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Full text of "Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Gesammelt auf Veranstaltung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes. Hrsg. mit Unterstützung des Bundes und der Kantone. Bearb. von Friedrich Staub und Ludwig Tobler"

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Schweizerisches Idiotikon. 



Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. 



Vierter Band. 



Buber & Co. Buchdruckcrei, Franenfeld. 



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Schweizerisches Idiotikon. 

Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. 

Gesammelt auf Veranstaltung 
der 

Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 

unter Beihülf'e 

aus allen Kreisen des Schweizervolkes. 

Herausgegeben mit Unterstützung des Bundes und der Kantone. 

Begonnen 
von 

Friedrich Staub und Ludwig Tobler. 
Vierter Band. 



Bearbeitet 

von 



3 sl 



A. Bachmann, O^H' °^ 

R. Schoch, H. Bruppacher, E. Schwyzer, %^~ \ 

E. Hottmann -K rayer. 



Frauenfeld. 

Verlag von .1. Huber. 

1901. 



PF 

Bo/,H 



M-. 



Ma, ine, in i. ino, 11111. 

ma. »10; aber GrAv., Saas. - Aus dem Rom. 

Mai(e"): 1. (vorwiegend mit zweisilbiger Form) 
Name des Monats. Seine Bedeutung für das Wachs- 
tum in Feld und Flur spricht sich in zahlreichen 
Bauernregeln aus. Maie" cliüel und Brächmonet nass 
füllt de" Bure" Spl^'r und Fass. Ineichen. E" chüele" 
Mai bringt Allerlei, bringt Frucht und Heu, bringt 
G'schrei [Jubel]. Schild 1873. S. noch chuel Bd III 
21 I. Mit'Bez. auf das Wasser lautet eine Regel, man 
solle Wasser trinken im Merze" wie-n-e" Lüs, im 
Abrelie" wie-n-e" Mus, im Maie" bis 's Ei""m de" Hb 
versprengt oder d ass Lungen und Lebere" (drin umme") 
sehimimme** S; Z; s. noch Chuttlen Bd III 574. .Der 
Mai voll Wind aller Bauren Lieblingskind.' Ineichen. 
Sind im M-e" d' Matte" wie-n-e Has [also noch nicht 
grün], so giH 's am este" Gras. Ineichen; s. noch Gras 
Bd II 792, ferner Aprillen Bd I 364, Imb Bd I 234. 
Bis zum alte' Mai [13. Mai; s. alt Bd I 203] seif 's 
Laub a" 's Sehnebelhorn ue, d. h. auf dessen Höhe 
aus den Knospen gebrochen sein Z. Von besonderein 
Einfluss ist der 1. Mai. Wenn 's am 1. Mai regnet, 
bidütet 's e" Heutüri oder e" Heufülti. Schild 1873. 
.Fällt am 1. Mai ein Tau, fällt keiner mehr in diesem 
Monat; fällt ein Reif, so gedeihen die Früchte.' In- 
eichen; Z; vgl. noch Maien-Tau. ,Wenn die Eiche 
vor dem 1. Mai Blätter treibt, so deutet 's auf einen 
fruchtbaren Sommer und ein gutes Weinjahr. • Ineichen. 
,So lange vor 1. Mai das Buchenlaub erscheint, so 
lange wird vor Jakobi die Ernte eintreten.' ebd. Wenn 
uf der 1. Mai de r Wald i" 's Laub chunnt, so-n-isch 
es um Jakobi Ernd und z' Micheli Herbst. Sulger. 
Vgl. noch Mai-Tag. Zuweilen zeigt der Mai noch die 
schroffsten Gegensätze: Ulfen und Sehne, (bade'dij 
Buchen im Se, rifi Chriesi und blüee'de" Wi" ist Alles 
in iim M-e" g'sl" Z; nach Ölhäfen 1840, 100 bezieht 
sich der Spruch auf das J. 1044. Im M. sind gewisse 
Pflanzen am heilkräftigsten. ,Für den fallent siechtag 
nimm gamander, das ist vergiss nit myn, chamadris 
genampt, im mayen, dann in dem zyt ist es am basten 
und in dem bluost.' Zg Arzneib. 1588. — Auch im 
öffentlichen Leben spielte der Mai eine bedeutsame 
Rolle. In diesem Monat wurde ehedem das eine der 
beiden jährlichen Gerichte abgehalten. ,Geding wird 
gehalten ze mayen und ze herbst, so man nüwen und 
alten wyn trinkt.' 1434, BsBubend. (Burckh.. Dingh.). 
S. noch Herbst (Bd II 1503); Gr. WB. VI 1470 und 
RA. 822; Bluntschli, RG. P 212. Im M. fanden Ge- 
meindeversammlungen statt zur Neuwahl der Be- 
hörden; s. z. B. Strickler, Horgen, 195 und Maien- 
Gemeind. In Z wurden die Amtsleute von dem Ob- 
mann der gemeinen Ämter auf ihre Ämter aufgeführt. 
Schweiz. Idiotikon. IV. 



vMoos. Am 1. Maisonntag wurde von den Kanzeln der 
Stadt das .grosse Mandat' verlesen, ebd. Mit solchen 
öffentlichen Anlässen verbanden sich häufig festliche 
Veranstaltungen. In ZHorgen war unentgeltliche Be- 
wirtung der Gemeindegenossen üblich, oder die Ge- 
meinde legte wenigstens so viel zu als die Teilnehmer 
selbst. Einen Teil der Festfreude bildete die Setzung 
eines neuen , Maien', die sich alljährlich wiederholte; 
die dabei beteiligten Personen wurden bewirtet und 
oft daneben auch Arme mit reichen Gaben bedacht. 
Strickl. 210. In AaL. hielt zu Anfang des XVIII. die 
ganze Bürgerschaft nach geschehener Ämterbesetzung 
auf dem Rathaus ein Mahl, zu dem der Rat Wein und 
Brot lieferte und die Edelleute der Umgegend als 
Gäste geladen wurden; früher tafelte man schon am 
Vorabend, dann am Morgen des Haupttages und wieder 
am Nachtag. LTobler, Gemeindefeste 21. Im XVII. 
pflegten an der jährlichen Landsgemeinde (1. Sonntag 
im Mai) die Ratsherren des äussern Amtes von Zg an 
der Spitze ihrer Gemeindeangehörigen zu Pferd mit 
Trommeln und Pfeifen in die Stadt auf das Rathaus 
zu ziehen. Die Ratsherren erschienen im Amtskostüm, 
mit Blumensträussen auf der Brust, die Bürger mit 
Degen oder Wehr an der Seite. Auch sonst erweist 
sich der Mai als Wecker festlicher Lust und heitern 
Vulksbrauches. Am Vorabend des Maitages läuten die 
ledigen Burschen in GSa. udE. unter Teilnahme von 
Jung und Alt de" Maie" i"he". Nachher spielen sie 
den jungen Mädchen des Dorfes einen Schabernack, 
sei es, dass sie sitzengebliebenen , Narren-Äste' (s. Bd 1 
574) vors Fenster hängen, sei es, dass sie spröden oder 
allzu heiratslustigen Schönen Strohmänner und andere 
verfängliche Gegenstände vors Haus oder aufs Dach 
pflanzen. Senn 1871. Ein ähnlicher Brauch wird in 
L und S geübt, nur dass hier das freundlichere Gegen- 
stück nicht fehlt, die Ehrung angesehener oder geliebter 
Mädchen durch das sog. Maien-Stecken (s. unter 4). 
Die Sitte des , Maisingens' (de" Maie" singe") war früher 
besonders in B und F heimisch: am 1. Mai und den 
darauf folgenden Tagen zogen arme Mädchen, so gut 
als möglich herausgeputzt, einen grünen, mit bunten 
Bändern und ausgeblasenen Eiern geschmückten Tan- 
nenbusch in der Hand, von Haus zu Haus und sangen 
ein Mailiedehen. Das bekannteste begann mit den 
Worten: ,Der Maien ist kommen, und das ist wahr; 
es gruenet jetz Alles i n Laub un a i° Gras.' (Ein W 
Lied hob an: ,Der Mejo chunnt trochu, der Mejo 
chunnt nass: er bringt uns Allen vil Laub und Gras'); 
vgl. noch und Bd I 320. Hatte man ihnen eine Gabe 
(namentlich Eier) gespendet, so giengen sie weiter, in 
F, indem sie mit veränderter Stimme sangen: Iez 
heit-er-is g'ge", und das ist war; vergilt 's Gott und 
geb-ech im Himmel der Lön! Vgl. JRWyss 1820, 09. 
90; B Hist. Kai. 1844 und Mai-Lied, Mareieli. In 

1 



Ma, nie, mi. mo, um 



Sni wurde der 1. Mai bes. von der Schuljugend bis 
l s 27 als Pre gefeiert; s. See Wegweiser 1842, 

66. In ZWülflingen richtete die Knabenschaft noch in 
i Zeit am 1. Maisonntag den sog. Freiheitsbaum 
auf, angeblich zur Erinneruni,' an den Loskauf der 
Gemeinde von der dortigen Herrschaft. LToblek. Ge- 
meindefeste 7. Am selben Tage wird das Bruderloch 
bei TljHagenweil aus den umliegenden Dörfern be- 
sucht, woran sich allerlei Lustbarkeit knüpft. Z Anz. 
1*77. 772. l>as Maifest in F Kerzers schildert der 
.Schweizerbote 1822, 155 f.: Am 1. Sonntag im Mai 
werden im nahen Murten zwei Fuder Wein geholt. 
Ein Jüngling in Murtener Pesttracht, rotem Wams, 
faltenreichen ,Buschhosen' und kleinem, mit weissen 
Bändern und Federn geziertem schwarzen Hütchen, 
lenkt die Pferde, ein Hanswurst und ein Wunder- 
doktor reiten nebenher. In festlichem Zuge komm! 
ihnen die Jugend von Kerzers entgegen. Die Mädchen 
schmücken den Wagen, auf dem ein vnn Blumen um- 
gebener Weingott tront, mit Blumenkränzen; 19 Paare 
kräftiger Jünglinge spannen sich davor und ziehen 
ihn an blumengeschmückten Seilen ins Dorf. Vgl. die 
Gebräuche der rem. Schweiz bei Osenbr. lsTti. V 136 ff. ; 
T Gem. 253. S. noch Uf-Fart (Bd I L029); Maien-Zug 
und Rochh. 1857, 190. 193. Übergehend in den räum- 
lichen Begriff der im Maienschmuck prangenden Land- 
schaft »der den abstr. der Mailust: /" \Iaie* gü' t einen 
Frühlingsbesuch bei den Bauern auf den Berggütern 
machen, wobei man sich mit Milch und fiahm be- 
wirten lässt Gl. .Mir hat mein Scheins Lieb zuegeseit, 
er well mit mir in Meyen.' 1669, S Meyenlied. ,Geh 
mit mir in den Meyen, eh dann der Bluest verreist 
[abfällt].' ebd. Vgl. i- 's Bluest fare: — 2. (Maie*) 
junges Grün, frische Weide Ap. ,Mit Zurückweichen 
i chnees finden die Ziegen immer M.' — 3. (Maß, 
,Mai" n.)= Vor-Alp (IM I 195) W. Syn. M.-Berg, 
Vor-, Maien-Säss. .Maien heissen im OW die Güter der 
Mittelhöhen.' Imobersteg. .Mayen "der Maiensäss-Vor- 
alp.- Rödiger 1881. — 4. (jSlaie* m.) junge, hohe Tanne 
mit entästetem (gew. auch geschältem) Stamm und 
"1 förmigem grünen Wipfel, der mit Kränzen. 
Bändern udgl. geschmückt ist; Syn. MaifenJ-Baum. 
Hin solcher .1/. wird .gesteckt' (auch .gestellt- S) 
al als Ehrung, welche jungen (reichen L um Berom.) 
Mädchen durch ihre Burschen (bes. Bräuten durch 
Freunde des Bräutigams AaF.) zu Teil wird, indem 
sie ihnen in der Nacht auf den 1. Mai einen M. (in 
F rine Stange mit daran befestigtem Kranze) vor oder 
aufs Haus pflanzen AaF. f; B; P; L; S. Ein Lied, 
das dabei gesungen wurde, verzeichnet Häfl. 1813, 35. 
In LE. pflegen die Eltern des Mädchens, die sich ge- 
ehrt fühlen, da die Huldigung nur Mädchen von tadel- 
losem Rufe bereitet wird, die Burschen nach voll- 
brachtem Werke zu bewirten, wobei die Tochter auf- 
HHerzog 1884, 241. - b) auch bei Hochzeiten, 
sfe iten usw. zu Ehren der Pestfeiernden Aa; B; 
L; Sciiw; Zg. — c) neugewählten Beamten (Friedens- 
richtern, Notaren, Gemeindeammännern usw.). wobei 

dei M. ofl jahrelang vor dem Hause des Gefeierten 

stehen bleibt Tu. In Obw wurde ehedem jedem neuen 
Ratsherrn ein M. gesteckt und er spendete dafür einen 
Trunk. Trotz mehrfachen Verbote erhiell sich die Sitte 

bis in den Anfang unsers .Hits. Oi:w Volksfrd. Auch in 

V scheint sie bestanden zu haben, wie aus folgendem 
Verbote hervorgeht: .Wann dann alle angewohnte 



Gasteryen abgestellt und aber etwan unverschampte 
Personen sich anderstanden, solch mit Meyenstöcken 
wider anfznebringen, Dem verzukommen ist derglychen 
Meyenstöcken gänzlich verboten bei vorgestellter 
Bness.' 1628, F. Lt Sprww. 1824, 100 ,war bis auf 
die neuem Zeiten in mehreren Schweiz. Kantonen die 
Gewohnheit, den Magistratspersonen, mit deren Amts- 
führung das Volk zufrieden war. M. zu stecken.- .\\ enn 
in S ein neuer Schultheiss von der Bürgerschaft er- 
wählt worden, zog dieselbe am folgenden Maitag be- 
waffnet vor dessen Haus und steckte zur Bezeugung 
ihrer Freude einen Maien- oder Tannenbaum davor 
auf. Der Schützenhauptmann drückte in ihrem Namen 
die Glückwünsche aus und bot dem Neugewählten 
einen Blumenstrauss dar. Musik und Kanonendonner 
fehlten nicht. Auf diese Gelegenheit wurden zuweilen 
auch Lieder gedichtet, in denen der Held der Fest- 
lichkeit besungen ward.' XVIII. (S Kai. 1858). Vgl. 
AI'-, h. IV 1 e 37. — d) am Maitag solchen Wirten, 
die im ersten Jahr ihres Berufes sich die Gunst der 
Besucher erworben haben L. In AALeer. ; S pflanzt 
man solche beim Einzug eines neuen Wirtes oder hei 
der Eröffnung neuer Wirtshäuser. Ein solcher .1/. 
gilt als das Zeichen einer Weinschenke Bs. ,Ein jeder, 
so allbie wyn schenkt, sobald er uf hört schenken und 
die nieigen hinweg tuot.' 1569, Z Weinumgeldordn. 
,Dass liinfüro dheiner dheinen wyn mer vom zapfen 
hingeben, verkonfen noch verschenken solle, er habe 
in dann zuevor durch den verordneten und geschworneii 
wynrüefer öffentlich wie brüchig rüefen und die mei- 
gen ufstecken lassen.- ebd. .Aufgesteckte Meyen vor 
einem Haus sind ein Zeichen, dass in disem Haus 
sei feiler Wein.' FWyss 1653. ,Der Wynrüefer soll 
[dem Wirte, der das Ingehl nicht zahlt] die Meyen 
weg neinen und Solchen kein Wyn mehr g'rüeft nach 
Meyen gesteckt werden, bis dass da- alte Ungelt be- 
zalt ist.- liiiiii, Z Staatsarch. .Infolge des Neubaues 
hängte die Gemeinde am Gesellenhaus [1681] eine Ta- 
verne aus; bisher hatte man sich mit einem Maien 
begnügt.' Strickl., Horgen. — e) auf den First im 
Rohbau vollendeter Häuser, zum Zeichen des festlichen 
Ereignisses S; Tu; Z; s. First-M. Sie werden mit 
Taschentüchern behängt, auf deren eines Jeder, der 
am Hause mitgearbeitet, Anspruch hat. .Nicht einmal 
Irr Meyen, der doch bei der mindesten (Jfrichtig oben 
auf der First aufgesteckt wird, war bei der Hand.' 
AHartm. 1S52. .Coronis, Meyen auf einem neuen Ge- 
bäu.' Df.nzl. 1677; 1716. — Daher Ei"tn en M. stecke 
in bildl. S. 1) Einem Ehre antun, Freundlichkeit be- 
weisen B; Z. — 2) Einen rühmen, empfehlen Bs; S. 
Auch mit S.-Obj., Etw. fordern. .Es würde die bier- 
seitige Regierung ebenfalls nicht ermangeln, dem 
Unternehmen durch eine kleine Subvention einen M. 
zu stecken, wenn sie darüber behelliget wäre, zu was 
Ende die Geldbeiträge der Kantone verwendet werden 
sollen.- Schweiz. Lehrerz. 1863 (S). Doch meist in 
fron. S. oder verneint 1) Einem nicht grün sein. Un- 
günstiges, Schlimmes über ihn aussagen, über ihn 
losziehen, ihm Eins anhängen BS; Gl; L; GG.; S; Z. 
.Er steckt mir keinen M.\ ist mir nicht günstig ge- 
sinnt. Hospin. 1683. .Er wird ihm keinen M. stecken, 
in offen sa est apud ipsum.' Mf.y.. Hort. 1692. (Auch: 
Kim de" M. st.) Jnidm einen tüchtigen Denkzettel 
geben ZO. .Dem »erde er einmal einen M. stecken, 
murmelte er für sieh bin, an welchem der Hallunke 



Ma. ine. uii. nio. um 



.sich ■/.' fcod schmecken kö .' Stotz. — 2) Einen 

mit Worten scharf hernehmen A \ 1 r.; Gi,Obst. — 

3) „Einem Jas Auge blau schlagen L;" /.. Wemme* 
[wenn mau] Eine' nit mag (Fun nid icill L; Sprww. 
1824, Eim nit hold ist AaSL; B), so steckt-men im 
Lei" .1/.. lobt, verteidigt mau ihn nicht AaSt., Wohl.; 
Ar; 11; I. : GG.j Scbj S; Tu: '/,. Nach dem-men Eim 
irill, steckt man im c M. oder e" Bese*stil L (Ineichen). 
.Das bekannte Sprüchwort, welches sagt: Wenn man 
Einem nicht hold ist, so steckt man ihm keinen M.- 
Schobing. 1695. .Er hat sich da keinen M. geholt', hat 
sich blamiert THSchönholzersw. — Waldbäume übh. 
werden unter diesem Namen zum Schmucke oder sym- 
bolisch verwendet. So werden M. alljährlich im Mai 
zu den Brunnen gepflanzt Sch (Kirchh.). Arn Tage 
des Bannrittes prangte der Eornmarktbrunnen in BsSt. 
mit einem M. oder Maienbaum, einer Tanne oder Linde. 
Bs XIV. An hohen Festtagen wurde der Kreuzgang 
beim Frauenmünster in ZStdt mit M. aus dem Burg- 
holzli geziert. Als dieses i. J. 1500 an die Gemeinde 
Riesbach übergieng. behielt sich die Abtei als ewiges 
Hecht vor, durch ihren Sigrist fünf M. auf ihre Kireh- 
weih und fünf auf das Fronleichnamsfest hauen zu 
lassen. Vöc-Nüsch. Lt Schild 1889, 77 zierte der 
glückliche Entdecker einer Grube von Hubertuserde 
das ert>te Fuder, das er heimfuhr, mit einem M., d. i. 
einem Tännchen. — ,M. hauen-, lt PiOchh. 1S57, 507 ein 
Kinderfest, das früher am 1. Mai stattfand, jetzt nur 
noch selten und z. T. auf andere Tage verlegt ist. 
Die Jugend holt ein Bäumchen aus dem Walde, be- 
hängt es mit Blumen und Bändern und bringt es in 
festlichem Zuge ins Dorf, wo es aufgerichtet wird. 
Das Fällen von ,M.' war übh. vor Alters erlaubt. .Ein 
jeder dorfmann, den es lustet, man [1. mag] ein meyen 
gewinnen in dem selben baan, zu der zyt, so man 
gewonlicfa gewinnet meyen. - 1382, l". Später wurde 
es verboten oder doch eingeschränkt. .[Bestraft sollen 
werden] die in unseren BanhöTzeren M., Wynschenken- 
oder ander derglychen Tänline bauwend.' B Gerichts- 
s.itz. 1615. .1059 wurde durch den Grossweibel in der 
Kirche zu ZWtbur verboten, dass die jungen Knaben 
am Maitag weder Rot- noch Weissdändli in M. hauen 
sollen, als ein schädlich und unnütz Ding.' Tkoll. .Auf 
das schädliche Maienhauen Acht haben.- Schweizer- 
botenkal. 18oü (Försterregel für den Mai). .Das Maien- 
hauen zu blossen Verzierungen darf nur unter Auf- 
sieht des Forstbeamten geschehen.- Aa Forstges. 1860. 
— 5. (Maie" — Dim. Majalti PAL, Maili B tw., sonst 
Maieli — m., in Gl; GrCüui- auch f.) Blumenstrauss, 
aus frischen oder auch künstlichen Blumen Aa-, Ap 
(selten); Bs; B; Gl; Gr; L; PAL; GG., Sa.. W., We.; 
Sl II (lt St. b ); Schw; S; Th (selten); UwE.; W; Zg; Z. 
Ich chann au ch M. maelie' und schoni, g'schmöckigi. 
ACouroiii. Fingerring und M. sind Narre'zei ch e; 
alter Spruch AaWoIiI. Beim Erntefest in DKüeggisb. 
(1817) wurden den Gästen 31. aus Feldblumen über- 
reicht; s. HHerzog 1884. 190. .Steckt die Gotte an 
der Taufe ein Maieli an den Busen und in die zier- 
lich geflochtenen Haare ein Kränzlein, so will sie sich 
als ledig zu erkennen geben.' Breitenst. Bes. reich- 
liche Verwendung findet der M. beim Hochzeitsfest; 
s. Höchzit-M. [Braut und Brautjungfer haben] Chränzli 
uff- d em Chopf und M-en a" d'r Brust. Schild 1889. 
.Was kann die Jungfrau mehr erfreuen als an der 
Hochzeit schöne M.'.-" Bs Ausrufbilder 1749. Der mit 



seinem M. auf dem Hute stolzen und testen Schritte 
einhergieng und die Erkorne seines Herzens zum 
Traualtar führte.' BreITENST. ,1'li muss noch einen 
M. haben; dann meinen alle Leute, ihr seiet ein 
Hochzeit, rief eine schnippische Jungfrau, riss dem 
Uli den Hut vom Eopf und sprang damit ins Haus. 
Zornig war Vreneli aufgesprungen im Wägeli: Was 
braucht Uli einen M.?' Gotth. Die an der Hochzeit 
teilnehmenden Mädchen nähen den Jünglingen M. auf 
die Hüte. Der Spisli'g [Bräutigam] ferggt ei" Huei 
nach ''em andere', gi b d-e' de" Maidle", und die hieze'd 
d' 31. uf. . . Bim Esse" viril alnflese". was fitr-eme" 
Chnab jedes Maidli de" M. 'gän hi'nl. Schwzd. (GrScIi.). 
Auch in AaBK wurde früher ,an Hochzeiten ein M. 
auf den Hut gebunden als Zeichen der Gewogenheit.' 
Der Muni muess e" 31. ha", den Gefeierten muss man 
noch besonders kenntlich machen durch äusserlich 
sichtbare Auszeichnung B, scherzend auf einen jungen 
Mann angewendet, dem man bei einer Hochzeit oder 
einem andern Anlass einen Strauss gibt AALeer. (die 
RA. rührt daher, dass dem Stier, der auf die Alp zieht, 
ein 31. aufgebunden wird). Dem Pfarrer hemmer [bei 
der Hochzeit] es 3Iaieli und es Fazenetli g'ge". B Dorf- 
kai. 1870. Auch bei der Alpfahrt stecken die jungen 
Mädchen ihren Burschen 31. auf die Hüte GrCIiui-. 
S. noch Schwzd. I 23. [Am Banntag in BsLiest. haben 
die Burschen] 31. uf [auf den Hüten], si rissen-e" d' 
Chappen uf a" Site". Schwzd. .Wenn ein .Imb stösst', 
wird ein von der Tochter des Hauses gebundener 31. 
an den betr. Bienenkorb geheftet Z; vgl. Frend-31. 
Maien werden auf die Wagen fässer gesteckt, in denen 
neuer Wein geführt wird Z. Wer sein Eigengewächs 
auszuschenken beabsichtigt, befestigt einen 31. aus 
Stechpalmen oder einen kleinen Tannbusch neben 
seine Haustüre im Unterschied zu .Taverne. Schilt' 
und ,Reif' als Zeichen einer bloss temporären Wirt- 
schaft Bs; B; Syn. Busch. Bai* jedes Hüs steckt jetzt 
e» M. üs. Hist. Kal. 1839. ,Auf diese Gefrist [1035] 
haben die Weinschenken die M. hineingetan und ist 
kein Wein in der ganzen Stadt feil [da keiner ge- 
wachsen war].- Bs faschenb. 1S62. 128. .Tavernen-, 
Maien- und Gassenwirte' unterscheiden Bs Mandd. 
1714/80. Bil.il. : En 31. uf-''em Huct (uf-''em Chopf. 
Sprww. 1869) hän, stolz, hochmütig sein W. S. Höch- 
muets-M. .Ein Stück Fleisch oder Brot im Sack ist 
besser als ein M. auf dem Hut', besser ordentlich ge- 
nährt als Hochmut und Schein GrD. 31. als Aus- 
zeichnung, Preis GG. (dim.); Schw; S. D's Maieli 
dervu* träge", den 1. Preis GG. ünder Alle" d's Maieli 
ha", der erste von Allen sein. ebd. Du bisch e" g'machtef, 
e" ganze" 31«"", dir kört der 31. (uf- a e* IluetJ. Schild 
1866. Bigopp, do (/'hört der 31. dt" [der Schwyzer- 
kuh], der schönist uf der grosse" G'schaui [Viehschau]. 
3le" füert-di'-'' füre"; hoch de" Grind, dass Alls di'' 1 
g'säch im grosse" 31.'. Schwzd. (Schw). — ,5 becher. 
darin man die mayen stellt.' 1550. SchwE. luv. ,Fas- 
ciculus, ein büschele wolgeschmaekter bluomen oder 
ein meyen. Servia, ein meyle von bluomen oder ein 
strauss. In coronamenta reponitur, man setzt 's in die 
kränz und meyen.' Fris. ; Mal.; s. noch Gr. WB. VI 
1474. .Der Strauss. Mäie, servia, sertum, crista.' Red. 
1662. .So brechen wir der Blüemlein vil, dir. Lieb, 
zu einem M.' 1669, S Meyenlied. ,Wann wir kämen 
in einen Blumengarten, da gehen wir nicht daraus 
ohn einen M.' FWtss 1672. ,Es können jungen, unfür- 



Ma. nie. nii. mo, mu 



sichtigen, holden Leuten mit Zanbersachen zubereitete 
Citronen, Pomeranzen, Liebstreusslein oder M.. Bisarn- 
knöpf und gemeine scböne Äpfel oder Birnen [als 
,Liebgift'] beigebracht werden.' Ahhorn 1 (j7-i. .Du 
hast doim Buelen ein M. gemacht, du meinst, er hab 's 
in grosser Acht.' Waiirs. 1075. ,Der Hochzeiter und 
die hernachfolgende Hochzeitleute sollen die M. (deren 
überflüssige Köstlichkeit wir hieinit auch verbieten) 
von denen unter der Türen [des Brauthanses] warten- 
den und mit solchen sich verfasst haltenden Töchteren 
11 ii il Jungfrauen ohne solideres Gepräng gleich im Vor- 
übergehen empfahen.' Bs Ref.-Ordn. 1715. .Fasciculus. 
M., Büschelein Blumen.' Denzl. 1716. .Herr JHMejer 
eines M. gleich den Himmelsgarten ziert.' 1717, Tür. 
Sep. ,Dass den Herren und Knaben gänzlich verboten 
sein solle, bei Hochzeiten und Gevatterschaften die 
Töchteren mit M., Handschuh, Ryband und anderen 
dergleichen Präsenten zu beschenken.' B Luxusmand. 
1728. ,Ein Bräutigam mit dem Hochzeitkleid und M.' 
Herrlib. 1749. Ebenda ,eine ledige Tochter, in die 
Kirch gehend' [mit einem Meien oben im Mieder]. 
,M. und Kränze an den Leichenbegängnissen auf die 
Totenbäum zu tun.' B Kleiderordn. 1767. , Predigten 
ordnen und zusamnienbüscheln wie die Braut den M.' 
Schweiz. Mos. 1703. — Auch (bes. im PI.) einzelne 
Blumen Aa; Bs; B; GRGlaris; L; GSa.,We.; Schw; Z. 
Blumenstock Aa; Z; Dim., Blümchen B; GRÜVatz; 
UwE.; W. AM grüene* Bainli volle* M. Stutz. ,Die 
Kinder lies Mais, die schönen Meieli und sinnigen 
Böschen.' Gottb. Spee. gel"'e M. = Viöle II 2 (Bd I 034) 
Sch. .Ein Büscheli Wintermaieli', Titel eines Buches 
von THMETER-Merian (Bs). — (>. (Maie') „Zwickel an 
einem Strumpfe LE.; U Ineichen. — 7. Bezeichnung 
festlicher Veranstaltungen, a) Schiessen, Schützenfest. 
,Die Schützen in der Eidgenossenschaft haben einen 
Meyen angesehen nach Laut der schriftlichen Ordnung, 
welche jeder Schützenmeister in jedem Orte hat.' 1500, 
Absch. ,A1s die büchsenschützen in unser eidgnoschaft 
begeren, ein meyen ufzurichten, und das 1 der jerlich 
von ort zu ort gehalten werden mit abentür und gaben, 
ist angesehen: sölichs diser zitte abzustellen.' 1500, 
ebd. ,Als dann gemein schiessgesellen, yez Zürich uf 
dem schiessen gewesen, an uns 'bracht haben, ein 
künftigen meyen und schiessen in unser eidgnoschaft 
anzusechen, wie sy dann darüber ein Ordnung vorge- 
nommen und gesetzt haben, davon jedem ort ein ab- 
schrift geantwort ist, soll jeder ort heimbringen und 
zu tagen darumb antwurt geben.' 1504, ebd. Die betr. 
Ordnung s. Absch. IH 2, 293 f.; unser Wort begegnet 
darin mehrfach (Nom. Sg. ,Mey', obl. Cas. ,meyen'). 

— b) eine Art Fischermesse, auch ,der Fischer Maien- 
tag' geheissen, die am Montag nach Himmelfahrtstag 
(so wenigstens 1510 und 1524) stattfand. ,Da die 
Weidleute die Kosten des Meyens tragen müssen, so 
sollen Landleute, Handwerker und Andere, die nicht 
in dem Meyen sind, nur für ihren Hausgebrauch Fische 
kauten, nicht aber für den Vorkauf; wer dem entgegen 
Vorkauf treiben würde, soll die Kosten des Meyens 
tragen helfen und von seinen Obern dazu verhalten 
werden.' 1546, B Fischerordn. ; die selben Bestiinmun- 
'."ii auch schon in den Ordnungen von 1510 und 1524. 

— c) der Schneider. .Am St .Marxtag 1441 luden die 

Si I ider von L diejenigen von BThun zu ihnen auf 

den Sonntag nach dem Auffahrtsfeste zu einem fröh- 
lichen Feste infolge einer auf dem Meyen in Zq ge- 



machten Vereinbarung. Sie meldeten ihnen, dass sie 
einen Wirt gefunden haben, der ihnen um 1 Denar 
weniger als 3 Schilling eine gute Mahlzeit mit ge- 
sottenem und gebratenem Fleisch, mit Fischen, El- 
sässer- und Landwein u. a. m. vorsetzen wolle.' Lie- 
benau 1881. — d) der Schustergesellen. ,Wir [die 
Schiedsrichter] haben ouch in diseni unserm Spruch 
den schuochknechten usgesetzet und vorbehebt, dass 
sy ein" 1 küng, einen schultheissen und einen weibel und 
ouch iren meyen haben mugen.' 1421, Z Schiedspruch. 
■ — 8. (Mai, in Gi-H. -e* — m.) im Mai gebornes Stück 
Vieh, bes. Ochs AaL. ; L; Z. Name für Kühe von 
gelblicher Farbe HlH. 

Mlid. meie. Zu 2 vgl. ,Mai' 7 bei Gr. WB. VI 117 1. 

— 3 wird, worauf auch das n. Geschlecht deutet, eine Ver- 
kürzung aus Mei(en)-Säss sein. — Bei der RA. Eim en M. 
stecke*, die unter 4 gestellt ist, mag da und dort (wohl in 
Folge von verloren gegangenem Verständnisse derselben) 
Bed. 5 herein spielen; dies zeigt das iu Bs; S daneben ge- 
bräuchliche Eim es liöscll »i. und die Stelle aus Stutz, wo 
.schmecken' sich eig. nur auf Blumen beziehen kanu. Der 
Mangel au Kenutniss vormaliger Laudesverhältnisse macht 
die Entscheidung schwierig, ob das in zwei auf einander 
folgenden Paragraphen des UwE. Talbuches von 1529 vor- 
kommende W. (,Ob einer mit sym muetwillen eim bidermann 
um syn hus bi nacht und bi nebel lüffe und eim das syn 
wellte geschänden oder losen vor seineu fenstern oder die 
meyen abhauen.' .Welcher ein meyen abhawet oder den 
dolden.') in ein und dem selben Sinne zu verstellen sei und 
in welchem. — Zu 6. „Der Ähnlichkeit mit einem Blumen- 
strauss wegen." — 7 a scheint den Namen eher als vom 
Monat, in dem das Fest abgehalten wurde, von einem wirk- 
lichen , Meien' (i. S. v. 4) zu haben, der auf dem Schiess- 
platz aufgerichtet wurde (vgl. die Wendung ,einen meyen 
Hineilten' = ein Schiessen veranstalten) und deu man viell. 

mit Preisen behieng. Eiue ähnliche Erklärung geht i b 

für 7 b — c an, da , Meien' bei diesen Mai-Festen wohl stets 
verwendet wurden; doch können auch einfache Übertragungen 
des Monatsnamens oder Kürzungen ans ,Meien-Tag' vorliegen 

— Zu 8 vgl. den Kuhnanien Merz, beide Naniensfor n 

wegen ihrer Einsilbigkeit gegenüber deu betr. Monatsnamen 
beachtenswert. 

Oster-Mai(e°): Busch-Windröschen, anem. nein. 
AASiglist., Wett. Syn. Gugger-JBlnem. — Die Pflanze 
blüht zur Osterzeit. 

Für- = Johannis-Chrüt 1 (Bd 111 896) SG., NA. 

Färb- = F.-Chrüt 1 (Bd III 890) SG, NA. 

First- = Maien 4 e GW. ,F. mit Bändern.- 

Fleisch-: Kukuks-Lichtnelke, lychn. flos eucc. 
AaB., Widen; LHorw. Syn. Fl.-Blüemli. - Benannt 
nach der fleischroten Farbe der Blütenblätter. 

Freud-: 1. grosser, auf leichtem Holzgestell künst- 
lich geordneter Strauss von möglichst seltenen Blumen, 
den das festlich geputzte Dienstmädchen (s. Freud- 
Maiili) trug, wenn es im Auftrag der Herrschaft Ver- 
wandten und Freunden die Geburt eines Kindes an- 
zeigte Seil; ZStdt, Wint. f Am Strausse Meng ein 
rotes Seidenhand, wenn das Neugeborne ein Knabe, 
ein weisses, wenn es ein Mädchen war (GFinsler 1884, 
231); nach Seil Wegweiser 1842, 67 deutete man das 
männl. Geschlecht des Neugebomen durch grössern 
Umfang des Fr. an. Die Sitte kam im XVIII. auf 
(s. Troll IV 130) und in den 60er Jahren des XIX. 
wieder ab. S.noch Alpenr. 1800, 110/11. — 2.= First-M. 
JRWaser 1829, 37. - Zu 1 vgl. Freud S .. (Bd 1 1274). 

Güggel-: 1. hohler Lerchensporn, coryd. cava Aa 
Ki., Reckingen. Vgl. Guli 4 a (Bd II 221). — 2. Wieson- 
salbei, salv. prat. AAReckingen. — 3. Klatsch- VI eim. 



9 



>la. in. 



10 



papav. Kl as AAHohcnthengen. Zu :;. 1 • i . - rötlichen 

BIO ton werden mit einem Bahneukamin verglichen; vgl. 
Güggt l-l 'kambi n. 

<i uggich- = Fleiseh-M. ÄABb. 

,WeiJ sich der Schaum der Eintagsfliege of( au der Pflanze 
lind. -f. sagt das Volk, der Kukuk habe drauf gespien'; vgl. 
Gugger-Chät Bd II 5015. -Speuz. 

Geiss(e")-: 1. = Oster- M. LSurs., Willis. Syn. 
Geissen-Nägeli. — 2. (gew. Dim.) Masslieb, bell, per- 
enn. Aa UEhr.. Fisib., Ki.; Gl. — 3. weisse Wucher- 
blume, chrys. leuc. AABöbikon, Siglist. - Zu 2 und 3 
Syn. Gänse-Geiseli Bd II 373. 

Lieb-Herr-Gotts-: Knabenkraut, orch. masc. 
AaE. Syn. Herr -Gotts- Fleisch- und -Bluet, Frauen- 
Trähen. 

Heb- = First-M. .Stecket frisch H. auf auf euren 
Dachgestellen.' XVIII., Bs Loblie.l der Zimmerleute. 

Heide" Heitc"-: Alpenrose, rhod. rubr. und hirs. 
Gr ObS. Vgl. Heid II 2 b (Bd II 989). 

Hüener- = dem Vor. WGrächen. Syn. H. -Einem. 

Nach Lütolf, Sagen 376 wegen der Ähnlichkeit mit dem 
Httbnerkamm "der der Hülinerhatit so benannt, nach Audern 
als Schlupfwinkel der Schneehühner. 

Herbst-: Herbstzeitlose, colch. aut. AAWürenl. 

Wirts-Hüs- = Maien 4 d S. ,Mit Spitzen und 
Bändern ausstaffiert wie ein W.' AHartm., Lirenhannes. 

Hetzgi-, auch Hexgi- = Güggel-M. 2 GG. 

Sant Johann(i)s-. Sant Jöhannsch- GrL.: 1. = 
Heiden-M. GrL.; WZerm. — 1. = Geissen- II. 3 LSurs., 
Willis. Syn. Sant Jöhanns-Bluem. 

Chüechli-: ein bei Anlass der Fastnachtsküchlein 
aus gleichem Teige erstelltes Gebäck, aus einem langen 
Kiemen bestehend, dessen einer Rand gekräuselt wird, 
so dass das Ganze, nachdem es um die Spitze eines 
Stahchens gewunden und in Butter gebacken ist, das 
Aussehen einer Blume gewinnt; es wird den Kindern 
geschenkt ZHombr. S. noch Sichel- Lösi (Bd III 1414); 
Chriesi-, Erdber-M. 

Chüentschge -: 1. = Lieb-Herr-Gotts-M. AiHet- 
tenschw. — 2. gem. Ragwurz, orch. mor. AAWiden. 

Chürbe"-: Blüte der Kürbispfianze AaEIii'. 

Sant-Katarine"-: kriechender Günsel, aj. rept. 
GSa. — Die h. Katharina gehört unter die 14 Nothelfer; 
dem Kraut wurde Heilkraft zugeschrieben. 

Chettene"- = Chetten 3 ( Bd III 564) AaBo., Widen ; 
ZBachs. 

Chle-: Blüte des Wiesenklees, trif. prat AAKi. 

Chräje»- = Hetzgi-M. Aa (Mühlberg). 

Chriesi- = Chr.-Chloben (Bd III 620) GiiChur, Pr.j 
GRh., W.; Z. 

Letzi-: Blumenstrauss. den Badegäste zu AaB. 
beim Abschied erhielten. .Für 2 L. 4 Schilling' ver- 
zeichnet 1736 Pfarrer JRBurkhard in Niederweningen 
unter den Kurausgaben [wobei unter den 4 Schillingen 
doch wohl das Trinkgeld zu verstehen ist, das dem 
Überbringer der L. gespendet wurde]. Vgl. Sader-M. 
Chlei°-Maränd-Jl/<((/(: 1. = Chäsli-Chrüt 4 (Bd 
III 397) GRPr. — 2. = Herbst-M. ebd. 

Die Wnrzelknollen von 1 (Chäsli) werden dann und wann 
vnii Kindern gegessen. Auf 2 ist der Name übertrageu wegen 
der Ähnlichkeit der beiden Pflanzen. 

Hoch- Muets- Maie": eig. wohl Strauss. den sich 
ein Bursche auf den Hut steckt, um sich ein hochmütiges, 
herausforderndes Aussehen zu geben ; s. Maien 5. Bildl. 
Der H. riset ab [entblättert sich]. Bruhin 1885. 



Fas-Nacht-: Blumenstrauss, der dem an der 
Fastnacht zuerst auf dem Tanzboden erscheinenden 
Paare überreicht wurde S (Schild 1860, 36). 

Brenn-Nessle n - = i7 üggel- M. 3 A * \V ürenl. — Die 

Blätter fühlen sich raub an, ähnlich denen der Brennessel. 
Bader-: Blumenstrauss. den man Kurgästen in 
AaB. ,ins Bad verehrte.' Einen solchen erhielt z. B. 
1665 der Z Bürgermeister Waser. DHess, Badenf. In 
verallg. Bed. jedes Geschenk, das man Badener Kur- 
gästen machte; so auch 1663 von einer langen, ge- 
lehrten Abhandlung über die Folgen der Trunksucht, 
ebd. S. noch ,das Brot' S. 108. 

Eid- Ber Epperi-: ähnlich dem Chriesi-M., nur 
dass statt Kirschen Erdbeeren am Stabe befestigt 
werden Z. Eine Abb. s. Z Neuj. Mus. 1777. 

Blau-: 1. kleines Singrün, vinca min. GSa. - 
2. dim., wohlriechendes Veilchen, viola odor. ebd. 
Ris - Maieli = Geissen- M. 2 GrD. 
Ross-Maie"= Hüener-M. GrS. 
Ratte"-: blaue Kornblume, Cent cyan. W. 
Wohl in Folge Verwechslung wegen des gemeinsamen 
Standortes von der Kornrade, agrost. gith., auf die Korn- 
blume übertragen. 

Söu-= Chettenen-M. AiBb. Syn. Söu-Bluem. — 
Weil als Schweinefutter verwendet. 

Süg-: (Dim.) gem. Lungenkraut, pulm. offic. SNA. 
Der Name daher, dass Kinder gerne den süssen Saft aus 
der Blüte saugen. 

Schkf-Maiji= Geissen-M. 2 GRJenatz. 
Schwi"- = Söu-M. GrL.; W. 
Strilss- = Maien 5 SchwE. D' Musikante* mid 
ire" Str., u-o s' uf de" Hüete" 'treit hend. MLienert 
1891. — Tautol. Zss. 

Tschugge"-: schmierige Primel, auricula viscosa 
W. Syn. Flueh-BIuem, -Bös. 

Kilch-Wih Chilbi-: Kirchweihstrauss AaF.; B; 
Lf; G- .Kosmarinstrauss, den auf dem Tanzboden die 
Mädchen an der Brust, die Burschen auf dem Hute 
trugen; man wetteiferte um den schönsten Strauss; 
wer keinen hatte, galt Nichts beim Tanze' aScHW (bis 
1820). In LH., Rottal bestand der Ch. aus einem etwa 
20 cm langen und 4—5 cm breiten, mit blauem oder 
rotem Stoff überzogenen Kartonstreifen, auf dem ein, 
oft auch zwei grosse Rosinarinzweige befestigt waren, 
neben allerlei künstliehen Blumen (bes. Rosenknospen 
und Vergissmeinnicht), zwischen welchen an langen, 
dünnen Drähten ,Dort-Ähren' und .Läubli' [s. Laub 4 
Bd III 955] steckten; unten war eine Schleife aus 
verschiedenfarbigen Bändern [s. Strick] angebracht. 
Den Ch. spendete das Mädchen seinem Chilbi-Bueb; 
vor dem Beginn des Tanzes heftete es ihm denselben 
so auf das linke Vorderteil des .Tschopens', dass der 
Rosmarinzweig ein wenig über die Schulter hinaus- 
ragte. In G wurde der Ch. unter der Linde gewunden; 
darnach scheint er dort aus frischen Blumen bestanden 
zu haben. S. noch B Dorf kai. 1890. 11. 

Höch-Zit Hochsig-: Hochzeitsstrauss. welchen 
die .Hochsigjumpfer' [weiblicher Hochzeitsgast] ihrem 
.Hochsigchnab' vorn an die Brust heftet, und welcher 
nachher zur Erinnerung aufbewahrt wird Z. , Sohns- 
fraue" schön wie H.' Stutz. Spec. der Strauss, den der 
Bräutigam am Hochzeitstag auf der Brust trägt UwE. 
maie": 1. das Gras im ,Maiensäss' abweiden lassen 
GW. — 2. „einen Baum schälen, wenn seine Rinde 



11 



IIa. nie, ini. nid 



12 



noch im Satt ist, also im Gegs. von bijeien, not -rinden" 
BO. D's Höh m. - 2 auch bair. (Schm. I 2 1552). 

Maiete" f.: Ballen von Maibutter. Syn. Anken-, 
Maien-Brüt. ,A. 1599 den 17. Mey (wäre der Auffahrt- 
schiessent auf dem Hofe) stellete man eine Meyeten 
aul. darinnen steckete ein blühender Trauben, reife 
Kirschen und Erdbeere, ein reifes Roggen- undGersten- 
ähre samiiit einer Haber-Tünnen.- JEEsoher 1692 (am 
Rande: .früher Jahrgang'). JJScheuohz. 1716 wieder- 
holt die Nachrieht mit dem Zusatz: .[M.] oder Anken- 
braut.- ,10 ß dem Babeli [als Trinkgeld der Tochter 
des Pächters aus ZZoll.] für die M-en den 26. Mai 
1763.' Z Haushaltungsb. .[An Auffahrt und am Pfingst- 
montag] werden oft M-en, Milch, Zigerli und Anderes 
am Morgen vor der Predigt in die Stadt getragen 
zum Verkauf, die Kirche versäumt.' 1686, ZZoll. Pfarrb. 
- Vgl. .das Brot' S. 108. 

niaiig: im Safte, vom Holz BSi. Im Maie" muri 
d's Höh ms. 

Maierä", bzw. -ö", in ÄALeer., St. -öm : 1. Majoran, 
orig. major. Aa; GT.; Sch; Th; Z. Syn. Maserön. 
.Meyaran.' Zg Arzneib. 1588. .Meyeran.' Bs Apotheker- 
tax 1701. S. noch Gr. WB. VI 1488. - 2. müde M. 
a) orig. vulg. ÄAEhrend.; Th ; U. — b) in GWe. Ma- 
garö*, Feld-Thymian, thym. serpyll. GWe.; Sch. — 
c) wilde Münze, menth. silv. GGoss., Stdt, Ta. 

Büchel- = Maierän 2 b GG., oT. — Die Pflanze 
wächst bes. an Abhängen. 

Meier 1 m. : 1. grundherrlicher Beamter, der die 
Aufsiebt über die Bewirtung der Hofgüter führt und 
im Namen des Grundherrn die polizeiliche und richter- 
liche Gewalt über die Hofleute ausübt. Er selbst be- 
baut ,das grösste und beste Stück des alten Hofes', 
den .Meier-Hof- [s. Bd II 1029], sofern nicht hiefür 
ein besonderer ,Unter-M.' bestellt ist, so dass ihm als 
.Über-M.' nur die Verwaltung der Herrschaftsrechte 
obliegt; s. z. B. Aa Gem. 1844, 2, 330. .Gezwinge und 
benne sind des m-s an des gottshus statt.' 1300, Ztschr. 
f. schwz. K. .Item wenn ein val also gevelt [s. ge- 
fallen 3 Bd 1 756], so soll ein meiger uf dem hof 
,l.i i lt.l 1 1 und soll man im das vich für schlachen oder 
las gewand für legen.' 1417, Gfp. In BBiel stand im 
Will, ein bischöflicher M. an der Spitze der Ge- 
meindeverwaltung. .Der Bischof von Bs setzet Denen 
von Biel einen M.; doch nihmet er selbigen aus dem 
Habt daselbst, und niuss ein solcher dem Raht schwe- 
ren und hinwiderum der Raht ihme. Er sitzet auch 
mit dem Raht zu Gericht in den Malefitz-Sachen. So 
[dn- Rat] Etwas der Stadt halben rahtschlaget, so 
stehet der M. aus und besitzt der Bürgermeister den 
Habt.- SiML.-Leu 1722. Über weitere Befugnisse des 
M. s. ebd. S. 640 Anm. Der M. hatte die Wuchertiere 
für die Hofgenossen zu halten. .Der meiger soll ouch 
haben einen pharren, einen eher, einen widder und 
einen bock.- AAErnlisb. Offn. S. noch Frevelt Bd 1 
12 s 7. Über Wesen und Entwicklung des .Meier-Amtes- 
vgl. bes. Bluntschli, RG. [»249/54; LABurckh. 1860. 
25 f.; JMeyer 1878, 258/68; über das Verhältniss des 
M. zum .Keller- s, Bd III 204. An manchen Orten 
wurden schliesslich die M. von der Bauerschaft gewähli 
und leiteten als Vorsteher (s. Dorf-M.) die gemeinen 
Angelegenheiten und Interessen dei Genossenschaft, 
besorgten auch die niedere Ortspolizei. Bldntsohli, 
KG. 1- 123. Wenigstens angebahnt erscheint diese 



Entwicklung an folgender Stelle: .Und denne ist ze 
wüssen von des meigers wegen, dass die gnossen einen 
m. haben sond, und soll man inen keinen m. nfsetzen 
denne mit ir willen und der inen gefellet, welicber 
denne ie ze mal die kleinen gericht inne hat. Und 
soll ouch ein m. vor den gnossen järlicb schweren, 
so sy ir geding hant.' AALunkh. Ofl'n. — 2. Dorfvor- 
steher, Ammann; entsprechend dem frz. .maire' BsL.f 
(noch im XVIII. z.B. in Langenbruck); S. Am 10. März 
1476 benachrichtigt ,der m. von Locle' den Grafen von 
Aarberg von den kriegerischen Absichten des Herzogs 
Karl von Burgund. Bs Chr. II 368. .Es gehöret der 
Stadt Biel St lmmersthal, und bat vil Gemeinden, da 
ein jede ihren eignen M. oder Amman hat, welche zu 
Meyen und Herbst von ihnen bestätiget werden.' Siml.- 
Leu 1722. S. noch Gr. WB. VI 1903. — 3. Lehen- 
mann, Pächter BsL.f; GüMai. — 4. Bauer. .Es ist 
ein vast richer m. tot.' NMan. .Fürwar, du bist ein 
rucher m. Im hus hast schier kein brot noch eier; 
noch wolltest gern mit allen roufen.' Rüep 1540. .Rau- 
cher m., grob, ernsthaft, horridus, severus agricola. 
Grob, raucher m., austerus.' Mal. In LRickenb. wur- 
den lt Jabrzeitbuch die Bauern .meyger' geheissen. 
MEsterm. 1882. — 5. Geschlechtsn. allg. 

Lediglich ein Jlissverstäudniss ist es, wenn HsStoekar 
1519, 9 den Namen des Apostels ,St Jacobus major* durch 
, St Jakob der meiei" wiedergibt. 

Alp-: grundherrlicher Verwalter eines Alphofes. 
.Die übrige Behausung besitzet des grossen Spitals zu 
Basel A., welcher bey 80 Melchkühen erhaltet.' Wiirst- 
isen. Das W. auch bei AHeusler 1854. 

Vierling- = Vierer (Bd 1 923)? AAWett. Offn.j 
vgl. Dorf-M. 

Geiss-. ,N. N., genannt G." 1653, AAWett. Kloster- 
arch. Vgl. Geiss- Vogt Bd I 706. 

Hueb- = Meier 1, insofern er auf der Meier-Hueb 
[s. Bd II 960] wohnt. ,H.' hiess der Verfasser des 
.toufbüechlins', auf das Zwingli eine Entgegnung 
schrieb, mit der Aufschrift : ,an Balthazarn Huebmer.' 
,N. N., genannt H.' 1653, AAWett. Klosterarch. 

Hof- = Meier 1, bes. insofern er den Meier-Huf 
bewirtschaftet. .Wohnte der Hofherr auf dem Gute, 
so baute er mit Hilfe der Hofleute sein Gut selbst 
oder Hess es durch einen sog. H. für sich bewirt- 
schaften.' LABdrckh. 1860. S. noch Gr. WB. IV 2. 
1693. Einen .Burchhard H.' nennt RCysat. 

Holz-: Aufseher über die Waldungen Th. .Die 
vier H. leisteten dem Burgermeisteramte bei vorkom- 
menden Verrichtungen im Walde nur Knechtedienste.' 
JJMüLL. 1867. — Vgl. Gr. WB. IV -.'. 1777: Mytli. 2 Sil. 

Hard- = H.-Herr (Bd II 1532) Z f. ,Der aus dem 
Mittel der täglichen Räte geordnete H., dem die nähere 
Aufsicht über dieses Grundstück [das Hard] aufge- 
tragen war.- 1801, ZStdt (Memorial der Gemeindever- 
waltung). S. noch H.-Büechlin. Geschlechtsn. Z. 

Chilch-, Chirch-, in Ap Chiltefai'- .- l.= Chüchen- 
Vogt 1 (Bd I 706) Aa; Ap (doch meist nur ein unter- 
geordneter Gehilfe des Bezügers der Kirchenzinse); 
Bs; B; „VOj" GLf; „Sj" Z. Syn. Chilehen-Pßger. 
Er zahlt das Lehrergehalt aus B. .Nachdem jedes 
Kind [nach der Jahresprüfung] seine Batzen hatte, 
brösmete der K. auch mir meinen Lohn aus.' Gotth., 
Schulm. Die Kinder verspotten ihn: Ch., Milchseijcr! 
A.vl.oer. An den K. werden die Bodenzinse entrichtet 
\ on den der Kirche Pflichtigen Grundstücken. M Esterm. 



i:; 



Ma, im 1 . 



im. nio, mu 



14 



is«2. .Was im jarzytbuech der kilchen stät, das wysef 
umb bu, Hecht und spengen, darüber die kilchg'nossen 
k. setzent, das söllent sy nsscbryben, und sönd des 
nüt verkonfen noch verfendren [verpfänden].' 1418, 
1. h'atsli. ,K. sönd järlich dem kilchherrn asrichten 
an baarem gelt uff Martini alle die jarzyt oder galt, 
das im gefeit von den jarzyten. Darumb soll der 
kilehher den zwein kilclimeyern und dem sigristen 
geben... - LKriens Kirchenr. .Wenn [die von ZBir- 
mensd.] aueb Dorfmeyer oder K. setzen wollen, soll 
das geschehen durch den Untervogt, den Richter und 
die 10 Benannten [Ehrenmänner aus der Gemeinde].' 
1504, Absi'h. ,Der k. soll alle fronfasten armen lüten 
umb brot geben 16 seh., 2 viertel körn, 1 viertel haber, 
1 viertel kernen.' 1550, LRickenb. Jahrzeitb. .Von den 
k-n und pfiägern der kilchen.' 1584, Gfd 3, 187. .Es 
ist zu wüssen, dass aller Hanfzehend, Hanfsam und 
Nuss an der Kilchen Bauw gehörig, und das soll in- 
nemmen ein K. und soll davon die Gloggen ze oberen 
und zu nideren Baden besorgen.' 1681, ÄAWett. Klo- 
sterarch. ,Üer K., der von einem Raht der Statt zu 
Baden gesetzt wird, hat die Kilchen mit Tach zu ver- 
sorgen.' ebd. ,Falls sich begebe, dass denen bevogte- 
ten WaisenkindeTen oder Kirchen in dergleichen Auf- 
fahlen zue verlieren gienge und sich erfunde, dass 
solches wegen Saumseligkeit oder Unrleiss der Weisen- 
vögt oder K-en beschechen, sollen solche Weisenvögt 
oder K. der Weisenkinderen oder Kirchen ihrer Ver- 
lust wider ersetzen.' 1684, ebd. ,1'ie Kirchen haben 
besondere Verwalter ihres Guts, K. genannt.' JXSchnyd. 
1781. .Ratsherr N. wird zum K. vom Rat erwählt. 
Lamlvogt N. zum K. von Bürgern.' 1702/7. B. S. noch 
frommen 4 (Bd I 1266), E-Gaumer (Bd II 304) und 
vgl. Seg., RG. II 810. 812; Ochs V 700; Strickler, 
Horgen 195. — 2. = Chilchen-Vogt 2 S; Nnw. 

MEsterm. 18S2 belegt einmal die Form ,kyl-nieyei.' 
.Kilclienm.' begegnet ebd. und bei Zellw., Urk. 

Mit-: Mitbesitzer des Meieramtes. 1445, W'Ein- 
lischtal Urk. 

Ge scheid-: Vorsitzender des .Gescheids' (s. Ge- 
scheid-Herr Bd II 1543, Scheid- Lüt Bd III 1521). ,Das 
Amt eines G. der mehreren Stadt [Bs] bekleidet der- 
jenige Herr der Räten, welcher von der höheren Zunft 
ist.' ßs Gescheidsordn. 1770. .Die Bahnwarten sollen 
der Stadt Zwing und Bahn, Allment und Herrlichkeit 
getreulich hüten, das Anstössige sofort ihrem G. an- 
zeigen und demselben, wie auch dem Gescheide, ge- 
horsam sein.' ebd. 

Schüre"-: Pächter auf einem gewissen Gute des 
Spitals Bs. Schürmeier auch Familienname. 

Schloss-. ,Das Schloss und die Güeter [zu Sch 
Herblingen] werdend einem Buren verlihen, den nampt 
man den Schi.' Rüec-er 1606. 

Stur-: herrschaftlicher Steuerbezüger, der für die 
richtige Verteilung und Bezahlung obrigkeitlicher Auf- 
lagen sorgt. .Andere Dienste sollen Vogtleute und 
Gotteshausleute [zu AAWett.] und Alle, die im Amt 
Wunn und Weid gemessen, mit einander tragen nach 
Auflage des geschwornen St-s.' 1429, Abscu. ,St.' 
hiessen die Mitglieder eines Kollegiums, das 1459 in 
ZEmbr. die damals an Konstanz verpfändete und zahl- 
bare Vogtsteuer einzuziehen hatte, aber von den Steuer- 
pflichtigen ernannt wurde. 1459, Z Ratsurteil. ,Die 
Vögte der Witwen und Waisen sollen alljährlich in 
Gegenwart der St. des Amtes dem Landvogt [zu AaB.] 



Rechnung ablegen.' 1477, Absch. .Ausschüsse aus der 
Gemeinde AAKoblenz klagen, dass der Obervogt in 
seinen Gerichten keine von dem Landvogt beeidigte 
St.. die auf die fehlbaren Sachen Acht zu geben und 
selbe zu leiden haben, zulasse. 1 liiT.".. Absch. Der 
Landvogt zu AaB. schaffte 1728 die betrügerischen 
Judenschreiber ab und gebot, alle Ausfertigungen und 
Abrechnungen der Juden vor den St-n oder den Ge- 
meindevorstehern regelmässig vorzunehmen.' Aa Gem. 
Die St. wurden gelegentlich auch zu anderm Dienst 
verwendet: ,Die undervögt und st. [in B] sollint ein 
ufsehen daruf haben [dass Niemand an Wiederein- 
führung der Messe denke].' 1532, Egli, Akten. 

Amts-Stür-. ,Bis zum Jahre 1777 war N. N. von 
Oberengstringen Amtsseckelmeister, man nannte ihn 
A.' HWeber 1869. 

Strudel-: flüchtiger Arbeiter Bs. — Vgl. Gr. WB. 
VI 1904. 

Dorf- = Dorf-Vierer (Bd I 924). So oder Dorf- 
riehter hiessen z. B. noch in der 1. Hälfte dieses Jhdts 
die Vorsteher der Civilgemeinden von ZGossau, welche 
die ökonomischen Angelegenheiten ihrer Gemeinden 
zu verwalten hatten. ,Ouch soll man wüssen, dass 
man zuo den gedingen ze meyen und ze herbst soll 
vier d. setzen und erkiesen.' Ende XIV., ÄAZufikon 
Offn. ,Mer ist ir alt harkomen, dass sy söllin setzen 
zwen d. Dieselben zwen sollen einem herren schweren, 
des dorfs ze Wetzikon nutz und ere, iren nutz ze för- 
dern und schaden ze wenden, als vere si mögen, das 
an geverd. Dieselben d. sollen zuo gebieten haben 
steg und weg, ouch efaden ze machen und in eren ze 
halten.' ZWetz. Hofro.lel; ähnlich 1475, ZGryfenb. 
Hofrodel. ,Darzuo hand ouch dieselben dörfer das 
recht gegen einander, dass nieman nit in dem fronwalt 
houwen soll, denne als wenne im erloupt wirt von 
dem keller und den d-n.' AALunkh. Offn. .Magister 
vici, d.' Fris.; Mal. ,Es soll ohne erlaubtnuss der 
vier geschworenen d-en zuo Wyach keiner dhein holz 
gar nit hauwen.' 1596, Z. ,I)ie g'schwornen ald d. zuo 
Wyach.' ebd. In ZMönchalt. nennt man D. Denjenigen, 
der die Aufsicht über die Dorfbrunnen hat und sie in 
gutem Stand erhält ; Syn. Brunnen-Meister. — Vgl. 
noch Bluntschli, R(i. I 2 4'2:'.; Argov. 1861, US f. 

Wile"-. .Der w., so uf dem hof sesshaft ist.' Z 
Dietikon Offn. Vgl. Wilen-Mann. 

Wis-. , Konrad W. von Niderflachs.' 1527, Z. 
Sonst auch bloss ,K. Meyer.' Noch Geschlechtsn. Z. 

Zins-: Bezüger der Gefälle für eine Herrschaft. 
,Der z. soll von der houptsumm von 20 einen gülden 
ze geben schuldig syn.' 1526. Absch. (Gr). ,Der z. soll 
dem lechenherr nach lut und sag syns briefs zinsen.' 
ebd. ,Was Erblehenzins sind, diewyl der recht Lehen- 
herr den Zins in Händen hat, so soll im der Z. näm- 
lich nach Lut und Sag des Zinsbriefs und alles das 
Korn, Schmalz. Käs und Wyn, vorbehalten Pfeffer 
und derglychen Ungebür, zu geben schuldig syn.' Gr 
Landsatz. 1619. ,Hinderstcllige Z.' 1649, Foffa. S. Gr. 
Weist. V 705. 

Meiertum: 1. Meieramt, -würde; s. Gr. WB. VI 
1906. — 2. Bezirk, Dorf, worüber ein Meier gesetzt 
ist. Im Mai werde die Stift in allen ,m-en' Landtage 
halten. 1531. Strickl., Akten (S). ,Es sperreu sich 
etlich in Münster meigertumb die steur zu geben.' 
1532, ebd. , Seine [des Bischofs von Bs] Untertanen 



15 



Ma — mn. Mal — mub. Mach— inuch 



16 



in den Dörfern (meigertumben) Eisgau usw.- L532, 
ebd. ,13 Meiertumb habend mit der Stadt Bs ein 
Burgrecht angenommen.' Wi-rstisex. 

Meier II: Name einer Pflanze. ,Von M. und roten 
Muten. Die Bletter in heisser Eschen gebraten heilet 
<lie »erbrennten Glider. Die erste 1 Irüe von gesotnem 
M. mit Rindsgal vermischt . . .' ZZoll. Arzneib. 1710. 

Vgl. Majoran und s. Gr. WB. VI 1904; »gl. anch Aum. 
zu VogdrChrüt (Bd III 890). Zu Jen dort angefahrten Pflan- 
zen kommt guter Heinrich, chenop. bon. Henricus, für den 
Pritzel-Jessen S. 91 die rahd. Bezeichnung ,maier' beibringen. 

mlii: faules Ja ApH.. M. — Ungefähr die gleichen 

Laute, welche Bd I lfi-J mit flu' bezeichnet sind. 

llliagge": schreien, von Katzen B. — Onomato- 
poetische Bildung. 

Mias. Miassli. Gotth., Mies ApH., Meies ApM.; Bs 

(Spreng). Meijis LBerom.; UwHergisw. : Jeremias (lt 
Spreng .pöbelhaft'). Vo" 's 3Ieijisse", von der Familie 
des J. LBerom. ,Myas Hotz von Dürfen.' 1558, ZGrün. 
Diese "Verkürzung bezeugt ilie urspr. Bct'iuuiig .Unmi«* ,- 
vgl. die ähnliche Sachlage bei Leies Bd III 950, Ups Bd III 
1362, Broii. Bitzi, Ritzi. 

Hianeli: Kätzchen Ap (Kdspr.). 

miaue": wie nhd. G; Tu; Z. Vor Häusern, in 
denen ein Schwein geschlachtet worden ist, pflegen 
Kinder so lange zu m., bis sie von den frisch be- 
reiteten Blutwürsten bekommen GW. Vgl. mauwen. 

miausle": im Weinberg Nachlese halten, ein Ge- 
schäft armer Leute B; L. Syn. süechlen. 

mii: 1. (mö-) Interj., mit der ein Kind, das sicli 
schlafend gestellt hat, plötzlich auffahrend Andere 
erschreckt Th; Z. — 2. fmmmö) Lockruf für Kälber 
S (Schild). Vgl. möggen. 

um: 1. Nachahmung des Gebrülles des Rindviehs 
Bs; Tu; Z. — 2. (mü-mü) Lockruf für Kühe Gl. 

M ü n., in Th auch f.: Name der Kuh od. des Rindes 
in der Kdspr. Bs; Th; Ndw (Dim. Muli, Müjili); Z. 

Lobe-, Löbeli-: das Selbe GStdt. 

Mucheli-: das Selbe lisStdt. Syn. Mucheli. •- 
Über die Bildungsweise dieser Zss. s. GBinz 1888, 5. 

Gueti-Mue: Name der Kuh im Kdld vom Haus- 
halte L. 

mii-e" — Ptc. g'müt: brüllen, von Kühen GuVal. 
Syn. müggen, brieschen. 

mü-ele" ("'): 1. von Pferden: leise, schwach 
wiehern ZGlattf. — 2. von Menschen: die Laute hm- 
hm-lun hören lassen und dabei schmunzeln, wohlge- 
fällig vor sich hin lächeln, z. B. wenn man gerühmt 
wird. ebd. 

Der Einsender (Spillni.) schrieb zwar stets mähele*, aber 
das h ist diK-li wahrsch. nur Silin ntrennungszeichen und wird 
nu'iii gesprochen. 



Mab, Hieb, mib, mob, raub. 

Möbi, Möbili: Name von Kuh oder Rind in dei 
Kdspr. L (Ineichen), 

Wahrsch. eine Contaminatiou ans mtt (mö) und dem syn. 
Löbi (Bd III 996), wenn nichf eine blosse Entstellung aus 
Letztem) im Kindermund; doch »gl. Höbt n (I:<1 II 945), 
II..,,; (ebd. 1 185), Wobi. 



Hüs-Mobili f.: Hausrat. UBragger 1788; Z<l. 

Mobilie" PI., auch f. sing.: Verkürzung aus dem 
W. .Mobiliarversicherung' Z. [Seinen Hausrat] i* d' 
M. tue'. I" der M. händ-si gar Nüd. 

Möbel n.: 1. von allerlei beweglichen Gegen- 
ständen, meist in verächtlichem S. Tu; Z. En alt* 
31.. z.B. von einer unbrauchbar gewordenen Maschine 
Tu; Z. — 2. ebenso von Personen Th; Z. E" sübers 
.1/.. ein sauberer Patron; e" füls 31., ein Faulpelz; 
en unnützes M. Da' ist e* 31.! auch von einem aus- 
gelassenen, stets zu tollen Streichen aufgelegten Men- 
schen Tu. Dim.. Dirne Sni. 



Mach, niech, mich, moch, mach. 

g'-mach. in BE. -ä-, in ZSth. auch mach, in BöO. ; 
UwE. als Adj. g'mäch — in den flect. Formen häutig 
g'tnachne", g'mächne r , g'mechne": 1. Adj. a) gemäch- 
lich, langsam Aa; Ap; Bs; B; Gr; GG.; ScHwMa. ; Th; 
UwE.; U; W; Z. Er ist (en) g'mäche r (:er Arbeid) 
BöO., en g-e r Arbeiter BSi. ; Tu; Z. Ghleini und g-i 
[Schritte], Scbwzd. (Gk). G. am Bare", g. am Chäre; 
langsam beim Essen, aber auch bei der Arbeit BE.; 
vgl.: ll'c'r nid mag esse", mag au ch nid schaffe" Tu. 
Zur Räch bis g..' Sprww. 1824. ,Das b'hend und 
schnell macht er g.' Haberer 1502. .Latitudo ver- 
borum. wenn einer g. und langsam in reden ist.' Fnis. 
.Je höher ein Planet am Himmel, je einen gemacheren 
und sittigeren Lauf er hat.' FWyss 1650. .Da die 
christlich Lieb g. und die Waffen sind geschwind.' 
CMev. 1657. ,Die müden Ochsen treten hart: schwache, 
alte, g-e Leut können auch Etwas.- Hey., Hort. 1692. 
.[Es] ist ein grosser Unterscheid zwüschen dem lands- 
knechtischen und eidgenössischen [Trommel-] Schlag, 
dann der unsere etwas gemacher ist.' SiML.-Leu 1722. 
.Ich habe mich viel beflissen, aber mit g-em Success.' 
Will.. Landv. Eschers Tageb. — b) zahm, zutrau- 
lich. .Die [wilden Enten] liessend inen brot fürwerfen 
und holtend das, so g. hatt si der hunger g'machet.' 
Vad. — 2. Adv., wie nhd. Syn. hübschelich Bd II 960. 
Nur e" chli" g.'. Mahnung an einen Übereifrigen. G. 
riebe" [reich weiden] tuet wo!. Sprww. 1869, auch 
Scbimpfr. 1651. Bes. in der Verbindung g. tue", Etw. 
langsam verrichten; behutsam, vorsichtig zu Werke 
gehen Bs; Th; Z, häufig in der Lit. des XVI./XVIL; 
s. tuen. .Mir gat der at also g., dass ich nit gan noch 
reden kann.' Haberer 1562. .Manu longa tradere, 
langsam machen, g. leeren.' Fris. .Auf einem langen 
Wäg wandlen auch die Geschwinden g. ; wann aber 
der Wäg kurz ist, wandlen auch die G'machen ge- 
schwind.- FWyss 1655. ,[Es] sind auch Solche, denen 
man zu geschwind oder zu g. prediget.' Müll. 1673. 
,Mit der Leibsübung muss man auch g. verfahren.' 
Hauptweu 1690. .In Politicis solle man gemacher 
einhertreten.' 1713, Absch. .Maxima paulatim e mi- 
nimis, minima subito ex maximis, g. wird das Klein 
gross, gechling das Gross klein.' Denzl. 1716. S. noch 
daher Bd II 1566. — :!. subst.. Geschlechtsn. .Jakob 
G.' 1322. Gl Urk. 

Die nräfixlose Form mach beruht, obscl sie auch 

anderswo, z. T. schon in alten Quellen, vorkommt (Gr. WB. 
IV 1, 'J, 8124), kaum auf altei I berlieferung, sondern er 
klaii sich am einfachsten als Abstraktion aus Fallen, wo im 



1? 



Mach, mech, mich, hloch, mueh 



is 



Satzsandhi das .'/' den) vorausgehenden Consonanteu sich assi- 
milierte. G'müeh ist durch Ausgleichung nach dem Comp, 
oder nach dem ibstr. G'mäehi entstanden. Der Comp. ,gmä- 
cher' findet sich Doch 1546, L; GGotth. lö'.i'J; 1G50, ZElgg 
Arzueib.; HKeller 1729; NSererh. 1742. 

all- GrOdS., V.. tüls- Aa;Ap; BHa.; Gr; GG., O.S 
ScnSt.; ScHwMa.; Th; Z, alls-g'machs TuHw.; ZO. tw. 

— Dim. iills-ifiiidchcli Bs: Adv., verstärktes g'mach. 
Giind it..' macht euch einstweilen ganz langsam aul 
den Weg [ich komme gleich nach] GG.; ScHwMa. ; 
Tb; Z. JUier wein epp' a. gegen kein trappelten BHa. 
A. dem Hemet eue! ruft man Scheidenden nach Ap; 
vgl. Heim (Bd II 1276), lassen III (Bd 111 1397). A. 
chunnt au ch hei" AaL., eh. air'' nähe-, eh. men aw h 
u-U ScHSt. (Sulger). Der As, Spitzname für einen 
langsamen, allzu bedächtigen Menschen TnHw. ,Sara 
[sagt Tobias] soll allg'mach nocher kon.' GGotth. 1619. 
Sup. ,allg'machest.' ,[Er] fieng a. an reden.' Morgant 
1530. ,A. ryten.' Haimonsk. 1531. ,Pauxillatim, a-ist, 
nach und nach, yemer wenig. Pedetentim et gradatim, 
muesslich, a-ist, nit strüttig. 1 Fris. S. noch an-gän 
Bd II 20, hübsehelich Bd II 967. Dafür auch ,aller 
g'machest.' Wagner 1581 (S Wochenbl. 1846, 2, 37 a); 
GGotth. 1619, 214. 

Zsgs. mit all-, bzw. alls- (Bd I 170), das entw. mhd. 
alles (ganz und gar; immerfort) oder alliß (immer) entspricht. 
Allsy' mach« ist eiue Weiterbildung mit dem adv. (eig. Gen.-) 
Suffix -», wie das einfache .gemachs' (Gr. WB. IV 1, 2, 3129). 

G e -mach, in AALeer. ; BR., Si. ; L (Ineichen) -ö- 

— PI. G'mächer BHk., Si. f-ä-J; GrPt.; GA. — Dim. 
Q'machji W, sonst gew. G'mächli — n. ; 1. abstr., 
Kühe, Bequemlichkeit. Si"s G. htm, sich ruhig ver- 
halten, ordentlich betragen BO. Heit denn aus G.l 
Ermahnung von Eltern an ihre Kinder BR. „Gang- 
vier jetz i" d' Stube" und hüb di's G.l" .Mänig mann, 
der gern syn g. bette gehan', in Ruhe gelebt hätte. 
Ap Rehuchron. um 1400. .Etlich hettind gern gehan g.' 
ebd. ,Und werd noch hüt guet botscheft kan [kommen] 
von dynem sun . . darumb so hab nun guet g. !' JBinder 
1535. Sehr häufig formelhaft verbunden mit Synn., 
bes. mit ,fride\ ,ruow.' ,Dien lüten ze vride und ze 
g-e und ze nutze und ze eren.' 1316, WÖchsli 1891. 
, Durch unser aller nutz und notdurft, frid und g.' 
1393, Gl Urk. Vgl. ebd. 1 421. .Durch friden, schirms. 
ruewen und g-s willen unser lyb und guetes.' Schw 
LB. 1457/1544. , [Damit] unser aller land und lüt in 
guotem frid, ruow und g. behalten werden.' 1481, 
Stanser Verkommniss. .In brüederlieher trüw, frid, 
ruow und g. pliben.' ebd. Eine Frau wird in den 
Spital empfohlen, da sie ,in sölichem alter und übel- 
mogende ruowen und g-s notdürftig' sei. 1491, Z. 
,Ruob und gemacht haben.' Kessl. S. noch Friden 
Bd I 1276. — 2. concr. a) Gebäude, Haus B; Gr; 
LE.; GA.; U; W. ,Von den Entlibuchem wird ein 
ganzes Gebäude ein G. und erst die Gemächer selbst 
oder die Abteilungen auf jedem Boden werden Ge- 
hälter geheissen.' JXSchnyd. 1781. Uf dem Guet sind 
drü G'mächer GA. I eh ha" 10 G'mächer z' erhalte" 
BHk. Dim., verächtlich für ein kleines, ärmliches 
Haus W. .Wann also Heuser, Stadel oder was Ge- 
mecher sich teilen müssten.' GRVDörfer 169'2. ,Wann 
Einer den dritten Teil in einem Haus oder Gemach 
bette.' ebd. S. noch erguderen (Bd II 123), Gehalt 1 i 
(Bd II 1220). Insbes. (auch Vorsass-G.) Gebäude auf 
den Voralpen (s. Bd I 195), das Wohnung und Stallung 

Schweiz. Idiotikon IV. 



..ilcr Scheune zsfasst und den Charakter des Wohn- 
hauses im Tale (HiisJ mit dem der Alphütte (Slafel) 
vereinigt BSi. ; W. Syn. Vorses-Hüsli Bd II 1728. 
Stall und Heubehälter mit einem Schlafkämmercheii 
GnPr. Kleiner ,StafeP in den Weiden und auf Bergen 
BAdelb. Gebäude in den Alpen, entweder es Huisi 
[Wohnung] oder Gadem, Stall, Schir PPo. .Es soll 
Niemands Gewalt haben, ab gemeinen Bergen einiches 
G. zu führen, es werde ihme dann von den Berg- 
anteilern durch das Mehr verwilliget.' 1660, BSa. 
.Wann die Alpen geladen sein, das" ein Jederer solle 
die Gemaehi verhagen; wann sie aber von dem Cam- 
paren offen gefunden werden, so sollen sie condanniert 
werden pf. 3 von ein jederes G.' 1747, TB. ,Beim 
Holzriesen im Winter solle man absonderlich zu denen 
darunter stehenden Gemächern Sorge tragen.' GrD. 
LB. Tach und G., Formel für Haus GrD. Vgl. nhd. 
.Dach und Fach.' ,Den widen [Wittum] in gueten 
eren haben mit tach und g. nach erbern lüten erkant- 
nuss.' 1432, THTannegg Offn. ,Man soll auch lybding 
oder widern in guoten eren halten und haben mit tach, 
mit g. und mit grund und mitgrat.' um 1500, GWattwil 
Offn. , Walther. ein Frey zu Eschenbach, brach diss 
Gottshaus in Dach und G. [zerstörte es vollständig].' 
Gfd (aus einer Inschrift am Kloster zu LEschenbach). 
,Die Baukunst gibt uns die Wohnung, Sitz und Nest, 
Scheür, Kammer, Stuben, Tach, G., Heuser und Pal- 
läst.' 1709, Z Neuj. Stadtbibl. Unterhalt von .Dach 
und G.' Z Wais. Neuj. 1894. Ein Haus ,zu Dach und 
G. erhalten', in baulichem Stande. Sulger. Sonst .in 
t. und g. (er)halten, haben.' Syn. ,in tach und eren 
halten.' ,Sartam teetam aedem tradere, ein kirch in 
schütz und schirm, in g. und t. halten. Ut sarta teeta 
habeat, dass er 's in t. und g. halte oder in guotem 
bauw und eeren.' Fris. ,[Der Leutpriester wird er- 
mahnt] das" er das hus im d. und g. erhalte.' XVI., L 
Rickenb. (MEsterm. 1882). S. noch Melch-Gadem Bd II 
119, Zue-Gadem Bd II 121. Bildl. ,Die Bogenschüsse 
[am Weinstock] verkürze man nicht zu sehr, sondern 
lasse immer drei Blätter oberhalb dem Trauben stehen ; 
man sage ja, man müsse dem Trauben ein Dächli und 
ein Gemächli [gleichsam eine schützende Behausung] 
geben.' Bote von Uster 1884. ,Die Erde gibt uns Das- 
jenige, darnach wir haben Tach und G.' Müll. 1661. 
Auch ,fach und g.' ,Den chor [der Kirche] ze vach 
und g'maach ze halten.' 1531, L Urk. (Stiftsarch.). — 
b) (Miet-)Wohnung. .Weder eigne Hüser noch umb 
den Huszins empfangne G'mächer.' 1660, Z Verordn. 
.Eigen Hüser ald G'mächer.' ebd. .Vom Ausleihen 
und Bestehen der Gemachen (am Rande: Gemächer). 
Der Hausmann oder Besteher eines G-s, Kellers oder 
Ladens.' Z Stadtgerichtsordn. 1715. — c) Stockwerk 
eines Hauses L (Ineichen); Zg. 2 G'mach hoch L. 
,Eins G-s hoch muren.' Cys. ,Die Mur uss dem Pful- 
ment und von Grund uff dritthalben Werkschuh dick 
eines G-s hoch., führen.' B Gerichtssatz. 1615. ,Von 
denen Muren, so zwüschen den Höflinen oder Gärten 
gebuwen, soll die Schätzung eines G-s hoch vom Herdt 
uff gegeben werden.' ebd. ,[N. N. hat] sich zum Fenster 
hinaus drei Gemächer tief auf die Gasse gestürzet.' 
Z Nachr. 1753. — d) wie nhd. AALeer.; B; Gl; GrAv.. 
Pr.; L (Ineichen). Stube. Kammer BHk. Insbes. „Zim- 
mer, das als Behältniss, nicht zum Bewohnen dient G." 
Kaum im Hause zu verschiedenen Zwecken GrD. ,Der 
hinder hof [Gasthaus zu AaB.] ist mit einem grossen 



19 



Mach, mcch, mich, moch, mnch 



20 



hof, darzu mit vil stuben, sälen und gemachen Doziert.' 
IIPantal. 1578. S. noch Würz-Gadem (Bd II 120). 
x)=Chämneten 3 (Bd III 260) GLBilt. (dim.), 
Muri.': GaKlost.; GWeisst. Zimmer im 1. Stuck (auch 
unter der Stube) zum Aufbewahren von Gerät, - 

GrV. [Die Mutter] fergget de* gross Tschungge* 
[Schinken] ab- a em Speicher und die Bitte" [Kuchen] 
tl'miichli und mached dp Merändbüntd [Speise- 
sack]. Sohwzd. (GRSch.). — ß) Dachraum, -Kammer 
Gr (Jecklin 1878, 151). .Von einem Fensterlein im G. 
schaute er hinaus.' Jecklin 1876. — y) Abtritt L (St. b ). 

Un-G e mach: 1. wie nhd. Wer 's U. fürcht't, 

muess diluim Idibc". Sulger. — 2. Streit. Syn. Un- 
. Bd I 1281. .Die Veranlassung zu dem Be- 
kehren sei ein ü. gewesen, welches zwischen einem 
bischöflichen Untertan und einem französischen Sol- 
daten vorgefallen.' 1680, Absch. 

In einer Hdschr. des G Stiftsarch. (.Ungemachde der 
herzen') entsprechend dem alnl unkimahhitha. Vgl. .Unge- 
rn uhtli.-hk.it [inconrmodum].' KdSailer 1460. 

Oster-: Mietwohnung, die zu Ostern geräumt 
werden muss. DWyss 1796, 166. .Ostergemächer wer- 
den mit Kirchweih und Kirch weihgemiieher mit Ostern 
aufgekündigt.- ebd. S. Gemach 2 b.— Fleisch-: 
(bisweilen ein gewölbtes) Gemach zur Aufbewahrung 
von Lebensmitteln, bes. von geräuchertem oder zum 
Dörren aufgehängtem Fleisch, t. im Erdgeschoss, t. 
im 1., t. im 2. Stock gelegen (in Splügen oberhalb 
des Spichers) Gr. Syn. Chuchi-G. .Hinder der Kuchen 
ein gewölbtes Fl., darin das geräucherte Fleisch und 
andere Victualien aufbehalten werden.' NSererh. 1742. 
— Heiruli cb - -Gemach 2 dy SchwNuoI. Vgl. Spräch- 
Hüs (Bd II 1731) und Gr. WB. IV. 1, 2, 1337. — 
G e hör-: Hörsaal. ,[Das untere Collegium in Z] wel- 
ches sein Lehr- und G.-Gemach bei der Kirch zum 
Fraumünster hat.' Lei-, Lex. — Hüs-: (bequeme, be- 
hagliche) Wohnung. Drü Ding b'halte'd de" Ma" 
diht hu : i " gueti Frau, schö" 11. und — Unglück. Sclger. 

Chuchi-: Speisekammer neben der Küche Gr. — 
GhirchC-G'rnäcÄK. ,[Zwei Diebe] haben das Heilig- 
tum aus unserm Kirchengemächlin, welches ob dem 
Gewölb des Chors ist und etwas Blei und Pulver ver- 
i. weggeführt und gestohlen.' NSererh. 1742. — 
Gh.-Gadem (Bd II 118) GrKIi. Syn. Für. - 
Ligg-: Schlafraum der Sennen in den Alphütten 
üul'r. Syn. Ligg-Spicher. — Milch- = M.-Gadem 
(Bd 11 119) Gl (Steinm. 1802). — Bi-. ,In das dritt 
b., das am haus des Herrn was.' 1531/1667, Jerem. ; 
dafür: .den dritten eingang.' 1530; 1868. — Bad-: 
PI., Badegebäulichkeiten Gr. — Bätsch-: Werkstatt 
GrPt. S. Werch-G. — Raub- Roubmach: Gebäude 
zur Aufnahme des Bodenertrages (Heu, Stroh, Ge- 
treide. Gartengewächse) W. — G°-rümpel- = Ge- 
rümpel-Chammer (Bd 111 253) B; GrI). k\ic\\ = Rudel-, 
Plimder-Chammer (Bd 111 251/2) BM. F h sott not- 
wendig ciuisch mit d'r Büchere" [Wäscherin] ga" üsi 
Wasch abrede*; d'sG.isch gerne voll. MWalden 1880. 
,Biel ist MGnHH.[von B]G.' Zschokxe1797. - Sattel-: 
Gemach (auf dem Dachboden), in dem Reitzeug, Ge- 
schirre Leder. Schellen usw. aufbewahrt werden GrD. 
,15.). _ Weber- = Web-Gadem (Bd II 120). Red. 1662. 
— c hilch-wih- s. Oster-G. — Weid- = Finel 2, 
auch .Staf'el' in den Alpdörfern BPrut - Werch-: 
Zimmer mil einer Werkstatt GrD. (B.). 



•,'' mache". Diin. g'mäehele": 1. (im Gehen, übh. 
in allen Verrichtungen) langsamer werden, altern 
Ar: BSi.: UwE.; Z. „Er g'machet, es (/'machet mit 
im." .Wann mir 's Herz anfangt krachen, mein Atem 
will g.' Ende XVII., St Annalied. — 2. (g'mäehele") 
langsam, in aller Ruhe und Bequemlichkeit an Etw. 
arbeiten Ap. — 3. sich von einer Krankheit allmäh- 
lich wieder erholen „VO; G. Der Sohn g'machet 
wieder, es wird allmählich besser mit ihm." 

g'machsam, in BO. g'mächsam: 1. = gemach. ,Und 
sollt denn das ysen g. und sanfte Marine [in dem .fülle'] 
umbkeren.' XV., Schw Arzneib. ,[Man soll bei Ver- 
steigerungen] die dryg rüef grad g. ungeylet uf ein- 
anderen tuon.' ZWthur Stadtb. .Gradatim, g. oder 
hüpschlich. Segniores sint, sygind verdrossner und 
g-er oder eilind nit hälftig.' Fris. ,Das [Kriegs-]volk 
sammlet sieh g.' HBdll. 1572. ,Cancrum lepori com- 
parare, einen G-en einem Geschwinden vergleichen.' 
Denzl. 171t'.. .Seit mit der Strafe etwas g-er!' JJUlr. 
17:'.:!. Verst.: ,Allg. nebenher reiten.' Heütelia 1658. 
— 2. bequem zu begehen, von Wegen BO. 

gemachsam lieh s. fülklich Bd I 791. 

G e mäehende = Gemach 2 a. , Ein Gut, darauf G. 
g'sein, Häuser, Speicher und Scheuren.' 1660, BSa. 
.Wenn Einer Gut, Weid, Mad oder G. vertauschen 
wurde.' ebd. 

Das W. scheint einem altem, in unserer Bed. allerdings 
sonst nicht belegten gemechedi zu entsprechen; wegen des 
eingeschobeneu ;i vgl. die Anui. zu taufet Bd III 1143. 

G e mächi f.: Langsamkeit, Bequemlichkeit Ap; 
BSi.; UwE.; Z. Auch bei Mal.; SchwLB. ; HKeller 
1729. — Ahd. gimahhi, opportunitas. 

g e mächig: mit Zahlww. verbunden, so und so 
viele Stockwerke enthaltend Ap. Vgl. Gemach 2 c. 

g°mächli cb , -lig: bequem, von Menschen UwE. 
In der ä. Spr. wie nhd. ,Ich will gemächling hinnach 
treiben.' 1531, Gen. = .gemächlich.' 1548. ,Das für 
zundt man gemelich an, ob 's uss gefär oder ungefär 
geschah, wissend die nachrichter. Uss dem langsamen 
rösten sind sy [die Märtyrer] nie verzagter worden.' 
Kessl. Verst. ,alls-gemächlich.' .Ich will als gmähli rl ' 
dem Heimet zue.' Gespräch 1712. 

Betr. das Verklingen des Spiranten vgl. all-mahlig, all- 
mählich Gr OhS. und nhd. .allmählich' selbst. Das vorge- 
setzte all* wie in dem syn. alle-gemach. 

Ungemächlichkeit : Unannehmlichkeit, Stra- 
paze. .Reisende, welche der U. Trotz zu bieten keck 
genug sind, machen diese Reise sehr geschwind.' 
AHöppn. 1788. 

