red. 1662; Denzl. 
1677; 1716. ,Die Brust von dem dicken K. reiniget.* 
IMüRALT 1715. 



151 



Kad, ked, kid, kod, kud 



152 



koderecht ,Den k-en, schleimigen haesten/ 
YOGBLB. 1557. 

Chodere" f.: Speichel FO. 

chodere", in ÄABrenig., HL, Zein.; Gl; G; Ztw. 
-ö-, in GA., We. -u'-: 1. Choder Auswerfen, allg. Mit 
tnx**m Hueste* isch 's itz dann üs, t** chann afig hräv 
eh. [der Schlcini löst sich]. Ein** (öppis) a"-, öfter-, 
ver-ch.y mit Choder bespritzen Aa; Ap; Bs; Th; W; Z. 
,Ex8creatio, das k., answurf.* Fris.; Mal. S. noch 
graggen Bd II 725. «Renspern, k., külstern, screare, 
gargarizare, spntare.* Rrd. 1662. «Sputare, oft speien, 
k.* Dbuzl. 1716. — 2. zänkeln, giftein L. Du hest 
immer Öppis z' ch, Syn. chüderen. 

Ch oderer, in ApK. Chuderer — m.: Mensch mit 
starkem Auswurf ApK.; BSi.; Sch; W. Alter Eracher, 
Huster, Lungensüchtiger Bs (Spreng). 

Chodercte"f.: 1. (anhaltendes) Auswerfen von 
Choder Sch; Th; Z. — 2. die dadurch heryorgerufcne 
Verunreinigung Th; UwE.; W; Z. 

Choderi, in AaF.; SchwE. -ö-: 1. = Choderer Aa 
Wohl.; Bs; L; G; SchwMuo.; Th; UwE.; Z. Baucht 
er e Pßfdi Tubak, so findt halt d' Frau o» Dim hei'' 
G'schmack. Du Chodri, Speuzer, Lüllima*; so tituliert 
si ire*" Ma'*'*. EFkurer. — 2. leichter Husten mit star- 
kem Auswurf ZS. I** han eistet e so en wueste* Ch. 

— 3. mürrischer, zänkischer Mensch L; SchwE. Dr 
gitig, vergiftig Ch. Lirnbrt. 

choder ig: ^voU Speichel"; schleimig Bs. ,Die 
steinbeisser habend ein zach, k., wüest fleisch.' Fibchb. 
1563. ,Pituitam contrahere, rotzig oder k. machen.' 
Fris.; Mal. ,Die Materi voll überflüssiger, grober, 
k-er Feuchtigkeit.' JRLandenb. 1608. 

Tüfels-Chötter: der Stengelsaft von Cypressen- 
Wolfsmilch, cuphorbia cyparissias Aa (Rochh.). Syn. 
Tüfels'Speuzi. 

Die ,Milch' dickt nach, wenn der Stengel abgerissen wird, 
and nimmt dnnkle F&rbung an, daher die Übertragung. 

chöderlig: ekelerregend Z. 

Chöderli^g (in TnUntersee auch -o-, in GA. -ä-) 

— m.: 80 viel Schleim, als auf einmal ausgespuckt 
wird Aa; B; G; S; Th; Zg; Z. Wer hed wider eso 
en Ch. an'n Bode* g'macht? 

ehöd: wählerisch im Essen G. Syn. chuttig. 

Das W. gehört viel), zu ehäudere'^, mürrisch sein, welches 
seinerseits mit chuden* nahe verwandt ist; vgl. bes. ver- 
chüderen. Die urspr. Bed. w&re also: mürrisch, verdrossen. 
Wegen des Vocalvorh&ltnisses vgl. die Anm. zu Ckäuder, 
Yiell. aber ist es eine blosse Lantabweichung von chög. 

nköderlen: in weichen Tönen sprechen, lallen, von 
jungen Kindern Sch." Syn. chüderlen. 

Chüder m., in Gr Chüder n. — Dira. Chüderli Th; 
Zu.: 1. Abgang von gehecheltem Hanf (WBrch-Ch. SJ 
oder Flachs (Flachs-Ch. BHk.; S; Th). allg. Syn. 
Fotzen, Küz, Barten, Bupp, Un-Spunni, Stuppen, 
Wickli, WälH, Äb-Wirch, Zöckli. Auch der beim 
Spinnen an der Kunkel zurückbleibende kurzfaserige 
Überrest GnSplüg.; Th; Z. ,[Beim Hecheln des Han- 
fes] kommen zwo Sorten heraus, die mehr holzichte 
mit kürzern Fasern, so man bei uns K. nennet, und die 
bessere mit langen weichen Fasern oder die Reisten.' 
Pflanzenk. 1774. ,Der beim Streif hecheln in der He- 
chel zurückbleibende Teil des Flachses ist der K.. 
derjenige beim Lauterhecheln aber wird Ebrich oder 



Abwerch genannt. Der reine, zum Spinnen fertige 
Flachs (oder Werch) macht ungefähr 50 Teile, der K. 
30 Teile und das Abwerch 20 Teile von dem durch 
das Schwingen erhaltenen Faserstoffe aus.' Alp. 1827, 
285; s. noch 286. 321 f. und GLHarth. 1817, 18. Ab- 
gang vom Ab- Wirch ZGlatt. Der Ch. wird (nochmals 
gehechelt Th; Z; vgl. BuschottlenJ zu Ch.-Oam (Bd II 
421) gesponnen, meist eine Winterarbeit älterer Frauen. 
Vgl. Gotth. XVm 307. Arme Leute betteln um Ch. 
und Barte*^ damit sie den Winter über zu spinnen 
haben. L Nachr. 1865. Über den Ertrag des K.-Spin- 
nens s. N. B Kai. 1841, 59. Als wenig lohnende Arbeit 
erscheint es sprichwörtlich. »Hettist dafür [statt zu 
schimpfen] K. g'spunnen.' Stettler 1606. Vgl. ,ich 
hab bisshar itel K. gespunnen', vergebliche Arbeit 
getan. Keisersberq. Lt Schweiz 1858, 95 wurde Kuder- 
Diebstahl im Kt. B vormals damit bestraft, dass das 
Gestohlene dem Dieb unter dem Galgen an den Fin- 
gern verbrannt wurde. Ch. im Gegs. zur Bisten: Zwei 
Bauern streiten vor einem geschnitzten Marienbilde 
über die Haartracht desselben. A: Si hedy «cZ^-iwi"* 
de^ Tu fei verzere*, »u** Biste* uf ^em Chopf. B : 's ist 
viUicht nur kei* Biste*, i*"* wett dörfe* mi" Chopf setze', 
wo 's nüd Ch. war. A : Und t** wett dörfe* die best 
Mass Wi* g'wette'', wo 's nüd Biste* war und dtnn 
na''^ Flachsriste'. B: Du Narr, me* cha'' de' Ch. 
aw** färbe*. Wolf, Gespr. ,Au8 K, Garn zu Battist 
erhexen.* Hebel. Es wird «*«* zeige' (zeigt si*''' im 
Sude*), ob dtr Ch. öl gib, das Unternehmen wird miss- 
lingen. Ineicbeh. Kinderreim: Furiö, dtf Bhx' brennt; 
lösched-en mü Ch. ! Sch. ,Kügele von wärchk.' Vooelb. 
1557. ,Stupa, abwerch, es seye von hanf oder flachs, 
oder k.' Fris. ; Mal. , Etliche netzen K. oder Abwerch 
in gebranntncm Wein und brennens in das Fass anstatt 
des Schwebelrings.' JRLahdenb. 1008. ,Werk, Hanf 
und K.' ScHixpFR. 1651. ,K., (Ab-)werk, Barte, (se- 
cundaria) stupa, cannabis reliquiae.' Red. 1662. ,He, 
he! hörst du Nichts? hast K. in den Ohren?' Brägg. 
Bildl. Ch. im Chopf hä', verwirrt, närrisch sein Ap; L. 
Sich US ^em Ch. lä' Ar, mache' GBern., sich entwickeln, 
vorwärtskommen, von jungen Leuten. — 2.^=sFuesS' 
Hanf (Bd II 1489) Gr. — 3. aus Ch.-Garn gewobenes 
Tuch AAWohl. Syn. Ch.-Tuech, bärtigs Tuecfi. — 

4. verworrenes Hanfgarn ZO. — 5. Flocke. ,Ch. von 
wullen, floccus.' Mal. ,F1occu8, ein locken wuUen, 
voll flock, kleine stübende fätzle, oder chüderen von 
der wullen.' Fris.; Mal. — 6. (auch Chriesi-Ch.) der 
mit Gewürz versetzte Rest der Kirschenlatwergo Ap. 
Eine zu schnellem Gebrauch bereitete Art einge- 
machter Kirschen GT. Vgl. Oumpist. 

chüdere" I B; GnRh.; GG.; Schw; Th; Ndw; Zg; 
Z, chüdere" 1 B; GnSplüg.; „L;" GT.; Obw; W: 
1. = hären 2 (Bd II 1510) B; GT.; Th. G'chüd^et, 
fasernd, z. B. vom Torf Ap. — 2. = hären 5 GT. — 
3. lallen, bes. von Kindern B. — 4. zwitschern BHa.; 
W. Syn. ehäderen. ,Garrire avium more.* Id. B. — 

5. „kosen, liebeln, eine geheime Herzenssprache zw. 
zwei Verliebten, die nur ihnen verständlich ist B; 
LG.; Schw; S." Ei'*m eh., schmeicheln, den Hof 
machen B; „L." Syn. Müderen. Als Fonnel der Ab- 
fertigung: Cha'^st mer cho"* ch. GG.; Schw; Zg. — 

6. halblaut klagen, murren, grollen, schmollen, zanken 
B; GnSplÜg. Syn. chlben, cholhen, chüpen, müderen. 
Ja, Dtr hetti no*'** vun Urrichtigi z* eh., pulveischütziga'' 



153 



Kad-kud. Kaf— kuf 



154 



und ho'''bottn^*' ide-n-er ist BLenk (Schwzd.). Äü 
Tag chuderist du mir öppis Hunds vo"* Dem vor. B 
Bauernkai. 1889. ,[Dem Widersacher Berns ist] sein 
k. vergangen.* ThFrickirt 1470. ,Wes kudrest dn 
oder was brist dir?* Zibly 1521. -— 7. vor Schwäche 
zittern Ndw. 

Die L&oge des Stammvoc. ist gesichert ansser fUr BBgd., 
TOD wo A' aDgegeben wird. 1 uod 2 gehöreu sicher zo 
Chüder, yielloicht auch 3 bis 6, wenn man eine gemeinsame 
Grundbed. «unverständlich, in verworrenen I^auten reden*, 
ansetzen darf. Zo 5 spec. vg). fUwtden Bd I 1067; doch 
könnte es auch eine Abi. von Cküder, Täuberich, sein ; 3 und 4 
Hessen sich dann auch so erklären. — 6 könnte mit Kuder, 
Kater, zshangen ; dem Yerhältniss von Ckäuder : choderen ent- 
spricht genau das der synn. Mäuder : müderen; vgl. aber auch 
Chater, alter Griesgram. — 7 berührt sich begrifflich eben- 
falls mit müderen. 

ab-: tr., scharf tadeln, oft mit körperlicher Züch- 
tigung verbunden ZO. I'* hän-e* recht ab§^ehuderet, 
Ää" fast g'meint, [ich] well e» tüchtig ü8trö8ehe\ 

ÜS-: = dem Vor. ZO. I«* tcett f g'umss ü,, ich, 
dXr Sakerment! 

ver-: 1. verchüderet üsg'seh, anordentlich, bes. in 
den Haaren ZO. — 2. das Essen schmollend zurück- 
weisen BSi. 

chüderig, in BAarb.; „L;** Ob^ chOderig: 1. aus 
Chüder gefertigt. ,Kuderige Hemlistöck.* Gotth. ,Wenn 
sie einen Mann wolle, solle sie sich einen k-en machen 
lassen.* ebd. — 2. „rauh im Antasten, zunächst von 
grobem Leinenzeuge, allg." Ungekämmt B, fasernd (vom 
Torf) Ap, welk (von Rüben) BsL. Es ch-s Höppli S. 

— 3. unwirsch BAarb., zänkisch Obw. — 4. still, in 
sich gekehrt, wortkarg Ar. Syn. müderig. — 5. un- 
ansehnlich. ,Du k-s Mannli.' Gotth. Vgl. Küder- 
Mannli. 

chiiderle" Gl; Ndw, chüderle" Aa; Bs; B; L» 
GSa.; Sch; S; Obw; ZS. : 1. = chüderen 13 Sch 
(Sulger). — 2. = chüderen 1 4 Sch (Sulger); S. Syn. 
düderlen. E"* junger Meisterlos schwätzt im %*, im 
Channe^birbaum ob ^*m Hasc'rank dö chüderli e* Brue- 
tete'* jungi Spechte\ BWysb 1887. — 3. säuseln, vom 
Wind BSumisw. (unpers.); LG.; S. — 4. Einem Etw. 
zutragen, hinterbringen L (Ineichen). — 5. wesentlich 
= chüderen 1 5, doch häufig mit Hervorhebung einer 
bestimmten Absicht: ködern, kirre zu machen suchen 
Aa; Bs; B; L; GSa.; S; Obw. Syn. chlütterlen. Ei**m 
eh. und chrättde^, eh. und flattiere^, übermässig schmei- 
cheln B. Me^ chüderlet cWt", wie" schätzelet cWi". JCOtt 
1864. ,Er chüderlet ihr zarte Schmeicheleien.* B. Als 
Formel der Abfertigung: Du cha^'^st-mer (i^^ wül-dr, 
w<" tcirt'dr) c^..' Aa; Bs; B; L; ZS.; ä, chüderle*! B. 
,Wenn mich jetzt einer von den Buben schon wollte, 
sie könnten mir k.* Gotth. Die het im lang chenne** 
ga* ch, M"** ga* bibbeberle*. DGemp. 1884. Er heigi 
*denkt: Ja eh.! «*•** heigi nid welle''. BXri 1885. — 
6. == griittlen (Bd 11 828) Gl. — 7. = chüderen I 7 
Ndw. Vgl. Chüderli. 

ver-: vor Schwäche nach und nach zu Grunde 
gehen Ndw. Der Mensch verchuderled eso hibscMi. 

Chüderli: 1. geiziger Mensch Sch. Vgl. ge-härig 3- 

— 2. Chüderli, Spottname für einen kleinen Menschen, 
der die Luft hörbar durch die Nase zieht Th. ,Ein 
Junge, dessen Familie den Übernamen ChÜderlis trug.* 
JSenn 1870. S. noch chüderlefi 3 und vgl. Schnüfer. 

Chüdere^ f.: zänkische Person Gr. 



Chüderer Obw, Chüderi B; Obw: zänkischer 
Mensch Obw. Spasshafter Zuname B. Du bist e" 
lÄckers Ch. 

chüderi»: = chüderig 1 Scn; Th; Z. ,Küderi, 
abwSrchin, stupeus.* Mal. ,Für kaudere gesechtes 
Garn.* 1691, Zubers Tageb. ,Böck von gemeinem, 
hiesig gearbeitetem Hauss- und anderem küdereni, 
baumwüllinem und kuttiniertem Zeug.* Z Mand. 1703. 

chüderli^^: zärtlich, schmeichelnd BSi. 

Wild-Knder: das Männchen der wilden Katze 
(Jägcrspr.). HSchinz 1842. 

Chüder : Mensch mit grauen Haaren G oT. — Yiell. 
Nbf. von Chüter oder Abi. von Chüder. 

Chnedli Ap; GStdt, Chuetli Z: Konrad. Verächtlich 
Chüedler Ap. 

„Kfieder n.: 1. Trester von Trauben G. — 2. Ab- 
raum, Überbleibsel von geringem Wert G.** — Wohl 
ungenau geschrieben fQr Ge-hüder (Bd II 999). 



Kaf, kef, kif, kof, knf, bzw. kaff usw. 

S. auch Kato usw. 

„Lilien-Kaval n.: das romantische Geissblatt, 
chevre-fenille, periclymenum, als mit sehr wohlriechen- 
der Blüte Aa; B.** 

Es ist das Garten-Geissblatt, Ion. capr. ,Bomantisch* 
viell. mit Bez. darauf, dass die Pflanze in mittelalterlichen 
Sagen und Liedern (zunächst altfranzOsischen) als Symbol der 
Liebe vorkommt; viell. aber i. S. v. ,romanisch* mit Bez. auf 
die Herkunft der Pflanze. 

Fech-Gavalier Z, -Gabelier Ta: Schuster (spöt- 
tisch). Vgl. ,Schusters Rappe*. 

KavaiiE f.: Vakanz, Ferien AAWohl.; BsBirs.; 
BBrisl.; L; GSa. (Kävänz); S (Joach.); Uw (auch Ka- 
vans). Syn, Ur-laub. 

Raffe Ap; GrV., ObS.; L; Ndw, Kaffi GlK., C- 
GRtw., Äa/STn; Z, Ch- GaPr., Qajfe Aa; B; GRtw.; 
S, Qaffi, Aa; GaSchiers, Gafi F — Dim. Käffdi Bs, 
-/'- Z — m. Aa; F; Gr (vorwiegend); S, n. B; Gl; 
PP.; Z: 1. Kaflfee (die Bohne wie das Getränk), in 
Wirklichkeit fast durchweg mit Cichorie, Zigori (in 
Th Buggele^J oder auch etwa mit anderen Surrogaten, 
z. B. Eicheln, gedörrten gelben Rüben, vermengt oder 
durch dieselben (immer unter dem Namen K.) geradezu 
ersetzt, da dann der reine Kaffee als Bone* (in ZO. 
Borne)'K, unterschieden wird. Chalter K., macht rot 
Bagge"* AAEhr., Tuacht schön Z. Du chtist [kannst] 
nu^ Kei^'m es K. gi [geben], du bringst es nie so 
weit, dass du Jmdn mit einer Tasse Kaffee bewirten 
kannst GlMoH. Bildl. De* K. verstoß die Sache ver- 
stehen. Däniker; vgl. Bränz. Der K. ist bei unserer 
Landbevölkerung erst seit Mitte XVIII., tw. noch 
später, aufgekommen. Er wurde nur bei grossen Mahl- 
zeiten am Schluss als Rarität gegeben. ,Das stark 
einreissende Thee- und Kaffee-Trinken bei Zunftmahl- 
zeiten soll verboten sein.' Z Ges. 1757. — 2. Feig-, 
Wolfsbohne, gelbe Lupine, lup. lut., in den Gärten 
gezogen zum Ersatz für die eig. Kaffeebohne GRh., 
S., T.; Th. 

Der Anl. g, der gewöhnliche Stellvertreter des roman. c 
in unmittelbaren Entlehnungen, ist für die westl. Kantone 



155 



Kaf, kef, kif, kof, kuf 



156 



bedr^oi flieh ; die Affrikate k)[ charakterisiert das Fremdwort 
flbh. Die über die Handart hinausgehende Unterscheid nng 
der Ansspr. in der Scherzrede: Mer hand [wir haben] all 
Tay xiceieriei: em Morffe"^ Kaß und z Mittag Kaffi (ZSth.) 
soll die Vorstellnng verschiedenen Stoffes erwecken; vgl. der 
eint Tag ChnOpßi und StücHi, der ander Tag St. und Chn. 
Bemerkenswert ist, dass in Ap nnd Th für den ungekochten 
K. das m&nnl.f fUr das Getr&nk das s&chl. Geschlecht gilt. 

Akte»- (Z), Näckli-(Ap; G; Th; Z)Kaffß: K. 
mit eigentümlichem Beigeschmack. — S. Aek Bd I 163; 

grüentachdig Bd II 785. 

Gungelo"- (ZKn.), Gunggele"*- (Th), Glünggel- 
(L), Wäschlumpe"- (S). Lüre"- (Aa; B; S; Z), 
Spitaler- (Dkr) : schlechte Kaifeebrühe. So-n-es drü 
Mol abhrüetnigs W, Schild. Syn. Olöri, Luven, — 
Glarner- (GaMai.), Milch- (BBe.), Schwizer- 
(Rigi) : mit Milch statt Wasser gekochter E., dgl. man 
z.B. in den Sennhütten erhält. — Reckholder-: Ab- 
gnss von Wachholderbceren, als Mittel gegen Wasser- 
sucht gebraucht BBe. — Hnsare»-: schwarzer K. 
mit Kirschwasser L; Schw. Lt Aa Schulmstr 1887 = 
Krambambuli: Die wüsche!* Kanonier händ Chriesi- 
Wasser in e* Bhxtte* geschüttet, denn über di Blatte* 
drei Gable* 'tö*, güe* Zucker druf g'leit [gelegt] und 
's Chriesiwasser a*zündt und no"^ über H* Zucker 
abgeschüttet, das* er vergangen ist ; denn händ si 's ab- 
g^lösche^, und dem händ si H. g'seit. Auch geradezu 
statt Branntwein: ,Er sprach das Wort Bränz nur 
selten aus: bei ihm hiess es Schinneever oder Hau- 
sarenkaifee.' Stütz. — Päckli-: in cylindrische Pa- 
pierhülsen gepacktes Pulver, meist aus Cichorien Ap; 
Th; Ndw; Z; als Surrogat von K. — Brueder-: 
schlechter K., wie ihn etwa ein Waldbruder bereitet 
oder ein Bettler -bekommt Z. Vgl. Anm. zu Br.-Hüs 
Bd n 1723. — Eör-: in der Ofenröhre gekochter K. G. 

— Schoggelade»-: gekochte Chocolade BStdt; Ndw 
(Tsch-J; Z. — Na^i'-Schapf-: K., mit ein Mal ab- 
gerahmter Milch bereitet Ndw. — Schwabe"-: dicke 
Hafermehlsuppe ZLimm. (scherzhaft). — Stragal-: 
Kaffeewicke, astragalus baeticus. Durh. Syn. K.-Tra- 
gant, -Bon, 

kafne": Kaffee machen und trinken GSa. — Bildung 
mit n nach Anal, solcher Ableitungen Ton deutschen WW. 

käfele", in Ap tw. käffele*, in GaPani gaff de*: 
1. behaglich K. trinken (und dazu plaudern) Aa; Ap; 
Gl; Th; Z. Vgl. täfeUn, — 2. viel K. machen GaPani. 

— 3. nach K. riechen oder schmecken Ap. 

Zu 1 vgl. betr. die Bed. der Dim.-Bildung »chöpiAen, 
echnäpeien, kärtlen. 

G'chafel (in Ndw und SchwMuo. auch G'chäfelJ: 
1. ^m., was man benagen kann GRh." — 2. „n., etwas 
Ungeschicktes B; LE." Verächtliche Bezeichnung des 
Schneidens und eines Durcheinanders von Abfallen 
ScHwMuo.; Th. Unordentliche Arbeit, bes. schriftliche; 
schlechte Schrift B. ,Der Schulmeister solle mir z' 
fressen g6", wenn er mich doch das G. lehren wolle.' 
GoTTH. ,Er könne jede Schrift lesen wie Schnupf, 
numme" dem Pfarrer sein G. könne er nicht verstehn ; 
der schreibe aber auch, wie wenn er einen Tannast auf 
dem Papier hie und dert ume"schleipfti.* ebd. Auch : 
unordentliche Rede, Geschwätz. Gotth. — Syn. Kaßete. 

chafle", in GSa., oT.; U -ff-: 1. nagen, an Etw. 
herum beissen, kauen Aa; Bs; B; Gl; LE.; GG., Rh.; 
Sch; Th; Z. J)' Mueter giH de* Ohinde* Namis [Etw.[ 



^ ch,, z. B. dürres Obst Sch. Laub [von einer Hecke] 
ab-ch, (von Ziegen). Ä*g'chaflet8 Brod, Epfd k., mit 
den Zähnen schabend essen Bs; Syn. rafflen, ratzen, 
lt Spreng = ,schälen, deglubere.' Spec. krankhaftes 
Nagen des Stallviehes ZO. Auch von der blossen 
Geberde des Kauens : Er chaflet mit dem Mut wie-n-es 
Chünndi [Kaninchen] AAZof. Mit dem Nbbegr. der 
Widerlichkeit für Gehör und Gesicht der Umgebung 
„L;" G; Th. — 2. am Kopf kratzen, bes. mit dem 
Daumen, z. B. von Kindern, welche am Schorfe leiden 
Bs. — 3. eine Arbeit oder anderweitige Tätigkeit ohne 
Kenntniss und Geschick, unordentlich und leichtfertig 
verrichten, pfuschen Ap; B; L; GSa.; S; z.B. auch 
von Feldarbeit B. Bildl. : Lang hei* ja die alte* Herre* 
d's Land regiert — es ist e Freud; aber jetz sit drüne* 
ffare^, dass de" Bur dr%* kaflet het, ÄUes (kratzet i* 
de* Hare*, Klagen eines Schweizers. Insbes. a) mit 
stumpfem Messer oder übh. ungeschickt, auch in be- 
schädigender Weise schneiden, schnitzeln Aa; VO; 
Soh ; Th ; Z. Syn. schnäflen. Fleisch ungeschickt zer- 
schneiden Th; Z. Das Metzgerhandwerk nicht kunst- 
gerecht oder ohne Berechtigung betreiben Ap; Bb; 
S; Z. Auch von andern Handwerkern, die ihr Ge- 
schäft schlecht verstehen; so, spöttisch, sogar vom 
Secieren und Operieren der Ärzte Bs; Z. Der Tokter 
hat erbärmli*^ an-em ummegi' chaflet, Ä* Tisch und 
Bänke*, a* de* Ghleidere^ ch, Aa; Z. ,Kafflen und 
wassnen [abschlachten und verscharren]' als die Haupt- 
verrichtungen des Nachrichters. 1574, LWill. ,Kailen, 
hacken, kappen, hauwen; conscindere, consccare.' Red. 
1662. ,Alles Kafflen und Winkelmetzgen soll verboten 
sein.' Z Ges. 1779. Bildl.: ,Wenn Die, wo [welche] 
die Gesetze aufrecht erhalten sollen, selber darin 
gange" ga" eh., so sei Das unverzeihlich.' Gotth. — 
b) beim Schreiben, Zeichnen, Malen sudeln B; S; 
bes.: unschön, unsauber, unleserlich, mit ungleich 
grossen Buchstaben schreiben B. — c) verächtlich 
f&r reden ; unverständlich, schnell sprechen, unordent- 
lich, ungeschickt reden Ap; B; LE.; G; Sohw; Ndw. 
Ei*'m drl* ch,, sich in die Rede eines Andern mischen 
BSi. Widerreden BBr. Ausplaudern S ; Syn. Mehlen, 
ratschen. — d) allerlei Stoffe, z. B. Fleisch, Blut, Tinte, 
derb angreifen und damit die Finger beschmutzen B ; S. 
Syn. karren. Auch Flüssigkeiten umrühren S. Mit 
den Fingern oder einem Gerät in Etw., z. B. Speisen, 
herumstöbern, -wühlen Bs; B; G. Gegenstände durch 
einander werfen, Verwirrung anrichten B; PMu. — 
4. keifen Aa; Bs; Gl; „L; Sch; Schw;" Uw; „Zg; Z." 
S. nuch Gr. WB. V 18. Möglicherweiso steckt in k., 
wo es auf die T&tigkeit des Schinders angewendet ist, ein 
anderes W. ; vgl. bair. kofeln (Schm. I 1230). An die Bed. 
,kauen' könnte auch 3 c nnd 4 EDgeschlossen werden; denn 
diese beiden bezeichnen einen mangelhaften oder schädlichen 
Gebrauch des Mundes. 2 könnte auch zu 3 d gezogen werden, 
da bei 3 sonst übh. die T&tigkeit vom Mund auf die Hand 
übertragen ist, worans sich dann von selbst der Nebenbegriff 
des Ungeschickten, Schädlichen, Willkürlichen ergibt. 

er-: 1. Fleisch betasten B (Zyro). Zu chaflen 3 d. 
— 2, durch Pfuscharbeit zu Stande bringen Ap. 

ver-: 1. zernagen, „von Mäusen, Ziegen", Hunden 
,Gl; gg., Rh.; Sch; Schw; Zg;« Z. ,Dörfften wir doch 
die Wurm sarapt dem, was sie verkaflet und zernaget 
haben, nicht ausschneiden.* Vollknw. 1642. — 2. durch 
ungeschicktes Schneiden verderben, z.B. ein Kleid von 
Seite des Schneiders Gl; Obw; Z. — 3. besudeln, z.B. 



157 



Kaf, ket kif, kof, knf 



158 



ein Blatt Papier, wie Kinder zn tun pflegen Bs. — 
4. verwirren. Das Geschäft ist von Ä'^fang a" ver- 
ehaflet worde"* B. 

strau-: eine Krankheit der Schweine, der Leck- 
sncht beim Bindvieh ähnlich. Alp. 1827, 379. 

Chafler m.: 1. wer nicht sauber schneiden kann, 
ein Handwerk, bei welchem man bes. schneiden mnss, 
angeschickt betreibt, z. B. von Zimmerleuten, Holz- 
hackern, Mädern, Barbierern, Metzgern; anch von 
Wundärzten Aa; Ap; Bs; üwE.; Z. Ch. und Schlingger 
(Z Tagbl.), spöttische Benennung der Froschschenkel- 
händler mit Bez. darauf, dass sie ihre Schlachtopfer 
nach dem Abschneiden der Schenkel wieder fortwerfen. 
Spec: ,Die Sattler sollen Bosshäute nicht mehr von 
Kafflern oder Wasenmeistern, sondern nur noch von 
Bauern erwerben.' 1595, Liebenau, L. ,Es soll kein 
Fleisch von danahen in unsere Gerichte getragen wer- 
den und aller Orten auf die so genannten Kaffler ein 
wachtbares Aug gehalten werden.* Z Mand. 1713. Syn. 
Winkd'Metzger, — 2. Sudler S. — 3. Schwätzer Ap. 

— 4. „Keifer, Zänker VO; Sch; Z.« 

Chaflete" f.: 1. „zernagtes Zeug, Überbleibsel 
Gl; GBh." „Geschnippel, ungeschickt Zerschnittenes**, 
z. 6. zerstückeltes Brot, Holz ; auch in abstr. S. die 
entsprechende Tätigkeit L; Sch; Th; UwE.; „Ü; Z." 
De' Tokter cha*"* nOd recht operiere^, es ist nu^ so e Ch. 

— 2. „etwas Ungeschicktes in Wort und Tat", Stüm- 
perei, Sudelei Ap; B; „L"; Geschwätz Ap; ,confusio.* 
Id. B. — 3. Zänkerei UwE. 

Chafli m.: wesentl. = Chafler, 1. wer unordent- 
lich schneidet Ndw, schreibt Bs; B; unordentlicher 
Arbeiter übh., Pfuscher, Sudler B. — 2. wer lange 
an Etw. kaut GW. — 3. wer sich unbeholfen aus- 
drückt, ebd. — 4. wer sich unberufen in Etw. mischt B. 

— 5. Keifer Gl; „Sch; Schw; Zg; Z." 

• 

chäfele'^: 1. kauen S. [Die Tante packt ihrem 
Studentchen allerlei Esswaaren in den Koffer] ^ass 
d^ Bueb ömd nit müess Hunger liden uf der Reis und 
at*** im Kollegi e* Mi* chönn eh.; denn schmal ^nueß 
toerd *8 ddrt tcol zuegö^, Joach. An Öppis ume-ch,, 
appetitlos essen AAWohl. — 2. kleinlich streiten, zan- 
ke In, keifen BO. ; ZS. Syn. chiflen, schnöderen, — 
3. eigensinnig schwatzen AaHI. ; BG., Thun S. 

3 meint wahrsch. nicht viel Anderes als 2, etwa i. S. v. 
das letzte W. haben wollen. In allen Bedd. ist syn. cha/ien, 
und chä/den kOnnte einfach als Dini. des letztern betrachtet 
werden, wenn ä sicher späterer Umlant von a w&re, nicht 
anch dem alten ^ entsprechen könnte, das in Kä/e*, Käfer u.a. 
vorliegt, die freilich auch mit kaßen nahe vwdt sind. Das 
Selbe gilt von dem fast gleichbed. ehäßen, nur dass dieses noch 
weniger sicher als Dim. von chaßen aofgefasst werden kann. 

Chäfeler m. : 1. Kläffer, zanksüchtiger Mensch 
BHa.; L; Zg (St.^); ZO. — 2. wer Alles ungeschickt 
oder unordentlich macht LE. ; Zg (St.^). Syn. Chafler, 
Chafli. 

chäfle**: 1. hörbar nagen, z.B. von Mäusen an 
Holz, von Eichhornchen an Tann zapfen B. Syn. käfen, 
rafften, — 2. unordentlich sein; schmieren BBür. — 
3. schnitzeln Ndw. — 4. zanken, Widerreden B; Ndw. 
Syn. käfen (kebjen), ,Der N. von Zürich ist der aller 
bescheidner g'syn, aber die von Bern band fast mit 
uns käflet* 1530, Absch. 

Chafli m. : schlechter Schreiber S, ä= Chafli 1. 



Kafelantis Aa; Bs; L; Sch; Scbw (auch Kaff-)) 
Th; Ndw; Zo; Z, Chaf- B (Zyro); GA., Chaff- LG., 
Kavolandis Schw, Kafal- GF.,G.; UwE.; ZKn., Kaffa- 
lantes Ap, Kafelentis AAWohl., Kabelantis ZBenk., 
Kahil' GaPr., Spl., Kabal» GRChur, Kapilentes Gr 
(auch Kabal'\ Kavekmggis Aa (H.), Kaveriantis GG., 
Karvel' ZLunn. : 1. m., strenger Verweis, Straf- 
predigt, allg. Eim de" K. (verjlisen (in Bs; GA.; Th; 
ZKn. auch mache^J; Syn. (ic* Marsch mache*. De*, 
en K. iJibercho*. ,Er las inen das kaffalandas.' 1520/9, 
Stockar. Der Täuferin N. N. wird bei Entlassung aus 
dem Gefangniss noch vor Bat ,das cafilantes gelesen.* 
1526, GStdt Ratsb. Der Schultheiss soll ihm [einem 
Sectierer] ,das kafalantes lesen.^ 1527, L Staatsarchiv. 
,Hat man im ein kafalantes g'seit* 1528, L Ratsb. 
,MH. haben sy ungestraft dismalen von inen kommen 
lassen, doch inen ein gnet kavelantes vorgelesen, das* 
sy fürderhin von söllichem abstan.' Sch Ratsprot. 1541. 
,Der daheim zu lang beim Wein gesessen und dafür 
einen Cafelantis bekommt' 1559, JMüllbr 1867. — 
2. Zank Aa; SohwE. — 3. „m.** und n., Mischmasch, 
Wirrwarr Aa; BsStdt; B. Das gab mir e schöns Kafe- 
lantis, wenn d* Fraue* toürde* 's O'setz mache*, B In- 
tell.-Bl. 1880. — 4. n., schlechte Schrift B. Syn. Ge- 
kafel, Kaflete, 

Der Form nach vom Ptc. Prils. des lat. caviüari, welches 
aber nicht ,hart tadeln*, sondern nnr ,necken, sticheln, spotten* 
heisst, mit welcher Bed. es auch geradezu ins Deutsche auf- 
genommen wurde («Trutzen, schmfthen und cavillieren, ein 
guten Bruder bald stumpfleron.* HsRRebm. 1620). Grösseres 
Bedenken macht der Übergang von persönlicher Bed. in sftchl. 
Man wird also annehmen müssen, es seien dem fremden W. 
andere, irgendwie in Laut und Bed. ähnliche, untergeschoben 
worden. Am Nächsten liegt das ebenfalls fremde ,Gapitel*, 
von dem unser Ausdruck abekapitUn i, S. ?. ,den Text lesen, 
Verweis erteilen' gebildet ist; das männl. Geschl. könnte Ton 
dem syn. ,Text* fibertragen sein ; Zyro gibt auch fUr Bed. 1 
das s&chliche; yiell. erst aus 8 und 4 übertragen. Aber 
gerade diese Bedd. zeigen, dass auch das einheimische ka/len 
sich eingemischt hat, welches u. A. auch ,Yerwirren' und 
,keifen* bedeutet. Die Endung -m, ohne Zweifel aus lat. -e» 
entstellt, konnte von vielen (freilich auch nur teilweise er- 
klärbaren) mit derselben gebildeten und halb fremdartigen 
WW. Qbertragen werden; Tgl. z.B. Dallü, Dmu, ScHmirin 
= Schlflge, denen wahrsch. der Gen. eines Inf. zu Grunde 
liegt (Tgl. ,Fahen8% Fähui). Die Formen mit kah- können 
einfach obd. Lantgestalt Ton kaf- sein, aber der Vocal a der 
zweiten Silbe (neben % und e) könnte auch auf Einwirkung 
des Fremd w. ,Kabale* weisen, dessen spätere Bed. der von 
caviUari nahe kommt. Ans einer Angabe Ton Goldast geht 
herTor, dass in der altern Schulsprache gewisse Schüler, 
Tiell. heimliche Angeber, die den Andern Verweise zuzogen, 
«Cafalantes* genannt worden. In der Schulordn. t. Brugg, 
Auf. XVI., werden dagegen «caTillantes oder Unzüchtige* die 
strafbaren Schüler selbst genannt. Für das mit Kafdaniu 
gleichbed. und aoch laotlich Twdte Ap Afarantea (Bd I 102) 
ist Mitwirkung Ton frz. affront Ter mutet worden. Cavdangyit 
zeigt die häufige Verwechslung von t mit {*. 

kafelantese": stark tadeln Ndw. 

Kafelenz Gl (auch Kafi-), Kohelenz S — m.: 
= Kafelantis 1. De* K, (abe-J lesen Gl. 

Nur eine durch Zusammenziehung Ton Kafelanti», -entiM 
entstandene Nbf. von jenem, mit Umlaut, an die zahlreichen 
lat. Wörter auf -entia angelehnt. 

kafelenze**, mit Einem: ihn ausschelten Gl. 

Caffe(ii) : ein Kleiderstoff, bes. zn Verzierungen von 
Kleidungsstücken gehraucht. ,Dass die Dienstmägde 
nicht nur aller Krönlin, Sammet und Caffe, sondern 



159 



Kaf, kef, kif, kof, knf 



160 



auch aller seidener Zeugen und ßanden an ihren Klei- 
deren sich enthalten.* Bs Polizeiordn. 1715. «Gesinde 
und Hindersässcn wird verhoten, bei Hauben und 
Halstüchern weder Sammet noch Caffen zu gebrauchen 
und weder Gold noch Silber darauf zu setzen.' Bs 
Sittenmand. 1769. — caffin: Adj. zum vor. ,Caflfener 
oder mit Gold brodierter Hauben, auch samraetcaffener 
oder seidener Verbrämung ihrer Kleideren sich zu ent- 
halten.* Bs Polizeiordn. 1715. ,Wir verbieten alle 
sammeten und caffencn Bockfutter.* Bs Mand. 1780. 

— Aus frz. ca/ard; Vgl. «Caftsatnoiet* bei Gr. WB. 

Kaffer m.: Scheltname für einen dummen, unge- 
bildeten Menschen Z. — Von dem Namen des afrikanischen 
Volkes. 

Cafernäl — PL -efnj — m. : über den Boden der 
Tenne hervorspringender Band der Bohle fTennUideJ, 
mit welcher die Wand der Tenne so zsgefügt ist, dass 
jener Band in die Wand eingreift Gr hPr. Vgl. Nueten. 

— Abi. von lat. eavema, HOhlong. 

cafernä'le(n): Korngarben an die Wand der 
Tenne schlagen, damit das beste Korn (zum Säen) 
aus den Ähren falle GabPr. Syn. falzen. 

Cavl'g, G a w igg , K o v i g — PL -efnj — m. : vormals 
erster Vorsteher einer Dorfgemeinde, auch Platz-C, 
jetzt ersetzt durch ,Geschworner, Ammann, Vogt* Gr 
Churw., Pr., Seh. Dieser Beamte hat hauptsächlich 
die Verwaltung der Ökonomie und Polizei unter sich, 
in einigen Gemeinden nur noch die Bestellung und 
Beaufsichtigung der Hirten. Syn. Dorf- Meister, Auch 
=: Alp' Vogt, 'Meister; Syn. CacUUp. Daneben hatte 
er bes. auch die Aufsicht über die Bannwälder. Das 
W. bezeichnet zuweilen auch Gehülfen des Beamten, 
z.B. 4 Cavigen unter dem Gemeindevogt in Seewis; 
ebenso in den Urk. von Jenatz. ,Es soll niemand in 
synem hüs beder sieden, vorbehalten kindbetteren 
oder kranken lüten, so sollen sy die 7 mann oder den 
gawigen umb urloub ersuechen.* 1491, GnThusis. ,Die 
gemeinde soll und mag alle jar ain gowigen erwellcn 
und setzen.* ebd. ,Ein goffig einer ganzen gemeind 
des dorfs Jenatz.* 1510, GnJen. Arch. — Aus charw. 

covik, cuvtg, cau-vitg (lat. caput vici). 

Chftfe» Aa; Ap; Bb; BSL; Gl; Gr; J.G.;" G; ,ScH;« 
Th; Z, Chabe'' B; LE.; U, in dimin. Form BGadm. 
(Ghöbi); GW. (Chäfli): 1. (m. Aa; Ap; „Gr;** GRh.; 
„Sch; Z«, f. Ap; Bb; BO.; Gl; Gr; LE.; ü; Z) Hülse, 
Schote, a) Frucht der Leguminosen, a) Erbsen Aa; 
Ap; B; Gl; GaLgw.; „LE.;" G; Sch; Th; Z (im W. 
ChäfJ, Spec, meist mit dem Zusatz churz, süess, 
Zuckererbsen, pis. sai var. sacch. Ap; Bs; BBe.; Gl; 
G; Th; Z; Syn. Süess-, Zucker- Mues; vgL Erbis Bd I 
429. Ackererbsen, pis. arv. AABb.; BO.; Syn. Feld-, 
Chuet-Erbs, Fisel, Chifel, — ß) Linsen, erv. lens Ap. 

— Y) meist mit dem Zusatz lang, wälsch, Bohnen, 
phas. vulg. Ap; Gl; Gr; GRh., Stdt; ü; Syn. Stigd-, 
Wälsch-Erbs, — ö) Chefli, spanische Wicke, lath. 
odor. Sch. — ,Alle, so kriesi und kefen feil habent.* 
1344, Z. ,Für k. und rüeben habent sy fernd nüt gSn 
und wellent hür ouch nit g6n.* 1523, Egli, Act.; vgL 
Käfen-Oeld. ,Ocymum, allerlei saatkräuter, so sy 
abgeschnitten werdend dem vych zuo weid, ee dass 
sy käffen bekommend.* Frib. ,Was in rechten Egart 
Käfen wachsend, die nimbt er [der Leutpriester] als 
kleinen Zehend.* 1684, AAWett. Klosterarch. »Erbsen, 



gute K., KiefeL* Sulzbr 1772. In Gl; GGrabs (und 
vielL auch an einigen andern der angeführten Orte) 
spec. die Schote an und für sich ohne den Samen; 
Gegs. Fisel (Bd I 1074), £t/W. S. noch Hulschen 
Bd U 1215. ,Die k., das lang rörlin, darin die somen 
beschlossen sind, wie in dem g^müeskraut: siliqua.* 
KdGbsbn. 1542. ,Ein hülschle, belgle oder keflc (kä- 
fen), darin das sömli gelögen.* Büef 1554. ,Käf, löche- 
richte oder hole Hülse, Schote, siliqua, valvulus, 
gluma, folliculus.' Bbd. 16(52. — b) die grüne Hülle 
der Wallnuss ü. Syn. Tanggen, — c) in dim. Form, 
Lewat, Beps, brass. oler. lacin. AAEhr.; Ap. — 2. (m. 
Aa; Gl; GrA., He.; „LG.; Z", f. „B;" GlK.; GhL.; 
,LE.;» UwE., Chäfli. Z) die Höhlung oberhalb der 
Schraube oder Schnecke eines Bohrers, worin sich die 
Bohrspäne sammeln; auch Übh. Gewinde, Schneide 
eines Bohrers Aa; B; Gl; Gr; „LE.;" üwE.; ZW. 
Syn. Chäfer, ,Eine k. an ein tüchelnäpper zue machen.* 
1569, ZGrün. ,Die k., hole in grossen wagnernäpperen.* 
Mal. ,Die K., Nepperhöle, cavum terebrae.* Bed. 1662. 
Ahd. chiva, Frachtbfilse, Schote. Der Voc. in manchen 
unserer MAA. gel&ogt. Die Form mit b statt / trSgt den 
schärfer ansgeprftgten Charakter des Oberdentschen, wie in 
mehrern andern WW. dieser Gruppe; s. chä/en, Ckä/er, nnd 
aas rom. Quelle Chebje neben Chäß(g). Vgl. auch nhd. ,hübsch' 
neben ,höflsch*. 1 ist augenscheinlich nahe vwdt mit Chifel 2 
(s. d.). Unser 2 dürfte anf der Vergleichung mit der auf- 
gesprungenen Schote beruhen. Der nahe liegenden Ver- 
suchung, Ckikft*, bes. 2, von lat. eana, HGhlnng. abzuleiten, 
steht der Voc. (.e bzw. e' statt e') entgegen. Vgl. Übrigens 
noch 6r. WB. unter ,Kiefe 2* und ,Kicher*. 

Erbs-Chäfe": pis. arv., bzw. deren Schote Gl; 
Gr. — Früe-: Linse, erv. lens Ap. — Böne"-: 
Schoten von Bohnen GRSch. ,Äschen von gebrannten 
b. heilt die weetagen dess wyssen geäders.* Tie^b. 
1563. — Süess-: s. Chäfen 1 a ol Wenn die S. und 
Bohnen sehr hoch an den Stangen hinaufwachsen, 
wird im folgenden Winter der Schnee auch sehr hoch 
zu liegen kommen ZB. 

ab-chäfe» Gr, üs- B (-chähe''); Gl: aushülsen 
(Erbsen, Bohnen). 

chäbne°: enthülsen, schäleti, z. B. Kartoffeln; 
daher Herdöpfd-Chabni, Hülsen von Kartoffeln. Von 
zwei BOberländern, welche im Unterland die ihnen 
unbekannten Maikäfer fanden, fragte der Eine den 
Andern : Issist du si g'chabnet oder ung*chabnet ? Antw. 
I«* isae si g'chabnet; g'chabnet 8i" st gieter [besser] wn* 
ung'chäbnet s%* si g'nieter [herber]. Befl., sich von 
einer lästigen Umhüllung befreien BO. 

chftfe'* „chäbe* LE.", chebje'* W: „nagen, klein- 
lich keifen LE.**; zanken, murren W. 

Über h s. die Anm. zu Chäfe^. Zu dem Begriffsabergango 
Tgl. cKaflen und chäßcn und Anm. zu Chäß II 9. 

Chäfer, in Aa; SNA. Cluiber — m., Chäfere* f. 
ScH; ZBfz: 1. Käfer, allg. Zu einem Kinde, dem man 
eine Taschenuhr zeigt : Los! 's ist es Chäferli dfinne* B. 
.Schweigen wie Käfer und läugnen wie Hexen.* Pest. 
1790. Er rüert-si*'^ tcie-n-e Clh. im Rossmist, strengt 
alle Kräfte an, zunächst um herauszukommen BSis. 
Verlieht wie-n-e Gh. in e Eossmist L. Kindern, die 
sich nicht wollen kämmen lassen, droht man: Heb 
still, süst schleike^ - di^^ d* Ch. t" 's Holz tise^ ! Aa. 
Spec. Maikäfer B (wo andere Käfer Gueg heissen); 
Gl; Zg; Z. Troche" wie en Ch. Ndw; so trochCe'*J wie 
's Ch-s Ijoch L; Sprww. 1824; wie-n-es Ch.-Füdli Ap; 



161 



Kaf, kef, kif, kof, knf 



162 



B; Gl; G; Sch; Z; wie's Ch-s FücUi SchwE.; Th. 
,D8 Trini habe der Speck gereut; seine Würste seien 
trocken wie ein Käferfüdli.* Gotth. I** Aa» e Mul, 
es ist 8o drucka wi a Käferf&dla GBern. De" Ch, lä* 
fliege*, sich ausgelassener Lnst ergeben Gl. De^ Bt- 
krut sett [sollte] chönnff* mit 25 Rappe* de* Ch. la* 
fU! Zo. «Des Schadens von den ingren oder käfern 
oder anderer somlicher Sachen/ 1501, Gfrd. ,1785 
wurde verordnet, dass auf jede kleine und grosse Per- 
son 2 Becher K gefangen und dem Einiger übergeben 
werden/ AKüchl. 1886. Küchenschabe, blatta or. ZO. 

— 2. von andern Insekten, Ungeziefer, von allen 
kriechenden Tieren, z. B. Würmern Aa; sogar vom 
Molch Gr. Bildl. wie Gikegi i. S. v. seltsame Laune. 
Von einem Menschen, der an geselliger Lust nicht 
teilnehmen will: jD9r muess en handlige* Ch, ha*! 
N. B Kai. Vgl. übh. Gueg Bd II 161. — 3. mehr oder 
weniger scherzh. übertr. auf Menschen, a) kurzer, 
kleiner Mensch. Du bist nur eso ne Ch, Ndw. — 

b) Schmeichelwort für liebe Kinder; s. Hirz-Ch, — 

c) Chäferli a) allerliebstes Frauchen, Mädchen, Kind 
Ap, — P) unruhige Person. Kirchh. Syn. Ch,-TruUe*, 

— d) listiger Mensch, der Andere zu bestechen weiss B. 
Da^ ist'tner e* Leckers Ch, ! — e) Geschlechtsn. ,Kä- 
ferlin.' 1543, TnBisch. — 4. das männliche Glied von 
kleinen Knaben AiZof. — 5. Chäferli, Cornelkirschen 
ZMünch. — 6. = Chäfen 2 AiPri.; L; Z. — 7. in 
Flurn. ,Käfer.Bühl* ZBül., Ch,'HÖlzli Z. Vgl. Gr. 
WB. V 19. — 8. euphem. für Ketzer, bes. in Zs- 
stellungen, z. B. Ch-s Kerl B. Bim Ch,! Beteurung B. 

Ahd. ehivar, ^o, mbd. hKver(e) m. Betr. h neben /s. Anm. 
zn Käft*, Als Fem. erscheint das W. auch einmal bei Goethe. 
6 mag aus Chäfe* umgestaltet sein; doch kann auch direkte 
Vergleichung mit dem nagenden Insekt, bes. mit dem Holz- 
k&fer, der ebf. das Holzmehl hinter sich schafft, zu Grunde 
liegen. 

Ofe»- L, Chuchi- L, Schwabe"- Aa; Bs; Gr; 
Th; Z: = Schwahe*'Queg Bd U 163. 

Anke»- (AaHoW.), Herrgotte"- (Gl;G), Lieb- 
gott(s)- (Aa), Muetergottes- (SNA.) Chäferli, bzw. 
-Chäberli: l, = Martis-Vögeli Bd I 695. Syn. Unser 
liehen Frauen Qüegli Bd II 162. — 2. Muetergottes- 
Chäfer, der braune Junikäfer S. 

Die Erscheinung des Tierchens wurde früher offenbar als 
Zeichen fruchtbarer Witterung, zunächst fQr Graswnchs, aus 
dem dann reicher Milch- und Butterertrag fliesst, angesehen. 
Vgl. Rochh. 61. I 7. 

Gauch- s. Qauch Bd II 104/5. — Gutsche»-: 
Goldlaufkäfer, carabus auratus AASchinzn. 

„Hörn- GRh., Hurni-«, Hürni- GRMal., Hir- 
ze°- Bb; B, Chlams- GSa., Chrampf- Gl; GW., 
Schere"- GRh., Tomme"- Aa, Tunner- BsL., 
Zange"- AASchinzn.: = Hirz-, Dunner-Oueg Bd II 
162 f. Syn. Krarnj^fen-Harni Bd II 1627. 

Zu Tomme*-Ch. Tgl. die euphem. Verdeck nng bim Tommdi 
= bim Donner I Tunner-Ck. angeblich, weil der K. im Sommer, 
wenn es donnere, von den Eichen fialle; vielmehr wegen alter 
mythol. Beziehung auf die dem Donnergott heilige Eiche. 

Herz-: Herzenskind, Liebling Ap (Herza-); Bs; B; 
Gr; G; Th; üwE.; Z. — Heiw-: Juni-, Brachkäfer, 
rhizotrogus solstitialis Uw. — Sant-Johann-Kä- 
ferle = Johannis-Güegi Bd II 162. Cappblbr 1767. 

— Chat- Chäfer: ,8carabeu8.* Mal. Als Scheltwort 
i. S. Y. verächtliches Geschöpf. ,Er hat ouch die, so 
er inen widerwärtig syn vermeint, k., rögenwürm und 

Schweiz. Idiotikon. III. 



alles unzifer genempi* 1532, Strickl. ,Wir sind gegen 
Gott ze rechnen k.' LLav. 1582. ,Die ihr blöde, arbeit- 
selige Menschen sind, ja K. [ruft der Prediger seiner 
Gemeinde zu].' Pbsd. 1601. 

Ld- TuSteckb., Lör- GRh.: Maikäfer. 

R wird nach langem Vocal oft eingeschoben. Lö viell. 
= Wald, wie in Lö-Bind. Möglicherweise mit Bez. auf den 
alten Brauch, den ersten Maik&fer aus dem Walde zu holen. 
Oder eher das der Yolksspr. vertrautere Xd' (Th), Gerber- 
lohe, wegen der Ähnlichkeit der Farbe. 

Laub- ApK.; L; SNA.; Th; Z, Maie"- Bß; B, 
Bluest-Ap: Maikäfer. Die M. haben in einem Wäld- 
chen bei Bs eine Freistatt, wo sie nicht gefangen wer- 
den sollen. Mit dem ganze* G'sicht lache* toie-n-en L, 
Bs; B; ZStdt. Mit de* Laubchäfere* fwt, verschwun- 
den, ohne dass man weiss wohin; meist von leicht- 
sinnigen Menschen AAZein. Beimspruch der Kinder: 
L, flüg üf usw.; vgl. Himmd'Güegi Bd II 162. ,Zur 
selben zyt (1477) komend gen Altstetten im Byntal so 
vil L geflogen, dass man gelt bot uf sy zuo sammlen ; 
und gab man dem jungen volk um ein viertel käfer 
6 Pfennig.* Vad. ,Proscarabaeus, Maienkäfer, Maien- 
wurm.* Cappelek 1767. — Malefiz-: scherzhafte 
Schelte ZO. Zu Chäfer 3 d. — Mul-: Hummel, 
,fucus.* Ebingbr 1438. — Münze'^-Chäferli: der 
grüne Bkittkäfor, chrys. vir. Ap Stein. — Bode»- 
Chäfer: Engerling PJ. — Rose"-: L B,-Chäfer, 
Goldkäfer, cetonia aurata BsStdt; B. „Scarabaeus bort. 
Gr; Z." — 2. B,'Ghäferli, Garten-Laubkäfer, phyllo- 
pertha bort. GlH. Syn. Buberli, „Melolontha hört. 
Sch.** — Schmid-: eine Art Schnellkäfer, Elateriden 
GRChur. Syn. Chlepfer, — , Sch malz-.* JJScheüchz. 
1699. — Dreck-: 1. wie nhd. GRHe. ~ 2. unrein- 
liche Person Gr. Syn. Dredk-Chneter, — Wi»-: wer 
dem Wein allzusehr zugetan ist Bs. Syn. Win-Mugg, 
— Zünd-: Johanniswürmchen G (Götz.). 

chäfere": 1. (Mai-) Käfer sammeln Gr; Ndw; 
ZHombr. — 2. nagen GRÜhurw. — 2 ist viell. freq. 
Bildung von cAtf/m. 

ver-: elend, kurz und klein werden Ndw. - Eig. 
asschrnmpfen, vertrocknen wie ein K.? 

chäfer ig: munter, lebhaft, aufgeweckt, frisch, ge- 
sund Ap; Bb; „L; Z.** Es isch-mer ch. z* Muet Bs 
(Breit.). Von kleinen Kindern G. E* chleiner, ch-e^ 
Beigel Bs (Breit.). Begsam, rührig, emsig, flink G. 
Syn. kerig, 

chä ferle": 1. nach Maikäfern riechen, von Ge- 
fässen. Orten, Personen GrJcu. — 2. nagen GRJen. 

GhKfl I n., Chäfe" f.: = ChäMi BHa. — Berg- f.: 
Bergdohle BHa. 

Zn Chächli wie das syn. Täfi zu TiUsheU. Wechsel der beiden 
Spiranten (/*.* ch) ist in nnsern westlichen MAA. nicht selten; 
doch konnte in diesem spec. Falle rom. Einfluss angenommen 
werden (vgl. ,cava* bei Diez WB. * 547 f. ; afrz. ,choe*). 

GhKfi II Che'fi n. AAStauf.; Ap; Bs; Gl; Gr tw. 
(auch g); L (auch ö); ScnSt.; Th; Ndw; Z, f. B; S, 
Chebje* f. Gr tw.; W, Chd>i BBr. -- Dim. Chefd(t)i 
Gr, Chdjji (in Bed. 1 a) Gr: 1. a) Käfig, Vogelbauer 
Ap; Gl; Th; Ndw; W; Z. Mer cha** d' Jugund nit 
in-^r Vogulchäbig %*sperru* W (Sprww. 1869). Z'erst 
das Ch. und de** der Vogel, Ineicheh. Hed der Tüfd 
de* Vogel, so ntn er au*^ *8 Ch, ebd. Mit Anspielung 
auf Bed. 6: Der Vogel ist dusse*, Tüfel, nimm du ds 
Ch.! sagte der Witzbold Jörlieni, als Einer einen Wind 

11 



163 



Kaf, kef, kif, kof, kuf 



164 



streichen Hess. ,So bald das glück welzt, so ist die 
katz nff der k., so ist der arm yon dem synen.* HBüll. 
1531. ,Wiewol ich ouch nit will, das" die töchteren 
gar in ein Yogelkeffe ynbeschlossen.* ebd. 1540. ßo 
der Togel satt ist, soll man die k. herablassen und 
den vogel ledigen.* Yooelb. 1557, 94 a. ,Da88 diser 
Togel im k. nit so Ueblich singe.* ebd. ,Wdder in 
einem hüenerhns noch in den kefinen.* ebd. ,Cu8to- 
diae tradere aves, in ein kefe tnon. Cavea, ein kefin.* 
Fris.; Mal. ,Nimm das kat von den zinslen [Zeisig], 
die man singens wBgen in den kcfen halt.* ZElgg 
Arzneib. «Der Bischof habe erklärt, er könne, im Fall 
Bern sich Biels nicht annehme, inen wol ein Katz nf 
den K. setzen, dass sj erfahren sollint, ein Herren 
haben.* 1600, Abscb. Gelegentlich auch Ton Bauern, 
die für Menschen erstellt sind. «Paiazetes ward von 
Tamerlane gefangen nnd hin and wider in einem k. 
gefüert* LLay. 1582. ,Man zeigt [in Avignon] ein K. 
von Ysen ze oberst doran, darin ein reformierter Christ 
yngeschlossen lang am Wetter hat miessen sein Leben 
enden.* FPlatt. 1612. ,Die Jugend habe sich niemals 
in das Bockshorn zwingen oder ein Eeffich einsperren 
lassen ; der Mensch müsse einmal rasen.* JJUlr. 1733. 
— b) Hühnerstall in Form eines Kastens oder Troges, 
vorn vergittert, zuweilen in der Wohnstube gehalten 
GrD., He., Fr. (auch Hrnne^-Ch.). Syn. Gi/räge^, Es 
ist de* Henne* z' engg in der Chebje\ Ähnlicher Be- 
hälter für andere Tiere. ,Das käfig, darin die kün- 
gelin [Kaninchen] ir nest hattend.* Tierb. 1563. ~ 
2. gitterartige Scheidewand auf einem Heustall Gr 
Saas. — 3. Gefängniss AiSt; Ap; Bs; B; Gl; GaMaL; 
L; S; Th; Ndw; Z, jetzt z. T. mehr nur scherzh. ,E8 
hatte nie gestohlen und in der K. war es auch nie 
gewesen.* Gotth. Der Chopf het 's im nit g'chost*^, 
aber vü, vü OM und e pär Jör herti, sehwarzi Ch. 
BWyss 1885. ,Er ist in ere* rechte* Chefi, omni über- 
täte caret* Id. B. S. noch K.'€rulden, -Kosten; ferner 
K.'Tum als Name von Gefangnissen in Bs und BStdt. 
,Welher aber trunke, das* er's widergSn muosst, den 
wurd ein kleiner rät straften in das keffin on gnad.* 
c. 1400, Staotr. Diessenh. ,So soll ihn unser schult- 
heiss in die kdfien legen.* 1411, Offh. LiestaL ,Auch 
soll er [der Werkmeister] uf dem torhüs [zu Ölten] 
eine gute kefien von eichenem holz machen, da man 
gefangene ynlege, und die wand bi der kefigen mit 
guten tilen verslachen.* um 1412, Bs. ,Bei der Kefi 
oder obern Gefangenschaft.* B Feuerordn. 1700. ,Dem 
Gottlosen ist*s [das Grab] eine Kefi.* AKtbvrz 1753; 
in der Z Ausg. das W. glossiert und als Neutr. be- 
handelt.* Wortspielend mit Bed. 1 a spottet der Gwardi- 
knecht gegen Johannes den Täufer : ,Blyb da ligen und 
erfül. In disem k. muestu singen, bis du wirst über 
d' klingen springen.* Aal 1549. — 4. verächtliche Be- 
zeichnung eines engen, dunkeln Raumes oder Hauses 
B; L; Th; Z. ,D(is Bus ist e rechti Gh., domus valde 
obscura.* Id. B. — 5. Bett Ap (Kdspr.). — 6. der Hin- 
tere, bes. V. Kindern ScnSt ; Z. En u*rüeig Ch. ha*. 
SuLOKR. — 7. der (hintere) dickere Teil der Nähnadel 
Z (Dan.). ~ 8. böses Weib GRPr. (selten). 

Mhd. ktvje f., Vogelk&flg, später aach Gef&ngrniss; aus lat. 
cavea, wie ital. gabbia, ladin. chahffia. Den roman. Grund- 
formen steht die Gr n. W Form Kebje am n&chsten, aber auch 
Cheji nicht fern ; bemerkenswert ist Überdies, dass die letztere 
Form auch in Gr vorkommt, aber nur in Bed. 1 a und dann 
als Neutr. neben dem Fem. Chtbje in Bed. 1 b u. 2. ,Kebyen.' 



1582, S Wochenbl.; «keby.* 1524,Ab8ch.; ,k6fyen.* 1589, B; 
«k&fy, kefy.* 1457, Bs Ger.-Ordn.; 1486, Ochs; 1493, S 
Woch.; 1585, Bs Rq.; 1687, Glur; ,keflg.* 1564, BSi. — 
5 wohl eig. =s 3 ; schwerlich dagegen liegt 3 der Bed. 6 zu 
Grunde, etwa mit Bez. darauf, dass das StaatsgeOngniss in 
der Stadt ZOrich ,dahinten* liegt; eher beruht die Über- 
tragung auf der Bed. umschlossener Raum fibh.; vgl. aber 
auch das syn. Nett. 7 wohl nur eine mehr scherzh. Über- 
tragung von 6. Zu 8 vgl. die mehr od. weniger syn. Chrä*e\ 
eig. Rflckenkorb, HQhnerkftfig; RA/, eig. Traggestell; Ne»t. 
Doch konnte es auch eine an die vorliegende Gruppe ange- 
lehnte Abi. von ckäben, nagen, keifen, sein. 

Gitzi-Chebj.e: Gitterwerk, hinter welchem Zick- 
lein gehalten werden Gr ObS. 

i»-chefene*NDW, „kebje^W**: in einen Käfig tun. 

GhKfi in n.: 1. ein ganz kleines Stück Ndw. Es 
Ch. Chäs. — 2. Kerngehäuse der Birnen und Äpfel, 
ebd. Syn. Bätzi. — 8. ein Zäpfchen an Etwas; daher 
auch die Blütennarbe am Apfel, ebd. — 4. (auch 
Näpper-Ch.J die äusscrste Spitze am Bohrer, die leicht 
abgebrochen wird. ebd. 

Obiges 4 Hesse sich zwar allenfUls als Dim. zu Ckäfe* 2 
aufüMsen ; 3 (die Bltttennarbe) ergäbe sich daraus als Über- 
tragung, gestützt auf die äussere Ähnlichkeit; und hinwieder 
2 aus 8 durch Erweiterung des Begriffs, wie denn oft der 
gleiche Name Beides zsfasst Doch lassen sich alle 4 Bedd., 
zun&chst 1 und 2, aus den Begriffen des Benagens bzw. Ab- 
klaubens herleiten, also nächste Verwandtschaft mit Ckäfe*, 
chaflen behaupten. 

Chavf m.: 1. Kaufgeschäft Ä* dire* Oant sind 
vil Chäuf g'gange* Th. In der lebenden MA., wie 
nhd., vorwiegend vom Standpunkt des Käufers aus, 
Ankauf, allg. Öppis (z. B. es Hus) im Ch. ha*, dar- 
über mit dem Eigentümer in Kaufsunterhandlungen 
stehen Z. ,Wa8 der köufer uf den k. *g6ben [als An- 
zahlung; vgl. üf'Gdt Bd n 240].* L Stadtr. ,Wa8 
Käufe daher [um ,Gelt*, sogen. Bentenkauf ; vgl. OüU 
Bd JI 85] beschehen sind.* 1388, Ochs. S. noch blind. 
Zuweilen selbstverständlich sich berührend mit dem 
Begriff ,Yerkauf . ,Die brotbecken, so uff den k. ha- 
chend und um gelt zu kaufen gebend.* 1411, Bs Rq. 
,Uf den tag des 3. und letzten k-s [wegen Schulden 
angesprochener Güter], so soll der schultheiss der 
ligenden güeter ein stuck nach dem andern offenlich 
feilbieten.* 1557, Bs Rq. 1 410. 411; vgl. ebd. I 281. 
317. 334. 335. II 480 und vgl. fronen ^ Bd I 1801/2, 
Feü-Tag. — 2. Absatz B. ,Sie [die Verkäufer] hatten 
K. ; es war ein ordentlich Gedränge um sie [auf dem 
Markte].* Gotth. S. noch abgängig Bd 11 361. — 
3. Kaufmannswaare. ,Wer uns k. bringet, des lyb 
und guot soll by uns sicher syn.* 1398, Gl ürk. Bes. 
in der Verbindung ,feiler K.* Ar LB. 1409, 69; Bs Chr. 
m 8; 1532, Strickl. V 91; vgl. Bd I 773. — 4. Kauf- 
preis. ,Von erst der teuf, der hat syn k. [bei den 
Geistlichen, die sich Alles tazgemäss bezahlen lassen].* 
Th Pur c. 1520. ,Von der türe des koms, habren und 
rocken, was k-s iedes syd 2 oder drü joren har.* 1581, 
Bs Chr. ,Er wellt mit mir den k. trSffen und wellt 
mir ein k. gSn, dessen er sich nit wellt schämen, 
sunder w6r das hören wurde, sagte, es wäre ein gueter 
[billiger] k.* ThPlatt. 1572. Diese Bed. spielt herein 
in die Reimverbindung Ch. und {e Bs; 8) Lauf, der 
jeweilen im Handel geltende Durchschnittspreis, mitt- 
lerer, ,laufender* Marktpreis Ai; Bs; Gl; S; Z; Syn. 
Schlag und Lauf. Chäuf und Lauf gö** verschide* 



165 



Raf, kef, kif, kof, kuf 



166 



S (Schild); vgl. ebd.: E Ch. und ä? Orfigt* gö** unger- 
schidli'^; vgl. Handel Bd II 1397. öppis gi* (aehetze^J 
wie Ch. und Lauf (Chäuf und Lauf) gönd (sind), 
na^ Chäuf und Lauf, Handle^, wie Ch, e Lauf got, 
Formel beim Verkauf yon Waaren, über deren Preis 
angenblicklich nichts Bestimmtes festgesetzt wird, 
indem erst der nachkommende Marktwert als mass- 
gebend angenommen wird, z. B. bei Weinverkanfen 
unmittelbar nach der Weinlose Bs. ,Er durchstrich 
flüchtig den Markt, um zu hören, was K. und Lauf 
sei.* QoTTH. ,Wie die frücht nf dem merkt im k. 
und lönfen g'syn sind.* Z Mand. 1568. ,Hab und Guet 
nach Könf und Lönf schetzen und werden [werten].* 
1646, Z Staatsarch. ,Die Gremper sollen auf 1 Pfd 
Anken, je nachdem dessen K. und Lauf ist, mehr nicht 
zum Besten haben [Gewinn machen] als 6 d.* Bs Tax- 
ordn. 1646. — 5. wie ,Handel* (s. Bd II 1397) im 
übertr. S., Angelegenheit, Geschäft, Tun und Treiben 
Bs; B; S. 's isch nüd Jederma**8 Ch,, eignet sich 
nicht für Jedermann BHk. Auch in der Verbindung 
mit ,Lauf Bs; S. Zelk* (Vrichte^J, wie Ch, und Lauf 
i^ der WeU göt, ööer Ch, und Lauf, über der Welt 
Lauf. »Gestillt ward also der uflouf; im tag [aber] 
hueb sich ein ander k. [Streithandel].* Lsmz 1499. 
,Des ward ein wilder uflouf; bald ward gestillt der- 
selb k.* ebd. ,Am frytag hett der tüfel zuegericht[**] 
ein spil mit synem k. [listigen Treiben], dass do 
ward ein uflouf.* ebd. ,Seie es besser K. bei ihnen 
worden [stehen die Dinge besser], möge man es ihnen 
wohl gnnnen.* SHott. 1666. — 6. Flurname Gl. 

Ober-: Kauf in Folge Mehrffebotes auf ein Stei- 
gerungsobjekt; das Becht des ,U-s* blieb beim Frö- 
nungsy erfahren bes. abwesenden Glaubigem gewahrt; 
vgl. Froner Bd I 1302 unten. ,[Der Kaufer] soll der 
losung [Auslösung] jar und tag nach sjrnem ü. gehörig 
sjrn.* c. 1520, Bs Rq. Vgl. noch iiber-kaufen, — A»-: 
Anzahlung an die Kaufssumibe Z; Syn. Druf-OeÜ 
Bd II 240. A, zale*, — I"-: Bürgerrechtseinkauf, 
allg. WU)er-L, Einheiratungsgebühr fremder Bräute 
zu Gunsten der Gemeindekasse Gb; vgl. Tsch. 186/7; 
B. II 67 und Becher-GeU Bd U 256/7. — ünder-: 

1. Zwischenhandel (wie mhd.). XIV., Bs; Z Rq. — 

2. Mäklergeld. ,Al8 yil man Hausgeld gibt im Kauf- 
hause, als yil soll man künftigs zum U. geben.* 1489, 
Ochs. Vgl noch U,'Käufer, - üs-: 1. Erbvertrag, 
wonach ein Erbe sich mit seinen Miterben für ihre 
Ansprüche durch eine Geldentschädigung abfindet, 
allg.; Syn. Us-Bichting, Der U, ni^ Z. ,Schwester-, 
Bruder-Ausk.* 1843, ZAdl. Schuldbr. ,Die Liegen- 
schaften dos yerstorbenen Ehemannes giengen durch 
yerschiedene Auskäufe ausschliesslich auf einen Sohn 
des Erblassers über.* Bote der Urschweiz 1883. ,In 
den teilungen, da der erben yil sind und hüser und 
güeter in yil teil zerteilt werden oder sonst etwann 
usrichtungen und usköuf besch^chend.* 1566, Z Rq. 
,Es wird ein Ausk. yorgenommen, da entweder der 
Vatter seinen Kinderen oder die Söhne ihrer Mutter 
und Schwestern ein Gewisses für ihre Erbsgebühr 
yersprechen.* 1757, Bs Rq. II 318; ygl. ebd. 212. 320. 
— 2. Pfarr-U., Bestimmung des Anteils am Einkom- 
men für den mitten im Laufe eines (Amts-) Jahres 
aufziehenden, bzw. abgehenden Geistlichen B ; Z ; ygl. 
Äbkurung, Äbchur-Herr Bd II 1534. — „Not- Ver- 
kauf: Verkauf, welchen der Richter dem Schuldner 



gestattet, um sich yor dem Concurs [Bankerott] zu 
retten Z.** — Vor-: 1. das Vorrecht, zuerst kaufen 
zu dürfen; Näherrecht. ,Wir wellind, dass die unsern 
yon statt und land yor yedermann den y. haben sollen.* 
Z Mand. 1519. ,So güeter oder höf yerkauft werden, 
wer zu solichen den y. oder zug hat* 1595, Aa Rq. 
Vgl. noch m-fäUen Bd I 754 und s. Absch. IV 1 d 505. 
~ 2. Aufkauf, ,Vorwegkauf für den Markt bestimmter 
Waaren, bes. yon Lebensmitteln, durch Spekulanten. 
,Mit yorköufen, gefarden usw. die markt yertüren.* 
Z Mand. 1519. ,Wann in der Landschaft yon einem 
Frömden Anken auf V. *kauft wird, mag solchen jeder 
Landmann, so ihn in seinem Hausbrauch benötiget, 
in Natura des ergangenen Preises ziechen.* 1769, 
ScHwKüsn. LB. — Für-:= Vor-Ch, 2 Af; Z. ,Salz 
uf merg*wünn und f. kaufen.* 1525, Absch.; ygl. Met- 
Schfxtz. ,Diewyl das kom für und für durch den f. 
ufschlache.* 1529, ebd. ,Der teufelisch wuecher und 
f. hat überhand genommen.* SHoohh. 1591. ,Wir ha- 
bend, umbe dem Vych-Für- und Ufkauf yorzekommen, 
geordnet: Wellicher der Unseren Vych uf F. kauft, 
der solle das 6 Wochen und 3 Tag an synem eignen 
Höw haben und dann uf offnen Markt führen.* Z 
Mand. 1650. Auch sonst ist der ,F.* als wucherischer 
Kniff in zahllosen Mandaten des XV1./XVIII. yerboten; 
in Z war zur Marktaufsicht eine besondere ,F.-Koro- 
mission* bestellt; s. DWtsb 1796, 383 und ygl. Ffrag- 
neri, grämplen Bd II 737. — Fri-: freie Veräusserung 
(bzw. freiwilliger Ankauf) des Hausrates eines seine 
Pfarrstelle y er lassenden Geistlichen an seinen Nach- 
folger; auch ,Effeoten-K.* B PfrundkaufregL 1791; 
Gegs. Not-K,; ygl. Üs^K, — Hand-: 1, Verkauf aus 
,freier Hand' (s. Bd II 1383), im Gegs. zum Zwangs- 
yerkauf (Oani-Ch,) Z. -<- 2. Verkauf im Kleinen, De- 
tailhandel, Kramerei B6;B. — Nächer-: ;Näherkauf; 
ygl. Vor-K, Häufig in der ä. Rechtslit Das Adj. auch 
getrennt: ,Den nechem kouf.* L£. Landrecht. Vgl. 
Ztscbr. f. seh WZ. R. V b 57; Seq. RG. I 523; II 506 ff. 
— Not-: Kauf derjenigen Gegenstände, welche der 
auf eine Stelle ziehende Geistliche seinem Vorgänger 
abnehmen muss, also der sog. Immobilien. B Pfrund- 
kaufregl. 

Pfruond-: Auseinandersetzung, welche beim 
Pfarrwechsel zwischen dem auf- und dem abziehen- 
den Geistlichen Statt findet; er besteht: 1. aus dem 
Us-, 2. aus dem Fri-, 3. aus dem Not-Ch. B. 

Ganz etwas Anderes ist der bis ins XVII. Torkommende 
,PfrttDdenkaaf [Simonie].* 

Fletsch-: wucherischer Kauf auf Borg unter 
bestimmten yertraglichen, die Umgehung des kano- 
nischen Zinsenyerbots bezweckenden Bestimmungen; 
ygl. Dings-, Wider-K, ,Wo hinnanthin dehein person 
deheiner ander personen deheinen pl. oder wuecher- 
koufe uf borge oder sust ufgit.* c. 1450, Bs Rq. ,Be- 
schwert worden mit Ijhen, pl.-koufen.* Äg.Tbchudi. 
Vgl. noch Gbsohfo. Ges. XXII 205/6; BaniOKMEiER 1 384; 
anders Gr. WB. II 109. — Reu-: 1. Kaufyertrag, in 
welchem sich Käufer und Verkäufer eine gewisse Zeit 
yorbehalten, innerhalb welcher es Jedem yon ihnen 
freisteht, yom Kaufe zurückzutreten Z, It DWtbs 1796, 
160. — 2. Reugeld Th; Z; ygL Wend-Schatz. — 3. Reue. 
Häufig in der ä. Lit, z. B. 1530, Absch. IV 1 b 851 ; 
Grübel; SHott. 1666, 157. , Wäger [besser] ist's, An- 
fangs bedacht yerfahren, als dass man, wo man es 



167 



Kaf, kef, kif, kof, kuf 



168 



einmal gewaget, erst den R. spile [es auf den Reu- 
kauf ankommen lasse].* SHorr. 1666, 419. — ren- 
chäufig: die Bezahlung eines Bengelds anbietend 
„VO;" Z. ,Von denen, so trankner Weis markten 
[einen Handel abschliessen], und hernach reuwkäufig 
werden.' 1600, LRq. — Schwtzer-Chanf: Kaufge- 
schäft, bei welchem der S[anfer die Hälfte der noch im 
Streite liegenden Summe nachbietet, der Verkäufer da- 
gegen die andere Hälfte nachlässt Schw; Zg; Syn. Schto,- 
Markt, — Dings-: Kauf auf Borg; vgl. Pletach-K. 
«Belangend den D. setzend wir, dass Wellicher den 
Unsern fttrohin einich Getreid Dings ze geben Willens, 
er dasselb über gemeinen Kauf und darum alldann 
gang und gäbe baare Bezahlung anschlagen solle, dass 
dem Dingsgeber fftr den marchzäligen Zins syner Borg 
nit mehr dann das Fünft yon 100 erschiesse.* B Wu- 
chermand. 1613/28. Ähnliche Verbote und Beschrän- 
kungen auch sonst; vgl. 1534, Absch. IV 1 c 427/8. — 
Wider-: Verkauf eines Gutes unter der Bedingung, 
dasselbe dem Verkäufer gegen Entrichtung eines jähr- 
lichen Zinses zurückzugeben; einer der Kunstgriffe, 
um (gegen das Verbot) neue Gülten aufzurichten und 
das kanonische Zinsenverbot zu umgehen. ,Wa8 ausser 
vorgenannten güetern auf w. verkauft wird, darvon ist 
man kein erschatz zu geben verbunden; doch wenn 
die guet verkauft wurden, so sollte man denn die 
summ des verkauf, der auf ein w. gegeben ist, mit- 
sammt dem guet vererschatzen.* 1506, TnKessw. Offn. 
— wider-käufig: ablösbar, von Zinsen. ,20 fl. gelts 
järlichs zins, die w. sind.' 1476, Z Urk. ,16 mütt ker- 
nen, mit 400 fl. hauptguet w.' ZWthur Stdtb. ,Brief, 
gerechtikeiten und zins, si sygen eigen oder w.' 1528, 
Absch. Häufig den Gegensätzen ,un wider käufig' (z. B. 
1531, Z Rq.), »ewig' (öfters in den Bs Rq.) gegenüber- 
gestellt. 

W!"-Chauf: 1. Trunk, bzw. Schmaus zur Be- 
kräftigung oder auch bloss zur Feier eines bedeuten- 
dem Kauf- oder Tauschgeschäftes (bes. um Liegen- 
schaften, auch etwa um Vieh) oder eines Vertrages 
(z. B. Dienstvertrags ; auch eines Verlöbnisses L), durch 
welchen, da die geladenen oder ungeladenen Gäste als 
Zeugen gelten, das Geschäft, abgesehen von der all- 
fallig darauf folgenden schriftlichen (z. B. notaria- 
lischen, früher richterlichen) Fertigung erst rechts- 
verbindlich wird und den erforderlichen Charakter der 
Öffentlichkeit erhält, allg.; Syn. Chauf-Wln. Neben 
dem Kaufpreis wird daher zwischen Käufer und Ver- 
käufer auch die auf den ,W.' zu verwendende Summe 
(selbst ,W.* genannt L; Zo; Z) vereinbart, bzw. be- 
stimmt, wer die Kosten des Gelages zu tragen habe. 
Dieses findet gewöhnlich in Wirtshäusern Statt. lez 
machend mer na [noch] en W., sagt nach einem ge- 
troffenen Handel der Verkäufer zum Käufer, um ihn 
zu verpflichten, im Wirtshaus noch etwas Wein zu 
bezahlen Z. Jmd, der in einer Stube viele Leute bei 
einander trifft, stellt die neugierige Frage : Do hat 's 
e Stube* volle"* Lüt; giH's öppe* W. oder was eso? 
Stütz. ,Wenn mein Mann bei seiner Arbeit da immer 
die Saufgesellschaft vor Augen hat und sie ihn mit 
Freundlichkeit und Spotten, mit W.-Käufen und Wetten 
locken [fallt er wieder in sein liederliches Leben zu- 
rück].' HPest. 1790. Wenn nach einem Viehhandel 
kein ,W.' abgehalten wird, können nach dem Volks- 
glauben die Tiere beim neuen Eigentümer nicht ge- 
deihen S (Joach. 1883, 39). ,Der wyn, der getrunken 



ist, do diser kouf [um ein Gut] gemacht wart.' 1382, 
L Staatsarch. Derjenige, der von einem Unberechtigten 
kraft seines Zugrechtes ,güeter üfnimmet, soll ime ein 
plapphart geben an syn w.* 1383, Gischfo. Ges. XX 
131/2. ,Ein jeder, so mit für und liecht in dem g*richt 
sitzt, mag den kouf dem usseren abziechen ; doch dass 
er im w. und gottspfenning und ob er etwas [vom 
Kaufpreise] daran *g6ben hett, widergebe.' 1476, B Rq. 
,Diewyl [die Einspruch erhebende Frau] bim w. g^syn 
und g'essen und 'trunken und mit keim wort nüt dar- 
wider g'rett, so soll [der Käufer It Urteilsspruch im 
Prozess] den kauf behalten.' 1550, ZWthur. ,Do hatt 
man wynkaufb zum schäflin 'trunken.' ebd. ,VieIe der 
Prediger orgeben sich dem Trunk, sitzen Tag und 
Nacht in den Wirtshäusern, besuchen alle Märkte 
und Weinkäufe.' 1585, Absch. ,Die Undermärter und 
Underhändler, so von Geniesses wegen des W-s die 
Partyen geholfen yn führen, sollen um so vil, als des 
W-s Kosten wäre, gebüsst werden.' B Gerichtssatz. 
1615. Bei der Bekräftigung einer Dienstanstellung 
drängt Einer: ,Las* is Wykauf han; vor Durst ich 
kaum mehr reden kann.' JMahler 1620. ,Die Bei- 
geordneten sollen [die Baute] verdingen [an Unter- 
nehmer vergeben] und soll jedem für sein Taglohn 
und W. 2 p geben werden.* 1625, Gfd. ,So es sich 
begab, dass Einer beim Wein in Trunkenheit ge- 
marktet hätte und ihn morgendes der Markt gereuen 
wäre, alsdann soll er allen W. zahlen, so ist der Markt 
Nichts und ungültig.' 1631, SchwE. Klosterarch. ,Wann 
ein Landvogt sammt den Beamten und Undervögten 
den gebräuchlichen W. machet, soll man kein Mahl- 
zeit mehr in der Oberkeit Kosten halten, sonder dem 
Landvogt und Amtleuten jedem ein Guldi geben.' 
1654, Absch. ,Indeme kamen wir in ein Dorf, in wel- 
chem viel Bauren in dem Wirtshaus sassen, die da 
trunken und lustig waren. Wir fragten Einen, was 
für ein Fest seie. Er antwortete, es seie kein Fest, 
sondern ein W., d. i. : Es seie hier zu Land bräuch- 
lich, wann die Bauren Etwas kaufen, dass sie ein an- 
sehenlich Gelt mit Trinken vertun, also dass Derjenige, 
der das Jus retractus hat und den Kauf ziehen will, 
der muss solche Kosten alle wider erlegen.' Heut. 1658. 
,Nach beschlossenem Kauf, derselbe seie gleich mit 
oder ohne W. beschehen, ist der Verkäufer auf die 
Zeit, wie der Contract weist, das verkaufte Guot dem 
Verkäufer zu übergeben schuldig.' L Stadtr. 1706/65; 
vgl. Skg., RG. IV 99. ,Die ringsinnigen W.-Käufe, da 
oft, wann nur ein Äckerlein oder halbes Mannwerch 
Wiesen vertauschet oder verkaufet wird, 10 und mehr 
Gulden vertan und Jedermann dabei Gast gehalten 
wird.' 1717, Z oGlatt (Pfarrbericht). ,Wann ein Kauf 
geschieht, so hat der Käufer und Verkäufer 7 Tag 
Reukauf; wann das reuende Teil in dieser Zeit dem 
Gegenteil abkündet und den W. bezahlt, so ist der 
Kauf wieder aufgehoben.' 1721, Bs Rq. ,Die soge- 
nannte Wein- und Reukäuf, welche bei Kauf- und Ver- 
käufen angedungen und gemeiniglich bis auf 2 vom 
Hundert getrieben zu werden pflegen.' Bs Mand. 1738. 
Vgl. ßs Mand. 1778, 13; Bs Rq. U 259. Bei der Aus- 
übung des Zugrechtes nahm der W. den Charakter 
einer Entschädigung an den ersten Käufer für seine 
Auslagen von Seite des Zügers an. ,An dem Tag, da 
Derjenig, so den Zug zu tuen gesinnet, den Kauf in 
Erfahrung bringt, soll er den W., benanntlich von 
jedem Hundert Guldin 30 Kr. erlegen.* GSa. Landr. 



169 



Raf, kef, kif, kof, knf 



170 



1674. Vgl. Ztbchr, f. schwz. R. IX 189; Sbö., RG. U 
507; ScHW Rq. 29/30. 342; 1668, ZGrün. Amtsr. § 4 
(nach den betr. Bestimmungen der Offhangen von 
Binzikon und Altorf). Obertr. anf das gottliche Gesetz 
als einen Vertrag zwischen Gott und den Menschen: 
,Im Adam haben wir Alle den W. getrunken, diser 
Kauf muss gelten; es ist da kein Wendschatz [Los- 
kauf]; wir müssen sterben.* FWyss 1673. ,Der W. 
ist getrunken schon, wir mögend nit vom Kouf ab- 
ston.* Zo Kapellen-Inschrift; ygl. auch Kbssl. I 356. 
— 2. Handänderungsgebühr, z. B. an den Richter bei 
der Fertigung eines Kaufes, an den Lehensherrn bei 
einer Lehensübertragung. ,8o der schultheiss ein guet 
yerkouft, doYon zue w. soll er nCmmen zwo moss wyns ; 
also ist es yon alter har kommen.' 1409, Bs Rq. ,Wer 
je ein Zechenden empfangen wirt, derselb ist gebunden, 
als um mannig Stuck er den Zechenden empfangen hat, 
dass er oueh als mannige Schilling geben soll für £r- 
schatz und W.* 1606, Aa Rq.; vgl. Arg. 1861, 47. ,Von 
einer Fertigung, der Kauf sei hoch oder nider, hat 
der Kaufer geben 5 ß und zwo Maass Wein und der 
Verkaufer 5 ß.* 1687, Bs Rq. — 3. Trinkgeld bei Käu- 
fen, an den Verkäufer oder dessen Angehörige Bb; 
ygl.: ,W.- Käufe zu treffen ist yerbotten; weil aber 
Teils unserer Undertanen seithero ein Gewisses für 
Trinkgeld an dessen Statt andingen und zum uner- 
laubten Prassen brauchen, als solle auch selbiges gänz- 
lich abgeschafft sein und der Kaufschilling schlechter- 
dings durch einen Kaufschilling ohne Trinkgeld aus- 
gedruckt werden.* Bs Landesordn. 1757 ; ygl. Trihk-Oelt 
Bd II 271/2. — 4. beim Weine geschlossener, aufge- 
setzter Kaufvertrag. ,Die w. sollend hinofür vor ge- 
richt und recht gefertiget und von hus und hof 8 ß 
genommen werden.* 1548, Bs Rq. ,Wann fürohin ein 
guet vor recht soll gefertiget werden und ein anderer, 
der es nit kauft, vermeint, er habe den zug darzuo 
von rechts wegen, so soll alsdann der züger dasselb 
guet ziechen in mass und form, wie der ander vor 
ime kauft hat und der w. ergangen.* 1556, ebd. ,Der 
Züger soll, so ime der Kauf zuerkannt würdet, das 
Gelt, wie der W. lautet, alsbald erlegen, doch mehr 
nit schuldig sjn, als von 100 Pfd 1 Pfd für W. zu 
bezahlen.* 1611, ebd.; vgl. 1654, Bs Rq. II 188. — 
5. (Ehren-)Trunk bei der Aufnahme in einen Verband; 
,Einkauf . ,Si quis Burgensis in XII Seniores [unter 
die 12 Ratsherren] promovetur, debet aliis juratis dare 
beuragium sive vinagium, quod vulgo dicitur w.* 1316, 
BBurgd. Freiheitsbr. ; vgl. BThun Handf. (ed. 1779) 
§ 82, ferner § 84. ,Wenn man [bei den Pfistern] einen 
nüwen stubengesellen empfahen will, das soll be- 
schechen vor eim offenen gebott und die meister 
[sollen ihm] zwo mass guets wyns zue w. [geben].* 
1469, Gfd. Vgl. Haus Bd II 1679 ff. — verwi"- 
c häufe": 1. einen Handel durch einen Trunk be- 
stätigen Ap. Ein Schick [Kauf], der nicht rertri"- 
chaufet wird, ist ungültig. ,Wann Zwei mit einander 
schicken, das gelegen Guet antrifft, sollen dieselbige 
ihren Schick verschreiben, auch ordentlicher Weis v. 
und bei dem Weinkauf ihren Schick abreden und er- 
läuteren.* ApA. LB. 1828/42. — 2. bei einem , Wein- 
kauf verbrauchen. ,Der den Märcht nit haltet, soll 
den Wynkauf gen, was sie Beid mit einanderen ver- 
wynkaufendt band.* 1622, Schw Rq. ,Verzert und ver- 
wynkopfet* 1641, ZWthur (Ausgabeposten); mit An- 
lehnung an ,Kopr, ein Weinmass ; vgl. auch Win-Chopf, 



— 3. bildl.: verschulden? ,[Der Kaiser Hess sie im 
Stich] dann si vor semliche straf wol verwynkofet 
hattend.* Sicher 1531, 24; vgl. ebd.: ,Die straf deren 
von Wien, dass si den kaiser vor gefangen hattend.* 
Mhd. trifUxMi/ss litkouf, GelOboisstrank beim Abschliiss 
eines Handels ; vgl. Lexer III 908, feroer ,Lei-, Leii-, Lent- 
kauf bei Gr. WB. VI 693/4. 789. 849, ,Terleitkaafen* bei 
Sch]n.-Fr. I 1587. Za 2: schon 1296, Bs erscheint das 
latinisierte vinicopiani als eine kleine Abgabe in Wein bei 
Vergebung von Lehen ; auch der ^rschatz wird oft in Wein 
entrichtet. Mit dem Wein worden wohl unmittelbar nach 
cTem Abschloss des Geschäftes die Contrahenten, sowie die 
anwesenden Zeugen bewirtet In einer Urkunde betr. Gfiter- 
fibertragung an das Kloster Chnrwalden heisst es: ,Sicnt moris 
est, galedam vini ibi btberunt omnes, ut testimoniom et re- 
cordationem factae rei perhiberentur. Vinum prepositus de 
Partipan fecit apportari.* 1218, Moor, Urk. 

