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Full text of "Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Gesammelt auf Veranstaltung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes. Hrsg. mit Unterstützung des Bundes und der Kantone. Bearb. von Friedrich Staub und Ludwig Tobler"

/^ 



Schweizerisches Idiotikon , 



W örterbiicli der scliweizerdeutsclieu Spraclie. 



Zweiter Band. 



Schweizerisches Lliolikoii. 

Wörterhucli der sclnveizerdcütsclieii Spiciche. 

Gosaiiiiiu'lt auf Vt'raiistaltuii^' 

(1(T 

Aiitiquarisclioii (Jesellschalt in Zürich 

mitcT lioiliültc 

aus allen Kreisen des Schweizer Volkes. 

Iloi'ausgegtilien mit llulcrslüiziiug iIcs kuk iiiid ilor Kaiitiioi'. 

Zweiter Band. 

Bearbeitet 

von 

Friedrich Staiil), Ijudwig Tobler und iludolf Schocli. 



'^tr' 



Prauenfeld. 
Verlag von J. lliibt 



PF 



€;- (vgl. K- 



zweiten B 
tia, ge, si, go, gu. 

8. muh die Gruppen (!uh, (lach, OaJ, Gan usw. 

<;a(ii) (gO"; in Gl; GH.; Sch gü", PP. güj — Präs. 
lud. 1. (/((. gii. f/ioi. f/fdie": gangfe'J, 3. gut CgädJ; 
gi'if iget), ri'i't : PI. gond, ißnd, -t, spec. 1. gä, gäio (1), 
gü, (jiii; ffd-i, giDige", gonge", ge-nge", 2. gut, gdd, göd, 
gä-it, gcit, ganget, 3. gän. C o n j. gangiii, <ir'ii<ii u. (imig; 
gü(i). Imp. gang; gä; Fl. ganged, (juiniid. iir-iii/ct ; 
gand, gen(d), gönd; gut. Cond. giciig (i, -li), gm'ng, 
giieng, gäng. Ptc. g' gange', g'ganke — mit ,seiir — : 
gehen. 1. von willkürlicher, bewusster Bewegung. 
a) ,GiJn: einhin trotten, wandlen.' M.iL. RA. Das ist 
g'rad: we'' gät da ditre [vorbei]? reicht nicht lange, 
ist wie ein Tropfen ins Meer Z. ,Er got noh mir, 
steht im Eange mir nach.' Spbenh. Emphatisch: gä" 
chöime", auf schwindligen Pfaden zu g. vermrK'en. frei 
von Schwindel sein Uw; vgl. Gänger, .\iirli t r.. s. 11%. 
Auch vom Tanze: Mer wend no''' i'ii W'iilur ijn. der 
31a"" machet -i^ sein," | schon, freiüchj MiLtig GT. 
(Feurer); ,-i"ii>t /./;/(" f'ircu. han. — b) mit Angabe 
der Kichtuiii,'. il^^ Zirl.s und Zweckes, wobei diese 
in den Vordergrund treten und gän mehr und mehr die 
Uolle eines blossen Formw. erhält od. zu bildl. RAA. 
dient. Döhar gut er! das Losungswort in der Zofinger 
Mordnacht, s. Eochh. 1856. 2, .368 u. LTobl. im Z Tasch. 
1883, 23. Über Etw. g. s. I 56, 57. .Da N. dem N.' 
über die briefe gegangen ist [sie erbrochen hat], soll 
er gestraft werden.' 1568, Absch. Ähnlich an Etw. g., 
sich daran vergreifen, daran naschen s. I '_'.">■_' u.; .iber 
((" d' Sträss, a" d' Linth gu bedeutet, sii li an Ailniteii, 
welche die Strasse, den Fluss betrcHon, beteiligen, 
seinen Broterwerb dabei suchen Gl, und in ähnlichem 
Sinne uf de" Tagme", als Tagelöhnef, i" d' Fabrik, als 
Fabrikarbeiter, z' Alp, als Küher, g' Höh, als Holz- 
fäller, z' Magd, z' Chnecht, als Dienstbote Gl. In der 
K.\. über Nüt gä, zu Grunde g. S (Syn. drüf, dran 
gitn). ist die Verbindung ü. N. aus der RA. mit ,kom- 
men' (s. I 57) entlehnt und ist alle sinnliche An- 
schauung preisgegeben. In Etw. g., um es zu holen, 
zu gewinnen s. 1 287, aufs Zeitliche übertragen, bei 
Altersangaben: i" 's 8. (JarJ oder im 8. (Jar) gä, 
das 7. Jahr zurückgelegt haben. Auf die Doppel- 
sinnigkeit der räumlichen und zeitlichen Beziehung 
spekuliert die Vexierfrage: wohi' ist de'' Heiland 
g'gange", wo-n-er [als er] lä Jar alt g'si" ist? Mit 
der Jarzal gä (laufe"), im J. 1800 geboren sein Z. 
.Ich gieng myns alters in dz 19. jar.' Edlib. ,Ajinus 
alter ab undecimo ceperat me: ich was bei den drei- 
zehen jaren alt, oder, ich gieng in das dreizehend jar.' 
P'ris. ,2 jar alt sein oder in das ander jar gon.' Mal. 
,Jetz in sein jugend oder sterke g. : aetatem juvenilem 
eapere.' ebd. ,Die helvetische Gesellschaft gieng erst 
in ihr 6. Jahr.' JGSchulth. 18U1 ; und sinnlicher Bed. 
vollends bar: .in die aberwitz gön' (s. d. W.). ,In 
ein gespräch gon: ire in colloquium.' Mal. ,In ein 
gesellschaft mit einem g. etwas ze handien: societatem 



alicujus rei coire cum aliquo.- ebd. ,Als sy jetz mit 
andren Eidgnossen in die französisch vereinung syent 
gangen [in das frz. Bündniss eingetreten].' 1521, Aescu. 
,Die von Z weitend nit gan in dise Vereinigung; dann 
sy beschwartend sich etlicher Artiklen.' HBull. 1572. 
Jmdm fj» 'n Schade" g., den Schaden tragen helfen; 
vgl. ,an die Hand gehen'; anders daran g. I 258 f. 
CA/; jetzt breiter , auf Etw. aus' </.; s. 1117 B 2. 118 o.; 
in abstrakterem Sinne: auf eine Grundlage abstellen 
s. I 118, 5. Ztie Einer gä", sie besuchen als Freier, 
um sie werben B. S. noch in 'n Kabis, in 's Leid; 
ze Helgen, Kilt, Liecht, Lumpen, Bodem, Binder, 
Schiteren, Stubete, Dorf g. unter den betr. Subst. 
Wenn Ziel und Zweck durch einen Inf. ausgedrückt 
sind, so dient gän gewissermassen nur zur Umschrei- 
bung des Fut. (genauer Instans); vgl. frz. je cais m. 
Inf. D' Chue gelt z' chalbere", wird bald kalben Gk. 
Die C'onstruction mit blossem Inf. (ohne die Präp.) 
ist dem Sprachbewusstsein der Volks-MA. abhanden 
gekommen; s. gän. — d) mit Angabe der Neben- 
umstände, Art des Ganges, Verhalten. Vu" der Hand 
gä s. I 840 M. ,[Die Gemeinde N.J hat nüt sonders 
[Besonderes], sonder got mit anderen grirhten.- 1 179. 
Arch. AAWett. ,Es wiegelte den Eück.n -m maj. Jü- 
tisch wie eine Frau, die in guter Hotinunu ;;ihi. I'imh 
Ratsherrin zu werden.' Gotth. ,Mit eiueni Kinde ^■.■, 
guter Hoifnung sein, gravidam esse B (in BHk. vor- 
wiegend von ausserehlicher Schwangerschaft); S; Z. 
Wie vil Chind hat die Frau? Antw. Si gät mit-dem 
dritte". Si gat sc/(0" wider mit ev"m. I'' ti'siiiii-nii''' 
na''' wol: es ist g'si", wo-n-i [als ieh| iiiil dem Buch 
g'gange" bin Z. Auch mit Dat. mit Bez. auf den Vater: 
si gät-mu mit-me'" Chind BLaut. .(Gross) mit dem 
kind gon, ferre partum.' Fris.; Mal. ,Sy bede sind 
innen worden, das es [das Mädchen] mit dem kind 
gange.' Mey., Wint. Chr. Mit Apposition zum Subj.: 
G'spane" gä mit . . ., sieh zu Jmdm gesellen, sich ihm 
als Freund anschliessen. 's Klarinett chönnt mit der 
Flaute G. go. HXfl. 1813; vgl. Meister ga unter 2 a. 
S. ferner u. die Zss. mit Advv. — e) fort gehen, in 
ausgesprochenem Gegs. zu .kommen'. Me" cha"" chö" 
und gä", wenn-me" will. Gang -mer us der Heitert 
(Hein, us-em LiechtJ! Einen Dienstboten g. /<(", ent- 
lassen B. Sonst in abstracterem S. = Einen ruhijr. 
unbeholli-t lassen: -ewähren lassen. Nicmcl rhoinn-' 
gälii. dir Sn.'lil li;,lH-n. ,lr,|rn„ai,n /ii kvilislrrrn. Ihr 
Hucxl., I.,l-,i,r'' n'.ul in,iin„r ,i„ : ,r :,,■/-»,, r,s,l, r miniu: 
Gl. Da haut s chunnc" iju, vexierender Schlu.,^ \un 
Märchen Z. Dernoh vhaust go, dann magst du zusehen. 
wie du dir selber helfest Bs. Mit Dat. eth. : ich gu-mer 
iez hei'" Gl. Wart, bis d' gast, scherzh. zu einem Ab- 
schied nehmenden Besuch, indem man ihn mit der Hand 
zurückhält Z. G., sterben FJ. Wa [als] er g'mcrLi 
hed, das er geit [sterben müsse]; Syn. überene gn 1 260; 
verreisen. Auch von Tieren : verderben Gr. Syn. «m- 
stän. G., das Spiel verloren geben und darum von 
der Fortfuhrung desselben abstehn; auch (scheinbar) 



«a, ge, gl, go. gu 



tr. CS <j. L (wo .es' vidi, alter Gen. ist); Syii. es län. 
Mach, dass d' gast [so wlt de' Himmel blau ist Z, so 
wit a's der Lieberherrgott Suppe choclit Bs). Die Frage- 
form gast {gast Ar; GT.) im S. des Iir.per., bes. als 
Sclieucheruf für Hunde und Katzen. Der Imper. Gang 
(-mer) eweg (wegg)i Aa; S; Z, PI. gangit! BO. als 
Formel der Abweisung für ein Anerbieten, ein Gesuch, 
für eine angehörte Äusserung = davon ist keine Rede, 
das machst du mir nicht weis, davon will ich Nichts ; 
auch weniger schroff für blosse Verwunderung. Mit 
dem Rlclitmn isch — gang -mer nmnme" tvegg [rede 
mir nur Nichts ein !], 's isch hütistags noh gäng rso — 
der Verstang und 's Aseche" cho". JHofst. Sonst auch 
berühren sich die beiden Begriffe g. u. kommen ; s. o. 
er got noh mir; über Nüt g.: ,in lüp abcrwitz g.' — 
f) in Bewegung sein, als Go^-. /u -I.Imii. sitzen, 
liegen. ,Wenn dero dheiner [irgrinLiinM | i,'.'vinij und 
gände wäre, der soll dannen gau.- 1:J45, IJ .Spital u. 
Schmieden. ,Die lamen gond, die todten stond auf.' 
1-530, Matth. Bildlich: ,Da ward nun der gaul gend 
[kam in Lauf] und bewurbend sich die bischöf um 
vil abteien.' Vad. Sonst dienen die Begriffe .stehn' 
und .gehn' einander zur Ergänzung, um alle Formen 
des Verhaltens eines lebenden Wesens. Ruhe und Be- 
wegung zu umfassen, besonders um sie als gleich- 
wertig darzustellen. Es got im Höh [doppelsinnig, 
auch = Wald] und stot im. H. und chunnt doch niene^ 
[nirgends] hi" (Rätsel von der hölzernen Wanduhr). 
Wie-n-er gät und stät, von seiner gerade vorhandenen 
Situation aus, unmittelbar, ohne besondere Vorbe- 
reitung, stante pede. ,Wie-n-er steit im geit, sine omni 
suppellectilis impedimento.' Id. B. Auch von Sachen: 
Etw. nehmen, icie es g. u. st. ,Wenn man ihn rief, 
Hess er alles Eigne gehen und stehen.' Sch Pilg. 1883. 
Auf Jmdn g. u. st, unausgesetzt auf Angriff, Rache 
gegen ihn sinnen (s. I 117 B 2). ,Alles syn guot. 
ligents. farents, gends, ständs [usw.].' 1436. Geschpo. 
Ges. Oder auch decken die beiden Anschauungen 
einander; vgl. o. er got noh mir; ,in dem und dem 
Altersjahre g.'; vW der Hand g. (von Zugtieren); ,in 
guter Hoffnung (/.' — g) zu Fuss g.. Gegs. zu .fahren, 
reiten'. Der Bür im Chot erhalt't, was rit't und göt. 
Es ist besser armselig g'fare", a's hoffärtig g'gange". 
Gewöhnlicher mit dem Zusätze «' Fuess oder das 
Syn. fuessen. Wortspiel: rltet 's nid, so gat 's, als 
spasshafter Bescheid auf die Frage nach dem Be- 
finden (wie gät 's?). Doch g. auch im Wechsel mit 
riten: uf Ei"m umme" g., sich hämisch, neckend mit 
ihm beschäftigen Ap. — h) speziell und prägnant 
vom Rinde, das zu seiner Reife gelangt ist GT. — 
'2. von Sachen, a) mit Angabe des Zieles, Ausgangs- 
punktes. Wo gätde'hi"? Frage über die Bedeutung 
eines Seufzers Z. Es ist süttigheiss dur''' mi"'' uf 
g' gange' Z. Es ist ischalt dur''''-nii''' dur''' g" gange?' G. 
Die Dinte geit dür [schlägt durch] B. Häufig = sich 
erstrecken bis zu einem Punkte, einer Grenze, z. B. 
von einem grossen Menschen: er gat bis a' d' Tili 
[Stubendecke] ufe", und umgekehrt von einem kleinen 
spottend : das ist en grosse' — er gät bis an'n Boden 
abe Z. De Baum gat über 's Tach ufe. ,Die Schwirren 
[Pfähle], die höcher fürusen [über den Wasserspiegel 
hinaus] gehen.' 1658, Arch. ÄAWett. .Einer [meint, 
er] trinke wyn und er gange im zur stirnen widerumb 
hinuss.' LLav. 1569 = .herauss fliesse.' 1670. .Dass 
alle haar zberg gond.- ebd. 1670. ,Der bannwart soll 



all tag früeg urt stan, so der tag an den himmel gat.' 
Offn. ZDüb. ,[Wenn es in Kriminalsachen] an den 
Hals [ans Leben] gieng.' MEsterm. 1875. Anders: es 
geit an es Brilele", ein Gebrüll beginnt B. Es gat uf 
de" Summer, wir gehen dem S. entgegen Z; uf die 
besser Site, es geht der Besserung, der schönem Jahres- 
hälfte entgegen Z. D' Wis got i' 's Heu [wird reif 
zum Heuen] am Georgitag. Sulger. , Caput facere di- 
cuntur folia herbs : in saamen gon und tölder [Wipfel, 
Dolden] gewünnen].' Fris. ,In die hälm gon, gleich 
[Gelenke] gwünnen oder spillen, wenn der saamen 
auf dem feld sich anfacht in die hälm gestalten, ire in 
articuluni.' Mal. Mit us: es gat vil drus, das Gespinnst 
ergibt viel Abgang. S. auch über I 57. 58. In gleichem 
Sinn uf: ,Es wäre seinen vorfaren uf disen handel 
so vil kost"" und arbeit gangen.' Vad. Mit in und uf, 
vom Masse, zunächst vom Messgeschirr, in welches 
der Stoff gefüllt wird. allg. ,Es gehen nicht alle in 
dises ort: hie locus non omnes capit; angustior est 
locus quam pro eo numero.' Hospin. Dazu die Vexier- 
frage: Wie vil l'Wi gönd in es Viertel? Hieher die 
RA. in d' Halme (anders als oben), in'n Heuet, Herbst, 
Most, i" d' Fasnacht g., von ausgelassenen Scherzen, 
welche gleichsam in der Masse mitgerechnet, inbe- 
griffen werden, mitlaufen; s. I 287 c. Daher aucli 
jf. = passen. D' Schueh gange" B. 's Blau gat mir 
nüd, blaue Kleidungsstücke stehen mir nicht gut Z. 
's Rot gat nüd zum Leid [Trauer] Z. ,Zum Wisse 
geit Alles, nullus color cum albo non congruit in 
vestibus.' Id. B. Von Ersatzwert (,usum alterius rei 
praestare.' Id. B) : E tütschi Mark gat für 1 Fr. 
35 C. (s. aber auch unter d). Sitze" gät für stcr, 
formelhafte Einladung an einen Besuch, sich zu setzen 
Z. Der Tabak geit dem Soldat fi'ir d's Essen. Id. B. 
,Ga für Nüt, ad aliquani rem nulluni momentuni ha- 
bere.' ebd. Mit prägnanter Wendung: es gaf-drr 
wäred dem Esse, du kannst es während des E. abtun Z ; 
vgl. .von Statten gehn' und gän absol. = gedeihen, ge- 
lingen. ,Erschlüeg ein gast [Fremder] ein«" hofmann, 
da soll bar gegen bar gan.' 1484. Schw. Me" seil 
si"' Sach luege" z' üfne" und kei"s Spönli unnütz lo" 
z' Schande go". BWyss 1863; vgl. geschänden. Z' ver- 
liere" ga, verloren gehn, von Sachen und Personen 
ü; W. Der [Sohn in der Parabel] z' v. gegangu" ist, 
ist widerum g'funnu wordu. Sonst auch mit Ptc, da 
es dann mit Aufgebung alles realen Begriffes, nicht 
verschieden von , werden' (vgl. auch kommen), zur 
Darstellung des Passivs dient, für welches es sich von 
Hause aus eben so wohl eignet wie die concurrieren- 
den Hülfsverba: dass doch au''' nid gar Alles g'schändt 
geu AARued. (AGisi). ,Verraton g.' Sch Pilger 1885. 
Vergoldt g., von der untergehenden Sonne, Umdeutung 
aus für Gold (s. bei Gold). Mit Adj. u. (prädikat.) 
Subst. an der Stelle des Ptc: Der Bach ist grössw 
g'ganga" GRPr. (Schwizerd.). Das gat fertig, kaput 
[zu Grunde] Z. Fallit g., bankrott werden Z. ,Unnutz 
g.' s. verfallen I (1 755). Schnider gu, beim Karton- 
spiel gar keinen Stich machen Gl. Meister g., als 
Sieger aus dem Kampf hervorgehen und es bleiben, 
der Stärkere sein Gl; Gr (auch Her g.); GF. Es 
nimmt-mi"' Wunder, wer am End M. ganq. Gl Votks- 
gespr. 18.34. Auch mit Dat. der Person od. der Sache 
(Anfechtung), über welche man Herr wird: Hut tcürt 
dich dr Herr in mi" Hand Ufere", dass ich-dr M. gäng 
und dr ds HauH abhamri GRRhw. LTiid auch das 



Ga, ge, gi, go, gn 



Subst. wieder mit der Priip. .Dann suiist sölliclie 
Igerodeten Plätze] wider zuo stüdeii, und holz gangen 
wärind.- 1533, BSigr. — b) mit Angabe von Neben- 
um. ständen, zu-, ergehen. ISs gut wie Back, Biix, 
(j'miiiffc", d. i. leicht; zrie (f flöge", g'hexet, e Ghugle 
iis-im J\i>r, sein- schnell. Wie stat 's, wie gat's? Frage 

nach il llcliiidcii. A])pa [auf die eine oder andere 

Weise) ,/((7 's - ist de'- Wlbru« Troat W. Es geit, 
nie mu' 's tribt W. Es gät, wie 's mag oder es gdt- 
)ihr au"'' fso [wenn man sein Befinden nicht eben 
riilimen will] Z; dagegen es g.-m. ad e., ich bekenne 
iiiicli zu der gleichen Ansicht Z. Es geit Ei"'m grusam 
liift. GoTTH. Es gat verschide", bald (hier) so, bald 
(doit) anders Z. Cliöuf und Lauf gange" verschide, 
es besteht kein einheitlicher Preis Bs. Ich iceiss nüd, 
wie 's dir auch gat, ich meine fast, es gehe dir noch 
übel Gl. ,Das wir, ob Gott will, niemer tuon wellen, 
uns gange darnach, was Gott welle, dann unser pund 
erlicii haben [halten].' 1444, Absch. In Ei«'m (zue) g., 
mit der gleichen Arbeit und Mühe. ,Es geit-iner in 
i'im (hing = eädem operä fit." Id. B. Mit Bezug auf 
das Verhältniss der Anzahl der Fäden des Zettels 
resp. der Zähne im Weberkamme zu einer Masseinheit 
(viell. zu dem Zoll): ,Ein zwilchtuoch. das im zechner 
und darunter gat, [bezahlt als Abgabe] 4 hlr, und was 
im einlitf und zwölfer gat, 5 hlr, und was in dryzechner 
gat, (i lilr.- Z Wint. Stdtb. Ellipt. : 'es wird-der ga, 
pffinam dabis.' Id. B. Anders: das geit mier sehen, 
ich habe Freude daran BHa. Das f/at om/j.' geht hoch 
her. Es gat drum [um ein Kaufsobjekt] (wie um 's 
Wisslirod). — c) fort, weiter g., im Gegs. zu .kom- 
men-. Clin" tuend d' Chrankete" g'schwind und gä 
grusig laiigsam. Schwizerd. Es god loider, wie 's cho" 
ist, als Trostformel und auch sonst. Ineichen. Von 
der Zeit, dem Schnee udgl. mit Bez. auf ihre Ver- 
gänglichkeit. Die Zu ist auh g'gange'! Gr (Schwizerd.). 
Ob 's lang geit, binnen Kurzem B. (Hei'"J g'gange, zu 
Grunde, verloren L. Von Farbe, Flecken = ver- 
srliwinden: giii (i/ange'J d' Heidelbiri? Bs; dafür gew. 
ils-g. — d) Fortgang haben, in Hewecung sein, 
im Gegs. zu , stille stehen; bleÜMir. Ks <iitd so lang, 
(i's 's mag. Ineichen. Was iiud inll ijn. das löss-me" 
slo, was dich nicht brennt, das blase nicht, ebd. Mini 
Bei' sind gegangw loie es aspi's Laub, haben gezittert 
VV. ,Es seien nie Zwei zusammen gekommen, dass 
den Leuten die Mäuler nicht von einander gegangen.- 
GoTTH. Es gat (lauf tj-mer im Mul umme', ich finde 
das Wort nicht. .Gehender Zug-, Netz, das vorwärts 
gezogen wird. ,Im Ganggrässli-Laich soll man die 
genden Zug ungehindert lassen.' 1544, Absch. ,Es 
soll der stehende Zug dem gehenden weichen und 
Niemand durch Fach [udgl.] einen Z. vorschlagen 
[ihm den Weg versperren].' 171Ü/57, Z Fischerordn. 
IJ' Auge' gönd-em, rollen ; d' Auge go lo s. I 134 e. 
Es gat, rückt, kommt in Bewegung, gibt nach; Syn. 
es ICit. Es gat kein'n Weg, lässt sich weder vor- noch 
rückwärts bewegen. Es muess gä oder lä, biegen od. 
brechen Th; Z. Bes. von Etwas, das bisher stockte, 
verhalten wurde: der Hueste' gät, der Auswurf löst 
sich ab GTa. Der Brüel isch-mu"' g'gange, er kann 
(konnte) seine innere Bewegung nicht länger zurück- 
halten, sondern musste herausplatzen vor Lachen od. 
Schreien BO. ,Descendit alvus: er gat, hat sein gang.' 
Pris. G. von einem Maschinenwerk, im Gange sein, 
nicht stocken, z. B. von einer Uhr. Mriii Muli gat, 



diui M. Ii'slat usw., Eeime zu einem Fingerspiel. 
Ubertr. auf die (geschwätzige) Zunge; den (essenden) 
Mund; die Dachrinne. D' Tachlräufe giind; d' T. 
müge'd nüd ^mäl s' gä cho, es hat nur wenig geregnet 
Z; vgl. antrlben. Vom Teig im Backtrofje: aufi;-elin, 
gähron. allg. De'- Ihh,l (d' ll,hhi. ) ,\i „',/„„-/,' '/.. 
Der Teig ist g'nucg -/-/i«./''.- "'"" /^""" '""'"' • ". 
Spreng. Von einem zu Juiiiien. iln -luvn I .i-,' |:.ii.'t 
man: de'' gieng jo bis ga Slni^sliiuii idir" Z; \gl. '(/-;/• 
Volksrätsel: was gut und h„i dnrli kei" Bei"'!' Auf 
den in den Ofen gescli"lMii.ii Laib dagegen bezieht 
sich das andre: Es gut im Ofi. sl,,l im O. und stösst 
doch niene" a" Aa. und chuinil dndi imiir" hi" Z. 
Vom Winde, allg. ,Wie stark der W. -anscn seie.' 
1588, Arch. SchwE. Von Glocken: lal, scIm,, go B oAa. 
Von tönenden Instrumenten: ,Und liess niuii die truni- 
meten gon.' 1576, Z Ant. Mitt. Von Geschütz: ,\Vir 
haftend zwo Faggunen, die liessend wir in iieh gan 
[schössen sie gegen euch ab].' NMan. (jf. tun übh. 
mit Bez. auf Etwas, mit welchem man bis dahin 
zurückgehalten hatte, welches verschlossen gewesen 
war. So dem Drange der natürlichen Bedürfnisse 
keinen Widerstand mehr entgegen stellen Bsf; B; 
ScH; Z; i" d' Hose" gä lä. .Alles go lo. Dickes und 
Dünnes von sich laufen lassen, wie kleine Kinder oder 
sinnlose Leute.' Sprens; jetzt laufe lo. Mit Bez. auf 
Ungeduld. Sehnsucht nach einem Ziele: eilig laufen B; 
G; SciiSI. ^^n.dai-iisstfllai: slr„:n,laii. Ifr ! luc/nid 
doch, inr Ini ,,- ,,,.. ]),, llH.h. ,r:,\^^<■\rUrr\rl„r"^ :„n„ 
SchütJt rlu,". .I.ll;i IL. I>-Jl. iMiell,. :Ulldle i'iiianzeii: 
sich fallit erklaren Aa ; Gl; / ; in miMereii, Sinne; ,/-'■ 
will's go lo, will Etw. ili;LUl y-i-lien l;is,,eii, mir eiillieh 
tun.' Spreng. Unpersr.nlieli; ic: lud 's i/.» In t In iim, 
alle Aussicht auf Gelingen ist abgescimitten, es ist 
Nichts mehr zu hotten Ap; ScnSt.; Z. Syn. gcfill. 
Es hat lo go mit-em, er ist verloren ZO. Von leblosen 
Dingen: die Stüd [Pfosten] hei" lä gä, trugen ihre 
Last nicht länger. MitObj.: De" FaV gä lä. es zum 
Auffall kommen lassen Z; dem entsprechend: der 
UffaV ist-pn g'gange Z. .A. Du darfst nüd hüten 
[an der Steigeruii;^], du l.i,4 fallit. B. Es hed dir auli 
seile" ga, aber du liest . li.mne" akkordiere".' Wolf. 
Rel.-Gespr. ,Weniie Jcl [Schuldner | wider ze lande 
kunnt, so söUent ime die gericht und fiN-n |. !> ■ !:i ij 
nähme], die uf syn guot gangen sinf. 1 i ;ii ie 

syn.- IStilj, Bs Rq. ,Das urteil gon la -n, jili, min 
facere.' Mal. In anderem Sinne, seine Eiinvilligung 
zu Etwas geben, auf Ansprüche verzichten. ,Den kauf 
nüt gelten [sc. lassen] und nit lassen gan.- UMkv. 
1530/74. O die 3 [ungeraden] Santime chönnt-mr" wol 
la ga [aus der Rechnung weg lassen] B (Schwizerd.); 
Syn. ablän. G. = seinen ungehemmten Fortgang ha- 
ben, möglich sein, angehen, passen. Das gat nüd. 
Mer wend luege", ob 's gärig. Vgl. bei a die Bed. 
, passen'. ,Und ein solch Fertigung [Güterspedition] 
gat auch stäts fort, Sommer und Winter.' RCvs. Beim 
Kaiser.spiel: es (oder 's Spil) gät (mir, üs, uns), ich 
bin (wir sind) dem Siege so nahe, dass der nächste 
Gang den Entscheid bringen kann ; mit dieser An- 
kündigung macht man einen Strich über die eigne 
Rechnung Vw. Von Münzen, angenommen werden. 
Geltung haben, alla:. ; vs'l. (/äng. ,6 pfund pfenningo, 
die gewonlicli /e Ziui.li -;in.i.- XIV., Weist. 1 7. ,liio 
münze, die iiuiii in dem Uiiid schlaf und gat und lihifig 
ist.' 1 l()(t. AaKcII. .Mit W eitangabe: fi'cr roll, in ihn-ni 



Ga, ge. gi, go. gu 



Volhverte. allg. ,Dio weltschen pfennig, so uiizhar für 
16 aiigstei- gangen sind.' 1487, Absch. ,Hüscr, Mü- 
linen. Sagen mit ligenrteni [eingebautem] und gändeni 
[transportierbarem] Geschirr.' B 1432. ,Wer will Wein 
schenken, soll durch das ganze Jahr ein genden Zapfen 
liaben [Jahr aus Jahr ein zur Bewirtung von Gästen 
gerüstet sein].' l.'iOß, Th. .Gohnde Pfänder' stellt das 
ßSa. Landrecht 1669 den liegenden gegenüber und 
versteht unter jenen das Nämliche, was sonst mit 
.fahrender' Habe bezeichnet wird. .Und ist der kernen 
[je] ein mütt gangen um 5 pfd 5 p.' UMey. 1540/73. 
Vil (ivenig, Nut) iii \ Etwas] r/r7 lä. zunächst von Ver- 
kaufsobjekten, so iiiiil so vii'l ,1a für liirten, anrechnen; 
übertragen auf ni'nalisi he \\ i rtr. auf Angaben. Be- 
hauptungen, Anklagen, EiinvcnJungcn usw. viel (wenig) 
geben. ,Der Pfarrer liess ihm aus diesem [von all 
dem Vorgebrachten] gar Nichts gehen.' Gotth. Vor 
sich gehen, sich ereignen, geschehen, her-, zugehen: 
Es god MäiH/s, das nid sett go, aber icns seit go, das 
god de" nid. Ineiohen. Syn. mit .kommen' verbunden: 
Losed nW, wie 's clw und (f gange" ist. Stutz, hier = 
hergegangen, anders als in der antonymen Verbindung 
unter 1 e u. '2 c. Ks ist gern g'gange" (g'schelv), ich 
habe den Dienst gerne geleistet, Höflichkeitsformel. 
mit welcher der Dank von sich abgelehnt wird. Em- 
phatisch, von lebhaftem Treiben, bedeutsamen Vor- 
gängen; Syn. laufen. Hut muess Öppis go, Etw. fertig 
gebracht, tüchtig gearbeitet werden Z; auch hoch, 
bunt hergehen: das gat (auh)! Syn. das gilt fauhj. 
Wo er derhl isch, geit Öppis. ,Wenn nicht Etwas 
gieng, so hatte sie keine Ruhe.' Sch Pilger 1882. Bes. 
mit dem Nbegriff des Ungehörigen. Was ist mit dem 
Messer g'gange? [es schneidet nicht mehr]. Mit dem 
Mensch ist Öppis g'gange, eine Veränderung geschehen. 
Es ist eisder [zu allen Zeiten] Öppis g'gange, Ent- 
scliuldigung der Gegenwart. Es ist Öppis g'gange", 
im Geheimen etwas Unrechtes abgemacht worden. Es 
gilt Öppis, Etwas wird insgeheim vorbereitet. Von 
Unkosten, etwa mit der die Veranlassung bezeichnen- 
den Präp. .über'. [Es wurde gezecht], dass es par 
Gtcart VeltUner g'gange' sind Gr (Schwizerd.). ,Gross 
zytlich guot. das darüber gangen war.' G Hdschr. 
,Was kostens über die wunden lüte gegangen ist.' ebd. 
— e) herkommen, herfliessen, aus-, beruhen auf — . 
D' n€islialti"g gut us der Frau nse', sie bezahlt die 
Kosten der Haushaltung, erhält die H. ; es gut us-em. 
G'mcindsguet , das G. muss herhalten Z. In der 
Kanzleispr., von Einkünften. ,Hand geben [gestiftet] 
4 guldin, gand ab einem hus [.sind hypothekarisch auf 
demselben versichert] an der pfistergasse.' vor 1455, 
Gfrd. .Mir gät nüt us den bluemen allen [ich habe 
keinen Erlö.s, Gewinn davon].' RMan. 

Mhd. 1. P. Präs. yän, später auch <jcn, ahd. ijän nnd 
<7ä»i. Diese letztere, nach der Analogie von luom, tue, ge- 
bildete Form liegt auch unserem gan, gane (im Gegs. zu ga) 
zu Grunde. Wenn auch einige Conjugationsformen auf den 
(viell. altern — s. Kluge, Etym. WB.) Stamm gc- zurück- 
zugehen scheinen, so i.st dies .jedenfalls nicht der Fall beim Ptc. 
Imperf., dessen Voc. iec bzw. c^ und i>) sich nicht mit « (c') 
vermitteln lässt, sondern auf eine Ausweichung der Grund- 
form gand deutet; vgl. h^ntl für hund, sie haben. Die Er- 
läuterung der übrigen Conjugationsformen, sowie die Angabe 
der geographischen A^erteilung müssen der Grammatik über- 
lassen bleiben. — 1 h. Ellipt. entweder für das anderwärts 
übliche % Rinder gä, zum Rinde werden, od. = zum Stiere 
gehn. — 2 c. O'gnngf = neulich ist verstümmelt aus vrr-g. 



(s. d.). — '2 d. Betreffend die Glocken ist es fraglich, ob der 
Ausdruck von der Bewegung ausgegangen sei od. sich an das 
.Gehen nach einer Tonweise' anschliesse. — Abi. Gang; giiii;i. 
ab-gä": 1. von lebenden Wesen a) in eigtl. S. 
,ah Etw.' gehen, absteigen. Gang ab, Christen, und 
hüb [halte] ds Boss. Gotth. — b) den Wog verlassen. 
eine andre Richtung einschlagen B. AhgiinI, mut- 
willig, eigentlich von der Bahn der Sittsamkeit ab- 
weichend, Seitensprünge machend GO.; vgl. ahhmnnen. 
,Doch die Melodie gieng ab in viele Lieder [wich 
von dem Richtigen ab, schwankte in andere Lieder 
über].- 17'29, Sch Pilger 1885. — c) aus dem Leben 
scheiden B; vgl. o. gän 1 e. ,Wenn ihm das Mutterli 
abgehen sollte, er wüsste niclit, wie es ferner machen.' 
Gotth. ,Wenn ein schweig [Sennhof] ledig wirt, es 
sye, das ein schweiger abgieng oder sich [so] hielte, 
dass im ein Herr syn schweig niimen wurd, so soll 
ein Amptmann us dessen küe. so abgestorben oder 
sust von der schweig kommen i.st, [eine Anzahl] 
nemen.' SchwE, Hofrodel. ,Wa die kind vor vatter 
oder muotter abgiengen und ocli eliche kind ge- 
lassen heftend.' Scuw Rq. Mit verdeutlichendem 
Zusatz: .Denen ire vätter umkommen wärent oder 
sunst von tods wegen abgiengen.' 1514/44. Schw LB. 
,Mit tod abgan.' ebd. Auch von Vieh Gr. , Wel- 
chem veech abgieng, der soll es vergraben.- 1605, 
SchwG. LB. ,Wann ein Stuck Vieh sich schedigte 
old abgienge.' 1675, Schw LB. — d) die Partei ver- 
lassen, Jmdn im Stiche lassen, resp. ihm nicht 
beistimmen, anderer Ansicht sein, ,0b jemands an- 
sprach hat an der allrai und dorum der undergänger 
[Grenzbereiniger] begert, wenn man ei°ni dann abgilt 
an dem, so er angesprochen, so soll er den kosten 
halben [an sich] haben; ob aber einer by dem blybt 
[es zu behaupten vermag], so er angesprochen, so soll 
er des kostes ledig syn.' Schw LB. — e) t r., a) Jmdn 
od. Etwas umgehen, der Begegnung ausweichen Z. 
,Vitare alcujus congressum, conspectum. terga vertcre 
alicui.' HospiN. .Argen anlass abzugehen.' GMüLi. 
1657. .Sich umb so viel wärmer halten, in räucheren 
Zeiten den frischen Luft desto mehr abgehen.' Hott. 
170-2. — ß) durch Gehen abnützen, z. B. Schuhe Gr. 
Daher auch refl.: .Sich abgehen, eundo se delassare.' 
Denzl. 1677; 1716. — 2) von Sachen, a) ,ab' einer 
Unterlage, Stütze sich lösen ; zunächst in eig. S., z. B. 
ein Rad von der Achse. Syn. abspringen; daher die 
bildliche RA. es ist mir es B. ahg'gange", durch eine 
Veränderung, z. B. den Tod eines Gönners, den Ver- 
lust einer Stelle, ist mir eine Einnahmsquelle versiegt 
B; S. Anstrich von Farbe (verschieden von vsgfin), 
und mit Verwechselung des Subj.: de'' Zug got ah, 
hält die Farbe nicht, ist abg'gange', abgeblasst GRh. 
Haut; die umhüllende Schale usw. Bei der Anwendung 
auf den Schnee tritt der Gedanke an die Erdoberfläche 
schon mehr in den Hintergrund und bleibt mehr nur 
die Vorstellung des Verschwindens. Schmelzens. Hut 
ober acht Tag god der Sehne ab, ond hüt ober drei 
Wocha itt der Boda irocha Ap (Scherzreim). .Der 
schnee hat nit wellen abgan.' UMey. 1540/73. Von 
Geschütz, ursprünglich mit Bez. auf die Kugel im 
Rohre, dann losgehen übh., Feuer fangen, auch ohne 
dass eine Kugel dabei wäre. allg. .Gar bald er irer 
6 erschoss in einem schütz mit einer schlangen; der 
schütz war im fry glatt abg'gangen.' 1499. Aro. .Ir 
gross g.schütz Hessen sie abgan, das tat uns wenig 



(ia, ire. </u s'i 



in 



Basel drü stuck uf . 


er Kliv 


ibniffff sehebt 


und 


elbigen lassen absaii. 


aucli ii 


zweien tüniieii 


nns 



von woitor übertr., vom (ielin},'en übli. .Die jiractik 
ifieng ihnen ab, und drangen [nötigten] den Bapst in 
condition, wie sye wollten.' ECys. ,[Sie hatten] ein 
verrätery angesechen [beschlossen], die. Statt Chuin 
ynzuonemmen, das aber vevwarloset und nit abgangen, 
etlich darüber gfangen und gericht't.' ebd. Ebenso 
von dem Begriffe des Geratens, viell. jedoch von dem- 
jenigen der räumlichen Ablösung (vgl. .ausfertigen') 
ausgehend: beschlossen werden. „Es ist vor Rat nb- 
g'gange", das'... Aa; B; VOrte; S." Id. B. Abf/. Yom 
Preise s. I 30 u. — b) alle Beziehung auf einen .Aus- 
gangspunkt aufgegeben: a) abnehmen bis zum völ- 
ligen Aufhören der Existenz. ,So der Mon abgat', 
als Gegs. zum ,zuonemmenden M.' Tiere. 1563. Im 
abgnnde", abgänte Möti (Mä, Meine), zwischen Voll- 
und Neumond; es ist abgänd (abgänder M.), es ist 
diese Zeit B; Gr; S; W; Z«, auch n-er Maiwt W; 
abgänds ZU GrAv., S.; Syn. undergänd : i nidsicjiiiiiiiil); 
fule'' Manot; Anton, ufgänd. Daher auili ,iiii nliiiiiute" 
Jar" Gl. Von einer Mode; vom Feuer (erluschen). 
.Die richter cnsun [sollen nicht] von niemanne, der 
buoze ver.schuldt [hat], guot entlehenen, dur das 
[damit] im syn buoze abe gange ald gelihtert werde.' 
Z Eichtebr. .Die Engelbergerlüt band ire müle lassen 
abgon.' 1483, Obw. .Damit die sündrung abgienge.' 
Ansh. Mangeln, fehlen: , Die übrigen Obersten bsorgt 
[ergriff die Besorgniss], ihnen [möchte] an Gelt abgan 
und unmöglich sein, das Volk zuo erhalten.' ECys. 
An Wert verlieren, schlechter werden (von Kulturen, 
Verkaufsobjekten, Vieh); verloren gehen Gr. Auch 
von Übeln, ablassen, aufhören: .Das feber ist im ab- 
gangen = er ist sy [desselben] abkommen, perfunctus 
a febri.- Mal. ,Ist ihm der siechtag [die Krankheit] 
abgangen und gänzlich genesen.' ECvs. — Das Ptc. 
abgänd BO.; Gr; SciiSt.; aSrnw; U; W. -nt AaF.; 
Ap; Gl; GfiChur; L; GO.; S; Th; Zg; Z nimmt adj. 
Bed. und in Aa; Bs; ScnSt.: Z auch die adj. Bildung 
abgimdig, ahk- an a) als wertlos wegfallend, beseitigt; 
als Überrest gelassen und gering geschätzt; in diesem 
S. häutig das Ntr. Substantiv, verwendet, etwa sogar 
zum inileklinabeln Subst. gemacht. So z.B. die Abfälle, 
welche sich beim Zubereiten von Gemüse und Obst 
zum Kochen, beim Behauen von Stammholz [abgänds 
Höh] ergeben, die Knochen und andere zunächst un- 
geniessbare oder wenig nütze Teile des Fleisches, 
daher auch solche als Zugewicht an der Fleischbank, 
Syn. Gefall I 74.5; Insigel ; auch kleinere, beim Zer- 
hacken des Fleisches abfallende Stückchen, dgl. der 
Fleischer den bettelnden Kindern zuschiebt AAKais. ; 
,Ein Mensch, dem er mehr als ein Mal, wenn er in 
seinem Dorf gemetzget, etwas Abgehendes zum Al- 
mosen gegeben.' HPest. Speisereste, Überbleibsel von 
Mahlzeiten, etwa den Bettlern verabreicht oder zu 
Vieh-, bes. Schweinefutter verwendet; abgänte Chost 
Ap. Synn. s. bei Urschi I 469; Leibete. Er hätt möge' 
sl« Buch a'stojjfe" mit dem Abgänds, wo d' Söu g' fresse" 
händ. DiAL. 290. — b) verlegen, verdorben, z.B. 
von Gemüse, Obst Aa. — c) von Kleidern, abgenutzt 
und abgelegt. Abgänti War Ap. ,Ich gehe in die Stadt, 
lasse mich anders kleiden; das Abgende von 
bänrschen Kleidovn kannst du dann allrs IkiIh'U. 



Von Münzen, Silberzeug usw.: abgegriffen (Spreng), 
d) im Abgang. Zerfall begriffen B; ük. Abgänte 
linih"\ al.iiiaL'vrn.Iri- (ii. Al.L-rihl^' und hinfaÜende 
^■iicirr. .lir Uli) .Irr /.'it \ rril,-iiii>ii.| MiliT ze grund gond. 
res (|ua' r\ Ira.lii l('iiip..i'is Iinn1 a^Mcriores.' Mal. ,Die 
bürg was nlt werlirli und nucji nit besetzt, dann sie was 
abgände.' Äi;Ts( nnu. .Hinder dem Tisch wärest gar 
frisch, jetzunder bist wie abgehnd Fisch,' Schimpfr. 
1651. ,Ab einer alten abgenden Eich.' 167G, Hotz, 
Urk. Von Menschen: die Merkmale des Greisenalters 
an sich tragend, abschwächend Aa; Schw; U. Vgl. 
äben. Der Grössmtter ist afig fri artig abgände. Ab- 
gänti Wlber U. ,Abgändige Jumpfere. Abgändiger, 
unvermögender Mann.' Spreng. .Hinfälliger oder ab- 
gender mann, der von alter gar hat abgenommen.' 
Mal. .Senectus prseceps: ein abgend alter, das yetz 
auf der gruoben gat.' Fris. JJud bat 1577 um Ver- 
setzung, weil er ,jetz alt und abgehnd' wäre. Vom Vieh : 
alternd Z. Fingierter Geschlechtsn.: der Kiirli Ah- 
gänt, ein heruntergekommener Mann, Mann, der iibirall 
zu spät und zu kurz kommt S. So en arme' Schli(d,ir, 
wo [der] in nlh" Shui-i" hiiiger drl' lauft, tcie der 
K. A. Schilu: Asrhrniaittel: ,Solothurn, der eidge- 
nössische K. A.- S-Blatt 185'2. — e) ausser Ge- 
brauch kommend. ,Dadurch soll das Dreschen mit 
den Pflegein abgänd werden.' Postheiri. — f) vom 
Gedächtniss, schwach, vergesslich. Syn. abgängig. 
.Syd aber die weit abgende ist [und] unversinnte 
[vergesslich], so soll man des ampts guote harkommen- 
heit schryben und in geschrift legen.' 1460. L. .Von 
wegen dass menschliche gedächtnis abgänd und ver- 
blichlich ist.' 1491, üwE. Jahrzeitb. .Ist 's not. was 
des abgenden. vergesslichen menschen gedächtnuss 
abgat. durch die blybende, gedächtliche gschrift zuo 
erstatten.' Ansh. — ß) von Statten gehen, vor sich 
gehen, verlaufen, allg. .Durch welchen sein vor- 
haben sich glücket und alles wol abgangen.' JMüll. 
1673. ,Er solle die Morgensuppe kurz abgehen lassen 
ohne grosse Pracht und Kosten.' 1581, Ansfii. ,Der 
Rat möge diese spänigen Händel freundlich abgehen 
lassen.' 1585, ebd. 

HsStockar (z. .1. 1.527) setzt ein Mal n. in Gpets. zu 
.sterben': ,N. X. hat ilii> C. frow™ pTainmiiirn ; --inil im -( 
frowen gestorlicn uii.l iliv ."i. ist im li\ I- i.. iüI ., i !. il,- 
gaiigen [durch Elirs.-h.'i.luiiL'VI ■ Zu i 1 I', ,i 

äich auch so aalTassi-n: ,\V.-ini iVw V.\\iri\,u ilim \-,\ l-.!u,i,l 
von dem streitigen Stücke durch ihren ^Unfcrgaiii!- | Unter- 
suchung] entziehen und absprechen.' Diesem Sinn würde 
besser genügt durch die Fassung: ,wenn man oim dann das, 
so er angesprochen hat, oder etwas daran, abgat.' 

abe"-: hinuntergehen. Mit dem Bris, den Preis 
niedriger ansetzen Z. Mit Beziehung auf den Handels- 
artikel selbst: wohlfeiler werden, abschlagen S(mi; Z. 
Vom Barometer: fallen, sinken Z. Enneu <ihc qn 
s. 1 166. 

über-, über-: I. lose zsges., also mit dem Haupt- 
tone auf dem Adv. a) über den Eand hinaustreten 
(in diesem S. wie das Syn. ilherlanfen auch als un- 
trennbare Zss. behandelt Z), z. B. von der Flüssigkeit 
in einem Gefässe (wie Milch über dem Feuer), allg. 
Wenn d' Mass volli ist, geit seh' über W. Von Ge- 
wässern, austreten Uw. ,[Ein] wasser, das war von 
Überschwall regnens übergangen.' Kessl. .Das von 
dem Pileatus aufsteigente gewülk hatte uns mit über- 
gehcnfen Platzregen ^beschüttet.' GKmni.,- 160:1. V..n 



11 



Ga. ge, gl. go. gv 



12 



den Augen, tränen; s. I 134 M. Auch von dem mehr 
od. weniger flüssigen Brotteige, wenn er aufschwellend 
über den Backtrog heraus zu wachsen droht Aa. — 
b) über das gesteckte Ziel hinaus gehen; von Vieh, 
welches auf fremdes Gebiet weiden geht. ,Wenn einer 
hagbrüchigs oder übergends oder wandelbares vych 
hat, so soll einer dem andern [den Schaden ersetzen].' 
1G27, BSi. — c) aus dem normalen Zustande 
heraus treten; ühergänt, von Fleisch, das anfängt in 
Fäulniss überzugehen Z. — d) Überschreiten des 
Masses meint das als Steigerungsadv. verwendete 
Ptc. ScHW; Uw; U. Ühergänt e bösi ZU. Übergänd 
c Sehens Meitli. Auch adj.: e ü-e Miggis, überaus 
tiefer Strassenkot aScHW. — e) hinübergehen im 
S. V. kapitulieren, sich ergeben, allg. Im Jar, wo 
[da] cV Stadt ist übergange'. GJKuhs 1819. Unpers.: 
wo 's ist Übergänge, Umschreibung der Ereignisse des 
J. 1798 im Ktn B; vgl. Übergang. — f) vorüber- 
gehen. Buck-di''', Joggeli [d. i. Bauer], lass ühergan, 
das Wetter will sein'n Willen hau. Sprww. 1824. ,Es 
niuess dick [oft] einer understän und 's weiter lassen ü.' 
Badenfart 1526. .Bitten wir üch, dass ir sölich [euch 
angetane] schmachwort noch ein klein [für eine kleine 
Weile] lassen ü. [durchgehn].' 1.529, Absch. — g) über 
das hinweg springen, was an der Reihe wäre, aus- 
lassen. Übergänt heisst ein Rind, welches ein Jahr 
zu spät, eine Kuh, welche erst nach Unterbruch von 
einem Jahre wieder brünstig bzw. trächtig wird, was 
einerseits den Milchertrag verringert, anderseits aber 
dem Wachstum und Fleischgewicht förderlich ist Aa; 
B: T.; S; Uw; V : Z. Syn. Überümd 1 213; gust; galt; 
aiit.iii. MiiiiskKc. Eine Kuh ü. behalten: dieselbe 
iiiclit s. hhiclitiMi, obwohl sie der Art ist, dass sie je 
iiichii-rc Jalao braucht, bevor sie wieder kalbt; man 
tut dies etwa in Gegenden, wo der Unterhalt nicht 
so hoch gewertet wird, z. B. wo man das Vieh auf 
Weiden schicken kann, oder wo man geringes Futter 
zur Verfügung hat. Auch von Stieren, welche eine 
Zeit lang nicht mehr zur Züchtung verwendet worden 
sind, etwa weil man sie zu Arbeit im Tale zurück- 
behielt, während die Kühe auf der Alp waren. .So 
soll auch dhein ander vych üstriben werden, dann 
küeh und urnerstieren, die nit über jähr alt [sind], 
damit das vych von andern und gröberen ttbergehnden 
.stieren nit beschädigt werdind.' BThun. AUmentb. 1.J9G. 
,Ein meissstier oder zeitstier [l'/2 — 2 /ajähriger] und 
gar nit ein übergender, drei- oder vierjähriger stier 
[soll als Sentenstier verwendet werden].' 1680, UwE. 
— 2) untrennbar zsges. a) einen Punkt in der 
Reihe überspringen, auslassen, allg. Mit ,sein' W; 
der Tod ist-nii [ihn] ubergangu^, halb scherzhaft, von 
einem Greise, den der T. gleichsam vergessen hat. 
Vgl. 1 g. Auch = übersehen, (und darum) überwarten : 
,Wo die sächer [Processführenden] zil oder tag [sc. 
die vom Gerichte anberaumten] übergiengend, wurdend 
sy die buossen zuo erlegen getrungen.' Vad. — b) Etw. 
begehen, durchgehen, ,perlustrare.' Id. B. ,Das 
göttlich wort muoss [gleichsam wie ein Ackerfeld] mit 
solchem regen und ungewitter übergangen werden.' 
ZwiNGLi. Prägnant: Etw. flüchtig d. Aa. — c) Etw. 
übertreten. ,Wär aber, dass ieman der viero gebot 
übergieng deheines wegs [in irgend einer Weise] an- 
ders, denn sie hiessen.' 1348, Aa Wst. ,Übergieng das 
yeman und das bräche.' 1442/1544, Scnw LB. ,Wäre 
aber, dass sölichs harübcr yeniand täte, ald über- 



gienge.' ebd. ,Wenn einer frideu [s. I 1277 b] uber- 
gienge.' 1501, Absch. Auch mit Bez. auf natürliche 
Schranken: ,Die Tag des Menschen sind bestimmt; 
du hast ihm ein Ziel [der Lebensdauer] gesetzt, das 
er nicht übergehen mag.' JMüli. 1661. — d) be- 
meistern. bewältigen, überwinden, z.B. eine Leiden- 
schaft BBe. ; und hinwieder: der Zore" iibergad-wi''' 
Ndw. .Der mensch wirf vom schlangen versuocht. 
lasst sich den lust übergon und übertritt.' 1531/48. 
I. Mos. ,Ein krankheit übergon und vertreiben, im- 
pugnare morbum.' Mal. Durch Betrug: ,Dass nie- 
mants übergange, noch ^ervorteile seinen bruoder im 
handel.' 1531/48, L Thessal., dafür 1667 ,übersteige'. 
Ausschelten, meistern: ,Daruf der burgermeister in 
mit Worten übergangen und übel verguot ghan, dass 
er zuo seiner haushab etwas fleissiger sich nit schicken 
wellte.' Vau.; vgl. I 57 M. — e) refl. a) ,sich mit 
Gehen ermüden.' Hosp. 1683. — ß) irre gehen, in tig. 
Sinne, sich irren BBe. ^ überhin (^Äbere;-ga(n); 
1. fallieren ZO. — 2. det [dort] innen übere ga, ster- 
ben SCHW. 

vor(für)-über(überhin)-gä°: auch tr.: Etwas 
übersehen, vergessen. Me' geit's gäng vorubere FMu. 
.Ich will dieselbige mit Stillschweigen fürübergehen.' 
ClSchob. 1699. 

ü f - : 1. empor steigen. So vom Gestirne, nament- 
lich der Sonne und der sie begleiteiideii Tinjoshelle. 
allg. Übertr. auf innere Erleuchtung-: ir: 'lal-iii'r es 
Liecht üf. Es gat-mcr itf wie dem ClililhU :' Miir: 
es ist über de' Bach yo' sufe" ZB. \uiii Feuer, bzw. 
seinen empor schlagenden Flammen B. ,Wann in der 
Stadt Für üfgat.' 1501, ZWint. Stadtordn. ,Wenii 
brunsten ufgand.' 1549, Sch Ratsprot. Von Gelände: 
sich bergan ziehen. Im Ufy^tt, Ufgihit, Flurn. '/,. 
,Als fer die 2 ufgende acherli oben für die zil und 
marchen usgand. sönd [sollen] sy dennocht zenden.- 
1467, Uw Grenzberein. zw. Sarn. u. Sachs. ,Das uf- 
gand acherli.' ZDielsd. 1556/62. ,Der ufgend acker' 
bei .\ALunkh. 160'2, L Urbar. ,1'/^ Jueherten im auf- 
gehenden Acher.' 1653, AAWett. Arch. Aus dem Bette 
aufstehen, sich erheben BS.; Uw; mehr verbreitet in 
der Verbindung mit dem anton. nider-g., s. I 115. 
Aufwallen, von der über das Feuer gesetzten Milcli. 
D' M. ist nanig ufg'gange, hat noch nicht gesotten. 
Syn. ist n. d'obc Z. ,Wie eine Milch, die, nachdem 
sie aufgegangen, sich nunmehr gesetzet hat.' JJUlr. 
1727. Daher übertragen auf Gemütserregungen (bzw. 
Blutwallungen), s. die folg. Bed. a a und Bd I 119. 
Schwellen a) von Teig, sowohl von dem im Backtroge 
gährenden, als von dem am Feuer im Ofen oder in 
der Pfanne sich entwickelnden Ar; Gr; Z; Syn. jrri». 
Daher auf den Menschen übertr.: a) üfyä wie cn 
g'heblete'' Teig {teie en Hebel, Sauerteig), in Zorn ge- 
raten, aufbrausen. Sprww. 1869. Syn. verspritzen vor 
Täubi; es hat mich fast versprengt. Vgl. Sp. o. 
— ß) an Körperumfang zunehmen, körperlich gut ge- 
deihen, sich entwickeln. Üfgä icie es Chüechli, bes. 
von Kindern und Frauen G; Sc«; Z, von Letztern 
gerne mit versteckter Nebenbed. ,Pulvinatus caly.x 
nucis, das einem hauptküsse gleich sieht oder einem 
aufgegangnen küechle.' Fris. — b) von trocknen 
Früchten. Im Wasser gönd d' Erbsen uf. ,Dem Ge- 
schick des Aufgehens ist auch der Roggen [auf feuchter 
Schütte] unterworfen.' 1776. Z Staatsarch. — c) von 



(Ja 



(Jcwüssfin, aiisclnvclkMi IJO. .Ven See abgraben, der 
da ufgat.' 1531, Aiiscii. ,Die wasser ufgangen und 
übergloffen.' ECys. — Wachsen, und zwar eig. in 
vertikaler Riclituiig; so von der Saat, vom tierischen 
Leib; scherzh. und vexierend: er gad üf wie en Gerste- 
hehel, d. h. er wächst nur in unbedeutendem Masse Z. 
So sind vielleicht zu verstehen die ,ufgande (ufgende) 
albelen', welche It Urk. v. 1399 u. 1467 die Fischer 
von Rappersw. dem Kloster ZEüti zu entrichten hatten. 
Vom Monde, ufgänd, 1) wachsend, zunehmend B; S; 
Z(i; Z. Esistuff/rinte'- Mii«; imufg-e" Ma. Pflanze", 
VI) [welche] ; |iii ileii| Umh wachse", sell-me" bim ab- 
gi'iiite M<m xiUcii. nml l'iL. wo ufe wachse", bivi uf- 
giiiite Man. Sriiii.n. Im iifgendu Manot, dies scherzh. 
auch bildl. = im Zustande der Schwangerschaft W. 
.\uch subst. : Hut isch der letst Tag Ufgänd und die 
höchsti Zu, ass ni'r [dass man] d' Hauset [Hanfsaat] 
snit. JoACH. 1883. Anton, ahgänd. Aber auch in ganz 
andern! S., statt gew. obsichgänd, d. i. die Spitzen der 
Sichel aufwärts gerichtet, im aufsteigenden Knoten 
befindlich L (RBrandst). — Mit Boz. auf Gewichts- 
zunahme: ,Wann 1 ß abgat [am Frurlit|ii-.'i.se], so soll 
allwegen 2 lot an dem wyssbrnt uf;,'.- Sni Stdtb. — Im 
Preise, im Kurse steigen. So v. Münzen: Zürich rühmt 
von den seinigen, dass deren ,nie nüts abgesetzt [her- 
untergesetzt], aber allwegen der merteil ufgangen' sei. 
Edlib. Jetzt dafür ufhin-g. Aufkommen, zur Mode 
werden: .Sobald zue Rom gaben und gastungon uf- 
giengen.' Ansh. .Citeren, so domolen erst ufgiengen.' 
I'lätt. 1612. — 2. sich entwickeln, blühen, in bildl. S. 
Anton, abgän (s.d.). ,Das reich Salomons gatauf.' 1531, 
1. Könige. .[Die Probstei] ist sehr aufgangen und reich 
worden.' Wurstisen 15So, und als Causativ dazu ,auf- 
bringen'. .[Die Eidgenossen haben] von gott sig em- 
pfangen, dass [s'] an land und lüt uf sind gangen.' 
Badenfart 1526. ,Dise Statt hat angfangen üfgan.' 
RCys. Gewöhnlich aber unpers.: es gät-em uf, er 
fängt an, in ökonomischer Bez. vorwärts zu kommen, 
steigt im Ansehen, er wächst und gedeiht Z. .Gehet 
es denen lündern auf, deren Vogt du bist?' HPest. 
1787. Auch mit Bez. auf Sachen: gewinnen, wert- 
voller werden. z.B. durch Benützung, Zuwarten Sch; Z. 
Es gat de" Leitere" Nüt uf, wenn-me' 's üslent [aus- 
leiht]. Es gat an'n Trübe" Nüt meh uf, sie gewinnen 
Nichts, wenn man sie länger an den Weinstöcken 
lässt. ,So es den frommen glücklich gat, so gat der 
statt auf.' 1531, Prov., dafür 1667: ,so frolocket die 
statt.' ,Zu Augsburg hat man zum ersten mit büchsen 
gschossen und ist der kunst bald heftig ufgangen.' 
HBui.L.. Tigur. ,Cum corporibus vigent et deflorescunt 
animi, dem verstand und dem gemüet gat gleich mit 
dum leib auf und ab.' Ekis. .Als d^rselb-'u fKa|ielle] 
aufieng ufgan an veniii.^n>ii.- l.'l.'vs. ,Es iralit ■•im (le- 

schlecht auf, dem aiiarr..|i ;il.; l.is ziilrt4 k lend 

wir alle ins Grab.' Anf. XVII., Mise. Ti- ,Ks gehet 
dem Bau auf. sedificium surgit.' Hosp. 1683. ,Dem 
David gieng auf und er ward stark.' 1707, II. Sam. 

— 3. sich ereignen, entstehen. ,Der vogt ist in 
der nacht von uns heimgeritten, damit, was ufgieng, 
das dannoch etwar anheirabsch syg.' 1525, Egli, Act. 

- -1. sich öffnen, .sich lösen. Von einer Knospe 
oder geschlossenen Blume, Blüte, allg. U. wie-n-e 
Jtose, von Kindern, welche sich erfreulich entwickeln, 
blühen, erstarken (vgl. o. wie-n-e Gerstehebel ; wie es 
Chücchli). Und noch weiter bildl.: .Der Kopf gieng 



[den Sclinlkiii<leni| unter .sciiirii Händen [b.'i M'ineni 
Unterrichte] auf.- HPest. 1785. Von einander gehen; 
so von den verschiedenen Abteilungen des Zettels, 
welche durch Treten abwechselnd emporgehoben wer- 
den (sich öffnen, gleichsam das Tor auftun), um das 
Schiffchen durchzulassen Z. Das Wupp gät guet (schön) 
uf. Von etwas Geknüpftem, Geheftetem, sich autlösen. 
sich trennen. Vom zugefrornen Boden oder Gewässer 
Ap; Gl; Z. De"" Bode', de Se (oder unbestimmt es) 
gat uf. Es ist e chll z' starch ufg'gange", i''' cha"' icz 
doch nüd g'rad schlitte". Holzprozess Höngg. Von 
etwas Geschlossenem; auch bildl. d' Becht sind uf- 
g'gange", die Schuldbetreibung ist wieder eröffnet Z; 
vgl. zue; stän. ,Unsre gericht gänt uf der Eynbrugge 
unz uf die üfgänden brugge.' Sch Stdtb., d. i. bis 
zu dem aufziehbaren Teile der Brücke (Zugbrücke). 
Prägn. tr., durch Gehen Etwas reissen machen. .Bla- 
tern aufgehen, ulcerare pedes eundo.' Denzl. 1716. 
— 5. sich abnützen, aufgebraucht werden; zu 
Grunde gehen. So wie der Gletscher üfgeit, geit nir'' 
ds Heu üf, wenn im Herbst wenig Schnee mein- auf 
den Gletschern bleibt, so wird im Frülilim,' aucli w.ni^- 
Heu mehr vorhanden sein Gr(B.). 's (hhl ist^m. r uf- 
g'gange' GF. ,Es gehet Alles mit [beij ihm auf, er 
hat ausgehauset.' Hospin. 1683. Z' Nute" (z' Lumpen) 
ü. (cho"), sein Vermögen verlieren Aa. Zu Ende 
gehen, daher in der Subtraktionsrechnung, von glei- 
chen Werten, die einander decken, auch weit uf g. 
Von Unkosten, eig. dem durch dieselben aufgezehrten 
Betrage; Syn. uflaufen. ,Von wegen des kostens, so 
des Sturms Ittingen halb ufgangen ist' 15'29, Aiisrn. 
.Haben den costen, so mit dem wychbischof und wy- 
chung der capell ufgangen, bezalt' RCys. ,Was über 
solche dieser Statt Basel aufgangen, will ich ge- 
schweigen.' Wurstisen 1779. Vgl. rjän mit Präp. über, 
ebenf. von Unkosten. Von Lebensmitteln (Getränk), 
abstehen, umschlagen: ,Dass zu reehtur Zeit [Wein] 
gelesen und dafür gesorgt wenb'. daNs A^r alte, auf- 
gegangene nicht mit dem neuen vermischt werde.' 
1524, Absch. ,Der wyn gien[g] in den fassen uf und 
ward so unwerd, dass man 1 mass um 1 haller gab.' 
Vad. Von Personen, preis gegeben werden : ,Dass 
der pabst den kaiser, wie er konnd, bei allen fürsten 
und stenden verhatzt und aufgon Hess.' Vau. .Syend 
Prediger under inen, die die Laster mit Ernst stratind, 
so söllind die anderen [Geistlichen] sy nit lassen ufgon. 
inen [sich] selbs ein Willen [Gunst] und den anderen 
ein Unwillen zu machen.' 1575, HBull. (LLav. 1576). 

z'underüf-: zu Grunde gehen; bankrott werden 
Uw; Z. — drüf-: ebenso, doch vom Menschen jetzt 
nur in grober Rede. allg. Anders in ä. Spr.; zwar 
auch: ,Der Raub und das. so daruf gangen, betrage 
600 Kronen.' 1534, Absch., aber daneben: .Der Arni- 
iniaken aber seiend mehr dann der Eidgnossen daruf 
gangen.' KCvs. ,In diesem Krieg ist der grösser Teil 
unsers Lands Adel druf gangen und verriben worden.' 
JJEüeger 1606. — ufhin (ufe)-: steigen, z.B. vom 
Barometer; aufschlagen, im Preise steigen, allg. 

um-: 1. trennb. ('"). a) im Kreise herum, umher 
gehen. ,Man reiniget ire hirn von irem umgenden 
häutlin.' VoGELB. 1557. ,Welicher nachts uf der gass 
juchzete, schruwe oder umgieng und ein unrüewig 
Wesen fuorte.- 1572, Schw Rq. ,In myn schiff will 
ich ihn nit lahn und [sogar, wenn] sollt er auf dem 



Ga. se, gi, gl), gu 



16 



griml [Kopf] miigiui.- Com. Bkaii. Jetzt in engerem 
Sinn: a) einen Besuch in der Kunde machen Gr. — 
ß) eine kirchliche Procession halten, an einer solchen 
Teil nehmen, in Procession gehen. Syn. mit Krüz 
und Fanen (jun; vgl. Umyany. ,Helt man grosse 
jarzeit, gat abends und morgens umb.' 1588, Er- 
zXuLER 1855. Sprw. Lüten und u., zwei Geschäfte 
neben einander besorgen, eig. vom Messmer Aä; L; S. 
Vormals auch von weltlichem Festzuge: ,Uni die 3 
gienge man um mit inen [den eidg. Gästen].' Edlib. — 
Y) Unujänd, von Rindvieh, in Folge einer Krankheit, 
welche man gewissen im Gehirne sitzenden Würmern 
zuschreibt, beständig im Kreise herum gehend. Syn. 
stürmig. ,Es soll von ungendem [so!] Vieh der Kopf 
hinweg getan und nit ausgewogen werden.' 1620, 
ScuwE. Klosterarch. Als Subst., das Umgänt, eben 
diese Krankheit, Hirnwut Gl; Syn. Ringkranldieit ; 
titiinn; Trilmmel(uind) ; vgl. das Dräjen, bei Schafen. 
In uneig. S., von Gerede, von epidemischen Krank- 
heiten, Bräuchen und Missbräuchen Bs. ,Diser prijst 
ist in der ganzen Grafschaft umgangen.' UMey. 1540/73. 
,Wiewol seltsam prattiken umgiengend.' Vad. Von 
(vermeintlichen) Gesichtswahrnehmungen im Zustande 
der Betäubung, Bewusstlosigkeit: es ist-mr-r (mit-mer) 
Alles umCz'ringel um) g' gange V; Z; Syn. stürm werden. 
Von Personen: mit Etwas u., sich (äusserlich oder 
geistig) damit beschäftigen, Etwas planieren, allg. 
Mit was Eine'' iimgot, da' chlebt-em a" [darum dreht 
sich sein Gespräch]. Sulu. .[Leute, die] mit kunsten 
umgähnd.' Z Mand. 1650. ,Umgänd' von Schulden = 
im umgehenden, laufenden (d. i. nicht auf Begründung 
bleibender, dauernder Verhältnisse, sondern auf kür- 
zern Wechsel berechneten) Verkehr entstehend. Mit 
tautologisch gehäuftem Ausdruck: ,Graeine, umgende 
handschulden.- 1508. Bs Rq. — b) im Kehr herum 
gehen, abwechseln, von Personen und Sachen, allg. 
Es gut nm wie 's Bache' (and wer kei' Mel hat, über- 
hupftj, eine RA., welche aus Gegenden stammt, in 
denen Genieindeöfen bestanden. Von 1815 bis 1849 
gieng in der Schweiz. Eidgenossenschaft ,das Vorort' 
unter den Kantonen Z, B, L um. Spez. von den Armen, 
vormals auch von den Schulmeistern, Dorfhirten u. A. 
einer Gemeinde (B) oder einer Sippe (U), welche von 
Haus zu Haus gehen, um je einen Tag oder längere 
Zeit gespeist und verpflegt zu werden. ,Vieatim nutri- 
nientum querere.' Id. B. ,So soll dasselbig [die Be- 
rufung zu Gesandtenstellen] under den Landammigen 
unigan dergestalt: welcher am Amt ist, zum Ersten, 
dannethin welcher der Eltest am Amt, Einer nach 
dem Andern.- 1570/1626, Schw LB. ,Der wäger soll 
auch keinem der gremplern syn anken allein nemmen, 
sonder es lassen umgon.' 1572, Schw Rq. ,Den Land- 
ammann hätte jedwedere Religion [in Gl] 2 Jahre 
[aus ihren Angehörigen]; den Pannerherrn sollte man 
gleiehf. lassen u.' 1621, Absch. Das Ptc. subst. = 
Reihenfolge, Ker. Es ist i" dem Umgänd g'sl; wo- 
mer g'heuet händ. — c) umkehren, zurückgehen, in 
umgänds, dem adv. Gen. des Ptc. = bald, ohne Verzug 
BSi. — d) umkommen, .sterben, interire, cadere.' 
Mal., von Menschen und Vieh. ,Wann von dem sel- 
bigen vych eins also verdürbe ald umbgienge.' ZElgg 
Herrscliaftsr. 1535. ,Der paurenkrieg, in welchem ob 
Inii.diiii mann unigieng.' Vad. .Dass er leider umgieng 
und ertrank.- ebd. .Ist nut drus [aus dem Kalbe] 
worden; ist umgend worden.' 1595. Tageb. aus Gr. — 



e) umgänd B; Uw; U, -nt L, an- BU. ; L = abgänd 1 a. 
Der Bettler heischt eppis U-ds z' essen uhl Gwand 
BHa. Bs U-de, abseits liegendes, weniger sorgfältig 
bewirtschaftetes und darum wertloseres Besitztum BRi. 
Sonst ist U-s, .,ds U-s" oder ds U-e spec. mit Bez. 
auf das Schlachten alles geringere Fleisch (Füsse, 
Maul, Ohren, Lunge, Leber, Herz) und Knochen, was 
die Metzger zur Vollständigkeit des Gewichts dem 
bessern Fleische beilegen, ,rejectamina carnis.' Id. B; 
vom Schweine Alles, was nicht Schinken und nicht 
Speck ist, also auch die (allerdings klein herausge- 
schnittenen) Rippstucke BBe. ,Zu den 2 Pfund [Fleisch] 
gab uns der Metzgel- noch Ungentes, Beine oder Leber.' 
GoTTH. — 2. untrennb. ("^), verschweigen. .Kann 
nicht umbgehn, wie dass wir heut so seltsam zu 
mittag gespisen.- GKonig 1693. 

1 e ist wegen der Vieldeutigkeit des Ausdruckes besonders 
herausgehoben. Es gehört zu 1 a, wenn man für ein grösseres 
geographisches Gebiet vou dem Begriffe des aussen bernni 
Befindlichen (vgl. Ort a a, OrUcisen, Ortheti) zu den ange- 
gebenen Erweiterungen bzw. VerallgemeinerHugeu gelangen 
könnte, oder zu 1 d (i. S. v. ,verderben-), nur muss mau 
dann die Beziehung auf Güter für sich allein in der erst- 
genannten Weise deuten. Aber die Angaben aus BU. weisen 
darauf, dass um- auf blosser Umdeutung und Verderbniss aus 
«n- beruhe, so dass das W. Etwas bedeutete, das nicht mehr 
gängig ist, keinen guten Absatz findet; vgl. die selbe Ver- 
wechslung m umgekehrter Kichtuug bei 1 a y, und ,Um-' aus 
, Unkosten', ,ümgeld' aus ,Ungelt'. 

umhin ^■M»ne>-gä(n): im Gebrauche nicht sehr 
verschieden von dem vorhergehenden. Es gat-mrv im 
Male ume Z. Von Gespenstern; von Epidemicen G; 
St-H; Z. U. lo' [sc. sich], eilfertig bald dahin, bald 
dorthin laufen ScnSt. Minder Ei'"m u., ihn hinter- 
gelien. Eneniima ga s. I 266. , Damit man der Sache 
[Streitsache], die nun lang genug herumgegangen [als 
Traktanduni auf den Tagsatzungen herumgeschleppt], 
endlich los werde.- 1521, Absch. ,Die Geschwornen 
söllent jerlich im Dorf umbhin gan, die Öfen, Herd- 
statten besichtigen.- 1596, Z. ,In dem Land Platz 
haben und ehrlichen Leuten in den Augen umhin- 
gehen mögen.- 1694. Ztschr. f. schwz. R. 

an-: 1 tr., an Jmdn oder Etwas gehen, a) einen 
Berg, Bergpass, ihn zu besteigen anfangen, in Angriff 
nehmen (verschieden von ,bergan g.-). .Damit sie bei 
anstossendem Tag den Berg angehn (wie das gemeine 
Wort lautet) und vollends mit guter Weil hinüber kom- 
men mögend.' JLCvs. 1661. — b) anfassen, berühren 
Gr; in weniger sinnl. Bed., eine Tätigkeit beginnen, 
vornehmen: Was willt iez angä? BHk. I weiss nüd, 
wie-n-i''' 's seil a. [anpacken, anstellen] Ar; G; Z. Etw. 
g'schld a. Syn. angattigen. — c) Jmdn (mit ,sein'), 
sich an ihn wenden (mit einem Gesuche) Aa; B; Z. 
Syn. ankeren; vgl. ankommen. -- d) Jmdn. sich an ihm 
vergreifen i. S. v. gehtjen, futuere; Syn. anlaufen. 
,Wölicher zuo einem redti: du hast ein kuo oder was 
für vich syn mag, angangen! söllti es büessen.' 1427, 
Schw Rq. .Einer, der des nüwen gloubens syg, und 
einer, der ein kuo angangen, den schätz er eben glych.' 
1529, Strickl. ,Unkristens Ve angän.' 1540. Ndw LB. 
,Welieher einen hiesse liegen [Lügner schölte] oder 
syn muotter oder ein unvernünftig vich angän.' 1540, 
Aa Weist. .Ettlich [Reformierte] sagen, dass sy lieber 
ein kuo angän, dann hinter eine mess stan wellten.' 
HBdll. 1572. VgL ,wär besser, einer hette mit einem 
ünftigen tier zuo schaffen.' ebd. Man bekräftigte 



.H" 



ÜL'touiiuifjL-11 mit: .Su liab icli als gwUss ein Kue. Esel 
oclor Miircli ;uig:in;,'fn I • ScHwK. Klosteraroh. .We- 
licliur an die uiess gloubt, der hat als gewüss ein kuo 
angangen.- 1532, Strh'kl. Endlich wurde der Aus- 
druck gedankenlos zu einer Verwünschung gestempelt : 
.K wir die artikel [der Berner und Zürcher] halten. 
c wollt ich, dass sy all esel und miirhen angangen 
lietten.- 1.530, Absch. - e) Jnidn. anführen Gr. — 
f) Jiudu, an ihn kommen, ihn treffen, überfallen, 
ihm zustossen, von persönlich gedachten Übeln, ,1m 
tireisenalter, welches mich bald angeht.- LKInderuitzi 
1820. ,Man soll ihm unbeholfen syn, was ihn angat 
[was ihm auch zustossen mag].- 1357, Bs. ,E ich 
Wollt, dass du myn herr wärist, ich wollt e, dass dich 
dz fallent übel angieng.- 1480, Ztschr. f. Schw. R. 
.Es war denn, dass uns ehafte not oder krieg zuo- 
tielend oder angiengend.- 1500. ebd. .Am sanistag 
gieng mich ouch blateren und pül an.' 1519, Salat. 
.Uli förcht. dich gange etwas Unglücks an.' Mal. 
.Was ich dir wünsch, das gang dich anl' 8(;hertw. 
l."!?!*. Aber auch von erwünschten Zufällen. .Dass 
dicli vil glucks und heils angang!' NMan. — g) Einen 
bcrüluen. betreffen, allg. Es t/uil der X. ii". in einem 
l'aternitätsfalle AAEhr. In vwdtschaftlichem Verhält- 
nisse stehen: es f/ut mich ro" Huf und Hur Nitt w L; 
Z. — h) refl. a) sich an das Fussgehen gewöhnen. 
/''' hun-mi''' afff/aiiye, das Gehen verursacht mir 
keine Beschwerden mehr ..l'>: S.- A-'/'i/iunir". uns 
Gehen gewöhnt B; Z. Neul Sihitvh <lnirl.'r\ I,,.. v, c 
tidi' u. gl". /<■'■ bin no'>' nit n-cht ,(., aueli in übfitr. .S. 
= noch nicht recht im Zuge. — ß) mit .sein', sich 
ereifern, zornig werden W; vgl. 2. — 2. intr., heran- 
gehen; vgl. an II 3 (I '25ö|. al an die Hand gehen, 
sich darbieten, von ein.i (;.l,-,-Mbeit. zum Kaufe an- 
geboten werden Aa; /. S\ n. .mhiKieii. Es ist.-m';r Xüt 
ag'gange, sagt z. B. der KIei>.h.jr. welcher von einem 
vergeblichen Gang bei den Viehbesitzern herum zurück- 
kehrt. ,Sie hausten im bescheidenen Stüblein. bis 
ihnen eine Gelegenheit angieng und der Haiisheiri ein 
Heimwesen kaufte.- BRErrENsi. 1800. — b) als Hülle 
an einen Kern, z.B. Schuhe an den Fuss, Hand- 
schuhe an die Finger, ein Iteif an eine Walze, allg. 
Daher: passen; auch in ethisrlieni S.. |.,i,siri.'ii. ux-- 
stattet sein. Wenn liult mr'' Alh.s „-irrh,' ,//,("". ./.,,„ 
(jot's schw use hübschli w |s.. kann man -i^ h -n /nni 
lieh behelfen] Tu (Schwizenl.). As ,/,(( dem Clund 
neue [meines Bedünkens] ril a, mau lässt ihm Vieles 
nach B. .anschlagen, gelingen, geraten, gedeihen L. 
. Wul a., feliciter cadere.' Id. B. ,Man möchte V^atter- 
und Mutterflüch für Katzenbett [unfruchtbares Gerede] 
halten; aber fürwahr, sie gehen gern an und erfüllen 
sich.' FWvss 1050. ,Als die latynscheu Wörter ihm 
[einem Redner vor Rat] gar übel angiengend.- Schijii'Fr. 
1051. ,Das gehet nicht an', ist vergebliche Mühe. 
Hospin. 1083. .Welcher List der Schlange so wohl an- 
gegangen, dass der Tod in die Welt kommen.- ClSchob. 
169.5. , Allein der Schick gehet dem guten Pater nicht 
an: die Leut haben vil bessere Augen, als er sich 
einbildet- JHFisi 1090. ,Wo Gott vorsteht, kein 
Streich angeht, Isach dis kann erwahren [beweisen].' 
JCWeissenb. 1701/2. ,Er habe Viel verdokteret, aber 
kein .\rznei habe angehen wollen.- Wasterk. Process 
1701. .Als das Schiessen nicht angehen [verfangen] 
wollen, taten sie einen Sturm.- Mem. Tig. 1742. Zu 
Geniüte gehen, (wohl ..der übell aufgenoinmen worden 
Schweiz. Idiotikon. II. 



Aa; B; I.. ..Hart a.. grosse Sensation li 
'*■ ('.s( iihel uii'i/ttii(je, wurde nicht gut 
Vgl. unkomweu. ,Was brauchen andere heute zu 
wissen, was man für eine Meinung hat. besonders 
wenn dieselbe übel angeht.- Gottu. — c) vom Feuer, 
sich entzünden, in Brand geraten, in schädlicher wie 
in erwünschter Weise, in Bewegung geraten (anders 
üfyän) Bs; B; Gr; Sch ; Tn. Syn. ankmnmen. Auch 
von den vom Feuer erfassten Gegen.ständen : .Ein 
Heustock, der angehen will: da kann man Mek-hter 
um M. Wasser darüber ab schütten — er schlucket 
alles, und je mehr er schluckt, dest stärker rauehnet 
er.' GoTTH. Ang'gawje, angebrannt Gr. .Desselben 
zinstags, als der ertpidem anfieng, do gieng für an, 
dass ime niemand möchte vor dem ertpidem widerstan.' 
1350, Bs Ratsb. ,Si verbranntent menig dörfer, diu 
von in [ihnen, den Engelländeru] angicngent.' Z Chr. 
1330/1446. ,Wie sein Werkstatt mit feur angangen.- 
TiERB. 1503. ,Da ist das Cämi angangen.' ÜMev. 
1540/73. .Das angangen feur.' 1588, SchwE. Kloster- 
arch. ..Angon wie ein feur. inardescere. Von feur a. 
(ankommen), fiammam concipere.- Mal.; Denzl. Über- 
tragen auf Krankheiten: , [Die Feldsiechen] gond eins 
von dem andern an.- Bs XIV. und auf Leidenschaften 
und Triebe: D" Liehi got r»" selber u (doppeldeutig). 
ScLGEH. ,Wann sie ihrer Altvordern Bildnuss ange- 
sehen, sei in ihnen Trieb zur Tapferkeit angangen.- 
WüRsnsEN 1765. - d) vom Wasser, anschwellen, 
eig. an den Rand des Ufers ansteigen Gr. Vgl. an- 
laufen. ,Dass zuo zyten die wasser so fast angiengind. 
dass man in zweien schüfen ein ledi [auf der Lint] 
nit gefertigen möchte.- 1532, Abslh. ,Und ist die 
Eulach in 2 stunden angangcn, dass sy hett die pruck 
an weg gfüert.- UMev. 1540/73. ,Amnis pro torrente. 
waldwasser. das vom regen und wulkenbrüchen angat.- 
Fris. .Angehen wie ein waldwasser. impetum dare. 
vasto impetu irruere.' Dexzl. 1677; 1710. Ihiher bibll. 
in Aufwallung geraten, .sich lei.len-. h.iftli. I, -,■- 
berdcn, unruhig sein, lärmen, auch: laut lainniem Git. 
TFas ist das für es Angan':' E tunimif Agu"! Si got 
a wie der Tüfel, tvie a ühatz i"me Chratte". [Der 
Säugling] lad Gäusleni [Freudenschreie] ab und weiss 
,ild „■;,' /,„» n,r Jutcr A. | Wnlilb. linden |. S.-nwizERl.. 
J.ns ISnnl,. ,/„v Inll l.n <;„lh-,i. inr ,1 it ,„„l(,st. E O' ritt 
inni .{finn hn. Syn. lirasl : Wcsrns. Von Insekten: 
leblialt scbrtärmen und liesoiiders heftig sein. Wenn 
d' Breme [Bremsen] so agönd, gid 's leid Wetter (Tsch.). 
— e) zu gehen anfangen, in Lauf geraten. .So 
ein löuwin [Lawine] im hochgebirg angat und alles 
wyt und breit mit schnee überdeckt.- LLav. 1569. 
.Das urenwerk lassen angan.- 1576, Z Neuj. Antiq. 
, Einer aber, der im Briich hatt lang zu predigen, der 
stat an die Canzel und las.st synen Mund angahn. 
wie der Müller syn Rad.- 1038," JJBreit. f) an- 
fangen, beginnen (in neutr. S.); von den Produkten 
einer Jahreszeit: in Schwang kommen, allg. Vgl. an, 
1 256 Anm. Anton, us-g. .Die Vormittage [werden 
ihm lang], wenn er dieselben mit dem Frühstück des 
Morgens um 5 Uhr angehen lässt.- Gotth. .Wann 
einer verhütte zuo recht und einen Undervogt düechti. 
es were an äugendem schaden, so mag er's einem er- 
louben uf recht.- 1527. Aa Weist. .Früey ops wie 
paradysle und liöubirle, die zum ersten seltsam [an- 
fangs selten] sind und vil gelten, deren man nachwerts. 
so das ops angät. gar nit achtet.' Fris. .Ein an.geliend 



fia, se, "i. 



ff" 



20 



[neu gestiftetes] Cluster uuil CuUegiuiii/ i;('\s. .Weklie 
[Einkünfte] dem neuen Verwalter mit seinem Aufzuge 
[Antritt] angehen sollen.' 1771. BSpyri 1871. In akt. 
Sinn. eig. an die Arbeit gehen, antreten, dra" ya": 
.Der [Mäder] soll morndes nach StVerenen tag angän, 
so man zen barfuossen dz erst zeichen lütet, und soll 
wider abgan, so man complet lütet.' 1416, Skg. RG. 
Das Ptc. als Adj.: akeenti [einbrechende (auch adv. 
= bei einbrechender)] Nacht ZO. Eil ay^ente' Pfarer, 
ein Studiosus oder Kandidat der Theologie Z. ,Der 
angende [neu ins Amt tretende] vogt.' 1350. Absch. 
.[Liegende Güter, welche von einem Gläubiger mit 
Beschlag belegt werden,] sond ligen in gebot 6 wuchen, 
es wäre denn um angenden [drohenden] schaden.' 
AALunkh. Hofr. ,Ze äugender nacht.' Rüess. ,Dass sie 
by äugendem wald syner warten solltent.' ÄgTscuudi. 
Als adv. Gen.; .Angands tags.' 15'29, Absch. .Äugender 
nacht.' VoGELii. 1557. .Angands mayen; dis jars im 
nionat angends junii.' Kessl., aber bei dem Selben 
augenscheinlich schon zur Präpos. mit Subst. im Gen. 
verknöchert: .Angends disers jars' und noch deutlicher 
,angens der nacht' UMey. 1540/7.3; .angends des früeh- 
lings.' VooELB. 1557. Die lebende MA. zeigt scheinbar 
Überbleibsel der echten Construction: ag<seiuls Winters 
BSi.; Uw. .M-s Jars Gl; Gr; W", anderwärts nur bei 
schwach flektierendem Subst.: o-s Abrelle", ilfaie" Aa; 
Ai'; Uw; Z, in welchen Fällen jedoch in Anbetracht 
der Scheu, welche die MA. vor dem Gen. und bün- 
diger Construction hat, auch präpositionale Verbindung 
angenommen werden kann, wie auch ageenternacht 
(ZKn.) vom Volksgefühl in ug,£nt der N. aufgelöst 
wird. Den Gen. ersetzt sonst vorwiegend wie in an- 
deren Fällen auch hier der Dat.: angends dem Langst 
[Frühjahr] Gr; agends Mai, u. der Wiiche Bs; «. 
Homer L; er ist a. de" SibezgC [ein angehender Sie- 
bcnziger] Z; und so auch in räumlichem S.: «. dem 
Berg, da wo der Berg sich zu erheben beginnt Ar; Gr. 
Und endlich entwickelt sich ans der Präp. das Adv.: 
a'gänds 1) anfänglich B; U; am Morgn" angenscli 
W. .Angends by der langen Stegen', da wo die lange 
Treppe beginnt. JosuaMaler 1593. '2) sofort (indem 
die Handlung vom Augenblicke an .angeht'), unver- 
züglich, nächstens, bald Aa (in dieser Bed. spr. "•); 
Brang.mdsJi „VOrte;" G; Sch; S; „Z;" .statim.' Id. B. 
Ich tcill-der de"" iez «..' Drohung BSi. Überspielend 
in die Bed. , bereits': Es war du [alsdann] ang. fer- 
nacher [so weit] g'si", dass a- hätt us-em Hüs müesse, 
du zündet's de'' Halungg a" B; vgl. anfallend I 718. 
.Fürderlich und angents zuo wüssen tuon.- 1500. 
Ztschr. f. Schwz. B. .Als bald sich ein ungestüem 
Wetter erhebt, wo man dann danzete, da soll man a. 
lifhören.' ä. Obw LB. ,So das responsorium gesungen 
würt bis uf den vers, facht der kilcher angends die 
mettin an.- XVI., Erzähler 1855. ,Ouch soll man 
yetz schnell und a. ein ablass schicken in tütsche 
land.' NMan. ,Üwer botschaft unverzogenlich und a. 
zuo schicken.' 1525, Absch. ,Ir weitend a. üwer macht 
potten hinuf schicken und sölichs a.. dann es nit beit 
[Verzug] will haben.' 1531, Strickl. ,A. nachdem sy 
disen brief verlesen.' Kessl. .Angcns und on allen 
Verzug.' 1546, Sch Ratsprot. .Bald, von stund an oder 
angends nach dem tod.' LLav. 1569 = .straks.' 1070. 
.[Cäsar] hat ein Spazierreis in Italiam getan und [ist] 
a. wider in Galliam kommen.' ÄoTschi'di. ,.\ngänts 
und unverzoirenlich.' Z Mand. 16:Ul. .Dieselben sollend 



a.. dieweil nach Ehr und Guot \ei'lianden, bevogtiget 
werden.- ebd. 1650. ,0b auch Einer Einem verspricht, 
sein Baargelt angehends oder in nächsten 8 Tagen 
zu geben.' L Stadtr. 1706/65. ,Angehents anmelden.' 
XVIIL, GHdschr. — g) in Fäulniss übergehen, 
anrüchig werden, Anzeichen von Krankheit bekommen 
(auch V. tierischen Leibe) L. Üyn. anziehn. B' Herd- 
öpfel sind ag'gange, schimmlig geworden, von der 
Krankheit angesteckt. Erdbire" gid 's «" mängem Ort 
chitm meh de Some, die mehrsten ag'gangni. ,Wanu 
Fetzlein im Eiter erscheinen, so bedeutet es, dass die 
Nerven auch angangen sind und allgemachst dem Tod 
zueilen.' FWürz 1634. ,Dass der Spicher solcher- 
massen angefüllt [sei], dass zu gefahren sei, dass bei 
warmem Wetter die Früchten angehen möchten.' 1780. 
L Stiftsprot. In weiterem S.. zu Grunde gehen: ,.vl. 
lä, drauf gehen lassen, verschwenden U." — h) sich 
ansammeln, auflaufen, in der Verbindung kf n.. 
aufschieben, zögern W. Er hat bi schiner Chruvl.cf 
la angä und la angä, bis es duo z' spat g'sin ist. Vf,'l. 
anstän u. oben Litt. d. 

Es ist fraglich, ob die Stelle bei Fris. u. Mal.: .luiliis. 
das ryten oder angou; iuire, angon, auf eiu weiblc steiguii, 
als die beugst uf die feldross' zu der Irans. Anwendung (1 d| 
gehöre, oder ob eine entsprecheude iutr. Auwouduug auzu- 
iiehmen sei. — Der Gen. angands urspr. nur als Attribut 
eines männl. oder säehl. Subst., mit welchem zs. es eine 
absolut-adv. Construction bildete; vgl. .während des Kriege»' 
aus urspr. .währendes Kr.' = ,iu währendem Kriege'. Dann 
wurde das Ptc. aus solcher Verbindung geläst, selbständig adv. 
gebraucht (wie .Anfangs' udgl.) und mit einem neuen Geu. 
verbunden. Auch die mit der Verblassung des Grundbegriffes 
inid mit der dadurch geförderten Unklarheit über die Etymo- 
logie des W. zshangeudo Verschiebung des Accents hat ilir 
Analogen in mehreren Spielformen von anfallende (I TIS). 
Für den einzigen ThPlatter eine besondere, überdies schwor 
aus dem Grundbegriff abzuleitende Bed. .fortwährend' anzu- 
setzen, erweist sich, wenn mau die Stollen unbefangen erwägt, 
als nicht geboten. S. ausser den bei Gr. WB. I 343 auf- 
geführten auch noch Platter S. 51. 

ane-ga(n): 1. zu Jmdm hin g.. um ihm behülflich 
zu sein, sich herbeilassen, beistehen, m. Dat. P. Z. 
— 2. einher gehen Ar. Ana fani)-gö tcie dei- Schatten 
a" der Wand, d. i. abgemagert, schwach. 

i(n)-: 1. intr. a) hineingehen, hn eigentlichsten 
Sinn, so in das Haus, unter das Obdach, und zwar 
auch ohne Ortsangabe: ins Haus zurückkehren B. 
.[Bruder Claus] gieng selten und nit vor mittag herus 
und zuo vesperzyt wider yn.' Ansh. Us und i ga (bei 
Jmdm), Wohnung und Kost daselbst haben oder auch 
in anderer Angelegenheit regelmässig zukehren GT. 
Wer nid üsgot, got o"''' nid i, wer schwer von Hause 
weg zu bewegen ist, lässt auch lange auf seine Heim- 
kehr warten. SuLGER. Was mit Ere7i {oi. s' E.) ilsgät, 
gät au"'' wider mit Eren (s' E.) i ZWl. Spec. von 
den Haustieren, namentlich den Hühnern, zur Ruhe 
gehen Aa; B; S; Syn. z' S'edel gan. I)' Hüener gö" 
gern l — 's git guet Wetter. Schild. Davon übertr. 
auf die Sonne: untergehen B, ,occidere.' Id. B. Si 
isch l. „In böser Absicht und heimlich in ein Haus 
eindringen, einbrechen BO. Er geit de Lülen »." In 
die Falle gehen, sich fangen lassen (physisch und 
moralisch) Uw. Durch das Tor, in eine Stadt cin- 
reiten: ,Gat er [der für eine Anzahl von Jahren 
Verbannte] mit dem Herzog yn [kann er dem der 
Stadt einen Besuch abstiit'teiideii Herz.ige sich an- 



22 



.scliliessciil, il;is Mill im dii' .hir :iljiiei,ieii | vonniiulurn|.- 
AaM. .Stailtb. Das l'tc. im Gen. als A.lv.: .Ist .lass 
i'i' ynsraniles [beim Eintritt in den Wald] ein wid 
liciwet,' /Kliint. Offn. 1459 [od. zu le.sen .yngander'V]. 
b) mit bildlicher Anwendung des Gehens a) von 
l'rrsonen, einen Dienst antreten BsStdt; Z Don.st.- 
Xaehr. 1787. Das Amt antreten: ,Wann die rate yn- 
sjand.' ll.'J7, Ochs. P) von Sachen, z. ß. durch die 
Haut eindringen. Id. B. S. u. d. W. Schine. Durch 
den Mund eingehen. Es gat-em zum Mül i, sagt man 
zur scherzhaften Erklärung der Fettleibigkeit von 
.lind Z. Göt der Wl" starch i, yöt der Wits starch 
fix. RocHH. 1857. In den Erdboden einsinken, ein- 
dringen. D' Reder sl" ly'gmuje bis n" d' Sjiiche' F. 
Der Mut geit 7." hi nassem Wetter Gr. Es gat V, 
der Pflug greift an. Auch mit den Füssen einsinken 
P.Hk. (In die Welt) kommen. ,Dass der Tod durch 
ilio Siind in die Welt eingangen.' JMüll. 1061. In 
den Kopf, den Gedankenkreis von Jmdm eindringen, 
ihm deutlich und klar werden, einleuchten, ihm be- 
lieben, gefallen „VOrte;" Gl: G; W; auch von Per- 
siinlichkeiten. ,Vim in docendo afferre, dermass ge- 
waltigklich und treüwlich leeren, dass es einem muoss 
eingon.- Fris. ,Der Anschlag geht mir ein.' PJHerm. 
1755. Von Einkünften und Guthaben. Erlös B; Gl; 
G; ScH; ScHW; Vw ; Z. Der Inf. subst. das Igö, Ein- 
kiimmen I-: genetiv. ril It/os und daraus ein neuer 
•Xüiil. das Iqos. \Vr,- \,i.l hiid im l.ihidll. kes Igos 
und l.es Äiiitli. Häki,. 1^1:;. Ih, Uniu-nii. in, de Here 
[GristlirlK-ll| 's /'■,/„,. rirnisirh/i ,u„l (liil->'egmt für 
d' Iseliiiiii- rrriihiiiiiinli. .lüKi.ii 1^71. 3/i.s Igos mag 
iiiimiiir iiirh ij'Iiiihi," |;insifirli,.|i |. Du bist hei Herr; 
dix Vrrdii'iistli und dis Ifius isi iiiiiiime chU. Und mit 
vollständigem Vergessen der grammat. Bildung sogar 
der Igos Ü. .Dass das eingon, tribut und steur aus 
seinen landen klein was.' 1531/48, I. Macc; dafür 
.cinkomnien.' 1667. ,üas järlich eingon' im Wechsel 
mit .nutzung.' Vad. Dazu das Ptc. als Subst. (n.) im 
nämlichen S.: Igänds (Igönds kx), mit best. Art. das 
Igdnd Gl; Uw; Z oder mit Beibehaltung der v^irhin 
genannten Form das (Igänts) Igäiu Sch; S(u\v; l w; 
„allg." Abi. Ingündig; Ingändi. Kei Kapitalist und 
kei Zys [Zinse etc. wünscht sich der Landmann] iider 
[Eetztem] doch Igänterwys. Schw Fasn. 1874. ,Die 
gült, so ein pfarrherr järlich yngends hat.' 1530, Absch. 
,150 fl., so die Kilchen yngendts hat.' 15(17, Z Ratsnian. 
.Im Todbett der Kilchen auch etwas yngents ver- 
machen.' ScHiMPFR. 1651. In eine Verpflichtung sich 
einlassen; vgl. unten die trans. Construction, welche 
der vorliegenden zu Grunde liegt. Wir s'i" so Ig'i/ange, 
auf diese Bedingung Handels einig geworden BSi. 
.Wann Einer der Schuld bekanntlich i.st und vorm 
Gorichtsherrn dem Schuldforderer in Pfand yngat [sich 
zu solchem verpflichtet].' 1575, Ztschr. f. Schwz. R. 
— c) mit weiter zurücktretender und auch ganz 
erblassender Vorstellung von einem Zielpunkte, so: 
in sich selbst zurück gehen, einschrumpfen, wie 
Tuch, ein Seil udgl. durch Nässe B; VUrte; Gl; 
Gr (auch vom Menschen); G; Uw; Z. An Versjtre- 
chi"ge' und w'g'net stein Tnech got ril l". Sulger. Von 
einem Betrage, einer Zahl: ,Sie hätten bei 3000 Pfd 
darauf bezahlt, an dem man ihnen nun Nichts wolle 
yngan lassen.' 1508, Absch.; vgl. .Eintrag tun; be- 
einträchtigen'. — d) eingeschneit werden. Wenn 
OS aber kumpt, dz die Strassen yngand, dz die kilchcr 



I Kircli-, hier = Gemeindegenossen] gemeinlich zsänien 
müessent [um sie mit gemeinsamer Arbeit zu i)ttnen|.' 
14'29, Geschf. Gks. Vgl. offen (wieder gangbar gemacht |. 
welcher technische Ausdruck unserm in als Gegs. ge- 
rufen hat; verschieden vom .Eingehen' eines Weges 
i. S. V. e. — e) aufhören zu bestehen, in .\ljgaM;; 
kommen, z.B. eine Schule, ein Postkurs Aa; G; Soh; Z. 

— f) anfangen. I)' Predig iseh ig' gange. Wenn geit 
d' Chilchen i ? De'' Mai ist schön ig' gange B. D' Mes' 
gat de' nächst Mäntig i ZW. ,Wic der Neumond ein- 
gegangen, folgt das Wetter im ganzen [z. B.] Herbst.' 
Kalenderregel. Anderswo heisst es aber: nie 's Neu 
Ingät, so bliht 's mit. ,Wie die Hundstage eingehen, 
gehen sie aus.' Sprww. 1824. ,Das eingend jar: der 
anfang ilo< jars, annus exoriens, annus venieiis.' Mal. 
Es wird.rliMrii Mrli für das Ptc. di.^ -I.i.bm r„„- 
structi.vii.'ii wie lifi dem sjn. angäiid . :' mii.' ndnu 
Maieii, iiifictiids Miiiiets BRi. Jg..ends Honur '\x. Gi.: 
Z. Igänds der Bredig' Tu. .Zystag nach dem yngenden 
jar.- 1295, Z Antiq. Mitt. ,An dem yngenden jar er- 
lasch die sunne.' Z Chr. 1336/1446. .Bis yngends erst 
herpstmonats.' 1526, Absch. ,Gegen ingendem tag.' 
Vad. — 2. tr. a) auf eine Bedingung eintreten, allg. 

- b) fassen, begreifen ZO. Vgl. 1 b. - c) en Has 
igfi, .lur.li l.antVii mnur,.!,. i, 7,. 



rl„ ,- 



des Zi 
der in 
Syn. . 
(/r 11 sah 
ob ihm 



iienige 



Ande 



eintreten. Wenn's Neu [der Neumond] hell iniie 
got, so regnet 's am dritte Tag, tmd wenn 's duulrl 
innegot, so git 's schön Wetter S nJ. D' Frnufaste isl 
leid inne'g'gange, der Anfang der Fronfastinziit war 
regnerisch Gl. Wenn d' Fraufaste mit IIisiiiihI ninr 
gat, so git 's ehalt Wetter Z. ,Am M<jrgrn. wann (irr 
Dag iner got.' Stockar 1519. ,So bald aber die wernn' 
einhin gangen, enderet die nachtgall ir stimnu' Vouelh. 
1557. — c) Inneg.ents, Einkünfte von Kapitalien ZK'n. 
- d) anklagen BHa. It Id. B. 

un-jfrtOTtZ B; öge'nt kv; iigäntG; ük^nt Gl: 1. wer 
(noch) nicht gehen kann. F-s C.hind Ar; Gl: G. 
2. nicht recht brauclibiir. ziemlicli wertlos l;, eig. was 
nicht geht, keinm C.mrs hat l:. I'iiiiäiih .Man:, die 
nicht gerne angenommen winl. l'iiiiänds. wertbisc 
Gewichtszugabe vom Fleischer. Syn. ungängig. 

under-gä(n): 1. unten od. nach unten hin gehen, 
a) undergänd, unterschlächtig, von einem Wasserrade, 
welches in seinem untern Teile vom Strome getrotlen 
wird Ap. — b) ebenso, vom Monde, a) im absteigen- 
den Knoten befindlich, was im Kalender durch ein 
Mondsbild mit abwärts gekehrten Hörnern angedeutet 
wird Aa; B; L. üyn. nid.tich-g. Das Neu nnd Wädel 
I Neu- und Vollmond] ist nit glich [für den Landban | 
und Uf- und Undergehn B (Schwizerd.) — ß) ab- 
nehmend L; Zg. Im U. soll man Nichts setzen in 
Feld und Garten, sonst geht es nicht auf. Bildlich: 
.Sie war jetzt im Aufi;rliriiden, wie die Nanette im 
Untergehenden.- Mhiizoii. c) unter einer, unter 

eine Last gehen, sir irayrii, erleiden. ,So mag ich 
nicht under-aii ,I.t l.unli.- KSaii.kh 1 KKI. Auch tr.: 



(iil. IJC' 



.Zc uiidergoii den allorliitteristeii Un\.- Hören l-ITl!. 

•J. Jazwisclifii geliii. a) dem Siiomann voran- 
gehen zwischen dem zu bestreuenden und dem bereits 
bestreuten Gebiete, um ihn vom Ühersäjen abzuhalten, 
allg. Mit Acc. P. ScnSt. 8. auch Undersät. ,Am 
Liebsten ist es dem Bauer, wenn ihm seine Frau 
itiiilergftf. Süterm. — b) die Grenzen begehen 
1111(1 besichtigen, in Augenschein nehmen und be- 
-tiiiiiiien. eig. zwischen den anstossenden Grundstucken 
diiirh schreiten Gl. Syn. erijün. .Unser banne, die 
wir in unserm lande verbannen haben mit underganne 
lind mit krüzenne.' 13.58, Schw LB. .Die wähl, die 
iiit undergangen [abgegrenzt] oder mit marksteinen 
usgezeichnet sint.' AaKöU. Eod. 1400. .AVo sich stöss 
und spän in güeteren erhüeben. da sollen [die] rät 
mit einander undergon und marken.' k\7.. l>orfr. 15.50. 
.Der zehnden ist undergangen und eigentlich usge- 
marchet [worden].' 1.551, Mev., Wetzik. .In rem prse- 
senteni venire: undergon. einen undergang tuon, d.i. 
auf die spänigen [streitigen] ort kommen, sy ze be- 
sehen und darnach urteilen.' Fris. ; Mal. .Der Zwing 
zuo Egenwyl, der ordentlich usszeichnet, undergangen 
und beschriben ist.' 11)04, Aa Weist. S. noch l'nder- 
(inny: tmclernteineii, und Blum. RG. I '295. — c) vom 
\'iehhüter, an gefährlichen Stellen unter- od. ausser- 
lialb des Vielies, zwisdien diesem und dem Abgrunde 
schreiten, um ihm Vertrauen einzufiossen, es vom Um- 
kehren abzuhalten usw. Schw. — d) Streitigkeiten 
schlichten, durch Dazwischentreten verhüten. ,Et- 
lich hettind [den Streit] schaiden mögen, band aber 
den schaden fürgOn lassen, den si wol bettend under- 
gon mögen.' Vad. 

In der Benennuiig Jer Mondphasen ist durch Mangel an 
Vcrständiüss und Xaturbeobachtung Verwirrung eingetreten. 

underhin Cimrferp;-ga(n): zu Bette (unter die 
Decke) gehn B; s. Anton, riff/cm. 

ent-, ei-; wie nhd. Im Besondern 1. von einem 
ausgleitenden Tritte BKi. .Ist gefallen hinder sich an 
ruggen, sind im bed füess entgangen.' UMev. 1540/73. 
— b) sich einer Gewalt entziehn, in der RA. ,sich 
selber e.', die Gewalt über sich verlieren. ,So wir 
uns selbs entgangen wärind und in schwere laster 
gfallen.- LLav. 1584. .Wie etwan die fründ Gottes 
selbs inen entgond, mit zorn. rachgyrigc usw., wie 
David euch.' ebd. 

er-: 1. neutr. a) ausgehen. Der Bisie [Keil] 
ergäd tvider, gleitet wieder aus der Spalte heraus 
Schw. — b) vor sich gehen, geschehen; fällig 
werden. .Güeter mit ergangenen zinsen.- 15'20. Bs Rq. 
.l'rcdicanten, so an orten unergangens meres [ohne 
vorangegangene Abstimmung] predigen.' 1532, Strickl. 
In Verbindung mit .lassen': no-n-e Wal e. lö, die 
.Milch noch einmal aufwallen lassen Bs. — c) aus-, 
zu Ende, d.i. zu Grunde gehen, krepieren; in Ver- 
fall kommen, aufhören, z. B. vom Feuer, von einem 
Brauche, einer Ortschaft BO. .De agricultura dicitur, 
cum intermittimus culturam alicujus roi; in desuetu- 
dinem venire.' Id. B. .Die Liebe soll dir nicht er- 
gehen, wenn schon der Grossvater nicht mehr sein 
sollte.' GoTTH.; doch liegt in diesem letztern Falle 
viell. die I 403 erwähnte Verwechslung von ent- mit er- 
vor. — 2. tr. a) durch Gehen bekommen, sich zuziehen, 
.(jieng ich gen S., kam wider heim, liatt ein krankheit 
ergangen.' Salat. Syn. erholen. — b) eine Strecke in 
ihrer ganzen .4usdehnung gehend durchmessen. 



einem Gegenstand ontlaiig gehen, mit dem Xbbegritfe 
der aufmerksamen Untersuchung. .Die faden e., ob sy 
fridbar syen.' 1427, ScHwRq. Vgl. iinder-g. 2 h. — c) ein 
Ziel erreichen, Jmdn einholen Gr; Uw. Uf-e" Titlix 
isch-es so streng und treif, das.i wie» '.v fast nid e. mag. 
.Eundo superare.' Id. B. .Die von Zürich fliehend 
fast [d. h. eilig, mit Macht], es kann si niemand er- 
rüten noch ergen.- Salat. ,Consecjui aliquem (eundo). 
einen erlangen, ergon oder erlaufen, ereilen.- Fris.; 
Mal.; Denzl. — d) (eine Krankheit udgl.) über- 
stehen, aushalten Gr. .Welches dann eines Vatters 
lind mütterliches Herz kaum crgan mag. sich also 
synes Fleischs und Bluts zu entledigen.' Werbungs- 
BücHL. 1670. — e) r e f 1. , ablaufen. ,Der gewege [Ge- 
wichte sc. am Uhrwerk] nimm beder war, so si sich 
ergangen habent. das sie schiere nüt nie seilen habent, 

so ZÜch si wider uf.- 1385, GfrU. — Vgl. ergllngen. 

ÜS-: 1. neutr. a) ausgehen, in eig. S. (allg.); 
vgl. üs I 551. Gemeint ist ,aus dem Hause': Für 
d' Wiber ist U. nie so gnet; diheime' bUhe" war besser. 
Sclger. yii'.t {'. ist vrnifj. ich sehe selten von Hause 
weg Z. Daher biMl. lulnl .ln,,|,elsinnig?): Wenn 's 
Geld üsgöt, so fSnill 's »/. - Hn,i;;i nnmme [den Heim- 
weg nicht mehr] G uLdseh. .Aus iler Stube" und zu- 
gleich abstr. .aus der Zeche: ,Wer in ainem wynhus 
trinket, gät der uss, dass er dem wirt syn ürten nit 
git, darunib soll in der wirt nit haben [zurückhalten [• 
SfH Stdtb. ,Da einer usgät einem wirt unbereit [ohne 
zu bezahlen].' ebd. ,Aus der Gefangenschaft': ,Wie die 
gefangnen gestraft und uff urfechd usgangen.' 1531. 
Strii-kl. ,Aus dem Leibe': ,Gewisse Personen können 
in der Nacht ausgehen, d. h. den Leib verlassen, so 
dass derselbe im Bette liegt, ihr anderes Teil aber 
als Katze od. dgl. in ein andres Haus einschleiclit uml 
sich auf das Herz schlafender Leute legt.' Thellunh 
1867. ,.\us der L'mzäunung'; von Rindern gesagt. 
welche gewohnheitsgemäss jene durchbrechen BO. - 
b) mit mehr oder weniger bildlicher Anwendung 
des Gehens. Es gat-em lei" rechts Wort zum Miil 
üs Z. Der Ausgangspunkt bloss hinzugedacht: von 
Geschwüren, Beulen, aufgehen, zu fliessen anfangen '/.. 
Die (rschicnlst mness ü. ,Eiss, der reifet und ausgat.' 
.Mai. V.iiii Vn^clei, wann das Junge ausschlüpft B. 
Du- ir/7(/(" Hciiii I nehmen. Conj.] d' Vogeleier unger 
(/s lliiui' r^isdiiff [unter den Hintern], Im si üsgange". 
B Hink. Bot Isil.J. Von einem Gefässe, sich entleeren: 
.Im Fahl aber, da.ss ein ald ander Fass nit volln- 
kommenlich usgahn, sonder bestahn [sich ver.stopfen | 
wurde.- Z Umgeldsordn. 1643. Von Flecken u. Farbe, 
verschwinden, sich entfernen lassen, allg. Mit Wechsel 
des Subjektes, vom Zeuge, die Farbe verlieren, nicht 
halten G; Syn. i'islän; schiessen; absterben. Von etw. 
Befestigtem, sich lösen, auseinandergehen, z. B. vom 
Faden, der aus dem Nadelöhr oder aus der Naht 
schlüpft; vom Knopfe, der aus dem Knopüoche geht 
(vgl. iiss). Von Druckschriften, erscheinen: .Wenn die 
gschrift der disputation usgat, werdend ir wol s6hen, 
welcher teil in gottes wort gegründet ist.- Zwinuli. 
,.Ioh. Fries hat ein kostlich gross Dictionarium lassen 
ausgehen.' HEEsciier 169'2. — c) mit Bez. auf den 
Ertrag einer Kapitalanlage: .Wer usgend zins uss 
einem guot hat. dem soll man richten nach syner brief 
inhalt.' G OBüren 1481. ,Da man schulden oder zins 
zuesuecht, da soll man zuerst usrichten schnitterlohn, 
rindniiet. darnach ob jemand usgend guot darus gienge.- 



da, ije. -1, -. 



GBui-iiu 117-J. ,1| ins (_;c-r,-.l(.' k„iiuiK-n: vj^l. ». | 
= iliirch doli Druck verbreitet weraeii. ,N. N. liisst 
.MUolricheu voa wegen der lueisterlosikeit syner kiiid 
US .<;on.' 1528, Egli, Act., d.i. bringt ihn ins Geschrei. I 
— e) sich ausbreiten, sich entfalten, aufbrechen. | 
von Blütenknospen A.\; B; S. 's Bäbi hei die ehr- [ 
iriiriliiji Jerichm-ose in es Glas mit M\\sser ifsteUt [ 
i/'hti" fiir:' iiief/e", tcie-si-si"'' rerti'iei, uiuj dir Awescnde'' ! 
hei" mit Freude- g'seh-, ms S ller,h.,,tcls,h„ssli und 's I 
Chiinischossli |2 besonders o-L'iir II t et r /.w.iulein der J.| 
ümiiiel (juet usgange' si". BW n^~ \^i<:\. (bertr. von 
einem Gerüchte: JEs grit es G's(ig. le iciie.'<ti (rschicht) i 
ris ron-em Z; von Krankheiten bei vielen Personen 
auftreten; von einem Geschleclite, sich verzweigen: 
.Eins guten und wyt us^ehenden Geschlechts.' Pl.itt. i 
1612. — f) sich ereignen. Statt finden, ergehen, j 
Dr ühöf [Kauf] ist iisgunge BNeuen. ,Was [immer] t 
usgan sollte, das* man hy den toren wäre.' Anf. XVI.. j 
Z Anz. — g) ein Ende nehmen, aufgebraucht wer- j 
den Gr; G: Uw; W; Z. ,S("'' Freud (de'' Bruch: die \ 
Brütscheft, das Verhc'iltniss: 's Für; 's Liecht : der 
Ate"': 's Geld) ist (wider) üsg'gange". Ebensu v.hm 
Faden, in anderm S. als o. Die Manne' |ili.' An- 
tiquare von Zürich] säge'd, ine" heig [hahej grössi '/.d. 
wenn-me" no"'' e guets Teili vo" dene" Würtere' tvell i 
übercho', wil s' rso iwtnoh [nach und nach] usganged \ 
hi der junge' Welt. Senn 1864. Einen Acker ü. ht", 
liegen lassen, nicht nielir bepflanzen Obw; Z; vgl. 
Nülere; Nägehüenes. Dazu das Ptc. und dessen adj. 
Weiterbildung imßndig i. S. v. usendig (1 319) in der 
Verbindung de' ganz u. Tag. Sprenr. ,Wa dehein 
person Uganda guetere 7 jare, angende und usgende 
[von Anfang bis zu Ende], ruovvig besessen hat un- 
angefochten.' 1404, Ztschk. f. Schwz. K. .Seines an- 
und ausgehenden [zeitweiligen] Amtes.' 1-542, Absch. ! 
.Erlangtend usgönds bestands [Waffenstillstands] Ver- 
längerung.' Ansh. Jetzt iin,-li Iw.s. üblicli Vom Alihmfi- 
einer Zeitfrist: z' iis,in„.l. w M,,,,. W. i,,:. I\.,,n„l. 
Friieli'gs. Stutz. 'i\,i„,„I~ \ln,hrs r«. /•..,/.„„/> 
Joes B. ,Ze üssgandeni redemanode.- lodd, Z Staats- 
arch. ,Ze ussgenter pfingstwoche.' 1318, ebd. .Bis 1 
zno ussgenter osterwuchen.' Scaw Eq. ,Zuo nssgendem i 
liornung.' HBi'll. 1572. Am Üblichsten usgänds als 
l'rapos. (allg.); vgl. o. Ingänd. U. das (dem, rom) 
Jar: O.Maie'; ü. Surner. ,Usgänds, si.d ünem.' Id. B. 
So schon früh: ,Järlich 4 gl. bis zuo üssgenz der be- 
zalig.' 1568, Gprd. Selten auch räumlich : Wu mer 
[wir] vsgänds 's Dorf chömwet Z. Das selbe Ptc. als 
Sub.st. aufgefasst: ,Bis zuo ussgand der 5 jaren.- 1510. 
Z Anz. — h) ausweichen, sich einer Unannehmlich- 
keit, bes. einer Verpflichtung entziehen. Er ist- ein 
(oder es) üsg'gange, auch i. S. v. .er hat es ausge- 
läugnet Z. /"■'' &!" nie iisg'gangod e Word ran outvem 
B'scheck [Befehl].' Schott 1842. ,Und soll nieman 
gen dem andern dirre [dieser] buntniss ab- noch us- 
gan mit Worten noch mit werken.- 1.351. Absch. .Gien- 
gent die üweren des satzes [des Schiedsgerichtes und 
seines Entscheides] us. so söllent sie 40 gl. verfallen 
syn.' 1417, ebd. .Das' die von Swyz den eidgnossen 
der gemeinschaft nit üs.sgangen wärind.' Fkcnd 1447. 
.Dass sich y^mans die zehenden ze geben weder mit 
gott noch mit recht entsagen und iisgan möge.' 1525, 
Hotz. Urk. ,Sind also den iiüiitm und manungen us- 
gangen.' 1531. Strickl. — i) le. r au>uehen. als 
Gegs. ZM .darin, dabei bleiben-. .Sollend die verwanten 



von vattermag die von der niuolterniag. >o im erb 
üssg:ind. nach billigkeit mit einem Selgrebt [frei- 
willigen Vermächtniss] betrachten.- 1629, Schaub. I!(]. 
— k) frei ausgehen, freigesprochen werden. ,Wer 
die buosso verlüret, von dem soll man si nemen, er 
mug sin denne mit sinem aide usgän [seine Schuld- 
losigkeit erhärten].' 1372, See Stdtb. ,So einer fänk- 
lich von eins friden [Friedensbruches] wggen ange- 
nommen würt, so er dann des fridbruchs ü.sgat. das' 
er ine nlit gebrochen hat.' Ar LB. 1409. Frei gegeben, 
vom Weid- und Trattrecht entledigt und zu Privat- 
eigentum gemacht werden: ,Dem N. ist ein hofstatt 
und ein garten ussgangen und von mynen herren er- 
loubt ein hus daruf zuo buwen.' 1504, Schw LB. .Die 
im oudi von myner herren befelhens wegen ussgangen 
und nssgezeichnet ist.' ebd. Vgl. üslän. - 1) ührr 
Einen äs gän s. I 552 o. — 2. tr. a) bis ans Ende 
von Etwas gehen. D' Schriind, die Gletscherspalten 
umgehen BLaut.; vgl. 1 h. Mit dem Nbbegritf des 
Durchforschens. der Untersuchung: Mareie iroit gn 
inimlle" [auf die Wanderschaft gehen], wott alH Land 
,n,s,,rhi,. irnll s„cheii ihren Sohn. ToBL., Volksl. .Dis 
-int die zil. als man der liürger allmende üs soll gan.- 
V.iüi), Sei.es.s. 1;G. .Man soll fünf erkiesen, die usgon 
sond steg und weg und sond auch markstein setzen.- 
XV., Ztschr. f. Schwz. R. .Steg und weg üsszegau 
nach der bessern kuntschaft.' Z.\ltst. 1429. ,Die so 
<ir'j: und weg geschworen hand üsszegand, dieselben 
ues.liworueii [sollen] unverzogenlich die .stosse | Lo- 
kalitaten, über welche Streit herrscht] besuchen. - 
Edlib. l>as Ende von Etwas erreichen, Etwas los 
werden: Er gat der Jamer nie üs, wird immer vom 
Unglück verfolgt Gl. — b) ein durch Nässe zsgezogenes 
und kraus gewordenes Seil wieder strecken, indem 
man es um einen starken Stab schlingt und mit dir-,ni 
2 od. 4 Mann stark die ganze Länge des Seiles hinaus 



/,. Ji 



.W. 






marschiert Z. — c) ausfindii; lua 
iniii [wollen] wol Ejijiis :' (rtrlm ,i 
ihr (iuts aus miteinander.-" i:ru->lor 
.[Den Mörder ihres Vaters] hatt.'nd di.- lun-rn X. ii... 
gangen.- 15.34, Salat. ,Botz bhioM : ,h.ri -.irlibh 
schon den einen; ich könnd in li\.r j -e.-rlii,ktev| nit 
u.' HRMax. 1548. ,Man verornet ainen buwmaister. 
ainen laira [Lehm] visszegon, uss dem man guot wer- 
schaft [solide Waare] machen möchte.' Vad. .Gang 
ein g'.steud und dick ort aus. darin du dich wol ver- 
bergen mögist.' Vogelb. 1557. .Locum oculis capere. 
ein ort ausserlesen oder aussgon. Explorare diem 
aliquani, einen tag au., erwellen und ansehen. Occa- 
sioncm captare. ein gelegne zeit au.' Fris.; Mal.; 
s. auch füren. ..^u., ersuochen, als so ein jägor das 
gwild aussgat. wo es sein läger habe, vestigare.' Mal. 
.Der hatt ussgangen, das' Zwingli an eim ort z' gast 
äs"; do wollt er uf in warten.' Platt. 157'2. ,Dic wil 
mier myn l. tochter gestorben was, [habe ich] gedacht, 
wo ich mynem sun ein frowen üssgienge.' ebd. .[Als 
Sennbueb] syge er etvvan geheissen worden, die rech 
ü. und stöuben.' 1578, Z Staatsarch. .So dem widf 
einer nachgienge und ihn üsgangen hette. 1 ooT. /, ismu. 
t Schwz. R. ,Ein prediger ist von etlii h.n .lu-i^auL^vn 
worden, die wollend losen [hören], was ,s tiu -[u hhl: 
abgeben wurde.' Schimi-pr. 1651. ..\ussgehen, auss- 
spehen ein gewild, ferani vestigare, insidiari fcrie. 
Ein ort au., locum capere. explorare. Etwas au., ge- 



(ia. ,<je. gl 



— (1) .Inwill liiiitiT.s;i;lioii. .Die liölzor .-^oll der 
weibel ila.s ganze jar verhücten. und damit er der zeit 
des mittagessens halber nit könnte aussgaiigen werden, 
soll er diser zeit halben abwechslen und mithinzu 
[zuweilen] in der zeit, da andere zu mittag essend, 
in dem holz vorbleiben.' KiVl, Hotz, Urk. 

ushinj'Mse^-gaCn): hinaus gehen. Vgl. i/.s-»/. 1. über 
die Schranken der Sitte und des Anstandes hinaus, Ex- 
tesse begehen (Dkr). — 2. enden, schliessen. Wie 
iV Hundstag ie </mid, gönd s' me AAEhr. — 3. ver- 
kauft werden. z.B. tcolfel «. g., bei einer Stei- 
gerung, ilaraus hervorgehen Ax; L. I" 3 Eüefen u. g., 
beim dritten Ausgebote an Mann gebracht werden. 

— furuse-: vor.stehen, hervorragen ScuSt. 

ver-: 1. dem Weg (Dat. für Gen.?) i:, fehlgehen U. 

— 2. zergehen, verschwinden, sich autiösen. allg. 
's Chopßveh ist-mer vergange". V. tcie der Anke a" der 
Sunne (wie de'' Sehne im Merze"). Es ist sum V. [vor 
Hitze]. Fast c. vor CUh [Ärger]. D' Auge" rergond 
Ei"m, wenn man sie zu lange anstrengt Tu, d. i. sie 
versagen den Dienst, lis (de'' G'htst, 's Lache' usw.) 
rergät Eiiii cor-em selber, wenn . . . ,Vergangene Städt- 
ehen', verschwundene, untergegangene. FrXBronner. 
Das Ptc. sonst mit Bez. auf die Zeit als Adv. = letzt- 
hin, jüngst, allg.. und in diesem S. auch in verstüm- 
melter Form g'gange A.\V. Syn. renvichen. Vergangen 
,-nial. Verstärkt nu" r. BO. Von Personen, dahin 
welken, sieh auflösen, sterhen: Ei'smals Jim' die Chind 
«'fall' Serbe" und sl" vergange" kie-n-es Liecht BE. 
(Schwizerd.). .Das hüs ist von alter vergangen und 
abgeschlissen.' 1555, Hotz, Urk. ,Als die Kirch von 
Alter und Buwlose halb anfieng zu v. und widerumb 
ernüwert worden.' RCys. .Wann der Ehelüten eins 
des Tods vergangen ist' 1617, Ztschr. f. Schwz. K. 
.Haben vor altem einen Burgstahl gehabt, welches 
aber vergangen.' HEEsiher 1692. .An der Pest ver- 
gienge dis Jahr in der Statt Bern ein Knah.' JJScheuohz. 
1707/46. S. noch rerschinen; verstän. — 3. vor sich 
gehen, sich ereignen, geschehen BO. ,Tm 1531. jar 
sind dise ding vergangen.' Schlacht b. Kappel. ,Die 
Schandtat, welche unter ihnen vergangen war.' FWvss 
1072. — 4. tr. a) .durch häufiges Spazierengehen ein 
leibliches Übel vertreiben.' Id. B. — b) durch Gehen 
verbrauchen. ,Welliche kundschafter [Zeugen] ussert- 
halb gesSssen sind und dadurch ein ganzen tag v. und 
uss syn müessten.' 1557, Schaub. Rq.; und danach zu 
verstehen: ,Es wäre dann, dass er uss dem Dorf gan 
müesse; darnach er dann [Zeit] vergat, darnach soll 
man im Ionen.' G OBüren 1481. Da die Angelegenheit 
der G Gotteshausleute von den Sehutzorten neuerding.s 
vertagt werden will, bitten die Boten um endliche 
Erledigung, da ,si das ire[ihr Geld] fast vergangen 
haben [durch wiederholte Gesandtschaften].' 1529. 
Absch. — 5. refl. a) fehl, irre gehen, im eig. und 
im moralischen S., im erstem Falle tw. mit ,sein' 
(nach Analogie der Conj. des syn. .vorirren'), allg. 
Mer |man] cha''"-si<^'^ rergo', i«* cha'"-mi''' überzelH 
ha' L (Schwizerd.). I''' hin-mi''' blas e chli" rergange 
und han-em es Möckeli Sah is Eajf'e tu" a"statt Zucker. 
DKyd. Von einer Ziege, welche den Sprung auf ein 
niederes Grasband wagt, aber nicht mehr hinaufkommt, 
wenn ihr der Mensch nicht zu Hülfe eilt Gl. ,Decli- 
nare se extra viam, sich v. und ab dem weg kommen.' 
Fris.: Mal. .Sy irrend wie einer, der sich in einem 



grossen wald vergangen hat.' LLav. 1509. .Ob wir uns 
gleich vergiengen in das Tal des tödtlichen Schattens.- 
JJBrf.it. 1616. In der a. Kechtssprache: sich dem ge- 
nossenschaftlichen Verbände entfremden. .Wenn sich 
ir güeter hinus vergänd in kofswys und sie ein un- 
genosser koft hat, so mag ein innrer dem ussern den 
kof abziehen.' ZAlt. 1439. .Ob ir deheiner ein tochter 
hinüs beriete [verheiratete] zuo der e. oder wie sich 
ein frow hinüs vergienge zuo elichem leben und die 
ein'"" genossen [Gemeindebürger] nimmt.- ebd. — 
b) ablaufen, verfliessen. .Verginge sich der selb 
frid.' 1394, Absch.. im Gegs. zu: ,die wil der f. wäret.' 
ebd. .Wenn es des gottshus«» güeter antrifft, so söllti 
ein landsrichtcr denn des gottshus richter den stab 
in .syn band geben, der söllti denn richten, unz 
dz sich die selben sachen umb gottshus güeter ver- 
gänd [abwickeln, abgeurteilt werden].' 1449, Schw Eq. 
.Wann sich dann die zil vergand und die gest [Frem- 
den] ihr [für eine Zeit lang kreditiertes] geld yn- 
züchen wollend.' Z Zollordn. 16.34/17.57. — c) sich 
ergehen, spazieren .L; Zg" (St.»"). — d) angehen, 
,passieren'. .Sic satis, also gnuog, leidenlich gnuog, 
es vergat sich, zimlich wol.' Fris. — e) geschehen, 
sich begeben, sich ereignen. ,Als ir vordem mit ein- 
andern in Zweiungen gewesen sind und sich darinnc 
mängerlei verlaufen und vergangen hat.' 1474. Absch. 
vor-, mit ,sein': 1. vorangehen, a) zunächst in 
eig. S.. einem Reconvalescenten (rücklings) voran- 
schreiten, indem man ihn bei den Händen liält. um 
ihm Sicherheit und Unterstützung bei seinen Geh- 
versuchen zu gewähren. Nur noch belegbar in der 
abgel. Bed. ,ein=" kranken pflegen.- Mal.; vgl. vor sin 
I 929, 5 Schluss. Jetzt, mit Dat. P. od. absol., 1) in 
dem engern S. .eine Wöchnerin und das Neugeborne 
verpflegen; dieses Geschäft als Beruf betreiben' '/,. 
Vgl. Vorgängerin. ,Der frowen halb, so den lüten v. 
und der kranken ze pflegen habend.- 1.525, Egli. Act. 
,1 pfd 19 schul, wacherlon der Källerin und HHüglis 
frow; die sind vorgangen WKellers kinden und der 
alten Lemannin.- 1532, ebd. — 2) Jmdn mit Sorgfalt 
pflegen, sich nach seinen Launen richten, ihm freund- 
lich tun BO. ,Curamgerere alicujus; officiis se com- 
mendarc apud alqm.' Id.B. — 3) Jmdm od. einer Sache 
vorarbeiten Aa. — b) mit Bez. auf die Zeit, vorgdnt 
(Gl) und adj. weitergebildet -gentig (GTa.). comparat. 
-gcenter (L), -g^nder (ScHyt ; Uw) und -geenderig {XJyt), 
nächst vorhergehend ; dazu als Adv. -gänds Ap. Mit-ere 
Welt ersetzt, so schön, a's die vorg^nder. Heng. 1836. 
,In vergangnem jar.' Zwingli. ,Vorgents merzens' = 
im vorhergegangenen M. Vad. .Und war 2'/-i monat 
vorgents fast warm g'syn.' ebd. ,Das vorgendig jar.' 
UMey. 1540/73. ,Das 8. bad ist auch in vorgehender 
grosse', d. i. in derjenigen des 7. HPantal. 1578. .Was 
ist vorgangen der Zerstörung von Jerusalem?- JMüll. 
1665. — c) mit Bez. auf Reihenfolge, den Vorrang 
haben; bes. gebräuchlich in der Rechtsspr.. da Schuld- 
briefe einander nach dem Datum der Ausstellung 
vor-, bezw. nachgehen, d. h. besseres oder geringeres 
Anrecht auf das Unterpfand haben. .Die pünd be- 
rüerend den glouben nüt, der gloub gang vor und 
sye fryg.' 15'29, Absch., womit zu vergleichen: .Diewyl 
der gloub alle zytliche Verpflichtung fürtrifft.' .Die 
leienbrüeder, dero vorgender [Vorsteher] der mcister 
genennt worden.' Vad. — 2. einem Dinge vorbeugen, 
sich davor hüten ZO. Me" cha" nüd Allem r. Vgl. 



n,r II -^ II. /■'(/■ // :' iM. Hl. - :;. übrig l,leilM_.|i. 
vorsrhii'sscii: vi;l. mr 11 i. Viirgäut (Ar), mit adj. 
Kiidiiiij,'- -<i(indi<i (ISrHSt.), -{/('(iiti;/ (Ap; ti; Z), Übrig. 
viin-iiti;;-. entbelirliili. z.B. von dein, was von der Tafel 
wiediT abfretr;ii;en winl. Voir/äiiti War, Waare zur 
V'orfiigunt:. Vtirmiiiiuir ('li<immer, überflüssiger Kum- 
iiifi- .\i'. Viiinäiiti'n ScIiKi'h mache', auf Lager, ebd. 
.[Der Klo-steruiüHiMl si.ll mit vil vorgendem und altem 
>Iel sich rüsten, damit mau nit an der frönide müesse 
malen.- XVII., A.^Muri. Vonjeenäs, Überschuss. Ge- 
winnst Z; Anton. Hindergänds. 

für-: 1. voran, voraus gehen, s. für II 2 (1958). 
.Soll der schulthess keinen [Gläubiger] lassen am ge- 
botti' [seinen Mitgläubigern] f. noch [ihn] ussrit-hten, 
denne den ersten am gebotte. so der sieche [sc. der 
l>tdjitor] abgestorben ist [ausser denjenigen Gläubiger, 
welcher sich nach dem Tode des Schuldners zuerst an- 
meldet].' 1406, Bs K(i. Auch bildl.. mit gutem Beispiel 
Gl. — 2. hervor gehen. Spec, zum Kommunions- 
tische hingehen, an dem h. Nachtmalo Teil nehmen 
BsBirs.; S nJ. Wartet, i'"'' will -eck die Mki/i/c' rcr- 
trihe", 's got-mer to" eich 's neehst Mol Keine fir, hin er 
c ffherigi Buess g' macht het! Vor Gericht erscheinen: 
.Wer einem fürbutet under ougen und im der nit 
fürgät. so ist er verfallen 3 Schilling.' 1495, Aa Weist. 
.Als etlicli einandern am rechten lang umbher schlei- 
kend [ziehen], vil ufschlägen [Verschiebungen] nem- 
mend und einandren nüt fürgand, wellend U. G. H.: 
So eii\er dem andern fürkündt [usw.].' ZRegenst. 1603. 
— 3. hervor ragen, s. für II 5. ,Auf den fürgänden 
zänen [der Elephanten].- Tierb. 1563. — 4. v er- 
geh n, verfahren Scu. — 5. vor sich gehen. ,Und 
wäre diser anschlag schon fürgangen, wenn 's N. und 
X.' nicht gewendt hätten.' Xxsh. .Des Herren rat- 
schlag der gat für.' 1531/60. Prov., dafür , bestehet.' 
1707. .Allerlei Üppigkeit f. lassen.' B Mand. 1563. 
.Darinnen [in welchen Kriegen] unsäglicher Jammer 
ist fürgangen.' 1576, Mise. Tig. .Der bossen, so [in 
dem Bad] fürgangen.' Pantal. 1578. - 6. vorbei, 
vorüber, wieder weiter g., räumlich und zeitlich, s. 
für II o. ,Dass sy den fürgänden (-gonden) zuohin 
rüefe.' 1531/60, Prov. .Die fürgenden.- 1531/60, Psalm. 
,Die hanen, ob sy schon von den grausamen tieren 
geförchtet werdend, förchtend sy dennocht die für- 
gönden menschen.' Vogelb. 1557. Spec. eine Zoll- 
grenze überschreiten als Durchgangsgut: ,Von einem 
Rinde, so es fürgeht. 2 Kr.- XIV., Bs. Daher .für- j 
gehender Zoll.- Ochs 2, 1, 412, oder .Pürgandzoll.' 
ebd. 5, 99 = Transitzoll, Ant. ,Pfundzoll'. ,Im F.- = 
en passant, bloss beiläufig. .Allein zuo zyten und als 
an einem f. (.obiter'), lass ich söliche kurzwyl nach.' 
ZwixciLi. ,Dann er nit zuo Genf dann allein fürgande 
gewesen.' 1530, Absch. , Welches ich in einem f. mel- 
den muess.' LLav. 1569/78. Trans., übergehen; über 
Etwas hinweggehen. ,Dass niemant fürgangen, über- 
sechen noch verschonet [werd].' Z Mand. 1519. ,I)ise 
ding alle mag das gemüet, so vor gewarnet [worden i 
ist], glych als Ulysses unverletzt f. {,prseterire') und ; 
überspringen.' Zwinuli 1526. ,Dass sy die pündt für- ! 
gangen syn und nit gehalten haben.- 1531, Absch. i 
.Die Matthäus fürgangen oder nur ein klein angerüert j 
hat.- 1560, Bib. ,Dass ir üch nit ferinnerend, sonder ! 
mit stillschwygen fürgand, dass solches ouch under 
üch beschicht- 1586. Absi». 



(krepieren) Z. 

hei"--: bildl.. .-sterben Aa; Gk. Syii. n-rn-lsni: 
abfaren udgl.; ühcrditrchhiti, ühcrene ga. 

hi"- Aa; Z, dehi"- S: zu Grunde gehen, von 
Sachen und lebenden Wesen (sterben). Es ist cltalt 
zum H. 

hinder-: 1. t r. a) von allen Seiten (indem man 
sich auch hinter den betr. Gegenstand stellt) unter- 
suchen. ,So man s' [ihre Worte] wol hindorgat, so 
sind sy nun blendstreich [nur Blendwerk].' Zwingli. 
1527. — b) betrügen, täuschen, allg. — c) unpers.. 
ärgern, verdriessen GlK. Vgl. hindergänglich. - 
2. neutr. a) hinter den Horizont hinunter steigen, 
untergehen. ,Die sonn wolt h." Bossh.-Goldscum. — 
b) Hindergänds, Gegs. zu Vorgänds, also Rückschlag. 
Verlust, Einbusse bei einem Handel Z. H. an Öp- 
pisem ha". 

Im zuletzt erwälmt<;u Falle lasst sich Analogiebilduug 
(nach Vary.) annehmeu; sonst aber ist die neutrale Ver- 
wendung des Yb. auffalleuil, da für das .\dv. nicht himla; 
sondern .hinderbiii', liiiuhrt. ?ilt: vjl. übrigens undtr aueb 
als Adv. 

her-: 1. herbei kommen. ,H. g. lassen- = (zu 
Pferde) anstürmen. ,[Die Reisigen] lond mit ver- 
hängtem zouni und yngeleiten glenen gegen uns har- 
gon.' 1521, Strickl. Von der Sonne und dem Tages- 
lichte: aufstehen, anbrechen. .Fruo, dö erst der tag 
her gieng.' Z Chr. 1336/1446. — 2. (wie nhd.) sich 
zutragen. Syn. mit zue-g. und mit diesem anipliti- 
cierend verbunden. Es wird icalicr zue- u. hergä Gr. 

müessig-: 1. absol., sich des Arbeitens enthalten. 
Dazu das Ptc. als Adj. -gänd Z. .Mit was ranken gat 
der gmein müessiggend mann urab, dass er guot und 
gelt zuosammen lege?' LLav. 1569. — 2. mit Obj.. 
sich eines Dinges enthalten, es meiden. Syn. m. stan. 
D' Wirtshuiser bin-i eisder viiessig g'gange U. Mit 
Bez. auf eine Person, sie ruhig lassen, sie nicht be- 
helligen Gr. Früher mit Gen.: , Am besten aber ist's, 
aller Fürsten und Herren m. ze gon. One die F. und 
wider die F. ist die Eidsgnossschaft ufgericht; one sy 
wird sy erhalten werden.- 1548, HBull. 

nach-, noch-, nah-, nah-: 1. hinterher g.. folgen, 
später kommen, mit Bez. auf Zeit od. Rang. So in dei- 
Rechtsspr.: mit seinen Ansprüchen auf ein Unterpfand 
hinter anderen Gläubigern folgen B; vgl. mr-g. 3 c: 
Nachgang. Ptc. -gänd BO. ,Wo ein mann bi der vordren 
[ersten] frowen kind hat und darnach bi der nagenden 
ouch.' 1507. Ztschr. f. Schwz. R. .Tugend und laster 
und deren vorgönd und nachgöud [früheren und spä- 
teren] exempel in geschrift zuo verftvssen.' Ansh. .Das 
nachgent mag das vorgent nit abtuen.' 15'28, Absch. 
,Der selb hat g'redt nachgende wort.' Rief 1550. 
.Posterus. nachgend. folgend.' Fris.; Mal. ,ln 10 den 
nächst nachgenden tagen.' 1575. Ztshr. f. Schwz. R. 
,In nachgehenden zyten.' L Ansechenb. ^ im Verlaufe 
der Zeit. Im gleichen Sinn der Comp. B oO. IJ's 
nahg^nder Mal. Der N., der jüngere Sohn; .'Vnton. 
der Erder. D's n. Wib, die zweite Ehefrau. D's 
Göttis der N. sin, zu spät kommen BRi. ,Dic ersten 
[aus erster Ehe] und auch die nachgendren kind.- 



Ga. ge. gi, g<\ g\i 



A2 



aufgestanden und hat regiert.- 1531, IV. Ksra. = ,nach- 
gcnde.' 1548; , nachgehende.' 1G67. .Posterius, das 
nachgender oder das letst.' Fkis. ,Zur Prüeh- ald 
nadigehnderen Predig.' Z Mand. 1686/50. Vollends 
zum Adj. umgestaltet -ijünduj. ,Umb Martini fleng 
man zuo Bas. seltsame frömbde vögel; verschwanden 
nochgendigen sommer.' Dieb.Etpf. ,I)as erstund [das] 
nadigändig Mandat.' HBdll. 1572. Als Adv. näch- 
(Gr. nah üw, noh Ap; L) -gätuls = nachher. ,Wie 
der Fisch anfangs das allerkleinste Tier seie uud 
n. zum allergrössten werden könne.' Schimppr. 1651. 
.Wir erfahren etwan erst n.. wie gut es Gott gemeint.' 
FWyss 1650. Das Adj. kann etwa auch mit dem Be- 
griffe .überlebend- zsfallen: .|Wenn von kinderlosen 
Kli,.-atteiil .^ins stirbt, da soll das lebende ir beider 
unni rilnii und nach syncm tode so soll das selbe 
uH"!. 1.1- sj /oiiial hatten, do das erre abgieng. nach 
des iiagcndcii tode fallen das halb teil des niannes 
lidmage und das ander h. t. des wybes 1.' 1418, Ztschr. 
f. Schwz. K. .Ist dass das wybe stirbet, wäre dass 
dieselb nachgende lebendig person zuo einer andern 
c griffe, wenn denn dieselbe nagende p. von tode ab- 
gat, so soll syn nachgende lebendig geniächid [Gemahl] 
den halben teil besitzen.' ebd. — 2. mit Dat., hinter 
Jnidm od. Etwas her g.. ihm folgen, a) vom Winde, 
von liintcn kommen. .Gieng uns der wind nach und 
zerschluog die schiff alle von einandern.' HsSi-nüRPF 
1497; vgl. ,Nachwind-. — b) häufige Begegnung mit 
Jmdm suchen, mit dem Nebenbegriff des Bemühens 
lim seine Gunst, bes. mit Beziehung auf eine Frauens- 
|i'Ts"n. um sie werben Seu; Z. — c) nachforschen. 
.|/."<i l.'iiN-liider] soUent n. denen müetren, so irc 
kiii.l \rikii|i|ib.-iit.' 1519, Egli, Act. ,Meister N. und 
Mstr N.' sollen n.. wer hier von Zürich Mstr Zwing- 
lin gegen unseren Eidsgenossen verseif [verläumdet] 
habe.' 15'23. Z Ratserk. .So man dem wahren verstand 



Bildlich, von den Nachwehen eines Übels, eines Er- 
eignisses Aa; Ap; Bs; B; Sl'h ; U; W; Z. JSs fjod-m'r 
noli lany noh, dns'-i''' chrank y'sV' bin. T'.'.s riäij-ein 
mich, das' er cw chlT Of le [keine] Miiclrr iflm hiid : 
Syn. en Beste devon han. Zur Gewohnlioit werden 
Aa; ßs; B; S; U. Es (jtit-em siner Lebti;/ ii. Zu 
Herzen, nahe gehen, von Vorstellungen, die man nicht 
los wird Ap; B; Sch. .Tiedio esse.' Id. B. Syn. es 
tuet and: unecht «der lauft nachhin. Auch persönl. : 
si [eig. de r Alisilii.d von ihr] ist-em nach(j' f/ani/e Ap. 
— e), eiiH'i- \ ■ir^izii.hiieten Linie entlang g.. einem 
Gebote iiiiclilelieii. .Wie das verlassen [hinterlassen] 
syg. dem gangend gestracks nach.- 1436. Geschp. Ges. 
,Was grosser ungrechtikeit wäre das gsyn, wenn er 
synem schwuor wäre nachgangen [ihn erfüllt hätte].' 
LLav. 1.584. .Damit inen dester stattlicher glebt und 
nachgangen wurde." 1572, Schw Rq. 

lu der hildl. Anwi-ndung '2 d schimmert viell. der Glaube 
IUI uiiieii d.ii MiiiM-lnii Ili^ mii mIm Lebensende verfolgende« 
Däinoii, ihi- in-riil'ilil 'ir~ Sr|] 1 1 tzrii jels. durch. 
. naclihiii iKicIii I iiiihi. niilni. iiä-ej- ga,{n): 1. neutr. 
al sich luichiiiathüii, sieli erliolen. gedeihen, fetter 
werden Ap; Gl; (i; Syn. zeirc'fi bimnien. Luei/et auh, 
wie iiiniijiet dei jnnij Wefiij [ein Rind] dermi", er ist 
der yrüeliii doch iifiiiiei' iiachcffi/niiiii'. (ii. ^'olksg. - 



b) folgen, erfolgen: .Wann .sich ,1er bnioder noch einist 
striche [geisselte]. bis im das bluot nahin gienge.- 
LLav. 1569; dafür: .bis auf das Blut geissele.' 1670. 
,Wie die zalungen so gar unlingsam [lässig] nacher 
giengend.' Vad., dafür an andrer Stelle: ,zaltend si so 
langsam u. schwarlich-. — 2. m. Dat. a) = nuch-y. 2 li 
Ap; G; Z. — b) eine Person bei ihrer Arbeit be- 
suchen, um sie zu beaufsichtigen ; einer Angelegenheit 
sich hingeben, sich die für das Gelingen notwendigen 
Schritte nicht verdriessen lassen Gl; Gr; Sch; Z; um 
Etwas n. g.. .sich darum bewerben und bemühen F. 
Auch mit Weglassung des Dat. : Er iiia;/ nümme noha 
(jan Gr. — c) = nach-;/. 2 a 7,. 

fürnachhin- an ein Ende kommen, in Erfüllung 
gehen B. Vil tusiif Pfund usstehe'di Zeise" heige" si 
u hellsehe" Niemere kene, bis es well fürnache ga [bis 
der Schuldner dem Konkurse nahe gekonmien sei]. 

GOTTH. 

nider-: 1. untergehen, von Gestirnen. .Cadens sol. 
die nidergend sonn.' Fris.; Mal. — "2. zu Bette g. 
B; L; Sch; S; Uw; W. 3Iit de« Hüenere n. ;/., bei 
Zeiten schlafen gehen. S. auch nider. ,In duoclit. 
es were zyt. nyder zuo gon.' Zielv 15'24. ,Sy bettend, 
so sy ulstniid "und liider gond.' HBull. 1-561. .Tlia- 
lamis sc r.uiiiH.ih T.'. M.li ins bett legen oder nidergon.- 
Fris. - :;. Suhrquiit . die Periode des abnehmen- 
den Mondes .S. Vgl. ab-, iif-, under-gänd. K^ gud 
kei Vf- und Nidergänt, es währt nicht zwei Mond- 
phasen lang. Heng. 18.36. 

be-: 1. fr. a) für Jmdn sorgen, spez. iliii er- 
halten, ernähren. .Ich gewinne gar schiere [fast sc. 
so viel]. Das* ich begieng unser viere." Siuac iizahkl. 
,Sy wöllind nit für mich'arli.-it hau und mich für ein 
junkherren b.', klagt ein l.andlarci uIhi- ilie veränderte 
Gesinnung der Bauern. X.M.\n. i">_'L'. Einen Todten: 
ihn zur Erde bestatten. .Der lierzog Hess usgon ein 
bot, dass man die toten vergraben sollt; [ze] Nawerren 
in [der] statt muosst man s' irlich b." 1513, Tobl., 
VL. 1,36. — b) wie nhd., tun. vollführen, in gutem 
und schlimmem Sinn. .Wederer [welcher] teil den 
anlass begangen [den Anfang zum Streite gemacht] 
hat.' Schw Rq. .Die statt Loupem. daselbs vor jaren 
Erlach das best begieng." CTiJRSx 1489. .Einen tag 
b. mit guotem wein trinken, diem mero celebrare. 
Empsig b.. celebrare. (xrebnuss b. noch kriegischcin 
Sitten oder lirau.li.- :Mal. .Wer Uneinigkeit b. wurde.' 
BEngist.. Uad.irdn. i:.s-J. — '2. refl. a) Etwas als 
sein Gewerlie treiben, sieh mit Etwas abgeben, seinen 
Lebensunterhalt damit verdienen ,B0." V>;1. 1 a. Er 
bigat-si''' mit Wurze'grabe". .Jeder mag diejenig zunit 
fürnemen [ergreifen], mit der er sich allerbest b. mag.' 
1430. Z Stadtb. = .betragen.' ebd. .Arm lüt, die sich 
in disen bösen herten löufen iren arbeit nüt könnend 
oder mögend b." Edlib. .Alt vätter und müetter. die 
durch den tod ir sün sich alters halb nüt wol b. 
niogtend." ebd. .Mit fischen hab ich mich begangen". 
sagt SPetrus bei NMan. 1522. .Acht haben^ uf die 
miessiggänger. die sich des begond, und [dass sie] 
biderben lüten ire kind ufwiglend.' Ansh. .Gott heisst. 
sich mit werken [arbeiten] bgan, als unser vordren 
auch band gtan." Bauenfart 1526. .Die alten mönch 
habend irs dings'nützit um gelt geben noch sich ir 
geistlichkeit begangen [einen Erwerb daraus gemacht].- 
Vau. .Facile quierere victuin. sich leichtlich b. und 



(in. ,!,'o 



itzt 



A\ü' dem stiml begat. 
sein narung gcwünnt/ 
spedire, sein narung mit dem 
it schiessen b.' Fris. ; Mal. 



oiiieeien. 8ellul;uiiis 
iler zuü seinem werk 
Fkis. ,Alimenta arcu 
bogen suochen, sich 
.Andere aber begand sich dos Fischcns.' RC'ys. — 
b) mit Jmdm, ihn oft besuchen, mit ihm umgehen, 
sich mit ihm vertragen. /■'' hm ijanz hiyange [ver- 
traut] init-em. Schi sind mächtig hcijangni, in sehr 
gutem Einvernehmen Gk. Ebda hegange' in verall- 
gemeinertem S. = zufrieden, vergnügt. ,Sie begehen 
sich wol mit einandern, conveniunt inter se. coiivenit 
inter illos.' Dex/.l. ItiTT; 1710. - c) an Etwas, sich 
erinnern W. 

vorb'i-: 1. neutr, a) wie nhd. - b) sich ereignen 
W. ,Und nichts ungrades vorbei gehe.- XVIIl., G 
Hdschr. — 2. trans. Etw. übergehen, daran vorbei g. 
.Befehle dem Würgengel, dass er das Haus meiner 
Seele fürbeigehe.' AKlingl. 1691. 

z'rugg-: zurückgehen; spec, vom geschlossenen 
Handel zurück treten, .reukäulig- werden Z. Mit Dat. 
(statt älterem Gen.): nlne" Wiirte" .:. g., sein Ver- 
sprechen nicht halten Z. 

o b - s i ' '■ - : aufwärts g.. steigen. Da gal 's streng o. 
L>azu das Ptc. ubsigänd Bs; BO. ('-l.endj; Gk (e); 
iKi. r.ej; Th; Z tw., -gänt Aa; Gl (ij; Tu; Z (tw. j); 
im ij-e' f3Iä"J oder als iSubst. (meist ii. und auch mit 
verknöcherter Flexion das O-gänts Üva) = aufsteigend 
d. i. diejenige Periode des Mondes, da dieser nördlich 
sich am Meisten vom Hinnnelsäquator entfernt hat, 
in seiner nördlichen Wende oder am Höchsten über 
uusenn mittäglichen Horizonte steht, was im Kalender 
durch das Zeichen Q angegeben wird; s. Moos 177-1, 
227; Scuweizerb.-Kal. 1832 Mai; HSchinz 1842, 26 
(wo aber die ,Erilferne' mit der ,nördl. Wende' zsge- 
worfen ist); u. vgl. ufgänd. Vielfach (wohl erst in 
neuerer Zeit) niissverstanden und mit der Phase des 
wachsenden Mondes identificiert. Volksglauben. 
Bohnen setzt man gern im 0. oder bindet sie wenigstens 
dann, weil sie dann eher aufranken, allg. Eeben 
soll man im 0. schneiden, damit sie eher wachsen 
ZAndelf. Wenn man dagegen die Butter im 0. siedet, 
so läuft sie leicht ins Feuer über Gu. S. auch niäsich-g. 

für-si"''-: vorwärts g., ,progredi.' Id. B.; auch 
bildl.. vor sich gehen. Statt finden, von Statten gehen, 
gelingen B; Sch; Zg; Z. ,Der tore sol' f. s. g. [weiter 
gehen, sich trollen].- Boner. ,Und sollend die Erbe 
allweg f. s. gan [immer an Nachkommen, nicht an Vor- 
fahren fallen].' 1387, Gl Landsatz. ,Wilt du nit hin 
und für dich [deines Weges] gon,- Kuef 1550. ,Meinst 
du, dass Gott unser ratschleg lass für sich gonV" ebd. 
.Allen rauotwill für sich gat.' ebd. ,So man erkennt 
liat, dass es ein redliche sach ist, so geht die manung 
|an die Bundesgenossen um Hülfe] f. s.' Jos.Siml. 1.577; 
1722, d. h. man lässt ihr den Lauf. ,Der alt Krebs 
wollt den jungen lehren f. s. gehen.' Schimpfk. 1651. 

hinder-si"''-: rückwärts g. (allg.). ,Man muss 
etwa wie der Seiler für sich sehen und hinter sich 
gehen.' Sprww. 1824. Mit Bez. auf die Ökonomie: 
Wenn d' eisig meinst, 's sett für-si gö, s<- göt 's nw 
himlersi. Stutz. .Hintertsi gä, in pejus ruere.' Id. B. 
Us geit mir Alls des hindertsi. Schalmei 1882. .Morbus 
consistit, die krankheit gat weder für sich noch h.- 
Fris. Mit Gen. S. = davon zurückkoninieii. wiiler- 



ruten. nicht dazu stehen. ,Uu darNt. kein kundschaft 
[Zeugen] darum z'bstelleu; wir sind nitsömlich heillos 
gsellen, dass wir syn wöUind h. g.' HsRMan. 1548. 
,Dass ich des sollt h. g., das ich gredt han.' ebd. ,Non 
demutabo, ich wird nit anders reden, ich wird sy" nit 
h. gon [nicht davon abgehen].' ebd.; Syn. mlne" Worte 
s'riigg g. Mit Bez. auf die Zahl = rückwärts ge- 
rechnet werden. ,Do etwan in vichsterbenden grosse 
spän erwachsen, besonder von wegen des hindersich- 
gäns, do bisher das rindvech 6 und das rossvech 3- 
monat hindersich gangen [d. i. betr. die vom Verkäufer 
zu leistende Bürgschaft für die Gesundheit des Viehes 
beim Verkauf].' 1597, Ztsohr. f. Schwz. Pi. Volks- 
glaube. ,Man führt (fährt, trägt) dem Teufel Holz 
und Wasser in die Hölle (i» d' Chuchi. Sulger), wenn 
man rückwärts geht.' Rotenbach. .Ein Kind soll nicht 
rückwärts gehen.' ebd. Wenn-me" h. göt, se laiift-me" 
i" d' Hell ahe ZO. ,Wenn man Käse in einem Ge- 
mach aufbewahren will, so muss man mit dem ersten 
rücklings hinein gehen, so bleiben alle vor den Mäusen 
gesichert' Rotenbach. 

nebe"d-si"''-: auf die Seite g. Bs; L; Sch; Zg. 
Euphera.: gehen um die Notdurft zu verrichten L. 

nid-si'-''-, mit dem Ptc. resp. Adj., Subst. -gänd 
erklären sich aus dem Anton, obsich-. Geld 's nid- 
schifchj, bzw. obschi? Grussformel bei Begegnung im 
Freien Gr (Tsch.). .Zur Hölle zu kommen ist leicht, 
da gehet es niedsich; aber in Hinnnel schwer, da gehet 
es Berg an und obsich.' JJUlh. 1783. Darauf bezieht 
sich unter Anlehnung an den Namen einer Mondphase 
die scherzhafte RA. im Nidsigänt sterbe', in die Hölle 
statt in den Himmel konmien (Sprww. 1869). Sonst 
vgl. betr. die Mondphase, welche im Kalender mit ^ 
bezeichnet wird, was bei obsichgänd gesagt ist. Die 
Verwirrung und Vermengung schon bei Fris., welcher 
jNidsichgender mon' das eine Mal richtig mit ,decli- 
natio lun«', das andre mit ,luna decresceiis, schweinen- 
der mon, das wedel', erklärt. Nüd cergehen isch 's 
Nidsik^nt! oder du bist, mein-i''', im N. uf d' Welt 
eho, oder bi dir isch 's Mit N. sagt man scherzend zu 
Jmdm, der zu Boden fällt oder Etwas fallen lässt. 
Vexierspiel: man inaclit si,li anlhischig, bei 14 Tagen 
auf oder ab die Zeit in .•nat.n, da Einer sterben 
müsse; die Losuiiu- luntrt : Ki"tin:<l<r im N. od. im 0. Z. 
Volksglauben: Diejenigen l'Haiizen, welche (wie 
z. B. die Zwiebel. Hübe) sich nach unten entwickeln, 
oder (wie der Salat, die Kriechbohne) niedrig bleiben, 
keine Stengel treiben sollen, müssen im N. gesäet 
werden. Obsi'''gänt und Xidsi'''g('iHt — Es gut nid 
Alls, wie d' Wdier ivend [wollen], sagt dagegen der 
verständige Gärtner, welcher sich nicht von den Ka- 
lenderzeichen bestimmen lässt (Tu Ztg). Das ist auch 
die günstige Zeit, um Wein abzuziehen, zu purgieren, 
zur Ader zu lassen, zu schröpfen, zu Schwitzkuren 
(damit die Rheumatismen sich nicht in den Kopf 
werfen), Öfen zu bauen (damit die Wände keine Risse 
bekommen Gk). Wenn dagegen ein Schornstein im 
N. gefegt wird, so will nachher der Rauch nicht mehr 
steigen. HScuixz 1842. Wenn die Pocken im 0. ab- 
tallen, so gibt's Flecken im Gesicht, wenn im N., 
keine ZWl. Eine Steigerung des Begriffes und der 
Wirksamkeit findet das Volk im Krebs-N., d. i. wenn 
die südliche Wende des Mondes in die Zeit des Stern- 
hildrs dos Kr. fällt (iit. lUldl.. vom l.'uckgangc der 



35 



Ca, ge, gi, go. gu 



persöii liehen oder ökonuiiiisclieii Klüfte: ,Xidsiij (ja, 
ad ruiiiam vergeie.' Id. B. 

zesammen (^«ÖJ)ie;-ga(ii) : einander besuchen, 
allg. .Ssepius se convenire.' Id. B. Daher 1) be- 
freundet sein Z. 2) Braut und Bräutigam sein Z. 
Übertr., einschrumpfen, abmagern Ar; Gr; SciiSt. 

dar-: zur Sitzung gehen, Sitzung halten. ,Und 
soll der rat, der zem zwölften tage dargat [mit dem 
12. Tage des neuen Jahres beginnt], funfe nemen von 
dem antwerke.' Z Kichtebr. 1304. 

durch ('dio--, dürj-: 1. hindurch g. a) räumlich 
und zwar zunächst im eig. S., dur'^gänd, von Weide- 
vieh, das die Sucht hat, die Umzäunung zu durch- 
brechen (welche in der ApI. Ordn. 1700 als sog. Währ- 
schaftsmangel taxiert wird) Scbw. Übertr. auf leblose 
Gegenstände: En durgccnte Gerter, Holzanteil, iler 
sich durch alle Holzsorten des Genossenschaftswaldcs 
erstreckt ZZoll. En duryände {-gäntige TuTäg.) Gang, 
ein das ganze Haus durchschneidender, von Haustürc 
zu Haustüre laufender Bs; B; Z; en d-e Stal, ein der 
vollen Breite des Wohnhauses entsprechender Stall 
Aa. Auch ein solches Gebäude selbst heisst, mit Ver- 
tauschung des Subjektverhältnisses, durgänd {-gönf 
ZSteinm.) Aa; B; L; Z, was bes. bei Doppelhäusern 
mit durchbrochener Scheidewand vorkommt. Zimmer 
sind d-d 1) wenn man unmittelbar aus dem einen in 
das andre gelangen kann aaOO. 2) wenn Luftzug in 
denselben herrscht Aa. Unpers., es iscJi d-t i" dem 
Hüs L. E durgändi Meini'g, eine einstimmige Gu. 
Mit letzterer Bed. als Adv. dtirgändig Bs, -gäntig Tu, 
-yänts B; L; ScH; Uw = durchweg. 7" 's Durgtente 
trinke", auf gemeinsame Kosten S. D'r Ätti het s'letst 
no'''-n-e Mass i" 's Diiiyäiifr h ufstelle. BAVvss 1863. 
, Abt Heinrich unttriiaiii sirh mit den vonAi' ein luteres 
nnd durgents zuu inadirii [riiion klaren und alle Ver- 
hältnisse umfassenden ileclitszustand zu schatten].' 
Vad. ,2 durchgende küssi.' 1557, in einem Z Invent. 
neben ,4 huuptküssi' aufgezählt, muss das die ganze 
Breite des Bettes einnehmende Kissen (jetzt Pftdwen) 
bedeuten, auf welchem je 2 Kopfkissen (oreillers) 
liegen. .Durchgehend Küssziechen von Kölsch.' 1659. 
SrinvE. Khisterarch. ,Kein ander eingweid dann einen 
laiii;iii. Weiten, stracksdurchgendendarm.' Vogelb. 1557. 
.tir.inuria ai|iiilonibus inspirentur, damit der beisswind 
dnn-li niii.ne wäyen und die kornschüttinen durchgenden 
luft habind.' Fris. ,Man kann nit wol ein durch- 
gends [durchschnittliches Verfahren] machen, diewyl 
die personen unglych sind.' Z Mand. 1598. ,Der weibel 
halt ein ganze durchgeende umfrag.' G Mand. 1600. 
,Ein durchgehnde unverenderliche regel.' FWvss 1650. 
,Ein Haus durchgehnd von Winden, perflabilis undique 
ventis.' JLCvs. 1661. ,Von anderen durchgehenden 
Sünden.' JJMüll. 1673. ,Es ist gemein, durchgehnd, ita 
est pervulgatura, ut in proverbium abierit.' Hosp. 1683. 
,Der Zwang durchgehnd es Allen auf ein Ducaten 
g'stellt [hat].' ToGGENB. Biderm. 1710. — b) zeitlich. 
Es durgänds ha U, Dürgendi (eig. d-i Nacht) mache' 
GrD., die ganze Nacht aufbleiben, namentlich sie mit 
Kilten od. Zechen durchscb wärmen; vgl. dur"'' machen; 
Durclispinnnacht. Vom Monde: Durgänd m., Voll- 
mond, da der Mond die ganze Nacht hindurch leuchtet 
Uw; Üyn. Bur'''schin. Das Ptc. als Präp. : ,Von mol- 
ehen, fleisch, obs hat man [in StGallen] alle notturft 
und durchgents jars [das ganze Jahr hindurch].' Vap. 



— 2. zu Grunde g., entsprechend lat. ,perire'. ,Z\vo 
gar schöne Tatzen, die noch vorhanden, die ander 
aber durchgangen.' 1588, SchwE. Klosterarch. Das 
Vb. auch trans.: ,Dise erbsünd ist das ganz mensch- 
lich gschlecht durchgangen und hat "s vergiftet.' 1536, 
Absch. 

durchbin fdure-, dürej-: 1. hinübergehen, allg. 
Spec. als techn. Ausdruck v. Weidevieh = durch-g. 1 a 
und übertr. auf ehebrecherische Personen Ap; vgl. 
.durchgehen' = durchbrennen, ausreissen. — '2. ohne 
Strafe, Rüge bleiben. Es gat-em dure. Etwas d. g. 
lä', ungestraft lassen Bs; Z. ,Die, welchen etwan all 
ihre böse stuck durchhingehen, darum dass der richter 
nicht richten will, wo er soll.' JJMüll. 1666. — 3. z u 
Grunde, in den Zustand der Verderbniss überg., von 
Sachen (z.B. Pflanzen, Werkzeugen) u. Tieren Ap; Gl; 
S; Uw; Z. ,Do wurdend [1444 zu Greifensee] 72 mann 
enthouptet; welcher [deren] houptmann euch durchin 
gieng.' Vad. ,Er seie zu Rodis gestorben oder in 
einem schiifstrcit wider die Türken hindurchgangen.' 
JohLJud 1574. — obe"-dure-: grosstun, auf grossem 
Fusse leben; unde d. g., das Gegenteil GStdt. — 
d'ra"-dure-: unpers., es ist-em (hart) dra dure 
g'gange, er schwebte in der grössten Gefahr Z. 

wider-: 1. entgegen treten, zuwider handeln. 
,Syd das* vil widergangen würt iren bösen meinungen.' 
ZwiNGLL Widerg^nd, widerhaarig Gl. — 2. das Ptc. 
elliptisch und selber zum Subst. gestempelt Wider- 
gände Gr; G, -gändi GrD., -gänte Ap (m.); GW.; Tu 
1) Spannung, Muskelkrampf in den Gliedern nach 
starker Anstrengung, z.B. in den Beinen nach dem 
Laufen Ap; Th. 2) Anschwellung der Lymphdrüsen 
in der Hals- und Nackengegend, Achselgrube, Leiste 
Gr; GO., Rh. Geschwulst der Knöchel Gr; Wider- 
gäntli, Drüsen am Unterkiefer GnMai. ,Ein grosse 
Schwinten [s. d. W.] oder Widergänteren under der 
üochs.' Mal. Biogr. 

Das Siibst. wird fast von alleu Seiten als f. angegeben, 
alleiu es scheint vorzugsweise im PI. angewendet zu werden, 
so dass wir viell. doch einen mann), od. sächl. Sg. nach Art 
anderer Namen von Übeln annehmen dürfen. Ob nnd in wie 
weit die Bedentungsangaben .wiederkehrende Knollen unter der 
Hanf GrD., ,dnrch Druck bewegliche Drüsen' GrMai. ; GSa., 
.kommende und wieder vergehende Anschwellungen der Haut' 
G unter etymologisierendem Einflüsse entstanden seien, wissen 
wir nicht; in der erstem Bed. liegt der Begriff von Gegen- 
geschwulst (,gegen' = .wider'). 

wild-: an rauhen, schwindlichten Ortern, steilen 
und unwegsamen Abhängen gehen. F'' cha"" nid (juct 
w. BHk. Vgl. Wildi; Wildheit. 

win-: der entsprechende subst. Inf. zu dem Aus- 
drucke ,zum W. gan' = das Wirtshaus besuchen. .Dass 
an Samstagen das W. und alle Zecheten abgestrickt 
syn.' Z Mand. 1650. 

zue-: 1. von Personen, a) Jmdn im Vorübergehn 
besuchen, bei ihm vorsprechen, einkehren Aa. — 
b) zum Tische des Herrn g., zugelassen werden, 
(zum ersten Male) am h. Nachtmale Teil nehmen Gl; 
L; ScH; St'HW; S; Zg. Wenn i''' de" zueg' gange hi", 
sobald ich das kommunionsfähige Alter erreicht habe. 
Vgl. Zuegang; zuelän, -fiteren. ,Es soll auch kein 
leyisch mensch zuo dem hochwürdigen sacramcnt des 
altars on vorgehende bicht und absolution nach form 
der kirchen nit zuogon.' 15'25, Segess. RG. — c) mit 
Dat. P.: ,.\ls [ebenso] behend gon als er, lequare 



ia. j;aii. ge. gl. gl- gn 



38 



gradus alicujus. Eiiieiii. iler ein«" füeit. zuogoii, tluceiii 
vadeiiteni icquare/ Mal. Sjn. .:iiekonimen. — 2. von 
Sachen, a) sich schliessen, z.B. von einer Türe, 
einem Deckel, einer Wunde, allg. - b) zusammen 
jia.ssen (wie Deckel und Öffnung), l)ildl. .Dass die 
von Z den Eidgnossen tuon, was sy inen ze tuonde 
]iHiihtig wcrdent. also dass die Eidgnossen inen des 
gt'lychcn ouch tüegent und ein recht mit dem andern 
zuegange und beschlossen werde.' 1444, Absch. — 
c) sich schliessen, mit einer Eisdecke, zufrieren 
SriiSt.; Z. Vgl. zue. — d) in den Boden eindringen, 
von Dünger GuD.ßyn. mgün. — e) von Gestirnen, 
untergehen ürV. Übertr. vom Schliessen der Blumen; 
Anton, üf-g. — f) zukommen, an Einen gelangen. 
.Ob sy [die Zürcher] us der herrschaft Österrych koufes 
[Lebensmittel usw.] bedürftend. soliche köuf soll man 
inen unverdinget lassen z.' 1442, Absch. — g) wie nhd.. 
vor sich gehen, geschehen. In I'ji"m s. = ,eädem 
Opera fieri.' (Id. B.). allg. ,[Z u. Österreich verbünden 
sich] mit allen notturftigen artiklen. wie das am 
glychosten z. mag allen [beiden] partyen.' 1442, Absch., 
in welch letzterer Stelle aber auch die Bed. .zusagen, 
ingän' oder die Bed. von a liegen könnte. 

zuehin (ziieche)-: hinzugehen. 1. von Personen. 
a) im eig. S., auf ein ausgesprochenes specielles Ziel 
hin. .Die priester söUind an das ort gan, da sich der 
geist erzeigt, und 7 psalmen beten im zuohingon.' 
LLav. 1.5C9 = ,unterwegs.' 1670. — b) auf ein bloss 
hinzuzudenkendes Ziel hin, in stehenden Aus- 
drücken, a) = ztie-g. 1 a B; Uw. ß) = ziie-g. 1 h Uw ; 
vgl. Zucchega-Gof. y) zur Richtstätte, zum Märtyrer- 
tode. ,AVie er nun sach, dass er z. sollt, leid er's ge- 
dultig.' 1.5.31/07, II. Macc. — 2. von Sachen, a) ein- 
dringen, zu Herzen gehen, Eindruck machen, bildl. 
Wenn Öppia t" der Zitig uteit, das öppen e chlei" 
zueche geh, wil Salz drin üt « Chiimmi. HNvoecger 
1878. Vgl. eue-g. :> d: Syn. wurmen. — b) = ztie-y. 
a e BHa. 

zcr-: brechen, zu tirunde gehen BÜ.; GnRh.; W. 
Sonst nur in der Schriftspr. a) zunächst im eig. S., 
aus einander g., sich zerstreuen. .Sie liessend die 
iren schandlich z.' 1408, Tobl., Volksl. .Si hieltend 
ein landsgmeind . . . Wie nun die gmeind zergangen 
was . . .' Vad. ,Die zergangen [flüssig gewordene, ge- 
liVste] materi werde durch ein tuch geseiget.- JRLan- 
iiEXB. 1008. ,Wann das Gericht zergat.' Wurstisen 
1779. — b) in dem abstr. S. v. rer-g. 3, zu Ende, zu 
Grunde, auch bloss vorüber g., verlaufen, aufhören. 
,So der krüzcgange [die Bittfahrt] zergienge.' Bs XIV. 
.Won [da] aller zerganklichen dingen vergessen wirt 
unil der louf dirr [dieser] weit zergat, so geben wir 
ein gezügsami mit schrift.' 1408, Absch., übliche Formel. 
.Huob der von Gryers ein stürm an; zergieng on 
merklichen schaden.' Ansh. .Dadurch gedachter wald 
fast z. will und übel verwüest't wirt.' 1525, Absch. 
,Es brann in 's N.'s schür und zergieng wol, Gott 
syg globt!' 1527. HsStockar. ,Sy »""sorgtend. diss 
Gschlecht wurd nit z.' RCvs. .Das Schloss zergienge 
endlich durch Baufälligkeit.' Mem. Tig. 1742. 

Vgl. zergangen. — Man kann im einzelnen Falle im Zweifel 
sfin, ob ,z.' im eig. od. in abgeleitetem S. zu verstehen sei; 
z.B.: ,So die hochz.vt zergat.' l.'>4:3. ZMnr. Offn. = sobald 
die Gäste aus einander gehen, od. sobald das Fest beendigt ist. 

Hei"-rrf(-r)- m.: Kehraus, nach welchem man 
.heim gelif Seil«. 



ga -" s. yan, gen. gä-en s. güchen. 

gä gii s. gOfnJ: gäch; gdchen; gehen. gä gä, gc 
.s. geben; geh; gelt. gä(e)n gäen s. gficlien. 

gä (mit einem eigentümlichen, hinten im Gaumen 
gebildeten, schmatzenden Tone): T,ockruf für Ziegen 
BRi. 

gäi s. giicli : geben. 

(Jan, ^.GaW m.: Mundvoll W. I hn" niinimu [nur] 
an Gate bercho' [bekommen]. Da.'< git Jediredrtnn nur 
an G. Vgl. Mump fei. 

Das W., der 8. Spr. nnbekannt, gehört ohne Zw. zu 
gmcen, d«n Mund aufsperren, zu welchem es in richtigem 
Ablautsverhftitnisse steht. 

Gauel m.: Mensch, der die Zeit mit unnützen 
Dingen zubringt BBe. 

Setzen wir ein neues Vb. (gauen), schwacher Flexion, 
als Abi. von obigem Gau resp. vom Prät.-Steimni von güwen 
voraus, so ist Gmid (eig. der Gaifer) eine den Subst. .luf 
-er parallele Bildnng daraus, mit schärferer Betonung der 
Verächtlichkeit als dies in der Bildung mit -■)• liegt. Vgl. 
Güircf : doch s. auch Gol; gauJig. 

Gaue", auch i- Gr, kauwe BSi. -- f.: 1. Schweif. 
Schwanz des Rindviehs BSa.; ,.F.- Syn. Stil. - 
2. nasser Saum des weiblichen Kleides Git. Syn. 
Flingge"; Begeh. E G. rcrfiiere". mit einem Solclicn 
umhergehen. 

Aus lat. «i«do, mit au^i;r^fn^s,■Il.■lll ./■ »i. |ii -i • " fi /. 
ijueue. Die Beibehaltuiisr ih- "" in nii~.iii i i : , 1' : ■ n. 
ans denen das W. in ilic ilnit^rlini -r^h ■,!,_. n • n i ,,.-,. 

entspricht der Regel, diiss lat. ,(« iiu l'r.nni, mr! L'.il n. 

bleibt; daher neben frz. queue in den (pruvenz.j l'atiiis d<T 
Westschweiz cau(v)a (cm, eava). Dagegen fallt im Rätorom. 
allerdings rf sonst nicht aus oder ab. 

Tschigg-: Name einiger einander ähnelnder 
Doldengewächse, nämlich gemeiner Kerbel, Anthriscus 
sylv., und Biberneil, Pimpinella magna und saxifraga 
Gr (B.). 

Umdeutung aus rätorom. tKchikan, tessin. nlrulnria. welche 
It Durh. für anthriscus gebraucht werden und auf lat. clcuta, 
Schierling (ebenf. ein Doldengew.^ehs) zurückgehen. An Gavr 
i. S. V. Wedel aber konnte bei Dolden schon ged.acht werden. 