G°mächli u g m.: 1. Hausgenosse. ,Es sygend ge- 
mächling, fründ oder nachburen.' 1526, Eqli, Akten. 
— 2. langsamer Mensch AaWoIiI. — Zu 1 vgl. .Geselle.' 

mache", in ZW. -ch>-, in Gr -h- — 3. Sg. Präs. machet 
GlK.; GRD.,Pr.; Th (veraltend); ZO., Conj. Prät, miech 
AALeer.; Bs; B; GlK. (-ch>); SchwE.; Th; UwSachs. ; Z, 
müechi GrPi-., miecht GT. ; ZDättl., 0„ miechti BsSt.; 
S, machteti BsSt., sonst machti — Ptc. Perf. g'machet 
AiB.; GlK.. Moll.; GA.; Scutw.; Th (veraltend); Z 
tw.: im Ganzen wie nhd. I. tr. A. mit einfachem 
Acc. P. oder S. 1. von allerlei Gegenständen, an-, ver- 
fertigen, herstellen, zubereiten, allg. (Mm) c" Brief 
in., sehreiben AaL. Warum hesch mer o » kei'S Briefli 
g'macht? MLbhz 1895. .Ich beschloss auf der Stelle, 
dir einen Brief zu machen.' XHerzog 1845. .Also ward 



21 



Mach, mech, mich, moch, much 



22 



der brief gemacht.' Hatmonsk. 1531. S. noch die Zss. 
mit -Macher. Von den Mahlzeiten des Tages oder den 
betr. Gerichten: Z" Mittag m., ('s) Kaftfßm.; Haber- 
suppe' :' Nacht m. Bs; B; Thj Z. — '.'. ,Gott m.', Tom 
Priester bei der Verwandlung in der Messe. .All die 
priester, die [z'] Zürich syen. mügen Gott mit segnen 
noch in. [da sie im Banne sind].' 1385, Z. — 3. Kin- 
der, Junge >»., erzeugen, gebären. Wir wollen gehen, 
uns nicht länger hier aufhalten : da simmer [sind wir] 
nüd g'macht werde' GRh.; Th; Z. 100 Franke* händ 
mich nüd g'macht, ich vermag sie zu bezahlen Z 
(Spillro.). .Die zwei Krontaler haben mich nicht ge- 
macht' U. Vgl. gr. xexvoTtoLsiv. a) vom Manne Ap; 
Th; auch in ä. Lit., z. B. Bs XIV. 298: UEckst., Klag 
K 5 e. Auch mit Dat. P. AALeer.; Bs; Z. Ebenso in 
ä. Lit., z.B. 1491, Ztschr. f. schwz. R. 23, 344; 1525, 
Absch. IV 1 a, 637. — b) vom Weibe, bzw. Tierweib- 
chen. 1460, Ztschr. f. schwz. R. V b, 112; NMan. 1522; 
XVI.. Bs Brief; Vogelb. 1557, 17 b; Haberer 1562, 
F4a; Tierb. 1563, 16 b; 1592, Schaubg, Kq. 2, 262. 
Vgl. it. fare. — 4. Beamte m., wählen Bs; GrScIi.; 
Tb; Z. Mer händ hat en neue' G'memdamme' g'macht. 
Z' Sä Peter gand si gan helfe" d' Obrigkeit m. Schwzd. 
(GRSch.). .Am gleichen Tag sind die Gemeindewahlen; 
es werden gemacht der Wächter, der Wegknecht, der 
Kaminfeger usw. - ZSth. Darnach auch: en Hans usw. 
m., Einen auf den Namen Hans usw. taufen (lassen) 
Th. .Vordem band wir (Appenzeller) vil Hansen 
g'machet, aber sie sind uns fast all z' Narren worden; 
druff hand wir ang'fangen Kulenen [1. Eudlenen; vgl. 
Bd III 154] m., und die sind zimlich wol g'raten.' 
Schimpfr. 1651. — 5. darstellen, eine Rolle spielen. 
De" Herr m. B; U; Z. ,Der Herr z' m. geht ringer.' 
Gotth.. Herbstgespr. Fraue" m., das Haushaltungs- 
spiel machen ZSth. I)'r Holledihö (= Hollehö Bd II 
859) m. SchwE. Wie hat s-es aw' 1 ' b'elendet, dass es 
eister müess deheime" si", wenn ander Liit der H. 
miechet. MLiekert 1891. De" Gross (Grösse" Th) m., 
e' Grosses m. s. Bd II 803/4. De" Narr (Narre Th; Z) 
m. 1) Spässe treiben SchwE.; U. 2) sich zu Allem 
hergeben, Dienste tun, die nicht belohnt werden B; 
Th ; Z. lez isch ['s] g'nueg, i rh mache" nümme" länger 
de" N.! 's Anneli mues' 's Bötli m. für ga" Bricnz. 
JCOtt 1864. De" Schlecht (de" Schlechte", de" schlecht 
Hund ThHw.) m. (an EimJ, Jmdn treulos im Stiche 
lassen, durch Hinterlist und Verrat ins Verderben 
bringen, bes. ökonomisch zu Grunde richten Th; Z. 
N. N. war nie verlumpet, trenn nid en guetc Fr und de" 
Schi, g'macht hett an-em. De" Güggel, Hund, d' Cime 
mache" s. Bd II 193. 1425. III 91. Ein Spiel machen. 
z. B. en Jass m.; m., iver z'ersten am Ort sei, um 
die Wette laufen; bes. häufig in Verbindung mit 
einem Gen.. z. B. Fähens (Bd I 723), Verbergis, A"- 
schlagis, Jäger(l)is, Lereris, Mueteris, Bäuber(l)is. — 
6. von Jmd, Etwas ein Bild anfertigen, spec. Jmd 
photographieren Tu; Z. Du bist guet 'tröffe", wer hat 
di ch g'macht? Si ch m. la", sich photographieren lassen. 
— 7. prägn. E" G'sicht m., dem G. einen verdriess- 
lichen. zornigen Ausdruck geben Th; Z. En Grind, 
Chopf m. s. Bd II 762; III 410. Mit Dat. P. Eim es 
G'sicht m. wie de'' bar Tüfel Z. Vgl. ane'-machen. Bei" 
m., eilen, sich rühren B; „W;" Z. „Er hat vor Ghlupf 
schier kei* Bei" m. chennen." ,Der Michel wolle für 
d's Tüfels Gewalt kein Bein mehr in.', sich nicht vom 
Flecke rühren. Gotth. ,Der Meister hatte den Uli an 



den Pflug gestellt, was [als Zeichen des Zutrauens] 
hundert Väter an den eigenen Söhnen nicht tun, so 
lange sie ein Bein m, können.' ebd. /'' bin müede' 
g'sm, das' ['s] mi ch 'düeeht hed, i ,h mög keis Beim m< 
m. BK. Ich will di ch Irre" Bei' m. '/.. — 8. a) zurecht 
machen, ordnen, in gehörigen Stand setzen. Holz m., 
fällen, spalten, zerkleinern, übh. für den Gebrauch 
herrichten Aa; S; Th; Z. E" Ghlöfter Holz m., kann 
auch das Aufsetzen bedeuten Bs. Witt ge" Holz in}Y 
fragt man Einen, der sich ein grosses Stück Brot ab- 
schneidet [weil der Holzmacher bei seiner anstrengen- 
den Arbeit reichlicher Nahrung bedarf] AaEIii-. .Alle 
die, so holz verkaufend by dem klofter, die sollend 
es nach der statt Luzern mess und klafter m. und 
verkaufen.' L Ansehenb. ,Die Tage bestimmen, wann 
das Holz gemacht wird.' Bs Holzordn. 1806. .Sobald 
eine Gemeinde mit dem Gabholzmachen [s. Hd II 1251] 
fertig ist, soll es unserm Oberförster berichtet werden.' 
ebd. S. noch Holz-Geber (Bd II 95) und vgl. iif-maclien. 
Heu m., aufschütten AALeer., aber auch = heuen; vgl. 
ein-tägig. Öpfel, Herdöpfel m., (zum Kochen) zurüsten 
GTa.; vgl. aber auch Bed. 10. 17. ,Sy wuesch die 
hefen, die kessi' und die schüsslen und machet die 
fisch.' G Hdschr. 's Här, d' Här m., kämmen, frisieren 
Bs; Schw; Th; Zg; Z. De" Bart m. Bildl. .Lieber 
lasse ich sie ins Bad, als dass ich mir von der den 
Bart m. [mich zurechtweisen] lasse.' Gotth. E" Grab 
m., bepflanzen und im Stand erhalten Z ; vgl. Grab- 
Macher. Eine Treppe, einen Zimmerboden, ein Zim- 
mer m., kehren, reinigen, in Ordnung bringen Th; Z. 
Einer nachlässigen Hausfrau wird nachgeredet, si 
machi d' Stube" nie vor- d em Mittaglüte". — b) bes. 
mit 'lern Zusatz wider, (etwas Zerbrochenes, Beschä- 
digtes usw.) wiederherstellen, ausbessern, allg. ,[Die 
Arznei] vertrybt die Heisere und macht den Weg des 
Atems.' ZElgg Arzneib. um 1650. Auch mit dem Scha- 
den als Obj. E* Loch [z.B. in einem Kleidungsstück) 
m., zuuähen Th. — 9. (eine Schuld) bezahlen, be- 
richtigen B; Uw. ,Den alten Zins, das Alt noch nicht 
gemacht haben.' Ndw Kai. 1868. .Kommst mer jetzt 
nicht anfangs das Alt und Überalt in.?' ebd. ,Ob er 
ihm das Ding [die Schuld] nicht bald m. könne; er 
müsse auch zahlen und habe schon lange gewartet.' 
ebd. 1865. .Ich werchte schier Tag und Nacht, um 
dem Vater den Zins m. zu können.' B Hist. Kai. 1889. 
,[Das Schuldenbäuerlein] jammerte, er könne den Zins 
noch nicht m.' JGProbst 1889. .Mein Vater bildete 
sich ein, sein Verdienst solle den Zins m." Gotth. 
S. noch 21 da. — 10. erwerben, gewinnen, bekommen. 
E* Vermöge" m. Th; Z. Gelt m., bes. durch Handel 
Th; Z;auch: zurücklegen U. Oppis m. am Wi", Ge- 
winn herausschlagen Z. A* der War ist Nü(njt z' m., 
Nichts Zugewinnen ScHSt. ; Z. , Ich wollte ausbieten, 
einen Hof zu übernehmen und darauf mehr zu m.. als 
irgend ein Anderer.' Gotth. Me* muess hütz'tags 
luege* mit d em Vech Öppis z' m. [aus dem Vieh Gewinn 
herauszuschlagen], wo d' Frucht Nünt me r gilt Th. 
.Darum abt Caspar gezwungen ward, um sich ze luegen 
und gelt ze machen, wo er kund und mocht.' Vad. ; 
vgl. Zschokke's .Goldmacherdorf.' Auch mit wegge- 
lassenem Obj. Er macht i" si" Sael; sorgt für seine 
eigene Tasche AALeer.; Z. Lö" m. B. .Er machte 
keinen Lohn', gewann Nichts. N. B Kai. 1840. Von 
Feldfrüchten, landwirtschaftlichen Erträgen: Wi" uv. 
bekommen Bs; Th; Z. Hur Hämmer wider cinol ordeli cU 



23 



Mach, nitch. mich, moch, much 



24 



umritt. Doppelsinnig fragt man: Wie oil Wi* 
hesdh g'macht? Bs. En guete*, volle' Herbst m. Tu: / : 

:, U tri, st 4 (Bd 11 1594). Wer Hunds tcoti müsse', 
wie r,l Anke' me" much. N. 1! Kai. 1840. Stimme" in.. 
erhalten (bei einer Wahl oder Abstimmung) Bj Tu; Z. 
ir<> es zum Mut" cho* s,,i. lullt er bim Dolder niehl 
e* einzige Stimm g'macht. Gotth. Von einein Antrage 
sagt man. er machi nu" wenig Stimmt". Sim 

. von einem Kinde Bs. (Es grosses) Oter m. 
Htm ii (Bd I 607) iIr; '/.. .Volk m.', sammeln, er- 
werben. .[König Otto] verfasset sieh zuo einem stryf 
and machet noch ein grosse zal volks.' Vad. ,Mi1 
aller irer hab, die sy gewunnen hattend, und seelen, 
die sy gemacht hattend in Haran.' 1531/60, Gen. = ,be- 
kommen.' 1677/1868. Vgl. noch Volk 5 (Bd I 802) 
und s. 20 a £ und rj. — 11. erleiden, durchmachen. 
„/■> Bei'bruch m. Er hat e* völligi Krankheit (/'macht 
W.° 12. (einen Weg) zurücklegen Aa; Ap; Bs; 

BSi.; Sc«; Tu; Z. In Hin Tag 12 Stunde" m. Einen 
Berg m.. besteigen GRChur; Th; Z. De" Glärnisch 
in rim Tag m. .Die Fremde ni.\ auf die Wanderschaft 
gehen üw. — 13. ausmachen, betragen. Additionen 
schliesst man mit den Worten: macht (z'sämme") . . . 
(entsprechend dem lat. .facit') Tu Z. Wie vil 
macht 's, beträgt die Summe? Bs; Th; Z. Was macht 
mt" l'rti tun" Sach Th), was bin ich schuldig? L; 
Tu; '/.. E* lltillti Bändliker [bekannter saurer Wein] 
zu 3 Batzi"; was macht e* Mass? scherzh. Rechen- 
aufgabe [die Lösung lautet: Büchwe] Z. ,Die Re- 
formierten allhier machen nicht viel über den S. Teil.' 
Sererb. 1742. .Schams macht 7 Teil, was Einnemens 
und Ausgebens betrifft.' ebd. Wiegen B; Th; Z. Emel 
:,n" mr 1 c Iitilbc" Zentner heig si g'macht. MWalden 
1880. ,Mit sammt den Kleidern gewogen werde es 
ein Kleines sein, was sie über 100 Pfund mache.' 
Gotth. — 14. aufschreiben, notieren S. Nun Gheigel 
[getroffen]; mach, -sei Hanggi 1893. Vgl. uf-machen. 
An-, berechnen Aa; Th; Z. Er macht 3 Franke" 
Taglö*. En Iure Tokter, wo für en einzige" Gang 
5 Franke" macht Th; '/.. Machid au ch nüd z' vü [sagt 
der Bauer zum Schmid, mit dem er abrechnet], nüd 
in,, weder das er aW h cor Gott verantworte* chönnid. 
Wolf. Bauerngespr. .Einem Zins m.' ,Du hattest die 
15 Gulden auch noch bis dahin behalten können, ich 
hätte dir keinen Zins dafür gemacht.' Unsichtb. 1793. 
— 15. ausmachen, vereinbaren; festsetzen, verordnen, 
bes. von Obrigkeits wegen Ap; Th; Z. Mer mache'd 
'" Lö* [sagt der Dienstherr zum neuen Dienst- 
boten]; i ch teilt z'erst biege", tee'sgöng Tu; Z. Du 
wersch [wirst] -es rom Jolceb inne*, was (/machet [ab- 
gemacht] worden ixt. Ap Kai. 1846. Mer wand [wir 
wollen | ie; en Frauke" in., sagt man etwa vorschlags- 
wei einer niedrigeren oder einer höheren Forderung 

über Z. Audi mit Bez. auf die Summe, zu der 
man die Forderung eines Andern selber freiwillig er- 
höht. I c * will iei es Fränkli m. [statt der verlangten 
80 Bp.] Z. .Wie ea dann die dry mann [Schiedsrichter] 
in. i hend und richtend, das* es dann von beden teilen 
als.> gehalten werden solle.' Ap LB. 1409. Sehr oft 
Ist das Obj. durch einen Satz ausgedrückt. Heirats- 
lu tigen Mädchen pflegt man zusagen, es sei g'macht 
worden, dass an dem Hochzeitstage jede Braut einen 
Ho enträger [Wortspiel!] an die Hand nehmen müsse 
Ap. ,So einer ein /.ins ab synem guot gelten soll, 
haben wir g'macht, das- einer ein scholdner [Gläu- 



biger] nül soll vor sant Johannstag bezalen.' Ap LB. 
1409. .Wir sint g'meinlich mit einanderen überein- 
kommen und band guiacht, dass...- 1498, Obw. .Wir 
haut onch gemacht, wer mit rossen ze alp faren will, 
der soll...' ebd. .Und macht mit ir, so er sturb, soll 
sv syns guots syn ein erb.' UEckst. .Es ist auch 
abgeredi und gemacht, dass um unbekanntlicbe Schul- 
den soll Niemand über sie Recht erbieten.' GßKlost. 
LB. Vgl. noch Berg-Hciiw 3 (Bd II 1819), Land-Lüt ~> 
(Bd III 1523) und s. 21 e a. — 16. mit Dat. P., Einem 
Etw. aussetzen, zuerkennen. .TJrnb dass sy [die Prie- 
ster, welche die Jahrzeit abhalten und denen früher 
ein Malter Dinkel dafür ausgesetzt worden war] dester 
bass zuo teil kommen mugent. baut inen myn herren 
für das körn IV Ib. gemacht.' nach 1506, S Batsrirot. 
,Uff das jar hatt man gemacht ahn burgermaister 20 pfd 
und aini ratsherren 10 pfd [als Einkommen].' 1523, 
HsStockar. Insbes., testamentarisch zusichern, ver- 
machen Bs (Spreng); BHk. Sehr häufig in der ä. Bit., 
namentlich in den Rqq. des X1II./XVII. S. noch ord- 
nen 3 b (Bd I 440), Erb-Fall |Bd I 739), Morgen-Gab 
(Bd II 54/5) und Gr.. WB. VI 1374. - 17. bauen, 
pflanzen, von allerlei Kulturgewächsen, deren Same 
in .Masse gesät oder in die Erde gesteckt wird BBe., 
Ha.; Th; Z. „Der Nachbar hat seine Erdäpfel schon 
gemacht." I eh han hit Hockeni g'machd im Blätz 
[Pflanzland] BHa. Machst -mi ch im Neu [sagen die 
Pflanzen], se gib-i' 1 ' für di eh und für d' Söu; machst- 
mi ch im Wiidel, so gili-r'' (E)tteiidereiu | keinem von 
Beiden] BBe. - - 18. bewirken, verursachen (welch 
letztere Ausdrücke der Volksspr. durchaus fremd sind), 
a) Alles wüsse* macht Ghopfwe, BA., mit der man 
einen neugierigen Frager abfertigt Th. Das macht 's! 
das ist die Ursache Tu; ZO. Das Obj. ist durch einen 
Satz ausgedrückt. ,Er wisse es zu machen , dass 
die Hühner in seinen Stall gehen, um zu legen.' Sch 
Pilger 1885. In dieser Weise häufig Verstärkung einer 
Aufforderung: Mach, dass es göt, dass d' furtchunnst, 
dass d' schlingst! .So gang und machent, dass ihr 
essent.' GGotth. 1619. Vgl. lat. fac abeas! — b) mit 
Dat. Eim Füess, Bei" in.. Einen zur Eile nötigen 
Bs; B; Tu; Z. Wenn C ei nid machst, dass /' fwt- 
chunnst, so will [ich] der denn Füess m.. Drohung Tu. 
's isch e* Buess für e* Frau, so fuli Chnechte* -' re- 
giere*, wenn der Ma** fürt isch; De r weiss scho*, wie 
me* ne* Bei* macht. Breitenst. ,Da manglen wir 
keines Treibers, der hinder uns stehe und uns. wie 
man sagt, Füss mache.' FWvss 1672. Eim B'sinni'g 
m., s. umhin Bd II 1327 unten. Eim de" Verstund 
m., zu verstehen geben B. ,D's Pfarrers hätten sie 
auch geheissen zu ihnen zu kommen, aber Das sei 
ihnen nur der Verstand gemacht, dass sie ihnen was 
brächten, wohl eine Hamme.' Gotth. .Der Suppen 
einen Gust m.' Sererh. 1742. S. noch Fuess (Bd I 
1087), Chats (Bd III 583). Bein. -- 19. ausführen, 
vollbringen; gleich tuen allgemeinste Bezeichnung 
einer Tätigkeit, t. an Stelle speziellerer Verben, f. mit 
dem Obj. zs. ein Vb umschreibend, wie im Nhd. in 
sehr zahlreichen mehr oder weniger festen Verbin- 
dungen, a) B' (e* B) Hüshalti'g in., besorgen, führen 
B; Th; Z. Dafür auch: D' Such. si*S Sächli m. Th; Z. 
Eim d' Such, si- Stieb m. 1) ihm die Haushaltung 
führen Th; Z. — 2) ihn zurechtweisen, es ihm ein- 
tränken. .Wir wend im syn sach dermassen m., dass 
er sy" [darüber] g'wüsslicb nit wirt g'lachen.' I'inkelin 



Mach, meoh, mich, moch muri 



1552. Em gleichen S. Eim d's West* m. GRPr. S. noch 
Ordning Bd I 441. S»" Saeh m., seine Pflichl tun 
Tb; Z. D'r Dreck m., alle schmutzige oder niedrige 
Arbeit im Hause tun SchwE. Dili abe'wäsche', Höh 
afe'bräge', Böde" putze', Göfe" a'g'schirre', halt übe" 
go' d'r Dreck m. MLienert 1888. — b) „seine An- 
dacht in., verrichten. Er hat chum //ü g'häbet, en 
i/ueti Meini'g :'m., einen frommen Gedanken zu fassen. 
eine Andacht zu verrichten \V.- — c) Mittag m.. 
Mittagsrast halten Th. Sit mutig m.. die Samstagarbeit 
im Hause tun. aufräumen ß; Th; Z. Syn. Samstagen. 
.Stiidi sagte, es wolle heim, noch Samstag in.; die 
Mutter balge [keife], wenn man an einem Samstag 
nach dem Feierabend noch arbeite.' Gotth. D' Untere" 
m., die damit verbundenen kirchlichen Pflichten 
(Beichte und Kommunion) erfüllen S; UwE. De" 
Herbst m., s. Bd II 1593. Syn. herbsten. — d) D's 
Mir m., abstimmen lassen, die Stimmen zählen B. 
Syn. meren. Driif macht d's Stineli das Mir, ob-mer 
c" seilige" Verein well oder nit well. Gotth. — e) B'riclit 
(S; Tu; Z). B'scheid (B; S) m., berichten. Eim B'scheid 
m. für hei'" z' clw". Hopst. Me" macht d em Meister 
B'scheid i" 's Hüs. Schild 1866. — f) E" Schluck m.. 
tun B. .Die Meisten [denen Benz sein Glas darbot] 
taten ein klein Schlüeklein und stellten das Glas 
wieder hin. Das nahm Benz übel und schrie: Mach 
es f rösches! Da meinst ume", i ch vermag nit e" Halbi 
z' zale".' N. B Kai. 1843, 50. — g) Eim Chiissli m., 
ihn küssen Th; Z. — h) E" Hüret in., sich verheiraten 
GrPt. — i) bei Steigerungen, nachbieten. Mach no ch 
es Zieänzgerli, Meili, de"" will d'r 's lö". EHänggi. — 
k) s. Lüwi Bd IH 1545. — 20. mit allg. Obj. Es ist 
Nüt z' schwer, we""-me" 's cha"" m. Z. Es ist z' m., 
möglich, es auszuführen B; Th; Z. Formelhaft: Es 
muess nüt z' m. si" = wenn immer möglich B. Es hett 
nüt miiesse" sl" z' in., süst hett er [der Käufer] ml"s 
Garn g'no". N. B Kai. 1841. ,Das dünkte mich gar 
lustig [dass die Hühner mich umgackerten], und es 
musste nicht zu m. sein, oder ich brachte ihnen Hafer 
mit.' Gotth. ,Wenn wir für uns ein Kaffee machen 
so zwüschen iche", so muss es nicht zu machen sein, 
oder er muss ein Kacheli davon haben.' ebd. .Es 
müsse Nichts zu m. sein, oder er müsse die Tochter 
haben.' ebd. M. und tuen neben einander. Me* liiit 
öppedie me z' tue' weder z' m., mehr Arbeit, als man 
bewältigen kann; kommt vor lauter Eifer für Klein- 
liches und Unnötiges nicht dazu, das Notwendige zu 
tun Th; Z. In B; S steht in. häufig, wo die östlichen 
MAA. in Übereinstimmung mit dem Nhd. tuen zu 
setzen pflegen; vgl. auch noch II. Das macht er nüd 
B. Mach es nit! Gotth. ,[Anne Bäbi will den Markt 
besuchen, aber dahin fahren, nicht zu Fuss gehen.] 
Mach 's, sagte Hansli, für-ne n Schoppe" lässt dich der 
Bote schon aufhocken.' ebd. ,Sie müsse die gute 
Milch Denen geben, die arbeiten; er mache Nichts 
mehr. Er mache nicht viel mehr als der Bueb.' ebd. 
Spec. a) Oppis (NM) in. a) einen Fehler begehen, 
sich Etwas zu Schulden kommen lassen Bs; Th; Z. 
Syn. Oppis anstellen. — ß) seine Notdurft verrichten. 
bes. von Kindern, aber auch von (kleinern) Tieren 
AALeer. ; Ap; Bs; G; Tb; Z. Dafür auch si" Sächli m. 
ZBauma. Vgl. noch : Kci" Wunder, macht de'' Hund 
Plunder: er hat d'r Mueter d' Büelii g' fresse". Sprww. 
1869. S. noch b. — y) sich rühren, regen, bes. Klagen 
oder Schmerzen äussern Ap; Th; Z. Er hat Nüt 



g'macht, wo-me' '« g'schnitte" hat. Syn. kein Muxm 
Kr hat nid eil g'macht [bei einer üblen Nachricht]. 
Von Tieren. Fürch-der nid. de Hund macht Nüt! 
beisst nicht. Dos Boss macht Nüt, schlägt nicht aus, 
wenn man sich ihm nähert. — 6) unpers. Es macht 
Xiit. tut Nichts, hat keine schlimmen Folgen Bs; Tu; 
Z. Macht 's acht Oj>/>i<. we"-mer dnr ,h die ll'/.s- dure" 
gönd? Th; Z. Mit Dat., Einem Etw. anhaben, scha- 
llen, Nachteil bringen Bs;GrPi\; Th; Z. Dem macht 
Alls Nüt, er hat eine unverwüstliche Gesundheit Th; Z. 
Brenta* [Bergnebel] hi". Brenta' her. Die machi im 
Xad. Schwzd. (GrPi-.). Häufig unpers. Il/it 's-em 
Öppis g'macht, hat er (z.B. bei einem Falle) Schaden 
genommen? Es macht-em Nüt [keine Mühe], en Sack 
Cherne' z' lupfe" Th; Z. — e) „Ich will Etw. daran 
m., will anfangen, daran zu arbeiten. Er kann Nichts 
daran m.. Nichts dazu beitragen, ist ausser Stande. 
Etw. daran zu tun oder zu helfen." Eim Öppis am 
Ghopf »'., verhüllend für zausen, beohrfeigen Tu. 
,Ein Fieber, wo kein Dokter Oppis dra" m. [dagegen 
tun] chönn.' Gotth. .Wenn man sich [vor dem Spiegel] 
recht drehe und bögle. so werde es viel daran m. 
[dazu mithelfen], dass man sich hinten und vornen 
sehe.' ebd. Was bin i ch schuldig? ViUicht chann ich 
seho' us de" l'bünge" [Geschenken] ro" de" G'catter- 
lüte' Öppis dra" m. [an die Schuld bezahlen], ebd. ; 
vgl. 7. — Q 's ist Nüt z' m. mit-em, Nichts mit ihm 
anzufangen, bes. kein Geschäft mit ihm abzuschliessen 
Th; Z; vgl. II 1 e a. Ist Öppis z' m. mit-i ch ? fragt 
der Hausierer seine Kunden, ebd. Mit dem Junker 
het 's-e-si eh la" in., aber d' Erau ist e" hochmüetigi 
Dam g'si'. CBiederm. 1893. Nid eil m. mit Eim, sich 
wenig mit ihm abgeben Th. .Ruoland macht nüt vil 
mit Ganelon.' Morgant 1530. — ■»]) Nüt us Eim m., 
sich Nichts aus ihm machen Th. Er macht Nüt drüs 
ZO. I ch weiss nit, was i ch uss-em in. muess, wofür 
ich ihn halten, was ich von ihm denken soll Bs. — 
b) was machst, was mached-er (GuetsJ, wie geht's? 
Aa; Bs; B; G; Schw; Th; Z. Darauf wird zuweilen 
die scherzh. Antwort gegeben: Was no ch nüd g'macht 
ist Z. Auf die Frage: Was macht [wie geht es] 
N. N? antwortet man etwa: Ghrumbi Bei", wen» 
er sitzt Bs. oder mit derberm Scherz (wortspielend 
mit 20 a): Was wett-er m.? Ticks und Tünns '/.. was 
er g'esse" hat. ebd. Was machst? fragte in BStdt ein 
Papagei, als er ein Erdbeben verspürte. Unpers., vor- 
fallen, sich zutragen. Viele müssen die Zeitung noch 
haben, denn ,sie müssen wissen, was es in Zürich 
gemacht habe.' XHerzog 1863. — 21. ,es m.' a) eine 
Arbeit aus-, durchführen; auskommen; es treiben Z. 
Gang no r , i ch mache" 's öni dich! Es hat no ch g'nueg 
Litt uf der Welt, 's wärt wider g'macht; weiten eim 
Stecke" gut kein Hag ab. Stutz. Wie me" 's macht, so 
hed me" 's, wie man 's treibt, so geht 's. Ineichen. 
.Wenn ihm das Mutterli abgehen sollte, er wüsste 
nicht, wie es ferner m. [was anfangen].' Gotth. Mit 
adv. Bestimmungen, a) es gaet in. 1) gut handeln, 
recht tun. I ch ha" g'ment, g'ad wemme" 's guet mache, 
geng 's Em au ch wider guet, ond mach me" 's schlecht, 
so wer d 'seh Em eben au' h wider schlecht go n . Ap Kai. 
1848. — 2) bei seiner Arbeit Erfolg haben; mit Ge- 
schick und Erfolg wirtschaften, ökonomisch vorwärts 
kommen B; Sch;Th. Mached 's guet! Abschiedsgruss 
an Solche, die an ihre Arbeit gehen Sch; Th. Mi" 
macht 's dert ng z' halb besser. Gotth. — 3) eine 



27 



Mach, mech, mich, moch, much 



■> 



vorteilhafte Wahl treffen, beim Heiraten IJ ; Z. Was 
<!' Briiri u' d d's Werch ist, so Im"', wo d's besser mieehist 
in Mädchen zu einem Burschen, dem es sich 
zur Frau empfiehlt], Gotth. .Ihm sei es gegangen. \vi<> 
es es nie hätte denken dürfen, nicht nur. weil es es 
gut gemacht, sondern weil es gerade Den bekommen, 
der ihm im Sinne gelegen.' ebd. Wit macht st 's? 
was macht sie für eine Partie V B. Syn. es treffen. 

— ßj es lang (churi > m., es lang'' (kurze) Zeit treiben. 
bes. mit Bez. auf die Lebensdauer B; Gr; L; (iii.; 
S; Th; Z. Er macht 's nümmc lang, wird bald ster- 
ilen. [Die Mutter] ist e" zächi und macht 's no a lang. 
•Die [Grossmutter] hat 's nicht lang gemacht hier im 
Walde; weiss nicht, ob sie vom Heimweh gestorben 
ist oder von der Wassersucht.' AHart.m. 1852. .Ab- 
solom machte es kurz: er musste im besten seiner 
Jahren darvon.' AKybcrz 1753. Zu Etw. lange (nur 
kurze) Zeit brauchen ScnSt\ : Tb ; Z. Bes. von Kednern. 
De r Pfarrer het 's schüli a lang //'macht. .Es Einem 
zu lange in., zu lange zaudern, ausbleiben." — b) die 
Karten austeilen, beim Spiel ZO. Syn. es geben. Wer 
macht 's, du oder ich? — c) genügen, ausreichen B. 
Syn. es tuen. .Hundert Taler machen es nicht.' Gotth. 

- d) es m. (in Bs auch g'm.) chönne*, g'm. möge*. 
a) Etw. zu Stande bringen, bewerkstelligen, ausführen. 
sein Ziel erreichen (können) AaSL: Ap: G; Th; UwE.: 
Z. Sehn" lang hätt-en eu c * gern g' schickt, aber i ch hä" 's 
nie chönne" grad m. [es hat sich keine Gelegenheit 
dazu gefunden]. BStell 1888. Auf die Frage, wie 
lange man nach N. zu gehen habe, erhält man den 
Bescheid: In ere Stund mag-me" 's g'm. Th; Z; vgl. 12. 
I' h cha** 's nüd m., habe die nötige Summe nicht zur 
Hand, vermag sie nicht zu bezahlen G; Th; Z. Cha""st 
du 's »»., das Geld auswechseln ? Th. Bittenden ant- 
wortet man achselzuckend: I c " cha" 's, chönnt's nid 
»(., es ist mir nicht möglich, die Bitte zu erfüllen 
AASt. ; Th; Z. — ß) bestehen, leben können, sein (ge- 
nügendes) Auskommen haben, mit dem Nötigen (z.B. 
mit Geld, Speise) ausreichend versehen sein Ap; Bs; 
B; G; Sch; Th; UwE.; Z (g'm.). Er cha™ 's (mag's) 
intimuc (g')rn., geht ökonomisch zu Grunde. .Soviel 
Geld verdienen und es nicht m. können.' Gotth. I eh 
cha"* 's (mag 's) (g?)m. } bin gesättigt (scherzh.). .Sie 
hätten erst zu Mittag gegessen, es könnte es m. bis 
morndrist ■/.' Abe"' 1 .' Gotth. ,Er solle doch nicht in 
die Fremde gehen, sie könne es nicht m. ohne ihn.' 
ebd. Er mag 's wider g'm., von einem Genesenden 
Ap; Z. Er mag's nümme lang lfm., treibt es nicht 
mehr lange GG. — e) es m. mit. a.) mit Eim Z, mit 
e u,i itili rc") Bs; B; L; W; Z 1) übereinkommen, sich 
verständigen, sich vergleichen, handelseins werden. 
aaOO. Dafür: es z'sämme* m. B. Wenn d'r g'schid 
Sit, so mached-er's ts's. u,* d lad 's nüd zum Spreche" 
[vor Jen Richter] chon BR. Mit adv. Bestimmungen. 
Es schriftlich m. mit Eim, die getroffene Vereinbarung 
aufzeichnen Th; Z. Es gnädig m. mit Eim, glimpf- 
lich mit ihm verfahren, bes. eine nur massige For- 
derung an ihn stellen Tu; Z. 2) es mit Einem auf- 
nehmen '/,. Mit Sc'hrm umeli - r h 's denn scho* na ch . 

— ß) mit Oppisem, damit auskommen, sich damil be- 
gnügen l!s; Tu. Q'mainröt und Presidänte*, die hat" 's 
nie'' mit Ilalhlai g'macht. - f) mit Dat. P. a) es 
Eim m. 1 i ihn behandeln, an ihm handeln Bs: li; 
Tu; Z. Du machsch fs] dim eigne" Ma" n . es ist e* 
Sch im l. Stütz. Du weisst, wie si mir 's emisi g'macht 



het i" d'r Chil eh e*. Gotth. Es Eim wüest, schlecht m. 
In anderm S.: Mach-mer 's recht [führe mir die Arbeit 
richtig aus], Name des Knechtes im Kdld vom Haus- 
halt !,. 2) prägn., Einem übel mitspielen, es ihm 
eintränken G; ScnSt. Syn. Eim defitr tuen: vgl. noch 
19 a -. Wart, i c * will der 's m.: .Du schwarzer Schöltn, 
wir wend dir 's noch wol m.!' sollen Z Bauern einem 
Pfarrer zugerufen haben. 1610, Ahsch. .Ich will es 
dir m.'. dich dafür strafen. Hosp. 1683. .[Die ent- 
lassene Magd] habe ihm [dem Dienstherrn] getrauet, 
sie wolle es ihnen schon m.. darüber zwei Kälber er- 
lärat und ein Kuh verderbt worden.' 1701. ZWast. 
Prozessakten. .Der Landvogt habe es ihm mehr als 
einmal gemachet.' 1763, Z Staatsarch. — 3) dem Cheiser 
es m., auf die Zehnerkarte im .Kaiserspiel' [s. Ghäiser 2 
Bd III 514] eins oder drei aussetzen, zum Gewinnen 
L; Ndw. Syn. chaiseren (Bd III 515). J** ha* 's mim 
Gh. g'macht. JRoos 1892. — ß) es Einen" m., sie be- 
schlafen AALeer. ; Bs; Z. — B. in erweiterter tr. 
Fügung. 1. mit Inf., lassen, veranlassen, bewirken. 
a) ohne ze. Merhän der Dokter mache" leo* Bs. Mit 
fortgelassenem Acc: Mache" macht megeii, frisch ge- 
wagt ist halb gewonnen GitVal. .Die Hitz einer sol- 
chen Bitt macht alle Tag vom Schatz des Zorns Etwas 
schmilzen.' FWvss 1672. .Wenn er sie nur alle drei 
Jahre macht Rechnung ablegen.' XVIII., Eschers Tageb. 
.Alle strafmässigen Sachen angeben und m. abstrafen.' 
GrKIosL LB. .Jeden Tropfen Wein kaufen und kom- 
men m. [müssen].' PScheitlin 1828. — b) mit sc. in 
B; F; S; W sehr häufig, in den nordöstlichen MAA. 
auf eine kleine Zahl bestimmter Fälle beschränkt. 
Ein' ii :' lache", z' schreie", z' flneche", z' schwitze", z' 
geine", z' fürch(t)e* m. S; Th; Z; so auch bei Ruef 
1540; Fris.; Mal.; Myricäus 1630. Eine" z' esse", z' 
trinke* m., seinen Appetit, Durst erregen. Id. B. ,D' 
Ermi macht d' Liit eil :' tue", paupertas facile ad vitia 
ducit.' ebd. D'r Schuelmeister het mi'" mache" dinne* 
z' bllbc" [in der Schule nachsitzen]. B Hink. Bot 1861. 
Du han-ig-se mache" zueche* [zum Tische] s' sitze". 
Dr Bari 1885. Wege* so-n-ere* alte" Chräje* eha*"-mc* 
nit Alls m. z' warte". B Dorfkai. 1871. Die Leute 
brav in. :' verliere*. Gotth. D'r Chlupfhet mi e * machen 
ahi :' gheien. Wohltat. Jüngi,. 1780. Ein'» Oppis m. 
:' mache", faire faire B. Eim Epjics z' verleide" m. 
Gr. Öppis z' schicke* m., es so einrichten, dass Etw. 
passt B; Z. Es leott si c '' mer neue" nit ant/ers schicke*. 
,So mach 's z' schicke*!' Gotth. Di" Att het ns feissus 
Chalb mache" z' metzge". Dial. (FU.). ,Fervefacere, 
ze sieden m.' Fris. .Wir hand 's schiff machen z' gehn 
und geylt hiehar.' GGotth. 1599. ,üise wort werdend 
uns g'wiss nicht in. z' fliehn.' ebd. ,Syn Pfert git er 
[der Graf von Habsburg] dem Pfarr und machet in ze 
ryten.' Lüt., Sagen. Mit pers. Dat. statt des Acc. nach 
Anal, von .Einem kund und zu wissen tun'; ,Und wird 
hiemit Jodermänniglich zu wüssen gemacht.' Z Mand. 
1691. .Einem eine Aussage zu wissen in.' JMet. 1694. 
— 2. mit präd. Adj., wie nhd. Eine" hö", faltsch, bös 
in., aufbringen, erzürnen. Eine" schlecht m., in schlech- 
ten Ruf bringen, verleumden Ap; Sch; Tu; Z. Eine 
Mutter macht ires Chind schö*, putzt es heraus Th. 
Eine* brever m. [schildern], als er ist. ebd. /•"* miiesst 's 
susi besser m., weder dass 's g'si* ist, sagt Einer, der 
ein Gerät, Geschirr nicht gern entlehnt Z. .Man 
könde den tüfel nüt so ang'schaffen ni. [peindre], als 
sy [die Riesin] was.' Morgant 1530. Sich jung m., 



.,., 



Mach, mech, mich, moch, muri 



3o 



stellen Sonst. Sich gross m. s. gross l <l Bd II 804. 
. L'ine kälberne Brust gebraten m.' Goldschm., Wint. 
Chr. Etw. offc m., öffnen GrPi\ Etv/.guetm. 1) als 
gul hinstellen. ,Der Kapuciner mieche auch das 
.luden-, Heiden- und Türkentum gut.' Fäsi 1696. — 
2) eine Geldschuld abverdienen SchScIiI. I eh zale" 's 
nid, i ch will 's cho" guet m. — 3) ein Stück Schlacht- 
vieh, mästen Sch; Tu; Z. Mit unbest. Obj. Es guet, 
bösm., (einen Zustand) als günstig, schlimm darstellen, 
schildern; bes. vom Arzt in Bezug auf einen Kranken 
Th; Z; s. auch Sprww. 1869, 105. Mach 's doch nit gar 
so schülifchj! sagt man zu Einem, der einen Zustand, 
eine Begebenheit in allzu düstern Farben malt Th; Z. 
Es recht m. mit Eim, eine Schuld ausgleichen GrPi'. 
'Bettelt es n-ill-i' 1 ' nüd und tue" 's speterhi" etten-esime 
mid-ne recht tu. Schwzu. Mit fehlendem Acc. Wüest 
m., seine Notdurft verrichten, von Wickelkindern Bs; 
Th. Heiter m., Helle verbreiten oder herbeiführen 
S; Z. [Ich] ha" no eh grad müesse" cor däis Fenster 
sitze", wo am heiterste" g' macht het, wil keini holzige" 
Selube" d'rin gsi" sl". BWvss 1863. S. noch fertig 
Kd 1 1041. Statt des Acc. steht ein Dat. P. Eim wol 
(B), we (L) m., tun. [Der Branntwein] macht d'r wol. 
Gotth. Eim warm m., bildl.. ihm ganz nahe auf den 
Leib rücken, scharf zusetzen (mit Worten oder Taten) 
Th; Z. Die Beide" [Kämpfer] händ-enand warm 
g'macht. Er hät-mer [mit Zureden] efange" warm 
g'macht. Unpers. Vom Wetter: es macht ehalt, warm, 
finster (Bd I 873), frisch (Bd I 1331) u. ä. allg. ,Dem 
Einen macht es viel zu nass, dem Andern viel zu 
trocken.' B Hink. Bot 1815. Auch: es macht schon. 
Wetter AALeer. Es macht Dag, tagt Bs. .Das Weiber- 
volk ist Tag für Tag hinter der Brattig und rechnet, 
wenn's wieder Neumond mache.' Ursenkal. 1868. — 
3. mit präd. Subst. mit Präp. Einen z' Schande" m. 
1) wie nhd. — 2) ausschimpfen; zu Grunde richten 
Bs. Dervor lä"-mi eh z' Fetze" m., eh i ck nä ch gibe". Gl 
Volksgespr. .Latine reddere, zu latyn m., in latyn 
verdolmetschen.' Fris. ; Mal. .[Sein Buch] hat er uss 
dem Tütschen zu Latyn gemacht.' 1574, Mise. Tig. 
Die Aare .macht die Statt in zwen Teil.' Cys. — 4. mit 
adv. Bestimmung, welche Richtung oder Ziel der Tätig- 
keit bezeichnet. Einen z' Bode" m., zu Falle bringen, 
eig. und bildl. Bs; B; Uw. Vgl. nhd. .niedermachen.' 
Luege", wie si enangere" z' B. mache'" 1 . Gotth. ,Zwei 
stürzten auf mich zu und machten mich auf den Boden.' 
Schweiz. Unterhalt. 1860. Die Weinreben über den 
Winter z' B. m. = abe"-leggen (s. legen 1 b Bd III 1175) 
Bs. Einen Handel z' B. m., niederschlagen. Hausfr. 
1881/2. ,Z' B. macht das Unglück das Haus nicht.' 
Gotth. Öppis uf d' Site" m. (auch abs.), bei Seite, 
zurück legen, sowohl einen Teil seines redlichen Er- 
werbes als Ersparniss, als auch fremdes Gut, stehlen, 
veruntreuen Tu; Z. Etw. ,an ein Ort in.' s. Bd I 484. 
Dazu noch: .Dass ein Ding wo immer müglich an ein 
Ort gemachet und Gerechtigkeit gefürderet werde. 
Schleunig Recht ist gut Recht.' FWtss 1673. ,Das 
Facenetlein umb den Huot in. [befestigen].' Kriegs- 
büchl. 1644. Unpers. ,Es hat den Schiffern Wasser 
gemacht auf die Bindläden' Z. S. noch Ordning Bd 1 
441. — C. refl. 1. meist unpers., angeben AALeer.; 
Bs; L; G; Th; Z. Wie gut 's? Es macht-si''' (eso). 
Sind-er fllssig? Es macht si ch . Aufgefordert, in ein 
Lob einzustimmen, antwortet man iron.: Es macht si ch . 
Gell, Das ist schö" (guet)! Es macht-si r ''. Schlecht bin- 



i ch nüd, und mit der Tummheit madit-se-si'' 1 au" 1 ', 
glattb-i eh . JSenn 1864. Uni macht ■se-si' h (mit-Hm 

Wetter) Tu; Z. Dafür auch: 's Wetter macht-si- 1 ' lini . 
ebd. — 2. sich ausnehmen; sich anstellen, sich be- 
nehmen Bs; L; UF., G.; Th; Z. Da maehst-di ch nid 
iiliel i" dim neue" Kleid. Fr macht si c * besser [stellt 
sich besser an zu seinem Dienste |, weder das' i' 1 ' 
(/'meint ha". Wie macht-er si ch jez In sim nein" Meister? 
— 3. sich anlassen, sich entwickeln, gedeihen, vor- 
wärtskommen, (-gehen) Bs; GrCIiui-; GF., G. ; Th. Das 
China macht-si ch [entwickelt sich] prächtig. Wol, wol, 
De r macht si ch [macht Fortschritte]! Er macht sc 1 ' 
guet, es geht ihm gut, z. B. in seinem Geschälte. 
's macht si eh ganz orde"li ch . 's maclil-si 1 '' wüest, vom 
Wetter, wenn der Himmel sich bewölkt und mit Regen 
droht SThierst. — 4. unpers., es macht -si rh (sehn* 
leider), lässt sich (schon wieder) in Ordnung bringen, 
herstellen Ap. A : Wenn 's letz use"chunnd, so bist du 
g' schuld! B: S&b wird-si 6K m. [sich finden], ESchönen- 
berger 1894. Sich fügen, geschehen. ,Ob sich de- 
heinist wurd m., dass einer syn rechtung verkouft 
hätt.' 1457, ÄAWett. Klosterarch. — 5. sich (eilends) 
irgendwohin begeben Bs; Gr; G; Th; Ndw; Z. Sich 
i" 's Bett Mi. Sich nöchbcrlig m., in die Nähe rücken 
Bs. I ch mach-mi ch roruse". KdMet. 1844. I ch muess- 
mi ch hei'" m. Schwzd. Mach-di ch gan arbeite"! Ndw. 
,Die stat. hinder die er [ein Flüchtiger] sich gemacht 
hat.' 1421, Absch. ,Wele r unser burger sich von 
unser stat macht, dass er von unser burger recht 
'gangen ist.' ältestes L Batsbüchl. ,Butz dich, mach 
dich, heb dich rösch, e ich dir dyn bös mul er- 
trösch.' Rüef 1540. ,Ich will mich gon Bethlehem 
m.' VBolz 1554. ,Domum ire pergaiu, ich will mich 
gon heim m.' Fris. ,Nun da es ward umb mitte nacht, 
die in dem ross sich drus band g'macht [sind hinaus- 
gestiegen].' GGotth. 1599. ,Sich heimb in syn Hus 
m.' Z Mand. 1650. 

II. intr. oder abs. 1. sich rühren, tätig sein, ar- 
beiten, handeln, a) allein stehend oder mit modalen 
oder temporalen Bestimmungen. Me" cha"" nid me 
als m. [an einem fort arbeiten], antwortet Einer, der. 
trotzdem er sein Möglichstes leistet, zur Eile ermahnt 
wird Bs; Th; Z. Do cha""-me" m. und m., und 's 
nützt Alls Nünt, alle Anstrengung, auf einen grünen 
Zweig zu kommen, ist umsonst Th; Z. Dö cha""-me" 
da"" go" m., wann 's Eim halt nüd will [wenn das 
Glück Einem nicht wohl will]. MLienert 1888. ,Ich 
schien den ganzen Tag zu m., und machte doch nur 
halb so viel als sonst.' Gotth. Mer söttit no ch e" chli" 
m. Th; Z. Uf und deco" m., über Hals und Kopf 
arbeiten. Gotth. Mir wei" jetz er'stig m. GJKchn 
1806. Mached g' schwind (Tu; Z), fri (W), sputet 
euch! In dieser prägn. Bed. ,sich beeilen, sich sputen' 
erscheint m. auch alleinstehend, bes. in imperativischen 
Wendungen Aa; Bs; B; L; G; Th; Z. Mach, m. au eh , 
einist, e" chli"! Mach au ch , eb Upper chunnt ! Stutz. 
Gang iveidli' 1 ', mach und gib-em Öl! ebd. Mach au ch 
emöl, so göt 's en Weg! Er macht, strengt sieh ausser 
Atem an AALeer. Iez heisst 's m., sus(t) iotr(d)ed-mer 
nümme fertig Th; Z. M., bis..., (in seinen Bemü- 
hungen) nicht nachlassen, bis ein (beabsichtigtes oder 
unbeabsichtigtes) Ziel erreicht ist; in letzterem Falle 
der temporale Nebensatz mit der Bed. eines Folge- 
satzes und m. übergehend in den Begriff .bewirken' 
Gl; Th; Z. 31., bis es ist Gl, bis me" 's hat Tu; Z. 



31 



Mach, mech, mich, mocb, mach 



32 



.!/<" hat g'maehet, bis 's [z. B. eine Maschine] wider 
^ ganger, ist GlMoII. Du machst (scho'J, bis d' Tatsch 
[Schläge] überchunnst, sagt man warnend zu einem 
unartigen Kinde Tu; /. De r Hund bettet und macht, 
bis de* Chasper verwachet. RBrahdst. 1884. l rh mache', 
• Im", sagt der Gemächliche Th; /. Er macht, 
bis er 's hat, übereilt sich nicht, spöttisch von einem 
Lau amen Tu; /,. Lang in., zu einer Arbeit, übh. 
zu ii end Etw. lange Zeil brauchen, zaudern Bs; B; 
\ii; u; Z. Vgl. es lang m. Wer lang macht, cha**'s 
nid ■ I. Ineiches. Er lnit luii lang g'macht, sagen die 
Kirchgänger vom Pfarrer Tu; Z. l)e r macht lang, 
bleibt lange aus. lässt mich lange warten Bs; Th; Z. 
Unerwartet schnell Zurückkehrende werden mit den 
Worten begrüsst: Der hau (er hämdj nii lang g'macht ' 
ebd. Er mucht nümme lang, wird bald sterben GG. 
.Beseehend her und nit lang macht, die priesterschaft 
sunst b'langen hat.' Haberer 1562. — b) ,m. an Etw.', 
daran arbeiten, sich damit beschäftigen, bes. mit einer 
Absicht, einem Plan; dann auch mit Bez. auf drohende 
Veränderungen, welche nicht vom Willen abhangen, 
z.B. an-ere" ChranJcet imune" m. Unpers. Es macht 
um Wetter, die (günstige) Witterung droht umzu- 
schlagen AAHasenb. Dafür: Es muckt am andere" 
Wetter AAl.eer.. a" anderem Wetter (umme'J Bs; Th; 
Z. 's macht an Öppis iimmc", ein Unwetter ist im 
Anzüge Bs; Th; Z. — c) , für sich m.', auf eigene 
Rechnung arbeiten BoE. Syn. meisterieren. Er macht 
für in. — d) ,m. auf Einen. Etw.', auf Einen, Etw. 
bauen, rechnen, sich verlassen Ap; GG.; Th; ZO. 
Syn. gern nf. Me" cha"" nit uf-in m., er ist unzu- 
verlässig. Du cha"*st druf m., darauf zählen. In 
anderm S. ,uf guot Gelt m.'; s. Bd II 538. — e) ,iu. 
mit Einem', sich beschäftigen, zu schaffen machen, 
spielen. Mit d'r Chats m. GA. S. noch f a. Spec. 
a) Geschäfte machen, verhandeln; handelseins werden, 
sich vertragen B; Th; Z. Vgl. 20 a £. 21 e a. 's ist 
guet mit-em z' m., leicht mit ihm auszukommen Scb ; 
Tu; Z. .Mach mit ihm [dem Gläubiger], so gut du 
kannst; »i'r uei" luege*, wie m'r 's mucke".' Gotth. 
,Wer mit bevogten lüten macht.' Ap LB. 1409. ,Also 
dass sy [die Pensionier] für und für mit fremden 
herren machen, das gelt nemmen und der frommen 
kind die streich ze lösen schicken wölltind.' Zwingli. 
,lch will also mit üch han g'macht: wenn ir 's gelt 
band und ich das myn, so will ich wol zefriden syn.' 
EtüEF 1540. Becht in. mit Elm, ihn (bes. durch Geld) 
befriedigen GrI>. I ch will scho* recht m. mit-me. 
p) sich messen, es aufnehmen, sich in einen Kampf. 
bes. Wettstreit, einlassen, ringen B; L; Tu; Ndw; Z. 
Vgl. 21 e a 2. Mit Iederem m. Ober und ober m. mit- 
enandere*, so dass bald der Eine, bald der Andere 
fällt Ndw. Du hend-si an" Ghiräschi g'ha*: 's hed 
Einer g'macht mit 10 Ma**. Häfl. 1801. Mit Dem 
iiill-e 1, im Schwingen schon ei"s m. BK. Mier bedhei" 
mengist mit-enandren g'macht, wedra' ender fertig sig. 
ebd. ,Es seien im ganzen Kanton nicht ein 1 letzend, 
die mit mir m. könnten.' Gotth. .Wie ihr ihn [den 
Kittel] der Hans zerrissen, als er mit ihr gemacht 
habe MWalden. ,[Die Appenzeller] wolltend mit den 
unsern [bei Vögelinseck] g'maehet han.' Yad. .[Beide 

haben] also mit dem weibel g'macht und g'focliten. 
dass sy in zerücken band g*worfen. Indem sy also 
mit dem weibel g'macht und g'ruiigcn.' 1561, ZWint. 
Chr. Wetten Tu; Z. — y) necken; mit Wollen 



streiten, zanken B; GA.; s. noch ob ß. Sihcid hing mit- 
enand g'maehet, a'so mit-enand g'maehet, Ins si enand 
j Sehläge| g'gc" keid GA. — 8) unpers. Es muckt mit- 
mir. ich bin unentschlossen, im Kampfe, uneins mit 
mir selbst tili.: Tu; Z. 's hat hing mit-uur g'macht, 
/ well gä" "der und. .Wie macht es mit dem 
Patienten?' B. Vo" Stung a; wo er ro" dem Zug [der 
Arznei] g'no" lieig. heig-me" g'seh", dass es ne" grüsam 
a'grif »"'' mit im mache vele* Weg, u" d du heig 's 
emel du mit im fertig g'macht. Gotth. ,Lang macht 
es nicht mehr mit mir [treibe ich's nicht mehr]', sagt 
.ine S.bwerkranke. Gotth. — f) in. als Bezeichnung 
anderer specieller Tätigkeiten, a) spielen, bes. mit 
Karten, aber auch von jedem andern Spiel B; Gr;L; 
HA.; Th; Uw; Z. Mit der Frage wie macke"d-mer? 
erkundigt man sich vor dem Beginn des Spiels nach 
der Spielart oder Höhe des Einsatzes Tu; Z. Um de" 
Kafi, e" Flasche* W%* in. Machst du mit Dine" 
[Karten]? Syn. kommen Bd III 203. I rh mache* nid, 
spiele nicht mit. Falsch m. GRSchud. Hinderst' m. 
= en H.-Jass (Bd III 70) m. Th. .Grad oder ungrad m.'. 
ein Spiel unter vielen andern. 1530. Absoh. S. noch 
fünf 1 (Bd I 852). I rh mache" nümme*, sagen Kinder, 
wenn sie nicht länger mitspielen wollen Th; Z. — 
ß) aufspielen, Musik machen B. .Die Schwester macht 
auf dem Klavier.' Gotth. .Fidicina, die auf seitenspil 
macht.' Fris. S. noch Hafen Bd II 1010. Bes. in der 
Verbindung: .zuo tanz m.' .Welicher spilmann zu t. 
machate.' um 1480, Obw. ,Xit ze t. oder spyl ze m.' 
1502, Z Anz. 1884, 15. ,Es ist oueh beschälten, dass 
jung, frölich, muetwillig g'selleu sich verkleidet, uf 
dem kilchhof getanzt und einer mit einem totenbein 
uf einem totenboum zue t. g'macht.' LLav. 1569. 
.4 pfd gab N. N., als er an einem nachhochzyt zue t. 
gemachet.' 1576, ZGrün. .Die Spillüt, so z' T. ge- 
machet, sollen gestraft werden.' Z Mand. 1601. ,Die 
Spillüt unsrer Landen, so zuo T. machend, mit was 
Instrumenten Dasjoch beschickt.' B Sittenmand. 1628. 

— Y) schreiben B. ,Es nehme sie Wunder, wie sie 
daraus kämen [die Schrift lesen könnten], jeder Schul- 
bub mache schöner.' Gotth. — 8) seine Notdurft ver- 
richten, von Kindern, auch kleinen Tieren, z. B. Vögeln 
Ap; Bs; B; Gl; GA.; Sch; S; Th; Z. Vgl. 20 a ß. D's 
Chind hat g'macht. B. I" 's Bett, uf de" (an'n) Bode" 
m. Die ehline* Chind mache'd Eim i* </' Windle*, die 
grossen ufs Her.: [bereiten Einem Kummer]. Spbww. 
1809. I" il' Hos," m. S; Tu; Z. Er hat fast i" d' H. 
r/macht, vor Angst, Ungeduld. .Vor zorn möcht 's mir 
den buch zerryssen, dass ich z'letst müesst in d' hosen 

— machen.' Funkelin 1552. .Alles, was das Kind in 
7 Jahren tut, ist schön und artig, sogar wenn die 
Mutter es auf ihren Kopf hebt und es ihr auf die 
Nase macht.' LKInderbitzi 1826. .Syn kind machtend 
uf den tisch und syn frow was wol als unlustig [un- 
appetitlich].' Auf. XVI., G Neuj. 1893. — 2. sich in 
einer Richtung bewegen, die durch ein Adv. bestimmt 
wird. VorwärtfsJ m., sieh beeilen, eine Arbeit (rasch) 
fördern GrPt.; Th; Z. I ch hetti 's gere*, wenn d' rwcfcft 1 * 

niriedrt mueclti.it und gli''' fertig eliiemtist. SoBWZD. 

(Gr). Fürsi ch in. a) = dem Vor. Sc»; Tu; Z. Mach au rl ' 
e* chli* fürsi ch , du Schlarpi! ACorrodi. .Machend für 
üch, wie stand ir gaffend?' .1 Binder 1535. .Und mach- 
tend für sieb [mit Plündern].' GWyl Copialb. .Wohin, 
nun lasst uns für uns m.!' Mtricäds 1630. — b) er- 
sparen, erübrigen Seu; U. Syn. vor-maehen. Aber auch 



:;:; 



Mach, mech, mich, moch, much 



:;i 



mit ausgedrücktem Obj.: Er macht NiM f. Kmdersi° h 
in. a) zurückkommen, in ökonomischer Hinsicht U; Z. 
— h) von der Verlobung zurücktreten, sie rückgängig 
machen AaL. De Jokeb ist iez e* Höchziter, h. war 

i" Schumi. MI.knz. S. noch die Zss. — 3. sich ge- 
berden, sich benehmen, tun; bes. von auffälligem Tun. 
lebhaftem, erregtem Ausdruck der Empfindungen in 
Geberden und Lauten, bzw. Worten AALeer. ; Bs; B; 
I.; Uli.; S; T ii ; U; W; Z. Syn. tuen. a) alleinstehend, 
in prägnantem S., toben, lärmen B. De macht! De'' 
hed g'füstet itutl g' macht ZU. Wucste", schnitze" und 
tn< n und m. KdMeyer 1844. — b) näher bestimmt 
a) durch Modal- (Folge- und Vergleichungs-) Sätze. 
.Er het g'macht, me" hätt nit dürfe" lose", ita non 
temperavit ab ira, ut furias audire dixisses.' Id. B; 
Ineichen. .Si het g' macht, wo-n-er g'storben ist, rne" 
hiitt g'meint, si weit nache; tanta ejus erat afflictio, 
ut eum ad inferos sequi videretur.' Id. B. Si hein [im 
Wirtshaus] g'macht, wie wenn d'r Tüfel los wän BR. 
.Der macht, als ob seine Worte Kugeln wären, und 
Jeder maustot, gegen den er einmal geredet.' Gotth. 
.Er macht, als ob er Millionen hätte' B. ,Der war 
Sonderling und machte nicht wie andre Leute.' W 
Sagen. ,Er mache, wie man ihn heisse' S. Er macht 
irie-n-c Narr. Ineichen, „wie ein Kind." ,N. N. machte 
auf seinem Totenbett nicht wie ein Christenmensch.' 
HI'est. 1785. Er macht wie d' Mueter, hat die gleiche 
Art in Wort und Geberde GG.; Th. M., we d' Vögel. 
Vogelstimmen nachahmen, ebd.; Z. ,Der Drat macht 
wie-n-esSeil [fa le veci di]' W. ,Z'sämmc" m., agere inter 
se invicem. Si mache"'' z's. wie di Taube", ut canes 
rabidi se lacerant. Si mache"' 1 s's. wie d' Gauche", 
ad nauseam usque sibi blandiuntur, asinus asinum 
fricat.' Id. B. — ß) durch einfache Advv. Wüest m., 
sicli übel geberden B. Wo-n-i' h uf N. cho" bi", het 
dert in Hund so verfluecht w. g'macht über mi ch . B 
Dorf kai. 1864. „ W. in. mit Eim, ihn derb ausschelten. " 
Vgl.: Wie De'' o ch mit-mer g'macht hat, i''' ha" g'glaubt, 
es geb Schlag. B Hink. Bot 1861. Eim teilest m., ihm 
übel mitspielen B. .Vergiss doch nicht, morgen ein 
G'schüch in die Erbsen zu stellen, die Spatzen machen 
ihnen sonst viel zu wüst.' Gotth. Grüsli''' in., eine 
Geherde des Ekels machen Bs (Spreng). Mach nur 
nit so gr. drob, tu nur nicht so sehr dawider ! Leid 
m., sich unartig aufführen, über die Massen weinen W. 
Grob m. ebd. .Wenn man schleiken [leise tun] will, 
macht mau erst grob.' Griselli'' 1 g'nüog m., von einem 
Sterbenden, der kaum mehr atmen kann BHa. Lüt 
m., lärmen, laut reden AALeer.; Bs. Still m., sich 
ruhig verhalten Bs. Hübscheli(g) (Bs; BHa.), Uslig 
(Bs) m. Machid h., d'r AU schläft! .Machet recht 
hübschlig und still!' WSenn. Bürig m., sich grob, 
roh benehmen BHk. Dumm m. B; S. Tue doch uf 
und mach nit sövli d.! Gotth. .Jakob solle es ihr 
ja doch nicht nachtragen, dass sie im Stall so d. ge- 
macht habe.' AHartm. 1852. N. N. hat gester z' Nacht 
c" Busch g'ha* und so lustig g'macht. Stütz. S. noch 
glatt I 1 Bd II 653. ,Was ist Aparts, dass du so 
machst', dich so aufgeregt geberdest'? Gotth. ,Sie 
sprach Sophie Mut ein, sagte ihm, so solle man bei 
einer blossen Gefahr nicht m., man könne sich ver- 
sündigen ; wie es sich denn geberden wollte, wenn 
das Unglück wirklich eintreten sollte.' ebd. ,Mädi 
sagte, es sei doch d'r Wert eso z' >u., es wird öppe e" 
Mansch- si" wie-n-e" angerer.' ebd. Los, lueg uu ch . wie 

Schweiz. Idiotikon. IV. 



das [fiebernde] China macht! Th. Wie ehönne'd die 

Frösche" aw'' in.'. KdMey. 1844. Von der Lebens- 
weise. Mager in., mit schmaler Kost vorlieb nehmen U. 
Es sig c" grössi Mungernöt e'tstande*, und <"<*'' er heig 
null und näh m. g'macht und Mangel g'litte". — c) mit 
Angabe dessen, was durch Geberde und Wort ausge- 
drückt wird. Dabei kann das Wort unter Umständen 
in den Vordergrund treten und die Geberde zur blossen 
Begleiterin desselben herabsinken, ohne jedoch ganz 
zu verschwinden. Jene Angabe besteht et) in einem 
einfachen Wort, aa) Ja, Nei m in., eine bejahende, 
verneinende Geberde machen; ja, nein sagen Ar; Gr 
Pr. ; Th; Z. Er ist en Ma™ ivorde; der mit Gottes 
Ilülf alliwil hed chönnc" ja und nei* m. [den Mut hatte. 
seine Meinung zu äussern] ZStall. — ßß) Adie m., Ab- 
schied nehmen. Adieu sagen B; S; Th; Z. Er macht 
Allen A. Schild 1885. T' h macht o' h no ,h A. m. mit-ne". 
MWalden 1880. — YT) G'sundheit m., eine G. trinken, 
mit den Gläsern anschlagen Bs; B; S; Th; Z. St 
mache"' G. z'sämme". Schwzd. (BO.). Drüf fät <lc" n 
d'r Buedi a" nnt-''em Kätheli tschänzle" u"'' G. in. ebd. 
(BM.). Wi" 'trunke" und G. g'macht und a'pütscht 
[angestossen]. Joach. .Drinnen schenkte, sobald man 
sich gesetzt, der Alte wieder ein, machte G.' Gotth. 

— ß) in einem ahh. Satze. ,Er macht gar, es sig im 
Überschi, valde conqueritur de injuria sibi illata.' Id. B. 
,Er het g'macht. wie-n-er im irell bistä", sanetissime ei 
auxilium suum promisit.' ebd. ,Er het chönne" m., 
u-ie-n-es im so leid sig, deos omnes poenitentiae suae 
festes voeavit.' ebd. — f) ' n direkter Bede AALeer.; 
Ap; Bs; BHk.; GrCIiih-, Pr.; Sch; S; Th; Z. Hier 
bedeutet also m. so viel als .sagen, bemerken', aber 
„mit besonderm Ausdruck. Nachdruck reden, apostro- 
phieren; es ist in der Erzählungsart des Volkes üb- 
lich, wenn es eine Eindruck machende Manier des 
Redners beschreiben will." Es steht häufig in einge- 
schobenen Sätzen. Wenn si d' Ürte" 'mit häiul, hat 
er g'macht: Oblische! Schwzd. (ScHStdt). Aber, hat 
er g'machet, wa' wür a o ch d' Brut säge", wenn... ebd. 
Nei", i rh lö"-mi ch nüd zue Allem brüche", macht er. 
Das ist iez leider Öppis G'schids, i ch wott Niit wüsse" 
ileiti", macht er. Toll und roll simmer, machet d's 
Näni. Schwzd. 's si" au ch schöni Fülli g'si"! macht 
der Bur. BWyss 1863. Der Ätti het g'macht: Mi" 
liebe Son. Dial. (GrCIiui-). Auch von schriftlichen 
Äusserungen Gl; Z. ,Er macht in sym briet'...' 
UEckst. — d) unpers. a) von Witterungserscheinun- 
gen, sehr stark, heftig regnen, hageln, schneien, stür- 
men Bs; B; G; Sch; Th; Z. Das macht ! Luegair' 1 , 
wie 's macht! .Lieber Gott, wie das macht, wie die 
Steine rollen vom Bergjoch ! ' Henne. Fallt 's a" schütten 
und m. und chlöpfen und chrache" wie z' mitzet im 
Summer. Schwzd. S. noch chlein 5«ß (Bd III 652). 

— ß) vom Schalle, tönen, lauten B; Z. Syn. chiden. 
Me" säg im so en arige" Name", 's het fast g'macht 
nie... MWalden. .Wann man aber für ein kleines 
Denkzeichen sich so beschwärt, wie wird 's erst m.. 
wenn man dem Götti soll grosse Dienste tun?' AKyburz 
1753 (vom Z Drucker 1760 geändert in .wie wird man 's 
erst m.', offenbar weil er die Wendung nicht verstand). 

— y) von Geschriebenem, lauten, heissen BHk. Du 
macht's, heisst es. — 8) von Begebenheiten, verlaufen, 
gehen BR. Wie hed 's g'macht? S. II 1 e e am Schluss. 

III. Der Inf. als Subst. 1. das Arbeiten, Verfertigen 
usw. Was Mache"s, wenn 's scho" g'macht ist? RBadr. 



35 



Mach, mech, mich, moch, much 



.;,; 



Da" ist <■" bösfesj 31.. sagt der Handwerker, wenn er 
eine schwierige Arbeit ausführen soll Tu; Z. Ver- 
blasst: Sache, Ding. Es ist e» schüligs 31. mit der- 

• Litte", eine verzweifelte Geschichte. Ap Kai. 
1859. Es ist e" Ströls-m., ,eine verruchte Mache- Ap. 
rs-, Sträls-m., Interjj., mit denen man Verdruss 
ausdrückt ZO. Gh. [eine unangenehme Geschichte], 
dass 's iezed aW* Das hat müesse" gc"! Str., iez hün-i ch 
(/' Gelttäschc" vergesse" ! — 2. Art, Manier, Benehmen. 
Es ist doch au ch es M.! Ineicuen. , Welches gewiss 
ein unmanierliches M. wäre.' GHeidegger 1732. Tolles 
Treiben, Lärm. Was händ die volle" Bure" für e" 31.? 
Bs (Spreng). 

IV. Das Ptc. Perf. in eigentümlicher Verwendung. 
1. getan, geleistet, in der RA.: Da* ist vi! g'macht 
(riui im), eine Leistung, ein grosses Opfer, das will 
Etw. heissen, das ist ihm hoch anzurechnen BsL.; B. 
S. vil Bd I 775 o. Öppe" vil g. ist es nicht z' fare" 
und mi''' da Jünger la". Gotth. .Ihr vexiert nicht mit 
uns. das wäre nicht viel g.' ebd. ,üas sei viel g. von 
ihm, dass er die Mühe nehme.' ebd. ,So milchst noch! 
Das ist viel g.' ebd. ,Werchigs [arbeitsam] sei Theresi, 
selb sei wahr, und g'wüss viel g., dass es so zu seiner 
kranken Mueter luegi.' Amerik. Schweiz.-Kal. 1888. 
Doch isch 's vom Hans vil g. gsi", d ass er numme das 
Alls si ch het chönne" lo" säge". Breitenst. Bas ist Nut 
g. von em, keine Art B; Z (G'machets). Das isch Nüt 
ii. riui ech, so z' laufe", nie wenn d' Landjeger hinger- 
icli ilvi" viiri". MWalden. ,Es Hessen sich Stimmen 
hören, dass es doch Nüt g. sei von dem Engelwirt, 
dass er das Mareili sitzen lasse.' Alpenh. 1870 (BE.). 
.Was ist Das g. von einer Mutter, wenn sie es ihrem 
Mann gönnt, dass er beide Beine gebrochen!' Gotth. 
— 2. gemacht im Gegs. zum Natürlichen, Gewordenen, 
künstlich Bs. 's isch l.ni" recht Boss, 's isch numme 
so g., beim Sattler. ,Ein gemachter Vatter, gemachte 
Geschwisterte', die es erst durch Adoption geworden 
sind. 1719, Bs Bq. — 3. a) gebildet, vom Äussern. 
I ch mächt besser g' machte Tier g'seh" [als Dieses]. 
Bauernkal. 1883. Und 's Fülli — lueg, lueg, wie uf- 
g' setzt, wie'gügglet, wie schön g. ! Joachim 1885. Wol, 
itliel g. Tu. Prägn., schön geformt, ausgearbeitet, von 
Dingen L (Ineichen). — b) gesittet L (Ineichen). — 
I. prägn.. fertig, vollendet, vollkommen Ap; Th; Z. 
Es ist Alles g. gsi", was er g. hat. Das ist nüd G-s, 
■ in.' unfertige, unordentliche, wertlose Arbeit. De r 
Weg isch -es au cU öppis G-s, etwas Fertiges, Abge- 
schlossenes. E" g 'machte Ufa»», wie nhd. AALeer.; 
Th; Z. „Er ist ein gemachter Höfling." ,Homo ex 
mendacio factus, ein gemachter lugner.' Fris.; Mal. 
- 5. aus-, abgemacht, bestimmt Aa; Ap; G; Th; Z. 
's ist g.l topp, es gilt! 's seil g. si"! Wolf, Bauern- 
gespr. Es ist asa g-a Ar; GTa. D' Frau Nöchberi" 
schimpft e" Betzli, wenn si wider chunnt — sefb ist g. 
[ausgemacht, sicher]. WHausknecht 1891. 's ist wie g., 
wie verabredet, abgemacht; ganz sicher Th; Z. 's ist 
wieg.: wenn i ch hott will, wott er wist. 's ist wie g.: 
we"*-mer Wasch händ, so regnet's, klagt eine Hausfrau. 
.Diser nacht sag ich ir 's g'wiss nit. das ist g. [steht 
fesl |.' Aal 1549. — 6. i' h bi" g., zwischen Stuhl und 
Bank gefallen B (lt Über See und Alp 1865, N. 15). 
Vgl. Gr. WB. VI 1387. — un-g'macht: „phys. grob, 
■z.B. ein u-er Stecken; moralisch ungesittet, z. B. ein 
u-er Mensch." Unordentlich SSchw. Du bisch doch e" 
U-e r ! Syn. ungeschaffen. — selb-g' machet: selbst- 



verfertigt (-gesponnen, -gefärbt und -gewoben), von 
dem sog. Walsertucli GrD. Sonst selber g'm. ,Der 
Vollblut-Baselbieter liebt es noch immer, sich in S-es 
zu kleiden.' JKettiger 1857. 

Ahd. mahhön. Darnach wäre für die 3. S^r. Präs. 1ml. 
und das Ptc. Perf. -et zu erwarten (vgl. Winteler 1S76, 
154 f.); doch sind die betreffenden Formen, wenn auch wahr- 
scheinlich heute noch häufiger und verbreiteter, als unsere 
Angaben erkennen lassen, überall im Zurückgehen begriffen 
zu Gunsten der synkopierten Formen, die auch von der 
Schriftsprache gestützt weiden. Auffallend ist die ziemlich 
weit verbreitete weiche Aussprache des inlautenden Gutturals. 
Das Prät. miech (auch bei ThPhitter; JCWeissenb. 1678; 
1712, AaKlingn. ; Ulr. 1727) ist nach Analogie der redupl. 
Vba mit Präsens - d (z. B. fallen) gebildet. Miecht(i) ist eine 
Compromissform. Machteti Ist. machti) bat sich an Formen 
wie spnlnti von Vbn mit dentalem VerschhissLuit als Stamm- 
ausgang augelehnt.. — Etymologisch geholt m. ohue Zweifel 
zs. mit ij'Ni'i'li. Das W. bedeutete urspr. .passend maclien, 
zsfügen' und war wohl zunächst ein Ausdruck der Hand- 
werkersprache. Von hier stieg es zu allgemeinerer Verwendung 
auf in der Bed. von hervorbringen, zu Stande bringen, be- 
wirken' und wurde schliesslich zur Bezeichnung einer Tätig- 
keit Ubh. Immerhin unterschied es sich von dem sinnver- 
wandten inen dadurch, dass es speciell ein zweckvolles Tun 
bezeichnete und concretern Begriff hatte, und dieser Unter- 
schied ist im Grossen und Ganzen bis heute geblieben; nur 
tw. sind, gerade auf unserm Gebiete, beide WW. dein Sinne 
nach völlig zsgefallen. Tw. lockerte sich auch die Beziehung 
auf ein (bestimmtes) Obj. und verlor sich am Fnde ganz: 
es blieb nur noch der Begriff des (raschen) Sichbewegens, 
Sichrührens zurück (vgl. II 1). Indem sich aber (bes. bei 
Gefühlsäusserungen) mit der körperlichen Bewegung sehr oft 
die Tätigkeit des Stinimorgans verbindet, ergab sich eine 
neue Bereicherung des Bedeutungsinhalts (vgl. II 3 c). t'ber 
die Anordnung im Einzelnen konnte man manchmal im Zweifel 
sein, da die verschiedenen Bedd. sich oft enge berühren oder 
in einander übergehen. Nicht unerwähnt bleiben darf die 
weitgehende Übereinstimmung, die zwischen der Verwendung 

unseres W, (namentlich in den westlichen MAA.i 1 der 

des frz. faire herrscht; ob uud inwieweit freilieh geradezu 
Beeinflussung durch das Frz. anzunehmen sei, ist schwer 
auszumachen. Vgl. z. B. I A 3 b mit frz. faire des petits; 
Hni '/.liti in. mit .faire ses deuts' ; ,eine Krankheit m.' mit 
.faire une maladie'; I A 17 mit ,faire ses orges'; ferner die 
Fälle, wo i». für tuen eintritt usw. Die Anwendung II 1 d 
erinnert an den Brauch, in den Glückshafen ,auf geliebte 
Gegenstände oder Personen zu setzen, von dereu Namsnng 
man Glück erwartet zu haben scheint (s. Z Taschenb. 1x8°, 
230 ff.). 

ab-mache": 1. vom Berg ins Tal befördern, z.B. 
Holz W. — 2. beseitigen, entfernen, losmachen, a) mit 
Acc. S., z. B. ein Brett, ein Türschloss, eine Schnur 
Aa; Bs; B; Gl; Gr; L; S; Th; Zg; Z. De" Bart a., 
rasieren GrL. ; Syn. abe"-tuen. Es macht keim Bock 
kei's Hörn ab, tut Einem nicht weh, bringt keinen 
grossen Nachteil S (Schild). Biet:, llnruiirbe" a., sich 
eine Hautschürfung zuziehen BHa. ; L. Bildl. Die 
merste" [Begierungsleute] hend emel grüslr 1 ' Sorg, ''ass 
si uf /,(•!" Site" starch a'schiesse" und Platz abmache". 
L Nachr. 18(35. D' Bei" a., die Beine brechen S. 7> 
Mose" a., einen Flecken (z. B. aus einem Kleide) ent- 
fernen Bs (Spreng). Eine Ziffer a., wegstreichen, aus- 
löschen „Gl; Gr; L; Zg." .Sie essen und trinken [so 
viel], dass man es mit einer Mäsb'striche 11 oben a. 
könnte, wenn es nicht von selbst oben abliefe.' Uotth. 
Spec. a) Gras, Chom a.. abmähen B; S. ,ln 3 Tagen 
machen wir unser Korn ab, am Samstag muss Sichelten 
sein.' N. B Kai. 1813. — ß) ein Gewebe vom Webstuhl 
B; Z. ,Wie das ein wichtiger Tag ist. wenn der Vater 



37 



Mach, mech, mich, moch, mucli 



38 



ein Wubb abmacht und damit auf Burgdorf zu wan- 
dert.' Gottb. — - y) mit Verschiebung des Obj.. Bönen 
o. = db-fädmen (Bd I 676) Bs ; G; Zoj Z. Der flSrfce" 

ii.. die Kürner Yom Kolben abreiben Gr; GKli.. We. 
,Da holt der Hausvater jeden Abend eine Zaine voll 
| .Maiskolben] herunter, um sie abzum.' WSemn 1871, 
288. Raben a., von den weissen Rüben die Blätter 
absehneiden THSteckb. Syn. ab-hauwen. — 8) ebenso, 
en Wagen a., abrüsten, z. B. die Leitern sammt Zu- 
behör herunternehmen SThierst; Th; Gegs. üf-m. — 
e) mit Dat. P., wegnehmen, schmälern, vermindern B. 
.Wenn der Schulmeister dem Pfarrer das Ansehen a. 
kann, so spart er's nicht.' Gotth. — b) mit Acc. P., 
Einen von Etw. abbringen, abwendig machen Ap; Bs; 
G; Sch; Th; Z. Ein'n vom Spile", vo* der Arbet a. 
Er hett 's irol tue", aber nie" hät-en abg'macht. Auch 
bei Denzl. 1677. — 3. (eine Zeichnung, ein Bild) 
einer Vorlage entnehmen, abzeichnen; (eine Vorlage) 
nachzeichnen, abbilden, spec. photographieren Ap; Bs; 
G; Sch; Th; Z. Vgl. machen I A 6; Syn. äb-nemmen, 
-rissen. Wo hast die Zeichni'g abg'macht? Er ist 
guet abg'macht, getroffen. Sich a. la". ,Es war eine 
Scene zum A.' GStdt. ,Contrafactur, us Vesalii ana- 
tomy abgemachet.' Ruef 1554. ,A.. effingere, einsi 
angesicht läblich a., exprimere faciem alieujus.' Mal. 

— 4. a) fertig machen, abschliessen GrL. .Darumb 
der spruch: mach us, mach ab!' UEckst. Spec, mit 
dem Leben abschliessen. sterben AiLindenb. Er het 
abg'macht. Bei der Weberei berührt sich die Bed. 
des Abwickeins im eig. S. mit der übertr. des Voll- 
enden, Fertigstellen s. .Schneller als es machte Keine 
[Weberin] ihren Zettel ab.' 1860, JMüll. — b) Etw. 
a. (mit Eim), ausmachen, vereinbaren Bs; Th; Z. Mer 
häiid (mit-enand) abg'macht, mer welli'd hüt rerreise". 
En al/ff macht i Sach, eine abgekartete Th; Z. Mit 
Weglassung des Acc. a) sich verständigen, verglei- 
chen, abfinden (gewöhnlich gegen Bezahlung einer 
Entschädigung) Aa; Ap; Bs; BBe.; L (St. b ); GG.; Schj 
Tb; Zg (St. b ); Z. Si hend mit-enand weg-em Lö" ab- 
g'macht Ap. Er hat müesse" mit siner Brät a., bei 
der Lösung des Verlöbnisses Th; Z. Si händ chönne" 
a. um 50 Franke?, den Handel beilegen gegen Be- 
zahlung von 50 Fr. an den (die) Geschädigten Tu; Z; 
Syn. abschaffen. Auch: I ch ha" 's mit-em abg'macht. 
St. 1 ' Einen für gehabte Mühe, Arbeit entschädigen, 
bezahlen, befriedigen L (Ineichen); GG.; UwE.; U. 

— ß) Einem derb die Wahrheit sagen Bs (Spreng). 
I ch ha" mit-em abg'macht. Syn. ab-rechnen. — 5. ab- 
g'macht i Lebere", Herdöpfel, gebratene ZRafz. — Ab- 
machete" f.: 1. (Bonli-jAbmachede", die Gesammtheit 
der abgezogenen Fäden Bs. — 2. Vergleich, Abkom- 
men Aa; Ap; Bs; B; L; GG.; Sch; S; Th; Z<;; Z. 
Der Dokter überchunnt die versprochene" 40 Franke", 
löt-si c '' lüt A. mit den angere" 40 uf es hallis Jfiv ver- 
tröste". Schild 1876. Spec, gütliche Beilegung eines 
Streites, bes. nach Raufhändeln Bs; B; S; Z. Si 
[Streithähne] heige" jo geng i" allne" Eggen inne" A. 
Hofst. ,Wüst sieht 's [nach der Schlägerei] in den 
Köpfen aus. Es kommt eine A., wo wieder brav 
Schnaps konsumiert wird und die wieder mit einer 
Schlacht endigt.' Schweiz. Dorfztg 1860. — 3. Lohn. 
Entschädigung, Vergütung L; GG.; Uw; LT. 

abe"-: 1. tr. a) Etw. abwärts bewegen, z.B. Holz, 

— ab-m. 1 SThierst.; Fensterläden, herunterlassen L 
Stdt; Obst, vom Baume nehmen, pflücken B; L; S; 



Syn. abe'-tuen. .Als die Kühe dem Melker die Milch 
aufzogen, wollte er mit Schlagen sie a. [bewirken, 
dass sie herunterkomme].' N. B Kai. 1840. .1703 wurde 
beschlossen, der Landjäger solle auf die Orgel [in der 
Kirche] gehen und die Leute ohne den Schulmeister and 
die Sänger a. [hinuntertreiben, -schicken].' AKüchler 
1886 (Obw). Eim d' Eösli «., herunterlassen (um ihm 
Schläge auf den Hintern zu geben), bildl., ihn züch- 
tigen; s. Chnüw Bd III 774. Me" häd-is fast d' Hut 
abe"g' macht, heruntergerissen; bildl., arg zugesetzt mit 
Bitten Sch. Potz Schiess, Die [die Frau Meisterin] 
hat den Gring hoch obe"; aber es müesst d r Tüfel tue*, 
su mache" i ch -ne" Dere" ache", demütige ich ihren Stolz. 
Gotth. Syn. Eim de" Höchmuet abeHue". — b) mit 
Acc. P.. Einen verkleinern, heruntersetzen, -machen 
GrCIiut; Sch; Th; Z. „Der Scheinfreund hat seinen 
Mitfreund abeg'macht, in Schatten gesetzt, verkleinert." 
— c) Ptc. abe'g'macht, niedergeschlagen ZLunn. — 
2. mit Dat. P.. Einem derbe Verweise geben, ihn aus- 
schelten Bs (Spreng); L; Sch; Z. „Ich habe ihm brav 
abeg'macht." Wie hat Die 'balget und mer abc'g macht .' 
Stütz. — 3. abs. a) auch obenabe"-m., unpers., = abe"- 
hameen 2 a (Bd II 1807) Aa; Bs; L; Scn; Th; Z; vgl. 
machen II 3 d a. Da' hat au''' gestert .-' Nacht abe'- 
g'macht, Stei" [Schlössen] hat 's g'gi" we Haselnuss! 
Unterdesse" macht 's dussen immer erger üben, und es 
ist e" wärt Freud gsi", am Feister z' sta" und dem 
Pletschen und Tatsche" zuez'luege". ACorrodi. Tr. ge- 
wendet. \s macht d' Morge'roti abe", wenn nach Mor- 
genröte, die Regen verkündigt (s. Bd II 1319 unten), 
dieser wirklich sich einstellt AABb. In Ap einfach: 
regnen, schneien usw., ohne verstärkenden Nbbegr. 
Es macht Nünt abe". — b) pers. S; Z, unpers. B, vom 
Preise, sinken; abschlagen. ,Ob es [auf dem Markte] 
mit den Schweinen hinauf oder hinunter gemacht.' 
Gotth. S. noch Bd II 1320. — c) ebenso, ufen- und 
abe"m., von Personen: unschlüssig, heute so, morgen 
anders gestimmt sein; von Zuständen: beständig wech- 
seln Th; Z. Syn. Hag üf und Hag ab m. Bd II 1067. 
Es häd ufen- und abe'g'macht mit-mer, ich rang nach 
einem Entschlüsse ZS. 

über-: 1. überstreuen, z.B. ein Grundstück mit 
Dünger ScHSt. Me" cha" de" ganz Acker dermit ü. 
— 2. unpers., übertreiben. „Es hat ihm's Übermacht, 
das Brot ist zu hart gebacken, das Fleisch zu stark 
gebraten, das Heu zu dürr geworden BO." Sonst nur 
im Ptc. Perf. übermachfejt in adj. und adv. Verwendung, 
= übertrieben, übermässig, ausserordentlich, sehr Ap; 
GF.j Scb; Th. Das ist doch Übermacht, übersteigt 
alles Mass GF. Ü. gross, tur, vi!. Zo alle" Löchlene" 
und alle" Spältlene" i" schusse'd ü. vil Öteve", g'rad 
we wenn si z' Hütte" voll here" 'trat rcorde" ivm-rd. 
Schwzd. (ScHBargen). ,Si leiden grosse ü-e Unge- 
schicklichkeiten.' JJBreit. 1616. ,Von den unzähl- 
baren, ü-en und nicht mehr fraglichen Missbräuchen 
und Neuerungen.' ebd. 1629. ,0 der ü-en Frächheit 
des Satans!' FWvss 1653. ,Die Juden waren ü. gott- 
los.' ebd. 1655. ,Der Gassenbettel ist ü.' 1677, Z 
Synode. ,Sie konnten ihren ü-en Seelenschmerzen 
nicht widerstehen.' AKlingl. 1691. .Die ü-e Kleider- 
hoffart.' Z Mandd. 1703/57. .Mit ü-er Kostbarkeit.' 
Bs Polizeiordn. 1715. — 3. überwältigen, töten; z.B. 
von einer Krankheit, die einen Menschen dahinrafft 
BHk. — 4. refl., es mit Arbeiten übertreiben Ndw. 
Syn. ü.-tuen. — Zu 2. Oer Dat. wird wohl nicht eiae 



39 



Mach, mech. mich, moch. much 



4n 



bestimmte Person meinen, sondern sich auf das betr. Subst. 
ii, oder das anbestimmte Pron. (s. et -/ Bd I Olli 
repräsentieren. 

übere n -raache n : 1. auflegen, z.B. ein Pflaster Z. 
- 2. a) überstehen, durchmachen Ar; Tu; Z. / ■'■ 
ha" 's jetzt obere" (/'macht [nämlich die Hochzeit], sagt 
ein junger Ehemann. Ap Kai. 1846. — h) erledigen. 
abtun ZO. ,Wii wollen 's [das z' Nüni-Esse"] gleich 
uribt 's noch Etwas aus, bevor zum .Mittagessen 
gerufen wird.- JSenn. Das Weitere s. unter über-hin 
Bd II 1323 unten. 

ul'-: 1. tr. a) (etw. Zerstreutes. Ungeordnetes usw.) 
zsnehmen und aufhäufen, aufnehmen, wegräumen Bs; 
GoT.; Uw. a) Heu u., auf der Wiese ausgebreitetes 
Heu zsnehmen, -rechen, sei es, um es einzusammeln 
Uw, oder um Mahden oder Häufchen daraus zu bilden 
G oT. ; ZO. ,Das gras und stupflen, so auf feissten 
ackern ston bleibt und wie höuw aufgemacht wirf 
Tierb. 1563. — ß) Wüschete" [Kehricht] it., aufkehren, 
wegräumen Bs; B; „VO; Gb (St. 1 )." — y) d' Hur u., 
aufbinden, von Frauen GrS., Scuolms, Tschapp.; Z. 
— 8) Frucht it.. auffassen Bs. — e) Brot it., den Teig 
zu Laiben formen, ,ballar il pane' GrPi\ Vgl. laiben 
Bd 111 954. — b) aufarbeiten, et) Holz (auch Chris 
Tu; Z) it., spalten, aufhacken; aufschichten Ap; Sch; 
Tu; Z. S. Heizt Bd H 1333. ,Alt rünn [verdorrte 
Tannen] und umgevallen holz mag man wol u.' 1472, 
GBurgau Offn. .Wellicher holz howen tuet und das 
nit ufmacht und zuesammenhufet.' 1524, Schw LB. 
,Sy hotten aber das [Holz] zuo keiner rechten zyt 
genommen ald ufgemacht, sonder allein die sehyter 
hinweg gefüert und das abholz oder rys ligen und er- 
fulen lassen.' 1554, Hotz, Urk. ,Das ! man nun für- 
hin keim [Bürger] welli das abholz lassen, sonder 
myne herren wellind 's u. und zue iren handen nämen 
und keinem burger mer vergunnen, das abholz ufzem.' 
1556, ZWint. Katsbeschluss. ,Was uf jeder syten lyt, 
holz und studen, soll ein jeder u. und dannen nemmen.' 
1597, I.. Maltors Amtsr. .Wann Einer grün Holz hawte 
und aber das Holz nit aufmachte und hinweg führte, so 
hat alsdann ein Jetlicher Gewalt, dasselbig zu seinen 
Händen zu nemen, es seie aufgemacht oder nit.' SchwE. 
Klosterarch. ,Wie das Klafter aufgemacht werden 
solle.- B Holzordn. 1733; wechselnd mit .aufsetzen.' 
,Das Holz solle zum Behuf der Armen und Bedürftigen 
aufgemacht werden.' Bs Waldordn. 1781. , Aufmacher- 
lohn per 5 Klafter ä 30 ß.' 1789, ZGrün. Amtsrechn. 
S. noch Holz-Geber Bd II 95. — ß) Vieh u., geschlach- 
tetes Vieh zerlegen, für den Verkauf herrichten? , Den- 
jenigen Frömden, so verdorben Vieh schinden oder 
aufm., [wird] viehnal bei hocher Buss angekündt. 
äussert dem Land zu verbleiben.' 1654, Gr Bq. — 
Y) Frucht u., mittels der Windmühle, auch durch 
Schwingen reinmachen Sch; Th; Z. Sehr oft auch 
abs. — c) auf-, zurüsten, in guten Stand setzen, für 
den Gebrauch herrichten. , Omare, zuorüsten, bereiten, 
ein ding hüpschlich aufm.' Fris. ; Mal. et) e* Bett u., 
aufschlagen, rüsten Th; '/■-, auch in der lokalen Schrift- 
sprache heimisch. / fg'maehti Better. .Bettstatt und 
Käst, ii zu Marthalen abgeschlagen und zu Rudolfingen 
wiilrum aufgemacht, dorn Tischmacher 13 Kr.' 1682, 
/i i;i rs Tageb. E" Zelt u. Bs; Scn. En Wagen it., auf- 
rüsten, spec: die Leitern aufsetzen A.A; Sch; S; Tu; /,. 
Scherzfrage: Was muess-me' ha", wemmer will e" II'. 
u.? Das Gefragte nenn! einen Bestandteil des Wagens, 



worauf das Fragende es belehrt: Nei". de" l'lnt: Aa 
Suhrent. En Webstttel u. Schw, Th; Z. Zwei Web- 
g'stüedel, die me" ohönnt u. Schw Hausratbrief. W Most- 
muli, d' Trotten it. Th. Kn Tisch it.. zum Bügeln 
herrichten, indem man die Platte mit einem Tuch 
überspannt Z. D' Chüchle" it., mit Werg behängen 
GbD. S. noch Heimen Bd II 1477. — ß) de" Garte" 
ii. = gartnen (Bd II 440) GRObS. — d) fertig machen, 
beendigen; s. uf Bd I 119/20. , Damit ich es aufmache, 
ut ludum finiani.' Ked. 1662. — e) öffnen, allg. S. uf8 
Bd 1 120. Sylt, tüffen, uf-tuen. En Chnopf »., auf- 
lösen. Es wird verboten, .ohngeheftete und aufge- 
machte Hauben | Hauben mit aufgelösten Bändern] zu 
tragen.' G Kleiderordn. 1727. — f) Wild u., aufspüren, 
aufjagen, vom Jagdhunde B; Z; Syn. uf-tuen. — g) Für 
it., anzünden (eig. aufflackern machen) Ap; B(lt Alpenh. 
1870). (Jnd der Senn macht 's Fürli uf. Ap Sennenlied. 
— h) mit Acc. P., aufreizen, -wiegeln Ap; G; ScHSt, 
(Sulger); U. Syn. uf-stiften. Ufg'macht harn i ch dann 
Niemer, Das lammer -i ch [lasse ich mir] da"" nit la* 
nä ch rede" U. .Ihr macht meinen Mann immer auf. 
dass er so hagelschlächtig ist.- UBrägger 1777. — 
i) Etw. auf einer Fläche, bes. an einer Wand, be- 
festigen, anbringen; aufhängen, -kleben usw. Aa; Sch; 
Th; Z. De" Spiegel, de" Kalender u. Auf Pappe auf- 
ziehen Sch (Kirchh.). - k) (mit Strichen) auf kreiden, 
aufschreiben, notieren, aufzeichnen Bs; B; L; Sch; 
Tu; UwE.; Z. S. machen I A 14. Beim Kartenspiel 
werden dem Verlierenden Striche und Nullen (s. Hcrd- 
Opfel Bd I 379) ufg'macht: der Käser macht d' Milch 
uf, welche die Bauern ihm bringen, der Weinbauer 
die gefüllten Eimer, die der Kelter entnommen wer- 
den, der Wirt den Wein, den die Gäste trinken usw. 
Me" chönn doch nit mer Wi" u., als d' Ltit 'trunke" 
heige". Breitenst. ,Aufm. lassen', ankreiden lassen. 
Gotth. il/ac/( 's öppe" uf, ich will 's o ch u., sagt Einer, 
der von seinem Freunde Geld entlehnt hat, zu Diesem, 
ebd. ,Kauf dir eins dere" Bücher, wo Alles drin auf- 
gemacht ist, was man kochen kann. - ebd. ,Benz hatte 
nie gewusst, dass 3x8 24 machen und ganz ver- 
gessen, wie manchmal er Geld eingezogen, und aufm, 
hätte er es auch nicht können.' N. B Kai. 1843. An-, 
berechnen. Der Dachdeck macht me Bese" uf, als er 
a" üsern Dach verbrächt lied BStdt. Lö" u. B; Th. 
De 1 ' heig da" z' wv'rscliaint ufg'macht fiir .si" Müej. 
Gotth. ,Noch blypst mir schuldig umb und umb für 
dich, dyn gest und allen bracht ob 200 guldin ufge- 
macht.' Salat. — 1) = machen I A 16, testieren Gk. 
Schi händ nid chönne" erpe": er hed 's ganz Ver- 
möge" der Frau ufg'iuachet g'ha". ,Ein Viztum soll 
zu Gericht sitzen an offner Reichsstrass, so Ainer 
dem Andern will u. oder geben', d. h. bei Auflassungen 
oder Güterübertragungen. XV.. GrCIiui-. .Wo zwei 
elich menschen einandern das ir mit recht ufmaehend 
oder verschaffen wolltend, das soll besten syn lebtag 
zuo end syner wyl und nit furo noch lenger.' 1 182, 
GRag. Landrecht. ,Wo zwei Ehementschen einan- 
deren das Ihrige aufmachent oder verhusent.' 1674, 
GSa Landrecht. .Wann Eheleut gegen einandern 
zimbliche Gescheft teten oder u. wollten, das mögend 
sy wol tuon.' GrD. LB. ,Was ein Vater seinem ledigen 
oder unehelichen Kinde aufm, mag.' GnKlost. LB. 
S. ooeh 11. 116/7. — 2. refl. a) sich aufheitern, vom 
Wetter GuMaienf. Syn. steh uf-tuen. — b) sich er- 
schöpfen, aufreiben, mit Arbeiten PPo. — c) mit rett. 