Winkel-Chauf: geheim gehaltener Kauf, im 
Gegs. z. B. zu einem ,Gantkauf , auf öffentlicher Ver- 
steigerung geschehenen Kauf Z. ,Dics beweise, dass 
er aufrecht [redlich] zu Werke gegangen sei und 
keinen W. beabsichtigt habe.* Z Rechtspfl. — Zins-: 
Bentenkauf, im altern S. eines verzinslichen Gelddar- 
leihens auf Grundstücke; vgl Giüt I Bd U 285 ff., 
Odt I Sp. 238. ,£in statt Bern hat ynsQchen geton 
der verderblichen z.-köufen halb und denen von Hasli 
und Sibental geboten, kein zins mer uf ire güeter ze 
schlachen.* Ahbh. ,£s sollend von söUicher Uslychnn- 
gen und ablösigen Z.-Köufen wegen weder die Zins- 
käufer und Uslycher kein Schenke nemmen.* B Wucher- 
mand. 1613/28. Ygl. Z^-Verkäufer. 

c häufe", Prät. Conj. chuff kk; Bs (wo es It Spreng 
das ä. Chief verdrängte; vgl. ,küefe.* 1479, AiWett. 
Klosterarch.) ; L; Z, chuffi Gr (neben chaufti): 1. wie 
nhd. Tuscht iach tuscht, g'chauft isch g^chauft, gang 
lueg, wie's der MüUiback ab^lauft S; oder: tuschet und 
kauft, dass 's mer nümme^ i* d* Hand ine* lauft Ap, 
Formeln beim Abschluss eines Kaufs, um auszudrücken, 
dass derselbe nicht mehr rückgängig gemacht werden 
soll; bes. bei Kindern. Chauf mer au'^ e ChindU! G 
(Einladung zum Coitus). Wer chauft, der findt; wer 
hüt, der empfindt Gl (Sprw. i. S. v.: der Kauf eines 
Hauses kommt immer noch billiger zu stehen als die 
Neuerstellung eines solchen). Vgl. noch finden Bd I 
847. Tür eh. lert Ät«c» und Sorg ha* L. DBr chauft 
nid guet, wo schkchti War chauft L. Chauf nid, was 
wenig chost^, aber was d* [notwendig] ha* muest L. 
Dir hat '« au"'' nit kauft, er hat 's geerbt, der Apfel 
fallt nicht weit vom Stamm Z. Specielle Anwendungen, 
a) beim Domino-Spiel von den unverteilten, verdeckten 
Steinen so viele borgen oder aufheben, bis man einen 
passenden gefunden hat, um das Spiel fortsetzen zu 
können Z; ähnlich bei gewissen Kartenspielen Z; vgl. 
Gr. WB. V 329. — b) ein Würfelspiel; unter andern 
untersagten Spielen aufgeführt. XV., Ochs Y 188. — 
c) in der ä. Bspr. ,Gekaufte* oder ,erkaufte Gerichte*, 
solche, die auf specielles Begehren des Bechtsuchenden 
und daher auch auf seine Kosten an Tagen gehalten 
wurden, die sonst nicht als Gerichtstage galten; vgl. 
Gast'Oericht, .gebotenes, ungebotenes Gericht.* ,Man 
soll im amt um geltschulden kein koufte gericht han, 
sonder die mit dem gewonlichen wuchengrichtynzüchen. 
So nun einer ein kouft gericht vom obervogt erworben 
hat, so gibt er dem undervogt 5 ß, dem gericht zo 
gebieten, und am grichtstag gibt er dem undervogt 
und fürsprechen y etlicher person 5 ß und alle zimliche 



171 



Kaf, ket kif, kof, kaf 



172 



zdrnng.« 1538, ZBeg. Herrschaftsr.; ygl. 1557, Z 6e- 
richtsb. (Schanbg, Rq. II 214/5). ,Tax pro ein kauft 
Gericht 1 Pfd 5 ß. Wann auch schon das Gericht 
weiters Nichts zu schaffen, solle gleichwohlen der- 
jenigen Partei, so das Grericht kauft, von Niemanden 
Mehreres au^ebürdet werden.' Bs Landesordn. 1757. 
,Die sogenannten erkauften Gerichte sollen Freitag 
Morgens gehalten werden.' Bs Chr. 1779. ,Die kauften 
Gerichte betreffend, so werden diese meist auf Be- 
gehren der Partyen, oft wegen Fertigungen, selten aber 
wegen Schuldsachen gehalten.* 1794, Bs Rq. ,Durch 
unparteiisches Eauftesgericht bekräftiget.' 1796, GRh. 
(Steinm.). ,Kauftgericht.' 1795, Bs Rq. n 454, neben 
,Koufgericht.' 1520, Bs Rq. II 462; vgl. auch ,Eauf- 
gericht' bei Gr. WB. V 882 und Ztbghr. f. schwz. R. 
XXm 868; ScHW Rq. 1850, 63. Entsprechend ,ein 
Bott k.*, ein Zunftgebot[-yersammlung] erlangen durch 
Vorausbezahlung der Prozesskosten. 1509, Bs (Gee- 
ring). ,Ein ewig liecht uf zwei güeter ze k. geben', 
auf die betr. Grundstücke einen Zins zur Unterhaltung 
eines ewigen Lichtes legen. 1884, Gfd XIX 279. ,Dass 
das vorgenannt liecht nüt ufgericht wurde, als es von 
recht sollte und es köft ist.' ebd. ,Der herzog ist in 
dem fürsatz, was tütsch spricht, im zue koufter dienst- 
barkeit [D. erkaufter Untertanen, hier L S. v. harter 
Knechtschaft] zue trengen.* 1476, Bs Chr. ,Kaufte 
Landlüt*, solche, die ihr Bürgerrecht durch Einkauf 
erworben, nicht geerbt haben. 1600, Obw (B Anz. 1891, 
184). — d) ,ungekauft', ohne (ein)gekauft zu haben. 
,Se hin das gelt, vertue*s nit gar [ganz], doch kumm 
onkouft nit wider harl' JMurbr 1560. — 2. bekom- 
men, sich zuziehen. ,So lang man [auch] umlouft, 
nüt dann müede bein man kouft.' UEckst. 

Id der &. Spr. auch i. S. y. Terkaafen. Bs Hdschr.; s. 
Gr. WB. Y 325. 

ab-chaufe": 1. mit Acc. S. und Dat. P. a) im 
Allg. wie nhd. allg. Wer ins Wirtshaus geht, sagt 
etwa beschönigend, ,er wolle dem Wirt einen Schop- 
pen a.' Ap; Z. Ei**m jedes (*8 hinderest, cdlij Wörtli 
a. müesse^f aus einem wortkargen Menschen Wort um 
Wort herausfragen, ihn zum Reden zwingen müssen 
Aa; L; Sch; Th; Z. S. noch Ouraschi Bd II 409, 
Gdt Bd II 238. — b) Jmd Etw. wehren, es ihm be- 
nehmen AABb.; VO; Syn. ab-heben (Bd 11 891), -pflfen, 
-rüefen, -düten» Das lä^'-mer nüd a, A^Bb. l"* tcül 
im 's scho* a, ! Obw. Wart, i** will d'r das Necken 
und Phge* a, ! Schw (MLienert). Auch etwa mit fol- 
gendem Inf. (,machen, tun') mit ,zu'. — 2. refl., sich 
loskaufen, spec. von feudalen Lasten. ,Dise band sich 
seithar von der Stift abkauft.' RCvs. — über-: 1. tr. 
a) Jmd beim Kaufe überbieten, spec. vom Frönungs- 
verfahren; vgl. ,Ober-Eauf.' ,Gat dem froner iemand 
nach mit pfandschaft uff demselben guet, wollent der 
oder dieselben nit Verlust lyden, so mag jeder den 
andern mit 1 ß u. und dass der letst, so kouft, alle, 
die im vorgand, abzetragen schuldig syn [soll].' 1520, 
Bs Rq. — b) Jmd durch einen Kauf schädigen, im 
Handel übervorteilen. ,[Die Stadtkanfer] soUent zue 
allen koufen reden, dass njemand mergklich überkouft 
werde.' 1409, Bs Rq. — 2. refl., durch viele oder teure 
Kaufe, bes. an Liegenschaften, Häusern, Verpflich- 
tungen auf sich laden, denen man nicht gewachsen 
ist, sich damit in Schulden stürzen VO; Gl; Z; vgl. 
sich vher-hü^en. — um(e")-: etwas Verkauftes oder 
Weggegebenes wieder zurückkaufen B; Z. ,Dass wir 



die zechen ß gelts hinfür wider umbkoffen und ablösen 
mügend samenhaft.' 1518, Arch. Jen.; vgl. toider-käufig. 
— tn-: refl., auch bildl., sich bei Jmd einschmaicheln, 
in Gunst setzen; Sjn. sich in-flicken Bd I 1192/3, ,Vil 
wollend sich domit bim gemeinen mann g'lieben und 
eink., dass sy im in allen, auch bösen dingen, recht 
gebend.' LLav. 1582. ,Aus glyssnerei sich eink. und 
lieb machen bei den leuten und also sein säeblin 
schaffen und die leut betriegen.' 1587, ebd. — er-: 
1. durch Kauf erwerben. ,Eine Wohnung e. oder be- 
stellen.' SiNTSM. 1759. S. auch Halfter-Gdt Bd IX 250, 
GoUes-Oab Bd H 54. — 2. = üs-di» 1. ,Der bruedcr 
soll die besitzung zuo den güetern vorus haben und 
syne schwöster und iren ^mann um iron gebürenden 
teile davon e.' 1568, Aro. — 8. refl. = oMc. 2. ,Wann 
die Grafschafter buren sich [vom Gotteshaus] erkonft 
habend.' Sicher 1581. — ab-er-: abkaufen. Z Zoll- 
ordn. 1684/9. — us-: 1. Jmd für seine Ansprüche 
(bes. bei Erbteilungen) mit Geld abflnden Bs; Z. ,Do 
ein Underton vor dem Weib Tods abgienge, und allein 
Döchteren verliesse, soll die Mutter ires dritten Teils 
uskauft werden.' 1608, Bs Rq. ,Von Auskaufen. Waqn 
Einer bei seinen Lebzeiten ein Kind für Heurat und 
allkünftig zu erwarten habendes Erbgut gänzlich aus- 
steuren und ausk. tete.* Z Mand. 1699. — 2. loskaufen. 
,1526 ufard wegen Auskaufung obgemeldten Schnitises 
[Bezirk] mit den bischöflichen Verwaltern gehandlet.' 
Sprkchbr 1672. 

ver-: 1. mit Acc. S., bzw. P., im Allg. wie nhd. 
Öppis nud iiÄT v,, nicht viel darauf halten; Ausdruck 
der Gleichgültigkeit Z. Ein Gebäude dem Kanton, 
Stät [eig. der staatlichen Feuerassekuranz] v,, euph., 
es selbst anzünden Th ; Z (auch : dem Herr jBränali). 
Men ist ja hi-n-eu^^ wie verchauft, sagt Einer g. B. 
im geselligen Kreise, wenn er sieht, dass die Andern 
eigenmächtig über seine Mitwirkung bei ihren Plänen 
verfügen, oder wenn sie Geheimnisse vor ihm haben Z. 
Verraten und verchauft, seinem (bösen) Schicksal ver- 
fallen Th; Z. Wenn Ein^ mit de" Juden Öppis ä* tue» 
hat, ist er v,u, v. D' Schüni het si nOd verchauft, nicht 
Schönheit hat sie [die Braut] an den Mann gebracht 
GlMoU. (Geschirr-) Verdhäuferlis mache**, G'schirr 
(Häfdi) V., ein Spiel, bei welchem die Kinder den 
Handel um Tongeschirr nachahmen, indem eines den 
Händler, ein anderes den Käufer, die übrigen die ,Ge- 
schirre' vorstellen, an denen der Käufer jedoch Allerlei 
auszusetzen weiss ; das eine findet er g'scherbdig, das 
andere g'stinkig, ein drittes dreckig usw. Z. D*s Chind 
(d' Chinder) v,, ein Spiel, bei welchem die Kinder sich 
paarweise im Kreise gruppieren und je eines die 
,Mutter', das andere das zu «verkaufende Kind' vor- 
stellt Gr; vgl TscH. 186. S. noch da-hin Bd U 1856, 
Morgen-Brot. — 2. refl. a) sich durch Käufe Schaden 
zufügen, einen unvorteilhaften Kauf machen Z. A* 
gueter War [wenn auch teurer] verchauft we" »t** nid, 
,Nimium obsonavit, er hat ze vil einkauft, hat sich 
mit speis verkauft.* Fris.; vgl. Ober-ch. — b) sich 
selbst für Etwas ausgeben. ,Wir findend ein grosse 
zal falscher Christen, die sich verkaufend, als ob sy wol 
in Gott erbuwen [gegründet] und fry sygind.' Zwimoli. 

In der RA. bei 1 (aas GlMoll.) konnte noch ein Anklang 
an den germanischen Brantkauf erhalten sein; vgl. Gr. RAA. 
421 ff., Weinh. Frauen » 320 ff. 

für-: ,Fürkauf' treiben, allg.; Syn. pfragnen; 
vgl. TscH. 186. 



173 



Kaf, kef, kif, kof, kuf 



174 



Kaafmer m.: Kaa&nann. ,Die, so sich edellüt 

and edelknecht ndmmen, jetztan koaflüt und kouf- 

knecht werden; auch so fer, dass dem kaiser und 

babst diso namen jetitund zuegelegt werden, dann der 

kaiser haltet k. af.* Ambh. 

Entstollang aas ,Kanflnann^ Chavfmt*. nach Analogie Ton 
Krämer; Tgl. aoch Niemer ans ,NiemaD*. 

Under-Kanf(l)er tn.: Zwischenhändler, Makler, 
Vermittler. In den Städten waren die ,U.* obrigkeit- 
liche, nnter den Eanfhausherren stehende Beamte, 
welche z. B. über die Entrichtung yon Zoll und Um- 
geld »zu wachen hatten; so in Bs; Z. ,Da88 under- 
koufer noch tragerin dien gesten nit su^n helfen 
sydun verkoufen wider disem einunge.* 1304, Z RBr. 
,0b jemans hinder den underköiffem ichzüt koufte/ 
1486, Z Batsman. ,Wa8 Guets in das Kaufhaus kommt, 
das sollen die U. allen Denen verkünden, welchen es 
zugehört, solches zu kaufen.' XV., Ochb V 119; vgl. 
ebd. U 384; Bb XIV. 59. ,Keine Knecht oder ünder- 
käufier (beim Ankenhandel).* L Ansehenb. Auch B 
Wuchermand. 1628. 

Fleisch-Verkäufer: «Sklavenhändler*; Schmäh- 
wort, bes. in der Reformationsperiode, auf die Bezüger 
yon Jahrgeldern und deren Anhänger; dann von den 
Reformierten auf die dem Pensionenwesen treu blei- 
benden katholischen VOrte; vgl. ,SeelenTerkäufer* und 
Bluet'Odt Bd II 259. ,Es band MGHn geschworen, 
den handel mit den VOrten heimlich zu halten und 
welicher das wirt eroffnen, ab dem soll man richten 
als ob einem Verräter und fl/ 1530, Abbch. ,[Die Re- 
formierten] scheltent uns [aus den VOrten] fi., bluet- 
süger.* 1531, ebd. — Gnaden-: Scheltwort auf den 
Ablasskrämer Samson, zur Zeit der Reformation. Aa 
Gem. 1844, II 66. — Tryax-: hausierender Theriak- 
krämcr. «Leutbescheisser und landfahrende Tr.* JJNU- 
scRELBR 1608. — Zins-: Kapitalschuldner, insofern 
er dem Gläubiger nach der Theorie des Rentenkaufs 
einen Zins zu kaufen gibt; vgl. Zins-Kauf. .Be- 
langend die Widerbekehrung des Hauptguts soll die- 
selb nit ynzilet, noch der Z. darzu bezwungen werden, 
sonders im frei stan, zu syner Kummlig- und Ver- 
mögligkeit die Ablösung zu erstatten.* B Wuchermand. 
1613/28, 13/5. 

Für-Chäufer Gr, aonat -Chäufler : wer , Fürkauf* 
treibt, allg.; vgl. Eodler Bd H 992, OrämpUr Bd II 
738. ,Wo wollt ir mit den süwen allen hin? Man 
würt uns für fürköufer uffahen.* NMan. ,TIff die zyt 
warend vil f. hie und kouffdend körn und wyn und 
haber uf und machtend ein grossin dürin drin yn.* 
1527, HsStockar. ,Wo sölich fürköuf(l)er betreten 
wurden, so soll die frucht, so si also usserthalb den 
fryen markten bestellt oder erkouft, der oberkeit ver- 
fallen syn.* Z Mand. betr. ,Fürkauf' (Egli, Act. 686/90); 
ähnlich schon Z Mand. 1519 der Wechsel zwischen 
,Fürköufer* und ,Fürköufler*. .Einer klagt sich ab 
den wuochereren, der ander ab den fürköuferen.' LLav. 
1582. ,Auf die Fürkäufer ein flcissig Aufsehen und 
Gewalt haben, ihnen ihre verkaufende (fürkaufende, 
zu verkaufen habende) Sachen (Früchte) abzuntamen.* 
Z Mandate 1680/1703. ,Inspectores der Fürkäufleren 
vom grossen Rat.* 1741, L. ,Die Fürkäufler sollen 
abheben die sogen. Marktherren.* Leu, Lex. (für Sch). 
,Die Obs- und dergleichen SchlCcksfürkäuflerinnen.* 
Bb Chr. 1779. VgL noch 1529, Abbch, IV 1 b 319; 



1571, ebd. IV 2, 571; 1622, ebd. V 2, 280/1; ApLB. 
1828, 73. 

chäufig: 1. (in Ndw chäuf^ in BR. chäufiig) kauf- 
lustig B; Gr; Sch; Th; üw; Z. I** W» nüd öppe* 
gar ch-er BHk. Älkrhandsis ch, 8%; zum Kauf von 
Allerlei aufgelegt üwE. ,Keiner war k. [an der Stei- 
gerung], Keiner tat ein Gebot.* Gotth. Mit Acc. S. Gr. 
I'* W" das Chüeli nü cÄ. GrAv. ; vgl. Schwzd. 29, 85. 
-- 2. von Sachen (bes. Vieh), kauf würdig, zum Kaufe 
einladend, gesucht Ap; Bb; S; Th; Z; Syn. begM 
Bd U 403; vgl. gängig Bd II 361. Das «•" Chüe 
g^si*! Si ihei usg'seh wie g'sMecket und «•* uf-^em 
Märet gäng die (häufigste* g'8i\ Schild. ,Der färb 
halb sind [diese Art Maultiere] wenig wert und un- 
köufig.* TiERB. 1563. ,Er vermeint, das hus werde 
dester köufiger syn.* LLav. 1584. Mit Neg. scherzw. 
von Jungfern, die nicht leicht ,an den Mann zu brin- 
gen sind* Af. — ver- = chäufig 2 GnHe., Pr. 

käuflen: trödeln. 1630, Bs Rq. I 494. 

Käufler m.: 1. Händler, Trödler; bes. aber ,K-in: 
Frau, die allerlei Kleider, Tuch, Kleinodien und Ge- 
räte zum Verkaufe in die Häuser bringt* Bb (Spreng). 
, Welcher Schneider ein K. sein wolle, kann Hand- 
schuh, Fünklin, Kappen, Sock, Hosen udgL neue Klei- 
der machen, vor seinem Hause fürhenken, feil haben 
und verkaufen, gleich wie in Italien gebraucht* 1541, 
Bb Ratserk. ,Die Käuflerin [nen] sollen keineswegs 
hausieren noch ichtwas Verborgenes hin und wider 
in die Häuser tragen, sondern Dasjenige, so .ihnen zu 
verkaufen aufgeben worden, auf dem Kornmarkt an der 
Gant frei oifenlich feil haben.* 1630, Bs Rq. I 494/6 ; 
Syn. ebd. ,Käufelweiber' ; ,Weib8p6rsonen, so sich des 
Käuflens under&ngen.* VgL auch die ,Käuflerinnen- 
Ordnung.* 1705, Bb Rq. I 657/8; ferner ebd. 1420, 
I 107/8. ,Dessgleichen wird auch männiglich ver- 
warnet, mit denen sogenannten Käuflerinnen weder im 
Kaufen, Verkaufen, Vorsetzen, noch sonsten sich nicht 
einzulassen.* Bs Gerichtsordn. 1719. ,Die sich auf dem 
Markt befindende K.-Weiber, mit Obs usw.* Bb Mand. 
1732/71. ,Man darf denen Käufleren und anderen 
verdächtigen Personen keine Seiden verkaufen.* ebd. 
1738. Auch mit Geldgeschäften scheinen sich die ,K.* 
abgegeben zu haben; b. Gebriko 1886, 72. — 2. oft 
zsgs. Stadt-K., städtischer Beamter zur Aufsicht über 
den Zwangsverkauf von Fahrhabe, ,Gantmeister* Bsf« 
,Man soll die pfand hinder den k. (,8tet-koufeler.* 
c. 1520) heissen legen. Die pfand mag [der Gläu- 
biger] durch den geschwornen k. lassen verkaufen 
nach der statt recht, bis dass er bezalt wirt.* 1457, 
Bb Rq. ,Der (Statt-) K. soll die Pfänder und andern 
Sachen, so ihme vom Gericht zu verganten befohlen 
werden, verkaufen zum Teursten er mag.* Bb Gerichts- 
ordn. 1719. Vgl. noch Bb Rq. I 403/5. 760/2. II 502/4; 
ferner II 758 und Ochs VIII 43; ,Gerichtskäufel.* Gr. 
WB. IV 1 b 3665. ,Koufler* erscheinen schon unter den 
bischöflichen Angestellten. Bb XIV. 100. — Amts-: 
wer ein Amt durch Kauf erwirbt. N. N., welcher dem 
Landvogt von Lauis, um das Statthalteramt von ihm 
zu erhalten, 1200 Silberkronen versprochen hat, wird 
zur Rechenschaft gezogen, damit dergleichen Prak- 
tiken abgestellt und die ,A.* bestraft werden. 1645, 
Abbch. — Korn-: ,Fürkäufor* auf Getreide. ,Al8 dann 
die k. bishar, damit keiner den anderen irrte, die frucht 
zuo märkttagen zuosammen geschüttt und darnach 



175 



Kaf, kef, kif, kof, kuf 



176 



einen darzuo gestellt, der sölich frucht in ir aller 
namen yerkoaft und darmit der markt and kouf nit 
venig yertüret worden.* Z Mand. 1519/29. 

GhTfel m.: 1. Kiefer, allg.; in G; mTe; Ztw. ein- 
geschränkt auf den Unterkiefer und dann übergehend 
in die Bed. Kinn, bes. stark heryortretendes GRh., 
Stdt, an welchen Orten C7ii"" erst in neuerer Zeit das 
W. Ch. yerdrängt bat. »Der Ch&ffel, Kinnlade.' Zschokke 
1797. De'* Ch. rüiw«" [räumen], roher Scherz, den man 
etwa mit den Kindern treibt, indem man ihnen mit 
den Fingern über dem Kehlkopf hin und her fahrt 
und durch Drücken sie zum krampfhaften Lachen 
zwingt Ap. De" Ch, usgeiiw, s. Bd U 328 (auch G). 
S. auch Chifeli'Junker Sp. 50. »Myn ross stiess mir 
ein kiffel us einanderen.* HbStockar 1519. ,Mich 
wundret, wenn du müed im kifel sjest oder wenn 
du doch einmal scbwjrgest.* NMan. ,£rwütsch [den 
Fisch] bim kyfel und zeuch in zue dir.* 1530, Tob. 
und ähnlich GGotth. 1619. ,Die eselmilcb sterkt die 
kifel oder zänfleisch.* Tierb. 1563. ,Mala, die wangen 
oder backen, item der kyfel.* Frib.; Mal.; Denzl. 1677; 
1716. ,Kiefel oder Kynbacken.* FWürz 1634. ,Der 
Kifel, Kieyel, Kauwe, Kinnback, maxilla, mala.* Red. 
1662. ,Anstatt der Zähne hat [der Mann] nur ein 
Knochen oder ganzen KüfFel im Mund gehabt.* Fr. 
Haffner 1666. ,Die zween Kinnbacken (Kifel) halten 
in sich 32 Zahn.* Spleisb 1667. »Manchem ward ein 
Zand benommen, ist umb den Kiffel hernach kommen.* 
JCWeibsenb. 1701. — 2. (in AASigg. ; ZFlurl. Chife^, 
sonst GM fei — PI. Chifle* B; Ndw; sonst unver.) 
wesentlich =: Chäfen 1, und zwar spec. a) Fruchthülle, 
leere Hülse der Leguminosen, bes. der Erbsen Ap; 
BSi.; Gl; Gr; in Ndw auch derjenigen Spielarten, deren 
Hülsen sonst nicht gegessen werden. Erbs mit sannt 
de^ Chiflen esse*. ,Siliqua, kifel oder hülschen, als an 
erbsen, bonen udgl.* Fkis.; Mal.; Drnzl. 1716. — 
b) die Hülsenfrucht selber, bes. soweit sie sich eignet, 
mit den Hülsen zusammen gegessen zu werden, in 
diesem S. dann im Allg. sowohl yon Erbsen als Bohnen 
Aa; Ap; B; VO; Gr; G; Th; Z, doch auch einge- 
schränkt auf einzelne oder die Abarten der gemeinen 
Schminkbohne, phas. yulg. übh. Aa; BG.; GlH.; G tw.; 
ZS., mehr aber auf diejenigen Spielarten der Gattung 
Erbse, pisum, die übh. nur mit sammt den Hülsen 
gegessen und im Allg. als Zuckererbsen, pis. saccha- 
ratum, den übrigen gegenüber gestellt werden Aa tw. ; 
Ap tw. ; B tw. ; VO ; GF., Sa., T. ; Th ; ZG. ; vgl. Ch.'Erhis 
Bd 1 430. Zur Unterscheidung der Arten und Spielarten 
häufig in Zss.: Oueterhs-Ch. Durh., Früeh- Obw, Alls- 
guetnig- LHellb., Stange^bone*-, Winde^bone*- Aa; BHa.; 
ZHombr., Spick-Ch. GSa.,T.; ScHwMa.; ygl. die Compp. 
bei Erbis Bd I 429/31, ferner Aüs-Guetnig Bd II 544. 
Im Aa werden die Fruchtschoten der Ackererbse, pis. 
ary., als Ch. yon den Schäfe% denjenigen der Zucker- 
erbse, pis. sat. yar. sacch., unterschieden (Mühlb.). 
Wild Ch., Hülsen der Futterwicke, yicia sat. ZoBaar. 
Selten wird der Name auch auf die Pflanze selbst 
übertr., so auf die Stangenbohne, phas. yulg. yar. 
comm. AaoF.; ygl. Spann^r-Ch. ,Die K. der Bohnen 
würden über einen Schuh lang, seien breit wie ein 
Daumen und doch so zart, dass sie Einem im Maul 
ganz yergiengen wie Zucker.* Gotth, ,Von Kicfflen 
oder Ärbsen.* Rhao. 1676. - Das W. häuflg in RAA., 
in welchen der Anklang an chifleti, zanken, zu Wort- 



spielen benutzt wird B; Obw; Z; ygl. Ch.-Zand, 
'Suppen. Es hat Ch. gi'ge*, Scheltworte abgesetzt Obw. 
Von Familien, in welchen fortwährend Streit und Zank 
an der Tagesordnung sind, wird gesagt, sie hätten Ch, 
z* Morge* und Ch. z* Nacht oder 's ganz Jar dur^ 
Ch.; ygl. Gotth. VUI 307. Em Fdix sis Fräuli hat 
Ch. uftrait, ihn ausgezankt. Brandenb. ,Sie führten 
ein geregeltes Leben, weil sie dachten, das Weggehen 
könnte [ihnen] K., eine ganze Schüssel yoll, eintragen.* 
Gotth. ,Der Herr Stierenpräsident [Pr. einer Zucht- 
stiergenossenschaft] werde den Kiefellieferanten und 
Spürnasen wenig darnach fragen [sich wenig un^ Vor- 
würfe kümmern].* GG. Anz. Ein Mann sagt yon seiner 
zanksüchtigen Frau: ,Der k. ist stets ryf bei ir.* 
GrObel 1560. Ein ausgezankter Mann sagt an der 
Fastnacht: ,Bi ihm seigind schon d* Kiffel reif; er 
hab erst kurzlich mit seiner Frauen ein guets Mähli 
g'essen: und könn sie sein Frau sonderlich wol ko- 
chen; doch mög sie nit ein Jeder yortäuwen, dann 
sie macht s' zimmlich räss und züget [schmalzt] s' mit 
Geifer.* Schimpfr. 1651. 

Mhd. HtW, Kinnlade, wahrsch. zn kifen, nagen, kauen. 
Über die im Fischb. 1563, 99 b Yorkommende Form ,Kifr 
(n. oder m.?) vgl. Gr. WB. Y 663/4. Die Anwendung des 
W. in Bed. 2 mag durch eine gewisse äussere Ähnlichkeit 
einer Schote mit dem Munde veranlasst sein, indem man die 
Samenlappen mit den Kiefern, die Samenkerne oder die 
weissen, harten AnsatzknOtcben mit den Zähnen yerglich. 
In der Z Bibel 153I/I667 kommt neben mehrfach belegtem 
,Kifel, KyfeP (an einer Stelle das lat. cicer der Ynigata 
wiedergebend) auch einmal ,Kyfen, Kiffen' Tor; ygl. auch: 
,Kiefe, Kiefel, Kieferbse* bei Gr. WB. V 664 ff. St*8 An- 
gabe: ,KifeI, Kicher, pis. ochrus* scheint eher auf die (hell- 
gelbo) Saaterbse als auf die Ochererbse, lath. ochrus, oder 
auf die Kichererbse, cicer, gedeutet werden zu müssen. Vgl. 
auch Fitd Bd I 1074. Einzelne Gewährsmänner (Ineichen, 
Zschokke 1797, Brandenb.) schreiben/', yiell. allerdings nur 
zur Bezeichnung der Yocalkürze. 

Bagge"-: = Chifel 1. , Einigen Pockenkranken 
sind Tor ihrem Tode die BackenküiTel abgefallen.* 
Bs Chr. 1779. 

Spanner-: gemeine Schminkbohne, phas. Yulg., 
bzw. ihre Früchte Obw. 

Wahrsch. von »pannen i. S. v. sich rankend strecken; vgl. 
das Syn. Wind-Erbi« Bd I 431. 

G'chifel n.: Abi. von chiflen mit Coll.-Bed. Spec. 

1. Kiefern, Kinnladen BHa. — 2. „was zum Nagen 
dient, z. B. Aryennüsschen, dürre Kirschen, Erbsen, 
die man Kindern zum Naschen gibt BG." ; vgl. Genagt, 
— 3. Gekeife, Zank Aa; B; Z. Es ebigs G*ch. ha"* 
z'sämme*, Ärger, Unmut BM.; Syn. Chib. ,Das Weiber- 
volk war reizbar und voll Kiefel.* Gotth. 

chifere": zanken GRMal.; Syn. chöferen. — Mhd. 
ebenso; vgl. Fr., Ztschr. III 301; Gr. WB. Y 672. 

er-: 1. tr., mit Emsigkeit erwerben GLObst. — 

2. refl. a) sich ereifern GlH. — b) sich erlaben an 
Etwas GlM. 

Könnte aus er-chü/eren umgedeutet sein, welches auch 
noch eine andere Umd. erfahren hat; s. Bd II 132 unten. 

chifle" (in GRh., Sa.; U /*, sonst f^): 1. wesentl. 
= chnflen 1, bes. i. S. v.: an Etwas herumbeissen, 
-nagen, wie z. B. kleine Kinder tun, mühsam kauen, 
AaF.; Bs (Spreng); BHa.; VO; Gr; GF., 0., T.; Th. 
Er mag nid esse% er chifkt nu*" dra* umme*. ,Zue 
Zeiten durchg'nagend und kiflcnd [die Murmeltiere] 
auch das holz.' Tirrb. 1563. ,Wo [der Bär] die sciler 



177 



Kaf, kef, kif, kof, ktf 



178 



zerkifflet oder zerzeeret.' ebd. ,Etwann kifflet [der | 
Esel] weidin gertliu.' ebd. ,Praerodere, an einem ding 
g*nagen und kilFlen (kyflen). Abrodere, abkifflen. Fre- 
nnin mordere, im zoum k., sich ungern lassen zöamen 
und meisteren.* Fris.; Mal. »Rodere, mordere, fren- 
dere, mandore, nagen, k., kifelen, kievelen, beissen, 
rezen.* Reo. 1662. ,Rodere, ki(e)feln (küfeln), nagen, 
benagen.* Demzl. 1677; 1716. Übertr., von Vertrags- 
bestimmungen : , Etliche [der VO] trowtend [drohten], 
der frid, under den sy getrungen, wurde nit lang be- 
stan : wie dann sy [in der Folge] daran one alle under- 
lybung [Unterbruch] gekifflet und geranzet [gemarktet] 
habend.* HÜüll. 1572. — 2. a) wesentl. = chaflen 4; 
anhaltend, kleinlich, gehässig, heftig, „mit grossem 
Wortauf wand" schelten, zanken, allg.; weniger stark 
als das syn. mulen L ; schmollend in sich hineinreden 
Gl. Mit enand eh., Eine* us-ch. Er chifled allitoil 
fOppis) mit Ei''*m Bs; Sch. Si heig mit-ne g^chäret 
und g'chiflet, JBEoli. Chifle* und chafle*. Sprww. 
1869. Chast Nüt a's 8chalke% eh., strlter, täubek*, 
's Jör US und »" und Tctg und Nacht. 1851, Stutz. 
E Belfert, e Chiflere% es Zangglse^ L (JBEgli). ,Du 
sollt mit dem weih, das dir lieb ist, nit eifern und k.* 
1530/48, Sir. , Wenig by hus und heim blyben; da- 
heim murren, kyflen.* HBull. 1540. ,Rümpfe die Nas, 
zäune, kiffle: ringe!* Red. 1662. ,Jurgare, haderen, 
zanken, k.* Denzl. 1677; 1716. ,Der fromme Job hatte 
eine böse Küflerin [zur Frau].* CMbt. 1694. ,Eieffüln 
und zänkeln.* JJUlr. 1727. Ebd. reciprok, im Wort- 
spiel mit Bed. 1: ,Da kiefelt, da beisset und frisset 
man sich.* Mit gemilderter Bed. auch von mehr scherz- 
haften Vorwürfen BM. ,Wenn eine alte Frau mit mir 
gekiefelt hat, wie ich immer lachen und springen 
möge.* GoTTH. Sogar von den Neckereien Verliebter: 
,Wenn Vreneli so mit Uli lieblich kifelte.* Gotth. — 
b) verächtlich für ,reden* übh. Jmd etwas Übles 
nachsagen Bs. Viel schwatzen GT. — 3. Abi. von 
Ghifd 2. a) Erbsen oder Bohnen pflücken Gr; GSa., 
T.; ScHW. Auch zsgs. ah-ch. — b) meist zsgs. us-ch., 
Erbsen- oder Bohnensamen aus den Hülsen nehmen 
Ap; Bs; B; Gl; L; G; S; Th; Syn. us-chäfen, -hönelen, 
-tuen; vgl. us-htdschen Bd II 1216. 

Vgl. muten, 1) den Mund stetig bewegen. 2) trotzig ent- 
güguen; zürnten u. A. Zu der gehäuften Verbindung chißen 
und chaßen (3 a) vgl. nd. kibbdkabbden, zanken. 

ummer-: widersprechen GrD. 'Styn. ummen-geben 
Bd II 80/1. 

c hifiig: zänkisch GrÜ. 

ChSHep Z, Ghöfer Aa; Schw; ,Uw«, Chufer Sou 
(It einer Angabe auch Chufer) ra.: 1. kleine, rührige 
Person, doch meist als leichte Schelte auf eine solche, 
bes. sofern sie ihre Kraft oder Jahre überschätzt, 
prahlerisch, naseweis, launenhaft ist „Aa;" Sch; ZRfz. 
Wa*, da* Chuferli will hirote*? Da' götjo si**m Hoch- 
ziter chum bis under cT Arm. „Beiname kleiner Kin- 
der, vornehmlich solcher, die Tücke im Kopfe haben 
Sch.** Als Dim., Schelte auf einen Kleinigkeitskrämer 
AaL.; Syn. Nefli, Nifli. — 2. Zänker, Keifer, „Kläffer 
Aa;" Schw; „üw; Z**. Übertr. auf Tiere: „Bissiges 
Pferd Z,- 

Die Grnndbed. der Gruppe scheint zu sein: frisch, rege, 
aufgeregt; vgl. inhd. kober^ eifrig, von Jagdtieren; tir. kobem, 
angestrengt arbeiten. Wahrsch. ist auch Koljel, zornmQtiger 
Mensch, kohlen, mfirrisch sein, zu vergleichen. 

Schweiz. Idiotikon IIL 



chöfere**: keifend, mürrisch schelten Schw; hÜw; 
Z"; Syn. chiferen. Jeiz heb d»'* einist stül, t«* mag 
dem G*chöfer nid eister zueHose*. „Klaffen, schnippisch 
sein Aa." 

er- Aptw.; „Gl", -chüfere* Aptw.; BD.; G: 1. refl. 
a) sich erholen BHa. ; Syn. sich er-, be-kimen. — b) ,sich 
an Etw. erholen*, d. h. sein Gelüste nach Etw. be- 
friedigen, bes. sich an einer Lieblingsspeise nach 
Herzenslust sättigen Ap; „Gl;" G. Sich an Etw. e. 
chönne*, daran schliesslich genug bekommen ; z. B. an 
einer Lieblingsbeschäftigung GT. — c) in der ä. Spr. 
mit Gen. S., einen Schaden, Verlust an Etw. wieder 
einbringen; vgl. nhd. «sich der Ehre, des Schadens, 
Mangels erholen/ ,So muess ich iemer schäme doln 
[dulden] an mynem herzen, bis dass loh myner eeren 
wider erküffere mich gegen dem, der. . .' Sohachzabblb. 
,Also kunnd sich der selb teil des schaden nie er- 
kuferen, die wyl der krieg werot.* Kucrimeibtbr. — 
d) = er-chiferen 2 a „Schw; üw; Z". 5t** ob Öppis e. 

— 2. tr., etwas verloren Gegangenes, in Abgang Ge- 
ratenes wieder auffrischen, herstellen. ,Dur«^ uf- 
rustung und erkoferunge unser alten, rechten münze.* 
1353, Bs Urk. ,Al8 ir mich gefragot hant, wie ir den 
süllent tuen, die jehent, dass si ir brief verloren haben 
in disem ertpidem und brande und bittent, dass man 
in dieselben briefe erküfer-und ernüwere.* 1357, Bs; 
vgl. Bs Taschenb. 1862, 238. 

Mhd. er-koberen, -hoveren, erholen, gewinnen; auch refl. 
Über die Etym. s. Gr. WB. Y 1544/7; doch könnte nnser 
W. direkt von Cko/er abgeleitet sein. Vgl. auch das syn. er- 
gü/eren Bd II 132. 

vcr-chüfere**: refl., sich verrechnen, täuschen, 
bes. in der Schätzung seiner Kräfte, die zur Aus- 
führung eines Unternehmens, einer Arbeit nicht aus- 
reichen GoT. D^ cha** si'"'' v.! — b«-: = er-chö- 
feren 1 a BG. 

chöferle*^: 1. = chöferen^ mit dim. Bed., zänkeln 
Aa; ZNer. Nitt göt mir über ne Dispidat [Disput]; 
i** mein 's nit bös : wenn i'* numme'* es Bitzli eh. cha'*''. 
SLanoolt. — 2. leise schwatzen Aa. 

2 braucht kein anderes W. zu sein, sondern kann auf 
die Grnndbed. rascher Bewegung des Sprachorgans zurück- 
gehen, ähnlich wie mehrere Bezeichnungen für ,fltt8tern*; 
vgl. die Synn. bei ßitmen Bd I 1212. 

Ghnefe" f.: Kufe, Fass PP.; sonst im Allg. unsern 
MAA. fremd, dafür Gon, Gepsen, Schuefen, Standen, 
Zuber u. A. ; doch vgl. Chüefer. Spec. a) Trinkgeschirr 
L (Ineichen); vgl. Gelten Bd II 281. — b) zsgs. Wi'*- 
Ch., ,Weinfass* W, bes. in der spöttischen Übertragung 
auf einen Säufer. - Mhd. kuo/e. 

ver-kuefen: in Kufen, Fässer fassen. ,Swas 
wynes verkueffet [ist] ze Basil in husern oder in 
kclren, das zwene bodeme hat [zwischen 2 Böden ge- 
legt ist, im Gegs. zur Aufbewahrung in offenen Ge- 
fassen], das giH dem bischofe ein halp vierteil wyns 
[als Ohmgeld].* c. 1290, Bs Rq. 

Chüefer m.: Böttcher, Küfer; doch nicht einge- 
schränkt auf den Grossbinder, sondern im umfassend- 
sten Sinne, wer Holzgefässe übh. verfertigt, allg. Vgl. 
noch Chiibler Sp. 117. Wenn 's vollen ist, überlau ft's 

— ist de"* Ch-en ire'' Glaube* ZW., wohl mit Anspie- 
lung auf den Ruf, in dem die Küfer als Trinker stehen. 
Wer nach reichlicher Mahlzeit noch weiter eingeladen 
wird, sich zu bedienen, entschuldigt sich scherzend, 

12 



179 



Kaf— knf. Kaft-kuft. Kag-kug 



180 



,er müsse den K. kommen lassen [nm sich Reife um 
den Leib legen za lassen]' Th; Z. Denn meinend s^, »'* 
essi und trinki nüd vü und hän-^''^ so vil abe^tö'*, dass 
i'* meine, i"* müess de* CK lo* cho\ Stutz. Die Zunft 
der E. hatte früher ihre besondem Festlichkeiten nnd 
Branche. ,Den 27. Hornnngs und 2 folgende Tage 
hatten die Kiefer [in Basel] ihren Umzug gehalten, 
wobei eine Ceremonie vorgegangen, die in 30 Jahren 
nicht geschehen, da nämlich 18—20 junge E.-Enechte, 
welche auf das Schönste gekleidet waren, einen Reifen- 
Ballet tanzten.* Z Nachr. 1754; vgl. noch Ch.-Tanz, 
In den Jahren der Regimentserganzung folgten in B 
auf die auf Ostern fallende politische Feier in den 
nächsten 14 Tagen neben festlichen Aufzügen der 
Metzger und Bäcker auch solche der Küfer, wobei ein 
auf einem Fasse reitender Bacchus, ein Hanswurst und 
in Weiss und Rot gekleidete Tänzer die Hauptrolle 
spielten; vgl. EFFibcher 1868, 25. Den Küfern lag bei 
Feuersbrünsten in der Stadt Z das Wassertragen ob. 
Z Nachr. 1755. Die Stelle in einem Reigen von 1558: 
,Jungfrau, ich sollt ich [euch] danken mit Schwaben 
und mit Franken ; so ich die Franken nit kann haben, 
so dank ich üch mit allen k-s knaben* (ZWthur Neuj. 
1871, 9) scheint eine Anspielung auf eine Huldigung 
zu enthalten, auf die sich bes. die Küfergesellen ver- 
standen, vielleicht auf den gemessenen Taktschlag der 
Küferhämmer beim Umlegen der Reife. ,Myn herz 
gumpet und klopfet grimm, als hett ich tusent kiefer 
drinn/ RSchmii) 1579. 

c h ü e f e r e "^ : 1. das Gewerbe eines Küfers betreiben, 
allg. — 2. Etwas z'rMU, z'wig ca., mit Mühe, not- 
dürftig, ohne Fachkenntniss zurecht machen, bes. von 
Flickarbeiten Gl; Uw; vgl. ,Etw. zurecht schustern*, 
ferner chrättlen, 

küeferisch: nach Art eines Küfers. ,Fa88 Nr. 12 
tuet [fasst] 13 Eimer; den 8. Oci widerum gefüllt 
mit 14 Eimern 1729er; wird k. [d. h. schlecht, zum 
Vorteil des Küfers, der pro Eimer bezahlt wurde] 
gemessen sein.* 1729, ZZoll. Herbstrodel. 



„kifftig: Adj., ernstlich W." 

Vgl. bair. kißig. heftig. Viell. darf ein Subst. 'Chi/t, 
abgel. von cAfften, za Grande gelegt werden. Ist der Voc. 
jedoch als lang zn verstehen, so könnte das W. W Aasspr. 
fQr chüßig (s. kün/iig) sein. 



Kag, keg, kig, kog, kug. 

ehägele" -•<?-: kleinlich tadeln, zänkeln ZZoll. 
Durch Ck>ntamination des syn. ägeUn Bd I 129 mit chih 
gdtn. Vgl. hägdtn Bd II 1079. 

Ch«gel (in Aa; Bb; B; S Che'igel) — m.: 1. Gelenk- 
kopf eines Knochens, bzw. der Gelenkknochen selbst 
VO. J)c" Ch, usmache*, den (Fuss-) Knochen aus- 
renken, dass der Gelenkkopf aus der Gelenkhohle 
tritt; vgl. über-, ua-cheglen und ,Kugel* bei Gr. WB. 
V 2589. — 2. Spielkegel, wie nhd. Man unterscheidet 
im ,Kegelriss* den Vor-Ch,, an der dem Werfenden zu- 
gekehrten Spitze des Risses, de" hinder Gh., am hin- 
tern Ende desselben, die beiden Egg-Gh., die nach 
den beiden Seiten vorstehenden, die 4 Oassc-Ch., die 



noch übrigen ohne den Chüng; vgl. JEgg Bd I 156, 
Ga88 Bd II 450 und s. noch Kranz, sowie das B Kegel- 
buch 1870. D' Chugh* lauft no*>^: 's cha** na [noch] 
Ch, gi*, bildL, die Rechnung ist noch nicht abge- 
schlossen, die Sache noch nicht verloren L; See. Um- 
fallet wie-n-en Ch,, umpurzeln, kraftlos hinfallen Aa; 
Th; Z; vgl. eheglen 4, Ein Kegelspieler wird etwa 
vor blindem Vertrauen auf den Erfolg seines Wurfes 
gewarnt: Z* Basel zeit me* d? Chegel erst, toenn si 
ligge*d Aa. Lokalsagen erzählen von in der Erde, 
bes. unter Schlossruinen vergrabenen goldenen Ke- 
geln, mit denen etwa geisterhafte Wesen sich ver- 
gnügen oder die sie sonnen; vgl. Lüt., Sagen 45. 507, 
ferner 473; Roohh. 1856, I 129/31; Hihvb, Volkssage 
42/4; Gr. Myth. * 905. 1231. - 3. (auch zsgs. Sehiss- 
Ch.) kegelförmiges, hartes Excrement von Menschen 
und Tieren Aa; Bs; VC; Th; Z. Eoss-Ch,; Syn. 
E.'Epfel (Bd I 369), -Qagü (Bd II 139), -Ghuglen, 
-Mugd, 'BdUen, -Bumbeien, -Bopperen, Vgl. Chegeti- 
Schuel, — 4. technisch, von anderen kegelähnlichen 
Gegenständen, a) walzenförmig aufgerollte, gekräm- 
pelte, zum Spinnen bereite Wolle Gl. Chegdi Charte^, 
eig. solche Wolle unnützerweise noch einmal krämpeln, 
daher bildlich: leeres Stroh dreschen. — b) starke 
Schnur zur Befestigung der Steine, mit welchen die 
Fischer die Netze beschweren TnBodens. — c) = i^6er- 
/a/l 5 Bd I 737. — d) ,der L in der sul [Schaft der 
Armbrust].' 1504, Z Schiessen; wahrsch. eines der 
Eisenstücke im Schloss derselben, viell. der ,Stecher*. 
— e) = Läm-lsen Bd I 541 (Äg.Tschudi). — 5. übertr. 
auf Menschen, a) Scherz- und Spottw. auf einen kur- 
zen, dicken Menschen, bes. ein fettes, kleines Kind 
L; Th; Z; auch auf Kinder oder junge Bursche übh. 
Aa; Z. D(m ist afen en Ch,! bewundernder Ausruf ZO. 
Du chlises Chegeli! Kosewort, ebd. Wenn man ein 
Kind zu Bette bringt, scherzt man mit ihm: Näcktig 
[nacktes] Chegüi, bumbumbei, hocket cdli Nacht aüei* 
ZRafz. — b) mit mor. Nebbegr., Scheltw. (oft ver- 
stärkend zsgs. mit Hunds-) bes. auf einen groben, 
unbeholfenen, tölpelhaften Menschen ohne Lebensart 
VC; vgl. das syn. Chmüen, Du bist en rechte Ch,! 
schäm di^^! Du Hötsch! Balz 1781. Chegdmässig, 
steigerndes Adv., verbunden mit dumm UwE. Chegeli, 
Schelte auf ein weinendes Kind Th (Anon.). — c) einem 
Adj. od. vorgesetzten Subst. beigegeben abgeschwächt 
zu einem blossen Füllwort, i. S. v.: Mann, Bursche, 
Mensch L. Mir sind afen alt Chegle*. Schwzd. 's chuwnd 
mer fast *s Äuge*wasser, wenn t** dra* denke*, und doch 
bin »«* nur e* grobe^ Ch. ebd. En Tore*-Ch,, Tor, 
Narr ZO. — d) euphem. viell. für penis in der RA. : 
Si sind wett, wie der Ch, im Bett; vgl. Gr. WB. V 
390, dagegen auch die anklingende RA. unter Hans 
Bd U 1470. — e) Familienname. ,Erne k.* 1518. Sohw 
Tuggen. — 6. in Flur- und Ortsnamen. , Kegelhof L 
(seit 1439), am ,K.- Wald* gelegen ; vgl. Ebterm. Neud. 
354. »Chegelsperch.* 1236, UwE.; in ,K.-Wisen* ZHöri. 
Mbd. kegel in Bed. 2; Stock, Knüppel. Der Diphth. ei 
für t ist viell. von dem Yb. ausgegangen, wo er frOh und 
stark bezeugt und viell. durch Anlehnung an das syn. geigUn 
(Bd II 147) zu erkl&ren ist; es w&re aber auch denkbar, 
dass die auf Palatalisiernng des g beruhende «insilbige Form 
,Keil' durch Wiederherstellung des ^ zur Zweisilbigkeit zurück- 
gekehrt w&re. Die Yoranstellung der Bod. , Knochen' hat ihren 
Urund in der Annahme, beim Kejgelspiel seien urspr. Knochen 
verwendet worden; vgl. dazu die Analogien bei Gr. WB. V 
385. Die Sagen betr. vergrabene Kcgelspiele mögen sich 



181 



Kag, keg, kig, kog, kug 



182 



orspr. anf den ,Doniicrer* bezogen haben ; It einer Yolkssago 
werden junge Bnrsche beim Kegelspiel Ton 8 ihnen begegnen- 
den, b&rtigen M&nnern zum Wettkegeln aufgefordert; alsdann 
wachsen dieselben zu übernatfirlicher GrOsse an und ihre 
Würfe erdröhnen im Tale wie starker Donner; nach andern 
Volkssagen und RAA. sollen Engel oder Petrus bei Gewittern 
im Himmel Kegel schieben ; Tgl. Gr. WB. Y 886. Betr. die 
Bedeutungsentwicklnng Tgl. bes. die (zun&chst in Bed. 3) 
synn. Figd Bd I 689, Gagd Bd II 189. — Zu 6 Tgl. den 
u. ekegU^ 1 erwähnten Brauch. 

Günn-; ,GewinnkegelS eig. derjenige Kegel, dessen 
Fall beim Kegelschieben dem Spieler den Gewinn der 
Partie sichert; übertr. bei gewagten Unternehmungen 
derjenige rasche, geschickte «Warf, der dem Geschäfts- 
roanne einen günstigen Erfolg yerschafft Z. Das ist 
df Q. für-en. — Cham ml-: scherzh. Bezeichnung 
einer (im Kamin hangenden) kurzen, dicken Rauch- 
wurst. Unter allerlei Leckerbissen aufgezählt. Stutz. 
— Chatze"-: 1. festes Gxcrement der Katzen Z; bes. 
in Abfertigungen od. zur Verstärkung der Verneinung. 
Es nützt ken Ch,t En ChJ. daraus wird Nichts! Tu. 
Vgl. Ch,-Drick, 'Chelle*. — 2. Belemnit, nach der 
Ähnlichkeit der Gestalt AaB. ; dafür iMten- AiBirm., 
WeHze'-Ch. ScnSchl. (nach der Ähnlichkeit mit Wetz- 
steinen). Vgl. auch ,KegelsteinS yolkstfimlicher Name 
der zugespitzten, versteinerten Echiniten. — M ü s (e ") - : 
Excrement der Mäuse; etwa gegen Verstopfung der 
Kinder verwendet Aa; Z. — Nest-: 1. letztes (und 
spät gebornes) Kind eines Ehepaares Z. Vgl. die Sjnn. 
bei Oratsch Bd II 829, N.-Hoek Bd II 1125. — 2. Spott- 
name desjenigen Hausgenossen, der am Neujahrstag 
am spätesten aufsteht ZStall.; Syn. Silvester, — Söu-: 
festes Excrement der Schweine Aa; VO; Z. Von einem 
Schmollenden sagt man : Er macht es Mül, m«" chönnt 
[möchte, hätte Lust] im 's mit eme* 8. abrüerer [ab-, 
herunterwerfen] L (Ineichen). ,S.* wird der Winds- 
braut zugerufen, weil sie mit einem wühlenden Schwein 
verglichen wird; s. Bocbh. 1856, II 187. — SchÖss- 
Chegeli: scherzh., Schosskind Z; vgl. Nest-Ch, 

chegle» (in GrAv.; GWe. cheggU^\ bzw. cheigle*: 
1. Kegel schieben, allg. Wenn in einem ZGrün. Mand. 
von 1764 das ,K. zu Würfen* vom ,K. zu Biesen* unter- 
schieden wird, 80 mag es sich im ersten Falle (wie 
heute noch) darum gehandelt haben, eine bestimmte 
Anzahl Würfe je ins volle Bias zu tun, während im 
andern Falle die Würfe alle ins gleiche Biss geschehen, 
also die gefallenen Kegel erst aufgestellt werden, wenn 
alle Würfe getan oder vorher schon alle geworfen 
worden sind ; vgl. auch Eis-Gelt Bd II 262. Wer einen 
bes. glücklichen Wurf tat oder das Spiel gewann, 
wurde von den Andern Hukepack getragen ; vgl Bn>. 
1662, 326/30. Zaubermittel, durch welche man sich 
beim K, den Gewinn sichern kann, s. Schild 1863, 
128/9. 130; vgl auch Chrotten-Här Bd 11 1508. Von 
einem trägen Landarbeiter scherzt man : Vom Vorusse*- 
schaffe^ sei im 's Ch. am linste"* Gr; Z. Wenn es don- 
nert, sagen mutwillige Leute : 8i (äl EngelJ ehegle*d 
im Himmel Aa; Th; Z. Die noch heute beliebte 
Volksbelustigung wurde früher durch zahlreiche Man- 
date eingeschränkt oder verboten, von den Strengen 
übh. als ein Werk des Teufels angesehen (vgl. JKHof- 
meister 1744, 53), während urspr. sogar Kirchhöfe 
dieser weltlichen Belustigung zu dienen hatten; vgl. 
Bd II 1029. Um aber die Verbote zu umgehen, er- 
richtete das Volk an abgelegenen Orten, bes. auf 



stillen Waldwiesen, Weiden usw. improvisierte Kegel- 
bahnen, woraus sich der Flurn. Chegd-Flatz erklärt; 
vgl. TanZ'Flatz. ,Es soll niemant in unserem land 
kein offentür usgeben zu k., denn die eins guldis wert 
sy.* 1500, SoHW Bq. ,1640 wurden 25 Bursche gebüsst, 
die das K. im Wald getrieben hatten.' AaL. (Müller). 
,An Markttagen und Kirch weihen soll ab den Kogel- 
blätzen das Blatzgelt abgerichtet werden.* 1670, Arg. 
,Das K. soll auf dem Platz bei der Kirche dergcstalten 
vergunnet sein, dass es der Kirchen- oder Kapellmauer 
keinen Schaden zubringe.* 1686, TuErdh. ,Da8 K. um 
einen massigen Preis mag an Sonntagen nach voll- 
endeter Kinderlehr, auch an den Markt-, Hochzeit- 
und Musterungsanlässen bewilliget sein.* 1785, Z Ges. 
,Tanzen, Freischiessen, Freikegeln [mit freier, allge- 
meiner Beteiligung] an Sonn- und Festtagen verboten.* 
Th Zeitg. Als eines der Kinderspiele, ,so zu der Be- 
wegung dienen*, wird aufgeführt: «Das K., um die 
Kegel umzuwerfen.* Spleibb 1667« — 2. in einer Er- 
zählung Alles ohne Sinn durch einander werfen Bs 
(Spreng). — 3. mit enand eh., in übertr. Bed., mit 
einander sanken, poltern, eig. mit einander grob, lär- 
mend umgehen, wie man beim Kegelschieben mit den 
Kugeln und Kegeln tut Aa; ScnStf Si händ mit 
enand wüest, recht g'cheglet, Sprww. 1869; Sülger. — 
4. umfallen, -schlagen wie ein getroffener Kegel im 
Spiele (der nach dem Falle noch einige Zeit auf dem 
Boden fortrollt), daher mit mehr oder weniger drolliger 
Nebbed., umpurzeln Aa; Bb; VO; G; Th; Z. Wie der 
Tatfibür schUgletI Schier gar über d' Trumme" cheglet 
[da sie für den trommelnden Knaben zu gross ist]! 
Ubteri und darnach B. IV 47 (für GnObS.). Mer 
ckeigle* [aus dem Bett] Beide z*samme!* nebe^ der Wand 
abe* und under-^e* Laubsack undere* Aa. An (in) 
Boden use*, dort use" (Spreng), über enand us ch. 
Doch meist zsgs. abe^-, um-, use^-ch.; vgl. noch üher-ch. 
und als Synn. die entsprechenden Zssen von tröltn. 
Ine*; dri'''Ch., plump einfallen, dreinfahren, mit der 
Türe ins Haus fallen, bes. in der Bede durch unbe- 
dachte Äusserungen Bs (Spreng); Syn. drin-schiessen, 
— 5. tr., wie einen Kegel (vgl. Chegel 3) zur Erde 
kollern lassen, in der scherzh. Anwendung auf das 
Eierlegen ZS. 's Eüenli cheglet brav Eili;' Syn. 
schissen, — 6. unpers., refl., mit Dat. P., glücken, 
eig. günstig fallen, bei glücklichen Würfen beim Kegel- 
schieben SoHW. Es hed im si'^ g'cheglet, das Glück 
hat ihn begünstigt — 7. AbL von Chegel 5 b, unge- 
schickt handeln, aus Dummheit ein Geschäft unge- 
schickt verrichten VO. Cheglerei, Tölpelei UwE. 

Die diphthongische Form auch bei HsRRebm. 1620, in 
den Bs u. B Mandd. durchgehend, ferner aoch bei Seb.Brant. 

über-: 1. tr. a) de^ Fuess ü., verstauchen ZHongg; 
vgl. Chegel 1, ,Vom Vieh, das Koten-, Schienfessel- 
beingelenk verstauchen Ap; GBh.; Z.* Arcb. Vet. 1820. 
Auch refl., von Menschen und Vieh Gr. — b) Jmd 
(Etw.) wie einen Kegel über den Haufen werfen, z. B. 
im schnellen Laufe Ap; B; Gl. Syn. uber-schiessen. 
Auch unpers. ,Es hat ihn übercheglet*, er ist kopf- 
über gestürzt — 2. intr., überpurzeln Z ; „tölpelhaft 
umfallen VO." Schier ü, vor Lachet; Syn. überh^jen, 
-hotzlen Bd II 1837. — Syn. za 1 und 2 sind üUr-chutjelen, 
-bocken, 'trölen. Ygl. auch üb^r-hünUn. 

a**-: beim Kegelschieben zuerst werfen, das Spiel 
eröffnen Ndw; Z; Syn. an-rüeren, -schiessen. Us- und 



183 



Kag, kcg, kig, kog, kug 



184 



a^'Ch., eine Spielpartie beenden and eine neue er- 
öffnen, sei es, dass derjenige Spieler, welcher die 
Partie beendigt, etwa des Zeitgewinns wegen un- 
mittelbar nachher mit einem 2. Wnrfo die nene Partie 
einleitet, sei es, dass er selbst im Vertrauen auf einen 
guten Wurf die Erklärung abgibt, dass der Wurf, mit 
dem er eigentlich nur das erste Spiel oder die erste 
Tour eines solchen zu beenden hat, ihm auch als 
erster Wurf für die nächstfolgende Tour angerechnet 
werden solle Z. — us-: 1. (den Fuss) ausrenken VO; 
Syn. den Chegd usmctchen. ,Sie hat im Kastcnschlitten- 
fahren einen Fuss ausgekegelt.' Ndw Kai. 1889. — 
2. um einen ausgesetzten Preis Kegel schieben, bis 
er von Jmd gewonnen ist Th; Z. En Ur, es Schaf u. 
— ver-: 1. = «fter-cÄ. 1 a, von Menschen und Vieh 
Ap; G; Th. — 2. = us-ch, 5 B; VO; Z. ,Berechnende 
Wirte setzen bisweilen wohl ein stattliches Schaf, 
einen Käse, Nastücher und Geldgaben zum V. aus; 
seltener wird mehr um Geld [d. h. um Einsätze der 
Spieler selbst] gekegelt* Feierabend 1843, 136/7. ,An 
den Kirchweihen werden Kleider, Schuh, Taler usf. 
um Gewünns willen zu 7. dargebotten.* JCHofhstr 
1744. — 3. (sein Geld) durch Kegelschieben verspielen 
B; Th; Z. — 4. durch unkluges Handeln, Dummheit 
seinen eigenen Vorteil verscherzen, ein Geschäft ver- 
derben B; VC; ScH ; Syn. verbocken. Dass d' nit dur^* 
eigni Schuld äi^s Glück vercheiglist. B Hist. Kai. 1840. 
Auch refl., sich verderben GW. — wase°-: ,rasen- 
kegeln*, Preiskegelschieben, bei welchem je nur 3 Kegel 
in gerader Linie auf dem Wiesenplan aufgestellt wer- 
den GT. (WSenn 1870, 205). 

Chilbi-Cheigler: vortrefflicher Kegelspieler, 
cig. ein Kegler, der allen Kirchweihen nachzieht, um 
mit seiner Kunst Etwas zu gewinnen Bs. 

Zurzi-Chegler: = dem Vor. ZS. 

Wohl eig. ein Kegler, der, wie der Chübi-Ch. den Kirch- 
weihen, den Messen nachzieht, so sich vor Allem auf die 
Messe xax' ifoxi^v, die Zurzacher Messe, begiht, um seine 
Kunst professionsm&ssig zn üben; vgl. Zurxi-Jaaser Sp. 70 
und Schlingg'Chuglen, 

Cheglct m. B; Schw; S; üw, Cheglete f. Ap; 
Ndw ; Z : Kegelschieben, ein von spekulativen Wirten, 
die alsdann hiefÜr Gaben aussetzen, veranstalteter An- 
lass, Leute anzulocken. ,Der Gesellenschiessent im 
Herbste ist gemeiniglich mit einer Schafkcgelten ver- 
bunden.* GLHartm. 1817. .Steffen [der Wirt] stellte 
einen K. um Schafe an.' Gotth. ,Der Begierungsrat 
hat dem N. N. die Abhaltung eines K. bewilligt.' Obw 
Volksfr. Vgl. noch Gumpet 5 Bd II 314. Auch im 
S. V.: einzelne Spielpartie Z. 

Us-: Schlusspartie in einem Kegelschieben; Ke- 
geln am Ende einer Spielperiode; vgl. Us-Sdnesset, 
, Endschiessen'. ,Ein allgemeines Auskegelt.' B Kegelb. 
1870, 29. 

cheglisch: 1. „auch chegeUuift, tölpelhaft VO." 
Zu Chegd 5 b. — 2. ,conis contiguus; ich hab zwen 
Kegel getroffen und bin noch k.' Red. 1662. 

Ch5g, in B; Gl; Gr tw.; GG.; Sch; ThHw. (nur in 
Bed. 2 b); ZA. CÄö^c» — m., PI. Chöge^ AiFri.; GA.; 
Tu; Ndw; ZG., sonst Chöge*, Dim. Chogli Ndw, sonst 
Chögli, Chögji: wesentlich = Cheib (Sp. 100/3). 1. ,I)ie 
Koge, Viehseuche, contagium pecoris.' Red. 1662. — 
2. (in GA. auch Ctidg, differenciert von Chöge* in Bed. 3). 
a) Leiche eines Selbstmörders Ap. — b) verendetes, 



gefallenes Tier oder Fleisch von einem solchen Ap; 
Bs; Gl; Gr; GA., T.; ScHwMa.; ThHw.; W. Solches 
Fleisch, spec. soweit es zum Fang von Füchsen ver- 
wendet wird Gr ObS. Im Wortspiel mit dem syn. 
Ziueder: Das ist grad Ch. um L., Eins so schlecht 
wie das Andere GrD. ; synn. Formeln s. bei Güd Bd II 
123. Vo* Ch. uf 's Lueder [kommen], vom Pferd auf 
den Esel, vom Regen in die Traufe GnRhw.; bereits 
im Wortspiel mit Bed. 3, da Lueder auch = Hure ; 
vgl. auch Esd Bd I 515, Gül I ßd 11 219. Ghogen- 
Loch, Name eines Felskessels an der Thur,' in welchen 
man ehemals die Äser warf GT. Vgl. noch Chogen^ 
Fleisch (Bd I 1222), -Bein, -Platz, Schinder. Auch 
bloss : halbverendetes, aber noch nicht beseitigtes Tier 
GA.; kränkliches, abgemagertes, elendes Stück Vieh 
Ap; Gr; GA., Sa.; Sch; bes. ,abgcschundenes' Zugpferd, 
,Schindmähre' Gr; Sch; Ü; Syn, Karonje. Selten von 
gebrechlichen Menschen Gr; vgl. Tsch. 224, I«* bin en 
arm<^ Ch.! — 3. Scheit- und Schimpfw., in mehr oder 
weniger abstr. S.; Ausdruck des Ärgers, der Ver- 
achtung, Verwünschung Aa; Ap; Bs; B; VO; Gl; Gb; 
G; ScH; Th; Z. a) neben Htmd, Cheib, Schelm eines 
der ehrenrührigsten Schimpfw w. auf Menschen, bes. 
auf gemeine, rohe, gewalttatige, streitsüchtige, bos- 
hafte, abgefeimte; seltsamer Mensch Aa; vgl. chög. 
Wart ww, du Ch.! Drohung an einen Beleidiger. 
Das ist en unässig^ Ch,! Es Chögli, ein giftiger 
Mensch von kleiner Statur GA. Sehr oft verst. durch 
vorgesetzte Adjj. und Substst. Du ewiger, dumm^, 
verfluechte^, verdammtest verdräiter, verreckte' Ch. ! Du 
Erde""-, Hagels-, Herrgotts-, Sw*-, Sträls-Ch.! Du 
Schfc%*-Ch.! und abermals verst.: Du cheibe*, mein- 
eide^, verdammter Schw. ! specifisch glarnerisches Schelt- 
und Fluchwort. D* Bademer mSchti*d sus wider sc uf- 
blase* und Bröpst werde" wie darvor; me" seit, si seige'd 
sus no'^ tüfeli^'* Köge, Gespräch 1712, Als Wortspiel 
in dem scherzh. Zuruf: Chogen esse*, choge* ! wobei 
das wiederholte W. eigentlich das Bd II 323 erklärte 
ist, aber auch als Subst. verstanden werden könnte Z. 
— b) Schelte auf Sachen und rohes Schimpfw. auf 
Zugtiere, störriges Vieh übh. Aa; Sch; SchwE. ; vgl. 
Hülschen Bd 11 1215. D* Welt [Erde] ist en 'bugglete- 
[»bucklig*, uneben] Ch. ! Gl. En bare" Ch. »f», unein- 
träglich, wild, unfruchtbar, von Grundstücken GnPr. 
Alle* Ch., allerlei verfluchtes Zeug G; Th; Z, z.B.: 
Es ist a. Ch. verfrore* [bei einem schädlichen Froste]. 
Es het ken Ch., verstärkte Verneinung G; Z. Das ist 
en Ch., eine verzwickte, schwierige Sache Th; Z. En 
Ch. st* VO* Schweri; Zdchi ZG. ; Syn. en Fluech. Ver- 
stärkungen wie bei a. — c) in der Gen.-Form Choge*, 
die oft bloss adj., bzw. adv. verstanden wird, Adjj. 
und Substst. vorgesetzt, bzw. damit verbunden. — 
a) vor Adjj. mit verstärkender, steigernder Bed., im 
S. V. verflucht, Erz- Ap; VO; G; Th; Z. Ch.-lustig, 
-müed, -schwer, -streng, -t%ir, -vüest. ChAeid, gar 
nicht schön, sehr unangenehm, bedenklich G; Z. 
Ch.-fiiässig, sehr (stark). De" Gässbock [Ziegenbock] 
mutscht [stösst] e»i so ch. Th (Schwzd.). Ch.-mässig 
lüge*; Syn. cheiben-, verfluecht-mässig, dwgisch. Auch 
mit st. Flexion, wohl nach Analogie von Hagel(sJ GT.; 
chogs frö, schö*. Die selbe Gen.-Form dann, gewisser- 
massen versteinert, in adv. Gebrauch auch bei Vben 
GT.; vgl. das ganz ebenso gebrauchte Tunfdjers, ferner 
ewigs Bd I 611. Das Ding recht chogs tuet trüge*. 
EFeürkr. — ß) vor Substst. ; von Personen und 



185 



Kag, keg, kig, kog, kug 



186 



Sachen; übersetzbar durch: verflucht, yer wünscht. 
En Ch,'Hund [von Mensch]. E Ch.-Ärhit, -lUehni^g 
[von Schwierigkeit] ; es Ch,'Me8ser, das nicht schneiden 
will; es Gh.'Ding, -Zug, En Ch.-Stei^ über den man 
stolpert, strauchelt. Gh.- Wetter, Bogenärbet, Chogen- 
ärbet, Rundarbeit, Schundarbeit Ap (T. 114). Doch 
auch mit gemilderter Bed., mehr Überraschung, Er- 
staunen, Yer- und Bewunderung ausdrückend. En 
Ch.-Bueby ein »verfluchter Kerl* Gl; Gr; G; Th; 
U; Z. Das ist es Ch.*Buebli^ ein gescheides, listiges 
Bürschchen G; Z. Es Gk^-Tierli, ein listiges, ge- 
wandtes Z. — 4. ohne eigentlich schlimme Nbbed., 
in verblasster, gemilderter Anwendung, t. als scherzh. 
Schelte oder derb-freundliche Anrede an einen an- 
stelligen Menschen oder einen durchtriebenen Spass- 
macher GaPr.; LV.; GStdt; t. als Dim. förmliches 
Kosewort an Kinder Gl; GA.; Z tw. Du liebs ChögK! 
Kamerad, Bursche, Kerl BSi. Es ist f%n e Kog, ein 
ganzer Kerl. Vgl. eine ähnliche Abschwächung bei 
Hagel, ferner Tüfel, nhd. ,Aas, Schelm' u. A. 

,KogeS seit dem XY. in Olossarien in der Bed. : ansteckende 
Seuche; vgl. Lexer I 1662 (wo auch das Adj. kogesch);. Gr. 
WB. Y 1577/8. Das W. ist anch ins R&torom. übergegangen: 
eoga, Aas, fanler Mensch. Einige MAA. haben k im Anl., so 
Aa(H. 153); BsL. ; BSi.; in Ndw; U neben cÄ. T. gibt für 
Ap auch eine Sg.-Form Chöger an. Zu 1. Das W. ist auch 
im Schw&b. Fem.; doch mag Red. der Analogie von ,Pe8t, 
Seuche, Kranlcheit' gefolgt sein; die Bed. 1 hat auch das 
slay. kuga. Die selbe oder eine ähnliche Bedentungsentwick- 
Inng wie unser W. zeigen ausser Cheib, Sehdm noch Lueder 
(Bedd. 2 und 3), Plag (Bedd. 1—3), BUger (Bedd. 2 und 3), 
Pflog, nhd. ,Aa8'. Im Ap Id. von 1788: ,kok, für den Schind- 
anger bestimmt' scheint das W. adj. verstanden zu sein ; vgl. 
oben 3 c. 

choge**: 1. sich über seine Kräfte anstrengen, 
»abschinden* GT.; ZO. — 2. = cheiben 3 Th. Umme*-, 
dtco*-y furt'Ch, — ver-, in Gr; GA. -chogne^: 1. in 
roher Weise verderben, beschädigen, zertrümmern 
Ap; Gr; G; Th; Z. D* Gesundheit %\ wid vercheih(n)e*. 
Synn. s. auch bei verhaglen Bd II 1077, ferner ver- 
tunderen. — 2. zu einem Chog (in Bed. 3j werden, 
z. B. von der Katze im Februar Ap. 

Chogerei f,: =: Cheiberei Sp. 104 Bs; G; Th; Z. 
Verwickeltes Geschäft, ,verzwickte Geschichte* Bs; 
Th; Z. Syn. Chogen-Ding, -Zug, 

Chogete" f.: 1. Verbalsubst. zu chogen 1 und 2 
Ap; G; Th; Z. Es ist c icüesti Ch., die Dinge stehen 
gar verkehrt Ap. Da' ist e Ch. g'si*! ein Eilen und 
Drängen Th. — 2. concr., im coli. S., Durcheinander, 
Wirrwarr, Allerlei, z. B. von verwickeltem Garn G ; 
ZO.; von stinkenden Abfallen der Gerber, Leimsiedcr, 
Schinder TnTäg. 

c h g i 8 c h : steigerndes Adv. i. S. v. verflucht UwE. ; 
Z; Syn. chogenmässig (s. Chog 3 c a). 

chüg(e)le": 1. (in GrAv., hPr., Spl. chögele*, sonst 
ehÖgele*J = cheibelen 1 Ap; YO; Gl; Gr; Sch. — 2. (auch 
zsgs. mit üiS') Jmd mit giftigen, spöttelnden Bemer- 
kungen absichtlich zum Zorn reizen, oft auch intr. 
Ap; VO; Gl; Gr; G; Sch; Th; Z. Syn. (uS'Jhunden, 
-hündelen Bd II 1435/6, -eheibelen Sp. 104. ,Sie kö- 
gelten und tretzelten.* Z Proc- Akten. Er fangt i«t** 
a» CÄ. tcie en Hund, EFeurer. Der Säme^'Nigg, die 
giftig Chrott, heig üs üsg'köglet, ebd. Abll. Chögfejler, 
Chöglif Chöglete*. Auch mit Sach-Subj. Gr. Die Minte"* 
hed f»»'* Ei^'s g'chöglet, indem der Schuss nicht los- 



gehen wollte. Der Weg hed is mängs Mal g'chöglet, 
uns oft zu schaffen gemacht, ,genarrt*. 

In Gr sind chogelen (bzw. ehögelen) in Bed. 1 und chöglen 
in Bed. 2 differenciert, ebenso in 6A. chogeUn (von Ckog. 
8. Chog 2) von chogeUn. 

chögelig GrHo. (in GrAv. chogdig, in GRhPr. 
ehogelicht): aasartig, nach Aas riechend; Syn, cheibelig 
Sp. 104. 

chög (in BoAa., GnScuolms, Spl., V.; Schw; ü 
chögg): 1. (in GnPr. chögig, in GrD. chög) = chog-äss 
Bd 1 501, zunächst im Essen und Trinken, von Men- 
schen und Tieren Aa; „Ap;** Gl; Gr; G; „Schw;* Th; 
,Z." Synn. s. bei ungefrässftgj Bd I 1319, ferner 
famsch, ver-gaucht, bittlos, sktf, Ch. wie e Geiss Gl. 
Dazu Chogi f.: Er hätti van Chögi wegen kein Tropf 
van der Milch versuocht. Von Mädchen, heikel in 
der Wahl eines Mannes „Ap;" Gl; „Schw; Z.** — 
2. sonderbar, eigentümlich, unfügsam, abstossend im 
Betragen übh., entw. trotzig, spröde, stolz oder auch 
halb stumpf sich von Andern abkehrend, von diesen 
daher eine besondere, heikle Behandlung verlangend, 
a) in »IjE.; Schw" auch chögsch, mürrisch, unverträg- 
lich, leicht aufbrausend, grob AaF.; B; Gl; Gr; G; 
Schw; U; Z. Synn. s. bei ?Mssig Bd II 1672, ferner 
unwätlich. Von kleinen Kindern, die schwer zu pflegen 
sind GnBhw. Es g'falU mer, pfüsed [schnaubt] der 
Wifid so ch, Schw (Schwzd.). 's Chögi ha; verdrossen, 
störrisch, trotzig sein AaF.; Syn. Schalk. — b) schüch- 
tern GrV. — c) zurückhaltend, kurz angebunden, 
barsch, wortkarg B; L; G; Schw; Z. En ch-e* B'scheid; 
e ch'i Antwort. Heinz, zu einer Krämerin, die auf ein 
Kaufsangebot nicht eingehen will: ,Wem wi"t sie [ver- 
kaufen], dass d' so köggi bist?* Stettlbr 1606. Anstatt 
eme* fründlu^ie^ ,fr%li*^' g'hört si e* ch^es ,mira* [meinet- 
wegen].* Ü8TBRI. Syn. besehnutper. — d) hoffärtig, 
prahlerisch, eingebildet, selbstbewusst (auch in be- 
rechtigter Weise); sich zu helfen wissend, ankerig; 
keck, fest im Auftreten Schw; Uw; U. ,Kögen, su- 
perbus, audax.' Schulze, Id. Doch Gott biwär, das' 's 
g' falle'' wett [gefallsüchtig wäre], we eppe* chegi Maitli 
U (Wipfli). Ä'* eh, stelle^; ch, mit Ei*'m tue^, Si tuet 
nüd ch, und ist niid schüch. ,Selbst die schweizerische 
Nation, von wildem Geiste besessen, chögg und ver- 
sessen, sendet [doch] eine Deputation.* Schw Fasnacht 
1863. Und si, chögg mit de'* Arme'' ♦» de» Hüfte% 
recht altschwyzerisch, MLienbrt. ,Er was nit so kögg 
und euch [nit] so kostlich mann; ja, dass eben [er 
früher] nit pflag des hohen brachts und g'walts, den 
er tuet tryben nun.* Wagner 1581. ,Kögen, stolz, auf- 
geblasen, tumidus, insolens.* Red. 1662. — 3. munter, 
frisch, zu kleinen Spässen aufgelegt Obw; U. 

Unser W. bat nur unsichere Sporen von Ycrwandtschaft 
aossorbalb des Schweiz. Gebietes; vgl. etwa ponini. ,kägsch*, 
kränklich, dem kein Essen scbmeckt, ostprouss. ,kftksch*, 
schwindsUcbtig, karzatmig, bei 6r. WB. s. v. ,käkig*; ferner 
,kftbsch*, heikel im Essen (Erzgebirge), ebd. s. v. ,kobi8ch*; 
fkökesch', keck, zauksfichtig. Fr., Ztschr. Y 558. Das seit 
dem XYI. belegte ,köken', Ekel empfinden, hat anf nnserm 
Boden seine Entsprechung in göggen Bd II 178. Yiell. dürfen 
wir aber chögig als die rel. ursprünglichste Form und als Abi. 
von Chog annehmen mit der Grundbed. ,Eke] erregend*« aus 
welcher diejenige von ,Ekel empfindend* sich leicht ergibt 
(vgl. erggtlig Bd I 449). Aus Synk. der zweisilbigen Form 
würde sich viell. der tw. verhärtete Ausl. und die Länge 
des Yoc. erklären. Anf der Grenze zw. Bed. 1 und 2 steht 
die Anwendung des W. bei RSchmid 1579, wo Jrod4 der die 



187 



Kag, keg, kig, kog, kiig 



188 



Aonahme eines dargebotenen Trankes yerschmäht, gescholten 
wird : , Wie bist so stolz and k. ! ' Ähnliche Bedeotnngsent- 
wicklangen wie eh, zeigen eigenlieh Bd I 147, nhd. ,eker: 
1) lecker. 2) yerdrossen, eigen. Ygl. auch arig, arüiek. 

ch5gg(l)e": prahlen, sich rühmen, sich einge- 
bildet, hoffkrtig geberden Schw; Uw. 

kngelSelit: kagelig. ,Eugelächte knöpf.* 1531/48, 

1. KöN. «Das kind legt sich also kugenlacht und ge- 
bogen, anlich nnd glych einer kaglen.* Rüxf 1554. 
,Ein blitzg, als wann ein kagelechte kngel vom himmel 
fiel.* UMey., Chr. 

Bafdr die Participial-Abl. «kugelet* : ,Rotandas mons, ain 
k-er oder ronder berg.* Kessl.; Tgl. auch ,kagelicbt* bei 6r. 
WB., ferner betr. die Form hü/end, hü/et Bd II 1050. 

cbugele": 1. tr., bzw. abs., eine Kngel oder einen 
kugeligen Körper rollen Bs; VO; Th; Z. En /Sffot" 
umme^-ch., hin und her wälzen. Bes. vom Spiele der 
Kinder, wenn sie z. B. Lehmkugeln aus lauter Freude 
am Geräusch, das dabei entsteht, auf dem Fussboden 
regellos hin und her treiben Scew; Zo; Z; vgl. da- 
gegen ehügelen, Term. tecbn. in der Leinwand- oder 
Musselinfabrikation für das Glätten (Appretur) der 
Stoffe, indem man dabei eine Marmorkugel von 2 — 3" 
Durchmesser so lange über ein straff gespanntes Stück 
Zeug hinwegrollt, bis es von derselben überall berührt 
worden Ap; Gf; vgl. Chugd-Hütten Bd II 1782. — 

2. ,Kugelen, rotundare.* Mal. — 3. dahinrollen, -kol- 
lern wie eine Kugel Bs; VO; Gb; L; G; Th; Z. Dtif* 
ne Stege* ahe* chugde^, ,Se volvere, über und über 
kuglen, wallen. DevoWi monte, den Berg ab kugelen.* 
Dbnzl. ,Kugelt er in ein Ämtgen [verschafft die blinde 
Gunst des Schicksals auch dem Unwürdigen ein Amt], 
so ist er immerfort der Meinung dises oder jenes hoch- 
geehrten Herren.* Sintem. 1759, viell. mit spec. An- 
spielung auf die früher bei der Ämterbestellung üb- 
liche Kugelung, Ballotage. — Vgl. die in beiden Bedd. 
syn. chrugden und rugden. 

über-: = ü,-chegle* Ibn, 2; (wider Willen) einen 
Purzelbaum schlagen G; Th; Z. Schier u., z.B. vor 
Fettigkeit, hoher Schwangerschaft, vor Lachen, Auf- 
regung, Anstrengung bei sich immer mehr häufender 
Arbeit Z. — ver-: = dem Vor., in der RA.: Schier 
V, vor Feissi, Lachet Z. 

Chugle» (in Aa; Bb; S auch Chugele*) — f., Dim. 
Chugeli (in GrA. Cht^geltiJ, ChOgeli: 1. Kugel, allg. 
Spec. a) Spielkugel. ,Uff den trinkstuben mag man 
wol mit der kuglen walen.* 1421, Z Ratsbeschluss. 
,Man kam im [dem Herzog von Burgund] zwüschen 
kuglen und zil*, vereitelte, durchkreuzte sein Vor- 
haben. GiuNsoN-Lied. ,Inter sacruro et saxum stare, 
zwüschend tür und angel, zwüschend kugel und zil 
ston.* Fris. ,Nun klebt kein kugel an der wand 
[bleibt dort liegen] ; ich hoff, der wurf komm in unser 
band.* Badknfahrt. ,Er gespüret, wie die kugel weit 
ein^ andern weg, dann er sich versahen, walzen [die 
Sache einen andern Verlauf nehmen] wollte.* Wurst- 
I8BH. Chugde* (Aa; B; S), Chugdi (L; Zo; ZKn.) 
träte*, toerfe*, ein (meist auf oder neben der Land- 
strasse betriebenes) Spiel, bei welchem es sich zwischen 
zwei Parteien darum handelt, je ihre Kugel (alte Ka- 
nonenkugel oder eine hölzerne, mit Blei ausgegossene 
K.) durch abwechselnde Würfe am Ehesten an ein 
gegebenes Ziel oder bis zum Ende des Spiels am 
Weitesten zu bringen. Näheres über dieses von 



Bauernburschen getriebene, oft gefahrliche Spiel s. 
bei RocHH. 1857, 458; ill. Sobwbiz VUI 160; Fhir- 
ABBND 1843, 135/6; KStadlin 1819 (I), 39. ,Einem 
Trupp Kuglen Werfer entgehen.* Gotth. ,1813 beschloss 
der Kirchenrat, dem Wirt anzuzeigen, dass er das 
Kugelitrölen nicht mehr gedulde.* AKüchlbr. «Dess- 
gleichen lassen wir zu als ein Manns- und Leibes- 
übung das Kuglen werfen, doch allein von Kurzweil 
wegen oder nit höher dann zum Tag um eine einzige 
Ürte.* B Mand. 1667. Früher spielten die Männer aus 
den Städten mit hölzernen Kugeln, die sie mit bes. 
geschnittenen Stäben nach einem bestimmten Ziele 
hintrieben B (Zyro). ,Etlich gesellen band d' kugel 
geschlagen von Bemund bis gen Fryburg, galt 600 
schleg, aber si ward darg'schlagen under 400 strei- 
chen.* Salat. Das ,Kuglen-* wird neben dem ,Ballen- 
schlahen* unter den gleichen Einschränkungen wie 
das ,Kuglen werfen* gestattet. B Mand. 1667; vgl. noch 
Badenftr^benJ, Als Dim. (Spick-JChiigdi, kleine Spiel- 
kugel der Kinder, bes. zum ,Spicken*, Spielschusse r, 
Marbel, Schnell-, Knippkügelchen Ap; G; ZO.; Synn. 
s. bei Gumper I Bd II 313; unterschieden von Boler, 
Bumm, Böisch, Eüer-Ch,; vgl. chiigden. Wenn Kinder 
sich solche aus nasser Erde bereiten, sollen nach dem 
Volksglauben Brot und Butter aufschlagen Ap; vgl. 
T. 231. — b) Geschützkugel, allg. Laufe* wie-n-e 
Ch. uS'^em Bor Bs; G; Sch; Tr; Z; vgl. gän Bd II 5. 
Z>' Gh, ist en Narr [fährt bloss blind], 's Bajonett aber 
het Verstand Sch (Sulger). S. noch gefideret Bd I 681. 
— c) Looskugel, früher (in Gl bis 1834) bei der Be- 
stellung von Ämtern angewendet, indem die vorher 
durch die Behörde bestimmten oder förmlich durch 
Stimmenmehr gewählten Kandidaten jeder nach einer 
Kugel griffen; wer die goldene statt einer silbernen 
zog, war gewählt B; Gl; vgl. EFFischer 1868, 26; 
Gl Gem. 486. Aw"^ d' Walart hat mer nie g'falle*, 
dass nänüi^^ die tot goldi Ch. am-ene Ma*" es Amt 'gi 
hat. Gl Volksgespr. N. N. sagt, er sei bei der Pfarr- 
wahl übergangen worden, ,weil er seine Füsse [durch 
Besuche bei den Mitgliedern der Wahlbehördc] zu 
ermüden und mit der K. zu spielen nicht begehrt 
habe.* 1670, ZoNeuj.; \f^\,ch/¥^elen3. — d) Appretur- 
kugel; vgl. chugden 1. ,Von wegen einer geschow 
der tüechlinen ist nachfrag gehept by denen personen, 
die der kuglen, damit man die tüechli tröchnen muess, 
bericht gebend.* 1553, Z ZoUb. — 2. übertr. auf ku- 
gelige Gegenstände. Als Dim. Chugeli, halb kosend 
von jedem kleinen, rundlichen Ding, differenciert von 
ChOgeli, dem spec. Ausdruck für die Spielkugel ZO. 
Spec. a) Chugeli GRh., ChUgeli B, luftiger Kuchen, 
in B oAa. von der Grösse der ,Äpfe]küechli* und von 
dem selben Teig wie die ,Spritzbirnen*. S. noch rer- 
bril^en (verhruet). — b) Kloss, als Speise. Chugdi, 
eine Art Mehlklösse, in Butter gebacken GSev. 
(Fleisch'jChugeli Bs, -Chugeli Z, Fleischklösschen; 
Syn. Brät-Chnöpfli, Bimdner Chugle*, hartgesottenes, 
wiederholt in Omelettenteig getauchtes und in Butter 
gebackenes Ei Gr; Syn. Conterser Bock; Kros-Ei 
(Bd I 17), wofür ,Kroz-Ei* (Buch von guter Speise), 
jGrossei' (Stüttq. ök. Handb. 1806). — c) Chugdi, 
Dotter in einem hartgesottenen Ei Z (Kdspr.). — 
d) Chugdi, Pille Aa; Z. Früher bes. als (verbotener) 
Köder für Wild verwendet. ,Wer der wäre, der gift 
und kügeli laite [legte] uf das fcld.* 1533, Gr Rq. 
,4 pfd gab N. N. [zur Busse], als er mir in bächen 



189 



Kag, keg, kig, kog. kng 



190 



getischet und die fisch mit kfigelinen uftriben.' 1570, 
ZGrün. Amtsrechn. ,Kügelin oder Atz in den Tessin 
werfen, wodurch die Fische getötet werden.* 1638, 
Abbch.; ygl. Äz Bd.1 626. ,Wir verbieten, dass f&ro- 
hin Niemands mehr die Fisch mit einichen Eflgelin 
gar nit mehr aus dem Wasser ziehen noch fangen 
solle.* ebd. Vgl. Gugdum Bd II 156. — e) Chugle% 
Birnenname GRh. (Steinm. 1804); Syn. Chugdi-Bir, 

— f) Chugeli, FrnchtknoUe (mit den Samenkörnern) 
der Kartoifelstaade Uw; U; Sjrn. Epfdi (Bd I 367), 
BcUlen, Bollen, Brallen, Boüen, — g) Chugle*, grosser 
Rollkiesel U; Z. Biss-Gh,, Flusskiesel aus der Reuss U. 
Vgl. Chuga-ßaas Bd ü 452. — h) meist zsgs. Boss- 
Chugle^ AkBb,', L, -GhugeU AkLeer,; S, -CMgdi Sch, 
Pferdekot; vgl. die Synn. B.-Chegd, -Chrügd, ferner 
Mein bei H. 149. — i) ,Mola, die mueterge wachs [in 
der Gebärmutter] oder kuglen.* Rubf 1554; vgl. Maeter, 
Män-KaXb. — k) Chugeli, kleines, fettes Kind, meist 
als Kosewort SohwE.; Z; im entsprechenden Sinne 
auch etwa von Tieren, z.B. Hunden, Schafen Z; vgL 
Hock Bd II 1155. Auch bloss in Vergleichungen: Si 
ist feiss wie-n^es Chugdi Z. — Mhd. kugel(e) in Bed. 1. 
S. noch Ckrugd und ChmgU*» 

After-: kugelähnlicher Körper, Sphaeroid. ,Einer 
[der Steine] ist wie eine abgeplattete A. und hatte ein 
rundes Loch; wie man etwann oben auf die steinerne 
Säulen zu stellen pflegt* JGSvlzer. — Imbe"-: Honig- 
hefe, die man den Bienen in den Korb legt AAEhr.; 
Sjrn. Trost, — Erd-, doch meist dim. 'Chugdti, -Chu- 
geli: Schnellkfigelchen aus Ton Gr; vgl. Chuglen 1 a. 

— Erz- (auch etwa Herz-jChügdi: Kugeln von Bohn- 
erz, etwa von Kindern als Spielzeug benutzt ZRafz. 