Gän n.: Gebiet. 1. ein bestimmtes politisch-geo- 
graphisches. S. die folgenden Zssen. Auch den Eigenn. 
,G.' schlechtweg tragen einige Gebiete im Gegs. zu 
anderen, in ungleicher Zeit erworbenen Teilen des 
selben Kantons; so ein Teil von S; so das Flachland 
von L. Uf d' G. Schw; Th; Zu, ,Peter von Ar- 
berg uss dem Göw [Aargau].' 1.584, Cvs. Vgl. .3 a. 
— 2. Land im Gegs. zu Stadt oder Flachland im 
Gegs. zu Gebirge. ,Auf dem G. wohnen, rusticari.' 
Si'LGER. ,Über Gau gehen.' Schulze. ,Die Engel uf 
dem Göw bei Betlehem.' Zwingli, ,Rus: ufs land 
oder gäw.' Dasvp. 1537, ,Vil lieber blyb ich hindern 
müren, dann in den dörfern uf dem göw.' Ri'ef 1550. 
,So man sich in den stetten stattlicher, bas erneren 
kann, dann wo man rauoss im göw hüshan.' ebd. 1538. 
,Damit wir nit im göu schlechtlich iissend, übel loben.' 
ebd. ,Rus: feld, ackerland. göw.' Dexzl. 1G77; 1716. 
„Ins G. gehen, von Fleischern, die auf dem Lande 
Vieh einkaufen" Bs; ebso ufs G. B; in dieser Ver- 
bindung auch fem. ,Ich gieng auf die Geu für Kälber 
und Heu.' Schw Fasn. 1860, ,Auf dem Gau', auf der 
Rundreise. LMeister. .Als er zuo Gäw gehen und 
Vych einkaufen wollen.' RGwerb 1046. ,Dic Metzger- 
moister, so auf Gäu gehen, sollen einen Hund zu 



ha. sau, ije. Kl. S'^- fJ" 



halten befügt sein.- Z Mand. 1774. ,Wie oft wird Gäu- 
gelien auf den Sonntag ver.spart.' ATi^LiNfiL. 1702. In 
letzterer Stelle und überh. viell. bereits in allg. (abstr.) 
S.: in der Umgegend Etw. in das Geschäft Einschla- 
gendes suchen Th; ZLunn.; daher auch: auf eine Frau 
ausgehen ZTurb.. den Mädchen naehstreichen ZO. 
{Üyn. s' Kih, z' Liecht, z' Dorf gm); ferner .Etwas 
»/■ (?er (?. [auswärts, ausgeliehen] haben' .\AZein., mit 
dem Nbbegriff .lange auf die RUckerstattnn2: warten 
müssen, es auf.« Spiel gesetzt halieir. Du imii'xt dem 
Nöchber nit g' vil läie [leiben]: ihi hiilli^t huld dl" 
ganze Hüsrot uf der (t. :'.. in si.li abgegrenzte 
Gegend überh. £.v gnelsd.. f'm tVm-btbares Stück 
Land Ap. — 4. bildl. .nli ich mirli schon vergienge 
in das gniiw des tlMltlidicn sdiattciis.- i:.?.l. I'sai.m. 

I!c., ;,l,cr ,l;i. einem l.cli, Ici (Ic^cvIh. zn seiner 

IlctivilMin- i.^iti-c Uli. I m -cui,, cm Sinne icdilnnissig 
cicvnc (.cl.ici, riicrgchcinl in den llcyiiir von: gün- 
stige (Iclc-cnheit (zu Einkauf und'" Absatz) und: 
re,litiii;i^si-e, Kigentum. Daher die EAA.: Hie'' ist 
„iid S C.in, jnielit der rechte Ort] defür Gl. E» im 
(t. ha", eine vorteilhafte Stellung haben. Ei"m i 's 
recht G. chn', zur rechten Zeit, gelegen; auch iron.: 
eben recht kommen, z. B. um gefangen oder gestraft 
zu werden Z; in den Bereich der Bache. Si-rww. 1824. 
Eim i 's G. chn" {farc Bs Spreng), Einem hindernd 
in den Weg treten, in sein Eechtsgebiet übergreifen 
Bs; Gl; ÜWa.; S; Z. Ch„mw-wrr^„iid i S fi" d') G. 
Syn. gany-mer «/< iln- C^i^s! ('liKiinii-iiirr mul -.'nach 
[nahe] uf d' Hrdic". i 's C'hoi. Xauientlicli von er- 
wachsenen Burschen in der Werbung um Mädchen. 
Uf 's Gr. gä", auf Abenteuer aus ZO. 

Mhil. tjüiiiii-): alul. iimcl, geici, yowi. Gegend, Landscli.aft. 
Der Wechsel des Geiuis beruht ohne Zweifel auf der Um- 
ileutung auf ein aus dem zu <I<ni vermuteten Vb. giiwoi ge- 
bildetes (wenn auch sonst nicht nachweisliches) Snbst. fem. 
i. S. T. Ausschau, Suche, Begehren, Erwartung, oder das 
Fem. ist dem idudich klingenden «/ d' Gschäu gnn abgeborgt. 
— Uass in der Anwendung der RA. auf die Metzger gerade 
die altern Belege den Art. nicht haben, ist bemerkenswert 
inid kann zur Erklärung der Unideutung auf ein Fem. bei- 
tragen, weil «/ Gtiu auch aus «/ d' G. entstehen konnte (in 
diesem Falle uf l-äv gesprochen), findet aber Parallelen wie: 
iilier Land f/Sii, z Ädier fiimi udgl. — Die bildliche An- 
wendung entwickelt sich entw. aus dem Begriffe von .Gebiet 
(Domäne)' oder entsprang aus dem konkreten Falle der das 
Land absuchenden Fleischer. 

All-Gau: t. die Gegend im Südw. v. Baiern gegen 
den üedcnscc liin. .Wer ein eigenes Hernerwägelein 
nnd guten Aluiuicr (lanl dazu liat.' AUkxm.. 1«17. - 
2. All- Gebiet in den llHk. Alpen, aus .Alpagawi.' IX. 
(Dim.) ÄUgäuli n.: Name einer der 6 Alpen des 
Ällgäu, hart am Fusse des Hohgant. der Ort, wo nach 
der Sage vor Zeiten eine Stadt gestanden haben soll. 
Alggau und Alggi, Hochalpen in Uw. 

Betr. den Umlaut s. Ai-Guu: betr. die Verstümmelung 
des 2. Teils s. Kleilgüu. 

Eis-: das Oberamt Paj\s d'Ajoie (Pruntrut). bis 
Ende XVIII. so genannt von der ,Alsa', einem Zufluss 
des Doubs. -- Insel- .s. Insle I 346. 

Ar-, Är-gäu Aa; B, spottend Jir(/t. Unter diesem 
Namen wird im BO. das BM., in Bern selbst und in 
der übrigen Schweiz dagegen zunächst der heutige 
Ktn Aa, und weiter auch noch das sog. Oberaargäu 
(das BAargelände von Wangen bis hinauf gen Her- 
zogenbuchsee) verstanden. In einer Urk. v. 76.3 sind 



auch Spiez und Seherzligen (smnit auch Tliunt zum 
A. gezählt. 

Schon iu den älteren Scliritt.ii ihuc luve- .Ar-. Krir''iiW. 
auch etwa ,Ärgou'. Der Uuilaiit kennte liis nnl ilcn ersten 
Teil der Zss. zurückwirken (wie nlnl. Lei .M.leitmi^'en .-lur die 
Stammsilbe, z. B. .Schüfer, Gärtiiei ; iiilid. w./.iiye.,,, ;/.i,(. /iure. |. 
bes. da der zweite Teil fast nur noch als Ableitung gefühlt 
wurde. 

Argäuer (älter und richtiger als .-gauer'): Be- 
wohner des Aa. 

ärgauere": Klöster aufheben (wie es im Ktn Aa 
im J. 1841 geschah). — Nur temporäres und individuelles 
Witzwort. 

Klett-Gau,/ieWi, früher auch ge.schrieben ,Kleg- 
gau': der südw. Teil des Kts Sch mit dem angrenzen- 
ilen Gebiet des (ircissh. Baden. 

lieiiiiiic Cieiizen iHnl KtyiM.degie s. liirl. Aleiii. 1. IT:)tf. 

Hie Vc-rstüiMinelnug des •_'. Teiles der Zss. rührt davon 
her. dass er (wie iu .1%/. Ttinjl) zu blosser Ableitungssilbe 
ilcgradiert wurde. 

Priitti- {Prätt'^g-- Gr): Talschaft in Gr. Lache" 
icie eil Brettigaiicr = unbändig 1. 17.52. JJBodmf.r an 
Zellw. — Teil-: beabsichtigte Benennung der einen 
der S Ecpubliken. in welche das frz. Direktorium die 
Schweiz spalten wollte. 

Tur- C-giJ: jetzt das Gebiet des Kts Th, früher 
in viel weiterem S. das ganze Flussgebiet der Thnr. 
fast die ganze O.stschweiz. also auch G und Z inbe- 
griffen, bis an die untere Limmat, da wo der heutige 
Ortsn. Turgi bei Baden an die alte Grenze gegen 
den Aargau erinnert. Auf Letztern bezieht sich: ,Die 
t Güeter, genannt das Thurgeuw [bei Gebi.storf].' 1653. 
1 AAWett. Arch. .Das Turgi-Zelgli.' ebd. Als Zuname 
i eines Mannes: .Alexius .Tannhuser. genannt Thurgi.' 
l.-,T:; el„l, MiiPier, darf i"'' (nit) i 's Turgi? Kinder- 
s|iie| in SeiiSi.. s. Sprww. 1824. bezüglich auf frühere 
pnliti,-eli-s(rcitiue Verhältnisse, denen zufolge das Be- 
treten Th Gebietes für Bewohner von Stein verboten 
oder gefährlich war [V]. 

Turgäuer: 1. Bewohner de.^ Kts Tn. Si-rww. Es 
brücht swe' Zürcher zum eii Turgäuer hschxssc" Z. 
En T. si" ist rkei Sniid, aber e Schand Z. - 2. ein 
Birnbaum, der längliche, rauhhäutige, spät reifende, 
zum Kellern geeignete Früchte trägt Ap; vgl. Titrgi- 
Bir. — 3. der Westwind Tiiünm. 

Zu '2. Der Tli ist .Inreli ^eill.^ Ol.stkultur berühmt, 
welche ihm übrigens deu Kocknamen .Mostindien' (mit gleich- 
zeltiger .\nspielung auf seine iistliche Lage) eingetragen hat. 
Turgäueri": 1. eine Frucht des vorhin genannten 
Baumes. — 2. (auch nur: Gilueri) kleinere, magere 
Kuh von beller Farbe, gleich denen im Th. resp. von 
dort importiert Ap. 

Wal(che)-Gau: die Gegend vom Bodensee bei 
Bregenz am rechten Ufer des Rheins aufwärts bis an 
die Grenzen von Tirol, so genannt, weil früher von 
,Walchen'. welsch (d. h. rätoromanisch) redenden Leu- 
ten bewohnt. — Wall assimiliert aus Walch. wie In Wall- 
iniss. Walleiisee' : «W/e, welcher usw. 

Gäuer ni.: 1. Bewohner eines Gäu's i. S. v. 3 a. 
z. B. dem von I-. Der isst esirie ne G. (d. h. so viel) 
Ndw. .Kinder zu haben, wo [von denen] keins eine 
Nase habe wie das andere und eins dem andern gleiche, 
wie ein G. einem Weltscb.' Gottu. — 2) = Tur- 
gäuerin 2 Ap. — Zu '2. in der uiiinnliehen Wnitfnrui liegt 
etwiis Wegwerfendes. 



»an. gf, .?!. .sjn. SU 



42 



ijii Heilen : 1. reden wie ein Gäuer. 2. tanzen 
wie ein Gäuer (d. h. zunächst ein Bewohner von LG.) 
VOrte. Der früher bei der Landbevölkerung wohl 
allgemein übliche, jetzt selten gewordene Tanz (auch 
Ländler genannt), gewöhnlich nur von einem Paar 
aufgeführt, war ein langsamer Walzer, begleitet von 
allerlei Goberden beider Personen, auch von Schnal- 
zen, Jauchzen und Stampfen des Tänzers, der sich 
bald um die von ihm getrennte Tänzerin herum be- 
wegte, bald dieselbe wieder umfasste oder unter den 
verschlungenen Armen hindurch schritt, immerhin so. 
dass die Kreisbewegung mit Fortschritt verbunden war. 

Rochh. AK. erklärt den Tanz (schwerlich richtig) als 
einen allgemeinen Reigen, dgl. nur in der romanischen West- 
schweiz bis auf neuere Zeit nachgewiesen sind, unter den 
Namen Ronde oder Coraiila F. \>1. noch S.lhnmUr I 30«; 



gäuen s. gilu-en. 

ge s. geh; geben; gelt. ge s. gihi. 

ge-: untrennb. Präf. L Lautgestalt. Vor anlau- 
tendem b, f und d zuweilen gi-, z. B. gihoi-e". (iidnnlr, 
Gidult, in Gr u, W in allen Stellungen ni' ht <• Itiii vk- 
(in ä, Urkunden selten und nur ausnalim-«. i.. ,/„- -c- 
schrieben), sonst immer mit Ausstossunj;- dos \<u-., 
wovon Verhärtung resp. Verdopplung des g zu /■ (ggj 
die Folge ist; vor Cons., die dessen fähig sind, auch 
\'crhärtung dieser Anlaute mit Assimilation des g an 
dieselben, in der es selbst aufgeht, z. B. kesse", ge- 
gessen; l-mein; (.schwind; l^sell, Gesell; l-aije', gegangen; 
j>ö*e", geboten ; tjenef, gedient ; tanzet, getanzt; zanket, 
gezankt. Mit anlautendem cli des Stammw. verbindet 
sich das g des Präf. zu 1c (k/J, z.B. kramet, gekramt: 
küre, gehören (neben k'Mre). In kenne" (aus g'cMnne') 
\sige- festgewachsen, in cho', gekommen, ist es gar nicht 
vorgetreten. In Folge jener Assimilation scheint das 
Präf. nicht angetreten od. abgefallen, es ist aber ver- 
steckt enthalten auch in Formen wie Tafel, Getäfel; 
Truck n., Gedränge, während in dem Masc. Tritck = 
I>ruck; in topplet, doppelt; pugglet (gebuckelt), gebückt. 
bucklig, der Anlaut schon im einfachen W. verhärtet, 
resp. fortgeschoben ist; ebenso viell. auch in tige", ge- 
diegen; toge', geduckt; trang, gedrang. eng. Bemer- 
kenswei-t ist die Verkürzung von g'wünne' (gewinnen) 
in günne" mit Ausstossung des w resp. Verschmelzung 
desselben mit dem folgenden ü. Über das ge- vor dem 
Ptc. in.sbes. s. noch Fromm. 2, 210. Wo das Präf. seit 
alter Zeit festgewachsen ist, also stamrahaft scheint, 
liat die Ausstossung des e keine Verhärtung des g resp. 
des Anlautes zur Folge, daher z. B. Gäder tw. (I 88) ; 
grad; Gleich, Ge\enk; glür e', ghtzen; Glüre, unreiner 
Bodensatz; Grüt; vor Allem in denjenigen WW., welche 
auch im Nhd. als einfache empfunden werden, z. B. 
Glaube; glich; Glid; Glimpf; so auch in einigen sub- 
stantivisch verwendeten Ptcc, in Betretf deren das 
Bewusstsein des ursprünglichen Verhältnisses (wie 
auch der Wechsel des Genus bezeugt) erloschen ist, 
z. B. Bratis, Braten ; Bränz, Branntwein ; Bachis, Back- 
werk — sämmtlich masc. aus *pratens, prennts. Ge- 
branntes, *pachens, mit Anlehnung an den Präsens- 
stamm (b-J. G'leitig u. Heitig unterscheiden sich viell. 
nach den Bedd. .schnell' und .lenksam'. In der ä. Lit. 
werden diese Lautunterschiede natürlich nicht con- 
.sequent bezeichnet; neben Schreibungen wie .gbracht. 
gdenkt' findet sich z. B. bei Euef 1550 .boren- für ge- 
boren ; .broclieir (gebrofhen) ; .geben' (gogoben). und 



vollends .tröst' (getröstet), .troffen- (getroffen), ohne 
dass an wirkliche Weglassung des Präf. zu denken 
wäre (übrigens vgl. noch (jr. WB. IV. 1, 1, 1G2()). 
Kbenso bei Subst. ,purt', Geburt (Bib. 1531); bei Kessl. 
auch .widerburt, boren, beren'. .Ticht', Gedicht (Salat); 
.dächtnuss', Gedächtnis« (Aal; LJid); ,dult', Geduld 
(Hey., 1.540/7.3); ,schlecht-, Geschlecht (Cvs.). Da- 
gegen könnten in ,bett'. Gebet (Rüef); , schenk', Ge- 
schenk (Kessl.); .dank'. Gedanke (Ruef), vielleicht 
ältere einfache Formen ohne Präf. erhalten sein. 
Zweifelhafte Fälle dieser Art zeigt noch die heutige 
Volksspr. : Pict, Gebiet, besonders in Zssen = Gau, 
z. B. Ziiri.''''piet, ist ohne Zweifel aus .Gebiet' assi- 
miliert (obwohl es auch mit blossem /; geschrieben 
wird), ebenso Pntt, An- oder Aufgebot, aus .Ge-bot'; 
dagegen bleibt fraglich, ob auch das m. Fott, Bote. 
aus dem seltenen mhd. geböte verkürzt, nicht viell. 
nur nach Analogie des n. mit hartem Anlaut gespro- 
chen werde, obwohl in Bs und G Eechtsq. auch .Ge- 
büttel' = Büttel (.Gerichtsbote) vorkommt. Weniger 
zweifelhaft ist Pfir, Bauer, aus mhd. gebäre. Unter 
solchen Umständen erstehen im einzelnen Falle der 
Etymologie besondere Schwierigkeiten, da es sich bei 
einer Anzahl von WW. fragen und oft nicht leicht 
entscheiden lässt, ob überh. ein Präf. ge-, das mit 
dem Stamm früh und fest verwachsen sein müsste. 
oder vielmehr ein stammhafter Anlaut g anzunehmen 
sei, der nur zufällig den Schein des Präf. annimmt. 
Gmiterlen (zänkeln, plagen) gehört wahrsch. zu an- 
teren: glähig (flink) aus .gelenkig-, gleitig (schnell) aus 
ge-leitig (lenksam). An-gränzen (rauh anfahren) kann 
aus dem Ptc. von ranzen (knurren, keifen) mit An- 
lehnung an grännen (den Mund verziehen) gebildet 
sein. In Güsel (Kehricht. Abfall), Gräbel (Verwirrung) 
ist Zss. mit dem Präf. zweifelh.. schon weil das an- 
lautende g nicht verhärtet ist. In Grümpel (altes 
Gerät) Mliuaiiki dio Aussprache und ist Anlehnung 
an rumi'hi! (|Hiltrnii möglich, während in grämplen 
(Kleinliiui.lrl 1 1 .iljoii) /y zum Stamm gehört. In Gneist 
(Funke, iiilid. gnnenft) steckt jedenfalls nicht das Präf.; 
in einigen andern Anlauten steht der seit alter Zeit 
seltene und zweifelhafte Anlaut gn für (stammhaftes) 
/.«, z. B. gnippai. <inir1iru. gnlsten. Dagegen ist es 
in gnagoi (ab- n,l. Ih.'.iia^.'n i. gneigen (refl., sich ver- 
neigen), grai/cii istrit wimMoii. starren, ragen), Gleich 
(Gelenk). Glimpf (Sclniiimadel), Kiitt (Gesindel aus 
ge-chütt, ahd. chtiti, Herde), kälen (gerinnen, aus ge- 
clinlen, erkalten) u. a. unzweifelhaft enthalten, obwohl 
es nicht mein- empfunden wird. z. T. weil das Stammw. 
ausgost^rlM'ii i^t. TiNgek. ist in iesc/t( (Glasur) neben 
glest ml.isirit I -taiiiiiihaftes g durch Missdeutung ab- 
gestreift, /u.ilolliaft bleibt Gf/e/y; (heitere Stelle am 
bewölkten Himmel); zu gläffeii, glotzen, von Läff, Maul, 
oder zu .klaffen' (vgl. glnchet vom Himmel in ders. 
Bed.). Über den AnL gsch- resp. g». s. gleich im Folg. 
— IL Bedeutung. A. vor Subst. 1. oft ohne spür- 
bare Bed., rein lautlich verstärkend und meistens mit 
Formen ohne ge- wechselnd, a) vor Sachnamen. 
concreten und abstracten, aller drei Gcsdihnliter. i. H. 
G'sjHiss, Gspa'ßrli, Spanferkel; G.^pnlt : i,uiiii<l,r. 
Neugier; Gstäd, Staat i. S. v. Hoftart ; Gsrliid,} \\.^. v. 
Ursache; persönl. adj. mit .sein'); (ixi-linft. Silnitt- 
stück; Gspur; Gstell, Stelle; Gsclms^. rtiopiivi. ; 
Gn-upp, Webstück; Gsedel, Nachtsitz cI.t \ •".:>']■. (i/i-l. 
Fest; Gnltli. Name des classi^ehen Ortes am \'wS,..'. 



Ga. j^e. gi. go. gu 



44 



In der Füimel Gschiff und Gschirr ist das Präf. des 
LM-sten W. nur zum Zweck yon AUitt. dem des zweiten 
nachgeLilclct. In Gstich si" (gleich stehn. bei einem 
Wettspiel), kann das Präf. auch aus dem sociativen 
P.egrilf desselben (zusammen, mit einander) erklärt 
werden. Gspil (Spiel) ist vielleicht dem persönlichen 
Gspile (Gespiele), wo der vorhin genannte Begrift gilt, 
nachgebildet, wie Gsjmss, Spass, auch die persönliche 
Bcd. .Geselle' hat. In Gsjmlr (Spreu). Gscliröt (Schrot) 
mag die collective Bed. des Präf. vor Neutren mit- 
wirken, und so vielleicht auch in dem Fem. Gschär, 
Schaar. Doch erscheint zuweilen rein lautlich gsch 
statt seh: Gschoche, Heu häufe: ^r.^c/üfjj/«;, Haarschopf: 
Gschuderhär, struppiges H.. und ist in gewissen MAA. 
überh. ein beliebter Anlaut geworden: so viell. auch 
in mehrern der obigen Fälle von anlautendem seh. 
Zuweilen sind Formen mit qe- auch in Geschlecht und 
Lautfonu von den einfachen WW. versch.. z.B. Gsaf 
n., Saft: C^rhiift. (Flinten-) Schaft; (Gfüeter, Futter 
für Schweine i; (rf.trht. .Mass (zu Facht); Gfriist, Frost; 
Gspor, n., Spui- im Scjinee. neben Gspitr f., im allg. 
S.; Gliir, schlechtes Getränk, neben Lüre. Mit Präpos. 
verbunden : A'gstalt, I'gricht, Ein- oder Vorrichtung. 
Die ä. Spr. hat bedeutungsloses ge- noch selten : ,Ge- 
zeugnuss.' Cvs.; Wurstisen. .Handgschrift' U Mky. 
1540/73. .Gezwang.' 1529. Absch. ,Gctrang.' Edlib. 
.Gespann' neben .Spann- (Zwietracht). 1483, Schai'b. 
Bq. 1, 88, 5. ,Gschlacht.' Kessl. .Gutgedunken.' CSchob. 
Verbunden mit andern Formverschiedenheiten: .Miss- 
gewächs' (Misswachs). XVII.. B. .Der Früeling oder 
das Glenz.' Fris.. nicht unmittelbar = der Lenz, 
sondern eben sächlich das Anbrechen, Eintreten des 
Lenzes, also vom Vb. lenzen (langizen), lang werden, 
(der Tage). — b) vor persönlichen Begriffen, sel- 
tener, z.B. Gsehlufi, elender Kerl, wohl wie in GschöH, 
= Tschöli (Tropf), rein lautlich. Gmeistev, Gher werden 
i. S. V. obsiegen kann aus: ,Meister g'werden [mögen]' 
umgestellt sein. In Gspons, Bräutigam, kann g aus 
dem sociativen ge- ('2) erklärt werden. Tiernamen : 
Gninl, Gmol, Molch, neben Güge-mÖli (Unke), Giciggli, 
Eule, neben Wiggle. In der ä. Spr. ,Gezeug', Zeuge. 
TiERB. — 2. mit merklicher Bed. a) persönlich, 
wie nhd., mit dem Begriff der Zsgehörigkeit, Gemein- 
schaft, Gesellschaft, Vwdtsch.. Gegenseitigkeit. ,Ge- 
crbe'. Miterbe, auch .Ge-ei-bt-, wie neben ,Ge-teile', 
Anteilhaber, auch .Geteilt'. .Gehüse' (Hausgenosse), 
Mieter; ,Gebvire' (Mitwohner), Nachbar; ,Genam', Na- 
mensgenosse (mhd. genanne. dah. ,Gnan' im Simpli- 
cissimus als Schweiz. Benennung des Vaters); Gnomme, 
Genoss. Gesellschafter, eig. Mitnehmer, ahd. ginomo: 
Gspan, Gespiele (eig. Milchbruder, v.spanen, säugen); 
Gspass, Geselle, auch: Gatte; Gschläpf, SchlatTvamerad ; 
,Getratte', Weid- oder Allmendgenosse (von Tratt, 
Weide. Trift); Gschwi, Schwägerin, Schwiegermutter, 
-tochter. In dem Scheltn. Gfrorlig bezeichnet das 
Präf. allzu leichte Geneigtheit zum Frieren, krank- 
hafte Empfindlichkeit für Frost. — b) sachlich und 
darum auch mit sächl. Geschlecht des W. 1 1 Abstrakta, 
meistens von Verben gebildet, bezeichnend a) Wieder- 
holung und z. T. Steigerung der Tätigkeit, nach Art 
von nhd. .Geächz. Geschrei, Getön' usw.. oft mit dem 
Nbbegrift' der Lästigkeit. Sehr beliebte Bildung. — 
ß) ein Mittel oder Produkt der Tätigkeit, z.B. 
Gfergg, Fuhrwerk; Gfäsch, Wickelzeug; Gliger, Lager; 
Greis, Ordnung; Gier. Unordnung: Gxntz. Ahasit/.. 



Grundsatz; Gsäss, Anbau. Wohnsitz. Von Subst. : 
Gmünd, Handbreite (vom alten mimt. Hand); Gf'rdss 
(in einigen Bedd., während die andern zu 2) gehören). 
Einige WW. dieser Gruppe finden auch .\nwendung auf 
Personen, aber nur in ungünstigem, tadelndem S.. z. B. 
Ghürsch. nachlässig gekleidetes Weib (eig. gleich.sam 
personifizirte Unordnung); Gnist, unruhiger Men.sch 
(yg\. Fegnest); Gragel, hageres Weib (eig. aufragende 
Gestalt); Griclit, Schwätzerin (von ,richten' i. S. v. 
absprechen oder durchhecheln'?). Hieher mag auch 
Getwergi, Zwerg (W), gehören, sächlich aufgefasst 
wegen der Missgestalt (vgl. nhd. , Wicht, Ding' auch 
von kleinen Personen), schon mhd. getwerc in jener 
Bed.. doch viell. urspr. coli, und dann auf einzelne 
Wesen eingeschränkt nach Art von nhd. .Frauen- 
zimmer, Bursch. Kamerad', frz. recrue, Rekrut. — 
X) die Tätigkeit selbst, ohne Nebenbegriff: .Ge- 
hügde', Gedanke, Gedächtniss ; .Gefechd', Fehde ; Ghirt, 
Fütterung des Viehs; Gritt, Erdschlipf (eig. wohl 
wiederholtes Rutschen und dann eher zu a, wie diese 
3 Unterabteilungen übh. leicht in einander übergehen). 
— 2) Collectiva mit dem Begriff eines aus vielen 
Teilen (oft unordentlich) bestehenden Naturgegen- 
standes od. Machwerkes. Grigen, Regenwetter; Gvihel, 
Nebel; Ghilb, feines Dunstgewölk; Gfider, Federvieh 
(vgl. nhd. ,Geflügel') ; Gfisel (s.d. W.. von dessen 9 Bedd. 
übrigens einige zu 1) a und ß gehören); Ghüder, Keh- 
richt; Gjät, Unkraut; Gfilg, die Gesammtheit der 
Felgen an den Rädern; Gstüedfl, Gestell, bes. Web- 
stuhl; s. auch noch G/Ietz und Gßätsch. — B. vor 
Adj. und adj. Participien. 1. vor reinen Adj., 
meist pleonastisch, ohne Bed. (wenn das Adj. nicht 
von einem Subst. oder Vb. abgeleitet ist, dem das 
Präf. bereits wesentlich zugehört). Wenn das Präf. 
irgend eine Bed. hat, so kann es höchstens in ein- 
zelnen Fällen etwa besondere Geneigtheit gewisser 
Personen oder Dinge zu der betr. Eigenschaft, vor- 
wiegendes Behaftetsein mit derselben oder Annäherung 
an dieselbe (i. S. der Bildungen auf -icht. -artig) an- 
deuten. Doch sind zu unterscheiden: a) Adj.. welche 
auch ohne das Präf. vorkommen, also nur gelegent- 
lieh und lose mit demselben verbunden werden : 
(g)ässig; (g)ergelig: (g)fölgig; (g)fötzeKg; (g)foslig; 
CgymUig; (gßeitsam; (g)flingg ; (g)frönd, fremd; (g)söd, 
leicht siedend u. v. a., meist auf -ig. -r- b) .\dj.. welche 
nur mit ge- vorkommen (meist ohne dass dem Präf. 
eine besondere Bed. zukommt). Beisp. ghass, verhas.st. 
feindlich gesinnt; dagegen (gjlmssig, übellaunisch; 
gräz (scharf, bissig, erpicht, verschieden von gräzt, 
gährend, und räss); ghand, bequem, gelegen (eig. zur 
Hand; vgl. nhd. ,behend') ; ghwrsch, herrisch; ghiiss, 
keck, frisch, stolz (mhd. nur hiuze); gfürchig, furcht- 
sam, -bar; ghe-üg, ghedig, dunstig, dämmerig; ghiifig, 
voll; gschämig, beschämend; gsehmig, bunt, grell u. a. 
Die ä. Spr. macht von dem Präf. nicht so häufigen 
Gebrauch resp. Missbrauch. Bemerkenswert ist .ge- 
recht' i. S. V. ,recht'. dexter (öfter im XVI.); .ge- 
saftig.' BiB. 1530 (vgL 0. G'saf, Saft); ,gewillig.' ebd. 
1531/48; .gedenkwürdig.' Wurstisen ; .rechtgeschafien.' 
BiB. 1530 u. LLav. 1.584. richtig participial gebildet, 
aber darum eig. zu 2 gehörig (übrigens vgl. Gr. WB. 
IV, 1, 1, 1621); .gschriftlich'. abgeleitet von .Gschriff 
(s. o.), wie umgekehrt mit scheinbar fehlendem Präf. 
.duldig' von ,dult'. Adj. Formen mit ge- ohne die 
Ableitungssilbe -ig sind heute seltener geworden als 



45 



4G 



sie Irnlicr wurm. 'An iloii obigen Beisinelou (uiitei- h) 
koiiiiiieii iiiiili (/'"'''-, lierzliaft, beherzt; gsiyrädi. Die 
ä. Spr. bildete solehe Formen bes. zur Bezeichnung 
leiblicher beseliaffenheit, z. 13. .gebär', haarig, behaart ; 
.gelib', beleibt; ,gehöcl', mit Heilen versehen, unver- 
sc-hnitten) ; .gehürn', gehörnt (neben .gehiirnacht-, horn- 
ithnlich, und ,gehürnig', hörnen); .gelaub', belaubt. 
Vgl. auch en(j((j)ächs Sp. 75. Diese Bildungen be- 
rühren sich nahe und mischen sich i. T. mit den nach- 
folgenden participialen, z. B. .gehudel- (lumpig, zottig) 
neben .gehudlet', ,gefeder(t)'. — 2. vor adj. Parti- 
cipien oder participialen Adj.-Formen. a) mit der 
Form des Ptc. Perf. Solche Bildungen können von 
Subst. oder Verben abgeleitet werden ; im erstem Fall 
sind sie natürlich nur der Form nach participial, wie 
nhd. .gehörnt, geschwänzt' u. a. Es gibt Fälle, wo 
die Abi. von der einen oder andern Wortart zweifel- 
haft ist. Die substantivischen haben immer, die ver- 
balen (weil von selbst schon abgeleiteten Verben) 
meistens schwache Form; (jchinsen (voll), vollgestopft 
oder -gepfropft, ist Entstellung von (/ebisset , nicht 
von hissen, sondern von Bisse', Keil. Beispiele: von 
Subst.: ghaslet, gesprenkelt wie Haselrinde; gfröschet; 
t/l'uchset s. d. WW.; g'yeistet, lebhaft; g' gleichet, mit 
(ielenken versehen (s. o.) ; g'ghiclt, doppelt, von Früch- 
ten, eig. mit Glück begabt (das verbale Ptc. lautet 
g' glücket). Von Verben: gchlipitcret. klebrig; fichrün- 
gelet, knapp ; gchrttsen, kraus ( m-l"'n iicjinisirt ) ; ,il,,lsrhcf. 
nachlässig gekleidet; giiMugghl. JiiMor. \nin lliiinin'l; 
gmiigget, schweigsam, mürrisrli ; iilnsi-lirt. phisivl, auf- 
gedunsen ; gschmogen, kaum, küuimerlicli ; gstagoi, steif; 
gsimnnen, bereit; gstepijet, blatternarbig. Aktive 
Bed. haben: yvirrtelet, auf Vorteil bedacht; gmeistcret, 
herrschsüchtig; gschnögget, naschhaft; gf'reut, erfreu- 
lich; trugen, trügerisch. Von Zahlwörtern: gfün- 
feret, zickzackförmig (doch zunächst wohl vom Subst. 
Fünfer). ,Der gedritte Bund', der dreifache, die ver- 
einigten 3 Bünde, d. i. Graubünden, wo aber ge- coli. 
Bed. haben kann, wie in gefründ neben gefriindt. 
befreundet. Nicht selten entspricht das participiale 
Sufti.x -et dem rein adjeet. -ig, z. B. gchindelet, kindisch 
= gchindelig; gspriggelet, gesprenkelt = gspriggelig ; 
g'eiiiäiiget = einäugig; g' cierefigcf — nere'iiriii. Tni^-ek. 
grippUg, felsig, v. Boden = yiv'yi/i/fV . nrU.lKj iinlJii. 
feinkörnig, geronnen, von Jlibli; iirniidiiinjs 11,;,. li 
= grauchnets, geräuchertes; gfusiiii, zah, iiebfii gfuscn. 
Begrifflich bemerkenswert sind die unter II A 2 an- 
geführten ge-erbt. erbberechtigt; geteilt, theilhaft. — 
b) mit der Form des Ptc. Lnperf. -et (aus -end), wo 
diese nicht zu -ig geworden ist (s. vorhin). Diese 
Form trifft dann freilich mit der des Ptc. Perf. eines 
Teils der schwachen Verba zusammen, aber eben 
daraus, verbunden mit dem bei Ptc. Perf. vorkommen- 
den Übergang von passiver in aktive Bed. (s. o.) wird 
die Vorsetzung des ge- vor solche Pti\ (auch von 
Vben, die sonst kein ge- annehmen) eiiizii:- zu ri klaren 
sein. t. a. gstechet, stössig; traget, tmrlitiy; ijhiiiict. 
schneidig (von Waffen); gstinket, auch KiistiiiLur. cii 
gfarete [fahrender] Schueler; gstönds Hotz, stehendes. 
— c) vor den Adverbialbildungen a,wi -lingen, welche 
begrifflich zunächst an Ptc. Imperf. grenzen; z.B.: 
gstäiullige". stellend: iisll^jigc: ghöcklige, liockriid; 
gligglige; Wifsi rhlnir. liliiidlings. Zu dem '/< ilir^i 
Bildungen und d.T wirkli.lien Ptc. Imperf. kann man 
halten den iilid. syntakl. (ieljraneh dos Ptc. l'ei I. m.m 



Verben der Bewegung bei .koinni.'ir. z. K, ,er kniniiit 
gesprungen', was zwar mit ..siiringeml- nicht gleicli- 
bedoutend, aber nahe vwdt ist. — C. vor Verben. 
Auch hier ist das Präf. im Ganzen noch häufiger als 
in der Schriftspr. und auch hier ist zu unterscheiden 
zwischen ständiger, fester und bloss gelegentlicher, 
loser Vorsetzung, welch letztere in der Schriftspr. 
kaum noch vorkommt, also für die Volksspr. charak- 
teristisch ist. Das feste ge- ist aber zugleich für die 
materielle Bed. des Vbs wesentlich, während das lose 
(bes. in der ä. Spr.) z. T. nur formellen, syntaktischen 
Zwecken dient. 1. Verba mit losem ge. (g)näggelen, 
kleine, spielende Arbeit machen : (gl wirsen, beschä- 
digen; (gjchlenken, läuten; (g)resen, Kleinhandel trei- 
ben; (g)lütterlcv. viel trinken; fgj lästeren, lauschen; 
fgjliselen, Hüstrni; nplnnii , blinzeln; gschüderen, 
schaudern; (ijj ra.i'u , sdiaif schmecken; (g)heissen, 
genannt werden, lauten (dagegen i. S. v. ,befehlen' nur 
mit g'); (g) stillen, still werden, machen; (g)stabun, 
(er)starren; (g)rueben, ruhen; (gjhirmen, dass.; (g)äben, 
abnehmen; fgjärbeten, reH., sich bemühen; gclienneu 
neben ch- (Letzteres auf beschränktem Gebiete) ; 
,gspüren' schon Bib. 1.530; .gefühlen.' Klingl. 108S 
(jetzt nicht mehr); .gsegnen' schon Bm. 153(1; ,ge- 
dunken-. dünken. 1706, L. (Dagegen gebraucht die 
ä. Spr. und tw. noch die lebende MA. ,be-' und .ver- 
gnüegen' auch ohne ge-; ebenso .niessen' und .loben', 
i. S. V. geloben); .gereichen', sich er.strecken. ge- 
langen. AKlinül. 1ü88. NMan. hat: ,gelieben', lieb 
werden; .gemeinen', beabsichtigen (vgl. ,wie gut wir 
es gegen euch gemeinen.' 1531, Strickl.). In ,bige- 
stän' (beistehen) könnte ge- wohl auch fehlen, während 
es in ,gefolgen, gelangen', beide i. S. v. ,zu Teil wer- 
den', wesentlich scheint. Oft ist es schwer zu ent- 
scheiden, ob ge- materielle oder nur formelle Bed. 
hat, resp. nur beim Inftn. abhängig von Hülfszeitww. 
vorkommt (s. u. 5). ,Übergwältigen' ist richtig von 
,Gewalt' abgeleitet. Mit einem andern Präf. ver- 
bunden: (gjverirren. Zuweilen unterscheiden sich die 
M.\A. so, dass eine ein Verbum nur ohne, oder mit 
und ohne, eine andere dasselbe nur mit ,f/c gebraucht; 
z. B. g'nüssen, niesen Scn. anderwärts nur ohne; 
vnmoi. irewölmen Ac. in Z nur mit; si'''' icere", sich 
\ ..itciiliuiii. aiistreni,'-en '/,. si''' gweren, sich helfen Bs; 
^pnirhlni. |.lau(lern /, in 11s auch mit ge-. Oder in 
der selben .MA. unterscheidet sich z. B. schmücken, das 
Geruchsorgan in Tätigkeit setzen oder Geruch ver- 
breiten: g'schm., Geruch wahrnehmen; dem Gaumen 
wohl schmecken, munden; wüschen, waschen: gic, 
durch einander mischen. -- '2. Verba mit festem ge-, 
vor .Allem die Verba der sinnlichen Wahrnehmung: 
gsehn, ghören (schon in der ä. Z Chron. und bei Kuef; 
wol nur in Bs und G auch ohne ge-; einfaches hören 
in Z = aufhören, in GrD. auch = sich gehören, ge- 
bühren); gschmöcken, mit dem Gerüche wahrnehmen; 
gspilren. Aber auch peten, bitten (dagegen lieten, 
beten); gchennen (fast durchgehend); gneigen, sich 
verbeugen; gschweHgen, beschwichtigen; gscltre-ien, 
schreien machen; verklagen; gschwinden (unpers.). 
ohnmächtig werden; gruenen, ruhen; gchalen, ge- 
rinnen; gheilen, intr. ; gjächen. Iteif ansetzen; gstcllen, 
stillen, anhalten ; gstagen, erstarren ; gtcagglen, wackeln ; 
'iiniiipen, gnäpfcn, dass.; gnipfen, hinken; gnieten, 
sattigen; g'han. refl., sich geberden (vgl. nhil. .sich 
i;rliaben' = befinden); gltnu/gcii. bangen, sclninkeln 






(lassen); f/hijen, fallen; ijhinken, weifen, fallen; ffhir- 
iiieii, ausiulicii ; (jschändeii, verletzen ; yreichen, s. aus- 
strecken (dag. reichen, holen); yfechien, zu Stande 
bringen. In der ä. Spr. noch manche andere, z. B. 
.geleben-, mit Gen. u. Dat.. sich gefallen lassen, nach- 
leben; ,gefallen-, s. d. In ,sich geraaren, gemerben'. 
zum Bauerngewerb vereinigen, kann ye- coli. Bed. 
haben. Nicht hieher gehören Verba, welche von be- 
reits mit (/e- zsges. Nomina abgeleitet sind, wie (jhaben, 
wasserdicht werden, von i/hab; ywunderen von G-wun- 
der u. a., von denen sich als Abll. von einfachem 
Grundwort abheben: fjhilten und (jhären, Haut und 
Haare bekommen; gicahen. davon kommen (von Wabe 
in einer bildl. Beziehung V). — 3. einen Übergang von 
materieller Bed. des <je- zu bloss formeller machen 
Fälle, wo das Präf. lose oder fest mit einem Vb. ver- 
bunden, eine temporale Modifikation der Bed. des- 
selben mit sich führt, aber nicht eine grammatische, 
sondern eine lexikalische, also noch halb materielle 
Begriifsbestimmung. Das Bräf. kann nämlich das Ein- 
treten oder das Andauern eines Zustandes be- 
zeichnen und in dieser Eigenschaft durch Hülfsverba 
umschrieben oder durch wirkliche Priipp. übersetzt 
werden, z. B. : gstän, stehen bleiben, still stehen, 
stocken, auch: Stand halten, gegenüber treten, sich 
entgegen stellen; .das getön der trumeten vernenmiend 
die reisigen pferd, also dass sy zuo zeiten nit geston 
mögend.' Tikkb. 1563; fihucken, sich setzen oder sitzen 
bleiben, sich still halten = sic/t yhücken, z.B. (/hock! 
= (jhück dich! Zuruf an unruhige Kinder; ylig(yjeii. 
zu liegen kommen, liegen bleiben, unterliegen. z.B.: 
,ich bin den töufcrn nie hold gsyn; ich wellti gern 
hellen, dass si gelägend.' 1528, Egli, Act.; (j'hittmen, 
wieder zu Atem kommen; yneren, anfangen zu heilen 
(genesen); ynucken, einschlafen (ent-); yriselen, ge- 
rinnen ; yschwinden, ohnmächtig werden ; yschuindleii. 
Schwindel bekommen; ystossen, zsstossen. in Streit 
geraten. Hieher gehören auch einzelne Fälle wie: 
De'' nächst am Ofe' ytväniit si''', kommt dazu, sich 
zu w. Sdlger. — 4. vor gewissen Verben bezeichnet 
ye- das Vermögen zur Vollbringung der betr. 
Tätigkeit, worin also auch ein temporales Moment 
enthalten ist. So: ychm, zu rechter Zeit ankommen, 
mit Etwas zu Stande konnnen, z. B. : me" ychäm noch 
hinecht [diese Nacht] kand [leicht] Gl; me" tiiemti. 
es war nüd miiyli''', dass en Mensch da dure [hin- 
durch] ycfiäm. ebd.; ymache', zu machen vermögen. 
z.B.: V'' ymache 's um [ohne] di"'' Gl; ghähe', zu 
halten vermögen, ebd. ; y fasse", fassen, z. B. : das Glas 
!l fasset en ScJwppe" Gl; prinyen. Etwas ausrichten 
(i. S. V. einbringen) W; glängen, auslangen, -reichen; 
üsystün, etwas stärker als einfaches üsstän. Gotth., 
inmier mit Negation. z.B.: iebiy ystieng [stünde] er 's nit 
länyer us: .gössen-, zu verzehren vermögen. .Wann er 
dasgisst und trinkt den wyn. So gat er nienen nüechter 
hin.- BiRK. 1.535. S. auch noch Bd 1 525. — 5. hieran 
schliesst sich der schon in der a. Spr. reichlich be- 
zeugte Gebrauch, dass einem von den Hülfszeitwörtern 
der Modalität abhängigen Infinitiv ye- vorgesetzt 
wird, um die Erfüllung, Verwirklichung der Tätigkeit 
noch deutlicher zu bezeichnen. Vgl. (Jr. WB. IV, 
1. 1. Itjl-f. a) bei mögen, am Häutigsten z. T. bei 
den selben Vbn, welche laut 1 auch ohne das Hülfs- 
zeitw. die selbe Bed. annehmen können, z. B. ylange' 
w., ansreii-licn ; ylirJie" m.. festzuhalten vorningon. JJer 



Bueb ist lustig, der Vater mag 's [darüber] aber nit gla- 
chen. Si'RENG. Se eil, a's s' mönd zum Mül fis ylü [lassen]. 
Stütz. Er mag grite, tcas 's Boss mag glaufc, er küm- 
mert sich Nichts ums Pferd, wenn er nur leicht ins 
Weite kommt. Ineichen. Es het nüd m. gicerde". Er 
mag 's gmache, bringt sich durch. Nüd gwarte m. G. 
Es mag Niit pringe' (i. S. v. einbringen), zu einem 
Erfolg beitragen Z. Er mag das niit g'esse", aus-, 
aufessen (hingegen: er mag nüd esse, hat keinen Ap- 
petit). Er mag no"'' gclw", rechtzeitig ankommen. 
Es mag 's nüd g'ye' [ergeben], es will nicht gelingen 
oder es reicht nicht aus. Me" may das Stack Holz 
chiim yferyye' [von der Stelle bcweii^ii |. in Bs- auch 
bei Verben, die mit einem bereite diu >c11ji- Bed. ent- 
haltemlen er- zsges. sind; z.B. eryliampfle" [mit der 
Hand umfassen] möye"; eryhebe". festhalten; erylaufe", 
laufend erreichen; erglüpfe', vom Boden erheben; e»-- 
gmeistere", bemeistern; sogar ergslu, sicli aufrecht 
halten. Der Inf. ninuut aber in allen diesen Ver- 
bindungen nur dann ge- an. wenn mögen. ein persön- 
liches (leibliches oder geistiges) Vermögen zu einer 
Leistung, nicht aber wenn es subjektive Geneigtheit 
zu einem Tun oder objektive Möglichkeit eines Ge- 
schehens bedeutet. Daher die PiA. Hden mögen = 
gern sehen, dagegen nicht gliden m. i. S. v. ertragen, 
weil reines Leiden nicht als akt. Leistung gilt. /''' 
mag nüd schrlbe' heisst: ich habe keine Lust dazu. 
/ »(. n. gschribe", keine Kraft, vermag die Feder 
nicht zu führen. F'' mag-en nüd a'luege', ich wür- 
dige ihn keines Blickes, a'gluege", ich vermag seinen 
Anblick (wenn er mir aufgedrungen wird) nicht zu 
ertragen. (Scheinbare Ausnahmen sind: (fsin m., von 
Personen: ökonomisch bestehen, sich durchbringen. 
wo sin nicht abstraktes Dasein, sondern prägnantes 
und concretes Existieren bedeutet; von Sachen: zu 
Stande kommen, sjn. ywei-de" m., wobei der Sache 
fast persönliches Vermögen, sich selbst verwirklichen 
zu helfen, zugeschrieben wird. Bei gicerde" m. mit 
Dat. P. i. S. V. zu Teil werden wie in .gewerden 
lassen.- LLav. 1644 gehört ye- materiell zu .werden', 
und mögen bedeutet Schicksalsbestimmung.) .Ilir try- 
bend die fröwd gar schalklich, daz wirdig lierren ut 
ir Stuben nit getanzen, noch kein ruowe vor üch 
gehaben mögent.- Bs XIV. .Swele [welche] der buosse 
nit geleisten mag. der soll man die statt verbieten, 
unz si's gerichte.- 1314, Lauf., Beitr. .Der [Götze] 
Bei euch mag gehclfen nüt.' Birk 1535. .Qui heri 
poteratV wie mocht das gesyn oder zuogon.' Fris. 
,So feisste milch, dass man kein käswasser davon ge- 
haben mag.' TiERB. 1563. ,Mer fassen, dann er ge- 
füeren mag.- Gualth. 15Ö4. Auch in der Stelle bei 
RüEGER (1606) : ,Des aber das arme landvolk nit glaclien 
möcht-, lässt sich die oben vorausgesetzte Bed. des 
Hülfszeitw. behaupten. — b) können (z. T. i. S. v. 
, vermögen'). Nüd chann-i''' weniger iisgstä'. MUsterj. 
Er hat 's niimme [nicht mehr] chö^nne" ergmangle" 
[entbehren] Bs. Er cha"" 's gmache, er kann ökono- 
misch existieren (dag. er cha 's »«., er versteht es zu 
machen). Er cha'" gsl'. ebso. Si misset s' gsi und 
chihinet gsi. Stütz. [Einen Schmerz] gleggen [be- 
schwichtigen] chönne". ,Dass er anderen köuTie für- 
gesetzen [vorstrecken].- BossH.-GoLnscHM. .Einen See. 
welchen man erschiften, erschwümmen und beinachem 
gewatten könnte.' 164it, JJBreit. .Wo kann mir bass 
|zu Mute] geseiir^ H Insclir. — r) lUirfen (i. 8. v. 



50 



.wageir, veraltet türren). Me" tarf's nüd gsäge" Z. 
Sider hed 's keine'' me dürfe" gwaye', d's Bäbi s' erlöse". 
FDKyd 1860. Wie hast au"' das töre' gsäge"? Ap. 
Si liend-is no''' so vil gheusche' dürfe'. Madleni 1712. 
,Wer nit welle oder getörre geschweren.' 1457/1544. 
ScHW LB., neben : ,Getörften sweren.' 1424, L. — 
d) sollen. ,Die einung soll man den herren ge- 
bessren.' 1348, Aa Wst. ,Man soll von ir kainen aid 
iiiemer me genemen.' ca 1400. TeDicssenh. Stadtr. 
,l>ie söllent, dahin sj bishar gedient, auch fürer ge- 
dienen' (nachher: ,ze dienen schuldig syn'). 1525. 
Absoh. — e) lassen. ,Das vih zween tag one trinken 
und essen gestehn lassen.' 14'24, Gem. Aa. ,Dass man 
sy in disen gefaren nit wollte gestecken lassen.' HBrtL. 
1572. Für die gesprochene MA. schwach bezeugt. 
GUbe" lä"; aber gl. ist auch an und für sich Nbf. zu 
dem einfachen Verb. In der scherzhaften Anekdote. 
welche einem Lehrling seinem (deutschen) Herrn gegen- 
über die Worte in den Mund legt: ,Ich lasse mich 
nicht mehr gedauzen, ich bin behört [konfirmiert]', 
ist Verhochdeutschung beabsichtigt. — f) wollen. 
,8ie müssten zur Sache sehen, wenn sie g'fahren woll- 
ten' (s. I 892). GoTTH. ,0b er under diser decke nit 
geligen will.' Gyrenr. 1523. (Wenn .geligen' hier be- 
deutet , still 1.', so gehört es zu 3.) — g) müssen 
(auch i. S. V. , sollen'). ,Der jud der muoss des nit 
gelachen.' Birk 1535. VgL o. ,gelachen mögen'. — 
h) Syn. mit den einfachen Hülfszeitww. sind einige 
Umschreibungen mit ,zu'. So , haben zu' = ver- 
mögen, können; z' yVebe ha", Lebensunterhalt haben, 
existieren können B; vgl. o. es gmache' müye', gsi" 
chönne'; , kommen zu', mit Etw. zu Stande kommen, 
vermögen es auszurichten, z. B. 's Bluet s' gstella 
[stillen] c/tow GrD.; .luegen zu', versuchen, z.B. 
l. z' yreise", einzurichten suchen; ,wissen zu', z.B. 
si''' z' gwere" wüsse", sich zu helfen wissen Bs (wo 
aber gwere auch allein vorzukommen scheint; s.o. 1). 
— 6. rein formal, syntaktisch und zwar temporal 
im gewöhnlichen grammatischen Sinn (im Unterschied 
von 3 u. 4) steht ge- in der ä. Spr. zur Bezeichnung 
oder deutlichem Unterscheidung einzelner Zeitstufen. 
VgL Gr. Wß. IV 1, 1, 1613; Schmell. V, 857 8. a) vor 
dem Präsens 1) wenn dasselbe in das Futurum 
(resp. fut. exact.) oder Perf. hinüberspielt; bes. in 
Nebensätzen, welche mit .wenn', .so' i. S. v. ,so oft. 
so bald (als)', .bis, ehe' eingeleitet sind, also das Ein- 
treten eines Momentes in der Zukunft resp. zukünf- 
tigen Vergangenheit zum Inhalt haben. , Welche nit 
da sint, so der richter gesitzet [sich gesetzt hat] und 
daz gerichte gebannet [eröifnet haben wird], dz soll 
ieklicher bessren mit dry Schillingen.' 1322. Aa Wst. 
,Wenn der tanz ein end genimpt.' 1462, Z Rat- und 
Richtb. ,Wenn nun euwer glaub in euch gewachst.' 
1531/48, IL Cor. ,Wie [so] bald Gott usgschlaaft und 
erwacht, wirt yedermann wol sehen das.' Küop 1550. 
.So die hennen zum ersten gelegend, wollend sy an- 
fahen zuo bruoten.' Vogelb. 1557. ,Eim die äugen 
zuutrucken, wenn er gstirbt.' Fris. ,Man soll nit in 
die zeig faren mit schafen, unz das man abgeschnydt.' 
1486. MEsterm. 1875. .Wenn einer die [Schafe] ge- 
metzget u. geetzt'. d.i. wirklieh m. (vorher: .metzgen 
u. etzen'). ebd. ,I)iene mir, bis ich giss und trink.' 
1531/48, Luc. = ,geessen und getrunken habe.' 1667. 
.Ich will deinen kameelen auch schöpfen, bis sie genuog 
getrinkend.' ebd. ,I>er Bäcker soll nicht feuern, vor 
Schweiz. Idiotikon. II. 



man das glüggli gelütct.- 1400, TiiDiess. Stdtr. ,Ee 
und sy sich g'sammlind und gerüstind.' HBull. 1532. 
,Ee .sy sich gweschend. gferbend, gsalbend', d. h. mit 
Waschen usw. fertig geworden sind. Aal. — 2) in 
Sätzen mit ,dass, damit', wo die zukünftige Erreichung 
einer Absicht bedeutet werden soU. .Luog ouch ernst- 
lich, dass du dyn zorn gemeisterist.' HBull. 1558. 
,Damit er die gall geteinme.' Vogelb. 1557. — 3) in 
Relativsätzen, welche das Erforderniss einer be- 
stimmten Eigenschaft enthalten; besonders wenn .all' 
od. .kein- vorausgeht. .Das" ellü unfuoge, die pfatfen 
getuont, geriht't werden.' Z Richtebr. ,Die fälle 
[Bussen], die in der kilchhöre gefallent, die soll 
man wtjren in den hof ze tottikon.' 1351, Aa Wst. 
.Dann under euch ist sicherlich keiner, der mcr nutz 
gschaff als ich.' Com. Beati. — b) vor Ind. od. Con- 
dition. in Haupt- und Nebensätzen, welche die allg. 
Zeitbestimmungen .je' oder ,nie' enthalten (vgl. a 3 
und Gr. WB. IV 1, 1, 1622). ,Geschaiden uns niemer 
von synem glouben.' Z Chron. 13.36/1446. ,Dass es 
ainen tropfen nie geregnöte.' ebd. ,Gefüegte sich 
yemer.' 1521/44, Schw LB. = sollte je der Fall ein- 
treten. ,Wäre ouch, ob [wenn] der burger mit dem 
ungelter gestiesse [streitig würde].' 1342. Lauf., Beitr. 
— c) vor dem Prät, welches dadurch den Sinn des 
Plusquamperf. erhält, nach ,wenn, nachdem, da, bis, 
ehe.' (vgl. a a). ,Eb der siech ge.starbe.' 1406, Bs Rq. 
,Bis sy alle ding usgemachten.' HsSchürpf 1497. ,Wenn 
aber der richter gestarb, so wandtend sy sich.' 1531/48, 
JüDic. ,Do sie ein loch gemachtend.' 1531, Marc. 
^ .gemachet haftend.' 1548. ,Do sy im den esel gsatt- 
letend, reit er darauf.' 1531. I. Kön. .Wie er in 
gschneid, do sach er.' 1569, UMey., Wint. Chr. — 
7. Verbindung von ge- mit andern Präf. ist selten, 
z.B. ef-g-ehimen, sich erholen (viell. für ert-, er-ent-?); 
gver-irren s. o. ; ver-grumpfet. Vgl. nhd. ,ver-g-nügen', 
welchem in der MA. vernüege gegenübersteht. — 8. da- 
gegen steht ge- nicht selten gleichbedeutend mit 
andern Präf. oder mit Präpos. Mit be-: ghalfen; 
gschauen; gviüejen; gchennen; gsegnen (refl.); gschläs- 
seii; gschiessen, klecken; gheben; ghangen, hangen 
bleiben; ghandeti, behändigen; ,geschehe' mit ,be-' im 
gleichen Satze wechselnd Z Richtebr. Gherst; grü- 
schet, berauscht; gsuffen, besoffen; gfründt; gstanden, 
ausgewachsen, vom Alter; gchäm, bequem; gschib = 
bschib, geschickt; gsehämiy, beschämend; gehand, be- 
hend. Gschaller = Bschaller, Vordergestell am Pflug; 
Gstand; ,Gezirk;' ,Geding', Bedingung. Vgl. Gr. WB. 
IV 1, 1, 1623, b. Mit ent-: geraten, entbehren; 
gnucken, einschlafen; yschlipfen, ausgleiten. Mit 
er-: ywarten; gstarren; gstahlen. Mit ver-: ,Ge- 
heiss', Verheissung; gfallen. Mit us-: grueben, aus- 
ruhen; gschlahen. Mit an-: gschwellen; ,sich ge- 
stellen', sich an-stellen. Mit zu-: .gefallen', zu 
Teil werden. Mit vor-: .gefallen'. Mit uf-: gwär- 
men. — IV. Selten fehlt der MA. das Präf., wo 
die Schriftspr. es hat: lingen; brüclien; ring i. S. v. 
.leicht'; Bis, Gebiss; Leuse, Geleise; Lid, Glied; 
Sims, Gesimse; Hirni, Gehirn; Birg; Buggenrät, 
Rückengrat. Es mag hier aus der Grammatik er- 
innert werden an die Bildung des Ptc. Perf. ohne 
Präf. in funden und chon, und dieser gegenüber an 
die Anwendung des Präf. in den Fremdww., z. B. 
Iregiert, kstudiert, kinspiziert; ,geabsolviert.' Schür hf 
1497. 



Ga, ge, gi, g«. gn 



Zu I ist zu bemerken, dass uiit Ausnahme einiger alter- 
tümlichen Gebirgs-MAA. die synk. Form des Präf. (gelegent- 
lich mit Assimilation) die einzig volkstümliche ist und die 
WW. mit gi- neueren Datums und aus der Bücherspr. ent- 
lehnt sind ; so z. B. yibore' für volkstümliches worde'. Übrigens 
vgl. das parallele bi-, he-. Die Verhärtung des Anl. bei Syn- 
kope erklärt sich daraus, dass der cons. Verschluss während 
der ganzen Zeitdauer, welche die volle Silbe in Anspruch 
nähme, ausgehalten wird. Beiläufig gesagt, erklärt sich 
manche scheinbare Lautverschiebung, d. h. manches (oder 
jedes, wenn man Analogiebildung annimmt) anlautende p-, 
t-, h-; kx- für h-, d-, </-; c7i- aus dem eben berührten Laut- 
vorgang. — Zu II B 1 b. Dass die Adjj. auf -ig fast ohne 
Ausnahme mit dem Präf. versehen werden, hat seinen Grund 
viell. in der engen Berührung mit der Participialendung 
(s. ebda 2 a). Wahrsch. sind die beiden Endungen auch 
lautlich im Grunde dieselbe oder wenigstens in einander über- 
gegangen, da aus -et, -ed überh. oft -ig wird. 

geie" I s. (jächen. 

geie° II: schreien, rufen'? D' Maitli träged Sehäp- 
peli, (V Buebe" tr. Maie", de'' Guggi [Kuckuck] will bald 
gaie' AAKais. 

(ieienliofen : badisches Dorf am untern Bodensee, 
das Schiida der dortigen Gegend, von welchem Kunde 
bis nach Zürich drang (wohl von der schutzverwandten 
Stadt Stein aus). So in der KA. : Etwas von Hand 
nehmen — ivie der Geyehofer de' Bappe (vgl. Hallauer). 
Kinder sucht man von Ungezogenheit bei Tische ab- 
zubringen, indem man ihnen vorstellt: D' Brut vo' 
G. häd d' Bei« uf de" Tisch fuf-em Tisch obe'J Z f. 

Georg 1) ,Geörg' XVH. ff., Giörg Th, Gjörg ZW., 
,Geori.' 1329, Absch.; 1393, L? S?; XVI., Zürichberg. 

2) Jörg F; VOrte; GRLdq., Jörgel SchwE., Jörg Ui., 
JerkY; ,U", Jörtsch GaKh., Jerig W; Jw „Gl;" ZF., 
Jörri, Jöri „B; L;" Gr; GSa.; Z f, Jeri L; U. Jori Gr. 

3) Prg, Erg Sch; TnSteckb., lerg Sch, leri L, lerli 
Sch: Taufn. Über den Heiligen als Drachentödter 
s. FVetter, Stein a/Rh. 34. Als Beschützer der Vieh- 
herden gegen Untiere (wie der Drache eines war) wird 
er im Abendruf auf den Sarganser Alpen angerufen : 
B'hüet-s' Gott und der heb heilig St Jörg, der wol 
hierüf wacht (oder hie wol üfwachi) und höri. Der 
Tag des Heiligen, 23. April, gilt als Termin im Ge- 
schäftsleben, entsprechend dem Martini (11. Winterm.) 
Sch. Er ist auch Termin und Schicksalstag für die 
Landwirtschaft. Wenn si um Georgi en Gicagger 
[Rabe] im Bogge verberge" cha'", so zeiget 's en guete 
Jorgang a". Sulger. Weht die Bise am G.-Tag, so 
weht sie 6 Wochen lang S. Jörg (Alhrecht) und Marx 
[23., 24., 25. April] dräue" vil Args. Philipp und 
Jakobi sind aW'' zwei Grobi. — Der Umlaut (ö) ist wohl 
auf die lat. Form ,Georgius' zurückzuführen. 

geuen s. giXwen. 

gi I: Interj. 1. ki se, se: Lockruf für Ziegen Schw. 
— 2. gl, gi, Ausruf schadenfrohen Spottes, begleitet 
von einer geigenden Bewegung des Zeigefingers am 
Nasenflügel Ar; GT.; SchwE. Syn. gix. 

Zu 1 vgl. Gibe, Ziege. — 2 könnte auf ähnlichem Wege 
aus Gige verstümmelt sein, da mau eine gleichbedeutende 
Geberde mit dem Kübchenschaben udgl. vergleicht. Es könnte 
aber auch eins sein mit 1, da die Geberde sich auch auf 
die Ziege (bezw. ihre Hörner) deuten lässt; vgl. die eben- 
falls spottende Geberde des Gäbeli. 

gi II s. gan. 

., gie: allezeit, ohne Aufhören F." — Aus le mit 
vorgeschlagenem g für j; vgl. ,je'. 



go, gu s. gän. gü. göi s. gri(i,J. 

Gö m.: eingewundener Haarzopf der Männer und 
Knaben, in den ersten Dezennien dieses Jhdts zur 
städtischen Tracht gehörend L; Schw; Zg. Syn. Här- 
Stil. — Aus frz. 9«CMe. 

Goi m. : Gregorius Gr. — Zunächst aus (Gre-J'juri. 

Gn m. : Geschmack, in obj. und subj. Sinn, allg., 
neben den deutschen Synn. Kust; Mang; Geschmack. 
Das Brod hed ekei" Gu, schmeckt nach Nichts. E Fass 
mit Wi het drei Gü, schmeckt oben, unten und in 
der Mitte ungleich. Sulger. Es gid allerlei für Gü, 
die Leute haben ungleichen Geschmack. B' Gü sind 
gar ungllch. Ei'"m de" Gu nüd ha", ihm nicht ge- 
wogen sein. Ei"'!)! de" Gu [das Interesse, die Sym- 
pathie] für das und das ne". — Ab-: 1. ungehöriger, 
widerlicher Beigeschmack Schw; Uw; ZKn. Syn. Akte; 
Hie. — 2. Widerwillen, Abscheu Gl; S. Si het en 
A. gege de" Burst [Burschen]. Joach. Er hat e puren 
A. vor-''em Werche". — Un- (Ö-gü) = Abgü 1 Ap. 
— Erd-: eigentümlicher scharfer Beigeschmack des 
Weines, welcher der Bodenbeschaffenheit zugeschrieben 
wird Aa; Bs; Z. Er [der in der Mundart Aufgewach- 
sene] hat 's wie 's guete'' Wi" muess ha": en E. blibt-em 
eisder. Sutermstr. — Mer-i Beigeschmack vom Meer- 
wasser, der dem Kaffee etwa anhaftet Sch; Z. Vgl. 
mer-räuelen. — Nach fiVö-e^-; Nachgeschmack Z. — 
Bruch-, Brüchli-: Geschmack des Weines, welcher 
im Begriffe ist zu brechen, d. i. abzustehen Z. Vgl. 
Bruch, brüchfejlen. — Brät-: der Geschmack, wel- 
chen gekochte Milch bekqmnit, wenn sie lange an zu 
grosser Wärme hingestellt geblieben. 
Gu II s. Gon. Gü s. Gewinn. 



Gab, geh, gib, gob, gub. 

Gab bzw. Göb Ap f.: freiwilliges Geschenk, spec. 
a) an Brautleute zur Hochzeit Bs; Sch; Z; s. Hoch- 
zlt-G. ,Es ensoU einheiner brut nieman geben wann 
1 gab.' Z Richtebr. Auch Dim., z. T. nur Ausdruck von 
Bescheidenheit: Nach eingebrochener Nacht des Hoch- 
zeittages kommt aus jeder Haushaltung des Dorfes 
Jmd mit einer Gabe (Gerät oder Geld) zur Braut und 
reicht ihr dieselbe möglichst verstohlen unter dem 
Tisch mit den Worten: do han-i''' aw'' e Göbli ZSth. 
— b) an die Veranstalter von Lotterien, Schiessen, 
Kegelschieben; aber auch der bei diesen Spielen zu 
Teil werdende Gewinn, allg.; s. auch Gr. WB. IV 
1, 1, 1112. Syn. Abentür. ,Auf die Gaben kommen": 
denjenigen Schuss getan haben, der den gewinnenden 
Schüssen am Nächsten kommt, also den besten unter 
den nicht gewinnenden [,auf' i. S. v. unmittelbarer 
Nachfolge]. — c) zur Bestechung von Staatsbeam- 
ten ; vgl. Eät-G. ,Miet und Gaben' stehende Formel, 
bes. von Richtern (auch Mitgliedern der Regierung, 
welche von Mächten Geschenke annahmen, um dafür 
die Werbung von Söldnern zuzulassen). ,Dass die 
Boten auf den ennetbirgischen Vogteien vor dem An- 
fang der Verhandlungen schwören sollen, von Urteilen 
und Gerichtshändeln keine Miet, Gaben noch Schen- 
kungen anzunehmen, sondern dem Armen wie dem 
Reichen das Recht werden zu lassen.' 1557, Absch. 
.Die Landvögte, Amtsleute, Gesandten und Mitrichter 
dies- und jenseits des Gebirgs sollen von Urteilen. 



Gab, geh, gib, gob, gub 



54 



Bestätigungen. Liberationen usw. weder M. noch G., 
sondern nur ihr ordentliches Gerichtsgeld nehmen.' 
158(5, ebd. — d) überh. Geschenk an oder von 
Herren. .Grosse herrlichkait, vererung, schenken, 
gaben und Sicherheit.' Kessl. ,Der Tod allein urteilt 
ohn gunst und gab.' RüdMey. 1650. — 2. Gabe des 
Geistes, vom Schöpfer verliehene Naturanlage, auch 
von zweifelhaftem Wert Ar; Sch; Z. 's Schwige" ist 
e schöni G. Si häd d' G. nüd z' schwige'. Er hed 
dere [dgl.] Göbli. ,Dem Gott so vil gaben geben hab.' 
ZwiNULi. — 3. rechtliche Gebühr, nämlich jähr- 
licher Anteil der Bürger am Ertrag der Gemeinde- 
waldung Aä; Sch. Syn. Burgernutzen. Wo 's Freude- 
/■«)• ro" mls Vaters G. ufgflacl-et ist. APletscher. 

Ab- s. verlieren. 

.\bend-: das Geschenk, welches der Mann nach 
der Brautnacht der geheirateten Wittwe gibt. ,Des 
gelich soll einer wittwen ir a. folgen und belyben, 
als vorstat.- ZMünchalt. Hofr. 1439. 

Der Ausdruck ist offenbar als absichtlicher Gegensatz zu 
,Morgen-G.' gebildet nnd bezeichnet treffend den Abstand 
des Wittwenstandcs vom Jungfrauenstand, resp. der beiden 
Altersstufen. 

Über-: 1. Übergabe eines Amtes an einen Nach- 
folger und die damit verbundene Mahlzeit. De"- Herr 
Obervogt het d' Ü. Sülger. Und zieht denn d' Sunn 
alsgmach durah [abwärts], se rutscht de'' Mündig [Mon- 
tag] mit, imd git dem Zistig [Dien.stag] d' Ü. JKMey. 
1844. — 2. geschichtliche Überlieferung. ,Nach 
der verzellung einer bis auf heut noch unvergessnen 
ü.' HPant. 1578. — Acht-: Achtgeben, Obacht. .Acht- 
gabe und Anzeige', elliptische Formel am Schlüsse 
von Polizeierlassen, in welchen von einem Diebstahle 
Anzeige gemacht wird Schw. Syn. Achtbestelli''g. — 
U f-: prägnant = schwere Aufgabe od. Arbeit. Bas ist 
en U.! das will Etwas heissen Z. — Gült-U. : Agio, 
das man beim Ankaufe einer ,Gült'. d. i. eines unauf- 
kündbaren Kapitalbriefes, wegen der eingetretenen 
Verringerung des Geldwertes über den nominellen 
Wert des Briefes hinaus bezahlt, gegenwärtig etwa 
20 % betragend Z. 

Umhin (Urne)-: Gegengeschenk der Eltern an die 
Paten für den ,Einbund' der letztern Z. — Zu umliin- 
(/then. zurückgeben, vergelten. 

Ere"-: Ehrengeschenk, bes. zu Freischiessen, von 
Behörden. Vereinen od. Privaten. Vgl. Gaben-Schiessen. 
— Armen- GÖbli: (kleine) Gabe zur Unterstützung 
von Armen Ap. 

Gottes-Gab: 1. Geschenk, Vermächtniss an Kir- 
chen-, Schul- und Armengüter Ap; W; Z(t). „Frei- 
willige Gaben, die in der Kirche im Klingelbeutel 
eingesammelt und dann sogleich unter die Armen 
verteilt werden Z;- Syn. Säckligeld. Gottsgaben an 
Speise und Trank oder an Geld, wöchentliche und 
auf gewisse Tage geleistete, erscheinen unter den 
regelmässigen Ausgaben des Z Spitales noch im Anf. 
XIX. ,Ist dis selgrät [fromme Vermächtniss] und 
järlich gottsgab gesetzt ab den obgen. güetern.' Gfrd. 
26, 283. ,Weun ein mensch im todbett ligt, mag er 
ein bescheiden selgrät setzen oder ein bescheiden 
gottsgab, doch mit der erben willen.' XV., Ztschr. f. 
Schwz. E. ,Als G. sollen alle diejenigen Gülten be- 
trachtet werden, welche auf den heutigen Tag an die 
Kirche zu Zug, ihre Frühmesse, ihren Spital und ihre 



Spend gehören und sollen steuerfrei sein.' 1448, Absch. 
,So ein mensch in sym totbett etwas [ver-] machte an 
kilchen, spenden, spital und ander gottsgaben, damit 
er gedünkt syner seel heil zuo schaffen.' XVI., Ztschr. 
f. Schwz. R. ,Reben, teils erkauft, teils in gottsgabs 
wys geschenkt erhalten.' 152.3, Absch. ,Das haus Al- 
tishofen sei nit ein g., sondern ein erkauft ding, habe 
also wieder verkauft werden dürfen.' 1571, Seg., Pfytt". 
,Gottsgaben, als an die Kirchen. Schulen, in gemeinen 
Armen Leuten Seckel, mag Einer, nachdem ihn Gott 
ermahnet, vergaben.' Ap LB. 1747. S. JJBlumer 1859. 
'236 f. Concret: geistliches Stift. — 2. Gnade. .Wann 
einer frid bricht und ehr und gwehr wider will er- 
langen, so soll einer die 20 pfd erleggen, dass man 
ihm nit daran [soll] abgon Ion, sondern so er ein g. 
begehrte, so möchte einer nach angänds wieder kom- 
men gen bitten.' Ap LB. 158.5/1828. 

Mhd. got(e)s<jalie, Pfründe, geistliches Beneficium. .Gottes-' 
causaler Gen.: Gabe um Gottes Willen, oder zu frommen 
Zwecken. 

Ker-: eine überschüssige Tanne, Eiche udgl., 
welche neben den regelmässigen und allgemeinen Aus- 
teilungen (Gaben) aus dem Gemeindewald etwa der 
einzelne Bürger der Reihe der Hausnummer nach, 
dem eher nah, erhielt ScaSchl. f 

Morgen-: 1. die Gabe, welche nach altgermani- 
scher Sitte der Mann der neuvermählten Frau am 
Morgen nach der Hochzeit als Gegenleistung für ihre 
ihm dargebrachte Jungfräulichkeit schenkte. Nach 
ehemaligen Gesetzen hatte die Ehefrau vom ersten 
Morgen ihrer Ehe an für den Fall des Absterbens 
ihres Mannes Anspruch auf 100 Kronen (200 Gl.) Ndw. 
,In donationem propter nuptias, quod dicitur morgen- 
gaba.' 1285, Gfrd. ,Die morgentgab mag sie gSn. 
wem sie will; lust't es si, raag-s' eim hund an den 
swanz binden.' 1342/80. LGreppen Hofr. .Ist daz ein 
mann synem ewyb, ist si ein tochter, ein m. git, das 
mag der mann wol tuon der ersten nacht, so er von 
ir ufstät, und mag si die wysen mit zweien bider- 
mannen, so soll es guot kraft han, wie vil joch der 
sunmi ist. Möcht si aber die zwen bidcrmann nit 
gehaben, so mag si von mund ir m. crzellen, und 
wollt man ir das nit glouben, so mag si nemen die 
rechten brüst in die linggen band und Iren zopf und 
mit der rechten band sweren lyplich zuo gott, und 
waz si da behebt, das soll guot kraft han.' ZMünch. 
Hofr. 1439. Und soll och der mann synem wyp die 
m. geben des ersten tags, so er früey als ein brütgom 
von ir ufgestanden ist, und nit danach in dhein wyse.' 
1457, Bs Rq. ,Eine frauw mag geben [vertestieren] 
ire früehmorgengab, ire haupttüecher und ir haupt- 
lochet gewand.' 1535, Ztschr. f. Schwz. R. ,1549 hat 
Junker N. von Ulm mit Junkfrouw B. von Hinwyl 
hochzyt ghalten, hett Iren ze m. gmacht 300 guldin, 
ein guldini kettinen und das best trinkgschier under 
allem synen silbergschier. me die finger all voll 
ringen gsteckt.' 1549, UMey., Wint. Chr. ,Sidtmalen 
ain m. anstatt des bluomens einer tochter fry eigen 
guot des ersten morgens, so der byschlaf beschicht, 
heisst und ist.' 1576, Z Ratserk. ,Wann einer siner 
efrowen ein m. oder kram verheisst.' 1579, Ztschr. f. 
Schwz. R. — 2. Geschenk, Vermächtniss, welches 
ein Ehegatte dem andern macht (also auch die Frau 
dem Mann). .Eelüt mögend einander ein zimliche m. 



55 



(ial). geb,'gib, gob, gub 



56 



vor und in der usach machen; aber nachdem die e 
gemachet wird, soll sich dann kein m. me machen, 
und send [sollen] bider lüt derby han.' 1553, Schw Eq. 
,Wann ein Eheniensch dem anderen Etw. zu M. yer- 
sprochen.' Z Ordn. 1699. 

Die genaue Ausprägung der Form, in welcher eine Frau 
ihre M. selbst soll bezeugen können (im Hofr. Mönchaltorf), 
ist eigentümlich; im L Stadtrecht heisst es nur, eine Frau 
könne ihre M. ,mit ihr eigen band behalten', d. i. durch 
Eid behaupten. Eigen ist dem alam. Recht die Erweiterung 
des Begriffs (Bed. 2), wonach auch ein Mann M. empfangen 
konnte. Eine Erweiterung od. Abschwächung lag auch in der 
Z Satzung: ,So einer ein tochter oder junkfrowen schwechte, 
dass er iren [ihr] ein m. geben und si zur ee haben soll.' 
Weil diese Bestimmung von Dirnen missbraucht wurde, 
wurde sie anno 1533 auf den Fall eingeschränkt, dass ein 
Eheversprechen vorausgegangen war. Im LB. Davos ist aus- 
gesprochen, wenn ein Wittwer eine Jungfrau heirate, müsse 
die M. doppelt so gross sein. Ein Wittwer, der sich wieder 
verehlichte, konnte keine M. bekommen (sowie die Wittwe 
nur eine Abendgabe), wohl aber ein .Junggeselle, der eine 
W^ittwe heiratete. 

Wiber-Morgen-Gab: Name eines Felskegels 
in UwE. 

Der Zusatz Wiher- bestätigt, dass U. (2) auch mit Bez. 
auf Männer gebraucht wurde. Die Benennung, zu der wol, 
wenn nicht eine Sage, so doch eine schalkhafte Anekdote 
bestanden liat, ist im letztern Falle eine scherzhafte und 
gesellt sich zu andern Neckereien gegen das weibl. Geschlecht. 

Eät-: Geschenk, zur Erlangung einer Stelle im 
Rat an Mitglieder desselben, welche dazu halfen Apf. 

— Wiegen-: Ehrengeschenk zur Geburt eines Prin- 
zen. ,Die Generalstaaten haben zur W. des Erb- 
prinzen von Brandenburg 400 Beichstaler verehrt' 
1672, Absch. — Würfel-: Abgabe, Hergeben von 
Würfeln (s. u. letzterm W.). ,Ich dinge mir den mann, 
den ich gefangen hab; kein ausflucht hilfet dich und 
keine w., ja gar der geltsack nicht', spricht der Tod 
zum Juden. KudMey. 1650. — Zue-: 1. (wie nhd.) 
Beifügung zu einem Geschenk od. einem Verkaufe Z. 
,I)ie Zugäblein des Lebens, Gold und Silber, Ehre, 
Wollust.' JJUlk. 1733. — 2. ,Consuetudo, gwonheit' 
Pris. — 3. Zugeständniss (auch dim.) Z (Spillm.). 

— Hochzit-: \. = Gab 1 a. Prüher von den Eid- 
genossen auch an Fürsten befreundeter Staaten, wie 
,Wiegen-G.', verehrt. ,Jede Stadt hat für die zur 
pfälzischen H. angeschafften 2 goldenen Schaalen 360 
Beichstaler zu entrichten.' 1672, Absch. — 2. Ehren- 
geschenk, das ein sich verheiratender Mann an das 
Schulgut oder an Vereine seiner Gemeinde in der 
Regel entrichtet, moderner Ersatz für den Haus 
(s.d.) Z. 

gäbe"I, göhe: ein Geschenk machon. 1. besonders 
Brautleuten zur Hochzeit Aa; GStdt; Sch; Z. Vgl. 
i" d' Ürte trägen. Si händ-mer schön g'gabet. Es häd 
en Bettler Hochsig g'ha", Es liäd-em Niemert g'gabet Z. 
,Wer nicht ist geladen ein, der lässt auch das G. sein; 
das ist am allerbesten; es gibt so keine Kosten.' 
SüLGER. In SchKI. werden am Abend des Hochzeit- 
tages auf ein mit Böllerschüssen gegebenes Zeichen 
dem Paar aus allen Häusern Geschenke an Lebens- 
mitteln, Hausgeräten, Kleidungsstücken gebracht; der 
Wert derselben ist je nach dem Grade der Verwandt- 
schaft durch die Sitte vorgeschrieben. Ebenso all- 
gemein ist das G. in ZKn. u. Sth., wo auch Geld (je 
1 oder 2 Fr.) geschenkt wird und die Geber (Güber) 



Wein, Wurst und Brod erhalten. ,Wie man der brut 
g. soll.' Z Eichtebr. ,Sy wellind [die Petenten] nit 
angäbet [ungegabet] lan.' UMev. Chr. 1549/73. ,Das 
g. an den hochzeiten soll abgestellt sein. Wann ein 
Isreutigam g. Hesse, so soll er alles, was ihm gegäbet 
worden und noch 10 pf. zu straf geben.' G Mand. 1611. 
,Die hochzyteren. deren man rychlich gebet.' FPlatt. 
,Wann einer ein gäbet Hochzyt haben wellte, so soll 
er das in synem eignen Hus halten.' Z Mand. 1616. 

— 2. im allg. S. .Bracht der bot kein geld; denn 
der küng desse bäss bedorft nunmal den fridslüten, 
wann den kriegslüten usszegeben und ze gaben.' Ansh. 
Trans, mit Acc. P. = begaben. ,Von wögen der Weis- 
heit sein, mit welcher ich auch gäbet ihn.' Com. Beati. 

— 3. vergaben, ein grösseres Gut an ein Stift, 
formelhaft verbunden mit .geben'. ,Dass HSevogel 
und syn eliche frowe alles ir guot gegeben hant und 
gobent der frowen von SantClaren des klosters.' 1324, 
Bs. .Welcher an die kirchen etwas geben und gaben 
wollte bei den Alemänner, der muosst die gäbe in ein 
pergameni karten oder brief stellen lassen.' Vad. 

ver-abgabe° (-?new BHa.): versteuern, von einem 
Gegenstand eine Steuer entrichten, allg. 

ver-gäbe": eine testamentarische Schenkung an 
die Gemeinde oder gemeinnützige Anstalten machen 
Ap; Th; Z. Subst. Vergabi'g: Früher auch an Per- 
sonen: ,Wenn iemand dem andern unzit [ützit] ver- 
gäbet vor gericht, das sich über 10 pfd wert guets 
trifft, davon soll 5 ß pfennig genommen werden, die 
person. die vergäbet wird, in gwalt und gwere zuo 
setzen.' 1457, Bs Eq. — fri-: frei schenken. .Dann 
Niemer unglöubig will syn und doch Niemand dann 
den Userwählten der recht Gloub allein von Gott 
durch's Wort frygabet wird.' Ansh.' Vgl. , freigebig'. 

vermorgengäben: zur Morgengabe geben, mit 
Bezug auf Kinder erster Ehe, für dieselben eine sog. 
Einkindschaft begründen. ,Die kind sollen nit ohne 
der abgestorbnen pcrsonen fründschaft wüssen und 
willen vermorgengabet werden.' AAMölinb. Landr. 

be-gäben: beschenken. ,In der widergeburt, dero 
uns Christus begäbet.' Zwingli. ,Von keiseren und 
künigen hochloblich begabt und gefrygt.' 1529, Absch. 
.Die Schüler am Examen mit einer neugebachnen Mut- 
schälle begäbet.' XVL, UErnst 1879. ,B., reichlich 
ausgeben, donare. dotarc. Mit einem ampt und cercn 
b.. exornarc aliquem magistratu.' Mal. 

Gäber: Geber. , Begierig von dem seltsamen g. 
[dem Sultan] seltsame gab ze haben.' Ansh. 

Gäberin Gäbere': Überbringerin von Hochzeit- 
geschenken (s. gäben a) ZKn. Dem Ere"g'sell [Braut- 
führer] muss die Braut eine weisse Schürze schenken, 
damit er bedienen kann, wenn die Gäbere' kommen 
ZUhw. 

Gäbete f.: die Beschenkung des Hochzeitspaares, 
in abstr. u. concr. S.; ehemals in Hausrat bestehend, 
mit welchem der neue Haushalt sich eröffnete Aa; 
Sch; Z. I" d' G. schicke' ZDän.; sowohl die Ge- 
sammtheit der Hochzeitgeschenke ScnSchl. , für Braut 
und Bräutigam gemeinsam von Hochzeitgästen und 
Andern ZGlattf., als auch ein einzelnes Hochzeit- 
geschenk AAEhr. 

Gabelle t: eine gewisse Art von Zoll, wahrsch. 
Salzzoll. .Aller dazien. gabcllen, zollen, fuossgglt, so 
von des Herzogen von Mailand wiegen in passen. 



Gab, geh. gib. gob. gub 



58 



Strassen und statten yngenonnnen werjent.- 1426, 
Absch. ,l)er fryheit Zolls, gabellen und anderer be- 
schwerden halb.' 1515. ebd. .Sollend denen von Bellez 
vorbehalten syn all ir sunder frj-heiten, so sy von 
Zöllen, salzkouf. gabellen und ander Sachen bishar 
gebept haben.- Rvff, Bs Chr. 1585. - Aus dem It«l. 
gäbe" n s. ge-ahen. I 34. 

Gable", -eh BHa.; U - Dim. Gabeli - f.: 1. Gabel 
als Tisch- od. Küchengerät (2- od. 3zinkig). B' Gable" 
i' dr Tischtrucke [auch das kleinste Stück Hausrat] 
sind-em 'pfändt Z. Öppis a' d' G. {ne S), etwas zu 
essen B; GG.; Z. Mit der G. isch [ist es] en Er, mit 
dem Löffel iiberchtmnt-me' me'' L. Es git Öppis (Nüt) 
n" d' G., auch bildlich: zu gewinnen. /"'' hä' lang 
gnueg scho' 'trösehet nu" am leere' Strau: rvenn 's Nüt 
a d' G. git, so Ion -i 's Hiiröte st'. Stütz, 's Vaters 
G. Ap, die feufzinggig G. Z, scherzh. für: Hand. ,In 
der Kuchi 1 ysen Gäbeli.' 1571. Z Invent. — 2. G. als 
Gerät im Stall und auf dem Felde, allg. Hölzern, 
dreizinkig, in kleinerer Gestalt zum Auseinanderwerfen 
des gemähten Heu's (vgl. Heu-G.), in grösserer zum 
.\ufladen auf den Wagen (vgl. Lad-G.) Gr; Z; eisern 
zum Heuen GrD.; zum Bearbeiten des Düngers in 
und ausser dem Stalle GRVal. (vgl. Mist-G.). Vgl. 
Fitrl-e, I 1012. — 3. RA. mit bildl. Anwendung von 
1 oder 2. Einem Etwas (Alles) am Gäbeli äne ge" 
(strecke"), höflich, sorgfältig, bequem darreichen, wie 
es Einer verlangt, der an die Gefälligkeit Anderer 
hohe Ansprüche macht und durch rücksichtsvolle Be- 
handlung in jener Art bereits verwöhnt ist L. Einen 
uf d' G. ne", auf's Korn Ar; zum Gegenstand des 
Spottes machen BHk. ; bedrängen, plagen, z. B. mit 
Schuldforderungen. Schild. In der Schlacht bei Sem- 
pach hat Winkelried bei hundert Feinden uf d' G. 
(fnö [auf sich genommen oder es mit ihnen aufgen.]. 
vAh. Mit Sach-Obj. Vil uf ä'r G. [Schufte] ha', 
viel Geschäfte übernommen, viel zu tun haben GnChur; 
L; Z (auch a" dr G.); vgl. Kunkle. Jmdn a" dr G. 
(am Gäbeli) [gleichsam angespiesst] ha', ein Liebes- 
verhältniss angeknüpft haben BBurgd. Es Gäbeli sV 
für Jmdn = ihm zuwider, Etwas sein, woran man 
sich ärgert (,sticht') Gr. B' U'ordnig ist für Bietege 
es rechts G. Schwizerd. Wortspiel: Stich-e [ihn, den 
Gegner], Michel, oder gib mir 's Gäbeli [lass mich 
stechen], beim Kartenspiel L. — 4. übertr. auf ver- 
schiedene gabelähnliche Geräte und Geberden, a) Ga- 
bele BHa., Gabila, Gabola W, Dim. Gabeli BE., Hk.; 
ScHw : hölzernes Gestell, schmales Brett mit 2 Armen, 
in Gestalt einer doppelten Gabel aus natürlichen Ästen, 
in einigen Gegenden mit einer Kückwand wie das (in 
neuerer Zeit vorherrschend gewordene) Räf, aber 
unten spitzer zulaufend, auf den Rücken geschnallt 
zum Tragen kleinerer Lasten, bes. von Holz (daher 
auch Träg-G., s. d.) Bü.; VOrte; PP.; W. S. noch 
Gafele. — b) Gestell für die schweren Musketen 
der ä. Zeit. ,Wann einer anfacht schiessen, so soll 
er die G. nit in Herd [Erde] stecken, noch an das 
Wehr hänken.' Z Mand. 1619. ,Die G. soll so hoch 
syn, dass der Stecken sampt dem Stäfzgen [eisernen 
Spitze] dem Mann under die Uochs gange.' ebd. 1643. 
— c) Vorrichtung zum Verschluss eines Weges L; 
Syn. Krüzstock; Triille. — d) drei kreuzweis verbun- 
dene Stäbe oder eine gabelförmig gewachsene, mit 
einem zweiten Stabe zum Dreieck gescblo.ssene Gerte. 



Ziegoll 11. Seliatiii um den Hals gelegt, damit sie auf der 
Weide nicht durch Hecken u. Zäune scblüidV-ii kr.nnen 
L. i<yn.Grigele; Kamill : Srinl.l: /V»,,,/, r.i:,,!,,],: 
kleine hölzerne KlaniuHM- /m- llrlrMi-iinL: .ini-.-li,iii-tiT 
Wäsche BBe. Syn. KUiiinNtrli ; Kl,q,j,h. S. ir,,,-,/,, ,-(•;. 
u. gäbelen. — f) Gerät zum Stricken ZZoll.; s. gähclen. 
— g) Deichsel eines einspännigen Wagens. Gotth. 
Syn. Lande. — h) durch die aus einander gestreckten 
Schenkel (L), ein Fingerpaar oder gabelförmig 
gekreuzte Zeigefinger gebildete Gabel als Geberde des 
Hohnes, Spottes gegen Jmdn, in der RA. Ei"m fs) 
Gäbeli (Gibeli Gäbeli B) mache' Aa; B; L; Uw. ,Die 
Andern würden sagen, du seiest zum Narren gehalten 
worden, und machten dir Gäbeli.' Gotth. G. icetse' Th. 
(von einer schabenden Bewegung begleitet, vgl. Syn. 
Rilebli schaben). Syn. gäbelen; Giren-G. Kinder be- 
gleiten die Geberde mit dem Rufe: (gix) Gäbeli gix! 
i. S. V. schäme dich! Th; dah. das Comp. Gi.r.-G. Gibeli, 
Gäbeli, Bechesa [Zinke eines Rechens], 's Wlb ist Her 
[Meister] ond nöd der Ma" Ap. Von einem allzu 
empfindlichen Menschen sagt man, er möge kein Gä- 
beli verlide [ertragen] AAEhr. Bern Herrgott 's G. 
mache, die Beine gen Himmel strecken, einen Purzel- 
baum schlagen; Syn. d' Gige (ds Güggeli, 's Häfeli) 
stützen fwelben); über-böcklen, -bürzlen. — 5. a) gabel- 
förmige Ranke an Weinreben Aa; Ap; Bs; Gr; 
GRh.; Z, auch Gäbeli Aa. Syn. Krangel; s. Eeb-G. 
und gäbelen. 's ist Nilnt [nicht gut], wo d' Triibe' 
Gäbeli hend; si ritet druf fürt. Sdlger ; vgl. das Reiten 
der Hexen auf Gabeln. .Gabele an den reben: ca- 
pruolus in vite.' KdGessn. 1542. .Capreoli Vitium, 
gablen an Weinreben, das sind die kleinen zwicklin. 
darmit sich die Weinreben heft't und anhenkt.' Fris. ; 
Mal. ,Saft von den Gäbelen an den Reben.' JJNüsen. 
1608. .Capreoli qui serpendo capiunt locum aliisque 
se involvunt, vocantur et viticulse, clavicula;, annuli 
(Gablen).' Oenol. 1712. — b) Gabelbein. .Die Schlüs- 
sel- oder halsbeine, gäbelein an vögeln, clavicuhie seu 
furculiE.' Vestib. 1692. — c) Gabele Aa, gabelförmig ge- 
teilter Stamm, Ast, Zweig eines Baumes, Strauches, 
dgl. etwa als Stützen für Zaun- und Geländerstangen. 
Waschseile udgl. verwendet werden, allg. Syn. Grig- 
gele. — d) Gäbeli, gem. Bärlapp, lycopodium cla- 
vatum GWe.; Zg; ZO. — 6. „Gabele, Hirschkäfer. 
Feuerschröter, lucanus cervus W." Syn. Horn-G. — 
7. Gable Gr tw., Gäbeli Ap; GrD., Name von Kühen 
mit gabelförmigen Hörnern Ap ; Gr. — A li 1. frähi-l .- 
(TÜbi usw. 

In der RA. ,auf die G. nehmen' ist doch wuhl nur dii> 
Uabel des Esslnstigen oder die Heugabel und der häufig 
damit getriebene Sclierz gemeint. — In der Verbindung 
GibeU-Uäbeli ist das erste W. ohne eigene Bed., nur Ablaut- 
formel; Gix ist Interj. des Spottes. In ,des Vaters G.' = 
Hand bezeichnet wohl G. nicht die zum Schwur aufgereckten 
Finger (vgl. Grimm 4, 1, 1, 1120 und ytibden = schwüren), 
sondern nur die Finger als Zinken. — 5 d so benannt, weil 
die einzelnen Stiele meist in je 2 Ähren auslaufen, ß n.ii-li 
der Gestalt seiner vordem Extremitäten. 

Ofe"-: G. mit der man Holz in den Ofen stösst 
oder das Feuer schürt Aa; Z. Eine Frau droht etwa 
mit der 0. als Watte. ,Mit der 0. kitzeln = grob, 
ehrenrührig scherzen.- Spreng. Bei Rüef schwört ein 
Teufel: ,Botz 0.!' und auch im Kinderspiel komiiit 
der Tüfel mit der O. vor, wesshalb er auch Gäbelima"" 
heisst. .Die c. ofenkrucken. -sti?cken. rutabiiluni.- 
.Mal. -^ Ise"-. liioid irle c» /.. scherzhaft ZU. — 



Gab, geh, gib, gob, gub 



Fass-Gable": G. zum Passen und Aufladen des 
Heus; mit 3 langen eisernen Zinken, unterschieden 
von Zett-G. Schw. — Pueter-: G. zum Einstossen 
des Putters in die Krippe Aa; Z. De Heuel hület 
mängsmol no"'; me' sfft scho" i' der Schüre sto' und 
dei [dort] e F. ««" und sine' Stiere' ine ge". Es werden 
als solche etwa abgenutzte Heugabeln verwendet. 

•Pröschen-Gäbelein: apocynon, so zur buhl- 
schaft gebraucht wird.' Denzl. 1077; 1716. Wahrsch. 
Schwalbenwurz, cynanchum vincetoxicum. die auch 
Hundswürger und bei den älteren Botanikern apo- 
cynura heisst. 

Der Name Fr. bezieht sich wie ,3chw.' auf das Bild, 
welches die im Keifezustand aufspringenden Schötchen d.ar- 
bieten. 

Gire"-Gäbeli = ffa&Ze47i, mitden kreuzwois über 
einander gelegten Zeigefingern gebildete Figur Aa. 

Mit dem Gir (Geier) ist der Hiihnerdieb, welcher von 
der Form seines Schwanzes anch Gabel-Weih heisst, gemeint. 
Gix-: ebso. L; Th; Uw. 

Heu-Gable": G. zum Ausbreiten des Heus. Bildl. 
im S. eines groben Werkzeuges, z.B.: Dini Sache' 
g'sehnd üs, wie wenn-me" mit-ere H. drin iime gfare 
war [so unordentlich] Z. — Holz -Gabila: Traggestell 
für Holz W. — ,Horn-Gabele« = Gable 6. — 
Korn-Gabel: G. zum Auseinanderlegen und Wieder- 
zusammenfassen gemähten Getreides, ,merga.' Mal. — 
Ches-ffa&»7o: Traggestell für Käse W. — Chestone- 
Gäbeli: gabelförmige Haselgertr, mit (Irr man beim 
Einsammeln der Kastanien die stachligen Hülsen an- 
greift L. — Lad-Gable: G. zum Laden von Heu 
U.A. Aa;Th;Uw. Syn. Furkle. — Anlegg-: G. zum 
Au.sbreiten von Mist GRPr. — Mist- (Bü- BsLd): 
s. Gabel 2. Vgl. Schorr-G. Früher etwa Waffe des 
Landsturms; daher z.B.: B'hüet-is Gott vw M.; die 
mache' d drü Löcher ! Sulger. —Bart-: Barthaar, das 
sich spaltet, wie an den Warzenbärtcn (vgl. Gable 5). 
Spreng. — Pflaster-: Werkzeug, mit ileiii, wie mit 
einer Kelle, die Maurer den mit Stroh gemiscliten Kalk 
zwischen die Latten von Riegelwänden legten Z. — 
Rijb-: s. Gable 5. ,Rebgäbelein, capreolus.' Red. 1662. 
Reit-. ,10 guot eisin R-n mit 2 Zinken.' 1550, 
ScHwE. Klo.sterarch. — Zu Reit, Scheunenraum für die 
Streue? 

„Schorr-: Mistgabel mit 2 eisernen Zinken, allg." 
— Ynn schon-im, auskehren. 

Schür-Gäbeli" : 1. eisernes Gäbelchen zum 
Schüren des Feuers. — 2. zweiteiliges Rebschoss Z 
(Dkr). — Schoss(^)- Aa; B; L; S; Uw; Zg; ZKn., 
Schuss- Spreng, Schutz- AaF.: 1. G. mit 2 bis 3 
eisernen Zinken und langem Stiel, mit der man Heu 
oder Garben auf den Wagen lädt (gleichsam ,schiesst', 
d. h. zuwirft) und auch wieder auf die Heubühne oder 
den Tennboden ablädt AaF.; Bs (Spreng); B(Gotth.); 
LG.; S; Zg; ZKn. Gegs. ScUter-, Zett-G. Grosse 
eiserne Gabel zum Zusammenstossen der halb- oder 
ganz dürren Mahden UwE. Im Volksrätsel : E hölsigi 
Mueter, 3 Isigi Brüedere Aa. ,A1s der Bannwart ihnen 
zusprechen wollte, wollten sie mit der Schutzg. ihn 
angreifen.- AHedsl. 1854. — 2. unüberlegt handelnder 
Mensch LM. Vgl. Schutzgatter. 

Schiter-: G. zum Wenden des Heus LG.; S. 
So genannt, weil diese G. zwischen den in der Länge- 
riohtnng laufenden Zinl(en noch einige Querhölzer hat, oder 



weil ihre Zinkeu liberh. im Gegs. zu denjenigen der Schoss-, 
Lad-G. von Holz sind. 

,Schütt-.' 1659, ScHwE. Klosterarch., vielL = 
Warb-, Zett-G. od. Tenn-G., mit welcher das Futter 
gerüstet oder das Stroh nach dem Dreschen aufge- 
worfen wird. — Spreng-: Instrument, mit welchem 
die Schlosser am Schraubstock ein geschweisstes Stück 
biegen und formen Z. Syn. Sprengschlüssel. — Stech- 
= Schoss-G. Aa. — Uf-stell-: Werkzeug, womit in 
der Glashütte das gestreckte Glas aufgestellt wird S. 
— Dach-, nebst .Purkeln- und eigentlichen Waffen 
zur Wolfsjagd mitgenommen. 1641, ApI. Arch. — 
Trag- = Gable 4 a Schw. — Worb-: G. mit 3 langen 
hölzernen Zinken, zum Warben, d. i. Zerstreuen des 
gemähten Grases LRigi; aScHW; Uw. W.-Gäbeli, 
leichte G. mit eisenbeschlagenen Spitzen SThierst. — 
Wösch(er)-ffä6eZi s. Gable 4 e B; Z. — Zett-Gable 
GrD.; aScHW; U. -Gäbeli STh.: G. zum ,Zetten' des 
Heus. .Zettgablen.' 1659, SohwE. Klosterarch. — 
Zwickgabel heissen im Schwarzwald mehrere Ört- 
lichkeiten, wo ein Tal gleichsam in 2 Zinken sich 
spaltet. 

gable(n) {gabeleLG.): 1. mit der G. arbeiten, bes. 
das^Heu umwenden AaF., Fri.; Ap; Bs; F; ZDättl.; 
mit dem Nebenbegriff der Eilfertigkeit (s. 2). ,Im 
Futtertenn gabelte sie herum wie besessen.' Stütz. 
D' Heuerinne" gabled im Heu. KdMey. 1844. Im Ustag 
[Frülijahr] g. wird im W auf Arbeit mit Mist bezogen. 
Mit der Tischgabel hantieren, essen. Gotth. Mit einer 
Gabel fechten B (Zyro). Mit den Hörnern stossen 
wollen, von Hornvieh ScnNk.; vgl. gäbelen. BildL: 
Etwas zu erlangen suchen. .Man sticht Geschäfte 
auf, gabelt nach Clienten.- Gotth. — 2. eilfertig 
arbeiten; zunächst in gutem S.: sich emsig rühren, 
und mit bes. Bez. auf Bed. 1, in dem alten, auch in 
Deutschland ähnlich lautenden Spruch: Wer im Heuet 
(Üstig) nüd gablet und i' dr Em (im Summer) nüd 
zahlet und im Herbst nüd früeh üfstät, der luegi (cha" 
luege Aa, g'seh BSi., soll schaue ScHNk.) wie 's (em 
[ihm]) im Winter gät. allg. Etwas anders bei Kirchh. : 
.Wer nicht gabelt, so die Brem [Bremse] zabelt, Der 
lauft im Winter mit einem Seil und fragt: hat Jemand 
Heu feil'?' Im schlimmem S. : übereilt, hastig, ohne 
Geschick und Überlegung arbeiten; sich stark be- 
wegen, ohne viel auszurichten ; pfuschen ; unbesonnen 
handeln Ap; B; L; Z. Syn. angsten; iifudlen; pfurren; 
g'räblig tuen; stroden; strüelen; strütten; wismen. — 
3. mit den Armen oder Beinen, absichtlich oder un- 
willkürlich, lebhafte, lächerliche oder ungeschickte 
Bewegungen machen, solche Stellungen annehmen; 
gaukeln BSi.; LG.; Z; gestikulieren, vom Prediger, 
in dem Volksrätsel : 's ist Öppis zwüsche vier Wände, 
's gabelet mit bede" Hände', 's darf-em 's Niemer übel 
ne", 's darf-em Niemer Antwort ge'. Beim Rudern 
oder Schwimmen unregelmässige oder nicht zweck- 
mässige Bewegungen machen Z. Bes. von ungeschick- 
ter od. unschicklicher Bewegung der Beine. ,Indecenti 
gestu pedes motitare.' Id. B. , Während die Füsse gen 
Himmel gabeln.' Gotth. Die Beine in die Höhe 
strecken, von kleinen Kindern SThierst. Mit ge- 
spreizton Beinen einhergehen; Sprünge machen B; 
gehen mit Bewegung des ganzen Körpers, von langen, 
schlanken Leuten B. Urne g., sich an einem fort be- 
wegen, hin und her laufen L; Z. Von einem Bolzen, der 
im Fluge kleine Bogen oder Zickzacklinien beschreibt. 



iah, geh, gib, gob, gut 



SuLiiEK. — 4. viel oder einfältig iihuuleiii GlH.; OT. 
.Horch, wie sie Alles durch einander gabeln.' UBräguer 
1780. 

Für nlul. .gabeln' i. S. v. gaukeln nimmt Gr. ein anderes 
W. an. vwdt mit unserm gappen, gaupeti, göpen, aber diese 
Annahme ist für unser Gebiet schwerlich richtig und auch 
nicht nötig, da bei gablen in jener Bed. zunächst wirklich 
gabelähnliche, d. h. gespreizte, zackige Bewegungsformen ge- 
meint seiu können. 

ab-: Etw. von Jmdm erobern Uw. — üf-: 1. mit 
der (J. auffangen, -heben, -laden Bs; BSi.; G; bes. 
Heu. Vgl. Heu uhi (iifhin) g., auf den Heustock 
hinauf werfen BSi. Bildl. : Einem eine Last aufladen, 
z. B. ein Amt, die Besorgung eines Waisonkin(ks W ; 
in diesem S. wohl zu Gable 4 a. — 2. durch Unvor- 
sichtigkeit sich Etw. zuziehen, z.B. eine Krank- 
heit Bs, ein uneheliches Kind BSi. .,Das Meitli het 
Ei's uf<f gablet;' Syn. üflesen. — 3. mit Mühe (Nach- 
frage, Suchen) oder durch Zufall ausfindig machen, 
aufbringen, -treiben; erhaschen, antreffen, finden Aa; 
Ap; Bs; B; Gr; G; Sch; Schw; Z; meist scherzh. und 
mit etwas verächtlichem Nebenbegriff; z. B. eine Per- 
son zur Hülfe; eine Person des andern Geschlechtes 
(Eini, Eine') zu Liebschaft oder Ehe, eine Neuigkeit, 
ein Wundertier. Syn. üflesen; ufstipitzen; D' An- 
tiquare' z' Züri"'' händ scho' alle" Giigger [Allerlei] 
erlickt [entdeckt] und ufg'gablet. JSenn 1864. .Auf- 
gabeln, colligere; comparare.' Denzl. 1677; 1716. 
Böses ufg.: böse Absicht finden (herauslesen), wo sie 
nicht zu Grunde lag ZBauma. Im S. v. gewinnen. 
Er häd Nüd ufg'gablet GG. Syn. üfstecken. — an-: 
(Jmdn) anfassen, mit freundlicher Rede auf dem Wege 
zum Stehen bringen B. — er-gabele: durch Nach- 
suchen mit Mühe finden, bekommen LG. — üs-gable: 

1. verenden, zunächst vom Tiere, das in diesem Falle 
alle Viere von sich streckt Z. — 2. einen Schwing- 
kanipf beendigen; vgl. tis-schwingen. 

ver-: 1. (trans.) übereilt abtun Aa; durch Eil- 
fertigkeit, Leichtsinn verderben, verscherzen Ap; BSi.; 
Sch. — 2. (intr.) vor Ungeduld, Verzweiflung ver- 
gehen B. Syn. vergiblen; verzählen (vergitzlen). — 
•2. Eig. vor übermässiger Bewegung zu Grunde gehen. 

ze Samen (zäme)-: gierig verzehren Bs. 

Gablete" f.: 1. so viel auf eine Gabel geht Aa; 
B. .Man ass ein paar G-n G'köch [Gemüse].' Gotth. 
,Eine Trage voll, z.B. e G. Strau BO.; VÜrte; W." 

— 2. zweckloses Herumfahren oder -rühren Ap. 

Bei 1 fragt es sich, ob mau ,Gabel' im gewöhnl. S. od. 
i. S. V. 4 a zu nehmen hat. 

Gabli I, Gabeli (Ineichen); „auch Gabler-. 
Gabli"g Ap: 1. schlanker Mensch, grosser Kerl mit 
langen Beinen B; F; SThierst. Auch von Pflanzen- 
individuen, welche zur Beeinträchtigung ihres Nutzens 
zu sehr in die Höhe wachsen BStdt. Syn. Beigel. — 

2. Mensch, der possierliche Bewegungen und 
Stellungen annimmt BSi. , Gaukler." Mensch von 
hastigem, unruhigem Wesen, „der eilfertig arbeitet. 
übereilt handelt;" der eine Arbeit verpfuscht; unvor- 
sichtiger, flüchtiger junger Mensch; Springinsfeld Ap; 
L; G; Z; Syn. Gispel; Haspli. Mensch mit unbe- 
holfenen Bewegungen BSchw.; Züättl. \ gl. gablen 3. 

— 3. Schwätzer GlH.; s. gablen 4. 

gabiig: 1. zackig, mit 2 Hörnern, z.B. ein Berg, 
Stock GrL. - 2. ungeschickt in den Bewegungen 



B; G; ZDättl. — :l. eilfertig. UMbe.sonnen Aa; 
GoT.; ZDättl.; flüchtig, oberflächlich, zerstreut G; 
allzu beweglich, flatterhaft, jung und g. Ap; „gaukel- 
haft". — 4. gabelig, von einem Fuhrwerk mit Gabel- 
deichsel Bs. 

Gaber, Gaberjel, Gabi, Gabli II s. Gabriel. 

Uabi II: Gabriele Gr. 

liabriauggel m.: Hanswurst. Spassraacher, der 
seine Spässe mit Geberden verbindet AAFri. 

Appellativ gedeutete Weiterbildung des Namens .Gabriel' 
oder eher eine Verquicknng von Gabriole oder Guhriol etwa 
mit dem Namen Joggel, welcher appellativ einen Toren be- 
zeichnet (vgl. Hanäuggel, Hans Jakob) oder mit Gmiggd, 
Hanswurst. 

(iäbrlel Gaberjel GlH., Güber Aa, „Gäberli (dini.) 
G". Gabütz (scherzh.) B, Gabi Gl, Gabi (dira. Ga- 
beli) Aa; B; Gl; L; S, (verächtl.) Gäbsch, ijräbst Gl, 
Gäbli Gl. Gabel LHerg.. Gel LG. — Über einen sagen- 
haften kühnen Gemsjäger .Gabi' s. GStuder, Panor. v. 
B 35. .Ich schreib sy [die Bauern] vor zyten in myn 
bruoderschaft und überredt sy, es hette fast guot 
kraft, und bestrich sy mit eim rossknüw herumb 
und sprach, es war sant Gabriels heltumb.' NMan. 
Appellativ als Schelte gebraucht: ,Du Schlingel, du 
Gabriel, du U-söd!" Z Neuj. W. 1884 (ein Schulmeister 
zum Schüler). 

(iabriol m.-. mutwilliger Springinsfeld, Luftspringer 
TuTäg. — Aus dem folg. Fem. rekonstruiert. 

Gabriole (ff a6er;'o?e Aa) f., fast immer im PI. (in 
diesem Fall auch -öle Z): lustige, närrische Sprünge 
od. Geberden, allg. — gabriole": 1. närrisch tun Z. 
— 2. schwärmen SchwE. — Gabrioli m. = Gabriul 
Th. — Aus frz. capride, Luftsprung. 

Gabiise. -Äse B, Gäbüse, -üseB;W (auch -juse) f.: 
1. moschusduftende Schafgarbe, achillea raosch. Bü.; 
W. — 2. fschwarzij G., Genippkraut, geschwärzte 
Schafgarbe, achillea atrata B; W. — 3. einige Arten 
von Beifuss, Genippkraut, artemisia: art. spicata 
BO.. art. mutellina od. rupestris. Alpenbeifuss BO.; W, 
art. glacialis BO. Gedörrte Kränze von Alpenbeifuss 
finden sich in den Alphütten als Hausmittel für Wun- 
den und Seitenstechen. 

Einige .ibnlichkeit zw. achillea und artem. (und der 
ebenf. officinellen .scabiosa', deren Namen viell. uuserm W. 
zu Grunde liegt) lässt sich in dem schlanken, mit fieder- 
spaltigen Blättern besetzten Stengel erkennen. — An Ent- 
stehung und Verderbniss des W. aus mhd. biboz (Beifuss) 
zu denken, verbietet die Acceutuieruug. 

Gabutz s. Gabriel. 

gab (ig), gebig: 1. passiv: was gegeben werden 
darf und gern angenommen wird, geschätzt, wertvoll, 
allgemein gültig, a) in allitt. Formel verbunden mit 
gäng (gangbar) und andern Synn.: gäng (gang) und g., 
allgemein üblich, gebräuchlich, gewöhnlich, geläufig 
Bs; Uw; Z; auch: allgemein bekannt UwE. Sub- 
stantivisch: Pietist GWa.. Syn. Eine. Urspr. wohl 
wie noch jetzt von Münzen, Edelmetallen und Ge- 
treidemassen: ,19 pfnnt Pfennig guoter und geber 
Züricher müns.' 1353. Ztschr. f. Schwz. R. .5 pfund 
Pfennigen zuo Schwyz genger und geber.' 1358/1544, 
SoHw LB. .Ein viertel habern guots und gäbs Co- 
stenzer mess.' 1364. Pup. 18.30. ,Munz. so in unser 
statt geng und geh ist.' 1409. Ztschu. f. Schwz. K. 



63 



Gab, geb, gib, gob, gub 



64 



,4 iiiütt guotes gäbes wolbereites ewiges kernengeltes 
und diirzu 10 seh. hall, ewiges pfenning geltes.' 1438, 
JRüEG. 1606. ,130 guldin guoter, genger und gebar.' 
1494, Gfrd. ,0b sölliche prob [Meisterstück] geb und 
gerecht syge.' 1548, Z Ratserk. .Münz, die landlöfig, 
g. und gnäm were.' Vad. ,Pfruonden mit gar guoten, 
gnämen und gäben zinsen.' ebd. , Silber, das im Kauf 
gengbar und gebig war.' 1707, I. Mos. Vgl. noch yihig. 
— b) brauchbar, angenehm, bequem. Gegs. übel-, 
un-g. Syn. fri(n). Von Personen: (gab) wert, ge- 
sehätzt, bes. von Mädchen BRi.; (gäbig) dienstfertig; 
umgänglich. En gäbige Nächpür, mit dem man gut 
auskommt B öO.; PJ. Von Tieren: lenksam, ebd. 
Von Sachen: zweckmässig, angemessen, z. B. von 
Wohnung und Hausgerät BÜ., öO., Si.; S; W; Klei- 
dung (kleidsam) BSi.; Obvi {Syn. ordlich). „Das Kleid 
kommt [steht, sitzt] g."; Werkzeug (leicht zu hand- 
liaben, handlich; vgl. hand-g.) BSi.; Syn. gattlich; 
kamndich. E g-s Fueriverch B. Von einem Weg, 
der leicht zu gehen ist B (St.*"). Es ist nit g. im 
Dreck z' laufen BSa. ,Gäbige [geeignete] Ablasstage.' 
BSigr. Jahrzeitb. (HagoTib.). Von einem Wort: sach- 
und zeitgemäss B, erwünscht, gelegen BHa.; vom 
Wetter: gut, freundlich, fruchtbar BSa.; PMu. Es 
g-s Jör. Schild. Gäbigs Land BSi. Vom Zufall: 
Ei"m gäbig dum, hequem fallen B 50. — '2. aktiv 
(auch gebig): wer gern gibt, freigebig B; „L;" Sch; 
SBuchsg. ; Uw; Syn. er-, frl-, rlch-g. Gegs. übel-, 
un-g. Auch : wer dem Arbeiter verdienten Lohn gönnt 
GWa.; Syn. gtmnig. ,Dass ich milt und geb sye.' 
Zytglöggl. 1512. 

Mhd. ijaehe, yaehec, annehmbar, bes. auch von Münzen; 
(jaehe auch: erwünscht, lieb; liass unser (freilich fast aus- 
gestorbenes) (ßh das mhd. tjaebe ist, unterliegt keinem Zweifel ; 
dagegen entspricht ij-ig nicht ohne weiters dem mhd. gaebec, 
denn es wird (wenigstens in Bed. 1 in B durchgängig) mit 
kurzem Voc. gesprochen (für 2 sind die Angaben der Quant, 
unsicher) und scheint eine Mittelform zwischen gäbiy und 
(dem vom Präs. abgeleiteten, z. T. synonymen) giliy, d. h. 
zunächst Erweiterung von yaebe mit dem beliebten -ig, aber 
dann im Voc. verkürzt mit Anlehnung an gibig, resp. den 
kurzvocalischen Präs.-Stamm geh, gib. — Das Schwanken der 
Form gilt auch für die Zssen. 

übel-gäbig: unbequem, z.B. von einem Ort, wo 
nicht gut sein ist BHa. 

u(u)-gäb: 1. mürrisch, unfreundlich GF.; der 
sich nicht ergeben, belehrrii lassen will, schwer zu 
behandeln, auch von Tirr.n ili, ; (a\'c. — 2. -ig, un- 
passend BSi. — 3. ugdh. iii/ihiii. ^yizig GG. ,Ungebe' 
bei Kd.v.Ammenh. von einem Knecht, der den Pferden 
ihren Haber nicht gab. 

Mhd. ungaehe, unannehmbar, nichts wert, schlecht; un- 
geziemend. Vgl. ,ungeblich', unannehmbar, von Bedingungen. 
,Des französischen Ambasciatoren entbietende [angebotene] 
Vermittlung ungäblich, unangenehm und verdächtig.' Zur 
Gilg. 1656. 

et -gäbig ZBül., Windl., -gebig Aa; BBe.; G; Vw, 
-gcnd UwE., -gändldük., Si. : 1. ehrgeizig, ruhmredig, 
eitel, stolz BSi.; UwE.; ZBül., Windl. — 2. wer seine 
Sachen sauber und exakt haben will BBe. Syn. 
eigenlieh. Leckerliaft. walibrisch, aus Stolz oder An- 
massung; wenn ■/.. H. Imh't von gewissen Gerichten 
deswegen nicht kostet, weil man ihm nicht genug 
Ehre angetan hat BHk. Syn. er-los; spröde mit Bez. 
auf Annahme von Gefälligkeiten BSi. — 3. freigebig, 
wohltätig, hilfbereit AaF., Z.; G; Vw; ZBül. Er ist 



nüd so gar e. mit sine" Gschwüsterte". ,Perliberalis: 
fast ergab und kost-, gastfrei. Liberalis: freigäbig, 
e., erlich mit ausgeben und nemmen, trüw, kostfrei.' 
Pris. ; Mal. ,Da die gytigen solltend eergeb syn gegen 
menigklichem.' LLav. 1584. ,Wie frei und ehrgäb sy 
joch gsyn syge, so erscheinte sich dennocht in der 
hushaltung nie einiger mangel.' XVII. Anf., Mise. Tig. 
Die sämmtlichen BeJd. gehen wohl auf den Grundbegriff 
zurück: wer auf Ehre hält; es wird also bei 3 eine Frei- 
gebigkeit oder Wohlthätigkeit gemeint sein, die sich mehr 
von jener Rücksicht als von reiner Gutmütigkeit leiten lässt. 

fri-gäb: freigebig; vgl. rich-g. ,Er [ein gewisser 
Adler] ist gar unerschrocken, mächtig, freigab und gar 
nit verbünstig [missgünstig].' Vogelb. 1557. ,Prünt- 
lich, güetig und frygäb nach synem vermögen.' HBull. 
1561. ,Gegen den Armen war er frygeb.' JRüeg. 1606. 
,Dass sy guottätig, freigab und gmeinsam seiind.' Z Lit. 
1644/96. ,Darum ist Zacheus so liberal und freigeb 
auch bis an den halben teil seines guts.' AKlingl. 
1688. — Fri-gäbi f.: Freigebigkeit. ,Liberalitas, die 
freigeb(n)e.' Fris. .Freigäbe der natur, natura; beni- 
gnitas.' Mal. , Welche freigäbe (,Freigebigkeit.' 1693) 
vil reiche leut bewegt hat, dass sy von irer hab an 
die selbigen Stiftungen geordnet haben.' SHochh. 1591. 

fr und-: so wie man Etwas Freunden gibt, d.h. 
gut beschaffen und voll gemessen; vollwertig. VgL 
die RA. ,unter Freunden so viel wert'. ,4 mütt kernen 
fründgebs guots.' 1433, GRapp. ,Pünfthalben mütt 
kernen fründgäbs und guotes Züricher mijss.' 1440, 
ebd. ,600 albelen früntgäber fischen.' 1467, Z Staats- 
arch. ,1 viertel gnems, b'reits, frundgebigs kernen.' 
1503, Z Ratserk. ,Ein viertel allweg gueten, erbers, 
fründgebs, wolgeschmacks und wol gesottens ankens.' 
1518, Z Staatsarch. — Mhd. vriunt-gaebe, unter Freunden 
annehmbar, brauchbar, gut. 

„gast-gäbig: gastfrei VO." — band-: handlich 
bequem in der Hand BBe. — nüt-: unbequem B. — 
rich-gäb: freigebig. ,Abt Konrad was rychgäb und 
gegen die synen gsellig.' Vad. ,Das reichtumb und die 
miltikeit der fürsten, die nur zuo reichgeb warend.' ebd. 
— simel-: feines Mehl (Semmel) gebend. Vgl. gab 1. 
,Guots Sehers und similgebs kernen.' G Stiftsarch. 

wunder- Bs, -gäbig Z: neugierig. Syn. w.-fitzig. 
Objektiv: die Neugierde reizend oder aus Neugierde 
fliessend. ,0 du wundergebe, aufrüerische, muot- 
willige statt!' 1531, Jesa.i. ,Wer wundergeb ist. fraget 
vil.' RüEF 1538. ,Die jünger fragend wundergäbe 
ding.' 1548, Marc. ,Vir facilis mirari nova, w-gäbig, 
der sich leichtlich ab neuwen dingen verwundert.' 
Fris.; Mal. ,Doch solle man kein unnötige und über- 
flussige, w-gäbe (,w-gäbige.' JMüll. 1666) frag an 
in tuen.' LLav. 1569 = , fürwitzige.' 1670. ,Diesen 
seltsamen' und w -geben Arzneien gib ich kleinen 
Glauben.' JBLandenb. 1608. .Wo etliche der unseren 
so unbedacht und w-geb werend, dass sy an hcimbliche 
predigen giengend.' Z Mand. 1612. ,Wir Menschen 
sind fürwitzig und w-gebig, wollen mehr wüssen, denn 
uns guot ist' GwERB 1646. ,Musca, w-gebiger mensch. 
der alles wissen will.' Denzl. 1677; 1716. , Wir men- 
schen sind fürwitzig und w-gebig.' Zauberei 1704. — 
Wundcr-gäbi, -gäbigkeit f.: Neugier, Fürwitz 
Bs ; Z. Adam zum Affen : .Von dyner w-geb und zierd 
wirst hässig syn und allweg gfierd.' Rüef 1550. .Sie 
verraten ire w-gebigkeit und fürwitz.' FWyss 1655, 



(iiil». gell. gih. 



gub 



66 



.Aus w-gebe zu hipi-en. was ilcr Prediger tiir arbeit 
maclie.' JMüll. 1065. 

Der von Gr. WB. i 1 a lö-lO u. vorsuchtuu Ableitung von 
dem (auch Schweiz.) ,gäuen', mit offenem Muude da stehn, 
weiche einen vortrefflichen Sinn ergäbe, steht die Schwierig- 
keit entgegen, b durch Vergröberung aus m zu erklären, da 
dieses, nachdem der Iliphthoug eingetreten, iu Letzterem 
untergegangen ist. 

gäbige(n): bequemer werden, z. B. von einem re- 
l)arierten Haus: ICs hat vü g'gäbiyet BSi. — Zu yähig J. 
Gabel I s. Gabriel. 

(iiibel n ra. : Name eines Rindes mit gegen ein- 
ander stehenden Hornspitzen oder aufwärts gehenden 
Hörnern AaF.; BO. Vgl. Hirz. 

g;"ibele(n): 1. mit der Gabel nach Speise langen, 
aber nur wenig oder langsam essen Bs. — 2. „mit 
einer Gabel in Etwas viele kurze Stiche machen 
L; ScH." Ein Spiel, wobei man mit einer Gabel 17 
Stiche möglichst schnell und nahe an einander zu 
machen sucht Ap. „Kinderspiel, wobei man aus ge- 
wisser Entfernung mit Gäbelchen nach einem Ziel 
wirft, so dass sie im Boden stecken bleiben Z.' — 
3. beim Heuen das Gras mit der Gabel umschütteln, 
damit alles gleichmässig trockne Ap. — 4. „Etwas zu 
erhaschen suchen, 's ist Nut s' g. L; Sch." — 5. das 
sog. Gabelt gegen Jmdn machen B; Ndw; UwE.; 
s. Gable 3. — 6. das Wasch seil mit Klammern ver- 
sehen B; s. Gable 4 e. — 7. mit dem sog. Gabelt eine 
Schnur stricken ZZolL; s. Gable 4 c. — 8. einen 
E i d schwören (3 Finger gabelförmig aufstreeken) B. 
I''' tcill dir g., es isch so! Beteurung. Süterm. — 
9. von Kühen: mit den Hörnern stossen S. Vgl. 
gablen 1; Gabel IL Dr böse' Bämichueh wüll i 's 
scho" zeige", wer Meister isch ! Seil wider chu" g. gege 
mir ine! Joachim. — 10. Eanken treiben, von den 
Reben zur Zeit der Samenbildung bei rauher Wit- 
terung. Vgl. Gable 5 a. 

Gäbe 1er: verächtlich statt ,Gabriel'. — Wahrsch. 
mit Anspielung auf appell. Bei. i. S. v. yähelen. 

Gäbli m.: E» G. e' Schwäbli Gl. Wohl = Gabli 
3 od. 5. - Sfhm. von echiceUen i. S. v. ,blauen Dunst vor- 
nuicheu', von Schteebd = Schwefel. 

(iäber 4- m.: Gänserich FKerz. 
Möglicherweise Koseform für ,Gabriel' und wie andere 
Personenn. auf das Haustier übertragen. 

(iäbi I n. = Gabel IL — Eigentl. Dem. zu Gabh. 
Gabi 11 m. s. Gabriel. 

gäbi: Interj. des Hohnes, etwa mit Dat. P., be- 
gleitet von der Geberde des Rubchenschabens B. 

Ursprünglich wohl von der unter ffaW« 4 h beschriebenen 
Geberde. 

gibisch: verkehrt, linkisch. 

Von H. für Aa, sonst von keiner Seite bezeugt, daher 
wohl nur als zufällige Verpflanzung aus Baieru od. Schwaben, 
wo das W. zu Hause ist, zu betrachten. 

ge'I) Aa, geh I B; SLeb., göb BU., gob SGrench.: 
Conj., ehe, bevor Aa; B; S. Lösche', gab 's brönnt. 
GoTTU. ,Da habe ich ihn drei Mal geschlagen, gab 
er mich einist.' ebd. il/e" seil dr Öpfel nit vom 
Baum schüttle'', gab er rlf isch. Schilp. Zuweilen 

Schweiz. Idiotikon. II. 



mit pleonastisch nachfolgendem e. Nat.-Kal. 1884, 29. 
Zuweilen mit vorangehendem ploonastischem ,zuerst'. 
Mc muess z'erst Fecka ha', geb-nie' fliiga" cha"" B. 
Me' sett z. alt werde; gab jung. Schild. Er wird 
ehnder rüdig gab rieh. ebd. Bei vorangehendem 
,eher' nimmt g. die Bed. eines vergleichenden ,als' 
an: Ehnder schlüfi es Kamel dur''' es Nadelöhr, gab 
e Btche i 's Himmelrich. B Landw. Wochenbl. 1847. 
Me" Schlot ehnder zwe Düflen [Teufel] inne, gab einen 
itse (Warnung vor körperlicher Züchtigung von Kin- 
dern). Schild. D' Lüt gönnen Eim ehnder 's Böse 
gab 's Guete. ebd. Allein stehend i. S. v. ,(eher) als 
dass': ,Gäb sie so dabei sein [das ertragen] möchte, 
wollte sie lieber [usw.].' Gottu. Gab i-ne [ich ihn] 
nämi [zum Mann], wett i lieber vo Heimet [die Heimat 
verlassen]. Ott. 

Gleich eb, Ob (aus e ob, s. Bd I 10/11, 53/4), mit vorn 
zugesetztem g durch Einwirkung zunächst von geh II (s. d.), 
mittelbar von geb III, dessen Voc. (ö an die Stelle von e' 
oder « getreten ist. Zwischen ,ehe' und ,ob' besteht auch 
kein begrifflicher Übergang, aber ein äusserer Zshang war 
vermittelt durch die Verbindung e ob, in welcher ob nur 
allgemein relative Bed. haben konnte, wie ,und' und ,dass' 
in der ä. Sprache öfter. Die syntaktische Verbindung ender: 
gtb entspricht der von ender : e; s. d. 

geh n, göb B, gob Bße. (neben göb): Conj., ob. 
1. an der Spitze eines einfachen abhängigen Frage- 
satzes. Hri-s, [sie liaben Mcli] velle" Überzüge', gab 
di Lüt a'hl liii'ii" luni" V: /(rsfi\l [zuerst] het's-mu 
no''' ^viii'l Iwai- rr iiMcli z\vrilclliaft|, gäb-er-mu derfti 
trilwe [sich getrauen dürfte] BSi. (Schwizerd.). Er 
sinnet, gab ' s öiqmi Bikannti si'. Schild. Mit unter- 
drücktem Hauptsatz einen scheinbar selbständigen 
Fragesatz einleitend und zuweilen noch durch nach- 
folgendes ob verstärkt; i. S. v. ,ob wohl, ob vielleicht'. 
Gib Hansli scho" dinne« sig? BM. Geb ob er cho" 
sig? GrD., Val. Göb ig wett, oh ich auch wollte 
[sc. ist dabei die Frage; ich denke nämlich nicht daran, 
das zu tun] B. stehende RA. — 2. in einer Doppel- 
frage, mit correlativem ,oder'. Vgl. gottgeb 3. I will- 
der morn b'richte', göb (ZStdt auch söb, se'b) i 's 
will oder nüd. 's chimnt nüt driif a', geb ei"s meh 
oder minder sig. Gottu. 's isch ei- Düfel [einerlei], 
gab beulen oder Brod heusche". Schild. Etwas anders 
gewendet, so dass g. i. S. v. ,gleichviel' voransteht und 
das erste Glied der Doppelfrage im blossen Conjunctiv 
(Optativ, Potentialis) steht; vgl. geb IIL ,Es hätte 
sich der Sache doch nicht zu schämen, und einmal 
müsse es sein, gab es geschehe einen Tag früher oder 
später.' GoTTH. G. i stg da oder nit. ebd. G. loell-i'''' 
oder nit, unwillkürlich Bs. So einmal auch schon in 
der ä. Spr. : ,Dise habend allhie das Far ing'han, geb 
si habind hernach mit einanderen duschet oder nit.' 
JRüEG. 1606. Mit freier Anfügung der Doppelfrage, 
ohne Verb um: ,G. jetzt oder g. später.' Gotth., und 
auch mit zweitem geb statt oder: G. gern, g. nit, gern 
oder ungern. B Kai. 1826. Und ohne beigefügten ma- 
teriellen Begriff doppeltes geb, aber durch icie ver- 
bunden und das zweite mit Subjekt (es), also verbal 
(s. g. III, Anm.). Aber g. wie 's g. [wie dem sei, 
immerhin, jedenfalls], er mein 's ufrichtig Bs. 

Dieses geb ist eine formell seltsame, aber begrifflich 
leicht zu erklärende Verquickung von ob (resp. eb, ob s. 1 53) 
mit dem ursprünglich rein verbalen, dann conjunctional ge- 
auch den zugesetzten An- 



chten 



pfange 



von dem 
nd dann a 



/ fortgepflanzt hat. Der 



Gab. gel», gib, gob, gub 



Gebrauch 2 liesse sich auch geradezu auf y. III alleiu (vgl. 
ijolUjeh S) zurückfUhreu und 1 könnte aus 2 entstanden sein. 
Für jene Auffassung spriclit auch der Voc, der vorherrschend 
i: ue> ist; aber die Nhf. mit ö deutet doch auf Einmischung 
dfs Ijugiilflicli nahe liegenden oh und auch das </ ist nicht 
entscheidLud ; denn neben (jch findet sich in der Bed. ,ob' auch 
Bch und Ich, in der Bed. ,ehe' auch deh, Formen, welche auf 
einen rein lautliehen Zusatz (« und d viell. aus dem Auslaut 
des vorangehenden W.) zu deuten scheinen. 

geb m, geg B; h\, g^ L; S; ZZoll.f, Je- ZEls., 
fast nur in Verbindung mit folgendem (zuweilen durch 
eine Präp. von demselben getrennten) Fragepronomen, 
resp. pronom. Adv.: 1. im Sinn der Verallgemeinerung: 
-auch, -immer AALenzb.; Bs; BU.; S. Geb wer: i/r 
weiss nit, ''ass im Stiirmg'lüt siir gliche ZU für 15 
Grenvher 's Tüi}te<ihi,inli rhlingt. gib wer 's [wen es] 
im Dorf au''' tirffr" iikv. Si iiild. .Fraget ihr ihm 
nichts nach, geb von wem die kirch euers gottes ge- 
schirmet oder widerfochten werde.' HBull. 1597. ,Ks 
wäre reich oder arm, jung oder alt und geb wer sich 
mit einem frömbden Weib veroelichen wurde.' 156'2, 
Ztschk. f. Schwz. R. ,Was fragent wir umb nach den 
armen':" Geb wem sy werdent ze erbarmen.' Aal. 
,Will 's von mir werfen, gab wer 's find.' Com. Beati. 
Geb welch: Gab i' tvelem Egge er si v'rsum [sich 
aufhalte]. Gotth. G. was: G. w. men im seit, gab 
wie men im 's vorgstellt het, es het Alls mit y'nätzt BE. 
G. w. no us-vier will werde'. Hebei. ,Geb. w. sunst.' 
Kessl. ,Man wolle sie nicht passieren lassen, g. w. 
guter Worten man inen geben habe.' 1632, Absch. 
.Werft aus, g. w. es gebe: ejicite, quidquid ingre- 
diatur.' Red. 1656. ,G. w. wir tüegen, wann wir es 
nicht aus glauben tun, so ist es sünd.' JMüll. 1673. 
,G. in was Zeit seine Hirtensorg gesetzt wirt.' Wurstis. 
G. wo: TJn" Eine, — 's iseli doch gruselig ! — g. wo 
sl armi Sei iez slg! Un'' Eine springt i" d' Are. 
Alpenr. 1811. Halt-di''' wohl, g. tco-de bisch. Hebel. 
,[Wir wollten] fort ziehn, g. wo wir hin kämind.' 
Platt. 1612. ,Quacunque; g. wo anen [anhin].' Collin. 
G. wann: ,Wie vil, gab w. und von wem.' 1659, B 
(Ztsclir. f. Schwz. IJ.). Bes. häufig g. wie, a) wie auch, 
wie sein- aucli lis ; KU.; L; Uw; Z. „Ich lasse dir 's 
nicht, giib wie du schreie.st." G. w. 's chömm, wie 
es auch kommen mag. Er ist en schlechte'' Kerli, g. 
lu. 's-em gong [es iiim gehen mag]. Nes Meitschi hed 
halt, churz und guet, gäg wie-men an-em g'grestet [ge- 
trieben] hed, nid g'spunne". JBHXfl. 1813. !''• will 
mi'" in Alls schicke", g. w. 's chömm! UwE. , Während 
Uli anspannte, drückte sie des Vetters Kindern neues 
Geld in die Hände, g. w. die sich wehrten.' Gotth. 
Erdberistüdeli und Ereprls ~ hett ich es Mandeli 
[Mann], g. w. nes chU's! B. Gä w. die zweu Meidschi 
der ganz Vormittag dure g'äuglet hei', kei Spur hei 
si vonne' entdecke' chönne'. JHofst. 1865. I ha' 
g'hürotet und ha' g'meint, gab wie-n-i Vögeli g' fange' 
heig. Schild. Gä w.-n-ere g'luegt tcorden isch [zu ihr 
geschaut wurde], i" 4 Tage' scho" isch sie ne Lieh 
g'sl'.' JoAOH. 1881. ,Bis [sei] sorgenfrei, Geb wie im 
sei!' Aal. ,Von jeder Sach, g. w. vil der Partygen 
sygend, 4 Batzen.' 1596, Ztschr. f. Schwz. R. ,Hiemit 
[demnach] rauss Einer sterben, g. w. alt Einer ist.' 1627, 
TaSommri, Pfarrb. ,I)arumb sind die Bruch besser zu 
erkennen, g. w. steif sie standen, weder [als] die Spalt 
[bei Röhrenbrüchen].' Würtz 1634. ,Man machet sie 
[die Fussängel] mit 4 spitzen, drei ligen auf dem boden 



und stehet allzeit einer in die hölie, geb wie man sie 
wirft.' Kriegsb. 1644. ,G. w. man wässeret und pflanzet, 
so ist es alles umbsonst, wann Gott nit das wachsen 
gibt' JMüll. 1665. ,G. w. schwer und gross sein 
Verbrechen.' JMet. 1694. .Die Wort, g. w. heilig sie 
sind, haben an ihnen selber keine natürliche Kraft.' 
JJGessn. 1702. ,Der Schulmeister soll nicht Gewalt 
haben, eine oder die andere Letzgen nachzulassen, g. 
w. vil Kinder in der Schul seiind.' 1684/1719, Z Land- 
schulordn. ,G. w. scheusslich.' Goliath 1741. Etwas 
abweichend ist der Gebrauch von doppeltem geb: ,G. 
w. fromm, g. w. gottlos die leut seien.' JMüll. 1666, 
welches hier nicht sowohl die Bed. ,wie sehr auch' 
hat, sondern ,gleich viel ob', also ähnlich geb II am 
Schluss. — b) nicht i. S. eines hohen Grades, sondern 
der Ungewissheit, Unbestimmtheit, meistens aber 
ironisch i. S. v. ,schlecht' oder ,gar nicht' Aa; Bs; B; 
S; Z. a) ohne folgendes Adj. ,[Von drei badenden 
Schwestern wurde eine geraubt; die beiden anderen] 
g. w. nach Hause kamen.' Hüber 1787. Er häd 's 
g'macht, aber ge tcie? ZZoll. Es wirt o"'' gä', göb 
wie B. Es geit Alls vorübere, göb wie B. Gab wie- 
n-er öppe umme chtmnt, wie mag er wohl zurück kom- 
men? BE. Dieser Gebrauch kommt dem von geb ob 
(geb II) nahe. — ß) mit folgendem Adj. resp. Adv. 
Er macht de' Gross, geb wie lang [aber man weiss 
nicht wie lange, wohl nicht lange] Aa. Hieran schliesst 
sich die Formel g. iv. Hecht i. S. v. ,man weiss nicht 
wie leicht = sehr leicht' B. G. w. l. git 's Öppis [gibt 
es Etwas], isch er taube [wird er zornig]. Aber <lie 
selbe Formel in anderm S., wie es scheint in con- 
cessivera, ähnlich dem gewöhnlichen von ,geb wie' a: 
,Ja, wir sind auch arme Sünder, aber öppe öppis 
Schlechts. g. w. 1. [so leicht es auch ist], haben wir 

nicht 1,'eiiuielit.- GoTTH wenn 's de" Eine au''' 

g. IC. 1. |;uuli nur einigerraassen?] chli mache' cha"', 
so macht 'r Chüechli. Schild. Vollends übergehend 
in reine Zeitbestimmung: ,so bald (als)'. G. w. l, 
men am Sunndig der Löffel abg'leit g'ha' het [das 
Essen beendigt], isch Alls ''em Wirtshüs zue. Schild. 
— 2. nur verstärkend g. was etwa i. S. v. ,was 
wohl' (vgl. geb ob unter geb II). Jo seile [lass sehen, 
ich bin begierig zu hören], g. w. er iez auh sägi 
ApWalz. D' Erde macht wüsse', g. w. der Mon^ enne- 
nohe [auf der ihr abgewendeten Seite] het, g. e Buggel 
oder en angere Breste [einen Höcker oder ein anderes 
Gebrechen]. Schild, wo das g. an erster Stelle aus 
der folgenden Doppelfrage entsprungen sein könnte. 
Ähnlich scheint auch, aber nicht in abhängigem Frage- 
satz, sondern in Form eines selbständigen Satzes : G. 
tu. git 's z' Mittag GRVal. = irgend Etw. gibt es wohl 
zu M.V — 3. ein Mal erscheint alleinstehendes ,geb', 
aber wohl verk. aus ,geb wie', etwa i. S. v. ,irgend- 
wie' : ,Wäre aber der eint oder andere Geistliche, der 
sich auf eine unerlaubte Weis nach der Welt Moden 
lustig machte, . . . geb, so wird Solches Niemand bil- 
lichen.' JKHofmstr 1744. Doch lässt sich g. hier eben 
so gut im Sinne der Einräumung der Wirklichkeit 
eines solchen Falles auffassen, also = nun, es mag 
ja sein, .zugegeben'. 

Dieses geb ist in seiner urspr. Bed., die dann freilich 
sich sehr verflüchtigt hat, viel leichter zu erklären als die 
beiden ersten, die z. T. von demselben beeinflusst sind. Es 
ist die 3. P. Sg. Oonj. des Vbs ,geben' mit Ergänzung des 
Snbjectes ,Gott', also verkürzt aus Gott-geh (s. d.). Ob die 



Gab, geb. gili, gob, gub 



70 



Veik. nur aus Bequemlichkeit eintrat, oder aucli aus Scheu 
vor Missbrauch des Namens Gottes in einer längst ganz 
gleichgültig und gemein gewordenen Formel (ähnlich wie in 
,behUte! bewahre! grüsse!'), mag unentschieden bleiben. 
Über die Entwicklung dos Gebrauches s. Gr. WB. 4, 1, 1, 
1708 — 1711. Fromm. 3, 347. Derselbe scheint vorherr- 
schend alemannisch gewesen zu sein. — Schwieriger ist die 
Erklärung der lautlichen Nbff. und der Nebenbedeutungen, 
die sich immer weiter von der nrspr. entfernt haben. Am 
' leichtesten erklärt sieh die Verk. von geh in ge, teils aus 
der Unbetontheit des Vbs neben dem urspr. davor stehenden 
hochbetonten Gotl, teils aus dem immer auf das b folgenden w, 
mit dem der erstere Laut zus. fliessen konnte. G statt h 
wird teils aus der organischen Vwdtsch. und Vertauschungs- 
ßhigkeit der Medien unter einander zu erklären sein (da ja 
im Auslaut g auch für d eintritt), teils aus der besondern 
nähern Vwdtsch. von g mit w (vgl. das roman. gu im Anl. 
für german. w). Die noch weitere Verk. in ge-tnie erklärt 
sich ans der Enklisis auf das emphatisch betonte folgende 
wie; in Verbindung mit Gott findet sie sich auch in den 
MAA. Deutschlands (s. Gr. VfB. 4, 1, 1, 1711 o.). In dem 
im Eidgn. Toggenb. 1712 überlieferten ,geb je' (,G. je mit 
was für Worten da ward geprotestiert.') liegt anscheinend 
der umgekehrte Fall, d. i. die Verstümmelung des zweiten 
Teiles vor; allein als wirkliche Ausspr. hat man sich zu 
denken 'gnhk und in b lässt sich die selbe Vergröberung 
des w erkennen wie in seUe = [lass] sehen wie! In dem 
vereinzelten g'ge- liegt die Deutung auf das Ptc. (gegeben) 
vor, welche wohl veranlasst wurde durch andere Formeln 
mit absol. Ptc, z. B. g'selzt de" Fal'. UiJb (ebf. nur bei ,geb 
nie' b) wird auf Vermischung mit geh II (resp. ob) beruhen. 
— In: ,geb was es gebe' (bei Red.) ist das ,geb' viell. noch 
als der wirkliche Conj. gedacht i. S. v. ,es gebe, was es 
gebe = was es will'; dann würde die Stelle eig. nicht 
hieher gehören; es scheint aber eine Art Wortspiel beab- 
sichtigt; vgl. geb icte '» geb {geb II am Schluss). Dass unter 
,geben' schon in der vollen Formel ,Gott geb' meistens nicht 
göttliche Gaben im eig. S., sondern göttliche Fügungen 
Ubh. und dann Schicksale und Umstände aller Art, auch 
bereits vorliegende tatsächliche Verhältnisse gedacht wurden, 
ergibt sich aus den meisten Belegstellen. Wo nicht gerade 
das wirksame Eingreifen der göttlichen Allmacht angerufen 
oder in Aussicht genommen Werden konnte, mochte man sich 
mit der Allwissenheit begnügen, in der Alles irgendwie, 
wenn auch dem Menschen unbekannt, vorausbestimmt ist, 
und so konnte geb wie zu der Bed. b gelangen; vgl. Gr. WB. 
aaO. 1710, f. Von dem damit gesetzten Begriff ,vielleicht' 
scheint verschieden der Sinn der Formel ; geb wie liecht = 
sehr leicht. - Die im Text zuletzt angeführten Fälle ent- 
ziehen sich einer genauen Rechenschaft; die Sprache scheint 
die Formel selbst nicht mehr zu verstehen und nur spielend 
zu gebrauchen. Für das ganz allein stehende ,geb' bietet 
Gr. (aaO., g) nichts Entsprechendes. Vgl. noch geg. 

gott-: \. = geh III 1, vor Fragepron. und Adv. 
und zwar a) so, dass diese WW. unmittelbar auf r/eb 
folgen, ,Gott gab wer, quisquis, quicunque.' Mal. 
,Eips raps in meinen Sack, G. g. was mein Nächster 
hat'.' Sprww. 1824. ,Nun bin ich darumb kummcn 
her, dass ich Frau Venus auch besech, G. g. was mir 
darumb beschech.' PGengenb. , Wollend recht haben, 
gottgeb was yedermann darzuo sage.' Lav. 1569. 
,D' sach will ich richten us, G. g. joch, was mir folge 
drus.' RuEF 1550. ,G. gijbe wie Gott syn urteil habe 
gen, so gryft er [der Papst] dryn, wie es im gefallt.' 
NMan. ,Ein jetlicher soll bezalen, gott gab wie die 
brief wysin.' 1545, Ztschr. f. Schwz. R. ,G. g., wie 
ich d' weit [bejtracht und b'schow, so ist 's schandtlich 
verruecht und row.' Rüef 1550. ,[Dies Mittel] heilt 
die zerrissnen eingeweid, g. g. wie schädlich der bruch 
seie.' TiERB. 1563. ,Dass einer wolmöge heuw, .strcuwe 



und weiden koufen, g. g. wie vil vechs einer heige.' 
15613, Ndw LB. , Cujus niodicunque sit: sy seie wie 
sy wöll, G. g. wie sy sei.' Fris. ,G. g. wie teür, 
quanticunque.' Mal. ,Ich stan kum ab von diser sach, 
G. g. wie man 's z'letst mit mir mach.' Com. Beati. 
,Ich blyb darby, diewyl ich leb, G. g. wo das Evan- 
gelium Weh.' NMan. ,Er soll die pfand üshin geben, 
G. g. wo er's neme.' 1527, Aa Wst. — b) so, dass das 
Fragew. durch ein dazwischen tretendes W. (Vb. 
im Conj.) von geh getrennt ist und der Begriff der 
Gleichgültigkeit durch Verbindung des Fragew. mit 
.wollen' nochmals ausgedrückt wird. ,G. g. sy bietend, 
was sy wend.' NMan. ,G. g. man tage [verhandle], 
was man well.' Ruef 1538. ,G. g. es were wetter, 
wie es wollt' ^ bei jeglichem (noch so schlechtem) 
Wetter. XVI., B Anz. — 2. G. g. - oder — i. S. v. 
,gleichviel ob, oder dass'. Vgl. geb II 2. ,G. g. er 
werde gelöst oder nit.' NMan. ,Da soll nieman wy- 
chen. g. g. man ärgere sich oder nit.' Zwingli. , Wel- 
cher den glouben uss den Worten schöpft, der gloubt 
also: gottgeb Christus kriech ins brot oder kelch oder 
waryn er well.' ebd. 1527. ,Gab einer nüt mc dann 
1 '/2 guldin, g. g. der schützen kem vil oder wenig.' 
Edlib. ,G. g. ihr heigent's gern old nit.' Com. Beati. 
.G. g. der Hag syg gedeilt oder nit.' 1622, Schw Rq. 

— 3. G. g. wie mit doppelter Ellipse, i. S. v. ,Gott 
mag fügen, wie er will' oder , wissen, wie es kommt'. 
Vgl. geh tvie b. „Es mag nun kommen. G. g. wie." 
Mit Umstellung; Das tcüit [wird] sclw gä", [aber] 
G. g. wie BSi. — 4. G. g. vorangestellt i. S. eines 
Fragesatzes mit ,wohl'. Vgl. geb III 2. ,G. g., was 
der N. noch erleben muss', was wird er wohl n. e.? 
ScH Pilger 1881. Umgestellt: .Heutzutag sieht 's unter 
den Jungen bös aus, g. G. was das noch will werden.' 
ebd. 1884. — 5. bei einer Beteurung etwa i. S. v.: 
, will 's Gott' od. ,in Gottes Namen'. ,Kurz ab, es muess 
gebuwen syn, g. g. gott griess [grüsse] ich will 's nit 
lassen wider zuo schytren gon.' ThMurn. (Absch.) 

Über die urspr. und die spätere Bed. der Formel s. Anm. 
zu geb III ; hier mag für den Zusatz Gott- noch das ital. 
amxgna dio, komme was da wolle (ebf. in einräumendem S.) 
und eziandin als Parallele angeführt werden; vgl. Diez, WB. 
369. In einzelnen Fällen tritt der urspr. verbale Sinn von 
geb so deutlich hervor, dass man sie füglich unter das volle 
Vb. geben stellen könnte, wohin streng genommen der ganze 
."Vrt. gehört. Dies gilt noch mehr von dem offenbar ver- 
schiedenen (Sott geb in Einschaltungen wie: ,nach seinem 

— Gott geb seligen — Absterben' udgl. 

Ver- m., nur in Verbindung mit .gross', der gross 
V. oder zsges.: „Gross-r.", das Frohnleichnamsfest, 
resp. der Tag desselben W. Syn. Unsers Herrgotts Tag. 

So genannt, weil der Opfertod Christi den Gläubigen 
Vergebung der Sünden verschafft, wesshalb auch dieser Tag 
als grosser Ablasstag gilt. Zu ergänzen ist wahrsch. das 
Grundwort: ,Tag' und Geb ist der reine Verbalstamm, wie 
er als erstes Glied vieler zsges. Subst. erscheint, z. B. Ver- 
kündnunntig, der Sonntag, an welchem eine Ehe von der 
Kanzel verkündet wird. 

Gast-: Gastgeber, Gastwirt, unter Umständen 
auch ein Private, der ein einzelnes Mal Gäste ein- 
geladen hat und bewirtet ,Der Wackerbold soll nie- 
nier [z'] Zürich ein g-e werden.' Z Kichtebr. ,In offnen 
g-on wirtshüsern.' 1518/44, Schw LB. ,Wirt und G. 
der Herberg zum Löwen zu Mellingen.' 1636, Arch. 
AAWett. ,Zum g. .sprach er [der Eingeladene]: Ihr gä- 
bend ein guter würt, ihr wurdond wol tractieren und 



71 



Uab, gel), gib, gob, gub 



72 



luiechend wolfeil ürteii.' Schimpfr. 1651. .Eigen- 
nütziges gsind, das der kilbonen [Kirch weihen] merk- 
lichen gnuss hatte, under denen die vordersten warend 
schenkhäuser und g-en.' JJBreit. 1639. ,0 des herr- 
lichen gasts, des reichen g-en.' AKungl. 1688. 

Mhd. gastgebe. Die Endung e niusste nach allg. Gesetz 
abfallen. Vgl. jBec/c, Fürsprech ii. das folg. u. a. 

Rät-geb: Ratgeber. .Pridrichs rätgeben.' Z Chr. 
1336/1446. ,Consules d. i. r-en.' Vad. .Weliche wie 
unsinnige Ratgeb den Menschen verführen.' Hopmstr 
1645. ,Die ratgebe und helfer.' JMüll. 1673. ,Die 
Weisheit ist Gottes R., die Alhnacht seine Leibwacht.' 
JJUlr. 1727. ,Uer erste R. und Anfänger zu solcher 
Bibliothek.' Mem. Tig. 1742. Auch Geschlechtsn. Z. 

Mhd. ratgebe; s. d. Anm. zum Vorigen. Der Plur. ,R-e' 
nach starker Flexion, als ob ,Ratgeb' unverkürzte Stamm- 
form wäre. 

geben g^be P uSs., sonst allg. ge(n), t. ^ t. " 
(ge' Z, gV Gl; Sch) — Präs. Ind. Sg. 1. gibe" (glbu, 
gib, giiij. 2. giH (gisch). 3. glt (gid, gipt). P 1. g'end 
{gem-mer, geben wir; gebet mir), spec. 1. gübefn), 
ye(n), gew. 2. gebed, get. 3. gebe(nd), geben, g'end, 
gent. — Imp. gib (gip). — Gonj. gebe, geb(i). — Cond. 
ge^bfi), resp. g^U, ge^bti. — Ptc. gege(nj, g'ge (kV): 
I. mit iiersi.nl. Subj. 1. mit Bez. auf concr. Gegen- 
stamlr, a) uliiie aussi'.lriukt.s Sachobj. Wer will gi", 
viiii'ss .-.'i'r.-it hü" /. A'x ist Kiite'' en Schölm, wenn er 
me her gif, als er luit. ebd. Besser g'rotie" [gereut] 
und g'ge" als g'roue* und g'ha" [behalten] L; Z. G'ge" 
ist g'ge', Formel, mit welcher man die Rückgabe eines 
Geschenkes verweigert Z. Mit (Personen-) Obj. im 
Dativ. De" Sehwine' [sc. Futter] ge Gr, einer kran- 
ken Kuh Arznei Ap. Ei"m ge, sc. Schläge G; Z. 
I''' han-em g'ge, er mir au''', und «>o [da] -«-i'c/t g'lia" 
ha", bin-i''' g'gange. Z Prozessakten. Beim Anblick 
sich Balgender ruft etwa ein schadenfroher Zuschauer: 
Gend enand! oder: Chline'', wer-di''', Grosse'', gib-em ! 
Audi : mit Worten züchtigen B. Uf d' Nase (GA.), 
uf d' Nisse' (Gr) ge, schlagende Antworten geben. 
.Er |der firmelnde Priester] gab mir mit der band an 
bao-i;vn/ Platt. 1572. Ei-'m drtif ge, Angeld, Haft- 
gcM, Anzahlung B. — 1)) mit Sachobj. (im Accus.) 
das Spiel, die Karten g. = au.steilen. auch mit blossem 
,es', z.B. du gisch-es! dir I.'cIIm' ist an dir Z. Das 
Hurnussspiel wird eingeb.it. ■!. imlfm die schlagende 
Partei dem Gegner zurutt: W'cit-d'i- uc [seid ihr be- 
reit, den Sparren zu empfangen]? worauf die Ant- 
wort ertönt: G'et umme [gebet ihn nur]! B. In der 
Schützenspr. bedeutet es ge (de" Schutz abgej eliönne', 
gerade in dem Augenblicke, wo man das Ziel klar sieht, 
abdrücken Z. .Welcher an die kirchen etwas geben 
und gaben wollt.' Vad. ,Kalts und warms g. : aquam 
fert altera manu.' Mscr. E. XVn. Wa' tcitt [willst 
du] g'e? du kannst das nicht ändern GTa. Nüt ge um 
(oder für)..., gering schätzen, sich nicht kehren 
an — , kümmern um — B; Si;h; Z; vgl. ,ich gäbe das 
wohlfeil', ich setze keinen Wert darauf oder wäre es 
gern los. Für Niemen Nüd gen, keines Menschen 
Freund sein BRi. Nünt um d' Mueter ge, der Mutter 
nicht gehorchen; N. mn d' Wort g'e, auf keine Er- 
mahnungen hören. Sulgbr. ,Der Herzog von Burgund 
hat verstän geben [sich den Anschein gegeben], er 
wolle uf brechen; aber als er gesehen hat, dass der 
Kaiser nit hat wellen daruf g. [usw.].' 1473, Absoh. 
,Si [die tapferen Eidgenossen] gäbend umb den tüfel 



nüt', fragten dem T. Nichts nach. Dornacherlied 1499. 
.Bis unerschrocken, ob sy denn wettind mit dir bo- 
chen, besträlen dich, umb dich nüt g.' Ruef 1550. 
,Man steckt hanfbutzen uf, die vögel us den hanf- 
landen zuo vertryben, aber nach langem [auf die 
Länge] gebend sy nichts drum, sehend auch, dass es 
nichts ist, das inen schaden möge.' LLav. 1569. ,Wann 
die Kind aber nienerumb nichts g., so stat der Vater 
mit einer guten ruten über sie.' JJBreit. 1629. ,Dise ' 
li.'-i hw iiKt.' -ibet nichts darumb, man schmiere, salbe, 
ba.b- "d.T l.ahf oder tue was man wolle.' FWürz 1634. 
G. und uüuion, formelhaft und reimhaft (g'e:ne) 
verbunden i. S. v. handeln und wandeln; vgl. gab 
(und g'näm) und vgl. auch unten II 1. ,Z' ge und 
z' ne s'f, aequum pretium habere.' Id. B. Zii dem Bris 
chann-me 's ge und ne, dieser Preis ist ein billiger 
für beide Teile Z. Es ist Nünt z' g'end ond z' nend, 
man würde es weder mit Vorteil kaufen noch ver- 
kaufen Ar. .Anken, der wol geschmackt seie, der 
auch zuo g. und zuo n. seie.' 1383, SchwE. Kloster- 
arch. ,10 niütt wolbereits korns, das zuo g. und zuo 
nement ist.' 1468, Lehenbrief Hofstätten. In anderem 
S. : ,ünd soll sunst kein frefel [Busse] nit genommen 
noch g. werden, dann nach erkenntnus des rechten.' 
TnWig. Offn. 1403. ,Dass Gott den sig mög nen und 
gen.' ToBL., VolksL Als Gegs.: Es ist besser z' ge 
weder z' ne, Geben ist seliger als Nehmen. Id. B. 
Hurtig zum Ne, langsam zum Ge Z. (Nichts) g. und 
wünschen, ebf. formelhaft, auch mit zugesetztem 
Dat. P. Jlfjr gend-i''' Nüt und weusched-i''' Nüt, wir 
wollen Nichts mit Euch zu tun haben; lasset uns 
in Frieden Z. Ich gibe Nüd und iceusche Nüd, ich 
ha" Recht, brüllt Einer, der seinen Prozess verspielt 
hat. Woi.F. Banerngespr. G. und haben in der weit 
vrrbr.it.t.'ii. überall gleichbedeutenden, aber nicht 
ganz uLirlilautunden und ihrem Ursprung nach schwer 
zu eikläreiulfii Frageformel: was gist was hast i. S. v. 
in grosser Eile, aus Leibeskiviften, bes. in Verbindung 
mit laufen, springen. Was gist was käst Gl; S (gisch— 
heschj; U; Z, w. g. und iv. h. BsLd, w. g. w. d'h. L; 
GG.; Ndw; W; ZLunn., w. d' g. w. d'h. Ap; GRSchiers,' 
tv. g. das h. W, ib. g. sj h. ZG., g. Nüt, se h. Nüt 
ZO., stall., g. nid wa h. nid Sch. tv. git 's w. hat 's 
GG. Er isch drüf ztte, was gisch und was hesch 
isch er g'loffe. Breitenst. 1864. , Machte im Sturm- 
schritt die Runde, darnach sogleich wieder — gist 
Nüt, se hast Nüt — auf und zurück.' Stütz. ,Es 
[das Meislein] singt allzeit — was gibst? was hast? — 
sein"" alten Zizeberg.' Vogelgesang 1737, hier mehr 
i. S. V. emsig, unverdrossen, unbekümmert. — c) mit 
beigefügtem Dat. P. Ei''m. Ei"s ge, einen Streich, 
Schlag versetzen L; Z; auch: Eis a" 's Bei' udgl. 
Eim d' Nase z'rugg g'e, den Hochmut heim zahlen B. 
Eim g'nueg ge, ihn todt schlagen. ,Hat uf in g'hauwen, 
dass er g'meint hett, er heb im g. g.' UMet. 1540/73. 
— 2. mit Bez. auf geistige Objekte, a) mit blossem 
Sach-Obj. Get [macht] Vorschlag, es het es ledes d's 
Recht drzue. Gotth. Si Meini'g ge, seine M. aus- 
sprechen Ndw. Hieher wahrsch. auch die ä. RA. 
,dafür g.' = halten, eig. Meinung abgeben, stimmen. 
,Was da fuuden wirt, mögen wir nit wüssen, wir gend 
aber darfür [usw.].' 1521, Strickl. B'scheid ge, B. tun. 
beim Zutrinken AaF. En Eid ge, vorsprechen Gl. 
Der Landseid isch-es, wo-n-er git. Zwirnv 1856. Früher 
auch = einen E. Ici.sten. ,Und wenn ich drumb ein 



Gab, geb, gib, g-ob, gub 



t'iJ solt gen, ich weiss liüiii bessern friinJ uf erd.' 
KMan. = es gibt bei meiner Treu keinen b. Fr. ,Sein 
alter und zeit auf jagen g.', verwenden. Mal. ,An- 
schläge, die offenbar und frücr an tag geben worden, 
denn sy verhofft haben.' 1.585, Absch. Gib 's von dir! 
sprich! Gr; Z. ,Die Flucht g.', ergreifen. XVII., Hist. 
Lied. ,Gaben sie die fl.' Wurstisen. Ebenso: ,die Weite 
g.' XVI., Lied v. WTell. ,Forcht er im [fürchtete sich) 
übel und gedacht synen nit zu warten, sonder ein 
wyten zu geben.' HBüll., Tig. .Wann die Prediger 
[vor der Pe.st] ein weiten g.' JJBreit. 1G'29. ,Nicht 
Kühe geben, bis man den Zweck erreicht hat' Ba 
(wahrsch. eine Verquickung von .Ruhe haben' und 
.nachgeben"). Mit ,es' (das aber auch wegbleiben kann) 
und appositionellem Adj. oder mit Adv. Er cha"" 's 
rso guet hare ge [hergeben, darstellen, erzählen], dass 
's e Freud ist zuez'lose Zg; Z. De"" Hen- Pfarrer 
het 's guet g'ge [den Text seiner Predigt behandelt] 
ScuSt. ,Es half Nichts, sie mussten es endlich ver- 
loren geben.' Gotth. ,Sie wollten noch nicht verspielt 
geben.- HPest. 1783. ,Gwünnis [gewonnen] g.' Mal. 
Es gross (vorriem, gschteulle'J ge, grossen Aufwand 
machen, vornehm tun Z. Mit Acc. (resp. Nomin.) des 
l'riidikats = .werden'; vgl. 11, 4. Was wottst [willst] 
du ge? (Berufswahl) Bs; Gr; L; Uw; Z. Er git no''- 
[am Ende noch] e Nar Bs. — b) mit beigefügtem 
Dat. P. (üuete'J Tag geh i [euch] Gott! Grussformel 
am Vormittag W; Z. Enandere guet Nacht ge [wün- 
schen] W. Guet Nacht geb-i Gott! F; GrS.; W; ZO. 
Gist-vinr Hochzlt? = lädst mi''' a» 's Hochzit? fragt 
man seinen Hintermann, doi F.iinii getreten hat GrS. 
/■■'' chann im jetz nuniiin ifsrhu-nu} der Name nit ge', 
BsL.; Z. Si hat si g'ldiKjl. i ijrh-.rc ken Name [dass 
ich sie nicht mit ihrem Namen oder Titel grüsse B. 
Ei'm d' Weli [Wahl] ge, gleichgültig gegen Einen 
sein, sich nicht kümmern, ob man die Sache so oder 
anders mache BBe. Einem 's Wart ge, Bescheid geben. 
Lenggenh. 1830. Syn. 's W. gunnen. , Einem den Eid 
g.'. Einen schwören lassen. ,Also gabend die eidgnossen 
im den eid; den schwor er zu halten.' Edlib. ,Dor 
den Ehegaumern gegebene Eid.' Hess, Samml. Da- 
gegen: , Einem Etw. in den Eid g.', ihn eidlich dazu 
verpflichten: ,Dass die von Murten ihren Schreibern in 
d. E. geben, keine Briefe aufzurichten.' 1542, Absch. 
Recht g., wortspielend mit recht geben i. S. v. tüchtig 
Schläge geben. Er hat R. : me" sott [sollte] em r. g. 
SuTERM. Du hast B.; me sett-der aber au''' r. ge [mit- 
eme Stecke ZWl.) Aa; Gl; Z. Wenn Eine"- B. het, 
so mues-men-em r. ge Aa. .Einen für recht bieten 
oder tag g.: vor Gericht fordern. Nit tag g. oder für 
lassen, das recht abschlachen, Judicium non reddero.' 
Fris. ; Mal. ,Dem N. sye tag bar gen', er sei hieher 
vor Gericht geladen worden. 1541), Absch. ,Dass si 
nit lychtlich dem hochmüetigen Gfeller wöllind Ohren 
geben [Gehör schenken].' Frikart 1470. .Wiewol 
wir dem gar kleinen glouben g.' 1532, Strickl. 
[Dat. S.]. .\nders: das git-mer [macht mich] Niemet 
[Niemand] z' glaube GSa. Eim kei" guets Äug ge, 
keinen freundlichen Blick gönnen Z. Von Schätzung 
des Lebensalters, i. S. v. zuteilen, zutrauen. !''• hett-i 
[euch] nüd Sibezgi g'ge Z (nach dem frz. donner 
in solcher Anwendung). Passiv mit ,es' als Schein- 
subjekt i. S. V. göttlicher Gabe oder Naturanlage, 
Fähigkeit zu Etw. Es ist-em g'ge, er hat von Natur 
die Gabe L; ScnSt.; S: Z. Öfter negativ: Es ist-em 



nüd g'ge, z. B. recht z' tue, eil z' rede. Mir tcär 
das mit g'ge, icli brächte das nicht übers Herz. — 
3. mit Acc. P. a) in der gewöhnlichen Bed. (über- 
geben). Gem-mr 's! ruft man hinter dem Kinde her. 
das man spielend verfolgt Aa ; Z. ,In Empfel g.', zur 
Obhut anbefehlen, s. I 798. .Diris agere aliquem. 
einen verfluochen oder dem tüfel g.' Fris. — b) in 
eigentüml. Bed. = tun, bringen, mit Raumbe.stira- 
mungen. ,Die will ich rasch von dannen g., dass 
Keiner mehr das Kloster zu sehen begehrt.' Gotth. 
,Die Donstige [Tausendskerle] wolle er runter g. [unter 
kriegen].' ebd. .Die will ich aus einander g.' ebd. 
Eine' uf d' Bei' (in d' Sprung) ge, ihn beschäftigen, 
zum Hin- und Herlaufen veranlassen B. — c) wählen, 
z.B. „einen Pfarrer g. VOrte". Mit Appos. ,zu': Einen 
zumene Pfarrer, zumene Gemeindrat ge Gl; GA. — 
d) schuld g.. als schuldig ausgeben (vgl. 4 c), be- 
schuldigen (vgl. ,gerecht g.- = rechtfertigen 11 3, od. 
durch Verwechslung resp. Mischung mit: Schuld geben 
c. Dat. P.). ,Dass kein Mensch sie schuld gebe.' Gotth. 
.Er gab im Gegenteil die Gemeinde schuld an seinem 
Unglück.' ebd. — 4. refl. a) sich einer Sache, Tätig- 
keit ergeben, hingeben, widmen B, z.B. i" ds Stün- 
deliicese' [die Pietisterei], i' d' Förnemitet. ,Seit ihr 
[einer vermeintlichen Hexe] die Vorgesetzten ihren 
Knaben weggenommen, habe sie erst reclit in ihre 
heimlichen Prattiken gegeben.' B Hink. B. 1863. .Im- 
pensa setas labori, auf die arbeit [ge] geben, zur arbeit 
geneigt. Hoc age. das tuo, darauf gib dich.' Fris. 
Darauf gib ich mich, id operam do. Sich g. ze kurz- 
weilen; sich in ein gesellschaft g. [einlassen].' Mal. 
— b) sich begeben, auf den Weg. ,Auf Gottes 
Wort und G'heiss muss Abraham verlassen Sein' 
Freund' und Vaterland, s. g. auf die Strassen.' Gr. 
Ofen-Inschrift. ,Gaben wir uns auf den Weg.' Heut. 
1658. — c) ,Sich eines lasters schuldig g., astringere 
se sceleri.' Mal. = sich seh. machen. — d) sich in 
Etw. finden, sich darauf besinnen W. Dara' chenn 
[könne] er schich [sich] eimal gar nid gen. W Sag. 
Ebenso positiv: Dara" chann i''' mi"'' scho' ge. ebd.; 
vgl. begeben 2 b. — IL mit sächlichem (z. T. per- 
sönlich gediichtem) Subj. 1. in der gewöhnlichen 
Bed. mit Dat.- u. Acc.-Obj.: , Unser Kasjiar ist gewiss 
todt! Der Sonderbund hat ihm gnug g'g'i.' Stutz 1850; 
vgl. I 1 c. Es hät-mir g'mieg g'ge, ich habe da.s 
Ding satt bekommen Z; versch. von g'nueg g. I 1, e. 
G. und nemen. ,Der Wintermonat nimmt Schnee 
und gibt.' Brägger 1782. Ntit ge und N. ne, Nichts 
zu bedeuten haben, weder nützen noch schaden, gleich- 
gültig sein. Syn. Nüt derzue und N. dervo" tue". 
De Merze soll N. ge und N. ne [am Stand der Feld- 
kultur durch seine Witterung Nichts ändern] ZWang. 
Es git-em (oder der Sach) Nüt usw. Z. Doch auch mit 
persönl. Dativ. Sdlger; Z. .Es gibt der sach nichts 
und nimmt derselben nichts.' Hospin. — 2. wirken, 
mit adverb. Obj. -Bestimmung. ,1' d' Auge' ge, oculos 
fascinare.' Id. B; vgl. , stechen' und frz. ,donner'. De 
wiss Wi' git uf d' Nerve B. Ebenso uf 's Dach [auf 
den Kopf] ge, aber auch mit persönh Subj.: prügeln 
(auf den Schädel); zum Schweigen bringen Z; vgl. 1 1 a. 
Anders : ,1" ds Mes ge, mensuram implere. de fasciculis 
frumentariis; proflcere. juvare.' Id. B. — .3. gerecht 
g., rechtfertigen ; vgl. schuldig ge 1 3 d und Becht ge 
I 2 b. ,Samm [als ob] die stuck [fröhlicher Mut im 
Tod usw.] die leer [ihre Irrlehre] g. gebind.' HBill. 



75 



Gab, geb, gib, gob, gub 



76 



1531. — 4. i. S. T. ergeben, erzeugen, ein Pro- 
dukt, a) mit bestimmtem Subj. 1) ohne ausgedrückten 
Obj.-Acc, Frucht tragen, von Bäumen, vom Boden Z; 
w6l g., gut ausgeben, z. B. die Garbe' gend vol ZKn. 
— 2) mit Acc. Z' vil welche' gU Bluet. Sülger. .Das 
rot Öl gab minder dann das weissfarb.' JRLandenb. 
1608. Ich und du und 's Here Sü und 's Müllers 
Stier gend (sind) eusere vier L. Säg Öppis, 's gid eis 
Won 's ander, fang ein Gespräch an. ebd. Aber: Eis 
git 's Ander, auch von Entstehung eines Streites 
durch beiderseitiges Zutun Z. D' Federe git 's nit 
guet, tut ihren Dienst nicht recht ScuSt. D' Ufrichti 
hät-mer 's g'ge, ich habe ihn an der Gestalt erkannt 
PMu. D' Sunn git warm. allg. 's Liecht git heiter. 
allg. Wenn Bettlerdreck zu Pßffer iciird, gid er rezer 
[hat er schärferen Geschmack] a's andre' GrD. Schein- 
bar intrans. i. S. v. werden; mit Appos. od. Prädlk. 
im Nomin.; Syn. ah-g. G; Z; vgl. 1 1 2 a am Schluss. 
Das git e" rechte' Pfarer Gl. Was mues [soll] das 
ge? G; Z. .Es gibt ein langer Winter.' Sprww. 1824. 
Suppe, wenn d' feie' witt, gib es Mues, Wunsch eines 
Liebhabers von dickem Brei. Winteler. — b) mit 
unbestimmtem Subj. ,es'. Es git obana''her [regnet], 
dass ma" kei" Hund üsjaga' törfti Gr (Schwizerd.). 
Hat 's brav [z. B. Chriesi] g'ge? Z. Es git nüd so guet 
det hinne, von der Fruchtbarkeit des Bodens ZStadel. 
Es mag Nüt g'ge, es trägt nichts Merkliches bei Z. 
Mir gab 's e Ghummer, wenn %''• Öppis [in Frankreich] 
chaufe' milesst, i verstän elces Wort wälsch B (Schwz. 
Dorfkai.). Mit .aus'. Es git Nüt us im B; G. Us 
de' Tschüpe' [Büschen] git 's Tanne', us de' Buebe' 
git 's Manne" Gl. Es wird Nüt drüs ge. Id. B. Was 
git 's? du wirst sehen, frz. va! GlH. Wenn 's Öppis 
mit-mer milesst ge, wenn ich sterben sollte (euphem.) Z. 
Vorkommen, vorhanden sein = frz. il y a. .Da git 's 
ein zwisel [eine Abzweigung] über den weg inhin.' 
1470, Zellw.. Urk. Auch mit unbest. Obj. ,es-. Es 
git 's, es kommt vor, kann geschehen Aa; Bs; Gl; Z. 
Es git 's aw'', dass sie [die Elstern] jungi Vögel ver- 
zausle". EMev. 183.S. Hand iez bald zicänzg Johr im 
Fride mit-enand g'lebt. — Jo, 's het 's au''' bed Weg 
g'ge [wir hatten zuweilen auch Streit]. EFeurer. 
Wenn d' nüd 's Miil zuehäst, bim Eid git 's -es nüd 
guet, euphem. = werde ich dich züchtigen. Stütz. 
Mach-mi''' nüd taub, suit git's-es nüd guet! Androhung 
von Strafe ZF. Nilt für unguet, Fraueli, dass i 
Afangs e chli g'stürmte [rasch] g'si bi', es git mer 's 
gern [leicht], wenn i so vo d'r Heiteri i d' Feisteri 
dumme BM. — 5. treffen, a) mit Acc. P. i. S. v. 
schädigen. 1) mit bestimmtem Subj. Er ist neue 
[freilich] nid so guete z'ne, doch hat er glich sclw 
Mänge" g'ge, Volksurteil über den Wein von Oberried 
bei FMu. So sprützt e Gätzi [Schöpfeimer] voll Wasser 
zum Loch üs dem St. in 's G'sicht und git aw'' die 
Andre'. Breitenst. 1864. D' Geisle hett 's jo chönne" 
ge. KdMev. 1844. - 2) mit unbest. Subj. (es). Es 
git in, er wird getroffen od. betroffen (von Schaden. 
Unglück), verletzt, gefangen, getäuscht, beschämt, in 
Folge von Unvorsichtigkeit oder Verwegenheit Bs; 
Gl; L; G; Sch: Z. ,Es hät-ne [ihn] g'ge, captus. 
deceptus est.' Id. B ; etwa scherzhaft mit dem das Mass 
des Schadens bezeichnenden Zusätze um en SchilU'g Z. 
Potz tüsige Tu fei! wie hät's-mi au g'ge! I''' muess 
schier fluechen iind lache' drab: Es ist nu'' 's Löters 
Annebab [statt der erwarteten vornehmen Frau]. Stütz. 