41 



Mach, mech. mich, moct), milch 



42 



Dat.. sich vergnügen TAI. Wann d' werest chemtne* 
am Samstag, hattest-der wöl ufg'wachud, ti saresti ben 

divertita. Giordani 1891. — 3. a) meist abs. oder mit 
Dat. P. = machen II 1 /'ß Aa; Ap; BS; Gl; Gk; L; G; 
Sch; Schw; Th ; Uw ; Z. Wer gern tonet, dem ist guei 
ii. Ineichen; Sclger. Wenn 100 Giger u. wur'e'd, 's 
swickt-mi' 1 ' nümme i* de" Beine". EFeurek. .Am Sonn- 
tag war der Schulmeister [von ehemals] den Kindern 
nichts mehr und nichts Besseres als ein ordinäri 
Mann, der aufm, kann. - JSenn. Giger (Gigeli Tu), 
mach uf! eig. Aufforderung der Tänzer an die Spiel- 
leute, dann allg. i. S. v. juchhei! lasst uns lustig 
sein! Gr; L; G; ScBSt. ; Schw; Th; Uw; Z. Isch 's 
Chilbi, se seig 's Chilbi: Giger, mach uf! nun so 
lasst uns fröhlich sein! Ineichen. Trost Gott die arm 
Sei! Giger, mach uf! Sprw., das den raschen, un- 
vermittelten Übergang von der Trauer um Verstor- 
bene zur Lebensfreude malt, ebd.; ähnlich bei Häfl. 
1813, 205. Auch mit Acc. Ei*s u. En Psalmen u. 
Stutz. ,Pfifer: So huy, schnell dran und lond uns 
gon; all machend uf! - Rüef 1550. ,So nun, ir spillüt, 
machentauf!' Com. Beati. , Der ufmachet oder uf dem 
Synen tanzen lasst.' 1007, Ap. .Diewyl sich diser 
Trummenschlacher dergestalten ungepürlich und un- 
gehorsam erzeigt und zu Tanz ufgemacht.' 1616, B. 
,Mit einer Pfyffen darby ufgemacht.' 1629, ZWint. 
.Hiezu [zum Imbiss] soll man musicieren und aufm.' 
MvRicXtjs 1630. .Auirn. mit Saitenspielen, canere fidi- 
bus. Sie machen den Herren auf bei der Tafel.' Denzl. 
1677. .Auch wird von den darbei stehenden Trom- 
peteren, Tronnnelschlageren und Pfeiferen Eins auf- 
gemachet.' JEEscher 1692. , Aufgemacht und g'waltig 
g'sprungen, angehalst und lustig g'schwungen.' JCWeis- 
senb. 1701. S. noch Liren- Mann. Bildl.. mit Dat. P.. 
den guten Mann spielen V ,Der herr säch gern, dass 
wir uns deren [zuchtloser Kriegsleute] abtäten und 
redlich lüt annämen; es will aber jedermann [von den 
eidg. Hauptleuten] den synen u., Gott geb, wo unser 
eer syg.' 1524, Absch. — b) „von Vögeln, bes. von 
Birkhähnen, singen Aa; B; L; S." — Ufmacher: 
Musikant GRh. ; ZU. ,Der Teufel [ist] ein Haupt- 
Stifter des Tanzens und der rechte Aufm, darbei.' 
JWirz 1650. — Holz- s. uf-machen 1 b a. ,Den 
17. Februar denen H-en 1 Batzen 2 Kr.' 1733, Schloss 
Rued. — Ufmachete 11 : ein kleiner Best Heu, Streue, 
der beim Einsammeln noch zurückgeblieben ist Bß. 
- Ufmachi: Musikinstrument Zu. Ufmachene": 
Glättete", Gigen und swe Trumme"chübel. Stutz. 

ufe"-, ue-: 1. ein Stück Kulturland ue-m., (von 
unten) bis zum obern Rande bearbeiten ZU. — 2. abs., 
im Preise steigen B; Z. .Die Käse hatten heraufge- 
macht; deshalb wünschte jeder Bauer, soviel Vieh wie 
möglich in seinem Stalle zu haben.' FSchlachter 1891. 
S. noch abe"-m. 3 c. 

um-: 1. der Reihe nach abwechseln Ap; ScHSt.; 
Th; Z. S. noch um 113 (Bd I 226). — 2. Erdreich, 
z. B. ein Beet, ein Stück Ackerland, umgraben, um- 
brechen ScnSt.; U. — 3. Bäume, fällen BE. Syn. um- 
tuen. Wegen ir [einer] Tanne" cha""-me" nit d'r ganz 
Wald u. — 4. einen Umweg machen. Gotth. 

urae"-: La« Oppis u. s. um-hin Bd II 1326; vgl. 
noch Geiss Bd II 455 und machen II 1 b. An Eim 
«., ihm in den Uhren liegen Th; Z. Er macht all 
a"-mer it., <■'' soll doch au'' 1 emol zue-n-em cho". — 
2. umbinden Tu; UwE.; Z. Mach e" Tueeh u. [um 



den Kopf. Hals]. oereheltSt-di ch sus. — 3. umgraben. 
pflügen s. Bd 11 1328. I. ausbessern, flicken s. ebd. 
D'r Drdjer macht-ne' [die Pfeifenspitze] wider u. 
.IHofst. 1865. — Urne" mach er: Flicker BBe. 

a"-: 1. tr. a) befestigen, anbinden AALeer.; Bs; 
BRüegg. ; GnLandq. ; GF., G.; Sch; Tu; '/,. .Dessen 
h. Bildnus an den Mastbaum angemacht ist.' GKönio 
1695. S. noch Gatter Bd II 195. — b) Einem Etw. 
a., vermachen. .Wann auch ein Mann seiner Ehe- 
frauen bei Leben Kleider und Dergleichen kauft, 
schenkt und anmacht.' 1706, L Stadtrecht. — c) Eim 
e" G'sicht a. = anhenken (Bd II 1460) Tu. — d) be- 
schmutzen, verunreinigen Ap. Da tuest Alls a. Auch 
refl. Marli-di 1 ' nüd mit Dem a", besudle dich nicht 
mit Diesem! ebd. — e) mit Acc. P.. Einem .einen 
Bären aufbinden', ihn zum Besten haben, betrügen. 
G 1799. Syn. anschissen. — f) den Anfang machen 
zu Etw., Etw. in Gang bringen, anbahnen; erstellen. 
Eine Schleif bahn auf Eis oder Schnee a. SchSL ; Th; 
Z. — g) Etwas zurüsten. zubereiten, insbes. durch 
Mischung verschiedener Bestandteile Aa; Bs; BR.; G; 
Seil; Th; Uw; Z. Frucht a., Saatgut mit (Jauche 
oder) Vitriollösung besprengen und anrühren [um die 
Körner gegen den Brand zu schützen] AALeer. ; Th; Z. 
G'miies (Bs; G; Th; Z), Teig (Bs;Th) a. Wichsi a., 
mit Wasser anrühren Th; Z. Huppert (s. Bd II 955) 
a., mit Essig befeuchten Z. Tinte", e* Mixtur a. G: 
Th; Z. Wi" a., durch Zutat fälschen, künstlich zu- 
bereiten. aaUÜ. A'g'machti War, von jeder Art fabri- 
zierten, verfälschten Getränkes Th; UwE.; Z. D'Würt 
hemd efange* blös no rh a'g'machts Zug im Cheller. 
Dagegen in BR. a"g'machte r Wi*, mit Zucker nnd 
Safran versetzter, beiss gemachter Wein. A'g'machts 
Branz, eine Art selbst zubereiteten Liqueurs Ndw ; 
Syn. liasoli. Auch bloss A'g'machts, Liqueur, Schnaps 
L; S. Dö nimm es Schlückli warmi Milch, oh |du| 
gösch; oder wottseh-nes A.? Joach. 1881. Nusswasser 
o. Z. .Marchstaller: Des fueters halb und anderen 
sachen will ich dasselbig selbs a.' JMurer 1575. ,Ein 
bad a.' HPant. 1578. S. noch haben I (Bd II 864). 
— h) .ein Bett a.' = uf-m. 1 c a. .Ein Wirt soll haben 
8 angemachte Better und 8 Ross Stalli n g.' 1638, Ar 
Jahrb. — i) aufputzen, renovieren GF. Er löt si*s 
Hüs (schür*) a. -- k) ein Stück Land a., bestellen, 
bepflanzen GrPt.; SchwE., Muo. A"g'machete r Bode", 
angebautes Feld. MKuoni. E* chlinf Gummelgarte*, 
wenn er-e* nid z' fül g'si* ist a":' mache". MI.ienf.rt 
1892. - - 1) Ein'n (zue Öppis) a., sein Verlangen 
wecken, ihn anreizen, anspornen, bereden, verlocken 
AALeer.; Ar; Bs; Gl; Gr; G; Sch; Th; Z. Die Pflümc" 
mache'd Ein'n a" [sie zu essen, hineinzubeissen]. De 
chönntst-mi ch nüd a., gib dir keine Mühe, mich zn 
überreden! Z. Ein Xurr macht der ander a" G; Th-, Z. 
Er lüt-si c '' a. wie Salat, Wortspiel mit 1 g. Sprww. 
1869. Er hat eso g'schroue". das" er mi"' fast a'g'macht 
hett [mitzuweinen]. Häutig unpers. 's macht-mi ch nüd 
ii". ich habe keine Lust dazu Ap; G; Th; Z. 's macht 
Ein'n nüd a", bi dem Wetter :' spaziere". [Die Vögel 
singen] es macht der Herr Ehrli a", er summt e" Lieilli. 
Breitenst. ,Gute Kinder sollen sich von den bösen 
dadurch [durch ihr leichtsinniges Leben] nicht a. 
lassen, Gleiches zu tun.' JWirz 1650. .Urgetorix 
machete seine Landsleut an [auszuziehen].' JEEscher 
1692. S. noch hätschen Bd II 1800. Auch refl. Du 
machst-ili' 1, mit dem Zug (fad dezue a", machst dich 



43 



Mach, mech, mich, raoch, muco 



44 



damit nur darnach hegehrlich Ar. .Bald machte ich 
mich selber an, mich aufzumuntern und den Weg fort- 
zusetzen.' GKönig 1695. — in) mahnen TriBodensee. 

— 2. refl.. sich einschmeicheln Gr. Er kann si a 
guei ii. — a°machig: 1. Verlangen (z.B. Esslust) 
erregend, verlockend, reizend, anmutig Gl;GW.;Th. 

— 2. von Einem, der sich an-, einzuschmeicheln ver- 
steht GrLuz., Val. Zahm, zutraulich, von Tieren Gr. 

— 3. flcissig GrL. — a n mächelig, in G oT. auch 
a"c/'in. - a'machig 1, von Personen und Sachen, z. B. 
Speisen, Früchten Ap; G; Th; Z. Eii a. MeitU. Kh 
a-e r Öpfel. Das [Geschäft] ist nüd a. Auch vom 
Wetter, 's (Wetter) ist hüt nid a. (zum Spaziere" gä"J. 

In Bed. 1 a— e und 2 des Vb bezeichnet an Annäherung 
an, Richtung auf einen Gegenstand, in Bed. 1 f— m Anfang, 
Anstoss zu Etwas. 

ane"-mache 11 s. arihin Bd 11 1331. 

i"-: a) einschlagen, -hüllen, -wickeln, -packen AaF., 
Fri.; Bs; Sch; Th; Uw; Z. Mach-di ch guet »*, 's ist 
ehalt äusse*. Einen Brunnen, einen Baum, einen 
Schweinestall mit warmen Stoffen umhüllen Th; Z. 
.Wann ein Bürger seine Waren, so ihm ab der Fremde 
zukämen, entweder« im Kaufhaus oder daheim in 
seinem Haus aufbindt und wiederum einmacht.' 1725, 
Z Ges. Spec. einen Toten mumienartig in ein weisses 
Leintuch einwickeln, welches dann zugenäht wurde 
Ap f. Dagegen: einbalsamieren. ,Und ward syn [des 
zu Konstanz gestorbenen Abtes] corpel yngemacht und 
gen SGallen gefüert.' Vai>. Refl., sich bei der Gärung 
mit einem ,Pelz' überziehen, der nach und nach Hefe 
wird, vom Obstwein Ar. De'' Most tuet si ch %. — 
b) Gebälk »., mit Brettern. Latten zudecken Bs. E" 
Chammer i., mit Täfelwerk verkleiden Th; Z. !■- 
g'macheti Chuchi, eine Küche, welche durch Erstellung 
einer oder mehrerer Wände von dem übrigen Haus 
llur geschieden und mit einer Decke versehen worden, 
wodurch zugleich die Erstellung eines Bauchfanges 
nötig wurde Z. ,Ein Haus, halt in sich zwei ein- 
gemachte Kuchi.' G Avisbl. 1727. E* Hüs l., seine 
Wände mit Brettern, Scheiterbeigen usw. verkleiden 
Th; Z. im Innern ausbauen AALeer. — c) einhegen, 
-zäunen Bs; B; „Gl; L; u Sch; Th; UwE.; Z; ,valvis 
claudere.' Id. B. , K" schonen, grossen, eing'maehten 
Hof. 1 Hist. Kal. 1802. .Derselbige Platz [soll] wol 
verzünt und eingemacht werden.' IGT 1, Hotz, Urk. — 

d) d' Chnöpf [am Kleide] %., einknöpfen GrPi'. ; Tu; Z. 
Syn. in-tuen. D' Chnöpf chann-er fast nümme* %., wil 
d' Hand zitierend. Schwzd. E* Häftli i., einhaken Th. 
Begriffstauschend: de" Jiock %., zuknöpfen Th. — 

e) Etw. in einem Gegenstand fest machen, einsetzen B. 
,Ein neues Huhn kriegt hier einen Pick, dort wieder 
■ ■inen, sie [die andern Hühner] wollen halt sehen, ob 
seine Federn gut eingemacht sind.' Gotth. Sich einen 
Splitter %., ins Fleisch stossen B. Einrahmen. Der 
Wirt schreibt die Zeche im i'g'machete" Tafeli a" der 
Wand an. Gl Volksgcspr. — f) Inhal; %., einstopfen 
Aa; B; L; S. Uf "'< n Ofen ufe* g'hocket und D. »"- 
g'macht. BVYvss lsi_;:;. Uä"" mache* si | träge Tage- 
löhner] in- halb Stund '/'. i" und SChlÖih sätteli 1 ' 1 ' [ge- 
mächlich | p'ur. Joach. 1881. Bildl., etw. Unangenehmes 
bereiten, .eine Suppe einbrocken' L. Es ist-mer scho* 
mängist von andere* I/üte* I. i'g'macht norde", wo- 
nur es böses Mul g'macht heil [mir übel bekommen 
ist]. — g) Ghabis, Habe", Sür-Chrüt i., zur Gärung 
einlegen, -stampfen Aa; B; Th; Z. S. noch Sür-Chrüi 



Bd 111 908. Trester (Trast) %., nach dem ersten Ab- 
druck zur Gärung in ein Fass verschliessen, um nach- 
her Branntwein daraus zu brennen Tu. Fleisch i., 
einpökeln, in Beize legen Aa; Gl; L; Sch; UwE.; 
Zg (lt St. b ). Frucht i., wie nhd. Bs; B; Scu; Th; Z. 
V>g'mach(e)ts, eingekochter Fruchtsaft, Confitüre Bs; 
Tu ; Z. — h) in die Scheune bringen, einheimsen B. 
.Hatte er eine Bährete Herd und Gras eingemacht und 
das Ding in den Bahren geworfen.' N. B Kai. 1842. 
.Fueter, so ich yngemacht hau von matten, die ich 
zwuren [zweimal] höweiv HvRütte 1540. ,Emd war 
wol g'waxen, kond aber nassen Wetters halben nit 
yng'macht werden.' 1605, Ardüser. .Der lieb Gott 
hat vil guoti Frucht lassen wachsen und sint guot 
yng'macht worden.' 1611, ebd. 

ine"-, ie-: l. = in-m.e Bs; Tu; Ndw; Z. E" Sptsse" 
[Splitter] i" Fuess i. Ndw. — 2. = In-m. h S. Eim 
helfe" 's Gras i. Joach. 1881. — 3. refl., sich (eilends) 
hineinbegeben Bs; Th; UwE.; Z. 

ander-: 1. (untrennbar) „eine Stube, ein Gemach 
durch eine Bretterwand abteilen." Syn. underschlahen, 
— 2. (trennbar) refl., zu Bette gehen, unter die Decke 
schlüpfen GRPr. 

undere"-: 1. einen Gegenstand unter einen andern 
legen B. .Kinder, wo Nichts als zu plären wüssten 
und Alles zu netzen, was man ihnen untere°mache.' 
Gotth. — 2. Same", Herdöpfel u., mit Erde bedecken 
Schw; Tu; Z. Begraben UwE. — 3. mit Acc. P., ver- 
kleinern, demütigen UwE. — 4. refl. a) sich ducken 
SchSL ; Th; Z. Mach di ch u.l befiehlt man im Zimmer 
einem Hunde Th; Z. — h) = under-m. 2 B; S; Th; 
UwE.; Z. S. noch underhin Bd II 1338. 

ent-: „einen Zaun durch Auflösung oder Zer- 
legung öffnen BO." Zerstören. ,Es hat ie und ie 
einer iedlichen kilchhöre 'zimt götzen ze machen, ob 
sy wollt; worum wollt inen denn iemann daryn reden, 
so sy s' entmachen oder dennen tuon wölltind?' 
Zwingli. Vgl. frz. defaire. 

er-: zu Stande bringen Bs (Spreng). Es ist :' vil 
übers Mol, i ch ka""'s elai" nit e, — Vgl. er- ö i, (Bd 1 403). 

üs-: 1. üs i. S. v. (hin-, her-)aus, im Allg. wie 
nhd. a) Wein, auspressen, keltern AaSL — b) Mist, 
aus dem Stalle schaffen B. ,Der Mist ist noch nie 
recht ausgemacht worden [Kennzeichen einer verwahr- 
losten Wirtschaft].' Gotth. — c) „Etw. aus den Fugen 
reissen B; L;" UwE. Spec, ein Glied (z.B. die Achsel, 
die Hüfte, den Knöchel) ausrenken Bs; B; L; Zg. Ist 
Chüo hed d' Ha.ce" üsg'macht BHa. Er isst, d ass er 
fast der Chifel üsmacht Bs. S. noch üs-cheglen Bd III 
183. — d) de" Llb, s. Lib Bd III 977. — c) ein Tier, 
ausbalgen, -weiden ScnSt. ; Tu; Z. — f) .Einen ausin., 
einen ledig erkennen oder sprechen, von dein er dann 
ist angeklagt, absolutionem conficere.' Mal. — 2. üs 
i. S. v. fertig, zu Ende, a) ein Gefäss, leeren, 's 7W/er 
u. BR. Gewöhnlich mit weggelassenem Obj., das Glas 
leeren, austrinken B; L. Se, maehid üs, ich uill-eeh 
fschenke*. Zg Kai. 1882. .Machet doch aus, es ist 
dafür da. dass man ihn trinkt' Gotth. — b) eine Ar- 
beit, fertig machen, vollenden, abschliessen Bs; B; 
GF., G.; Seil; Tu; U; Z. .Wolil anfangen ist nicht 
genug, sondern wohl ausm.' Sulger. Sind d' Schnell 
üsg'macht? fragt man den Schuhmacher GG. Die 
Artet, die macht e" Andre r hie üs! Schwzd. (U). ,1m 
1480. jar ward der chor an unser kilchen ang'fangen 
bu wen und im 1481. jar usgemacht.' Z Anz. 1884. 



45 



Milch, niech. niicli, iinu'li. 1 1 1 1 1 1 - 1 1 



16 



.Glych als ob 's vor nit asgemacht sye.' Zwingli; 
dafür vorher: .vollkummenlich vollendet.' .Das" du 
die iling ze vollen usmachesfc, die ich nit vollendet 
hab. 1 Bui.l., Wiedeit. .Sobald ich das ganz werk über 
Jerusalem ausgemach [Präs.].' 1531. Jes. = .vollendet 
habe.' 1667. .Der disehmaeher [hat] die stuben und 
nebetkämmerlin auch asgemacht.' 1540/73, UMky.. 
Wint. Chr. ,So wend wir nach dem morgenmal disers 
spil gar u.' HvRüte 1546. .Yetz soll Noe die arch 
ussg'niacbet hau.' Ruef 1550. .Exaediticare, ausbauwen. 
ein bauw ausm.' Fris. ,Fach alle ding in synem 
[Gottes] namen an und mach s' mit im us.' ThPlatt., 
Br. .Die nüw Kirch [ward] usgemacht und fertig.' 
C\s. .Das Grab u.' GGotth. 1619. ,Für ein Kleid 
ganz glatt auszum.' Bs Schneidertax 1646. ,Die neu- 
lich auf kommene Ausmachung [Scblussfeier] der Hoch- 
zeiten in oder äussert der Statt und auf dem See.' Z 
Mandd. 1680/91. S. noch fretten 1 (Bd 1 1338), ge- 
(Bd II 50). Eine Zeit, durchmachen. ,[Der Lehrling] 
soll usbringen einen leerbrief, damit man sehen möge, 
dass er syne leerjar vollkommenlich by einem er- 
licben meister usgemachet habe.' 1594, Z Anz. 1889. 
Insbes. a) Aule" »., zu einem Ballen zurechtdrücken, 
in welcher Form er auf den Markt gebracht wird Z. 
— P) Halme" ü., Stroh zerschneiden und sortieren 
zum Behufe des Flechtens Aa. — c) eine Sache, einen 
Streit, ausfechten, erledigen, abtun, allg. .Gedenkend 
die sach uszem. [den Streit zu beendigen] ! ' Morgant 
1530. ,Vor ussmachung diser sach.' HBull. 1572. En 
üsg'machti Sack, eine endgültig erledigte, abgetane 
Sache Th; Z. Er hat mi ch a"g'loge", das ist en ü. S. 
[steht fest]. .Briefe, die zwischen zweien Parteien 
Kauf, Täusch, Gerichtssachen, ausgemachte Sachen 
ansehen.' BThun Handf. ,Was erkennt wird, darby 
soll es dann blyben und ein usgemachte Sach syn.' 
Gr Landsatz. 1619. .Recht u.', eine Rechtssache zum 
Austrag bringen. .[Der Vogt] soll ouch förderlich 
recht u., darin niemand in personell angesehen noch 
gespart.' 1531. Absch. Etw. ü. (mit Eim), wie nhd. 
Spec, (es) ü. (mit Eim) = ab-m. 4 b a Bs; B; L; PA1. ; 
GG. ; Th ; Z. Si händ ('s) üsg'macht mit-enand, sich 
gütlich verglichen. Si sägind, ier haiged 's üsg'machud 
[conchiuso 1' affare], und dise" Winter gangid er ne" 
heirute". Giordani. .Bald prügelte er Alle, die in einem 
Wirtshause waren, und leerte es; am folgenden Mor- 
gen konnte er dann ausm. um schwer Geld dutzend- 
weise.' Gotth. ; in der Berliner Ausg. ,es ausm.' ,Mit 
dem Schelm begehre er nicht auszum.' ebd. In anderm 
S. : .Mit dem [Diebe] N. N. ist vorige Woche ausge- 
macht [der Prozess zum Austrag gebracht] worden ; 
man konnte auch mit vielen Schlägen nichts Beträcht- 
liches aus ihm herausbringen.' 1820, Z Brief. - 
d) Spielausdruck, a) gew. ohne Obj., die letzte, ent- 
scheidende Partie spielen Tu; Z. Bes. in Spielen, 
bei denen von mehreren Mitspielenden schliesslich 
nur Einer verliert; dann müssen die Beiden ü., die 
zuletzt noch im Spiele bleiben. — ß) der Acc. be- 
zeichnet den Gegenstand, um den gespielt wird Ap; 
Th; Z. Vgl. üs-jassen, -eheglen (Bd III 183), .aus- 
knobeln.' En Schojipe", es Schaf u. .Sich zum Karten- 
spiel setzen und es Möössli u.' Stütz 1852. — e) ein 
Tier, schlachten, töten U; W. In der ä. Spr. in dem 
allgemeinern S. von zerstören, vernichten, ausrotten, 
a) mit Acc. S. ,Es wäre noch umb 14 tag ze tuon, 
so wurde die ketzery verdruckt und usgemacht.' 1529, 



Stkickl., Akten. .Ich will euch heimsuechon bald mit 
geschwulst und lieber, die die äugen ausmachend und 
die seel verschweinind.' 1531/1667, III. Mos. ; dafür 
1882: ,dass euch die Augen verschmachten.' .[Die 
Stadt] Legg sampt aller zuogehört. so zuo dem krieg 
dienet, u.' 1531, Absch. Man vernahm, dass die Eid- 
genossen von L und andern Orten in 2 oder 3 Tagen 
anher [nach S] kommen und den [reformierten] (Hau- 
ben ,u.' werden. 1533, ebd. Gott habe Z davor be- 
wahrt, dass es nicht wie andere Städte .verbrennet, 
ausgemacht und verstöret' worden. Z Ofeninschrift. 

— ß) mit Acc. P., hier auch von bloss moralischer 
Vernichtung. .[Es] wurden gesellen auf in [den Herzog 
Burkhard] verordnet, die in auszum. befelch hatten.' 
Vad. .Ich sich, dass sy ir bossheit umbringen und 
ausm. wirf.' 1530, Tob.; dafür 1882: ,dass die Sünde 
Ninive's dessen Ende herbeiführen wird.' ,Dass man 
ihn wohl in einer Nacht überrumpeln und verderben 
(u.) könne.' 1531, Absch. ,Auf welchen Paroxysmus 
ein grössere Hitz folget, die den Kranken bald ausm. 
kann. - FWürz 1634. .Das Podagra, nachdem es einen 
rychen Junker ganz ausgemacht und getöt.' Schihppr. 
1651. ,Bis die Pestilenz dich ausmache.' 1828, IV. Mos. 
S. noch ergräuwen (Bd II 833), chalben 5 (Bd III 223). 
Das Ptc. Präs. = nhd. .vernichtend.' ,[Die frühern 
Heimsuchungen] waren freilich keine ausmachende 
Gerichte, wir stehen noch aufrecht.' JMüller 1673. 
.Land und Leut ausmachende Strafe', von Seuchen. 
Z Mand. 1720. — f) mit Acc. P., Einen herunter- 
machen, herabsetzen, schmähen Bs; B; W, verleum- 
den, ins Gerede bringen AALeer., St.; Bs; Tu; Z, 
durchhecheln, aus-, verspotten, verhöhnen, bes. indem 
man seine Geberden und Reden spöttisch nachmacht 
(Syn. unteren 1 Bd I 349) Aa; Ap; Bs; B; Gl; Gr; 
L; G; Sch; S; Th; Zg; Z. Er hat in üsg'macht, dass 
hei* Hund, Jcei" Stückli Brut me von im fräss Bs. Es 
Usmacher-Pack, verächtlich von Solchen, die alle Leute 
durchzuhecheln pflegen Z. Si ist guet z' verbräche" und 
macht Niemed üs, formelhaftes Lob einer Frauens- 
person GlMoIHs. ,Wie oft tut man etwann in kurzer 
Zeit Den und Diesen ausm. und den Selben zu der und 
dieser Stell bei dem Eid für den wegsten und besten 
erkennen!' Müller 1673. .Ausm. Einen, exagitare, 
proscindere alqm convitiis.' Denzl. 1677. .Einen ver- 
leumden und ausm.' AKlingl. 1702. Auch mit Acc. S. 
.Trini rühmte Alles gar sehr, während Eisi es aus- 
machte.' Gotth. — g) spielen, vorstellen, einen Dienst 
versehen U. Es muess doch Epper d' 3Iagd ü. Schwzd. 
I c >> ha" miesse" Chnecht und Magd und Narr ü. ebd. 

— h) gew. unpers., betragen, kosten Bs; G; Sch; 
Th; Z. S. machen I A 13. Es macht Nüt üs, ist 
nicht von Belang, verschlägt Nichts. Dos wird iez 
nüd Alles ü., die Summe wird nicht unerschwinglich 
sein Tu ; Z. Auf die Frage an einen Handwerker nach 
dem Preise seiner Ware antwortet er einleitend : He, 
das wird wol nit so eil ü. Bs; Th; Z. Mit Dat. P. 
Es macht -mer Nüt iis, liegt mir Nichts daran GG. 
.Der Tod ihrer Schwester habe ihr so viel ausgemacht 
[habe sie so arg mitgenommen], dass sie krank ge- 
worden' Sch. — Lüt-Usmacher: Verleumder Bs; Z. 

— „üsmacherisch; verleumderisch." — Usnia- 
chete" = Ab-M. 2 B. .Das sei für reiche Bauern- 
söhne, welche gern ihre Neutaler sonneten und denen 
ihre Alten Nichts darauf hätten, wenn sie nicht alle 
halben Jahre eine Ausm. hätten, wenn sie nicht 



47 



lladi. mech, mich, moch, much 



18 



während ihrer ledigen Zeit einige 1U0 Neutaler an 
Scbmcrzcngeld und Bossen zahlen müssten.' Gotth. 
.Zuweilen eine Ausm. steht einem Bauernsohn wohl 
in.- ebd. — Nuss - Usmächeler m.: kleinlicher 
Mensch, Knicker Gl. Vgl. er-chemlen. 

use"-niache": 1. tr. a) hin-, herausschaffen, ent- 

fe ii, z. B. den Mist aus dem Stalle S (BWyss 1863), 

Kleeken aus einem Kleide Tu. S. noch ushm (Bd II 
1339) und vgl. üs-m. 1. — b) Koni, rein machen 11. 
S. uf-m. I h f. .Er möchte gern beim U. des Korns 
sein.' Gotth. .Zuerst redeten sie vom Koni, wie viel 
Jeder use°mach [durch die Reinigung erhalte] im Tonn 
von lim Garben.' ebd. — c) bis zum Ende aushalten, 
z. B. die Pastnachtlustbarkeiten New. — 2. refl., sich 
körperlich entwickeln Tu. Syn. usenand-gän, sich us- 
enand-län. — 3. abs. a) „Geld hergeben VO." Syn. 
füren-m. — b) seine Schulden vollends bezahlen Tu. 
Mache'd use* das Jär. 

voll-: vollenden. .[Handwerker] soir 1 das wörch 
nit setzen »an ganzes und vollemacliet.' um 1400. Tu 
Diess. Stadtr. 

ver-: 1. .delere, diluere.' Id. B. E" Hecke" v. — 
2. Holz, klein machen, zersägen und zerspalten; auch: 
Zucker in kleine Stücke zerschlagen Bs; B; Scu: Tu. 
Drei Pursclie" gönd in'n Winterhau 's Holz z' hole" 
und vermached's au'''. B Dorf kai. 1892. Einen Haufen. 
zerstossen B. — 3. zumachen, ver-, abschliessen, ver- 
sperren Aaj Ap; Bs; B; Vü; Gl; Gr (St. b ) ; GKh.; 
Seil; Tu; Z. a) eine Öffnung, einen Durchgang. JBi' 
Loch (in der Wand, im Dach, in einem Kleidungs- 
stück), en Weg. ,Wenn es wieder Löcher [in der 
Kutte] geben solle, so werde es sie schon wieder w 
Gotth. ,Ich hab ein Haus, ilarauf kein Tach; die 
Fenster seind mit Lumpen vermacht.' BO. Lied. Auch 
von tiefhangenden Wolken, die den freien Ausblick 
versperren. Wenn am Obig de r Schwarzwälder ver- 
macht hat oder: Wenn de r Wald vermacht ist [der 
nördliche Himmel mit Wolken verhangen ist], se gV't's 
Hege" AaBb. S. noch Füeteri II (Bd I 1139), gehab 
(Bd II 869), Chlimsen (Bd III 649). Auch : ein Faden- 
emle festmachen B. Nimm nit so Hingt Nätli'ge* u"' ! 
vermach-mer besser, Das geit ja Alles wider uf. MWalden 
1884, Mit Dat. F. oder S., aber weggelassenem Acc, 
den Weg versperren, den Zutritt wehren B; Th; Nnw; 
Z. Mer wend der Sunne" e'chli" v., durch Schliessen 
der Fensterläden. — b) eine Fläche, einen Raum v., 
muh Aussen abschliessen; spec, ein Grundstück ein- 
begen. De* [Kauf-] Laden isch scho" vermacht g'si" 
Bs. .Wie eine Art von Auszehrenden die zuträglichste 
Luft in Kuhställen findet, so eine andere Art in wohl- 
vennai hteii Weinställen, ungelüfteten Fokalen.- Gotth. 
Wo d'r Mit g'storbe" g'si" ist, so het d'r G'meinröt 
nie 1, de" ('hast,- vermacht | durch Siegelanlegung] und 
nachher 's Tnventan 'zöge". Aa Schulm. 1>*7. ,Eine 
Strasse v.\ mit Schutzwehren versehen. ,8 Pfd den 
N. N„ umb dass sy die Strass, da man nach Stettbach 
gat, Ulm Zürichberg vermacht, damit Niemand bv 
Nolil hinabfalle.' 1648, Hotz. Drk. Abs., im Herbst, 
wenn die Trauben zu reifen beginnen, die Weinberge 
abschliessen Z lS. Wemt-er go* v.? — c) Etw. ein- 
srhlicssen, verbergen. D' Suwn vermacht si ch Z. - 
dl bildl., verbieten. .Ammann und rat band gewalt, 

das spilen ZC V. in der vasten unz nach ostern.- um 

llTo. Gl. .( iberiuolte sonderbare Vermachung newer 
Pündnussen.' Guldeh Bund 1658. — I. mii hat, 1'.. 



wie nhd.. durch letztwillige Verfügung Einem Etw. 
bestimmen, zusichern L; Scnw; Tu; l'wE.; Z«; Z. 
S v ii. verschaffen. Eine alte Jungfer, die an Verstopfung 
in Folge unraässigen Kirschengenusses sterben sollt'-, 
sagte zu ihrem Vetter Ambros. der an ihrem Bette 
stand und dem sie sich dafür dankbar erweisen wollte: 
Brost, i ch vill-der doch aw h nu [noch] v. Worauf er 
in seiner wohlmeinenden, aber derben Alt erwiderte: 
Du g stures Chalb, de hast, meiit-i' 1 ', vermacht g'nueg; 
's war, mein-i ch , besser, de tatist uf, a's dass d' nu 
vermieehist Schw (Kyd). Ironisch: eine Strafe. Züch- 
tigung in Bereitschaft halten Z. Es ist-der vermacht. 

— un ver macht: unpers., durch kein Vermächtniss 
bedacht. ScnNeukirch Offn. (Gr. Weist. I 295).— Ver- 
mächniss: Verschluss, Schutzwehr Bs. - Mlul. ver- 
mach h in Keil. 1. 3. 4. 

vor- Ar tw.; Bs; Scutw.; Tu; Ztw., sonst für-: 
1. Etw. nach vorn bewegen, vorn anbringen. Vor- 
ziehen; s. Schüch-Leder 2 (Bd III 1073). .Der Sattler 
demonstrierte, was man [an der Chaise] Alles abelah 
und Alles v. könnte.' Gotth. Wä"" [die Sonne] schint, 
su cha""-me" |den Kinderwagen] decle" u" d f. ebd. 
Feinem e" Bigel f., vorschieben BM. D' Legi f. BSi.; 
s. Legi 3 c (Bd III 1196). Abs., verschliessen; s. Bd I 
959. — 2. abs.. vorarbeiten ; s. Bd I 960. — 3. = vor- 
hüsen (Bd II 1743) Aa; Ap; Bs ; B; „Gl; L;" Sch; 
Th; UwE.; „Zi;; u Z. Bi so-mene" Verdienst sött-men 
Oppis chönne" v..' 

füre"- s. fürhin Bd II 1344. 

fürt-: 1. abs., in seiner Arbeit usw. fortfahren 
Sch; Th; Z. — 2. refl., sich aus dem Staube machen 
L; G; Seil; Th; Z. 

g e - s. Bd II 47. Die Herre" z' Bern obe" g'machid 's 
nimme [= möged 's n. g'm.J Obw. 

hei"'-: 1. abs., sich eilig nach Hause begeben ZO. 

— 2. tr., einheimsen B. .Rüben h.' Gotth. 
hi(n)-: tr., roher Ausdruck für .töten- Tu; Z. 

S. noch Bd II 1318. 

hindere"-: 1. tr., bei Seite schaffen, unterschlagen 
B. .[Die Erben] muckelten von H., Verschleipfen, 
Verläugnen.- Gotth. — 2. refl., sich (eilig) zurück- 
ziehen Th; UwE.; Z. 

lustig-: sich belustigen, bes. durch Bewegungs- 
spiele Z. — Lustigmachete": Unterhaltung. Kurz- 
weil Z. Vgl. engl, merry-making. 

nä cl '(e")-: 1. tr. a) Etw. Versäumtes nachholen, 
einbringen Bs; B; „L; Scu;" S; Th; UwE.; Z. I'" 
hei" hinecht mit chönne" schlafe"! i ch macht 's e'chli" 
nachc"m. wäred der Predig. MWalden 1884. 's Yreni 
macht ihr \'nrsat :, was der Sem rcrsümi, well es noche'm. 
BWvss 1863. ,Er betete; es war, als ob er es für viele 
Jahre n. wollte.' N. B Kai. 1840. — h) nachschieben L. 
D'r Dahe" [Docht] nahem. JRoos 1892. — 2. refl.. 
sich sputen, vorwärtsmachen G; ScuSt. ; Th; Z. Mit 
Dat. F.. .lindn einholen Bs; GG.; Th. Vorwärts kom- 
men, Fortschritte machen, sieh entwickeln, von .Men- 
schen, Tieren und Pflanzen, bes. solchen, die in der 
Entwicklung zurückgebliehen sind; von Menschen auch 
in ökonomischer und moralischer Hinsicht Bs; G; Seil 
St.; Tu; Z. De'' Haber maeltl-sr' 1 wacker Höh. SenwzD. 
(GT.). Sich hervortun, -drängen, eig. und bildl. UwE. 

— 3. abs. oder intr., mit Etw. höber gehen, es steigern. 
Ehr hat .1 Fränkli nohe'g' macht, mehr geboten (bei 
einer Versteigerung) AALeer. ,Dir mit dem Lohn noch 



49 



Mach, mt'cli. mich, tnoch. much 



50 



viel riacbe'z'io., graset mir', sagt der Meister zum 
Knechte. Gotth. — 3 könnte auch als tr. erklärt werden; 
vgrl. machen I A 19 i. 

nid er-: mit Ace. I J ., zu Hoden werfen. .Mit Einem 
n.'. ringen, insofern es sich dabei darum handelt, den 
Gegner zu Boden zu werfen. Gotth. Holz n. a) fällen 
B. ,Er und noch Einer wollten dem Karrer wohl so 
viel [Holz] n. und zurüsten, als er heimzuführen ver- 
möge.- Gotth. — b) zu Tal befördern. ,Das Gebüig 
gibt viel lärchin und ander Holz ab. das hernider- 
geinacht in Bretter gesägt wird. - Guler 1625. 



d u r ' 



1. durchmachen, überstehen Tu; '/.. 



Syn. durc-hauwen 2 a (Bd II 1811). I' k mache" kei" 
so-n-en [strengen] Winter me d. E" Nacht d., durch- 
wachen, bes. in fröhlichein Kreise bei Spiel und Tanz 
AaoF.; Th; Z; in Th; Z sehr oft ohne Obj. Vgl. 
Durchspinn- Nacht. — 2. Kleider, Werkzeuge usw.. 
beschädigen, abnutzen, verderben Bs; B; Sch; Uw; Z. 
Ein Vermögen, durchbringen, verschwenden Bs; B; L; 
Sch; Th; Uw; Z. Syn. dure"-tuen. Die Gesundheit. 
zu Grunde richten UwE. — 3. töten, umbringen, von 
Tieren, roh oder derb auch von Menschen AAHolderb.; 
B; F; L; S; üwE. Kei's Schwänzli [keine Spur von 
einer Waffe], d ass me" numme" hält chönnen e Mus 
d. d'tmit. BWtss 1863. 's war no ch Alles z' schlucke"; 
aber dass si eh d' Ching müesse" entgelte", Das icott-mi eh 
fast d. B Dorf kal. 1866. Wer Enen hingerlistiger Wls 
dürenmacht. Wohltat. Jüngling 1780. — 4. Einen ver- 
leumden, ihm die Ehre abschneiden Sch. — 3 und 4 
verhalten sich zu einander wie ö*-m. 5 e und/. 

z e sämme"-: zsnehmen, -binden, sammeln, auf- 
häufen Bs; B; Sch; S; Th; UwE.; Z. (E" Burdij 
Heu z's. Auch: zsnähen UwE. Es würt icider ivellcn 
es Wetter z's., wenn die Gewitterwolken sich drohend 
zsziehen ZUhw. Refi., einander näher rücken, sich 
vereinigen, zstun Bs. ,Wie vil starker küngen und 
Volkeren machtend sich zemmen wider sy'?' Zwingli. 

(e°)weg-: tr., entfernen Sch. Aufarbeiten Th. 
Refi., sich entfernen Ndw. 

z e weg-: tr., zurechtmachen, zurüsten, herrichten, 
(wieder) in Stand setzen Bs; B; Th; Z. ,Er het si"s 
Hüs lä" z'w., renovavit aedes suas.' Id. B. Z' Hüs- 
tage", wo-n-i ch m%" Herdöp/lere" ha" icelle" z'ic. B Hink. 
Bot 1886. ,Sie sei um Mitternacht aufgestanden, um 
Etwas für den Tag z'weg z' m.' Gotth. Refl., sieb 
rüsten, bes. zum Ausgehen Bs; B; Th; Z. 

zue-: 1. tr., a) herbeischaffen B. I ch hi" nit so 
dumm, das' i e '' nebe" mi"'r War [Vieh] z' besorge" no ch 
selber 's Gras z. helfe. Schweiz. Bauernkal. 1887. — 
b) schliessen Bs; Sch; Th; Z. Auch scheinbar abs. 
Eim z., seine Habe unter Siegel legen Bs; Th; Z; 
dafür auch : Eim 's Hüttli z. Th. Unpers. Es macht 
zue gegen Äbe'd, der westliche Himmel verhängt sich 
mit Wolken Th; Z. — 2. refl., in Bs; B si° h zueche" 
m., sich (zudringlich) nähern, „sich zutätig machen 1- 
Bs; B; „Gr; L; u Z. ,Er macht si ch an allen Orte" z., 
ubique se admiscet.' Id. B. — 3. abs., (in der Arbeit 
usw.) fortfahren Ap; Bs; G; Sch; Th; UwE.; Z. Syn. 
für-, zue-faren. Mach numme zue, lass dich nicht 
stören! Mach no" so zue; du wärst dann scho" sehe", 
wo t' ane'chunnst ! — zuemachig, „-machisch" 
= anmachig 2 Gr; „L." Syn. zue-tätig. 

Mache"sc h aft, in B auch Machetschaft: 1. meist 
in tadelndem oder verächtlichem S., (schriftliche) Ab- 

Scbweiz. Idiotikon. IV. 



machung, Übereinkunft; auch allgemein: Handlungs- 
weise, Praktiken ÄASt.; B; „Gl; L; Sch;" Th; Z. 
Do« simmer netti M-e" [saubere Praktiken]! .Falls 
ein Burger mit Fremden oder Äussern associert wäre, 
soll Derselbe den Vorgesetzten des Kaufhauses seine 
M-en und Associations-Briefen vorlegen.' B Kauthaus- 
ordn. 1754. .Gütliche M. - 1763, ZWetz. ,Von derlei 
M-en sei in den eidg. Bünden keine Spur anzutreffen.' 
1792, Absch. S. noch Gr. WB. — 2. Art de- Machens, 
Einrichtung; Ordnung. Zustand; lebhaftes, aufgeregtes 
Treiben Ap; Bs; BBe.. Si. ; Sch; S; Th: Z. Was ist 
Das fär-ne M.? fragt Einer, der z. B. in Verlegenheit 
ist. eine zerbrochene Maschine wieder in Gang zu 
bringen. Das ist e" M. a" dem G'uer! Das ist e" 
schoni M., (iron.) eine angenehme Arbeit S. Die hiind 
e" 31.! Bes. auch tadelnder Ausdruck für unbefrie- 
digende Ausführung. Das ist mir iez e M. ! afen e 
süferi M. = wer will sich da zurechtfinden! oder Das 
ist hinterlistig eingefädelt. Was hest da fer ne M.? 
in was für einen Handel hast du dich verwickelt? - 
3. Machwerk Bs; B; Sch; Th; U; Z. Da' ist e" trürigi 
M., e" so Öppis tarf-me" jo keim Mensche" zeige"! 

Öl-Macher = Öler Bd I 182. .Ein Ö. ("der Stam- 
pfer). - JGross 1624. ,N. N . Ö.. von Glattfelden. - 1677, 
Z Synode. .Dem Ö. um 6 1 /* Mass Nussöl saramt dem 
Ölfässli 3 fl. 1U ß. - 167«, Zi-bers Tageb. .Factor. Ö. - 
Denzl. 1716. — A 1 1 e s - = Kann-Älles Bd I 169; Fac- 
totum. .Der Schulmeister war Gemeindsschreiber, und 
last alle Tage wurde er mehrere Male aus der Schule 
gerufen; er war der A. in der Gemeinde. - Gotth. — 
Ämpeli-. Din Vater ist ken Ä., du stehst mir im 
Lichte Bs. Vgl. Laternen- M. - Klein-Uren-: Ver- 
fertiger von Taschenuhren. Bs Chr. 1779. — Ord- 
nung^)-: 1. Leiter und Aufseher beim Tanze. .Die 
Musikanten rüsteten sich zum Spiel und der bestellte 

0. begab sich in der Mitte des Saales in Positur. - 
HsNydegger. — 2. eine Art Generaladjutant, der die 
Schlachtordnung zu bilden hatte. XVI., B (Gib. V 341). 
— Orlei-: Uhrmacher. 1439, L. S. noch Orli Bd I 
452. — Finettli-: Jmd, der sich feiner dünkt als 
Andere, sich ein besonderes Air gibt und mit beson- 
derer Rücksicht behandelt werden will S. D' Bett- 
lecher [Bewohner von SBettlach] sind d' F. Schild 
1863. — Finke"- Lj s. Bd I 868. — Fenster-. 
,Der f-n güeter in der Eierbräch Hirslanden.' 1551, 
Z Urk. — Hinder-für-. 1637, Z; s. hinder-für II 2 
iBd I 964) und Z Taschenb. 1879, 88. — Faxe"-: 

1. wer Faxen (s. Bd I 1142) zu machen liebt. Spass- 
vogel Ap; Bs; Gl; Gr; L; GRh.; Th; Z. — 2. Wind- 
beutel, Aufschneider, Ränkeschmied Bs (Spreng). — 
.Fladen-: der die fladen (s. Bd I 1167) macht, liba- 
rius.' Mal. — Fridli-: spöttisch für Fride"-M., 
Friedensstifter Z. Mit dieser Bezeichnung wurden 
1664, zur Zeit des Wigoldinger Handels, die Gesandten 
der unparteiischen Orte in den Strassen von ZStdt 
gehöhnt. Gfo. II 140. — G e fräss-: wer Gesichter 
schneidet Bs (Schweizerbote 1807, 71). S. Gefräss 2 
(Bd I 1318). — Gute"-. Bs Chr. 1779. S. Glufen 
Bd II 608. — Gätterli-: wer Holzgitter für die 
Kellerlöcher verfertigt, eine einfache, wenig lohnende 
Arbeit Aa. Unter dem Namen G. veröffentlichte der 
Aa Staatsmann Augustin Keller eine Reihe politischer 
Aufsätze. — ,Gutter-: ampullarius.' Fris.; Mal. 

Un-glich-: Händelstifter, streitsüchtiger Mensch. 
1561, ZWint. Chr. .[Zwei Gefangene] die grössten 

4 



51 



Mach. mech. mich, moch. mach 



52 



anfänger und unligsm. dises handeis.' 1531, Strickl., 
Akten. .Wäger ist's, der ungehorsam ungligm. werde 
g'straft, denn dass der fridsam und rechtsbegirig synen 
entgelten müesse.' 1532, ebd. — Über die Form des 
1. Teils s. umjhch -2 (Bd II 598). 

Glogge"-Macher: unter den Handwerkern in L 
aufgezählt. 1456, Gfd. - Z it-Glogge 11 -. , Der z. von 
I.uzern.' vor 1491, Gfd. 

Un -glucks- = Unglich-M. Ein dorfbekannter ,U.' 
erhält vor Gericht kein Gehör. 2. Hälfte des XVII., 
AABrugg Xeuj. 1890. 29. 

Hu ich Umdeutung oder Missverständniss zunächst aus 
,Unglig(s)-M.' = Unglfch-M.; s. Doch Anm. zu anglich Bd II 599. 

Grab-, Greber-: Totengräber, insofern er nicht 
nur die Gräber gräbt, sondern sie auch in gutem Stand 
erhält ZStdt f; s. machen I A S a. Knecht des Toten- 
gräbers. 1792, ZStdt. — Gross-: Prahlhans Th; Z. 

Haber-: Geschlechtsn. XVI., LRickenb. S. noch 
Bd II 932. - Eig. wohl= H.-Meler. 

Hafe"-: in der Glashütte Der, welcher die Schmelz- 
tiegel (Häfen) bereitet S. 

Häftli-, in GrOdS. Hafli-: 1. Verfertiger von 
metallenen Häkchen (s. Haft I 1 a Bd II 1003) B; 
GnObS.; U. Er bedarf zu seiner Arbeit eines scharfen 
Auges; daher: Auge" ha" wie-u-eu IL, scharfe Augen 
haben ScnSt. Auge" mache" (Ap; Th). drufluege" (S), 
ufpasse" (Aa; Bs; B; Gr; Sch; S; Tu ; Z) wie-n-e" H., 
mit gespanntester Aufmerksamkeit auf Etw. blicken; 
scharf, genau Acht geben. Wie-n-e H. uf si" Chrüzer 
biege". Schild 1860. Eim ufpasse" wie-n-e H., ihn nicht 
aus den Augen lassen B; Th. .Joggeli passe ihm auf 
wie ein H.' Gotth. So derik-i ch : IL, pass uf! Bs 
(WSenn). Me" säid, dc r Abt spannt wie-n-e H., his-em 
de" Kaiser 's Bättenbrod schicke. Gesprach 1712. Auch 
die Gewandtheit und Fertigkeit des H. ist sprichwört- 
lich. Er ist tifig [schnell, gewandt] wie en H. Sch; Z. 
Du bisch elcei" H., ungeschickt und beschränkt B (Zyro). 
Öppis chönne" icie-n-e H-, grosse Fertigkeit in Etwas 
besitzen AaWoIiI. Vgl. : es gät-em fus de" Fingere") 
wie 's Häftli vi n che", die Arbeit geht ihm flink von 
Statten AaWoIiI. ; Ar; L. In andern RAA. erscheint 
der H. als Typus eines arbeitseifrigen Menschen: 
Flissig si", schaffe" wie en H. Z ; s. noch Ernst 2 
(Bd I 405). an-haben 3 b (Bd II 900). Sein Gewerbe 
ist ein armseliges und wenig lohnendes; s. Chacheler 2 
(Bd III 118). Zunächst durch Übertragung vom Ge- 
sichts- auf den Gehörsinn (lose" wie-n-e" H. Ap) wird 
das W. allmählich zu bloss abstr. Verstärkung ver- 
wendet. Ufbeg'ere" wie-n-e H. B (Gotth.); Z. Lüge" 
wie en H. Sprww. 1809. — 2. Hausierer, Vagabund, 
gering geachteter Mensch übh. B. — 3. Pfuscher, 
Stümper Gr ObS. — I. Wortverdreher. Chlosterguggü 
S. 30. — 5. Intrigant U. 

3 bezeichnet eig. den ,Kann-AUcs', Tausendkünstler, der 
Alles verstehen will und Nichts recht versteht. In 4 und 5 
erseheint der Begriff des Gewandten aufs Geistige übertragen. 

Profet- Häftli-: Wichtigtuer Z. — Hägge"-: 
eig. Verfertiger von Hakenbüchsen. Noch als Ge- 
schlechtsn. erhalten in ZW int. ; seit dem XV. be- 
zeugt. — Heil-: Heiland; Übersetzung des lat. ,sal- 
vator'; vgl. , Seligmacher.' .Das hail in aller h.', übers, 
aus , salutein in omniuin salvatore.' ZTöss Urk. .Von 
der menschwerdung Jesu Christi, unsers h-s.' 1535, B. 
Auch bei ThPlatt., Br. — Harz- = Harzer 1. D's 
H-s Tochter und d's llniigi liiders Sa", dii Heide" heind 



enander ifnn" [geheiratet], Sprww. 1869. — Huet-: 
wie nhd. War i ch en H. worde", so chiemid d' Lüt 
üni Chopf uf d' Welt, klagt ein Pechvogel. Solger. 
H'elf dir der H., er hed nilne" an ch </' macht, Ausdruck 
des Bedauerns, wenn man erbetene Hilfe nicht leisten 
kann. Ineichen. — Schinn-Huet- s. Schinn-Hüetler 
Bd II 1791. 

Jungi-Macheri; PI. -erne": Katze SThierst. — 
So benannt wegen ihrer Fruchtbarkeit. 

Chü bel-Macher = Chübler 1 (Bd III 117). Die 
meiste" Cliinder liänd d' Ch. und d' Bese'binder. Sprww. 
1869. — Chappe"-: Verfertiger von Chappen (s. Bd III 
381). Pelzwaren; Kürschner Ap. ,1697 entstand ein 
Streit zwischen den Kürschnern und den K-n über die 
Frage, wer Pelzstösse machen dürfe. Die K. giengen 
als Sieger hervor.' Liebenac 1881, 156. — Chorn-: 
Kornhändler? .Dass einkein k. uf deheinen p fragen 
noch gewinn enkeiner slacht [Weise] körn koufen 
soll. Es soll dis verhüeten ein ieklich k. und korn- 
köufer.' 1341, Z Ratsbuch. — .Clausuren-: der die 
schloss und schlössle macht, so man zue den büechern 
brucht, die in prättcr yngebunden werdind.' JMaler 
1593. — Chnöpf-. .Huetstaftierer- und K-en Tax.' 
Bs Taxordn. 1646. S. noch Leu XX 395; Liebenau 
1881, 93. — Chrage"- Macheri" s. Chragen 2 d (Bd III 
790). .Der Kragenmacheren, für 3 Kragen zurecht 
zu machen 2 fl. 16 ß.' 1763, Z Haushaltungsbueh. — 
Chratte"-Macher: Korbflechter GA.; Z. ,Krätti-M.' 
Wolf. Rel.-Gespr. — Stei°-Chratte n - B; s. Bd III 
875. — Chräze"-: 2 ,Chr.' werden erwähnt in der 
Aufzählung der Gewerbe von ZStdt 1637; s. Chrdzen 
Bd III 924. — Chrüzli-: geringschätzige Bezeich- 
nung eines Katholiken ApA. — Lieder-: Gelegen- 
heitsdichter, der auf Bestellung arbeitet ScHStdt; Z. 
L., wo um e" Biessli [kleines Geldstück] e" ganzi Site" 
coli schmiere'd, Bareph'imanne" und sust eso Halb- 
herre". Schwzd. — Laterne"-: in gleicher Anwendung 
wie Ämpeli-M. Ist di" Vater e" L. (g'sVJ? AASuhrent. ; 
SceSt. (Sulger), din Vater ist eken L. Z, gang e"weg, 
min Vater ist kan L. Sch. ,Zeinen- und L. -Macher' 
erscheinen unter den Vaganten Z Mand. 1641. — 
Lüte"-. Mal.; Bs Chr. 1779. 

Mügli 01 '-: Rechtstriebbeamter, Gemeindeammann 
AAMenz. — So genannt, weil er es .möglich macht', von 
Andern das schuldige Geld zu erhalten. 

Mel"-: viell. = Haher-Meler; vgl. Chorn-M. ,N. 
N.'s, des m-s sun. burgers [z'] Zürich.' 1428. Z. — 
Mappe"-. ,Auf die Anzeige des Landschreibers, dass 
ein Burger von Bern behufs der Anfertigung einer 
Landkarte die Grenzen und Märchen vermessen wolle, 
wird beschlossen, diesem M. es zu gestatten.' 1721, 
Absch. — Mutscheli-: spöttische Bezeichnung des 
Bäckers. Wächter am Pil. 1872, 43 a. ,Mutschellen-m.', 
Kleinbäcker. 1451, Bs (Schönberg 299). — Nunne"- 
= Galser (Bd II 296) L f. Syn. JV.- Weider. .Den [L] 
boten gen Baden ist bevolhen, mit den boten von Z 
ze reden, dass si mit irein nünnem. redent, den unsern, 
Hutzelbrant. in syner weid unbekümbert ze lassen.' 
1435, Absch. .Wer an der Museggprozession nicht 
Teil nahm, zahlte 1 Pfd Busse; davon erhielten u. A. 
die N. eine Entschädigung.' 1470. L (Liebenau 1881, 
285). ,Und soll ein yglicb n. geloben und schweren. 
den kreis der heischaft alle jar zue syner rechten zyt 
ersuechen und ze erfaren. und darin niemans andren 
gewerb lassen tryben noch üeben. und soll in ein 



Mach, mech, mich, raoch, imich 



54 



vogt ilaliv schirmen; und darumb soll ein yglicher 
n. einem yogt alljärlich geben ein pfd pfeffer. 1 1490, 
AaB. Orbar. ,[Der Vogt] klagt über den X.. dass er 
sein Leben nicht von ihm empfangen wolle. - 1524, 

Arsch. .Solche kunst [des Verschneidens] ist bekannt 
vilen bruchschneideren und n-en.' Tierb. 1563. Das 
W. auch 1451, Bs; 1779, Bs Rq.; s. noch Gr. Wli. VI] 
885. Geschlechtsn. 1434. 1488, AABremg. ; FrHaffnf.r 
1666. — N u nlig- = dem Vor. .Ein ietlicher buwman, 
der in diseiu kilspell buwet. als vil dass [wenn auch] 
er ein n.. der soll ein lesgarben geben einem custor.' 
um 1530, L Urk. — Näwe n - = Nauieer. .Schilt- ald 
n.-macher.' 1469, L. — Bulver-. ,Unser b., der fast 
wol mit grossem geschütz kond.' Vau. .[Wenn zu 
Bellenz Pulver nötig wäre, sollte] selbes dem P. zu 
Schwyz. einem kundigen Meister, übertragen werden.' 
1563. Absch. — Bolz-. 1451. Bs (unterschieden vom 
,pfyl-m.'). .Bolz-.' 1487, Gfd. 

Bändeli-: 1. Bandfabrikant Aa. — 2. flatterhafter 
.Mensch Aa. Du lustige' Filifausel, du B. Tobl.. VL. 

Die Auwendung 2 ist viell. veranlasst durch das Liedlein: 
Sehn* wider Eini, 9cho m wider Eini am Bändeli </'ha n usw. 

.Bantoffel-: crepidarins.' Mal. — ,Banzer-: 
loricarius.' Mal. — Parisöli-: Schirmmacher Gr 
ObS. — Bart-: Barbier PAL — Am-boss-: unter 
den Berufsarten aufgezählt. Bs Chr. 1779. — Peste- 
len z- = Gifter; s. Bd II 136. — Pastete"- s. Schleck- 
Choch Bd III 125. — Putsch-: Bereiter von Obst- 
wein. ,Uf mentag post crucis exaltationem hand die 
bier- und putschmacher gesworn, dass si das bier von 
obs machen und daryn kein wasser tuon.- um 1481. 
L (RBrandst. 1890, 76/7). — Blatt-: Der. welcher 
die .Blattei" für den Webstuhl anfertigt. Rohrmacher 
Z. .In der weber zuntt sind die bleiker und bl.' Vad. 

— Prügel-: Verfertiger von Knitteln. Lt vRodt 
1834, 216 kaufte die B Regierung im Jahre 1691 
einem Pr. aus den Freiämtern 200 Knittel ab. — 
Brattig-: Kalendermacher „Aa; B: VO; S." Der 
Br. macht d' Brattig, der Herrgott 's Wetter. Ineichen. 

— Brett-: Verfertiger der beim Einbinden von Bü- 
chern verwendeten Brettchen Z j. — Etitere 11 -: Sieb- 
macher ZSth. — Schueh-. in ÄALeer. ; ZW. Sehü-, 
in ThHw. Sehö-: 1. wie nhd. D' Seh. händ die schUeh- 
tiste* Schueh AaBIj. 's ist besser, me % geh 's Gelt <'em 
Seh., als d em Dolter Z; Sdlger. D' Sch-re* sind da 
uf der Ster, es ist in diesem Hause Jmd niederge- 
kommen W. .Es ist ein Unterschied zwischen dem 
König Salomo und dem Seh. von Bremgarten' ZNer. 
S. noch giren I (Bd II 406), abe--lasse" (Bd III 1401). 
.Seh., Schmied und Wagner mögen einander hellen 
Bein- und Armglieder einzeuhen.' 1431, Z. Seh. heisst 
in GlH. ein Berggeist. GHeer 1887, 17 (Syn. Feier 
Bd I 633); nach BFreuler 1888, 66/7 eine Hypostase 
des ewigen Juden. S. noch Rochh. 1857, 84. 95; 1856. 
1. 379; 2, 308. — 2. Name von Käfern, a) Marien- 
käfer, cocc. sept. GW. (im Kinderlied). — b) = GMö- 
pfer 6 (Bd III 678) Gl; Gr oHe. — 3. Schotenklee, lot, 
com. GW., We. Syn. (Frauen-, Herrgotten-jSchüehU. 

— schueh machcre": ein Spiel für Knaben, von 
denen der eine den Schustermeister, die andern, mit 
ausgezogenen Schuhen im Kreise um ihn herum auf 
dem Boden sitzend, seine Gesellen vorstellen. Auf den 
Ruf: G'selle', schaffit! fängt jeder Geselle an. mit den 
Füssen auf den Meister los zu stampfen, bis Dieser 
Halt gebietet. Wer nach diesem Befehle dem Meister 



noch einen Stoss versetzt, gibt ein Pfand B. — 
Scheide"-: Verfertiger von Schwert- und Messer- 
scheiden. .Schlosser. Sporer, Spengler, Seh." Z Zoll- 
ordn. 1639/40. .Alle frömden Krämer und Kräzen- 
trager, Seh., auch all anders dergleichen verdächtiges 
Gesind.' Z Mand. 1696/1774. Auch Bs Taxordn. 1646; 
Bs Chr. 177'.'. Als Geschlechtsn. .Heinrich Seh., der 
koufmann.' 1392. Bs. — Schiff-: Schiffsbauer Z. .Die 
seh. sollen ire schiff uf dem platz zu Vischenhüsern 
machen und verschaffen.' 1546, Sch Ratsprot. .Scheffm.' 
Geschlechtsn. Sch; 1442, Z Staatsarch. — Schiffli-: 
Verfertiger von Weberschiffchen Z. — G'schäftli-: 
„Mensch, der sich gerne in die kleinlichsten Geschäfte 
unberufen mischt und daran Teil nimmt L." Einer, 
der überall, wo ein auch nur ganz kleines Geschäft 
zu machen ist. zugreift, um für sich Etwas zu er- 
gattern Th; Z. Geschäftsagent AALeer. ; Bs; Z. — 
G e schiss-: Kleinigkeitskrämer, Pedant; kleiner 
Mensch Bs. — Schatte"-: „Jalousie vor einem Fen- 
ster Gr." — G e schmeiss-: ein .Kannalls', bes. in 
Metallarbeit S. Einer, der sich einbildet, Alles zu 
verstehen, in Alles hineinpfuscht. Stümper S. .Ihr 
ein Künstler, fragte er, ein G. oder Kesselflicker!' S 
Wochenbl. 1819, 44. 

Schnitz-: Spitzname auf die Bewohner des Kan- 
tons Zg. 1776, Finalprozess des Lor. Plac. v. Schu- 
macher S. 14. 

Der Kanton Zug ist ausserordentlich obstreich, weshalb 
die .Schnitze' dort einen Hauptbestandteil der Nahrung bilden. 

Spille"-. N. N. wird gebüsst. .dass er kostlich 
Spillenholz von Ahornen aus dem Wald gehauwen 
und an die Schifflendi gefüert. den Sp-en verkouft.' 
1625, Hotz, Urk. ,N. N., der Sp. von Meilen.' 1686, 
ZZoll. Herbstrod. — Spiess-: Verfertiger von Spiess- 
stangen. Die Sp. wurden in Ehren gehalten und der 
Rat [von L] liess sich leicht herbei, ihnen seine Zu- 
friedenheit durch Schenkung von einem Paar Hosen 
zu bezeugen. Es war ihnen verboten, ohne obrigkeit- 
liche Bewilligung im Lande Eschen zu fällen, um 
daraus Spiesse für den Verkauf ausser Landes zu 
verfertigen. Von ihren Lieferungen hatten sie der 
Obrigkeit den Zehnten zu entrichten. Im Jahr 1645 
musste ein Sp., der Dies versäumt hatte, ausser einer 
ihm auferlegten Busse für Zehnten und Zoll für jeden 
unrechtmässig abgelieferten Spiess 10 Batzen bezahlen. 
Gfd. .Die Sp. und Schüsslendreher, die bei der Alp 
Grew im Eschentale wohnten.' Stadlin 1824. S. noch 
Sunder-Lüt Bd III 1524. — Spruch-. .Poeta, ein 
reimendichter oder spr.' Fris.; Mal. — Stäublig-: 
Müller (in der Gaunerspr.). Li'tolf. — Sträl-: Kamm- 
macher Ap. .Die watlüt, kremer. str. [usw.].' 1567, Z 
Staatsarch. ,N, X., Strälmacherin.' 1637. Sch Ratsprot. 
Das W. auch Z Zollordn. 1639/1711. — Strasse"-: 
Strassenaufseher. .Die str. old wasservögt.' 1540. Xi>w. 
.Wer in unserem land str. oder buwmeister oder wasser- 
vögten um das, so inen iri herren befolen heind und 
iren [ihr] eid zuogid, üt etwas arigs täti, der soll [ge- 
straft werden].' 1545. ebd. ,Und soll ietliche urti syn 
str. dartuon. wenn man die eindliffer dartuot.' ebd. 

— Tach- UwSachseln, Tächli- Ap; GF.. G.: Schirm- 
macher, -flicker. — .Tocketen-: coroplates.' Mal. 

— Dolle"-: Der, welcher verdeckte Abzugsgräben 
macht Z. — Tisch-: Tischler. Schreiner Ap; Bs 
(Spreng); B; Obw f; Z. ,Den T-n und Meister Uol- 
richen. die manche Woche an der Orgel arbeiteten, 



55 



Mach, mech, mich, inoch. much 



56 



zu essen und zu trinken gegeben. ' vor 1491. Zo. 
, Peter, t. von Ure [macht einen getäfelten Plafond in 
verschiedenen Kapellen].' 1506, AKücbl. 1886. ,Dera 
t., als er die spannbett, so in's schloss hörend, bessret.' 
1532, ZGrün. ,35 pfd 10 ß gab ich dem t. zue Grüen- 
ingen, 5 grosser bettstatten mit himmeln. 1 karrenbett. 
1 grosse almergen für die stuben, stabeilen und andere 
arbeit ze machen.' 1541, ebd. .5 pfd dem t. von einer 
fleischasslen in die kuchi.' 1567. ebd. S. noch Gr. WB. 

— Wichtig-: Wichtigtuer BsL. .Es gab zu der 
schönen Omnibuszeit im Baselbiet unendlich viele 
solcher W.; sie führten das grosse Wort in allen 
Omnibus und an allen Wirtstischen. - Breitenst. — 
W eg- = Strassen-, Weg-Chnccht (Bd III 732) Bs. ,Es 
ist Pflicht der W., die ihnen anvertrauten Strassen- 
strecken gehörig zu beaufsichtigen und Alles in un- 
klagbarem Stande zu erhalten.' Ap Ges. 1843. Zoller, 
W. und Marschierer auf der Landschaft sollen dafür 
sorgen, dass das Mandat .wegen den Wagenlästen' 
beobachtet werde. 1766. Bs Mand. — Wille"-: ring. 
Persönlichkeit. Der W. tuet Alles, nie' muess nw 
welle*. Sülgek. — Wanne"-: Verfertiger von Ge- 
treideschwingen L; S. Auch 1451, Bs; 1637. ZStdt; 
Bs Chr. 1779. St * breit mache' wie-n-en W. Ineichen ; 
Schild. Auch Geschlechtsname Z. wie Wanner. — 
Brennte"- Wi°-: Branntweinbrenner. 1561. Absch. 

— Winde"-: Handwerker, der Winden [zum Heben 
von Lasten] macht. ,N. X., der Schlosser oder w.' 
J.Malek 1593. Auch Bs Chr. 1779. — Wetter-Ma- 
cherin: Hexe, insofern sie das .Wettermachen' ver- 
steht. ,Den Unholden, die man gemeinlich W. nennet.' 
FWyss 1672. — Gu et- Wetter-: wer als Mittels- 
person bei Jmdm gute Stimmung (guet Wetter) macht 
Z. — Zeine"-: Verfertiger von grossen, weiten Kör- 
ben Ap; Th. Z. führen R und CMev. 1650, 88 unter 
den Vaganten auf; s. noch Laternen-M. ,Die Z. aus 
dem Tale Galanka in Bündten.' Stadlin 1824. — Zit-: 
Handwerker, der Wand-, auch Turmuhren verfertigt 
Ap (im Gegs. zum Üre*-M., der sich nur mit Taschen- 
uhren befasst); Z. ,14 ß verzert der z. von Winter- 
thur, als er das zyt am schloss gemacht.' 1561, ZGrün. 
,Dem Z. den Bratspiess [d. h. das Räderwerk daran] 
zu bessern.' 160U, Z Schnecken. .Den 24. I. 1724 
dem Wirt 'geben, das der Kirchmeier mit dem Z. ver- 
zehret hat, da er das Zyt [die Turmuhr] anders hat 
machen wollen.' BE. Rechnungsman. — Hochzit- 
Macherli: Kind, das bald nach der Hochzeit geboren 
wird und keine Geschwister bekommt BBe. 

Blutt-Macheri f.: bezüglicher Bankerott. .Beim 
Überhandnehmen betrüglicher Geltstage (, Bl-eien').' 
1822, B. Vgl. Bluü-Müs. 

Machete" f.: 1. aufgeregtes, in lebhaften Ge- 
stikulationen und Reden sich äusserndes Tun, Treiben 
Th ; Z. Es ist e* Grüessete" ond e' 31., bis Alli am 
Tisch sitze'd, dass 's Eim fast trümmlig [schwindlig] 
hett ehönne' verde". Schwzd. Spec, Spiel mit leb- 
hafter Handlung W. S. Am-Herd 213. — 2. Vergleich. 
Abmachung B; ,Gl; L; Seil; Z." 

Chinder-: Kinderspiel. Kurzweil W. Syn. Ter- 
twelleten. Das ist so a' Ch. 

Machi, in GrL., Pr.; HG. Machi'g f.: Arbeit Bs; 
.B().; Gl;- GrL., Pr.j L; GG.; Sch; Th; Z. I" (auch 
uf GG.) der 31. st», von allerlei Gegenständen, insbes. 
Kleidungsstücken. aaOÜ. Ist de r Hock fertig? fragt 



man den Schneider; worauf dieser antwortet: Xei". 
aber er ist i- der M. An der 31. si*, von Personen 
GrL. I" d' 31. ge", tue", in Arbeit geben GrPt.; LStdt. 
!''• Im" imiessi" d' Schnell i" d' 31. ge" (= zum Mache" 
(fi'J. Öppis i" der 31. ha* 1) in Arbeit haben, vom 
Handwerker; aber auch vom Besteller: beim Schnei- 
der, Schuster usw. haben Bs; GrPi\ ; Th; Z. — 2) in 
Aussicht, im Auge haben Bs. Das ist kei* 31., keine 
(gute) Arbeit GG. 

Musik-: Musikdose. Dan. Syn. 3I.-Trucken. 

G'mäch, in BG.. Stdt; F; L; Uw -ö- n.: 1. Etw. 
Gemachtes, Werk. Arbeit GRÜbS.. V.; GG. E* sch&ns, 
icüests, künstli ch s G. Bes. von Werken mit kunst- 
reichem Mechanismus U. 's ZU ist doch e* schöns G. 
Meist aber in geringschätzigem, verächtlichem Sinn, 
schlechte Arbeit. Pfuscherei, Machwerk Gl; L: GA.. 
Ta.; Seil (St,") ; Schw; UwE.; Zg. Das ist vier aW* 
es G.l Von lästigen Gesetzen: ,Sy welltend myn heren 
bitten, sömlich gemech innen abzutuen.' Edlib. ; dafür 
vorher: .nüw ufsätz.' — 2. Testament. ,Ein testament 
oder g. brächen und unnütz machen.' Mal. — 3. ver- 
hüllende, schamhafteste Bezeichnung der männlichen 
und weiblichen Geschlechtsteile Bs; B; L; G; Ndw; 
U; Z, spec. der männlichen Aa (Rochh.); F; SchSL ; 
Th; U; W; Z; Schanigegend Bs; Gl; Schw; UwE. 
(auch von Tieren); Zg; Z; Hinterer G; Z (Spillm.). 
Eim Ei"s i* 's (a* 's) G. ge: Öppis am G'miichli hu", 
von Kindern. Bildl. An 's G. (auch an'n G'mdchere* 
abe") lange', an den Geldbeutel langen, bezahlen Bs. 
Aha, do wirf der Vatter au ch leider miese* an 's G. 
länge" ! 

Vgl. das durchweg syn. Gemacht, aus dem unser W. 
wenigstens in Bed. 3 geradezu eitstanden sein kann, indem f, 
viell. unter dem Einfluss von 1, abfiel, wie es anderswo au 
ch angefügt wird. 

Schiff-: Schiffbau. .Ein Brunnen flüsset da von 
Päch fürtreffenlich zum Sch.' HRRebm. 1620. 

mächele". in Bs machele": Dim. von machen, 
meist gegenüber Kindern verwendet Bs; Schw; S; Z. 
Was mächelist? Muest m., die Notdurft verrichten V 
Schw. Das cha"' me" m. Hofst. Kleinliche, unnütze 
Arbeit tun AaWoIiI. Syn. däggelen. Gemächlich ar- 
beiten Ap. 

Macltari. Wer am M.-Tag (2. Jan.) zuletzt auf- 
steht, wird an diesem und wohl auch noch an den 
nächstfolgenden Tagen von seinen Angehörigen M. 
genannt L. Vgl. Silvester. 

Macheier: ein Stoff. Mohair? .37 stuck in.' 1571. 
Z Inv. ,1 grünen Füraltar von M.' XVII.. L. 

macheierin: von Macheier. .Ein schwarz ma- 
cheiarin Messgewand.' Bestandteil des Kirchenschatzes. 
L Propsteiarchiv. 

mäcllle", in F male' I, male": 1. intr., sich verloben, 
vermählen. D'r Josi malet mit dem Betli FSs. Male*, 
vor dem Pfarrer die Ehe versprechen, im Unterschiede 
von manne", icibe", d. i. heiraten F. — 2. zum Braut- 
geschenk machen. ,Der mäehelt ir einen ring.' Auf. 
XV.. G Hdschr. — Mhd. mahelen, mehelm, malen, vermählen. 

zue-: antrauen, vermählen. .Dieselbig fürstin ist 
dem Herzogen ze Österrich in der heiligen ee zue- 
gemechelt worden.' 1448, Absch. , Wer 's Glück hat, 
der führt heim die Braut, wie das gemeine Sprüch- 
wortlaut, dem wird sie zugemalen [: zahlen].' XVII. , 
Lied. — Die starke Form wohl mir des Keimes wegen. 



57 



Mach, mech, mich, moch, mucb 



58 



(g') manch c^l ; S, mauchig ZW., mäuch ScnNnk. ; 

Th, (g')mäuchig Aa: ScnSt. ; ZW.: 1. a) trocken faul, 
vnn Früchten (z.B. Runkelrüben, weissen Rüben, 
Äpfeln), die im Innern anlangen zu faulen und dann 
hohl werden (vgl. das sjn. flösch Bd I 1225) GMels; 
SoHNnk.; TnSteckb.j /.. .Manch, mölsch, mansch, 
faul, semipntridns, fraeidna, mitis, raneidus, saper.' 
Red. 1662. — b) morsch, wurmstichig, von Holz (z.B. 
dem sog. .erstickten') AaSüIH; Sch; Th; ZW. — c) mit 
dem Ghropf (s. Bd III 848) behaftet, von Weinreben 
ZWtliur; vgl. rüdig. — d) weich, dumpfig, von schlecht 
gedörrtem Spätheu (s. Amad Bd 1 213), das sich zu- 
sammenballt und dann bald schwarz wird Gl. — 
e) von Zeug = g'karfangen 2 (s. Bd I 859) AAlvais. 

— 2. hungrig; matt, niedergeschlagen S. 's isch besser, 
me" tüei manch arbeiten, a's voll juble". Schild. Be- 
nebelt, z. B. von einem Pferde, dem Branntwein ein- 
geschüttet worden war. ebd. 1876, 76. 

Vgl. die Gruppe ,mauch, mauk' bei Gr. WB. und bes. 
Schade unter mnks. Die Grundbed. scheint diejenige der 
mit unserer Gruppe im Ablautverhältuiss stehenden Gruppe 
DIÜC&-, nämlich die des Niederdrückens, Einschränkens, Ver- 
bergens zu sein. 

Manch (in Gtw.; Th tw. Mäch), „Mauk B" — m. 

— PI. Mäuch, Dim. Mauchli Ap; „Gr". sonst Mäuchli: 
1. kropfiger Auswuchs am alten Rebholz Z. — 2. un- 
ordentlicher Haufe, z. B. von zerknitterten Kleidungs- 
stücken ScHNnk. 's ist Alls an-eme" M. — 3. auch 
Bäbfe*)-, Büebfc'J- Mäuchli, PI., gesottene, mit Zwie- 
beln oder Kümmel gewürzte, etwa mit Schnitten aus 
geröstetem Brot gemischte grobe Klösse oder Schnitten 
von weissen Rüben Aa; Bs; Sch; Scbw; Z; Syn. 
Schnätterling. Zu Jmdm, der nicht sieht oder findet. 
was er doch vor Augen hat, sagt man: Da hast glaub 
Bäbe" mäuchli üin Auge' Sch. Klösschen aus Rüben. 
Kartoffeln und Mehl, in Milch gekocht L. Würfelchen 
aus Brot Ndw; Syn. Möckli; vgl. FStaub 1868, 94. 
Ganze, gekochte weisse Rüben, die mit Salz gegessen 
werden Z. Z' Marge" Schnätter [zerstückelte w. R.], 
s' Imbig Bläder [Brei von w. R.], z' Nacht Mäuch, 
Beschwerde unzufriedener Dienstboten über ihre Kost. 
Spillm. „Mäuchli [PI.]. Metzelsuppe Sch"; s. noch 
Mäuchli-Suppe". — 4. a) Mauk, liebkosender Aus- 
druck für ein appetitliches, sehr wohlgenährtes Kind B. 
Chumm, du dicke'' M., muesch es Mündschi ha"! E was 
bisch du doch fer ne" tolle M., was hesch du ämel o ch 
fer Pfusibacke" [wie bist du doch so pausbackig]! 
Nur gröblich für Erwachsene: Das isch o ch ne" rechte' 
M. hu'' e" Müesle"! — b) Schlemmer Ap. Vielfrass, 
unverschämter Schmarotzer Th. — 5. geringschätzige 
Benennung eines Niedergelassenen Sch; vgl. die Zss., 
ferner Schweiz 1859, 64/6. Manche" u-ort — am letste" 
Ort, das Wort eines Niedergelassenen wird erst in 
letzter Linie berücksichtigt SchSI. — - 6. Familien- 
name. Ostschweiz. — 7. Zuchtstier THStettf. Junger 
Stier G. — 8. Chriesi-M. = Chirsi-Gauch s. Bd II 106 
GT.j Th; ZO. Beri-M. = Gauch 3 Bd II 104. — 
9. Dim., sog. .süsse - Erbse, eine Abart von pis. sat. GRh. 

Die Zuriickführung aller obigen Bedd. auf einen Grund- 
begriff, bzw. auf das gleiche Etymon (mnch, manch) ist nicht 
ohne Schwierigkeiten. Zwar schliesst sich 1 an manch 1 c, 
5 bezeichnet Den, der sich ducken muss (vgl. bair. Meuchel, 
furchtsamer Mensch), 7 bezieht sich auf den gedrungenen 
Körperbau und in 4 a könnte eiue Übertragung ans 7 vor- 
liegen; vgl. Mtichel (Stier und fetter Mensch). Der Gauch (8) 
ist ein Tier, das sich duckt, verbirgt (vgl. bair. .Mauchen', 



Assel); diese Nummer Hesse sich auch unmittelbar zn manchen, 
stinken, stellen, womit wir mich immer nicht aus der bisher 
herbeigezogenen Vwdtschaft träten. Zu 3 vgl. schles. , Mauke', 
Mehlbrei, altn. mauk. Suppe, Tunke, mild, manch , obsomo- 
gerus; viel), aber ist Vwdtschaft mit Moeken anzunehmen, 
9 sollte viell. mit 3 vereinigt werden, wenn nicht vielmehr 
die Erbse als die kugelige bezeichnet werden soll. 

Forr(e")- G oT.; Z, Före"- G uT. = Forch-Güggel 
(s. Bd II 194). — Fress-: Vielfrass, Nimmersatt Ap; 
G; Tu; Syn. Fress-Bütterich. — Git-: Geizhals Th 
Steckborn. — Haber-: Wiesen-Bocksbart, trag. prat. 
GT.j ZO. Vgl. Mäuchlvng; ferner das Syn. H.-Malch, 
schwäb. .H.-Maucbel' bei Scbm.-Fr. I 1034. 

Ilali- (JMever 1866, 121), Hamme"- (Sch; Th), 
Hanne"- (Sch Kl.), Hanni- (ZRafz) Maucb (in Sch 
auch -Mauche"), doch meist unlösbar verwachsen Hä- 
mauch GRh.; Sch; ThHw., Tag.; ZW]., Dim. Hanime*- 
Mäucherli (neben -Mäuchli) ScaSchl. : 1.= Muth-Heim 
(s. Bd II 1289/90) Sch; Th; ZW1. — 2. = Mauch 5 
GKh.; Th. 

Zu Grunde liegt ' Heim-Maiuh, aus dem sich zunächst 
Bamm(e m )-, dann Hanne"-, Hanni-, Häti-M. erklären; vgl. 
übrigens auch ,Hamm(el)inaus' bei Gr. WB. IV 2, 312 und 
.Hammelmeichelein' in Kuhns Zeitschr. XV 271. Vgl. bes. 
die Synn. Heim-Mnch, Scham-M. 

Milch - Mäuchli : in Milch geweichter Brot- 
broeken oBs; Syn. M.-Bröckli. — Bolle"-: Gericht 
aus Zwiebeln THSteckb. Vgl. B.-Buder. — Bone"- 
(in AABb. -Mäuchlig): Gericht aus Bohnenkernen an 
einer sauren Brühe ScHSt.; THSteckb., aus dürren 
Bohnen in den Hülsen mit Brotschnitten AABb. — 
S a m m e t - : Spottname der Küfer, ihrer Sammet kleidung 
wegen Sch. — Schili- = Sch.-Güx (s. Bd II 571) U. 

Scham- (in Bs lt Anon. ad St. auch Schau-, in Aa 
Hold. Schö-, in Bs tw. Tschä-jMauch (in ZZoll. -M,iul:>. 
in BsLiest. auch Scha-, Tscha-Melch: 1. = Mauch .5, 
bes. einer ohne Grundbesitz Aa; Bs; G; Sch; Th; Z 
(in Wthur Schamäuchli). Wer si" eigene" Ban [Bann- 
grenze] nit g'chennt het vo" hinden und vorne", het 
zu de" Tschamauche" zellt und d' Burger hain in ver- 
achted. WSenn (Bs). Um sich für den ihnen ange- 
tanen Schimpf zu rächen, sagten die Niedergelassenen 
von sich mit Beziehung auf die Burger: En Sch. ist 
en Narre"gugger THWeinf. — 2. Schelte auf einen 
Menschen, der hinterrücks Etw. tut, bes. Esswaren 
entwendet, um sie verstohlen zu gemessen, Näscher Z. 
Unverschämter Schmarotzer, Bettler Bs; L; „G; Sch;" 
Z ; Syn. Gueni Bd II 335. Auch mehr abstr. Schimpfw. 
ohne bestimmte Beziehung, auf einen Menschen mit 
verwerflichen Eigenschaften übh., z. B. auf einen 
Geizhals Bs; Z. — schamauche": schmarotzen Z. 
- „ab-: abschmarotzen." — ver-: verschleppen, 
verheimlichen, bes. Esswaren Z. 

Der erste Teil der Zss. ist viell. ,Scham' oder ,Sehaud', 
womit der betr. Stand als ein verächtlicher gekennzeichnet 
werden soll; vgl. Schandn-Lüe. Dem Volke scheint immerhin 
das etymologische Verständniss abhanden gekommen und es 
scheint fremdländischer Ursprung angenommen worden zu sein. 
Darauf deuten der nebenher gehende Anlaut tsch und das 
Schwanken des Accentes (" , AaLeer., dagegen " Th; Z). 
Es Hesse sich etwa au it. sciamannato, unanständig, plump, 
vou Maniereu, denken. Nicht klar ist das Verhältniss zu 
der siunvwdten Gruppe echmaneh-, deren Grundbegriff ebf. 
der der Heimlichkeit ist; vgl. Blattner 1890, 19. Sieben- 
mek (Bern 1S66) gibt für Sch auch die Form .Scharnauchen.' 
Zu der Form Melch ist viell. malchen, gierig, mit vollem 
Munde essen, zu vergleichen. 



59 



Mach, meeli. mich, moch, much 



CÜ 



manche": 1. heimlich naschen Schw. — 2. sieh 
hineinschmiegen, in Kitzen verstecken ZWthur. — 
3. .sich begatten AaF." — 4. tr., einweichen, mürbe 
machen Sch. 

Betr. die nähere Verwandtschaft des VY. vgl. .Manche, 
Mauke' bei Gr. WB., ,meichet, meuchel-, Meuchel' bei Sclim.- 
Fr. 1 1561. .manchen, Mauke' bei Fr., Ztschr. VI 17. 357, 
sowie die Gruppen mauk- nnd schmauch- 

ver-: Kleider zerknittern, so dass sie Falten be- 
kommen ScnN'nk. 

mauchle": wesentlich = mauchen. 1. auf die Seite 
schaffen. .Abt Waldfrid meldet, dass sein begrepnuss 
etwann auftuen worden und ein lömd ausgangen sei, 
dass man [den Leichnam des h. Gallus] hinweg ge- 
mauchlet habe.' Vad. ,Uass die zum Wareneinkauf 
jeweilen nach St Gallen kommenden Juden mit den 
blossen Schacher- oder Maucheljuden nicht in die 
gleiche Klasse zu stellen seien.' 1784. Wegelin, Juden. 
S. 14. — 2. = „mauchen 2." — 3. = mauchen 3 Z um 
Wthur. 

Mauchle": Name einer Birnsorte Ai>K. 

Der Name viel], von der gedrungenen kugligen Gestalt; 
vgl. Manch 7, Mancher, ferner Müchler. 

Manch li m. : 1. = Manch 4 h Ap. — 1. = Manch 7 
„Gr." 

mänch(e)le": 1. Brot in Würfelchen oder kleine 
Brocken zerschneiden Ndw. — 2. einen leisen Wind 
streichen lassen, stinken Sch; vgl. Mauch 8. 

„mäuchelig: gemein, schlecht, nach Art eines 
.Mauchs' (s. 5) Sch." 

Mäucher: Apfelsorte mit festem, feinem Fleisch 
und glatter, nur unten etwas rauher Schale Bs; vgl. 
M.-Epfel Bd I 372. 

Mäuchlig m.: Blütenknospe des Wiesenbocks- 
barts, kurz vor dem Aufblühen, wo sie am süssesten 
und kräftigsten ist und von Kindern gegessen wird 
AßBb. Brandig gewordene Blütenknospe der selben 
Pflanze Aa; Syn. Tubäklig. 

Medianer m.: Mechaniker Z (im Munde unge- 
bildeter Leute). 

Mechanerei f.: mechanische Werkstätte Z. 

Mechanik f.: mechanische Einrichtung Bs; Z. 
Spec, Spannvorrichtung am Wagen Aa; B; Vü; S; 
Th; Z. D' M. a"zieh; d' M. het g'la: 

mich (in BEinigen; S mig, in unbetonter Stellung 
mi Aa; Z): Acc. des Pron. pers. der 1. Pers. 

Verstäsch-mi ch : euphem., ein ,Verstehst-du- 
mich', d. h. ein Prügel S. Si het neben an-ere" ne* 
länge' schwarzdörnige" V. g'ha". BWyss. 