— Oster-Chflgeli: kleine, hölzerne, mit Blei aus- 
gegossene Kugel, welche die jungen Bursche zur Oster- 
zeit als Wurfkugel in dem oben bei Chuglen 1 a be- 
schriebenen Spiele benutzen, das sie 's 0. wtrfe'* 
hoissen; nur entscheidet schon die Wurfweite eines 
einzelnen Schusses, den die von den beiden einander 
gegenüberstehenden Parteien je weilen ausgeloosten 
Partner tun dürfen BsTherw. — Fluss-Chugle": 
Fehl-, Frühgeburt Ap; vgl. Bd I 1216. — Gems-: 
hühnerei- oder taubeneigrosse, aromatisch riechende 
Kugel im Magen der Gemsen, die früher allerlei me- 
dicinische Verwendung fand; sie sollte abtreibende 
Kraft haben und bes. Geburt und Nachgeburt beför- 
dern, auch blutstillend wirken, sowie das Tier selbst 
und später den Besitzer des Steins ,fe8t* machen B; 
Gr 1786. ,Die alten Böcke haben oft G., aus Wurzeln, 
Kräutern und Haaren zsgesetzt, im Magen, welche ehe- 
mals mit 4 Kronen bezahlt wurden, weil sie als Be- 
zoare gegen verschiedene Krankheiten gut sein sollten.' 
FTscHUDi. ,Pilae rupicaprae, aegagropili, badzahar ger- 
manicum, G., Gemsballe.* Waghbr 1680. ,Occidenta- 
lische Bezoar, i. e. G.* Haüptwih 1690. ,Von diesem 
Herrn, welcher ein sehr fleissiger Naturforscher ist, 
habe ich zuerst gehört, dass die G. von dem Kraut, 
Hirschzunge genannt, herkomme.* JJScheuchz. 1746, 
270/ 1 ; Andere dagegen hielten dafür, dass den Haupt- 
bestandteil die Wurzeln von Doronicum bildeten, 
welche daher auch Gemswurz heisst. ,Dis8 sagen die 
Jäger bald einhellig aus, dass diejenigen Tiere, welche 
dergleichen Kugeln in sich haben, zwar nicht schuss- 
frei seien, aber einen harten, langsamen Tod auszu- 
stehen haben und ihnen etliche Kugeln in den Leib 
gejagt werden müssen, ehe sie davon fallen.* ebd. 67/8; 



vgl. noch 458 f., ferner Lied von den Kräutern II 33; 
Serbrh. 1742, 75/6; JHTschudi 1714, 29; helv. Kal. 
1783, 232. Vgl. auch Ifär-CA. — Glanz-: grosse, mit 
Wasser gefüllte Glaskugel, welche vor die brennende 
Lampe gestellt wird, um, z.B. bei der Arbeit der 
Stickerinnen, das Licht auf eine gewisse Stelle zu 
concentrieren Ap; G. — Heiliggrab-: Kugel ähnlich 
der vor., nur dass sie in kath. Kirchen zur Beleuch- 
tung des h. Grabes dient S. Der rot W%\ wo der 
Pfarrherr am Charfritig in d* H, inne* tuet, ^ass 's es 
schons Farbe^spü giH. BWtsb 1863. — Har-: Kugel 
im Magen des Rindviehs, aus zsgeballten, mit einer 
dunkeln, glänzenden Kruste überzogenen Haaren be- 
stehend; vgl. Alpina 1806, 154, Qems-Ch, und ,Haar- 
balle* bei Gr. WB. — Che(i)gel.Chug(e)le". Wo 
[man] mit de* wichtigste' Sache* wie mit Ch, spüt. 
Breitenbt. ,Den Kopf warf er zurück wie eine K.* 
ScH Pilger 1881. Oft als Massbezeichnung gebraucht 
Bs; Z. En Stei* (so gross) wie-ne"* Ch, Man unter- 
scheidet übrigens die kleinen Hand-Ch, von den grös- 
sern Wurf- u. Griff -Ch, — Chlepf-, CMöpf -Chugdi: 
Knallerbse Bs; Z. 

Mumpfer-: bes. in der Fastenzeit genossenes 
Gebäck aus Kuchenteig AAFri.; Bs; vgl. Bs Kochb. 
(Stupan) 55. — Nach dem AaFri. Dorfe «Mumpf benannt. 

MSr-Chügeli: » JBrd-Chügdi ZO. 
Tiell. nach der Ähnlichkeit der Farbe mit derjenigen der 
Meer roh rstöcke. 

BummC^-Chugle": Bombenkugel Bs; S. Fort- 
schnüze* wie 'ne B, JoAOHm. VgL Chuglen i 6. — 
Patermüs-Chügeli: bleierne Spielkugel, Schusser, 
wie sie beim ,Stöckeln* gebraucht wird SThierst. ; eig. 
,Paternoster-KugeK — Böt-Kugeli: Paternoster- 
kugel. ,Zeichen sind dise, dass die VOrte b. an iren 
schlingen und danngrotzen uf iren hüeten getragen 
haben.' Ksssl. ; vgl. Tann-Ast Bd I 575, ferner Bd II 
838. — Potsch-Chugle": grosse, hölzerne Kugel, 
die man beim ,PotschenS einem gewissen Spiele, 
braucht GrD. — Rüer-: grössere Kugel, die man 
beim ,Spicken* zum Werfen braucht Z; Syn. Spick- 
CMür, Bumm; vgl. Chuglen 1 a, — Schlingg-: 
,Schleuderkugel*, grosse Kegelkugel, mit der bes. die 
Zurzi-Chegler ihre Gewandtheit zeigten AaZ. — Vor- 
stach- Bb, Strumpf- Th; Z: hölzerne Stopf kugel, 
beim Flicken der Strümpfe gebraucht; It Zyro früher 
auch aus Glas. — Distle'^-Chügeli: Frucht, bzw. 
Fruchtboden der Kugeldistel, echinops sphaer. AABb. 
-- Trol-Chugle": ,Roll-S Laufkugel, Kugel von 
kleinem Kaliber, die von selbst, ohne Nachhülfe, in 
den Gewehrlauf hineinrollt. ,Jeder Schütze soll an 
dem von der Obrigkeit angeordneten Schiesstag mit 
freier Hand und alles mit Trol-Kuglen schiessen.* 
1668, Gfd. Vgl. ,trolender Stein*; Gegs. das Folg. 
— Trang-: Flintenkugel, die nur mit Mühe (trangj 
in den Lauf hineingeht, also mit dem Ladstock hinein- 
geschoben werden uinss. ,Mit den schweren Musquoten 
und den Tr. nach der Scheiben schiessen.* Z Mand. 
1696. — Ziger-: kugeliger Kuchen von der Grösse 
eines Apfels, mit einer Füllung aus süssem Quark, 
gesottnen und zerhackten dürren Birnen und weitern 
Zutaten, früher bes. ein beliebtes Kirch weihgebäck 
Aa; L; Schw; vgl. Z, -Krapfen, -Bugden, DiTt stricht 
si Z, a" aScHW (Eichh.). Eusi Mueter hed g'chOechlet, 
hed ^igerchügdi g'madht L (Anf. eines Liedes). Ein 



191 



Kag— küg. Kagg-kngg. Kaj-kuj. Kak—knk. Kal-kul 



192 



fremder Handwerksbursche, der von einer Bäuerin Z. 
zum Geschenk erhalten hatte, sie aber nicht kannte, 
soll nachher einem Landsmann erzählt haben: ,Die 
Haut hab* ich gefressen und den Dreck in den Hag 
'neing' schmissen' L. 

c h ü g (e) 1 e " : mit Schnellkügelch en spielen L ; Schw ; 
ZO.; Syn. dhluckeren, cMüren, spicken; vgl. dagegen 
chugden 1. In L, wo man mit Kreide auf den Ter- 
rassen vor den Häusern ein Dreieck als ,Ziel' auf den 
Boden zeichnete, hatte das Spiel etw. Mannigfaltiges 
und Compliciertes und besass einige Ähnlichkeit mit 
dem Billardspiel. Die Lehrerschaft von LStdt er- 
wirkte 1837/8 beim Stadtrat ein Verbot gegen ,das zeit- 
raubende undgefahrliche Leidenschaften erweckende K/ 

er-chügle°: meist mit Acc. P., erblicken GrAv., 
Rhw. 

Abi. von ChutfUn \. S. v. Augapfel; also eig. Jmd er- 
blicken, nachdem man, das ,Aago wie eine Kugel hin- und 
herrollend% nach ihm ausgeschaut hat; vgl. das scherzhafte: 
,Jmd (Etw.) beaugapflcu.* 



Kak, kek, kik, kok, kuk, bzw. kack usw. 

S. auch die Reihe Kcufg usw. 

Kakedimell: Gewürz, in Form von Körnern oder 
Kfigelchen, zur Bereitung von Hippokras Bb. 

kaken: krähen. ,Die Krähe kaket oder kräjet.' 

SpleISS 1667. — Vgl. yagyen I. 

„Käkler m.: = Gägler (Bd II 140) Gr.« 

chiekle(ll): heimlich, spöttisch lachen, lächeln Gr. 

Kleinlich angreifen, absichtlich kränken GRPr. 

Lautnachahmend wie g^chUn Bd II 108; chicherem Bd III 
124; ffigycren Bd II US. 

Chnkelom m.: = Gugelum (Bd II 156) SB. — 
chukele": mit Gh. fischen SB. 



Kagg, kegg, kigg, kogg, kugg. 

Chigg s. Gehick Bd II 1120. 
ChTgger m.: Zwitterpferd S. 

Das Selbe, was Chipper (Sp. 108), mit Vertauschung der 
labialen Tenuis an die gutturale. 



Kaj, kej, kij, koj, kuj. 

cr-chije"*: ausfindig machen, ausklügeln GRPr. 

Offenbar eine auf Dissimilation beruhende Nbf. zu dem 
mehr oder weniger anstössigen syn. erhtjen Bd II 1101, wo 
auch eine andere Entstellung dos Yf, angegeben ist. Vgl. 
auch noch Bd II 1107, Anm. 

köje": Versteckens spielen GLNetst. 

Kinder wort, von dem bei dem Spiel dem Suchenden zu- 
gerufenen ko, hol [kommen!]; vgl. das syn. UchiepM mache*, 
von dem Spielrof: tachiej)! 

Knjon (in Ndw Gujong, in Yf Gujung, in Th Küjö^) 
m., PI. Cujone* Scu: Schimpfw. auf Mannspersonen, 
boshafter, schlechter Mensch, bes. aber : Plager, »Schin- 
der' Aa; Bs; G; Scu; Tu; Ndw; W ; Z. — Frz. cdion, 
caujfon, Feigling, Memme. 

kujoniere", kttj^-, kujiniere* B; G; Z, gu(i)- 
joniere'* AaZ. 1815; L; Schw, g^jiniere* L; Schw; 
Ndw, zsgz. kuiniere* Th, guiniere*' Schw, ku-, guniere* 
Aa; Bs; Zg, giirniere* LSemp.: Jmd unnötigerweise 
drängen, quälen. ,Schinden und k.' LKIndehbitzi 1831. 
Auch von derben, handgreiflichen Liebkosungen L. 
Abi. Gunierer, Geizhals Zg. Gujinäde, Quälerei Ndw. 

Frz. coionner, höhnen, grob scherzen; vdionnitde, Schererei, 
Ungezogenheit. 



Kai, kel, kil, kol, knl, bzw. kall usw. 

ehal: kahl, nur in der BA.: Das ist eh. [niedrig, 
unedel] von im BStdt (Jargon). 

kall: geronnen, von Fett, selten von Blei und 
Blut, nie von Milch Grüc., Pr. 

Gloichbed. mit dem Ptc. des folgenden Vbs. Ein zu 
Grunde liegendes gleichlautendes starkes Yb. kann aus dem 
Abi. küel und ans dem altn. ,ka]a köP, frieren, erschlossen 
werden, aber das Adj. wird doch nicht etwa aus dem starken 
Ptc. ,gekalen* erst verk., sondern alte Stammform sein. — 
Die betr. MA. lässt uns im Stich bei der Frage, ob cA- oder 
kX' (fßr g^ch) anzusetzen sei. 

challe" I AaL.; Ap tw.; BsLd; Git tw.; LG.; 
TflFr.; ü; Zg; ZTö., g'eh- AABb.; Ap vorwiegend; 
BsStdt; Gl; GRtw.; G; L; ScflSt.; aScHW; Th; UwE.; 
Z : aus flüssigem Zustand meist durch Abkühlung in 
festen übergehen, gerinnen, stocken, gefrieren, von 
Wasser, Fett (bes. Butter), Öl, Blut, Blei. allg. ; Synn. 
stocken, gestorchten, stornen, dicke9i; an einzelnen Orten 
mit eingeschränkter Anwendung, z. B. nur von Fett 
aScHW. Bes. auch von Eisbildung AABb.; ScnSt.; 
TflSteckb. ; Syn. nicUen. Das Ptc. g'chdllet, geronnen, 
adj. = kaU, g'ehcUig Ap; Bs; G; Th; Z. Wenn d' Suppe* 
ehalt tcird, so g^chcdlet d* Feissi dnif. Es muess chaJt 
si*, wenn 's öl g'dhallet. I** ha* 'blüetet — nie* häJt 
gemeint, es well nümme* g'ch, GSa.; vgl. Schwzd. 35, 57. 
Wenn das Unschlitt um den Docht immer ,kalletS pro- 
phezeit man Kälte Ap. ,Lass hennenbluet geston oder 
kallen.' Vogelb. 1557. ,Conglobatu8, concretus, ge- 
stockt bluet oder kallet. Concretio, zusammenwallung, 
kallung.* Fris. ; Mal. .Das Destillieren geschieht mehr- 
teils, da die dünst obsich getriben durch die hitz kal- 
lend und zu wasser werden.' JRLandenb. 1608. ,Sie 
waren mehrteils voller Blut, dass ihnen die Helni- 
parten und Schwerter mit Blut an den Händen ge- 
kallet waren.' Grasser 1625. ,I)ieweil das Öl nicht 
gefriert, sondern nur kallet.* Zieqler 1647. ,Dicken, 
kallen, gestehen, rinnen, klonteren, gerinnen, concres- 
cere, coalescere, coagulari, coire.* Red. 1662. 

Dem altern Deutsch ist das W. fremd, dagegen altn. kaJUi, 
frigere (s. kall). Aufßlllig ist die Angabe von Ijftnge des Voc. 
aus UwE. An Entstehung aus frz. cailler (lat. cttagularc) ist 
nicht zu denken, wohl aber an Zsgehörigkcit mit den von 
Gr. WB. V 69 angeführten deutscheu WW. 



198 



Kil, kel, kil, kol, kul 



194 



über-challet: mit Eis überzogen AAEhr. — an- 
c halle": l,s=ch(ülen GrL. — 2. (auch ent") erkalten, 
von Fett und Milch GBCbnr. — er-g*challet: ge- 
ronnen, von warmflüssig gewesenem Fett GrD. 

b«-challe» (mit starkem Ptc. AAWohL; ZO.): 
= dem einfachen W., bes. von Fett und von Eis- 
bildung (dagegen nicht von Blut) Aa; B; Gl; üw; 
ZLunn. Du muest isse^, eh 's [beyor es] VchdUet BSi. 
Das jung Vokh häd chum möge'* g'warte*, bis d* 
ChüecMi e cMf" b^chaXUr g^si* sind. JSsim 1864. Anch 
etwa von Tränen, deren Spar an der Wange haftet 
EU., and einmal bildl. von Abkühlnng des Zornes: 
I^ ist es Häreli Uwe" [ein wenig zornig] g^sei*, aber 
er ist wider Vchctlled UwE. — AufTallend ist die L&nge 
des a, diesmal anch in BO. 

über-b'ch.: aaf der Oberfläche gerinnen Ndw. — 
üf-b'ch.: wieder flüssig werden, ebd. — a"-b*ch.: 
durch Abkühlnng an einem andern Körper sich ver- 
dichten and dann ankleben, ebd. 

g*ch allig: = kaU, von Blut, Fett Ap; Bs. 

ver-kalab(r)iere°: refl. 1. sich verächtlich ma- 
chen, in Übeln Bnf bringen, herabwürdigen AAFri. 
— 2. Missgeschick haben, anrichtig specalieren. ebd. 

Der Lantform nach etwa ans ,*collabori6reD\ dem Sinn 
nach eher aus iat. ,coIIabi*, zsstfirzen, jedenfalls ein miss- 
Yorstandenes und entstelltes Fremdw. 

Calamander: ein fremder Stoff für Franenkleider. 
.Gute Kalmander and Halblein oder halb Bauele schickt 
sich für Handwerkstöchtern.* Jura/Scbwarzw. 1888. 
Jippe* vom didcste^ Sidc^kalamcmder. Hstzbl 1885. 
,Ein geblamtes Leibli von Callainanden.* Z Mand. 1768. 
Adj. ,calamanderin*. ,Gathariua H. hat ein calamanderen 
Gestalt [Jacke] mit einem gelben Boden and roten 

Strifen.* XVII., LiebENAU. — Aas span. calamandra, 

Calanker (PL): heramziehende Lente, die sich mit 
allerlei Gewerbe oder aach mit Bettel ernährten, zn- 
nächst ans dem GaCalanca-Tal stammend. Vgl.: ,In 
Galanka by Masox [Misocco] sind es alles harzer and 
zeinenmacher ; doch bSttlend dieselben gewonlich.* 
Äq.Tbchudi 1588. «Calanker und harzwahlen, die die 
wäld and schönsten tannen verderben.* 1578, L An- 
sehenb. ,Da die C. oder Harz walchen dem gemeinen 
Mann darch Aafkaafen von allerlei Sachen and anch 
durch Aufwechslung des Goldes Schaden verursachen.* 
1621, Absch. Den ,Gremplern und Calanthern* wird 
das Betreiben ihres Geschäfts in der Pestzeit (1667) 
beschränkt Absch. ,Calanker werden genennt ein im 
Land herumziehendes Yölklein, welche teils aus diesem 
Tal, teils aus dem St Jakobstal gebürtig, mit Z einen, 
Korben und Harz, auch mit Stein- und Staudengpraben, 
und Herumtragen von Seifen, Wetzsteinen etc., sonder- 
heitlich auch mit Wegschaffung des s. v. abgegangenen 
Viehs, desswegen sie auch die welschen Schinder ge- 
nennt werden, sich erhalten, Weib und Kinder aber 
in den Dörfern herum bettlen gehen und alle ihre 
Habschaft in einem Sack herumtragen.* Leu, Lex. 

S. noch Galangger Bd II 202. — Die Form mit t statt k 
einer der h&nflsfen F&llo yon Verwechslung dieser beiden 
Lante ; auch zn dem eben verglichenen W. gibt es eine Nbf. 
mit Dental. — Vgl. AugttUMUr, Oranitzer (Bd II 745), Ort- 
Bcheneier. 

Kaläst f.: weibl. Taufname, angeblich für Schola- 
stika ScHwE. 

Schweiz. Idiotikon UL 



Wenn die Angabe Recht hat, so muss man annehmen, 
das Fremdw. sei gem&ss seinem griechischen Ursprung im 
Anl. tk' gesprochen und das • sei dann als der verk. Art. 
,da8* aufgefasst worden, wie auch andere weibl. Personen- 
namen in der Volksspr. als Dimin. behandelt werden. 

KaUsti, Kalä'sti f.: böses Weib L. 

Kanm aus dem vorigen W. abgel. und appell. gewendet, 
da jenes sehr schwach bezeugt ist. Eher blosse Spielform 
zu Kanätti; 8. d. 

Kaü^lije f.: altes, dürres Weib GaPr. 

Killebüsi, GhöUbiisi n.: niedriger Raum auf der 
Seite des Dachbodens, nur zur Aufbewahrung von 
kleinen Gegenständen dienlich U. Syn. Ruess-TiUi. 

Viell. aus dem angrenzenden It., etwa »gabuxnno, schlechtes 
Gemach; doch Tgl. auch das deutsche ,Kabu8e% schlechte Hütte, 
Verschlag. 

Ghalle'' AAFri.; B; FMu.; Gl; GaObS., Rh., Schams; 
L; G; S; UwE.; Zq; ZGlattf., Chdk* Bs; FG.; L; 
GA.; Ndw; ZKn., IS., Chol Z — PL ChäUe Gl; Gr, 
ChaJfDe BD.; Nnw Chdl Z -- Dim. ChäUdi und 
ChaUli Ndw — m.: Glockenschwengel, KlöppeL allg. 
Syn. Haüe(r), Halm, Chängel, Chlinker, Plämper, 
Auch von Kuhglocken: IH Chue het dr Ologge^ der 
Oh, verlöre* Gl. BildL : Zunge redseliger Weiber ÜwE. 
»Tintinnabulum, kalle.' Ebihqkr 1438. ,Za giessen kost 
die glogg und das joch und der kalen and ze hänken 
XXVn krönen.* ScHwIngenb.. a. Urbar. ,Der kalen in 
der grossen gloggen hat 1 centner 39 pfund.* 1501, 
A^Brugg. ,Kal, das gross eisen, so in der glocken 
hanget, malleus.* Mal. »Damit kein vergebliches [weil 
missverstandliches] Sturmläuten gemacht werde, soll 
der Sturm nicht geläutet, sondern ein Hälsing an den 
Kall gelegt und darmit der Sturm geschlagen worden.* 
Th KriegsregL 1628. ,Der Kaal, Gloqken-Klepel, Klü- 
pfel, Schlegel, pistillum campanae, marculus, tudes, 
malleus.* Rbd. 1662. ,5 fl. kostet das Kähli, 86 Pfd 
schwer.* 1732, Dun. 1863. ,Die Ursach, das* die Glogg 
ein Spalt bekommen, ist, weil die Bauren einen schwe- 
reren Kahl in die Gloggen machen lassen, als aber 
die Glogg erleiden mögen.* ebd. ,Sie sind Geigen ohne 
Seiten, Messer ohne Schneiden, Glocken ohne Klöpfel 
oder Kai, Feilen ohne Schärpfe.* Klingl. 1688. ,Es 
ist in der Mitte ein eisiger Stab, so man den Kallen 
oder Kleppel nennet.* AKtburz 1753. 

Der &. Spr. ist das W. fremd, aber unzweifelhaft seine 
Zugehörigkeit zum Vb. haUm, laut reden, rufen, da den 
Glocken ja oft Sprache zugeschrieben wird und die Ver- 
gleichung des Klöppels mit der Zunge zutreffend ist. 

be -kallen: (eine Glocke) mit dem Schwengel 
versehen. ,Die Glocken ze b-t und ze henkend.* 1458, 
Urkuhdio. Im Jahre 1459 bezahlte der »Umgeldner* in 
Luzern 10 ß, ,um ein riemen in ein gloggen ze b.* 

z u e -. ,Du tatest wol dyn mül z. und liessest dir 
die wärheit gfallen.* Waqh, 1581. 

Scheint eine fehlerhafte Vermischung von ,kallen* (mhd. 
und &. nbd.) = seine Stimme ertönen lassen, mit «zuhalten* 
i. S. V. ,geschlossen halten, vom kallen abhalten* ; viell. als 
Gegs. zu einem ,uf-kallen* i. S. v. ,uf-reden*, sich mit Worten 
empören. 

challe": sich wie ein ,Challi* geberden. BW^tbs 
(s. u. ge-fären 2 Bd l 882). 

Challi, in L auch Chälli m., in W n.: unge- 
schlachter, schwerfälliger, stumpfsinniger, gleichgül- 
tiger Mensch, Tölpel, Tropf; Grobian, Lümmel; un- 

13 



195 



Kai, kel, kil, kol, kul 



196 



barmherziger Mensch, auch bloss : dicker, untersetzter 
Mann AiFri.; Bs; B; F; „VO;« S; W. Eines der 
vielen WW., mit welchen leibliche und geistige Ge- 
brechen bezeichnet werden. Synn. Oäli, Glanggi, 
Schiabi, Gritti, Stamjyfi, Lascht, Tschalpi. 

AvRütte zieht das W. zu ChaUe, wobei hauptsächlich an 
die schwerfällige, schwankende Bewegung zu denken w&re und 
die Endung -• die persönliche Bed. von der s&chlichen unter- 
scheiden niüsste. Vgl. nhd. ,GalgenschwengcI* und ,Flegel'. 
Abi. von hallen, rufen (das in der MA. nicht mehr lebt) wUrde 
den Begriff eines Grossmauls, Schreiers oder eines mOhsam 
Sprechenden ergeben, was zu den Angaben der wesentlichen 
Bed. weniger stimmt. Vgl. übrigens auch QaVii und Chhli, 

Fröss-Challi: Vielfrass. ,Eine Kuh, die sei ein 
wahrer Fresskahle unter den Kühen gewesen.' Eidq. 
MoNATSSCBR. — Burgcr-: Spottn. für Städter B. 
Vgl. etwa nhd. ,Mastbürger*. — Seifer-: seifernder 
Tölpel ß. 

Kalander, in Aa; B; L; Sch; Th; ZO Ko-, in S; 
üwE. Cha- (neben K-), in Gr Öo- (neben Ka-) — m.: 
1. wie nhd.; Syn. Prattig. Auch der in einer Brief- 
tasche enthaltene K. und gelegentlich diese selbst 
Tu; Z. K.! henärcr oder wind-^r [wollt ihr]? rufen 
die K.-Verkäufer am Andreasmarkt in Chur. A. Hast 
's Za'we, das8 d* so 's G'sicht verbünde" hast ? B. Lue- 
ged mtr, wie-mi wi* Frau verchretzt häd. A. Wie 
(f sehst du drl"" ! Präzis nvie-n-e Kolend^blatt : 's häd 
a^se g*rad wie halb Mo [Halbmonde] druff. Stütz. Der 
Frage: Wa' w^nd-er? fügt man etwa scherzhaft, den 
Papierkrämer fingierend, um einen Reim zu gewinnen, 
bei: Bapir oder K.? Sprww. 1869. Der K. in seinem 
Anekdotenteil war, bis die besonderen Witzblätter der 
Neuzeit ihm dieses Amt vorweg nahmen, der öffentliche 
Zuchtmeister für moralische und geistige Schwach- 
heiten und als solcher gefürchtet. Das gehört w'n K., 
ist eine arge Dummheit Th; Z. In^n K, che*, Jmdn 
m'n K. tue^ Tu; Z. Sprww. und RAA. 's Alter hed 
de'* K, im lAb, in Gestalt von leiblichen Beschwerden, 
welche sich zu bestimmten Zeiten kund geben. In- 
BiCHEN. Woltäte^ schribt-me* nid in'n K., man ver- 
gisst sie bald. Sulger. Er meint, der K, sig nit, was 
si'^s Buech isch [er habe in allen Dingen den Vorzug]. 
Schild. Es Gidächtniss ha* wie en K., ein starkes 
6r; von einem solchen Menschen sagt man, er sei en 
lebendiger K. Uw; Z. De* K, ellei* ha*, eigene Haus- 
haltung führen Zühw. D* Lüt machend de K., GoU 
aber 's WUtter. Sülger. K. mache*, nachsinnen, in 
Gedanken (bes. in trübe) vertieft sein Aa; Ap; Gr; L; 
ScnSt.; S; Th; W; Z. ^yxi. kdlenderen. Die werde*d 
K, m. ! erstaunen, sich allerlei Gedanken machen ZDüb. 
Ijuegt dur'^ 's Fenster de* Hüenere* und der Dachs- 
träupfi zue und macht K, BWyss 1885. Madisch K.? 
Tue au^^ d' Firtige* dri*. Joach. 1881. Scherzhaft: 
lange auf dem Abtritt sitzen Z. 's K. mache* nüd 
erfunde'* ha* = der entsprechenden RA. vom Pulver 
Ap. ,l]ns winden und krümmen, K. machen, ob es 
zu tun sei oder nicht.* FWtsb 1(572. ,C. im Kopf 
machen, fabulas comminisci.' Denzl. 1677/1716. De* 
K. mache* für 's ander Jär, sich Sorgen, Pläne ma- 
chen Bs. Zu einem in Gedanken Versunkenen: De"" 
hürig K. ist scho* g'macht! Z. Der ,alte* [Julianische] 
K., über dessen Ersetzung durch den (von den Ka- 
tholiken empfohlenen) Gregorianischen die Tagsatzung 
in den 80er Jahren des XVI. verhandelte, wird von 
alten Landleuten noch immer für gewisse Daten an- 



gewendet. Daher die RAA.: Mir blibe^d bi-n üsem 
alte*, sHig mache*de* K., het der AppcziUer g'seU. 
SuLGKR. Noch [nach] -em alte* K. gö*, immer zur Un- 
zeit kommen Th. Vgl. ,Enderungen der almanachen 
oder k-en (wie man sy zuo unseren zyten gemeinlich 
nennet).* Güalth. 1584. Selbstverständlich bezeichnet 
ein ,alter K.* aber auch nur einen veralteten Jahr- 
gang, der natürlich keinen praktischen Wert mehr 
hat. Daher die RA.: ,Das sind jetzt alte K.* = ver- 
altete Geschichten. HPest. 1790. ,Das hilft so viel, 
als ein alter K.* ebd. «Können wir nicht übermehren 
[durch Stimmenmehr zwingen] unser Gnädig Herren, 
dass die Schulden und Beschwerden lauter alt K. 
werden?' JCWkissenb. 1702. — 2. KaienderU = Ga- 
mander und aus diesem W. entstellt BO. 

Die nebenher gehende (u. A. auch schon in Zubers Tageb. 
1678 belegte) Ausspr. mit o in der 1. Silbe ist ein Fall der 
durch folgendes l und dnrch die Stellung im Vertone hervor- 
gerufenen dnnkeln F&rbnng des a. Die Schwankungen im 
Anlaut sind durch die Stellung, welche die Yolksspr. dem 
Fremd w. gegenüber einnimmt, bedingt. Seit die K. anfiengen, 
allerlei lustige Anekdoten ans dem Volksleben mitzuteilen 
(Tgl. die RA. ,in den K. kommen*), bekam der Name ,Ka- 
lendermacher' auch fast den Sinn von «Spassmachor'. Als 
JGotthelf begann, auch den K. für die Zwecke seiner litera- 
rischen Produktion zu benutzen, fand daher das Volk dies 
mit dem geistlichen Berufe des Schriftstellers nicht wohl 
vereinbar. 

Chäs-: Monatsrechnung nach der Grösse der täg- 
lich neu bereiteten Käse, welche, der Reihenfolge nach 
neben einander aufgestellt, eine auf- und absteigende 
Skala bilden, in welcher der Käse des längsten Tages 
am Höchsten emporragt BHa., It AndreI 1776, 165. — 
Viell. ist das W. von dem Berichterstatter erst geschaffen. 

Wiber-: die westliche Seite der Hasenmatt [Berg 
im Jura], aus deren Beobachtung die Weiber auf das 
Wetter schliessen. Schild (scherzh.). — Wöscher-: 
Schreibkalender, in welchen die Wäscherinnen sich 
von den Hausfrauen die Woche einzeichnen Hessen, 
wo die Wäsche abgehalten werden sollte Zf. 

kalendere**: meist = Kalender machen i. S. v. 
nachsinnen, grübeln, brüten „B; VO;** Gl; Gr; L; S; 
UwE. ; W. ,Klara kam auf melancholische Gedanken, 
sie fieng an zu k.* XHerz. 1863. Zuweilen in Neben- 
begriffe übergehend, z. B. moralisieren L. He nu*, 
das Häsli ist jetz tot, und m%*s K. chunnt vü z' spät 
AWeber. Zögern, zuwarten: Was wend-er da witer 
k,? Gl. Blättern, suchen BHk. 

US-: aussinnen UwE. — z'säme"-: etwas mit 
mühsamem Nachsinnen zu Stande bringen, z. B. den 
Plan eines Bauwerkes Gl. 

Kalier n.: Nationalgericht aus Fleisch, Kartoffeln, 
Äpfelschnitzen und Erbsen Gl; Sjn. Sturm. — Wohl 
eines der rätorom. WW. dieses Uobietes. 

Kalf&kter, in Sch Ch-, in Gr auch G- — m.: 
1. a) Wohldiener, Mensch ohne festen Charakter, ver- 
schmitzter Schmeichler; Heuchler, falscher, hinter- 
listiger Achselträger, wetterwendischer Mensch; Zu- 
träger Aa; Ap; Bb; B; Gl; Gr; L (auch als Beiname); 
G; Sch; S; W; Zo; Z; grober, roher, lästiger Mensch, 
der sich auf gemeine Art überall eindrängen will Aa 
Wohl.; unzuverlässiger Schwätzer ZS., Stdt. Dass 
Das «i** so verstelle* chönnt u"** sövli [so sehr] e* K. 
war, Mtt t** nit g'glaubt. Gotth. ,Es lebe der Herr 
üntervogt, und alle C. müssen verrecken.* HPest. 1790. 



197 



Kai, kel, kil, kol, kul 



198 



Vgl. Bed. 4. — b) ein Hund, der nicht an seinem 
Herrn hängt, sondern zu Andern länft oder sich sonst 
hernmtreibt, nm zu schmarotzen „B;" Gr. — 2. Hän- 
delstifter od, Helfer dabei BSL; „Uürs." — 3. Schein- 
heiliger ZO. — 4. Spion ZO. ,K., Zehnbätzier: eine 
besondere Gattung vaterländischer Spione.' DsimL. 1817. 
,Wie Landvögto und ihre K. sich auf unsre Unkosten 
ergötzen.' ebd. — 5. Schwindler Bl. — 6. Wundarzt, 
Peldscherer Gl. Syn. Frater, 

Ans lat. cale/actor, (Warmmacher) Stabenheizer, bes. in 
Klöstern der Bruder, welcher das heizbare, als Plauderstube 
dienende Gemach (pisale, calefactorinm) besorgte; bei Pri- 
vaten: yertranter Zimmerdiener; beim Milit&r: der einen 
Officier bedienende Soldat. ,Ihr Calefactores werdend Schlot- 
feger.' Paracelsus I, 11. ,In vielen Armeen werden, ohne 
Arges oder Spott, die Soldaten K. genannt, welche Offiziers 
bedienen; indessen fühlte Hr D., dass man dem Worte hier 
zu Lande einen gehässigem Dienst beilege.' Process g. Dennler 
1810. Ein bemerkenswerter Überrest der urspr. harmlosen 
Bed. scheint Bed. 6, bei der man an ein warmes Kranken- 
zimmer oder an warme Umschläge auf Wunden denken kann. 
Die angünstige bildl. Bed. konnte ans der eines yertrauten 
Zimmerdieners übh., der seinem Herrn allerlei Geschwätz 
hinterbringt und sich dabei einzuschmeicheln sucht, leicht 
entstehen. 

kalfaktere", bzw. g-, in Ndw kaJi-, in L tw. Jcdl- 
fattere* : den ,Ealfakter' machen, wesentlich i. S. v. 
1 a, b und 2, also: 1. den Mantel nach dem Winde 
hängen, schmeicheln, heucheln Aa; Gl; Gr; L; Sch; 
Ndw; W; Zg. — 2. Händel stiften oder sich in fremde 
Händel mischen üUrs.; sich einmischen, um zu be- 
fehlen, Parteilichkeit üben W. Er brüchti da nit 
umha z* kalfaktru. Begieren, den Meister spielen 
wollen L. Si hend nid gei-n welle'' sich vom Bischof 
/ö" k., hend nid girn toelle* iri guete* Ffruendli üfge*. 
JBEgli 1871. — 3. Über Andere ungünstig reden 
Bs; Z. ,Bei dem Mädchen war Feuer im Dach, wenn 
es Jmd wagte, hinterrücks ein Bisschen Über den 
Albrecht zu k., wie das dem besten Menschen bis-, 
weilen passiert.' ABitter. — umhin-: sich müssig, 
schmarotzend herumtreiben Gr. — ver-: heimlich 
anschwärzen, verleumden Bs. 

Ealfakterer: = Kalfakter Ap; Gl. 

Kalfakter! f.: Falschdienerei AAZein.; Sch. 

Kalfakteri" f.: Frömralerin Zo. 

„kalfakterisch: glattzüngig, verschmitzt, allg." 

kalfä eklen: sich sanft und lieb geberden, schmei- 
cheln Ap, mit dem Subst. Kaifäckler. — Verk. statt 
kalfükterlen, \lell. mit Anlehnung bm ficJden Bd I 731. 

Kaliknt n. : Calicut i. S. v. fernes Land, ,Pfeffer- 
land'. I** tc^tty de wärist im K,! SchwE. 

Kalmock Aa, „Kalmank VO." — m.: dicker, grober 
Kleiderstoff, auch: weiter, grober Männerrock Aa-j-, 
Syn. Tschope\ „Wollatlas. Gehliiemter K., Woll- 
damast VO." 

Bei Loncin 1707 ,Ca]Iamoco'. Vgl. camdaucum bei Du- 
cange-Henschel, wohl identisch mit dem auch in einer Z Zoll- 
ordn. 1757 erwähnten ,Calmanaque', mlat. ,calamancus', Kleid 
aus Kameelhaaren ; Wollenzeug. 

Kalune f.: pfeilerartiger, flacher Rahmen, z.B. 
eines Ofens (Hafnerspr.). — Ans lat. columwt, Sänle. 

G«ch81: Nbf. zu G^häl'M If 1129 AaF.; LKleinw. 

Chäli m. : Mann, der wackelig geht AAWohl. Nimm 
d^" alt Ch, nid: df gi'^st [du wirst sonst] e Wittfrau! 



Falls die Verschiedenheit der Vocallänge das Freien&mter 
W. von der L Nbf. zu Chidli zu trennen nötigt, so mag man 
an Ywdtschaft mit Chil denken und an Vergleichung des 
alten, gebrechlichen Mannes mit dem im ,Chgl' schwerfällig 
einhergehenden Zugvieh. 

ehanle", chauwle B; LH., (MuleB-, F, chäüe BAarb., 
Bgdf: L kauen BE.; F; insbes., ^wenn man zu viel 
im Munde hat BO.; LE."; Syn. chätschen; an Etwas 
herumnagen, z.B. an Äpfeln BoAa.; Syn. ratzen. 
,Du käuist an einem Brodrauft' Gotth. Je g'nüeger 
si dra'' chäule"* müesse; desto e hei» si o** g'nue^, N. 
B Kai. 1840. Ohne Appetit, mit Widerwillen essen,; 
z.B. von einem verwöhnten Kind BSchw., oder um- 
gekehrt: behaglich essen BM. Was chätUisch doch eso? 
isdi-der d* Sach wider einisch nit recht? Antwort: 
Wol, wol, d' Sach dunkt mt** ganz fürnSm guet; i** 
chätde numme', dass i''* d' Chust reiht lang im Mul 
b'halti BM. — 2. wiederkäuen BB., Si., Schw. Syn. 
mäuen. — 8. zanken, keifen BoA^., B., schmollen 
LH.; beständig tadeln, z.B.. von einer Mutter gegen- 
über Kindern BS, — 4. bellen LH. 

Das W. ist offenbar seiner Lautfom^ nach Dim.-Bildnng 
zu ,kauen' (s. chüy>en); der Nebenbegriff des Mahsamen ist 
nicht selten auf den des Kleinen zurückzuführen oder dieser 
geht in jenen über. In Bed. 1 und 3 ist syn. ckafien, nur 
dass dieses mehr von der Grundbed. ,nagen' als ,kauen' aus- 
geht. Bed. 4 ist nicht auffallend, da die beim Bellen statt- 
findende Bewegung der Kiefer von der beim Kauen wenig 
verschieden ist. Auch chäluchen (ekiäzen), kläffen, wird bildl. 
von Menschen i. S. v. kauten 8 gebraucht. 

Chäuli"g Chäwlig m.: das Vermögen des Wie- 
derkauens. JDc» Ch, verliere* BR. gilt für roher als 
Ghöwwi. 

Das W. bezeichnet seiner Bildung nach urspr. wohl mehr 
den einmaligen Stoff und Akt des Wiederkauens als das Ver- 
mögen. 

Ch6l I, nur in dem Ausruf mi" Ch.! L. — Euphcm. 
entstellt aus Sd, wie flackerment aus SaJcer-, 

Chel II m. : Kunstausdruck im Kartenspiel Trentnen. 
,Gros8er Ch.', Ass und König von gleicher Farbe, ,klei- 
ner Ch.', König und Ober Sohw. 

Chel Che^ü GlK.; G, Chel Aa; L (auch c); ZO.,S., 
G'cm L; SNA.; Z — n,, Chile f. UwE.: 1. Joch 
für ein einzelnes Zugtier, auf dem Buge sitzend und 
durch den ,Kehlriemen' mit dem ,Kehleisen' (s. Bd I 
540) verbunden Aa (auch dim. Chat); L; SNA.; Z; vgl. 
Chel- Joch; auch das Joch sammt dem Kehleisen G. 
Schtceri Chiler, solche, von denen Ketten statt Stricken 
oder Riemen zu der Wage gehen L. — 2. = Chil-Isen 
L; üw; Z. 

Im Grunde Eins mit ,Kehle'; nicht selten werden die 
Namen von Körperteilen auch znr Bezeichnung des betr. 
Kleidungsstückes gebraucht, dem hier (bei einem Tiere) ein 
Stück des Geschirres entspricht. 

ch&le"I: 1. tr., auch a'^-ch., (das Vieh) mit dem 
,Kehljoch' anschirren „L; Zo;" Z; verschieden von 
Jochen, bei welchem das Joch nicht dem Nacken auf- 
gelegt, sondern, vor der Stirne an die Hörner festge-« 
bunden wird. — 2. intr., im Kehljoch ziehen, vom 
Zugtier selbst AALeeran. 

Chöle», Chdle* I, in GnObS. Oäoä«" — Dim. 
Chmi GrD. — f.: Kehle. 1. a) der Körperteil als 
solcher; die Schlamphaut unter dem Hals des Rind- 
viehs ScH; Tu. — b) als Organ der Stimme Sch. 



199 



Kai, kel, kil, kol, knl 



200 



D* C^. hät-fner w% Hö^ w>* dem Eüefe*, Sch Gespr. 
1838. Aach für die Stimme selbst und für den damit 
begabten Menschen Qr; W. E gueti, luti ChÜa znm 
Reden oder Singen ; a scharpfi, an h&li Gh,, eine starke 
oder hohe Stimme; an üfg'lösti, eine klare, helle. — 
2. a) auch Ärseh-Ch^ Vertiefang zwischen den Hinter- 
backen GrD.; Ndw. — b) Seite eines Brotlaibes, so 
weit sich keine harte Binde gebildet hat BsStdt. — 
c) natürlicher Einschnitt im Boden, Rinne, Elnfb, bes. 
in Bergen BO.; Gr; L; Schw; Uw; Uürs.; W. Syn. 
Ghummen, Channel, Chm, Chrinnen, BüfL Rinnsal für 
Bäche oder Lawinen SoewMno. Langer, hohler Strich 
anf Feldern, ahnlich dem frühern Bett eines Baches 
oder Flnsses BInterl. Si chrämsU'^d [klimmen] he- 
dächüi*^ dMf*» 's GhäleU ufe\ Schwzd. 81, 66. Mit 
best. Art. oft als Name von Lokalitaten von jener Be- 
schaffenheit 6r; ein Wasserfall bei ApWolfh. (woher 
wahrsch. der Geschlechtsn. ,Eellenberger' aaO.) ; T&l- 
chen hinter ScHwAltend.; Schlucht am ScnRanden; ,in 
der Kahlen* bei ZoMenz.; t" der ChdU GT.; ZHirzel, 
Turb. ,Ritzikele.' 1322; 1653, ürkx., der jetzt sog. 
Tenfelskeller bei A^Baden; ,Wolf8-Ch.* bei TnSteckb.; 
,das gnot in Walters kelon.« 1352, BPrntt. ; ,[Tränke-] 
trog in der hindern keli.' XIV., B; ,wisen in der Kaien.* 
XV., ScHwTugg. 

Mhd. kA(e), Kehle, Schlund; ein Mal anch: Rinne. In 
unsem MAA. ist meist Dehnung des Yocals eingetreten; 
knrz IT wird bloss aas BE. nnd GrD. angegeben; in Ap and 
ZHirz. ist karzes ^ eingetreten nach Analogie anderer Über- 
gftnge von i vor l oder in Folge von Yerqaicknng mit dem 
W. ,Ke]le*, welche für Bed. 2 c nicht so ferne ablag; yiell. 
würde das obige 1 b besser geradezu mit CheXU 6 b yereinigt 
oder aber amgek. Dieses sowie Chatzen- und Plauder-CkdU 
hieher gezogen und fUr diese s&mmtliohen WW. in der ge- 
nannten Bed. Yerquickung mit OdU angenommen; vgl. aber 
auch mhd. kaHen, laut tönen. 

Hol-Ch6le", in ZO. anch Hö-: wie nhd. allg. 
Spec: hohl ausgearbeitetes Stück Holz Sohw; Zo. 
Dachschirm, Schutzdach fiber den Fenstern solcher 
Giebelseiten, welche durch die Lage des Hauses dem 
Wetter ausgesetzt sind GS.; ZO.; Syn. Für-Dach. 
D* Schwalme* machff^d tri Nisier gern wider der H. 
obe", ,Der ober teil [am Schnabel des Krähspechts] 
hat an beiden orten holkälen.' Vooelb. 1557. Kleiner 
Gassengraben, Gosse, Schale, Rinne ZNer. — Mar- 
der-: Kehlstück des Marderpelzes. Dazu das stoff- 
anzeigende Adj. ,-in*. ,Marderkellin und noch köst- 
licher Futter.' G Mand. 1611. ,Ein taffetin Wammiss- 
röcklin, gestreiflet gut Marderkehlen auf die Hand 
und mit gutem Marder yerbrämt.' Bs Taxordn. 1646. 
,Ein W.-R5cklin von Mittelgattung Fueter, gestreift 
Stein[marder]kälen und mit Steinmarder gebrämt.* ebd. 

ohSle'II: 1. halbrunde Vertiefungen (mit dem 
Kehlhobel) ausschneiden, aushöhlen, z.B. in einem 
Tropf brett AaF. ; Obw. ,Chorstühle mit ausgekehlten 
Füllungen.* 1779, Gfd. — 2. wiederkäuen; s. verfangen. 
— 2 yon Chifle 1 a, i. S. t. Speiseröhre, Schlund. 

Kellement, nur in dem Ausruf: ,Botz K.!* HMahl. 
1620. — Euphem. entstellt aus «Element'. 

Chelle" n f., in Aa; Bs; Sch; Uw m. — Dim. 
ChdU BO., sonst Chdldi: 1. wie nhd. a) zum Rühren 
beim Kochen (hölzern); zum Schöpfen und Anrichten 
(meist eisern), allg. Beim Nähen so grosse Stiche 
machen, dass me* chenni Ch. dra" uißinke* U. G^sehd- 
wie" rf' Suivi [Sau, unreinliche Köchin] am Ch. stä; 



chann Ei**in d'r Appedü vergä* Uw. No^ d' Ch. ab- 
8cM9cke% einem nicht zu sättigenden Menschen nach- 
geredet Tb. Sprw. RA.: Er chönnt-edi z*letst doch 
no«* d' Ch. uf d' Nase* gi* [euch äffen, zu Schaden 
kommen lassen].* Schild; Tgl.: ,[Köchin zum Koch] 
Heb ^s Maul, schweig geschwind! Ich gib dir d' K. 
sonst an'n Grind.* Stkttlrr 1606. ,£inem Küchen- 
schmecker hängt man den Kellen an.* Sprww. 1824; 
der selbe Brauch in Z. Mit dem (der) grosse* (volle*, 
topplete*J Ch. anrichte*, reichlich geben, verschwen- 
derisch haushalten; derbe Witze zum Besten geben 
Bs; B; Sch; Th; Z. Du hesch-es so todle*, schmödt 
[rieche] itz a* dr Ch. [trage nun die Folgen] L. Hasch 
mi^^ wdle*, scMick de* Ch., sagt z. B. ein Kind zu 
einem andern, welches jenes hat ÜEingen oder über- 
listen wollen ScnSt; vgl. Chatze*-Ch. D* Ch, Cs HeßiJ 
nüd US der Hand gi*, seine Autorität im Hause be- 
haupten Gl. D' Ch. (d* SaehJ a* Nagd henke*, auf 
die Ausführung eines Planes verzichten B. Es ist 
no^ nit aller Ch. ObeH, die Arbeit ist noch nicht zu 
Ende GW.; nach Kirchh. in GStdt vom Feierabend 
der Bleicher am Bartholomäustag; in SchwE. mit dem 
Zusatz: und aüe* Löffle* Tag. Wer wdUn EUes (^i'* 
tctU-der öppis Th; Z) erzeüe* va*-re* (von-ere*) aite* 
Ch. (vo* 's Sdknlder Hanse* Ch. ZKn.), vexierender 
Anfang einer Kindergeschichte, verschiedentlich wei- 
ter gesponnen, z. B. in TnFr. mit: D* Mueter häd 
weüe* choche*, da ist-ere* d? Ch. verbroche*, in ZKn. 
mit: Si hend die alt verbrodie*, iez chönned s^ mum- 
me* choche*, in ZW. mit: Von-ere* Chatz und von- 
ere* Müs, und iezt ist die ganz Predig üs. Sdz- 
chappen Arne''! ,Den 10. k. oder 10. pfennig* als 
Abgabe von einem auf zehentpflichtigen Gütern ein- 
gezogenen Bienenschwarm, bzw. dessen Honig. Arq. 
4, 260. ,5 eisin k. oder kochlöffel.* 1550, SchwE. Inv. 
,Mir wCnd den Vygig lehren bochen, mit solchen K. 
's Mues abkochen.* Joh.Mahl. 1674/1761. — b) kufen- 
Yörmiges Schöpfgefäss ^B;** L; S. Syn. Gon; Gätzi, 
Seesen, 's Chuerets Babdi het fhürotet; das het ne 
Ch. voU use*g'no* — pfi tusigl Joach. 1881, iron. = 
ein übles Loos erwischt; Syn. en Schueh voü (Dridc). 
„Ein bestimmtes Mass von Flüssigkeit, kleiner als 
Haupt BO.* — 2. auch Zeiger-Ch., das Gerät (langer 
Stab mit breitem oder kreisrundem, auf der einen 
Seite weiss, auf der andern schwarz bemaltem Ende), 
mit welchem der Zeiger auf der Scheibe die Stelle 
weist, wo ein Schuss eingeschlagen hat Ap; Th; Uw; Z. 

— 8. Schlagholz beim Ballspiel. Drr. Vgl. Luß-Ch. 

— 4. grob für: Fuss, Bein Th; Z. Spec. von breiten 
Füssen Aa. — 5. mentula Aa. — 6. von Menschen, 
a) Spottn. für eine Weibsperson B. Du armi Ch.! 
armer Tropf B. S. die Zssen Hoffart-Ch. u. ä. Einem 
von einem Mädchen verschmähten Burschen wird zu- 
gerufen: Du tuest ja um die Ch., a^s scfitt-es z* sUhrbe* 
gä*! Kuhn. Böses Weib B. Obertr. auf ein Tier: 
Du dummi Ch.! Zuruf an ein Hühnchen GOberutzw. 

— b) e mOedi Ch., ein lästiger Schwätzer. Vgl. Bio- 
der-, Burgunder-Ch. — c) Neckn. für die Bewohner 
des Bergdörfchens Asp im Jura (i. S. v. grobe, rauf- 
lustige Leute); ihr Glöcklein soll rufen: Asper-Chdle*, 
het 17 welle*! Rochh. 1857, 62. — d) vormals bei den 
Schulexamen derjenige Schüler, der am Schlechtesten 
geschrieben hatte Gl. 

Betr. das Geschl. untersehoidet Sch den Kochlöffel als m. 
von Murer-Ch.^ welches f. iHt. ,AlIer K. Abend* konnte anderswo 



201 



Kai, kel, kil, kol, kul 



202 



wohl auch auf Maorer-Arboit bezogen werden. Bed. 4 n. 6 
lassen sich aus Ähnlichkeit der Gestalt jener Körperteile mit 
der des Gerätes erkl&ren. 6 b ist yon CktU 1 b wahrsch. 
verschieden, viell. Personifikation des Kfichenger&tes als Sinn- 
bildes weiblicher T&tigkeit, oder bildl. Bezeichnung der Ge- 
schwätzigkeit; doch vgl. die Anm. zu ChaU*. Ob die Er- 
klärung von Rochh. zu 6 c das Richtige treffe, ist uns fraglich ; 
viell. leitet der Name CheO^land, den ZO. erhielt, weil dessen 
arme Bevölkerung in der Zeit, da die Textilindustrie dort 
noch nicht bitthte, sich mit dem Verfertigen und Vertragen 
hölzerner Küchengeräte abgab, auf eine richtige Spur. Der 
Grund von 6 d war viell., daas jenem Schüler eine K. als 
Zeichen der Ungeschicklichkeit angehängt wurde; vgl. den 
unter 1 a erwähnten Brauch. 

Ige"-: =s SehmalZ'Ch, GrAy. Vgl. auch Hafen-Ch. 

— Ha ff ort-: Hoffart liebender Mensch, Luxnsnarr 
GoT. — Gülle»-: = G.-Gön (Bd II 331) S. — 
Glett-: Maurerwerkzeug zum Glätten des angewor- 
fenen Mörtels S. — Hafe(n)-: = H.-Gön (Bd II 
331 f.) GRHe.,Pr. — Hospis-: plumpe, unordentliche 
Weibsperson S. — Choch-:=a Chelle* 1 a Gr; Z. 
D€t8 ist Einer wie «<* Sack voU Ch,, ungestalt A^Zein. 

— Chüechli-: aus Weissblech oder Eisen, trichter- 
förmig, um eine bestimmte Art von Kuchen zu ge- 
stalten Gr. Grosser hölzerner Löffel, mit dem die 
CheUe^'ChüecMi gemacht werden Z. — Chumber-: 
kleinlich ängstliche, zu Jammer geneigte Person Aa 
Brugg. Synn. Gerägg, Trins, — Chessi-: = Ziger- 
Ch, GRPr. 

Chatze"-, nur übertragen in der Abfertigung: 
Es göt di^'' kei Ch. a*! gar Nichts. Kirchh. Wenn 
Jmd ohne Erfolg einen Andern zu fangen oder zu 
necken versucht hat, ruft ihm der Angegriffene zu: 
Hast rmt'*; fcelle% Gh,! Vgl. die RA. u. Chellen 1 a. 

Wahrsch. dem Keime zu lieb entstellt aus Ck.'Chegd; 
doch s. auch HaheTmvM-Ch. 

Chläri-: eine besondere, niemals beim Kochen 
verwendete hölzerne Kelle zum Umrühren der Starke 
(CMdri) Z. — Luft-: einem Schäufelchen ähnlicher 
Holzpfeil, der mittelst eines Stabes und einer daran 
befestigten Schnur in die Luft geschleudert wird; 
Spielzeug für Knaben GrI). Syn. Pßl Vgl. ChelU^ 5. 

— Lot-: zum Schmelzen von Blei und Zinn. allg. — 
Molte(n). GRRh., Thus., 3fafte»- GrV., MauUe^- 
GRObS. = Pflaster-Gh. 1, — Mür-: Maurerkelle. 
1528, ZWthur Criminalakt. — Haber-Mues-. Nur 
in der Abfertigungsformel: Hast wellet? HJ. L. Vgl. 
Chatzen-Ch, — Muschele"-: Gerät zur Herstellung 
einer Art feineren Brotes (MutsehiUe*?), ,1 kleine M.* 
1627, TfiBürgl. Inv. — Meister-: wer Andere mei- 
stern will ZO. Syn. Regier-Ch., Meister-Ghatz, — 
Nidel-: = N.-Gön (Bd II 332) BO.; Gr; L; W. Zwei 
N. braucht aber der Senn auch, um die obersten 
Schichten der Käsemasse im Kessel an sich zu ziehen 
und weiter zu bearbeiten. — Bach-: Hohlschaufel 
zum Ausputzen von Moorgräben L. — Bappe"-: 
grosser Löffel, mit welchem Brei gerührt und aus der 
Schftssel geschöpft wird. Bald misst er [der April] 
US hi G'wicht und EU, bald mit dem B. SLandolt 
1845, d. i. bald trocken, bald nass. — Burgunder-: 
bildl. Bezeichnung eines geschwätzigen Mundes. Die 
häd es Mal g^ha^ das ist g' gange"* wie-n-^ B. ZZoll.f 

— Bazoggel-: Kelle^ mit der man eine. Art Nudeln 
bereitet GrD., Pr. — Pflaster-: 1. Mörtelkelle Aa; 
Ap; Gr; Th; Z. — 2. personificiert. a) spöttisch für 
einen Maurer Aa; Gr; L. So in der Abfertigung eines 



Freiers: Nei% du alti Pfl., 's /land-mt** hüt scho"* Sibe"* 
wdle*! ToBL. VL. — b) faule Person Z. Schmutzige 
Person Th. Schon das ein&che W. Pflaster hat die 
selbe Bed. — Blander- Z, Bläder- W, „Blöder-*: 
Schwätzerin. — Anrieht-, in BPrut. Anrieh-: Kelle 
zum Anrichten von Speisen B; ScnSt.; Z. Wenn men 
öppis mit dem Löffel cha** mache*, mues* we» nüd d* A. 
WC* Z. — Regier-: = M€Mf er- CA. üw. — Köm-,i?dt»-, 
Baum- : ^= Nidel' Gh, Gr. — ßüer- m. ,Buhrkellen 
(Kochlöffel).' Splriss 1667. — Sü-: die K., mit der man 
den Schweinen ihre Nahrung anrichtet B; Th. Bildl. : 
,Warte er nur; wenn er nichts merke, so wolle man 
es ihm mit der Saukelle einschütten [deutlich genug 
zu verstehen geben].* Gotth. — Sig-: K. mit Löchern. 
.Durch den Siegkellen seiget er, was Brühen hat.* 
Spleiss 1667. — Sentem-: ein grosser Holzlöffel, 
mit welchem man das Käselab in die Milch giesst W. 

— Schüm-: 1. a) = Sch.-Genli (Bd II 332) GA. — 
b) die durchlöcherte eiserne oder messingene K., mit 
welcher der Schaum von der Fleischbrühe abgenom- 
men wird, ehe sie zu sieden anfangt Tu; UwE.; Z. 
Sie dient auch noch zu andern Zwecken, z. B. bei 
Gebacken mit siedender Butter. Auf die Löcher dieser 
K. bezieht sich die bildl. BA.: es Gedächtniss wie ne 
Seh, üwE. ,Ein Instrument, das unden hat 4 oder 5 
durchgende Löcher wie ein Seh.* JRLahdsmb. 1608. 

— 2. Sch.'GheUdi, kleine gelbe Garten narcisse, narc. 
jonquilla GBh. — 3. Übername eines Pockennarbigen 
ZStdt. Den unwissenden Geistlichen wird zugerufen : 
,Ach [ihrj armen rückentröscher, ir sch.l* NMan. (hier 
wohl im S. von oberflächlichem Scheinwissen?). — 
Schluck-: eine grosse, aus Holz geschnitzte Kelle 
mit hakenförmiger Handhabe zum oberflächlichen Ab- 
schöpfen des Rahmes von den Milchkufen und zum 
Herumrühren des »Schluckes* [der geronnenen Milch]. 
Sie ist flacher als der mehr napfförmige ,Gon', wel- 
cher als eigentlicher Schöpfeimer verwendet wird BHa. 

— Schmalz-: eisernes, bald flaches, bald länglich 
hohles, einem Schuhlöffel ähnliches Schäufelchen, um 
Schmalz [gekochte Butter] aus dem Hafen oder Kübel 
herauszustechen GrHc., Pr., Rh. Syn. Isen-Ch,, 
SchmalZ'Schüfeli, — Schnäder-: Mensch, der durch 
sein Geschwätz sich lästig macht ZO. — Schwi"-: 
Schöpfgefass mit Handhabe, von den Sennen aus Ahorn- 
holz verfertigt GT. (wohl zum selben Zweck wie 
8ü-Gh.J. — Spitz-: Maurerwerkzeug S. — Spritz-: 
eine Art Trichter, durch welchen man den Kuchen- 
teig in die Pfanne laufen lässt zu sog. Spritzküchli B. 

— Wunder-: neugierige, vorwitzige Person Gr; ZO. 
Syn. W.'Fxtz, -Ghatz, -Schnäugg, — Z ig er-: hölzerne, 
von kleinen Löchern durchbrochene K. zum Aus- 
schöpfen des flockigen Zigers aus der Käsemilch BO.; 
Gr; W. Syn. Ghessi-Gh., Löcher-Gatzen, S. noch Abzug, 

chellen I: mit der K. in einer flüssigen Masse 
her umrühren. Wi dem Gipser si* Lüt drin [in dem 
flüssigen Guss] ume cheüed und nodrid, ESchönenb. 

— umme"-: herumlaufen, sich müssig herumtreiben 
Aa. Anniy muest nid u.; lauf mer nid de* Buebe^ 
wo**/ Alpenh. 1838. Von kleinen Kindern, die noch 
unbeholfen einherwatscheln Th. — Zu Chdien 4. 

clielle' II: 1. tr. und intr., mit dem Fusse aus* 
schlagen nach Art der Pferde, bzw. Jmden damit 
treffen „Th;" Z rS. Syn. ginggen, stupfen, winxen^ 
,Stirzen, schlagen, stossen, calcitrare, petere pedibus.* 



203 



Kai. kel, kil. kol. kul 



204 



Rbd. 1662. — 2. bildl.: .»mit heftigen Worten heraus- 
platzen Th; Z.** 

St. flberliefert aus W «kelen = plagen, stossen*. Wenn 
wir den ersteren Ausdruck in seiner Allgemeinheit annehmen 
dürfen, so wftre in der genannten MA. noch die urspr. Bed. 
bewahrt gewesen. Das W. kann n&mlich wohl nnr yom mhd. 
ifuellem, hdleu = dr&ngeu, qaälen, abgel. werden, so dass sich 
die allg. Bed. spec. auf stossende Bewegung eingeschränkt 
hätte. Die bildl. Bed. ist von Tieren auf Menschen flber- 
tragen, welche ihre Ungeduld mit Worten äussern ; doch ygl. 
auch Chdle*, scherzh. Bezeichnung der Ftlsse. 

üf-chelle»: l. = cÄ«Z/«ni „Th; Z". - 2.==chdlen2, 
bei gegebenem Anlass lang verhaltenem Ärger freien 
Lauf lassen Z (Dkr). — üs-: = cheOen 2. Mit Ev^'m 
fi. „Th;" Z. 

Chelli^g m.: Schlag mit dem Fnss, Fasstritt. 
Ei**m en Ch, gi^ ZKn., 0., S. Syn. öingg, Stirz, 

ChSlIer I, in Ap; GRMai.; G; See; Th rechts von 
der Thur; ZB. tw., Wl. Cher, in ZRafz Chern — 
Dim. Cheri Ap (St.»>) — PL Chmere'^Gii: L wie nhd. 
Es wird unterschieden ,unterer* und ,oberer* E. und 
auch ein »kleiner* K. (Vor-Keller). Jetz, Züsel, hör- 
mer spenne*, stell 's [Spinn-] Bad in cMeine* Ch, ZRfz. 
Chuchi und Ch. zur Bezeichnung der gesamraten Vor- 
räte an Speise und Getränk. JJRahm 1883. HiU hem- 
mer tts Ch. und Ch, g'ha: Ufwarte^, was Ch. und 
Ch. vermögend Gr. In'n Ch, rite*, das unter BoU- 
Hafen beschriebene Brettspiel Z (Dkr). »[Abgabe] 
von her und hofstatt.' 1331, ZRhein. ,Er fieng in an 
ze füeren in die ker (cellaria) der geschrift.* KSailer 
1460. ,In einem kerr schenken.* 1504/32, G Ratssatz. 
,Kist und kellcr voll.* UEckbt. ,Der ker der metzger, 
das fleisch zuo gehalten.* Vad. ,Vil z^ren und gasten 
l6rt keller und kästen.* LLav. 1582. «Wjnhüser und 
Keller, darinnen man Wyn schenkt [sollen von Bür- 
gern nicht besucht werden] ; den Landlüten aber soll 
unabgeschlagen syn, in Kelleren einen Trunk ze tuend, 
wie von Alter brüchig g'syn ist.* Z Ratserk. 1627; 
1650. — 2. »Keller* heissen auch Gräben, Schachte, 
Gewölbe, in denen am Gl Plattenberg Schiefer ge- 
brochen wird. Gewölbe unter dem Glasofen, mit einem 
Brunnen, in dem sich die aus dem Ofen gewonnene 
Glasmasse abkühlt S. 

Mhd. kdler, hdre, aus lat. edUirium. Die alem. Verkürzung 
Kerr (auch im Seh Ratsprot. 1492 und bei Stockar, Kessler 
und Funkelin), tw. mit Verlängerung des Voc, erklärt sich 
aus Assimil. von l an r. Kern (auch schwäb.) ans Umstellung 
des l und Übergang desselben in n wie in wemt fQr werlt 
(wo freilich das folgende t mitgewirkt haben wird), schwerlich 
aus der Form kdre (bzw. kerre); denn wenn diese (wie aus 
dem Gr Flur, hervorzugehen scheint) als schwachformig an- 
gesehen worden und das n in den Nomin. gedrungen wäre, 
hätte es abfallen müssen und keine feste Verbindung mit r 
eingehen können. — Aus Bed. 2 wird sich auch der Name 
CheÜeme, den eine Lokalität in den GrSeewiser Alpen trägt, 
wo ehedem Bergbau betrieben wurde und noch ein Stollen 
vorhanden ist, erklären; s. Schwzd. 29, 104 f.; viell. eig. 
Dat. PI. = in den Ch. mit verdoppelter Flexion. 

Folter-: ein in Gefangnissen befindlicher Raum 
zur Folterung. ,Vom wuest [Unrat] ussem f. ze füeren.* 
1571, ZGrün. — Flaschen-: Keller od. Teil eines K., 
in dem Flaschenwein aufbewahrt wird Th; Z. Früher 
auch ein transportabler, kisten förmiger Behälter für 
Flaschenwein, den man auf Reisen an Kurorte mit- 
nahm. — Kauf-: K. eines Kaufhauses. 1373 ver- 
pfändet der Bischof von Basel u. A. ,die Rechtung der 



Zölle und Nutzen von den Schmieden, Kupferschmieden, 
Schuhmachern und K-n.* Ochs. — Luft-: Milchkeller 
einer Sennhütte, in den durch eine Felsenölfnung ein 
Luftzug ausmündet. Stkihm. 1802, 125. Vgl. Wind- 
milch-, Wasser-Ch. — Läris-: ein unterirdischer, 
niedriger Raum in USpiringen, der von Alters her zur 
Unterbringung von durchziehendem Vieh und Saum- 
tieren benutzt wurde. — Milch-: K. zur Aufbe- 
wahrung von Milch, bes. in Sennhütten, im Unter- 
schied zu Chäs-Ch. Vgl M.-Oadem, -Hus (Bd II 1717). 

— Wind-M.-: = Luft-Ch. Uw. — Bor-: ein klei- 
nerer Vorkeller, aus welchem man erst in den tiefer 
gelegenen Weinkeller gelangt; zur Aufbewahrung von 
Gemüse, Milch udgl. ZWint. Auch schon 1528. Z. 
VgL Ünder-Ch. — Bruch-: K. zu gewöhnlichem Ge- 
brauch Z (Dkr). — Rabe"-: K. zur Aufbewahrung 
von Stoppelrüben und ähnlichen Vorräten ThHw. — 
Rats-. ,Das erste Wirtshaus der Stadt Bern hiess 
auch der R., weil darin der Ehrenwein, Kriegsrätler 
genannt, war.' B Hist. Kai. 1855. — Sinn-: K. zum 
Sinnen [Messen u. Bezeichnen] der Weinfässer L (Gfd). 

— Us-schenk-: Kellerwirtschaft B. — ,Sc hn eggen - 
Kellerlein: Bestandteil einer städtischen Wohnung.* 
B Avis-Bl. 1751. — Sptcher-Chöller: im obern 
Teile des Hauses gelegener Raum für Wein. Schild. 

— Spend-: K., in welchem Wein aufbewahrt wird, 
der zur Austeilung an bedürftige Kranke bestimmt 
ist GbD. — Stadt-. D* Bötsherre^ süfedris def TTl- 
us-em St, hiess es 1830, als die unzufriedenen Bürger 
in den Th Städtchen mit dem unsaubern Regiment 
aufräumten. Auch Name eines Tobeis Z. — Tüfels- 
s. Bitei'Chde unter ChüiUn 2 c, DHiss 1818, 441 und 
RocHH. 1856, 220. — Träm-: Keller mit Holzbalken 
statt mit Steingewölbe AaZ. — Trank-: K. für Ge- 
tränk, im Unterschied von einem für Speisevorrat Ap. 

— Web-: K., in welchem gewoben wird Ap; GT,; 
ZO. — Win-. ,Wybsper8onen sollend mit Mannsper- 
sonen nit in W. gehen zu trinken.' GrD. LB. Bildl. : 
,Weil der Brodkasten und W. der Eidgenossenschaft 
angegriffen ist, wodurch aller Orten grosse Teurung 
entstanden sei.* 1622, Absch. — Was8er-:= Wasser- 
Milch'Hüs. Stwnm. 1802, 125. — ZeU-Cher: ein K., 
in welchem der (dem Kloster Ittingen zukommende) 
sog. nasse Zehnten untergebracht wurde ThHw. Vgl. 
Z.-Schür (für den ,trockenen* Zehnten) und Z.-Trotten. 

Cheller U m.: 1. Kellner Ap; Gr; Zf. — 2. Ver- 
walter grundherrschaftlicher Einkünfte an Naturalien, 
bes. auf kleinern, meistens Klöstern gehörenden Höfen; 
dann auch Aufseher über die herrschaftlichen Güter 
und den Betrieb derselben ; zuweilen vom Grundherrn 
auch mit Ausübung der polizeilichen und richterlichen 
Gewalt auf dem Hofe betraut. Der K. bewohnte den 
Kelfn)hof als Lehen, konnte aber einen Teil desselben 
^ an einen ,Unter-K.* verleihen. Auf grössern Höfen, 
wo neben dem K. ein ,Meier' bestand, übte dieser, 
dem ersteren übergeordnet, die polizeiliche und richter- 
liche Gewalt, so dass der K. dann auf die zuerst ge« 
nannten Funktionen beschränkt blieb; so bes. seit 
dem XVI. ,Mjn herre, der probst, soll in dem hofe 
sitzen, und der meier und der k.* L Hofr.; ebd. nach- 
her ,kelner'. ,Der k. spricht, dass er das recht hab 
zu den huebern, wann er syn zins bereit, dass er zue 
in*» schicken mag umb ross, und wer im ein ross 
verseit, dem ist er kein haber gebunden ze gSnd/ 



205 



Kai, kel, kil, kol, kul 



206 



ZFäll. Offn. S. auch noch Hwid-Gift, Qumpist, K&- 
Hof. — 3. Kellermeister. Bei IBinder 1535 tritt ein 
K. auf, der bei Tische den Wein besorgt. ,So füert 
in der kelrcr in keller; das hat der bischof dem kellcr 
befolen.' ThPlatt. ,Cellarius, promus, ein speisraeister, 
hofraeister oder käller, kallermeister, källercr.* Frib.; 
Mal. ,Hie siehst den K., Beck nnd Koch, flux richtet 
an eine Collatz.* Emblem. 1622. — 4. Geschlechtsn. 

Aa; Tn; Z. 

Mhd. kellaere (aas mlat. ceOariu», verschieden Ton ,KeIIer* 
aus ceUarium) und keltuiere, Kellermeister; Verwalter herr- 
schaftlicher Einkünfte, von lat. oeKa, Yorratskammer. In 
Bed. 2 erscheint später auch die Form ,KeI]erer*, mit ver- 
doppelter Abi., wahrsch. zor Unterscheidung von KeUer I. 
Die Form mit n, scheinbar von einem lat. * oeUenariu«, ist 
entweder direkt von cella gebildet, welches nach Art schwach- 
formiger deutscher Feminina behandelt wurde, oder nach 
Analogie anderer deutscher Berufenamen auf -ner, denen z. T. 
ein stammhafbes n zu Grunde lag. Auch diese Form, die 
wie ,KelIerer* In unserer ft. Spr. neben ,KeIler* vorkommt, 
war geeignet, zur Unterscheidung von Kdler I zu dienen. 
Bed. 4 ist aus 2 entstanden, weil die Keü^r (wie die Meier) 
ihr Amt schon früh erblich zu machen wusston, so dass der 
Name desselben leicht Geschlechtsn. werden konnte. 

Gross-: Hanptverwalter eines Stiftes, in AAWett 
im XV. auch Vorsitzender eines Gerichtes. Arg. IV 237. 
,Der Gr. des Chorherrenstiftes in Z wird ?on Rat und 
Burgern erwählt, und haben die alten Chorherren 
etwann auch die Cammerer und Gr. zu ihren Reichs- 
vögten gebraucht, dieweil sie noch eigen Gericht ge- 
führt haben. Zur Besoldung teilte er sich mit dem 
Kammerer in eine Chorherren-Pfründe ; s. Z Pfrund- 
buch 1757. — Hof-: Kellermeister an einem bischöf- 
lichen Hofe; s. Sp%8'Qaden Bd 11 120. — Hüs-: im 
XV. bei den Gerbern in Bs, was sonst ,Ürten-' oder 
,Stuben-Meister'; s. Geerino 86. 

chellere": 1. (Wein, Kartoffeln u. A.) zur Auf- 
bewahrung in den Keller schaffen Gr, wofür ander- 
wärts t"-c/i. — 2. chirela, nach dem Keller riechen 
oder schmecken Ap. 

Keller! f.: = KÜ-Hof, ,Ein knecht des hofs der 
kelnery in Tuggen.* c. 1500, Schw. 

Chelleri": 1. Kellnerin Gr; Z. Kellennagd: 
,Cellaria, ein k. oder magdt zum keller verordnet, 
weinmeitle.* Fris.; Mal. — 2. Haushälterin eines 
Mannes, bes. Priesters, mit dem bekannten Nbbegr., 
bes. in der Reformationszeit. ,Dass her Fridrich von 
Hünwile dien kinden, so er bi [von] Elsinen sjner 
k-en hat, ald die iro noch bi im werdent, füegen und 
[ver-] machen mag 12 stück an körn.' 1379, Z UrL 
,Da8s der arm pfaff mit syner kellcra und zwa kindera 
mit müeL und arbeit gar küm entronnen.* HMiles, 
Chron. ,Ward verkündt an den kanzlen Zürich, dass 
alle pricster und pfaffen ire k. und jnnffrowen, so 
bisher argwenigen [in verdächtiger Weise] hushablich 
gesdssen wären, einandern zur ee nSmen söllind in 
14 tagen.' Edlib. ,Etlich predikanten Hessen sich von 
iren genommnen weibern scheiden und behieltend sy 
zu hueren und kellern.' Vad. ,Köchin oder k. wie es 
die prioster habend, focaria.' Mal. ,Von keinem Prie- 
ster, der syn eigen Ehewyb hab (der Bapst heisst's 
ein Concubin oder K.).' Rüeqer 1606. 

Gross-: eine der im wilden Heer fahrenden 
Frauen. Lux. S. 464, 46. Syn. Sträggele und das Folg. 

Pfaffe"-: l. = Kellerin 3. Ratsche* [schyr&tien] 
wie ne Ff. L. ,Concubina, pellez, pf., palg.' Fhib.; 



Mal. ,De88glychen ettlicher Predicanten Wyber, lei- 
der, den Pfaffenkälleren nit viel zu verwyssen [vor- 
zuwerfen haben].* 1616, JJBreit. — 2. mit best. Art. 
Eigenn. eines Gespenstes, welches bes. in den Vw und 
in GSa. zu gewissen Zeiten an bestimmten Orten er- 
scheint. Der Volksglaube von GSa. macht jede Kel- 
lerin, die 10 Jahre nach einander einem Geistlichen 
diente, zur Hexe. Eine solche hätte einst ihre dem 
Teufel verfallene Seele durch einen Sprung vom Berge 
Gonzen auf die Walseralpon hinüber retten können; 
aber sie gelangte bloss bis an eine Anhöhe, wo in 
einem Steine noch ihr Fusstritt, ,der Pf. Tapp', ge- 
zeigt wird. Von einem solchen Sprung erzählt die 
Sage auch in Ndw, wo auf einer Brücke in der Nähe 
des Rotzloches eine Spur davon in Gestalt eines Geiss- 
fusses geblieben sein soll. In Schw erscheint die Pf. 
als ein Weib mit 2 oder mehr Kindern, unter Ge- 
schrei die Bäche auf- und abziehend, bes. wenn sie 
überflutend daherbrausen. Mehrfach erscheint sie mit 
den Kindern in Gestalt eines grössern und vieler klei- 
nen Hunde, in stürmischen Nächten bestimmte Strassen 
ziehend. Wenn der ,Türst' und die ,Sträggele' in Ge- 
stalt von Hunden jagen, ist auch die Pf. dabei, mit 
glühenden Augen und zottigem Pelz. Die kleinen 
Hunde werden auf uneheliche Kinder der Pf. gedeutet. 
Junge Bursche in Kriens Jagten' in der Ablasswoche 
die Pf. wie die ,Sträggele*. Mit dem Rufe: DT/". 
«»•""•( di**/ schreckt man Kinder ScHwIb. S. LOt. Sag. 

S. 35. 100. 466. 

Die Pf. ist eine der vielen, rom Volksglauben z. T. in 
unselige Menschen verwandelten Gestalten der alten Göttin, 
welche man sich als von ihrem Gemahl, dem Sturrogott, in 
der winterlichen Jahreszeit verfolg^ vorstellte. S. Tikrat, 
SträggeU; Winda-Brut, -Gellen. 

Chelleri^gf.: Kellerraum, -haus, -geschoss, -ein- 
richtung Ap; ScnwRot.; Z. 

Keller tuem: das Amt eines ,Kellers* i. S. v. 2. 
,Von dem k., ein lechen.* XIV., L Propsteirodel. 

Chöli, nur als 1. Teil von Zssen wie Ch-s-Nar^! 
Ir ch'8'fule* Hund! E Ch-s Chrutzite Z (Stutz). 

Offenbar nur verstArkend, urspr. aber verwünschend; 
euphem. entstellt aus Chutzer». 

Ghil(l)e' I f.: 1. Eisenhut, ac. napell. BSigr.; Gr 
Chur. Sjrn. Isen-HüeÜi. ~ 2. Alpenampfer, rumex 
alp. BSa., Si. ; GRChur, Syn. Bleichte. - .Kille' schon 
im XVI. bei Montanns. 

„kilen: den Reissaus nehmen, davon eilen, bes. 
seinen Posten vorlassen, aus dem Dienst laufen BO." 

Eines der wenigen, aber um so merkwürdigeren WW., 
welche unsere Spr. ohne Mittelglieder direkte mit der nd. 
und skandinavischen gemein hat; s. Gr. WB. V 704. Mit 
dem dort angeführten ,keilen, fleissig arbeiten*, wäre es nur 
zu vereinbaren, wenn man den Fleiss eben auf die Eilfertig- 
keit des Davonlaufens beziehen wollte; aber eine andere bildl. 
Anwendung jenes Vbs kann doch zu Grunde liegen; vgl. 
«durchbrennen* und ähnliche Bezeichnungen bes. fQr unrecht- 
mässiges Verlassen einer Dienststolle. Viell. ein technischer 
Ausdruck aus der Sprache der Handwerksburschen und auf 
diesem Weg importiert; urspr. etwa: in ein angefangenes 
Stfick Arbeit einen Keil schlagen und damit andeuten, dass 
man es nicht vollenden wolle? 

Chille" II, Chiliern.: enge, tiefe, wilde Schlucht 
W. Syn. Tohel 

Das W. erinnert sehr an das syn., in Gr und W vor- 
kommende Chinn, von dem es (zunächst in der Form *ChinnU; 



207 



Kai, kel, kil, kol, kal 



208 



vgl. Belle aus Rennte) abgel. sein könnte. Unser W. mit B 
KüUe (spr. -K/-), Yertiefung, Gräbchen, zu vereinigen, ver- 
bietet die Verschiedenheit des Aul. 

Chilli: EiUan ZUombr. 

ehillig: gleichgültig. Es ist-mer eh. BsL. 

Viel], aus ge-hilltg von ge-hillen, bzw. gehauen 6d II 1153 
i. S. V. übereinstimmend, von der Person auf die Sache über- 
tragen, der man zustimmt, ohne Gewicht darauf zu legen. 

Kiel m. : (grosses) Schiff, nnr in der a. Spr., z. B. 
Äg.Tscbudi. Nach der Schlacht bei Granson ward im 
Lager Karls des Kühnen n. A. gefunden: ,Ü8S der 
mässen gross guet von silbergeschir and besunder 
ein grösser silberiner k.' Edlib. Stockar nennt ein 
von ihm angeschafftes Schiff anf dem Boden see ,kielin*. 
Hausname in ZStdt. — Die Ansspr. k^ in ZStdt beweist, 
dass das W. als Fremdw. betrachtet wird. 

Chiel n.: Kienholz, harzreiche Splitter aus dem 
Wurzelstock von Fichten, die 20 Jahre früher ge- 
schlagen worden sind und deren Stock dann zu faulen 
beginnt BS. — Zsgez. aus Chie*d, mit dem auch sonst coli. 
Neutra bildenden -el. 

Chol(l) m. B; Gl; Gr; GSa.; Ndw; U; ZO., n. Ap; 

,V0;« GlK.; P (Schott) ; G oT. ; ScHW; S; Zo; ZO. - PI. 
CJwl Ge; Ndw; ZO. — Chol(l)e* f. Ap; B; Gl; GaSpl.; 
LG.; G; Th; Ndw; ZO. — PL in GnSpL Chole'' — Dim. 
Chöleli Bs; Th; Z, ChöU B: 1. CChol m. ZO., n. GT., 
sonst CholeJ einzelnes Stück Kohle. Unter Marksteine 
pflegte man zwei Eierschalen, Kohlen und Ziegelsteine 
zu legen, so z. B. 1541, Klinonav. ,Fürende köl.' Kessl. 
nach Rom. ,Carbo, ein glüeyender koLv^jais. ,Die 
kol,anthrax, carbo.* Mal. ,Ein glüeyender kolen zündt 
den anderen, so ngbend im ligt, an.* LLav. 1582. ,Da8 
Ort mit einem Kölelein, Kreiden oder Rötelstein zeich- 
nen.* PWüRZ 16JU. ,Der Wirt, der schirt, bis endlich 
wirdt die Kreiden zu der Kolen.* JCWeissenb. 1678. 

— 2. (meist einsilbig) coli, a) die vom Kolilenbrenner 
gelieferte Kohle B (wo dagegen mit Chole^ die am 
offenen Feuer entstehende bezeichnet wird); VO; Gl; 
ZO. In Ndw Chol m. nur von den Kohlen des Schmie- 
des. ,Bei Schreiner N. ist buchenes Kohl zu haben, 
das Mass zu 8 Bzn.* S Wochenbl. 1820. ,Swa ein 
bachofen ist, da soll man das kol löschen en mitten 
an den ern.* c. 1400, TnDiess. Stadtr. ,Zu kol und 
äschen verbrennt.' 1574, ArdOsbr. ,Was holz oder 
chool betrifft.* 1579, Zbllw. Urk. ,Schindlen, Reb- 
stecken, Cohl.* 1675, ScHw LB. S. auch noch Bd 1 461 u. 

— b) brennender Kohlenhaufen, Meiler des Köhlers 
Gr; GSa.; S; Ndw. ,Eine Kol brennen* Schw. ,Da8 
Kohl-Brennen.* AaB. Holzordn. 1752. — 3. als erster 
Teil von zsges. Ortsnamen, wohl meistens mit Bez. 
auf Kohlenbrennerei, die an den betr. Orten betrieben 
wurde. — Mhd. kcl^ schw. m. und f., auch st. n. ; PI. kein 
und kiHen» köUr, Kohle und Kohlenhaufe. 

Ost er-: Kohlen vom Oster feuer; s. Bd I 944. 
Wenn man Elstern schiessen will, so mischt man 0. 
unter das Schiesspulver als Mittel gegen den Zauber, 
der diesen Vogel sonst umgibt L. Vgl. Agdster Bd I 
127 oben. 

RSckolder-: als Reinigungsmittel für die Luft 
bei Verleumdung. 1560, Ps. 120, 4. 

Da der Reckholder laut Bd II 1189 auch zu Fastnacht- 
feuern verwendet wurde, so mochte den Kohlen ähnliche Bed. 
zugeschrieben werden wie den ,Oster-K.* 



Berg-: Eisenkiese, die auf dem Aubrig gefunden 
wurden. Grüner 1760. 

Zug-: Kohlen für den ,Zeug* [Artillerie]? ,Do 
habe er den N. N. g' fraget, als er Z. abbrennt, wie 
die Rechnung [sei].* ZWthur Ratsprot. 1667. 

chol(l)e°: 1. „dampfend glimmen B; L; Scuw; 
Z"; schwach fortg^lühen, beinahe erlöschen W. Sjn. 
glühen, ,Tepet igne maligne focus, wenn das holz 
kein rechte hitz gibt, nun [nur] ligt ze k. und ze 
motten und reuchen und nit recht brünnen will.* 
Fris. — 2. tr. und intr., (Holz zu) Kohlen brennen 
G; STierst.; Ndw. ,Verbotten in gemeinen Waldungen 
das K. oder andere Brandplätze anzulegen.* AaL. Forst- 
ordn. 1806. ,N. N. will das holz nit usgSben ze ko- 
lenne noch ze rütenne noch ze verköffene.' 1364, 
JHüB., Klingn. ,Wäld, es sye zu holzen [oder] zu k.* 
1521, Abbch. ,Ze verbieten, das* sj nit mer holz 
houwen und kolind.* 1551, Sch Ratsprot. 

er-: von Holz, im Feuer verkohlen, im Wasser 
vermodern, schwarz werden GrL. — üs-: zum Kohlen- 
brennen ausnutzen. Schacbo, Rq. I 175. — ver-: 
1. (Holz) in Kohle verwandeln und in dieser Gestalt 
verwerten B. »Sollte ein Ürtner Holz zum V. weg- 
geben, so fallt er in Busse.' 1833, Obw. ,Welcher 
holz ussert das land verkouffte, es wäre zu v. oder 
sonst hinwfig ze fertigen.' 1572, Gl. — 2. (Kleider) 
durch unvorsichtige Behandlung verunreinigen S. — 
nach-: nachglimmen, -glühen, von einem Docht, von 
Glut in Asche W. Bildl.: Es chotet-mu no*''' nü**, er 
denkt der Sache nach, kann sie nicht vergessen, ebd. 

Chol(l)erIm.: I.Kohlenbrenner, Köhler Schw; 
STierst; Uw; Zo; Z. , Kohler lavit leinlachum.* üw 
makaron. Ged. XVIIL, Spott auf die schmutzige Bett- 
wäsche der Älpler; vgl.: ,Ihre Betten sehen aus wie 
abgenutzte Kollersäcke.' BrXgger 1780. Glichs und 
Gltchs findt enand wie dtr Tufd und der Ch, AAZein.; 
ZW. Geschlechtsn. ,Koller, Kohler' Aa; Ap; B; (jr; 
G; Z. »Wernherus Cholere.* 1256, Bs Urk. Bezeich- 
nung eines Ortes, wo ein Kohlenbrenner sein Gewerbe 
betrieb GrVrIz. ; Z, — 2. eine Art Füchse. ,Die Jäger 
unterscheiden zweierlei Arten. Die gemeinere schlech- 
tere Art nennen sie K., Kohl- oder Brandfüchse (vulpes 
villo densiore et nigricante. CGessner).' Alp. 1821. — 
3. (auch Chauler) Kuh- od. Ziegenname Ap. — 4. Chol- 
lerli, ChÖllerli, in Ap; Gl auch Chölderli: a) Meise, 
teils Tannenmeise, parus ater Ap; Gl; GA., teils Kohl- 
meise, par. pal. Aa; B; Gl; L; GTa. Syn. Köteli. 
—' b) scherzh., Mädchen mit schwarzen Augen und 
Haaren GA. Syn. Choli, — Der Diphth. au für o vor / 
ist Ap Eigentümlichkeit; vgl. loauL 

Chol(l)i m. — Dim. Choldi GT.: 1. a) schwarzes 
(oder dunkelbraunes) Pferd Aa; Ap; BsL.; B; Gl; 
Gr; G; ScuwE.; Th; Zo. ,Wenn sein K. vorwärts 
will, hält der Bless zurück.' Breitbnst. Zuweilen = 
Pferd übh., abgesehen von der Farbe; vgl. ,der Braune'. 
In Ap gilt es als schmeichelnder oder lockender Zuruf. 
Sprww. RAA. De" Ch. letz a'^g'schire**, die Sache 
verkehrt angreifen AABb. De» Ch. ablä'', der Lustig- 
keit den Lauf lassen GG. (vgl. HundJ, aber auch: 
den Zorn auslassen GA. Lass der Ch. to» trampe'*! 
= heissa, lustig! SchwE. ,[Ein Lehrer, der] muss K. 
walten lassen, dass es ein Graus ist [die Schüler ma- 
chen lassen, was sie wollen].' Gotth. ,Es weiss noch 



209 



Kai, kel, kil, kol, kal 



210 



Niemand, wo K. trampet [wo das hinaus will].' Sprww. 
1824. — b) schwarzes Bind, Kuh, Stier AAEhr.; BSi.; 
Gr; G; W (n.). Li St. auch schwarzer Hund. — 
c) Kohlmeise L. Vgl. Choüer 4, — d) selten und 
meist scherzh.: Mensch mit schwarzem Haar und ge- 
bräuntem oder geschwärztem Gesicht Gb; GoT.; W; 
Zg; Z. Du bist hü OS scharpfs Gh.! bist heute arg 
geschwärzt W. In GoT. auch etwa mit Anspielung 
auf düstere Gemütsart — 2. (It Zyro n.) a) „der ge- 
malte, schwarze Ring um das Centrum einer Schiess- 
scheibe VO;" B. — b) das Schwarze im Auge B (Zyro). 

— 3. a) starker roter Wein SchwE. — b) schwarzer 
Kaffee mit oder ohne Branntwein LG.; Ndw (auch 
Kaffi'Ch.J; Obw (n.); U (m. und n.). Syn, Husaren- 
Kaffe. S. noch Chdli, — 4. scherzh., Locomotive B; 
Gr; gg.; S; Z. — 5. Lüge. Ei'^m c" Ch. a*gl% a"- 
henke^ GlH. Syn. en Bär a'^hinden. — 6. bim Heide*- 

Ch.l Beteurung S (Wyss). 

Das Neutr. bei 8 b erklärt sich aas dem selben Geschlecht 
des W. Kafe; in den flbrigen Fällen dagegen ist viell. an 
eine Dim.-Form des W. CkdL, ChoU* zn denken. In der yon 
Kirchh. angegebenen KA. könnte eine ferne Erinnerung an 
die «weisenden Tiere* (Gr., Myth.) mitspielen. In 4 natür- 
lich scherzh. Übertragung von 1 a als Zugtier. 5 ist Tiell. 
geradezu (mehr scherzh.) Ersatz Hlr das W. 3&r^ zumal da 
Meister Braun anf Wappen kohlschwarz ist. Bei 6 ist wahrsch. 
an den Teufel zn denken. 

chollig, häufiger chöUig: 1. kohlschwarz, bes. 
vom Himmel vor Gewitter und Ton der Nacht Gl; 
bildl., von grossem Hunger; Syn. gellig. Verstärkt: 
brand-, zünd-erde^-ch. — 2. ganz bedeckt, voll von 
Etw., z. B. da isch as eh., wo Etw. in Menge wächst 
Gl. Syn. , Alles schwarz von . . .* — 3. beschmutzt 
(zunächst mit Kohle) Gl. 

g'chöllelet: von bläulich-roter Gesichtsfarbe, 
welche als ein Zeichen besonderer Gesundheit gilt Z. 

— Zu g'chülUt, aber an ,Kohle' angelehnt. 

chole'': mit Kohle, Russ schwärzen Schw. 