Es gid-e. ruft man etwa, wenn der Baum, den man 
fällen will, nachgibt Uw; Z. letz het 's -e' halt doch 
einisch g'ge, er hat endlich einmal Unglück gehabt in 
seinem Beginnen, Wagen U. Es häd 3 Vögel g'ge', im 
Vogelschlag .ergeben-. Hat 's die Müs emäl g'ge? ist sie 
endlich geftmgen, erwischt worden? Es häd-ene' am 
Bei' g'ge, er hat sich das Bein verletzt. Es gid de' Spitz- 
bueb scho' na''' emäl, er wird ertappt werden. Wenn du 
nit besser afasch huse', sj git 's-dt'"* giciss eiswegs [gehst 
du bald zu Grunde] U. ,Je weiter die Kegel stehen, 
je weniger es Kegel gibt.' JKLav., Kriegsb. 1644. - 

b) mit Acc. ,es': Esgit's. 1) es gelingt, allg. Es 
wott 's nüd ge. Mit Dat. P. Es git-ne 's, es gelingt, 
gerät ihnen, sie kommen ökonomisch vorwärts, allg. 
letz miesse-mer da dirhi [hindurch], denn git 's-es äen- 
andrenah [sind wir sofort am Ziele] B (Schwizerd.). Es 
gid-mer 's (beim Spiel), gerät, trifft zu Z. Albigs [ehe- 
mals] hat 's es eso Eim nüd g'ge Schw, z. B. ein so 
verschwenderischer oder ungeschickter Mensch konnte 
früher nicht aufkommen oder bestehen. ,Es gab es 
mir nicht anders', ich konnte nicht umhin B. Ich 
meine, es geb-mer 's nimme, ich verzweifle an meinem 
Aufkommen U. — 2) es reicht aus, genügt, meist 
in Verbindung mit ,mögen': Es mag's (nüd) ge B; 
ScH; Z; bes. auch von ökonomischen Verhältnissen, 
wo man sich z. B. eine Ausgabe erlauben darf oder 
nicht. ,Er antwortete: es mag Gott Lob jetzt Alles 
g., und liess sich 's nicht ausreden, zu halten, was er 
versprochen.' HPest. 1790. Es git 's eimel iW'', ich 
kann noch existieren, es geht noch BHa. 's mag's g'ge, 
drei Ell e Pär Händsche, wenn de'' Schnlder kein 
Schelm ist. Sulger. Es git im 's frl, es ist für ihn 
lange gut genug BSi. — 6. refh a) sich zutragen, 
begeben, fügen. Vgl. 4 am Schluss. ,Es hat sich gen, 
dass — .' XVI., Lied, — b) „sich schicken, passen, 
bequem sein, z. B. : de Rock git-mer-si''' wol. Es git- 
mer-si''' hüt nit, ist nicht gelegen." Es git-mer-si''' 
übel, unbequem BHa. We" 's-mer-si''' nie wurser 
[schlimmer] gab! sc. so wollte ich zufrieden sein BK. 
Es git-mu-si''' Alls wol i d' Hand, er greift Alles ge- 
schickt an BHk. Es git-mei'-si wol i dem Bett, ich 
liege bequem, ebd. Sich günstig, friedlich gestalten 
(auch nhd.). Es git-si"'' vo" selber. Es wird-si''' Alles 
wider ge Bs; Z. Es git-si''', gelingt Ap; vgl. 5 b 1 
und .es gibt sich, fit' Mal. = es git 's, unter 4. nhd. 
.es begibt sich'. Es mag-si"'' g'ge! iron. = es ist der 
Mühe (nicht) wert. z. B. so viel Aufhebens von einer 
Sache zu machen Z; Syn. es mag-si aW'' erllde"! — 

c) gelingen Ap. Es hät-si nüd möge g'ge mit dem 
Springe, der Sprung gelang nicht, konnte sein Ziel 
nicht erreichen (Schwizerd.). 

Die Zsziehung in gen schon mhd., Jocli uuv in alem. 
Quellen, während die Formen yist, git weitere Geltung hatten 
und bei uns nur noch Yerk. des Voc. erlitten (,gitt' auch 
ä.nhd.). ,Gend' in Urk. neben ,gebent', ebenso ,ggben', ge- 
geben, neben , gen'. Assimilationen wie 9im-m<?r (f. , gib mir' 1 
kommen schon früh vor, z. B. , Vetter Gimmer' als appell. 
Eigenn., Gegs. zu .Gebhart', Name eines Kargen. — Die 
meisten Bedd. unsers W. finden sich auch im ä.Nhd., die 
Erklärung einzelner bleibt aber fraglich, z. B. ,die Flucht g.', 
ob aus: ,sich in die Fl. g.', oder nur aus .\nalogie zu dem 
syn. ,die Fl. nehmen', weil ,geben' und ,nehmen' .■»uch 
sonst Wechselbegriffe sind; vgl. Gr. WB. 4, 1, 1, 1670. 
1672, e. 1716, wo aber die Möglichkeit, dass das syn, lat, 
,terga dare' eingewirkt haben könnte, nicht erwähnt ist, 
,Die Weite g.' ist jedenfalls erst nach ,F1, geben' gebildet; 



Gab, geb. gilj. S"b, !,'ub 



vgl. ,ilas Wuite suchen'. — Eiuwirkung des frz. ,douner', 
zunächst auf den Sprachgebrauch der deutschen Westschweiz, 
ist ühue Zweifel anzunehmen bei ,geben' i. S. v. mutmass- 
licher Schätzung des Lebensalters und i. S. v. ,wirken' auf 
die Nerven (II 2), obwohl die letztere Anwendung auch aus 
IIa erklärt werden kann; auch ,in das Mass g.' scheint 
gewissen Verbindungen des frz. ,donner' zu entsprechen, z. B. 
,donner au but', das Ziel treffen, ,donner dans le sens de qu.', 
beistimmen, wenn man dies nicht lieber zu II 5 (treffen) 
ziehen will. Vgl. noch dnn g., neben ushin y. Die eigentüm- 
liche Bed. I 3 b (vgl. auch uf-g. 1; an-g. 2; umhin-ij. 5; 
uthin-g. 10; fürhin-g. S; weg-, zuehin-, zesammen-g.) mag aus 
Fällen erklärt werden, wo ä.nhd. ,g.' fast den S. von ,tun' 
zeigt; s. Gr. WB. aaO. 1672, und ,sich von einander g.' ebd. 
1724/5; vgl. auch lat. ,-dere' in Compp., welche (urspr.) 
nicht zu ,dare' (Wzl da), sondern zu Wzl dha gehören. Die 
bei Gr. WB. nicht bezeugte Bed. ,wählen' rührt vielleicht 
aus der Zeit, wo Beamte nicht von der Gemeinde gewählt, 
sondern von einer Herrschaft (Patron) ,gegeben' wurden. 
Zu der Formel im« girt was hast s. Gr. WB. 1725; nach 
TTobler soll sie schon in einer Urkunde des XV. vor- 
koiumen (?). Abi. s. u. gib-. 

ab -gäben: 1. trans. a) wie nhd. i. S. v. .über- 
geben-. — b) ab- oder losdrücken, einen Schuss (auf 
ein Ziel) Z. — e) aufgeben, z.B. eine Braut Z. 
Ein Bündniss: .Alle Verbuntnüss abzegend und uf- 
zehörend.- 1420, Absch. De" Vortel, den Vorteil aus 
der Hand geben, fahren lassen Z ; s. noch .3 b ; Syn. 
über-g. — d) als Folge ergeben = geben II 4. 1) mit 
Öachsubj. Schilli''' [schrecklich] schirar^et's (im l.iiiirr 
C-berg), das git e suberi Wasch [Regen, Ge\vitt.i| ,</,.' 
KdMey. 1860. ,Es wird nichts a., nihil indo liuri 
sperandum.' HosriN. ,Dass (es) innert lÜU Jahren von 
einem ansehnlichen Synodo der Predikanten nicht so 
viel Fehlbare abgegeben (hat).- ClSchob. 1699. — 
2) mit persönl. Subj. und mit Obj.-Acc. = Prädik.- 
Nomin. i. S. v. .werden- B; G; Zg; Z. Steife' hätt 
chönne' e* Ma" a. Gotth. Wenn mm Vetter en Herr 
abgit. ,Er wurde nach und nach so hineingezogen, 
dass er den unglücklichsten Säufer abgab.- Baurenfr. 
1768. — 2. refl., wie nhd., sich mit Etw. od. Jmdm 
beschäftigen. — 3. intr. a) mit Dat. P., sich durch 
Zurede oder Drohung bewegen lassen. Er hät-vier 
abg'e, hat auf meine Vorstellungen geschwiegen, ist 
von Diesem oder Jenem gegen mich abgestanden BHk. 
— b) absolut. 1) an körperlichen oder geistigen 
Kräften, an Schönheit abnehmen, altern, gebrechlich 
werden Aa; „VOrte"; Z; Vermögen verlieren Z. — 
2) nachlassen, von Schmerzen und Leidenschaften 
Bs, im Fleiss, Wetteifer B; Z, im Widerstand, resp. 
in der Festigkeit einer Behauptung: davon abstehen, 
.nachgeben', sieh als besiegt .ergeben' GF., G. ; UwE.; 
Zu; Z; Syn. lugg ge; übh. von Etwas abstehen, auf- 
hören Ap; GrD.; L; ZO. Er will mit Müede" [lästig 
bitten] nüd a. Me' mices nw nüd grad a. Wer abgit, 
hat versj)ilt GW. — 3) ein Amt, eine Stelle, einen 
Beruf niederlegen Ap; Bs; B; VOrte; G; Z; sein 
Vermögen abtreten Aa; Bs; vgl. 1 c. Dr Vater häd 
"bg'ge, den Söhnen die Wirtschaft übergeben, sich zur 
Piuhe gesetzt. — c) =^. II 4. .Wie es die Zeit hero 
so viel Fäl der Selbstmörderei abgegeben.' AKlingl. 
1691. — d) erbrechen Gr; Syn. (sich) er-g.; use-, 
über-, wider-, ufhin-, zeruch-, dar-g.; orgelen; uf werfen 
und Bd I 184 Anm. zu Uelerich. — abhin (übe")-: 

1. heruntergeben. Das Klappern der Mühle, auch der 
Birnmühle, wird übersetzt mit: gib abe, gib abe! — 

2. (d' Milch) «., die Milch aus dem Euter entlassen, 



anstatt sie in den Leib zurückzuziehen, was die Kühe 
einem ungeeigneten Melker gegenüber etwa tun Aa; 
Bs; Z. Bildlich, von Menschen: a) vom Zorn ab- 
lassen, zahm werden Bs; Z. b) von der Forderung 
eines höheren Preises beim Ankauf abstehen, ebd. 
c) übh. nachgeben, bescheidener, anspruchloser, will- 
fähriger werden, d) altern, nicht mehr frisch, strotzend, 
schön sein Z; vgl. ab-g. — über-: 1. trans. a) wie 
nhd. ein Geschäft; einen festen Platz, ein Trupi>en- 
korps dem Feinde; das Gewerbe an die Söhne abtreten. 
Syn. ab-g. Einen säumigen Schuldner dem Keclits- 
trieb ü. Bs; B. Auch ohne ausgedrücktes Übj. (vgl. 3). 
.Übergib mich nicht in einen verkehrten sinn!- JMüll. 
1673 = lass mich nicht darein verfallen. — b) auf- 
geben. 1) mit Sachobj. De" Vortel ü., aus der Hand 
(resp. dem Feinde in die Hand) g. Z. .Als üwer gnad 
uns ermant. unsern vorteil nit ze ü., ist nit minder, 
unser fygend sind gegen uns gezogen, der meinung, 
uns uss unserm vorteil ze locken.' 1524, Strickl. 
.Also das' der hindrest teil der Helvetern des keisers 
vordren teil nit mer dann 6000 schritt wyt von ein- 
andren waren, also das" kein teil dem andren den 
stryt oder synen v. ü. wollt.' FrJvAinwyl 1527. ,Di- 
mittere occasionem. seinen v. ü., den anlass oder ge- 
legenheit, etwas ze tuen, von banden lassen.' Fris. ; 
Mal. Der Abt niusste den Mönchen schwören, .dass 
er dem gottshus nünts wellte ü. [Nichts vergeben, 
iinfijeben von den Rechten des Klosters].' Vad. .Sein 
llrciit u.: darvon abston oder etwas nachlassen, de- 
cedere de suo jure.' Fris.; Mal. .Seinen [geistlichen] 
Stand zu ü. [aufzugeben] und sich zu verehelichen.' 
RCys. — 2) mit Personen-Obj., preis geben, ver- 
lassen, im Stich lassen, verraten (übergehen). ,Alt 
fründ soll man nit ü.' 1531/1667, Sir. .Dann sie ein- 
anderen in der bricht dermassen ü. hatten, dass sie 
einmal kein trost an einanderen wüssten.' ValTscuudi 
1533. .Dass wir understanden habind. ander recht- 
sprecher zu suochen, und hierait sie ü., wiewol sie die 
rechten natürlichen herren und oberen sygind.' UMev. 
1540/7:X .Vater und muoter ü. [verlassen].' Euef 1550. 
Beeiiitiarliti-.ii, siluidigen. verletzen, geringschätzen. 
bescbiuiiitVii (wio nihd.). ,Keins soll das ander ü.' 
früntlich und lieblich sond ir leben.' Ruef 1550. 
.Da er nit willens wer, einen vertruwten fründ von 
guots oder gelts wegen zuo ü. [vor den Richter zu 
stellen oder übh. preiszugeben].' Vad. .Übergabend 
einanderen nit als fyend, sonder handletend und wand- 
letend gegen andern in der liebe.' HBull. 1571. ,Lu- 
tum manibus, farinam pedibus tractare, prov. = die 
würdigen der belohnung [Genit] ü., die unwürdigen 
belohnen.' Denzl. 1716. — c) erbrechen. .Welcher 
sich überfüllt, dass er solches wider ü. muoss.' AAKad. 
Brauchb. 1671. — '2. refl. a) sich als besiegt er- 
geben. — b) sich irren, verrechnen, täuschen. z.B. 
beim Zählen von Geld, aber auch in der Sch-ätzung 
von Menschen. z.B.: An dem han-i'''-mi''' überge; i''' 
han nüd g'meint, dass der so e falsche sig B öO. — 
c) mit Dat.':" sich an Etwas hingeben, sich darauf ver- 
lassen V oder mit Gen.'i? durch zu viel geben sich er- 
schöpfen? oder sich zu sehr rühmen (vgl. dän. over- 
givenhed, Übermut)? ,Es soll sich nieman ü. [später 
geändert .überheben'] syner mannheit und [1. us'r'l 
übermuot' Granson-Lied. — d) sich erbrechen Bs; 
B; L; GoT.. W.; Zg; Z. Vgl. 1 c u. 3 b. ,Vomere, 
kotzen, sich ü.- Denzl. 1677; 1716. - 3. intrans. 



Gab, gel), gih. goh. gub 



80 



resji. absolut, a) verziditoii auf weitere Bestrebungen 
Z. Vgl. auch 1 a. Syn. ah-g. 3 6.3. — b) sieh er- 
brechen GRChur; GoT., Stdt; Z. Syn. s. ab-g. 3 d. 
.Kotzen, koren, karen. erbrechen, ü.' Red. 1662. — 
übe rhinf'wbej-ej- geben: unpers., Schaden zufügen U. 
Es het im u. g'ge, er hat Seh. davon getragen. 

u f- : 1. von unten hinauf reichen. Spec. beim 
Ernten mit der Gabel das Heu. die Garbe vom Boden 
auf den Wagen, dem Ladenden in die Hände reichen B. 
Jradni Etwas [eine Last] auf Rucken, Schulter oder 
Kopf zu tragen auflegen G; UwE. Einen Auftrag 
geben: Hesch [hast du] -mer Nüt ufz'gi? G. Eine 
Aufgabe geben, z. B. in der Schule, allg. Hand uf., 
s. Bd I 121. Beim Ballspiel: den Ball dem Schläger 
vorwerfen; Syn. Inschenken. .Wann ihr lieber wollet 
aufgeben, so schenk ein: si mavultis dare. adjice pilam 
reticulo. Wollt ihr mit der schaufei oder mit dem 
garnböglein aufgebens spilen? Paläne an reticulo da- 
tatim ludetisV" Red. 1G62. Mit Acc. P.: auftreiben, 
aufschrecken. Das het enanderen [s. Bd I 304] üfg'ge, 
wo 's Färhm-n 'tönt het = das jagte Einen (mich) aus 
dem Bette B; vgl. geben I 3 h. — 2. bei Kauf oder 
Tausch zum Preis Etw. hinzufügen Gl; G; ScuSt., 
z.B.: J'* gib-der ml' Schöf a" dl' Geiss; tcas gisch 
[gibst du] -vier üf? G. Drüf ge, Aufgeld geben AxBa.; 
Syn, z' best g. Vgl. geben IIa (am Ende). — 3. ab- 
geben, verzichten, z.B. auf eine Stelle G; Z (wie 
nhd.). Ufge ist scho' verspilt L. Mit Aec. P. : Si händ 
en ganz üfg'ge, die Hoffnung auf seine Besserung Z. 
— 4. übergeben a) Personen, resp. sich selbst, als 
gefangen, dem siegreichen Feinde. ,Sie wellent sich 
u. uf Gnad oder uf Ungnad." 1444, Gfo. .Als die 
unsern söliche not empfunden, gaben sie sich uf und 
wurden fänklichen in die statt gefüert.- 1515, Absch. 
,Dorum so erforderent wir an üch, dass ir üch an uns 
ufgeben und ergeben, uns hulden und schweren.' 1531, 
Absch. Auch ohne Pron., viell. mit Ergänzung von 
,Widerstand' od. i. S. v. 3. ,Also musstend sy ufgen.' 
BossH.-GoLDScHM. — b) Sachen, z. B. feste Plätze an 
den Belagerer. ,Er bekam [das Schloss] durch Auf- 
gebung.' WuRSTis. 1765. Preis geben, als Preis aus- 
setzen: ,Das wir dis nachgeschriben kleinot fry uf- 
geben und die armbrostschützen darumb schiessen 
lassen wöllent.' 1465, S Wochenbl. Auf einen Besitz 
verzichten : ,0b ein kirchherre die kirchen understünde 
ze verwechslen oder in ander weg ufzegeben,- 1488, 
Bs Rq. Auch nur bedingt und für beschränkte Zeit 
übergeben, anvertrauen, leihen: ,Dass niemand der 
unseren dheinem ussmann noch unsern yngesessnen 
körn, haber, wyn, tuoch [usw.] uf borg in wuochers 
wyse ufg. noch borgen soll.- 1417, Bs Bq. .Wer de- 
heinem jungen, der unter 20 jaren alt ist, ützit ufgyt 
uf vatter oder muoter tode, oder wider vatter und 
muoter willen und wissen, das man denen ufgebern 
ganz nützit schuldig syn soll ze tuonde [leisten].- 
1450. ebd. .Und sy beid teil uns diss sach mit mund 
und band ufgeben und vertruwet.- 1530, AaMcII. ,Uf- 
geben[s] und vertruwts gelds halb.' 1580, Schacbg. Rq. 
Bes. aber techn. Ausdruck der Rechtsspr. = üflä(n), 
d. i. Eigentum oder Lehen einem Andern abtreten, 
was (entsprechend der notarialischen Fertigung un- 
serer Zeit) in der Form eines gerichtlichen Processes 
zu geschehen hatte, indem das Gut unter Zeugenschaft 
aller Anwesenden zunäch.st in die Hand des Gerichts- 



vorsitzenden oder des Lehenherrn übergeben wurde, 
von dem erst der neue Besitzer es empfleng. .Ist 
dass keinü [irgendwelche] güeter verkouft werdent, 
die jeman hett von erbes reht von der kilchen von Z., 
und e dass du selben güeter uf werden geben in eines 
probstes haut von dern verkoufer [etc.].' 1388, Offu. 
ZHungg. ,Es soll der meiger ufg, den meigerhof in 
des probstes band.' ebd. ,N. u. N,' erscheinen vor 
Vügtgericht und offenbaren, dass sie der Probstei Z 
mehrere Güter, die z. T. vogtbar eigen, z. T. lediges 
Eigen seien, verkauft haben; ,sy haben die güeter alle, 
die frygen für fry, die vogtberen für vogtbar mit niyner 
band ledig und los ufgeben und sich des entzigen.' 
1420. Z Urk. ,Wa euch yemand dem andern ligende 
güeter, die er [als Pächter] gebuwen het, umh einen 
jerlichen zins ufg. will, die er und syne kind nit ge- 
buwen mogent. solliche güeter sy mit ergangen Zinsen 
vor dem schultheissen in gericht in guotem buw ufg. 
sollent, und sollent euch sweren, daz sy die noch 
ander güeter nit gebuwen mogent; erfunde sich aber 
darnach, daz ein solicher ander ligende güeter buwte, 
derselb soll die güeter, so er vormals ufgeben bette, 
widerumb buwen, ob der lyher im die lassen will.' 
1520, Bs Rq. ,Soliche losungen sollen mengliche zuo 
gestatten schuldig syn, es were dann sach, dass yemants 
ligende güeter umb ein järlichen zins also hingeliehen, 
dass der zinsmann nit gwalt haben sollte, die em- 
pfangnen güeter weder ze verendren, ze versetzen 
noch ze verkoufen; sonder so der zinsmann das guot 
nit mer behalten wollte, dass er dann das selbig dem 
zinsherrn wider ufg. sollte.' 1539, ebd. So auch ein 
ideelles Recht: ,Wenn zwei eheleute streitig sind, so 
sollen sie sich zu beiden selten irer vogtei gegen ein- 
andern verzeicben [verziehten], die dem richter ufg. 
und darauf die frau sich anderwert widerumb ver- 
vogten.' 1533, Bs Rq. Auch Verg-abungen mussten auf 
diesem Wege ihre Gültigkeit suchen. So geschah z. B. 
1327 die Schenkung von Eigenen an die Kirche ,in 
dem gottshus vor fronaltar, uf denselben altar ich 
dieselben opfert und ufgab.' -- Mhd. vfifihm, übergeben, 
verleihen ; verzichten. 

ufhin (ufe, ue-e)-: 1. = uf-g. 1, z.B. Garben 
durch Hinaufbieten auf den Wagen laden helfen B; 
S; Z. Ber Ätti git dem Heiri u-e. KdMey. 1S44. — 
2. erbrechen Gr. Syn. s. ab-g. 

umhin fMOTjfte^-: 1. herumbieten, circulieren lassen 
Uw; Z. — 2. zurückgeben a) Geliehenes, auch Ge- 
stohlenes, allg. ; Syn. umme tue. — b) beim Wechseln 
eines grössern Geldstückes kleine Münze; den Mehr- 
betrag eines bezahlten Kaufpreises L ; Z. Syn. ushin-g. 
, Selbiger soll diesem, des der boum ist, den halben teil 
umhin gen.' 1556, LKriens Amtsr. — c) ein Gegen- 
geschenk machen G; Z. Wenn er für eso e Wenig- 
keit [eine solche Kleinigkeit] de Weg [in solchem 
Masse] umegit, was tcurd er erst für e Hamme [Schin- 
ken] ge? Stutz. — d) übh. vergelten BBe.; Gl; S. 
Syn. umme tue. Mühe lohnen : Wenn 's scho" me" 
z' tüön git, wenn-mw d' Sach ordeli''' macht, su mag 
's es doch gäng [immer] umha g'gen BR. Wenn es 
grad pressiert hätt, su macht 's-em 's iez umha g'gen. 
ebd. Böses mit Bösem v. , Beleiiügungen rächen : 
Umme ge ist Gott lieb üwE., ist niid Sund Z (Wort- 
spiel). ,Ime auch ein Biss wider umhin gebe.' 1537, 
Abscb. Vorwürfe erwidern; treffende Antwort geben; 



Sl 



Gab. geb, gib, gob, gub 



widersprechen Ar; Bs; B; ül; L; Schw; UwE.; Z; 
Syn. tcideräferen ; ushin-g. — 3. Nebes otmna gc" 
chönne', einen Gewährsmann für Etwas haben Ar. 
Syn. ummettten. — 4. mit Acc. P., zurücktreiben, 
zur Umkehr nötigen, von Jmdm, der in vollem Lauf 
anstösst. Das het vii''' schön umme g'g'e! B. — 5. es 
git M"m umme, nimmt Einen hart mit ScHwIberg. 

Zu 2 d. , Einen Biss u.' erinnert an das mhd. .einen 
biz gelten' im Eingang des Parzival ('2, 21). — 3 kann ans 1 
iider aus 2 d erklärt werden. Zu 4 vgl. gehen lab und 
die Aum. dazu. 5 viell. aus .Einem um die Ohren geben', 
sc. Schläge au den Kopf, oder aus 2 d. 

a(n)-: 1. concr. a) die Spielkarten zum ersten 
Gange einer Partie austeilen (ge) 7i ; vgl. Bd I 256 Anm. 
— b) Anstoss zur Bewegung geben, auf der Schlitt- 
bahn oder Schaukel Z. Gib-mer e chli" a"! hilf mir 
ein wenig an oder nach! Trs. u. ntr. Den Spielpflock 
(die Griggele) mit der hölzernen Spielschaufel von 
seiner Unterlage fort schleudern ZO. 's (dem) Zit [die 
Pendeluhr] a., in Bewegung setzen Z. Auch geistig: 
Anstoss zu Etwas geben (V) ZDän. — c) Laute aus- 
stossen, stossweise schreien oder heulen B. Wemn 
d' Orechuze uf de' Raub fare" u'"' derzue so grusig 
a"g'e' u"' hüle'. Von Hunden: durch Gebell ein Ge- 
räusch anzeigen B. Auch von Menschen: laut weinen 
B; Syn. s. flännen. — d) Feder, Bleistift .geben nicht 
au', wenn sie trotz ausgeübtem Drucke auf dem Papier 
keine Zeichen ergeben, keine Züge machen, keine Spur 
hinterlassen G; Z. Auch unpers.: 's git nüd a". — 
•2. abstr. a) (in die Feder) diktieren Ap; Bs; B; 
Sch; Uw; Z. Erhät-mer a'g'gii, was i'* mües schribe" Z. 
.Angeben aufzeschreiben. dictare.' Hospin. Einen Eid 
a. = vorlesen, -sprechen. Salat; Yg\. geben; antworten. 

b) Anweisung geben; bestellen. Er hat a'g'gii, 
wie-n-i 's mües mache" ZO. Me' mues d' Fürsprütze 
a., e d' Broust [Feuersbrunst] ist Z. (Einer Weibs- 
person) Ei's a., ein uneheliches Kind erzeugen Z; 
Syn. anmessen. .Ein Bauw a., architectari.' Mal. ,Gott, 
der mir ein Arch angeben hat zue machen.' Rüep 1550. 
Metari sdificium.' Hospin. En guete'' A'geber ist besser 
weder en fule' Werchme [Arbeiter]. — c) belehren; 
raten. 3le" mues de Chinde" recht a. Gr. Er lät-em 
[lässt sich] Nüt a. Z. Swst war 's denn efange' 
bös [schwer] age, wenn 's allewil regneti BBe. ,Auf 
dein A., te auctore.' Hospin. — d) benennen, auf- 
zählen. Zügen a. Z, vorschlagen AAHold. ,Eechnung 
a.', ablegen Ap. Alle Johr werd Eechnig a'g'ge. Merz 
1836. — e) anzeigen; verzeigen, verraten Gr; Z. 
(Einen Schuldner) zu rechtlicher Betreibung über- 
geben Z. (Einen) als Vater eines unehelichen Kindes 
nennen B; Z. Von einem Todesfall beim Pfarrer An- 
zeige machen B: Du miiest ga age W'' liiege", we""- 
me' 's vergrabe' [begraben] chönnt. Gotth. Ebenso 
vom Vorhaben einer Eheschliessung B. Du wirst 
dijch nid witers welle', dass dr Huet iiff hest, oder 
wottist öppe zum Pfarrer gan a"ge'? Slhwizerd. Färb 
a. fbikenne'J, beim Kartenspiel Z. — f) darstellen, 
erzählen Gl. Es git a' de" Chinde" vil Liebi zu de 
Verwandte, wenn er [der Grossvater] -ne' so vW si's 
Vaters ureltisten Eiteren agitt. Anderl. 1852. In vor- 
teilhaftem Lichte darstellen, einleuchtend, plausibel 
machen, empfehlen Zg; Z. Er cha"' 's Eim eso a. 
SuLGER. ,Jetz aber sind sy so heftig dran [an dem 
französischen Bündniss], gebend's guet an und sind 
so guet französisch.' 1596, Zellw., Urk. — g) etwas 
Schweiz. Idiotikon II. 



Falsches vorgeben, wei.s machen. Jiiidii zum Narren 
halten „VOrte;" G; Z. — h) refl.. sieh kund g. 
,Wenn sich das Kind nur mit einem Füsslcin angebe, 
so soll die Hebamme das andre Bein auch suchen zu 
gewinnen.' JMuralt. 1697. — anhin (anne, ännej-: 
1. reichen, herbeibringen. Gib vier de" Hegel [Sack- 
messer] a. Uw. — 2. hin-, weg-geben, zum Ver- 
kauf. Er hat 's Hüs uf der Gant [Steigerung] anne- 
g'ge, er gab es um das höchste Angebot hin B. ,Get 
ane! so ist man dem Geläuf und Gerede ab.' Gotth. 
— 3. darstellen (leicht, gefällig). Ygl. an-g. 6. Er 
cha"' 's ^so nett a., weiss sich so gut auszudrücken. 

1 cha 's nit so a. wie-n-i möcht! — 4. mit Dat. P.. 
derb antworten Uw; U. Dem u'verschante' Kerli 
han-i''' due doch einisch anneg'ge! ihn tüchtig zurecht- 
gewiesen, widerlegt. Er hed-mer cheibig [trotzig] anne 
g'ge, 's gang-mi''' Noid [Nichts] a' UwE. Syn. umme-, 
use-g. — vor anhin-: zum Voraus g. Id. B. 

i(n)-: 1. Arznei zu trinken g., einflössen; Men- 
schen und Tieren (mit und ohne Angabe des Obj.) 
Bs; B; Uw, Z. Vgl. in-nemen. ,Gib dem Patienten 

2 Löffel voll ein.' FWiJrz 1634. Auch von geistigen 
Einflüssen, Einem Etwas beibringen: Du channsch's 
Eim so i., •'ass-me' 's gar orteli''' verstot Bs. De' Ver- 
stand im Stei'fass i., mit dem Nürnberger Trichter. 
Vgl. ,mit Löffeln'. .Wenn sie ihm nur den Zehnten 
[zehnten Teil dessen] eingeben könnte, was Vreneli 
sei, so wollte sie glücklich sein.' Gotth. — 2. ein- 
reichen, eine Bittschrift an eine Behörde, Schuld- 
forderung vor Gericht, Anmeldung für eine Stelle, 
fertige Examenarbeit B. Sini Grund i., meist aber 
absol. = sich um eine Pfarrstelle bewerben, was durch 
eine die Begründung der Bewerbung enthaltende Bitt- 
schrift an die Regierung zu geschehen hatte B t- — 

3. anzeigen, verklagen; vor einer Behörde; auch Eim 
chlagswis i. Ap; ,denuntiare.' Id. B. Vgl. an-g. 5. — 

4. in Besitz geben, überliefern, mit Dat. P. Acc. S. 
.Habitationem assignare [anweisen].' Id. B. ,Ze rech- 
tem redlichem pfände und in pfandswys yngeben und 
yngsetzt.' 1395, Zellw. Urk. ,Wie Waldmann die statt 
Zürich dem römschen küng wellt yngen und verraten.' 
Edlib. .Gedenke er aus der Grafschaft Burgund ein 
Königreich zu machen und [es] eines Königs Sohn 
yngeben.' 1547, Absch. , Anderen der Statt Ambts- 
leuten zu besitzen yng. und verliehen.' KCys. — 
Mhd. ingebai, übergeben, -weisen. 

dri(n)-: 1. trans. Etw. in einen Kauf gratis oben- 
drein geben. En g'spässigC Chauf isch 's [ist es] um 
d' Liebi: da verschenkt -me' 's Herz und de' Chopf 
git-me' dri". Schwizerd. — 2. intr., in Etwas hinein- 
geraten oder sich einlassen B. ,Dadrl' ge', se im- 
miscere negotio; capi.' Id. B. Vgl. frz. donner dans 
un parti, un vice u. Anm. zu geben II 3 a. — inhin- 
(inne)-: 1. dem Vieh Futter in die Raufe oder Krippe 
stossen (trans. u. neutr.) Bs; L; S; Z. Er hed Freud 
am Inege wie 's Speichelheiris Boss Z. — 2. Geld, 
z. B. seinen persönlichen Lohn zur Bestreitung der 
Haushaltung hergeben Aa; Z. Füfzeh' Johr lang 
ha-n-i"'' Alls, icas i''' verdient ha", im Ätti miiessc" 
ine ge. Joach. 1881. ,Wann ein Eheweib ihr Hab und 
Guet zu ihrem Mann auf den Hof und Gwerb in die 
Haushaltung gebracht und inhingeben, soll sye ihre 
zuegebrachtes Guet uf selbigen Hof oder Gwerb uf- 
schlagen lassen.' 1637, ÄAWett. Klosterarch. — 3. intr., 



Gab. geb. gib, gob. gub 



84 



auf Etwas eingehen, sich einlassen, einwilligen; vgl. 
drin-g. 1. ,Es dünkt mich, wenn du ein wenig nach- 
gibiger wärest, ich will nit säge", i d' Sach Ine ge, 
numme nit so d'rwider si°, es würd dir Nut schade".' 

GOTTH. 

under-geben: 1. trans., unterwerfen. ,Under- 
gebend euwere hals under das joch des künigs.' 
1531/1667, Jerem.; vgl. ,das volk. das seinen hals 
under das j. d. k. ergibt.' ebd. — 2. refl., „sich be- 
siegt geben, nachgeben", sich unterwerfen, ergeben. 
,Und so wir einandern erkennent, so lat sy iren segel 
fallen und gab sich under.' HsSchürpf 1497. ,Dem 
Commissär N., der sich ganz undergeben und alle 
Billigkeit erboten hat, wollen Schwyz und Unterwaiden 
das Beste tun.' 1546, Absch. .Allerlei Züchtigung, 
deren sy sich undergebend mit gedult.' HBull. 1568. 
,Wir müssen uns dem Scepter seiner Majestät u.' 
AKlingl. 1688. Mit Gen. S.: .Als man ihnen [zu]- 
mutet, sich des Entscheids zu u.' Wukstisen. 

ent- Cenke): (refl. mit an) sich an Etwas erinnern 
W; Syn. sich he-g.; sich g. I 3 c. 

er-: 1. einen Gewinn, Ertrag ergeben, ergibig sein. 
mit und ohne Ohj. od. Adv. B; Gr; G; Z. Syn. iis-g.; 
geben II 4. De' Baum ergitt guet (eil, icenig). Es hat 
wol erge, die Ernte hat einen schönen Ertrag geliefert. 
Nüt e., nicht ergibig sein. Das mag Nüt e., z. B. ein 
geringer Taglohn für den Unterhalt einer Familie. Es 
ist guet, dass d' Heustöck guet ergend. Heit-er [habt 
ihr] hür vil Herdöpfel? Nei", es isch nid der Wert 
[der Rede oder der Mühe wert], was 's ergit. I''' mag 
tferche, tcie-n-i''' will, es ergitt nit, die Arbeit rückt 
nichtvor, zeigt keinen Erfolg. Schäffleisch hat nie erge; 
wo-me'-a'schnidt, chunnt-men uf Bei". Nahrhaft sein, 
von Speisen Gl. Syn. fueren. ,Dass ich ihm auch 
zwischen den Schulzeiten im Hause und im Stalle 
helfe, was es e. möge.' Gotth. — 2. Anstrengung 
und Mühe kosten, viel zu tun geben. Die Arhet 
ergitt, geht nicht leicht von Statten, rückt nicht schnell 
vor, erfordert viel Aufwand von Kraft und Zeit Gl. 
Es ergitt-em, er hat viel zu tun GW. Von einem 
Weg: Es ergid grad guet, es ist ein anstrengender 
oder weiter Weg aScHW. ,Der Weg von 0. gen C. 
ergibt fast wol, ist nit durchuss kurzwylig.' JosMaler 
1593. Von einem Buch: Das Buech ergitt mit Lese", 
weil es kleinen Druck hat oder schwer zu verstehen 
ist Z. — 3. ausreichen Bs; B; GSa. Vgl. geben 
II 5 h 2. .Sufficienti copiä adesse.' Id. B. Mit ,es' 
als Obj.: Es mag's nid e., der Stoff, Vorrat reicht 
dazu nicht B. Das mag 's de" ring [leicht, reichlich] e. 
ebd. Mit best. Obj.: Es tverd denk wol no'''' e Kaffi 
mögen erge und Chüechli derzue. Breitenst. 1864. — 
4. Frühgeburt werfen. Wenn 's im Herbst früeh 
über d' Berge schneit, so seit me" : de' Winter het erge 
[hat das Junge zu früh geworfen], man hat einen 
milden Winter zu erwarten. Schild. — 5. (Schuld) 
eingestehen oder als schuldig erkannt werden. Vgl. 
7 a 2. 3. ,Wer syn schulde zem ersten male ergit, 
bezalt der nüt in den nächsten 14 tagen, der soll die 
drie Schilling ze bessrung geben, und wer syn seh. 
zem andern m. ergit. bezalt er die nüt in 7 nechten. 
der soll die 6 seh. ze b. g.- XIV., Bs Rq. — 6. über- 
geben. ,lst aber deren [der mir zur Last gelegten 
Dinge] keins, so mag mich inen [meinen Widersachern] 



niemants e.' 1531, Apostelg.; dafür ,schenken.' 1667. 
Vgl. 7 b. — 7. refl. a) Widerstand aufgeben. 1) nach- 
geben B. (Nüd nahlä und) si''' nüd e. zwingt Alls 
BR. Ergib di"'' ! .Der vicarius hett sich zuo vil 
ergeben.' Bs Cartäus. ,Von einer vorgcfassten Mei- 
nung, Leidenschaft usw. abstehen, allg.", nachlassen, 
allmälig aufhören U. Syn. satten. — 2) sich schuldig 
bekennen. ,N. hat sich ergcn unfein bluotruns gegen 
syn fründ.' MEsterm., Rick. ,In dem ergab er sich 
des, er hette das gepredget.' Zwingli. — 3) sich an- 
heischig machen. ,Da sich diser Hr ergibet, die Zinsen 
zu dem 4 und '/s pr. Cent zu bezahlen.' 1757, F. — 
4) schwächlich, kraftlos werden, altern, abnehmen. 
Er lebt nümvie [nicht mehr] lang, er het si grüsli 
[schrecklich] erge L. — 5) unter leiblichen Beschwer- 
den die Widerstandskraft verlieren, sich zu Bette 
legen GrD. ; sich zur Ruhe begeben U. Si'* z'ruehen e., 
ruhig werden Ap. 's CJiindli hät-si erge, ist ruhig 
geworden, eingeschlafen, hat aufgehört zu weinen Z. 

— 6) sich erbrechen Bs; GW.; UwE.; Z. Vgl. ab-g. 

— 7) von Früchten: endlich zu reifen anfangen ÄAEhr.; 
ZWäd. Nw sid S Tage' häd-si''' d' Gerste g'waltig 
erge. — 8) von Wunden : sich bessern, heilen. .Wann 
nun die Wunden sich e. will, so soUtu mit diesen 
Arzneien nicht fortfahren.' FWürz 1634. — 9) von 
Erdreich: locker werden, abwärts rutschen. ,Dass 
diese alp sich angefangen nach und nacli zu e. und 
ze rucken von iren gränzen dannen nid sich gegen 
tal, als ob sie flühe und dahin sinken wollte.' RCts. 

— b) sich hingeben. .Sich unter die roten Kreuze 
e.'. die Abzeichen des päbstlichen Dienstes tragen. 
1522, Absch. Ein ergebener Mensch, der sich geist- 
lichem Leben ergeben hat, in ein Kloster getreten ist 
und sich damit seiner bürgerlichen Rechte ,begeben' 
hat. ,Wer güeter hat, wenn der abgat von todes wegen 
oder ob er ein ergeben mensch wurd, der soll dem 
gottshus einen fall gen.' ZKn. Offn. .War ob je keiner 
kind hat, es wären töchteren oder knaben, die ergeben 
geistlich lüt werden, pfaffen. münch oder nunnen. so 
sollt sy kein herr erben.' üffn. Engwyl. 

Mhd. wieder geben, aufgeben, fahren lassen; übergeben, 
Gewinn eintragen; (refl.) sich ergeben; kraftlos niedersinken; 
ins Kloster gehen; ». ichuldig e., bekennen. — Die Stelle 
der Bs Rq. (1385): ,Dass die nnzüchter nüt me richten 
söllent dem vogt von der lüten wegen, die fridbrecht kündet 
werdent, es war dann, dass si im ützit ergeben hettent oder 
im vor gericht erteilt war', lässt sich zu 5 od. zu 6 ziehen, 
je nachdem das Pron. ,si' auf die ,im' (dem betr. UnzOchter) 
ihre Schuld bekennenden Friedbrecher oder auf die ,ini' 
(dem Vogte) einen Ersatz bezahlenden Unzüchter (Bussen- 
richter) gedeutet wird. 

ÜS-: 1. im (5egs. zu %n-nen>en. allg. Subst. als 
Überschrift für die gebuchten Ausgaben (ä.Kanzleispr.). 
übertr. auf Schläge oder spitze Worte, austeilen (und 
empfangen, ertragen) Aä; Sch; Z. Wer usgit, muess 
au''' ehönnen i'neh. Sulger. Er häd vil üs-g'ge, aber 
au''' vil i'g'no (bei einer Schlägerei). Vgl. ushin-g. 7. 

— '2. die erste Karte ausspielen AAEhr.; L; Uw; Z. 

— 3. eine Wirtschaft betreiben GGoms (wohl im 
S. v. ausschenken). — 4. Wäsche od. andere Arbeit 
auswärts (auf der Stör), statt im Hause verrichten 
lassen Z. Syn. ushin-g. — 5. (ein Kind) verheiraten. 
.Wa ein gottshüsman oder frow iro kind eines üss- 
gebent und dem syn heimstür von farendem guot ver- 
heissent ze gebent.' 1401. Zellw. Urk. — 6. a) Holz 
aus der Geuieindewaldung im Anfang des Winters zum 



85 



Gab, geh, gib, gob, gut 



86 



Füllen (resp. zur Verteilniig an die Berechtigten) be- 
zeichnen ZZoll. ,4 Männer sammt dem Förster sollen 
um Weihnachten den Hau bestimmen (.ausgeben').' 
U'JO, Hof Kriess. ,Ho1z, so usgeben und gezeichnet, 
US dem forst füeren.- 1539, B. .Zuo der Zyt, wann 
die 4 Geschwornen die Winterhow uszegeben gsinnet 
sind.' 1567, Ztscbr. f. Schwz. R. ,Man soll die Holz- 
häuw 14 tag vor oder nach Martini üsg.' 1592. ZDüb. 
Üffn. ,Die geschworenen Dorfmeier söllent die Hauw 
jerlich bi iren Eiden üsg.' 1596, ZWeiach. .Den Ham- 
mer üsg.', oft in Schweiz. Offn., die Erlaubniss zum 
Holzfällen geben, weil an die zu fällenden Bäume mit 
dem Hammer (Beile) ein Zeichen eingeschlagen wurde. 
Auch anderes Gemeindegut (Feld) zu zeitweiser Privat- 
nutzung überlassen. .Wann ein gmeind im gmein- 
werch etwas zc buwen ussgibt, soll es, nachdem die 
frucht abgeschnitten werdent. wider ussliggen [zur 
Weide offen liegen].' 1549, ZOpflk. Holzordn. — b) ein 
Abenteuer u.sg.: freie Bewerbung um einen Preis 
für gymnastische Leistungen bei einem Volksfeste aus- 
schreiben, einen Preis aussetzen. .Auf denselben tag 
wollen unsere schiessgesellen von Zürich nachbeschrie- 
benes abenteuer ausg.' 1465; s. Abetitür; üf-g. 4 b. — 
7. „Etw. vorgeben, etwas Unbegründetes behaupten, 
allg." ; ein Gerücht verbreiten GG.; Z. ,Des [derhalben] 
Wirt von den Hönggeren scherzwys ausg., sy seigind die 
witzigisten Leut.' Schimppr. 1651. — 8. „eines Andern 
Sprache od. Geberden siii.tti.Mli iKi.lunachen VOrte." 

— 9. unpers., mit bestiniiiitrm Sai ll-.'^ubj. od. mit .es', 
ergiebig sein, a) reii hliclie Flüchte bringen, von 
Obstbäumen und Feldern Bs; B; L; G; Scu; Uw; Z. 
Vgl. geben II 4; er-g. Git 's ivol üs? fragt man die 
mit Einheimsen Beschäftigten zum Grusse Z. .Heut 
schon wümmet Alles; gibt wol aus.' ZZoU. Herbstrodel 
1728. Auch übertr. auf guten Erfolg anderer Arbeit. 
F'' verstw [verstehe] ds Mischgh [das Mischen von 
Wein] nid, wie ivol 's aw'' an andernen Orten iisgitt 
GRMai. (Schwizerd.). Ironisch: Es wird wol usge! 
er wird gute Geschäfte machen! Es mues wol u. (wenn 
das sich so und so verhalten, wenn das geschehen 
soll), Formel des Zweifels U; Syn. es mues tvellen. 

— b) gut von Statten gehen, vorrücken, von der 
Arbeit, oft mit Dat. P. Git 's wol f<s mit Schribe"? 
Gl. Es git-em wol us (im Schaffe'), er arbeitet leicht 
Bs; Gl; gg.; Z; Syn. es lingt-em. 

Mhd. ausstatten, verheiraten (ein Kind); aufgeben, vor- 
liegen (eine Frage); aussagen, behaupten. 

ushin (use)-: 1. Arbeit = us-g. 4 Bs. — 2. Geld . 
auf Kredit geben, ausleihen Z. — 3. erwachsenen 
Kindern einen Teil des Vermögens (künftigen Erb- 
teils) bei Lebzeiten zum Voraus herausgeben B; GG. ; 
ScH; Z. Syn. von sich geben. .Partem bonorum dis- 
pertire liberis.' Id. B. ,Ist N. schuldig, den Erbanteil 
ausbin zu geben'?' Z Beitr. 1842. — 4. Portionen 
Speise aus der Schüssel den Tischgenossen (Kindern 
oder Dienstleuten) in die Teller schöpfen oder auf 
dieselben legen B; Z. ,Cibum dividere inter con- 
vivas.' Id. B. — 5. erbrechen Sch; Uw; Z (oben-use- 
Wettschw.). Syn. s. ab-g. Von kleinen Kindern oft 
auch nur: die eingegebene Speise nicht ganz schlucken, 
sondern einen Teil davon wieder aus dem Munde fallen 
lassen Z. — 6. von einem grössern Stück Geld, das 
man als Bezahlung empfangen hat, an kleinerer Münze 
zurückgeben, was man zu viel empfangen hat G; Sch; 
Uw; Z. ühast nf-enen Feufliber use gi? hast du 



kleine Münze, um 5 Fr. voll zu machen? .Ptcddere 
de nimio solutionis pretio.' Id. B. ,Dass keine Angster 
mehr anzutreffen, den Leuten ausbin zu geben.' 1670, 
Z Ratserkenntniss. ,Aussengeben, reliquum reddere.' 
Denzl. 1677; 1716. Auch von Überschuss an Pfand- 
wert: .Wenn das selbe [Pfand] umb etwas höchers 
geschetzt wird, als sein Ansprach ist, so solle der 
Ansprecher den Überschutz an barem Geld aussen 
geben, ehe er das Pfand ab Platz treibt' 1751, Schw 
Rq. Und von Zulage zu einem Kaufpreis : , Usengeben 
[herauszugebendes] Geld, Summe, welche der Käufer 
eines Grundstückes über die auf demselben haftenden 
Schulden hinaus, die er auf sich nimmt, dem Ver- 
käufer noch zu bezahlen verheisst.' ZKn. It Dekan 
Fäsi. Vgl. nach-g. — 7. derb antworten, wider- 
sprechen, trotzen, Tadel od. Spott erwidern, das letzte 
Wort haben wollen Ap (schon 1607, Katsprot.); Bs; 
Gr; G; Uw; Z. Syn. 's fül Mül a'henken; ivider- 
äferen, -bäffzgen, -bellen; umme-,use-g. Anton, schwigen. 
.Ein bös Wyb, die ihm mächtig ausbin gab.' Schimppr. 
1652. .Einen Pocher oder Spötter wohl bezahlen und 
abfertigen. Er nimmt wol i", aber er gitt a«'* redli''' 
use. Spreng. Vgl. us-g. 1. — 8. si's (Ei"m ds) Wwt 
u., einen Bescheid, bes. bejahenden, geben U. — 
9. ausliefern, übergeben. Kanzleispr. ,Extradere.' 
Id. B. — 10. mit Acc. P., hinausschaffen. Pack-di''' 
jetz, sust gibe ih di usufer [grob, derb] use. Gotth. 
Vgl. geben I 3 b u. Anm. — 11. nach auswärts ver- 
heiraten. .Sprechend die hoflüt, dass sy genossen 
syent der 7 gottshüsern, ir kind usshin ze gen und 
[Töchter aus andern Dorfschaften der genannten Herr- 
schaften] ynhin ze nemen.' ZMur Offn. 1543. Syn. üs-g. 
,Nebe-use ge, temeraria ratione uti; moribus de- 
pravari', durch Übermut, Leichtsinn auf (moralische) 
Abwege geraten. Id. B. 

Vgl. drin g. und Anm. zu gehen. Vgl. auch .schlagen', 
iutr. 1. S. V. ausschlagen, eine Richtung einschlagen usw. 

ver- I: 1. hingeben, schenken, a) „übergeben, 
anvertrauen, Jmdm ein Amt. allg." — b) vermachen, 
vergaben, testamentarisch. ,Wele personen in ir tod- 
bette komment, was si denne guotes vormals oder uf 
die zyte iemanden ützit v., geordenot oder beschicket 
haben, das soll nochdenne daselbes bolyben, bis dass 
die rechten erben in gewalt des erbes gesetzet wer- 
dent.' 1402. Bs Rq. — c) bei einer Auktion dem 
Meistbietenden oder Mindestfordernden zuschlagen Gl. 
— d) verzeihen (die Strafe , schenken'). ,Um Ver- 
gebung z' frage", wie sagt man dem Ort?' Gotth., 
höfliche Einleitung einer Frage. Ver-gem-mer's! [ver- 
gebt mir's] Ausruf der Verwunderung (BGt.), auch 
des Mitleids BO. (Zyro); Syn. ml" Trost! Mi' Gott! 
(eig. = , vergebt mir, wenn (dass) ich den Ausbruch 
meines Gefühls nicht zurückhalten kann? Vgl. Gott 
verzih-mer !). Nachgeben, ertragen, ,0b wir glychwol 
überflussig und meer denn zuo vil umb christenlichen 
glirapfs willen in hoffnung der besserung bisshar v.' 
1531, Absch.; vgl. voi--g. ,Also ward [in Glarus nach 
der Schlacht bei Kappel] zuo mehr, wir sollten [weder 
der einen noch der andern Partei zu Hülfe ziehen, 
sondern] zuo unsern landen sehn, [die katholischen 
und die reformierten Landsleute] einander verggehn 
[es wettauf gehen lassen] und zuosammen setzen lyb 
und guot.' ValTschudi 1533. — 2. aufgeben, z.H. 
d' Muetersirrach G.'l. Aufhören zu blühen: d' ]iosc" 
tiiirid V. SuLiiER. — 3. unrichtig, nachteilig geben 



87 



Gab, geb, gib, gob, gub 



a) die Spielkarten nicht richtig austeilen Sch; Uw; Z. 
/""'' ha 's [das Spiel] i'. Eefl., eine unrichtige Karte 
ausgeben Uw; vgl. ,sich irren'. — b) riskieren oder 
verlieren. Me" tviird Küt v., icenn me" dr ander Weg 
gieng GT. „Durch Nachlässigkeit sich um ein Amt 
bringen Sch." Mit Dat. des Pron. refl. und meist mit 
Acc. ,Nichts': sich eine Blosse geben G; Z. JSr hät-etn 
Nüt V., er hat sein Wort nicht so verpfändet, dass 
durch Zurücknehmen desselben seine Ehre litte. — 
c) mit Dat. P., Gift od. anderes Schädliche in Speisen 
geben, durch Verzauberung Schaden zufügen BE.; 
vergiften, allg. (in G tw. mit Acc.V). Mit derigem 
[solchem] Wl' cliönnt-men Eim v. ! Z. Min Töchter- 
ma'" will iväger aw'' g'rad erhe' und will üs do verge'; 
Frau, iss-mer Nüt! Schwizerd. I''' tcett-em möge v.! 
Ausdruck grossen Hasses Z. Er füert Rede", me' 
cJiönnt Ei'"m v. dermit. Sprww. 1869. Das isch zum 
V.! verzweifelt unangenehm. Schild.; ähnlieh: ,zum 
Davonlaufen' (Chotzen, Verrecken udgl.) ,1347 ist 
kaiser L. mit gift v. worden, welches, als er gespürt 
und beinebens aber kein vomition oder übergeben des 
magens könnte haben, ist er alsbald auf das jagen 
gezogen, damit er den leib erhitzigen und das gift 
von sieh treiben möchte.' XV., G Mitteil. ,Abt Ulrich, 
nun hüet dich wol, wo man trinken und essen soll, 
dass dir nit werd v.' Zellw. Urk. ,Dass sy mir wot 
vergeu hann mit gift.' Ziely 1521. ,Hat er im selbs 
vergeben und ist gstorben.' 1531, 11. Macc. ,Wenn 
einer vorhin hirsbrot geessen hat, so mag dem selbigen 
nit mit gift v. werden.' Vogelb. 1557. .V., mit gift 
umbbringen, necare veneno.' Mal. .[Busse] um v. zuo 
holdschaft [Liebestrank] oder schaden der gfar lebens: 
20 krönen.' 1588, Aesch. — 4. unpers., Ertrag liefern. 
Syn. er-g. 1. 's Heue" {d' Sup2Je usw.) hat guet v. 
ScHwMa. Auch i. S. v. ergeben 2. Die Sträss vergitt 
da durüf, diese Steigung erfordert mehr Zeit als man 
erwartete, ebd. — Mhd. hingeben, schenken; aufgeben, 
unterlassen; verzeihen; vergiften. 

ver-gebe(n) II, auch v-s, v-lich: Adj. und 
Adv., eig. Ptc. Perf. von v. I i. S. v. 1 und 3 b. 
1. (auch vergebi's U; Z; um vergebes GfiPr., nach Ana- 
logie des syn. umr^sus, umsonst; vergerbe LM.) ohne 
Kosten, Mühe, Lohn, unentgeltlich, gratis Ap; BSi.; 
GsPr.; GA.; Sch; Uw; U; W; Z. !'>• möcht das nüd 
r.! [auch wenn ich es geschenkt bekäme] Ausdruck 
der Geringschätzung. Z' vergebisse mache", spielen 
ohne Gewinnst, Gegs. s' günnis Z. Es gut wie v., 
leicht von Statten Z. Vergeben ist uneben W Sprw. 
E Rebe git Nüt v. Bs. Chlosterfrauen und Rebe" gend 
Nüt V. D' Dökter si" nüd v. ,Scherer' BBe., d. i. sie 
scheren auch noch den Geldbeutel. ,Das enhein unser 
burger enhein lantmann behalten soll, noch hüsen, 
noch hofen, noch Kssen, noch trinken [geben], weder 
umb kouf noch vergübene, der verbannen ist.' 1304, 
Z EBr. ,Wann einer eim ein zwing verkündt um kund- 
schaft sagen, so soll derselb die ersten fart fürgebens 
gon [für weitere Gänge soll er 10 Pfennig bekommen].' 
Ap LB. 1409. ,Wer dem andern syne ross lyhet, es 
sy vergeben oder umb Ion, und die gewüest't werden!' 
1436, L Eatb. ,Es muondt [müssen] uns die puren 
all jähr einmahl vergeben fronen.' 1479, AAWett. 
Klosterarch. ,Die kranken machend gsund, die sunder- 
siechen reinigend, die todten erkickend, vergeben ha- 
bend ir 's empfangen, vergeben gebend 's.' Zwingli. 



,Meinst du. dass man d'gnad gottes vergeben gebV 
NMan. ,So wollt ich mit dir [dem Wirt] spilen drum 
[um die Zeche], ob ich vergebens kumm [ohne Be- 
zahlung davon komme].' RMan. .Diewyl der merteil 
richten! in der eidgenossen landschaften v-s und ohn 
besoldung zuo gericht gon müessend.' 1530, Absch. 
,Man gab wyn und brod gnuog, und jedermann ge- 
schenkt und vergebens.' Kessl. ,Und band all burger 
vergebis zischet.' UMey. 1540/73; vgl. Vergebis- Trunk. 
,In Zürich hat man wyn vergebens hinwgg geben [in 
dem reichen Herbste 1539].' ebd. ,Wcr wollt des 
heiigen grabs vergeben hüeten?' Aal 1549. ,Der triel 
benimmt die gelsucht, wenn er nun [nur] vom kranken 
gesehen wirt; darum welche disen vogel verkaufend, 
verbergend sy den, damit der krank in nit gesehe, ee 
dann sy im den zuo kaufen geben habind, und also 
v-s widerumb gesund werde.' Vogelb. 1557. ,V-s und 
on seinen kosten.' Fris. ,Wo man vergeben isst und 
trinkt.' Schertw. ca 1579. ,Das» etliche ir geld hin- 
weg leichen v-lich.' 1590, Bs Rq. ,So kann er v-s 
studieren und kommt den Eltern ab der Decke.' Simml. 
Urk. 1760. — '2. ohne Grund G; Uw; W; Z. V. ist 
er nid rlche"', von einem Geizhals. Nüd v.! Ausruf 
i. S. V.: nun begreife ich. dass... oder warum...; 
nun wundert's mich nicht mehr Gr; Z. Schulkinder 
begrüssen einander scherzhaft: So? bist au''' scho" 
clio"? nüd V. stinkt 's fso! Z. Nüd v. rünnt die Chante 
[Kanne]: si list es Loch. N. v. springt der BettUr 
fso: der Landjäger chunnd um 's Eck. ,Uif den hü- 
tigen tag, wie wol nyeman töden soll, ist doch das 
Schwert nit v. in der band des araptmanns.' Zwingli. 
.Zuodem er treit gen mir ein nyd on ursach und nun 
gar V.' RüEF 1550. ,Nit v. Perlen gleichet man dem 
früehen Morgentau." JCWeissenb. 1678. .Erkenne, 
Gott habe dich nicht v. in dise Band kommen lassen.' 
JMey. 1694. , Welle Gott, dass ich v. Sorg hab!' 
Zwingli. — 3. ohne Erfolg, Nutzen, frustra, ver- 
gebens, vergeblich Aa; B; Schw; S; Z. Eshaglet iez v., 
nachdem der Hagel bereits Alles zerstört hat BSi. Er 
häd g'wartet und g'toartet, doch alles vergebis! MUsteri. 
Am Bächli will 's lebe — 's ist ns u. v. ! [so ausge- 
macht, dass alle Einrede vergeblich ist]. JOchsn. Als 
attributives Adj. (aaO.). Die vergebene" Chöste". Schild. 
.Wir haben in der Limmat ein vergebenes Wasser- 
recht, das nicht benutzt wird.' Z Intell.-Bl. 1864. ,0n 
herz v. man für mich [Gott] kert [tritt uro zu beten].' 
NMan. , Sonst [wenn der Pabst nicht die höchste 
Gewalt hätte] war der glaub v.' Anf. XVI., Bircher. 
,Als aber Bachides sach, das sein anschlag v., ward 
er erzürnt.' 1531, I. Macc. , Andere meinen, dass dieses 
öl unnutz und v. seie.' JELandenb. 1608. ,Dass sye 
mit schaden und v-s [von der Bestürmung] abtreten 
müssen.' RCys. ,Vergebnen Kosten, Müh und Arbeit 
anwenden.' Ehagor. 1639. ,Damit das Wasser durch 
den Graben in alle Wisen genuegsam lauf haben und 
nit umsonsten und v-s in die Limmat laufe.' 1678, 
.\AWett. Klosterarch. .Das ist nicht allein v., sonder 
noch falsch und unwarhaft' JHFXsi 1696. 

Mhd. vergeben, Adj., vergeblich, unnütz; vergebene, -es, 
Adv., schenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich. 
— Bed. 2 scheint in der ä. Spr. nicht vorzukommen und 
sich anch erst aus 3 entwickelt zu haben, aus dem Wechsel- 
verh&Itniss zw. Grund und Folge, gemäss welchem eben so 
gut von der letztern auf den erstem rlickwärts, wie umgek. 
vorwärts, geschlossen werden kann. — Die Form vergebme 



Gab, geh, gib, gob. gub 



90 



ist aus iiayehiii ciwcittit, ähnlich wie uhJ. ,Jesscu' aus ,dc's', 
und unser einesm aus ein«» (s. ein), unter Mitwirkung der 
Ad?, auf -lige' neben den nhd. auf .-lings'. 

vor-: 1. freundlich entgegenkommen; nachgeben; 
schmeicheln ZRafz; die Ehre lassen, primas dare. 
Solger. ,Je me man vorgit und nachlat, je böser es 
ist.' 1525, Egli, Act. , [Jedermann muss bekennen], 
dass wir ee ze vil vorgeben, weder ze früe uns zur 
räch geschickt habind.' 1529, Absch. ,Dass si alles 
fridens erbotten habend und doch kein v. nützit be- 
schossen hat.' HBuLL. 1532. ,Biss ein oberkeit ver- 
meint, genuegsam des schwachen verschonet und den 
stolzen hartneckigen v.' Kessl. ,Küng Ludwig besann 
sich, dem alten vater vorzegeben.' Väd. ,Dass er 
[Herzog Karl] sich schambt, einen einmal überwun- 
denen fürsten vorzegöben und abzestän.' Ansh. ,Der 
zyt hielt sich ein Stadt Bern still, gab vor, bis 
Albrecbt Kaiser worden.' ebd. ,Dass ein jetlicher 
synem nächsten willfare und vorgebe.' EGoalth. 1553. 
,Uxorius: der sich vom weib gar lasst meisteren und 
iren zevil vorgibt.' Fris. ,Wenn wir vorgebend, so 
lassend ouch die nach, die sonst heftig und zänkisch 
sind.' LLav. 1584. ,Man muess der natur v.' Iü40, 
JBreit. ,Sie seint höflich, vertreuwlich, wann einer 
ein wenig ihnen weiss vorzugeben.' GKön. 1G95. Oft 
verbunden mit dem syn. nach (na-ej-g., s. Bd I 930, 8. 
Syn. heben und län. ,Das beste Mittel ist, wenn Vater 
und Mutter einander vor- und nachgeben.' LKInder- 
BiTzi 1826. ,A11 unser v.- u. n.-g., ouch kein billigkeit 
will helfen.' 1529, .\bsch. ,Die Mönche gaben dem 
Bischof V. u. n.' Vad. ,Und sind die herzen der gstalt 
erhertet, das" keines dem anderen v. oder noch gen 
will.' XVU., Dien. 1863. — 2. den Vorzug, Vorrang 
zugestehen; negativ: ,Nichts v.', in Nichts nach- 
stehen. Im Spiel einen Vorsprung gewähren Aa; Bs 
(Spreng); B; Z (auch nhd.) s. Bd I 959. Im Büeze' 
[nähen, flicken] gib i''' Niemertem [Niemandem] Nüt 
vor ZRafz. ,Der strauss lauft so schnell, dz er darin 
auch einem fliegenden vogel nichts vorgibt.' Vogelb. 
1557. ,Der lepparden sind etliche kleiner, welche mit 
Sterke den grossen nicht vorgebend.' Tiere. 1563. 
,Aemulari, eim an fleiss wenig v. Nihil cedere alicui, 
nüt minders sein dann ein anderer, eim nützid v.' 
Fris.; Mal. Gleichbed. in der ä. Spr. ,bevor-g.' ,Der 
Rotfornen ist gut dürre, gibt den dignen [getrockneten] 
Stockfischen nichts b.' JLCys. 1661. Syn. rcrr-, nach- 
hin-, zue-tuen. — 3. äussern, sagen, vorhalten S. 
Dass ig vo' dem Allem Nüt weiss, was dir [ihr] mir do 
vorget. HoFSTixiER. — 4. ver3uchen[?]. Ineichen. — 
für-: 1. dem Vieh, Futter in die Raufe oder Krippe 
stecken SceSt.; Z (mit und ohne Dat.). Stäst, Bur, 
bim Veh i" diner Schür und gist de' schöne' Stiere" f. 
Z Kai. 1811. .Boves curare, rinder fuoteren, den rin- 
deren f.' Fris.; Mal. ,Pabuluni prsebere pecori.' Denzl. 
1677; 1716. — 2. Schülern eine Aufgabe geben B; 
in Z früher bes. von den Aufgaben für den Jugend- 
gottesdienst. Entsprechend fürnemen, (die Aufgabe) 
empfangen. ,Der Schulmeister soll nach dem Mittag- 
essen in der Schule erscheinen und mit f., erklären und 
lutren [erläutern] der letzgen tun wie obstat.' XVI., 
Brugg. ,Ein letzgen [Lektion] f.' Hospin. 1683; Denzl. 
1677; 1716. Übertragen auf Gott: ,Gott hat gmacht 
d' erd uss sym fürgebnen rat [nach einem von Ewig- 
keit her festgesetzten Plane].' Ruef 1550. ,Was Gott 
dir fürgibet, dem trachte nach.' 1707, Sirach. - 



:!. einen Vor seh uss machen, Geld vcrstrecken B. 

— 4. zu viel geben; vgl. Bd I 960. .So viel g., 
dass [dem Empfänger] Etw. übrig bleibt.' Bs (Spreng); 
,plus dare quam necesse est.' Id. B. ; ,plus aequo dare.' 
Denzl. 1716. Hieher viell. auch: ,[Dass die Priester] 
der hiebt nichts fürgebend noch füerend, dann nach 
göttlicher empfelch.' 1529, Strickl.; vgl. für-nemeti. 

— 5. = vorgeben 3 B. Den Lon für ira fürgeben 
Wüsclie [geäussertes Wünschen]. W Sagen. ,Daru:nb 
uns von nöten ze syn bedunkt, dass ihr üwer panner 
usstacktend [aufstecktet] und fürgebind, alle stund uf 
[zum Aufbruch bereit] ze syn.' 1531, Strickl. Vor- 
1} ringen, aussagen. , Einem seine sach gut f.', em- 
pfehlen. Hospin. 1683. Fälschlich angeben, vorgeben, 
weis machen Bs (Spreng). ,Demnach sye üch f. [wor- 
den], wie wir ein uneerlichen abzug getan; das wirt 
sich mit keiner warheit erfinden.' 1531, Strickl. — 
ti. = vor-g. 2 (B). — fürhin-, fürher (7jtre>; 1. Ver- 
stecktes oder Verschlossenes hervorlangen; Alles, was 
man weiss, ans Licht bringen B. ,Es könne Eine 
[Weibsperson] nicht kindbetten [gebären], bis sie 
den Rechten [den Namen des Vaters] fürher g'ge 
heig.' GoTTH. ,Im das amtsbuoch fürhergen.' 1556, 
LKriens Amtsr. Auch absol.: sich äussern, mit der 
Sprache herausrucken. E ganze Kerli isch er, wenn 
er einist füre git. Gotth. Beim Karten- (Kaiser-) Spiel, 
die Karten ofl"en vorlegen, da man das Spiel sicher 
gewonnen hat L. Er sticht, was er mag, und gid-ne 's 
gwüss füre und leid ne 's [legt es ihnen, den Mitspie- 
lenden] a» Tag. HIfl. 1813. Bildlich: d' Charte' f., 
den wahren Sachverhalt aufdecken. .Die werde de"° 
aber lose", wenn es endlich d' Karte füre geh ! ' Gotth. 

— 2. erbrechen B; S; s. ab-g. Was ig issa, mues-i 
bim Bitz alls em [wieder] firhi' ge' BO. Wenn d' Chatz 
Müs frisst, so muess si-se f. = wenn man Jindm grollt, 
muss man sich durch Vorwürfe Luft machen. Schild. 

— 3. mit Acc. P., hervorholen, -treiben. Vgl. 
geben I 3 b u. Anm. I''' u'ill 's ga' füre ge, de ful 
Blätter! [das zimperliche Mädchen zur Arbeit herbei- 
holen]. N. B Kai. 1843. — fürt-: weggeben, ver- 
schenken B; S. Syn. eweg-g. 

gast-, nur im Ptc. , Offner gastgebner würt', alter 
Titel der Gastwirte. Gem. Z. Syn. , Täferwirt'. 

Die Form ist offenbar eine nur scheinbar participiale 
Missbildung oder Missdeutung des Subst. Oastyeb (s. d.). 

guet-: gutheissen, bestätigen. Vgl. ,gerecht g., 
schuld(ig) g.' unter geben 1 3 d. ,Und fragt der canzler 
alles Volk, ob sie die wal des N. N. g. wellend.' Vad. 
Auch ,fur g.g.': .Weil es im gesatz nit verboten und 
es die keiser darauf f. g. g. haftend.' ebd. 

Die Analogie von .geriicht g." = rechtfertigen spricht 
dafür, dass ,guet g.' nicht aus Weglassung von ,für' erklärt 
zu werden braucht; doch vgl. venjuet (d. h. für gut) nimen, 
gut aufnehmen. 

hei"-: 1. zurückgeben, vom Hirten, der die zur 
Hut auf der Weide von den Dorfbewohnern empfan- 
genen Tiere (am Abend) den Eigentümern zurückstellt 
Gr. — 2. anheimgeben, als Eigentum übergeben, 
etwas Ersteigertes zuschlagen ZO. — hin-: gestatten 
oder mit sich bringen ; an die Hand geben. Wenn ds 
Wetter 's hingit B öO. Syn. dar-g. — band- (nur im 
Ptc): mit der Hand gegeben, durch Handschlag ver- 
bürgt. ,Der so zuo einem ein handgebnen friden hat 
und aber denselben unbesinnter wys bräche.' 1579. 
Ztschk. für Schwz. R. ,Verhiessen sie ihm durch 



Gab, gel», gib, gob, gub 



handgegebne Tieuw ihr bests zuo tuuii.' Wi'kstisen. 
— her-geben: erbrochen G; ZO. (auch hare-). St. 
Sjn. s. u. ab-ge. 

lugg-: nacligeben, -lassen, bes. in raoral. S. Bs; 
B; Gl; Gr; G; Sch; Th; Z. Syn. /. hin; l. setzen. 
Du ehast-di''' were' so vü d' wit'f, »'■'' gibe nüd l Z. 
Nid l. g'ge' hend-sch' [haben sie] mit Bitte' und 
Bette'. ScHwizERD. ,Die Mutter gab 1. und die Kinder 
liefen, wohin sie wollten.- Gotth. ,Und wolle von der 
christlichen Wahrheit auch nur um ein wörtchen ab- 
weichen und 1. gen.- 1532, Strickl. — Lu;i!j. locker. 

nach (nä, nöj-: 1. dem Willen eines Andern sich 
anbequemen oder unterwerfen; schonende Bücksicht 
tragen. Stier, gib nah, ich gibu nit nah W; vgl. dr 
G'schider git nahe : Munni gib du nahe B. Vor- und 
nach-g. s. unter voi--g. ,Ach gib raym alter etwas noh.' 
HBuLL. ir.:)3. — 2. von eigenem Tun ablassen, damit 
aufhören (mit Acc.S.); es aufgeben, unterlassen Gl; 
Gr; GWeisst. Wenn d' das Lumpespile [das heillose 
Sp.] nüd nahg^bist, su gang er di"'' gu verchlage. Gl 
Volksgespr. 1834. Nöd nohgea g'weant a Stadt GBern. 
Auch vom schlechten Wetter, z.B. Regen Z; Syn. 
Schemen. — 3. herausgeben oder zurückerstatten, 
z. B. den Fonds einer Stiftung, bes. Vorenthaltenes 
nachliefern. ,Er versprach dann wieder nachzugeben.' 
N. B Kai. 1842. ,Er schränzte alle Tage eine Mass 
Milch seiner Haushaltung ab und versprach dann, 
wenn die Kühe ins frische [junge] Gras kämen, wieder 
nachzugeben.' B Hink. B. 1842. ,Da soll er die pfand 
verkaufen; löst er nie, so soll er's im [dem Schuldner] 
ushin gen; löst er minder, so soll er im [der Schuldner 
dem Gläubiger] n.' 1510, Offn. ZErlenb. ,Begeren wir. 
[dass] wie dann unser vordem jarzyt gestiff-' band, 
uns söliche nachgeben werden, [um sie] armen lüteu 
ze geben.' 1525, Absoh. — 4. locker sein, unter den 
Füssen weichen, vom Erdboden Z, auch nhd. 

In Bed. 1 u. 2 gilt sonst meist mO'e (nach-hin) (s. das 
folg.) und nä ist viell. aus jenem gek. 

nachhin (nache, nä-e, nö-ej-: 1. vom (zuerst ge- 
forderten) Preis einer Waare Etwas nachlassen B. 
Syn. ab-län. — 2. bei einem Tausch Aufgeld geben. 
De" wette'-mer [wollten wir] wider a" de" ander tusche' 
und no''' schm nah ge. Gotth. — 3. Nachträge zur 
Bewirtung liefern (an Hochzeiten). ,Wie mancher 
junger Mann durch die wytläufigcn Hochzyt und das 
beschwerliche nachhingeben uf die Tisch und Personen 
in Wirtshüseren zu merklichen Kosten kommen.- Z 
Mand. 1650. 

be-: 1. trans. a) in einen Zustand versetzen. 
Vgl. das refl. 3 und nhd. ,sieh wohin b.' ,Dass sy 
die arbeit der dieneren der kilchen sechend, in welche 
sy die iren nit b. wollend.' HBull. 1540. ,Unnatür- 
lich und unerbar ist's, kind in die e b., die ire gebür- 
liche jar noch nit habend.' ebd. — b) aufgeben, 
unterlassen, aufhören mit Etw. (es zu tun] Gr, z.B. 
die Gewohnheit des Rauchens: iez chönnt-i's nümme 
bege. Die hochdütsch Sprach «' rede b. ,Bünde [Bünd- 
nisse] b.' Bündn. Hanengeschrei 1621. — 2. refl. 
a) sich zu Etw. entschliessen, verstehen, herbeilassen, 
verpflichten; meist mit Gen. od. Präp. ,Wo zwei men- 
schen zuosammen kommend zuo der e und sy sich 
des begebend, dass sy by einandren ligen wollend.' 
ScHwMa. Landr. 1427. ,Sy sönd ouch nieman leren 
nawen machen, si begeben sich denn vor, dis ordnung 



ze halten.' 1469, L Katsver. ,Dass die Zürcher sich 
b. sölltend, iren geschwornen bünde nachzuogand.' 
Edlib. ,[Die von Zürich haben] sich gheiner [der als 
Ort des zu veranstaltenden Eeligionsgespräches vor- 
geschlagenen] stetten nit begeben' = ,.sy habend sich 
gheines ortes ufgeton weder [ausser] irer [eigenen] 
statt.' ZwiNGLi. .Pharao sieht der zeichen vil, dass er 
sich begibt das volk ze lassen.' 1531, II. Mos. ,We- 
liche 2 artikel, so ir üch dero begebend [darauf ein- 
gehet], wollend sy dann [im Übrigen] artikel geben 
zuo ufnung frides und fründschaft, die sollend erlich 
[ehrenhaft für euch] syn.' 1531, Absch. ,Von ir ercn 
und pflicht wegen begaben si sich, begerte hilf ze 
geben.' Ansh. .ünfahls han ich mich b'geben, den 
Gott wol brechen mag.' ValTschddi 1533, = mich 
darein ergeben; vgl. ,mein elend ich auch trösten 
muess, darzue mein unfahl [ver]schwygen.' ebd. , Einer 
der sich begeben hat, bürgen oder Versicherung umb 
ein ding ze nemnien, reus satis accipiendi.' Mal. ,Wir 
hattend uns auch aller dingen zum sterben und er- 
trinken begeben.' ebd. ,Da sy um M. Ulrichen war- 
bent. das» er sich dessen begäbe, ir pfarrer ze werden.' 
HBull. 1572. .Haben sye doch sich nit dessen b. 
wollen, sonder uss list sich also hinderzogen.' RCvs. 
.Sich zu Gehorsame b.' Z Mand. 1650. Auch absolut: 
sich gefangen geben; sich fügen, unterwerfen; sich 
ruhig verhalten. .[Die Bauern] haben sich die nacht 
gewert, doch vor tag sich begeben.' 1525, Absch. ,Dass 
ain statt Zürich sampt iren eidgenossen sich b. söll- 
tend und des yngon [dass sie sich einem Schiedsgericht 
unterzögen].' Väd. ,Uf sölichs meister Ulrichs b.' 
ZwiNGLi, und dieser Stelle entsprechend : ,Us sölichs 
myn erbieten.' Sich unter Vormundschaft stellen: Er 
häd-si 2 Jar bige" Z. — b) sich entschlagen, ver- 
zichten. ,Wir haben uns aller listen und gefärden 
gegen einander verzigen und begeben.' 1530, Absch. 
— c) sich zu Etwas bekennen, gestehen. ,So man 
im die wort, dero er sich selbs begibt g'redt haben, 
nit zuo argem gemessen hat.' Gvrenr. 1523. .Als [da] 
ouch der dichter sich vorab begibt, dass er Verstands 
nit hab.' Salat 1537. Daher dann auch: sich an Etw. 
erinnern W; Syn. sich ent-ge; vgl. sich geben an 
Etw. I 4 c. — d) sich einem Beruf ergeben, einer 
Leidenschaft hingeben, mit Dat. oder Präp. .Auf 
dass ir euch nit aber begebind den vorigen lüsten 
und anfechtungen.' 1531, I.Petri. ,Ye rae aber Zwingli 
sich in theologia üebt. ye me er sich begab zuo dem 
priesterlichen ampt.' HBüll. 1572. ,Sich auf die 
schwarzen künst b., ad magicas artes accingi. Sich 
in trauren h., sich an eins trauren lassen, ad mcestitiam 
se revocare. Sich b. und fleissen, ein fürsprech zu 
sein, adire ad causas orandas.' Mal. Sich abgeben 
mit Etwas: Was [eig. ,wes'] begit-se-si'''? womit gibt 
sie sich ab? BAmsold.; vgl. begän Sp. 32. 

Mhd. (trans.) hingeben, unterlassen; (refl., mit Gen.) 
anfgebeu ; (absol.) in ein Kloster gehen. — 2a und b (Ver- 
pflichtung gegen Andere und Verzicht auf Eigenes) sind 
Wechselbegriffe; vgl. mhd. sich lewägen = ,sich entschliesseu' 
und .sich entschlagen'. 

recht- (nur als Ptc. adj.): rechtmässig, d.h. mit 
Recht oder vom Gericht gesetzt. Vgl. gast-, hand-g. 
und nhd. ,rechtschaffen'. ,lro erkornen rechtgiibnen 
Vogts.' 15'29, HBdll. ,Wa3 ein frouw ohne vorwüssen 
und verwilligung ihres rechtgebnen vogts tut, soll 
kraftlos syn.' 1607, Ztschr. f. Schwz. E. -- ze-ruck 



riali. ^el), g\\>. gob, gub 



(zriigg)-: 1. vergelten, riichcn Gr. — 2. erbreelieii \V ; 
Syn. ab-g. — rast- s. Rast. 

zesammen (zäme)-: ehelich verbinden, einsegnen, 
c-opulieren, vom Geistlichen Ap; Bs; B (Id. B); Gl; S; 
üw; U; W; Z. ,Ein Ehvölkli z.' Spreng. /» der 
Chile [Kirche] ist en Tritt [Stufe am Taufstein], iro- 
me' d' Liebi (die Liehe") zsämegitt Z. ,Morn wend 
wir 's euch zaiutnen g.' Ruef 1550. .Geschah die ver- 
niechlung und zsamniengebung zu Griessenberg.' Edlib. 

dar-: 1. eine Sache nicht länger für sich be- 
halten, sondern zum Genuss Anderer hingeben B. 
.Tradere.' Id. B. -- 2. darstellen, ausdrücken, aus 
einander setzen, klar machen, ebd. J"'' miesst vager 
es pär Äbesitze d'rzue nen, wenn-ig-üeh das Alls eso 
stif dargen tvellti. ,Wir können uns nicht [als] ganz 
rein d.' JMüll. 1665. Mit Sachsubj., vom Inhalt 
und Wortlaut von Urkunden, Gesetzen; vgl. zue-g. 
,Sie wollen diesen Vertrag, wie der Buchstabe laute 
(,das dargit-) halten.' 1529, Absch. -- 3. anklagen. 
,üass er uns für kctzer soll schelten und d.' 1524, 
Strickl. ,Syg er gegen dem landvogt dargeben [wor- 
den], dass er gered't haben sollt . . .' 1532, Absch. ,0b 
es ein Seelsorger offenbaren müsse, wann ein Male- 
fikant einen anderen dargibet, der schon für mehreren 
Jahren mit ihnie gesündiget und aber bis dahin ein 
bussfertiges Leben führet.' JMev. 1694. — 4. vor- 
schlagen, bestellen, zu einem Amte. , Er ward ihhIi 
in plüender Jugend zuo eim landsammann vcii .l. r 
gmeind dargeben.' Salat. .Dass man in jedem viertel 
im land zwen mann d. soll [um die jährlichen Rech- 
nungen abzunehmen].' 1519/44, Schw LB. — 5. er- 
brechen AaZei. ; Syn. ah-g. 

wider-: 1. zurückgeben, -werfen, von Licht und 
Schall Ap; Schw. Und jüchset halt se lüt, dass 's 
recht icidergit am Wald. .An eine Maur, da die Sonne 
brav widergibt.' JCSulz. 1772. — 2. erbrechen. 
Syn. ab-g. ,5 pfd gab N. N., als er sich übertrunken 
und es widergeben hat.' 1542, ZGrün. Arntsrechn. .Wo 
einer sich trinkens vergän, wirt er syn straf darumb 
zuo empfahen haben; wurde es aber einer w., den soll 
man über nacht in turn leggen.' Z Mand. 1580; 1650. 
,Dass sie mit Reverenz zu melden w. musste und 
kotzeti.' ApI. LB. 158.5/1828. 

(e)weg-: 1. verkaufen oder verschenken G; Z. 
Sprw. : ,Was man nicht weggibt, das hat man noch.' 
HPest. 1790. — 2. 's Mer w., an der Landsgemeinde 
bei einer Abstimmung einer Partei die Mehrheit zu- 
erkennen oder übh. das Ergebniss einer Abstimmung 
verkünden Gl. I'* zeig-ech a", ''as'-i''' d's Mer nüd 
eweg gi cha"'. ,Vom Mehr- Weggeben. Wenn der 
Amtsniann an der Land.sgemeinde das Mehr weggibt, 
soll es dabei bleiben.' Gl LB. 1835. — 3. mit Acc. P. 
a) einen Schuldner dem Gemeindsbeamten zur Be- 
treibung übergeben (vgl. an-g. 5) oder die Schuld- 
eintreibung (mit Rabatt) einem andern Privaten ab- 
treten Uw. — b) fort treiben. .Mach du dich vom 
Hause, sonst gebe ich dich unsauber weg.' Gotth. 
S. auch gehen I 3 b vi. Anni.; zuehin g. 

Ob die RA. ,den Eid w.' (,N. N. wird aus Nachsicht für 
seine Jugend bloss an den Pranger gestellt und d. E. weg- 
geben.' 1590, Aar. Ratsman. It Ölhafen) nur gleichbedeutend 
sei mit dem einfachen ,d. E. geben' (den Betr. schwören 
lassen, dass er sich nicht rächen, oder dass er d.as Land 
meiden wolle) oder [irägnaiit zu fassen sei =r ihm den Eid 



auferlegen, dass er aus dem Lande wegziehen wnlle, künnen 
wir nicht entscheiden. 

zue-: 1. hinzufügen, zulegen. ,Wcnn die Erben 
nicht zum Nachlasse stehen wollen, so wird das zu- 
gebrachte Gut der Frau vorweg geschätzt; dem wird 
dann so viel zugeben, dass die Gläubiger nicht be- 
zahlt werden können.' 1545, Absch. Bei einem Kaufe 
Etwas zum Preis. ,Anctarium, zuogab oder das zuo- 
geben, das man eim in einem kauf zuogibt, fürzug.' 
Fris. Bildlich: ,Darumb er [ein gewisser Wein] die 
Trunkenheit, so man ihm zu vil zugibt, verursacht.' 
RCys.; vgl. .zusprechen'. ,lndem er nicht mehr recht 
essen konnte, gab er dem Trinken zu [trank er um 
so mehr].' Z Nachr. 1755. — 2. zuschlagen, käuflich 
zu eigen geben, z. B. ein Heimwesen Z. — 3. zu- 
schreiben, a) einen Wert, zugestehen, einräumen, 
gewähren. ,Die [Friedens-] artikel, die uns vorteil 
zuogebend.' 1529, Absch. ,I)esshalb man uns unbillich 
zuolegt, dass wir den hohen warzeichen [Sakramenten] 
wenig zuoggbend.' 1536, ebd. ,Den globen hat er also 
gelert, das' keiner unser"' gerechtigkeit minder zuo- 
geben hab.' Kessl. ,Nun habend sy ein bildnuss ge- 
hept, wie Christus an dem crüz hanget; ist einer 
zuogegeu gestanden, der dem selbigen bild vil zuogab. 
Üo es zuo eschen ward, sprach er: Nun sich ich wol, 
das' ich nichts mer daruf halten soll.' ebd. ,Der 
bischof, der dem stuol zuo Rom gar vil zuogeben und 
sonders wol gwellen [hat].' Vad. ,Uie Krankheit hat 
ihn so angriffen, dass im die Arzet wenig Lebens zuo- 
i,'i-b'.Mul.' JosMal. 1593. ,Dass die Apoteker fälschlich 
diesem Öl z.. dass es die anmäler vertreibe.' JRLandenb. 
1608. .Doch sollen wir wüsson, dass die Arznei kein 
kraft hat, wenn Gott nit will; sollen derhalben der 
Arznei nicht ze viel z.' JJBreit. 16'29. — b) Ursache, 
z. B. Etwas der Jugend, dem Unverstand zurechnen 
Gl; Z. Vgl. 4. ,lch gebe solches zu dem wütigen 
Landsturm Attilae.' Wurstisen. — c) als Eigentum. 
,l)ass er unverschampt lügt, oft im [sich] selbs zuogibt, 
das ander geredt band.' Gyrenr. — 4. Rechnung 
tragen, sich wonach richten, Rücksicht nehmen, nach- 
sehen, zu gut halten Aa; Gl; Sch; Z; vgl. 3 b. Me' 
muess der Längi Öppis z., z. B. bei der Verarbeitung 
eines Tuches; auch in moralischer Hinsicht, me muess 
silier Juged Öppis z. Sulger. Dir müent im [ihr 
sollet dem] Uverstand z. AAFrL, Formel der Ent- 
schuldigung. ,Der Fuhrmann soll ihm anzeigen, wie 
vil er wasser under den wyn getan habe, damit er 
ihm könn z. [sich darnach zu richten wisse, welche 
Beimengung von Wasser der Wein noch ertrage].' 
ScHiMPFR. 1651. ,[Die Hofleute sollen nicht] Wälder 
und Feldgebüsche ausreuten ohne Vorwüssen und ge- 
nommenen Augenschein des Forstmeisters, welcher 
befindenden Dingen nach Mass und (»rdiiuiig zue[-ze-]g. 
wüssen wird.' 1723, Arg. IV l-M, ./üriili und Bern 
meinen, den Klagen z. zu sollen.' 1V:!9, Absch. — 
5. (zu viel) zutrauen, zumuten, „sich auf Etwas, 
z. B. seinen Stand, Reichtum, zu viel verlassen, darauf 
pochen, damit gross tun, sich mehr erlauben, als recht 
ist B; VOrte;" Z. Si schaffed Nilt, si yeiid nu'' irem 
Kichtiim zue. Von Einem, der Vermögen geerbt hat 
und nun mehr braucht als vorher, sagt man : De Ma"" 
git dem e chli' zue; ebenso mit unbest. ,es': Er git-em 
zue, tut zu viel des Guten, braucht zu viel Aa; Z. 
„Seinem Gedächtniss zugeben = zu viel darauf ver- 
trauen, wenn man z. B. etwas Notwendiges vergessen 



Gab, geb. gib, gob, gub 



hat oder in einer Rede stecken geblieben ist B; VOrte; 
Z;" Aa. Dir g^bet mir e grosse Zug zue, ihr mutet 
mir viel zu trinken zu B. — G. eine (gesetzliche) 
Bestimmung enthalten, mit sich bringen, an die 
Hand geben. Vgl. dar-g., .vermögen'. ,Wie der buoch- 
stab das zuogibt.' 1523, Absch. ,Da vermeint ich, 
Spruch und vertrag gebend so vil zuo, dass myn herren 
von Zürich euch söttend sjn in eim sömlichen handel.' 
1529, ebd. .Weliche Gedächtnuss, vfie der Kinder- 
bericht [Jugendunterweisung] zugibt, uns dahin dienen 
soll, dass [etc.].' Fäsn.-Pred. lÖOl. , Demnach des 
gottshus fryheiten vermögent und zugebent. dass ein 
prelat des tals rechter oberherr sye.' Iö99, Ztschr. f. 
Schwz. R. — 7. Jmdn zur Beaufsichtigung oder zur 
Unterstützung eines Andern verordnen. , Auf dieses 
habe man im [dem verdächtig gewordenen Priester] 
4 mann zuogen [ihn im Pfarrhofe durch 4 Mann be- 
obachten lassen].' 1548, Absch. Ein , Zugegebener': 
einem Amte als Gehülfe Beigegebener. ,Von einem 
E. Rat den Fuerlüten Zuogebner.' JosMal. 1593. ,Z. 
des Kornamts in St Gallen.' Z Nachr. 1755. Schutz- 
verwandter, Diener, adlatus: ,Ward sampt seinen zu- 
gebnen ze Ritter geschlagen.' Grasser 1625. 

Bed. 3 1) imd 4 mögen in einzelnen Fällen schwer zu 
unterscheiden sein. Ebenso bleibt fraglich, ob Bed. 5 auf 
der Vorstellung ,Etwas zum richtigen Mass hinzu tun' oder 
auf .nachgeben, erlauben' beruhe. 

zuehin (zueche, «Mefte^-gehen : 1. (mit Acc. S.) 
herbeischaffen, nahe rücken, z. B. einen Stuhl BM. 
Übertr.: Einem Etwas ans Herz legen, einschärfen; 
klar, deutlich machen BHk.; Syn. z.-leggen. — 2. (mit 
Acc. P.) herbeitreiben, -locken. Es geh d' Lüt am 
Beste zueche [zum Mahle]. Gotth. 

Letztere Stelle könnte auch auf etwas prägnanten Gebrauch 
von gehen II 4 b oder 5 a 2 oder 6 zurückgefülirt werden. 

Eige(n)-Geber : eine Art Friedensrichter in 
Eigentums- und Baustreitigkeiten ZWint. bis E. XVIIl. 
— An- s. angehen. — Geld-Usgeber: Werboffizier, 
Werber. ,Ufwigleren und geltusgeberen halb.' Satzg 
wider das Reislaufen 1542. .Frömbde Officiers, Auf- 
wigler und Geltausgeber, welche unser Volk in frömbde 
Kriegsdienste dingen.' ZMand. 1701. — Gant-Geber: 
Feiltrager, der Ganten über eigene oder ihm von Dritt- 
personen übergebene Waaren veranstaltet G. 

Holz-: TJnterförster, der hauptsächlich zum .Aus- 
geben' (s. d.) des Holzes mitgewirkt zu haben scheint. 
Schon 134(3 werden für den Eschenberger Wald der 
Stadtgemeinde ZWint. 2 H. genannt. ,Es soll der 
forster niemant kein holz nit geben, denn dass es die 
zwen mann vom rat, die h., heissent.' 1463, ZWint. 
,Der forster soll sein holz an den orten, da es ihm 
von h-n zeigt und geben wird, machen.' ebd. ,Un- 
angesechen an welichen enden inen von den geordneten 
h-n das holz zu hauwen und ufzeraachen verzeigt wer- 
den.' 1584, Hotz, Urk. \g\. Holzamtmann. — Satz-: 
beim Kegelschieben derjenige, z. B. Wirt, welcher das 
zu Preisen bestimmte Geld gibt und dafür die Ein- 
lagen der Mitspielenden einstreicht Schw. 

Parbenufgeberlis: ein Kinderspiel, bei wel- 
chem die Kinder Farbennamen unter sich verteilen 
und von Engel und Teufel erraten lassen Bs; Z. Vgl. 
RocHH. AK. S. 423. 

Eig. sollte das Spiel nur F.-u/gibi's heissen; die Form 
mit -fr scheint nach Analogie anderer Spielnamen, z. B. Räu- 
heris udgl. gebildet. Die Endung ist die von Fähia (s. d.). 



Us-Gebet m. : das Ausgeben von Geld. En chiirze'' 
Pracht, aber en lange'' Ü. = kurze Freude und viele 
Kosten, z. B. mit Bez. auf eine Taufe ZSth. 

Nach Analogie derjenigen Masc. auf -et gebildet, welche 
eine zu bestimmter Zeit eintretende, z. B. landwirtschaftliche, 
Tätigkeit bezeichnen. 

Gebigs GG., Gebike- Z, Gebi°ge° Bs; Gl, 
Gebis GRChur;GW.;Uw, Gebistorf Aa, Gibenach 
Bs; Gibike" Z, ,Gibinge'". Sprww. 1824: fingierter 
Ortsn., in der Formel fnitj vo" G. sl, (nicht) mitteilsam, 
mildtätig, freigebig sein. Nit vo" G., aber vo Nemis 
(Nemioge', Nimmike"), nicht zum Geben, aber zum 
Nehmen bereit Bs; Uw; Sprww. 1824. 

T. Wortspiele mit wirklichen Ortsn., t. nach der Anal, 
der zahlreichen Ortsnu. auf ,-is, -ikon, -ingen' erfunden. Vgl. 
noch Nlmsingen u. Wackeru. Kl. Sehr. III 1'24, 1'26. 

Angebi"g f.: Anweisung, Überlieferung. Vgl. 
angeben. ,Die taten, brüch, angäbungon und man- 
cherlei wys und Ordnungen, mit denen Gott das mensch- 
liche geschleoht in warem gottesdienst angewiesen.' 
BiB. 1560 ,Das ist die heilig angebung der vätter.' 
HBoLL. 1597. 

Jär-: Volljährigkeitserklärung, durch Behörden, in 
Notfällen B. — Eig. die Zuerteilung der zur Ausübung ge- 
wisser Rechte erforderlichen Zahl von fehlenden Lebensjahren. 

Gebi "ge" s. Gebigs. 

Gebis: 1. Günnis und G. (Gewinnens und Gebens) 
spielen, d. h. so, dass der Gewinnende den Preis wirk- 
lich ausgeliefert erhält AAZof. ; antonym vergebis. — 
2. fingierter Ortsn., s. o. Gebigs. 

Das -i« von 1 (für Gebens, daher mit «* gesprochen) ist 
der für Spielnamen übliche Gen. des Inf. 

Gebistorf s. Gebigs. Zuegebner s. zue-geben. 

Ubergebniss f.: 1. Übergabe von Eigentum. 
,Die Mehrzahl der Ordenspersonen habe freiwillig das 
Ihre den Herren [der weltlichen Obrigkeit] übergeben ; 
es habe euch das Stift die erste Ü. getan.' 1529, Absch. 
.Wellend auch denselbigen brief und übergebnuss der 
caplany hiemit bestätiget haben.' 1532, Strickl. — 
2. Verzicht auf Rechtsansprüche. .Keine Partei darf 
eidlich zu einer ü. [in Folge von schiedsrichterlichem 
Spruche] verpflichtet werden.' 1551, Abscu. 

Gebuse, -juse s. Gabuse Sp. 62. 

Gebolet: Becher. , Ein ubergüldt trinkgeschirr, ge- 
nannt ein g.' Bisch. Johannes v. Bs 1469/70. — Wohl 
verschrieben für frz. gabelet. 

Gibenach s. Gebigs. 

Gibi f.: eine Portion (Heu), die dem Vieh auf ein 
Mal vorgelegt wird; gewöhnlich so viel, als man in 
beide Arme zu fassen vermag = Arvel Ndw. Von 
geben; vgl. Ledi, Ladung, von laden u.a. 

gibig: 1. gern gebend Ndw. — 2. von Sachen, 
a) von Schulden, auf deren Bezahlung gerechnet wer- 
den darf. ,Wie vil deren [Schulden und Ge^enschulden 
des Klosters] flüssig, gichtig und g. sygend.' 1529, 
Strickl. — b) von Münzen = gab, gangbar. .Dann 
das gelt hie gängig und g. ist.' 1618, Absch. 

Gibikon, Gibingen s. Gebigs. 

Gibinix = Ämdfresser Bd I 1324 LE. 

Gihisnüt m.: (gib uns Nichts) 1. Knauser Z. - 
2. Name unfruchtbarer, öder Grundstücke Z. Ab-em 
G. si, ein Geizhals sein Z. — Vgl. Pnimcr, Flurn. bei 
WSiders. 



^nib 



erjjribli'i'. -lii;: 1. ergiebig BO.: (ii.; stärker, 
klüger usw., als es scliieii BSi. Auch von einer Last 
(in. Da chann-mii" e. berge; hier ist genug Gelegen- 
heit zu Bergtouren BAdelb. — 2. widerspenstig, un- 
oniiitindlich BB. — Bed. 2 aus a-yehcn i. S. v. ushin-ij., 
Vurwürfe eiwidern, widersprechen. 

Cibel m. : 1. Gipfel, oberster Teil eines Hügels L ; 
der Hügel selbst Schw; spitziger Hügel BE. Syn. 
G-uhel, Gühel; Gutsch,Gütscli ; Rubel. Name bestimmter 
Örtlichkeiten : einer Berghöhe im BO. ; eines Rebberges 
bei ZNer.; ,im Gibel' ZOttenb.; ,in der Gible', Name 
einer runden flachen Anhöhe bei ZDietl.; .Gibelrain' 
ZBonst.; ,Gibelwies' ZKied. ,Uf den giblen der bergen, 
in jugeribus.- 1480, Geschfo. Gs. ,Die adler setzend sich 
auf die hohen und sichtbaren g. der bergen.' Vouelb. 
15.57. .UfdemG.desselbigen Bergs.' R Cts. ,Uf einem G. 
oder Felsen.- ebd. .Aufhoben ungepflanzten Giblen der 
Gebürgen.' Tschddy, Gallia 1758. ,Im Kopf oder Gibel 
des Gottharts fallet der Tes [(Tessin) ete.].' ebd. ,Auf 
dass des Bergs G. nimmer gewalzt werden.' Wurstisen 
1705. Häufig als Fluni. Aa; Ar; B; L; G; Schw; 
Zg; Z. — 2. der über das Geviert eines Gebäudes 
hinauf bis unter die First fortgeführte, spitz zulau- 
fende Teil der Mauer der Schmalseite, allg. Figürl.: 
's Hüs hat cn G., die Sache ist fertig. SrL(iEK. — 
3. winkelförmiger Einschnitt. z.B. das nicht aus- 
gebaute, offen gelassene (iieliclsUicK ;ui ein. 'in Heu- 
schober, der zum Eintra-m ,1,- lim,., l,eniil/i wiiM 
BR.; WVisp (Syn. ].u~:rln. llin-rlnnil in .■iii,. W,,..e, 
Überall hed er [der ]<•.:■ \;,, hliai | Chi," „<■ " .fuimi, 
beim Mähen herausi;v„hiiitteii o,|. r rin-eTlm. l;|;. 
Auch der gezackte f;i, ;iii'l,tc/ l.'.uhl \mii riLui/.eii- 
blättern. ebd. — 4. GirbcL aucli Laayirbd, -<jirlnU, 
der hintere Teil des Scheitels, wo das Haupthaar von 
einem Punkt aus schneckenförmig sich ausbreitet 
S<nNnk. Kopf eines Tieres. ,Der g. [eines Reihers] 
was schwarz.' Vogelb. 1557. — 5. oberster Teil einer 
Pflanze. ,By den stüdelen uf den gibein und esten 
nester zuosamm geweben warend.' G Hdschr. ,Das 
gibele, kleins hörnlin der bluom, apiculus.' Mal. ,Den 
G. [des Ästleins] sammt den bleichen Äuglein ab- 
schneiden.' JCStTLz. 1772. — 6. Gebäck, Brötchen 
von der Form eines Doppelhorns Z (selten, sonst <?ip/eZ). 
— 7.= Gable 4 a, Vorrichtung zum Tragen von 
Holz GrV. 

Mhd. <jihel; ahd. yehul, Schädel. — Zu der Nbf. mit -;•- 
liir Bed. ;3 hat das Syn. Wirbel mitgewirkt. — 7 ist ein 
(l'aar) nach unten gekehrter Giebel. Vgl. Gubel. 

Staffel-: Gicbelmauer mit treppenartigen Abstu- 
fungen, Windbergen ti'cH. 

Gible" f.: Name von kuppeiförmigen Anhöhen Z. 
,Giblenfluo.' XIV., L Propsteirodel. 

gible" I: ein Haus mit einem Giebel versehen. 
,Hüser ze g.: Wellicher sich in der statt Thun mit 
muren an synem hus ynbeschlüsset und sicher tuot, 
dem soll die statt den halben teil des Ziegeldachs 
geben und bezallen.' 1539, BThun. Stadtsatz. — in-: 
mit einem Giebel einfassen. ,Die hüser yng. und mit 
zieglen decken.' 1539, Ztschr. f. Schwz. R. 

(jilbe" f., Dim. GM, Gibeli: 1. Ziege, traulicher 
als Geiss und daher bes. als Lockruf B; „F;" L. 
Gijbe se se, chumm se se! [nimm!] Gotth. Die dim. 
Formen (vgl. Gitsi zu Geiss) t. zur Bezeichnung einer 

Schweiz. Idiotikon. II. 



kleinen oder jungen Ziege {Gibi A.\: S tw.. Gibeli L), 
t., bes. in Kindermund, der Ziege übh.. auch im Lock- 
rufe und tw. nur in diesem B; ,F;- L; S; ,aueh 
Schmeichelwort für junge Hirsche im Stadtgraben B; 
F; L." — 2. grösserer oder kleinerer Pferde- oder 
Handschlitten, zum Transport von Holz u.a., auch 
als Sehneepflug gebraucht (B), oder Schlitten der 
Jugend zum Vergnügen des Schlittenfahrens, in Bern 
im Unter^rhicl /n den kleinen der jüngeren Kinder 
ein gr.i^-erer Im inolirere Personen zugleich, daher 
der Wanirul: llfil Sorg [gebt Acht]! d' G. chunnt! 
(s. Alpenr. 1868, 19). — 3. Mädchen, das sich gern 
übermässig belustigt BE. Vgl. Geiss; Zlbe. 

Die Übertragung auf den Begriff '2 bezieht sich darauf, 
dass die Kufen dieser Schütten vorn hornartig aufragen ; 
vgh das syn. Ueiss. — S. noch (lüeoniler. 

Gibel m.i Vergröberungsform von Gibi (s. Gibel) 
Aa; LG. 

Gibeoniter ,Gibi-' m.: scherzhafte Bezeichnung 
eines Schneiders (B Hist. Kai. 1815), des von ihm be- 
nutzten Reittieres, Pferdes (ebd. 1823). 

Wahrsch. das aus der Bibel bekannte W. scherzhaft als 
Abi. von Gtbe gedeutet, also Gibeoniter = Ziegeureiter. 

gibeonitere(n) : (tr.) Jmdn beraeistern, über- 
winden B (selten). — Reminiscenz au Jos. 9, '21. 22. 
>ribinii're(n): verdriessen, ärgern BS. Syn. gu- 

\iiliiliirs l.ehiiw., viell. aus bi,jgmiere (f. .piqnieren', 
li/. /.M,.f., I. vidi, mit Anlehnung an gibeonitcren, jedenf. mit 
ilrr liui Lehuww. eintretenden Konsonantcnerweichuug. 

Gibiz s. Cririz. 

giWeil H: 1. (auch rer-g. ,B; F; L;' S) die Beine 
aufwärts oder aus einander strecken; verrecken, ver- 
enden, gewöhnlich also nur von Tieren, bes. Ziegen, 
von Menschen grob und verächtlich Aa; B; S (auch 
uf-g.); TuErm. D' Ous.< isl ,f,,,1,let. Gester ist im 
d' Chats g'giblet, der Juiial | Kater] ist dervu' cho". 
Nit eil besser a's e g'gihlcti Geiss drl" g'seh'. Gotth. — 
2. (cer-g. B) ausser sich geraten, den Verstand 
verlieren TuTäg., vor Angst, Sorge, Ungeduld ver- 
gehn B. Vgl. gibelifitzig Bd I 1154. — 3. (auch üs-g.) 
welken, absterben, von Pflanzen. Vgl. giblig. Syn. 
us-serben. 

Das Syii. ccnjitzlm (s. J.) legt diu Abi. von Gibc nahe; 
allein ilir-e Alil. «ünlr uns n.lli-rii. eiie srlime und nur 
etwa .Im, li laK.le A.iI..|n,iiliL- . iklmlele \. ik. des Voc. 
anznn..|iiH.ii. lo ^.L.ii.l natiu li. Ii. i , ;, ,.1,.,.... Kildung im 
Ablautsvcrhuitniss zu ;iiiblen aulziilusscu; vjrl. tiibcli-GäbeU 
Sp. 58 Anm. u. vgl. tirol. Gitjel, Flisse. 

giblig: welk, von Pflanzen TuErm. 

gob, göb s. geb Sp. 65 und geb II Sp. 6C. 

(iubel — PI. -ü- (ü auch etwa schon im Sg. SchwE.) 
ni.: 1. (6r!«6eZScHW; Uw; U; Zg; Z, CrHfcer BSchwarz. ; 
LE.; als Flurn. auch GRapp.) Hügel BO.; Vürte; 
Syn. s. Gibel; auch: Felsabhang ZO. i> ist scho' über 
all Gabel, weit fort Zu. Es wird aw'' Bebe" ha" bi 
ew''? „A, bis au"'' g'schld, ivo 's Niit as Gühel hat 
und Felse"." Stütz. Als Flurn. (auch Dim. G=M/)e?i) G; 
Zg; Z. .Gublen' (Dat. PI.) ZBauma (,in villa gubelon.' 
Urk. 1261). ,Eichgubel' ZMur. ,Wissguber.' LE. 
.Der Guberwald.' 1648, Ndw. ,Ein Markstein unden 
uf dem G. uf einem Abrain.' 1660, AAWctt. Ardi. 
Dalier die den Wohnort andeutenden Geschlechtsnn. 



Gab— gilb. Gabt— gubt. (iacli— Glich 



100 



Gubler, Gubelma'" Z uiiJ wahrsch. auch Guhel: ,Hans 
Gubelmanu und Henslin Gubeli." 1495, Z. — 2. Giebel, 
bes. runder Ndw. 

Das nihd. WB. hat nur das Comp, yubdnaijel, Hufnagel, 
wonach die Grnndbed. des ersten W. .rundliche Anschwel- 
lung, Erhöhung' sein könnte. Unzweifelhaft ist es auch 
lautlich Twdt mit dem z. T. syn. (f'ibd, und mit p/ ent- 
sprechen , Gipfel' und Gup/. Doch scheinen die Formen mit i 
mehr eine spitzige, die mit m eine rundliche Erhöhung zu 
bezeichnen. Vgl. Ou/el, Gugd. — (iuher Nbf. mit dem in 
Suff, nicht seltenen Wechsel von r und l. 

Eiter-Gubel: Geschwulst F. Syn. Güge. 

Guble(n) f. = Guhel G; Z. 

Gublete f.: hüglige Gestalt der Erdoberfläche. 
Das ist au"'' e Wiscte, c Feldrete, e Waldete, e Gublete 
wit und breit. Stütz. 

Guber s. Gubel. 

Gübi s. Biihi, Bibi. 



Gab seh i s. Gabri 



Für Gabs usw., Gabsch usw. s. Gap.^, Gapsch. 



(libt f.: Ge.schenk, Vergabung. , Und wellt das der 
herr nit globen, dass die g. also beschehen were, mu- 
gent sy dann zwen erber unversprochen mann haben, 
die das gesehen und gehört band, dass die g. also 
beschehen ist.' ZDürnten Offn.; Binzikon Otfn. 

Gleichbed. mit ,Gift' i. S. v. Gsibe, aber nicht lautlich 
aus jenem entstellt, sondern mit urspr. d (nicht () gebildet 
nach .\nal. von (ireU (ijrahirla, ijidcde), Begräbuiss, Khijl, 
Klage u. a. 



Gacli, gech, gich, goch, gucli. 

gäch UwB.. gäch Aa; Ap (geieh Kurz.); BsStdt; 
Vürte; Gl; GRHe.; G; S; Th; Z. gech BsLd; BBrisl.; 
GSa., gd, flekt. gäje B (gäj, Si. g'ej; ntr. gäis); GlK. ; 
Gr (ge-e, ge-i, gesj; Sclger; W: jäh. 1. sich mit 
ungestümer Schnelligkeit bewegend, rasch oder plötz- 
lich eintretend Bs; B; L; G; rasch haii.b-hi,!. eilfertig, 
hastig, übereilt Bs; Uw. G. vai-li^r". in uii,i,'ewohnt 
kurzer Zeit gross werden L. JJcr .Sclihtle" f/eit gäj 
über de' Hain abe B. Du hest-mer 's z' gäis g'macht, 
hast mich überstürzt BO. Muess-es g'rad gäi si"? 
ist kein Aufschub gestattet, ebd. En gäja Überfall. 
ebd. ,Ein gächer stürm [Auflauf].' 1524, .\bscb. ,Das 
inen kein angrifl'geches [adv. Gen.] üflufl".' Gl Bundbr. 
1352. 's g. Bluet Uw; Z, ds Gäh Gr. das oder die 
Gäja GrS., eine Blutkrankheit des Rindviehs, Blut- 
schlag, auch der in seinen Erscheinungsformen ähnliche, 
ebenfalls mit raschem Tod endigende Milzbrandrotlauf, 
wofür auch die Namen Lendenblut, fliegender (schwar- 
zer) Brand, Herzkröte, Viag, das Böse, das .schiessend, 
das heimlich Bluet; Angriff; Karfunkel; Rot; Büsüch; 
Viertel; Bluetanstossen; (jrrippi; Überritt; Mord be- 
gegnen. .Erbsuchten [der Kühe |, so die pauren nen- 
nend das sterben, das gäch, der schelm.- Tierb. 156.3. 
,An orten, da der gach tod under dem vech ruerte.' 



XVI., Ztschr. f. Schwz. E. ,Wann ein Haupt Vieh 
das wüetig Bluet oder gäch Bluet oder Bresten oder 
Milzsucht hat.' Arzneib. ZZoll. fföcA.(ScHW; U) oder 
ds gecha' Tods (GSa.), z' gächem Tod (GWe.) g'storbe" 
= es het-ne' gäj g'no' B, es het-mu's [es ihm] gäi 
g'macht BO. De' g. Tod bes. vom Schlagfluss L. Zum 
Feinde: i"* tveusch [wünsche] dir ke' gäche" T., aber 
ke° Sunntig meh. ebd. ,Gäher Sterbend.' ZWthurer 
Mand. 1580. .Dieweil Niemand vor dem gähen oder 
schnellen Tod sicher ist' JMüll. 1065. G. werden 
ein plötzlich hoch aufloderndes Feuer, eine plötzliche 
Hitze genannt, bes. mit Bez. auf die Kochkunst Z. 
Am oder ob-em gäche JfYtr; a" der gäche" Sunn; vgl. 
übergächen. ,[Dcn Speckkuchen] soll man gäch [an 
solcher Hitze] bachen.' Bs Kochb. 1592. ,Feur von 
solchen Sachen kann ein gehe Flammen machen.' 
JCWeissenb. 1678. 's g. Glück, ein unerwartetes, 
plötzliches L ; Z. Scherzh. : Men ist nie sicher cor-em 
gäche' Gl. Z. Iron., von einer Torheit: Das ist guet 
für 's g. Gl. (und de" schnell Richtum) L; SciiSt.; Z. 
Viell. identisch mit letzterm Zusätze ist die gäche 
Rlchstage Z. Die g. R. gönd iez denn a". Für die 
g. R. spare', für lachende Erben sp. Me' seil nie 
z' g. i' Haberbri bisse' S. Ist das Manier ? Hilfst 
Fronde" g. [gegen Fremde bist du dienstbereit]. In- 
eichen 1859. .Sind nit zuo gäch; nianend üwre Lüt 
haim.' 1437, Z Ratsman. ,Die von Schwyz begerent 
gächer hilf von uns.' 1444, B. ,Die am Zugerberg 
werden in dieser Teurung wohl nicht so gäch sein, 
um Mannschaft auszuheben.' 1524, Absch. ,In dem 
gähen ansehen [Beschluss], so one myne herren von 
Zürich beschehen.' 1.526, Zwingli. ,Dass wir nit zuo 
gäch noch anfänger [des Streites] syn wellind.' 1530, 
ebd. ,Er rüeft Gott g. und ängstlich an.' 1531/48, 
Psalm. ,So er schnell und g. überfallt, wer will ihm 
weeren?' Bib. 1531/60. ,Die anschläg des fruotigen 
bringend nichts dann vorrät, wer aber (zuo) g. ist, 
der überkommt nichts dann mangel.' 1531/1707, Prov. 
.Den gehen fluss in äugen zuo stellen.' Vogelb. 1557. 
,Repens; prseceps: g., schnell, bhend, das gächlingen 
und unversehenUch daher kummt; strüttig, unbesinnt, 
freven.' Fris.; Mal. ,Bescheiden, behuotsam, nit zuo 
g.: verecundus.' Mal. .Gesunde oder [dagegen] gäbe 
ratschlage.' Wurstisen 1580. .Kam ein Regenwetter, 
dass alle Wasser g. ufgiengen.' RCys. 1600. .Als guot 
so gäch ich [so gut als ich es in der Eile] konnte.' 
Bs Promot.-Grat. 16'24. Im J. 1634 wird vor der Tag- 
satzung geklagt, dass die Prädikanten im Bheintale 
die ,gähe oder Weibertaufe', d. i. die Nottaufe, ein- 
geführt hätten. ,(Tach ist ellig, schnell.' Erklärung 
dunkler Wörter Z 1701. ,So einer aus Eifer allzu 
gäbe und jastig gewesen.' JJÜlr. 1727. ,In peinlichen 
Sachen soll man nicht zu g. fahren, dann ein gächer 
und nicht wohl besinnter Rat ist ein zweifacher Fehler.' 
Lindinner 1733. ,Von einem gächen und strengen 
Urteil.' ebd. .Ein Hirt [vor Betlehem] zue seinen 
Gesellen sprach: Freunde, seid doch nit so gach, ich 
muess euch noch Eins sagen.' Altes Lied bei BWvss 
1863, 8. Begierig nach Etw. strebend, erpicht: ,Wo 
er guot und gelt wisst, was er gach daruf.' Vad. In 
diesem S. bes. mit unpers. Wendung und durchweg in 
der richtigen Adv.-Form gach i. S. v. grosses Verlangen 
nach Etw., einen ungestümen Drang, Trieb zu Etw. 
haben, heftig gelüsten ZKn.f .Der liebe ist nach gelt 
nit gach.' Eckst. 1525. ,Ze fliehen was inen gache.' 



Gacll, gech. gich, gocli, guch 



m 



Si-HLAi-HT b. Eagatz. ,l)en von Zürich was gar gach 
nach vileii landschaften.- Vad. ,I)a ist etlichen Lu- 
tlierischen so gaach über die Zwinglischen gewesen, 
(las vor und ehe sy etwas habind mit den Papisten 
wellen handien, wolltend sy die Zwinglischen ver- 
dammen.- LLav. 157ti. ,Zum Prass h" jedem ist sehr 
g.- Emblem. 1622. .Nach 's Herren Leib war ihnen 
[den Grabbesucherinnen] g.' altes Osterued. Syn. 
valz. Leicht aufbrausend, jähzornig Aa; Ap; BO.; 
(iR; L; GF.; U; ZO. G. werde". Er icird gar grüsli"' g. 
jViC nit so g.! En gähe Ma'" soll eselrite'. Sulger. 
8yn. gächschützig ; gefürig; ergrinnen; Für im Dach. 
Gäis Bulver han BRi. Es gdhs Fir [Feuer] fassu" 
W (vgl. 0.). ,Gäch und zornmüetig." HBpll. 1527/1722. 
.Sie seien gegen ihre Angehörigen so geschnitzt und 
gäch, dass sie gegen dieselben etwas Ungebührliches 
vornehmen könnten.' 1529, Absch. ,Wann er [der 
Herr] fürbricht, ist er gar gäch.' Salat 1537. ,In 
einem gächen Zorn.' B Gsatz 1615. .Gech.' 1528, F, 
,Gächuf' mit PI. ,die Gächufen.' 1483, Tu als Ge- 
schleehtsn.; so wahrsch. auch Gäch und Gächli, wie 
aus den Orts- und Flurnn. .Gahenmad.' 1523, G, Gach- 
nang, viell. = *des Gachen Wang Th, ,Gachnouw.' 1600. 
Z, Gächliwil S, Gächlingen Sch zu schliessen. — 
2. (Adv.) früh BO. — 3. Begriffssteigerung. De-' 
g. Hunger bieget -ein zu 'n Augen üs Z; Syn. gellig. 
En g-e'' Lappi, ein völliger Tor. Suterm. — 4. steil 
abfallend oder ansteigend Aa; Bs; B; Gl; Gr; G; 
U; Z. Syn. stotzig (ahhaldig). Holperig göt's hergab 
lind gech mitunter. Breitenst. .Gottes Hand, gähe 
Wand' = es ist schnell ein Unglück (zunächst durch 
Sturz) geschehen. Scbw Zeitung. ,Was in™ not wirt 
[so viel Holz als sie bedürfen], gahs [jähe Stellen der 
Alpweide] zue zünen.' 1527, Zellw. Urk. ,Der ein- 
gang ist eng und gäch.- 1531, Esra. ,Ein hohe und 
gehe sträss.' Kessl. ,Die Brustwehr, so sich gegen 
dem Feld abdachet oder gäch ablauft' Kriegsb. 1644. 
,Geh, gäh. gech. jäh, stickel, steil: prseceps, prseruptus.' 
Red. 1662. 

Ahd. als Adj. gahi (nihd. gaehe, aber auch ySc/i, ija), als 
Adv. fjäJio (mhd. jäci), schnell, ungestüm. Gäj wie fnlej 
uJgl. — Ricliataye durch falsche Anlehnung für nicht mehr 
verstandenes Sichtag (vgl. Siechtarj = Krankheit u. a.); man 
mag an das mit einer Katastrophe anbrechende ,Tausend- 
.jährige Reich' gedacht haben, wo man kein Geld mehr braucht. 
- S. noch Gäch-uf Bd I 121. 

eng-gäch s. eng-ächs Bd I 75. — stotz-: sehr 
steil, beinahe senkrecht, „allg." — dach-, fach-: 
sehr steil Bs; Z. — stotzwand-: ebso, eig. steil wie 
eine Siotsuand, die hohe, glatte Giebelseite einer 
Scheune ZO. 

gächen, gächen: 1. {gä-e BG.; „F"- — Imper. 
gach BG. — mit .haben-) eilen. ,Ilen und gachen.' 
JLenz. ,Myn Herren warend die, die in der sach 
[Aufruhr der Landleute] nüt glych gachtend, und 
schicktend ettliche Ire ratsfründ und [diese] redtend 
früntlichen mit inen.' Edlib. .So pitten wir üwer 
gnad, dieselbe welle nit mit dem doctor also g., sonder 
ine zuo antwurt kommen lassen.' 1516. DHess 1818. 
,Gnädige liebe Herren Eidgenossen, ich bitte euch 
um Gottes willen, gachet nit mit mynen Herren von 
Zürich.' 1524, Mise. Tig. ,Wie ir uns ermant, wir 
wellend in der sach nüt gächen, sonder alls mit wol 
erwegnem rat fürnemen und handien.' 1531, Strti-kl. 
.Wellen wir nit mit im-n Idrnjonigon Untertani>n. 



welche .noch schwach sind' in der neuen Lehre] ga- 
chen, sonders mitlyden mit inen haben.' B Mand. 1528. 
.Bitten wir üch, [dass] ir mit den zweien, so von be- 
meldten handeis wegen gefangen [sind], nitg. wellend.' 
1532. Strickl. (es drohte denselben die Folter). ,Dass 
sy der sach einen ufschub geben wellind und mit dem 
rechten [dem Process] nit g.' 1532, Absch. ,Gacht nit 
an uns. Her Küng!' Birk 1535. ,Nun will ich gaben 
nit an dir: die grechtigkeit gilt mer bei mir.' ebd. 
.Mit solcher sach ist nit zuo gaben.' Aal. 1549. , Siehst 
du ein rech [Reh], schnell gach. still gang im nach!' 
RuEF 1550. .Sy wellend doch nit mit im gechen. 
sunder sy [sich] wol besinnen.' Kessl. .Wir ver- 
nSmend, wie die üweren angryfen wöllind; da ver- 
manend wir üch nit ze gaben.- HBull. 1572. .Noch 
hatten die Vätter nicht mit ihm gaben, sonder durch 
langwirige Betrüebnuss des Kerkers ihn bekeren 
wollen.' Wurstisen. ,PriBcipitem ferri ad alqd: gachen 
mit etwas.' Denzl. 1677; 1716. .Ijiächen: pra;cipitare. 
priBcipitem ferri ad pisnam.' ebd. , [Einer] der gächet: 
pra?properum ac fervidum ingenium.' ebd. — 2. {gä-e 
BG.. gechen PGr.' ge'-e T, ge'ije PPo., geien PAl.) 
nehmen; holen. Nid lan» dernöa ged d'r jongst 
Buab Alls z'seame on'' gcid fort ober 's Law', oder 
(nach Schott) heggecht [hat genommen] Alls un'' is 
wlt g'ganged, wofür andere P Übersetzer der Parabel 
.zusammen lesen, zs. legen, zusamnieln, zs. machon- 
gebrauchen. Ehe neinwc \\r\\ liin nirlit \n,-hr\ irrnlii/. 
dass ier mech fir ous Cliiiin [liir ^in'i- Kiiiil| niniirhnl. 
ahergeched-mechfiroiiiif" Chiwclil. oh er-niv'' iiiil-niii 
[mit ihm, sich] ge-et? Ein fremder Geselle in PPo. 
beklagte sich über seine Meistersleute : kaum habe er 
sich alleraal zu Tische gesetzt, so habe es geheissen 
,ged uis!' (er verstand es als ,gehet', was dort genget 
heisst). 

Mhd. (jachen, yaehen, eilen. — Für die allerdings sonder- 
bare Bed. '2 kann .(eilig) zusammenraffen' als Mittelbegriff 
dienen. 

über-gäche", -gähe": 1. tr. (Brod udgl.) zu 
schnell, in zu starker Hitze backen, wodurch das 
Gebäck aussen braun, inwendig aber schliefig wird 
GRÜhur, He. — '2. refl., sich übereilen, indem man 
in den erhitzten Leib hinein trinkt GRChur. — ver- 
gächen: (refl.) sich durch Übereilung vergreifen. 
Bitte an den Rat zu R., damit man nicht auf ,fliegende 
Reden [Gerüchte, Verdächtigungen]- hin sich an dem 
vorher ehrlichen Manne ,vergache'. 1527, Egli, Act. 

Gäch m.: jähes, unaufhaltsames, rettungsloses 
Stürzen. In-ne' Gäj cho'. Der Gäj het-ne" uberno" 
BHa. (Zyro). 

Vgl. änhd. .die Gach'. Eile; Jähzorn. Viell. sind auch 
da« llahj das, die Gltja (s. gäch i) als Substantivbildungen 
aufzufassen. — Die concr. Bed. (steile Halde) erhalten in 
Gitzigäh, Name eines Grundstückes (Sulger). gleichsam an 
dem herum zu klettern den Ziegen zukommt. 

(iächi GLtw.; Z, Gä-i, Ge-i BHk.; GlK.; Gr 

f.: .lälilioit. I.Eile. Geschwindigkeit. Etw. nur i" 
der Gä-i machen BHk. .[Wir haben unseren Unter- 
suchungsrichtern befohlen, die Schuldigen alsbald ge- 
fangen zu nehmen.] So sy aber ein soliche anzal funden. 
dass also in einer gächi nit mit inen ze ylen gewissen 
[wäre].' 1532. Strickl. — 2. frühe Zeit {\g\. gäch :>) 
Es ist kei G. me, es ist nicht mehr zu früh. z. B. 
eine Schuld zu bezahlen Gl. — 3. Steilheit; comr. : 
steiler, abschüssiger Ort Gr. .Üljcr die hohinen mi.l 



m 



Gacli, ganch, ^ech, gicli, goch, gucli 



gehinen.' Kessl. ,[Ist] gäbe halb [schwierig zu er- 
steigen].' WüiisTisEN 1580. ,Daruf würt das gebirg syner 
gäbe halb ruber.' JJRüeöek 1606. ,Das Gebäude ist auf 
dem äussersten Rand einer abhängenden Gäbe oder 
Preciplce aufgeführt.' JJBreit. 1773, ,Die Gäben hin- 
unter.' ÜBrXgg. 179'2. — 4. Übereilung. Jähzorn. 
,Es soll niemann in einer gäbe tuen, das in nach dero 
gerüwen niög.' Zwingli. ,Der wyn machet den jungen 
lyb, der von im selbs zuo gäbi geneiget ist, wüetend.' 
ebd. ,Ihm was der Eidgenossen Gäche und Unbeharr- 
lichkeit wohl bekannt' Ansh. ,Dass ir mit guotem 
zytlichem Vorrat [Vorbedacht] in dheiner gäche, son- 
ders mit werlichem vorteil handlint.' 1531, Strickl. 
,B;tte sie dringlich, von irer gächi abzulassen und 
nicht aufzubrechen.' 1540, Absoh. ,Gähe und häftige 
des geniüets: impetus animi, incogitantia.' Mal. , Keiner 
ihrer Amtleute sollt kein Studenten on Erlaubniss 
des Rektors fahen. und wenn schon einer in gäbe ge- 
fangen, sollt er ihm zur stund überantwortet werden.' 
WuRSTisEN 1580. ,Weil die Römer gar nit pflegen, 
sich mit Gäcbbeit zu belegen [vorschnell zu handeln].' 
JCWeissenb. 1679. 

„Gächli»g m.: zum Jähzorn geneigter Men.seh." 
Syn. Gächuf. 

gäcbli"g Z, gälig GT.: 1. plötzlich; rasch, über- 
eilt, a) adj. I''' weusch-der hei' gächlige Tod, aber 
wenn 's -di"'' nW au''' ndm bis morn z' Abig. Wolf, 
Rel.-Gespr. ; vgl. (/äc7^ Gächlige" Tods sterbe" ^. ,Ein 
gächliger üfbruch.' 1531, Strickl. ,Wer sich Gott 
entgegenstellt, syn gächling urteil uf in fallt.' Rüef 
1550. ,Aus kriege entstehen gehlinge teurung.' HBüll. 
1597. ,Ein gehlinge enderung.' 1621, JJBreit. ,Ein 
gehelinger Platzregen.' 1763, Zo. Von Gemütsregung: 
,Ein gehlinge freud hat den Sophoclem ersteckt.' 
AKlingl. 1688. — b) adv. Z, mit besonderer adv. 
Form: gächlinge" Sch, gächlige L; S (tw. ge-); Z. 
gälige BG. (gäi-); SL.; U, gäliche Gr, gächligs GG.. 
z. B. sterben. Es ist-m'r g. i'Uj'falle'. G. chöiiime' 
drei Räuber us-em Holz tise z' schiesse [gestürzt]. 
ScHWizERn. Ds Wetter hed g. umg'kert. ebd. , Ge- 
lingen.' Lenz 1500. ,Gecblingon grosse fröd entpfän.' 
Zielt 15'24. ,Ach Gott, muoss ich so gächling schei- 
den'?' NMan. ,Gäcblich schiessend sy in.' 1548, Psalm; 
dafür ,sie scheussen ihn plötzlich.' 1667. .Wurde 
gachlig krank.' Vad. ,Gechlingen hinfallen.' Tierb. 
1563. ,Comprimere habenas cursus: im lauf gäch- 
lingen gston.' Fris. ,Etwann gat ein für hoch uf und 
erlöscht gächligen wider.' LLav. 1569; dafür 1670: 
,augenblicklich.- ,Starb geblingen.' JRüeger 1606. 
,Obnversehens und gähling.' JRHokmstr 1645. ,Was 
überfallt gächliger als der strick den vogeli" FWyss 
1655. ,Nox pr«cipitat, die nacht fallt gächling ein.' 
üenzl. 1677; 1716. Syn. wnverdächt; stützlingen. — 
2. steil GT. 

„Giich, Gak m. : Baumwanze, oiinex baccaruni BO.'' 
— Vgl. Gauch ; 0\u- ; O'iiji. 

,gaclllen, gichlen. kichlcn: kitteren, unzüchtig 
lachen, cachinnari.' Fris.; Mal. 

Ndl. gachelcn, also wolil entlehnt, da die lebende MA. 
nnr die Form tfigclen kennt. Über weitere Formen oder 
Vwdtschaften und ihre Hcrleitung aus Natiirlanten s. Gr. 
WB. 5, CGO ff. 

Gancll (bczw. Gü'ch, Gnich. Goch PI. Gänch). 
in GRVal. Gouche" — m.: 1. Tor, Narr B; FS.; W; 



ZscHOKKE 1797. En kindlicher [kindischer] 6?.; Syn. 
Gäuggel; LÖl; Torebueb; Lappi. Zuweilen auch nur 
als freundliche Schelte Aa; S; Syn. Närrsch; vgl. 
Imbiss-G. Riem [rühme] dr G., so [danach] tuet er 
oich W. E" G. i" si" SacJc si', sich dumm stellen, 
um Etw. zu erlangen, sich trotz scheinbarer Dumm- 
heit auf seinen Vorteil verstehn B. Vr G. het-ne 
[ihn] g'stoche", er bat unbedacht gebandelt, ebd.; vgl. 
Mugg; Gugger; Giiegi. ,Es mues Eine z' Gouche" 
werde", wenn-me-n-e' g'hört [vor Lachen über seine 
Spässe].' Id. B. ,fSich] zu-mene G. lache" (luege'J, 
sich krank oder todt lachen; über einen Anblick halb 
närrisch werden.' ebd. ,1 ivett e Gouch si, nondum ita 
mente captus sum [es fällt mir nicht ein].' ebd. ,Suech 
en andere G., der-der das tuet, stultorum plena sunt 
omnia, quoruin auxilium implorare possis.' ebd.; vgl. 
bliin. Bis doch ke G. u g'häb-dt''' [sei doch nicht 
so töricht zu jammern]: 's git ja der Meitli me .' 
GAKüHN 1819. Spec. der Geisteskranke F (Syn. Narr), 
Kretin W; vgl. Chropf-G.; Gaticher. , Rucher gouch.' 
Ar Krieg 1405 = rauber Gesell. ,I)er einfaltig Gauch.' 
ca 1510, SiMML. Urk. ,Es tuot uns göuchen gar wol, 
wenn unsere nainen uf dem buocbkrom ligend, glych 
als nesslen under den wolriechenden krütercn on 
zwyfel auch des [desto] stolzer sind.' Zwingli. ,Weil 
der Angeklagte ein G. und nicht bei Sinnen ist.' 1527, 
Absch. ,Ein rechter nar und g.' Ruef 1538. Anstatt 
der Edelleute, die der Kaiser gefangen zu haben be- 
haupte, möge er etwa einen ,G.' gefangen haben, der 
seines vermeinten Vorteils wegen mit Etwas prahle.' 
1544, Absch. ,Gauch oder narr, guli, blennus, fatuus. 
Heb dich du g. oder unwüssender.' Mal. ,Du g., fach 
du fry z'erst an bocbon!' Com. SBeati. , Diese an- 
decbtige Gäuche [die Flagellanten] zu sehen.' Wurst- 
isEN. In Fluchforineln des XVI.. XVII.: ,Das dich 
der ritt alls gouchen schüft!' Verlorn. Sohn 1.537. 
,Der ritt, alls gouchs! du bist voll wyn.' Joben-Spiel 
1585. Als Geschlechtsn. : , Jacob G. von Freiburg.' 
1532, Strickl. Name eines Hauses in Zürich XV., 
XVL; s. noch Gutz-G. und Gugger. Vgl. noch ,die 
gouchmatt', Titel eines Fastnachtspiels von Gengcn- 
bach 1516, welches die Diener der Venus als Narren 
darstellt, und Murner's .gouchmatt [Dichtung] zuo 
straf allen wybschen mannen.' 1519. — 2. die Haar- 
bekleidung junger Vögel, Flaum AABb.; TnTäg.; 
ZLunn. ; das erste Haar amKinn, Anflug von Bart 
Sch (Kirchh.); Z. Vgl. Gauchhär, -hart; Müs-bart. 
,Das haar wachst nit lenger dann g.' Vogelb. 1557. 
,Incipiens barba, der erst hart oder der g. Lanugine 
fuscante malas, wenn einem anfacht der hart wachsen 
oder der g. fürhin stechen.' Fris.; Mal. ,Du hast 
viel g. und wenig hart.' 1576, Antiq. Z Mitt. ,Flos, 
Gauch.' Denzl. 1677; 1716. ,Der (erst) gauch, das 
haar an der schäm, so den knaben bei den 14 jarcn 
alt, den meitlinen bei den 12 jaren wachst, pubes.' 
Mal. Von vegetabilischen Gebilden (oder = etwas 
Teufels, Guggers)'i: , Etliche sagend, er [der Meer- 
schaum] werde aus dem wuost, so im schäum wachset, 
etliche, aus lätt oder etwas gauchs, so im meer wachst.' 
Vogelb. 1557. — 3. Beeren-, Blattwanze, cimex 
baccarum ABBb.; Bs; SNA. Syn. Ghriesi-G.; Gäch; 
Gärjri: Gai ; Gax: Sfivl-;iitcgc. Gegen dieselbe gilt 
(In- S|iriirli: (Iniii^li. Gninli.' Ti'/fcl lauf! Chunnst-mer 
inilif. I'iifil niiiiiii-," liliiij: Aa. — 4. .Der Gauch. 
yaiulikiilrr. ist um yiüiiLT. stinkender käfer mit lang- 



Oacli, "ancli. ffCfl 



^och, glich 



j^atus, der schmutzig-iuetallgrün ist. 

Mild, govch, Kuckuck: Bastard; Tor, Narr. Die erstere 
Bed. (z.B. noch bei Ebinger 1438) lebt nur noch in der 
Zss. Gwj<j-, Gutz-G., sonst ist sie auf Gu<j<i<i- «bergegangen. 
Übrigens ist die Ursprünglichkeif diisir Hid. ui.lil nuirMii 
und lautliche Zsgehörigkeit von ,GaiHli- mit .Ku.I.ih I,- ((,;../.,../ 
erst durch zsgesetzte Formen wir '.h;//«.//, i, »,,;yiir //,, /n 
vermitteln, da Gauch durch seinen Liiiilithon;;' von Nu'li- 
ahniung des Naturlautes (s. Gvgyu) abweiclit. Eher i.st mit 
Annahme von Wechsel zwischen ch und / an mhd. gief, Tor, 
Narr (vgl. gnß, lautes Rufen und Wesen, Übermut usw.) 
oder an das gleichbed. giege und an gougel (auch Goukcl, 
Gmchel, Gr. WB. 4, 1, 1, 1554), närrisches Treiben, Schweiz. 
Gugel-fuer usw. zu denken. Die Bed. .Kuckuck' kann sich 
aus der von ,Narr' eben so gut entwickelt haben, wie um- 
gekehrt, da das seltsame Wesen des Vogels, welcher nach 
dem Volksglauben die Menschen neckt und betört, in beiden 
Richtungen als Mittelbegriff dienen konnte. Ans Bed. 1 
konnte 2 entspringen durch die im Mhd. lierrschende Ver- 
bindung der Vorstellungen ,dunim' (d. h. unerfahren) und 
,,iung', wobei freilich noch hinzugedacht werden niuss, dass 
der persönliche Begriff in den sachlichen umgesetzt wurde, 
indem für ,Jugeud' ein leibliches Merkmal derselben, Flaum, 
erster Bart usw., eintrat: oder G. meint hier das Neckische 
oder Unbedeutende; oder erinnert an den Wechsel dunkler 
und heller Stellen auf dem Gefieder des Vogels. Bed. 3 beruht 
d:irauf, (lass der Kuckuck als der Vater elbischen Gewürms galt, 
und dass Insekten aus dem .Kuckucksspeichel' hervorgehen. 

llilliiss- l„„s (An, X,,i,is- ((iTu.l -daurli. Cim- 
liiis-oich (!: \-swrhr..h,;A fiir iicu-irri- zudriii-- 
lich fragciulc Kiudcr; z.U.: Was ist das.' Eni. Xv: 
Z., biss-der [dir] d' Nasen ah! GTa. Gimm. und 'brätiii 
Nudle ü. Vgl. Immi- (Immis-, HimmiJ -gäugg ; -gös: 
-'jrügg. 

An der Identität des ersten W. in sämmtlichen Gestaltcu 
ist kaum zu zweifeln, ob es aber mit dem Bd I 23ß/8 be- 
handelten W. identisch sei, kann gefragt werden, da der 
Sinn des Comp, nicht klar ist. Bezöge sich das nengierige 
Fragen ursprünglich auf das Mittagessen, wie bei andern 
Abfertigungsformeln, so könnte Goneh in Bed. 3 gemeint 
sein, so dass das Leckermaul durch Hinweis auf etwas Ekel- 
haftes abgespeist würde (vgl. Immignigg und s. u. Kidah« 
Bd I 94), und dann würde sich auch der sonst auffallende 
Umlaut (als Plur.) erklären. Sonst niüsste (?. eben als Schelte 
i. S. V. 1 genommen werden. 

Gugg-(Gutz- Name eines Hauses in Zürich XVII.) 
Gauch GuggcVch ZSth., Guggüch Ücn (tw. Gugüch?); 
ZUhw., Gmjgoeli Tu (/-'), Guggicli AAEhr., Kling.; 
ZRafz, W., Guggech Name einer Häusergruppe bei 
Zürich (vgl. Guggechrüti, Flurn. ZPfung.): Kuckuck. 
1. der Vogel selbst. De-- G. riieft sni rhjuf X.niicn 
«s. SiiLGER. ,Der Guggauch.- l"':'.l 1-^. II. M"-., 'I.ilür 
,Kukuk.' 16(j7. ,üer gugüuch mit .svm ^ hu m murlit 
frölich jedermann.' B Lieder. Adam zum Kuckuck: 
,üyn gsang ist nit so herrlich hoch, darum sollt 
heissen guggouch.' Euep 1550. ,Cuculus, coccyx, ein 
gugger (gucker) oder guggauch (guckauch).' Fkis. ; 
M.1L.; Denzl. 1677; 1716 (auch .Guckgauch'). .Gug- 
gauch.' HEEsoHER 1692. ,Dardurch man dann viel- 
malen dem Guckgauch zuspricht, was der Nachtigalen 
zugehört.' Hebt. 1658. - 2. i. S. v. Teufel (s. u 
Gugger). 

Eig. Guijg-giiiirh, dn .,i/./;/f /i den Knf des Voirels bezeichnet. 
Über das efyni"!. V.'iii;iltni^^ /n A. n, -jvu.Oinli.-licn Nauiei 
desselben, 6'«;;.;" iihl,,ii ',,.-,.,.,1. -, ^M.. a.. .mrli das Sach' 
liehe des V..il<s-hMil.rii. hrti-, .Im Nn-rl /-ltsI..!». ist. - 



ziiiiäihst aus .guckzen', wie ,blitzen' aus ,blickzen'. Betr. 
das Lautliche sind die fortschreitenden Abschwächnngen od. 
Verdünnungen des Voc. der zweiten Silbe bemerkenswert. 
Zu Guggich wird auch Guggübcrg B gehören. 

Guggauche Guggöche f.: Anemone, als Frühlings- 
bhiiiir ::leichzeitigniitdem Kuf des Kuckucks TaSteckb. 
Syu, (liiiiijHhluem. S. auch Guggüche unter Gugg-. 

Kirsi Chriesi-Gaiteh Ap; Th; Z, -Gueh GWe. = 
Gauch S, so genannt, weil das Insekt bes. auf Kirsch- 
bäumen vorkommt. Syn. Chrmi-gagger ; Gaclilinger- 
Stinker. Als Schimpfwort: ,Du (ihriesigancli.- Com. 
Beati. — Kropf-: der mit Kropf bclud'tetc Tor. 
Kretin W. 

Spi-Güch: scherzh. Sohelto auf ein kleines ma- 
geres Bürschchen ScnStdt. 

Wenn im ersten W. ,speien' (spien) steckt, mit Ver- 
kürzung des Voc, resp. mit dem kurzen Voc. des mhd. Prät. 
PI. und Ptc, so wäre das Ganze ein Ausdruck des Ekels 
oder der Verächtlichkeit = der An- oder der Ausgespieeue 
(vgl. Kuckucksspeichel und das mit obigem W. ungetiihr 
syn. S2KU7:). Lautlich möglich wäre auch die Erklärung von 
Sp%- aus Spinn-; unser Comp, könnte wie Spinnmuijg die Spinne 
bed. und diese gilt als Bild der Magerkeit (vgl. Hpinncnd'ann, 
-dürr, -mager). Vgl. noch Spägi. 

gauch (loch BBc: 1. _gcckisch Z", albcni. ein- 
fältig Gr; U. G.lnsl-dr! l'.O. i<yu. ,i,ni,ln,rhl l,/. ;,,,„- 
chhch, r/aucldirli. ]hi hisl </. ifiiiini. das :' luv" 1! 
ikaiiu lUU'I, Siibst. srin. wir Xan-'s ,j',inr,,). Tnvcr- 
>(aii.li- -irli hnirlimrinl. mil r.itlni. Wriiini B. ,8i 
u:liv,„l «rrlirh iwallllirll] u-orh.- Al' Krire- M0.^. - - 

■J. Harris. li \riliel,t und drm-.aiiass sich kindisch 
-rlHTdnal l'a).: W. /;/( ,/„/„■/„■ I.uppi „BO.;" GiiV. 
(i.nl, II,, I ,11,. liruiidlirli. /aiilirh IllJo. „Syn. gaucli- 
lisch B.- — M. kurius, komisch, drollig BMcir.; 
GRPr. Es g-s Mannli. — 4. starr vor Kälte F. 
Vgl. ergauchen. 

Der adj. Gebranch, der auch im ä.Nhd. vorkommt, kann 
auf dem in der Anm. zu Gaueh angegebenen Wege erklärt 
werden; es gibt aber schon mhd. WW., welche Subst. und 
Adj. zugleich sind, z. B. glmiz; vgl. nhd. .schmuck' u. a. - 
Bed. 1 u. 3 sind durch den Begriff ,seltsam' zu vermitteln: 
vgl. arig, artig. — Bed. 4 muss mit 1 etwa durch den Be- 
griff ,stumpfsinnig' vermittelt werden. 

gauchachtig: 1. tijricht BSi. -- 2. .Lanuginnsus 
(flaumig).' Mal. Zu Gauch 3. 

Gäuchel m.: Verkleinerung und zuglcicli Ver- 
gröberung von Gauch ]. Du G. du! Gorrn. — Vgl. 
Gauchh, OäueJdi»,/. 

Gauche(n) f.: nur noch als Ortsn. G uT. - Vgl. 

Guggauche. 

gauche(n), gäuche(n): 1. intr. a) ,.'/'("-. im- 
gereimte Dinge sagen oder tun Z." — b) gäu-, go-. 
gaukeln Ap; Gl; GRh. Zaubern. Sulger fgau-J. Syn. 
gäuglen(?). — 2. trans. „(gau-J betören, überli.stcn. 
bes. in Liebesangelegenheiten W." Vgl. gmiken. Zum 
Besten halten, z. B. durch Auferlegung einer unnötigen 
Arbeit Id. B. ,Die sich die wyb stets göuchcn hin.' 
Genoenb. gm. — 3. refl. (gäu-; nur in ZBenk. aucli 
gau-). a) sich närrisch lustig geberden. V Narre" 
gäuched-si'''. Sulger. Losed, wie si''' d' N. g-d! ZVVI., 
Wyla. ,Es gibt gut {andei- ZBenk.) Wetter: die Narren 
gäuchen sich.' Sprww. 1824. Wenn si"'' d' N. g.. gil '■-■ 
schön W. ZWl. ,Stultitiam fingere, ineptire, tuon wie 
ein narr, sich torlich anlassen und lätz stellen, sieb 
a-öuchen.' Fris. ; Mal. .Fatuari, närrisch tun. sieh 



107 



Gach. ganch. gech, gich, gncli. gnch 



108 



gauchen.' Denzl. 1677; 1716. Syn. sich foppen. — 
h) sich über Jmd lustig machen, spotten. ,Here, facis 
delicias, du göuchst dich, du spottest meinen.' Fris.; 
Mal. — c) sich sträuben, zieren. .Delicias facere. 
sich etwar mit göuchen, ze tu hoflich und ze ver- 
zwunzen wollen sein, sich eines dings wcren und lassen 
bitten, das er aber gern wollt.' Fris.; Mal. — d) sich 
selbst täuschen. ,Zwinglin hätte sich auch [da-]mit 
gäucht.' 15'26. Beitr. 1741. — e) sich an einer Arbeit 
erlustigen, aber auch ersättigen ZWl. — f) sich 
erkühnen ScuSchl. — g) sich packen, scheren Ap. 
— i' h) unpersönl., gelüsten. Loss-di'^' nüd g.! Ap. 
Mhd. gouchen, narren, äffen. — Bed. 1 b spricht für 
Vwdtschaft (oder teilweise Yermischung?) mit ,gaukeln' im 
S. V. närrische Geberdeu machen, was auch auf Zauberei 
passt, wenn man an dieselbe nicht glaubt. 3 c meint wohl 
wieder närrische Geberden, welche zu jenem Zwecke gemacht 
werden. .3 e könnte zu a gezogen werden, wenn nicht der 
Begriff der Sättigung hinzuträte; Tgl. sich (ge)nieten, sich 
hefleissen, erfreuen, ersättigen; überdrüssig aufgeben, f ist 
Tiell. nur ein hoher Grad von a (übermütige Lust), h wird 
auf der Yorstellung beruhen, dass Lust und Gelüsten den 
Sinn leicht betört, g wird von Gr. WB. 4, 1, 1, 1533 als 
ein anderes W. angesetzt, nämlich jauchen', fortjagen, was 
sonst bei uns Jäukeu lautet; doch lässt es sich auch aus d 
oder e erklären, wenn man annimmt, dass die Entfernung aus 
Überdruss od. beschämender Enttäuschung erfolge, ch könnte 
für k stehen wie umgek. i- für ch in bern. yäuken (s. 2); 
aber g und / im Anlaut, wenigstens vor vollen A'ocalen, 
wechseln sonst in unserer Sprache nicht. 

er-gauchen: 1. intr. a) „steif, starr werden. 
z. B. vor Kälte. Die Finger sind mir ergauchet B." 
Syn. den Narr in den Fingeren haben. Vgl. gauch 4. 
— b) verrückt (zum Narren) werden. Er ist an 
im ganz ergaucht (in ihn vernarrt). — 2. refl. a) den 
Narren treiben Bs (Spreng, gau-); sich recht lustig 
machen, in Gesellschaft ZZoll.; mit (an) Jmdm oder 
Etwas Spass treiben ZW., Wang. Syn. Gugelfuer 
triben. ,Ludos facere, fatuari, den narren treiben, 
sieh mit eim ergöuchen und kurzweilen, fatzen, ver- 
spotten.' Fris.; Mal. — b) „sich überessen, einen 
Ekel essen Ap; Gl; GEh."- „S. ergöchen, überdrüssig 
werden GRSax.;" St." Vgl. gäuchen 3 c und rer- 
gaucht 3. 

Mhd. ergöuchen, närrisch werden; zum Toren machen, 
betören. So bei Boner: ,Ere guot sitten wandlen kau; si 
ergouchet frouwen unde man.' 

ergäuchlich: .eifceminate, verzagt,' Fris.; Mal. 

Der Begriff ,verzärtelt, verweichlicht' ist mit dem von 
,närrisch verliebt' und ,ekel im Essen' zu vermitteln. 

ver-gauchen: 1, „verrückt werden. Ich bin 
schier vergaucht GRDoml." — 2. den Mutwillen aus- 
toben. Händ-er [habt ihr] bald vergauchet? ZBauma. 
— Abi. vergäuken. 

vergaucht („auch -ä«"): 1. lustig, rautwillig bis 
zum Übermut, , üppig', von Kindern GlH. — 2. när- 
risch, spasshaft. sclialkhaft Gl. Syn. gauchlig; Gäuch- 
ling. — 3. wählerisch im Essen, leckerhaft Gl. Syn. 
seltsen; chiig; Gäuchling. Vergauchte'' Lecker kann 
auch einen Pfiffikus bezeichnen; vgl. Leckersbueb. 

Bed. 3 wird auf den zu gituchen S e, g gemachten Be- 
merkungen beruhen. 

„Gaucher, Gauchi m.: halb verrückter Mensch 
GRDoml." — Vgl. Gauch, Geisteskranker. 

„Gaucheri f.: Geckerei Z." St.' ,Geuchery' = 
Torheit. Gengenb. Gauchm. .Derglychen gijucheryen.' 



Zwingli 1527. ,Es [die Messe und andere Ceremonien] 
ist gouehery.' 1532, Absch. ,Man wellt uns gern etwa."; 
nüws uf-en hals pflanzen, aber gond syn müessig, es 
ist g.' ebd. .Schöne Litteratur. wenn man mit Gau- 
cherei und Narrenwerk umgeht!' 1555, HBi'll. — 
Mhd. göucherie, Narrheit. 

„gaucherisch: närrisch Z." St." 

Gauchhafti f.: Torheit, läppischer Mutwille. 
Der Buob (die Maidja) tiwt r»r G. recht bockulii' W. 

Gauchheit f.: Torheit, kindisch spielendes We- 
sen B. Als Ortsn. in BG.. Köniz (Gauheit). 

Gäuchi f.: Torheit B. — Hunds-: Brunst. 
Scherzh. übertr., Periode, wo man durchaus heiraten 
möchte U Gesch. Alp. Vgl. Gauchlichi. 

„gauchisch", gäuchisch: 1. ^ gauch 1." ,Diss 
göuchisch gschlecht [der Menschen].' Gengenb. Gauchra. 
,0b sie noch an die gäuchische Mess und andere Cere- 
monien glaubten.' 1529, Beitr. 1742. ,Ineptus, unge- 
schickt, lätz, göuchisch, läppisch.' Fris.; Mal. 

Gauchle, Gäuchle, „-ö- W" — {.: Närrin B; W. 
Die hoffartig G., ausgelassenes, mutwilliges Mädchen 
B. D' Liebi, die Gäuchle, füert Eine", wo sie will. 
B Hink. B. 1820 (angeblich aus einem Liede). 

gäuchlich: töricht, von Personen und Sachen W. 
.Si stalltend sich gar gouchlich , erbrachend sich 
Quahlten] gar hoch und fast' ÄgTschudi. — Gauch- 
lichi f.: Torheit, Mannstollheit W. lez heint d's 
Mannuvolch guet Sach z' wlbW; denn d's Wtbuvolch 
cha'* die Goichlichi nit verlribW; d's Wlbuvolchsch G. 
ist nit z' ermessu", Susi täti d' Wittwe' d' Männer 
nit so schnell vergessw. Narrenspruch. 

Gäuchling m.: 1. mutwilliger Mensch, über- 
mütiger Bursche; Spassvogel, Schalk Gl. — 2. Einer, 
der im Essen wählerisch ist Gl. Syn. vergaucht. 

gauch lisch = gauch 1. 

Gimrais-Geich s. Imbiss-Gaiich. 

gichle(ll): lachen. .Garrire, schwätzen, plodercn. 
guderschen. klapperen, gychlen. Cachinnum tollere, 
überlaut lachen, anheben laut gichlen.- Fris.; Mal. 
.Gichlen oder gachlen, ein unzüchtigs glächter, ca- 
chinnus.' Mal. ,Gichlen, cachinnari.' Denzl. 1G77; 
1716. ,Wann, indem Gott andere Völker zur straf har- 
genommen, wir underdessen nur gichlet und glachet.' 
JMiiLL. 1665. 

G i c h 1 e r m. : Lacher. ,Petulans, ein grosser lacher 
oder g., der über alle mäss lachet.' Fris. .Cachinno. 
G., Lachnarr.' Denzl. 1677; 1716. 

Nahe an mhd. gickeln, vor Affekt zittern, zucken ; auch : 
hohnlachen. Vgl. die syn. Lautnachahmungen gachlen, gigehn, 
gitjemi und nhd. .kichern', welches aber, trotz seines härtern 
Anlautes und der Bildung mit r statt /, zwar ein heftiges, 
doch leiseres Lachen bedeutet. 

Goch I: verhüllende Form für ,Gott' in den Be- 
teurungen bi G.! wärli''' Goch(li)! ScnwE., Ma. 

Goch n s. Gauch, gauch. göchen, Gilchle 
s. gauchen, Gauchle. 

Guelie» f.: Blashorn GrD.. Pr. 

Sachlich am Nächsten steht Güge, aber ih kann nidit 
aus g erklärt werden und weist zunächst auf Vwdtschaft mit 
Guchle', für welches freilich in ApI. Güge gilt. 

güchlen: ins Hörn stossen Ap. Jägerspr. 



109 



-guch. 



Siichs. (iaclit— glicht 



110 



Guchle" f.: 1. kloiiie Kahre. welche statt des 
Spundes ins Fass gotiicheii wird, damit der ijährende 
Wein nicht Schaden verursache Ar; Tu (]Viii-(r.). 
Sy\]. Spiicle. — 2. viereckige hölzerne Kinne, diircli 
welche Obst in den Trichter der Mülile geschüttet 
wird; auch eine ebenso geformte Rinne in Abtritten. 
Dim. Gilcheli ApK. Vgl. Gächt, Güchtk'; Gwje; 
Gäwjgeli. ,Das Abwasser aus dem Brunnen mittelst 
der im Brunnenbett bestehenden sog. G. in Teucheln 
abführen.' 1860, G. — Das W. scheint, wie Gnchc, Nach- 
uhnuiug des Gurgelus. 

Gncliel It HScniNz 1842 = Kotdrossel. Syn. Jich- 
cugd. 



geuchse(n) s. (jünnen. 
Heu-tiöchsli n.: Eidechse AaZc 
Guchs, guchsen s. Gux. 



(Jacht f.: Name von Bergschluchteu Ai-; GT. Eine 
Stei'-G. in ApI. — Scheint zu (ßck, steil, zu gehören, 
vgl. Auni. zu Giht. 

Gicht I f.: Bekenntniss, Geständniss. .Begert da- 
von g. oder lougnung.' 1438, L. — Mhd. yihi. 

Ur- (n. beiBrägg.): dass., bes. Aussage eines .An- 
geklagten. .Werde nächstens Etw. vom U. hersetzen.' 
UBrägg. 1788. Dass Dieses oder Jenes nicht im U. 
stehe, ebd. ,Tu rechnung und urg. von deiner Wandel- 
fahrt.' RMev. 1050. 

Ver- (auch -Jicht): 1. , Bekenntniss, vorzüglich 
eines Gefangenen, der inquiriert wird ; auch das Ver- 
hiir, welches zum Geständniss führen soll B; Gl; Z." 
Vgl. gieh,t(ig)en. ,Nun beger ich ein v. von im, dass 
er selb Sprech mit eigner stimm ja oder nein.' NMan. 
.Man wott in henken, do leugnet er synen v. an der 
leiter.' Salat. ,Bycht, confessio, vergycht (-gicht). 
Zuo der v. und marter mit gewalt treiben, ad quse- 
stionem abripere, vel in cruciatum.' Mal. ,Jetz will 
ich nun an syn v. [Verhör] kurz melden, was er hat 
verriebt mit synen fulem schryben.' 1576, Z Neuj. A. 
,Der lang Peter, welcher nit lang darnach zu Bern 
geredert worden und under andren vorjichten auch 
bekannt [usw.].' FPlatt. 1612. ,Aus wichtigen Ur- 
sachen, so die verjüchten mitbringen.' 1653. AHedsl. 
1854. .Dieweil man mehr auf das gehe, ob sie sich 
dem bösen Geist ergeben haben, als auf andere ihre 
Vergicht.' Hf,it. 1658. .Klag, Antwort, Beweisung. 
V., Urteil und den ganzen Process.' Wurstisen. Übh. 
förmliche Aussage, Zusage, Ver-, Zusicherung. ,Ein 
ganz luter sün [aufrichtige SühneJ und veriecht [Ver- 
zicht].' 1353, Ar«. ,Uns und unseren nachkommen zuo 
einer v. der vorgeschribenen dingen.' 1370, Pfaffenbr. 
.Der Herr bestätiget sein gestrige v.' FWyss 1650. 
— '2. „Schuldbrief W." Schriftliclie Erklärung und 
Anerkennung eines Schuldverhältnisses, versichert auf 
Grundstücken. 

Mhd. vergiht f.. Aussage, Bekenntniss. Von vei-ßhen. 
Hie Form mit / seltener und weniger gut als die mit <j. 
,Verjikht' entstellt oder verschrieben. 

ver-gichten: bekennen. .Ich N. N. vergichte. 
dass . . .' 1428, Gfo. 



gichte(n) (früher aiicli) .jiehten; ..yie- LE.- 
eine Person ausforschen, iliirdi eimliingliches Fragen 
zu einem (iestiindniss zu bringen suclien oder nötigen 
!!(•. (Ilk.i; l.lv: inslics. gerichtlich, peinlich verhören, 
mit .Anwi'mluiig der Folter, foltern. Syn. gichtigen. 
Abi. Gichter; Gichtimg. ,Ein Ammann und die Sechzig 
söllent vollen gwalt han, wen sy argwenig [im Ver- 
dacht] haben, zuo fragen, zu gychten oder zu fachen.' 
1416,1544, ScHW LB. .Wenn wir ein schedlichen mann 
in gefengnisse haben und wir zwen der reten zue im 
schicken in ze gichten, was euch die von im hören, 
das er vergichtig ist, das sont die zwen reden by ir 
eide.' 1419. L Ratsb. ,Wann man die armen lüt 
gichtet, soUent die knechte den herren nützit daryn 
reden.' 1510, S Wochonbl. ,Der Graf mag mutwillige 
Leute gefangen legen. Wenn sich aber der Handel 
als maletizisch herausstellt, soll er dieselben weder g. 
noch martern, sondern den Amtleuten von Bern über- 
antworten.' 1539, Absoh. ,7 fl. der na''''richter, diewyl 
man N. N. jichtet' 1539, ZGrün. Amtsrechn. ,Equu- 
leus, ein instrument, das man die leut ze g. braucht. 
Quaistionem adhibere, einen ans folterseil schlahen, 
oder g. und folteren.' Fris.; Mal. ,G., folteren, pei- 
nigen, torquere, excruciare.' Red. 1662. 

Mhd. gihteii, bekennen; zum Bekenntniss bringen. Die 
Ausspr. von LE. zeigt die Möglichkeit der Entstehung von 
te aus » wie bei Gicht IV, V und bei ijichtiy (s. dd.). 

, Gichter m. : folterer, scherg, scliolderer, henker, 
tortor.' Fris.; Mal. 

gichtig, j-: 1. activ. von Personen; a) .geständig, 
von einem Verbrecher Z." .Mit den rechten g. ma- 
chen', durch Process zur Anerkennung bringen. 1432, 
Z«. .Das er nit jechtig will syn.' 1514, Gfo. ,Es ist 
ihm auch fürgehalten, ob er sollicher red geständig 
sye; sagt er nein, er sye dess nit g.' 1526, JvMüll. 
,Üb sy vermein, etwas rechts [Rechtsansprüche] an 
in ze haben, solle sy in lut der ])ünden [kraft der in 
den Bünden enthaltenen Verpflichtungen] g. machen.' 
1532, Strickl. .Die schulden bekennen und deren g. 
sein, protiteri as alienum.' Mal. , [Beide Weibel wur- 
den zu dem Knaben geschickt, ihn zu fragen:] ob er 
das Agtli g. war oder nit. Da war der Kn. g.. dass 
er's gnommen hätt und ein bschlagen gürtel uf die e 
gen [als Pfand].' 1558, MEsterm. Rick. .Einanderen 
g. syn', bekennen, dass das Gerede der Leute be- 
gründet sei, dass man einander zu ehelichen begehre. 
XVI., Z Ordn. .Wenn es sich begebe, dass zwei per- 
sonen mit einanderen von der ehe geredt habent und 
der werten nit g. oder kanntlich sein wollten.' 16'22, 
GrAv. Landr. .Dass Jörg Abegg den Hans Job um 
die ansprach, so er dem KBüeler an Job verzeigt [auf 
J. als Schuldner angewiesen habe], richtig, g. und 
bekanntlich machen, ime Büeler aber andere mittel 
verzeigen und geben solle.' 1648. Schw Ratsb. .Es 
soll Abegg dem Benouwer den bewüssten Pauren 
innerthalb 27 Tagen g. und richtig an die Hand geben, 
wo nit er. Abegg. sein [des Ben.] Zaler sein solle.' 
ebd. .Er Hess einen jeden Hausvater antworten, ob 
er in Allem mit Jedermann r. und g.. dass er mit 
Niemand gefahre in Streit zu kommen.' HPest. 1787. 
.G. sein' auch bloss = sich bei einer Aussage behaften 
lassen, dazu stehn. eine Aussage verbürgen: .Sie 
schätzten, sie hätten erschlagen wol 4000. doch woll- 
ten sie über 1000 nit g. sein.' VALTsenrni 1533. - 



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üaclit. geeilt, giclif. goclit, gncht 



b) einverstanden, zugeständig. .Und sind dannc 
die Fürsprechen der Urteilden enandern niclit g.' 1348. 
Z Ratserk. ,Dass der Apt kiesen möge einen richtcr 
umb die hochen gericht und über das bluot ze richten, 
als im des die tallüte g. sint; de.sglych von der kleinen 
gerichten wegen einen, talmann und nit einen frömden, 
sidcr er des ouch g. ist. setzen mag.' 1444. Gfr. 33, 92. 
.Wäre man um Lidlohn streitig und nit g.' L Stadtr. 
1706/65. — '-'.passiv, von Sachen: eingestanden, zu- 
gegeben, nicht bestritten, anerkannt. G. Schuld = eine 
solche, deren Einforderung der Schuldner täglich ge- 
wärtig sein muss, ohne Abzahlungstermine, z. B. von 
Handschriften, welche auf die erste Betreibung zahlbar 
sind, laufende Schulden an Handwerker usf. BHk.f 
Gegs. un-g. .Dass niemand kein zins oder laufende 
schuld verkaufen solle, änderst dann sein eigne oder 
g-e gwalt habende selbstgemachte schuld.' Ap LB. 
1585/1828. ,So jemand ein g-e schuld, so im güetlich 
nit bsalt würd, nach zwingsrecht beziehen will, so 
soll der undervogt den Schuldner pfänden.- 1562. LEick. 
Twingsr. ,Wo einer einem ein j - e redliche schuld 
schuldig were und nit zu bezalen hette.' 1607, Ztschr. 
f. Schwz. R. .Dass des Herrn Jörgen antwurt uf die 
g-en artikel beschuhen.- 1522, Simml. Urk. .üb die 
VOrte schuldig seien, den neugläubigen Glarnern über 
eine g-e Sache des Rechten zu sein.' 1561, Absch. 
,Giechtig Zins mag einer dem andern an dem Abend 
verkünden.' AWild 1883. 

Mhd. yihtu; in Bed. l a und '2. — 1 b kiiuu auch auf a 
zurückgeführt werden. In der Reimforme! ,g. und richtig' 
ist das letztere W. vom sachlichen Gebiet auf das persön- 
liche übertragen. Über ie s. Auni. zu ykhteii. ,Jechtig' ist 
direkt vun jehm gebildet. 

an-gichtig = (/. .Desselben [Versprechens] wäre 
er inen noch a.' 1465. Gpr. 22. 305. — un-: 1. von 
einer Schuld, bei welcher mehrere Zahlungstermine 
einbedungen sind, oder einer solchen, die bei richtiger 
Verzinsung nicht eingefordert werden kann, z.B. Pfand- 
briefe BHk.f .Wegen u-er (streitiger) Schulden.' 15'28. 
Absch. .Unbekanntlich oder u-e Schulden, um welche 
der Schuldner das Recht dargeschlagen.' 1670. Ztschr. 
f. Schwz. R. — 2. von einer Ehe. welche nicht von 
beiden Teilen als gelobt oder vollzogen anerkannt 
wird. Vgl. , einander der Ehe gichtig sein.' .Der den 
andern einer u-en ehe anspricht.' ZeHün. Ges. — 
ver-: 1. = gichtig 1 a. ,Diser artiklen sind beid teil 
einanderen in ofinem gricht v. gewesen und band 
versprochen, daby zu bliben.' 1423/1503, Aa Weist. 
,Si wnl-dent v. der unmenschlichen ketzeri und als 
ketzer all an eini füwre verbrennt.- Schilling. — 
2. = gichtig 2. .Der Schuldner mag umb v. geltschuld 
dem gelten ein pfand geben.' 1404, Ztschr, f, Schwz. K. 

— ge- = gichtig ä. .Niemand soll den andern ver- 
haften dann allein umb g. geltschuld.- 1406, Absch. 

— miss-: 1. Gegs. zu gichtig 1 a. ,Aber der andern 
dryer viertlen was sy m. und abred.- 1434, L Urk, 
, Wurde aber die person beklagt von sachen wggen. 
deren sy nit in, oder der sy uberzugt wurde,' 1457/1520, 
BsRq. — 2. = ungichtig, Gegs. 7.u gichtig 2. .Welcher 
umb m. Sachen und schulde pfand nirarnet, der soll 
das pfand wider keren und darzuo das buossen,- 1404, 
Ztschr. f. Schwz. R. 

gichtigen = gichten. .Den Geschworncn ist ge- 
stattet, Gefangene zu yechtigen oder g,, d. i.. bevor 
sie solche auf Luzern senden, über ihr Verbrechen, 



jedoch nur schlechthin und gar nicht peinlich, anzu- 
fragen, da dann ein solches Examen zugleich in die 
Stadt geschickt wird.- JXSchnyd. 1782. .Dass die 
Weibel die Gefangenen, bis sie malefizisch bekennen, 
foltern oder g. sollen.' 1578. Absch. .N. N. soll mit 
dem seil gegichtiget werden wegen grossen argwohiis.- 
1529, Strickl. .Und mögent ouch sölich personen 
bifangen. turnen, pynlichen fragen und g.' 1532. ebd. 
.Die zwen, so gefangen, sollen nach notturft gegichtigt 
werden, bis der grund und die warheit von inen kompt.- 
1536, ScH Raisprot, .Quffistione accipere servos, ze g. 
oder ze folteren annemmen,' Fris, ,Da hat man einen 
in der gefangenschaft gehabt und gejichtiget oder, wie 
man spricht, gefoltert.' 1580, SchwE, Klosterarch, 
,Ein nachrichter, so den gefangnen armen menschen 
gichtige,' XVL, MEsterm. 1875.' 

Mhd. gültigen. Nicht abgel. von 'juhtitj, sondern vuu 
tjichten. In GrD. LB. auch .ichtigeu', 

er-: durch Zeugenaussage feststellen lassen, ,Da- 
her möchten sie semHche güeter und anstöss [Marken] 
widerumb ernüweren und e.- GBuchs Jahrztb. 1540. 

Giehtung. -igung f.: 1. Zusicherung. .Es sye 
ir beger. dass si [die Luzerner] inen [den Bernern 
und Zürchern] g. geben, ob si gedachten Murner uf 
disen tag stellen wöllent oder nit.- 1529, Abscu. — 
•2, peinliche Untersuchung, ,Ime ersatzung und 
ergetzung syner gefangenschaft, pynlicher g., ouch 
verlursts ze tuend.- 1531, Abscb. .Gichtigung.' 1534, 
ebd, ,Tormentum, qusestio, g., folterung, richtliche 
verhörung und nachfrag eines maleflcischen handeis.' 
Fris.; Mal. — Un-: Nichtanerkennung, Bestreitung. 
,So der Schuldner nit gichtig syn will, soll er dem 
ratschryber ein"" haller geben der u,' Z Gerichtsb, 1553, 

Gicht II: ,G,. raden, schabab. melanthium.- Mal. 

.Molanthium", jetzt nigella, Schwarzkümmel, und lychnis 
githago, Licht-, Kornnelke, haben Veruienguug erlitten ; s. Bd I 
313 0, — Unser W. viell. umgedeutet aus dem alten botanischen 
Namen ,gith = StKatharinenrädlein', s. Taberuseraoutaniis 
1664, 183 u. 678. Oder, worauf das Syn. ,Schabab' deutet, 
aus (licht III = Weggang zu erklären. 

Gicht in f.: Gang. Nur in: Sunn-: Sonnen- 
wende, aber häufig in chronologischen Angaben, mei- 
stens formelhaft verbunden mit ,St Johannes Tag'. 
.StJohannes abend zuo s.' 1292, Urk. ,Morndess nach 
StJoh. dult [Fest] zuo s-en.- 1326, Urk, ,Solstitiuin, 
sonngichten oder sonnwende, d. i. der kürzest und der 
lengst tag des jars,- Fris,; Mal. 

Mhd. Sunm-, Smigiht. Der Plur. wohl nach Analogie 
der zu Zeitbestimmungen gebrauchten christlichen Festuairiun 
in (wirklicher oder scheinbarer) Plur.-Form ,Wihuachten. 
Ostern, Pfingsten', 

Gicht IV, Giecht n.: gefrorner Nebel, der sicli 
an Körper, besonders Bäume, angesetzt hat, Rauhreif 
AAReinach; BO.; F. Syn. Duft \i. s. Anm. — Nebel-: 
dass. BHk. — Bise"-: dass. B6.: Uw (mit Bezug auf 
den die Erscheinung begleitenden kalten Wind, Bise). 

Das W. gehört offenbar mit seinem Syn. Bicht auch 
etymol. zusammen, gerade wie die andern Synn. Kid,- und 
Pick einander entsprechen. Da die letztem WW. sieb als 
blosse Verderbnisse aus G'hick und B'hick erweisen und da 
ein anderes Syn., Jäch, neben dieser einfachen Form auch 
als G'Jävh auftritt, so stehen wir nicht an, auch 6'tt7i( und 
Bicht als urspr. mit den PräfF. </c und be gebildet zu er- 
klären, wobei allerdings zugestanden werden muss, dass diese 
Etymologie eigentlich die Ausspr. kiirht und piccht verlangt. 



Hie die Torliegeniieii Synn. betreffeuJeu Laiitschwankiingeu 
uud Verderbnisse aber sind keineswegs vereinzelt (mehr Bei- 
spiele unter G-, K- und Ji-, /'-) und lassen sich (wie die 
Ausweichungen (Hecht, Blecht, Bick und Kitt) in Fällen von 
so sehr verdunkelter Etymologie leicht begreifen. Übrigens 
hangen, angenommen, dass bei (!Uht und Biiht die Nbf. mit 
ii: eine blosse durch ch erzeugte Lautvariante, und dass ( 
wie in unzähligen Fällen (vgl. Halich-t usw.) bloss zufällig 
angefügt sei (wozu die homonymen Oicht I—IIJ, V mit 
ihrem echten ( mögen mitgewirkt liaben), oder dass mit ( 
eine CoUectivbilduug (mhd. -wie) beabsichtigt war, alle hier 
erwähnten Synn. möglicherweise unter einander zusammen. 
Der Abstand des auslautenden ck von >/i kann wie in zahl- 
reichen anderen Fällen durch Ableitungselemente bewirkt 
sein. Ernstliche Schwierigkeit macht also bloss die Ver- 
schiedenheit des Anlautes (G'jäch; (rieht; G'hiek); doch 
lassen sich j und t leicht vermitteln; auch h wechselt, wie- 
wohl selten, mity (johlen': hvle) oder tritt häufig unorganisch 
vor [Hihtche, Hißleudg].). Erhellt somit die Möglichkeit, dass 
der ursprüngliche Anlautj resp. i sei, so gewinnen wir An- 
knüpfung unserer sonst ganz vereinzelten WW. an ags. ijU--el, 
Eiszapfen, aita. jäk-ull, Gletscher (i'ö zunächst «-Umlaut von 
in. dieses aus i oder e gebrochen). 

(iicht V. Giccht Bs; B-, F; S n.: 1. Entzüii- 
duiii,'. entzündeter, eiternder Zustand einer Wunde 
Bs; B; „LE.;" W. Es ist eil G. i» der Wunde. Das 
Salb [diese Salbe] vertrlbt 's G. BSi. Bs Giccht 
chunnt dfi". Gotth. Auch bildl. : Erbitterung, Hass, 
Zorn, Feindschaft (vgl. ,Gift'). .Es war G. in der 
Wechselrede.' Gotth. ,Wenn so etwas schriftlich werde, 
so werde das G. immer grosser.' ebd. S. noch giechtig. 
— 2. „fliegendes Übel;" Gliedersucht Bs; B; Gl. 
.Gieeht : Gicht.' Si-reng. Es het-mer 's G. i" d' Scheihi 
[Sehenkel] 'bracht. Schwizerd. — 3. a) schwach con- 
vulsiver Zustand mit Bewusstlosigkeit; Epilepsie 
.\i'; GT. Er hed e Gicht an-em [ihm, sich], ist der 
Epilepsie unterworfen. In es G. falle, einen epilep- 
tischen .\nfall bekommen. Es irürgt und tvelzt-e" 
[ihn] tvie im G. JJRütl. 18'23. - b) Flur. G-er Aa; 
Ap; Bs (auch dem. G-li) Gl; G; S; Uw; W; Z, G-i 
A.\; BSi.; F; S. Giichteui (PI. des Demin.) BG., Gich- 
tene' (PI. ei!l^^ h'^^iu. ■(iidili) Gl, Krämpfe, Zuckungen, 
bes. kleiner Kiinlrv. ilirh muh schwacher Erwachsener. 
Syn. Chindenui : J-'nishili. Freissavi. '■Die innere", 
innerlige' oder stille" (.\p). trucke'de', trttckete' (B; 
• i; Z) G., ohne äussere Zuckungen. Eklampsie; Gegs. 
die üsserlige' G., Schüttelkrämpfe Ap ; die schreie"de', 
mit Schreien verbundene Ap; GTa.; Z. Die hölzene" 
<j. 1) spöttische Bezeichnung grundloser Aufregung, 
von Erwachsenen, z, B. er chäm i' die h. G., wetin er 
das (fhörti! Gl. '2) erectio membri. Syn. 's gstänglet 
Büchweh Z. Abergl. Wenn man die leere Wiege 
bewegt, so bekommt das Kind die G. Ap. .Die geicht 
liatten angestossen [das Kind ergriffen].' Pl.\tt. 1.'>72. 

Mhd. giht n., f., Zuckungen, Krämpfe. Bed. 1 scheint 
von 2 und 3 medizinisch ziemlich verschieden, wird aber 
doch dasselbe Vf. sein, da auch das Eitern mit gewissen 
luur nicht äusserlichen) Zuckungen verbunden ist (s. zocken). 
Über mögliche Identität dieses W. mit Gicht III s. die Anm. 
zu diesem. Ist diese Identität anzunehmen, so ist auch / 
als der ursprüngliche Laut und ie als bloss lautliche Aus- 
weichung wie in G. IV (s. d, Anm. das.) zu erklären. 

Gegicht: bei NMan. unter einer Menge von 
Krankheiten erwähnt, ,G, in den oberen dermen. 
ileos, iliaca passio, chordapson, morbus tenuioris in- 
testini.' Mal.; vgl. Darni-G. — Geiss-Gicht: un- 
gefähr das Selbe, was die höhenc Gichtcr Bs. D' <1. 
Schweiz. Idiotlkuu. II. 



iiilo», .scilicr in Ohnmacht fallen. Itarni-: 1. ein 
Übel, von dem Säuglinge befallen wenien B; S. Zeh" 
Wnche" het 's Chind d' Dnrmgiechtcr g'lia. .Ioai ii. 
1881. — 2. Grimmen, Kolik. ,Für die rotruor und 
das darmgicht dienstlich.- Vogelb. 1557. .Uas bauch- 
krimmen und darmgegicht.' ebd. .Sy rüefend an 
wider das darmgycht by StErasmus.' RGbalth. 1584. 
,Colicus dolor, das bauchgrimmen oder dänngegicht. 
das etliche die muoter nennend, aber nit recht, dann 
die ni, oder bärmuoter hört allein den frauwen zuo.- 
Fris,; Mal. .Dermgegieht, bei ihnen das warwund 
genannt.' RCys, 

gichtig, resp. -ie-: 1. entzündet oder entzündlich, 
schwer heilend, bösartig, gefährlich, von Wunden kk; 
BO. ; FMu. ; Z, z.B. von einer Pustel, in die man ge- 
klaubt hat; von einem Insektenstich. Gegs. (jüetig. 
Von Menschen: ungesundes Blut habend .,B; LE." 
Er ist g., seine Wunden heilen nicht leicht FMu. — 
2. leicht zum Zorn reizbar, jähzornig B; FMu.; hitzig. 
Do göt 's g. zue BoAa. ; bissig BSi.; giftig: 's chunnt 
geng g-er bi-n-is z' Bern, geng e sürere Luft. Postheiri 
1875. .Wenn irgendwo noch ein guter Witz vor- 
kommt, so ist er gewöhnlieh so g.. dass er mehr Täube 
als Lachen erweckt' B Hink. Bote 1881. 