Michael, Michel, allg., Mich Gl, Mix BBe., Michi 
BSi.; VO (in L auch Nicki); W: 1. Taufname (ziem- 
lich selten) und in den Gen. -Formen .Michaelis, Mi- 
cheli(s)' Gedenk- und Kalendertag (29. Sept.); als 
solcher, weil in die Zeit des Herbstanfangs und in die 
Herbst-Quatemberzeit fallend, im Volks- und Rechts- 
leben (als sogen. .Loostag' und Termin) von grosser 
Bedeutung, bes. für den Landmann. Marie [Verkün- 
digung, 25. März] bläst das Lieht aus, Michael zündet 
es wieder an, d. h. um diese Zeit beginnt man Abends 
wieder bei Licht zu arbeiten. Ineichen ; Sulger. Mi- 
chelstag zündt de" Schuehmachere" und Sehnidere* d' 
Liechler a" (bes. wenn sie in fremden Häusern, auf 
der .Stiii". arbeiten) ScHwMa. .Die Wächter sollen 



allweg an sant Michelstag anfallen und bis zu ostren 
abend, so es anfacht nacht werden, für und Hecht zu 
versorgen rüefen.' 1535, ZElgg Herrschaftsr. So män- 
gist [oft] 's vor Micheli rif't (Elfe" giHj, so vil Frösl 
cliömme"d nö ch Jörge'lag Aa; S, nö eh Maitag Aa; VO; 
X. ,nach Waldburgi.' Imeichen; vgl. Schild 1863, 116. 
Wenn 's a" der Nacht vor Michelstag warm isch, so 
bidütet 's e" ehalte" Winter S. und ähnlich L (Ineichen). 
Wenn 's ror Michel uf tl' Berg schneit, so gi h d 's e* 
guete" Herbst Aa. .Wie der Wind um Michaelis in 
den 12 Stunden von 6 Uhr Morgens bis (i Uhr Abends 
weht, so weht er auch in den verschiedenen Monaten 
des Jahres; kalter und trockener Wind in der ersten 
Stunde am Michaelistag bedeutet einen trockenen 
Januar.' Sülger. Micheli gilt bes. für den Weinbauer 
als Entscheidungstag. Micheli sur oder süess, an die- 
sem Tag kann man urteilen, wie der Wein des Jahr- 
gangs werden wird Z. Micheli und no ch kei rot Berti, 
het d' Frau ab d em Sunne'berg g'seit. und het doch en 
guete" Wi" 'g'e" Sch. Doch soll mit diesem Tag in 
vorzüglich guten Jahren die Weinlese beginnen, nach 
dem Spruche : Micheliiri" — Here'ui", Galliwi" — 
sure" Wi" Sch; Th; Z; vgl. JKettiger 1857, 43. Mi- 
cheli, Micheli, wi'Ht niul ivümme", magst Heiler Rife* 
no ch Sehne rertrünne" Z. Wenn 's am Micheli nid 
cha" n si", so bringt der Galli sure" Wi" Bs. Micheli, 
Micheli, tue Wümme", su'st chunnt de r Galli und tuet 
di oh zwinge" Z; vgl. Galli Bd II 200. .Dicamus uno 
et altero verbo patrio: Es werde noch einen gesunden 
Tischwein abgeben ; id quod nostrates proprium esse 
judicant vindemiae ineidenti in diem Michaeli dica- 
tum.' SHott. 1707. Michel chunnt mit d em Stecke", 
sagen die Älpler, weil es dann höchste Zeit zur Tal- 
fahrt ist BSi.; vgl. Brenten, Tuttel. Der Michaelstag 
ist der beste zur Aussaat Aa; Z. Auch die Haferernte 
lallt in diese Zeit; vgl. den Kinderreim: Micheli mit 
d em Sicheli gut i" d" Em und schnidt nit gern, nimmt 
de" Lö" und springt derrö", lät im Bür de" Haber 
stö* ScnSchl. Um Michaeli werden daher auch Ernte- 
feste und andere Feierlichkeiten (in LE. ein Schwing- 
fest beim Wallfahrtsort Heiligkreuz) abgehalten. .In 
der Kegel schliesst sich die eigentliche Kässaison mit 
Michelstag.' Gotth. In Schw ist der h. Michael, wie 
das Christkind und der h. Nikolaus, ein Gabenspender; 
während der Vesper fliegt der Erzengel in den Häu- 
sern umher, um die braven Kinder, welche unterdessen 
in der St Michaelskapelle bei Schwyz andächtig beten, 
mit Geschenken zu erfreuen ; vgl. Lüt., Sagen 562; 
SchwE. Kai. 1851. Am Festtage wird ebd. seinem 
Bild ein Blumenstrauss in die Hand gegeben. Da St 
Michael der Patron der Sterbenden ist. so sind die 
Friedhof kapellen gewöhnlich ihm geweiht; vgl. dar- 
über Gfd XVIII 6; BAnz. 1887, 109/10. St Michael 
ist bes. der Patron des Stifts LBeromünster, weswegen 
schon vor dem östreichischen Urbar der Name St Mi- 
chelsamt für den Sprengel des Vogts über das Gottes- 
haus aufgekommen war; dieses Amt umfasste freilich 
auch noch andere Gebiete als diejenigen, wo die un- 
mittelbaren Stiftsangehörigen, .die St Michelslüt', 
sassen; vgl. Seg., RG. I 703 ff. Grossartig wurde 
früher der Stiftungstag (zugleich Kirchweihfest) des 
Stifts begangen: man prägte ,St Michaelspfenninge', 
verteilte ,St Michaelsbrödli', brannte Feuerwerk ab 
usw.; vgl. MAFeierabend 1843, 152/3. .Michaels- 
Kreuz', Name einer Kapelle auf dem Rooter Berg L; 



61 



Mach, med), mich, imn-li. nun li 



<V2 



.St Michael', Weiler mit Kapelle LE. .Welcher einem 
Apte zu Einsidlen erb- oder Schweigzins järlichen 
schuldig ist zu geben, der soll den schweigzins [zu] 
Sant Michelstag in den hof zu Einsidlen antworten.' 
SchwE. Hofrodel. St Michael wird neben St Anton in 
einem Segen zur Abwendung von Schaden an Mensch 
und Vieh angerufen. RGwekb 1046. uud so noch jetzt 
in den Alpsegen. — 2. halb oder ganz appellativ (nur 
in der Form Michel), a) ungeschickter Mensch. Dumm- 
kopf VO : S. Statt Jmdn geradezu einen Dummkopf 
zu heissen, gibt man als seine Genealogie an. er sei 
's Tschampel [Dummkopf] -Anni's M. L. Nix für e 
M..' Abfertigung S. .Einem leichtgläubigen Walliser 
M.' Goliath 1741. — b) Mensch (bes. Kind) mit wohl- 
genährtein Körper Z, auch mit dem Nbbegr. der Un- 
ordentlichkeit. Drolliges Bürschchen Th. — c) einer 
der Kosenamen der Hauskatze Aa (lt Rochholz 1857. 
294). — d) in den Zss. Haber-, Cham-, Weize"-M. 
einer der vielen Namen der letzten Garbe Z; vgl. die 
Synn. bei Fuchs Bd 1 657/8 und Muchel. 

Die mythologische Bez. des h. Michael ist z. T. noch 
sehr durchsichtig; vgl. Gr. Myth. 3 796/7; über Odhin als 
Totengott spec. s. Paul, Grundriss 1 1074; vgl. noch WuetU- 
Ber Bd II 1555. Zur Rechtfertigung der Bauernregeln muss 
darauf aufmerksam gemacht werden, dass der alte Kalender 
um 13 Tage differierte, ein für die Keifezeit wesentlicher 
Zeitraum. Betr. den appellativen Gebrauch des Namens vgl. 
Wack., kl. Schriften III 61, ferner Gr. WB. 

F i r s t - M i c 1) e 1 = F.-Joggeli (s. Bd III 26) B Arch. 

— Gift- = Gift er 2 (s. Bd II 136) Gr. — Hader-: 
Spitzname eines Bauern, der die Gewohnheit hat, mit 
der Hacke vom Acker seines Nachbars Erde in sein 
Land herüberzuziehen AaF. Vgl. über-aren Bd I 386. 

— Hans-: Hanswurst, als Schelte ZWäd. — Chuchi-: 
1. Bussfleck im Gesicht B; vgl. Ch.-Schlüssel, Brändig. 

— 2. leicht aufgehendes Ofengebäck aus Milch, Mehl. 
Brotschnitten und Gewürzen Z. Ein dem .Bettelmann' 
ähnliches Gebäck, doch mit Mehl st. des Brotes GStdt. 
Vgl. Schm.-Fr. I 1221, ferner das syn. Uflauf Bd III 
1114. - Chatze°-Michi: Einfaltspinsel BO. (U. B); 
vgl. chatz-dumm, ferner Bd III 586. — Lugene"- 
Michel: Scheltw. 1. auf einen Lügner. — 2. auf einen 
Dummkopf GßLandqu. 

Chris-Burdi- : scherzh. Bezeichnung des Manns 
im Monde G. — Betr. den zu Grunde liegenden Volks- 
glauben vgl. Rochh. 1867, I 13; Gr., Myth. 681. 

Ruess-: Schelte auf einen unsaubern Menschen 
Bs. — Sau-, Sü-, Sü-: Schweinekerl Ap; VO; Sch; 
Th ; Z ; Syn. Dreck- M. — Schuss-, Schutz- = Schutz- 
Gatter 3 (s. Bd II 498) „Aa; B; L." — Schmier-: 
Schmierfink Bs; Th; Z. — Tige"-: Spottname eines 
langen, hagern (dürr wie Rauchfleisch aussehenden) 
Menschen SchSI. — Dumm-: Schelte auf einen un- 
überlegten Schwätzer Zg. — Dre ck- = Sau-M. BsStdt. 

Tschöli-: Dummkopf L. — Tautologische Zss. 

michle": 1. tr. a) Jmdn zum Besten haben S; 
vgl. Schild 1866, 128. — b) auch abs.. stehlen, bes. von 
Holzfrevlern GßSpl., V. Holz m. — 2. intr., schlecht, 
mit einem schlechten Instrument ungeschickt schnei- 
den Uw. — g'vatter-: scherzh., zu Gevatter bitten 
BHk., S. — „chruuim-: Etw. auf krummem, d. i. un- 
redlichem Wege vorbereiten und ausführen Aa." 

Michler m.: Holzfrevler GnSpl. 

nilcliele": wiehern; wiehernd lachen: knirschen (vor 
Zorn) Schw. Vgl. die Synn. hichlen, hüchlen, hehelen 



Bd II 972. 980. 1100. - Aus wtchele* mit Vertauscnong 

der Labiale wie in mir : wir, üfuor : Wuer. 

nucha = iim-iiihin (s. Bd II 1337) and aus Diesem 
verkürzt W. 

Mach m.: 1. stiller, verschlossener Mensch, Duck- 
mäuser, Schleicher Gl. — 2. Mücheli = Hali-Mauch 
Bs. — 3. zur Verstärkung der Neg. Bs. Kei" M. due", 
sich nicht rühren. Syn. kei" Mu.r wache". 

Hei'"- Bs; Gl (in Th Hä-, in AaZ.; Sch; Z Heini-, 
in Tu auch Hani-, in Aa tw. Häni-, in AAKIingn. 
Häli-, in ZTö. HeiriJ-Müch Aa; Bs; Gl; Sch; Th; Z 
Dättl., S., -Mücher AaZ.; Th; ZO., S., Tö. (PI. mit 
Uml.), -Müchel AiBb., -Mücher ZWl., -Muck AAKIingn., 
Heimue Aa (An. ad St.) — m.: 1. = Hali-Mauch 1 Aa; 
Bs; Gl; Sch; Th; Z. Wenn d' Heinimüchel pßfe'd, 
sr gi b t 's Rege" AABb. Mager wie-n-en düre" H. Z. 
Auch: Feldgrille, gryllus camp. AaF.; mTn. ,Die 
gryllen oder heimuchen auf dem feld und in den häu- 
sern.' Vogelb. 1557. ,Der Heirael, Heimmuke, Grill, 
gryllus, cicada.' Red. 1662. ,Die Grillen (Heimuken) 
kirren des Nachts.' Spleiss 1667. .Gryllus, Grill, 
Heimemuck.' Denzl. 1677; 1716. .Blatta. Heimemuch.- 
ebd. 1716. - 2. = „Hali-Mauch 2 Aa; B; VO; Gl; S." 
- 3. = Milch 1 Gl; „L;" Z. Ungeselliger Stuben- 
hocker Gl; Syn. Ufen-Brueter. .Sie stellte sich vor, 
sie sei gar viel mehr als diese Schnattergans und 
wisse gar viel besser, wie es im Dorfe stehe, als sie 
und ihr Bruder, der Heinimuch.' HPest. 1785. Leichte, 
oft nur kosende Schelte Z. 

In der Form .Heimamnch (grillus)' schon in den Rei- 
chenauer Glossen. Am nächsten stehen die Formen mit 
stemmauslautendem g(g); s. Beini-Mügg(er). Eine weitere 
Entstellung ist Heim-Buch. S. noch Heimich Bd II 1285/6 
und vgl. Fr., Ztschr. VI 228/9. 

müch: in gedrückter Stimmung, in sich gekehrt. 
z. B. wenn man eine Strafe empfangen hat; heim- 
tückisch BsStdt; Syn. milchig, tilch. 

Neben unserer Gruppe her geht eine syn. mit dem Anl. 
icim- und im Übrigen gleichen Stemm, sodann eine solche 
mit Diphthong ue (mit und ohne ausl. O. welcher wiederum 
Formen mit anlautendem schni- entsprechen. 

müche 11 (in Aa; Gl; „GG.;" Schw milche", Ptc. 
Perf. g'moche" Gl; Schw): 1. = grüpen 3 AaFh.; Gl; 
Schw; Th; Z; Syn. müchlen, tüchen; andere s. bei 
gräggen Bd II 725. häpen Bd II 1479. Eusers Chindli 
milchet efange" '/.. Euserc Holzg'halter under d em 
Tach ist eso nider, dass me" nw eso m. cha"" Z. — 
2. verstohlen umhergehen, in verdächtiger Absicht 
herumschleichen AAFri. ; Gl; „GG.;" Schw. Bi" ge- 
ster" umme" g'moche", weiss nüd wohi", wo üs Schw 
(der Neugierige). Mürrisch, verschlossen sein; heim- 
tückisch aussehen und sich so benehmen, duckmäusern 
Bs; Schw. G'moche", duckmäuserig Schw. — 3. heim- 
lich essen, naschen Gl. Tüchtig zugreifen Schw. 

Mhd. müchen, verstecken, verbergen, aus ahd. mühhan, 
mühhön. heimlieh lauernd anfallen. Das starke Ptc. nach 
chrüche" : g'chrovhe". Die urspr. Bed. der Gruppe ist wahrsch. 
.weich', woraus die Bedd. .geduckt, geschmeidig, heimlich, 
heimtückisch' sich entwickelten. Vgl. über die vwdten VVW. 
noch Kuhns Zeitschr. XIX 149; AI. I 185/6, ferner Anm. 
zu Manch. 

undere"-: sich unter die warme Decke machen Z; 
Syn. u. -schmucken. 

ver-: 1. sich heimlich davon machen Gl. Er 
ist :nmeli eh [sachte] vermoche". — 2. verheimlichen, 



63 



Mach, mech, mich, moch, liiucli 



1:1 



heimlich entwenden; Syn. (ver)mauchen. .Der's aber 
in ermel geschoppet, wie die bart'üesser das gelt ver- 
mühend.' Zwingli. -- 3. moderig, morsch, dumpfig 
werden, von Samen, Holz. Kleidern usw., aus .Mangel 
an Luft und Licht AAPri.; Bs; BBrisl.; SchwMuo. 
Vgl. »milch 1. cer-lmckcn. Wie t ausig Chörnli im 
Boäe", ico vermachet wäre!", jetz neu zum Lebe" «er- 
wache". Breitenst. Vi>ii Menschen, dumm werden Bs. 
Er vermüchi gam um die I.iii umme*. 

Vgl. ahd. mr-mückan, hebetare, suffocare, ferner .mench- 
teln' bei Schm.-Fr. a I 1564; .mücheln' bei ßr. WB. 

Müche" f.: Krau, in der Gaunerspr. (Kyd); vgl. 
Maukeren, müchlen; Muech. 

Mücher Gl; „LG.", Murin Bs, Müchi A.iFii. : 
SchwE. — m.: 1. in Gl auch Heimli^-M. = Müch 1 Bs; 
(iL. Jo wol, ei'fältige* Müchi! redet ein Trunkenbold 
einen eingezogen lebenden Mann an. Breitenst. En 
alte* Müchi. MLienert. Er isch e Müchi und lot si ch 
nie zu. de" Lüte"! Hinterlistiger Mensch AiFri. — 
2. „Kirschen, welche zsgewaelisen sind LG." 

2 viel!, zu muri,.-,, i. S. v. sich in einander schmiegen: 
doch wird uns diese Form nicht bestätigt; s. Muecher und 
Mut/er. 

müchle": l.=müchenl Gl; Th; Z. Es cha"" sehn* 
m., von einem kleinen Kinde. Gester" ist er g'muchlet 
no ch , hüt probiert er 's Läufele" sclio". ESchönenberc.f.r. 
D' Schuelmeister gönd sust all ufrecht, hingegen euserem 
uür 's [in dem engen, niedrigen Schulzimmer] nüd 
mügli'* g'sV: er hat fürwor schier müesse" lere* m. 
Stutz. S. noch Chnü-Schllfer. Auf dem Bauche krie- 
chen, z. B. von einem Jäger, der das Wild beschleicht 
ZDättl. Under 's Bett andere" m. Dim. müchele" Th; 
Z. Si ch z'sämme"-m., zskauern. — 2. heimlich Etwas 
tun, z. B. „naschen, bes. von Weibern, die es ohne 
Wissen der Männer tun Ap"; vgl. Machen; Syn. mau- 
chen. Von heimlichen Abmachungen mit dem Ge- 
schädigten, um stratlos auszugehen. ,Mit dem, dem 
der schad besehenen, heimlicher wys überkommen und 
hinderrucks eines vogtherren müchlen und tädingen.' 
1552, Th Rq. Auch tr., verdecken, verbergen; vgl. 
ver-mauchen. ,Der rechtsbrüch aber auch vermag, 
dass stand der täter an dem tag und nit also ver- 
muchlet sy, dass man sy recht mög seilen fry.' SBirk 
1532. ,Aus dem im Stiftsgebiete befindlichen und 
dahin vermüchelten Gut rechtsflüchtiger Bürger und 
Falliten.' 1050. AbSCB. — 3. munkeln Z. — Mhd. mr- 
miucheln (neben vermachen), heinilich auf die Seite schaffen. 

Müch ler, PI. mit Unil.: 1. = Müchel-Eissen (s. 
Bd I 531) Ar. — 2. eine Sorte Birnen, rote (bes. zum 
Dörren) und weisse Ap; Th. Vgl. Mauchlen. 

müch: 1. morsch, mürbe, moderig, von Holz. 
Stoffen usw. B. De r Lade" ist nümmen Alls, er ist 
ganz in. — 2. im phys. und mor. S. übertr. auf Per- 
sonen, gebrechlich, kraftlos; nachgiebig, gefügig B. 
Müde, ermattet B oE. — Vgl. ,niüch(eu)zen' bei Gr. WB. 

müchig: 1. = müch AaFH. — 2. mit der Mauke 
behaftet, von Pferden Bs; SThierst; XV., L; Syn. 
räppig. ,So ein pferd muchig oder möchig ist, so soll 
man schweinsgallen aufbinden. Etlich brennend die 
haar an solchen orten herab.' Tierb. 1563. — Zu 2 
vgl. mhd. mache, eine Pferdekrankheit. 

g'müchet: langsam, heimlich, verstohlen SchwE. 
Er ist eso g'm. im Anneli zueg'ruckt. MLienert. 



Mfich'el, in ZO. ch> (PI. mit üml. ZF.; Dim. Mit- 
chell I. in Z auch Muchi), Machet L — m. : 1. = Chosi 1 b 
(s. Bd III 525) Bs; VO; G; Th; Z; Syn. auch Brolli, 
Brosli. Meist mit dem verstärkenden Zusatz dick, recht 
oiler auch als Zss. Speck-M. Das Hirn, von wohlge- 
nährten Kindern, bes. Knaben. La' ist iez e nett Mit- 
chili: ZWyl. Mit dem Nbbegr. .dumm- L. - 2. Tier, 
bes. Rindvieh, von gedrungenem Körperbau, spec. 
Zuehtochse, junger, fetter Stier Z. Si sclinit nie ne 
Here'he.c und er g'rad wie-n-en M. Stutz. De r 
G'meiuds-M., der von der Gemeinde gehaltene Zueht- 
ochse Z. Syn. G'm.-Muni. — 3. Hurer Z; Syn. Muni. 
— 4. Spottname desjenigen, der bei gewissen land- 
wirtschaftlichen Arbeiten, bes. in der Erntezeit, vor 
Allem beim Schneiden (Schnilter-M.; Syn. Michel 2 d), 
beim Binden der Garben oder Strohwellen (Garbe"-, 
Welle"-M.), beim Dreschen (Tröscher-M.; Syn. Pflegel- 
Esel, s. Bd I 521). in der Weinlese (Trübe"-M.) hinter 
den Andern zurückbleibt, bzw. den letzten Streich 
führt Z. Nach der Getreideart, die eben geerntet oder 
gedroschen wurde, unterschied man einen Gerste"-, 
Haber-, Chorn-, Kogge"-, Weize"-M. Der M. hatte 
mancherlei Schabernack zu leiden; vgl. Fül-Acher 
(syn. in Bed. 1 auch Muchel- Acher ZBül.); so musste 
der Schnitter- Muchel nach dem Dreschen entw. den 
StraW-BÖgg verfertigen, oder gar, in Stroh gewickelt 
und an einen Baum gebunden, sich als Vogelscheuche 
einige Zeit ausstellen lassen; auch hatte er beim 
Schneiden oder Garbenbinden in einem andern Acker 
zuerst zu beginnen. — 5. seherzh. Entstellung aus 
Mussiö, in der RA. icuiM.! Th; Z. Dann in Folge 
irrtümlicher Lesung des frz. W. oni 31., womit man 
in seherzh. Weise seine Zustimmung kund gibt Th. 

Das W. scheint mit dem mehrfach syn. Manch im Ab- 
lautsverhältniss zu stehen; in den Bedd. 4 und 5 ist auch 
Muffel syn. Zu 4. Die Bed. geht viell. unmittelbar aus 2 
hervor, da für dieselbe (cig. den im Ftd-Ächaii seine Zu- 
flucht suchenden Vegetationsdämon) oft Tieruamen verwendet 
werden; vgl. Fuchs 6 (Bd I 657/S); ferner Süw ; die Über- 
tragung ergab sich möglicherweise aus der phlegmatischen 
Art des Stieres. Doch könnte auch einfach der dicke, plumpe 
Mensch (s. Beil. 11 mit dem trägen identifiziert sein. Hieher 
viell. auch der Name .Hans Müller, genannt Muchel [neben 
.Muhel'].' 1658, AaWett. Klosterarch. 

Oster-Mücheli = O.-Chüeli (s. Bd III 92) ZWyla. 

Git-Muchel: Seheltw. auf einen Geizhals G; Th. 
Dazu das Fem. G.-Muchele". 

Mucherli n.: runzliges, von Alter gebeugtes 
Frauehen GuT. .Ein altes Weiblein, so ein M.- 
NSenn 1869. 

Muchle" f., Dim. Mucheli II: Suppenschüssel Bs 
das Dim. = Chacheli 1 f a. (s. Bd III 119/20). ebd. 

Das Gefäss ist nach seiner runden Gestalt benannt; das 
W. gebildet wie die Syun. Chachten, Schüsden. 

M ü c h i m. = Muchel 1 G. 

Mucheli. neben Müchi n.: Kuh (Kdspr.) Bs; Syn. 
Mücheli-Mü. 

Nach der Stimme benannt; vgl. .iinich!' Interjektion des 
Brummens, bei Gr. WB., ferner ,muchsen, muchzen.' ebd. 

in u c he": brüllen, von Rindern. ,Blären, lüen, mau- 
chen, brare, mugire. Inmuchen. immugire.' Red. 1662. 

„Muecll f.: in Kleidung und Benehmen an der 
alten Sitte festhaltendes Weib G." Vgl. Mächen, 
vielleicht auch Mucherli. — Über das Verhältnis* dieser 



65 



Mach— mucli. Macliil muchd. Machs niiichs. Macht — »nicht 



66 



Gruppe zu Müch s. die Aura, za focht Bd I 669, ferner Viechsei: 
mhd. dih*d. 

muech: ohnmächtig E; Syn. g'schmuftjch. Vgl. 

\inii. zrj müeh. 

ver-nmeelic°: philisterhaft werden, den Umgang 
mit Andern verlernen, versauern G. 

g'mnecbet: unbeholfen, unfein im Benehmen G. 

inüech: 1. = müeh 1, von Holz ScbwMuo. ; Syn. 
müecht. — 2. -müeh 2, bes. i. 8. v.: gebrechlieh (von 
alten Leuten), müde SchwMuo. 

Miiecher m.: Zwillingsfrucht, z.B. von Nüssen. 
Pflaumen, Zwiebeln, bes. aber von Kirschen S. 

Viel), aus Wuecher; m für w im Anl. kommt auch sonst 
vor: v?l. miehelen. 



Hächde° f.: Mädchen ZBauma f . 

Wahrsch. doch erst aus der Schriftspr. aufgenommen, 
wobei sich das Geschlecht nach demjenigen von Jungfer 
richtete; vgl. die ähnliche Umstellung in Ftckten (Bd I 7-2M. 
Büt kU lt. 



-Mnchs. Muchz m. : Brummton." 

muchse" (in „Z muchze"): 1. .einen langgedehn- 
ten dumpfen Ton hören lassen, zunächst vom Rind- 
vieh Z." Nachgeahmt als Spott auf die Eidgenossen; 
vgl. lüejen Bd III 1244. .Jener habe über ihn ge- 
muchzet und blerret; er habe erwiedert, er sei kein 
Kalb, sondern ein ehrlicher Gesell.' 1553, Absch. — 
2. brummen, „unwillig und mürrisch vor sich hin 
sprechen Z." Schwach stöhnen, ächzen AiFri.; BsL. ; 
S; Syn. grochsen (s. Bd II 702). Er wuchset, wie 
in im er ne"tt ufgeiste" S. Was hait-der au' h für e 
Muckses? 

Der Voc. scheint (so nach Angaben aus AaFri. ; Bs) meist 
kurz zu sein; im Übrigen vgl. müchen, ferner müygen. Das 
W. iu Bed. 1 auch bei Fris. ; Mal.; Äg.Tschudi; vgl. ,much- 
zen' bei Gr. WB. Angelehnt au das nhd. .mucksen' : .Schweigt 
doch! Wenn Eines nur muchzet, so sehet zu.' HPest. 17s]. 
wofür 1790: .einen Ton gibt.' 



Macht f.: 1. im Allg. wie nhd. allg. Ke* Chräftli 
(in ScnSt. SäftliJ und fre" Mächtli ha", kraft- und 
saftlos sein Ap; G; Th. In der ä. Lit. häufig i. S. v. 
Kriegsmacht. Wenn der König im Sommer Krieg 
führe, wolle er seine , oberste m.' [Kraftentfaltung] 
mit den Eidgenossen machen. 1544, Absch. Bei Gottes 
Macht (.Gottsmacht.' 1528, Strickl.; .sanier botz m.!' 
1528, ebd.; Absch.) wurde geschworen; vgl. auch Egli, 
Akten 697. .Mit M. und Fueg', mit Fug und Recht 
(eig. Vollmacht). Com. Beati. — 2. Menge. .[Der Feind] 
hette ein m. weit [Kriegsvolk] in einer letz 1 . - NSchra- 
nix 1499. .Angesechen die gross in. volks, so ir ge- 
schickt hand.' Morgant 1530. — 3. Zeugungsglied 
(eig. Zeugungskraft). .Und ergreift in bei seiner m.' 
1531, V. Mos.; dafür .Scham.- 1548/1882. Sonst .Ge- 
macht.' — Mhd. mäht. 

A- B; VO; Z, Ö- Bs; Z. PI. Ömächt Bs. sonst meist 
-machte*. — f.: Ohnmacht. In A. (in Bs i" d' Ömächte*) 

falle", chn". — ä-mächtig (in Bs scherzh. entstellt 

Schweiz. Idiotikon IV. 



ö-melchterig) : ohnmächtig. Verst.: .Es wurd mir 
steinohnmächtig.' Schimpfr. 1651; vgl. das syn. stein- 
übel, -ice. 

Mhd. ä-maht; ä-mrhtte. Zss. mit ä (s. Bd 1 1/2 
sich bald mit dem vwdten äne (s. Bd 1 263) mischte (,an- 
mechtig.' Stulz 1519 ; 1558, ZGriin.. ,on-mächtig.' Fris.; 
Mal.). Bei Morgant 1530 mehrfach und im Zg Arzneib. 1588 
in der Form .Ammaeht'; vgl. noch ,1'u-Macht.' Der PI. 
.Ohnmächtenen' (Z Bericht 1690) setzt einen Sg. .Ohnmächti' 
voraus. Sofern das W. als Schimpf«-, erscheint, bedeutet es 
wohl ohne Zweifel Impotenz : ,Wenn eiu manns- oder frowen- 
bild in zorn und schalkheit zuo einem redt das wort onmacht.' 
1384, AaB. Stadtr. Darauf deutet auch die hohe Busse von 
15 Pfd, die Jmd zu zahlen hatte, weil er ,die Hüsser' [Fa- 
milienname) geschulten, sy sygind anmechtig ful lüt.' 1558, 
ZGrün.; vgl. auch: ,Wer hinfiir dem andern, es syent frowen 
oder mann, mit zornigem muet zue Schmach zueredt und sagt: 
du bist ein onmechtiger mann oder frow . . . Myn herren 
wöllent das selb wort onmechtig glycher wys haben als heissen 
liegen oder das fallend übel fluechen.' 1493, S Batsmanual. 

Eige"-: Willkür AaZ.; Z. — eigenmächtig: 
1. sein eigener Herr, nicht unter Vormundschaft und 
Leitung Anderer, majorenn L; Z f (Espr.). .Personen, 
die e. und nicht bevogtet, die schon mannbar oder 
nach [noch] wolvermögenden Alters [sind].' Z Stadt- 
und Landrecht 1715. — 2. willkürlich AaZ.; Z. 

All-: 1. wie nhd. ,In A.', adv. Ausdruck der Ver- 
stärkung, mit aller Macht. ,0 loufend, d' hell brünnt 
in a. [steht in hellen Flammen].' JMurer 1505 und 
ähnlich HBüll. 1572; Grasser 1625; 1634, BsTaschenb. 
.Die Bewohner Hechteten [flüchteten] in A. Pferde, 
Rindvieh usw.' 1634, Bs Taschenb. ,Die Trüben blüyg- 
tend in A.- BossH.-Goldschm. Auch in Zss. Aa. En 
Allmachts-Büsch; Syn. en Allerwelts-E. — 2. umge- 
deutet aus Ä-JSIacht B; ZKn., S. f I<* bi" fast die 
ganz Nacht i* der A. g'lege*. Wolf, Gespr. .Albets 
[ehemals] sei es Einem nicht der Wert gewesen, we- 
gen einem jedere" Müpfli [Stoss] so i n d' A. z' lige".' 
( jotth. D' Flüge" nw i" d' A. schlä", mit dem Wedel 
nur so schlagen, dass sie betäubt sind ZZoll. f — 
all -mächtig: 1. wie nhd. Gewaltig, sehr gross 
Gr; Z. As a-s Loch GrD. En a-i Freud ha", 's ist 
en a-i Straf! ein grosses Elend ZO. Scherzh. Ausruf: 
du a-e r Strausack ! Th; Z. Auch adv. Gr; Z. A. 
gross. A. frö si* über Etw. — 2. ohnmächtig LE.; Z. 
Es wird mer a. Wolf, Gespr. 

U"-: Ohnmacht Gl; Sch; THErm. Isch ['s] en 
Unmacht oder stirbt er-is [uns]? APletscher. 

machten: meist in der formelhaften Verbindung 
mit .prachten', prahlen. ,Si machtend darzue mit 
Gottes allmechtigheit und prachtend darzue mit frev- 
nen Worten.' Zwingli. ,So ir ye also machtend und 
prachtend.' ebd. ,Er schrygt und machtet ouch.' ebd. 

über-: 1. übermächtig werden B. — 2. tr., über- 
winden B. ,Wenn sie, von Beiden zusammen über- 
machtet, um den Verstand kömmt.' Gotih. 

Machtheit f.: Macht. ,Soferr und es nit sunst 
Gottes will oder uss desselben m. angeschirret [an- 
geordnet] gewesen.. 1532, Strickl. 

G'mächt I n. (in AaFh. nur als PI. G'mächte") 
= Gemäch 3, spec. die W r eiehen, Lendengegend AaEii. ; 
Ap; B; GrRIi.; S; THSteckb., die Genitalien des Man- 
nes Ap; G; Z tw. 

Mhd. gemäht stf., PI. gemehte; später Neutr. Da das W. 
in unserer ä. Lit. (fast nur i. S. v. Genitalien) beiuahe nur 



.;, 



Macht, mecht, micht, :ht, rauchi 



i;s 



im PI. vorkommt, so lässt sich über sein Geschlecht nichts 
Bestimmtes sagen. Das Dim. als PI.: .Den Knäblein ihre 
GemächtH abschneiden.' 15-29, Absch. Vgl. noch Macht 3. 

mächtig: 1. a) Macht besitzend, wie nhd. ,Dise 
pfrüend sind all von rychen, m-en bürgeren zue Winter- 
tlmr gestift.' BossH.-Goldschm. ; vgl. .vermöglich.' In 
der Rspr., mit Vollmacht ausgestattet, berechtigt. 
,Aber am die banne, do sye er nit in. [er besitze keine 
Competenz, vom Banne zu befreien].- 1418, Gl Ork. 
,Dass ouch dis erblehen fest und m. [d. h. dass der 
betr. Vertrag rechtskräftig] syg.' 1435, Z Staatsarch. 
,Die Mutter ist m.. ihren Teil einem andern Mann 
zuzubringen.' SMbtach 1709. — b) gewaltig i. S. v. 
.gross.' Enm-ef Ma** Gr; Syn. bäumig. Em-sFueder; 
e m-i Blatte" [Schüssel] voll. Von Getreide, Gras: 
Üppig Aa; Z. Die Stu.lt Zürich kommt den Ober- 
ländern vor als e m-s Ort. Stutz 1841. .Die Mutter 
schnitt ni-e Stücke Brot.' Verg. Tage. An m-e r Gau- 
cha", arger Dummkopf GrY. 's ist mächtig im Tue*, 
man betreibt es mit allem Nachdruck Z. ,Es was 
ein m-er märk[t] zu Jaffam.' HsStockar 1519. .Von 
seiner scheutzliehen grosse und m-en geruchs wegen.' 
Fischb. 1563. ,So findet man ouch Kolen in m-er 
Vile.' Ziegler 1647. Verst. durch Zusammenstellung 
mit dem Syn. gross, im ZU. gröss-e-m.; s. auch die 
Zss. E grausses, m-s, unigs Stuck. Götzinger, Liederb. 
.Grosse, m-e Fenster.' Sti'tz. So ehunnt-me* mit Mite 
und grösser, m-er Straf [trotz mühevoller Arbeit 
und Plage] um d' Sach. Helvetia 189-1. ,Ich bin in 
grosser, m-er Not.' Stütz. ,Mit grossen, m-en, hohen 
rossen.' NMan. ,Ein grosser, m-er brief, der kein 
ende hau wollt.' XVI., Hiltv. .Mit einem schönen 
grossen, m-en Fluss.' Stockmann 1606. Grossartig, 
vornehm, von oben herab GrD. [Der Hochmutsnarr] 
heiß in. g'meint [gefragt], was au ch Das für es cer- 
wunderli ch s Wäfe" siji. Auch adv. zur Steigerung 
eines Begriffes. M. trüe", sehr gross, fett werden 
Gl; Z. Auf die Frage nach dem Befinden antwortet 
man: Nid gar m., nicht besonders Aa. Alls hed schi 
m. darzuag'ha", tüchtig Hand angelegt Gp.Pr. ,Sene- 
scit aetas, altet m., nimmt redlich zuo.- Fris. ; Mal. 
und ähnlich noch heute; vgl. noch Bd II 1179. ,Ritter- 
spörlisaft, in die ougen getan, küelet m.' Zu Arzneib. 
1588. ,Sie haben m. angehalten, dass er widerrufe.' 
1608, Mise. Tig. ,Doch hatt es m. abengeschütt mit 
Regnen.' XVII., ebd. ,Dises nit m. achten ich'. Diesem 
lege ich keine grosse Bedeutung bei. Myricäcs 1630. 
,Es hat sich m. geenderet.' FWyss 1673. ,Dass wir 
durch keine Krankheiten m. verhinderet worden.' 
JMüll. 1673. .Wann gleich der Boden für sich selbst 
gut und aber der Sonne m. abgelegen ist.' Rhag. 1676. 
.Nützen wurd's nit m.' Kosmopolit 1782. S. noch 
ushin-geben Bd II 86. Bes! vor Adjj. und Advv. Synn. 
s. grusig Bd II Kos. M. ,/,,,,/, ,-//, gross, dumm. M. 
frnnilr' 1 mit Ei*'m tue*. De* Rege* hat m. guet 'tu". 
E* dicks Haber mues, das ose* m. guet, guet 'züget war. 
Stütz. ,Sang so m. hoch.' ebd. ,M. gern.' SBirk 1535. 
,Wie m. wol erfröuwt mich das.' Z Laz. .Es syge im 
m. wee.' 1540/73, UMey., Chr. .Wir ouch sind in. alt.' 
Ruef 1550. ,M. lieb.' HBüLL. 1597. .Sehr „i. rych.' 
GGottii. 1619. .Vogt Lussi war dem Wyn m. hold.' 
Schihpfr. 1651. ,M. inüed.' Zurgilgek 1656. ,M. 
schwach.' JMüll. 1665, ,Es früri in so mächti libel.' 
Bapieri 1700. ,Er war m. unnütz.' 1700, ZGlattf. 
(Notiz in einem Sterberegister). S. noch begangen 



Bd II 33. 2. .beinahe, fast BO." Es wird 's m 

ge*, es wird beinahe ausreichen. l rh ha 's m. ufbrüeht. 

Zu Bed. 1 b vgl. Fr.. Ztschr. V 183/4. Betr. i\ B 
Übergänge zwischen 1 und '2 vgl. das syn. fast :fe»l 
Bd I 1111/3. 

voll-: 1. in vollem Masse mächtig. .Ich bin der 
Gotl Schadai, d. i. ein v-er und ein überflüssige [über- 
Biessende] g'nuegsame und volle alles gueten.' 1531/48, 

1. Mos. ,Das v-e Wort Gottes.' JRHofmstr 1645. — 

2. in der Rspr., bevollmächtigt. .Der v-e G'walts- 
baber', Vollmachtträger. 1612, BLaupen Arch. 

voll-mächtiglich: mit Vollmacht. .Dass die 
sach von beiden teilen v. uf babst und kaiser [als 
Schiedsrichter] gestellt werde.' 1475, Bs Chr. 

für-mächtig: überaus mächtig. ,Üwer f. hör 
[Heer].' Ansh. 

ge-: ertragreich. .Ein gueter ort. g. und allen 
dingen fruchtbar.' 146U, Ufo. (Bs). .Ein g. fruchtbar 
land.' ebd. 

gross-: 1. mächtig gross, allg. E gr-i Freu,!. 
Gr-i Sunn. Stütz. In früherer Zeit formelhaft in 
Titulaturen. ,Gr-en, edlen, strengen Herren' reden 
die Hauptleute in Briefen ihre Regierung an. 1521, 
Absch. .Gr-e Herrschaft [der Eidgenossen].' ebd. (als 
Titulatur von Seite der päpstlichen Legaten). Paro- 
dierend wurde an der Fastnacht auch der Narrenrat 
in Zg der ,gr-e Rat' genannt; vgl. Iscn-Grind Bd 11 
764; Renaud 1847, 38; Usenbr. 1876, 153. ,Er ist für- 
war ein gr-er g'sell.' NMan. .Ihr Lager mit gr., weiten 
Gräben umgeben.' 1531, Strickl. .Ainple, wyt, herr- 
lich, grossmächtigklich.' Fitis.; Mal. ,Die gr-e Statt 
Niniveh.' J.Müll. 1673. , Ein gr-er Unterschied.- 1800, 
Z Zuschrift. — 2. hochschwanger Bs; Syn. gross. 

Keine eigentliche Zss., da auch der Acceut sehr oft auf 
der zweiten Silbe ruht und die beiden WW. ihre Stelle 
tauschen können. 

g'walts-: gewaltig gross GA.; Syn. g'walts-mentig. 

mächtigen: 1. in Kraft erklären, gutheissen. .Die 
Ratsboten der 3 Drte haben im Namen ihrer Obern 
die Vergleiohsartikel gemächtiget.' 1525, Auscn. — 

2. bevollmächtigen. ,Si haben den herren regenten 
von Zürich vermocht und gemächtiget, zuo ryten zuo 
hinlegung der erbörung [Empörung].- 1525, Absch. — 

3. re.fl., sich die Befugniss nehmen, in einer Sache auf 
nachträgliche Genehmigung des Dritten hin zu han- 
deln, oder trotz seiner Weigerung eine Verfügung zu 
treuen. ,In dieser Antwort sind die Eidgenossen einig, 
mit Ausnahme Luzerns, das sie nochmals heimbringen 
will. Damit jedoch die Sache keinen Aufschub leide, 
hat man sich Luzerns diesfalls gemechtiget.' 1 1^:'.. 
Absch. .Wiewol uns das nu zemal nit bevolhen sye, 
so wellont wir uns dennocht m.' Fründ. 

ent-: mit Gewalt berauben. .Die Berg[-Bewohner] 
winden von [ letaschementeren ohne Widerstand der 
Gewehren entinächtiget.' Z Nachrichten 1756. 

vor- = mächtigen 3. ,Die Boten nach Bottweil 
haben Vollmacht, im Notfälle sich derer von R. zu v. 
und sie zu weisen.- 1502, Absch. ,Da der Bote vnii 
Glarus Bedenken trägt, seine Beistimmung zu geben, 
so haben sieh die Andern für ihn vermächtigt, in guter 
Hoffnung, dass seine Herren sieh nicht sondern wer- 
den.- 1521, Absch. ,Dass dann die hotten sich der 
Eidgnossen v. und die summ gelts zuosagen.' 1529, 
ebd. .Auf Das haben sieh die Boten gegen beide 



o'9 



Macht, inecht, nacht, murin, miicht 



7u 



Parteien ^ermächtigt, dass diese den Sprach der Ge- 
sandten annehmen sollen.' 1544, ebd. 

mächtiglich(cn): mit aller -Macht, mit Heeres- 
macht. ,Das volk kam also in. zesammen gen Stein- 
husen.' 1 104, Absch. Häufig (auch in der Form ,mäch- 
tenklicheu') 1 176. Bs Chr. 

Ver-inächt n.: Vermächtniss Hl; 1737. Arlleid. 
Schulordn. 

G'mächt II Tl.: 1. = Gemach 1 i. S. v. Machwerk 
GnL. Sehr häufig in der Lit. vom XVI. /Will, in der 
Beil. .Werk. Einrichtung. Geschöpf; s. Gr. WB. — 
2. Abmachung, Verabredung, Vertrag, Verfügung. .Die 
metzger haben zuegesagt, dass ir g. soll absyn.' Ansh. 
,In dem gmäcbd zwüschent den Gottshuslüten und 
uns, welches sich iez besiglen sollt.' Val.Tschüdi. ,Die 
summ der Vereinigung des g-s oder des Verstands und 
Verbindung [Gottes mit den Menschen] stät in zweien 
artiklen.' OWerdm. 1552. Spec. in der Rspr., letzt- 
willige Verfügung. Vergabung auf das Absterben hin. 
Vermächtniss. XIV./XVIII. Betr. das Sachliche, bes. 
über die Unterschiede vom Testament, vgl. Bluntschli, 
EG. I 2 309 ff.; Blumer, EG. I 522/30. II 230/6; Re- 
naud 1847, 79; Esterm., Bick. 135. ,Ein g. ist erst 
dann ufgericht, wenn der stirbt, der es geordnet hat.' 
Zwingli. ,Xun wird aber Testament etwo zu Zeiten 
genommen für ein g.' Z Bib. 1560 (Vorr.). Ober die 
Vergabnngen wurden in Z eigene Protokolle (,Ge- 
mächtbüecher') geführt, die sich dann freilich zu Fer- 
tigungsbücbern übb. (auch über Kauf) erweiterten; 
vgl. Ztschr. f. schwz. R. IX 3 ff. — 3. der vermachte 
Gegenstand; vgl. Vad. I 179. — 4. Stockwerk. .Ein 
türm, so ungefähr drei gemacht hoch.' 1595, Müll., 
AA. ; vgl. Gr. WB. IV la 3148. 

Mhd. gcmeckl(e) in Bed. 1 und 2. Bed. 2 wurde in der 
neuem Zeit nicht mehr allg. verstanden; so setzt« mau im 
Ndw LB. über den Titel: ,Von g'mechtin', wo von letzt- 
willigen Verfügungen unter Ehegatten [Leibdiogsvertrag] die 
Rede war. den uenern Titel: ,Iiybding'; länger erhielten 
sich die Zss. 

üf- = Gemächt 2; letztwillige Verfügung, bes. 
Legat GkD.; vgl. B. II 116/7, ferner uf-machen, Uf- 
Gemäch. — Erb- = dem Vor. ScHSt. (Sulger). .Die 
Pfarrpriester sollen die Erbg'mechte der Abgestor- 
benen nach dem Willen derer, welche testamentieren, 
verbleiben lassen.' 1555. Absch. .Legatum. testaraen- 
tum, diatheca, ein testament, oder e. oder das erb.' 
Fris. ; Mal.; Denzl. 

E"-: 1. Ehegemahl „Gr; Sch, doch bes. in der 
Kanzleispr." In der Lit. vom XIV./XVIII. sehr häufig. 
— 2. Erbvertrag unter Eheleuten. ,X. N.'s und syner 
husfrowen egeniäehd ist nach der statt Zürich recht 
ergangen.' 1531, Egli, Akten. 

Mhd. egemechide in Bed. 1. Die alten Formen erhielten 
sieh z.T. mit grusser Zähigkeit: .Zwei egemechide.' 1-104. 
B Bq. ; ,under beiden eegemechtiden.' 1 4 7r, , ebd. Die l'i.- 
Korm .Egemcchti' (Küuzli, Wthur Chr.) in Bed. 1 seheint 
\ ualogie u ich G n ' um»u rti und andern Verwandtschaftsnamen ; 
vgl. Audi, zu ff, tert-Chind Bd III 348. ,Eegcmecbtide' 

i^t eine ' untamination aus .gemecht' und ,gemechide.' 

a n mächtele B = an-machen i. S. v. reizen Gr. 

v er- mäch teil; mit Acc.P.. einen Schuldner (durch 
Schuldübertragung) durch einen andern ersetzen. 
.Wann einer einem schuldig und verfallen und der- 
selbig disen vermachtet und verstosst und ime dann 
[vom neuen Gläubiger] lie schuld gefordert wirf, dass 



er [der Schuldner] danne der schuld löugnet, der ist 
kommen am 5 pfd.' 1562, Obw Rq. 

Mächtuiss, -ntiss - Vermacht Bs (Spreng); 1530, 
Absch.; Bs Rq. (neben .Mächniss'). 

Vermächtnuss n.. in ZZoll. Vermächnuss f.=dem 
Vor. Bs (Spreng); ZO. 

G'mächtniss n.: Gegenstand von kunstvoller, 
mannigfaltiger Zss., bzw. dessen Einrichtung AaFi'L 
Das isch eniöl ne G'm. i* dem IIu< mne*; do hat 's 
Gang und Zimmer. me* ehönnt fast verirre* drin 

limine". Vgl. Gemtich. 

Ehe-Gemächtnuss = Ew-Gemächt 2. .Wofern 
zwei E hegemächt mit irem gueten Wüssen und Wüllen 
ire E. endern wollten.' 1627, Bs Bq. 

möchtele": von Sachen oder unpers., Verlangen 
wecken, bes. die Esslust reizen, nach mehr schmecken 
Tu; Z; s. hieen Bd II 857. Vexierend sagt ein Gast zu 
seinem Wirte von einem ihm vorgesetzten Gerichte, 
es habe einen Beigeschmack; um genauere Erklärung 
gebeten, sagt er: es möchtelet ZS.; vgl. auch ge-nue- 
gele". Auch pers., ein wenig gelüsten ZUhw., nach 
mehr begehren von guten Speisen Aa. — Abi. von (i ch ) 
mächt, sc. (noch mehr) davon. 

a"-: mit Acc. P.. Jmdm Lust machen, ihn reizen 
Gr; Syn. an-machen. In hetti's recht a'g'möchtelet, 
in de" [unterirdischen] Gang i'z'gu*. Scbwzd. 

(g')möchtelig: 1. Lust (nach mehr) erweckend 
Z; Syn. an-mächelig, gemögelig. — 2. = S/merig Gr. 

in öc h terli 1-1 ' mechterli: nur adv. in der Verbin- 
dung mit /(ton, grosses Verlangen nach Etw. in Worten. 
Geberden usw. ausdrücken BHa. ; Syn. gammerig. 

Macht f.: Kraft, Gewalt. Mut Aa (Minnich); „B;" 
L; Z; vgl. mucht-los. Am Marge* hon i ch wider M. 
und schaffe* halt uf's Neu. Hafl. I ch bi" besser z'weg, 
aber ha* no ch hei" 21., sagt ein Genesender L. 

Abstraktbildung auf -li zum Stamm mug- (vgl. mhd. mugi n, 
mügen, mügelich usw.] wie Macht zu mag-; vgl. mhd. unmuht, 
Allmacht: ferner das syn. Tucht : tagen (Kraft haben). 

g'muchtsam, g'müchtsam: ertragreich. ,Ein 
g'm. land.' 1460, Gfo. 

macht (in Schw g'mücht, in Bs; B auch muechtj: 
1. hungrig, schwach, matt, erschöpft BsBirs.; B: S: 
Syn. Öd, MÖd. Es irird-eiti m. Alt und m. S. Bi" 
so elend müed und m. g'st*, nie [in] mi**m Lebe* no c " 
nie! M. im Mage*, m. im Herze", so unsäglig m. und 
trürig. Joach. I ch bi* m. u* ä bi* frö, wenn ig öppis 
Warms im Llb ha*. Hänggi Eine* oder der Auger, 
wo halb m. oder halb nüechter com Esse" cho* isch. 
Schild. .Wenn es Anne Bäbi fehlte, wenn es m. ward 
oder schwere Glieder kriegte oder Kopfweh.' Gotth. 
,Er kehrte alleine ein [im Wirtshaus], ganz m. und 
öde an Leib und Seele.' ebd. — 2. = mäch Schw. 
Keine'' [der Krieger an der Schindellegi] müchet 
g'mucht devo". Schwzd. 

Die Vocalverhältnisse sind schwankend; i<-' in B; S steht 
ü in BsBirs.; Schw gegenüber. Die kurzvocalige Form steht 
im Abi. zu' dein syn. manch, die langvocalige, bzw. diphthon- 
gische ist zunächst Nbf. (mit angetretenem I) von müch, bzw. 
muech; vgl. auch müch, ,Muchtel' bei Gr. WB. VI 2604. 

ver-muebte", -muechte": verschmachten BsBirs.: 
BBrisl. 

Muchtigkeit f.: Mattigkeit BsBirs. ; S. Vor lüter 
M. Schild. Dort unger-nere* Danne* isch-er vor M. 
i*g'sunke*. Hofst, 



71 



Macht— mucht. Mail — tnud 



müchtelig: Dim. von »nicht S. Wo-n-er so m. 
und ellei* uf- a em Bett g'legen isch. Joach. 

m'decht: etw. feucht, dumpfig, /.. B. von Zimmern 
Xnw; Tgl. das syn. müech. 

n üechtelecht .Mueidns. nüecht(e)leeht. graw, 
schimmlig, das fast nüechtelet oder grauwelet.- Pris.; 
Mal.; Denzl. 

n st. m erklärt sich in diesem und den folg-. WW. durch 
Anlehnung au nüechter; vgl. darüber Gr. WB. VII 967 ff. 

niüechtele" BE., 0.; S (in L. muechtele", neben 
nuechtele*), sonst nuechtele" (in ZO. auch niiechterle") I: 
schimmlig, moderig, dumpfig, muffig riechen (bzw. 
schmecken), bes. von Esswaren, Heu, Stroh, Getreide, 
Mehl, Tuch usw., welche in feuchten Räumen oder 
im nassen Zustande, ohne Luftzutritt, gelagert werden, 
dann von der Luft in feuchten Räumen Aa; Ap; Bs; 
B; Gl; L; Sch; Th; Zg; Z. Es nüechtelet i* der 
Chammer. Me" ka" das Kaffi sunst nit abe" bringe", 
jo 's niechtelet; i ch muess mi ch e»hl zwinge*. Kelterb. 
.Man muss mir den Kaffee schmelzen [würzen] wie 
ein ander Gemüse, oder er wässerlet und nüechtelet.- 
Sintem. 1759. , Angegorenes Getrcid hat einen beson- 
deren Geruch und Geschmack, so wir Nüchteln nennen.' 
AHüpfner 1787. ,Mucere, graw oder schimmlig sein, 
nüechtelen.' Fris.; Mal.; Denzl. 1077; 1716. .Milch- 
ten, mäkelen, nüchtelen, muffen, mucere, situm redo- 
lere.' Red. 1662. ,Der Kernen nüechtelet ein wenig 
und ist anjetzo bestochen und von Wurmen ange- 
griffen; ich lasse ihn rüeren, allein [er] je länger je 
mehr anlaufen tut und schadhaft wird.' 1774, Z Staats- 
arch. Von Wein-, Bier- und Theegefässen, welche 
eine Zeit lang ungeschwenkt stehen gelassen werden 
und dann denGeruch des Inhalts annehmen Bs(Spreng). 
,Womit man neue Häfen füllt, nach Diesem nüchteln 
auch die Scherben.' ebd. „Vom ersten Grad des Ver- 
derbnisses von Fleisch Gr." 

Vgl. .müecheln, niüechten, miiechzeu', nach Schimmel oder 
Moder riechen, hei Schm.-Fr. I 15G2, ,meuchteln.' ebd. I 1ÖG4. 
Unser W. gebildet wie e'sselc", aürde* usw. 

müechtelig, bzw. (g')nüechtelig = wsiJecÄt Ap; 

Bs; L; Zg; Z. Fade, abgeschmackt Ap; Bs (Spreng; 
von einer Predigt). 

m flechte" B; F; Uw, sonst nüechte* = muechtele" 
Aa; Bs; B; F; VO; S. .Wenigstens einmal im Jahre 
müsste gelüftet werden, was darin sei, sonst graue es 
ihnen [in den Schränken] und fange an zu muhten 
(faul riechen).' Gotth. Die Ptcc. mit adj. Bed. B 
(g'müeehtet) ; S fnüechtendj. Im ehalte", nüechtende" 
StiibU. BWvss. ,Dein würmig und müechtend körn.' 
JMüker 1565. 

müechtig = müechtelig B; VO; „S." 



Mad, med, mid, mod, mild. 

Vgl. auch die Gruppe mat(t) HSW. 

Mail 1 li. (PI. Mäder), in Tu tw. f.: 1. das Mähen. 

die Arbeit des Mähens Gl; Gr; TuTäg. Es geid an 
il's .1/. Uf'sM.gä*, als.Tagelöhner in der Heuernte 
THTäg. Es ist da c" schlechte M-, ein mühsames Mähen 
Gl. ,Nu gend den mädern z' essen, denn si sind an 
dem mad', rufen nach dem Semparherlied die Ritter, 
welche vor dem Städtchen das Getreide abmähen, den 



Eidgenossen höhnisch zu. — 2. das zu Mähende oder 
Gemähte, bzw. der Ort, wo es sieh findet, a) Heugras 
GkD., L., l'r. 177, wenig M. ha*. Bes. in den Öff- 
nungen in der Reimformel: ,Sät und M.' — b) Boden, 
wo das Gras gemäht und gedörrt wird, im Gegs. zur 
Weid, wo man es abweiden lässt. aber auch im Gegs. 
zum eigentlichen, kultivierten Wiesland (vgl. Mitten, 
l'ünt), wo auch Grünfutter geschnitten wird. ,Da sie 
zu wenig allmend gehabt, so hand biderb lüt ire eignen 
nieder und güeter zu allmeind geleit.' 1486, Obw 
Volksfr. Vgl. noch laufen Bd 111 1124 unten. Spec. 
a) magere, des Jahrs nur einmal gemähte, nie ge- 
düngte Wiese an den untersten Bergabhängen (Biet- 
31. BSi.), besonders aber im Gebirge (die Wildheu- 
plätze mit umfassend BHa.; vgl. d) BO.; Gr; vgl. 
Mäd-Heuw Bd II 1 S19. Tristen, ferner die Synn. XJs- 
OH (Bd I 480), Berg-Guet (Bd II 550). Mägeri, Heim-. 
Mäd-Berg, JSI.-Teil, Bfichi, Rüch-Wisen und den Gegs. 
Feissi (Bd I 1073/4). Auf Alpweiden ist das .1/. eine 
seit alten Zeiten vor dem Vieh eingezäunte grössere 
Wiesenfiäche mit weichem, oft sumpfigem Boden, die 
nach .Mannsmad' gemessen wird BSi. Auf den .Mä- 
dern' steht kein .Viehstall', sondern nur ein .Heustall' 
i ISurgaii») zur vorläufigen Bergung des Heus, das 
dann im Winter auf Schlitten ins Tal geschafft wird 
Gr; vgl. M.-Geiss Bd II 463. .Wir stiegen auf die 
Höhe der hiesigen Bergwiesen (Mäder) und schliefen 
auf Heu in einer Bärge, um folgenden Tages dem 
Berge näher zu sein.' Gr Sammler 1781. Wer heind 
no rh d' Mäder z' heuen, eine Arbeit, die den Schluss 
der Heuernte bildet GrL. .Heuwen in denen unzu- 
geteilten Medern.' GRKlost. Alpbr. .Ligende Güter, 
es seie Weid. Berg, Mäder oder Mattland.' 1645, BSi. 
.Im Fall er in seinem M. sein Ärad etzen wurde.' ebd. 
,So ein Gut, Weid oder M. (neben .Matt') im Land 
Sanen geliehen wurde.- 1667, B Rq. ,Der Besitzer der 
Matten oder Mads.' 1747, BSi. Mittelgute, ungedüngte, 
oft sumpfige Wiese, auf der sogenanntes Rossheu oder 
Streue gedeihen, die abgemäht und gedörrt werden 
BHa.; GBh. .Wir sehen noch grosse Strecken, die 
keinen andern Ertrag bieten als Lische zur Pferde- 
fütterung (die Mäder unterhalb Meiringen).- B landw. 
Wochenhl. 1847; vgl. Jahn 1850. 335. Die .Mäder 
waren urspr. Gemeindeland und wurden etwa in Loosen 
verliehen, die selbst , Mäder' hiessen (vgl. d), sind 
nun aber längst in Privatbesitz. In GRh. sind sie t. 
in kultiviertes Wiesland (Heu-, fette Mäder) umge- 
wandelt worden, t. dienen sie noch als .Streueland 
(Riet-Mäder), t. wird Torf darauf gewonnen (Schollcn- 
MäderJ; vgl. Steinm. 1804, 283, Mäder-Gelt Bd II 255. 
,So müessen sy ir guet und meder mit banngraben 
beschirmen.' 1497, GAltst. Archiv, ,1m Rheintal ge- 
legenes Rebland und Mäder.' 1796, Absch. — ß) 'bües 
31., gedüngtes Wiesland GrV. — y) in Flurnamen. 
, Auf dem lim) Maad' B, .im G'meinmaad' BMeir. (vgl. a). 
,Gott gibt den Menschen Gnad. ich aber wohn im M.' 
B (Inschrift auf einem Teller). ,3 Mannwerch Wisen 
im Mad.' 1606. Z NGlatt ürk. Sälimad(li) Gl. ,Das 
Muetergottes-Mahd auf Wiesenberg.' Xnw Kai. 1865 
(unter Grundstücken aufgezähltl. ,Uss der schwarzen 
eilen in das nüw mad.' 1431, GRebst. Offn. .Sonnen- 
halb stosst si an MIIHn guot, an das medli.' 1540, 
GBuchs Jahrzeitb. ,Die meder.- 1380, Seq., RG. (Flur- 
grenze). S. noch Fron Bd 1 1301, gäch Bd II 101. 
— c) Wiesenfläche, auf der man eben mäht, bzw. wo 



;:; 



Mail, 



id. mid, nioil. niud 



74 



das Gras in .Maden' [Schwaden] liegt; Bezirk, der auf 
einmal gemäht wird Xnw. „Der Knecht ist aus dem 
JA. heimberufen wurden.- , Heute haben wir ein grosses 
M.\ viel Heu einzusammeln Obw. ..So sich sommerszyt 
der höwet begibt und etwa ain burger an ainem fyr- 
abend ain mad schlachen lasst, und aber morndrigs, 
so ain fyrtag, nit höwen dürfen, so tragend sy am 
abend das gras us der landschaft [GF.] über die mareh.' 
L566, Abscb. — d) Flächenmass für Wiesland, zu- 
nächst ungefähres Mass: so viel Wiesenfläche, als ein 
Mähder in einem Tage abmäht UwE. Als festes Mass 
ungefähr dem Ackermasse Juchart entsprechend B 
(wo die ,M.' in späterer Zeit nur 31250 Quadratfuss, 
gegenüber 40000 der Juchart, umfasste); Soh; S; Th; 
ZW1.; man nimmt nämlich an, dass ein fleissiger Ar- 
beiter von Morgens 2 — 11 Uhr ungefähr eine ,Mad' 
zu mähen im Stande sei; vgl. Z Anz. 1859, 24, ferner 
Manns-Mäd. ,M., jugerum agri.' Id. B. Das Bush 
mit sant [sammt] drü Mäd Juhehübeli [Flurname], 
Joach. 1885. ,Die etwann in ir marchen by 4 — 500 
mäder inhaltent.* 1530, Absch. ,Ein bletz der Mert- 
matten, ist 4 maden.' 1539, AaL. Schlossurbar. ,Es 
sollen dein Prädikanten ein Hausgarten, Bünden und 
.':! Mäder Matten zustehen.' 1539, Absch. ,Das Gesuch 
um Verleihung einiger Mäder Matten.' 1571, Absch. 
,Ein Stück ihrer gemeinen Matte, ungefähr 40 Mäder 
haltend.' 1572, ebd. ,10 Jucharten oder Mäder auf 
dem Murtenmoos.' 1049, Gfd. Spec. als Loosanteil 
eines Bürgers am Gemeindeland; vgl. Bürger-Los. 
,Für das Winterfutter erhält er von seiner Gemeinde 
ein sogenanntes Maad zum Wildheuen und ausser 
diesem sind noch grosse Strecken unausgeteiltes Wild- 
heuland.' B landw. Wochenbl. 1847. 

Mlid. mad. Beachtenswert ist, dass im Alein. der Voc. 
kurz ist (z. B. Th) oder wo Länge eingetreten ist, diese sich 
in der Ausspr. als secnndäre kennzeichnet; er steht also wie 
in Mad II im Ablautsverhältuiss zu dem ö in mäjen. Der PI. 
M,,tl. in", der für GrPr. angegeben wird, setzt einen Sg. 
Mädi f. voraus. Das Fem. in Bed. 2 d ist Analogie nach 
Juchart. In den ä. Belegen hei 2 d könnte z. T. auch die 
Bed. , Loosanteil' vorliegen, doch wurdeu diese Anteil, ■ wohl 
eben nach ,Mannsmad' abgemessen. Vgl. noch Amad Bd I 
213, Oruemet Bd II 735. 

Us-: wesentlich = Mäd 2 b a, mit magerm Gras 
bewachsener, sehr steiler Abhang FJ. — Zu erklären 
nach Analogie von Us-Ort; s. Bd I 480. 

Fer-: Loos auf den ,Mädern' des Rheintals, wel- 
ches jeder Rheinschiffer als Anteil erhielt. 1675, Hof 
Kriessern 303; vgl. Fer Bd I 904/5, Mad 2 d. — 
Vor-: 1. die Verpflichtung, beim Mähen den Anfang zu 
machen. ,Uf den surbwisen soll niemand mäygen, bis 
ein gemeind zuo Wäningen des zuo rat wird, die 
söllent dann heissen den, so da v. hat, mäygen.' Z 
Niederwen. Offn. — 2. Wiese, an der die betr. Pflicht 
haftet. , Ordnung und gerechtikeit der v.; die kal wys 
ist ein v. ; item die faldenwys ist ein v.' 1550/02, Z 
Dielsdorf Offn. — Henne"-: Bergwiese, auf welcher 
viel Herbstzeitlosen (s. Hennen 6 a Bd II 1312) wach- 
sen Gr. — Heu"-: 1. wesentlich = Mad 2 ha. B; 
Obw; vgl. Kasth. 1829, 153; Alpenw. II 41. .Die- 
jenigen, welche Güter und Heumäder besitzen.' 1824, 
Obw. — 2. = Mad 2 c New. 

Mann- GiiChur, sonst 1) mit Verkürzung und Ver- 
stümmelung des ersten W. Mämäd Gr (in GrL. auch 
M.uiul); „G", Mämatt BSi.; W. — 2) mit Verkürzung 
des 2. W. und Degradierung desselben zur Ableitungs- 



silbe „Mämmrß Gr; G", Mammut Gr tw.; GRh. : we- 
sentlich = Mad 2 d, d. h. 600—1000 Klftr Gr (s. Leh- 
mann 1798, 221), 8—900 Klftr W. etwas weniger als 

eine Juchart BSi.; vgl. Bergmann, Beitr. 146, M 

Ztschr. XII 06; III 220, ferner die Synn. Mal. Morgen, 
Mann-Orab (Bd II 677/8), -Schnitz, -Stufet, - Werch. 
In Beziehung auf Wildheubezirke nicht nach dem 
Flächeninhalt gemessen, sondern nur nach dem Ertrag 
(ungefähr 1 Klftr Heu GrL.) abgeschätzt. ,Dry man 
mat.' 1305, B Staatsarch. ; = .pratum trium dietarum' 
in einer entsprechenden lat. Urk. aus der gleichen 
Zeit. ,Cum tertia parte prati, quantum homo in die 
tondere potest, dieta eim dritten teil eins mansmad.' 
1318, ebd. .Zwei mammet reben und dry juchart 
acker.' G Stiftsarch. ,Die Stadt hat zu der Allmende 
93 Mannsmeder erkauft.' BThun Handfeste. ,Nun fort- 
hin soll man in gemeinen zeigen auf einen acher oder 
auf ein manmad zwo kühe besetzen.' 1598. BSa. Rq., 
neben .mannsmad.' ,12 Mannsmäder auf dem Saxur 
Ried, da man 4 Haubt Halbvich halten kann.' 1693, 
Z Pfrundenb. Der Pfarrer von GSev. bezog bis 1798 
von den dem Besitzer der Herrschaft Werdenberg 
jeweilen gehörenden Ehrschatzgütern den Ertrag von 
11—12 .Mammet.' 

Mhd. mannen) St, dass. Sehr häutig in unserer ä. Lit., 
natürlich meist verbunden mit vorgesetzten Nuni. und dann 
im PI. fast durchgehend unveränderlich, in den Formeu 
.M aaiimad' (häutig), , Mannsmad' (bzw. ,-mat', z. B. 1653, 
AaWett. Klosterarch.), vereinzelt .Mammat.' 1350, Mohr, 
Urk. Das Geschlecht ist schwankend, z. T. in den selben 
Quellen (z.B.: .Ab einem manmad riet', neben: ,Ab einer 
manmad wisen.' 1540, GBuchs Jahrzeitb.) und scheint sich 
nach dem damit verbundenen Hauptworte zu richten. Das 
Fem. auch 1331, ZRhein. Zinsrodel; Gr Sammler 177'J, 177; 
Lehmann 1798, 221 und nach einer Angabe auch jetzt noch 
in Gr. Die zwei WW. auch bloss syntaktisch verbunden: 
,Ain juchart ackers und aines manues mad.' 1342. Zellw., 
Urk. I 137. Wahrsch. i. S. v. (Loos-)Anteil an Wiesland 
(vgl. Mad 3 d) scheiut das W. verstanden werden zu müssen, 
wenn in einem Th Wässerbrief von 1643 bestimmt wird, 
,wer jeweilen das Wasser zu seinem Mannmad brauchen 
dürfe.' S. noch frön Bd I 1301. 

Morge n d-: ein Stück am Morgen (in der Frühe) 
gemähtes Wiesland Ndw; vgl. Mad 2 c. — Berg- = 
Mad 2 6 Gr. ,Si sullent mit ir vich nit weiden noch 
faren in geferden von derselben alpe wider die berg- 
meder.' 1398, B Spruchbr. Vgl. noch Gr Sammler 
1783, 186. — Wild-: hochgelegener, begraster Berg- 
kamin, doch fast nur noch als Lokalname Gl, wo man 
ein , Bischof-, Embächli- und Kuhboden-Wildmad' unter- 
scheidet. — Wis- = Mad 2 b. Die .Wismeder' werden 
den , Alpen' gegenübergestellt. XVII., Gr (Ztschr. für 
schwz. R. 25, 341). 

Mad II AaF., Leer.; L; G; Sch; Z, sonst Made" I 
— f., in Gr; W (Mado) — m., PI. Made"; Dim. Madli 
Bs, sonst mit Ural.: Schwaden, langgestreckte Reihe, 
zunächst von gemähtem Gras, Getreide, dann auch im 
weitem Sinne, allg. Made" fZatte") mache", sieh", 
.:' Made reche", das völlig dürre Heu zu Schwaden 
zusammenrechen oder -werfen als Vorarbeit zum Ein- 
tragen. Das noch nicht ganz gedörrte Gras wird 
Abends bei sicherer Witterung zu Mädli, bei un- 
sicherer zu Schöchli, BirHnije", bei drohendem Regen 
zu Wetterschöche" zusammengezogen Tu; Z. S. noch 
breit. Schwaden, den man beim Chi reu des Grases 
(s. Bd III 435) bildet Gr. S. auch ein-, gwei-zügig. 



Mail. med. mid, mod, mud 



76 



Das in der Tenne zu einem länglichen Haufen auf- 
Lttete, abgedroschene Getreide L; vgl. 11\fl. 
1813, 21. Kleiner Erdwall, der beim Färrelen is. Bd I 
n Kartoffelacker entstellt Ar: vgl. T. 1830, 26. 
S. auch Grat Bd 11 821. An e* M. stä*, in Reih und 
Glied, z.U. beim Turnen Aa; Bs. Se, stande'd an e 
M.\ Kommando. ,[Bei' der Speisung der Fünftausend] 
soll sieh all weg ein rott in eines manns maden [ein 
.Mann hoch] in das grüen gras [setzen].- 1531/48, 
Marcus; dafür 1882: ,dass sich alle nach Gesell- 
schaften in das Gras setzen sollten.' .Xata herba ad 
spem foeniseciae, so wol gewachsen, dass man ein 
maden ilarein schlachen mag.' Fris. ; vgl. Schlacht- 
Mad. - -Mint, mäde. Hie Vocalverhältnisse wie bei M«d I, 
Kürze auch aus Seil bezeugt, 

Hau-Mad: der erste Schwaden, der beim Beginn 
des Mähens in einer Wiese vom Vormähder gebildet 
wird, und zu dem man von beiden Seiten zumäht 
Tullw. — Schlacht- Z Zoll.. Schlatt- ZRüral. = 
Hau-M. — Streu-: das Recht der Anwohner, am 
Ufer des Pfäffikersees, auf sog. .Reichsboden', einen 
Schwaden Streue zu mähen ZSeegr. 

mäde" (in GA. madne*) = Made mache VO; GA.; 
Syn. schwarben. Im Kartoffelacker, - färrelen (s. Bd I 
939) Ap; Gr; vgl. hüfelen Bd II 1051; Tsch. S. 328. 

.Müder I (in GrD., L.; GSa. Mader) — m.: Mahder, 
bes. der als solcher angestellte Tagelöhner, allg. ; Syn. 
Mäjer-Chnecht. Wenn ein Mähder unter der Sense 
noch Gras stehen lässt. sagt man, man könne den M. 
daran anbinden Aa; Z. S. noch Becher, über-schlän. 
,Ze Birmensdorf ligend nun schuepossen, dero git icg- 
lichs alle jar dem meiger einen nieder, nüt wann um 
die spyse.' ZBirm. Otl'n. Vgl. M.-Tagwam. 

Die Vocalkürze ist bei diesem W. noch weiter verbreitet 
(auch Aa; Gr tw.) als bei Mad. 

Glatt-: Mähder, der das Schilfgras im Glattbett 
sammelte ZGlatttal. — Bei"-hüsli-: 1. der Tod, eig. 
das Bild desselben (dargestellt als Sensenmann) in 
den Beinhäusern L. Bes. auch als Schreckwort für 
Kinder. De r B. nimmt di eh , wenn du eso tuest. — 
2. übertr.. verächtlich von einem bis auf die Knochen 
abgemagerten Mann, auch von einem Geizhals L; vgl. 
Bd II 1720. — Linggs- = dem Vor. in Bed. 1, da man 
von ihm glaubt, er führe seine Sense von links nach 
rechts S. -- Tau-: Neckname für einen Mähder, der 
nur so lange aushält, als der Tau vorhält, ohne wel- 
chen das Mähen viel schwieriger ist ZZoll. 

mädere": 1. die Arbeit des Mähens verrichten Z. 

'_'. eine besondere Art des Schneidens, angewendet. 
wenn Disteln u. Ä. das Anfassen hindern, und darin 
bestehend, dass man die Sichel wie eine Sense schwingt 
ZRafz. Syn. ab-zwicken. 

Heu-Mäderi f.: coli., = Heu-Mad 1. ,Die Züge 
des Berghasen vom wildesten, höchsten Gebirg in die 
Eeumädereien hinunter.- Gr Sammler 17-:;. 

ei"-mädig: im Jahr nur einen Grasschnitt lie- 
fernd, von magern Wiesen, doch auch vom daraul 
gewonnenen Gras und Heu Tu; Z; vgl. Ort-Heuw 
Bd II 1817. 

mädle° (in „S madle*") Mädli mache" A.\Fri. ; 
Ap; Gu tw. ; G; „S;" Tu; /.. Isch 's Gras nid tür, 
so fangt men <i" m. und macht dann Birli'g [kleine 
Maulen | Tu: '/.. A : Mer tuend nw m., nüd schöchle*; 
's Wüter ist wieGold. B: Und nur lönd's breit ligge*; 



mer müend's dann morn nüd vertue*; nur chered*s 
dann >tu r na ch e'mal Z. Arbeit im Kartoffelacker L. 
— In Stalders mädlt i< ist das l'ml. -Zeichen wühl ausgefallen: 
der Voc. ist in Th kurz. 

ander-, in Ai-M.. Stein bander-: tr.. einen Mähder 
dadurch übertreffen, dass man in der gleichen Zeit 
zwei Schwaden mäht, in welcher er nur eine zu Stande 
bringt Ar. I cn ha H -en fpjandermädlet. Vgl. bi-ander 
Bd I 308; wie"-, hindere*-tue*. 

Madam f.: verächtlich von Modedamen, die keinen 
Sinn und kein Verständniss fürs Hauswesen haben; 
Frau, welche vornehm tut Seil; Z. St ist e rechti 
(nw so e) M. 

Made" 11 f. (in W m.): wie nhd., fusslose Insekten- 
larve, allg. Wurm W. — Das Geschlecht hat sich im W 
nach dem Syn. Wurm gerichtet. 

maille": 1. stark zittern, schwanken GrD. Erlief 
di Tnr zuog' schlage*, dass 's g'madlet lief. — 2. „brum- 
men, schmollen W." 

Yiell. verderbt aus wadUn; s. Anm. zu Muecher, Viele 
Verben der Bewegung bezeichnen zugleich auch den begleiten- 
den Ton: vgl. gi-gägen Bd II 137. 

er- (in GuPr. -mattle*): 1. tr., „erschüttern, zittern 
machen BO. ;" GuPr. — 2. intr.. ins Schwanken, in 
zitternde Bewegung geraten, ebd. Es hed g'grimmeled, 
dass d's ganz JIus irmadled ist BBr. 

T für d bes. vor l oft in den Gebirgsninndarten: vgl. 
Ihitii," : llu.lh« Bd II 995. 

er-mädere": mit Acc. P., in einem Entschluss 
scli wankend machen ScuwMuo. Es tuet mi cn e. 

Mad(e)rdtz(c°) f.: Matratze, allg. 
U aus t, da in Lehnww. in der Kegel die vor oder nach 
unbetontem Yoc. stehende Fortis erweicht wird. 

Miesch-: mit Moos gefüllte Matratze; armseliges 
Lager übh. L. 

Mailräss(e"), in Nnw auch Madrässi (PI. Madras- 
sene") — f.: Mätresse VO; ZS. f Oft ohne moral. 
Nbbegr. als Schelte auf eine sieh spreizende Matrone 
Ndw. .Einer sehreibt an ein Jungfrauw, die er ver- 
meint, sie were sein Mätressen; etlich namsend's Mai- 
stressen, wyl es ein Meisteressen ist.' Sciiimpfr. 1651. 

„mädele": klatschen, plaudern LEscholzmatt." 

us-: ausplaudern, ebd. 

„mädelig: plauderhaft. ebd." 

Vgl. das syn. bair. maden bei Schill. -Fr. I 156S. Schwer- 
lich darf an got, mathljan, reden, gedacht werden. St. schreibl 
d<l, wohl um die Kürze des Yocals zu bezeichnen. 

G er- Müde" GT.. -Mäder Ap (auch Dim.); G. -Mä- 
dere* G oRh. = Germeren 1 u (s. Bd II 418). .Durch 
die Ausrottung dieser, von den Hirten Germäder ge- 
nannten Pflanze.' Alp. 1821, wo ,G. - als ver. lob. von 
ver. alb. getrennt ist. Nach T. nur Name der Stengel 
der weissen Niesswurz Ap. ,l)as Mehl oder Pulver 
von der Germäderwurz.' T. 1830, 159. 

Vielleicht, wie das syn. Qer-Magen, nur ESntstoll ung vuri 

l,'i rimiiil, unter Alllellllling au Mad 2 h ja, da die Pflanze gl I 1 1 

auf, Madern' gedeiht. Ihis spärlich bezeugte Ger-Madc* könnte 
Anlehnung an den Personennamen ,Magdalena' sein. 

inadli'": kleinen Tauschhandel treiben, bes. von 
Kindern GSev. - Ob mit Ausfall von r und Erweichung 
von t aus märcltden 

Maid Mi nl. doch nur in abgeleiteten Können 

1) Maidje*, -t- Gr; BAL; W. Maidk*, -t- GRAv.,He., 



77 



11 ad. 



■•1. mid. i 1. Hill'] 



7^ 



Pr., Rh.; GRh., Maite* Z (selten), Maigg(j)e* GuTersn.. 
V.: \V. Mätd (PI. Math*) ApHundw., L, Stein, Mätel 
(PI. Matte") ApM. - f.— '-'i afaidHGRR!i.,S.,Tschapp., 
Val. (PI. Maidk"), öVatzj W, .1/»/./// ApHundw., Stein, 
Teufen, 3fait« \ \ ; Xv/Matl, '■); Bs; B (PI. afattfem); 
F f.l/.t/i. PI. MeÜeni); VO; Gl; Gr tu. (PI. in Pr. 
MattfaV,' G (in St.lt t afärtit, PI. in W. Maidle*, 
Flillus Maitla"); Schi SB..NA.J Tu: W; /.. Mails,!,, 
(PI. Mitiisrhni, BO., M., Schw.; UwE., sonsl unver.) 
Aa; B; VO (in Lanch Maigschi); Ui,K.; GREh., UVatz; 
S ; W — n.: 1. im Allg. dem nhd. ,Mädchen' entspre- 
chend, allg. Syn. Göf Bd I 130/1. China 1 b Bd 111 
340/1; Ant. Bueb. Er bisst i" d' Lippe', er wott nit 
gern e Maitli schine* Bs (Mähly; von Einem, der die 
Tränen zurückhält); s. noch Seil. 202. Dazu als wirk- 
liche Diminutiva die Formen Maiteli AaF.; Bs; B; F; 
VO; Gl; GitUVatz; GO; Th ; W; '/.. Maidli, Maiäji 
W. Maiti Bs; B; L; Z (selten und nur kosend), Mai- 
telti BHa.; W, MaigjiW, Maitschi AAWohl.; üwE.; 
\V. Maitscheli S Uw. Zteeu China, es Maiteli und 
es Biiebli Aa. Vgl. bei Hebel: Doch de bisch Joe* Mai- 
teli me r , iez sag i eh -der Maitli. Pfudi, pfudi, du leids 
Gaggimaiteli! redet man scherzh. oder drohend ein un- 
artigos Kind an Gr. S. noch die Kinder- und Wiegen- 
lieder bei Seil. 202. Es Maidscheli, ein schon ziem- 
lich entwickeltes Mädchen AAWohlen. .Knaben oder 
meitlc 1419/1544, Schw LB. und ebenso (in der Form 
.Meitlin') 1526, Absch.; 1634, JJBrbit.; Bs Taxordn. 
,Das erst kind ist ein meitlin g'syn.' 1544/73, UMey., 
Chr. .Puella, ein töchterle oder meitle.' Fris. ; Mal. 
.Darnach warend geboren ein knäblin, hiess Hans und 
ein meitlin. hiess Elisabeth.' 1574. Mise. Tig. ,Ich 
hielt schuel, hatt 37 knaben und 13 meitlen.' 1599, 
Ardüser. .Dis Meitli'. abwechselnd mit .Tochter.' lb'05, 
ebd., von einem 14jährigen Mädchen. .Für ein acht- 
jähriges Meitlin Ermel eingefasst.' Bs Taxordn. 1046. 
Spec. a) nur in der Form Maitli (in Aptw. auch Metla*, 
Mätel, Motel), Tochter des Hauses Ap; B; F; L („ledige 
Tochter, älteste Tochter eines Bauern, bes. in LE. U ); 
Scu; Soaw; Th; Ndw. Wer ist 's Marieli? Mis M. 
MLienert. Maitlene*, losid! ruft die Mutter den Töch- 
tern zu. Ndw Kai. 1894. Miner Metla* Ma**, mein 
Schwiegersohn Ap. — b) wesentlich = Jumg-Frau 1 li 
(s. Bd 1 1246/7). allg.; s. Federen Bd I 077, Schätter- 
Gold Bd 11 226, Gersten Bd II 430; Heim-Gart Bd II 
134; Bühler IV 78. .[Die alte Mutter] geistete in der 
Stube herum, wie ein zwanzigjähriges Maitschi.' Ndw 
Kai. Noch Meile* si", noch ledig F. Fn alti Maidja*, 
en alts Maitli. Mir gend halt alti Maitli, wirsch-es 
g'si h . Stutz. Vil Heber en alts M. ge", als so en Tirann 
zum e" Ma**. ebd. .Das alt Maidli sei eine Hexe.' ebd. 
An hübschi, ßni, tolli, wackeri Maitja" GrD. Die 
Chue het e Grind vie-n-es Maitschi (als Typus der 
Schönheit) BSchw. ; vgl. Jtmg-Frau 3. Du muesst 
singe", wie du Das als Maitli aso guet hast chänne" 
Th (Schwzd.). So bald der Pfarrer d' Hochzitlit 
g'sämme* 'ge" haig, so sig-i ch der Ma** and 's Maitschi 
,1' Frau. Balz 1781. Me" muess 's Gras nit im Tau 
und d' Maitli uf ''ein Tanzbode" ehaufe* B. Hoffärtigi 
Maitli, schmutzigi Wtber. Xational-Kal. 117c hof- 
färtiger Maitli, nie schmutziger Frau. Ineichen. E* 
feisses Maitli, e* mageri Frau L; Scu; Z. E* Maitli, 
wo jätet, ist besser weder ei" e s, u-o betet. Ineichen. Es 
lirars Maitli ist am schönste" deheim. ebd. Das Maitli 
„eil -er au rh recht lieb ha*, wo-n-im e" Bingli gäbti. 



BWts's 1863. /'' Mails, ■!,, und Abrelle*wetter sind ver- 
änderli ch . Ineichen. Wenn d' Maitli bitte'd, setuend's 
d' Chnabe* nu .-■■ gern. Sulger. Wenn e erlich Maitli 
im chient derzue cho*. ebd. ])' Maitli säge'd nei* und 
tuend 's dach. ebd. Das sei g'seii under üs Maitlene*, 
Im Vertrauen, ebd.; vgl. Pfarrers-Tochter. Z? Appa- 
.,11 und :' llerisau sind die Metla* wolfel ma ged , 
ganzes Hüsli voll för e Schötzli Polver Ap. Maitschi- 
güggel, Tscdröt springt de* Maitschene* eissler ,,,,■'• L; 
vgl. Maitschi-Pfützeler Bd I 1157. Güggel Bd II 192. 
's bös M. muess-di ch i" Sack ine* ne*, Drohung für 
Kinder Scnwlb. S. noch Mus, Tsch. 150. Gelegent- 
lich wird auch ein kleines Mädchen, sogar ein Wickel- 
kind, mit diesem Titel benannt, wenn man es als ein 
dralles und gesundes bezeichnen will. Das Mädchen 
als Gesellschafterin an Festlichkeiten, auf dem Tanz- 
boden usw.; Geliebte Ar; B: L; Syn. Jump f 'er. Was 
het er für nes Maitschi g'ha*? BSi. Ond denkt, es 
sei ke grössersch Guot, denn 's Spine'gö* [Kiltern], c 
Metle ha". Lenggenh. 1830. .Nimm dir das meidlin 
(meitlin) zum weib.' 1531/48, I. Mos. .Darum auch 
dir die meitlin hold sind.' 1560. Hohelied; dafür Jung- 
frauen.' 1882. .Damit ouch die meitli irer eeren dest 
behuetsamer syend.' XVI.. Z Bland. Eine Dirne wird 
angeredet: ,Duck dich, meitly.' JMurer 1565. ,Pig- 
mentum. salb, so die meitle anstreichend, das ange- 
sicht schön ze machen.' Fris. .Meitli' im Wechsel 
mit .Jungfrouw.' Z Mand. 1580. .Das Zusammensitzen 
der Knaben und Mädlin.' G Mand. 1657. .Weiber und 
Meitli sollen nit vil in der Alp übernachten.' 1749, 
Obw Volksfr. .Gemeine Meitlin', öffentliche Dirnen. 
1601, Absch. — c) nur in der Form Maitli, Dienst- 
mädchen AA; Bs; ß; VO ; G; Seit; Th; Z; Vgl. das 
Syn. Jung-Frau. Fs M. ha", eine Magd halten. Es 
Obenabe*-M., ein Dienstmädchen aus dem .Oberland', 
aus dem Baselbiet herab BsStdt. .Des meitlys meistcr 
sollt sölichs abgestellt hau.' 1511, Z Staatsarch. .Die 
meitliir nennt SBirk 1532 die Dienerinnen der Su- 
sanna. .Der Herr [ein Geistlicher] setzt dem Meitli das 
Ilaret auf.' 1533, Z Synode. — 2. übertr. a) Maitschi, 
mehr scherzh.. Dame im Kartenspiel B. I"'' ha 100 
Maitscheni, ruft beim Jass Derjenige, der alle vier 
Damen erhalten hat. — b) Maitli, Name einer Neben- 
scheibe, in welche um geringere (iahen von Solchen 
geschossen werden darf, welche in der Hauptscheibe 
kein Glück gehabt haben W. — c) blutli Maitli Ndw, 
Maitschi SchwG., Name des Frühlings-Safrans, croc. 
vorn., zunächst seiner Blüten; vgl. blutti Jung-Frau 
Bd I 1248, ferner Bueb. -- d) bim Maidli ZO., bi 
ml"-m Maileli Gl, euphem. Entstellung des Schwurs 
bim Eid! (s. Bd I 92). 

Das W. Maid, etym. identisch mit ,Magd', hat ans inner» 
und aussein Gründen (t. zur Bezeichnung der Alters- nud 
Kutwieklungsabstufuugen, sowie aus Freude an der Schöpfung 
von Koseformen, t. weil die Versteinerung der Formen Maiti«, 
Maitschi, die nicht mehr als Dim. gefühlt wurden, die Schaf- 
fung neuer Dim. -Formen notwendig machte) eine Fülle von 
Formen entwickelt. Nur noch in Ap gilt Mädli (gegenüber 
Matel, Mätel) als Dim., in YV Meidli (neben Maidji, Maitschi) 
gegenüber der Verstärkungsform Maidjen, die (wie auch in 
Gr) ein grösseres, kräftiges, wenn auch junges Mädchen be- 
zeichnet. Maitschi selbst wird tw. (in L; SB., NA. ; Ndw) 
als Dim. von Maitli gefühlt. Manl, erklärt sich durch Ein- 
schiebung eines r aus der alt-sanktgallischen Form Marti. 
Auffallend ist eine Angabe aus WLö., welche Maigge* als 
Niutr. angibt: sie lässt sich begreifen, wenn M. den Cha- 



79 



Mail, med, mid, mod, mud 



sn 



rakter eines Eigennamens erhalten bat; vgl. das Anna und 
ülili die weibl. l'aufn. Die Geschlechtsangaben bei B. (I 89. 
98. II 53) scheinen in Verwirrung geraten zu sein. In H 
und der Westschweiz ist Maitschi der allgemeine Ausdruck 
und bezeichnet ein Mädchen ubh., Maitli (wenigstens in BSi.) 
die ledige Tochter, in Städten auch eine Magd: ähnlich im 
Aa; vgl. H. 179. .Maitli, Maidlin' ist in unserer Lit des 
XVI./XYII. häufig, beschiünkte sieb aber in der lebenden 
3pr. (wenigstens Tb; Zi immer mein- aufBed. 1 c mit Zurück- 
drängung der andern Bedd. 

Sing-Abe(n)d-Maitli: die Mädchen, mit denen 
die ledigen Bursche am Neujahrstag das am Sing-Abend 
(s. Bd I 38) erhaltene Geld verzehren GrA. — Ober-, 
Under-: Ober-, bzw. Untermagd B; L. — ,Erb- 
Meitle*: Erhtochter. ,Es soll Jeder seinen Obern 
berichten, wie die Vögte hier die E. überschätzen 
[überfordern] und ihnen grosses Geld abnehmen.' 1">3'_'. 
Absch. — Fabrik- Th; ZO., Fabrikler-Maitli 
Aa: (ledige) Fabrikarbeiterin. — Vor-: Brautführerin 
S; vgl. Vor-Chnab (Bd III 711), Vor-Lüt. Was muess 
da ini" Brut für es I". sueche*? JSchild 1889. - 
Freud(e°)-: zum Ansagen der Geburt eines Kindes 
bei den Verwandten mit dem Freud-Maien herum- 
geschickte Dienstmagd Sch; Z; vgl. Bd I 1275. — 

— Fratze"-: Schelte auf kleine Mädchen U; s. Bd I 
1343, — Gägi-: Schelte auf ein Mädchen, das den 
Burschen gern nachläuft Schw ; Syn. Bueben-Maitli, 
-Rolli, -Schmücken", -Brät. -- ttaumer- Maitli, 
-Maitschi: Kinderwärterin B; W; Syn. Gaumerin 
(s. BJ II 305). — Ganggel-Maitschi: spöttische 
Benennung eines hochaufgeschossenen, noch jungen 
Mädchens S; vgl. Bd II 363/4. — Fress-Gänterli-: 
verächtlich für Kellnerin L; vgl. GänterU 4 b (Bd II 
381). — Gasse"- Maitli: Schelte auf ein (jüngeres) 
Mädchen, das sich gern auf den Gassen, übh. ausser 
dem Hause aufhält, ohne moral. Nebenbegr. BsStdt; 
Syn. Trotti-Maitsehi. — ,Geiss-Maidlein': Name 
einer Dirne mit Ziegenfüssen, welche verzaubert auf 
dem Hasliberg hausen soll; s. Wyss 1817, 715. - 
Gotte"-Maitli = Gotten 2 BsStdt; ant. Götti-Bueb. 

— iiüeter-Maitschi = G.-C7iuirf B; s. Bd 111 345. — 
Hefter-: Mädchen von 14 — 18 Jahren, das in der 
Zeit des lieben-Heftets (s. Bd II 1064) meist aus den 
umliegenden, Ackerbau treibenden Gegenden in die 
Weingegenden des Seelandes kommt und sich für die 
Dauer der betr. Arbeit in den Beben als Arbeiterin 
verdingt B. Der .Heftet' ist für diese Mädchen eine 
Lustbarkeit, wie für die Bursche der , welsche Heuet.' 

- Hüen er - Maitli, -Maitschi: Dienstmädchen, 
das sieh bes. mit der als niedrige Arbeit geachteten 
Besorgung des Hühnerhofes zu befassen hat B; vgl. 
H.-Magd und s. Göli Bd II 215. ,Eisis Hauptbestreben 
war, sich darzustellen als eine vornehme Frau, der 
manche Bäuerin zu gering wäre zum Hühnermeitli.' 
dorm. — Herre"-Maitli: junge, vornehme Dame. 
volkstümlich statt Fräulein Schw; ZO. 57 hed au' h , 
wie d' H.-Meidli, mängist es fins Ylörli «". Tryner 
L840. — B'hör- B'hör-Chind (s. Bd III 345), bes. 
sofern das betr. Mädchen sei, ,n stark entwickelt ist 
Zu.: Syn. Beter-Maitli. — Uns-: 1. Dienstmädchen, 
das im Hause, st. auf dem Felde, arbeiten muss Ndw. 

— 2. Mädchen, das man. z. B. als Kostgängerin, ins 
Hans aufnimmt, ebd. Vgl. Chost-M. — Eüeter- 
Maitschi: Mädchen, welches das Vieh hütet. Bilink. 
Bot. - Jüppe"-Maitli: Mädchen, Jungfrau auf der 
Landschaft, die noch die alte Tracht tragt Bs; s. Bd III 53. 



— Ch uchi-Maitschi: Gehilfin in der Küche, die 
zunächst das Abwaschen zu besorgen hat B. Ch.-MaiÜi, 
Küchenmagd Z. — Cheller-Maitli: Kellnerin Bs; 
vgl. Keller-Magd, Stuben-, Win-Maitli. B' Ch.-MaiÜi 
hei" z' luege; ä ass enc" Kein"' ns der l'rti lauft. 
Breitenst. — Küche"-: Kirchensängerin. .Hein N. N. 
von wegen denen Kilchenmeitlinen hab ich 'geben 
3 Kronen.' BE. Bechnungsman. — Chammer-: Kam- 
merjungfer B; vgl. Bari 1885, 43. ,Ein kammermeitlin 
aus des künigs haus.' Hoi.zwart 1571. — Chinde"- 
(B; L; Z). Chinds- (Th) Maitli. -Maitschi: Kin- 
dermädchen; Syn. Chinds-Magd. Be r Bueb isch c 
halbe 1 ' Chnccht oder e ganzes Chinge'meitschi. Gotth. 
.Cliindermeitschi.' B Hink. Bot 18(13. .Ich wette mich 
ouch gern strecken by eim solchen kindsmeitliu mit 
krusen locken an der scheitlin.' Haberer 1562. - 
Chäri-Maitschi: Schelte auf Mädchen, die Einen 
unaufhörlich mit Bitten quälen B oAa. — Kusa- 
Meitlin. Der Umgang mit dem ,K.' wurde von 
Zwingli den Wiedertäufern als Beweis ihrer Unzucht 
vorgeworfen; vgl. EEgli 1S78. 77. — Chost-Maitli: 
ledige Weibsperson, die in einem fremden Hause Kost 
und Wohnung hat ZO.; Syn. Tisch-M.; vgl. Rast-M. 