Chöli m. und n.: 1. a) s Choli 1 a und b SNA.; 
Ndw. — b) en alte Gh., alter Mann Z. Geschlechtsn. 
BS. — 2. = Gholi 3 b Uw. ,Pfannen in den Wald 
schleppen, um K. zu kochen.* Obw Bauernbl. 1892. 

— Scheint von dem colIectiTen (7Ao2 gebildet zu sein. 

Colan n. : Halsband. ,Ein goldenes C. im Kirchen- 
schatz.* 1790, L. ~ Ital. cMana. 

Kolander Aa; U, Galänder GaVal., Goleander Aa 
Ehr.; BStdt, Goliander GSa. — m.: Coriander, cor. 
sat. Syn. Bügeli-Ghümmi. 

Kolläter m.: 1. der Präsident der Knabenschaft 
eines Dorfes, der die Brautleute feierlich zu begrüssen 
hat, um den sog. Haus (Bd U 1679) in Empfang zu 
nehmen ZO. Seine Tätigkeit heisst collatere\ — 2. der 
Erste des sog. Grossen Rates zu AAMell., der als Spre- 
cher Namens der Bürgerschaft im Kleinen Rate zu 

fungieren hatte. 

1 bcd. viell. den Darbringer (der WOnsche) oder beruht 
wühl eher auf einer Entlehnung von ähnlichem Auftreten 
des kirchlichen Collators. Auch 2 rührt wohl von der Be- 
fugniss des Betr. (fast der einzigen, welche er besass), den 
Pfarrer zu setzen, her. 

Kollatz Kalätz „VO; Gl;- W; „Z«, Ca- L (In- 
eichen), Kälatsch Bs — m.: 1. Frühstück Vü; „Gl;- 
W; „Z-. .Habend wir funden, dass ihnen kein Kallatz 
vor dem Morgenbrodt nit schaden [werde), wofehr sy 
sich mit dem Abendtrunk erfrischen und alsdann das 



Nachtmal niessen mit daruff getanem vier- oder fünf- 
stündigem Schlaftrunk.' 1612, Schw Statut d. äussern 
Standes (possenhafter Unsinn). ,Der C. oder Früh- 
stück.* 1761, Schweizebb. (F). Sonst lässt sich in den 
ä. Überlieferungen diese engere Bed. nicht bestimmt 
nachweisen, sondern der Begriff ist noch der ursprüng- 
liche der Mahlzeit, des Imbisses übh., sowie auch die 
Form sehr häufig das richtigere o beibehalten hat 
,Symbolum, ürte oder c, malzeit yon zesamen ge- 
tragnem Sssen; zSch, Schlaftrunk/ Fris.; Mal.; Dehzl. 
1677; 1716. ,Da war in« zuog'rüst^ ein k., fürwar 
gar kostlich spys und wyn.* 1576, Z Neuj. Ant. ,Der 
Bat habe oftmals seine liederlichen Schreiber müssen 
im Bett, bym K. oder in der Trinkstuben suchen 
lassen.* RCts. c. 1600. ,Dass die Collätz, welche die 
Land Vögte den Gesandten zu geben pflegen, abgeschafft 
und die Verehrung dafür erspart werde.' 1615, Abscb. 
,F1ux richtet an eine C. ; kost's Haus und Hof — ade, 
was schadt's?' Exblem. 1622. ,Man mag [den Marken- 
beschauern] auf dem Berg ein C, wie bei den Senten 
bräuchUch, geben.' 1624, SchwE. Klosterarch. ,Den 
frömbden Spillüten am Morgen ein C. geben.* 1641, 
Gpd. ,Mir w6nd ein guet K. nSn, so mögend wir dann 
besser dran.' Joh.Mahlsr 1674/1761. ,Der Bär, nit 
trag, schnappt's gleichsam im Collets [so bei Herrig 
abgedruckt] hinweg.' Lied vom Toggenburgerkrieg; 
vgl. die prahlerische Drohung, man wolle mit Jmdm 
oder Etw. vor dem Morgenessen fertig werden. ,Per 
ein ordinairi E. per 9 Mann 18 ß.' 1718, Gfd. K, K! 
ruft die Krähe L, d. h. sie schreit nach Nahrung. — 
2. Edlatsch, Hefengebäck zum Frühstück Bs. 

Aas lat ooUatio, Zstragung, arspr. viell. von den aus 
gemeinsamen Beiträgen der Mitglieder veranstalteten Liebes- 
mahlen der ältesten Christengemeinden. In unsere MAA. 
aber ist das W. jedenfalls ans der Spr. der Klöster oinge- 
drungen, wo es im Mittelalter eine Abendandacht mit darauf 
folgender gemeinsamer Mahlzeit bezeichnete (s. Brinckmeier). 
Bei uns hat sich wie im It der allg. Begriff ,Mahlzeit* auf 
eine bestimmte Tageszeit eingeschränkt wie bei /m6M«. Das 
Geschl. Ist, wohl in Folge der Verstflmmelnng des Ausganges 
(vgl. Mebidatz u. ä.), fost durchweg m. geworden. In der 
ersten Silbe ist später durchgängig a eingetreten, wie in 
Saldat, durch Assimilation an das betonte a der zweiten, wie 
umgekehrt o statt a in mnhd. kol(e)n ans ahd. halön und 
KoUnder, Bemerkenswert ist noch die Zurflckschiebnng des 
Tones in der Bs Form, verbunden mit Veränderung des 
conson. Auslautes und Einschränkung des Begriffes, wenn das 
W. nicht geradezu aus Deutschland eingeführt ist. Die Laut- 
form des neu aufgenommenen lat W. ist geblieben in der 
Stelle: , Wegen den Kosten, so des Kinds Eiteren bei der 
Kindbett mit Collation und sonsten ertragen.' B Mand. 1747. 
Das W. erscheint wahrsch. mit der Bed. «Übertragung, An- 
wartschaft auf eine Pfründe* in der Stelle: ,Da der Pabst 
gratias ezspectativas ausgegeben, habe [der scutifer papalis] 
eine erlangt und eine Cola^ genommen auf den Abt und das 
Gotteshaus Rheinau.* 1520, Absch.; vgl. ,Collatur*. 

koUatze*", kaU, in Gl cha^-, in USil. klatze*: 
1. frühstücken AaF.; VO; S; W. — 2. essen übh., 
oft mit dem Nbbegriff des Wohlbehagens oder der 
Gierigkeit Aa; B; Gl; GnPr.; GW.; Schw; S; Obw; 
Zg; ZLunn. Z* Hand k,, zu Nacht essen W. Under- 
toilei* MCÄ der König mit sine^ Trabante* hinder e" 
Mittagstisch g'sisse^ und het g'kalatzt. BWtss. Beruer- 
frau: Heit-er g*koUatzt? Freiburger: G'koüatzet und 
nid g'koUatzet: i"'' han 11 Schäleli Kaffe gehoben. 
Auch tr. Este hed-me* bi is e* Briji g'kakUzed Ndw. 
IT«» trinke* m"*' Händi derzue k. B Dorfkai. 1883. 



Schweiz. Idiotikon. HL 



14 



211 



Kai, kel, kil, kol, kul 



212 



Im Wirtshüs Äan-»** [Abeuds vor dem Heimgehen] 
no** Eppis g'chalatzet BG. D* Geiss hend d* Storze' 
lustig g'kalatzet Gr. IF Chatz kcUatzet d* Müs B. 
,lch v^ill c, dann mir von durst mjn mnnd tuot 
schmatzen.* Murbr 1560. ,MHHn gaben Jedem 1 Pfd 
Pfenn. an Geld zu yerkalatzen [verschmansen].* 1616, 
Ölh. ,E8 sollent auch die Wirt an Fyrtagen, ob dass 
der Gottsdienst üs ist, Niemandem zn c. g6ben.* L 
Ans. ,Ein wenig mir k. w8nd, eb dass wir auf die 
Stross uns länd.* GGotth. 1619. ,Das8 die üffahls- 
unkösten merklichen yergrösseret worden durch gar 
zu kostbarliche Zehrungen und villfaltiges K.' ZGrün. 
Amtsr. 1668. 

Koleba: Columban SofiwE. 

Ko lebine, „KöW* : Columbina Gl. 

Kollegium n.: 1. GoÜegi. a) Musik- und Sing- 
gesellschaft, Gesangverein SBb.; ZO. — b) Schützen- 
gesellschaft ZO. — c) Lateinschule der ä. Zeit und 
noch in Sohw. ,Schola, ein schuol oder coUege.* Fris. 
— 2. CoUajum BsStdt. ,Das obere C.S ehemaliges 
Augustinerkloster, von Erasmus als Seminar für junge 
Theologen mit Wohnung und Freitisch gestiftet (ent- 
sprechend dem ,Hof in Z). ,Das untere C.*, das 
jetzige üniversitatsgebäude. 

Fünfer-: eine nach dem Erdbeben von Bs (XIV.) 
zur Leitung des Aufbaues der Stadt bestellte Behörde 
von 5 Mitgliedern, aus welcher später das Fünfer- 
Amt hervorgieng. 

KoUekt n.: Spende; Amt der Spendherren, d. h. 
Aufseher und Pfleger der Armenherberge BsStdt 
(Spreng). — Das Neutr. wahrsch. nach dem Geschl. des W. 
Cdleyium oder Almoten-Amt. 

ChöUere'*: eine Speise aus einem Teig von Butter, 
Mehl und Eiern, belegt mit geschnittenen Äpfeln und 
Kä^escheibchen, oft noch mit Zucker bestreut W. 
Vgl. ChoUer-Mues, 

Koletseh: Docht an Kerze oder Lampe W. 

Etwa Abi. von Chol(e) nach Analogie einiger anderer den 
dortigen MA. eigentümlichen Bildungen? Oder Zss. mit 
Latsch, Strick (wie der Docht anderwärts wirklich genannt 
wird), Schleife? 

Storte-CoUi n.: steifer Hals ZStdtf. - Aus it. 
collo vtorio, verdrehter Hals. 

Kolibander: eine Art Reinette GSa. — Aus frz. 
oottr(-/»enfilti, kurz angebunden, d. i. kurz gestielt. 

„Koligo: Columban G.** 

koliziere": (Jmden) durch Bitten oder Drohungen 
zu Etw. zu bewegen suchen BB. Syn. toUigen, 

Kolloki n.: Kolloquium, Bezirkssynode GrD. — 
Eig. = Besprechung, Terhandlung einer solchen Yersamuiluug. 

Kolö'p, Kulör, It SüLGER auch KlÖr: 1. Gesell- 
schaft; Gattung, Schlag von Menschen; Sippschaft, 
Gelichter. Bi dem Kulör het 's alt Studente*, Schuel- 
meister, Fabrikanten [usw.]. Schild. E süheri K,! 
(iron.) SüLOER. Es ist die glich K. ebd. Vgl. Hosen, 
Butter. — 2. Art, Manier (des Tuns). Es ist die rieht 
KlÖTj wenn 's ditceg chunnt, Sülger. — 3. Koler, 
Lehmschicht, Ader im Marmor. Dkr. 

Frz. couleur; ontw. von den Farben studentischer oder 
ähnlicher Verbindungen oder von den Spielkarten. 

Kolnng 1.: Gut eines Colonen oder Halbfreien. 
,Etlich Hueben, K-en oder Lehengüeter, so bishar 



verlechnet g'syn sind.' Gr Landsatz. 1619. — Mlat. co- 

lungia, afrz. colunge. 

ChöL allg., Choli B; S — m., in FJ.; GrD, n.: 
1. Kohl, brass. olerac. Aa; Bs; BThun; Gl; Gr; Scu; 
Th; bes. Wirsing G; Vw; Z. ,Den Kohli vom Kabis 
zu unterscheiden wissen.' B. Cliöli n. auch: einzelner 
Kohlkopf Aa (H.). So viel Kohl, als auf ein Mal für 
eine Mahlzeit gekocht wird: Wäschend-er c» Chdlli? 
GSa. ,Der krank soll sich hüeten vor kabis, k., erbs, 
bonen.* Zo Arzneib. 1588. ,K., weiss und rot* Würz 
1634. ,Zwo blatten von Hanen und Köli.' 1661, B Neu- 
jahrsmahl. ,0b es gleich nit schwere Frucht, sondern 
nur das Köl in Krautgärten betrifft.' FWyss 1670. ,Ein 
Mahl von K. und Kraut', ein geringes. Klingl. 1691. 
,Blumon, K. und Birnen [im Garten].* HPest. 1785. 

— 2. das Kraut der Wurzelpflanzen, Hüben, Enzian 
u. a. FJ. Verschiedene Arten wildwachsender und 
als Viehfutter, Arzneimittel usw. dienender Kräuter. 
, Wilder k., brassica sylvestris [Rainkohl, laps. comm.], 
wachst in ackern wie wilder senf.' KdGessv. 1542. 

Über-: Überkohlrabi, brassica oleracea var. gon- 
gylodes GoT.; Z. — Früeh-: Wirsing Ndw. — 
G*-chöl n.: an Hecken und Strassonrändern ge- 
lesenes Ziegenfutter S (Schild); s. Geiss. 

Hüener-: Feld-Thymian, thymus serp. ,Costenz, 
quendel, hüenerklee, hüenerserb, wild polei, h., ser- 
pillum sylvestrc.' KdGessn. 1542. ,A8yla.' Mal. 

Verderbt aus dem lat. amila, womit die Gattung thymus 
bezeichnet wurde. Vgl. Chölm. 

Hunds-: Bingelkraut, merc. bienn. ,So das kleine 
Vieh über den H. kommt und davon isst [stirbt es 
davon].* Boss- ukd Bimdarzmei 1718. — Hasen-: 
1. Gänsedistel, sonch. ol. Wilder H., Saudistel, sonch. 
asper. ,Wilder h., gänsdistel, sudistel, moss, sonchus 
sylvestris, hie et niger et spinosior est.* KdGessn. 
1542. ,Sonchus, H., Säudistel, Sanchenkraut' Denzl. 
1677; 1716. ,Cicerbita, Gänsdistel, wilder H.* ebd. 
1716. — 2. Hasenlattich, prenanthes. ,Lactuca lepo- 
rina, H., GänsdisteL* Denzl. 1677; 1716. — Berg- 
hase"-Chöli: Alpen- od. Milchlattich, mulgedium BG. 

— Matte»-Chöl: = ITuew^r-CÄ. BBe. — Narre»-: 
aufgestengelter Kohl ü. — Blucme"- Aa; Th; ZStdt, 
-Ghöli B, 'Chol und -Choli ZoStdt: Blumenkohl, bras- 
sica botrytis. 

Bröckli-: Sprossenkohl. DXniker. 
It. Itroecolo, zarter SprOssling von Kohl u. a. Pflanzen; 
lyroccoli, Spargelkohl; umged. als Dim. dos deutschen ,Brocken'. 

Rüeb- AAZof.; BsStdt; BBiel, -Chm B: = Ober- 
Gh.; irrtümlich auch für brass. rapa. — Reps-Chöli: 
Winterreps, brass. napus B. - Rösli-Chöl Tu; Z, 
Eöseli- Aa; B: Rosenkohl. — Sür-: eingemachter, 
Sauerkohl, von Sür-Chabis verschieden, indem der 
letztere .gehobelt*, jener aber nur mit dem Messer 
zerhackt wird B. — Spät-Chöli: eine Art Kohl, der 
spät gesetzt wird B (Zyro). — Stande**-: hfauerkraut 
Gl (in der Stande, Bütte, eingemacht). 

chöle": 1. tr. und intr., die äussersten Blätter 
an Kohlköpfen, Rüben, Mangold, Salat abbrechen zu 
Gemüse oder zu Viehfutter AaB. ; Bs; B; ,L;** Tu; 
Ndw; Z. hn Summer mues-me" de*" Säue" all Tag 
Chrüd eh. ZWyla. Syn. bhiggen, ,Die ärmeren Meit^ 
leni haben daheim etwas kohlet im Garten und bringen 
nun Salat, Gemüse usw. auf den Markt.* Alpenrosen 
1868. ,Den garten k.* 1452, Mev., Wetz. ,Ein kraut, 



213 



Kai, kel, kil, kol, knl 



214 



wirt zuo essen gekölet.' EdGessh. 1542. — 2. an 
Hecken und Wegen Lanb nnd Gras für Kleinvieh 
(auch Kaninchen) sammeln, bes. von ärmcrn Leuten 
Bs; B; L; SBoch. ,lch sollte für die Ziege k.* Gotth. 
— 3. Blumen und Grün massenhaft pflücken, mit 
tadelndem Nb begriff B. E^ Maie* eh. — 4. wacker 
essen Bs (Seil.). Vgl. fueteren in diesem S. 

ab-: 1. = chölen 1 ScnSt.; Th; Z. — 2. in Blumen 
und Kräutern arg hausen, sie hart mitnehmen ScuSt. 

Chol er I GheUr — m.: Talbewohner, etw. ver- 
ächtlich im Gegs. zu den Älplern BHa.; üw. — Eig. 
Kohlesser. 

g^'-chölet: von kleinen Kindern, die so wohl- 
genährt und gesund sind, dass die rötliche Farbe ihrer 
Haut einen bläulich marmorierten Anstrich erhält AaB. 
(Frei). — Wahrsch. ans ge-cMllet, angelehnt an Chol, da es 
ehie blftulich-rote Art dieser Pflanze gibt. 

Chöle» f. ZMeil., Choler II m. ZStalL: Hebel zum 
Spannen der Armbrust. Syn. Crnepfen, CMefder, — 

Vgl. Ch{Ue\ 

Kölliker: Geschlechtsn. Z. En K. ha*, eine un- 
förmlich grosse Nase. Sprww. 1869. 

Von einem Mann, der jenen Namen trag nnd durch jene 
Eigenschaft allg. bekannt war. 

ehnllele°: ein Spiel, wobei man kleine Kugeln in 
ein oder mehrere Grübchen (GhuUeli) wirft, welche je 
nach ihrer Stellung mehr od. weniger Wert haben BM. 

Chulle f.: 1. ^Ktde, KüHe, längliche Vertiefung 
ScHW; Za." Dim. Kuüi, KiüU n.: kleine Vertiefung 
BStdt. Insbes. Grube, Grübchen, dgl. die Knaben in 
der Erde machen, wenn sie mit Schnellkügelchen 
spielen BM. — 2. ChuUdi n., kleiner Behälter B. 

Syn. G'hmtU, 

Vgl. mnd. Kul(e), KauU, Grobe (Gr. WB. V 348 ff.); 
doch stimmt die Qaantit&t der Voc. nicht. Es Hesse sich 
auch an OüUe* oder an Huüe^ I erinnern. 

Nüni-: eine bes. Art des Spieles mit Schnell- 
kugeln, wobei 9 Grübchen nach Art des Kcgelrisses 
in die Erde gemacht werden BStdt. — Satz-: das 
Selbe, aber bloss mit einer, grössern Grube. 

Chüli m.: Schmeichelwort für Kinder, närrisches 
Kind GBh., Stdt 

Cnlisse f., GulissU n.: 1. Stück der weibl. Tracht, 
zwischen Göller und Brusttuch vorgesteckt L. Syn. 

Mänteli, — 2. s. GolUsen. 

Frz. coulUw, Fuge, Falz, Schiebladen; verschiebbare 
Süitenwand im Theater, mit welcher das Kloidnngsstück wohl 
verglichen werden konnte. 

Chille" f. : = C/mM«" ZS. 

Chülle" f.: Beule, Wundmal am Kopf oder Leib 
von Schlag oder Anstoss ZG. Si g'heied ume"*, bis s* 
Gh. Mnd. Si händ-em de* Grind voll K. und Biüe* 
g'scHilage*. Gespräch 1712. 

chülle°: (Einen) blau schlagen ZG. 

vcr-chüllet: blutrünstig, blau geschlagen ZG. 
Syn. ver-bNet. 

g*-: gefleckt, von Schweinen ZZoll. Syn. gd>atz€t. 
Vgl. rotgris Bd II 800 und heidenberi-bläw. Marmoriert, 
bes. von den Wangen, wenn sie in Folge von Frost rot 
und bläulich angelaufen sind Z. Vgl. ge-kölleiet, -kÖlet. 

Entweder, wie bei OkuU-Ang angenommen wurde, von 
mhd. qutUen, aufschwellen (vgl. die Formen von kommen, von 



ahd. quHman); oder von ChuÜen^ da für Erhöhung nnd Ver- 
tiefung oft das selbe W. gilt Dürfte man eine Abi. *ChuU\ 
von , Kohle* annehmen, so Hesse sich obige Gruppe auch 
von Diesem lautlich nnd bogrilflich wohl herleiten. 

fKüllilen^: Kaninchen. 1530, Ps. — Assimiliert aus 
,KQnnilen'. 

ehnel Bs; BO.; Gr; Uw, sonst c^uf2: l.imgewöhnl. 
S., von der Temperatur von Körpern mit Einschluss 
der Luft, des Wetters, allg.; im letztern S. in Gr ik; 
in GSa. chuei von etwas heiss Gewesenem, sonst üe. 
Ghid mache*, töten U. Ghade" Mai bringt de* Chinde* 
's Brod hei**, verspricht ein gutes Getreidejahr ZWl. 
,Er truog mich durch die Welchen kuol, hoch bis 
zuo einem G'stuol.* 1604, Ardüser. ,Im kühlen Mor- 
gen*, Flurn. ZHerrl, — 2. vom menschlichen Gemüt, 
phlegmatisch, nicht leicht erregbar, abgekühlt von 
Zorn BHk.; üwE. Grad chuder 8%*, den Trieb zu 
Etw. bald verlieren; meist mit Negation, z. B. Rach- 
gefühl bewahren BB. Die sind nanig eh. z'säme*, 
noch nicht versöhnt BBe. Von einer Bede, Predigt: 
kraftlos ÜwE. Von einer Entschuldigung: leer, kahl 
L; S; Zg. Da* ist ch. g'redt, ungereimt, sonderbar 
ThHw. — Abi. ehüdCtJschen. 

chuele", in Ap; Bs; S; TJw; ü; Z auch -üe- : 
kühl werden B; Gl; Gr; G; Sch; Z; auch von ge- 
kochten Speisen. D's Bis g' eh. stelle* Gr. D* Suppe* 
hat afe* lang g'chudet Gr. Es chudet Alles w^blase* 
(auch von Liebe und Zorn) Gl. *8 Wasser ist ab- 
g'chuelet ZBauma. Vom Wetter: Es häd g'chudet, 
nach einem Gewitter Th; Z. ,Der Abend nunmehr 
kuolet hat.* Rbbm. 1620. — Der Uml. hat sich wahrsch. 
erst ans dem Bücherd. eingedr&ngt 

er-: allmählich erkalten, sich abkühlen, von 
Wetter, Betten, Speisen; erhitzten, erzürnten Men- 
schen BSi.; Gr; GW.; üwE. D's Tanzen ist hei* 
Sund, aber *s E. GrPh, mit dem selben Nebensiun 
wie Ap «tcÄ ab-, er-dhüeie*. ,[Die armen Seelen in 
der Hölle lechzen nach Wasser] zu einer erquickung 
underkuelung irer hitz.* Kessl. — üs-: ganz erkalten, 
von Öfen, Zimmern Gr. Syn. üs-chalten. -^ ver-: = 
er-ch. Gr; GW. Er ist verdiuelet, es ist ihm kalt 
geworden Gr; L (St.**). ,Sobald sie aber [in ihrem 
Zorn] verkühlet hatte.* Sintem. 1759. 

Chueli Gr, GhOdi Z — f.: kühle Temperatur, 
Witterung. Etw. zur Abkühlung oder zur Conser- 
vierung a* d' Gh. stdle*; daher uf (a*) der Gh. s%\ 

chuelig: ein wenig kühl ZW. 

chüele": (mit und ohne Obj.) kühl machen, 
kühlende Wirkung üben, z. B. von einer Salbe auf 
einer Wunde Gl; GSa.; Tu; UwE,; Z. 

ab-: 1. wie nhd. Es häd ahküelt, nach einem 
Gewitter Ap; Th; ÜwE.; Z. — 2. wetterleuchten Scii 
Schi., St. — 3. nach Erhitzung durch Tanz an die 
Kühle gehen, mit obsc. Nbbed. Ap. Vgl. er-chüelen. — 
Ab-chüelete'^, -chüeli°g f.: die kalte Schotte, die 
man zur Abkühlung in das Schweinefutter schüttet Gr. 

er-: 1. (refl.) sich abkühlen (auch von Liebes- 
genuss) Ap. ,Sich zu erkuhlen [im Flusse].* 1656, 
BSptri 1871. — 2. tr. ,Hett ich nun [nur] ein trünkli 
wyn, dass ich myn herz möchti e.* Binder 1535. ,Er 
erkühlt und erfrischget sie.* FWvss 1672. In der 
ä. Spr. dann bes. noch die BA. ,das Herz c.' = ,seinen 
Mut* i. S. V. Zorn, Rache. ,Die fürstcn band ir herz 



215 



Kal-kttl. Kalb-kulb 



216 



ob des annen manns bluot erküelet [im Baaernkrieg 
von 1525].' Bo88H.-Gold8chin. .Diocletianns, nachdem 
er sein Herz ob den Christen genugsam erkült.' Gulbr. 
Bei Hospik. aber noch im weitern S. = ,animo in- 
dalgere, morem gerere, animnm remittere.' 

Der Mangel des Uml. in der refl. Anwendung erklärt 
sich aus der innern Ywdtsch. der refl. mit der intr. Bed. 

ver-. Ät** verehude^, sich erkälten GBern. 
chüellecht: etwas kühl Bs. 

ver-chüele": refl., sich ökonomisch (eig. im Vieh- 
handel) zu Grande richten, Sprww. 1869. Syn. rer- 
rösslen, -chärreUn, 

Ei"-Chüeler: Kleinbauer, der nur eine Kuh zu 
halten vermag. Joaoh. S. Geisser. 



Kalb — kulb. 



Ghalb n., PI. Chalber Aa; Bs; Gl; Gr; GA.; Sch; 
Th; Ndw; Z, mit Uml. (it^, seltener ^*, JiJ Ap; Bs; 
Gl; Gr; GSa.; Ndw; Z, Dim. Chalbli Ndw, Cfuübji 
GRCast., Pr.; W, Chalb86k(elß BO.; GrAv., Rh., Chälb' 
8ch(elji B; GrD., sonst ChäWU, Chemii und mit Di- 
minution 2. Grades (vgl. Anm. zu Hom Bd II 1619), 
bes. als Kosew. ChaJbdi I, ChaXbdi I: 1. zunächst 
das Junge des Bindviehs in der ersten Lebenszeit, 
ohne Unterschied des Geschlechts Aa; Z, dann aber 
auch mit Einschränkung spec. auf das weibliche Tier 
Gr; W, dagegen auf das männliche Ap (GhäJbli im 
Gegs. zu Buali); BO.; „VO; Z**. Anderwärts werden 
die Tiere nach dem Geschlecht unterschieden als 
Munni (B; Schw)-, Stier-, Stieret (Gr; Th; Z)-, gegen- 
über dem Hüdi (vgl. Bd U 1006)-, Ghut-, Chüe-, Chüdi 
(Aa; Ap; Bs; FO.; VO; Th)-, Chuetschi-, Chüetschi (Gr; 
Schw) -CA. Vgl. auch noch Chüetschi- Ghue, Chalher- 
Chüetachen, -Stier, Chalhfeljen und T. 89. 92/3. In Be- 
treif der Altersgrenze vgl. Järling (Sp. 67), Galt(e)l%, 
Gdltling, Gusti (Bd II 494), Bindferßi, Mänsen, Mäns- 
Bind. Z. T. werden auch die Altersabstufungen durch 
die Dim.-Form gegenüber der Grundf. zu bezeichnen 
gesucht, so heisst das Junge Chälbli oder Saug-Ch. 
etwa bis zum 30. Tage, dann ChaJb. Bes. genau 
müssen in Berggegenden zum Zweck der Alpbestuh- 
lung die Altersgrenzen festgesetzt sein. Als Ch. gilt 
das junge Tier von seinem ersten Winter oder Früh- 
jahr an bis zum Herbst BSi. ; in Uw dagegen, wenn 
es nach St Moritzen [22. Sept.] geworfen ist« bis Licht- 
mess des zweitfolgenden Jahres; vgl. Gdltling Bd II 
237, Kue-Easen Bd I 527. ,Zu einem K. Weidgang.' 
1673, ZKaufbr. ,Die Kälber weiblichen Geschlechts 
werden im ausnehmenden Verstände Kälber, Kalbeli 
oder Kalben geheissen.* JXSchnyd. 1782. 's Ch» z'weg 
lege"", vitulum nutrire BHa. Z' Chalber cho"*, ein Kalb 
werfen GrD. ; wahrsch. Analogiebildung nach s^ Binder 
gän, s. Bd II 7. Die jungen Kälber werden in einem 
dunkeln Winkel im oder am Stall untergebracht, wo 
sonst Streue vorrätig gehalten wird, daher euphem. 
von einem heruntergekommenen Eeichen : ,Hab ich 's 
doch gedacht, der komme noch in's Chälblis Ort hin- 
dere»; er chann jetzt Streui fresse".' Stutz 1850. Als 
ein Bursche ein hochbusiges Mädchen neckte: E, e; 
aber wie chönnid ir aw* so ung'mule'* [ungemolken] 
ro" heime* ? fertigte es ihn ab : I^^ ha"* 'denkt, t*'* trifft 
öppen es Ch. a", wo nonig [noch nicht] abtränkt sxg L. 



Die Klage: De Verdienst nimmt ab, ä? Abgabe'' zue; 
fem hat 's g'heissen e Ch., iez e Chue (Stutz), enthält 
noch eine Erinnerung an die Abgabe von Kälbern als 
Jungzehnten, von Kühen als Viehfall; ähnlich verhält 
es sich wohl mit der, jedenfalls stark entstellten, wort- 
spielenden B A. : Es ist etiserem gnädige"* Herren es Ch. 
g'faüe*, die man bes. an Kinder richtet, welche nach 
einem Falle weinen ZS. Ein Mann, der sich von 
seiner Frau scheiden lassen wollte und vorgab, er 
wolle nur eine andere Pfeife, erhielt den Bescheid: 
JkRrä" [meinetwegen] säg du ^em Chälbli Chue, t** 
hä* €?t** sehe* verstände*. Stütz. Andere Zsstellungen 
mit Chue s. Sp. 88. Von Jmdm, dem der Verzicht auf 
eine Liebhaberei, Freude usw. schwer wird, heisst es: 
Er wur* meine"*, 's Chälbli war im verthffer* ScnSt 
Iez hat 's Ch. lAs, die Sache ist verspielt GBern. 
JVtkJ wüLSse"*, wo d' Chalber d' Lüs händ, das Pulver 
nicht erfunden haben Schw. Scherzreime: Das ist 
war und nüd erlöge'*: Es hat en Bur es Ch, erzöge* Z. 
Uri, Schwizund ünderwaldefr) : D* Berner händ (sind) 
die grösste* Chalber Aa; Bs; Z. Die Mine:* LiU hat 
Gott erschaffe*, die grosse* Ch-er sind selber ^wachse* 
B. ,Wenn inen ein schwerer handel fürkummt, so 
zittrent sy wie ein nass k.' FPlatt. 1612; und ähn- 
lich noch heute Ap; Soh; Th; Z. üsg'seih wie-n-e 
g'stochei*'8 Ch. Z, neben den üblicheren Geiss (s. Bd II 
458), Bock. ,Also wird ein Überfeisster von wegen 
syner feisste spottwys ein k. genannt.* Äo.Tschudi 
1538. «Dieselbigen werte sind an ort und ende auf- 
geschriben, da sie nicht bald ein k. ablecken wird 
[d. h. die Beleidigung wird so leicht nicht vergessen 
werden].' 1588, Ap. ,Er hat bekannt, dass er durch 
YngSbung des bösen Geists das schandtlich, onchristlich 
Werch [der Bestialität] us'der Christenheit verriebt** 
mit einem roten Kalbeli.' 1602, Ap Malefizb. S. noch 
Äug Bd I 134. Das K. als Typus der tollen Unge- 
bundenheit, Ungeschlachthcit, Unbeholfenheit, Dumm- 
heit, bes. in der Übertragung auf Menschen, zunächst 
in KAA. Brüde* (schreien, mögge*) wie-n-es Ch. (am 
Messer), rohe, wilde Töne des Schmerzes oder der 
Lust von sich geben B; Z; s. Gotth. Seiden w. 47. 
's chunnt grad es Ch., es schreit [noch] lüter. Sprww. 
1869 (von einem Grobian). Von einer Frau, die einen 
groben Mann hat, sagt man: Die häd 's guet: Si häd 
's ganz Jör Chalb fleisch und z* Osterei erst no^'* 's ganz 
Ch. L; vgl. Oster-Ch. Wie-n-es Ch. de* lange* Weg 
an'n (in'n) Boden use* g'heie* Z. Abcho* [eig. von 
der Kette, dem Strick] wie-n-es Ch., 's Ch. dblä*, toll, 
närrisch werden, sich geberden Sch; Th; Z; vgl. Hund. 
,Effu8e laetari, das K. gar auslassen.' Denzl. Drt* 
Schüssel, umme*-gumpe*, tue^ ivie-n-es Ch. Aa; Sch; 
Th ; Z ; vgl. umme*-chalbere*. ,Der Jogli könnt z* hocha" 
Sprünga^ daher g'lauffa*^ a^s wie ei° tanbs [tolles] K.' 
GöLDi 1712. Oft dienen abverbiale Vergleichungen 
mit ,Ch.' bloss zur Verstärkung, Steigerung B; Z. 
Blüete* wie-n-es Ch.^ wofür häufiger Sou. ,Ich schlafen 
hert, fry wie es K.' Com. Beati. Von einem Dumm- 
kopf spottet man : D&' giH siner Lebtig knn Stier, dir 
bliht alliwil e Ch. ZSth.; vgl. ähnlich: Was zwwnzg 
Jör e Chälbli ist, ged [gibt] ke* Chue mer Ap; er ist 
und blibt e Ch. Z. Verwundert da stehen, wie es Ch. 
vor-ere* nüwen Türen BHa. Es gät mer [ein Licht] 
uf wie dem Chälbli vo* Mur, wo über de* Bach ist 
go* sufe* {da es das Wasser auch diesseits hätte haben 
können] ZTag. Wenn man über Jmdn einen einfaltigen 



217 



Kalb, kelb, kilb, kolb, knlb 



218 



Streich berichten hört, sagt man : Asigi GhaXber dörf 
(tuetj tne* bi-n-eus nud metzge* Z. ,Er ist wie ein 
▼erirrtes K., avius a vera longe ratione recedit* Mbt. 
Hort. 1692. S. noch Fleisch Bd I 1221, Chübd 1 g 
Sp. 112, Chalber-Jär Sp. 60, -Zand, -ZU. Direkt als 
Schimpfw., Schelte: Grobian, Tölpel, plumper Prahler, 
allg. E gröbera, rüchers, dümmer s Gh. hän-t«* no*'' 
kev^s g'seh; sonst oft verbanden mit dem attr. Adj. recht. 
'8 müesst Einen e rechts Gh. H*! Abweisung Th; Z. 
Din Nächb^, das Gh., möeht-i'^ säge*, üstkri. ,Wenn 
er zum Wein komme, sei er wieder ein volles K.' 
GoTTH. ,Der Junker erwiderte [den Bauern]: Ihr seid 
Kälber und packt euch fort!* HPest. 1790; vgl. ebd. 
I 370. Oft verst. Ghüe-, Sträls-, Dutmers,- Gheibe^^-Gh. 
Th; Z; bes. aber: Gh. MosifsJ Ap; Bs; Gb; G; Sch; Th; 
Z, entstellt GhaJber-Mös Bs, umgestellt und als Comp. 
Mosi-Gh. Z. Vgl. auch die Compp. In Zss. wirkt das 
W. (Ghalber), Schimpfwörtern vwdten Sinnes vorge- 
setzt, begriffsverstarkend VO; Gr; z.B.: cn GhaXber- 
Lali, 'Lappi, 'Nar(r). Ghalber-närrsch, sehr drollig, 
mutwillig wie ein junges Kalb, dumm, meist formel- 
haft verbunden mit den Synn. hundsjung (s. Sp. 47), 
chüedumm. Als Scheltwörter dienen auch Körperteile 
des Tieres, so GhaXber- Mage"* Kk, -Schwanz Z ; GhaXbs- 
CHrind, -GhopfBs; Z; s. auch noch Gh.-Järling Sp. 67, 
-Matter. En Ghalber-Streich, Narrenstreich Th; Z. 
Ghalbermdssig, ,ka]bsduramS z. B. handeln, aber auch 
oft nur begriffsverstarkend, z. 6. eh. verchert, dumm 
Aa; VO; Th; Z. — 2. übertr. auf Sachen, a) = Ghalher- 
Holz (Bdü 1252) Aa; „B; VO;- Gl; Z. ,Pulpa, das 
k. im holz, das sich ringsweis darvon spalten lasst, 
zue geleicher weis, wie auch in einem stotzen fleisch 
etlich riemen mit einem dünnen hfitle underscheiden 
sind, die sich on Verletzung der jaren gern von dem 
anderen fleisch hauwen oder schellen lassend.* Fris.; 
Mal. ,Pulpa arboris, das K. oder frische Holz zwi- 
schen den Spaltadern.* Denzl. ; vgl. Bd I 88. — b) in- 
nerer, holzig gewordener Kern gelber Buben, welche 
anfangen, Stengel zu treiben AABb. — c) kugelige 
Einsprengung eines härtern Gesteins in Molasse AABb.; 
Syn. Bollen. — d) Höhlung im Innern von Kartoffeln, 
oft von Engerlingen oder Würmern herrührend GSa. 
Dt g'meine^ Wisse* sind die mindst Sorte'* g'H*: 
Mächtig gross Kerli, hind aber Gheiber ika [ingehabt]. 

Albr. 1888. 

Der umlaatlose PI. auch bei Stettier 1606 (im Reim auf 
fhalber'); 1617, SchwE. Klosterarcb., ferner anch, als Gen. 
PI. (der Gen. Sg. ist in diesem Fall sebr selten), in Compp., 
80 z. B. in den Flurnn.: ,Ch.-Garten' B, ,-Höni' BSa., ,-Bo- 
den* B, ,-Berg* B, ,-StalP B; Z, ,-Weid(Ii)* B; Z, eig. der 
Ort, wo Bpec. Jung- oder Galtvieb geweidet wurde. Das 
Dim. .Cbalbli' auch Com. Beati. In der RA. t' Chalher eko* 
und In einigen Zssen nnd Abll. liegt riell. eine alte Sg.-Form 
vor; 8. Anm. zu Ei Bd I 15. Zn ,Kalb Mosis* s. nocb die 
Entstellung KalmoM, sowie auch Möa-Gh. 

Ofe**-: Spottname Desjenigen, der sich am Syl- 
vester-Morgen zuerst auf oder an den Ofen in der 
Wohnstube begibt ZF.; Sjnn. s. O.-Fuchs Bd I 658, 
-Brueter; vgl. auch Oster-, Nüw-Järs- Gh. — Aprille"-, 
ÄhereUe*-: Schelte auf einen mutwilligen, ungeber- 
digen, auch auf einen einfaltigen Menschen ZF.; eig. 
ein Kalb, das im April, wo der Weidgang wieder be- 
ginnt, nach der langen Gefangenschaft im Stalle sich 
recht austollt. Auch etwa Spottname Desjenigen, der 
in den April geschickt wird ZG.; vgl. Vonbun 1862, 110 
und das syn. Märze^-FuiU, ferner Maie*-, Märzt^-GK 



Ost er-: 1. Kalb, das auf Ostern geschlachtet 
wird und den Osterbraten liefert Lf; vgl. Osteren 
Bd I 581. ,Galba, ein feisster Mensch wie ein 0.* 
Denzl.; vgl. Oster-Stier. — 2. Neckwort, Spottname, 
a) wer am Ostersonntag zuletzt aufsteht LRottal; vgl. 
Nüw-Järs-Gh. — b) O.-Ghälbli, Kind, das zu Ostern 
an Geschenken leer ausgeht, bes. keine neuen Kleider 
erhält ZO.; vgl. O.-Ghüdi Sp. 92. Mutter: jy QoUe* 
hringt-der iez villicht di**s Ostere^g'tcändli. Knabe: 
Huppeli hi; iez gib •'* denn ase'* kei**8 0. Stütz. ,An 
einigen Orten auf der Z Landschaft wird ein Kind, 
welches am Palmtag kein neues Stück Kleid an hat, 
von den andern Kindern ausgelacht und 0. gescholten.* 
vMoos 1775; vgl. Paim-Esel Bd 1 520. — c) wer nur 
zur Osterzeit beichtet und zum h. Abendmahl geht, 
um damit doch noch das Minimum der von der kath. 
Kirche jährlich geforderten Andachtsfibungen zu ver- 
richten VO. D* OsterchaXber händ bi JT«"*!» lieber 
'bichtet a's bi im L (JB£gli). Junger Bursche, der in 
der angestellten Prüfung [s. behören Bd II 1576] so 
schlecht besteht, dass er wegen Unwissenheit nicht 
zur ersten Communion zugelassen werden kann Scnw. 
Wer übh. die Osterandachten nicht verrichtet Schw; 
Za. — 3. Verstärkung des Schimpfw. GfuUb i. S. v. 
Grobian. Sprww. 1824; 1869. ,Du 0., Narr, Firlifanz!* 
JMabler 1674. 

Das ,0.* dürfte urspr. ein faeidnisches FrQhjahrsopfer ge- 
wesen sein, wie sonst der ,Pflng8t- Hammel* oder das ,Pfingst- 
kalV, der .Pfingstochse'; vgl. UJahn 1884, 136/7. 305 lf. 
Auf ein solches deutet, neben verschiedenen, bei Öfteren an- 
genthrten Festbrftuchen, wohl bes. auch noch der Umstand, 
dass die Kirche, um sich des heidnischen Brauches zu be- 
mächtigen, Ostern als Termin zur Ablieferung von Zinskälbern 
bestimmte ; vgl. Mone, Ztschr. IX 368 f. (neben ,Oster-Läm- 
mern'); ferner auch 2 c. Wie als Pfingstopfer häufig das 
letzte Tier, das am Pfingstmorgen zur Herde stiess, bevorzugt 
wurde (man flberliess damit die Entscheidung dem Zufall, 
der als ,Stimmo der Gottheit* galt), so scheint dies auch 
beim Osteropfer der Fall gewesen zn sein, was sich aus den 
einzelnen Bedd. von 2 ergibt, die sich alle auf die gemein- 
same Bed. ,der Letzte, Verspätete, Hintangesetzte* zurQck- 
fOhren lassen. Vgl noch Mannh. 1875, 384. 390/1; Chaiber- 
MUtwtich(en). 

Flösse*^-: Kalb, welches aus den Alpen des BO. 
kam (daher auch ,Scnnen-E.* genannt) und auf Flössen 
aarabwärts geführt wurde Aaraü; solche Tiere wur- 
den als fetter beyorzugt; vgl. Ölh. 140 (z. J. 1707). 

— Lieb-Gott(e»)-Chälbeli: = Frauen-Ghüdi (s. 
Sp. 92/3), in der Reimformel bei Rochh. 1857, 94. — 
Her-: stärkstes, grösstes und schönstes Kalb der 
Herde, welches früher von den Hirten am Tage der 
Ämterbestellung (gewöhnlich am 1. Sonntag im Mai, 
s. Besatzing) bekränzt und im Triumphe durchs Dorf 
geführt wurde, worauf der Besitzer des Kalbes sie 
bewirtete GRf; vgl. H.-0ch8 Bd I 76, -Ghue Sp. 93/4. 

— Nü'^-Jars-: Spottname Desjenigen, der am Neu- 
jahrstage zuletzt aufsteht, sich verschlaft AaF.; L; 
vgl. Ofen-, Oster-Gh. Ihm werden etwa ein Bündel 
Heu und in einem Kübel ,Kalbertranke' ans Bett ge- 
bracht AAF.t; vgl. Gdick'Kübel Sp. 114. — Chat-: 
Spottw. auf ein schlechtes Kalb OnNuf. — (Chüe-) 
Chett(e)lo"-: älteres Kalb, eig. ein solches, das 
nicht mehr mittelst eines Stricks, sondern mittelst 
einer Kette angebunden werden muss ZWl. Daher 
dann auch Verstärkung des Scheltw. ,Kalb' Tb; ZWL; 
bes. von mutwilligen, ausgelassen lustigen Pferden 



219 



Kalb, kelb, kilb, kolb, kulb 



220 



ThHw. VglPfal-Gh. — Länder-Chalb: Spottname 
auf die Bewobner der ,LänderS d. b. der EantoDe Schw ; 
Uw; U; nrspr. wobl entstanden zur Zeit des politi- 
scben Gegensatzes zwischen «Städten und Ländern' 
(Ende XV.) L; Z. Vgl. Statt-Ch, Auch specificiert 
Underwaidner-, Umer-Ch. ,Sei kein Scbwyzer-K. mit 
Hägglen, Raufen und Schlagen.' LKImderbitzi 1826. 

— Latte"-: Verstärkung des Schimpf w. ,Kalb* Bs; 
vgl. das syn. Pfal-Ch. — Maie"-: Schimpfw. auf einen 
groben, ungeschlachten Menschen L; vgl. Aprillen^Ch. 

— Mö"-: 1. »Mondkalbs eine wie man glaubte unter 
dem widrigen Einfluss des Mondes entstandene Miss- 
geburt ä.Lit.; vgl. Spick'Ch. — 2. (in ZVolk. Mofids- 
Ch.) Verstärkung des Schimpfw. ,Kalb' B; G; Z. »Drei 
Söhne, so rechte Mondkälber voll Obermut wegen 
ihrem Geld und ihrer Kraft.* Gotth. — Mäns-: Kalb 
von 1—2 Jahren; vgl. ChaJb 1 u. Mäns-FÜlU Bd I 795. 
»Menskelber-fleisch.* 1414, Z Staatsarch. — March-: 
1. aus ScHwMa. stammendes Mastkalb; solche gelten 
als bes. fett Z. — 2. Verstärkung des Schimpfwortes 
,Kalb' Z. ,Wenn das dumme M. keinen Spass ver- 
stehen will, so wäre es daheim geblieben!* 1852, 
Stütz. — Merze"-: Schelte auf einen mutwillig 
herumtollenden Menschen, bes. auf Kinder Th; ZO.; 
vgl. Aprillen-Ch, Tue* wie-n-es M, 

Mos-: Schimpfw. auf einen dummen Menschen B;Z. 

Wahrsch. eig. einer der Namen der Rohrdommel; vgl. 
Mö8-0eh8 (Denzl.), -Chne (Sp. 95), -Stier, Ror-Chtie, -Munni, 
Wald-Rind and betr. die Anwendung als Schimpfw. bes. Lö- 
Uind. Andere Übertragungen von Tiernamen auf Vögel s. 
bei Meneh-FttUi Bd 1 796. Doch ist das Verbftltniss zu 
Chalb Mosvi bzw. Moai-Ch. zu erwägen. Tgl. auch M.-Gueg 
Bd II 163. 

Mueter-: mola. ,Das M. ist ein Stück geädrig 
Fleisch ohne Bein und Eingeweid, das kein voll- 
kommen Leben in sich hat; bleibt oft 2, 3 und mehr 
Jahre in der Mutter und wächst oft so gross, dass 
die Frau daran sterben muss.* Mcralt 1697; vgl. 
Kuglen 2%, — Metzi-: Mastkalb, das bis zur Schlach- 
tung, im Gegs. zum Abbruck-Ch,, ausschliesslich mit 
frischer Milch genährt wird „Ap; GRh."; Syn. Saug-, 
Stich-Ch, Vgl. Steih¥. 1804, 103/4. — Beine"-: der 
unter B.-Chue (Sp. 95) beschriebene Knochen, nur 
dass er, statt von einer Kuh, von einem Kalbe, auch 
etwa von einem Schaf genommen wird GnPeist. — 
Bienst-: eben erst geworfenes Kalb, -so lange es noch 
,Bienst-Milch' trinkt Ndw; vgL Bienst-Chue Sp. 95. 

— Parädi-: Schimpfn. auf einen dumm stolzierenden, 
,paradiercnden* Menschen SchwE. — Bare"-: Ver- 
stärkung des Scheltw. ,Kalb.* G Kai. 1890. Vgl. die 
Anm. zu B.- Ameisen Bd I 217. 

Pfäl-: 1. == ChaXb ^ a Z. — 2. = ChixU) als 
Schimpfw.; mit verstärkender Bed. Ap; Th; Z; bes. 
von einem groben, dummstolzen Menschen GTa. 

Zu 1. Das Chalber-Hol» hat die Form eines starken 
Rundstabes, eines Pfahles, der in das weichere, äussere Holz 
hineingetrieben scheint. Die ttbertr. Bed. 2 mag sich daraus 
erklären, dass jenes Holz bes. hart und knorrig ist und sich 
nicht spalten lässt. 

Abbruch-: Kalb, bes. weibliches, das man gross 
ziehen will, dem man daher nach und nach an Milch 
»abbricht*, um es zu entwohnen „B; L"; Syn. Ent- 
trenn- , Zucht -Ch.f Abhrüchling, Absäugling; Gegs. 
Metzi-Ch. 



Brügi-: Schimpfn. auf einen ein faltigen Menschen 
i. S. einer Verstärkung von Chalb GoT. 

Wie das am gleichen Orte übliche Schimpfw. Brügi-Aff 
wahrsch. Analogiebildung nach dem syn. Br.-Emi, in welchem 
der Name des ,bockbeinigen' Gerätes (s. Bd 1 521) auf den 
Menschen übertragen ist. 

Brunne"-: Name mehrerer im Wasser, bes. in 
alten, unreinen Brunnentrögen, Deuchein und ,6run- 
nenstuben* lebender Tiere, a) Wasserdrabtwurm, gord. 
aq. ZZolL; Syn. Wasser-Ch, — b) gem. Wasserassel, 
as. aq. GW. — c) Wassermolch, triton Z (oft dira.); 
Synn. s. bei Nachi-Qlüngg M II 632. 

Saug- Aa; Th; Z, Süg- GA.: 1. Kalb, so lange 
es mit Kuhmilch genährt, gesäugt wird, bzw. so lange 
es an der Kuh trinkt Aa; S. Spec. = Metzi-Ch, G; 
ZO. Man habe einem Bauer ein ,Sugen-K.* genommen, 
dasselbe rüsten lassen und gegessen. 155U, Absch. — 
2. Schelte auf einen grossgewachsenen, geistlosen 
Menschen Aa. — Syn. in beiden Bedd.: Tüti-Ch., in Bed. 1 
Trdnk-Ch. 

Summer-: einjähriges, eig. einen Sommer altes 
Kalb. ,2 s.-kalber* neben ,2 meisrindern.* 1532, Strickl. 
- Schmor- GA., SpSck- „Aa;" VC; „Gl;" Gr; GRh.; 
„Z": unförmlich grosse, fettig entartete Missgeburt 
beim Rindvieh, die im Mutterleib zerschnitten und 
stückweise herausgenommen werden muss; Sjn. Tog- 
gen-Ch, ,Die Sp.-Kälber sind von den minder gefahr- 
lichen und minder abscheulichen Wasser-Kälbern zu 
unterscheiden.* FXSchkydkr 1782, 112/3; vgl. auch 
Alpina 1806, 157. — Stich-: zum Schlachten (.Ste- 
chen'; vgl. ,Stechhaufen* bei Schra.-Fr. II 725) be- 
stimmtes Kalb und daher dem ,Zucht-K.* gegenüber 
gestellt. ,Man soll jungen zenden geben: Von eim 
st. 1 hlr und von eim zuchtkalb 1 angster [also das 
Doppelte].* 1488, LTobelschw. Kirchenr. und ähnlich 
in andern Kirchenrechten von LE.; vgl. Gfd III 192; 
Seo. RG. I 595. 

Stuffei-: Kalb (nach einer Angabe aus BsL. spec. 
Bullenkalb), das entwöhnt wird, und zwar von der 
Zeit an, da es anfangt Gras zu fressen, bis zu der 
Zeit, da es gar keine Milch mehr erhält, also bis zum 
Alter von einigen Monaten BsL.; BE.; S (alsdann 
Gusti genannt). Mit Ausdehnung der Altersgrenze 
bis gegen ein Jahr AaEH. 

Wahrsch. eig. ein Kalb, das man auf die Herbst weide 
in den Stoppeln, ,Stafreln^ treiben durfte. 

Statt-: Schimpfname auf diejenigen Bürger, ,die 
an der Stadt saugen wie an einer Milchkuh', d. h. sich 
von den Einkünften der Ämter nähren, welche die 
Stadt zu vergeben hat B vor 1830. ,Dise st.-kelber 
hend nie g'wandlet [sind nie als Handwerksgesellen 
auf der Wanderschaft gewesen], sind nnerfaren, nie 
usskon, in summa nüt dann st.-kelber.* ThFrickart 
1470. ,Dass ich myne sön zum werken hielte, uf 
dass sy nit st.-kelber wurdint, hernach der statt und 
landschaft überlegen [zur Last] werent, dieselben 
hulfend fressen, wie es der bruch werden will.* ebd.; 
vgl. Sprww. 1824, 115/6. 

Togge"-: = Schmer-Ch. „Aa; LMünster." 
Wahrsch. nach der auffälligen Dicke und GrOsse, der- 
jenigen der Do^e unter den Hunden vergleichbar, benannt: 
der Volksglaube jedoch schreibt die botr. Missgebnrten dem 
Unistande zu, dass die Kuh während ihrer Trächtigkeit sich 
an Doggen ,vcrsehen* habe, vor ihnen erschrocken sei; vgl. 



221 



Kalb, kelb, kilb, kolb, kalb 



222 



FXScbnyd. 1782, 113. Möglicherweise aber ist Joggen' 
i. S. T. Klotz, unförmlicher Gegenstand zu versteben. 

Tüti-: = Saug-Ch., docb meist nur als Verstär- 
kung des Schimpfw. ,Kalb' von einem einfaltigen Men- 
schen, entsprechend dem studentischen Schimpfwort 
»Säugling* Gl. — Tränk- Treich- : =^ Saug-Ch. 1 W. — 
E^twönn-: = Ahbruch-Ch., eig. ,Entwöhn-Kalb'UwE. 

Wasser-: 1. Missgeburt eines Kalbes, das mit 
Wasser gefüllt ist und das man bei dessen Geburt 
zuweilen in der Kuh zu durchstechen sucht, um eine 
Entleerung der Flüssigkeit herbeizuführen Gr; nl^C-;" 
Ndw. Vgl. ,Was8erkalbS Wassersucht, bei Gb. Myth. ' 
Uli und Lexer, ferner Wasser-Kind. Nach einigen 
Angaben aus Gr, sowie nach Alpina 1806, 157 da- 
gegen völlig identisch mit Speck-Ch, — 2. wesentlich 
= Brunnen-Ch. a) Fadendrahtwurm Ap; B; Gl; Gr; 
„L;* G; Ndw; Z; Syn. W.-Si^tcin, ün vorsichtiger- 
weise beim Wassertrinken mitverschluckt, sollen nach 
dem Volksglauben die Tiere im Leibe des Menschen 
fortleben und daraus Bandwürmer oder Gebilde ähn- 
lich dem Mueter- oder Wasser-Ch. 1 entstehen. ,Ver- 
mis, vitulus, seta aq. ; a nostris ein w.* .CGessn. ; Cap- 
PELER 1767. jGytwürm stSckend in vilon Leuten, 
daher sie so Übel trüehend [gedeihen], ja, Mancher 
hat gar ein W. in ihm.* Schimpfr. 1651. ,Es scheinet, 
dass das W. seinen Namen habe von Dem, dass die 
jungen Kälber selbiges oftermals in sich saufen, aber 
gleich darauf nach und nach abnemmen und endlich 
sterben. Dessgleichen wann ein Mensch eines der- 
selbigen trinket, solle er auch abnemmen und sterben.* 
HEEscHER 1692 und eine ähnliche Ansicht schon Fischb. 
,1563, 197 a. — b) = Brunnen-Gi, c „Ap; GRh." 

Die spec. Veranlassung zu dem Glauben, der Wasser- 
Drahtwurm sei die Ursache der Entstehung von Bildungen 
Ähnlich der Mola, bzw. dieser selbst, liegt wahrsch. in dem 
Umstände, dass jenes Tier häufig drahtförmig, knäuelartig 
aufgerollt erscheint. 

Zucht-: = Abbruch-Ch., eig. ein Kalb zur Auf- 
zucht, zum Aufziehen Ap; G; Z, nicht eig. volkstüm- 
lich, sondern mehr in Schriftsprache. ,Die Zucht- 
oder Kühlikälber [da bes. diese aufgezogen werden].* 
Steinm. 1804. Vgl. noch Stich-Ch. — Zit-: Rind, das 
zur Nachzucht zeitig ist; vgl. Zit-Ochs Bd I 77; 
ScHM.-Fr. n 1161/2, ferner auch Z.-Geiss, -Chue, 
'Bind. ,Facere vitulä, ein Z. opferen.* Denzl. 

Chalbele» f. (in W tw. ChaUjjff'): 1. Rind in der 
Zeit der ersten bis zur zweiten Trächtigkeit, bes. aber 
unmittelbar vor oder nach dem Kalben Aa; Ap; BsL.; 
GRPr.; LE.; S; Sjn. Mäm('Chue). ,Vieh- und Fahr- 
nissgant über: 3 Kühe, 2 grosstragende Kalbeln* usw. 
Bs Zeitungsinserat. ,Die kalbelen.* 1531/48, I. Jerem. 
XXXIV 18/9; dafür: ,Das Kalb.' 1882, ebd.; dagegen 
an der Parallelstelle: ,Ein dreijärige kue.* 1531/48, 
I. Mos. XV 10. ,Vom tödopfer der jungen k.* 1548, 
IV. Mos. XIX Oberschrift, wo im Texte von der jun- 
gen Kuh, auf die noch kein Joch gekommen*, die Rede 
ist; dafür ,kelberen.' 1531, Überschrift. ,Mit meiner 
k. gepflüget.* 1548, Richter XIV 18; dafür ,kalb.* 
1531. ^[Fleisch] von den allerbesten Kühen und Kal- 
belen.' XVII., Bb Mand. ,Eine tragende, zweijährige 
K.', Schützenpreis 1780 in BAarb. Das Selbe was 
Stecken- Chue 2 (Sp. 96) GrL. — 2. junges, weibliches 
Rind, abgesehen von der Trächtigkeit, aber doch im 
Alter der Geschlechtsreife GRtw.; W tw.; grosses 



Kalb, doch kleiner als die Chalben BHa. (Zyro). — 
3. grob scherzhaft, Mädchen in der Entwicklungs- 
periode Ap. 

Vgl. bei Lexer: ^KaWele, weibliches Kalb, das über ein 
Jahr alt ist und noch nicht gekalbt hat.' Synn. zu 1 und 2 : 
Chalhdi. Chalben, Chalheten. 

Chalbeli II (in BO.; S Chälheli 11) n.: wesent- 
lieh = dem Vor., mit dim. Bed. 1. = Chalbelen 1 Aa; 
Ap; BsL.; S. ,Ein einjähriges Kalb nennt man im 
Appenzellerland, wenn es tragend ist, ein K., und erst, 
wenn's gekalbet hat, eine Kuh.* Steinm. 1804. ,Kal- 
belen, K., eine zum ersten Mal tragende Kuh.* Arch. 
Vet. 1820. Gh.-Fleisch, solches von einer ganz jungen 
Kuh, also verschieden von Chalb-Fleisch Bs. 2** Äa" 
e" Chüdi ond c" Chalbeli ond en Esel dabei; '« ist 
nüd vil dra* g'Uga*, wer der Vorsinger sei Ap Reim- 
spruch. — 2. weibliches, halb herangewachsenes Kalb, 
Rind (im engern Sinn) Bs; BO.; VO; Gr; S; „Z"; 
Synn. s. bei Chalb 1. ,Das Kalbel, ein Kuhkalb Ap; 

LE.* RÖMBR U. SCBINZ 1809. 

Kann als Dim. auch vom folgenden W. abgeleitet werden. 
Im übrigen unterscheidet sich das W. bestimmt von dem 
direkt von Chalb abgeleiteten Dim. ChälUi, bzw. Chalbeli 
(Chiübdi) I. 

Chalbe" f.: wesentlich s C^aZ6ßZ€ti. 1. „Färse, 
die zum ersten Mal trächtig ist B; LE.** Färse von 
der Zeit der ersten bis zur zweiten Trächtigkeit ApH., 
J., M. Weibliches Rind im 3. Jahr, in der Zeit un- 
mittelbar vor dem Kalben BU.; Syn. ZU-Chue. Kuh, 
die eben erst gekalbt hat BoE.; Syn. Chälber-Chue 3. 
- 2. Kuhkalb LE., It FXScHmrD. 1782, 109; Römer 
u. ScHiNz 1809, 480. ,Grosses Kalb* B (Zyro). ,Vi. 
tulus, kalb; vitula, kalba.* Ebinger 1438. — Mhd. kalbe, 
das Selbe was kalbeU; vgl. 6r. WB. V 58/4. 

chalbe° Ndw, chalbere' Aa; ApStein; Bs; B; 
VO; Gr; G; Sch; S; Th; Z, chalbere'* (che'-) GRtw., 
chalble* Btw.; GRtw.; W (chalbju), chäJbk^ Ap; L; 
G; Tu; ZKn.: 1. kalben, allg. D' Chue ist am Gh, 
ßuej, geit z' ch, ; vgL Tsch. 164/5 und nächig. Das 
Ereigniss ist dem Bauern so wichtig, dass er es zum 
Angelpunkt seiner Zeitrechnung macht L; G; Z. p'' 
wirde, glaub t**, z'letzt 'bichtet ha*, wo 'kalblet hed der 
Chleb. Ineichen 1859. A* der lAedhtmess chäXbUi^d de* 
riche* Lüte* d* Chue ond de* Arme* vertwörfcd «*, 
weil auf diesen Tag der Zins verfallt Ap. Es chalberet 
no^^ mängi Chue bis dann, es hat noch gute Weile Z. 
Die drängende, überstürzte Eile beim Eintreffen des 
Ereignisses malt die ungereimte Aufforderung: Hans, 
stand üf, legg d' Stegen a*, spring 's Hemp (Hemli) 
aby zünd d' Chue a*! d' Laterne* will eh. Bs; Z. Wer 
aus Unbehilflichkeit mit Etw. fast nicht fertig werden 
kann, wird spöttisch gefragt: Magst nüd g'ch,? Ap; 
GA. Wem ein unerwartetes (unverdientes) Glück be- 
gegnet, z. B. ein reiches Erbe zufallt, von Dem heisst 
es : Es hät-em tf" Cgueti, richtij Chue (es ChadiJ g'chdl- 
beret oder d* Chue häi (edi) g'chälblet B; Gr; G; Z; 
vgl. engl. : His cow hos calved. Dem chalberet (jiXnglet) 
no^^ der Stier uf der Buesstili obe* Uw; U, oder sogar: 
der Holzschlegd (MÜlwisch Bs) uf *'em Esterig B; L; 
S (uf der Büni Bs, Brägi S; Z, Schütti Aa, Ober- 
Aa; Z, Für- kk, Buess-Tüi kk\ Sch) öbe*, oder: Der 
Esel; Züg-Stuel vor ^cm Hus S, der Bese*stil LG., 
Dem c/ia2bere*d d' Stiere* L, oder: Dim muess der Ofen 
i* der Stube* Aa (,der Blei-, Heustock, die Laterne.* 
Spkww. 1824) ch. Einer hed guet chräje*, wenn im 



223 



Kalb, kelb, kilb, kolb, kulb 



224 



der Holzschlegel uf *'em Esterig chalberet B. Sogar nn- 
persönlich Gl; Z. Es chottberet-em uf ^em Tüiboden 
obe* Z. S. noch Bd I 579 und vgl. Fr., Ztschr. VII 
409, sowie das Engl. : Whom God loves, his bitch brings 
forih pigs. ,Manchem kalbet ein Ochs, einem An- 
deren auch die Kühe nicht.' Met. Hort. 1692. Tem- 
poralsätze, in denen das Ch, uneigentlicher Weise von 
andern Tieren oder leblosen Dingen ausgesagt wird, 
dienen zur Bezeichnung endloser Termine, des ,St 
NimraerstagesS bes. um Jmds Erwartung als eine ,un- 
gereimte* zurückzuweisen, ihn mit einer leeren Ver- 
tröstung abzufertigen Ap; Gl; Z. Bis d' Ägerste"* 
chalbere^'d Gl; Z. Bis der A^haw chalberet und d' 
Saue'* ufflügcd. Vgl. : Wenn d' Hüener brunzle*d und 
Maien-Osteren Bd I 588, glich Bd II 593/4. Das Ptc. 
Perf. in attr. Verwendung mit act. Bed. Aa; Ap; B; 
Gl; Gr; Tu; Ndw; Z. E frisch, neu (nü) g'chälbleti, 
g'chalbereti Chue; vgl. TTobl. 92. ,Kalberen, ein kalb 
bringen, wird von küyen geredt.' Mal. ,Wenn eine 
Kuh kalberen soll.' 1654, Gr Rq. ,Edere partum ; de 
vacca, kalberen.' Denzl. 1677; dafür: ,kälberen* 1716. 

— 2. übertr., von Menschen, sich ,wie ein K.' ge- 
berden, allg. Spec. a) tr., dummes Zeug vorbringen 
BSi. Was ChaXbrist du da? Öppis zsämme'-ch., mit 
roher Gewalt zerstören Zo. — b) sich spielend herum- 
reissen, -balgen, wie Kinder tun BSi.; ü; syn. fäUen II 
(Bd II 767). — c) verächtlich für: gehen, sich be- 
wegen, bes. in Verbindung mit Ortsadverbien, allg. 
Umme'^-ch., mutwillig und Dummheiten treibend, ohne 
Zweck und Ziel umherstreifen, herumspringen. ,Ich 
wollte lieber grad heim hinter'n Ofen sitzen, als so 
da auf der Gasse herumkalbern.' JSbnn. Weiss Gott, 
wo Der umme* chalberet ! Gr. Den Wirtshäusern nach- 
streichen, ein ausgelassenes Leben führen Sch. Uf 
efi Bank, i* 's Bett ine"" ch. Gl; L; Z. Neime'' (eswaj 
Ät" ch, Gr; Z. — d) umme^-ch., faul herumliegen, 
sich unanständig herumwälzen Bs; B; VO; Gr; G; 
S; Th; Z. De" ganz Tag umnie''-€h. statt Öppis ^ 
tue* Z. ,Die Juden missbrauchten die Bettladen zur 
Faulheit. Sie kalberten auf selbigen herum, wann sie 
hätten wachen und bSten sollen.' JJUlr. 1733 (nach 
Amos VI 4). — 3. von Baumstämmen, beim Spalten 
nur bis zum Kern (s. Chdlb 2 a) sich teilen, während 
dieser ganz bleibt und sich vom übrigen Holz wie ein 
Kalb von der Kuh löst „B; Schw; Zg;" Z. — 4. roh 
für: zsfallen, von Sachen, die zsgefQgt waren ApK. 
(auch unpers. : es chälblet); Z; vgl. das syn. ferlen 2 
Bd I 921. — 5. sich dem »Kälberdienst' ergeben. ,Da 
Israel in der Wüste auf abgöttische Manier gekalberet, 
wollte Gott sie ausmachen in seinem grimmigen Zorn.' 
AKlinql. 1688; vgl. II. Mos. XXXII. — 6. scherzh. 
für halberen, von der Uhr Bs; s. Bd II 1171. 

Chalberen verhält sich zu chatbcn wie lammeren : lummen. 
Für BSi. wird in Bed. 2 b die Form chälberen angegeben, zum 
Unterschied von chalbren für die Bedd. 1 u. 2 a. In der übertr. 
Bed. 2 scheint, ausser in Ap, oar die Form chälberen üblich 
zu sein. Zu 2 vgl. ,kälbern, ftllbertanz* bei Gr. WB. Y 57. 

über-chalbe": refl., schwer kalben und davon 
Schaden nehmen Ndw; vgl. ü.-gitzlen. — i"-: so kal- 
ben, dass das Junge dabei tot im Leibe bleibt Ndw. 

— US-, nur in der Verbindung: ,dcn Lyb u.*, von 
Kühen , einen Gebärmuttervorfall erleiden. Z Zoll. 
Arzneib. 1710. Syn. den Ltb usfenj-gehtjen, -trucken, 
'teerchen. — ver-: 1. ein totes, bzw. unreifes Kalb 
werfen, abortieren Gr ; GA.,Sa.; U; Syn. rer-schlinggen, 



-werfen; vgl. ver-fHüden, -ferlen (Bd I- 922), -gitzlen, 
-jünglen, -lammeren. Uneig. sagt man, wenn es zu 
früh schneit: Der Winter hat verchdlberet SohwNuoL ; 
vgl. erfrieren Bd I 1313 und das syn. verschütten. 
Spöttisch von allzu ungeduldigen Menschen Gr; vgl. 
die Synn. fiiUen II, ver-gitzlen ö, -jünglen, -lammeren, 
ferner jung 2 a (Sp. 47), jungenen. Er tuet grad, ah 
ob er V. w(flt; vgl. Tsoh. 165. Von Unternehmungen: 
fehlschlagen B. Unpers. : Es ist verchalberet, das Spiel 
ist verloren. — - 2. »aufhören, ein Kalb zu seinS d. i. 
die Ungezogenheiten und närrischen Possen ablegen 
VO; „Gl; Sch; Z«; vgl ver-gumpen Bd 11 313. — 
3. tr.. Etwas durch ungeschlachtes Treiben, Unver- 
stand, Ungeschick verderben, versäumen B; VO; Th; 
Z ; Syn. ver-eslen, -bocken. Z. B. ein gerüstetes Bett 
,B; VO;« Th. 

Zit-Chalbere": Kuh, fflr welche die Zeit zum 
Kalben gekommen ist ZSth.; vgl. d' ZU üs hän Bd I 
553, ferner Zxt-Ghue. 

Chalberer Ap, Chalberi Bs — m.: 1. Schelte 
auf einen langsamen, unbehülf liehen Ap, einen rohen, 
dummen Menschen Bs. — 2. ,KalbererS Familien- 
name GSa. 

g'chalberet: schwerfallig, langsam, phlegmatisch 
Ap. Dumm F. Es muess gi [s. ^ Bd II 51] g^ch. 
zuega*. Grob SohwE. G'ch. tue". 

Chalberet m. Ndw, Chalberete f. Gr; Ndw; 
Za: 1. das Kalben, bzw. die Zeit desselben GrAv., 
Rh.; Ndw; Zg; Syn. Chalbering. E schweri Ch.; vgL 
FBrleten [zu 2^/tn, firlen Bd 1 921], Jüngleten. — 
2. Chalberete'', Flegelei, grobes, tölpelhaftes Benehmen 
Ndw; Zo. 

Chalberi, bzw. -ei f.: dummer, grober Spass B; 
GStdt; Z; tölpelhafter, einföltiger Streich, grosse 
Dummheit Th; Z. E Ch. abstelle''. 

Chalberi»g f.: = Chalberet 1 GRPr., Tschapp. 
(Nach) an der Ch. sin; syn. z* chälberen gän. Vgl. 
Lammering. 

chalberochtig B; L, chalblocht, -techt UwE.: 
ungeschlacht, unvernünftig im Betragen. ,Er sei halt 
ein Fülli und tue k., dass es kei" Gattig heig und 
man bei ihm des Lebens nicht sicher sei.* Gotth. 
,Schämen muss man sich, dass Berner so k. und un- 
gattlich getan, dass es keine Gattig hatte.* ebd. Mit 
Häufung der Schimpfww.: Chalberochtigi Chalber vo* 
Chalberfuerme* und anderi Vlschinder L (Aufruf zum 
Schutz der Zugtiere). 

Chalbete"f.: wesentlich = Chalbfdjen. 1 . träch- 
tiges Rind im 2. Jahr B; S, It Alpiha 1806, 113 auch 
LE., wogegen It Römer und Schinz 1809, 480 das W. 
daselbst in der Bed. .Kuhkalb' üblich sein soll. Ztoo 
nähige Chalbete*. Schild 1885. ,Gu8ti* gegenüberge- 
gestellt S 1812. Vgl. auch JRWyss 1822, 280. 411. 
— 2. weibliches Rind im 2. Jahr und älter, auch ab- 
gesehen von der Trächtigkeit BSchw., U. ; Syn. Zit- 
Chue. ,Vitulus grandior.* Id. B. Bringet die faissi 
Chalbete'* fire*! wird Luc. XV 23 für BBiel wieder- 
gegeben, wofür sonst feisses, g'mcst^ts Chalb, Mast- 
chdlb, Frischling. 

Was die Bildung betrifft, so vgl. das Syn. ,Kalbitze* an- 
derer MAA. Sehr wahrsch. hat das W., soweit ^s in ft. Be- 
legen vorkommt, die spec. Bed. 1. ,Dhein ander vych nstryben, 
dann küeh, kaibeten.' 1596, BThun. Neben ,MiIchkflhen' 
aufgeführt. B Mand. 1772. 



225 



Kalb, kelb, kUb, kolb, kalb 



226 



€ halb ig: 1. leicht kalbend Ndw. — 2. nachdem 
Kalbe yerlangend, von Kühen Ndw. 

chälberig: 1. (auch ehaibtrig) durch gewisse An- 
zeichen die Nähe des Kalbens yerratend Gr; dafür 
gewöhnlicher am Chalbtrt* «i". — 2. in Verbindung, 
bzw. Zss. mit Zeitadverbien, Monatsnamen, Zahlwör- 
tern den Termin, bzw. den Eintritt des Kalbens be- 
zeichnend VO; Z. FriU'Ck,, im Herbst (daher auch 
herhsi-eh,) kalbend ; Gegs. späJthch.f wenn Dies erst im 
Frühling oder Sommer erfolgt. ,Horner- oder Brach- 
monat-kälberige Rinder; Ende Jänner oder Anfangs 
Hornung k-e Kühe.* Sohw Zeitungsinserate. Mit Zahl- 
wort Terbunden zur Bezeichnung der Zahl, wie oft 
eine Kuh gekalbt hat, also des Alters VO; Z. Erst' 
(in Ndw ei*')eh,\ Syn. erstmdck; TgL ErsUUn Bd 1 472. 
Ander-, xweit-eh.; Syn. ander-meleh, ,Die besten Milch- 
kühe sind die 8-, 4- bis 6-kälbrigen.* Steifm. 1802. 
,Die Khüe söllent nit elter sein als sechskälberig.* 
1622, GrAt. Landr. 

chälberi>, chelberi- Ap; G; Th; Z, in BBe. 
ehälbseh^: kälbern. Chälber%''8, Kalbfleisch Ap; G. 
,Ein Par kälberen Weiberschueh.* Bs Taxordn. 1646. 

C halbier m.: Kälberhirte Gr; Tgl. Ch.-Brot, 
'Stedcen, — chälblere*: den Dienst eines Solchen 
versehen Gr. 

Ghilber m. BO.; Gr; GRh., T., daneben die Fem.- 
Formen ChObere^ Bs; Gl; ,LE.;- GO.; S, Chilht(r)te, 
CWbrete BS., Laupen; FS., GhiWeri GRVal, Dim. 
Ckilbri W, sonst Chüberli: 1. ein weibliches Schaf im 
Stadium der Geschlechtsreife, bes. in demjenigen der 
Trächtigkeit, also im Alter von V'—^ Jahren BO.; 
Gr; GO., Rh., T.; S; W; vgl. Stkihm. 1802, 89. Auch 
als Zss. „Chüber-Lamm," Mutterschaf Bs, spec. jun- 
ges W, säugendes Gl. Syn. mit Au GW. — 2. (bes. 
als Dim.) weibliches Lamm „BO.", S.; FS.; Gr; W. 

Ahd. kiUmrra, Lamm, mhd. kübere; vgl. auch KÜbtn bei 
Schm.-Fr. I 1239; Gr. WB. V 708/4. St setrt sich dorch 
seine Angabe: , Ghilber, junger Widder OrPr.*, die von 
Weber, ök. Lexikon, allerdings aach als schw&b. angegeben 
wird, in direkten Widerspruch mit allen nnsern Einsendern 
ans dieser Talschaft, welche aufs Bestimmteste die Bed. 1 
angeben. Ebenso wenig besitzen wir eine Bestätigung fUr 
die Angabe Ztchokkes (1797, 501): ,Der Kilbre, ein in der 
Jugend kastrierter Ochs.* Die bei Gr. WB. versuchte Unter- 
scheidung eines Masc. und eines Fem. mit Terschiedenen 
Bedd. muss daher fllr unser Gebiet aufgegeben werden. Vgl. 
das entsprechende ChalMe* beim Bindyieh. Chilberie* Ana- 
logiebildung nach ChalbtU'^, 

Gholbe" (in Aa; G; Soh; Tb; ZO. Chalpe*) m., 
PI. mit Uml.: 1. Kenle als Waffe, Streitkolben. ,Iez 
mness der den mit k. schmieren [im Gefechte zu 
Boss].* HyRütb 154(5. ,Mit seh werten und mit k., 
mich ze fahen.* 1548, Matth.; Marc; dafür 1531: 
,Stangen.' ,Jnda8 Thateas [soll haben] halbarten ald 
k.' XVL, L Bühnenr. ,Die Torwarten mussten ihre 
Hut mit dem Seitengewehr und einem starken schwei- 
zerischen K. versehen.* Bs Chr. 1779. — 2. Narren- 
kolben. ,Aber ich höre sy noch g'nucg schryen: 
Ketzer, ketzer! So mness ich nen noch bass den k. 
zeigen [folgt die Aufzählung Ton allerlei Narrenwerk].* 
1522, SmiiL. Urk. Einen solchen haben wir uns wohl 
auch unter dem ,Kolb* zu denken, den der ,gross- 
mächtige Rat* zu Zo früher durch einen seiner Be- 
amten als Insigne tragen und wohl auch als Straf- 
instrument handhaben Hess und dessen Name dann 

Sehwell. Idiotikon IXE. 



hinwieder auf den Träger dieses Narrenscepters über- 
gieng; TgL Ism-Grind Bd II 764; CK-Panntr, — 
3. technisch Ton Geräten, a) eine Art Getriebe zur 
Fortleitung der Bewegung von Maschinenrädern. allg. 
Spec. Ton dem am Mühleisen befestigten Drilling: 
,Das Stirnrad [der Mühle], welches mit 52 Zähnen 
versehen ist, greift in den K. ein; dieser hat 14 Zähne 
oder Drillingsstocke.* Z Technol. 1806. — b) mittelst 
einer Handkurbel drehbare Walze der Kaffeemühle 
mit schneidenartigen Erhebungen, entsprechend den- 
jenigen der Umwandung ZO. — c) Dim., Angelhaken 
zum Einhängen der Fenster AAZein.; Syn. Hauehen 
Bd II 069. — d) ein Werkzeug der Bader und Scherer. 
,Strictim attondere, über den K. scheeren.* Denzl. 1677. 
Bildlich: ,Die Lutheraner werden ihne (den Lützen- 
burger, für Das, was er wider Luther geredet hat) 
wol über den K. scheren.* CHi^osnROüaeu 1687. Vgl. 
.über den Kamm scheren, über den Löffel barbieren.* 
— 4. a) Lichtschnuppe Aa;. „B;** VO; Gl; GRRh.; 
GA.; Th; W; ZO., S. Syn. Golggen (Bd ü 233), OHnd 
(Bd U 763), Brand, Dieb, Zolggen, D«* Lieeht-Ch. 
abbreche*, das Licht reinigen GA.; vgl. cMben, Ein 
Kolben deutet auf Besuch (und zwar auf einen un- 
willkommenen, wenn er trübe kohlt) Z, auf einen zu 
gewärtigenden Brief Th. — b) beim Brennen von 
feuchtem Holz daran haften bleibende, noch fortglim- 
mende Kohle Ndw. — 5. Dim., mehr scherzh., unge- 
fähr >/« Schoppen haltende Branntweinflasche AALind. 
Syn. Budeli, Stifdi; vgl. auch SeMegel, Sioteen. — 
6. Teile von Pflanzen, a) Dim., äusserstes, mürbstes, 
bes. als jung oft etwas verdicktes Ende an Schossen 
und Zweigen von Kräutern und Strauch er n Ndw. — 
b) der kolbige, ähren-, walzenförmige Blüten-, bzw. 
Fruchtstand verschiedener Pflanzen, bei d — X auch 
übertr. auf die ganze Pflanze. Spec. «) Maiskolben, 
allg. Man unterscheidet hlindi (Jh., solche ohne Kör- 
ner, Ab'Ch., nicht vollkörnige, die von den übrigen 
abgesondert werden (vgl. Ab- Werch) und Ufhänk-Ch., 
die vollkörnigen, welche zsgcbunden und im Dach- 
raum an Latten zum Trocknen aufgehängt werden 
GWe.; vgl. WSenn 1871, 285/6. — ß) Samenrispe des 
(weiblichen) Hanfes Schw; vgl. Fimmei Bd I 826. — 
Y) Dim., Ähre des breiten Wegerichs, plant, maj., bes. 
wie man sie den Vögeln als Futter aufhängt SchwE. ; 
Syn. Strüssli, — Ö) auch zsgs. Mag- AaSI, Mä-Ch. 
AASchaf., Mohnkapsel Aa; Bs; „B;" YO; S; Syn. 
Schlegd-Gaggel Bd I 166, Mägi-Ghopf, BoUen, ,Biber- 
geile mit magkolben-saft.* Tierb. 1563. Die ganze 
Pflanze, Schlafmohn, pap. somn. „B;** VO. ChoHbli 
8äje*; df ChölbU blüeß*d. — t) breitblättriger Rohr- 
kolben, typha lat. Gr; GRh., T.; Syn. Bündner-Chnebel, 
Peitschen, Kanonen- Putzer, Trummen-Schlegei. S. auch 
Igel-, Tüten-Ch. — 5) Dim., Ähre des Wiesenknö- 
terichs, poL bist GWe.; Syn. Würstli. — ij) Dim., 
Ähre des schmalblättrigen Schwarzständeis, nigr. ang. 
(sat. nigrum nach L.) SchwG.; Syn. Moren-Chöpfii, 
Wätzerli; s. auch LUs-, Berg-, Bisam-, Ruess-, Schaben- 
ChÖtbli. ,Sunst flndt man vilerlei palmas Christi; das 
edel nennt man chamblüemlin und kölblin.* KdGbssn. 
1542. — 6*) Dim., Ähre der Trauben-Bisamhyacinthe, 
musc. rac. AaVüI.; Syn. Trübli; der perlblütigen Bi- 
samhyacinthe, musc. botr. Aa oBözb. — t) toilds Aa 
Wett., Emd-Chölbli AaF., Kopf der bes. im Emdgras 
(s. Amad Bd 1 213) vorkommenden Kohlkratzdistel, cirs. 
oL; Syn. Trummen-Chnebel, -Schlegel. — %) ,Gholpe^ 

15 



227 



Kalb, kelb, kilb, kolb, knlb 



228 



(PL), grosse Sommerwurz, orob. maj.* Durh. — 
X) EDänel tob Amaranthus. ,Ein kraut, trägt rosin- 
rote blüemle on g'schmack; rote kölblin; sind ancb 
Qnder dem namroen Amarantbe [bekannt].* KdGessn. 
1542; Fris. Syn. Strüss, — 7. ,Der kolb oder knöpf 
am männlichen glid, glans.* Mal. — 8. Hinterschenkel 
geschlachteter Tiere; vgl. ,Keule, Schlegel*, Stotzen. 
,Die kölblin an einer jungen tauben, Ton einer hennen.* 
VoGELB. — 9. Butzen eines (Carbunkel-) Geschwürs, 
bzw. dieses selbst. ,Eolben usw. und andere des leibs 
geschwär.* Tiebb. 1563. ,Wann der Carbunculus durch 
die grosse Hitz sich ertröcknet, so erstirbt das um- 
liegende Fleisch und degeneriert in ein schwarze Ma- 
teri, darvon er Anthrax oder K. geheissen wird.* 
JZiEGLER 1647. S. noch das syn. Aug 3 (Bd I 132). 

— 10. Cholb, Ochse, der erst im Alter von einem 
oder mehreren Jahren kastriert wird Gl; Syn. Brand- 
Heüer, Tubel, Munni- Stier; vgl. dagegen Milch-Heiler, 
Heil-Stier, ,Man soll keinen mfinch, dessglychen khein 
mfilchkue und kolbstier uf hin [auf die Weide] tuen.* 
1579, LKriens Regl. ,E8 sollen äussert Lands kein 
Mastvieh noch Kolben, auch keine Ealbstieren ge- 
fertiget werden.* 1787, Steikm. — 11. Chdlpli, Tann- 
roeise, parus ater GA. Kohlmeise, p. major, ebd. — 
12. Schelte auf ein unreinliches Mädchen L. — 13. Fa- 
milienname L; G; TufKolpJ, früherauch B; Gl; Z; 
vgl. auch die Flurnamen .Kolbenhof Z, ,Kolbenrüti* 
G, ,Kolbi* B. 

Mhd. koihe in Bed. 1 and 2, ferner auch von Pflanzen- 
teilen; Tgl. louehkolhe. Die Nbf. mitjp anch anderw&rts; vgl. 
Gr. WB. V 1602. 1621/2. Betr. die einsilbige Nbf. vgl. 
Anm. zu Graben Bd II 680. 10 scheint sich &af die ge- 
drungene, kurze Gestalt solcher Tiere zu beziehen; ygl. das 
syn. Tubd, eig. Pflock, Schlegd, Name einer Kuh mit einem 
,Stiergrinde* und dicken, kurzen Beinen, ferner Muckd, Zucht- 
stior, aber auch: kurzer, dicker Mensch; vgl. auch bair. 
kolpet, Schm.-Fr. I 1241. Yiell. jedoch soll das Tier als das 
bösartige, störrische bezeichnet werden; vgl. kolhen, ffomi 
(Bd II 1627) und Chiber. Ygl. auch noch ,Kolpen*, grober, 
ungeschlachter Gesell, bei Gr. WB. V 1622. Zu 11. Pas 
Vögelein scheint seinen Namen ebf. der kurzen, gedrungenen 
Gestalt zu verdanken ; dagegen kann der Name ,Kolbenmeise' 
bei Gr. WB. Y 1610 nicht zur Yergleichung herangezogen 
werden, da Yogelb. 179' ,Kobelmeise' zu lesen ist. 

Igel-Cholbe»: 1. = Cholben 6 b b GRh. — 
2. ,I.-Kolb', Stechapfel, dat. stram.' Hegetsoh. — 
Fall-: kleiner Kolben im Beutelwerk der Mühle, 
welcher einerseits mit dem hölzernen Arm, der wech- 
selsweise auf die am Drilling des Mühleisens be- 
festigten Nägel fallt, anderseits mit der «Beutelzunge* 
in Verbindung steht. Z Technol. 1806; dafür: ,Beutel- 
kolben.* XVIII., ebd. — Hammer-: Lötkolben von 
hammerähnlicher Form, techn. Ausdr. der Klempner. 

— Lu8-Chb\h\i: =i Cholben 6 b 71 Sohw; dafür auch 
Bis^m-Chölbli, ebd. Wird von den Bauern des scharfen 
bisam- oder vanille-ähnlichen Geruchs wegen benutzt, 
um Läuse oder Kleidermotten (s. Schaben-Chölbli) fern 
zu halten; Syn. Vanille-Blikemli; vgl. Usteri I 268. — 
Narre^-Cholbe": ästiger Igelkolben, -Kopf, sparg. 
ram. G uRh.; vgl. Cholben 2. 



Berg-Chölbli: == ChöWen 6 b r^ GWe. 
dem Standort benannt 



Nach 



Brenn-Cholbe": eisernes Werkzeug bes. der 
Böttcher; in konischer, zugespitzter Form dient es 
zum Ausbrennen von Löchern, z.B. in Fässern; eine 



andere Form dient zum Einbrennen von Zeichen und 
Buchstaben, techn. Ausdruck. 

Buess- (Bü8- SoHwE., Ib., Ma., Büae*- ScuwMa.) 
Chölbli: =» Chdfben 6 b r\. 

Die Form Rwu- wird gestützt durch die Synn. MöHi 
[BCohr], Bränd(€r)lh Rueudi, welche die Pflanze alle ihren 
schwarzroten oder -braunen Ähren verdankt. Eüt(en)- wird 
daher entw. Contamination ans Lüm- und Rue»9- oder An- 
lehnung an Rü*t, Bach-, Talschlucht, sein, indem man sich 
im letztern Falle durch die Beobachtung leiten Hess, dass 
die Pflanze, wie die andern Orchideen, im Allg. geschützte, 
etwas feuchte Standorte vorzieht. Der Name hat in Schw 
auch sonst Ausdeutungen erfahren; vgl. Strüw-Chälblu Aus 
KGessners und Wagners Namensform ,Ru8sk0lbli* l&sst sich 
kein sicherer Schluss ziehen, obschon der Zshaog bei Letz- 
term fOr unsere Annahme zu sprechen scheint: «Brendle, 
a colore ex pnrpura nigro, tanquam adnsto, RusskOlbli.* 
Wagner 1680, 282. 

Schabe»-: l.=Irii«-C%o»KGWe.; Syn, Sdi.-Chrm, 
-Nägeliy -BlOemli. = 2. faischee [d. h. unechtes] Seh,, 
gem. Wiesenknopf, sanguis. off. GWe., wofür auch 
8chahe*-Biet-Choll)li, ebd., nach dem Standort auf 
feuchten Wiesen. — Anderw&rts auch .WiesenkOlblein*. 

Spitz-Cholbe": in eine Spitze auslaufender Löt- 
kolben, techn. Ausdruck der Klempner. — Strüss- 
C h ö 1 b 1 i: = Lüs-Chölbli ScHwIb. ; vgl. Anm. zu Buess- 
Cholbli. — Tube"-: perlblütige Bisamhyacinthe, musc. 
botr. AiRin.; vgl. T,-Chröpfli, T,-Chopf; Cholben 6 b^, 
— Distel-Cholbe": Distelkopf. ,Von der haber- 
zins wegen: Dass [man] keinen d. davon wannen 
[durch Schwingen entfernen] soll.* TuWellh. Offn. 

Tuten-, Duten-: l. = ChMen 6 b : ,Lanugo, 
tütenkolb.* Ebinger 1438. ,Die wullen von d.' Vooxlb. 
1557. ,Paniculi, langlScht rund kölble, wie duten- 
kolben oder zäpfle. D., mosskolben, typha.* Fris.; 
Mal. ,Dcr Graben war voller D.-kolben, stinkend 
verlegen Wasser.* JLCts. 1661. --2. Flurname LSemp. 
Schon ahd. : tutüchoUbo, tirsns; vgl. ,Deutelkolbe' bei Gr. 
WB. II 1038, ferner AI. VII 189; tuteUMbe bei Lex. II 1592. 

G*wind-: Drechslerwerkzeug, das zum Ausbohren 
des Gewindes einer Schraubenmutter dient Aa; vgl. 
Wind-lsen Bd I 546. 

cholbe» (in GA. cholpe^): 1. beim Brennen einen 
, Kolben' (s. d. 4 a u. b) ansetzen, a) von Lichtern YO ; 
Gl; GA. Wenn 's Liecht cholpet, chunnt *s cho* schn%e* 
GA. (Volksglaube). — b) auch ver-ch., langsam ver- 
kohlen, dampfend glimmen, von Brennmaterial BG.; 
VO ; Syn. cholen. — 2. das Haar stutzen ; vgl. ChMen 3 d 
und ,kolben* bei Gr. WB. ,Wil man mir mein lang Hör, 
das ich, wie dömolen der Bruch war, von Jugend üf 
druog, verweis, Hess ich ddzemol zum Ersten mir k.' 
FPlatt. 1612. ,A. 1503 ist erstmals zu Augspurg auf- 
kommen, das Haar auf dem Haupt kurz abzuscheren, 
zu k.* FHaffner 1666. — 3. grollen, schmollen BHa.; 
Syn. Schalken, 

Zu 3 vgl. Cholben 10, en Stitren-Grind machen; ferner 
auch en Chopf machen, chop/en. 