Zu (jicht V I, nur dass beim Adj. der Diphthong noch 
stärker bezeugt ist und fast allein herrschend scheint. — 
Bed. '2 einfache Übertragung vom Physischen auf das Psy- 
chische und Moralische wie beim Subst. 

tlöchtle" f.: Öffnung in Wasserbehältern; zum 
Abzapfen oder Zurückhalten in der Wandung einer 
Wasserröhre (Ueuchel) angebrachte Vorrichtung Ap. 

Sachliche A'wdtschaft mit Üuchle scheint unabweisbar; 
dann nniss aber in Ap 6 für u stehen. 



Gad, ged, gid, god, gud. 



gad s. ge-rad. 

„ga(l(e)le". (/adoZen; 1. glucken W, — '2. schwatzen, 
ausschwatzen, verklagen W.- 

Wahrsch. ein den Naturlaut der Henue nachaliuiendes 
W., dann übertragen auf widrige Laute resp. Missbrauch der 
menschlichen Rede. Vgl. das jedenfalls nahe vwdte ijädcnn, 
aber auch gaglen. 

„Gad(e)le f.: 1. Glucke W.- - '2. Person, dir 
ausschwatzt, verklagt W. 

Gädeni Giiden BO. u. Gr tw., sonst Gtide resp. 
Gäde — PI. Gade F; GRtw.; ZO., Gadon PGress,. 
Gadme als Eigenn. BO.; GrD., Gädefn) Gl; Gntw.; 
GA., Rh.; ScHW; Uw; ZS., (xwde)' ApSchön. ; GnSchiers. 
Gädem Gntw.. Gädme GrA., D., Gäbmer BO,; GT.; Uw 
- Dem. Gädeli Ap; BSi. (PI. Gädlini); GA.; Z, Gä- 
demji Gr, Gädi B (Zyro) — ii. Aa (H,); Ap; BE., G., 
R., Si.; F; Gl; Gr; L; GT.: S; ZO., m. AaF.; BHa,; 
Gl; Gr; LE.; P; ScHW; S (Schild); Th; Uw; U; W; 
ZS.: 1. geringeres, bes. der Ökonomie dienendes Ge- 
bäude, Nebengebäude, im Ggs. zum Hüs, Viehstalt. 
Scheune Ap; BHa.; F: Gl: Gk ; LE.; GA., G., Rh., T.; 

ScHW; Uw; U; W; Z... h. s Li. auf Bergen und 

Weiden W; auch bl"v-, , Um,-, l,,.l»-r F; Gr; GT.: 
Obw. Syn. Stadel; (inim.h. \-l d.-Baum: -Ri'iteU; 
-Geirrif. Sennhütte Ap ( KImIi; i; uKh.: virl. G.-Mei.'^ler. 



115 



(iail. ^'c(l. gid. jjo 



GelegBiitlicU auch geringeres, nur aus einem Stock- 
werk hestehendes Häuschen BHa. ; Wohnung und Stall 
nehen einander unter einem Dach P. Vgl. Gaden-Hiis. 
Salpeterhütte. UBräuu. .Baue zuerst den G., bevor 
du dir eine Kuh anschaffst.- ScHwMa. Es t/eid zur 
Trelw und tricht nid [geht zur Tränke und trinkt 
nicht] und chunnt in de' G. und frisst nid, aber es 
singt glich albig [d. i. die Kuhschelle] Gr (Schwzrd.). 
Es sind a SchtqiiM [ein Haufe] roti Küa in-ama [einem] 
G. und a schwarzi Kua tribt die rata" alli usa' [die 
glühenden Kohlen im Ofen und der Ofenwisch], ebd. 
Ha'^ tropfnass mängi Burdi 'träge" i"s G.-n-ie [hinein]. 
s^b chw'-der säge". JJRütl. 1824. In (die' Gädere' 
schlafe", d. i. ohne ordentliche Nachtherberge, nur den 
Heuhütten nachgehend Ap. Schlag der ober Gade- 
Ladenagel i" 's under Gade-Ladenagelloch und lass 
der undei- Gade-Ladenagel lampe' [bezieht sich auf 
die Lücke im Viehgaden, deren Laden durch zwei 
Pflöcke oben und unten geöffnet und verschlossen 
wird] G oT. (Sprechspiel). .Hüser oder andere ge- 
macher und gädmer.' 1470, Gl. .Buwlose [baufällige] 
oder tachlose gezimber. syent hüser oder gädmer 
(gäden).- 1525/ 17C9, Scuw LB. u. Rq. ,Der weg von 
des Bürglers stapfen under dem g.- 1525/44. Schw LB. 
,Da der sun dem vich syn gewonlichen rat [Besorgung] 
antat in der schür oder gaden.- S.il.\t. .Zog und truog 
an im [dem verletzten Vater] bis in syn gad zuo eim 
für.' ebd. ,Es soll niemand dem andern kein heize 
für syn g. noch durch syne güeter schleipfen.' 1572. 
Schw Rq. ,Dieweil aber der Summer sich genähert, 
hat man [nämlich die durch eine Feuersbrunst ob- 
dachlos Gewordenen] sich in Scheuren. Kühe- udgl. 
Gädmen mögen behelfen.- 1.588. SruwE. Klosterarch. 
,Ist es verboten, dass man salpeterherd [S.-Erde] nit 
wüschen soll, und so der g. gschendet wäri. so mag 
der [Geschädigte] um den schaden suechen.' XVI., 
ZrscHR. f. Schw. R. .Scheur und Gäden.- JLCvs. 1061. 
•Bis die letzte Burdi desselbigen Jahrsblunien [Jahres- 
ertrages] auf dem G. liegen wird.- 17ti9. Schw Rq. 
,üer Ängsten ist also [nass], dann nach Bartlime ist 
noch vil Heu stänt [stehend] und ligend, ja gar lere 
Gädmer anzutreffen.- 1785, Schumi. — 2. Gemach von 
untergeordneter Bed.. im Ggs. zur Wohnstube und 
Küche. .Das Gaden, Gemach, Laden, officina. camera. 
cubile.- Red. 1Ö62. .Die Häuser bestehen inwendig 
aus mehrern oder wenigem Kammern oder Gaden 
(Zimmern) obenher.- JXSchnyd. 1782. Spec. a) Neben- 
zimmer, kleinere Stube B; GT. .Sei's in der Stube, 
sei 's im G.' B Bot 1855. — b) Raum in den obern 
Stockwerken, der gelegentlich zur Aufbewahrung von 
allerlei Vorräten dient, bes. Schlafkammer übh. und 
spec. für die jungem Familienglieder und die Dienst- 
boten Aa; B; FJ.; L; S; Obw; ZO. Unheizbares Zimmer 
über der Stube, durch ein Loch (Gaden-Loch), durch 
welclies man hinaufsteigen kann, mit derselben ver- 
bunden BoSi.. Roggw.; S; ZO. Dachzimmer, Estrich S. 
Abgesclilossenes Gemach als Schlafraum für Senn und 
Frau in der Hütte LE. ,Hans im obere» G. (Ober- 
gaden)-. Mensch, der oben hinaus will, sei's aus über- 
mütiger Lust oder aus Hochmut GBh. .Es wurden 
so viele Wäien gebacken, als die Stiege ins G. Tritte 
hatte.- BWvss 1865. .Er fuhr wie ein Eichhorn durch's 
Loch über dem Ofen in's G. hinauf.' Gotth. Brächtest- 
mer 's Kafi i 's Gädeli ue'^ Stutz. Vo' der Hüener- 
chräse" [H.-Stall] bis liehen [hinauf] in oberst G. nieders 



[jedes] Eggli dürschnause [durchstöbern]. Schild. .l»ie 
frouw ist in das g. [wo der Mann im Bett lag] kum- 
men.' UMey. 1-540/73. .Ein hus zue bauen mit stuben 
und nebenstuben. mit zweien obren gädmen.' 1556. 
MEsTERM. Rick. ,Die Landleute müssen den luftigsten 
G. oder Gemach den Kranken überlassen.- JHLav. 
1668. Schlafzimmer der Tochter des Hauses, bes. 
eine Rolle spielend im Leben der jungen Bursche; 
vgl. g.-stigen, G.-Stubete. Wenn-i 's Bure Chätzeli 
war, so tvett - i''' lere' müse', ivett z' Ohe"' spät i 's 
Gädeli gö, am Marge wider üse. Kühreih. 1826. ,0 das 
sind goldene Zeiten, wenn Dutzende von Augen ilim 
zuflüstern: du, du.! tveisst du, u-u mein G. ist? Üse 
Ringgi [unser Hund] hellet nit.' Gotth. Fast alle 
Nächte auf den Gassen umme z' gheien [mich herum- 
zutreiben] und in den Gaden [der Mädchen] um z'trölen. 
ebd. Der Pfarrer meint, mu" sölli nit die Meitli z' gere 
[gern] ha', nit sue-ne [ihnen] «/ en Ofetritt u gar i' 
ds G. ga" F (Schwzrd.). Im alten Schiffsbau die auf 
dem Verdeck sich erhebende Kapitäns- Kajüte. .Stega. 
Hüttlein im Schiff, Tach, G., Tille.- Denzl. 1677; 1716. 

— c) Raum zur Aufbewahrung von Vorräten, 
bes. von Milch, Käse usf., Speisen Ap; BG., Ha. (in 
Sennhütten); F; GT.; ZO., auch von Gespinnst B uO.. 
von Kleidern BHk.. Vorrats-, Speisekammer neben der 
Küche S (Schild) ; altes Hinterzimmer, das als Plunder- 
kammer dient AaF.; ZKn., 0. Kornboden. 1338. ürk. 

— d) Kramladen. Bude, Werkstatt, oft im Erdge- 
schoss der städtischen Häuser gelegen ; vgl. die Compp. 
,Swer dehein für oder glüet in deheim g. liat, der git 
III ß äne alle gnade.' L ä. Stadtb. ,Allc die kruter 
[Krauthändler] suln die [Hausbesitzer] vor ir. gedc- 
mern unbekümbert lassen.- 1331. Lauf., Beitr. ,Zu 
ebener Erde waren in den Strassen vorspringende Ga- 
den oder Gedemer, welche durch 2 nach oben und 
unten sich öffnende Läden verschlossen werden konn- 
ten.- Bs XIV. .Gedemer. in welchen allerlei Waare 
verkauft wurde, befanden sich unter dem Rheintore.- 
ebd. .Zins von den Gedemern.' Einnahmeposten in 
den Bs Jahresrechnungen XIV., Ochs. Das Zunfthaus 
der Adelichen im alten Luzern bestand a. 1430 aus 
einem im Erdgeschoss gelegenen G., über welchem 
sich nur eine Stube mit Küche und Kammer erhob. 
.Das uswägen des garns in den husern, gädinen, brot- 
louben oder amlerschwo.' 1524. Egli, Act. ,An jähr- 
lichen Zinsen von den gädmeren.- 1533, ebd. Die 
Zurzacher beklagen sich, dass die Chorherren ihre 
,gedmer. so uf den kilchhof gangent'. an den Märkten 
offen halten und in denselben und unter ihren Häu- 
sern feilen Markt treiben lassen. 1541, Absch., hier 
wie oft im Ggs. zu dem städtischen Kaufhause. .Dass 
gmeine statt mit vil frömbden lüten beladen, die hüser 
und gäden gesteigert werdent.' 1556, Z Burgerbuch. 
.Tabernarius, krämer, so in hütten, laden oder gäden 
feil hat. Macellaria taberna, laden oder g., darinn 
man allerlei speis verkauft. Aurificina, der gold- 
schmiden Werkstatt, ein goldschmidgaden.' Fris. ,Zur 
gschauw auf den g. fürhin leggen.- Z Bäckerordn. 1599. 
.Es sollen weder Krämer noch einiche Handwerkslüt 
an den Sonntagen ihre Gäden uftun.' Z Mand. 1627. 
, Taberna, Werkstatt, Krämerladen, Gade,' Denzl. 1677; 
1716. , Sollen die Metzger kein Fleisch in G. behalten, 
sondern das alles zum Bank fürhin henken.' Z Metzger- 
ordn. 1770. .Die sogenannten Gäden und Kästen [in 
den Schlachthäusern] sollen reinlich gehalten werden.- 



«ad, ^pd. gid. K" 



S^Ull 



118 



Z Polizeiorriii. 1779. ,Metzg, Gäden und Schlachthaus.' 
Z iMemor. 18(il. .Ze g. stän', einen Kramladen halten. 
.Dass jedermann, der .semlich guot feil hat, ze gadme 
stan soll.' 1311, Lauf., Beitr. .Wer der ist, der (ze) 
Zürich des ersten ze g. stan und salz feil haben und 
usse messen will.' I.S.jS, ebd. .Mit dem Mann zu (Bank 
und) G. stän', von einer Ehefrau, die an dem Gewerb 
ihres Ehemannes (als Krämer, Wirt, Bäcker. Metzger) 
im Kaufen und Verkaufen, Geld einnehmen und aus- 
geben, mithilft und Teil nimmt, und deren Gut dann 
auch im Konkurs des Mannes die Schulden desselben 
bezahlen helfen rauss. .Hat der burger ein ehefrauwen, 
die mit im zu b. und g. im gwünn und gwerb ge- 
standen ist, so soll syner ehfrau guot umb irs manns 
schulden behaft und verfangen syn.' 1512. Z. .Die 
eewyberc, ob sy nit mit iren eemannen zuo b. und g. 
gestanden, sind unib ir zuobracht guot uszerichten.' 
1568. Z .Staatsarch. .Eine Frau, die mit ihrem Mann 
weder zu B. noch G. gestanden, soll ihr anforderndes 
Weibergut beweisen.' Z Mand. 1669. Vgl.: .So ein 
frauw mit ihrem mann zuo b. und laden gestanden.' 
1531, ZWthur. Webekeller Th. De-- Weber und sin 
arme ChnecM müend dert im füechfe' G. si'. Z Kai. 
1811. ,Dass er daselbst gädmer unter der Erde baue 
und nit darob.' 1.335, Stein. — c) Klosterzelle, im 
Ggs. zum Refectorium. .Es soll ouch hr. Johanns von 
Nünkilch beliben bei dem g., da er inne ist, das herr 
Martis was.- 1331, Sch Allerheil. — f) Gerichts- 
kamnier, resp. Kammergericht, kaiserlicher Gerichts- 
hof Vgl. Gadengericht. .Der bischof hatt wol zuo- 
gericht, dass dise ufruor war geschlicht on urteil des 
kaisers g.' .ILenz 1500. S. auch Liliencron '2, 425 a. 
— 3. Stockwerk als Höhenmass: Im J. 1315 wird 
ein Haus zu Zürich einem Bäcker verliehen mit der 
Bedingung. ,dass er die hofstatt für füre [feuersicher] 
buwen und muren soll dryer gedmer hoch.' 1315, Z 
Urk. ,Swa zwo hofstettc an einander stOssent, will 
der eine muron, der mag es tuon. also dass er niure 
drier schuohe dick und eins gadmes hob.' Z Richtebr. 
.Dass dieselbe geselleschaft undenan muren soll eines 
gadoms hoch.' 1349, Lauff. ,Machet den türm zweiger 
gädmer höher dann er e was.' G Urk. 

Ahd. ißidiini. ~nm. mild. :inif:-m 11. (PI. gadem und ijedeiiier, 
Undmer), Haus vnn nur Kiiniii i liiiimli : Geniacli, Kammer; 
hochgelegner A'tT-Mhlui:; Stinkwci k. I'ii- Form ,gad' zunächst 
aus .7«(fe, dessi-n Auslaut ua'li .Milall dos n nicht mehr ge- 
deckt war. Ilor .i. Auslaut w ist liei uns meist in n ab- 
geschwächt, ausser wo er zum Inlaut geworden ist, wie im 
PI. und den Abll. yädmen; Gädmer, Oademhr (XV., Ap), 
Geschleclitsnn. — Benennung eines selbständigen (iebäudes 
(wozu sich Stiickli vergleichen lässt) ist es in manchen Ge- 
genden nur noch als Eigenn., z. B. .Gaden' Gr. (s. B. 3, S. SG), 
,ini Bachg.', ,im grosse G.' ZWäd., ,G.-statt' GrI).. ,bi den 
Gadmcn' GrD., verk. in ,Gadmen' BHa.; W; .Gadmenfluoh'. 
Stadtr. ThDiess. : ,uf den Gädmern.' GUrk. -- In dem heu- 
tigen Sprachgebrauch ist die Anwendung des W. auf Räume 
von relativer Kleinheit beschränkt. 

Ober-Gaden n. Ap; B, m. Zg: 1. weiter oben 
gelegenes Gebäude, als Flurn.. z. B. Oberyadme", der 
äusserste bewohnte Ort im Riemen.stalden, an der 
Grenze zwischen Schw und ü. Obeniade Ap; Zg. — 

2. (O.-Güdme") Heudiele, im Ggs. zu .Undergädmen' 
,SrHw-; U; Zg. Hcuschober USil. Syn. Boni. — 

3. Kammer im obern Stock (ZKn.), über der Neben- 
kammer Ai"; „Gl; LE.-. über der Wohn- oder Schlaf- 
stube der Meisterleute li (auch Plur.). t. Schlafgeinach 



der Kinder und Dienstboten (aaOO.), t. Behälter für 
Hauskäse, Gespinnst udgl. Hatis im 0. s. Gaden 3 b. 

- 4. bildl. Kopf. Syn. OherstilbU u.a. .Es sei nicht 
ganz richtig in seinem 0.' Gotth. — ii.-Onilnu" scheint 
erstarrter Dat. PI. zu sein. 

.Obs-, üpsspycher, pomarium.' Fris. ; Mal. — 
Under-: 1. der Stall im Ggs. zur Heudiele (Oher-G.) 
„ScHw": U; Zg. — 2. Behälter im untern Teil des 
Bauernhauses; Vorratskammer neben der Küche, auch 
etwa für Hühner im Winter AaF.; LG.; ZB., 0. Bildl. 
scherzhaft : Und mit Eiistig sind s' hilade", wie ns 's 
Tüfels U. NXgeli 1842. ,Er' klagt sich auch des kellers 
oder undergadens, der seige ful von holz.' 1555. Hotz 
Urk. — Vech^Fe;-.- Viehstall, Unterstall GrD. Vgl. 
Heu-G. — Feil-: Kramladen, .Trödelbude- BO. Syn. 
Feilträgi, Krämerstand. 

Für-: Behälter für Speisereste und Vorräte FJ. 

- Vgl. für Bd I. 959. 

First {Fürst Obw)- n. BSi.. m. Uw: 1. Kammer 
unter dem Dach, wo Käse (BS.) oder Obst (grünes und 
dürres, auch Nüsse Uw) anlbi'walirt w.Tdi-n, in ii.'UiTur 
Zeit in Uw &.(/ -v„aiiiit. K.trirh HHa. N-l. J;,i,'ss,l,li. 

- 2. Dachgiebel i )i.\v. S> ii. J-'irsl. - ( ; .■ i s s - (rcissr"-(r.. 
auch -Giideli: Ziegenstall. Name einer Alp in der Ge- 
markung von GLNäf.; auch Ortsn. ScBwTugg. ,N. N. 
will by dem hus uf der allmend noch ein geisg. 
buwen.' 1548. Obw (Ztschr. i. Schwz. R.). — Heu 
{Hei Ndw)-: Heuboden über dem Viehstall. Ober.stall 
GrD.; aScHW; Ndw; Zg. Heuscheune, -hütte BHa.; 
Obw. Syn. Boni: Heusclmrli. .In einem stadel oder h.' 
HBbll. 1572. Die Bettelvögte des Klosters Einsiedebi 
sollen sehen, dass die .Brüder' in ,Hewgedmern- nicht 
spielen. 1550, SchwE. Klosterarch. — .Holz-, ciuti- 
licia taberna.' Denzl. 1716. — Hinder {Himder Ar)-: 
Gemach über der Nebenstube Aa; Ai- (Syn. Olier-G.). 
gegenüber der Stirnseite des Hauses Av. Schlafzimmer 
der Kinder: Säg au im H. noh b'hüet-di-Gotl zu'» 
Chinde". Stutz. .Das H.. welche Dachseite ganz ver- 
wittert war', als Heuboden für die Ziegen benützt. 
ebd. — Hüs-: (»konomiegebäude. welches mit dem 
Hause in der nämlichen Wiese steht Scinv; Zu. 
KuefChüe, (liiej-: Kuhstall BHa.; Gl: aSoiiw: UwK. 
.Nicht weit von der Sennhütte ist dei- Vieli- ...li-r 
Kühg.. allwo der Ordnung nach stellen die Stieren. 
Kühe und Geissen, jede nach ihrem Rang.- .I.ISi-iii.;irii/.. 
170C. — Ku Chi-: Speisekammer S; ZA. — Keller-: 
ZA. Vgl. Under-G. — Kol-: Kohlenbehälter, in einer 
Schmiede. UMev. 1540/73. ,Der von dem Magistrate 
von Rapperswyl zu Kempraten erbaute Kohlg. kann 
stehen bleiben und zu einer Art Sust [Waarenniedcr- 
lage] ferner gebraucht werden.' 1742, Absch. — K;is-: 
1. , Käsehaus B; Gl; Vw". als alleiiist..li.'ii.l.s Ce- 
bäudeU; eine Abteilung der Alphütte (iA. ,l>ir l\a^er 
gieng, als er den ersten Käs in den Spalier ".lei Ja- 
K. trug, rückwärts. Nur heim ersten gehe es so. s;igte 
er. dann kämen keine Mäuse in den Spicher und die 
Käse seien vor ihnen sicher.- Gotth. .Holz zue iren 
Käsgaden und was inen not wirdet. irene Käsgadner 
zue besseren.- 1491, Zellw. Urk. ,Ein K. bawen.- 
1621. ScHwE. Klosterarch. Name einer Alp GLBettschw. 
(Steinm.). — 2. Gefängniss. Syn. Speckkämmerli; Tiig- 
gis u. a. ,Abusive etiam pro carcere .sumitur. Man 
hat in in'n k. gehalten, in carcerem conjectus e.st.- 
Mal. - Kram-: Kautbude. .In.stita. crangaden.. 



119 



(iad, prt'ii. siil. S"il- S'iil 



120 



Ebinger 1438. ,Dass die von StGallen die niailcen 
syaes gottshus überfaren hättend, nämlich mit den 
kronigädmern, garnmarkt [usw.].' Väd. ,Cadurcuni, ein 
krämerg. oder -hütten.' Fris. ,9 Kramgädcn in Bigel- 
gspan gemauret." 1.578, SchwE. Klosterarch. — Len-: 
Mietwohnung. ,lch hatte Zinimerlüt. um mein Lehng. 
nach meiner Bequemlichkeit [weil die Haushaltung 
angewachsen war] einzurieliten.- TBRÄfiG. 1787. — 
Melch- U. Milch- B, ,Mulchen--Gaden: luftiges, 
kühles, meist von Quellwasser bespültes, neben der 
Küche etwas tiefer gelegenes Gemach mit Bretter- 
gerü.sten. auf welchen die Milch in Gefässen bis zum 
Kiisri, aiini.'Hnliit wird. \u Sennhütten B; Vw. Syn. 
jMili-ldiHs. .Imii ;iiii külilstiMi Orte angebrachter M.' 
,1\S( iiNwi. 17^_'. .liiT iiiiderr 'i'eil der Sennhütten ist 
der AI., .Mil.likrlln-.' .I.IS.iiki, uz. 17(i(i. .Die Hütten. 
Spirlicr iiihl Mr>lrhi;';i(liiicr iii I lach und Gemach er- 
halte. ■ ITnli. /isriiK. r. Srinvz. It. Xebe(n)- BB.. 
Ni%ed- Ae: Zinnner neben der Stube. .Die Häuser 
bestehen inwendig aus einer Stube und N. auf dem 
ersten Stockwerke.' JXSchnyd. 1782. — Buch-: Ge- 
bäude zum jBüchen' [Eeinigung mit Aschenlauge] der 
Leinwand vor dem Bleichen an der Sonne G. — 
.Buech- oder ein buechladen, da man büecher inn feil 
hat, libraria taberna.' Fris. .Bibliothecam conflcere, 
ein liberei oder buochgaden aufrichten.' Fris.; Mal. 

I"bind-Gade": Stall auf der Alp für das Gross- 
vieh LVizn. 

So genannt, weil der Stall so eingerichtet ist, dass die 
Kühe darin angebunden (nicht nur vorübergehend, wie das 
Kleinvieh, untergebracht) werden kHnnen. 

,Pfistor-: Bäckerladen.' Fris. — Gerumpel-: 
Raum zur Aufbewahrung von altem Gerät, Rumpel- 
kammer FJ. Nes Gr., ma" könnt d' Haui u"' Karst 
dri- tue' B Nachtspruch. — Ross-: Pferdestall Gl; 
aScHw. — Ruess-: Estrich in Häusern, wo keine 
Schornsteine sind; Speise-, bes. Käsekammer BHk. 
Syn. Buess-TiU. Kaminkamnier BE. .Droben im Ga- 
den hatten die beiden Nebenbuhlerinnen ihre Lager- 
stätte gesucht. Lisi war voll Schinipfens über das 
kleine Haus und schlechte Gaden. llir 1!. [daheim] 
sei eine Herrenstube gegen diese.-;, und ihre Gaden, 
wo es und die Schwester lägen, seien G'mächer vo" 
de" schönste".' Gotth. — Salz-: Salzladen, -Magazin. 
1571, Z Invent. 

Schalt-: Obdach für das Vieh Schw. — Von schaHm 

Schi'v- I: 1. Barbienstube. Ygl. Schräpf-G. ,Hs 
Üv. Eck ein Messer nahm, als säss er im Seh.' Eckst. 
Badenf. ,Er sye in den seh. zum Kindli kommen und 
hab wellen scheren.' 1526, Egli. Act. ,Man soll sy 
uf den gassen, würtshüsern, stuben. seh. und an andern 
orten wychen und ungeirrt lassen.' löDO, Soh Ratsprot. 
,üer schergad(en) oder scherstuben.- Fris.; Mal. ,A1s 
man ihn in den seh. gebracht zu verbinden, ist er auf 
ein bett zu den fensteren gelegt worden, dessen der 
von Mosaxcn gwahr genommen, hat den armen ver- 
wundten durch die fenster hinein erstochen, dann das 
stüblin des sch-s gar nider auf der erden stunde.' 
1588, ScHwE. Klosterarch. ,Sch., barbierstube, ton- 
strina, officina chirurgi.' Red. 1662. 

Scherm- (Scher- II): Zufluchtsstätte, grosser Stall' 
für das Vieh in den Aljien bei schlechter Witterung 
Gr. A' de' leide' Tage" h'it-me'-ncli [sie. die Kühe] 



'in Schei-f/ädem (Tsch.). Syn. Schntt-G.. -Hütte. — 
.\hs Sclieim = Schirm, Schutz. 

Schaft- = Scherm-, doch auch als Schutz gegen 
die Sonnenhitze Obw. Da sind d' Sehattgäde aw* gar 
gitet derzue, dass-men e söttig [solche] Ghüe, die 'hUeJ 
hend [wie toll herumgerannt sind], hi Zite' chann n» 
chiiele" Schatte' tue Erzähler 1855. 

Bemerkenswert, dass sich in diesem Comp, (wie nocii in 
andern) die alte starke Form des ersten W. (ohne n) er- 
halten hat. vgl. Schalt-Huet, -Sltan, 

Schlaf-: Kammer neben der Stube, Nebenstube, 
oft zum Schlafen benutzt Gl. — Schräpf-: Schröpf- 
stube. Vt;l. Srhfr-G. 1. .Die oberkeitliche Sorgfalt 
tut sich auch in .liiii herfür, dass dieselbe alle 6 Jahr 
um einen üalliiorr aus der Statt bestellet, demselben 
eine eigene Behan.suni:-. zum Sehr, genannt, bestimmet.' 
SHoTT. 1702. — S,liwin-: Schweinestall Gl; GfiPr., 
U im. -Gädi W. S\n. ,S< Im: iii- Krumen; Figler. Nach 
Schachzabelb. unter dem Pferdestall gelegen. — Spis-: 
Speisekammer (iT. ,Die Häuser bestehen inwendig 
aus Speisegaden [usw.].' JXSchnyd. 1782. .Er soll 
ouch ein sjiysg. binden an die nebenstuben. so gross 
als die n. ist, buwen.' 1556. MEsterm., Rickenb. 
,(Promptuaria) cella, cellarium, keller. speis-g., -kam- 
mer. -gehalter, -kensterli, allerlei, darein man die 
speis gehaltet' Fris.; Mal. ,Der Beschliesser soll in 
Abwesenheit des Hofkellers den Sp. und Keller ver- 
sehen.' XVIL, AAMuri Klosterordn. ,Et im Speis-Gada 
praBgrandes accipe Napfos.' XVIII., Uw Älplergedicht. 
— Stuben-: 1. Haus, das nur aus einem Raum oder 
aus einem Stockwerk bestand L f (Ineich.). Als Plurn, 
ScH. — 2. Kammer über oder neben der Stube ZO. 
,Pfisters Hus bedörft die Stuben und St-g. neuw ze 
machen.' 1555, Hotz Urk. ,Das st., ein warme kam- 
mer by der stuben, propnigneon.' Mal. — Stein-: 
steinernes Gebäude (vgl. Steinhüs). Flurn. L. Auch 
als Pei'soncnn. erhalten. XVL B. — Stiere"-: Stier- 
stall. ,Wer dise Fabel nicht glauben will, dem 
zeigen die Älpler den sogenannten St. in der Alp 
Waldnacht [wo der Stier grossgezogen wurde, der 
das Gespenst besiegte].' JScheüchz. 1700. — Teig-. 
,Si sulln ouch enhein stuben noch t. heizen nach 
vesperzyt.' L alt. Stadtb. — Web-, Weber-: Werk- 
stätte des Leinwebers Sch ; Th ; Z , meist unter- 
irdisch, mit einem Fenster dicht über dem äussern 
Boden; doch auch: „Verschlag in der Stube zum 
Weben Z.-* ,Webg., webergemach, textrina, officina 
textoris.' Reu. 1662. .Textrina, Weberg.' Denzl. 1677; 
1716. — Wechsel-, Wechsler-: Wechslerbude. , Ein- 
nahme von ,Wechslergedemern'. XIV., Bs. , Ausgeben 
an der Engelwoihe aus dem Wechselg. um Fisch. 
Krebs, Vögel. Biren.- 1586, SohwE. Klosterarch. .In 
rechten W. ist verordnet der Wechsler.' ebd. Ge- 
legentlich auch als Kramladen verwendet: .In W., da 
man das Wachs verkauft, ist verordnet Herr N. N.' 
1586, ScHwE. Klosterarch. — Gewand-: Kleider- 
laden. ,Da sint die appoteggen und gwandgädmer und 
mengerlei krämery.' HsSchürpf 1497. — ,Werk-g. od. 
-statt, -laden, officina.' Fris.; Mal. — Würz-: Ma- 
gazin von Spezereien. ,Hiskia zeiget inen den ganzen 
w., specerei [usw.].' 1531, IL Kön. = ,die gemach seines 
Vorrats.' 1548, ebd. — Zue-: Nebenstall Gl; GePt.: 
Ndw. Stallanbau für Galt- und Schmalvieh Gl. Dim. 
-Gädeli, Stall für das Kleinvieh LVizn.; ..Seitenstall 
für ein Pferd oder eine Kuh ScHwMa." .Alle Kälber 



(iail. f;ed. ^ii\. 



ill. -U'l 



weiden im Tal in den sogen. Z. getan.- Steinm. 1802. 
..Alle Weg mit sambt allen Tränkinen, Zugäden, Schö- 
|iten. Tachen und Gemachen ordenlich gemacht und 
Überantwort.' Iöl7, SchwE. Klosterarch. — Neben- 
zimmer-: wol nur pleonastisch statt jVWenjjrarfe» oder 
Nehenzimmei: Gem. Ap 183."). 

gadme(n): 1. einen Stall aufrichten. Dabei kom- 
men Nachbarn zu Hülfe und es heis.st mer ißnt [wir 
gehen] z' g. Gr ObS. — 2. „das Vieh in den Stall tun 
Xv; Gl, es im Stall behalten Gl (yädme", i''-g.). 

Gädmer= Gaden. — Ober-: der obere luftige 
Teil des Viehstalls, Heubehälter. Heuboden LVizn.; 
ScHw. — Und er-: Viehstall LVizn. 

ilädmer ist entweder die PI. -Form als Sg. gesetzt (wovon 
es ja viele Beispiele gibt. bes. Fem. Sg. aus M:isc. PI.; um- 
gekehrt das -er des Ntr.), oder es ist dir. vom Vb. jädmen 
mit dem persönl. Suffix -er gebildet, wie .Behälter' u. a. 

Gadenette" f., dim.-ettli: Zopf, wie ihn die ,Gnä- 
digen Herren' von B im vorigen Jhdt trugen, in den 
Grundstein der Nydeckbrücke ward ein prächtiges 
Kistchen gelegt, angefüllt mit allen G-n, die man auf- 
treiben konnte in der Stadt Bern, und die waren ge- 
wickelt in die Reden, die über den Dotationshandel 
gehalten worden, und um die längste G. war die kür- 
zeste Rede gewickelt.' N. B Kai. 1843. Der N. N. het 
geng no'''' si" 's GadenettU treit. Wenn üser Here die 
Gadenette nilnime am Schopf trage", ko trage' -si der 
Zopf doch geng no'': Dr. BXrt 188-"i. — Fi/, .whutttt. 
Z"iif, von lat. i-atena, Kette. 

(iadenz, Dim. -ji: Personenn.. Gaudenz GrD. 

gailerelli": karriert. von Geweben. E" gadi-rellene 
Blick GlH. — Aus frz. iiumhiU;, dass. 

fiad(e)ret n.: Teller W. 

Vgl. it. iiuadrello (frz. ' iiuudrrt), Feld im Schachbrett, 
Kachel. Stalders Angabe (Midr-rr (s' St.', f- St.') wird von 
keiner andern Seite bestätigt. 

gadere(n) Ap, „gTrä-Uw: 1. rauh und hastig .spre- 
chen oder singen wie eine Elster l'w. - 2. heftig 
zanken (mit Eim g.i Uw;- plaudern, labbern Ai>. — 
.Gäderi m.: Zänker Uw.- — „Gädero" f.: Elster 
BO.; Uw.- 

Naturlaut wie ijmUcu und vgl. besonil. r- ihhIi ,1,i- ~.\ii. 

rälKckeH, Hanf brechen, welches auch v I. i stimni. rlcr 

Elster (Ratsche) gebraucht wird und dann .iiili .iihin.li in. 
klatschen' bed. S. auch ijuderm, fjugeren, f>linl'i;ii, ,jinl< ,><rh*u. 

Gadit s. Kadis. Gäder. gäderig s. Ge-äder. 

(iaadel I m. : wellenförmige Bewegung einer Flüssig- 
keit in einem Geschirr BO. Häb Sorg, der G. chiinnt 
der drl'! ,Syn. Gautsch, Gautschel L;- Ohmtsch. 
X g\. Godel M. godlen. — gaudle" BHk. .(/««- (resp. ri-) 
BO.: 1. aufwallen, überlaufen wollen, schwabbeln, 
von Flüssigkeiten in einem Gefäss. Häb Sorg! sust 
gaudlet 's drüber iis! BO. — 2. in Flüssigkeit rühren, 
mit Wasser spielen, z. B. von Kindern BSi. Syn. 
Hihitschen u. s. bei fladeren. Vgl. auch gausen. 

(iaudel n m.: Spassmacher SchwE. Dim. Gaudeli, 
kindisch lustiger Mensch, der alle andern ergötzen 
kann TnTäg. 

Gaudi I: 1. ni. .Geck B; L; Uw;"- Narr, Spass- 
macher; der sich einfältig freut. Einfältiger Vy/. Syn. 
Gaiidel IL — 2. n. (auch Gaudium Z) a) laute Freude. 
Lu.st, Ergötzlichkeit VOrte. auch Dim. GaKdeli. ein- 
fältige Freude Xmw. .S/".« G((iidium im Ö/-/"'n /'"" Z. 



Eim 's (r. singe, eiuiMi KreHdeniri\sang (eig. einen 
kirchliclieM) S. .\Is Intcrj. in der Formel: Simeli 
simcli iimiili'. iiiiinrr /'»'/ lustig! S. s. g. es ist hur 
na |nn,li| „,,■ fviv (voriges Jahr]; B' Meitli und 
d'Buch, Im Uli niiiiiil (ßre [gern] aScnw. — b) Freuden- 
mädchen LG. 

2 aus lat. gaudium, aber dann bei 1 mit deutscher En- 
dung, persönlich gedacht, nach Analogie vieler aus Verben 
gebildeter noniina agentis auf -t .v doch lässt sich fragen, oh 
Omtdi l sanimt (Juudel 11 nicht als blosse Nbfornien zu 
Oaugel (s. Gaui/ijel) von Gaudi ? zu trennen seien. 

gaudiere": 1. tr., erfreuen Bs; Z. — 2. refl.. 
sich ergötzen UwE. — Aus lat. ijaudae. zunächst in dir- 
Studenten- und Gelehrtensprache gedrungen. 

Gauder I m., nur in der RA. hVm G. m, beim 
Hals, Kragen, Schopf fassen GnChur, Pr. Syn. Grips; 
Tschüpe. 

Zu mhd. r/oife- (auch noch bei Red. 166'2), Gurgel, Schlund, 
Halshaut. Ohne Zweifel vwdt mit lat. •iiittur, Kehle : s. (Iwter 
und (juderen, gurgeln. 

Gauder 11 s. ^«rfer Bd 1. Ol. Dazu: vergäudere": 
vor Elend und Kränklichkeit abnehmen BLenk; Xnw. 
S. noch Guderen II, rer-g. 

Gaadi 11; Personenn., (iaudenz GKl'r. 

„Gedi: Personenn., Gedeon Zi;.- 

gi d s. gi'ben. 

Gidel. Gidi: Personenn.. Ägilius LG. S. Bd 1. ir.l. 

..gide(n): kitzeln BO." 

gidere": kichern, lachen GFlaw. 

Vgl. tj'ujeren oder, da Wechsel von ij und /■ einerseits und 
./ i[nd i(t) anderseits sich im .\n- und Inlaut belegen lässt. 
auch kittei-cn. 

Güdel m. (n. St.-): 1. geräumiges, aber kunstlos 
gebautes, altes, halb verfallenes Gebäude Aa; B. ,VVo 
noch 1718 ein wüster G. und eine alte Badstube ge- 
wesen.' Messm. 1831. — 2. altes, lotteriges Haus- 
gerät, bes. Bettgestell .URued.; BS. Übh. etwas 
schlecht Verfertigtes oder in Verfall Geratenes ; auch 
Godel-rustig, -züg BR. — .3. schlechtes Fuhrwerk 
(Ross u. Wagen gleich schlecht) FMu. — 4. schlechtes 
Messer Aa. Syn. Gudel. — •"). Schwanken. Zittern. 
Schütteln GrD., Seh. Auch von Menschen, z. B. er 
hed de' G. in de" Hände' GrD. Syn. Eodel. 

4 ist schwerlich auf das frz. t/ttudrclh, schlechtes Messer, 
zurückzuführen. , 

godere(n ): 1. = godlen 1 u. .V, auch vom gurgeln- 
den Tone unsichtbarer Quellen AaZcI. - 2. mit den 
Händen in einer Flüssigkeit herumfahren FSs. — 
Schallnachahmung wie die Nbff. (joilhn und i/udfreii. 

in-; einschütten, vom Vieh. z.B. euere Chue es 
Trank i"-g. FSs. 

godle" „gödle" Ap; W" : 1. schwanken, bes. von 
Flüssigkeit in einem bewegten Gefäss GrD.. Pr.. Scli; 
,Ap; W" und mit Bez. auf den dabei erzeugten Ton 
GrL.; sich im Wasser hastig bewegen, z.B. bei un- 
geschicktem Versuch zu schwimmen oder zu rudern 
BG., R. Mu" hat im StiiJI .-»t/ Seh irisch epf Im Troii 
g'seh und g'hert im (r'ln/j' |Tr;nik.| ,/nitlii \\ Sa^di. 
— 2. mit den Händen /itteni ih;!', ::. |ini|..r-.) 
kollern, von den im Magen und den Gedärnieii >toss- 
weise sich bewegenden halbflüssigen Säften und ver- 
haltenen Winden W'. Vgl. gnderen 1. — Sch.illnach- 
I ibniunsr wi- die Nhf. ,,„dle,i. s. il. 



123 



Gad, gcä. giil, s;ni. gnil 



124 



Godlcr 111.: ilor mit (l(_'ii Händen zittert, nichts 
ohne Zittern fe.sthalteii kann Gr1>. 

Kode" I „f.": Made. z.B. in faulendemKii.se. dah. 
ChfiKgnde BO.: iifter im Fleisch BSi. 

„finde" H n.: 8chwein; verscluiittener Eber F.'- 

tiodi I m.: 1. = Gode' II F. — 2. schmutziger 
Mensch; auch Übern, für ein schmutziges Kind F. 
Vgl. Giidel. 

«odi II B. Gödel BThun. Güdi: Koseform des 
Namen.s Gottlieb ÄASt.; Id. B. oder Gottfried BS. 

Eolle"-(jodi (III) n.: schlechtes, kleines Messer 
mit hölzernem Heft Aä. Sjn. Rollen- Hegel Vgl. 
Godel, resp. Gudel 4. 

üöder .s. Ge-Äder Bd I 88. gödlen s. godlen. 

(lud : nur in der IIA. : Es ist G. um Gätseh, Eines 
was das Andere, gleichviel, und zwar i. S. v. Beides 
gleich schlecht ZStdtf. 

Viell. zu verstehen wie die Synu. Oül nn (lune, e Hwr 
an e Ifex |sc. tauschen!. Viell. aber = nihd. hat. Tausch, 
also 6'. um (!., Tanscl) um etwas Niihtiges. Tgl. güdlen. 

Gndel m.: 1. Das Schaukeln einer Flüssigkeit in 
einem getragenen Gefässe, in der RA. de*' G. im Wasser 
ha" BBc. Syn. Godel ö. — 2. Durchfall GrD. Sjn. 
Gudle", -kr. — 3. zerlumpter Mensch FJ. Vgl. GodiI2. 

— 4.= Godel 4 Aa. - 5. Unkraut ZFehr.; kurzer 
Hanf, der ausgerissen wird ZDättl.. St. 

Aus GrD. wird fl angegeben. Betr. die BegriffsUbergänge 
Tgl. Lotler : Liitter, welche ebenf. in dem Begriffe des .Un- 
festen' ihre Vermittlnng finden, und spec. zu .5 Fluder 1 : 
flnderm, wobei das weniger Solide und daher weniger Wert- 
volle bezeichnet zn werden scheint. 

gudere(n). in Ap tw. -o-, Dim. güderlf (-<>-): 
1. „Flüs.sigkeiten schütteln oder unreinlich behandeln 
Gl; VOrte; Z", im Wasser herumfahren, es in Un- 
ruhe bringen, darin spielen, plätschern, sudeln Bs; 
LStdt; S. Syn. gudlen 1. Durch Schütteln einer 
Flüssigkeit Blasen auf derselben verursachen UwE.. 
R.Gtiderel. üyn. güderen. — 2. gurgeln, d.h. Mund 
und Rachen ausspülen Ap; GF.. Sev.; Schw; Tu; Z. 

— S. = godlen 3 Aa; Ap; Bs; VOrte; Gl; Sch; Th; Z. 
.Intestina mihi crepant. der bauch rumpelt, gudret 
mir.' Denzl. 1677; 1716. .Eine Frau hatte so grosse 
Muttergicht und Schmerzen, dass es in ihrem Bauch 
raurrete und guderte.- Müralt 1697. — 4. Durchfall 
haben Gr ObS. Vgl. ergudlen. — 5. von gurgelndem 
Geräusch.' welches entsteht, wenn Luftblasen in einer 
Flüssigkeit sich frei zu machen suchen, z. B. wenn 
diese, bes. ihr Rest, durch eine enge Öffnung stoss- 
weise ausströmt, wenn man Öl in einer mangelhaft 
gefüllten sog. Uhrlampe aufpumpt, über sumpfigen 
Boden geht oder mit einem Röhrchen in Wasser bläst 
Aa; Ap; Bs; Gl; Schw; Th; üw; Z. Syn. giidlen. — 
6. von Tönen gewisser Vögel: schnattern Zg; girren. 
Vgl. gudersclien. .Kranich und Taub können nur bloss 
mit der Kelen g.- JJBreit.. VU. 1628. — 7. undeutlich 
sprechen AaF. — S. in der RA. : F'' will 's g. hi, der 
Sache unbekümmert ihren Lauf lassen Gl. Syn. fla- 
deren, fläderen (s. d.), trnlen län. 

In den Bedd. 1 — 7 ist das W. eine offenbare und treffende 
Nachahmung gurgelnder Naturlaute: vgl. godlen, nihd. jrorf«-, 
Kehle, Schlund, und lat. fivttiit: 

er-: 1. schütteln, erschüttern, z. B. einen Baum etc. 
's [das Unwetter] hat di G'mcicher und di Gäder nr- 



gudarat. Schwzrd. Einen Mann (,beim Schopf nehmen" 
vgl. Gauder) Gr; GWe. D' Chlöpfe« e. a) Die Kuh- 
schelle heftig bewegen. — h) bildlich scherzh.: viel 
schwatzen Gr. Unpers.: vor Ekel. Frcst, Schreck 
durchschauern. Es luit mi'''' grad iif ei" Mal erguderet 
GRC'liur. Refl.. auch von Pferden, sich schütteln vor 
Frost Gr. Syn. flüderen. — 2. -(tr.) erforschen W.'- 

Zu '2 (eig. ,durch Schütteln herausbringen") vgl. frz. 
troumr, wenn es von lat. lurbnre kommt und eig. ,SHchen' 
bedeutet. 

ver- 1: durch Ausschütten einer Flüssigkeit ver- 
unreinigen, z. B. einen Tisch BS. 

Gudere" I f. (nur PL), Dim, Güderli: Hlasen auf 
einer ausgegossenen Flüssigkeit UwE. 

Guderi m. : Mensch, der schnell und unverständ- 
lich spricht Zg, verworren, einfältig i.st ZH. Syn. 
Güderi, Gaggeläri, Loli. 

gudersche(n): von der Stimme der Krähen. Vgl. 
guderen 6 und gäderen 1. .Cornicari, garrire, fabulari. 
schwätzen, guderschen. einhinbladeren, wie ein kräy 
klapperen.' Fris. ; Mal. ,Vögel, die guderschend oder 
ratschend, garrula aves.' Mal. 

Gudle» GRChur, -ü- f.: 1. .durch Schütteln trübe 
gewordene Flüssigkeit Gr." — 2. flüssiger Tierkot 
GrD., Jauche GaPr. Vgl. Giidel II. — S. stehendes, 
stinkendes Wasser auf der Strasse; Pfütze, Lache Gr. 
Syn. Butz, -le. — 4. Durchfall, bes. beim Vieh GrL.. 
Pr. Syn. Gudel, Gudler. 

gudle(n) -tt- Gr; GSa.: 1. Flüssigkeiten auf- 
rühren, rütteln, verschütten; darin sudeln, plätschern, 
spielen GRFläsch; G. Timme-, die Speisen im Magen 
herumschütteln GrHc. Synn. s. bei flutschen. — 2. ver- 
schwenderisch haushalten GLNäf. ~ 3. unpers. a) ,von 
krampfliaften Blähungen mit begleitenden dumpfen 
Lauten L; Z<;." — b) .von dem Geräusch einer aus 
enger Öffnung ausströmenden Flüssigkeit." — 4. star- 
ken Durchfall haben, haupts. vom Vieh GrD., V. — 
5. kurzen Hanf ausreissen ZSt. VgL Gudel Ci. -- Für 
die Etymologie vgl. die Synn. godleti, tfuderen und f/ulsli-ii. 

er-: \. = gudlen 3 a GrD. — 2. nicht ausreichen 
(mit einem Vorrat), nicht zu Stande konmien (mit 
einer Arbeit), auch: weniger bekommen, als mau 
meinte BO. /■•'' hin am Mist ergtidlet. Mer kein 
[haben] g'meint, mer seile 's [sollten es] mögen ah- 
g'miijen, aber mer sin schön dran e-t. F'' hnn g'meind, 
der Acher geh einmel iif d's Wenigste ^'0 Huttede 
Herdöpfel, aber mer sin d'r-no''' [darauf] dran ergudJet. 
Syn. S. erweren. — Vicll. ist Zshan!; mit i/iulm ll, Unudrr 
anzunehmen. 

,Gudlene f.: Mistpfütze Gr." — Wulnscli. eig. = 
iludlmi, PI. des Dim. von (/«dln. 

Gudler (-Ü-J m. : Durchfall Gr. 

.gudlig: unreinlich, unsauber, zun;i<hst von 
Flüssigkeiten Or.- 

(jiide" f.: Hitzblatter, kleines Geschwür BO.. z.B. 
Eiter-G., Dim. Mudeli', Gfidel(l)i, z.B. Chrnlr-G. BR. 
Viell. blosse Nbf. zu dem Syn. Güge". 



(iiiderm.: Truthahn, 
roth wie ein G.' HSülz.. 
Knter, kalkutischer Hahn. 



-röter. .Sie wurde 



'1. aed, <;l 



id. siiil 



GuJere" II: in der IIA.: z' fliidere ti. z' (i. ijän, 
= i' Gauder y. [s. li.). zu Gruiulo gehen FwE. 

Der siibst. Charakter des W. ist zweifelhaft, es könnte 
auch Inf. sein, viell. i. S. v. wnjuderm (s. ä. F.) oder von 
ijuderen, in Blasen aufgehen. 

ver-gudcre(n) II: in Verfall geraten, zu Grunde 
gehen .K\ ; BHk., M. ; Ndw. 

Vgl. verijäudere', aber auch betr. den möglichen Begriffs- 
Uborgaug von yuderm (resp. Der- /) zu venjudercn II das 
Aualogou: lotteren, wackeln, schwanken, und «/•-.- zu Grunde 
gehen. 

Gudere" OV ^ i'-- Wickeltuch für kleine Kinder 
(j iiT. Syn. Brüechli. - Kaum zu mhd. Indter. das bei 
Buner in der Kurm ijüirr vorkommt, sondern zu ifttderen. 

gii(lle(n) 1: Tauschhandel treiben, von Kindern. 
Syn. (jriitzeti SciiwE.; kleine Geschäfte mit Kaufen 
und Verkaufen machen, schachern Ndw; Schw. Er 
ll-t öppis itmme, treibt Kleinhandel Schw. De'' g-t 
iiüiiime [nicht mehr] lang! Schw. — ver-: ver- 
kaufen, z. B. er lied sl" Uir [Uhr] v-t Ndw. — Vgl. das 
nach Sinn uud Form vwdte .kauderu' und die Anm. zu tlvid. 

GSdel I (-«- L, -&- Uw) m.: 1. Magen, Bauch 
(verächtlich): fetter Bauch. Wanst AAWohl. (f); L; 
UwE.; „Schw: Zu- (St.M. Ih" (r. fülle" AAWohl. 
Eud Cime gid \idl<: F. (jiiir.i: i'lnilii-l roll; Am Marge 
chunnd der Schnnli r FinI frisst der G. roll. S. noch 
Äscher Bd I 508. — 2. Kropf L. — ,Gtidel' bei den 
Auatomen des XVI. = Netz, Omentum; vgl. das Syn. Jiiidel. 

(iüdel II -ö- Ar m.: Jauche GRPr.; unreine Flüssig- 
keit Ap. Vgl. G.-tvasser. — Zu yüdkn, spulen, sudeln, 
mischen. Vgl. auch IJudte l, i. 

Hüs- Ap; GRh. .0-8 Fuder Hausgüdcl sind zu 
verkaufen.' G Rh. Anz. 187(3. 

güdelen s. güdlen. 

.ver-güdele(n): heinilicli verscliwenden BHk." 

gäde(Il) -(t--GA.: in einer Sache zu viel brauchen, 
nicht sorgsam damit umgehen; auch mit Esswaaren; 
prassen, schwelgen, allg. Er gtidet im Geld GA. 
Z' güden und z' hetzge ha, vollauf haben Z. Negat. : 
tveder s' g. no''' z' h. ha, Mangel haben ZLangn. MH 
Vilem güdet me", mit Wenir/ sjKtrt me". Strw. .Die. 
so sich des Evangeliums güdcnd | riiliiiirii. damit gross 
tun. sieh immer auf dasselbe IhtuI'.'!, ] • l.-,:iu. Absch. 

Hülz-Güde" f.: Frau, die im Haushalt zu viel 
Holz braucht B. 

Güder, Ver-G. ni. : Verschwender; Prasser. 
Schlemmer. De'' Sparer (Hiiser) »iites cii G. ha" Gi. 
(von Vater undS.din); L; G; Z. iiiiirht ru G. Gnrrn.. 
iiherchuiint [bekommt | ot G. [eiiirn verscliwriideri- 
schen Sohn] Gl. Umgek. : De'' G. mues eii Sparer 
hau, den Verschwender lehrt die Not später sparen 
BR. .Vertuer und Gider.- 1627, Bs Rq. — „Güderi": 
Haushälterin, die nicht zu sparen weiss. allg.~ 

Hieher gehört wohl auch der Familienn. Gi'uler B; Z 
(WO .lUerdings U kurz ist), welcher schon im XVI. urkundlich 
häufig belegt ist; vgl. daneben die Namen: .KOuder.' 1530, 
Kgli, Act.; ,der güdi.' 1396, Gschfo. Ges.; ,HGUdi.' l.'J24, 
Egli, Act. 

güdig, güdisch: verschwenderisch B. ,0 güdige 
frässheit [Frcsssu( ht].- Sihachz. ,Der g. sun-, der 
.verlorne' S(diii im Kvaiigelium. Salat. .Mit dem gü- 
dischen, vertu is. du n uiol ungehorsamen [verlornen] 
Sohn.' ir)2I. StStiih. .Ein weiser mann ist nit geudig 



in Worten, sunder redt, das not ist.- Z Bib. l.^(JO. .So- 
lutus, güdig oder vertüyig.- Fitis. .(J.. güder. un- 
nütz, prodigus. sumptuosus.- Mal. .Babylo. ein frei- 
gebiger und geudiger mensch.' Denzl. 1716. , König 
Reiehart [Richard] vertet das Geld zu geudig.' 

WüRSTISEN. 

er-: verschwenderisch in Ehrenausgaben. Ge- 
schenken. Vgl. er-gäh(ig). .Hain ich ain grossen un- 
kostan gehan und bin zu vil ergüdig gesin mit scheii- 
kan, mit drinkgelt gen.' 1527. Stock. 

(lüder I: 1. schlechtes Getränk Z. ,Aber, könnet 
ihr denn solchen G. [verwässerten Most] auch trinken V- 
Stutz. Das ist kei Fitsehvär, so G., wie d' Bränz- 
träger händ. ebd. — 2. Einer, der mischt, z. B. ein 
Kufer Z (.Tucker). — Zu niidcrm I. '2 wahrsch. verkürzt 

aus Hiideiir. 

güderr(n) 1. -H-AAZein.: 1. ein gurgelndes Ge- 
räusch vei ius;[i hell, wie z. B.. wenn Kinder Wasser 
in den Mund indiiiien und es wieder herausfliessen 
lassen odn wruii sie ins Wasser blasen, in Flüssig- 
keiten plätschern AaF.: H: E: Sch: Th: Z: auch von 
Scliweinen, die im Frrss.Mi wülib'ii I,: Srn«. Syn. 
gudlen, guderen. Güdcrk". kl.in.' Dl.isrn w.if.'n. xgl. 
Gudere'I. — 2. Flüssigkeiten in klein, rn (Jniintit.itm 
unbedachtsam oder unnütz ausgiesseii. damit ^udrln 
Aa; B; E; S; Sch; ScHW ; Th; Z. Svn. ,,,„llni. ,ii„llr„. 
gotschc». srhhfdrrev. .Platsrhe,,. finfsrhm. -^.■lu-.mkm. 

ktdten lUh.id.'nllndi mis,di.-n. \n-._ ■. Wilaliivn d.T 

Wirte Hill Wrin; s.lilrrhlen W. unter guten Aa; '/.. 
Der 117)7 ,i-t im niiilj \V. '/.. 1. überflüssig trin- 

ken, liin.dn Mdiütten H; 1.: Z'i; St.'' — 5. plappern, 
schwatzen, pralilen Z. Vl-I. A)nii. m ,,mkrcn. llie 

Form mit -((- scheiut siili an i,„ii.r." MMznl.luirii. 

in-: durch eine eng.' (itinnng . in^.diiitten ; Einem 
Etwas einflössen. z.T.. \r/,in'i UM. (G..ttli.i - ver-: 

1. = >lü,h'rn, '.' AAZ.'in.. i;M..S.; „Ae; VOkte: (illh.: 
Sch; Z. ■:. .lureli Mi^. Iiuug verderl.eu. z. 1!. Wein 
Aa (Ku.. St.). Vgl. ,j,„lrra, :i. 

Güderer m.: Wiedertäufer. ,Su üch üwere g. 
teufend, ^vormit tnufend syüeh'.-' Antw.: Mit wasser.' 
HBuLL. 15:!1. 

Güderete f.: I.Lache von verschütteter Flüssig- 
keit Aa; Z. — 2. schlechtes, zsgesehüttetes Getränk 
Aa; Z. 

Güderi ni.: 1. Weinmischcn- Z. - 2. Selnvätzer. 
Prahler Z. — 3. Taugenichts, dummer Kerl Z 
(Schimpfw.). 

gü,lle", .el.i": 1 . ^ r/»,//f /( / A 1' ; H( 1, ; Gk ; ( ii! h. ; 
TnSterkl..: ZSt.; v^^^. W .Miig.'s was.dirn lloSi.; s|.ül.'n 
G IIW. — 2. allerlei Klüssigkeiten durch einimder 
mischen GRPani. - :i. viel trinken, zwar keine gei- 
stigen Getränke, aber Allerlei durch einander Uw. 
Syn. lurggen. — 4. (unpers.) = gudlen .5 a ..L; Zu". 

— ver-: auf eine verschwenderische Art verschütten 
Ap. Syn. vergüderen, vergötschlen. 

Güdlete" f.: 1. , verschüttete Flüssigkeit." 

2. „unreinliche Flüssigkeit L; Zo;" vgl. Güdel-Wasxer. 

— 3. „fades Getränk, das oft Blähungen verursacht 
VÜrte;" wässerige, fade Speise, bes. Getränk \v. 

4. das Schwenken, Spülen Ar. 

Güder II, güderen 11 s. Gr-hmhr. 
Guodise s. Wuotia-Ilrr. 



«af, gcf, gif, gof, guf, 



re.sp. 



iraff U8W. 



l'v/(i/?' .s(» ; Meli 
ailt-r Welt aus- 



An-(iaff 111.. nur in ilci- l: 
ist do alle" Lüte" im A., diin 
gesetzt ScnSt. (Sulger). 

gaffe": 1. klaffen, sich öffnen Ap; Diin. gäjfde", 
■L. B. von einer halbvernarbten Wunde Tb (Pupik.). 
Syn. gifen, rjinen. — 2. wie nhd. Wie me das' i''' g., 
wie minder das' i''' schaffe". Ineichen. Abi. Gäff'. — 
über-: übersehen, aus den Augen lassen. ,T)ass wir 
unsern nutz nit ü.- NMan. — uf-; aufklaffen, z.B. 
am Holze Ap, sich weit r.itii-ii, ,!i tasc-hen sollen in 
[den Appenzellem] u. [zur ll./,ililiiim .'Iner Entschädi- 
gung an den Abt von Stiialb n|.- X\'.. Lied. - er-: 
ersiKilin,. i<. .h,i,(,fni,i l'„l 1 1'_'17. ver-: rr«.. sicli 
in, Stann.'i, vrrlirreii. all-. .Narraiitis ruiijuiix priidet 
ab nie viii. vrruaffet sich an ireii mann, last [iiorcht] 
im flyssigklich zuc Fris. Gaffend Etwas übersehen, 
allg., sonst wie nhd. 

tiaffi in.: Gaffer, allg.; als Schimpfvv. bes. unter 
Kindern W. 



f. : ba 



Henkelkorb 



(iäfel 111.. G 

PAgcr; TB. 

fiaffiir aus it. rin-iiijmi, waadtl. cuvaijm; grosser Korb, 
Tragkorb: vgl. aucli «och coinask. ijuvel, krummes Stück 
Werkholz. 

Gafelc f.: Holztraggestell BSa. 

Syn. Gallie)!«, aus welchem es durch Auswcichuug, da 
/ Hud h auch sonst wechseln, eutstanden sciu kanu. 

vergafle»: (tr.) beim Ausmcsscn durch Schütteln 
des Messgeschirrs wieder einen Tfil der Flüssigkeit 
aus demselben herausschleudern, so dass der Ab- 
nehmer in Schaden kommt BG. — Viell. identisch mit 
venjaUcn; vgl. aber auch t/ejl'kn. 

Gäff m.: einfältiger Mensch B. Wenn 's Ernst 
gilt, stat d'r [ihr] da wie d' Gäffe'. B Hink. Bot 1S19. 
Zu gaff'en. Syn. Göff'(elJ. 

«anf I BsL. (tw.) „m.-. „Gaufc f.-: 1. hohle Hand 
BsL. ,Gleicli einer gauifen und handhöle.- Tierb. 1563. 
.Die g. seiner [des Bären] datzen sind fleischecht.' ebd. 
,Zimmet ein g. voll.- ebd. .l'er nauff, raitthöle der 
band oder dos fuoss, vola.' .Mal. .IMc i;auff, holehand, 
gäise, vola, cava pars manus.' l!i:ii. lijvi'i. .Davon ich 
deine und meine kliker alle zuijb'irh aus der g. darein 

r.db- (111 das -nilileinl. iiele e^■n tiiM. i sipir -lobulos 

uiiiii,., ^iiiiill de \"la in iUuiii .„iijiri".- el.,!. ,Vola, 
Hole dcrllaiid. Handteller, Gauffc.' Denzl. 1G77; 1716. 
S. noch fachten Bd 1 662. — 2. = Gaufei 2 „L-. 

Mhd. iinufe. f., hohle Hand. Fris. braucht erst in der 
.Vusgabe von 15(58 das W. als Masc. 

Gaufei III. .,Aa: B; VOrte; S;' ZO., Gaufeie 
Aa (H.); BS.. Si. (kufele); Ltw.; S; ZBenk., Gaufle 
AaEIu-.; Bs; BBrisl.; Gl; LG.; ScH; Ndw: ThHw.; Z 
(-/■'- Kn.), Gaupfle, Gö- TuSteckb. — f., Diin. Gäu- 
fell: \. = Gauf II. .Aus der Gaufei trinken.' Spreng. 
.Nimm eines jetlicheii [Krautes] anderthalb gaufei 
voll.' .JRLandenb. 1608. .Vola, die Handhöle, Gaufle.' 
Vestib. 1692. — 2. die einfache oder doppelte Hand 
voll. ,Pugillus, Fäustlein, Gauflen. was zwischen 
3 Finger genommen wird.' Denzi.. 11177: dalür 1716: 
.Gaufflein.' Spec. a) was in der Hehle der i;-.-.-,tfneten 
Hand (resp. Hände) Platz hat; vcrscliied.'ii vm, Ihuiipjle, 



der geschlossenen Hand. allg. E ganzi G. Salz der 
Chueh inne ge". D' Hochsiglüt händ ganz G. Rappe' 
zur Gütsche" usg'rüert [geworfen] Z. .Geld bei Gau- 
fein auswerfen.' Spreng. — b) was eine oder beide 
Hände mit gespreizten Fingern büschelweise zu fassen 
und halten vcrniügen. Wisch. Büschel, allg. I''' hä 
i}' ( 'lirii'si :' diiK/liir'is iilizrii und ieg'schoppet [gepflückt 
uii.l 111 dri, .Mund uv>rli.,l„Mi|. JSenn 1864. Ganzi 
Gaa/lc Bliiauli '/.. J/c" [maii| rauft-ene ganz G. Hör 
zu'n Chüpfen-us. Stutz. E G. Schlier Z. .Ein Wisch 
Hanf, den man zum ,Reiten' [Brechen] zwischen die 
Finger nimmt und zwar so, dass die ,Hauptete' ein- 
wärts in dir le.lib' Hand ZU liegen kommt. Geschickte 
Ail"iieriiiieii leL;vii über jeden der 5 Finger einen 
'l'eil Aa/(1ii. Svn. ]\'iisch. Auch: was man mit Hän- 
den und Armen "umfassen kann, Armvoll BsTerw.; L; 
'l'nHw.; ZF. Syn. Arfel Wiiilelricd iimfussef e Gauf- 
fi'le Spiess. L \'aterl. 1877. E Gaiijlc roll, eine Menge 
übh. ZKn. — 3. Gaiff'le. ein etwas plattes Schöpfge- 
schirr mit Handhabe Ndw. 

Das W., in welchem wohl j"^ der ursprüngliche Laut ist, 
der aber in SchNnk, und ZKn, zu /' geschwächt erscheint, 
ist Weiterbildung von IJauf I. wie auch bair., kämt, und 
Schwab, (/au^eii, Guuffel und ahd. mnfana, aus welchem schau 
auf lautlichem Wege unser W. direkt eutstanden sein könnte. 
Weniger einleuchtend ist die Annahme, es liege Huuf-voll 
(vgl, Arfel aus Arm-voll) zu Grunde, — Zu 'i. Das fragliche 
Schöpfgefäss (auch tir. und bair. so benannt) ist ein der 
hohleu Hand, dem iirimitivstcn Schöpf- und Trinkapparat, 
ähnliches, O'opfle (vgl. auch Gaupßete) lehnt sich lautlich 
viell, an Hampße an. 

gaufe(n), gaufle(n), Dim. gäufelefn): 1. mit 
vollen Händen schöpfen, fassen, allg. Vergessed-mrr 
nüd, Heu ander de" Chle z' gaufle" ZWettschw. :\lit 
liohlen Händen häufen, z. B. ein Mass (auch «/'-). — 
2. gaiffle", mit der Gaiff'le" (s. o. Guufel .i') schöpfen 
Ndw. — ,er-: mit beiden hohlen Händen erlassen." 

— Gaufete, Gauflete, in GrD. auch Gaupfitn f.: 
= Gaufei 3 a u. h Aa; Gr; Z: ,B; VOrte; S." — 
gaufete(n). nur als Inf.: beide Hände voll nehmen 
GnPani. — „gaufig, gauflig, Dim. gäufelig: ge- 
häuft voll Aa; B; VOrte; S;- Z. ..Als Adv. gauf- 
lige(n). Dim. gäufelige(n): mit beiden liohlen 
Händen." 

(ianf II: Schelte für Kinder G 1799. - Vgl. östr. 
(i'auj)', alberuer Mensch, sowie unser Oof. 

vergaiiferen : verspotten. .Also hat er in ver- 
goufret.' ZiELY 1521. 

Ebenso iu einer alten wUrtembergischou Kireheiiurdu. 

— Wenn an beiden Stellen verschrieben fUr -on-. so wäre 
das W. identisch mit ver-i/elfcren. 

„(lef f.: Zucht, Ordnung, disciplina; nur mit nc", 
ha*, in der BA. : !•"'' han-en i" der Gef, ich treibe, 
ängstige ihn von allen Seiten LE." Syn. in der Egi 
hau Bd I 143. 

gefele(ii): nicht fest schliesseii. lese gefügt sein. 
wie Türen und Fenster, die bei dem geringsten Aii- 
stoss klappern Uw, — Wahrsch. Dim. -Form zu mhd. ,j,triii, 

Nbf. zu giinen (vgl. fß/cn). 

G(e)gefel n.: 1. das Klaijpern Uw. - '_>. der 
klappernde Gegenstand, ebd. 

Gcfele" f.: Klappermaul, vorlauter Mund, weniger 
veräehtl, als Gosche LG,; Uw. Auch für das ganze 
Gesicht, Ei"-m Ei"s über d' G. haue" L. Syn. Gefräss. 



gef. gif, g«!'. t,ni 



(ieffelin n.: Wurfspieß (?). .Hat d.Mi huet, das 
barett und g. bracht.- 1476. L Beutevodel. 

Das sonst unbekannte Wort scheint Syn. und vielleicht 
identisch zu sein mit Sdiuffdin, Schaf- (s. d.) und eine 
Mittelforni zwischen afrz. (jimlut und nfrz. juveUnc, Wurf- 
speer, zu repräsentieren. 

tieffern : wahrsch. ein 8toff. .P'ilz, Geffeni. lynin 
Költscli.- 1571, Z Inv. 

Es kauu an frz. damm-mfurd, Halb-Üaniast, und mlin-c, 
Halb-Atlas, erinnert werden; vgl. kafßn. 

geffle" GoT., fjö- GO.: 1. unnötiger Wei.se in einer 
Flü.ssigkeit lierunirüliren G oT. Syn. flätschen, güfflen. 
— 2. unordentlitdi aus einer Schüssel essen GO. Syn. 
sch)nati(jen. — Gefllete f.: Mischmasch als Überrest, 
so z. B. eines Getränks G oT. 

Der Übergang von e in ö vor/ ist lautlich leicht möglich, 
OS kann aber auch Anlehnung au Oöffel, ungeschickter Mensch, 
Statt gefunden haben. 

Gelffe" f.: Kegel (im geometrischen Sinn); Fach- 
ausdruck der Spengler. 

geiffig: konisch ausgeschnitten. — Zu huh. yuiffin, 
1. aus einander stehen. 2. ausschneiden. 

(ieifer, in Gr tw. f, in Z Gäufer, ikeifer GkD., 
Obs. — m. : 1. wie nhd. allg. .Der Fluss oder Geifer 
von den Franzosen.' FWürz 1634. — 2. GeiferfUj, 
schwaclier Schneefall (von 1 — 2"), dünne Schneedecke, 
„die den Boden nicht zu bedecken vermag" GRHe.; 
GRli. Es hat nw no''' e GeiferU [Schnee]. Syn. Glfer, 
Glfle, Blser. — Zu 2 (etwa so viel als .Geiferanftug') vgl. 
das Syn. Spumete, Speichel; schwaches Schneegestöber. 

geifere", gäu-, ikei-: 1. geifern, Speichel aus- 
fliessen lassen, bes. wie kleine Kinder, wenn sie die 
Zahne erhalten, allg. Vgl. Geifer- Ueli. .Dass solche 
Wunden kein rechtes Excrement von sich gaben, sonder 
nur geiferten und wässerten.' FWürz 1634. — '2. „(gei- 
ferlenj ganz schwach schneien Gr." — 3. schwatzen 
(verächtlich), viell. in diesem S. die RA. vom Vogt, 
s. Bd I 704. — vcr-: durch Geifer verunreinigen, 
allg. — Geiferi m.: Schwätzer; Spottn. übh., eig. 
ein Junge, der die Unart zu .geifern' noch nicht ab- 
gelegt hat SL.; Z. — Geiferli"g m.: Speichelaus- 
wurf, z. B. auf dem Boden aScnw. Syn. ühöderling. 

({eifetsch m.: kalter Nebel, Frostnebel W. Vgl. 
glf'ren. 

gife(ll), giffe(n), gif(f)ele(n): 1. ..bersten, von 
einander klaffen, zunächst von hölzernen Geschirren 
B; L." ,Gifele, Ware.' Id. B. Sich spalten, z. B. von 
Nusshülsen BS. Gife", aufgehen, aufkleckeu BsL. 
(Spreng.). .Si tratt'end dz tor. dass es an allen orten 
ufgiffet und zurspielt [zerspaltete].' Edlib. .Zerspalten, 
sich auftuon, gyffen, aufklecki'ii. il.'hi-r.i,.. discedere, 
terra dicitur.' Fhis.; Mal. 'J. Kjif'ih'i felilerhafte 
Falten werfen (vom Kleide) S. — :l. \ erlangen tragen 
(nach), begehrlich sein. .Der faul uncl trag geilfet, 
er hat aber armuot.' 1531, Prov. = .die seel des faulen 
begert.' 1548. ,Der auf geit gyft'et, der machet sein 
liaus unrüewig.' ebd. 1548/60; = ,wer dem Geiz nach- 
hängt.' 1683. ,Diss ist der brauch deren, dieaufguot 
gyflend.' ebd. 1548; = ,dem g. nachhängen.' 1667. 

.\us mhd. giwen, das Maul ; - i-in .mI u. S. noch 

yiiirni. Die einigen MAA. eigem \ i ■ Irs /" mag auf 

Anlehnung an das in Bed. 1 syii. ' m Her Zshang 

der Bedd. 1 u. 3 erhellt aus "f.jIt'LiiJ.ai IJcltg. „Sie geiffeten 
Schweiz. Idiotikon II. 






f bodun auf einen spatregon.' Bib. 
sperrten ihren Mund auf.' Zu 2. 
im Tir. auch die Bed.: nicht gut 



Bair. yalfeni klaffen, hat ii 
anliegen, Falten werfen. 

Gif(f)e" f. (meist Dem.): Spalte. M'r wend-nen 
Gifeli off' lo", die Türe etwas offen lassen, nicht in"s 
Schloss legen Lf- 

Gifer GrL., -fert GrRIi., mfer GflPr. m. : = Geifer ;?. 
Es hat nur eso as Glfer g'schnit GrL. 

Yiell. im Ablantsverhältniss zu Geifer stehend, viell. aber 
auch gemeinsamen Ursprungs mit dem frz. givre m., Rauh- 
frost, Rauhreif. Das Ntr. aus GrL. ist wohl als Coli, zu 
verstehen. 

gifre(n): langsam, zart durch den Nebel schneien 
W. Syn. geiferten, glflen. Vgl. Geifetsch. 

ergifern s. ergüfern. 

(ilflz, ,Gibiz', ,-fix', -wix ZS., Gewitz (in Flurnn.) 
Bodensee — m., in Z f.; 1. Kibitz, vanellus cristatus. 
.Albertus u. A. nennend diesen vanellum, zu Teutscli 
Gyfttz, Gywitt, Gybitz, Kywitz oder Zweiel.' Vogelb. 
1557. ,Der leidig spatz, der trybt vil geschwatz, dem 
gyfutz tuot er [darin] glychen.' Vorelgesans 1560. — 
2. Möve, bes. Seeschwalbe, sterna hirundo (,deren es 
eine grosse Menge in der Lützelau.' HEEscher 1692) 
und Lachmöve, larus ridibundus ZS. ,Ein weisser 
wasservogel, capra vel capella.' Mal. .Givitz, Gyfl.x, 
capra, larus, gravia (1. gavia).' 1»f\zi.. 1716. 

Mhd. </i7)»k-, ißtoitz, nach dem lii.lu.i ■]' ~ Vn^'els: ,ki- 
witf. tf 1/12 noch bei Mal. ; Cys, li.i.l; l.'il liii.J; HKEsch. 
1692; HUWeber 1695. Für B.j.l. -J IkiI «.ihisdi. der ge- 
meinsamen schreienden Stimme wegen Verwechslung mit (üriz 
Statt gefunden, welches auch in Bed. 1 vorkommt. 

Glfle" f.. Dem. Gif,ßti: = Geifer 3 GrD.. V. — 
Nbforni zu (h/er. 

gifle(n): eine dünne Schneedecke werfen. Es 
hat g'giflet GrV. 

Gieffe s. Guefe. 

Göf I, Gnof ZTurb., PI. (?d/ GrD.. Pr.; Sc»« tw.; 
Nnwtw,, scinst r;o/e». Dem. tfö/yi GrL. - in. „uAa;" Ar; 
Gl; (ii;; 'IG. Sa.. oT.. W.. f. ThHw.; ZA., n. VOrte; 
GA.. <i.. f. (Sl.'i. m. für einen Knaben und f. für ein 
Mädchen 7a:,: Z tw.: Kind, weniger edel als dieses W. 
und von ilim verdrängt, in einigen Gegenden jetzt 
schon auf den PI. beschränkt oder nur in scherzendem 
oder geringschätzendem Tone gebraucht Aa; Ap; B; 
VOrte; Gl; Gr; G; Z, Syn. Gösch. Iron.: du guets 
Göfli ScHW. Me" muess d' Gofe vergmnpe" lo' G (Sprw.). 
Wenn 's Müeti hi de' G. sitzt und Tag und Nacht 
um 's llrnill, sclurit^t Uw (Schwzrd.). Wer uns,, bis 
über ,rs .I.ihr \ ikhIi der Hochzeit], es hiun„1 ihr rs ihjjli 

am l;n,l.-_ AmuiiLINI'H 1S5'2. D'G. „mrliJnnl .rhW. 
aber ,1, Ali.: \V:U-n>] ,n„.l imrh „i,l (iu ( Seh« zv,l. I. 
Wcini ,ln, (I. lunii I,. „„■ ' »,„/ sni (r.. s„ rhinnit mui 
G. 11,1,1 inl ,h,n (i. (Srlil„,i,i, iUiss dni (i. Wim U. 
nümme seit (t. G (Spreclispiel). An einigen Orten mit 
Ausschluss des Säuglingsalters, in GRÜhur Göfli da- 
gegen Kosew. für einen Säugling. Beschränkt auf das 
Alter bis zur Communion od. Confirmation Ae; GRh.; 
Uw; vgl. Zuehin-gän-Göf; in GA., oT. dagegen im 
Verhältniss der Kinder zu ihren Eltern ohne jede 
Altersgrenze gebraucht. In uAa; Ae; G oT.; ScnwMa. ; 
ThHw. als Sg. ausschliesslich oder vorwiegend = 
Mädchen, als PI. dagegen unterschiedslos Kinder übh. 
Der Choli [eine Kuh] ist jetz exakt so alt, a's de'l de' 



Gaf, gef, gif, gof. gnf 



Guf [die erwachsene Tochter]; er ist e Chalb g'sl", 
iro de'- G. im s^be" Sturm uf d' Welt cho' dst. Feuker. 
Als Schimpfwort: .Maulaff L;" faule, nichtsnutzige 
Weibsperson ZA. 

Im Bregeuzerwald Hub, bair.-östr. Gög; betr. den Laut- 
wandel vgl. die Synn. .Kobel', , Kofel' und ,Kogel', sowie 
t;ubel. Gu/el. Giigel. Das W. verhält sich viell. zu Gau/ II 
wie Goch : Gauch ; s. Weiuh., AI. Gr. § 42. Betr. den" Be- 
griffsübergang wäre daran zu erinnern, dass nach mittelalter- 
licher Anschauung die ,Dummheit' als Charakteristikum der 
•lugend galt: doch vgl. auch Anm. zu Gsf II. Das gram- 
matische Geschlecht richtet sich entweder nach dem natür- 
lichen oder nach demjenigen des W. Kind. Der Gebrauch 
des W. ausschliesslich für Mädchen findet seine Analogie in 
dem ganz parallel gehenden Z Gebrauch von Kind. 

Zuechegä"-Göf: zur ersten hl. Gommunion zu- 
gelassenes Kind UwE. S. zuehin-gä". — Bettel-: 
Bettelkind Ar; GT. — Schnei-: Schulkind Ndw. - 
Sehn u der-: verächtlich von einem Backfisch, er sei 
HO''' gad en Seh. Ap. Vgl. Schnuder-Bueb. 

göfele": elie Art der Kinder an sich haben, tän- 
deln, kindisch reden und handeln Ar; G; Schw; Uw. 

Göfelete. Göferei f.: Kinderei Ar; GA. — 
göfelig: kindisch, läppisch Ai-. 

(iöf II f.: 1. kleines Gebund rohen Wergs oder 
Flachses, ehe er gebrochen wird BoHa.; W. — 2. (PI. 
Göfe') Garben W. 

Es liegt iiubf, au <linif I x' zu denken, allein der betr. 
Voailwecb>rI i-i l. n j- -i MAA. tr.ijid. Dagegen Hesse sieh 
für die Z>.' ii -! :: n 'i / // und Gnf I als Beispiel 
einer aiiainj i I: -> i' ' ,< i I, lunu' Tuckcle anführen, das 
Puppe, dauu ;uil1i liu iiuiiJ Wuig bedeutet. Dafür, dass 
umgekehrt 6'u/ / aus Guf II abzuleiten wäre, Hesse sich 
Biindel, scherzw. auch = Kind, vergleichen. 

GSferc" (Gu-) I f.: = Oflate 2 Bd I 115 ßs; S. 
.\n einer Mahlzeit des Magistrates von Sch erschienen 
im 3. Gang oder zum Schlaftrunk .Gofferen-. Für 
.•_>8 Dotzet G. 1 fl. 39 kr.- 1709, ebd. 

Frz. yaufre f., Waffel, daher als Fremdw. mit schwan- 
kender Lautform f und f°. Vgl. noch Bs Kochb. (Stupanus), 
S. öS u. Zwinger 1696. 

Göffere» II AaSI Cf'J; Gl; Gr; UwE.; Z tw.. Giifere 
Bs; BE., S.; S; Uw; Z, Göfere Xf — f.: ReisekoiFer. 
iillg. .Cista: ein käst oder trog, ein coffre, reiskasten.' 
Fris. .Die Goffer, Eeiskiste, riscus, loculus.' Red. 
11J62. .Das güiferly.' 1663, Ap Volksbl. ,.\rca canie- 
rata, Koferen, Reiskisten.' Denzl. 1716. ,Ein Reise- 
kufFer.' S Wochenbl. 1817. 

Frz. coffre m. Das Genus unsers W. viell. durch die 
Kndung, viel!, durch das Syn. Kiste bestimmt. 



Ms 



ith-: 
rofferie 



einfacher Holzkoffer f. Dienstmädchen Z. 
ren (-u-): beim Plätten von Zeugen die 



Spitzen fälteln, ihnen eine wellige Form geben Bs; Z. 

— Frz. rjaufrei; modeln. 

Geifert in der Verbindung bi oder bim G. : eine der 
vielen euphem. Verdeckungen des Namens Gottes Sch. 

— Viell. nach Analogie der Personenn. auf -ert gebildet. 
Goffet: s. Büffet. 

g(e)goffef: von Rindvieh, bes. Kühen, wenn ihr 
Schwanzansatz hoch, der After aber tief liegt GaPr. 

— Von ahd. ^o^?'« (bair. Goße), Hinterbacke. 
Goffig s. Kavig. 

,Göff», Göffel (i-- BSi.) - m.: 1. Einfaltspinsel, 
Tölpel .,B; L;'- S; Z. Syn. Gätf, Göl, Löffel, Toffel. 



,Dass sich die jungen götfel und oltuialen auch die 
alten narren uf erbguet und gewnnnes guet verlassend.' 
HBuLL. 1527. ,Ich tuen nit wieder eilend g.' Aal 1549. 
— 2. ein etwas missratener Junge BSi. - Mhd. i/efel, 
yöffel, Gaffer; zu gaffen. 

göff(e)le(n): 1. klaffend aus einander gehen ZB.;. 
von Kleidungsstücken: zu weit sein, nicht anliegen, 
lose werden, in der RA. y\ßfflet sl" B; ..LE." Vgl. 
göfflig, gaffen, gloggen. — 2. „tölpelig sein, gleichsam 
mit offenem Munde hin und her gaft'en, zunächst von 
Kindern;" Maulaffen feil halten, sich einfältig (wie 
ein Göffel) benehmen B; L; S; Z. Umme </., gaö'end 
umher schlendern ZStall. Ei"'ni wo"''-, ihm einfältig 
nachschauen S. Er het g'se, ''ass im d' Liit :ii de" 
Fenstere üs nögöffle, wie icenn er Hörtier liätt. BWvss 
1863. — Mhd. geff'eh, Dem. von f/«/«i, 2 kann auch direkt 
von Gbffel abgeleitet werden. 

„göfflig: 1. klaffend.'- — 'L ..einfältig, tölpelhaft. ' 

ergöfere(n) s. ergüferen. 

Göffl: Personenn.. Gottfried ZS. 

Guf, gufe(n) s. Gluf usf. 

Gllfel m., PI. -«-; naturliche Huhluni,' in ein. in 
Felsen, wo etwa Herden Schutz suchen (tl: GÜ. Syn. 
Balm. Vielfach erhalten in Flurn. Gufeli, Guflcn, 
Arzet-, Geiss-Gufel, G.-Bach, -liüti, -Stalden, -Stud.-. 
Walen'guflen. 

Viell. steht das W. (wie Gußr, Gii/el, s. dd.) im Ab- 
lautsverh. zu Gauf I, indem sowohl die Aus- als Einbieguug 
des Felsens verstanden werden kann; vgl. GubcJ. bair. A'r./W, 
Kufel und tir. Köfel, einzelner Stein. 

Gufer (-f(- St.-, i- BR.) Gü- GRMal., in. BO.; Gu 
Chur, Pr.; „U; W", n. BR.; GrL.; UwSax.; WGräch.: 
1. kleinerer Felsblock (Ggs. Tosse) UwSax. ; einzelner, 
kleinerer Kieselstein W. — 2. Geröll (feineres. Ggs. 
Goll B oHa., It St. aber ,grobes'), Schutt aus Kies. Erde 
und Steinen, als Produkt von Überschwemmungen. 
Verwitterung. Felsstürzen, bes. an wilden Bergabhän- 
gen die schwer passierbaren Bisetefn) bildend BO.; 
Gr; iiW.; „U: W.~ Unter der schwarza Wand in 
dem G. lian i''' nen gfunda' GrD. (Schwzrd.). .Seine 
Weiden vom G. räumen.' B Landw. Wochenbl. 1847. 
.Die Kirch hat 's angefüllet mit Guffer, Lett und Sand.- 
LiED 1762. .Weiche Morasterde zwischen den rauhen, 
ohne Ordnung liegenden Felssteinen.' ScHErcHz. Spec. 
Schutthaufe, welcher über den Gletscher hinunter, 
bes. in der Mitte oder an den beiden Seiten den Tal- 
rändern parallel (als sog. Guferlinie) sich zieht, ver- 
schieden von den liuorlaufenden Moränen (s. Gandeck) 
BO.; Gr; U; W. Schutthügel GW.; „Erhöhung, Hügel 
GRPr." Steingefilde, mit vielen kleinen Steinen ge- 
mischter Boden BE.;GRPr.; WGräch. Steinschlucht Gr. 

Vgl. Anm. zu Gu/el. Das W. lebt auch iu Flurnu.: 
A-B-C-, Fux-G. W, Guffer-Honi Gr. Der Zürcher Rolirdorf 
1828 braucht G. als f.; es ist in der Form mit / — wie 
schon Lusser 1828 schrieb — in die Wissenschaft aufge- 
nommen worden. 

gufere(n) I, guffre": 1. Steine werfen. — 2. (fr.) 
Jmdn mit St. bewerfen W. - Vgl. tir. iö/A. in Bed. I. 

ergüfre" (resp. -Ö-), „ergöferliche": 1. den 
Boden durch Reinigung von Geröll verbessern BK. 
Übtr. : „Etwas in Aufnahme bringen, z.B. sein Ver- 
mögen BO." — 2. ökonomisch od. physisch sicli wieder 
erholen, wieder autieben BO. .\iich refi. 



i:w 



Gaf— gnf. Gaft— gutt 



Bed. 2 ist viell. insprUnglich Eins mit dem Syn. rH-üfirn; 
das W. hätte sich dann aber au Gttfer angelehnt; denn wie 
der Gletscher nach dem Volksglauben alles Fremde ansstösst, 
so gesundet der Kranke durch Ausschwitzung des Krankheits- 
stoffes. 

.ver-: mit Schutt bedecken." 

Guferete f.: Endmoräne od. Halde mit urössern 
Steinblöcken BGadm. 

guferig: steinisr; g'g-e Bode" BR. 

Über-6nfer: Fedevdecke GRSch. 

Gehört wohl als Fremdw. zu rätorom. rurrir: vgl. i-iirrin, 
Pf.'ko: in B cmnrl, Bettdecke. 

..Stein- (iliiferli : Ka))uzinerkvesso . troiia'ohim 
niajus B." 

Wahrsch. liegt Gue/e in entstellter Form zu Grunde; 
denn die Pflanze wird etwa auf Randsteinen der Gartenbeete 
gezogen und hat Blüten von der Form eines Helms oder 
einer Haube mit Zipfel. 

gufere(n) II s. ghifere". 

Gnvionli AaZ., -f- AAHolderb., Günhmli A.iFri.. 
GtifenönH AABb.;^p; ,F.;~ Z., Goffhmile AaZ.. Giife- 
hünli Aa (Mühlb.), GufenöK Tu, K/ovinönli AAKlingn. 
n.: wolilriechendes Veilchen, viola odorata. Scherz- 
reim : Guviönli, Geisse mache Bönli, D' Schnulere lese' 
s' üf Und mache" gueie Kaff'e drüs AAZein. Wild 's 
G., viola silvestris Aa (Mühlb.). 

Die Formen gehen hervor aus Viönli mit einer Vorschlags- 
silbe wie AfßOnli und Bavenonli fs. dd. und auch Viole. II, 
Bd I 10.5 u."6.'53); darauf trat tw. Anlehnung an Guf, Steck- 
nadel (s. Gluf) ein, so dass das W. als ein Comp, betrachtet 
wurde: s. auch Jo/e-Hüenli. 

gnfle(ll): schlagen S. — Vgl. i. gl. S. mhd. u. bair. goffcn 
V..M (loj)\ Hinterbacke, und .Kuffen', Schläge hei Gr. WB. 

(lüfel fl;-J m.: stumpf zugeschnittener Bergkegel, 
Gipfel BSi.' 

Viell. vwdt mit Ouhel; vgl. aber auch duin', zu welchem 
unser W. sich verhält wie Kopf: bair. Knfel. S. noch Uufel, 
iJufrr, Gügel und Anni. zu Gnf 1. 

Güfi I (resp. -i-\. ,Güffi~ n.: 1. zur Aufrüstung 
des Wagens (resp. Schlittens) dienende Vorrichtung, 
Wagenkorb, a) Sitz-Gestell, -Kasten, für 1-?. Per- 
sonen, auf dem .Berner-. Spreng-, oder Reit- Wagen', 
welcher den Bauern die .Chaise' versieht, aufgeschnallt 
Bs; B; L; S; in neuerer Zeit bes. auf dem Müller- 
und Metzgerwägelchen Bs. P'' herzhaft snegfahre, 
immer teiifer i 's Wasser, his 's m'r o/V- /" '.■. (iiifi iinie 
g'hiKfei! isch. BWvss 1863. letz eismoU ,,nt ,w llV„/,7( 
der rorder Aclixungel üs; 's G. het ahfiinnhi : 's J>oss 
ist viit im Viinniiifli 's Dorf itf, 's G. mit mir and 
mit-eiii Mihi 's J)nrf ah. ebd. Er nimmt sis Berner- 
spreiii/iriifiili :iim Wageschopf US, iro-n-er schön griien 
het lo asfri/che-n-Kud netti, geh and rofi Sterne-n uff 
's G. het lo' mole. Schild. — b) auf das Unter- 
gestell errichteter Wagenkasten, sei es aus Brettern 
(Syn. Hurd, Banne) S. Leitern oder Flechtwerk, zum 
Waarentransport BsL.; S; Uw; .B." — c) Schrot- 
leiter aus 2 durch Querleisten verbundenen Balken 
(Rundholz), den sog. Gifi- (Tifi-) Bäumen (s. d.), zum 
Transport von Fässern, bes. des Jauchofasses AAFri. ; 
,B.- -- d) Kasten am (zweirädrigen) Milchkarren, 
in welchen die Milchtansen gestellt werden L. -- 
2. = Güfi-Wagen BsL.; S. — 3. Holzgestell zum 
Tragen von Lasten auf dem Rücken Aa. Syn. Gable', 
Gafele'. — 4. Grimasse, verzogenes Gesicht AAWohl. 



I-at. cäphimi«, grosser Korb, Tragkorb, woraus frz. coffn 
(d'un carrosse), Wagen-, Sitzkasten, und co/fin, Körbchen. Anch 
das Syn. Hurd bedeutet eig. Flechtwerk. Zu erwägen ist 
viell. auch das latinisierte covinnus (cmnnitn) : 1. keltischer 
Sichelwagen. 2. von 3 Seiten verschlossener Reisewagen. 
Vgl. noch ,Kober', von Spänen geflochtener Korb (Frisch), 
,Kobel', Kutschkasten bei Gr. WB. 4. eig. eine scherzh. 
Vergleichung mit der eckigen Gestalt eines Wagenkastens. 

Mist-: Wagenkasten zum Tran.sport von festem 
Dünger, dasselbe, was in einem Inserat .Dunggüfi' 
genannt wurde L. Syn. Misthänne. 

Güfi II ni.: Schlaukopf (iron.) ZKn. 

Vgl. Güfi 14. sowie bei Gr. WB. ,köffeln', betrügen. 
Hieher viell. der 1529 in den Absch. genannte ,Gnfi' von 
AaDött. 

giiffle": eine Flüssigkeit beim Trinken, Waschen usf. 
vergeuden, damit unordentlich umgehen GLichten.st. 
S. das Syn. geff'len. 

Güfflete: Unordnung von verschütteter Flüssig- 
keit. — Hülsche"-: Schweinetränke, mit Kartoffel- 
häuten (Hülsen) und andern Abfällen im Spül- und 
Abwaschwasser. Do het er [der verlorne Sohn] gern 
sin Buch a'gfölU mit Hidsche-G., wo d' Schwi' fresse' 
G oT., It Dial. 

Gueffe", ..Guffe 1.; Z.^' - f. Dim. „Güefi% Gueß: 
eine Art Kopfbcilrrkuiii; I.; Zg; eine hohe Weiber- 
haube Ndw. ..ILiubcheii mit '2 steifen, zu beiden 
Seiten empor gerichteten Flügeln aus Spitzen, ähnlich 
einem Paar aufgerichteter Schmetterlingsflügel ,,L'-. 
an Pesttagen getragener Kopfschmuck. Syn. Hübe, 
Öre(n)-H. Im engern S. das zwischen den beiden Flü- 
geln befindliche, schiffähnliche, papierene, mit schiin 
gestickter, kostbar verzierter Seide überzogene Käpp- 
chen, das die zsgedrehten Haare (s. Bunggeli) bedeckte 
und mit einer silbernen Spange an Stirn und Hinter- 
kopf befestigt war; oft im Werte bis zu 150 Fr.; 
reichere Frauen befestigten an diesem Käppchen, bes. 
an Kirchenfesten, noch ein Kränzli (s. Eosenhiibe). 
In der Trauer waren Käppchen und Verzierungen von 
schwarzer Seide üblich. ,Auf die Hochzeit kaufte sie 
nur für eine Dublone Hauben und Gufli und .sagte; 
.letzt habe ich für mein Lebtag genug.' LKInderbitzi 
1824. - Aus frz. mlffe. Haube; wenn die Form Giißr richtig 
angegeben ist. so stände it. cuflia näher. 



Gift: 1. (f.) Schenkung, Gabe, neben diesem W. 
häufig in d. ä.Spr. ; s. die Compp. — 2. (n., [f.], in Ar m.) 
wie nhd., eig. u. bildl. ,Der raortlich liumd von den 
Juden was,« dass .si alliu wasser vergift hätint. Diu 
selbe gift des ersten von den roten Juden kam und 
was vernieret mit unken und was als unrain, [dass| 
sweliches mensche mit der gift verserct ward, das lept 
nit länger denne an den dritten tag.' 1.336/40, Z Chr. 
.Zuge der Stein die Gift [Pestgift] und den Schaden 
aus dem Lyb.' JLCvs. 1661. (Vgl. Erbgift). RAA. 
's G. schlod-ena [ihnen] iise, eig. ; der Krankheitsstnff. 
die Unreinigkeit erscheint als Pustel. Hitzblatter. 
Finne auf dem Gesicht; bildl.; die Bosheit schaut 
ihnen [in diesen Geschwüren] aus der Haut Ar; (ti,; Z. 
Er het im 's Gift [die Kraft] g'nu. Si'i.fiER. Haue" 
wie G., von scharf schneidenden Instrumenten, //a.wc" 
ivie G. allg. Zur Beteuerung; Es ist eso, du chasi 
G. drufne". Formelhaft eine Verneinung verstärkend: 
fleh tue 'nj se [so] lüf-el a's G., um keinen Preis GS:i.. 



135 



Gaft. i^eft gift, gott. gult 



GHeid. 
il zwar 



beiden 
I .Gift 



W.; wie Cr. nit (auch: u: G. ii. Töden mit GrPi-.). 
unter keinen Umständen, gar nicht Gr, eig. .so wenig, 
als ich mich zu G. verstünde.' Er hätte mer nid wie 
G. [von der Medizin] i'g'nun. Aber auch ohneNeg.: 
schaffe' wie G., gar Nichts arbeiten GrD. Han dar 
etta weh gatäfi ? Antw.: Wia G. Hieher gehört viell. 
auch die Angabe: ^Wie G., leicht, ohne Zweifel Gr", 
wenn man sie ironisch verstehen darf. Syn. s. bei 
Flauche. Wenn d' G. schisse" witt, schiss as grad 
zetitnertvis, wenn du boshaft sein willst, so sei es niclit 
nur verdeckt GrD. S. Giftschisser. Groll, Hass, in 
der RA.: Es (en Ap) G. uf Ei"'n ha". Persönlich: 
boshafter Stichler, Giftler ZO. -- 3. Eiter, der aus 
einer Wunde fliesst GrS. 

Mhd. (jiß f., Gabe, Geschenk; Gift. Als 
1732; AvHaller; Finalpr. 1776 u. Hl'.-r. 
i. S. T. 2. In der Bed. .Groll' ist G. nu ii :ii 
wahrsch. unter Einfluss dieses W. .Vlul. -m 
(neben luppi), so dass die Bedeutiiugs, m« i,k 
den umgekehrten Weg gemacht hat. liir 
nehmen', rührt von dem alten Glauben .m i. tt. -l-i i h ht.^ her, 
indem man zur Erhärtung seiner Aus-a^r >ii li aiilieischig 
machte, Gift zu nehmen, indem dieses nur dem Lügner schadete. 

Uf-Gift: Verzichtleistung, Aufgabe, resignatio. 
,Enzien mich [verzichte] der uszügen [Einwände], da 
mit diese ufg. old verzienung und die brief möchtin 
kreincht [geschwächt] werden.' 1305, B Staatsareh. 

Erb-: Ansteckuugsgift, bes. in Pestzeiten. ,Brot 
wird abgeschaffet, das vom becker warm in laden ge- 
legt oder durch eine [von der Pest] inflcierte Strasse 
getragen worden, weil es das e. an sich ziehet und 
den menschen vergiftet.' JHLav. 1668. ,Die badstuben, 
darinn es allerlei leute gibt, soll man [in Pestzeiten] 
auch beschliessen, weil einer dem anderen das e. durch 
die geöifneten schweisslöcher Icichtlich beibringen 
kann.' ebd. — A'er- f.: Vergiftung, krankhafter Zu- 
stand. .Und in kurz nach dyner zyt. so kommt der 
gestift in v. und wird im durch die vogty entrannt 
lütundland.' XV., Lied. — Hin-: Ding-. Hand-Geld. 
1540, B. — Hand-: Schenkung. Verleihung von ,H. 
zu H.' ,Dise hantgift und gedinge.' Arg. .Dass ich 
dis hantgift stete habe, und dawider nüt komme, 
des bind ich mich an disem gegenwürtigem briefe.' 
1303, Gfri>. .Was och h. umb des gottshus guot ge- 
sehichet an eines Propstes oder eines kelners hant, 
die hant kein kraft von alter und von recht her.' 
XIV., Ofpn. Malters. ,H. odor f^rtisrung.' Hofr. Emmen. 
Vgl. , Handänderung.' — Kiii-: lliim-.'l, Flachsseide, 
cuscuta europsa und e]iilliMiiuiii S( n : wird von dem 
Vieh als schädlich gemii-iloii, - K o ni -: Acker-Stein- 
same, lithospermum arv. (Durh.), ein lästiges Unkraut 
auf Äckern. — Lieb-. .[Durch] die L. oder Liebtrank, 
von etlichen aus seiner gesuchten, aber selten gefun- 
denen Würkung Gangmiruach genennet, suchen sie 
die Geliebten zur Gegenliebe zu bewegen.- Anhorn 
1674, wo auch die Art der Bereitung angegeben ist. 

vergift Gl; G; Sch; Z, -gnft W: 1. giftig. E ver- 
gifti Schlang. Rüer 's tut a", es ist v. V. ehalt (vom 
Wetter) Gl. ,Es ist ganz v-er luft da. das die bilgery 
fast krank werdent.' 1497, HsSchürpf. ,Mit [des] fri- 
dens Vergiftesten gift, nämlich mit gelt.' Ansh. ,V-e 
tier.' EiiEF 1550; JLCys. 1661. ,Die übrigen teil sind 
im V. und schädlich.' Vogelb. 1557. ,Der biss der 
fledermaus seie V.' ebd. ,Ein v-en atem.' Tierb. 1563; 
Weisii. 1707. .Venenata genera. vergifte gattungen.' 



Vestib. 1092. ,Uisen vergiften Alchymistoii-Kauch.' 
ClSchob. 1699. ,Ein v-e Arznei.' Lindinnkr 1733. 
S. noch rerguet, Krott, Peterli. — 2. (von Menschen 
und Tieren) boshaft, versehlagen, heimtückisch, 
gottlos, eigensinnig. Der Mensch ist as v-s Tier, eigen- 
sinnig wie ein Tier W. Syn. gichtig, giftig, verwicht. 
,Wir sind so v. über guet [darauf erpicht].' XVL, Lied. 

Der Form nach alt«s Ptc. Perf. zu vergiften, was Ffr. 
Fäsi (It Mey., Wetz.) in seiner Verhochdeutschung: ,1611 
ficng ein allgemeiner Sterbend, die vergiftete Krankheit oder 
die Pestilenz, zu regieren an', noch gefühlt haben mag. Da 
i und tt leicht wechseln, so ist die W Form als der in dor- 
tiger MA. übliche Rückunilaut anzusehen. 

giftelig; wie Gift riechend, aussehend, von einer 
Arznei B. 

gifte(n), Dom. gif tfeße", gifterle" Uh: l. (giftele') 
in Geruch und Aussehen einer Giftpflanze ähneln B. 
— 2. boshaft, spöttisch reden, böswillige, bissige 
Worte in die Rede einfliessen lassen, sticheln, spötteln, 
necken, allg.. zornig sein S. Gift-em nüd alla Wil, 
füge ihm nicht immer Leid zu Ap. — Giftlig, Plage- 
teufel Ap. Syn. Gift-Rund, -Schisser. 

ver-: sich durch das Gift der Sünde beflecken, 
versündigen. ,Der stark Gott der Herr weisst, so 
weisst Israel auch: Ist das abtreten oder v. an dem 
Herrn, so helfe er uns heut nit.' 1531. Jos. 22, 22 
[dafür 1.530; 1548/1828 an dieser Stelle: ,vergreifen' 
(wie auch 1531 an der parallelen Stelle Jos. 22, 16); 
1860: ,versündigen']. 

Gifter m.: Vergifter, Verbreiter des Pestgiftes. 
,Der g. und pestelenzmacher sind vil zu Jenf und do 
um. werden ouch iro vil tödt.' Salat. ,Sie haben aus- 
gesandt vil G.. welche die Brunnen vergiften sollen.' 
Lind., Wint. Chr. Vgl. Erb-Gift. - 2. (Gifti, Gifterli 
Ap) Necker, Spöttler, Plagegeist, allg. Syn. Giftschisser. 

Wi(n)-Gifteri(n): Birnensorte, die viel Most 
liefert Th. Syn. Wasser-, Turgi-Bir. — Wohl die .Wein- 
geberin' (-Spenderin); vgl. Win-Bir. 

Giftete f.: Neckerei, Spöttelei. 

giftig: wie nhd., doch mehr im uneig. S.; vgl. 
rer-g. allg. Nachteilig, schädlich (wie Gift). Frisch- 
gefallener Schnee, die Nähe von Frauenspersonen in 
den Katamenien, das Verweilen in der Kirche beim 
Gottesdienst ist den Kranken, bes. solchen mit offenen 
Wunden, Geschwulsten oder Geschwüren, g. GrD. 
G-s Blued ist verdorbenes, unreines, auf das man 
beim Erscheinen nmiiiie q-i: C'svhirer, einem bösartigen 
und hartnäckigen ii.-rln\iu. sohliesst Ap; Z. Von 
Reden, Ausdrucken: l.i>>m. vri letzend, allg. Von Per- 
sonen: neckisch, zornig, grämlich AaZ. 1815; Ap; Gl; 
VOrte; Z. Auch als Adv. zur Verstärkung: g. bös. 

ver-: giftig, vorwiegend im eig. S., von Pflanzen, 
Tieren etc. allg. Er schätzt mi''' nüt, und hat ta", 
als ob ich räudig war oder gar v. Gotth. ,Die giftigen 
krotten sollend ein weissen saft von inen aus giessen. 
seer vergiftig.' Tierb. 1563. ,Ein v. tier.' Mal.; 
JRLandenb. 1608. ,Mit v-en Pfeilen.' 1586, DZwinger. 
.Diese v-e Pflanze.' 1768, Z Ges. ,In den warmen 
Ländern sind [Drachen] weit v-er. als in kalten Län- 
dern.' JJScHEÜCHZ. 1746. 

vergiftige(n): vergiften. .Darmit man die pfeil 
vergiftiget.' KdGessn. 154'2. 

verguft s. vergift. 



Ga^. gef:. gig. gi'g. giig' 



Gag, geg. gig, gog, gug. 

Vgl. auch die Gruppe üay(j iisw. 

(iiigel 111.: gross gewachsener, schlanker Mensch 
AaMoW. Zu gägen, wie das Folg. 

Gägele" f.: iinruhige. unvorsichtige, kindische 
Person, grösser als klug Bs; „Mädchen, das nicht 
.«tili sitzen kann L.~ "x isih im-'' iVn- ,iH,1ii Ginjlr irii 
rorher, a'ss tcenn's (jur im m y, kiIuiUI ij'-^i" irnr r.^ 
(RKelterhorn). 's si,in, ,ni mUh ^.. .., /,w ,„ //, , 
iisait, wo-n-er ro' Witeiii sc n'si/ lu-li ihn-" </' Mailr" 
gumpe' und springe'. Breitenst. .1 |i|i-' - \\ . ili-l.ilil. 
das sich unanständig geberdet, langes, ^rhlink.'- \\ -ili. 
das lottericht geht und schlendert und mit ilcii l'u.sseii 
spielt.' Spreng. En alti G., alte Person, die sich kin- 
disch benimmt ßsStdt. Langi (i., übenniissig schlanker 
Mensch ZStdt. Syii. Stägele. Vgl. Lang-Gdggi. 

gägele": 1. in schwankender, unruhiger Bewegung 
sein, z. B. von Personen, die sich in den Hüften wie- 
gen od'T schlenkern Aa: Bs: /Ti.. Wil v'' halt rn-hts 
ab (hr Cil.Ir' :,-,■.., I,„ :n,.l < r l,i,,i'h. x', hi- i-.u,-" 
alliinl ,ui^ri,-.nnn .„„iht. \ rr.larkt : ,iw„n- ,n„l ü,ii,r ,/. 
Bes. auf üinuiii .-Stuhle sicli schaukeln, iiuleiii mau ilin 
auf 1 oder 2 Füsse stellt und so balancirt. ebd. Kicht 
fest stehen, wackeln, z. B. wie ein Stuhl ,1." Syn. 
gägen, gageren, gälen, gampen, gempfen, ganggen. — 
2. sich kindisch benehmen Bs. 

Gägeli, Dim. Gägeli m.: unruhiger, kindischer 
Mensch Bs; „L." Syn. Gögel. 

gäg(e)lig: 1. schwankend, unruhig, unsicher 
gehend, stehend oder sitzend Bs. — 2. tändelnd, kin- 
disch, einfältig Bs. I''' hätt die au''' gar mit g'w)' 
[zur Ehe], si sin mer z' g. g'si'. 

gäge(n) I: = gägelen 1 Aa; Bs; B; VOrte; Gl; G; 
t^cH; Th; Z. Syn. gäggen. Hädhim G.'s Glichg'idcht 
verlöre", üsteri. Hin und her schwanken wie ein Be- 
trunkener GA. Mit den Beinen unanständige Be- 
wegungen machen, sich üppig geberden Bs (Spreng). 
Übh. unruhig, ziellos sich bewegen GlH. An Öppis 
finnme) g., daran rütteln. Wenn du eister [stetsfort] 
iu)i Tisch umme gagist, so cliann i''' nüd schribe' Z. 

Mhd. j'igen, Jass. Kürze des Voeals hat sich nur iu der 
Abi. gaijeien erhalten. Da die MA. durch die synn. Doppel- 
fnrmen auf ;/ und gg oft, wenn auch nur leise nüancirte 
Abweichungen in der Bed. ausdrücken will, so scheint es 
:i:u Platze, dieselben aus einander zu halten. 

umme-: verstärktes gägen. — ver-: durch Rütteln 
und Balanciren zu Grunde richten, z. B. einen Stuhl Z. 

gi- I, gu- L: 1. durch Eeduplicationssilbe ver- 
stärktes gägen I Aa; Gl; L; Z. Spec: 1. knarrend 
hin und her wackeln, z. B. von Brettern einer Brücke, 
die nicht fest aufliegen ,L" (wofür in St." gigäggen). — 
2. wiegend an Etwas rütteln, z. B. an einem Brotlaib, 
an welchem man ein Stück abbrechen will ZStall. 

Für Bed. 1, welche die schwankende Bewegung und den 
liegleitenden, dadurch Terursacht«n Ton bezeichnet, bieten 
sich reiche Analogien; vgl. gahleii, gäggen, giiren, ginggen. 
iriiggcn, zwitzern und lat. titubare. 

gagere(n), ä B, sonst -ä- (wofür meist ö U). 
auch umme-: ungeschickte, regellose Stellungen, Be- 
wegungen oder Lagen annehmen oder haben, von Per- 
sonen. Tieren und Sachen, z. B. wenn Kinder unsicher 
stehen und umzufallen drohen, über einen Tisch her 



kriechen, auf Stühlen und Bänken schaukeln oder 
darüber weg klettern. Ufe und abe g., auf Bänken, 
Bäunirii Av. liiiiaiif und hinunter steigen B; L; U; Uw. 
Von hiil.iis.luirtli.hcn. krampfhaften Zuckungen wei- 
nender l\iihlri' Tu (Pup.). Bes. von liegend ausge- 
führten, aiistüssigen Bewegungen mit den Füssen BE.. 
sich unanständig entblössen L (Syn. yeiglen). Von 
Schwachen oder Betrunkenen, die schwanken, von 
solchen, die über Trüinmerstellen weggehen oder sich 
in d-ii Iliirtcii wiegen Aa; B. Vom Vieh im Stalle. 
A'.\< si.li iiii.irdentlich übereinanderlegt L. Von un- 
urJcutlieh übereinander geworfenem Holz ..L; GRh.- 
Vgl. giyeren, go-. Von Gartenzaunlatten, welche, weil 
lose, unregelmässig aus einander ragen L. 

Schon nihd. belegte Iterativ-Bildung zu gägen I. Nbf. 
gogercn. Zur letzten Bed. vgl.: ,Sie gaglen die Finger von 
einander', bei Geiler v. Keisersberg. 

üf-: sich mühsam aufrichten BE. — vor-: 1. hin 
und her schwanken Aa. — 2. durch Gagern Schaden 
nehmen, zu Grunde gehen. Im L Volksrätsel vom 
Kunkelstock lioisst es: K länge, hagere, magere, er 
mues schier gar v. Vor l,a. h.'u und W.Jii.'n fast er- 
sticken Ap. D' Gei.^x 1^1 (Inili ,-,r<l,niinl 11; VÜRTE." 

Syn. Gägg machen, t-er-iinhlm. -ijiIiIih. -nit.Irn, -recken, 
-zablen. — 3. (tr.) = rcrgayen Aa. 

-für-hin- (fire-J: sich hervordrängen, aufbauschen, 
wie z. B. von Falten am geknitterten Kleide oder wenn 
die stark gefüllte Tasche dasselbe auftreibt Ndw. — 
Vgl. bei Gr. WB. ,kacken, kaken', vorragen. 

Gagerte f.: ein Hinunterpurzelu BM. 

Gageri I m.: 1. unruhiger, auf einem Sessel hin 
und her schaukelnder Mensch L; Zg; ., wer allenthalben 
herumsteigt, -klettert ß. — 2. Men.seh von unpropor- 
tioniert schlankem, hohem Wuchs, mit lauu.ii Annen 
und Beinen L. Syn. Gragel. Auch vnin St.ir.ho: i/r" 
lang G. Mohr 1880 und im Rätsel vutn Kunkel>lnrk: 
Was mues das für ne G. .?». Vgl. vergageren. \'on der 
Gans B. — 3. Person mit körperlichen und geistigen 
Gebrechen BO. — 4. sperriges Ding B. Syn. Griggele, 
vgl. für-hin-gageren. — Bed. S Hesse sich auch mit ga- 
yrren II zsbringen, wenn der Voc. lang ist. 

gagcrig (-Ü-): 1. „zum Klettern, Steigen und 
Schaukeln geneigt, bes. von Kindern." — 2. (g'gä-J 
vorstehend, sperrig, i. S. v. fürhin-gageren, z. B. von zu 
stark abstehenden Blumen am Hute Z. Vgl. gangglig. 

Gägi m.: 1. Person, die gern mit dem Kopfe, dem 
ganzen Körper, auf oder an einem Stuhle schaukelt 
Aa; Gl; Scuw; Z. Mensch, der sich nicht ruhig ver- 
halten kann Schw. — '2. schlanker, hoch aufgeschos- 
sener Mensch B; Ebel. Vgl. rän. Syn. Gagel. — 
3. (auch n.) wankelmütiger, unsteter, gleichgültiger, 
unzuverlässiger Mensch Aa ; Scbw. ,Der Schutzgeist, 
welchem wir sie [die Kinder] anempfehlen, sorgt besser 
für sie als ein junges G.. welches selbst eine Leiterin 
nötig hätte. Eben von solchen zerstreuten, .jungen 
Kindermädchen giebts presthafte Menschen.' Inderbitzi 
1826. En .junge G. Syn. en j. Sclmüfer. 

Gigägi. Gu- L m. = Gägi 1: dumm redender 
und handelnder Mensch L. Vgl. am-h gifingeii II. 

Gagel 1, Gagel m. : Mensch, der ühernuissio- 
lacht Aa. 

gagele" I: 1. laut, in abgebrochenen, hellen Tönen 
lachen Aa; Sch; Ndw. M^g»,, ,„gn „„.• >.. ]\[,,i gege-m 
rerzücht, grad fangt er a' gagele". Syn. gigelen. 



(Jag. gej;. gig-. gag. gng 



2. schwatzen SchScIiI. ; in abgebrocheneu Tönen reden 
Ndw. - 3. gackern Ndw. Syn. gagg(e)len. 

Gagel II B; P; Gl (auch -gg-); Gr; GSa.; S; U; 
Uw; W; .Aa; B; L'- 111., PI. Gagh, Gegel Dem. Gageli 
(PI. Gageli, neben Gagelem GfiPr.). Gägi (Kdspr.) 
B; GSa.,' Gagle f. BSi. il'l. („„,11); GRChur. Gegel At.; 
Gl; GA.. G.; U(-.-I: Iw, .<.,>--el Obw" m.: 1. festes, 
trockenes, kugeltTiniii;;.'. Exriement ron Ziegen, Scha- 
fen, Hunden, Hasen. Kaninchen. Mäusen, Vögeln BSi.; 
F; Gl; Gr; G; Uw; W; „Aa; L;'' von Menschen 
GRChur; GSa.; „Aa; B; L." Ken Gegel [Sichts] wert 
GA. Synn. Bön, Drecl. — 2. kleine, verkümmerte, in 
der Entwicklung zurückgebliebene Frucht, bes. kleine 
Kartotfeln S; U; Uw. — 3. verächtlich: Kind, nicht 
gehörig ausgewachsener Mensch, Zwerg Uw. Verall- 
gemeinert: Du bist en erfrorne G., Schwächling, der 
keine Kälte ertragen kann GRPr. Syn. Kegel. 

Vgl. tir. .Gagel', cinibr, ,KniH:i' iiii^l allonfalls kelt. kn^l 
Schafniist, Kot. Gegd scheint .i h ;mi .lii- Syn. AV/<? .inzii- 
lehnen. Daneben gehen Fornirn mit ,,;; -, '-'';/;/. ''''%;'i. zu 
welchen und nhd. .kacken' si.li lautlub iinsf-r W. verhält 
wie z. B. GiKjel : cucuUus. Mlid. begegnet nur gagel (auch iu 
Compp.) als Bezeichnung gewisser Früchte von Beerenforni 
(.Gagelbeer.'), worin wir viell. aber erst eine iibertr. Bed. 
vorfinden; vgl. Schlryd-Gaggel. 

Emmentaler-: grobes Scheltw.. Knirjis B. 
Gems- (GemschH-): Gemskot GSi. 

Geiss-(ffi-VBSi.), Gitz(i)- GrD., Pr.; 1. Ziegen- 
kot. — 2. höhnischer Zuruf als Abweisung GrD.; Syn. 
(Htz-gägägä. — Mhd. geizegagel nur Name einer Pflanze. 

Hunds-: Hundekot. Moll [wohl] e H-s- (auch 
Chatze'-) Gegel, ganz und gar nicht; warum nicht 
gar! GA. 

Müs-: 1. Mäusekot. — 2. (Muse» - Gageli) ver- 
zuckerter Anis oder Fenchel B (Kdspr.). — 3. eine 
Art Zwickel am Strumpfe B. — 2 n. 3 nach der äussern 
Ähnlichkeit. 

Eoss-: Pferdekot Gl; S (in einem Anzählspruch 
bei Schild); Gükk. 1844. Synn. s. bei Boss-Epfel. 

Schaf-: Schafkot BSi. - Mhd. nur .als Name einer 
Pflanze. 

G(e)gagel. -gägcl ao n., Gaglete f.: 1. Kot. 
D'.« Schaf hat a grimmigi Gaglete rerfüert, viel Kot von 
sich gegeben GkPr. -- 2. kleine Kartoffeln GrD., Pr. 

gag(e)le(n) II. gegle". Dem. gägele": 1. Excre- 
mente von sich geben, von Ziegen, Schafen usf. B; 
Gr ; GSa. ; UwE. ; AV. Wenn ein' Geis d'n Stil [Schwanz] 
ufhed, SU gaglcd die andri, als Spott auf einfältige 
Nachäfferoi BR. Auch von Menschen GrD. — 2. un- 
regelmässig herauskollern, wie Nüsse. Kartoffeln usf. 
BM.; GfiPr. F'' muess ffne",- as sg m'r Alls [der 
ganze Feuerzeug] mid rnuindeir-n u.iserg'gaglet [aus 
der Tasche gefallen]. KroM (Srhw/Vi].]. Einzeln fallen, 
wie z.B. Äpfel BBurgd. S\n. iimnilni. leglen. 

ver-: durch Kot verunrciiiigLii. J)i Geiss hed m'r 
d's Silber Tenn vergaglet GRPr. 

gilge(n) II: schreien, schnattern, wie die Gans. 
allg. Wctiii ri" Oavs gäget, so g. die ander au"' 
(Sprw.). T>if C 11,1,1,1 ,hräet, es gäget e Geiss [entstellt 
aus dem l'l. (i,iiis. (;;ni.-e]. .Denn die töufischen gense 
gagend lün und wider und wüssend nit. war sy fliegen 
sollend.- Zwingli. .Die Gens könnend nüt dann gagen.' 
VoGELRESANG 1500. ,G. wic ein gans.' Fbis.; Mal.; 
Deszl. ,Wann ein Gans im Bach anfahet g.. so fahren 



die anderen hernach.' Ehag. 1639. ,Die Gänse g. dar- 
von, lippis notum atque tonsoribus.' Mey., Hort. 1(592. 
.Wann eine Gans trinket, so trinken sie alle, wann 
eine gaget. so g. sie alle.' ebd. .Wenn ein Gans gaget, 
die andern auch gaga schreien.' ClSchoe. 1(399. So 
bei EüEP; HBull. 1.572; Anborn 1674. Auch von der 
mehr singenden Stimme der Hühner, oder sogar vom 
Gackern (wofür sonst gäggen und gäggen) ZO. Vgl. 
gägeren IL — Mbd. gagen, eig. yä rufen, von der Gans, 
die darum im Sprw. Gaga, neben Gagak, heisst. 

ga-: schnattern. .Die gens gagagaten, als sprä- 
chen sy iren [einer Gans] zue.' Platt. 1572. 

gi- II: 1. verstärktes gägen II, It St.° auch 
,gackern'. — 2. „stottern, unzusammenhängend reden, 
sich nicht verständlich machen können, unnützes Zeug 
schwatzen, allg." Mit unsicherer Stimme, bald hoch, 
bald tief sprechen Zo. — 3. „schreien wie ein Esel 
Aa; B; VOrte; S." So bei Mal.; Eed. 1662; Denzl. 
1677; 1716; JCWeissenb. 1678. ,Der Esel stellte sein 
Kunstred auf mit seinem G.' 1690, Al. ,Das Eselein 
gigaket.' Vest. 1692. Syn. ,hanen', rüchlen. 

Vgl. mhd. gigä, Naturlaut der Gans. St." kennt für die 
Bedd. 2 und 3 nur noch die Form giyäggen. 

„Gugäge" (St.^-«-) n.: Schimpfw. für läppisches 
Geschwätz B." — Eig. Inf. eines durch Reduplicationssilbo 
verstärkten Verbs, vgl. Gugägg. 

gägere(n): 1. schnattern. Me' mues d' Lüt hi" 
rede" (zelle'J und d' Gans lo" g. Sprw. — 2. gackern, 
in kurzen, raschen Tönen, wie Hühner, wenn sie bet- 
teln oder in guter Stimmung sind GEh. Dem. gägerle", 
singen wie die Hühner GWe. — .3. plaudernd herum- 
stehen, Maulatt'en feil halten, tändeln Bs; S. 

Schon mbd. als Iterativ-Bildung zu gagen II. Hed. :'. 
Hesse sich aueli aus gägern. entwickeln; vgl. urigni. 

Gägere" f.: vorwitzige Person S. 

Gägerich m.: Gän.'ierich SB. - Gebildet na.-b ,Kn- 
terich, Gänserich'. 

gägerig: stockend im Eeden S. 

Gageri II m.: Branntwein B (scherzh.). 

Viell. zu gageren, schwanken, oder wie Bunit-Giiger, -rVi./o-, 
G:.c eine Übertragung von der unangenehmen Gehörempfindung 
bei knarrenden , knirschenden Tönen auf die Geschmacks- 
empfindung beim Genuss eines scharfen (ietränks, vgl. Krätzer. 

Gägler, Gegler ..l-nl- Gr" m.: 1. Bergfink, frin- 
gilla montifringill:i .\iK. ; „F.; (!r;'- L; SchwE.; HSchinz 
1842; TscHUDi, Tieil \ -1. Mi^lfhik. — '2. Neckname 
eines alten Vogell^m-vrs >rn\\l':. 

Vgl. das Svii, .liiMklrr liei (Jr. \VB., welchen Namen er 
von seinem IJulr i|ii,i:il, .i halten hat; doch vgl. auch gilg- 
gelig, binits.lh rkiL- «t- :iiii den bunten Vogel auch passte; 
lautlich scliriiit tw. Anl.liniing an Gngd, resp. Gegel, Kot, 
stattgefunden zu babeii, wofür das Syn. .Mistfink' spricht. 
Vgl. Geigler II. 

Gngege" f.: wackelnder Mensch ZW. Vgl. (jagen I, 
resp. gl-, u. s. noch Gegge". 

gege(n) (e* resp. ««), gege'd Gl; GRmPr. (-t); L; 
GSa.; W, neben den vollen Formen auch geg, bes. in 
Verbindung mit enklitischem Pro«, od. Art. : gegg-m'r, 
gegg-d'r, geg-em, -ere, -es, -is, -ech, -ene, (gegg-ne), geg 
Ei"m, neben gege'-m'r, gege'-d'r; ä. Lit. ,gen, gein': 
1. Präp. a) die Richtung, das Ziel bezeichnend. 1) mit 
dem Acc. D' Buebe" rucke" ne Wetigeli [ein wenig] 
nächer gegen-e Vafter. Allem. 1843. G. den Mann 



bag, geg. gig. gog, giig 



sin, faren, d. i. links, iiideiu der Kulinnaiin links vom 
Zuge geht Z. Ggs. rom Mann Bd 1 84U. Meist in 
Verbindung mit einem die Kichtung bezeichnenden 
Ürtsadv., z.B.: G.'s Husu-e,-ahe, -i-e, -use, -äne, -here, 
-hindere, -fiire, -Site Aa; G; U; Z. ,Zwei matten, die 
ein stosst nit sich gegen den see.' 1522, LCt., Lepr. 
■1) mit dem Dat. und einem Ortsadv., im gleichen S. 
wie unter 1). ,G. der Walchen über.' 1.S83, Arg.; aber 
auch nur zur Bezeichnung der Annäherung, Umgebung: 
Gege-m Hiis ue, in dessen Nähe Aa. — 3) mit blossem 
Dat. Wie er so friXndli"' g'lachet het yeg sire Frau. 
Stütz. G. Bim gä" fcho'J: a.) ihm entgegen gehen, 
um ihn abzuholen. Schon bei LLav. 1569; dafür KiTÜ: 
,G. ihnen wandeln.' — ß) Einem entgegen gehen, kom- 
men, zur gütlichen Verständigung in einem Prozesse, 
auch geg-enand ga". — Der Dativ häufig in der ä.Lit. 
.Yenseit Eden, g. dem morgen.- 1530. I. Mos.; dafür 
1670: ,g. M.' ,Do gedacht ich gegend dem schwitzer- 
land zu ziechen.' ThPlatt. 1572. ,Setze die ö vor die 5 
g. der linken Hand.' VFrieder. 1619. ,Man ziehe ihm 
die Auglieder auf, aber nicht g. dem Liccht, sondern 
in der Finstere.' FWürz 1634. ,Den Rucken g. dem 
Baren.' Sluimpfr. 1651. , Aschen, die sie über sich 
g. dem Himmel sprengton.' JMüll. 1665. .Sünden so 
schwer, dass einem alle haar gen berg steigen, wann 
er nur daran gedenkt.' ebd. 1666. [Vgl. unser ent- 
stelltes : Es stund mer alli Här de Berg.] .David luft'e 
g. der Ordnung auf den Philister zu.' 17(l7. I. S.ui. 
,So ruckte er gegen dem Hocliburgund.' .TKGrimm 1786. 
— b) bei Zahlangaben das Ungefähre bezeielnieiid. 
allg. G., toisig Ma"" UwE. — c) bei Zeitangaben, 
Annäherung. Geged de' Achte', g. 8 Uhr. Wenime' 
I wenn man] afe geg den Achzge" rucJct. Stutz. Er ist 
gege" de" Sibezge" Z. G. d'r Uff'ert, vor der Himmel- 
fahrt. , [Samstag StMartin] g. tag.' 1531, Strickl. 
.Bleibe bei uns (ö Herr), dann es ist g. abend und 
der tag hat sich geneiget.- .TMüll. 1665. .Also sagen 
dise Stellen alle vom Abfahl g. den letsten Zeiten. - 
JHFäsi 1696. ,Auch erst g. dem End kommen.' 1719, 
Z Landschulordn. — d) zur Bezeichnung des (freund- 
lichen und feindlichen) Verhältnisses zwischen Per- 
sonen oder Sachen. Du bist guet [freundlich] g'si' 
geg'mer L. Guet geg den Arme" si", barmherziir. mild- 
tätig L; Z. Er ist su grusam [ers.ln -, klirli ] /rid 
[unfreundlich] geg mir. Stütz, der eiiiii;^ '/.•■\\r]\ «riter 
mit dem Aec. sa^-t: f'hitid, vetm er iiml mlil isl iiriir 

dich. Mnni Mol ,srh rr .,,r'' hu- ,i,v' hnslulfl q. \U 
LH Id.Mi l.nit^.nj ,/■.-, \ Ali.im. 1-|:;. Will \ im.l „11 
Gmeiiidsiuistiltcr mit cm l'/arrcr luuid und grif ai 
sind. Stütz. ,Darumb sprachent's ouch, dass das alles 
sament ains g. dem andern ab [quitt] syn sollt.- 1385, 
Vetter. .Pauli Erinnerung sige gewesen, dass Tinio- 
theus g. den Eiteren ehrerbietig, g. den Jüngeren 
aber fründtlich, g. beiden aber bescheiden syn solle.' 
1613, Breit. .G. dem Find brauchen.' VFrieder. 1619. 
.Ist Gott wahrhaftig gewesen g. andern Völkern.' 
.TMüll. 1661. ,Pflicht g. seiner anvertrauten Genieind 
und der Gemeind g. ihrem Seelsorger.' ebd. Hieran 
schliessen sich Fälle, in denen ,g.' sich durch einen 
einfachen Casus oder eine andere Präp. über-, resp. 
ersetzen lässt. Statt blossem Dat.: , Gräfe Heinrich 
hilfet gen der Herrschaft [Österreich] wider den Her- 
zogen.' Anf. XV., Briefe der Veste Baden. ,Das' ein 
stift inen 100 guldi g. dem Clingler [die -sie ihm als 
dem Gläubiger schulden] und 1 Ib. gelt g. der capellen 



zu Schwamendingen abnemmind.- 1565, ebd.; vgl. da- 
mit ebd.: ,Sambt einem Ib. gelts jerliches zinses g. 
der cappel zu Schw.' .Verehrungen [Geschenke] g. 
unseren Amptlüten.' 16.50. Z Mand. Statt an. .N. N.' 
hat sich entzigen gar und genzlich aller rechtung. 
vordrung und ansprach gen dem egenannten N.N.' oder 
gen sinen erben.' 1369, Urk. ZZoll. .Sy [das Stift 
als Oberherr] wellind us gnaden etwas gegen inen 
tuen.' 1564, Hotz, Urk. .Solche, die g. uns so un- 
schuldig [sich an uns so wenig versündigt haben], als 
unsere glaubensgenossen g. ihren verfolgeren waren.' 
JMijLL. 1665. ,Die strafen g. den übertretteren.' Z 
Mand. 1636. Statt mit. ,Dass die Rbeinthaler, die 
Gotteshausleute und das Thurgau sich g. einander 
verbinden.' 1525, Absch. ,Das hast du durch dyn büe- 
bery alls z'wegen bracht und glychsnery, gem vatter 
hast mir unfrid g'macht.' Ruef 1550. Statt vor. .Er 
hat ouch geredt, kam Jesus dahar und gieng für mich 
anhin [an mir vorbei], so well ich myn paret g. im 
nit abzüchen.' 1532, Absch. ,Die Verordneten ver- 
meinen, das Holz in Seerüti g. [zum Schutz vor] den 
Landleuten, so das Eisenwerk führen, auszubannen.' 
1571, Steinm. 1802. Statt zu. ,Wess sy sich gen dir 
versechen und getrösten sollend.' 1529, Strickl., Act. 
(Vgl. ebd.: ,dess mögend sy sich zuo uns vertrösten.') 
.Aus Liebe g. der Tugendt' JMüll. 1661. — e) zum 
Ausdruck der Vergleichung (.verglichen mit'), mit Dat. 
und A.T. (;<;i w,„i Frunli srlu, ist s,r „■„■-„■ru Ki„ift. 
Stutz. A.V /^.7/ .V»/ r/. /,/ ] vriMli« in.l.Mi.l kl-m im 
Verirleirh mit ihm[. Vi. s,,ii Vnttrr ,.-t vr ni Ziicnj. 
Das ist ■itir'' heilig [sehr gut] g. dem Lebe" (Lerme"J, 
ivo bi-n-eits ist Z. .Das war Kleinigkeit g. dem, wie 
es iezt wettert.' Hebel. ,Das 5. wesen [quinta essentia] 
ist begäbet mit einer unzerstörlichen natur g. den 
anderen arzneien zu rechnen.' JRLandenb. 1608. .Das 
destilliergefess, so die Latiner nennen cucurbitam. 
ein kürpsen, von wegen der gleichförmige, so dieses 
g. einer kürpsen hat' ebd. ,Nun ist dis leben wie 
der winter g. dem zukünftigen zu rechnen.' JJBreit. 
1629. ,Dein Geist ist dürr und mager und g. deinem 
Wanst ein armer Wasserträger.- RüdMey. 1650. .Chri- 
stus stellt die von Chor, und Beths. g. denen von 
Tyrus und Sidoii.- JMI'li,. 1665. ,Er ist nichts g. ihm, 
nullus est ad illnm.- Hcmin. 1683. ,Die Zahl deren, 
die da nicht ghnilH'ii und nicht tun, was die römische 
Kirch lehrt und betilcht, sei weit grösser g. denen, 
die da glauben und tun, was sie lehrt und befilcht.' 
i'i, Schob. 1695. ,Das Mass des Mostes ist in diesen 
ij elenden, g. demjenigen, so man im Thurgäu macht, 
äusserst gering.' Steinm. 1804. Vgl. noch gegen. Conj. 
— f) zur Angabe eines Entgeltes oder Ersatzes. 
,G. baarer Bezahlung Mehl käuflich zu nehmen.' 1693, 
Z Ges. ,G. einem anständigen Trinkgeld.' Z Nachr. 
1787. — n. aus präp. Geltung in conjunct. übergehend. 
1. in verkürzten Vergleichungssätzen. Vgl. I e. Ich 
han es guet g. du (in Z auch geg dir, s. o.). l'iid 
numme gabelet hett-er, g. mie-n-er au''' siist ohln' 
g'spunne" hett und g'esse" trotz imme [einem] Vrösfhi-r 
Bs (Breitenst. 1863). Gell, wie schön isch 's do usse". 
g. im Söreberg hinde' L. Vo' dem mues me' wenig ne' 
g. vom Andere" Z. — 2. hingegen ScHwWä. 

Mhd. geyen, contr. gein (,gein mir.' 1461, Gfo. Ges.), 
gen, gen, hervorgegangen aus dem Subst. gegene (s. Gegiii], 
weswegen die älteste Form ,in gegni' (s. en (ent)-gegen) lauten 
iniisste; vgl. .neben' aus ,in chcn'. S. noch zui, Gcgiii. Doniioi-h 



bag. geg. gig, gog. gug 



ist der Dat. auch neben Ueni aus früherer Zeit noch boleg- 
baren Gen. der gebräuchlichere Casus. In den Formen auf d(t) 
liat sich dieses aus n entwickelt wie in den Ortsadverbien 
itübend, zwüncliend und in .Gegend'. Einsilbigkeit des W. in 
einigen MAA. nach Analogie der andern Präpp.; vgl. auch 
■/.. B. zicüsch für zirmchen. — Zu II. In einigen Fällen lässt 
sich der unter gel III angeführte Gebrauch auch ans geg 
erklären, worauf viell. auch die lautliche Mischung zurück- 
zuführen ist. Vgl. Anm. zu gel 111. Der Sat«: D' Schicyzer 
sind, gSg wie '» dri g'seh, no''' g'fellig Lüt (Ineichen 1859), 
kann allerdings erklärt werden: wie immer sie aussehen; 
aber auch: im Gegensatze (damit), wie. . . oder als Respectiv- 
Satz: wenn man in Betracht zieht, zsgehalten damit, wie sie 
aussehen. 

en-gege{n) UrHc.; U; WLeuk, Visp., in- GrD., 
Rh., S., Val., ent- GrPi-., Splug., enk- GKChur, 
Sculms, Tschiertsch., ek- BR. ; Z, angegunt WRaron (It 
Stalder, Dial.) : 1. entgegen, i. S. v. gegen 1 1 u a. [Der 
verlorne Sohn] ist noch neher imu angegunt g'laufu 
WRaron. — 2. gegen, wider, in der Verbindung mit 
hän, heben, a) sich stemmen, sperren, gegen Etwas, 
es aufhalten, ihm Widerstand leisten, die Stirne bieten, 
Stand halten, von Pers. und Sachen, auch im bildl. S., 
z.B. im Streite B; Uw. Er hed dem [Stossenden, 
Tadelnden] scho" e., kann ihm leicht Stand halten. 
D'r Mutter etgcgcha" rhöini mc nit, we"" 's guet ga' 
soll. GoTTH. I''>hiui iiiiii: liiilisrJili e. g'häben, das m'r 
bei dem Wetter um! iif il' Ittin gangen. Vom blossen 
Wunsch, dass Etwas iiiclit geschehe: I''' han scho' 
lang e. g'häben, dass 's nüd z' friloj a'f'äji regne" BR. 
D's Mul einander e. lieben, einander mit Worten be- 
schimpfen W. Abs.: Widerhalt bieten, z.B. beim Ver- 
nieten eines Nagels. — b) anhalten, ergiebig sein, 
z.B. von Vorräten. Nachhaltig wirken, wie z.B. 
Speisen im Magcu B; Gr; Uw. Zum Marschieren 
het-m'r der Kaffee am längste' e. Syn. in Bed. a u. b 
an-hin-, dar-g-, wider-han. — 3. zuwider. .Entgegen 
oder zuwider sein; das ist einander ganz entg.. id 
ego contra puto; ich lasse mir das nicht e. sein, non 
rejicio, non repudio hsec Hospin. 1683. - 4. hin- 
widerum, eine Gegenleistung hervorhebend. ,Ir sollen 
in nit beleidigen, so wirt er hinfür euch e. auch nit be- 
küniberen.' Tierb. 1563. — 5. Conj. u. Adv: dagegen, 
hingegen. .Ettliche wellend einen abt, entgegen andere 
keinen haben.' 1539, Kessl. u. ö. bei ihm. ,Üb sie 
gleichwohl vi! mehr Kosten hetten, da sich e. das 
Einkommen mindere.' Heüt. 1658. — Mhd. enyegen. 

hären-, -in- Aa(H.); ZF., -m(-, -mi-UwE., her-in- 
GW.. -ent-, -et-, -ed- Aa; Ap; GA.; Sch; Z: Conj. u. 
Adv. hingegen, hinwiderum, Verstärkung des Vorigen 
Syn. ha/r-hin-g. ,Der nutzen im feld solle beim capital 
geschirmt sein, herentgegen der nutz im gadeu soll 
zum Unterpfand g'höreu.' 1.585/18'28, ApI. LB. ,Also 
h. [soll] ein iewesender Herr Caplan für seinen Col- 
latoren uns den Schultheissen und Rath der Statt 
Lucern allein erkennen.' 1678. Gfrd. ,Dieses göttliche 
Wort, gleichwie es ist voller Wahrheit, also ist es 
auch h. voller Geheimnussen.' Gespr. Zg 1747. — 
wor-ent-: wogegen, im Z Kanzleistil des XVUI. — 
er- Bs; S, neben ert- ferk-J: entgegen (Adv.). (BJass 
d' Welt ''em jüngste Tag er-g. göt. Schild. — Vgl. die 
Anm. zu er-ent- Bd I 353. 

hie-: zugegen. ,Dass der bischof und nienklich 
hieg. einen grossen schrecken und schmerzen darab 
gewann.' Ansh. — Vgl. Gr. WB. ,hiergegen: hiezugegen'. 

hin-, h.-geged: hingegen GRVal. 



her-hin-: dagegen Z. — llügliubcrweise erst cuu- 
struiert aus htr-in-g. 

har-, her-: hingegen B(Zyro); Gl; Z. — da-her-: 
dagegen Z ; bei JJScheuchz. 1721 u. in der Z Kanzleispr. 
des XVn. u. XVIII. neben ,da-g.' — dar- d>;r-, de-: 
1. gegen, bes. mit Adv. u. Vben zsgs. Der-g.-abe, -i-e, 
-filre, -use usf. ,Das 3. u. 4. [Bad] sind d. über gelegen.' 
1578, HPastal. Der-g. hän: a) (act.) Etwas halten, 
dass es nicht fällt Uw. Etwas einwenden; wider- 
sprechen, allg. — b) (neutr.) a) fest an Etwas halten, 
sich an Etwas halten Uw. — ß) dauern, anhalten Schw. 
Wenn Einer sein Haus repariert, so het 's em nu mängs 
Jor d. Wemme so ^j. Stund lauft in einer Richtig 
fürt, so ist me' nu chumli zu dr Stadt us, das hat 
halt drgege. Syn. ergeben, engegen han. — 2. zum 
.Ausdruck der Vergleichung, i. S. v. gegen 1 e. De'' 
Vieredrissger [Wein] ist nur e Narr d'rgeget. Prophkt 
1855. — 3. bildl. zum Ausdruck einer Annäherung in 
der Verbindung mit gfejsehen B. Wegem Hilrate han 
i"'' nit grad gtcüsst, was i''' d'r säge' will. I''' säge 
nit, dass i"'' d's trüestest Alles mache' wett, wenn d' Sach 
öppe" d'rg. g'sächt [wenn sich Aussicht böte, dass die 
projektierte Heirat ihren Zweck, beide glücklich zu 
machen, annähernd erfüllen würde]. Gotth. — 4. Conj., 
in der ä. Spr. = nhd. , dagegen'. 

wor-: wogegen ZS. t 

ZUO-. ze-: I. Präp. 1. im Ggs. zu, verglichen mit. 
,l)einuetig, mild, trüw [Regenten], die da zugegen 
den regenten des zorns gmein ehr und nutz fördrent.' 
Ansh. — 2. (mit folg. .über') entsprechend, als 
Gegenleistung. ,üie euch zuegegenüber iren guettateii 
den päpsten etlich monat bewilliget haben.' Vad. — 
n. Adv. 1. entgegen, zuwider. .Dass es der leere 
Christi und seiner kirche mit hend und füessen zue- 
gegen was.' Vad. — 2. hinzu, dazu. ,Wo das de- 
heiner verneine oder zeg. [zu einem Streite] kerne.' 
XV., Offn. Wied. — 3. gegenwärtig, zur Hand, 
dabei; nhd. , zugegen (sein)'. ,Ein ross, das zuogegen 
stand.' LLav. 1578. — 4. dafür. ,Dann man einen 
amptmann z. und in vergeltungsweis von wegen der 
vogtei järlicher rent zu erlegen pflichtig was.' Vad. 
— ni. Conj. dagegen (wogegen). ,[Der Kaiser suchte 
die Rechte] im und seinen nachkommen zue behalten, 
z. sich [Papst] Paschalis heiter merken Hess, dass er 
das ansechen seiner vorfaren nit faren lassen.' Vad. 

Mhd. ze-gegen, gegenüber, gegen, entgegen, gegenwärtig. 
Zu II i oder zu III kann man stellen den Beleg aus Vad. : 
.Zuegegenüber was diser papst dem kUng verholfen, dass im 
Leyon underworfen ward.' 

wü-zue-, wo-z'-, tco-zer-: an welcher Stelle, wo 
ungefähr Bs; Z. — Die letzte Form erklärt sich aus: 
wo-ze-der Gegni, in welcher Gegend; vgl. das F. 

I Gegni Aa; Ap (-«-, PL Gegin-,); Bs; B; Gl 
Gr; „L;" G; S; Uw; Z; ä. Lit. (PL ,geg(n)inen'). 
n Gege°d Aa (-t); Bs (-e'-); B tw.; GfiRb.; S (BWyss); 
U (-«); UwE.; Z {-e'-), m Gegned Bs; um Kaiserst.; 
1488, G Gebete (als n.), IV Gegnig Bs (-e-); Btw.; 
ScHw; S (PI. Gegnige); Ndw — f.: 1. Gegend, Gebiet, 
Landschaft, Nachbarschaft, a) ohne best. Abgrenzung, 
allg. Z' rings i' der Gegni. Usteri. P'' wött nod. das is 
zele [zu zählen] het, die fule" Tage", wo 's all get, es gab 
e ganze Geget roll. Lf.nggenh. 1830. Schöni G., iron.: 
saubere Geschichte Bs; Z. Drum chunnt denn hüt die 
Moritat vom David und vom Goliath — 's isch au"'' e 



Gag. geg, gig, gog. gug 



146 



.icheeni (?. Schwzrd. ,Strich, g'lend, gegnc, gelegenheit, 
ström, landschaft.' Fris. ; Mal. ,Plaga, g. und gelegen- 
heit des himniels und der erden.' ebd. ,Auf der G. des 
Herzens.' DKönig 1721. ,Eine G. von vil 100 Stunden.' 
Carolina 1734. Mit zuo, ze, in adverbialer Verbin- 
dung: 1) entgegen. £r ist mir z' Gegni chö', ich habe 
ihn von ungefähr erblickt, er ist mir begegnet BO. 

2) = ziiegegen II 3. ,Dass man dem nit richtet, 
der ze gegeni [herbei] nit kommt, so man ein nüwen 
rat nemen will.' 1304, Z Richtebr. ,Dass der vogt und 
die burger, die gewerf [Steuer] niht gebeut, ze gegeni 
nit sun [sollen] sj'n, da man es uf leit.- ebd. ,Dü 
nieman zuo gegni was.' 1.334/1446, Z Chr. ,So wir 
da ze Zernetz all ze gegni warent.' 13ö7, Foffa. — 
b) mit best. Abgrenzung: der zu einem Ort politisch 
od. rechtlich gehörige Bezirk. Gemeinde. Das Wörter- 
buch der 1523 in Bs gedruckten Luther-Bibel erklärt 
.Grenz' mit .gegny, unibkreis', ,gegent' selbst aber mit 
.landschaft'. ,Dass in ainer jeden und allen geginen 
und gerichten wittwen und waisen mit gueten lüten 
bevogtet werden.' 1525, Ztschr. f. schwz. R. ,Des 
Gottshus gegni, was in das amt gen Wyl dient.' 1525, 
Absch. ,Die 7 gegni, die an die pfallenz in das hof- 
gcricht gehörent.' ebd. ,Von allen gegninen und ge- 
mainden.' ebd. .Die 4 geginen oder gerichte im Nieder- 
amt.' 1539, ebd. .Die verderbung Sodome und irer 
gegne.' 1560, Bib. ,Wie sich aber füegen würde, dass 
einich Gegny besetzen wollte, derselben ihrer Gegnin 
Sachen, mit Efatten usszegan, Märchen zesetzen' usf. 
Informatio 1713. .Die von Thal in Misshelligkeit mit 
Rhcineg^ und der Gegni.' 1726, Absch. — 2. Richtung. 
Dil miiest ging [stetig] d' G. b'halte", süst verlufist 
du dich [gingest du irre] BSi. ,Das ich gewyset werd 
uft' das gegnet, das ich im nachspür.- 1488, G Gebete. 
,Und ist gnuog, dass ein yeder [Gänsestall] in alle 
gegne drei schuoh weit seie.' Vogelb. 1557. 

I aus inhd. yegene, urspr. gegini. II aus mhd. ijei/enöte, 
ijcijemle, doch Tgl. aiich die Anm. zu gegen, resp. geged. 
III viell. auch aus gegenüte, viell. aber unter Einlluss von 
(jegni mit eingeschobenem m aus Geget erst durch die M.\. 
gebildet. Aus III entstand IV, aber durch Vertauschung 
der Endung. Vgl. Anm. zu Abend Bd I :?5. Während die 
ä. Lit. für das volksmässige .Gegni' vom XV. — XVIII. reich- 
liche Belege bietet, ändert es LLar. IßTO in .Gegend' (gegen- 
über der Ausgabe von 1569), ebenso Wurstisen 1765. 1707, 
.losua II liest ,in den Gegenen'; I707/I860, Josua 13 aber 
ist .alle Gegne Medba' von a. 15:30 ersetzt durch: .das ganze 
ebene Felde M.' .Bemerkenswert sind noch die Nom.-Pl. : 
.Gegninen.' XV., Knnst. Chr. ; Tierb. 15fi;5; .Geginen.' Vad.; 
1531, Strickl., Act.; Kessl.; Bull. 1572; ,die umliegenden 
Lands-Gegnen.' Mem. Tig. 1742, und der Dat.-Pl. ,au (in) 
gegninen.' Zwingli; Kessi.: Z Mand. 1627; 1650. Uas ver- 
einzelte Neutr. vermutl. nach Anal, anderer Neutra auf -öf. 

gegen lieh, in der adv. Verbindung: .ze gegen- 
licher wys' eine Übersetzung des lat. simiHter. Auf. 
XIV.. B Handv. 

geget s. gegen. 

gegne(n): 1. = uhd. begegnen „LE." .Gang, be- 
stell den Wächter, das er sage, was im gegne.' 1531/48, 
Jes.; dafür 1707/1860: ,was er sehen werde.' Vgl. 
z' Gegni chö' 1. Auch i. S. v. .widerfahren-. .Was 
inen von denen von Bern gegnet oder noch gegnen 
wurt, ist on not hie alls zue beschryben.- 1522/32, Bs 
Carthäus. .Und werdend dir dise beide [Missgeschicke] 
eins tags gegnen.' 1531/48, .Tesa.t.; dafür 1707/1860: 
,be-g.' — 2. ,sich als Gegner gegen Jmdn stellen oder 
Schweiz. Idiotikon. II. 



erscheinen, zunächst von der Gegenpartei. Er itt mir 
vor-em Richter nüd g'gegnet B.- Übh. Widerstand 
leisten, zuvorkommen. Syn. begegnen A 3 b. , Es ist 
vil Wäger, man gegne dem presten by zyt.' Zwinoh. 

— Mhd. gegemii, entgegenkommen, -treten. 

be-: A. niitpers. Subj. 1. entgegenkommen. -gehen 
(in freundlichem S.). a) mit pers. übj. 1) im eig. S. 
Einem absichtlich entgegen gehen, um ihn abzuholen. 
J'-'' will d'r cito" bigegne". Chumm-m'r de" z' Hand 
[am Abend] cho" b. BO. Im S. des nhd. .begegnen' 
auch trs. BM. — 2) im übertr. S. Einem zur Hülfe- 
oder Dienstleistung Entgegenkommen zeigen, ihm bei- 
stehen, seinem Wunsche oder Gesuche entsprechen, 
nachkommen, ihm , dienen-, a) ohne Angabe eines 
Mittels. ,Sie glaubten nicht, dass er diesen Augen- 
blick ihnen b. könne, denn viel Geld hätten sie nie 
an ihm bemerkt.' Gotth. ,So aber der Herzog üch nit 
anders ist begegnet [bei den Friedensverhandlungen] 
und nit wyter gan will uf die 5000 gl.' 1521. Absch. 

— ß) mit Angabe eines Mittels. .Womit kann ich 
Ihnen b. [dienen]?' (Höflichkeitsformel) B. ,I)ass si 
sich bedenken und niynen herren mit fürderlicher 
antwort wellen b. [ihnen eine solche geben w.].- 1523, 
Absch. .Damit Gott mit einer allgemeinen besserung 
begegnet werde.' Z Mand. 1627/'28. , Einem mit Rat 
und Tat b.' Hospin. 1683. .Mit Verehrungen b.' s. Bd I 
1127; vgl. .V. gegen unsern Ambtlüten', unter gegen. 
,Dass sich jedormenniglich, so schuldig, beflysse, mit 
bahrer Bezahlung zuo b.' B Ref.-Satz. 16'28. — b) mit 
Sach-Obj., einer Forderung oder Pflicht nachkommen. 
„Seinen Schulden b.. sich so einrichten, dass man 
sie bezahlen, seine Gläubiger befriedigen kann B." 
,Dass er dem rechten genucg tue oder sich dem be- 
gegne.' 1421. Absch. — 2. entgegen-treten oder 
-wirken (im feindlichen S.). a) mit pers. Obj. .Damit 
das Land von dem Bettel gereinigt und den nütz- 
widrigen [-wirdigen] Armen desto bass begegnet wer- 
den könnte.- 1635, BSpyri. Im rechtlichen S., einer 
Gegenpartei in einem Prozesse. ,Eim im rechten b., 
respondere alicui.' Mal. Vgl. gegnen 2. — b) mit 
Sach-Übj. Einem Übel b., ihm zuvorkommen, ab- 
helfen, vorbeugen Z, wie nhd. ,Dem Allem möchte 
doch wohl noch begegnet werden.' 1534, Hess, Samml. 

— B. mit Sach-Subj.; von einem Bericht: zu Ohren, 
zu-komraen. kund werden. 1. mit Angabe einer Person. 
.Das, so üch von unserm herren uf üwer anbringen 
begegnet ist.' 1523, Absch. ,Das, so uns von üch in 
antwurts wys begegnet.' ebd. — 2. abs. ,Nu begegnet 
uns [als] gewiss, dass der herzog sich widerumb zuo 
rieht'''.' 1476, Z Anz. 1881. .Mynen herren [von Bern] 
begegne, dass allerlei red by inen [den Obej-ländern] 
gebrucht werde.' 1523. Strickl.. Act. ,Dass uns in 
landmärs wys begegnet, wie üch nit gemeint sye, über 
in zuo richten.' 1523, Absch. ,Da Zürich in diesen 
schwierigen Zeiten nirgendshin berufen werde und 
ihm Allerlei begegne.' 1524, ebd. .Wollten wir üch 
des, .so uns begegnet, euch unsers anschlags berichten.' 
ebd. — Mhd. begegenen, entgegen kommen, Widerstand leisten. 

B e g e g n e r 1 i s = Wegli'-Fahens BsStdt. S. Bd 1 723. 
Gegni(g) s. Gegend. geigen s. geiglen. 

gegere(n): im Fallen die Füssc in die Höhe 
.strecken, bes. von Frauensper.sonen L. Vgl. die Synn. 
gageren und geiglen. 



147 



Gag, seg;, geig, gig, sog. 



Gcgere" f.: grosse, hagere Frauensperson I.. Vgl. 
ilas !Syn. Giir/cgc und Gageri 1. 

Geigeli n. : zolllanges Holz an der Kurbel des 
Spinnrades BsTerw. Viell. zum Folg. 

Geigle", Gre-igk' ÄAFri., Geiggele SchwMuo. f.: 
1. Doppelast an einem Baume, der in beliebigem 
Winkel aus einander geht SchwMuo. Syn. Griggele. 
— 2. „(PI.)" (die entblössten) Schenkel, doch nur in 
einigen KAA. Die G. stütze', z' G. xvelpe", a) die 
Beine beim Fallen in die Höhe strecken, einen Purzel- 
baum schlagen, kopfüber stürzen BO. Syn. Glge, 
Räfell, Schüssel stützen (velhen). E Greigle mache-, 
die nackten Beine spreizen. Schäm- di"'', declc-di''', 
mach nit so ne Gr. XaVü. Syn. Giegle. — b) ..den 
Faulen spielen, die Beine aus- oder hin- und her- 
streckend liegen." Syn. gageren. — 8. grosser Mensch 
L. Syn. Gägi, Gäggi, Beigel. 

Obsuhun :S aus Oreigle entstanden oder beeinHusst sein 
kann, so lässt es sich doch aus 1 ableiten, indem der hagere 
Mensch seine langen Glieder weit spreizen kann. Vgl. (jeUjUn. 

geigle(n) Aa (gr- ÄAFri.); Gl; L; GA.; Schw, 
geigglen AAFri.; ZO., geigen W: 1. üppig ranken und 
schwanken, sich räkeln Aa. Syn. reiglen. — 2. in 
steter Bewegung sein SiuwE., bes. von kleinen Kin- 
dern, die mit ihren freien Armchen in der Wiege 
spielen W. Vgl. dagegen gelten (von den Füssen). — 
8. auf dem fr'eile schaukeln WGoms. Syn. gelten. — 
!. nii.m s f undiu' :iiii li"ili-Mi siih wälzen, bis die Klei- 
der l.iM' w.-id.'ii. ,,n ,l;i-s aif riitblössten Beine spielen 
k('niieii; Im.'s. di.'s.llM.n t-iiipur strecken und die pu- 
denJa zciurii. wie Kinder, wenn sie fallen Aa; Gl; 
L; GA.; S('iiw\ S\n. i/ieglen. — 5. puraeln, drollig 
umfallen; j;ihliiii;s. kopfüber stürzen (bes. so, dass die 
FUsse dabei weit ausgestreckt werden) BR.; Gl; L; 
Schw; Z. Der ist recht a" Bode' iise' g'geiglet. , So- 
gleich geiggle der Lustigmacher in das Erdgeschoss 
des Hofes hinunter. Der Nöck lachte: der Geigglete 
wolle er einmal zusehen.' Stutz. — (J. „faulenzen, 
träge herumliegen Uw." — 7. (von Sachen) unordent- 
lich, durch einander, herum liegen, wie z. B. die 
Scheiter eines gestürzten Holzstosses. Syn. gageren. 
Geig- ist ohne Zweifel Steigerung von tflrj- in gUjen, welches 
urspr. übh. hin und her bewegen bedeutet. Diese Grundbcd. 
erscheint auch in tir. u. kämt. <jaiij(g)ern, zweifeln, schwanken. 
Betr. den Bedeutungsübergang vgl. auch tjiujern. Lautlich 
eingewirkt haben dann finiijiln, wauken, ranken, sowie ander- 
seits ijäwjydn, s. d., vnn .hni aus man, was die Bed. anbe- 
trifft, leicht zu Ulis. IUI \V. k"iiiiiR'n könnte. (, Gaukelnde 



abe-, appe-: herabfallen Aa (.infolge von schwan- 
kender Bewegung h.' H.); L; SciiwMuo.; Z. 

über-: überpurzeln, sich im Fallen überschlagen 
L; ScHW; „Gl; Z.-' 

um-: umfallen, bes. von Kindern AASt. ; L; Z. 

umme-: sich (mutwillig) herum wälzen; auf träge 
Weise herum lagern GA. 

ver-: 1. umfallen, wie Pflanzen, die allzu üppig 
ranken Aa. — 2. durch Herumwälzen in Unordnung 
bringen Gl (Schuler). 

„Geig(g)ler Im.: 1. Mensch ohne ernstliche Be- 
schäftigung. — 2. Taugenichts Uw.- 

„geiglig: (von Kindern) beim Kutschen oder Um- 
fallen seine Blosse zeigend L." 



gig- aus redui)lizierendcm gl- vor folgendem g 
s. die einfachen WW. -gagen, -gampfen, -gangglen, 
-ganxen, -gatschen, -ya.ven, -geigen. 

Geigler 11 m. : Schneefink, fringilla nivalis Gl 
(It Alpenp.). 

Wahrsch. dasselbe W. wie tjägkr, a. d., .jedoch mit An- 
lehnung an geiyliM, weil der Vogel lebhaft und drollig umher 
hüpft. Vgl. noch Anm. zu yär/gen und Gäggi. 

Gigel m.: penis B. Syn. Giger(li). 

gig(e)le(n) (l), -eme'GRD.: 1. kichern, in kurzen 
Tönen, unterdrückt, mutwillig, einfältig, ohne Ursache 
lachen, bes. wie Kinder, allg. Syn. gagelen, gigeren, 
kicklen. Wer gigelet oder lacht und die wisse Zänli 
füre lat [zeigt], mues Pfand ge' Z [bei einem Spiel]. 
,Wie kannst du noch g. und lachen?' JJUlr. 1727. 
— 2. schreien wie der Specht Aa. — 3. zum ,Gigeln' 
bringen, kitzeln. Wemme d' Chind cü gigelet, so lerned 
's stammle" GA. S. noch giggelen. 

US-: auslachen Th; Z. 

ver-: sich zu Tode lachen, vor Lachen vergelien 
Z (scherzh.). Syn. vergitzlen u.a. 

Gigeier, -li: wer über jede Kleinigkeit lacht, 
allg. , Paulus war allezeit frölich, doch kein fleisch- 
licher Gigeier.' JJUlr. 1727. 

gigelig: 1. „zum Lachen geneigt" ZS. — 2. La- 
chen erregend Zu. 

gigere(n) I, in Gl; GKli. gigg-: = gigeleti 1 Ar; 
Gl; GfiPr.; G. — ver-: = rergigelen. — Gigeri m.: 
= Gigeier. 

gigerle(n): vor Kälte od. Angst zittern. Fast ver-g., 
vor Zittern fast vergehen ScuNnk. Syn. verzigeren. 

gig(e)le(ll) : tändelnd auf der Violine spielen, allg. 
D' obe im- Tanzsaal het 's afö [angefangen] glgle' und 
musiziere'. Hofst. Auf der Geige elend spielen L; 
Zg (St.'>). — 2. auslachen, mit der Geberde des Geigen- 
spiels (Kübchenschabens) S; Z, auch üs- (St.*"). 

üf-gigle°: (mitDat.P.) Einem zu Diensten stehen, 
ihm Alles zu Liebe tun SchwMuo. Vgl. gägelen 4. 

Gigeier, -li Sch m.: Geigenspieler (scherzh.). 
Mueter, i''' mag nid spinne', d' Finger tüe-mer wc ; 
d' Gigeier spanne' d' Saite", tanze" chann-i''' e LH. — 
Gigelete f.: Violinspiel. 

Gige" f.: 1. das bekannte Musikinstrument, wel- 
ches zur Erntezeit im ZB. auf die Felder mitgenommen 
und von einem Geiger hinter der Schnittersehaar unter 
Absingung des Liedes vom Zipfcli (s. d.) zur An- 
feuerung der Zurückbleibenden gespielt wurde oder 
den Takt zu dem Tanze angab, den Einer aus dem 
,Geschnitt' auf dem Rücken eines zu früh Ermatteten 
abhielt. KAA. Das ist wie e Heller in e G., unzu- 
reichend, unbedeutend, wie die beim Tanz in die Bass- 
geige gesteckte kleine Münze im Verhältniss zum 
weiten Raum des Instrumentes Gl; Gr. De'' hat ies 
der G. en Stoss ge", sein Anschlag ist ihm miss- 
lungen Z. Vgl. 's Glück verschütte', de'' Chübel um- 
g'heie'. Süess und sür uf einer G., freundlich und 
mürrisch zugleich. Du verdammti G. (formelh. Ver- 
wünschung) Bs. ,Zue syner G. tönen' [in seinem Sinne 
reden].' ThFrickart. ,Das sind alles guot griff nf der 
gigen [einträgliche Kniffe].' NMan. 1522. 1531 schrieb 
der Abt von Pfäfers an Zürich, er dürfe es wegen der 
Bauersame, die noch ,auf der alten G. verharren wollte', 
nicht wagen, alle Zeremonien und Bilder aus der 



lasr. ffoir, giR, gi>K, gng' 



Kirche zu entfernen. .Meinst du dann, das wir dyner 
gygen zuolosen müessend und dir schwygen [zu He- 
noch, der Kains Stamm eine Strafpredigt hält].' Rüef 
1550. , Oberrare eadem chorda. Yemmerdar auf der 
alten gygen ligen, das ist, allweg auf einer niateri 
bleiben, oder ein ding treiben.' Fris.; Mal. Vgl. noch 
,tanten'. .Das heisst lang an einer Geigen gestimmet 
und doch kein Dänzlein aufgemacht.' Heut. 1658. — 
2. Mundharmonika OrHc. Die M.- und Ziehh. ist 
It Ai,?ENW."als modern-stes Musikinstrument nach den 
höchsten Hohen gedrungen, wo es an langen Abenden 
gespielt und kurzweg als G. bezeichnet wird. Vgl. 
Mulg'ige u. gigen 2. — 3. Gegenstände von der Form 
einer G. a) Bretzel, ungefähr von der Form einer 
Leier, zur Weihnachtszeit aus Weissraehl gebacken 
Th; ZSth. Bes. Nationalgebäck zu ScnSt., deswegen 
auch Steiner-G. genannt und als Neckname für die 
dortige Bevölkerung gebraucht. Syn. Simmel-Bing. — 
b) missratener, verkrümmter oder gebrochener Bogen 
aus dem längsten vorjährigen Schosse am Rebstock 
ZRickenb. S. Bogen. — c) eisernes Instrument, mit 
welchem man beim Sinnen 3 — 4 Punkte in die Ge- 
fässe brennt. Vgl. Tüpfli- Giger, Gige'-Tüpßer. — 
d) genitalia mul., bes. die Scheide GRh.; Z. Daher 
verächtlich auch für ,Frau'. Mit Wortspiel: Er liet 
d' G. Ulli Wll am Arm ScnSt. Spottn. für eine un- 
verständige, unüberlegte, gutmütige Frauensperson Gl; 
vgl. Schiit z-G. — e) Straf Instrument, früher bes. 
bei geringern Vergehen angewendet, bestehend aus 
einem schweren Halsring aus Holz, mit 2 Löchern, 
um- die Arme durchzustecken; der Delinquent wurde 
entweder damit an den Pranger gestellt oder musste, 
wie in G bis ins XVIII., dasselbe ein oder mehrere 
Mal den Markt auf- und abtragen L; ScnSt.; G; TnTäg. 
Lass es sl" [liegen], oder du dmnnst i" d' G- TiiTäg. 
,Der Schulmeister raufte mich am Haar und brüllte : 
Bekenn, du Lausbub! Mir wurde die G. angelegt, 
d. h. ein In.strument mit 3 Löchern, in der Mitte aus 
einander gehend. Sodann flog die Rute auf meinem 
Rücken.' L. VgL Schuel-G. Einspannung in die G. 
droht das G Sitten-Mand. von 1657 den Unzüchtigen 
an. ,In nideren gerichtsfälen die übertretere mit der 
g. zue büessen.' 1670, Ar«. ,Mit dem turn, trüUen 
oder g. strafen.' 1671, ebd. So auch bei Lev 1727. 
Denzl. 1716: ,Geigen, darin die Huren gelien, nianic* 
lignese', meint wohl dasselbe. Pranger ScnSt. (Sulger). 
— f) die gekrümmten Beine eines auf dem Bücken 
Liegenden, der dieselben in die Höhe streckt, nur in der 
RA. (d'J G. stütze", n-elpe", einen Purzelbaum schlagen 
GRPr., V.; „W"; infolge eines solchen oder auch zur 
Belustigung obige Lage annehmen GrD. Syn. d' Lam- 
per-G., d' Geigle, Giegle, Häfeli, Schüssel st., 's Gäbeli 
mache". — 4. Schaukelvorrichtung für Kinder Th. 
Syn. Gigampfi. — p. grosse Waldsäge Aa (Rochh.). 

UM.ffige, i. S. T. 1. Zu 3 a vgl. Änken-G., Schnitte Butter- 
brot (Schwaizwald). 4 von der Bewegung oder dem dabei 
entstehenden Ton, vgl. <iig<m; 5 ebenso, wenn iibli. richtig 
bezeugt. Lt Rochh. ruft der Buchfink den Bauern zu: Giye- 
hkl, Gi;jel!el (elg. Tom Ton der Säge), und die am Waldsauni 
liegenden, ausgestockten Äcker hätten von der Waldsäge den 
Namen Gigen-Büel, -Äcker bekommen. Richtiger aber werden 
(J. -Acker (schon 1386, L als Beiname eines östreichischen 
Ritters) sowie G.-Hag, -Mülli, -Buch, -Betti von einer ge- 
wissen Hügelform, resp. von der benachbarten Lage eines 
solchen Hügels her benannt sein. Christ 18fi9 vermutet, 
dass der Name ,Gigo' eines Moorgrundes in UwSarnen vom 



Tönen des Schilfes entnonnnen sei; er wird aber, ähnlich wie 
viell. auch derjenige eines Wildheuplätzehens in GlBetschw. 
und eines Hofes in L, eher der langgestreckten Gestalt zu 
verdanken sein. 

Am 1er-, in der RA.: Jir hänkt 's Mul wie-en 
alti A. Sprww. 1869. Vgl. Lamper-G. 

Violin-: tautol. scherzh. Verhochd. für Violine 
AARuedertal; Z. — Viell. auch zum Unterschied v. Gige 2. 

Hunds-: 1. Hund (verächtlich) Bs. Vgl. Hunds- 
Fud. — 2. Schimpfw., bes. für Mädchen Bs (Spreng), 
lt ebd. von Müttern auch scherzw. ihren Töchtern 
beigelegt. Syn. Hueren-Fosli. Vgl. Glgc 3 d. 

Mül-: Maultrommel, Mundharmonika Gr ObS., V.; 
ZF. (scherzh.). Synn. s. bei Miil-Orgele. 

Bass-: wie nhd., in der RA. von einfältigen Leuten: 
Was weisst e Chue von-ere Musgetnuss und en Esel 
von-ere B.? Z. Es Stuck Brot wie-n-e B., ungewöhn- 
lich gross ZS. 

Sau-: Lärminstrument beim Trosseln, bestehend 
aus einem über einen Kasten oder eine Mulde bis 
zum Zerreissen straff gespannten Seile, über welches 
von 2 Männern ein schwerer Gegenstand, z. ß. selbst 
wieder eine Mulde, wie eine Säge an beiden Enden 
liin und her gezogen wird, um möglichst widrige und 
weithin schallende Töne zu erzeugen BM.; S. Vgl. 
Möre-gigen. 

Schuel-: in der Schuh' !iii^;rwciidetes Strafinstru- 
ment, lt Abbildung im (Iikk. isi:'. bestehend aus 
einem Ring um den Jlal.s mit _' für die Hände be- 
stimmten Schliessen. S. Gige :j e. 

Schlitz-: Frauenzimmer (Schiinpfn.). oig. den 
hinten mit einem Schiit,: | Einschnitt! versehenen 
Frauenrock bezeichnend S. 

Steiner-: = Gige" 3 a. 

gige(n), Vtc. g' gige' Z: 1. auf der Geige spielen, 
allg., in Volksliedern und z. T. bildl. KAA. /•:- ,/'>/«' 
en Giger, es tanzet en Schwab, hei uniun-. irnmi iiiiniie. 
du tusigs U'flät Z. Wideli, vndeli. himln-rm Si.uleli 
hed der Bettelma"" Hiichsig: es ijiijr! rs Ch,rl:sli. rs 
tanzet es Chr. L. J''' iiinf-n ,i,ii-,,„s Shirl.h liiml, 
)''"'' g. nüd vergebet, iiml imiii <li- W'uilrr iihcri-ii-ist, 
so gan i''' vidcr /" (/' Hih," ZS. |l,ir,l 
geigers]. (?h/'". '/ """' . '/' >"/7"'-"-'-' 
Wenn i'''' clniinil iini'". ^" 'imi ''' -\ 
hildetps Imprvi; Cniii.]. Kl miirs „H„ 
im dir Aii,lrrr" ,/. S. J )r- (n.i.i h„l ir 
,sl iflninl. u.\rr: US isl »V, /„„/ ,/,' (;. ,. 
uchclliyv.,.li;,ll,.t lu.l, A 



..•uialir.s- 
» nsf. G. 
rzh. ge- 



' yy^' 



h,u\ 



Sprw., z.B.: i')/.//r" l,hU\ mul 
.\ls Abfertigung: Du l'isl ri, .V„,y ,iu,l ,'l,,i"-si „,„/,;. 
Me* wird d'r 's g., iiurli Siki:n(i Eiiirni. il.'v Alles 
besser wissen will, zugerufen Bs. Me" wird-cm g., 
sich über ihn und seine hoch gestellten Anforderungen 
lustig machen Bs; ihn zurecht weisen. ,Die Frau 
würd ihm geigen.' HSulz., Schulm. Ähnlich: h'i'"iii 
heim g., eig. ihn unter Sang und Klang heimhegh-itiu. 
I"'' u-ctt üd g., ich gäbe nichts darum. Syn. tinii. 
pfifen, dreheil. Das giged „id. yrht so nicht; es dw" 
nid. g., kann nidit aii;;-.'licii, ITus mllsl liiiiii eigclig 
mache", rrciiii 's In umu Jiiireinsr" umiersrh ct. [zu- 
gehen] srir^ SnuM.. As ,n,ll u„l :'s,n,„„e ,i.. ^i,•h 



l| w, 



151 



Gag, geg. glg, gog. gug 



152 



g. (Sprw.); vgl. die KA. unter Äff Bd I 99, G. Er 
giget hinder-em Türli, hat es hinter den Ohren. I''' 
packc-us, das hingerm Türli g. via^ i''' nit. Gotth. (vgl. 
Türligiger). Trüebsal blase' und Elend y. Z. ,lch 
sehe anders nicht, als dass sie [die Wundärzte] stets 
auf einer Seiten [Saite] geigen, bleiben bei ihrem 
alten Lied und brauchen stets einerlei Salben, es 
stehe wol oder übel mit der Wunden.- Würz 1634. 
,Wer die warheit gi'igft, Acm schlahet man vilraahlen 
die geigen an il'ii k.i|if.- .IKHofmstr 1645. ,Wann 
aber die W. in uiim i.i Stuti nicht will gegeiget sein, 
wann man dem Kind il.-u N:imen nicht geben, noch 
ein Ding nennen darf, wie es an sich selbsten ist.' 
DToMANN 1708. ,Es ist dem Herrn nüd Leids g'scheha, 
weder grad dass wir üch ei" klei" bitz die W. giget 
händ.' GöLDi 1712. — 2. spielen auf Musikinstru- 
menten übh. Er giget uf d'r Orgele nid so guet a's 
uf der Pfife« FJ. — 3. reden. .Doch muesstent 's 
darzue schwygen und torstend nit vil g.' 1405, Ap 
Krieg. ,Darus will ich nit me g., ich will anders 
sagen me.- ebd. — 4. von hin und her fahrender Be- 
wegung, mit mehr oder weniger Rücksicht auf die 
dabei entstehenden Töne. Vom Sturm, der am Lotter- 
fenster giget Bs. Türli-g., sich an eine Türe hängend 
hin und her schaukelnd knarrende Töne hervorbringen 
GrD. Vgl. den Namen der Wiege im Kinderrätsel 
Gige"-gage GrD. Wenn im Homer [Februar] d' Mugge" 
g., müesse' si im Merze" schwige" S. .N. N. wird be- 
schuldigt, gegenüber dem Landvogt sich trutzenlich 
gestellt und an der Nase giget zu haben.' 164'2, Absch. 
— 5. von scharfen, durchdringenden Tönen. Spez. 
a) vom Geräusch des stumpfen Messers, z. B. beim 
Brodschneiden Sch. — b) kirren, knirschen, wie ein 
ungeschmierter Wagen, ein Fenster, eine Türe in den 
Angeln, die Tritte auf hart gefrornem Schnee GO., Rh.; 
„B; L." , Kirren, gyren, geigen wie ein zäche wyd, 
pfyfen, als wenn man ein glüyend eisen in löschtrog 
stosst, stridere.' Fris. Syn. gtxen. Bildl. : Es giget-em 
afange, es wird ihm schwer um's Herz, er ist be- 
klommen Gl. Vgl. i(f-g. 

uf-gige(n): 1. in der RA.: Ei"m Öppis fEi"s) 

uf-g., ihm in Worten derb zusetzen Aa; Bs. — '2. von 

schmerzlicher Eiterung. Es giget-mer tüchtig uf SchwE. 

Auch pßfen wird von schmerzlicher Empfindung und 

Schmerzensrufen gebraucht. Vgl. Oigey S. 

um-: herumziehen unter musikalischer Begleitung. 
1615 verbietet der Rat von Aarau den Missbraueh des 
Umgeigens an Hochzeiten. 