- Chränzli-Maitli L, -Maitschi S: 1. Mädchen, 
das. mit einem Kranze geschmückt und mit einer Kerze 
m der Hand, auf Prozessionen das Hochwürdige be- 
gleitet L; vgl. Esterm., Bick. 46, lerner Chräneli- 
Jungfrau Bd I 1249. — 2. Chorsängerin, sofern sie 
nach der in einigen Dörfern herrschenden Sitte einen 
Blumenkranz im Haare trug S. — Laube"- Maitli: 
alte Jungfer mit Genossenrecht (Anteil am sogen. 
.Bürgernutzen'), die sich auf ein bescheidenes Wohn- 
stübchen (s. Lauben 1 b y Bd III 963) zurückgezogen 
hat Uw (vgl. Uw Gem. 182; Ztschr. f. schwz. I!. X 81); 
Zg. — Libet-: von Leinwandfabrikanten, z. B. als 
,Wiflerinnen' [zum Vernähen], angestellte Arbeiterin G. 

— Läli-Maitschi: Schelte auf ein gedankenloses, 
einfältiges Mädchen, das seinen Vorteil nicht zu wahren, 
sich nicht zu helfen weiss Aa; B. ,Für zu Etwas zu 
kommen, müsse man ein so dummes L. nicht sein 
wie das.' Gotth. - - L er- Maitli Aa; VO; G; Z 
-Maitschi B = Ler-Chind 2 (Bd III 347). .Discipula, 
leer-meitle. -töchterle.' Fris.; Mal. Läschi- 
Maitli: Schelte auf ein dummes, leichtsinniges, nichts- 
nutziges Ding B. Jie däichit umme*, list das L. da 
so nütnutzige* Zug am ne" heiige* Sunnde* [Sonntag], 
anstatt öppe" d's Testament oder d's G'sangbuech z' 
ne*. MWalden. So geit's Ei*'m; da eha** nie* Hung 
si", bis nie" bal* alli Vieri von im streckt; de"" muess 
so-n-es Jungs L. [als Dienstmädchen] zueche". ebd. - 
Maie"-: (geschmückte) Begleiterin (die Schwester 
oder die Zukünftige) der ledigen Alplerbeamten an 
der Älplerkirchweih Obw; Syn. Chilchivih-Maitli. — 
Meist er- = M -Jungfrau (s. Bd 1 1249) L. — Nidle"- 
Maitja: Name der Teilnehmerinnen an der sogen. 
Schueler-Nidlen, einem Kinderfest GrD. Unterschnitt; 
Syn. Schlitten-Maitja; vgl. Bühler 1 373. — Buebe"- 
Maitli Z, -Maitschi W = Gägi-Maitli. — Erdberi- 
Maitselii: Mädchen, das Erdbeeren sammelt und 
nachher feil bietet B; S. 

Berner-: 1. Bernerniädchen L; Z. B. kamen bis 
in die 30er und 10er Jahre an den ZSee aus dem 
Bü., um den Winter über zu spinnen ZErl. Wer um 
den Mund Pusteln oder Blasen bekommt, von Dem 
sagt man: Er hed ime" B. e* Schmutz [Kuss] 'ge* L. 



Sl 



Mild, med, mid, mod, mud 



82 



Hellt sich der Abendhimmel auf, so heisst es: 's B. 
lüpft de" Rock, es gi b d guei Wetter. 2. gemein* es 
U. 11" der Nase ha*, eine Rotznase Lj 8. 

Das /;. in der Wetterprognose bedeutet den westlichen 

lli i.l. '2 h:it. die herunter lian jr«inl<-n Ziinl'e der Berner 

Mildchen von vormals vor Augen. 

Bäsi-Mait(e)Ii: junge Base ScuwE. Liebs B.l 
MLienert 1891, 239. — Bettel-Mätel: Bettelmäd- 
elien Ai'H., M. — BStter- = B'hör-Maitli ApStein. — 

Pläri-Maitschi: Schelte auf ein Mädchen, das oft 
und stark weint BSchw. — Strau-Blä tz-Maitli: 
Mädchen, das mit Strohmatten hausiert Z ; s. MUsteri 
I 206. — Bruech -Maitschi: Jungfrau, ,die den 
Gürtel trägt' S. Mit Freude" zu de" Tänzele", mit 
Trure" widerum hei'", — so got 's i" mängem Br., nit 
nummen i" mir allei". a. Volkslied. — .Brueder- 
Meitlin: mendicantes.' Mal. Syn. Bettel-Mätel. — 
Brief-Maitli = Post-Ofti«d2 (Bd III 347) Z f. Vgl. 
DHess 1818, 513. — Rad-: Mädchen, das, vor Ein- 
führung des Dampfbetriebs, in Seidenzwirnereien das 
Schwungrad der Maschine zu treiben hatte. XVII. bis 
Anf. XVIII., ZStdt. — Rolli-: Schelte auf ein un- 
bändiges Mädchen Schw. — Rast-: erwachsene Toch- 
ter, die einen Teil des Verdienstes (den ,Rast') den 
Eltern für Kost und Wohnung abzuliefern hat, int 
Übrigen selbständig ist Z f- ,Die Tischgänger und 
Tischgängerinnen, auch Rastmeitli.' Z Instruktion 1769. 

— Sudel- Z, Südel- B: Dienstmagd, welche die ge- 
ringsten Arbeiten zu verrichten hat B; Z. — Sand- 
Maitschi: Mädchen, das mit Scheuersand (aus Tuff- 
stein) hausiert B. .Ehedem ward das Besenniannli. 
das Eierfraueli, das Tuft- oder Sandmeitschi usw. so 
gleichsam zur Familie gerechnet.' Gotth. — Singer-: 
Mädchen des Dorfes, die regelmässig zur Pflege des 
Gesangs zskommen LKriens. — Schucl-Maitli Bs; 
B; Ndw, -Maitschi B, -Mätel, -Mädli Ap, Schualar- 
Maidja" GrD.: Mädchen im schulpflichtigen Alter; 
Syn. Schueler-Grütt (s. Bd II 829), -Chind. — Tanz- 
Schenker-Maitli: Mädchen, das von den ,Tanz- 
schenkern' als Aufwärterin an den Tanzfesten gedungen 
wird SchwE. — Schappel-; wahrsch. = Rosenkranz- 
Jungfrau (s. Bd I 1249). Im L Heiligenspiel von 1549 
tritt ein ,Sch.' auf. Vgl. Tschappel-Chnab Bd III 713. 

— G'schir''-: Abwaschmädchen, bes. in einer Wirts- 
küche L; Syn. Abwasch- Maitli. — Schützlig-: hoch- 
aufgeschossenes, junges Mädchen, zugleich mit dem 
Nbbegr. von Schutz-Gatter 3 (s. Bd II 498) BsL.; S. — 
Schlaf- = Scilla fgäugerin (s. Bd II 360) B. ,Sie hatte 
sich gewöhnt, ihre Schi, als Leute aus der untersten 
und verkommensten Klasse zu behandeln.' MWalden. 

— Schlitte"-Maitja 1 ': Teilnehmerin an einer Schlit- 
tenfahrt GrPt. ; spec. an der unter Schueler-Nidlen 
genannten Festlichkeit, mit welcher auch eine gemein- 
same Schlittenfahrt verbunden ist GrD. Oberschnitt. 

— Schnuder- Mädli: verächtlich, kleines, nase- 
weises Mädchen Ap. Vgl. Sehn.-Bueb. — Schnitter- 
Maitschi: Schnitterin B; s. N. schwz. Unterhaltungs- 
blatt 1852, 349. — Schratten -Maitli: nach der 
einen Sage eine Jungfrau, die vom Teufel zur Strafe 
für ihren Hochmut und ihre Grausamkeit in die Höhle 
unter dem Scheibengütsch an der Schrattenfluh ge- 
bannt wurde; nach der andern Sage ein geheimniss- 
volles, zauberkundiges Wesen, das im Bunde mit dem 
Satan den h. Justus an der Predigt des christlichen 
Glaubens hindern wollte und diese Tat dann mit grossen 

Schweiz. Idiotikon. IV. 



Qualen büssen musste LB.; vgl. Mit., Sagen 58/9. — 
Schwenk-Maitschi: Mädchen, das in Wirtschaften 
die Gläser zu spülen hat; Abwaschmädchen B. — 
Stube"-Maitli, -Maitschi: 1. = Cheller-Maitli B. 
,Lisabethli, welches heute in der Pinte seine Base als 
Stubenmeitschi vertritt.' Nydegger 1890. Bei Gotth. 
verhochdeutscht: ,Die Kellnerin oder das Stubenmäd- 
chen, wie wir im Berngebiet sagen.' ,Als sie am Wein 
sassen und die Stubenmagd fragte, ob sie noch Etw. 
zu essen bringen solle.' ebd. Vgl. St.-Knecht. — 2. St.- 
Maitli, Stuben-, Z immer magd Z. Gegs. Uhuchi-M. — 
Stu b et i -Maitli = Chilterin (s. Bd III 245/6) GSa. 
Am Abend des Mai-Hereinläutens wird unbeliebten 
,St.-Maitlinen' etwa ein Strohmann oder ein .Narren- 
ast' vors Fenster gehängt; vgl. Maien 1 und Alpenp. 
II 204. — I n stands-: Dienstmädchen, das die eigent- 
liche Magd, z. B. während deren Erkrankung, vertritt 
B. ,Nun kamen [für die Magd] auch Krankheiten 
und Schwächen; hier musste sie ein Einstandsmeitli 
bezahlen, dort den Dienst verlassen.' N. B Kai. 1843 
(Gotth.). .Eine Einstandsmagd, die kochen kann und 
den Hausdienst kennt.' B Intelligenzbl. 1880. — Tä- 
te li-Maiteli: Mädchen, das am ,St Johannesmahl' 
(zu Weihnachten) die kirchlichen Gemälde in der 
Kirche herumzutragen hat; s. Ap Geschichten 71. — 
Ve r di ng-Mai t s chi : als Verding-Chind (s. Bd III 349) 
untergebrachtes Mädchen B. 's Betli isch es arms V. 
g'si*; hed kei" Vatter und kei" Muster nie g'ha" »"'' 
isch vo" ei"''m Ort zum andere" cho", wo s' es am Wut fei- 
ste" g'ha" hend. AzGilgen 1887. ,Das wäre mir ein 
lustig Dabeisein, wenn jeder Taunerbub und jedes 
V. schreiben sollte.' Gotth. — Tisch-Maitli = Chost- 
Maitli Z. Viele T., die sich meistens mit Spinnen und 
Weben ernährten, wurden 1690 von der Dorfgemeinde 
Horgcn weggewiesen. Strickl. — I"e-träger-: Mäd- 
chen, welches den Täufling in die Kirche trägt ZNer., 
Rüml. — Trolli-Maitschi = Gassen- Maitli Zg. — 
Tschuto-Maitji: mitleidig-verächtlich, armes, hilf- 
loses Mädchen, z. B. von einem Waisenkind W. - 
Chilch-wi ch Chilbi- Maitli (in Gr ObS. -Maitja): 
Kirchweihtänzerin Gr; spec. = Maien-Maitsehi L. Die 
Kirchweihmädchen werden von den Jungburschen ge- 
wählt und der sog. .Kirchweihvorsteher' hat das Recht, 
zuerst die Wahl zu treffen GRÜbS.; vgl. Jäklin 1878, 7; 
Bühler IV 39. D'r Fänden"' 1 hed 's Anne'marlli scho" 
lang vorane" als Ch. angaschiert g'ha" und 's iezt [an 
der Sennenkirchweih] kei" Angc'blick ab d'r Hand 
g'la" L (Schwzd.). — Wuche"-: Mädchen, das Hin- 
ein oder einige Mal in der Woche die Besorgung der 
Hausgeschäfte im Tag- oder Stundenlohn übernimmt B; 
Syn. Spetterin. — Wäldler-: Schwarzwälderin Aa; Z. 
Als Euphem. (viell. für .Wetter') in einem Schwur: 
I ch weit, das 1 der Donner und 's W. dri" schlüeg. Huw. 
Bad. Kal. 1851. — Wümmer-: Winzerin Z. Syn. 
Wimmerin. .Während dem Wümmet war es so wann, 
dass die W. ohne Schuh und Strumpf barfuss ge- 
wümmet, welches meiner Lebtag nicht gesehen.' ZZoll. 
Herbstrodel 1727. — Win- = Cheller-Maitli. Fris.; 
Mal.; s. Chellerin Bd III 205. — Weich-: 1. Dienst- 
magd, die zu Feldarbeiten verwendet wird S; vgl. 
Joach. 1885, 71. — 2. Taglöhnerin bei einem Bauern 
ScHSchl. — Wasser-. DHess 1818, 513 erwähnt unter 
den Personen, welche von den Badegästen Trinkgelder 
erwarten, die ,W.-Magd' (neben dem , Badwäscher'). 
— Abwasch- = G 'schirr -Maitli Z. — Zimpfer- 

6 



83 



Mail, med, mid, mod, mud 



81 



Maitschi: .Schelte auf ein zimpferliches Ding B. 
.Wie ein Z. auf Eiern geht.' Gotth. — Zaupf-: ver- 
ächtlich, schwächliches Mädchen Zg; Syn. Zaupf. - 
Zotter-Maitli: Schelte auf ein Mädchen mit zer- 
rissenen Kleidern und aufgelösten Haaren UwE. 

maitele" S, maitschene" B: sich zu den .Mäd- 
chen halten, ihnen nachstreichen. Er geb a', er mach 
G'schäfti, um besser m. und e Frau sueche* z' chönne*. 
Schild. 

Maitscheler m.: verächtlich. Junge, der sich zu 
den Mädchen hält B; Syn. Maitschi-Fötzler (s. Bd I 
1158), -Güggel. 

Maude" f.: Schelte auf ein gleichgültiges, un- 
ordentliches Weib Schw. I)' Anne' Katri. die alt M. 
MLienert. Maudeli n.: kurzes, dickes, unordentliches 
Mädchen BM. 

Die Gruppe scheint im Ablautsverhältniss zu stehen mit 
der Gruppe mud-, mUd- (Grundbed. .gedrückt, verborgen', in 
phys. und mor. Beziehung*); vgl. ,maudern' bei Gr. WB. 

maude": heimlich essen B um Aarb. 

Maude r Aä; L (neben -äu-)\ S, sonst Münder, 
bzw. Moder — m„ Dim. Mauderli Aa : 1. a.) = Chäuder 

(s. Bd III 148) AA; „B;" VO; Gl; Gr; G; Sch; S; 
Tu; Z; Syn. auch Burren. .An der sonnen zücht die 
katz den augsternen zuesammen; sölichs tuend voraus 
die mäuder.' Tierb. 15G3. Spec. Kater in der Brunst- 
zeit LSemp. — b) schwarze Katze Sch (Kirchh.). — 
2. übertr. auf Menschen, a) fette, dicke Person GA. 
— b) auch Ghole"-M., Person mit dunkler Hautfarbe 
Sch (Kirchh.). — c) Wohllüstling. Mädchenjäger „B;" 
VO; „Gl; Sch; S;" Th. Mehr scherzh. von ledigen 
Burschen übh. Schw. — d) „Schwächling B; VO; 
Gl; Sch." 

Betr. die Etymologie vgl. Audi, zu ehüderen I (Bd III 153). 
Die Form Müder (bes. GRh.) entspricht der Nbf. Ghöder zu 
i 'Minder. Vgl. auch Mauger. Hieher viel], auch der Familien- 
name Mauderli SStüssl. 

Chuchi-: Spottname auf Jmd, der vor dem Essen 
in die Küche schleicht, um zu sehen, was es gibt L; 
Syn. Ch.-Schmecker. 

maudere", mäudere": 1. a) mürrisch sein (,wie 
ein alter Kater') GA.; Syn. chäuderen. .Mauderen, 
traurig sein, moerere, tristare.' Red. 1662. ,Mauderen, 
mussare.' Denzl. 1710. — b) schwach regnen ZoWalehw. 
— 2. der Wohlinst nachjagen, Wohllust treiben L; „Z." 
,N. N., wil er mit einer metzen gemäudert und rnorn- 
dess mit den h. Sakramenten umgangen, soll er ein- 
getürnvt werden.' 1550, L Urteilsspruch. — 3. rasch 
und geschickt Etwas entwenden L. 

mauderig: 1. vom Wetter, trübe, ohne dass es 
gerade regnet L; Zg; Syn. müder ig, maugel, 7nass- 
leidig (Bd III 1084). — 2. von Personen, in sich ge- 
kehrt, niedergeschlagen, ebd. 

Maudi (in Aa tw.; B oSi. Mäudi) m. (lt einer An- 
gabe in B auch n.): 1. a) = Mauder 1 Aa; B; VO; 
„Gl;" Sch; S. Üse" M., we"-me'-ne' i" Stil chiemmt, 
macht nit es settigs G'sicht BStdt (Schwzd.). ,1m Hause 
lebte eine schöne, schwarze Katze, ein gewaltiger M.' 
Gotth. Ein" a'schnüze" (-schnauze') uic-n-e" taube' 
M., anfahren wie ein zorniger Kater 1!; vgl. MWalden 
1884, 128. Etwas misstrauisch und missvergnügt an- 
blicken wie der Bless [Hund] de' M. L. — b) Männ- 
chen von Tieren übh. B oSi. — 2. übertr. auf Menschen. 



a) = Mauder 2a BStdt. — b) einfältiger, auch; hastiger 
Mensch BE. Kleiner, armer Mann B oSi. — c) mür- 
rischer, unzugänglicher Mensch B. Du Ghetzers M..' 
Anrede an eine spröde Geliebte. Guckkasten 1848. 

Betr. die Form vgl. bes. noch die Synn. Mann, Baudi. 
Das Nfiitr. wohl nach dem syn. Büsi, das z. B. bei Joach. 
1881. 104 mit Maudi wechselt. 

Fress-: Schelte auf einen Vielesser B. 

Chole"-: kohlschwarzer Kater B; vgl. Mauder 2 b. 
Vo" dem Pulvere" [Verpuffen von Pulver | hei Mängel 
wie ne Gh. dri" g'seh. B Hist. Kai. 1890. 

Suppe"-: spöttisch von Einem, der viel Suppe 
isst B. 

mündig: steigerndes Adv., euphem. für mein-eidig 
(s. Bd 1 93) Z. M. gross, z. B. von einem Stück Brot. 

Medaii f. Ndw, n. Z., Dim. „Medajeli, Madajeli, 
Medejeh" : Medaille Ndw; Medaillon Z. „Halsge- 
hänge (in." 

Aus dem frz. midaitU, bzw. aus dem rätorom. medaja, 

welche Form wir auch bei Kcssl. treffeu. Vgl. auch Schm.- 
Fr. I 1570, .Medeie' bei Gr. WB. 

Medardus M.eder II, bzw. Müder (in ZO. auch 
M.ederi), häufig Dim. Mtederli Ap; Bs; Sch; U; Z: 
Name des Kalenderheiligen, bzw. seines Gedenktages 
(8. Juni; auch Mäderlis-Tag Ap; Bs; B; Z), der als 
einer der wichtigsten Loostage, bes. für die Heuernte 
gilt. Wie der Müder ist, so wird de'' Heuet, ist am 
M en Bege'schutz, so giH 's en Juckheuet Z; vgl. 
Bd II 1821. Wenn es nämlich an diesem Tage regnet, 
so soll es 21, 40 Tage, 4, 7 Wochen regnen Bs; L; 
Sch; Z; vgl. vMoos 1775, 144/5. Der Mäderli bringt 
kei Büehi me* derher, wo-n-em licbstocl; g , förli d ' war 
Sch (Sulger); vgl. Wander, Sprww. 

Die Fonn Müder hat sich in der Aussprache völlig an 
Müder, Mähder, augelehnt, ein Vorgaug, der erleichtert winde 
durch die Beziehungen, die der Kalenderheilige nach dem 
Volksglauben zur Heuernte hat; doch ist der Vorgang viell. 
der umgekehrte, dass man näudich dem Heiligen, verleitet 
durch den Gleichklang der Worte, diese Beziehungen erst 
andichtete; vgl. Bonifazi : Bon. Hieher gehört wohl auch 
der Geschlechtsnamo Mader Aa (.Roni Seiler, geuaunt Meder.' 
1653, AaWett. Klosterarch.); Sch; Th, während der Kuli- 
name Müder (s. Alpiua I 138) wohl eher zu Müder 1, Mähder 
(eig. wohl: Kuh, die im Grase tüchtig aufräumt, wie iiu 
Mähder) gehört. 

mediati GrPt., mediart Ndw: 1. ohne Säumen, 
sofort GrPt. — 2. beinahe Ndw. Mediart wärist 
iffalle". — Aus frz. immidiat in Bed. 1. Die Bedd. ver- 
mitteln sich durch deu Zwischenbegriff .unmittelbar darauf. 1 

Medizin f.: Arznei, allg. Syn. Ddkter-Busti'g. Es 

ist m'r wi M., es ekelt mich an Aa. 

Mcdizinieretc" f.: Coli., eine Menge von Arznei- 
flaschen, Flaschen übh. GitMai. Syn. Gütterleten. 

Medon S, Medöri Uw: Name von Hunden. 
Wahrsch. aus frz. medor, Liebhaber (vgl. den Namen Ami 
für Bunde). Hedon ist viell. nur fehlerhaft für Medor. 

Meide] m. = Midel-Fisch (s. Bd I 1102). Bodensie. 

Das Selbe sind wnhl die .mädliug' (.Allweg '1 m. = 1 yscr 
Zeilen'). L582, ZEgl. Urbar; s. Wild 1883, 218. 

„Meide"", im Aa (lt Rochh.) Meider m.: Zucht- 
hengst »LG." 

Mhd. (und in unserer Lit. des XIV. /XV.I meidem, männ- 
liches Pferd, Wallach. Das W. wurde latinisiert; Medius 
equus; vgl. Rochh. 1887, 108. 



*.-. 



Mad, med, miil. mod, mud 



Miden. nur in der Interj.: Potz M.! WLö. - 
Wahrsch. enphem. für Udat; vgl. Bil III 1089. 

linde". Ptc. Perf. (/mitte" Bs (Spreng), (fandet F: 
wie nhil. meiden, doch wenig volkstümlich. Verlassen 
S. Die Magd, um unter d'r ZU het müesse" d'r Platz 
in., iis b' sunder e" Gründe", nie d' Lid säge". Joacb. 

ab-: vermeiden. .Dass die Ausführung als Zeit 
verzehrend so weit möglich abgemitten werde.' SMu- 
tach 170!). Auch sonst in B Mandaten des XVIII. — 
Viell. zsgs. nach Analogie der synn. ab-fliehen, -to«cÄe»i 

ver-: vermeiden, unterlassen, allg. Es isch ver- 
mute' 'blibe" Bs (Spreng). Er het 's vermute' g'lo", 
hat es unterlassen zu tun AiLeer. .[Unterhandeln] 
nachdem und si besser dunket getan denn vermitten.' 
1415, Skg., RG. und ähnlich formelhaft häufig, bes. 
im XV. ,AUe geferde. untrüwe und argelist harinn 
gänzlich vermitten. - 1475, Bs Chr. 

Das Ptc. Perf. .vermitten', auch sonst in unserer ä. Lit. 
häufig, ist die urspr. lautgesetzliche Form; vgl. i/liiten, 
<{' *• !i nitu rt. 

unvermidenlich: unvermeidlich. ,Wie es die 
Notdurft und schwere Zeiten u. erforderend.' Z Mand. 
1650. 

Mii'del n.. in Ap; Bs; G; Th in. — PI. mit üml. Ap, 
sonst unver. — Diin. Modell: 1. im Allg. wie nhd.. 
Form, Muster, Modell, concr. und abstr. allg. Spec. 
a) die Form, in welche man Trester-Chäsli (s. Bd III 
509) presst hiTh. — b) Form zu Backwerken, z. B. 
Gufere'-, Chüechli-, Chrone"-, Rose"-, Turle'-Model Bs; 
Tu; Z; vgl. Model-Chüechli Bd III 138; Gofferen Bd II 
131. — c ) vom Gussniodell hergenommen wird die RA. 
sein: Wi us-eme" Mödeli use", blank, wie gegossen 
Aa; Z. — d) , Einen 25" langen M., für Hauben zu 
röhrlen.' ApHer. Avisbl. — e) hölzerner Klotz, auf 
dessen glatter Fläche eine Zeichnung eingegraben 
oder aus Blech eingesetzt ist, zum Bedrucken von 
Zeugen gebraucht Gl; Z; von den Stickern ange- 
wendet, um die Vorzeichnung für ihre Arbeit zu er- 
halten Ap (auch Stich-M.). S. noch Göller Bd II 218. 
- f ) Vorlage für Brodier-, Häkel- und Strickarbeiten ; 
auch die Zeichnung selber, welche durch diese Ar- 
beiten entsteht Ap; VO; Z. Beim Stricken unter- 
scheidet man ein Chrebs-, Müggli-, Badent-, Biindcli-, 
Pfaue"-, Freischütz-, Weste"- Mödeli als sog. Typen- 
muster, beim Häkeln ein Rose'-Mödeli u. A.; vgl. 
Kamen. — g) übertr. bes. in RAA. betr. Ähnlichkeit 
der Kinder mit ihren Eltern Aa; Ap; Bs; VO; G; 
Th; Z. 's (de") M. vom Vater (vo n der Mueter) ha", 
dessen Ebenbild sein; syn. sin icie ab-e»t abe'g' 'schnitte: 
Me" kennt in am M. (a"), an der Familienähnlichkeit. 
Si sind wie us ei"'m M. use", händ 's glich M., sind 
sich nach Aussehen, Kleidung ganz gleich, vom glei- 
chen Schlag. ,[Er] pfiff nach meinem M.' UBrägger. 
Von Kindern mit regelmässigem Körperbau, von 
schöner Gestalt sagt man : Das ist ei" € s wie-n-es Mö- 
deli ZO. ,Und was einerlei mass und einerlei m. bei- 
der Cherubim.' 1531/48, I. Kön.; dafür: .Form.' 1882. 
,Zue einem vorbild und madel.' Kessl. ,Es sollen alle 
fischer die yser über den m., so jeder vor seiner 
obrigkeit gegeben, stricken, auch die reuschen ob- 
angeregten m. gemess und in der selben weite gemacht 
werden.' 1598, JVetter; vgl. Iser-Garn Bd II 420. 
,Sonst g'hören All in eben gleichen Rodel berufner 
Zauberei, die nach der selben M. Böses treiben ab 



mit Bösem widerum.' RGwerb 1646. .Ein Magd tragt 
ein Kind auf dem Arm, das hast, du zuvor nie ge- 
sehen ; gleichwol weil es Dem, Disem gleichet, zweirlist 
du nit. es sei sein und kennst das M.' FWvss 1650. 
.Das Ziegelmodel.' 1653, Z Anz. ,Nach dem vollkomm- 
nesten M., der ersten Regul und Richtschnur des 
Worts Gottes gebesseret.' JHHott. 1666. .Spitzlin und 
Mödelin uf ein Brittlin gewunden.' XVII., L. ,Das 
M. eines neuwen Rathauses.' 1694, Z Ratsb. ,Man 
weisst wol, dass keine Zwei zusammenkommen, die 
überall in ein M. seien gegossen.' JMeyer 1694. — 
2. Bildchen GRh. Einem Kinde en M. gl'. Syn. Ei 
Bd I 179. 

Mhd. model n., m., ans lat. modulus wie Rodel aus rotvlus. 
Das Masc. auch Bs Taxordn. 1G4G: ,Für ein fleissiger M.' 
und JLC'ys. 1661: ,In ein schönern M. gegossen.' Der Unil. 
auch Seh Stadtb. (AI. VI 277); JRLandenb. 1608. 

Fisch- Mödelin. .1 F. zum Pacht [Gebäck, 
Backen].' 1627, Ta-Bürglen Inv. — Hose"- Model, 
auch -Modli G: scherzh. Benennung eines Knaben, 
der die ersten Hosen trägt Ap; G. Syn. Hosunggeier 
Bd H 1698. — Chugle"-: Form zum Kugelgiessen. 
Ein solches musste jeder Scharfschütz (sammt Clielle" 
und Blei) mit sich führen Z f- — C herze"-: Form, 
um Kerzen zu giessen. Z Inv. 1600/1815; 1659, SchwE. 
Klosterarch. Dergleichen, aus Glas verfertigt und 
reihenweise in einem Gestelle hängend, finden sich 
noch heutzutage auf dem Lande in bessern Privat- 
häusern des Kts Z. — Liechter- = dem Vor. ,Ein L., 
so wenig nutz.' 1627, Inv. THBürglen. — Strich-: 
Werkzeug der Tischler und Zimmerleute, bestehend 
aus einer Holzleiste mit scharfen Eisenspitzen, mit 
denen Linien ins Holz (bes. Bretter) eingeritzt (.ge- 
strichen') werden B; Z; Syn. Strich-Mess. — Tirg- 
geli-: hölzerne Form, in der die Bilder und Sprüche 
der Tirggeli eingegraben sind Z. Es G'sicht ha" wie- 
n-es T., von einem Pockennarbigen ZZoll.. auch Spitz- 
name eines Solchen. 

modle" I: 1. wie nhd. allg. Ein bestimmtes Dessin 
ins Tuch weben oder in einen Strumpf stricken Ndw. 
Weidli''' modlet 's a" de" Buggett [Blumenstrauss] 
iimmc", d ass me" iri fröstlige" Versli guet g'seht S 
(Hausfrd). ,Der, der mich in mueterleib gemodlet und 
gestaltet.' 1531/48, Hiob; dafür .gebildet.' 1882. — 
2. langsam kauen (gleichs. als wollte man die Speisen 
im Munde formen?) Z; Syn. chautschen; s. Bd III 578. 

g'modlet: 1. verziert, durch Brodier- oder Häkel- 
arbeit oder durch eine aufgedruckte Zeichnung; bos- 
siert VO; Gr; Z. G'modlets Zug, z.B. Baumwollstoff. 
G'modleti Tischtüechli, SchwMuo. ,Gemodlet und ge- 
blümt-seidene Kleidungen.' Z Mand. 1744. S. noch 
Schwzd. XIX 26. — 2. = g' formt (s. Bd I 1016), bes. 
von Vieh, doch auch Menschen Aa; S; Z. E g'modleti 
Chue. Es guet g'modlets Maitschi AaF. ,Das seien 
einmal schöne Tiere, gut gemodelt und füllten sich 
brav; allen Zeichen nach müssten es von den besten 
Milchkühen sein weit und breit.' AHartm. 1855. — 
Unmittelbar abgeleitet von dem Subst., wie g'ßirmt von Form. 

modele" I, lt St. auch modele": 1. Dim. zu modle", 
Etwas zierlich ausarbeiten (daher auch zsgs. its-m.); 
allerlei kleine Handarbeiten (drechseln, schnitzen) zu 
verrichten, Allerlei mit Kunst und Sorgfalt zurecht 
zu machen wissen B; VO; „S"; Syn. bäschelen. — 
2. genau ausmessen, einteilen B. ,Sie dachten nicht 



87 



Mail, med, mitl. niod, mnd 



daran, d 1 Sach in ein Mass zu bringen, z mödelen.' 
Gotth. Ei"'m Öppis use*-m., Jmdm eine Speise beim 
Vorlegen genau zumessen B. 

ab-mödele n : 1. mit Dat. 1'., karg zuteilen, genau 
abmessen beim Austeilen ß; Syn. ab-stäubelen, -teilen. 
Me" muess de' Chindre" d's Esse' e chli a. — 2. mit 
Acc. S., Etwas beim Verteilen, Verbraucben zu Kat 
halten B. ,Wie sie auch die Kreuzer abmödelete, hier 
konnte sie verschwenden.' Gotth. — zue-: mit Dat. 
P., Jmdm Etwas sorgsam, sparsam zumessen B. Me" 
muess fro si", we"* me" numme" g'nues überchunnt; 
mi" sott meine", si hätte" 's ere" Jedere" [einer Jeden] 
apparti -tteg'mödelet. Schwzd. ,Bei grossen Anlässen, 
bei Waschen konnte ihm [dem Dienstmädchen] sein 
Meister das Brönz am wenigsten nachrechnen oder zu- 
mödelcn.' Gotth. ,Eine Flasche vom besseren, aus wel- 
cher der Alte den Jungen die Tropfen zumödelet.' ebd. 

Mode ler m. : sorgfältiger (gleichsam nach einem 
.Model' arbeitender), aber langsamer Arbeiter B; S. 
1)' Pfuscher esse" 's Brot und d' Mödeler lide" Not. 

g'mödelet: 1. zierlich geordnet, eingerichtet B; S. 
Alles g'mödelet und 'töggelet ha" welle" ; Syn. 'huschelet 
und g'ördelet. Schön g'mödeleti Gärte". Hopst. — 
2. mit Figuren bedruckt, faconniert, von Stoffen L; Z. 
S. Kammerein Bd III 255/6. — 1 Ptc. Perf. vou mödelen, 
'J Alil. von Modelt. 

ver-modele": vermodern L (St. h ). — Zu nhd. ,Moder.' 

modere": glimmen, langsam brennen L (Ineichen); 
W (ImObersteg); Zg (St. b ). Das [feuchte oder faule] 
Holz moderet nur. — Vgl. das Folg. Doch ist auch Zshaug 
mit .motten' zu erwägen. 

modle" II: modern, schimmlig werden VO. D' 
WüschliuHjie" und <V Äbdröchner modli'd, we" me" s' 
nass u /' d' Site" dued Sohw. Es modlet Alls im Cheller 
SchwMuo. G^modlet, moderig, faulend SchwMuo. Nach 
Moder oder angebrannten Sachen riechen UwE. 

modlig: moderig, faulig, schimmlig VO. Es m-s 
Zimmer. 

Mode" f.: im Allg. wie nhd.; Art, Brauch Bs; Th; Z. 
Oppis (nid) i" der M. ha", (nicht) zu tun pflegen Bs; 
Th; Z. Es ist si" M., dri" z' schlä", wenn er 'Prunke' 
hat Z. Häufig Dim. und PL, mit verächtlicher Nbbed., 
[Imstande, Sonderbarkeiten, Eigenheiten Z. Das sind 
nw Mödeli! Mödeli mache", auch: mit seinem Gut 
verschwenderisch umgehen ZEls.; von Pferden: un- 
ruhig sein Z. (Neui) Mödeli a'fangc", sich auffällig 
machen Z. 

Moderei f.: modisches Zeug. ,Die Jugend tanzt 
leidenschaftlich, auch die kinderlehrpflichtige, und die 
Tänzer kriegen Preise, Uhren, Fleisch, Würste, M-en.' 
Anf. XIX., Bericht des Pfarrers von ZRüschlikon. 

ala-modisch: modisch, der Mode gemäss Bs; 
SmSt. (Sulger). Häufig in der Lit. des XVI. /Will. 
Dazu die Subst. ,Alamoderei, Allermoderei', Nach- 
äffung fremder Moden; Modesachen. JMüllek 1673. 
,Alamodist', Modenarr. AKlingl. 1(388, 41. 

Modistin f.: Putzmacherin Ap; VOj Th; Z. 

Junge Entlehnung ans dein Frz. beweist die wenigstens 
fcw. vorkommende Ansspr. mit reinem - 

ab-mödele". Ein"" von Öppis a., ihm Etwas 
abgewöhnen BG. 

Der Voc. wird zwar als kurz bezeichnet, was uns aber 
n.'u'li den I.Miitvirliältiiissen im Kt. li Dicht abhalten kann, 
das W, eher zu Mödeli als zu Mtidel zu stellen. 



(g')mödig: modisch, bes. von der Kleidung /.. 
G'm. ilio". si*. Gebräuchlich: Da' ist nid in. lii üs Tu. 
alt-m.: altmodisch Th; Z. 

Nu" -M odler m.: Neuerer, auch auf politischem 
Gebiet. 1779, Bs (Syn. mit .Franzmänner'). Und ich 
intim" iee, d' Nümödler sige'd die gross/ Schuld a" der 
Unor^nig im Schwizerland. öl Volksgespr. 1834. 

Bot-Moder: Gauchheil, anagallis. Bs Apotheker- 
tax 1701. 

Moderieh ß; „LE.-. Müderech ZEls., „Mutterech 
ß" — m. : Haufe über und durch einander liegender 
Sachen, Durcheinander B; „LE.;" ZW1. Diehänden 
schöne" M. vo" me" Husratl Weiche Masse BB.; 
„Haufe, bes. von Speisen L. Man hat mir einen M. 
aufgestellt." Ganz Modreche" G'chöch fresse". 

Es scheint eine Mischung verschiedener Stämme vorzu- 
liegen; Moderich mag einen Hauten gleichsam iu einander 
modernder Sachen bezeichnen, Müderedi und Mutterech da- 
gegen lehnen sich au Mut ich, Mmtich [verborgener Vorrat] ab. 

Modi, Mudi n.: wegwerfende Bezeichnung der 
Mädchen im Jargon der Knaben BStdt. 

Model in. : Schelte auf einen sehr leichtsinnigen 
Menschen Schw. — Viell. zu modle* II wie Ludet zu 

lodele". 

-modele": brausen, vom Laute des siedenden Was- 
sers F." — Vwdt mit .motten'; vgl. milderen, Nbf. von 
mutten c 

müder: kränkelnd AALcer. 

G'm ü der n.: Zustand der Verdriesslichkeit AaF. 

müdere", in GA. müdere": 1. wesentlich = Mü- 
deren 1 (s. Bd III 624). a) sich in sich zsschmiegen, 
vor Frost oder Angst, besonders von Vögeln; frösteln 
AaFH.; B; Sch; Schw; U; Z. ,Die Hühner stehen 
mudernd und frierend auf der Holzbige [Holzstoss].' 
Wanderer. , Müderen, schauderen, horrere. tremere." 
Red. 1662. — b) auch umme"-m., matt, unbehaglich, 
verstimmt, ohne Arbeits- und Esslust herumsitzen oder 
-liegen, wie es bei leichtern) Unwohlsein oder bei Hy- 
pochondrie der Fall ist; kränkeln Aa; Ap; Bs; B; 
VO; Gr; G; Sch ; S; Z; Syn. auch gruchsen Bd II 702, 
grüggen Bd II 729, grüpen Bd II 790, »lautieren, 
müggren, brueten. Er tuod so Ettes ummer-m. GrL. 
Aus Verdruss, Zorn mit Jmdm längere Zeit nicht 
reden, ihm grollen BHa. ; F; Gr; L; Zg; Syn. chol- 
deren Bd III 237. .Turgere alicui, sich gegen einem 
bläyen oder müderen, mit einem m. oder on reden 
gon, feindschaft und neid gegen einem tragen, wider 
einen erzürnt sein.' Fris. ; Mal. Langsam sein, zau- 
dern Aa (Rochh.). Auch, z. T. refL, von Tieren, bes. 
Vögeln, und übergehend in den Begriff .sich mausern' 
Bs; B; G; See ; S; Z. Das Hüenli wird WÖl welle" 
drufga; es minderet gang B. .Siechen, mucken, wie 
die Vögel, wenn sie sich mausern oder den Pips haben' 
Bs (Spreng). Lt Spreng nach einem Bs Mand. von 
1715 auch eine Krankheit des Rindviehs, bei der sogar 
die Hausbewohner sich innehalten sollen; Syn. mau- 
geren. Von Pflanzen, welche die Blätter senken und 
welken B. — c) leicht schlafen, im Halbschlaf sein. 
bes. am Morgen nach dem Erwachen noch eine Zeit 
lang behaglich im Lette bleiben Gl; G; Z; Syn. bä- 
e.hele» : vgl. ,duse(l)n' bei Gr. WB. — d) meist unpers., 



SU 



Mad, med, mid, mod, liiuil 



00 



unentschieden sein, vom Wetter bei trübem Himmel 
Aa; Ap; B; VOj Gr; G; Sch; Z; vgl. »»««Wen, Muder- 

W'tlhr. Ks G'sieht mache", trie nenn 's neblet und 
wilderet. Stutz. Leicht regnen Aa. Es hed hütie g'mü- 
deret. tiher iezt will '$ mein i<* cho-ge' schone" [zu regnen 
aufhören] AaF. Von eintretendem Tauwetter BSigr. 
— e) nicht recht brennen, vom Feuer, glimmen Z; 
Syn. motten; vgl. moderen. — 2. Schallwort, a) brum- 
mend sein Missvergnügen äussern, sich beschweren, 
murren; widersprechen B; VC); Gr; Syn. cfiüderen 6 
Bd III 152/3. De r Bür mudered eisder ülier sini Chneeht 
Ndw, S. noch flismen Bd I 1212. — b) leise und un- 
deutlich sprechen Aa; Syn. mutieren. — c) schnarchen 
Ap. — d) schnurren, von der Katze Ap; „GRh."; vgl. 
Müderli. — e) dumpf rollen, von fernem Donner VO. 
Es muderet geg- d em Pilatis üsc" scho" lang; es gi b d 
es Wetter New. - Vgl. Anm. zu Mavtden uud betr. die 
Bedeutuugsentwicklung Anm. zu chüdercn. 

i"-: refl., sich zum Schutz gegen Kälte recht dicht 
einhüllen Sch. Syn. in-mummelen. — us-: aufhören zu 
m äderen, von Menschen, die ihre körperliche und gei- 
stige Frische, gutes Aussehen und gute Laune wieder 
gewinnen; von Singvögeln, die den Gesang wieder auf- 
nehmen; vom Wetter, das allmählich sich aufhellt 
Aa; Ap; Bs; B; VO; Gr; G; Sch; S; Z. Ausschlafen 
i. S. v. müderen 1 c Z. — ver-: vor Frösteln fast 
vergehen, .ganz frostig werden' SchwE. 

Müdere" f.: Seheltw., in der Abfertigung: Stille", 
31., d' Geiss ist chronic. Sprww. 1869. — Wahrsch. das 
Kein, zum Folg. i. S. v. : klagende, mürrische Person. 

Müderi m.: kränkelnder, niedergeschlagener, mür- 
rischer Mensch Aa; Ap; Bs; B; VO; Gr; G; Sch; S; Z. 
Me* hdtt de" Moritz mängist scho" me für nc" alte" 
M. und Wvndertt chönnen a'luege" L. 

müderig, in L tw.; G; Z g' müder ig: wesentlich 
= mauderig. 1. unwohl, kränkelnd Aa; Bs; B ; G. Es 
ist mer m., neben: I ch bi" m. B. Von Vögeln in der 
Mauser oder wenn sie das Gefieder sträuben Bs; B; Z, 
von welkenden Pflanzen B. .Etlich Springer erzeugen 
auch wol [Maulesel], die man hoch schetzt und die 
doch ganz muderecht [frostig], selten brünstig werden.' 
Tierb. 1563. Matt, schläfrig, niedergeschlagen, in sich 
gekehrt Aa; Ap; Bs; B; VO; Gr; G; Sch; Th; Z. Wo 
feit 's, dass d' eso g'm. bist? Z. Dem isch's nöd recht, 
er ist iiebe* so g'm. G. 's isch Alles m. und iV Kerli 
und d' Manische" wie verstört. Breitenst. .Dies [die 
Hinrichtung Brehms] sah aus so schauderig, Alles war 
ganz mauderig.' Krapf. — 2. = mauderig 1, dünn be- 
wölkt, so dass die Sonne noch durchscheint, neblig 
um die Berge Aa; Ap; Bs; B; VO; Gl; Gr; G; Sch; 
S; Th; Z. Me" hat kei Freud zum Schaffe", nenn 's so 
vi. Wetter dusse" isch AaFiL — 3. schimmlig. .Wenn 
der Wein einen sauren Stich oder sonst einen m-en 
Geschmack bekommen hat.' Schweizerb. 1817. 

Über die weitere Verbreitung unseres W. in al. Gegenden 
vgl. AI. III 281. In GrL. ist der Voc. (in Bed. 2) kurz. 
Die Bedd. 1 und 2 vereinigt auch tüeh. 3 gehört viell. nicht 
liieher; vgl. nhd. moderig und unser modlig. 

Müderli n. = Hudi II 1 (s. Bd II 1001) Z. Vgl. 
auch Nüderli. 

Herrgotte n -= Unser-lielien-Erauen-Güegli (s. Bd 
II 162) G. — Wahrsch. davon benannt, dass sich das Tier- 
chen oft lange ruhig an der seihen Stelle aufhält, wo es zu 
schlummern scheint. 



müderle" (in Ndw müderle"): Dim. von milderen. 
1. a) traurig, träge oder Bchläfrig herumschleichen 
Scn. — b) oft zsgs. mit us-, leicht schlummern; im 
halbwachen Zustande langsam ausschlafen, mit dem 
Nbbegr. des Wohligen. Wohltuenden, bes. von Kindern 
Ap; Gl; G; Scn; Tu; Z. /"'' tu no ci ■'an Esse' gern c 
ehli m. G; Z. — c) meist unpers., sich trüben, vom 
Himmel G; Z. — 2. leise seine Unzufriedenheit zu 
äussern anlangen Ndw. 

Müderli n.: 1. ein leichtes, kurzes Schläfchen '/.. 
— 2. Kätzchen, bes. als Kosewort in der Kdspr. Ap. 

Milder m. : Ziegenname GT. ,Wie schaute der M. 
ihn's noch so gescheid an mit seinen grossen Augen 
und schüttelte zum Abschied lustig die Glocke.' Hadsfrd 
1881. ,Der M. mit seiner hellen Glocke geht dem Zug 
[von Ziegen und Schafen] voran.' III. Kal. 1851. — 
Vgl. Mutti (Mudel), Mutti-Geiss. 

G e mfider n.: Durcheinander von allerlei Abfällen, 
bes. von Brennmaterialien, z. B. in Schreinerwerk- 
stätten, im Holzschuppen, auf dem Dachboden usw. 
Ap; L; G; ZO. .Niemand soll deheinen bü [Dünger], 
kummer, erd, stein noch ander gerauder in der statt 
burggraben füeren.' 1417, Z Batserk. .Uf der tili im 
gemueder [so!] liggen.' 1485, Gpd. 

Das W. gehört wahrsch. mit modlig zu einer Gruppe zu- 
sammen. Vgl. bes. die Synn. Gehüder, Genüder, Geschmüder. 

Ch rüsch-Miider m. : kleiner Sack für Kleie B. 
Viell. mit Müder zur gleichen Wortfamilie gehörig, deren 
Grnndbed. wäre: kurz, gedrungen, gestutzt. 

Müderich m.: Dickbauch. Id. B. - Vgl. die Anm. 
zum Vor. uud Mutti. 

Müderli n.: eine Entenart, kleiner Steissfuss, pod. 
minor B; vgl. Meisner und Schinz 1815, 254. 

Wahrsch. ebf. zu den nächst vorangehenden WW. ge- 
hörig, den kurzen, gedruugeuen Körperbau bezeichnend; vgl. 
aber auch das Syn. Tüchel. 

Muerler Ap (PI. Müeder, neben Müederer, Dim. 
MüederliJ; PAL, sonst Müeder I n.: Mieder. Schnür- 
brust Aa; Gr; PAL; G; Scn. und zwar glattes (im 
Heg*, zum Brisi) AaBL. ; langes, altmodisches, das 
wie eine Weste getragen wird Ap. Das nü ,c M. mit 
d'r Sidn'schnuer und dem stifn", hübsch garniertn" 
Papir <inPr. (Schwzd.). Wortspielend: 's Müederli 
u-hii", mit weitläufigen Reden langweilen Ap. ,Capi- 
tum, Brusttuch. Müder.' Denzl. 1716. S. noch Götter 
Bd II 218; Z Taschenb. 1883, 87. 

Mhd. muoder, Leib, Leibchen, Mieder (auch von der 
Männertracht). Vgl. auch I.ibli Bd III 979. 

Für-: der vordere Teil eines Mieders nach altem 
Schnitt Ap. — Bris-Nestel-: Mieder, das mit Schnü- 
ren zsgezogen wird Ap. — Satze"-: Mieder, an dessen 
Klappen und hinten über dem Rückgrat t. Silberplätt- 
ehen, t. Verzierungen"aus Silberdraht ( Hosen, Schössen- 
Chetteli; vgl. Bd III 567) prangten ApH., K.. M. - 
Schnabel-: Mieder, das unten spitz ausläuft Ap. — 
Ponter-Spange"-: Mieder, das mit einem Sammt- 
band geschlossen wird Ap. — Hochzits-. ,Ich lass 
die Schneiderin kommen, damit sie mein rotes H. und 
den Spenz [Jacke] dem Mädchen auf den Leib passt.' 
Joachim 1892. 

niiied: 1. wie nhd. müde. allg. Mach di ch nit :' m. 
— 's isch ja morn o ch no ch e Tag'. Zuruf an Arbeitende. 
M Walpen. ,MHHn sind m. zu sitzen [an der Dispu- 



91 



Mail, meil, mid, 



id, tu ml 



92 



tation].' Zwingli. Gesteigert hund-erde"- Th. tod-crde"- 
Z, hunds-(lod-) Aa ; Gr; G; Z, z' Bodo" m. B. Obertr. 
a) euphem., betrunken Bs (Spreng). -- b) „stumpf, 
von Schneidwerkzeugen LG." — c) Milch m. mache", 
durch Rühren im Butterfass zum Buttern bringen; 
sog. .ganze Milch' in einer Flasche schütteln, damit 
sie als Getränk für Kranke diene W. Von Butter, 
die z.B. beim Kuchenbacken zu lange gekocht hat 
Aa; S. M'r müesse* no c * einisch Anke* übertue* [über 
das Feuer setzen], de r iseh »i., d' Chüechli uci" nümme" 
recht ufgo*. Joach. 1881. — 2. .ermüdend' geschwatzig; 
lästig, von Personen und Sachen Ar; VO; Gl; G; Tu; 
Z. Bis mer nüd m.! Abweisung G. Der Appenzeller 
erwidert auf eine Neckerei: Bis nöd so m.! .Imd. der 
noch eine Frage anbringen möchte, entschuldigt sich: 
Er [ihr] werde'd aber denke*, i c " sig e* m-e Ma**. 
Alpenbott 1308. Einen Zudringlichen schilt man: Du 
m-e r Gast (s. Bd II 484), Joggeli Ar, Christ (s. Bd 
III 807), du m-i Grit G, Henne" (s. Bd II 1312), Sei! 
Wenn d' [du] Se>b probierst, du m-s G' schöpf, so 
chunnst denn sicher um di" Zopf! EFeuker. ,Aber so 
man den müeden tant lang b'sicht, so sind es nüt an- 
ders dann arbeit der müessigen wortkempfen.' Zwingli. 
,Dass die Burgerstädte sich des landflüchtigen Abtes 
nicht annehmen und am die Freundschaft Zürichs 
mehr geben würden als um die m-en Umtriebe jenes 
Mannes.' 1530, Abscii. ,0, nun sehwyg. du m-er mann !' 
JBinder 1535. ,Sie freuen sich, dass sie der m-en 
bürde abkommen sind.' LLav. 1587. Auch bei Mal. 
(s. Gr. WB. VI 2617); HsRMan. 1518 (s. Baecht. 355). 
Adv., in der Verbindung miat z' vil, pur troppo PAL 
(Giordani). — 3. arm(selig), unglücklich, bedauerns- 
wert PA1. Mint)' Gast, Tising! povero diavolo, miati 
Zonn, poveretta! Giordani. ,Ich meint, er [1. es] war 
niemand müeder dann allein wir armen lantsknecht.' 
HsRMan. 1548. — Mhd. müede in den Beäd. 1 und 3. 
werch-: müde vom Arbeiten B. 

G'müed n.: ermüdendes Bitten, Drängen Vü; G; 
Z. Es G'm. ha". Blös-mer Äschq*! hast all a G'm.! 
GRh. Syn. Müedi- Wesen, -Zug. 

müede": 1. „ausruhen G." — 2. intr., durch Ge- 
schwätz, bes. aber durch anhaltendes Zureden, unab- 
lässige, zudringliche Bitten beschwerlich fallen Aa; 
Ar; VO; Gr; G; Sch ; Tu; Z; Syn. gresten (s. Bd II 
819/20), nöten. Er hed alliwil s' m., bringt immer 
das Gleiche vor Ar. Hast du allewil e* Müede' 1 ! zu 
einem lästigen Bittsteller Tu. Was dir min Bart 
doch z' schaffe" giH! Er schmiert di ch nüt und doch 
tuest all droh m. EFedrer. Bald müedest, bald giH 's 
süs [sonst] en Chili, ebd. Alli Drei heind nid g'hort 
in. und heind dem alle" Ma** leei* Ruch g'lan Gr 
(Schwzd.). .Einmal Hess Nikiaus nicht nach mit M., 
bis Babeli und die Schwester ihm ins Schiff folgten.' 
III. Kal. 1851 (GT.). Müed-mer nüd! Abweisung G. 

Mer imiil höre" w., wollen nicht hr unnötige Worte 

darüber verlieren G, auch scherzh. mit dem syn. Zu- 
satz: und a'fanijc" räzije" Ar; GBern. An Ei"' in um 
Öppis (Näbes) umme* m., ihm unaufhörlich mit Bitten 
anliegen Ar; Vü; G; Seil; '/.. Schelten ArHer. ; vgl. 
us-m. — 3. sich abmühen. .Das Weibervolk ist Tag 
für Tag hinter der Brattig und rechnet und miedet. 
wenn das beste Zeichen sei für den Hanf zu säen.' 
Ursen-Kal. 1868. — I. tr., Jmd bemühen, mit Bitten 
belästigen L. 



a»-: Jmd belästigen G. — er-: mit Acc. S., Etw. 
durch unablässiges Bitten und Drängen erzwingen, 
sich zu verschaffen wissen VO; Z. — üs-: mit Acc. P., 
Jmd ausschelten UwE. — ver-: ermüden. 1566/1644, 
II. Helv. Conp. PiefL, sich müde machen. .Darinn 
stiessent sy den Herrn, bis es tag ward, und hattent 
sich die Juden an im vermüedet.' HsSchükpf 1497. 
he-: 1. ermüden, belästigen. .Das land mit raub und 
brand sehr bemüedet ward.' Wurstisen 1580/1705. .Die 
platten werden mit geistlichem krieg die kirch Christi 
h.- LLav. 1587. ,Die Helvetier, durch den schweren 
Tross heftig bemüedet.' JEüeger 1006. 

Müede" f.: träge, unordentliche, gleichgültige 
Weibsperson W. En unlustigi M. Auch: bedauerns- 
werte Weibsperson, ebd. En urmi M. 

Müeder, Müedi m., Dim. Müedeli GA. : lang- 
weiliger Schwätzer, unablässig Bittender Aa; Ap; Vi); 
Gr; G; Scn; Th; Z. Syn. Gresti (s. Bd II 820). 
Schimpfer ApHer. 

Müeder i G, sonst Müedete" f.: langweilige Er- 
zählung, unablässiges Bitten Ap; G; Th; Z. E* Müe- 
dete* ha" an Ei"'m. Hält nüd so e" stroligi Müedete"! 
Ap. I ch cha"" der 'sch wol säge", wenn t' Giduld liest; 
es gi b d halt e" langwiligi M. Bürger- und Bauern IV. 
1825 (ApK.). 

Müedi f.: Müdigkeit, allg. .So schnell Hitze und 
.\I üde es mir erlaubten.' Gotth. ,Do unser Herr nider- 
fiel us niüedin mit dem krüz.' HsStockar 1519. Auch 
sonst oft im XVI. und XVII. 

müedigen: müde machen. Vgl. müeken. ,Bis si 
bod gemiediget [waren].' Ansh. 

Müedi (n)g Gr ObS., sonst Müedlifnjg in.: alter, 
durch Kummer und Arbeit entkräfteter Mensch Th ; Z ; 
unbehülflicher Mensch (der sich mehr als Andere 
mühen muss), armer Teufel Gr OhS. ; Z. .So alle 
Tag frühe und spät als arme Müdlinge bei Wind und 
Wetter nach der Stadt hin- und herzugehen.' AHöpfn. 
1788 (vom Bauernstand). ,So ich das Murmeltier mit 
den müssigen Appenzellem vergleiche und die Ameise 
mit den Müedlingen in unserm Zürichgebiet.' LMey. 
v. Knon. .Ein alter müedling.' Jos. Maler 1593. Ein 
durch harte Bussübungen Gequälter wird .ein arm 
Müding' genannt. Fastn.-Pred. 1001. ,Ich hab gekeimt 
ein guten, armen Müedlig, dem ward sein Seckcl ge- 
stollen.' RGwerb 1010 und ähnlich Zauberei 1704. 
,Es war Nacht, sie [die Hirten vor Bethlehem] waren 
arme Müdling, die nieneran gedacht als an ihre Herd.' 
FWvss 1650. ,Ein arbeitsamer Müdling, ein dürftiger 
Handarbeiter, der sein Stück Brod im Schweiss seines 
Angesichts essen muss.' JUlr. 1733. Bes. häutig bei 
HPest.; vgl. Gr. WB. VI 2022. — Mhd. „,„,./;», , un- 
glücklicher, elender Mensch. 

m üedl ige": vorwitzig nachforschen Scnw; Zg. 

üs-: tr., Jmd ausforschen, ebd. 



93 



Maf, mef, mit. mof, uiul' 



94 



Maf, mef, mil', mof, liuil', bzw. maff usw. 

„lnall'le": (ohne Zusammenhang und Überlegung) 
durch einander plaudern LE. Syn. chaflen, baffen." 

Maffli in.: Einer, der viel spricht, ungeschlacht 
and unverständig drein redet; „Plauderer* BHa.; „LE." 
Dazu das Fem. „Mafflere*." — Vgl. schw&b. MäffeU n , 
maulfertiges Mädeheu. 

mäffele": still grollend Widerreden, hinterher 
brummen, keifen BM., 0. Syn. brüwen, brummlen, 
wäffelen. Mir wein guggen fir en ändert Jungfrow; 
disi hed d's ganz Zit Eppes -' in., we**-me*-ere Eppes 
seid BHa. 

ver-gal li-mäffe": Etwas durch Unachtsamkeit 
übersehen B oE. 

Das Vb mafflcn stellt im Ablautsverhältniss zu dem syn. 
mufflen; vgl. .Mutfmaff' und .maifen' bei Gr. WB. Zu ver- 
gdUi-mäffen vgl. Galli II Bd II 203, zu -mäffen das mit 
mvff(l)en stammverwandte Möff. Vgl. auch bair. mäffzen. 

Kutz-Mev: Scheltw. auf die Kürschner. ,Nieman 
soll deheinen kürsner noch syn knecht anruefen noch 
besweren mit disen Worten: kutz mev noch mit de- 
heinen andern sinnlichen Worten.' um 1400, TiiDiess. 
Stadtrecht. 

Es ist sehr fraglich, ob es gerechtfertigt sei, ein Onnpos. 
anzusetzen, da es eine .Kauzmöve' nicht gibt, und der auf 
Spitzbergen vorkommende Name .Kutge Geht'' nicht zu uns 
gelaugt sein kann. Auch deutet die Schreibung des Textes 
eher auf zwei getrennte WW., und das erstere wäre entw. 
in dem Subst. Chuz (Bd III 603) oder in der Interj. chutt 
(Bd III 605) zu suchen. 

Moff Bs; S, Möff 1 Bs; BG., Stdt und Umg. — m. 
(in B n.): Scheltwort, Latte, Dummkopf; Lümmel B; 
gefühlloser, beschränkter Mensch oBs. Syn. Gösch 3 
(Bd II ISO). .Aus dem M. von Animann ist Nichts 
herauszubringen.' Alpenh. 1870 (BE.). Du donstigs 
31.! üotth. ,Ein M. und Grobian.' ebd. ,Wer die 
eine rechte Ansicht nicht habe, sei e" Böff, e* 31. oder 
c* Tüfcl.' ebd. ,Was sagst du zur Bildung des Volkes, 
das einen solchen M. wählte?' ebd. Das Neutr. von 
vorlauten, unverständigen Frauenspersonen. U* d da" 
wott 's no ch derzue bifele, das M.l Amcne" settige* 31. 
sött-me* grad ei'fach d's Mal verbinge*. 

Stadt- s. Grieggi Bd II 728. 

muffle» AaoF.; BsL.; BU.; L; Schw; S; Uw ; „Zg", 
Dim. möffele" BsL.; ß; L; S; Uw: 1. langsam, mit Mühe 
uder auch mit Behagen kauen, bes. vorn im Munde 
mit sichtbarer Bewegung der Kinnlade, wie alte, zahn- 
lose Leute; das Dim. von Kindern, Hasen und Kanin- 
chen Bs; B; S; Uw. Syn. mänggelen. Auch: mit vollen 
Backen, unanständig essen AaoF.; L; S; „Zg." De 
[du] mofflist doch eswe-n-es alts Müeterli SchwMuo. 
Brod moffle", nach Herzenslust Brot essen BM. ; S. 
Der Hens [Pferdename] muffelet j<> so langsam wie-n-es 
Ghüngeli S (Joach.). Ä Vhüet-is, e" Sekenkeli [kleines 
Backwerk] möffele" cha"" me" alliwil und c" Gläsli. dos 
bringt-men öppen-au cU ctbe". Breitenst. Auch bildl.. da- 
hinraffen : Es hed-e" [ihn] möge* g'möffele" LMegg., es 
hed-e" g'möffelet, der Tod hat ihn bezwungen. Ineichen. 
— 2. „undeutlich sprechen L; Zo." Syn. mänggelen. 
Spec. a) leise, aber mit sichtbarer Mundbewegung 
beten L; Schw. Z' Kriens han-i eh [eine Wallfahrerin] 
g'mofflet sevfl dfich: Ericirdiger Herr Sant Galt usw. 



(Ineichen). Die Roten machen es wie die Pharisäer: 
B'schissen-is, moffle", aber gend Nüd z' Älmuese* L. 

— b) dri* m., mit halb unterdrückter Stimme, unbe- 
rufen, unschicklich drein reden B; S. ,Wo sie möchte, 
dass er rede, da schweige er, und wo er schweigen 
sollte, da möffele er drein.' Gotth. — 3. a) (möffele*) 
nach Hasenart Maul und Nase rümpfen, zum Spotten, 
Höhnen BBrisl. — b) schmollen L. „das Maul hängen 
lassen, sauer drein sehen Uw." 

Moffle" f.: Maul AiBremg. 

Moffli in.: Einer, der mofflet BsL.; SchwMuo.; 

S; UwE. 

Möff II SG., Möffi JBsL.; BBrisl.; S — n. : Maul. 
Halt 's 31. ! BBrisl. Mach, i ch gib-der Ei,"s uf 's M. ! 
SG. Spec. a) Hängemaul, krummes Maul BsL. - 
b) Möffi BsL,; SL.. 31öffeli BsL.; B, kleiner, spitzer 
Mund SL., Kindermund, drolliges Mäulcben BsL.; B. 
Auch auf das Kind selbst übertragen B. Syn. Wdffeli. 
Vgl. die Anm. zu muffen. 

Möffeler m. : Einer, der muffelet L. 

Möffelin.: scherzende Schelte auf ein Mädchen S. 
's geit-em Alls guet, dem 31. Hausfrd. 

Möffi II m.: 1. wer heimlich isst ZGWalchw. — 
2. wer ein böses Maul macht Bs (Becker). 

Mai! I in.: Weinmass, ein alter Schoppen BsStdt. 

Muff II m.: 1. = Moff Gr; G. Syn. Kamiiff Bd III 
257. — 2. Mops Ar. — Zu Stoff wie mußten neben mofflen; 
auch bair. = Murrkopf; vgl. muffen und Mvffi. 

Stadt-: Spottname für Städter B. Syn. St.-3Iöff. 

„muff: schmollig Uw." 

G°-muff n., in der RA.: Eine* bim G. ne""", 
Einem ins Gesicht fahren SchwE. — Vgl. das Syn. O'e- 
fräss, zu dem es sich verhält wie muffen : fressen. 

muffelig: spitzmäulig, naschhaft TiiTäg. 

muffe" BG.; L; Sch; TiiTäg.; Ndw; ZW., muffe* 
Gl; SRechersw.; ZKn., Stdt: 1. = moffle* 1 „B ; " ZW. 
- 2. = moffle* 2 a L. — 3. schmollen, widerbellen, 
mürrisch Widerreden BG.; L; Sch; TnTäg.; Ndw; 
ZKn., Stdt. Syn. mofflen 3 b. Er het g'miiffet, me 
wenn er mi ch wetti fresse* BG. ; vgl. ,maulen.' — 
4. Jmdn zu wiederholten Malen stark stossen SRech. 

— 5. nach Fäulniss riechen, von (eingeschlossener) 
Luft Gl. 

Zu Grunde liegt ,MufP, eig. der durch das Kauen oder 
Schmollen entstellte Mund; vgl. Gr. WB. VI 2622. Zu 3 
vgl. das frz. faire la moue. Syn. zu 3, 4 und 5 ist mupfi n, 
müpfen. Zu 4 viell., doch in der correlaten Bed. ,zupfea': 
,Wir [Landsknechte | tuend doch uiit denu saufen, das Kätter- 
lein beim Ruck stäts maufen.' Myricäus 1630; zu der Deh- 
nung des Voc. mag diejenige in Muß verglichen werden. 
Zu ö (nihd. muffeln) passt it. muffa, Schimmel, das indessen 
viel!., wie das frz. moue, auf das deutsche .Muff' zurückgeht, 
welches zunächst als Interj. ,muff' den Widerwillen sowohl 
beim Schmollen und Widerbeileu als beim Empfinden eines 
üblen Geruches, verbunden mit der entsprechenden Bewegung 
des Mundes und der Nasenflügel, ausgedrückt habeu mag; vgl. 
Gr. WB. aaO. 

er-: schimmlig werden, ersticken, zunächst von 
zu wenig dürrem Heu, auch von Holz GrL., Pani, 
Pr., Schud., Tschiertschen. — ver-: ersticken, vom 
Korn im Boden Gr UVatz. 

Zn muffen 5 ; es ist wohl hier aus lokalen Gründen Ein- 
wirkung des syn. it. muffare anzunehmen. 



95 



Maf— muf. Maft — mutt. Matz mufz. Mafzg— mufzs. 



Mag— mug 



96 



Muffi: 1. in. a) mürrischer Mensch, Murrkopf, 
Widerbeilei' B. .Kr antwortete trotzig, er hätte nicht 
Zeit. Das ist mir e* M.. .sagte Sophie, aber geh wie 
er tuet, d's Hers ist im doch i* de* Hose*.' Gottb. — 
b) wer ein yerdriesslicb.es Gesieht macht, Sauertopf 
„LG.;" Sch; UwK. — c) dicker, kurzer Mensch BO. 
Dim. Muffeli, Person von kleiner Gestalt UwK. 
dl Hundeart, Mops BO.; U. Er chunni, Eierwegge' 
im Mal. uir' chaulet uir' wafflet [kaut mit vollem 
Mund] ii- it • e* M. BO. (Alpenr. 1827). — 2. n., saures 
Gesicht UwK. 

1 ei entspricht insofern genau dem schriftsprachlichen 
.Mops', als dessen }> nd. ist, also hil. ff entspricht, wie in 
ndl. mo)>pen = unserem muffen; vgl. Gr. \VB. VI 2525. 

muffig: 1. (auch „muffig") „schmollig I.." — 
_'. modernd, schimmlig Gu UVatz. 

Muffle" f.: grosser, vorstehender, hes. von Un- 
willen aufgeblähter Mund Ndw; zahnloser Mund Schw. 

Vgl. das elif. vom deutschen .Muff' herstammende syn. 
frz. mouße (mufle). 

muffle" AaF.. Kri.; Bs; B; G L (mufle*) ; L; G; 
Sch; Schw; UwE.; U; ZDättl., Dim. muffele" ÄiWohl.; 
Bs; B (häufiger als -ö-); SchwMuo.; Th; UwE.; Z, 
nüffele* ZEüml.: 1. = mofflen, möffelen 1. aaOO. ,Ore 
pleno loqui aut deglutirc' Id. B. .SV mufflet abe* 
geschwind undfrogt... Hindbrh. Was hest .'muffle*'? 
He, Brot AASt. Erhed e* schöne* Mumpfel Ghäs und 
's legseht Mutsclüi dezue g'mufflet L (Schwzd.). Er 
hei Brot g'muffelet zwüschen ine* [verstohlen in der 
Zwischenzeit] BM. Maiteli, tue de* Geissbock hei m , 
uih im brav Heu, dass er brav muffele* ihn"" wie-n-en 
Laggai. Stütz. .Alte Leut muffelen gem. viro seni 
maxillae baculus.' Mev., Hort. 1692. Die arme* Diebe 
hättid und mer s' mansche" und :' muffele" g'ha*. Ge- 
spräch 1712. Bildl., gleichs. an Ktw. herum kauen, 
schnüffeln, d. h. leicht arbeiten BHa. Jitz han-i ch all 
Tag dran umhe* g'miffeled und bin doch nienen hin 
chun BHa. — 2. (muffle*) = mofflen 2; unverständlich 
reden GnL.,Mal.. l'r.; Syn. munggen. Spec.= mofflen 2a 
L; Schw. — 3. = muffen3 Srn; zanken, gereizt reden 
GrL.; Ndw; (muffele*) immer Etw. zu tadeln haben 
Z (l>än.). Syn. mänggelen. Hieher die scherzh. RA.: 
Mit Bespek z' melde* und mit Gunst z' muffele" Z 
(Dan.). - 1. ächzen, stöhnen, klagen W. Syn. mugglen. 
— 5. (muffele") = muffen 5; nach Schimmel, altem Käse, 
nach Schweiss riechen B; Gr. Vom Fleisch = herelen 2 
(Bd II 1550) „B; Z." .Exhalationes corporis humani 
in camera clausa redolere.' Id. B. ,Du stinkst [und 
muffelst wie ein otter.' NMan. ,01ida capra, der böss 
geschmack und g'stänk under den uechsen eines men- 
schen, etlich nennend es muffelen oder büekelen.' 
Fris. ; Mal. 

miss- Schw, ver-miss- AASt.; (> 1799: sich vrr- 
reden, etwas Unrechtes oder am unrechten Orte reden. 
Syn. vermiss-wufflen. 

Muff ler Bs (Spreng), Muffli Bs; UwE., Müffeler 
Aa — m. : Einer, der langsam, mit vollem oder zahn- 
losem Munde kaut. So het 's dem " längwilige* Müffeler 
cmlUrli cum/ In lieht, 's Mul .:' wüsche* und z' gö* Aa 
(Gysi). 

mufflig BAarb.; GrD., muffelig GWa.; THTäg.: 
1. dick, unförmlich li. Muffligi [vorn breite] Schueh 
BAarb. — 2. spitzmäulig, naschhaft THTäg. — 3. schim- 
melnd, von erstickter Feuchtigkeit GkD., von nicht 
mehr frischem Mehl. Getreide GWa. Syn. nüechtelig. 



Gras-Müfferli n.: Maul im Rätsel von der Kuh 
Aa (s. Schwzd. 111 62). 

„Müffi m.: Sauertopf LG.; Sch." 

Müffi n.. in Gl; tinlle. Müfi: 1. saures Gesicht 
Bs; S. ii; UwK. Krummes Maul, unzufriedener Aus- 
druck des Mundes, schmollender Mund Aa; Gl; Schw. 
Ar macht en artiys [sonderbares] M. Gl. — 2. zu- 
friedener Mund Sch (Müfßi). E* sele'-zfride* Muffi. 
Hinderm. Spöttisches, schelmisch verzogenes Mäul- 
chen Bs. D's Hüssi's G'sicht isch nw e" M. dergeget 
[gegenüber einem pausbackigen Bilde]. Prophet 1855. 
- 3. (Müffi) Zahnlücke GlH. — 4. (Müfeli) Mund- 
voll GuHe. Syn. Mümpfeli. 

Merkwürdig ist für Gl die Doppelform Müfi und Müffi; 
die Lauge des ii kann auf dem Einftuss des syn. Schnüfi be- 
ruhen; doch vgl. auch t. die Aum. zu muffe", t. muffle*. 

(er-, ver-)imif'ere°: meist refl., sich regen, ein 
Lebenszeichen geben, sich mucksen GrPi\, Sch. We** 
V schi ch noch es einzigs Bitz miiferet, se schlän-en in 
de" Grundsbode* in GrScIi. (Tsch.). - Wahrsch. von 
röm. mouver; vgl. Büfi aus rooina. 



Mufti m.: 1. dicker, plumper Mann L; S. Kett- 
wanst Zg. Syn. Muchel, Blätech. — 2. Mensch mit 
stumpfem Gesichte Schw. — 3. „Murrkopf W." 

Eigentümliche, viell. durch Anlehnung an das türkische 
\V. sich erklärende NM', zu dem Syn. Muffi; auch bair. 



Mnfz in.: Schimmel Gr. — Abstrahiert von mu/zeny 

s. die Aum, zu mufzelen. 

mufzele": nach erstickter Feuchtigkeit, Moder 
riechen, wie z.B. Kleider, die lang in einem Schranke 
lagen GrD. Syn. muffelen, nüechtelen. - Dim. zu 'mufoeti 
(s. das Folg.), einer Ableitung vou muffen. 

er-mufze": von Feuchtigkeit beschädigt weilen. 
wie Kleider in einem Schrank GrD. Syn. er-muffen. 

muf zig: schimmlig, nach erstickter Feuchtigkeit 
riechend GrD. Syn. muffig. 



müfzge": ein unzufriedenes Gesicht, schiefes Maul 
machen Bs. — Abi. vom syn. muffen. 



Mag, meg, inig, mog, mug. 

Vgl. auch die Gruppe Magg usw. 

Mag in. : Verwandter, verschieden von Er und und 
häufig mit diesem verbunden, wie schon im Mhd. 
.Witwen und weisen soll man bevogten nach recht 
von fründen und magen.' 1422, Arsen. .Wer da vatter, 
mueter, fründ oder mag hat, die im von göttlichem 
und natürlichem rechten hilf und narung zu mitteilen 
schuldig sind.' 1525, Kgli. Akten. .Wäre, dass die 
kind keinen magen betten, der ir vogt solt syn.' 1531, 
ZWthur. ,Es gibt Kinder, die mit den Eiteren zanken 
und fetzen, Freund und Maag, wie man sagt, wider 
sie anrüefen, allerlei böse Charten wider sie aus- 
stossen.' JWirz 1G50. .Einer, der Ehre [Ehrenstellen] 



97 



Mag, meg, mig, mog, mug 



98 



sucht, stellt Alles an, Freunde, wie wir reden, und M. 
und wenn er nur das Geringste versäumt usw.' JJUlk. 
1727. .Achtet weder Grosse noch Kleine, weder Freund 
noch M.' ebd. 1733. Auch Geschlechtsn. Tu (Mä s gg 
Hw.); Z; vgl. ilie Geschlechtsn. Vetter, Näf [Nette]. 
Ainhd. tiiäv. Neben Fründ scheint M. noch immer wie 
im Mini, die nähere oder Blutsverwandtschaft zu bezeichnen, 
oder wenigstens Fründ weitem, .1/. engern Begriff zu haben; 
vgl. das Folg. 

Vatter-: Descendent des Vaters, väterlichen 
Grossvaters, Urgrossvaters usf., im Gegs. zu den 
Mueter-magen, d. i. allen übrigen Cognaten (FvWyss); 
zuweilen übergehend in den coli, oder abstr. Begriff 
von , Magschaft. - Nur in der ä. Rechtsspr. und in 
verderbter Form bis auf jetzt, so ,Vater-mark' U 
(Kanzleispr.), V.-mareh Gl. ,Der Vogt [für Waisen] 
soll bei dem Vatennarch oder Erbstamm genommen 
werden.' Gl LB. 1835. ,Die Verwandten von Vater- 
und Muttermarch.' ebd. ,Als Vogt soll den Notdürf- 
tigen der ehrbarst Nächstverwandte erkiesen werden, 
der beste von Vater- oder Muttermarch.' Inherbit/.i 
1831. ,Als vogt und nechster anerborner vatermog 
Heiunan Sevogels.' 1119, Bs Urk. ,Wäre dass kein 
[irgend ein] erb fiele in dem hof, dass da v. soll vor- 
gän; es wäre dann, dass muotermag eins gelids nächer 
wäre, so sond sy beide zue glychem erb gan.' 1424, 
AAHold. ( itt'n. ,Dass vatermarg erben sollen unz an 
das tritte glid.' 1490, LRotenb. Amtsbuch. ,Nun so 
fahet an die magschaft: Sind v. und muetermag glich 
nach, so soll m. abstön und dem v. das erb Ion.' 1495, 
Aa Weist. ,V. soll erben vor muetermag bis uf das 
viert glid und von dem vierden glid hin soll v. und 
muetermag mit einander erben.' 1536, ScuwReichenb. 
Hofrod. S. Bhtetsfründ Bd I 1305. ,V. soll ze der 
fünften, muetermag zue der vierten linien zue glichem 
erb gan.' 1581, Z.Stdt Erbr. , Vatermarg erbt eines 
Glids mehr denn Muetermarg.' 1602, GUzn. Landr. 
,Geht vor dem Wort Maag das Wort Vatter ald das 
Wort Mutter, so zeucht es sich nicht auf Schwager- 
schaft, sonder auf Blutsfreundschaft und wirf gebraucht 
nit, wenn es antrifft eine Ehe, sonder wenn es antrifft 
ein Erb. Die Personen, so da tragen des Abgestorbnen 
Geschlechtsnamen, sind V., die verwandt sind von irer 
Mutter wegen, sind Muttermaag.' JJBreit., Anl. 1626. 
, Welcher G'stalt Bruederskind vor Sehwösterkinden 
und hiemit V. der Mueter Maag in Erbschaften vor- 
zezüchen.' 1629, Z Satzung. ,Die Stiefkinder vom 
Muttermarch sollen nit erben mit den Rinderen oder 
ihren Gesch wüstrigen vom Vatermarch.' 1649, SchwE. 
Hofrod. .Befründte, die Muetermarks, sind nebend 
denen, die Vatermarks sind.' 1652, ScHwLach. Hofr. 
,Es solle auch ein Vatter seine Kinder erben und dar- 
nach allwegen der Nächste dem Vattermarch nach 
Erb sein.' 1756, Schw Rq. Auch im bildl. S.: .Welcher 
fürst am meisten gab, der selbig dann was v. [der 
wurde bevorzugt], dem zugend s' [die Söldner] zue 
in pencion.' Ruef 1538. 

Die Formen mit eingeschobenem /• sind volksetymologische 
Aul eil Illingen des nach seinem Ursprünge nicht mehr ver- 
standenen Wortes an die begrifflich nicht ganz abliegenden 
Stämme Marck und Marg. Über den verschiedenen Begriff 
von Vater- und Muttermag je nach Ort und Zeit vgl. Schaubg, 
Beitr. 1, 75; 11, 488; Blumer 1,187 f.; Ztschr. f. schwz. 
R. V 28. 

vatter-mägig: Adj., von väterlicher Seite ver- 

Sehwelz. Idiotikon. IV. 



wandt. ,Wer euch geboren ist und vättermägig ist, 
soll erben.' 1520, Ndw Rq. ,Was ussert dem 4. Grad, 
solle je der Nechste bei dem Blut, sie seien vater- 
oder muttermarchig, erben.' 1662, SchwE. Hofrodel. 
.Man soll dem Geblüt nach, das ist vatermärchig, 
erben.' 1706, Obw Rq. ,Vaterruägig' schon 1491, L. 

Lid-Mäg: Blutsverwandter. 

Schon mhd. Bei uns noch belegt 1747, BSi.; vgl. na<:h- 
gan Bd II 31. Stark flectierter PI. 1474, LSemp. Stadtr. 
Scheinbar als Fem. : ,Deu nächsten bluetfründen an der 1. 
und linien der Sippschaft.' 1598, BSa. S. auch Seg., RG. I 
767 und vgl. die Anm. zu Mag. 

Manns- = Vatter-Mäg. , Sollend die Beschwer- 
nussen, die Kinder zu erziechen, gleich der Nutzbarkeit 
des Erbs von beiden Teilen, Manns- und Weibermark, 
gleich gehalten werden.' 1646, SchwE. Hofrodel. 

Mueter- s. Vatter-Mäg. ,Dass diejenigen, so von 
Muotermark herkomen, für vicini aufgenommen wer- 
den.' 1646, TB. Urk. 

Sipt-: Sippschafts-, Blutsverwandter. ,Wo ge- 
schwistergote erb oder verfangen guot mit einander 
band, das ungesundert und ungeteilt ist, darin erbt 
ein gesehwistergot das ander, für [vor] vater und 
muoter; wann sy aber geteilt hand, so erbt je der 
nächst sibtmag, er sy von vater oder muoter.' 1530, 
AARheinf. Stadtr. Vgl. Sipt-Fründ Bd I 1305. 

Wiber- s. Manns-Mäg. 

mäge", in der RA. ,es mäget sich': die Gesetzes- 
bestimmung über ,Magscbaft' findet Anwendung. ,Wann 
brueders kind und schwesterkind ein erb anfällt, die 
erben miteinanderen. Dann fürhin so moget es sich, 
und wann muttermog eins glids nächer ist denn vatter- 
mog, so erben sie miteinander.' XVI., ZGHünenb. Offn. 

ver-: Einen durch Verheiratung in seine Ver- 
wandtschaft bringen. ,Der Kaiser [Barbarossa] be- 
zwang das ganz Italien und Rom, vermaugt im [durch 
die Heirat seines Sohnes mit der Erbin Siziliens] das 
küngrych Sicilien.' Ansh. I 30. .Vermäget', verschwä- 
gert. ,Man ist z. B. mit der neuen Gattin des ge- 
wesenen Ehemanns einer verstorbenen Schwester oder 
mit dem neuen Ehemann einer Bruderswittwe v.' 
Wvss 1796. 

Magschaft f.: „Verwandtschaft durch Heirat Z." 
,Sib- o.ler Matschaft.' 1585/1828, ApI. LB. S. Vatter- 
Mag. ,Von den graden der sibschaft und maagschaft.' 
1531/48, IV. Mos.; dafür 1667: ,Blutverwandtschaften 
und Schwägerschaften.' ,Diewyl nun hievor allein von 
wegen der bluetfründschaft lüterung 'geben und aber 
der m. halb kein sonderer bescheid gemacht.' Ende 
XVI., Z Sittenmand. ,Dass keine Personen, so im 
dritten Grad der Bluetsfründschaft oder im anderen 
Grad ald Glid der M. oder näher einanderen verwandt 
sind, sich mit einanderen zu verehlichen befuegt syn 
söllind.' Z Mand. 1650. ,M. heisst man allhier nach 
gemeinem Brauch nicht allein, wann einsen Ehefrau 
mit des andern Ehefrauen, sondern auch, wann einer 
oder einsen Ehefrau mit der anderen Ehefrauen vori- 
gem Ehemann in Blutfreundschaft stehet.' Z Ges. 1757. 
,M. muss von Blutsverwandtschaft der beidseitigen 
Eheweiber herrühren.' Wyss 1796. S. noch Leu, Stadt- 
und Landr. I 110; Fricker, Kirchengebr. 136. 

Die Ap Form Matschaft reiht sich an die in der Anm. zu 
May besprochenen Entstellungen, nur dass hier, erleichtert 






Mag. nieg, mig, um?, lmisr 



100 



dnrcb den folgenden dentalen Zischlaut, Med untergelegt ist. 
Im V. Rechtsleben scheint sich ein« specielle Bed. von M. 
herausgebildet zu bähen, da das W. an sieh nur Verwandt- 
schaft im Allg. bedeutete, so im Mhd. 

Kön-Magschaft: Verwandtschaft «lurcli Ver- 
schwägerung, hauptsächlich als Hinderniss bei Wah- 
len iii«'. .Was zu den vierten kinden frünt- oder 
kemigschaft wäre, mag urtel sprechen.' 1538, GnMal. 
Statut. ,Bluotsfründschaft oder Kemegschaft.' GrD. 
LB.; nachher: ,B1. oder Gemachschaft.' ,In Gegen- 
kemagschaft, wx) die Weiber recht Geschwisterkind 
sind.- ebd. neben: ,in Gegengemachschaft reebt Ge- 
schwistertkind.' ,Es soll Keiner, der dem Land- 
ammann oder Gescbwonien näher als Geschwister- 
kind zum Dritten, es sei Blutsfreundschaft oder Ke- 
mogschaft, [im Gerichte] sitzen.' 1660, GrD. Ratsprot. 
.Sehwagerschaft und Kömroigschaft sollen der gerieht- 
liehen Kundschaft [Zeugenaussage] müssig gän.' Auf. 
XVI., GaMai. Stadtrodel. 1666 wird eine Kundschaft 
verweigert .wegen Cömmigschaft.' ebd. 

Das mhd. Tome-, bin-, fcfti-mac, Verwandter von Weibes 

/.; / Seite, hat sein Leben am längsten auf diesem Fleck 

Erde gefristet. 

Ver-mag, in der Formel ,nach V.': vermöge. 
,Nach v. der eidg'nossen erkantnuss. 1 Kessl. 

Gebildet nach der sehr häufigen Formel : ,Wie der Brief, 
der Spruch vermag.' Vgl. Vergnüg, -müg. 

uiägu'ri GRChur,D., Pr.; W, mangäri GRÜhur, D., 
Mal., migari GrNu£ : Adv. (eig. Int.). 1. beispielsweise, 
zum Beispiel; vielleicht, allenfalls Gull.. Pr.; W. Kun- 
tent sind seh' g'si* nnrf kettend nid 'tosche* [getauscht] 
hi. mid-ere* G'seheti [Taufeschmaus] GrScIi. (Schwzd.). 
31. [traun]. da hetsch-es chönne" wüsse* [Büge]! GrD. 
Bin ünsch hed Eine 1 »/ i mal nid sövel [so viel] Tag- 
löner a's im Engadin, wo e chleini Hushältig über ä" 
Heuig m. /»/ bissechshed GrD. (Bühl.). Das wä r m. 
probieru*. Mit cha**-mu |ihm| m. Abbau gc" W. — 
'_'. meinetwegen Gr; Syn. mirä*. ,Mangäri kannst du 
geben, wohin du willst.' GllChur. I ch fco"* Das m. 
ini'' iiii 1 ' 1, im:", ebd. Es ist-mer m. glich, ebd. I c ? gib 
dir 3 Franke; m. 3 1 /» GrD, — S.m.iez, gerade jetzt 
CiiXuf. 

lt. mal churw. magari (Dio) [urspr. seliger Gott!], wollte 
Gott! dass doch; auch tir. Vgl. Diez [1*38] unter macäri 
y.n der abgeblassten Bed. vgl. Formeln wie Gottirierepricli, 
goppel, auch wiU '« Gott Bd II 511. 

Maganli m. E" grosse* M., grosser, plumper Kerl 
Bs (Sieber). Syn. Gallöri. 

Magc" I, in ScffSchl. Me'ge* — PI. Mäge* und 
fliege«, Dim. Mägli und Megli — m.: 1. a) wie nhd. 
allg. S. auch Bluetsiene*, Tan. In übertr. Anwendung: 
Uf-em, im M. Ugge", drücken, zu schaffen, Sorgen 
machen Tu; Z. ,Es lyt mir noch in minem m'. [dass ich 
das Geld für einen Ablassbrief ausgegeben].' NMan. 
Nüd in'n M. möge", welle", zuwider sein BE. ; vgl. 
.dem Reichskanzler geht die neue Orthographie auch 
wider den ML' Es (im Grossen Bat 1882); vgl. it. 
contra stomaco. — b) Geschmack, Lust. Sinn für 
Etw.; Wille, Zuneigung für Jmdn Ar; Bs: B; Gr; 
G; Schw (bes. häufig dim.); U; Z. Eim 's Mägli Im" 
ScawNuol. lies, aber ncg. : Eim, zu Eim (Oppis) Icein 
M. hu", d<" M. verlüre"; Syn. Gü. .Er hätte keinen 
St., einen andern Knecht zu suchen.' < im tu. Der 
Schluß [Taugenichts] seil mer wider chä", Der häUmer 



fetze* 's Megli g'nö" Schw. , Das Volk von ihm selbs 
hat kein St., Willen, Trib und Lust zur Huss.- FWvss 
1672. .Zu einer rechten Hauptcur haben wir keinen 
rechten St.' .I.Müll. Duo. .Animatus bene erga alqin. 
der einen guten it. oder Willen zu Einem hat.' Denzl. 
1 i ', 7 7 : 1716. .Kr hat mir keinen M., ist mir nicht 
günstig.' Hosp. 1683; Met., Hort. 1692. .Ich hab den 
Quackern einmal kein IL!' UBrXgger 17*0. In un- 
günstigen S. übergehend: Si hätted-em d's Mägli, Lust, 
sich mit ihm zu messen. Erzähler 1856. Eim d's 
Megli ha", einen Groll gegen Einen haben, ihm auf- 
satzig sein Schw; Syn. Biggen. — c) in Beteurungen : 
,Botz ofengabel und botz m. !' Ruef 155Ö. ,Jä Poss, 
ich muess gätz M. hei.' HMahl. 1620. — '-'. M&ge* 
Ap; GA.; ZU., Velth., sonst Hage": a) = Bhtethund 
(Bd II 1-138) ZVelth. — b) Lab, womit die Sennen 
die Milch gerinnen machen, eig. der Kälbermagen, 
woraus das Lab bereitet wird Ar; GrD., Rh., Val. ; 
GA.j ZO. ,Coagulum, der m. oder der mägen.' Fris., 
bei dem auch ,Hasenmägen, coagulura leporinum' vor- 
kommt; vgl. .Hasen-Lab, -Lupp' bei Gr. WH. .Magen, 
Käsrinne, coagulum.' Denzl. 1677; 171ti. 

Die Kürze des Voc. ist in den meisten MAA. gewahrt. 
Bei 'J hat die in den Sg. gedrungene Pluralform (vgl. Epfel, 
Brüeder, Töchter) zugleich tw. zur Differenzierung der Bed. 
gedient. Zu 1 b vgl. lat. stomachari, sich ärgern, und als 
Übergang von der eig. Bed. zur bildlichen: ,Die Katholischen 
haben beobachtet, dass der noch immerdar bei Heuen von 
Zürich gegen uns verderbte M. noch gar nicht zarecht ge- 
kommen und also vermutlich sein will, dass sie solche böse 
Dämpf« terners auszulassen gemeint seien.' U'.oi',. Absch. 
Übrigens kann mau sich der Vermutung kaum erwehren, 
dass die RA. .ich mag ihm, ihn wohl' Einfluss geübt habe. 

Hunds-: 1. Magen, der Alles verdaut Uiv; Z. — 
2. Schelte S. Vgl.: Da bist en H.. da magst me r 
fresse*, weder der alt Bugsli. Wölk. Bauerngespr. 

Herre"-. E Herre'mägli tuet e halb Viertel me' 

als Cll anders. SüLGER. 

Chüe-: Scheltwort Aa (Hunz.). 

Chalber-: 1. als Schimpfwort ÄAFri. — 2. = Ma- 
gen I 2 b. .Hausierpatent für Kalbermägenverkäufer." 
Helv. Verordn. 1801. 

Kappe"-: der Haubenmagen der Wiederkäuer. 
.[Die Kinder] haben vier Mägen an einander: Den 
Wammmagen (Vorwanst), den K.. den Faltenmagen 
(Manigfalt) und feissten Magen.' Si-leiss 1667. Syn. 
Chappen. 

Chrägli-Mägli(aucl) Chrägeli-MägeKZ); 1. Ein- 
geweide einer Gans, d. h. Lunge, Magen. Herz „B;" 
Sch. — 2. das daraus bereitete Voressen, wozu noch 
Flügel. Hals und Kopf, kurz Alles, was nicht am 
Gänsebraten gelassen wird, genommen wird „B;~ Sch; 
Z ; Syn. Gans-G'schnäder. l>as selbe Gericht auch von 
anderm Geflügel, z. B. Kapaunen, zubereitet ZWtbur; 
vgl. Chragen 5. Das B Kochbuch 1756/96 redet von 
,K.-Pasteten.' — 3. übb. die Fülle, das Mancherlei, 
bunte Durcheinander B. 

Sou-Mage" Ar f-Mege»); B; Tu, Sun- Aa: Z: 
1. Magen eines Schweines. De" häd en S., verdaut 
Kieselsteine, ist ein Vielfrass Tu; Z. — 2, pers. = 
s,h,-Glogg2 Aa; Ap; B; Z. Mit Dem hesoh-mer Nut 
' tue"; dasiseli enn- vo* den ärgste' Soumäge* | Wüst- 
lingen | B. — ::. Kim. Söu-Mägli, Nachthaube Z (Dan.). 

:: „ach der Ähnlichkeit mit einem halbierten Schweine- 
rn ageu. 



101 



Mag. ineg. '"'-• ln ".~' ,IIU - 



102 



Waniin- s. Kti/'i" n-Miirii n. .Kinnen, das Köder 
ander dem Kinne, der W., da die Widerkänung ge- 
schieht.' DeNZL. 1077; 1716. 

Züvi ''''-: starker Appetit Bs. 

magne° GrD., L., me'ge* Ap: (die Milch] durch 
Lah (Magen 2 b) gerinnen machen. Der Chäs ist 
.' nl g'magnet. .So nimmt der Senn das Hinnen oder 
Mögen vor, d. h. er sucht die Milch vermittelst eines 
Ziegen- oder Kaihermagens zum Scheiden zu bringen.' 
Steinm. 1804. 