(ab-)chölble"; die Chölbli (s. Cholben 6 a) ab- 
nehmen, -fressen, wie bes. Schafe und Ziegen gern 
tun Ndw. 



229 



Kaleh, keleh, klleh, kolch, kulch 



230 



Kalch — kulch. 

Clialch, in ThHw. Chalich — m. (in S; Z n.): 

1. Kalk. allg. Tr<r--me» A;et" Ca. (Pflaster) hat, (sej 
mues'-me'* mit Lei"* (Dreek) mure* G; Z; auch bei 
FWüRz 1634, 127. ,Ze dem kalche*, Flurname. LMünst. 
Stiftsarch.; vgl. Chakh-Hus, -Darren. Auch sonst 
häufig in Orts- und Flurnamen, wohl meist die Er- 
innerung an einstige EalkÖfen fortpflanzend; z. B. 
,Kalch-Acker* B, ,-Büel* Z, r^gg" Z, ,-Mad* B, ,-Matf 
B, ,-Stetten* B, ,-Wis* Z, -Rain (gespr. Chal^chrr^*) 
Th ; vgl. noch Chailcheren, — 2. uneig., Geld GSa. Ja, 
wenn t** Ch. hätt! formelhaft; vgl. Hknnb 1824, 72. 

Mhd. kale m. ; das Neatr. in uDBern MAA. und schon 
Kriegfsb. 1644 nach Analogie von Pflaster oder Sand. Die 
Form mit eh im Ans]., welches alem. fast dorchweg nach 
I und r eintritt, flbrig^ns in diesem Falle auf regelrechter 
Lautverschiebung beruht, ist auch in nnsern &. Quellen bftufig; 
z. B. bei OWerdm. 1562 (dafttr in der deutschen Ausgabe 
von 1588 ,Ka]k'); JJNflscheler 1608; Bs Taxordn. 1646; 
HPest 1790. 

Leber-: aus sogen. .Lebersteinen* gebrannter 
Kalk. ,Pflaster aus bestem L.' JBWasbr 1829. Vgl. 
L,-Flueh Bd l nSQ, — Lor- ApHeid., Rör- Z: Ent- 
Stellungen aus «Chlorkalk*. 

chalche": 1. mit Kalk zu tun haben, allg. Spec. 
mit Kalk überziehen, tfinchen Aa; Bs; Z. Ö^chakkeis 
Zug, mit Kalk gesteifter Stoff Z. Uneig., schmieren 
Aa; Bb. Daher Chalchi m., wer wie ein Weissler 
Alles bespritzt und beschmutzt. — 2. hart arbeiten 
und dabei sparsam sein B; syn. jaggeren, raggeren. 
Mir Ändere hei* 's nit so (bummlig; da eheu-mer 
[können wir] eh. und eh., dass es dem Tüsig drob 
grüset, bis men öppis e* chlei* zämme* g^stdU hat. 
B Taschenb. 

a"-: mit Kalk besudeln; auch im moral. S. Bs; 
Syn. an-mcUen. — ver-: 1. ebenso Aa; Bs. — 2. Etw. 
verderben B. 8o ! iezt solle* mir eueche*, wo *s Änderi 
verchalchet hei*. 

Chalcher m.: Kalkbrenner FO. 

Chalchere**: nur noch als Flur- und Ortsname, 
eig. aber der Ort, wo Kalk reichlich gefunden und 
auch gebrannt wird B; vgl. Anm. zu Kalch-Hus. 
,Ager, Situs zer kalcherren.* XIV., LBerom. Urb. I*^ 
der Chaüere* LGunzw.; = ,in der kalcherrun.* 1323, 
Gfd. — Über die Abl.-£nd. vgl. Anm. zu Haderien). 

Cheleh m.: 1. wie nhd., doch wenig üblich. — 

2. Hausmarke, von der Form der lat Ziffer X Gr 
ObS.; vgl. B. IV, TafeL - Mhd. kd(i)eh, in Bed. 1. 

Tummel-: Taumelkelch. ,Der D. seines Zornes.' 
JJÜLR. 1733. 

kelchen: einen Kropf bekommen. ,Den schaaffen 
wachsend auch kröpf; von solchen sagt man, sy kel- 
chend.' Tierb. 1563. — Abi. von mhd. kdeh, Unterkinn, 
Struma; vgl. Gr. WB. V 504 und Chücken II. 

Chilche» I Aa; BsL.; B; F; Gl; Gb; PP.; GO., Rh., 
Sa., T.; Sch; S; TB.; Th; Ndw; W; ZWL, Chilfche* 
Aa; Ap (neben Chäkha*, Chierdia*); GT.; Th, ChUe* 
Aa; Bs; ß; F; VO; GA.; S NA.; Z, Chirche* Ap (auch 
Chir^che*); BsStdt; GROhur, He.; GBern., Stdt; Sch; 
uTn; W — f., Dim. Chilchli (in GRGlar. Chilchji, in 
GrAv. Chilhdti), Chileli, Chirchli: 1. Kirche, als 
Gotteshaus, allg. ,Die gross Kirch* wurde im XVIII. ' 



das B Münster genannt. Hölzerne Kirchen gab es 
noch im XV. (vgl. Gfd XVn 268. XVIII 91) und eine 
solche besteht noch heute auf GaMutta. Die RAA. 
beziehen sich bes. auf die Lage mitten in den Ort- 
schaften, auf Grösse und Einrichtung, sowie dann bes. 
auf die Bestimmung derselben. Me* muess luege* 
(maehe"*), dass d' Ch. (^ mitzt) im Dorf hlibt, dass 
die Ordnung nicht gestört werde. Mer wei [wollen] 
eim^l Ei^'s wage*, vo* desstwige* blibt di** d* Ch. no*** 
glich im Dorf BB. Er hat mer e grössi IUchni*g 
gemacht, i"^ zalen aber glich, d€tss d? Ch. e* mitzt im 
Dorf blibt BBurgd. , Weise Bäuerinnen müssen den- 
ken und sorgen, was alle Tage kochen, damit die 
Kirche mitten im Dorfe bleibe, d. h. das Gesinde ihr 
nicht davon laufe, sie aber [doch] sich nicht selbst 
arm koche.' Gotth. Mit der Ch. um 's Dorf umme* 
gä*, unnütze Vorkehrungen treffen, weit ausholen, bis 
man zur Hauptsache kommt, allg. ,Sellige [solch 
kraftige Mädchen] findt man nicht d*s Land auf, d*s 
Land ab; mi [man] chönnt uf die vier [Mädchen] e 
Ch. abstellen, sie hätten 's [sie hielten Stand].' Gotth. 
Doch meist von moralischer Zuverlässigkeit, in der 
BA. : Me* chönnt (dörft) e Ch. uf en boue*. Chüm in 
ere Chilen ine'' Platz ha*, z. B. von einer grossen 
Volksmenge ZO. Man tut den Wunsch, man möchte 
sechsmalhunderttüsig Dotzert Bettzieche* [BettanzÜge] 
voll Chrone*taler und e Ch. voU Münz, dass me* nüd 
grad wechsle* müesst Gl; Z. So stiü, süber, wie in- 
ere* Ch. inne* Sch; Th; Z. *s ist i* dire* Stube* wie 
im^ene* Chüchli. E Chuchi unc'n-e Ch,, so hell, rein 
gehalten, geräumig Z. Wenn in einer Gesellschaft 
völlige Stille eintritt, wird sie von einem Anwesenden 
etwa durch den Reimspruch unterbrochen: Stiüe, d' 
Chatze* (Pfaffe*/ gönd i* d* Ch, Z. Der Mesmer tuet 
[benimmt sich], wie wenn d' Ch. si* war TnBerg. Tod 
und W>ig ga* N. i* d' Ch, g'höre*, dorthin kirchge- 
nössig sein Aa; Z. Woher ist das Chueli? Antw.: 
Es ist vo* Segrebe*; es gehört ge* Wetzike* i* d* Ch, 
Z Kai. 1804 (S. ist eine Ausgemeinde von W.). Von 
einem säumigen Kirchgänger, aber um so bessern 
Trinker spottet man : Er lueget *s Wirtshüs für e Ch, 
a*, oder dieses selbst heisst: die Ch., wo-me* mit Gla- 
sere* z'sämme*-, i*'lüt't. allg. Wie nöcher bi (ie b^erj 
der Ch., wie (ie) später dr%* (darzuej L; W. Nid 
emöl under 's Portal, verschwige* denn i* d* Ch, chö*, 
seinen Zweck nicht von ferne erreichen GBcrn. 1* 
d* Ch. likt^. allg., in GA. spec. vom ersten Glocken- 
geläute als Einladung zum Gottesdienst; Syn. 's erst 
Zeiche* me*, I* d' Ch., ^ Ch, gä*. allg. Wlt ä' Ch. 
ha; einen weiten Weg zur Kirche haben. ,Der Vater 
war z* Ch.S zur K. gegangen. Gotth. ,Z* Kilchen gän.' 
ScBiMPFR. 1651. ,Ich will gen Altishofen z* Kihlen.* 
1733, L Spiel. Von einem vergeblichen Gang sagt 
man : Mer sind vergebe* z' Ch, fnäret Z ; vgl. Metzger- 
Gang. Es hed's 'tröffe*, "^ass di zwe Nöchbere* mit 
enand hei** vo* Ch. sind, L Hauskai. Auf die Frage 
nach dem Befinden : Göd 's guet ? erhält man etwa die 
scherzh. Antw. : 's göd wie hei** vo* Ch., wo man näm- 
lich froh ist, wieder im Freien zu sein L. Mit schein- 
barer Flexion ScHwBr., z. B. : D's Müeti het hüt vo* 
Chile*s hei*" 'brockt [die Kunde gebracht] . . . Vgl. auch 2, 
ferner von Chindwesens uf, Z' Chinds z' Ch. gä*, von 
Wöchnerinnen, nach der Niederkunft den ersten Kirch- 
gang (gleichsam als Dank- und Bittopfer) tun BBe.; 
GrD., wo es im Hochzeitskleide geschieht; Syn. us 



231 



Kalch, kelch. kildi, kolch, kalch 



282 



der Chindbetti z* Chüche^, z' Predig gä*; Tgl. das Us- 
segnen im katholischen Bitns. Auch subst., das Chinds 
f^ Ch, gä\ ,Wenn ein fran eines Glichen kinds ze 
kilcben gat, es sy in der pfarr [-kilchen] oder in der 
kappellen, gehört einem pfarrer 4 p.* XYL, GrD. 
Pfarrordn. (Mit M'fn) z' Gh. lade^, säge», Enr Teil- 
nahme an seinem Leichenbegangniss einladen Aa; Z. 
Mit E%**m z* Ch. gä*, chö*y ihn zn Grabe geleiten B; 
VO; G (in W. zer Ch,)\ Z. P* wott [will] au^'^ mit-em 
^ Ch,; bi* mit-em z* Ch. (g'tü*). Es lütH mit-em z* Ch., 
me» lütft-em z* Ch. Eine» z' Ch. tue", trägem, beerdigen 
Aa; B; VO; G; Z. Wo s' «• z* Ch. to» händ, Un t«* 
au'^ mit a" d' Lieh. ,Die die lych zuo kilchen trüe- 
gent* ä. Z Jahrb. »Officia suprema, bestatten oder ze 
kirchen tragen.' Fris. ; Mal. S. noch biten. Die Kirche 
in Glaube und Brauch. In der Ejrche kann man 
unter gewissen Bedingungen die anwesenden Hexen 
erkennen Ap; Z; s. Kli. ,£s soll ein priester all 
mentag nach der m6ss mit dem wychwasser und mit 
dem wyerouch um die kilchen gon [um alles Unreine 
Ton ihr fern zu halten].* USeel. Eirchenordn. An 
dieser h. Stätte begraben werden zu können, galt als 
ein bes. Glück, und so setzte noch die Bs Taxordn. 
Ton 1646 eine bes. Gebühr an den Totengräber fest 
,von einer Person, wann sie under einen Stein oder 
in der Kirchen begraben wird.* ,Je näher der Kirche 
man begraben werde, desto sicherer sei man yor den 
bösen Erdgeistern, und da ungetaufte Kinder nicht 
durch die Taufe vor ihnen geschützt würden, so tue 
man sie an die Kirche, um durch die K. selbst be- 
schützt zu werden. Dann tue man sie ins Dachtrauf, 
damit sie noch hier getauft würden.* Gotth. VI 169. 
Die K. im Bechtsbrauch : An ihren Türen wurde 
früher an vielen Orten Gericht gehalten ; s. rot. Amt- 
liche und richterliche Erlasse erhielten den notwen- 
digen Charakter der Öffentlichkeit und Rechtskraft 
durch Bekanntmachung in der Kirche. ,So einer eim 
anderen all sein guet einsetzt, der soll in der k. ver- 
rüeft werden, wie von alter her, oder es hat nit kraft.' 
ScHwE. Klosterarch. ,[In Konkursfällen] vorkündt 
man's in der k. zue verkoufen [den sogen. Gantruf].* 
1513, Z. ,[Der Batsbeschluss] ist in der k. verköndt.* 
1525, G Batsb. ,Wenn ein uffall kommt, soll mit 
recht erkennt werden, dass man in 3 kilchen solle 
verkünden: ob jemands in des N. guet zue sprechen 
habe, der mög es zum nächsten gericht tuen.* 1538, 
ZKn. Amtsr. ,Wann ein markt [Kauf] um ligende 
güeter beschicht, so soll es ein richter in der k. ver- 
künden.* 1597, LMalt. Amtsr.; vgl. auch Seq., BG. II 67 
und 8. noch Lut-Ch., verkünden, Kanzel, Chilchen-Rnef. 
Durch Anschläge an den Kirchentüren macht FPlatt. 
den Wiederbeginn seiner Vorlesungen bekannt. ,Zu 
K. und Strassen, Markt gehen*, sich öffentlich, gleichs. 
vor Gott und Menschen sehen lassen. Der Bruder 
soll die 3 Töchter kleiden ,ze k. und ze Strassen [dass 
sie sich dort sehen lassen dürfen].* 1569, Esterm., 
Bick. So lange man die Kraft hatte, sich an die ge- 
nannten Orte zu begeben, galt man als handlungs- 
fähig und daher in gewissen Fällen für die hieraus 
entstehenden Folgen persönlich verantwortlich : ,Wann 
Jemands einen Anderen verwundet, und der Gesehrte 
nach der Wundtat mutwilligklich zu K. oder zu Märit, 
zu Wasser oder zu Wyn gat, ob schon dann der Ver- 
wundt mit Tod abgat, so soll doch Der, so ihn ver- 
letzt hat, nit für ein Todschleger gerichtet werden.' 



B Gerichtssatz. 1615. ,Mit einander zu K. und Strassen 
gehen*, öffentlich und rechtlich sich als zsgehörig aus- 
weisen, a) von Verlobten, der Verbindung durch die 
kirchliche Trauung die erforderliche Sanction geben 
lassen. ,Wann Slüt zuo der h. d zuosammen kommen 
und mit einandern öffentlich zuo k. und Strassen gant, 
so mag die frau die versprochene morgengab mit ir 
eigenen band behalten.* 1490, LBotenb. Amtsr.; vgl. 
L Stadtr. 1765, B 2 a. ,Unser Herr Christus hat von 
einer wellen erboren werden, die einem ßrlichen mann 
vermächlet, aber noch nit, wie wir sagend, mit im 
zuo kirchen und strass 'gangen was.* LLav. 1582. 
Doch auch schon in der ä. Lit. ohne die formelhafte 
Verbindung mit ,Strass*. ,Das8 alle priester ire kel- 
lerin zur Ö nömmen söUtind und mit einandren zue 
kilchen gan.* Edlib. ,Am 29. Jan. 1525 gieng myn 
Schwester z* k. mit mym schwager.* Salat. So noch 
in der lebenden MA.: Mit Einer f^ Ch, ga% EwU 
^ Ch. füiere» B; Gr. ,Ha8t du nicht gesagt, dass du, 
wenn du Eine z' K. führen wollest, mich z' K. führen 
wollest?* Gotth. Dumuesst [die gewünschten Alpen- 
rosen] ha», we^* du tdtt mü mer z* Ch. ga». Schwzd. 
Vgl. noch zesammen-geben Bd II 93. — b) in Bestim- 
mungen betr. Erbberechtigung von Inländern, landes- 
anwesenden Genossen im Gegs. zu den landesabwesen- 
den. Fremden. ,Wenn erbe in unserm land fallent 
und sy das füerent jar und tag unansprächig vor eim 
oder einer, die in unserm land gesessen sind und by 
im ze k. und ze Strasse gand und zu markt, und vor 
eim oder einer, die usserent dem land sind, drü jar, 
der oder die sond denn das guet niessen ungesümt* 
a. Gl LB.; vgl. Sohw Bq. 364 und Bluher, KG. I 437. 
,Weg ze K. und Strassen*, die notwendigsten Ver- 
bindungswege mit dem Gotteshaus und der übrigen 
Welt; vgl. Brut' und Bär- Weg. ,Wer in unserem 
land nu forthin hüser buwen will an den enden, da 
er nit weg hat, noch vormals kein weg 'gangen ist, 
ze k., ze strass und zuo wasser, da soll man einem 
ein fuessweg geben zu kaufen.' a.GL LB.; vgl. Blumbr, 
BG. I 447. Die Kirche als geheiligter Ort galt als 
Freistatt; vgl. FrthHt Bd I 1265/6. ,Al8 N. N. einen 
lyblos 'tan hat und in die k. entwichen.* 1485, Seo., BG. 
Hierauf bezieht sich wohl auch die Stelle: ,Dass ein 
todschleger um d' k. gat, der pfaff under der türen 
stat und mit der rueten [dem Weihwedel] d' flöch jagt: 
das heisst die armen sSlen 'klagt.* ÜEckst. S. noch 
Chilch-Hof Bd II 1028. Daher noch in der lebenden 
MA. die RA. so sieher wie in ere Ch. vnne» Soh; Th; Z. 
Auf die Heiligkeit der K. bezieht sich wohl auch die 
Stelle: ,Wir sind überein 'kommen : Sw6r den andern 
ze Zürich vor dekeiner k. will bitten ane des rates 
urlob, dass der V ß ze buesse git.' XIV., Z Batserk. 
(Beitr. Lauff.). — 2. Gottesdienst Ap; VO; G; Th; Z. 
Vor, under, nach (der) Ch. (in Schw; Zg Childs, ohne 
Art.). Bi ganz Ch. üs stä», v^iihrend der ganzen 
Dauer des Gottesdienstes Th; Z. jy Ch. ist üs [be- 
endigt]. Si händ d' Ch. »" der Kappde"* g'ha», S. noch 
Orgien Bd I 448. — 3. Kirchen- und Armengut, bzw. 
dessen Verwaltung Gl; Z. Vo» der Ch. ha*, almosen- 
genössig sein; vgl. vo» der (Pmemd, Spend, vom SttU- 
stand. 8o mager si», wie we'^'^-me" vo» der Ch. hett. 
Me» hat Nut vo» der Ch. wöüen esse». Stutz. Der 
Ch. zuechö», a» d' Ch. chö», der Gemeinde zur Last 
fallen. — 4. Kirchengemeinschaft, im engern und wei- 
tern S. allg. ,Darum heisst ein yede kilchhöre ein 



283 



Ealch, kelch, kileh, kolch, knlch 



234 



kilch, d. i. die gemeind, die Tersammlang.' Zwixau. 
,Alle, 80 in dem houpt [Jesus Christns] lebend, sind 
glider und kinder Gottes und das ist die kilch oder 
gemeinsame der heiligen, ecclesia catholica.* obd. ,Der 
Schulmeister ist in der Underrichtnng der Jugent 
sumselig g'sjn und hat der wachsenden E. [der Meh- 
rung, Förderung der K.] kein Rechnung g*han.* 1625, 
Z Staatsarch. — 5. nach Art einer Gewehrpyramide 
geordnete Gruppe oder Aufstellung Ton zu trocknenden 
Garben yon Maisstroh oder Hanfstengeln (Hanf-Ch.) 
GRh. Oarbe^ zu^n-tre^ Ch, reise* [ordnen]. — 6. Name 
von Bergen, nach der Gestalt benannt ,Evrchlein', 
Felsblock, welcher auf einer Alp in B oSL yereinzelt 
sich erhebt wie ein Eirchturm. Alpenr. 1819, 354 f. 
Vgl.: ,Kilchberg, ein hoher, wilder, einem Eirchentach 
gleichender Berg in SchwMuo.; ein rauher, stotziger 
Berg an der Aaren im BD.* Leu, Lex. Sonst ist 
,Eilchberg* ein häufiger Name Ton Ortschaften, deren 
Eirche auf einem Berge steht. Im Chik'apitz, Name 
eines felsigen Abhangs ZTurb.; Chüchli9pitz, Berg- 
name Gb. VgL noch Boss-Ch, und: ,Eircher^ Berg- 
name UUrs. (Leu, Lex.). — 7. Rausch. Z Eal. 1804. 

Mhd. kirche, Nbf. küeke; I fQr r in unserni W. ist spec. 
al. Eigentttmlichkeit; vgl. ABirl. 1890, 859/60. So wird 
,Kilchen' (OWerdm. 1552) ia der Herborner Ausgabe (1588) 
durch ,Kirclien* ersetit. Unsere litt. Quellen bieten von 
der afad. Periode berab bis an die Schwelle der Gegenwart 
fUr die {-Formen reichliche Belege, obgleich Tom XYI. an 
solche mit r immer h&uflger werden. Sie kommen eine Zeit 
lang neben einander vor, sogar bei dem selben Schriftsteller. 
Bemerkenswert ist auch die einsilbige Form : ,Ki]ch.* HBull. 
1530; RCys.; Z Lit 1644. Wie weit in der lebenden MA. 
r urspr. gewesen, bzw. wie weit es erst in der neuem Zeit 
{ verdrängt habe, l&sst sich natflrlich nicht mehr entscheiden ; 
in Seh schrieb Rfieger 1606 noch durchgehend I (, Küche, 
Kilchhof, Kilchhofer, Waldkilch*), das dort heute so zo sagen 
g&nzlich Terdr&ngt ist durch das nhd. r. Bemerkenswert ist 
das Verhalten des W. in den Orts- und Familiennamen. 
W&hrend die ältesten Urkunden beinahe fiberall l zeigen, er- 
scheinen in späterer Zeit auch immer häufiger Ortsnamen 
mit r. Auch in die MA. hat sich r eingedrängt und zwar 
auch an Orten, wo die Volksspr. in der appellatiTen Bed. 
des W. sonst nur { kennt; so in Chirchbüd ZStäfa (so auch 
bei Leu, Lex.), wogegen CktW^-BoXäe^ -Hain (ZO.) der da- 
selbst allgemein Üblichen Wortform entsprechen. HerTor- 
gehoben werden mOgen aus sprachlichen Grttnden noch fol- 
gende Orts- o. Familiennamen : Chirehberg Aa (neben Chüekb.) ; 
BoAa. {ges^T. Chipperg, urkundlich: ,Kirberch, Chilperch'), 
Cküehberg Es (neben Chtlberg); 6 (urkundlich: ,Kilchberg.' 
a. 1222); Z, Cküperg BBOchst. ; Th, Chilpd L (urkundlich: 
,Chilchbflel'); GGomm., Chüterf, ,Kilchdorf B; vgl. betr. den 
Abfall der Spirans Anm. zu Ckü(eh)kofen, ferner C!Kü(ek)- 
fföri, 'Wich, 'Weg und den Ortsnamen CkiUpd (schon 1490, 
AaB. Urb.) = ,Kilchspil' AaLengg. ,Chilichbol [= Bfigel].' 
1178/97, UwE. ,N. N. de Ussenkilichun.' 1092, Seh (Bfleger), 
neben: .Bnssinkirchun.' 1080/92, ebd. ,N. N., cognomine 
▼or Eilchon.* 1260, S Wochenbl. ,H. Hinderkilch.' 1405, 
Wegelin. «Bänsli zer Küchen/ 1423/52, Gfd, aus LTriengen, 
an welchem Orte nm die selbe Zeit auch der Name ,Kilch- 
mann* bezeugt ist. Chüchmatter. ,Von Kilch(en)' Aa; Bs; 
B; L; S, neben: ,Zur Kirchen' W. Betr. ChO^ : CkUcJu^ 
Tgl. mtle* : mäche* ; die Form kommt fibrigens schon 1499, 
S Wochenbl. (,Kil6n'); Ringgli 1730 (,KUlen') vor. ChücK^ 
wird gegenfiber Chile* als Teraltete Form (AaFri.; Ndw), 
dagegen in B It Zyro als die feinere, gegenüber dem bäu- 
rischen Chüe*, bezeichnet. Auch Gotth. schwankt zwischen 
beiden Wortformen. Childi und ChächU werden unterschieden, 
indem Letzteres eine etwas grossere Baute von kunstvollerer 
Ausffihrung bezeichnet L (Lüt). In Chäeche* und Chireche* ist 
Secundär-Voc. zw. Liquida und eh eingetreten. Aus einigen 



dieser Eigennamen, zu denen Tor Allem auch Chereae (aus 
,Kirchinie.' 1230, Z Urk., sonst auch ,Kirichze') sich geaeUt, 
und ans gewissen Terdunkelten Zasen wie Chirbig [Kirch- 
weih] neben dem fast durchgehenden Chilbi scheint geschlossen 
werden zu mfissen, dass es eine Zeit gegeben habe, wo die 
Volksspr. noch unschlfissig zw. r und l schwankte. Falls 
unser W. als 1. Teil von Zss. erscheint, wird bald nur der 
Wortstamm, also die einsilbige Form Chüeh-, Ckü-, bzw. 
Chirck-, bald das W. in Toller Form Ter wendet; so Chüeh- 
Stege*, -Stette*, neben Chaehe*'Feld, -Graben, -Weg Seh. Be- 
merkenswert ist, dass z. T. auch an Orten, wo sonst die 
Spirans Tersch wunden ist, dieselbe als Ausl. in Zss. wieder 
erscheint, so in Z (s. B. Chäch-Oang, -Hof). Die nur in Ver- 
bindung mit Präp. auftretende Form Chile*» ist Tersteinerter 
Gen., wahrscheinlich zuerst in der Verbindung mit under 
(Tgl. u.-de99eH u. A. Bd I 825) und dann auch mit andern 
Präp. angewendet worden, wie wir auch heute noch vor Tage, 
Nachte sagen, nach Analogie Ton under Tage. Die Kirchen 
erhielten ihre Namen t. nach den Schutzheiligen, denen sie 
geweiht waren (z. B. ,Gallenkirch*), t. nach den Klöstern, 
zu denen sie gehörten, t. nach den nrsprflnglichen Stiftern 
(z. B. ,£nziskilch.' 1829, Z Urk., später ,Isisküch\ ,Iser- 
küchlein'; ,Ratpo]tskilch' ZWetz.), t auch nach äussern 
Merkmalen, z. B. ,die weisse, alte Kirche* B, oder nach dem 
Standort, z. B. ,Waldkilch\ — Bed. 7 wfirde (wenn es nicht 
bloss auf einem indiTidnellen Einfall beruht) sich besser aus 
Chüchen II ergeben, wenn man sich Aber die Ungleichheit 
des gramm. Gesohl. hinwegsetzen will, und wenn das W. 
und zwar in der Bed. ,Kropf (welches W. allerdings ebf. 
den Bausch bedeutet) der Z MA. bekannt wäre. 

Oh-Chilche": Flurname für einen ,oberhalb* der 
Eirche gelegenen Ort. Haus und Hofstatt, ,genannt 
ze obkilchen.* 1431, Sm., RG. Vgl. die Häuser- und 
Ortsnamen: ,Bei, ob, unter der E.' B; Z, ferner ob 
Bd I 48. — Ober-: 1. Empore ü; Syn. Vor-, Bor-Ch., 
Lettner, ,A. 1755 hat man die Eirchen [zu ÜAtt.] 
lassen Terlängeren und in selb neuem Zusatz ein Ober- 
kirch gemacht.' Z Anz. 1884. -- 2. Name yon Pfarr- 
dörfern L; S; Th; einer Ortschaft, wahrsch. i. S. v. 
Oh-Ch. 6. — Ümmis-: Mittagsgottesdienst ScnSt 
S. Imhise Bd I 236. — Feld-: auf freiem Felde ste- 
hende E. Die Gesandten von F beklagen sich 1537, 
dass 6 2 Eirchen, die hinter Grandson und Orbe lagen, 
habe abbrechen lassen. Die Yon B antworten, es 
seien dies nur F-n gewesen, in denen etwa das Vieh 
seinen Aufenthalt gehabt. Absch. 

Vor-: = Ober-Ch, 1 Aa; Schw; S. 
£ig. der in das Schilf der Kirche Torspringendo Teil 
derselben; Tgl. das Syn. V.-Tüi, ferner V.- Lauben. 

Heide*-: Heidentempel, heidnische Opferstatte; 
in Volkssagen. ,H.-ChilchliS Name eines Felsblockes 
mit allerlei Einschnitten und Vertiefungen, auf dem 
,H.-Platz* oder ,H.-Boden* gelegen Obw (s. Lüt. Sag. 
258/9); ähnlich wird ein Felsblock auf der Grenze 
zwischen Turtmann und Ergisch ,die heidnische Eirche' 
genannt W. ,Ein hoher Berg [zu ZEn.], der Isen- 
berg genennet, weil daselbst ein Tempel der Göttin 
Isis muss gestanden sein, darTon noch die alten Ge- 
mäuer zu sehen, so Ton den Einwohnern die H.-Eirch 
genennet wird.* Mem. Tio. 1742. 

An der Stelle der alten Pfarrkirche Ton ZgCham soll 
nach dem Yolksglaaben ehemals ein fleidentempel gestanden 
haben. Vgl. noch TVifeU-Ch. 

Lüt-: im Gegs. zur Elosterkirche dem Öffentlichen 
Gottesdienst eines bestimmten Sprengeis dienende 
Eirche; latinisiert: Ecclesia plebejana, pleberium. 
,Der anspreche wirt des nahtschaches umb den mort, 
der soll sich ze der 1. selbsibender unarkweniger lüte 



285 



Kalch, kelch, kileh, kolcb, kulch 



236 



entreden.' 1304, Z RBr. ,Den landlftten was zemmen- 
künt in allen unsren 1/ 1397/1544, Schw LB. ,Wer 
in nnsrem land gnot yersetzen will, das soll verkflndt 
werden in allen unsern 1.* ebd. ,In allen 1. [soll er] 
das gnot, so das er verkaufen will, feil bieten dry sunn- 
tag.' XV., ScBw Rq. ,Dass der kaplan by inen zn 
Gnndelswyl syn [wohnen solle], sy mit den b. sacra- 
menten, wann sy das nottürftig werdent, ze verwaren, 
dann es ein rechte 1. syn sollte. Darwider probst 
und kapitel ze Münster fals Kirchherren], dass die- 
selb kilch zne 6. nit ein 1., snnder nnderwürfig der 
pfarrkilchen zne Pfäffikon als ein filial gehört hab.' 
1498, EsTERM., Pfaff.; ygl. ebd. 23/38. ,Das Münster 
syge ein offne 1., Int Tiler Sprüchen und Terträgen.* 
Kessl. ,y erwilliget, ze wolrow ns der kappel ein 1. 
ze machen.* 1566, Gfd. ,Dieweil es nun [nur] ein 
Cappell nnd kein rechte Lentkirchen war.' RCtb. 
S. noch Qrebd Bd U 688; Gfd III 272/4; Vö«.-Nüsch. 
I 262/3; TscH. 199. Zuweilen im engern S., im Gegs. 
zu ,PfarrkircheS Ton abhängigen Gotteshäusern, die 
nicht von eigenen Pfarrern, sondern von einem Klo- 
ster oder Ton der Mutterkirche aus durch Hülfsgeist- 
Hche besorgt wurden und wo die wichtigsten h. Hand- 
lungen nicht Torgenommen werden durften. ,[Der 
Abt Ton G wollte] die pfarr [der durch einen ,Leut- 
priester' besorgten] kirchen Ton S. Laurenzen nit für 
ein pfarr, sonder für ein leutkirchen achten und sein 
münster für die rechten pfarr achten.* Yad. II 396 
(Streit über das Recht der Beerdigung). «Wann aber 
dise Sant Johans L. zue einer eignen Pfarrkilchen 
worden, hab ich nit fnnden.* RObqbr 1606. 

Bor-Chilche" (am ZS. Pär-, im Aa E'^pör-, in 
GRChurw. Bord-, in GT. Bor^-J: = Ober-Ch, 1 Aa; 
Ap; Bs; Gl; Gr; G; Sch; Th; Zo; Z; Syn. B,-TUi. 
,Si habint etwas [von den Kirchen Zierden] uf die bor- 
kilchen uf hin gehalten ; da hab euch nüt mögen sicher 
syn.* 1523, Eqli, Act. ,Uf der b. zuo S. Lorenzen.* 
1525, G Ratss. «Uinden in die kirchen uf die bor- 
kirchen.* Ksssl. ,Ambo, erhöhter Ort, Kanzel, Por- 
kirch.* Denzl. 1677; 1716. «Diejenigen Weiber, welche 
auf die Barkirchen sich begeben.* Z Mand. 1685. S. 
noch Fletz Bil I 1239 und Tsch. 199. 

Bor-kircke ancb bei Lexer. Im AdI. wird yielfach Tenuis 
gesprochen, so in Ap; 61; Grtw. ; Sch; Ztw.; in der &. Lit. 
begegnet die Schreibang mit p auch AaBragg a. Schulordn. ; 
1584, ZWetz. Bemerkenswert sind ausser den oben ange- 
fahrten auch noch die &.Schreibongen : ,Baar-.* 1657, ZThalw. ; 
ZMand. 1691; Mise. Tig. 1722; 1724, ,Bahr-.* Z Mand. 1730, 
«Bohr-Kirchen.* ZMand. 1735; 1744, welche auf (aach heute 
in der MA. Tielfach Torkommende) Dehnung des Yoc. schliessen 
lassen; 9 dagegen herrscht in Ap ; Ol ; Qr; Th; ZO., S. Die 
Ausdeutung auf Bord (Bor}^' erkl&rt sich durch Assimilation 
aus Bort-) kann ihren Grund darin haben, dass die Emporen 
an dem hintern oder an den Seitenrändem des Kirchenschiffes 
angebracht sind. Vgl. auch noch das syn. Bor, sowie die 
Zss. Bor-HütUr (Bd 11 1749), ferner -Chdlrr, -Bett. 

Boss-: Name einer phantastisch gestalteten, steil 
aufstrebenden Felszacke in einem Felskessel an den 
Chnrfirsten. Vgl. Chilchen 6, E.-Himmel Bd II 1294. 
— Schimmel-: Name einer zerfallenen, einsamen 
Kapelle, wo nach der Sage ein Schimmel, der sich 
hineinflüchtete und ungeschickterweise selbst ein- 
schloss, den Hungertod fand L ; vgl. Lüt., Sag. 335. — 
nSkalette"-": ,Begräbni8skirche*, „Kirche, wo Lei- 
chenpredigten gehalten werden GRChur." — Stuel-; 



bischöfliche Kirche. ,6emein kapitel der st.-kirchen 
xue Chur.* 1503, Z ürk. 

TD f eis-: Name eines Steinbruches ZZell. T,- 
Chilchli, Name eines Felskopfes, in dessen Nähe sich 
der Hexen-Boden befindet Gb. 

Auch der Teufel rersammelt seine Gl&ubigen und tritt 
selbst als Prediger auf; vgl. TüfeU-Chanden, sowie Anm. zu 
KtMtvL-Haftn Bd II 1018. 

Toggeli-: Aufenthaltsort der Zwerge im Gebirge, 
bes. zum Gebete BO.; meist von bestimmten örtlich- 
keiten, z. B. als Name einer tiefen Grotte mit natftr- 
licher ,Kanzel* BBolt. Vgl. Arg. III 77/8. 

Chilcher m.: 1. Chüd^ B, ChOer Aa; F; Z, 
Kirchganger ; Syn. Chilchef^', C^t'lch^r-JDtU. Hat *8 vil 
Ch, g*ha*? Grussfrage an einen aus der Kirche Heim- 
kehrenden ZO. I* d^ Ch. ie cho*, bes. in dem Sinne: 
der Schar derselben, wie sie eben aus der Kirche 
kommt, begegnen Z. (ly) Ch. (Chilehe^-Lmj und d' 
Märfkjtlüt toüsserd's, 8äge*d 's; redend dervo*, RA. zur 
Bezeichnung der weiten Verbreitung eines Gerfichts 
B; F; ScH; Z. Ch. und Märülüt hei 's g'hört, alle 
Welt weiss dayon FMu. ,Wir yernehmen die Sache 
erst, nachdem K. und Marktleute sie wissen' ZW. 
(Äusserung der Unzufriedenheit gegenüber Jmdn, der 
uns eine Neuigkeit lange yorenthalten hat). Das Ver- 
glimmen eines angez&ndeten StQckes Papier verglei- 
chen die Kinder mit dem Nachhausegehen der Gh., 
wie sie sich allmählich verlaufen; die letzten Funken 
sind der Pfarrer und der Kttster Z. ,Den w8g, den 
die kilcher von Scewen gan kilchgass [den Flecken 
Schwyz] brüchent.* 1525, Sohw LB.; dafür ebd.: ,Der 
Seeweren kilchwSg.' S. noch laufen. — 2. Chilcher, 
Bürger, Angehöriger einer Kirch-, Pfarrgemeinde 
Ndw; U. ,[Der Baumeister soll die Decke] die jetz 
in der chilchen ist, den chilchern lan.* 1558, SchwWoII. 
,So ein Person einer Kilchen Vogt gewesen, und aber 
der Kilchen oder den Kilchgenossen das Iren verton, 
sollend die Kilcher umb ir Ansprach zn den Schnld- 
forderen gestellt werden.' 1(510, Gl RQ. Gemeinde- 
genosse, -Bürger übh., bes. i. S. v.: Mitanteilhaber 
am Gemeindegrundbesitz Uw; Syn. Ürtner Bd I 495; 
über den Zsfall von Kirchen- und politischen Ge- 
meinden und Nutzungsgenossenschaften vgl. Ürten 5 
Bd I 492, Chileh-Gang Bd II 349. ,Das« Gen nssr echt 
an den Gemeindsgütern erbt sich in Obw auf den 
ältesten Sohn und dieser tritt im Namen der Familie 
als K. (Kirchner) ein.' Uw Gem. 1836. ,Die kilcher 
von Buochs ze Uw sollen alles für ir gemeiumerke 
[gemeine Mark] niessen.' 1378, Absch. ,Es muoss ein 
jeklicher kilcher ein tagwerk darzuo tuen.' 1429, U 
Urk.; vgl. ingän Bd II 21/2. ,Wir kilcher von Sach- 
sein band ufgesetzt, dass wir thein*" zu k. sollen 
nSmen, er sye dann vor und e ein lantmann [besitze 
das Landrecht] und soll 20 krönen g6n um das kilcher- 
recht.' c. 1560, Obw RQ. ,Die Verordneten von den 
Kilcheren der dreien Tagwen [Gemeinden] Glarus, 
Ennenda und Netstall.' 1571, Stbikm. 1802. ,Wo ein 
Kilcher sich allhie unsers Gerichts und Rechts nit 
wellte lassen settigen, so soll er das Landrecht ver- 
loren han.' 1605, SchwG. LB. ,Streit zwischen den 
Kilcheren oder Kilchgenossen der Kilchöri UwKerns, 
der Allmond halber.' 1672, Uw Rq. — 3. = Küch-Her 
Bd II 1533; vgl. Anm. zu Kilch-Hön Bd II 1578. — 
4. ,Kircher', Familienname S (Leu, Lex.). — 5. Berg* 
name; s. Ghüchen 6. 



237 



Kalch-kalch. Kald-kald. Kftlf— knlf. Kalk-kulk. Kalm-knlm 



238 



chilchere**: Kirchgemeinde halten USch. 

Küehe" II m.: Fisch ans dem Lachsgeschlechte. 
a) = Kropf -Felchen Bd I 801 Bodemseb; = corr. hiem. 
rSiebold); vgl. GLHartm. 1827, 145/8. ,Constantiae 
Kirchlin vocant albnlae genus candidnm et simile iis 
qnos Gangfisch Tocant, ventribns magnis; alii Küchen 
Tocant et ventre candido inflatoque, dorso fnsco de- 
scribnnt. De albnlae genere, qnod finz et Kilch vnlgo 
nominant* CGbssk. (nach Mangolt). — b) Schnäpel, 
corr. oxyrr. TaGem. 1837. 

Zo ft. Der Fisch heisst in Bayern ancb: ,KeIch, Kröpf- 
ung, Kropfirenke' (Tgl. Fr., Ztschr. VI 115) und nnser W. 
ist demnach nor eine Nbf. zn ahd. eiilck^ Kropf; vgl. Gr. 
WB. V 504. b ist sehr zweifelhaft, da der Fisch nach 
GLHartm. 1827, 139, der ihn als salmo la?. beschreibt, in 
der Schweiz flbh. nicht vorkommen soll; nach GLHartm. 
1808, 148/9 kommt er am deutschen Ufer dos Bodensees vor. 



Kald-kuld. 



Gholder (inGaPr. Chöler) m.: 1. Pferdekrankheit, 
Koller, als Krankheit des Gehirns, aber anch bloss 
von voilkbergehenden ähnlichen Zustanden Ajl (bes. 
vom rasenden Koller); GaPr.; Th; Z. — 2. krank- 
hafte Reizbarkeit, Wunderlichkeit, finstrer, störrischer 
Eigensinn des Menschen, Hypochondrie Aa; B; G; Scb; 
S; Th; Z. De» CK ha*; Syn. Gh*b, Steck-Kopf, Batz, 
Schalk» — 3. mit dem Koller behaftetes Pferd Aa; 
B; GsPr.; Scb; S; Th; Z. Spann de* Fuchs nid %% 
er ist en Gh., nimmt wegen jeder Kleinigkeit Beissaus 
ScH. ,Der Gaul zeigt sich bald als ein stiller K.* 
GoTTH. ,Ein Koller oder Narr geht immer mit den 
Vorderfüssen in die Kripp hinauf.' Steimm. 1804 (für 
Ap). — 4. Mensch mit der bei 2 bezeichneten Ge- 
mütsart Aa; B; G; Sch; Th (auch Hite-Ch.); Z. ,£in 
guter Knecht, aber längs Stück ein K., mit dem Nichts 
anzufangen [ist].* Gotth. Auch Ch»-Chrind, bes. als 
Scheltwort B. 

Ans spatmhd. kolTt» ansbrechende oder stille Wut, mit 
eingeschobenem d, wie z. B. in Choldert\ ckdderig IL Chtilderli 
(Sp. 208), Trolderen; vgl. Gr. WB. Y 1616; ferner ebd. 1612 ; 
AI. X 188; ,cholderen' neben ,ko]leren* bei JJUlr. 1733. 

, Dampf-: eine Krankheit der Saugkälber, da sie 
wegen Feuchtigkeit im Gehirn ganz dumm werden; 
ein Übel, das entstehen soll, wenn die Kälber in der 
Nähe von Schweinen angebunden gehalten werden B.** 

choldere": 1. den Koller haben, störrig sein, 
von Pferden Aa; Bs; Th; Z. ,Ihr Sünder, die ihr 
gleich einem koldernden Pferd und bergab laufenden 
Wagen diser entsetzlichen Ewigkeit zugeloffen seit.* 
JJUlr. 1733. ,Ein hochmütiger Mensch ist gleich 
einem kollerenden Pferd, einem tauben Ochsen.* ebd. 
— 2. von Menschen, a) den Cholder haben Aa; Ap; 
Bs; B; VO; Gl; Gr; G; Sch; S; Th; Z; Syn. holderen 
Bd II 1190, koblen Sp. 109. Umme^-ch., zornig lär- 
mend herumfahren G. 3fc" chann im Nünt recht 
mache'; allewU mue^-n^er öppis ^ eh. ha* Sch. Er 
hed i" der Täubi g'cholderet L (Schwzd.). Schimpfe'* 
und eh. und hrummle* L (Mohr). ,Der Mann bleibt 
des Weibes Haupt; aber kein Haupt, das da koldere 
und rase.* Sintsm. 1759. — b) gross tun, prahlen, 
mehr aus Beschränktheit als aus Hochmut, seicht 
schwatzen Ap; „GRh.;** UwE. — - c) stark husten Bs 
(Becker). 



Za 2 b. Die von T. U5 für Ap angeführte Bed.: seicht, 
in mürrischer Stimmung sinnlos schwatzen, nmfasst die Eigen- 
schaften einerseits des Watkollers, anderseits des Dumm- 
kollers. Zn 2 c. Über die Möglichkeit eines besondern 
Klangworts koldertn, bzw. ,kol]ern', and dessen Zshang mit 
unserm W. einerseits and ,ko]Iern*, rollen, anderseits vgl. 
Gr. WB. V 1618/9; vgl. auch schwäb. ,koltern*, lachen, von 
kleinen Kindern. 

Cholderer Ap; „LE.;** Sch; Z, sonst Cholderi 
(auch Z), in GaPr. Cholri neben Chold{e)ri — m.: 
wesentlich = Cholder, in allen 4 Bedd. 1. Wutkoller 
der Pferde LG. — 2. ,Der Götti hat den Wunderlich 
oder gar den Cholderi.* XHerzoo 1862. — 3. launen- 
haftes, bzw. wutkrankes Pferd Aa; Ap; Bb; Gr; „LE.;" 
Z, bes. von solchen, die sich in Folge ihres krank- 
haft hitzigen Temperamentes überanstrengen AAFri. 
,Darum stand am Herbstmäret manches lammeszahme 
Boss, das daheim ein Chidder oder Cholderi war erster 
Grösse.' Brutenst. ,Mit den Pferden umgehen, dass 
sie nit böse Eolderer werden.* 1723, JCEsgher. — 
4. a) = Cholder 4 Aa; Ap; Bb; VO; Gl; Gr; G; Sch; 
Th; Z. ,£in unruhiger Stänker und ungestümmer 
Kolderer, welchem mit Händeln gedient ist.* Sintem. 
1759. Auch in Zss. Cholderi-Chübel, -Chopf, -Chetzer, 
'Bock Bs. — b) zu cholderen 2 h; polternder Prahler, 
seichter Schwätzer Ap; „GRh.;** UwE. Halbverrückter 
Mensch, Halbnarr Ap; VO; Gr; Z. lyr Plato iach e 
Cholderi g'sl*; Das hed d'r Verdi [im Examen] faeid 
L (Schwzd.). ,Nach längerer Trunkenheit habe sich 
N. N. gewöhnlich mehrere Tage lang so benommen, 
dass man ihn für einen Cholderer habe halten müssen.' 
Z Kechtspfl. 1836. 

cholderig I: 1. am Koller krank, von Pferden 
B; «LE.;** Z. ,Die Pferde seien alle koldrig und die 
Kühe täten ihm express Alles zu Leid.* Gotth. — 
2. von Menschen, launenhaft, zänkisch Aa; Bs; VC; 
Gl; Gr; G; Sch; Th; Z. Halb von Sinnen Ap; G; ZO. 

Choldere» f.: Cholera ApI. (Merz 1836). 

cholderig U: Kohle ansetzend, von Lichtern Z. 

— Vgl. Anm. zu Cholder. 



kalvinisch: kalvinistisch, nur in der RA.: En 
k-e* Mage^ ha% Alles ertragen mögen ScnSt. (Sulger). 
— Schwach bezeugt. 



kalkeliere'*: überlegen, erwägen, wie Etwas zu 
machen sei UwE. An Etwas umme"-, Etwas us-k. 

— Frz. ccdenier. 



Ghalmis GRh., T., Kolmis Aa: gemeiner Kalmus, 
ac. eal. ,Kalmi8.* 1571, Z Inv.; 1588, Zg Arzneib. 

(Fisel-)Kolmer: gem., bzw. Zwerg-Bohne, phas. 
vulg. et nan. BO. (Üurh.). 

Viel]. TOD der &ussern Ähnlichkeit der Farbe der rot- 
blQhenden Varietät der Bohne mit derjenigen des ,Kolmar- 
kraates', an. arv., Gauchheil; vgl. HGrassmann 1870, 185 
nnd Chfün. 

kolmisch: von Menschen, sonderbar eintönig im Be- 
nehmen und Wesen AAZein. - Verderbnis» aus ,koniisch'. 



239 



Ealn— knln. Kalt -kalt 



240 



Chöln B; S, Cholm Xu; B; L; S, Chäüe^ W — n., 
in 6G. n.: Pflanzenname. 1. im Allg. unterschiedslos 
fflr die Gattung thymus, Thymian, Qnendel nnd deren 
Nächstverwandte Aa; B; L; S. Doch werden etwa 
unterschieden: der Ch. schlechthin, Gartenqnendel, 
thym. ?ulg. B, vom foüde'* oder Feld- W, Matte*-Gh.^ 
thym. serp., bzw. thym. serp. Var. cham. Aa; ß; L. 
Grosser Ck,, gemeiner Dosten AAVill. — 2. Acker- 
Gauchheil, an. arv. AALeer. 

Abd. quenala, konala, konde, aoB lat. cunüa, conila. Zu 
den bei HOrassmann 1870, 177 aafgefQhrten Nbff. vgl. noch: 
,Serpi]]om, kenle, kein.* Ebinger 1438, woraos sich ergibt, 
dass in ansern MAA. scbon frOh Umstellnng Yon n nnd l 
Statt gefunden haben muss; ferner die Form: ,KOlIen.' Tierb. 
1663. Wandel yon n in m ist, wenn aucb selten, doch nicht 
unerhört; ygl. Em Bd I 461/2. Eine andere Ansicht hier- 
über bei Grassmann aaO. 178. Entstellungen unsere W. s. 
auch bei Hüener-, Matten-ChSl. Das W. wird, dem Charakter 
der Pflanze angemessen, wohl nur als Sg., mit coli. Bed., 
vorkommen, was auch fQr das Neutr. ausdrflcklich bezeugt 
wird. Zu 2 vgl. Anm. zu Kolmer. 



Kalt— kttit. 



ehalt (in BoHa.; Gstw. chald), Comp. che*Uer: 
1. adj., im Allg. wie nhd. Das ist ch, guet, eig. von 
Speisen, die noch wohl schmecken, auch wenn man 
sie hat kalt werden lassen, dann übertr. von einem un- 
verhofften Vorteil, einem Nebenverdienst ScnSt. ; Th. 
Hest eh., ae schlüf in Wald Gr (Reimscherz). Kinder, 
welche ins Freie begehren, werden durch die Drohung 
abgeschreckt: Es ist en ch-^ Ma''* dusse*" (vor-usse*) 
Aa; Z. ,Der Boden ist nass und schwer (k-er Boden).* 
Glur 1835; Gegs. hitzig Bd II 1834. Die ch-e^ Bure- 
ha^, Pollutionen Z. En ch-e"* Bür mache'', einen 
Samenerguss in Folge Onanie Z. Übertr.: Nüt ais 
eh. Büre'^ mache* chönn^, bloss verstehen unzQchtige 
Wortspiele zu machen ZFehr. ,[Man soll den Yer- 
bflndeten Entsatz gewähren] diewyl unser wand noch 
k. ist [so lange wir auf unserm Boden noch nicht 
selbst bedroht sind; das Bild hergenommen von einer 
Feuersbrunst].* 1529, Absch. ,Wir wurden warlich k. 
bestön [wenn wir verraten würden].* SBirk 1585. 
,Muesst nit so frevlich d* Warheit sägen: Man dorft 
dir sust ein kalten Bock anlegen [euph. für: fesseln] 
und dich dort werfen in den Turn.* Stbttlkr 1606; 
vgl. fürig Bd I 951. Der ,k-e Streich*, Schwertstreich 
des Scharfrichters. ,Das wäre wohl Etwas, wann es 
mit einem k-en Streich oder mit einem Strick aus- 
gerichtet wäre; aber es kann kein Schwert die Seele 
töten, kein Strick dieselbe erwürgen.* JMbtsr 1694. 
Auch schon bei Salat 1537 (Gfd 36, 57). ,In GRRh. 
seien 9 Monat Winter und 3 Monat k., lautet in Gr 
das gemeine Spruch wort.* JJScheuchz. 1706. S. auch 
noch Isen Bd I 536; Chrüt, Milch. Specielle An- 
wendungen, a) von Festlichkeiten, in die kalte Jahres- 
zeit fallend. Der ch. Märit, der in den Dez. fallende 
Jahrmarkt BThun (auch als Zss. am ChaltmäritJ. So 
schon 1675, Hagenb., Sigr. Chalti Chilbi, urspr. die 
Feier der in den Januar fallenden Eirchweih der 
Pfarrkirche Klein-Basels, dann übertr. auf den damit 
verbundenen festlichen Umzug der 3 Gesellschaften 
jenes Stadtteils, wobei der Knecht ,Ueli' (s. Bd I 183) 
bis in die Mitte des XYUI. schliesslich in einen Brun- 
nen geworfen wurde (daher auch nassi Chilbi) Bs; 



vgl. auch Griff Bd II 709. Der chaU Chrüegang, 
früher (It Am Herd 1B79, 156 bis 1834) am ersten 
Montag in den Fasten Statt findende Prozession der 
Gemeinden des Gomser Zehntens nach Glis W. — 
b) von Leiden, Krankheiten ; vgl. Gr. WB. V 80. 86. 94. 
's ch. We = Frörer (Bd I 1315) B; Sch; Z. Als (lose) 
Zss. Gr; „L; Sobw; Zq** und häufig auch in der ä. Lit 
Auf dem Pilatusberg befindet sich ein ,KaItwehbrun- 
nen.* KGessn. 1555. «Fallend in k-e wee, febres ge- 
nannt.* FiscHB. 1563. ,Die hirzen sind des k-en wee- 
tags frei und ledig.* Tierb. 1563. ,Febricula, ein 
feberle, kaltweele. Febricitare, das fieber haben, kalt- 
weeig sein.* Fris. ; Mal. ,Heis8en wir nicht Kaltwehe, 
was die Griechen hingegen icupslov, das ist ein feurig, 
hitzig Ding, heissen?* JMüller 1661. Sehr häufig mit 
Synn. in Verwünschungen ä. Zeit. ,Da8s dich 's k. 
wee und der herzritt als lydenlosen leckers (keiben 
apostützlers) schütt!* Rvef 1550. S. auch noch F^)er 
Bd I 636; an-henken Bd II 1459; Fr., Ztschr. VI 1/2 
und ch. 2. Vgl auch das syn. : «Vil lüt, die mengerlei 
febers und gebresten des k-en siechtagen gehept* 
1488, ÖBwSachslen. Chalti Brand == GMh (Bd II 99) 
Obw; Z. Doch auch (wie nhd.) vom Absterben ein- 
zelner Teile des Körpers nach vorausgegangener Ent- 
zündung, Verletzung, wobei die kranke Stelle sich 
kalt anfühlt; von Menschen und Tieren Z; vgl. Gr. 
WB. V 86. Der ch. Brand ist derzue cJio\ ,Sonst 
mögen Feur und Frost wol neben einander bestehen ; 
binden wir nicht auch beide dise Stuck zusammen in 
der Krankheit, die man nennt den kalten Brand.* 
JMOllbr 1661. Ch-i Brändi*g, chronische Diarrhoe 
Gl (auch als Zss.). Gh-i G^sdhwulst, brandartige 
Seuche, bes. beim Vieh S. Oh-i Lämi W, ch-s G'sücht 
Ap, Gliederreissen ; Syn. ChäHi. ,K. Gesicht, defluxio 
in artus; Schenkel und Arme zu baden, damit das 
Glied warm werde.* Müralt 1692. ,Der k-e Seich, 
welcher von Franzosen oder sunst andrer Ursach her- 
kommt.* ZZoU. Arzneib. 1710. Auch bei Fris.; Mal.; 
Haffxer 1666, als lose Zss., bzw. Zsschreibung; vgl. 
Gr. WB. V 93. — c) der ch. Brand L, Stral G; Th; 
Z, Blitzstrahl, der nicht zündet, begleitet von einem 
Nachhall nach dem eigentlichen Donnerschlag. De^ di. 
Brand (Stral) ist noche* cho; hat nache* g'sMage*. 
,Und schlueg mit einem erschrockenlichen donderklapf 
die kalt stral in [das] sommerhus, wie die maizeichen 
an den eggen des hus'* gesQchen werden.* Kessl. ,Man 
haltet bei uns gemeinlich davor, dass, wo auf eine 
geschossene Strale keine Entzündung des Tachs oder 
Hauses erfolge, die Ursach dessen seie eine auf eine 
anzündende Stral bald folgende kalte, die man sonst 
auch zu nennen pflegt Wasserstral, Wasserschlag, und 
bilden wir uns würklich ein, dise letztere bestehe aus 
Wasser und habe die erstere ausgelöschet.* JJSoheuohz. 
1707. — d) dem Gegs. ,warm* gegenübergestellt. Das 
giH (mer) weder ch. no** warm, nützt (mir) Nichts, 
kümmert mich nicht Sch; S; Z. ,Die Mutter mochte 
sagen, was sie wollte, es machte ihr weder k. noch 
warm.* Gotth. ,Zue dienen mym fründ Abraham ist 
kein zyt mir ze k. noch z' warm.* Haberer 1562. 
Formelhaft in Rechtsbestimmungen Über Verpflegung 
i. S. V.: Alles, was zum Leben gehört. ,Sy müessend 
iro k. und warm geben und sy erziehen, dann sy ein 
wyslose [hilflose] frau syg.* 1546, Z Akte; vgl. Gr. 
WB. V 85. Häufig subst. : ,KaIts und Warms*, wobei 
mehrfach die eben angeführte Rechtsformel nachklingt. 



241 



Kalt, kelt, kilt, kolt, kalt 



242 



Jndifferens bomo, dem oin ding gleich ist, der als bald 
k-8 als warms trinkt/ Fris. «Was bat doch der mensch 
kleinfüegers dann synen nammen, der im (wie man 
spricht) weder k-s noch warms gibt/ RGüalth. 1574. 
,Wa8 haltet man auf einem Menschen, der den Mantel 
nach dem Wind henken kann nnd K-s und Warms 
anschütten [ans der Pfanne in die Schüsseln giessen], 
wann er will/ FWtsb 1670. ,Also quillt ans einem 
Loch [dem Mnnde] Süsses und Bitters, d. h. Gott dem 
Herrn K-s und Warms geben/ ebd. ,Damit aber Gott 
euer GebStt erhöre, so g@bet ihm aus euerem Mund 
nit K-s und Warms; saget nit das eine Mal: Geheiliget 
werde dein Namm, das ander Mal aber lästeret den 
Nammen Gottes.' ebd. ,£r kann K-s und Warms 
gdben, er ist zweizüngig.* Denzl. 1677; 1716; vgl. 
gthen Bd II 71. — e) in Orts- und Personennamen. 
Die ch, Thur, Nebenflnss dieses Gewässers, der Tom 
Schnee des Säntis genährt wird G. Die ch, Herherig, 
Name einer Felshöhle am Lauteraargletscher, die etwa 
Reisenden oder Gemsjägern als Herberge dient und 
wo auch im Sommer das Wasser Nachts etwa gefriert 
BO.; auch Flur- und Ortsname Aa; B. Im ch-er 
Brunne^, Name einer Gegend mit nassem, ,kaltem* 
Boden, wo auch ein Hungerbrnnnen fliesst Aa. ,Kalte 
Kindbett*, Name einer Felshöhlc am BThunersee, wo 
einst eine Frau in die Wochen gekommen sein soll. 

— f) Begriffsverstärkungen : grimmig, hissig ch, allg., 
g' fröre'* ch, Gr; m-, bzw. tt-, üc»- BO., It Zyro, «- 
liche^^dig- ScnSt. (vgl. Anm. zu gotd-lichen-güto Bd II 
293), gletsch- Gl; GrHc. (auch gletschig-), Pr., Bh.; 
GA., G. (auch entstellt glest-), Rh., gktsch(n)er-, %h 
gUtsdher' Gb, U-(s(h)marre''' L, (U-Jdrick- L; S; Th; 
Z, %8'Zapfe*-ch,f eiskalt. Gang, Heieri, und säg dem 
Hans Heieri, er soü weidli'^^ hei"^ chö*: d' Suppen ist 
dredcchaU Ap (Neckerei auf die Zürcher). — 2. subst 
a) n., Wechselfieber „L; Schw; Zq; Z"; s. 1 b. ,ünd 
stiess mich das k. gar hertenklich an.* c. 1520, Gfo. 

— b) m. a) ^ ehalte^ StrcU G; ZSth. Bes. in bild- 
lichen RAA. Der Ch, het no(he*J fschlage"*, die Er- 
wartung ist plötzlich getäuscht, die Freude getrübt 
worden, es ist ein Glücksumschlag erfolgt. — ß) Nord- 
wind GrD.; Syn. der alt Daväser, 

Die Yerbindang ehalUT Bur anch anderw&rts; ygl. Gr. 
WB. I 1175; V 78; in der RA. aos ZFehr. liegt eine Yer- 
derboiss aas frz. caUmbourg. — In den Ortsnn. ist die Zss. 
t. eine festgeschlossene, so dass auch in den obl. Kasas das 
Adj. flexionslos bleibt, z. B. ,Kalt-Acker' B, ,-Hof Aa, ,-Hfi- 
seren' S (,zu kalten Httsern.' 1391); Th, ,-Bach* L; Schw, 
,-Bad' L, ,-Berg* B, ,-Brunn' 6 ; t. eine lose, und die hier 
sich ergebende flektierte Form des Adj. hat sich in einigen 
Ortsnn., die somit als Tersteinerte Lokatiye zu betrachten 
sind, auch in dem (artikel- und prftpositionslosen) Nomin. 
festgesetzt, z. B. ,Kalten-Egg* B, ,-Bach' Th, ,-6oden* Schw; 
Z, ,-Brnnnen* B (auch ,-Brttnnen'); Th, ,-Stein' Z. 

cheller-: kalt aus dem Keller, von Getränken, 
in dem Sprw. : Trinksch eh., so witsch nit alt S. Gegs. 
Stuben-gestanden. 

ehalte": intr., kalt werden, z. B. von Speisen, 
bes. aber unpers., Ton der Witterung, allg. ,Diss 
alles wärm ob einem feur; darnach lass es k.* Voqelb. 
1557. — Mhd. ebenso. Abi. cktÜUehen. 

er-, Ü8-: völlig kalt werden Gr; Syn. üs-chueUn. 
D* Stube*" ist ganz üsg' ehaltet; vgl. durch-chälten, — 
ver-: = dem Vor., bes. von Speisen, Flüssigkeiten, 
allg. Öppis mache'', seb 's verchaltet (nüd v. la^J, die 
günstige Gelegenheit schnell benützen Z. 

Schweiz. Idiotikon ni. 



chalt-haft Gr, -lacht Bs; Th; Z, chältCch 
GRh.: ein wenig kalt. 

chältC*, che^lte' (in S-o-): tr., bzw. abs., kalt 
machen. Kälte hervorbringen, allg. Der Nebd cheWt, 
,Die 4 grossen Saamen, die da kelten.* JRLamdbhb. 

1608. - Mhd. kdten. 

ab-: abkühlen, z.B. etw. frisch Gesottenes, indem 
man kaltes Wasser darüber schüttet, allg. — er-, 
ver-: refl., sich erkälten, allg. JBrchältet, an chro- 
nischem Durchfall leidend, von Kühen Gl; vgl. chaUi 
Bränding, — dur«*»-: durch und durch abkühlen 
Th; Z. D» Stuben ist ganz dur^^cheWt. 

chältere*, che^ltere": kälter werden Ap; Sch 
St; Th. 

Chälti, Che4ti f.: 1. Kälte, allg. Das ist glich 
au*''' e Ch,! D* Suppe'* t» (T Ch, stelle» Gr; Gegs. i% 
a» d' Wärmi. ,Regen und kelti.* UEokst. ,Kältinen 
sind jeder Zeit Unglücks-Vorbedeutungen gewesen.* 
Spbkohbr 1672. Verst. Mords-Ch, Gr; Z. — 2. Glieder- 
reissen, Rheumatismus Ap; Syn. chalts Gesucht, 

chältig, cheltig: kalt, kälter machend Ndw. 
Von kältender Wirkung, z. B. auf den Magen B. 

Chälti-g: nur als PL, Kältegefühl in Krank- 
heiten GA. CheU^(}* ha\ 

kaltolisch: katholisch, mit scherzh. Entstellung, 
unter Anlehnung an ehalt, bes. von ,lauen' Katho- 
liken Ap. 

Ghilt (in F ChiUt, in SThierst Chält) m.: 1. Nacht, 
Dunkelheit Bf. ,Si ist nit häpseh: Me* muess si bim 
Ch, g*S€h, est illi nocturnus vultus.* Id. B. — 2. das 
Wach bleiben zur spätem Nachtzeit, bes. indem man 
dieselbe im geselligen Kreise bei (gemeinschaftlicher) 
Arbeit, Scherz und Spiel vertreibt, nächtliche Zsknnft, 
Abendgesellschaft Aa; Bs; B; L; S, verschieden von 
Stubeten; vgl. Ch,'Nacht, Spec. a) bes. an Herbst- 
nnd Winterabenden (vgl. Ch,'Bluem, -Braten) bei 
Licht Statt findende Zskunft von Hausbewohnern und 
Nachbarn in der Wohnstube eines Privathauses (Ch.- 
Sttiben; vgl. Gunggd-Hus Bd II 1709), ohne besondere 
Rücksicht auf Alter und Geschlecht, ,Licht-, Spinn- 
stube.* aaOO.; vgl. auch Ch,- Abend und die dortigen 
Synn., -Ofen (Bd I 112). 2>' Herdwibli sind tw«* einisch 
cho* i* (sonst z*) Ch, Schild. ,Am Samstag und Sonn- 
tag z' Nacht des Winters sitzen die erwachsenen Buben 
in einer Kiltstube zusammen und unterhalten sich mit 
Spiel, Gesang nnd Zotenreissen ; darauf geht dann der 
Zug in's Wirtshaus und diesem folgt dann ein Kilt- 
gang.* Glür 1835. Auch die Gesellschaft als solche; 
so grüsst Zimmermann von Brugg zunächst der Reihe 
nach die Glieder der Familie und wendet sich dann 
schliesslich an die Übrigen mit einem : ,Guten Abend, 
ganzer Kili* 1772; vgl. unser: Gueten Abig bi-n- 
enandfer), — b) nächtlicher Besuch von Jungburschen 
bei Mädchen, t. einzeln, als Liebhaber oder Bräutigam, 
t. in Gesellschaft anderer Ch,- oder Nachthueben Aa; 
Bs; B; F; L; S; dafür in G; Sch; Th; Z z* Lischt; vgl. 
Gass Bd II 450. Syn. Karess(ieringJ, Nachts, wenn 
sich Alles schlafen gelegt hat, begibt sich der ,Kilter* 
vor die Fenster der Wohnstube, in welcher an einigen 
Orten die Zusammenkunft (bei Licht) Statt findet, 
oder dann vor dasjenige der Schlafkammer der Tochter 
des Hauses (vgL Ch.-Holz Bd II 1253, Gadem Bd U 
116), klopft an (s. fensterlen Bd I 873, hoschen I 

16 



243 



Kalt, kelt, kilt, kolt, knlt 



244 



Bd II 1757) niid begehrt mit yerstellter Stimme (s. 
gautschen III, höggen, Bed vercherenj Einlass. Dabei 
sagt er oder der Sprecher der Nachtlmeben einen, oft 
improTisierten, oft aber (z. T. durch Üiegende Blätter) 
überlieferten, in Reimprosa abgefassten, mit scherz- 
haften Verdrehungen und Wendungen reichlich ge- 
spickten Ch.' oder Nciehtspruch her (Beispiele s. Al. 
IV 5/6; AAGem. 1844, U 75) und das Mädchen gibt 
etwa Antwort, so dass sich Wechselgespräche ent- 
wickeln mögen, ähnlich demjenigen bei Seilbb 1879, 
128/9 und dem berühmten ,KilterIied' von JRKuhh 
1819, 119; vgl. auch T., VL. I, S. CXXVI. 145/6. Kennt 
das Mädchen den (oder die) Burschen, bzw. gibt er 
sich endlich zu erkennen und hat es Vertrauen zu 
ihm, so erhält er wohl Einlass, und so bleibt man bei 
Scherz und Spiel beisammen, bis die Sterne erbleichen, 
viell. allerdings etwa gestört und herausgefordert (vgl. 
här-us Bd I 556) durch andere spähende Nachthutben. 
Das Mädchen bewirtet den ,Kilter', bes. mit Brannt- 
wein, Wein und etwa Lebkuchen oder Brot, oft gegen 
Bezahlung; vgl. Kuechen; oder man verzehrt gemein- 
sam die von ihm mitgebrachten Vorräte; vgl. den 
Spruch: Dert unde"* im Bemerhiet, dert han »** es 
Mönsch. Und wenn i''' zue-nem chumme^, so git *8 
mer es Brönz L. Auch der abgewiesene »Kiltbursche* 
erhält etwa einen Trunk durch das Fenster, so in 
ZWäd.-Berg. Als erlaubte ,Kiltabende* gelten im Allg. 
das ganze Jahr hindurch, die Festzeiten ausgenommen, 
der Sonntag, Sonnabend und Donnerstag; für den 
Bräutigam dagegen der Freitag (ref. Aa). Wer am 
Dienstag ^ Ch. geht, wird als Wüstling verschrieen 
Aa; als ,krätzig* wird angesehen, wer am Mittwoch 
,Kiltbesuche' macht S. Eltern drohen etwa den Kin- 
dern, um sie von allzufrühen ,Kilt- (auch Spinnstuben-) 
Besuchen* abzuhalten, man hänge Demjenigen, der 
solche am Sonnabend macht, den Waschlappen an 
AAZein. Vielfach freier ist natürlich der einmal er- 
klärte Liebhaber und Bräutigam; er kann seine Be- 
suche auch am Tage, in Gegenwart der übrigen Haus- 
bewohner, abstatten ; die Zeit, während welcher er sie 
wiederholt, bevor er zur Heirat schreitet, d. h. die 
Zeit des Ch.-Gangs, dauert oft mehrere Jahre. Wer- 
den fremde, unbekannte ,Kiltbnrschen' schon von den 
Mädchen meist abgewiesen, so drohen ihnen noch 
grössere Unannehmlichkeiten von Seiten der Dorf- 
bursche, die sich als geschlossene Corporation fühlen 
und bes. die Fremden nach Massgabe der despotischen, 
jedoch mit einem Hauch von Komik und Humor durch- 
wehten Satzungen ihr strenges Regiment fühlen lassen. 
Verstehen diese sich nicht dazu, durch eine Abgabe 
(vgl. Haus Bd II 1679/80, Heis Bd II 1682/3 und die 
dortigen Synn.) sich mit ihnen abzufinden und so 
freien Pass zu erwerben, so drohen ihnen Prügel und 
allerlei Schabernak (Brunnen taufe. Einschütten von 
Wasser oder Jauche u. A.); vgl. auch Heu-Strich, 
Zum Anne*mei [Anna Maria] gan t** z* Chült; «•* tue 's 
verschWcts [heimlich], Herr Pfar; da cha*^*st du säge', 
was du wüllt, es nützt o'* nit as Här F (Schwzd.). 
Er het mi ** zuerst albe* z* Ch. g*no* zu 8%m Maitli S 
(BWyss 1863; vgl. ebd. die Kilterbräuche S. 89/92). 
Als ein Bursche, des ^chwimmens unkundig, einer 
gewandten Schwimmerin einst ins Wasser folgte, dabei 
aber beinahe ertrunken wäre, wenn ihn das Mädchen 
nicht gerettet hätte, beteuerte er : Im Wasser gangen 
t** ntwme" z* Ch. BBiel. Einem Geist, das ,Unge- 



heuerlein* genannt, rief man neckend zu: ,He, Un- 
geheuerlein ; bist du bei dem Toggeli [Trude] zu Kilt 
gewesen*?' Kubnlin 1834. ,1687 sind Etliche wegen 
nächtlicherweis hin und wider zusammen z'Kilt laufen, 
ferner 2, weil sie nächtlicherweis z'sämmengangen, 
aber doch einander weder viel noch wenig zur Ehe 
begehren, in die Käfi erkennt.* Glur 1835. Ein Brauch, 
der an die alten Probenächte erinnert, hat sich bes. 
in B und den angrenzenden Gegenden von Aa; S er- 
halten, war aber früher offenbar weiter verbreitet; 
vgl. gadem-stlgen. Der ,Kiltbursche*, auch wenn er 
nicht eben ernsthafte Absichten auf Eheschliessung 
hat, legt sich nämlich, nachdem ihm das Mädchen das 
Kammerfenster geöffnet und er sich der Oberkleider 
und Schuhe entledigt hat, zu dem selben aufs Bett, 
wo er bis zum Morgen verharrt. Der gegen die Sitte 
seit dem XVI. durch Mandate (s. hüten), Belehrungen 
durch Geistliche und Lehrer geführte Kampf ist er- 
folglos geblieben; das Volk entgegnet: ,Die Herren 
verstehen Das nicht; sie halten den Kiltgang nur des- 
halb für böse, weil sie nicht im Stande wären, auf 
ohrliche Weise bei einem Mädchen zu liegen' B; vgl. 
bes. die Schrift: ,Ist das Nachtschwärmen und Kilt- 
gehen eine unschuldige, ländliche Sitte oder aber eine 
wahre Landes- und Volkspest?* Aarav 1824. ,Mit 
dem Kiltgang war es ehedem nicht so schlimm als 
jetzt, weil er jetzt nicht mehr zur Ehe, sondern zu 
unehlichen Kindern hinführt, weil die Ausgelassenheit 
und Liederlichkeit des jungen Volks je länger je mehr 
überhand nimmt.' B bist. Kai. 1824. ,Die Meitscheni 
führten mich aus, hiessen mich zu ihnen zu K. kom- 
men ; ich könne ihrethalben Tags kommen, wenn ich 
mich des Nachts fürchte ; aber so einen Mann im Sack 
kaufen, so einen nehmen, der nie bei ihnen gelegen 
hätte, möchten sie nadisch doch nit u"^ we"" sie z'letzt 
kene*^ überchämte".* Gotth. (Schulm. II 69) ; vgL ebd., 
wie Tochter und Vater von dem Schulmeister, der 
glaubt, ,dass es sich für ihn nicht schicke, dass er 
[als Lehrer] zu K. laufe', geradezu verlangen, er 
müsse, um die Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit seiner 
Absichten darzutun, sich der Sitte fügen, ,und nicht 
bei dem Mädchen hocken in der ungeraden Zeit [der 
Schulmeister stellte sich schon Abends 6 Uhr ein], 
wo es kein ehrlicher Mensch tue, d. h. beim Licht 
und in der Gegenwart des Vaters.' 11 50. 66/7. ,Ueli 
gehörte unter die vielen, vielen Bursche, welche aus 
Grosstuerei die leidige Sitte des Kiltganges treiben, 
so früh als möglich.' ebd. 

Vhüt aas *ChHfüt in Chwilttwerch, Arbeit am sp&ten 
Abend. 817, al. Urk.; vgl. Gr. WB. V 704/5. Aus dem 
Umstand, daas das W. in ansern MAA. arspr. -^a- Stamm 
gewesen, erkl&rt sich das Vorwiegen des StanimTOc. % st. des 
sonst üblichen e; vgl. auch über den Wechsel a:% Weinb., 
mhd. Gr. § 26. In Bs sind die YocalTerh&Itnisse ins Schwan- 
ken geraten, indem dem Yoc. • im Subst. e im Vb. gegen- 
übersteht; wahrsch. ist aber das Subst. erst in neuerer Zeit 
eingedrungen und hat angefangen, das noch heute übliche 
syn. Liecht (in z' Liecht gan) ZU verdrängen. Die beiden 
Bedd. 2 a nnd 2 b vereinigen auch die synn. Beim-Oarten, 
( Liecht') Stubeten, Äbend-SiU, Sfdni, Vor/. Zu 2 a vgl. die 
synn. ,Nacht-, Rockenreis' bei Schm.-Fr. II 138, ferner Fr., 
Ztschr. IV 10/2; V 117; Bs Rq. II 162. Zu 2 b vgl. auch 
die Synn. bei Schm.-Fr. 1 733; ABirl. 1874, II 244 f.; 
rfttorom. ir a matautu, a vitg. Betr. das Sachliche vgl. noch 
Stalder 1797, 11 2/7; Rochh., Gl. II 59/60; L Gem. 1858, 
I 332/3, ferner Liebrecht 1879, 378/9; betr. die Probe- 
nftchte spec. s. Weinh., Frauen ■ I 261/4. Über das Vor- 



245 



Kalt— kult. Kaltseh-knltsch 



246 



kommen des Brauches ia früherer Zeit ygl. noch die be- 
kannte Erz&hlang von der Einnahme der Burg Botzberg 
(Tschudi I 289). 

Bäbel-Chilt: Mannender KiltS nächtliche Zu- 
sammenkunft jangor Leute beiderlei Geschlechts, wo 
mannigfaltige Spiele, Gesang und Tanz ziemlich laut, 
oft gar mit Unfug getrieben werden B; Syn. Bäbleten, 

chilte" (in Bs chälde*, in Bs; SThierst. ehalte*): 
Abi. Ton Giüt 2. Spec. 1. am spätem Abend (nach 
dem Nachtessen) noch wach bleiben, sei es, dass man 
bei Licht über die gewohnte Arbeitszeit hinaus noch 
entw. einzeln oder im Verein mit den übrigen Haus- 
bewohnern im Zimmer arbeite (Tgl. Liecht-Arbeit Bd I 
423), sei es, dass man mit Nachbarn und Bekannten 
Bskomme (die ,Spinnstube* besuche) und den Abend 
bei Arbeit, Scherz oder Spiel verbringe Aa; Bs; B; 
P; L; S. E Nticht dttr** CA., die Nacht durchwachen, 
bes. bei der Arbeit; Syn. durch-nuuhen, durch-näcfUlen. 
Schneiderinnen, welche ausser dem Hause arbeiten, 
müssen an den kurzen Tagen etwa bis 8 Uhr eh. B. 
,Im Welschland gibt man in kalten Winternächten 
spat kiltenden Näherinnen kalte Äpfel.* Gotth. Lücht- 
dkTugU* [Glaskugeln], tro me** derbi chüUt S (Schild, 
Ton der Arbeit eines Schusters). ,Die schöne Zeit, 
wo man auf dem Bänklein [vor dem Hause] sitzen 
konnte des Abends, war vorüber und das Chelten 
gieng wieder an.* Breitbhst. Wer hi Tag e' Stübete* 
'gangen ist, Der mtiess z* Nacht z* eh. cho* BsTerw. 
,Des Winters sitzen die Mädchen und Weiber mit 
Spinnen oder Lismen [Stricken] Nachmittags oder 
Abends zusammen und dorfen und k.* Glub 1835. 
,An einigen katholischen Orten der Schweiz pflegt 
man zu Weihnachten nach dem Nachtessen wach zu 
bleiben bis Mitternacht; dann geht man in die Messe, 
isst darauf ein paar Würste usw.. Dieses Wachbleiben 
vom Nachtessen bis zur Messe nennt man auch E.* 
S Wochenbl. 1817. ,Wir verbieten des Nachts uf 
den Gassen oder in den Dörferen umbher schweifen, 
item von einem Hus in das ander zu Eilten gan.' 
XVIL, B Mand. — 2. Nachts ein Mädchen, seine 
Liebste besuchen, die Nacht bei ihr zubringen Aa; 
B; F; L; S; Syn. holden Bd 11 1183, karisieren. Mit 
einem Mädchen Bekanntschaft machen, unterhalten, 
auf Freiersfüssen gehen Aa; L. Von Mädchen: die 
Besuche eines Jungburschen, Freiers empfangen B. 
Hast du aber g* mannet hüt Nacht, Qritli? ,Bi Gott 
nicht*, antwortete die, ,%eh hüte numme'' Samstigs/ 
Ansicbtih 1808. ,1678 sind Etliche, welche als un- 
verschämte [schamlose] Meitle [mit Trinkern] gekiltet, 
gebüsst worden.* Glüb 1835. — 3. vom Monde, a) die 
ganze Nacht durch oder einen Teil derselben am Him- 
mel verweilen, ,wachen', bes. bis in den hellen Morgen 
hinein, also vom Vollmonde und der Zeit unmittelbar 
vor und nach demselben, bes. vom letzten Viertel Xä; 
B; F; S; Vgl. Durch-Schtn. — b) lange verziehen, 
ausbleiben, erst längere Zeit (z. B. erst um 10 Uhr) 
nach Einbruch der Nacht aufgehen BG., S.; FMu.; 
SThierst. — Zu 1 und 2 vgl. die Synn. >' Lieckt gan. lUch- 
t(er)en; zu 1 spec. 8chw&b. üten (aus vechten)^ zur Spinnstnbe 
gehen. In 8 yiell. noch ein Rest alter Mythologie. 

Chilterm. : 1. Abi. von ehüten. a) wer Nachts 
arbeitet Aa; Bs; B; F; L; S. Mannsperson, die an 
einer nächtlichen Gesellschaft Teil nimmt SThierst.; 
vgl. Ch.'Ampelen Bd 1 239. — b) Jüngling, der zur 



Nachtzeit ein Mädchen besucht und sich bei ihm auf- 
hält, Liebhaber, .Eiltbursche' Aji; Bs; B; F; L; S. 
,Perrigil ad dilectae thalamum.' Id. B. Synn. s. bei 
Hoider I Bd H 1183. Ein Mädchen wird etwa spöt- 
tisch gefragt: Wie mänge» Ch. hast nächti g'ha*? 
Bes. begehrte Mädchen haben oft 40 — 50 Gh., die sie 
gelegentlich zu besuchen pflegen, wobei es dann bei 
etwaigem Zusammentreffen verschiedener Bewerber 
arge Zsstösse absetzt B. ,Sie [eine begehrliche Wittwe] 
brachte von den Märkten usw. immer K. zum Über- 
nachten heim, Männer und ledige Bursche.* Gotth. 
Binder 'cin Hüs und vor *em Hüs stöt en aUi Benne\ 
Maitschi, wenn d' en Ch. ioiHt, se tue de* Bigd dänne* 
[schiebe ihn weg]! L. — 2. Lichtschnuppe ScnSt; S. 
Wenn 's am LiedUdolgg [Docht] e Ch. giH, so het men 
e» Brief s^ erwarte*. Schild. 

Bed. 2 steht wohl in Beziehung mit dem, bes. bei dem 
syn. Chotben 4 a angeführten Volksglauben, oder dann mit 
dem langen, matten Fortglimmen eines solchen Dochtes (bzw. 
der liichtschnuppe), auch dann noch, wenn das Licht ge- 
löscht ist. 

chiltere": = chilten 1 und 2 Aa; B; S. I" 's 
Hüs isch [zu] Chüterszit e« so-ti-e" G'seXlschaft [,kil- 
tender* Erdmännchen] eho* S (Schild); vgl. Esst^szlt 
u. A. Vgl. auch Gr. WB. V 704. 

Chiltet m. B; S, Chütete* f. B: 1. Dauer einer 
Winternacht, so lange man (bei häuslicher Arbeit) 
gewöhnlich Licht zu unterhalten pflegt STh\^erst. 
Nächtliches Gelage (wobei bes. Branntwein ausge- 
schenkt wird), mit Spiel und Tanz BE.; vgl. Heim- 
Gart Ib. — 2. „nächtliche Zskunft von Jünglingen, 
um mit einem oder mehreren Mädchen des Hauses 
sich zu unterhalten, zu kosen B; L." S. noch Egg 
Bd 1 157. 



nChSltsehen I: nur unpers., es macht kalt W." 
Abi. von ehalten, mit Vergröberung des • der ahd. Abt.- 

£nd. -t»ön, oder von einem Adj. ehäW'ach, einer in der W 

MA. beliebten Adj.-Bildung. 

chQltsch: 1. Adj. a) kölnisch. ,Guet kölsch guldin, 
ein für 37 ß hlr.' 1487, Gpd. - b) ,Lividus, blaw, 
köllsch, wie geschlagen fleisch, blyfarb. Subluridus, 
ein wenig bleifarb und blauw, als von frost, schle- 
gen, k. Li V crem contrahere, köllsch oder schwarzlecht 
werden.* Fris.; Mal. Dazu bei Mal. die Abi.: ,die 
kölsche = bläwe wie streichmasen.* — 2. Subst. m. 
a) in ApL Cheultsch, in ApK.; GroHc., Valz.; GRh.; Th 
ChiUtschy farbig (bes. dunkelblau und weiss) gestreifter 
oder gewürfelter oder übh. farbiger (bes. blauer), 
grober Baumwoll- oder Leinenstoff, bes. zu Bett- 
bezügen und -Vorhängen Aa; Ap; Bs; B; VO; Gl; 
Gr; G; S; Th; W; Z. Chli* oder gross g'hüslete^ Ch. ; 
vgl. garoliert Bd II 399. ,Augspurg költsch; lynin k.; 
zwilchin k.* 1571, Z Inv. (Staatsarch.). ,1 Ellen des 
reinen Kölsches.' Bs Taxordn. lt>46. ,Küssziechen 
[Kissenbezüge] von Kölsch.' 1659, SchwE. Inv. «Alles 
Leinentuch, wie auch der Költsch, Trilch usw.' 1711, 
Z Zollordn. »Fremde, so mit Zwilch, Kültsch usw. 
Handel treiben.' G Mand. 178'2. — b) ,Livor, insignita, 
schwarz oder blauw maasen [Flecken] von streichen, 
köllsch, küUen.' Fris.; Mal. 

Aus mhd. kölnuch (mit den Nbff. köUuch, koUch, kölsch). 
Zu 2 a f&llt in Betracht, dass KOln im Mittelalter einer der 



247 



Kaltsch— knltseh. Kalw— kulw. Kali— kulz. Kam— kum 



248 



Mittelpankte des Weltrerkehrs and der Fabrikation war. 
,K0l8ch tuech/ 1431, Z Stadtb., neben «kOlniscb B&ndel/ 
1571, Zlnv. Vgl. anch «Golisch' bei Schm.-Fr. I 898. 

Gbloster-Chöltsch: Art Kölsch aas schönem, 
fast ganz gebleichtem Garn; schön carriert Z. — 
Bettel-: ehemals in Siechenhänsern zn Strohsäcken 
verwendete Art Kölsch aus roh leinenem Garn; mit 
groben, roten Vierecken Z. Bloss gestreifter, nicht 
gewürfelter Kölsch Ap. — Bösli-: Art Kölsch, in 
dessen Würfeln Verzierungen von der Form eines 
offenen Blumenkelches angebracht waren, ,geblümter' 
Kölsch Z. 

g'chöltschet: kölschartig gewoben, wie Kölsch 
aussehend B; Gr; Syn. garoliert, 

chöltschin, chültschin: Ton Kölsch Gr. E 
ch-er A*zug» 

chneltschele'' BHk. (neben ehüelt8chle''J, chüdftjsche'* 
BBe.; nl^E.** : Dim. von chueie*, ein wenig kühl werden, 
machen. 



cbilwele° chilbele» Ap; Gl; Sch; „ZG.", ^chüwe*, 
chitbe*"; chüwene* Ndw; ü, chübene'^ Gr: 1. sich 
an der Kirchweih (s. Chüch-Wich) mit Essen und 
Trinken und beim Tanze gütlich tun, lustig machon, 
dann übh. in Saus und Braus leben, schmausen, 
auch an andern Tagen Gl; Gr; Sch; Uw; Ü; „ZG." 
E Chübete* oder e Festlichkeit S. Auch unpers., hoch 
hergehen, wie an einer Kirchweih Gl. JE> EriheitS' 
bäum ist üf gestellt worde% aber frUi*'^ uni Giger oder 
dass es öppe* derH, wie an anderen Orte^^ g'chübelet 
heig. Gl Volksgespr. 1834. — 2. buntscheckig, schnör- 
kelhaft verziert aussehen, wie Leute, die auf den 
Kirch weihmarkt sich mit den grellsten Kleidern und 
dem auffallendsten Putz ausstaffieren Ap. Vgl. ^äre"- 
Kilchwich. — 3. unpers., anfangen kühl zu werden, 
vom Wetter, mit Bez. darauf, dass die Kirchweih auf 
das Ende des Sommers fallt Sch. 

kilbig: sehr bunt Bs. 



chäke" BM., 0.; S, chäksche* II Bü.; „L; Schw«: 
i. kläffen, von Hunden B; „L; Sohw". — 2. heiser 
sprechen, husten S. — 3. unaufhörlich keifen, zanken 
mit Jmd, z. B. eine Mutter mit ihren Kindern B; 
„L; Schw". 

Mhd. Äre/sen, schreiend sprechen, prahlen, schelten. Intens, 
zu hallen (abd. kaUazjan) ; Tgl. aach 6r. WB. V 627, ferner 
die Synn. gaUteren, giltschen Bd II 291, gautteken III, chaulen, 
chauUchen (bzw. chäut9c?ien). 

Chälze» f., Chälzi (hz^, Chältschi) m.: Kläffer(in), 
Keifer(in) B; „L; Schw". Was fragen t'^* Dem wa*'*, 
was die Chalze* [von scheltenden Taglöhnerinnen] 
säge»? N. B Kai. 1840. 

Kolia m.: Kaps, brass. napus olelfera Gr. Auch 
zsgs. K.'Kol, 

Ans it. coUa, Kohlsame; dies allerdings viell. wieder aus 
dem deutschen Kol-Sat. Stalder und Durh., unsere Gewfthrs- 
mftnner, schreiben ,Kohlza*. 



Kam, kern, kirn, kom, kom, bzw. kämm usw. 

KamSl n. — F\, -er Th ; Z : wie nhd. K. macht^, 
mit kleinen Kindern spielen, indem man sie auf den 
Knieen schaukelt und ein gewisses Sprüchlein dazu 
sagt AAFrL; Syn. rössli-rUen. Sonst '« K. m. = den 
Narren machen, sich für Andre hergeben Th; Z. 

Mhd. hembd, hemmd ni., und ebenso frflher auch bei uns; 
Chämbd heute nur noch erhalten in dem Namen einer der 
Zünfte der Stadt Zürich, bzw. ihres Wappentieres und ihres 
Zunfthanses, sowie in einem zweiten Hausnamen (d^ ßot 
CK., offlciell ,zum Roten Kameel') ebenda. Dazu CkämUer, 
Mitglied der genannten Zunft. ,KemmeI.' 1581, Job; aber 
1548 ,Kameel'. ,Seicht hindersich wie der camel [wohl ebf. 
mit dem Tone auf der 1. Silbe zu lesen].* Tierb. 1563. In 
der &. Lit. sonst fast durchweg ,K&m(m)el, E&mber, zuweilen 
mit dem Zusatz ,-tier*. Vgl. noch Chämbd III. 

Karaelot (mit O- Schw It Kydj, Chafnddtt ZZoU. 
^ m. : halbwollener Kleiderstoff, rauhes Wollenzeug, 
urspr. aus Kameelhaaren oder aus den Haaren der 
Kameel- (Angora-) Ziege. Vor Alters zu Weiberröcken 
gebraucht Schw (Kyd). ,Mein Kleid war nicht von 
Kasimir, es war so eine Art von Kamelot, Halbtuch 
vielleicht.* HSulz. 1830 a. ,Die Hosen von schwarz 
Kamelot/ ebd. Du hesch-es toie der Kamdot: me^ 
cha»* di^ träge'' z* Freud und z* Leid, Sprww. 1869, 
von einem zweifelhaften Charakter. ,(Jammaloth/ 
XVII., G Zollordn.; 1670, Absch. ,Camelinus pannus, 
Schamlot oder Camelot* Denzl. 1677; 1716. ,Zoll von 
dem Camelot und allem andern Zeug, so von allerlei 
Haaren gemacht und von Bürgern fabriziert wird.' 
Z Ges. 1757. , Wollenen Camelot* ebd. — Frz. camdot, 

ekamdot. 

kamelottin chameiotti ZZoll.: Adj., aus solchem 
Stoff. Dann aber auch von Gebäuden, welche (wie 
z. B. der Turm der Hauptkirche zu Baden, das Türra- 
lein der Kapelle S. Georg zu Winterthur) in altertüm- 
licher Weise mit Ziegeln von verschiedenen Farben 
bunt bedacht sind. 