US-, in der RA.: de'' hat usgiget, ist zahlungs- 
unfähig oder gestorben Z. 

nach-, mit Dat. F.. Acc. S.: nachmachen (ver- 
•ächtlich) W. 

möre-: den iintiT A>-\n S)n. Inisschi zu schildern- 
den Brauch üben, ein', niil .lii SniKiiije (s. d.) Lärm 
machen BS. Syn. MiuHi' kral:.ni. il:,re. Mutterschwein. 
Giger m. : I.Geigenspieler, allg. Wenn i"'' en G. 
bi' and du en Tanzer, so bin-i"'' en halbe Narr ond 
du en ganze Av; Z. Zwei ff. tauged nid in ei' Würts- 
hus. Sdlger. Da heisst 's : ff. mach uf [spiele auf], 
z. B. wenn ein Reicher nur lachende Erben hinter- 
lässt Z. Der ff. ha", Tanz veranstalten, wie die Wirte 
Gl, daher zum (a'O ff. gä', zum Tanz gehen Gl; Obw; 
am ff. si', auf dem Tanzboden sein. Derfür [für 
einen gespendeten Strauss] gun-i''' mit em Babeli a" 



der Chilbi z. G. Gl Volksgespr. An der Chilbi ist 
albig der ff. und Tanz GrAv. Zur Tanzete g'hört 
en ff., heisst es von einer Familie, die zu einem Kna- 
ben und einem Mädchen noch einen zweiten Knaben 
erhält Bs; Gl; Z. De" ff. selber zale" müesse, die 
angerichtete Suppe selber ausessen müssen Z. Die 
Mandate nennen neben andern Vaganten seit dem XVI. 
meist auch ,die G.' (1641/ 1702, Z Mand.). s. L'iren-Frau; 
so erklären sich auch der heute noch vorkommende, 
urkundlich seit dem XIIl. belegte Familienn. G.. auch 
.Butzegeiger' G, sowie die Ortsnn. ,Gigerhof' Gl; L, 
,G.-Hubel' L, ,G.-Hus' Xv; L; TnBisch.; ZStdt, ,G.-Gas8' 
ZStdt. ,Gigers-Buel' Ap, ,-Berg' S und viell. auch: 
,Giger.' 1370, Zellw., Urk.; ZS., ,Gigeri' Zg und ,uf 
der Gigern' Ap; Z, ,Gigernwald' aSi.-HW. — 2. Zahn- 
weh Ap; gg. Syn. Musik. — 3. Durchfall Ndw. Syn. 
l'fifer. — 4. de" ff. in SchueHie ha", von neuen, beim 
Gehen knirschenden Schuhen BHk. — 5. Käfer, welche 
summende, knarrende oder knipsende Töne hervor- 
bringen und von Kindern etwa darum ans Ohr ge- 
halten werden, bes. a) verschiedene Elateriden oder 
Schnellkäfer GRigis; Syn. Klepfer. — b) (auch -ü-) 
„Bockkäfer, cerambyx alpinus B.'- S. auch Herrgotts- 
Güegi, -Tierli. — C. penis puerorum Bs (Becker). Vgl. 
Gige 3 d. 

Zu 2 Tgl. u/i/igen. Über die Organisation der Ijiijer und 
I'ß/er in früherer Zeit vgl. Königlich. In 5 könnte tw. blosse 
Entstellung aus (lueg, Güeiji vorliegen. 

Füst-: G.. der nicht nach geschriebenen Noten 
spielt LE. 

Häl-: glatter Schmeichler Gl. Syn. Häl-Streichler. 
- Mhd. hatU, glatt. 

Krotte"-: Schimpfn. ZWettschw. — Krou, KrBtc, 
vvahrsch. als Ausdruck der Geringschätzung. 

Neujahr-: G., der um Neujahr singend und bet- 
telnd durch's Land zog Zf. 

Dürr-Bire"-: Scheltn. ZWettschw. 

Wahrsch. ein Hohn auf die einem solchen Fahrendeu ge- 
reichten, oft höchst bescheidenen Gaben und damit auf den 
Empfänger. Vgl. Bratia-G. 

Purrli-: ganz saurer, geringer Wein AaKu., L. 
Z, auch schlechter Liqueur Z. Syn. Burrli-Fuchser. 

(*DYa,tei\ii-) Brätis-: herumziehender, schlechter 
Fiedler, der an Gelagen, bes. Hochzeiten, spielte, wenn 
der Braten aufgetragen wurde (über-''e Brotis gige"), 
und den man mit Speise, oft wohl mit einem Bratis- 
Bein [-Knochen] vom Tische entschädigte Aa; „BO. ; 
L;" schlechter Musikant übh. Ap; Bs; Gl; SouSt.; Z; 
vgl. Spis-, Kirchwxh-G. D' Chilbi [Kirchweih] chunnd, 
e B. spiü-em [dem Bauern] Freud i' Herz und Füess. 
Häfl. 1813. Unbedeutender Mensch übh. (Spottn.) 
Aa; B; Z. 

In der Com. Beati ermahnt ein Spielmann den andern: 
.Es ist g'stimmbt iez, wann wir ga" wend, wir komnient 
sunst, wann 's Bratis geud.' Über ernen ähnlichen Brauch 
in Schwaben vgl. Birl. Volkst. -2, 367/8. Über die Form 
liralia s. ye- Bd II 41. 

Sele"-: Geistlicher Ap; Z (spött.). 

Arme"-Sele°- Ostschw., Liebe"-Sele°- ScuwE.: 
= Spis-G. Dri" g'seh" n-ie-en Arme'-Sele"-G., elend, 
abgelebt aussehen. — Viell. darum, weil das Lied von 
der armen Seele oft von den Spielleuten gesungen wurde. 

Schilli"^-: Spottn. auf einen schlechten Musi- 
kanten, eig. ,der um einen Schilling geigt.' Vgl. 
JKToBL. 1867. S. 171. 



153 



(Sag, geg. glg, gog, 



Spis-: schlechter Geiger, der zum Tanz siiielt VV. 

Tüpfli-: 1. Brenneisen (vgl. (rige 3 c}. mit wel- 
chem eine Figur Ton 3 Punkten als Eichzeichen auf 
hölzerne Gefässe aufgebrannt wird ScnSt. — 2. (als 
Spottu.) Blatternarbiger, ebd. Syn. Glge-Tüpfler. 

Türli-: 1. herumziehender, armseliger Musikant, 
der vor allen Türen (vgl. hinderm Türli gigen) spielt 
Aa; S. — 2. abgemergelter, einfältiger, herunter ge- 
kommener Mensch, Pinsel Aa; Bs; Gr; S; Z. .Blosse 
A-B-C-Schützen und T. gegen die [im Vergleich mit 
den] alten.' Dennl. 1817. — 3. Plaudertasche Aa. 
— 4. wer an der Türe hängend mit derselben knarrt 
(vgl. gigen 4) GrI)., bes. scherzw, auf kleine Kinder 
angewandt, die dieselbe noch nicht schliessen können 
BsStdt. — 5. schlechter Wein Aa; B; „L;" Z. Syn, 
Kuttlc-Rügger, Purrligiger. — 6. Durchfall (Oig&- 3) 
VOrte; S; Balz 1781. 

Kilbi-: auf lürchweihen ziehender (schlechter) 
Musikant, allg. 

Geisse-Gigeli: Gänseblümchen, bellis perennis Aa. 
Syn. -GiseU, -Gismeli. 

Gigeligö, uf-em G. rite', Huckepack reiten GrD. 
(Kdspr.). Vgl. Gögel, Rücken. 

gigere(ll) II (uf-): 1. nachlässig aufschichten. Die 
Schiter heintsch [haben sie] nummu ufgigrot W. Syn. 
yögeren. — 2. sich von. einem Falle aufrichten BO. 
Syn. ufgageren. 

Giger-ne, -te f,: lose aufgetürmter Holzhaufen 
VV. Syn. Go-, resp. Gö-, Güegerfe. 

.,gigle(n) 1 (auch uf-): eine schwache Mauer 
ohne Mörtel aufrichten. Steine übel passend auf ein- 
ander türmen oder häufen W.- Vgl. Gogermür. 

GTge(r)tsclli n.: Samengehäuse im Obst BoAa.,E.;S. 
Syn. Güegi; andere s. bei Flieg 5. — Zyro gibt für B » an. 

Gigüx s. Eidechs. 

giege(n): wiegend hin und her neigen SchwE. — 
Wahrsch. nur Nbf. zu gigen in ders. Bed. 

Giegi m.: 1. der hin und her neigend sich bewegt 
ScHwE. — 2. Tölpel, ebd. Syn. Gageri I. 

Der Tölpel scheint von seinem schwankenden Gange benannt 
zu sein, wie noch in synn. WW. ; übrigens vgl. mhd. ijicge. 

giegle(n): hin und her schwanken, sich wälzen, 
z. B. am Boden iimme-, von einem Betrunkenen GO. 
S. Peter hat nach e Wili umme g'gieglet uf der herte 
Diu und schlaft aw'' i". Von Kindern, die in der 
Sonne sitzend sich die nackten Glieder bescheinen 
lassen. Syn. geiglen, e Gieggle machen. — Giegli m,: 
Schemel, welcher nicht feststeht GaHe. 

Gögel m. : ein sonderbarer, komischer Mensch. 
Wenn man z. B. Jnid etwas Gutes anbietet und er es 
nicht annehmen will, so sagt man: Bis nid so n' en 
G. und nimm 's ScHSt. •- Nahe vwdt mit Gnur/gtt, s. d., 
und zunächst zu t/oglm. 

Strüss-: Blumenfreund, -Narr Z. Auch -Gögel. 

gögle(n): spielen, schäkern ZGrün., Horg. Narren- 
possen treiben Z. — Mhd. tjogehn, mit vwdter Bed. liat B. 

Gogeli n.: Ei (Kdspr.) Bs. Nbf. zu Syn. Gaggeli. 

göge(n) [-gg- GF.): 1. „ruhen (verächtlich) W;- 
faul, unschicklich sich hinlegen oder hinsetzen, sich 
gähnend strecken, faulenzen, herumlungern Ap; G; 
TuTäg. Auch umme-. Im Bette g., unnötiger Weise 



darin liegen Ai-Id. bei '1. — 2. sich langweilen GRPr. 
- Wahrsch. blosse Nbforui zu gagtn I, da die Bedd. ,sich 
wiegen* und , ruhen* sich leicht vermitteln lassen. 

gogere(n): \. ^= gägere" B (n); L; U; Ndw. 
2. scherzen, wie kleine Kinder, tändeln B; S. Syn. 
göglen, gögelen. — 3. ,G., inordinate superstructum 
esse.' Id. ß. So noch Bß. Auch = gablen 3 B. — Im 
Ganzen Nbf. zn gilgeren. Zu 2 vgl. Anm. zu göglen. 

Gogerli (öj n.: scherzw. Schelte unzufriedener 
Kinder BBurgd. — Wahrsch. zu gügeren i. S. v. unruhig 
sich herum treiben, steigen. 

,Gogerte f.: incongesta molos.* Id. B. 

gögere(n), Dim. „gögerlen"- : 1. locker, lose auf 
einander häufen ,B0.; Gr;" W. — 2. schwankend 
gehen BO. 

uf-gögerle(n): auflockern BHk. 

gögerlig: 1. „locker, nicht fest, von Sachen, die 
herunter zu fallen drohen BO,; Gr;** etwas ,g.' aus- 
breiten, damit es von der Sonne besser beschienen 
und getrocknet werde BHk. — 2. „ökonomisch in 
schlechten Umständen stehen BO.' — 3. „heirats- 
lustig sein, bes. von Wittwen und Wittwern BBönig." 

Gögerte f., „Güegerte": etwas auf einander 
Gestelltes, das baldigen Einsturz droht BO. Syn. Gi- 
gerte und Gogerte; s. gageren. 

Gögel m.: 1. a) Lustigmacher, Possenreisser, Hans- 
wurst Z. — b) Geck, Narr, dunmier Kerl Aa; Bs; Gr; 
ScH; Th; Z. Wer an Etwas eine närrische Freude 
zeigt; vgl. Gögel. Syn. Gäuggel, Göggel, GÖl, Gölgg. — 
c) langer, schmächtiger Mensch AAZein. — d) , Schlech- 
ter Kerl.* .JCUlr. 1768. ^ e) Übern. ,Han.s Frig, gen. 
G.' 1431, Z. ,Henslin G.. syn Ij'blicher sun.* ebd. 
.Gögeli; Gögel* 1715/83. ZZoll. Taufb. .Gögeldick', 
Familienn. ScHwSeewen. Vgl. auch den Übern. Gögi 
in ZTöss. — 2. verdickter Nasenschleim Scii. Syn. 
Gölgge, GÖggel, Bfrjogg, ButzenmÖggel. 

Von Ooggrl ist ijögel in Laut und Bedeutung nicht wesent- 
lich verschieden. 1 c erklärt sich daraus, dass Leute von 
jener Statur in ihren Bewegungen leicht etwas Linkisches 
und insofern Lächerliches haben, vgl. Gtiyeri, Uagi, Gäggi. 
Ulrich, der das W. aus dem hebr. OaJ, Heiden, herleiten will, 
hat sich entweder durch seine Etymologie bestimmen lassen, 
oder nimmt .schlecht' i. S. v. .gering'. Zu 2 vgl. Bögg, das 
die Bedd. Maske und Nasenschleim ebenf. vereinigt. 

Butze"-: Popanz Sch (auch -gg, s.d.); Th. 

gögelig, güglig: geckenhaft ScHSt.; Z. 

gög(e)le": 1. Mutwillen treiben, närrisch tun, 
sich lustig machen ZStdt, Zoll. — 2. (gogele'J dumm 
handeln Sch. ver-: 1. „Etwas aus plumper Un- 
besonnenheit verlieren, verlegen oder für Kleinig- 
keiten weggeben Sch; Z." — 2. verwöhnen, -zärteln, 
-hätscheln GrL. Part, rergoglet. Syn. verhätschlet, 
erwärt. — Bed. 2 lässt sich durch .vernarrt' = verliebt und 
Xärrli als kosende Bezeichnung eines kleinen Kindes erklären. 

um-: umstürzen, von Menschen ZO. Syn. um- 
geiglen, -gäugglen. 

Gogel, Gügel (GRPr.) m., Dim. Gögelti GrD.: 
kleiner (alter, schlechter) Keitschlitten für Kinder, 
kurzer Handschlitten, mit Holzstäben „GL'-(t); GrD.. 
He., Pr. .Jmdn auf den G. nehmen*, auf den Kücken 
GrD. Syn. Güggi II, Krücke. 

' Zur letztern Bed. vgl. Uigeligü, sowie vnrarlli. giigm, auf 
dem Rücken tragen, wozu wieder unser ijiig'ii I (eig. mit «1 
zu vergleichen ist. 



155 



Tag. geg, gig, gog, gug 



Giig 111.. Diin. Giiyli: Ton, Laut, Kuf. Beim Vei- 
steckenspielen ,Guggelibergen' antworten die Ver- 
steckten auf das Verlangen des Suchenden : Los [lass] 
en Gmjüg! (s. d.) mit einem Gug kiSh. ,Er lasset 
noch ein kleines Güglein von der Ohren-Beicht.' 
Klosterguggü 1687. 

Wahrsch. zu Owje, Blashorn; <jngen U, f[üfit/fn. Hörn 
blasen; Tgl. auch güggen, pfeifen, von Vögeln. 

Gugel I m.. Dim. Gilgeli, Gügerli: Haushalin Ar; (i. 
Syn. Güggel, Guli, Giigelhan. Er wird vor Hochmiief 
tcie-n-en G. g'schwolk" Ap; vgl. nhd.; der Kamm 
schwillt ihm. Pote, ist der G. «»"* envacht! JJKütl. 
,Es soll ein wirt nit mer haben, dann ein hängst am 
baren, ein katzen und ein g. und soll der wirt uf der 
first stan und sol ein .sichlen in der linggen band 
nemen und so fer er die sichlen werfen mag, also wyt 
soll syn gugel recht haben zu weid gan.' Offn. ZDielsd. 

uf-gugle°: auifahren wie ein Hahn, sich zur 
Wehr setzen Ap. Vgl. gügelen, gügerlen, güggelen. 

Gugel n m., Dim. Giigeli, Gügerli (Ap): 1. a) Röhre 
oder Spitze eines konischen Hutes BG., Si.; Ndw. Syn. 
Gnpf. — b) , spitzige Mütze. Kappe L." Der Spitz- 
hut der Beamten beider Stände in BsStdt (Spreng). 
Vgl. G-hiiet, -kapi)e. — c) turbanförmige Wintermütze 
der Frauen, von Pelz oder Wolle, früher bes. im 
XVn./XVm. in G u. ZWint. getragen, jetzt noch in 
Montafun. ,Von Stauchen und Guglen wird Nichts 
mehr vernommen.' GZdst. 1860. — d) eine Art Kappe 
oder Kapuze. ,Dass ein jeglich fröwelin [Dirne] tra- 
gen soll ein rotes keppeli über twerch uf dem houpte ; 
kummt si in ein kilchen, will si das kugellin abe- 
ziehen, so soll si 's uf ir achsel legen.' 1313, Z Ratserk. 
.Ein Chorkappen mit einer Listen und mit einer Kugel 
von Perlen [zu einem Messgewand gehörig].- 1357. 
Arg. ,Si [leichtfertige Mönche] schluogend mit dem 
g. die mensur [den Takt zu ihren Gesängen].' UEckst. 
1526. ,Und hat sich der gottlos erengeit [Ehrgeiz der 
Mönche] gar gern soeben und zu etwas Zwietracht 
bringen lassen; er schlouft sich aber widerum under 
die g.' Vad. ,Cappa autem. capitis tegmen a tunica 
separatum. cucullus, Gugel, capello Italis. Geimanis 
Kappen, Alamannis Schlappen.' Goldast. ,Wie man 
etwan in den klöstreii den sauhirten kutten und guglen 
an.stosset. (hiinit sie eingedenk syn mögend, dass sie 
zu dem onlen gehörend.' ebd. ,Im anfang des spils 
verbunden ihm die meister d' äugen mit sydener bin- 
den und zugent synen gugel darüber.' Ansh. .Bar- 
diacus, ein kleid on ein g.' Fris.; Denzl. 1ij77; 1716. 
.Cucullus, ein g., den die frauwen tragend, wenn es 
regnet, item ein halskapp oder kappenzipfel.' Fris.; 
Mal. .Der G.. hohe Kapp.' Red. 166'2. S. noch .Spanier- 
kappe.' — p) sehr znaespitzte Garnspule ApH. — f) (nur 
als Dim., (hiiirli. (hiqirli) eine Art Sattel in der Fabrik, 
beweglielii- i'vliieliT niederzudrücken Ap. — '2. Hügel 
AAZein.; auf eiuem Berge hervorragend L; runder 
Gipfel Ndw. ,Die offnung ze Wurchonloss gat unz 
oben uff den g.' Noch vielfach erhalten in Flurnn.: 
Innerer oder vorderer, hinterer oder äusserer ,G.' 
(letzterer auch ,Burghorn' genannt), 2 Bergköpfe auf 
der Lägern. ,Weiss-G.'. Bergn. LE. ,In der Gugel- 
ment' ZAndelf. [-ment verk. aus ,Allment'], ,Guglen- 
berg' FTaf. Reben im ,Gugelweg' ZUrd. .Uf Gugefei.' 
XIV., L Propsteir. ,Ein Acker genannt Gugelpünton.' 
1659, Arch. Wett. Vgl. auch noch Ghügel :i. 



Mhd. yuyi'k, giujd, Lityrt f. Kapuze, aus nilat. iiueuitu, 
lat. cucullus. Für den Zshang der Bedd. 1 und 2 vgl. das 
Verhältniss von Kappe zu Kuppe und auch Gupf und Qugd- 
hopf, Name eines Gebäckes von ähnlicher Form. Als Ge- 
schlechtsn. erscheint einfaches Gugel nur selten. ,Ruodi 
Gugelly.' 1484, SchwWoll., öfter als erstes Glied von Zss.: 
Ougelhehn; G-mann B oAa. ,G-berg.' 1400/1523, Z; 1449 
bis 1531, Schw. ,Guglenberg.' 1526, F. Die beiden letztern 
natürlich zunächst von den gleichlautenden Ortsnn. entnommen. 
Mit nachgesetzten Vornn. halb appellat. : ,Du armer Gugel- 
fritz.' Lind.. Wint. Chr. ,G-Franz.' Gcngb., Gauchni. ,G-lutz 
(I.udwigl.' 1Ö31, Zg. ,Ruotsch [Rudolf] Gugellotz.' 1531, 
ZErl., zsgz. ,Gugolz.' 1593, ebd., und als Übername: ,Heinrich 
Müller, genannt Gugellorin.' 1681, AaB. Zu unserm W. 
wild auch der Flurn. : ,in der Guglen.' ZUster u. Zoll., ge 
hören, der sich zu demselben verhielte wie: ,in der Giblen' 
zu Gihel. — Tgl. noch Anm. zu Gnf I. 

Gngeluch: = Guggüs, beim Verbergenspielen mit 
Kindern ScnStdt. 

Gugel-üs: dass. ebd. ,Macht auch ein Kind, 
wann es etwann 2ii Jahr alt i.st, Gugelaus'r" Herzbr. 
Pred. 1759. 

Gugelum (ChuMum%K) m.: Früchte des cocculus 
suberosus (Indiens), Kockel-, Fischkörner, als betäu- 
bendes Mittel beim Fischfang gebraucht GRh., Rorsch. ; 
SB.: ZS. Vgl. GuggeU-Fang. - Aus co.mln>. 

grige(ll) I: hin und her bewegen, wiegen Bs, auch 
als Dim. gügele". Het men-e aber g'heisse : Gang wagten 
e wengeK dinne! het er blöselig giiget, un'' 's China 
het g'schratie, u'ie vorher. All. 1843. Auch: sich hin 
und her bewegen. D* öhilchtüre g-t. Hebel. 

Schwab, gügeln, wiegen, wackeln. Der Voc. scheint aber 
erst später verlängert worden zu sein, wie in gOgen, schau- 
keln; mhd. r/nr/en, gugeii. haben kurzen. Vgl. noch Anm. zu 
gigageii. 

Guge" f., Dim. Giigeli: 1. a) „(Gueg) Widerrist, 
[Nacken des Pferdes] L." Hals. Nacken (des Menschen) 
Bs (Spreng). So in den bildl. RAA. : M"'m uf dr G. 
si", sitze", ihn belästigen durch allzu grosse Nähe Bs. 
Er hockt mer uf d'r G., dass i''' nit schnüfe ka". 
Spreng. JEi""«! uf d' G. cho", zu nahe kommen. Gang 
mer ah dr G.! bleib mir vom Leibe, lass mich in 
Ruhe. P* kam hält grad mit gueter Baslerlauge und 
saiti: Gehn Sie mir doch ah der Gange! RKelterb. 
1874. Syn. ab de" Socke", Hippe". ,Sy sind uns uf 
die Achslen gesessen oder wie man gmeinlich spricht, 
sy sind uns gar auf gugen gehocket. In capite atque 
in cervicibus nostris restiterunt.' Mal. Dafür Fris.: 
,Sy habend uns auf den hals treeten.' Einem under die 
Gügen kommen dürfen [mit Hineinspielen der betr. 
RA. von den Augen] ZG. — b) (PI. Gilge') die weibl. 
Brüste Z, auch Dim. Gügeli. Syn. Süge. ~ c) Blase 
(von wässerigem oder eiterigem Inhalt), Schwiele, 
Geschwür Aa; L. Syn. GügCeJle, Gügere. Wer de' 
Treschflegel a'grlft, muess d' G. vergesse". Du hesch 
rüdigi Finger und Gilgeli drä" S (Volksliedch.). , Später 
zogen dann die Herren [Offiziere] auf, so gelassen, als 
ob so etwas sich von selbst verstünde, und Pauken 
und Trompeten eben nichts anders wären, als vor- 
nehme Gügerlein, also etwas ganz Ordinäres.' Gotth. 
— 2. a) Blashorn des Kuh- oder Ziegenhirten, auch 
des Nachtwächters, oder der Knaben, als Spielzeug, 
aus Rohr, Holz, Rinde, Papier oder hohlen Pflanzen- 
stengeln, wie derjenigen des Kälberkropfes Ap oder 
bes. der Wald-Angelica verfertigt Ar; Gr; GEh. 



Gag. geg. gig. KOfr. s»? 



Güycli, Kiiuleitroiiipetcheii GRh. Syii. Gugi, Güggen, 
Blöseli, Pfife. - b) Wald-Angelica, angelica silv. GG.. 
Eh., S., Sa. Syn. Bilchel, Rörhuggle, Pfiff, Beribläse, 
Lüsrör, Bach-, Blas-, Sinckrör, WaldrÖre. S. auch 
Spick-G. — 3. Röhre zum Trinken (aus einer Bütte, 
bes. in der Kelter) GSa. Vgl. gügelen und gügeii II. 

— 1. (m. und f.) Berg mit haubenförmigem Gipfel im 
Jura. Vgl. Giigel. ,Eiiie der höchsten Spitzen [des 
Bergzugs] ist die Guge bei Stusslingeu.' Gem. S 1836. 
.Von dannen in das höchste uf Gugen.- 1351, Aa Weist. 
Noch als Fluni.: ,in der G.- GT. — 5. ,= Gueg 1 d, 
im bildl. S. B; L; U." 

Von yüijen, blasen, woraus sich Beil. 1 und 2 von selbst 
erklären, wenn bei 1 a, b der Grundbegriff ,Anscliwollnng, 
hervorragender rundlicher Teil des Leibes', angenommen 
werden darf. Zu 1 c vgl. ,Fistel', röhrenartiges Geschwür, 
lat. ßatula, Röhre, Rohrpfeife, und ,Blase: blasen'. Bed. i 
(wo das m. aus dem mitgedachteu Begriff .Berg' zu erklären 
sein wird) schliesst sich an 1 mit dem gms. Begriff rund- 
licher Erhöhung. Zu 1 a scheint auch trotz der auffälligen 
Form (ue für «, resp. fi- statt u') St-s Angabe aus L zu 
gehören; umgekehrt giebt er u für ue au iu ffii./tn für 
Gueg ö. Ö. noch (iaugke bei Schin.-Fr. 

Eiter-Gügeli: kleine Eiterpustel AASt. 

S p i c k - g ü g e " GSa. = Guge 2 h. Syn. GugC-Krut. 

— Spicke», Kügelchen durch ein Rohr blasen. 

güge° II: 1. auf einem Hörn blasen, von Feld- 
hütern, Jägern. Wächtern, Hirten, Schiffern Gr; GRh.; 
SfHW; Ndw; Z. In ZZell bes. vom Bäcker, der durch 
Blasen die Leute zum Besuch der Schwitzstube ein- 
ladet. Syn. j" 's Bädli blase". Auch gügen, gugelen, 
güggen, güggen, s. dd. — 2. jo'.leln. trillern SchwMuo. 
S. noch gugelen. - 3. heftig, laut weineu GrV.; 
GEh.; schreien, heulen von einem Gespenst; s. Bogeten- 
Gugi. Von Tieren: schreien wie ein Kukuk BsLd; 
von der Stimme des Salamanders, der darum Güge"- 
möli und entstellt -mörchli, -manHi, Gügge-mimli, 
Gügge-möfußi, Güllegugger lieisst. D' Frosch gügen 
uf ein Tüchel Schw. Auch güggen, güggen, s. dd. — 
4. verächtlich von der menschlichen Stimme, in der 
RA.: Er kann nit g. und nit gage", keinen Laut von 
sich geben, = er weiss weder Gux no"'' Ga.c BsLd. 
Vgl. güggen 4. — 5. schlurfen Th. It Schwzrd. '20. 36. 
Dim. güg(e)len, s. d., und gügglen u. vgl. Guge' 3. 

Der ä.Spr. ist das W. fremd; es scheint Lautnachahmung 
zu sein. Die syn. Formen mit it und ß, y und ijij bestehen 
z. T. neben einander und fliessen iu eiuauder über, viell. mir 
mit dem Unterschied, dass die Formen mit yy einen etwas 
stärkern, die mit ü einen etwas höhern Ton nachahmen. 
Doch scheint es ratsam, dieselben zunächst getrennt zu halten, 
weil sie nicht alle Bedd. gemein haben. Im S. v. I scheint 
es auch enthalten in den Compp. Guyen-Ma", -Wib, zur Be- 
zeichnung von Eheleuten, die getrennt leben, halb geschieden 
und darum ,verrufen' oder Gegenstand des Spottes sind. 
Vgl. tisgiiyen. 

US-, auch ver-: öffentlich als fallit erklären, ver- 
rufen L, schon It Schweizerb. 1818; in Zo mehr scherz- 
haft ; ernsthaft üs-rüefen. S. üs-, vergüglen, -güggen. 

Gügete f.: Getön; Geschrei GRSchiers. As hohls 
Gadü' old a G. vom wilde Geissler [einem (iespenst]. 
Schwzrd. 

Gügi m.: 1. Einer, der jodelt SchwMuu. Zu gü- 
gen 11 ä. S. noch Gügeler. — '2. n. a) Blashorn L: 
Zg; St.'' Auch Gügi, Güggi. b) weibliche Schreck- 
gestalt, Kindergespenst Gi.; L (Güggi). .Gefürchteter 
als diese Schreckgestalten war das Bogetengugi. denn 



dieses hörte man von Zeit z« Zeit in seinem Walde 
gugen, und es hockte ungehorsamen und umherschwei- 
fenden Kindern auf, so dass sie das Ungetüm unter 
Angst und Schrecken eine Zeit lang tragen müssen.- 
MEsTERM.. Rick. Zu gügen II H. — ßoyete, FUirn., Wald 
bei LMüuster. Vgl. Lüt. Sag. S. 12G. 

Guge» (-!(-) f.: = Guchle, Röhre und Rinne an der 
Obstmülile ApI. Vgl. Güge" 3. 

¥iäi- dngtT = -gügger Bd I loTs L. mit An- 
lehnung an gügen. 

Kratz-: verächtliche Bezeichnung eines krätzigen 
Menschen BE.. Zu Guge' 1 c. Vgl auch das Folg. 

«ngere (-«- BS.) f.: Eiterblatter Bs; B. Dim. CHi- 
gerli, bes. Hitzblätterchen oder -bläschen im Gesicht, 
Ausschlag, verursacht durch Genuss von scharfgesal- 
zenem Käse oder Schweinefleisch B. Syn. Güge, Gügle, 
Bibeli, Borple, Sure'. Schiitzeli. wie bist du dach so 
rüdig, und r'' bi alle'' Hn'i'i'i i'"U : lliisl h,,'' .jmnHt, 
i"' Süll d'r chratze. Xn : 's ti(,i „nr s,Ah, ,- in,l : 7,\k(i. 
Eusere Gugerehans hat ginbcl. hat 's Bibtii - Xaiini 
g'nö" : chann eigetli nid bigrife, ivie die st" zämmechu .' B. 
, Keine Rose ohne Dornen, sagte eine Tochter, die Gu- 
gern im Gesichte hatte.' Gukk. 1843. Syn. Güge' 1 c. 

vergügeret: voll von Gugeren B. 

tingle, -ÖM- UwE., Gügele (-»- AAWohl.) f. (meist 
als PI. = Gouigle Ulsent.), Dim. Gügeii: Blase am 
menschlichen oder tierischen Körper, Pustel. Ge- 
schwulst AaF.; L; S; UwE.; U; Zg. Syn. Eissc, 
Güge, -re, Gügi, Gide. Im PL auch: Finnen. Mitesser 
S; Ulsent. 

Gngeral: ein Stoff. .Eine niange ze linwat und 
ze g.' 1335, Z Ratserk. Hieher wcihl auch: .Ein stück 
gugrars.' 1376, Z. Vgl. aucii Guyler. - Ursprunglich 
viell. ,Stoff zu Gugeln'. 

gngilliere(n) : necken, plagen L". — Vgl. afiz. </o</nc, 
Scherz und Vwdtc und yüyemirlen. 

gugle", -ele" (-H-): 1. hellauf-, aus vollem Halse. 
stossweise, herzlich, mit lebhaften Körperbewegungen, 
unanständig, ausgelassen lachen B; FM.; „VOkte;- 
SG. ; Ndw; Syn. gagglen, chachlen, schüblen. Lauten 
Spass treiben Bs; BM., U. ,Er sah Änneli süsslächt 
g. mit ihnen.' Gotth. Heimlich, versteckt lachen 1!. 
— 2. (gugele'J Töne nach Art der Turteltauben und 
Birkhühner von sich geben Ndw. Auch von der Eier 
legenden Henne Z (It Wack. 1869). 

In den Gaumenlauten und dem dunkeln Vucal liegt offenbar 
Nachahmung des Schalles, für 1 etwas stärker mul voller 
als bei yiylcn. Vgl. auch yüyelen, Guyelfuer. 

(tugler 1 ni.: ein Kleiderstoff, viell. dass. was 
Gugeral. ,Die Gewandschneider sollen kein G. feil 
haben.' 1526, Ochs. - Vgl. auch Schm.-Fr. 1, 881. 

Gagler 11 m.: (PL mit Art.) die englisch-französi- 
schen Soldtruppen, welche a. 1375 die Schweiz über- 
fielen und geschlagen wurden; so genannt nach ihrer 
Kopfbedeckung, s. Gugel II 1. ,Die gugeler. die Brit- 
ten, die Engeischen, die ritten.' Liliencr. .Die G. oder 
Engländer.' Tschudi. Dagegen Gugler uml Gugelniann 
als Geschlechtsn. eher zu Gugcl II l'. 

Gagnnieli: Türkenbund. Liliuni martagon Uw 
Seelisb. (Durh.). 

Viell.. wenn richtig angegeben. Iipruu'll ein.- Viiquickuug 



Gag, geg. gig. gog. gng 



160 



Zwiebel des Türkenbunds, auch CnhI-Ep/d, -BliUe ponannt, 
mit jenen einige Ahnlichlteit hat. 

Gugüs s. Guggüs. 

Gügel 111. : Haufe, z. B. von Klee auf einem Wagen, 
bes. i. S. V. unvollständiger, nicht kunstgerechter La- 
dung, wenn dieselbe unten zu schmal angelegt ist 
ZWyl. — Wahrsch. halbes Dim. zu Gage i. S. t. rundlicher 
Erhöhung; s. Anm. zu diesem W.; doch vgl. auch fl'yejerh 
und gigeren. 

Gttgel m.: 1. s. Gögel. — 2. Name eines Berges 
bei Matzendorf S. ,Uf Gügele.' Flurn. XIV., L. ,Der 
Kempfen-Hof gat . . . unz obnpii uff den G.' Offn. 
Würenlos. S. Gugel II ä. 

gttgele", gügle°: 1. ein Hörn blasen G; Tu; ZO. 
Feuerlärm machen GRLandq.; SchwE. S. gügen II 1. 

— 2. fein jodeln Schw. — 3. Wein durch ein GiigeU 
[Rohr] aus der Bütte trinken, wie in Keltern geschieht. 
wenn man sieh zum neuen Wein einladet GEh.. Sa. 
Schlürfen, langsam, aber häufig und anhaltend trinken, 
den Trunk lieben AaZ.; L; Tu. Syn. gügen II 5, 
gilgghn, glügglen. — 4. mit Dat. P. (resp. S.) hätscheln, 
bes. Kinder. Dem Für g-ele(n), das Feuer sorgfältig 
pflegen, wenn es nicht brennen will ZW. Syn. nf- 
giglen. 

Hieher (zu 1) gehören wohl auch die Peisonenn. ,GügIi- 
gUg.' ca 1320, ZStifts-Urb. u. ,Hans Gügler.' 1531, Egli, Act. 

üs- (auch ver-) gügele": als fallit ausrufen L. 
S. üsgügen und -güggen, -güggen. 

Gugeler: Einer, der fein jodelt Schw. Z\x gügele" 2. 

gügele(ll) (-«-): 1. lachen Sch; Syn. güxlen; s. gu- 
g(e)len. — 2. vor Zorn zittern, 's het Alls in im g'g-t 
Sch. Vgl. gügerlen. 

üf- = üfgitgelen Sch; s. Gugel I. Wo de" Gross 
da' g'hört hat, ist alles in im ufgügelet und er hat 
g'chlbet und g'schecht [scheel gesehen] und hat nid 
weHe" i' d' Stuben inne. JMey. 1866. 

GBgeler: Hahn Ap. Sonst Gugel. 

giigelig: fröhlich, freudig Bs (Spreng). 

Tiell. aus dem Syn. (ge)hmielieh. s. hiigelig, das aulantende 
g also für g'h.; doch vgl. auch duget in Gugel/uer. giigelen 
und die Synn. gigelig, güggeUg. 

guge° : 1. ins Hörn blasen, durch ein Hörn rufen 
AABremg. ; S ; s. gügen, güggen, güggen. Des Morgens 
durfte in G im XIV./XV. nicht eher gefeuert werden. 
,won [als] von der zit, so man den tag kündet oder 
rüeft oder — im Winterhalbjahr — so man darzuo gü- 
got.' G Eatssatz. — 2. „brüllen GRObS.'- = güggen 3. 

— 3. das Gügispiel machen, .s. Gügi 5. 
geiss-güge", -gügene": das Knabenspiel, das 

sonst auch liornigleti, hornüssen, Möi'e' schlän heisst 
Schw. Man macht so viele Löcher in die Erde als 
Spielende sind und in der Mitte eines für die Kugel. 
Dann nimmt Jeder einen Stock und sucht die Kugel 
mit demselben in eines der äussern Löcher zu bringen, 
was dessen Inhaber mit dem Stock zu verhindern 
sucht. Verspielt hat der. in dessen Loch die Kugel 
zuletzt bleibt. Auch etwa in einfacherer Weise, indem 
Steine nach einem als Ziel aufgestellten grössern Stein 
geworfen werden ; der nächiste am Ziel ist Sieger, ebd. 
So genannt, weil mit dem sog. ,Hirtgeissen' tw. identisch, 
wo ein ,Geisshirf vorkommt, dem als solchem auch ein Blas- 
horn (s, (lüge ? <i) zugeschrieben werden konnte. S. Gelnngugi. 



Gügene f.: Beiname des Löwenzahns, weil Kinder 
den Stengel dieser Pflanze als Blasinstrument ge- 
brauchen. EocHH. 1857. S. 174. Vgl. Güge 3 c. - Wohl 
nur Verlängerung von Güge, vgl. GeiMgugenen neben -gügen. 



Güger ni.: 1. a) = ,.Giger 5 b B.' — b) Ge- 
schlechtsn. 1488. ZKlot. Wohl zu gügen 1. — 2. Kalb, 
das mehr mit Gras und Heu, statt mit Milch gemästet 
wird und zum Schlachten bestimmt ist L. Syn. Gras- 
gügger. — Zu 1 b vgl. auch die Gescblechtsnn. .Gügler' Zg. 
,Gügis' (l.iSl, Strickl.. Act.), sowie Pfiffr. Wawr. 

gügeiiade(li) : foppen, höhnen UMad. 

Vgl. frz. goguenarder, spöttisch scherzen: s. auch Anm. 
zu dem Syn. guginieren- 

gfigerle(n): aufschwellen. .Da fleug im an das 
Herz g.. ward stolz und gedacht, wie er gar uf den 
küngklichen Stuel möchte sitzen.' IJEüerer 1606. 
Vgl. gügelen 2. 

Gügi n.: 1. Blashörnchen AABremg.; Schw. — 
2. kleine Eiterbeule SchwMuo. Syn. Gugle. — 3. ,das 
vorn am Halse hervorragende Ende des Schildknorpels 
Schw- Zg." Auch Güegi, s.d. — 4. Kranz der Haare 
hinten am Kopf der Mädchen, aufgerollte Haarzöpfe 
GlH. Vgl. Buri. — 5. das bei dem Spiel Parlaufen in 
der Mitte liegende Ziel, wo die 2 Gügespieler stehen, 
welche die von den 2 äussern Zielen auslaufenden 
Spieler zu fangen suchen; s. Eochh. 1857, S. 414. 

Für Bed. 3 ist viell. Güegi die richtige Form ; doch kann 
.jene Bed. auch aus der von Güge, ,HerTorragung. Anschwel- 
lung', erklärt werden; vgl. dieses. Ohne Zweifel gilt dies 
für Bed. 4. Bed. 5 kann aus Gcimgiigen (s. Anm. zu diesem) 
erklärt werden, weil man von jenem Spiel ausgehend auch 
den Mittel- od. Zielpunkt anderer Spiele Gügi nennen mochte 

Geiss- n.: Knabe, der in dem Spiel Geiss-giigen 
(s. d.). wobei nach einem Ziel von aufgeschichteten 
Ziegelsteinen geworfen wird, dasselbe zu hüten hat Zr,. 

Dass das n. für eine Person gilt, ist gerade bei Musik- 
instrumenten nicht auffallend. Vgl. frz. tamhour, Trommel 
und Schläger derselben. Auch im Orchester nennt der Diri- 
gent die Instrumente statt der Spieler. 

Us-Güglete f.: Schlusstrunk L. .Die für den 
Fritschivater ziemlich kostspielige sog. U. am Altmarkt 
(wird dies Jahr wegen des allgemeinen Notstandes 
unterlassen).' 1879, L Vaterl. Zu gngfeßen 3. 

Gneg, -e" Gueg m. Aa; BO.; L; S; Zo. Guege 
(Guogo F ; W) m. BSi. (-«-) ; F ; Gr tw. ; W, f. AAAarb. ; 
BsLd (Spreng); GRChur. Val.; Schw; Uw; ,Gr; L; U", 
PL -e», Dim. Güegi Aa; B; LG.; S; W, Giiegli BsLd 
(Spreng); B; FMu.; L; UwE.: 1. Wurm BHa..Si.; W. 
Graswurm BFrut. ; St."" Vgl. Gras-G., Raupe BSi. 
Syn. Paluse. Langer, fleischrother Wurm F. Coli. Ge- 
würm W. Giiegli, kleine Würmer in Esswaaren, z. B. 
Erbsen B; FMu. .Dass das vorrätige, durch das Un- 
geziefer der Guegen angegriffene Getreide sich nicht 
wohl halten lasse.' 1639, Fetsch. .Dass der Zehenten- 
Speicher voller Iinziffer und Güggi sein, folgsam un- 
brauchbar.' 1783, L. .Von dem U. nnd Güggen ge- 
säubert.' ebd. ,Mit den Güggen, mit denen der Spj'cher 
solle angesteckt sein, könnte die Frucht [Getreide] 
infectiert werden.' 1780, L Stiftsprot. Guegen im Grind 
haben zuweilen die Ziegen, was sie sehr unruhig 
macht; d.h. es bohrt sich eine engerlingartige Made 
durch das Innere der Hörner hinauf. Um die Ziege von 
dieser Qual zu befreien, müssen die Hörner abgesägt 
werden BH. „(PI. Guege') Eankkorn, Krankheit der 



l(il 



laff, geg, gig, gog, gug 



Scliweine, wobei sich unter iler Zunge Blasen bilden F." 
— b) versteinerte Muschel SchwMuo. — c) Schlange, 
■L. B. a leida G. W. Molch GRChur; SchwE. Regen- 
molch BFrut.; St." Vgl. Wetter-G. - d) Insekt BR.; 
schwarzgeflügeltes F. Käfer BsLd (Spreng); B; FMu. 
Gr; L; UwE.; W; Zg; „kleiner K., z.B. die Cocci- 
nellen B; Gr ; Senw = Güegi L;" Laufkäfer S; Mist- 
käfer Gr; Schwabenkäfer; auch die kleinen schwarzen 
Käferchen in Mehlsäcken, Brodladen L. I''' nimm-di"'' 
bin Ore, bis d' fürig Güeg [s. Johannis-G-] g'sehst vom 
Himmel färe BBurgd. ,Ein grosser käfer oder guoge.' 
VoiiELii. i.j57. .Crustata animalia, tier, die ein herten, 
ruchen Überzug habend, als käfer, guogen, krebs.' 
Fris. .Cantharus, ein guogen oder käfer.' Fhis.; Mal. 
.l>er Käfer, Raup, Gaugo. bruchus. searabieus, eruca.' 
Red. Ui62, = Ö(7«c/i Aa; BH.: IU. /(rinyi i: S. Fliege 
(grössere UwE.), Mücke. Jln^l i.^ (iimji im. Aitg? 
Ks Güegi hat mi'-'' gstoche" AiAail.. I'.iKll. {„Güegi, 
Gugen B; L; U'-): Grille. Er hat a Guugo im Chopf 
W. Das Güegi, bes. i. S. v. Reiz zu Zorn. Ds G. 
im Chopf ha', zum Zorn gereizt oder geneigt sein B. 
's G. sligt em, er wird zornig S. Bern ist icieder es 
G. a'-clio', ein plötzliches Aufflammen von Zorn [viell. 
vom Aufleuchten eines Glühwürmchens] BBurgd. Er 
het 's G. im Chopf, 's G. chunnt im grad i" Ch., 
pronus est ad iracundiam.' Id. B. Auch von andern 
Antrieben, Einfällen. Afl'ekt^, z. B. des Ehrgeizes, 
von momentanem Feuereifer zur Arbeit B. Es chunnt 
mi'''' es G. a' B. 's G. ist em g'stige, er hat einen 
seltsamen Einfall bekommen, ebd. ,Das Güegi, das 
auf einmal in die Bauern gefahren [Eifer für Schul- 
unterricht der Kinder].' Gotth. ,Er wollte wissen, 
dass das G. d's Mädi nicht erst jetzt angekommen.' 
ebd. D'r GottsuiUe do si' ha-n-i"' niimme möge': 
so jung Bürste hei aw'- ihres G. Joach. 1881. Vgl. 
Beis-G. — '2. (Güegi) Kerngehäuse des Apfels BsLd. 
Vgl. Flieg Bd I 1178 und Spitzgiiegi. — 3. (Güegi) 
Gurgel, Adamsapfel S. Mit aller Chraft nimmt er ihn 
bim G. und wird em Meister. BWyss 1863. — 4. übertr. 
(Guege f.) ein auf etwas erpichter, gieriger Mensch 
Ndw. Syn. Fress-, Git-, Hunger-G. ,Fir ys und die 
Tallyt-Giegi [Hochzeitsgäste] schärmants Zuckerzyg 
zur G'niegi.' Balz 1781. Gueg, dummer Schwätzer, 
Güegi (n.), vorwitzige Weibsperson S. In Verbindung 
mit ,arm' = Tropf, von Menschen u. Tieren ; dagegen 
en Malefiz-G., ein , Wetters Kerl', an Derbheit, Zähig- 
keit GRPr. Schimpfn. Gr uVatz. — 5. Teufel L, bes. 
auch in den Hexenprozessakten (L Turmb.). 

Das W. ist dem Mlid. fremd. Schm. 1=, 881 hat: 6'««/ 
l.jvmf) = Gachel, Gackel, Baumwauze, also = uuserm (Jauuh, 
s. d.' Grimm Myth. l", 1027 führt aus einem Hexruhammer 
au: ,Vermes noeivi qui alemannieo nomine jnger imueuiiautur', 
und vermutet Identität mit Uuci/; die Beschreibung p;»5St 
jedoch genau auf ,EngerUug' und es ist daher imjcr zu lesen. 
Schm. aaO. vergleicht span. cuc«, Wurm, Raupe, was auch 
auf bösartige Menschen angewandt wird (,mala cuca'). Der 
Begriff unsers W. ist offenbar naturwissenschaftlich nicht 
genau zu bestimmen; es bezeichnet eben allerlei kleines, 
widriges und z. T. auch schädliches Getier, Ungeziefer. Vgl. 
die Compp. u. Käfer. Für die bildliche Anwendung i. S. v. 
.Grille' ist dieses W. selbst nebst .Mücke' (Mui/g) die beste 
Parallele. Im Übrigen ist zu erinnern, dass der Glaube der 
ä. Zeit allerlei krankhafte Affektionen des Leibes und der 
Seele als Wirkung böser Geister in Gestalt von Insekten 
und Würmern auffasste. Daraus erklärt sich auch Bed. 5, 
da gerade der Teufel unter Anderm in Gestalt einer Fliege 
erscheint. Vgl. noch (/«;/ in dieser Bed. bei Meyer, l, Hauskai. 
Schweiz. Idiotikon. II. 



1870, und bei Lüt., Sag. S. 223, und s. Do,mcr-(J. Für 
Bed. 2 u. 3 vgl. das Syn. Bätzgi, das auch den Schildknorpel 
des Halses bedeutet. Für 4 scheint als Mittelbegriff das zu- 
dringliche Wesen von Fliegen und Mücken und das gierig 
gehässige von Käfern angenommen werden zu dürfen. Vgl. 
dazu noch nhd. ,Wurm' und unser Knif, in verächtlich- 
mitleidigem S. auch von Menschen. S. noch Anm. zu (luyai, 
sowie Güegeli. 

Äpfel-Guege°: Apfelwurni W. - Erd- (Herd- 
güegli): kleiner Käfer (vidi. Er.lflol,. lialti.;,) P,. 

Flander-: C.ll.vtivii. für ,anniillirl„.- Inov/iH.T. 
das sich am K..rp.M- n.lrr in .Im \V„l,iiniii;vn .\r. .Mi- 
schen vorfindet, nicht Bezeichnung einer einzelnen 
Spezies BR. — Flandern, herumschweifen, Bd 1 1200. 

Fress-: ein auf Essen recht erpichter, gieriger 
Mensch Ndw. — Unser-licbeii-Fra iirn-Güegli: 
Marienkäfer, coccinella, bes. sr|ii(iii-]iiiih t.ita Sciiw. 
Syn. Gold-, Herr-Gotts-, Himm,!-. i l,r,sil;„.,Ut-. Mncta- 
gottes-G., Herrgotts-Geissi, -Kadi, -Tierli. -— Gold- 
Guege Ndw; Zg, -güeg(l)i B, -Guony GlMoII. : Gold- 
käfer, cetonia aurata. Syn. Herrgotts - Küeli, Lieb- 
Gottskäferli. Vgl. Gllss-G. — Git-: geizige Person 
GRChur. — Herrgotts-Güegi B (Zyro), -Güegli Gr: 
= Unser-L.-Frarien-G. — Mueter-Gottes-Güegli: 
= Umer-L.-Frauen-G. S; Ndw. 

Gliss-Guege" f.: l. = (;oW-ff. Ndw. \g\.Schln-G. 
— 2. spanische Fliege. ,Denen, die cantharides (gleiss- 
güegle) trunken habend.' Tierb. 1563. , Käfer, ein kraut, 
gar grün, unden gel, welches etlich gleissgügle nen- 
nend, cantharis, canthara.' Mal. — 3. bildl. von Pers., 
i. S. V. Gleissner und umgedeutet aus diesem W. 
.Ermessend, was Christus und Paulus von glychsneren 
und sömlichen glyssguogen erlitten habind.' HBull. 
1531. ,Es wäre guot, das volk Hesse sich nit einen 
yeden zänsler und glyssguogen verwirren.' ebd. 

Mal. hat in seinem Beleg cantharis = fumaria, Erdrauch, 
und cantharis, die Käferart, zsfliessen lassen. 

Gras-Gueg m.: Raupe BLautbr. — Heu-Güegi 
n.: Härchen, Spreustückchen. Spelzchen, das mit dem 
Staub herumfliegt AASchinzn. — Holz-Gueg m.: 
Wurm im Holz BR. — Himmel(s)-Güegi, -(e)li 
= Unser-L.-Frauen-G. BE. H.-Gilegli, ßig »f, füg 
uf, frag Vater und Mueter, ob 's morn reell schön si" 
BBurgd. Es duecht Eim mängist, us de' schönste' 
Himmelsgueglene sötts die tmsteste Donnerguege ge'. 
Gotth. — Hunger-Guege: Person, die Alles essen 
möchte S. - Hirz-Gur-: rTir.,l,l.;if,.r. Vmrr^rhrlArr. 
lucanus cervus B. Syn. Khimii-. Kniiniif-. I )iiiiiH'r-(i., 
Hirs-Kcifer. — .loh'aiuu.-d ii.--, : l,,Mirl,i » un.irlir,,, 
lampyris L. Vgl. Schm-, Zünd-(T., -Käfer. - - Kcller- 
Gueg m. BHk., -Guege f. BE.; Ndw: Kellerassel, 
oft unter morschem Holze. Syn. Keller-Esel. Bett- 
seiker, Holzwäntele. ,Uie Kellerguege, die um un'' um 
Schiebe [Beine] het.' Gotth. — „Christkindli-Gueg 
m.:= Unser-Lieben-Frauen-G. W." — Korn-Guege. 
-Güegi: brauner Kornwurm, calandra (curculio) gra- 
naria L. — Chirsi-, Chriesi-Guege f., Schw; Ndw, 
-Guogo m. W, -Güegi L: Baumwanze (auf Kirsch- 
bäumen), cimex baccarum. Syn. Chriesi-Gauch, -Gagg. 

Klemm- (Chlemmguege) t: = Hirz-G. - KIcmmai. 
kneipen. 

Krampf-Gueg m., Guege f.: = Hirz-G. ,B0.:" 
Gr; „Schw;" Ndw. Syn. Hirz-G., Krampf-(K('ifer). 
— Von kramp/en, kneipen. 
I Lach-: Mensch, der viel lacht B. 



iag-gug. «asg— gugg 



164 



Mn"^- Mügueg: Hausgrille S. Syii. Muchheitn. 

— Miir-: Mauerkäfer BLangnau. — Mos-: ver- 
zärtelte Person von beiden Geschlechtern B. Vgl. 
Zinipfer-. Me'' wüsse a's menge Mösgueg us d'r 
Stadt. Vgl. Mös-Kalb. Du M., du Zyberligränni! 
GoTTH. — Mist-Guege f.: wahrseh. geotrupes ster- 
corarius, Mist- oder Rosskäfer GRÜbS., Spl.; Uw. — 
Reis-Güegi: Reiselust f's ü. fta-y FMu. Zxx Gueg 1 c 
bildl. — Schi"-GuegZG, -Gue^e BS. (-»(-); S; UwE., 
-GüegOß BM., Stdt; „L;" Ndw: 1. = Juhannis-G. — 
2. {ScMn-Guege f.) = Gold-G. USil.; UwE. Glänzender 
Käfer UwE. Vgl. Gliss-G. — Schwabe°-Gueg f.: 
1. Schwabenkäfer, Schabe, blatta oricntalis und ger- 
manica Ndw. — 2. Hausgrille, gryllus domesticus Ndw. 

— Spitz-Güegi: eine Art Birnen STh. Vgl. Gueg 2. 

— Stink-Gueg BTh.; SG., Stich-GiMgo W : 1. Ross- 
käfer, wohl scarabajus stercorarius BTh. — 2. Baura- 
wanze, ciniex baccaruin SG. Syn. Gauch. — 3. Wurm, 
stinkendes Gewürm W. Syn. GajL — 4. Mensch, der 
durch Bauchwinde Gestank verbreitet B. Vgl. Stink- 
gütterli. 

Dunner- Donnergueg B; Zg, -güeg L (Ineichen), 
-guegi L (Lüt.), -guege B; FMu.; S, Dmider- LVitzn.: 

1. = Hirz-G. Syn. Dunner-Käfer B; FMu.; L; S; Zu. 
Soll nach dem Volksglauben im Stande sein, Hagel- 
wetter zu erzeugen L oder übh. schlechtes Wetter zu 
bewirken FMu. Zuweilen verbunden mit Tüfel. ,Im 
Namen des Teufels und des Donnerguegs.' Gotth. Der 
Tüfel und der Donnergueg Hei mit enandere g'schisse"; 
Der T. hat dem D. E" Bitz vom Fiidle b'bisse» B. — 

2. = Gold-G. Wenn er getödtet wird, erfolgt ein 
Donnerschlag B. — 3. verwünschter Mensch. lez chöm- 
mer no''' ne Donnerguege U"' gränn vier d' Wijber a" 
[Drohung gegen Frauenverächter]! GJKuhn 1806. ,Die 
rechten Donnerguegen' werden Freudenmädchen ge- 
nannt bei Salat 1537. 

Der Grund der mythol. Beziehung des Hirschkäfers auf 
den Donnergott, an dessen Stelle später der Teufel tritt, ist 
viell. der Aufenthalt des Käfers auf Eichen. Bed. 2 durch 
Übertragung. Als Verwünschung kommt auch Tunncrs Guetj 
vor, z. B. in einer .\nekdote von einem BOberländer, der 
eine am Boden liegende Uhr für einen Käfer gehalten und 
mit jener Schelte angeredet haben soll ; dann hat aber Tlonnn-s- 
(mit ») allg. verwünschende Bed. 

Walser-Guege f.: := Schwaben-G. Nuw. 

Wie Walser in U als Bez. einer Bremsenart, vom Yolks- 
namen der Walser (Walliser). 

Wetter- f.: Salamander, Molch Gr, bes. der 
Alpen-S., salamandra atra GrD., V., nach St. auch der 
Maiwurni, nieloe pniscarabiBUs. Wenn d' Wettergüege 
nidschi |al.wäits| innid, so tvetteret 's d'r ganz Tag 
GRValz. W'i'HH !■ ritiic e W. infrässi, se müesti seh 
[sie] zersjiri}i(ir. r\u\. Eine lebende W. im Lauf eines 
Schiessgewehrs verbrannt macht dasselbe trefffähiger B. 

— Zimpfer-, auch Zimper-Giiegli: 1. Herzkäfer L. 

— 2. überfeine Weibsperson L. Vgl. Z.-Güggli. — 
Zünd-Güegeli: = Johannis-G. B. Syn. Zünd-Käfer, 
Schi'-, Zündehvürmli. 

guege(n): Käfer fangen, sammeln Ndw. 

Guegox s. Eidechs. 

Gegüeg G'güg (-Ü--J: Gewürm BSi. 

güegele(n): läppisch tun Gl. — g'güegelet: 
läppisch, ebd. — Güegeli m. : läppischer Mensch, 
der sich mit kindischen Spielereien abgibt, ebd. 



Scheint zu Oaugel, Qäuijijd usw. zu gehören, da Über- 
gänge zwischen ou und uu schon in der ä.Spr. vorkommen; 
weiterhin dann auch zu mhd. ijietje, Narr. 

Güegerte f.: = Gögerte GRPr. 

Gägsch, Gägst s. Here'-Gägg. 

Gugsch m.: Handlanger. Gehilfe GrD. (B.) 

Scheint Lehnw. ; vgl. frz. ijoiiyr, eig. Magd, und :i<>uj<il. 
Trossbube, Handlanger. Gr. M.' 393 giebt als Schweiz, an: 
.Gugsch, ungebetener Nebenbuhler bei der Liebsten', stellt 
das W. aber zu Kuckuck (als dem Vater der Hahnreie). 

Gügscher ra. : 1. Hülfsperson beim Alpdienste 
GrPt. (B.) — 2. Aschenbrödel, dem die harten Ar- 
beiten aufgebürdet werden, ebd. 

Gäegsch m.: dummer Kerl GlH. — Dass. was das 
Syn. Güer/cli, mit vergröbernder Endung; vgl. auch i''H''jiji. 



Gagg, gegg, gigg, gogg, gugg. 

Vgl. auch die Gruppe (Jaij usw. 

(iagg 1 BM., 0., Gägo W, Gägger 1 BO.; F, 
„Gugägger B" m., Gägge (ka-), PI. Gäggi BSi., 
Gäggere, -ri B (auch ri); Sch f.: 1. verschiedene 
vwdte, oft verwechselte und zsgeworfcne Vögel aus 
dem Rabengeschlechte. Spec. a) „Rabe, corvus corax 
W." — b) „Saatkrähe, c. frugilegus B". auch Korn- 
Gägger. — c) Rabenkrähe, c. corone B. — d) Dohle, 
c. nionedula B. .Gacke. dohle. ein vogel, monedula.' 
Fris.; Mal. — En G. mechti eimel nit so gleitig ahi' 
fliegen. Er ist wie ne G., so mager F. — 2. „oft wei- 
nendes Kind Sch", mürrischer, unzufriedener, streit- 
süchtiger Mensch, bes. von Frauen Sch; Z (Gägge). 

Nach dem Schrei des A'ogels (gägg) benannt, mit welchem 
er etwa spottend gerufen wird. Nebenher gehen Synn. mit 
Anlaut Cr- und Gw-. St. hält Formen mit a und d nicht 
aus einander und stellt auch den Häher (s. Oägg) hieher. 

Gag-gäggn.: Gans (Kdspr.) Bs. Syn. G^äfjrä (Sulg.). 

gagerageragägg, han e' Eilt g'lät [gelegt], ruft 
die Henne Sch. 

Gu(g)-gägg ra.: 1. unbesonnener Schwätzer. , dum- 
mer Junge- Bs; BM. Syn. Gäggi. ,So hat's mancher 
Gugag, wenn er in ein Amt kömmt, er meint, wenn 
er einen Gagg lasse, so müsse, was er gegagget, da 
stehen fix und fertig.- N. B Kai. 1845. .Jeder G. sei 
gut genug in jedem Rat.- Gotth. — 2. = Gägg 2. 
Gotth. Syn. Branzi. — 3. Mensch mit Glotzaugen 
BM. (AvRütte). — Reduplicierte Form des vorigen, in 3 
mit Anlehnung an gutjijen, schauen. Vgl. iju<H(i)aygen. 

gägge (n) I: 1. von Vögeln, a) mit rauher Stimme 
schreien, krächzen, wie z. B. Raben, Elstern, Dohlen 
Aa; B (ausser Ha. u.U.); F; L; G 1799; SNA.; „W." 
D' Lüt lan reden, d' Hund lan waulen, d' Vögel lan 
gäggen und geng grad usi de recht Weg gan. Srnww. 
1869. — b) gackern, wie die Hühner Bs; It St."" 
auch Ap; Gl; Gr; Zg. Syn. gäggen, gägglen. Vom 
Krähen der Hühner Ndw. — c) schreien, wie die 
Gans G; .Sch; Z;" HPest. 1785; Sprww, 18'24. Syn. 
gägen. — 2. von Menschen: a) stammeln, stottern, 
eines organischen Fehlers wegen (wofür sonst gäggen), 
oder bes. aus Angst, Verlegenheit, z. B. beim Her- 
sagen eines Liedes Bs; B; L; G; Sch; UwE., It St." 
Ap; Gl; Gr; Zg. Wenn i''' 's gägge" chönnt, RA., 
wenn man ein W. mühsam oder unrichtig hervorbringt 
L. Er isch e so voll g'si", wie 'ne Sack, er hett nüt 



105 



Gagg, gegg, gigg, gogg. gügg 



iu6 



me chänue g. Bs. Syn. gäxen, stäggele'. Töricht reden 
Aa; B; L; Sch; Schw;S. .Einer gaagget dem Andern 
oin Vorurteil nach dem andern nach und Niemand 
nininit [sich] die Mühe, darüber nachzudenken.' Gotth. 
.Es sei hier nicht wie in einer Kirche, wo Einer das 
Recht habe, vorzusingen und Jeder dem Andern nachg. 
müsse.- ebd. .Wenn Einem etwas Neues in Sinn komme. 
so meinten die Andern, sie müssten auch nache gagge. 
sie seien sonst die Leidern. und so entstehe ein Ge- 
brüll, dass Einem die Ohren surreten.' ebd. Er hat 's 
(jMjget, ausgeplaudert SchwMuo. — b) mit widriger, 
weinerlicher Stimme sich über Etwas beklagen ; mür- 
risch sein, weinen Sch ; Z. Wenn 's [das Kind] nw 
en Finger a'schlöt, so gägget 's grad. Syn. gäygen, 
ginggen, trinstn. — 3. „knarren, z. B. von einem 
Stuhle, dessen Beine lose sind Tu." 

SchallDachahmung wie gägen, welchem gegenüber es aber 
zur Bezeichnung der rauhern. widrigem Laute dient; vgl. 
noch tjäggtii, 

gl- (resj). gl-) I: 1. = gfiggen 1 h. — 2. u. 3. = gi- 
gngeti 2 u. 3. Syn. gigäxeti. 

Alle 3 Bedd. giebt St.' sowohl für gi'jägen wie für gi- 
gagijen, in (') kennt er nur noch letztere Form. 

gäggere(n): 1. schreien, wie Krähen, Elstern B 
(neben gäggen). — 2. stottern. Er hat g'g-et, will 's 
en Lug ist, weis er g'seit hat ^Tö. 

Gäggi I m. : 1. Stammler. Stotterer, aus Angst od. 
Verlegenheit Bs; L; S; UwE. Syn. Gäxi. Schwätzer, 
dummer Mensch Aa; Bs; S. Du bisch en G., treibst 
Spass mit mir S. Vgl. noch Guggi, Narr. — 2. (auch n.) 
Krähe L (Kdspr.). 

Giggi-: gutmütiger und dabei unbeholfener, lang- 
weiliger Mensch. Auch (wie Gitzi-Gäggi) Eigenn. 
eines Wildmännchens Gr. — Vgl. GiggU-üiujgiH. 
Gu(g) gäggi m.: = Gu(g)gägg L. 
gäggle(n): gackern (von Hühnern) F,T. Syn. 
gägglen. 

Gagg U BU.; GRpr.; ZoWalchw.. Güggn BM., 
Gägger II B. Gägg I Gl. doch meist als Comp. 
Kriesi-, Kirs(i)-G. — m. : 1. Beerenwanze, cimex bac- 
carum B; Gl; Gr; „Aa; VOrte; S." Syn. (Kriesi-) 
Gaueh. — 2. Kohlwanze, c. oleraceus B. 

Viell. Entstellung aus Gauch (s. d.), indem des üblen 
Geruchs des Insekts wegen Anlehnung an Gagg, resp. GUijg, 
Küt, statt gefunden hat. St. gibt als Syn. noch Gak an, 
das wohl auf einer ungenauen Angabe beruht; vgl. Gaclt. 
Gägg I Gr tw. (/.-), -ä- Kk, Gagga (-«-) Aa (Dim. 
Gaggäli); Gr (auch i-); W. Gaggi (-«-) I Gl; Gr (/,-); 
LG.; ScHW; S; Zg, auch -ä- AaZ.; B; L tw. — m.: 
Kot. bes. von Menschen; auch als Interjektion des 
Abscheus (Kdspr.). Liebe Zuluirer, d' Sund isch es 
wiiesch's, ivüesch's Ätschi, es wüesch's Fidigäggi, soll 
vor Jahren ein alter B Stadtpfarrer gepredigt haben. 
Gäggi mache', cacare. Hellflüssiges Excrement von 
Hühnern B. Schmutzfleck auf Kleidern. z.B. von 
einem halbrohen Ei. Heidelbeersaft B. Unreinigkeit 
übh. Gr. Das sind Alls nW Gaggi-Sach^,. Ä Pfiidi, 
a u-iestn G.-Bueb bist du! Wiesti G.-Fingar<; hest 
g'machiit Gr. 

Synn. Agga (s. Bd I 155), Gägg; vgl. lat. eticare und 

dessen rom. Sprossformen, bes. rätorom. cacc, cacca, Kot. 

Die 2 letztgenannten Formen sind auch, wie zu erwarten, n. 

Gaggel, Gäggel I. meist als PI. Ge-ggel, Gaggle', 

Gilggle' m.: 1. = Gagel II 1 Gl; Gr ObS. (ö); GRh.; 



,LE.; W.'- — 2. = Gagel 113 GO. Wie-n-i''' e sou-n-e 
Blieb g'si" bi", ist Eim nit alle'' d'r Tmlfl z' Sing 
[Sinn] ehw, wie dene" jetzige Hexe Gäggle. Prophet 
18.55. — Vgl. it. caecale (PI.), Kot, und Anm. zu 'Gagtl. 

Hase"-Gaggle" (PL): Sorte kugelrunder Erbsen 
GRh. 

gagge" I. auch -ene" GRPr.. Dim. -ele" (-ö- ZRafz, 
k- Gr): cacare Gr; L; GRh.; Sch; ZRafz. Syn. gaglen, 
gäggen. 

Gaggis {-ä- B) m.: Kot, i. S. v. Gägg I B; nur 
von Vögeln Aa; Z. - Betr. die Endung vgl. HraUa cte. 
unter yc- Bd II 41. 

Giggis Gaggis I: = Gägg I, bes. in der RA.: das 
ist G. G., Nichts wert W. Auch Ablehnungsformel. 
Vgl. Giggis Gaggis. 

gaggle", abhi"-: herunterkollern, wie das Ei 
vom Huhn, der Mist vom Pferde B (Zyro); GrHc. 
Vgl. gäglen. 

Gagglete" f.: 1. trockne, runde Excremente GW. 
— 2. kleine Kartoffeln, ebd. Synn. in Bed. 1 u. 2 Ge- 
gagel, Gaglete, alle in coli. S. 

gäggele": sich gähnend strecken. Er g-t wider 
umme', er ist z' ful zum Schaffe' TuTäg. Syn. gögen. 

gägge(n) II: \. = gägen I Aa; Th. Klettern an 
Wänden und Bäumen Nnw. Syn. gräggen. Hin und her 
rutschen ScawNuoL — 2. aus einander klaffen G. — 
3. ummc-g., läppisch grossartige Bewegungen machen, 
die doch Nichts nützen, z. B. bei der Arbeit G oT. — 
G äggi m.: langer Kerl, der sich läppisch benimmt, ebd. 

Zu 2 vgl. gdgeim, aus einander stehen. Schon hier ist auf 
einen nasalierten Stamm ganyg- mit vwdteu Bedd. zu verweisen. 

gi- II, auch gü-: 1. = gigägen I Aa; „L". — 
2. Versteckens spielen, auch Guggäggis (— GuggüsJ 
mache". 

ver-gu-: aus Unverstand oder durch Leichtsinn 
verderben, vergeuden AAFri.; Bs. De'' chönnt 's no^'' 
lang giiet ha" [behaglich leben], loenn er si Sach [Ver- 
mögen] nit so dummer Wls ver-g-gget hat. ,Wenn 
seine Frau recht gewesen wäre und nicht alles ver- 
guggaget hätte, so wäre es nicht so weit gekommen.' 
Breitenst. 

Vgl. vergägen, .durch Schwanken zu Grunde richten' und 
die Synn. vergugijeren, vergänggckn, sowie auch Gugagg I. 

Güggäggerei f.: Menge lose, (,schwankend') und 
nachlässig auf einander geschichteter Gegenstände 
AAFri. Syn. Gagerte. 

Gägg II m. GRObS., Gaggeli I (ra.. n.). -le (f.) 
GrV.. Gaggeier GRÜbS.: dummer, ungeschickter 
Mensch Gr; G 1790 (.Gakeli'). Vgl. gäggen II und 
Gäggel II. 

gaggar s. gar. 

Gäggel II (-i), Gaggi II, gewöhnlich als Comp. 
Schelle"-G., auch Sch.-Goggeli, -Goggel m.: Schellen- 
bube in den sog. deutschen Spielkarten, das Bild eines 
Narren, mit einer Schelle in der Hand, darstellend, 
also eig. .Schellennarr' Th; Z. Auch die betr. Karte 
selbst, ebd. Synn. Schelle"- Under, -Biieb, -Bär. 

Schlegel-Gaggel: Mohnkopf mit den Samen SB. 
Syn. Kölbli. 

Viell. nach der rundlichen Form, vgl. Gaggel I, u. Anm. 
zu Gagel, viell. aber auch an den nach mittelalterlicher Sitte 
mit dem Kolben (.Schlegel') versehenen Narren erinnernd; 
s. noch GCiggi III. 



Gagg, gesrg. gigg, gogg, gugg 



Gaggt'läli, -läri i. -Lali, res\). -Lari. 

g"gäggelig: buntscheckig, grell, von auffallenden 
Farben,- grobem, rohem Dessin an Kleidern Z. Syn. 
gaggelürig, fgjschlnig. — Mit Bezielumg auf Naneiiklei- 
duug: vgl. Schwab. ,gakkelig' in derselben Bed. 

Gäggeli II Aä; Bs; B; ScHwMa.. ,Gaggi III. 
Gäggi P n.: Ei (Kdspr.). Vgl. die Synn. Gagg-Ei, 
Bd I 17, und Gageli; It St. auch Gägi. 

gagge{n) II: 1. gackern wie die Hühner, be.s. 
nach dem Eierlegen „Aa;" Gl; VOrte; Z. .Gracillare, 
gagken.- Denzl. 1677; 1716. — 2. scherz- oder spott- 
weise von der menschlichen Stimme; vgl. gäggen. Si 
gagget na [noch], aber leit nümme" [von einer be- 
jahrtem Frau] ZS. Wenn i"" 's rhu'" </., wenn ich'.s 
herausbringen, aussprechen kann. /. l;. 'in -rhwieriges 
Fremdwort Z. .Weder gigg nndi t;ai;-Lrcii kiinnen', 
s, frisch. Vgl. weder Gix noch Gax chönne". Stottern, 
unzusammenhängend, unverständlich, sinnlos, zur Un- 
zeit reden. Etwas ausschwatzen, „allg." ,WelIiche 
dero [der armen Leute] spotten und uf sie gaggen,' 
1510, S Wochenbl. Abi, Gäggi. 

Vgl. zu letzterer Stelle girrn, spotten, mit der Geberde 
des Rübchenschabens; viell. urspr. ein Verspotten unter 
Nachäffung der Stimme. 

gaggere(n): gackern GScv. 

gagg(e)le(n): 1. gackern, von Hühnern, wenn sie 
ein Ei gelegt haben B; F; GoT.; SB.; Obw, it St." 
auch Ap; Gl; Gr; L; Zg. Vgl. gaxen. ,Sie sagte, 
die Hühner werden heute manch Ei gelegt haben, 
sie hätten den ganzen Morgen gegaggelt.' Gotth. — 
2. (auch gaggelen) stottern, unbedachtsam, dumm, 
hastig, ohne rechten Zusammenhang reden AaEtI.; 
SB., It St." auch Ap; Gl; Gr; L; Z«. Denk z'erst, 
ob d' vo-n-ere Sach Öpjiis seisch und chunnsch clio' 
g. dervo". Syn. gäggen. — 3. „hadern, zanken F;" 
vgl. gäggen. — 4. hellauf, stossweise. in hellen Tönen 
lachen B. Syn. gagelen. ,In cachinnum erumpere.- 
Id. B. — Gaggli m. : wer laut und auffällig lacht. 

Gaggermäng, bim G.: euph. verdeckter Schwur für 
.Sacrament.- Balz 1781. Vgl. Hackerment. 

Gäggi III n.: Mohnkapsel BS. 

Vgl. das Syn. Schlegel -Gmigel: dass im BS. trot« der 
frz. Nachbarschaft frz. vonue. Schale der Eier und gewisser 
Früchte, mitgespielt habe, ist nicht aazunehmen. 

giggis gaggis II (gäggis) in dem Spielvers: G. g. 
Eiermues, malt viell. den wackelnden Gang der Gänse 
oder ist identisch mit Giggis Gaggis I. 

Gägg II GT.; S, Gäggel I L (-««-). Gägger B; 
S (-rf- SStdt) m., Gäggi I (m., n.) .Aa; Gr; L; GT.; 
S; Zg; Z, Gäggle f. L: 1. {Gäggi n.) Holz mit einem 
eingespannten Grashalm, das unangenehm tönt Gr. 
Syn. Bäggi. — 2. (m.) wer langsam, undeutlich, un- 
schön und töricht schwatzt Aa; B; S; Zg; Z. Syn. 
Gäggi. — 3. verschiedene Vögel, a) Häher, bes. Holz- 
od. Eichelhäher, garrulus (corvus) glandarius, weniger 
der Tannen- od. Nuss-H., der als Strichvogel nur etwa 
im Herbst aus dem Norden zu uns kommt AAWohlen; 
L;GT.;S. Syn. Greggern. - b) ß:rähe AAWohlen. — 
c) Reiher GT. (Wyl). — St.'s g für «;/ beruht wohl nur 
auf ungenauer Angabe. 



Here"-Gäggel, -gger, -ggi, -ggis (L), Herre'- B; 
L: = Gägg 3 a B; L; S; Th (Pup.). Synn. s. bei 
Heren- Vogel. 

Chriesi-Gägget, -Gäg^t, -Gägi: = Gägg .? n Gl. 

— Er frisst gerne Kirschen. 
Nuss-Gägger: Nusshäher S. 

Schnäderi-Gägg f.: Schwätzerin Bs. — Tautolog.. 
da Kchnäilereit auch ,schwatzen' bedeutet. Syn. Sehnädeic 

Gägg III in der E.-\.: G. mache', schreien, wie 
ein geschossener Hase, der verendet AAFri., daher 
auch übh. : verenden. z.B. auch von Hühnern, ebd. 
Vgl. gäggen I :i b. 

gägge(n) I Aa; „B;" Gr; „VOrte; L; S", gäggle" 
GfiPr, (k-): unangenehm tönen, eine widerliche Stimme 
hören lassen, a) von Menschen. 1) von Erwachsenen, 
mit einer kreischenden, durchdringenden, gedehnten 
Stimme singen oder reden, z. B. wie ein vor Zorn Er- 
regter ,B; Vürte." (gäggle"J spötteln, kritisieren 
GRPr. Er hed über Das und Anders albig nw z" g. g'ha". 

— 2) von Kindern, weinerlich, einfältig sprechen Aä; 
,B; S." — b) von Tieren, hell und widerlich schreien, 
z. B. wie ein Kalb, ein Häher, wie Hühner, Raben 
Aa; Scbw. F'' wett lieber lose", wie d' Hüender gäggi d, 
tceder di''' g'Mre" verzelle". Vom Schreien des ver- 
endenden Hasen AAFri. Vgl. Gägg mache'. — c) vom 
Ton des Gäggi, s. Gägg II 1 Gr. 

Lautmalend wie gägen II i, gräggen u. räggen. Gäggen i* h 
wie mäggen von der Stimme der Ziege; ähnlich gügen und 
güggen. 

US-: auslachen, verspotten Aa; GRPr.; Z. - Viell. 
zu gägg-n«. 

ushin (usej-: mit verstellter, kreischender Stimme 
zum Zweikampfe herausfordern, wie junge Bursche 
beim Kiltgang gegenüber glücklichern Nebenbuhlern 
tun, welche schon bei den Mädchen in der Stube 
weilen S (Schild 1885). 

gägg-üs, emph. -üss: Interjektion zur Beschä- 
mung eines nackten Kindes AABb. Vgl. Gägg. 

Gägg IV Aa; SchwE., Gäggel II Z, Gäggeli 
GW., Gäggi II Aa; Ap; Gr; G {Gägi GoT.); Siii; 
ScHW (rf); Th; Z, Gäggis ScH m.: 1, en lange" G. 
(Lang-Gägyi), hoch aufgeschossener, hagerer Mensch 
mit wiegendem Gang Ap; G, Vgl. Gagel, Ganggele. 

— 2, langsamer, allzu bedächtiger Mensch, Tändler 
G; Schw; Z. Syn. Gräggi. Bos. verächtlich von alten 
Leuten GrV. — 3. zaghafter, ratloser, unentschiedener 
Mensch, Feigling, Memme Aa; GW.; Scu; Schw; Th; Z. 

— 4. Narr, Geck SchwE. (GäggJ; ZO. Und n-enii er 
das niid täti, so tcär er jo en Gäggi. (Viell. aber 
zu 3). Stütz, Syn. Gäuggel, Gäuggis. 

Zu gäggen II. Diese und die ganze folgende Gruppe 
enthalten lautmalende WW.. welche d.is Geringe, Verächt- 
liche bezeichnen wollen, ähnlich wie die nebenher gehenden 
Synn. auf H, e (ei). St. giebt für dieses W. (Bed. 3) und 
dessen Abll. auch viell. unzuverlässige Formen auf g statt 77 
(,LE.; Z"), doch vgl. auch geglen. 

Gäggel lU («) m.: Zustand der Schwäche, Kraft- 
losigkeit, Unbehaglichkeit L. Er het de" G., er ist 
krank ohne Aussicht auf Besserung. 

Viell. = Gäggel II, pers. gedacht ähnlich wie Tuileiiih, 
Zitier; daher werden die Abll. von diesem W. vnn uns im 
Folg. nicht mehr geschieden. 



fiagg, gegg. gigsr, gogg. 



170 



gäggelig, „gäggelhaft", gäggig: 1. tändelnd. 
Von Sachen: leicht auszuführen AaSI — 2. furcht- 
sam Z. — ö. {.gäglig") unbehaglich, schwächlich, in 
der RA.: Es ist mir gägglig, nicht wohl L. 

gägge(n) II, Dini. -elc: 1. sieh auf dem Stuhle 
wiegen Ap, verstärkt auch guggäggle' Ap. Syn. gägen, 
gftggen. — 2. ohne Ernst und Fleiss arbeiten, sieh 
nicht rühren, nicht fertig werden, tändeln, über Kleinig- 
keiten die Hauptsache vergessen Aa; G; Z. ^yn. gäg- 
gelen, geggelen, nnggeJen, tdggen, teggelen, tihen. — 
4. keinen Mut haben, sich scheuen Z. — Vgl. Gr. WB. 
,a;,iken, gäken', gaffen. 

üs-gäggle"; in der RA.: er chönnt mf'' us-g., 
sterben L. 

ver-gäggele(n): 1. (trs.) verzärteln, verwöhnen 
(Kinder) AAÖt; Ap; Z. Syn. vergöggelen, -geggelen, 
-teggelen. — 2. vor Übelkeit vergehen. I"* mues zum 
Zug US, siist rergäggl-i''' no''' [werde krank] L. 

(iägg (resp. n) Z. Gäggi I Aa (tw. d); Ap (neben 
Gd-,gägga); BHk.; Gl; L;GEh.; ScHW; U; Uw; Zg; 
Z, bim. Gäggeli 1, Gäggis Bs; Th m. (resp. n.): 
= Gägg I, als Subst. und Interjektion. Lach 's [lass] 
si' [rühre es nicht an], 's ist G. 's Engeli seit : Gugg, 
g., wärist hrävner g'si". JKMev. 1844. Ver.stärkt: 
ä gägga kv; GEh. Allgeraeiner für Nichtiges, Unbe- 
deutendes. Bas ist G., dumm'es Zeug Gl. Du bist 
en Ma'" wie Gäggi, etwa mit dem an sich sinnlosen, 
die Beleidigung verdecken sollenden Zusatz: Und ene' 
lief de" Finger verhroche" GRh. Vgl. Giggis Gäggis. 

Vgl. Anm. zu (läyy I, sowie Jie Synn. .Aijg, A<jyi, Äk, 
welche ein ähnliches Schwanken des Voc. zeigen, je nach 
dem mehr oder weniger emphatischen Ausdrnck. S. (jCiijg-üit. 

gägge(n). Uim. gäggele(n) I: \. ^ güggen I kv. 
~ 2. nach Kot riechen Ndw. — 3. „wie Kinder mit 
nassem Kot .spielen Gl.;*- mit Unsauberm zu tun haben 
Ndw. Syn. kötlen, dreckelen. 

(Jäggel B (Göggel It Bs Hink. Bot 1877) ra.: 
Narr B. B's Gäggels werde' (sl"), gutgelaunt, über 
Gewohnheit aufgeräumt, närrisch übermütig werden 
(sein). Sehr häufig bei Gotth. u. Addr. 1877. ,l)ie 
Weiber wurden [über dem Essen und Trinken] z' [d's] 
G-s und brichteten sich alle Lumpengeschichten, die 
sie in ihrem Gedächtniss hatten.' Gotth. — Vgl. autiyyel 
und den analogen Gebrauch von Jfarr. 

gäggele(n) II: = gdgijen II 3 Aa; B; S; ZRafz. 
De Adolf het Gn [Lust] gha für Mechaniker z' werde", 
er het geng Öppis gOggelet it"'' g'macht. Dr. Bari 188.3. 
Ohne Dauer zureclit machen L; Uw. Bes. von Kindern, 
welche spielen oder das Tun der Erwachsenen nach- 
ahmen B. Syn. gäugglen, gänggelen; g'vatteren. Eine 
Arbeit sehr langsam ausführen, um sie schön zu 
machen BE. — Mit Mühe Etwas abhauen AaZ. Syn. 
gigtigen I, gäxlen, näggelen. 

St. giebt dieselben Bedd. für gägrjihn und gänggelen, 
sowie auch für gäggehn, indem er die Formen nicht aus ein- 
ander hält. Für Bs u. LE. gibt er auch g an, wahrsch. nur 
mit ungenauer Schreibung. 

Gäggeler, -li m.. Gäggele f.: 1. Tändler. Pe- 
dant. ,der in kleinen, niedlichen Dingen und deren 
Aufputz sich gefällt" BÜ. Schlechter Arbeiter. Pfu- 
scher B; „L; Obw." Gäggi, Gäggeli (n), spielejides, 
etwas kindisches Mädchen B, schwächliche Person. 
— 2. Geizhals, sein Interesse kleinlich verfolgender 
Mensch BBc. 



gäggelig: = gäggelig B. 
Gäggi II m.: = Gäggeler 1 BO. 

Burrli-GSgger m.: 1. schlecliter Tabak AaF., 
Z. 181.") (.-Gäger'). — 2. VV'ein von geringster Qua- 
lität Z. — Vgl. das Syn. Burrli-Gtger und die Anm. dazu. 

Gäggi UI (d Gr tw.), -is BHk., Gäggle. Zschokke 
1797: Kerngehäuse des Obstes B; Obw. in BE. nur 
der Birne; auch nur der Butzen des Obstes. Weder 
Stil no''' G. hä", der erforderlichen, wesentlichsten 
Merkmale entbehren, nicht sein, wie es sollte, wie 
Obst, das weder Butzen noch Stiel hat BÜ.; keinen 
Sinn haben BHk. Synn. s. bei Flieg, Gigertschi, Güegi. 

Viell. zu (•'Aggi, Kot i. S. v. ,wertloser Abfall'; doch ist 
auch an Gayyi III zu erinnern, wenn die gms. Bed. Frucht- 
kapsel wäre. 

Giggis Gäggis: verdeckte Schelte in der Formel: 
Ihr sind e G. G., 's ist Philipp und Jäggis L. Er- 
fundener Personenn. bei NMan. 

Soll offenbar wie Giggis Ouggii Geringschätzigkeit aus- 
drücken ; das VV. verhält sich viell. zu Gägg III wie Giyyi» 
Gäggis I zu Gägg; vgl. auch Gägg IV. 

Ganggel I n.(V): I. Gaukelspiel, Blendwerk. ,Noch 
so narrest du die einfältigen mit solchem gouggel.' 
Zwini;li. ,So forchtend si des bap.sts gougel [d. i. den 
Bann].' Vad. — 2. Dim. Gauggeli, Purzelbaum. Ds 
Güggeli welpe oder ,stützen': 1) Purzelbaum machen. 
2) Bankrott machen, fallieren B oSi. Synn. s. bei 
Geiggle'. 

Mhd. gougel, goukel n., närrisches Treiben, Possen, Zau- 
berei, Blendwerk; das Stammw. von gäugglen usw., daher 
Bed. '2 i. S. v. yaugglen — umschlagen, körperlich und iiko- 
nomisch. Gauggelhusen, Flurn. LE. 

Gangge" m.: vorderer, keilförmiger Teil eines 
Holzgeschirres, aus welchem man den jungen Kalbern 
zu saugen gibt GrV. ,Goggenschnabel.' a.Geschlechtsn. 
Z. Syn. Gögel, Gäuggel 3, Gonggen, Götsch, Zaugge". 

Wie die Synn. Zaugge' und Zolgge" neben einander vor- 
kommen, so scheint auch das vorliegende W. nur Nbf. zu 
dem Syn. Golgge" zu sein. 

ganggerle(ii) : sich hin und her bewegen, von 
Bändern, Troddeln udgl. Gl. — Frequentativ zu ynuggkn 
in derselben Bed. 

gauggle(n) gaugl- BBrisl.. kü^ggle' B oSi.: 1. leb- 
hafte, meist scherzhafte, Bewegungen machen, z. B. 
purzeln, culbuter B oSi. Vgl. Gauggel. ,Ich mein, ich 
wöll dich gauglen lehren, dass du muost d' fiess gen 
himmel keren.' Com. Beati. Syn. geigglen. Bildlich: 
Bankrott machen (.umstürzen') B oSi. Insbes. a) vom 
Zeiger bei Schiessübungen, der, wenn ein sehr guter 
Schuss gefallen war, vor der Scheibe, auf der er den- 
selben .zeigte', entweder eine Puppe g. liess oder es 
selbst tat B; L; Schw; Zo; Z. S. Gauggler 3, 4. I" 
dem Takt, wo d' Musik macht, wird das Pröggemensch 
erschaugglet, dass 's für all die Nare gaugglet. Nägeli 
1842. — b) spielen, Spass treiben, sich mit einander 
belustigen. Von Kindern GlH. (weniger roh als feien, 
Bd I 63'2/3); Gr. Höred uf g.! zu Kindern, die sich 
um frische Kuchen zanken. Joach. 1881. Syn. gäugglen, 
gölen, göpen. ,Sy gougleten in dem bett unibhar. als 
dann kinder tuon.- Zielv. ,Dänzle, springe und gaukle 
nicht mit den Kindern, wie die Katze mit der Maus.- 
FWüRz 1634. Von Tieren, bes. jungen Hunden und 
Katzen .UWohl.; Bs; PMu.; L. D' Chue g-t mit dem 



Gagg, gangg, gegg, gigg, gogg, gug 



172 



Bind. Häpl. Mit jungen Hunden und Katzen Spass 
treiben Gr, mit dem Vieh seine Kurzweil haben W. 
Von Erwachsenen: sich vor Freude ausgelassen und 
fast närrisch lustig geberden, den Narren machen L; 
U; Zg (mit enand g.); bes. von Liebenden: tändeln, 
schäkern, kosen L. Im , Kuhreihen' der Emmentaler 
singt die Sennerin: Wenn V'' de"" soU ga" melche, so 
steit wer d's Chueli nit recht : Da stelle-n-i''' d's Chübeli 
nebed si u"' gauggle mit dem Chnecht. Kühreib. 1826. 
,Dass der Ehstand nüd zum Naare und Gauggle g'ordnet 
ist.' PHeng. 1836. —Vom Feuer: Wenn's Für flackret 
und gaugglet L (Schwzd.). — 2. lässig, faul in der 
Arbeit sein, von Menschen und Vieh Gr ObS., V. Vgl. 
gäggelen. — 8. trs., auch üf-gaugglen, eine liegende 
Tanne an einem Ende durch ein oben auf dieselbe 
gelegtes und mit Kette daran befestigtes Querholz 
(den Gauggel, der als Hebel dient) aufwinden, so dass 
der Baumstannn in die Schwebe kommt und der Wagen 
zum Aufladen darunter geschoben werden kann ZZoll. 
S. Gäuggelß. — 4. zaubern, d. h. seltsame Geberden 
machen. F'' weit em 's nüd besser g., er hat's lange 
gut genug GlK. — 5. betrügerisches Spiel treiben. 
,Lueg yetz, wer mit der g'schrift gougle [leichtsinnig 
umspringe].' Zwingli. ,Das Mess-Gauglen', das Gaukel- 
spiel der Messe. ClSchob. 1699. 1879 hausierte in Z 
ein Ap-Knabe mit Lebkuchen. Er hatte im Porte- 
monnaie Brosamen, angeblich, weil dadurch verhindert 
werde, dass das Geld gauggle [Gaukelspiel treibe, d. i. 
wegkomme, gestohlen werde]. 

Mhd. gaukeln uud ijuutjeln, Possen, Zauberei treiben. Die 
Kehllaute schwanken seit alter Zeit; bei uns überwiegt im 
Auslaut der Stammsilbe entschieden gg (k). fc in B oSi. ist 
ein Beispiel der in Gebirgs-MAA. nicht seltenen Verhärtung 
im Anl., vgl. z. B. Gifer, Ovyger, Gül. Mit gUugglen fällt 
gauggkn in Bed. 1 b zusammen, aber in den andern keines- 
wegs ; auch ist güugglen von Gäuggd, gaugglen von Gaug(g)el 
gebildet. Bed. 4 schliesst sich au 1 an, insofern das Gauggle' 
des Zeigers auch einen Gliickszufall (nur einen bereits ein- 
getreteneu) bedeutet. 

u f - s. gaugglen 3. 

ver-: zum Gespött machen, als nichtig darstellen. 
,So mag er das alles in zwyfel bringen und ver- 
gougglen, dass der einfalt nit weisst, woran er ist.' 
HBüLL. 1563. 

Hechel-Gauggle f.: Fasnachtsraaske, verklei- 
detes Weib mit einem Spinnrocken Bs. Syn. Hutzgür, 
s. d. ,Solle das Masquieren gänzlichen vermieden und 
vornemlich die sog. Hechelgaugelen von den Wacht- 
knechten ab den Strassen weg und in Turn geführt 
werden.' Bs Ref.-Ordn. 1758. 

Die (jetzt aussterbende) Maskenfigur stellte wahrsch. die 
sog. ^alte Fasnacht', mittelbar den absterbenden Winter vor, 
und war das Gegenstück zu der vor Weihnacht in ähnlicher 
Gestalt umziehenden Chlungeri (Frau Berchta, Holda), welche 
das Gespinnst der Frauen überwachte. 

Gaug(g)ler, Gäug-, Goig- W ni.: 1. Spassmacher 
GfiObS.; bes. im W eine vermummte Person, auch 
,Spielnarr' oder ,Narr im Spiel' genannt, welche das 
Volk mit dem Vortrag von Spässen, ,Goigler- oder 
Narrensprüchen', belustigt, t. in den dort von Alters 
her üblichen volkstümlichen Schauspielen den Prolog 
sprechend, oder Zwischenscenen ausfüllend, t. selb- 
ständig auftretend, so bes. als Hauptperson bei der 
sog. ,Fänderhesatzung' (Neuwahl des Bezirksvorstehers, 
eig. Fahnenträgers, s. Bd 1 831/2) ein vermummter 



Bursche, der mit einem Stäubsack versehen, von einem 
Trupp Knaben und der '.Gauglerin' (s. d.) begleitet, 
unter den jungen Leuten herumspringt, dabei ge- 
legentlich hoffärtige Mädchen mit Staub bewirft und 
übh. allerlei Schabernack treibt. ,Diss schowspiel sye 
glycli sam die gogler hinter einem umbhang bossen 
trybend.' Kessl. .Praistigiator, ein gaugier oder Zau- 
berer.' Fris. .Petaurum, allerlei gauglerzeug oder 
gaugelspil; petaurista, gaugier, der luftsprüng treibt.' 
ebd. ,(jaukler, so allerlei possen, weis und berd an- 
masst' Mal. ,Der gauklerzeug, gaukelspil, allerlei 
gattung mit ringen, leibsubungen und lüftsprüngen.' 
ebd. .Von gouggleren und derglychen g'sind. Mit 
der gauggleren, vermumbten personen, kunzenjageren, 
springeren, seilgängeren und derglychen lüten lycht- 
fertigkeit.' Z Mand. 1627/28. ,üm des während des 
Krieges vermehrten Gesindels von allerlei (iäuglern, 
Strolchen, ausgerissenen Soldaten usw. loszuwerden.' 
1673, Absch. ,Die gaugier bringend auch vil durch 
ire geschwinde zwegen.' LLav. 1670. ,Der Pfaff steht 
vor dem Altar vermummet, macht allerlei Fechter-, 
Gaugier- und Kunzenbossen.' ClSchob. 1699. S. auch 
afentüren Bd I 164 und Gogler. — 2. Narr, i. S. v. 
junger, unverständiger, übermütiger Mensch. Er hat 
d' Goiglerschuo'' no'''nit üsgizogen W. — 3. der Zeiger, 
der einem Schützen, welcher genug Nummern ge- 
schossen hat, um einen Becher zu beziehen, beim Zug 
vom Schützenstand nach dem Gabentempel und der 
Festhütte vortanzt. Früher auch die einen Hanswurst 
vorstellende, aus Papier vcrlertigte, bewegliche Puppe, 
welche nach einem besonders guten Schusse über der 
Scheibe aufstieg L. — 4. guter Schuss in der vor- 
nehmsten Scheibe, weil auf einen solchen hin der 
Zeiger mit dem roten Fähnchen oder mit seinen Glie- 
dern allerlei Bewegungen macht, ,gaugglet' L; Z; 
s. gaugglen 1 a. — 5. (Flurn.) im Gaugier ZTrutt., 
Gaugieren F. Gäugetspil S. 

Mhd. gtiuk-, goug-elaere, Zauberer, Taschenspieler. Ahd. 
,Maleficos, caucalara.' Rheinauer Gloss. 

Mül-: Maulheld, Spötter, Witzbold. ,Der Floren- 
tinische Maulgaukler Poggius.' Wurstisen. 

Gaug(g)leri" f.: bei der ,Fänderbesatzung' (s. 
GaugCgJler 1) als Weib verkleideter Junge, der eine 
grosse Puppe herumträgt W. 

gaug(g)lerisch: trügerisch. ,Und ist [das Trei- 
ben der Pfaifen] ein gouglerisch wesen.' NMan. 

Gaugglete" f : heftiges Lachen, lustiges Treiben. 
Gester isch e recht i Gougglede g'si", 's Schüli [Julie] 
und d' Mägd hai zämme g'lacht, ''ass me" 's im Hüs 
g'höi-t het; 's isch e rechti Gugelfuer g'si' Bs (S.). 

gaugglig: zu Spiel und Scherz geneigt Ndw, 
flatterhaft S. 

Gäuggel, Gauggel II, Gäugel (au und äu Aa 
Wohlen; Bs; B; S, ai und äi Ndw, äu vorherrschend 
oder ausschliesslich AAZof.; GWe.; ScHSt.;-ScHw; Z, 
au AAFri., Zein.; ZKn., ei Sti'tz). Gäugel BBrisl.; 
ScH m., Dim. Gäuggeli u. Gauggeli: 1. Possenreisser, 
Hanswurst, Spassvogel, meist nur gelegentlich im ge- 
selligen Privatverkehr AiFri., Zein.; L (,den G. ma- 
chen'); Ndw; Sch; SchwMuo.; Z. Doch auch: ver- 
mummte Person zur Belustigung des Volkes bei Festen 
AAZof ; L. Syn. Bögg. .Ein Bär tanzt wie ein G.' 
PHeng. 1836. ,Den Bülimann muss bisweilen der 
Geuggel, 's Bauggi vertreten.' Uw, It Lüt., Sag. — 



biiK,!,'. RilllSÄ. «'•'S-K- SiffS- gogg. gugg 



■_'. a) einfältiger Mensch Aa; Scu, Geck B; L, fader 
Kerl Bs, auch Göyel, Gäuggel; der Alles mit sich ma- 
chen lässt S. Öyn. Tschöli. „Person, die gerne tändelt 
und dahlt; bes. kindisches Mädchen Aa; B; S; Vw; 
Z." Ähnlich wie Narr halb ernst-, halb scherzh. als 
Schelte L. In dieser Bed. oft das Dim. B; G, schäker- 
suchtiges Mädchen L. E'" verliebts G-i B. Vgl. 
Gäuggeli-Ärbät Bd I 423. Auch von schlecht ge- 
zogenen Hunden und Katzen AAWohl. Syn. Göggel. 
Vgl. gauggkn 1 h. — b) leichtsinniger, eitler, 
junger Mensch Sch, der nur der Lustbarkeit nachgeht 
L; Z, verblendeter, kurzsichtiger B (v. Rütte); halb- 
erwachsener, der sich schon gross macht Z, Person 
ohne sittlichen Ernst und geistigen Gehalt, die sich 
gern putzt und herumschwänzelt, bes. vom weibl. Ge- 
schlecht, z.'B. Mode"-G. B;SB., hochmütige Frauens- 
person GWe. 's nimmt mi''' Wunder, dass d' so en 
G. hiröte magst Sch. Freti-di''', Wlb und Chind, de'' 
Vatter (ÄttiJ ist en G.! ZHed. (a.Spruch). E so en 
junge G. müesst mer g'cogtet si". Stütz. ,Die jungen 
Geiggel heutzutage, wo gerade so viel von Führung 
eines geregelten Hauswesens verstehen, als eine Kuh 
vom Tanzen.' ebd. ,Bci rechten Gäugle b'schüsst das 
Alter nicht viel.' Gotth. ,Der Vater ist oft Gäugels 
genug [und lässt die Kinder Staat treiben].- ebd. (vgl. 
Gäggel). Wider emol de" G. abla", recht lustig sein. 
Gäuggel werden die schwäbischen Uferanwohner des 
Bodensees von den schweizerischen genannt, diese von 
jenen Sebueben TnTäg. Früher auch Geschlechtsn. 
.Heinr. Goügel.' 1444, Z. ,Jos Geugel' (neben .Göugel'). 
150(5, JJRüEGER. — 3. (Gäuggeli) schnabelförmige 
oder dreieckige Mündung von Gefässen, z. B. Milch- 
töpfen Ar (Dim.); Gr; GTa., auch die Röhre, durch 
welche die Flüssigkeit aus einer Kanne gegossen wird 
GRh. (au). Syn. Güggel 6, Zäuggel, andere s. bei 
Gaugge". — 4. „('Gäit^/f/eZO Schnörkel, überflüssige, 
geschmacklose Verzierung GRÜbS.;" s. Schnarr-G. — 
5. ßu) Seil zum Fällen von Waldbäumen, nachdem 
sie an der Wurzel gelöst sind Z. — 6. fauj Vor- 
richtung zur Hebung einer Last, bestehend aus zwei 
vertikal stehenden Brettern oder Pfosten, in denen 
sich einander gegenüber je 2 Reihen Löcher befinden, 
in welche eiserne Bolzen gestossen werden, auf denen 
der Hebel mit der daran befestigten Last aufliegt und 
successiv aus einem Loch in ein höheres gebracht 
wird. Syn. Heblad. S. noch gattgglen 3. 

Der Uutei'schied der Lautformen mit au und äu ist 
lliessend, wenigstens für 1 und '2, ebenso der der Bedd. 2 a, b. 
Bedd. ö und 6 schliessen sich am nächsten an den Grund- 
begriff: auf und ab, hin und her bewegen, an. Betr. Bed. 3 
vgl. Anm. zu Gaugge^. 

Fasnacht-: Verkleideter an der F. AAZof. - 
Guggis-: Neujahrsgebäck aus Mehl, Eiern, Zucker und 
Gewürzen, von rundlicher Form ZO. Syn. Gugellwpf. 

Hübsch-: komische Figur, die zu Neujahr als 
Begleitung der Kirchensänger, welche Weihnachts- 
lieder sangen, im Dorfe LGross-Dietwyl (und viell. 
auch anderwärts) herumzog. Sie war in Rot und Grün 
gekleidet, d. h. es waren an ihren Kleidern grüne und 
rote Zotteln angenäht. Kleine Schellen hiengen um 
den Leib des H.-G-s und er trug eine rot bemalte 
Holzmaske mit grosser Nase, zugespitzten Ohren und 
Hörnchen. Zwei geradeaus stehende Kräheuflügel zu 
beiden Seiten des Kopfes waren für ihn charakteri- 
stisch. Er knallte mit einer Peitsche in der Hand, 



tanzte nach dem Takte der Musik, machte Kapriolen 
oder hielt Begegnende an, um sie nur gegen ein kleines 
Lösegeld wieder frei zu geben. Gemeinsam mit den 
Sängern und dem zierlichem H.-G. zog das Zerrbild 
desselben herum: der ungeberdige, eine abscheuliche 
Teufelsniaske mit Fledermausohren und aufrecht ste- 
henden, grossen Hörnern tragende Wüest-Gäuggel, der 
schwarze, rote und grüne angenähte Zotteln trug. 
Dieser raunte wild herum, erschreckte und fasste die 
Leute an und forderte ebf. Lösegeld. Er hielt sich 
länger als der längst vergessene H.-G. und hiess ge- 
meinhin Glünggel (Mitteilung von JBucher). 

Beide Figuren sind wohl tj-pische Gestalten der in Luzern 
so beliebten Osterspiele gewesen und wirklich kommt der 
Name des H.-G. im Texte der Osterspiele vor. Er scheint 
die Rolle Lucifers, des gefalleneu Engels, gehabt zu haben, 
während sein Gegenbild den Beelzebub vorstellte. 

Bä-: närrischer, leichtsinniger Mensch Z. — Bä- 
wahrsch. entstellt aus bar- in bun/äugi/w-li, s. d. Vgl. Syn. 
Bamuggd. 

Schnarr-: 1. Schnörkel; gewundene, geschlungene 
Zierrat Schw; Zg; ZF.; auch Schnörkel zur Unter- 
schrift U. — 2. gaukelhafter Mensch LG. 

Bei 2 ist wohl an schnarrende Stimme zu denken ; bei 1 
an engl, tnare, Schlinge, Strick, wozu , Schnur' den Ablaut gibt. 

Spar-: Geck ScnSt. Syn. Spargäuggis. 

,S;)«r- viell. zu .sperren', von absichtlich verschränkter 
oder unbeholfener Stellung der Beine; vgl. ,Sparren', Sperr- 
balken, aber auch lurgänggiach, wo » abgefallen sein kann. 
Oder zu Spar- (ahd. npm-u, Sperling), eig. also ,Vogelscheuche' ; 
vgl. Hanf-LüU. 

gäuggel-haft, -ig, -locht, -massig: närrisch 
ausgelassen, possenhaft oder zu Possen geneigt. G. 
tue", Possen machen Uw. ,Weil Annelisi zuweilen 
etwas gäugelhaft war, so trieben sie oft ihr Gespött 
mit ihm.' Gotth. 

„gäugge(n): 1. geckisch tändeln, mit Etw." Syn. 
göggen. — 2. zum Narren halten. Gäugg mi''' nit! 
zu einem Lügner. Sprww. 1869. Syn. gäuchen, gäuken. 

Gäuggis m.: I.Geck ScuSt. (auch mit einfachem (/). 
— 2. „penis Z." — 3. Ge.schleehtsn.: ,Heini Göuggis.' 
15'27. TuEschenz. 

Betr. die Endung -i», die sonst meist coli. Begriff mit 
sich führt, vgl. Gäggis s. v. G&gg IV. 

Fidi-, Fisi- s. Fisigäuggis Bd I 1078. 

Schnäug- Sclmaiggaiggis m. : Brodschnitten in 
Eiern und Butter gekocht, oder fein zerschnittene 
Zwiebeln, Pfeffer und Salz, Essig und Öl, als Tunke 
zu .geschwellten' Kartoffeln Bs. 

Von schnäuggen, schnüffeln. Die End. -i« oft an Namen 
von Speisen. Die Bed. von G-t in dieser Zss. ist unklar, 
viell. die eines bunten Durcheinander; auch ruht der Ton 
auf dem zweiten W., was auf Entstellung aus einem Fremdw. 
deuten könnte. 

Spar-: Geck, Hasenfuss ScuSt., s. Spargäuggel. 

bargäuggisch (auch p-): sonderbar, lächerlich, 
auffallend, übertrieben hoffärtig. bes. von Kleidung 
Aa; B; Z (St.'). Syn. barjäggisch. 

Bar- viell. aus spar-, s. d. Anm. zu SjKirgüuggd. Vgl. 
aber auch bar- in barhämmUch, steif, unleuksam, eigensinnig. 

gäuggle(n), gäuggele(n), -6i- Ndw. -oi-BoHa.; 
Obw. -gl- W, -gel- Sch, -ggel- B; L; UwE.: 1. wesent- 
lich = gaugglen 1 b: Possen machen U; UwE., den 
Narren. Hanswurst und Geck machen Aa; Ndw, spielen. 



175 



Uagg, gaiigg, gegg. gigg, gugg. gugg 



176 



von Kindern BErL, possierlich wie junge Katzen Aa 
Zein. ; UwE. ; von Erwachsenen: tändeln, kindisch 
sich geberden und belustigen Id. B (.puerilia tractare') ; 
S; W; Z. Du bist doch afig schier z' gross, eister eso 
z' g. ScHwMuo.; von Verliebten Bs; B. Maideli, wenn 
du gäuggele" witt, Gäuggele mit viir! Bi" ja ehe recht 
lang und diel;, Wie-se-si"'' zum Gäuggele schielet L. 
Scherzen B oHa. „ Umenander g., wie ein Geck herum- 
laufen." — 2. fallen Z. Syn. geigfgßen. 

Die-Form auf -elen, mehr dim. aufgefasst, wird bes. von 
Kindern gebraucht. Gäugglen in der Bed. ,fallen' ist Ver- 
mischung mit r/eiglen (s. d.). 

ver-gäuggle(n): 1. vertändeln, die Zeit W; ver- 
scherzen, durch Nachlässigkeit, Leichtfertigkeit ver- 
lieren Sch; Z. Syn. vergütterlen, vertörlen. — 2. „auf- 
hören, sich närrisch zubenehmen, gescheider werden." 

Gäuggeler, Giini;\^'r: = Gauggler, s.d. .Göug- 
geler, puerilia traetans.' Id. B. 

gäuggerle(n) : tändeln. — ver-: vertändeln 
ÄAWohl. 

geggele", geggle" L, neben geg-: kindische 
Spiele treiben, tändeln Ap; GTa.; TbHw.; Zu. Syn. 
gäggen, gänggelen, teggelen. - ver-: verzärteln, ver- 
wöhnen AaSL; Ap. Syn. vergäggelen. — Geggeler, 
-li m.: Tändler Ap. — geggelet: kindisch; affek- 
tiert Ap. 

gegge(n): hochmütig absprechen BLenk. 

Gegge" Th, Gege°GL f.. Gegli n.: 1. gutmütig- 
dummes, eitles Mädchen; Schwätzerin Gl. — 2. furcht- 
same Person Tu. Vgl. Gugege. 

Geggi, Geggcs GfiPr., Geiggi AaZ. 1815; F 
(neben Geggi) m.: Schwächling, furchtsamer Mensch 
AaZ. 1815; F; GKPr. Syn. Gdgyi. - Betr. die Form 
Oeiggi vgl. (jeigglen unter t/'i'jl'-'n Öl>- ü'i . 

Gugegge" f.: unsicherer, leicht ins Schwanken 
geratender Aufbau, z. B. ein schief geladenes Fuder 
Heu Z. — Verhält sich zu gl- (gu-) gäggen wie Gugege (s. d.) 
zu gi- (gu-) gägen. 

Geggschösserdi f.: Kleinigkeit ZWl. Als PI.: 
Krimskram; dummes Zeug Z (auch Gelgg-). 

Aus frz. quelqtie chose (in vulg. Ausspr.) mit deutschen 
Bildungssilben. Ein merkwürdiges Beispiel von Aufnahme 
und Behandlung fremden Sprachgutes! 

geggschösig: nur in der Verbind.: 02J2ns g-s, 
etwas Eigentümliches, Ungewöhnliches L f. 

Gebildet wie das vorige, nur einfacher und mit geringerer 
Lautentstellung, da im Anlaut tw. k und » weich gesprochen 
wird. 

geiggele(ll) : Possen reissen, sich närrisch geberden 
zwangen. — Verquicknng von geiglen Sp. 147 und dem 
Syn. gäugglen. Davon Geigg-Aff Bd I 100. 

Geiggi s. Gi.ggi. 

gTggele(li), ,giggerle", gl- Z": 1. die Notdurft ver- 
richten; meist nur von kleinen Kindern Gl (Schuler); 
Z. — 2. sich mit Kleinigkeiten befassen AAFri. Abi. 
Gtggeli, Mensch, der bei der Arbeit Nichts aus- 
richtet, ebd. 

Zu 1 vgl. gögkeln (Schm.-Fr. I, 882) und unser gfiggeii, 
gäggden. Bed. 2 lehnt sidi viell. an 1 an wie das Syn. 
gäggelen II tw. an ghggden 1. 

giggelig: winzig AAFri. 

Zum vorhergehenden Vb., i. S. v. ,sich mit Kleinigkeiten 
abgeben', vgl. ganggelig : gänggelen. 



glgge(ll) 1: pfeifen, von Mäusen BS. Syn. wiggen, 
einen hohen Ton von sich geben, kirren AAÄugst; F; 
kurze, schrille Töne geben B; striderc. Id. B. Syn. 
gibsclien, glgen. .Pipilare, gypen, gycken oder schreien 
wie die jungen vögel (sparen).' Fris.; Mal. 

Die aus Kaiseräugst gemachte Angabe gieggen beruht wohl 
auf ungenauer Wiedergabe des i, da sie von anderer Seite 
in Abrede gestellt wird, doch könnte sich giggcn : gieggen 
verhalten wie gigen : giet/en. 

Gigger I m.: Grille, Heimchen. Er hei mit Schi' 
nid emal G. g'fresse', ist brandmager FMu. — So 
benannt von den Tönen, die das Insekt hören lässt. 

Gäbeli-: Ohrwurm ZWasterk. Syn. Örenmüggeler, 
-niggeler. — Viell. aber zum Folg. ; Guleli-, von der Zange 
am Hinterleib des Insekts. 

gigge(ii) II: ein kleines Kind scherzend mit dem 
Finger auf den Leib stechen, wobei man glgg! sagt 
ZA. Syn. higgen; vgl. auch Glx. 

Vgl. gigken. stechen, namentlich mit der Spitze des Zeig- 
fingers, Schm.-Fr. I 883, und ,kiken' bei Gr. WB., dass. 
Der hohe spitze Voc. stimmt zu der Bed. .stechen". 

gigge(n): zucken, zittern? Nur in formelhafter 
Verbindung mit dem Subst. ,Gigge', in der Stelle: 
,Ich han üch eins Hunds giggenden Gigken gesworn', 
sagte 1367 ein Basler zum Oberstzunftmeister und 
wurde dafür 10 Jahre verbannt. — Gigken. beben, zucken, 
z.B. vor Kitzel. Schm.-Fr. I 883; s. gigerkn, zittern. 

Gigge" m, nur in der unter giggen angeführten 
Stelle, wo G. die Geschlechtsteile eines geilen Hundes 
zu bezeichnen und das Ganze als roher Schimpf oder 
Finch gebraucht zu sein seheint, ähnlich wie Hunds- 
fott, WL'lrln's sirli auf das weibliche Tier bezieht. 

Vgl. (/;.//,./ III.. Zinkin; ,gygel, t.entigo, pars quse in Vulva 
apparet; uuch fmltfifgil.' Schm.-Fr. I» 884. Vgl. GUggerli. 

giggerc(n): in kurzen Tönen lachen GSev., un- 
anständig 1. GW. ; kichern Gl. Syn. gigeren u. gigelen. 
Abi. Giggeri, Einer, der lacht, ebd. 

(iigger II m.: magerer Käse F. 

(iiggei'li: ein altvaterisches Kartenspiel, frz. qui 
gagne, perd. E G. mache' Bs, auch giggerlen. ,Er 
muss uns doch nicht gar das Ansehen geben, dass 
nicht auch etwas Aufklärung neben Staatssachen und 
dem ehrbaren Gikerli unsrer sei. Väter in unsern So- 
cietäten Platz gefunden hätte.' Hüber 1787. — Vgl. 
gaigkeUn, ein Kartenspiel. Schm.-Fr. I 882. 

(ügKCi'uill'^ "'■■ '■'-''"''".i; \'öu altem Gerät, Gegen- 
.stainlr i.liiir Wi'it. IMiiiiilfr Bs. Dr G., wo i' dr 
Estrig Blatz. [In des 
('(• fi'störhcii isch, no"'' 



Mannes 
Alles in 



"/- 



Dnsr 



ml .Mixture, 

VoStrosshiir.i Isainmpl.l. ,i!li Miinr. rrrsdiiiniL'e Glas 
VO Glaris, G.; dt" Fniide scheitktn und Bikaimte loill 
i''''s. K Keltere. G. und Chrebslebere [nigl.], auswei- 
chende oder abwehrende Antwort auf die neugierige 
Frage: Was haben wir zu Mittag? Sprww. 1869. — 
V?ohl zu Guggemdl i. S. v. Pluuderkammer. 

Giggesli n.: schwächliches Kind, eine in der Ent- 
wicklung zurückgebliebene, schmächtige Person. Es 
ist nW es arms, nüdnutzigs G., das würd nie Icei' 
Ma" Gr. 

Eig. Eidechse (s. Iggesli Bd I 94, aus dessen ; sich der 
conson. Vorschlag entwickelte wie in Gilge Bd I 17(1) und 
mit Bez. auf Naturell, Gestalt und Zartheit iibertr. wie in 
dem syn. Gucg, Güegl (eig. Käfer). 



GagiT, gct;«, gigg, g(igg. gugg 



178 



(iieggle" f.: Blö-sse am Leib. E G. mache, un- 
anständig mit gespreizten Beinen sitzen ; auch giegglen, 
welches sonst: hin und her schwanken, sich wälzen, 
bedeutet. Pfiä, me g'sieht-der d' G. ! zu einem Kinde, 
wenn es die Schamteile nicht bedeckt hält. St macht 
a G., schürzt den Kock zu hoch GW. — S. gieylen. 
VwJt ist auch tjeirjlen, die Beiue aufstrecken, kopfüber fallen. 

Gögg: Jakob ZO., auch Göggeli, Göggi u. GÖggel. 
s. dd. 

(jogg I m.: hohe Frisur, in die Höhe gestrichenes 
Haupthaar, ehemals beliebt bei Stutzern BsStdt. Er 
ti-cit e Goch und het en Uhr, doch ro" Verstand isch 
gar kei Gspur. Hinderm. 's Büebli raucht und stricht 
si" G. ebd. Vgl. Goggele. — Wahrsch. aus frz. coj, Hahn, 
iuiluni die Frisur mit einem Hahuenkamni verglichen wurde. 

«ögg II m.: Cocus(-baum, -holz) Uw. S. Goggis. 
goggi": aus Cocusholz. z.B. e' guggi's Bcttli, ein 



ikranz aus Körnern der C 
Erzähler 1856. 



Uw. Goggeni 



Ciöggel m.: einfältiger Mensch. Sprww. 18(39. 
Syn. Jofjijel, und wie dieses aus ,Jakob', verächtlich in 
appellativer Bed. 

Goggele" f. : 1. (spött.) grosse geschmacklose Haube 
Bs. — 2. eitle, hochmütige Person Th. — Zu Go.jy I. 
Bed. -2 vieil. f. zu GSyriet. 

Nacht-: Nachthaube Bs. Auch Xachtgiiggere. - 
liad-: Badhaube Bs. 

(iöggöggeli: Übern, eines Knaben Namens Jakub. 
ZZoll. ca 1820, i. S. v. dummer .Tunge. G.-icis, Flurn. 
in ZWied. Zu Goggel. 

Fäschi-Goggeli n.: Wickelkind GSa. 

(jSijgeli hier wohl nur aus der Kdspr. und <j viel), für 
</, I, zu Tvche, Puppe, doch vgl. auch BüppeU, Wickelkind. 

Goggeligö: rote Farbe Z (Kdspr.), scherzh. wie 
gäggeli-gel, munggeli-brun u. a. — Frz. corpidiroi, Feld- 
mohn, Klatschrose, couleur de c, Feuerfarbe. 

GoggelttschV m.: 1. Keuchhusten AAZof.; BBurgd. 
— 2. Croup, Stickhusten GStdt. (-(5- statt -H-). - Fi-z, 
cutjuihivhe f., Keuchhusten. 

Gogge" (/.-) ni. : Klumpen einer dickflüssigen Ma- 
terie, z. B. Nasenschleim BR. Syn. Goggel, Golgge. 

Westerwäld. KocUe ni., Heuhaufe; ebenso engl, cuek, nor- 
wog. kuk, Haufe übh., Klumpen, schwed. W,«, Erdscholle, 
altn. kiiU-i Gr. \VB. V, 1.56.5; viell. .aber nur Nbf. zu dem 
Syn. (-lulyyi: 

Goggi I: Jakob ZO.; s. Gögg. 
Göggi n n.: Eierkuchen GRÜbS. - Vgl. rätuioni. 
cocc«, Kuchen, zu lat. coquere. 

Goggis, nur in der RA.: Du bist en Ma" wie G., 
taugst Nichts ThHw. Vgl. Gäggi s. v. Gägg u. Gägg. 

Go'ggis m. : der zierliche, kostbare Handknopf am 
Spazierstock, auch der bes. bei feierlichen Anlässen 
getragene Stock selbst Th. — Aus .Cocus', da solche 
Knöpfe auch aus der Sehale der Cocusnüssu gemacht werden. 

Goggöli s. Göli. 

Goggwergi s. Ge-twergi. 

^»SSi'i-) ra-: Kuchen, etwa mit 'k\i1e\- (Öpfel-G.) 
"der Kirschen-Zusatz (Chriesi-G.) Gr vPr. Syn. Goggi, 
und desselben Ursprungs. 

Schweiz. Idiotikon II. 



Goggel m.: 1. dummer Kerl GlH. ; Narr, Possen- 
macher L; Z; unbeholfener, schwachköpfiger, willen- 
loser Menscli Sch. Syn. Gögel, Goggi, Goggöli, GÖl; 
BÖgg. — 2. vertrockneter Nasenschleim Sch; s. Gögel. 
Syn. Gölgg, BÖgg. 

Appe"-: dumme Person, Verstärkung von Appelc 
Sch. — Butze"-: Popanz ScnSt. Syn. Bögg. Auch 
-gögel, s. d. 

göggle(n) = göglen. , Gaukien, gauchein, geken. 
gokeln, gesticulari, motionem agere." Red. 1662. 

vergöggele{n) = vergnglen 3. Sulger. 

Goggel: 1. Spottn. für Jakob ZTö. Schon 1-186: 
,Göggel Ruder. T.- (iKricss. - 2. appellativ: dummer 
Kerl Sch; ZT,.. Vgl. (l<,ggi. 

gÖgge(ll) I: 1. sich erbrechen AAZof.; B; Gr; 
rülpsen Gr. Unpers. : ekeln, so dass man sich er- 
brechen könnte. Es het mer gögget, i"* hätt möge . . . 
BE. — 2. unschön tönen B (Zyro). 

Nhd. kukeii und kiiclcen; engl, tu keck, Brechreiz empfinden. 
Die Kehllaute und auch der trübe Voc, kurz oder lang, 
bezeichnen trefflich die Sache selbst. 2 bedeutet wahrsch. 
Töne ähnlich den beim Erbrechen vorkommenden, z. B. wider- 
lich reden. St. giebt auch g statt ji/. 

gögge(ll) U: „sich wie ein Laft'e betragen L;" 
dummes Zeug schwatzen B (Zyro). 

Mit .</o</;/en I vereinbar, da weite Öffnung des Mundes, 
wie sie beim Erbrechen stattfindet, auch als Zeichen von 
Uummheit gilt, viell. aber nur Nbf. zn gäuijijen. 

,üs-: aufhören sich wie ein Latfe zu betragen L." 
Vgl. vergauchen. 

„ver-: durch läppisches Benehmen verscherzen, 
verlieren L." 

„Göggi (ö) m.: Laife L." 

Uehört zu den unter GSgr/el angeführten zahlreichen Synn. ; 
ist aber zunächst von ißgijm II abgeleitet. Im Gb^ggi ZHerrl.. 
Flurn., eig. N. des Besitzers. .GUgger', ausgestorbenes Geschl. 
in Z. 

„Göggig-keit: Betragen eines Laffen L." — 
..göggisch: läppisch L." 

Goggi: Zun. eines Mannes, resp. seiner Familie 
f .•? Göggi's) ZO. — Spott. Koseform von Jakob. Vgl. (imjgcl. 

(rugg-, Gügg- vor folgendem«/ s. nach Abwerfung 
des reduplicierenden gug- die einfachen WW. 

Gögg I m.: 1. Blick. De- letzt <?. tue" GRPr. 
E Güggli tue", einen kurzen Blick, ebd. — 2. (Dim. 
Guggeli) Guck-. Schiebfenstcrchen. dgl. z. B. früher 
ilic Metzger in ihren Laden hatten B. Syn. Gugger- 
nelli. — 3. kleiner Erker, Winkel, Versteck. Loch in 
einer Wand, um etwas Kleines hineinzustellen, bes. 
Ofenloch in einem sog. Kunstofen zum Warmhalten, 
resp. Zubereiten von Speisen B; GO. VgL Ofen-G. ~>. 
Syn. Guggernelli. ,Dann war ein viereckigt Guggeli 
in dem Nachttischli, wo das bekannte Geschirr Raum 
fand.' GoTTH. ,Es dokterte beständig, in irgend einem 
Guggeli war fast immer ein Hafen für ihns z'weg, 
bald mit derlei Trank, bald mit anderlei.' ebd. — 
4. ein Gebäck, Brod mit wenig Birnen oder Äpfeln, 
s. d. Compp. Ofen-, Biren-. Die süessen Öpfelschnitz 
sind giiet zum Giigg GSa. (Hilarius 1881). 

Es ist die Frage, ob die Bedd. einem W. angehören, 
obwohl sich ihre Zsgehörigkeit denken lässt, zunächst die 
von 3 mit '2, da ans dem Begriff ,Guckfenster' der eines 
Loches und engen Behälters entspringen konnte: ddcli auch 
Bed. 4, obgleich ihr viell. eine Abi. von lat. cor; «.ir zu 



Gagg, gegg, gigg, gogg. gllgg 



180 



Grunde liegeu möchte (vgl. l/oijyi II), kaun ähnlich wie 0/en- 
Gutjij und das schwarzwäldische Ougy-in-Ofin = Gugelhojtf 
als eine Speise erklärt werden, nach welcher, wenn sie nicht 
missraten soll, eifrig geschaut werden muss. Zu 1 gehört 
viell. auch Rappenguck als Name eines Ortes oberhalb GrZizers, 
wo früher ein Galgen stund (Kapp, Rabe; vgl. ,Rabenstein', 
Bichtstätte). 

Ofe"-gugg: 1. Ofenloch; Wärmekasten B. Syn. 
Ofenrohr. Auch Dim. -guggeli. .Mädeli zog aus dem 
0. ein sorgsam zugedecktes Kacheli [Schälchen, Täss- 
chen] mit Kaffee.' Gotth. , Selten vevgieng ein Tag. 
wo er nicht im 0. einen Hafen mit Trank stehen 
hatte.- ebd. -^ 2. Ofenkuchen GoT., We.; SchwE., 
Gericht aus g^ehackten oder gestampfton Kartoffeln. 
Birnen oder Äpfeln, mit altem Käse, etwas Mehl und 
Salz in oinfii Bri^i '.'evülirt. in pjnf mit frischer Butter 

l„.,,|irrl|n-f,. I:Ml|,r,llinr nv-n^,,.|,, "1 1 r 1 Kl U f IT ir], ] ich nÜt 

Si,...k„url,.In UV..,,,,. kl uiM in, nw» ,-.l.r;,t..„ GW.; 
.Scinv. Auch Ufcn-yii.jgis. byii. U.-Giu:, -Tatsch. - 
Vgl. Anm. zum Vor. 

Bir°e"-: Türken- od. Maisbrot mit einem kleinen 
Zusatz von Birnen gebacken GSa. 

Schill- m. : Schielendef, vormals des bösen Blickes, 
der Hexerei verdächtig Gr (Schwzd. 29, 02). Scheltw. 
z. B. für einen ungeratenen Sohn GuSchiers. — Giujrj 
hier also persönlich, wie sonst G'iujgcr. Vgl. Si:hili-yii<j;ier. 

Gug-gugg m. : 1. in der Formel: Los en Gm/gug 
oder i''' lo di''' verfule' [lasse dich im Versteck sitzen, 
bis du verfaulst] AABb. — 2. G. mache", Versteckens 
spielen S. 

Vgl. Gürj II Sp. 155 und Güx, yuyguliemi. Eig. Re- 
duplikation des Rufes: Gmjij, sieh da; Einfaches;/ inr Aus- 
laut in AaBb., wo zwar auch die Nbf. Guguii (s. Guy II 
aaO.) vorkommt, ist nicht wesentlich. 

Dach-Guggeli, PI. -güggleni: Dachfensterchen B. 
Syn. Guggere, Guggehürli. 

Gugg II: Imp. des Vbs guggen, in folgenden Zss. 
substantivisch. 

Gugg-ins-Land m.: Spottn. für einen gedanken- 
los vor sich aus schauenden Menschen Sch (Kirchh.). 

Gugg-in-das-Nest: Name eines Turmes. BsXIV. 

Wohl ein nach der Stadt hin statt nach aussen offen 
stehender Turm, als Ggs. zu Lueg-ins-Land. 

Gugg-dur''''s-Glas: Gelehrter, der die Brille 
oder andere geschliffene Gläser gebraucht. Der Un- 
sfiidiert gseht Hecht von blossen Auge bas, als mänge 
glehrte Guggdürsglas. B Gedicht 1831. — Imperativische 
Namensbildung in Form eines Satzes. 

Gugg-üs: 1. Versteckensspiel, besonders einer er- 
wachsenen Person mit einem Kinde, wobei die erstere 
sich einen Augenblick verbirgt, dann plötzlich sich 
zeigt. Mit ihrem Ruf: G.! will sie das Kind über- 
raschen, i. S. V.: ,Da bin ich!' oder zum Suchen reizen, 
i. S. V.: , Schau, wo ich bin!' worauf dann die Ant- 
wort: Da, da! erfolgt Aa; Bs; B; Gl; L; S [ss); Z. 
Guggus Gl; Z (auch Gug-), Gugguseli SchwE. {-ss-); Z, 
-machen, bald da, bald dort sich blicken lassen, wobei 
man sagt: Guggugg! AaP. Auch Versteckens spielen 
übh. ZO. Syn. Verbergis mache'. Auch etwa, indem 
man den Leib des Kindes scherzw. mit dem Finger 
berührt, auch ohne sich zu verbergen, nur zur Über- 
raschung desselben ZA. Geigeli-G.'. als Zuruf an das 
Kind, damit es suche od. sich selbst verberge ZMünch. 
[geigelen, purzeln, s. d.]. De Botz G. od. G. de Hotz! 



ruft das Kind, wenn es sich verbirgt Bs. Vgl. aucli 
Guggü 3 und Guggeisis, Gugel-nch, -üs. Wohl nur ein 
Wortspiel hat HPest. 1785 an folg. Stelle beabsichtigt: 
,Gewisse Kinder, die zu glauben geschienen, ich habe 
ihnen meine ersten Buchstaben bloss zum Gugg-aus 
und Gngg-ein damit zu machen dargeworfen.' — 
2. Fenster, im Volksrätsel. Eochh. AK. 255/0. Vgl. 
Gugg-herüs, das Haus, im Kinderspruch vom Haushalt 
L (Tobl. VL. I, 152). — 8. (GiiggüseU) penis (,etwas 
halb versteckt Hervorblickendes-) L. Syn. Güggerli. 
— guggüse(n) = G. machen ZO.. IT., dessen Imp. 
auch an einen Erwachsenen gerichtet werden mag: 
,Wenn ich dich nicht mehr seh, so guckus!' W, It 
NnwVolksbl. 187'2. — Guggüscrli: Guckloch, Öff- 
nung GaLandq. Vgl. Guggi. 

Gugg-üs eig. Imp. zu us-guggen. Doch lässt sich Beziehung 
des Versteckenspielens auf den scheuen Kukuk, welcher 
sich in den Kronen der dicht belaubten Bäume verbirgt und 
seinen neckischen Ruf dann unerwartet aus einer andern 
Richtung vernehmen lässt, schon früh nachweisen. So sagt 
Aldrovandus: .Ludunt Germani, priecipue Helvetii, ludura, 
quem cuculum dicunt, hoc modo: unus occlusis oculis manet 
in loco, quem solium vel trilnmal appellant; Interim ab unitate 
Clara voce et interstltio iiuijuraiis, dum alii diffugientes passim 
se occultant. occultatis uniuilius uuus cuculi voce clamat. tum 
ille a solio discedit et passim iuquirit, si quem ahditum de- 
prehendat. deprehenso aliquo tribunal celerrinie conscendit, 
ne cursu a deprehenso aliove prseveniatur, ultimus enim iu- 
quisitoris laboreni sumit.' Ygl. Gugger II B (guggii). 

Gnggacher: Apfelsorte Th. — Vgl. A,-her Bd I os. 

Guggehöntlli: Frauenschuh, cypriped. calc. ZDättl. 

Der 1. Teil des W. scheint eine Beziehung auf den 
Kukuk zu enthalten, dem zu Ehren der Frauenschuh im 
Vorarlbergischou auch G ugger-Schuch heisst; betr. den 2. Teil 
vgl. Vihöndli Bd I 633. 

Guggehü s. Guggehür. 

Güggeie" f.: Sitzen mit aufgehobenen Knieen und 
angestemmten Fersen XvH. ; sonst Guggere". Syn. 
hären, kauern. 

Dass das W. aus Guggere selbst (s. Gugg-gerc') entstanden 
sei, indem nach Ap MA. vor r ei aus e entstehen konnte 
und dann i- ausgefallen wäre, ist nicht wahrsch., obgleich 
sich dafür Gafeie aus Ka/eire anführen Hesse. Aber dass 
es jenem Syn. irgendwie, viell. mit Anlehnung an die Hal- 
tung der Eier legenden Hühner, nachgebildet sei, scheint 
ziemlich sicher; denn auch das mit Guggere in dessen ge- 
wöhnlicher Bed. ,Dachfenster' syn. GuygehMi bezeichnet in 
h zugleich jene Art des Sitzens, und an das abermals ,Dach- 
fenster' bedeutende Guggehür (sonst meist Dim. Guggehürli) 
schliesstsich Gvggehüre macheu, kauern Z. Allerdings scheinen 
auch Guggehür (li) und Guggehüdi selbst schon entstellende 
Umdeutungen von Guggere (resp. Güggerli); aber dass dieses 
selbst (in Ap) auch jene Art des Sitzens bedeutet, muss doch 
seinen Grund darin haben, dass ein Dachfenster von der betr. 
Art auf dem Hauptdach des Hauses in ähnlicher Weise ge- 
duckt aufsitzt, wie ein Kauernder auf dem Boden, oder dass 
man in demselben nur in geduckter Haltung ausblicken kann. 
S. Gugg-gere, Guyge-hür, -hiinU ; auch Guggernell, aus Gugij- 
grenell. Uf der Goijg- (resp. Gugg-) eien kommt 5 Mal iu Ap 
und G und « der Goggei 1 Mal in L als Name von Berg- 
und Alpenhöhen vor. 

Guggeisis »i((c/te": Versteckens spielen; während 
ein Kind in der Ecke steht, verbergen sich die andern, 
worauf sie gugg! rufen und vom erstem gesucht wer- 
den GWe. Syn. Gugg-üs m. 

Vgl. Guggeie", aus welchem es unter Einschub eines 
euphonischen « entstanden sein mag und das als Vb. nach 
einer Angabe auch , Versteckens spielen' bedeuten soll. 



m 



Gagg, gegg, gigg. gogg, gngg 



182 



liiiggele" f.: (las ausgehöhlte, entleerte Ei. Solche 
Eier wurden l'rülier zur Verzierung der Palmen ver- 
wendet ÄAZein. — Wahrsch. zu frz. coque n. coquille, Eicr- 
scliale. Vgl. mhd. kocke, schalenförmiges, rundliches Schiff. 

Gngge" (PI.) : Kinder LHorw. Syn. Gnf I. — Vgl. 
Vorarlberg, (ir,,/. liass. 

grigge(n) -ni- Ndw. -v><- UwE., Bim. güu(j(jehn. 
ehd.: 1. auf einem Hörn blasen AABb.; L; Nnw; UwE. 
= güiieii II, (jugen, gilggen. Für g., Peuerlärm ma- 
chen L. .Auch: auf einer Schalmei blasen, von Hirten, 
Geissbubon UwE. Oft auch scherzh.: auf einem In- 
strument schlecht blasen „Aa; Vw; Z.'' Demuet g., 
.Trübsal blasen', klagen AAWohl. Vgl. glgen. Ehe- 
dem (noch in den 40er Jahren) wurde der Konkursit 
zu L am Wochenmarkttage dem Publikum auf der 
Altane der Werchlaube, später des Wirtshauses zur 
Linde, vorgeführt, wozu ein Polizeidiener mit einem 
Hörne durch Güggen die öffentliche Aufmerksamkeit 
anzog. S. usgügen und die dortigen Synn. Bildlich 
als Au.sdruck von Abweisung. Vgl. Güggis. !"• gügg- 
dr'' roll AASt. I ivill-dr g. Suterm. (Drohung). Du 
cliannst mr (lang) g., bemühst dich umsonst AaS.. Zof. 
CJo) gügge'! warum nicht gar! AaK., L., auch gilgge! 
s.d. Syn. güggen I, blasen, pfifen. — 2. schreien 
Ndw, s. gügenllS. Vom Kuki;k: de Gügger gügget, 
der K. ruft AAWind. F'' lose gern, fallt er [der 
Kukuk] si«s Güggen a". Usteki. Auch von andern 
'l'ierlauten ZWint. Vgl. ffii^fjrer, Dompfaff. GüggemöK, 
Molch. „Brüllen, zunächst von Eindvieh GKÜbS.;" 
auch gügen. Vgl. Grasgügger. 

ÜS-: 1. als bankrott und ehrlos erklären L; Ndw 
= üsgügen, vergüggen. — 2. mg' gügget ha", fallit 
sein L. S. güggen 1. — ushin- use-: zum Heraus- 
gehen aus dem Stalle blasen, z. B. den Schweinen, 
Morgens früh. De [du] chunnst immer hei", wenn der 
Hirt de* Sänne vsegügget, sagt die Frau zu dem erst 
gegen Morgen aus dem Wirtshaus heimkehrenden 
Manne L. — ver-: durch Trompetenstösse als fallit 
ausrufen L. Auch vergügglen. 

Gügge f., \)im. Güggli : Briefsack. Düte. konischer 
Papiersack BsStdt; Ostsohwz. 

Scheint zu i/üggen zu gehören, aber importiert zn sein, da 
altbaslerisch dafür Sii'c/ gehraiicht wurde; vgl. ,Düte : tuten'. 

Gügger: 1. Kukuk AAtw.; Z tw. — 2. ,Die Peuer- 
kröte, G., Guggenmönli, bubo bombina.' HSchinz 1842. 

Zu 2. Sonst Gurjijer (s. a. 3), O'üllmgiigger und O'Tujc"- 
miili, von dem langgezogenen Ton, den das Tier aiisstüsst. 

Güggete (-ÖM-) f.: schlechte Blasmusik UwE. 

Güggi (-öi(- UwE.) n.: 1. Hörn, Trompete (im 
scherzh. S.) AAWohl.; L. Kindertrompetchen UwE.; 
.s. Gügi. -- 2. Fluni., hochgelegener Ort, wahrsch. 
urspr. Hochwacht, mit Feuerhorn versehen .Aa. — 
?>. Frauenspers. (Schimpfn.); scherzh. für Mädchen 
iibh., weswegen der Volkswitz das .Mädchenbad- bei 
LSchong. G.-Bad getauft hat Aa; L. 

Bogetcn- s. Gügi 3 h. 

Gi'iggis I: Ausruf der Abfertigung AASt.; s. 
güggen 1. 

güggle": blasen, mit einem Home L. 

(jüggler m.: (als PI.) Mu.siker, welche, meist 4 
an der Zahl, dem Orchester ,im Hof angehörig, am 
Abend des Neujahrstages in der Stadt von Hans zu 
Haus zogen und auf ihren Blechinstrumenten gegen 



ein Geschenk Haushaltungen oder Einzelnen ein Stück 
spielten, nachdem sie angekündigt hatten: das gilt 
jetzt dem Herrn N., oder der ehrsamen Jungfer N. Lf. 
Vgl. Feierabend 1843, 95: ,In der Ke.sidcnz bringen 
die altehrwürdigen Guggler um ein paar Batzen ihre 
kläglichen Serenaden und ihre begeisterten Lebehoch.' 

gngge(ll) I: schreien, rufen vom Kukuk Ap; Bs; 
VOrte; G; Z. Syn. giiggcrru 1. güggen. Wenn de' 
Gnggieh g'nueg scliinirn Clirnsi nhirrliiiiiinl. so luirl 
er iif g. ZW. Eätsrl: 11,. /,w ,/,,■ (nsl ) Giiggtr 
fz'erstj g'gugget? Antw.: (ts 'cm d^icr |;ius dem Ei], 
oder: Wieeros'em Ali [Eichen] gsclüofj'en ist [Wort- 
spiel mit güggen, schauen] Ap. ,G., schreien wie der 
gügger oder guggauch, cuculare.' Mal. Auch von 
Menschen: rufen. Los ! er gtiggel-is ! [uns] Bs. Bildl. : 
!''• u-ill-dr [dir] g. ! (Drohung). Du channsch m'r [mir] 
gugge" ! [lange warten]. I"'' gugg dr drüf (drl'J! F'' 
giigg di''' roll! Abweisung Bs. Synn. s. unter güggen, 
pfifen, blasen, schissen. 

Mhd. ijucken, von guggai II [schauen, s. d. | verschieden 
und direkt von dem Ruf des Vogels abgeleitet, der aus Ijii'j;/ii. 
resp. aus der reduplizierten Form Gtu/gui/ (s. dd.) in '■'a.'/;/ 
(vgl. Lexer I, 1110 ob.) verkürzt werden konnte. Vgl. 'hnj,/- 
rjauch; vwdt ist auch güggen, blasen, wo der lange Yocal 
langgezogene Tone bezeichnet. Von güggen ist dann (Jugger II, 
der gewöhnliche Name des Vogels, gebildet (s. d.). — Wie 
das Vb. im bildl. S. eig. zu verstehen sei, ist nicht ganz 
klar und kann verschieden gedeutet werden; wahrsch. wird 
der Ruf des Vogels als neckisch oder trügerisch, spöttisch 
anfgefasst. 

gugge(il) II (-'.- BSi.. -M- Aa jüdisch), Dim. güg- 
geh": 1. von Menschen. 1) sehen, aber meist ohne 
bbj., also nicht: unwillkürlich Etwas erblicken, son- 
dern mit absichtlicher Aufmerksamkeit schauen Ap; 
BSi.; Ndw; G; Sch; S; TnTäg.; USiL Gugg! sieh! 
BHk.; GG. Syn. luegen, statt dessen in BO. aus- 
schliesslich güggen üblich ist. Er g. sr'' d' Äugen üs L. 
Eich z' werde clmnnt nid ru Gugge her. Sülger. ,1c1i 
gugken fa.st und sich umb mich, nüt kann warlichen 
sehen ich.' Eüef 1550. .Ulf in der mass tuo also 
gugken [blicke dermassen (scharf) auf ihn].' ebd. 
.Tueri, videre. luogen, schauwen, sehen,- güggen.' 
Fris.; Mal. S. noch Hnfrn. Insbes. a) neugierig 
schauen B; na. li .t\Mi. I'n-ewohntem, Merkwürdigem, 
meist in schcivli. Sinn A\Z. .Die Kraut und Gräslin 
vorwitzig guggcn au.s zaiacn Erderich.' J<'\VfisskM!. 
1G78. — b) heimlich, verbotener W.'isr. liint. r .inmi 
Versteck hervor UwE.; Z, Nachts durch- i'rnin AvI'.. 
durch eine kleine (Mfunng. z. B. ein Srlilu,s,l|,„!i 
UwE.; Z. 3Ii» mnrhli <irinl :ii-inr Chnnfiti ircrdc" 
und gern GüiiLh | S,liiial>,-1 1 „<.,;■ ,111'M'n' [scherzh. 
Ausdruck von rngc.lnhl. Kntni.tnny] iluKlost. In 
diesem S. die Compp. l-e [hinein]-, «.se [heraus]-, dure- 
[hindurch]-!/. AaF. Trs.: D' Stund g. uf-ner dur''- 
schmige Zittafele [Uhr], nach der Zeit sehen BGr. 
Wie gern macht i''' umme g. [wiedersehen], d' Muoter 
u»-' der Att [den Vater] BGu. (Schwzd.). S. noch 
sterne-g. — 2) zugleich mit dem geistigen Auge, 
a) sich vorsehen, in Acht nehmen. Hättsch g'güggt! 
sagt, der Jude zu dem von ihm Betrogenen AAZein.; L. 
— b) abwarten, sich bedenken, überlegen. Mcr wci 
derno''' g., wir wollen dann sehen Bs. Auch zu 2) ist 
syn. luegen. — 2. von Sachen: „sichtbar werden, 
zum Vorschein kommen, hervorschauen, z.B.: Ds 
I Fiitzcnetli g-t vs Vw Feelcen use |das Nastuch aus 



183 



Gagg, gegg, gigg. gogg, gagg 



184 



der Rocktasche]. Von Pflanzen : hervorspriessen. 
D' Erbse", d' Herdöpfel fi-d G ; Z. Syn. für-hin luegen. 

Mhd. (jucken, yucken, neugierig schauen; viel). Intensiv- 
bildnng von einem verlornen starken Vb. mhd. giechen, zu 
dem Gauch (mit der Grundbed. ,Tor', nicht .Kukuk') sich 
ablautend verhielte und dessen Bed. etwa .den Kopf vor- 
strecken' gewesen sein könnte. Vgl. Weigand I. 1123. Oder 
es könnte mit gleicher Begriffsentwicklung zu mhd. giegr, 
Tor, Narr, gehören. Vwdtschaft mit ,Geck' liegt lautlich 
ferner. — Unser Vb. auch in dem häufigen Flurn. Guggen- 
Büel (auch als Geschlechtsn.) ; vgl. auch Guggen-Fluoh (schon 
1277 bezeugt). .Guggen', .Guggental', .Guggenmüli', ,Guggen- 
loch' scheinen dagegen gerade tiefliegende Orte zu bezeichnen. 

ab-gugge(n): 1. (mit blossem Dat. P.) zusehen. 
,Uli konnte mit Vreneli reden, ohne dass er immer 
ringsum blicken musste, ob nicht Elisi hinter irgend 
einem Baum ihnen abgugge.' Gotth. — 2. (mit bei- 
gefügtem Sachobj. im Acc. oder mit ('oiij.) ansehen. 
.Sie habe es ihm wohl abgegugget.' Gotth. .Aus 
einer Flasche trinke er nicht; da könne einem ja jeder 
Narr abg., wie viel man trinke.' ebd. — 3. Einem 
Etw. absehen, um es nachzuahmen, durch Zusehen 
ablernen UwE. (wie nhd.). 

über-: übersehen. ,Ir mögint der sach nachfragen 
und darunder handien, damit nützit überguggt, sunder 
durch guot sorg und ufsechen grösserer schad ver- 
hüetet werd.- 1530. Strkkl.. Act. ,Mit flüchtigen 
Augen ü.' Goliath 1741. 

under (hin)- (undergugge(n) B oSi.. sowst undere-g.) 
mit Dat. P.: zärtlich ansehen. Alles zu lieb tun, sorg- 
fältigpflegen; durch solches Tun sich einschmeicheln 
B; „VOrte." Syn. chüechlen, chüenzlen. ,Marei gug- 
gete dem Alten untere so zärtlich.' Gotth. .Dann 
wusste es [das Mädchen] mit seinen saftigen, blauen 
Augen mir so anzüglich untere zu guggen [mir so 
verliebt in die Augen zu sehen].' ebd. ,Wie viele der 
Mädchen auch waren, wie lockend sie nach mir sahen, 
wie nahe sie an mir vorbeistrichen. wie holdselig sie 
mir untere guckten und liebliche Beden führten.' ebd. 

Grundbed. scheint: von unten, also in dienstfertiger Hal- 
tung, ansehen und aus den Augen des Andern seinen Willen 
absehen. 

ÜS-: 1. ausspähen, -spionieren BM.; UwE. („allg.") 

— 2. „aufhören zu g. allg.'' — ver- (refl.): 1. sich 
versehen, täuschen UwE. — 2. sich in Jmdn verlieben, 
ebd. — sterne(n)-: ein Vexierspiel, bes. im , Herbst'. 
Man lässt Jemand durch einen Ärmel aufwärts blicken 
und schüttet ihm dann durch denselben Wasser oder 
Anderes auf das Gesicht hinunter Aa Jens. Kais.; W; 
Z. Vgl. Stern-Gugger. 

Gugger I m., Dim. Guggerli, -ü- Z Kn., Stdt: 
1. Wahrsager aus dem Glas BO.; „LE." — 2. (Dim.) 
Auge, im Rätsel Gr ObS. Auch Gugiiggerli (s. d.). — 
3. {Gugger GSa.; ThHw.; ZO., sonst oder daneben 
auch Dim.) kleines Guckfenster. Flügel an kleinschei- 
bigen Fenstern alter Häuser AaF.; ThHw.; ZKn., 0. 
Syn. Läufterli. „Kleine Öffnung oder Lücke, z. B. an 
einer Wand B; auch Giiggi." Guckloch an einem 
alten Turm. Dim. Guggerli: Dachfenster Z. Syn. 
Guggere, Guggernell. — 4. kleines Perspektiv „BO.; 
L;" GStdt; TiiTäg. Lorgnette ScuSt., auch Guggi. 

— .5. früher Vorrichtung zum Visieren hinten auf dem 
Schaft alter Stutzer Ap; Z, an Stelle des .Absehens' 
und nur im .Stand' erlaubt, im ,Felde' nicht. — 

— 6. kleines Vergrösserungsglas. um die Zettelfäden 



und Einschlagschüsse genau zählen zu können Z. 
Syn. Faden-, Schutzzeller. — 7. kleiner, viereckiger 
Flicklappen auf einem Kleidungsstück Z. Syn. Fen- 
sterli. Vgl. auch Fäll-laden. — 8. (Guggerli) Reiber 
am Hahn des Fasses ZBüL.Rüml.. sonst Güggel (s. d. 6). 

Ofen-: 1. Beamter der Feuerpolizei, der die Öfen 
zu untersuchen hat U. Syn. Filrg'schauer. — 2. Ofen- 
sitzer. Stubenhocker SchwE. Syn. Ofe'-Briieter. 

Fidi-, Fisi- s. Fisigäiiggis. 

Gu-gugger: \. = Gugger, Kukuk (s.d.). — 2.(Gu- 
guggerli und Gugg-) scherzh. für Auge in dem Rätsel 
über die Kuh kk. Vgl. Gugger 2. 

Himmel-: 1. Sternseher. — 2. ein Fisch, urano- 
scopus. .Ein himmelgugger. ein sternenseher. Diser 
fisch hat seinen namen von den äugen, welche allezeit 
gegen den himmel luogend.' Fischu. 1.563. 

Kabis-: Ingenieur (scherzh.). Der Chahisgugger 
wil (hm Sji'ktirirör [Perspektiv] und hnche Huet chdiii 
iirh :iiii, Sfinssiic" guet. SfBW Fastn. 1883. - Der Mess- 
ti^-.li vnL.'li'li,ii mit der , Kabishechel'. 

Sterne"-: I.Astronom S (Schild); Z. ,Stern- 
gucker.' Tiere. 1503. ,Küniglicher Mathematikus und 
Sternengugger.- Mal. 1593. — 2. Hochmutsnarr Bs. 
— 3. wer zuerst nach dem Schnee durchs Fenster 
guckt, heisst St. Aa (Rochh. 1853. — 4. Rohrdommel, 
ardea stellaris, weil sie, verfolgt, den Kopf gegen den 
Himmel streckt Z. 

Zue-Guggeri°: Weinrebe, die keine Frucht trägt 
(also gleichsam nur raüssig zusieht, was die andern 
leisten) Scii (Kirchh.). Syn. Zue-luegeri". 

Gugger U {k BSi.; Gr, ü AaF.; ZWindl.). allg.. 
Gugugger ÄAHold., St.; SThier.st., Guggug(g) Aa; 
Gl; GrD., Guggü GRRhw., Val.; L; Z, Guggus Gr 
(Tsch.), Guggüser BR.; Gl; Gr (auch Güg- It A ni- 
stein). .Gug(Güg)-güser GRÖbS." (neben«), Gu- 
gücher ScwNnk. m.: A. 1. der Vogel Kukuk, nach 
seinen natürlichen oder vom Volksglauben ihm zu- 
geschriebenen Eigenschaften, a) mit seinem Schreien 
den Frühling verkündend. Am drttta (cider alta] 
Aharella mos [rauss] der G. grüeiie Hnlier xrlnieUa Xw 
Im alta Ä. seit [sollte] der G. im Lauh cliöiina .ii-hnella 
(a.Baucrn-Sprichw.). Der Guckus chunnt den ni'mte 
A})ril, si der Früeli''g wo er trill GRCast. Im Merze 
seit de Guggu clw und wenn er i' Häntsche m,üesst 
clw ZStall. Dei- Gugger mues me' ror-'em 9. April 
g'liöre und war em 's Minder verfrore L (Ineichen). 
De"" Gugger muess spätstes am 9. Abrelle schreie" und 
sött-em 's Füdli verheie' L. Am Trihudiag [14. April] 
soll der G. schreie" oder 's Mul cerheii-'. Sihild. De'' 
Gugger mues im Märze schreie u. sott'x-em "s Fiidli rer- 
heie ZWettschw. Drei Tag no''' mues er im M. schreie" 
und sött-em an''' der Buch r. Bs. .Dises jars winter 
was gar lidig und wann und hört man im Rintal den 
gugger im hornung.' Vad. Von einem Menschen, der 
den nächsten Frühling kaum mehr erleben wird, sagt 
man. er höre den G. nicht mehr schreien .^AEhr.; Ap; 
L; S; W; Z, oder er habe ihn zum letzten Mal ge- 
hört G.\. Ebd. von einein Kranken, der noch lange 
leben kann: De ghört de" G. nu [noch] mängs Mal. 
Auch das Aufhören des Kukuksrufes hat seine be- 
stimmte Zeit: So glaubt man, dass er nach dem Jo- 
hannistag nicht mehr gehört werde (und sich dann in 
den ihm ähnlichen Sperber, s. u., verwandle); oder 



185 



Ga^fi. gegg, <figg. gogg. gngg 



18C 



es heisst anderswo: Wenn der Gugger lang nach 
Johanni schreit, so prophezeit er iure ZU. (Vgl. Vogelb. 
1557: .Wenn man sy nahin [nach Johanni] weiter hört, 
verhofft man dasselbig jar einen sauren Zürich-Wein.') 
In Ap herrscht der Glaube, er könne nicht rufen, bis 
er ein Ei gefressen habe und er höre auf. wenn er 
drei Mal genug Kirschen gefressen habe, so auch in 
L und Z (nur im letztern Gebiet ohne den Zusatz: 
:'. Mal). Anders in FMu. : De Gugger hart uf schreie, 
wenn 's ein a" 's Lebe geit. An die Eigenschaft des 
K. als Frühlingsboten knüpft sich der Glaube, dass 
er, gleich dem Osterhasen oder statt desselben, den 
Kindern bunte Eier in ein Nest lege, das sie ihm aus 
den ersten Blumen und Gräsern bereitet haben BE.; 
LSemp. ü"'' s' Ostre', vor 'ein erste G'lüt, wenn aUs 
no''' in de Fedre lit, so fingst du still zu jedem Hus 
und chramist schüni Eier us. GJKi'hn. Die Mutter 
geht mit dem Kinde etwa an den Waldrand hinaus 
und tut, als ob sie den K. herbeiriefe, dem G. pfifen, 
welche RA. dann auch sprichw. bildl. den Sinn von 
.sich um Etwas bewerben' angenommen hat, ■/.. B. : Er 
hed lang dem G. 'pfiffe", aber er hed nid welle" cho' L. 
Aus dem Glauben an den Eier bescherenden K. erklärt 
sich auch die RA.: De' G. hed-em g'leit, einem jungen 
Ehemann, dem ein Kind geboren wordep ist L. Hieher 
gehört viell. auch der einem Yerlobten Pärchen zu- 
geschriebene Reimspruch: Guggii! lein liebere Vogel 
weder [als] du! L. Von dem Kinderglauben selbst 
gilt freilich der Spruch: Der Samiklaits und der 
Gayger Mnd bedsame eis Dutter. Der Volkswitz meint 
damit: der Glaube an die Gaben des hl. Nikolaus oder 
an die des Kukuks, der im Frühling den Kindern be- 
malte Eier legt, beruhen auf gleicher Täuschung L 
(Ineichen). — b) menschliche Schicksale, Glück 
oder Unglück verkündend. Auch bei uns gilt der allg. 
deutsche Glaube: Wenn man beim ersten Ruf des K. 
Geld oder Brot im Sack hat, so hat man das ganze 
.Tahr, und umgek. Ap; Bs; F; S. Wenn man dann 
nüchtern ist, so hungert man das ganze Jahr Ap; 
ZHörnli. Die Kinder in Ap u. Z fragen: G., wie lang 
leh r* Mo'*.^ und nehmen die Zahl seiner Rufe für die 
ihrer Lebensjahre. Gugger uf-em breite Lo'' [Busch, 
Wald], röt [rate], wie mängs Jör leb i no''<? Wenn 
der Vogel schweigt, so wird ihm statt: Güg-mer i 's 
Lö'' [ruf mir ins Holz] zugerufen: Gugg-mer i's Loch! 
RocHH. AK. 79. Der G. rha'» dir prophizeie, wie gli''- 
[U\ä]dHstirbsch. Ghn,h ,1,,.. »■,,■»„„/ „sw. H(Schwzd.). 
— c) vermischte and'i !■ \ "i 4.11iiHi;i'ii nml I!AA. vom 
K. Er singt immer d's glnli Liiil wie der Gugger Gl 
(Sprw.). Rätsel: Wo ist de'' (?., wenn er nid dinn 
und nid duss ist? Under-em Loch Z. Zu Einem, der 
müssig und lauernd umher steht: Was stallst under- 
Loch wie de"' Gugger? Bei seiner Ankunft soll der 
Vogel sich im Laub verstecken können, sonst gibt 
eine Teurung und es heisst (nach Vonbun 186'2): 
Kunnt der Gugger uf en dürre" Ast, so gilt d's Schmalz 
en ganze" Last, oder : Der G. uf-em dürre" Ast, wenn 
es regnet, wird er nass, oder : bettlet d's Brot und git 's 
dem Gast [Fremden], wofür bei Rochh. AK. 77: Er 
bettlet Broil und wird nit nass. Der G. uff-em dürre-n- 
Ast macht allerlei Figure. Schild [er schaukelt sich 
gern auf dem Ast. was als Gaukeln gedeutet wird]. 
Der Gugger ist vor Alters es gizigs Wib g'sl" [eine 
Bäckerin, die einem Knaben ein Brödchen um allzu 
liühen Preis verkaufen wollte, wurde dafür von ihm 



verwünscht]. Mit Umkehrung der Verhältnisse erzählt 
LüT., Sag. 355: Ein Knabe wollte einer Frau ein 
Brödchen abkaufen, aber nicht um den vorgeschlagenen 
Preis. Da sagte sie: So fläg uf und mach guggu! 
worauf der Knabe als Kukuk davon flog. Manche 
sagen, der G. sei der einjährige Habicht K (Zyro). 
Der G. verwandelt sich im Winter in einen Hühner- 
habicht (Hennaglr) GrD. Vgl. : ,Die teutschen nennen 
einen gar räudigen menschen: als räudig als ein gug- 
ger, darunib dass diser im winter, so er seine federen 
endert, einen räudig bedunkt.' Tierb., und so sagt, auch 
.\dam zum Fälklein: .Darum, fälklein, sollt heissen 
ouch dem rüdigen vogelglych: guggouch,' Rüef 1550. 
Hieher gehört viell. auch die an ein Kind gerichtete 
Warnung: Bim Gugger! das tue nümme mf, sWst 
nimmt - di''' de'' Stossvogel [Hühnerweih]. Undere! 
[ducke dich] Gugger, 's chunnd e Rege! L. Viell. ist 
Gugger, wie von anderer Seite angegeben wird, rich- 
tiger; doch könnte auch noch eine Beziehung des 
Vogels auf das Wetter darin versteckt liegen, wie in 
der Stelle aus dem Vogelb. 1557: .So er nach zuo 
einer statt oder vil mer, so er gar darein kumpt. ver- 
kündet er einen regen oder ungewitter.' Bei der 
Sennenkirchweih auf UwEm. wird von dem Gugger- 
vogt (Bd I 705) auf einer Stange ein Kukuk getragen, 
der schreit, dass er die Alpen überwacht habe und 
verraten könne, was er dort während des Jahres ge- 
sehen. LüT.. Sag. -355. Nach anderer Angabe soll der 
Vogel sich darauf beziehen, dass die Sennen zuweilen 
.Vorbruch' machen, d. h. die Milch zu sauer käsen und 
dadurch den Käse verderben; s. Gugger III. Guggers 
Käs und Brod (Sauerklee), s. Gugger II 6. ,Das alen- 
fanzet Struss so frevenlich mit so offner schmach der 
warheit, dass mich schier dünken will, es .sye nit 
ein Struss, sunder ein gugger.' Zwingli c. Struss. ,lst 
essen und trinken opfren oder heisst opferen essen 
und trinken, so gesach ich den gugger nie.' Gvrenr. 
.Manche achten einen kuckenden Kuckuck höher, als 
das ernstliche Zusprechen getrewer Dieneren Gottes.' 
.\nhorn 1674. .Nieraal hab ich hören sagen, dass der 
süessen Nachtigal auch der Gugger nachgeschlagen.' 
JCWeissenb. 1678. (Vgl. Gr. WB. 5, 2524.) Lt Gr 
Kai. 1884 soll man durch eine Handvoll Erde, die man 
bei seinem ersten Rufe sammelt. Flöhe vertreiben 
können. Vgl. Vogelb. 1557: .Ein wunder wirt von 
disem vogel gesagt, dass niunlich, an welchem ort einer 
disen vogel /niii .rsti'H mal höre und daselbst seinen 
rechten fuoss iiiiil,z..i,.liii,. und denselbigen herd aus- 
grabe, keine timli an .Icr statt wachsen werdind, wohin 
der ausgegraben herd gesprengt werde, wie Plinius 
schreibt.' Ebf. lt Gr Kai. 1884 soll nach dem Volks- 
glauben der Kukuk mit dem Schwänze singen. 

2. der K. als dämonisches Wesen, geradezu = 
Teufel. 1) der T. als der wirkliche böse Geist: 
concr. und pers. gedacht. Wer z' Nacht in Spiegel 
luegt, der g'sie''t der G. [Volksglaube, s. Spiegel; hier 
Wortspiel mit Gugger von guggen II]. Mi''' het der 
G. g'hudlet B [zu einem Schelmenstreich gereizt]. 
,Mädi hatte diese Herzensergiessungen mit wahrer 
Wohllust eingesogen und mäuschenstill dazu sich ge- 
halten; endlich stach es doch der Gugger.' Gotth. 
,Eisi wollte für d's Guggers Gewalt, dass man den 
Wert bestimmen solle.' ebd. ,Geb wie es Wolken 
gibt, will für G-s Gewalt kein Regen fallen.' ebd. 
.Mit des Guckucks Gewalt.' IL-rer 1787. Es i'.s-c/) Ei" 



187 



Gagg, gegg, gigg. gogg, gngg 



188 



Guijger, der d'Lüt holt GiiChur. Zum G. si", von Pers., 
gestorben, v. Sachen, hin, verdorben sein. ,Müssiggang 
ist des Guggers Ruhbank.' Ktrchh. ,Der Welt Dank, 
des Gukcrs Lohn.' Mey. Hort. 1C)9'2. ,Wenn zwüschen 
den Teutsehen und denen Franzosen der Friden wird 
g.sehlossen, da helfe der Gugu besagten zwei Ständen 
[Zürich und Bern].' Kalthics 1714. , Wollte denken 
und könnt 's nicht, nichts als Teufels Gugereien.' 
UERÄiiR. 178'2. Daher bereits abstrakter, in Formeln 
der Verwünschung (s. 2d): Gang ztiw G.! Bs; L; L'w. 
Lauf zum Giiggu! ZHörnli. Far dem Guggüner zue! 
Gl. Das hei dr Gugger (Guggü ZF.) g's'e''! Bs [das 
ist fatal]. I''' wött [wollte], das hett dr Gugger g'se''. 
GT. De'- G. soll's hole! Bs. Wenn 's au,"' dr G. 
holti ! Hol 's d. G. .' Dies aber zuweilen auch nur als 
Beteurung eingeschaltet: Öjjpis Possierlicheres git 's, 
hol 's der Gugger, nid g'rad B (Bari 1885). [Statt: 
hol-mi"'' d. Gr., sc, wenn es nicht wahr ist.] Vgl. nem 
mi''' dr G. = ireiss der Tüggeler Aa. I"'' weit, dass 
di"' dr G. holti fnämj! De G. soll di'''' hole! Hol 
di"'' dr G.! Ndw (zuweilen nur scherzhaft); G. Nem 
di"'' d. G. ! L. Nem 's mlnetwege bald de'' G., i''' wott 
nüt nieh devo tcüsse! Stutz. Dass di'^'' d. G.! B (Kuhn); 
ScH (Sulger); Gr Samml. 1780. ,Das ist der Gugger, 
ila.vs liiaii s(. iift nicht weiss, was das erste, was das 
zHritr i.t. (Jim™. Das jtw *-e..' GrCIiut. De'- G. 
,ht,il ,iu' ,l„s: li. Das G-s Werch! B, Zug! Ai-; Bs; 
Z. Die (r-(s) Reis! B. En G-s Bueh, Kerli GF., G. 
Öpjns G-s Z. Was G-s'!' Bs. Hieher gehört auch Futter- 
[frz. foudre]- Gugger, als Fluch GW. Ein" schier 's 
G-s mache", fast rasend, z. B. von plagendem Unge- 
ziefer Bs. Das sind G-s Sache" (auch Ausdruck der 
Verwunderung). — 2) abstr. a) zum Ausdruck des 
Erstaunens. En tüsigeG.! Ai'. Fotz G! (bei Gotth. 
auch einmal : Bugger). Ä dr G. ! Z. He z' G. Bs. — 

b) hohen Grad anzeigend. G'schtcind wie de G. U. 
Er lauft vie df G. '/.. Gufign-xfrö. s.^hr frdh B. 
'.s „niiml ,i,r'' 's C-s ]V,n„ln- l!s. /)' llanni Uinnl 
liiil kris (rnrhls 1,1,' : yrhi ii.iiiil ,nc ilif h,ir,i iiinjsUni,, 
Gugyara Git,Scliicis (ScIiw/aI.) [-obcrdcn sich touili.sch 
wild, weil sie aus dem Stalle heraus müchten]. — 

c) beteuernd: Das han-i"'' bim G. nid g'imi-sst L. — 

d) nach unbest. Adj. od. Pron., meist mit dem Neben- 
sinn des Verwünschten, vgl. 2, 1. a) Ö^j/jis Guggers, 
all, alle Gugger, alles Mögliche Bs; L; Z. Seit si do 
nüd ?'ow allem G.? Vo" Wi", vom Tische". UFarner 
1882. 's ist nüd miigli''', uf der Welt nu'- au"' emol 
S Tag ganz ruehig oni öppis Guggers [einen ver- 
wünschten Ärger] z'lebe". ebd. — ß) bei kein. Kein 
GiK/ffK l'iih'ischied ist me bim Landvogt und de" 
Cliiiicliliii. 17IIS, Lied, 's weist kei G. Nüd dervo". 
'i'iiVNKK IMn, e) die Neg. vertretend n. verstärkend 
(weil der Teufel auch nichtig ist). Do mücht de'- 
Guggu Vikar si". üstf.ri. [Ähnlich bei Breitenst., 
euph. verdeckend, nicht volkstümlich: Der Guggi und 
Gaggi möcht im''' Dokter si" hi der Ndtimi.'] Der 
Gugger weiss nid was Aa. Es iniiii/ k'.v der G. 
ScHwMuo. I"' frage" en G. dernw'' |daniacli| GF., G. 
Du weist en G. G. ,[Wenn es] hätte viel Schätze, 
viel Schmuck und viel Ehr, So war es nicht schöner 
und liebte nicht mehr; Da hätt' ich den Gukuk von 
Schätzen und Ehr.' Huber 1787. 

3. von 2 übertr. auf Menschen, a) en arme G., 
Schlucker Gh. — b) leide G.! Schelte GiiL. — c) en^ 
tüsiga G., ein au.sgemachtfr Pfiffikus Ai>. d) Be- 



zeichnung für weibliche Pers. von auftallender gei- 
stiger oder leiblicher Eigenschaft GWa. — e) Guggerli, 
leichte Schelte für kleine Kinder und andere kleine 
Geschöpfe, z. B. : Du tüsigs G. ! GStdt. Gilggerli, liebes 
kleines Kind .\p. — f) Spitzn. auf Personen ZHörnli. 
Insbes. tragen die Bewohner einzelner Ortschaften, 
denen irgend ein lächerlicher Streich nachgesagt wird, 
bei ihren Nachbarn den Spottn. Guggu. So in L die 
von Meggen, in Z die von Albisrieden und Hegnau. 
Den letztern wird (ganz wie den Bewohnern von 
Gotham bei Nottingham) nachgesagt, sie haben einmal 
den Kukuk einzäunen wollen. Die Bürgerschaft Albis- 
rieden besitzt ein blechernes Trinkgeschirr in der Form 
eines Kukuks, das beim jährlichen Bürgertrunk (bis 
in die neueste Zeit) gebraucht wurde. Dann pflegte 
allemal der Witz sich zu wiederholen, man wolle auch 
den ältesten Bürger von A. leben lassen. Das war 
eben der Kukuk. Gugger ist auch Geschlechtsn. B 
|Zmm|; 1, ",_'■_», S; u. schon 1464, SciiwRich. — 4. eine 
An I '"i'iullilasbiilg, welcher beim Drücken einen die 
Kiiiil.i ri;;,,tzoiiden, dem Euf des Kukuks ähnlichen 
Laut gibt Ap. — 5. Hahn, sonst Güggcl (hd. Gockel). 
,Er stellt sieh wie der Gugger auf dem Mist.' Sprww. 
18'24. Daher dann wohl auch Guggerli, Beiher am 
Hahn des Fasses ZBuL, Eüml. ' Syn. Güggeli. — 
(3. Name von Pflanzen : a) Sauerklee, oxalis acetosclla, 
auch Sür-G. Syn. Gugger (resp. Guggüser)-Klee, -Krüt, 
-Käs, -Kost, -Brod, -Sp%s, dicke Milch. — b) Ampfer- 
Arten, a) Sauerampfer, rumex acetosa. ß) sog. wilder 
Sauerampfer, r. scutatus VOrte. — c) Buschwindrös- 
chen, anemone nemorosa Aa. Syn. Guggu-Bluem. — 
d) Guggug im Maie, Kukukslichtnelke, lychnis flos 
cuculi Aa. Syn. Gugger-Maie". 

B. Interj. guggu 1. als Nachahmung des Kukuks- 
rnfes. allg. Die Kinder antworten dem K., wenn sie 
ihn rufen hören: Guggu, en Nnr bist du! oder: Guggu, 
srliiss du. hin , HC" (hl. nie du ! Kukuke, welche nicht 
mir l.ii-l,,' soii.lcni I. i<-i.ii-l.i(! rufen, nennt das Volk 
l'npiirhiuujiiii n,l,i- loppkic (r. ZBül. Auch vom Ton 
einer l'leife: ,Uiid dir will ich die pfiffen ge", guggu, 
guggu. so machet sy.' Com. Beati. — 2. beim Vcr- 
steekenspielen der Kinder der Ruf der Verborgenen; 
auch der mit dem Kinde .spielenden Mutter, wenn das 
Versteck aufgehoben wird, z.B. G.! /''' ha di"' übercho! 
Ar. Syn. guggugg, guggüs, gü.i: 

Die gewöhnliclie Form Gugger ist z. T. mir für Bed. 2 
bezeugt, gilt aber au ilcn betr. Orten iirspr. auch für 1. 
Unigek. kommt die Form Guggu, welche zunächst nur der 
Bed. 1 angemessen ist, auch für 9 vor, ebenso Guggüscr in 
Gl. Diese Form scheint in ihrem zweiten Teil auf guggen II 
Ischauen], resp. ns-g., herausschauen [ans dem Versteck], an- 
zuspielen. S. Gugg-üs und Gugger B (luterj.). Formen mit « 
bezeichnen sonst den Hahn (s. Güggel, Giiggehü), der aber 
auch Gugger heisst; s. 5, anderseits heisst der Kukuk auch 
Gugger. Die übrigen Formen erklären sich als Keduplikationeu 
des Natiirlautes, wie das nhd. ,Kukuk', welches schon in der 
Bibel 1667 vorkommt, während die von 1531: ,Gugug' hat. 
Guggech s. u. Gugg-gaucli. An letzteres schliesst sich die 
Form Guggucher. k ist im Anl. in Gebirgs-MAA. für g. 
nicht selten. — Ob die weitverbreitete Sage von der Ver- 
wandlung eines Bäckers oder einer Bäckerin in einen Kukuk 
(s. Sp. 185 u.) auf der (nicht sehr einleuchtenden) Ähnlichkeit 
des Gefieders des Vogels mit Mehlstaub beruht, haben wir nicht 
zu entscliii'liii ; rlin m.,, htr an eine mythologische Beziehung 
des Vogils Uli Willi iiihI Fruchtbarkeit zu denken sein, 
oder, du IIa' k' i ihimI Mullnl als betrügerisch verrufen sind, 
au dns Iriis. i i- h. W.mji .l..ssf1\.pn. Wl. »bor den Kukuk 



liapfg. t^egjx. S'igg. g-"Sg:. gugg 



im Volksghuibcii das i.ied v„ii UJKuliu; der Kiikuk, suwic 
dauii deu Aiifsiitz von Mauiiliardt iu der Ztschr. 1'. d. Mytlui- 
lügie, BJ 3. — Zu (>. Ou<j<jci-ts) (auch GuijijU) Chiu (und 
Biod) bedeutet Sauerklee Ap: GIH., -Ä'ö» die Blüten, -Brod 
die Blätter GA., wahrscli. weil man glaubt, der Kukuk fresse 
dies Gewächs, wie die Kinder deu Sauerklee aussaugen. 
Ähnlich scheint es sich mit b zu verhalten, c und d be- 
zeichnen Pflanzen, deren Blüten mit dem Erscheinen des 
Frühlingsboten sich zeigen. Vgl. noch G uijguijija-li, Guijtjucht. 
Aus andern Gründen ist die Guyijer-MUdi. Wolfsmilch (s. d.) 
benannt. — Zu B. Bei 2 liegt zunächst die Tatsache zu 
Grunde, dass der Vogel sehr scheu ist und sich bei seinem 
Kufen versteckt hält (vgl. Guy/jus); es spielt aber wohl auch 
itiiijije.n II, schauen, mit. Betr. Anwendung auf den Tun der 
l'feife vgl. Güije, Blasrohr, Hörn; ijügen, blasen. 

Un-Gugger (ö-): ein ungemein grosses Ding oder 
Tier Ap. 

Un- hier offenbar in verstärkender Bed., s. Bd 1 -i!)»; 
ebenso Gugger wahrsch. = Guggm-ll i. S. v. 2, 2), mir dass 
es hier selbst zum Grundw., statt zum Bestimmungsw., ge- 
macht ist. Vgl. Un-T,ifd. 

Kirsi- (Chriesiyo-gger) = Chnesigauch Ai-. 

Mues-: 1. der frühzeitige Kukuk. welcher wohl 
Mites [Brei] isst, aber keine Eier legt Ap (T.). — 
■-'. Leute, die den Ruf des K. nachahmen, ehe er seihst 
ilm hören lässt Ap. 

Gugger III: 1. „die butterige Masse, die sich 
beim Kochen ungekäseter Milch [besser viell. beim 
aweiten Kochen von Käsmilch, Sirte] oben ansetzt ;■ 
Zigerteilchen auf gerinnender Milch; auch Vorbruch 
BO. (Ha.). Syn. Vogel 8, Gans, Wigger. Wenn die 
Milch zum Käsen nicht in hohem Grade sauer ist, so 
sagt man: Es hed der G. g'ge" Ouw. Vgl. guggeren. 
De'' G. ha'', wenn die Milch so sauer ist, dass sie 
Ijeim Erwärmen gerinnt GrV.; U. Schier all Ahet 
hem-mer d'r G. dri'" [ist die Milch sauer] U. letz 
iiei-mer is ziin G. setzen, ier nerdid wohl auch 
hungrig sin BBr. (Schwzd.). ,Das heisst g'wüss Gugger 
essen [etwas Unbesonnenes. Voreiliges, Verkehrtes 
tunV], wo man ufricht ewig Messen.' Lied aus der 
Keformationszeit. — 2. „das Gelbe im Ei GT." Syn. 
Tutter. 

Der Grund dieser Bezeichnung resp. die Identität des 
W. mit Gugger II ist nicht ganz sicher; es müssten denn die 
auf der Masse schwimmenden Zigerteilchen mit den weissen 
Punkten am Vorderleib und Schweif des Kukuks verglichen 
werden, wofür als Belege angeführt werden können ; Ja, ja, 
'l'r Gitggin- irä>ir7it-i^ esie einUch dr Schwanz drin (U), und; 
.Bei dieser Wahl schlug der Parteigeist seinen Schwanz in 
die Milch Id. b. spielte mit].' Ndw Kai. 1886. Vgl. auch 
uhd. .Kukukspreckleiu', bair.-östr. Guggemchcggcn, Sommer- 
sprossen. Leicht kann aber auch [wie in den Beispielen sich 
zeigt] das Dämonische im Wesen des Kukuks [s. Gugger ^\ 
mit hinein spielen. In 2 wäre der Dotter mit einem kugel- 
förmigen Zigerklümpchen verglichen. Eigentümlich ist auch 
die durch das Syn. dick! Milch für Gugger e i. S. v. Sauer- 
klee gestützte Berührung mit diesem Ptlanzenn. Vgl. auch 
noch die Angabe aus Enimeten am Schlüsse von Gugger II I. 
sowie Gigger, weicher Käse (F), verguggeren und Kitzi. 