über-, ver-: durch zu viel Lab die Milch, den 
Käse verderben, bitter machen Ap; GrD. 

blöd-mägig: mit schwachem Magen. ,Eine Tafel 
für bl-e und an dem Scheine sich begnügende Gaste.' 
Sintem. 1759. 

Mage- II AABb.; „Ap; GRh. ; " ZKn., S.. Wl., Mager 
\.\: 1!; VO; „Gl;- GrD.; S, Meger BE., Magere' GrD., 

L., Pr. (nacli einer Angabe f.), „Magerer GrA." — m.: 
1. a) Blutzehrung des Rindviehs GrD. .Eine der 
Mästung widerstehende Magerkeit des Kindviehs, bei 
welcher an verschiedenen Teilen der Haut haarlose 
Stellen entstehen, an welchen die Haut vertrocknet 
und hart, bisweilen auch wund wird.' Arcii. Vet. (Ap; 
ORh.; Z i. .Wenn das vieh den mager hat, so macht 
['die Hexe] ein ysne gablen g'lüegig und brennt dem 
vidi mit einem zinken durch die oren.' Z Staatsarch. 
1500. .Vren von Bonstetten hat verjeehen. das" sy 
nüts anders gebracht habe dann etlich sSgen. Und 
nämlich wann ire kne den mager band, so spricht sy 
die wort: es ist hüt samstäg und der Juden sonntag, 
darumb so myd du mager und loss dyn nüelen und dyn 
graben.' ebd. Auch das allmähliche Mürbewerden an 
der Wurzel und schliesslich^ Abfallen der Hörner bei 
altem Kühen ZS. Die Chüe, wo de" M. an'n Homere* 
liinnl. sind meste*s die beste* Müchchüe. — b) von 
Menschen, a) Abmagerung. .Das fleisch der kräbsen 
wiri gelobt denen, so abserbend, sehweinend, megerend, 
den mager habend und misslenge yngenommen.' Fischb. 
1563. — ß) Hautausschlag. Schorf, bes. im Gesicht 
GRPr., Milchschorf der Kinder mit Hinterlassung von 
Narben B; L; trockene Flechten Ndw; roter Fleck 
auf der Haut GrL.; „eine Art kleiner Räude B; VO; 
S; Z." Das Ching het d'r feiss Mager [nur fette 
Kinder sollen ihn bekommen] BE. Feissti Magere", 
Ausschlag, welcher Jauche absondert GRPr. .Allzufette 
Milch gebe Kindern den Meger' [sagt ein Milcbliefe- 
rant] BE. (RWyss 1891). ,Von Anfang an hatte das 
Kind so dicke Schüpen; seit einigen Tagen brechen 
etliche auf (es hat Eiter darunter); zugleich zeigt 
sich, zumal auf der Stirn, ein guter Anfang des Ma- 
gers.' EKopp, Tageb. Vgl. noch Freissam Bd I 1329. 
,Der mager, kleine, umbfressende oder spitzige raud. 
Impetigo.' Mal. .Auswendig zu der Band und Mager 
und andern hesslichen Flecken brauchen.' JJNöSCH. 
1608. ,Petigo. Zittermal oder Flecken an der Haut, 
der Mager oder Magere.' Dexzl. 1 < ". 7 7 ; 1716. ,Psora. 
ist ein Gattung der Raud, bestehet in Geschwärlein 
und Schuppen und hat. weilen ihr saueres Wesen 
magerer macht, den Namen eines Magers überkommen.' 
JMdralt 1692, .Die kleinen Kinder kommen an der 
Haut Büggelein über, welche zu Eiter werden und 
eine fliessende Raud oder den Mager abgeben.' ebd. 
1697. S. noch Grind Bd II 759. — 2. Baumschorf, 
Krebs an den Stämmen der jungen Obstbäume, bes. 



Apfelbäume A.i: ,Gl;" L; S; Ndw; „Zg;" Z. Syn. 
Fresser, Brand. Geg-en M. a'-me* Baum isch gUet, 
wenn-men es Tüechli um e* Stamme* hingt, wo men e* 
Tote" dermii abg'wäsche* het. Wie si"* der Baum 
b'chimt, so hilft 's au"" em G'storbne* mr Seligkeit S 
(Schild). Der gleiche Glaube und Brauch auch in BM. 
Scho* mänge" Baum ist drüf g' gange*, wil er de* M. 
f/'ha" hiid. Auch von Reben: .Der Mager oder das 
sog. Rautigwerden der Reben.' Mittel gegen das Beeren 
1819. ,Under allen Bäumen sind keine dem Mager 
also sehr underworfen als die Öpfelbänm; Etliche 
heissen es den Wurm.' Rhagor. 1676. ,Der Krebs, 
sonsten das Mager genannt, ist eine Krankheit der 
Bäumen, da die Rinde aufläuft, sich schellet und ist 
darunter Alles schwarz.' JCSulzer 1772. — 3. a) „Holz- 
schwamm au Gebäuden GrA.", Morschwerden und Er- 
sticken des Holzes mit Schwammbildung, bes. im Vieh- 
stall GrPi\ D'r Magera wott in d's Höh ehö". ,Der 
Magerer, eine Krankheit und Verderbung des Holzes, 
der viele unserer Häuser unterworfen sind.' Gr Samml. 
1781. - b) (Magere") sichtbar magere Stelle oder 
einzelner, schmaler Streifen von gröberem, langem, 
gelblichem Gras, oft in Form eines sog. Hexentanzes 
in einer Wiese GrD. 

Als Gruuilf. ist Mager anzusehen. Das Adj. mager scheint 
hier unter Annahme eiuer Ellipse, wie etwa Fräse, Brand, 
substantiviert. Jedenfalls aber reiht der Ausgang -er, wie 
die erweiterte oder auf dem Vb lungeren beruhende Form 
Magerer noeb deutlicher zeigt, das Wort unter die Kategorie 
jener Krankheitsnamen, welche in personifizierender Weise 
das Übel als eine Art von Dämon bezeichnen; vgl. die Anm. 
zu Ettiker Bd I 601 und das Syn. Fresser. Die Formen mit 
abgefallenem Schluss-r beruhen bei Mage* auf Anlehnung 
an Magen I, bei Magere* auf Erleichterung der Aussprache 
bei gehäuftem r. Meger : Mager — Meg: n : Mag* n, viell. nicht 
ohne Einwirkung von megeren, mager macheu. Das n. bei 
Sulzer 17 7-2 steht ganz vereinzelt. Wenn ahd. ,magar, niacies' 
(sonst magari) bei Graff, Diut. zuverlässig ist, so konnte unser 
W. Dieses sein. 

„ Feiss - Mager: Ansprang, Milchkruste VO." 
Vgl. Magen 1 b ß. 

Ge r (Gere"- GKapp.) -Mage", gew. PI. -Mäge* GT., 
-Mäiiere* GSa. = Germeren 1 a Bd II 418. Syn. Ger- 
Mäder. 

Das deutlich aus zwei Bestandteilen zsgs. W. lässt sieh 
kaum als einfache Entstellung von Germeren erklären. -Magen 
scheint zunächst Anlehnung an Magen I. Wahrseh. aber 
fristet das mhd. .gerniäc männlicher Verwandter = , Schwert- 
mag' in dem Pflanzennamen sein versteinertes Dasein. -Ma- 
gerten) durch Einfluss des Syn. G.^mäder(en). Vgl. auch den 
Pflanzennamen Madel-Ger. 

mager, bzw. mager, Comp, magerer Z, megerer Ap; 
Th; Z, Sup. megerist Ap-, Z. megerst Z: im Allg. wie 
nhd.; verst.: brenn-erde"- ZStdt. brand-erde"- ZS., 
hunds-. Denzl. 1677; 1716, chib- (= chid-J B oE., bei"- 
S; ZO., brenn- Sch; Z. brenne'd- ZO., S., brand-m. 
Sch; ZO. Spec. 1. von Menschen, auch Haustieren. 
St ist eso brennmager, trenn si am-ene" Strauhüs ditre"- 
gieng, so chäm's a* ZNer. Er ist so m., er bräunt 
schier ZS. (Syn. dürr wie-n-e* Schindle"); er chient e* 
Chalb zwüschet den Ore* (ScnSt.). e" Geiss zwüschet 
de* Homere" (Z) chüsse"; s. Geiss Bd II 455. M.. 
wie-n-e" Bei'hüs ZWyla. ,Er ist so m. als ein Lad- 
stecken.' Met,, Hort. 1692. Vgl. noch Post-Gül Bd II 
220, Chilehen Bd III 232, leid Bd III 1680. Äb-em 
beste" Fueter werd 's ein [das Vieh dem Eigentümer] 



103 



Mag, meg. mig, mog, mug 



104 



beifnager. Stutz. Das Boss, die Chue ist so mager, 
me m chönni Schinnhüei an-ere* [an ihren Knochen] üf- 
henke" Z; vgl. Schmnhuet Bd 11 1790. — 2. übertr., 

m-s Hai, auf ungedüngtem Boden gewachsenes Nnw; 
Z; vgl. Mägeri und Mager-Heuw Bd II 1*19. M-e 
Chäs, aus abgerahmter Milch, allg. ; vgl. feiss Bd I 
1071. Magert Süffi, Molken, welche es beim m. chäse* 
(s. Bd III 511) gibt Ndw. „M. essen, i. h. keine 
Fleischspeisen." Schi [sie] machunt hit m., sie essen 
heute Fastenspeisen ; s. übrigens noch unter machen. 
Es ist hü m., es ist heute Fasttag W; vgl. frz. jour 
maigre. 

magere": mager werden, allg. 

er- = dem Vor. ,E. wollte keine Bäuerin.' Gottii. 

magerlächt, -lochtig: etwas mager BHa. Men 
g'sehd-der 's soift an, das de bist chrank g'sin, du bist 
newwen m. BHa. ,Von Statur mittelmässig, niager- 
lecht.' Z Mand. 1698. .Magerlechter Statur.' 1768, 
Z Kanzl. 

magere" Sch, me'gere" Ap; Tu; Z, megere* Nnw ; 
ZO.: 1. tr., mager machen. Niit megeret 's Acherfeld 
wie d' Summergerste' ZZoll. Der Mist megered der 
Garte" nur Ndw. — 2. intr., = magere* Ap; Sch; Tu. 
Dim. megerle* in Bez. auf ein kleines Geschöpf Z. 
.Nach der brunst pflägt der hirz abzuenemmen und 
zue m.' Tierb. 1563. 

ab- = mageren 1 UwE.; Z. Die Chranket häd-e" 
ganz abg'me'geret ZS. 

,er-megeren: mager machen, ausmärglen. ad 
maciem reducere corpus.' Fris.; Mal. 

i'is- = dem Vor., bes. vom Boden B; Uw; Z. We""- 
me* drü Jar Bulle* macht, tuet 's de" Bode* total 
üs-m. ZS. 

Mc'geri f.: 1. Magerkeit, allg. M. ist mängmal 
g'sünder als Feissi Z. ,Er sandte inen ein megere in 
ire seelen.' 1531/1667, Psalm 106; dafür: ,eine Seuche 
über ihr Leben.' 1882. ,Von z' vil magere wirt der 
falk blöd und krank.' Vogelb. 1557. ,Da muss eine 
geistliche Magere kommen und eine ewige Serbsucht 
erfolgen.' JJUlr. 1727. — 2. a) Weideland; mageres, 
ungedüngtes Wiesenland Gl (Obst, ä im Gegs. zu Me l - 
geri 1); GrD., L., S., V. (Megerni); L; GSa. Syn. Büchi. 
Gegs. Feissi 2 d; s. Bd I 1073. D' Svhof uf rf' 31. use" 
tue* L. — b) das aus solchen Wiesen gewonnene Heu 
Gl; GrS.; vgl. Magerheuw Bd II 1819 und mager 2. 
S. auch Gl Gem. 380. — 3. Mägeri, Pfianzennanie, 
Spark, spergula arv. S. 

Zu 2 b und 3 vgl. Ried, sowohl Sumpfland als Sumpf- 
pflanze, dann Slein-iichcrli Bd I 68. 3 hat übrigens von ihren 
sparrigeu Rispenästen ein mageres Aussehen. 2 a auch ins 
Churw, (ilt meggere) übergegangen. 

Mägerli Ap; Bs (Spreng), Megerli'g Aa; Ap; Bs; 
B; L; G; S; Uw; Z — m. : magere Person, „ausge- 
mergelter Mensch", Schwächling; auch von Vieh und 
Pflanzen. aaOÜ. Von kleinen Mädchen bisweilen auch 
als n. gebraucht Bs (Spreng); L. Bätsei vom Hanf- 
stengel : E* lange", dünne" M., hat kei" Fleisch und 
kei" Bluet, doch ist si" Hut gitet G; e" lange", ranne" 
Magerli*g [so], hed weder Fleisch no' h Bluet und d' 
Jlut ist notte" [dennoch] guet GrD. .Permacer, gar 
mager, ein mägerle.' Fris.; Mal. — Mägerli von einem 
Vb 'magerten, Megerling unmittelbar von mager abgeleitet. 

mägersch (in GWa. megersch): etwas mager Ap; 
G. — Vgl. närrtch aus .närrisch.' 



Rot-Magetji: Rotkehlchen PA1. 

Ihr Annahme, dass sieb hier das mlid. .maget*. Magd, 
i. S. v. Jungfrau erhalten habe, so dass es = .Rotjungferchen* 

wäre, scheint der Umstand entgegen zu stehen, dass wenig- 
stens die jetzige MA. für Mädchen nur Maitji kennt. 

Magisi', seltener Magesi n.: Magazin Z. 

Magistrate": Gericht aus zerhacktem Fleisch, wozu 
man gewöhnlich das übrig gebliebene Fleisch des 
Mittagstisches verwendet SStdt. Syn. Fleisch-Blätzli. 

— Zu der Übertragung vgl. Landjäger. 

Magnus Manges, Dim. Mangesli Uw, auch nur 
Mang Schw; Uw, verächtlich Mängel Uw: männlicher 
Taufname. 

Die Ansspr. -ng- beruht auf der früher und z. 'f. jetzt 
noch da und dort üblichen Weise, die genannte Consonanten- 
verbindung umzustellen; -es aus -im wie -ü iu Kasi»; s. Bd 
III 502. Die Kirche des heiligen Magnus in GStdt noch 
jetzt St Mangen benannt. Über den Glauben, der sich an 
den Heiligen und seinen Stab knüpft, s. Liit., Sagen 313; 
Osenbr., Kcchtsgesch. 1868, 145. 

magöllin. .10 silbrin bächer in.' 1566, L luv. 

Es lässt sich kaum entscheiden, ob hier ein dim. Subst. 
oder ein Adj. zu einem vorauszusetzenden .Magolle' vorliege. 
Jedenfalls steckt darin churw. magöl, majiil m., Trinkglas; 
ili''s zu magioula f., Steingut, it. majoHca, mspr. von der 
span. Insel Majorka. Vgl. Gr. WB. VI 1901 s. v. Meid. 
Bei Schm. -Fr. 1 1575: ,Magele, Magölen, Makhüllein.' 

Magrone" f. = Makaroni und Makrone Bs; Th; Ndw. 

Miigetli: Pflanzenn. = Glas S c (s. Bd II 641) Aa. 
Syn. Gcmseli Bd II 321. — Watarsch, stehen gebliebene 
alte Form für Mägdli, vgl. Jümpferli Bd I 124S. 

Mfigi Aa; „Gl;" L; SciiSt.; Tu; Zu; Z. Mägich 
AaEIh-., F., Z.; Sch; Th, Mägis ScHSt, Stdt. Mags 
SeuBuch, Schi., Magt AALeer. — in.: 1. Mohn, pap. 
somii., bzw. der zu Öl verwendete Same; vgl. Mag-Öl 
Bd I 182. De r Schlaf schüttet sin Mägi uf d' Ghöpf. 
Usteri. ,Us hanf, us lynsat, us mäge öl machen.' 
1431, Z Müllerbr. .Magsamen, Mohn, Mägibluiuen, 
pap. sativum.' JCSdlzer 1772. Bisweilen auch wegen 
der Gleichheit des Samens und seiner Verwendung 
missbräuchlich für Ölreps, Lewat, brassica napus Z. 

— 2. (Megi) das, was nach Auspressung des Öles aus 
Nüssen, Leinsamen oder Ölsamen übh. übrig bleibt 
GG. Syn. Chrüsi. — 3. Klatschrose, pap. Rhoeas AaEIu. 

Ahd. mago, mhd. mäge(n), mähen. ,(ül-)Magen' noch im 
Tierb. 1563. Auffallend ist die Kürzung, welche der Stamm- 
vocal bei uns erfahren hat; dass sie auf Anlehnung an 
MSge* I beruhe, indem das Volk den Mohnkopf und seineu 
Inhalt mit einem Magen verglichen hätte, ist nicht unwahr- 
scheinlich ; vgl. .Katzenmagen' bei Gr. WB. ; doch der gram- 
matische Wechsel von g und h im Mhd. deutet darauf, dass 
es eine Form mit kurzem Vocal schon in alter Sprache ge- 
geben habe. Die in unsern MAA. vorherrschenden Formen 
sind wohl nach t'fuimmi, Chümmich, Chömmü ( Bd 111 B94) 
gebildet; vgl. noch Chimia, IIb Magt aus den Synn. Mag-Sat 
und Mag-Samen verkürzt sei, ist zweifelhaft; vgl. Pflanzen- 
namen wie ,Reps, Spars'; Magt viel), aus der copulativen 
Verbindung des W. mit Lewat und Letzterem nachgebildet 

Mangel „m.": 1. „Dämmerung BO.; VO;" Z, ,Cre- 
pusculum, mougel, die zeit, wenn tag und nacht 
scheidet am abend.' Fris.; Mal.; Syn. Mugel. 
2. düstere, trübe Witterung Zg. 

maugel: Adj. 1. „dämmerig BO.; VO; Z." — 
2. vom Wetter, trüb, bewölkt, „neblig", auf liegen 
deutend AaF., Hold., Seet; BHa.; VO; S sJura; „Z." 



105 



Mag, m, '-?i '"'S- »'"gl m^ 



im; 



il/e* {Föd >mZ go mähe", 's ist m. AaWoIiI. — 3. vom 
Gesichtsausdrnck , düster, missvergnügt 1! (.tristis.' 
Id. B); L. Jl/e" g'sehd [am Sängerfest] fces t»-s Q'sicht. 
Häfl. 1813. — I. unwohl AASeet. 

Zum Stamme «inj-, auch (durch folgendes / oder /•) ge- 
schärft maugg-i vgl. engl, mu^, Nebel, Dunst, muggy, feucht, 
dunstig. Als Wurzel liegt viell. das gr. poio, blinzeln, zu 
(•runde; vgl. die Anni. zu nauten und , munkeln, munken' 
bei Gr. WH. VI -J »;*.» T f. Bei der RA. et i»! m. kann man 
schwanken zwischen suhst. uud adj. Auffassung; vgl. glänz. 

tag-inaugels: Adv. UwE. T. oüfstä', bei der 
Morgendämmerung aufstehen. T. hei"'chö", vor Ein- 
bruch der Nacht heimkommen. — Temp. Gen. wie .Mor- 
gens, Tags.' 

mauger: 1. dämmerig. ,M., heiterlächt, sublustris.' 
Mal. — 2. = maugel 2. ,M., tusel, trüb, wolkicht, 
feucht, udus, nubilosus, pluviosus. - Red. 1662. 

maugere": (auch refl.) kränkeln, bes. vom Vieh, 
liegen bleiben, nicht fressen wollen AaFH. .Wann 
ein Stück Hornvieh sich maugern und erkranken 
wurde.' Bs Stand. 1715. Syn. mauderen. 

maugle": 1. dämmern „BO. ; VO; Z", spec. am 
Abend Schw; U, am Morgen Ndw. Es manglet, wenn 
die Sonne untergegangen ist Schw. Um 3Iaugleszit, in 
der Abenddämmerung, ebd. Er isch eso zwischet Tag 
und Nacht cho" ; es het afig g'maüglet USil. — 2. vom 
Wetter, „nebeln BO. ; Vü; Z"; zeitweise sich auf- 
hellen, dann wieder trüb werden; unsicher sein Aa; 
Uw. Es häd (si ch ) g'maüglet, der Himmel hat sich 
umwölkt Aa. — 3. mit den Augen zwinken Uw, wie ein 
Schlaftrunkener die Augen bald öffnen, bald schliessen 
Ndw; „UUrs." Syn. maugglen. — 4. (mangele*) dahin- 
siechen SoHwMa. — 5. roh, sterben SchwMuo. 

ab-: langsam dahinschwinden, sterben, zu Grunde 
gehen, bes. vom Vieh S; U. 

ver-: zu Grunde gehen, vor Elend usw., verenden 
LG. (mit haben); Schw. Syn. ver-mauzen, -reblen. Er 
ist so wit usse", dass d" meintist, er wett alli Augen- 
blick v. ScnwNuol. Vermauglet als Steigerungsadv. 
„L." Syn. verreckt. ,Und fitzt dich [schlägt dich] v.' 
Balz 1781. 

zue-: bim Z., .beim Zunachten', bei Einbruch der 
Dämmerung aScHW. 

Maugli f.: Abenddämmerung SchwMuo. I ch han-e" 
i* der 31. g'seh* verbi gä". 

mauglig: halb bewölkt, trüb Aa; BHa.; SB., NA. 
Syn. hol. 

Me'gaggel m. : 1. Brettchen. Sieb, welches in der 
Mühle das Getreide herunterrüttelt ZRafz. — 2. Wind- 
häspelchen, Wasserrädchen als Spielzeug der Knaben, 
ebd. — Wahrseh. aus MelrGäggel; vgl. Gäggel, gäggelen, 
Qäggeler (Bd II 169) und das analoge Näggeler, näggelen. 

nifgele" AAl.eer. ; L; Zg, me'gene" UwE.: meckern. 
Syn. mäggelen. 

Vgl. gr. u.y/xdou.ai, das für das Germauische h (mhd. 
mechzm), bzw. g erwarten lässt. So wird wohl auch ck des 
schriftdeutseheu W. wie des Boner'scheu mScke, Ziegeubock, 
auf ijtj beruhen. 

Mege" f.: 1. „Kinderpuppe in Gestalt eines ein- 
gefäschten Kindes Aa." Syn. Bähen. — 2. „Schimpf- 
name auf ein unflätiges Mädchen, ebd." 

Gleichsetzung mit .Maria' läge begrifflich nahe, und es 
mögen die Koseformen dieses Namens verglichen werden. 
Es fällt aber auch das syn. M&ggen in Betracht. 



Migel GrKüdI., Migeli l Dim. Gr; GO.: 1. Bro- 
samen, Krümchen von Brot. Käse, Zieger usw. (in; 
GO., S., We. — 2. (PI.) geröstetes Mehl GWeisst.. ge- 
rösteter Mais mit und ohne Butter GMels, in Butter 
gekochte Mehlknöllchcn (nicht Klösschen) GRÜhur; 
GMels. Syn. Bibel. — 3. e(s) Migeli, typische Be- 
zeichnung des kleinsten Quantums, ein klein wenig, 
ein Bisschen GrPi\; GG., Sa. Syn. Brosfmjeli. Es 
Migeli Schmalz [Butter] GnKübl. Auch verdoppelt: 
e M., 31. Gr; vgl. es BireUtzeli. Nid e 31. Es 31. 
Impert und es pur Lörbone" muessend-er au ch na r '' Inf 
GRPr. (Schwzd.). Es 31. lichter si 's-ere n [der Kranken] 
a l s nächtig GRSchiers. 

Von churw. migla. 1. Brosame, Bissehen. — 2. Teig- 
gericht aus winzigen Teigkrümchen; it. mica, frz. miettt in 
Beil. 1 und 3. Länge des i ist nicht immer bezeugt; in 
GWeisst. ist es \ 2 , welches t voraussetzt. Vgl. auch Muglen, 
Mtggen, MiggUn, Mirgel. 

üf-migele": die Oberfläche des Gebäckes brosam- 
artig aufreissen, kraus machen; Syn. schränzen? .Üass 
die pfister, feiler hinfüro die simmelring u.. brechen 
und in einer grosse, ässig, guet machen.' Z Katsver- 
onln. 1568. .Zuodetu brechind uud ufmiglind sy die 
ring so gar schlechtlich. das nit allein nit lieblich zuo 
essen, sonders glych inen ouch am vertrib und kouf 
nachteilig.' ebd. 1582. 

ver- GSa. (auch -gg-). ver-migle" GrCIiui-, He., zer- 
GRPr. : 1. tr., zu Brosamen zerbröckeln, zerreiben Gr 
Chur, He., Pr. D's Fräuli tued 's Scfonifeli Brod mit 
dem Hegelpätschli schinte* gär chlei'heri, um d's Brod 
ringer zermigle" und cermalgge* z' chönnc" mid de* 
Zendstumpe" GRSchiers (Schwzd.). — 2. intr., in Bro- 
samen zerfallen, z. 11. Käse GSa. ; Syn. ver-brosmen, 
cer-brosmelen. D's Brod ist-mer im Sack vermiglet. 

in igle": in kleine Teile zerschlagen GrPi\ 

Migeli II n.: Schweinchen und übh. jedes kleine 
Tier, das geschlachtet wird Seil (Kirchh.). 

mige": schlachten Seil. 

Miger m. : Schlächter, Metzger Sch. 

Die Koseform Migeli viell. wie Miyji für Kätzchen, laut- 
malend nach der Stimme des Tieres, die bes. beim Schlachten 
sich geltend macht. Vgl. auch miggt " 

Migi, Dim. Migeli: Bemigius L; Schw; Uw. 

Vgl. Läri (Hilariusl und Anm. Dazu wohl: ,Eiu dummer 
Länder-Migi.' Ndw Kai. 1S62, appellativ wie Jogget, Ruedi; 
Bahi; vgl. auch Miggi. 

Miglen PI.. Migling m. = 3fidel-Fisch, Millimg ZSee. 
,Es soll auch niemand kein miglen fangen von einem 
St Martinstag nnz zum andern.' Mit der Note: ,M. 
seind jung bläwling.' 1512, Fischer-Einung auf dem 
ZSee (SchwB. Klosterarch.). .Allerlei kleine albnlen 
werdend zue Zürich migling genennt.' Fischb. 1563. 
S. noch Felch Bd I 800. .Wir verbieten das Fähen 
der Miglen und des Brüets.' Z Ges. 1757/79; vgl. 
,Mügli', eine Fischart im LSee 1423. 

mieglicht: braungestreift, von Schlechtgebackenem 
Schwarzbrot, an dessen Krume inwendig ein brauner 
Streifen entlang läuft GrD. 

Mögel m.: 1. „Schiuadderer", Einer, der schlecht 
schreibt, Schmierer Sch. — 2. Schimpfname für eine 
hässliche oder dumme Person, ebd. Dim. Magill. 

mogle": „schmaddern", schlecht schreiben, sudeln 
Sch. Abi. Möglete" f., Sudelei. 



107 



Mag, meg, iiiilt. in <• ir. nrag 



108 



„möglig: geschmaddert, wüst"; 1 > im. mögilig. 
Vgl. mögglen II. dessen gg sicher bezeugt ist. wahrend 
einfaches g auf schwachen Füssen steht. 

JI6g in.: kleine Gartenschnecke (Inl'r. (Kdspr.). 

Ver-mög: Inhalt, Wortlaut. Aussage. .Nach us- 
wysung und vermog der spruchbriefen.' 1523, Aesch. 
.Von lutrem und hellem v. unsers landsfridens.' 1532, 
Strickl. .Nach Laut und Vermög der Mandaten.' 
1533, Hess, Samml. ,L's vermug eines zusags. 1 1538, 
Z Burgerb. .Wider v. der schrifi. 1 Vad. .Nach Laut 
uul Vermog unser Chorgerichtssatzung.' B Mand. 1648. 

Das in seirier Bed. -i>-li eng an vermögen 3 anschliessende 
Subst, ist, wie das syn. ,Lant', schliesslich nach Unter- 
drückung der Präp. seihst zur Präp. geworden. .Vermag 
Sprüchen und vertragen.' Kessl. .Vermog syns zedels.' 1562, 
B Staatsrechn. , Vermog ufgerichter briet und siglen.' 1">7-J. 
ZThalw. Offn., neben: .nach vermeg.' .V. meiner schuldigen 
Pflicht.' KilS, JJUr.it. .Vermog Vertrags.' B Abzugsordo. 
1715. Vgl. Gr. WH. Die Form schwankt nach den ver- 
schiedenen Vocalen il<-^ zu Grunde liegenden Verbums ,ver- 
mügen'; vgl. noch Ver-mag. 

mogele" I: unpers., von Speisen, die Appetit 
erwecken ZWang. 

mögelig Th, g'm.Bs: appetitlich, begehrenswert, 
einladend, reizend. Syn. gemöchtelig, mögig. 

möge", bzw. me'ge", Ptc. g'möge" FS.; WGriieh., 
Li'., im) GitV.. g'megut WSaas, sonst wie der Inf.; 
Präs. Ind. Sg. 1. 3. P. ma B; PAL; Sj ZW., sonst mag; 
2. mäsch B, sonst magst; PI. mönd H; Zu., möu, mü 
B. sonst möge'd; Uond. »lieg ZEn., Limm., mächti 
ScbwE.j WGräch., meddi WNaters, müechti Th (Stell). 
sonst möcht(i), in TnHw. -n-: 1. kräftig, gesund sein; 
meist mit Neu.: nüd, nüd am beste", schlechtli ch , übel 
m., unpässlich sein, kränkeln Hl.'. Nid so wol m.. 
unwohl sein ApHinidw. Wer e" chli rüch mag [nicht 
verzärtelt ist], De' mag de" Wi" trinke" ApSchöngr. 
Dur ch 's Nidmege" wurd 's im si ch Im" oirsterchered, 
durch Unwohlsein würde sich bei ihm die Schwermut 
vermehrt haben BHa. l c * mng nümme" 1) bin nicht 
gesund BR. — 2) bin erschöpft, kraftlos (mit Be- 
tonung von mag) Tu; Z. ,Die allerbest ze fuess moch- 
ten', die besten, kräftigsten Fussgänger. 1425. Gl ürk. 
,Wtlss, niyn husfrow, dass ich wol mag, früsch und 
gesund bin.' 1440, B (Gfo.). ,Xun warend die Cristnen 
als muod und als kreftlos worden, bede von arbeit und 
von hitz. dass sy nüt mer möchtend.' 1475, Volksbb. 
.Als er lang übel geniugen hat [kränklich gewesen 
war].' Sicher 1531. ,Myn at ist schwach, dass ich nül 
mag.' Habkrer löti'J. .Infirina valetudo. ein blöde ge- 
sundbeit, da einer nit ze bett ligt, mitbin aber übel 
mag.' Fris.; Mal.; vgl. iibel-miigend. .Wie ist unser 
Urselin so christenlich gestorben; ich mag nit mer, 
so ich an das Ursclin gedenken.' ThPlatt. 1572. ,Den 
sterkern und bass mögenden.' JR Landend. 1608. 
2. vermögen, können, in phys. und geistigem, mora- 
lischem S. a) mit Inf., dem in lebender Sprache ge- 
vorgesetzt wird, während es ohne ge- .Lust haben' 
bedeutet; vgl. hierüber ge- 5 Bd II 17. In PAL, wo 
das l'räf. ge- vor mögen als Prädikats- Verbum treten 
kann, entsteht dann ein Unterschied zwischen ich 
g'man, ich kann, und ich man nid, ich mag. will nicht. 
Es mag g'si", es ist erreichbar AALeer. ; Z. l rh mag 
das Stuck und g'Ssse*. Was nur und g'werde" mng, 
han-i''' kei" 'I'rnrt- d'rab Z. ,Icb mochte gar nicht 
erwarten, bis ich antreten konnte.' Gotth.; s. noch 



rir-liihiii Bd 11 908. .Hat im nieman syne gründ 
g'mögen umkeeren.' Zwingli. ,Da man nun die schloss 
ufgetreit, do mocht man die stüblitür nit ufbringen.' 
1534, Äg.Tschodi. ,Ich mag dir nit bezalcn.' OWbkidh. 
1552; dafür: .kann.' 1588. Herb. .Kr mag die strafen 
der sünden hinnemen.' ebd.: dafür: .er hat macht.' 
158S, Herb. ,I)ie menschliche blödigkeit mag nit 
gnueg tuen.' ebd.; = .vermag.' 158s. Herb. .Aber 
überwinden mögend si dich nit.' 1587, Jerem. .[Der 
Tod meiner Hausfrau] verdross mich so übel, dass 
ich meint, ich möcht iren niyn Lebtag nit vergessen.' 
1603, Arddser. ,Dic fünf torachten Jungfrauen eileton 
zu den Krämeren und Widerum zur Hochzeit; aber sie 
möchten nicht geschwind g'nug kommen.' FWvss 1673. 
, Traurig ist's, wann bei den Annen Holz oder Hecke 
gebricht, mögen sie ja nicht erwarmen.' /. Neuj. M. 
1 Ti's. _ in scheinbar abs., in Wirklichkeit aber el- 
liptisch, mit zu ergänzendem Verbum. .Lauf, was du 
magst.' Gottu. .Meine Alte und ich sind schitter [dem 
Zusammenfallen nahe] und mögen nicht mehr nach: 1 
ebd. .Wenn ich ab Tatsch [vom Flecke weg gehen | 
möchte, ich gienge auch mit, aber mit meiner Gliedsnchl 
in der Hüft komme ich nicht ab Platz.' Ndw Kai. 1889. 
Wie tunkt dt"* mm Most? Mag-er a* 's Webmeisters? 
Ar. Die ma" wol, die kann wohl (Aufwand machen). 
Gottu. Es gät, nie 's mag Aa ; Tu; Z. 's mag Hecht 
[sein], es kann leicht sein AALeer. ; s. Bd III 1048. Mer 
mönd bloss [mit Not] Meister Z. W%1 möge", z. B. mit 
einem Steinwurf, einer Arbeit, einem Marsch. Lesen 
in einem Buch usw. Tu; Z. Er häd nüd irit möge* 
i" der ZU. Die Herdöpfel möged nüd i" de" Chorb 
ine", der Korb fasst diese Kartoffeln nicht '/.. .1" 
Oppis, Öpper am" m.. hinanreichen, ihm gleichkom- 
men Tb. /■'' Im" und nf de* Baum ufe" möge", meine 
Kräfte reichten nicht aus; aber auch: ich hatte keine 
Lust dazu Tu; Z. S. noch üf Bd I 120, üs Bd I 553, 
fürhin Bd II 1345. .Mag ich, so will ich selbs doby 
syn.' 1475, Bs Chr. .Quam potui, als ich gen 
hab. Citra satietatem data glans, nit als vil sy essen 
mögend, oder nit als vil in sy mag. Aedes nostrae 
vix capient, sy mögend kaum in unser haus, unser 
haus wirf sy hart mögen fassen.' Fris. ; Mal. .Es 
half als vil, als mocht.' 1584, Ardöser. ,Die ir gern 
geholfen, aber nit gemögen.' 1601, (Ifd. .Hie Kirche 
sye zu eng. mögend nit alle Kirchgnossen daryn.' 1652, 
Z OGlatt; s. noch Kollatz Bd III 210. — c) scheinbar 
mit Acc. Obj., das aber ebenfalls von einem zu er- 
gänzenden Vb abhängt, a) mit pers. Obj. Eine" m., 
Jmdm an physischer oder auch geistiger Kraft über- 
legen sein. allg. Es hat Keine' der .Inder m.. deiner 
von Beiden blieb Sieger. Er mag-nen im Schwinge*, 
im Schribe" BR.; vgl. ,Das mag-ne, hoc persuadetur.' 
Id. B. In Mängem mng in sicher Ekein. Breitenst. 
I<* 6t- der Stärkst <■•■ ma-n-eeh all. B Hist. Kai. 1851. 
,Es sei im ganze Bernbiet keine Küherstochter, die 
mich möchte, und es werde nicht mancher Kühers- 
sohn sein', prahlt eine auf ihre Stärke stolze Vieh- 
magd. Gottu. .Sie wolle zeigen, dass mit Husen sie 
Keine möge.' ebd. ,Er mög [übertreffe] d'r Pfarrer 
weit.- ebd. Auch mit Dat.: Ünschfi Pläss [Kuh] hed 
dir Ilircluie m.. hat ihr obgesiegt (im Stossen mit den 
Börnern) GrD.j vgl. Häggel Bd II 1097 und ge-hand 
Bd 11 1396. Der luV-mer 's m., eolui mi ha vinto PA1. 
Abs. Der hat a" der Abstimmig m., hat gesiegt in 
der Wahlabstiinniung ScbwE. (Licnert). Auch übertr. : 



[09 



Mau', meg, mig, wog. müg 



llö 



,üas Eirschenwasser möge d' Lüt viel schneller [rui- 
nieren SC.] als der Branntwein.' (uitth. De' 65er hiitl 
Monge" m'., der Wein von 1865 hat Manchen berauscht 
oder ihm den Tod gebracht Tu; ZS. Übertreffen, an 
List: .Die meinen, wie witzig sie seien und verstehen 
doch Nichts: einmal für 40 Kronen habe ich sie m.'. 

il. i. 10 Kit n habe ich ihnen abgewonnen. Gotth. 

Unpers. Es häd-e* minie", ilie Krankheit hat ihm den 
Tod. die Geldschulden haben ihm den Konkurs zu- 
gezogen Tu; Z; bes. aber von Gemütsbewegungen: 
übermannen, einen überwältigenden Eindruck machen 
Aa; Bs; B; Thj '/.. Es hiit-mv'' (schier) m., ich habe 
(beinahe) weinen (seltener: lachen) müssen vor Rüh- 
rung. Schmerz, Ärger (Lachreiz); auch von Ekel: es 
brachte mich (fast) zum Brechen, 's het-mi''' im 
Innerste" m. Bs (Becker). Wo der Vater i* sim grus- 
lige Zorn das Vreneli Mimisch titeliert het, jo Das het 
in in., Dns het im Jokeb in 's Herz g'längt. Breitenst. 
Das het-mi"* du m. und i' h fall a" springe". B Dorf- 
kai. 1870. Das Itä'-mer's m., cio mi ha soprafatto 
PA1. — ß) mit Sachobj. Oppis in., eine Last zu heben, 
tragen vermögen, eine Arbeit zu rechter Zeit zu Ende 
bringen Bs; Gl; Tu; Z. Magst de" Ghorb? I eh mag 
Itül de" Strumpf Wümme* Z. I ch mag 's nüd fertig 
Gl; Tu; Z. Wenn-er-i [euch] wered, somöged-er de" 
Acher [sc. pflügen, schneiden, hacken] bis z' Atiig. 
Gid 's wol üs? Möged-er 's? Anrede z. B. an Mähder, 
Feldarbeiter usw. Sprww. 1869. I°* weit, i eh möclit 's, 
mein Wunsch wäre, das Pensum fertig bringen zu 
können Z. Der Stich mag ieh (beim Kartenspiel), ich 
habe eine stärkere Karte Gl. Magst? fragt ein Spieler 
den Andern, d. h. hast du hiefür eine Stichkarte? — 
d) gepaart mit dem syn. .können.' Der d' Litt bidrängt, 
wo-n-er cha"" und maß. Hokst. Do jammeret das Fräuli 
gar bid urlig: 0, i' h cha 's Wümme* und tna 's n imune"! 
BW vss 1m;;I. Wo-mer chiind und mönd, htifed-mer 
enand VA). .Beholfen und beraten syn, mit was er 
dann kunne und muge.' 1495. G Küehenordn. ,So 
wir getuen sollen, könnden und m.' 1525, Strickl. 

— 3. Lust, Neigung haben zu, gerne wollen, a) mit 
pers. Obj, im Acc. Ai>; Bs; GF., G.; Th; Uw; U; W; 
Z. im Dat. Gl; GA.; Z, Jmdm gewogen sein, für eine 
Person Wohlwollen. Sympathie, Vorliebe haben; auch 
etwa mit Zusatz von wol, guet. Si händ enand nie 
m., standen nie mit einander auf freundschaftlichem 
Fuss Ap; G; Th; W; Z. Er mag-en nüd, hat persön- 
liche Antipathie gegen ihn; er mag-em nüd Z, Nüd 
GA., ebenso, doch auch in dem differenzierten S.: 
fördert seine Zwecke, Bestrebungen nicht Z. I' h mag 
sits |es] nit, ich kann's nicht leiden W. Er mag im 
nl si", ist ihm gewogen CiL. Es hät-is hüt no ch wol m., 
das Wetter blieb uns günstig, der Erfolg ist uns nicht 
ausgeblieben Tu; Z. Scheinbar mit Gen., der aber 
von dem subst. Nüt bedingt ist: ,I ch ma'J dinc" Nüt, 
aversor te.' Id. B. Der Inf. subst.: 's het dem alte" 
Wittlig 's Möge" gär nöd g'ha". G Kai. 1894. Unpers., 
von günstigem Wetter: Hüt het 's na m. B oHa. 
(Grussformel). Verbunden mit können s. d. Bd III 3'23. 

— b) mit Sachobj. und abs.. bzw. mit unterdrücktem 
Obj. (oder Inf.), Lust und bes. Appetit haben, allg. 
Magst Brot? Ich man d's Fleisch nid. Er mag ril, 
wenig, d. h. essen, trinken. Er hat 'denkt: Vom s'e'be" 
Fuss mitg-i rh Nünt im'. BStell 1888. Gott Lob, dass- 
mer 's hei, Gott Loh, dass-mer 's meu. Gotth. (Tisch- 
gebet!. S. noch Hund Bd II 1421 und vgl. Mögt. — 



c) mit Inf. Er mag tritler esse" | nach einer Krankheit]. 
Franc, wo und gumpe* mönd wie d' China. Müller, 
Jgdscbr. I' h mag mit halte", ich stimme bei (Formel 
bei Abstimmungen). Ap Kai. 1859. Jet: sind s'.jo scho* 
z'friden und mönd wider lache*. Stütz. D' Lut lache* 
jet: no cU u" J mün-im 's gönne*. 1! Dorfkai. 1871. Jo, 
i ch macht 's wüsse* ' Das will ich meinen Bs. , Pfeift 
der Wind uns auch durch 's Haar, mögen wir nur 
lachen.' Z Neuj. M. 1781. l ch macht au ch ! ironisch: 
Das lass ich schön bleiben AALeer. ; Bs; Th; Z. Am- 
plificiert durch , wissen': I ch mag und weiss nüd, ich 
habe durchaus keine Lust Z. — 4. moralische Mög- 
lichkeit, wienhd.: dürfen BBr., Ha.; U. Du magst-se 
ne*, darfst sie behalten. Mag 's mi's sin, darf ich 
es als Eigentum behalten V BHa. Er mag nit, darf 
nicht U. ,Es magen an die zedel geschriben werden 
allerlei namen.' G Gesellenschiessen 1485. ,Si esset 
licitum per nautas, wenn ich der schiffleuten halb 
gemögen hette.' Fris. — 5. sollen, müssen GrS. Nu; 
i* Gotts Namme", nie" wird-si ch halt mege" dri" schicke". 
Schweizermcnd 1891 (U). — 6. mit dem Gen. dessen 
oder sin, daran schuld sein; syn. vermögen. Ich ma? 
si" nid PAL .Sind dann schon vil schantlieher under 
inen, was mögend dess die gueten?' HBull. 1530. 
.Was mögend wir syn, qu'en pouvons nous?' Haimonsk. 
1531; ähnlich mehrfach. .Ich pitten üch, ir wellent 
niyn Früntschaft mynes Tods nit lassen entgelten, 
dann si mag dessi Nüt.' 1607, Ardüser. Mit Präp. : 
.Wir mögen nüts für das gesehrei', wir können Nichts 
gegen das Gerücht tun. ThPlatt., Br. 

Mhd. mngai, mügen in Heil. 1, '2 unJ li. Wo in den 
Belegen .möchte' als Ind. (so auch bei DTomann 1708 und 
ZZoll. Tagb. um 1750: ,Es wäre so heiss, man möchte es 
fast uieht erleiden') vorkommt, ist Dies zu erklären aus dem 
Bestreben der MA., sieh irgendwie für den Mangel dieses 
Modus im Prät. zu helfen. Zu mönd vgl. gönd, chönd, lönd, 

tönd, stand usw.; ,sy m 1.' schon 1433, Gfd, ,mönd.' Ruef 

1Ö40; KSihinid 1579. In ma, mäsch, möu das </ verflüchtigt 
viell. nach Analogie von .schlagen' oder nach Analogie von 
rhu"". rlhi""st : Iti , lä*t ; mini nach ihi'ii. tritt, irrt. Zu mieg 
vgl. achlieg und chient in der Anm. zu chönnen Bd III 324. 
Meddi wohl assimiliert aus mäckti oder müchti oder nach 
Analogie von toetti. Ein Cond, .malite' und ein Ptc. .geinügt' 
schon im Mhd. .Miohf = magst, XV., Lüt., Sil'. Was die 
Bedeutung betrifft, so findet sieh der unter 2 c a aus GrD. 
hezeugte Dat. schon hei Notker: ,ube du ne hütest, so gemag 
er mir.' Ober Vertauschungen oder Übergänge der Modal- 
liegrirt'e (betr. Bed. 4 und bes. 5) vgl. den Schluss der Anm. 
zu chönnen aaO. 

über-: überwältigen; überwinden. ,Das war zu 
viel für mich! Das übermochte mich.' Becker 1868. 
.Die Kirchen Gottes ist nie übermögen worden.' FWyss 
1672. .Solches Gebet muss den Allmächtigen ü., den 
Unüberwindlichen überwinden.' JJUlr. 1727. ,Da ein 
jedes Lüftlein sie übermag.' ebd. — a"-: 1. langen 
Ndw. Das Seil mag nid ä". — 2. angehen Ndw. Fttl 
si" mag bi dem Pur gar nid a", geht bei ihm gar 
nicht an. Das mag nid ä* Ndw. — 3. Eim «., Einen 
anmuten AALeer. Si mag-mer nid ä n . 

ver-: 1. die (Geld-)Mittel zu Etw. haben. S. Hund 
Bd II 1421, Chatz Bd III 587. Er vermag 's wol, hat 
dazu reichliche Mittel. Er rermag ('s) z' warte", z.B. 
mit dem Landverkauf Bs; Th; Z. ,1m nächsten Dorfe 
trank man wieder eine Flasche; der Götti musste 
zeigen, dass er auch Etw. vermöge.' Breitenst. Wenn 
ir tiumme" guete" Wi* nrntrut und de"" am Abend 
hei"' plant pet mit eitern Milchgeschirr wie-ne* Kue mit 



111 



Mag, meg. mig, moir. mug 



112 



ere" grosse" Tr'mgele"'. B Hist. Kai. 1777. .Eine Fa- 
milie, die kein Brot vermag.' B Kai. 1841. .Heu kaufen 
vermag unser Einem [s. Bd I 272] nicht.' Gotth. .Sieh 
gross machen [den Grossen spielen, Aufwand machen], 
ohne es zu v.' ebd. Wer 's vermag, ka n " schnupfe" und 
rohe" [rauchen] GBern. Ich vermag .:' laufe", ironisch: 
ich bin nicht so reich, um mir das Fahren zu er- 
lauben Th; Z. Kr vermag öppe* 10000 Fr., hat so viel 
Vermögen Tu; Z. Es ist Einer ken Bin-, wenn Eine' 
nid en ruehige" 31a"" vermag LE., sich durch die 
Wechselfälle, welchen er in der Landwirtschaft unter- 
worfen ist, aus dem Sattel heben lässt? S. noch haben 
Bd II 871. ,Sy straften den um 100 fl., disen um 80, 
je nachdem einer vermocht.' WStkiner 1532. ,lch 
meint, er vermocht eins fürsten guet.' Salat 1537. 
.Hcrodes mächtig ist im gwalt; vermag's an landen, 
lüt und guet, dass im das g'mein volk nit vil tuet.' 
Aal 1549. ,Wir wend trinken, dass schwitzend d' wand. 
Wir hand ein herren, der 's vermag.' Haberer 1502. 
.Vermag Eine nit Windlen, wie es gern wollte, so 
brauche ihm Lumpen und schneide die Fasen darvon.' 
FWürz 1634. .Einer, so 6 Küe vermag, soll nit mer 
als 4 Geissen haben.' lb'75, B Kq. .Der Gang vermag 
1000 Gulden; er gehet toll daher, junonium ingredi- 
tuiv Met., Hort. 1692. .Wenn Einer einen Gugelhut 
vermögen, so hat er geglaubt usw.' HPest. 1790. Auch 
in Bez. auf Truppen: .Der herzog von Berg ist mechtig 
und vermag vil Volks.' 1475. Bs Chr. ,Ir vermögen 
ist g'syn 8000 reisbarer mannen.' 153s, Äg.Tschudi. 
, Lucern vermag an streitbaren Männeren usw.' RCvs. 
— 2. allgemeiner, im Stande sein, zu Stande bringen, 
leisten können. .St Vit hat den längsten Tag, Lucia 
die längste Nacht vermag.' Sprww. 1824. .l>er helle 
Tag vorhanden ist, der schöne Tag, den Gott vermag.' 
Wächterkuf. .Schweig, leid und vermag [sc. zu tra- 
gen], dein Unglück Gott allein klag.' Sprww. 1824. 
Ebenso elliptisch in; G'schwulle", was i" (V Hut ie 
vermag [sc. zu gehen] AaF. .Unsern lieben lantlüten 
ze Glarus entbieten wir, die lantlüt ze Switz, unsern 
willigen dienst und was wir eren und guotes ver- 
mögen.' 1394, Gl Urk. .So ver ir lyb, er und guet 
reicht und vermag.' BossH.-Goldschm. ,1'ro mea parte, 
nach meinem vermügen, als vil mir möglich ist.' Fris. ; 
Mal. (Übergang zum Subst.). Vgl. auch Glossar zu 
Hainionsk. 1531. — 3. bedeuten, in sich schliessen, 
besagen, bes. vom Inhalte eines Schriftstückes, Doku- 
mentes usw. Er g'hört vom Präsidenten, was das Urtel 
vermag. Usteri. ,Wie es Gottes wort und unser amt 
vermag. - HBull. 1531. ,Wie ein abscheid das heiter 
inhalt und vermag.' Kessl. ,Die gemeinen chronik- 
rödel vermögend, dass Otmar bei 38 jaren das kloster 
verwalten habe.' Vad. ,Was die Urtel vermag, voll- 
ziehen.' 1G52, GrD. LB. ,Die Lehenbrief der an- 
grenzenden Lehen vermögind, dass sie stossend an das 
Schnebelhorn.' 17(11, Z Staatsarcli. ,Die liatserkannt- 
nuss vom 3(1. Maji vermag, dass usw.' 1703, Z Zunft- 
prot. ; vgl. Ver-mug. — 4. bewirken; Einen wozu ver- 
anlassen, mit pers., direktem oder präpositionalem Obj. 
,Man solle im den schryber v. [verschaffen, bewilligen |.' 
1531, Absch. Die Klosterherren wenden sich an König 
Rudolf gegen ihren Abt, ,dass er inen den zu recht 
v. [zur Verantwortung zwingen] wellt.' Vad. ,Die 
Edellüt haben an im [Bullinger] v., dass er inen 
Jesajam gelesen.' ELav. 1576. — 5. retl., mit Gen., 
a) (meist negiert) wofür können. Schuld sein woran. 



„Vermag ich mich dessen, dass mein Freund dir etw. 
Leides getan hat?" /"* vermag mi eh Desse* Nüd, ich 
kann Nichts dafür Ap; B; GrD.; Th; Z und schon bei 
Mey.. Hort. 1692, Da vermag ich mi ch Nüt, dass'seso 
g' gangen ist Z. Si" h Nünt v., dass 's Pulver chlepft, 
das Pulver nicht erfunden haben Ap. Wie vil Ö"- 
scholdege het 's au ch , diese [sich] A-e Betzele [Bischen] 
oermöged! Ar Kai. 1848. ,Was vermögen wir uns, 
dass es so gegangen?' Gotth. ,Was v. sich Andere?' 
C.esi'r. 1712. Auch abs. : .Ach Gott, ich dessen nit 
vermag!' Holzw. 1571. — b) Zuneigung, Sympathie 
zu Einem bekommen, haben. ,Wie ein lieb ding es 
ist, wo zwei eins mit einanderen sind und sich eins 
des anderen wol vermag!' 1527, Mise. Tig. .Adam 
hatt alle andere tier beschowet, aber keinse hat er 
sich vermögen.' HBull. 1540; vgl. mögen 3 a und 
Katzen- Hirni Bd II 1614. — Ver-möge" n.: wie 
nhd. 1. abstr. ,Sy tetend all ir v. [was sie vermoch- 
ten].' Morgant. .Von allem v.' OWerdm. 1552; = ,von 
allen kreften.' 1588. Herb. ,Ich will sein Wort, so vil 
mir möglich, fürtragen, best Vermögens.' 1692, Gr 
VDörf. — 2. concr. a) Geldbesitz, allg. ; auch dim. De'' 
wird sl"s Vermögeli gli ch g'nueg dure" 'tu" ha" Th; Z. 
Die het es ordligs Vermögeli g'hä". BWvss. — b) krie- 
gerische Macht, Streitmacht. ,Wir haben uns ent- 
schlossen, mit unserm v. zue verrücken [aufzubrechen].' 
1525, Absch. Vgl. auch Glossar zu Hainionsk. 1531. 

— Libs-: Lebenskraft, Gesundheit. ,Als nun der 
könig alt und an lybsvermögen abgehend [war].' Ansh. 

nahe"-, mit Dat.: 1. Einen auf dem Wege ein- 
holen Tu; Z. — 2. Einem gleichkommen, es ihm gleich 
tun in Etw. B. ,Eine Säumutter [Schweinezüchterin] 
ist sie; es mag ihr keine Luzernerin nach." Gotth. 

— zue-: 1. ungefähr = nahe'-mögen ä, erreichen in 
irgend einer Eigenschaft. De r hürig Wi" mag dem 
femdrige" nüd sueTn; Z. S. handlich Bd II 1405. .Brei, 
bevor Kindsbreie, lassen sich schön daraus [aus dem 
Dinkelmehl] zurichten, doch mögen sie denen von 
Weizenmehl an Kräftigkeit nicht zu.' AHöpfner 1787. 

— 2. beikommen, aggressiv. .Welcher hett im [dem 
Papst] hie zue mögen oder etwas abgewinnen, diewyl 
er alle warten in syner hand gehept?' Kessl. , Diewyl 
si im änderst nit zuemochtend, verklagtend si in bi 
dem Bapst.' JRüeger 1606. 

übel-mögend BO., -möged GG., T.; Uw; ZStern., 
-möget L; U, -mögig Ap; GWa. ; S: 1. kränklich, ge- 
brechlich (bes. vor Alter), aaüü. ; auch : geistig schwach 
L (Spillm.). .Ich bin schon alt und ü.' Morgant 1530. 
,Dann ich merwyls zyts krank und übelmögig, ouch 
ein schwer hand ze schryben überkommen.' 1572, Ag. 
Tschum. S. Leid Bd HI 1082. ,Da die armen Lüt 
liegend, verstand krank und ü.' Rüeger 1606. .Kranke, 
ü-e, alte Personen.' 1635, Z (Spyri, Waisenh.). .Ein 
Pfrundhaus, darinnen eine Anzahl alter, armer und 
übelmögender Burgeren underhalten werden.' HEEsch. 
1692. .Trage Geduld mit uns, wenn wir [alte Eltern] 
ü. sein.' Sintem. 1759. Vgl. auch Glossar zu Hainionsk. 
1531. Dazu das Subst.: Übel-mögendi f.: Schwach- 
heit. .Das" etlich eerenlüt, alters übelmügende (übel- 
mögende) und sonst geschaffen halb, den angesetzten 
rechtstag gar kümerlich besueehen mögen.' 1546, Z 
Batsverordn. 

Vgl. mögen 1. Bei Fris. findet si,-li mehrmals ein Adj. 
.unvermügen' i. S. v. : schwach, kraftlos; bei Mal. dafür 
.Unvermögen, debilis', vgl.: .Fast gesund 1 vermögen sein 



113 



Mag, meg, mig, wog, mag 



IM 



wie ein Richter oder riuger, athletdce valere.' Mal.; dazu: 
,der sass Unvermögens au seinen füesseu und was lam.' 15:10, 
Apnstelgeseh. Pas Letztere kann als adverbialer Gen. von 
„Unvermögen' gefasst werden, bei den andern ist ein Abfall 
von </ schwer anzunehmen uud es bleibt schliesslich uur 
übrig, sie als Ptc. Prät. in aktivem S. zu erklären; vgl. 
ung' schlafen. 

wol-: körperlich kräftig, gesund. ,Zog man, was 
vvolmogender knechten warend, uss.' Edlib. ,Was wol 
mutender gesellen warend und wol loufen mochtend.' 
ebd. Jnteger, frisch und gesund, wol mögend.' Fris. 
.Wann der Leib des Patienten stark und wolmögend 
sein wirt, so gib ihm ein 10 Gran dieses Pulvers.' 
JKLanoenb. 1608. Vgl. auch Glossar zu Haimonsk. 
1531. Dazu als Comp. ,bass mugig.' ,Er wollt bass 
mugiger syn, dann er was.' Sicher 1531. 

Möger m. : Lust. I ch glauben, es sig nüd grad 
d's Süferliehste [Reinlichste]; ich hätt eimel nüd den 
31., im Eppis abz'nen für z' esse" BR.; vgl. als Gegs. 
1 i rli'ider. — Gebildet als Korn, agentis wie die Krankheits- 
namen auf -er: Ettiher, Magerer, Borer, Brenner, Spanner usw. 

Mögi m.: starker Esser, „Nimmersatt" Zg; auch 
der gern nimmt AaZ. 1S15. 

Mögi f.: Esslust, Leistungsfähigkeit im Essen 
Aa; Z. E" gueli M. ha", starken Appetit haben. Er 
het en rechti 31., konsumiert viel. En Salat, (i Eier 
drüf. . . Du schinst-mer na di alti 31. z' ha" Z (ACor- 
rodi). Ja, si hend e gueti M., i ch behaupte", kein Re- 
formierte'' frisst so ril. Wolf, Bauemgespr. Mehr 
abstr., Kraft, Vermögen: Der Wille" ist besser g'si" 
a's d' M. AABad. Kai. 1852. 

mögig Ap; GrI)., Pr.; GTa.; Sch; Tu; Uw; U, 
g'mögig ApSchönengr.; GA., Stdt, T., Wa. ; Z: 1. guten 
Appetit habend Ap; Z. I ch bin nüd so gar g'm. - 
2. den Appetit reizend, schmackhaft GWa. — 3. von 
Personen und Sachen, anziehend, sympathisch, ange- 
nehm. aaÜO. Syn. güstig, an-mächelig. E m-s G'sicht, 
Ghind (iStdt; Sch; e g'm-s Trutseheli, dickes, kleines 
Kind, das man sogleich wohl mag ApSchönengr. Ein 
Kurort ist g'm., angenehm G. Von einer Kuh, die 
den Wünschen entspricht ÜuPr. E m-i [anziehende] 
Underhalti'g UwE. ,Ein m-er Mann', den Jeder wohl 
mag. Sch Pilger 1885. — 4. gerne nehmend U. - 
5. „stark an Kraft." 

u"-: das Gegenteil von mögig 3 AaWoIiI. (auch 
u'g'm.); Ap; GrPi\; L; GTa.; SchwMuo.; Uw; U. 
E" dicki, tvüesti, u"mogigi Schmuttere* [fettes Weib] 
Schw. U-s Wetter UwE. 

mump fei-: gebrechlich. Alt und in., von Men- 
schen, auch von altem Pferden S (Schild). — Wohl 
eig. : wer nicht mehr recht kaueu, nur noch mümpfeum kauu. 

be-: vermögend, im Stande, leistungsfähig. ,Das 
[sog. Jahrzeit] hat myn her der kilchen mit barem 
gelt bezalt und darum b. gemacht.' 1467, Wild, Eglis. 

Mtigel I = Maugel. ,Lux, die zeit abents und mor- 
gens, da man nit weisst, ob es tag oder nacht sei, m. 
Spat, m., zu spatem abend, so es anfacht timber wer- 
den, so man die liechter aufzünden will.' Fris.; Mal. 

Mugel II m. : 1. (auch Mügel BHk.; Schw) runder, 
fetter Mensch, Dickkopf B öO.; Schw. E" feisse r 
Mügel. Kleines Kind mit Pausbacken BBr. Dim. 
Mugi, Mugelli, Mugelti BHa. Es herzigs M. Mugeli, 
kurze, dicke Weibsperson AASeetal. Syn. Muchel, 
Ghnollen, Bügel und bes. Chrugel 2 Bd III 800. — 

Schweiz. Idiotikon IV. 



2. meist PL, Mugle", auch Comp. Ross-31., runder 
Pferdemist, „Pferdeäpfel" Aa; L; Schw. Syn. Ross- 
Chuglen, -Miggen. — 3. überh. etw. Rundliches, Ku- 
geliges, z. B. in dem Rätsel von Eichel und Schwein, 
s. Chrugel Bd III 800. — Vgl. Mauggel, Muggel, Muchel. 

mugelocht: rundlich BR. 

Muger AaWoIiI.; Gl; L; Uw, 3tüger L; Zg — in., 
PI. in Uw Müger und Mageren: 1. rundlicher, kurzer, 
dicker Gegenstand übh., z. B. ein solcher Holzklotz 
Uw. E" 31. im Ofe" hed lang ane". Spec. ,Ziger- 
Stock': ,ein müger ziger ist mit 4, ein halber müger 
ziger mit 2 haller zu verzollen.' 1531, L Zolltarif. — 
2. (spöttisch) Mensch von unförmlicher Statur, rund- 
liche Person, kleiner, dicker Mann AaWoIiI. ; L; Uw; 
Zg; ZO. Auch von einer kurzen, dicken Kuh Gl. 
Syn. Mugel. — 3. Dim. a) Mugerli G oT.; UwE. (auch 
-ü-J; Z, Muggerli GRÜe.; GW., Mugerli BHa., Schmei- 
chelname für Kinder; auch für ein kleines Kalb G oT. 

— b) Mugerli SchwMuo.; UwE. (auch -m-); U (auch -('-), 
3lügerli L; aScHW; Zg, kleiner, runder Brotlaib, spec. 
kleine, semmelartige Brötchen, die paarweise an ein- 
ander hangen, aber geteilt vorgelegt werden. Jetzt 
nur aus Weissmehl, vordem auch aus ,Rauchmehl' L; 
Schw; vgl. Wiss-Halberli Bd II 1171. Faustgrosses 
Brötchen, dgl. täglich eines der Bauer seinem Geiss- 
hirten zu verabreichen hat SchwMuo.; '/ 8 Laib aScHW; 
„Uw;" U. Syn. Mutschli. Er hed es Sennehessi voll 
War lifg'lade", dass ekeis Mugerli me r druf Platz g'ha" 

hätt. Schw Fasn. 1883. Ein 31. Brod, ein Stücklein 
Brot Zg. — c) Mugerli, runder (unbehauener) Pflaster- 
stein Schw. , Maurersteine und M.' Schw (Bote der 
Urschw. 1882). „Backstein Schw." — d) Mugerli, ge- 
ringschätzig, kleines, unansehnliches Ding L. So in 
der Sage vom Kestenbaum bei Horw die an Zahlungs- 
statt gegebenen Kastanien. Mugerli, mit einander 
verwachsene Kirschen, Äpfel, Kartoffeln usw. LG. 
Kleines, rundes Ding übh., z. B. Herdepfelmigerli BHa. 
Syn. Chrügelti. — e) 31ugerli, eine Halskrankheit Zg. 
Vgl. Oren-M. — Bair. Mugel, syn. zu Bed. 2 uud 3 b. Vgl. 
Mocken, mit dem es viel], vwdt ist. 

Ore n -Mugerli: Geschwulst in den Ohren Zg. 

— Wahrsch. eine Entstellung aus Oren-Müggel. 
Herrgotte"-: Marienkäferchen, coccinella sep- 

temp. G oT. 

G e -muger, -müger n.: Ansammlung von .Ma- 
gern', d. i. Klumpen, Knoten, spec. 1. ein Stück Land 
mit Stein- und Erdhaufen Uw. — 2. knorriger Brot- 
laib Uw. 

mugere": 1. (auch rer-m., mugerle") Etwas zu 
einem , Muger', d. i. einem unförmlichen Klumpen ma- 
chen Uw. — 2. besiegen, Meister werden Zg; Z. Er 
häd in g'mugeret. — 3. (auch er-m., in ZStäfa mucjgere") 
quälen, doch mehr nur im Scherze gegenüber Kindern, 
indem man sie zwischen die Finger nimmt oder würgt, 
kitzelt, gleichsam zu erwürgen droht ZO., S. 3Iues'- 
di eh e" chll" m.? Vgl. marixlen. 

Mugeri Z (Hürlim.), (Stet*-) Mügeri ZKn. — f.: 
magerer, steiniger Boden; Haufe oder Schwade von 
zusammengelesenen, etwa mit Erde vermischten Stei- 
nen; geringe Trockenmauer. 

Hieher viell. der Zg Flurname Stei n -Müggere n (zu drin 
Wechsel von g : gg vgl. muggere") und Mugere*, Ortsu. ZW. id. 

g e -mugerig, -mügerig: 1. von plumper, klotzi- 
ger, zusammengedrückter Gestalt Uw. — 2. , Müger' 



115 



Mag, meg, mig, mog, mug 



116 



an sich habend; z.B. von Holz, das viel Maser, viele 
Knuten hat Uw. 

M agle° f. Gl; GA., Dim. Mugeli Gl, Mügeli GA., 
i !.. S., Quarten (ü-) = Migel. 

Bas lautliche Verhältniss zu Miy,l betr. den Voeal ist 
rätselhaft; viel], hat Mugel 11 eingewirkt. 

Heu-; PI., Heublumen, d. h. die Samen und bro- 
samenartigen Abfälle des Heues auf dem Heuboden GA. 

mugle", meist ab-: abbröckeln, a) intr., bes. von 
morschen Dingen Gl; GG. — b) tr., z. B. Käse, Brot 
zerbröckeln, anstatt sie ordentlich abzuschneiden Gl. 

ver-: zerbröckeln, zerkrümeln Gl; GA. Syn. ver- 
brosmen. 

g'muglet: 1. abgerundet und fett; mit fettem, 
rundem Kopf Schw; Syn. gemutschlet. — 2. mürbe, von 
Holz. Steinen GlH. Syn. 'brosmig. 

Muglete" f.: die durch Verkleinerung von Brot, 
Käse usw. entstandene Unordnung GA. Syn. Brosnieten. 

G'-mügel n.: 1. was aus kleinen Stücken, Ab- 
fällen besteht, klein zerteiltes Gemengsei Gl; Syn. 
Güsel, Gemülb, Gemuteter, Pfnisel, Rüst. Die kleinen 
Holzabfälle in Holzbehältern, welche als Kehricht zur 
Feuerung benutzt werden GA. Nimm d's Gm. zäme" 
um] Li 's i" Ofen ini. Auch bildl., Gesindel Gl. — 
2. = Chratzeten 4 (Bd III 931) Gl. Syn. Tatsch, Tsehä- 
chel; auch bildl. von versottenem Fleisch: 's ist Alks 
ri.-. (Im. 

Mügeli n.: Kuh oder Ochs, in der Kdspr. Sch. 
Syn. Mü, Mücheli, Müggeli. 

Lantnachahmend gebildet wie der Name des Kuckucks, 
vom Hufe mü! Vgl. das folg. Vb. 

müge" AaF.; Scu, mühe" GitVal.: muhen. .Ir 
spott ward [begann] mugen wie ein kue.' 1499, Lied 
(Arg. 1861). ,| Die Franzosen haben] uns mit schand- 
lichen worten geschmächt und gelestert, über uns 
gemuget und unchristenliche werch zuegeleit [.1. h. 
uns Küegehljer gescholten].' 1521. Absch. ,Die Kuli 
and < Ichs in., das Kalb bläret,' FrIIaffner 1666. ,Das 
Pfert wichlet und trapet, die Kueh wird niugent g'hört.' 
JCWeissenb. 1678. .Mugen, mugire.' Denzl. 1677; 1716. 

.Mhd. mügen. Syn. müggen; vgl. die Aniu. zu moggen und 
ßr. WB. VI 2632. 

Dinglich BAilelb., mugU ch Ap; BG.; G oT., muglig 
VA',.; GRh., mügli ch I,; Scaw; Z, viiiggli-'' GiiMai.; GSa.: 
1. möglich. Si's Müglichist tue" Z. Er hebet ' 's Mögli ch 
h,i,1 Int 's Merli laufe". Sprww. 1869, von Einem, der 
sich mit dem Möglichen begnügt, mit Verzicht auf 
Mehrgewinn. .Die Züricher möglicher Weise [so viel 
als möglich] schädigen.' Wi'rstiskn 1765. — 2. kräftig, 
stark. ,Das [der Fähndrich] was so gar ein müglich 
.Mann.' HsRRebm. 1620. 

Mhd. müg(e)lich. .Müglirh.' Zwingli; ,muglich.' Müller 
L665; F\V\ss 1678. Unsere umlautlosen Formen scheinen 
also die alid. Stufe zu repräsentieren. Zur Fnrtis vi<r / in 
m'äggli" 1 ' vgl. entti ch , endlich, li,/>li e '', lieblich u.a. 

uii-: 1. unmöglich, allg. — 2. von Personen, un- 
verträglich, so dass es beinahe unmöglich ist, mit 
ihnen auszukommen BHa. Das ist en Vnmugliche''. 
— :'.. fast nicht zu bewältigen, schwer passierbar. 
. 1 > i i ■ büchsen haben wir mit schweren kosten über die 
unmöglichen birg gefertiget.' 1525, Absch, — 4. un- 
vermögend, schwach. .Alte, unmögliche Mer.ner [sind 
dienstfrei].' 1671, GSa. LR. — 5. adverbial verstär- 
kend, sehr, äusserst AaFh.; Sch Bargen, St. U. gross. 



,Er war unmöglich feisst.' 1607, Ardüser. .Bei dem 
u. grossen Schuldenlast.' 1702, AaMuH Archiv. Vgl.: 
,Es kam sy ein unmuglieh forcht an.' Kichimeister. 
— ver-mögU' 1 * '/.. -mögleeh Tu. -mögilich Scu (Sulger): 
1. wohlhabend. aaOO. ,Die Tochter, welche 3 Tonnen 
Golt vermüglich.' 1601, Ardbser. — 2. körperlich ge- 
sund, kräftig ScHSt. ,Wiewol ich noch vermüglich 
bin, von tag nend ab die kreften myn.' Ruef 1550. 
,Diewyl er noch vermügenlieh und hy gueter Vernunft 
synen letsten willen offne.' RGüalth. 1584. , Ein jeder 
Armer, sowol presthaft als vermüglich, soll in syn 
G'meind gewisen werden.' B Sittenmand. 1628. ,I,ybs 
halber vermögenlich.' Z Bettelordn. 1030/34. ,[Die 
Kranken besuchen] diewyl sy noch guter Vernunft 
und vermögenlich syn.' B Syn. 1728. — 3. tauglich, 
hinreichend, stark genug. ,Dass die gar grossen 
eichigen Fass, wann keine starke und zu dero Ab- 
führung vermögliche Zug [Fuhrwerke] vorhanden 
wären, beiseits getröhlet [gerollt] werden.' FMu. Fuhr- 
ordn. 1723. — 4. möglich. .Vermögenlich, vermoglich.' 
1475/6, Bs Chr. ,In vermöglicher zyt', so bald als 
möglich. 1521, Absch. ,Nach allem vermöglichen flyss.' 
Ansh. ,Nun ist gewüss alles das, so unmöglich dem 
menschen, by Gott vermöglich.' B Disp. 1528. ,Mit 
allen vermöglichen eeren begrüezt.' Vad. — un- 
ver-: 1. ohne Geldvermögcn Sch; Z. — 2. körperlich 
schwach, unvermögend. ,Blöd, schwach, unvermügen- 
lich.' OWerdm. 1552, = ,unvermöglich.' Herborn 1588. 
S. chindlich Bd III 351. ,Die Kinder sollen, bis sie 
12 Jahre alt, erhalten werden, bis sie tauglich sind, 
ihr Brod zu gewinnen; es wäre dann, dass sie un- 
tauglich, unvermöglich und auch in selbem Alter nit 
in dem Stand wären, ihr Brod zu gewinnen.' 1716, L 
(Seg. RG.) ,Von wegen der krankheiten und unver- 
niügliche [Schwäche] des lybs.' RGi;alth. 1559. — 
3. fast nicht zu leisten; gleichsam unmöglich; uner- 
schwinglich (von Abgaben). .Unlydenlich und unver- 
möglich Schätzungen.' 1521, Absch. — christe"- Ap; 
GA., Sa.; ZO., e/tm.es- Obw: verstärktes möglich; nur 
in der Frage oder mit Neg. Wie isch au ch christe"- 
müggli g'si"? GSa. (Proph. 1855). Ist das christestnigli? 
Obw. Es ist nild ehr., ''as' er [ihr] chönd rieht tue* 
GA. Das ist he Ghriste'müglichkeit BBe. Unchristes- 
mügli ch , rein unmöglich GR.Cb.ur. — mensche"- = 
christenm. Th; Z. Beide verbunden zur Verstärkung: 
Ward meine", 's war uimntsehe"christe n mügli ch . MLie- 
nert, absolut unmöglich. Vgl.: ,So vil imer möglieh 
und menschlich gesyn wäri.' 1578. RCvs. — wol-: 
wohlmögend. .Wolmügliche bitt.' 1529, Absch.; hin- 
gegen ,Wolmugligkeit' = Wohlbefinden : .Wir bittend 
Gott, das 8 er üch allezyt wolmuglikeit und gesunt[heit] 
verlych.' 1412, Absch. 

Vermöglichkeit f.: 1.= Vermögen 1. .Helfen mit 
lyb, guet und aller vermuglikeit.' 1476, Bs Chr. .Wer 
fragt nach Gotts vermüglichkeit [Macht]?' L'Eckst. 
,Ouch die taatlich sünd in uns würket, so bald und 
die vermüglicheit da ist.' RGualth. 1559. — 2. körper- 
liche Kraft, Gesundheit. .Vitriolöl behaltet die alten 
Leut in irer Vermüglichkeit und Sterke.' JJNüsch. 
1608. .Nachdem der Arzt den Zustand der Kräften 
(der Vermögliehkeiten) vernommen hat, so stellet er 
an eine Vorerkenntnus, ob die Krankheit tödlich.' 
Spleiss 1667. 

Un-V. .Bewahre mich zu aller Zeit vor Geiz 
und U.' SoTERM. 1860. — Kann in diesem Hausspruch 



117 



Mini — mild. Magd mugd 



ns 



entw. Armut oder Kränklichkeit bedeuten; wohl eher Jas 
Erstore; Tgl.: .Gib mir weder Armut noch Reichtum.' 

Libs-V. = Libsrermbgen. ,Vil alter Männer wer- 
den gefunden in die 70. So und mehr Jahren alt und 
dennoch mit guter L.' EtCvs. 

G'müegi = Flieg 5 (Bd I 1178) GSev. - Vgl. das 

syn. Müeggi. 



Magd, in Ap; GStdt Matt - f.: 1. wie nhd.. Dienst- 
magd Ap; Git; U. In Th; Z seltener als Maitli und 
viell. aus der Scliriftspr. ; vgl. Jung-frau 2 Bd I 1247 
und Maid. Mäggli, junges Dienstmädchen (gegenüber 
dem MaitliJ TnTäg. In GrD., Pr. belobend und ko- 
send von der minderjährigen Tochter des Hauses, in- 
sofern sie fleissig und eifrig arbeiten, die Hausge- 
schäfte machen hilft. Ähnlich das Dim. Mägtli für 
kleine Mädchen, die diensteifrig sind GlK.; vgl. 
Chnechtli Bd III 720. ,Und ist ein Sprichwort, wie 
man sagt: Gleich wie die Frau, also die M. - GGotth. 
1599. — 2. Mägdlein. Mädchen übh. ApL, in ä. Spr. 
keusche Jungfrau. ,An der einlif tusend Megten Abend.' 
oft in ä. ürk. ,Der h. Megte hus', d. h. Haus des Ka- 
plans des Altares der h. 11000 Jungfrauen. 1408/69, 
ZStdt. ,Mit einer reinen maget.' Tierb. 1563. ,Seit, 
quando Jupiter duxerit Junonem, er weiss sich zu 
besinnen, dass sein Mutter ein M. gewesen.' Sylloge 
B 1676. ,In der reinen Magd', Ackername ZBül., wo 
in katholischer Zeit wahrsch. ein Marienbild stand. 

— 3. Kostgängerin. z.B. Weberin, die bei Jmdm 
Wohnung und Kost nimmt, daneben aber auch etwa 
in den Hausgeschäften oder sonstigen Arbeiten mit- 
hilft ZO. Syn. Tisch-Magd. 

Zur Assimilation in Malt vgl. CKUtten aus Chlegdm. Nicht 
hieher gehört der Name zur Mäyd für ein Gesellschaftshaus 
in BsStdt (s. vielmehr Anm. zu Ail Bd I 165); obwohl der 
Name schon sehr früh so gedeutet wurde: ,TJomus in dem 
magtun.' 1327; ,ad virgiues.' 1427. 

Er(en)-: ehrbare, anständige Magd, Dienerin, im 
Gegs. zur Buhlerin, Dirne. Eine , Ehrenmagd' hat die 
Meisterin im Frauenhaus LStdt (Staatsarch.). .Dann 
sy einen Jüngling in Wybskleidcrn zue irer Ermagt 
bracht.' RIjeger lt!06. — ,Fuess-: Auf Wärterin, pedi- 
sequa.' Denzl. 1716. — Hüener-: Hühnerwärterin. 
.Salome Bossert, H. auf dem Hof [zu L.].' 1658, Gfd. 

— Chüe-, in der RA.: Um 's Kaisers Bart mache" 
oder um 's K. Ch. AAZein. — Keller-: Kellnerin B 
(Gotth.). .Kellermägd, welche dabei keine Begangen- 
schaften haben.' B Reglern. 1763. — Kinds-: Kinder- 
mädchen Ap; B; Th; Syn. Ghinden-Maüli. Er [der 
Mann] cha** selb au ch nüd all [immer] Chendsmatt se 
[sein]. Merz 1836. .Frau N. hätte Annebäbeli zu sich 
genommen, um ihr Mädchen als K. zu gauiuen.' B 
Hist. Kai. 1866. — , Ler-mägdlein: diseipula.' Denzl. 
1677; 1716. — Pudel-Matt: eine Magd, welche die 
niedrigsten Geschäfte verrichten (de" Pudel mache") 
muss Ap. — Spüse"-: Brautjungfer GrL.; vgl. Spü- 
sen-Fuer Bd I 973. — Stunde"-: Magd, welche nur 
während einzelner Arbeitsstunden dient BsStdt; Syn. 
Spetterin. — Tisch-: Kostgängerin ZO. — Wuche"-: 
ungefähr was Stunden-M. B. .Eine Wochenmagd, die 
einmal des Tages kam, um Holz und Wasser zu tra- 
gen.' Gotth. — Zottel-: Nachtreterin, Zofe ScHSt.f 
(Sulger). 

inagde": alsMagd dienen GA., Sev.; vgl. chnechten. 



Mägden: die Jungfrauschaft, Jungfräulichkeit. 
.Welche (row olddirn mit eim ze schaffen hat und meint, 
dass ir der selb ir megten genommen hab.' Ij Stadtr. 
,Virginitas, junkfrauwschaft, mägdten.' Fius.; Mal. 

Ans .megtuin', einer, wie es scheint, früher volkstüm- 
lichen Schweiz. Form für .magdttim', welch letztere, offizielle 
Form sich noch in Z Mandd. 1628 und 1650 findet. ,Ich 
empfilh mich in den rainen megtum der wierdigen mueter 
Gotts.' um 1450, Z Staatsarch. (Gehet). ,Als etlich frowen 
und dirnen, die manu und gesellen gen Constanz um den 
megtum und bluemen ladent.' ltöü, L (Seg. KU.l. 

ent-mägden= verfallen II 4 Bd 1 760. .Welche 
dim das [die Anzeige] in jarsfrist nit tuet, die soll 
demnach den, so sy meint sy entmegtet [Var. .atmegtet'] 
hab, unbekümbert lassen.' 1480, L Stadtr. ,Der ein 
tochter schwecht und entmägdet.' 1531/48, Sirach. 
Syn. ent-blüemen. 

„ Mägdler m.: Schütze, der die Scheibe fehlt Gl." 

Wühl eig. sarkastisch oder ironisch Einer, der gleichs. 
die Scheibe in jungfräulichem Stande lässt. 

Magdeburg. In der RA.: Es wird (öppe*) nit M. 
eheste*, es wird nicht Alles kosten, nicht ans Leben 
gehen B. — Reminiscenz an Belagerung und Fall von M. 
im dreissigjährigen Kriege; vgl. Landau. 

Magdenauer: Apfelsorte Th. — Nach einer Ortschaft 
in G uT. benannt. 

Magdalena „Magdale, Maddale VO". Mattete, 
Mdttle Ap. Mädline* Gl; GA., Madie Bs; VO; GTa. ; 
Sch; Th (-e s ); „W;" Z, Mädlf „LE.;" ZO., Made" 
Th; Z, Mad(e)htng B (Gotth.); S — f., „Madleni VO; 
W", mehr od. weniger derb Mädlentschi aScuw, Mädi 
B; Gl; ZO., S. — n., „Madoz G f" — Dim. Mddlenli 
Bs, „31adleneli VO; W-. Mddleli ZSth., Mattleli, 
Matteleli Ap. Madi. Id. B. Mädeli B; Sch; Th; Z 
(selten Mädli): 1. weiblicher Taufname. aaOO. Juni- 
pfer Madie Bire'stil, i eh sott reden und cha"" nid eil. 
Sprww. 1869, Spott auf einen ungeschickten Redner, 
eine Zungendrescherei; nach Sulger Parodie der Ab- 
forderungsrede eines unbeholfenen Brautführers. .Die 
Wittwe R. mit ihren drei Töchtern, die ehemals Mad- 
lung, Gattung und Bethung geheissen hatten, sieh 
jedoch später umtaufen Hessen und nun Madi, Kitti 
und Bethsi genannt wurden.' AHartm. 1855. Er hat 
es Mal irie 's Madleli Bader, ist ein Schwätzer. Sprww. 
1869. Bei Gotth. heisst Mädi gewöhnlich die Magd 
(Jumpfere*) des Bauernhofes. Wie alle häufigen Per- 
sonennamen geht auch M. in appellativen Begriff über: 
Dm narchtigs Madie! Zuruf an ein närrisch sich ge- 
berdendes Weib übh. Schw. ,I'er Bräutigam sprach: 
Ach liebe Madien, soll ich jetzund dich nimmermehr 
g'sehn!' Aa Taschenb. ,E früntlis Gespräch zwüschet 
einem Landrichter und einer Wirtin. Madleni genannt.' 
Titel einer Flugschrift 1712; vgl. noch Line BdHI 1233 
Lungi Bd 111 1339. — 2. scheinbar missbräuchlich für 
Marie. , Diese Marie Matzenauer, in der Landessprache 
Köchlis Mädli geheissen.' Henne 1867. — 3. Mädi, 
Pferdename B; vgl. Lisi. Auch Name für Kühe L. 

,Madalena.' Taufh. ZRüml. , Madale.' Edlib. und Diener, 
Z Glatt. ,Madullen.' 1712, Z Mskr. ,MartaIlena.' 1823, 
LE. (wohl zsgezogen aus .Maria Magdalena'). Madlung ist 
frz. Madeton. 2 lässt sich nur erklären, wenn die Person 
Maria Magdalena hiess; doch könnte auch Maidli i. S. v. 
.Tochter' gemeint sein. 



119 



Magg, megg, migg, mogg, mugg 



12(1 



Magg, megg, migg, mogg, mngg. 

mäggele" W, mäggele' I Ap; GrD., Pr.; S; Th, 
mäggeh" Aa uF., -.<•- AaSuIit. ; UwE., -js- AaBö. ; B; 
Gr; L; GoT.; Schw; Ndw; Zg; Z. -e- Bs, -e- AARue- 
dert.. -e'- AAFri. ; G, -e 2 - ThHw.: 1. Ziegengerueh und 
-Geschmack verraten Bs; BHa., Si.; Tu; Syn. böckelen. 
De r Gässstall ist ganz neu g'sf, destcege' hat 's gär 
ifnl starch g' mäggelet drinn. Sciiwzd. (Th). Von der 
Ziegenmilch, stark schmecken RBe.. Si. Syn. geisseien 
Bd II 464. Jitz sig im die wissi Gibef hüt o [auch] 
no** gast g'aange" u"' vo" der schwarze' mäggeli d' 
Milch eso starch. MWalden 1884. Das ist Geisse*- 
/leisch; es mäggelet ja, das' me''s schier nüd mag er- 
lule'. Wolf, Bauerngespr. — 2. faulig riechen, auch 
schmecken, bes. von nicht mehr frischem Fleisch. 
schlecht gedörrtem Schinken usw. Aa; Ap; Bs; B; Gr; 
G; Schw; Th; Ndw ; VV; Zg; Z; Syn. rächelen. Auch 
von faulem Käse SchwMuo., nach Angebranntem. Ver- 
kochtem riechen und schmecken GrD., fad, ungesalzen 
schmecken, von Brot Ndw. Mir miessen isers Schwinig 
jitz lebig [d. i. mit Maden] brüchen; ex fät an m. BHa. 
D's 'tigne Fleisch erleidet Firn, b'sttndersch wenn 
Spaieenester dri" sind, trenn 's rek ist, öl [oder] trenn 's 
mäggelet. Schwzd. (GRSchiers). Bi der Fisehabteili'g 
het 's mi' h do nennte' scho" z' allcri-erst möge" g'stelle", 
trenn schon 's eigentlich grad selb am meiste" g'meggelet 
und g'schmöckt het. Gysi 1881. Vgl. die z. T. synn. 
herrelen . jünkerlen; auch näckelen Bd I 163. Bei 
Spreng auch: .riechen wie ein verharntes Kind'; vgl.: 
Dds Chind hat, mein-i rh , Oppis g'macht, es mäggelet 
äntmei ZU. , Alles, das höckelet oder mäckelet und 
übel schmückt.' Tiekb. 1563. S. noch ver-glasen Bd II 
046. .Müchten, mäkelen, nüechtelen. muffen, mucere, 
situm redolere.' Ked. 1662. .Alle schimmlechte und 
verlegene ding fäulelen, mäkelen und stinken.' Spleiss 
1667. ,Sordere, unflätig sein, mäkelen.' Denzl. 1677; 
1716. .Des Geizhalses Lesen und Beten, sein Kirchen- 
gehen mäggelet nach dieser Quelle [dem Eigennutz] 
und zicket nach einem geizigen Herzen.' JJUlr. 1727. 
— 3. übertr. Es fät a" in., wenn es um ein Geschäft 
nicht mehr gut steht Bü. ; auch beim Spielen zur Be- 
zeichnung des Verlierens BBurgd. — 4. schwanken, 
beim Kegeln vom Kegel, beim Bock schlän oder 
Stockten vom Bock oder Stöckli, wenn sie zwar 'ge- 
troffen, aber nicht zu Fall gebracht werden ÄASuhi.; 
SL. — 5. = Lotze" schlän BsBiel; RocHn. 1857, 449 
fmeggerlen). Syn. nöpperlen, bohlen. 

Obschon drr Voc. nicht überall zum Ziegenruf mä! und 
zu den denselben aasdrückenden Verben mäggen und maggelen 
stimmt, so blickt, doch von Seite der Bed. die Beziehung zur 
Ziege, bzw. dem Bock, so stark durch, dass man geneigt ist, 

hier die ohnedies schwierige Etj logie des Wortes zu 

suchen, zumal dasselbe nirgends vorzukommen scheint, als 
in dem ebenfalls ziegenreicben Tirol (maggelen in Bed. 1 u. 21 
und Vorarlberg (maggelen); vgl. mini, mücke, Ziegenbock (bei 

B i I. Vgl. auch die Anm. zu Maggen und .niinkeln' bei 

Gr. WH. VI 2238. 3 konnte muh bildliche Anwendung von 
I sein. Zu 5. Im Tirol Meggalee. Übrigens ISsst sich fragen, 
ob 1 unil •"> hieber gehören, oder nicht vielmehr zu näggele* 
(vgl. müechtele' neben nüechtele*) und bair, nagkeln, nägkdn. 

Mäggele.": Ziege, als Name eines Spielgerätes in 
dem Spiel Meckele" schlö' = d' Geiss (Bd II 460), Lotze" 
(Bd 111 1569) schlä* Bs i Spreng). 

Mäggeler I m.: l.auch Bocks-M., Derjenige, wel- 
cher beim Bock schlän (geissen) den Bock durch seinen 



Wurf nicht zum Fallen, sondern nur zum Wackeln 
bringt SL. — 2. Nörgler B oAa. — 2 (viell. auch 1 1 ist 
Spielform zu Naggeier. 

(g°-) mäggelig, in AaWoIiI. auch g'meggelet: 
widerlich riechend i. S. v. maggelen 2 AiWohl. ; GRh.; 
UwE.; Z. 's G'müggelig [Fleisch] dem Hammebei" nn ch 
han-i' h na eh [noch] am liebste', sagt etwa ein Lieb- 
haber von Pikantem ZS. 

mägge" = maggelen 2, vom Fleisch .BD.." R. 

g'mägged (Ptc.) = mäggelig BR.; vgl. tir. maggig, 
dasselbe. 

Mäggi n.: die sog. Durchfäule oder Klauenseuche 
des Rindviehs SchwE. 

Vom Übeln Geruch, der mit dieser Krankheit verbunden 
ist, oder übh. als Fäuluiss aufgefasst. Vgl. übrigens noch 
näggen. 

Mägge" f.: Fäulnisswunde an einem Baumstämme, 

Ähnliches an Schinken AaEIit. 

Am wahrscheinlichsten ist, dass das W. aus dem Jnden- 
deutscb (der angrenzenden Ansiedelungen Leuguau und En- 
dingen), in welchem ,der Maken' Beschädigung, Fehler an 
Kleidern oder Geschirr liedeut.-t. nach Ehrendingen einge- 
drungen sei; doch vgl. auch mäggele' und das syn. Mage'. 

niaggle" 1 ScnNnk., mo'ggle' ScuStdt, mö'ggele' 
ZAndelf. : schlecht malen, schmieren, klecksen, bes. 
von Kindern. — Viell. entstellt aus mo 2 le', malen, und 
Pejorativ zu Diesem. 

ver-: verschmieren, z. B. ein Blatt Papier Th. 

Mögglete" f.: das schlechte Schreiben, Geschmier; 
schlechte, verkehrte Arbeit übh. Scu (Kirchh.). 

Mö'ggell m.: schlechte, verschmierte Zeichnung 
od. Malerei ScuStdt; kleine Malerei (geringschätzig) Gl. 

niaggle" 11: mäkeln, kleinlich klagen, häutig von 
Kindern BBr. Vgl. Mäggeler 2. 

Halle"-, Hälli-Milgg m. ÄASchinzn.; GStdt, 
-Mäggeli Sch (auch nur Mäggeli); ThFi\, -Meggeli 
AaL. (selten Halli-) — n.: 1. Schaf, Schäflein (Kdspr.) 
AaL.; GStdt; Sch; Th. Syn. Beggeli. Auch Schafwolke 
SchSL Schau d' H., sagt die Mutter zum Kind. — 
2. Ziege (Kdspr.) ÄASchinzn. - Vgl. Haiti I (Bd II 1135). 

mäggele" II F; L, -ä- AaWoIiI.; BSi., -e 2 - S, „-e- 
Sch", -a- AaEiL; G oT.: 1. meckern, von Ziegen AaF.. 
Fri.; BSi.; F; GoT.;SL. - 2. „blöken, von Schafen 
Sch." Syn. megelen, meggelen. — Das Vb ist wohl als 
Dim. zum folgeudeu zu fassen. 

mägge" Bs; G, -«- AaWoIiI.; B, -e 2 - ZA., 0., S.: 
1. meckern, von Ziegen AaWoIiI.; B (Zyro); „Gr;" 
G; ThHw. ; W; Z. Syn. meggen. .Es war, wie wenn 
die Geissen lauter maygeten [1. mäggeten].' ELPbst. 
17S5. — 2. blöken, von Schafen G; „Gr (auch von 
Kälbern)"; Syn. mäggen. — 3. übertr., schreien, ver- 
driesslich weinen, von Kindern AaWoIiI.; ZU. Was 
hast z' m.? Hast doch eisig Oppis z' m..' zu einem 
weinerlich klagenden Kinde; vgl. gäggen. — 4. tadeln 
BsL. Syn. grumsen. 

Lautnachahmend gebildet nach der Stimme der betr. Iure, 
entsprechend gr. |j.Vjxäo|icu. Zu 3 u. i vgl. übrigens näggen. 

Mägge" f.: 1. Ziege (scherzh.) BSi.; Syn. Meggen. 
— 2. Puppe, mit der die Kinder spielen W. 