Kamelottis m.: Wirrwarr, Durcheinander ZBeg. 

Eine nicht seltene Subst-Bildung, die gerade in WW., 
welche mit dem unsrigen ungef&hr syn. sind, vorkommt. 
Vgl. QiggU-Qaggi» (Bd II 166), OiggemiUi* (Bd II 176), 
MtffgU. 

Chammer (in Aa; Bb; B; VC; Gr; GA., 0.; S; 
W ; Z tw. auch Chammere", in W tw. Chambrq) — f., 
Dim. Chammerli GrAv., sonst Chämmerli: 1. im Allg. 
= Oadem 2 (s. Bd II 115 ff.) mit seinen Nbbedd. (doch 
vor Allem allg. als Schlafgemach, wie nhd.) und in 
neuerer Zeit vielfach an die Stelle dieses W. getreten, 
spec. ein etwas vornehmer ausgestattetes Gemach be- 
zeichnend und daher zuweilen auch syn. mit Stiüdi, 
allg. Jedes zimmerähnliche, im Allg. unheizbare 
Nebengemach, gleichviel ob es im Erdgeschoss, im 
Gberstock oder auf dem Dachboden liege Aa; Bs; B; 
Gr; L; GG.; S; Uw; W. Im Gegs. zu Gadem, Spicher 
bes. von dem Schlafgemach im Erdgeschoss neben 
der Wohnstube, mit dieser durch eine Türe verbunden 
GrAv., Rh.; TB.; üw; W; Z tw.; Sjn. Nebewt-, Zue- 
Gh., Stubli; vgl. auch Stuhen-Ch. Hinderi (bzw. 
Hinder-JCh., Kammer im Hinterhause, im Erdgeschoss 
oder Oberstock, gelegentlich als eine Art Hinterstube 
dienend; auch hinter dem Stall gelegen (StaUCh,) 
Aa; B; L; Syn. Stal-Stübli. ,K. neben und ob der 



249 



Kam, kein, kim, kom, kam 



250 



Stube/ 1530, Z Iny. ,Obre lange, kleine k.' 1557, ebd. 
,Obere k. nf der winden, nebent-k/ 1571, ebd. Nacb 
dem Zweck unterscheidet man die Maitli [Mägde]- CT». 
= , Jungfrowen-k.* 1489, ZInv., Dt^n^te" [Dienstboten]- 
Ch. Vgl. noch die Zssen. Die Kammern dienen yiel- 
fach, nebenbei oder ausschliesslich, zur Aufbewahrung 
von allerlei Vorräten, Geräten, Plunder aller Art, und 
man unterscheidet demnach MiU, Stückli [Schnitze]- 
Ch. U.A. äa; Bs; B; VO; G; S; Th; Z. ,Ein Ma- 
gazin, die Waar-K. genannt.* Z Gemeinn. Ges. 1878. 
Spec. =s Mikh-Gaäem, bes. in Alphütten Gl; GA., G.; 
W; Tgl. Luft-, Wasser-Ch, und Stbinm. 1802, 124. 
'8 dunkd Chämmerli (in GT.; Th zsgs. DufiM-Ch.J, 
spärlich, oft nur Ton andern Gemächern aus erhelltes 
Gemach, meist im Innern des Hauses, doch auch in 
einer Hausecke, auf der einen Seite des Eingangs im 
Erdgeschoss gelegen (GT. ; Syn. Spicher)^ und nur als 
Vorratsraum, z. B. als Küchenkammer, dienend. Mit 
dem dunklet Chämmerli, d. h. mit Dunkelarrest, werden 
die Kinder bedroht und geschreckt Z. — 2. Dim., ein- 
gefasster Sitz des Geistlichen in der Kirche, den er 
einnimmt, beyor er die Kanzel besteigt BBe.; Syn. 
Schranken. — 3. Dim., Mietlokal in Privathäusern, 
in welchem sich zu der Zeit, da das Tabakrauchen 
Ton Seite der Obrigkeit noch yerboten war, Abends 
geschlossene Gesellschaften versammelten, um bei 
einer Pfeife Tabak (daher auch ,Tabak-Kämmerlein' 
genannt) geselliger Unterhaltung zu pflegen, bald auch 
übertr. auf die Gesellschaft selbst, pleonastisch auch 
etwa ,die Gesellschaft Kämmerlein zum Verein* ge- 
nannt Bs (seit XVIIL). ,Da ich vor meiner Ver- 
heiratung zu keinem sog. Tabakkämmerlein gehörte.' 
ScHwnzERB. 1804 (aus Bs). ,Ich Hess mich in ein sol- 
ches Gesellschaftskämmerlein aufnehmen.* ebd. ,Zwei 
Losamenter von 2 Stuben sammt Nebenkammeren in 
dem CafTe-Haus N. für ehrliche Hausleute oder für 
ein Tabak-Kämmerlein.* 1732, Bs Avisbl. ,Tabak- 
Kämmerlein', unter den ,5ffentlichen Häusern* aufge- 
zählt, in welchen an Sonn- und Festtagen ,Niemand 
während dem Gottesdienst gelitten werden soll.* XVIII., 
Bs Mand. ,K.*, Fastnachtsgesellschaft, vergleichbar 
etwa der Japanesengesellschaft in Schw, zur Ver- 
anstaltung von Fastnachtsaufzügen und -Lustbarkeiten 
AAWohl. (seit 1830). — 4. Verwaltungs-, Gerichts- 
kammer, bes. in Zssen; vgl. Gltd Bd 11 606 und das 
syn. Oadem 2 f. ,Nachricht von den zu Bern beflnd- 
lichen verschiedenen obrigkeitlichen Collegiis, Com- 
missionen oder, wie sie dort genennt werden, Cam- 
meren.* SiML.-Leu 1742, 518/9. 471 und Leu, Lex. HI 
214/7. 223. 281. XU 295/6. So ,die Appellations- 
Kammeren* B. ,Die Exulanten- K. tut Vorsehung 
denen um der evangelischen Religion willen aus an- 
deren Landen vertriebenen Glaubensgenossen* B. ,Die 
Civil-K. behandlet, was auf der ganzen Landschaft 
betrifft Weibergut, die Versorgung der Wittwen, Wai- 
sen und anderen Bevogteten* usw. L. , Unter die 
Civil-K. gehören die Appellations-Kammeren, Stadt- 
und Chorgericht, das Waisengericht und die Kriminal- 
Kommission* B. ,Die Commercien-K.* Aa Gem. 
1844; = ,C.-Bat.* Leu, Lex. (für B). ,Die Victu- 
alien-K.*, Ratsdeputation, welcher seit der 2. Hälfte 
des XVUI. in L die Vorsorge für den Handel mit 
Lebensmitteln übertragen war. Die ,Deutsche und 
die Welsche Venner-K.*, das Collegium der 4 Venner 
(s. Bd I 831/2), eine Art Finanzkaramer; vgl. Leu, 



Lex. III 214. ,Die Umgelts- oder Ohmgelts-K.* B; 
vgl. Um-Qdt'Her Bd II 1530. Bei der , Heimat- K.* 
zu B stand die Entscheidung über Streitigkeiten betr. 
Heimatberechtigung der Landleute; vgl ,Burger-K.* 
,Die Jäger- K. hebt die Missbräuch bei der Jagd' B. 
Die ,Korn-K-n* zu B und Z hatten die Aufsicht 
über den Getreidehandel ; vgl. Korn-Her; DWyss 1796, 
321 ff. ,Die Militar-Kammeren sind sonderheitlich 
der Kriegsrat und die Recrue-K., deren die Obsorg 
wegen der Werbungen in frömde Dienst obliegt* B; 
vgl. Leu, Lex. HI 231. ,Die (1680 errichtete) Burger- 
und Habitanten-K.' untersucht die Burgerrecht [der 
städtischen Einwohnerschaft; vgl. Heimat-K,'] B; vgl. 
B Taschenb. 1862, 77. ,Die Proselyten-K. exa- 
miniert diejenige, welche von einer andern Religion zu 
der evangelischen treten wollen* B. ,Die Rechen- K.*, 
der Finanzrat der Stadt Bs; vgl. Bechen-Her Bd H 
1 540. Die ,Reformations-K.*, früher das Collegium 
der ,Reformations-Herren* (s. Bdll 1541) AAZof.; B; Z. 
Die seit dem XVII. in B bestehende ,Tabaks-K.* 
ahndete Übertretungen der Rauch- und Schnupfver- 
bote. ,Die Täufer-K.* zur Bekämpfung der Wieder- 
täufer B. ,Die Tax-K. beziehet den a. 1694 denen 
bessern [einträglichem] Pfarreien auferlegten Tax und 
wendet selbigen zu Verbesserung der schlechten Pfarr- 
pfründen an' B. ,Die Zoll-K.* B; vgl. ,Zoll-Herr* Bd II 
1550. S. noch Holz-Ch., Chammer-Holz Bd 11 1253 
und vgl. die Zssen mit Amt Bd I 244 ff. Versamm- 
lung von Bundes-, bzw. Landesabgeordneten, Rat. 
,Der Landshauptmann wollte im Namen der K-n ge- 
meiner Dreien Pünden zum meisten Teil greifen.* 
Sprschbr 1672. — 5. durch die sog. Kammer wege um- 
schlossene Abteilung im Weinberg, ungefähr 1 Vierling 
(10—12 Steg) gross, doch nicht als bestimmte Mass- 
einheit geltend ZS. Syn. Jan 1 h (Sp. 44). ,7 kamer 
reben.* 1300, ZS. (Gfd). ,15 kamern reben und 1 steg.* 
1335, Z Urk. Auch sonst häufig in der ä. Lit., bes. in 
ürk. des XIV. S. auch noch Oehäld Bd II 1177/8. 
Mhd. kamere, aos lat. oantera, das bei Da Gange auch in 
der Bed. , Acker-, Feldmass, bes. in Rebbergen* belegt ist, 
die aber ?iell. direkt auf die Orondbed. ,6ewOlbe* znrück- 
zoführen ist, von einer gewissen Art des Rebbaas, vgl. dar- 
über ,Kamerte* bei Or. WB. V 98/9, «Kammer* ebd. 115, 
ferner: ,Concameratio, ein bogen wie ein gerten, da man die 
reben böget. Concamerare, zao eim gewelb machen.* Fris. 
Das W. aocb in Hans-, bzw. Flurnamen, wahrsch. nrspr. ein 
bes. an abgelegenen Orten erstelltes, primitives 6eb&ade mit 
Yorratsr&umen and einem Scblafgemach, dagegen ebne eigent- 
liche Wohnr&nme; Tgl. Oadem 1; viell. aber tw. ein Acker- 
mass bezeichnend. Chammer 61 (Alp; ygl. auch die Berg- 
namen ,K.-6rat* B, ,-Berg* 0, ,-Stock* Gl); S; UwE. Im 
Chämmerli ZBanma, Mann. (Wiese). In'n Ch-t* Z. In der 
Ch-e* h, heute Ackerfeld, worden Sparen eines römischen 
Geb&odes gefunden. ,Ksmmermann*, Familienname L. 

Ofe'^-Chammer: Kammer unmittelbar über der 
Stube, mit dieser etwa durch die Ofen-Stegen [Treppe 
im Ofen-Chratz] Terbunden L; Syn. Stuben-Oadem, 
'Chammer, — Öpfel-: Vorratskammer für Obst I'h; Z. 
Schmöcke'' [riechen] wie in-ere'* ö., etwa mit dem 
scherzh. Zusatz: wo g'schisae* voü ist. ,£ine Kammer 
auf dem 3. Boden, die Apfelk. genannt* 1750, Gl Jahrb. 
Name einer bekannten alten Wirtschaft in ZStdt. — 
Erm-: Kammer neben dem Hausflur SouRüdl.; Z; 
d&fi^T Oang-Ch. Aa; vgl. JS;mIBdI4öl f. — Aschen- 
Kämmerli: geschlossener Baum zur Aufbewahrung 
Ton Asche. ,[£inen Knaben zur Strafe] ins A. ein- 



251 



Kam, kern, kirn, kom, knm 



252 



sperren.' 1785, Z Waisenh. — Felbe^-Chämraerli: 
Baum znr Aufbewahrung Ton Spreu (s. Fdb Bdl 797); 
hinter dem Stall gelegen ßlns. — Fanen-Kämmerli: 
Gemach im L Zeughause, das spec. zur Aufnahme der 
in den Kriegen erbeuteten Fahnen und Banner be- 
stimmt war; vgl. LiEBKNAU 1881, 58/9. — First-: auf 
dem Dachboden unter der First eingerichtete, oft gut 
ausgestattete und als Gastzimmer dienende (so Ap), 
bald auch nur wie das F.-Gadem als Vorratsraum 
verwendete Kammer mit Fenstern auf der Giebelseitc 
des Hauses Ap; VO; Gr; G; W; Z; Syn. Ruess-, Dach-, 
TüüCh, In letzterm Falle oft ohne besondere Seiten- 
wände Ap; L; «Uw.** — Fueter-: Gemach unter 
dem Heuboden, in welches durch eine besondere Öff- 
nung das Hackseifutter hinunterfällt und wo auch 
etwa andere Futtervorräte, z. B. Mehl , aufbewahrt 
werden Tu. — Schlaf- Gade"-: Schlafzimmer über 
dem Schlaf'Gadem Gl; Syn. Stuben-Gi, — Heiden-: 
Name einer altertümlichen, massiv aus Stein aufge- 
führten, unbewohnten Kammer im Erdgeschoss eines 
Hauses, über dessen Türbogen die Umrisse eines 
Pferdekopfs eingemeiselt sind AaSIss. (s. Bochh. 1867, 
II 87); vgl. Stem-Ch. — Hudel-, bzw. Huttel-, 
HotteU: gewöhnlich auf dem Dachboden gelegenes 
Gemach zur Aufbewahrung schmutziger oder zer- 
rissener Wäsche, Plunderkammer G; dafür Schwarz- 
O'wand- Ai, Schwarz - Zug -Ch, B; vgl. auch die 
Synn. (Sehwarz-J Plunder-, Weicht-, B'schisa-Züg-Ch. 
In städtischen Anzeigeblättern als Bestandteil von 
Mietwohnungen ausgeschrieben und daher als eine 
der Eigentümlichkeiten von GStadt belacht im S Wo- 
chenbl. 1810. — Holz-: 1. Vorratsraum für Brenn- 
holz Bs; Tb; 1571, Z Inv. En Engel us der K, ein 
grober, ungeschlachter Mensch Bs; wohl beabsich- 
tigter Euphem. für das Schimpfw. Bengei; Euphem. 
für Teufel Z (Dan.); vgl. Holz-Engel Bd I 333. — 
2. Name einer obrigkeitlich bestellten Commission. 
,Die Deutsch und Welsche H.-K-en tragen Sorg, dass 
die Holzungen insgemein und die oberkeitliche ins- 
besonder in Deutschen und Welschen Landen in gu- 
tem Stand erhalten werde.' Leu, Lex. (für B). 

Hüs-: Kammer in einer Hausecke des Erdge- 
schosses, einerseits an die Küche, anderseits an den 
Hausgang stossend ZEmbr., W. — Bü« wahrsch. im Gegs. 
zu Stuben; Vgl. Hü» 8 Bd H 1708. 

Chuchi-: 1. Schlaf kammer neben oder über der 
Küche Aa; B; VO; Gl; Z; Syn. Ch,-Tili, -Stuben, 
,Vater und Mutter giengen in's Bett, den Ofenkratz 
hinauf; sie schlafen in der Küchek., wir in der Stuben- 
kammer.* 1875, ZHorg. Proz. D's Chochcheaseli ist uf 
der Gh. Gl Volksgespr. 1834. Die Kammer über der 
Küche wird als Chammer ob der Chuchi üf von der 
neben der Küche liegenden Gh, spec. unterschieden 
ZW. — 2. als Dim., auch oft nur Chämmerli schlecht- 
hin, Speisekammer Aa; Bs; B; VO; G; S; Th; Z; 
Syn. ßptS'Ch., Ghämnete*, Spicher. Üse" Herget heigs* 
[Adam und Eva] iwe* g'hlt us ^em himmlische* Ch. 
[dem Paradies] i* d' Rüchi ga* schaffe*, Erzähler 1856. 
— Chämmi-: Kammer (meist auf dem Dachboden), 
durch welche das Kamin hinaufgeht Z. ,650 Ziegel- 
blättli, so zu der Besetze in der Kämik. gebraucht 
werden.* 1686, Z Tageb. — Kunst-: Kunstkabinet, 
wie solche durch die Benaissance auch in der Schweiz 
(s. Neuj. Z Stdtbibl. 1872/3) ins Leben gerufen wurden; 



so z. B. Name einer Abteilung der im Jahr 1629 ge- 
stifteten ,Bürgerbibliothek der Stadt Zürich*, welche 
allerlei Kunstgegenstände, physikalische Instrumente 
und sogar Merkwürdigkeiten aus den 3 Naturreichen 
enthielt, bis sie im J. 1783 aufgelöst wurde. Bildl.: 
«Etliche subtyle töufer gond über die recht k. und 
bringend herfür sömlich argument* UBoll. 1561. 
, Leeren us der heidnischen philosophei k.* BGualth. 
1574. ,Al80 gat es denen, die Gott in sein k. wollend 
und seine geheimnussen ergründen.* LLav. 1582; vgl, 
auch BGwERB 1646, 92; JMOllkr 1666, 904; Absch. 
IV 1 b, 380. — Kernen-: Getreidekammer, spec. für 
gegärbten Weizen oder Spelt. ,Um ein kernenstanden 
[Bütte] in die k.* 1535, ZGrün. Amtsr. — Chor-: 
Chorgericht. ,Kein römischer König dürfe die Eid- 
genossen weder an seine Ch. noch an Ho^erichte 
laden.* 1530, Absch.; vgl. Absch. III 1, 760. — Luft-: 
Milchkammer, in welcher die Milch durch einen kalten 
Luftstrom, der aas Löchern im Boden hervorweht, 
kühl erhalten wird GA.; vgL Wasser-Ch, 

List-: Gemach zur Aufbewahrung von allerlei 
Werkgeschirr Th; Syn. Geschvrr-Gh, ,1639 hatt Mei- 
ster N. die alti Leistk. hinweg zu brechen.* TnAmrisw. 
(Merz). 

Viell. eig. ein Gemach mit Leistondecke, d. b. einer sol- 
chen, wo in altertümlicher Weise an den Ffigestelien der 
Dielen starke, hervorragende Leisten angebracht waren; vgl. 
Triemen-Tüi, 

Gemeinde-, Gemeinds-: zur Zeit der Helvetik 
(1799/1803) bestehende Gemeindebehörde zur Verwal- 
tung der bürgerlichen Güter und Angelegenheiten, im 
Gegs. zur Municipalität, dem Einwohner-Gemeinderat, 
welchem die Besorgung der sogen, politischen Ange- 
legenheiten oblag; vgl. JMOlleb 1867, 207 (AaL.); 
Spyri 1871, 29 (ZStdt). — G^meng-: Gemach, in 
welchem in Glashütten die Stofte gemengt werden, 
aus denen Glas geschmolzen wird S. — Nebe"t-: 
Schlafzimmer neben der Wohnstube und mit dieser 
durch eine Türe verbunden; meist besser ausgestattet 
als die übrigen Schlafgemächer und für die Eltern 
bestimmt, welche dort im Schrank oder .Sekretär* 
Wertsachen udgl. verschliessen Aa;Ap; B; F; GrD.; 
L; G; Th; Zo; Z; Syn. Stuben-, Zue-Ch,, N,-Stuben. 
,Nebent-.* 1571, Z Inv., ,Nebend-K.* 1611, Schweiz. 
Vgl. Neben-Gadem Bd II 119. Neben einer andern, 
z. B. neben der ,Stuben-K.' liegende Kammer Z. — 
Bad-Chämmerli: Badezimmer BStdt (Bari 1885). 

— Back-: Gemach, in welchem mit der Axt oder 
mit dem Messer gröbere Holzarbeit gemacht wird, 
Werkstätte eines Holzarbeiters (Bäckers) Ap; vgL 
Schnäfd-Ch, — Plunder-: Bumpelkammer „B; VO; 
Gl;" Th; Z. Spec. (in Bs Schwarz-PL) Wäschekammer 
„Sch;" Z; Syn. Hudd-Ch, — Blättli-: Kammer, 
deren Boden mit gebrannten Steinen belegt ist, wie 
dies in vornehmen Häusern aus älterer Zeit zu Stadt 
und Land etwa heute noch zu sehen ist Z; vgl. auch 
Stein-Gh., Ghämneten. — Brueder-: zur Beherbergung 
durchreisender Wallfahrer, Handwerksburschen, Bett- 
ler usw. eingerichtetes Schlafgemach, deren es früher 
in jeder grössern Ortschaft wenigstens eine gab; vgl. 
Z Neuj. H. 1881, 12 (für Gl) und Br.-Hus Bd II 1723. 

— Rauch-: Räucherkammer Aa;B;Th;UwE. Vor- 
ratskammer für Fleisch und Getreide über der Küche 
AaFuII. Schlafzimmer im obern Stockwerk Aa. — 
Richs- (in Ap Riss-); Zimmer, in welchem mit dem 



253 



Kam, kern, kirn, kom, kam 



254 



Delinquenten in Gegenwart des Ezaminationskolle- 
ginms die peinliche Befragung Torgenommen wnrde, 
^Folterkammer' ApA. und ähnlich früher auch in Gl. 
Uf d* B. mü€88e\ Bissehammerg'schäft, kriminelle 
Behandlung. ,Für in die B. treten und neben [dem 
Delinquenten] stehen/ 1750, Gl Jahrb. (Posten in der 
Rechnung des Henkers über ein sog. Territzezaroen). 
Auch etwa i. S. y.: das oberste Landesgericht Ap. 
Jmd, der sich mit einem Andern über eine Forderung 
nicht einigen konnte, drohte: ,Wenn*s so weit kommt, 
so gehe ich noch vor die R. [d. h. bringe ich meine Sache 
Tor jede, auch die letzte Instanz].* Vgl. Bichs-Vogt 
Bd I 707 und T. 365. — G-rümpel-: = Plunder-Ch, 
Aa; Bs; „B;" Gr; G; Th; Z; Syn. G'r.-Gadem, -SmU. 
,1m 2. Stockwerke befindet sich über der Besuchstube 
wieder ein hübsches Gemach und hinten daran eine 
Gerümpelkammer.* Aa Gem. 1844. ,Die Schulstube 
hatte den Sommer über [da keine Schule gehalten 
wurde] zur Vorrats- und Gr. gedient.' Gotth. Ein ,Gr.- 
Kämmerlein* als Bestandteil einer städtischen Woh- 
nung aufgeführt. B Avisbl. 1751. — Ruess-Chäm- 
merli: = First- Chammer UBürglen. Vgl. B.-Gadem 
Bdll 119. — Rust-: Kammer, in welcher man allerlei 
unbrauchbar gewordenes Geräte (BustJ aufbewahrt 
GF.; Syn. Plunder-Ch, — Säumer-Kämmerlin: 
Gemach, in dem die aus dem Oberland in die Stadt 
kommenden Landleute ihre Speisevorräte (bes. Speck) 
niederlegten Bf; vgl. Speck-Chämmerlu — Sust-: 
Gemach im Oberstock des ,Susthauses* (s. Bd II 1728) 
zu UAmst, wie die S.-Stuben aus Mauerwerk aufge- 
führt, während das übrige Gebäude mit der Wohnung 
ein Blockbau ist. — Geschirr-: oft Dim., Gemach 
zur Aufbewahrung yon allerlei Werkgeschirr und 
landwirtschaftlichen Geräten; oft neben dem Haus- 
gang gelegen Aa; B; Gr; S; Th; UwE.; Z. Syn. 
List'Ch, — Schnäfel-: Dim., ,Schnitzelkammer*, in 
allen reichen Bauern-, auch etwa in Pfarrhäusern vor- 
kommendes Gemach, in welchem für den häuslichen 
Bedarf gelegentlich allerlei Holzarbeiten ausgeführt 
werden B; ygL Bäck-Ch. — Schrfb - Kämmerli: 
Name, den der L Gesandte 1585 dem königlichen Ca- 
binete gibt, in welchem ihm der französische Herr- 
scher Audienz gewährt. Seg., Pfyff. — Speck- Chäm- 
merli: Gemach, in welchem Speck geräuchert, bzw. 
aufbewahrt wird Bs; B; Zf. Gelegentlich wie das 
ChiKihi', Spis-, Dwnkd'Chäminerlf zum Einsperren 
unartiger Kinder gebraucht. ,Die ehemaligen Speck- 
kämmerli der Säumer.* Bhist. Kai. 1840; s. Säumer-K, 
Das ,Sp.' neben der Wachtstube in dem Anbau am 
Gerichtshaus zu ZStdt, urspr. ein Verkaufsladen für 
Speck, wurde später als Polizeigefangniss für Be- 
trunkene, Landstreicher und Lärmmacher benutzt; 
vgl. Vöo.-Nüsch. I 460. In neuerer Zeit in euphem. 
oder iron. RAA. und in verblasster Bed., meist ohne 
bestimmte lokale Beziehung i. S. v. (Polizei)gefangniss, 
Dunkelarrest B; Z. Eine'* %'* 's 8p. tue*. — Spis-: = 
Chuchi'Ch. 2 Aa; B; VO; GrD.; Sch; Th; Z. Meist 
Dim.; Syn. Sp.-Gadem, -Chämneten, ,Man hat [zum 
Kloster] ein brotgaden und ein sp. gemacht.' Vad. — 
Stube»-: \. =z St.-Gadsm 2 Aa; Ap; Gl; Gr; L; G; 
ScHW; Z; Syn. t. Ofen-, t. Nebent-Ch., Stübli. ,Ein 
Strolch hat in der St. den Schreibpult gewaltsam auf- 
gesprengt.* Zeitünobbericht. — 2. ,Caldaria cella, ein 
warmer Keller, St., Badstüblein.* Denzl. 1677; 1716. 
— 3. Stubli'Ch., Kammer im Oberstock, über dem 



sogen. StObli GG. — Stei"-: (meist im Hinterhause 
gelegene) Kammer, von starken Mauern eingeschlossen 
und mit einem Boden aus gebrannten Steinen ver- 
sehen; wahrsch. in Zeiten der Gefahr ursprünglich 
als Sicherheitsort für Wertsachen, sowie für die Haus- 
bewohner dienend ZO.f Das Selbe was Blättli-Ch. ZS. 
,Die Spyskammer, dessglychen die St. nebent dem 
oberen Stübli.* ZHerrl. Kaufbr. 1673. Vgl. auch Hei- 
den- Ch. — Dach-: = First- Ch. S. Bildl.: 's Bluet 
grad einisch im obere* Dachdhämmerli ha*, leicht auf- 
brausen. Schild. Vgl. Filr Bd 1 940. — Tili-: Schlaf- 
zimmer über der Wohnstube Ap; Syn. Tili. Wohn- 
gemach auf dem Dachboden TnSteckb.; Syn. First-Ch. 

Trist- Ap; GRObS.; Z rS., JDmcä- SG., Biss- Aa 
Fri., Büst- Th, It An. ad St.: Ort, wo man Geld, 
Wertsachen aller Art, Urkunden usw. aufbewahrt, 
Schatzkammer, Archiv. Spec. 1. die diesem Zwecke 
dienende Sacristei (AAFri.; ApL; Gr ObS.; „GG., 
Wall.;" SG.), oder dann ein feuerfestes Gewölbe unten 
im Kirchturm, wo neben den Kirchengerätschaften 
auch das Gemeindearchiv untergebracht ist ApA.; 
ZMänn. ,Ein ritter, der mir kaiser Julien coronica 
fürleit, die er usser der römer tristk. nam.' 1336/1446, 
Z Chr. ,Die Schlüssel zuo der drissk., darin das jar- 
zytbuoch und anders lyt.* 1531, Strickl. ,Deren von 
Trogen [usw.] [Feld-] zeichen, die sy gen Abbencell 
in die tristk. geben band.* Kbssl. ,Da im Chor Nichts 
ist, so soll dasselbe wie die Kirche offen bleiben, da- 
gegen die grüstk. beschlossen werden.' 1534, Absch. ,Ta- 
blinum, tabnlarium, sacrarium, canzlei, trist (tri8ch)-k., 
heiltuemhaus , gehaltkammer gemeiner briefen und 
Schriften.' Fris.; Mal. ,Da ward gar gross unrnew 
in der kilchen und mocht [der Prediger] kum in die 
tristk. entflöchnet werden.' 1565, WKlaarer; vgl. 
Absch. IV 1 a, 214. ,Der sigerist soll alle nacht in 
der tristk. (die auch heisst sacristei) ligen und wa- 
chen.' HBcLL. Tig. ,Statt wie bis dahin die Pfarrer 
beider Confessionen eine Rüstk. gehabt haben, soll 
jetzt dem evangelischen ein eigner beschlossener Ge- 
halter in der Kirche zurecht gemacht werden.' 1639, 
Absch.; vgl. HIberlin 1870, 37. ,Ein Crüzgewelb in 
die Tristk. machen.' 1651, ApHeid. MonatsbL ,Adytum, 
sacrarium, Sacristei, Dress- (Dross-, Trä88-)k.* Denzl. 
1677 ; 1716. »Nachfolgende Brief ligend in der Tröschk. 
zu Trogen.' XVIL, Ap Cod. ,In der Trestkaroraeren 
auf Wolfhalden.* Ap Urkundenb. 1726. ,Einige ün- 
Ordnungen fielen 1795 in Meilen vor, da die Originale 
gewisser Briefe aus der Büstk. verschwunden waren.* 
Müller, Schw.-G. — 2. = Nebent-Ch. Aa (Rochh.; 
vgl. 1867, II 122). 

Mhd. tre»ekamere (zu trete, Schatz, und dies ans dem Lat.), 
mit den Nebff. tri»-, triach-k. Neben der vorberrschenden 
Form fTristk.' (z.B. auch noch 1584, LEscholzm. ; GHdschr., 
neben ,trischk.*), welche an das W. TrUu*, Haufe, angelehnt 
oder auch nur durch ein in der Wortbildung sehr beliebtes 
Element erweitert sein mag, und den oben genannten finden 
sich in unserer &. Lit. noch die Entstellungen: ,Tröstk.* (zu 
GRhein.). ZStaatsarch., ,Treschk.' JCSchafer 1810. ,Rüst-K.* 
ist bewusste Anlehnung an rüsten, da der Geistliche in der 
Sacristei die h. Gew&nder anzieht, ,8ich rüstet* ; ,GerUst* ist 
i. S. Y. Ausrüstung, Einrichtung zu verstehen; Tgl.: ,Küche, 
Stuben und kammern mit allem gerüst.* 1500, Absch. Im 
Übrigen beruhen die mit r anlautenden Formen auf irrtüm- 
licher Auffassung des t als Art. Vgl. noch T. 150/1. — 
2, wenn auch schwach bezeugt, ist doch nicht unwahrschein- 
lich; vgl. Nebent-Ch. 



255 



Kam, kern, kim, kom, kam 



256 



Weichi-Chammer: Gemach, in welchem man 
den W.'Plunder, das znm Einweichen und Waschen 
bestimmte, schmutzige Weisszeug anf hebt, dann übh. 
s. y. a. Flnnderkammer Bs; Syn. HudehCh, — G*- 
wand-Chammerli: im Oberstock gelegene Kleider-, 
Wäschekammer € uSchächen. — Wasser-: 1. Milch- 
kammer, deren Boden anter Wasser gesetzt ist GA.; 
Gegs. Luft'Ch. Vgl. Wasser- Müehhüa Bd U 1718. — 

2. in obsc. S. Aa; s. SMag- Hammer Bd II 1275. — 

3. am Auffangswehr einer Mühle angebrachtes Bassin, 
Ton dem der Wasserleitangskanal gespeist wird B. 
,Bei der W. dieser Mühle an der Biberen.* 1720, 
Abscb. (Flargrenze) ; vgl. Brtmnen-Stiiben, — Zae-: 
= Nebent' Kammer, meist die neben der Wohnstabe 
liegende and mit ihr verbandene Kammer Gr. — 
B*8chlss-Züg.Chämmerli: = Hudel-Ch. Aa. I«* 
luege^ grad im B'sek. obe^ noch mi—m alte^ Habersack 
[Tornister]. AGtsi. — Zit-: Gemach, in welchem 
sich das Triebwerk einer Tarmahr befindet Bossh.- 
Goldschm.; 1627, TnBürgl. Inv. 

Kammerer, Kämmerer, in Z Chammerer — m.: 
Verwalter des Gates einer geistlichen Genossenschaft 
(von Stifts-, bes. aber Weltgeistlichen), der zweite 
Würdenträger der Genossenschaft and Stellvertreter 
des ersten, des Dekans, kath. Schweiz. ,[Die Pröpste 
des Grossmünsters] band das recht, dass keller oder 
kamrer in allen iren höfen zins fordren and ynn6men.* 
XV., ZFlant Offn. Nach der Reformation gieng in 
Z der Name des Stiftskämmerers aaf den einen der 
vom Rate aas seiner Mitte ernannten Verwalter der 
Nataraleinkünfte des Stifts über; Tgl. Gross-Kdler; 
Mem. Tig. 1742, 88; 1780, 98. Aach bei den Land- 
geistlichen blieb in Z and ähnlich in den andern 
reformierten Orten nach der Reformation die Würde 
eines ,K-s' bis in die neaere Zeit (c. 1830) ziemlich an- 
Terändert bestehen, nar dass an die Stelle der alten 
Dekanate die neageschaffenen Kapitel traten and der 
K., gemeinschaftlich mit dem Dekan, einmal halb- 
jährlich die Pfarrer des Kapitels besachen, d. h. an- 
angemeldet sich in die von ihnen gehaltene Predigt 
oder den Kindernnterricht begeben masste. Vgl. Kam- 
mer-Guet Bd II 549 and Finslkr 1884, 99/100. S. noch 
CHJaten-Gehalter Bd II 1236. — 2. Familienname. 1479, 
L (Gfd); XVI., B (Lea, Lex.). — Khd, kamemere, Käm- 
merer, Schatzmeister. 

Kammer! f.: Amt des Stiftskämmerers. ,Den 4 
Ämteren, Gastory, Camery, Almas- and Bawmeister.* 
RCts. (von L); vgl. Ztbchr. f. schwz. R. XVI b, 42. 

Kamerad (selten mitAnl. c^, z.B. Machari 1884; 
Allem. 1848, sonst 2S/-; z. T., so in Ai; Bs; Th; Z, 
mit aasL t) m.: 1. wie nhd. allg. En schöner K.I ein 
sanberer Gesell! (iron.). KamerätK*s mache* (mü- 
enand), Kameradschaft schliessen Bs; Z. Von Sachen: 
ein gleichartiges, gleich gearbeitetes Stück, z. B. von 
Hemden, Messern, bes. aber von solchen Dingfbn, die 
man nar mit einander oder nur paarweise braucht, 
z. B. von Handschahen, Strümpfen asw. Th; Z. Sjn. 
Gespanen, Der K. zu Dem [Stück] ane*, der K, dervo: 
— 2. Rausch AiLindenb. (scherzh.); vgl. die Euphem. 
Eine"" U-n-Ev^'m [sich] Äa»; nüd ellei* s%\ 

Cammerein m.: bes. za Hemdkrausen, Taschen- 
tüchern asw. verwendeter Batist. ,Alles glatten, ge- 
müg[g]leten, gestrichleten, gemödleten und gerösleten 
C-s.* Z Mand. 1703. .Das Tragen alles C-s und anderen 



dergleichen kostlichen, ab der Frömde kommenden, 
weissen Zeugs, vorbehalten den dicken C. an dicken 
und glatten Kragen.' Z Mand. 1723. 

Eig. Leinwand von Cambmy, Cammerieh, frfiher beliebt 
wegen ihrer Feinheit. In der End. ,-ein' steckt wahrsch. 
die im ft. Nhd. abliebe Form des mhd. Adj.-Soff. -cn, welche 
an die &. Namensform ,Camnier* (z. B. bei Ansh.) antrat, za 
ergänzen w&re also eig. das Snbst. «Tnech*; Tgl. das syn. 
fKammertnch* bei 6r. WB. 

..Kamienke" f.: alte Hexe; meist als nicht eben 
bös gemeintes Scheltw. auf Frauen Gr." 

Das W. scheint ans dem RAto-rom. zu stammen; Tiell. 
mit Suff, -tnoa zn cameg. Blitz, so dass das Scheltw. ziemlich 
onserm Blitxg entspräche; vgl. auch ,BIitzm&deI*. 

Kamille" AaF., Z.; Bs; Soh; ThHw.; ZS., W., 
Karmille* (bzw. 6?-, Ch-) Aa; Ap; Gl; GG., 0., Sa., 
S., W.; ScHW; S; ü (Carmiüwe^); Z (schon 1771, Z 
Ges.), Gramille* kv\ G (auch Gramiüiq*)\ Sch; Th, 
Kanille* GWe.; Z, Kamille* AAHold., Leer. ; Ap; 
GWe. — f.: meist FL, die Blüten der Kamillen-Ge- 
wächse, seltener die ganze Pflanze, dafür K-StOd, 
'Stock, Spec. a) gem. Kamille, matric. cham. allg.; 
Syn. Epfd-BlOemli, Wenn du m%* Schatz wif^tt «■, 
drink du kei* Brannte*w%*; drihk du K-De oder Kaffe 
Bs (Gassenhauer). — b) wUdi Ch, a) falsche Kamille, 
tripl. inod. Aa; ZW.; dafür Boss-Ch. AaF. — f) weisse 
Wucherblume, chrjs. leuc. AABb., Z. — f) stinkende 
Hundskamille, anth. cot. Sch; auch stihkigi K. 

Mhd. camüU, gamiUe. Die Einschiebnng des r schon bei 
KQnzIi, Wthar. Chr. (,Kormillen'), die Umstellung in der 
ersten Silbe bei Ebinger 1438 (,Camomilla, gramill'). Was 
den Anl. betrifft, so zeigt er in den Terschiedenen MAA. 
alle Artikulationsstafen Tom rem. jp des Lehnwortes und 
dessen Erweichung g bis zn kx und endlich /. Die 3 wichtig- 
sten Stufen j:, Jb/. / kommen neben einander bes. in den 
am meisten yolkstttmlichen Formen KarmUJU^, Ka(r)nüU vor, 
während in der, dem Gemeindeutschen am n&chsten stehenden, 
bzw. damit Übereinstimmenden Form KamUlt^ dagegen das 
das Lehnw. charakterisierende kx Qberwiegt (neben ek in 
AaF., Z.; Z tw.). Ffir die Umstellung Gra- gilt nur \, bzw. g. 

KamisOl (in üwE. Cumisol) — n., Fl. -ÖUr: 1. kur- 
zes, den Oberkörper bedeckendes Kleidungsstück der 
Männer, Wams, entw. als Oberkleid getragen und dann 
die Stelle des Bockes vertretend, Jacke, Frack, Kittel 
(BsL.; Sch; Zo), oder dann unter dem Rock, doch 
über dem ,Leibchen* getragen, meist von Sammt, oft 
von roter ode;r rotbrauner oder einer andern grellen 
Farbe, ein besonderes Ausstattungsstück der Vermög- 
lichen Aa; Weste ÜwE. Albe* isch me* ume*^loffe* 
in de* grüene* Halblihhose* und im elbe* K, Bs (Hag- 
röschen). ,Da riss ihn Jmd hinten gewaltig an seinen 
K.-Feckten.' Breitsnbt. ,Camesol, camisia, eine Gat- 
tung Kleidung.' Denzl. 1677; 1716; ebd. an einer 
Stelle der Ausgabe von 1716 als Fem., wo 1677 da- 
gegen das Masc. ,[Diejenigen] welche durch Öffnung 
ihrer Casaqnen obenhar die Camisolen spieglen oder 
selbige untenhar prächtig aushangen lassen.* Z Mand. 
1691/1703. ,Die Caroisol von Sammet, Seiden, gestickt, 
gerissen und genäjet, inn- und äussert dem Haus an 
Mann- und Weibspersonen [zu tragen verboten].* Z 
Mand. 1703. ,Zu Caraisölern und Hosen sollen [Sammt 
und Seide] fernerhin gestattet sein.* Bs Mand. 1765. 
,Mit einem schwarzsammeten K. ; . . mit einem rot 
scharlatneu K.;.. mit einem blau damastenen K.* 
1767, ScHw Inv., neben ,Rock und Hosen* jeweilen 
als Bestandteil des ganzen Anzuges eines vornehmen 



257 



Kam, kern, kiin, koro, kuin 



258 



Jünglings aufgeführt. ,Zwei weisse Gansaner Sommer- 
kamisöler.* ebd. ,Eln weisses Ordonanz-E.' Bs Signal. 
1773. — 2. Überhemd GRHe. — Gamischola f.: 
Brnstkleid der Frauen F. 

Frz. camitoie f., Wams, Unterjacke; r&to-rom. camüchola, 
kurzes M&nDerkleid, im Gegs. zur catacca. Das Neutr. nach 
Ltbli, Wanut. Der PI. camidoU« (Z Mand. 1680) direkt ans 
dem Frz. Vgl. auch Gr. WB. II 603. 

ab-kamisole": mit Acc. F., Jmd abprügeln Bs; 
Zq. — Eig. Jmd das Kamisol klopfen; ygl. das syn. ab- 
tcam»en; ah- in Anlehnung au fab-prüglen^ u. A. 

Camnff Gr (tw. Kamüff), £^ Bs ; G (auch Kamoff); 
Th; Z, in S Kafrjmufti — m., in Bs; S; Th; Z n., 
PI. Kamuffer Bs, Camüff Gr, Kamüffer Z : Scheltw., 
bes. auf einen dummen Menschen Bs; Gr; G; Z; Syn. 
KameL Auch Schelte auf einen rohen, groben Men- 
schen , z. B. einen Haustyrannen S ; abstr. Schelte, 
ohne bestimmt ausgesprochene Bed. AiLeer. 

Ans it camuffo, Betrüger, Schelm, Schalk, unter An- 
lehnung jedoch an die syn. Scheltww. Moff, Muff, Mufti; 
das Neutr., sowie die Fl.-End. -er nach Analogie Ton Kanul. 
S. auch noch Chumüff und vgl. das Scheltw. ,Kanuir bei 
Schm.-Fr. I 1253. 

Kamoseh (t. iämdsch, t. kamusch) — m. GrHc., Fr. 
(nach einer Angabe auch Fem.), n. GRTschapp. : 1. Ge- 
wirr von Menschen (bes. lebhaften Kindern) und 
Tieren, die sich in einander drängen; doch auch von 
Sachen, grosser, ungeordneter Haufe, Unordnung Gr. 
Grad mitte* in dt* K. Vn cho*. JD* Schaf sifid in e 
K, g'sprunge*. E K. Gamstieri. Das ist e K. dur**'' 
enand in dem Stall! — 2. unordentlicher, bes. schlecht 
angezogener Mensch von unförmlichem Körperbau; 
bes. von Frauens-, doch auch etwa von Mannsper- 
sonen GRChur, Fr. 

Vgl. rätorom. acamvuckeda, Verwirrung, Gedr&nge; «ca- 
inuncAer, Etwas rasch verbergen, verstohlen auf die Seite 
schaffen. Die männl. und sächl. Gestaltung des W. könnte 
durch die Synn. Hü/en^ Ku^ppd, Knubel, Durch-tnander (Bd I 
308) bestimmt sein. 

g'-chäm BD.; Uw, &«c^m GlS.: bequem, gelegen, 
passend; Syn. kommlich. Freundlich, vom Wetter 
UwE. — un-: 1. von Personen, nicht »entgegenkom- 
mend', unlenksam, ungeschlacht BD.; Uw. — 2. u«- 
Chams, Adv., ungern, mit Widerstreben BHk., R. £tw. 
u. hä*, ein Ansuchen verdriesslich aufnehmen. Er 
het 's verwendt [verwünscht] u, g'macht, 

Mhd. bequaeme, passend, tauglich, für welche Form und 
Bed. sich Belege auch in unserer &. Lit. finden. ,Die erd, 
die bequ&m kraut tregt.* 1581, Ebr. ; dafür: ,nützliches.' 
1882. ,Niemand, der sein Hand an Pflug leg^ und sihet 
zurück, ist bequem zum Reich Gottes.' JMüller 1665, nach 
Luc. IX 62, wo: «geschickt' 1882. ,Den [zu den Figuren] 
hinzugesetzten ganz bequemen, kernhaften Sprüchen göttlicher 
Schrift.' CMey. 1674. ,Alle Zungen der Welt w&ren nicht 
bequem [würden nicht genügen], die Guttat Gottes zn loben.' 
AKlingl. 1688. Daneben, z.B. bei KSailer 1460; 1531, 
Absch.; 1531/48, I. Maccab.; Kessler die Abi. ,(be)quemlich, 
-kftmlich, -kamlich. Die Vereinfachung des ursprünglichen 
Anl. qu- wie in chifch Sp. 122 u. A. Betr. das Verhältnis» 
und die Vertauschung der Vorsilben be- und ge- vgl. Bd II 50. 
Über die (Ady.-)Form unchäm* vgl. Anm. zu anden Bd I 312. 
Zur Bedeutungsentwicklung vgl. auch die Synn. &nhd. ,be>, 
zukommlich.' 

Chftmi'' Aitw.; Ap; Bs; BSi.; F; Gl; Gr; G; 
Sch; S; Th; W; Z, -c^- AiLeer.; Bs; B; GnSch., Val, 

Schweiz. Idiotikon. HL 



V.; Uw; W, '€'- Bstw.; LG.; S, -0- Altw.; B; FO.; 

GrV.; L; ScnSchl.; ZRafz - n., in GrV.; W f . — 
PI. CÄö-, Chömmmi BSi.; FO., Dat. PI. Chämmene* Z, 
sonst unver.: 1. Kamin, i. S. v. : (gemauerter) Rauch- 
fang, Schlot, in gewissen Bauarten nur bis an das 
Dach geführt und in einigen Gegenden mit einer 
Klappe (Gh.'Deckd) auf oder über dem Dache ver- 
schliessbar; in ä. Häusern, bes. Strohhäusern, aus 
Holz erstellt oder durch eine Asnen ersetzt; vgl. Hurd, 
,Da noch in einigen Gegenden des Kantons Häuser au- 
getroffen werden, deren Feuerheerde mit gar keinem 
Kamine versehen sind.' GFeuerordn. 1811; vgl. Seil. 
52^ In der ä. Lit. selten auch vom Zimmerkamin 
nach wälscher Art und von halb geschlossnen Feuer- 
herden in der Küche, mit Rauchmantel darüber, im 
Gegs. zu der ganz offnen Für-Ghrueb und zur völlig 
geschlossnen Kunst, ,Dass vil lüten deheinen flyss 
haben wellend, ire kemyn und herdstatten ze be- 
sorgende.* 1418, Bs Rq. ,Dass in solchen engen hüsern 
kemjn und fürstett nit wol gemacht mogent werden.* 
1419, ebd. ,Und werdend sy werfen in das kemy des 
fürs.* ZwiNOLi, nach Matte. XIU 42, wo ,Feuerofen.' 
1882. ,1496 ward die kuchi ze Töss im Kloster, mit 
gVelb und kämi gemacht.' 1525, BoBSH.-Goldschm. 
,Wie ein rouch, der zum kämmet auslauft.* 1531/48, 
Hos.; dafür: ,Kamin.* 1667. ,Da8 silber zersprang 
[bei einer Explosion] an die wand und ein teil zue 
dem kemmich us.* 1532, Bs Chr. ,In wellichem hus 
in der statt kemyn sind, sollend zum jar zwüren zum 
wenigesten geruesset und gesüberet werden.* 1539, 
BThun Gerichtssatz. ,15 ß gab ich von den käminen 
ze f^gen.* 1567, Z Grün. Amtsrechn.; vgl. Ch,-Feger, 
wüschen. ,Bim kemi im saal.* 1585, B Arch. (für F). 
,Der Erdbidem hab am Ryn die Kämmin ab den 
Tächren geworfen.* 1601^ ArdOser. ,Das gross Kemi, 
so in der [Kloster-] küche gestanden.* JJRüeger 1606. 
,Das Kamin, Käme, Schornstein, caminus, fumarium.* 
Red. 1662. ,Wann ein Kemi brönnt, soll der Ein- 
wohner 1 Pfd Straf geben.* BGer.-Satz. 1721. S. auch 
noch an-gän, Für-Hus Bd II 1707. — RAA., Volks- 
glaube. Nüt zum Hüs üs lä*, weder de* B^uch us 
^em Gh., sehr geizig sein F. Wer uni Federe* flüge* 
iciU, blibt im Ch. sticke* Sch (Sulger). ,Fleisch im 
Kemi, Wein im Keller, Schnaps im Gänterli und Geld 
im Trögli haben.* Gotth. (Bezeichnung der Wohlhaben- 
heit). E* churzes Ch, ha*, ein Pechvogel sein, dem 
gleichs. jeder Vorteil schnell wieder in Rauch aufgeht. 
Sprww. 1824; 1869. Nit im Ch. s%*, nicht mit Geld 
versehen, nicht bei Kasse Bs (wohl eig. st. Nüt im 
Ch. ha*, jedoch Analogiebildung nach dem syn. schlecht 
im Strümpfli sinj. Er hat sin Speck na [noch] nid 
im Ch., z. B. von fetten Leuten, um anzudeuten, dass 
sie vor ihrem Ende schon noch mager werden; dann 
übh. =r es kann mit ihm leicht noch anders werden Z. 
öppis i* *s Ch. henke* Cchönne*J, Etw., das man einst- 
weilen nicht brauchen kann, bei Seite legen und auf- 
heben Z ; vgL nhd. ,Etw. in den Rauch hängen'. Im 
Winter müend [müssen] d' Wöschere* 's Mul i* 's Ch, 
henke*, mit Beziehung auf die verdienstlose Zelt Z. 
Dem Tribbueb [Treiber beim Pflügen] göt 's bös: Di' 
wird i* 's Ch. ue g'henkt bis über 's Jör, wenn d' Vö- 
geli pßfe*d. KMey. Schuldforderungen, Rechnungen 
(mit der Chole*, mit BuessJ i*'s Ch. schribe* (etwa 
mit dem Zusatz: Und mit der Chriden in'n Melsack 
AxSt.), als unerhältlicb fallen lassen, bzw. sie nie zu 

17 



259 



Kam, kein, kirn, kom, kam 



260 



zahlen beaLsichtigen Aa; Bs; B; Gr; G; Sch; Th; Z. 
Vgl.: ,Wer sein Schuld nicht zalen kann, der soll zum 
Alchimisten gan: Was er verschwendet, zuvor büsst 
ein, sagt [er], es sei bliben im Camein.' Emblemata 
1622; vgl. ferner nhd.: ,Etw. in den Wind, in die 
Esse schreiben.' S. noch Chrüz. Schlaf Eine" sibe* 
Jor dwr'* *8 Ch. uf und ah und werd nid messig, Ent- 
schuldigung eines ungetreuen Beamten L. Ruess im 
üh, ha*, keinen unbefleckten Ruf mehr haben, bes. 
von ledigen Leuten GW. Werden Kohlköpfe vom 
Mehltau befallen, so hat man nur Freitags vor Sonnen- 
aufgang 3 solcher ins Kamin zu hängen; sind die 
Tierchen im Kamin tot, so werden auch die auf dem 
Felde gestorben sein Z; eine ähnliche Heilung eines 
Schadens durch Übertragung s. bei Frosch Bd I 1333. 
— 2. dem Innern eines Kaminschlotes vergleichbare 
enge, steil ansteigende Felsschlucht, bzw. durch eine 
solche Schlucht führender Steig Ap; Gl; GRPr.; Z. 
Häufig als Flurname Ap; Gl, so von einer Stelle am 
obersten Kegel des Altmann Ap. Ghämi, auch Ch.- 
Stalde*, Häusergruppe oberhalb der Stadt Zg, an einem 
steilen Fussweg. Ch.-Loch Schw. — 3. Ort im Spiele 
.Hasen jagen' GrL.; s. Bd II 1666. - 4. scherzhaft 
übertr. auf Teile (bes. Öffnungen) des menschlichen 
Körpers, a) die Mundöffnung, spec. wenn sie nach 
dem Genuss gewisser Speisen sich schwarz gefärbt 
hat Aa. Du hesch nes rechts Ch,! — b) in der Ver- 
bindung mit den Vben ßgen, putzen, messen; vgl. 
Ch.' Feger Bd I 687. a) Nase Ap; Bs; G; Th; Z. -^ 
P) Darmöffnung Ap. — y) verallgemeinert, ohne be- 
stimmte Beziehung, in der RA.: 's Ch. no*^^ aba^^fega" 
wö«a", sich erst noch sauber machen müssen Ap. — 
5. Versammlungs-, Speisezimmer; dem mlat. caminata 
entsprechend. ,Uf den schiffen sind stuben, kammern, 
kemmin, badstuben usw.* 1475, Bs Chr. In Klöstern 
der Wärmestube, domus calefactoria, frz. chauffoir, 
entsprechend: ,Diewyl si also [bei einem Mahl] im 
camin [des Fredigcrklosters zu Oonstanz] wol lebtend.' 
Sicher 1531. — 6. im Schwur: Potz Gh.! euphem. für 
Ketzer Z. 

Mhd. kamin. mit den Nbff. kemin, k'em(m)it, Schornstein, 
FeucrMt&tte, Feuerherd, Ofen; vgl. auch ,Kämet' bei Gr. 
WB. Unsere Schweiz. Form des W. beruht zunächst auf der 
Verschiebung des Worttons, welche durchaus auch für die 
entsprechenden Nbff. des Mhd. angenommen werden muss, 
da nur so der Umlaut (ä fUr a) begreiflich wird. Da in 
Folge derselben auch das aus!, n frei wurde, trat eine solche 
(lautliche und zugleich begriffliche) Übereinstimmung mit 
den zahlreichen Neutris bzw. Femin. auf -«'" ein, dass von 
Beibehaltung des männl. Geschlechtes keine Rede mehr sein 
konnte. Vgl. auch Wissler 1891, 26/7. Die Form ohne « 
begegnet uns in der ä. Lit. z.B. noch: ,Kämy.* 1528, Z 
Kaufbr, ; ,kemy.' 1575, Gfd; ,Käm(m)i.' Bischofb. 1682; Z 
Maud. 1708. Die Knd. -ich auch bair. ; vgl. , Kümmich' aus 
ctuninum. Ö für ä, e ist Trübung vor »i wie in Schömwd, 
Schemel. Den fremden Ursprung von Wort und Sache 
bezeugt noch Dasyp. : ,Caminus, ein ofen und ein welsch 
raucbloch, kftmmin.' Den Namen Lang-Ch. (L) wird das betr. 
Haus urspr. wohl seinem langen Schornstein zu verdanken 
gehabt haben. Zu 5 vgl. .Stube' neben engl, »tove (Ofen). 

Etter-Chämmi: = gegertets Chämmi (Bd II 442) 
ApK., Trogen; G; Th; Z; Syn. Gertel-, Hurd-, Buetm- 
Ch.y Geweih. S. auch Eiter Bd I 597, verett(er)et. ebd. 
Sp. 599. ,Hölzerne, geflochtene und bloss mit Lehm 
ttberworfene oder auf Weidcn[ge]flechten aufgesetzte 
Kamine (E.-Kamine).' G Feuerordn. 1811. ,P]tteren- 
Kamin.* ApTrogen Feuerordn. 1813/29. — Fleisch-: 



Kamin, in welchem Fleisch geräuchert wird, wahrscb. 
identisch mit Fleisch-, Rauch-Hus FO. — Gert(e")- 
neben Gertel-: = Etter-Ch. Ap; Schw. — Gatter-: 
K. mit einem G.-Huet (Bd II 1787). — Hurd-: = 
Etter-Ch. ,I)a noch hin und wieder in Bürgerhäusern 
H.-Kamine sich befinden, ungeachtet des schon in ehe- 
vorigen Zeiten darwider kund gemachten obrigkeit- 
lichen Verbotts.* Z Mand. 1770/84; vgl. Hurd 1 f 
Bd II 1604. — Mantel-: K. mit einem M.-Huet 
(Bd II 1789). — Ruete»-: = J5:«<T-0Ä. ApH., I., M.; 
B; S. ,Ein Bauernhaus, haltet 2 Küchen mit B.* S 1817. 

Chämnete" GrZIz.; GO., Chänüete* GWyl, Chem- 
mete* («' Gr tw.; GRh., Sa.), Chämmete' Aa; BO.; Gl; 
Gr; GFlaw.; ScHwMa., Chemtnet, Ghämmet Gl (It 
Schuler); GRpr. (neben -c), Chämmerte* GLBilt. — f., 
Dim. Chämmetli ScHwMa. : 1. = Chämmi 5, als Ge- 
richtsstube benutzt; daher etwa in Urk. neben aula 
gebraucht. ,Wann die urteil stössig [streitig] wirt, 
soll man die ziehen uf die grossen kemnaten und soll 
da ussgerichtet werden.' UwE. Offn.; dafQr: ,in die 
wyten kemnaten für einen apt.' UwBuochs Offn. ; vgl. 
auch 1347, ZBirm. Verkommniss It Bluntschli (,züchen 
uf die kempnatten für ein apt des gottshus ze Sant 
Bläsi'). — 2. meist gemauertes, bisweilen gewölbtes, 
bald im Mittelstock und dann dem Säl entsprechendes 
(ÜErstf.), bald im Oberstock, bes. aber im Erdgeschoss 
gelegenes, oft eine Art Vorkeller bildendes Geraach 
im Hause rätorom. Stils Gr; GKh. Spec. (gewölbte) 
Kammer mit steinernem Boden GO.; T.; YgL Blättli- 
Chammer; sie dient etwa in der heissen Sommerszeit 
als Wohngemach GMels. Nebenzimmer BBrienz. Sonst 
wird die Ch. meist zur Aufbewahrung von verschie- 
denen Dingen, bes. aber von Speisevorräteu und Kü- 
chengeschirr, benutzt und liegt dann oft unmittelbar 
vor oder neben der Küche ; Küchen-, Speise-Kammer, 
-Gewölbe Aa; Gl; Gr; ScHwMa. (auch Spls-Ch.); Syn. 
Fleisch-, Chuchi-Gemach, Splcher, Spensen. Als Neben- 
gemach von noch untergeordneterer Bed. vertritt sie 
die Stelle einer Plunder-, Kumpelkammer „BO.;** Gr; 
sie hat dann etwa die Form eines langen, schmalen 
Gangs GRSch. ,üie Kemleten in dem Wohnhause des 
XV. war die Laube des 1. Stockwerkes vor der Stube 
und Küche, diente zur Sommerszeit als Speiseraum 
und zum Aufenthalt, sonst zur Placierung der grossen 
Hausratstücke* GWyl (Sailer). ,Es hat sich z' nacht 
ein für in der traamen [Balken] der undcren kämleten 
under der kuche merken lassen.* 1593, Jo8.Maler. 
,N. N. hat 14 Schwynsyten und gross Guot in einer 
g' weihten, g'mureten Kämmeten mit Ysenbalgen [Fen- 
sterladen] und Ysentür.* 1611, Ardüser. Frauenge- 
mach. ,Als sie uf der kemnate betet.* XV., Ita-Legende. 
In der ä. Lit. auch: selbständiges (Vorrats-) Gebäude 
neben dem Wohnhaus. ,I)ie hofstatt derselben hof- 
reiti, du obuen au die kämenatun stosset.* 1346, GPfäif. 
Urk. ,Der Zins haftet auf einer gemurot keminaten.* 
1389, Mohr, Urk. ,Den Drittteil eines Hauses und 
Hofstatt, mit Feldern und Keminaten.* 1391, ebd. 
,Eine hofstatt, mit der kämnaden und dem kälter, die 
darauf gebuwen sind.' 1395, ebd. ,Ein kemmetten, 
gelegen im vorhof ze Fürstnow, mit ir zugehörd.* 

1400, ebd. 

Mhd. kemcnate, ein mit einer FeucrstAtt« (,Kaniiu*) ver- 
sehenes Gemach, Frauengemach, Wohn-, Gerichtszimmer; 
Wohnhaus. Die Form mit m/ ans mn auch bei Goldast: 
,Caminata, camera, conclave arcnatum, Alamannis corrupta 



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Kam, kern, kim, kom, kum 



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Toce Kemlateo/ Vgl. darüber sowie fiber die Assimilation 
mm aas mn auch Gr. WB. Y 528. Chämmerten ist Anlehnung 
an Chammer. Zu 1. In OrPoschiavo heisst ein uraltes Ge- 
bäude, die ehemalige Gerichtshallo, ramminata. Bed. 2 be- 
ruht fQr 6r nnd Nachbarschaft zunächst auf dem rätorom. 
vaminada, ehamineda, Vorratskammer. Vgl.: ,Transfundo cur- 
tcm meam in N., imprimis salam cum solario subter ca- 
niinata, de super alias caminatas subter cellarium, coquina 
usw.' 766, Mohr, Urk.; vgl. ebd. I 10/20. — Auch das en- 
gadinische chamineda bedeutet, wie das syn. deutsche SjAeher, 
ein freistehendes, gemauertes Gebäude; vgl. auch: ,Solamen 
ante domum, cum caminata ibidem sita.' 766, Mohr, Urk. 
An diese spcc. Bed. knQpft auch die Verwendung des W. in 
Flur- und Ortsnamen an. ChämnUete^ Schw (auch ,KämIezon ; 
= ,in der Kammletzen.' 1735, Dettling); S; Zg (,Keroaten.' 
Stadiin : ,Ton Kemnoten.' Zg Jahrzeitb.); Zllln. (,Kaminatun.' 
1220: ,Keminatnn.' 1230; ,Chemnetun.' 1287), nGlatt. Chäm- 
Ute^'-Wald Schw. CA«mffl«te* (geschrieben ,Kämmaten') ZDQb. 
,ln Kemnatun.' XIII., UwSarnen Jahrzeitb. 

..kemjole": beschwerlich und langsam kauen; von 
alten, zahnlosen Leuten. Dazu Kemjole f.. Kern- 
joler m. W.* — Vgl. das syn. kämblen. 

Chim Gntw.; ZO., sonst CÄIwte» — ra. (in Gl; 
OrPf. f.): 1. Pflanzenkeim, bes. von Kartoffeln oder 
Raben, wenn sie gegen das Frühjahr im Keller an- 
fangen auszuschlagen, allg.; Syn. Schoss, Schwanz. 
JlerdöpfehChimen ahtue^, -rupfe*; vgl. ah-chlmen, — 
2. meist nur als PL, Kinnlade CJRpr. — 3. Eifer W. 
Si hei'' c scharpfi Acht utid c CJiimu* gehabet. W Sagen. 

Mhd. kim(e), in Bed. 1. Das Fem. wahrsch. nach dem 
syn. Chiden^ das hier mit seinen Abll. fibh. zu yergleichen 
ist. Bed. 2 (die Übrigens tou einer Seite in Abrede gestellt 
wird) schliesst sich an die Grundbed. des Twdten Vbs kinan, 
sich spalten, Oifben, an; vgl. rhtmen 8, wohl auch nhd. 
,( Fisch-) Kiemen' und (Jim Bd II 806/7, zu 3 ebf. chimen 8 
und Glmen II. S. noch kinuch. 

Erd- (in Z auch Herd-, neben Bode^-Ch.), in 
GDiep. 'Ghimer: 1. ein aus Samen entstandener oder 
gezogener, unmittelbar aus der Erde, also aus eigener 
Wurzel schiessender junger Trieb eines Baumes oder 
Strauches, im Gegs. zu solchen Trieben, die aus Wur- 
zeln älterer Bäume (Wurzel-BruetJ oder bes. nach 
dem Holzfallen aus den stehen gebliebenen Wurzel- 
stöcken ausschlagen (Stock- Usschlag) Aa; ßs; G; Sch; 
Th; Z. Junger Waldbaum Sch; Z. ,3 oder 4 Schöss- 
linge (erdkymmen) im Walde sollen für ein Fuder 
gelten.* 1426, Hof Kriessern. ,£& mag einer einen 
erdkyraer zue einem sparren howen.' XV., GObcrried 
Arch. ,Sy haben us den jungen, yngesch lagen en höwen 
die erdkymen gehowen.' 1570, AiWett. Klosterarch.; 
vgl. 1550, Absch. IV 1 e, 212. »Es ist verboten, Herd- 
kymen, Gert und Ryss auszureissen.' 1681, Wild, Egl. 
,Samen8tämmo von E-en sollen als Überständer in 
jedem Jahre 10—20 Stücke, bes. Eichen, Ahorn und 
Buchen, zur Besamung des Haues gelassen werden.* 
AaP. Forstordn. 1788. Vgl. auch Mone, Ztschr. U 32. 
— 2. derjenige (verarbeitete oder unverarbeitete) 
Stammteil bes. jüngerer, aber auch älterer Bäume, 
der unmittelbar über dem Stock weggehauen ist, im 
Gegs. zum mittlem oder obern Stammteil und zum 
Astholz ; er wird als zäher und dauerhafter vorgezogen 
Bs; G; ScH; Th; Z. Adv. : en Baum erdchime'' ab- 
haue", unmittelbar über dem Boden Z. Runder Reb- 
pfahl, der aus einem an der Erde abgeschnittenen 
jungen Tännchen gearbeitet ist, im Gegs. zu solchen 
Pfählen, die aus dem Stammholz älterer Bäume ge- 
spalten werden ßs; Son; Z. ,Zu verkaufen: Rcb- 



stecken (tannene Erdkiemen)* Bs (Zeitungs- Annonce). 

— 3. nicht gestutzte Schwarzpappel GDiep. 

Das W. in seiner adv. Verwendung scheint erstarrter 
Casus zu sein, etwa nach Analogie von txMen, halben (vgl. 
Bd II 1162), welch Letzteres auch häufig in Verbindung mit 
abhauen verwendet wird. Vgl. ert-kimdinc bei Lexer I 1571. 

chime°: 1. keimen, bes. auch von Kartoffeln, 
Rüben usw. im Keller, allg.; Syn. us-wachsen. — 
2. meist verbunden mit wider, gewissermassen neu 
keimen, nach und nach (wieder) zu Kräften kommen, 
neu Atem schöpfen (z. B. nach Anstrengung); von 
Pflanzen, Tieren und Menschen (auch ökonomisch) 
Aa; B; VC; F; Gl; G; S; Z. !• dem hemen Afrika 
foht '» Müeti wider z' eh. a". Er mag wider g'ch. 
2P eh. cho"*, gedeihen, genesen ZKn. Zu Ansehen ge- 
langen, aufkommen, auch im politischen Sinne B; 
ScHwE. Vgl. das syn. (wider-Jkommen. — 3. atmen 

LG.; SNA.; vgl. den Gegs. ver-ch. — Mhd. kimen, klnen 
sich spalten, keimen, (aus-) wachsen. 

ab-: tr., der auswachsendon Keime entledigen Ap; 
VO; Gr; Th; Z; Syn. d* Chimen abtuen; ab-schösseren, 
-schwänzen, — er- (in S er-g'-ch%me*) : meist refl. = 
chimen 2 BO.; S. 's Vreni isch notisno [nach und 
nach] Wider z'weg cho*, het «** vo* Tag zu Tag er- 
ktmt. BWtss 1863. Syn. ergüfren Bd II 132/3. — 
ver-: dadurch, dass Speise vor die Luftröhre gerät, 
den Atem fest verlieren Th; Syn. ver-chichen Sp. 124. 

— b«-, auch e»tb"-ch. ep- BO.'; S, er-b'-ch. S = chi- 
men 2, meist refl. Aa; B; F; VO; GG.; S; W. a) von 
Pflanzen. Sit dem lesten Regen het si*'' d*r Gartczilg 
[die Gartengewächse] umhi* toll [stark] epchimt BO. 

— b) übertr., von Tieren und Menschen. Er ist wider 
b'chimet W. So, iez maf t«* wider b*ch., sagt der durch 
Speise und Trank Erquickte F. Er het si''* us si**m 
Chlupf [Schreck] Vchimt. Schild, 's Gundi het si'* 
d'rwile"* wider ordli*'* ebchimt g'ha fo" irer schwere^ 
Chranket. Joach. Er wird «** de"» scho'' b. und wider 
zue-n-em selber cho"*. Schild. »Es war schon mancher 
Mensch viel weiter unten als du, ward härter geschla- 
gen und b'kimte sich doch wieder mit Gottes Hülfe.' 
GoTTH. Vgl. auch das syn. sich enthalten Bd II 1230. 

Bi-Ch!mer: Nebenschoss eines Hauptstammes 
GOberried. 

Chlmis m.: Feld-Thymian, thym. serp., meist mit 
dem Zusatz wilder ZZoll. 

Aus gr. lat. thymus verderbt; der Aul. cA ist in An- 
lehnung an chimen und das syn. Chostez eingetreten; die £nd. 
-U aus -u« wie in andern Fremdww., z. B. in Knait aus cattu», 
Gogyi« aus coccu». 

Kommandement : gerichtlicher Befehl, Gehot und 
Verbot; stehender Ausdruck in den Abschieden betr. 
die italienischen Vogteien. Der Gerichtsschreiber soll 
von einem versiegelten Comandement st. 12 nur 10 Kr. 
und von einem unbesiegelten st. 8 nur 6 Kr. beziehet 
dürfen. 1571, Absch. Die Amtsleute in den Vogteien 
Beilenz usw. regieren seit einiger Zeit gar unordent- 
lich, indem sie den gemeinen Mann durch ungebühr- 
liche C-e zu Grund richten. 1573, ebd. — It comanda- 
mento, Gebot, Befehl. 

kommen chjemmen P (Schott), sonst cho(n), in 
Lokalmundarten auch chü* und chä — Ptc. Pf. ebenso, 
in P (Schott) t. g^ch(j)emmen, g'chuen, t. g^chommod, 
(g)ch(j)emmed, in W tw. g'chofnj, in ScnSt. chumme — 
Präs. Ind. 1. chumme, bzw. chomme, in Aa; Bs; Th; W 



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Kam, kein, kim, koiB, kuin 



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tw. einsilbig, in PP. cäu; 2. chunst, bzw. chun(i)sch, 
ehernst, in P (Schott) auch chinst, in Ap; B; oTh; üw; 
W auch chüst, chö'st, in Bü. chousch; 3. chundf 
chunt, bzw. -o-, in P (Schott) auch chind, in Ap; oTh 
chö^d, in PP. chunn; PI. chomme* PP.; Wtw., chum- 
wie«GW., chömme* BO., chemmefnJBs; Wtw., „chätnme 
FMu.", chömmed Z, chond GnSch., chtmd GSa., kund, 
kund GrUaI, chönd B; GA.;ZO., che'nd GlK., chönn 
GrPf., chö^d oTh — Conj. chomme' W, chömmCi) 
ThHw.; Z, chemme' W, chämm (PI. chömme) Gl; GW.; 
S; ThHw.; Zu. — Cond. che*fn(ij, -ti, bzw. -c'-, -•*-, 
in BSi.; GRHe.; GW.; Sch; Z -ie-, in Ap -mc- — Imp. 
chumm, bzw. chomm, in P tw. chimm, in BBrienz cÄunn, 
in W tw. cÄÄ; I. im Ganzen wie nhd., d. h. mit con- 
creter, aber nicht immer räumlicher, sondern oft uneig. 
Bed. 1. ohne Ortsangaben. 1) mit pers. Subj. (Men- 
schen und Tiere), a) absolut, d. h. ohne Obj. a) im 
gewöhnlichen S. allg. Ghö! rufen beim Versteckenspiel 
die Kinder, die sich verborgen haben, zum Zeichen, 
dass das Suchen beginnen könne Tb; Z. Syn. hello! 
Chumm emmd da**! ironisch i. S. v.: es wird nicht 
gehen, wie du meinst! (wohl i. S. einer Aufforderung, 
dass der Angeredete selbst kommen solle, um Zeuge 
von der Unrichtigkeit seiner Erwartung zu sein). 
fKummeti t** nit hüt, so machen «** bis morn! d. h. 
kriege ich heute nicht genug, so esse ich bis in den 
folgenden Tag hinein.' Gotth.; aus der unter hüt 
(Bd II 1780) mitgeteilten Formel umgemodelt. ,jKtne" 
clw*lä*, provocantem exspectare.' Id. B; Z (ruhig ab- 
warten, ob ein Feind erscheinen werde, um seine 
Drohung auszuführen). Die Art der Bewegung eines 
Kommenden wird durch Infin. mit ,zu' bezeichnet, 
entsprechend dem Gebrauch des Ptc. Pf. in der Schrift- 
sprache, der uns eben so fremd ist, wie der Schrift- 
sprache der unsrige. Es chömmed Vögel z* flüge: 
Stütz. JEr chunnt z' laufe"* Tu ; Z. Eigentümlich ist 
die Form des Gerundiums (-e'^d aus -ennj mit ange- 
hängtem adv. 'S, Er chunnt z* gumpets, e' chrüchetSj 
z' laufets ZF.f Pleonastisch wird oft der Inf. cho noch 
vor den andern gesetzt, wie gän verdoppelt wird. Er 
chunnt cho* z* renne* Bs. Wer chunnt dert so cho" 
z' laufe""? B. Anders: Er hat mt** chönne"* überz'cho"' 
cho"", es ist ihm gelungen, mich zu überlisten GA. Die 
ä. Spr. setzt den Inf. auch ohne ,zu'. ,Er kommt aus 
dem Gemach laufen.' GGotth. 1619. In GrL. statt 
des Inf. das Ptc. Impf, (in flectiorter Form). Er chunnd 
singende. — ß) in prägnantem bes. Sinn, aa) beim 
Kartenspiel Jass eine Partie mitmachen (da es frei- 
steht, bei schlechten Karten zu verzichten) Th; Z. 
Syn. macheti. 1** chummen uf mini Charte*, ich spiele 
mit den mir zugeteilten Karten, ohne dieselben an den 
sog. Blinden [die bei der Verteilung zunächst frei ge- 
bliebenen und ungesehenen Karten] zu vertauschen. 

— pß) in einer öffentlichen Druckschrift genannt wer- 
den, z. B. in einem amtlichen Blatt bei Anzeige von 
Veränderungen im Civilstand (Verlobung, Tod) oder 
im Vermögensstand (Ooncurs) Th; Z. S. noch bajnrtn. 

— YY) gekleidet erscheinen, mit näheren Angaben, 
auch mit dem Zusatz dethä' (s. Bd II 1567). Die 
chunnd wider einist! auffallend gekleidet L. Chumm 
es anders Mal chll [ein wenig] ördliger! ebd. Schwarz 
cho*, bes. i. S. v. Trauer tragen, allg. Wie g'sehd-er 
aw* üs, der Antichrist ? Der chunnd eigeli^^ chöstli"'*. 
WoLP, Rel.-Gespr. Si chunnt bald es wte-ne*" Sü und 
bald es wie-ne* Hallmarr; si weiss afig nit, wie si iHll 



cho ü. ,Dcr Bauer Herr sich nennet, der Bettler 
kommt wie wir.' Alpbkknospen. S. noch Für-FÜl. Mit 
bildl. Nebenbed. Du chunnst wider emäl schön im 
Halstuech! von Einem, der Etwas verbrochen hat 
ZNerach; auch von Einem, der im Spiel Unglück ge- 
habt hat. Wortspielend mit der Bed. 2) a s. Verene 
Bd I 915. Poetisch auch von der Federbeklcidung 
von Vögeln. ,D* Spyren [Mauerschwalben] kommen 
glatt und schwarz.* RMet. 1833. In der ä. Spr. z. T. 
noch mit dem Zusatz ,gekleidet'. ,Leitent andri klei- 
der an, das* sy käment als küng.' HsSchOrpf 1497. 
,Das gemain volk, das kommt mit schlechter kladung.* 
Stockar 1519. ,Wie dann die Babylonier in irem land, 
da sy erboren sind, kommend.' 1531/48, Ezech.; dafür: 
,zu tragen pflegen.' 1667. ,Vil kamend weltlich b*kleidt.' 
Salat. ,Caipha8 [soll gekleidet sein] als ein Hocher 
Priester, so er im tempel ist; sonst soll er kon wie 
Annass.' L Bühnenr. 1545/83. ,Die weiber strychend 
sich mit cselmilch an; da kommen sy denn wie die 
engel.' Tibrb. 1563 (hier also von künstlicher Gesichts- 
farbe, Schminke). ,Die Kinder stellen sich vor die 
Contrafait ihrer Alten und fragen die Eiteren, ob sie 
zu ihrer Zeit, in der Jugend, auch also gekommen.* 
JMüLL. 1673. »Schwarz kommen.* Z Mand. 1730. ,So 
schön ich auch daher komme.' AKyburz 1758. S. noch 
Liren- Huer, Ober fallen. — W) von Frauen: in die 
Wochen kommen Th; Z. Von weibl. Tieren: brünstig 
werden U; W. Z' frueh cho*, vor der Zeit gebären 
ScnSchl. — es) von kleinen Kindern, in der Nacht: 
erwachen und Pflege verlangen Bs; Th; Z. Der Ge- 
burt entgegengehen, zur Welt kommen: ,0b nun 
ein kind also käme und werden wollte.' Bdbf 1554. 
Z* frueh cho* Z. — K) mit und ohne die Zusätze 
dcvo*, dänne*, e*weg; wider, von Kranken: genesen 
Ap; sich erholen; auch ökonomisch vorwärts kommen 
W. — fffi) zurecht kommen, auskommen, sich helfen. 
Si hei* nümm g*wüsst z' gwere* und z* clw*. Breitrnst. 
Auffallend auch mit Acc. d. S. (meist unbest. es) : Etw. 
vermögen, zu Stande bringen, damit fertig werden. 
I** chumm-es fast nid, vermag es nicht zu Ende zu 
bringen GrPt. J** bin 's nit chon, kam nicht dazu, 
es gelang mir nicht GrA. 1"* kumme 's nümmen i* 
d* Chirche* GrHc. Aber: es cho* mit Ei**m, gut mit 
ihm auskommen, freundlich verkehren. Schi chom- 
mend 's guet mit enander Gr. Syn. es können, — 
^) sein Ziel rechtzeitig erreichen Aa; Z. Pressier 
aw** nüd eso, du chunnst no*^^ wol! S. noch ge-k. — 
b) meist mit Dat. P., selten abs. a) begegnen, auf- 
treten, verfahren gegenüber einer Person, in unfreund- 
lichem Sinn, und mit Reden: Etw. gegen Einen vor- 
bringen, geltend machen; zuweilen mit beigefügter 
Präpos. (mit, von) und Sachbestimmung. Er soll-mer 
nüd (eso; mit, vo* DimJ cho*! Aa; Bs; Gl; Gr; Th; Z. 
Aber due isch-er-em cho*, heftig gegen ihn aufge- 
treten U. Er ist-mer wuest cho^, er hat mich be- 
schimpft Aa; Z. ,Der Pfarrer komme immer damit, 
dass die Reichen die Armen drücken.' HPkst. 1790. 
,Du machst dem Meitschi ganz Angst, kommst so 
ernsthaft, dass es mir selbst den Rücken auf geht.* 
Gotth. Schlauwis cho*, schlau verfahren Z (Spillm.). 
Zwingli fordert bei einer Disputation die Gegner auf, 
sie mögen ,mit der Schrift kommen', Beweisgründe 
aus der h. Schrift anführen. ,Nach Diesem kam er: 
[folgen Einwendungen].' 1621, B. In drohendem Sinn: 
Chumm-mer nu*"! wage es nur, mich anzugreifen, ich 



265 



Kam, kein, kim, kom, kum 



266 



werde mich zu wehren, zu rächen wissen! Th; Z. 
Mer tuend 's nüd, und da chann eus jetzt eho*, wer 
will! UFarkbr 1883. «Tust es nicht, so komme ich 
dir bald, ich will dir g'wüss bald g'nug auf den Eisen 
sein.* FWt88 1672. — ß) Einem gelegen kommen, um 
Vergeltung zu empfangen. Du chunnst-mer scho* no"^! 
es wird sich wohl noch fügen, dass du mir Genug- 
tuung leisten musst GRCbur; Th; Z. — f) es chunnt- 
em Eint, eine Weibsperson erhebt Ansprüche gegen 
ihn als Vater eines unehelichen Kindes Z. — d) Eim 
Eis cho; zutrinken, vortrinken Bs; Z (aus der Stu- 
dentensprache). — 2) mit sächlichem Subj., das oft 
pcrsonificiert wird, daneben aber auch als unpersön- 
liches es erscheint, a) von Pflanzen: keimen, hervor- 
spriessen, gedeihen, ausschlagen Bs; L; Tu; Z. Dir 
Baum chunnt nütnme'*, schlägt nicht mehr aus, ist ab- 
gestorben Th; Z. Der Same* chunnt B; Th. Hieher 
gehört auch das bekannte Wortspiel von den Tauben 
und Erbsen : Gfiömmed si nid, so chammed si; chömmed 
si, se chömmed si nid Bs; L; Z. ,D* Nesslen und ander 
Unkraut komm auch nur im Sommer und zu Winter 
vergangend s' wider; daher müss man auch nach- 
lassen, essen und vergessen.* Schimpfr. 1652. Auch 
nur vom Blühen : Im Merze* chommi^'d d' Parilleli 
[Aprikosen] Z. — b) von Erscheinungen, Ereignissen 
in der unorganischen Natur. D* Sunn chunnt, bricht 
hervor (früh Morgens oder aus Wolken). Der Berg 
chunnd, von einem Bergsturz GRPr. Chw" wie d* Eüfi 
[Bergsturz], in stürmischer Eile. ebd. D's Wasser 
chunnt grosses g^nueg am Brunne'*, me* chann druf 
warte'' (bis der Zuber voll ist) BBe. Mit unbestimm- 
tem es. Es chunnt schwarz undtn üf, Gewitterwolken 
steigen im Westen auf Th; Z. Es chunnt ehalt ine, kalte 
Luft strömt ins Zimmer Th; Z. Beim Einsturz eines 
Teils des Ufers in den Zuger See riefen die Leute: 
Es chunnd! es chunnd! Mit beigefügtem Dativ: Es 
chunnd-em wider einisch! von einem Regenguss U. 
Der Oster [Ostwind] mag Meister [siegt], es [das 
Wetter] chunnt gruet / G aLandsch. Ähnlich Gr; Th; Z. 
— c) von Zufällen, Schicksalsfügungen, Erfolgen 
menschlichen Tuns. Me* mues ni'*, was chunnt Bs; Tb. 
Von Speisen: aufgetragen werden. Esse*, wa>s chunnd 
Th; Z. Er schwätzt, wa^s-em i'^'s Mül chunnd [einfällt] 
Tu; Z. Er nimmt a", was chunrU: wenn er 's Mul 
uftued, se passt 's ine* AiFri. (Rochh.). ,Niram, was 
kommt, es ist ein Regel, sonst bekommt's ein ander 
Gast* JCWkisbbnb. 1681. Es chunnd nö-di^ö [nach 
und nach] ÄUs, wenn me* nur g^warte* mag. Ineichen. 
Wenn 's nid chunnd, wie me" wiU, so mues me* 's n^, 
wie 's chunnd, ebd. ,£s musste stark kommen, ehe 
er sieh gegen Frau oder Knecht die leiseste Bemerkung 
über ihr Betragen erlaubte.* Gotth. Lueg, wie 's cho* 
wird, sieh zu, wie es sich gestalten wird B. Es chunnt 
änderst fa's me* g'meint hätj Th; Z. Es chunnt guet, 
die Sache ist auf guten Wegen Gr; Th; Z; auch: die 
Arbeit gerät B. Was lang wärt, chunnt z'letst guet B. 
Es icird au*^ wider besser cho*. Stütz (Trost im Un- 
glück). Auch ohne guet, i. S. v. Besserung nach 
Krankheit. J«* glaube'', es chäm, wenn d' Chreft hesser 
zueni" we^tte" BsL. Ein Genesender, um sein Befinden 
befragt, antwortet: Es chunnt nö*^^ und nö^^ Th. Mit 
beigefügtem mit, von Person und Sache. Es chunnd 
(nüd) guet mit Dem Z. — d) mit beigefügtem Dat. 
P. od. S., in verschiedenem Sinn. Es chwmd-^m, er 
wird zornig L; es geht ihm ein Licht auf, er fängt 



an zu begreifen Bs; B; L; G; Th; Z; er bekommt 
Lust Th; Z; sein Geschäft kommt in Aufnahme Ap. 
Oft mit dem Zusatz : wie dem alte"* Wib 's Tanze'' Bs ; 
B; ScH; Th; Z; aber in Ap; G ironisch i. S. v.: es geht 
abwärts, rück wärt« mit ihm, er macht keine Fort- 
schritte. , Jetzt kam es ihr [zum Bewusstsein].* Gotth. ; 
dafür in der Berliner Bearbeitung: ,sie fühlte es*. Es 
chunnd-mer änderst, ich werde andern Sinnes Z. Es 
wird'der scho" na [noch] a. cho*! Es müesst-mer na 
a. cha*, seb [bevor] t«* Dcks tat Z. Wer 's cha"*, Dem 
chunnd 's, sagte der Schneider, als er am Samstag ein 
Paar Hosen zu flicken erhalten L (Ineichen). Von 
einer Sache, z.B. dem Feuer, aber personiflciert: 
Es chunnd-em, es fängt an aufzugehen Th; Z. — 
e) von Kleidungsstücken: passen, gut stehen. Wie 
(^unnt-mer die Hübe'*? ScuSt.; Th; Z. Chunnt mer 
d' Schöss [Schürze] recht und df Chappe? Stutz. ,In 
dem einfachen, aber gut kommenden Kleid.* TTobl. 
1830. Wie chunnt de" Ermel? wie macht sich die 
Sache? Z (Dan.). — f) zukommen, gebühren P (Schott). 
Mi" Vatter, ghn-mer, was mir chunnd von ewer Sach, 
mit der Var. g'herd, Lucas XV 12. — g) zu stehen 
kommen, vom Preis einer Kaufwaare, eines Aufwandes 
B; Th; W; Z. Es chunnd-mi^^ wolfeäer. Es ist mt'* 
tür cho\ Drunder eho*, billiger. Dc" Schoppe* chunnt 
verschid^, d. i. vom einen Wein ist er teurer als vom 
andern. ,Ist mit sammt allen Unkosten kommen auf 
150 fl.* 1672, Z OGlatt. ,Pfahle, deren jeder ihne einen 
Dukaten kommen soll.* Sererh. 1742. — h) Mischung 
von pers. und sächl. Construction: ,Der keiser sy uf 
kommendem weg*, im Begriff zu kommen, unterwegs. 
1474, Bs Chr. — i) ,kommen* und ,gehen* formelhaft 
zsgestellt. a) gleichbedeutend; s. gä" 2d (Bd II 7). 
— V) gegensätzlich. Wie-n-es chunnt, so geü 's (göt 's), 
wie gewonnen, so zerronnen B; L. S. noch gä* 2 c 
(Bd II 5). — 3) mit pers. und sächl. Subj. Chan ma- 
chen, durch Zaubermittel bewirken, dass Jmd ge- 
stohlenes Gut zurückbringt GnObS. Sächl.: ,Sie kann 
machen, dass Das alles aus anderer Leute Häuseren 
heimlich zu ihr kömmt, d. h. sie kann's ziehen.' B 
Hist. KaL 1840. — 2. mit Ortsangaben, a) mit Präpp.; 
s. unter ab, über, uf, um, an, us, von, gegen, hinder, 
ze (Bd I 26/7. 57. 117/8. 224. 230. 251/2. 550. 839. 
n 141. 1413. 1416); ferner unter den Advv. darab, 
-über, -üf, -an, -üs; um-, an-, us-hin (Bd I 30. 60. 
122. 259. 558. II 1327. 1332. 1339). Hiezu folgende 
Nachträge. Ab-em Weg cho = sich vergän. Mg. ; auch 
bei Fris.; Mal. ,So man über den hebräischen text 
kommt.* ZwiNOLi = ihn nachsieht. ,Wie ich über myn 
sack bin kan, da gibt es sich grad ongefar, dass ich 
mjn gSltli also bar in mjm sack find.* Ruef 1540. 
Uf Einen, bzw. Öppis cho", an den Namen sich er- 
innern Gl; Th; Z. Jmdm uf öppis eho"*, Etw., was 
er geheim gehalten hat, entdecken Gr; Th; Uw; 
W ; Z. ,Z'let8t kam er uf das recht«.* UEckst. ,Ein 
jetlicher, der solchen säche und den nit leidete [ver- 
zeigte], dSr war um 5 seh. kommen.* 1486, Estbrm. 1875, 
ge Wissermassen euph. für ,gebüsst*. An öppis (ancj 
cho*, es berühren B; Z. ,Ein Bein [des Tisches] war 
kürzer als die andern, was ein kurzweiligs Gnappen 
gab, wenn man daran kam.* Gotth. Wem-me* [nur] 
mit-eme" Gedanke* a* 's Züngli ane* chunnd, so gat 's 
ab [geht der Schuss los] Z. Wenn es Regc^öpfli 
dra* chunnt, so gi^t 's es Mösli [Fleck] Z. S. noch 
jucken 6 a (Sp. 38). ,An Etw. k.* aber auch = nach 



267 



Kam, kein, kirn, kom. kuin 



268 



Etw., namentlich Speisen, ein Gelüste haben Ap. An 
(hinder) enand cho*, handgemein werden Sch; Th; Z; 
auch bei Hosptn. ,Mit Worten an Einen k., invehi 
in alqm.' ebd. ,An Jmd k.' aber auch = sich mit einem 
Gesuch an ihn wenden B; Jmdm zutrinken BSi. Jch 
kumm an fich, myn liebe gspil!' sagt die Hofdame 
beim Trinken in die Bunde. JMurbr 1559. ,An einen 
Eindsteil, an das eigene Gut k.', vom Erbrecht einer 
Frau, den Anteil eines Kindes, bzw. das zugebrachte 
Vermögen bekommen Gl (Blumer, RG. I 495). ,Die 
durch gleichsnerei an gewalt kommend, sind merteils 
die grössten tjrannen.' LLay. 1582. ,Etw. an sich k. 
lassen.' , Wollet Ihr die Angaben des N. als richtig 
anerkennen?' Antw.: ,Ja, ich lasse sie als wahr an 
mich k.' Z Verhör. ,Er befahl es dem Buben [Knaben], 
und als Der sich anfangs weigerte, an seine Worte 
nicht kam [ihnen nicht nachkam], so gewöhnte er ihn 
mit Ernst zum Gehorsam.' Gotth. ,An Etw. k.', darauf 
eingehen, sich damit zufrieden geben Gr. ,Sy sagten, 
sy könnten daran nit kon.' 1585, B Archiv. ,Noch 
wollten die burger, welchen heimliche ersorgnuss in 
buesen gefallen, an disen bescheid nicht k.' Wurstisen. 
,So ihnen geholfen wirt, daran sy k. mögen, so ist es 
erlöst [erledigt] ; wo nit, so soll ihnen nit verspert 
syn, für die Gemeinden zu erschynen.' Gr Landsatz. 
1619. ,Seine Antwort seige beschaffen, dass man wohl 
daran k. möge.' 1632, DHkss 1818. ,Gott wollte keines- 
wegs an die scheinlichen Entschuldigungen [des Moses] 
k.' Klimgl. 1688. Anders: ,Also kommend die gott- 
losen Schirmer der Fasnacht auch nit an dise Grund.' 
Fred. 1601 = müssen sie gelten lassen, vermögen sie 
nicht zu bestreiten. In es Früre* cho, einen Frost- 
anfall bekommen GnPr.; vgl. s^ fr. cho unter 2, 2) b a. 
,Ich will den bscheid von im verstehn, damit du kom- 
mest aus der sach.' Holzwart 1571. ,Von Etw. k.', 
auch = Etw. verlieren, z. B. eine Fähigkeit. Vom 
Säugge* cho" GRPr. Vow (db-emj Schlaf, vo* der 
Wärmt cho Z. Schi chennend nit von enander cho; 
von Streitenden, aber auch von Verliebten W. Vom 
Pfarrer eho'* Sch s. Her I 1 c (Bd II 1528). Der 
Chnecht ist z* Martini ron-is cho* [aus unserm Dienste 
getreten] üw. Im S. v. sich entfernen, sich wegmachen : 
,Nit von der statt ze k.' Z Ger.-Ordn. 1553. Prägn. 
= von Etw. zu reden beginnen, zur Sprache bringen. 
Chumm nüd t^o" Dim. ,Dass ihm [einem Abmagernden] 
die Unterhosen nicht vor den Schritt k. [ihn am Aus- 
schreiten hindorn].* Gotth. und ähnlich Z. Hinder 
Eine** cho'', sich an ihn machen Bs; Th. Me* chunnt 
nid hinder in, wird nicht klug aus ihm B. Öppis 
heisse* mit Ei'^'m cho, es stehlen AaF. Zwe Eim selber 
cho% auch von gedörrtem Obst, wieder weich werden 
GTa. ,Zu der eh k.*, sich verheiraten. 1297, ZWthur. 
— b) mit Adverbialien, a) räumlich, s. unter den bei 
2 a angeführten Advv. und Snen, darin, von einand, 
über einand üs, vor, für, fürt, hin und seinen Zsscn, 
für-, da-, dert-her Bd I 266. 292/3. 307. 552. 928/9. 
953. 959. 1042. II 1316 ff. 1562. 1566. 1567; ferner 
dar-niben, vor-bi, für-, hinder-sich, en-toSg» Neben-ab 
cho* 1) zu spät, zu kurz k. Bs. 2) zur Seite geschoben 
werden B. Dri* cho*, verlorenen Zusammenhang wie- 
der finden Uw. Von enand 1) von einem Kleide, das 
nicht ganz schliesst ZG. 2) sich enzweien Th. ,So 
kommend wir dannoch nit z'spat, ob wir ein wyl 
schon ziehend hein, bald demnach kommend überein 
[wieder auf dem nämlichen Platze zusammen].' Waon. 