Gugger IV; Ortsn. Gugger, Hügel Gl; Berggut. 
ebd. Reben ,im Gugger.' XIV., AAKlingn.; XV., ZZoU.. 
.Gugger-Loch', waldige Kluft bei Ap, .G-Matt.- 157ö. 
Aa (Arch. Wett.), ,G-TaI' Zg. Einige dieser Lokalitäten 
sind z. T. als gespenstisch verrufen. In ScHwIberg 
hält sich ,in der Guggeren- der .Guggehu' auf, ein ur- 
alter, unveränderlicher Vogel, den man nicht schiessen, 
auch nur bei Nacht sehen kann. Er gruchst wie ein 
kranker Mensch. Lüt., Sag. 354/55. 



Kann sowohl von guggen, schauen (vgl. GuggcnhüeJ), als 
von Gugger. Kukuk, hergeleitet werden ; zu letütcrm vgl. den 
Ortsn. Chante-coucoH hei Nyon, ,Amsleu' Z und die häufigen 
.Vogelsang', zu ersterem dagegen noch .Gugger-Huhel', Aus- 
sichtspunkt WLeuk. 

guggere(n): 1. rufen, vom Kukuk B (Zyro) = 
guggen. — 2. refl.. gerinnen, sauer werden, von der 
Milch. D' Milch will si"- g. B oH. (Zyro). Syn. scheiden. 

— 3. (unpers.) a) es g-t, wenn der Ziger im Käse- 
kessel nicht in eine Masse zusammengerinnt, weil die 
Milch zu wenig gesäuert ist „BO.;" Obw. Es hed 
si"'' g'guggeret Obw. — b) bildl., „fehlschlagen, miss- 
lingen Scnw; Zg." Syn. fdlen. — c) fein hageln, wie 
es zuweilen im Frühling vorkommt. Im Mäje [Mai] 
g-t 's dick [oft] F. Syn. rislen. 

1 von Gugger II 1. 2 und 3 von Gugger III und zwar 
3 b Ubertr. von a, von der Käsebereitung auf anderes Tun, 
c von der .Khnlichkeit der kleinen Hagelkörner mit Ziger- 
teilchen. 

über-: unerwartet, plötzlich überscliäunien. über- 
laufen GnPr. Syn. übertunderen, -tiillen. 

uf- und ab-, auch us- und in-, umhin fumhaj-, 
umher ('«(»mei-;-; unruhig, hastig nach allen Rich- 
tungen schweifen, sich bewegen. F'' hau lang timma- 
guggera" [mühsam streifen] müesa, bis i''' za Imperri 
[Himbeeren] cho bin GaPr. — Von Gugger II l, weil der 
unruhige Vogel seinen Ort oft verändert. 

ver-: verderben, zerstören, zu Grunde richten, 
z. B. sein Vermögen Gr. Syn. verchutllen, oerhaglen, 
vertüflen. 

Vgl. '» Guyyers machm unter Gugger II S 1) (Sp. 187), auch 
Güggis. Nach dem Syn. verliaglen wäre guggeren H, nach 
vertäßen Gugger II 2 als Grundlage anzuuehmeu. 

„guggerig: körnicht, z.B. von der Milch, wenn sich 
Zigerteilchen darauf befinden BO." Zu Gugger III :i. 
Guggere s. Gugg-Gere". 

Nacht-Guggere f.; Nachtkappe. - Wahrsch. ent- 
stellt aus -Goggele, s. d. 

Gnggernell BSi.; L. -ncilU n. B; S. -nälle f. B: 
1. Dachfenster, kleines Fenster auf dem Estrich B; S. 

— 2. Dachstübchen, kleines Gemach, verborgener 
Winkel B, „Erker B." 

Eig. Gugg-grciull. Seh-TAicke, ans frz. rr/url. rosp. .reiirrn,. 

Zinne, Schiess>rli,,i ir. Au.,',;hl u-, nn.I ui. «;,l,i-.l, :M.^ 

,Krinne',- Ein-'ln,;n \u,, ,,!,,,[,. I, ,..|..,/. i • r : .: .l,i, 

syn. Guggen I.ü.- ''-w '.... l '!"■! .!i. - • ... '/••■'■. 

-Hiidi, nur d:l^- III dp. -Ml \V\V. ilii /IM II. 1. il .I.Mi . ii isl. 
Zyro gibt auch Gungy,:,„alli an mit der lied.; kleiner Uiium 
zum Versteck. 

tinggesli, -asli, auch Peter Guggnsli: Früblings- 
Safran, crocus vernus GRh. 

Wahrsch. auf den Kukuk als Frühlingsboten gedeutet, 
lautlich nur Nbf. von dem Syn. Krakkedi, Diiu. von er.»..». 

Gfiggi: 1. (in.) a) dummer Mensch I!s. Syn. du- 
gägg, Gaggi. — b) Wahrsager aus eiiiem (ilas l'.Hk. 
= Gugger VI 1. — 2. (n.) a) Prauenzinmier von zwei- 
deutigem Ruf Z. — b) Fernrohr B; L (f. Ineichen); 
UwE., Lorgnette ScnSt., auch Guggerli. — c) Guck- 
kasten Ndw; Scuw. ^ d) (auch Guggerli B, Güggi. 
Ggüggli, Ggüggi G) Loch. Guckloch. „Öffnung odei- 
Lücke in einer Wand B;" Gr; S. Syn. Heiter-Loch. 
Dachfenster, Lokal mit Guckfensterchon (Ju. Syn. 



191 



Oragg, gegg, gigg. gogg, gugg 



102 



Gugg-Gere". — e) Name aussichtsreicher Anhöhen 
AaF., z.B. Guggi-Bad, -Tal; im Guggi L (4 Mal); 
Guggi-Berg, -Schwand, ebd. 

Aus i/ui/fien 1 u i. S. T. üuuinier Neugier oJ. Untätigkeit. 
■2 a aus der Vorstellung leichter Zugäuglichkeit oder frechen 
Blickes. Das f. bei 2 b ist, wenn die Angabe richtig, aus 
dem hinzugedachten Begriff von Vorrichtung Izum Sehen) 
zu erklären. 

Gnggis: z' G. od. i'n G. gö", fallieren, ökonomisch 
und moralisch herunter kommen ßs. Auch z' Tüggis. 

Wohl zu Giirjyer II 3 i. S. V. Teufel, wie Tügtjis wohl 
euph. Entstellung von Tü/el ist. 

Gnggis: in dem Kinderspiel G. solle' [zählen], eine 
Art Verstcckenspiel. weil eines der Kinder mit ver- 
haltenen Augen bis auf 40 oder 50 zählen muss, bevor 
es gehen darf, die versteckten andern zu suchen GA. 
Gguggis mache" Gr. dass. Syn. Gugg-üs. 

Aus Gugrjau, dem Gen. des Inf. (wie Fahi» u. a. Spiel- 
namen) von yugijen, weil der Betreffende nicht sehen, höch- 
stens blinzeln darf, bevor er gezählt hat: vgl. inluegen. 

In-: wesentlich dass. Spiel, wie Gnggis, nur ohne 
die Bedingung des Zählens, so genannt, weil das betr. 
Kind nicht nach aussen, sondern gleichsam einwärts 
blicken soll, bevor es suchen geht AaL. 

Gnggüche" (Guggücherli ZUhw.) f.: 1. Wind- 
röschen, bes. anemone nemorosa und pulsatilla (Durh.; 
ZUhw.). — 2. Löwenzahn, leontodon taraxacum SchKI. 

Das ch dieser Formen schliesst sich an das von Oaui-h, 
Guyyuch usw., das ü an das von Gutjgü. Vgl. Gufft/ütjgerli. 
Alle diese Namen haben Beziehuug auf den Kukuk als Früh- 
lingsboten, der auch Gugyüdier heisst. Vgl. Ginjijer JI 6 
nnd Guggu-bluem. 

Guggttli n.: Ei (Kdspr.) L. 

Kaum fremden Ursprungs wie Guggele (s. o.), sondern 
vom Namen des Kukuks benannt, der ja die Stelle des Oster- 
hasen einnimmt. Vgl. Gugger II Sp. 185. 

guggnliere(n): Verstecken spielen kv. Vgl. Giifigilx. 
giif/gü (unter Giigger). 

Gaggumniere" (auch Gug- BsStdt; G) Dini. -imwerli 
AASt.; Nnw. -HWHifW/ AABb.; Bs; Z — f.: 1. Gurke, 
cucumis sativus; auch c. colocynthus AABb., F.; Bs; 
B; aScBW; S; Z. .Gross Melunan und Gogumeren.- 
HsStockar 1519. ,Gartencucumren ; c. sat.' KdGessn. 
1542. , Würzen des satcucumers.' Tierb. 1563. ,Cu- 
cumer, ein frucht wie kleine kürbsle, cucumren.' Fris.; 
Mal. — 2. dicke Person AAAarb.. en alti G. Z. — 
3. Übern, der welschen Frauen S. E velschi G., 
Frauensperson aus der französischen Schweiz oder 
Frankreich ZStdt (scherzh.). E falschi G., Person, die 
aus Geschwätzigkeit es mit der Wahrheit nicht genau 
nhnmt GRChur. 

It. cocomero m., aus lat. cucumiti. Zu 2 vgl. Lmidjximerunze 
als spöttische Bezeichnung halbstädtischer Landmädchen. Der 
fremde Ursprung der Frucht verrät sich ausser durch das 
Fremdw. auch noch in der Bed. -i. 

Guggüser s. Guyger II und Gugg-iis. 

Güggl(5-) m.: Falte. Bausch am Frauenkleid Aa. 
Vgl. Gügge" .3. 

Gttgg 11 m.: Ruf gewisser Vögel, vgl. ntiggen x'. 
Und d' Vögeli schüttle" PerüggK, me" g'hdrt eiei'.s Pfifli, 
Jceis Güggli. Schweizerb. 1827. 

Fisi-Gügg s. Fisigäuggis. 



Güggehn I Gii-ggehü (die letzte Silbe höher als die 
erste): 1. Euf des Haushahns, lautlich nachgeahmt 
Aa; Z. G.V am Morgen am Drü! Erweitert mit Re- 
duplikation: Güggehiihü! L; Zg; St.*" G.! a. M. a. 
D., üf go lache! Schild. CHiggegüggehü ! Z. Gilgge- 
hüggü! Th. Güggeregü! Morgen am Drü usw. (An- 
zählreim), Crüggerüggü! Ap; B; Z. Giiggerihü! Sch; 
ZBauma. — 2. der Hahn selbst B; Sch; S; Z (Kdspr.). 
Giiggerüggü Bs. — 3. (Güggerüggü) gem. Lerchen- 
sporn, corydalis cava GWe. 

Euf und Name des Vogels zstreffend, der letztere natür- 
lich dem erstem entnommen, wie bei Guggu; ähnlich verhält 
sich dann auch Güggel, die gewöhnliche Form des Namens, 
beide vom reinen Naturlaut in die normale Wortbildung mit 
Endungen übergehend. Güggerüggü entspricht dem nhd. ,Ki- 
keriki', wofür Schild Giggerigigi gibt. Zu 3. Den Namen 
verdankt die Pflanze dem Sporn an der Blüte, wesswegen 
sie auch Spore", anderwärts Hahuenfuss, ,rote und weisse 
Hahnen', genannt wird. Vgl. auch Syn. GuU. 

Güggehü n s. G-ugge"-hür. 

Gttggel Aa; Bs; BSchw.; Gl; L; GSa.; Sch; S; 
U; Z, Göggel Th. Dim. Güggeli m.: 1. Haushahn. 
, Ein güggel oder han, hausgüggel.- Fris.; Mal. ,Der 
giikel, gugel. gule, han, gallus.' Red. 1662. ,Gallus, 
Han, Güggel.' Dexzl. 1677, dafür 1716: ,Guggel.' 
a) der Hahn in seinen natürlichen Eigenschaften, 
z. T. mit bildlicher Nebenbed. De G. brüelet ZNer. 
Ctiräie' u-ie der G. uf-em Mist L (Ineichen). Wer 
am Sylvester zuerst die Stube betrat, durfte als G. 
den letzten Tag des Jahres verkünden ZSth. Wenn 's 
bis StKathrl (25. Nov.) g'frürt, dass 's en G. treid, se 
ist die grösst Chelti verbi AAEhr. Ein Eilfertiger sagt: 
/•■* ha" ZU, wie df Giggel db-em Mist! ebd. Güggeli 
uf der Stege, Hüenli uf-em Mist, cha"" vier Niemert 
säge, ICO mi"'s Schätzeli ist? ZObf. E guete G. ist 
(oder tcird) nid feiss Aa; Bs; Z. Zwei G. uf eim 
Mist tnled [dulden] enand nid. Sulger. Und wenn 
die Hüener g'storhe" sind, so git de'' G. en Wittlig Z 
(Kdspr.). De'' G. ztt-n Hüenere" sue setze [Gefahr. 
Schaden herbeiführen] Z. Das Güggeli und das Hen- 
neli gönd mit enand uf 's Tenneli (Var. sind zwei gueti 
G'späneli) Tii; Z (Kinderreim). Ander Lüt solle" 
d' Hüener l" diie", mir lün [wir lassen] der G. laufe" 
[Warnung vor einem Mädchenjäger] Bs. Vgl. Meitschi. 
Katerl, tue d' Hilendli l" und lä der G. laufe, mer 
wend-em hüt nc'' z' fresse" ge" und wend-ne morn 
cerchaufe (Kinderreim). Rätsel: Was tued dC G., 
wenn er uf eim Bei" stät '■! Antw. : Et hed 's ander uf. 
Güggeli fange" od. Güggel schwänze", ein Spiel, wobei 
die Kinder Hühnchen oder Hähnchen vorstellen, die 
von einem Dieb gefangen werden. De Hücndlidieh 
seit: Guete Tag, Herr Güggel! i hält gern es Hüenli 
usw. im Zwiegespräch. Zuletzt sucht der Dieb eines 
zu fangen, während die Hühner, den G. an der Spitze, 
hin und her weichend sich ihr zu entziehen suchen 
Z. Ähnlich in Bs der Wächter im Spiel Ellenmesserlis, 
der den Tafel am Abfangen der Kinder hindert. Vgl. 
Hüenli hüeten, H.-Brüe. .Lautere eier, das sind un- 
nütze ze schlöufen oder ze hüenlen, welche die henn 
allein gemacht hat one das fügelen des gückels.' Mal. 
Vgl. gevogel ßd I 698. Hähne und Hühner waren 
früher beliebte Abgaben. Vgl. ,Zechend-G.' .N. N. 
gibt järlich ein Hnen. ein Gügel.' 1653, Arch. Wett. 
.Wird man auch kein Güggel schlachten, soll es alle- 
I zeit noch nachten; dann das wachbar Hannengschrei 



Gags, gegg. 



bringet keine Stund herbei. JCWeissenb. 1678. ,Vom 
U. zum Esel springen', d. h. aus einem Unheil ins 
andere geraten, s. Bd I 514, frz. coq ä l'äne, unge- 
reimte Rede. — b) bildl. Anwendung. 1) Eim de 
rot oder en röte' G. uf 's Tach oder Hus (u-e) tue", 
mache; setze', stelle', das Haus in Brand stecken, bes. 
in drohender Rede Aa; Sch; Z. Syn. en röte Chamhe 
[Kamm]. — 2) Vergleichung mit iVIenschen. Er häd 

Wade' n'ie-n-en G. ZS. De-- Vorsinger singt bis in 
G. ufe", in so lauten und hohen Tönen wie der Hahn 
THBerg. ,Er hatte eine Stimme wie ein englischer 
G.- Breitenst. Er cha" 's ussicendig wie ne G. Bs. 
Er cha" d' Auge' verträe' wie en G. ZO. Springen 
können wie ein G., d. i. flink ZLimmatt. Vgl. Spring-G. 
Er het e Chopf wie-n e G., blutrot vor Aufregung 
Bs; S. Vgl. güggelrot (vor Zorn) B. Er spreizt-si''< 
wie-n e 3-chrüzerige G. oder wie dr G. uff-em Mist 
[ist stolz] S. Eb.so: Er stellt de" Chopf wie en G. Z. 

Vfgumpe" wie-'n en G. AABb. .Er springt auf wie 
ein G., ist jähzornig.' ScnSt. ,Er springt gleich auf 
wie ein G.; iracundus.' Mey. Hort. 1692. ,Er juckt 
auf wie ein G.' ebd. ,Er springt auf wie ein g., Hadriä 
e.st iracundior.' Denzl. 1716. Vgl. Hitz-, Spits-G.; 
güggelhaft 1; güggelen. ,Gegen seine Oberen den G. 
machen [sich auflehnen].' Gotth. Vgl. güggligen. Ich 
als junge G. törf das nüd g'icage," Z. Auch geradezu 
= hochmütiger Mensch AAZein., jähjorniger Bs. Vgl. 
Hochfarts-, Stolz-G. und den Bs Übern. Giiggel-Durs 
(Breitenst). .So im das nüt sollte gelten, so stund 
er eben wie ein anderer G.' Zwingli. Der Prior zu 
den Augustinern sagt [auf der Disputation], ,er wüsste 
nüt darwider, er stüende da wie ein anderer G.' HBull. 
1.572 [,ander' in diesen 2 Stellen nach Bd I 303, 3 a. 
aufzufassen]. — 3) böser Geist = Gugger 2. So in 
dem Ausruf: Fotz Heidegüggel! do het's-m'r 'taget! 
JoACH. 1881 = Potz Heie-G. Bs, und in den Formeln 
der Verwünschung: Buss di''' de' G. hicl^ni) oder sust 
e r/rösses Huen! Bs; 1. ; /. ,\\ riin ilirli nur d'v d.'i-— 
T— G. pickte.' SoHPil-rr ls>l. Jin- (i. snll-iur'' i.irh-e' 

— verzieh-m'r's Gott: n-i/im-iurr die Mntsrli, nit 
zeh'mal lieher wäre" als dir'. Joach. 1883. (Die Formel 
als Beteurung auch Aa; Bs; Z.) De'' G. soll-mer 's 
Westli verbicke"! Sprww. 1869. — '2. Wetterhahn. ,Für 
Zurechtmachen des alten Giggels [auf dem Kirch- 
turm].' 1778/79, LRScHMinLiN. — 3. der Embryo in 
der Eimasse, der am Eigelb oder Dotter haftet Z. — 
4. (Giggeli) .Bierschnecke' Bs (It Becker, wohl Stu- 
dentenspr.). Syn. Huen. — 5. Gurgel, Halszäpfchen. 
,Rumen, das gurgele am hals od. güggele.' Fris.; Mai.. 

— 6. penis (meist Dim.) Z (Kdspr.l. ?>ii. GuiiijiirJ. 
(Vgl. nhd. , Hahn'.) — 7. der bewegliiln' T' il ü^ili-i, 
am Fasshahn, meist Dim. Z. Auch Gniiijii'li, ^i;l. 
Häni. — 8. Tannzapfen AAÜegerf. Dira. : Zapfen der 
Kiefer oder Föhre AASt. Vgl. Erlen-, Forch-, Lärch-, 
Scharen-, Tann-G. — 9. einer der vielen mit bes. 
Vorstellungen und Bräuchen verbundenen Namen für 
die letzte Garbe (wenn sie sehr klein ausgefallen ist 
Bs). Synn. s. bei Fuchs 5. In der Strohflechterei. 
beim sog. Lüchen, die Handvoll Halme geringerer 
Qualität, die übrig bleiben, nachdem die langen heraus- 
gezogen sind ZBafz. — 10. Flurn. B; L; Sch; S. 
Name eines Hauses : ,Zum G.' AaMbII. Vgl. das Haus : 
.Zur Henne' in Z. Sprmg-G., Name eines Berges S. 
.Güggelstein' : erratischer Block ZGlattf. Die Schenke 
,beim G.' 1820. S. ,Güggelischloss' LWohlhusen (It 

Schweiz. Idiotikon. II. 



Leu). .Güggelhof- S [viell. einer, auf dem .lie Abgabe 
eines .Güggels' lastete]. 

Das W. fehlt mhd., vgl. nhd. .Gückelhahu'. Unserer Spr. 
ist es wesentlich, da sie ,Hahn' meist nur von Dingen und in 
Zss. und Abll. kennt. Ohne Zweifel ist es mit frz. cor/ Laut- 
nachahniung der Stimme (vgl. ilüyyehü); daher der wieder- 
holte Kehllaut. Vwdt mMGugtjer, Guijgu und mit gagyeren, 
gackern; mit yuggen //viell., wenn dieses urspr. Vorstrecken 
oder Aufrecken des Halses bedeutet, was ja auch mit dem 
Schreien des Hahns verbanden ist. Mit Gugger berührt sich 
e. z. T. auch in der Bed. 1 b 3 und zeigt ähnliche Begriffs- 
entwicklung, resp. Übertragung vom Vogel auf leblose Dinge. 
Vgl. Güygel S - 10 mit Gugya- III u. IV. Bed. 5 beruht 
wohl auf der Vorstellung von etwas Hervorragendem oder 
-guckendem (wie der Kamm oder Hals des Hahns), die auch 
bei 6 — 8 zu Grunde zu liegen scheint. 9 hängt viell. mit 
Kräh-hane und den entsprechenden Bräuchen zusammen, ausser 
es sei (nach Mannhardt) der Name eines ,Korndämous'. Bsi 
G. als Name eines Berges (10) ist viell. a.n guggen II zu denken, 
wie bei den ähnlichen Ortsnn. mit Guggen-, Giiggi-; denn 
die Vorstellung des Hervorragens hängt mit der von Aussicht 
nahe zusammen. Bei LLav. 1670 ist ,Güggel' der Ausgabe 
von 1569 durch ,Han' ersetzt. Vgl. noch Syn. Gugd II. 
Sp. 155 und betr. die mythologischen Beziehungen vgl. Gr. 
WB. s. V. ,Hahn'. 

Erle"-: die Fruchtstände der Erle Aa. 

Fenster- Feister-: wer am Sylvester -Morgen 
zuerst aus dem Fenster schaut Z. 

Ähnliche Namen für Personen, die au jenem Morgen 
andere Teile des Hauses zuerst besuchen. 

Forch- Forr- AABb.; ZSth., Forre'- AADegerf.. 
oEnd., Kais., Dim. Forgilggeli AABb.; ZRafz, Rüml.: 
Zapfen der Föhre. Syn. For- Bibel, -Biekel, -Igel, 
-Biigeli. — Hochfarts- Hoff'erts-: putzsüchtige Per- 
son ScnSt. Syn. Hochfarts- Schwanz. 

Holz-: Schwarzspecht, picus martius Z. De'' H. 
hat Chrämpf i' de' Beine", es git rüch Wetter Z. 

So genannt wegen seines dem Krähen des Hahns ähn- 
lichen Geschrei's; gleichsam , wilder' Hahn, im Ggs. zum 
Haushahn. Vgl. Wald-G. Auch von HEEsch. 1692 aufgeführt. 

HÜS-. ,Du bist ein rechter H.! sagt ein Narr zu 
dem andern, der sich gerühmt hat: ich han ein langen 
Nüttel [penis?].' Rdef 1538. .Hausgüggel. niaritus.' 
Mal. — Hitz-: jähzorniger Mensch Bs. — Lärch e°-: 
Zapfen der Lärche AABb. — Mode°-: eitler Mensch, 
Modenarr SouSt. ; Z. Yg\. Hochfarts-G. u. in. coquet 
von coq. - Mist-: unsäuberliche Person ScH; Z. Vgl. 
Schmutz-, Schmier-G. Syn. Mistfink. — Meitschi-: 
der gern den Mädchen nachzieht L. 

Borz-: 1. Hahn ohne Schwanzfedern ZW. — 
•-'. S]iottn. auf Einen, der sich in gezierter Weise die 
Ha, UV am liiut.Tk.ipf nach dem Rande eines Napfes 
-ihih i.lii lasst, SU dass die ohern Haare verhältniss- 
niässij^' laii^- bleiben ZW. — Harzen, hervorragen, bes. 
mit dem Hinterteil, daher nhd. purzeln. 

Schere"-: Tannzapfen AABrugg. Vgl. Schor- 
Niggeli, unreife Kirsche; auch -Näggel. 

Sch mir"-: schmutziger Mensch S. — Nhd. ,schmie- 
ren' aus .schniirwen'. 

Schmutz-: unreinliclnT Mensch Aa; Hs; li; 8; 
Z;Id. B. üyn. Dreck-(!.. Srhmiil^Kiiilrl na. /•; ,v»rc 
Holzäpfel, e länge Stil ilm". <• i^dr Schiiiiii-.iiunqrl nill 
e Frauhä'ü. .Madam Silniiutzgügirlin.- LKInmiikiizi 
1824. .Frau Schmutzgüggel.- ebd. Bes. Schimpfn. 
einer Sudelköchin B; ,VOrte". Syn. Schmutz- Ursel, 
-Bubi, -Pastete, -Turte u. a. Dim.- Giiggeli, bes. von 
U! 



Gagg. gcgg, gigg, gogg, gugg 



196 



Kindern B; Obw; auch bei Uotth. Abi. Schmutz- 



fjiiggelel 

zürnt Bs 



' Spitz-Güggel: der sich leicht er- 
if^-. — S]irrn jj-i Xanie eines Hauses 
-»//(/'/ /". S|iii iii;-: .,Mensch, der 
1 -il'riiii^t li; L; /., lustiger Bursche, 
llläufer ZLunn. 
Tann-: Tann- 



der nirgend;, Kulie lindet ZO. S, 
— Stolz-: stolze Person ZWint 
zapfen Aa; Bs; ZRafz, Sth. 

Wald-: ,Waldguggel. Schwarzspecht, Bergspecht, 
Tannroller, Waldhahn, picus martius.' Meisner k Schinz 
1815. — Vgl. Holz-G., aus dem es viell. verhochdeutscht ist. 

Zechend-: als Abgabe. Vgl. Gücjgel .Alle die- 
jenigen, so in den zehntfreien Matten Garben machen, 
sind schuldig, nicht allein die Garten-, sondern auch 
die Zehntg. abzufertigen.' 1672. Ztschr. f. sehwz. E. 

güggelhaft: 1. anspringend wie ein Hahn, auf- 
brausend. — 2. ausgelassen, überlustig BM. 

>>H'iggele{n) I: vor Zorn auffahren, -jucken, nach 
Art eines Hahns, 's hed Alls an-em g'güggelet, er 
war in heftigster .\ufregung Aa; B; VOrte; S; Sch." 
„üf-: auffahren." Vgl. uf-guglen und -gügelen. 

Güggeler I (auch Giig- kv): 1. Hahn Ap; GKh., 
Stdt. Cliräie tvie-n-en G. Th. — 2. Wollüstling Ap. 
Vgl. Schwab. Goggder. 

güggle(n) I: krähen wie der Hahn B (Zyro). 

g(e)gügglet: vom Hahn befruchtet, von Eiern, 
die man ausbrüten lassen kann Zg; Z. Syn. geJianet ; 
s. Giilieier. Ant. lüteri Eier. 

gügglige", -ligs: (Adv.) herausfordernd wie ein 
Hahn, z. B. sich g. vor Einen hinstellen Z. 

gtigg(e)le(ll) II (-M- UUrs.), Dim. zu giiggen II: 
1. durch eine kleine Ölfnung sehen, ein wenig hervor- 
schauen Aa; Gl; S; UwE.; Z (wohl allg.). Compp. 
an-, US-, er-; inhin-, ushin-, fürhin-, tinderhin-g. Syn. 
güxlen. Verstohlen, neugierig blicken, auch von der 
aufgehenden Sonne Bs. Lueg, inc\ Mii^li :iiiii l.nrhli 
üs g-t. Güggele numme'' [mix^ hii:i:' fun", dr nnnsrli 
[du musst] halt zur Ströf doch /'-.'' >- ,-Iila" <Uhititr 
hltbe". Bim Furtgö' het der Schnei meister im Gang 
tisse" vw-em Loch g'lüsteret [gelauscht] und ine" g'g-t. 
Schild. Er g-t und glüslet stlf [genau] B (Schwzd.). 
No''' nie hen menschligi Auge g. dürfe und seh", wie 
schön ml Meiteli do Ut. Hebel. Es schlieft in d' Hürst 
[Gebüsch], — iez suech mer 's Ei's — dort g-t's use". 
1. -sprossen = guggen II 2. 
ilv'iuirnden Samen im Garten 
(iirvhtmn g-t's [das Sanien- 
iFi.n,. V,i,i Frü.-htrii ZKii. 



ebd. — 2. hervuiVri 

Syn. Stupfen. A'om In 

UUrs. Garheimrini . 

körn] zum I!,i,l,„' „ 

Drü Tn<hl, ,/-,! fiirr s,h,r. „ml ha-Ji in,, r'' iiiV'' 

uf's Ilci-hsir" ■/.. Allel, N„ii /„ilnin,: V /(„/'/ „,„l ^cclisl 

[ZähndUj a-einU- gmjgk" cho. NAiiULi 1,S42. - :l. (bildl.) 

hindeuten, zielen auf. Er ist no"'' hei Lump, aber es 

g-t drüf. (Sprw.) 

ÜS-: ausspähen Bs; B; S; s. Güggeler. 

ushin-, fürhin-: heraus-, hervorgucken. 

us-fisi- s. fisigügglen. 

Güggeler II: der scharf blickt, spioniert; der 
Alles us-g-t BBe.; S. D' Jude si"' verßuckti G., die 
gseih [sehen] Alls dur-e-dur. .Joach. 

,(jügge" {ü S) f.: 1. Blashorn der Knaben, aus Strei- 
fen von Weidenrinde spiralförmig aufgewunden, mit 
Dornen zsgeheftet; als Mundstück dient eine .Furze' 



AABb. Syn. Güge 3 a, Güggi, Gägi, Gügeli. Schlechtes 
Blasinstrument AaF. — 2. der Hintere, z. B. : Streck 
dl' G. II if so hC,1i »/'.' AaF. — 3. Röhre, Röhren- 
falte an Kl.nliini,'sstiirkon AAWohl. Syn. Gügg I. - 
4. Wassers, liitiliiiy S Thierst., Bach-G., Rohrpflanze S. 

Bed. 'J \ i Bhiseii wie das gleichbed. lat. änm aus h«-iiii« 

von der Wz. ns, atmen, blasen. Bed. 3 erklärt sich ans dem 
Begriff Röhre von selbst, nnr dass hier die Form, niclit der 
Ton in Betracht kommt, ähnlich wie bei Güye die Bedd. 2 b 
nnd 3 im Verhältniss zu 2 a. Vgl. auch Giiyyi ä h. Bed. 4 
wie Guge 2 l, c, weil der Stengel der Pflanze als Rühre zum 
Blasen dient. 

Dorf-Gügge: Plauderweib S. — Von Üfiji/e" i. S. 
V. I : die Alles austrompetet. 

gügge(n) (-01- UwE.): 1. tuten, in langgezogenen 
Tönen blasen Aa ; Bs ; „ Vw ; Z " (wesentlich = güggen 1). 
Vom Nachtwächter AABb.. ein Zeichen zum Essen, auf 
Höfen mit weit entlegenen Gütern BsLd, auch durch 
die hohle Hand statt des Hernes, ebd. Als Ruf beim 
Versteckenspiel: Gügg <-mol! AABb. Schlecht blasen 
Bs; „Aa; Vw; Z". Bildl. als Ausdruck der Gering- 
schätzung, Abweisung. I''' gügg-dr druf Aa. J'* 
tvett-dr mit g. defilr AAZein. (auch: dn«« Aa; BHk.). 
Syn. güggen, güggen. — 2. pfeifen, von Vögeln; 
s. Gügger und Gügg II. — 3. , brüllen, vom Kind- 
vieh Gr Obs." (auch gügen). Vgl. (Gras-)Gügger. — 
4. heulen (von Menschen), widerlich weinen AaSI; 
Bs (stossweise) ; „LG." Syn. gügen II 3. Vgl. auch 
güggen 3. Schreien, lärmen AABb. — 5. leise spre- 
chen. Vgl. gügen II 4 und Anm. dazu. .Mutire, nü- 
selen, leis reden, güggen.' Fris.; Mal. 

ÜS-: öffentlich ausrufen, indem ein Ausrufer in 
ein grosses Hörn stösst, um die Leute auf eine Be- 
kanntmachung aufmerksam zu machen. D'r Wächter 
hat Chüefleisch usg'gügget AASt. 

Gügger (-«-) {-l- Ndw. -oi- UwE.. l.- BSi.) m. : 
1. schlechter Trompeter AaF.; Bs. — 2. Dompfaff, 
(üiMiiel, Hliittiiik. Inxia pyrrhula B; VOrte; ScnSt..; 
Iii: r«i: ; Z. 1 i.'H.. Inilich i?öS-ff. Syn. Gilggi, Goll, 
r,iiUeiihi,-l:i:r. .lier lüiiiiiel. Gügger, Rotgügger, Dom- 
ptaff". Sein Locktni, ist ,,». „„.'• HSchinz 1842. .Gucker, 
Kicker, Kucki: rntln ii<tii^n Kernbeisser, Gimpel, Dom- 
pfaff, Blutfink, loxia pvirliula.- Meisner & Schinz 1815. 
,Güger heisst [der Bluttink] von seines gesangs wegen.' 
VoGELB. 1557; dafür an andern Stellen , Gügger'. ,Me- 
lancoryphus, ein schwarzkopf, grasmugg mit einem 
schwarzen köpfte, wiewol etlich ein gügger, goU oder 
giiiipel dartür halten.' Fris. .Gerade wie man G. ab- 
richtet, zu [ileifen, was sie nicht begreifen.' Gottu. 
Die Krähe ruft: G-rag, grag, der G. chunnt, er nimmt 
di''' in es Ghrättli. [nach Rochh. der Kukuk]. — 
3. Feuerkröte, Unke, bombinator igneus, in Mist- 
pfützen sich aufhaltend und gü! schreiend ZA.; s. 
Giille-G. und vgl. Gügger. Syn. Gülle'-Grügger. lin- 
dere, Gügger, 's chunnt e Hege! L. [Nach anderer 
Angabe Gügger 11]. Vgl. ,Regenmolch.' ,Wasser- 
kröttle, in unseren landen gügger, von irer stimm her.' 
TiERB. 1563. .Die kleinen wasserkrotten oder g.' ebd. 
— 4. 1 — l'/ajähriges Rind, Mittelstufe zwischen Kalb 
und Järli'g od. Gusti L. S. Gras-G. — 5. Öllicht 
auf einem Stock von Zinn oder gedrechseltem Holz, 
altes Öllämpchen SchwMuo. — 6. „rote Pustel auf 
der Haut aussätziger Leute Th;" Eiterbeule ThHw.; 
kleines Geschwür GF. Syn. Eiss. — 1. Rausch L 
(Ineichen). „Fehlstreich oder Narrheit, die sich in 



197 



Gagg— gugg. Öaggsch-snsgscli 



198 



sonderbaren Ideen äussert L.*- Güggerli, Schlaftrunk, 
Nachtzeche Lf. Nach St.'' auch : Brechmittel. - 8. (Güg- 
fierli) penis Bs t (jetzt Pflß); Th. Syn. CHiggel 6. ' 

Das W. ist der ä.Spr. und dem Nhd. fremd. In Bed. 2 — 4 
ist ts Nachahmung des Lautes, den jene Tiere von sich 
geben. Vgl. gtiggen S, 'jüggen ä. Die Beziehung auf den 
Kuliuk (auch bei Röt-) ist unsicher, ßüggers-froh = sein 
froh (BOtt) ist wohl nur euph. statt Tu/eh-. Vgl. üugger S, i u. 
Der Zuruf bei 3 bezieht sich, wenn er wirklich dorthin und 
nicht zu 2 gehört, wohl darauf, dass der Ruf der Unken als 
Kegen verkündend gilt. Zu 6 vgl. Güge, Oügi, Geschwür. 
7 könnte von 5 abgeleitet werden im S. des syn. ,Brand' ; 
die Bt'd. ,Trunk' oder ,Trank' weist aber eher auf gtiggkn, 
gfigl'-n 3, gern und oft trinken. Vgl. Schnajjjis-G . u. fiiiggis. 

Gülle"-: = GüggerS Z. - Weil in Mistlachen lebend. 

Gras- „(-Güger, -GüggerJ: altes Kalb, zum Schlach- 
ten bestimmt, mehr mit Gras und Heu als mit Milch ge- 
mästet L" (St.'491, nicht in''). - Chriesi-: = CAriw/- 
Gauch, -Guege Zg. 

Blüemd- (Plüemggügger) : Alpen-Flühlerche, inota- 
cilla alpina Gl (W.). Svn. s. bei Blüemd- Vogel. — 
Bluem,!, Abfall von Heu. 

Röt-: 1. Dompfaff = Gügger 2 AABb.; L; S; Tb; 
UwE.; Z. Dieser Vogel scheint zuweilen mit dem 
Kukuk verwechselt zu werden, dem in einem Kinder- 
sprueh zugerufen wird: Eötgügger, sibe" Chrüzer, acht 
Rappe': git e gueti Belzchappe. 'Oder: B., für sibe' 
Ghrützer und en Grosche bist scho' lang dem Tüfel 
verspräche'. (Eocuh. AK., 68). — 2. Rotkehlchen .\aH. 
Syn. Bot-Hüserli. Wem-me' Rotgitggerli iisnimmt, 
cMmmed Ei"'m d' Chile roti Milch über Z. — 3. Mensch 
mit rotem Gesicht oder Haar Z. 

Die Verwechslung mit dem Kukuk kann nur auf der 
Ähnlichkeit des Namens mit Gugger beruhen, die mit dem 
Rotkehlchen auf der Gemeinschaft des die Farbe bezeichnen- 
den ersten Teils der Zss. 

Sehnapps-: Schimpfn. für einen Säufer L. — 
Geliört zunächst zu (niggtf 7 und güggcn, trinken. 

Spiri-: = Tisigäuggis s. d. 

Scheint im zweiten Teil nur eine Nbf. wie die andern 
unter FUigätiggls angeführten, angelehnt an Gügger als Vogel 
Ivgl. Vugd Bd I 692, 6). Der erste Teil scheint dass. W. wie 
im Schwab. .Spirigvdükes (Fromm. VI. 68), spiren = spüren. 

Spitz-: magerer Mensch AaH. ; S; Z. — .•^piiz, 
mager; Ggs. rund, voll, beleibt. 

Güggerei f.: schlechte Musik AaF. 7,Vl güggen 1. 

Guggi (m): 1. ni. a) Schreihals. Lärmer Bs. — 
b) schlechter Trompeter, ebd. — c) Dompfaff Gr; 
s. Gügger 3. — 2. n. a) Blasinstrument, Hörn, Trom- 
pete AAWohL; L. Hörnchen aus Rinde oder Rohr 
Nnw. Vgl. Güggi 1. — b) Röhrchen. Ader im Koch- 
fleisch L. — c) Anschwellung auf dem Gesicht oder 
Arm B. 

Zu 2 b vgl. Gxigge S. Zu 2 c vgl. Güge 1 und Gilgi. 
Zu 1 a gehört wohl auch der G Geschlechtsn. ,Güggi' bei 
Vad. und heute noch in S; vgl. auch ,Fridr. Schumacher, 
gen. G.' 1522, Th. (Pnpik.). 

Güggis (ü) m.: Gläschen Liqueur L. Syn. Gux. 
— Gehört zu Schna]yi>sgügger, Gügger 7, güg(e)len 8, gügglen S, 
Vs-gilglete. 

güggle(n): 1. Hörn blasen L = gügen III, 
güggen 1, g&ggen 1. — 2. trinken, gern und öfter, 
berauschende Getränke, scherzh. od. euph. für: zechen 
L; auch güglen, s. d. Vgl. Schnapps-Gilgger, Güggis, 
JJsgüglete, vergügglen 2. — 3. = geissgtlgglen und dies 
= geissgügen (s. d.) L. 



11S-: 1. einen Falliten auf die Rathauslaube 
(s. Läiibli) führen und unter Trompetenstössen an- 
zeigen, dass er zahlungsunfähig und ehrlos (bei Män- 
nern auch wehrlos) sei Lf (früher gesetzlich geordnet). 
Syn. üs-gügen, -gügen, -güggen. — 2. den am sog. 
.scliniutzigfMi Donnerstag' stattfindenden Maskenzug 
(.Fritsrlii-l'nizug-) durch eine Anzahl masquierter Be- 
rittener unter Hörn- und Trompetenstössen auskünden, 
was am Dienstag vorher geschieht (de Fritschi usg.J. 
Der Zug selbst heisst Usgügglete. 

ver-: 1. = üs-g. 1. ,Der nach seinem Tode noch 
als Concursit vergügglet [verrufen] wurde.' ,Die Fal- 
liten wurden bei der Lasterbank auf dem Fischmarkt 
[der auch Gerichtsstätte war] vergügglet.- Liebenau 
1881. En Vcrgfiqrjletc. ein Concursit. — 2. vertrinken. 
durch Trinken \. rsrliw, nden L; 'J'h. Er vergügglet 
Alles, was er ii/- mnl n-hriiuit [erwirbt]. 

fisi- s. fiffigugglei, lid I 1079. 

Zimper-Güggli n.: = Zimper-Güegi L (Ineichen). 

(iilgger m. : 1. = Güggel Ö (auch Dim.) S. — 2. der 
Hintere. De" Gigger i" d' Luft siil:cii. ein.-n Purzel- 
baum schlagen W. — 3. Ziel. .Im. In iif nhe G. ue". 
ihm aufsätzig sein S. Syn. Miii/ii. .siikIi, Zug. - 
2 ähnlich zu erklären wie Güggel .;. - :; viell. = Gugger ] .;. 

Pfann-: Pfannkuchen S. S. Gugg 3 und Ofeii- 
Gugg, -Güa\ 

ver-gnggerle(ll): vor Zittern, Frcst fast vergehen 
AAZein. — zesamraen-, zäme-: zsschauern BsLd. 

Ver-g. viell. von Gugger III 1; Vgl. das Syn. verzigeren. 
Doch vgl. auch das Syn. vergatterltn, zu dem es bloss laut- 
liche Nbf. sein könnte; ferner gigerlen. 

fifiggi I n.: Hähnchen GrD. — Verkürztes Dim. zu 
Güggel wie bern. Häni (Geschln. lliinni) zu ,Hahu'. 

GUggi 11 n.: 1. erhöhter Ort zum Sehen, Gestalt, 
die entsteht, wenn eine Person auf den Schultern 
einer andern sitzt. Uf 's G. ne", auf die Schulter Gr. 
Auch Güggibutz. — 2. Dachfenster GrD. — 3. Ge- 
fängniss GO.; Schulgefängniss GRLandq.; Vogelkäfig 
GRMal. — Eig. = Guggi £ d, Guckloch. Zu 1 vgl. Göijrl. 

Schili- m.: Schieläugiger Gr; s. Schili-gugg. 

Stüde"- ra. : ehemaliger Name eines mit einem 
Kreuze gezierten aussichtsreichen Hügels bei SGallen. 
jetzt in , Freudenberg' umgetauft. S. Guggi 2 e. 

Züri''''-(iuggler: geringerer Zürcher- Wein Gl. 

Trotz der verschiedenen Quantität des Voc. (das W. scheint 
sich aus unbekannten Gründen an güggen angelehnt zu haben) 
könnte urspr. gügglen S zu Grunde liegen ; vgl. 6'fia-, Schnaps. 

Giieggi m.: unpraktischer, unbeholfener Mensch, 
bes. verächtliche Bezeichnung alter Leute GrD.. He., 
Pr. Es ist doch en arme Güeki! Onist [ohne] dass 
ma' tmd wie d's Wetter, bringt ma de" Güek-i nid ab 
Statt [vom Platz]. Vgl. Giiegi (s. v. Giie'g 4J und 
Güegeli, s. v. güegelen. 



Gaggs— guggs s. 6'a.c usw. 
Guggsclli n.: leere Eischale. Die Haut eines Mäd- 
chens wird an Weisse etwa mit einem G. verglichen 
GrAv. — Aus rätorom. il cocc, Ei (Kdspr.); vgl. frz. <■«(,«.■, 
F.ierschale. 



GüggSCll ni.: Gläsche 
(s. d.) und Gu.r. 



liL. Syn. Ciiqgi: 



Gah -?uh. (iaj — siij. (iak ,2;nii. (jal — gul 



(iali, geh, gih, goli, guh. 

(ieliiisi, in der an einen unerwarteten Ankömmling 
gerichteten Trage: Woher, G.? Z. Auch Übern. ZGlattf. 
— Beruht auf II. Kön. 5, 25. 

Markt-Vor-Gelier ra.: vormals Markt-Vorsteher 
in SGallen; ein von den Kaufleuten gewähltes Col- 
legium mit 2 Obmännern und 6 Beisitzern zur Wah- 
rung der Interessen des Kaufmannstandes, ferner zur 
Begutachtung der vom Rat an sie gewiesenen Streit- 
händel und mit andern Competenzen; s. Simmler-Lbu 
1722. 

Stelze»- schilt der Tod die Quacksalber. Run. 
Meyer 1050. 



^i^i, gej, gij, §•«.), g«i- 

Vgl. ilit Grupiicn dtuli usw. 
gajele": gehen (Kdspr.) Ndw. — Dim. zu i/nn. 

Gaja f., Gäji n.: Baumwanze, cime.x baccarum. 
Auch Käfer, Wurm W. 

(laß lässt sich aus 'Gäch-li, Dim. zu <!ävh Bd II 103 er- 
klären : vgl. gäj für gü,'h, Oaja wäre dann erst ^us der 
geläufigem Dim. -Form abstrahiert. Syn. in allen Bedd. Guey. 

gäjig: mürbe, von zarterm Gebäck BSa.; für dies 
Tal charakteristische Wform und daher als Neckw. 
gebraucht. - Zu .70« i. .S. v. 2 d (s. Bd II 6 0.). 

gäj, gäjen s. gäeh usw. gäuje" s. t/uwen. 

Gujong. gujonieren s. Kujon usw. 



Gak, gek. gik, gok, guk, resp. gack usw. 



gättke": = gäuggen 2 „BO." ,Laborom injungere 
alicui, unde ridiculus fit, qui illum perfert' Id. B. — 
Vgl. Syn. yauchen Bd II 106 f. und die Anm. dazu. 

vcr-, -geikhu: hintergehen. Der ist nit giiete 
Lleicht] z' V. W. 

Geck m.: 1. Narr. Fallt der erst Sehne in'n Dreck, 
ist de'' Winter m G. [ist er genarrt, ist auf einen 
ernsten Winter nicht zu rechnen] oTh (Wetterregel). 
— 2. junger, nichtsnutziger Mensch GrD. 

Das W. ist unsevn MAA. sonst fremd; ihm entsprechen 
Oägi/, Oägij. Kine Umdeutung hatten die Armagnaken als 
,arme Gecken' erfahren; vgl. Gr. WB. und unser ,Jäck'. In 
der Bed. ,Narr' findet sich Geck in unserer Lit. des XVIII. 
und in der Form ,Jeck.' Discourse 1721. 

Gecker m.: eingedrückter Hut BBiel; S. — ver- 
geckeret: zerdrückt, ebd. — Viell. von der Art, wie 
ein Geck den Hut trägt. 

Gick m.: kleiner Einschnitt mit einem schneiden- 
den Instrumente BSi. Syn. Bick. 

Verhält sich viell. zu dem Syn. Bick wie (,'/.;,( IV 
(Bd II 112 f) zu liiclii (vgl. die Anm. zu (;;.■;,( /li; denn 
iiu.'h UM T,cclp,iti.t .!..,«. 



„(iöke f.: Brustverstecklatz F." 
(lockermeilt, als Schwur: Bi G.. euph. 

Gott! AaF. — Vermischt und combinicrt mit ,f 

(s. d.) : auch Hahr-. 



(xal, gel, gil, gol, gul, resp. gall usw. 

Gall I, Gallus, Galli I (Dim. GälMi) 6, Gälli 
(etw.geringschätzig)L;G: Personenn. ,Gall3'.' 1555, Z, 
,Gallis.' 1522, SchwE.; 1525, ZHinw. Insbes. der Name 
des heilig gesprochenen Missionärs der Ostschweiz und 
Stifters des nach ihm benannten Klosters SGallen. 
Sein Namens- und Festtag (16. Okt.) erscheint im 
Bauernkalender als ein wichtiger Termin für Jahres- 
zeit und Landwirtschaft; es sollen auf denselben die 
letzten Feldfrüchte eingebracht und das Vieh von der 
Herbstweide in den Stall geführt werden. Galli uf-em 
Stei", tvas ditsse" ist, tue hei'" Aa. (D'r) G. hocket 
(sitrf) iif-cn, Sfci'. Bin: tue d' Bähe" (Rüebli) hei" Z. 
l)r G. |n>\s.| „,i.\ hfürl sni, HM.r hn"' ZWeinl. Der 
hchij dnll s,l:l ,if-nii Sfa inni rnrfl : Ir Bure', tuend 
d' Bäbe" hei"". Usisciiw. .Der alt Gally sitzt auffem 
Stei: Baur. was dausen hast, tue hei!' ZNiedergl. 1791. 
Auf SGallen Tag ,muss jeder Apfel in seinen Sack.' S. 
Von diesem Tag an ist das nicht eingeheimste Obst 
vügelfrei für die Buben SchKI. Betr. den Beginn der 
Weinlese heisst es am Zürichsee: Mieheli [29. Sept.]. 
n-ottst? — Galli [16. Okt.]. du muest! Vgl. Ursde 
Bd I 468 und Galli- Win. ,Auf SGall bleibt 's Vieh 
im Stall. SGallen tut 's Vieh stallen.' alte Baüern- 
spRüiHE. Der Gall tuet ds Veh i" Stall, der Martini 
tuet -s r„lli,, udii- BHk. SGall stellt 's Veh vor "e- St., 
Murhill iiiri 's gar ini. Schild. iT SGalle tuet-me" 
il'n \'. xiiille" : mag's de"" nit sl", so bringt's der 
Marti V BMerzl. Galli stellt d' Stiere" für •*«" Stall, 
Martini tuet-se-n-in^ und d' Kathri steckt der Rigel 
dri" AAÄugst. Zur Zeit des allg. Weiderechtes durfte 
man nämlich das Vieh nur bis G.-Tag auf die AUmend 
treiben; von dann bis Martini trieb man es auf eigene 
Wiesen (Einschläge). ,Im StGallenwädel' [zur Zeit 
des Vollmondes um 16. Okt.) sollen Fassreife gehauen 
werden. XVIL, Gesindeokün. Muri. Wenn 's an SGallen- 
tag regnet oder schneit, so deutet es auf einen nassen 
Frühling. S. noch eine Wetterregel unter Verena 
Bd I 915. Auch für das bürgerliche Leben ist G.-Tag 
ein Termin: für Ein- und Austritt von Dienstboten 
Si'HW, für Hausniiete L. Der Reimspruch : Galli, Gall, 
*"* rupf dr Vogel z' oberst uf em Dolder [Wipfel] obe"; 
gim-mer au"'' ne Federe, chann i''' zue-dr chledere' Aa 
Zein. bezieht sich darauf, dass G. der Patron der 
Hähne ist. Zu: Firabig, Gallabig, schlag d' Chuchitür 
zue, wie tanzed die Wiber, icie chlöpfed die Schueh 
G; Th, vgl. Sing- Abend (Bd I 38). Nicht ganz klar 
ist die Beziehung in der sprw. RA.: ,Handeln wie 
Galli in dürren Bir(n)en [betrügen].- Kirchh. Etwas 
00" Hand ne", trie d'r G. [de Bär, Baier, Hallauer] 
de" Bappe [Brei] L. Ein Acker ,im Galliberger' ZNeft. 
,Galli-, Galle-leh, Galleh', von Lehen, welche auf 
16. Okt. aus- und angiengen L; Sch. 

Die Nameusform , Galli' kann aus dem lat. Gen. erklärt 
werden, wie ,Gallen' in ,G.-Tag' und im Namen der Stadt 
und des Kantons als Gen. einer nach schwacher Flexion ge- 
bildeten Namcnsform: walirsch. hat sie aber vielmehr das 



(ial. ge\. fjil, gnl. <,'ul 



202 



lieliobtc -1 persöulicher Appellativa, welches bes. aucli in 
Koseformen von Taiifn. erscheint. Pie Form ,Gallis' ist 
.\bschwächung aus .Gallus' (v^l. h.nf,> Bd I 1093; ./f«/«; 
<■„„•, udgl.). 

Galle" 1: abgek. Form de.s Namens der Stadt 
Sankt Gallen vom Standpunkt der alten Landschaft. 
Insbes. aber verblümte Bezeichnung des in der Haupt- 
stadt befindlichen Zuchthauses. Er ist au"'' z' G. g'si' 
GA. — S. .\nni. zu (.'alhu. Vgl. noch Zssen wie ,Gallen- 
Kappel, -Kirch". 

Gallcr: 1. Bürger der Stadt oder des Kantons G. 
Ap; G. — 2. ,eine Art Bretzel. stark aufgegangenes, 
leichtes Brot Ap." — 3. Sant-G., eine Art saurer 
Äpfel. JKettiger 1857. 

•2 ohne Zweifel ein Gebäck des benachbarten SG., welches 
auch .sonst für feines, luftiges Weissbrod berühmt ist. Auf 
.SGallerart' stricken besteht darin, dass das Garn in der 
rechten Hand gehalten wird. Eine frühere Münze waren die 
.SGaller-Piessli'. 

gällerle": reden und tun wie ein SGaller (etwas 
verächtlich) Ar. Vgl. gäuerle". 

Gall n in Zss.: Nacht(i)gall. Dieser Vogel ist 
bei uns wenigstens jetzt ziemlich selten. Singe' icie-ne 
N., d. h. fröhlich, hellauf Z. UBrägger 1782 erwähnt 
Nachtigallen im Toggenburg. Sonst sind sie wohl nur 
etwa aus alten gemeindeutschen Volksliedern bekannt; 
daher dann etwa ein Scherz wie: Der het doch e Stimm 
uie-ne N., wo [welche] de" Bure d' Schaf frisst ! [also 
ein Wolf] L. Bemerkenswert ist die ä. Schreibung 
ohne Bindevoc: .Nachtgall.' Vogelb. 1557; Fris.; Mal. 

Da andere Zssen mit .Nacht-' keinen Bindevoc. haben, 
so scheint er hier ausgestossen worden zu sein und ist später 
viell. erst aus der Bücherspr. wieder aufgenommen worden, 
lihd. nahte-, -i-gal, Tom alten galan, singen. Vgl. ijixhttren. 

Gala (m. Z), Galle" II f.: Staatskleid. I' der 
{im Z) G. iifzieh: Si ist se [so] schön, wem wett 's 
niid g" falle', tcenn er si g'seHi [sähe] voller G. Schw. 
— Das Masc. nach den volkstümlichem Synn. G'rust, (l'stat. 

Galacll m.: 1. Geistlicher (Gaunerspr.). ,Galch, 
galle, pfaff.- Gengenb. — 2. Schimpfw. Du Ttmgs- 
Wetter Galleeh! ZFlaach. 

Aus hebr. galuih, glatt geschoren, mit Bez. auf die Tonsur, 
oder (vgl. .Mönch') statt ,Wallach' mit Bez. auf das Cölibat. 

Galan m.: Liebhaber, Buhle ScnSt. S. galant. 

galanesiere": den Galan spielen. ,Als ich drauf 
kam vor den Platz zu g.. tätest mich, mein 1. Schatz, 
aus Not charessieren.' 1712. Lied. 

Galander I m.: Haubenlerche, alauda ealandra, in 
der ä. Poesie als treiflicher Singvogel oft genannt; 
später ist dieser Name ausgestorben. ,Calandris, ein 
Kalander oder G. genennt, erfröuwet mit seiner wunder- 
baren stimm die zuoloser.' Vogelb. 1557. 

Mhd. galander, aus frz. mianilre, it. ealandra, urspr. aus 
dem Griech. In der ersten Silbe fühlte man viell. denselben 
Stamm wie im zweiten Teil von .Nachtigall'. 

Galander 11 m. : Walze zum Glätten [Appretieren] 
des Tuches, welches zwischen zwei solchen Geräten 
durchgezogen (.galanderef) wird Xv. — Frz. ealandn: f., 
Mange, Rolle. 

galand(e)riere(n) (-nt-.\A): plätten, insbes. die 
gewaschenen und gestärkten Schürzen der Bauern- 
frauen mit abgeplatteten Glaskugeln bewalzen. wo- 
durch sie Glanz und Festigkeit bekommen B. .Ein 



calanderlertes Fürtuch.' Gotth. Dazu bei Gotth. .Ga- 
landeriere', Frauenspers. mit diesem Berufe. 

Frz. ealandrer. Vgl. calandrinr. Glättstein. Viell. wird 
bei dem W. Zshang mit dem Adj. gulani in der Bed. .hübsch' 
angenommen oder gefühlt. 

galiingge(n) (gil- GO.): nachlässig gehen, schlen- 
dern, schleichen Z. Syn. glanggen. Wankend gehen, 
faulenzen, langsam arbeiten GO. 

Das Syn. tjlangr/en, hangen (lassen), und der Wechsel des 
Voc. in der ersten Silbe, der beim Subst. auch als e und o 
erscheint, zeigt, dass dieser übh. nicht wesentlich, sondern 
wahrsch. nur als lautliche Verstärkung aus dem folgenden I 
entwickelt ist, also eig. keine betonte Stammsilbe g-l zu 
Grnnde liegt. 

Galangger ÄAWohL. Galanggi (*""' ZWyt.), 
Gil-i GO., kol-i (Dan.). Gel-i (e u. e) Z. Geländer 
Z (Spillm.) ni. : langer, träger, schlafler Mensch, der 
schleppend geht und dabei die Hände hangen lässt, 
Schlendrian (in der urspr. pers. Bed.). 

Accent und Form (bes. Oil-) widerstreiten z. T. der in 
der Anm. zum Vb. gegebenen Erklärung, mögen aber nur 
auf Emphase beruhen. Doch könnte auch das Fremdw. Ca- 
langger, Hausierer, das seinen Accent zurückziehen konnte, 
mit hinein gespielt haben. Gelander umgestempelt zu einer 
Abi. von einem fingierten Ortsu., dessen Bewohner Zielscheibe 
des Spottes waren. 

Galangger e" f.: penis Aa (selten). — Das W. be- 
zeichnet zunächst etw. Herunterhängendes ; s. auch Glanggere". 

galant: L Adj. 1. artig, hübsch, stattlich, wohl 
gestaltet, angenehm, von Menschen, Tieren und Sachen 
Gl; Gr; G; Zg. G. und fi" Töchtere". E g-s Wibe'- 
volch. Proph. 1855. En g-e Stier B oHa. Von Pferden. 
1712, Lied. Von einer Predigt, von Wein (wohl 
schmeckend) ScnSt. — 2. gutgeartet und gesittet, brav, 
ordentlich, tüchtig Gl; Gr. Ggs. ungeherd. Dienst- 
fertig Gr ObS., V. — 3. passend (von Sachen) GO. ; 
Schw. E Cheschnerinq [Kastanienring] war nit z' ver- 
werfe", die sind g. zum Neue' [sc. Wein]. G O.-Anz. 
1868. Ein Lied in Schw MA. über die Ereignisse von 
1830/1 sagt von sich selbst: Für d' Sache", wie sie 
stand [stehen], ist 's passend und g. Gut. günstig. 
,Die Kranke hat eine g-e Nacht gehabt.' B oHa. — 
n. Adv. 1. hübsch, tüchtig. Gang schön und g. Es 
gät g. vorwärts Gl. ,Er schlagt d' Trumme recht g.' 
XVIIL, L Spiel. — 2. pleonastisch oder verstärkend. 
G. schü [schön] GG. G. e schöns Wlbervolch Zg. 

Frz. i/alunl, artig, fein, geschmackvoll, gefällig; brav, 
rechtlich. — Lessing braucht g. auch von einem Zimmer. 

Galänteli n.: ironische Bezeichnung eines Men- 
schen, der galant sein will ScbwE.; eitel geputzter 
Mensch Ndw. Syn. Scharmänteli. 

Galätsche f.: Kalesche, leichter, offener Wagen. 
,Dahin dürfte man weder mitG-n fahren noch Gutschen.' 
AKliNGL. 1688. — Aus frz. ealiehe. 

Galätscheri f. (resp. -tschi m.), in der E.\. über 
Klatschsüchtige: Tätscheri (resp. Tätschi). G., gut 
Alles goge" tatsche' [ausschwatzen, verzeigen] Z. 

Gale Gale-e SchwE., Galeje Ndw. Galeie Z«, Galene 
ZKn.. AU AaF., Fri.; ZZoll. f. (n. Bs): 1. Galeere 
Ndw; SchwE. I''' wett lieher uf d' Galeie! Uf's G. 
cho" Bs. Er ist G Jör uf dr Ale g'sl" AaF., Fri. .Sie 
sassent in die galeien' [zur Fahrt nach Palästina]. 
Strattl. Chr. .[Die Münze] mit der galcnen und dem 
uchsen hat I ß 1 hl.- 147(1. L Katsb. .Liessen wir uns 



Gal, gel, gil, gol. gul 



in das verding uf die gale.' HsSchürpf l-lyT. .Das 
sind die gale, so den grössten schaden tüent. darin 
sind allweg gerüst lüt und farent etliche suptile g. 
wol mit 200 rienien [Eudern].' ebd. ,3 schiff, ain 
grossen navem und 2 galleyani.- Stockar 1519. .Ver- 
.schickiintr dir laiultsti-ycher uf die galeen, wie man 
dann darzu.. «nl -,.|,.H',..nheit hat.' Anf. XVI.. Z Mand. 
Der Toil -|irirlit /iim Kaufmann: .Hettst du uf dem 
meer hundert yalee. noch [dennoch] muesst sterben 
mit ach und wee!' NMan. Lt Lied von 1556 gab es 
auch eine mit Geschütz versehene G. auf dem Genfersee. 
,Esel [dienen] den bettlern, die in Schwaben auf den 
Alpen ir kinder darauf umher fiieren, das dann im 
schimpf ein schwäbisch galeen genannt ist.' Tierb. 
1563. , Levis biremis; longa navis, ein galeen.' Fris.; 
Mal. (Dieser Nom. auch bei Kessl.) .Raubschitfle, 
kleine galeen, paro, lembus.' Mal. ,Es hat ouch der 
unseren einer 2 fendli, wie man gewonet im galeen 
zue gebruchen. erobert, so in's türken obersten galeen 
g'syn.' 1572, Lüt. 1859. ,Nacher Venedig auf die 
Galleen verschafft werden.' Z Mand. 1651. .Sie [die 
Kriegsschiffe auf dem Zürichsee] sein in Form einer 
Galleen.' HEEscher 1692. ,Was ist aber eine Galeere 
gegen der HölleV JJUlr. 1733/34. S. noch ferggen. 

— 2. etwas Weites übh., z. B. ein weites, grosses Ge- 
bäude Ndw; SchwE., altes Haus ZKn. — 3. unver- 
hältnissmässig grosses Weib, Pferd Zg. — 4. Allee Zg. 

— 5. als Ausruf, Schwur, Fluch. Heiden Galee! Hebel. 
Potz Mord Galee! Allem. 1843. 

Mhd. guU, gahc (welche Fonii noch 1688, Tobl., YL.), 
ijaltne, Galeere, aus it. yalea, afrz. galee usw. Das n. (auch 
in einem der &. Belege) erklärt sich viell. aus dem Oberbegr. 
,Schiff . 4 erklärt sich nur aus dem Gleichklang, verbunden 
mit Auffassung des g als ablösbaren Präf. Bei Heiden- kann 
an Türken gedacht werden, welche auf Galeeren Seeraub 
trieben; es kann aber das W. auch, wie in andern Ver- 
bindungen und wie ,Mord', nur in allg. S. als Fluch ge- 
nommen werden. 

Galeieli s. Gläieli. 

Gale" m., f.: beraster Bergrücken zwischen zwei 
Taleinschnitten oberhalb der Waldregion; darauf lie- 
gende .\lpen W. Daher die Bergnn. Gallen BWimmis 
und ,Galenstock.' Vgl. das Syn. Galni. — Wohl kel- 
tischen Ursprungs. 

galle(n) BBe., ä Aa; Bs; BM.: 1. spielen, auch 
von Hunden BBe. Syn. gauyylen, gölen, galfen, gal^jen, 
gö2)en. — 2. sich müssig herumtreiben Bs. ume-g., 
müssig, neugierig umherschauen, gaffen Aa. Syn. gal-, 
gin-, glar-affen (BJ I 100). — 3. sitzend schaukeln 
= gägen AaF. 

Galli II BO., GälikAFrl; Bs; Btw. - m.: un- 
bedachter, gutmütig schwachköpfiger Mensch, dabei 
oft gross von Gestalt und ungelenk ; Gaffer, Einfalts- 
pinseL Tölpel; gelindere Schelte als GÖl Bs; B. .Fa- 
tuus, horao Simplex.' Id. B. Du grosse G..' Ir Galine! 
Anrede eines Lehrers an unwissende Schüler B. Zu- 
weilen mehr Schmeichelw. als Schelte B. So jungi 
Purst si" mängisch no''' grüsUchi Gali! Gükk. 1843. 
En lächerige Galli, ein spasshafter, komischer Mensch, 
Tor (Sulger). Dummer Grosshans AAFri. — Auch 
von jungen, spielenden Hunden Bs; BO. Synn. Galaff, 
Galöli, -löri, GÖl, Challi, LalH, Lot, Lasch i, 3{ö/f, 
Schminggel, Tschalpeler, Tschanggel. 

Dumm-: dummer Junge BS. 



Da (j(di starker bezeugt ist als galten, m ist die Frage, 
üb dies Mal nicht das Vb. vom Subst. abgeleitet ist, statt 
umgekehrt. Die Quantitätsverhältnisse des Voc. wechseln 
wie zwischen Goll \ind Gol; viell. soll die Dehnung die mit 
Dummheit verbundene Langsamkeit oder Schwerfälligkeit der 
Bewegung noch deutlicher bezeichnen. Galli könnte sich zu 
dem Syn. Challi vorhalten wie Gitzi zu Chiizi. 

gallig: geckenhaft, jung BBe. 

Galle- II Gall GlK.; Z, GälGT. f., in GT. n.: 1. wie 
nhd. allg. Bitter wie-n-e G. Vgl. galle" -bitter. Bildl. 
D' G. ist ilberhlt. B' G. ist-em usecho' Ap; GT. D' G. 
ist-em überloffe' od. i" Chopf od. i 's Bluet g'schosse', 
er ist zornig geworden; vgl. GallC-Hegel, -Bläterli, 
-SeckU. Chlini Tierli händ au''' e G. Sülger. Si sind 
wie Gift und G., Todfeinde GlM.; Z. Er häd e G. 
gege" mi''' ZStdt. Er ist, tmrd e ßrürigi, ebigij G. 
Gl. Geradezu = Zorn W. Pers.: zorniger Mensch 
(Ebel). Vgl. Gift, G.-Galle'. Abi. gallig, über-g., er- 
gälligen, vergellen. — 2. eine Viehkrankheit, bei der 
man annimmt, die G. habe ins Blut geschlagen Gr ObS. 

— 3. Geschwür im Maul der Pferde. ,So ein pferd 
geschwulst oder die gallen in dem maul hat, so soll 
im das maul oder g. geriben werden mit wein.' Tierb. 
1563. ,So die gallen heraus oder aufgeschnitten sind.' 
ebd. Vgl. Floss-G. Auch am menschlichen Leibe. 
Bei Rdef 1538 wird der Krankheitszustand eines alten 
Schlemmers und Wollüstlings bezeichnet: ,Voll blater, 
löcher. krebs und gallen.' Vgl. noch Magen-, Wund-G. 

— 4. a) Niere im Mineralreiche, eine in einen Felsen 
eingesprengte, fremde, harte Steinart „BO.''; Gl; Z; 
Syn. Nest; eine weichere Masse in den Fugen des Ge- 
steins L (Ineichen). Molasse, die durch Spalten, welche 
Wasser durchsickern lassen, in einzelnen Quadern sich 
ablöst Aa(H.). Syn. Stein- Dniese'. — b) „Stelle, wo 
der Sandstein härter ist als rings umher B;" vgl. 
Sand-G. und gallig 5. — 5. (d' Galle" ha") vom Laub- 
holz, wenn es stellenweise rot und wassersüchtig und 
desshalb härter als das gesunde Holz ist UwE. Vgl. 
gallig. 

Mhd. galle f.; auch: Bitteres übh. und bildl.: Falschheit: 
pers.: böser Mensch; Geschwulst. Bedd. 3 — 5 gehören viell. 
urspr. zu einem verschiedenen W. (vgl. lat. galla, Gallapfel, 
it. galla, dass. und: Blase, Geschwür am Pferdefusse, frz. 
gak, Krätze, Räude, engl, gall, wundgeriebene Stelle, Wolf, 
is\. galli, Vitium; bair. , Gallen', hervorquellende Flüssigkeit, 
bes. an einer Stelle, wo man sie fehlerhaft findet), sind aber 
mit 1 zsgefasst, weil das Volk wahrsch. Zshaug annimmt 
uud die G. übh., bes. wenn im Übertluss vorhanden, als 
etwas Bösartiges, Krankhaftes auch in der Natur betrachtet. 
Zu 2. Wahrsch. ist darunter das nach Wirth, ,der Rind- 
vieharzt', auch ,Gallicht, Blattern', genannte Rotlaufficber, 
welches in fehlerhafter Gallen-Bildung und -Absonderung 
seinen Grund hat, zu verstehen, vgl. Übergälli. Zu 4 vgl. 
auch den Term. techn. , Tongallen' für linsenförmige, ver- 
schieden gefärbte Tonnester im Sandstein und Mergel. Dahin 
gehört auch der Flurn. Bach-Galle' für einige schwer zu 
bearbeitende Acker GHorn. 

Erd-: gem. Tausendguldenkraut. ,Centauria major, 
erdegalle.' Ebinger 1438. ,Ertgal, centorea.' XV., 
ScHW Arzn. - Einfach Übersetzung des schon bei Plinius 
vorkommenden ,fel terrae' ; von der Bitterkeit der Pflanze. 

Floss-: eine Krankheit (Geschwulst) der Pferde. 
,lst ein ross flossgellig, so truck im ein glüend ysen 
in die flos-sgallen.' XV., L. — Auch schon mhd. 

Gift-: zornsüchtiger Mensch Bs (Spreng). Dini. 
G-gälleli, ein solches Kind. ebd. — gift -gallig: 



fial. gel. gil. s» 



in] 



•206 



1. zonisüclitig Bs (Spreng). 2. voll Gift und (ialle. 
,Ein so zornmütiges und git'tgälliges buech.- HBüll. 
1S32. — Gift-Giilligi f.: ,Oiie iiyd und giftgällige 
oder schalkhafte.' HBull. 1572. 

Glas-: flüssiger Schaum, der sich beim Glas- 
schmelzen bildet (techn. Ausdruck). .Weisse Gl., dann 
man auch schwarze Gl. hat, welche etliche nennen 
die Feisste des Glases.' JRLandenb. 1608. 

Magen-. .Das Enisöl treibt aus die zähen M.' 
JJXÜSCHELER 1608. 

,Sand-: Stelle an einem Sandstein, wo er härter 
ist als die übrigen Teile B.- Vgl. Galle 4 h. 

Stein-: 1. ,Die gel feuchte uss den steinen.' Mal. 
.Etwann wird auch eine Art Steinkohlen herausge- 
graben aus der Mitte der Bruchsteinen, welche die 
Steinsprenger und Graber bei uns nennen St., weilen 
sie aussehen wie eine gedörrte Galle.' JJScheüchz. 
1707; 1746. — 2. eine Art Hühneraugen in den Hufen 
der Pferde, schmerzhaft und darum beim Beschlagen 
mit Speckschwarte belegt AABb.; vgl. Galle 3 und 
Floss-G. 

Wund-. .Die W., welche von etlichen für eine 
sclilechte [schlechthin f. e.] Pestilenz gehalten wird.' 
FWuRz 1634. ,Die ander Art dei- Wundsucht wird 
genennet der Schauder oder W.: die kommet auch mit 
Frost, darauf doch kein Hitze, sonder grosser Wehe- 
tagen in der Wunden folget. Man siehet auch gemein- 
lieh ein kleines Bläterlein, entweders in der Wunden, 
welches hell und klar, oder ausserhalb bei der Wun- 
den, welches braun ist und voll Blut stecket.' ebd. 

Winter-: Herbstzeitlose, Colchicum autumnale 
SoHwSehüb. 

Viell. uiufach des scharfen, bitteru Geschmacks (vgl. iu 
LiithtTs Bibelübersetzung , Galle' für ,Unkraiit' und ,Giftkraut' 
in der zürchftrischeu), viel], auch der Form der Fruchthülleu 
oder der Zwiebelkuollen wegen; doch vgl. auch das Syn. 
Ij allen- Bluem, aus welchem es verkürzt sein könnte wie 
"ugger für Gugrifi-Biuem. 

ver-gälle", -gelle" (e' Ak; Z): verbittern, ver- 
derben, verleiden, z. B. eine Freude. 



iaile 



itl. 



.Ampfe 



Uber-Gälli f.: 1. Uberflu.ss 
Wasser vertrybt die gilwe |(iell> 
menschen ist von übergalli.' XV., Scnw Arzn. 

2. Magenverstopfung beim Vieli. .Vk' ii. Vet. l^'J". 

3. .Rinderpest, Ubergälle, Gallenruln- I,/'^'iiluirf. 
Hornviehseuche.' Römer u. Schinz l>ii'.'; S, hin/ 1^12. 
Gilt als Währschaftsraangel. Auch l'lirr-(nHliiii. 

'2 und 3 gehen auf 1 zurück; vgl. .\uiii. zu {i'allt; II. 
■2 ist wahrsch. nur eine ungenaue Angabe für 3, insofern 
sich die unter 3 genannte Krankheit u. A. in unterdrückter 
Verdauung mit Aufblähung des Leibes äussert.- 

Gift-: gehässige, neidische Gesinnung. ,Kyb, nyd. 
hass und giftgälle.' HBull. 1531. Vgl. Gift-Gälligi 
s. v. Gift-Galle. 

gallig, gallig -a- BSi.; Odw; W. -ii- Af; Gl; G: 
1. an der Galle leidend. .Einem galligen Jüngling, so 
stets das feber gehebt.' Vocelb. 1557. - - 2. jähzornig 
.\i'; BSi.; Gl; G; ÜBw. Yg\. chölicj. .Rabiosus, wüetig. 
taub, rüssig, gallig, voll Zorns.' Fris. - 3. gehässig. 
.Oratio plena veneni, ein giftige und gallige red.' Fris. 

— 4. von einem Tier, das die Galle (2) hat Gr ObS. 

— 5. (gallig) vom Erdreich, fest, lehmig, so dass es 
schwierig zu bearbeiten ist Ai'K. ; GHorn ; vgl. Galle i h. 



■- 6. vom Laubhiilz mit .l.-r unter (lalle:, geschilderten 
Eigenschaft UwE. 

„über-gallig" (« GlH.): jähzornig. Fber- 

Gälligi f.: = Ühergälle 3 Gl. 

er (auch ver)-gällige(n): zornig machen, werden 
(auch refl.) Gl; ergälliget, erzürnt, ebd. 

Galene s. Gale. Galeppe s. Gleppe. 

Gallern m. AAFri.; Bs, Gallere f. BsStdt. sonst 
Gallerech, -irich (m.): 1. Gallerte, Sulz, Gelee; als 
Speise (geronnene Fleischbrühe mit einzelnen Stücken 
Fleisch darin) AaF., Fri.; Bs; B; L; U; Uw. Syn. 
Suh. Die Glättere' hei deiie" Hiiitfraue" scho' ivüsse 
der Verstand z' mache', dass es htm Firabe"' iw''' es 
Glas Wi" u'"' e chli Hamme u"' Gallerich 'ge' het. Dr. 
BiRi 1885. Am Neujahrstage, wo Bürger und Hand- 
werker auf ihren Trinkstuben zusammenkamen und 
Geschenke in Geld und Galrei brachten.' Bs XIV. 
,A. 1500 wurde verboten, am Neujahrstage Galren 
auf den Zünften zu machen, sie sollen sich mit Ge- 
sottenem oder Gebratenem begnügen.' Ochs. ,Was den 
götzen [Heiligenbildern] bishar zue zeichen ir gött- 
lichen kraft fürgehenket und geopferet ist, als kinds- 
wiegen, krucken und wächsin arm. Schenkel und ander 
figuren, soll alles zu einer gallren oder sulz gemachet 
werden.' NMan. .Von dem schwein werdend bereitet 
die sülzen oder galre.' Tiere. ,Um fisch zum gallern 
2 pfd 2 p 8 d. Um spezerei zum gallern und zu an- 
derem zug z' bruchen 2 pfd 5 ß. 2 mass wyn zum 
gallern 5 ß 4 d.' 1576, B Küchenrechn. .Gelatina. Sulz. 
Gallern.' Denzl. 1716. ,E glonze [glänzend, durch- 
sichtig] Gallerech.' Balz 1781. — 2. etwas Bitteres 
wie Galle: Bitter icie ne G. Ndw. 

Mhd. galreide, -rede, galhert, galrei, aus mlat. geladriu. 
Die daraus verk. Form Galkr mit -eck, -ieh welter gebildet 
nach Art der Coli, auf -ech, ich(t), aus ahd. -alii. Bei '2 
seheint das W. als Nbf. von Galle missverstandeu. 

Galette Galeta Gr (Sf) f.: Flockseide; häufig in 
ZZoll.- u. a. Ordn. des XVU./XVHI. unter ,Floretwaar' 
genannt. ,Galleti' (PI.). 1639 u. 1692, Z, sonst ,Gal- 
iet(t)en.' Auch Galet-Side«. - Frz. «oie galette, schlechte 
Flockseide; vgl. it. galette da sete, Cocons. 

Galfl)otti n.: der unterste, farblose, aus Sehnen 
(hI.t Ditniien verfertigte Teil der Angelschnur, an 
wel.-hiM- die Angel selbst befestigt wird GrD. 

Wiilusi-h. aus dem vorhergehenden gebildet, indem früher 
ridie Seide zu diesem Zweck verwendet worden sein wird. 

Galli 111, -is n.: grober Baumwollenstoff, dünn ge- 
schlichtet, bis in die 40er Jahre um geringen Lohn 
gewoben ZO. Ei- hat frili"' nüd ril z' schabe' g'ha 
und st nüd vil dure s'bittze'; 's händ Bedi nw müese 
Galli wehe" und das isch y'nueg g'säit! JSenn 1864. 

Verk. aus frz. calicot, leinwandähnliches Baumwolleuzeug, 
Kattun, aus Calicut. Die Form auf -in nach Analogie von 
Stoff-Adjj. wie iM»"., Sidi'8. 

Galie s. GaU. 

Ualiot m.: Galeerensträfiinfj-. Srliafje" irir cii G-, 
hart arbeiten GrD. Fn Gajute"-Cheib, Schimpfn. Lf. 
— Span, galeote, frz. galiot, it. galeutto. 

Galiote f. ,Galiot, Lustschiff, phaselus.' Denzl. 
1677. — Span, galeota, frz. galiote, it. galeulta. 

Galise u. Dim. -Ii: Hahnen fus.sblünichen, ranun- 
culus aeris GO. — Aus dem syn. Uha»e wie Galik aus 



SUl 



■208 



Galöggi (''") lu.: grosser, linkischer Mensch AAFri. 

— Viell. Verqnickung aus den Synn. Galöri und Lopi, resp. 

galöle(n). Galöli s. Gall-Löli. 
Galopp m.: 1. wie nhd. Wer im G. [in Saus nnd 
Braus] lebt, fahrt im Trapp em Tüfel zue. Sulger. 

— 2. ein Tanz: Galoppade. 

gal6ppäde(n): Galoppade tanzen. Min Bueb ist 
uf em Tanzplats und walzeret und galoppädet GEbn. 
(Feurer). 

Galoppader in.: der sonst Galoppade genannte 
Tanz SThierst. — Umgebildet nach den männlichen Tauz- 
namen: Walzer, Hopser, Ländler usw. 

galoppe(n): eilig laufen. Er ist z' röss [zu stark] 
g'sprunga, dass er bald nümme hat möge' g. GRMaienf. 
(Schwzd.). 

Galopper m.: saurer, schlechter Wein, den die 
Bauern selbst trinken GRh. 

Wahrsch. so benannt, weil man ihm die Eigenschaft zu- 
schreibt, heftige Diarrhöe zu bewirken. 

galoppiere(n) : im Galopp fahren oder reiten, 
auch schnell gehen, laufen, rennen, allg. Bildl. sich 
über alle Schwierigkeiten weg setzen, flüchtig ver- 
fahren Uw. — ver-: refl. 1. sich verlaufen, verirren. 

— 2. bildl. im Sprechen oder Handeln aus Eilfertig- 
keit und Unüberlegtheit sich irren; auf Abwege ge- 
raten, über die Schnur hauen, sich verrechnen, ver- 
steigen, seine Kräfte überschätzen, allg. 

,(ialörilf.: Strengcl, Krankheit der Pferde BSa." 
Galöri 11 (galören) s. L&ri. 
Oalotte (i-) f.: Uhr älterer Construction GwEr. — 
Aus frz. caloHe oder it. caloUa, Käppchen, Deckel an der Uhr. 

Galrei s. Gallerech. 

(ilalliln ra. : Borte, Tresse. .Den Mantel mit einem 
Galaun einfassen.' G Mand. 1611. ,Vermüglichen Bur- 
geren allein zugelassen, ganz güldene und silberne 
Gallunen und derglychen kleine Schnürlin eins oder 
zwei uf den Wamisten allein den Näten nach und uf 
den Hosen vier oder fünf nebent den Secken, oder an 
statt derselben ein zilige [bescheidene] Breite gebro- 
dierte güldene oder silberne Schnür, die aber nit 
breiter als fünf G.' B Mand. 1628. ,Zu den Schuhen 
und Pantoflen weder Spitz noch Schnür und keine 
andern Galaunen, als was zum Verbändlen der tuchinen 
Schuhen erfordert wird.' ebd. 1686. — Aus it. ijiMmie m. 

Gallus s. Gall I. 

Gallwiler: Apfelsorte, s. Bd I 368. 

gäl s. gel". 

Gällere s. Kellerin. 

Gälli ni. : kleiner Schlitten, auf welchen man beim 
sog. ,Heubergen' das vordere der beiden gleichzeitig 
mit einander ins Tal zu schaffenden Heubündel ladet 
BSi. Syn. Vor-, Bock-Schlitten. 

gäling s. gächling. 

Gaul s. Gül. 

gaille(n) 1 Uauwle BSi.: spielen, aber nicht einsam 
und ruhig, sondern etwas wild, im Scherz mit einander 
raufen, sich auf dem Boden herumwälzen, bes. wie 
junge Tiere (Hunde, Katzen) und Kinder tun Bs; B|; 
„F." Und wie 's [das Murmeltier] rfo lustig g. tuet, 



und 's Männli maclit im Übermuet. Hikderm. ilfe* 
gaulet, herdelet, tanzet chli", ein klein wenig. Schweiz 
186'2. Hüpfen, von Lämmern BSi. Tändeln, von Ver- 
liebten Bs. Die Zeit mit unnützen Dingen zubringen 
BBe. Syn. yalpen, narren, ranzen, riltzen. 

Lautlich nächstvwdt mit gokn und wahrsch. das selbe W. ; 
schwerlich zsgez. aus gaugUn, gaugghn. w in der BSi. Form 
erst aus u entwickelt. 

Gauli n.: Spielkatze, Katze, die gerne spielt und 
mit sich spielen lässt BsStdt. 

gaulig I: zum ,Gaulen' geneigt, z.B. von Hunden 
und Katzen BGu. Syn. überstellig, närrisch. — S. uuch 

gütig. 

Gel: Personenn. L. nach Häfliger (.Bruder Geel') 
Agidius, nach .andern Gabriel. 

Gell m.: durchdringender Schrei BSi. (i-); „L;" 
GW. „Er hat einen grüslichen G. ausgelassen." Syn. 
Geiles. 

Gelle" I, rf". resp. e- AAZein.; B; Gr (tw. i-), 
e' Aa; Bs; Gl; Gr tw.; G; U; Ndw; Z, Gele GA. — °f.: 
gellende Stimme Aa ; Bs; B; Gl; Gr; L; GW., U.; Z. 
Hüö! schreit ei' mit siner gruslige G. BsLd. De hätt 
e G.: er hätt en guete Pfarer g'ge", dass men-en im 
hinderste Winkel g'hört hätt AAZein. E G. tcie c» 
Nachttcächter Gr. D' Hund störid Ei"'m sl Bue'' mit 
irer G. HXfl. ,Vox sonora.' Id. B. ,Mangelt ihm doch 
nicht die Gelle.' Fröhl. ,Schruwend [schrieen] mit 
grusamer gell.' Salat. Syn. Kelle, Lüte. Früher auch 
vom Ton von Blasinstrumenten : ,Acuti litui, die hell 
und hoch lautend, die hoch in die gell gond.' Fris. 
Pers. (vgl. Galle) laute Klatscherin und Lachcrin; 
Lästermaul GW. E G. sl', eine stark schallende 
Stimme haben ZO.; bes. spottw. von Weibern Bs. 

Schnuder-: Mund, in den aus der Nase Schleim 
herabhängt; auch solcher Schleim selbst und Mensch, 
der ihn hat Gr; U. 

gelle(n). rf-, resp. e-°B; GrV.; GW.; Sch, «'Ndw; 
Z, i- BSi.; GrL. : 1. durchdringend tönen, rufen, 
schreien AaF.; Bs; BSi.; GrD.; Sch; GW.; S; Uw, 
auch: laut weinen Gr. Von Hunden und Füchsen: 
kläffen, bellen AaF.; GrL.; Obw. Syn. gleien; hauren. 
Mulen und g. Proph. 185.5. Me' sieht, wie si gellt 
[schmält] und Gift und Galle' sprüet. JMiHLv. ,Er 
sang in seinem Übermut ein geiles Lied; er gällete 
und wieherte laut wie ein junges Boss auf voller 
Weide.' HPest. 1783. ,Des fuchs rechte stimm ist 
gellen oder beifzen.' Tierb. 1.563. ,Vocem modulari, 
die stimm recht füeren, temmen. massigen, nit über- 
schreien oder g.' Fris. .Gellen, greinen wie die weiber.' 
Mal. ,So ein Kind einschlief mit Angst, als man kann 
spüren am rochlen, achzgen und schnupfen, wie auch 
erschrecken und gällen [schreiend auffahren].' FWürz 
1634. — 2. prallen, aufschlagend abprallen, göllern, 
wie die sog. Prell- oder Ricochet-Schüsse. Syn. gelten. 
, Welcher schütz aber gölt oder brölt und nit fry 
durchgat, in irre dann span. nagel oder öst, der gilt nit.' 
1485, G Schiessplan. ,Wo eine Kugel zu kurz gehet, 
würket sie oft im Gellen das Meiste.' Kriegsb. 1644. 

Der Grundlaut des starken Vbs gellen ist ?, er hat sich 
aber, wie bei andern Vben dieser Klasse (und wie bei dem 
Subst. Gelh), z. T. mit dem Umlaut e des schwachen Vbs 
gemischt. Bei 2 tritt die den Schall begleitende oder ver- 
ursachende Bewegung hervor. Vgl. mhd. sehet, laut tönend; 
springend. 



Gal, gel, gil, gol. gul 



210 



ab-: abgleiten, plötzlich ausglitschen, abprallen, 
abspringen U. 

über-: beim Reden Andere übertönen, -schreien. 

an-: hart anfahren B. 

er-: 1. stark widerhallen Gk. .Vor Freude e. die 
Berge.' 17o7, Jes. .Mancherlei Getöne und Widerhall 
e. [erschallen].' 1707, Weish. Auch refl. ,Die Himmel- 
fahrt ist ein Triumph, darüber die Erden jauchzen 
und der Himmel sich ergellen mögen.' FWvss 1650. 
— '2. schreiend auffahren, aufschreien. ,Es hält aber 
der Krampf stark an, strecket und beugt ihre Glieder 
mit grossen Schmerzen, nach diesem ergällen die 
Kinder.' FWürz 16.34. - Mhd. erytUen. 

er-ge'lle": erschüttern. ,A. 1356 erhübe sich 
zu Basel ein solche ungeheure Erdschüttung, dass 
hiedurch sonderbare und gemeine Gebeuw nicht nur 
ergellet, sonder auch zu grösserem Teil in ein Haufen 
gefället wurden.' Wurstisen. 

Mhd. eryelkn, (durch Schall) erschüttern; vgl. mhd. «- 
ichcHen, mit Geräusch zerbrechen, gegenüber erschethn, er- 
schallen, ertönen. 

gellend: klar hervortretend, offenbar, a.) yälland, 
gällunds Isch, Glatteis GrD., L., Y.; W. — b) jäh. 
schroff, nackt. E gäUundi Fliioh CrPt.; W. Syn. 
schnidend. ,Ein hoehen berg, der so sorglich, dass 
an vil orten an einem gellenden felsen der weg bloss 
zweier finger breit gewesen.' 1.531, Strickl., Act. 
,.\n einem aufrecht gellenden felsen.' ARyff 1600. — 
c) e g-i Biedere, Eiterblase GRPr. — d) bildl. ,An 
dem ort nützit dann die gällende armuot ist und 
überall nützit vorhanden.' 1531, Strickl., Act. 

Das Ptc. Prs. von gdllen, adj. gebraucht wie das syu. 
'jfUiij. Gellen scheint zunächst vom Schall auf das Licht 
übertragen (vgl. .grell, hell, schreiend' von Tönen und Far- 
ben, dann auch von Gegensätzen und Widersprüchen) und 
auf dem Gebiete der Gesichtswahrnehmung angewandt auf 
verschiedene Erscheinungen, welche den Begriff des Offen- 
baren, klar und nackt Hervortretenden, also auch hohen 
Grades einer Eigenschaft gemein haben. 

gellig. gälig, „gäll- und gäl- Gl; Gr; Vw; Z;" 
gälliCgJ Ap; Gl; Sch (e*); UwE., gäl- SchwE., e' Z, 
ge'll- Aa; BHk.; Gr; „L;" GRh.; Sch; Z: 1. vom 
Hunger, überaus gross „Aa; B; L; Vw;" Sch; Z. 
Syn. heilig, köllig. De"^ gelligst H., der erste, grim- 
migste, schreiendste, der zunächst Befriedigung ver- 
langt Z. Der macht Auge", a's icenn-er d'r gälig Hunger 
hett; auch subst. : D'r G. luegt-em zue den Augen üs 
ScBwE. .Esuriens insane, der den galligen hunger 
hat, der von hunger ertaubet.' Fris. .Rabies improba 
ventris, edendi rabies, der gross oder g. h.' Fris.; Mal. 
S. noch nissig. , Grosse armuot, gälige hungersnot.' 
XVII., Ztschr. f. schwz. R. ,Gelling, gellinger Hunger, 
faines dira ac dura, ssva.' Denzl. 1677; 1716. ,Eine 
feurige Begierd, einen gelligen Hunger und Durst 
nach Christo.' JJUlr. 1733/34. Auch als Adv. .Nach 
Jesu und seiner Gerechtigkeit gelliglich hungeren und 
dürsten.' JJÜlr. 1727/31. Von Pers.: heisshungrig 
(Ebel); erpicht auf Essen auf Kosten von Andern 
üwE.; s. gellen II. S. noch küllig. — 2. von Kälte, 
grimmig; g. ehalt, auch einfach gellig, eiskalt ScnSt. 
(Sulger). — 3. von Eis, glatt, spiegelhell Gl; Gr. 
Vgl. gellend a) und hell. — 4. vom Feuer, hell auf- 
flackernd L. — 5. von Felsen, hart. Vgl. gellend b, 
aber auch Galle 4 b. ,So lauft' das Gewässer durch 
einen harten, gelligen Felsen.' JJRüeger 1606. ,Der 

Schweiz. Idiotikon. II. 



Wasser [hat] bringen können aus g. f., hat selbs durst 
gelitten.' FWyss 1650. ,Es muss ein grosser g'walt 
sein, eh [er] die g. f. zum aufspalten ergwünnen mag.' 
ebd. ,So hart als die gelligsten Felsen.' JJUlr. 1727/31. 
— 6. von einem Felsen oder .\bhang, jäh, steil, auch 
kahl Ai-; Gl; GRh. Es göd [geht] völli« gällin u-i 
hinauf [hinauf] ApK. Syn. stotzig. — 7. baar, wirk- 
lich, z. B. „vom hervordringenden Blute" ScnSt. Syn. 
lotig, urehen, hell. D'r g. Fü", der wirkliche Föhn, 
nicht nur ein vorübergehender Luftzug Gl. 

Die Bedd. erklären sich alle aus dem in der Anin. zu 
tjMend (mit welchem geilig in unserer Spr. auch lautlich 
identisch sein kann, da das -end des Ptc. Prs. meist in -ig 
übergeht) angenommenen Grundbegriff und zeigen auch mehr- 
fache Übergänge zwischen einander, so 3 und 5. Die An- 
nahme des Gr. WB., dass sich in diesem W. mehrere ge- 
mischt haben, ist also unnötig. 

Geladi: Personenn. 1599/1701, Taufb. ZRüinl., 
viell. .Gelasius'; vgl. aber auch Gladi. 

Gelander, -langgi s. Galangger. 

Geläreteli n.: Taschenuhr Gl (scherzw.) — Aus 
der frz. Frage quelle heure est-il? mit Dim.-Suffix. 

Gelle" H f.: Buhlerin. ,Rivalis, gelle vel zuowip.' 
Edinger 1438. — Mhd. ydU, Nebenbuhlerin, Kebsweib, aus 
ahd. gelhi, gi-ellu. 

Wind-: Name eines hohen Berges in Uri (früher 
.Kalk.stock'), auch eines Berges bei BSa. Bildl.: Öuseri 
Zinne' ist wie-n-e W., hoch und frei gelegen Z (Dan.). 

Mau denkt wohl zunächst an das Heulen und Sausen 
(gellen, s. d.) des Windes um die Bergspitzeu und diese Deu- 
tung führt auch nicht weit von der Wahrheit ab, nur müsste 
das Comp, dann ,Wind', nicht ,Berg' bezeichnen. Das Comp. 
, Windsbraut, das auch im Volke noch lebt, führt auf die 
richtige Spur, dass Windgelle einen (weiblich gedachten, 
resp. mythologisch personifizierten) Bei-g bezeichnet, mit dem 
der Wind ,buhlt', d. h. um den er spielt oder streicht. Vgl. 
Haupt, Ztschr. VI 290, und NAlpenp. V 181. Hieber ge- 
hören viell. auch die Bergnn. : ,Hund-G.' 1.5.")6, LSemp. und 
,Schin-G.' 1454, AaSins. 

gelle(n), gälle(n) II: viel und gierig essen, auf 
Kosten Anderer, z. B. von Dienstboten, Tagelöhnern 
UwE. — Abgeleitet od. abstrahiert von dem Adj. gellig (1) 
i. S. V. heisshungrig. 

gelle(ll) III {e') : spähen, gaffen, z. B. von der Strasse 
in eine Stube ZZoll. f — Gruudbed. wahrsch. = mit 
offenem Munde blicken, abgeleitet vom Subst. (relle I. 

gelle(n) IV: Ja sagen, beistimmen, gutheissen. 
Recht geben B. Er gällt im Alles, tanzt nach seiner 
Geige. ,So ein Weib ist gewohnt, dass ihm Alles 
[Jedermann] gället' Gotth. 

Gebildet von gell ^ gelt (von gi'hen) i. S. v. nicht wahry 
welches auch als Zustimmungsform gebraucht wird (s. d.). 

geil {gel F): 1. von Menschen, munter, gesund 
GS. ,Wol uf mit ryehem schalle und sind all frisch 
und g.' XV., Lied. Übermütig, mutwillig, närrisch F. 
,Guet [,besser'] ist hoffen in gott dann [als] in men- 
schen und in die fürsten, herren geil.' JLenz ca 150ii. 
.Sie [die gsellen] sind jung, fröhlich all und geil und 
zugind gern an Venus seil.' HRMan. ,Der Bär [Bern] 
ward frevel, frisch und gail.' Salat. , Ein junger knab 
hat über friden geredt: du giler keib.' 1541, .\mts- 
rechn. ZGrün. ,Diewyl du aber bist so geil, will ich 
dir eins versprechen, dass du wöllst fürhin [fürderj 
ruowig syn.' 1576, Erwiderung auf ein Spottgedicht. 



211 



Gal, gel, geil, gil, gol, gul 



Subst. : Narr. du dumme'' Geil, bist mer lang scho' 
feil usw. KocHH. 1857. — 2. von Vieh, lustig GRÜVatz; 
GSa. — 3. von Pflanzen, üppig aufschiessend und aus- 
wachsend GSa. Syn. frueiig. — 4. von Feuer: stark 
aufflackernd. ,Im anfang sollt du das fewr nit allzu 
g. und hitzig machen, sonder allein lind brünnen 
lassen.' JJNdsoheler 1608. — .5. von Wunden. ,G. oder 
faul fleisch wirt hinweg geetzt, so man vitriol darauf 
sprengt.' Tierb. ,C'arneni supercrescentem coercere. 
dem geilen fleisch weren, verhüeten, dass es nit wachse.' 
Fris. ,Gegen das geil oder überig Fleisch' [an Wun- 
den] wird Alaun empfohlen von Würz 1634. 

Mhd. geil, mutwillig, üppig, lustig; auch vom Fleisch. 
Das ein Mal vorkommende i für ei beruht viell. auf der im 
XVI. nicht seltenen Verwechslung des alten i, welches damals 
ei wurde, mit dem alten Diphthong; doch s. auch g'du>. Betr. 
den Übergang der Bedd. vgl. Anni. zu freeh und fruetiij. 

Biber-geil f. u. n.: Biberhode. ,Von der b. und 
irem nutz. Weil sy der bibergeilin ein bösen geruch 
zuogebend.' Tierb. 1563. ,Das b., castoreum, biber- 
hoden.' Mal. 

Mhd. (/t>7 n., Lustigkeit, Instiges Wachstum ; Hodeneben 
gleichbed. geiU f. und wahrsch. erst aus diesem verkürzt. 
S. d. folg. 

Geili f.: 1. Übermut. ,Deferbuit adolescentia. die 
hitz oder geile der Jugend ist vergangen oder erlegen.' 
Fris. — 2. Hode, ,Niere'. ,I)ie bibergeile ist an ge- 
ruch der rechten geilin ungleich.' Tierb. 1563. ,Dass 
man etwan seine [des Bibers] nieren, die gross, für 
sein geilin, die klein, ausgebe.' ebd. 

geile": 1. von Menschen, a) Freude. Mutwillen, 
Übermut empfinden und äussern. Synn. gauggelen, 
gauleu, gämelen. ,Des [über eine gute Nachricht] wur- 
den s" frolich, geilten mit guetem muet' JLenz, ca 
1500. ,Ich wonen nit under den verspotteren, das' ich 
geile oder muotwille.' 1531, Jerem. — b) gelüsten, 
jucken GRTschapp. Syn. nasseren. — 2. von Vieh: 
herumspringen GO. Von Fischen: spielen. ,So die 
delphin in dem meer spilend und geilend.' Fische. 
1563. — 3. von Pflanzen, stark aufschiessen und aus- 
wachsen, z. B. bei zu grosser Wärme im Zimmer Z. 
Auch ver-, s. d. Vgl. geil 3 und geilig. — Mhd. geilen, 
übermütig sein; sich freuen; wachsen und wuchern. 

er-: (refl.) sich erfreuen, sich lustig machen, Mut- 
willen treiben. ,Also hat sich abt Uolrich mit den 
Appenzellem abermals ergeilt und inen nit wenig an- 
b'halten [abgewonnen].' Vad. 

ver-: 1. (refl.) üppig auswachsen, krankhaft lange 
Schosse treiben Bs; Z. Der Blumenstock hat sich im 
Winter in der warmen Stube vergeilt Bs. ,Ein reben, 
die sich vergeilt: vitis, qu« nimium luxuriat et abun- 
dat.' KdGessn. 1542. — 2. (Ptc.) von Menschen. .Ja, 
wo man mit dem geldsack lüt"^', da laufend s' all dem- 
selben nach, vergeilt man ist [von leidenschaftlicher 
Begierde erfüllt, betört].' Euef 1538. - Mhd. refl. über- 
mütig sein, sich erlustigen. 

geilig: von aufgeschossenen Pflanzen. Syn. ge- 
reiglig. 

erst-: zum ersten Mal sich vermehrend, z.B. von 
Tauben Bs. 

Geiligkeit: 1. Lebhaftigkeit. .Yedoch soll mer 
die schöne gestalt, muetigkeit. j.'cilkeit und storke der 
pferden betrachtet werden, dann 'lic färb.' Tikhb. 1563. 
,So es [das Füllen] den anderen mit geilkeit vorlauft' 



ebd. — 2. von Wunden, i. S. v. geil 5. ,Und wert der 
geilikeit der wunden.' XV., Schw Arzn. 

Gll m. ; Bettel. ,Den pfaffen ursach geben, den 
gyl und gutzel wie vormals wider ufzerichten.' 1526, 
Egli, Act. - Mhd. gtl m., Bettel. 

gile(n) I: betteln. Syn. guenen und gutzlen, mit 
welch letzterm es oft verbunden wird. ,.^m Neujahrs- 
tage, wo sich auf den Trinkstuben Spielleute und 
Pfeifer einstellten und um Geld gilten.' Bs XIV. Ein 
Landfahrer sagt: ,Ich hab mich lang darmit ernert 
und keinerlei arbeit gelert [gelernt], dann bettlen, g., 
scharpf schwätzen und gan in bösen hudlen und fetzen, 
als ob ich die lüt erbarmen soll, ab man mir dess me 
geben well.' NMan. ,[Die Vögte in den Vogteien] 
rupfend, verschlahend, füerend hin, gutzlend und gy- 
lend.' 1531, .\bsch. ,Mit onträglichem g. und termi- 
nieren [der Bettelmönche].' Vad. ,Wenn glych die 
fründschaft [zweier Nachbarn] nit so vil bringen 
möchte, so wurde er [der eine Nachbar] sich doch 
durch syn [des andern] ungestücm und beharrlich g. 
oder höuschen bewegen lassen [ihm bei der Bewirtung 
unerwarteter Gäste auszuhelfen].' Gialth. 1559. ,Pro- 
care, umb etwas werben, höuschen, g., gutzlen, an- 
strengen, begeren.' Fris.; Mal. ,Ist gar nit göttlich, 
das", so ein pfarr ledig worden, ein yeder loufe, bettle, 
gyle, gaben verheisse und gebe, die undertonen an- 
fechte, parten [Parteien] an sich hänke, ganz schaaren 
fürbitter mit im füere.' XVI./XVII.. Z Mand. ,r)amit 
die burgerschaft mit dem unverschampten, ungstüm- 
inen überloufen, gutzlen und g. der bettleren vor den 
hüseren nit mer also geblaget werde.' JJRüeger 1606. 
.Unverschambtes nachgläuf, g. und gutzlen gegen 
Personen, die ut ämter befürderet werden.' Z Mand. 
1650/1731. ,Die Profosen sollen Achtung haben auf 
das beschwerliche und unanständige Gutzlen und G. 
der Kindern bei den Gattern in den Flecken und Dör- 
fern gegen ehrlichen durchreisenden Personen.' 1662, 
Z Ges. In edlem S., sehnlich verlangen. ,Der Herr 
weinet, geilet, sehnet und seufzet nach unseren Seelen.' 
AKlingl. 1688. 

Mhd. gilen, betteln. In der Bs Katsverordn. von 14'22 
ist ,der gylen und lamen' viell. nur verlesen für ,gyler'. 

ab-: abbetteln. ,So müesstind die pfaffen zuo 
Hierusalem nit allein mit irer glychsnery den witwen 
ire hüser abg'gylet haben.' Zwingli 1527. .Expalpare, 
abgylen, abzenzlen, abschmeichlen, mit glatten Worten 
ablaussen.' Fris.; Mal. 

er-: erbetteln. ,Si sprechen, si wollen von den 
Sünden kehren und wollen Buss und Gottsferte für 
ir Sünde tun und ergüent dann etwie vil Guets da- 
mite.'.1422, Bs Katsverordn. (Bruckn.). 

glle(ll) II : ein Fangspiel, auch Zickijugen genannt. 
Es wird abgezählt, wer das ZicH oder Güi sein soll, 
dann springen die übrigen aus einander. Wen Jener 
erwischt, oder wer den Spielraum zur Unzeit verlässt, 
muss selber die Rolle des Fangens übernehmen. Kochh. 
1857, 404/5. — Viell. dasselbe V?. mit gilen I, da» auch 
urspr. bedeutet: (Etw.) zu erhaschen suchen: doch s. yjmi. 

Giler m.: Bettler, bes. der den Bettel gewerbs- 
mässig, unter Verkleidung, absichtlicher Entstellung 
des Leibes und falschen Vorgebungen betreibt, also 
dann = Betrüger, Schwindler, Gauner. ,Dass alle 
Stirnstössel, G. und Gützier, welche mit ihren Worten 



218 



Gal, gel, gil, gol, gul 



2U 



den Leuten das Ihre aberliegen und triegend, sollen 
schweren, dass keiner mehr auf den Gutz- nach [noch] 
Bettel in die hiesigen Land kommen soll.' 1416 und 
1 129, Z Ratsverordn. ,So hat ouch der vogt macht, 
dass er (in denen zytcn, so der offen bettel meng- 
lichem nachgelossen ist), giller, blinden und lammen, 
die es an in forderent, mag gönnen drye tagende hie 
zc blybende ze bettelnde.' 1465, Bs Kq. ,Stryten wider 
der nüwen sammleren oder gylern, der bettelmünchen, 
gutzel.' HBüLL. 1561. ,Flagitator, ein gutzier, g., ein 
überlegner bitter, müehseliger höuscher.' FRrs.; Mal. 
Mhd. (jilaere, Bettler. Nur noch als Geschln. Geiler Th. 
Über Ursprung uud Treiben des bes. in Basel handwerlis- 
mässig betriebenen und fast zunftnmssig organisierten Geiler- 
wesens s. Gr. WB. IV 1, 2, 2602 ff. 

Gill Gl, Gilgl Gl; Schw, ,Jilg.' G 1513: männl. 
Vorname, Ägidius aaOO.; ZHombr. E. XVI. (,Gilg'); 
,StGilgen', Schlosskapelle der Manegg bei Zürich. 
.Gylie von Schwyz.' 1378, Absch. ,Egidi, dem man 
spricht Gili, von Schwyz.' 1384, ebd. ,Gilly.' 1747, 
LNeud. Gilg auch als Geschln. Th; Bs 1559; G 1515 
(neben ,Jilg'); S 1532, Uli Z; 1747, LNeud. (neben 
,Gilli'). 

Beruht zunächst auf einer vorauszusctüenden Nbf. 'ÄyUiua 
(vgl. lat. Ovidiua für Uvilius). Im Übrigen s. betr. die Laut- 
foimen die Anui. zu Ilie Bd I 179. ' 

Uilangi gilaygl m.: Spiel, darin bestehend, dass 
Jmd etwas Verstecktes suchen muss. Auch in Gesell- 
schaften Erwachsener, wo dem Suchenden durch .an- 
schlagen einer Saite des Klaviers Andeutung gegeben 
wird FMu. 

Gillian, Gilgian 1, Gilgen, Gilg II BFrutt: 
männl. Vorname, Julian. ,Gilgiau.' 1486 B; 15'21 W 
(auch ,Gillian', ,Gilg' und ,Ilgio'); 1068 B. ,Sant Gil- 
gian', Verdeutschung des Genfer Dorfnamens StJuUen. 
15'26, Absch. — Betr. das Lautliche vgl. (IUI. 

Gillappi (gillappen) s. Gil-Lappi. 

6iel m. : 1. Maul, Schlund. ,Was taten die von 
Hochentvviel, den [denen] allweg offen stand der g., 
als wollten s' iedermann fressen.' JLenz ca 1500. ,Der 
mund, maul, giel, gosch, gefress.' Red. 166'<i. — '-'. Be- 
gierde, Gelüst, in verächtlichem S. W. — 3. Geschln. 
1400, G; 1472, Okfn. Burgau; 1523, Z. — 4. (PI. 
Giele') Buben, Jargon der B Jugend. 

Mhd. (jiel in Bed. 1. Vwdt mit Oil, Bettel, ,Begehr- 
lichkeit'; vgl. Bed. 2. Der Geschlechtsn. dürfte erst als 
Nomen agentis vom folg. Vb. abgeleitet sein. Ob 4 hieher 
gehört, ist nicht sicher. 

giele(n): 1. „gelüsten W." Insbes. mit Dat. P. 
prägnant: Jmd todt wünschen, gierig darauf warten, 
dass er sterbe. Wenn seh [sie, eine Frau] mu [dem 
Manne] nit so g. täti, so sturb er ender. — 2. gierig 
zusehen beim Essen Anderer Gr ÜbS., Rhw. Syn. 
guenen. 

Gol, Göl I, (?o?/ Gl; GrL., ßö^ Aä; Ap; B; Gl; G; 
SCH; ScHwMa.; S; Th; Uw; W; Zg; Z, Göll GrPy. {k). 
Göl Aa; Bs; B (i- BD., Si.J; Gr; L; G; SchwE.; S; 
Uw; Z m. : 1. a) mutwilliger, närrischer Mensch, 
Possentreiber. Bes. von erwachsenen Personen, die 
sich bewusst od. uubewusst närrisch geberden ; Tauge- 
nichts. „Gol, ein schnellzüngig Alles durch einander 
werfender Plauderer." Auch: ein toller Lärmer, mut- 
williger Geräuschmacher TnTäg. De" Göl mache', 



sich wie ein Hanswurst benehmen. Si händ de" G. 
mit-ere g'viacht, die jungen Bursche haben mit ihr 
geschäkert L; Z. Öppis Gols, etwas Sonderbares Ap, 
vgl. öppis Narrs Z. Zu der RA.: Gol um Gätsch 
mache' = wettauf machen, par pari referre, vgl. Güd. 
Du bist doch efa' en rechte Cr., no''' [.schon so gross] 
so dumm ge tue', sagt die Mutter zu ihrem Jungen 
ZU. ,Den stockigen Buben, den Gölen und Schlänggen, 
die immer dn-in Iu.'uth wie Eselsköpfe.' Stütz. In 
BWimmis s'''i'i'l''''ii ■ Kimln", Bursch in verächtlicher 
Bed. Syn. Gaiiil. (Inicincl. Gali, Gätschi. — b) Narr, 
Einfaltspinsel, Diuiinikupi. Gimpel. !''• bi' Göls g'nue" 
g'si" u ha en abselut welle" [heiraten]. Gotth. ,Er 
sei ein G., dass er sich so plagen möge.' ebd. ,Dio 
Theatergöle [leidenschaftlichen Theaterliebhaber] sind 
in Berlin und Paris ungefähr gleich.' ebd. .Neben 
diesen [3 Taubstummen und 1 Blödsinnigen] gibt es 
im Dorf keinen einzigen Göl oder Totsch.' Glur 1835. 
Syn. Löl, Lappi, Galaff, Torebueb, Tschöli. Als Ge- 
schlechtsn.: .Heini GoL' 1370, Sch. ,Eberli Göl, Adel- 
heit Gölin.' ebd. 1437. ,GolL' 15.32, GFlums; 1541, 
BAarb. u. noch jetzt in Aa; Z. — 2. (Goll Bs, It St.*'; 
Bus. 1865, Gol, -er Tu, It Pup., Goller AaZcIu.; BsL; S) 
Blutfink, fringilla i^yrrhula. ,Ein gügger, goll oder 
gimpel.' Fris.; Mal.; Denzl. 1716. Syn. ('Rot-jGügger. 
- 3. (Gol) s. Gül. 

UM. Göl und Gol verhalten sich lautlich zu einander 
wie Bdl, Bül und Hol, so dass dann Goll die älteste Form 
wäre. Vgl. Gölli. Vor l ist Dehnung des Voc. gewöhnlich, 
auch der Umlaut nicht selten; vgl. gölen (bezw. gollen] und 
gölen; lollen, holen und Kien, Subst. Bolle und Bolle; Troll, 
Tröl und Trol, bes. aber LSI, das wohl auch von Seite der 
Bed. auf unser W. eingewirkt hat, aber den stillen, nicht 
wie Gol den lärmenden Narren bezeichnet, und Noll, Nöl, 
Nöli, Noli. Auch nhd. .liniip.!- »nrini^-t Bed. 1 u. 2. Der 

Vogel ist auffällig t. dui.li luiHilliKes Hüpfen, t. durch 

sein beständiges Rufen I ll-ilm ivifl. Gügger), sodann, 

weil er sich leicht faugtu lii.>.st, duirli seine Dummheit. Es 
lifgt somit nahe, Goll und golen I zu mhd. gellen, Ptc. ge- 
gollen, die Stimme laut hören lassen, zu stellen ; die Grund- 
vorstellung wäre: Äusserung der Lustigkeit durch die Stimme. 
Weniger wahrsch. ist die Annahme einer Mischung mit einem 
aus gogcl contrahierten Stamm. 

Gagri-Göl: Übern. LStdt; s. Gageri. 

Glöggli-: läppischer Mensch, Narr Aa; B; F. 
Auch zu Kindern scherzh.: Du Gl. B. 

Bezeichnet eig. wie Schellegaggel, Rölldi-Bbgg, Rolle"-Butz 
den (Fasnachts-) Narren mit seinen Schellen. 

Han-: Schelte eines gleichgültigen, dummen Bur- 
schen, Laffen. Du cha"'st de' [diesen] H. nicne hi' 
schicke', es ist Nut üsg'richt mit-em [ihm] ZPfäff. — 
Vgl. das Syn. Hanögg, wo Han = Hans. 

Marr-: Narr; marrgöle", närrisch tun L. — Vgl. 
'» Märi ablä', sich ausgelassen geberden L. 

Tanz-: leidenschaftlicher Tänzer. Gotth. 

Trälli-: plumper, dummer Mensch BBe. — TriUli, 
dicke, fette Person. 

gole(n), gölefnj (gölle" Gr tw., gölenefn) UwE., 
neben göle'): 1. wild jauchzen, laut mutwillig sein 
AAWohl.; „Ap; Sch; W; Z." Syn. j ölen; schäkernd 
lachen GTa. — 2. schäkern, Narrheiten treiben, im 
Gegs. zum ernsten Benohmen, allg. a) bes. von Kin- 
dern, sieh mutwillig lachend unter einander oder mit 
Erwachsenen herumbalgen, scherzen. Auch nur: spic- 
' len Gr. Üyn. göglen, andere s. hei gecatteren. Me [man] 



215 



Gal, gel, gi\, gol, gul 



golet nid alliwll, Mahnung der Mutter zum Ernst Z. 
Das ist mer au''' e g'golets Tue Gl. Dann Tom Spielen 
und Gaukeln junger Tiere, bes. von Katzen und Hun- 
den, miteinander BM.; Schw; Th; Ndw; W; Z. Hin- 
gegen in ZRafz : cV Mensche' göled mit enand, d' Chatze' 
göpled. Syn. gätschen; vgl. auch fällen II (Bd I 767). 
— b) von Erwachsenen: mutwilligen Scherz treiben 
statt zu arbeiten, sich zum Spass herumbalgen. In 
Obw auch vom Tanzen. Gelt, mir Bfd hei"'^ qiing guot 
zsämmen chünnen, mir lutn miiiuiist :iiiiimeii tj'göled, 
Cg'gölen) BUi. Si häd (flurlui innl ,r,l,i. Imi-ki. Bes. 
von Liebenden, kosen, tiiiul.-lii. l>e llaus mu} 's Mädi 
händ nW g'gölet mit enand, statt z' schaffe" Z. Wo 
si 'n [ihn] sieht, so golet si mit-em. Si wird halt nid 
noHo' [nachlassen], his si im Unglück ist Scb. — 
3. (vorwiegend mit -ö-) sich einfältig, dumm benehmen, 
gedankenlos herum gehen und stehen B; Ndw; „gaffen 
mit offenem Munde B; L; Z." Syn. gälen, glaren, 
lalen, lolen. .David verstalt [verstellte] sein geberd 
vor inen, und golet under iren henden.' 1531, I. Sam. 
= ,und tet, als war er ein narr under iren henden.' 
ebd. 1548. 

Vgl. die Anin. zu Hol. Bed. 1 würde sich zu Gol S 
stellen, Bedd. 2 ii. 3 entsprechen denjenigen von Ginl 1 a u. b. 
A'gl. auch gaulen. 

„an-göle(n) (6): angaffen B; Z." 
üs-göle(n): seinen Mutwillen sättigen Sch; Z. 
ver-göle(n): (refl.) sich vergaffen, durch Gaffen 
und Tändeln die Zeit verlieren B. — umhin-, -her-, 
umha-, iwime-, iimmer-g.: mit Kinderspiel die Zeit 
vertreiben UwE.; sich herumbalgen, aus Mutwillen 
oder Verliebtheit BR. ; gedankenlos herum stehen oder 
gehen B. 

gole^ie" f''0: Mutwillen treiben; sich unartig be- 
nehmen; müssig und zerstreut herumgaffen. Goleii m., 
Maulatfe G oT. 

GOler m., GOleri" f.: der oder die gerne golet 
Sch; Z. — 2. Goller = Gol 2. 

GOlete" f.: „wildes Gejauchze, ungebundene Fröh- 
lichkeit Ap; Sch; W; Z", possenhafte Unterhaltung 
UwE. (-Ö-). 

Göli Göli {GÖlli Aa): 1. m. PI. -ene". a) Spass- 
treiber. E Mueter soll fkei" Goli Mibe' wie-n-es Hiiener- 
meitschi Zg Kai. 1881. (Vorwiegend -o-) Erwachsener, 
der sich kindisch dumm benimmt, Narr. Ei'"m de 
Göli mache", für Einen arbeiten, der selber zu trag 
ist; ihm die Kastanien aus dem Feuer holen UwE. 
Gelinder Schimpfn. eines einfältigen, plumpen Kerls S ; 
ZO. Syn. Löli. — b) (-ö-, -u'-) 1) Knabenkraut, orchis 
mascula, o. morio, o. maculata GSa. — 2) Lerchen- 
sporn, corydalis cava. ebd. Syn. Güleli. — c) ,(-Ö- m.) 
Eülps, bes. wegen einer fetten Speise Gl." — 2. (n.) 
Spielzeug, auch Chindc-G. 

1 ist Subst. agentis zum Vb. golen, gähn. 2 gehört eben- 
dahin zu Bed. 2 a. Ygl. das Gogi, Blashorn und das Gägi, 
Blashörnchen, von gvgtn. 1 b trifft zs. mit der lat. Be- 
zeichnung morio, frz. bouffim, WOZU man noch Tgl. Samnut- 
hogg für die ähnliche ophrys nracltnitee. Die orchis mac. heisst 
von den gefleckten Blütenblättern auch .Harlekin', von den 
Bulben ,Narrenhoden', engl, /ool-slonea ; die orchis morio spez. 
hüll, ebenfalls hnrieki/n, deutsch auch ,Pickelhäring', weil 
man ihre Blüten einer bunten Narrenkappe ähnlich fand. 
Immerhin lässt die Uusicherheit der erhältlichen Angaben 
über die Ausspr. die Möglichkeit eines ganz andern etymo- 
logischen Zshangs offen; s. das Syn. GuUi 4. 1 c wol auch 



aus 1 a abgel., indem der Rülpser als Tölpel aufgefasst wurde, 
Tgl. de'' Bäcki, Husten, und ähnliche personif. Bezeichnungen 
von körperlichen Übeln; doch vgl. auch ,gollen', mmere bei 
Schni.-Fr., und unser jolen' in der selben Bed. 

Gog-Göli: guter, etwas närrischer Kerl Gl; GO. 
Synn. Gaggeläli, -Läri, Göggel, Gol u. a. 

Entw. reduplicierende Verstärkung von Göli oder Ver- 
quickung von Goggicl), Jakob, und Goli. 

golig, in LG. gollig, Ap tw. goli, tw. (wie auch 
GStdt; ZHörnli) gaulig II, anderwärts gölig: 1. un- 
gebunden fröhlich, mutwillig Ap; GStdt; Scb; W; Z. 

— 2. einfältig, dumm B; L; GF.; Ndw; Z. — 3. selt- 
sam, sonderbar, eigentümlich Ap; G. E gölis Säge" 
[Gerede] Ap. ÄnC Bueb hät-mi''' all [immer] e chli" 
[ein wenig] en gölege dunkt G. — 4. widrig, unan- 
genehm, übel AAAarb.; Ap; G; ZHörnli. Es ist mir 
ganz gölig, ich habe Hunger, oder auch: mir ist un- 
wohl Ap; G, ,Hättst du ein so gauliches Dürrwälder- 
g'sicht [lieben] mögen ?' UBragg. 1780. Syn. gaulig I. 

— Göligi, -ö-, -äu-, f.: Seltsamkeit, Widrigkeit Ap. 
Für die Begriffsentwickelung bietet das Syn. g'gjiOssig (von 

Spass) die beste Analogie. Auch dieses bedeutet .sonderbar, 
seltsam', wird aber ebenfalls Ton leiblichem Übelbefinden ge- 
braucht, indem der Begriff .widrig, unangenehm' aus dem 
TOn .seltsam' herTorgieng. au hier aus ö, während das 
westschw. gaulen und gaulig (s. Sp. 208) zunächst Ton gülen 
zu trennen ist. 

\in - (ogatdigj : unangemessen, unzweckmässig, un- 
geschickt, meist mit Neg. Ap. — mm- hier pleonast. oder 
Terstärkend (s. Bd I 298). 

gamper-gölig: dumm ausgelassen, pudelnärrisch 
B. — Syn. gümperiavh. Von gnmpen. schaukeln, gaukeln. 

Gigeliman-Gölis mache": lauten Spass treiben, 
schäkern ZO. Syn. G.-Göpis. — -i« aus -nis. Gen. des 
Inf. Ton gr,h„ wie in Fahia. 

Göl II: Kropf B (Zyro. der als Syn. auch Gufer 
bringt). 

Göl in, Goli: grober Steinschutt im Unterschied 
von Gufer, feinerem B oHa. G'göl n., Steingeröll BRi. 

„GOleten f.: 1. Haufe unförmlich über einander 
liegender Steine, z. B. von Felstrümmern BO. — 
'2. steile, gepflasterte Strasse B (nur in St.')." 

Zur Y, i-]> irliiiii-' I, iHimen die Flurnn. Gohmng, mit Ge- 
schiebnia- . i lialdu am Pilatus; die Gollach. ahd. 

Goli (amli X.l.enfluss der Tauber; die Göl(en), 

wilder F.. i;'!':!'!) )ii Ulmgu.; Gulaihen, Weiler in SOIt. ; das 
GoltschenrieJ ViUitüKhen (vgl. in der BoltHchm Zg von BoU, 
Hügel, mit Dim.-Suff. -tsch-, eig. z); in der GilitHchen. Alp 
über steilem Abhang in BFrutt.; Goläten od. Gnliten I (.Gu- 
lada.' a. 990 BKerz. = .Golatun.' 1276); ,auf (in) der G.' 
5 B Ortsnn. 

Gö'lägg. Gulägg (d) m.: Krähe (scherzh.), auch 
übertr., dummer Mensch Aa. Wo flüget die zwölf- 
jährige Gulagge" anne"? Antw. I"s driizehe"t. 

Die Stimme des Vogels nachahmend. A'gl. gr. nöpag und 
die Synn. Gägg, Grägg und Gwägg. 

Golanggi s. Galanggi. 

Gol IV s. Gön. 

GoUate" GdllHe" II f. : mehrfach vorkommende Be- 
zeichnung von gewissen Stadtteilen oder Gassen. ,ln 
der Golleten' in Biel 1596. der Teil zwischen der Alt- 
stadt und der äussern Befestigung, daher noch heute 
die .Gollatastege'. Die .Gollattenmattgasse".' Aarad; B. 
,Von der Gollata.' Geschln. 1294, B. In Burgdorf lag 



217 



Gal, gel, gil, gol, gul 



218 



It alten Urkunden die .Collata' zwischen dem 1. und 
2. Tor. 

Aus nilat. lUlaiit, Abgabe. In der .Oollaton', meist zw. 
der innern und äussern Ringmauer, sassen die Leibeigeneu 
fremder Herren, welche für dieselben die ,OQllata', das Kopf- 
geld. zszHlegen hatten. Lautliche und (da die Gallalen durch- 
weg faktisch an mehr oder weniger steilen Abhängen sich 
befinden! auch sachliche Berührung mit Goleten wird nicht 
für alle Fälle abzuweisen sein. 

golle(n): undeutlich, .unter der Stimme' reden Gr. 

er-gollje(ii) (auch -»-): heftig erschütteln, hin- 
und herzerren W. — Vgl. das Syn. ergeVen. 

Golli, Gölli: nur in der den Namen Gottes ver- 
hüllenden Beteuerungsformel bi G. Bs; Sch. .Pol., 
adv. jurandi, bei göli.' Dasyp. 1539. .Mediu.s fidius, 
bei meiner Treu, bei Gölle.' Denzl. 1077. — Vgl. frz. 

jxtrhleu für J""" I>ieu udgl. 

bi-gollig Bs; L (auch Um G.); S, bi-göllig 
Ap; L; G; Sch : bei Gott; sicherlich. Es ist b.wahr! 
BsL. Göllig gern, sehr g. L. ,Jos göllig, er hed [ja 
freilich hat er] . . .' Zeitvertr. Z 1700. 

Weiterbildung aus Golli, Gülli durch die beliebte Endung 
-iji (vgl. die Mittelformen hiijottlig, bigopplig) oder Umstem- 
pelung zu einem Adv. nach Analogie der svu. gebrauchten 
,,v,g. heilig udgl. 

wills-göllig Ap; G (in Ta. auch tcülsgoch, in 
G. willsgochlig); Th: will's Gott! (aus dem es cnt- 
.stcllt) hoffentlich; wahrhaftig; ganz gewiss. Si zwü 
[zwei] sige'd gueti Fründ w.! G. Se'6 ist w. nüd wör 
Th. Dass-evj [dem Hunde] v: d' Drirm nse'keit [ge- 
fallen] sind. ebd. 

geliehen s. gold-Ucheii. 

(ioUlse" Aa (j-AaL.), Tollise" Aa; L; Z n. (in 
ZW. auch f.): unterirdische Wasserleitung aus Steinen, 
überbrückte Stelle einer Strasse. .Die Strassen mit 
gemauerten Abzügen, Coulissen und Brücken ver- 
sehen.' Z Strassenverordn. 1791. 

Aus frz. Patois cnlima (= frz. cotilinw), tranchee pour 
li-coulement des eaux, mit Anlehnung an he', welches das 
s;cihl. Geschl. hervorrief, wie in Fclliaen, Reminni, Vemlieli 
(;uis mlint, remim; devise). In TolUsen ist der erste Teil das 
Syn. Tollen (nhd. ,Dole'), welche Unidentschung durch den 
urspr. harten Anlaut erleichtert wurde. Vgl. die ähnliche 
Zwitterbildung Sigiierne' aus ,Cisterne'. Die weniger volks- 
tümlichen Formen Coliase' und Ciifisse" f. laufen nebenbei, 
doch ist dabei u aus o zu erklären, weil das schriftfrz. '■•ju- 
ÜHte nicht die Bed. von coliim hat. 

golisieren, gu-: lärmen. Unfug treiben. Eine B 
Verordn. von 1.571 verbietet den Zuschauern auf der 
Richtstätte ,alles Drängen, Schreien. Gulisieren und 
andere Ungestümlichkeiten'. .Die Ratsknechte sollen 
sich des unzüchtigen [unordentlichen] scharaperen We- 
sens und Golisierens vor der Ratstuben, desglichen uf 
den Gassen müessigen.' 1581, L Ratsprot. — Scheint zi 
grJen zu gehören, reit rom. Abi.; vgl. golleien a. earinieren 

Göller allg., -o- in ä. Spr., L- Gr ObS., Gallert Bs 
B; W tw., Gölder GRh.. oT., We. — n., in AAZein.; 
ScnSt. m.: Halsbekleidung, -kragen. 1. a) ein Stück 
der weiblichen Landestracht, vormals allg. der Stolz 
und die Zierde der Frauen und Jungfrauen, bestehend 
(in Aa; B; S u.a.) aus einem handbreiten, viereckigen 
Stück schwarzen Sammet oder Seide (In L ; Z Lein- 
wand und zwar an letztem! Orte schwarz, in besonderm 
Putze weiss für Jungfrauen, farbig für Verheiratete, 



welches ringsum den obersten Teil der Brust und des 
Rumpfes bis zum Anschluss von Hemd und Mieder 
(Brusttitech, G'stalt, Tschöpli) bedeckt; bei Vermög- 
ichern gewöhnlich vorn mit Glaskorallen und Silber 
gestickt; an den 4 Enden befestigt hangen unter 
den .\rmen durchgehende Silberketten (GöUerchetteli , 
-schlenggen) mit Rosetten (Göllerrösli), Birnen, Gold- 
blättchen und andern Zieraten (Spitzen, Bändchen), 
je nach der Landesgegend variierend Aa (ref.); B; L; 
S; Sch; U; Uw; W; ZW\ Sjn. LMi, Halskrägli- 
bändel, Brüechli. So bleicht Bagge' wie mi"s G. do. 
Stutz. .Elise plärete, bis es keinen Atem hatte und 
die Mutter in aller Eile das Göllert auftuen musste.' 
GoTTH. ,Der Busen der [sagenhaften] Spinnerin ist 
mit Geliert und Vorpletz altmodisch eingeschnürt.' 
W Sagen. ,Es verschwinden bei den Mädchen die 
sog. G. am Halse und ein rotes oder gelbes Tüchlein 
vertritt die Stelle.' JRWvss 1816. .Anstatt des nied- 
lichen, die Gesichtsfarbe hebenden G. haben sich bei 
den Reichern farbige Seidentücher eingeschlichen.' 
Gem. Aa 1844. ,Von einem schlechten frowenmantel 
mit einem goller 2 ß; von einem zw^ifelten [Männer-J 
mantel mit einem g. 18 ß.' 1409, Sch Ratsb. .Goller, 
halstuch, collarium.' XV., G. ,Uss messgewändern den 
huoren göllerlin machen.' 1527, Absch. ,Uss m. den 
h. gölderlin und Nabelbindli, euch .seckeli machen.' 
Wthur. Chron. c. 1570. ,Halsband und Goller.- Bin. 
1531/48; .Göller.' ebd. 16G7. ,Die schweisstüeclile 
oder göller.' ebd. 1531/1667. ,Das Koller. Goller, 
Kragen, colobium, collare, mammillare; HaLstuch, 
Goller, Müder, focale, mammillare.' Red. 1662. ,Die 
Mägd sollend keine üssgescbnittnen, gestrickten, mit 
Mödelinen oder anderer Arbeit genäjeten Göller, noch 
einiche Spitz an Hüben haben.' Z Mand. 1650. ,Dass 
die Weiber mit rings um den Hals beschlossenen 
G-eren in die Kirchen und mit geschlossenen anstän- 
digen Halstüchern auf den Strassen umher gehind.' 
ebd. 1735. ,Die Weibspersonen sollen sich enthalten 
des Tragens der weiten Gölleren.' ebd. 1744. ,Wir 
erlauben den Weibspersonen glatte Mousseline zu G. 
und zu Riemen an die Hemder zu setzen.' ebd. 1766. 
— b) an der Männerkleidung: Hals-, Hemdkragen Ap; 
G; Gr. Syn. Brisli. Auch der kragenartig geschnit- 
tene Teil des Männer- (und Frauen-) Hemdes (Comp. 
Göllerhemd) über Nacken und Schultern Ap; Bs; Z. 
Nümm nur chlei Schluck [vom Enzianliqueur]. mach 
ds G. US, der chützlet Eis [Einen] bis in all Zeche' 
ÜRPr. (Schwzd.). ,Unserm Sönlin macht man das 
Henibd aussgeschnitten wie die alte schweizerische 
Goller [hier wohl Jacke].' Fischart. Vgl.: ,Capitium 
ad OS tunic» Collum circum amicit humeris injectura, 
veteribus Alaniannis Goller, quasi collare; nostrates 
Alamanni pro eo dicunt Hal.smantel.' Goldast. .Wel- 
cher Predikanten und G'lehrten Söhn und Tochter- 
männer ufzüchind gut alamodisch mit Edelmanns 
Stecklinen, mit Gölleren und langen Falten.' 1636. 
JJBreit. — c) übertr., der häutige Kragen auf dem 
Nacken einer Kuh Ap (Hirtenspr.). — 2. a) Brust- 
panzer aus Leder. ,Uf dem nüwen Turne sind be- 
halten 27 Slappen [Art Helme] und Cöller.' 1314, 
Lauf., Beitr. ,6 Blechharnisch, 4 Göller.' 1380. Z 
Staatsarch. ,Ein Goller.' 1476, Sch Staatsarch. ,Lorica. 
lederin göller, krebs, brustharnist.' Fris.; Mal. .Ein 
burger ward mit einer handbüchs in den kragen ge- 
schossen und bleib der stein ijn goller, dass er nit 



219 



Gal, gel, gil, gol, gnl 



220 



durchgieng.' Vad. ,Es sind Etliche [Eidgenossen], die 
anstatt der Harnischen Göller aus Elends- oder sonet 
Ochsenhäuten gemacht brauchen.' JosSimml. 1576. — 
b) Göller, Name der ehemaligen fürstäbtischen Reiter- 
kompagnien in G [um 1790], von ihrem dichten, gelb- 
ledernen Koller. 

Ahd. kollicr, gdlier, frz. cMier aus lat. collarium, wie 
,Saller' ans aolarium. Der Uml. aus dem PI. in den Sg. ein- 
gedrungen, wie die historischen Belege zeigen, im PI. selbst 
daraus zu erklären, dass man das -er dem der Neutrapi. auf 
-er (mhd. -ir) gleichsetzte; -( angeschossen wie in yealert, 
Puffert u. a.; -!d- aus H entwickelt wie in Ckolder aus ,Koller'. 

Hals-: 1.= Göller 1 a. ,Uss dem messgewand 
wurdent den frowen vil halsgelleren gemacht.' Edlib. 
1526. ,Ein zal halsgöller.' Aal 1549. ,Focale, ein h. 
für Irost und kälte. Mamillare, ein bru.sttuech, h.' 
Fris.; Mal. — 2. Stück der Männerkleidung, vgl. 
Göller Ib u. 2. ,Der Bilger soll han ein lidernen 
halsgoler.' Stockar 1519. — Hemd-: Hemdkragen 
bei Männern und Knaben GKh. — Lib-: ,Sein [des 
Elenns] haut gibt gar guote leibgöller, das stich und 
schwertschläg aufhebt.' Tierb. 1563. S. Gijller 2. — 
,Ledergoller, lorica.' Mal. = Göller 2. 

Göller n s. Gol 2. 

Gnl I m.: Gaul, Pferd Aa; Gr; L; GRh.; S. Der 
Cr., de" de' Haber verdienet, frisst e" [ihn] nid L. 
Wenn er am erste' Lug es Boss cj'ge [gegeben] hätt', 
er war' en alte G. ebd. Gross und fül git (ist) au''' en 
G. Gr; GRh.; Sch; Z, gemünzt auf grosse aber träge 
Personen. 1. grosses, starkes Pferd, Arbeitspferd. 
Striglen und bürsten a' dene" Gülen um. .Ioachim. — 
2. geringes Pferd Gr. Auch übcrtr.: e' grosse" G., 
verächtlich, ein grosser Mann Gk; GWe.; daher: Er 
hät-eni [ihm] alli Schand und Gaul g'seit. Süterm. 
— 3. Reit-, Streitpferd. , Bering, schneller Gaul, 
der daher lauft, als ob er fliege, ales equus.' Mal. 
,Keiser Adolf ward von sinem gul [herunter] ge- 
stochen.' RüEGER 1606. Bildl.: De' best Gaul stolperet 
öppen e'-mol. Suluer. Vom G. uf der Esel cho [kom- 
men], ebd. A' 's Meine' und Glaube' bindt me [man] 
kein G. fest. ebd. .Jeder seinem G. schau zum Maul.' 
1706, Gl. In ä. Spr. bes. die RA. vom [zum Angriff] 
gehenden Pferde : ,Da liess er [der Priester] den Gul 
inher gän [geriet in Harnisch, eig. spornte das Pferd 
zum Angriff], ze strafen, dass wir die fürbitt der hei- 
ligen verwurfend.' 1529, Strickl. ,üu bist im z' jung 
und z' glatt um 's mul, wärist erst elter, so gieng der 
g. [so hätte deine Behauptung Wirkung und Erfolg].' 
NMan. 1526. Ähnlich Salat 1537: ,den g. Ion gan.' 
, Mittler zit ward vil zwüschet den partien an die band 
genommen, si gänzlich ze verrichten [versöhnen]. So 
wollt der gul doch nit gon [die Sache geriet ins Stocken] 
und truog der tüfel alwenzuo [stets] etwas in die sach, 
dass nünt [Nichts] daruss ward.' Vab. ,Die narren lasst 
man toben und treiben iren g.' ValTscbüdi 1533. ,Kouft 
er ir 's nit, so henkt s}- 's mul und blitzget wie ein 
böser g.- Aal 1Ö49. .Meisterwurz hilft dem erstor- 
benen [impotenten] mann wider auf den gaul.' Bock 
1577. — 4. Hengst. , Wegen dem Gul und ganzen 
Hoodstiereii. Damit die Erjüngerung des Vychs desto 
besser befördert werde, mag ein G., so man uf die 
Alp ordnet, frei laufen.' Alprecht BHa. 1749. Bes. in 
alliterierender Formel mit Gurren [Stute] verbunden 
i. S. V.: Eins wie das .\ndere, in gleichem Werte, 



vgl. Heiri was Hans -u. ä. ,Und ward die sach bericht 
[geschlichtet], schad gegen schad und gul an gurren.' 
Jdstingeb c. 1420. ,Man sach, dass gurre glich was 
wie g.' Eckst. 1526. ,Ir sind zuo beiden syten [beide 
Parteien] ful und ist warlich fast gurr als g.' NMan. 
1530. ,Es ist eben Gurr als Gaul.' Met. Hort. 1692. 
Vgl. noch Güd (Göl) um Gätsch. — 5. Geschln., in 
Z schon vor 1500 (Leu). , Adelheid Gul von Basser- 
storf.' 1504, Edlib. Der jetzige Geschln. Gull in Tb; 
ZVolketschw. könnte Verdumpfung aus Goll sein; doch 
vgl.: ,Uoli Gul von Hegnau.' 1531, Bull. Auch Bergn. 
Gr und davon viell. der dortige Geschln. Guler. — 
Zu dem Bergn. vgl. £«e/, Hemjst. 

Acher-: Pflugpferd S. — Post-. , So mager, wie 
ein alter Postgaul.' Bs (Breitenst). — Schind-: 
Pferd, reif für den Schindanger. D' Boss si"' worde' 
wie alt Schindgül S. Vgl. ,Schindmähre'. 

Guless m.: mageres Zugpferd SRech. 

Mit der nicht seltenen, meist einen verächtlichen Neben- 
liegriif mit sich führenden Endung f-e»«) -w« weitergebildet. 
Vgl. (!äy</is (Sp. 168), GäuggiH (Sp. 174). 

Gul II m.: Hahn. Ausser in der ä. Spr. nur bei 
Hebel: Der G. uff-em Chilcheturn. Für Aa u. Z gibt 
St.° Göl q. V. ,Eicr, huener, güU.' Met., Wint: Chr. 
c. 1550. .Das Werfen nach lebendigen Hähnen als 
Spiel und Volksbelustigung im XVI.: ,[Der Urheber 
des Schiessfestes] hat auch ein obentür ussgeben; die 
ist g'syn : Ein güggelnest hett er an ein pfal gebunden 
und hett 3 bengel von erlinem holz trayen [drechseln 
lassen] und welcher mit disen bengeln zun güU hett 
wellen werfen, hett sollen ein costenzerpfennig ggben 
von einem wurf und welcher aller merest g. ze tod 
wurf, der soll die abentür g'wunnen haben. Der wurf 
ist in der wyti g'syn 14 schritt.' ebd. ,Gallus galli- 
naceus, von den Teutschen Han, Gul und Güggel ge- 
nennt.' VoGELB. 1557. .Hanen oder Gulen (PI.).' HBüll. 
15.57. Syn. Gulli, Gülli. S. noch Gulligü. 

Wahrsch. identisch mit Gal I, welches im Ahd. auch 
Eber oder männliches Tier übh. bedeutet. Zu der Form 
Göl Tgl. noch ,Gollstein' bei Simrock, Mythol. 387 = unserm 
GüggelHleln. Hieher viell. auch der Personn. Gülenieser c. 1500, 
Arch. SchwE., i. S. v. Feinschmecker, Schlemmer. 

Gnl III f.: das Ungewisse, Geratewohl. Nur in 
der RA.: uf G. g'e [geben], auf Risiko geben, auf Treu 
und Glauben borgen AAZein. — Das Geschl. ist wohl 
zweifelhaft. 

Hundert-, nur formelhaft in einer Art Spiel, bes. 
zur Herbstzeit. Es hält Jrad vor einer Kinderschar 
einen Gegenstand, bes. Nüsse, Äpfel, Birnen, empor 
und mit dem Rufe: (Uf) H.! Wer 's ufhebe' will, sei 
nit z' ful! wirft er die Sache weit weg, worauf ein 
Jedes sich beeilt, dieselbe zu erhaschen AAZein. 

gflle" : in grossen Flocken schneien GW. S. auch 
Fazenetli. — Viell. zu Gül II, da das Schneien in kleinen 
Flocken mit dem Bienenschwarm verglichen wird (s. lijelen). 

Grile° f., Dim. Güleli: Beule, Blatter, bes. von den 
Pocken, der Räude Aa ; Bs. GiUeli, Eiterhläschen Bs, 
Hitzbläschen, bes. an den Lippen AaFtI. Syn. Gügen. 

Gülen kann aus Gaißen zsgez. sein. Vgl. auch mhd. gilll, 
scrophula und EltergüU Schm.-Fr. Da aber das Syn. Bibeli 
sowohl ,Hühuchen' als ,Eiterbläschen' bedeutet, kfinnte Galen 
auch zu GüU Hahn, gehören und nach dem weiblichen Syn. 
Gugra, Blaieren udgl. gebildet sein. 

Hitz-Güleli: Hitzblättercheu AAFri. 



1. SnI 



tinlli Ap; VOrte; Gl; Gr; G; Sch; ZRichtersw., 
Giilli LHabsb.; aScuw; UwK. (neben -«-), PI. -lene' 
m.: I.Hahn, a) Haushahn, auch Hahn auf dem Kirch- 
turm, allg. Neben Güggel tw. mehr mit scherzhafter 
Färbung und in der Kinderspr. Der G. schlät i" 
(V Trumme', d's Hüendii tanzet uinme' Gl. Salomi 
tuet d' Hüender i", lät der G. laufe'; es chunnt e 
fründe" Bettelma"' und wott der G. chaiife'. ebd. Mir 
[wir Schweizer] sind iez nur ei" Fdiiiilll. hrürlit 's 
denn aw'' e frönde Giilli, wenn sust li Ilnriicr luiit/ 
sind? HXfl. 1803. ,Ein adler im [ihm] den !,nili iiain'.- 
Inschr. bei Lachen Scuw. ,Es durfte Keiner mehr als 
t'i Hühner sammt einem Giilli halten.' Dettling 18G0. 
.Der Han, Gukel, Gule.' Red. 1662. Syn. Gür/gel, Gül II. 

— b) Truthahn, meleagris gallopavo GuMaienf.; üwE.; 
auch mit dem Zusatz , welsch' L. Er hat en Chopf 
trie-n-en G-, rot wie ein welscher Hahn Sch. Syn. 
Gulligü, Gurri, Gurriröter. — 2. Guli ! G. ! Z u r u f an 
die Hühner Gr. — 3. übertr., ein lustiger Bursche 
Ni)w, ein unbesonnener Plauderer L, Prahler ZO. 
(GülliJ. .Schwyg du, Gulü' sagt ein Vater von Zg 
zu seinem vorlauten Sohne. 1523, Abscu. ,Du g., wenn 
willt witzig werden, wenn d' hüener fürsich [vorwärts] 
kratzend d' erden V Aal 1549. ,Uu wüester g., grober 
filz!' ebd. ,Dass dich der ritt [Fieber] als gulis schütt! 
Wenn hast guueg g'schwätzt und g'klappret hüttV 
KuEF 1550. ,Narr, g., blennus, fatuus.' Mal. S. Gauch. 

— 4. Pflanzenn. a) Guli, die rote Varietät des Lerchen- 
sporns, corydalis cava, während die weisse Henne' 
heisst GWe. Syn. Gügerügii; Goli 1 b; Hane'. — 
b) Güli und üim. Güleli, Orchisarten, bes. o. masc, 
morio und maculata. ebd. Vgl. , roter Gukuk', orchis 
latif. — 5. Eigenn. a) G. und Guller, Geschln. in Zf. 
b) Hundename: ,ein Vogelhund, genannt Guli.' Z 1504. 
e) Name eines Hofes LUdlig. 

Gebildet wie ein nomeo ageutis, wiewohl kein Vb. gullen 
vorhanden ist. Ähnlich das Syn. GuUei- bei Feiner 1803; 
vgl. ,die huhuer und gülerlin' in einer Miilhauser Urk. 4 von 
dorn hahnenkauimartigen roten Blütenstrauss beider Pflanzen; 
vgl. noch (nii/yellMinbcn. Zu 4 a vgl. östr. ,Giggerehaner', 
bair. ,Gackelhanblueni' und die gemeindeutschen Namen; 
.Hahnenkamm, Hahaensporn'. Doch scheint Mischung mit 
f!öU 1 h (s. d.) Statt gefunden zu haben. 

Wild-: Weibchen des Auerhahns, tetrao urogallus 
GA. (Alpina 1827). Syn. Ur-, Gugel-, Wild-Huen. — 
Wahrsch. n. 

Zit-; ein Hahn, der nur zur bestimmten Zeit 
kräht ScHwE. 

Gnllign Ap; L; Sch, „Güligü VOrte" m.: 1. Trut- 
hahn Ap; L; Sch. Syn. Gulli 1 b; Gurri. Welsch 
welsch Hüne", träg-mi''' i'-der Zäne' [Zeinen, Korb]; 
bi" grösser weder du, Guli Guli-gü! Sch (Kinderreim). 
-- 2. „Haushahn VOrte." Syn. Güggel, Güggehü! 

Für die Etymologie des Namens dieses irrtümlich aus Ost- 
indien statt aus Amerika hergeleiteten Vogels liegen zwei Mög- 
lichkeiten vor; entw. Entstehung aus Calhut (vgl. ,Gallopavus' 
ein indianisch, kalekuttisch oder wälsch huen.' Vngelb. 1557) 
durch Anlehnung an Gulli, wie frz. dintle, dindon aus (poule, 
ruq) d'Inde, oder dann aus Gidli-gü(l), einer Zss. wie Omjijei- 
hun und Gugelhan, welch letzteres auch den Auerhahn be- 
zeichnet. Zulässig ist aber auch die Annahme, ff. sei eig. 
blosser Lockruf des viel geneckten Vogels, reduplicieread 
gebildet; vgl. JSibi, Bobouas, llujipenho, Schlumjximp u.a., mit 
Zugrundelegung von Gulli und Nachahmung der Stimme des 
Puters; vgl. Gügciehü. 



-Oulilger, Gulungger m. : ein verächtliches, 
schlechtes Ding in seiner Art, lebendig od. leblos LG." 

Wahrsch. durch Vocaleinschub aus Glugger und Glungger, 
wie Galangger aus Glangger, und daher wohl Giduggcr an- 
zusetzen. 

Gül m. : kleiner Holzpflock mit einem Einschnitt, 
einer Nase (oder auch kurzes, an beiden Enden zu- 
gespitztes Aststück), beim Spiel gülen gebraucht GS., 
T.; ZReg. Syn. Niggel; Bolz; TötzU. - Aus dem folg. 
Vb. abgel. 

gülefn) (-»-): i^in Spiel der Knaben. Der Gül wird 
von riih'in -rliirr,i,|i(ii,l<'ii 1 ' fahle (resp. das am Boden 
liegcii^l.- A-iMihk .lui.h S.hlagen auf die Endspitzen) 
mit einer hulzcrncii S^cliaufcl oder einem Prügel (Ell) 
weit weg geschleudert. Die Gegenpartei sucht ihn 
aufzufangen. Gelingt dies nicht, so wird die Distanz 
mit dem Schlag.stab abgemessen. Die Partei, welche 
mehr , Ellen' (GT.) oder .Güle"' (ZReg., wo 9 Ellen 
einen G. geben) hat, bleibt Siegerin. Syn. niggelen, 
güflj-nigglen, hornigglen; bölzlen, tötzlen. 

Wohl von Gal II. Das Spiel ist übrigens weit verbreitet: 
,Gill schlajen' Elsass, ,möckelen' Schwaben, rätorom. dar h 
gcrla. frz. guine. 

Gülle- {l- BSi.) f.: 1. Wasserlache. Tümpel, bes. 
vom Regen gebildet, gleichviel ob klar oder trüb; 
dann Kotlache, Sumpf; Ansammlung von Jauche Aa; 
Ap; Bs; B; VOrte; Gr; G; S; W. Und lauft uir- 
nö [nach], sc sinkt me' in e G. Hebel. Er haltet 
tapfer de" liegen uf mit-eni Filzhuet und p fallet 
[watet] wacker dur''' d' G. uf der Ströss. Breitenst. 
1864. ,Wenn Zeberg [der Schuldige] Obgesagtes wird 
erfüllen, wird er austrocknen seiner Sünden G.' Schwz. 
ErzXhler 1856. ,Ein weg über das ägkerli zuo der 
g. der zeig.' 1433, ScnRüedl. .Gott hat in [Luther] 
die statt Rom soeben lassen als den cistern und g., uss 
welichen verfüeruni,'- uf((iiellet.' Kessl. 1539. ,Palus, 
ein pfütz oder iMoskulirn, i;.- Fris. .Volutabrum, mist- 
lach, katlach. i,'-. dariii ,sirli die seüw walend.' Fris.; 
Mal. .Lassest dem Pferd sein Muet und Willen, 
wirft's dich vom Sattel in die G.' Barzäus c. 1050. 
,G., pfui, lache, lacuna, palus; coenosa aqua.' Red. 
1662, neben .gul, lacuna.' 1656. , Palus, pfützen. la- 
chen, g.' Denzl. 1677; 1716. Vertreten in zahlreichen 
Flurnn., auch in Gegenden, wo der appellative Ge- 
brauch aufgehört hat. , Streuland in der G.' ZPfäff. ; 
,in der blauen G.' ZUst.; ,in der Wi'g.\ Reben in 
ZHott., schon 1727; ,in der Katzeng.' TnDän.; .der 
G-acher.' Arch. Weit. 1653; ,der G-graben', Graben 
mit stagnierendem Wasser. Glur 1835. Gülle' in 
GBalg. Name der Aach bei ihrer Mündung, weil 
sie da von Lehmerde gefärbt ist, was auf Bed. 2 
Weist. In den G., Wildsaulachen im Walde AAVillig. 
In WLeuk ,eine Roos-, eine Heil- und eine Kotz-G.', 
das angesammelte Wasser der Badequellen bezeichnend. 
Hieher gehijrt auch der Geschln. Güller, Anwohner 
einer G.: ,Jak. G.' ScnwPfäff. 14'27; ,Hänsi G. von 
ZDällikon.' 1529. Scherzhaft übertragen vom Tümpel 
oder Teiche auf Seen, ja das Meer in folgender An- 
wendung: Er ist über d' G. use", er ist über den (Vier- 
waldst.-)See gereist UwE.; d' G-, uo d' Schwiz m» 
TütschhiKl srhrhll [der Bodensee].' HXfl. 1813; «/" 
der Cr,, aiil drill Weltmeer GRh.; über d' G. fare", 
nach .\iiierik;i i^elicn ScuwE. ,Die gross G.', der Ocean. 
B Hink, Bote lS-_'2; vgl. waadtl. .la iimn gollha, hx 



(ial— gnl. Galb—gulb. GaU— guUl 



224 



mer, et aussi le lac Leman.' (Bridel). Ins Kleine, ge- 
wendet dagegen ist die Anwendung, wenn G. in GrL. 
zerschmolzene Butter oder Gilleli in Ndw gar nur einen 
Tropfen Flüssigkeit auf dem Tisch bezeichnen kann. 
Syn. Gumpen; Gunten; Glunggen. — 2. Jauche zum 
Düngen Aa; Ap; Bs; B; Gr; L; G; S; Schw tw.; Th; 
Uw; Z; Zg. In der ebneren Schweiz, zumal seit Ein- 
führung der Stallfütterung, neben dem .Mist' das 
Hauptdüngmittel, übrigens in 2 Spezies zerfallend, je 
nachdem dazu die Exkremente vom Vieh (Vieh-, 
Küe-G.) oder vom Menschen (Hüali-G.J vermengt mit 
Wasser verwendet werden. Im Herbst de'' Mist, im 
Früelig d' G. tuet dem Bür die Schüre' fülle'. Sprw. 
Chlär tvie G., sarkastisch von einem unklaren Ar- 
gument Z. Syn. Lachen; Mistbrüe; Beschütti. 

Mhd. gUlle, Lache, Pfütze. Ein echt alem. W., das in 
der Schweiz seine eigentliche Heimat und seine reichste Ent- 
faltung hat, wie sein Eindringen zu den romanischen Nach- 
barn (frz. la gMhn, gottie, gouille, rätoroni. la tjüla), sowie 
der Umstand beweist, dass dasselbe erster Bestandteil von 
über 40 Zssen ist, deren Mehrzahl zu Bed. 2 gehört, ein 
Zeugniss zugleich für die landwirtschaftliche Betriebsamkeit. 

— Nach Bed. 2 liegt Vwdtsch. mit , Galle' nahe; doch zu 
Bed. 1 stimmt merkwürdig finn. l-ulju, auch nd. kute und 
koH; während die Laute sich nicht dazu fügen; eher engl. 
ijill, Vertiefung, Wassergraben, und noch mehr mnd. yole, 
goel, m. u. f., Sumpf, feuchte Niederung. — Der Mittelbegriff 
zw. I und 2 ist Mistlache, d. h. das in der Mistgrube vor 
dem Stall, wohin die gebrauchte Streue geworfen wurde, sich 
sammelnde schmutzige Wasser. Vgl. : ,Es soll niemand im 
dorf kein g. in der gemeindstrassen streuen |d. h. die Mist- 
lache bis ins Strassengebiet ausdehnen], bau [Dünger] zu 
machen, damit nienkli'hs iintrthindert faren und wandlen 
möge.' 1591, GrHr. (Ztsclir. f. schwz. R.). 0. daher in ge- 
wissen Gegenden, z. B. Bs. .S|iitzname der Bauern von Seite 
der Handwerker odfi Städter, iilinl. OüUi-'-Hünd und -Wünn. 

Aprille"-Gülle": die Regengüsse und das Sudel- 
wetter im April. Nur im Bauernsprichw. : Ahrelle'-G. 
tuet de" Pure' d' Chäste' {Schüre' und Ch. S) fülle'. 
allg. Merze'stauh und A. tue' de" P. d' Spicher f. 
FMa. Merzeschne wie Gift, A. wie Mist AaL. Vgl. 
das gemeindeutsche: .Trockner April ist nicht der 
Bauern Will.' 

Der fruchtbare Aprilregen ist in der Wirkung gleich- 
gesetzt derjenigen von Güllen 2; da aber der April zugleich 
die Zeit des Düngens ist, mag das W. vom eigentlichen 
Düngen mit Jauche ausgegangen sein. 

Ve"^""-, Chüe-: die von dem Auswurf des Rind- 
viehes gewonnene Jauche Z. Syn. Mist-G.; Küeh- 
graben. — Frosch-: Tümpel, Sumpfstelle, wo Frösche 
sich aufhalten Aa; Z. — Hüsli-: Abtrittjauche Aa; Z. 
Syn. Schi^s-G. 

Maie"-: Merzestaub, Abrellelaub, 31. tuet de" Pure' 
d' Chäste" fälle" UwE. - Die Höhe der Lage m.<icht hier 
Mai statt April begreiflich. 

Mist-: 1. Mistpfutze B; L. ,Wie in einer Misti-g., 
wo alles voll Gugenmöne [Unken] rufen.' Inderbitzi 
1826. ,Es [das Fuhrwerk] gieng einer M. zu und 
Anna Bäbi meinte, es gehe ihm wie dem Pharao im 
roten Meer.' Gotth. .Stercorata coUuvies cortis, mistg., 
mistlachen.' Fris. ; Mal. ,Ist die Todesgefahr vorüber, 
so laufen sie den M-n ihrer Wollüsten wieder so be- 
gierig zu als zuvor.' JJUlr. 17-33. — 2. Mistjauche 
B; L; üw. .Die M. [um den Düngerhaufen] lief hin, 
wohin es ihr beliebte.' Gotth. „Syn. Mistgüllenwasser. " 

— Schioder-: die nach dem Eintunken und Rühren 



des Stallmistes im , Kühgraben' gewonnene Jauche 
ZKn. Syn. Flotsch-G. — SiMode,-, dünner Brei. 

Schnee-: Pfütze von Schneewasser Obw. — 
Stall-: == Küe-G. Z. — , Wasser-: Wasserpfütze, 
allg." 

güllele": nach Jauche riechen, allg. 

güUe" (jTM?/««" GWe.): Jauche austragen, -fuhren; 
mit J. begiessen, düngen Aa; Ap; S; Z. 

gülleriere": = gülle' Bs. 

güll-ig, -achtig: „pfützig, einer Pfütze ähnlich; 
Mistjauche enthaltend, allg." .Paludosus, mosachtig, 
güllachtig, voll pfützen.' Fkis. 



gelb s. gehe. 



gilb- s. gilw- 



„Gildi: w. Taufn., Hermengild ü." 

bi-Gold s. Gott. 

er-goldere" (-Ö- GSev.): 1. (intr.) vor Frost oder 
Schmerzen zittern GRh. — 2. trs. schütteln, z. B. 
einen Baum. ebd. Vgl. erguderen, ergolljen und er- 
bolderen. 

Gold er s. Göller. 

Golil, veraltet Guld n.: Wi" wie G., goldgelb Z. 
Gold (als Metall) in vielen RAA. En Tag wie G. 
[so schön] ZS. En Ma"" (treu) wie G., von gold- 
lauterm Charakter Z. Weisse' [Weizen] so gel'' wie 's 
G. im Lade' Z. Ei"m 's letzt Tröpfli G. ge; das 
letzte Goldstück Z. Er [der Kranke] ist gel worde" 
wie-n-es Göldli, sogar 's Wüs ro" de" Auge' Z. Wenn 
man auf das Weinen eines Kindes aufmerksam gemacht 
wird, so sagt man in beruhigendem Ton: Es schreit 
ke' Gold! [sein Schreien hat Nichts zu sagen] Z. 
Wenn man Etw. entlehnt, das der Eigentümer nicht 
gern hergibt: Es tiird-em wol rkei" G. abgä" [es wird 
von seinem Werte beim Gebrauche Nichts abgehen, 
gleichsam abgerieben werden] Z. Glattfelder, Höngger, 
Hettlinger, Sternenberger, Tössegger G., so viel als 
.Katzengold'; auch etwa Höngger G., 's Pfund um-enen 
Schilli'g [z. T. entlegnere ZOrte, an die sich der Volks- 
witz heftet]. .Dass Gott mit solcher ruoten oder Züch- 
tigung (wie man von den kinderen g'meinlich sagt) 
inen das g. in buosen lege.' RGualth. 1584. ,[Der 
Abt] soll ohne silber und gold [ohne dafür Entschä- 
digung fordern zu dürfen] und wann es die notturft 
erforderet glycli zue 14 tagen umb g'richt und recht 
halten.' ItJlo". Okf.\. oUtzw. Z' (Aa; Gl; GrHc., Pr.; 
GA.), irr- (BO.; ä. Lit. .für') Gold gä; vergold(eJt gä", 
vergolde" Gr: untergehen, von der Sonne Aa; BO. ; 
Gl; Gr; GA. D' Sunnn ist am Vergoldgä' g'si" OrPt. 
(Schwzd.). D' S. will vergold BHa. Auch vom Monde 
GrD. Vergold sl', untergegangen Gr. ,Am dritten 
tag, so die sonn für gold gät, so so"°nd die pfand us- 
gerüeft syn.' 1466, GGebhardsw. Oifn. und ähnlich in 
den gleichzeitigen Offn. von GBurgau, Sulgen, oBüren. 
,Also gieng die richtung an uf tatem [Datum] des- 
selben tags und wert bis uf Santjörgen tag, so die 
sunne virgelt zue gnaden gieng.' Edlib. ,Es soll yeder 



Galil, g.'KI, güd, ffoM, Riild 



zue fiueyer uiesszyf an die arbeit stau und nit wyclicn, 
bis die sonn vergolt ist.' 1491, Gr (Ztschr. f. schw. R.). 
.Occasus solis, nidergang oder das vergoldgon der 
sonnen. Sole occiduo, wie die sonn für gold was. 
Condere dieni in collibus, da sein, bis die sonn für 
gold gat, bis die sonn hinder den Berg gat. So die 
sonn nidergat oder fürgold gat. Die sonn ist nider- 
gangen, ist vergold.' Fris. ,Die sonn will fürgold, 
die nacht ist vorhanden, sol ruit.' Mal. , Gleich der 
Sonne, wann sie des Abends, wie wir zu reden pflegen, 
zu Golde gehet' JJÜlr. 1733. .Am Abend, weil eben 
die Sonne zu Golde gieng.' Tobl. VL. S. noch Vesper. 
i^bertr. auf andere Gegenstände: dem Anblick ent- 
zogen werden, z. B. von einem Manne, der um eine 
Ecke biegt BO.; Gr. „Er ist mir vergold gegangen, 
ich habe ihn erst vorbeigehen sehen, habe ihn erst 
aus dem Gesicht verloren. Er ist lustig vergoldet, 
schnell verschwunden, unsichtbar geworden GRAnt." 
l)' March heind-sch' [haben sie] nid finda' chönna", 
(ib'ir schi ist au"'' rila [beinahe] O;rgoh im Bode' und 
itbarwasmat [mit Rasen bewachsen] (fsl' GrD. Von 
einem im Wasser udgl. versinkenden Gegenstand Gr. 
Amol [einmal] is( .j Kua ihi" [in den See] g'fallo" und 
dri" ersoff'a'; si ist (j'rad c'rgold g'gangw (Schwizerd.). 
Es hed im Mied teufi Atalöcher [Luftlöcher], i' dena' 
die grösst Lama vergoldati. Zur Neige (von Lebens- 
mitteln), zu Gruudc. verloren gehen, abhanden konmien 
BBe.; Gl; Gh. De [du] gast no''' z' G., zu einem 
schwächlichen Kinde, das in seiner Entwicklung mehr 
rückwärts als vorwärts geht GlK. 

.\mhd. (johl. Das W. lebt auch ia Fhinin. ,Iiii Gold', 
Wiesen in ZZull. u. Wyt., gegen SouDeuuntergang geneigt; 
vgl. ,Goldsiten', Höfe iu LEntl. n. Komoos; die ,Gold-acli', 
Fl. iu Ap u. G, die .Gold-a', Bath in BE.; ,in der Goldey', 
Landstrich zw. dem Härder und der Aare [= Goldau SchwJ, 
,G-Acker' Seh, ,G-Halden' Z, ,G-Bach' B; L; Z, ,Gcjldeuberg' 
ZWthiir, Zoll, (im adhenij), ,Goldberg' GSchmer., ,Güld- 
bnmnen' LRain, ,G-Rain' Seh, ,Goldi- und Golds- Wyl' BO. 
Im ,G-Loch', einem Schacht am Schnebelhorn, sollen ,Vene- 
diger-Männli' nach Gold gegraben haben. In ,Golen- oder 
Goldcngrund', wo Goldwäscherei betrieben wird, hat Um- 
deiitung ans Goll IV stattgefunden (die Gegend wird von der 
verheerenden ,Gol' durchströmt), mit welchem unser W. in 
mehreren Flurnn. coucurrieren dürfte. Vgl. guldin. Hieher 
auch der Z Familienn. ,Göldli- (um das J. 900 ,Coldilln'), 
die, wie gesagt wird, den Namen von ihrem Keichtum er- 
halten haben sollen, und der in dem G Ortsn. , Goldingen' 
steckende Personenn. ,Goldo'. Urspr. mythologische Beziehung 
lebt vielleicht noch fort in der EA. vom Gold weinenden 
Kinde; vgl. die goldenen Tränen der Freyia und .Morgen- 
stunde hat G. im Munde.' Simr. , Myth. * 283. — Zc ti. 
gä", auch mnd. lo ijol(k gun. Vgl. (das nicht ganz sichere) 
ags. «Mime goedh Iu gläde [zu Glänze. Gr., Myth. 702. 3] und 
.VVann die Sonn in ihrem Undergang nicht nur, wie wir 
reden, zu G. wird, sonder etwan gar blutrot erscheint.' 
IMüller 1666. Die Sonne wird dem G. verglichen (»i gät 
■r//e" leie nea G. Z) oder geradezu als golden gedacht; so in 
.Uni Zuruf des (ieizigen: Ach, chönnt i''' d^r au''' di"s Cidd 
■•hHvhahe'! Stutz (ähnlich bei Rochh., AK. 192, als Zuruf an 
.iie Abendsonne). S. Germania 19, -1:30 ff. n. vgl. noch den 
lUauben an die goldenen Regenbogenschüsselchen. Betr. vcr-: 
n„- vgl. Bd I 912, Aum. .Virgelt' bei Edlib. ist ein Bei- 
spiel mehr von seiner Ungeschicklichkeit in Handhabung der 
Feder oder, worauf die tautologische Beifügung von ,zuo 
liuadeu' deutet, ein Beweis, dass dem Schreiber jene alter- 
tümliche RA. nicht mehr klar war. Betr. die Verwendung 
von gan mit Ptc. fast i. S. v. .werden" vgl. die analoge von 
Jvin. Vergolden aus dem adverbial gebrauchten, versteinerten 
vfrgold. wie ,vergueten', gestatten, aus verguet. — Abi. gohlcn. 
Schweiz. Idiotikou II. 



Unz-: gemünztes G.; aufgenäht oder röhrenförmig 
aufgerollt und an Schnüre gesteckt, auch als Schmuck 
getragen. ,Gold, silber, berlen, u., sammat, tamast' 
wird an Kleidern verboten.- ir)'29, Egli, Act. 

Kette"-: Werkgold von geringerm Feingehalt als 
das Dukatengold, wie es die Goldarbeiter bes. zu 
Ketten verwendeten. In einer an die Eidgenossen 
gemachten Zahlung erscheinen .1 Mark l'/a Unzen an 
K.-G.' 1476, Absch. 

Katze"-: unechtes G., Mineral mit (joldglanz 
(z. B. Glimmer), auch scherzw. Messing S. 

Pietrus-: fremde Geldsorte zur Zeit der Bur- 
gunderkriege G Stiftsarch. Wahrsch. aus den Nieder- 
landen und den Eidgenossen als Beuteanteil zugefallen. 
Schätter-: Flittergold, in dem Spruch: I'* hin 
imene Göuermaiteli hold, es dräit [trägt] es churzes 
Jüppli, am Chopf e Ghränzli vo' Seh. AAZein. — 
Schauer, wertlose Waare. 

Ziginen-: Zechinen-, Dukaten-, also feineres G. 
,1 Büchlein Zigeineng.' Altes Mittelbucu. 

Zein-: Stangengold. ,Auruni factum, z.. das nuiii 
yetz verwerket oder sunst zuo nutz braucht.' Fkis. 
,Das yetz gemünzet oder ins werk bracht ist.' Mal. 
S. noch Plantschen. — Mhd. sein, Stab; vgl. unser ,Zein- 
Isen'. 

Gold-acher, -ecker s. Epfel Bd I 3(38. 
golde(n): Gold waschen. ,N. N.. dem ir die weid 
in der Aren ze g. verlihen habent.' 1157, S Wochenbl. 
.Weilen sie ihr Stück Brot durcli G. verdienen.' 
JJSOHEÜCHZ. 1746. 

über-gülde(n): mit Gold überziehen, vergolden. 
,Die Leute seien heut zu Tage Nichts mehr wert. 
Wenn man sie schon ü. wollte, so finde man sie 
nicht, wie man sie suche.' Gotth. ,In feur Übergült. 
Auratus, vergült oder Übergült, aurarc, vergülden, ü.' 
Fkis.; Mal. , Zwei Übergülte, silberne Trinkgeschirr.' 
JJRüEUER 1606. ,Wann einer in ein königlich Schloss 
gienge und man führt ihn in die Stuben der Knechten, 
ja in den Rossstall selbst und funde daselbsten Alles 
Übergült, wurde er nit die Rechnung macheu, dass 
die Wohnung des Königs noch viel tausend Mahlen 
herrlicher sein werde'?' StGabriel 1627. — ver-: 
1. wie nhd. Silber und vergült, silbern und vergoldet. 
Einen schier v., übertrieben lieb haben und hocli 
halten Z. Er tät-en v., wenn er chönnt. Scherzh.: 
Eine" mit Dreck v. Z. ,Mit gold vergölt.' Edlib. ,Ver- 
gülter becher; vergült trinkgeschirr.' Mal. , Hiesige 
Krämer mögen allerhand möschine Zeichen und Creuz- 
liu, jedoch nit vergült oder versilbert, feil haben.' 
1631, ScHwE. Klosterarch. ,ln den vergülten Kugeln.- 
JZiEiiL. 1647. Goldgelb färben: ,Den Teig auf das 
Röstewcissmodel legen, sanft zudrücken und backen, 
um das Trölhölzli winden und rautenweis vergulden.- 
B Kochb. 1756. — 2. s. (ze) Gold (gan). 

.Golder, Göldner nennet man die aurilegulos. 
Goldfischer, welche mit dem Gold suchen und waschen 
umgehen.' JJScheuchz. 1707; 1746. Hieher viell. der 
alte L Geschln. ,Golder', da in der Emnio Gold ge- 
waschen wurde. 

Goldere" f.: 1. Türkenbund, liliuni martagon 
„B;" Gr. Syn. Gold-nölle", -Würz. '2. Ort, wo 



227 



Gald, geld, gild. gold, gilltl 



man nach Uuld sucht. Erhalten in dem (.Irtan. ,in 
der (i.' B oH. Analog: Koleren. 

Die goldgelbe Zwiebel der Pflanze wurde, viell. gerade 
ilirer färbe wegen, von Goldmachern beuutzt und lieisst 
daher auch Alchyniisten-Zwiebel. 

Goldi (resp. -Ö-) m.: 1. Name eines Rindes S. — 
2. (ü) Gold- oder Ringfinger Schw; Zg. 

^MiMi". -dig: 1. golden, eig. u. bildl. allg. 3Iit 
(jHhUiu" CliiHijife". JKMey. Ei"!)! giildi Bery ver- 
[spirrh," S^ II -t. Z' Bade" stöt e guldifg/ Hits [Kinder- 
licd, an die g.ddcnen Wohnungen der Götter erinnernd]. 
Wenn es gelingt, die unterste Wurzel der Ackerwinde 
(eines eben so schädlichen als schwer ausrottbaren 
Unkrautes) herauszuziehen, so findet sich ein ,guldener 
Kiin|.t- daran, sauten dir Alten /Zoll. Hölzigi Chelch 
iiinl i/iililhn l'nrstcr linl :lir n.lt ('hil'''(" g'hd" ; und 
jet:lY L (liieiihcn). Die ijnldnii Xnclit, Brautnacht 
Aa; B; L. 's Mücli wHl der Wüle" nit drl" ge"; es 
seid, es lueg-di"' nid a"; und die guldig N. über- 
chömmid-mrf nümme, nirr hei'-si scfw g'ha". Die 
guldi Wache', Flitterwoche W. ,Silbern vel güldin.' 
Ebinger 14.38. ,Wir bittend üch yngedenk ze syn, 
was glückseliger und guldiner jaren (wie man 's nem- 
nien möclit) gewesen by unser vätter zytcn, da unser 
catholisch gloub noch ganz und einhellig war.' 1586, 
Absch. , Münzen, gulde, silbere und erze.' JJRüeueb 
1606. , Keine guldine Zeiten zu erwarten.' JMüi-lek 
1665. l>as ,christliche Bündnis' oder die , christliche 
Bruderschaft' der 7 katholischen Orte vom J. 1586 
■wurde später von den TiM^oldcten Initialen di'r Ur- 
kunde .goldener' Bund (aurh .liiin-.iiii;ii.' li-i'i uriiaiint, 
S. auch frmi Bd I 1'26;'.; /V..,.,/,. //„/., . AV/:. j;n.i : 
Schaf; Wasser. — 2. (guldigj -iiMrimnn- Nnw. 

Mhd. ijulilui iu Bed. 1. Das \V. ."n li m m-I. ii Fluruu. 
^1" der yuUUtf Wand wächst der (/.,/r/„ <.,,/;, , (in ^nter Wein 

AaBb., wie ähnlich in ZZoll. a,> ■! ' ' //'''•. ,Im 

guldigen Hubel' soll ein goldener Wi-- -vu sein, 

dessen Deichsel zu Weihnachten h' i : i ' '\ i" iip. VII, 

5G1). Die Gegend von BSträttl.hiess. :-• i: i ilirlerung: 
,zum goldenen Lust'; das Schloss zu iiya^i ,Jci gulduue Hof.' 
JRWyss 1816. ,In der Guldistüd.' ZDüruten; der ,Goldi- 
bach' ApTeuf. ; ,im Guldiherg' ZWein. ; ,im Guldiland' ZWI. ; 
,das goldene Tor', Quelle in der Nähe von röm. Gemäuer 
ZKloten. ,Die güldene Huch.' XV., Offn. Eggen. ,Im gul- 
dinen Acker.' 1450, Schw (Gfrd.). 

Guldi" m.: wie nhd. RAA. De" Eappe" spare' 
und de" G. fare" la' Z. Besser e" G., de" men erwirbt, 
als zeche", die men erbt. Inkiciien. De» G. iif 15 Schillig 
[statt 40] bringe", ökonomisch zurück kommen Z. 
,Die guldiu stür, das ist ein Schätzung der Juden in 
des keisers landschaften [die Juden, als .kaiserliche 
Kammerknechte', zahlten jährlich 1 fl. Schutzsteuer].' 
BossH., Wthur. Chron. S. Halter; Batzen; Erützer; 
ewig Bd I 609; guet; Guldin-Gelt. 