Vgl. das homer. |tY;xdg, Ziege als die meckernde. Bed. 2 
als das weinende Wickelkind vorgestellt. 

mäggele" III: langsam, bedächtig, auch mit wenig 
Appetit oder gar mit Ekel essen; wählerisch sein im 



121 



Magg, megg, migg, raogg, mugg 



122 



Essen VO; „GrA.; G; Z." Syn. müggelen. — Für I. 
ist ä und « angegeben. S. noch man./.;./.«. 

Mäggelerll m.: wer ohne Appetit oder gar mit 
Ekel isst UwE. 

Mitogene" f.: Schneepflug U. — Viell. aus it. machina. 

Maggis. nur in vier RA.: nid lang M. [Federlesens] 
»hielte* ZRafz. — Gen. vom Inf. mäggen i. S. v. mäggelen I 4 
oder von mäggen 3. 

Bire°-inäggis in.: Birnbrot (seberzh.) Gl; vgl. 
Bire'-binggis; auch Miggis 3. 

Manggel I m. = Maugel 2 L; S; Z. Feistere'' M., 
dunkel, wolkig Wetter LHa. Tscho [fort], M. ! Glanz 
füre"! Ausruf bei trübem Wetter S. 

mauggel: 1. = maugel 3 ÄASt. ; LG., Senip.; S. 
Es ist m. Wetter, nicht Regen und nicht Sonnenschein. 
— 2, = maugel 4 AAZein. Er luegt m. dri", sieht un- 
wohl, krankhaft aus. Traurig S. — 3. wählerisch im 
Essen AaFil Er isch so m., dass er ehe" it Alles isst, 
was nie' im ume" stellt. 

mauggelig Aa, g'mauggelig LG., g'maugglet Aa 
Lindenb.; Gl: düster, bedeckt, trübe, bewölkt, vom 
Wetter, Himmel, 's G'mäugglig, Haufenwolken L; 
vgl. Möggel II 4. 

ruaugge" I: 1. Abend werden U. — 2. „sauer- 
töpfisch, finster, unfreundlich sein B; LG." Schmollen 
AaZ. (1815). — 3. „kränkeln Bs;" Z. Min Bhiemc"- 
stuek maugget ZNer. Vor Übelbefinden schwach, leise 
reden ZGlattf. — 4. (niedrig) sterben, krepieren, zu- 
nächst von Tieren Aa; L. 

ab-: 1. langsam erlöschen. Das Liecht macht a. 
ZNer. — 2. langsam dahin siechen, von Kranken Z 
Küsn. Syn. abserblen. 

ver-: verenden, krepieren AVLindenb. ; L. Ptc. 
vermaugget, verwahrlost, nachlässig und schmutzig 
gekleidet LG.; vgl. mauggen 3 und 4. 

nie- = zue-mauglen U. 

„Mäugge" f.: Sauertopf B; LG." 

Mauggere" f.: 1. saures, finsteres Gesicht, schmol- 
lende, unzufriedene Miene B; GlS. ; S; Syn. Latsch. 
E" M. (B; Gl.), d' M. (B; S) mache", sauer sehen, 
grollen, schmollen; vgl. gramauggen Bd II 731; auch 
frz. faire la moue. Si het c guets Herz und ist nit 
im Stand, gege" mi"s Glück d' Mü'ggere" und d' 
Tuble" z' mache". B Bauernkai. 1889. ,Mädeli kehrte 
mir mit einer gewaltigen M. den Rücken.' Gönn. 
.Anne Bäbi Hess jetzt Kuppen und M. erst recht her- 
vor und fötzelte das neue Süniswib aus.' ebd. .Mit 
langweiligen Gesichtern und mit unflätigen M.' ebd. 
.Hatte Trinette eine längere Badefahrt gemacht, eine 
vornehmere M. ersonnen oder zümpferere Schessti.' 
ebd. — 2. pers., „Sauertopf B; LG." 

Surri-: sauertöpfisches, böses Weib BBe. 

mauggere": 1. = maugeren Bs. — 2. = mauggen 2 
„B; LG." — 3. heimlich verhaltene, leise Ausdrücke 
des Unwillens vernehmen lassen B. 

mauggis L; SG., mäuggis AASt: Adv., nur in 
den RAA. m. gän oder mache", kaput gehen, verenden 
(niedrig). — Aus mauyyeiiH, Gen. von muuyyen 4. 

niauggle", dim. mauggele" : 1. dämmern. Es 
mauggelet Gl. — 2. dem Erlöschen nahe sein , ab- 
sterben, von Licht, Feuer L; Z. Dethedes Ol-ämjieli 
ml" g'maugglet a's 'brunne". Schwzd. (L). — 3. von 



Tieren und niedrig von Menschen, verenden SG. Der 
Urfel ist g'maugglet. — 4. = mauglen 3 Obw; U. 

ab-: (mit sein) endlich sterben, scherzh. oder ge- 
ringschätzig LT. — uinme"-: sich kränklich umher- 
schleppen AAZein. — üs-: verenden. Am U. si" Z. 
- ver-: (mit haben) = dem Vor. L. 

Mauggli in.: Person mit hässlichem. bes. pocken- 
narbigem Gesichte LG. 

Mäuggel m.: 1. = Mauggeren 1 AABb., Wohl. De" 
M. henke", ein mürrisches Gesicht machen. Syn. Mäuel. 
— 2. mürrisch dreinblickender, auch ein äusserlich 
schmutziger oder ein pockennarbiger Mensch LG. 

Über das -yy- der ganzen Gruppe uebeu -y- vgl. die Antn. 
zu maugel. Die Bedd. lassen sich unschwer vereinigen. S. auch 
Müggel. 

Mauggel II m., Dim. Mauggeli Gl; L, Comp. Büsi- 
Mauggel ZU. : Schmeichelname der Katze. Mauggeli 
auch übertr. auf im Wachstum zurückgebliebene Men- 
schen L. — Vgl. den Ziegennamen Mäggeli, sowie Mügger. 

„maugge" II: miauen Gl; L." Syn. mausen; vgl. 
müggen, muhen. 

Böli-Mauggel m.: Popanz ZO. Syn. Böli-Mann; 
vgl. Möggel II 3 und Mäuggel 2. 

Mauggis: scherzhafter, mehr individueller Aus- 
druck für Geld Gl. Wä"" me* Das will, so muess-me" 
M. ha*. — Wahrsch. zu (ver-)mauken, verbergen; also = Held 
im Ytsi (Bd I 1077). Vgl. noch Müijyis und Schm. I 2 1565. 

Mäugge» = Chräzen (Bd III 923) SeHSt. 

Vgl. Chräzen 9 (Bd III 926) und Mauken, Häugekorb, 
bei Schm. I 2 1565. 

mäugge": 1. schielen Ap; „Gl; GRh.;" TaTäg. — 
2. starr oder schief auf Etwas hinblicken, versteckt 
seitwärts blicken GRh. ; Tu. Syn. schlichen, möggen. 

i(n)e°-: hinein-gucken, -schielen Ap; ScHSt. 

Mäuggi m.: 1. „ein Schielender, Schieler Ap; Gl; 
GRh." — 2. ein Schwersehender Ap (Tobl.). 

Schule"-, Schilli-Mäugg(i) m.: derber Aus- 
druck für Schieler Ap; „Gl;" G; ScHSt.; Tb; Z. Syn. 
Schilli-bingg. 

Stube"-Megg: Stubenhocker AaEIii-. 

meggele": 1. = megelen „Aa;" BM.; „L;" GSa.; 
SThierst. ,Ein stimm, wie der bock meckelet.' Tierb. 
1503. — 2. f-e-J nach der Ziege riechen BBrisl. 

me'gge": 1. meckern, von Ziegen AaHoUI., St.» 
Wohl. Hälebäggeli und Gitzeli [als Spielzeug] , wo 
vor-em selber laufen und bäggen und megge". AGysi 
1881. — 2. plärren, wie Kälber Bs. — 3. kreischen 
AaWoIiL, unverständlich reden Bs. 

Me'gge" f.: Kosename der Ziege BM. 

meggere": meckern GaVal., TJVatz. 

meggeniert: auf besondere Art gebügelt B. E* m-s 

Mänteli. — Augeblich von mlcanique, der Art des Bügelus. 

Migg GlK. ("grob), Me'igge" ZZell (grob) — f., 
Miggi I Bs; Gl, Miggli GlK., Miggeli I Bs; GLÜbst., 
Miggschi GlK. (grob) — n.: Entstellungen des Na- 
mens Maria. 

Miggelen: PL, Klumpen geschmolzenes Erz. ,Was 
beim Schmelzen des Erzes zum ersten Mal heraus 
kommt [im Bergwerk zu GFlums], wird Roteisen ge- 
nannt, das zweite Mal werden die M. geschmolzen, 
das dritte Mal die Masslen, der oft schwarze, runde 



123 



Hagg, megg, mi>rs- wogg. rnngg 



124 



Flecken, welche sie Kosen nennen, hat.' JJSchbdchz. 
1746. — Wahrsch. zum Folg., weil diese Erzklumpeu die 
Form von länglichen Brotlaiben haben: Tgl. die Anm. zu Migel. 

Migge-GRHe.; ZBenk.. Migge* GrD. ; PAl.;GMels; 
W — f. (in „GSax; UUrs. n."): 1. Semmelbrötchen 
Gr; PAL; „GSax; UUrs." In Gr der 4. Teil eines 
.Miggensehildes.' Von feinerem Mehle und die vier 
Teile der Länge nach neben einander sind die Ca- 
saccier-Miggen. In (j.Mels Wetzstein förmige Eierwecken 
mit Weinbeeren. In W feine Brötchen von der Grösse 
eines grössern Apfels, deren je zwölf Stücke an einander 
haften und eine Grische bilden, aus dein Ossolanischen 
importiert; vgl. Muger 3 b. — '_'. Meggeli = Anggeli 1 
(Bd I 340) GW. — 3. e" M. ge", einen Stoss mit dem 
Knie in den Hintern geben GrC1iui\ D. (Ghürer-, 
Bettler-M.J. Syn. Chnie-Bir, Biren- Wegyen. — 4. meist 
PI., Spannklötze ZBenk. 

Churw. micha, Laib Brot, Weissbrötchen, lat. mica, Krüm- 
chen; inhit. = panis modicus, qui fit in curiis magnatorum Tel 
in nionasteriis; frz. midie, kleiner Laib; ndd. .Micke', kleines 
Brot; ho]]. ,Mik'; Schwab, die .Mike', spitzer Brotlaib; mark. 
.Micke', Semmel, und schon inhd. micke f., kleines Brot. Vgl, 
noch Migel, Mirgd. Bed. 1 und 4 lassen si.h vereinigen 
durch die Ähnlichkeit der äussern Gestalt; vgl. Weggen. 

Bettler- = il%^en 3 GrD. — Koss-: l. = Epfel2 
(Bd I 367) GRKlost. — 2. = „Miggen 3 Gr." 

Tessiner-Miggc": langer Laib Weissbrot, in 
Stücke abgeteilt U. — Vgl. churw. ii;i bastun d' michas, 
lauger Laib. 

migge" I: spannen, den Laufeines Fuhrwerkes 
durch Anziehen der Spannklötze an die Kader hem- 
men ZÖrlingen. 

Miggle"; 1. = Migel 1 GWe. — 2. Gericht aus 
geröstetem Mais Gr. 

iniggc" II: = giggen 11 (Bd 11 176) TiiHw. Mö 
[soll ich]-rfr'' nu? 

„MiggSri n.: Stück Fleisch, das zur Fette gehört, 
am Bauehe des Kindviehs; auch das Zwerchfell am 
Schweine B"; vgl. Hoden, Lampen. 

Ahd. mittigarni, caro pinguis, arvina, nibd. mitiger. 3. 
.Mucker' bei Schm.-Fr. I 1567. 

mlggerig (selten -;-): gering, elend, armselig; 
kränklich aussehend B. Zug für-nes Fürtech oder es 
ms, halbsidigs Halstüeehli. Bari 1885. Gruslich es 
dünns Röckli, es ms Hösli. ebd. 1880. Papa, du 
mucsch-mer g'wilss me" Sackgeld ge"; es macht si ch so 
m., we"-me" gang henschc" mitess BStdt. Es macht si ch 
verdammt m.. en arme" Ma" nf d's Geld la" z' warte". 
B Int.-Blatt 1880. 

Miggerii n.: kleines, geringfügiges Hing, kleine 
Person Bs (Seiler). — Aus BsL. auch die Schreibung 
Migerli. . 

Miggi 11, Miggeli 111 n.: Kosename der Katze 
l!s; '/.. 's dreifarbig Basler- Miggi. EKron 1867. — 
Vgl. aber auch Manggtl 11 und Uia bei Gr. WB. VI 2183. 

Hüs-; wer am liebsten immer zu Hause sitzt Bs; 
eig. Hauskatzen en. 

Miggi 111: 1. in., Emil AaL., st. ; Z. — 2. n.. Emilie 
AaI..; Bs; Z (Dan.). 

Mlggiss ScHW; Tu; Z, Miggiss Aa; Bs; L; Sch; Z 
— m.: 1. Durcheinander, Gemenge von verschieden- 
artigen Dingen, auch von Personen Aa; Bs; Tu; Z. 

Syn. Minggis. Da ist en rechte' M. [allerlei Leute, 



bunte Gesellschaft] bin-enand ZEls. „Ein M. Geld, 
ein Haufen Geld, von allerlei Münzen L; Sch." Wim- 
melnder Ameisenhaufen Z. Unordentlicher, den Kaum 
beengender Haufe Waren L; „Sch;" Tu; Z. Ein mit 
allerlei Bewohnern überfülltes Haus, auch diese Be- 
wohner, als enge wohnende, selbst Aa; L; Z. Beschränk- 
tes Lokal, enger Raum übh. L; Z. Syn. Chripfeten, 
Chrotteten, Chrutz. Im-ene* M. inne'sl", eng zusammen- 
gepfercht wohnen Aa; Z; auch bildl., in Verlegenheit 
sein, sich nicht zu helfen wissen Z. Bou kes Hüs i" en 
M., z. B. wegen Feuersgefahr AaWoM. De'' Plate ist 
jo nur c" 31. ebd. Hürot m'r i" ke" M. ebd. Von Ge- 
witterwolken: 's het en M., es steht ein Gewitter am 
Horizont ScwSt. — 2. Unrat, Kehricht, Schmutz, z. B. 
Ohrenschmalz Bs. „Ausschlag am Kopf bei Kindern 
Bs." ,Ein Geniste und Gebrüte von allerlei Unflat, 
ein Geflecht von Lumpenhändeln, die man nicht wohl 
erlesen darf.' Spreng. Auch: wertloser Plunder, Ge- 
rumpel in Schubladen, Taschen (wie Brosamen usw.) 
Bs (Syn. Giggernillis Bd II 176); übh. etw. Gering- 
fügiges, Kleines. Spreng. Dreck, breiige Masse Scbw 
Muo. Vom Käsen z.B. bleibt M. in den Fingerwinkeln 
zurück; s. noch über-gand Bd II 11. — 3. ein Gericht, 
= Gunggisl (Bd II 368) BsBirs.; Syn. Geschmetter. 

lilieggc": 1. mit gedämpfter Stimme, gleichsam 
seufzend, brüllen, von Rindvieh GRVal.; GU. Mieg- 
gend Chie und blärend Schaf sell-ma" nit us-''em Statt 
tue", d. h. nicht verkaufen und nicht schlachten, son- 
dern für sich behalten GRVal. — 2. schreien, von 
Kindern, Weibern GO.; Syn. mienggen. 

Mieggi m.: Jammerseele GO. 

Mieggen verhält sich zum Syn. mäggen —brieggen :bräggen; 
es steht viell. im Ablautsverhältniss zu dem syn. mäggen. 

schnell und gierig essen LG. Ant. 
manggen. 

ver-: zerdrücken, zerquetschen Btta. Die Hinteni 
[Himbeeren] sin ja ganz vermöggeti und verpatscheti. 
— Vgl. tir. maggen, zerdrücken, oder ver-murggen. 

niOgge" II: glimmen, im Verborgenen brennen 
BHa. ; Syn. motten. 

ver-: versauern, verkommen, z.B. von Einem, der 
stets daheim bleibt Ol. 

mogge" 111 : beim Spiel Einem abgewinnen AAAarb. 
möggle": beim Spiel betrügen AALeer. — Wohl 
st. möglen, mit Verschärfung des g vor l. 

mogg! Int. der Abweisung. Verneinung: Ja, IM..' 
ZStdt. Syn. möb, brögg. — Viell. eig. von i«":/:/' n 1. 

Miigg m.: „heller Brummton LE." M. a"hi", 
Schreie ausstossen wie das Kalb GrPi-. .V. und Pap 
ablü", stossweises. balbunterdrücktes Gelächter aus- 
stossen. MKüoni. 

G'niögg n.: widerliches, halb unterdrücktes Ge- 
schrei GA. 

mögge" I: 1. auch möggle" AaSÜIS, Dim. .mög- 
gele"-, muhen, brüllen, vom Rindvieh, bes. Kälbern, 
auch blöken, von Schafen und Ziegen BM.; K; OrPi'.; 
Syn. Iiot/gcii, bläggen; „laut, hell brummen, von Zucht- 
ochsen LE." ,1'ass man d" Kälber am M. kennt, d' 
Hü. ner am Gaggle" und d' Babeni am Tschalpe".' 
üottii. — 2. übertr. auf Menschen, unschöne, un- 
artikulierte Töne ausstossen, z.B. von Betrunkenen. 
die widerlich brüllen, von erwachenden Kindern, von 



inögge" I : 



125 



Magg. megg, migg, iimgg. miigg 



126 



.Nachtbuben', welche die Stimme verkehren B; GA.. 
Stdt. Du miititiisch ämel o ch der ganz lieb hing Tag B. 
Aber mach, dass de alleinig mit im bist if a der Niemere* 
dri" mögget. Gotth. Du bisch docli en ewige* 3IÖggi B. 
Vermittelst ;/;/ gebildet vom Natnrlaat mö (Stimme dos 
Kalbes); vgl. mäggen, mauggen, müggen. btkggen, boggen, bl&ggen, 
rüggen, auch g&ggen, g&ggen, güggen, güggen, gioaggen, nhd. 
.quaken', und die Anni. zu Ovggel Bd II 194. 

Möggel II m.: 1. = Mäuggel 1 AaWoIiI. Er macht 
hüt de' 31, ist unwirscher Laune. St hed wider de" 31. 
- 2. = Mäuggel 2. Im Bes.: russiger, schmutziger 
Kerl, auch Vermummter AALeer.; anreinlicher Mensch 
mit unsaubern Kleidern L; Z; Mensch mit grob ge- 
zeichneter Physiognomie L. So-ne" M.! Pfi Tüfel! L. 
Das ist iez en schwarze' 31! eine Person mit dunkler 
Haut, schwarzen Haaren und Augen Z. Der Kamin- 
feger ist en schwarze 31. ebd. — 3. Popanz, Schreck- 
männchen für Kinder AAÜallw.; L. Syn. Böli-Mann. 
Wenn d' nid folgist, so nimmt di eh der 31.; Syn. 
schwarzer 31a"". — ■ 4. schwarze Wetterwolken L. Es 
stund 31ögglen uf hindert» Pilatis. — Nebf. zu Mäuggel 
(s. d. und mauggelig). 

Butze°-: Popanz ZBk., Vogelscheuche ZMönchalt. 

Moggi I m.: 1. wer schwarz im Gesicht ist ZBk. 

— 2. unreinlich gekleideter Mann L. 

Ma"-: fabelhaftes Gespenst, die Kinder zu 
schrecken LRickenb. Lueg, der 31. chunnd und 
nim»it-di ch . Esterm. 1882. Syn. 3Iann-31üggi; vgl. 
3Iöggel-3lann. 

ver-mögglet: verunstaltet, z.B. durch Vermum- 
mung L. 

lllögge" II: die Dinge ganz nahe betrachten (von 
Kurzsichtigen) GStdt, Etw. dumm ansehen. G 1799. 
Syn. boggen. — Nebf. voii müuggen. 

schille"-: schielen (spöttisch) GRh., Stdt. 

Schille°-Möggi m.: Spottname lür den Schielen- 
den G; Th; Z; auch für Einen, der durch neugieriges 
Blicken sich lastig macht oder eine finstere Miene 
hat Tu. Vgl. Schilli-Mäugg. 

mogge", auf Einen: Einen schlagen BAdelb. (Zyro). 

Möggi II: Mathilde Z. 

Möggli: Monika GStdt. 

Miigg: 1. m. „halblauter, grober Jammerton ß; L." 

— 2. f. a) Kuh (Kdspr.) Z. — b) Katzenname Bs. 

S. bei Gr. WB. VI 2603 die Int. ,mnch.' Zu 2 b vgl. 
das syn. Mügger, Mäuggel II. 

Müggeli n.: Kuh (in der Kdspr.) Aa; Z. Syn. 
3Iü(/eli. — Vgl. Mäggeli, Schäfchen. 

mügge": eig. den Laut mü ausstossen. 1. muhen, 
brüllen, vom Rindvieh, bes. langsam, dumpf AaF.; B 
(.mugire.' Id. B); L; Sch; Schw; „S;" TüTäg.; Uw; 
„U; Zg;" Z. Der Muni hed a'g'fange* m. [auf der 
Alp], do si* ä -mer g'gange" L, scherzh. Schluss beim 
Erzählen. So fart er uis wie d' ScheUe"chue und muigget 
gar der Bass derzue Obw. .Das mugkhen und plerren.' 
1553, Absch. ,Sein [des Büffels] stimm wie ein ochs 
(muggen), doch nit so laut oder hoch.' Tierb. 1563. 
,Das meerkalb schlaft sterker dann kein ander tier, 
mit schnarchten und mugen, von wegen des wuests 
und schlyms der lungen.' Fischb. 1563. ,Die Kuh dem 
Hirt zum Melken mugt und brüelt, weil sie die Milch 
beschwäret.' LCys. 1661. .Taurus mugit, der Stier 
mugket (brüllet).' Reu. 1692. ,Die Rohrdrummel (das 



Uhrrind), so wie ein Bind muhket (lüjet).' Spleiss 
liiiiT. .Der Ochs lüjet, der Stier muket.' ebd. Auch 
von Fröschen ÄA8eet. ,Das" die krott in einer nacht 
für ir hus kommen syge, gan m. oder schryen.' 1574, 
L (Brandst. 1890). -- 2. übertr., weinen (derb) 8. 
Syn. brüelen. Sett-i' 1 ' Upper flenne" und m.? Gieng's 
da"" bas? S (Joach.). Er hei mi' u scho" mängist z' m. 
g' macht. CWXlti 1848. — 3. „vor Schmerz stöhnen, 
unartikulierte Jammertöne ausstossen B; L." Wenn 
Oppis müggel, so hat 's Lebe" TiiTäg. — 4. vor sich 
hin brummen; unverständlich, halblaut reden (aus 
Verstimmung), kurze, mürrische Antworten geben Aa 
Leer., Seet. ; BM. ; S; UwE.; Syn. munggen; mugglen. 
.Muke, möne, mummle, gilbze, brötsche, tnussa, muti.' 
Red. 1662. Umme"-m., missvergnügt und halblaut 
brummend umhergehen (von Menschen und Vieh) 
UwE. Trotzig schweigen, ein unfreundliches Gesicht 
machen, schmollen Aa; Bs (Spreng: ,das Maul hängen, 
frz. bouder); B.VL, 0. (.frontem caperare.' Id. B); „L;" 
aSt'HW; Uw; U (ü). Syn. mutschen, schatten, täubelen ; 
vgl. eslen 1 c Bd 1 522. Vor sich hin brüten, den 
Kopf hängen lassen S; schlaff umhergehen, wie etwa, 
wenn eine Krankheit im Anzüge ist AaZoL 

Vgl. mügen und müggen, sowie die Anni. zu moggen. Zur 
Bedeutungseutwickelung bietet ein sprechendes Analogon 
gruggen Bd II 728. Vgl. .mucken' bei Gr. WB. VI 2609 

und mugglen. 

Mügge" f.: 1. saures, unzufriedenes Gesicht Ndw. 
— 2. mürrische Weibsperson B. — 3. Murmeltier Nnw. 

Mügger m. : 1. Sauertopf, mürrischer Mensch Bs. 
— 2. Kosename der Katze GlH. Dim. Müggerli Z. 
Syn. Mäuggel II und Mügg. Man lockt: Zi-zi 31.'. Gl. 

m üggere" = müggen 4 c BM. 

g'mügget: mürrisch, schweigsam, unfreundlich 
ScHwBrunn.; Zg. 

Müggete" f.: das dumpfe Brüllen des Rindviehs 
und das Brummen von Menschen UwE. 

Miiggi m.: 1. Murrkopf, Schmollender AaSI. ; B; 
S; UwE.; Syn. Muiigi/i. Bist e" 31! chast nüd rede"? 
hast kes 3Iul? B Hink. Bote 1887. Und du. II. ms 
mach doch nit so d'r 31.! Trink doch üs! Joach. 1881. 
E' 31. mache", ein verdriessliches Gesicht machen 
BBe. D'r 31. hä", den Kopf hängen lassen, launisch 
sein L. Mürrisch verschlossener, leutescheuer Mensch, 
Duckmäuser, Schleicher, verschmitzter, doch beschränk- 
ter Mensch AaF., Fri.; Bs; B; SchwNuoI. (-Ü-); Zg. — 
'2. langsamer, schlauer Mensch AAZof. — Zu muggen 4. 

Hudi- n.: Person, die nachlässig gekleidet ist, 
z. B. noch im Neglige steckt S. 

Ma" 11 - LRickenb.; Zg, Se- Zg — m. LRickenb., 
n. Zg = 3Iann-Möggi. Vgl. noch Lüt. Sag. 125. 

Türe"- m.: Knabe, der nicht mitspielt, sich ab- 
seits (bei der Türe) hält, gleichs. schmollt AaZoL 

müggig BM., muggocht BHa. : böser Laune, un- 
freundlich. DU g' sehst hüten eso muggocht firhe"; was 
ist o ch mit-der? BHa. .Mareili, vorhin so z'weg [auf- 
geräumt] und jetzt so muggig. Ist 's de"" sövli lünig 
oder hat's mit den Alten Etwas gehabt?' Gotth. 

m üggle" : vom Naturlaut des Kaninchens AaWoIiI. 

m ügg: Unkenruf Aa; vgl. gügg und grügg, sowie 
das Vb müggen 1 b und Güllen-Mügger. 

Müggel m.: 1. Trotzkopf AaF. — 2. zum Weinen 
oder Schmollen verzogener Mund AaWoIiI. ; vgl. 
3Iäuggel und müggen. 



127 



Magg, megg, migg, mogg, rnngg 



12S 



Heini-Müggel Aa; LHa.; SchwE.; Zu. -Mügger 
ÄAFri.; VO; „B; Gl; S", -Müggi UwE. — m.: Grille, 
sowohl Haus- als Feldgrille. aaOO. Das Zirpen (grüg- 
gen, müggen) «1er Feldgrille verkündet gut Wetter 
AaF. Der H. singt: m — m! händ ir mini blaue' Hose' 
[bezieht sich auf die blauschwarze Farbe des Tier- 
chens] niene" g'se? m — ml AaSuux. Auch Necknarae 
der Bewohner von Muhen Aa, wohl mit Deutung des 
Dorfnamens auf das syn. Muheim. Irrtümlicherweise 
auch etwa, z. B. in UwE., für die Küchenschabe, 
blatta or. 

Das Syn. Heini-Müch(er), umgestellt aus ahd. mühheim 
(s. Bd II 1290), wurde- in seinem zweiten Bestandteil be- 
eiuflusst durch das den Naturlaut nachahmende Vb. müggen; 
eine Mischung von zwei Stämmen, wie sie auch beim Vb 
müggen und mugglen, mnnggen mitgespielt zu haben scheint. 

mügge" = müggen I, doch meist in hellerem, 
schärferem Ton; eig. den Laut mii- ausstossen. 1. von 
Tieren, a) von Kühen, Stieren, wenn sie z. B. nach 
Futter verlangen Aa; L; Schw; „Zg." Von der Kuh: 
mit schwachem Laut Sehnsucht nacli dem Jungen 
äussern W ; auch miggis [müggens] si". Wenn 's Veh 
[am Abend] gege" hei'" zue gunglet und mügget. JRoos 
1892. De r Stier hed g'mügget vor Schmerze". Schwzd. 
(L). Lang ist-er [der vom Baume heruntergefallene 
Bär] g'tege" wie tod, doch entli ch föd er a" m. Ppvffer 
v.N. Blöken, von Böckchen PAL, von Kälbern BRohrb. 
— b) vom Unkenruf SThierst; vom Heimchen AAZein.; 
Syn. güggen; auch von Tauben, girren BRohrb.; Syn. 
grüggen. — 2. von Menschen, a) = müggen. 3 L. — 
b) unterdrückt weinen, von kleinen Kindern AAZein.; 
L; vgl. grüggen 5 Bd II 729; seine Unzufriedenheit 
durch weinerliche Töne äussern (von Kindern) AaFH.; 
LSemp.; vgl. grammauggen. — Vgl. gr. u.imaou-ai iu 
Hed. 1 a. 

Gülle n -M ügger, in AaBIj. auch -Müggel — m. 
= Güllen-Grügger (Bd II 729) Aa; BStdt; L; S; ZO. 
Mügg, mügg. mügg, Güüe'mägg, hend-er mini Brüedre" 
niene' nit, no nig g'seh mit de" gelc' Hose" umme"- 
pfose" [plumpsend schwimmen]? rufen die Kinder am 
Unkenteich Aa (Rochh.). Audi bi Dil., unreinlicher, 
schmutziger, gemeiner Mensch L; S. ,Er war ein nicht 
mehr junger, aber steinreicher Chutter, dem böse 
Zungen den Namen G. angehängt hatten.' Nvd. 1885. 
- gülle n -müggere": Jauche ausführen (scherzh.) 
AASt. Syn. güllerieren. 

Burli-Mügger: scherzh. Schelte für einen kleinen 
Müssiggänger, Herunischwärmer Z (Spillm.). •— Vgl. 
burli-mttnter. 

müggere" = müggen 2 h AaF. 
Müggi in.: Schmeichelname der Katze S. 
Wie das Syn. Miggi wohl lauttiachabmend gebildet nach' 
der Stimme des Kätzchens; vgl. mausen. 

Mllgg Aa; Bs; B öü.; GlII.; L; GO.; Schw; U\V; Z, 
Mugge" Ar; Bs; B; GlK.; GrD., Pr.; GS.; Sch; S; 
Tu; \V — 1'., in Nnw auch m., Muggi n. (Dim. Miiggli) 
Gr ObS. ; GSa.: 1. Mücke, allg.. in (iS. ; WLö. (Miggli) 
auch: Fliege; vgl. auch Alcl-Mugg. D' M-e" fresse'd 
Hin schier oder steche"d: es gid (en) Blast Tu; '/,. 
.Tanzen im Januar die Mucken, muss der Bauer nach 
dem Futter gucken.' Kalenderregel. Wenn d' Mugge" 
tanze'd im Jänner, so halt 's Fucter z'säme", d. i. so 
folgt ein später Frühling AaKIii-. ; Z; s. Hornig Bd II 
1628; vgl. Jungfrau Bd I 1248 und Muggen-Tanz. 



Die Mücken .singen.- allg., .brüeleir AaWoIiI. Die M. 
als Vogelfutter: Gross Mugge", feiss Vögel ZMönchalt. 
(sprichw.). Als lästiges Ungeziefer in Verbindung mit 
,Floh': Anne Babcli. bis nüd ho', la"-mer d' M-e" si" 
und d' Flöh. Volksl., mit Anspielung auf Bed. 7 a. 
Wer Händel will, findi alliwil e" M. i* der Suppe". 
CBiederm. 1893. Geringschätzig wird eine verspätete 
Neuigkeit, eine längst bekannte Erfahrung, ein alter 
Witz en alti M. genannt. Das ist en alt i 31. Aa; S; 
Tu. die ist fern sclio' g'/loge" fhäd fern seho* 'tanzet) Z, 
si ist scho" lang g'jloge" SciiNnk. Das ist en alti M., 
iras d' Grossmueter pfift Z (Spillm.). Bes. aber dient 
die Mücke als Bild und Typus 1) der Kleinheit, Wenig- 
keit: Us der (ere'J M. en Elifant (Tu; Z), en Hengst 
(W), e" Märe' (Gl), en Stier (Z) mache', arg über- 
treiben; s. auch Gurren Bd II 409. .Kannst da aus 
einer Mücke eine Mähre machen.' UBrägger 1777. 
Er hebet d' M. und lod d' Märe" laufe', opfert grossen 
Gewinn einem sehr kleinen Ap. D' M-e" uf dem 
Hinilerrhi" [Berg ob dem Dorfe] g'seh geine", ein Auf- 
schneider sein GSev.; s. Glogg Bd II 610. l'lutz für 
7 Ma"", es chunnt e" 31., scherzhafte Bitte, einem 
Kleinen Platz zu machen Aa. Wenn der Tüfel Hunger 
hei, frisst er M-e", Not lehrt mit dem Wenigsten sich 
begnügen Aa; SL. Z' Wintertur i" der grosse" Meteg 
händ s' e" 31. 3 Zentner g'schetzt ZS. (Spottreim). 
Das ist e' grössi 31., wenn si es Pfund schisst ZW1., 
Abfertigung einer Prahlerei. Aufschneiderei. E" 3I-e" 
heil 's üsg'woge" [hätte der Wagschale das Übergewicht 
gegeben] = beinahe, um ein Haar, z. B., so wär-er ver- 
tränke" ScHSt. So vil e" 31. am Bei" hei"' treit Z, 
fast gar Nichts. Me* chann-ere" 31. nid me r Bluet 
ewig ni", weder das' si hat, alle Erpressung hat ihre 
Grenzen Z (Dan.). .[Der Geizige] presst d' M-e ums 
Bluet und schindet den Floh um den Balg.' Rochh.; 
s. auch Floh Bd I 1183. — 2) der Schwäche, Hin- 
fälligkeit. E" M-e' chient-en umstösse" SciiSt. Um- 
falle" wie d' M-e* Z (Dan.); vgl. Hüenli. Si [die 
Östreicher bei Sempach] stürzid hi* wie d' 31-c. HXfl. 
1813. Er ist wie-ne" M-e' ame" Heuseil und en Ele- 
fant am-ene" Zwirnsfade". Rochh. — 3) der Zudring- 
lichkeit. Lästigkeit, Gier. ,Wellent mich denn die 
m-en fressen?' Erwiderung auf unangenehme Erörte- 
rungen, 1462, Z Ratbücher. ,Da nun ist leicht zu 
gedenken, wie die armen versorget seien, wann solche 
hungerige m-en über die kirchengüeter gesetzt wer- 
dend.' SHochh. 1591/1693. ,Wer nicht Dauben hat, 
der hat Mucken, suos quisque patitur manes', Jeder 
hat sein Kreuz. Mev., Hort. 1692. Daher auch Be- 
zeichnung einer .giftig stechenden' Weibsperson B. 
[Die Schwiegertochter] ist e" hoffärtigi Gans, e" lötigi 
Täsch, es Bei [Einfaltspinsel], e" 3I-e". Gotth. Jungt 
M-e", alti Huere" (Dan.). — 2. künstliche (fälscht) 
Mücke, zum Fischfang dienend und bestehend aus 
feinen Federchen, die um die Angel befestigt sind 
GrD.; Z. S. Hund Bd II 1429. - :'.. „Schön- oder 
Schminkpflästerchen, frz. mouehe VO; Z." — 4. fleck- 
artiger, kleiner Zwickelbart unter der Unterlippe Bs; 
Tu; Z; frz. mouehe. — 5. a) in der Stickerei, durch- 
brochene, mucken- oder spinnenähnliche, runde Stellen 
Ar. Man unterscheidet .Hufeisen-', (französische und 
deutsche) Blättli-, 6-, 8-, 16beinige Bölleli-Mugge* ; 
vgl. Hol Bd II 1156. Syn. Spinn. — M in der We- 
berei, leichte, mit Blumen besetzte Leinwandstoffe 
ä jour. Ar Geschichten 107. ,Von 1760 — 70 wurden 



129 



Magg, megg, migg, tnogg, 111 n ii'ii* 



130 



in Ar leinene, s-eblümte Artikel zu Schossen. Man- 
schetten, Chorhemden, Sacktüchern usw., Mnggen ge- 
nannt (von den kleinen, eingewobenen Blümlein her- 
rührend), verfertigt.' Bürger- rxn Baoernfr. 1 s 1 9 ; vgl. 
g'mugglet. — 6. Visierkorn am Gewehr, allg. Drum 
lueg-er wol uf d' Absieht, M-e*, St&cker und ob nid 
d' Ladig ^ gross? Und, ratscht ihr Harn* , schrüb-er 
ne* no'* cheeher, mc" luegt nit -' vü für 's G'schoss. 
B Schützenlied 1822. RAA. Uf d' M. ne; mit pers. 
Obj. = nhd. Jrndn aufs Korn nehmen, d. i. eine be- 
sondere Aufmerksamkeit auf.Iiudn richten; Jnuln her- 
nehmen, sei es mit .Spott oder mit Verfolgung und 
Hass „Aa;" Ap; B; VO; Gl; Gr; S; W; Z. .[Ein 
nicht mitmachender Rekrut] wird von seinen Kame- 
raden auf die Mugge genommen, bis er zahm wird.' 
Gotth. Uf der M. hä; mit pers. und sächl. Obj. 
a) als Spekulations-, Kaufsobjekt im Auge haben L. 
Er heil es anders Fülli uf der M. g'ha", darauf spe- 
kuliert. — b) nicht leiden können, hassen ; eig. unter 
feindlicher, übelwollender Beobachtung halten; ein 
scharfes Auge auf Etw., auf eine Person gerichtet 
halten Bs; B; Gl; L; Schw; Tb; Uw; Z. Syn. uf-em 
Ghritz, Strich, Zug ha". ,Es [das Mädchen] hatte den 
Schreiber auf der M.' Gotth. [Herzog Albrecht] het 
die Baslerburger gar griseli''' streng uf der M. g'ha*. 
Hagenbach. Si händ enand uf der M., sie sind heim- 
liche Feinde Tu; Z. Das han-i ch uf der M., das ist 
mir zuwider, das tue ich nur mit Widerstreben Bs ; 
BR.; G; Tu; Z. Mit veränderter Constr.: e" M. ha" uf 
Oppis. Gotth.; s. Ge-gunscher Bd 11 376. — 7. geistig, 
nur PI. a) Muggen (im Ghopf), Tücken, hinterhaltene 
Gedanken, Absichten. Launen, Kniffe, (eigensinnige) 
Ideen Ap; Bs; B; VO; Gl; Gr; G; Sch; S; Th; Z; 
Syn. (lirit; (Bd 111 935). Mm d' M-e" üs-, vertribe* 
fd' M-en uss-etn Ghopf tribe* Bs; S), den Eigensinn aus- 
treiben. Jmdn derb zurechtweisen. S. fv/r-gän Bd 11 29. 
Miniij und Tügg, Kniffe und Hintergedanken GrPt. 
{D'J Mugge* hinder den Ore" ha", auch von versteckt 
gehaltenen guten Einfällen, Witzen Z; vgl. Or Bd 1 
413. D' Stadtint händ iri M-e" Z. Der Aberil hat 
M-e* Gl; Tb. ,Die Vermutung, dass das Mareili noch 
andere Mücken möchte in seinem stolzen Köpfiein 
haben.' Breitenst. Duo seid der Cheiser : ,Nu, mier 
wei de"" guggen!' Un'' hed duo ganz lan faren smer 
Muggen. Schwzd. (BBr.). ,Mit Tabakranch zur Som- 
merszeit vertreibst du leicht die Mücken. Und musst 
du oft zur Winterszeit Verdruss und Ärger schlucken, 
dann rauche nur und mit dem Rauch vertreibst du 
dir die Mucken.' I! Langn. Kai. 1892. .Solche Muggen 
[Anwandlungen von Hochmut, stolze Pläne] stechen 
die meisten Väter beim ersten Kinde.' Gotth.. mit 
deutlicher Bez. auf Bed. 1. 77"'' flissig tuet si der 
Jumpfraue* uf d' M-e* un' 1 uf d' Ise* g'schaue", hält 
genaue Aufsicht. GJKuhn 1806. ,Was hast für seltsam 
mens und mucken!' GGotth. 1599. .Er hat Mucken 
im Kopf.' Met., Hort. 1692. — b) Lust zu Etw. BHa.; 
Ndw. Wcnn-er M-e* heid g' gel*, wenn es euch beliebt 
zu gehen. .Von den andern Herren, die auch noch 
etwa M-en hatten, Pfarrer zu werden.' Ndw Kai. 1887. 
,Das Volk hatte keine M-en, einen solchen groben 
Kummet auf den Rücken zu nehmen.' ebd. 1886. — 
c) Schwierigkeiten Sch; Th; Uw; Z. Syn. Mus. Das 
Ding hiid M-e". J:'s wird M-e" hä*, es wird schwierig 
auszuführen sein. — 8. Ortsname G; vgl. Muggen- 
Büel Z, Muggen- Matt ' B. Hausname BsStdt; .zur 

Schweiz. Idiotikon. IV. 



grossen m-en.- XV., ZStdt; .im grossen tnngg. 1 1 167 
(lt Dan.). — 9. Dim. Mügg(e)li, eine Kleinigkeit? Nur 
in dem Kinderlied: Sinn", stüre* Muggfeßi, 's gut e" 
Frau diir 1 ' (über) 's Brügg(e)li, si hat et) Chrueg volle* 
Wl* und es Stückli Brot derbi; Der, wo-n-Öppis git, 
De'' ist en goldene" Kugel, und De'', wo-mer Nüt git, 
De'' ist en fürige Siiuhengel '. wobei die Kinder mit 
geschlossenen Augen gegen ein anderes Kind die Hand 
vorstrecken, das im Besitz von Brot oder anderer Ess- 
ware ist Z. In BU.: Stüre", stüre* Müggeli, über 's 
Herre* Brüggeli; wer nur Oppis gid, ist e* liebs J-'u- 
geli, wer mer Nüt gid, ist e* böses Chatee'stengeli. 
Dazu stüre'-müggele* : 1) ein Weniges beitragen B. — 
2) überall Etw. liegen lassen B; dafür auch: es Stüre*- 
müggeli wachen. 

Mhd. mucke. Zum Fehlen des Und. vgl. ßrugg, Stuck, 
Kuggen. Zu Bed. 7 vgl. Gueg Bd II 161, dann den Zuoamen 
Musca-in-cervello, um 1000, it. Urk., engl, to hm • • bei in 
(he head, verrückt sein; s. auch die Anm. zu Humbdfre'naer 
Bd I 132(3 und Kuhn, Ztsclir. XIII 71; anders Gr. WB. 
Zu 7 b vgl. frz. ü me prend la fantaieU de... 7 c eig. nur 
erweiterte Anwendung von 7 a. — Bed. 9 zweifelhaft. Ist 
Müggeli viel], das Dim. zu Dfiggen 11 (Mtggeli), unter An- 
lehnung an Mugg, uud liegt im Anfang des Liedes eine An- 
spielung auf den Brückenzoll ? 

Äugst-. Wenn (V A-e" erst im Merbstmonet d' 
Aare" uf chömmed, se git 's en Nö ch summer AAßöttst. 

Alet- s. Alant Bd I 171. 

Hornig-, nur in der Wetterregel: H.-Mugge*, 
Mere-Isbrugge* ZB. , d. h. wenn im Februar die 
.Mücken fliegen, so ist ein strenger März zu erwarten, 
wo die Bäche sich mit Eis bedecken; vgl. auch Hornig 
Bd II 1628. 

Hüs-: 1. = Bot-Hilserli (Bd II 1748) Aa; '/.-. nach 
einer Angabe in AaBVj. auch der Fliegenschnäpper, 
muscicapa. — 2. a) Person, die immer gern zu Hause 
sitzt, wie z. B. eine Hausmutter, die nur selten aus- 
geht AaBK, L., Wohl.; vgl. Hüs-Miggi. — b) ledige 
Weibsperson, die in einem Hause bei einer Familie, 
auch bei Handänderung, Wohnrecht hat und für sich 
haushaltet AaWoIiL; vgl. Schliss. — hüs- mugge": 
auf solche Art eigenen Haushalt führen, ebd. — Zu 
dein Vogelnamen vgl. .Grasmücke.' 

Limmet- = Bader- Mugg Z (Dan.). 

Weil hauptsächlich über der Limmat schwebend und von 
da sich verbreitend; vgl. Rhin-Mugg. 

Bade(me)r-: hydropsyche pellucidula ZStdt. 
„Gabelschwanz, phrygena bicaudata Aa; Z." Die 
grösste Art der .Köcherjungfern' heisst in Zürich Ba- 
demermücke. HSchinz 1842. Dicht, zahlreich, wie 
Bademermugge* Aa (Schwzd.). ,Musca aquatilis aestiva 
major, ein grosse Badermuck.' JJWac.n. 1680; ebenso 
Cappeler 1767 mit dem Zusatz: .eulex, Flachs-Müggle, 
Gelse.' ,Nacht- und Badermucken.' JJScheuchz. 1699. 
,Die bekannte, also genannten Badermucken.' SHott. 
1702. — Benannt nach , Baden' im Aa; über die Form II, i- 
demer s. die Anm. zu Heim Bd II 1277. 

Rhi"-: Rheinmücke BsStdt; vgl. Linvmet-Mugg. 
1. Art Mücken, die im Spätsommer in Schaaren über 
dem Rheine schweben; Eintagsfliege, Ephemeride (lt 
Becker). — 2. Spitzname a) für die Bewohner von 
Kleinbasel. — b) auch für Flösser und Schiffer auf 
dem Rhein; vgl. die .Rheinschnaken' in Mainz. — 
3. scherzh. Benennung für zwei kleine Rheinfähren 
in BsStdt. Vgl. das Gedicht: ,die zwei Rheinmücken', 



L31 



Magg, megg, migg, niogg, Hing:; 



132 



von Hindern). 1866, welches beginnt: 's händ am SM" 
i netti Müggli si 1 * am Ufer niderg'lö*. 

1 wahrsch. sachlich identisch mit Bader-Mugg. Zu :i 
vgl, Erz. mouche, kleiner Flassdampfer. 

S. ■- M ii i. r g: Seemücke L. — Auch liier wie in Limmtt-, 
Khm-Mugg vom Lieblingsaufenthalt über dem Wasser. 

Summer-. ,l)ie summermucken, mulio.' .Mal. 

Schabe n -Müggli: fliegende Motte Z (Dan.). Syn. 
Sch.-Vögt li. 

Spill-Mugg G; Sch; ZA.. 0., Tösst. Spille"- G 
St.lt. Ta. : ZSth., Spinn-, Sjü- AaWoM.; Ap; „Gl;" 
GA., Rh., T. (auch Spinne"-); Schw; Z (in Mönchalt. 
Spinne"-): 1. Spinne. aaOO. Es G'sicht mucke", wie 
u-enn-me" Sp-e* g'fresse" hell, eine saure Miene machen 
Sch; Tu; '/,-, vgl. Sp.-Hvrni Bd II 1614. Spimmugge" 
Heiri hiess ein Wetterprophet (Heinrich Weber), der 
nach seinen Beobachtungen an den Spinnen das Wetter 
voraussagte GRapp. Aberglaube: D' Spinnmogge" we- 
bi*d eil. es wird-si° h mit-dem G'uerb bessere". Wenn 
d' Sp-e" Fülle" tnachid, so isch-es e böses Zeiche": 's 
Garn schlöd üf Ap. ,Es geschiehet etwann, dass der 
Teufel den Gefangenen erscheinet als eine Katz, eine 
Maus, als eine Spinmug.' JMey. 1(394. — 2. meist PL, 
Spinngewebe GA.; Schw; Z. Syn. Spin/n-Wupp; vgl. 
Sjii inimuijge"-G(ir)i I!d II 422. — S. Sp-en im Chopf 
hä", unklar, verworren, ein Dummkopf sein Z. — 

1. auch Sp.-Müggli - Gretli im Busch (Bd II 825), sel- 
tener Ackerschwarzkümmel, nig. arv. Z. Syn. Spinn. 
,Schabab, Nonnennägelein , Spinnmucken, nigella.' 
JCSdlzer 1772. — „spill-müggele": nach Spinnen 
schmecken Sch." Syn. spinnelen. 

Spül(en) entstellt aus Spinn(en), viel], unter falscher Au- 
lehnung an Spüle*, Spindel. Auch der i\ I'.csl .u m1 t, i 1 beruht 
auf Entstellung aus M'e/yv (iewebe. mit naheliegender Au- 
lehnung an Mugg, AI iiiko. Dieser Vorgang trat zuersl ein 
tiii Bed. -J. übrigens kommt auch iSpinn-iotipp in Bed. 1 vor; 
vgl. gr. dpäxvT) und lat. aranea iu beiden Bedd. 

Spanisch-: 1. span. Fliege, canth. ves. Z. Spa- 
nisch-, Sjianisch-Miigge", /lüg über de" Hoh-Rugge" 
[Berg in Sch], /lüg über de" höh Berg, dass 's morn 
guet Wetter gib (Kinderspruch). Sprww. 1824. 

2. Goldkäfer, scarabaeus aur. SchSi. — 2 wahrsch. nur 
missbräuchliche Übertragung von 1. 

Spittel-: (scherzh.) 1. alte Pfründnerin oder alter 
Pfründner im Spital BsStdt. — 2. alte Person, die 
gerne jammert BsStdt. 

Weidli n g-: Eintagsfliege an der Aare AAKlingn.; 
Tgl. llhin-Mugg. — Wohl davon benannt, ilass Nie die 
Flussnachen (Wekllinge) hegleitet. 

Wi°-= Wm-Käfer (Bd III 162) Bs. ,Bihio, wyn- 
mugg.' Ehingen 1438; ebenso Mal. 

Gros-Muggele", auch Tüfels-Gr. — f.: die stark 
behaarte Bärenraupe ZA IL b. II. 

Syn. TüfeU-Qroamueter, aus welchem unser W. unter An- 
lehnung an Mugg verderbt ist. 

Spille"-: Spinne TnHw. -- Zu der abgeleiteten 
Form vgl. das Syn. Spinn- Wuppelen. 

mugge" 1 ÄAZein.; li; GrD.; ScHSt.; Schw; ZW.. 
Dim. müggle" L; Schw: 1. (von Fischen) nach Mücken 
chnappen GrD.; L; Schw. Syn. tupfen. .Zuerst schien 
es mir eine grosse Forne zu sein, welche muggi.' B 
Kai. 1843. .Da die Landwasserfische dies Jahr mei- 
stens falsch m. [an der künstlichen Mücke der Angel 
vorbeischiessen und nicht anbeissen], so sind sie jetzi 



höher im Preis.- GrD. 1862. Im Sprichw. auch vom 
Wolfe: Das b'schüsst, wie wenn de'' Wolf mugget 
[Mücken fängt] AiZein. ; ZW., von einer kleinen Por- 
tion. Tue", wie wenn de" Wolf muggeti, von einer 
Schaar Kinder, die gierig nach Brot verlangen Z. im 
Horning siäti-me* lieber e" Wolf m.. als en Ma*" uni 
Schöpen in'n Bebe" ScHSt. — 2. (vom Fischer i mit 
künstlicher Mücke fischen GrD.; s. Mugg 2. 

üf-: nnpers., aufstossen, -jucken ScHwBrunnen. 
Es tuet-mer eisstig e chll" ufm., von Zeit zu Zeit er- 
wacht der alte Ärger. - Zu muggen I (bildl.); doch s. 
auch üfuggete*. 

ge-mugget: mit Mücken, i. S. v. Mugg 5 b, ge- 
ziert. .Dem gemeinen Stand Angehörige sollen keine 
weiss gemuckete Schoosen mit Blnemen und Strichen 

tragen.' G Eleiderordn. 1727. - Abi. v Subst. Mugg, 

nicht vom Vb. 

G'mügg n.: die Mücken BSi. Vgl. Ge/lieg Bd I 
1178. Angeblich auch Kosename ZStdtf. 

Ore"-Müggel AiBb., Hold., -Miggel GRLandqu., 
-Müggeler Sch; ThHw.; Z, -Miggeler Bs — m.. -Müggeli 
AaZoL; B (-«- ltvRütte); S (auch -Müggli), -Miggeli 
Bs — n.: 1. = Oren-Grübel 1 IM II 691 Aa; Gr; 
Sch; TnHw.; ZKn., 0., S. Syn. Orelefr). Nach dem 
Volksglauben kriecht dieses Insekt gerne in die Ohren 
des Menschen und verursacht die unter 2 genannte 
Krankheit oder auch Taubheit. ,Man kann keine 
Ohrenmüggler [aus dem Getreide] sieben; sie lallen 
durch.' Z Kai. 1809. ,Der gemeine Ohrwurm, Ohren- 
müggler, forficula auricularia.' HSchinz 1842. .Millc- 
peda, Ohrenmückel, ein Wurm mit vielen Füssen.' 
Denzl. 1677/1716. .Bei den Nelken gibt man Achtung 
auf die Ohrenmüggel.' JCSdlzer 1772. Scherzh. vom 
Abnehmer der Ohrenbeichte: .Der alle Wochen zwei 
oder drei Mal seinem gewöhnlichen Ohrenmüggeler 
seine Sünden in das Ohr liineinHi ~-tn.-f .- Schob. 1699. 
— 2. Geschwulst, Entzündung hinter den Ohren, Paro- 
titis; auch Mumpf, Mumps, Halsbräune, weil beide 
Übel oft zusammen auftreten AaZoL ; Bs; B; S; TnHw.; 
/.().. Wthur. ,Taubenraist g'legt die orenmüggel, mit 
habermel aufgestrichen.' Vogelii. 1557. ,Spicanarden- 
salb zerstossen und in die oren gegossen benimpt 
schnell den o.' ebd. , Parotis, ein geschwnlst hinder 
den oren, der orennüttel oder orenmückel.' Frij. ; 
Mal. (bei Letzterm: ,Orenmüttcl'). ,Für den Ohren- 
mügel oder Geschwulst hinder den (Ihren.' 1710, Z 
Zoll. Arzneib. 

Die Symi. Oren-Müttel, -Müizd(er), -Nüggder, -Niggeter, 
welche aus (ir. WB. VII 1257 noch vermehrt werden können, 
zeigen, wie etymologisch haltlos der zweite Teil des W. von 
jeher war. Doch ist bei nnserer Gruppe Anlehnung an Mugg 
(vgl. hei Gr. .Ohrmück') sehr wahrscheinlich. Die Können 
mit i, bzw. i sind Anlehnungen an andere Stämme. 

müggle" I: mit aller erdenklichen Sorgfalt schies- 
sen AALeer. — Wohl zu Mugg 8. 

g°mügglet: von Stollen, Geweben; mit kleinen 
Blümchen oder Punkten, die entw. vermittelst des 
Jacquardstuhles eingewoben oder nur aufgedruckt sind. 
wie mit Mücken besäet Z. Syn. 'tüpflet. .Das Tragen 
alles glatten, gemügleten, gestrichleten. gemödleten 
und gerösleten Kämmerleins und anderen dergleichen 
ab der Friimde kommenden weissen Zeugs [ist ver- 
boten].' Z Mand. 170.'!. .(leinüglete Mousseline.' ebd. 
1722. — Abgeleitet vom Dim. Mäggh und entsprechend frz. 
moui l" ii . 



[33 



tfa megg, migg, mogg, ningg 



r;i 



G°mugge] n.: 1. Gemurmel „B; L." 's ist nit 
kauscher da nun-; da ist Oppis los. !•■'■ ha so nes 
(i'm. un d es G'fiegg g'hört. B Dorf kai. 1863. — 2. Ge- 
munkel, dumpfes Gerücht, heimliches Gerede B; Lj S. 
I" der li'iinin urnen ist es g'vmssnigs G'm. g'gange" 
I. (JBEgli 1871). Hingege" göi aW 1 d' I\cd und göi 
's Gemuggel, 's Hüs heb sich 'bläit, d' Mür heb en 
Buggel. BWtss 1884. , Die Gelehrten geben manchmal 
ein geheimes Gemuckel über Russland von sich; aber 
nur ein Gemuckel oder Gemunkel.' Gotth. — 3. „fernes 
Donnern LE." 

mugge" II: 1. unverständlich, mit halben Worten 
reden WKar. — 2. mucksen. .Kaum muken oder das 
Maul auftun dürfen.' Spleiss 1067. ,Du magst dich 
leicht mucken, so heisst es: Sihe dieser Hurer usw.' 
JMr.v. 1094. — 3. schmollen, unfreundlich, trübsinnig 
.sein U ; W. Mltggi m., Kopfhänger U. — Vgl. die 
Suin, müggen, munggen und mugglen nebst Anm. 

er-: red., sich regen, mucksen Gr ObS., Pani. 
L'im. er-müggle", refl., sich bewegen, rühren GrS., 
Scuolms, Spl. 

muggere" I: murren GrMiij. (Dan.). 

Muggete" f.: ein Mundvoll Flüssigkeit, bes. beim 
Erbrechen oder Aufstossen aus dem Magen Bü. — 
Viell. abgeleitet von muggen II i. S. v. mugglen 1 ; doch s. 
auch uf-muijijtn. 

muggiere": refl., sich mucken. 1. Laut geben. 
Mucks machen, mucksen, sich regen, als Zeichen des 
Widerspruchs, Trotzes, der Klage, meist nur mit Neg. 
A\/,cin. (neben munggiere"), Z.; Ai>; GRChur; GF., oT.. 
Wa.; SrnSt.; Schw; S; Tu; Z. Muggier - di ch ! wage 
es zu mucksen! (Drohung). Er häd si ch nüd dürfe" m. 
Angeri [Andere] hei-mer heimlig Müjif [Püffe] i" Bügge" 
g'gi", und ha'-mi''' muggiert, het-mi ch der Vatter am 
Hör g'rupft. Hausfrd (S). — 2. sich brüsten , sich 
anheischig machen ZKn., S. . Er seil si ch nüd m., das" 
er Da* so usebrächt [zu Stande brächte]. I ch ivett- 
m'r' 1 und m., ich würde nicht die Anmassung haben. 

Zur rom. Abi. vgl. hantieren, husieren, g'ääerieren, ,schim- 
pfieren* u. a.; es hat wohl frz. se moquer hereingespielt, 

muggle" I: dumpfen Laut von sich geben. 1. von 
leblosen Wesen, z.B. von fernem Donner („es mugglet) 
LK.-. von .Schlägen S; auch: in gurgelnden Tönen 
hervorquellen, von Flüssigkeiten BBr. — 2. vom Vieh, 
stossweise, gedämpft, stöhnend brüllen. ,Marei musste 
in den Stall, weil es ihm war, als muckle die Kuh.' 
Gotth. ,Der Geizhals muggelte wie ein Alpmuni und 
brösmete [ klaubte] 50 Rappen hervor' AaZoL (Eulensp.- 
Kal.). — 3. von Menschen, a) Unbehagen. Schmerz 
äussern durch Ächzen, Stöhnen BM., Si. Syn. grochsen, 
grüggem. Ein altersschwacher Mensch hat viel z' m. 
BSi. Er mugglet, geberdet sich wie ein Kranker, ebd. 
Eine', wo süst gäng z' m. het u' d nume" dlbe" cor ere" 
Abstimmig wider s'weg ist BE. Weinen, in geringein 
Grad BM. Was hast z' in.? die Mutter zum Kinde, 
das in unartikulierten Lauten seine Unzufriedenheit 
kund gib! BSi. — b) heinilich murren, aus Unzu- 
friedenheit brummen, sich mürrisch geberden B; „L;" 
S; Obw; W. Si" Vetter, der Gizgnäpper, het geng Oppis 
über in :' in. g'ha". Bari. Oni :' m., ohne Widerrede. 
B Kai. 1889. .Wie -tili es Anfangs auch gewesen war. 
m. und brummein n ar allgemein. 1 Gotth. .Man muckolte 
über magere Suppen, selten war das Fleisch allen 
recht.' ebd. .Joggeli hatte gemuckclt, über den vielen 



Verbrauch mit seiner Frau gehaiget.' ebd. — c) Lei 
murmeln 13; W. Im Geheimen lachen 1! "Si. — 
d) halblaut, im Geheimen mit einander reden, mun- 
keln AxLeer. (neben munggle*); B; L; S; W. „Diui. 
müggele"." Mu [man] mugglet Allerlei BSi. ,üie Nach- 
barsweiber Sengen an zu in., redeten mit einander 
über die Gartenzäune hinein.' Gotth. , Heimkommend, 
sah er allerlei Gesichter, hörte hier in., dort m. und 
wenn er dazu kam, so schwieg man, gieng aus ein- 
ander.' ebd. AU Litt hei jo g'mugglet, er sig nc Frei- 
mürer. Joach. 1881. — e) beim Essen, keuchen, stoss- 
weise ächzen wegen vollen Magens BBurgd. Syn. 
Listen, pfnächzen. 

Intensivuni zu muggen II. Über das Etymologische vgl. 
Gr. WH. unter .munkeln' und .lnunken', sowie bes. .mucken.' 
Über die Mischung zweier Stämme s. die Anm. zu Heini- 
Mügger und mugg(e)len II ; denn auch bei unserem Vb spielt 
das Verborgene. Heimliche wesentlich hinein. 

Muggier in.: Murrkopf S. 

Muggli m. : 1. = Muggier Obw. — 2. Geschlecht sn. 
Z und nach zwei verbrüderten Hausierern dieses Na- 
mens appell. gewendet zur Bezeichnung eines dicken 
Knirpses ZStdt. 

müggele" I: Dim. zu mugglen I. 1. (leise) meckern. 
von Ziegen BHa., R., Schw. — 2. halblaut widerbelfern, 
munkeln B. Was hesch z' m.? Leise und abgebrochen 
reden, z. B. von Kindern in der Schule, denen das 
Schwatzen verboten ist SL. — 3. leise, aber anhaltend 
wimmern, kaum hörbar stöhnen, von Säuglingen B. 
Syn. grüggen 5. Spottende Bezeichnung des Singens: 
,Und wenn du noch so laut zu deiner Zither müggclist, 
das hilft Nichts.' B Kai. IM 7. 

Müggele" f.: Ziege, die durch unaufhörliches 
Meckern lästig wird BO.; vgl. Brücl; auch Mäggen, 
Mäggelen. 

mtlgg(e)le° II THTäg., müggele" II Ar; TuTäg., 
muggle" II GoT.: 1. heimlich entwenden, stehlen; 
bes. Kleinigkeiten. aaOO. Syn. ficken. Eine Frau klagt 
über ihren .Mann, der dem Holzfrevel ergeben ist: 
Wenn er das Muggle" nie chönnt lö". Feürer. — 
2. (muggle") im Verborgenen handeln L (Ineichen). 

— 3. (müggele") in kleinen Bissen essen, langsam 
kauen L; Syn. mäggelen III, mänggelen. — 4. un- 
pers., es mugglet, es dunkelt ScHwMa. Syn. mauglen. 

S. die Anm. zu mugglen I und vgl. bair. mockeln, ver- 
stohlene Bewegungen machen, aber auch ver-mäuken, müken. 

— 3 wohl eig.: heimlich kauen. — Zu l vgl. ud. et munkelt, 
der Himmel bedeckt sich. 

ver-mugg(e)le": verheimlichen Tu. — Vgl. bair. 
vermockeln, heimlich bei Seite schaffen. 

innige" 111= muggelen 1 Ar. — Vgl. , mucken', schlei- 
chen, lauern, bei Gr. WB. VI 2435. 

Muggerer m., Muggerif.: Personen, die Kleinig- 
keiten entwenden Ar. 

mugge" IV: hinterrücks foppen, spötteln GSev. — 
Am wahrscheinlichsten zu Mugg 1 oder 6'. 
üs-: durch Stichreden necken Gr. 

muggle" III: Einen aufziehen, verächtlich be- 
handeln Scnw. 

üs-: verspotten, auslachen L; Schw; S. Wenn-ere" 
l-'.im" im Schaffe" nid hed nache" möge", De" heil si 
hinde" mal iure" a"fäh üsm. L (Schvvzd.). 



135 



U 111 HiTiT. 



Mali — III 11 1 1 . Mai 



136 



Muggiss in.: heimlicher Vorrat von Speise, bes. 

(M.-t. von Kindern Z. Syn. Mütiss. — Vgl. die A 

zu Mautjijis und die Gruppe »«rafc-, r»a/ 

mUgge": stossen BSi. — Vgl. m* n . 
Müeggi n.: der Butzen, Kelchüberrest am Kernoh I 
GRh. Syn. 7-V/, r/ . Gwe^i (Bd 11 161) Vgl. G'müegi. 



Mali, meh, mili, nioli, muh. 

Muhe" f.: .faules Weibsbild, das auch seine Worte 
nur schleppend herausbringt und «las gerne sich ver- 
scbleichet und vermauchelt.' Spreng. — Diese Angabe 
beruht auf der altbaslerischen Ausspr. für Mücke*. 



Maj, niej, liiij, liioj, iiiuj. 

Maje° „Maien, Meyen m.: Sense LE." Syn. Mä- 
S( gessen. 

Ge-mäj n.: Gemähe. ,Dorfwisen sollen mit dem 
meeren gemeyg gehöwet und ingefuert weiden, und 
wer das mit dem mindern weren wollt, der ist on 
gnad umli ein pfund haller verfallen und kommen.' 
1496, ZSün. Offn., d. i. es soll der Mehrheit der Be- 
teiligten zustehen, den Tag des Mähens zu bestimmen. 
Vgl. Ge-schnitt. 

mä(i)je" AALeer.; Bs; BR.; F.I.; Gl; GSa.; Tu 
(in Fr. mäije*); UwE.; ZO. (auch meie"), Rafz (ä), 
me(i)je* BM.; ö, maihe* ApK., M., mähe* Arl.; Gr 
ObS. (ii), nun" Aidl.,1.; ZS. Ptc. g'mät Gl, g'mäii 
Ar; Bs; TuFr.. g'mäit S; Tu (ii). g'me'it AaEIh'., 
g'mäet ZO. (auch g'meiet), 8.: mähen. 1. wie nhd., 
im unterschied von grasen 2 Bd II 797. Sit de" Drüe* 
am Marge* m. (abhaue*) und bis z' Nacht am Näni 
[Heu] ablädt" Th; Z. Wottsch go m.? fragt man den 
Kegler, welchem die Kugel in die Wiese hinaus rollt 
S. .Ein [dem Kloster Pflichtiger] mann sull meyen 
und ein fraw soll schnyden "der hewen.' 1582. UwE. 
Herrschaftsr. RAA.: Wer säit, der mäit [erntet] L 
(Ineichen). Bildl: Süber in., (zu) sparsam sein Ai>. 
Ghä**sch gö luege*, wo 's g'mäit isch, wenn Etw. ge- 
schehen und nicht mehr zu ändern ist S. , Heute, wo 
die Sache schon lange vorbei und gemäht ist.' 1; Hist. 
Kai. 1873. Was dahinden (übere*, hingere* S, hinder-is 
Bs) isch, isch ;f miiiiis) BHk., was rückwärts liegt, was 
geschehen ist, ist abgetan. ,Von Dem, was Dahinten 
ist, will ich nicht reden: was gemäht ist, ist gemäht.' 
Gotth. Das ist e* g'mäiti Wis (Matte* BsL.), eine 
erwünschte, sehr günstige Gelegenheit Ar; Schw; Th; 
Z, wohl, weil eine gemähte Wiese bequem ist zum 
Wandeln and als Spielplatz. Mim Arnold ist das e* 
g'maits Wisli g'sV; drum schlöt-er uf der Stell i* und 
sät: 's soll gelte*. Schwzd. (Th). Das leunnt-mir :' 
Statte", das ist für mi ch e* g'mäiti Matte*. Hindbrm. 
S. noch Häggen 36 Bd II 1091 und heuwenBd II 1821. 
— 2. a) beim Hellen die Püsse kreuzen oder mit den 
Füssen seitwärts ausholen, von Menschen und Vieh 
Tu; Zßafz. Von Kühen, mit den Hinterfüssen beim 
Gehen gleich am mähend ausgreifen und schwingen 
ZZoll. — b) mit Armen und Beinen beim liehen in 



der Luft herumfuchteln AALeer. Buebe*, im mund 

[die Hände verwerten], und Miilli. im Sehreied, ijend 

[geben] die wackerste* Lüt. Sulger. 

Miul. mäjen, alid. mäjan. in ^'mfil scheint sich der alte 
,Rückumlaut' erhalten zu haben; vgl, auch chräjen Bd 111 305. 
,Majen, gemait', auch 1 Ist, AaSuhr Offn., .abmalen.' XV.,Zßq. 

über-, untrennbar: 1. über die Grenzmark mähen 
und dadurch den Nachbar schädigen, alle;. ,Y. N., im 
mit si* c r Matten an mi's Land stöxst, hed mi c " übermäid, 
dass [sj eii u'verschanti Sach ist LR. S. noch öfter- 
ere« (s. Bd 1405), -graben, -bü"en, -schniden, -:<<//./.<.• 
vgl. über-hüsen Bd II 17dl. — 2. über eine Wiesen- 
fläche hin mähen, sie abmähen, mit dem Kbbegriff 
leicht, obenhin, flüchtig Z. .Doch das 8 nieman uf den 
güetern soll sennen, sunder die güeter hüwen, zum 
nünsten des jars einmal übermäyen.' 1511/44, Scuw LB. 

in-: einmähen, für Stallfütterung B. Wä**-mu* 
inmäid, Das nimmt ab den Matten [tut dem nach- 
maligen Heuertrag Eintrag] BL. 

ver-: das Gras zu nahe der Wurzel abmähen GiiD. 

vor-: 1. von mehreren Mähenden der vorderste 
sein und dadurch die andern in ihren Bewegungen 
leiten, sie anspornen Bs; B; vgl. use'due". — '_'. bildl., 
anführen, in der Arbeit mit gutem Beispiel voran- 
gehen B. .Die rechten Weiber, welche einem Hause 
wohl anstehen und v. in der Haushaltung.' Gotth. 

Mäjer FJ. : PA1. ; Uw, Mäer Z — m.: Mäher, 
selten st. Minier. 

Zue-: wer beim Mähen ähnlich verfährt wie der 
Zue-Charster (Bd 111 486) beim Hacken ZO. 

Maihete", Mähete* Ar, M äjete* GSa. — f. : so viel 
Gras, als auf ein Mal gemäht wird, Partie Gemähtes. 

mäjig: gut zu mähen UwE. 

majcsliite" ma(jjiste'te* : 1. = hoffärtig si* (1«1 1 
1033) SchKL, Schi.; ZP.iil. f Du chimnst dritter, nie 
nenn d' wettist ge* majestete*; ich mues'-mi''' schier 
schäme* nebet-der. CBiederm. 1888. — 2. (ein Privat 
übereinkommen) bekräftigen, bestätigen, obrigkeitlich 
sanktionieren Gl (Kanzleispr.). 

ma(j)istetisch: majestätisch, a) von Menschen, 
die grosstuend, prunkend auftreten, einher gehen Ndw; 
ZZoll., meist Adv. — b) von Dingen, prachtvoll Ndw. 
E m-i Chili e". 

Major Major — PI. Majori", selten Major — in.: 
militärischer Grad, wie nhd. allg. .Wie das Sprich- 
wort heisst: Oppis Int il'r Herr M. recht und Oppis 
d's Lisebetli.' Gotth., auf einer lokalen Anekdote be- 
ruhend. 

Erde"-: entstellt für Ahle-Major Z. 

Land-: ehemals militärische Würde, ungefähr = 
Muster-Herr (IM II 1537) Aa; Bs; B; Gl; L. In i, 
.". Landmajore bei den 5 Brigaden der Landschaft; vgl. 
Leu, Lex.' XII 302; 111 223; Seg., RG. III 157. In 
Gl seit 1691 ein L.. welcher das .Militärwesen des 
Landes beaufsichtigt; vgl. Gi. Gem. 186. 

Pfiff er-: Instruktor der beim Militär verwendeten 
Pfeifer. XVIII., B; s. vRodt 1834, '-'7:;. 

Tambur-. Kinderreim: 7'., nimm 's Höndli bem 
Or und 's Chätssli bem Schwans, mach met-em en Tang 
GSt.lt; Z. — täniburina jerle": den Tambourraajor- 
stock in die Luft werfen BsStdt. 

Trüll-: höherer Instruktionsoffizier, welchem die 
Abrichtung der sog. Trüllmeister oblag. 2. Hälfte 
.Will.. B; s. vRodt 1834, 289. 



137 



Maj, iiicj. inij. iiuij. iiiii j 



138 



Trompeter-: lustruktor der Dragonertrompeter. 
L782, B; s. vRodl 1834, 271. 

Major n.: Mehr, in politischem Sinne Ai'K. — 
Verk. aus [per) majora, das Geschl. naefa dem von Mer. 

Majorin: Fein, zu Major. D' Frau ist <!' M. 
[d. i. Meister] im Uns. Sprww. 1869. 

Mist-Majorini: anreinliche Weibsperson Scb 
(Kirchh.). 

majörisch: 1. Adj., mutwillig, boshaft Gl. En 
m-e Bursch. — 2. Steigerungsady., z. II. m. erschrogge*, 
selio". ebd. Syn. milliönisch. 

Mejes: Geld, Vermögen BsStdt. En einzig Kind, 
derzue het-si 21., böte Welt! — Juden- oder Gauner- 
deutsch? Vgl. Mit» im gleichen Sinne. 

Mi je], 21iel, bzw. Me'iel — m.: 1. grosses, weites 
Trinkglas, Pokal, Humpen, glatt oder kraus, mit oder 
ohne Griff, meist ohne Fuss und gewöhnlich 1 Schoppen 
l'i Mass) haltend, für Wein. Most, Bier, daher auch 
Bier-, Schoppen-M. genannt AaF., S.; BsStdt; BO.; 
V~0; Sj ZWäd., auch V" M ass fassend BM. (Halb- 
mäss-M.J; Ndw, sogar 1 Mass (Mäss-M.) BM., Si.; 
Syn. Hobel ö (Bd II 946). Glas mit zwei Henkeln 
BoE.; Meieh, kleines Kelchglas mit Fuss L. .Nach- 
mittag holt uns mein Weiblein ein Meiel Roten.' 
Stocker. .Er [der Prasser] trank den köstlichen Wein 
zuletzt aus M-n.' B Kai. 1860. .Einem siegreichen 
Schwinger reichen seine Kameraden ein mit Wein ge- 
lulltes Schoppen-M. - Schäker, Aul. Dert steit e" 31. 
uf-em Bänhh obe"; DU Fretid und Trür isch mit dem 
Gias verwöbe*; 's het d' Hunde g'macht zur IIacli.it. 
Tauf,, Greht. JCOtt 1864. ,Den christlichen Schlaf- 
trank aus grossen Meylen, Bechern. Krügen nehmen.' 
ADexxl. IS 17. !■'' trinke für eu ch , ir Hern", es Meieli 
:' Ere". MUsteri. .Gross stotzen und mygel voll aus- 
bringen, poscere majoribus poculis. Stützen, grosser 
mygel, eymbium.' Mal. ,Man soll der grossen Meyeln 
entbehren.- 1605, Bs. ,Guet Leberwurst, Meyel voll 
Wein wurd mir der beste Doktor sein.' Stehler 1606. 
,[Ob] schon ein halb Moss im Meyel war, gar bald 
wollt ich ihn machen 1er.' GGotth. IG 19. .Als Einer 
etlichen Paaren zulugete, wie sie immerdar ganz halb- 
mössig Meyel in sich seblucktend, sagt er: Dise M. 
sind Kerzen, die den Pauren ab den Höfen, den Jun- 
kern ab den Schlössen und den Pfaffen ab den Pfrün- 
den zündend.' Sciiimpfr. 1651. ,.M.. Stauf, Kopf, hochei 
Becher, crater, poculum, scyphns.' Red. 1662. .Beim 
l'anuerschwur a. 1700 gab der Pannerherr einem Jeden 
der -100 zum Panner gehörenden Mann einen Mühel 
Wein und ein Mutschli.' Ouw Volksfr. 1880. A grosse 
M. Brante'wei*. Balz 1781. -- 2. als Trockenmass, 
ein Schoppenglas voll A.vLeer. ; BBe., S. (bes. für Steck- 
zwiebeln). — 3. a) auch Blueme*-M., Blumenbecher 
AaKu. — b) Jas cylinderförmige Glas einer kleinen 
Laterne BHa. — Mhd. miul, Pokal, mlat. miolium, it.-lomb. 
miolo. 

Chnöpfli-: knöpfiges, grosses Trinkglas. Bierglas 
mit knotiger Ausladung Bs j. 

nioje": dumpf stöhnen, jammern BSa.f Syn. bisten. 
Kig. deu Laut mü ansstossen; vgl. muhen; j nur silln.ii- 
trennend. 

Moji n., nur in dem PI. Mojini: Grimassen, dämme 
Geberden W. Er macht allerlei 31. — Vgl. frz. moue. 



Miit'j. in Gr UVatz Muej, in B; S Uuefjß, sonst 
Müe — f.: Mühe. allg. Ir mached-i [euch] nw :' vil 
21., Höflichkeitsformel, mit der ein Gast Bedienung 
und Bewirtung anerkenn! Tu; '/.. Ähnlich: Machid 
Lei M.! B Dorfkai. 1892 (Zg). Vgl. noch Jungfrau 
Bd I 1247. .Wir folgend dir nach dynem will, ir band 
mit uns [den Gästen] der müy zue vil.' Haiikrf.k 1502. 
.Gar z' vil Mühe band ihr mit uns ka [gehabt |.' GGotth. 
1019 (von Gästen, nach eingenommener Gastmahlzeit). 
's wird 21. ha", es wird schwierig sein B; Z ; Syn. 
Harz, Muggen, Mus. 

Mhd. müeje, müege, auch muo, ahd. muo(h)i, abstr. Suhst. 
zum Vli muo(h)an, mühen. Hie Schreibung Afüei noch bei 
Rüeger 1606. 

Gau in-: durch Aufsicht, Überwachung verursachte 
Mühe. ,Es wird des gerichtsherrn sorg und gaummüe 
[durch Aufnahme von Insassen in die Gemeinde] ge- 
nieret. - 1470, AiWett. Klosterarch. 

müejele", müele': Einem Mühe machen BBrisl.; 
S. Er het im g'inueilet, er hat ihn mit Stichelreden 
gekränkt S. — Zum Dat. vgl. unter yemüejen I. 

müe(j )eli cb ZKn„ mu eilig S, müelieh GkV.; ScHSt., 
in u el i eh Ap; Sch;Z, mielich Gr ObS. (auch -ig, -isch); W, 
müelig Bs: 1. beschwerlich, mühsam, lästig, von Pers. 
und Sachen BsL.; ScHSt.; S; Z. D' Boss trampe* mü 
m-e" Schritte" langsam derrö". Breitenst. Dan int e" 
in. Chind. 's Predige" chunnt-en m. [sauer] «". Wil 
mer 's Laufe" z' müeli norden ist. Met., Sprachb. Er 
het ein 's m. g'macht, hat ihm weh getan S. De' in. 
Ghetzer! wird Einer tituliert, der am Morgen früh die 
Schläfer weckt. Joach. ,Der was ein müelieh mann.' 
Ap Reimchr. 1409. .Sich, ob ich auf einem inüvliclien 
wegsei.' 1531/48, Psalm, = .schmerzlichen/ 1667, .Weg 
des Unglücks.' 1882. .Der müyliehe Zufall der über- 
röte.' Jos.Mal. 1593. .Weil dismalen noch das kleine. 
aber doch mühliche [dem Verwalter Mühe verur- 
sachende] residuum bei meinen Händen ligt.' 1674, 
Seil Mscr. — 2. wählerisch beim Essen, leckerhaft, 
bes. auch vom Vieh Gr; W. E" iiiielichi Dampe" 
[Person] W. Syn. fämsch, ungefräss (Bd 1 1319). — 
3. lustig und lebhaft, unermüdlich in der Bewegung 
beim Spiele ArK. Was jung ist, ist m., sei 's e" Kälbli 
ntler e" Kücli. 

Mhd. müelieh in BeJ. 1. 'J und 3 lassen sich mit 1 be- 
grifflich unschwer vermitteln; eig. durch leckerhaftes Wesen 
oder durch Unruhe Mühe machend. 

müe(j)e n : meist unpers., mit Acc. 1'.. bekümmern, 
schmerzen, verdriessen AALeer.; B; „LE." ,Das zu 
verlieren müeheti sie hart.' FScuLAcurER 1893. .Sie 
bekümmerten sich so durchaus nicht um mich und 
die Schule, dass es mich fast mühen wollte.' Gotth. 
,Es freut mich, aber es müht mich, dass ihr selbst 
kommt.' ebd. Es heig 's scho* lang g'iuujt, dass es d'r 
junge" Frau Nüt heig chönne* d'rfür tue". MWaldeh 
1880. .Müeget dich das. so machen es anders.' 1501, 
Bs Safr. (verpönte RA.). ,Ir sind nit 'kämmen und 
hend dorzue uns nüt gesebriben. das mich recht red- 
lich an üch miegt.' XVI., Bs Briefe. - Mhd. müe(j)en. 

g c -inüeje n : 1. Kummer machen, verdriessen. wehe 
tun B. ,Das gmüehe sie [die Kinder] so sehr, dass 
sie Nichts mehr für ihr Müeti tun könnten.' Gotth. 
.Wim sie sich von Weitem zeigten, so taten ihre 
ehemaligen Freunde, als hätten sie keine Augen. Das 
begann sie doch zu g.' ebd. Die Verkäufer eines Hofes 
versprechen, sie wollen den Käufer und seine Nach- 



139 



Maj — iiiiij. MaU — nmk 



140 



kommen ,niemer an dem liof gemüegen [beunruhigen, 
en] ondern den kaut stete halten.' L315, Z 
ürk. — 2. retl.. sich anstrengen, bemühen, die Mühe 
nicht scheuen B. P* mag-nii ch für in nit gmüjt .' B 
Kai. 1846. .Zu ihren Zeiten hätten die Schulmeister 
sich anders g. mögen, heut zu Tage mache Niemand 
mehr, als er müsse.' Gotth. .Sich mit den ärmsten 
Leuten g.' ebd. - Mhd. gemüejen in Bed. 1. 

be-t refl., Verdruss, Schmerz empfinden, sich ärgern, 
,Dywy) E.W. sich ob den grüwlichen historien be- 
mieigt, schick ich E. W. ietz etwas frölichers.' XVI., 
Bs Briefe. Das Ptc. .bemühend 1 spec. schweizerisches 
Schriftwort für peinlich, frz. penible. 

.müejig: zornmüetig, zornräss. reizig, irritabilis.' 
Fris. ; Mal. 

„klein-: leicht empfindlich, z.B. für Zum. Schmer- 
zen BO." — „lis-: weichherzig B." 

Ver-müei"g f.: Verschlimmerung durch Über- 
anstrengung GnPr. 

müesam: 1. schmerzlich. Kummer erregend. ,Vil 
müegsams ich allthalb erfar.' Ruef 1542. — 2. in akt. 
S. von einer Person, sich Mühe gebend, sich anstren- 
gend. ,Er gieng noch immer seinem Beruf nach, darin 
er fast allzu mühsam gewesen war.- Z Nachr. 1755. 

Müesamkeit f.: Beschwerde, Not. .Wir band 
vil erlitten, gross übelzyt [schwere Zeit] und müeg- 
samkeit.' Ruef 1542. 

müeselig: 1. beschwert, geplagt; Syn. arbeitselig. 
,Ein m-er Hausvater, der die ganze Woche keinen 
Augenblick zu seiner Erholung übrig hat.' 1712, 
Landvogt Escher. — 2. schwer zu behandeln, mür- 
risch. ,l>illicilis nimium, z'vil schwermüetig, m. oder 
fyendselig, mit dem nieman kann nahin kommen.' 
Fris.; s. auch Ernst Bd II 465. ,Zwüschen unwilligen, 
m-en Eheleuten.- B Chorgor.-Satzung 1667. 



Mak, nick, niiK. mok, nmk, bzw. mack usw. 

lnaiikc" 1.; S. mäuke* B; Schw; S; 1. „verheim- 
lichen II; I,; Senw.- — 2. = manchen 1 B; I.; Schw; S. 
Wenn De' us- d em Spicher oder Cheller mäukt. Schild. 
— 3. mit Lust und Begierde, schmatzend und mit 
gefüllten Lacken essen; fressen B; L; S. 

Eine Verhärtung von maucJtc* durch j-Ableitung. Das 
fehlen des üml. ist für au nicht seilen; vgl. rankt" von 
miuhe 1 '. Die viii st. angegebene Nbf. mit » bedeutet vidi. 
nur die in U.M. Übliche Ausspr. des Diphthongs (&*). 

er- mäuke": ermüden B. Wie lern" mir [die 
Hirten | so gern; denn b'sunders dert die Wulf so .:' 
jäuke*, mag Eine* würklich recht <-. uml ist Eim öni- 
dem ke* Freud. Schäferscueid 1831. 

Zu dem Begriffswechsel vgl. nwuch, niedergeschlagen. 
Viril, ist aber das W. dem Reime zu lieh willkürlich ver- 
derbt aus . r müelcen. 

vei-; Etw. verheimlichen, im Verborgenen abtun 
BThun, l'.; L; S. Syn. ver-müchlen; ver-schmauken. 
,Purtim subducere.' Id. B. ,Mädeli verbarg sein Ge- 
sicht an meinem Halse und vermäukte dort seine 
Freude.' Gotth. Mängi Frau vermäukt [isst im Ge- 
heimen], was m c/m"" S. F.r isch e" rerinii til.lc'' Hurst, 

er ist vei chlagen, will mit der Wahrheil nicht heraus 



SL. Das Pte. Perf. häufig adv. gebraucht i. S. v. ver- 
stohlen, heimlich, schlau BThun, 1'.; S. Etw. vermäukt 
lim Vermäukte") mache*. ,Das Fleisch ass die Frau 
v. selbst, ihr Mann erhielt wenig davon.' Gotth. .sie 
lachten nur v.' ebd. 1'. Wi* ufe'träge* [aus dem 
Kellerholen].' Schild 1885. -- 2. vermäukt, betroffen, 
in Verlegenheit gesetzt B. Jii gell, ji: bisch v. 

Maukere" f.: scherzh. Schelte auf eine Frauens- 
person Schw; vgl. Machen. 

Steck-Meck: ein, bes. früher, von | Ilirten-lKnaben 
geübtes Spiel, hei welchem ein geöffnetes Taschen- 
messer, das im Boden stecken bleiben soll, unter folgen- 
den Ausdrücken und in dieser Reihenfolge geschleudert 
wird; 1. Stiel;! heim Griff gefasst und geschleudert. 
2. Meck! ebenso. 3. Fluchhand! aus der flachen Hand. 
I. Füst ! aus der Faust. 5. Örlimäss! die linke Hand 
muss über den rechten (schleudernden) Arm hin das 
rechte Ohr anfassen. 6. Sergust! die Klinge bei der 
Spitze erfasst. 7. UfgümperUs! ebenso gefasst, aber 
gegen sich geschleudert. 8. Hechts', mit der rechten, 
9. Links! mit der linken Hand wie Anfangs. Wer die 
wenigsten Treffer hat, muss Stümpli bisse", d. h. ein 
in den Boden geschlagenes circa 1 Dezimeter langes 
Stück Hulz mit den Zähnen berausreissen GRh. 

Mlk n., Mikete* f.: Dominika ScnwE. 

Mock m.: Neponmk Ar. 

.Hocke", in Nuw auch Mock — in., PI. Möcke*, in 
Ndw; ZU. auch Mocke*, Dim. Möckßßi, in Nnw auch 
Mockili: 1. dickes, derbes Stück, grosser Brocken, 
z. B. Brot. Fleisch, Käse, Butter. Seife. Zucker, Stein. 
ein Klotz Holz, ein Klumpen Erde, Blei usw. allg., 
in Tu immerhin seltener als Brocke". Vgl. Schollen. 
.Wenn Buedi mit seinein Messer in's Hausbrod fuer 
und einen gar grossen M. absprengte.' Alpenii. 1871. 
Es Möckli Rindfleisch tued dem Menschen am wölste* 
ZS. ,Wir haben alle Tage unser Möckli Fleisch, die 
Diensten aber nur am Sonntag.' Gotth. Hört iiher- 
chunnt me" no ch rechti Möcke*, an jenein Orte erhalt 
man ungewohnt grosse Portionen. E, was fer ne* 
wettige* M. gisch-mer da usc" | servierst du mir da]! 
Der < Harnisch, Das war e* waggeref M., wenn 's nu r 
Chäs war Gl. Typisch für etw. auffallend Grosses: 
Das ist c" rechte'' M. Hüs, ein grosses, festgebautes 
Haus; e« schöne' 31. [Stock] Heu Ol. S. auch ver-gän 
Bd II 27. Übertr.: Er het c" schöne" M. [vom Erb- 
gut] äbercho* ß. — 2. im Bes. : das in Milch (Milch-M.), 
Kaffee (Ka/i-M.), Suppe (vgl. Chost-M.) eingebrockte 
Brot, aber auch klein geschnittene Stücke Fleisch, 
Kartoffeln usw. llei-mer Mnelli [in Kaifee mit .Milch 
gebrocktes Brot] e' 3Iorgen oder Bräusi [geröstete 
Kartoffeln]? Joach. Schittet-em Milch derzue und 
brocklet-em Meckeli Brot drV. RHagenb. 1846. Gross 
Möcke* ((find) feiss Vögel, sagt die Mutter zum Kinde, 
um es zum Essen aufzumuntern Aa; L; vgl. Gitsi 
Bd II 577. Spis Gott! d' Möcke* alli an mi*s Ort! het 
selb Büebli g'seii [das bekannte Tischgebet nach seinem 
sinne wendend]. Breitenst. Nimm ine 1 ' Möck(e)li, nüd 
im'' Milch! sagt das Kind in der bekannten Sage (s. 
Gr. Mvth. 650) zu der mit ihm aus der gleichen 
Schüssel essenden Schlange L; Z. Sen [so] alt n'ie 
Mars and Möcke", überaus alt Z. Er macht und 
frissl Möcke* wie Kinderschüeli. Spreng; vgl. Brueder- 

Bueh. Erhet Hurst na'' Möcke*. ebd. (scherzh.); Vgl. 



III 



Mak. mek, inik. iiink. iiiuk 



142 



Mocken-Durst. Die guete* Möckli, die guten Bissen '/,-. 
Syn. Mümpfeli. Jungen Wein mit den Hocken [mit 
Kämmen und Hülsen, gleichsam die Brühe mit den 
Brocken] kaufen Bs. Syn. de* Wi* mit sammi dem 
Träsch, Möcke* jodle' '/.. lache" lls. vomere. ,Möckli, 
würfelförmige Bröckchen Brot, dergleichen man in die 
Suppe tut" LG.; Z. Syn. Ghost-M. — 3. specielle Be- 
zeichnung \ "ii Leckerbissen oder Gerichten; s. auch 
die Zss. a) Dim., eine Art Zuckerbrötchen Ap, eig. 
ein guter Brocken (T.). — b) (Mess-)M., dicker, kurzer 
Zuckerstengel (parfümiert, auch etwa mit Chokolade, 
Mandeln usw. vermischt), eine Spezialität der Messe 
und bei der Jugend sehr beliebt BsStdt. — c) „das 
knochenlose, fleischige Lendenstück vom Bind zum 
Kochen oder Braten", Schlachtbraten; das grösste 
Stück Fleisch eines Rindes am Hinterteil, Muskel- 
stück; trockenes Rindfleisch zum Kochen B. Der 
grosse, runde Muskel des Hinterteils B; Syn. runde 
M., Ars-Baggen. Süesse M., solches Bindfleisch ver- 
dammt und mit gelber Sauce; auch von Kalbfleisch 
BM. Surf M., ein zum Beizen in Essig gelegtes und 
nachher in brauner Sauce gekochtes Stück solchen 
Rindfleisches B. Nierstück-M., ein Teil des Nieren- 
stückes eines Schlachtochsen Bs. , Suppe von Rinder- 
mocken. Will man die Frigande ungefüllt machen, 
so klopfe man den M. wo].- XVIII., B Kochb. — 4. 31., 
Möckli, Baumstrunk und was man von demselben ab- 
spaltet AauF.. Z. Syn. Stock. — 5. übertr. von 1. 
dicker, fetter, auch plumper Mensch Aa; Bs; B (gröber 
als Mauk); VO; Gl; Sch; Th; Z. Syn. Bitz. Das ist 
en rechte 31., bes. von Kindern Bs; Sch; Th; Z. Spec, 
e* dolle r 31.. ein kräftiges, wohlgenährtes, schönes 
Kind BsStdt. Durch vorgesetztes Herrgotts (Tu; '/.). 
Herrschafts (ZS.), Wehs (ZU., S.) verstärkt, aber auch 
übergehend in den Begriff eines durch geistige Eigen- 
schaften in Erstaunen setzenden Menschen ; Syn. Tü- 
sigs-, Welts-Kerli. Von einem im Wachstum zurück- 
gebliebenen Knaben sagt man: Er isch numme" so nes 
Möckli B. — 0. Mocl; Ar; 1555, ZStäfa. Möckli uTh; 
ZMarth.. Geschlechtsn. 