1581. Furt cho*, auch von Personen, eine Stelle ver- 
lieren B; Th; Z. Umme*, von falschen Ansichten 
zurück üw. N&ie*t'Use cho*, verschütten (beimGiessen 
von Flüssigkeiten) Z. 's ist schad für Das, was n. 
chunnt, scherzh. von Schlägen Th; Z. Füre, vorwärts 
(ökonomisch) Ap; Uw. Hindere^, rückwärts, in Ge- 
sundheit oder in Vermögen Ap; Uw; Z. — f) Art und 
Weise. Becht eh. Du chunnst mir r.! ironisch, Ab- 
fertigung Th; Z. i2r r. eh., sich von einer Krankheit 
erholen Gr, in Ordnung kommen Gl, wieder zum Be- 
wusstsein kommen Th. Chummlieh, kommod eh., zu 
Statten kommen B. Wol eh., ebenso Bb; B; Th; Z. 
Es soll'der wol eh., dass . . ., es ist besser für dich B 
(Zyro). ,Wann ihr den und disen Schilling, Batzen, 
Guldin, den ihr an die Hoffart wendet, neben sich 
legen wurdet, wie wurd euch Solches im Mangel so 
wol kommen?' Müller 1673. Sonst in der ä. Spr. 
auch : zum Heil gereichen, wohl ergehen. ,Der rechte 
mensch bittet Gott nienerum [um Nichts], denn dass 
im wol nach Gotts will kumm.' UEokst. «Desglychen 
künig Hieroboam kam.' ebd. ,In'8 Herrn zorn nit 
sönd ir treten, besunder in vor ougen han, das beiden 
üch dann wol wirt kon.' Rüsf 1550. Beim Zutrinken: 
wohl bekommen. ,Gott geh, dass üch wol kumm! 
Gott g'segne's üch!* Aal 1549. Im S. v. gefallen, be- 
lieben. ,Da8 ze phenden und ze verkoffen, wie es 
inen allerbest füegt und wol kunnt.* 1387, Kind, Urk. 
1882. Auch ohne ,wol.* 1318, Gl Urk. ,Übel eh., 
defectum rei sentire.* Id. B. Z' churz eh. mit Eim, 
im Wettkampf unterliegen. Z* churz eh. an öppis, 
Mangel daran bekommen Ap; Th; ZG.; absol. akkor- 
dieren müssen, fallieren Ap. ,In ein k.*, überein k. 
1407, Wegklin 1844. — IL in abstrakter Bed. 1. als 
selbständiges Vb. In Verbindung mit prädikativem 
Adj. oder Subst. : werden, a) mit Adj. BG.; FMu., 
Ss.; Gr; P; GG.; W. Vdl eh., sich betrinken BS. 
Übel eh., unpers., ohnmächtig werden GrL. ; W ; ebso : 
schlecht eh. GrHo. War eh., eintreffen, sich bewähren 
W. Der Ättu* chunnt chrankna* u*^ stürbt. Schwzd. 
Er ist tod g'si* o umbe [und wieder] Ubege" cho* FU. 
Z' hinder für eh., verrückt werden Gr; GG. »Lutzel- 
burg sy voll Lam parter kommen', von lombardischen 
Truppen besetzt worden. 1475, Bs Chr. S. noch u. 
zue-haben I & (Bd 11 925). — b) mit Subst Soldat, 
Tokter eh. Gr. Mit Präp. Zum Chind c/»., kindisch 
werden W. ,Dem Land zu Nutz und Fromme" eh.* 
ßüHL. Der lieb Gott hed-mer vil Guets z' Teil la* cho* 
GnSchiers (Schwzd.). Aber auch geradezu: 1** han-em 
Eis la eh., einen Streich versetzt W. ,Da8S sie [die 
Fische] den menschen zu speis kommend.' Fischb. 
1563. — 2. als blosses Hülfszeitw. 1) mit Ptc. Pf. 
zur Umschreibung des Passivs neben oder statt »wer- 
den' BG.j Amt Laupen und von hier aus auch ins 
Seeland eindringend; FSeebez. (mit Ausschluss von 
,werden'); Gr; GG.; W. Da müesse* hunderg MBssi 
g'lesna* cho*. Schwzd. ,Das Stück kommt morgen ge- 
mäht.' Er ist g'chibet cho* [gezankt worden]. Er ist 
gefragte cho*. Du ctiüst g'schlage* [wirst geschlagen 
werden]. Du cha^'st-mer g^stoUe"" chon. Er [der 
verlorne Sohn] ist verlorn^'' g'sx* o ist umbe!* [wie- 
der] g'funne* cho'\ Dial. Sind die echt hie g*machti 
du)*? fragte sich der W Bauer, als er nach Paris 
kam und die schönen Häuser sah. — 2) mit Infin., 
dem meistens ,zu' vorangeht, a) zunächst noch mit 
Einschluss od. Nachwirkung der räumlichen Grundbcd. 



269 



Kam, kein, kirn, kom, kuin 



270 



a) uiipers. , von bevorstehenden Wetteränderungen. 
Vgl. I, 1, 2 b. Es ckunnt a^ regne"* , z* »chneie*. Statt 
,zu' steht auch go (ge); 8. ^fö". (Frz. il va pleuvoir, 
verschieden von venir a . . ., i. S. v. ß.) — ß) von Fü- 
gungen des Zufalls oder Schicksals (vgl. I, 1, 2 c, nur 
dass hier das Subj. persönlich ist) Gl; G; Th; Z. P* 
chumme mit im z* rede''. Uf Öppis ^ rede* cho*. Eine" 
z* g'seh, Öppis z* wüsse"* 6ho\ ,Sy kamend beid ein- 
andren in*s haar ze rauifen^ sie gerieten einander in's 
Haar. BossH.-Goldschm. ,Wyter ich uf das ander [zu 
reden] kumm.' JMurer 1559. ,Wenn Vater oder Mutter 
mit Tod abgiengend und [es] zu fällen kommt . . .* Gr 
Klost. LB. One dass st '« Fegfür z' schmöcka* kom- 
mind. Göldi 1712. — f) vom Vermögen, Etwas zu 
leisten, zu erlangen, oder vom Erfolg eines Tuns. 
Vgl. nhd. »zu Etwas kommen* in entsprechendem S. 
Gr; G; Sohw; Th; Zg; Z. Er tcär Das nüd z* lerne** 
cho"*, hätte es nicht zu lernen vermocht. Früeh z* 
rede"" ctw, sprechen lernen. Dagegen: 1«* hi* nüd 
z* r. cho*, nicht zu Worte gekommen, vor einem 
Schwätzer. J** W" nümme* z' schnüfe* cÄo", ich habe 
nicht mehr Atem holen können. Er chunnt nüd z* hü- 
röte*. Er chunnd nüd z' r/ä", er gewinnt nicht die 
Kraft zu gehen. Vgl. noch: z^ chime"* cho''. Ws Bluei 
z* g'steUe* cho*, zu stillen vermögen. Wemm-ma^-ma 
[ihm] der Trank Vz'schMta'^ chiemti. Scuwzd. De^ ganz 
Bode* z* wasche* chunnd me* nid, wenn mc" bis gegen 
Abe*d im Herd werche" muess, ebd. — Ö) Absicht 
oder Zweck eines Kommens anzuzeigen, steht vor dem 
Inf. nicht ,zuS sondern ein pleonastisches cho oder go 
(gänj Ap; Bs; Gl; Gr; Th; Z. I*'* tpill ich 's cho* 
zeige*. Si soUe*d chu* (oder ga*) chaufe* cho. I** 
chumm-dr chu* säge*. Auch beide Hülfsvbn zs., z. B. : 
Chönnd cho-gen esse*! kommt zum Essen! Z (nach der 
Verbindung gönd go-gen e.J, — b) übergehend in die 
Bed. von Anfangen, Eintreten einer Tätigkeit oder 
eines Zustandes. a) von leiblichen Zuständen, ,An- 
wandlung* von Empfindungen, z. B. frieren, dürsten, 
schwer atmen. 1** bin ab em iMufe* z^ schwitze* cho*, 
in Schweiss gekommen Th; ZO. Me* chunnt z' früre*, 
wemmer [wenn man] mue^ i* d' Längi sto* blibe^ Z; 
auch von moralischen Empfindungen, von Schauer 
bei Abscheu, Mitleid, Schreck, wenn man Etwas mit 
ansehen oder hören muss. Auch unpersönlich: Es 
chunnd-mi^^ z* früre* (nach : es frürt-mi^^J. Von einem 
Glied als Subj.: Der Arm chunnt Ei**m eso we z* 
tue*, beginnt zu schmerzen Z. Bildlich übertragen 
auf einen belebt gedachten Körper: ,Ein rollender 
Stein kommt nicht zu erwarmen.* Sprww. 1824. — 
p) von beliebigen Tätigkeiten oder Zustanden. Er 
chunnt z' erschlechte*, föngt an schlecht zu werden 
GuPr. Er chunnt z* stinke*, von einem Leichnam Z. 
Mach nüd, dass er z' schreie* chunnd! Z. Er ist 
z* chUnd cho*, hat angefangen zu schelten Ap. 

Im PI. des Ind. Prä», wird ö aus dem CoDJ. eingedrnn^eD 
Bein wie bei anderen unregclm. (bes. bei den einsilbigen) 
Vben aus dem Prät. Conj. nach Analogie der Prät.>Pr&s. (nhd. 
können, mögen). Vor den dentalen Personalendungen (d, t, «t) 
wird m durchweg cbf. dental, behauptet sich aber vor der 
unorganisch und pleonastisch angeschwoissten Konditional- 
Endung II. Auch die Verdünnung des m in der Imp.-Form 
rhunn, welche in ckü mit gänzlichem Aufgeben des cons. 
Schlusses endigt, wird ans dem Streben nach Erleichterung 
der Ausspr. hervor gegangen sein; vgl. h* im : kein : hei. Auf 
einer Lantwandelnng, welche der W MA. eigentümlich ist, 
beruht die Form vhunn für chunnd. Die 3. P. Sg. Präs. lud. 



,kunt, kund* ist vom XIV./XVI. bezeugt neben ,kumpt.' 1580, 
Bib. ; Fris. ; Mal.; für die 2. findet sich ,ku8t' bei Mahler 
1674; für die 2. P. PK Imper. ,kömmt.' Maurit. 1581. 
, Kiemen* Prät. Conj. in einer Urk. von 1526. Der zsgez. 
Inf. ,kon* im XYI. vorwiegend; bei Rucf auch ,kun'; ,kan* 
in einem Lied von 1468; 1531, Absch.; Murer 1575; ,ku- 
men.' 1530, Bib. Das Ptc. Pf. lautet ,knmen* bei Gengen- 
bach, Meyer Chron., ,komen* bei Zwingli; Haberer; daneben 
,kon, kun* bei Kuef, ,kan* 1531, Absch., ,ko* Schertweg 
1579. — Zu Bed. II 2, 1. «Kommen* für ,werden* bes. als 
Hülfszeitw. des Pass. wird von dem entsprechenden Gebrauch 
von venire, venir im Ital. und BAtorom. und fiz. Patois her- 
rühren, z. B. im BJura. Von scheinbaren analogen Beispielen 
ans andern MAA. haben wir Umgang genommen, weil sich 
dieselben ganz wohl räumlich auffassen lassen; zweifelhaft 
sind auch einige Beispiele aus der ä. Lit. Für .kommen* mit 
Inf. 8. Gr. Gr. IV, 8 ff.; Schm. Gr. § 987. 

ab-kommen: 1. a) von lebenden Wesen: frei 
werden, von Banden, Schranken, Lasten, a) absolut, 
zunächst von Haustieren Bs; G; Sch; Th; Uw; U; Z. 
Vgl. Ketti. Es chnotteret im Stabil, 's ist Nämis abcho*, 
es hat sich ein Tier losgemacht 6£bn. (Feurer). Jch 
weiss nicht, was man mir hätte geben müssen, um 
eine Nacht ausser dem Hause zuzubringen; hätte ja 
eine Kuh abkommen, ein Pferd sich verwickeln können.* 
GoTTH. Übertragen auf Menschen, sich von seinen 
Geschäften frei machen; im Verkehr mit andern sich 
von Rücksichten des Standes udgl. frei machen, sich 
zwanglos gehen lassen. ,Wenn eine Frau mit Fragen 
abkömmt', d. h. einmal anfangt zu fragen (so wird sie 
nicht leicht fertig) Z. ,Ich meinte, der Pfarrer könne 
auch noch reden, wenn er abkomme. Ja, sagte N., mach 
wne* 0**, dass du o** so dbcho* chönnisch.' Gotth. Mei- 
stens aber: einem Affekt sich masslos hingeben. 1) aus- 
gelassener Lustigkeit AiZein.; Id. B; Sou; Th; Uw; Z. 
Vom Schnüerli a. Sch. In eine ungewohnte Leidenschalt 
verfallen, z.B. von einem sonst haushälterischen Mann, 
wenn er sich im Wirtshaus einmal berauscht. Wenn 
er recht abchunnd, se weiss-er ei* O'spass i* der ander 
ScHwMuo. ,Die tut wüst [geberdet sich wild], wenn sie 
abkömmt.* Gotth. Die Bekrüte* händ grad tue*, wie 
abchö* Sch. 2^ Narren a,, sich vor Lustigkeit ge- 
berden wie ein Narr. — 2) der Trauer, z. B. bei einer 
Todesnachricht Ndw. — 3) dem Zorn Ap; Bs (Spreng); 
„VO;" Gl; G; Uw; U; Z. - 4) in der ä. Spr. mei- 
stens = vom Verstände kommen. ,Die da abkommend 
und irer sinnen beraubt werdend.* LLav. 1569; dafür 
1670: ,welche in ihrer Vernunft zerstört worden.' 
,Non compotes mentis suae, die nit wol bei den sinnen 
sind, oder suust abkommen, und nit witzig, bedörfend 
auch eines vogts oder Schaffners. Mente deficere, de- 
sipere, den verstand verlieren, in die aberwitz gon, 
sich torlich anlassen, töupelen, a. Grassari, rasslen, 
toben wie abkommen leut.* Fris.; Mal. .David hat 
die harpfen geschlagen und dem Saul, der abkam, 
darmit etliche mal geholfen.* LLav. 1582. ,A., von 
Sinnen kommen, exire de potestatc, mente captum 
esse.' Denzl. 1677; 1716. — 5) ,es an der Zeit haben' 
Sch (Kirchh.) (von weibl. Pers.V). — ß) mit Angabe 
eines Obj., im Gen., Dat., Acc. oder mit Präp., los 
werden. 1) von Pers. Bs; B; Gl; L; Sch; Schw; S; 
Th; Uw; W; Z, z.B. ein Kind, das man auf dem 
Arm getragen hat, eine Frau durch Scheidung, eine 
Tochter durch Heirat, einen zudringlichen Krämer 
oder Bettler. Nimm-e*, se chunnisch-en ab, sagte die 
Mutter zur Tochter, die vom Liebhaber stets Besuche 



271 



Kam, kein, kini, kom, kam 



272 



erhielt. Ineichen. P* chann nit van im abcho*, los 
k. W. Wut *8 Hans HeiggeU Chinde^ tri bösi Stuf- 
mueter abchönnd. Stutz (Titel eines Gedichtes). ,E8 
ist leicht, den Teufel ins Hans laden, aber seiner ab- 
kommen ist schwer.* Sprww. 1824. — 2) von Sachen, 
bes. von Waaren, die man verkaufen kann oder auch 
durch Tausch, Schenkung los wird Bs; B; 6r; UwE.; 
Z. De" Chrämer ist vü abchw, hat viele Waaren ab- 
gesetzt G; Z. In diesem S. auch mit zugesetztem 
Fron, refl.: P* chumm mi^^ schier NUd ab, ich kann 
auf dem Markt fast Nichts verkaufen SonwMuo. Hür 
ist nie* «** d* Chüdi glV^ abcho*, ebd. Chüst dt'* nu*^ 
fri schon ab? Gruss an einen Krämer auf dem Markt 
ebd. Dem Gdd a., durch Ausgeben Z. Einen Schuss 
«abgeben*. I** weiss nid, iro-n-t'* mu* [ihm] abcho* 
bi, nämlich in der Scheibe BHk. P^ bi mu" gtiet ab- 
cho*, ich habe gut gezielt, ebd. Von moralischen 
Lasten, z. B. en Veräruss a. B ; S ; ZO. ,Wenn man 
Etwas auf dem Gewissen hat, mit solchen Reden 
kömmt man ihm nicht ab.* Gotth. ,Gib mir etwas, 
so kommst meiner ab.* SHoobh. 1591/1693. ,So ein 
Weib ihr Kind, umb dass sie dess abkomme, von ihr 
legt, und das Kind wird funden.* Mutach 1709. — 
b) mit sachlichem Subj. a) durch Umkehr des Ver- 
hältnisses von Person und Sache. ,Ein Mensch, der 
die Grösse seiner Sünden kennte, flisse sich, wie sy 
im kämen abe.* Schacuzab. — ß) abgehauen werden; 
abgehen, vom Eis. Mir wfF*nd machen [eilen], sust 
ehunnt eusers Fueter nid ab, ,Wo im selben jar in das 
feld, nach<lem die erst frucht abkommt, gesäet wird.* 
1530, Absch. ,Wenn es kompt, das* der Haber ab- 
kompt.* AAWett. Offn. S. noch entfrieren Bd I 1313. 
— 2. a) untauglich werden, verderben, herunterkom- 
men Ap; GRPr.; „mager werden, vom Fleisch kommen 
BO.** ,Diewyl die frow ganz abkommen, nünts dann 
hut und bein an ihr hatt.* Kessl. ,Confectu8, auszeert 
und ganz muglos oder abkommen, so ein kranker sein 
g*stalt verlürt.* Fris.; Mal. ,Anjetzo ist das Schloss 
gar abkommen und das Dorf zu höchster Armut ge- 
raten.' GuLER 1625. ,Die gleich [zwar] aufkommen 
[von der Pest], ihr Gedächtnuss, etwann die Vernunft 
verlieren und gar a., einer kompt umb die G'sicht, 
der ander umb die G*hörd, mancher umb die Red.' 
JJBreit. 1629. — b) in Abgang, ausser Gebrauch 
kommen, von Sitten und Trachten Z. Gegs. uf-kom- 
men, — 3. (mit uf) an-k., i, S. v. entscheidend sein Z. 
Wenn 's uf Das abchäm. Stutz. I** möcht 's e»mai 
drüf a. lä*, eine Probe machen. Vgl. abstellen. Die 
Entscheidung auf Jmdn, Etw. abstellen. Du brüchst 
uf in, uf Das niid ahz'cho* Z. — 4. für einfaches 
^kommen*. Uf NiU a.. Alles verlieren GrLuz. — In 
Bed. laß aoch mhd. (m. Gen.). 

über-komme», uber-cho* B; GlH.; Gr; L; PP.; 
S; U, ber-cho* GrV.; U; W, über-cho* Sch; Th; Z: 
1. empfangen, bekommen, allg. Vgl. noch Engel, 
Fuess. HeisSj ehalt ü,, Anwandlung von Hitze, Kälte 
B; Z. Abs.: ,gravari pluvia.* Id. B. Schläge bekom- 
men Gl; Z. Erlangen, gewinnen. De* Rank ü., mit 
einem Fuhrwerk die Wendung um eine Ecke Th; Z. 
Wer Alls will, überchunnt Nüt. Ineicben. Was d* nit 
bercho* cha**st, muest nit wdle* U. I'* chumme* '» am 
en andere Ort wider über; isch es nüd am Höh, so 
isch es am Strau, ich bringe meinen Verlust auf irgend 
eine Weise wieder ein Z. Mit Acc. P. spec. im Gehen, 



Laufen, Arbeiten einholen Ap; Bs (Hebel); Gr; Th; 
W; Z, z.B. beim Fangspiel Ap; GF.,G.; Sch; Th; Z. 
Auch von Tieren: De^ Hund hat de* Has u. Tu; 
UwE.; Z. Antreffen: ,Wie Kain gen Nod kumpt, über- 
kumpt er Hanoch.* Ruef 1550. Bildlich: überlisten, 
durch Überredung, Bestechung udgl. zu Etw. bringen 
Ap; B; L; G; Sch; Th; Z. S. noch ge-winnen. ,In 
welchem handel sich abt Ulrich listenklich umtat 
und unser burger, sölich caplän ze stiften, mit glatten 
Worten überkommen konnd.* Vad. ,Zu dem End 
muss man mit Fleiss trachten, einen langen Atem 
überzukommen.* H Keller 1729. Mit Gründen ge- 
winnen: ,Du hast mich Überkon, du redst so grundt- 
lich und wol darvon.* NMah. Eines Vergehens über- 
weisen: ,Wel®'*e'^ das bricht und des überkommen 
Wirt.* 1342, Sch Stadtb. — 2. überstehen, entgehen. 
,Jedoch so hat er*s überkan, so ich bösers noch vor 
mir han.* Ruef 1540. ,Defunctu8 jam sum, ich hab 
yetz das mein geton, ich bin yetz der g'faar ent- 
runnen, ich hab's überkommen.* Fris.; Mal. S. noch 
Jätt. — 3. übereinkommen, sich verabreden, verstän- 
digen. Jtem welher in rychenburger alp ze alp füer, 
e dass ein gemeind überkam!.* 1464, ScbwE. ,Sy über- 
kommend dann eins andern.* 1472, Th Beitr. ,Wir 
sind mit einanderen überkommen und eins gemiets 
worden.* 1483, Obw. ,Darumb soll er mit den unsern 
von Loupen sich richten und fruntlich mit inen über- 
kommen.* 1545, BLaup. Verordn. — 4. vorübergehen. 
,Wie der ungestüem rSgen Überkam, blibend noch die 
tropfen.* 1531/48, IV. Esra; dafür 1667: ,vergienge.* 
In allen Bedd. aoch mhd. Trennbare und ontrennbare 
Zss. finden sich etwa sonderbar gemischt: Dtr Herr Pfarrer 
üherkunni Oä»t über GrMai. 

übere"-: 1. verstört, wahnsinnig werden UwE. 

— 2. vorübergehen. ,Als nun diso red überhinkam, 
und von den Chorherren nieman mee was, der da 
wollte fechten.* Zwikgli. 

üf-: 1. auf den Boden kommen, ,8olum tangere, 
vado illidere.* Id. B, beim Schwimmen oder Schiffen. 

— 2. a) aufstehen, aus dem Bett Aa; L; S; Z. Vom 
Sitze aufstehen : ,Beschähe aber solliches, dass jemandt 
den andern überlüten wollt, so mag ein richter woU 
u., und mag das gericht uf einen andern tag legen.* 
1432, TuFischingen Offn. — b) keimen, wachsen Bs 
(Seil.). Aufwachsen, von Holz: Her wtF*nd wider 
Holz lo* ufcho*, es ist doch Nüt zum Ä*pflame* Z. 
Am Leben bleiben, gedeihen, von einem Kinde GrD. 
Aufwachsen: ,Wann ein knab üf kumpt, das* er 15 jar 
alt ist, so muos* der einem vogt schweren.* 1417, Tb 
Tribolt. Offn. ,Seine jungen kommend mit bluot auf*, 
werden mit Blut aufgezogen. 1531/48, Job; = «trinken 
Blut.* 1667. — c) genesen B; L; Soh; SchwE.; Th; 
UwE.; Z. — d) bildl., empor kommen, zu Geltung 
kommen, z.B. Mode werden ScnSt; Th; Z; zu Ver- 
mögen k. L; SchwE.; vor Gericht Recht finden. Me* 
ehunnt bi Dhn [ungerechten Richter] nid üf B. Geld 
auftreiben Sch. ,Er ist mit seiner Werbung aufkom- 
men, conscriptorum militum copiam habet* Hospin. 

— e) mit Etw. zurecht kommen, es zu Wege bringen. 
Jm Fahl sie [die, welche versteigern lassen wollen 
aus Schulden] mit sufficienter Bürgschaft nicht könnten 
aufkommen, dass alsdann inen die Vergantung nicht 
änderst erlaubt würde, als mit der vorhergehenden 
gewohnlichen Auskündung.* 1692, BsRq. — Aach mhd. 
in Bed. 2 b and d. 



273 



Kam, kern, kim, kom, kum 



274 



um-: 1. zu Grunde gehen, wie nhd., in der a. Lit. 
auch von Sachen: ,So unsere hütt zergat und um- 
kummt/ ZwiNOLi. — 2. mit einer Arheit fertig werden; 
z. B. alle Kunden befriedigen Ap. Er mag nit umkon 
Gr. E nöteger Cher [iron. = nicht zeitgemässes Ge- 
schäft], wa i'^ 8its8 fast nid utnchumme, MKuoni. S. noch 
umhin Bd II 1329. — 3. umringen, umgeben; bildl., 
beeinflussen. »Dass ich umbetwungen und mit nie- 
mann urabekommen [testamentarisch] gibe und lasse.' 
1305, B Schenkungsurk. 

3 Übersetzung yon lüt. drcumwnttu; ygl. mhd. umbe- 
komen, umringen. Sonst Hesse es sich anch deaten: oline 
mit Jmdm ein Abkommen getroffen zu haben. — S. noch 
em // (Bd I 22 Ij, um II 5 f (Bd I 227). 

harum-: vom Ablaufen einer Frist. ,So das jar 
harumkommt und us ist.* 1529, Absch. 

ume""- 8. Bd II 1327. 1328. Dazu die Bauernregel: 
Sunne'^'Verbrunne^ chunnd wider (dopplet Gl) umme*; 
aber Nässi und Süri giH Hunger und Türi GRPr., 
Schaden von Sonnenbrand wird von der Natur ersetzt; 
s. noch ver-süfen, 

a°-: 1. mit pers. oder sächl. Subj., unwillkürlich 
an Jemand oder Etwas anstossen, mit einem andern 
Körper in Berührung kommen, z. B. mit dem Kopf an 
die Zimmerdecke, mit dem Fuss an einen Stein Ai; 
Ndw; Z. Es hat s%*s süber Jüppli z^8ämme*g^nö'^, ^ass 
es niene* a'chöm. MKiesbr. — 2. mit pers. Subj. a) an- 
oder aufgenommen werden; mit einem Anliegen, An- 
erbieten, Vorschlag, Besuch, Geschenk Erfolg haben. 
Anklang, Gehör flnden; meist mit adv. Bestimmung: 
u}ol, guet, wert; schlecht , leid, übel, wUest; auch die 
günstigen Begriffe oft ironisch gemeint, z. B. schön 
Aa; Gr; L; G; S; Th; Zo; Z. Du kunnsch mir a", 
eben recht. Spreng. Eine Dienststelle finden Gr; G; 
Z; ,recipi, promoveri.' Id. B. ,Hoch ankommen, die 
höchste Stelle, hohes Ansehen gewinnen.' Hospin. ,Biä 
ich erfahre, wie ich mit der mündlichen Aufwartung 
bei dir ankäme.' Sintsm. 1759. — b) es auf Jmdes 
Urteil oder Verhalten ankonmien lassen. P^ chumme 
nüd uf in a» Z (Spillm.). — c) Jmdn mit einer Bitte 
angehen. Er ist mi^^ drum a'cho* G. ,Will einer 
alli ding ein nüwe hüs büwen, der soll den herren 
darumb a.* 1348, Aa Weist. ,Den Herrn mit demü- 
tiger Bitt a.' GHkid. 1732. ,1741 ist erkennt worden, 
wann Ein oder der Ander in Erfahrenheit gebracht 
wurde, welcher weiter als an der Gass die Leut an- 
käme [für ein Amt Stimmen würbe; vgl. ,anlangen'], 
soll ein solcher nit dörfen um ein Amt anhalten 
[öffentlich als Bewerber auftreten].* Ap Jahrb. — 
d) mit Dat. F., Einem feindlich beikommen, ihn an- 
greifen, reizen. ,Auf Chrüsibenz hatte er einen be- 
sondern Zahn, seiner Scheinheiligkeit wegen, und 
suchte ihm anzukommen, wo es tunlich war.* B. 
Mit Acc: ,Sy kamend ire fiend an und schussend 
s' in d' flucht.* Salat. — e) ,a. zu reden', auf Etwas 
zu sprechen kommen. ,Incidit mentio de Fhilippo, 
man ist ankommen ze reden vom Ph.* Fris.; Mal. 
— f) abs., aufkommen, entstehen. ,Nachdem und das 
hus Osterrych Yon synem ankommen her bis uf dise 
zyt wenig fridens mit einer Eidgnossschaft hat ge- 
hebt.' Ansh. K — 3. mit sächl. Subj. a) sich ent- 
zünden, Feuer fangen, in Brand geraten Ap; Gl; Gr; 
L; G; Sch; Tb; Uw; Zq; Z. Bildl. übertr. auf Per- 
sonen mit Bez. auf Zorn und Rausch Ndw. Er meint 
g'rad, de*" Jii* chömm a". Der. Wenn d' Aaren a"- 

Sotaweiz. IdiotUEon III. 



chunnt, so brennt si. Sprww. 1869. ,Strauw vom feur, 
sagt man, so kompt es nit an.' LLav. 1582. ,So wirt 
es [das Holz] von im selber ankommen und brünnen.' 
JJNüsoH. 1608. ,Feuer ins Stroh werffen und Gott 
betten, er wolle selbiges nicht a. lassen.' Ulrich 1727. 

— b) von Flüssen, anschwellen Z. — c) von der 
Saat, aufspriessen. Es ist zier [schön] a*cho* Gr. 

— d) a) mit Acc. F., anschlagen, wohl bekommen, 
von Speisen. ,Unordenlicher g'lust der spysen, so sy 
nit wol a. mögend.* Ruep 1554. — ß) mit unbest. Subj. 
Es chunnt druf a", der Erfolg ist fraglich, hängt 
von Umständen ab G; Z. Auch refl. : es chunnt si'^ vü 
uf Das a; ob... Gl. — e) mit Acc. P. a) Einem ein- 
fallen, ihn anwandeln, von Gedanken. Da^ chunnt-e* 
gar nit a; kommt ihm nicht in den Sinn S (Schild). 
Das chiem mi^* a; da müsste ich einen seltsamen 
Einfall haben GnChur. Das chtmnt mi^^ nüd a\ fällt 
mir nicht ein, starke Abweisung GF. Meist von Af- 
fekten, bes. Gelüsten L; GG.; Th; Z. Es chäm wt** 
Hecht a% ich hätte nicht übel Lust Z. De^ G'lust 
chunnt-en a* ScHSt.; Th; Z. JS? ist wt"* /rod a"cÄo", 
i^* weiss nüd wie L. 8i chönne* mache*, was es si 
a'chunnt, es seit Niemere Nut. Gotth. ,Da8s man ihr 
jede Kelle Mehl nachrechnen werde, wenn sie das 
Kücheln ankäme.* ebd. Von seltsamen Launen; s. HcUi, 
Harri, Güegi. D(f Narr ehtmnd oft er Dichter a", 
vo* wtmderlige* Sache* die schönste* EimU z* mache*. 
Henoeler. Was chunnt di^^ a*, dass d^ eismal so 
fromm 8%* witt [willst]? Id. B. Auch von körperlichen 
Affektionen : 's Schreien [Weinen] ist-e* schier a^'cho* Z. 
'« ErbrBche* ist wt"* a. ebd. Es chunnt-mi'^ a* figge* 
Gl. Von Krankheiten: Es ist in es Fifber a*cho\ 
Id. B. Mit Dat. F.: Herr Winter! o du harte" Ma''*, 
g'hörst, chwmt der *s Badend nüd aW^ a*? KMey. 
1844. Mit seltsamer Umkehrung von Person und 
Sache, Subj. und Obj. ,,Der den Sod [das Sodbrennen] 
ankommt, dem gib Wägrichsaft zu trinken.* ZElgg. 
Arzneib. ,Der kann ankommen [den kann es a.], dass 
er meint...* Schimpfr. 1651. — ß) im Preise zu stehen 
kommen. Das chunnd mi'^ tür a\ Id. ß. — y) zu- 
fallen. ,Die lüt, die unser vatter koufft hatte oder 
wie sy in a. warend.* 1391, GWal. ,Ir hof, so sy von 
irera vetter seligen in erbs wise ankommen ist.* 1487, 
Z Urk. ,Der gross Zehenden zu Windlach wäre ine 
und syn husfrouwen von irera lieben bruoder und 
Schwager koufls wys ankommen.* 1561, Z Urk. ,Dem 
verlornen Sohn wäre das beste Kleid nimmermehr an- 
kommen, wann er sich den Dieneren seines Vaters 
widersetzt hätte.* JWirz 1650. 

Man mag schwanken, ob die Stelle: ,Incendiain, ein 
bruQst, als wenn ein haas ankampt ze brünnen.' Fris. und 
fthuliche za 3 a gezogen werden dürfen oder ob man sie 
einfach za 2 e (i. S. ▼. anfangen) stellen solle. 

i°-: 1. mit persönl. Subj. a) einsinken, mit den 
Füssen an sumpfigen Stellen B; ZKn., W. — b) ins 
Gefangniss versetzt werden L; ZO. — c) in ein Amt 
eingesetzt werden: ,Wenn dieser [vertriebene] Abt 
wider einkäme.' 1530, Absch. — d) um öppis i., bei 
einer Behörde ein Gesuch einreichen Bs; Th; Z. — 
e) sich verheiraten. Die ist nit guet %*chumme*. Sulger. 
,Wol einkommen, eine vorteilhafte Heirat machen.* 
HospiN.; Dbnzl. 1677; 1716. — f) a) „mit Acc. F., ein- 
holen. I'* wühe* scho* l^cho*."" — ß) mit Gen., Dat. 
oder Acc. S., einen Schaden, Verlust, ein Versäumniss 
wieder einbringen, ersetzen Bs; B; L; ScnSchl.; S; Z. 

18 



275 



Kam, kern, kirn, kom, knm 



276 



Auch: für gehabte Mühe, Ausgabe durch Erfolg, Ge- 
winn entschädigt werden BR. Si*8 Schadet's (Bs; B; 
ScnSchl; Z), dem Schade* (Z) t. Der Sach i. BR. 
Er het 's wider chönne'* i. Ineichen. Auch mit refl. 
Dat. „Ich kann mir dessen schon einkommen." Si*^^ i. 
Id. B. Die schlecht bezahlten Knechte stehlen dem 
Meister, um 's i^z'cho; Sachen aus dem Haus. Hof- 
stItter. *s Vroni cha** Itiege*, ^ass es en [den Wert 
eines Geschenkes, das sie gemacht hat] %*chunnt. 
Schild. ,Je mehr Mühlen es gebe, desto mehr b'sch.... 
die Müller, für Schadens i"z'cho".* Gotth. ,Als man 
den unsäglichen kosten sollt schetzen und man nüt 
wusst, des wider ynz'kon.* ThFrickart 1470. »Sich 
damit irs verlursts ze ergetzen und ynkommen.' 1527, 
Absch. ,Damit die lüt, denen schaden geschieht, wis- 
sint, wo sj ires Schadens wider yn- und zuokommen 
mögent.' 1532, ebd. ,Der brief muess myn underpfand 
syn, bis ich des mynen kummen yn.' Rvef 1540. ,Die 
sach an ir lieb eidgnossen langen lassen, der hoffnung, 
man wellt rechts gegen inen wol ynkommen.* Kbssl. 
,Abs te rationem reposcent, sy werdend das an dir 
einkommen.' Fris. ,Klagen der armen Untertanen, 
an welchen man das aufgelegte Gelt widerumb ein- 
kommen und erholen will.' 1654, Absch. — 2. mit 
Sach-Subj. a) eingebracht werden, von der Ernte B. 
Als , Einkommen' zufliessen. ,£s soll der Amptmann 
umb das, so der Cammer inkommt, ordenliche Rech- 
nung halten.' Gr Landsatz. 1619. — b) nachgeholt, 
nachträglich angeführt werden. ,Alle seine Gemeinden 
können wir in nachfolgender Tafel einsmals übersehen, 
da etliche Nachbarschaften einkommen, die wir in der 
Beschreibung von Kürze wegen underlassen.' Guler 
1625. — c) eintreten, beginnen, von einer Jahreszeit. 
,Als bald der summer ynkompt.' 1530, Absch. 

Bod. 1 f ß ist nach Gr. WB. III 217 im jetzigen Nhd. 
veraltet. Der Casus des Obj. ist nrspr. nnzweifelhaft der 
Genetiv, der nachher, wie in vielen ähnlichen Fällen, darch 
den Acc. ersetzt wird; das Fron. ,es', das in mehrern Bei- 
spielen vorkommt, kann aber immer noch der alte Gen. sein. 
Der Dat. (der eben fibh. oft an die Stelle des der MA. immer 
mehr abhanden kommenden Gen. tritt) ist weniger gut. 

under-kommen: 1. untersinken, von einem Er- 
trinkenden GnPr. — 2. trans., verhindern (eig. da- 
zwischen-k.). ,Wie der nochteil und schaden, so doruf 
gefolgen möcht, u. werden möge.* 1507, Arg. ,üf das 
ist der herzog mer dann ein mal uf gesyn, der mei- 
nung, die Genfer z' strafen, aber allweg durch Berner 
und Soloturner u.' Sicher 1531. 

undere"-: ,8ubmergi.* Id. B; s. Bd II 1338. 

e°t-: begegnen Gr; L; Zg; ZLunn., 0., W. In 
Gr auch : entgegengehen. ,Enkam«nd sy im [die Zür- 
cher dem Herzog Renat, in dessen Dienst sie traten] 
utF der strass.' Edlib. ,Sich, sich, das" mir der mann 
hie enkumpt; ich muess inn ansprechen.* HBull. 1531. 
,Zugen gögen irem beer in der meinung, inen ze ent- 
kommen und sy anzegreifen.' 1487, MrsEUM 1789. 

Das Präf. ent könnte wohl »entgegen* bedeuten; aber die 
Zss. ist in obiger Bed. der ä. Spr. fremd. Es ist daher 
wahrscheinlicher, dass ursprünglicheres e/jcA©", d. i. ,ent- 
bekommen' sich hier mit e^tchoi^, da« wir auch in seiner allg. 
deutschen Bed. gebrauchen, vermischt habe. 

ver-ent-k. verkcho*: 1. begegnen Ap; GG., T.; 
ScnSt.; ScHW; Th; ZDättl., 0. Bildl., Jmdm eine an- 
getane Beleidigung vergelten GT. Ddw tcill-i^^ sdio* 
*^möl der für v.! Mit Dat. S. auch i. S. v. (einem Übel- 



stand) steuern GG.; SchwE. Dem arge* Wiberlist ^ %>, 
scho'* böser ist. Ochsner. — '2. entgegengehen, abholen 
GG. D* Chinder sind der Mueter gw* t?. 

Vom bloss lautlichen Gesichtspunkte aus Hesse sich die 
obige mundartliche Form auch aus ver-g*-chö* ableiten ; allein 
der Bed. wegen ist Zss. mit ent wahrscheinlicher. 

er-: 1. begegnen, entgegenkommen L. — 2, die 
Ansprüche Jmdes befriedigen? , [Unter der Bedingung] 
das* er dem verköufer g*nuegsam daran erkommen 
möge.' 1565, GHennb. Landr. (NSenn 1873, 80). 

Da für Bed. 1 auch die Schreibung trlco angegeben wird, 
welche ans er-ent-chon erklärt werden kann, so ist viell. auch 
ercho erst aus jener Form entstanden. 

Ü8-: 1. aus einem Verschluss sich losmachen oder 
befreit werden; entlaufen, entwischen, z.B. von Ge- 
fangenen BsStdt; GrSpL, Sculms; GG.; SchwE.; Th; 
sonst use^'cho*. Aus Gefangenschaft entlassen werden. 
ZwiNGLi 1, 126. Von Haustieren, aus dem Stall oder 
Pferch ausbrechen Z. Aus einer Feuersbrunst gerettet 
werden, auch von Sachen. Was ü^-chunnt, verhrünnt 
nid. SuLGER (Wortspiel mit Bed. 3 oder mit a*cho*, 
in Brand geraten). ,Ist alles verbrunnen und inen 
ein haller wert guots nit uskommcn.* 1437, Gfd. ,Dem 
Hortenstein syn hus verbrunnen und im gar nüt uss- 
kummen allein die lüt.' UMet., Chr. Hervorbrechen: 
von Knospen Ai; Syn. üs-gän. Aus dem Ei schlüpfen 
GrD. Geboren werden, von einem Kalb. ebd. Ab- 
stammen : ,Yon welchen sind ausskommen die t^hilistim 
und Caphthorim.' 1531/48, I. Chron., = «herkommen.* 
1667. — 2. bekannt, ruchbar werden Bs; B; Gr; G; 
ScH; Th; üw; Z. Zuweilen mit Dat. der Person, 
deren Geheimniss offenbar wird B; Th; Uw; Z. — 
3. zu Ende kommen, a) mit pers. Subj., einen Vorrat 
(von Geld, Waaren, Arbeit, körperlicher oder geistiger 
Kraft) erschöpfen, Mangel empfinden, mit an oder mit 
Bs; B; GrS.; G; ScuSchL; Th; üwE.; Z. Von Kranken, 
abnehmen, zsfallen GrD. ,Gott kommt nie gar an 
Fronmien aus.' Sulger. ,Ein wenig gelt uns aber brist, 
dass wir ynkoufend wyn und brot, ouch anders, das 
uns dann ist not, dann wir gar suber sind uskon.' Rüef 
1540. — b) von Sachen, insbes. Gefössen, leer werden. 
,Wenn im einer umb zergSlt pfand gibt, die soll der 
wirt kalten [= behalten], unz das fass mit wyn us- 
kommt.* 1472, Gfd. — c) von einer Unternehmung: 
,Bedcnk all ding im anfang, wie es mog han syn ns- 
gang, welcher ein ding will understan, soll's in guetem 
los"en uskon!* 1514, Bs Chr. — d) von Zeiträumen, 
Fristen. ,Da syne jare uskament.' 1401, Bs Rq. ,Es 
ist einer kein pfand schuldig üss synem hüs ze geben, 
bis die kindbetti üsskumbt.' 1527, Aa Weist. ,Wenn 
einer bürge wurdi uff zil und tag und der tag üss- 
käme.' ebd. ,Als der tanz üsskäme und ein end ge- 
näme.' 1462. Z Katsb. — 4. zu Teil werden, zu- 
kommen. Es isch-mer nit üischo**, was «>* z* heische'' 
ha*, ich habe nicht Alles herausbekommen können U. 

Die meisten Bedd., ausgenommen 3 a und 4, finden sich 
auch im Mhd. und ä. Nhd. ; die Bedd. .ökonomisch durch- 
kommen' (wofür in Th auch um^cho*) und (mit Jmd) ,im 
Frieden leben' hat die MA. mit der heutigen Schriftspr. 
gemein. Unsicher ist die Bed. des W. in folgenden Stellen: 
,Wenn die schütz uskomment, welicher denn allermeist schützen 
behept hat, der nimmt die besten ahentür.' 1472, Z Frei- 
schiessen, entweder = wauu die Schüsse, das Schiessen zu 
Ende geht, oder = wann die Raugordnung der Schüsse be- 
kannt geworden ist. Denzler hat viell. eine Verdeutschung 
des lat. Ausdruckes gew^agt in seiner Angabe: ,Wann mau 



277 



Kam, kern, kini, kom, knni 



278 



ausk&me, si evenerit casus, ad omnem casum ; wanu man im 
Krieg auskäme, ad subita belli', oder der Ausdr. gehört zu 3 a. 

davo°- s. Bd I 843. Dazu nachzutragen: 1. der 
scherzh. imperat. gebildete Geschlechtsn. «Heinrich 
Kumdervon.* 1347, Bs ürk. — 2. von einer Stelle, 
einem Amte weg k. 6. — 3. an Vorräten zu kurz 
kommen, indem dieselben ganz erschöpft sind Sch. 

— 4. von Etwas, einem Brauche, abkommen. ,Jetzo 
syg es darvonkommenS jetzt sei der alte Brauch in 
Abgang geraten. 1525, Absch. 

ver-: 1. absolut, a) davon kommen. Übrig bleiben. 
's verfrisst 's der Wurm, ^ass kei^ Ürhseli verchunnt 
Bs. — b) im Hauswesen herunterkommen SchwE. — 

c) das Mass Überschreiten. [Wegen der drohenden 
Teuerung] händ d* Bure'' [als Verkäufer] fast welle'' 
verehö*, im Fordern der Preise sich über alles Mass 
und alle Schranken wegsetzen ScHwArth. — 2. intr. 
a) mit Dat. a) begegnen Ap; s.ö.G; Sch; SchwE. Ver- 
cÄö" ^ö", entgegen gehen Ap. Wer w(Ptt nüd geni 
dhn Stand [Ehestand] verko"*! Lenggenhager 1830. 
*8 ist ken Ort so tcit w«* chonnt, dass em ke* hätri 
Stond verkannt, ebd. ,Der engel vcrkunnt im uf die 
stund.' Meinradsleg. 1464. — ß) vergehen, von Ge- 
lüste und Geneigtheit Gl. — b) übereinkommen, über- 
gehend in tr. Bod. ,vereinbaren, ausmachen*. ,Un8er 
Herren band mit enander früntlich geredt und des 
verkon, dass . . .* XV., L Ratsb. ,Wie der apt [von 
Engelberg] und die tallüt mit einander verkommen 
syent.* 1444, Obw. ,Do han ich in unserm huss verkon 
mit meister Felder von der klafter wegen.* XV., Gfd. 
,Zuoletst ist hierin beredt, verkomen und beschlossen, 
dass . . .* 1526, Absch. ,So es mit dem rechten alls 
verkunnt*, wenn Alles auf dem Rechtswege ausgemacht 
wird. 1414, ZKn. Offn. (Schaubg, Rq. 1, 77, 14). ,Myne 
Herren habend mit dem Herren von Rüti ein ver- 
kommen 'tan, mit dem geding, dass...* 1525, Egli, Act. 

— 3. tr., verhindern, abwenden. Vgl. für-kommen und 
vor-k. ,Sy wolltend inen den weg verkommen [ver- 
legt] han.* 1406, Wegelin. ,Da8" es im verbotten oder 
verkommen was.* Copie-B. Wyl. »Sömliches fürohin 
abzestellen und ze verkummen, sind wir desse eins 
worden.* 1532, Siml. ürk. — 4. unpers. Es wird-em 
schu* nuch v,, die Lust dazu wird ihm schon noch 
vergehen Gl. 

Bed. 1 ist auch mhd. und nbd., doch nicht ganz unsern 
Anwendungen entsprechend. Bed. 2 kommt auch in deutschen 
MAA. vor. 3 auch mhd. und nhd. Zu 1 b vgl. das deutsche 
Adj. ,Terkommen*. 1 c eig. abkommen vom rechten Wege, 
oder vom durchbrennenden Zugtiere entlehnt, wofür sonst 
für-cKo*. 

vor-: 1. abs., vor einer Behörde zur Behandlung 
kommen, von Geschäften Th; Z. Zu einer Prüfung, 
Bewerbung sich einstellen. MRohn. 1867. — 2. intr. 
mit Dat. a) der Person, a) überholen Ap; Th; Z. 
Auch von Zugvieh, das durchgeht ZDättl. D* Boss 
sind-em vorcho*. ,Praecurrere, cursu superare.* Hosp. 
S. Bd I 928. Bildl., zuvorkommen, mit einer Dienst- 
leistung Z. ,lhr seit mir vorgekommen. Die selben 
Ding, die ich an euch habe schreiben wollen, habet 
ihr mir geschrieben.' 1651, Chr.Love (Mise. Tig.). — 
ß) im Traum erscheinen Bs; Th; Z. Vorschweben U. 
Vgl. Bd I 929. — y) zu Ohren kommen. Hosp. — 

d) vor Einen kommen, um ihm zu dienen. ,Soll ich 
dem Herren mit Brandopferen v.?' 1707, Micha. — 
«) hindernd zuvorkommen. Vgl. Bd I 920. I'* will-em 



schu* vorku* G. Syn. de" Bigel stösse*, derfür tue*. 
Sich nicht Überlisten lassen Ap. — b) der Sache, 
a) (einem Übel, Schaden) vorbeugen. ,Ich fühlte mich 
gar nicht heimisch, weil ich Vielem nicht vorzukom- 
men [zu begegnen] wusste.* Gotth. ,Dem Jammer, 
den uns diese erschröckcnlichen Zornzeichen andräwen, 
V.' Müller 1661. ,Gott hat dem Unkraut v. wollen.' 
ebd. 1665. — ß) einer Sache v., sie besorgen Aa (H.). 

hervor-: zum Vorschein k. ,Wann sich auf dem 
Gut anders erfunde und h. täte.* 1715, Z Stdt- u. Landr. 

für-: 1. für i. S. v. vorwärts, voraus, a) fort- 
kommen ; s. Bd I 957. 959. , Wol fürcho*, facile vitam 
sustentare.* Id. B. J** bi* vo* W&c* Ghinde* 's feuft 
g'sV und 's enzig, wo fürcho* [am Leben geblieben] 
ist. Kk Schulmstr 1887. Anfangs ist er nit grösser 
g*si* a's c" grosse*" Düme'finger, es hat Eim 'duecht, 
emel De'' sott nit f. Gotth. ,[Jagd verboten vor St 
Johannstag] damit das jung wildbret f. möge und nit 
verderpt werde.* 1508, Z Ratsman. ,Gröchtigkeit, on 
die kein rych fürkam.* UEckst. Klag. ,Kumpt es dar- 
zuo, dass wir mit unser sach wider fürkummen, so 
wollend wir denen die köpf abhowen.* 1536, Absch. 
,Wie das unkrüt von natur gern fürkompt.* Kessl. 
,Das ander [Junge], so er hasst, hockt im [dem Affen] 
stetigs auf dem rugken, derhalben es offtermals ee 
fürkumpt dann das geliebt* Tierb. 1563. ,Diser ist 
in Schulen und guten Studiis wol fürkommen.* Jos. 
Mal. 1593. ,[Die Fruchtknoten] waren in den Bollen 
erfroren; was doch fürkam, das kam vil später.* Cvs. 

— b) scheu werden, durchgehen, ausreissen, von 
Pferden und Zugtieren B; Gl; L; GA.; Uw; Zg; Z. 
Sjn. erschlichen. Werdend s' echt nild schüch, die Boss, 
chömme''d s* nüd echt öppe* für? NXgkli 1842. Auch 
von Menschen : 2)^ wird nümme'* räss [sehr] f., spass- 
haft über Einen, der sich satt gearbeitet hat Schw. 
Sonst bildl., ungeduldig werden und sich wild, un- 
gestüm geberden Uw. Einem Ungeduldigen wird zu- 
gerufen: Wenn d' nw nüd fürchunnst! oder: Du wirst 
nit fürcho*! Gl; L; Z. Verrückt werden L. ,Sy sind 
wie schöllige ross fürkon und band zerrissen zoum 
und g'stell.* UEckst. Klag. — c) mit Dat. P. = ror- 
cho*2aa, B; W; Z. Selten mitAcc. : ,Er birgt sein 
ang'sicht und verstellt's, und das* man in nit kenne, 
fürkumpt er dich.* 1531/48, Sir. = »übereilet er dich.* 
1667. Bildl.: »Nachdem sj ins hus kommen, fürkam 
Christus Petrum (der in on zwyfel fragen wollt etwas) 
sprechend...* Zwingli; = ,kam im zuovor.* 1530,Matth. 
,Da Nicanor sähe, dass Machabeus ihm mit fürsich- 
tigem Rat fürkommen wäre.* 1707, II. Make. — d) mit 
Acc. P., zuvorkommend sein gegen Jmdn, ihm dienen; 
vgl. i'or-cÄo" 2 a b. ,Dann du auch in mit guottatcn 
fürkommen hast.* 1531/48, Ps.; = ,du bist ihm vor- 
kommen mit gutem Segen.* 1667. ,Gott fürkumpt 
mich mit seiner Gnad.* 1531/60, Ps. ,Fröuwet sich der 
sonnen aufgang und fürkumpt den mit g'sang [bringt 
ihm gleichsam das Morgenopfer dar].* Vogslb. 1557. 

— e) verhüten, abwenden, vorbeugen; vgl. Bd 1 959. 
Hier nur noch die (bei Grimm nicht belegte) Ver- 
bindung ,nicht fürkommen können* mit folgendem 
,dann dass', ,sondern*, oder mit Infin. i. S. v. ,nicht 
umhin können*. ,Stosst mir ein sach an d' band, da 
ich nun nit fürkon kann noch mag üch anzuruofen um 
hilff und recht.* Salat. ,Unglimpflich sachen, die ein 
historicus nit fürkommen ze melden oder ze überhupfen 
kann.* Tschüdi 1565/72. ,Die den Irrtum merkind. 



279 



Kam, kem, kim, kom, knm 



280 



werdind nit f&rkummen können, dann das* sj die nn- 
warheit widerfSchten müessind/ HBcll. 1572. ,Da 
könnt Büllinger nit fQrkommen, sonder zu erhaltung 
der alten waarhafften leer gab er im antwort.* LLat. 
1576. ^Welches ihn darnach Übel geranen [gereut], 
und die weil er*s aber öffentlich geredt, hat er nicht 
für mögen kommen, sonder hat seinen worten statt 
müessen tun.* XVI., Mise. T. — 2. für i. S. v. vor, Ton 
sinnlicher oder geistiger Gegenwart, Erscheinung, 
a) vor Augen, zu Ohren kommen, kund werden, wie 
änhd. (s. Gr. WB. IV 1 a 759). Einmal mit Acc. P. 
,Wa8 sj ffirkunnt, das unser statt schedelich ist.' 
1345, Albm. — b) vorgelassen werden oder sich vor- 
stellen ; vor Gericht erscheinen. Vgl. Bd I 959. , Wer 
getedinget wirt und nüt fürkummt.* F Handf. = ,Si 
quis fuerit citatus et non comparuerit* ,Also mficsste 
ich im [dem Dr Eck] zu Rom f.* Zwikgli. ,Auf dass 
ein jeder, so der Müller halben klaghaft wurde, wissen 
möge, wo er seiner Klag fürkommen [seine Kl. vor- 
bringen] solle.* Bs Mand. 1712. — c) dem urteilenden 
Verstände vorkommen, scheinen, dünken oder der 
Phantasie vorschweben. '5 chunnt-mer grad eso für 
Bb. Bes. aber im Schlaf, Traum erscheinen Ai; Ap; 
Bb; B; Gl; L; GA.; Th; W; Z. Die Nacht ist-mer 
Öppis fürcho*, ich habe eine gespenstische Erschei- 
nung gehabt GA.; Z. ,Uf das, so ich in g'fangknus 
was, mir so vil fürkem, dass ich an das folterseil 
gehenkt soll werden.' 1537, Zellw. ürk. — 3. für 
i. S. V. vorbei, zeitlich. Vgl. Bd I 958 f. a) vergehen. 
,Eb [ehe] ein jar fürkömm.* 1527, Strickl. — b) in 
Abgang geraten, von einem alten Brauch : ,[Der Ober- 
pfister im Kloster Muri] soll nit verscheinen und ffir- 
kommen lassen, dass alle Tage das Almosen den Armen 
zu Teil werde.* XVn., AiMuri Gesindeordn. 

Mit Ansnahme von 1 a, b und 2 c kommen alle Bedd. 
unseres W. auch im Mhd. und (mit Einschluss von 2 c) im 
ft. Nhd. vor und alle Bed. von vor-kommen erscheinen auch 
mit der Form für-, aber nicht nmgek. ; über das Yerh&Itniss 
der beiden s. Bd I 961. Bed. 1 a ist im Bd I 959 unter 
den Begriff ,fort' i. S. v. «hinweg* gestellt; aber es liegt 
doch eher der yon ,Torw&rt8* oder ,über Etwas hinaus* zu 
Grunde. Der Acc. bei 1 d lässt sich viell. aus dem Begriff 
von ,D bertreffen* erkl&ren, wie der in der Bed. von 1 e vor- 
kommende aus dem von ,yerhindern*. Der unter die letztere 
Nummer eingereihte Sprachgebranch würde viell. besser auf 
die Anschauung des daran vorbei Gehens (vgl. ,nicht umhin 
können* eig. ^ nicht darum herum kommen) zurück geführt. 
Unklar ist der Sinn -von: ,Wir band, unserem lütpriester 
fürzekommen, [einige Güter gekauft].* Bossh.-Goldschm. (zu 
1 d? oder = damit er besser yorw&rts komme?). 

g'-komme": 1. abs. a) rechtzeitig das Ziel eines 
Weges erreichen, ankommen, allg. ; z. B. : J"* kumm£ 
nümme* uf ^e" Zug [Eisenbahn] GlH. Wenn mini 
[meine Frau] g'chonnt, ist 's Nachtesse* bald g'rösft, 
AHaldkr. S. noch Bd 11 47. — b) mit den Kräften 
zu einer Leistung ausreichen, einer Aufgabe gewachsen 
sein, z.B. Kunnt-er drüs? versteht er es? Gl. Oder 
bei einer Prüfung, Bewerbung, meist mit Negation 
Gl; Schw; Zo. Mit einem Vorrat, z. B. Kannst mit 
dem Heu? Auch: ökonomisch auskommen Gl. — 
2. mit Acc. d. S., Etwas zu Stande, fertig bringen, 
a) i. S. V. 1 b. Da laufend seh' [sie, die Mädchen] 
z* sämme* gan zapfe'' [die Zöpfe flechten]; weil wie" 
für more* [für den bevorstehenden Pesttag] mit sibe" 
Trömmer [Haarflechten] zopfed, kämi 's nun [nur] Eini 
nid [brächte es Eine allein nicht fertig] GRSchf, Öko- 



nomisch : Schi kommend 's (recht orddi^^) Gr. Kännd 
s' es? GlK. Syn. gemachen. Es ist doch guet, das* 
Die [ein armes Paar] ghdn Chind heind; schi ghemen 's 
sous [sonst] g'vmss nid GRSch. (Schwzd.). — c) mit 
Jmd friedlich leben. Mit dem zweite* Wib isch-er 's 
grusig schiecht hon. Der Pudd und die jung Chatz 
kommend 's guet mit enander Gr; Syn. können. — 
3. mit ,zu* und Infin. Mer kummend das Emt nit 
z* heimsche* Gr. S. noch Bd II 49 h. Mer hent g'lüegt, 
wie mer der Spion fortz'reise* g^chemtt U. — 4. im 
Infin. verbunden mit einer finiten Form von ,mögen*. 
Vgl. Bd n 48. a) i. S. v. 1 a Bs; B; Th; Z. Du 
magst nümmen i» d' Cfeü**«" kw* GG. Mer meu no 
geng ko, wir kommen noch immer früh genug an. 
GoTTH. — b) i. S, V. 1 b. Magsch ko* mit dem ät* 
Morge^'Choche*? B; Th; Z. Du m^jfisch nit ko*, fer 
hüt no'^ fertig z' werde*. Er ma^ nit ho*, die Idngi 
Leiteren ufz' stelle*, er ist zu schwach dazu. Er maß 
nit ko* mit Dem, er muss den Kürzern ziehen, wenn 
er mit diesem Gegner anbindet B. ,Wenn sie nirgends 
kommen mag*, mit ihrer Arbeit fertig zu werden ver- 
mag. GoTTH. ,Die Jungfrauen möchten wohl kommen*, 
die Mägde möchten wohl allein die Geschäfte ver- 
richten, ebd. De^ Schnider mag mit dem Zü^g nüd 
ko*. der Stoff reicht für ein Kleid nicht aus GG. ; Z. 
Ökonomisch Ap; Bs. Er mag uf s^m Heimen nüd k, 
GG.; Z. Wenn ich mit mim schone* Hof nid mag 
g'di., was will denn Dir mit s%m magere"* Verdienstli 
a'^fdh*? L (Schwzd.). I** m4ig 's nit kon mit dem 
Odd GRChur. ,Einem pfarrherr ein zimlichen ufent- 
halt [Unterhalt], daran er kon mög [mit dem er aus- 
kommen könne], zu geben.* 1525, Absch. Eigentümlich 
mit Dat. und ironisch mit entgegengesetztem Sinn: 
Er hat ^*^m Vermöge* möge* ko*, hat es durch Ver- 
schwendung durchzubringen vermocht ZLunn. 

Da in der MA. von GrChnr nd£. die Aspirata ^k im 
Anl. sowohl gemeinalem. ck als g'ch. vertritt, und die Bedd. 
▼OD ,ge-k.* sich mit deuen des einfachen Vbs berühren, so 
haben wir die Beispiele aus der genannten MA. bei letzterem 
untergebracht. 

er-g.: 1. zu rechter Zeit kommen Bs. J"* mag 
nimm [nicht mehr] e., ich komme zu spät. — 2. seiner 
Aufgabe nachkommen Bs. Er het nimm mögen e, und 
,halt!' so het er ei* Mol ufs ander g'schraue*, ,tüeit 
e* chlei* gemach, me* muess zum Schrihe* doch Zit 
ha*!* Breitbnst. 1864. — Über die Verbindung er-^- s. 
Bd I 403. II 50. 

hei«-cÄo« 8. Bd 11 1277 f. und Hei**-Chumm€li. 

hin-: 1. hinweg k., sich entfernen. ,I)ass sy [die 
Prediger] die [die Messpfaffen] im friden lassen h., 
wie sy herkummen sind.* Zwinoli. — 2. zeitlich : ver- 
fliessen ; s. Bd II 1318. 

bind er-: 1. trennbar, mit Betonung des Adv.» 
rückwärts k., ökonomisch; s. Bd II 1416 unten. ,In 
ansechen, dass diss jars wenig körn was worden, des 
sy nit wenig hinderkommen.* 1556, Hotz, ürk. -- 
2. trennbar, mit Betonung des Vbs, tr., (durch einen 
Hinterhalt) überfallen. ,Als der Burgermeister mit 
den Feinden zu scharmützlen herausfiel, ward er von 
den Feinden hinterkommen.* Würstisen 1765. 

her-: 1. räumlich, heran-, herbeikommen. Infin. 
oder Ptc. i. S. des Imper. als Herausforderung. Her- 
cho* ! wer Öppis mit-mer will ! oder : wenn 's Öppis 
mit-ech ist! Aa. Vgl. Bd II 1559. ,Damit wir uf 



281 



Kam, kem, kimj kom, knm 



282 



nieman warten müesstind, der erst uss jener weit har- 
komme/ R Walther 1558. .Herkommende* oder ,hcr- 
gekommene LüteS nicht eingeborne oder angesessene, 
sondern fremde, herumziehende, deren Beurteilung und 
Beerbung dem Landesherrn zukam; s. Seo. RG. I 428. 

— 2. zeitlich, a) sächlich, durch Zeit und Gewohnheit 
rechtliche Geltung erlangen. ,Dasselb gelt soll teilen 
mjncr herren kammrer under die husgenossen, als das 
her ist kommen und gewonlich ist gesjn von alter har.' 
XV., Z. ,Wie von alter harkommen und gebrucht 
worden ist.* Schw LB. Infln. subst = herkömmliches 
Recht ,Der brief, der unser alte brüch, sitten, her- 
kommen bestatet.* UMet., Chron. — b) das Perfect 
persönlich, gewohnt sein, als rechtsgültig betrachten. 
,Diewyl wir dermassen harkommen, dass wir in unsern 
oberkeiten bisbar niemandem gewalt zuefüegen lassen.' 
1524, Absch. ,A1s [wie] wir harkommen sind.* Stadtr. 
Baden. ,Wir syn och also her kommen, das" nieman 
dem gottshus fallen soll.* Offn. Neuheim. — c) der 
Inf. = Herkunft ,Von der heiligen ee harkummen.* 
HBuLL. 1540, Titel. ,Vom herkommen der Schwyzer 
und Oberhasler.* Eul.Etburger c. 1460. 

nach-: 1. nachgehen; dienen, Folge leisten. ,Dann 
es im on zwyfel entsessen [gebangt] hat, syner hoch- 
pöchigen berfiemung statt und nachkummung ze tuen.* 
ZwiNGLi. ,Die husarroen konnten wider ir narung um's 
Gottes willen besuechen und dem almuesen nachkom- 
men.' 1563/7, B Mand. «Anfechtungen nachkommen.' 
LLav. 1569; dafür 1670: ,den fleischlichen Wollüsten 
pflegen können.* — 2. „ähnlich sein.** -r- 3. subst 
Formen, a) Infin., Aufeinanderfolge. ,So es nun durch 
längs nachkommen der kilchenhirten [Päpste] bis uf 
dise zyt kommen ist* Anbb. — b) Ptc., ,Nachkom- 
mende*, Nachfolger oder Nachkommen. ,Für uns und 
unseren nachkommenden.* 1288, Mohr, Cod. .Nabu- 
chodonosor und seine nachkommende.* HBull. 

Za 2. Entw. = nahe kommen, falls die Angabe einer 
MA. entspricht, in welcher das Adj. obige Form besitzt; 
oder Terhochdeutscht für nache* (nachhin) cho**. 

ha mach-. ,So mag man geduld haben, bis dass 
die blöden ouch harnachkummend.* Zwinqli. 

nid er-: zu Bette kommen oder gehen. Vgl. ntder- 
gän, ,Nach dem Schlaftrunk, als wir niderkamend.' 
1529, Z Schreib. 

b*-: 1. entgegenkommen, begegnen (auf dem Wege) 
Aa; B; Gl; Ndw; ZWl., Zoll., auch: „entgegen gehen". 
Der Ätto is-mo fsprunffW^ Vchummu*, ist ihm ent- 
gegengesprungen P (Schott). ,Es b*kam uns ein mann 
herauf entgegen.* 1531, IL Eon. ,Incurrere in aliqm, 
in alqm incidere, eim b., on gefärd eim begegnen.* 
Fris. ; Denzl. 1716. ,Si nihil obviam est, wenn nichts 
im w6g ligt oder nichts underwSgen bekumpt* Fris. 

— 2. a) = nhd., empfangen, erhalten Bs; Gr. Sonst 
Über-k. Hast beko"? nämlich Schläge. — b) einholen, 
treffen. Ich weU schi [sie] bem Tschuggon [Ortsname] 
b*chon PGr. ,Ich weiss, dass euer hurdigkeit sy be- 
kombt* 1770, L Spiel. — c) erwischen, berücken, über- 
listen Bs. — 3. übereinkommen. ,Sy gSnd den mai- 
schatz oder erschatz, als vil und denn mit inen b. 
gewesen ist* XV., LBerom. Matrikelb. ,Es wäre dann, 
dass beid partyen des güetlich mit einandern be- 
kämind.* 1530, Absoh. — 4. = einfachem ,kommen*. 
,Man soll den mütt kernen järglich geben ab dem- 
selben hüse, in swes hant es iemer bekummet* 1295, 



Z Stiftsurb. ,Was nutze Ton den bdmen, die iezo da 
stant, bekummet ald werden mag.* 1336, G. — 5. = ge- 
kommen i. S. V. ausreichen. Mir möu [wir mögen] 
mit dem Holz nümme* b^cho"* B (Postheiri). — Mhd. 
und &. nhd. in Bed. 1, 2, 4. 

ent-be-k. empchö BSi.; Gr, ep-, ap-, op-chö Aa; 
B; FMu., 0.; Gl; GO.; SchwMuo.; UwE.; U; Z: 

1. a) = be-k, 1 AaL.; Bj Gl; GRPr.; GSa.; Schw; 
UwE. ; Z (Stutz). Wenndr Neuer [Jemand] ahkunnd, 
se säg: Gruete" Tag! SchwMuo. An öppis e. GLÜbst 
(Zwicky). Abchommo* wider ds Hüs, gegen das H. 
herangekommen P (Schott). Entgegen gehen UwE., 
entgegen kommen BO. Ebchumm-mer de** z* Abe", 
In der erstem Bed. gilt aber auch e. gä* GRPr.; 
GPfftf.; SchwMuo.; UwE. Wenn der Vater hei'^chunnt, 
se wem-mer-etn gon abko*. — b) i. S. t. entgegnen, 
erwidern, antworten, z. B. mit Scheltworten BR. — 

2. gedeihen, frisch bleiben, von Pflanzen SchwMuo. 
Wa>s ich zwlet ha*, ist nu [noch] eister schön abko\ 
Es ahkunnd NM bi dir Hitz. Syn. ent-be-chtmen. 
Sich erholen (von Menschen) BR. Refl., wieder zu 
Kräften kommen BHk. 

Die auffallende Form abko muss zonächst aaf 'äb^-eho* 
zarfickgefQhrt werden and wnrde von uns nur 'der Yerein- 
fochung zu liebe hier untergebracht; ah aber ist yiell. aus 
a^-he- zsgez., wofür die 61 Constrnction ,an öppis epcho* 
spricht 

er-be-: 1. begegnen Aa; Gl; L; GO.; Ndw; U. 
— 2. einholen, nachkommen Aa; LG.; GO. 

z*-sämme°-: 1. in der gewöhnlichen räumlichen 
Bed. Auch von Sachen: zsstossen, zsgränzcn. Mit 
Wortspiel: Z' Borschach chönnd Berg und Tal z'sämme, 
d. h. die Processionen der Gemeinden Berg und Tal 
vereinigen sich in Rorschach. Der Infln. subst = 
concilium. Zwinoli 1, 469. — 2. übereinstimmen, z.B. 
am Ende einer Abrechnung UwE. — 8. (durch Heirat) 
sich zusammenfinden B; Sch; Th; Z. 

dar- durch derdir-: am Leben bleiben; sich müh- 
sam ernähren W. 

wider-: 1. wieder gesund werden Ap; GP., Ta. 
,Wir haben 25 wund, doch unter denselben mehrere 
in guoter hoffnung wider ze kommen.' 1521, Absch. 
, Zerschlagen sind all myne glider, ich komm sy [dessen] 
niemer mer recht wider.' Haberer 1562. S. noch &e- 
haJten L Aus einer Ohnmacht erwachen. G Hdschr. 
Auch Yon einem Lande: sich erholen. ,Dann dise land 
on dess kein enthaltung noch w., dann durch friden, 
mögind yerhoffen.' Ansh. — 2. wieder erstattet werden. 
,Vil Tritt muss er zwar tun vergeben ; es kompt denn 
aber auch ein Stund, dass Alls mit vil Frucht wider- 
kunnt' MtricIus 1630. Mit pers. Subj., Schadenersatz 
erlangen. ,Wol kam er synes schaden wider.' Boner. 
Syn. tn-k. — Mhd. sich erholen. 

z*-w6g-: sich von einer Krankheit erholen Ap; 
B; Th; Uw; Z. Gesund, zufrieden werden Ndw. 
Ökon. empor-k. F. Zu Etw. gelangen Ndw; Z. (Mit 
Etw.) zurecht kommen Z. Mit Infin. : Er chunnd nid 
z^weg z' schlafe*, z* isse* wige* de* Geschäfte* Uw. 

zue-: 1. a) von Menschen, nahe heran k. Th; Z. 
Me* chunnt nid zue, z. B. zum Kassierer bei einer 
Kasse, die von Menschen belagert ist. Beikommen, 
z. B. einem Wild UwE. Auf Besuch kommen. Die 
der Einladung zur Fastnacht in U 1487 folgenden 
Zürcher wurden mit der Zusage begrüsst: ,[dass wir] 



283 



Kam, kein/ kirn, kom, kum 



284 



üch das früntlich zuckommen niemert vergessen 
[wollen].* Edlib. — b) von der Kuh: vom Stier be- 
sprangen werden Scbw; Th; Z, aach ohne Zutan nnd 
gegen den Willen des Besitzers, auf der Weide GrD. ; 
8. zue-län. ,Die neu Kuh [ist] bei 2 Stieren zu- 
kommen; wann sie rindrig, sieht man es ihr fast nicht 
an.' 1780, ZWipk. — c) von Sachen. ,Von ihrem [der 
Pension] z. an bis uf unsere tag.* Ansh., seitdem Pen- 
sionen bezogen wurden oder seit dem Aufkommen der 
Pensionen. ,Ein Absagbrief, Buten und Schwert für 
dis ihm bald zukommen werd, wann er euch nit ver- 
hören [an-h.] wöll.* GGotth. 1619. ~ 2. beikommen 
i. S. V. gleich k., an Kraft, Wert B; Th; Z. ,[Der 
von Dr Thüring in Rom erkaufte Ablass war so 
schwach] dass er syner nachburen von Frjburg ab- 
lass, nun von Losann selbs kommen, nit z. möcht.' 
Amsh. ,ünser aller höchster fljss mag nit zuekummen 
der gerechtigkeit, im gesatz ufgelegt.' OWerdm. 1552; 
dafür 1588: ,kann noch bei weitem nicht erreichen 
die g., so von uns im gesetz erfordert wird.' ,Das 
Bein steht entweders ganz still in seiner Wachsung, 
das ander aber fahret fort, also mag das gelämt Glied 
dem anderen nit z.' Würtz 1634. — 3. a) in den Be- 
sitz von Rtw. kommen, Etw. erreichen, mit Gen. d. S. 
,Wenn ich syn möchte zuokon', wenn ich dazu komme, 
es dazu bringe. 1522, Absch. Sie bitten, dem N. N. 
wegen seiner Ansprache auf Wippingen ,ein stuck yn- 
zegSben, damit er des synen zukommen [möge].' 1548. 
Absch. — b) mit Dat. d. S., Kosten bestreiten ; Scha- 
den ersetzen. ,Umb das sy den selben costen under 
inen selben dester bass z.' B Stadtsatz. 1413. .Damit 
sy irem schaden und verlurst mögen z.' 1523, Absch. 
Syn. in-k. — c) mit Gen. (Acc.) und ,an', sich für er- 
littenen Schaden an Jmdcn halten. ,Man würd dess 
an Üch zuokommen', man würde sich dafür an euch 
halten, d. h. euch dafür büssen lassen. 1521, Absch. 
,Funde es sich, dass sy etwas veruntrüwt hettind, das 
wellte man an irem lyb und guot zuokommen.' 1529, 
ebd. ,Helffed mir umb [zu] gelt oder ich kumm syn 
zu kosten, würden ich es an üch wellen z.' 1563, L. 
,So etwas schwüeren und Unzucht von kinden ver- 
merkt, wurdend wir des an iren eiteren z.' Z Mand. 
1580. — 4. Glied einer Gemeinschaft werden. ,Die 
Zukommende', die Braut (aus einer andern Gemeinde) 
Blseltw. Der G'meind z., ihr zur Last fallen, gemäss 
der Pflicht der Unterstützung ihr angehörender Ar- 
men ZO. — 5. .zukommende Zeit', künftige. Gulkr. 
— Mhd. i. S. T. 1, 8 und 5. 

für-zue-: vorbeikommen, vorsprechen, einkehren 
Th; Z. Chömmid verzue! Absch iedsgruss von Wirten 
an Gäste, Einladung zu weiterer Einkehr AiWohl. 

voll-kommen: Adj. 1. von der Beschaffenheit 
des menschlichen Körpers und einzelner Teile des- 
selben; bes. von vollen, runden, wohl ausgebildeten 
und genährten Formen, z. B. von Kindern, von einer 
Jungfrau Gl; Z. ,Ein v-er Kücken, mit Buckel, Höcker 
auf beiden Seiten.* Sprbno. ,V-er Hals' s. Schwarten- 
IIcUs, Von Kleidungsstücken, weit, gross, auf Wachs- 
tum des Trägers berechnet; ein Kleid kann aber auch 
,ein wenig zu v.* sein Z. Von Früchten und Blumen 
Th; Z. — 2. von Zeitbegriffen. I'* bi* doch wider 
e^möl zu-n-ere* vollkommene* Nacht cho*, sagt scher- 
zend der Langschläfer Z. Von Jahr und Jahreszeit, 
in Bez. auf Ertrag an Früchten, ergiebig, fruchtbar, 



reichlich. ,l8t g'syn ein söllich vollkummen jar mit 
wyn.' UMbt., Chron. ,Ward dasselb jar ein v-er herbst 
und fast gut.' 1588, SchwE. Klosterarch. — 3. vom 
Bestand von Versammlungen und Behörden, voll- 
zählig, regelrecht. ,Aus vollmächtig gegebenem Ge- 
walt unserer vollkommenen ganzen Landsgemeind.' 
1530/69, Steinm. ,Diewyl selten rotsherr, meister und 
sSchs vollkummen in den hotten zuesammen kummen, 
sollen 4 — 6 sSchser in bysyn eines hauptes* die Vor- 
standsgebühren wohl mögen verzehren. 1538, Bs. 
Dagegen von einer einzelnen Amtsperson: ,ein v-er 
Anwalt', mit Vollmacht ausgerüstet. 1524, Absch. IV 
1 a, 536; Syn. voü-mächtig. — 4. vollendet, zu Ende 
gekommen. ,Viele jähre nach der voUkommnen re- 
gierung der keiseren.' Vad. 

Die Lautform des W., bzw. des zweiten Teiles der Zss., 
bes. k^ im Anl., zeigt, dass es aas der Schriftspr. entlehnt 
ist. Bemerlienswert ist aber auch, dass es trotzdem in abstr. 
(geistiger oder moralischer) Bed. kaum vorkommt, dagegen 
in sinnlich concreter (Bed. 1—2) volkstümlich geworden ist. 

voU-kommnen: vollkommen machen. , Wellend 
ir im fleisch erst vollkommnet und usgemachet wer- 
den, so ir im geist habend angehept?' B Disp. 1528. 
»Durch jn sind alle ding wol geordnet und gcvoll- 
kummnet.' 1531/48, Sir. 

will-komm(en) wülkumm Bs; Th; Z, wülkumme* 
GRAnt., wüche BsL.: Gruss an ankommende Gäste; 
auch (sind) w. zue-n-is! Th; Z; aber auch als Er- 
widerung auf: GottgrüeZ'i! GRAnt., Seh. Gesprochen 
von einem Eintretenden Bs (Breitenst.). Ein** heisse* 
ivilche 8%* BsL. 

Mhd. wiüekomt (Adj.) und w.-komen (Ptc.). Dass der zweite 
Teil der Zss. bei uns nie in der Form des Ptc. erscheint, 
wie bei voll-kommen, wird aus der mhd. Adg.-Form zu er- 
klären sein. Reiner mundartlich ist das ch in wil^he, welche 
Form zunächst aus der participialen wül-cho* hervorgegangen 
sein muss; die Abstumpfung des o zu e wird in Folge der 
Tonlosigkeit des zweiten Wortes der Zss. eingetreten sein. 

Will-komni(en) m. : 1. Begrüssung. ,Solche 
Studiosi, welche anfangs ihren unverschämten bien- 
venie oder Willkomm abforderen und von zehrhaftem 
Leben gleichsam Profession machen.* SHott. 1666, 79. 
— 2. ein Trinkgeschirr von bes. Form, das man zum 
Willkommgruss reichte. ,F utile, ein gattung eines 
geschirrs, unden am boden spitzig oder eng und oben 
ganz weit, also dass man's nit nider kann stellen ; ist 
freilich wie die willkommen yetz sind, die einer nit 
niderstellen kann, er habe sy dann zuvor ausgesoffen.' 
Fris.; Mal. — Vgl. engl, loattaü-boiel. 

gott-wüche B; GnPr.; GG.; SchKI.; SchwE.; Uw; 
Z, 'ioulche GlH., -wilchi GrD., -wilch B, -gwülche Gl 
(Schuler), gottawiÜeche ThHw.: 1. mit oder ohne aus- 
gedrückten Imper. bis (slgj, sid (sind)^ Begrüssungs- 
formel, Verstärkung des einfachen wilUk. aaOO., „bes. 
an Fremde oder selten kommende Bekannte." Gruss 
Vorübergehender z. B, an Arbeiter am Wege B. Gruss 
Eintretender. Gotth. Erwiderung des Grusses Gott- 
griieZ'i^''! GrD., L. Wenig gebrauchter Morgengruss 
Gl It Schuler. Bis-mer g. ! Hebbl ; KMeier. ,Sei mir 
gottwillkommen!* Anfang eines Feuersegens. Schild. 
Sit gottwilche*, Vetter, gottivilche* zue-n-is BsL. 
(Schwzd.). ,Sieh auch, was für ein fremder Mensch 
da ist! muss man ihn nicht heissen gottwilche sein?* 
Breitenst. ,Bei der Wendung nach der Türe sah 
Meieli Mädi beim Schüttstein stehen, bot ihm die 



285 



Kam, kein, kim, kom, kam 



286 



Hand und sagte: Bis mir au^^ gottmlche'*, du tcirst 
d's Modi s%*. GoTTH. HiAt g.^ mom schir-di^^ fürt! 
Pop. Etwa mit scherzh. Reimspiel: Sind g. »• ü^ser 
Chilechc^ ZSth. iBia gott willkommen!* Schachzab. 
Jch sprach zno mängem: Bis gottwilchen.' NMan. 
,Kam der alt N. N. zno nns nnd hiess uns gott will- 
kommen syn.* 1523, Egli, Act. , Jedermann hiess sy 
gottwillkumm sein.* 1531/48, I. Makk., = ,willkomm.* 
1667. ,Amicitia nullo loco exclnditur, freundschaft 
wirt nienen ausgeschlossen oder ist allweg gottwill- 
kommen.* Fris. ,Heissen gottwillkommen sein, heim- 
grüezen, salutare.' Mal. ,Wie auch wir Schweizer 
den brauch haben, die frembden also zu empfahen, 
dass wir sprechen: Seit mir gottwillkommen, liebe 
herren und gute freund.* HBull. 1597. ,Sind mir G. 
Willkomm z' tusent Mahl.* GGotth. 1619. ,Sie Messen 
den Fridli gottwillchum sein.* Tobl. VL. — - 2. ausser- 
halb der direkten Anrede od. Verbindung mit ,heisscn*, 
als gewöhnliches Adj. JEr ist nit g, cho; nicht gut 
aufgenommen worden BSi. Meist nur noch ironisch, 
z.B. du chämist-mer g.! ZRafz. , Warlich, er uns 
gott willkumm war.* 1518, Wthur Spiel. ,In Burgund 
was Brunhild gottwillkommen.* Rüeger 1606. Einmal 
von einer Sache im S. von ,angenehm, erwünscht*: 
War 's-i so g,? Stutz. 

Das Comp, wird gewöhnlich als TerkUrzt aus dor mhd. 
Formel (loi» oder h) gote w. (unde mir) ! erklärt. Das Gl ü 
erklärt sich durch den Einflnss yon l. -i statt e ist ohne 
Zweifel nach Analogie der Grussformeln Gott yrüex-i'^, Gott 
daiüc-i'^ aufgekommen. Der älteste Auslaut ist natürlich m. 
Das Gegenstuck dazu, wüch ohne e, erklärt sich nach der 
unter dem einfachen unllkomm angenommenen Auffassung. 
Die genet. Form des ersten W. ist den vielen gleich ge- 
bildeten Zss. mit GotU' nachgemacht oder aus der Vorbindung 
Gott« Wiüe* herUbergenommon ; Tioll. aber Anal, nach dem 
Üblichen Grusse: G'lobt «' [sei] Jentu ChriHI Endlich ist, 
wie schon beim einfachen wiUk., die Xbf. mit tcd- zu er- 
wähnen, die bei Zwingli Torkommt: ,Nun sind mir gottwol- 
kommen, bapst und bäpstinon*, sagt Zwingli zu seinen lu- 
therischen Gegnern, da er sie auf einer Übereinstimmung mit 
den Katholiken ertappt. ,Sagend an, wie vil sind der geist- 
lichen essen Christi? Sprechend ir nun eins, so redend wir 
glych mit üch. Sprechend ir zwei: Gottwolkomnien. So 
sind ir, die nüwernng bringend.* Zwingli. 

gottwilchen: willkommen heissen Gl. — Ver- 
kürzt aus ' g.-wüchenen. 

chomm-, chumm-lichj 'lech, -lig, -li, in ZPfäff. 
chutnbli: 1. in pass. S. a) bequem zu gebrauchen, 
gelegen, passend, zuträglich Aa; Ap; Bs; B; F; Gr; 
G; Obw; Zo; Z. Syn. gäbig. Von Wohnungen GA.; 
ZPfaif. Velzhändsche* sind im Winter eh. Aa. Hose*- 
sack wie Mini Patrontäsche* ; 's isch eh. g*s%*, für Brot 
und Öpfel dri" i'^z'pacl'e''. BWyss 1863. Vil Lüt sind 
eh., numme* nit am Tisch und nit bim Teile*. Schild. 
Es Meitschi ivä*''ne' chummligs g\*t%* für ires Zimmis 
^ maclic* B (Schwzd.). Mach-dr 's k.! Bs. K. ko*, 
zu Statten kommen, ebd. Es chunnt-m^r chommlichs 
BSi.; Obw. — b) von Personen, mit dem leicht zu 
verkehren, auszukommen ist; auch: hülfreich, dienst- 
fertig B; FJ. Von einem Kind, dessen Pflege nicht 
viel zu tun gibt BSi.; Syn. lauh. Häufig ironisch wie 
»trefflich, prächtig, sauber.' Das ist c* Chummlige^! 
Gr ObS. — c) von einem Tiere, z. B. einem Rind, 
stattlich Gr. — 2. in act. S., der es sich bequem 
macht B. ,Herr Kommlich, es gab dir zu viel Müh.* 
Bräggbr 1777. 



Mhd. kom(eH)lich, bequem. Seit uhd. Zeit vorzugsweise 
und zuletzt ausschliesslich alemannisch (s. Gr. WB. V, 1681) 
nud in unserer ä. Lit. sehr häufig belogt. 

un-: 1. Gegs. von kommlich 1 a Ap; B; U; ZO., 
z. B. von einer VTohnung VT, von einem Messer (un- 
handlich) Bs, auch : unpassend Gr. In ä. Spr. auch : 
ungelegen, ungünstig, mit Rücksicht auf Ort und Zeit. 
«Wann [weil] es den lüten ze ferro und unkommlich 
was, da beute man ein kilchen in der statt.* Just. 
,Hat der Herzog von Burbon die Lyoner Mess gon 
Burgis gelegt, das den obern Tütschen fast unkumm- 
lich und schädlich was.' Ansh. ,Er hat einen un- 
kommlichen schwänz zu fliegen.* Vooelb. 1557. ,Von 
wSgen der unkommlichen und ungelSgen®'* zyt* Goal- 
THER 1559. — 2. Gegs. von kommlich 1 h B, Subst., 
der U,, die Menstruation GWallens.; Z. Si hat de* U. 

chommlichen: bequemer werden BSi. 

Chümmlichi f.: Bequemlichkeit ZO. 

Chummlichkeit: 1. Bequemlichkeit Bs; BSi.; 
Obw; W. In der ä. Spr. übh. günstige Beschaffenheit, 
Gelegenheit (bes. auch i. S. v. Lage eines Ortes) ; Vor- 
teil. ,Im g'fiel das Ort um syner Eommligkeit und 
guoter Gelegenheit halb.* Rüeoer 1606. ,Wie die 
Wasser wegen ihrer Fischen und anderer Kommlig- 
keiten dem Tal vil Nutzung geben.* Güler 1616. ,So 
viel die Kommligkeiten der Husshaltungen ienen er- 
lyden mögend.* Z Mand. 1627/8. ,Auf dessen Tor seind 
zeigende und Schlaguhren, teils zur Zierd, teils zu 
der Burgeren, so in den Sommerhäusern sich aufhalten, 
Kombligkeit angerichtet worden.* FrHaffnek 1666. 
,Die Schuh mit hölzinen Absätzen wSgen ihr Komm- 
lichkeit.* Z Mand. 1691. ,Chur ist wegen seiner K. 
zugleich der Ort der meisten Congresse.* Serero. 1740. 
— 2. euphem. für Abtritt Bs. - 2 ist Tiell. nur Über- 
tragung des frz. comtnoditf. 

Un-: Unbequemlichkeit; Beschwerde, z.B. wegen 
eines körperlichen Gebrechens. , Zürich sei von andern 
Eidgenossen viele absönderung, schmach, Verachtung 
und alle u. begegnet.* 1529, Absch. ,U. und Müh 
wyten Reisens.* Z Täuferber. 1639. ,U. des Orts.' 
Laüpp. 1736/9. 

Über-Kommniss f.: Übereinkunft, Verkommniss 
ScHW; Za. — Auch mhd. und änhd. 

Voll-: Vervollkommnung. ,Dass sy dem werk 
Gottes dienind zue vollkumnus der heiligen und er- 
buwnus des lychnams Christi.* Zwingli. 

Für-: 1. Verkommniss. ,Wenn die von Rappers- 
wyl dem Schultheissen schwören, band sy fürkom- 
nuss, dass keiner bei den IV Orten Rat suche.* 1539, 
Absch. — 2. Vorsorge, Vorkehr. ,Gott, der üch nitt 
lasst versuecht werden über üwer vermögen, wann 
er macht euch fürkommnus der versuechung, dass ir 
sy mögen erlyden.* B Disp. 1528. — 3. Zuvorkommen, 
Hinderniss. ,Inen [den Feinden] fürkommniss ze tuond 
mit unserm vorteil.' 1522, Absch. 

Binder-: Hintertreibung? Hinterlist? ,Dieselben 
[die einen Friedensvertrag schliessenden Parteien] 
verziehent sich [verzichten] aller ussziechung, gefärd 
und aller andern hinderkomnissen.* 1426, Absch. 

Be-: Übereinkunft, Vereinbarung, Verständigung. 
,Sölltind sy [die Herren von Z] eim jeden ort uf syn 
begeren onc erfarnuss und bekomnuss ire prädi- 
kanten [zu Disputationen] schicken, wurde inen ze 



287 



Kam, kern, kirn, kon, kum 



288 



schwer.* Zwingli. Jn konffen, yerkoaffen und andern 
bekaromnussen/ OWerdm. 1552. ,So euch sollich be- 
komnnss des abzngs halb mit uns anzunenunen ist.* 
ZWthur Stadtb. 

G"-chömra n. : Kleidung, Tracht Schw; Zg. [Die 
Wallfahrer] chönnd, das ist es G'chäm, me* hieget-si''' 
jo blind Schw (Schwzd.). — Von kommen = gekleidet sein. 