Mhd. fjuldm, eig. adj. ijuldin pAeHiiinc (vgl. den röm. 
.aureus' sc. ,nummus'). Während in der ursprünglichen 
Silberwährung das Pfund Grundlage des deutschen Münz- 
wesens war und als gesetzliche Kechnungsmünze auch sjjäter 
noch fortbestand, erscheint 1387 in einem MUnzvertrag zum 
ersten Mal der Gulden : ,Söl]ent slahen ein pfund für einen 
giildin [rheinisch].' Der Münzvertrag von 1425 und nach 
ihm alle folgenden basieren das ganze Münzsystem auf den 
fl. rh., von dem a. 1428 68 Stück auf die kölnische rauhe 
Mark giengen, so d,iss er ungefähr auf 4 Zürcher fi. (ä 2 Fr. 
33 Cts.) zu stehen kam. Der Münzvertrag von 1387 hatte 
den fl. zu 20 ß, der von 1425 zu 30 ß gewertet, aber schon 



1449 galt er in Luzern 40 ß und im Vertrag von 1487 
wird dieser Ansatz verbindlich gemacht und der fl. rh. (als 
blosse ideale Uechnungsraünze, denn im Currentverkebr galt 
er schon It Coucordat von 1490 45 Luzerner ß) zu 2 Pf. hir 
= 40 ß gerechnet. Zürich fleug seit 1500 an, 16 Batzen auf 
1 fl. zu prägen, während Bern, Solothurn und Freiburg ihn 
zu 15 Btzu rechneten; Luzern aber prägte auf den fl. 40 ß 
geringerer Qualität, so dass I2'/3 I^fl- = 10 Zfl. = iC/s Bfl. 
waren. Mit der Einführung der Batzenmünze entfernten sich 
also die 3 Schweiz. Hauptwährungen von einander sowie von 
der Keichswährung, die fortwährend auf dem rh. fl., nun 
auch Eeichsfl. genannt, basierte. Mit der Einführung der 
(auch aus Silber) gemünzten fl. unterschied man den alten 
,Goldgulden', auf welchen Fuss, als die gesetzliche Keichs- 
währung, die altern Capitalschuldea meist contrahiert waren. 
,Wa einer ein guldin an gold soll, soll einer drU pfund für 
ein g. gen.' 1490, Ztschr. f. schwz. K. [derselbe fiel, !t Absch. 
vom 16. Oct. 1558, nicht mit dem rh. fl. zusammen, da auch 
dieser verschlechtert wurde). In Basel erschienen im XIII. 
die Floren (s. Bd I 1206), E. XIV. der rh. fl., der zwischoB 
10 bis 30 ß schwankte, um 1403 20 ß = 1 ib. betrug, seit 
1428 zu 23 und 1500/70 zu 25 ß = 15 bis 16 Batzen ge- 
rechnet wurde. Bes. durch das Söldnerwesen kamen alsdann 
eine Menge fremder Geldsorten ins Land. Der StAndreas-G. 
mit dem Kreuz wurde wie der rh. fl. zu 32 Plappart go- 
wertet. 1479, Absch. ,Ein ungerschen guldin soll man nemen 
umb 31 ß 2 den.' 1416, Absch. 1487 galt ein guter u. fl. 
53 ß 4 hlr. Ein Araguner-G. sollte für 2 fl. genommen 
werden. 1479, Absch. ,Ein gueten uterschen guldin für 
dryssig plapphart.' 1480/1504, Absch. (a. 1477 31 Plapph., 
a. 1487 37ß, a. 1504 35ß). Ein cölnischerG. galt 1487/1504 
38 ß. 1482 erscheinen iu einer Zahlung 55 Stück ,Katzen-G.' 
[vgl. ,Katzen-Gold'y]. 1 StMichels-G. wird für l'/a fl- ge- 
rn. inniun. 1479, Absch, : 1 Wilhelmer G. für 24 Plapp. ebd. 
Zur /.ril il. I l'.uix'iiiMltrkriege werden auch die berüchtigten 

I'm hilil-i;. Li II. I- ,l>is Guldin sind zu Basel noch gäng 

I _',li: ili I I I liiiiirir^leu G.; die kölnischen, die Frank- 

liiilci, Xiinubuiyci, Liaudenburger, pfalzgräflschen, Nörd- 
liuger G., des Margrafen von Niderbaden G., die Bunner G., 
Erzherzog Sigmunds sei. G., die Menzer, Trierer, Berner, 
Metzer G.' 1503, Absch. S. noch Floremer Bd I 1207 (wo 
auch ,Kammer-G,'), Salucicr. .Schilt-Frtmktn Bd I 1309, Ge- 
iioN-er, Hehcm^ch. ,Umb guldin (PL).' 1336/1446, Z Chron. 
,Guldi.' XVII., AaWett. Klosterarch. ,15 Guldi.' 1609, 
Diener, OGlatt., ,guldinen (Gen., resp. D. PI.).' 1604, L 
Escholzmatt, 1650, Z Mand. 

Appellation«-: Appellationsgebühr. .Solle solche 
Appellation in Zeit '24 Stunden der Widerpart in der 
Canzlei angekündet, der A-Guldi der Canzlei erlegt 
werden.' 1756, Schw Rq. Auch in L betrug die Ap- 
pellationsgebühr von jeder Partei 1 fl. 1561, L Eats- 
verordn. — Ere°-: Ehrengeschenk im ungefähren 
Betrag eines Guldens. Der Stubengeselle, welcher in 
den Kleinen Rat oder auf eine Vogtei gewählt wurde, 
,soll der Stuben ein E. verfallen syn'. B Taschenb. 
1865. — Erb-: Erbschaftsgebühr an die Obrigkeit. 
Die übervügte, Meier usw. sollen darauf sehen, wo 
,man 5, mehr oder weniger, fürs 100 oder allein den 
Erb- und Schirmbgulden abzerichten oder zu bezahlen 
pflegt.' 1627, Bs Rq. Vgl. (Erh-)Fall. 

Kerze"-: Beitrag an den Unterhalt einer h. Kerze. 
,0b aber ein [Neuburger] die gesellschaft [Zunft], des 
antwerch oder gewerb er trybt, nit koufte. so soll er 
doch derselben gesellschaft den kerzenguldin ze geben 
schuldig syn.' 1480, Ztschr. f. schw. K. 

Die Zunftgesellschaften dienten neben gewerblichen und 
politischen auch religiösen Zwecken ; so unterhielten sie vor 
den Altären ihrer Schutzheiligen oder in Kirchen überh. 
brennende Kerzen (ewige Lichter). A. 1467 wurde in L 
beschlossen, dass wenn ein fremder Schneider oder Weber 



(ial. 



-gnitl. «alf-Kiilf. (ialg gulg 



~u\\ iu der Stadt niederlasse, er an die Kiij^^ellierze vor dem 
h. Kreuzaltar 1 tl. zu spcudeu habe. 

Kötzer-: Busse von 1 fl., welche im Nov. 1531 
jede evangelische Maunsperson zu Stadt und Land in 
Rajiperswyl erlegen musste, als dort der katholische 
Glaube wieder eingeführt wurde. 

Krone"-: als Ehepfand gegebenes Geschenk des 
Bräutigams an die Braut bei der Verlobung GlH. 
Syn. E-Pfemiing. 

Vgl. .Kronengold', welches im Unterschied vom feinen 
Itiikatengülde zu Kronen (als Münze) und Goldgulden ge- 
braucht wurde. Odcr = Münze mit einer Krone als GeprägeV 

Land-: ira Ggs. zum rh. fl. (zu 0—6,50 Fr.) der 
mit dem Churer (bischöflichen) Landgulden gleich- 
wertige fl. Montiner Währung (des Gr Oberlandes) zu 
16 Plapp., im Metallwert von 4 Fr. 80 Ct. oder in 
heutigem Geldwert von 24 Fr. Häufig im XV. genannt 
in den Eechtsq. des Obern od. Grauen Bundes. 

Münz-: G. in (kleiner) Münze statt des Rechnungs- 
guldens oder statt in Gold; leichter, ringwertiger. als 
Ggs. zum .guten G.' Der Jahrlohn eines Weibels be- 
trägt 6 M-G. 1552, aLB. Ndw. .Jeder Einzüger hat 
inskünftig 50 M. zu bezahlen.' 1708, Aa Weist. 

A'gl. unser Münz und: ,Sein hof verliidien järlich umb 
10 fl. münz Zins.' Cys. Mit der zunehmenden Münzver- 
schlechterung wich der Current-G. oder Münz-G. von dem 
.guten G.', der eine Rechnungsmünze war, immer mehr ab, 
so dass Gülten aus dem Freiamt, die nach MUnz-G. verzinst 
wurden, im Curs gering geachtet wurden. 

Bad-: Gebühr für die Benutzung des (Armen-) 
Bads Spanweid (bei Zürich). .Die Verordnete sollen 
für die Einziehung des B-s von Allen, die keine 
Scheine, dass sie Almosensgenössige seien, aufzuweisen 
haben, besorget sein.' 1769, Z Ges. — Schirm-: an 
die Obrigkeit für ihren Schutz von den Schirmver- 
wandten und Untertanen zu entrichtende Gebühr. 
16'27. Bs Rq. (s. bei Erb-G.). Vgl. Schirmijeld. - 
Schwabe"-: ein in Xvl. bis 1872 aus der Landes- 
kasse entrichtetes Reisegeld an die ins .Schwabenland' 
ziehenden , Verdingkinder'. — Tu send- s. T.-G.-Krut. 
-- Wacht-: eine in der Stadt Zürich bis Ende des 
XVIII. von allen erwachsenen Bürgern und denjenigen 
Wittfrauen und ledigen Töchtern, so eine eigne Haus- 
haltung führen, jährlich auf das Neujahr entrichtete 
Abgabe zur Unterhaltung der Turm- u. Nachtwäcliter. 
Vgl. W.-Gelt. — Hochzits-: Abgabe von 1 fl.. den 
in BEoggw. jeder Bräutigam vor seiner Copulation 
anfänglich der Kirche zu Äufnung des Kirchenguts, 
von 1782 an dem Seckelmeister der Gemeinde ent- 
richten musste. Vgl. Hochzits-Gab. 

Guldner m.: ,Stipendiarius pro causa injusta.' 
XV., L. — Wuehe"-: Stipendiat, der vom Stift zum 
Grossen Münster wöchentlich einen G. bezog. 1637 
gab es It JJBreit.'s Verzeichniss einen W., neben 
zwei 40-Guldnern, mehreru 20-Guldnern usf. 

Goldbächler: Birnensorte Tb. — Naeh einem Orte 
.lidldbach' benannt. 

Güldcrling ni.: Apfelsorte Tu. 

Gold-: saurer Usterapfel ZThalw. - Wie Uold- 
E/,/,-!, Golil,i,:lirr nach der gelben Farbe. 



Galfe" f.: ein Trockenmass, bes. für Salz. ,l)er 
vordrist salzknecht soll das salz, so gemeinen burgern 
yngät, es syge in galfen ald schyben, eigentlich von 



stuck zu stuck ufschryben.' Z Ordn. 1542. In einer 
Verordnung von 1492 wird unterschieden .Rörli-, schy- 
ben- und galfen-salz'. .GalfenzoU' noch 1610. — Mhd. 
ijalcei n. 

Kröttli-: in Körbchen gefasste oder gepackte G. 
Xu! der Tag.satzung in Luzern 1521 zieht der Ge- 
sandte von Zürich des Salzes halb an, wie die Kr. 
und andere Masse nicht mehr wie bisher in die Eid- 
genossenschaft kommen [aus Baiern]. 

Kröttli für Krettli, KrattU (Dini. von Kralle', Korb), 
beruht auf bair. Schreibgebrauch, wie der ganze Ausdruck 
übh. uns mit der Sache aus Baiern zukam. 

galfe": mit einander spielend und schäkernd rau- 
fen, zunächst von jungen Hunden Z rS.f Syn. galpen. 

Von mhd. i/alf (cjalp), Gekläff, also eig. mit Bez. auf das 
solches Spiel begleitende Gebell, und nur durch den Maugi-I 
des Umlauts von gelßn geschieden. 

Galfrues s. Kalfrues Bd I 1331. Gälverne 

s. Gehvere. 

Gelf: Wolfe. .Als wir vor zyten teil |l'arteien| 
hatten unter uns von Giblingen und von (iclfcn iin.l 
von andern teilen.' 1403, Absch. 

gelfen: rufen, schreien. .Hilf, Herr Gott, hill! zu.i 
dir ich gilf.' Zwingli im Pestjahr und ähnlich Gi alth. 
1542. Mit unrichtig gebildetem Inf: ,Ja, auch die 
wilden ticr werdend zuo dir gilfen.' 1531/48, Joel, 
= ,schreien.' 1667. - Mhd. gyl/en, (jel,,jh,. 

Gulfe s. Glufe. 



Galgane" f.: Ingwer BSi.; auch G.-Würz. 

Mhd. yulyun m., Galgantwurzel, welche Bed. auch für 
unsere Gegend in der I,it. des XV./XVIII. reichlieh zu be- 
legen ist. 

Galge" m.: Vorrichtung zum Aufhängen w\>-r Auf- 
ziehen. 1. a) zur Vollziehung der Todesstrafe durcli 
Hängen. Syn. Wlzübawn. .In gewissen Anligen solle 
man den einten von seinen Hosenbändlen an den G. 
binden und ein Spänlein von demselbigen hauen und 
bei sich tragen.' Anhorn 1674. ,Du hast gewiss mehr 
als einen gesehen, der um des Diebstahls willen um 
den Kopf kürzer gemacht worden oder den G. hat 
ziehen müssen.' JMev. 1694. .Handwerker, die' den 
G. reparirt hatten, wurden im Namen Meiner Herren 
wiederum redlich gemacht.' 1706, Ölhafen. Zur Be- 
zeichnung einer grossen Menge in verächtl. S. : ,Es 
syge ein ganze G. voll dere" Bandite" uss de" Ländere" 
use" dinne" [in Eapperschw.] gsy".' Gesi-r. 1712. .Wie 
vil Schwyzer siuds gsy°y Vil; e" ganze G. voll, wol 
meh'' dass 2000.' ebd. , Stock und G.' als Bezeichnung 
der höchsten Gerichtsbarkeit. ,Wo das andre und alt 
umbgefallen hochgericht oder st. u. g. vor disem ge- 
standen.' 1616, FoFFA. Das Bild eines G. .Dann etlicli 
in lender hattend inen stempf [Münzstempel | lassen 
zuorichten, und wann inen ain Zürcher batz"" ward, 
so stampftend si iren stampf euch daruf, das was ain 
galg [wodurch die Zürcher für ihre Klosterplünderung 
als an den G. gehörig bezeichnet werden sollten j.- 
Sicher 1531. Mit einem G. wurden Verbrecher go- 
brandmarkt, daher die RA. de" G. uf-em Ruggc" hii", 
welche noch 1839 in Zürich auftauchte. Sonst bricht 
die Erinnerung au den G. nur noch iu RA.\. usw. 
durch, z.B. in der scherzh. Droliung: JDu chuniisch 
[kommst] a" G.t S. Die Pflasterer stampfen die Steine 



(Jalg— gulg. Galgg-gulgg 



nach dem Takte des Eeiraspruclis fest: Zum G., zum 
G., mer wend-e' [ihn] go salbe'! Z. Nachbarlicher 
Neckspruch: D' Langehmier Näre' ziencl de' leere' 
Chäre' bis g^, Bade', bis gr. Töss, bis de Charre' de" 
G. löst ZZell. Da hange' wie de^ Schelm am G., d. h. 
steif Z. ,Äb dem G. gefallen sein-, dem verdienten 
Tode entgangen sein. ,Er sei ein unglücklicher Mann: 
Wenn einer, der ab dem G. gefallen [also ein ganz 
gemeiner, nichtswürdiger Mensch], etwas über ihn 
sage, so glaube man's ihm.- HPest. 1783. Vgl. ,dera 
Henker oder Teufel vom Karren gefallen'. Er het 
unger 'em G. nümme recht, ungerecht verurteilt kann 
er nicht mehr zu seinem Rechte gelangen. Schild. 
Er ist de"- G. nid wert. Sulger. Wärid keini Dieb, 
sj gab 's keini G. 's git meh'- Dieb als G. 's hilft 
kein Panzer für de" G. Wer zum G. giboren ist, 
versüft nid. D' G. hät-men abg'schaffet, d' Schelme" 
sind 'Mibe', ebd. Er het en goldene" G., eine reiche, 
aber böse Frau, die ihm seine Armut vorwirft Bs. 
Verbunden mit Rad. Bi G. u. E. verbäte". Ab-em 
(vom) G. uf 's B. chu" {g'hije" BHk.), vom Schlimmen 
in noch Schlimmeres fallen; vgl. ,Sequitur varam 
vibia, ein Übel aufs andere.' Red. 166'2. Dagegen 
beide Begriffe als gleichwertig gefasst: ,.\lle Wochen 
musste ich denken: der Weibel schätzt mir Pfand 
[pfändet mich], doch konnte ich immer vom G. aufs 
R. fallen [das drohende Übel an ein anderes ver- 
tauschen; vgl. von ei°'m Nagel an andere' hänke"] F 
(Schweizerb. 1820). Als Beteurung: Potz B. u. G. 
.Etliche stossen anstatt der Lumpen grobe Meissel 
oder Zapfen zwischen die Haft mit Gewalt in die 
Wunden bis auf den Grund und geben also (wie man 
spricht) für den G. das R.' RWürz 1634. ,An G.' früher 
als Verwünschung i. S. v. nhd.: Zum Henker! ,Maluni. 
interjectio irascentis. wett als unglück, an g.' Fris.; 
Mal. Abstr.: zur Bezeichnung schlechter Qualität 
oder verst. Verwünschung, als erstes W. von Zss.. 
z. B. e G.-Ornig, arge Unordnung. G.-Lün, geringer. 
G.-Vogel, -Hund, -Bueb, -Strick, -War; -Wetter, 
-Lärmen u. a. Auch vor Adjj., z. B. galge'-ueh. Syn. 
galgisch, galgenmä^sig. Vgl. ,ein G. voll'. In Flurn. 
Erinnerung daran, dass an den betr. Orten oder in 
der Nähe derselben früher eine Richtstätte sich be- 
fand. Eine solche Stelle in der Nähe von AAWett. 
hiess geradezu ,G.' (,Stosst an G.', Grenzbestimmung. 
1572, AAWett. Arch.) Sonst als erstes W. in Zss., 
z.B. in den häufigen ,G.-Buck, -Buel'; ,G.-Acher' ZSt. 
,G.-Rain', bei S. ,G.-Zelg.' ebd. .Der G.-acher, daruf 
der G. steht' Aa 1674. — b) Kreuz. ,Ich [Pilatus] 
giben Jesum an den gallen [sie !] des krüz.' HsStockar 
1519. — 2. Hosenträger AaoF.; ,GG.; VOrte; Z;" 
S. Han i'* nit gar ordligi Höseli a' und oif* gar 
ordligi Gälgeli dra"? L (Schwzd.). Den Mannsper- 
sonen ist das Tragen ,deren mit allerhand gefärbten 
Seiden gestebete [gesteppte] und geblüemte Galgen' 
verboten. 1(375, G Mand. Syn. Hosen-G. Vgl. engl.- 
gallou-s. — 3. verschiedene Geräte, a) an der Decke 
des Wehkellers befestigte Vorrichtung von Holz, 
woran die Weblade und andere Geräte aufgehängt 
sind Ap. Auch Gälgeli. — b) hölzernes Gestell, an 
welchem die Schuster ihre Lampen und Glaskugeln 
aufhängen. — c) eine galgenförmige Vorrichtung mit 
Flaschenzug, bei Errichtung hoher Gebäude Holz. 
Steine usw. in die Höhe zu ziehen, Krahn Nuw. — 
d) der Querbalken, welcher oben von einem den langen 



Zinimerhaum des Dachstuhls tragenden Balken zum 
andern hinübergeht, damit die Heuleiter daran gelehnt 
und befestigt werden kann Ar. — e) der obere Quer- 
balken der Schleuse SNA. — f) das aus 2 Pfosten 
(,Vorderstüden', auch .G'schwüsterte' genannt) be- 
stehende Gestell des .Trottbaums' in der Kelter. 

Mhd. ijalge, auch i. S. unsers Brunnen-O. Bemerkeuswert 
ist die Abstossung der End. bei Sicher und in tJaly-ftrunuen. 
Bed. 1 b entspricht got. (/alga, Kreuz. 

Ofe"-Galge": Aufhänggerüst über dem (Jfen Z. 
Syn. Ofen-Stang. — Flöh-. De" F. mache', die Arme 
sü legen, wie man es zum Schlafen tut, sich zskauern 
FMu. — Fleisch-: eine 7' lange, an den Stichbalken 
des alten Bauernhauses sitzende Stange, an welcher 
horizontale Äste mit Hakenenden emporlaufen, an die 
man den Fleischvorrat hängt, den man beim Mangel 
eines Rauchfanges im Dachrauche trocknet. Rochh. Gl. 
Vgl. Metzg-G. — Hunds-: Flurn., zwischen ZRobenh. 
und Uster. — Hose"- = Galgen 2 AaF.; SL.; Z; 
, VOrte." — „Korn-: Dörrgerüst für Getreide, ähn- 
lich den .Heinzen' für Heu Gr." — Metzg-: rechen- 
ähnliches Gestell, an dem man die geschlachteten 
Tiere aufhängt Z. — Brunne»-: ,Gabelstud, brunnen- 
galge, vara cum vibia.' Red. 16ö2. — Schnabel-: 
1. galgenförmige Vorrichtung mit Rolle, um klein- 
gespaltenes Holz u. A. in einem Korb oder einer Kufe 
auf den Estrich zu ziehen ZS. Syn. Winde, Ufzug. 
Vgl. Galgen 3 c.— 2. eine Art G., ein einzelner Pfahl 
mit Arm. ,N. N. sucht nach, man möchte den in einer 
seiner Matten befindlichen Seh., welcher verfault am 
Boden liege, anderswo, wo das Hochgericht ehemals 
gestanden haben soll, aufrichten.' 1721, Absch. ,Zur 
Verhütung von Todtschlägen soll auf dem offenen 
Platz zu Lauis eine Sehand.säule oder ein Seh. er- 
richtet und Name und Tat der Übeltäter mit schwarzen 
Buchstaben auf einer blechernen Tafel angeheftet 
werden.' 1745. ebd. — Wolf-: urspr. eine Art Falle 
für Wölfe, jetzt nur noch Flurn. 1.-.72. AAWett. Arch.; 
EsTERM., Rick.; Sch; Z. 

galgisch: verwünscht, arg .\aF.; VOrte. En 
g-e Lärme UwE. Oft nur abstr. verstärkend = sehr. 
G. ivüest, vil. In Ausrufen, z. B. : E, g. ! iiiie ehummt 
du! ei, wie seltsam siehst du aus L (Ineichen). 

Gilg I u. II, Gilgen, Gilgian I, s. Gill u. GlUian. 

Gilg ni f.: Lilie s. Die Bd I 179. ,Einen lalm 
und daruf ein hirzhorn, darin sind drei französisch 
gilgen.' RüEGER 1606. ,Ein Diadem mit einer guldinen 
G.' 1616, L 0.sterspiel. 

gilgecht, gilgisch: lilienhaft. französisch. ,Wer 
gilgisch [d. i. französisch gesinnt] i.st, der ist feiss und 
truegt [gedeiht] wol.' 15'2.3, Er.Li, Act. Der Glanz der 
französischen Sonnenkronen mit der Lilie heisst: ,Der 
gilgechte sunnenglanz.' Ansh. 

Gilgian II m.: französischer Parteigänger. ä.Lit. 

Bezieht sich auf die Lilien im buuibonischen Wappen, 
ist aber .au den gleichlautenden Taufn. angeleimt. 



galgge": ausspucken. Er g-t Alles voll ZRafz. 
— Wahrsch. zu Gvlt/ij, Nasenschleim, Speichelauswurf. 

Gelggscliosereie° = Gegg- Sp. 175. 
gelggeschosig = gegg-. ebd. Öppis G-s, eine 
Zwischenmahlzeit Bs. 



•233 



(Jahn <;"l'ii. (Jalp — giilp. (Jalsf — jjulst 



234 



(Jolgge" 1 GrHc; U. Gölgg Aa; „B; F (Giilg);" 
Z, üölgge" Aa; Bs; Z m. : 1. Sehnaljel. Ausguss- 
röhre eines Gefässes, z.B. Kruges i'.v.: (ilMi. Syii. 
s. bei Gaitggen n. Gäuggel; ferner Kumnl: /.iiiiiitjin; 
Znlgye; Zuenyye; Zauten. Mn' mvditi :niii'i Chniri/Ii 
L werde" und um (G)gölggli üsse(r)lun(jn" ! GRSchiers. 
[ Röhre am Saugkübel für Kälber GRHe. — 2. abge- 
brannter, verkohlter Docht eines Talglichtes AiBb.; 
Bs. 2>' Cherze' ist ahe 'brennt und Gölgge' hange" 
(IUI Däche' Bs (Breitenst.). Ein herabhängendes Stück 
eines solchen kündigt Besuch von der betr. Seite an 
AABb. Syn. GnJj.n-: Knll,,,, ■ Thöachen. — 3. Nasen- 
* schleim, Rot/ \\r.li., I'-: i:>; J'.; /Xer.; auch Sc7m«- 
' der-G. Auch >i.'i. lirhiii-xMirr l;-. i^yn. Gögel ; Gogge' ; 
Kännel; Bugg: ,'<diiiiulti-Ziilggen: vgl. Schnuder-G. 
.Der Schnudeiberg, do die böse kind mit den golggen 
iif den ermlen sind, rüert obenhar an unsre houptstatt.' 
HvRüTE 1532. Daher Schnuder-GöJggi m.: Schimpfw. 
ZW. — 4. „ungezogener Laffe F;'- läppischer Junge; 
Schimpfw. für Buben AABb., Z. Ungezogener, un- 
säuberlicher Mensch AaZ. 

Da üas W. soust nirgends (aussor a. 1577: .StUnzeB mit 
folgen.' Inventar Pfullendorf) bezeugt ist und Sjnn. z. T. 
lautlich nahe stehen (bes. bei 1 u. 2), so mag es aus einem 
l solchen umgebildet oder entstellt sein. Übrigens scheint 
I Gruudbed. das Hervorragende zu sein; die Vermittlung zw. 
I 1 u. 3 bildet Kännel, diejenige zw. 2 u. 3 lat. wiiiciw mit 
f it. Hmuciulare und nhd. ,das Licht sr.hneuzen'. Für die Über- 
r tragung auf Menschen (4) sind bes. die Synn. GSyel, IJSgr/ 
uud Tächte (Letzteres i. S. v. Dummkopf) zu bemerken. 

gegolgget kolket: gross gemodelt, von einem 
Dessin mit grossen Figuren von einer Farbe GO. 

Golgge" II m.: Tintenklecks GO.; ZRafzerf. - Syn. 
'Toly<jen, zu welchem es wohl blosse Nbf. ist, attrahiert durch 
Golgijcn I. 

gnlgge(ii): löten, z.B. Pfannen ZStadel. 
Wahrsch. mit richtigem, altem Umlaut ii (nicht 0) von 
Gdgge' I 1 i. S. des schnabelförmigen Lötkolbens. 

(Jalni m.: Gipfel, Rücken eines Berges W, bes. 
sanft zulaufender BSi., übrigens hier selten, gewöhn- 
lich Gupf oder Hörn. 

Vgl. Galen Sp. 203 uud bes. Guhn, zu welchem es im 
.^blautsverh. steht. Hieher wnhl auch der schon l.")32 ge- 
nannte Wald dieses Namens bei FMu. 

„galniig: von Saugkälbern, wenn die Knochen 
steif, wassersüchtig und schmerzhaft sind B; S." — 
„Galmigi f.: der betr. krankhafte Zustand." 

Wahrsch. von Gulm, Duust, Wind, Qualm, Betäubung. 
(Ir. WB. IV, I, 1, 1199/1200, viell. aus der Vorstellung, 
ilass Menschen und Tiere erkranken, bes. an Geschwulsten, 
ttiun sie in einen sog. ,bösen Wind' gekommen sind, odei 
i-iitstellt aus dem Syn. ijammUj. 

Gtlmele s. Gerwere. 

(iolme f.: Blutflnk GnObS. - Wohl zu c.J. 

Galni, in Gl G-e', Kulm, an derRigi Ä-c" — f. (m.): 
oberste Bergkuppe, bes. von kegelförmiger od. runder 
Gestalt VOrte; Gl." ,Auf der Culm [des Rigi].' JLCvs. 
l(i()l. Gidm, Name eines Waldes bei ZHausen a/A., 
»/■(?., Ort oberh. ZoÄg., Gulm-Holz ZWäd. Vgl. Galm. 

Lat. culmen mit der regelmässigen Erweichung von lat.- 
rcim. <• zu y. Vgl. churw. eulm, Vorberg. Die Form A'- 
scheint der Ausspr. (k/) nach zu schliessen erst aus dem 
Bücherdeutsch eingedrungen zu sein ; ebso das niänul. Gcschl. 



gal|ie(n) I: tändeln, spielen, ringen, .von jungen 
Katzen B;- von jungen Hunden 8; von Kälbern, die 
zum ersten Mal aus dem Stall kommen und dann 
Sprünge machen BSi.; „von Knaben B;" von Ver- 
liebten (schäkern) B. Heisst-mr" Meif.scheni chn-, sii 
wird Mit verrichtet; die hei" niiiiiii'" \\\n\\ :' r/. und 
d'r Narre z' trihe: N. B Kai. l>ln. Syn. /-/-,/. /./,/,j/,- 
gäugglen; gaulen, gölen; galf'en : iiiikiiii-Ii-ii : iiaiiijilni- 
gappen, göpen; gürten, narren ; rülzen. — Galpi n\.: 
wer kindisch spielt. — galpisch, spielend B. — 
Ver(iuickung von (jalfen mit gopenJ Doch s. auch r/ulpeii. 

galpe" II: pumpen TnTäg. — Neben yamjnu. 

gilperig: sinnlich begehrlich, geil S. 

Von einem Vb. 'gitpen 10, das sich zu galpen und </ii///./i 
ablautend verhielte und mit diesen die Bed. ausgelassen 
spielender Bewegung gemein haben möchte; vgl. auch Gid/j; 
gülpen. Doch könnte es auch verhärtete Ausspr. für gilherig 
(s. gihverig) sein. 

Golp m. : schwingende Bewegung des Wassers in 
einem Geschirr Ndw. 

golpe(n): 1. vom Schall einer in einem nicht 
ganz gefüllten Gefäss sich hin und her bewegenden 
Flüssigkeit. Das Fass g-t, ist nicht ganz voll: :uu-h 
vom Plätschern der Wellen im See Nnw . Syn. iiiiugii- 
len, glunggen, gluntschen. — 2. schwaiikni. stol|nTii. 

— Golpi m. : ein Mensch mit solchem (iaii^i- Xnw. 

— Gruudbed. hin und her schwanken, schwabbeln. S. .\uni. 
zu gilperig. 

gülpe(n): von Tieren: beim Springen abwechselnd 
Vorder- und Hinterleib auf werfen, eine Art Galoppieren 
BSigr. — umhin (ummej-: herumspringen BBe. — 
S. die Aumm. zu den vorhergehenden WW. Vgl. Iiüljjen. 



galstere(n), ge'lstere{n): 1. (galst- res^. gaust-J 
verzaubern, verwirren, erschrecken, ausser sich brin- 
gen L. ,Galsteren, zaubern, blenden.' Rkü. 1662. - 
2.(gelst-resi).gäi(,stre''Jlä.rmru '/.<.. khilV.n, von kleinen 
Hunden BE. Syn. gältschen, kai'i-i In n. i^ij iqni, hauzeii. 

Gruudbed. ist: Sehall erzeu^r, >,- i n .li l.nite H.r- 
sagen von Zaubersprüclien und ^\ii : Wi ," n !' Z;ni- 
bers, wie auf andere Arten \ n l i i ' ilin 

konnte. Stammw. ist das &\\<- - . i '»-i. 

Bezauberung (bei KdvAmmenh. an li ■iinuil i;.iinj -, Hr. 
WB.) von gnlan, singen. Für 2 küuutc auch das luür.-.isti-. 
, Galst', Schall, angenommen werden. Übrigens vereinigt aucli 
norweg. giildni beide Bedd. 

cr-y;d,stere(n) AABb.; F.; VOrte, -gelstere(n) 
AaImI.. S., St.; l!s (-«-); B; Gl; LE.; S; Th: 1. (tr.) 
a) crsclircckcn, oft nur zum Scherz ÄABb., F.; Bs; 
durch Schreien S. Syn. z' fürchftje" mache". Ergal- 
steret, erschrocken, vom Vieh ÄAEhr. Syn. erklüpfen. 
— b) ausser Fassung bringen, verblütFen VOrte; in 
Aufregung und Erstaunen versetzen Aa. — c) an- 
strengen, hart mitnehmen; erschöpfen, entkräften, 
plagen, ermüden B; L. De-' Wueste' [Husten] hed- 
mi''' ergelsteret. D' Flö'' erg. Ein". Von Kindern 
gegenüber der Mutter BSi. Durch übertriebenes Zu- 
reden unwillig machen (St.''); Tiere, z. B. Hühner, 
herumjagen BHk.; durchprügeln BHk.; Th. Syn. er- 
gatteren, -haheren. — 2. (refl.) sich anstrengen, er- 
eifern, erhitzen B; „LE."; sich abmühen AAKlingn.. 
z. B. beim Umziehen in eine andere Wohnung B. 



235 



tialst-gulst. (Jalt-gult 



Von Kindern, die sich beim Spiel aufregen B; FMu. 
Syn. erjauzen. — 3. (intr.) erschrecken AAFri.V — 
Ergelsteri"g: Aufregung Aa. Syn. Gehäber. 

ver-galstere(n) Aa; Bs; Gl; Gr(;-); L; G; Sch. 
-e- Aa; Bs; S; UwE.; Z {e'), -ä- Bs; Gl; Gr; Zg; 
„Aa; B; LE.; S" : 1. (trs.) a) bezaubern, verhexen 
Bs; GRPr.; Th. „Er ist wie v-t BO.; VOrte; Z." 
Spec. von dem der Wirkung des Irrkrautes zugeschrie- 
benen Zustande eines z. B. im Walde Verirrten GEh. 
Er habe biderben Leuten die Kühe ,vergalsteret'. 
1526, E(,Li, Act. [Dasselbe mit andern Worten ibid.; 
er könne den Kühen die Milch nehmen.] Weil ihm 
ein Stück Vieh zu Grunde gegangen, hat er vermutet, 
sie [eine alte, der Hexerei verdächtige Frau] habe 
ihm dasselbe .vergalsteret'. 1540, Absch. .Hilft dem 
vergalsterten menschen, dem sein mannheit genommen.' 
VoGELE. 1557. ,I)ie tauben legend für Zauberei und 
vergalstrung zart lorbaumschützling in ir nest.' ebd. 
jFascinare, verzauberen, vergalsteren.' Fris.; Mal. 
,So ist oft'enbar, dass man einem syn gsicht wunder- 
barlich vergalsteren kann, dass er nit änderst ver- 
meint, dann der verschlinde ein schwert und speuze 
gelt, messer oder anders, einer esse brot und speuze 
mel, einer trinke wyn und er gange im zur stirnen 
vviderumb hinuss, einer schlache dem anderen den 
köpf ab und setze im denselben widerum an, ein 
güggel zühe ein trottbaum. Demnach kann man auch 
durch natürliche ding, als röuch und anders, zwegen 
bringen, dass einer schwüere, alle, so by einem tisch 
sitzend, sähind, als ob s' tod wärind oder sy hettind 
keine höupter oder eselsköpf, oder ein wynreb er- 
.strackte sich durch das ganz gemach.' LLav. 1569. 
,Ein Zauberer, der andere vergalsteret und verblendet, 
als ein unhold, hex oder hexenmeister.' RGwerb 1646. 
,Excantare, verzauberen, vergalsteren.' Denzl. 1677; 
1716. Oft auch nur bildl.: durch geistige Mittel auf 
den Geist (nicht die Sinne) wirken, verblenden, be- 
rücken; auch von Wirkungen des Aberglaubens und 
des Teufels. ,Dass die o"gen nit verblendt ald ver- 
galstert [werden] an dem roten gold.' Kessl. ,Sogar 
was die weit mit l.liinilp-it MTgalstert.' Vad. ,So hette 
er doch betrutj'li'lirr » \ < dir äugen der menschen ver- 
galsteret oder otlich aiiyvrirlitet, die derglychen geton. 
als ob sy gestorben.' LLav. 1569 = ,verblendet.' 1670. 
,Der Aberglaube konnte ihn bis zum Selbstmord ver- 
galstern. Vergalsterte Sternseher, die sich entleibten, 
um gewiss die Stunde ihres Endes vorhergesagt zu 
haben.' AKlingl. 1691. ,Da denn diser arglistige Feind 
den abergläubigen und vergalsterten Leuten dise Sa- 
chen so gut vorgibt.' Zauberei 1704. — b) = er-g. 1 a 
Aa; Bs; L. — c) = er-g. 1 b Bs; L; G; Sch; Z. 
Ergeisteret, verstimmt ZKn. Auch: Tiere (Pferde und 
Rindvieh) scheu oder durch rohe Behandlung störrisch 
machen Sch; Zg. — d) erbittern und verbittern Gl; 
Sch. — e) = er-g. 1 c UwE. — f) verderben Bs; Gr; 
LE.; Sch; auch eine Freude Z. Verunreinigen, z.B. 
den Fussboden oder untern Teil der Wand mit den 
Schuhen Bs; L. In Unordnung bringen, z. B. das Bett 
durch Hiiioiiilies'eii hei Taf^o SV /sf vo''' ganz v-t gsi", 
unordi-iiili- h .iii-.vm-vii. mii :\1mii;-.'ii Jj. Durch Unbe- 
.sonnenhrit, I L-ivilmm \ ndn l,..,, l;.; Z. — 2. (intr.)? 
a) verwirrt, yelahiat, ver-^teiiicrt werden TuTäg. Syn. 
vergatteren, rerstünen, vertatteren. — b) erschrecken 
AAFri.: Bs. Vgl. i 6. — c) zornig werden SchKI. 
Vgl. 1 d. 



Galsteri f: 1. Zauberei. , Mit gilt und galsterei 
vom leben zum tod bringen.' Vad. — 2. Betrug, Täu- 
schung. ,Dass du, einfältiger Leser, seine [Fabers] 
G. mit seinem prächtigen Allegieren kennen lernest.' 
1532, HBrLL. 

galst(e)rig: 1. „ausser sich gebracht, seiner selbst 
nicht mehr mächtig. Es ist mei- rso g. P* U" recht 
g. worde", vor Ärger, Zorn BO. ; LE." Ausgelassen, 
mutwillig, übermütig lustig BSi.; W, von Mädchen. 
Syn. gainplig. „Über die Massen verbuhlt, von Mädchen 
B-^a.'' .Boshaft, unbändig." „Scheu, v. Pferden SL." 



galt: 1. keine Milch gebend, wegen Jugend, hoher 
Trächtigkeit, Krankheit oder Bestimmung zu anderm 
Zweck (Mast), a) von Kühen oder Ziegen Ap; BSi.; 
FJ.; VOrte; Gl; Gr ; G; W ; Z. Syn. gast; Gegs. 
melcli. G. gä" (vgl. .schwanger gehn') Ap; Ndw; Z; 
Syn. g. stä", alti Milch gehen, er-gdlten; Gegs. leeren. 
In GRh. g. gä' auch vom Vieh, das noch nicht tragend 
ist und es nicht mehr werden kann. — b) von Kälbern 
und Rindern, welche galts Veh (BR., Si.) od. Galtveh 
(Gk; G; FwK.i. rjalli War (BR.; F J. ; GSev.) heissen, 
gewöhiilirli /um .Matten bestimmt sind (G) und z.T. 
in besnii.lmi Sclhuiirii, wo nur mageres Futter ein- 
gelegt i.st. iidor auf geringern Weiden gehalten werden 
BSi. Auch von Ochsen UwE. — Subst. Galts, junges 
Vieh, bes. Kälber und Rinder, doch auch Ziegen BO. 
,Well'"''er den andern pfeuden will, der soll des ersten 
pfenden ross oder galts vö [Vieh], demnach ander 
farend guet.' 1480, Ztsohr. f. schwz. E. ,üass inen 
[den Messpriestern] die best melchkue, das fegfür, nüt 
galt gange.' Zwingli. ,Es sollen auch die Metzger 
kein Geissvich vor StJakobs Tag nietzgen änderst 
Gitzi und jährige gälte Geissen.' 1634, SchwE. Kloster- 
arch. .Brach, unträchtig, galp [i*], 1er, sterilis, viduus, 
vacuus.' Red. 1(i6'2. - '2. „unfruchtbar, nicht trächtig, 
von Kühen Ap; Gk." Von Frauen UUrs. — 3. un- 
angebaut, brach, von Äckern W. Vgl. Galtimattli, 
Name eines magern Grundstückes UwE. — 4. von 
Brunnen und Quellen: nicht mehr fliessend, ver- 
trocknet BR.; GA. — 5. Mangel an Etwas, z. B. an 
Geld, habend BR. 

In andern MAA. ydt und gelde; ags. gehk, siocus, altn. 
(jdd, castratus, sterilis (von Ochsen ; vgl. engl, gelding, Wal- 
lach); von weibl. Tieren: ohne Milch, z.B. von Schafen und 
Kilhen. Bed. 2 ist wohl die urspr., aber schwächer bezeugt. 
Die Übertragung vom Tierreich auf den Erdboden bei 3 hat 
viele Parallelen, auch in umgekehrter Kichtung, z. B. der 
Mutterschoss mit einem Acker verglichen; vgl. Zeitschr. f. 
Völkerps. XIV, 86; Tobl. Volksl. I, 208. S. noch ergalten. 

Summer-: den Sommer hindurch keine Milch 
gebend Gr. ,Eine Kuh, welche nicht gemolken wird, 
um im Herbst als fettes Schlachtvieh verkauft zu 
werden.' Ebel. ,Sommergalte Kühe sind im Winter 
desto leichter zu mästen.' Gr Samml. 1779. 

strupf-: wenig Milch gebend, im Übergang zum 
völligen Galtsein. G'mulche" han-i''- hir gli [bald], 
i"'' ha s" [die Kühe] schier all Str. U. — Strupfen, mühsam 
melken. 

Galt m.: 1. die Zeit, in welcher eine Kuh oder 
Ziege keine Milch liat Gr. D' Cime liet der G. g'nn 
[genommen], hat aufgehört, Milch zu geben GaPr. 



•237 



(Salt. gell. gilt. goU. gult 



D' Ohne het e" länge" G. GrL. Gegs. Melch. — 2. an- 
steckende Krankheit, welche Kühen und Ziegen die 
Milch entzieht GrD. (B.) 

Galteli Ar, üaltli. Galtji, Galtschi Gr. 
Galti Gr; W — n.: gälte Kuh, Ziege W. Kind von 
1 ■-' Jahren, das in der Regel noch keine Milch gibt 
i.K. üyn. Galtlmr/, Gitsti, Küetschi. Kalb im zweiten 
Halbjahr GkD. (B.) Etwas jünger und kleiner als der 
(TcütUmj Ai-. Ghelber und Gälti GRMai. ,Die Galtje 
und junge Ross.' GsKlost. Alpbrief. Als Schelte, doch 
nicht unfreundlich. Du dumms Galti! Gr. — Dim.- 
Bililung aus dem Adj. 

Gälte" f.: gälte Kuh od. Ziege Gk. 

galte(n): 1. im Milchgeben abnehmen, die Milch 
verlieren, fast keine M. mehr geben, von Kühen und 
Ziegen BR.; 6A.; W. Syn. gasten. Auch von säu- 
genden Frauen BR. — 2. wenig oder kein Wasser 
mehr geben, von Brunnen GA. — 3. (übertr.) an einer 
Sache keinen Überfiuss mehr haben BR. — ent-, et-. 
E Cime e. lä", aufhören, dieselbe zu melken, weil sie 
schon seit längerer Zeit trächtig ist Z. — er-: 1. die 
Milch verlieren, keine Milch mehr geben, allg. hi 
der Sucht [während der Seuche] ist-is [uns] d's Veh 
völlig e-t ScuwMuo. D' Cliüe e., vier müese fürer, 
weiter [ziehen], auf eine andere Alp BSi. jE. län, zu 
melken aufhören B. Vgl. er-gelten. ,Wann ein Kue 
an eim Strich keine Milch gibt, so soll mau sy im 
Wassermann lassen e., so wird sy wider an die Milch 
kommen." Arzneib. ZZoll. c. 1750. , Untragend oder 
sonst halb ergaltete Kühe.' 1776, Obw. ,Alle Pflanzen 
von sonderbar kalter Eigenschaft können das Vieh 
nach und nach e. machen.' Gr Samml. 1784. Syn. ab- 
fallen, ergusten, von der Milch kommen, abnemen, er-, 
cer-melchen; Gegs. die Milch behalten, er-melchen. 
Auch von Frauen BAdelb.; „scherzw. von einer Frau, 
die lang ohne Mann und Kinder lebt Gr." — '2. von 
der Milch selbst: abnehmen, ausgehen. D' Milch 
muess z'erst e., '"vor me" biemste" cha'" Aa [eine An- 
nehmlichkeit muss durch vorausgehende Entbehrung 
erkauft werden]. — 3. (übertr.) a) von Hühnern: auf- 
hören Eier zu legen GrD. — b) von Brunnen. Quellen, 
versiegen, abstehen. — c) von Menschen in Bez. auf 
den guten Ruf. Er ist e-t, sein ,Lob' ist nicht mehr 
gross W. — ver-, bezw. zer- = er-g.: von Kühen. 
Ziegen und Brunnen GA.; im W vom Ackerfeld: 
.Wenn d' liebu Sunn mit ihrem Schein so hoch nit 
war gesetzet ein,' würd man gewiss den Schein ab- 
halten, den Meisten machen ds Guot z. [unfruchtbar 
machen], kein Gras, kein Frucht würd mehr aufgehn, 
wenn 's in der Menschen Gwalt tat stehn.' Aus einem 
W Volksspiel. Ptc. vergalt't GSev. 

Gälte ro" f.: Rind, das noch nie gekalbt hat GSev. 
Syn. Galtli'g, Kne-Vech(U). 

.Galti: Kuh von 2 — 3 Jahren, die noch nicht 
.trägt' Ar; Gr." S. Bock. — Bock- f.: Kuh ohne 
Milch GnSav., Sculni.s. — Eig. weibl. Adj., aber in vcr- 
stoiuerter Form. 

Galtli"g, .auch Galtig", in G oT. tw. Gald-; in 
GlH. Galt-, Geltlig— m.: 1. Rind von 1 — '2 Jahren 
od. Ziege, welche noch nie geworfen haben Ar; GlH.; 
L; G; Z. Syn. Gusti. , Welcher für ain kuo gsitz 
hieryn [in die Weide] tuet, soll syn drü kalbli older 
zwen galtig older ain gras-kalb.' 154t!. Zellw. Urk. 



.Vacca sterilis, ein zeitkuo, die nit tregt. galtling oder 
wiutermelch.' Fris.; M.4l. — 2. Mädchen in den Ent- 
wicklungsjahren Ap (niedrig); kräftige, junge Weibs- 
person G. — 3. Neckn. der Rechtobler kr. Schirapfn.: 
abeg'hite'- G.! G. 

Gälti, Gelti (auch Wind- GfiSchud.) f.: 1. der 
Zustand oder die Zeit der Milchlosigkeit von Kühen 
und Ziegen UwE., insbes. von Kühen vor dem Kalben 
B oHa. Ruhe vom Melken. Es ist en Howptsach, 
dass-mu' dem Veh ord^llrchi G. läi [lasse] BRi. — 
1. Krankheit der Kühe und Ziegen, die sich durch 
Anschwellung des Euters, Abnahme und Verschlech- 
terung der Milch, indem sie etwa mit Blut und Eiter 
sich mischt, Steifheit des Körpers, Trübung der Augen 
usw. kund gibt, .Milchtröckne' „Ai-; BRi.; Gl; Gr; 
LE.; GRh.; Z." ,Die Gelti oder Sucht' Steinm. 18o-2. 
,Uie Gelti oder der Milchpresten besteht in Niercn- 
und Blasenentzündung.' Römer u. Schinz 1800. .Wann 
die in das Lehn empfangene Kuo an einer oder zwo 
Strichen ein Gelte bekäme.' 175ö, Schw Rq. Die 
Krankheit wird zuweilen der Wirkung eines bösen 
Geistes zugeschrieben. 

gältig, geltig: mit der Krankheit der Gälti be- 
haftet BRi. 

er-gelte(n): ergalten lassen, aufhören zu mclkoii. 
D' Chue ist ergaltet: wir müesse"-scha [sie] e. W. — 

Faktit. zu ergalten. 

Gelt, Geld I n.: 1. Geldschuld. „In Gelten stecke" 
80." Er ist starch in Gelt(n)en, hat viele Schulden 
BHk. ; vgl. Gelt IL ,Der scultheisse richtet unibc 
scult unde umbe gelt unde unreht.' 1200, Wack., DR. 
,Wenu ein Bürger kein G. [irgend eine Schuldver- 
pflichtung] in keinem Weg machet, debitor alicujus 
quocumque modo fuerit factus.' Anf. XIV., B Handf., 
.in deheinem weg jemans bürge wirdet' (nach späterer 
Übers^'tzniiu'-l .T>ass keiner den andern mit gerichte 
behalt. 11 ."llr. ,, seie denn rechte gelte oder bürg 
[BürgM liali j. l:'.-.'s, Ochs. Umgekehrt vom Stand- 
punkt des Gläubigers: die Schuldforderung, das Gut- 
haben, Gült und diesem analog weibl. aufgefasst. Er 
het vil G-en BSi. ,Unz dass wir si [unsere Creditoren] 
gerichten [ausrichten, bezahlen] und geweren ir g-es.' 
1328, UwE. — 2. Zins, jährliche Rente. Nach der 
mittelalterlichen Auffassung, wonach man nicht sowohl 
ein Capital auslieh, sondern um dasselbe eine Rente 
kaufte, sagte Einer, der einem Andern 100 fl. ä 5 °/o 
geliehen: ,Ich habe 5 fl. Geltes um 100 fl. Guet ge- 
kauft.' Daher Angaben wie: ,So hant wir Geld ab- 
kauft 4 Pfd 3 ß Geltes um 42 Pfd 15 x.' XIV., Ochs. 
S. Gtildin-, Pfiinder-G. Auch von Naturalzinsen. 
,ö mütt kernen geltes järlicher gült Zürich messe«.' 
1334, ZZoll. S. Stuck, .(Kernen-) Zins'. — 3. Preis, 
Wert, Geltung. Das Silber habe damals ,in so hocheni 
g.' gestanden.' Vad. ,ßonen, erbiss und allerlei ge- 
mües, so in rechtem g. gekauft mag werden.' Tierb. 
1563. .Dass si [Wirte, Bäcker, Krämer] die weit 
[Kunden] nicht zu teur, sonder in einem g., das recht 
ist, halten und sich einen zimlichen [massigen] ge- 
winns benüegen lassen.' 1586, ScnwE. ,Das Brot i.st 
in einem hochen Gelt.' JMüll. 1665. - 4. {Gelt Gl; 
ZO.) = nhd. (pecunia). '*■ G. ist -ix (bi eus) 's We- 
nigist, scherzh. doppeldeutig: ,das Wenigste, was wir 
haben (d. h. wir haben keines)' oder ,wir halten nicht 
viel darauf.' Ani [Eine] mit G., eine reiche Braut 



Galt. gelt, gilt, golt, gult 



GTa. Dem ehunnt 's G. zum Tach ine", er hat grosse 
Einnahmen Gl; Z. Es lit im [i»(»ie, in einem] G. 
inne", beläuft sich auf eine hohe Summe, erfordert 
viel Cai)ital. z. B. der Betrieb eines Geschäfts Z. Das 
ist da no''' G. g'si', galt als eine grosse Summe Z. 
Halt, Hagel, ztre Batze" sind au''' G.! Z [vgl. Zive- 
batzen-Biieb]. Vo" dort a" lian i''' derno''' 40 Chrone" 
übercho', es schöns Geldli, we"' vie" Alls hält chönne" 
uf d' Site' legge". BWyss 1863. E Geltli z'sämme" 
tue', eine Summe Geldes zsbringen Ap.^ .Kundschaft 
in unser kosten ze machen und uns ein geltli daran 
nit beduren ze lassen.' 1529. Absih. .Auf der Land- 
schaft sollten die Untertanen alle Sonntag ein Geldlin 
zsschiessen [für die Armen].' 1(503, Bs Arnienordn. 
Von den Habsüchtigen sagt man: Sie wend eisder 
Teller und G., oder: Sie tvend de' Schilli'g und s" 
Beckeli ZWangen [vom Sammeln, indem ein Teller 
die Bunde macht]. G. a" d' Wand henke", indem 
man kostspielige Wandbilder anschafft Z. ,Mit dem 
Gelde wachen und nicht mit dem Leibe', auf der 
Wache nicht persönlich erscheinen, sondern seinen 
Ersatzmann stellen. XIV., Ociis. Edlib., dessen Aus- 
trittserklärung vom Rate nicht angenommen worden 
war, sag^: ,Und gebend mir die wal, man butte [böte] 
bim gelt oder bim eid, so es mir nüt füegklich war. 
daryn zue gan, dass es mir unschädlich syn sollt am 
gelt und eren, ich gienge oder nüt.' Sprww. Geld ist 
[d'] Losi"g [Baarzahlung erst macht den Gewinn aus]. 
SuLGER. Wer G. het, isch rieh, und wer rieh isch, 
isch g'schld, isch 's gäng und gab Sprilchwort. Schild. 
G. ist d' Welt. Sulser (vgl. dagegen : 's G. g'härt der 
Welt. Ineichen). G. ist de'' Ma". ebd. Gott regiert 
im Himmel und 's G. uf Erde". Ineu'hen. Wenn 's 
G. redt, muess en Andre'' schwige'. ebd. G. im Seckel 
duzt de" Würt [den Wirt]. Sulger. Für G. tanzt 
sogar der Tifol W. Alles um 's (lieb) G. Ineichen; 
SuLGER. Bär G. lachet. Me" muess 's Gelds Narr si'. 
Ineichen. Hest G., so bist lieb, seigist e' Schelm oder 
e' Dieb. ebd. Hest du G., so setz-di''' nider, hest 
ekei"s, SU scher- di''' wider, ebd. ,Wo wenig G. ist, 
ist wenig Gunst.' ÜBräggkr 1780; vgl. ,Nümma [nicht 
mehr] g., nümnia g'sell.' NMan. ,Nümmen g., n. lieb.' 
HBuLL. 1540. G. füert de' Chrieg. Sulger. 's G. macht 
de" Markt, nid d' Lüt. ebd. Wer kei" G. hat, muess 
nid z' Markt gö". ebd. Chüpferi'' G., chüpferni Si'l- 
mess. ebd. Wie 's G., so d' War. ebd. G. ist c gueti 
War, si göt Summer und Winter, ebd. Dem G. isch 's 
glich [einerlei], jcer 's heig. Ineichen. G. und 3Iist 
nütze' nid am Hufe', ebd. 3Ie" schmückt 's am G. 
nid a", wie-me 's verdient hat. Sulger. Me' muess 's 
G. von Liite' ne", me' cha'" 's nid vo' de' Bäume" 
schüttle". Ineichen. Der Eini hed 's G., der Ander 
hed 's g'ha", der Dritt hätt 's gern. ebd. G. ist e rari 
War. ebd. G. ist gern bim G. ebd. Me" cha"' dem 
G. ke grösseri Ehr a'tue', als dass me' 's zält. ebd. 
G. macht nid selig, ebd. (t. macht Srhclme". ebd. 
's G.g'no", um d' Freihiit rli,," ].]]<■ I'ri'ilüit M.'rloren]. 
Sulger. Wer um 's G. luirntrf. ,, r</,,(/(// >,' Freiheit. 
ebd. G. lehne" macht Frand, uiuHiaß Find. Ineichen. 
Cha""st 's Geld brfiche", so bist sin Herr; wo nid, sin 
Chnecht. Sulger. Vil G., vil Sorge". Ineichen. Wer 
kei' G. hat, verlürt kei Mi'inz. Sulger. Er und ander 
Lüt häud vil G. [Spott auf Einen, der sich für reich 
ausgibt] Z. Vgl. noch usgän; gelt; guct; Futzerli; 
Frau; Heu; Kdt ; Stuck; Stein; Ti'ifel. 



Mhd. iji'li, n. und m., Zahlung und Scbuldfoiderung; 
rentierendes Eigentum, Einliommen, Zins; Preis, Wert. Zah- 
lungsmittel, geprägtes Geld. Ein f. gelte ist im Mhd. nicht 
bezeugt, scheint aber aus 1328 vorzuliegen, viell. erst später 
gebildet nach Analogie der sinnvwdten WW. G'ült, ,SchHld' 
und mhd. b'urge, Bürgschaft. Dann Hessen sich noch andere 
Stellen der ä. Lit, die jetzt unter Geh II 1 stehen, hieher 
ziehen. Die RA. in Oh-ii Hti grenzt allerdings nahe an die 
Uw RA. i7t (d') G-en ohu', in Konkurs geraten, wo tf-en 
urspr. .Gläubiger' zu bedeuten, also zu Gelt II gehört zu 
haben scheint (den Gläubigern anheimfallen), aber sich dann 
mit dem sächlichen Begriff vermischt haben mag. Die in 
der heutigen Spr. fast allein herrschende nhd. Bed. niusste 
sich aus 2 und 3 entwickeln, nachdem Münze als Zahlungs- 
mittel und Wertmass üblich geworden war. 

Dri-Gelt: dreifache Strafe. ,Ein gemachte Wun- 
den im Angesicht wird mit einem Dreigelt oder drei- 
facher Straf belegt, weilen sie mit dem Kleid nit be- 
deckt ist' Hafner 1666, der in entsprechender Bed. 
auch ,ein Sechsgclt' und ,das Neung.' verwendet. 

Erklärt sich ans der Bed. von Gelt = Vergeltung, Ersatz, 
wie in dem alten ,\VergeIt'. 

E-: Geschenk, welches der Braut von dem Bräu- 
tigam bei ihrer Verlobung gemacht wird. DWyss 1796. 
Syn. Kronen-Gulden, E-Pfenning. — Ehaft-: Ab- 
gabe von den Ehehaften (s. Ehaft Bd I 8). ,Die Ehe- 
haftgelder von Badstuben, Pfistereien, Metzgen und 
Schmidten werden von nun an gänzlich aufgehoben.' 
1797, G. — Eier-: Äquivalent f. Zins an Eiern. 1845. 
Z OGl. — Achram-, Acheret: Abgabe, Zins für 
die Nutzung der Eicheln und Buchnüsse in den herr- 
schaftlichen Wäldern. Dem Vogt von Grandson wird 
vorgeworfen, kein A.-G. verrechnet zu haben. 1533, 
Absi'h. Noch 1844 bezog der Pfarrer von SBib. jähr- 
lich 12 Fr. als ,Holz- und Aeheret-G.' Das W. mehr- 
fach in den eidg. Absch. für die Westschweiz belegt. 
Vgl. Aclieren Bd I 70, Holz-G., Achram- Haber. — 
Audienz-: Gebühr für eine (gerichtliche) Audienz, 
ein Verhör. Der Landvogt von Baden soll ,von der 
Urtlen wegen mit dem A-Gelt bei gewohntem Tax 
bleiben.' 1653, Abscil — Uf-: Aufwechsel, Agio t- 
— Druf-: 1. Anzahlung an die Kaufssumme bei 
Käufen um Fahrendes (vgl. Wln-Kauf für Liegen- 
des); Hand-, Auf- Geld. — 2. „kleine Münze, mit 
welcher man eine Zahlung in groben Sorten oder in 
Papier vervollständigt." Syn. Beleg-G. — Allmend- 
(auch Fi''*)-: 1. nach , Kuhessen' berechnete Auflage 
für die Benutzung der Allmend zum Auftrieb von 
Vieh. Wird a. 1647 für Schw bereits als .hergebracht' 
bezeichnet. — 2. unter die Berechtigton verteilte 
jährliche Allmendnutzung. .Es solle aber von denen 
aufgetriebnen Kühnen denen Teilern, so nicht auf- 
getriben [haben], das gewohnte A. bezahlt werden.' 
1826, Kernser .\lmendordn. — Alp-: 1. Gebühr für 
die Benutzung der als ,Sallaiid' von der Herrschaft 
reservierten Alpen, Alpzins. Im XV. werden die Appen- 
zeller verpflichtet, dem Abt von StGallen für das bisher 
entrichtete A. eine jährliche Pauschalsumme als Geld- 
entschädigung zu entrichten. — 2. ähnlich wie All- 
mend-G. 2. A. 1681 ,ist von wegen des Alpgelts [be- 
schlossen worden]: wann ledige Knaben oder Töchter 
wären, die Vater und Muoter haben, die sollen von 
der Gnossami Nichts zuo nutzen haben.' Ztschr. f. 
schwz. E. S. Ürti-, AUmend-G. — Eimer-: Geld- 
entschädigung, ursprünglich für Anschalfung eines 
Feuereinicrs bei Aufnahme in eine Corporation B. — 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



242 



Ininii-: = Immi o Bd 1 223. — Um nie"-: kleines 
Geld, das man beim Bezahlen einer Summe von der- 
selben als Trinkgeld wieder zurück ftimme'J erhält. 
Früher bes. bei Zinszahlungen statt der jetzt üblichen 
Verabreichung von Erfrischungen gebräuchlich. Vgl. 
Zins-, Brud-SchiUing. — Verein igungs-: Bundes- 
subsidien bes. von Frankreich, Spanien und Savoyen. 
Statt Pensionen sollen künftig die Jahrgelder [von 
Frankreich] , Fried-, Bund- oder V.-Gelder' betitelt 
werden. 1731, Abscii. — Erb-Einungs-: der It der 
.Erbeinung' von 1511 mit Ostreich vereinbarte Betrag, 
den dieses jährlich an die ,Orte- auszahlte. Ähnlich 
entrichtete auch Burgund ein E.-G. S. ,Erbeinung' 
Bd I 282 u. vgl. Absch. IV 2, 80. 95. 120. 

Un-. resp. Um-: 1. Steuer, Gebühr, Abgabe. 
• Unde soll man inkein ungelt noch einunge setzen 
ane [des Bischofs] willen [der die Steuerauflage als 
Hoheitsrecht allein beansprucht].' 1200, Wack., DE. 
.Swer syn pfant setzet den burgern über 8 tage 
[hinaus], es werd verkoufet ald versetzet, dem git 
man enhain antwürt darunib von den burgern, es sy 
denne, so man ungelt nimmt, so git man niemande 
enhain antwürt für ersten tag umb dehain pfant.' 
c. 1100. TuDiess., Stadtr. [die Obrigkeit hat also ra- 
scheres Verfügungsrecht über die Pfänder als der 
Private]. .Die dörfer mögen söliche wegsanie wol 
bruchen, also dass si darumb kein umbgelt schuldig 
syn sollen.' 15'2J. Absch.; vgl. ,'Weg-G.' Die Leistungen 
der einzelnen Schützen an die Gesellschaft bestanden 
in einem jälirliohen Beitrage an Geld, ,Umgeld' ge- 
nannt, welches im J. 1623 durch die Regierung auf 
t) Pfd jährlich festgesetzt wurde. Erinn. 1878. Spec. 
a) Verbrauchs- und Umsatzsteuer, im Marktverkehr 
und an den Grenzen (Stadttoren) z. T. neben dem Zoll 
erhoben, den man aber bes. an Brücken und Strassen 
bezog. Accise. .Die hofjünger sprechind, sy habind 
das recht, dass die äptischin sy soll schirmen vor dem 
immi [s. Bd I 2'24] und vor dem ungelt, sy koufent 
oder verkoufent.' Offn. ZFäll. ,Wann die zue Solo- 
thurn von kriegen wegen in geldschuld gekommen 
sind, so haben wir [der Kaiser] erlaubt, dass sie auf 
sich und ihre stadt ein zimlichcs umgelt setzen und 
das von allerlei kaufmannschaft nemen mögen, doch 
dass [sie] solches gelt in irer stadt nutzen wenden 
sollen.' 1376. S Wochenbl. Lt Bs Ratsbeschluss von 
1376 zahlte man in Bs von allen Waaren. die man 
kaufte oder verkaufte, 4 den. vom Pfuml [also aucli 
eine Art Einkommensteuer]. A\'\r habrn den Bürgern 
[von Lucern] erloubet, dass si in irer statt ein ungelt 
von newes ufsetzen und mit namen von iglicher kouf- 
mannschaft und habe, die ein gast in ir statt bringen 
und do verkoufen wirt, von iglichem pfunt pfennings- 
wert, das do verkouft wirdet, 4 pfenn. fordern.' 1418. 
Seh. RG. [vgl. .Pfundzoll']. Die Schwyzer klagend, 
.dass die von Zürich uns körn und wyn, so wir ussert- 
halb iren landen kouftend, nit durch ir land füeren 
lassen wollten, wiewol wir inen davon gern geben 
betten zoll und ungelt, wie das von alter harkoramen 
was.' Fründ. Später nahm das U. geradezu den Cha- 
rakter eines Tor- (Ein- und Ausgangs-) Zolls an. ,Das 
kleine Umgeld begriff den Einzug unter den Toren 
von ein- und ausgehenden Waaren, darunter sowohl 
die eigenen Fabriken, d. h. Seidentücher, Leder, Land- 
wein etc., als die fremden Tücher von Mecheln [usw.] 
verstanden waren.' Z Meni. 1801. Spec. war das ,U.' 
Schweiz. Idiotikuu II. 



gelegt a) auf geistige Getränke, zunächst auf Wein, 
dann auch auf Branntwein und Most; laut der Bundes- 
verfassung von 1874 soll das noch in mehreren Kan- 
tonen als Eingangssteuer erhobene .Ohmgeld' mit IS'M) 
eingehen. Im Unterschied vom Angster-G., Hüswyn- 
Umg. (1394, Bs) und Böspfenning war es vormals eine 
Auflage für das Schenk- und Tavernenrecht, also eine 
(Gewerbs-) Steuer auf die Wirte, nicht auf Private, 
und urspr. eine bloss städtische Verbrauchssteuer, die 
dann aber auch auf das Land ausgedehnt wurde. So 
führten die .Länder' lt Blvmer RG. das Ohnigeld erst 
im XVII./XVIIL ein. .Ouch ist der rat übereinkommen, 
swer der ist, der in der stadt wyn schenkt oder salz 
feil hat und noch nit gesworn hat, das umgelt ze 
gebenne. der git 1 pfd ane gnade.' 1300/15, L äStdtb. 
,Der das ungelt verseit ald nit git, so es geforderet 
wird von dien, die es pflegent, so soll er es zwyfalt 
geben.' 1304, Z RBr. ,Wer wyn schenket ze Brattelen, 
da ist der 4. pfennig des ungeltes unsern herrn.' 
BsPratt. ,Es soll ouch ein ietlich schultheiss und 
undervogt ir ungelt geben als ander burger, wenn 
sie offenlich wyn schenkend, und sond si die ämpter 
davor nit schirmen.' 1384, AaB. Stadtr. ,Die wirt 
suUent sweren, alle wuchen ir ungelt den ungeltern 
ze werende oder mit ir willen fürer behan.' 1411, L 
Ratsb. 1444 wurde verordnet: ,Es sollen die Wirt, 
die schenkend oder Gastung empfahend, zu Umbgelt 
bezahlen von jedem Saum 4 Mass. Was Weins aber 
von der Statt hinaus verkauft wird, es sei ab Land 
oder ausser den Kellern, da soll man von jedem Saum 
der Statt 5 ß zu U. entrichten und ist das der Seckel- 
meistern Ampt, das alles einzunemmen.' [lt. Hafn. 
1666). ,Wann ein Abt das Wirtshaus am Far ver- 
liehet, so nimbt er dort vom Wein, der verwirtet wirt, 
das umgelt.' 1479, Arch. Wett. Im Waldmann'schen 
Spruch (1489) wird entschieden : .Ob aber einer ussert- 
halb den gepieten [der Stadt Zürich] wyn koufte, von 
demselben soll er das u. geben, nämlich von iegklichem 
eimer achtendhalben ß hlr.' ,Was der wirten nit an 
den landstrassen gesessen, deren soll jeder für das 
ungelt 1 pfd stebler geben.' 1525, Absch. , Welcher zuo 
Tietwil wirtet, der soll das umbgelt geben 5 plaphart 
von eim soum wyns unseren herren.' 1530, Aa Weist. 
.Welicher unbezalt des umbgelts wyn von der stat 
Thun füeren [wurde], soll das abieggen der stadt 
mit 5 pfunden zu buess.' Stadts. Thun 1535. .Die 
[StGaller] welltind in [den Abt] nit schenken lassen, 
er zalte inen dann das umgelt als wol als ain anderer 
burger.' Vad. ,Das bisher in den 5 Ämtern [von 
Basel] bezogene Ohmgeld auf Ausschenkwein, 4 Plapp. 
vom Saum, ist auch ferner zu entrichten.' 1591, Absch. 
,Item seilen die wirt ie ze Fronfasten umb uns an- 
zeigen, wie vil ein jeder wein verwirtet habe, seilen 
si ebenmässig so woll schuldig sein, den wein, so si 
bei dem lagel verkauft, da fürhin solcher in das fass 
aufgefasset, anzuzeigen und das umbgelt gleich wie 
von deme, so bei der mass ausgeschenket wurde, zue 
jeder fronfasten, da sie berueft werden, mit barem 
geld [abzustatten].' 1625, Gfrd. (U.) ,Der Schultheiss 
soll auf das fallende Wcinumbgelt Achtung geben, 
damit dasselbige vermög der Ordnung entrichtet werde.' 
1654, Bs Rq. ,Die am Umgelt stehende Wein.' Z Mand. 
1700. — ß) auf Korn, sog. ,Mehl-' od. ,Müli-U.' Ochs. 
1357 wurde in Bs beschlossen, wer sein Mehlumgeld 
nicht zahle, solle von seinem Bürgerrecht sein und 



243 



Galt, gelt, gilt, golt. gitlt 



nicht wieder Bürger werden. ,Al.s wir von unser 
stette grossen notturft wegen das müliungelt von jeder 
viernzel korns, die man malet, 6 nüwe pfenn. zu geben 
ufgesetzt haben uf 5 jar mit gunst des bischofs.' 1369. 
Bs Staatsarch. ,So einer körn zuo eigenem bruch in 
syn hus malen lat, [soll er] von jeder viernzel nit 
me dann 6 pfenn. zuo ungelt geben.' 1525. Aesch. 
,Dass die Müller fürbass schuldig sein, das ünibgelt 
alle Sambstag ordentlich auf das Rathaus, mit Naiumen 
von jedem Mütt Kernen, wie auch einem Malter ohne 
allen Unterscheid, wem sie das malend, hlr. zu 
überantworten, und dann selbiges von den Kunden 
widerumb ynzezeuhen.' 1629, Z Vcrordn. .Den Lohn 
des Müllers betreffend, so ist demselben ein Vierling 
vom Mütt zu nehmen bewilliget, daraus er dann das 
Mülle-Umgeld abzuführen verbunden sein solle.' 1770. 
Z Ges. — y) auf Salz. ,Die salzlüt sullent sweren: 
Was salz si in dem koufhus koufen, da sullent si 
das ungelt daselbs im koufhus lassen. Was salz si 
aber ze Zürich koufent, ist dass si denne ein mess 
salz ganz verkoufent. so soll ietweder, der kouft und 
der verkouft, gen 1 den. Und soll der, der da ver- 
kouft. den selben pfenn. einnemmen und soll den 
pfenn. und den synen weren by dem eid an unser 
ungelt [an die Umgeld- Kasse].- 1411, L Eatsverordn. 
— d) auf Vieh. ,Unib das vichungelt, da von unsern 
usburgern vil unlust und klegt ist gewesen, ist er- 
kennt, dass wir alle unser usburger, unser umsessen 
und die, so mit uns stiurent und dienent, des ungelts 
nu ze mal erlassen haben.' 1413, Z Ratserkenntn. — 
e) auf Fleisch. ,Das Fleisch- oder Metzger-U.' wurde 
in Bs a. 1452 eingeführt und betrug per Ztr. 4 ß 2 den. 
,Von dem Vieh, das auf Verkauf geschlachtet wird, 
sind die Metzger schuldig, das Fleischohmgeld zu ent- 
richten nach Massgabe des Mandats, wie die Metzger 
in der Stadt [Baeel] das Ohmgeld auch bezahlen. Das 
Fleisch, das für den Hausgebrauch eingeschlachtet 
wird, ist von diesem 0. frei.' 1591, Absch. — b) Ab- 
gabe, welche Krämer auf Jahrmärkten entrichten 
müssen, .Standgeld' (s. d.) ScuSt. (Sulger). — c) Ver- 
mögenssteuer. Eine solche wurde 1376 (1394 , neues, 
grosses U.' genannt im Gegs. zu dem schon bestehen- 
den, auf Waareuumsatz erhobenen U.) in Basel ein- 
geführt. Wer 1000 M. besass, gab wöchentlich 10 ß 
(s. o.). 1674 wurde in Glarns (It Ebel) von den Re- 
formierten beschlossen, zur Bildung eines Schatzes ein 
U. oder eine Hab- und Gutsteuer, auf 100 fl. 1 ß, 
zu erheben. — 2. die Umgeld kasse und deren 
Verwaltung. S. oben 1 y. 1490 wird in Luzern 
verordnet, der Kornhausmeister solle alle Wochen 
an das U. Rechnung geben und das Geld den Um- 
geldnern abliefern. Vgl. Umgelter. — umgelten, 
ver-ungeltc(n): (trs.) vom ausgeschenkten Wein das 
Ohmgeld entrichten L ; Zg. ,Dass man eilenden [aus- 
ländischen] wyn V. soll, als er ufgetan wirt. Swer 
ze Zürich dehein eilenden wyn zem zapfen schenket 
und verkoufet, der soll in v., unz der wyn uskummt 
[ausgeht].' Z RBr. 1304. .Ain ieglich schenk soll sinü 
fass V.' c. 14011. TiiDiess. Stadtr. ,Wir haben geordnet, 
dass hinnanthin allo dir wirt. so in unser statt Wirt- 
schaft oder gastniiir lialtriit, allen den wyn. den sy 
schenkent oder den j,'e.->tLn gebent. es sye über tisch 
ze den rechten malen oder zwüschent den malen, ver- 
ungelten und dasselbe ungelt alle fronfasten den un- 
geltern antwürten sullent' 1422, Z Eatsverordn. , Jeder 



Bürger, der Wein schenkt, ist verpflichtet, ihn zu 
verumg.' Stadtb. Wthur. Die Thurgauer beschweren 
sich, dass ,ain biderb mann den wyn oder most, so 
im uf dem synen erwachsen, nit usschenken darf, und 
ob er schon dörfte, so muoss er selbigen tür umb- 
gelten.' 1525, Absch. Auch von anderen Objekten: 
,Doch wirt allein der wein, den man vom zapfen und 
bei der mass verschenkt und verkouft, verumgeltet, 
sampt dem körn, so die beeken auf den kouf bachen 
oder so an die frömbde hinweg gefüert wirt, sonst 
was wein und körn die burger in iren häusern brau- 
chen, darvon geben sy weder zoll noch umgelt.' Simml. 
1577. — Um-Gelter m.: Steuer-, Umgeld-Einzieher 
L; ScnSt; Zg. ,So ein burger oder ein gast eilenden 
wyn [gen] Zürich füeret, den er den burgern uf ge- 
winn schenken welle, den soll niemand entladen noch 
ze kellre ziehen, die ungelter alle drye ald der mere 
teil versuochen in danne.' Z RBr. 1304. ,Swer wyn 
verkouffet us einem fasse, der soll das fass den on- 
geltern von ersten öigen und danach verongelten.' 
1341. Z Ratsb. .Coactor, ein umbgelter, oder der 
verloren schulden an sich zeucht oder bringt.' Fris.; 
Mal. Den Ladenherren in Basel ,sind bei uns nicht 
ungleich die umgelter, die alle Wochen durch ire diener 
das uragelt [daher auch etwa Wochen-Umgelt genannt] 
von wein und körn einzeuhen.' Simml. 1577. ,Die ver- 
ordneten Herren Umbgelteren uf dem Rathus.' 1643, 
Z Umgeldsordn. ,Die Herren Umbgelter fragend [die 
Wirtin], warum sie kein Umbgelt bring.' Schimpfr. 
1651. Lt Brückner hatten die VVeinsticher oder , Um- 
gelter die Fass und Geschirr zu sinnen'. ,Der Herren 
MüUi-Umgeltneren sind zwei, von und aus den Kleinen 
Räten erwehlt.' Z Merkw. des XVUl. In ScHSt. der 
Einziehcr des , Standgelds- (s. Unyelt b). In L Ver- 
walter des Umgeldseckels. .Was nun [in L] die min- 
dern Ausgaben belanget, was unter einem Taler ist, 
darzu wird alle halbe Jahr einer aus dem kleinen Rat 
erwehlet, welchen man den Umg. nennet, dessen Amt 
ist, alle Samstag auf dem Rathaus alle Unkosten, was 
die vergangne Wochen über die Stadt ergangen und 
unter einem Taler ist. zu bezahlen, darzu er auch 
besondere Einkönften hat, das des Seckelmeisters [der 
die grössern Posten zu verwalten hat] Rechnung nicht 
antrifft.' SuiML.-Leu 1722. 

Mhd. umjill, Zehr-, Verbrauchsteuer, Abjaljc von Eiufuhr 
und A'erkauf der Lebensmittel, insofern eine mit Un- recht 
geforderte Abgabe, als keine Gegenleistung (wie beim Königs- 
zoll) entspracii und sie auf keinen Kechtsgrund sich stützte. 
,Golt' (i. S. V. .schuldige Leistung') verhält sich zu lat. de- 
hitum, wir "»./ r7( /n (l,.>iii lat. hiefür angewendeten indebilum 

oder zu 'Imi 1-111. /.( lollu. Vgl.: ,Angaria, pecunia ex- 

torsa, iniL- 11/ M"ih. Aiiz. 1839, '256, und das Syn. ,Uu- 
pfenuiug- li. i Unit. ms: iiihd. unpßlhl ; die verwandte Abgabe 
des Böspfeuuigs uud uhd. .Unkosten'. Die Bedeutung des 
zu Gemeindezwecken verwendeten U-s im Verhältniss zu den 
Reichssteuern kennzeichnet das Z Memorial vou 1801: ,Die 
Einnahmstitul [Kornmarktsgcfälle, Lehenzinse von den Met«g- 
bänken udgl.. Kaufhausgefalle) wurden wohlbedächtlich Um- 
gelder genannt, uud dadurch als lokal charakterisiert, um 
nicht mit der Reicliskastvogtei in Cunflict zu kommen, welche 
die eigentlichen Dominialeinkönfte zu Händen des kaiserlichen 
Fiscus bezog.- Das verhasste U. war u. A. Mitursache des 
Waldmann'schen Aufstandes und des Bauernkrieges. Da dei 
Bezug des U. nur der Hoheit zustand, galt es als ein bes 
Vorrecht, wenn Untertanenstädte, wie ZReg., ein Umgcldsrecht 
hatten. Über die mit dem Bischof von Bs von dieser Stadt, 
welche ein Besteurnngsrecht auch für sich, nicht nur für 



Galt, gelt, silt, j?olt. gult 



246 



ilen Oherhenii. behauptete, s. Heiisl., Vfgesch. der Stadt Bs, 
S. 164 ff. H. vgl. übli. Blunier. RG. 2, 289 f. u. Seg. RG. 
2, 300/304. 3, 2, 42/43. Betr. das .ÜDgelt', welches in Bs 
in den Jahren 1429 und 1446 als Personal- und Vermögens- 
steuer neben dem gewöhnlichen Wein- und Mühle-Umgeld als 
ausserordentliche Steuern bezogen wurde, vgl. Schönberg, 
Bs Finanzverhältnisse S. 167 f., 207 f. u. s. auch S. 270 dessen 
Correctnr betr. das .Fleisch-Umgeld'. — In manchen über- 
lieferten Stellen bleibt natürlich die specielle Natur des U. 
unbestimmt: ,5 viertel fuoterhaber dem meister Pur, als er 
uf-em umgelt reit [das U. auf dem Umritt iu Empfang nahm].' 
1536, ZGrün. Anitsrechn, ,'Wir sind die amptlüt unserer 
Herren, die zoll und g'leit, stür und umbgelt ynziehcn tuciml 
von aller weit.' Aal 1549. .Vectigal, census, zoll, st.ui. 
umbgelt, fuorlon, Zins.' Fris.; Mal. .Steuer, Zoll, S.liul/nnu. 
Umgelter abstatten.' AKlingl. 1702. — Aus ,Un-' .nt^t.ui.l 
durch Verderbniss ,Ura-', sei es, weil man entweder an eiiu; 
auf den Waaren- U m satz gelegte Steuer dachte oder dann 
~ wie einige Belege zeigen — an eine Verlegung der Steuer 
auf die Pflichtigen (vgl. .Umlage', Abgabe). ,Ohra-G.' endlich 
ist eine Umdeutung auf ein Weinmass (s. Am Bd 1 211), 
welche um so näher lag, da das Wein-U. vielleicht die älteste 
und auch wieder die Gegenwart überdauernde Form der .\b- 
gabe ist. 

Angstcr-Gelt: 1. von Privaten bezogenes .Ohm- 
geld'; vgl. Ungelt laa.u. Schw Staatsverm. S. 51. .Wer 
Wein und Most trinkt, der ihm selbst wächst, soll 
für jede Mass einen Angster Auflag an die be.stellten 
Faktoren bezahlen.' 1697. Schw. 1715 wurde ebd. be- 
schlossen, von jeder Mass Wein, Most, Branntwein und 
Kirschwasser 1 A. zu erheben und an den gemeinen 
Nutzen zu verwenden. 1798 betrug der Angstcrgelds- 
fond l(i'218 fl. Syn. Hüswyn-Umgclt ^ 2.=Haiipt- 
AmiMei- Bd I 339. 

Walirsih. eine auf den Kopf verlegte Kriegssteuer ist 
auili das 14 S9 neben dem Fronfasten-, Büchsen- u. Plapphart- 
lield unter den abgeschafften Steuern in den Waldmann'schen 
Spruchbriefen genannte A. 

Antoni- und Barbara-: B Stiftung des Anton 
und der Barbara v. Grafenried zu Gunsten der in 
den Burgerspital Aufgenommenen. Vgl. Mesm. 1831, 
S. 137/8. — Ent- s. u. ent-gclten. - Appellation«-: 
Appellationsgebühr vor Gericht. Vgl. A.-GiiMhi. 

Opfer-: in die Kirchenbüchse eingelegtes Geld 
ScuSchl. Vgl. opferen. Früher das in den Opferstock 
gelegte Geld. Die Schulser wollen die Scharler zwin- 
gen, dem Pfarrer ,selpraid und o.' zu bezahlen. 1570, 
Gk Sammler. — Das 0. machte einen Teil der sog. Stol- 
gcbühren und damit des Einkommens der Geistlichen aus. 
Verer-: Ehrengeschenk. In ApI. wurde es 1764 
bei Leib und Leben verboten, von fremden Fürsten 
heimlieh ,Verehrgelder' anzunehmen. Absch. Ein V.-G. 
wurde auch als .Pension' von Savoyen bezahlt. 

S. m-eren Bd I 398. Einer der zahlreichen, verdeckenden 
Namen, unter welchen die Pensionen in die Schweiz wan- 
derten. Vgl. .Gnaden-, Stuben-, Sitz-G.' u. a. 

Erb(s)-: Erbportion. ,Erb [1719: ,Erbs']-G.. wann 
der Schuldner von wegen eines ihme in gemeiner 
vätterlicher oder anderer Erbschaft zugeteilten Guts 
seinen Miterben eine Summa Gelts zu gewisser Zeit 
zu bezahlen .schuldig geworden ist.' 1694, Bs Rq. 
Mehrfach in den Bs Bq. neben den .Schatzungsgeldern' 
als in Concursfällen privilegierte Forderung genannt. 
— Arme"-G6ltli (n.): den Armen verabfolgte Unter- 
stützung Ap. Syn. A.-Gab. — Ürti-Geld: das unter 
den Gliedern einer Corporation aus dem Ertrag des 
• 'orporationsgutes verteilte Geld Ndw. S. Ürten Bd I 



492. — Use"-: was nach einer .\brechnung bei wechsel- 
seitigem Kaufe oder Tausche Einer dem Andern noch 
schuldig bleibt und nachbezahlen muss. Passiv-Saldo 
B; Gl; Z. Was man bei einer Zahlung in grober 
Münze als überschüssig in Kleingeld wieder zurück- 
erhält, allg. Vgl. ushin-geben. — Üscl (Rüsel)-: Geld 
an Münzen von geringem Wert, bes. Kupfer-G. G. 
S. Üsel Bd I 564. — Oster-: zu Ostern (s. d. Bd I .582) 
unter die Schulkinder verteilte kleine Gabe. ,Es soll 
das Osteren-G.. um denen Kindern desto grösseren 
Lust und Eifer zum Schreiben zu erwecken, auf fol- 
S'ende Weis ausgeteilt werden.' Wochenbl. ApTrog. 
Vyl. noch (Isfcr-Batzen. — Atz-, Etz-: I.Vergütung 
für die Unterhaltungskosten eines Gefangenen, Zehr- 
geld. ,Es sollend alle gefangen uf baid tail bis den 
genannten friden üss zil und tag haben und soll ain be- 
schaiden a. von inen genommen werden.' 1460, Absch. 
.Zürich muosst für ihre 16 burger [die Geiseln waren] 
ätzg. bezalen 1700 pfd.' HBiri,i,., Tig. Vgl. Atzung 
Bd 1624/25. — ,2. Kostgeld AaF." — Fach-, bezw. 
Föch-: Fanggeld für Einbringung Gefangener, bes. 
auch bei der Schuldhaft. .Wer hinnanthin gefangen 
wird, hat der so vil, dass er atz, turnlösung und f. 
geben mag. von dem soll oueh solich gelt genommen 
werden.' 1417. Bs Bq. ,So über zwen oder drei tagen 
[nach dem .Warnungsbott'] kein zalung erfolgt, mag 
am andern oder 3. tag das f. usgöben [also der Schuldner 
verhaftet] werden.' XVL, ZGrün. Auffallsordn. .Des- 
glychen [sollen] .sy [die zur Mahnung des Schuldners 
verwendeten Weibel] sich des einfachen f-s. wie es 
bestimmbt ist, vernüegen, es seie dann sach, dass der 
ein und ander [Schuldner] so wyt entlegen und einem 
undervogt oder weibel dcnselbigen unib das daselbst 
bisdahin gebrüchige f. also alleinio- 2;hnr>;am ze machen 
nit müglich wäre, dass uf sijli.li.ii i.ihl ]e,lri ,,l,.n,,et 
befelch haben [soll], ihnen <lie liili^lnin.l /e l.iei,Mi und 
zuc dem gewohnlichen f. noch ein geburliche be.^se- 
rung ze sprechen. Hieby aber sollend auch uiidervligt 
und weibel pflichtig syn, so oft ihnen von dem rat- 
schryber ein oder mehr f-er überschickt werdend, uf 
allernächst daruf folgendem frytag zue ihme ze gahnd 
und deniselbigen. damit er demjenigen, so das f. us- 
geben hat (dem Gläubiger], gewüssen berieht und 
was je 1er tiir lies.li.'id lieben habe, tuen könne.' Z 
Brieiuidn, U;:'.!. \ ui. Krmi. — Vieh- s. Alhiicnd-G. 

- Fall-: = /((// na 1 7.!.-,. Z Neuj. W. 1878. 2:>. 

— Fülli-: in eine Celdaliiial.e verwandelter Jung- 
oder Blutzehnte. 17Ü7 It iliereinkunft mit den G 
Gotte-shausleuten neben dem .Kallili-Geld' unter den 
kleineren Aliy-.ilien e-enaiint. «elehe gegen Erlegung 
des .l..p|,elten Kai.ital. auslrislieli sein sollten.' S. Fülli 
Bd 1 Tii.-.. Feld-: der seil isol jährlich an die 
Bürger verteilte Ertrag der verpachteten [statt zur 
Bebauung angewiesenen] Stadtfelder [urspr. AUmend- 
gut] in Bern. .Machten nicht die Aargauer den Scliult- 
heiss von Bern zu ihrem Burger! Der wird sich be- 
danken! Müsste ja abtreten [während der Ratsverhand- 
lungen ausstehen] in allen Angelegenheiten zwischen 
Bern und Aargau, würde vielleicht gar gehalten wie 
einer mit fremden Titeln und Pensionen, besonders 
wenn die Aargauer auch F. haben oder das Recht zu 
einem Kühfuss auf einem Berge'. ■ N. B Kai. 1844. — 
Fane"-: Ehrengabe an glüekliehe Seliül/eii. .Diewyl 
die büchsen- und armbrustsehiilzeii nl dem seliiessen 
zno Strassburg vil kosteus gehept, wellent myn lierren 



247 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



•248 



inen uf alle fanen, so zue Strassburg und Basel g'wun- 
nen worden, das fanengelt ggben.' 1576, Z Neuj. Ant. 

— Vor-Gelt: zum Voraus entrichtete Gebühr. Als 
1401 in Bs unter dem Najnen ,Ungelt- eine Vermögens- 
steuer eingeführt wurde, musste man gleich Anfangs 
ein ,V.' entrichten, nämlich so viel Gulden, als man 
wöchentlich Angstcr .Ungelt' bezahlte. (Heusl. 1860, 
237). — Für-: Abgabe für Benutzung der Waldung 
zu Feuerungszwecken. 1776 weigert sich ein tessini- 
scher Untertan, das Feuergeld zu bezahlen, weil er 
über ein halbes Jahr mit dem grössern Teil seiner 
Familie mit Feuer und Licht ununterbrochen in einer 
fremden Gemeinde gewohnt habe. Absch., wo die Ab- 
gabe häufig Foccage genannt wird (eig. Feuerstatt- 
zins). — Puer-: Geldleistung statt der frühern Fron- 
fuhren; s. Frön Bd I 971. Verschiedene Gemeinden 
werden a. 1802 u» A. wegen F. belangt, welches sie 
vor der Eevolution an das Schloss Eglisau bezahlt 
hatten (Wild 1883, 340). — Abfuer-: I.Gebühr für 
(polizeiliches) Geleit. Lt Armenrechnungen von BSigr. 
musste die Gemeinde wiederholt .grosse' Bettler weg- 
führen lassen und dann jedesmal 3 Btzn A. bezahlen. 

— 2. Ausgangszoll auf Vieh. ,Im XVI. war im BO. 
die Viehausfuhr bes. nach Italien so stark, dass die 
übrigkeit den Käufern etwas , Tratten- oder Abfuer- 
gelts' auferlegte. , Jeder Käufer soll von jedem Stück 
Vieh bei einer Kaufsumme bis auf 20 Pfd von je 10 ß 
1 ß, bei höhern Kaufsummen den halben Zehnten 
als A.- oder Trattengcld bezahlen.' 1.569, Absch. — 
Ferggungs-: Gebühr an den Grundherrn (oder dessen 
Stellvertreter) für die gerichtliche Fertigung eines 
Kaufes. .Wer güeter [zu Schwamendingen] kauft, der 
soll den pflegeren [vor denen die Fertigung zu ge- 
schehen hat], ihr gewonlich f. bezalen.' 1533, Offn. 
ZSchwam. S. ferggen Bd I 1006. — Puess-: von 
Passanten erhobenes Weggeld. .Die da farend oder 
gand durch den pass und weg ze Bellenz [sollen] fry 
und ledig syn zollens und tax, es sy fuesszolle oder 
andere Schätzung an ir lyb und ir eignen koufmann- 
schaft' 1426, Friedensvertr. (Absch.), wofür in dem 
einige Monate später abgefassten lat. Instrument ,pe- 
dagiura', in dem deutschen aber ,fuessgelt' (s. Gahelle) 
gesetzt ist. — Fisch-: Geldentschädigung an die am 
Müsegg-Umgang Teil nehnrenden Priester als Ersatz 
für die ihnen einst zum Mahle vom Bäte der Stadt 
gespendeten Fische. Gem. L 1858, 322. Vgl. Fisch. 

— Fronfaste°-: eine nach Terminen des Kirchen- 
jahrs (s. Fronfasten Bd I 1114) zu machende quartal- 
weise Zahlung, 's Fr. sale', als Vater eines unehe- 
lichen Kindes zu dessen Unterhalt beisteuern müssen 
[vgl.: a. 1701 entscheidet das Z Ehegericht, N. N. 
solle zur Erhaltung eines ausserehlichen Kindes fron- 
fastenlich 5 Pfd beitragen]. ,Von dem Fr.-G. Ein jeder 
haushäblicher Mensch soll alle Fronfasten 2 ß und ein 
jedes Hausgesind, wie auch die Kinder, die opferbar, alle 
Fr. 1 ß geben.' 147.'), Orns. Das im Waldmann'schen 
Spruchbriefe nachgelassene Fr.- und Büchsengeld ist 
eine in die , Reiskassen' abzuliefernde, z. T. in viertel- 
jährlichen Katen ä 6 Pfenn. zu zahlende Kriegssteuer. 
,Myn herren haben alle diener, so fr.-g. von der statt 
haben, uf das rathus beschickt.' 1.530, Strickl. A. 1644 
betrug zu L das an die 3 Trompeter, 8 Turmwächter 
und 14 rufenden Wächter von dem Umgeldner zu be- 
zahlende Fr.-G. 81 fl. .Die Hebammen sollen auch 
ihren rechten Lohn von Weibern nemmen und darzu 



ihr Fr. von der Stadt.' JMuralt 1697. .Fronfasten- 
gelt, salarium angariale.' ThSpieser 1716 [der , Fron- 
fasten' auch mit angaria wiedergibt]. 1727 wollte Seg- 
lingen, dass Eglisau ihm einen Beitrag an seinen Nacht- 
wächter gebe, indem es das .Fraufastengeld' [wahrsch. 
ein Beitrag an die Bewachung der Stadt] erlasse. 
1 fl. Fr.-G. als Schulgeldrate. 1824. Z. Vgl. Heiz-G.; 
Quartal-Zapfen. — Frecht-: = Frecht Bd 1 1272. 
Der StMichaelspfründe in Frauenfeld werden a. 1385 
6''/4 Mütt Haber als Fr. zugewiesen. — Frid-: l.hiess 
die Summe, welche Frankreich gemäss dem ewigen 
Frieden von 1516 an die XIII Orte der Eidgenossen 
und an Wallis alljährlich zu zahlen sich verpflichtete. 
,N. N. ist gen Lyon, das fridgelt zu holen, verordnet.' 
1551, ScH Ratsprot. .Bisher sind den Ständen gewisse 
Gelder unter dem Namen Friedgelder, Pensionen, 
Bundesgelder, Stipendien usw. von der Krone Prank- 
reich zugeflossen.' 1776, Absch. S. auch ,Vereinungs-G.' 

— 2. Kriegskosten, welche die V Orte lt Landfrieden 
von 15'29 den 6 evangelischen Städten zahlen sollten. 
1530, Absoh. — Fron-: in Geld zu leistender Er.satz 
bei Nichterfüllung der Fronpflicht. 1.556, Bs Rq. 
(s. Frön Bd I 1300). Noch 1757, Bs Landesordn. — 
Fr und-: Fond für Ausrichtung von Ehrengeschen- 
ken (?). ,Den Ehrengesandten aus dem F. 10 Pistolen 
geben.' 1643, W Monatsschr. -- Frett-: „jährlicher 
Zins." S. Frett Bd I 1338. — Gab-: Geschenke, 
welche dem Ehepaar bei der Hochzeit gemacht werden, 
in der Regel der bedeutendste Teil des sog. .Ehe- 
rechts'. ,Des G.-G-s halber ist dise Erlüterung ge- 
macht, dass, was nöuwen Ehlüten von den Hochzyt- 
gesten verehrt und gegabet worden, selbiges beiden 
Ehementschen gebühren solle.' 1658, ZFlaach, Erbr. 
Auch im Z Erbr. von 1716 aufgezählt. 

Guide°-: Geleit-Geld. Die von Lauis [Lugano] 
werden aufgefordert, den Säumern [über den Gott- 
hard] allen Vorschub zu leisten und ihnen kein G.-G. 
abzufordern. 1580, Absoh. — It. <juida f., Wegweiser, 
Führer. 

Güggel-: in eine Geldabgabe von 8 ß verwandelte 
Entrichtung eines Zehnten-Hahns. S. Zehent-Güggel. 
XVIL/XVIIL, ZWetz.; auch ,Stück-G. genannt. 

Vgl. ,0b eiu Prädikant Strauw niangela würde, so soll 
man die Giiggel zu Geld schlahen und ihme das Straiiw 
darfür werden lassen.' c. 1615, ZWetz., Zehntcn-Urb. 

Weidgang-: Gebühr an die Allmendgenossen für 
ein auf der AUmend oder Brachzeig ,eingeschlagenes', 
weil angepflanztes Stück Land, das damit dem Weid- 
gang entzogen wurde; es bezahlten es bes. ausser der 
Dorfgemeinde wohnende Besitzer. In ZWetz. wurde 
sie erst 1858 abgelöst. — Gant-: die in Terminen 
zahlbare Summe für ein an einer Gant [öifentlichen 
Versteigerung] gekauftes Grundstuck u. a. Bs. Ihre 
Stellung im Concurs mehrfach in den Bs Rq. erwähnt. 
Ebd. mehrfach i. S. v. Ganterlös übh., ,Gantschilling'. 

— Gasse"-: die Abgabe, welche der von auswärts 
kommende Freier den ledigen Burschen des Dorfes zu 
entrichten hat. Es geschieht oder geschah dies einige 
Tage vor der kirchlichen Verkündung der Trauung, 
und freigebige Freier Hessen sich 3 Louisdor nicht 
zu viel sein Gl. Vgl. G.-recht, -haus; Anstand; Haus; 
Heise!; Instand; Passieru-in. — Glück-: 1. kleines 
Geldgeschenk, welches der Taufpate seinem Taufkinde 
in den Sack der ersten Höschen, die Patin in den- 
jenigen des ersten Kleides der jungen .Gotte' steckte. 



249 



Galt, gelt, gilt, golt, g\\]t 



,Staaf zu zeigen ZBiir., Pfiitf, — •-'. in ZErl. u. Zull. 
bis c. 1840 ein Geschenk von meist 4 ß, welches der 
Bauer dem Händler oder seinem Knechte gab, wenn 
dieser im Frühjahr ihm die jungen, gekauften Mast- 
schweine brachte; man hoffte, die Schweine würden 
alsdann gut ausfallen. Vgl. Glücks- Hampfle, -Nuss. 

— Gnad-: = Verer-G. ,Es soll nieman in unsrem 
land von keinem fürsten, stetten, kommunen noch 
Personen kein dienstgelt, gn., miet noch gaben nit 
nemen.- 1481, Ztschk. f. schwz. R. 

Grab-: dem Kloster Einsiedeln entrichtete Ge- 
bühr für dort abgehaltene Begräbnisse. .Die Messnier 
sollen das Gelt, so sie auf Altären, Beichtstühlen etc. 
finden nuichten. aufnemmen und selbiges sammt dem 
Hochzeitgeld. Gr. etc. dem Decano überantworten.' 
ScHwE. Klo.sterarch. Abgabe der Zunftgenossen an 
die Zunftkasse bei Beerdigung von Angehörigen. B 
Tasehenb. 1862. Auch Uch(t)-, ,Leichen'-G. 

Iii Bs entspricht in solchem Falle eiuo Abgabe ,an die 
bor- [Leichenbahre], eig. für das Geleite [,die folge'] von 
Seiten der Zunftgenossen. Sie gieng nach der Beerdigung 
iu einem Leichenschmause auf. Vgl. Lu-heiitm-ch-O. 

Gred-: Lagergebühr für die in der .Gred' (Lager- 
haus am Landungsplatz der Schiffe] niedergelegten 
Waaren. ,Der zu Lindau erhobene Zoll sei kein 
neuer, sondern nur ein G.-G.' 1585, Absch. Spruch- 
brief. ,den Zoll, Gröd- und Umbgelt zu Steckborn be- 
treffend' (a. 1662). THÜottl., Erm., üiessenh. u. Steck- 
born bezogen noch 1838 ein zur Unterhaltung der 
.Schifflände' verwendetes G.-G. Syn. Hof-, Hüs-, 
tSiist-G. — Heu-: in eine Geldabgabe umgewandelter 
Heuzehnte. .Darab gänd jährlichen 5 ß und hlr. 
Hangelt.' 17'26. ZGrün., wo es erst nach der Mitte 
unsers Jhdts gänzlich abgelost wurde. .Beschreibung 
des Heuzehendes und auf jedes Stuck, dessen Grösse 
und Güte gelegten H. zu Bachs.' 1750, Z Staatsarch. 
Davon .verhöugelten'. das H. entrichten. Urb. LMünst. 

— Haber-: 1. Geldäquivalent für an den Vogt zu 
entrichtenden .Fueterhaber'. 1797 in G unter den 
kleinern Abgaben genannt. — 2. in Hafer entrichtete 
Rente; vgl. H.-GüU. ,8 malter Habergelts.' G Stifts- 
arch. — 3. .Teloneum avena apud Brukkam quod vul- 
gariter H. dicitur.' 1307, Kopp, Urk. Vgl. Brurjy-Hahcr. 

— Hueb-: Zins von einer Hube (Erblehengut). 15(iO. 
Absch. 

Heide"-, in der RA. : es H. chosfe', si', verdiene", 
sehr viel kosten, ausmachen usw. allg. — Halden- iu 
abstr. verstärkendem S. 

Spar-Hafe°-: Geld in der Sparbüchse, allg. .Sel- 
tenes Gold- oder Silbergeld, das man aufbewahrt." 

Hof-: Lagergeld. ,Da von einem Salzfäs.sli nit 
mehr zugehet als 7'/^ frs. für Zohl, H. und Leggelt.' 
10.54, ScH. — Hof, Waarenhaus-, Niederlage. 

Haft-: Handgeld bei persönlichen Mietverträgen, 
das bei Nichterfüllung derselben verloren geht, bes. 
beim Dingen von Dienstboten Bs; BSi. ; „VÜrte;" S. 
Aufgeld übh, .Auf lOnO Tachziegel H. [gejgeben 2 fl. 
10 Btzn.- S.iii.oss Rued 1734. Vgl. verhaften und 
Ihuf-G. Syn. lI.-l'fciDiiiuj. 

Hilf-: Beisteuer. Abgabe in ausserordentlichen 
Fällen, ,Subsidie'. Die Schaffhauser klagen 1521 gegen 
den Bischof von Constanz, dass er ,den armen lüten 
vim Halldw unvermöglich Schätzungen, stür und h.. 



Kaiser beim Rünierzug Zuzug zu leisten. .Absch. 

Diese Steuer beruhte nicht, wie das Keis-G., auf einer 
Verbindlichkeit, sondern war urspr. eine freiwillige Auflage. 

Hels-: Patengeschenk an Geld ZO. Vgl. Helselen. 

— Halfter-: an Knechte bei Vichkäufen bezahltes 
Trinkgeld, , Strickgeld'. ,Drü ross zue Wien erkouft. 
den knechten und h.' 1481/82, Bs Rechn. 

Holz-: 1. Geldäquivalent für Holzfuhren, Holz- 
lieferungen. .Dass Nieniands keinem Vogt Höw. noch 
H.-Gelt. Vogtkorn, Fueter-Haber nie' solle geben.' 
HBii.i,. 1572. Vgl. noch H.-Pfenning, -Haber, behohen. 

— 2. der jährliehe Geldbeitrag jedes nicht almosen- 
genössigen Pfarrgenossen zu Händen des Pfarrers, 
damit dieser das nötige Holz herbeischaffen könne Ai'f. 
In Z OGlatt war Jeder, der einen eigenen Karren 
hatte, schuldig, dem Pfarrer eine , Fahrt' Holz oder 
dann einen Ersatz in Geld zu liefern. 1802 übernahm 
die Gemeinde die Last, 1804 aber strich sie äas nach- 
her von der Regierung wieder eingesetzte ,Holz- 
ersatz-G.' — •'•. f'mr iiliiiliche Abgabe an die Lehrer 
zur Beheizuiiu .hi S, ImMulie (oft der Vfohnstube des 
Lehrers), wenn nirlii jrilos Kind seine Scheiter in 
natura zu bringen hatte, wie in vielen Orten bis in 
die 50er Jahre geschah Z f- Vgl. Hols-Batsen. — 

4. Erlös von verkauftem Holz. allg. 1619 schicken 
die zürch. Sihlherren H. an den Seckelmeister von 
ScHW für Holz, das Z in Scnw Ib. gekauft hatte. 

Zu 3. Noch jetzt bildet die Baarentschädigung für jähr 
lieh "2 Klafter Holz einen Posten in den Besoldungsansätzen 
der Z Lehrer. 

Hau en- = Güyyel-G. Erscheint noch 1844 als Teil 
des Pfarreinkommens von SBib., wo es an Stelle der 
früher zu entrichtenden ,Gartenhahnen' getreten war. 

Hüener-. Unter diesem Titel wird 1371 im Seil 
Stdtb. die Abgabe von Herbst- und Fasnaohthühnern 
zsgefasst. 1719, ABsen ist wohl schon unter dem H. 
ein Geldäquivalent zu verstehen, wie auch für vormals 
geliefert.' FasTiachthühner. 1797, Z ÜGl. 

li:i II. i:. i~l ri^-. eine vogteiliche Abgabe, die in spä- 
ten! /ri! L'rU"liiilirh auf die einzelnen Feuerstätten fixiert 

Hand-: wie nhd. Nur in der RA. H. ne", sich 
für fremden Kriegsdienst anwerben lassen, allg. Du 
hesch leider H. g'no', sagt man scherzh. zu dem von 
schwerer Krankheit Genesenen S. Vgl. dingen. — 
Hans-, Hansel-, Hauss-, Häusel- s. Hans usw. 

— Haujjf- = Hauptguet (s. d.). XV., Bs; 1623. Bs Rq. 

— H"^.".: von der Obrigkeit in Geld statt der ur- 
spriiiiulicli ;ils Preis ausgesetzten Hosen gespendete 
Scluitzeiiyvibc. ls.-,4, U Landratsbeschl. — Herre"- 
Hose"-: Schiessgabe für die sog. ,Umscheibe' Srnw-f. 

5. Hosen. — Hüs-: Lagergeld für untergebrachte 
Waaren, auch ,Lagerhus-G.' In ä. Quellen häufig neben 
dem Zoll genannt. ,A. 1423 ward erkennt, als vor 
zyten von der statt notdurft wegen ain h. ufgesetzt 
worden ist. dass ain jeklicher gast, der gewand her 
in uns.T stHtt Ijiingt, von jedem tuech 4 den. pttichtig 
sy v.v u.l'' iit.- (1 iv'ats-Satz. In den Bs Rechnungen 
erschrini im \\. ff. als ständiger Einnahmeposten: 
.Vom stock [Zollkasten] genannt husgelt . . . pfd.' .\n- 
wälte der Kaufleute, welche Salz in die Eidgenossen- 
schaft liefern, bitten um die Bewilligung, eine Sust 
oder ein Salzhaus zu Coblenz bauen zu dürfen; sie 



251 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



wollen dann gern von jedem Fass einen kr. H. be- 
zahlen. 1.509. Absch. Für je 2 Mütt die im Kornhaus 
eingestellt werden, soll der Hausmeister das ihm über- 
gebene ,Immi-Mes' voll für das H. nehmen. 1725, 
Wild, Egl. .Das H.- oder Niederlag-G. hat der Sust- 
meister zu beziehen.' Z Sustordn. 1777. Synn. bei 
Gred-G. u. s. noch Underkauf, Pfundzoll. — Husier- 
Gelt: eine von den Krämern (It Gl Landsgemeinde- 
beschluss von 1736) zu entrichtende Abgabe von 
'/. Btzn auf jeden im Lande gelösten Gulden; wurde 
nur von Nichtschweizern erhoben. Auch .Pfundzoll' 
genannt. — Hütte"-: von den Milehlieferanten für 
.Milrh aus ilrr Kiiserei (, Hütte') zu beziehende Geld- 
sinnm.-, alli;-. Hie Milchbauern hocken in's Wirtshus 
Kiiil i-Kfiiie", irie i-iel H. [sie] mc ah Koste" [hätten]. 
N. ß Kai, 1840. 

Schinn-Huet-: Taggeld, welches die an der 
Maien-Landsgemeinde in Schw teilnehmenden Land- 
leute vom Statthalter und Landanimann, die alsdann 
neu gewählt wurden, für ihr Ehrenamt erhielten. 
1680 wurde verordnet, dass es den ausserhalb des 
Landes wohnenden Landleuten nicht zu Teil werden 
sollte. Vgl. Sitz-G. 

Es scheint, dass die Beträge von 5 resji. 10 ß urspr. 
dazu verwendet wurden und l- r:iil.' liinriirhten, um an dem 
auf die Landsgemeinde folg.B.l. u Sri,» Maimarkt einen Stroh- 
hut, die gewöhnliche Koiinifd. ■ kmiL' '1. a männlichen Schw 
Bevölkerung im Sommer, au/usLliarti.ii. 

Heiz-: nach Fronfastenterminen bezahlter Bei- 
trag der Gesellschafts- und Zunftmitglieder zur Be- 
streitung der Heizungskosten der .Stuben- Bs. Auch 
.Fronfastongeld'; vgl. StubenhU:. .W'rWchrv ,li.- sel- 
zunft koufen [der Bruderschaft aim-.lirnan j will, der 
soll geben jährlich das h., ob er mit uns dii-iict oder 
uüt.' ca 1450, Bs. Seit 1487 besitzt z. B. die Basler 
Safran-Zunft eigene .Heizgeldbücher'. — Juchart-: 
auf die Juchart berechneter Zehntenbetrag in Geld 
für den urspr. zu leistenden Heu-Z., welche Umwand- 
lung der Abt von StGallen 1795 gestattete. Vgl. 
Heu-G.; s. auch Mäder-G. — Hof-Jünger-: jähr- 
lich unter die Berechtigten verteilter Ertrag des an 
Zins gelegten Hofjungergutes (s. d.) GWattw. — Jär-: 
1. wie nhd.. bes. aber die von auswärtigen Fürsten 
an die Eidgenossen bezahlten .Pensionen'. 1586 ver- 
antworten sich die katholischen ürte auf die Klagen 
der reformierten Städte, ,dass [Bündnisse mit fremden 
Fürst, II iiiia die Annahme von ,Miet und Gaben'] nüt 
niiu-, -.Mihlii von uraltem har gebrucht worden [sei]. 
liaiiu zuus,!iLai derglychen pension und j-ern von 
fürsten. mit denen man erliche pündtnussen hat, ist 
ein underscheid ze n6men gegen andern mieten und 
gaben, so heimlicher wys geben und genommen wer- 
den.' 1586, Absi'h. — 2. in Jahresterminen bezahlte 
Steuer, bes. die von Hintersassen in ScHwMa. u. Nnv, 
(hier auch , Einzugs-Gulden' genannt) jährlich im Be- 
trag von 1 fl. zu bezahlende Gebühr, weswegen die 
Hintersassen auch .Jahrgeltler' hiessen. .Den Bei- 
sassen und J-n sei das Holzhauen in den Landes- 
waldungen ganz verboten.' 1756, ScnwMa. — 3. jähr- 
licher Steuerertrag im Gegs. zu ,Wuchen-G.'. auch 
.Jahrsteuer' genannt; so z. B. 1529, Absch. IV 1 b, 312. 
— Guet- Jär-: vormals in BsStdt Beisteuer der Zunft- 
geuossen an die am Neujahr auf der Zunftstube ver- 
zehrte ,Galrei-Pastcte. — Käfen-: Geldabgabe für 
einen ursprünglich in Erbsen entrichteten Zehnten. 



.Üwer anbringen, üch [die Leute von Wvtikon] los- 
zelassen des kleinen zendens, des rüebenzendens und 
k. für den zenden.' Anf. XVI., Egli, Act, 

Kegel-: Platzgeld an den Jägermeister an Markt- 
tagen und Kirchweihen von den zum Kegelschieben 
bestimmten Plätzen. 1671. Brauchb. AAKadelb. 

Viell., wie die Argnvia 4, 4'i3 annimmt, darum dem 
.lägermeister zufallend, weil die Spiel- und Kegelplätze ur- 
sprünglich im Bannwalde gelegen waren. 

Kälbli-: Juug-Zehnte, ähnlich yiie FüUi-G. durch 
ein Geldäquivalent entrichtet. 1795, G. Syn. Kalber- 
Zecliend. — Kil(ch)e"-: in der Kirche als Almosen 
an Sonn- und Festtagen zsgelegte Liebessteuer. In 
der kath. Schweiz auch die Einkünfte der Pfarrkirchen 
für Jahrzeiten, Messen usw. Der Kirche gehörendes 
Gold. Busse wird angedroht dem, wer .umb kilcheng., 
laiengelt ald umb lehen' [willen, die er empfangen] 
gegen die Stadt conspiriert. 1377, G Rats-Satz. 

Komissen-: Lehenzins. .6 vierteil jerlichs k-gelts 
hofmes uf den güetern ze Nonwyl, den"° man spricht 
die eigen hofstettc.' 1348, Klosterarch. UwE. — Lat. 
commitlere (commimum), fibergeben. 

Willkumni-: Einstandsgeld eines Schülers (Stu- 
denten). .Isagogicum quod pro rudimento donat disci- 
pulus, das w-gelt gijben und bezalen, den introitum 
geben.' Fris. — Compagnie-: Abgabe, welche von 
den in auswärtigen Diensten stehenden Compagnien 
(rosp. von deren Hauptleuten) an ihre Obrigkeit zu 
entrichten war. So hatte 1678 Hauptmann Beding 
60 Kronen nach Schwyz zu senden. .\uch .Protektions-' 
oder .Konzessions-Gelder' genannt. — Urkund-: Ge- 
bühr für Aufsetzung einer Urkunde, spociell eines 
.Gantrodols'. 1683, Bs Eq. Vgl. VHeil-, Sü/el-G. ■- 
Kundschaft-: Zeugengebühr. .Denen Kundschaften, 
so auf die Stöss [auf das Streitobjekt] boruefen wer- 
den, solle nach Befinden eines Gerichts ein billiches 
K. taxiert werden mögen.' 1756. LB. ScHwMa. Syn. 
K.-SchilUng. — Kappen-: Geld, das der neu ein- 
tretende Chorherr statt des Pluviale oder Chormantels 
leisten musste. 15.33 (Egli, Act.) neben dem ,Stouf-G.' 
genannt. — Kapitel- und Synoden-: vormals die 
von den evangelischen Gemeinden in GT. an ihre 
Geistliehen für den Besuch der .Kapitel' [Kreisver- 
sammlungen] und Synoden bezahlte Entschädigung, 
gegenwärtig durch Taggeld und Eeiseentschädigung 
aus der kantonalen, evangelischen Centralkasse ersetzt. 
— Kapiziner-, in der RA.: mit K.-G. zale', mit 
blossem Dank, da die Kapuziner kein Geld haben 
durften Z. Vgl. K.-Batzen. 

Kernen-: Getreidezins an Weizen oder an ge- 
rolltem Dinkel. Gegs. Pfenning -G. Syn. K.-Zhis. 
.Welicher dem andern gelegen guot oder ewig k. fer- 
tiget' 1495. Wkist. 1. 212. .Wenn eins k. zue dem 
anderen [in die Ehe] brächte und darnach mit tod 
abgiengo und lyberben bette, mag es das ander erben, 
unz es sich verenderet' 1538, Herrschaftsr. ZReg. 
Es durfte It Übereinkommen mit dem Abt von G wie 
die übrigen Lasten von 1795 an abgelöst werden. Vgl. 
Kernen-Giilt, Stuck. - Über Kemcn vgl. Ft«en Bd I 1069. 
Korn-: 1. Getreidezins. .1 Malter ewiges K.-Gelts, 
halb Dinkeln, halb Habern.' Vgl.: .20 stucke geltes 
an körne, der 16 mütte kernen [Dinkel] svn sülln und 
4 malter habern.' 1331, Z Urk. Vgl. Guet. - 2. Geld 



•253 



;,'cll, gilt, gnlt, guli 



iurIi ilom eiiilifiiiiischen Müiiüfusso Zg. S. Korn- 
Batzen. — 2 zu Koni = Feingebalt von Münzen; also eig. 
,ilas echte, uuverfalschte Geld'. 

Kerze"-: 1. Entschädigung für Beleuchtung, so 
beim Gericht Ndw; im XVIII. in ZWetz. au.s dem 
Kirchengut an den Lehrer für die Nachtschule. — 
— 2. von den Zunftgenossen an h. Kerzen gespendeter 
Beitrag. Vgl. Kerzen-Gulden. .Wir sollend auch ein 
kerzennieister erwehlen, der insonders das k. ynzühen 
und das in kein ander weg dienen soll dann zu kerzen.- 
1508, ZWthur, Rebleutenordn. Vgl. K.-Batzen. — :?. in 
ZWetz. nach Abschaffung der Nachtschule (a. 1773) 
scherzw. das dem Lehrer für die Führung <ier Sunn- 
tagsschule bezahlte ,Wart-G.' Vgl. Liechter-G. 

Zu 2. In GSax hatte der Pfarrer, in GFrümsen der 
Lehrer ,das Uuschlitt für die Nachtschul' anzuschaffen und 
wurde dafür vom Schulvogt entschädigt. 

Käs-: 1. Äquivalent in Geld für früher in natura 
abgelieferte Käse. 1405 neben dem ,Alp-G.' unter den 
dem Abt von G schuldigen Gebühren genannt. Syn. 
Käs-Zins. — 2. dem Dachdecker als Entschädigung 
statt des beim Trünke üblichen Käses gereicht Z. — 
Kaste"-: im Kasten verwahrter Sparpfeuning. im 
Gegs. zu dem Brfich-G., der laufenden Kasse Z. Syn. 
Spar- Hafen. — Kost-: vom Kostgänger dem Kost- 
geber bezahlte Entschädigung. Wenn Ei's [ein Kind] 
b'hört [konfirmiert] ist, sott 's chönne" sl's Chostyeltli 
cerdiene'. Auch etwa von erwachsenen Kindern ihren 
Eltern, von Schwestern dem Bruder entrichtet, 's üh. 
schreit vor aller Welt, wird zuerst bezahlt. Recutssi-kw. 
Davon: i'me" cerchostgelte", ihn gegen Bezahlung von 
K. unterbringen, allg. Chost-Gelter, Kostgänger Ar. 

Küster-: Gebühr, welche ein Küster zu beziehen 
hat. ,Welich schueler tütsch lernen, soll jeder 10 p 
schuellon und zween angster k. dem schuelmeister 
[als Küster] geben.' 1579, U Schulordn. — Klafter-: 
nach dem Klafter Strassenlänge berechnete, aus dem 
Krtrag des Ohmgelds und der Zölle an die (iemeinden 
bezahlte Entschädigung für den Unterhalt der Strassen. 
welcher ihnen als Anstössern oblag Gl. ,Das gemeine 
Land übernimmt den Unterhalt derjenigen Landstras- 
scn. für welche bisher die resp. Tagwen das sog. K.- 
oder Weggeld bezogen.' 1835. Gl. Auch .Strassen-G.' 
genannt. — Klasse"-: aus der Armenanstalt ('Ä'/o.ss; 
erhaltene Unterstützung Nuw. — Kriegs-: ein in 
ScH von jedem Fass Salz im Betrage von 9 Batzen 
zur Deckung von Kriegskosten erhobener Zoll. 1653, 
B.\LTU., Helv. 6, 51. Vgl. ,Aes militare, kriegsgelt.' Mal. 

Krone"-: von Töchtern oder Wittwen, die sich 
ausserhalb der Gemeinde zu verheiraten gedachten, 
ursprünglich von der Burschenschaft des Ortes zum 
Trunk abgeholte Gebühr, die 1710 It , Kronenbrief' 
1 fl. 21 ß betrug, von da an vom Seckelraei.stor zu 
Händen des Gemeindegutes bezogen wurde ZWetz. f 
.Das hin und wider den Wittfrauen und Töchtern, die 
sich ausser ihrer Gemeinde verheuraten. abgeforderte 
sog. Kroncngeld ist für die Zukunft abgeschafft.' Z 
Ges. 1806. Syn. Becher-G.; vgl. Hans u. Hochzlt-Gah. 

Da die Krone (das Symbol der Jungfrauscbaft bei Bräuten) 
bei uns sonst Schajtjxl heisst, so scheint wirklich zunächst 
nur an die Krone als Münze fs. (Leizi-)Kron) gedacht werden 
zu dürfen, obschon die ältere Auffassung aus der TJnideutung 
viell. noch durchschimmern mag. 

Kränk-: wahrscheinlich Gebühr an Zollstätten 
und in Lagerhäusern für Heben von Waaren mit dem 



Hebezug (Kranich). 1740, Absuu. Vgl. den Einnahme- 
posten: ,Von dem kraniche im koufhus.' 1451/52, Bs 
Rcchn. 

Kränzli-: 1. , Strafgeld, welches Mannspersonen 
für das .Entblümen' einer Jungfrau, die sie nicht hei- 
raten wollen, an einigen Orten dem Mädchen selbst, 
an andern dem Fiscus zu bezahlen haben, welcher 
diese Busse auch für Kinder fordert, die von Huren 
und Wittwen geboren werden VOrte; S." — 2. Gabe. 
welche beim .Kranzsingen' vor den Häusern gereicht 
wurde. — 1 bezieht sich auf den Kranz als Symbol der 
Jungfrauschaft. 

Krotte"-: zur Zeit des Bauernkrieges f. Abfiier-G. 

Spottw. im Munde der am meisten dadurcli betroffenen 
Bauern entstellt aus Tiatlen-G. Kmtl bezeichnet in vielen 
Compp. das Verächtliche. Vgl. auch Ilatten-0'. 

Krüt-: = Krüt-Fond Bd I 850. 1715 sollte das 
,Krut-G.' neben Gemeinde- und Kirchengütern zur 
Anschaffung der nötigen Gewehre verwendet werden. 
Z Mscr. 

Krüz-: 1. Abgabe an den Messmer, der zum 
Weihwasserspritzen das Kreuz mitnahm. ,Dem Sigrist 
das K. oder Brod.' 1772, LNeuenk. Vgl. Krüzgawj. 

— 2. Abgabe an eine Kirche. Die von BLaufen be- 
gehren, ,dass sy des krüzgelts, so mau järlich gan 
Basel uf dem stift pfligt zue geben, nämlich von jeder 
erherrn [1. ern. Ernte] ein pfenn., inen nachgelassen und 
abgetan werde.' 1525, Strickl., Act. Absch. IV 1 a 658. 

Viell., wie der Krüz-Haber, eine Abgabe der Getreide 
pflanzeudeu Kirchgenossen dafür, dass ihnen die Geistlichkeit 
das Getreide gegen Ungewitter zu segneu hatte. 

Laie"- s. Kilchen-G. — Liechter-: = Kerzen- K. 
Die äbtischen Lande müssen nach dem 171'2er-Krieg 
der Garnison der 2 Städte Z u. B zu Rorschach das 
L. bezahlen. 1715, Absch. — Ab-Lader- musste It 
Übereinkunft von 1732 in Zürich vom Ausladen der 
Kornsäcke aus den Schiffen bezahlt werden. Absch. — 
Lneäer- s. Lueder. — Lauf-: Werbegeld. .Auctora- 
mentum; Verpflichtung, 1-gelt, das man einem knecht 
auf d'hand gib[t].' Fris. 1568. ,Wyters ward für die 
geworbenen des 1-gelts halben vermeint, eine halbe 
krönen genuegsam wäre.' 1646, Z Staatsarch. — Land- 
lüten-Uflag- s. Uflag. — Leg-: Gebühr für Salz- 
fässer, die im ,Hof' (s. Hof-Geld) gelagert werden. 
1654, ScH. — B(e)leg- = Druf-G. BBi. S. belegen. 

— In-Lässer-, auch ,Mesüre-G.': Laderlohn, Ent- 
schädigung an die ,Inlässer', welche den Wein aus 
den Kellern auf den Wagen der Fuhrleute luden und 
eine gewisse Controle übten; von B am Gcnfersce ein- 
geführt. 1642, Absch. S. in-län. — Lös-: 1. unter 
alle Landleute verteilte Abgabe der durch das Leos 
zu einem einträglichen Amte Berufenen. 1638, Gl. 
S. noch verkilbfeßen; vgl. Schinn-Huet-G. und s. 
Blumer, RG. 1, 2, 126 ff. — 2. Geldentschädigung für 
die von den Berechtigten nicht bezogenen Loosanteile 
aus dem Gemeindewald oder G.-Land Z. — 3. Gebühr 
für Bezug des Holznutzens. Bluntschli, RG. — Für- 
Leit- s. Fürleiti. — Ge-Leit- s. Geleit. — Hose"- 
Latz-: spottw. für die wegen zu frühzeitigem Bei- 
schlaf Verlobter zu bezahlende Busse ZHinw.f Vgl. 
Fron-Fasten-G., HoseHatz-Zins u. s. Kranz, Schappel. 

— Letz-: Abschiedsgeschenk; Trinkgeld. ,3 gülden 
verzert und 1. [gejgen, als man mir schankt [mich 
von übrigkeits wegen bewirtete]. Stockar 1526. 150. 
.1(1 ß Jen weiblen 1. an der vorrcchniing.' 1535, ZGrün. 



255 



Galt, gelt, gilt, golt. gult 



256 



Aratsr. Auch unter Jen Ausgaben des Z Grossmünster- 
stifts neben ,Kost- und Mal-G.' genannt. 1532, Egli, 
Act. Syn. L.-Pfenning. 

Lisi-macb-Geld: lysimachia nummularia G. 

Wie das dem lat. nummularia eotsprechende Syu. P/ennm;/- 
Krtii der runden Form der Blätter zu verdanken. — Das 
lat. W. ru einem iiiiperat. Satze umgedeutet. XiVi, Elisa. 

Mäder-: 1795 als ablösbar erklärte Abgabe der 
Gotteshausleute an das Stift StGallen, entweder, wenn 
auf GRh. allein bezüglich, von den Mädern [,Eoss- 
heuwiesen'], die dem Kloster gehörten, oder auch, 
wenn Mäd als Syn. mit .Juchart' gefasst wird, zu 
erklären wie J.-ff. (s.o.). — Mal- I: Entschädigung 
für Zecheauslagen. ,Den puren für coste und nialgelt. 
als sy nachtes wachen muessten.' 1446, Bs Rechn. 
1532, EuLi, Act. neben dem ,Kost- und Letz-G.' auf- 
geführt und schon bei Fris. neben dem Syn. ürten. 
— Mal- 11: Gebühr für die obrigkeitlich an Tüchern 
vorgenommene Zeichnung, um deren Herkunft anzu- 
geben (Ursprungsmarke). ,Unser eidgenossen von G 
sollen von einem stuck lynwant nit mer nemen denn 
3 pfenn. m.' 1480, Absch. .Ob ein gottshusmann ein 
lynwattuech uf deren von StGallen schowmal und 
zeichen koufen wurde, dass dann der, des das tuech 
gewesen, dry pfenn. m. ze ggben schuldig syn solle.' 
1579, Zellw., Urk. Vgl. malen. — Milch-: 1. Ein- 
nahme für die den Kunden oder dem Käser gelieferte 
Milch, allg. — 2. Alimentationsgebühr für ein uneh- 
liches Kind Seil (gemein). Syn. Fmn-fasten-G. ~ 
Am'-Mann-: dem Ammann bei gerichtlichen Hand- 
lungen (Fertigungen usw.) schuldige Gebühr. ,Die A.- 
und Weibelgelter werden wie bis a. 1700 gebräuchlich 
gewest inskünftig abgeführt.' 1731. GT. ^ Monat-: 
dem Lehrer in monatlichen Katen zu zahlendes Schul- 
geld. 1824, ZStdt. — Mantel-: Entschädigung für 
die den staatlichen Angestellten vorgeschriebene An- 
schaffung eines Mantels mit den Landesfarben. Z bis 
1798. .Pro M. werden 1754 den beiden Ammännern, 
dem Portner, dem Müller und Beck im Kloster Piüti 
jedem 36 Pfd, wie alle 6 J. gebräuchlich, geordnet.' 
Z Staatsarch. — Montierungs (Mundievigs)- : Mi- 
litärsteuer Bs. — Gemein-Märk-: für das aus der 
geraeinen Mark zugeteilte, eingeschlagene Stück Land 
zu entrichtende .\bgabe. 1G08, Schw LB. — Markt 
(Märt)-: wie nhd. Spec. das Geschenk, das man 
früher den Dienstmädchen zum Besuch des ,Schliss- 
niarktes' schenkte ZStdt f. — Mass-, resp. Mess-: 
Abgabe für das Messen, neben und mit dem Miili- 
Ungeld entrichtete Abgabe der Müller und Bäcker in 
Bs. .Wen ein Brodbeck malet, der gibt zu den 4 ß 
Unigeld 1 Pfenn. Mass-6. Für 3 Viernzel ist aber 
das Mess-G. nur 2 Pfenn. Von dem Korn und Roggen, 
das hier genialen und dann hinausgeführt wird, ist 
das Mass-G. 1 ß.' 1460, Ouhs. — Müs-: in den L üm- 
geldsbüchern von 1520/'24 in der Form ,Muss-' oder 
,Musen-G.' für das vor- und nachher gebräuchliche 
,Wachtgeld' für die Bewachung der Türme bes. auf 
der ,Müsegg' (s. Bd I 157). S. Liebexav 1881, '282. 

Meister-. .Arzetlon, sostrum quod niedico datur 
pro curatione, m.' Fris. — Der .\rzt als Gelehrter führte 
den Titel .Meister'. 

Muster-: Musterungs-, Aushebungsgeld, den Reis- 
läufern bei der ersten Musterung vor dem Dienstantritt 
bezahlt. \. 1500 von den 3 Bünden neben dem Jahr-, 



Dienst-G. usw. abzuschaffen beschlossen. S. musteren. 
— Mucter-Geltli : mütterliches Erbteil. XVH., 
RoHNER. — Mütsche°-Geld: Stiftungsfond zu Gun- 
sten armer Greise und Krüppel, aus welchem der Ver- 
walter die mit ihrem Fang vom Bielersee her nach 
Bern wandernden Fischer im Kloster Frienisberg, von 
dem die Stiftung ausgegangen, mit Mütschli [Brödchen] 
zu speisen verpflichtet war. Auch Spend-G. — Nach-: 
Nachzahlung bei Tauschhändeln, um die gegenseitigen 
Ansprüche nuitt zu machen. ,Ich tieng an zu händclen 
mit der Uhr, bekam eine schlechtere um die andere 
und das N., das ich allemal legen niusste, hätte fast 
zu einer goldenen hingereicht.- Gütth. ,\Venn ein 
guet umb das ander vertuschet und ein n. [ge] geben 
wäri und denn desselben fründ, so das n. ynnimmt, 
den zug zu haben vermeinen wurde.' 1598, BSa. 

Nudel-: Angeld als Bürgschaft; Pfand L. Syn. 
Brüf-G. ~ Entstellt aus UeiM-G.; s. Uedel Bd I 98. 

An-näms-, -nemungs-: Aufnahmegebühr neuer 
Stubengesellen in eine Zunft od. Gesellschaft. XVI. ff., 
B. 1731, Abscii. VU 1. 1258 ist für FMu. ,Anrccli- 
nungs-G.' für Annemungs-G. verschrieben. Aufnahme- 
gebühr neuer , Burger'. Die Burgerschaft du Bourg 
zu Tscherliz beschwert sich, dass es ihr 1729 verboten 
worden sei, ohne Einwilligung des Amtmanns Burger 
anzunehmen und das Annehmungs-G. zu verteilen. 
1731. Absch. VII 1, 1'200. - Nördlinger-: Geld- 
spende zu üwStans aus dem dortigen Spitalgute als 
Äiiuivalcnt für das früher an Dürftige verteilte ,Nörd- 
I linger-Tuch'; s. Nördlinger u. vgl. Hosen-G. — Bü-: 
1. Beitrag neu aufgenommener Zunft- und Gesell- 
schaftsmitglieder an den Bau und die Unterhaltung 
städtischer Zunft- und Gesellschaftshäuser; so XV., 
Bs; B; ScH. Vgl. .Jeder Stubengesell soll an buw zum 
.Narren' 1 fl. geben.* 1475, B Taschenb. — 2. Äqui- 
valent in Geld für die den Viehzüchtern in Rorschach 
obliegende Lieferung von .Bau' [Dünger] ans Kloster 
StGallen. 

Becher-: Einheiratungsgebühr fremder Bräute 
(daher auch Brut- und B.-G.) als Geldäquivalent für 
vormals geschenkte Becher. ,In könftigen Rechnungen 
soll ein eigener Titel: Eingenommen von B.-Gelt. von 
Weiber- Einzügen usw. [eingeführt werden].' 1697. 
ZSth. (Z Staatsarch.). Der unglückliche Pfarrer Waser 
zum Kreuz wurde u. A. der Beschuldigung wegen pro- 
cessiert, in der Gemeinde Riesbach seien 4 B.-Gulden 
unterschlagen worden. 1773 wurde für Scu das B. 
auf 100 fl. zu Händen des Spitals festgesetzt und dabei 
bestimmt, dass, wer hierin das Gebot umgehen würde, 
sowohl für sich als für seine Kinder ,vor je und alle 
Zeit des Bürgerrechts verlustig sein solle'. ,Eine 
Kantonsbürgerin, die sich mit einem Kantonsbürger 
aus einer andern Gemeinde verheiratet, hat in das 
Kirchen-, Armen- und Schulgut zusammen eine Eiu- 
zugsgebühr, Braut- und ßechergeld von 8 Fr. zu be- 
zahlen. Für eine Schweizerbürgerin beträgt das B. 
40 Fr., für eine Landesfremde 80 Fr. Die Bezahlung 
geschieht an den Gemeindrat.' 1833, Z Ges. Sehr 
häufig fiel das Brut- u. B.-G. dem Kirchen- und Armen- 
gute zu und wurde oft als kirchlicher Einkauf be- 
trachtet ScH; Z; vgl. dagegen die Erwägungen in 
einem Urteile des Z Obergerichtes: .Der Bezug des 
B-es dürfe niclit lediglich auf die Kirchgemeinde 
bezogen werden, sondern müsse vielmehr als wahre 



Galt, gelt, gilt, Rolt, gult 



Eiiizugsgebiihr bezogen wenlen.' 1807, Z KeelitspH. 
9, 362/370. 

Vgl.: .Weilen bis ilahiu eine fröuibde Weibsperson, die 
einen Stanimheiiner geheuratet, einen silbernen Becher zu 
einer bestimmt- und gesetzten Verehrung in die Genieindlad 
ggben müssen, disere Gemeinde aniezo aber mit dergleichen 
wohl versehen, ward gut befunden, dass konftighin eine solche 
anstatt eines silbernen Bechers 10 fl. baren Gelts zu Händen 
des Gemeindguts gleich nach ihrer Ankunft [a. 169-1: ,ehe 
und bevor sie in das Dorf gelassen wird.'J erlegen solle.' 
1736, ZSth. (Staatsarch.). S. Imtand-Becher. 

Buechen-: an die Vogtei entrichtete Abgabe in 
Buchenholz; wurde in LMalt. a. 1532 It ,Urkund we- 
gen des Togten buochengeld' losgekauft. Vgl. Holz-G. 
lu.3. — Büchsen-: von den Untertanen der ZLand- 
schaft für Kriegszwecke in die ,Eeisbuchsen' zsge- 
legte Abgabe; von jedem Hausvater jährlich 1 ß, 
von einer ,Wittfrau' 6 hlr; durch den ,Waldmann- 
schen Spruch' 1489 nachgelassen. S. Fronfasten-G. 
Syn.Beis-G. — Bechteli-: jährlich am Berchtoldstag 
('2. Jan.) unter die Glieder der Allmendgenossenschaft 
ZHorgen verteilter Ertrag der Allinend. — Bicht-: 
Beichtpfenning. ,Von dem Schulmeister auf Burg 
empfangen 1 Pfd B.' XIV., Ochs. 

Bad-: 1. den Badern zu entrichtende BadegebUhr. 
Dem Bader von ZWthur wird a. 1.517 eingeschärft, 
.die Welt mit dem B. nit [zu] steigen [steigern], sonder 
[beim Bisherigen] belyben [zu] lassen.' Troll. ,Die 
Handwerksgesellen, die kumen das B. band, solch 
Hosen [,Flodder-H.'] tragen wollen.' 156'2, Lied. — 
'2. Trinkgeld, Benefice. ,Den dryen, sibnern, schry- 
bern, knechten usw. rechnunggelt und b-gelt.' c. 1455, 
Bs Kechn. ,Man mag gedenken, dass der Küng aus 
Engelland das büechlin wider den Luther nicht ge- 
macht hat, sunder ein andrer Sophist; so er aber das 
büechlin in synem namen hat lassen usgön, so wirf 
im euch das b. g'schenket [hiefür der Gewinn zu- 
fallen] und bedunkt mich, dass der Künig ab allen 
Sophisten in der weit nit so vil lösen möcht, als im 
dafür ze ggben wäre.' Gtrenr. 1523. 

Bed. 2 erklärt sich aus dem Brauch, Arbeitern und An- 
gestellten am Samstag früher Feierabend und ein Geschenk 
zum Besuche des Bades zu geben. (Anders Kirchh., Sprww. 
53/+, und ihm nach Wander). 

Boden-: Abgabe an die Weinsticher. 1572/77, Bs. 
Die Zunft zu Weinleuten in Bs beschwert sich beim 
Rate, welcher zur Zeit der Teuerung anfieng Wein 
auszuschenken und begehrte das B.; der Bat ant- 
wortete, auch der Bischof habe früher, wenn er Bann- 
wein gemacht, kein solches bezahlt (Ocus). 

Urspr. eine Abgabe vom Wein, der fassweise (,zwischen 
'2 Böden') verkauft wurde; s. Boden. 

Becki"-: Abgabe der Soldaten an den Feldscher 
(Militärarzt). 1698 beklagen sich die in frz. Diensten 
stehenden Soldaten, dass sie mit dem Denier (Kopf- 
steuer, 1 Denier per Kopf), EoU- und Becken-G. belegt 
werden. Absch.; s. auch Kriegsr. 1704; 1778, Aarau. 
— Big. nach dem Becken der Bader und Barbierer. 

Pulver-: an Schützen vereine von der Obrigkeit 
(Behörde) statt des sonst verabfolgten Pulvers ge- 
reicht. .An jedem gewöhnlichen Schiesstage wird eine 
Krone oder Stadtgemeinde-Gabe nebst 1 Pfd P. in der 
Stichscheibe verschossen.' ZWthur. I'euersch. 1842. 

Bümpeli-: Sackgeld zu kleinen Ausgaben B; Z 
(Kdspr.). — Bumbel, Buiiqjel, Sack in Rock oder Hosen, 
bes. eines Kinderkleides. 
Schweiz. Idiotikon. U. 



Bän-: 1. früher an die An.stösser der Gottliard- 
strasse bezahlte Entschädigung von 27 kr. per Pferd 
dafür, dass sie den Weg stets often hielten. Vgl. 
Alpina I 162. Syn. Bruch-, Butten- G. — 2. Ent- 
schädigung für die Benutzung der Eisbahn ZNer. 
Syn. Bän-Lön. — Bann-: Busse, mittelst welcher 
man sich aus dem Banne löst. 1525, Absch. IV 1 a, GOO. 
S. Bann-Schatz. 

In-bind-: von Seite der beiden Paten dem Tauf- 
kinde gemachte Geschenke, bestehend in 2 ausge- 
suchten, glänzenden Geldstücken, und, in die beiden 
Taufz.Mldcl riiiLTewickelt, von der Patin, nachdem ihr 
derl'al' n,[. h riiirm feierlichen Händedruck am Altar 
das .sciiiiu^ uliniricht hatte, von ihr links und rechts 
vom Tiintting in die Kissen oder das Taufkleid ge- 
steckt; in neuerer Zeit von den beiden Paten im 
,Taufzeddel' auch erst zu Hause überreicht; Paten- 
geld Z. Mutter zum Sohn, der Pate stehen muss: 
Was hän i''' nüd au"'' müese" tue*, bis i''' drr 's I. 
hä" chönne" s'sämme'' bringe" und das, wo d' mimst i' 
d' Chindbett ge". Stutz. Syn. I.-Pfenning, -Sack, In- 
bindete, Inbund. — Von inbinden, einwickeln, s. d. 

Bundes-: einer der Titel der von den Eidgenossen 
infolge ihrer Bündnisse mit auswärtigen Fürsten be- 
zogenen Subsidien; s. Frid-G. — Bank-: Abgabe 
von Metzg- u. a. Verkaufsbänken, ,0b ein gottshus- 
raann ein lynwattuech uf dem bank koufen wurde, 
dass dann der, des das tuech gewesen, ein pfenn. b. 
ze geben schuldig syn [solle].' 1579, Zellw., Urk. 
Die Gesandten sollen die Anordniin^x treffen, dass zu 
Bellenz nur eine Metzg sei iin.l aa:^- ri,, nr.lentliches 
B. erhoben und der Coramuiiila inlr r il.iiii'iiigen, der 
die Metzg baut, zu deren Erliiiltuay ubcit,'cben werde. 
1624, Absch. Vgl. Stand-G. — Bar-: 1. in baarem 
Gelde zu erlegende Anzahlung bei einem Kaufe ZNer. 

— 2. fällige Schuld, ebd. Vil B. ha'. Zu Gelt 1. 

— Burren-: Stammlöse; von jedem gefällten, ent- 
ästeten Baum (Burre") dem Grundherrn oder dessen 
Vertreter zu entrichtende Abgabe. 1725, Absch. (für 
die italienischen Vogteien). Syn. Stumpen-Lösi. — 
Burger- s. Bat-G. 

Pass-: , Weggeld', Ausfuhrgebühr. , Alle Inwohner 
mögen zu allen Zeiten ohne Bezahlung einigen Zolls 
oder P.-Gelts (,di alcun datio b gabella') eine solche 
Viele Weins wegführen, als sie zu ihrem Brauch von 
Nöten haben werden.' 1622, Absch. — Pum wird mit 
Wa; häufig amplifizierend verbunden. 

Passier-: Geldgeschenk, welches ein aus einem 
andern Dorfe kommender Bursche der einheimischen 
Knabenschaft, die es dann im Wein aufgehen lässt 
(vgl. Passieriüin), machen muss, damit er dem um- 
worbenen Mädchen ungehindert seine Besuche machen, 
,passieren' darf Zlllnau. Vgl. An-, In-Stand; Hans. 

Bet-: „freiwillige Gabe, die in einer Kirche zum 
Besten derselben eingesammelt wird L." 1660, L neben 
dem ,Stock-G.' genannt. '/« oder '/s desselben gehörte 
dem Pfarrer. Syn. B.-Pfenniny. — Beten, bitten, also 
,Bitt-G.' ; doch vgl. auch Gehen u. mhd. hme, Abgabe, Beitr.ig. 

Für-biet-: Gebühr an den Weibel für die Vor- 
ladung vor Gericht. ,Ist ouch [ein] weibel [gesetzt] 
und git im ein inmann ein pfenn. zuo fürpietgelt und 
ein usmann zwen pfenn.' 1441, Offn. Wengi. Syn. 
(Für-)Bott-, Weibel-G., Fürbieterlön. - Fürbieten, vor- 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



260 



Bott-resp.Ge-Bott-Geld: Gebühr an die Weibel, 
Gerichtsknechte und Amtleute für das Entbieten vor 
Gerieht, Citationsgebühr. ,Es solle der Bott-Gelteren 
halb bei eines iedwederen Gerichts Brauch verbleiben, 
ausser dass bei dem Gericht zu Gelterkinden einem 
Burger von Basel hinfüro mehr nicht als 1 ß abge- 
forderet werden solle.' 1757, Bs Rq. Auch F ür-Bott-. 
,Der Vogt soll F. udgl., so zue dem Vogt- und Richter- 
ampt gehörig, fleissig einziehen.' 1671, Arg. Eben 
solche für das Entbieten in eine Zunftversamralung 
CBottJ. ,Der Bottmeister soll schuldig syn, alle Fron- 
fasten durch den jüngsten Meister ein Bott zu samm- 
len, daruf jeder Meister Bottgelt zu erleggen schuldig 
syn soll.' 1637, ZWthur Hafnerordn. ,Soll jeder, der 
wetcen Streitsachen von Meister. Gesellen und Lehr- 
knal.eii 1 Kxtia-Gebott verlangt, 2 Frkn Bottgeld er- 
h-.'ii- l>n:,. Z Küferordn. Wer vor Zunftgericht we- 
i;..!! Mi^sueiks schuldig gesprochen wurde, hatte 5 ß 
B. als .Besserung' und Prozessgebühr zu entrichten. 
1364, Geering. Syn. B. -Schilling. 

Bätz-: Honorar für Privatunterricht Bs. — nutzen, 
Privatunterricht erteilen. 

Pfaffen-: von den (sonst steuerfreien) Geistlichen 
gezahlte Steuer. Eine solche bezahlte die Basler [.Ein 
sack mit pf-gelt.' 1446, Bs) und 1487/89 die Z Geist- 
lichkeit, letztere an den Ausbau der Grossmünster- 
türme. — Pfeffer-: Geldäquivalent für ursprüng- 
lichen, der Herrschaft schuldigen Pfeiferzins. Das 
Pf. zu ScnEeiat bestand a. 1700 aus einer Abgabe 
von 1 Pfd hlr von jedem Wasserwerke, jeder Ziegel- 
hütte usw. 

Pfenning-: in Geld statt in Getreide entrichteter 
Zins; Gegs. Kernen-G. ,Wir hant gegebin ze kouflnde 
ein phunt phcnniggeltis umbe zehin phunt phenninge.' 
1316, Bs Urk. ,Der Schaffner zu StPeter frönt ein hus 
wegen versessener Zinsen, nämlich 6 pfd als syne 
herren järlich daruf hatten 81 ß pfenninggelts, dessen 
eigenschaft dem rate gehörte.' 1455, Bs. S. Pf. -Gült. 

Ein loses Comp., ähnlich wie Uuldin-G.; vgl.: ,Dass ich 
geben soll ze einem ewigen zinse ein pfunt Pfenningen geltes.' 
1343, Gfrd. 

Pfänder-: Entgelt für Freigabe eines auf unbe- 
rechtigter Weide getroffenen und daher als Pfand 
zurückbehaltenen Stückes Vieh GRObS. Syn. Forst II; 
s. noch Batzger, Saatner. — Pflueg-: Geldersatz für 
früher geleistete Frohndienste mit dem Pfluge; 1798 
f. SohKI. bezeugt. Vgl. Pflueg- Tagivan. — Pflaster-: 
Transitzoll, erhoben zur Unterhaltung des Strassen- 
pflasters. ZEglisau bezog seit der Strassenreparatur 
ein Radschuh- oder Pfl.-G., das 1836 vom Staate durch 
Loskauf abgelöst wurde. Der Kleine Rat des Kantons 
Th erstattet 1838 Bericht über die im Kanton be- 
stehenden Pfl.-G-er und andere in die Gemeindekassen 
fallenden Zölle. Vgl. Weg-G. — Pfruend-: die mit 
einem geistlichen Amt verbundene Besoldung Ar; Gl. 
Syn. Pfruend. — lili-<ieltli: Bleimünzen, wie sie 
im ,Bläppert-Spiel- vakomuien Bs. - Plättli-Gelt: 
in Kirchen an Sonn- und Festtagen gesammelte Liebes- 
steuer, welche in eine Schüssel ("Platten) oder einen 
Beutel (s. Säckli-G.) geworfen wird. 1787 wird in 
G aStJohann angeordnet, ,das Blättlin-G. an ein Ca- 
pital zu legen'. — Bluet-: 1. wie nhd., Lohn für 
eine Bluttat. — 2. beim Volke zur Reformationszeit die 
Werbe- und Dienstgelder in verächtlichem S. (1532, 



Absch.) — Platz-: Abgabe für Vieh und Waaren an 
Vieh- u. Jahrmärkten. 1832, ZEglisau. Syn. Stand-G. 

— Bruch-: 1. Geld zur Bestreitung der laufenden 
Ausgaben Z; Gegs. Kasten-G. Unter der Baarschaft 
des Klosters UwE. werden bei der 1558er Jahrrech- 
nung 4 hlr. ,Br.-G.' aufgeführt. , Tisch- und Br.-G. 
ist von den Eltern des Knaben redlich erlegt worden.' 
JosMäl. 1593. — 2. = Bruch, Steuer, spec. ausser- 
ordentliche Steuer in Kriegszeiten. ,Die anwält der 
gemeind brachten für, wie [der] äbtissin in irer ge- 
naht zwing und bann güeter ligend, uf dieselben si 
des vergangnen kriegs halb br. nach anzal [mit Ver- 
teilung nach Verhältniss] gelegt habe.' 1504, Absch. 

— Bruch-: „Zoll, Abgabe, womit die Leute bezahlt 
werden, welche den Winter über den Schneebruch 
besorgen, d. i. die Bahn durch den Schnee frei halten 
U." Syn. Rutten-G. — Bruggen-: Brückengeld, von 
Personen; von jedem Stück Vieh, von Fuhrwerken; 
häufig in ii.Quellen; ebenso Br.-Zull. Vgl. Pflaster-, 
Weg-G. 

Brett-: seit 1646 wöchentlicher Ausgabeposten in 
den L Umgeldrechnungen für die Beköstigung der 
Stadt- und Turmwächter. 

Brett, eig. das eingefasste, zum Geldzählen bestimmte 
Brett: vgl. vom Br. allen, aus dem öffentlichen Seckel ent- 
richten. 

Brut-: Geldgeschenk des ausserhalb der Gemeinde 
wohnenden Bräutigams an die Knabenschaft des Ortes 
bei Gelegenheit des Brüt-Vertrinkens ; das Empfangene 
wird von ihnen an einem Ball oder Tanzsonntag ver- 
trunken ZWeiningen. Auch wie das Becher-G. an das 
Pfarramt zu Händen der Gemeinde entrichtet Z f. 
Vgl. Kronen-G. — Reb-: Geldäquivalent für Fron- 
dienste in herrschaftlichen Reben. 1529 wird nach- 
gelassen, dass bischöfl. Bs Herrschaftsleute ,des r.-gelts, 
holz-g-s, wyn- und holzfuer fürohin ledig syn' sollen. 

Rauch-: Hofstattzins, von jeder Feuerstatt an 
den Grundherrn zu entrichten. Egiisau und Rafzer- 
feld weigerten sich a. 1802, dieselbe mit andern Peudal- 
lasten an das Schlnss Egiisau zu bezahlen. 

Als Hnivt ittziii^ iiiii^stfa an den Vogt urspr. insbesondere 
Hühner .-iiti i> lit.t w.iM.ii, vgl. Famacht-, Raueh-Huen und 
s. noch U.,pujn-(: ., n„„,h-Sth: 

Rechen-: bei Abrechnungen gezahltes Honorar. 
1423 ist erkennt, ,dass man den sibenen [der Bs Finanz- 
kommission] ieglichem 1 fl. geben solle für die rechen- 
mole (s. d.) zue deme, das inen sust zuegehört, näm- 
lich dem rechengelt, so man inen vormals [auf die 
fronfastenlichen Rechnungstermine] g'geben hat.' 1423, 
Bs (Schi'nlHTü- :!:;i. S. noch Bad-G. ,Den sibernern 
in der rei Imiiiiil;- 1 li. i/ 1 1-".', ebd. Honorar des Bs 
Stadtschreibers b^-i Aufstrllung von Berechnungen bei 
Erbteilungou. 1683, Bs Rq. H, 213; der Amtsgerichte 
bei Frönungen. ,Von flüchtiger Leuten Hab und Guet 
gebührt den Ämtern für R. wegen der CoUocation von 
100 Pfd 15 ß.' 1719, ebd. (I, 920). — Burg-Recht-: 
Gebühr, die Verburgrechtete von ihren Gütern zu 
zahlen hatten. Zürich habe kein Recht, die Güter 
der Äbte von SchwE. u. AAWett, die in Z Bürger 
seien und von ihren Gütern ein B. entrichten, an sich 
zu ziehen. 1534, Abscu. Vgl. Schirm-G.; Uedel. 

Gericht-: Gerichtstaxe, welche den streitenden 
Parteien auferlegt wird, Gerichtskosten Ndw, schon 
1565, a. LB. Ndw. Uri verantwortet sich über die 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



262 



Anschuldigung, als beziehe es ein zu hohes G. für 
Abhörung von Parteien; es habe zwar wohl ein ange- 
messenes G. festgesetzt, jedoch nur, um der Prozesssucht 
vorzubeugen und um die etwas weit entfernten Räte 
für ihre Mühe einigermassen zu entschädigen. 1581, 
AiisrH. ,Wie die Grichtgelter sollind erlegt und zer- 
teilt werden. Wann Ordinari-Gricht wird gehalten, 
so soll von einer Partei, so es einfache Sachen be- 
trift't, wie von Altem har nit mehr als 8 ß zu G. gelegt 
werden; gehört davon dem Landschryber 2 ß die Urtlen 
ynzuzeiehnen, das Überig habend die Richter under 
sich zu teilen.' 1668, Herrschaftsr. ZGrün. Lt LB. 

fScHwMa. 1756 neben dem Kundschaft-G. zu erlegen. 
— Vgl. ,z'gericht gült legen' im gl. S. 1565, aLB. Ndw. 
' Red-: Gerichtstaxe bei Prozessen. 1693; 1719, 

Bs Rq. Vgl. ,Die amtleute sollent der lüten rede tuen 
slechtlichen und erberlichen [schlicht und wahr] one 
alle urabwort und davon 6 den. zue lön nemmen.' 
c. 1520, Bs Eq. - Med, der Klagevortrag der hiefiir be- 
stellten Gerichtsperson. 

Ruef-: Gantgebühr. ,Der Gantmeister soll die 
ganze Losung [das ,Gant-G.'] umb das halbe Rüef-G. 
einzuziehen verbunden sein.' 1611, Bs Rq. , Ein jeder, 
so an einer Gant etwas kaufet, soll die bishero ge- 
wohnten 4 Pfenn. vom Pfund für R. bezahlen.' 1757, 
ebd. — lUicf, öffentl. Steigerung, vgl. ,Feil-, Schuldcn-Ruef. 

Rekruten fiJejfj-wfej-: Werbungsgeld, um welches 
1798/99 die Schweiz lt Vertrag mit Frankreich die 
für die Franzosen zu stellende Mannschaft (auf 100 
Bürger 1 Mann) sich zu verschaffen suchen sollte. — 
Roll-: eine von den in frz. Kriegsdiensten stehenden 
Soldaten erhobene Gebühr, wahrsch. eine Entschädi- 
gung für die Führung der Musterrollen. 1698, Absuh. 
S. Beckin-G. 

Ramen-: Abgabe der HolzHösser auf der Birs an 
die Obrigkeit von Bs, im Betrage von 2 Btzn [jer 
Klafter. Wurstisen 1779. — liamcn, Gestell, um Holz zu 
fassen und aufzuschichten, zu messen. 

Rappen-: Rappensteuer. 1525, Absch. IV 1 a, 658. 
Vgl. Angster-, Plapphart-G. 

Reis-: zu Kriegszwecken zsgesteuertes Geld, 
Kriegs-steuer; so 1428, B. In Z wurde es in die Reis- 
büchsen auf den Schlössern der betr. Herrschaften 
zsgelegt, zur Verköstigung der Truppen und zu Be- 
festigung-sarbeiten verwendet. Lt Bürgereinkaufsbrief 
von 1614 für BSigr. gelobt der Statthalter dem Neu- 
bürger, dass er an allen Rechtsamen, so auch am R. 
[als Sold] Teil haben solle. ,Ein iedwedere Gemeind 
soll ihr R. an Barschaft zusammen legen und selbiges 
verputschirt ihren Obervögten gewahrsamblich hinder- 
legen, damit ein jede Gemeind je und allwegen in dem 
fürbrechenden Notfall das Gelt bei Händen habe.' 
1637, ScH Ratsprot. ,20 Pfd Buess, darvon der Halb- 
teil den Herren und Oberen, der ander den Landlüten 
in ihr R.-Gelt [in die Reisgeld-Kasse fallen soll].' 
1645, BSi. ,Das von Teils Empteren bezahlte R., so 
[von der aufrührerischen LLandschaft] wider hinus 
[zurück] gefordert, betreffend, diewyl ein lobl. Statt 
Luzern vor 6 Jahren in das Turgeuw usgezogen, ein 
grossen Kosten gehabt, so lassend wir es darby be- 
wenden.' 1653, SoHiEDSPR. (Absch.). Vgl. Angster-, 
Fronfasten-, Blappliart-G. In den Städten B u. Z das 
Geld, welches die Zunftgescllschaften zur Besoldung 
ihrer Auszüger in Kriegszeiten zszulegen und vorrätig 



zu halten hatten; sie forderten daher schon beim Ein- 
tritt neuer Stubengesellen in B von denselben neben 
andern Gebühren unter diesem Titel eine bestimmte 
Summe. Für die Gesellschaft der B Kaufleute schon 
vor Mitte des XIV. bezeugt. Lt Beisgeldbuch von 1665 
hatte die B Schiffleutenzunft z. B. 321 Sonnenkronen 
als R. bereit zu halten. Als 1822 die Vorsteher der 
Zunft zur Waag ihre Laden durchforschten, da fimden 
sie cv tiirhtlrir SarJ: Jt.: f/ds Wm-t i.-it :iiiuiili-'- rrr- 
fhih/orl <ln,r,r.hn„lr\ MTmh:! l^'M. Sni. ll. r-- K.,<tn,. 



In US Je 



und 



Selbstverküstiguug beruhte, s. Seg. KG. '2, 315/32.J. 3, 84/7. 

Ris-: Einsatz beim Kegeln. 1734 wird den Orts- 
behörden vom ZGrün. Landvogt eingeschärft, die R. 
zu besehen und zu zählen, damit man wissen möge, 
wie hoch gespielt worden. — Ki«, Einsatz im Spiele, die 
Kegelbahn, die 9 Kegel, auch: das Kartenspiel. "Vgl. Ker/d-G. 

Ross-: Entschädigung des Pfarrers von GHenau- 
NGlatt für die sonntägliche Pferderaiete, da er den 
Weg zwischen beiden Kirchen zu Pferde zurücklegte. f 

Rat-: Taggeld der Mitglieder des Kleinen, resp.. 
als Rat- und Burger-G., der Glieder des Grossen 
Z Rates; 1.546 aus den Gütern des Obmannamtes im 
Betrage von 5 ß dekretiert. ,Das grosse Almosen, 
welches gestrigen Morgens gefallen, da es nicht genug 
gewesen mit 5, mit 20, sonder auch gar 25 Pistolen, 
die Armen zu beschenken, ja die völligen Rät- und 
Burgergeiter, die man das ganze Jahr durch empfan- 
gen, herein zu legen.' AKlinhl. 1688. 

Die Ausgaben hiefür, sowie noch gewisse Naturalleistungen 
oder deren Geld-.itiuivalent (Sihlholz, Kernen, Wein) betrugen 
a. 1700 ca 5200 Pfd. 

Ratte"-: zur Zeit des Bauernkrieges (1653) spottw. 
entstellt aus Tj-nitew-ff. Ygh Krotten-G. — Retour-: 
von auswärtigen Fürsten an Schweiz. Offiziere bei 
ihrem Dienstaustritt bezahlte Entschädigung. 1755, 
Absch. 

Reit-: der zur bestimmten Zeit an Bergheamte 
und Bergleute auszubezahlende Lohn. 1590 klagt der 
Bergrichter in Grü., dass ihm ,die gewerk das r.' 
schuldig geblieben seien. — Unten, rechnen, also eig. 
,Abrechnungsgcld'. 

Schiff-Reiti-: jährliche, per Schiff oder Floss, 
das die Aare passierte, berechnete Abgabe der Meister 
des B Schitfhandwerks an die Zunft der B Schiffleute. 
B Taschcnb. 1874. — Schiff-lieiti, Schiffswerfto. 

Rit-: Reit-, Eoss-Lohn, Reitersold. ,Den rytenden 
burgern, so um zyt [als gerade Krieg herrschte] umb 
r. ritten.' 1446, Bs Rechn. ,Das usgeben des r-es an 
den alten Grossweibel.' 1491, S Wochenbl. ,Es solle 
dem Stadtschreiber [bei Auskündungen und Schuld- 
verweisungen] wegen der Collocation für R., Rechen- 
gelt ein Quart pro cento neben Futter und 'SUM 
bezahlt werden.' 1683, Bs Eq. II, 215. ,Anbetretfend 
die Kosten bei der Anwesenheit des Landshaubtmanns 
lassen es unsere Herren und Oberen bei dem gewohn- 
lichen R. der zwei Dublonen verbleiben.' 175G, SonwMa. 
— Riet-: 1. für den Weidgang auf den zum Allmend- 
gut gerechneten Riedern zu entrichtende Abgabe. .In 
der Riedatzung sollen die Beisäss fürderhin vor den 
Frembden und mit billichem Riet-Gelt betrachtet [be- 
rücksichtigt] werden.' 1698, Ztscur. f. Schwz. R. 10, 146. 
Vgl. Albnend-G. u. a. — 2. der Schützengesellschaft 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



264 



aus der Schwyzer Bezirkskasse verabreichte Gabe von 
300 fl. als Ersatz für das ihnen früher geschenkte, 
dann wieder entzogene .Schützenried' Schw. 

Eutten-Geld: = Bruch-G. (s. d.). ,Zu dem Ende 
disere Dörfer des Schadens [die Bergstrassen zu unter- 
halten] cinkonimen, ist angesehen worden ein Weg- 
geld, welches sie auch E. nennen, a rumpendo, von 
Brechung des Schnees, und von denen Reisenden an- 
statt eines Zolls fordern können. Bei Einneraraung 
dises K-s müssen sie sich verpflichten, die Wege oifen 
zu behalten, alles Schadhafte zu verbessern, ja auch 
den von ihrer Versaumnuss her entstandenen Schaden 
zu ersetzen.' JJSchedchz. 170G. 

Tgl. it. ruHura, von jedem Pferd der Gemeinde Airolo 
für den Schneebruoh auf der Südseite der Gottliardstrasse 
bezalilte Abgabe. 

Eüt-: taxraässig nach , Kuhessen' bestimmter Bei- 
trag der Alpgenossen an das ,Reuten' auf den Alpen. 
1576 im LB. von U neben aoin Syii. ,Scb\vend-G.' — 
Se-: im XVI. in L für KlMi^s,,,-\Vrin. ,lrr ulier den 
Vw-See ausgeführt wurde, au Jrn ( ibur.sDiuer bezahlte 
Abgabe (Weinzoll), die dieser dann an den ümgeld- 
seckel ablieferte. S. Seg. RG. 3, 2, 39/41. 

Sei-: für Benutzung eines Kührecbts auf der All- 
mende der Stadt Bern von den , Kühern' bezahlte Ein- 
schreibegebühr. S. Messmer 1880, 40. - Sei, Allniend- 
recht. 

Sau- u. Stiere"-: 1. hiessen bei den Pflichtigen 
der Herrschaft ZGrün. im XIX. die Vogtsteuer und 
das Vogtrecht, weil sie die Entrichtung dieser Ab- 
gaben als eine Gegenleistung ihrerseits für die dem 
Vogt obliegende Haltung eines Zuchtstiers und Zucht- 
ebers ansahen. — 2. wie Heiden-G., in abstr. ver- 
stärkendem S. Z (auch Sau-). — Sigel-: ehemals 
Gebühr für das Siegeln von Urkunden. Im Bauern- 
krieg war die Ermässigung des S-es ein Begehren der 
anfständiseben Bs Fnrnburger. — Säckli-: in den 
Kir.li.'iib.ut.l -vl.-t.'s Almo.sen Z. ,Das Seckligelt 

S..11 ,1,11 llau.ar ii .licnen.' 1684, ZEglisau. Vgl. 

aucli DWvss IT'.'Ü, .Ji-L 396. S. noch Plättli-G. und 
Säekli-Guet. — Soldaten-: Er.satzsteuer für Wacht- 
und Kriegsdienst, vormals in Bs zur Besoldung und 
Beköstigung der Bürger, die mit dem ,Leibe dienten', 
.„l,T v,,n S,,l,biorn verwendet. Im XVII. u. XVUI. 
war 'la^ ,,li,i!,n mit dem Gelde' so allgemein geworden, 
duNS ,!!,■ Ms /inifte das S.-G. mit dem „Heiz- und 
\\a,Ii^-i i. |,,i i,Hlisi-li iMn/,,u','n und in eigenen , S.-G. - 
l.',,,l,'lir l,n,ht,ii. hi,' s,it ItlL'T auch vom Landvolk 
zuiiachst zum liiti'rlialt ihr, t in die Stadt geschickten 
„Zusätzer" geforderte Steuer bildete einen Hauptbe- 
schwerdepunkt im Bauernkriege von 1653 und wurde 
dann abgeschafi't, in der Stadt von den Bürgern aber 
noch ferner bezogen. Vgl. J?m-ff. — Sünden-: wie 
Heiden-G. in abstr. verstärkendem S. Z, eig. ein Geld, 
wofür es Sund und Schad ist. — Gesang-: aus der 
Schulkasse an die Lehrer gezahlte Entschädigung für 
die Erteilung der sonntäglichen Gesangstunden Ap. 

Sortie- ^ Abfuer-G. ,Fremde und einheimische 
Pferdehändler bezahlen von jedem zu Bern gekauften 
Pferde, welches sie ausser Landes führen, das Tratten- 
oder Sortie-G.' 1744, AbSCIC. — Frz. mrlie, Ausfulir, Export. 

An-, In-, Hinder-Sässe"-: Xied-'rlassungs-, 
Hintersässengebühr Aa; G; Z. ,W,,r,Mii .in,' li, iiieinde 
kein Einzug- oder Hintersässgebl luzii^hrii w,,llte, sieht 



das Stift ein solches ebenfalls nach.' 1795, G. ,Alle 
in Volksschulen Angestellte sind von dem Ansässen- 
geldo, Prohn- und Wachdienst frei.' 183'2, Z Ges. Syn. 
An-, Hindersäss; vgl. Schirm-G. — Sessel-: Be- 
soldung eines Beisitzers beim Gerichte, Sitzgeld. 1767, 
Absch. VII 2. 961. Von den Amtleuten in den B-P- 
Vogteien bei Ablegung der Amtsrechnungen an die 
Delegierten der Obrigkeit zu zahlende Gebühr. 1749, 
Absch. VII 2, 1074. 

Sust-: Lagerhausgebühr für durchgehende Waaren 
,B; Vw; Soh; Z." Auch häufig in den ä. Ab.sch. Syn. 
Gred-, Hof-, Hus-G. u. a. — Susi, Lager-, Waarenhaus. 

Sattel-: Gebühr an reitende Boten, cig. Entschä- 
digung für Instandhaltung des Sattels. ,Ein ratsbott 
soll nit wyter nemen dann syn zerung und s.-gelt und 
dem knecht syn ryt^ und rosslon.' 1522, Eoli, Act. 
S. noch Beschlächt. 

Satz-: 1. Sitzungsgeld, Komuüssionskosten Ar. 
In der ä. Lit. = Sessel-G. und mit diesem Ausdruck 
wechselnd. Das Gericht des Gotteshauses Pfäffers zu 
GSa. habe das bis dahin gebräuchliche S. moderiert. 
1670, Absch. VI 1. 1273. ,S., old wie sie 's heissen, 
manchem ist kommen teur, so man tat erpressen, un- 
g'stüra und ungeheur.' 1710, Toggenb. Biderm. Syn. 
Sitz-G. — 2. It Einzugsbriefen aus dem Ende XVII. 
in TnWeinf. von Hintersassen alljährlich zu entrich- 
tende Gebühr. Syn. Hindersäss-, Hindersitz-G. 

1 zu &((2, Beisitzer, „Zusätzer" bes. bei Schiedsgerichten. 
Zu 2 vgl. das heute in ThWeinf. veraltete .Einsatztaxe', 
Njederlassungsgebühr, und Hlnderealz (s. d.). 

Übersatz-: iia,li ,li:-i' Zahl ilor unberechtigt auf- 
getriebenen Kühe h,a,',l tr. ludjen der Busse zu 

erlegende Strafgebuhr tur ilas .('hersetzen' oder ,Über- 
stossen' von Alpen. 1749. Alpr. BEngstlen. — Sitz-: 
1. = Sessel-G.; Sitzungsgebühr. ,Niclit ein geringer Ab- 
bruch geschieht dem Fischen [dem Predigtamt], wann 
jemand in der Geraeind muss beschickt, fürgestellt und 
abgemahnet werden und dasselbe nicht geschieht in 
gebührender Form: Wann ein Pfarrer solchen Per- 
sonen auch abnimmt S. [für die Sittenrichter].' 1624, 
J.IBiiEiT. ,Es soll anbei jeder Teil [Prozesspartei] 
4 Pfd S. und 2 Pfd auf [d'] Stuben zahlen.' 1778, 
ZMcil. Prozess. ,In einer Verordnung (z. T. auch durch 
alte Übung) ist auf einem sehr massigen Fuss bestimmt, 
was die Ober- und Landvögte bei Entscheidung von 
Prozessen den Parteien unter dem Namen des S-es 
zur Bezahlung der i l,i iihtsk,isten auferlegen.' DWvss 
1796, 71. S. noch Slnhni-d. Spec. Taggeld jedes an 
der Landsgemeindc erselüeueuen Bürgers, zunächst 
von den daselbst gewählten Landesbeamten zu ent- 
richten Gl; Sohw; Ndw bes. im XVH. u. XVHL; vgl. 
Blumek, EG. n, 126. 1763 musste Frau Generalin 
Reding jedem Landmann It Urteil 1 Thal. S. bezahlen; 
aber auch, wer eine Begünstigung von der Landsge- 
meinde nachsuchte, musste oft zum Voraus S-er ver- 
sprechen; auch der Landrat konnte sie dekretieren. 
Vgl. Schinnhuet-G. — 2. = Satz-G. 2. XVH., GSev. 
Auch Hinder-Sitz-G. 1694, Z Staatsarch.; Sulger. 
— .3. Haus-, Mietzins. 1630, L Stiftsarch. — Schau-: 
an die den Marktverkehr beaufsichtigenden, die Realität 
der Waaren prüfenden , Schauherren' zu entrichtende 
Gebühr. ,Von welliches koufs wegen die verordneten 
der schow, über die gewönlichen zöU und schowgelt 
10 kr. zue zoll yngezogen betten.' 1579, Zellw., Urk. 



265 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



Ein .Schweing'schau-G.' für ZEglis. im XIX. unter 
Jen früher in die Genieindekasse fallenden Einnahmen 
genannt. — Sc ha üb-: Ausgabe für Schaub, Stroh 
zum Binden der Reben an den Pfahl. 1533, Aiisen. 
IV 1 c, 220 unter den Kosten genannt, welche das 
Kloster TnFeldb. für Bestellung der Rebgüter habe. 

— Schaf-: Geldäquivalent für an Grundherren in 
Schafen zu leistende Abgabe. 1281/1300, Gpiid. 5, 14. 
\g\. Schaf, Weid-Sch. - Schaff-, resp. Schaft- = 
Schaft (s. d.). — Schiffi"g-: in die Kasse der in 
SciiwBrunnen vormals bestehenden Gesellschaft der 
Schiffleute abgelieferte Einnahme f. S. ScMfßng, Teil. 

— Schueh-: Entschädigung an die Auslagen für 
Schuhwerk; als Besoldungsposten des ZWthurer Holz- 
amtraanns seit 1752 in den Rechnungen aufgeführt. 

— Rad-Schueh- s. Pflaster-G. — Schalen-: Ab- 
gabe der neu gewählten Sechser an die Bs Safranzunft, 
woraus diese dann eine Schale, resp. einen Becher, 
herstellen Hess. 1481, Geering. Vgl. Becher-G. - 
Schilling-: nach dem Schillingfuss contrahierte 
Schuld, so dass auf 1 Pfd ß jährlich 1 ß als Zins zu 
entrichten war; so bis 1629. ,Um [baar] gelt und nit 
um sch.-g. lösen.' 1585, Ap LB. .Wann ein hindersäss 
in unserm land seh. erkaufte oder ererbte, die kernen- 
oder schnialzzins meldeten [auf solche lauteten], und 
aus dem land züge, soll man ihme ander seh. darumb 
erzeigen.' ebd. ,[Der Gläubiger,] so die letzten brief 
oder zeddel hat, mag die anderen mit guetschillinggelt 
dännen lösen.' ebd. S. JCSchäfer 1810, S. 195; 197. 

— Kaufschilling-Gelder: die Quoten des bei Käu- 
fen ausbedungenen Kaufpreises. 1753, Bs Rq. II, 292. 

- Schanzen-Geld: im XVII./XVUI. Beitrag, Steuer 
an die Befestigung der Städte. — Scher-: an den 
Scherer auf der Scherstube bezahlte Gebühr. ,Du 
musst nicht Junker-Schergelt geben, bist kein Junker.' 
1553, HBrLL. Vgl. Bekin-G. — Schürlitz-: Geld- 
gabe, von der B Regierung seit 1016 im BO. den 
Schützen statt des üblichen Schürlitztuches gespendet. 
Vgl. Hosen-G. 

Schirm-: Schutzgeld; bes. 1. von den Schirm- 
verwandten zu entrichtende Schirm vogteigebühr. ,Nun 
hat ein abt [von ScHAllerheiligen] einen bischof von 
Constanz zuo schirmherrn über Hallow angenommen, 
darum ein bischof bishar syn seh. von des gottshus 
armen lüten und güetern yngenommen.' 1521, Absch. 
IV 1 a, 132. Burgermeister und Rat der Stadt Bs 
haben sich erboten, ,den abt von StBlasien bj synem 
dinkgericht zu Riehen von oberkeit wegen [zu] schir- 
men und aber von solichen schirmbs wegen das gotts- 
hus mit keinem nüwen seh. -gelt [zu] beschweren.' 
1548, Bs Bq. 11, 51. Der Schultheiss zu Rheinau habe 
daselbst im Namen de,s Abts von G zu richten; von 
den Bussen gehören 2 Teile dem Abt, der dritte dem 
Landvogt als Seh. 1563, Absch. IV 2, 1026. Der Prälat 
von Wettingen sei erbötig, [bei den Rechnungsab- 
nahmen] das gewöhnlicheRechnungsgeld zu entrichten, 
das man Seh. oder auch anderswie nennen möge. 1618, 
Absch. V 2, 1684. — 2. Abgabe, die ein Fremder für 
die Erteilung des Landrechts oder ein Einsasse für 
das Recht, im Lande zu wohnen, an die Obrigkeit zu 
entrichten hatte Z; daher in Einzugbriefen als ,Schutz- 
und Schirm-G.' in der gleichen Höhe wie das den 
Gemeinden zu entrichtende ,Ansässen-G.' angegeben. 
.Der hindersässen halb: wcUer fürohin in unserm land 
Wonnen will, der soll erlegen 20 fl. zue eim ynzug- 



oder sch.-gelt.' 1572, Obw. ,Die sich beständig hier 
aufhalten wollen, sollen ihr Seh. jährlichen abstatten.' 
1648, Bs Rq. I, 601. ,Die so usserthalb niyner Herren 
Oberkeit Gerichten erboren, [sollen], so bald sy von den 
Gemeinden angenommen, der Oberkeit cinich Schutz- 
oder Schirm-G. geben.' 1675, Kyb. Grafschaftsr. Um 
geduldet zu werden, bezahlten die Kessler ein Sch.-G. 
an den Landvogt. 1698, AaB. (Absch. VI 2, '2003). ~- 
3. Concessionsgebühr für die Ausübung gewisser Ge- 
werbe. .Seh. von der bad.stuben zu ZGrün.' 1554, Z 
Staatsarch. ,Ingenommen an seh. 5 ß gab N. N. von 
syner wirtscha-ft (tafernen).' 1580, ebd. , Taferen- od. 
Sch.-G.' 1668, ZGrün. Amtsr. 

Betr. den Charakter eines a. 1471 von der Priesterschaft 
der Stadt LSurs. per Kopf zu entrichtenden Sch-es vgl. nncli 
bes. Seg., RG. 2, 7:37. S. noch Schirm-Gnlden. 

Fabrik-Schirm-: kaufmännische Abgabe von 
der inländischen Fabrikation von Garnen, Baumwolle-. 
Seide- und Wollenstoffen. ,Gibt ein Bürger Baum- 
wollen aus und lasst daraus um den Lohn Garn 
spinnen, so soll er nach altem Herkommen keinen 
Pfundzoll davon schuldig sein; von dem von hiesigen 
Landleuten erkaufenden baumwollenen Garn aber von 
jedem fl. 2 hlr Fabrik-Sch.-G. bezahlen.' 1725, Z Zoll- 
ordn. — Ürti-Inschuss-: Abgabe beim Eintritt in 
eine Corporation (Ürti) für Mitbenutzung der Cor- 
porationsgüter. 1833, Ztschr. f. Schwz. R. 10, 126 neben 
Lueder (-Taler) als Syn. zur Erklärung gebraucht. 

Schatz-, Schätz-: 1. Lösegeld Gefangener. .Von 
etlichen gefangenen seh., atz, turnlöse [eingenoinnien|.' 
1475/6, Bs Rechn. ,Dass all brantschatzung und schetz- 
gelt der gefangnen hin und ab syn und die gefangnen 
uf ein zimlich urfech und bescheiden zergelt ledig er- 
zeilt [gesprochen] werden sollend.' EnuB. Sehr häufig 
in den Absch. — 2. (-a- Ndw, sonst ä, resp. e') Taxe 
für die Schätzer „B; L; Sch; G; Z"; bes. bei gericht- 
licher Schätzung von Pfändern. Wenn Jmd eine For- 
derung an einen Andern hat, so mag er dieselbe am 
bestimmten Tag einfordern; kann er die Bezahlung 
nicht erlangen, so mag er den Schuldner pfänden; 
die Srliatzci- .-..11.11 dann das Pfand bei ihren Eiden 
schütz. 11. .1.1" .l.r .\nsprecher seine Forderung sammt 
dem S.liat/-( ;. daraus lösen kann. 1.586, Absch. IV '2. 940. 
, Welcher zuerst das Schetzgelt legt auf das Under- 
pfand, solle das erste Recht [auf dasselbe] haben.' 
1693, Schw LB. 112. ,Vom Schatzgoldlegen, Verkün- 
den und baar Geld.' 1807, Gi. 1,1!. S 1 ::.-.. Vgl. Schatz- 
Batzen, -Schilling. — S.fSchal.-.'drliln liiihs.lies Silber- 
stück als Patengeschenk Scn; Geld in dir .''^|>arkasse Ar. 

— 1 u. 2 von schätzen, resp. schätzen^ 'i von Schatz. 
Schatzungs-: = Erb-G., soweit es von den 

Schätzern festgestellt werden musste. ,Dass alle Erbs- 
oder Sch.-Gelter in den [festgesetzten] Terminen von 
denen, welche dergleichen Gelter zu fordern haben, 
eingezogen werden sollen.' 1753, Bs Rq. II 293; vgl. 
noch ebd. II 187. 377. — Schützen-: von der Obrig- 
keit verabreichte Schützengabe. 1541 wird in ZGrün. 
Einer gebusst, als er ,vom sch.-gelt genommen.' Die 
Schützen des Amtes Muri, die bis dahin kein Sch. 
bekommen, suchen bei der Tagsatzung um ein solches 
nach. 1733, Absch. VII 1, 964. Syn. Hnsen-G. u. a. 

— Entschlach-, auch Entschlag-: Gebühr für 
die Aufhebung eines Arrestes. ,Wäre sach, dass der, 
so also verbotten war, des gerichts nit erwarten 
möchte, und mit dem kläger überkäme, git er dann 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



das entslach-t in den stock, die mag der amtmann von 
im nemmen und im das verbott entslachen.' c. 1520. 
Bs Eq. II, 475/6. — Schlag-Gelt = Schlag-Schatg. 
1604, Absch. V 1, 1922. — Inschlag(-ings)-: Gebühr 
für die Erlaiihniss. ein Stück AUmend oder zehnt- 
pflichtitres T.aii^l .'■iii7iisfhlagcn' (zu umhegen). .Wegen 
dem Eins' liliiL; I i. viiiden die Herren Deputierte auf 
die Zeliii'l' ii\ ■ ! li' iiuMu mit dem Pfarrer reden, dass er 
von denen liiii^clilancren, die ihre gemachte Einschlag 
nit angeblürat, das Geld einzühen mochte.' 1780, L 
Stiftsprot. — Beschlag- s. Beschlächt. 

Schliss-: von den Eltern bei der Erbteilung 
ausbedungene lebenslängliche Nutzniessung. Die hei- 
ratenden Söhne und Töchter abtretender Eltern müssen 
sich verpflichten, denselben ,fall und rat zo tuen an 
spys und trank', sowie ein jährliches Sch.-G. zu be- 
zahlen. 1565, Hagenb., Sigr. 55/6. S. ScMissguet. -- 
SMus-, zu schlissen, verzehren, aufhrniichen. 

Schliess-: dem , Schlips-, ,,•■ v.in den Gefangenen 
zu bezahlende Gebühr. .|i''i Ti^il-i-s .soll, so sich 
einer versäumt, das Gewehr iMiisrhliessen und das 
Schliessgelt, so ihm bestimmt, vom Wuchengelt ze 
fordern haben.' JHLav. 1659. 

Schlitz-: Taschengeld GSev. - SchUH, Sack (in 
Kleidern). 

Schmuel-: Schweigegeld, das ein bei einem un- 
redlichen Kaufe anwesender Dritter erhält Sch. 

Jüdisch-deutsch: v-l. mi- r s.h„nv, Betrug, nhd. .Schnui', 
Gewinn, ,Schninf'l\ ll:iii'l. I. mhl s.limiis-G. 

Schmerze"-: ycriihtli.h gesprochene, gesetzliche 
Entschädigung bei Körperverletzungen , neben den 
spec. noch zu berechnenden Arztkosten, allg. 

G«schmürz-: schlechte Scheidemünze S. Bettler 
zum Almosenspender: Dan!: Ji,-i,irf |ilir], aber lueget, 
das ist G., so 'ne fnlsclir W.ilhsh,!! :,:■', h'heit e [he- 
h&ltet ihn] litber selber. 8i iiili.. (..../»müi-j, dass., .auch 
zsgelesene Reste, Abfalle. 

Schmüs(s), Schmaus-: Trinkgeld, das ein Unter- 
händler und Vermittler bei einem Kaufe als Lohn 
seiner Überredungskünste von den Contrahenten er- 
hält B; Tu. B' Avekate' mached om e Schmausgeld 
mit irem guete" Redhüs us schwarz iciss Tu (Schwzd.). 

Zu jüdisch-deutsch ,Schmus', Gerede eines Unterhändlers; 
hebr. schmüäth (gespr. schmuoss), PI. zu echmüäh, Erzählung: 
vgl. Schmvd-G. 

Schnitz-: auf die Bürger verlegte Gemeindesteuer. 
XVII., GSev. — Schnitz, Steuer, zu schnitzen, schneiden, zu- 
teilen. 

Schwin-: Geldäquivalent für als Grundzins ge- 
lieferte Schweine. 1281/1300, Gfrd. 1533, Euli, Act. 
1509, Hotz, ürk. Vgl. Hueb-Schicin; Schwin- Pfenning ; 
Schaf-Geld. 

Schwend-: = Rüt-G. Vürte. ,Von einer Kue- 
schweri 3 ß Sch., welche man sammt dem Alpzins dem 
Alpvogt bezahlen soll und soll der .Alpvogt solches 
Sch. in den Küealpen lassen verwerchen.' 1616, Obw 
Allmendordn. ,Denen Frembden ist zuegelassen wor- 
den, die ererbte Alp zu besetzen, doch dass sie jähr- 
lich hierumb aukchren, ihr Sch. und andere Kosten 
abtragen und ablegen.' c. 1670, Talb. UwE. Syn. 
Schivend-Batzen. — S. Kue''-Esscn Bd I 52G, Lueder. 

Schwirren-: Gebühr auf Viehmärkten für das 
Anbinden des Viehs an Pfählen. 1559 bescliwert sich 
die Landschaft Bollenz, dass die von Beilenz von 



ihnen, wenn sie auf den Markt kommen, von jedem 
Boss 1 Btzn Schw. fordern, auch wenn Einer das Ross 
nicht anbinde. Absch. IV 2, 1'299. — Schwirren, Pfahl. 

Schwer-: auf verbotene Flüche und Schwüre ge- 
setzte Busse. ,Vom swergelt . . . pfd.' 1361/2, Bs Jahr- 
rechn. - Spech-: Lohn für Späher- und Fahndungs- 
dienste. 1599, Absch. V 1, 1612. — Spil-: Einsatz, 
Gewinn oder Verlust im Spiele; spec. Spielschuld. 
1531 erklären Ammann und Rat, dass keine fahrende 
Habe länger als 1 Jahr auf Borg gegeben werden 
möge, ,dann ein Rat will nüt darrait zue schaffln han, 
als wenig als mit spilgelt [Spielschulden waren nicht 
durch's Recht geschützt].' 1409, Ap LB. 97. - Spend-: 
Geld aus dem Spendgute (s. d.). Spec. = Mütschen-G. 
(s. d.). — Spis-: Geldentschädigung für Verköstigung. 
an Hirten. ,Sy sölltend ouch nach anzal [im Verhält- 
niss zu der Zahl des aufgetriebenen Viehs] das sp. 
gen.' 1538, GRJcnatz. Vgl.: ,Wie die umsessen enhalb 
der Fürna vor etlicher zyt [vormals] spys und Ion den 
hirten in das dorf Jenatz geben bettend und darnach 
etlich zyt das gelt für die spysung.' ebd. — Für- 
sprechen-: Gerichtsgebühr. Wer in einem Streit- 
handel als Beteiligter erschien, musste einen ,Behemsch 
F.' bezahlen. 1544, Z Proz. -Akten. S. noch Fürsprech. 
— Spritz- (-M-): dem Messmer von L Willisau für 
seine Verpflichtung, in den Häusern der Gemeinde 
Weihwasser zu spritzen, seit 1645 von jeder Haus- 
haltung zukommende Entschädigung von 1—5 ß, die 
1879 abgelöst wurde. Vgl. noch Spritz-Brot. — 
Stuben-: 1. vormals Beitrag der Zunft- und Stuben- 
gesellen in die Zunftkasse, eig. für die Benutzung der 
,Stube' Bs; B. Syn. St.-Zins. Vgl. Stubenhitz. — 
2. = Sitz-G. für die Mitglieder des Rates oder einer 
andern Behörde. Savoyen bezahlte im XVII. ein 
.Ehren-, Sitz- oder St.-Geld' infolge seines Bündnisses 
mit den 6 katholischen Orten. Vgl. Seg., RG. 3, 78/9. 
Wer sich in L um das Bürgerrecht bewarb, entrichtete 
ein Sitz- oder St.-Geld von 1 Thlr bis 1 Duk. auf 
jeden Rat und Hundert, ebd., 113. Die während der 
Sitzungen der Syndikatskammer zu Frauenfeld und 
Baden fallenden Sessel- und St.-Gelder wurden tw. 
auch an die Gerichtsdiener und Überreiter, welche die 
Standesfarbe trugen, verteilt. Vgl. Absch. VII 2, 562. 
756. 808. 811/2. S. noch Stube i. S. v. Rats-. Ge- 
richtsstube. 

Stauf-: vormals Spende eines neu eintretenden 
Chorherren an die übrigen, damit sie sich täglich auf 
das Zeichen der Spendglocke (je nach ihrem Rang) 
7= — 2 Becher Wein geben lassen konnten. 1532 wird 
vom Z Chorherrenstift geklagt, dass kein St. mehr 
,gfalle'. Egli, Act. 888. 

Vgl.: ,Statutuni'st, ut quicumque in ante,i de novo acci- 
pitur in canonicum ecclesie nostre per servizio nünistret nobis 
prasposito et canonicis urnam vini optimi quo[d] Thuregi 
vendltur prteter viuum terre.' 1259, Z Staatsarch. S. noch 
Stau/-Win. 

Stock-: in den .Stock' fallendes Geld, so in den 
üpferstock als Almosen. 1660, L Kirchenrechn.; oder 
in den Stock der Tuchschau oder den Zollstock. ,St. 
und andere des g'werbs nutzungen.' Vad. III, 432. — 
Stuck-: = Güggel-G., weil dieses nach den Portionen 
(.Stucken') des Kirchenzehntens berechnet wurde. Vgl. 
Mei., Wetz. 401. 403. In Rücksicht auf die bedrängten 
Zeitumstände fallen das Zehndenstroh, Zehndenehr- 
schatz und das Stuckegeld ganz weg. Z Verordn. 1799. 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



,1t Pfd Stück-G.' als Teil des Zehntens auch bei 
Diener, OGl. 337. — Stall-: Abgabe für Benutzung 
eines Stalls. Die Gastwirte zu ZEglis. dürfen den 
Salzfulirleuten kein St. abfordern, wenn sie Wein und 
Brod geniessen. 1695, Wild, I 208. — Instell-: 
Lagerhausgebühr. 177.5, Absoh. VII 2, 421. Spec. eine 
zur Besoldung der Kornhausbeamten verwendete Ma- 
gazingebühr, welche diejenigen bezahlten, die ihre 
nicht verkauften Früchte auf einen künftigen Markt- 
tag hin im Z Kornhaus unterbrachten. Z Mem. 1801, 31. 
Auch Unter stell-G., für Waaren, die im Schloss 
Grynau untergebracht wurden. 1800, Schw Staatsverm. 
91. 97. Vgl. Uüs-G. — Stuel-: wohl eine Gerichts- 
gebühr. Vom Bischof von Bs abgeschafft. 1525, Absch. 
IV 1 a, 660. Vgl. Sessel-G., Stuelsässe. — Stumpe"-: 
= Hoslatz-G. Z. — Stand-: 1. Platzgeld, bes. Ab- 
gabe für die Marktbude während der Markt- und Mess- 
zeit; Bohlen-, Buden-Geld. Die Rorschacher bitten, 
dass ihnen der Abt das ,Zölli und Standgeldli' [von 
ihrem Markt] vergönne. 1529, Absch. IV 1 b, 458. 
Eine ,Lista des St-s od. Ladenzinses' s. 1550, SchwE. 
Klosterarch. 1 B, 18. ,Man mag die brüginen [Zu- 
schauerbühnen] etlichen bürgeren um ein zimlich st. 
übergeben.' 1597, L Buhnenrodel. In AAKadelb. wurde 
es vom Jägermeister bezogen. 1671, Bbaüchb. (Arg. 4, 
127. 139). S. noch Kegel-G. u. Absch. IV 2, 1095. 1112. 
Für Vieh auf Viehmärkten Z; vgl. Z ßechtspfl. 6, 381. 

— 2. Abgabe vom Viehauftrieb auf die Alp. ,Der 
Auflag, fct, Schwendgebühr sind zu bezahlen, bevor 
abgetrieben wird.' 1883, Scuw. ,I)er Viehauflag ist 
auf Fr. 15 per Kühesset festgesetzt, ohne St. und 
Schwenttagwerk.' ebd. Vgl. Allmend-, Vich-G. — 
3. Gerichtsgebühr; neben dem Bott- und Urteilgeld. 
1693, Bs Rq. I, 634. Vgl. Bl-, Vor-Stand (vor Gericht). 

— Standgelter m.: obrigkeitliche Person, welche 
das Standgeld (1) bezog ScuSt. — Anstand-: = An- 
stand. Stutz 1850, S. 51. — Instand(s)-: 1. Auf- 
nahmegebühr beim Eintritt in eine Genossenschaft. 
SuLGER. S. Instand. — 2. = Instell-G. 1732, Absch. 
Vn 1, 401. — ,Stündigungs-, (das) ist ein Opfer, 
das man bringt neben Kapital und Zins, damit man 
Einem mit Kapital oder Zins noch länger warte.' Gotth. 

— Stiere»-: 1. s. Sau-G. ~ 2. auf das Stück Vieh 
berechneter Beitrag der Viehzüchter einer Genossen- 
schaft an die Haltung eines Zuchtstieres B OAa. ; 
GKapp.; Z. — Stür-: Steuer. Als Grundzins von 
einer Hube in ZSchwam. 1509, Hotz, Urk. S. noch 
Hilf-G. — Staats-: Pension für einzelne einfluss- 
reiche Staatsmänner, pension particuliere oder p. par 
etat; im XVI. auch einfach , Staat'. Schw u. U be- 
klagen sich über die Übelstände, welche die Verteilung 
der ,Staad-Gelder' durch die vom Ambassador von 
Frankreich bestellten Distributeurs mit sich bringe. 
1764, Absch. — Hofstatt-: Hofstattzins; Abgabe für 
die auf unfreiem Boden erstellten WohngebäuJe. ,Es 
sind unser hüser und hofstatten mit Zinsen und h-gelt 
beladen.' 1525, Absch. ,Die seit dem J. 1750 neu auf- 
erlegten H-er, wofern diese Hofstatten nicht auf des 
Gottshauses Grund und Boden stehen, sollen erlassen 
sein.' 1797, G. Syn. H.-Pfenning, Bauch-Geld. S. auch 
Wild 1883, I 264, und Zimmer-Stür. 

Statuten-: 1. durch die Statuten festgesetzte 
Eintrittsgebühr eines Chorherren. 1532, Egli, Act. 
S. Kappen-, Stauf-G. — 2. von den Mitgliedern geist- 



licher Capitel für die Verabfolgung der gedruckten 
Statuten zu entrichtende Gebühr L. 

Zu 1 vgl. : .PriBterea receptus ia caDouicuin inlra mensem 
dare (lobet marcam argenti ad festiim corporis Christi.' 1346, 
Z Stiftsstiituteu. 

Stätte-: Platzgeld. ,»Stettgeld: Wir haben gesetzt, 
dass hinfür alle, die des richs Strasse brüchend, si 
standen in den gassen ald vor den hüsern oder haben 
feil uf den laden, usgenommen in den gädmern, die 
sollen das geld von den stetten der stadt geben.' 1441, 
ScH Stdtb. Vgl. Stand-G. — Strau-: Geldäquivalent 
für ursprüngli«!! (in Z OGl. bis 1784) in natura ab- 
gelift.i ir> stinli. Die GHaagcr müssen in das Schloss 
Sax Im .Iru /,, iiiitcM 12 ß Str. entrichten. CTomann 
1741. .:. nu .'<tr. [als Zehnt].' 1817, Diener, OGL 
Vgl. : ,Zu GFrümsen gehört der Zehenden dem Pfahrer, 
jedoch muss er das ausgetröschte Strau dem jeweiligen 
Landvogt überlassen.' CTomänn 1741. S. noch Heu-G. 

— Bestrich-: Trinkgeld für das Bestreichen von 
Bettzeug mit einer Wachslösung. .Gleicherweise ist 
eine nüwe gewonheit [um Geld zu erbetteln] hie uf- 
gestanden von dienstmägden, jungen und alten, wenn 
die bestrichent, so fallen sie erber lüte an und fordern 
an die [dieselben] b-gelt.' Bs im XIV. 

„Täub-. Täup-: V.-rlinri;vbühr, Gebühr an eine 
Comniissiuii tili- die Uiitrrsiiehuiin' fines Rechtshandels 
vor der endi^ültigen, richterlii-lien Entscheidung LE." 

— Mhd. luulmi, töuhai, dämpfen, Ijeschwichtigen (einen Streit). 
Lichentuech-: Geschenk an den Stuben wirt und 

dessen Magd, welche das bei Leichenbegängnissen der 
Zunftgenossen der Kaufleute und deren Angeliiirit,'!'!! 
gebräuchliche, über den Sarg geschlagene Balirtiich 
in Verwahrung hatten; so bis 1838. B Taschenb. — 
Auch iu Bs waren Bahrtücher Zunfteigentuni. 

Brüttafel-Gelder: Hochzeitsgeschenke, welche 
die jungen Eheleute von ihren Verwandten und Be- 
kannten erhielten. ZWtlniv It Tkoi,!, IVM.'io. - Ta- 
fernen-Geld: Abgabe .I.t Srhrnknirtr für das Recht, 
ein Wirtshausschild (,'l'alenn-i zu fuhren und Wein 
zu schenken (.Tafernen-Keclit). .Se i^elu'iit die 5 hüser 
zue den kleinen bedren alle jar .". fi tatiTeii^r,.lt/ 1490 
Urb. AABaden. 1525 wünschen die Ziirüiiinger, .kein 
umgelt mc von dem wyn noch täfergelt zue geben.- 
,Was einem jeden für wyn an synen reben wachst, 
den solle ein jeder ono einich täferg. bim zapfen zu 
verschenken macht haben.' 1.577, Z Mand. Der Wirt 
beim Weissen Kreuz in AABaden soll kein Umgeld, 
wohl aber das jährlich ihm auferlegte T. von 6 Pfd 
den Obrigkeiten zu geben haben. 1642, Absch. Die 
4 Gastwirte von ZEglis. sollen in ihren Tavernen ge- 
schützt werden und dafür jährlich 4 Pfd Tafären-G. 
ins Schloss zahlen. 1695, Wild. Da die vom Ohmgeld 
Befreiten sich auch vom T. befreit glauben, so wird 
der Landvogt beauftragt, das T. nach dem Project 
von 1738 zu beziehen. 1740, AaB. (Absch.). S. noch 
Zapfen-G. — Tag-: wie nhd. ,Bei Werbungen soll 
jedes reufällige Landeskind das Hand- und T.-Geld 
zurückzahlen und dann frei sein.' 1797, G. — Teil-: 
das in Folge von Bündnissen oder Capitulationen mit 
auswärtigen Fürsten den Orten zufliessende und von 
diesen unter die einzelnen Landleute , verteilte' Geld. 
1567, aLB. Ndw. ,Des T. halber ist geornet, dass 
weder Landaramann noch Statthalter bei ihren Eiden 
einlebe Umbfrag halten noch scheiden sollen, dass 



271 



Galt, gelt, gilt. golt. gult 



272 



man solches austeilen solle.' 1625, Gfrd. S. noch 
Teil-Krone. — Urteil-Geld: Gerichtsgebühr für die 
Fällung und schriftliche Ausfertigung eines Urteils. 
1538, Absch. ,Urtel-Gelt an den Ordinari-Gerichten. 
In der mindern Stadt wird das ganze U. zwischen 
dem Schultheissen, den anwesenden Kichteren und 
dem Stadtschreiber zu gleichen Teilen verteilt.' 1722, 
Kq. — Denier-: eine zu 3 Pfenn. per Pfd ihrer 



in franz. Diensten 
II Invalidenfond zu 

- Ding-: Angeld 
lem neuen Meister 

Th; Z. Verhüch- 



Löhnung berechnete Abgabe der 
stehenden Söldner, um daraus ein 
gründen. (Absch.). S. Beckin-G. 
der Dienstboten, wenn sie bei e 
in Dienst getreten sind ,Ai'; G; 
deutscht: ,Aufding-G.' Eohnkr 1867. Syn. Haft-G., 
Dinfi-Pfenninff. — Verding-: Bezahlung für die bei 
frnihlrn l,riit.>ii untergebrachten Waisen (sog. Ver- 
diim-KiiMln 1, .Pas järlich usleggend [auszulegende] 
v-yrlt- iiiM.liir .alles zusammen geschüttet' hinreichen, 
die Waisen zu versorgen. 1635, Spyri, Waisenh. — 
Dienst-: 1. Sold für Kriegsdienste; sehr häufig in 
den ä. Absch. S. Gnad-G. u. a. — 2. bei Geldanleihen 
an den Darleiher bezahlte Provision. ,Dass etliche 
ihr Gelt hinweg leihen vergebenlich [ohne Zins], aber 
dargegen mues der Entlehner ihnen etwan ein grosse 
Waar und ganz in einem geringen Wert zuestellen 
oder ein merklich D. darzue geben, darinn sie ihre 
Hauptsummen und ein grossen Geniess wol doppelt 
und mehr haben.' 1590; 1637, Bs Eq. — Doppel-: 
Einsatzgeld für Schüsse in Gewinnscheiben Uw; s. 
Doppel. — Dar-: Darlehen. Der Bericht über den 
Befund des Reiskastens der B Pfisternzunft von 1555 
bemerkt zu 2 Posten: , Wider ist in einem dargelt 
5 pfd 8 ß 8 d.' — Tor-: Gebühr, welche vormals 
dem Torwart an den Stadttoren nach Torschluss zu 
entrichten war. Vgl. Si'hild 1885, S. 43. Syn. T.-Batzen. 

Tisch-: 1. = Kost-G. allg. In Kechtsq. häufig 
unter den Anspraclien o-.'iiaiint. welche in Concursen 
den gemeinen Funlmiimvii \ ..rtjehen. ,T. von tisch- 
gängern, die eiinji Ihi llini,- zue tisch hätte.' 1588, 
L Stadtr. Eine Tucliler geht in ein Kloster und wird 
mit 2500 fl. ausgesteuert, von welchen 500 fl. für T. 
und andere Kosten. 1723, Absch. S. noch Briich-G. 
— 2. ,Tischli-G.', der B Gesellschaft der Kaufleute von 
der Obrigkeit je am Ostermontag für Tafelfreuden seit 
1607 gespendete Gabe. B Tasch. 186'2, 115. — tisch- 
gelte": ausserhalb des elterlichen Hauses Kost neh- 
men. Schweizerb. 1824, 338. — ver-tischgelte" = 
verkostgelten, allg. 

Toten-: = Haupt-, resp. Gewand-Fall. XVIU., 
JCPäsv, Th. 

Traktaments-: =Annahm-G. B Taschenb. 186'2. 
89. — Tmktument, Gasteroi, Schmaus, hier spec. bei der Auf- 
nahme eines Zunftgenossen. 

Trüll-: eine von fremden Fürsten verabfolgte 
Geldleistung, um für den Militärdienst taugliche Leute 
einexercieren zu lassen. 1647 wird beschlossen, der 
Pensionen und des T-s müssig zu gehen. Schw Staats- 
verm. — Trank-: Trinkgeld. ,Die Wärter sollen 
von Niemandem weder wenig noch viel als Tr.-Geld 
fordern.' 1793, Unsichtb. Auch 1758, KLSchuster, 26, 
und in den Rechnungen des Z Spit. noch Anf. XIX. 

Trink-, bezw. Trlch-, Trech-, in ZO.f Trinke"-: 
wie nhd. In einem Kaufbriefe behält sich die Ver- 
käuferin über den bedungenen Kaufpreis hinaus ,4 stäb 



von guetem Ionischem [lündisch] tuech umb myn tr.' 
vor. 1533, BLaupen. Ähnlich werden in einem Kauf 
um eine Mühle 10 Pfd ,ze drinkgeld' festgesetzt. 1566, 
H.\genb., Sigr. Werkführer: ,Es scheint mir, jener 
Pfahl stehe nicht aufrecht.' Arbeiter: Es ist wahr, 
er haldet bireits geg-em Tr. Z. Wenn man dem Boten, 
der ein Kätzlein zum Geschenk überbringt, kein Tr. 
gibt, stirbt das Tierlein Z. Verächtlich: Es ist (nif) es 
Tr., eine geringe Summe Z. Syn. Trink-l'fenning. 

Eig. ,Geliigabe zum Vertrinken', statt des früher z. B. den 
Zinsleuten gebotenen Mahles oder Trunkes gereicht. Vgl. ; 
,Eiu jeder hab dann vor [zuvor] den weibeln geben 5 ß ze 
vertiiuken.' 1493, S Ratsman. Der Vogt von Grandson wird 
IjeschuUligt, er habe sich ungewöhnlich viel ,fUr den wyn' 
zugehalten. 1533, Absch. Vgl. noch Wm-Kanf. 

Hochsig-: Gabe der Hochzeitsgäste nach dem 
Mahle. 1824, Z. 

Tratten-: = ^6/'Mer-(?. „Tratte-G., Auflage auf die 
Ausfuhr B; S." ,Was das Tr.-Geld betrifft, war solches 
das, was man anderswo droit de sortie [s. Sortie-G.] 
oder Ausfuhrrecht betitelt, da die Fremden, wenn sie 
in dem Bern-Gebiet sonderlich Pferde, Hörn- und an- 
ders Vieh gekauft, einen gewissen Pfenning wegen 
des Abzugs erlegen müssen.' JLauff., Schwz.-Gesch. 
Luzern zeigt an. dass es, ähnlich wie B, ein Tr. auf 
das fürkaufsweise aus der Eidgenossenschaft gehende 
Vieh gelegt habe. 1618, Abscb. Uri beklagt sich, dass 
seinen Landleuten, welche im Gebiete von B Vieh 
kaufen, ein neuer Zoll oder ein Trattgeld abgefordert 
werde. Die Gesandtschaft Berns behauptet aber, dass 
derselbe schon bei 80 Jahren bestehe. 1620, ebd. 

It. iratta, Abgabe. Vgl.: , Getreide und Salz sollten ohne 
Tratta, Gabella, Verehrungen nnd andere Bezahlungen die 
freie Durchfuhr haben.' 1552, Vertrag mit Mailand. Vgl. 
noch frz. traitc 

Trett-: Abgabe eines Unberechtigten für die Be- 
nutzung der Geraeindetriften; daher in Einzugsbriefen 
als ein Teil der Einzugsgebühren aufgeführt. XVII., 
TnWeinf. 

Trett, gew. Tmtt, Genieindetrift; Kecht, sie zu nutzen. 
Vgl. der fremde Einzügling .soll von jedem Haubt Viech, so 
er auf der Gemeind Träft laufen lasst, jährlich 2 fl. ze geben 
pflichtig syn.' 1693, Z Staatsarch. 

Traverse-: Durchgangszoll. Die Gesandten Berns 
wollen dahin wirken, dass jedem Freiburger gestattet 
sei, des Jahrs 6 Fass fremden Weins ohne Tr. durch- 
zuführen. 1642, Absch. — Zu frz. travfi-scr, hindurchgehen. 

Weibel-: Weibelgebühr; vgl. Bott-G. 1797, G, 
neben den , Ammann-Geldern' (s.d.) genannt. — Wach- 
s. Wacht-G. — Wuchen-: in Wochenraten bezahlte 
Steuer oder Löhnung. Gegs. Jär-G. Spec. wöchent- 
licher Sold der im Felde stehenden , Knechte'. 1633, 
Gfkd.; 1668, eidg. Defensionale. Wöchentliche Besol- 
dung des Lehrers. 1733, Schulordn. Ai'Heid. Wochen- 
betrag einer Steuer, z. B. des Umgelds (s. d.). — 
Wachs-: fron fastenlich entrichtete Bruderschaftsge- 
bühr, woraus die Kerzenmeister die h. Kerzen be- 
schaffen mussten. S. Geering S. 96 ff. Vgl. Kerzen- 
Guldin, -Geld; Wachs-Groschen. Geldäquivalent für 
Wachszinse der G Gotteshausleute. 1797 als ablösbar 
erklärt. — Wechsel-: Wechsel-Forderung, -Schuld. 
Die Zunft der Tuchleute zu Lauis beansprucht das 
Recht, zu entscheiden ,in allen stössen und spänen, 
es syge im ansprechen und versprechen von wegen 
lidlons, kostens, Schadens, zinses, bürgschaften und 



273 



Galt, gelt, gilt. golt. gult 



weehselgelts.' 1505. Ansiii. — Wacht-, Wach-: von 
den Zunftgenosseu, welche nicht persönlich die Mauer- 
und Torhut versahen, zu entrichtende Abgabe. In die 
Schneiderzunft aufgenommene Frauen sollten einen 
Basler Plapphart als Wach-G. entrichten. 1466, Ocus. 
Im Z betrug von 1575 — 1714 das von jedem Bürger 
als Äquivalent für 4 Wachen zu leistende Wacht-ü. 
2 fl., von 1714—98 nur noch 1 fl. Vgl. Soldaten-, 
Keis-G. u. s. noch Wild 1883, 120. — Weid-: Weid- 
ganggebühr. 1539 erhalten die von Oberriet durch 
Urteil das Weidrecht ,an der Eisi' gegen 3 Kr. W. 
Wild 1883, 118. Vgl. Trett-G. — Wag-: Gebühr für 
die Benutzung einer städtischen oder obrigkeitlichen 
Wage. Leim und Lumpen sollen in das Kaufhaus 
gebracht und gewogen und davon Pfundzoll, Hausgeld 
und W. bezahlt worden. 1489, üchs. ,Dass wellicher 
sein Frucht und Mehl gewägen haben will, derselb 
den bestimmten Schilling Umb- und W.-Gelt voll- 
koiumenlich bezahlen; wellicher aber die Waag nit ge- 
brauchte, mehr nit dann den Sechser Umg. schuldig 
sein [solle].' 1629. Z Verordn. — Wagen-: Abgabe 
des Verkäufers ,für die beim Abladen ihm angedeihende 
Hülfsleistung und für den Gebrauch des zum Kornhaus 
gehörigen Geschirrs. Von einem Wagen voll Frucht 
von 5 ä 10 Säcken beträgt es 2 Btzn.- Z Mein. 1801, 31. 
.Dem Sjianner gebührt das gewöhnliche Wägeligeld, 
wenn die abgeladenen Waaren durch die Spanner ins 
Kaufhaus geführt werden.' S Kaufhausordn. 1834. Vgl. 
Abhider-G. 

Weg-: Abgabe für Benutzung von Strassen mit 
Pferden und Wagen, Weggebühr. Die Fürleiti oder 
das W. vom Kaufinaiinsgut sei nicht eine Neuerung, 
sondern von Alters herkommen. 1491, Absch. ,Sovil 
das W.-Gelt belang, habend sy mit machen und uf- 
haltung [Unterhalt] der Strassen gi-ossen schaden, es 
gebe ouch sonst mengklicher söllichs mit dank von 
wegen der gueten strass und sygend sy gefrygt und 
befüegt, das ufzesetzen und ynzengmen.' 1570, ebd. 
Vgl. Bltmer, kg. 2, '289. — Erst durch die Bundesver- 
fassiiug von 1848 mit den übrigen Zollgebühren aufgehoben. 

Wecker-: vormals an die Schaar- und Nacht- 
wächter in ZWthur bezahlte Erkenntlichkeit Solcher, 
wek-IiL' .<irh Villi ihnen wecken Hessen. — Wald-: 
unter Axr eiii/rliirii Berechtigten verteilter Ertrag des 
GeiiKiin\.ililr-. Wenn su ml Tanne (fsi' sind, da hat 
dvcli d' übendliimj [die Oberallmendgenossenschaft] 
recht (/schwind welle" W. usteile". Schw Fasnacht 1869. 
— Wolf-: Schussgeld für die Erlegung von Wölfen. 
XVin, Gßh, Kechn. Syn. W-Kösting. — Anwalt-: 
an den bevollmächtigten Vertreter in Prozessachcn 
bezahlte Gebühr. 1719, Bs Rq'. 

Gewalt-: für die Gewährung und Eintragung eines 
Bevollmächtigten an das Gericht zu bezahlende Pro- 
zessgebühr. 1719, Bs Eq. - Gewalt, Vollmacht. 

Tagwan- resp. Tauen-: Geldäquivalent für schul- 
dige Frohntagewerke. Brückner. — Win-: l. = Iieb-G. 
1530, Bs Rq. — 2. an die Chorherren von LMünst. 
statt des Weins aus den Rebbergen des Stifts nach 
deren Verkauf verteilte Geldspende. XVI., MEstebm. 
1876. — Weri-: Steuer zu Erstellung und Unterhalt 
von Schutzwehren an Flüssen. Mehrfach 1619, Absou. 
(für die it. Vogteien); vgl. V 2, 1832 ff. — Werch-: 
Beitrag der Alpgenossen an die Auslagen für die Ver- 
besserung der Alpen. ,I)ass jährlich ein jeder, der 

Schweiz. Idiotikon 11. 



daselbsten Vych sommert, von einer jeden Kuh, so 
er besetzt, zween Kr. W. geben solle.' 1749, Alpb. 
BEngstlen. ,Das Werk-G. soll sich für Arbeiten auf 
der Alp verwenden.' 1854, ebd. S. B&t-, Schwend-G. 
— Warnung-: Gebühr für die 3 Warnungen vor der 
Pfändung in Concursfällen ; It Z Stadt- u. Landr. 1715 
von dem Kläger an den Gerichtsweibel (beim Stadt- 
gericht) zu bezahlen, mit späterm Regress auf den 
Schuldner; auch Warner-Lohn. — Wart-: 1. jähr- 
liches Einkoumien eines Wartners oder Exspektanten 
(auf eine Pfründe, eine Stelle). ,G'macht han ich den 
verstand [Übereinkommen] mit dem herzogen von Mei- 
land, dass er mir järlich w-t git, tusig gueter dicken 
Pfenning.' Eüef 1538. Von einem akademischen Lehrer 
in Bs. 1641, Abscb. — 2. jährliche, fixe Besoldung ge- 
wisser Angestellter im Gegs. zu den ihnen im gegebenen 
Fall zufliessenden Sportein, so der Ärzte, Hebammen, 
Trommler u.a. VOrte; Z; „Gl; Gr." Von Soldaten, 
die gegen Versprechung eines W-es geworben wurden 
und darum W. -Gelter hiessen. 1653, Heusler. Vom 
Scharfrichter. 1736, Absch. u. ö. im XVIII. Als Wort- 
spiel mit der gewöhnl. Bed. von , warten' in der RA. : 
/''■ hä" kei" W., habe keine Lust zu w. ZWetz. — 
Wase"-: an den Scharfrichter als Wasenmeister von 
den Gemeinden für das Verscharren gefallener Tiere 
bezahlte Gebühr Zef. — Wasser-: Wasserzoll, beim 
Schloss ScHwGrynau für die Instandhaltung des Linth- 
Fahrwassers ehemals entrichtet; vgl. Schw Staatsver- 
inögen S. 95 ff. 

W isi-: Abgabe an den Grundherrn bei der visitatio 
seiner Güter. 1533, Egli, Act. (ZHöngg). S. Wisat, 
W.-Haher, -Kernen, -Käs u. a. ; Wlsunt/. — Mhd. ics«e», 
nach Etwas sehen, besuchen. S. noch tfist. 

Verwisungs-Gelder: die aus der Versteigerung 
der .\ktiven in C'oncursen oder Erbfällen herrühren- 
den, in It Gantrodel bestimmten Terminen fälligen 
Summen, welche den Gläubigern resp. Erben für ihre 
Forderungen angewiesen wurden. Häutig in den Bs 
Rq. unter den privilegierten Forderungen genannt. 
YgLErbs-, Gant-G. u. s. verwlsen. — Zuber-: neben 
dem ,Wag- und Kranch-G.' für Konstanz genannte 
Abgabe von flüssigen Dingen, die mit dem Zuber ge- 
messen wurden. 1740. Auscii. Vgl. Mass-, Mess-G. — 
DriziM liiiii -: Al.-alM-, wrlche die Gemeinde ZHorg. 
jährli. h .1-11 l:: i;-j,\ M-tcn für die Bewachung des 
Albih'iKluutr^ .Uli! ,\,-r ll'^i;- bezahlen musste. — In- 
zng- = iitztiij s. d. — Zal-: Abgabe nach der An- 
zahl, statt nach dem Mass oder dem Gewichte, von 
Kaulmannswaaren. ,Damit dem Immi, Zahl- und Haus- 
gelt, wie auch dem Zohl und andern Gefällen Nichts 
zustossen füge.' 1700, Z Mand. — Zunft-: Beitrag 
der Zunftgenossen an die Zunftkasse; in Bs neben 
dem , Stuben-' und ,Bü-G.' genannt (Geering). 

Zapfen-: Abgabe vom Wein, der vom , Zapfen' 
geschenkt wird. ,Es sollen die bisherigen Tafern- 
und Z-er jährlich richtig bezahlt werden.' 1797, G. - 
Xiijifen, auch = geringere Schenke. 

Hochzit-: als Einnahmeposten in den Besoldungs- 
ansätzen der Ratsschreiber aufgeführt. XIV., Ochs 2, 
432. — Vgl. die Hochzeitgebühreu, welche heiratende Zuuft- 
genossen an die Zunftkasse zu zahlen hatten. 

Zwing-: Einzugs-, Niederlassungsgebühr. ,We- 
licher in disen zwing uf des gottshus lechen ziehen 
will, derselbig soll zuo rechtem ynzug oder zw.-gelt 
erlegen 10 fl.' 1568, Oft'n. ÄABünzen. 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



üs-gelte": an Haarschaft auskommen BO.; Nnw. 
Syn. ernüechteren. 

Ubergelderet: reichlich mit Baargeld versehen 
ZMönch. 

Göltll, Gelte" m.: 1. „(PI.) Gläubiger. ,Sein Ver- 
mögen den gemeinen G-en darschlän' B", sich insolvent 
erklären. Sl" Sach de" G-' darschlän, omnibus bonis 
cedere.' Id. B. Me' vmes' Alze [Alles] de" G-e" ge" 
[für Zinse]; d' G-e" fresse" im [ihm] Alze treg, die 
Zinsen (Gläubiger) verzehren den ganzen Ertrag seines 
Gutes BSi. Ein Vater, welcher Butter zum Verkauf 
machte, soll seinen Kindern, die Kahm lecken wollten, 
zugerufen haben: Hörid lecke", sustnemmen-is d' G-e" 
ds Hus. BEi. Er ist i" de" G-e", ist i" d' G-e" cho", 
den Creditoren anheimgefallen Ndw. I" G-e" cho", 
ins Falliment UwE.; vgl. Gelt I 1. (B') G-e" ange" 
[angeben] : aus Furcht und Schrecken plötzlich Alles 
bekennen BHk.; laut zu schreien und zu klagen an- 
fangen BHk., Ei., 8i.; schreien, aufreden (wenn es 
recht ,gelten' soll?) BHa.; lebhaftes Verlangen und 
Freude laut kund geben, auch von Haustieren, z. B. 
wenn der lang ausgeblielH'iic Hiiti> den Stall betritt 
BEi. ,Wirt ein burger lirkla-t umlie gelt und im 
denne du stat verbotten wirt vt.ii .les rates buosse 
und umb des klegers gelt, der selbe gelte mag in 
darumbe fahen, also dass er in nit letze an dem 
lybe.' Z Eßr. 1304. ,Unser burger sollen vor allen 
frömbden g-en bezahlt werden [bei einem Concurs].' 
1480, L. ,So jeman fürbrächte, dass er umb syn schuld 
pfand hätte, der soll vor allen g-en gan und bezalt 
werden.' ebd. .\\ " liii uilt einem Schuldner uf die 
pfand, die er im irr.irllt l,:iite, butte.' 1489, L. ,0b 
ein iiffal uf eins umun^ ,-u..l Ix/schicht, dass dann syn 
cfn'inv. ol, sy das begert, vor allen g-en umb ir zuo- 
lji:[rlit i;uni, iiiiirgcngab und erecht ussgericht werden 
soll- ] l'.is. 7. Iv'atsver. ,Es soll der rechte gelt das 
geld von synem Schuldner ziechen.' 1527, Aa Wst. 
,Wenn ein mensch ligt im todbett, der mag gen 10 pfd, 
wem er will, doch synen g-en on schaden.' ebd. ,Es 
soll niemand khein gemächt tuon noch machen von 
kheinem synem guot, dann synen rechten g-en das 
unschädlich sye.' 1539, BThun. .Die gemeinen Gelten 
oder Ansprecher.' 1706/65, L Stadtr. — 2. „Schuldner 
B." Das Mandeli [Winnchen] was grusam gitigs, und 
tcenn 's hat eine" von sinen G-en chönnen chlämpnen 
[klemmen], so hät's-mu [ihm] nüt 'borget [geschont] 
BSa. (Scbwzd.). — 3. Bürge und Selbstzahler. ,Es 
soll nieman den andern pfenden, er sy danne g. oder 
bürge.' 1315, Absch. ,Gelt lychen uf g-en, bürgen 
und uf brief und gyselschaft.' 1400, Z. ,Niemand soll 
den andern pfänden oder verbieten ausser den rechten 
g-en und den unlougenhaften bürgen.' 1543, Absch. 
.Welcher einem Anderen einfaltig Bürg und Nachwähr 
wirt. da soll von erstem der rechte Hauptschuldner 
angriffen werden. Aber welcher Bürg und Gelt wirt, 
so mag der, dem die Schuld gehört, einen solchen 
Bürg und Gelt vor, mit oder nach dem Hauptschuldner 
angreifen wie er will' 1659, B. ,Die Unterpfänder samt 
den Mitbürgen und Gölten darstellen.' ebd. , Gegen 
Jemanden Gelt oder Bürg werden.' L Stadtr. 1765. 

Mhd. gälte in., Zahler, Bürge; Gläubiger. Die Bedd. 
.Schuldner' und ,Gläubiger' verhalten sich wie Gelt: ,Schnld' 
und ,Einkommen'. gemäss der Wechselseitigkeit aller solcher 
Rechtsverhältnisse; vgl. mhd. rehi auch: Pflicht. Die Bcd. 
.Gläubiger' ist in den vorangestellten B RAA. noch deutlich 



erhalten; bei den Uw muss man wol m i. S. v. ,in der (die) 
Hand, Gewalt (der Gläubiger)' auffassen. Die merkwürdige 
BO. RA. (die) G. a'ye" bedeutet wol «rspr. die verzweifelte 
ökonomische Lage eines Mannes, der sieh nicht mehr anders 
zu helfen weiss als mit offener Angabo aller seiner Gläu- 
biger resp. Schulden (was in Ap Gülte" a'iß" heisst, s. GüU), 
Hod der ein solches Bekenutniss natürlich mit Jammer und 
Wehklage begleitet. In der erweiterten Bed. ,Iaut schreien' 
übh. und dann sogar .Freude laut kund geben' muss jene 
Gruudbed. ganz erloschen sein. — In einigen Stelleu der 
ä. Rechtsquellen, wo die Verbindung ,vor allen Gelten' oder 
,deu rechten Gelten unschädlich' vorkommt, könnte G. auch 
den sächlichen Begriff von Zahlungs- od. Schuldverpflichtung 
(Geh 1 1) haben, aber soust ganz ähnliche andere Stellen 
verlangen deutlich die persönliche Aufi'assung. Immerhin 
mögen später die beiden WW. sich teilweise vermischt haben 
und mag daraus ein fem. Gelte (Schuld) entsprungen sein. 
S. Anm. zu Gelt 1. 

gelt BSi.;VORTE; Gl; Gr; G, gell Aa; ApK.. M.; 
Bs; BU.; F; ScH; S; Z. gij, auch ge gell ZO., gelta, 
göHta, gella ApH., in der Anrede an eine Mehrzahl: 
g-et (-ed, -it, -id, -end, -e"J, selten gend (Spillm.) : 
1. Fragew. mit Erwartung oder Voraussetzung zustim- 
mender Antwort i. S. v. nicht wahr? G. Vater, g. 
Miieta; schäm Meiteli bin i'': Ap Volkslied. Gelten, 
i mach-ich hütt warm [sagt die Sonne]. Allem. 1843. 
,Gelt, gelt, ich hab's fry eben troffen! gelten, ich bin 
bald wider kon?' HsRMan. .Gelt, du bist gsyn so 
vermessen.' Euef 1550. ,Geltend?' Lied 1669. ,Gället?' 
HPest. 1785. Hieher gehört auch das alte und weiter 
verbreitete Wortspiel: Er sät au"": Gelt du bist-mer 
lab? Met er denn 's Geld g'mänt oder 's Wyb, wäss-i 
nüd. Merz. ,Er sagt auch: Geld, du bist mir lieb; 
und dann soll Eine verstehen : Gell, du bist mir lieb!' 
GoTTH. Geldß) dich hän ich lieb? U. .Gelt, du bist 
mir Heb. (Wer Gut hat, hat Freund).' Sylloge 1676. 
— 2. mehr Ausruf wort, oft als .Ausdruck des Eecht- 
habens in Bez. auf eine Voraus.sagung, die sich be- 
stätigt hat, zuweilen nicht ohne einige Schadenfreude. 
Geltid, i'* han-ech 's voröusg'seit! UwE. Gell, er hät- 
der's g'seit! dir den Text gelesen G; Z. Daher dann 
Zuruf des Spottes: Ge, ge, i''" ha" di-'' möge" [dich 
überwältigt]! ZO. — 3. der Sinn von 1 und 2 wird 
verstärkt oder nuanciert durch vor- oder nachgesetzte 
Partikeln, welche jedoch (ausg. hä!) schwächer betont 
sind, a) vorgesetzt: aber g..' (Verwunderung) Z. 
während umgekehrt g. aber? oft nur lebhaftere Frage 
resp. erwartete Zustimmung bedeutet ZSth. Ja g. 
Gl; L; Z. — b) nachgesetzt. G. echt? ist das denn 
möglich? AASeeng. Syn. g'wüss au"''! G. au"''! Ver- 
wunderung Aa; Gl; Gr; L; Sohw; Th ; Z. G. aw'', der 
Franz! [wenn man eine erstaunliche Neuigkeit über 
Fr. in Erfahrung gebracht hat]. G. iez! i. S. v. Eecht 
haben (s. o.) G; Z; ebenso g. hä? Gl; Z, z.B. wenn 
man durch eine eigene Leistung die Erwartung des 
Andern übertrotfen zu haben meint. .G. ja? nonne?' 
Id. B. G. nei"? B; vgl. gell-du nüd [nicht]? ZO. 

Gelt ist die (in unserer MA. regelrecht) verk. 3. P. Sg. 
Conj. des Vbs gelten i. S. v. ,es mag, soll gelten', fragend: 
,mag, soll es g.V' Wie sich von hier aus der Gebrauch und 
Sinn weiter entwickelt resp. verflüchtigt hat, s. bei Gr. WB. 
IV 1, 2, 3053 fi'.. welchem wir folgende Belege über die Ver- 
bindung g. wo, mit und ohne Negation, beifügen. .Gieif ihn 
an. gelt wo er dich nicht schelten werde!' = was gilt's, er 
wird usw. Z Bibel 1560. ,Nüt haben ist ein rühwige Sach; 
gäll wo ich also umben laufen müess' (Schimpfr. 1651), sagt 
spöttisch der den Bauersleuten müssig zuschauende Bettler, 
etwa 1. S. V. .wahrlich, wenn ich . . . sollte, so würde ich 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



278 



lieh bedanke 



,j.lH 



1. Vgl. auch uoch gdlKii. In der Ap Form 
Yoc. ein späteres Anhängsel sein, wo nicht 
Rest des mhd. inteiject. -u an Imperativen, viell. nur zu 
dem Zwecli, dem W. uielir Fülle und Klang zu geben. Assi- 
milation von ausl. -Ii in U ist zwar in unsern MAA. nicht 
Kegel, konnte aber in diesem Fall eintreten, wenn der urspr. 
Sinn der Form erloschen war. Dass endlich ein zur Partikel 
gewordenes Vb. doch wieder verbal aufgefasst werden und 
eine 2. P. PI. bilden konnte, findet tw. Parallelen am got. 
Iiirjith (kommt) hieher; von hiri, her, und an dem genau ent- 
sprechenden gr. Seüxe! von Seüpo; näher allerdings an unserm 
send! nehmet hin! (frz. («i«.') vom Sg. se! nimm. 

gelte" - Cond. gOltCiJ, gult(i), in LM. golt; Ptc. 
lulte': A. intr. 1. gültig sein, Geltung haben, einer 
Bestimmung entsprechen; im Ganzen wie nhd. und 
allg. a) absol. z. B. von Spielregeln. Bas gilt (nüd). 
Gelegentlich auch von Regeln der Sitte, Formen des 
geselligen Verkehrs. ,N. habe N' auf das Fenster- 
gesims hinuntergedrückt; hierauf habe N' geäussert, 
ob es so gelte, das sei niederträchtig und schlecht' 
Z Eechtspfl. Selten einmal refl. Bas gilt-si"'' nüd B 
(wahrsch. nach Analogie von: ,es fragt sich, versteht 
sich'). Bes. bei Abreden und Wetten. Er sclilöt uf 
der Stell i' und sät [sagt]: es soll g.! Er nimmt 
d' Wett sofort a', chlöpft l' und sät: 's hat scho" 
g'golte"! Th (Schwzd.). ,Es soll gegulten haben: ratum 
hoc, fixum, firmum sit.' Hosp. 1683. Es soll es Wett g. 
BRi. (S. u. 2). Es seil g. (beim Zutrinken Duzens 
machen udgl.) Aa; Z. Wo gilt's? wohin müssen wir 
gehen '? Es hat g'gulte" go" holze", man war zu Arbeit 
im Walde aufgeboten oder bestellt Z. Übertr. auf die 
ernstliche Betreibung eines Geschäftes. lez gilt 's 
(-^ne'J emäl, lassen sie sich's angelegen sein, z. B. bei 
der Heuernte, wenn Gewitter droht. Potz Tüsigl es 
gilt-em, er zeigt grossen Eifer, macht sich energisch 
daran; auch, er strengt sich an, zur Geltung zu kom- 
men, Effekt zumachen, z.B. durch gesuchte Toilette Z. 
Uf G. Gr; GWa.; geltis Ap; z' Giltis, z' Geltem B, im 
Ernst, auf die Dauer, z.B. , Etwas auf G. geschenkt 
haben [zum Behalten] Gr;'- GWa. Syn. geltigs; ye- 
u-ünnens; u. s. gilltig. Einticeders chunnd Tobias uss 
Amerika z'ritck, laber [oder dann] se lad er schich dert 
uf G. nider. (Tsch.) Bu hiist-mi"'' uf G. g'seh", ein 
für alle Mal, zum letzten Mal. Uf Büte" und G. ver- 
löre" gä", gänzlich, unrettbar, sicherlich Gr (Schwzd.). 
Uf Cr. spile', um einen gewissen Einsatz, um Geld. 
G. lä", 1) von Personen, unangefochten, ungehindert 
lassen, Raum gewähren, z. B. d' Sü IM Ein" nid g., 
tvemme' wott de' Stal usemiste' AiKais. Achtung 
zollen. Lass du d' Börfler la' g., es het au"'' hravi 
Manndli drunder Schw. Bo stöt emöl en Galler dö, 
me' het-e' Nübis [Etwas] g: lö. Merz. ,Will man, 
dass der Kaiser kein Stecher sei, so sagt man bloss, 
man lasse ihn Wurf g., d. h. er sei die Zehn seiner 
Farbe.' L Kaiserspiel. — 2) von Sachen, a) z. B. eine 
Behauptung, zugeben (wie nhd.). allg. — ß) bleiben 
lassen, ein Tun, i. S. v. unterlassen oder davon ab- 
lassen Aa; Gl; Uw; Z. Z.B. zu Streitenden wird 
gesagt: Lönd 's [lasst es] iez g.! oder zu Einem, der 
Complimente macht: Lass das g.! lass gut sein. F'' 
vrill 's Flueche" la" g. UwE. Oft mit pleonastisch 
wiederholtem lä". Er lät 's Arbeite" la' g., hat damit 
aufgehört UwE. Lass 's iez lo g.! Aä; Z. — b) mit 
zugesetztem Dat. P., für welche Etwas g. soll. Bas 
Glich söll-mer aif* g'gulte" ha', das Selbe ist auch 
meine Meinung, das Selbe wollte auch ich gesagt 



haben Gl. Bes. beim Zutrinken: Es gilt-der (gilt-echj 
(Ei's)! propino tibi hunc cyathum. Id. B. Wenn man 
(sitzend) einem Andern (der kommt) das Glas reicht, 
nachdem man selbst daraus getrunken Bs; B. Syn. 
(z') G'sundheit ! Es gilt-d'r, chumm u tue Eis B' scheid! 
GoTTH. Seh, Benz, hock, es gilt-d'r, es gilt-d'r! Sonn- 
tagspost, 's gilt im Her [dem Pfarrer], i gimmer [gebe 
mir] d' Er. Breitenst. — '2. wert sein, einen Wert 
haben, als Preis auf dem Spiele stehen, mit Acc. der 
Wertbestimmung. So bes. von Wetten, eig. und bildl.. 
vgl. 1 a. Was gilt's? auch: icas giltsed? Gl; heraus- 
fordernd od. droliend : quos ego ! GA. Gilt 's 10 Taler, 
du cha"'st das nüd? Id. B. Es soll e Mass (Wi'J g.! 
,Es gelte jetzt nicht mehr ein riemen, sunder die ganze 
hüt.' 1531, Striokl., Act. ,Was gilt's! jez sei ich vor 
dir gnesen!' sagt Kain nach dem Totschlag. Ruep 1550. 
,Was gelt's, gotts gricht werd jetz erfüllt.' ebd. Abge- 
schwächt zur Formel der Verwunderung i. S. v. geltet 
(s. 0. gelt): Was geltsid aw"*, wie ist das en Kerli! 
GSa. (Albrecht). Auf dem Markt einen Preis haben, 
z. B. der Eimer Wein gilt (so und so viel), allg. Auch 
von Menschen in der Gesellschaft: geachtet, geschätzt 
sein; vgl. gelten lan. E' lede gilt so vil, a's er weis' 
(a's er hed, a's er cha"), sobald 's d' Lüt merke" L. — 
3. (unpers.) laut, lebhaft, lärmend hergehen VOrte; Z. 
Bas gilt! Bas gilt aw''! 's häd hinecht wider emäl schön 
g'gulte' bim Wirtshüs. Bim Abschidhet 's Eis g'gulte', 
Tränen gekostet Z. Es gilt um Öppis, es herrscht 
starke Nachfrage darnach, es werden hohe Preise ge- 
boten Z; Syn. (/äw. — B. trs. 1. eintragen (Gewinn). 
,Si spann, verkouft das garn, das galt iren [ihr] vil.' 
Platt. 1572. ,Es galt iren wenig z' Ion.' ebd. ,Da3 
guet gilt jerlich 1 mltr. [Zins].' Jahrzeitb. LHitzk. 
— 2. bezahlen (Schulden, schuldigen Zins); auch; 
ersetzen, vergüten; vergelten. ,Dass er [der fort- 
ziehen will] von der Stadt nicht kere, er habe danne 
vor [vorher] allen burgern vergulten, den"" er g. soll.' 
Z RBr. 1304. ,Und swas schaden dem kleger ist be- 
schehen, den soll man im allen g.' ebd. ,Soll ich im 
ütsüt, das gilt ich.' Boner. ,Der mit übel giltet guot, 
das man im dur'^'' triwe tuet; der mit der gallen bitter- 
keit gilt des honges süessekeit.' ebd. .Wollte [die 
Frau] den dritten pfenn. nit gelten der schuld, so ir 
mann schuldig ist.' 1435, Offn. ZBinz. ,Man gebeut 
zuo g. in 8 Tagen; wer nicht innert 8 T. wert, der 
soll Pfänder geben.' Offn. AAFahr XV., bezw. 1749. 
Eine Frau soll beim Tod oder Concurs ihres Mannes 
ihre Morgengabe und Aussteuer vorausnehmen, mit 
dem Übrigen aber einstehen. ,Wär aber ir heischstür 
[Aussteuer] uf des manns guet geschlagen, so soll si 
den dritten pfenn. von aller farenden hab niimen und 
damit ungulten usgän [aller Zahlungspflicht ledig sein].' 
1490, Urb. AaB. .Alsdann mag die frow nit gezwungen 
werden, ir guot für den mann ze geben noch ze g.' 
c. 1520, Bs Rq. II 487. ,Wer dem andern g. soll, es 
sye zins oder andre schuld, so einer nüt den andren 
bezalte, soll einer zue eim sagen: Bis pfent [sei ge- 
pfändet]!' 1538, SoHW. ,Wir band bishar gelebt im 
süs, so wir aber sollend g., hebt sich ein lestren und 
schelten.' HsRMan. .Er soll vil g., er ist in grossen 
schulden.' Mal. ,Beitrag, den jeder neuerwählte Pfarrer 
bei seiner Aufnahme in die Classe zu g. schuldig ist.' 
ZKyb. Capitels-Gesetze, erneuert i. J. 1809. 

Mhd. gelten, zurückerstatten, entschädigen, eintragen, be- 
zahlen; Preis, Wert haben, kosten; engl, lu ijiihl. Die trs. 



Galt, gelt, gilt, g.ilt. gult 



Bed. (B) ist die ältere. B 1 und 2 Terhalten sich wie die 
entsprechenden Bedd. des Subst. Gilt: Einkommen nnd Sclinld. 
A 3 beruht auf AI; die vermittelnde Vorstellung scheint 
die der Entscheidung, des ernstlichen Kampfes um dieselbe, 
welche mit Anstrengung aller Kraft« und Wettstreit ver- 
bunden ist, wobei allerdings auch der Begriff des Wertvollen 
(A 2 b) mitspielt. Srlt^nm ist die Erweiterung von gilfs 

in giltsed; sie mxvj •■\,u- A. ii|i,i' kiing der Formel was gilt's: 
mit dem Sp. 276 l.rliuhl, li, n ,,;(,/.■ sein. Was yeJt's ist die 
ältere und richtignr r,i,i|„i„tiv-Forni, i. S. v. : was soll es 
gelten? Vgl. Anm, zu yili. (IiIHk i^i,ih_"i ist dfr Gen. des 
Inf. wie Fahh usw. Z' Geltem (Zyrnl ,iiir s. IKame Ver- 
quickung nach Anal, der in B MAA. iMlitlitrii A'lv.-Furmeln 
aus ze mit Dat. Ntr. eines Adj., z.B. zrjm:hu:m, in ge- 
rechter Weise. 

an -gelten: ,als rechtsgiltig errichten.' (Götz.). 
,Darnm man sölicher gaben halb Charten a. und stellen 
lassen.' Vad. I 122. 

ent (et, ekj- Gl; Gr; Z, er- Aa; Ap; LG.; 7,Bauma. 
Ner., ert- Ndw: 1. üble (soltoii: q-nte1 Fnlfren >-\s:urn 
oder fremden Tuns erfaluvn, S.lml.l ••d.v Xarhtril 
tragen Gl. Mit Gen. .mI.t Arr. s. : /),,■ r'.,l,„l,li.i 
hätt's müessen e. Me muc^s^« li, n \^ih. Jcs.seiiJ uft eil 
e., von dem mc sclii [si(li| »<;,/,/ nrmiKj [wofür man 
wenig kann, woran man w.ni- Srhuld ist] GRPr. 
(Schwzd.). ,Der recht f;-rtaii li'-tt, .lor geniesse syn; 
der unrecht g. h., der engelte syn [büsse dafür].' 
1444, Absch. ,Dess er aber schwerlich möcht cntg. 
[Nutzen haben].' 1523, Strickl. ,Wie können si [die 
Kinder] in muoterlyb Sünden oder der sünd irer eiteren 
erg. und teilhaftig werden?' 155.3, G Stiftsarch. ,Es 
soll kein kind synes vaters oder syner nmoter tod 
entg.- [au.'h wniii .11. sr .in., zu .it." Kli.. -vsclilossen 
undKin.l.'V nns.l. TS. Ih. Ml .'!■/. 'u-l ]i;ili.ii|. l.'.'.'l. Landr. 
AAMölinl.. .M.'iishns.Mi Init .l.^s Kii._',i;s ul...'! .Mitgolten. 
dann es v.il.r.Mint ist worden.' JJRüeger 1606. ,Sy 
au.;li .l.'ss. 11 in allweg mehr zu geniessen [Vorteil 
bali.'iil, wo.l.T [als] zu c. haben.' Z Täuferber. 1639. 
Kefi. : l)e [du] muest-dv'' desse' Nid erty. Ndw. Er 
magst''' nid etg., ist nicht Schuld daran Ap; ScnSt. 

— 2. (refl.) vergelten. Es mag-si''' nid etg., es lohnt 
sich nicht der Mühe Ar; SiuiSt. (Sulger). Syn. erliden. 

— 3. jUnentgolten' : ungestraft oder ohne Nachteil. 
,Es sönd [sollen] die lüt von denen von Zürich un- 
gefecht, unersuocht und ganz unentgulten belyben.' 
Fründ. ,0b einer einem landvogt in geheim anzeigte, 
dass einer bös gehandelt hett, sollte er syns anzöigens 
nn.'nt;;:..lt(Mi lilybiMi.' 1530, Abscii. ,Die selben rechte 
l;i>s, 11.1 -. s, ln\ iisl. i^il.. kind in die e unentg. z'sammen 

Jllid. , iiiihi.Ji.ii, Ijizahlen, Strafe wofür leiden, büss.Mi: 
durch Etw. zu Schaden kommen; unentgolten, unb.'zalilt, ..Im.' 
Zahlung, Busse zu leisten; ohne in Kosten oder S.lnul.ii zu 
kommen. Betr. den Wechsel der Präf. ent- und .;■- s. Bd 1. 

— In einzelneu Fällen ist zweifelhaft, ob si aus sidi oder 
sin verk. ist, und wahrsch. ist das erstere aus dem letztem 
entstanden; doch kann auch das z. T. syn. sich verliden ein- 
gewirkt haben. Das Ptc. mit «n- kann von 2 i. S. v. ,be- 
strafen' abgel. werden, doch eher von 1, da das adj. Ptc. 
von Vben, die mit ,haben' verbunden werden, auch in act. S. 
gebraucht wird ; vgl. ungegessen, ungeschlafen, ungebetel. 

Entgelt n.: Entschädigung. ,Die Geissbauern 
hatten das Entgeld oder Luoder für das geschenkte 
Lattenholz erhöht.' 1874, Ndw Volksbl. ,One einiges 
Entgelt.' Z Stadtger. 1715. — un-cntgelt-lich, auch 
un-er-g. Z : 1. ohne Entschädigung, Lohn Z. — 2. ohne 
Schaden. .Inen bi 400 mannen unibbrächt uns un.' 



1499. Zellw., ürk. — Entgeltniss, -nuss f. (auch 
n.?): 1. Busse Gl. Schaden, Nachteil. ,Si machtend 
unruow, die wol hättend on entgeltnuss bi ruowcn 
blyben mögen.' Vad. I 316. ,Ward aber bald darnach 
on entg. widerum ledig g'lassen.' ebd. ,So die knaben 
zu .studieren nit geschickt, so mögen si on alle e. ab- 
stän und das empfangene gelt nit erlegen.' 1553, Sch 
Ratsprot. ,Ohne sorg ciniches ungunsts oder e.' Z 
Täuferber. 1639. ,Dass Spys und Trank ohne E. des 
allgemeinen Kostens und Landseckeis allein von den 
Gästen solle bezalt werden.' 1667, Schw LB. — 2. Ent- 
schädigung. ,Im sollen U. H. die ersten frücht gen 
Costenz one syn eng. abzurichten schuldig syn.' 1512, 
Hi'BER, Klingn. 

ver-gelten: 1. wie nbd. Tergclt 's Oott! Dank- 
formel. Es seit-cm .Xii'iiirr V. dirfiir. Niemand weiss 
ihm Dank. I)'r hrh (,,,11 „-,11 's /,.r,;.'//r",' Gotth. — 
2. bezahlen; mit A.. , (s, li.ii \y.,i.] 1'. (.'inen Gläubiger 
befriedigen) und A. . . .'^. (.'in.' S.luild abtragen). ,Der 
zins dien herren jailich .nie alLjn ufzog soll vergolten 
werden.' 1305, li Stuatsar.li. .l.st ouch dass jeman als 
notig wirt, dass er den lüten nit v. mag [zahlungs- 
unfähig wird].' 1313, Z Katserk. Zur Tilgung rück- 
ständiger Zinse solle der Schuldner an den Gläubiger 
monatlich 1 Mütt Kernen entrichten, ,unz er im gänz- 
lich vergulte.' 1344, Z Urk. ,Und soll man da eim ze 
koufen geben ein stein anken oder ein halben oder ein 
vierling ungefarlich, so vil er v. mag.' 1427, ScnwMa. 
LB. Von Einem, der andern ,lüten schuldig ist, mag 
man nützit erben, unz syne Schuldner vergolten sind.' 
1541, Z. ,Das sy den armen ire käs und mulchen 
unvergulten usstruogend.' Kessl. ,Der Schlangenstein 
sye nit wol zu v. von syner Tugend wegen.' RCys. 
Verabgabcn: , Einer von des abts amptlüten rauoss 
die lynwat verzollen und v. als ain gast [wie ein 
Fremder].' Vad. — 3. eintragen, betragen. ,Als vil 
als die 3 mütt v. mugent' c. 1426, Z Urk.; dafür 1387: 
,Die übrigen 3 m., da soll der Convent davon getröstet 
werden, als fer es mag gelangen.' — Mhd. bezahlen; 
eintragen. 

Vergeltung: Entschädigung. Der abgesetzte Abt 
behielt sich eine jährliche ,V.' [Jahrgehalt, Leibding] 
vor. Vad. 

vor -gelten: in amplific. Verbindung mit ,nach- 
ziehn' = vor- und nachhin gilben (s. Bd 1 930). ,Aus 
rachgirigem eifer und dass niemand den andern ützit 
V. noch nachziechen wollt.- Xai,. I l'JS. 



' i d e r 



: 1. = V 

iiTz 1847 



Hins 



rkei 



■.!.• einem jeden nach seinen 
■n l.arnilierzigen ist wider- 
:;-ulten.' .l.ll'.niii. l(l'_!!t. .Wer hat Gott vorhin gegeben, 
dass es ihm soll widergolten werden?'. JMCll. 1665. 
— 2. bezahlen, ersetzen. ,Wir süllen es aber ime w.: 
aut reddi faciam aut persolvam.' XIV., B Handf. .,Fru- 
mentum pecunia remetiamur, lassend uns w. oder gelt 
für körn geben.' Fris.; Mal. — Mhd. ebenso. 

Widergelt m. (od. n.?): Vergeltung; Gegendienst, 
Ersatz. ,Die haben all gross wolgefallen daran [am 
Zuzu^] und sich zum w. geoifnet [anerboten].' 1476, 
Bs Chr. ,Er prophetiert den künigen den w.' 1531, 
SiRACH. ,I)es rechts erwarten um w. seines gehabten 
Schadens.' 1541, B. ,Was ein Eidgnossschaft von den 
fromden Herren gelts und w-s empfangen und geben 



•281 



Galt. gelt. gilt. golt. galt 



282 



liab.- AxsH. .Zu ('rsiitzun)? und w. des grossen Scha- 
dens.- Cys. 

Widergeltung: 1. Vorgeltung. ,Dass wir der 
guotat unser eitern gleiche w. tuen.' HBull. 1597. ~ 
2. Bezahlung, Gegenleistung, Entschädigung. ,Bcrn 
übergab synen teil widerum. doch nit on ein statt- 
liche w.' Euerer 1G06. 

Gelter m.: 1. .Schuldner oder gälter.- Fris.; Mal. 
— 2. Gläubiger. ,Wenn einer abstürbe und die gelter 
bezalt wölltind syn.' Z Gerichtsb. 1-553. — Mlul. ebso. 
Syn. Geh II. 

gelthaft: mit Schulden behaftet. ,Wir habent 
gesechen. dass lüte, so sy g. werdent, ir guot von 
inen gabent und damit ir"" gelten ir schuld vor hat- 
tend und sich da mit schirment, dass sy nit gultind.' 
c. 1420, B. ,Wann solche Menschen, es seie Bürg- 
schaften oder Glühten halb, g. nnd'Biderlüten schuldig 
sind.' 1659. B. 

geltig (Ap auch -ö--): wirklich, ernstlich. JS« 
(j-e [ausgemachter] När, Spitzhueh udgl. Ap. Syn. 
gültig. Adv.: Er cha^'^'-mi''' recht g. reue' Ap. G-s 
spile', um Gewinn Ap. Syn. s. u. gelten A 1. Anton. 
z' ungültige'' ; vergebis. Uf g., für immer, definitiv GW. 
Syn. uf Gelten. — (Heilig zu giillig, wie Odt zu Gült. 

glich- B; GRPr.; LE.; UwE., glt- GG., Seebez.: 
gleichgültig, nachlässig, unachtsam, sorglos. — Dazu 
das abstr. Subst. Glich-geltigi f. B. — verglich- 
geltigen B, -gll- GG., Seebez., W., „-gült- Obw": 
vernachlässigen, aus Nachlässigkeit verderben lassen ; 
„versäumen-. Syn. rergugäggen (Sp. KiO), -gütterlen, 
-lAämperlcn u. a. 

(ab-)ge'lte" 11: abprallen „Vürte", auch: um- 
kippen L, 

Zu dem gleichbed. ydlen I 2. Vgl. das mit ( weiter ge- 
bildete ,Gellt', Prall (neben ,Gellsebuss') Gr. WB. IV 1, -1. 
3040 u., wovon geltm unmittelbar abgel. sein könnte. 

Ge4te°, in Ap auch -ö-, f.: 1. Zuber Aa; Bs; Gl; 
Gr; G; Schw; Z; „hölzern, dreieckig, zur Aufbewah- 
rung von Schotte und Ziger für Hau.sgebrauch LE.; 
SiHW; Zg." Mulde GRMal. Syn. Gehse, Zuber; vgl. 
Staude. Zulier. Kübel, Eimer. Die Zunft ,zu den 
Weiiil'utcii- in 11s heisst auch ,zur G.' von ihrem 
Wapiirii. Chili, f iric G. (so gross) ScH. Als G. mit 
eim (hl bot liii Kiibelverkäufer seine Waare in einem 
Dorfe feil, dessen Bewohner den Spottn. .Kübel' trugen. 
,Lasst euer Brot uns in die G. brocken' [vorher , Zuber']. 
Alpenros. 1837, 160 (von der Kappeier Milchsuppe). 
RAA.: Es lärt, schüttet wie mit (us) G., regnet in 
Strömen 6r; Th; Z. Und tcenn es regnet und giesst, 
a's ivie mit Küblen und Gelte". Scuwzd. Daher: De' 
Ttrertrind häd e G. am Füdli, der Westwind hat Begcn 
im Gefolge ZS.; vgl. Wasser-G. Mit G-n i^'schcnke", 
im Übermasse B. Sprw.: Hat d' Kueli de" Chiibel 
u mg' schlage", so g'hei (schlug) si d' G-n aw^'' no''' grad 
um! Z. Chübel und G-n umschliV, seinem Zorn durch 
Toben Luft machen ZTurb. Wenn Eine'' bim Chiibel 
uid rieh wird, so wird er tri der G. nid rieh. Spuww. 
1869. ,Darzuo mag ein jeclich binder wol g-n, stan- 
den. Zubern und ander semlich geschirre machen, von 
derselben zunfte unbekümmert.- 1341, Z Eatserk. ,Es 
soll nieman kein gelti noch geschir mit fischen [aul 
dem Markt] zwischen dien henken uf den herd [Erd- 
boden] nider setzen.' 1359, ebd. ,Die metzger sullen 



deliein fleisch nit mer waschen, denne so der buch 
und das yngeweid herus kummt. und das druf furo 
nit in die kübel noch gelten stossen.' Stadtr. Diessenh. 
um 1400. , Weitend si [die Eigentümer von gepfän- 
detem Vieh, das nicht auf die Allmend gehörte] das 
vich nit lösen, so soll man im stein in einer g-n für- 
setzen und Wasser in einer zeinen und süllend darob 
leben, als lang si mögend.' Otfn. GBenken, ,Es sollen 
auch in jeglich gassen insonder g-n gemacht und einer 
person in ir keller geleit werden, wann für üfgät, dass 
solich g-n herfüi- getan [werden].' 1501. Troll 1843; 
vgl. Fiir-Kiibel. ,Es kamend ouch unser lieben nach- 
buren von Breragarten vil zuo ross gan Zürich mit g-n 
und melchtren und wollten ouch gelöscht haben.' Edliu. 
Weil es sich nicht schickt, dass beide Confessionen in 
dem Taufstein taufen, so sollen die Neugläubigen eine 
G. oder ein Becken darauf stellen und aus diesem 
taufen. 1533, Absch. ,Es ensoll auch kein hausvolk 
ohn ein g. mit wasser über nacht nicht sein.' 1538, 
Ztschr. f. schwz. E. .Oenophorum: allerlei weingschirr, 
als ein kant. sester oder gelt. Labellum: ein gattung 
kleins gschirrs, als ständle, büttle, g-n, kübel.' Fkis.; 
Mal. ,Die diener zeigend [an der Hochzeit von Cana] 
die leren gschirr oder g-n, dütend, dass nüt da sye.' 
ItilO, L Spieh Im XVII. hatte der neu aufgenommene 
Stubengeselle u. A. für einen Feuereimer und G. 10 Pfd 
zu bezahlen. B Tasch. 1865, 177. ,In einer hülzinen 
G-n.' JJNiJscH. 1608. ,Mit einem Holmesser wie die 
Kibler ihre Gölten und Kibel inwendig auszuziehen 
pflegen.' Würz 1634. ,Cratera, ein brunneneimer. 
zuber, gelte.' Denzl. 1677; 1716. .Die Diener brach- 
ten in hölzernen Zubern oder G-n das Essen,' Würst- 
ISEN, — 2. Kübel mit nur einem Ohre oder mit Henkel. 
Handhabe. ;i) mit ^^■d^.■ versehener zum Säugen der 
Kälber, aucli /um i:iii-. liiitten von Arznei Bf. Syn. 
Kalber-G.; Stiiiifiiiijj/. 1 1« in Dummkopf muss man's 
mit der G. i'schiitte". — b) länglicher und mit Schnabel 
versehener, um Wein in kleinere Gefässc zu giessen 
(Id. B) oder ein Fass nachzufüllen BU. Syn. Kübel. 
— 3. bestimmtes Mass Wein ,B; Gr. Syn. Geltere." 
In Z vormals = 8 Mass; noch in Z Ges. 1808 als ge- 
eichtes Gefäss aufgezählt. In B begegnet im XV. 
häufig die Bestimmung, dass bi>i der \iifii;ihnie in die 
Zunft oder bei der Verheiratung: rim . M jii^li.j.les ,eine 
viermässige g-n', gefüllt ,niit I iii:i-< -niirii wyns, ge- 
meinen Stubengesellen zu vertiuikcu- ye-cben werden 
musste. Auch von andern Stoffen: , Anken 1 G.: 8 ß 
[Zoll].' 1779, Z. — 4. m., Name eines Bergpasses, der 
von BLauenen nach W führt, über die Muttenalp. — 
5, Füllw,, tummi G., einfältige Person Z, 

Mhd, (jdte, yellete, Gefäss für Flüssigkeiten. Alul. <iclliiw. 
-ida, aus lat. gallida, mlat. auch galiUi, woraus rätor. yuleida. 
Vgl. Gr. WB. IV 1, 2, 3065. Betr. Bed. 2 vgl. die Angabe 
von Moor (bei B. II 69), wonach ein der mittelalterlichen 
ijtdeda ähnliches Geschirr auch in Gr zum selben Zweck ge- 
braucht wird unter dem Namen ühalherchübd. Ober roman. 
galleUii als Weinmass s. B. II 69. IV 101. Bei 4 ist das 
m, wohl nur aus hinzugedachtem ,Berg' oder ,Pass' zu er- 
klären. Dass der Name zn diesem W. gehöre, scheint das 
syn. .Muttenalp' zu beweisen, da Mittle = Geptc und dieses 
= Gdtc gilt. Entw. ist wohl die betr. Alpe von muldeu- 
ähnlicher Gestalt oder nach dem Becken, welches sich das 
herabstürzende Wasser (vgl. Bütten, Name der Fälle des Bier- 
baclies im Schwarzw.) gebildet hat, benannt. GdtenbUd Fluni, 
in Znnttl.. viell. nach der Gestalt eines umgestürzten Zubers; 
vgl. die Iliigelnanien Kcssi-, Zidwrbüd. — Zu 5 vgl. Saga 



Galt, gelt, gilt, golt, gult 



„Öl-Geltli" n.: länglich rundes Gefässchen von 
einer Viertel- oder halben Mass mit einem Deckel und 
Röhrchen, zur Aufbewahrung des Öles zum täglichen 
Gebrauch Aa." Syn. Öl-Stizen. 

H er döp fei -Gelte: kleinerer Zuber mit durch- 
löchertem Boden, um von den gesottenen Erdäpfeln 
das Wasser abfliessen zu lassen ZO. Vgl. Slg-G. — 
Äsche"-: eiserner Zuber, in welchem die aus dem 
Ofen gezogene Asche weggetragen wird Z. — Fels-:^ 
Becken in einem Felsen, in welches Wasser herabfällt 
Z (Spillm.). Vgl. Bach-G. — Gang-: 1. auf dem 
Hausgang oder der , Laube' des Bauernhauses auf- 
gestelltes Gefäss zur Verrichtung der Notdurft für 
sämmtliche Hausbewohner; Nachtgeschirr; früherauch 
etwa in Schulhäusern statt des Abtritts für kleine 
Kinder Z f. Vgl. : ,Ihre Kellen hangen ob einem 
Kübel, der ihnen Allen das heimlich Gmach ist.' 
UBrägg. 1780. Syn. HüsH-, Klopf-, Nacht-, Bracli-G. 

— 2. hinten im Gang des Bauernhauses stehendes 
Gefäss zur Sammlung von Speiseabfällen, die zur 
Fütterung der Schweine bestimmt sind. — 3. (bildl.) 
Sammelsurium von schmutzigem Gerede ZSth. ; auch 
personl., Mensch mit unsauberem Maul. — Haupt-: 
auf dem Kopf zu tragender Zuber? ,4 houpgelten.' 
1469, in einem Invent. ZWthur zwischen ,Rätschen' 
und ,Wasscr-G.' genannt. 

B'hör-: Cylinderhut Z. 

Von lehören, confirniieren, admitti.i.ii, wtil .lio mäiin- 
liclien Confirmanden zur ersten Allrl|llllKllll^l.■H r riui-h zum 
ersten Mal einen Cylinderhut trugen. \r''- '/'""--. Il;rhzii-(i. 

Hüsli- = Gang-G. 1. AABb. - HuxU, Abtritt. 

Choch-: Küchenzuber. Sprichw. RA. : Si schicke' 
sich z'säme' wie en Mensch und e Ch. Sprww. 1869. 

— Cheller-: zu Weinbehandlung, Küfergeschäften 
dienender Zuber Z. — Chüel-: Gefäss zum Abkühlen 
gebrannter resp. gebrauter Getränke. ,Ein alte ge- 
büezte [geflickte] K. auf 3 Füssen.' 1627, TuBürgl. 

— Chalber- = G. 2. BSigr. — Kalch-: Zuber als 
Mass für Kalk. .Wie die k-n soll syn, da man kalch 
bi [damit] misset, dass man die k. also fechten [soll], 
dass [man] ein fesenviertel nemen und das mit sprüw- 
ren gestrichen messen soll, das vierteil zwei und ein 
vierling ouch gestrichen gemessen sollen syn ein gelt 
und der gelten 18 ein fueder.' XIV., Sch Stadtb. — 
Chupfcr-: küpferner Z. (höher und enger als der 
hölzerne), gebraucht um das Wasser für den Küchen- 
bedari zu holen und aufzubewahren, ein Prunkstück 
der Küche Z. Solche in einem Z Invent. von 1599 
erwähnt. Syn. Wasser-G. Sprwörtlich zur Bezeich- 
nung ungewöhnlicher Grösse: e Chürbs, es Uter wie-ne 
Ch. Z. — Chäs-: niedriger Zuber mit Deckel zur 
Aufbewahrung eines Käses für wirtschaftlichen Ver- 
brauch Z. 

Chlöpf-: 1. = Gang-G. 1 Kk; l. Syn. Schiss- 
Ziiber. — 2. eine Pflanze, a) gemeiner Taubenkropf, 
cucubalus Beben (silene inflata). Syn. Klöpfere. — 
b) Windröschen, anemone nemorosa, weil die nicht 
ganz geöft'nete Blume einer G. ähnlich sein soll ZZell. 

— c) Wiesen-Schaumkraut, cardaraine prat. Z. Syn. 
ScMss-G. 

Klopfen, klatschen. Bed. 1 von den beim Gebrauch des 
Gefässes Torkommendcn Tönen. 2 a ebenfalls von Tönen, 
welche beim Schlagen des zsgekueiften Kelches der Blume 
auf den Rücken der Hand erzeugt werden, b und c wegen 
Ähnlichkeit der Blüteu mit derjenigen von a. 



Melch- Aa, Milch- Bs; Gl: Zuber mit trichter- 
förmigem Deckel, in welchen der Inhalt der Milch- 
eimer gesammelt wird. — Nidel-Geltli: zierlicher, 
aus Dauben zusammengefügter Napf vom Umfange 
einer Kafteesehale, in welchem die Bäuerinnen ge- 
schlagene Sahne oder Zieger auf den Markt brachten. 
Der Boden war zum Nachteile der Käufer in halber 
Höhe angebracht Z f. — Bach-Gelte: 1. kleine 
Backmulde Z. — 2. Name einer Runse Gr. Vgl. 
Fels-G. u. G. 4. — Buch-: Waschzuber Gr. Vgl. 
Stock-, Wasch-G. - Bad-: Badzuber. Er häd ase-n-es 
Ding an-eme sülederne Halsli'g [Strick] über d' Lendi 
Ihe a'g'ha" wie-ne B. : es nennt-si viedi [nur] e Drumme- 
kübel [Trommel]. Madleni 1712. — Bode"-. Butz-: 
Zuber, welcher das zum Aufwaschen der Dielen ge- 
brauchte Wasser enthält Z. Vgl. Butz-Kühel. 

Brach- = Gang-G. AAEhr. — So genannt, weil man 
den Inhalt nicht gern auf Anpflanzungen schüttet. 

Hiräts-: Cylinderhut, den man zu Hochzeiten 
trägt. Syn. HochzU-G.; auch schlechthin Kiibel. Vgl. 
Behdr-G. — Secht-: Zuber, in welchem die Wäsche 
gelaugt wird Z. Siü-: kiipfornes oder blechernes 
Gefäss mit duiThl'"h.'H,.in l'.dden, in welchem man 
das gekochte Gemüsr abtii^iifen lässt ZTurb. Syn. 
Krüt-Sienen. Vgl. Herdöpfel-G. — Sinn-: Gefäss, 
das zum Messen (Sinnen) des Gehaltes von Wein- 
fässern dient. ,15 ß gab ich von einem fuerfass, sinn- 
zuber, sinngelten und umb trachter von Z hinüs ze 
füeren.' 1541, Amtsrechn. ZGrün. — Söu-: Gefäss, 
in welchem das für die Schweine bestimmte Futter 
gesammelt und den Tieren vorgeschüttet wird Z. Syn. 
S.-Kilbel, -Stande; Gang-G. 2. — Seipfe»-: Wasch- 
zuber G. — Schueh-: Zuber, in welchem der Schu- 
ster Leder und hart gewordene Schuhe in Wasser 
erweicht Z. — Schenk-. ,So bliben da tod [bei einem 
Brande] N. N. und des wirts knecht, zwo sch-en mit 
wyn ze löschen [hin-] uftragende.- Ansh. Vgl. Gelten 3. 

— Schöpf-: Schöpfgefäss mit langem Stiel, zur Be- 
sprengung des Bodens mit Jauche Ap. Syn. Harn- 
schöpfer; Gön; Schüefi. — Geschirr-: Gefäss zur 
Reinigung von Essgeschirr Z. Erwähnt in einem 
Baderodel 1730. Vgl. Spüel-, Tassen-, Abwäsch-G. — 
Schlss-: 1. = Klöpf-G. 1. So noch in dem Spott- 
reime : Du alti Bunggunggle, hast d' Bäben a'brennt, 
bist mit der Sch. dur'' d' Stege' ab g'rennt ZWthur. 

— 2. = Klöpf-G. 2 c ZBaur. — Schwi»- = Söu-G. 
Gl. — Spüel-Geltli: kleinerer Zuber, in welchem 
das aus der Abwäschgelte kommende Tischgeschirr rein 
gespült wird Z. 

Stock-Gelte: 1. grösserer Waschzuber Z. — 
2. Wasserkessel G. 

Nach dem Stock-, Holzblock, welcher diesen Gelassen vor- 
mals statt des jetzt gebräuchlichen Fussgestelles zur Untei-- 
lage diente, benannt. ,Hülzine St-n.' 1627, Invent. ThBürgl. 

Stöss-: grösserer, im Weinberge selbst aufge- 
stellter Zuber, in welchen der Inhalt der Bütten 
zsgeschüttet wird, um vorläufig zerstossen zu werden 
ZUhw. Syn. St.- Zuber; vgl. Wümmer-Standen. — 
TassC-Geltli: Gefäss zur Spülung der Tassen Z. 
Vgl. Geschirr-G. — Tisch-: das selbe. — Trag- 
Gelte: Zuber zum Tragen von Wein. ,Und muosst 
man den wyn in den büttinen, träggelten und anderen 
geschieren zuogetecket ston lassen.' Kessl. — U s - 
trag-: Zuber zum Austragen von Jauche AABb.; Ap. 



85 



Galt, gelt, gilt. golt. gult 



- Wümnier-: leichterer und meist kleinerer Zuber, 
in welchen die Trauben gelesen werden. Er wird auf 
den Ruf läre"! oder löse*.' vom Träger abgeholt und 
zunächst in die Tanten entleert Z. — Wasser- = 
Kupfer-G. Gl; Gk; GT.; Scu; Z. Die neuw W. mit 
dem Gatzi [Schöpfkelle], als Bestandteil einer Spusen- 
fuer GRSch. (Schwzd.). Der Loft hed e W. an-em 
[sieh], der Wind bringt Regen Ar; vgl. Gelten 1. 
.Ein w-n.' 1469, Invent. ZWthur. ,Situlus, w-n.' Fris.; 
Mal. ,Ein küpferen W-n in der Kuchi.' c. 1600, Invent. 
ZStdt. — Wasch-: Zuber, in welchem gewaschen 
wird. ,Grosse w.' 1380, Z. - Abwasch- = Ge- 
schirr-G. Z. Vgl. Spüel-G. — W ose her-: Zuber zum 
Gebrauch der Wäscherinnen Z. Vgl. Buch-, Stock-G.; 
W.-Standen, -Zuber. — Hochzit- = Hlrats-G. Z. 
„Geltere f.: ein gewisses Ma.ss Wein F." Vgl. 
Gelte 3. 

recht-giltig: echt, probehaltig, besonders von 
Münzen GRh. 

Golter, Gult s. d. folg. 

Onlter (-o'- Ap) m.: dickes, gestepptes Stück Zeug, 
Decke Ap; ScuSt. 1. bes. Bettdecke. Gult n. gesteppte 
Bettdecke ApI. (Hirtenspr.). ,1 gulter m. H. [des 
Abtes] ist mit füchsin gefüllit und zersnitten g.' 1332, 
Urb. ScBwE. ,2 lynlachen, ein gülter und ein küssi.' 
13.:)9, ZWthur. Weberbr. Der Floh erzählt: ,Si [die 
Frau] wart gowar, dass ich was kommen uss der g. 
(guter, kuter, kultern) an den lip.' Boner. ,ües an- 
deren tags aber nam er den golter und tunket in ins 
Wasser.' 1531, U. Kön. = ,die Decke.' 1667. ,Als er 
lynlachen, tischlachen und gülter zusammengeknüpft 
hat [um sich aus dem Gefängniss zu retten].' Vad. 
.Si laitend den körper [Leichnam] uf ainen golter und 
zHchend in also die stegen ab.' ebd. ,Lodix, ein gul- 
teren oder bettdecke. Culcitra, ein bett oder pfulwen 
mit federen oder wullen gefüllt, ein gulteren, under- 
bett, polster. Teges, ein gattung einer decken aus 
masskraut oder binz udgl. gemacht, gleich wie ein 
gnlter(en).' Fris.; Mal. ,Gulter, golter, decke, culcitra, 
stragulum.' Eed. 1662. — 2. Altardecke, Teppich und 
Ähnliches. ,Diu sydintuoch und gulter und decke- 
lachen und tischlachen, die ze der kirchen werdent 
geopfert.' 1318, Arg. Mit ,Gaulter, golter, sergen', 
übersetzt 15'23 Petri seinen Baslern das W. , Teppich' 
d-er Luther. Bibel. — 3. Wickelhülle für kleine Kinder 
Th. Syn. Umtuech. Langes Tuch, in welches man 
solche hüllt, wenn man sie zur Taufe oder sonst aus- 
trägt ScnSt. Kinderröcklein ohne Ärmel ScnSt. Lum- 
pen zur Aufnahme von menschlichen Unreinigkeiten, 
z. B. Katamenien Ar. 

Mhd. kuüa; kalter, göltet- m., n., kultt, kälte f., gefütterte 
Steppdecke über das Bett. Aus afrz. coultre, lat. culcitra. 
Aus der f. Form scheint das Gult der Ap Hirten noch weiter 
verk. ; s. auch Kühe. 

(inlt 1, PI. -c" (Id. B Gülti, PI. Gülteni) f. (n. W 
u. in den ApLBB.): 1. Grundzins Gl; W, jährliche 
Leistung, Rente, was ,ab' gewissen Liegenschaften 
Demjenigen, der sich die Rente (mit 20 für 1) erkauft 
hat. oder dem sie als .Seigerät' gestiftet worden, ,ge- 
golten [entrichtet]' werden muss und an der Liegen- 
schaft, nicht wie beim Schuldbrief an der Person des 
Schuldners haftet. Gelöst werden konnte das Gülten- 
verhältniss nur durch Rückkauf (20 für 1) durch den 



Schuldner, nicht auch wie beim schuldbrieflichen Ver- 
hältnisse von Seiten des Gläubigers. Erst später er- 
richtete man auch G-en auf Ablösung, zu denen dann 
die ,ewigen' (s. Bd I 609 f.) oder ,gesatzten (s. setzen) 
G-en' in Gegs. standen; damit war der Übergang oder 
die Vermengung mit dem persönlichen Gelddarleihen 
angebahnt. S. auch Ingänds Sp. 21 b ß und die fol- 
genden Zssen und G.-Korn. ,I)ass wir ein mass Öls 
järlicher gulte oder so vil geltes, damit man mag 
koufen ein mass öls ungefarlich, geschlagen haben 
uf unser bunten und garten,' 1441, LNotwyl. ,Unser 
seckelmeister sollen ouch alle unser gilt, die in ir 
ampt gekercn [einsehlagen], beziechen,' 1462, S Wo- 
chen-Bl, 1846. ,A11 die nütz und g., so einem vogt 
[ze] Z von des Rychs wegen zuogehören süllent, 
Süllen hinnanhin gemeiner stadt Z. folgen und be- 
lyben.' 1465, Z. ,Do gab er im ross und hämisch, 
rent und g.' Ziely. ,Die rych [sind] und irer gülten 
g'lebind.' HBull. 1540. ,A11 ander zins und g., dorum 
jemand brief oder gedinge hat.' Scnw LB. .Vectigal 
et portorium, das järlich einkonunen, rent und g. 
Pradia opima, wol ergebliche güeter, darvon man 
grosse gült nimpt oder gross einkommen hat.' Fris.; 
Mal. ,Des gottshüses zins, rent, g-en, zechenden, 
ynkommen und zuogehörden.' AAMuri Invent. 1596. 
— 2. Schuldverschreibung auf Grundstücke, Hypothek- 
schein, Wertschrift auf Unterpfand von Haus und 
Land, die sich verzinst; Schuld-, Gült-, Pfandbrief 
BO,; L; Ndw; Z. ,Die Verschreibung eines Zinses 
heissen wir G-en, die V. einer Hauptsumme [eines 
Kapitals] aber Schuldbrief.' JHSchinz 1763, 138. ,Wer 
Gelt umb Zins uslychen wurd und im selbs vorbehält 
das Houptguet yuzezüchen, es sye über kurz oder 
lang, soll söllichs ein G. heissen.' 1566, Zg Stadt- u. 
Aintb, 's het 's Niemer so schlecht a's ne Bur one 
Gilte' und Geld U (Schwzd.). Inäme' han i keini 
'brilcht ,lf:yrhnhr': mir vinl .Uh haar'ralf: d>i hrittsch 

das rhi.unr w.rl.r. ,t,lss rHs.nin l.,in G-nr hrf. I'.W^SS 
186:;. >/ /'./ (rnltu,,. l-t ivirll 1!, r,nl Insrh ,nt nck 

an G-c" und bisch iiul i. au Guld: cn dtrlt G'ninet 
isch über Geld. Hebel. Und bist au"'' richer iceder 
[als] ich, gell, 's Anneli hat doch me uf mich als dich 
und d' G-e" g'ha"! Z (Schwzd.). In New werden 
solche nach ,Pfunden' (ä 3 oder 5 alte Batzen) ge- 
rechnet; sie sind nur mit sichern andern G-en ablös- 
bar, ausgenommen Baargeldg., welche auch mit Geld 
ablösbar sind Ndw. Man unterscheidet: Die vordrist 
G., das erste und beste Unterpfand; die hindrist G., 
das letzte und schlechteste, das bei Falliment verloren 
gehen kann. Gueti G-e, deren Wert vollauf bezahlt 
wird, z. B. pro Pfd mit 5 alten Batzen ; schlechti G., 
deren wirklicher Wert unter dem Nennwert steht 
UwE. S. noch ein-, zwei-rücMg. G-e' mache", Schuld- 
verschreibungen auf Grundstücke ausstellen, d. h. ein 
Grundstück ganz oder tw. als Unterpfand für eine 
Schuld einsetzen, ebd. Syn. brieflen. Es Gi'dtli be- 
kenne", einen Schuldtitel auf Grundeigentum als Unter- 
pfand einer Schuld errichten Ndw. i' G. ablöse", ein 
solches Unterpfand mit baarem Geld einlösen, ebd. 
EG. üfchünde', bildl.: Nw zue! Du chündst mir ke 
G. üf, zu Einem, der mich mit Drohung einschüchtern, 
mich seine Übermacht will fühlen lassen L. .Welche 
an gottshüser geben, es syen jarzyt old seigerät, das 
soll kraft haben, doch dass die erben sömlich gült 
oder gelt ablösen mögend.' 1489, LE. Landr. , Sparen 



Galt, gelt, gilt, gult, giilt 



ist ein lyche g.' HBüll. 1540. ,Die von Otelfingen 
haben eine kleine G.; diese wollen sie gerne steuren 
[Jaran geben], damit ein Prädikant bei ihnen bleiben 
möge.' Hess, Sammlung. ,So der er.storben Mensch 
hinder im verlasset ze erben järlich G., es sy Kern-G. 
oder Korn-G. oder Haber-G. oder Guldin Gelts oder 
Pfünder Gelts, oder wie die G. geheissen, die abzelösen 
stat, so soll des abgestorbnen elich Gernachel ganz 
dehein Recht haben, als von des dritteils des Eerechts 
wegen.' 156G, Ztschr. f. schwz. R. ,Was soll ich erst 
von Güten sägen, Acher und Matten, Alls wol g'legen?- 
klagt Beatus (Comcedia), sein Besitztum, das er auf- 
geben soll, überschauend. ,Von synem Schuldner g. 
ald Schuldbrief nemen.' 1587, Z. ,Wann Einer mit 
Tod abgehet und verlasst hinder ihm Gült und Gut, 
und befindet sich, dass nicht genugsam vorhanden, 
die Gülten, zu bezahlen, so soll deniselbigen Gült und 
Gut ein Vogt gegeben werden.' 1747, ApA. LB. ,Dass 
die vor a. 16U1 errichteten Schuldbriefe (die sog. G-en) 
für den Creditor unaufkündbar seien.' 1838, Z Rechtspfl. 
— 3. Abgabe, Steuer. ,Amtlüte [einer Stadt], die zolle 
und ander g-n nijment yn.' Schächzab. 1066. .Subsidia, 
g.. so man der oberkeit gibt.' Fris. — 4. Schuld, 
Geldsumme, die man einem Andern zu zahlen schuldig 
ist. „G-n abtragen Ap; GRh." Er het-si^'' in Gölta 
inH''g'lö" [eingelassen] Ap. Mösa [müssen] d' Gölta 
a'ge", auf amtliche Aufforderung vom Stand seines Ver- 
mögens (resp. seiner Passiva) Kenntniss geben Ap; vgl. 
(d'J Gelte' a'ge' unter Gelt II 1. , Kommen in gross g.' 
Ap Krieg 1405. Der Sg. gewissermassen koll.: .Wann 
eiu mann on lyberben abgät, so soll das farend guot 
das g. gar zalen.' Ap LB. 1409 = ,die g-en.' ebd. 1747. 
,Wer mehr als 4 zins [zu fordern] hat, soll um den 
übrigen zins zum g'meinen g. stehen.' 1633, Ap LB. 
1585/18'28. ,So ein falament otfenbar wird, soll das 
gemeine g. 1 nionat mögen hinder sich greifen.' 1662. 
ebd. , Gelehntes Geld solle gleich den Zinsen gehalten 
werden und mit dem fahrenden G. [den unversicherten 
Forderungen] anstehen.' 1741. ebd. — 5. Gültigkeit. 
,Es sollen die Heurats-Brief allein in der Stadtcanzlei 
ausgefertiget werden und alle andern Brief und Schrif- 
ten kein Gült noch Kiaft haben.' Erbr. GStdt 17-21: 
Mhd. gälte, Schuld, Zahlung, Eiukonimen, Reute, Zins. 
Das n. in den Ap LBB. erklärt sich durch die koll. Bed., 
sonst durch Vermischung mit dem nahe vwdten (ielt; eine 
ähnliche erscheint iu der KA. d' Giilien ant/e' (in welcher, 
beiläufig bemerkt, unausg-eniai-lit Kleilit. «b G. nicht eher in 
persönlichem S. [s. Gült ll\ .nil/nli". ii ^i.il verglichen mit 
Gelten 1. Ygl. Gült II m. = '.v/i // „i, i, S. v. Gläubiger. Die 
nahe Twdtschaft der beiden ^i. hl,, hm H-Kritfe Gelt und Gült 

III F"riiir]ii Hl. .liiii CuMrii i,<lts jährlicher Üült.' — Von 

d;it, \Ki (itlt 1 11. // ^,,s^llulalin■, lesp. ,Biirge', und , Gläu- 
biger', ebenso Gült 11) Bemerkte. (Betr. die lautliche Doppel- 
form Tgl. die Anni. zu gellirj.) Bed. 5 ist wohl aus rjultig 
und GültüjkeU mit Anlehnung an das in Bed. 1—4 geläufige 
einsilbige W. zu erklären. — Über das Sachliche vgl. Arnold, 
Gesch. des Eigentums; Blumer KG. I +52 ff.: II 79 ff.; 
Bhmtschli RG. lM'29 f. 501; ders., Comment. II § 772/75; 
Segesser RG. IV 75 ff.; Ztschr. f. Schwz. R,, Bd 9. 

Haber-Gült: in Hafer bestehende Abgabe, Hafer- 
zins; s. Crült 1. ,Von der h. wögen, so si järlich dem 
gottshüs vornachca' mit gelt erstattet.' Vad. Auch 
1450, Zg. — Hueb-: Einkoromen. Zins von einer 
Hube (Hufe) Grundbesitz. ,Es soll jeklich person ire 
güeter,. es syen hüser, hofstetten, huobgült, zehenden. 



acker, wisen, holz und feit, haben und messen.' 1389, 
Absch. — Herren-: Abgabe an den Grundherrn, resp. 
Einkünfte desselben von einem Gute , Herrenzins. 
,Drü swyn, der ieglichs 5 ß gelten soll nach herren 
gülte [so dass keine Abgabe ihr vorgeht].' 1331, Z Urk. 
,Die schuopessen söUent dem gottshüs järlich geben 
8 swyn, gilt iekliches 3 ß 2 den. h.' 1351, Aa Weist. 
— Kernen-: gekaufte Rente, bestehend in jährlicher 
Lieferung von Getreide- statt Geldzins; urspr. auf dem 
Grundstück haftend und unablösbar (.ewig'), seit dem 
XVI. meist beschränkt oder aufgehoben, resp. in ab- 
lösbare Geldgült (,Pfenninggült') umgewandelt, weil 
das Schwanken der Getreidepreise auch den Zinsfuss 
ins Schwanken brachte, in Fehljahren viel Getreide 
dem öffentlichen Markt entzogen wurde und Gegen- 
stand des Wuchers werden konnte usw. ,Understanden 
die von A. ainer jeden pfruend zwen pfleger zueze- 
ordnen, die der pfruenden rent und gült verwalten; 
dardurch werden aber etwa die kernengült zue pfen- 
ninggült verwandelt.' c. 1520, Zellw., Urk. Der Abt 
von Muri bittet um Erlaubniss, die abgelösten Kernen- 
gülten wieder als Kernenzinse anlegen zu dürfen, weil 
er zu sehr von Armen angesprochen werde.' 1566, 
Absch. Syn. Kernen-Gelt (s. d.). — Korn-: jährliche 
Abgabe von Korn an geistliche u. herrsch. Stiftungen 
Wf. Syn. K.-Gelt. ,Gab an ein Jahrzeit etlich K.' 
RCys. ,Dass jene Korn- und Kernen- oder Getreid- 
G-en, die um baar Gelt erhandlet und aufgericht und 
nit rechte alte Boden- und Erblchenzins wärent, [im 
Concurs] nit mit den Bodenzinsen, sondern in dem 
rechten gehen sollent, wie andere Zinsgülten.' L Mu- 
nicip. 1706/65. — Boden-: Grundzins. ,Herrschaft- 
rechte und B-en oder Bodengerechtigkeiten [verjähren 
nicht].' 1623, Aa. — Pätschli-: Schuldbrief, an 
welchem ein altes Siegel (Pätschli) hängt New. — 
Pfeffer-: Zins in Gestalt von Pfeffer. Keine Familie 
des alten Luzern besass so viele P-en wie die Frey; 
1433 bezogen sie 1, '/=, '/« PW Pfeffer von verschie- 
denen Häusern der Stadt. (Lieuenait). — Pfennig-: 
baares Einkommen, z.B. von einer Pfründe; Gegs. zu 
Kernen-G. .Was pf., so ze seigerät von inen [den 
Burgern] unserm gottshüs geslagen [zugeteilt] ist und 
stät iu ir statt uf hüsern, des mögent die burgern 
abkoufen 1 pfil iileniiing mit 20 pfunden.' 1420, L Urk. 
.Einige Pf-en uinl Ilauptgüter rühren von erspartem 
Gelde der Coiivciitshcrren her; man soll daher-diesen 
das Geld verabfolgen lassen.' 1538, Absch. — Salz-: 
Salzzins. Der Abt bittet, ihn bei seinem Zehnten, 
welchen B und F [als Schirmherren] auf der Salz- 
pfanne besitzen, bleiben zu lassen ; es wird darauf au 
ihn geschrieben, dass bez. der G.. welche beide Klöster 
auf der Salzpfanne haben usw. 1556, Absch. IV 2, 
1382, 482. Da einige Berner, welche S-en auf der 
Salzpfanne zu Sälis haben, das jährliche Salz nicht 
einbringen können, wird Burgund ersucht, dafür zu 
sorgen, dass jene jährlichen Salzzinse verabfolgt wer- 
den. 1568, ebd. S. 390 ff. — Schmalz-: Abgfebe, 
Einkünfte in Gestalt von Schmalz (Butter). ,1474 
kouft abt Uolrich die höf uf Stain, daby ouch etlich 
gülte, besonder guot seh.' Vad. — Win-: Abgabe 
oder Zins in Gestalt von Wein. ,Die kernen-, haber-, 
roggen-, weissen- und wyn-gült und -zins, so umb gelt 
erkouft und verbrieft sind, verbietend wir, dass fürt- 
hin dieselben frücht nit mer. sondern allein gelt darfür 
geben und genommen werden solle.' 1529, Z. .Wie 



•289 



Galt, golt, gilt, golt, gult 



290 



man dhein frucht- noch wyu-g-en, sonders allein geld- 
zins machen soll.' 1545, Z. .Der Wyngültenen und 
Lybdingen halb.' B Gerichtss. 1615. — Weizen-: 
Abgabe in Gestalt von Weizen. ,Das Korn-, Weiss- 
Gild, welches man den Kirchen, Pfründen jährlich als 
Zins entrichten iimsste.' W f. — Zins- = Pfennig- 
zin)<, -güU. 

Gült II 111.: 1. Gläubiger Ar. Um sich bescheiden 
als Schuldner zu bekennen, sagt man: £6- kirrd mir 
[das Gut gehört mir] ond de' Gölta". ,Wann ein frow 
ungeerbt ü.sgat, nimmt si ir morgengab; so si aber 
deheinen g-en verheissen hat, den°" muoss si helfen 
bezalen.' AABirm. Erbr. ,Meinte aber der Schuldner, 
der g. hätte pfänden genuog für syn schuld.' 1480, L. 
,So mag der g. dem Schuldner das syn zuo recht ver- 
heften.' G Hennob. Landr. 1565. ,[Die Erben] dürfen 
nit teilen, eh die g-en bezahlt und vergnüegt seind.' 
1578. Ar LB. 1585/18'28. ,üoch ist der G. der nächste 
Erb.' GStdt Erbr. 17'21. — 2. = Gelte 113, Bürge. ,Und 
soll der rat das yngewinnen [einziehen], ob [wenn] 
der gälte pfandber [-bar] ist.' Z Richtebr. I.'i04. ,Des 
sind gült und bürg der Mayer von A. und Heini W.' 
1509, Arg. ,6. und bürg sein, sich zum Schuldner 
verbinden und mit im geloben und verheissen, expro- 
mittere.' Mal. .Hie wäre nun hoch zu wünschen, dass 
unser land kein grewel were, so hätten wir gleichsam 
g. und bürgen darfür, dass es nimmermehr wurde ein 
Verwüstung werden.' FWvss 1655. ,Er hat uns zu 
rechten Bürgen, G-en, Trösteren und Selbstschulderen 
gegeben N. N.' 1617, Arch. SchwE. 

Mhd. gülte m. = (jelte, Schuldner; Gläubiger. Über das 
Lautliche und Begriffliche s. Anm. zu Gült I. Die Bed. ,Bürgo' 
beruht natürlich auf der von ,Schuldner' od. der noch altern 
von .Zahler', da der Bürge unter Umständen als Schuldner 
und Zahler einzutreten hat. S. Ztschr. f. schwz. K. 9, 68 — 88. 

An-: Bürge, Geisel. ,Ist dass dehein burger den 
schirmet, den syn gelten [Creditoren] fahen wenn 
[wollen], der soll dien [denen], die in da wollten fahen, 
des guotes a. syn.' Z Richtebr. ,Es sollend ouch die 
von Glarus umb das vorgeschriben gnot ze a-en und 
ze giseln geben '28 mann, die zuo den Heiligen schwe- 
rind hie ze Zürich ze leisten umb jegkliche werschaft 
ungemant.' 1390, Z. .Selbstschuldner, a-en und bür- 
gen.' 1395, Zellw., Urk. .Haben wir zuo rechten, un- 
verscheidenlichen [untrennbar, ohne Unterschied] ge- 
schwornen a-n gesetzt die Edlen N.N.' ebd., wo neben 
den 2 A-en 4 , Bürgen' genannt sind. ,Welicher bürg 
gemant würde und der manung nit gnuog tet, der soll 
syn rechter a. und mögen in MHH. anlangen mit geist- 
lichen oder weltlichen gerichteu.' AAWett. Otfn. 

All- muss wohl ursyr. eine nähere Bestimmung des Be- 
griffs enthalten haben: erster Bürge oder Anzahler'i' Viell. 
gleich dem folg. 

Haupt- und ,Mit-G-en' für eine auf Grundstücke 
aufgenommene Geldsumme als Mithafter unterschieden. 
1551. Z Staatsarch. — Mit-: mithaftender Bürge, Riick- 
bürg. .Und ward der zinsbrief ufgericht, darin man zuo 
merer Sicherheit mitgulten und bürgen stellen muosst' 
1459, Vad. ,Ich versprich den N. N. von diser m-schaft 
und allem kosten und schaden ze ledigen.' 1466, Z. 
.N. N. hat zu kofen geben dem N. N.' 10 rh. ti. jer- 
lichs zins ab dry teilen des zechenden zu Stadel und 
umb dass er solicher gült dest sicher syge, hat er im 
zuo rechten m-en geben N. N.*' 1500, Z. ,M., expro- 
missor, mitbürg.' Mai,. 
Schweiz. Idiotüou II. 



gülte": 1. Schuldbriefe auf sein Gut machen lassen 
Ndw. Syn. brieflen. — 2. bezahlen. ,Wir haben denn vor 
bezahlt die erbern lüt, denen wir g. sollen.' 1445, B. 

— 3. schulden. ,Dagegen wolle man Jedem, der ver- 
fallene Zinsen, Gülten und Schulden bei ihnen habe, 
Pfändung, Vergantung und Remissiven auf der Gül- 
tenden Güter gestatten.' 1.547, Absch. — über-: ein 
Grundstück über seinen Wert verpfänden, z. B. es über- 
güliets Heime' Uw. .Wohar kummt's, dass etliche 
hüser Übergült den Schuldnern fürgeschlagen [über- 
lassen] sind?' Ansh. — ver-: 1. (ein Haus, ein Land- 
gut) verschreiben als ein Unterpfand einer schuldigen 
Geldsumme; mit Gülten beschweren „VOrte." Bas 
Hus ist vergültet bis obenüs L. Nach Obw Recht 
können Güter nicht über den Schatzungswert .ver- 
gältet' werden. UwGem. 1836. .Dass keiner mehr ver- 
setzen soll dann sein eigen vergült guot.' Arl. LB. 
1585/1828. — 2. Pte. adj. in persönlicher Bed.: mit 
Schulden belastet. ,Wie ein frouw, die rych und hab- 
lich, so sy ein vergülten mann näme und derselbig 
sturb, für die gülten ynston und bezalen solle.' 1576, 
Gl. — zwi-: zweifach vergelten, bezahlen. .Swel 
[welcher] hurger den andern hurger brennet, roubet, 
da soll man dem synen schaden zw.' Z Richtebr. 1304. 

gültig: wirklich, ausgemacht, wahrhaft. 1. Adj. 
Er ist e recht giltege Chrämer. De bist e recht gilteger 
Esel Ndw. Syn. geltig. .Recht reife und g-e Melonen 
sollen diese Eigenschaften haben.' JCSülz. 1772. — 
2. Adv. Es geit g., man spielt um Gewinnst BO. 
Für g. a) für die Dauer, für immer, definitiv geltend 
Aa; BSi. Auch (für) z' g-em BBe. Syn. s. b. gelten; 
Ernst. — b) tüchtig, stark Aa. Syn. geltig. — un-: 
z' u'gültige' spilc, nicht um Geld Gl. 

glich-: 1. Adj.. gleichwertig, von gleich hohem 
Wert. .Erstlich rühmet die römische Kirch sich des 
Tituls Catholisch; mit gleichgültigem stolzieren die 
Juden und Muhamedaner.' JHHott. 1666. .Dass es 
dem Augustino gleichgültige, hochgeachtete Zeugen 
seien, ist mir sehr argwöhnisch [zweifelhaft].' ClSchob. 
1695. Ein gemeinnütziger Bürger anerbietet unent- 
geltlich ,Platz zum Kirchhof, so es nötig ist. statt 
dessen gleichgültiges.' 1701, Hey., Wetz. , Welch ein 
Unterscheid ist zwüschen dem Zürich-Wein und dem 
süssen italiänischen und gleichgültigen'?' Goliath 1741. 

— 2. Adv., ebenso wohl, mit gleichem Rechte. Die 
Deputierten Genfs erklären, dass die von den sar- 
dinischen Ministern den Traktaten gegebene .^.uslegung 
auf alte Rechte gl. ausgedehnt werden könnte. 1735, 
Absch. 

nach-: gering, schlecht. ,Dass ir mit sophi- 
stischen, spitzfündigen oder n-en reden komment.' 
ZwiNGH. ,Was kostliches [von Messgewändern] was, 
ward uf dem koufhüs verkouft, das n. luoderwerch 
undrem helmhüs.' Edlib. ,Sy wird die allern-est sein 
under den Völkern, wüest. öd und dürr.' 1531. Jerem. 
= , allergeringste.' 1667; .das letzte.' 1860. .Der n-est 
ist der ßisem Salmindi.' Tierb. 1563. .Parcus iesti- 
mator alicujus rei. der ein ding zuo n. achtet. Fri- 
vola, klein zerbrüchlich hausgeschirr und gerümpel, 
das nit vil wert ist, nütsöUige, n-e geschirr und 
schlechter hausrat. Cibus aridus, vilis, schmale, 
schlechte, n-e oder wolfeile speis. Modicus cultu, ein- 
faltigklich und unkostlich oder n. mit der kleidung. 
zimlich und mässigklich beklcidt. Silber ist minder 



Galt— giilt. Galtsch— gultseh. Galw— gulv 



292 



wert, n-er, dann gold.' Fkis.; Mal. ,Die Mannsper- 
sonen sollen die Hosen einer einfaltigen, erbaren, n-en 
gattung, auch urab etwas länger und anständiger ma- 
chen lassen.' B Mand. 1628. ,In n-er Behausung.' 
WüRSTisEN. 1765. Man habe den Kaiser in verschie- 
dener Weise aufgenommen, hier ,n-lich', dort ,prach- 
tisch'. ebd. — Nachgültigi f. ,Aritudo, parsimonia: 
kündigkeit, kargheit, nachgültige.' Fris. 

nöt-gültig: schlecht und recht Aa (H.). — Im 
S. V. notdürftig, für den Notfall gültig, genügend. 

Gülti°g f.: Geltung. AUi Fründ und alte Wi' 
werde' stets bi G. st' ÄALenzb. 

Gültschaft: Bürgschaft. .Si mit bürgschaft oder 
mit g. nach notturft versichern.' Vad. — Zu Gvlt II s. 



giltsen s. ißUen A 2. 



geltschelig: gelblich Bs. — Abgel. von .gelb' mit 
dimin. /, wie rStsthetig, rötlich, von ,rot'. 

Geltsche°, Göltsche f.: gelbliche Kuh GrV. 
Syn. Gelbsche, Gelbe. 

t durch Assimilation statt p, b, zunächst verk. und sub- 
stantiviert aus dem Adj. 'gelbisch (s. yilw). 

geltsche": anhaltend, lästig bellen B; S3'n. s. b. 
geisteren. 

Ahd. gekön, mhd. er-glhen, aufschreien, altn. gelta, latrare, 
baubari; also (»cä vergröbert aus (», wie in manchen ähn- 
lichen Bildungen. 

Geltscher: Kläffer, Tadler. ,So ich mein bauw 
vollendet han, heust [heisst] mir g. iederman.' Keller- 
inschr. zu LRotenb. 

Var. des in vielen Hausinschriften ausgesprochenen Ge- 
dankens, dass der Erbauer sich leichtfertige Kritik verbitte 
oder sich Nichts daraus mache. Vgl. Suterm., schwz. Hausspr. 
S. 20 ff.; deutsche Inschriften an Haus und Gerät, 1875, 
S. 27 ff. 



gelw BSa.; Ndw; PPo.; U (vorherrschend); UwE. 
(neben -6), c/selmv GrD. (B.), gelb FJ.; Gl; Gr; S; 
UGesch.; UwE., gM (resp. e^) Ap; Bs; Gr (Chur. D., 
Schud.); LM.; GT., Ta.; S (Buchsgau); ScnSt; Utw.; 
Uwtw.; Zg; Z: gelb. 1. eig. Von Messing, syn. möschi', 
z. B. die g. Pfanne Z. G-i Bappe', Brei aus feinem 
Mehl und Milch, mit eingerührtem Zucker und Safran. 
Spreng; Syn. Brütmues. ,Ein gels müesli von milch 
oder wyss von einem göttiprot gemacht' G Küchen- 
ordn. 1495. G-i Suppe', Fleischsuppe mit Safran, 
gewöhnlich nur bei Kindstaufen AASt.; vgl. ,g-i Brüe' 
bei UEcKST. 's Gel vom Ei, Dotter; Gegs. 's Wlss. 
Kätsel: Es ist as wlsses Hüs und as gälatcs Herli 
drl GrD. Am Bach isch 's wlss und hei, wenn 's abe- 
fdllt, isch 's gäl [Schnee am Strohdach] Aa. G-e- Chle, 
gelber Schotenklee, lotus arvensis AaVüI. G-i Bändli, 
Dotterweide, salix vitellina ZWettschw. Gelacher, 
Name eines Ackers, auf welchem Hahnenfuss wuchert 
AAObEhr. G-i Vögel, Goldstücke; vgl. Gelw-Fuchs. 
,Aber des fürschlags güldene flammen [der burgun- 
dische Einfluss] warent so schwach, und der gelen 
gilgen [das französische Gold] geschmack so .stark.' 
Aksb. Geli Chind, schöni Chind! sagt die Hebamme. 



wenn das Neugeborne (weil nicht reif genug) noch 
leder-gelb ist; es werde ein desto weisseres Kind Z. 
Er g'sicht üs tcie das gelb End [der blasse Tod]. 
Spreng. ,Bei den gelben Webern gewesen sein', gelb 
und blass aussehen. Kirchh. 's g. Wasser, Krankheit 
der Kälber, bei der sich in den Gelenken Wasser 
sammelt, so dass die Tiere lahm werden; angeblich 
in Folge von salpeterhaltigem Boden des Stalles Z. 
S. noch Knopf. ,Der gelwe Berg.- 1461/1536, Schw, 
,Zum gelen Schat'^ Name eines Hauses. 1538, Z. Her- 
berge ,zum gelen Krüz' in Wthur. Mal. 1593. ,Gel, 
bleich, flavus, croceus, fulvus.' Fris.; Mal. Subst. 
die Gel, Name einer gelben Kuh Ap; vgl. Gelbsche, 
Gelbi. Gelbe, Erdäpfelbranntwein F ; Syn. Fisler, Lide. 
's Gel, was sich im und am Hause von Messing vorfindet, 
als Geschirr, Zieraten udgl. — 2. uneig., bildl. Er ist 
gel, berauscht. Suterm. De Gel und de Schel, Personif. 
des blassen Neides [?]. Sulger. ,Er ist noch gelb um 
den Schnabel, narrechtig.' Mey. Hort. 1692. Vgl. nhd. 
.Gelbsehnabel'. De' g. Abscheid, einer mit Schimpf 
und Schaden ; angeblich von dem Abschied auf gelbem 
Papier, den Söldner bekamen, die sich der Päderastie 
schuldig gemacht hatten Z. Hesch-mrr-f' niene" g'seh 
uf de" gele" Riebe' rite'? Bs. , Wärint die usslüt [die 
[Zürcher. Landleute] nit g'syn, so welltind wir die 
gelben keiben [die Stadt-Zürcher] bald heim in die 
statt gejagt haben [im 1. Kappelerkrieg 15'29].' 1531, 
Absch,, wahrsch. i. S. v. ,verhasst' (Gr. WB. IV 1, 2, 
■2882) oder ,mit den wyssen antliten' Bd I 350. Die 
gel Frau oder die Gel s. Bd I 1242; dazu nachträglich 
Folgendes. Dass die g. F. meistens die Patin oder 
eine nahe Vwdte der Braut ist (auch in AaF.; L), 
stimmt mit der Angabe, dass sie bei der Hochzeit die 
Stelle der Mutter vertritt (AaF.; Spreng) und dass 
sie auch wieder Patin des ersten Kindes wird (AaF.; L). 
Weil sie bei der ganzen Anordnung und Vollziehung 
der Bräuche sehr viel zu tun hat. heisst sie auch 
Frau G'schäftigi. Sie gibt Brautleuten und Gästen 
die nötigen Anweisungen für ihr Verhalten; schon auf 
dem Zuge zur Kirche: Drum sim-mer hüt se stätli''' 
z' Chille 'zage', d' Hochzlteri vorüs, und ire hed d' Gel- 
fraic kes Aug verzage' [von ihr abgewendet] , *'! teilt 
Cotisynen [Anweisungen] üs. Häfl. Die g. F. nimmt 
auch das während der Hochzeitmesse von den Gästen 
auf den Altar gelegte Opfer und händigt es der Braut 
ein L (Ineichen). Sie gibt ihr auch bei Tische An- 
weisungen, daher der Scherz: Die Gelb hed g'nianet 
scho" ml Gret: Am Mol gib Acht c chlei', wenn-d's 
Fleisch hest vo' de' Beine' 'zert, leist nebe' d' Teller 
d' Bei'. Ineichen. Laut Stald. 1797 trug die g. F. in 
ihrem Körbchen Nastücher und Blumensträusse für 
die Gäste, womit stimmt, dass sie im Aa nach Kochh. 
Gl. jedem Gast einen Rosmarinzweig gibt. Nach In- 
eichen L setzt sie Braut und Bräutigam die Kränzlein 
auf und gibt dem Letztern beim Abnehmen des sei- 
nigen einen Backenstreich. Wenn es den Gästen ge- 
lingt, die Braut zu entführen, z. B. in ein anderes 
Wirtshaus, so muss die g. F. sie dort holen und die 
,Ürte' bezahlen L (Ineichen). In AAWohl. löste sie, 
oder wenn es keine g. F. gab, eine der eingeladenen 
Frauen def Braut, sobald sie vom Altare zu ihrem 
Stuhle zurückkam, den Kranz aus den Haaren und 
übergab ihn dem Paar zur Aufbewahrung. G. F. 
heisst auch das aaü. Bd 1 951 unter dem Namen die 
fürigi F. beschriebene Kinderspiel. „Der g. Götti, 



Galw. gehv, gilw, golw. gnlv 



die g. Gotte heissen die für die abwesenden wirklichen 
Paten eintretenden Uw"; vgl. Schlotter-Götti. — Gelbes 
Haar (,coma aurea/ Mal.) gilt als besonders schön, 
daher die Ermahnung an junge Mädchen: JEssed Älte- 
n-dchs, so chömmed-er gel Zupfen über! Z. 

Mhd. gd(wj. Sehr altertümlich ist die aus GrD. ange- 
gebene Form gelmo mit dem eingeschobenen Voc. In der 
ä. Litt, findet sich ,gälw' in der Bibel 1531/60, aber schon 
1525 auch ,gäl', ebenso im Vogelb. und bei Ansh. Natür- 
liche Folge der Äbstossung des w (h) war Verlängerung des 
Voc. Eine Übergangsform ist das ein Mal bezeugte gdl 
(II assimiliert aus iw). Die Schreibung ,Geltfrau' bei Mal. 
ist nicht, wie Bd I aaO. als möglich vermutet wurde, die 
ursprüngliche, sondern eine umdeutende Entstellung; der 
Grund der Benennung .gelbe F.' bleibt aber dunkel; in Aa 
Wohlen zwar kleidete sie sich in auffallend viel Gelb (Gold). 
Im Namen des Kinderspieles ist ,gelb' ohne Zweifel =/firi<; 
zu erklären und erst später statt des Letztern eingetreten, 
durch Übertragung von dem Hochzeitgebrauch. Die Anwen- 
dung auf die Stellvertreter der Paten wird daraus zu er- 
klären sein, dass die ,g. F.' Stellvertreterin der Mutter und 
meist auch Patin der Braut ist. Der Backenstreich wird 
.jetzt als eine Art Rache des weiblichen Geschlechtes für die 
geopferte Jungfräulichkeit gedeutet; der ursprüngliche Sinn 
war aber vielleicht derjenige der Erweckung von Fruchtbar- 
keit; s. Mannh. Baunik. S. 299; vgl. aber auch s. v. firmen. 

Abend- n.: gelbe Färbung des Abendhimniels. 
Morgerot und Äbiggcl giH e nasses Haseßl ZUhw. 
Ahiggel — Morgerege' oni Fei [unfehlbar] Th. Vgl. 
regen-g. und A.-Höni. 

äggeli-: Ton der Farbe der Eiereniente kleiner 
Kinder Z. Vgl. dreck-g. — S. .%/ Bd I 155 uud vgl. 
yüijgdi-g. 

Ocher-. auger-. .Ochra. augergel. berggel oder 
ochragel. Sil atticuui, aug.. kunipt über meer her.' 
Fhis.; Mal. 

Mhd. oj/er n. dass., aus lat.-griech. ochra. Unsere Lexiko- 
graphen scheinen das ö des Fremdw. nach andern WW. ge- 
deutet zu haben, deren ö sie (wie oft im Franz.) ans au 
entstanden wussten, welchen Laut sie dann herstellen zu 
müssen glaubten. Betr. das Sachliche vgl. Quenstedt, Minera- 
logie, S. 659. 

gol^-erde"-, verstärktes .goldgelb' Zßauma. 
Erde nur abstr. verstärkend beigesetzt, wie schon die 
Betonung zeigt; s. Bd I 4-37. 

gibeli-i krankhaft-, fahl-gelb wie bei vergilben- 
den Pflanzen; nur spottweise als Verstärkung von 
,gelb' BM., U. - S. ver-yiblen und Gibe. 

gäggeli-: 1. = äggeli-g., doch auch i. S. v. eigelb- 
farbig Z; im letztern S. auch gaggeli-g. G. In der 
Kinderspr. oft verbunden mit mimggeVhrün. — 2. röt- 
lich- hell-, feurig gelb Sch. 

Bei 2 ist wohl Vermischung mit GoggeUgo Sp. 17 7 an- 
zunehmen, da in Z auch goggeli-g. vorkommt. 

züud-gold-, Verstärkung von ,goldgelb' U; Uw. 
— Vgl. gold-erde-g. Xünd- gehöl't also nicht zu gold-. 

für-zünd-gold-: hochgelb Gl. Yg\. färzündigrot. 

goldliche-, goldlichi- Z, goliche- ZDüb., gulUx^e- 
GT.: goldgelb, auch von gelb gewordenen Spitzen, 
die weiss sein sollten Z. 

Das 2. W. ist verk. aus dem alten hchum, welches mit 
Bez. auf den Leichnam Christi oft beteuernd und allg. ver- 
stärkend (wie Erde u. a.) vor beliebigen Adjj. gebraucht 
wurde, im XVI. auch in der Schweiz; s. Gr. WB. 7, 628. 

hoch-: hochgelb; als Subst. Kuhname B. 



baue"-: strohgelb. Bezeichnung gewisser Stoffe 
für Frauenkleider ZZoll.f - Aus frz. pr,;He. Stroh. 

Berg- n.: ein Mineral. Nüscheler 1608, 34. Vgl. 
Auger-g. — blf-: bleigelb. XV., G Stiftsarch. — 
brü(n)-: braungelb, z. B. von gebackencn Kuchen 
Gr; Z. — rege"-: vom Himmel, wenn die Sonne bei 
ihrem Auf- oder Niedergang den Horizont mit einem 
hochgelben Glänze vergoldet, was ein sichrer Vorbote 
von Regen ist ScuSt.; Th; Z. Vgl. Abend-g. 

Boss-, Eüsch- n.: Rauschgelb, geschwefelter 
Arsenik, von rotgelber Farbe. ,Gib im [dem Adler] 
in der speis rüschgel oder rot operment zuo essen.' 
VoGELB. 1557. ,Reuschgel oder rossgel, bergrot, san- 
daracha vera.' Mal. ,Reuschelgelb', als Mineral. Nü- 
SCHELER 1608, .34. 

Urspr. ,Ross-, Euss-g.', von it. roeso, rot (weil das Mineral 
r. gelo lieisst), mit Umdeutung auf lautähnliche deutsche WW. 

saffran-, saffret- S. ,Die Safrangelben', Spitzn., 
den man den Juden beilegte, indem sie im Mittel- 
alter genötigt waren, ein gelbes Abzeichen zu tragen. 
, Augen saffergel.' Vogelb. 1557. — gold-schmilbe»-: 
ganz goldgelb Ap. — schwöbel-: schwefelgelb. Am 
'29. Juli 1548 sah man die Sonne von einem Ring um- 
geben, ,mit farwen wie ein regenbogen, grüen. blauw 
und schwebelgel.' Mey., Wthur. Chr. 

tuble- CtoblaJ-i goldgelb Ap. — Tui.lr, Dublone. 
Goldmünze. 

töni- B, deni- W: hell-, quitten-gelb ; von' der 
Farbe des Eidotters, Honigs, frischer Grasbutter, aber 
auch von der Gesichtsfarbe Kranker und Sterbender. 
User Lebtig het de^ Bueb kes Galle fieber g'ha'; da 
wird -nie' ja tönigelb und er ist nie gelbe'' worde". 

GOTTH. 

Eig. gelb wie eine Toni. Trollblume, trollius europ., 
wegen ihrer hochgelben Blumen auch Anke'hätti, frz. houh 
d'or, genannt. 

dreck-: 1. ganz gelb ScuNnk. — 2. = äggeli-g. 7^. 

— 1 also nicht vergleichend wie 2, sondern nur verstärkend, 
zünd-wachs- UwE., zünd- Gl; L; G; S; Ndw, 

gold-zünd- Gr: .brennend' gelb. Prallet Äpirra 
mit (/-er Gratta, geröstete Kartoffeln mit g. Bodensatz 
Gr (MKuoni). 

Gelbacher Th, Gelbecker Gr: eine Art Äpfel. 
Syn. Gelb-Öjifel. Vgl. Ächer Bd I 65. 

ggl^'-acht, -acht Z, -ocht Uw: gelblich. ,Die 
färb der federen ist geteilt aus schwarzlächtem, gäl- 
ächtem, weissem.' Vogelb. 1557. ,Sufflavus, gellecht 
und rauchfarb.' Fris. ; Mal. ,Die citeronenfärbigen, gel- 
ächtigen [Pestgeschwüre] sind am allersorglichisten.' 
Arzneibuch ZZoll. 1710. Vgl. gilbig und gel-lecht. 

Gel"ele" s. Gerweren. 

gelbhaft: gelblich GrD. 

gelwe°, gelbe", gele": gelb werden, z.B. vom 
reifenden Korn, vom absterbenden Gras und Laub im 
Herbst. Es Pergament, vu ÄUi hat 's mächtig g'gelbet 
g'ha". Akderl. 1852. .Flavere, gelwen, gel werden.' 
Fris.; Mal. — er-: ebso Gl; Gr. Der Wald ist e-t. 

— ver-: vergilben Ap. Zu gelb werden, von über- 
reifen Pflanzen Ndw. 

gel^^ere": gelber werden Ap: ..Scn'. 
Gel''''er(n)e" s. Genceren. 



Galw— guhv. Galz— gulz 



Gelwetsch m.: der (gelbgraue) Holzhäher, gar- 
rulns glandarius W. Syn. Zapfenräggi. — Betr. die 
Bildung vgl. Fideritsch, Gei/etsch, Gübertsch. 

Gel"! f.: gelbe Farbe. Das oder der ist e Gelbi! 
sieht gelb aus! Gl; Gr (z.B. vom Aussehen eines 
Gelbsüchtigen). Auch Gelbsucht als Krankheit der 
Weinreben, deren Laub in nassen Jahren gelb wird Z. 
,Ein tröwents angsicht es stets treit [das den Neid 
darstellende Tier], geli, on färb.' Salat. 

gel"-lecht s. gel'°acht. 

Gelbling (,Gilbl.' Vogelb. 1557; Mal.): Pirol, auch 
Ammer spec. .Icterus, ein vogcl.' Mal.; Denzl. ,Es 
wird von einem Vogel, Galgulus oder Eupica genannt, 
auf teutsch Gelbling oder Hämmcrling, vorgegeben 
[dass er, einem gelbsüchtigen Menschen aufgebunden, 
die Krankheit abnehme].' Wmz ITtiO. , Weltscher 
gilbl., hirundo hortulana [Gartenammer, Ortolan].' Mal. 
S. auch GilwerCichJ u. Emmeritz Bd I 218. 

Gel WS che Gelbsche f.: gelbe Kuh GnSpl. Syn. 
Gehven, Geltsclien. 

gilw gilb: bleichgelb, von Wolken, als Anzeichen 
nahen Sturms oder Unwetters SchwE. .Gilb, luteus.' 
Denzl. 1677; 1716. — i-Forni zu «/Ar, zunächst viel!, vou 
GUwi und güwen gebildet. 

gilwe", gilbe': 1. tr. gelb färben, z. B. den Grund 
von grün zu färbenden Stoffen Bs. Früher auch in 
der Kochkunst. ,Geuss ein wenig guoten wein daran, 
gilbs, tuo darzuo gewürz.' Vogelb. 1557. ,Rutilare. 
gleissend oder scheinend machen, gilben wie gold.' 
Fris. — 2. (auch ver-) intr., gelb werden Gr; GG.; 
ScHwE.; Z, z. B. von den Wolken (s. giliv); fahl, welk 
werden, absterben, z. B. von Gras und Blumen. — 
er-: (refl.) sich verschlimmern, von körperlichem Zu- 
stand PMu. — Mhd. gilwcn in Bed. 1, refl. = 2. 

Gilwere s. Gerwere. 

Gilwer(ich) Gilber „B" ; SStarrk., GilberichftJ B, 
neben -ig, -isch B (Zyro), „Gilbrätsch- m. — Dim. 
Gilbertschi BGu.: 1. Goldammer (Gelbfink), emberiza 
citrinella. ,Doppelter G., Grauammer, Gerstenammer, 
grosser Ammer, emberiza miliaria.' Meisxer k Schinz 
1815. .Gilbling, Gilberschen, emb. fl.' Vogelb. 1557. 

— 2. (Güberig) gelb, übel aussehender Mensch B. 

— 3. Gilbertsch, Wollüstling Bße. 

3 kann aus 2 als spec. Fall hervorgegangen sein, viell. 
aber schliesst es sich enger an mhd. gilwerinne, die (mit 
gelbem Abzeichen versehene) Hure. S. noch gilherig. 

„Eör-Gilber, -Gilbrig: Wiesen-, Rohr-Ammer, 
emberiza pratensis B; S." — ,Zün-gilberig: Zaun-, 
Zirl-, Hecken-, Pfeif-: Frühlingsammer, emberiza cir- 
lus.' Meisner k Schinz 1815. 

gilberig: brünstig, von der Kuh. Übertr. auf 
Mädchen: mannstoll, geil, üppig S. 

Kaum zu trennen von GUhertsch, obwohl eine Bez. auf 
gelbe Farbe bei dem .\dj. nicht ersichtlich ist. Zu einer 
überzeugenden Etymologie zu gelangen verhindert überdies 
die Nbf. güi^rig (s. 0.). 

Gilwi f.: gelbe Farbe, gelber Anstrich, a) ein 
dünner, flüssiger Teig ans Mehl, Milch oder Wasser 
und einer starken Portion Honig gemacht, um einen 
Fladen damit zu bestreichen ScnwMa. — b) Gelbsucht 
als Krankheit. ,Es sind etlich [Bettler], die heissent 
die Schweiger, die nemmend Pferdmist und mengent 



den mit Wasser und bestryehcnt Bein, Arm und Hände 
damit, so werden sie geschaffen, als ob sie die Gilwe 
oder andere grosse Siechtagen hettent.' 1422, Bs Rats- 
verordn. S. noch Übergälle Sp. 205. Auch von Pflan- 
zen: ,Ich wird euch schlahen mit dem brenner und 
der g.' 1531. Amos (1667: ,dürrc und brand-; jetzt: 
.Getreidebrand und Vergilben-). 

Mhd. gihn; gelbe Farbe; Gelbsucht; nhd. .Gilbe' auch 
eine gelbe Erdart; vgl. das Folg. 

Berg- = Berggelw. Die gelben Strohhalme in ge- 
wissen Kristallen scheinen ihren Ursprung zu haben 
in jener .flüssigen Berggilbe, welche den Stein nicht 
hat mögen durch und durch färben.' JJScheuchz. 1708. 

gilb ig: gelblich. , Etliche Pestilenzgeschwär sind 
rot, etliche g., etliche schwarz.' Arzneib. ZZoll. 1710. 

Gilbli m.: Übername eines mürrischen, verweint 
aussehenden Menschen ApK. Vgl. Gilberig 3. 

Gilbling s. Gelbling. 



Galz: verschnittenes Schwein. 1. (in.) männliches 
E; S. Syn. Barch. Vgl. Lauer. — 2. (f.) in BE. 
Gahle', weibliches Bs; B; L; S. In Bs fand im XIV. 
in der .finnigen Scholen' der Verkauf der .Moren' und 
Eber, der nicht rein erfundenen Schweine und der 
.Galzen' statt. 

Mhd. gahe f. in Bed. 2. Altn. gültr, schwed.-dän. galt, 
verschnittener Eber. Gr. WB. IV 1, 2, 3120 nimmt das W. 
ais wesentlich identisch mit dem Adj. galt, nur mit teil- 
weiser Laut- und Begriffsverschiebung. Das Gemeinsame wäre 
der Begriff der Unfruchtbarkeit, positiv bei beiden Tiergat- 
tuugen die Eigenschaft, dass sie zur Mast, nicht zur Zucht 
dienen. Der Lautabstand niuss wohl durch die von Gr. III 
1303 für , falzen' im Yerhältniss zu , falten' und für ähnliche 
Erscheinungen angenommene fortgesetzte Lautverschiebung 
erklärt werden oder durch Annahme ursprünglichen Neben- 
einanderbestehens beider Lautstufen. Betr. den Voc. vgl. 
noch Gik, Götz. 

galze° (jrak/p" BO., ,gelzen.' Spreng: verschneiden, 
castrieren, bes. Schweine. , Galzen, aushawen, ver- 
schneiden; heilen; lübben, castrare, evirare.' Red. 1602. 
S. noch golzen; gauzlen. Syn. Nimnen machen. 

Galzer, auch Ga^^t (Spreng), ffa?2?er B; L, ,Galz- 
ner.' 1588, L, auch Sü-, Söu-: m. Schwein verschneider. 
Als Zuname: .Krügel der galtzer.' 1398, L. ,Cuonrat 
der geizer.' 1308, Sch. In letzterer Form Geschln. 
ScH. Wegen der G. wird 1416 entschieden, es sollen 
die N. N. ,hier diesseits der Reuss die Weid niessen, 
allein nicht über die Reuss galzen.' Absch. 

galzin: Adj., vom Fleisch verschnittener Schweine. 
Das schön g. Fleisch sollen die Metzger so entfernt 
von den grossen Bänken auflegen, dass man dazwischen 
hindurchgehen könne. TnFr. Stadtordn. 1331. ,Dass 
man enhein finnig Fleisch, mörins noch gelzins, in der 
Schale feil soll han.' 1365, Bs. ,Jeklich Meyer soll 
den knechten landwyn und rindfleisch und schön bärgis, 
und nit galzis geben.' 1453, Arch. AAWett. — heil-: 
pleonastische Verstärkung oder Erklärung des vorigen. 
.[Die Fleischschauer] sond alls schwynifleisch ge- 
schouwen und suudren, das finnig und süwin und heil- 
gelzin sunderbar feil haben.' AaB. Stadtb. — Von hcilm, 
castrieren. 

Gälzc f. = Galz 2. ,Die gälze, geize, noune. ver- 
schnittene saw, castrata sus.' Red. 1662. 



207 



Galz— cfulz. Gam— gura 



(iilz 111.. Gilzg f., Gilsge" m.: der Gipfel Jos 
Bauiiios Z. I''s&ih(ili tcfe" chledere". Syn. Grotzen; 
Tiilder. Auch etwa übertr. auf die Spitze eines Brot- 
laibes ZBass. 

IIa Gr. WB. aaO. für Gah ein ablautendes Vb. als Grund- 
lage sucht und auch Formen mit i in der Bed. von ,Galz' 
nachweist, sowie in Guh den Ablaut des Ptc. findet, so könnte 
auch das hier vorliegende, sonst verwaiste und rätselhafte 
W. auf ein Vb. 'gihen, schneiden, zurückgeführt werden, nur 
niüsste angenommen werden, dass der Wipfel urspr. als ab- 
geschnittener bezeichnet wäre. — In GUzg ist <j angehängt 
wie in Plaiz<j u. a. nach falscher Analogie von Blitzt/, welches 
.aus Umstellung von ,Blick-z' (Intensivbildung von ,Blick') zu 



rklär 



ist. 



Golz 111. = Gah 3 Aa; BsL., = Galz 1 LG. — 
golzen = gaben BBrisl. .Das" diu von S unsern 
golzler in unsern grichten nit wollen lassen golzlen.' 
147.x B an S. 

Golzeren f.: Fluni. 1G07, II. 

Viell. urspr. Name eines Ortes, wo Wald umgehauen <Rler 
gestutzt wurde; s. Anm. zu GHz. 



Gani, geiu, gim, goin, giiiii, resp. ganim usw. 

Ciamaliii. Garn eh ü m., f.: 1. geschnittener Edel- 
stein, Camee. ,Ein urich guldin krüz mit einer ga- 
inahü und mit edelm gestein' im Schatz des Klosters 
Kijnigsf. 1357. ,Ein pacem [Priedenstäfelchen] mit 
eiin berlimuoter Ölberg mit eim ganiahu, wigt an gold 
12 lot.' Burgunderbeute 1476, Absch. ,Dem gainachin 
und dem edeln Gestein.' 1483, ebd. .Gemnue, quas 
Germani vulgo a leni mollitie Speckstein appellant et 
Gammenhü.' KdGessn. 1565. ,Die Gamahij sind ein 
Gattung Fingerring mit gwüssen Bildnussen, Zeichen 
und Buchstaben gestochen und übersetzt.' RGwerb 
1646. ,Ein Kleinot, an welchem in der Mitte ein 
Garamahü.' Kirchenschatz Hof L 1766. ,Ein goldner 
Gürtel, in dessen Mitte ein goldne Rosen mit einem 
G., wigt 27 Sonnenkronen.' ebd. 1790. Syn. Uniehel 
ScH. — 2. Gamehii ra., grosses, nach Körper und Cha- 
rakter ungeschlachtes Weibsbild S. 

Mhd. ffämahiu m., f., afrz. camageu, mlat. camctcus ahu^, 
ramahotus, -hütus, die Camee. Das barocke Fremdwort zu 
Bed. '2 verwendet, nicht ohne Anlehnung an hü! oder Hü"' 
und an Gamme", Lärm. 

Gamander, auch dini. -erli, -änderli Aa; B, Ku- 
mnnderli Aa in.: Pflanzenn. 1. wie nhd„ teucrium, 
bes. t. chamsdrys, auch botrys und scorodonia. Syn. 
Kalendern, fürscor. : inhll Stilhim". Schon bei Hadl.: 
,Garaandre des sumers ;:i~.llr. ,\lit -.hafkraut [pseudo- 
chaniadri], gamenderli.- Tikhi;. 1",';:;. .Chamaedrys, ga- 
manderle, doch nit das gemein mit blauwen bluomen, 
edle der kleinen Betonien.' Fris. ,Das gamanderle, 
ein kiaut mit blauwen blüemlinen, trissago, cha- 
insdrys, chaniserops. Das edel gamanderle, serrata.' 
Mal. ,Gamanderlein , vergissraeinnicht, chamsedrys, 
trissago.' Red. 1662. , Chamsedrys, Gamänderlin, Ver- 
gissmeinnicht. Quercula, Krottenkraut, Gamänderlin.' 
Denzl. 1716. ,Klee, Gamanderlein, Bockbart [etc.].' 
JCNiGELi 1738. — 2. Ehrenpreis, veronica chamanlr. ß. 
Syn. wilds Vergissmeinnicht; Hennenäugli. - Berg-, 
-änderli: t. chamadrys BO. 

Mhd. gamandre f., frz. ijenmndree; aus chamaedri/a, Zworg- 
eiche, mit welcher das Kraut verglichen wurde. 



Gamasehli n.: Überstrümpfe U. Syn. Fink, llher- 

f'uess, Stifel. — Frz. //»murhr: 

„Gammast m.: Haufe 'l'annzapfen mit Erde ver- 
mischt BSi.' 

Ob frz. umriR, Haufe, mit coli. Ge- und angesetztem tr 
Doch wahrsch. von Stalder verlesen für Tummast (s. Tann-iV.). 

Gammel m.: 1. Lust, Kitzel, Mutwille. Bes. in 
den RAA.: de^ G. ist-em vergange'; Ei"m de' G. rer- 
tribe", ne"BO.;ScH;Z. Auch: Zuneigung. N. Mt mir 
de" G. g'nö", hat meine Z. verscherzt, so dass ich 
ihn nicht mehr mag ZSth. ,Das macht uns demütig, 
schlägt uns den muotwillen und g. nider.' Zwisgli. 
,Dem arbeiter vergät der g. wol am karst.' ebd. .Vom 
brassen, schlemmen, unküscheit wird üch der g. bald 
geleit.' Seb.Brandt. — 2. lärmende Freude, fröhlicher 
Lärm, Jubel, wie an einer Hochzeit, einem Volksfest 
ScH; Z. Dim. Gämmeli, Lustbarkeit, kleines Mahl Z. 
Auch: unruhiges Treiben, Spektakel. — 3. a) hochauf- 
geschossener junger Mensch GO., W., We. — b) Tauge- 
nichts ZW. Syn. Gamöl, Beigel. — c) grosser, aber 
unbrauchbarer Kohlsetzling GWe. Syn. Narr; Beigel. 

Mhd. gamel n. und yamen m., n., Lust, Spass, Spiel; engl. 
■Jim,,-. Zu 3 vgl. Gammel bei Gr. WB. IV 1, 1212 ebenf. in 
pers. Bed. nach Analogie der zahlreichen pers. Subst. auf -el 
mit abschätzigem Begriff; doch viell. ein anderes W. 

gammle": sich lustig machen, schäkerhaft ein- 
ander herumbalgen, bes. vom mutwilligen Treiben 
zwischen beiden Geschlechtern ScH; Z. Syn. gölen. 
Abi. Gammler, -erin. — Mhd. rmmcin, schäkern. 



lassen fröhlich. 



gammlig Sch, g'gammlig Z: 
jugendlich mutwillig. 

gammele": 1. gaukeln, Kurzweil treiben Bs. Syn. 
gritnele". — 2. bei geringen Schmerzen empfindlich 
sein Gl. Abi. Gämmeler, Gämmeli, ungeduldiger, wei- 
bischer, zum Klagen geneigter Mensch. — 1 = ynmmlni. 
2 zum Ädj. gämmelich 4 h. 

gämmelich, -i(g) (auch „gimmeligF"): 1. scherz- 
haft, mutwillig, üppig, heiratslustig F; W. ,Gämnie- 
lich, muotwillig, als ein Jungs pferd, lascivus.' Mal. 
,Dass alles das dem fleisch zu entziehen seie, dannen 
es gämmelicher und geiler wird.' Helv. Conf. 1566; 
1644. ,Gamelig, geltfressig, geudig', unter den Fehlern 
einer Frau aufgezählt in Schimppr. 1651. ,Kril, gäil, 
gämelig, lascivus, salax.' Red. 1662. ,Ferox equus, 
das freche (gammelige) ross.' Vest. 1692. ,Wie man 
ein gämraeUges Ross, einen geilen Hengst zähmer und 
bändiger macht.' JJUlr. 1727. — 2. schnell, eilig, 
hastig, in Bewegungen sowohl als im Charakter W. — 
3. auffahrend, jähzornig, reizbar Gl; W. — 4. a) selt- 
sam, wunderlich Gl. — b) verzärtelt, sich über jede 
Kleinigkeit beklagend, weibisch Gl; Syn. leelldig. 

Mhd. gemeUtch, ahd. gamanlih, lustig, spasshaft. Ähnliche 
Bedeutungsentwickelungen zeigen arig, gOlig, gspämg. Ge- 
meinsam ist allen Bedd. der Begriff des Unruhigen. 

gamme": gelüsten BBe. (Dkr). 

Gammer, lämer BRi. — m.: sinnliches Gelüsten 
BBe., Ha., Ri. — Wohl statt Gammel; doch vgl. auch kämt. 
gämen, lüstern sein; eig. gähnen nach Etwas; s. gucneyt. 

gammerig, kämerig BRi.: 1. lüstern nach Etw. 
BO. — 2. gammerig, frohsinnig, leichten Gemütes F. 
Syn. gammelig 1. 



gern, gim, goni, gum 



Giiniöl IB.: närrischer, läppischer Kerl ZO. Syn. 
GaUori. — Stamm Gum- wie in Gammel mit Ausgang -öl 
nach Analogie von 6SI, LSI. 

gäm(in)ere°: nach Etw. lüstern sein; doch nicht 
gerade mit Beziehung auf Nahrung U. Syn. guenen. 

Gamilie" m.. f.: 1. Gabelung, a) eines Baumes, 
Nebenstamm, -ast GSa. (m.; Dim. ßinimU); GRPr. (f.). 
Syn. Griggelen. — b) die Gabel am Pflug, Pflugsterz 
GRUVatz. Syn. Geizen. — 2. „(m.) Stück Land, das 
durch ,Zusammeneren' und ,Gräten' [in der Mitte] 
erhöht worden ist B." — 3. (f) m. t. t. der Schwinger. 
Der Hakenschwung (Beinunterstellung), wobei man 
dem Gegner die rechte rer.se hakenförmig ums linke 
Bein .schlägt, ihn gleichzeitig rückwärts stösst und 
überdreht BO.; LE. 

Zu it. gamba (auch com/w), churw. comha, vhamma, Bein. 
Zu 1 vgl. it. ijumbo, Pflanzenstengel (eig. Bein einer Pflanze). 
In 2 liegt ebenfalls die Anschauung des Dach- oder First- 
formigen, also Gegabelten. Hieher viell. auch die B Ortsn. 
Gammen und Gammeten. Mit 3 Tgl. die gleichbed. it. dar il 
gamltetto, churw. dar comha und frz. donner U croc-€n-jamhe. 
Vgl. noch Kamen. 

Bü-, Pflueg- f.: das in natürlichem Wuchs ge- 
schweifte Pflugholz, an dessen hinterm Ende die Pflug- 
sterz; der Pflugbaum GrPr. Syn. Grindel. -- Vgl. harn, 
den Acker bestellen. 

üs-gamme°: sich gabeln. De' Baum gammet vs, 
wenn sich 2 oder mehrere Stämme aus einem Stocke 
bilden GnPr. 

gammig: ungeschickt zum Gehen, hinkend; von 
den Kälbern, wenn sie bald nach der Geburt Wasser 
(gehv W.J in den Gelenken bekommen BM. ; von den 
Ziegen, die im ersten Frühling, des Gehens entwöhnt, 
bald müde und momentan lahm werden BSi. Syn. 
barhäinmig. 

gammele": Jmdm (beim Schwingen) ein Bein 
stellen und ihn so zu Fall bringen LE. Syn. de' 
Sägge' schlä", beinle". — Ahgel. von Gammen S. 

zwei-gämmlig: zweigipflig, von Bäumen GSa. 
— Zu Gammen 1 a. 

Gämmeli (Af auch -erli) n.: kleine Scheune oder 
Hütte auf den Weiden der Niederungen, worin etwas 
Stroh und das Vieh untergebracht wird Ar. Vorstall 
bei den Alphütten BO. 

Zu churw. camonna, -iinna f., c«Mio«n m., tessin. caman, 
oberit. camana (alt cavana = capanna, frz. cabane), Alphütte; 
Verschlag im Stall für Kleinvieh. Vgl. Gr. WB. 4, 1, 1212. 

In-Ganm, -gom m.: Einsasse; Hofgenosse; Miets- 
mann. ,An sneles burgers hüs für üfgat und er's oder 
syn ingomen innan werdent.' TuFr. Stadtordn. 1331 ; 
ähnlich 1495, GRickenb. ,Item die ingomen söUent 
och einem heren einen weibel geben und söllent bitten, 
dass er im das ampt lyche.' OS'q. TnThund. 1463. 
,Umb Ingoumen. Wer mit eins ingounien kind oder 
vogtkind ütz märktoti an ir vatter oder vögten wüssen 
und willen, ist 10 pfd verfallen.- 1464. Scaw. ,Da soll 
ein stuelsäss oder ein ingöm frid gebieten.' Offn. Th 
Sulgen 1472. 

Die Stämme gomo. Mann, und gaumen {Nbf. gomen). Wache 
halten, haben sich schon im Mhd. bisweilen vermengt; vgl. 
,der gotes goume [vir Dei] lac ruowen in deme troume'. Dies 
scheint auch hier der Fall zu sein. ,In-gom' wäre ganz = 
dem Syn. ,In-mann'; ,In-gauni', Einer, der aufs Haus ange- 



wiesen ist, das Haus hütet, im Gegs. zum .Burger', dem 
freien Haus- und . Grundbesitzer. Die Form /njnum ist aber 
eher besser bezeugt; denn auch in dem Beleg von 1463 
könnte wohl .ingumen' gelesen werden, wie in einer gleich- 
zeitigen Quelle aus gleicher Gegend ,böm' = Baum ; ü in den 
Drucken oft statt ,ö'. Schon ahd. findet sich bei Notk. : ,sie 
werdent ingoumen hiusero, in lares domorum vertuntur." 

gaume" (^ömeApId. 1788; GRPr. u.a.; GRh., W., 
gomme Ap; (iTa.; Sch; Th; ZSth.): wohl eig. mit ge- 
öffnetem Munde spähen. 1. (gaume") sich hungrig 
hinstellen und ohne Worte betteln SchKI. Syn. guene" 
neben gueme"; gäw^e", gä'-e". — 2. Wache halten. 
Acht haben, hüten, a) mit Präp. bi-me-ne Chind, bime 
Chrankne g., bei einem K., einem Kr. bleiben und sie 
hüten Z u. a. — b) mit Dat. (in ä. Spr. Gen.). i'mf 
Chrankne", de Chinde" g. De' Herrgott häd-em g'gau- 
met, G. hat ihn bewahrt ZDättl. ,Ein bannwart, der 
der wäld un 1 hölzer warte und der [derselben] goume 
mit trüwe.' Oä"n. AaKöII. 1400. ,Vögte [Baunwarte], 
die des holzes gaumind.' Urk. ZHorg. c. 1460. ,Paulus 
spricht zu den bischöfen uss Epheso: goumen üwer 
und der ganzen schar.' Zwingli. .Des Huses goumen 
müssen [d. H. hüten m.].' Cts. c. 1600. ,Man kann 
der Ehr nicht genug g.' Mey. Hort. 1692. Auch tr.: 
mit Bez. auf Vieh VOrte; Gl; Gr. Uf User Alp muess- 
me" d's Veh nie g. [überwachen]. Wer gaumet-d^r 
[dir] hiU dl War [dein Vieh]? Zwicky 1856. Di 
Trübe" göme, vor Diebstahl hüten Gr. 's Geld g., in 
guter Verwahrung halten, das eigene, wie ein Geizhals 
B; Gl; U, oder fremdes, an vertrautes, das man zu 
verantworten hat B. Am Verkündsonntag wird die 
Braut von 2 Simsegaumerne [Brautliüterinnen] g'gaumet 
GrD. Einen Kranken, einen Sterbenden ,g.' B; F; Gl. 
Euse [unser] Herrgott well-is [uns] g. (oder ver-g.), 
Gott wolle uns behüten ZAuss. Chind g., kleine 
Kinder bewachen, besorgen, pflegen Gl; G; U, spe- 
cieller: sie auf den Armen herumtragen, wiegen, ihnen 
die Zeit vertreiben B; Gr; W. Es [mein Weib] gü'mt 
d'r Büebel [den Buben] BSi. Es muess allzit d's Chind 
goumu, sie muss stets das K. auf dem Arm schau- 
keln W. ,Mir ist's wohl zu Hause, meine kleinen 
Jungen zu g.' UBrägg. 1784. ,Ich war noch nie Kinder- 
meitschi gewesen und also gar nicht gewöhnt, kleine 
Kinder zu g.' Gotth.; vgl. Gaiimsehuel, Kleinkinder- 
schule. ,Die gefangenen g.' 1552, Ndw LB. ,Das land 
g. und verwaren.' ÄgTschüdi. — c) abs. a) in allg. S. 
Wenn de'' Herrgott nüd gaumeti, gab 's na''' [noch] vil 
me'' Unglück Z. „Gott gaumet wunderbar SchwMuo." 
Auch: sich in Acht nehmen: gaum-da, flieh von jener 
Stelle weg! W. ,Und lag jedermann an syner gwar- 
sami und gompt und huot='" zum besten.' Fründ 1446. 
In allen Quartieren der Stadt L mussten während des 
Gottesdienstes 2 Männer ,g.', d. i. bes. auf die Hand- 
habung der Feuerpolizei achten, c. 1470, Liebenaü 1881, 
s. Gaumeten u. Gaumer. , [Durch Aufnahme von In- 
sassen in die Gemeinde] wird des grichtsherrn sorg 
und gaummüe gemeret.' AAWett. Arch. 1479. ,Bald so 
[sobald] Struss des Eggen namen nit nemmen [nennen] 
will, fürbüt er stark und bedarf doch des goumens 
nit [ist sehr vorsichtig und hat doch nicht nötig, sich 
in Acht zu nehmen].' Zwingli. ,Wir ermahnen, Hund, 
die zum G. unnütz, abzuschaffen.' Z Mand. 1714. , Ge- 
denke, dass dir Übels begegnen könnte, wann Gott 
nicht gaumete.' Ky-bitrz 1753. — ß) mit Bez. auf kleine 
Kinder BO.; Gr; Sch; aScHW; Ndw. , Curare parvulos.' 



(ia 



gaiiiii, 



goiii, gum 



302 



1.1. H. Du rhaiist rcnmidt toll ff., weisst sehr gut mit 
ileii K. umzugelien BO. 8U ir am G.? freundliche 
Frage des an einer Mutter Vorbeigehenden, ebd. Z' (j. 
liherchon, ein Kind bekommen; z' g. wellen, schwanger 
sein. Si häd z' y. im G'reis, ist wieder in gesegneten 
Umständen, ebd. Z' g. han, 1) ein Kind haben. 2) auch: 
einen kranken Finger haben, der eingewickelt, ver- 
bunden, übh. besorgt werden muss und etwa mit dem 
gesunden Arme wie ein kleines Kind gehalten wird 
BKi. Das Vieh füttern, pflegen F (Kuenlin). ,Ver- 
dingkinder werden zum ü. oder Geisshüten angehalten.' 
Landw. Wochenbl. B 1847. — f) das Haus hüten in 
Abwesenheit der andern Hausgenossen .Aa; Ar; B; 
VOrte; Gl; G; S; t^cH; Tu; Z. P>' cha"' nid z' Chllle" 
[Kirche], i''' inuess ff. allg. B'hüet-i |euch] Gott! 
Gaumed wol! Abschiedsgruss beim F"rt;;i.'hrii ;ni den 
oder die zu Hause Bleibenden Ar; GA.. 1.; S. ii; S. hw; 
Th; Z. So durel's, bis 's [das Mäd.-ln-nJ am Miirkt 
diheim eleige" ffommet. Schwzd. ,Sedere domi, dem 
haus hueten, daheimeng.' Fris.; Mal. , An sonn- und 
fyrtagen, so man züo kilcheu gät, soll in jedem hus 
ein mensch g.,. das nit minder denn 14 jar alt syge.' 
Olfn. AABöttst. 1585. Händ-er g'gaumet? Gruss bei 
der Rückkunft. Gott grüez-i mit cnaitdtre" ! Händ-er 
ff'ffaumt? SiUTZ. G'rad hüt /»> '' nnicli-t''' mis Jliiiulrli 
z'iceg und säge mit Freude" : Omi lilnhi-i lanl iiinimct! 
ebd. Der Vorübergehende grii>>l : .^n-n- um (r..-' L; S. 
yaumed-er? Sca; Z. Auch: ,in Abwesenlieit einer 
Fauulie ihr Haus bewohnen und ein Aufsehen darüber 
halten" B. In Sch schliesslich geradezu = ruhen, 
nicht arbeiten. — d) refl., sich hüten (vor) Ar; L; Zg. 
l'i' muess-mi''' gomme", sagt der Kranke Ar. ,Und ob 
ein hofmann einen gast lyblos tiiti, der soll sich g. 
vor des erschlaguen fründen.' Offn. öchwWoU. 148i. 
,Es möchte im von den unsern lychtlich etwas be- 
gegnen, darum habint wir in gewarnet, dass er sich 
goume.' 15'25, Absch. ,Etliehs ist geschriben, dass wir 
uns darvor goumiud.' Bibel 1531. ,Er [der Pfarrer] 
soll sich vor dem Wein g.' 1534, Z Synod. Act. .^ich 
vor laster hüeten und g., declinare vitia.- Mal. ,\Veil 
ich Gott furcht, so gom ich mich und sich mich um.' 
Vad. ,So er sich nit g. wolle, werde man ine ver- 
schicken [fort schicken].' 1597. L. ,Sind die Aus- 
erwählten so behutsam, dass sie vor Verführung sich 
g. können?' FWvss 1055. ,Gaura-di''' vor dim nie" 
[neuen] Schuelmeister.' Balz. 1781. 

Mhd. goumeii und yöumen, ahd. guumian, goumön, got. 
gaumjan, beobachten, hüten. Bed. 1 (welche sich auch im 
JBair. .findet) steht wohl der Grundbtd. und dem Grundw., 
welches bei uns duruli '''"" (Sil :'o i iiml .fnu; „ xrihrtuu 

ist uud den Begrilf .Ir- IJ iI1-h~ iI"/«, nii "tl-i \liiiiile, 

mit offenen Augen dii^irh.m ni-'l i ih L i . luh. i , ■! i- imi I ^yii. 
i/iit«,™, üblicher </««u,., iflU m> li ih,/ii, »i. dir amlM. Xl.fen 
gnmm und gueme sich ZU eiuauder verlialteu. — Wie tief 
das W. dem Schwz. Alemannen in Fleisch und Blut steckt, 
beweist u. a. der Umstand, dass ÄgTschudi den Namen des 
Schlosses Güminen ,zii Latin custodiam, ze TUtsch Goumiuen' 
von demselben ableitet (s. dagegen bei tf«mw). - Vgl. tppoupsu) 
in ähulichei- BegrittsentwickUnig. — Ob der BSa. Flura. 
(Imimbtrg eine Alpe bedeute, auf welcher ausnahmsweise das 
Vieh beaufsichtigt werden muss, oder Alpe bei einem Bann- 
walde, oder was sonst, ist nicht leicht zu ergründen. 

ab-: hüten, schützen. .Gebannte Wälder (auf 
Alpen) a.' N. Gl Zeitg 1872. — üs-: einen Kranken 
bis an sein Lebensende pflegen ,,B0. : F.; Gl." B'r 
Nachbiir häd d's Wxb icto üsqoumd, hat seine Frau 



nach langer Pflege nunmehr durch den Tod verloren 
BRi. Mt;r kein hüt den Alten üsgüumt, der Vater ist 
uns heute gestorben BGt. Mer hei' üsg'gäumt, unser 
Kranke ist gestorben BHa. Helfen üsg.. einen Ster- 
benden noch auspflegen BBe. (s. Bd I 554). 

ver-: 1. bewachen, beaufsichtigen; verwahren, 
bewahren. B's Obs verg. [vor Dieben] Schw. „Der 
Wald muss vor dem Vieh vergaumt sein, d. h. einge- 
friedigt." Me [man] cha"" d' Chind nüd eisdig v. Gl. 
Vergamn-is Gott, G. behüte uns! Z. „Wir sind Gott 
Lob vergaumet geblieben, d. h. bewahrt, geschützt." 
.Das Volk, so im befolchen ist, nach synem vermögen 
zuo verhüeten und zuo v. und darzuo syn bests .zuo 
tuon.' Ar LB. 1409. ,Die eidgnossen verteilten die ge- 
fangnen in die örter [nach Kantonen] ze vergomen 
[sie zu verwahren].' FrUnh. ,Ein hoptmann mit synem 
Volk vergonipt[e] und behüct[ete] das tor.' Edlib. ,So 
hat Gott die gesundheit niynes lybs also vergaumt 
und verhüetet.' HBull. 1527. ,Vergoum dein herz mit 
allem fleiss.' 1531/48, Prov., jetzt ,behüte'. ,Womit 
mag doch ein jungmann seinen weg bass v. und säu- 
beren?' 1531/48, Psalm. .Ir predikanten sind schuldig, 
euwere schäflin vor den Wolfen zue v.' 1532, LeüJud. 
,Gott hat die synen vergaumpt.' UMey. 1540/73. ,Dass 
man si [Huss und Hieron.] sollte als ketzer v.' Vad. 
Gott spricht zu Adam : ,Der krüter sollt du gwalt han, si 
vergoumen [im Reim auf ,somen', Samen].' Ruef 1550. 
Kain zu Gott: ,Sich z' hüeten hat er eignen gwalt; 
muess ich in, Herr, allweg v. ? ' = bin ich denn meines 
Bruders Hüter? ebd. , Einen in seinem haus v., asser- 
vare aliquem domi suse.' Mal. ,Hoedos pascentes ser- 
vare, verhüeten, v.' Fris. ,Alle hüeter, die in ver- 
gaumtend.' c. 1570, AaTscHUDi. ,Das schloss v. und 
verwaren helfen.' 1576, Z. ,Der Margstaller soll die 
Füllin und Feldross v. und versehen.' XVIL, Gesinde- 
ORDN. Muri. ,Dem Kelnhofer die Vergaumung des 



-iott 



Waldes auferlegen.' Iii3!^, Hott. 
vor kriegen v.' Z Litur.i;-. liill. .iM^itn imiii|icmo la- 
bellum, vergaum dein maul.' 1>in/i,. lilTT; ITlii. .Ihre 
Häuser vor den Lauwinen v.' JJicuEicuz. ITutJ; dafür 
1746: , verhüten.' ,Die Strassen sollen vor Schaden 
vergaumt werden.' Z Ges. 1791. ,Ein Stern vergaumte 
ihn vor Schiffbruch.' Fdssreise 1798. .Anordnungen 
bestimmen zur Vergaumung der Archiven.' Z Feuer- 
ordn. 1809. Auch mit Dat.: Me' muess de' Chinde" 
eissdig v., immer bei ihnen sein ; i''' han->;ne' de" ganz 
Voi-mittag vergaumet Gl. — 2. verhüten, a) mit Obj. 
Wenn ja, Gott vergauvi's, Für üsbräch Z. „Gott ver- 
gaum's, wende es gütig ab Z." , Krieg zu v.' 15'24, Z. 
,Ergernuss der schwachen zu v.' 1526, G. ,Wir ha- 
bend mit unserer leer unruen vergaumt.' 1532, LeoJfd. 
,Wann si schand und laster an iren kindern v. und 
fürkommen wolltend.' Kessl. ,Diss alles ist uns zur 
Warnung, grössers Schadens ze v.' UMkv. 1540/73. 
,Dass er si, allerlei unrats zu v., bevogten wellte.' 
V.iD. ,Prohibere, verhüeten, v., verhinderen.' Fris.; 
Mal. Damit ein unversehener Überfall ,vergaumbt' 
werde. 1634, Absch. .Durch mutwillige Verhärtung 
(ach Herr, vergaum es!) gar zu einem Zornspiegel 
werden.' JCMey. 1657. ,Zu allen anderen Füllen (die 
Gott gn. vergaume).' Z Ratserk. 17'26. .Alle Sorgfalt 
zu Vergaumung des s. v. Ungeziefer.' 1770, Si-vki. 
Wais. — b) mit folg. ,dass': verhüten, dass (nicht). 
,Rat und predikanten ze Zürich habend ernstlich ver- 
goumt, dass ir volk nit ist ufrüerig worden.' Zwixcu.i. 



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Gain, ganm. gein, gim, goui, gum 



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,Veigauiii, vergauui, meine Liebe, dass du uit allweg 
im kummer hinlebest.' HBdll. 1527. ,Gottes gnad yer- 
wart, verhüet, vergouiut, dass [das schwache Fleisch 
nicht der Sünde verfällt].' Rdef 1550. ,Gott vergaume, 
dass wir nicht verstockt bleiben.' JMüll. 1673; dazu 
der positive Ausdruck: ,G. wolle und verschaffe, dass 
wir in einen Reuen geraten.' ,Ein studiosus philo- 
sophiffi soll V., allzuvil auf die eine Seiten sich zu 
henken.' JJHott. 1666. ,Weil der gnädige Gott ver- 
gaumet, dass keine Malefiztaten begangen worden.' 
JCEscHER 1723. ,Vergaumen, dass nicht .. .' Genieindc- 
verw. Z 1801. — 3. (refl.). ,Vergoumend üch, dass ir 
nit...' ZwiNGLi 1527. .Niemand soll den andern an 
lyb oder guot antasten, sonders sich jedermann des v.' 
1531, Absch. ,Wie die armen sich vor den reichen 
hüeten sollend und vor den gwaltigen sich v.' 1531/48, 
Sir. ,Jeder Christ soll sich vor Schwören und üppigen 
Worten vergäumen.' XVn., Gesindeordn. Muri. ,Wie 
sich ein Mensch vor der Pest v. [möge].' JJBreit. 
1629. Auch ohne Eefl.-Pron. und mit Äcc.-Obj.: .Wir 
wellend von dem predigampt schryben, damit menklich 
die hochmüetigen klapprer v. könne: dann wo man 
sich vor inen nit verhüet, so kumpt alle tag ein nuwe 
Irrtum.' Zwingli 1525 (geleitet von der lat. Construction 
cavere ahpn neben c. ab aliquo). ,Sich zu hüten und 
vor allen heidnischen Greulen sich zu v.' 1667, Levit. 
,Vergaume dich, nicht zu hurtig einzusaufen.' GHeid. 
173'2. ,Dass Jedermann sich vor Schaden und Straf 
sorgfältig zu hüten und zu v. wüsse.' Z Nachr. 1756. 
,Wornach sich jedermann zu richten und vor allfälligem 
Schaden zu v. weisst.' L Intelligenzbl. 1810. — „Ver- 
gaumer: Bewahrer, in phys. und moral. S., z.B. ein 
V. der Rechte des Volkes Z." 

be-gaume". ,[üie Äbtissin] mag einen ieklichen 
hueber twingen, dass er des forstes ein jar b. und 
behüeten muess.' XV., Z. ,Die sollen dem Zwingherreu 
ein vich b. mit anderem irem vich.' Offn. AAFreienw. 

Gaumer, Gäumer {Gomer GnSchud., Gömmer 
GRPani), in ZWl. auch Gaumler, Gäumler m.: 
Hüter, Aufseher. ,Gott ein g. ist und hüeter.' Ruef 
1550. Spec. 1. Einer, der in Abwesenheit der Andern 
das Haus hütet Ap; VOrte; Gr; G; Z. So heissen G. 
die Knechte, welche den Winter über die Bergkur- 
häuser (wie das auf dem Pilatus) bewachen. .Mache 
einen Brief an den P. Guardian, er solle mir [dem 
Pfarrer] einen G. [Invigilanten] schicken auf Montag.' 
XHerzog 1862. — 2. Kinderhüter BD.; Gr; Ndw; W; 
vgl. Gaumerin. — 3. Viehhüter. ,Ein Kühbub oder 
Junger, der die Herde hütet, heisst auch ein G.' 
Steinm. 1802. — 4. a) Waldhüter, Unterförster Gr; 
Z IS. — b) Plurwächter, um das bürgerliche Gemüse- 
land zu bewachen. Es gab dem Range nach erste und 
zweite G. und alle Bürger wurden zu diesem Dienste 
verwendet. ZWthur c. 1830. Von Gemeinde wegen 
bestellter Hüter für Obstgärten und Weinberge ZWl.f 

— 5. Sitten-, Polizeiaufseher. , Während des Gottes- 
dienstes mussten G. auf den Strassen herumgehen, 
damit kein Lärm gemacht, kein Wasser geholt werde 
etc.' ZWthur f. ,In allen Quartieren mussten während 
des Gottesdienstes 2 Gäumer Wache halten, auch auf 
die Handhabung der Feuerpolizei achten.' L 1340 u. 
später (Liebenau). S. noch Gäum-Fänli u. Gaumet. 

— 6. Gomer, Gefängnisswärter GuRr. In Gr ehemals 
die Polizeiwache zur Beschützung ausserordentlicher 



Strafgerichte über politische Verbrecher. ,Dann die 
Bündner nicht nur mit dem Strafgericht und Gäumeren 
fortgefahren, sondren auch etUehe enthaubten lassen.' 
WüRSTiSEN 1779. ,6 bewaffnete Gömer mit ihren Har- 
nischen, Unter- und Übergewehr begleiten die ver- 
strickte Person vom Rathaus in den Ring.' GrD. 
(Osenbr.). 

E- [iH-Gomm, V\. -Gümmer ArK.): bis zur Neuzeit 
Name des kirchlich -bürgerlichen Sittengerichtes in 
den Landgemeinden B tw. ; Z f- In ApA. der Orts- 
pfarrer und die beiden ,Hauptleute'. als Hüter der 
Sitten übh. und bes. als erste Instanz für Beurteilung 
von Ehehändeln; so bis c. 1860. Dasjenige Mitglied 
des Gemeinderates, das über Zucht und Sitte in der 
Gemeinde zu wachen hatte Senf. Einrichtung und 
Wort eine Schöpfung Zwingli's, daher Letzteres sich 
nur so weit Boden verschaffte, als der kirchliche Ein- 
fluss Zürichs reichte; übrigens i.st es auch in Z fast 
ganz verdrängt durch die Ausdrücke ,Stillstäuder' und 
.Kirchenpfleger', hat sich aber vielorts festgesetzt als 
Zuname von Familien, die einst Träger dieser Würde 
waren. Vgl. noch Chor-Richter. ,In unser statt [sind 
zur Handhabung der Kirchenzucht geordnet] unsere 
eerichter und uf dem land der predikant zusampt dem 
undervogt, den eegoumeren und zweien erbaren mannen 
von den eiteren.' Z Mand. 1530; 1580. .Vile Pfarrer 
klagen, sie haben keine E., und etliche Gemeinden 
wollen sie ungern geben.' 1533, Z Syn. Act. ,Von den 
Eerichteren ald Eegoumeren gewarnet werden.' Z Mand. 
1539. .Von den Eerichteren ald Zuchtmeisteron.' ebd. 
,Censor, zuchtgaumer, hie bei uns nennt man sy auch 
egaumer.' Fris.; Mal. ,Der kirchendiener und ver- 
ordnete aus der gmeind, sy seiend kirchraeier, e., ge- 
schworne oder andere erliche leut, sollen die namen 
der armen aufschreiben.' Hochh. 1591 / 1693. ,Ein 
Pfarrer mag eine fehlbare Person beschicken und zu 
sich nehmen die E., Ältesten, Geschwornen.' 1613, 
JJBreit. ,Allen unsern Ober- und Underamtlüten, 
als Sehultheissen, Landvögten, Gubernatoren, Vögten, 
Tschachtlanen, Statthalteren, Undervögten, Freiweib- 
len, Ammann, Weiblen. Ehgöumern, Grichtsässen und 
verordneten Ufsehereu unsern Gruess.' B Mand. 1628. 
,Von den Kilchengüeteren soll durch die K