Über-kommer m.: Erbe. Der deutsche Kaiser 
habe «als ein überkömcr der Christen erdrychs* einen 
Zug nach Kom unternommen. 1507, Absch. 

An-köramling. , Ausburger, Gast, A.*, im Gegs. 
zu den in der Stadt angesessenen Bürgern. BThun. 
Handfeste. 

Comendiir m.: Comtur eines Ritterordens. ,C. des 
huses ze Beiden sant Johanns ordens.* 1391, Gfd. 
,Der landcomiter der tütschen brüeder [der Balley 
Elsass-Burgund].* Ansh. ,Comendür ze Künitz.* ebd. 
,Die Corherren, die Ritter und Commenter-Herren.' 

ClSchoB. 1699. — Mhd. komentiur, aus afrz. commendeor. 

Kommet Aa; Bs; B (It Zyro auch Kammet); Schw; 
S; Th, Kummet GrD., Pr., Rh., Sch.; GSa.; Sch; Zg; Z, 
Chmnmed BsL. (neben Chummed)^ Chummert Bs; S, 
Oommet (neben Gummet) GaScuolms, Tschapp., V. — 
m. Aa; Bb; B; VO; GRTschapp.; G; ScH; Th; Z, n. 
Aa (It Rochh.); GrD., Pr., Rh., Sch.. V. — PI. -o-, -ä- 
B; S; Th; Z, Gommeti GrV., ,Kummeter.* L Muster 
1797: Kummet, Geschirr des Zugpferdes, allg. ,Alle 
Tage waren meine Rosse im Kommet früh und spät.' 
Gotth. ,Die kommet an'n rossen.* Tierb. 1568. ,Der 
Komat, Kumet, Gorreel, helcium.* Red. 1662. ,P be- 
schwert sich darüber, dass bei den Brücken zu B den 
freiburgischen Fuhrleuten auf die Kommet und Bast 
[Sattel] ein Zeichen gedrückt und dafür 3 ß gefordert 
werden.* 1744, Absch. — RAA. Wenn t** e'*molen es 
Fraueli ha", so weiss »**, was t** mache* : I** legen-em 
es Chommet o" und fare* mit-em z' Ächer Aa ; Bs ; Th. 
JS> Nase' wie-n-en K Z. Oft = Joch in bildl. An- 
wendung. ,Der Ch, a'^lege', ad laborem se accingere.* 
Id. B. Wider in^n alte Gh. ie sMüfe; sich ins alte 
Joch spannen Z. Becht im Gh. s%*y durch Haus-, 
Amts- und Berufsgeschäfte ganz in Anspruch genom- 
men B; vgl. angebunden. Mi* muess dlbeneinisch e* 
chli'* us-^em Gh., gelegentlich (sich) wieder ,ausspan- 
nen* B. ,In die Zeiten, wo der Kanton das Joch mit 
dem Kommet vertauschen müssen [alte Lasten an 
neue tauschte].' ADennler 1817; vgl. Sp. 7. 

Im AdI. wird cK angegeben fUr AaFri. ; BsL.; B; Grtw. ; 
GSa.; S, it/ für Aatw.; Sch; Th; Zg; Z. Das Neutr. nach 
Joch, Genchirr. ,Kom(m)et* auch G Hdschr. ; Fris. ; Mal. ; 
1597, LMalt. Amtsr.; Bs Taxordn. ; Dcnzl. 1716 (dagegen: 
, Kummet.* 1677). Die Form mit n im A'usl. (.Komenden.* 
6 Hdschr., ,Komend.* 1489/90, Zellw. Urk., an beiden Orten 
als PI.; «Komantmacher.* 1476, Ochs) findet sich auch ander- 
wärts (Tgl. ,Comant bei Gr. WB.) und geht auf das Slavische 
zurück, woher das W. stammt, wie viele Ausdrücke aus dem 
Fuhrwesen (bes. mit Pferden). 

Under-: eine gepolsterte Unterlage, auf welche 
erst der eigentliche lederne K. zu sitzen kommt, allg. 

Hand-: Kummet, den das Pferd rechts von der 
Deichsel (Hand-Boss) trägt und der in Schnallen und 
Verzierung vom Sattel-Ch., den das Sattelpferd trägt, 
verschieden ist Bs. 



Narre**-: Schelte auf einen einfaltigen Menschen 
L. Ja, N,! Abfertigung L S. v.: Dummheiten! ebd. 

Eig. der Kammet, den man dem Narren auflegt, wie 
sich denn Dieser Alles gefallen, «sich in*s Joch spannen 
l&sst*; dann fibertr. auf den Trftger selbst 

Stiere*-: Kummet, den man Zugochsen auflegt 
TsKreuzL 

Eren-Rommission: besonderer Titel der frähern 
jReformationskammer' L (Liebenau 1881, 246). — 
Facht-: Behörde, welche die Oberaufsicht über das 
,Fachtwesen' (s. Bd I 660) hat. Ap Verf. 1854. — 
Flöss-: K. der Gemeinden GPfaff. und Bagaz, wel- 
cher zunächst die Aufsicht ftber das Flösswesen [auf 
der Tamina] übertragen war. G Flösserordn. 1839. — 
Hushaltungs-: Titel des Finanzrates Gl; vgl. 
Bd II 1237. — Hänseier- s. Bd H 1475; B Taschenb. 
1862, 104. — Messungs-: K., welche das auf der 
Tamina geflösste Holz zu messen und darüber ein 
Controllbuch zu führen hatte. G Flösserordn. 1839. 
— Absatz-: eine ehemals vom Bundestag, jetzt vom 
Grossen Rate bestellte K, welche die Redaktion des 
sog. «Absatzes*, des Kreisschreibens der Oberbehörden 
an die ,ehrsamen Rät und Gemeinden' besorgt Gk. — 
Bauspän-: Baugespann- K., welche bis 1798 über 
die Handhabung der obrigkeitlichen, städtischen Bau- 
ordnung zu wachen hatte; vgl. Z Ges. VI 65/71. — 
Standes-: Titel der obersten vollziehenden Gewalt 
ApA.; Gl (bestehend aus dem Landammann und acht 
weitern Mitgliedern; vgl Gl Gem. 1846, 491/2); dem 
,Regierungs-Rat* in andern Kantonen entsprechend. 
,1807 erfolgte die Aufstellung der Standes-K., die als 
erweiterte beratende Behörde in wichtigen Fällen dem 
Kleinen Rate [der Vollziehungsbehörde] beigegeben 
ward.* GnGem. 1838, 83; vgl. ebd. 79. — Strassen- 
Gl, „Weg- Z": K. für das Strassenwesen ; vgl. Gl 
Gem. 1846, 492, Weg-Herr Bd II 1548. 

ebflin (in Ap; Sch; Th mit gesetzlicher Verkürzung 
chummj: 1. (auch „chümig") „kränklich, unbehaglich 
LE.; S. *s ist mer eh., ich bin gar nicht wohl**; 
bin nicht aufgelegt Bs. — 2. adv., knapp, spärlich, 
mit Mühe und Not, schwer Bs; B; W; Z. Gh. fürt, 
eh. hei*^, wer vor seinem Weggang vom Haus mit Vor- 
bereitungen viel Zeit verliert, wird auch wieder lange 
auf seine Rückkehr warten lassen Z. Gh. tue*, sich 
anstrengen, bes. aber : sich kümmerlich, dürftig durch- 
schlagen, schwer arbeiten und sparen, um seine Exi- 
stenz ringen müssen B; Syn. genueg tuen. Dafür 
auch: Gh. si* mUesse* B. *Je kümer man mit dem 
Luegen tun müsse [je weniger scharfe Augen man 
habe], desto schärfer passe man auf.* N. B Kai. 1840. 
,D'r Ätti hat immer 3 Kühe gehabt und ich zwänge 
es jetzt, 5 Haupt zu halten; aber es geht manchmal 
[mit dem Futter] eh. genug zu.* Gotth. ,Ein junges 
Ehepaar, welches, wie man zu sagen pflegt, eh. tun 
musste bei vielen Schulden und verwahrlostem Be- 
sitz.* ebd. ,Wie bös Viele haben, wie eh. sie tun 
müssen, wie jeder Kreuzer, den sie zahlen müssen, 
ihnen Herzklemmen macht.* ebd. ,Es wäre besser, 
es würde etwas arbeiten, es sehe, wie kaum wir tun 
müssten und jedes Stücklein Brot abzirkeln.* ebd. 
Was in Schrift verfasst werde, könne »chumer [weniger 
leicht] zerstört* werden. 1298, Z Urk. ,Sy liessend sich 
dester kümer daryn bereden oder zue dem minsten sich 
dester herter in die handlung finden.* ThFrick. 1470. 



289 



Kam, kern, kirn, kom, kam 



290 



,Es ist alls ring [leicht], so man^s anfacht, wirt aber 
gar k. zum end bracht/ Rüef 1540 (sprw.). ,Te kümer 
[das Schloss] hat mögen überwanden werden.' OWerdm. 
1552; dafftr: ^kümmerlicher/ 1588. ,Die werdend in 
böglinen gefangen, doch keumcr dann die krametvögel.* 
VooELB. 1557. ,Syn grusamkeit macht, dass sich die 
anderen statt dester kümer ergeben.* 1568, ZWthur 
Brief. ,K. geboren werden oder an die weit kommen, 
lente nasci.* Mal. ,Ist aber ein Wunder, dass der 
stolze Adamsstamm disen Presten so k. fassen will.' 
JHoTT. 1666. — 3. kaum B; Z. Als Verneinungs- 
Part i. S. V. nicht üwE. Ch, tuen t«* Das! Auch 
verst., z.B.: OWcid frei eh., durchaus nicht; ferner 
als Dim. Chümeli'^ lä* »** di** mit-mer cho", ich 
lasse dich durchaus nicht mitkommen. Vgl. Gr. WB. 
V 354 ff. 

Mhd. küm(t) 1. Adj., dünn, schwach. 2. Adv., mit Mflhe, 
kaum ; gar nicht. Kümig^ ekümig, infirmas, schon bei Notker. 
Mit Weiterbildung durch ady. -«n; ,kumen.* 1562, Lied; s. 
Bad-Odt Bd II 257 nnd vgl. ,kaamet, kaumend' bei Gr. 
WB. y 359/60. Betr. die Bed.-Entwicklang ygl. lat. aegre, 
kaani, yon aeger, krank; zu 8 ferner mhd. müdiche^ be- 
schwerlich; schwerlich, so leicht nicht. Der formelhafte 
Gebrauch gieng ans ouphem. oder iron. Anwendung heryor. 

chümli®** ScHwE.; ZRicht, cÄtliw?i** Schw = chüm 
2 und 3. 3£e" cha** ^** cÄ. chere*, stehende RA. zur 
Bezeichnung der Enge eines Raumes, der Bedrängniss 
einer Lage. S. noch dargegen Bd II 144. 

chümelei^: Unzufriedenheit äussern, bes. in halb- 
lauten Worten BE.; heimlich Allerlei mit einander 
▼erhandeln BhE. 

Der Yoc. ist zwar kurz, jedoch rein, die Kürze demnach 
eine secundftre, so dass unser W. dim. Bildung zu mhd. kumen, 
klagen, tranern, sein wird; die vermittelnde Bed. wäre: halb- 
laut reden. Vgl. auch die Synn. mümmden, brümniden, 

chümerli^ = chüm 2 und 3 (i. S. ▼. ,kaum*) Aa; 
B; L; Z. Er mag eso eh. derdur^^- (durrer-J g^cho*, 
kann sich mit knapper Not durchschlagen. Fast nicht 
WV. ,So du reich wolltest werden, mochtest du gar 
kaumcrlich unschuldig sein.* 1548, Sir.; dafür: ,küm- 
merlich.» 1531; ,käumerlich.» 1667; ,kauni.* 1882. ,Kou- 
merlich und mit grosser not.* 1572, Z Ratsordnung. 
,Kaumerlich, nit lelchtlich, haud ferme. Kaumerlich 
reden, der die Wörter kaum fürhin bringen mag, verba 
trahere. Difficilior ad Antonium aditus esse dicitur, 
er lasse die leut kaumerlich («kümmerlich.* Frib. 1568) 
oder schwarlich für sich.* Mal.; Fris. 1574; vgl. ebd.: 
,Difficultatem alicui rei afferre, etwas schwer machen, 
also dass es kummerlich zuogat.* ,Also dass ein partei 
oft der andern kümerlich mag platz geben.* 1578, 
HPantal. ,Sie wurden in die Üucht geschlagen, dass 
sie kaumerlich durch die zäun entwüscheten.* Würst- 
iSEN 1580 (u. ö. so). ,Starkes Gemür, so sich gar hart 
und kümerlich schlyssen [abbrechen] lasst.* RCts. 
,Dass der Ander folgenden Morgens kümerlich den- 
selben erwecken können.* Z Täuferber. 1639. ,Eine 
ganz ehrene Tür, welche sonst kaumerlich von zwenzig 
Männeren hat können bewegt und aufgeschlossen wer- 
den.* JMüLLER 1665. fWann man der Lasteren ge- 
wohnt, kann man sie kaumerlich lassen.* Hospin. 1683. 
,Sie müsste kaumerlich leben oder bankerott machen.* 
Unsichtb. 1793 (neben: ,bei kümmerlichem Leben*). 
Auch adj., kümmerlich, kummervoll. ,Als die Jude» 
in der keanierlichen Zeit ihren Tempel wieder auf- 

Sohwelz. Idiotikon IIL 



bauen.' AElinol. 1688. ,Klämme, käumerliche und 
trübselige Zeiten.* JJÜLRicff 1727. 

Mischung aus chUmlieh und chummerlich, chümmerlivh (s. 
chümberlich) und vgl. ,k&umerlich, kümmerlich* bei Gr. WB. 

»Knm üw (neben KumpY, Oumm B — m. (It 
Zyro f.), Chumme'' f. „LE.;* W, „Chummi m. BO.** 
(It Zyro Crummi f.): 1. wellenförmig gekrümmte Bo- 
denfläche, bes. enge, mulden- oder kesseiförmige, ge- 
schützte, mit Pflanzenwuchs bedeckte Ausbuchtung 
im Gebirge, entweder im Hintergrund von Tälern 
oder an den Abhängen, wo sich dann etwa Alpen- 
wege hinaufschlängeln W; Bergwinkel, Vertiefung, 
Höhle, Engpass zwischen Felsen „B** ; kleinere Seiten- 
schlucht W. Vgl. die Synn. Graben, Grueb, Chäen, 
Schlttecht, Tuden, Viele dieser K-en sind beliebte 
Alpstaffel. ,Durch das gummi nider unz an die land- 
strass.* 1354, Gfd (Schw). ,Zuo des N. N. gaaden uf 
das küme.' ebd. ,Die nosen [Bergköpfe] zwischen 
beiden guminen: Die gumi disshalb dem graben soll 
der alp Surinen und die Snet dem graben der alp 
Firen zuog'hörig syn.* 1513, Tausohbr. (zwischen UwE. 
und U). — 2. „tiefe Wassergrube, eine Art Cisterne, 
Wasserbehälter (im Freien) LE.** — 3. ^Kum(p), 
enger Verschlag ans Latten und Stäben, zur Aufbe- 
wahrung von Heu oder Unterbringung von Hühnern 
und jungen Ziegen Uw.** ,Es sollen die Ross in den 
Kummen bleiben, bis man die Alpen tut laden.' TB. 
Statuten 1747. — 4. Hügel, Bergkopf. ,Der hof, ge- 
legen uf dem kumben.* 1383, Mohr, Urk. 

Frz. eomhe (eomha in den frz. Dialekten der Westschweiz), 
kleines Tal, Bergschlucht; it. comba (com. gomba)^ im Patois 
des Unter- Wallis eomha», noch vielfkch in Ortsnamen. Die 
Grundbed. der ganzen Sippe ist noch im span. combo, ge- 
krümmt, erhalten. Vgl. auch mlat txmba, Abhang, cumha, 
coma^ cuma, abschüssige Stelle. Dem fremden Ursprung ent- 
spreche auch tw. die Form des Anlauts; vgl. Anm. zu Gvlrn 
(Bd II 233), Oatden, Gatter neben Kattd u. A. Auf einen 
andern Zshang leiten viell. , Kumme, Kump*, Schale, Wasser- 
behälter, Futtertrog, Kasten, bei Gr. WB. ; vgl. OumjKn 
Bd II 815/6 und Sp\kd-Kumpen. Namen von Gef&ssen werden 
oft auf Bodengestaltuugen Obertr., vgl. noch die Synn. 6'Ae««i, 
Mudtoi, Sekütden, Wannen; anch ndl. hm vereinigt die Bedd. : 
tiefe Schflssel und schüsselfOrmige Bodenvertiefung; ebenso 
haben Gefässe und einfache Bauten oft den selben Namen; 
vgl. ,Kar, Koben, Kufe, Korb* u. A. bei Gr. WB. Auch die 
oben genannte rom. Sippe hat im wal. kumpa die Bed. ,Ge- 
mach* angenommen. Ü ber mm aus mb vgl. Trummen : tromba, 
,Zimmer, Lamm*. Die Bed. ,Schfls8el* scheint das W. auch 
an der, allerdings wohl verderbten Stelle zu haben: ,[Die 
Freiweibell werdend bericht[et], dass der g*mein mann sy 
nummen die hetzhund namsind, als ob sy all die nüwen 
gebott in myn herren knm stiessend.* Krickart 1470; doch 
wOrde es dem Sinn der ganzen Auseinandersetzung besser 
entsprechen, wenn ,8y* als Obj. und die ganze Stelle in dem 
Sinn aufgefasst werden könnte: Als ob die Freiwoibol ais 
Hetzhunde die Bauern in der GnHHn Verschlag, Pferch 
trieben. Viell. w&re es besser gewesen, Üum (Bd II 307) 
hieher zu ziehen, denn St.* schreibt Oumm; auch Gummer 
(Bd II 808) hätte mit unserm W. vereinigt werden können. 
Vielfach in Flurnn., und z. T. nur noch in solchen erhalten. 
Die Ckumm BAms. ,(In der) Kummen* B; L; W. ,Hinterc 
Kummen* (mit dem ,K.-See*); ,rüte K.* W. , Äugst* Kumen*, 
bzw. als Dim. ,-Kummelti*, Name von Alpen, die im August 
bezogen werden können; «Gries-K.*, Hochalp am Matterhorn 
(eig. ,Kie8tobel*); ,K.*, ,Her-*, ,Raron-*, ,Bitzi-'. ,Trift-K.»; 
,K.-Glet8cher* W, ,-Gas8* B, ,-Hus* B, ,-Zun* B. ,Die Nach- 
barschaft Kumma.* GrD. LB. Chummeli, Name einer Alp BBe. 
,Gil8-Knmmi*, Alp BAdelb. Rot-Chummt-GUtteker B; ,Kunili- 
Hubel* B. ,Hof und gfleter, mit dem uamen die kumbitzi.' 

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291 



Kam, kern, kirn, kom, kam 



292 



c. 1450, SchwTu^g. ,Pic (iu der) üiininien*, Name von Alpen, 
£inzclhöfen B; L; Schw; S; üw; daneben: ,(In der) Gamm* 
B, .Gommen* B; F und als Abi.: ^Gorometen* BSum., ,in 
der Gummelcn' B; h, ,Gummen-Hub6r S, ,-Loch, -Bach, 
-Tobol, -Tal* B; ,Gunim-Chöpf, Name eines Wildheiiplatzes 
Gl. ,Im Gummi', Hof BBiessb., ,im Gummli* Hof L; ,in 
der Gummi* BSigr. Zu 3. Die Form Kump, bzw. Kum, 
welche in Uw in jener Bed. gelten soll, wird in Abrede 
gestellt; dafQr das Syn. Chrummen. Zu 4 ygl. Anm. zu Ou/el 
Bd II 132. Das W. ist übrigens in dem Beleg kaum mehr 
rein appellativ zu verstehen. Chummcliy Name eines Httgels 
BSigr. — Hieher auch die Familiennamen ,in der Kummen.' 
XV./XVIII., W; Gummer FStdtf; 1378, Gl, vielleicht auch 
ChumtHtr Aa; B. 

chumme": refl., sich in halbmond- oder wellen- 
förmigen Krümmungen auf und ab bewegen, von 
Wegen W. 

Kamdndi, Ko-, in GRÜbS. Camdndi — n.: Kom- 
mando, Befehl Gl; Gr; G; Schw. Kommandostimme 
GrD. Es guets K. ha; eine starke Stimme. 

Die End. -i wahrsch. Analogie nach derjenigen anderer 
Lehnww., bes. aus dem Lat.; vgl. Colleffi, Komedi. Kepri- 
mandi u. A. Vgl. Wissler 1891, 26/7. 

Kumidant, Komedant m.: Oberbefehlshaber, bes. 
eines Bataillons, allg. Alljährlich am 6. Januar er- 
nannter oberster Vorsteher der Knabengesellschaft, 
der an bestimmten Festtagen ihre militärischen Auf- 
züge zu leiten und Über Einnahmen und Ausgaben 
der Gesellschaft Buch zu führen hat Gr ObS. Titel 
des, unter dem alten Regime vor 1798 die Regierung 
in gewissen Amteien vertretenden obersten Beamten, 
dem ,Vogt, Schultheissen, Gubernator' usw. an andern 
Orten entsprechend B; so z. B. in Aarburg, hier ver- 
mutlich der dort bestehenden Festung wegen. Ver- 
allgemeinert: wer immer und überall befehlen möchte 
Bs; Z. 

kumidiere", in GRpr. gumu: befehlen, gebie- 
terisch vorschreiben, allg. Halt du *8 Mul, du hesch 
mir Nüt z* k.! Breitenst. Nüt als k. welle'* Thj Z. 

a»-: 1. = dem Vor. BBe. Es Mali a., eine Mahl- 
zeit bestellen. — 2. fehlerhaft für ,recommandieren', 
anpreisen BBurgd. 

A^ ist bei 1 vorgesetzt nach Analogie der Synn. aVewe", 
'fiäge*, ,anbefehlcn', bei 2 nach Analogie von an-riicnten, 
-schcätzcn. Zu 2. Das frz. recommander ist sonst in der 
Form rekx^mman', rek/ummidiere*, Etw. oder sich empfehlen, 
in die Volkssprache übergegangen Bs; Th; Z (meist mit vor- 
gesetztem a**-). 

Cumasehger m. : Comasker, Handelsmann aus Ita- 
lien, zunächst aus dem Gebiete der Stadt Como. 1711, 
Z Zollordn. — u st. o auch iu ,Knmor8eo'. Denzl. 1677; 
1716. Vgl. Anm. zu Calanker. 

Knmedi, Ko-, in Gr Kam^di, Kanüdi — - f. Aa; Ap; 
Bs; B; Gl; Gr; Th; Z, n. Aa; Bstw.; Z, PL -ene^ 
Gr; Th: 1. Schauspiel (sowohl Lust- als Trauerspiel), 
vSchaustellung übh. Aa; Ap; Bs; B; Gl; S; Th; Z. 
Si ist i" d* Kumedi * gange* allen Orte"* hi; wo Öppis 
los g'si'' isch. Joach. 1885. D* Chilhene** het «le" ver- 
böte'* und 's Tarne* mit sannt der K. Bs. Sc^Ht es Co- 
medi vorgä* i* dem Chappel ohe"? Wolf, Gespr. ,Ein 
schönes Spil oder Comraedy von den siben Todsünden.* 
L lüü2. ,p]s wurde eine schöne Komedi gehalten aus 
dem Evangelio von dem reichen Mann und armen La- 
zaro.' Mem. Tig. 1712, 96. — 2. Gepränge, lärmender 
Auftritt, Aufsehen erregender Aufzug, auffälliges, an- 



stössiges Treiben Aa; Ap; Bs; Gl; Gr; Tb; Z. T&ni 
hed in der Chuchi e* rechti K. angestellt: Er hed de* 
Hafe* mit sannt der Suppe'* umg^worfe* GRCast. Si 
hend-em in der Nacht e* par Bire* g*nu* und due hat 
er e* gräsegi K. drüss gemacht GRMal. Ist dW ussert 
der Stall' K. [Unannehmlichkeit im Stall] süss noch 
Ettes über d' Lebere* (fchroche*? GRpr. (Schwzd.). Di 
ganz K., der ganze Haufe, Alles zusammen, ,die ganze 
Geschichte* GaPr. Ist Das e* K.! viel Lärm um Nichts 
Tb; Z. — 8. Schaubude, z. B. auf Jahrmärkten ZO. 
— 4. Kumiti n., mehrere beisammen sitzende Per- 
sonen ZWyt. 

Aus dem Lat., bzw. It.; vgl. Gr. WB. II 630; V 1683/4 
und das Folg. Die Form ,Ck)medi* auch bei Fris. ; Mal., 
,Comödi' bei Denri. 1677; 1716, DTomann 1708. Das Neutr. 
wahrsch. nach Analogie des Syn. Spü. 4 ist eine Yerquickung 
des frz. eomiU mit unserm W. 

Rössli-: Vorstellung von Kunstreitern BHk. 

Kumediant m.: Schauspieler, eig. und Übertr. 
allg. Aufschneider Aa; Bs. — Ans it. commediante. 

Kumödianteri f.: Schauspielerin ZO. (Stutz). 

Analogiebildung nach den Nom. ag. auf -«r; sonst aach 
Kumedianteni Th ; Z. 

Hei'^-Chaninieli n.: W., mit dem die den Markt 
besuchenden Eltern ihre Kinder vexieren, welche einen 
,Kram' erwarten, während darin in Wirklichkeit nur 
das Versprechen der Heimkehr liegt Z. 

Kanters, Ko-, in Z -«' und -«*, in PP. -i — m.: 
1. Verkehr, Umgang, mit verächtlicher Nebbed. Bs. 
Eifriges Hin- und Horreden unter einander Th. Was 
hei* au^^ Die allitdl für e* K, mit-enafider? Zskunft 
Zo. — 2. mit vorgesetztem Adj. ganz oder Pron. poss., 
in coli. Bed., Alles sammt und sonders, alles Vor- 
handene, das ganze Geschäft Z. De* ganz K, verlüre*, 
verchaufe*. Durcheinander, Unordnung Th; Z. — 

3. Pudenda Z. 

Aus frz. commerce, Handel, Verkehr, und dies ans lat. 
commercium, das auch Handelsware bedeutet. Zu 2 vgl. auch 
das syn. Handel, zu 1, 2 und 3 die synq. Getchä/t, Gewerb. 

kumcrsle": mit einander verkehren Bs. Was heit 
er e' k.? Wichtiges mit einander zu besprechen ? 

Kämet, Ko m., meist zsgs. K.'Stem: = nhd. 

allg. Ftir die bekannten abergläubischen Meinungen 
kommen der Lichtglanz des Sterns, die Dauer seiner 
Sichtbarkeit, bes. aber die Länge, Gestalt und Stellung 
des Schweifes in Betracht, allg. K-e*, Zomprophete* 
ScB; Z. Die alten Chroniken verfehlen nicht, das 
Erscheinen jedes Kometen zu erwähnen; vgL z. B. 
WüRSTiBEN 1580, 655; JMüller 1665, 186. ,Durch die 
sorglichen Zeiten und den sichtbaren K-en als einen 
traurigen Verboten von allerhand Strafen zur Zskunft 
und zu Anstellung eines wahren und ungeglychsneten 
Busswesens veranlasst, versichern sich die Gesandten 
der Liebe, Treue und Aufrichtigkeit.* 1665, Absch. 
Auch früher schon war das Erscheinen dieser , Zorn- 
rute Gottes' Gegenstand von Tagsatzungsverhand- 
lungen zur Abwehr des drohenden Übels; vgl. Absch. 
IV 1 c, 927; IV 2, 642. Der K. deutet auch auf grosse 
Hitze im folgenden Sommer und Herbst und somit auf 
guten Wein S; Z. 

Chummiss B ; L ; Schw, Kummiss Z — m., ä. Lit. 
auch n.: 1. Befehl. ,Al8 wir vormals ein commiss 
oder befelch haben usgon lassen.* 150*2, Absch.; wofür 
ebd.: ,Mandat.* — 2. Ration, Speisevorrat übh. Z. 



293 



Karo, kern, kirn, koin, knm 



294 



,Im Sack bofand sich der Knminis [das mitgenommene 
Abendbrot]/ Z Proz. ,So Jemand [der Soldaten] etwas 
Mangels anzumelden, dass ihme die taglich bestimmte 
4 Btzn oder das Commiss nit worden wäre.* 1646, Z 
Staatsarcb. «Es könnte, um die Soldaten mit dem 
Notwendigen zu yersehen, ein taglicher Commiss von 
Brod und Wein für jeden Soldaten angeordnet und an 
dem Sold abgezogen werden/ 1647, Abbch. ,Die Hilfs- 
Völker sind in die Burgerhüser usgeteilt und wird 
ihnen das Comiss gegeben und dgr [!] us dem, von den 
Puren selbst zusammen geschossnen Beisgelt genom- 
men.* 1653, ebd. ,Der Adjutant soll wöchentlich 
1 Thlr und das Commis erhalten.* 1712, Absch. YJI 
1, 16. — 3. spcc. Kommissbrot, grobes Brot, wie es 
die Soldaten als Teil ihrer Ration erhalten B; L; Z. 
E* Büter lidet dickisch [oft] gar Hunger oder Durst; 
muesa schwarze* Ch, esse* und äss er lieber Wurst B 
(GJKnhn). — 4. Durcheinander BBgd.; Syn. Kammers. 
Aqs lat. commiatum, von eom«u'((era, beauftragen, aoTer- 
traaen, übergeben. Das Masc. Tiell. nach Spata, Sold. Zu 2. 
Die Grundbed. ist: Was man dem Soldaten an Naturalien 
zu seiner Verpflegung übergibt, bes. Brot, Wein, Fleisch, 
Kleidnng; Tgl. die Zssen bei 6r. WB. 3 viel!, verk. aus 
der Zss. K.-Brod, 4 ist yiell. im stftdtischen Jargon ver- 
derbtes lat. commixtuw, J«doeh mit Anlehnung an unser W., 
wahrseh. (aach betr. das Qesehl.) nach Anal, sinnverwdter 
WW. aof .«M» z. B. Mtggit. 

Fidi- n.: Fideicommiss, unveräusserliches Stamm- 
gut; in 8 in übertr. Bed.: etw. Unerschöpfliches. 

Kumissär B; Z, Kumisßjari YO.; GRj Kumisäri 
L; S — m.: Beauftragter, Bevollmächtigter. 1. in welt- 
lichen Dingen. Lihe^s-K., mit der Aufsicht über die 
obrigkeitlichen Lehen beauftragter Beamter Bf; vgl. 
BXri 1885^, 3. Schnlkommissär, ,Visitator' am Exa- 
men S (BWyss 1863, 78). Titel des Amtmanns, den 
die regierenden 3 Bünde in die Landvogtei Cleven 
sandten Gr bis c. 1850; vgl. Schwzd. XIX 3. 5. ,Der 
Kommissar! sitzet alle Wochen dreier Tagen in dem 
Amthaus zu Gericht.' Güler; vgl. Tsch. 228/9. ,N. N., 
kumisary von unser Herren, der 8 Orten wegen.* 1532, 
Abscr. — 2. standiger bischöflicher Kommissär VO. 
Über seine Obliegenheiten und sein Auftauchen in der 
Geschichte s. B Anz. 1882, 18. Drüeje* [gedeihen], 
irr-n-e» K. ScnwBr.; vgl. Land- Vogt. 

kammliti^re" : entstellt aus «kommunizieren*, zum 
h. Abendmahl gehen Bs; S. P^ chneue* [kniee] vor 
^em Altar uf's Kummlizierhänkli, Schild 1885. 

kumfd, in GrV. camöt, Comp, ohne Uml. GRPr., 
mit Uml. S; Th; Z, ^w^.kummMB: 1. bequem, pas- 
send; dienlich, willkommen, allg. K. eho*, zu Statten 
kommen B. Die riche* [Frauen] sind die kummödste*. 
Stutz. Das ist doch e" k-i Usred! in tadelndem Sinne Z. 
— 2. bequemlich, Bequemlichkeit liebend Bs; Tb; Z. 
Du bist doch en k-ef Herr! ,Die Kleine sass kommode 
im Grase und stützte die Ellbogen auf die Kniee.* 
Yerg. Tage. — 3. sonderbar L. 

8 entweder ans Bed. 1 in iron. S., oder geradezu Ver- 
wechslung mit kuriot; Tg]. BBrandst 1888, 108. 

Komodität f.: Abtritt L. ~ Aus frz. commodiU^ mit 
Umformung der End. nach Anal, der lat. Lehnww. auf tat. 

KmnnOde", Kih, in Aa; B; S Chimmode* — f., 
Kommod {J^\. Kommod) m. Gr: wie nhd. allg. Syn. 
Kantrum. S, noch Fransen Bd I 1310. Eine Art 
Kleiderschrank W. 



Chrämer-: Ladentisch, der nach Art einer Kom- 
mode mit Schubfächern versehen ist SThierst. (Zei- 
jtungs-Inserat).- 

Clinminttf m.: Uhu U (Dr Lusser). 

KGnnt« eine Zss. mit ahd. üfo, Uhu, sein. Da aber der 
£ulonruf ,kiwit* anderw. als ,komm mit!* gedeutet wird, so 
dürfte in unserm W. auch eine imperat. Bildung enthalten 
und chnmm üf \. S. v. »steh auf! * gemeint sein. 

Cuman, Co- f., bzw. n.: politische Gemeinschaft, 
Gemeinde, Kreis, Gericht. ,Wir, ein ammann und 
die gesworn des dals und das commun gemeinlich uf 
Tafas.* 1375, Mohr, Urk. ,Dass allweg die c. und 
einlitzig personen, so in der grafschaft Tirol zue eini- 
chem c. in den zweien pOnten zu beklagen betten, ein 
obmann nemmen [sollen] in der herrschaft, darinne 
dasselb ansprächig c. gelegen ist.* 1500, Absch. ,[I)er 
Papst] understuend, us dem mailändischen herzogtuom 
ein c. [eine freie Gemeinde], ze machen.' Ansh. ,Die 
[3 Waldstattc und ZugJ band ihr Regiment mit dem 
ganzen Land und Corpore des Comuns gemein [im 
Gegs. zu den Städten].* RCts. 

Mhd. komune, Gemeinde. Das Neutr. wohl nach den 
Synn. Land, Qericht. In der spec. Gr Bed. entspricht das 
W. dem r&torom. cumön, auch : Landsgemeinde, Gericht; vgl. 
noch Tsch. 229. 

Sur-Cumun, nach Foppa auch ,-ün* m.: Ge- 
meindevorsteher; spec. Vorsteher der Talschaft Gr 
Münster, deren 16 die Talobrigkeit ausmachten. ,Die 
4 Surcumunen* (neben: ,Surcumünen*). 1592, Fopfa. 
— Unmittelbar aus dem RAtorom. 

Chiimnel Gr ObS., Chümmich, bzw. -^ch Bs (Hebel) ; 
GWsst.; ScH; Th (in Hw. bes. in Zss., sonst Chümmi); 
ZUhw., Chömmichy bzw. -jcÄGStdt, Ta.; ZRafz, Che^m- 
mech Ap (ItDurh.); ZSth., Cliümmicht ZMarth., Chüm- 
mig (bzw. Chömmig) ApH.; Gr; GRh., Sa., Chümmi* 
Aa; ApH.; Bs; B; VO; Gl; GRPr., Val.; GG., Rh., Sa., 
T.; S; Th; Z, Ghömmi Gtw.; mTn, Chummi GrS., 
Tschapp., Ghe^mmi ApL, K., M., Chömmis FG. — m. 
(in GnVal. n.)- 1- Pflanzenname, a) gem. Feld- oder 
Wiesenkümmel, carum carvi, Pflanze und Frucht, 
allg.; in Z etwa als lange" dem Eügeli-Ch., in ZoBaar 
als Chiie-Ch, dem Boss-Ch., in der ä. Lit. des XVI. 
und XVII. als »weisser K.' dem «schwarzen K.*, nigella, 
gegenübergestellt. ,Mattenkümmich, weisskimmel, ca- 
renm, carium, caros.* KdGessh. 1542; dafür: , Weissen 
oder MattkümmeL* JJNüsch. ItJOS. Sein Reifen gilt 
als Zeichen, dass das Heu zur Ernte zeitig ist Uw; Z. 
Wenn der Gh. a* fangt rt/V?'», soll der Bur t" d^* Made* 
pßfe* Obw. Da es nicht eben leicht ist, den echten K. 
von ähnlichen Früchten zu unterscheiden, sagt man 
von einem Pfiffikus: Di" verstät de* Ch.I Ti. Von einem 
hochmütigen Menschen heisst es: Du" meint aw**, si* 
Dreck s%g Ch, Schw ; vgl. Anken Bd I 342. Ch, spalte*, 
eig. (aus Sparsamkeit) die gelegentlich zswachscnden 
2 Früchtchen oder dann gar ein einzelnes den 5 faden- 
förmigen Längsriefen entlang trennen, dann übertr.: 
sophistisch rechthaberisch, peinlich genau, bes. aber: 
übertrieben knauserig sein, allg.; in ZZoll. etwa mit 
dem syn. Zusatz: und Haufsame* hige^ [schichten]. 
Noch starker : Us-emc Ch. 6 Schnitz und no^** grössri 
Bätzgi [Abfallätüek vom Kerngehäuse] madie* L, 
,5 Schnitze, den Stiel mitgerechnet.' Spreng. ,£s 
bette ihme weniger Ungelegenhcit verursachet, so er 
zu Haus geblieben und Kümmich gespaltet [hätte].* 



295 



Kam— kam. Kami»— kumb 



296 



JHHoTT. 1666. Vgl. Ch.'GMimmer, -Chnüpfer. Ei*fn 
Ch, under d' Nase* rifte", ihm die Wahrheit sagen, 
Etw. vorhalten Bs; vgl. nhd.: «Einem den Kümmel 
reiben* bei Gr. WB. V 2591. Gh, und Salz s. zuehin- 
gän Bd II 37 ; übertr. : mit Gran antennisch tcs, sonst 
dunkles Haar Z. — b) wilder Ch,, »unechter Kümmel'; 
vgl. das syn. Boss-Ch,, femer tcüde^ Peterli. Spec. 
a) Klettenkerbel, anthr. silv. ÄAHätt; SchwG. ; Uw 
Emm. — p) gem. Bärenklau, her. sphond. AAÄdl. — 
Y) gem. Pastinak, past. sat. AAGeb., Um. — ö) Ge- 
birgs-Bärenwurz, meum raut LE.; Syn. Mutieren, — 
8) Alpen-Drüsengriffel, aden. alp. , Wilder kümich, ein 
kraut mit grossen, weissen blätteren, wachst in bergen, 
cacalia sive leontice.' Mal. — c) echter Kümmel, cu- 
minum. ,Bömsch kümi.' Ebinoer 1438. «Welscher 
kümi.* XV., ScHw Arzneib. — d) grosso Ch,, zsgs. 
GrösS'Ch., möhrenartige Haftdolde, cauc. dauc. Sch 
Schi.; vgl. Moren-Ch, — 2. Kümmelbranntwein Gr; L. 

— 3. scherzh. übertr., Geld, Vermögen Aa; B; L; S; 
Z; vgl. das syn. Samen. ,Im Gemeindrat zu sitzen, 
das müsse man Denen überlassen, die Kümmi hätten.* 
GoTTH. S. noch guet Bd II 536. — 4. von Menschen. 
En (cMinerJ Gh., ein kleiner Bursche Th ; Z. Kümmel- 
spalter Bs (Spreng). Doch meist ohne best, innere 
Beziehung und gewissermassen nur Füllw., subst. 
Träger eines Adj. Das ist dann no'^ en anderer, en 
wackere^, en rechter Ch., Der kann's, versteht*s, ver- 
mag's (anders, besser) Th; ZO. Doch meist im un- 
günstigen mor. Sinne, bes. in Verbindung mit den 
Adjj. eigen, heiter, nett, svber Th; Z. En älte^ Ch., 
ein wunderlicher Alter Z. — 5. euphem. für Teufel, 
in der VerwünscTiung, Beteuerung: Hol mt«* der Ch.! 
AARued. — 6. Personenname. ,Kümi Töuber.' c. 1500, 
ScHwE. Klosterarch. 

Mhd. kumin in Bed. 1 a. Der Stammvoc. e^ ergab sich 
zanftchst aus ö, der Trübung von d; die angegebenen MAA. 
neigen flbh. zur Trübung der hellen Yocale Tor Nasalen; vgl. 
Che^, Kinn. Die speciflsch al. Form ist diejenige auf ausl. «; 
vgl. darüber Anm. zu Ckämi^. Die Form auf ausl. -ich, 
Bchon alt (vgl. Lexer), findet sich in unserer &. Lit. hftufig; 
Tgl. Chämich: Chämin. Der Ausl. -i» ist vermutlich nach 
Analogie von Anit (Bd I 264) eingetreten. In Folge DifTe- 
renzieruDg soll die Form Chömm^eh für die Pflanze, Chömmi 
für deren Früchte gebraucht werden mTh. Das Neutr. wohl 
nach Analogie von Salz, mit dem unser W. vielfach zusammen- 
gestellt wird. Nach einer Angabe kommt das Neutr. in Bed. 3 
auch in S vor; in diesem Sinne dann beeinflusst durch das 
syn. Oelt. 

Moron-Kümmich: gem. Rübe, dauc. car. Durh. 
'Daucus, Mohrenkümmel, wild Rüblein.' Denzl. 1716; 
dafür 1677 : ,Möhren-K.* — Muse»-: gem. Schafgarbe, 
ach. niill. LW.; Schw; Syn. M.-Chrüt. — Rügeli-: 
angebauter Koriander, cor. sat. Aa; Z; Syn. Biment- 
zelten 'Chömli, Böpperli. ,Am Silvesterabend eine 
Speckwehen [-Kuchen] mit langem Kümmi und eine 
Speckwehen mit R.* 1852, Stutz. Dafür: ,Kügeli- 
Kümmi.' AAGem. 1844. — Ross- (in G tw. -Chömmd)-. 
1. = Chümmi* 1 b a Ak; Bs; B; VO; GRh., Stdt, T.; 
Th; Z tw. "- 2. = Chümmi* Ibf AABb.; B; GWsst; 
ZO. — 8. = Chümmi* 1 b y AAStig.; GRh.; ZBopp. 

— 4. Kälberkropf, chaer. BO.; Gr und zwar bes. 
chacr. hirs. BO., chaer. alp. OnPr., chaer. aur., bzw. 
cic, vill. GRChurw. — 5. Hecken-Borstendolde, tor. 
anth. TiiMamm. — 6. rossküramelartiges Laserkraut, 
las. silcr B (Durh.). — Stei"-: 1. raoosartiger, bzw. 
immergrüner Steinbrech, sax. musc, bzw. sax. alz. 



LE.; Syn. Stein-Boggen. — 2. Scsel. ,Steinkümich, 
seselis.' Mal.; vgL Pritzel- Jessen 375/6. 



Chamb I: 1. Chamme^ m., Haarkamm B tw. Syn. 
Chämbel; Cüs-JBiehter, Sträl. ,Die Kämmen.* XVIII., 
Z Ofen der Saffranzunft. — 2. ChämbU n., eine Art 
Rechen zum Spinnen des geringern Hanfes und Flachses 
als Ersatz für die Kunkel, welche nur für langfaserigen 
Stoff verwendbar ist ZB. ChämnUi n., das Werkzeug 
zum Wollekämmen, Karde üw. Chamm m., an der 
Langseite eines etwa 8' langen Tisches (ChamfMtud) 
angebrachter eiserner Rechen, durch welchen in der 
Zeit vor Einführung der mechanischen Spinnerei Baum- 
wolle, Seide, Reiste zum Behuf der Reinigung gezogen 
wurden ZO. ChämbU hiess der einzelne Wisch des so 
gestrichenen Stoffes, ebd. ,Conjux percurrit pectine 
telas, überfart mit dem kamben das wupp.* Colun. 
,Pecten, ein sträl oder kamp, ein karten, darmit man 
wuUen kartet.* Fris. — 3. Chämme* f., Schimpfname 
auf eine böse, geizige, unverständige Weibsperson 
BHk. — 4. Chamber m., PL Chämbe* Aa; BbL.; Z, 
Kamme* m., PL Kammer BsStdt, Chamme^ m. BsL.« 
Kamm der Traube. IT Bert gend de* TTl" und d' 
Chänibe* nu** de* Schi* Z. ,Der rappen oder drappen 
vom trauben, chamm, stirzeL* KoGessm. 1542. ,Der 
regen wäscht den bluost hinweg, dass nichts do stat 
dann der bloss kamben.* LLav. 1582. ,Scapus, Trapp 
oder Kampe an Weintrauben.* Denzl. 1677; dafür 
1716: ,Kamm.* — 5. Champ m., PL Chemp südw.GR, 
Chamme* m. Ap; BHa., Chamfm) m., PL Chemm Gr 
Pr., Tschapp., Webergeschirr, in Ap ohne das , Blatt*, 
in GfiPr. spec. das Blatt. ,Swel [welcher] weher wibet 
in einem kamben, der ze smal ist, der giH 10 ß.* Z 
Richtebr. ,Sy su"n euch enhein wullen houwen noch 
brunnen und ir kamben wol füllen.* L ä.Ratsb. ,Swelh 
wibrin euch us dekeinem kamben wibt, der nicht mit 
der burger zeihen gezeichent ist und mit des kambers 
zeihen, du giH V schilL Der kambe soll euch voll 
gan, dass da nicht lerer zänen gange danne zwene.* 
1342, Z Ratserk. S. noch Ge-fäss (Bd I 1064), Endi- 
Garn. — 6. Chambe* m. Aa; Z, Chamme* m. B; Gr; 
L; GoUtzw.; S; Ndw; Zg, Chame* m. Ap, Kamm der 
Hühner. Mit Was nit am Chuggel isch, isch am Ch. 
tröstet man sich über die Qualität eines Erwerbes Aa. 
,Celsa cristis avis, ein gückel mit aufgestrecktem käm- 
men.* Fris. Bildl. : Dem Hus en rote* Ch. uf setze* Z ; 
s. Güggel Ib 1 (Bd U 193). Auf Menschen über- 
tragen: Der Ch. wachst-em, schwillt ihm Aa; L; S; Z; 
auch vom Zorn L; Z. De* Ch. hoch stelle*, stelle* wie 
en Landvogt, strecke* Z; Roche. Der Ch. ist im rot 
worde*, das Blut ist ihm in den Kopf gestiegen (vor 
Zorn) B; daher auch einfach: e* Chamm ha* Ndw. 
Auch das gerötete Angesicht und spec. die Nase des 
Trinkers Aa; B; Gr; L; Zo. Der Begriff auch aus- 
gedehnt auf die Bartlappen des Hühnervolkes. ,Glych 
wie eim gül der kämmen under dem schnabel abhin 
hanget.* 1551, ÜMet., Chr. — 7. Chamme* m. B; S, 
Chamm m. BSi., Cham m. GnTschapp., Mähne, bzw. 
der Halsrücken des Pferdes. Übertr. auf den Scheitel 
des Menschen B; GnTschapp. Eine* bim Ch. ni* B. 
— 8. Chamme* m. B, Chamm m. GA., Sa., Cham m. Gr, 
Bergrücken ; Kuppe auf einem länglichen Berge. Als 
Eigenname einer Ortschaft BE. «Vorder- od. Leist-K., 



297 



Kamb, kemb, kimb, komb, karab 



298 



Hinder-K* GA. »Hinter-K.*, Flurn. Gl. — 9. Chambe* 
ID., das Zahneisen auf dem Baum des Pfluges. Rochh. 
Syn. (Chreib'jSteg, Biester-Stecken, — 10. Ghamhe* m., 
Zahn oder Zapfen an einem Eron- oder Stirnrad, ver- 
mittelst dessen es in ein Getriebe eingreift Aa; B; Z. 
»Alles mülengeschirrf namblich kämmen, spillen und 
sagen.' 1581, SchwE. Elosterarch. ,Die Zähne oder, 
wie man sie bei grossen Bädern zu nennen pflegt, die 
Kahmen (Kämmen) werden entweder senkrecht anf 
der Peripherie des Rades oder zur Seite desselben 
angebracht.* Z Knnstinstitnt 1782. — 11. Chambe* m. 
AaP.; Z, Chamme'' GlH. (m.).; Ndw (f.), Chamnie* f. 
Th^ Spund, Feder an der Langseite eines Brettes. 
Vgl. Nuet. — 12. Cham m., PI. Cham, die lockere 
Aussenseite eines Heustockes, beim Verkaufe nicht 
mit berechnet GRChur, He. Syn. Stral. — 13. Kam€^ 
f. = Gammen 1 a und h GRPr. 

Mhd. hamp stm., kamhe swt. neben kam(fM). Die se- 
cnndire Dehnung, welche die assimilierte Form tw. erfahren 
zn haben scheint, vergleicht sich derjenigen von Stal, Stall. 
Za Bed. 2: auch in s&chsiscber MA. findet sich das W. in 
dim. Form anf den abgekämmten einzelnen Wisch fibertragen, 
angeblich weil derselbe einem Kamme ähnele; vgl. 12. Za 3 
vgl. das ziemlich syn. B^ehW (Bd II 970). Zn 7. Die An- 
wendung auf den menschlichen Scheitel könnte auch ans 6 
hergeleitet werden. 10 mag nrsprflnglich das g^nze System 
der Z&hne und Zapfen bedeutet haben, findet sich aber schon 
mhd. auf den einzelnen Zahn angewendet. 

Güggel-C^am^" m.: 1. Kamm des Hahnes, allg. 
— 2. (gewöhnlich im PI.) a) gem. Hahnenkamm, ce- 
losia crist. ZO. — b) gem. Schwertlilie, glad. comm., 
ein schon unsern Alten liebes Gartengewächs ZZoIl. 

Hane**-Ch. m.: 1. angebaute Esparsette, onobr. 
sat. BO. — 2. Alpen- oder Gebirgs-Hahnenkopf, Suss- 
klee, hedys. obsc. Trachsel. — 8. = Henne^-Füessi 
(Bd I 1092) B (Zyro). — 4. gewissermassen als Dä- 
mon personificierte Pflanze mit stach lichten Blüten. 
Mach nüd, dass di'^ de* Hane^chamhe"* nimmt! War- 
nung an ein mit aufgelöstem Haar und beschmutztem 
Gesicht umhergehendes Kind ZRichtersw. — 1, 2 u. S 
nach der Farbe der Bifiten benannt. 

Reis- Aa, B,eit'Chambe* Z, Bät-Chamme^ Th — 
m.: ein bis 4' langer Stab, in welchem der ganzen 
Länge nach hölzerne Zähne stecken, zwischen welche 
je ein Gang des anzuwindenden Zettels gezogen wird, 
worauf der von der Anwinderin fest in der Hand ge- 
haltene B. durch einen zweiten darüber gelegten Stab 
geschlossen wird. Er dient dazu, den Zettel auf die 
bestimmte Breite gleichmässig zu verteilen und so auf 
den Baum zu leiten. En dicke^ (grober) B., ein solcher 
mit dicht, en dünner (reiner), einer mit weit auseinander 
stehenden Zähnen. — Von fan-jret«en, reiten, zurfisteu. 

Trübe"- CÄam&c«; 1. Traubenkamm Z. ,Trübel- 
kamm.* ThPlatt. 1595. — 2. Tr.-GhämbU, Huhn mit 
niedrigem, nicht wie gewöhnlich überhängendem Kamm, 
eine geschätzte Art ZF. 

Chambel Chänibd II AaWoM., Champel (PL 
Chämpd) Ap; Gl; uöGr; GBh., Sa.; U — m.: Kamm 
AAWohl. Spec. 1. grober Kamm im Gegs. zum Sträl 
Gl; GRHe.; GRh., Sa. (selten). Syn. (üa-, Dure*-) 
Bichter, Verzerer, -- 2. Einsteckkamm der Frauen 
Ap; uöGr; GSa.; U. 

chambe"*: 1. chambe^ SchwE., kämmt* F, ehäm- 
pu* W, kämmen P; spec. mit Bez. auf Wolle, Seide 
SchwE.; S; W. G^chämpfli WöOe* S. ,Nachdem der 



Lein die Reibe oder Bläue passiert hat, wird er ge- 
kämmt (geristet), das ist, mit einem hölzernen Kamm, 
iler von einem gewöhnlichen Rechen genommen wird, 
in Ordnung gebracht.* Alp. 1827. — 2. chamme*, den 
Kamm bekommen, vom Hahn Ndw. — 3. Kämme (an 
Rädern) erstellen. ,Niemand könne müllermeister sein, 
or könne denn zuvoran ein müli us der grueb ufw6r- 
chen und anreisen, dass zwen mülistein malind; ebenso 
sollen sie auch spillen und kemen können.* 1554, Absch. 

— 4. chämbe* AaP.; Z, chämme* L; Th; Ndw, chäme* 
GßPr., an Brettern und Balken die sog. Kämme er- 
stellen. Vgl. nueten, 

Mhd. hemben, hemmen in Bed. 1 . Die Form mit -/>/- geht 
znrfick auf amhd. kämpf, Nbf. zn kamp; vgl. auch Ckäm/e* 
unter Chamh II und kampßig. Das Intrans. 2 setzt ein ahd. 
'ckambin oder -ön Toraus. 

ab-: mit Dat. P., Jmdn züchtigen. ,Den Ungarn 
wird bei Seckingen abgekämmet.* Wurstiben 17t)5. 

Die syntaktische Construction nach derjenigen von ztoahen 
u. a. ; die Zss. mit ab- wie ,abpr0g6]n* udgl. Zu der Begriffs- 
ontwicklung vgl. die Synn. 9träien, erluraUn. 

i"-chämbe": tr., Holz vermittelst Kamm und 
Nut in einander fügen Z. 

Chamber m.: Blattmacher; s. Chamb 5, 
chamble" ScHwMa., chample* uöGr, GO., Rh. 
aScHw; Za, kamp(e)le* Bs, ehämbk* AAWohlen; Scu 
Zg; Z, chänibele* AiFri., chämmler AaoF.; B; L; G 
SchwE.; Uw: 1. kämmen, namentlich mit dem grob- 
gezahnten Kamme uöGr; GG., Rh.; Zg. Bildl.: Wer 
(toenn Evmt) hüratet und fät (wem 's Hürote^ feit 
oder fhüratet und g'feltj, ist (so ist er da"*) (baid) 
ffchämblet (puteat, 'bürstet) und g'strdlt B; GrD., He.; 
GO., Rh.; Sch; ScHwMa. — 2. hecheln. Wolle, Roh- 
seide, Baumwolle kämmen, auf Kammbrettern strei- 
chen, karten AaoF.; G; SchwE.; üw; Z. ,Carminare, 
lanam pectere, wullen karten oder kämmlen oder strei- 
chen, zerzeisslen, h@chlen.* Fris.; Mal. ,Karten, hech- 
ten, kämlen, karden, carere, carminare, pectinare.' Red. 
1662. Übertr. und bildl. a) schmücken, aufputzen 
AaWoW. Da' Chind ist schön g*chämblet, — b) „müh- 
selig arbeiten und doch wenig dabei verdienen Z". 

— c) gemütlich, behaglich essen, kauen Aa oF. ; L, 
aber auch: emsig und viel essen SchwPL — 3. zanken 
Bs. Si hend allitoil Öppis mit enander z' k. Tr., Jmdn 
prügeln, an den Haaren reissen, zerkratzen B; GrHo., 
Pr.; GMels; SchwE. Auch von moralischer Züch- 
tigung: Jmdn abkanzeln GSa. — 4. nach den Trau- 
benkämmen schmecken, von Wein, der lange an den 
Trestern gestanden hat AAFri.; Z. 

Mhd. kampeln in Bed. 1. 2 a bezieht sich natürlich in 
erster Linie anf geordnetes Haar, c ist in der einen wie 
in der andern Schattierung der gleichförmigen und iange 
wiederholten Bewegung beim Hecheln und Karden abgesehen. 

— 3 kann anf der Yergleichung mit dem Hecheln und Dem, 
was die Wolle bei demselben erleidet, beruhen; ygl. das o. 
unter 1 angeführte Sprw. und: ,lch will ihm schon die 
Haare kampeln, damit er weiss, dass er eine Frau hat.* 
Inderbitzi 1824; {erner ßmmlen, ßachten u. a., in welchen 
die gewaltsame Behandlung der Gespinnste auf Menschen 
Übertragen ist. 

zer-chample'': (Einen) bei den Haaren herum- 
ziehen; schlagen, misshandeln GrHc. 

Cham hier Champler B; Zg, Chämbler ScswG.; Z, 
Chämler Ndw — m., bzw. -t» f.: 1. Eammmachcr B. 
Haarschneider Zo. — 2. Person, die sich mit Wolle-, 
Seidekämmen abgibt SchwG.; Ndw; Z. ,Kämler der 



299 



Kamb, kemb, kimb, komb, kmnb 



300 



wallen, wullkamler, wullschlaher, carroinarias, car- 
minator/ Mal. «Hindersassen, Husknecbt, Wullen- 
kembler oder sonst müssig gande Leat/ 1629, Z. 
Jbre [der Fabrikanten] Hausbediente, als Kämbier, 
Zettler, Seidenmüller, Eadmeitli.' 1662, Z. ,Da8s die 
Wollenkämbler am Morgen eher nicht als um Bet- 
glocken an die Arbeit und Abends nicht vor Lautung 
der Torglocken Ton der Arbeit zu gehen hätten.' 1679, 
Z Ratserk. ,Die Tradition schildert im XYII. die 
Wollenkämbler als ein rohes, ungcberdiges Volk,* 
AdBürkli 1884, 15. ,Dem Wullenkemmler von Elliken 
von 27« Pfd Wullen zu streichen 5 ß.* Zubers Tagb. 
1686. S. noch Sidm-Heclikr Bd II 971. 

g«-chamblet: bewandert ZO. D^ verstöt de» 
Chüehandel, er ist i" Dim g. Chlinef, lass du '« Säe* 
lo* 8i*, hest, du bist dorin no^^ nüd g. 

Eig. wohl = wer schon viel erduldet und erfahren hat; 
. Anm. EU ehamble'^ 8. 



Mn-g^c^amblet kk; S, -g'champlet AARued.; GRHe., 
Pr.; L; ScHw; S; Zo, -^f'cÄömfc/ct AASeet., -g'chamblig 
AABb., -g'champUgJj; SL.; Zo: ungekämmt, doch fast 
durchweg im übertr. S., ungeschlacht, unbändig, von 
Menschen und Vieh; auch unbeholfen, linkisch, und, 
von Handlungen und Worten, ungereimt. Die Gröbste* 
und Ung'chambletste*. Die ung'champlete* Dorfchind. 
Der Ia^ [Wind] tued leid und w. UngWimts, un- 
g*chaniblets Zug, Dazu das abstr. U*'g^-champleti. Def 
Tschutt [Schafbock] tued g'schente* [schädigen] und 
ergeret-mi*^ dür*^ sohl* U. MKuoni. 

Ghanib II Chambe* ZO., Giam Ap (in I. auch 
ChabJ, Chamm GSa., T. (insgesammt mit schwachem 
PI), Chamme* „B;" OrHc., Pr., uVatz; „Scuw;" W; 
ZO., Chame* GT., „Gamme^ B; Schw- (in Bed. 3), 
Chämbe* GrAv., D„ 7 Ger.. Chämnie* Gr; „LE.; Ü;" 
Uw, Chemme* B öO., Chamla* FO. — f., in GRNuf., 
Val.; GSa. m., Chämfe* m. BG., Kämm n. ApK. — 
Dim. Chämbli Gr, Chämmeli Gr; Ndw, Chämmi Gr, 
Chämli Ap; GSa., Chänndi Ap: 1. hölzerner Henkel 
eines Eimers Ap. — 2. (auch Geiss-, Gitzi-, Chalber-, 
Schaf-Ch.J hölzernes, hufeisenförmiges Halsband für 
das Kleinvieh, seltener für Kühe, zum Anbinden im 
Stall oder auch auf der Weide, an den beiden Enden 
(welche über den Nacken des Tieres zu stehen kom- 
men) durchlöchert, so dass ein mit einer Kerbe ver- 
sehener Pflock, der Chämm€''schlilssel, hindurchgesteckt 
werden kann, der dazu dient, die Öffnung zu schliessen 
Ap; B öO.; FO.; Gr; ,LE.;" GSa., T.; Uw; „U;" W; Z; 
s. noch TscH. 168 f.; zum Umhängen der Kuhglocke, 
daher auch Trihele*-Ch. BG. ,l)er statt S. Gallen bar 
[als Wappenträger] trag ein kämm (das ist ein kalbs- 
band) am hals.' Ksbsl. Nöd wol oss-em Chama* (fcho* 
möge*, nicht gut aus Verlegenheit sich zu ziehen wis- 
sen Ap; vgl. ab (der ChettiJ cho*. — 3. „(auch Zun- 
Ch.J'' =» Gable* 4d «B;" GRValz.; GSa., T.; „Schw;" 
ZO. Syn. Stören, Auch von Kühen: De* Schelle*- 
chOene* müend-er kei* Chammen a'tue*. JJRütl. — 
4. Chämme*, Gebäck in Form des ebenso genannton 
Halsbandes Gr. Syn. Ross-Isen, 

Auch hier, wie hei Chamh 1, ergibt sich als gemeinsame 
GrundTorm Chamh. Ahd. champ, Fessel, stimmt zu Bed. 2 
und 3 uuseres W., und deutsche MAA. haben eine Keihe 
Ton WW. ähnlicher Form und Bed.; s. Gr. WB. V 107. 
Lezer fasst es mit kamb(e), nhd. Kamm, zs., während Hilde- 
brand es Ton Diesem durchaas getrennt hftlt; doch kann bei 
der Ähnlichkeit der Lautform, trotz der Schwierigkeit auch 



die BegrifTe nnter einen Hut zu bringen, Ywdtschaft oder 
wenigstens nachträgliche Vermischung beider WW. nicht ganz 
ausgeschlossen werden. Ap Chab neben Cham wird ans einer 
rein lautlichen Eigenheit jener MA. zu erklären sein. Za 
der Form Chäm/e ygl. Anm. zn chamben (ehämp/en). Das 
Ntr. Kämm ist ohne Zweifel als O'ehämm zu verstehen, ako 
eine Kollektivbildung, die flSr die bezeichnete Einriohtung 
ganz wohl am Platze ist 

Hals-: 1. H.'Cham ApH., K., M., -Chämme GrA. 
= Chamh II 2. — 2. H.-Chdb, Schlüsselbein ApM. 

Auffallen mag, dass, vorausgesetzt, T.'s Angabe sei rlchti«r, 
ApM. die beiden Bedd. in der Wortform unterscheidet. — 
Zu 2. Das Schi, hat den Namen von der gekrQmmten Gestalt 

Chue-, Chüe-: Halsband einer Kuh i. S. v. 
Chamb 2 Gr. »Numella, ein kaokammen (küe-k.) oder 
dergleichen halsring, damit man das vych bindt* Frib.; 
.V(al. In der Reformations^eit Spottname der meistens 
Viehzucht treibenden Katholiken der innern K&ntono. 
.Die er milchbengel und küekemmen, tanngrotsen and 
iennen tet nennenS Spotttitel auf die Fünförtischen 
It Salat 116. Jtem dieweil ihnen die tannäst and 
alle sunderzeichen durch den landsftriden abgestrickt, 
henkend sie jetz die hüet voll küehkämmen. Und als 
einer zu Zug ein küehkamm vor dem Baisinger ge- 
ichnctzlet, hat er geredt, er wolle die kälber daran 
binden, die wir von Zürich fer zu Cappel gemacht 
habend.^ ebd. ,Dass ein Zürcher bei dem Wein sich 
geäussert, er wäri ouch der vier kuokemen eini.^ 1524, 
Strickl. ,£tlich von Zug küekammen tragen an ihren 
paret [Barett].* yAL.T8CHüDi 1533. 

Ndl. koekam, numella; anch: koe-kenne (vgl. Ap Ckänndi); 
,Kuow-ham.' Dasyp. (wahrsch. entstellt ans 'cham oder ver- 
mischt mit ham, wovon ,hemmen*; engl, harne, Kummet). 

chämmp**: 1. der Ziege usw. die Kämme umlegen 
N^DW. — 2. einschränken Ndw. 

Chambli: Geschlechtsn. Z. Gh. mache:*, den Bock 
ausziehen bei Tische oder zur Arbeit ZStdt. 

Die RA. geht auf einen gewissen Karrenzicber dieses 
N'amens zurück und zwar nach Einigen mit Bez. darauf, dass 
er seine Arbeit hemdärmelig zu verrichten pflegte, nach An- 
deren, dass er bei einem Zunftesson sich erkühnte, der Eti- 
(juette zu trotzen. 

Chämbel HI m.: glimpflicher Schimpfname. Du 
Gh.! Potz Gh. Aa. 

Yiell. = Kamel, s. d. Doch ßllltauch das in oberdeutschen 
MAA. vielfach belegte und schon mhd. Kamjiel, Kämpd, tüch- 
tiger oder starker und grober Bursche, das zwar mit dem 
Ausdr. für ,Kamm* zsfälit, eher aber mit ,Kampe* zsgehört, 
und dem gegenüber unser W. ein Sinken der Tennis zu 6 
zeigen würde, in Betracht. Vgl. noch Krämbd. 

Chamber Aa; oBs; B (auch p)-, Gr (sehr selten); 
S; Z, Chummer Bs; B; Gl; GT.; Th — m.: 1. concr., 
\vas bei der Heuernte als Nachlese mit dem Rechen 
gewonnen wird AABb.; Syn. Becheten, Ei**m de* Ch. 
e*tceg ni*, das Zsgerechte wegtragen, damit der Ar- 
beiter das sich häufende Heu nicht nachschleppen 
müsse und dadurch an der Fortsetzung seiner Arbeit 
gehindert werde. — 2. gerichtliche Beschlagnahme. 
,Auf die Bergteile Arrest legen und Kummer antun.* 
Gr Sammler 1806. — 3. Not, Bedrängniss, Besorgniss, 
Angst, Kummer, allg. In Gh, si* Bs. Das macht (ist) 
tner ke* Gh,, macht mir nicht bange Tb; Z (formel- 
haft). Heb ke* Gh.! auch i. S. v.: Zweifle nicht daran! 
Th; Z. 's ist mer en Ch,, das Fleisch z* esse*, formel- 
hafter Ausdruck des Bedenkens, ob man eine vorge- 
setzte Ration zu bewältigen vermöge GT.; ZO. Heb 



301 



Eamb, kemb, kimb, konib, knmb 



302 



kei* Gh. für alt Hose*, Beschwichtigung einoa Übor- 
mässig Besorgten Tu ; Z ; etwa mit dem Zusatz : 's giH 
aü Tag; s. auch Schueh. Von einem leichtlebigen, 
bes. fettleibigen Menschen scherzt man : Der lät (si^^j 
de" Gh. au'^ nüd über d' Chnü (Schueh) ufe* Z ; vgl. 
Gr. WB. V 2600; Met. Hort. 1692, 191. ,I)ie gott- 
losen lassend keinen k. über die kneuw auf gon, mö- 
gend desshalb dester bass trüeyen [gedeihen].' LLav. 
1582. Auch als PL: Du hast au"^ Chümber! unnötige 
Kümmernisse ! Z. In der ä. Lit. formelhaft verbunden 
mit ,Arg' (,dheinerlei arges noch k-s zueziehen.* 1466, 
BsKq.)j ,Überbracht.' 1470, B (Gfo.); ,Arbeit.' c. 1520, 
BsBq.; ,Lyden.' HBüll. 1540; , Widerwärtigkeit und 
Unruw.' B Gerichtssatz. 1615. — 4. das Dim. in eigen- 
tümlicher Anwendung, a) bekümmertes Gesicht, weiner- 
liche Miene, bes. von Kindern Gl. Es Chümmerli ma- 
che', den Mund zum Weinen verziehen. — b) ^au 
Chümmerli, Schelte auf eine ängstliche Person Bs; Syn. 
Chummer-Gret, -Hütten, -Chräzen, -Müeti, -Trucken; 
vgl. auch Kümmernuss, — 5. Chummer, Chümmerli, 
Familienname Aa; B, ,Kumber.* XVL, Z; ,Kumberen.* 
XV., W. Doch s. Anra. zu Kum, 

Mhd. kumber, Schutt, Unrat, Belastang, Bedr&Dgniss. Die 
Form mit mb noch sehr hänfig im XVI. nnd XVII. Zu 1 
Tgl.: «Kummer, ein durch das Wasser zsgetriebener Haufe 
Sägeblöcke, deren Trennung das Kummerbrechen genanni 
wird.* Scbwarzwald. Hieher wohl auch die Flurnamen: /" 
der Chümbere*, Name von Wiesengrfinden, die sich nach einem 
Bach hin neigen ZTurb. (urspr. wohl davon benannt, dass 
der Bach sie gelegentlich mit Schutt überdeckte) ; «Kammer*, 
Weiler Tb ; .Kummerberg*, tiefe Schlacht 6rD. 

chumbere" Aa; SNA.; Z, chumm(e)re* BO.; F; 
Gl; Gr; SG., chüvibere* AxBremg.; Bs; Sch; Ztw.: 
1. tr. a) mit hinderlichen Gegenständen besetzen. 
,Dass nieman der statt noch der Gottshüser turne (mit 
ihte) kümberen (kumbern, bekümern) soll.' 1304, Z 
RBr. ,Swer sich des hofes ald des graben[sj, der 
darzuo höret, annimmt ald underwindet und kümberet, 
so ferre, dass er an dekeinen dingen geswechert wirt.' 
ebd. — b) beeinträchtigen. ,Dass dirre brief die briefe 
nit soll sumen, irren, noch kümmeren.* 1375, BThun. 
Handf. ,So soll im söllichen weg nieman verhütten, 
noch sy darin [in dessen Benutzung] weder kimmern, 
noch irren.* 1500, Gfd. — 2. kummervoll in die Zu- 
kunft sehen, Kummer hegen und äussern, in Kummer 
leben, allg. Die het Ei^^s g'chummerett Gr. Er chum- 
meret, dass er schtn Güetli verliert GRTschapp. Ch. 
und cfdage^, Schild. Ch. um Eine; sich um ihn äng- 
stigen Gl; Z. ,lch war wie zerschlagen am ganzen 
Leibe und noch mutloser in der Seele als am Abend 
vorher und tat Nichts als seufzen und k.* Gotth. 
jLass uns unser Vertrauen auf Gott stellen und nicht 
k.* ebd. ,Sy kümmerend hie uf erden, bis dass sy nit 
me funden werden [bis an ihr Ende].* UEckst. ,Wir 
schwitzen, kümmern, flehn' usw. Haller 1777. Auch 
refl. B. ,5t'* z* Tod eh., animi aegritudine mortem 
promovere.* Id. B. — Mbd. kumbcm, belästigen, quälen; 
mit Arrest belegen. 

er-: 1. mit Müh und Sorgen erwerben Aa. Was 
er erraggeret und erchumberet het. Schwzd. — 2. mit 
Arrest belegen. ,Die Creditoren sind im Recht, das 
Gut des Debitors anzegryfen und ze erkümberen mit 
der Statt Zürich Recht.* 1572, Z Schuldbr. - Über 
den Ural, bei 2 vgl. das syn. be-chumheren. 



ver-: 1. Jmd (an Etw.) beeinträchtigen, belästigen. 
,0b sy sollton darumb verhinderet oder verkumberet 
werden.* Kbsbl.; dafür ebd. an anderer Stelle: ,Be- 
kumbert.* — 2. mit Abgaben, Grundlasten beschweren, 
verpfänden. ,Dass dieselb gebürsami hinnethin nie- 
mermßr dhein holz dasfilbs verkoufen, versetzen oder 
verkümberen sÜllen.* 1402, AaB. Urk. »Dass solicb 
guet niemant anderm verkumbert, vers^ret oder ver- 
setzt were, denn umb so vil, als sy denne gesworn 
betten.* 1450, Bs Rq. ,Wie sy ir ligend guot ver- 
kumbert oder versetzt hettint mit dekeinor anderer 
leie [mit irgend einer andern Art] gült oder Zinsen.* 
1454/1544, ScHW LB. ,Etlich burger, die hus, hof, 
acker, wisen [usw.] unverkümberet eigen gehebt.* 
BossH.-Goldschm. — 3. als Ptc. Perf., bekümmert. 
,Die verkümmreten conscienzen trösten.* Zwinoli. ,Ver- 
kümberte und betrübte Mitglieder.* JHott. 1666. — 
Mhd. verkumbem in Bed. 2. 

be-: 1. mit Schutt und Unrat belästigen, bes. aber 
durch Ablagerung desselben, auch anderer hmderlicher 
Dinge, einen Platz versperren. ,Dass der weg, der 
undennachin soll gan by der mur, unbekümberet soll 
syn, dass die burger weg mögen haben zue ryten und 
zue gan.* 1292, Z Urk. ,Dass das wasser [der Reuss] 
vollenklich enmitten ein dritteil offen unbekümmret 
[vgL über-, ver-fachen Bd I 641/2] stand und ein frye 
strass [für] yedermann sy.* 1514, Absch. ,A1s dann 
die gassen in der statt mit müst vorleit und bekümbert 
[sind].* 1528, Egli, Acten. ,Eln offen Weg soll gan 
durch das Dorf uf, den Nieman bekümbren noch ver- 
schlachen soll.* 1606, Aa Weist. S. noch Mist-Hus 
Bd II 1718. — 2. schwängern. ,Ein dochter oder 6n- 
bekumberti frow.* XIV., AAKais. Stadtr.; vgl. Arg. 
I 50, wo auch der Gegs.: ,Ist es aber ein frow, die 
treit.* — 8. = ver-ch. 2; auch: Arrest auf Etw. legen. 
,Lidig und frylich und unbekümret und [unjbeswert 
aller Zinsen.* 1288, Gfd. ,Guet pfönden, angryfen, 
ufhalten und bekumbern.* 1474, Bs Chr. ,Wo man 
aber pfand nit geben wellt, so mag der widerteil des 
Schuldners guet wol verheften, verbieten und bekom- 
meren so lang und g'nueg, bis er bezalt wirt.* Vad. 
— 4. abstr., meist mit Acc. P. (selten mit Acc. 8.), 
i(Jmd) hindern, beeinträchtigen, bes. an der Ausübung 
eines Rechtes; behelligen, bes. mit (rechtlichen) An- 
und Einsprachen; anfechten, schädigen. ,Un8er[n] 
forster unbekömbert lassen und ungefechet.* 1885, Z 
Stadtb. ,An der vogty unbekümbret und gänzlichen 
ungesumet und ungeirret lassen an allen rechten.* 
1894, Mohr, Urk. ,Wäre aber, dass ieman die darum 
bekümberte mit werten oder mit werken.* 1406, B 
Stadtsatz. ,[Der Ansprecher] hat etlich fischer be- 
kimbert und uf das landg'richt fürgenommen und 
geladct.* 1443, Arg. ,A1so besorgte er, dass er in 
aber mit fremden gerichten bekumbern und umtryben 
wurd und zue grossen kosten und schaden brächte.* 
1464, ebd. , Welche dirn einen um den megten [das 
Magdtum] bekümbert.* 1480, L Rq., wofür ebd. an 
andrer Stelle: ,anspröch.* S. noch Aa Weist. 22; fürer 
Bd I 968. Das Ptc. Perf. bes. häufig am Schluss von 
Vertragsbestimmungen, in der Formel: ,(Ein Recht 
geniessen) von mänglichem (allermänglich, jedem) un- 
beküm(b)ert*; vgl. z.B. Sohw LB. *280; Arg. IV 261. 
Spec. a) mit (körperlichen) Leiden anfechten, quälen. 
,Dem die ougcn trüfend, soll die ougbroromen damit 



303 



Kamb— kamb. Kamf— kamf. Kanp — kump 



304 



bestrychen; und dem syn antlitz bekümmert ist, der 
bestrich den schlaf damit/ ZElgg Arzneib. — b) ,be- 
kümbert sfn mit Etw.S durch angestrengte, körper- 
liche oder geistige Arbeit stark in Anspruch genommen 
sein. ,Als er nu» mit den heiligen ämter[n] bekumbret 
was.* 1460, G Hdschr., Übersetznng des lat. : ,Sacri8 
instaret officiis.* ,Da ich eins tages was bekomret 
mit einem Ijplichen werk der bände.* XV., ebd. ,Er 
was beknmret mit göttlichen gedenken.* XV., ebd. — 
c) betrüben. ,Am zShonden tag des 7. monats sollend 
ir encre seelon bekümmeren.* 1548, III. Mos.; dafür: 
»demütigen.* 1531; 1882. Vgl. en-gegen Bd II 143. 

Mbd. be-kumbem, -hümbemt in Not bring^en, belästigen, 
beschäftigen; eine Sache mit Arrest belegen. Betr. die Bed.- 
Eutwicklung ygl. it. ingomberare, einen Piatz mit £tw. ver- 
sperren, Hindernisse in den Weg legen. 

chammerhaft(ig) B; FTaf., chümmerhaftig Bs: 
sich mit Kümmernissen quälend, sorgenvoll, betrübt 
Bs; B; F; Zf. Beklagenswert, bedrängt, mühselig 
FTaf. üs m [dem] ch-e* Herze'', Breitbnst. In der 
ä^^I^tr such i. S. ▼. schwer, drückend, schwierig. ,Da8 
ein Klagepunkt, Übelstand] inen kumberhaft ange- 
legen sy.* 1441, ZGrün.; dafür an anderer Stelle ebd.: 
,swer.* ,Und so unser ligend guot ye länger also ver- 
setzet stüende, so es ye strenger, kumbcrhafter und 
mit grösserm schaden abzelösen wurde [wäre es als- 
dann um so...].* 1454/1544, Schw LB. ,Wie kommer- 
haftig und widerwärtig uns das ist, wissent wir nit 
g'nuegsamlich zue klagen.* 1495, JMOll., SchwG. ,Ich 
ward ganz leidig und kummerhaftig, dass mir myne 
anschleg so gar nit wellten fortgan.* 1585, B Arch. 
— Mhd. kumherhaß(ec), mit Kummer behaftet; bedränget. 

chummerig: ängstlich. Id. B. ,Nein, entgegnete 
er kümmerig [kummervoll].* JSenn. 

chumberlich, chümberlich = c^umm«rAa/'i^/'i(7^ 
Z. ,Da8 machte mich kümmerlich, dass ich der Schwe- 
ster ihr Loos nicht zu erleichtern im Stande war.* 
Stutz. In der ä. Lit. wesentlich = chümerlig. ,Ir 
twing sj fast eng und ir wunn und weid klein, in- 
massen sy mit irem vych kumberlich daruf belyben.* 
1470, B Arch. ,Ich hab es unmuess halb kummerlich 
zuewögen gebröcht.' 1475, Bs Chr. (neben ,kümer- 
lich*). ,Kumberlich, schwerlich, laborios(issim)c, op% 
rios(issim)e, difficile, difficulter, morose. Kumberlich 
sterben, animam aegram ponere.* Mal. ,Dann [das 
Badwasser] so kalt [ist], dass Einer syn Hand kumber- 
lich eins Ave Maria lang darein halten kann.* KCts. 
,Dass die Lüt mit grosser G'far Lybs und Lebens 
kummerlich davon kommen mögen.* JJRüegek 1606. 
,Dass sich das Wyb kummerlich mer erweren könnt.* 
ebd. ,Heilige Männer [denen wir] kümmerlich nach- 
sehen dörfen*, zu denen wir kaum die Augen aufzu- 
schlagen wagen. JMüller 1661. ,Über Recht Etwas 
anzusprechen, wird Rheinau kümmerlich sich gelüsten 
lassen.* 1717/'23, ZKyb. 

UM, kumberlich, belästigend, bekümmernd, kummervoll; 
Adv. -ticke, mit BedrängnisB, MQhe, Beschwerde. Vgl. im 
Übrigen Anm. zu chümerlig und über die Mischung der beiden 
WW. auch Gr. WB., bes. V 2605. 

kummersam(lich): mit Mühe und Not, schwer. 
,Die abgeworfen brugg ward so viel wieder gebessert, 
dass wir, aber langsam, in grossem [Ge]dräng und war- 
lich kummersamlich, darüber kanient.* 1512, JMüll., 
SchwzG. ,£s syge ze besorgen, dass sy [die Feinde] 



dest kummersamer zc vertryben syn werdint* 1532, 
Egli, Acten. 

MChümmerli"g m.: Liebling, Gegenstand zärt- 
licher Fürsorge L." 

(Sanct) Kümmernuss: die bekannte Heilige 
VO; W. Da sitze* wie 8. K., mit sorgenvoller Miene 
L (wortspielend). In LRus. bestand It alten Kirchen- 
rechnungen einst eine Bruderschaft ,Sancta6 Cumerae*. 
,ln der Pfarrei Bürgein ist eine uralte Bildnuss St 
Kümmernuss, welche h. Jungfrau und Martyrinn allda 
als eine sonderbare Fürbitterin aller Eummerhaften 
verehrt wird.* KLang 1692. Davon der Frauenname 
,Kommera' (,Kommerchen.* ErzIhlbr 1855, 281) Schw. 

Über die bildlichen Darstellungen der h. Kümmernuss, 
deren Legende und ihre Deutung vgl. Z Ant. Mitt. XLVII 
9-11; Z Anz. 1886, 239; Germ. XXXII 461/80; XXXIII 
811/2; Gfd XIX 182/205; W Sagen 185/6; SonntagsbUtt 
des Bund 1877, Nr. 6 — 18. Die Deutung der Kümmernuss- 
Bilder geriet beim Volke früh schon in Vergessenheit; das 
berühmte Bild zu SchwSteinen hiess nur ,das heilig Bild*, 
das zu Zg Schönbrunn heisst Eisaden-Mannli (s. d.). Vgl. 
auch Gr. WB. V 2609. 



kamfeBiere'* : belieben, passen Bs; Th; Z. 

Kamfer^nz f.: Conferenz, Zsknnft übh. Bs; Z. 
K., d' Hose^ verschränzftj , Scherzreim der Schul- 
kinder, wenn ihnen der Lehrer die Mitteilung macht, 
dass wegen einer Lehrerconferenz die Schule einge- 
stellt werden müsse Z. (Heimliches) Gespräch Th. 
— kumferenzle": verhandeln, doch nur mit übler 
Nbbed. Bs. ,£s nimmt mich Wunder, was Die immer 
mit einander zu konfjerenzlen haben.* Breitenst. 

knmföje": 1. drängen, nötigen GO. — 2. weg-, 
verschleppen BStdt. J** cha'** mi» Parisöl niene^ 
finde*; wohi* hesch-mer-ne* echt aber kumfojet? — 
3. umme{rj'k,, sich bei schwerer Arbeit abmühen 
müssen GRFr. Du hest albig ummerz'beiza* und um- 
merz'k., läat-dW nie dV Wll. MKconi. — Aus frz. cm- 
voycr, be-, geleiten, bes. militärisch. 

knmfil's, in GrD. auch kumpf'äs: verwirrt, bestürzt, 
beschämt Bs; Gr; Z; geistig gestört UwE.; Z tw. Die 
nuicht Ein^ no"'' so k., me* weiss nit, wo Ei**m der 
Chopf stöt. EKron. 

Frz. eofi/tt«, dass. In der ä. Lit. auch einmal das mit 
unserm W. gleichlautende Subst. aus lat. confuBxo. ,Es bringt 
allerlei confus und Verwirrung.* RGualth. 1584. 



CaBip n. : 1. zu militärischen Obungon, Feldlagern 
verwendeter Platz Bf. D* Mustermanne* [Soldaten] 
uf ^em C. JRWyss (aus dem Gedichte: D's Vrendi uf 
"m Wyler-a, dem C. beim B Dorf Wyl). — 2. mili- 
tärisches Feld-, Obungslager in Friedenszeiten (im 
Gegs. zu Lager), bzw. die betr. Mannschaft B. — Frz. 
camp, Feldlager, gelagertos Heer. 

Kampane*^ f.: Quaste, Troddel. ,Die Weibsper- 
sonen mögen sich der Coitfette und Cornette bedienen, 
sofer sie nit mit Spitzen, Neges oder Campanes aus- 
gezieret [sind].* B Luxusmand. 1715. 

Aus dem gleichlautenden Frz., in der selben Bed. Schultz 
1890, 24 crklftrt: ,Die Campanen, goldno und silberne Spitzen, 
woran Zieraten wie Glöcklciu hangen.' 



305 



Kamp, kemp, kimp, komp, kump 



306 



Kampänje** Bs (in S Kambannie, in Gulg. Ka- 
panje*J — f . : 1. eine Fläche von Geraeingütern unter- 
halb GRMarschLf wo 1800 die Österreicher ein Feld- 
lager bezogen hatten. — 2. Feldzug Z f. — 3. Streit, 
Wortwechsel BsStdt; Syn. Kumpaus. I** ha scho* 
mängi K. g*ha* mit dem Kerli. — 4. Dauer von 10 
bis 1 1 Monaten, wo im Glasofen anhaltend Glas fabri- 
ziert wird S. 

Frz. oampagne, plattes Land; Gefilde; Feldzug; Dauer 
dos Betriebes gewisser Arbeiten. Bed. 2 lebte bes. in der 
Sprache der Söldner aus der Zeit des alten Napoleon. 

Kampitsch (neben Kapatach, Chapatsch) GrAv., 
Rh., Kumpdtsch GrD., Pr. — m., PI. sw. : aus Ruten 
geflochtener, unten enger, nach oben weit auslaufen- 
der Korb, in dem auf dem Rücken Heu, Streue usw. 
getragen werden; grösser, mit stärkern, weiter aus 
einander stehenden Stäben als die Tschiferen; vgl. 
auch die Synn. Hütten, CTräg-JChorby Chrdzeny Zum- 
men. — In it. MAA., bes. Oberitaliens, campaccif», r&to-rom. 
ehampaUeh. 

kampiere": essen und trinken, mit der Nbbed.: 
reichlich, hastig, gierig VO. 

Frz. camper, im Lager stehen; sieb nur kurze Zeit an 
uineni Orte aufhalten; vgl. Kamp. 

Kompart f.: Gemeinde W. — It comparto, Abteilung. 
Das Geschlecht des W. nach dem syn. Oemeind. 

Gompäss m.: Vornahme einer Rechtshandlung durch 
einen Richter in Stellvertretung eines andern GrD. 
I*vqmam par C, Einvernahme auswärtiger Zeugen 
durch schriftlich nachgesuchte Vermittlung ihres natür- 
lichen Richters. — MIat. compauu»; vgl. Gr. WB. II 632. 

eompizi: störrig, widerspenstig GnSch. 

Viell. eine mittelst der lat. (Pejorativ-) End. -aeiu» (r&to- 
rom. -atBch) gebildete Abi. von riltorom. combat Bein; Reif, 
um Kälber und Ziegen an die Krippe zu binden. 

Competenz f.: die Gesammtheit der mit einem 
geistlichen Amt verbundenen (bes. Natural-)Einkünfte ; 
Pfrundeinkommen. ,Pfrüenden und competenzen ze 
schöpfen und ze taxieren hat bishar den bischofen 
zuogehört.* 1530, Absch. Sehr häufig in der ä., bes. 
Rechts-Literatur. Dafür : ,Die dem Herrn Pfarrer 
kirchgenössige Frucht.* 1709, Z Staatsarch. — Lat. 
competentia, ZU c€»npeto, zukommen, gehören. 

Komplet f.: letzte kanonische Höre des Tages. 
,Ze fasten, so man c. lüt*^' c. 1390, THDiess. Stadtr. 
, Vesper und gumplet.* Edlib. 

Mhd. compUt(e); die Form mit anl. g auch bei FrClo- 
sener 1362: ,Umbe munstergunplete zyt.* 

komplct(t): völlig BsStdt; Z. En k-er Nar; 
Syn. üsgemacht. 

Kumpleter m. : Name einer Sorte vorzüglichen 
Weissweins, die in einer gewissen Lage in GRMal. 
gedeiht Gr. 

Eig. der Wein, den die Domherren zu Chur in der Fasten- 
zeit nach dem letzten Amte zu trinken pflegten, wie denn 
die geistlichen Herren nach demselben sich noch zu einem 
reichlichen Mahle zsfanden; vgl. Müller-Zarncke. Der Wein 
wird bereits 1821 zum ersten Mal erwähnt: ,Vinea vini 
completorii, sita in Malans.' Die Abl.-Eud. -er, als ob ein 
Ortsname zu Grunde Iftge. 

Komplott S; Tu, Kumphtt Z — n.: 1. Verschwö- 
rung Z. — 2. verdächtige Gesellschaft, Bande S; Th; Z. 

Schweiz. Idiotikon III. 



Kompost, Kumpost, in Bs auch Kunibost — m. : 
Mengedünger Bs; Tb; Z. 

Modernes Lehnwort und daher der Form nach abweichend 
von dem &. Oumpiti (Bd II 317/8), mit dem es gleichen 
Ursprung hat. 

Kampän m.: Genosse, doch nur verächtlich BsStdt; 
Th; Z. En suberer K! 

knmpasse**: bei der Fahrt auf dem See den Eom- 
pass gebrauchen ZS. 

Knmpäus (neben Kumbaus) — m. : = Kampanje* 3 
BsStdt. Mit *em 3fa-» Äon-t"* [die Frau] d^rwige* 
sehe* mänge* K. fha: EKron. — kumpause»: (mit 
Jmd) Zwistigkeiten haben, streiten Bs; Syn. kamplen. 

Da auch Schreibungen mit o und a st. « vorliegen, so 
gehört das W. unzweifelhaft zusammen mit dem in der frz. 
MA. des benachbarten Pruntrut vorkommenden kambuta f., 
lärmende Gesellschaft junger Leute, au st fi zum Ausdruck 
der Emphase, wie in Bs auch sonst, z. B. in dem sinnver- 
wandten rampatu(en); vgl. Anm. zu jaudlen Sp. 11, Deu^ 
Henker Bd II 1464. 

Spüel- Kampe**: Spülnapf, Schüssel zum Spülen 
der Tassen See. 

Sonst nur ausserschweizerisch ; vgl. Gr. WB. V 2613. 
Dass das W. jedoch wenigstens his an unsere Grenzen vor- 
gedrungen, mag (jumpen 8 h (aus Bs; vgl. Bd II 816) be- 
weisen; vgl. auch Kum. 

Kumpenei Aa; Ap; Bs; S; ZG., Kumpeni Bs; Sch 
Stdt; Th; Ndw; Z — f.: 1. Compagnie, als militärische 
Abteilung, allg. Schar übh. Th. — 2. Gesellschaft und 
zwar sowohl geschlossene, wie auch eine freie Ver- 
einigung; gesellschaftliche Zskunft Bs; L; Sch; S 
Ndw. Bi %a giH 's Spü- und Suiff- wnd andiri Kum- 
penije^ Ndw (Matthys). St het prächtigi (Meider o"- 
f schaffet und iseh z' Kumpeneie* 'gange* zue andere* 
SchUckwibere* S (Joach.). ,Sonntags geht der Strecke- 
bürger in die K., d. h. in die Gesellschaft seiner Mit- 
bürger, um unter freundlicher Besprechung ein oder 
anderhalb Schöpplein zu trinken.* JStaffelb. 1882. 
Verein von 8—12 ehemaligen Jugendgespielen, bes. 
von Klassen- und Schulgenossen, welche sich wöchent- 
lich oder alle 14 Tage einmal versammeln; namentlich 
so gebildete Frauengesellschaft Sch. Si verschnldt es 
Brod; manchmal sind Weggli oder Simmerring [Semmel- 
ringe] parät, im Fall si Fritig-K, erwartet. Schwzd. 

Fri-: vor 1798 Name der 1. der 10 Kompagnieen 
eines Infanterie-Bataillons, weil sie nach freier Aus- 
wahl aus den besten (meist unverheirateten) Soldaten 
gebildet wurde Z; vgl. Fri-Haupt-Mann. Vor 1798 
N