Spät nihil, mocke m., in Beil. 1, 2 und 5; auch Schwab, 
uud hair. Zu Mäuchli, Müeh (wie Locke* zu lüche*). In 
ZKil. hat sich für die spec. Bed. Kaffeebrocken ein Fem. 
Mock (PI. -o- neben -ü-l gebildet. Mocke* auch ans i.i\. 
als f. angegeben. Zu G vgl. alier auch Mock. 

Herd ü p f e l-M ö c k 1 i ; Kartoffelklösschen, Gericht 
aus zerschnittenen Kartoffeln SL.; Z. .Lisebeth er- 
zählte den Kindern von all den guten Sachen, die es 
ihnen aus den Erdäpfeln zubereiten wolle, wenn sie 
reif wären: Erdäpfelmöckli, E.-bri, E. -röste, E.-suppe.' 
AHartm. 1852. — Üterli-Mocke": Stück Fleisch in 
der Gegend des Euters BM. ,Üterlin - Mocken , ge- 
klopftes Kalbfleisch.' XVIII., B Kochb. — (/halber-: 
Gericht aus Kalbfleisch B; s. unter Hocken 3 c. — 
Chost-Möckli: (geröstete) Brotwürfelchen, dgl. in 
ilie Clmst [Erbssuppe] getan werden Sch; Z. — Weg- 
luegere"-Möckli: die zum Behufe des Dörrens aus 
den Wurzeln der zahmen Wegwarte geschnittenen 
kleinen Würfel ZS. — Pfaffe n -Möcke n : Eierbrot- 
schnitten oder Semnielstücke, in Milch oder Wein 
eingeweicht (auch etwa mit Bosineu und Mandeln ge- 
füllt), nachher in Butter gebacken und in Zucker und 
Zimniet gewälzt „GT.; U SciiSt. ; Z. Syn. Pf.-Mümpfel, 
-Brot: vgl. Pfaffen-Chlotz. — Reputaz Rebedäz-, 
Bebidäz-, Repidaz-Möckli : Best von einer vorgesetzten 



Speise, welchen ein Gast Anstands (Reputations)-halber 
nicht aufisst ZS. Ein bei Seile gelegter Bissen, auf- 
gesparter Leckerbissen AaWoM. 

Schele-Mocke": Bindfleischstück B. Benannt 
\ ■ ■ 1 1 der dabei befindlichen ielee); vgl. Mocken 3 .. 

Speck-: tüchtiges Stuck Speck Th; Z. Fig., ein 
überfetter, plumper Mensch, ebd. Sp.-Möckli, Speck- 
würfelchen, -klümpchen, in Würsten usw. Z. Z<* ha" 
d' Chümmiwäje* am liebste* wege* de* Sp.-Möcklene* 
druff. — Turbe" Turpe"-: Stuck, Brocken Torf L; '/.. 
Es Schit '"Irr c" T. hed's-mer au ch no eh nie nöche* 
g'rüeri [geworfen]. Brandst. 

We'ic her-Möcke" = Herdöpfelmöckli ZXer. 

Benannt nach der benachbarten Gem. Weiach, wo, wie 

scheint, dieses Gericht bes. häutig auf den Tisch kommt. 
l Im mens ist jene ganze Laudesgegend karteffelreich, daher 
die dorthin führende Bahn scherzweise die HerdiSpfel-bän 
genannt wird. 

mocke": in Brocken zerschneiden LTwE. 

i"-: einbrocken Bs; Z. — ver-: 1. tr.. in Brocken 
zerlegen Z. — 2. intr., in Brocken zerfallen Z. 

g'mocket Gl: GWa.; Sohw, (g'Jmockig AALeer.; 
Bs; GRh.; S(möckig); Z: 1. knollig, plump, am Leibe 
oder Gesicht; ungelenk, schwerfällig Aa; Bs; Gl: 
GRh.; Seuw; Z. — 2. schwarzfleckig, von Kartoffeln 
Schw. — 3. mit vielen Brocken versehen, z. B. Suppe 
Bs; Z. — 4. holperig, von unebenem Boden S; vgl. 
g' Motzet. 

Moggis m.: in Katfee oder Milch gebrocktes Brot 
Bs. — St. Moekens wie Bratis aus Bratens. 

AI ockli m. : dicker, fetter, kurzer Mensch AaWoIiL; 
Gl; G; Ndw. Dazu als Fem. Mocklene* Xnw. 

i kle": 1. bröckeln, in kleine Stücke zerlegen 

G ; Schw; LwE. : V ; Z. Bes. das Ptc. als Adj. g'möcklet, 
zerstückelt, zerbröckelt. Scherzh. 's g'möcklet Herz- 
wasser GoT.; Z, Büchice, de g'm. Wueste* AaWoIiL 
= vomitus. — 2. Stücke Holz von Baumstrünken ab- 
spalten . „Baumstummel ausgraben" AaEIh'.. „uF.," 
Klingn. Syn. stocken; vgl. Mocken 4. I>azu : Möck- 
lete" f.: 1. Anhäufung von kleinen Stücken, Gebröckel 
AALeer.; Z. — 2. von Baumstrünken abgespaltene 
Holzstücke AaEIii-. 

ver-: tr.. zerbröckeln G; Uw; Z. 

Muk, in BHa. Mük Mik — m.. PI. -u-: nach- 
drücklicher Stoss BöO.; Syn. Mupf, Puff, Stupf. 

Steht wohl im Ahlautsvcrhältniss zu der Gruppe mauk 
(er-müukcn); zur Bed. vgl. cJitupfen : Chlapf, chlopfcn. 

müke" I: 1. stossen, bes. hinterlistig. Rippen- 
stösse geben B ö. und wO. Syn. müpfen, stünggen, Stu- 
pfen. Wa d's Grossen Hans und d's Stettiers Vreni 
sin rverchinte* ff sin, hein d' Lit in der Chilchen cn- 
anderen g'mikt BHa. Jmdn umhe; fürt m. B. Auch: 
drängen. Sich durch einen Haufen Menschen mit ilen 
Ellbogen Bahn machen B. — 2. „zsstossen, bes. beim 
Pflügen von nicht verfaultem Mist BLängenb." 

ver-: Verstössen, untereinander wirren, verlegen 
B. Syn. ver-schüpfen. 

Muck m.: Stillschweiger; unfreundlicher, gräm- 
licher, verschlagener Mensch, Duckmäuser W. Syn. 
Cholder, Matz. — Zur Etym. vgl. das syn. mach, sowie 
r- r-mäuh n. 

müke" II, ver-: heimlich wegnehmen, verstohlen 
essen Uw. 

zue-: (Einem Etwas) heimlich zuwenden UwE. 



I ! 



Mal — iinik. Mal 



111 



i niüike". nur im Ptc. ver-mückt : heimtückisch 
ZNeft Syn. versteckt. 

Mnkarell, auch Schnuz-M.: Nas-, Taschentuch PAL 

Offeubar aus dem [tal., von muco, Kdz, mucare, frz. 
mancher, schneuzen, mouchoir, tfastnch; vgl. das ebenfalls 
iliin. it. Syn. """ ■ ichino. 

muckbar mockber, Comp, and Sup. mit Uml.: frisch, 
munter, lebhaft ApI., K.. M. Syn. mucker, buschber. 
mockbere": munter, wohlig werden, ebd.. 
Vidi, zu muc!c(e)en, sirh regen, und nach Analogie i"ii 
ir, wat hbar gebildet. 

mucker Apf; GrD., ObS.; GoT.; Scn; Tu; Z. 
mugger GnPr., murh'cr iii„ miikerG (1790, Dr Wartm.i: 
munter, frisch, lebhaft, rüstig. Syn. nuefer, heU-üf, 
rösch. Das i&t-na c * [noch] en m-e' .l/ii nn für si n s Alter 
[im Verhältniss zu seinem hohen Alter] ZS. Scho" 
früe in. $i: M. n- der Arbet Sch. .1/. Bagge*, schöne 
rote Wangen ZRorb. (Dan.). Wer sind dise mann, 
die hie so m. stan?' VBolz 1551. ,Nachdem die hauen 
gnueg g'schlafen undjetzm. sind.' Vogelb. 1557. ,Se 
belle habere, m. sein, sieh wol ertragen. Recolligere 
sc dicitur aeger, widerumb aufkommen, gesund und 
m. werden. - Fris. .Freven. unverzagt, munter, küen. 
ra., dapfer, herzhaft, audax.' RCys., Voc. , Nuefer, hüge- 
lich, in., vegetus, alacer.' Red. 1662. ,My dusigs 
(irossli [Grossmütterchen], du magst m>li se in. um- 
enandere zumplen.' Gespr. 1712. — Zu ch neben ck vgl. 
A.lt.r neben Acker. 

muckere" Z. muchere' Gl: wieder aufleben, ge- 
sunder werden. 

mügger'sch = mucker GGrabs. 

iniieke": 1. ermüden, anstrengen, affaticare, tediare 
1 * A 1 . . „verdriesslich machen, kränken BO." — 2. refl., 
„sich mühen"; sich ermüden, sieh Verdruss machen 
BO. Der um-/ ■.,"■ nüd ifm. [erspart sieh den Ver- 
druss]. mit il'n Ltiten :' sanggen Uli.; ähnlich: Si hei 
si rl ' nüd minien <fm.. wüesi :' tuen. ebd. Müek di ch jize 
gli ch , halte dich still, eig. werde nun bald müde BBe. 

Zsgczogene Abi. von mhd. müedec, welcher Annahme 
jedoch die Affrikata statt der zu erwartenden Tennis (grß 
Schwierigkeit macht. 

er-: 1. reH., sich stark ermüden BSi.; W. Schi 
In tut schieb, ermiekt, ballen strenge zu arbeiten. — 
2. unpers., mit l'räp. .an-, an Etu. ireinahnen. erinnern 
\\ Visp. Es enmiekl mi ch (an Das), kommt mir vor 
wie Das und Das. 

Ob Bed. '.' durch den Mittelbegriff .beunruhigen' sich 
mit I vereinigen lässt, isl Fraglich. Vidi, liegt ein anderes 
Etymon, etwa Muet (vgl. .anmuten' ), zu Grunde. 

vor- = vergüeten Bd II 556, bes. von offenen Wun- 
den, durch Vernachlässigung verschlimmern GrL. — 
Ki;.-. wohl durch Ermüdung verderben. 

in ü ek li ''': in üblich, mühsam. I>ÄN. — Aus mücdeclicln . 



Mal, mel, mil, mol, mul, bzw. mall usw. 

Mal I n.. PI. Maler, Dim. Malti BO.j Gittw.; Ndw. 
sonst Mali, Moli: 1. Zeichen, Merkmal, a) Eigentums- 
zeichen, das ins (ihr der Schale und Ziegen geschnitten 
wird und je nach dem Besitzer verschieden ist Gl; 
GO., Sa.; Syn. Und: (s. IM 11 1112); vgl. Feder-, 
Fenster-, Joch-Mal. b) nur als Dim. f II eber-JMöli, 



in der Kette eine Gewi bi . bes. zu Anfang und Ende. 
mittels! Farbe (z. B. Grünspan oder Zinnober) von dem 
Fabrikanten angebrachtes Zeichen zur Controlierung 
des Webers, dann auch die so bezeichnete Länge 
selbst l 10 Ellen Ar. lt anderer Angabe die Länge 
eines Webstuhls oder 1 Ellen) Ar; G; Z. Häst'sM. 
no ch chönnen ine'webc? ,l)em N. N. ein Zettel mit 
s Mali, 2596 Fäden.' 1827, Tuliirw. Tageb. Wo«* es 
Moli inhc. Man unterschied Halb-M., ei'fachi 31. 
und Abhau-M., durch welch letztere eine Abhauete* 
(Bd II 1806) bestimmt wurde Ar. — c) obrigkeitliches 
Schau- and Controlzeichen auf Leinwand, auch die 
Handlung des An Zeichnens oder die amtliche Stätte. 
wo dieselbe stattfand; s. auch Schau-M. .Wer zer- 
brochen lynwat verkouft ald zuo dem m. trait. durch 
das soll man zeben snitz tuon. eine entschlache sieb 
dann zuo den heilgen. dass es im an gefärd beschehen 
sye.' G Ratssatzung. ,Wel ch es tuoch als bös ist, dass 
es under das in. noch zuo eutoren nit hört, das soll 
man durch den grat snyden.' ebd. .Wer ouch du guoti 
ald du kleinü m. uss der lynwat bouwet ald weschet.' 
ebd. .Wer ein falsches m. an die lynwat schlecht 
oder wer die lynwat entoret.' ebd. .Kein lynwattuech 
under iren von Appenzell zeichen und mahl koufen.' 
154'2, Zellw., Urk. St Gallen verlange, dass die von 
Appenzellem verfertigten Leinwandtücher an ihr ,M. 
und G'schau' gebracht und nur, wenn sie als gut er- 
funden und bezeichnet worden, ausgeführt werden 
dürfen. 1542, Absch. S. noch Lauft"., Beitr. II 126/7. 
— d) Muttermal Aa; Bf; G. Blaus M., blaugrüner, 
von einem Schlag oder Stoss herrührender Fleck auf 
.ler Haut Aa; Bs; G; Sch; Th; U; Z. Narbe UwE. 
,Blawe Möler vom Fallen oder Stossen.' um 1650, Z 
Elgg Arzneib. ,Er krieget blaue Mäbler wie von 
einem Stocke.' Sixtem. 1759. — 2. Dim. (in F><». Mali, 
PI. Maleni, „in B Mali, Mali"), Bild, Gemälde; Syn. 
Gciinti. - 3. in Z auch f., Farbstoff, Malerfarbe Scn; 
ü; ZW1.; Syn. Mali. De hast M. o- 's Chleid über- 
rln,". bist voll M. irorde". Holt und grüeni M. hole". — 
I. Zeitpunkt, allg. Uf's M., 's M-s, auf ein Mal Aa; 
Bs; VO; Th; Z. .1/. für M. Scn; Tu; Z, ülin-'s ander 
M. Ndw. einmal nach dem andern; vgl. »6er Bd I 58. 
Po" Mal -' JMnl(e'), von einem Male zum andern Aa ; '/.. 
.Es kamen von einem Male zum andern [eins nach dem 
andern | neue Völker dahergeströraet.' Sinteh. 1759. 
.Hiesen Auftrag vergassen wir hundert M. [an einem 
fort, immer wieder].' Stütz; vgl. tüsend; ewig ril M. 
En aller Gotts M.. nur ein einziges Mal Gull. S. noch 
einest Bd I 277, ewig Bd 1 611, ungerad. Bes. in 
-teilenden, meist adverbial gebrauchten Verbindungen; 
mit dem vorhergehenden Bestimmungswort oft zsge- 
schoben, bzw. zsgs. a) ,6mal(s), -malen', zuvor, auch 
als Conj., ehe. bevor. .Swcle einals dann en gienge.' 
ä. LRatsb. ,Der soll geben, einaln und er klagen will.' 
1469, GRorsch. Offn. .Vor der zyt, emals herr abt 
Franciscus herr und abt des gottshus Sant Gallen 
worden ist.' 1525, Absch. .Er hab ouch sömlichs dem 
hoiiptmann ZUO Wyl versebriben. eenials er verrilten 
syge.' 1529, Absch. ,Sy habind dem Abt den zechenden 
darus müessen ggben, eeraals sy es [das Feld] habind 
dürfen nutzen.- 1529, Strickl. ,Da die Bhgaumer 
schuldig syn [sollen], alle Monat oder auch ehmahlen 
in der Küchen nach vollendetem Gottesdienst stillze- 
stahn und mit dem Pfarrer zu berabten.' Z Kirchen- 
ordn. 1628. b) es-ie-mäl(e*). I) •■ es-ie (s. Bd 1 21) 



145 



Mal. 



146 



GrD., He.. ObS.. Pr. - 2) mit Betonung der zweiten 
Silbe, häufig GA. — c) ieii *- (in A.AÄarb. jöli-, in Bs 
auch jere"-, in S auch Meli-, jeni-)möl, bisweilen, hie 
und da Aa; Bs; S; vgl. Bd I 22. Er lieg si ch jielimol 
gar jese* nn'' 1 höre" lä*. Allem. 1843. Es friert Ein" 
j. tüchtig an <f Hand, we"" me* nit flissig schafft. 
ebd. .Ielimal gegen Bad, ielimal gegen Bachs.' 1539, 
Z Staatsarch. (von einer Flurgrenze). — d) ,abermal-, 
wiederum; vgl. Bd I 40. A. mache", einen Handel so 
abschliessen. dass er nach Ablauf einer verabredeten 
Frist wieder rückgängig uemacht werden kann A.vFri. 
Mer liai" S Tag a. g' macht. — e) öftersmal, oftmals 
AaF. .Der könig selbs zum oftermal in schwerer sach 
suecht rat bei mir.' GGotth. 1590. Daneben in der 
ä. Lit. die Formen .oftmalen.' 1527. HBdll. (s. Gaffel 
Bd II 132), .oftermals.' RGcalth. 1553. .oftermalen.' 
CMet. 1657. — f) all-mäl 1) alli Mail, allemal, allmal, in 
Bs; S; Th ammel, in GT. ämnl, jedesmal, im gegebenen 
Falle; immer G; Th; Z. Amol mues' es ich si", werde 
ich beschuldigt GTa. 's ist alli Mol eso, pflegt immer 
so zu sein. N. N. hat all(e)mal (ammel) g'sait, pflegte 
zu sagen. ,[Sie haben] ihren bösen Mutwillen ge- 
triben mit bösen Geisteren wie allmal.' Ap Malefizb. 
,Under allen Malen', auf alle Male verteilt, insge- 
sammt; vgl. Bd I 325. ,Die Tyroler Holzhacker haben 
unter allen Malen eine unglaubliche Quantität Gams- 
tiere geschossen.' Sererh. 1742. .Nach Diesem sind 
in solchen Unruhen unter allen Malen 8 oder 9 Mann 
umkommen.' ebd. — 2) allimol(e") Sch, sonst zsgez. 
ammel, ehemals, vor Zeiten, sonst „L;" Sch; Th; Z. 
's ist ammel nüd so g'si*. Me" hat ammel vu" Dem 
Nüt g'uüsst. — 3) subst., das Allemöl, das Brettspiel, 
in welchem man. falls man auf allen 3 Würfeln 3 Augen 
geworfen hat, zählt: 1x3, 2x3, g'nueg oder allemöl 3 
Ap (lt T. 22), „so genannt von dem Spiel ,der lange 
Pufl'% in welchem der Fall vorkommt: lxl, 2x1, 3x1 
und allemöl 1 Ap." 's A. mache". Vgl. all Bd I 169. 
— g) ein Mal, einmal 1) ei", ei"s M., oder e" Mal (Mol). 
in Z auch emalet, numeral. allg. Ei"s M. ist kei's M. 
B; ei'mal ist nüd allimal, alliwil Z; s. auch Ghatzen- 
Schenk. E" M. umme", Gegs. zwei M. umme" Th; Z. 
Es ist nw emal (z'J tur, mit Bez. auf einen Gegen- 
stand, dessen Ankauf zwar hoch zu stehen kommt, der 
aber dafür sehr dauerhaft ist. Gewinn bringt Th; Z. 
Der nämliche Satz könnte aber auch als iron. Trost 
über einen unvorteilhaften Kauf bedeuten: der Preis 
ist nur um das Doppelte zu hoch, da emal (bei Ver- 
gleichungen) häufig in multiplikativem Sinne ange- 
wendet wird, z. B. er ist emal elter als sin Brüeder; 
emal länger, grösser Z. Uf e" Mal, z. B. ein Glas aus- 
trinken. Mer händ im Wintermonet emalet S>'tzi"g 
iiml emalet im Christmonet Z. Es M. drü oder viert 
Th; Z; vgl. Bd I 273. ,Das wasser muosst du ein 
m. zwei oder dreu darab schütten.' Vogelb. 1557. — 
2) ei"s- B, ei"- GRh. ; Sch. es- Bü.; L, sonst e-mal, in 
ThHw. emal, in Schw; Z auch -male", -mäled, -malets, 
in BHk. -mals, in L; S auch ne Mal, einmal, einst 
(auch von der Zukunft), ehemals, vor Zeiten, allg. 
Esmal gan Bereit gärt BGr. Er chiinnt eismal zue 
mer und seit-mer . . . BO. (Zyro). D' Mueter selig het- 
mer gli ch emol g'seit... BWvss. l ch ha/n do-n-emol die 
alte" Büecher b'schaut. Probst. Es mues' e" Mol .vi", 
einmal hat die Sache (bes. von widrigen, doch unab- 
wendbaren Ereignissen) zu geschehen Th; Z. Alls 
Aa; Bs, sonst öppen, etschen emol, bisweilen. Potz Herr 

Schweiz. Idiotikon IV. 



Gott oder Wetter, Blitt. im' 1 ' (und uw''j emal. .Ein 
Zufall, der sich noch selten ereignet hatte, vielleicht 
noch nie, aber einmal ist das erste .Mal. meinte Lise- 
beth.' AHartm. 1852. Mit modalem Nbbegr., nun, 
endlich einmal Aa; Tu; Z. Das ist doch schön, dass ir 
e" Male" wider i° d' Stadt chömme'd. Stütz. Heb doch 
au ch emol d' Gosche" zue. ebd. Es ist emol nid recht, 
du chast säge*, was du loifltt Aa; Th; Z. ,Nun [nur] 
dass ich alles Unglücks einmalen abkomme.' RGualth. 
1584. .Will einmalen mehr nit als 5 fl. geben [trotz 
Mahnung).' 1652, Z Staatsarch. Einstweilen: 's hed 
icz mit der Freiheit eumalig l;e G'for. Häfl. Emal 
nit W. — 3) emäl(e"J, neben emmel, in Zg ammel, 
Adv. (oft verbunden mit Synn.) zur Verstärkung des 
Ausdrucks, wie das nhd. .einmal' i. S. v. doch, sicherlich, 
selbstverständlich, freilich, gewiss, jedenfalls Aa; Bs; 
B; VOj Gr; G; Th ; Z. Das ist amöl wör G; Z. Emmel 
au chl . Ausruf der Verwunderung, i. S. v. ist's möglieb, 
wirklich UGösch.; Z. 's Verspreche" g'e", d ass si ämmel 
jo mit-em z' Hochzit welle" cho". Schild. Sache", wo 
e. jo e" rebedierligi Person nit löt uf si ch cho", Dinge, 
die eine auf ihre Ehre haltende Persönlichkeit in 
keiner Weise an sich kommen lässt Bs. Du wärst 
doch emmil nöd [mir Dieses oder Jenes zu Leide tun]! 
G. Ja, e. au ch ! iron., eig. i. S. v. : ja. Das wird doch 
geschehen, = ei, bewahre! Z. Emmel wol! Formel der 
Beipflichtung oder Bejahung B öO. A: Mir chönne* 
mit im z'fride" si". B: Emmel wol! BGr. Weisst du 
Das? Antw. Emmel wol! ja freilieh! ebd. Syn. mit 
allweg Bs. Der Joggeli chunnt, denk, au eh in d' Mess? 
Antw. Emöl. A: Das war doch nüt Basis. B: Emol 
nit. ,Es ist eimel Keine wi De'', hie propheta sui 
similem non habet.' Id. B. Nüd emal ! (mit Betonung 
des zweiten W.) mit Nichten, durchaus nicht, oft als 
gelinde Ablehnung, doch nicht Schw; Th; Zg; Z. 
.Amalreich heisst der, der ja reich ist', sagt namen- 
deutend Vad. ,Sein [des Bibergeils] gerucht inuess 
ein mal stark sein, also dass die geschirr lang dar- 
nach schmücken.' Tierb. 1563. — 4) ei'mel B (in R. 
einimal); Gl; Gittw.; G; ZWL, emmel Aa; Bs; B; 
VO; Gl; GbPt.; S; /.. ömmel 1.; S, ämmelBB; B; Gr; 
GT.; Th, ammel F. emme" S, wenigstens, immerhin. 
Ich e. weiss nüt Bessers. E. ich bi" nüd schuld, 's ist 
e. war. Bast duo ahi g'chit? Antw. Amel nit wohi 
[hinauf] F. I ch weiss e. no ch Nüt dervo", dass es Mal 
Öpper g'storbe" slg a" de" Giftbere" B. Einem Ab- 
reisenden ruft man (mehr scherzh.) nach: Chumm c. 
'in'' 1 irider hei'"! Th; Z. Er ist wol daheimen, d' Hustir 
ist eimel achari [offen] BGr. Heid eimel Sorg, Buebe" ! 
ebd. Er hat 's e. dö z'letzt chönne" [begriffen]. Es 
ist e. no ch nid am Letzte*. Jo, chumm e. de**! spöt- 
tische Abfertigung Aa. .Wenn du eimel wi"tt, si 
modo unquam volueris, quaeso. Gang eimel nit, oder 
du sägist mer 's, quaeso dicas, cum discedere volueris.' 
Id. B. Si hei* g'seid, mit chönn Wetters halbe* nüd uf 
d' Eeis, aber einimal i' h gan BR. P h hett 's eimel au ch 
welle* i* der Nächi g'seh. Wolf. Gespr. 's isch ämmel 
Summer, 's trocknet irider. BWvss (Trost bei drohen- 
dem Regen). Da si*'' mer i* der Zit nüd us-enand, 
e. nüd int Gl (Schwzd.). Jö, 's Bure* chönnt ömmel 
eerleide" mit frönde" Lüte". Joach. Euse r Bür macht 
hür ämmel tüsig Garbe" me'' als fern. ebd. l ch will 
de* Hüenere* säge", si seile" ömmel nit gaggle". ebd. 
's Spuele" gV't ammel au ch kei" Schwille". EFeurer. 
Gott dank d'r und Gottwilchen daher. Bist emal g'sund? 

10 



147 



Mal, mel, mil, mol, mul 



148 



GnPr. (Schwzd.). ..Tel z ist es noch erael d's Halb me r 
wert.- lim in. .Einmal, wenn's mir auch an Geld nicht 
heil, liatt ich nicht mehr Zeit gehabt, dem Becker 
zwei Brot zu bezahlen.' UBragg. I ch lon-e" si', wer 
er g'sl" ist; um ei'mal hin i a frö, dass er aW* st" 
Ln" üiberko' häd. Gespräch 1712. Sig 's, was es wolle; 
.im ei'mal sig 's Gott -' höchst im Himmel 'danket. 
ebd. .Einmal Jedermann glaubte, dieses Geschäft wäre 
nun ausgemach et und an Weiteres nicht zu gedenken.' 
PTschddi 1720. ,Was meinest du wohl, dass daraus 
entstellen werde? Einmal möchte ich [ich wenigstens] 
den Lohn nicht mit dir teilen.' Sinteh. 1759. Oft 
verstärkt durch .auch': Er häd emmel au ch es '/a Pfund 
(Unis g'esse". Es sind emmel au cl ' 200 Ma** uf-em 
Platts g'si". — 5) ei*s- Aa, einer- Schw, einers- (bzw. 
änersch-j ul; G; U, eier- GrD., änsch- (neben en 
änersch) mal \i\ einidjers-möle" Schw, ei's- Aa; Bs; B; 
Gl; S; Th; UwE.; /. einer(s)-mäls Z, ei"s-mös Lj S, 
zuweilen verbunden mit vorgesetztem uf, z\ auf ein- 
mal; unerwartet, plötzlich. — h) encist-mal, - einsmal 's 
GT. 's "Wetter hei e. abänderet. Er hei e. usg'ehichet, 
ist unvermutet gestorben. — i) under-müle", bisweilen 
Aa. Under 's Mal s. Bd I 325. — k) , vormal', bzw. 
, -malen' (z. B. 1781, Z Brief), ,-malets.' G Klosterarch., 
früher, ehemals. — 1) ,letzmals', das letzte Mal, neu- 
lich. , Boten, die 1. hier gewesen.' 1523, Absch. — 
m) mäng- Bs; B; Gl; Tu; Z, mängers- Ndw, mängs-mäl 
Sch; Tb; UwE.; Z, müngs-molet(s) Sch; Schw, -male" 
GA., zsgez. mä-möl AAtw.; ScnwMa., manchmal, oft; 
Syn. miingist. ,Ze (zu) mängem mal.' 1450, Absch.; 
1457/1544, Schw LB. ,Mäng mal', neben .zuo mengen 
malen.' Morgant 1530. .Menges mal.' Rüef 1540. ,Et- 
wann mengs mal.' 1540/73, UMey., Chr. ,Manchmalen.' 
Sererh. 1742. — n ) , näher-, nächstmal(s), -malen', das 
letzte Mal, letzthin, neulich. .Die anzal liit, die wir 
im nächstmals ufgeleit.' 1529. Strickl. .Die antwort, 
so MHHn nächermalen, als ir potschaft hie ist g'syn, 
inen 'geben band.' 1531, Absch. ,Die biderwen lüt, 
so des altarsturms halb nähermalen in gefänkniss 
kommen.' 1532, Strickl. .Ich was nächstmals vor 
üch erschinen.' Ruef 1540. .Als ich nähernials ein 
kruckentle zerlegt.' Vogelb. 1557. ,Du bist yetz vil 
züchtiger gar, dann nächstmal, als ich by dir war.' 
JMdrer 1500. ,üanksagung wolhaltens halb unserer 
schützen, so nächermalen by inen gewesen.' 1565, B 
Schützenfahrt. .Weisst nit, wie es gieng nähermol, 
da er dich wollt erschossen han?' Holzwart 1571. 
- o) nochmal nö ch mäl Aa; Z. nämäl ZS., no ch nemöl 
Aa; Bs; L-. Tu. nochmals. — p) selb- B; Sch; S. selbe! s-, 
sellels-, selbis- Bs, sebfigsj-mal Th; Z (in Bsauch -mble"), 
jenes Mal, damals. S. isch no' h kei" Ise"bai> (/'si'. Das 
Ding l.iinnl halt co" anno s. Probst. Nei', eso scheni 
I.it nie sellctsmole" gi''t 's nimme" me r Bs. Sider selb- 
mol. Schild. — q) ,sid-, sit-, sitte(n)-, seit-mal(s)'. 
bzw. ,-malen.' 1) seither. ,Wann der von Torberg 
sidmals erber lüte in trostung hat genommen.' 1386, 
Geschfo. Ges. — 2) da, weil, entsprechend dem ver- 
alteten und. .sintemal.' .Sitmalen üch unverborgen 
ist.- 1520, Absch. .Wann sytmal und üwer und myn 
bi'uoder und üwer wyb und kiml tod sind.' Morgant 
1530. ,Sy(t)tenmal Kein mensch ist, der nit sündige.' 
1531/48, ri. Chron. ; dafür: .sintemal.' 1667. .Seitmals 
du ein halsstarrig volle bist.' 1531/48, V. Mos.; bei 
OWerdm. 1552 .sitmals', 15ss .sintemal.' .Sytmal es 
nit mag anders syn, so gib ich recht den willen dryn.' 



Ri'EF 1540. .Seitenmal und ich vormals hohe befelch 
gehabt.' Tierb. 1503. .Quum. sittenmal. dieweil. Istaec 
cum ita sint, sittenmal dem also ist oder dieweil und es 
also stat.' Kris. ; .Mal. .Sittenmal die weit weit hinder 
sich kommen und verdorben ist.' SHochh. 1591. .Seiten- 
mahlen ihr gnedig gelieben wollen.' 1653, AHecsler. 
.Sider dem mal. dass...' 1415. Gl Urk. — ri da-, du-, 
in BO. duo-, dü-malfe'), dazumal. .Domalen.' Morgant 
1530. Abi. damalig. — s) das M. Z, dämäl Tu, dies- 
mal, gegenwärtig. Wie göt 's der aa ch , Zusann? 
liist g'sund das Mol? Stutz. — t) des Mals BHk., 
die-, di- iin GTa, de-, in Nu» d.-iwaUe'J Aa; B; VO; 
Gr; G; Sch; Z, dicmolig L — an vielen Orten mit 
Betonung des zweiten W. : neulich, einmal, letzthin. 
Demol ist er einist eue-n-is cho". I ch ha' diemalig 
einist g'gaumt. HXfl. 1813. — u) dick-mal l'w (mit 
comp. Form es dickers Mal, z' dickere" Male'), in Ap ; 
Gl; G; ZP. f dick-emal, manchmal (auch distributiv), 
ziemlich oft, hie und da einmal, zuweilen. ,So sich 
aber dickermal begibt, dass...' 1510, Aa Weist. .Die 
zum dicken mal missbrucht [worden sind].' 1525, Gfd. 
,Zue den dickeren malen.' Zwingli. ,Er hat es zum 
dickem malen verdient.' Morgant 1530. .Zum dicker- 
mal hotten geschickt.' 1532. Strickl. ,Zue dickennial 
voll wyns worden.' 1547, Sch Batsprot. .Kr widerholet 
zum dickermalen dise meinung.' OWerdm. 1552; dafür 
.zum oftermal.' 1588. , Es ist uf etlichen tagleistungen 
solliches spans halb dickermal anzug beschehen.' Z 
Vertrag 1555. — v) teil- (in Ztw. tei-)möl(e"), bzw. 
-möle'd, zuweilen Bs; Z. .Teilmals.' Z Pfisterzunft. 
S. noch teilig. — w) ,e-denn-mals', bevor. .Edemmals 
und sy [die Kantengiesser] den [eingekauften Gegen- 
stand] schmelzen, 14 tag offenlieh lassen stän.' 1412, 
Sch Stadtb. — x) de(r)mal(e"), dies Mal, gegenwärtig 
L; G; Z. Syn. de r Fakte", Gang. De' Mol ist er dem 
Herrgott [euphem. : dem Tode] certrunne". l'' h uill 
's Manne'colch für d. lo" gö". L Nachr. 1805. Ver- 
mählen eins', dermaleinst. AKlingl. 1691. — y) diss- 
mal, diesmal B. Es ist g'nueg für d. .Sy hat wenig 
hilf uf diss mal.' ThPlatter. Brief, und oft. — 
z) .widennaleir, neuerdings, wiederholt. B Mand. 1782. 

— zb) z' mal 1) auf einmal, zugleich Aa; Ap; G; Sch. 
l ch cha" nit Alle" ;'wol helfe". Mit Pl.-Form «' Male" 
ZO. Er isst schüli ch wenig z' M. Mit adv. s GT. [l>ie 
Kuh] gi b t Milch, z' möh g'wüss en grosse' Schapf 
[Menge]. EFeurer. ,Er ist nie mee zemal weder an 
eim ort g'syn.' Zwingli. ,Dem eilften [Schützen] war 
das Schloss gehangen, im Schiessen nit zumal uinb- 
gangen; so war dem zwölften 's Schloss zu hart, wollt 
nicht umgehn zu einer Fart.' JHGrob 1003. .Beide 
z' Malen.' JCWeissenb. 1081. .Nur ein Wusch zur 
[so!] Mal.' Sererii. 1742. Plötzlich Th; Z. Z' mal 
wie der Blitz. Auch bei Morgant 1530. — 2) in Zss. 
a) .iezzemal', jetzt. ,In praesentia. in praesenti. zue 
diser zeit, yetzzemal.' Fris. ; Mal. .Lasst uns den 
besten wein auftragen, der jezung z' mal vorhanden 
ist.' GGottb. 1599. — ß) .nunzemal', diesmal. 1476, 
Bs Chr. (.nuzemal'); 1531, Strickl. — f) döz'mäl, da- 
mals Ap; Tu; Z. Auch bei Morg. 1530; .IKüeger 1606. 

— 3) insgesammt. ,In acht wuchen zemal einist.' Z 
Mand. 1580. — 4) besonders. ,Das gefall ime zuemol 
übel.' ,1474, Bs Chr. — 5. meist Dim. Es Mali (in 
Ndw Mälti) Milch, so viel, als auf einmal (Morgens 
oder Abends, daher Abig-, bzw. Morge'-, Morgc'd-M.) 
gemolken wird Ap; Schw; Uw; Z. Hit hä"'-mer es 



149 



Mal, niel, mil, mol, mnl 



L50 



guets M. Npw. £" schlechte Mali erhält man. wenn 
die Kühe, z. B. zur Zeit des Nordwindes, nur wenig 
Milch geben. Ein Becken voll Milch ApK. D' Kuc 
licl tlnt Muli Milch g'gl". S. v. a. Chäseten 2 (s. Lid 
III 5131 BSi. Auf der Alp werden täglich meist zwei 
.Male' gekäset. Ihobersteg. So viel Getreide, als man 
auf einmal in die Mühle gibt, d. 1). so viel, als zu 
einer Bachete m nötig ist ZO.; Syn. Mehr, :' Mülli. Es 
M. :' Mülli tue: Es Mali Schmalz, so viel Butter, 
als bei einem einmaligen Buttern gewonnen wird 
GuPr.. oder so viel zu einem Ballen zsgeknetet wird 
GrD.. dann auch ein kleiner Ballen Butter (als Mass- 
bezeichnung) Grü.. Spl. So viel Futter, als man dem 
Vieh (einer Kuh GRPr.) auf einmal in die Krippe 
gibt; gewöhnlich erhält es drei Mali bis zur Tränkung 
und nachher noch ein Lockji (Heu) GrD.. L.. OhS. 
(Malti), l'r. : Syn. Schiebeten. Vorzua [bald] muass i<* 
in da" Stall, um das erst Meli :' fresse" e' ge m . Schwzd. 
— ii. Tag, in Zeitbestimmungen BHa. Ihnen ist [es] 
denn 6' Mal, das" i' h zen Gadmen inhi* g'sl". 

MM. mal, Zeichen, Merkmal. Schmuck, Zierat, Grenz- 
zeichen, Zeitpunkt. Zu 3. Das Fem. wahrsch. nach Ana- 
logie von Färb und die Form erst aus dem Vi malen, pin- 
gere, abstrahiert. Zu 4 d. Diese (adv.) Form ist aus Uni- 
deutung aus dem Snbst. Aber-Wal entstanden. Zu 4 f 21 
führt St. für L nnd Z neben der Form ammel auch eine mit ü 
an, die aber richtiger zu .einmal' gestellt wird. Zu 4 g 2. 
Die Form -maled scheiut Analogie nach iezed (s. Bd I 630) 
zu sein, während eunudig, üienudig sich an iezig mögen an- 
gelehnt haben. Zu 4 m. Die in der Etymologie begründete 
Ausspr. i)k; (Th) wird anderwärts (z. B. Z| zu n erweicht oder 
der Nasal schwindet sogar ganz (mämol). Zu 4 x. Wenn 
di mal nicht blosse Verstümmelung des Gen. PI. ist, so muss 
mau Beeinflussung durch das syn. <ft r Gang annehmen. 

Ab -Mal: Muttermal Gl. Narbe FSs. Vgl. .Ab- 
zeichen' bei Gr. \YB. I 157. 

A°- (ö- BBe.; Uw, dt- AiLeer., Z. ; B tw.; ZO.), Am- 
Aa; Ap (Ämmel); BsStdt; BBr. (Ammei); FSs.; S; Zg, 
in Bs auch Arno, in Aa (lt Rochh.) Mammöl: = dem 
Vor. (z. B. von den sog. .Feuerrlammeir; s. Bd I 119fi). 
Er hat au ch so lang Bagge* [wie der Mond] und es 
A. dra". Stutz. Das Kind het en A. vo"-mene" Glast 
vo" slner Mueter. Spreng. .Eine vernarbte Wunde." 
Merkmal übh.j auch: ererbtes Leiden, sowie von 
ererbten moralischen Fehlern VO. Es Amöli ha', 
schlimm geartet sein. ,In grossem zorn gab er im so 
ein herten streich in syn ang'sicht, das 8 man das amäl 
g'saeh.' Morgast. ,Der hatt ein amel an eim baggen ; 
was also von ainem ross geschlagen.' Vad. II 269; 
daneben (S. 271 lt Götzinger) ,ämel.' ,Es blybt ye- 
merdar etwas von dem alten groll kleben, glych wie 
das anmaal blybt. ob die wunden schon zuegeheilet 
ist.' OWerdm. 1552; dazu 1588 die Erklärung: .Das 
anmahl oder die narben.' .Kinder, mit ammalen er- 
boren oder muoterzeichen.' JRdep 1554. , Vertreibt 
die wüesten ammäler. so vom brand oder anderen 
schaden kommend.' Vogelb. 1557. .Es bringt den am- 
mälern ir natürliche färb widerurab.' ebd. ,So einem 
das haar ausgefallen und die grindige rud zue einem 
ammal kommen ist.' Tierb. 1563. .Macula, angeborner 
fleck, ammaal, zeichen. Ducta cicatrix, ein geheilte 
wunden und darüber ein ammal worden. Das ammal 
ist wider ufbrochen, ist verwachsen. Argema, ein 
holgeschwär beim kreis des augs. so um den augstern 
ist, weisse flecken oder anmaal der äugen, wären im 
aug, wenn eim ein eissle auf dem auglid wachst. 



Nota malitiae, ein anmal einer bosheit.' Fris. ; Mal.. 
die für den PI. sowohl ,ammäl' als .ammäler' gebrau- 
chen. S. noch Mäsen, Wund- Zeichen. .Wasser vom 
Menschenkaat vertreib! die Anmäler und machet sie 
der andern Haut gleich.- JRLandenb. 1608. .Das 
Wasser von Nussbaumbletter vertreibt die Anmal und 
machet ein andere Haut darüber zu wachsen.' ebd. 
Bei JJNüsch. 1608, Anmal' neben .Malzeichen.' S. noch 
; aegeben Bd II 94. ,So bleibt doch stets das Anmahl 
[Übers, des frz. les marques] seiner Wunden.' Stettler 
1612. , Anmaal. Fleck, naevus, genitiva nota.' Red. 
1662 und ähnlich Denzl. DiTT: 1716. .Bekommt das 
Kind einmal Anmal oder Flecken.' AiBrugg Arzneib. 
.Diese ist seine Mutter; ich erkenne das mütterliche 
Ammal an der Angst ihrer Seele', lassen die .sittlichen 
Erzählungen' (Zürich 1773) Salomo sagen. — Abi. 
Ammöli m. : Spitzname für Jmdn, der ein Muttermal 
hat L. — Mhd. ane-msl, dass. ; vgl. auch .Anmal' bei Gr. 
WB. I 405 und das syn. Angemäl. 

Feder-: in den Ohren der im Gebirge weidenden 
Schafe und Ziegen angebrachtes Eigentums- oder 
Hauszeichen, bestehend aus zwei oder mehreren Ein- 
schnitten, welche dem Ohr ein federiges Aussehen 
geben Gl; GSa. ; vgl. WSenn 1871, 297, sowie Fen- 
ster-, Joch-Mal. — Fenster- Pß-ster-: Eigentums- 
zeichen wie das Vor., doch viereckig, anzusehen wie 
eine Fensteröffnung Gl. — Für- = F.-Flamm (s. Bd I 
1196). .Die Feuermäler und andere geringe Fleckmäler 
[an Neugebornen] soll die Hebamme mit dem Geblüt 
aus der Nabelschnur bald bestreichen.' JMuralt 1697. 

Graben-: in einer Grenzangabe. ,Der hirte soll 
farn uf der spanweid unz an das gr.. das man nenuet 
Wärikoms Ort.' XV., ZFlunt. Offn. .Die allment soll 
belyben als die marchstein und grabemal wysent.' ebd. 

Viell. ,£ e graben Mal', d. h. in einen Fels oder Baum 
eingehauenes Greuzzeichen ; vgl. Lach 2 Bd III 998. 

Hag-: Grünhag oder Baumstumpf als Überrest 
eines solchen, sofern sie eine Gütergrenze bedeuten; 
Hecke übh. ApK. ; Syn. Hag-, Lachen-Stock ; vgl. Lach 
Bd III 999. ,Wo in allem unserm land weiden und 
äcker an ainanderen stossend und heg und hagmäler 
entzwüschen sind.' Ap LB. 1409. S. noch Leb- Hag 
Bd II 1070. — Hunds-: wunde Stelle an den Fuss- 
sohlen S. Wer i" de" Hundstage" badet, überchunnt 
gern [leicht] Usschlag oder H.-Möler a" de" Füesse*. 
Schild. — Hunger-: immer grösser werdender flech- 
tenartiger Fleck auf der Gesichtshaut GRh. Er kann 
durch Besegnung vertrieben werden. .So der falk 
oder habich ungestalt flecken, so man die hungermaal 
nennt, am gefider überkummt.' Vogelb. 1557. - Joch-: 
Eigeutumszeichen wie das Feder-Mal, bestehend aus 
einem joch-, d. i. halbkreisförmigen Einschnitt Gl; 
GRObS.; GA., Sa.; Syn. J.-Schnitt; vgl. Bühler IV 69, 
ferner auch Hack, Bick, Halb- Man. — (.'halb-: 
flechtenartiger Ausschlag der Kälber, der sich leicht 
auf den Hirten überträgt GA. 

Lob-: eine Abgabe an den Landesherrn, bestellend 
in einem Quantum Butter und Käse, welche die Vieh- 
besitzer von Ap; GRh. jährlich für die Benutzung der 
Alpen zu entrichten hatten. Was die Richtung zwi- 
schen der Landvogtei im Oberland und der Grafschaft 
Werdenberg vorschreibt von des ,Loubmals' wegen 
zwischen beiden Grafschaften. 1491, Absch. 

Zu Lob 2 (s. Bd III 993). Die vereinzelt d i-tehende 
Schreibung ,Loub-M.' will viell. der landesüblichen Ausspr. 



IM 



Mal. in el . mil. mol, mul 



152 



im ö gerechl werden. Der "J. Teil der Zss. lässt sieh entw. 
uns dem Begriffe von .1/.;/ ; oder aus der nunierativen Bed. iti 
erklären: es ist aber auch denkbar, dass unser Wort wie 
I , 1/ zu Mal II gehöre. Materiell wird die Abgabe ziem- 
lich identisch sein mit den bei Alpen-, Vogel-M. genannten 
Abgaben benachbarter Landesteile. S. noch Planta 1881, 261 : 
Zellw., Urk. No 186. 

Münz-Mäl: Münzstempel. ,Wir sollen ouch die 
münzmal und die g'wicht, die zue der münz gehörent, 
dem münzmeister ynantwürten.' 1373, G Mitt. ,Dass 
ein abt zu St Gallen in der statt die münz, das m. 
und alle gewicht haben soll.' Vau. Vgl. .malen', prä- 
gen, und Blatt-Mann. — Mueter-: wie nhd. Bs; Sch; 
W; Z. Nach dem Volksglauben ist es die Folge davon, 
dass man nach Etw. ein besonderes Gelüste hat W . 
allgemeiner davon, dass die Mutter während der 
Schwangerschaft einmal erschrak oder sich an etwas 
Hässlichem vergaffte. Es kann vertrieben werden, 
wenn man die betreffende Stelle an der entsprechen- 
den eines Leichnams reibt SciiSt. — Nä ch -: das 
nächste Mal BO. — Nüni-: das Mühlenspiel mit 
9 Steinen. Bohnen udgl. Ap; GrPi\; G; Sch; Th; Z; 
Syn. N.-Spü, -Stein, -ziehen, 's N. mache", tue", sühe", 
inGitPr.; Tu nüni-mäle*. ,Daby zuchend sich all syn 
ratschleg uf list und alenfanz; darum ainem jeden wo! 
fürzesechen was, der mit im zue schaffen hatt, so 
listenklich und verborgenlich konnd er das nünd ain 
mal ziechen, bis er zue einer flggmüli [Zwickmühle] 
kam.' Vad. S. noch Zwölfi-Mal und vgl. T. 330 b, 
Gr. \VB. VI 1195. 

Brand-: wie nhd. Dazu die Abi. brand-malen: 
brandmarken, wozu Zwingli das Ptc. .nialgebrcnnt' 
bildet (.ein m-e conscienz'). Freiburg will an Stelle der 
Galeeren strafe .Brandmahlung' und Vereidung treten 
lassen. 1773, Aesch. — Schan w - = Mal 1b; s. Mal- 
Gelt Bd 11 255. — Streich- = Mal 1 d, von Streichen. 
,Sy sind onversehenlich in ir ang'sicht g'schlagen 
worden, dass sy bluotruns worden und die blawen 
streichmal harheim gebracht [haben |.' 1529. Absch. 
— Zitter-: Schwindmal Aa; VO; Z. Syn. Schind- 
Ih ,1,1,1- (s. Bd II 1190). Die Entstehung der .Zitter- 
Mäler' wird der Fledermaus, bzw. ihrem Harn, zu- 
geschrieben, und sie werden geheilt, indem man sie 
mit Tinte oder mit einem , Lutzer-Schilling' reibt Z. 
,Die beulen, z. [usw.].' 1531/48, III. Mos. ; dafür .Ge- 
schwulst, Geschwür [usw.].' 1607. .Reiniget die haut, 
zittermäler, umb sich fressende raud und andere der- 
gleichen presten.' Vooelb. 1557. .Liehen, impetigo, 
mentagra, z., der mager, böse, kleine, umfressende 
oder spitzige raud, ausschlecht des kinnes. - Fris. ; 
Mal. ,Das Lörlibad soll heilen: Zitter mähler, Hitz- 
bläterlein usw.' 1697, Troll. ,Wie nun ein kleines 
Flecklein im Aug einen Menschen mehr entgastet als 
ein grosses Z. am Arm oder anderswo.' Mise. Tig. 1722. 
S. auch Antonius-Für Bd 1 944, Schicind-Flecken Bd I 
1190. — Zwölfi-: das Mühlenspiel mit 12 Steinen 
Ar; Z. Syn. Zw.-Spil. .In quibus nulli calculi, aut 
tesserae, sed lapillulis duntaxat aut virgulis minuatim 
concisis colluderent. Quos ludos vocant duodeeim 
scruporum zwelfte Maal, novem scruporum nunte 
Maal.' Goldast (Glosse zu .nudis tahulis'). 

mäle°I, Ptc. g'mäle* S ; Z (selten), sonst g'malet : 
1. wie nhd., mit Farbe bestreichen, färben, verzieren; 
bildlich darstellen, allg. Syn. färben. Dir g'malete' 
[ geschmückten J Franc". Kuhn, Volksl. Das g'malet 



ichöneri ffemli [mit farbigen Stickereien verzierte 
Uberhemd|. Ow Älplergedicht. Einem allzu wähleri- 
schen Junggesellen gibt man den Rat: Wenn der 
Keini g'fallt, s, muest-drr Fun m. Sch; Z. Me* wird 
der dann iDjijiis) m., ironische Abfertigung, wenn man 
Jmds Wunsch als unerfüllbar bezeichnen will Tu: Z. 
Syn. chüechlen. Me" wird dir 's m., sagt man von 
Einem, der Andern immer vorschwatzt, wie er etwas 
in die Augen Fallendes ausführen wolle Bs (Spreng); 
vgl. glgen. Xit (/malet, nicht einmal in bildlicher 
Darstellung. Ausdruck starken Abscheus B; S; Z. Da 
heuert i eh nit g'malet z' sl". F' 1 macht :a dem Nest 
iis, wo-n-i'" nit g'molet, g'schwige" de" töd macht si*. 
Schild. Wie g'malet, gleichs. von idealer Schönheit 
Bs; VO; Sch; Th; Z. Si ist wie e" G'mol, me* chönnt 
si hm! schöner m. Ar: Tu; Z. Dim. mölele", kleinlich 
malen, zierlich und langsam schreiben Z (verächtlich). 
.Wer aber fassen, molen, vergulden will, die [gehören 
zur Zunft] zum himmel.' 1463, Ochs. ,7 rinder, gar 
feiss und hüpsch, als wärend s' g'malt von farw und 
von aller glidmäss.' Rcef 1540. .[Zum Einlegen der 
Stimmzettel] soll man ein anzal büchsen machen, ge- 
füeger grosse, schwarz gemalet.' 1594, Seg.. KU. 
.Solche Tyranney, solcher Jammer, dass es gemahlet 
stehen möchte am Himmel.' FWvss 1672; vgl. Bd II 
1291. ,W r elcher Zeichen im Rathus machen würde, 
gemahlet oder eingeschnitten, es seige an Muren. 
Wänden oder Tischen.' GrD. LB. .Verdienen diese 
Umstände nicht ein wenig Mitleiden V Möchte dieses 
nicht Alles in dem innern Bleicherweg — der Pöbel 
nennt diesen Ort noch Saumarkt — gemalet stehen? - 
1762. HsLeu. .Gemalte Halstücher von Gaze.' 1772, 
Z luv. S. noch Land Bd 111 1299. — 2. (Münzen) 
prägen; vgl. Mal-Isen Bd I 542; Bs XIV. S7 ; Ochs 
II 1, 397. .Man soll die phenninge versuechen. e dass 
man si malet.' 1377. Absch. ,So die münzen usbereit 
sint und man sy in. und bilden soll.' 1425, <1l Urk. 
.Wird das gelt nach vorgeschribner Ordnung gerecht 
lunden. so stillent das die versuecher heissen zeichnen 
und m.' 1425. Absch. — 3. täglich nur noch ein Mal 
melken Gr; Z; vgl. üher-m. Fr tuud |die vor dem 
Kalben stehende Kuh] noch m. 

Mhd. mahn, wesentlich in Bed. 1 (auch i. S. v.: schrei- 
ben, auf-, verzeichnen). Die ineisten MAA. vermögen unser 
W. von malen II (mit sekundärer Länge oder mit Kürze des 
Voc.) durch den nach o neigenden Voc. zu unterscheiden. 
Das st. Ptc. auch 1605/66, B Kunstmuseum (neben ,ge- 
malet.' 1578); , ein gemahlener Wappenschild.' Stadiin 1824. 
— 3 ist abgeleitet von Mal 4. 

ab-: abbilden, porträtieren, nachzeichnen Bs;„VO;" 
Th; Z. Syn. ab-rissen. .Diese ungeheure Traube 
werde abgemolet und in die Chronegg getan.' Stutz 
1853. ,Ouch heisst nit ein ledlich ding dem nach, ab 
dem es abg'malet ist; dann sust war ein g'malter 
mensch ouch ein mensch.' Zwingli. ,Es ist uns zwar 
kein Ehr vor den Frömden, wann wir uns selbs mit 
so hässlichen Farben a.' JMüll. 1665. — über- (un- 
trennbar): 1. mit Farbe überstreichen, beschmutzen. 
Narre'händ übernwle'd Türe", Tisch, Bank und Wand. 
Sulger. — 2. (in ZZoll. -(?-) eine in (regelmässigen) 
Zwischenräumen wiederkehrende Tätigkeit einmal aus- 
setzen „VO. ;" Gl. „I^will's ü. für ie:. u Eine Kuh 
ü., = malen 3 Aa; BoE.; Gl; „LB.;" Z. Ir hättid die 
Cime im' tolle" früener iL, dünn hiilt si na ch ■'cm ('hal- 
bere" nie Milch g'ge*. Im weitern S. auch: nur noch 



153 



Mal. mel mil, mol, nml 



IM 



leitweise melken, was •/. B. unmittelbar vor dem Kalben 

nur noch je den '-'.. dann den 3. Tag geschieht, bis 
man ganz damit aufhört ZZoll.; vgl. er-galten Bd II 
287, er-gusten Bd II 493. — a n -: 1. mit einem An- 
strich versehen, (be)malen I!.s: Th; /. A*g'mölet rot 

nml hin. Sittz. .Diese Geschichte war an dem Zeit- 
glockenturm angemalet.' 1! Hist. Kai. 1845. S. noch 
Naeht-Hafm Bd II 1015 und vgl. anfärben Bd I 990. 

— 2. Jmdn anschwärzen Aa; Bs; B; VÜ; S. Jmdn 
betrügen Aa ; vgl. anschmiere». 

Maler I m., PI. Moler BM., sonst unver.: wie 
nlid. Syn. Ab-risser. Wenn sich die Trauben ent- 
färben, sagt man: ,der M. geht herum.' Sprww. 1824. 
Auch Geschlechtsn. ScuwE. f; Z. 

Pass-: Maler, welcher in den Kirchen die Be- 
malung und Vergoldung der Fensterrahmen, der ge- 
schnitzten Figuren usw. besorgt VO. — S. /<«*.« 4. 

„Ginggeli-: schlechter Maler L; Ndw." — Vgl. 
Ginggel I 3 (Bd II 365). 

Blähe"-: wer Wagendecken mit Firniss und Öl- 
farbe bemalt Ar. — Brief-: Illuminist. Steindruck- 
oder Kupferstichausmaler. XVI./XVII1. .Brief- und 
tuechinaler.' 1594. Z. Vgl. Schm.-Fr. I 351. - „Sele"-: 
Portraitraaler Z (Bauernspr.)." — Tüfeli-: spöttische 
Benennung der Maler, welche die symbolischen und 
historischen Figuren malten, mit denen man die Frei- 
heitsbäume zierte; vgl. ZWthur Neuj. St. 1886, 21. 

malere" I: malen. .Da ich dem maier das duech 
wollte bringen, da.ss er mir die figur dar ane malere.' 
XV., Lüt., Sagen. 

Mali (in B0. Mali, in ApUrn.; Tu; '/, Moli) — f. 
= Mal 3 Ar; Gf; ZO. M. abstriche*. ,Es ist die 
Möble eine die Farbe des Zettels zerstörende flüssige 
Ingredienz.' HDolder 1851. 

nie-mälig Gl. -mali" G: niemals vorkommend, 
in dem Vexierversprechen (vgl. Lärheim-Gängeli Bd II 
347): I°* gib dir was? Was ist denn Das? E* silberis 
1 1 r art-e'- Wili, e* goldis Nüteli in-eme" niemölene* Büchsli 
G (e" goldigs Nüteli im-ene" niemalige* Bäteli Gl). 

G'mäl, bzw. G'möl (in GuHe.. L„ ObS., Pr., Rh. 
G'möli) — n., PI. G'mäler Aa; Bs; S, Dim. G'mältji 
GrD.: 1. = Mäl2 Aa; Bs; VO; Gr; PAL; G; S; Th; 
Z. in AApri.; Bs mit verächtlicher Nbbed. : geringes 
Gemälde, schlechtes Bild, Karikatur. Als Dim.. Bild- 
chen, Buchzeichen GrD., He. Synn. s. Ili (Bd 1 179). 
Mit Bluemen und G'mälen üsstaffiere*. Usteri. Ja, 
Das gab emmig a»** es G'mol! sagt mit Stolz eine 
Mutter, deren Sohn porträtiert werden sollte. Stutz. 
Wie-n-es G'm., von fleckenloser Schönheit ; vgl. malen 1. 
G'möli g'schaue", Bilderbücher besehen Gr; vgl. G'mäli- 
Buech. Von einem hässliehen, unangenehmen Men- 
schen heisst es: De r gab au ch ne" G'm. i" [in den] 
Kalender ine"! AAZein. Auch von tätowierter Zeich- 
nung: Z'letzt ehunnt no ch üs im Dorf, er heig allerlei 
fürjjt'möler inwendig uf den Arme" und uf ''em Herz 
[Brust], 's sig so blau wie rifi Zwetschge". BWvss. 
,l)ass kein buochtrucker einich buoch noch g'mäl zue 
drucken underston [solle].' 1526, Absch. .Das gemäl 
was me von färben, dann von der hand oder der kunst 
guet.' Vad. ,Ir schnabel. als das gemäl [der dazu ge- 
hörige Holzschnitt] anzeigt, ist schwarz.' Vogelb. 1557. 
,Mit Gemahlen oder Bildwerken.' 1566/1641, Helv. 
Conf. .Graphice, pictura, ein gemäl.' Fris. ; Mal. ,An 
den Sonn- und Fyrtagen [soll] Niemand Lieder, G'mäl 



usw. feil haben.- Z Mand. 1650; vgl. Buech-Füerer 
Bd I 948. .i atagraphe, das Abreissen eines Gemahls.' 

Denzl. 1677; 1716. .Mit künstlichen Gemahlen oh 
den Altären.' 1676. Reisebeschr. ,T)ie Bawherren wer- 
den N. N., dem Flachmaler, anbefehlen, dass er in 
einem in die Ratsstuben verordneten Gemahlen das 
jüngst Gottesgericht mahlen solle.' 1678, S Ratsprot. 
.In gewaltigen Kupferstichen oder Gemahlen das rö- 
mische Vatican fürgebildet.' ClSchob. 1695. 1703 be- 
schloss der Rat, dieses Gemälde renovieren zu lassen, 
, sofern man die Lüt findet, die den Bestich machen 
und ein wahrhaftes Gemahl machen können.' Liebenad. 
— 2. = Mal 3 LG. Bots G'm. — 3. (Scheltw.) Lümmel, 
schlechter Mensch GrHc.. Fr. Mir wend nit zu denn 
laidq G'möli g'höra. 

Ab-G. , Wesenlich abgemäl, icon.' Mal. Kes A., 
formelhaft = gar Nichts Gl. Er het kes A. g'sait. — 
A"-: Narbe; Zeichen, Spur Gl; GWe. I' h ha" mi c '' 
am Finger g'haue", aber mi g'siht kes A. mi [mehr]. 
Vgl. das syn. Anmal. — ,Vor-: adumbratio.' Mal. 

möle": in die Kette eines Gewebes Mali zeichnen 
Z; vgl. HDolder 1851, 19. - Unmittelbar von Meli ab- 
geleitet. 

mäli ch : in der steigernden Formel tägli eh und 
»!., jeden Tag und jedes Mal Gl. ,Wie dass ir täg- 
lichen und mellichen üwer potschaft in dem Ryntal 
neigend.' 1530, Strickl. 

mälig, mältig, in den Zss. ei"-, zwei-, dri-, vier-i 
Milch, in der letzten, bzw. zweit-, dritt- oder viert- 
letzten Melkzeit gewonnene Milch Ndw. — blau"-: 
mit blauen .Malen', von Schlägen, bedeckt; vgl. Mal 1 d. 
.[Ihr habet] die unsern geschlagen, bluetruns und bl. 
heinigeschickt.' 1529, Absch. — da-: damalig. ,Do- 
möliger Pfarherr.' um 1640, ZZoll. Taufb. — den-: 
gegenwärtig. ,Nach Beschaffenheit den-mähliger Läu- 
fen und Zeiten.' 1655. Hiltv. 

Mal II n., PI. Maler, Dim. in BO. ; Gtttw.; Lf; 
Uw Mälti, sonst Mali, bzw. Moli: 1. im Allg. wie 
nhd.. Mahlzeit, allg. Alli vier Moli, Morien-, Mittag-, 
Abend- und Nachtessen BBe. Die //'schwinde" [un- 
vorhergesehenen, rasch zubereiteten] Möli sind die 
beste", Antwort auf die Entschuldigung der Gastgeber 
bei unerwarteten Besuchen oder auch Ermunterung, 
rasch zuzugreifen, sich eine gute Gelegenheit nicht 
entgehen zulassen Z; aber auch ebd.: Die g 'schwinde* 
Möli sind nie guet (nie die beste"), 's Jar ist längs 
und der Male" ist mängs, het Christe" am Neujar (/'seit, 
wann er nit het welle" ril brüche" BO.; Sprww. 1869; 
= es sind der Tage" vili und der Mala no ch mereri W. 
Z' Male" (um), bei den Mahlzeiten (z. B. anzutreffen 
sein). Er isst nid ril :' Male*, er isst de für nie :n ii- 
schen i"e" Aa; ZO. Eine Mutter ermahnt ihre Kinder, 
sie müssten z' Male* Wis essen, also nicht zwischen 
hinein L. Under Mole", zwischen den Mahlzeiten Aa. 
Keis Mälti esse" chönne" öni Schmerze", z. B. bei Zahn- 
weh BHa. D's 71/. ha", Mahlzeit halten FO. ; vgl. 
Dial. 306 (Übersetzung von Lucas XV 24). Ei"'m 's 
Möli abe'tue", Jmdm heftige Vorwürfe machen, eig. : 
ihm eine tüchtige Portion zu Teil werden lassen Z; 
Syn. Melw. .Man funde noch so verwegen lüt, die 
sich für seelon oder geister dörftend usgeben, allein 
dass sy under disein sehyn ir maal möchtind besseren 
[dabei gern ihren Vorteil suchen möchten].' LLav. 
1569. Die Verabreichung eines Mahls ist in alten 



155 



Mal. mcl. mil. inol. imil 



156 



I.Vchtsbestininiungen vielfach geregelt; ein Anrecht 
darauf hatte der Bauer nach gewissen Frondiensten, 

■ ler grnndherrliche Beamte, wenn er Gericht hielt usw. 
.Als dann bishar die, so vech gehebt, dem gottshus 
alle jar ain fuoder mist geben müessen, damit ist ain 

hof beschwert, und vermaint, den i'ürhin nit schuldig 
ze syn, man gab inen dann das m.' 1525, Absch. 
.Darum soll der vogt dem weibel das m. geben.' XIV. 
bis XVII., ZBass. Offn. 8. noch Fueter Bd I 113Ö und 
vgl. dazu noch Geschfo. Ges. XV 3(1. .Das M. zu 
geben', d. h. warme Speisen auftischen zu dürfen, war 
Vorrecht einer Klasse von Wirten (der heutigen Speise- 
wirte); vgl. Ochs II 154 und s. Gastwng Bd II 243. 
.Die wirte sollen den armen, so nur einer supper oder 
brüen begeren, gleich so wol als denen, so das m. 
essen, geben und auch beherbergen.' 1586, SchwE. 
Klosterarch. .Die Gast- und Tavernenwirten sollen 
den Gesten Dasjenig, so sie begerend, es sye. dass sy 
das Pfennwert nöminen [nach eigener Wahl bestellen] 
oder in 's Mahl sitzen [an dem gemeinsamen .Mahl 
teilnehmen] wöllind, nit abschlachen.' B Mand. 1628. 
.Gesatztes Mal', .Mahlzeit nach Bestellung, zu be- 
stimmter Zeit, nach .Satz- und Ordnung.' .Der Vicar 
zu Baden müsse dem Orglentreter im Jar 2 Mal uf 
die 4 Hoehzytteg allwegen 2 g'satzti Möler geben.' 
1565, A*Wett. Klosterarch. Die Wirte dürfen bis auf 
weitere Verfügung für ein .gesatzt M.' 8 ß beziehen. 
1575. Absch. .Ein recht g'satzt mahl 2 ß.' 1400, ECvs. 
.Köstliche und überflüssige Mählere.' Bs Polizeiordn. 
1715. Im Ganzen in der Umgangsspr. wenig üblich 
(dafür Esse"); meist mit dem Nbbegr. «ler Festlichkeit 
oder der Gemütlichkeit; Letzteres bes. für die Dim.- 
Form (welche dem Volksmunde allerdings geläufig ist). 
Es gät zue wie amene" 31. VO; G; Z. Von schönen 
Aussichtspunkten wendet man die RA. an; Do g'seht 
wen über mänrjs guets 3101 i (und über »taug* ChrüzJ 
ine; «L; Z. .Damit der vater syn möli teglich er- 
bessern mög.' 1552, MEsterm.. Puck. ,lmpensis coe- 
naruni suffragia plebis venari. mit ausgeben gueter 
mälinen den gunst und huld des volks überkommen 
und erlangen. Orare veniam dapibus, betten, dass 
man verguot habe an einem schlechten [einfachen] 
male. Das male, schlechts male, coenula.' Fris.; Mal. 
.Zue einem bescheidenlichen Mähli laden.' Z Mand. 
1636. .Man muss die Mählin teilen, nicht Alles auf 
einmal verzehren.' Mey., Hort. 1602. Spec. a) die 
Hauptmahlzeit in den Klöstern; vgl. Gfd XI 98; XXV 
142; ferner das Syn. Imbiss Bd I 236. — b) Suppe 
PAger; Syn. Ghuchi. — c) nur Dim., ein solches Quan- 
tum von einer Speise, als zu je einer Mahlzeit, einem 
Gerichte erforderlich ist. Es Möli Herdöpfel üstue" 
G; Schw; Z; vgl. Stutz VI 34. Es Mali Bönen ab- 
ijivtunitf [pflücken]. Du wirst aw* bald es Möli ha", 
iron.: du wirst das Nötige kaum zsbringen. wirst 
deinen Zweck wohl nicht erreichen Z. Es Möli, Mälti 
Milch, so viel, als man zur Sättigung einer Haus- 
haltung oder seiner selbst bedarf Ap; Schw; Uw; Z. 

- Übertr. auf Lustbarkeit, Vergnügen übh.; Gewinn. 
Der N. hat keis Möli, trenn er di ch scho" überchunnt 
[zur Frau bekommt] SchwE. (vgl. das syn. Fressen 
Bd 1 1324). Vgl.: .Wie muess Abram die gueten mal, 
mit Agar g'hebt in disem fal, so hert büessen!' Ha- 
merer 1562. — 2. ein Flächenmass von 250 — 400 
Quadratklftm oder '/s — '/» Jucharten, je nachdem es 
sich auf Weinberge oder Äcker bezieht; vgl. Gr Samml. 



1779, 41; 1780, 323; 1809, 197 f. .Ein neues Feldmal 
enthält 400 und ein altes 300 Klftr zu 7 Schuhe 
GftChur. So viel Ackerfeld, als man in drei Stunden 
pflügen kann, ebd." ,Uf einem acker sind es zwei mal.' 
1464, GSa. (Senn). .Ein in. ackers', = eine Drittels- 
Juchart. Äg.Tsobudi, .Mise. hist. 

Der ä. PI. .Maler' und der jüngere ,Mal e ' zuweilen bei 
dem selben Schriftsteller, z.B. bei LLav. l.'.s-_>. in l i> hat 
sich der Bcgritf auf den Hauptbestandteil bäuerlichen Mahles 
eingeschränkt. Zu 1 vgl. noch Anm. zu Hirte* Bd II 164'j. 
•2 ist wohl nur verk. aus den Synn. Imbine-, Mitt-M. 

Eier-Mäl s. Eier-laufen Bd III 1127 und vgl. 
Gotth. VII 134, Hofst. II 136. 

Abe n d-, Abig-: 1. Abendessen PA1. — 2. das h. 
Abendmahl, ref. Schweiz; Syn. Nacht- 31. I ch we"tt 
's heilig O. druf ne", Beteurung ScHSt. 

Die Formel unter '2 appelliert eig. an ein Gottesurteil 
(der hl. Bissen soll im Munde stecken bleiben, wenn die 
Unwahrheit geredet wurde) oder bezieht sieh auf die Sitte. 
der Eidleistung den Genuss des A. vorangehen zu lassen. 

Augsten-: aus dem Ertrag einer alten Stiftung 
jährlieh an Hilfsbedürftige abgegebene Spende von 
Lebensmitteln Schw; vgl. Steinauer I 58. — Alpe"-: 
.Mahlzeit aus Alpprodukten'; Name einer Abgabe an 
den Landesherrn, bestehend in so viel Butter und 
Käse, als man aus der in einem Tage auf der Alp 
gewonnenen Milch bereiten konnte. 1436. Müller, 
SchwG. III 488 (fürGT.); vgl. Vogel-3L. Tag-Mulchen. 

Amm-Möli: Mahlzeit, bei der man sich gütlich 
tut L f. — Wohl verstümmelt aus Ammann-M.; s. Amm- 
Mann ~. 

Heb- Amme"-: Festlichkeit der Frauen nach der 
Wahl einer Hebamme TuHw.; ZO.;Jvgl. Wiber-TrunJc . 
ferner Bd I 212. — Eimer-. ,Die sinner gend an das 
e. 1 pfd hlr.' um 1400, THÜiess. Stadtr. 

Imbiss-: 1. wesentlich = Imbiss 2 (s. Bd I 236). 
,Der Prior hat einen neuen Brauch angefangen, indem 
er des Gotteshauses Zins- und Trottenleuten auf St 
Laurenzentag ein Imbissmahl gegeben.' 1533, Absch. 
Hierauf werden die Gesandten auf der Zunft zum 
Saffran mit einem gar köstlichen .Imbismahl tractiert.' 
1586, ebd. Auch sonst häufig im XVI.; s. noch uf- 
haben Bd II 894. — 2. so viel Ackerland, als man 
bis zum , Imbiss', d. h. in einem halben Tage, pflügen 
kann, ungefähr 600 Quadratklftr GrPi\ Vgl. .Morgen.' 
,Man säet auf ein sog. Immismahl etwa 12 Quartanen 
Gerste.' Gr Sammler 1805. — Zu 2. St. gibt mit Bez. 
auf B, wohl durch ein Schreibverseheu, 60 Klftr an. 

Eren-: Ehrengastmahl. XVI./XVII. ,Wir habend in 
kinderen Jobs ein beispil eins eren- und fröudenmals.' 
LLav. 1582. — Oranie"- Mali: ein zu Ehren des 
fürstlichen Hauses Nassau-Oranien alljährlich in Bs 
gehaltenes Festmahl, dessen Kosten aus den Zinsen 
einer Stiftung bestritten wurden, die a. 1764 ein aus 
holländischen Diensten zurückkehrender Offizier ge- 
macht hatte; vgl. Ochs VII 633. — Ürten-Mäl = 
Orten 3 (s. Bd 1 490/1). .Deswegen man gar selten on 
feldhüener in den gueten Wirtshäusern das irtenniahl 
nimmt.' 1595, ThPlatt. — Vogel-: „so viel Milch, 
als am Milchprüfungstage gemolken wird GSa. f " ; 
Syn. 31al-3Iilch. Das Selbe, was Alpen- Mal, als Ab- 
gabe an den Landesherrn Gr; GSa. .Dem Grafen ge- 
bührt von den Alpen das V., von jedem Kessel so viel, 
als man eines Tages macht.' 1462, Planta 1881, 300; 
vgl. Absch. VIII 421. .Die Leute im Oberland ver- 



157 



Hai, niel. tili 1. inol. mul 



K,> 



hingen vom Vogt, dass er ihnen die Bären verjage 
und [wollen ihm] darum das V. geben.' 1504, Absch. 
,Da unsere Herren in jedem Senntuin im Sarganser- 
land ein V.. nämlich einen Tag Milch jahrlich haben, 
so begehren die Landleute, dass man ihnen dafür alle 
wilden Tiere vertilge.' 1526, ebd. ,Des v-s halben ist 
gesetzt also: wo ein herr darum gegen den synen briet 
und sigel hat, sollen sy das hinfür wie von alter her 
ze geben schuldig syn.' ebd. ,Das v. hat pracht [ein- 
gebracht] 160 mass.' 1531, Strickl. .Das v. hat uf 
diss jar an anken pracht 162 mass, an käs 90 wert- 
käs.' 1533, ebd. 

Die Abgabe bezieht sich auf das Recht des Laudesherrn, 
wenn er in die Landschaft kam, von den Untertauen nicht 
nur ein Mahl für sich und seine Begleiter, sondern auch 
Futter für die Jagdhunde und Jagdfalken (vgl. Habirh Bd II 
936/7} zu verlangen. Diese Abgabe wurde dann in den alpinen 
Gegenden von Gr und im GO. als Grundlast auf die Alp- 
weiden gelegt und 1787 in eine Geldabgabe von 16 Krzrn 
vom Stück Vieh umgewandelt. Nur noch undeutlich schim- 
mert die urspr. Bed. durch in der Gegenverptlichtung des 
Landesherm, einen Jäger und einen Hund zu halten, um 
die wilden Tiere im Lande unschädlich zu machen ; vgl. noch 
AI.-, h. IV 1 a. 30'2; VII I, 1335; VIII 425; Planta 1881, 
314. Iu der von St. angegebenen Bed. ist vollends nur 
noch das Mass geblieben, das einst als Grundlage für die 
Berechnung der Abgabe diente. Vgl. noch Sperber-M., Tag- 
Mulchcu. 

Landvogt-: Mahl, das man dem Landvogt der 
Herrschaft Thurgau bereit halten musste, wenn er 
die Huldigung entgegennahm; so lt G Neuj. 1884, 9 
in THBürglen. — Gefangnen-: Mahl, das der Land- 
vogt von ZGrün. den Untersuchungsgefangenen auf 
Rechnung der Herrschaft Zürich gab. XVI., Amtsrechn. 
ZGrün. (stehender Ausgabeposten). — Fir-. .Die hand- 
werchslüt sollen an fyrmalen fyraben haben, wie einer 
ouch uf dem feld haben muess.' 1558, Obw Rq. - 
Vor-, zsgz. Vormd = Vor-Azi (s. Bd I 626) Ap; G; 
Th. Z' V. esse". Auch: Trunk etwa eine Stunde vor 
dem Nachtessen G uT. Vormahlzeit, die man an länd- 
lichen Hochzeiten den Gästen am Morgen vor der 
Einsegnung bereit hält L (lt CPfyffer 1850, 312); Syn. 
Morgen-Suppen. .Nachdem eine tüchtige Suppe zum 
V. eingenommen ist.' Pfvffer. - Uffarts-: Schmaus 
des Flurgerichts am Himmelfahrtstage Bs f. — Visi- 
taz-: Mahl, das der Pfarrer dem amtlich bestellten 
Visitator (vgl. Bd I 1080) zu geben verpflichtet war 
AaL.; der Bat gab daran 5 fl., sowie 2 Kannen La 
Cöte; vgl. JMüller 1867, 156. — Fisch-: Mahl, an 
welchem Fische (wahrsch. Lachse; vgl. Letzt- M.) das 
Hauptgericht bildeten. Einem Zuchtmeister wird ver- 
gütet für 4 Fischmäler 24 Krzr. XVIII., Sch Ämterb. 
— Freud-: Kindtaufschmaus Gl. — Fron-: Fest- 
mahl zu Ehren eines Fürsten. .[Nach der Krönung] 
der küng uf das rathus g'füert was in ainen kostlichen 
sal. Da hielt man nun das fr. mit unsäglichem prang.' 
Vau. — Gant-Möli: Schmaus, den man nach einer 
Versteigerung, bes. von Liegenschaften, abhält Ap; 
ZO. — Gisel-Mäl: Mahl im Einlager, auf Kosten 
des Glsels (s. Bd I 467/8). XIV./XVL; vgl. Troll VI 
212; Arg. IV 233. — Gläris- s. Bd U 642. .Das 
guot ist eigen unz etwas an das gl. - 1420, Arg. — 
Gräube" 1 -, Grübe"-: Mahlzeit am zweiten Abend 
nach dem Schlachten eines Schweines fürs Haus, zu 
der ausser den Nachbarn auch Verwandte eingeladen 
und bei der in erster Linie Gräuben (s. Bd II 686) auf- 



getischt werden GRÜbS., Sa. ; vgl. Metzgi-, Wurst-M. 
- Grueber-Mäli: Schlussmahlzeit nach dem .Grue- 
ben' (s. Bd II 696) ZS. Vgl. Chrä-Hanen. - Sräbt- 

Mäl = Gräbt 2 (s. Bd II 698) B; S; Syn. Liehen-, 
Toten-M. A. 1611 erlässt der Landrat von Xmv Ver- 
ordnungen über die ,Gr.-Mähler' und Hochzeiten. 
.Zuglyeh sollend verbotten syn die unnotwendigen 
Greb(d)nussmähler (Begräbdmähler) und dass man 
deren weder in eignen noch offnen Hüseren halten 
siille.' B Mand. 1628/67. S. noch Schild III 83 ff.; 
Glutz-Hartmann 1879, 15/6. — Griff e"-Mäli: von 
den drei Ehrengesellschaften von Klein-Basel jeweils 
im Januar veranstaltetes Fest. Mittags 12 Uhr an 
dem festgesetzten Tage kommt der .wilde Mann' den 
Rhein heruntergefahren und wird heim Gesellschafts- 
haus von seinen Genossen .Greift"' (s. Bd II 709) und 
,Löwe' empfangen; darauf begeben sich die drei 
.Wappentiere' auf die alte Rheinbrücke bis zum Käp- 
pelijoch, der ehemaligen Grenze zwischen Gross- und 
Klein-Basel, wo sie einen höchst primitiven Tanz auf- 
führen. Nach dem darauf folgenden Mahle halten die 
drei .Ehrenzeichen' einen Umzug durch die .Kleine 
Stadt.' S. noch Bs Taschenb. 1884, 248, Uelerich Bd I 
183. — Groppen-Mäl: Mahlzeit, an der hauptsäch- 
lich Groppen (s. Bd II 788/9) aufgetischt werden. 
.N. N. behauptet, dass die Fischenzen in der Aare bei 
Döttingen stets dem Bischof gehört haben, da die 
Fischer schuldig seien, dem Vogt die Fische zu brin- 
gen, und da der Vogt jährlich mit grossen Kosten ein 
Mahl, Gr. genannt, halten müsse. - 1586, Absch. .Der 
Vogt zu Wangen haltet noch jährlich das Hofgericht 
zu Subingen und darauf ein Mahlzeit, das Gr. ge- 
nannt.' Fr. Haffner 1666. ,Das Hofgericht oder ge- 
meinlich das Gr. genannt.' ebd. — Hebel-: alljähr- 
lich unter Leitung der Basler historischen Gesellschaft 
zu Hausen im Wiesental abgehaltene Gedächtnissfeier 
zu Ehren JPHebels. — Holz-: Mahlzeit, die nach 
Schluss des Holzschlags in der Corporationswaldung 
den Holzhauern im Pfarrhaus gegeben wurde und an 
der auch die Dorfvorsteher Teil nahmen ZDüb. 

Hüener-: jährliches Festmahl in ZWthur, an 
welchem die Nachkommen der altadeligen Geschlechter 
in und um die Stadt, ferner die Stadträte und die 
Pfarrer von Wülfiingen, Pfungen und Hettlingen Teil 
nahmen, und zu dem vormals der Landvogt auf Kyburg 
einige Hühner beizusteuern hatte; vgl. Troll III 104/5; 
Leu. Lex. XIX 501; Garn Bd H 420. .Am H. zu 
Winterthur, da man g'rad den Prosynodum gehalten.' 
1696, Z Syn.-Mscr. .Hüenermäler veranstaltete auch 
der Staat Luzern als Gerichtsherr seit dem XV. t. auf 
dem Rathause, t. auf den Zunftstuben aus den Herbst- 
hühnern; doch wurden sie in der Mitte des XVII. als 
zu kostspielig abgeschafft; vgl. Liebenau 1881, 206. 

Das Wthurer H. gieng hervor aus dem Mahl, das der 
Landvogt auf Kyburg zunächst aus den Zinshühnern bereiten 
Hess und zu dem er die Honoratioren der Nachbarschaft einlud. 

Henker-: 1. wie nhd.; dann übh. ein reichliches 
Mahl Sch; Z. D's H. ge". reichlich abfüttern W (auch 
vom Vieh). Vgl. Fr., Ztschr. VII 297; henken Bd II 
1457. — 2. bei Bauersleuten eine aussergewöhnliche 
Fleischmahlzeit, die sie sich gestatten, wenn sie das 
Fleisch eines ins Haus geschlachteten Schweines aus 
der Salzbeize nehmen, um es in den Rauch zu hängen 
ZPfäff., S. — 2 bezieht sich auf das Aufhängen (henke") des 
Fleisches, lehnt sich aber in der Form scherzh. Weise an 1 an. 



159 



Mal. mel, mil, innl. nmt 



IriO 



Herron-Mal: Mahlzeit, die der Vogt aufSchloss 
Grüningen den Abgesandten <ler Herrschaft Zürich, 

den Pflegern. Amtleuten, Vögten, Richtern usw. bot; 
solche ,H. - verrechnete er dann als stehende Ausgabe 
in seinen jährlichen Amtsrechnungen. — Herbst-: 
Mahlzeit, die der .Rebniann' am Schluss der Jahres- 
arbeit von dem Eigentümer der Reben erhielt. ,Für 
das H. 1 Mass Wein, '/« P>'°t un( l 1 PM Rindfleisch.' 
1696, Sch Rebbüchli. — Judas-: Festmahl am Grün- 
donnerstag Abend LRick.f Wer zuerst in die Schüssel 
mit dem Hauptgericht langte, wurde Judis geheissen, 
wer es nach ihm tat, Malchin. — St Johannes-: 
Festmahl nach Weihnachten Ap; vgl. Ap Geschichten 
und Sagen S. 71. — Jars-: alljährlicher Festsehmaus 
auf den Zünften. .Als etliche Male bei Jahrsmälern 
so grosse Kosten ergangen sind, soll man fortan 8 
oder 14 Tage vorher ein Bott [gebotene Zskunft] 
halten und beraten, was der Oberstubenmeister ein- 
kaufen solle.' 16U2, Geering (Bs). — Chueche"- 
Möli: Mahlzeit beim ersten Patengeschenk am Neu- 
jahrstag, zu der die Paten grosse, gebackene Ringe 
(Kuchen) mitbringen S (Schild). Het Eine'' g'rad es 
Ch., he im, an chömme" d' Chnabe" z' Chilt, cho" singe', 
essen und chu" trinke". Schild. Bi-n-üs uf-em Land 
nimmt wie" 's justement nit so g'nau, gab Eis [ein Kind] 
me am Tisch oder nit, gab es Ch. me oder weniger, 
wenn 's Gottsu-ill isch. ebd. — Kan z listen - Mal. 
,Ich holete [meine Braut] ab an unser K.' 1663, Z 
Taschenb. — Chäs-: Schmaus bei der Verteilung des 
Gewinns einer Gesellschaftskäserei B; vgl. Gotth. XX, 
Kap. 17 ,die Abteiltig.' .Unser Amtleuten und Bur- 
geren Hochzeit-, Zehnd-, Käs- und andere Mähler.' B 
Mand. 1661. — Chaste"-: Mahlzeit bei Anlass der 
Rechnungsablegung des Klosterverwalters Ndw. — 
Klause"-: jährliches Fest der Schiffleute auf dem 
Vierwaldstättersee zu Ehren des Schutzpatrons St Ni- 
kolaus; vgl. ab-buren ßd III 447. — Knechten-: 
Mahlzeit der Knechte im Schloss Grüningen; sofern 
daran die Tagelöhner Teil nahmen, wurden die betr. 
Auslagen regelmässig unter dem Titel ,Kn.' in den 
Amtsrechnungen aufgeführt. — Chrom-: von einem 
Verein oder einem Privatmann veranstaltete Mahlzeit, 
von welcher jeder Teilnehmer einen Teil der Über- 
reste [als Chram] mit nach Hause nehmen durfte GStdt. 
Es wurde zum Voraus angezeigt, ob es eine Kröm- 
oder eine gewöhnliche Mahlzeit sein werde. .Unsere 
Mahlzeit war eine Krömmahlzeit. Wir niussten sie 
so um unserer Frauen und Kinder willen wollen!' 
PScheitlin 1829. .Später kommen die Mägde mit den 
Laternchen und den Körben, denn es ist eine Kröm- 
mahlzeit.' ebd. Vgl. lieseheid-Essen Bd I 528, B'haltis 
Bd II 1239, Chram Bd III 810. 

Krüt-: Mahl, das man den Bauern von Zllln., 
Kyb., Lind, hei der Zehntenverleihung verabreichte. 
Jährlich uf Johann is im Summer hat man den G'meins- 
liiten ein Mal geben müessen, das ward das Kr. ge- 
namset.' JJRüeger 1600 (nach ihm erst a. 1580 ab- 
geschafft; vgl. dagegen Krüt-Fond Bd I 850). .1517 
ward geordnet, diss Kr. zu besuchen, ein Zug mit 
2 Mannen, ein halber Zug mit 1 Mann, wie auch die 
mit der Howen buwend und den Zehenden gebend.' 
ebd. 1517 und 1580 wurden besondere Verordnungen 
betr. das ,Kr.' erlassen. 

Willis, h. benannt mit Bez. auf das , Kraut' [Mangold], 
das hui die genannte Zeit in bester Entwicklung and Frische 



steh! und \ ii-ll. eben bei diesem Mahle vorgesetzt wurde; 
vgl. noch Mem. Tig. 1845, S15 und Chrüt Bd 111 885. 

Scr-Chrüt-Mäli: Mahlzeit auf der Zunft zur 
Saffran um die Zeit, da frisch eingelegtes Sauerkraut 
als Erstlingsgemüse aufgetischt werden kann ZStdt. 

— Lich(e»)-Mäl (in ZSth. Licht-) = Grübt (s. Bd II 
698) Ar: Tu: Z. .Die Tauf- und Leichenmähler sollen 
in den Wirtshäusern zu halten verboten und nur in 
den eignen Häusern erlaubt sein, Erstem nur die 
einzelnen Taufzeugen beiwohnen, bei den Letztem 
aber nur die Eltern, Kinder, Geschwisterte, Schwägere 
und Geschweien, so aus entfernten Orten herkommen, 
bewirtet werden mögen.' 1785. Z Ges. S. noch Ruppen 
1851, 70; Osenbr., W. I 23; V 80; Schild 1885, 175. 

— Leid- = dem Vor.; daran nehmen Teil die ,Leid- 
lüf, die Träger der Leiche und der Lehrer, der das 
.Leichengebet' übernommen hat ZO. ,Die uf unserer 
Landschaft von neuwem yngerissne Lych- und Leid- 
mähleiv Z Mand. 1650. — W erc h - Lüten-: den 
.Werkleuten', bes. am Schlossbau, verabreichtes Mahl, 
so ziemlich stehender Titel in den ZGrün. Amtsrech- 
nungen. — Leu w e"-Mäli: jährlicher Schmaus der 
Kleinbasier Gesellschaft zum Löwen; vgl. Bs Taschenb. 
1884, 239; ferner Grlfen-M. - Letzi-Mäl: Abschieds- 
mahl Z; Syn. Letzt. .Bisher haben die Landvögte vor 
ihrer Abreise auf der Obrigkeiten Kosten ein L. an- 
gestellt, wobei mindestens 50 fl. aufgegangen sind.' 
1626, A iiscii. ,l>iss Nachtmahl ist zugleich das erste 
Nachtmahl und des Herrn Christi Letzemahl. So oft 
wir's halten, essen wir mit Christo gleichsam die 
Letze.' FWvss 1650. ,Die G'richtserkanntnuss. welche 
a. 1721 ist am gewohnlichen L. geordnet worden.' 1740, 
Uürs. Rq. ,Auf den Antrag des Landvogts [im Th] 
wird unter Ratifikationsvorbehalt das sog. L.. welches 
die Landvögte in ihrem zweiten [d. h. letzten] Amts- 
jahre bisher zu geben pflegten, abgestellt.' 1740, Absch, 
,Dem Vogtg'richtsdiener an dem Lachs- und Letzimahl 
für das Bescheidessen 1 fl.' XVIIL, Sch Pfrundenb. ; 
vgl. Fisch-M. — Maien-: Name des Gastmahls, das 
früher nach der Äinterbesetzung am 1. Mai auf dem 
Rathaus für die Bürgerschaft veranstaltet wurde AaL. 
Nachdem das ,.M.' 1735 abgeschafft worden war, gab 
man den Bürgern als Entschädigung eine Geldspende ; 
vgl. JMüller 1807, 153 und Mai. — Ammann-: 
Nachtessen nach der Landsgemeinde, an welcher die 
Standesämter neu bestellt wurden, auf Kosten des 
neuen Landammanns oder, wie 1650 in Schwyz, sämmt- 
lichcr neugewählten Beamten ; vgl. Blumer, RG. I b 
120 ff.; Gfd 38, 119 11'. .Und als dann ein Zyt bar, 
wann ein Landammann erwählt worden, ein grosser 
überschwenklicher Kosten mit dem A. über dieselbigen 
ufgelofen, nit allein mit Landlüten, sondern auch 
frömde und junge Knaben, so nit über die 14 Jar. 
auch die Maler uf den Landammann getan, derohalben 
habend MHHn für gut befunden, dass zu künftigen 
Zyten, welcher als Landammann erwählt wird, kein 
Mal mehr geben solle, sonder einem jeden Landmann, 
der fürüber die II Jar ist, 5 Btzn dafür solle gegeben 
werden.' 1611, Gfd (Ndw). ,Wcr eine fremde Weihs- 
person heiratet, die nicht 300 fl. Kapital besitzt, soll 
am Allmendnutzen, an Pensionen und an Anmiann- 
mählern keinen Teil mehr haben.' 1703, U Rcj. ,I>as 
sog. A. soll nach ordentlich abgehaltener Landsge- 
meinde in Zukunft wieder gehalten werden.' 1864, 
Ndw Gesetzb. — Müs-. ,Prandtum abstenium, prov., 



161 



Mal, mel. mil, mol, mul 



102 



Mäusmahlzeit, Mahlzeit ohne Wein, da man mit den 
Gänsen trinkt.' Denzl. 1677; 1716. — Mischel-: 
Mahlzeit, an der ein Gemengsei von allerlei Speisen 
l.iiieseolanza') aufgetragen wird PA1. (Giordani). — 
Meister-Mali: Mahlzeit zu Ehren eines neuge- 
wählten . Zunft- (bzw. Stuben-) Meisters' Bs (Spreng); 
vgl. Geering 1886, 104. — Bü"-Meister-Mäl: Mahl- 
zeit bei der Ablegung der Jahrrechnung des Bau- 
meisters [des ersten städtischen Vorgesetzten]. XVI. 
bis XVIII., ZEgl.; vgl. Wild 1883 I 109. 

Mitt-, MittmA, Mittel: ein Flächenmass, ungefähr 
100—120 Quadratruten, 9000 Quadratfuss oder '/* Ju- 
chart GKh. .4 mitmel ackers, 2 kurzi mitmel.' 1393, 
GRChur Urbar. .Ein mittmal ackers.' Tschüdi, Mise. 
hist. .Mitmel-, Mittel-Äcker' werden erwähnt im GSev. 
urbar von 1609; vgl. Mal-Acher Bd I 67. 

Mhd. mite-msl (vgl. Lexer); volksetymologisch ausge- 
deutet: So viel Land, als man zwischen zwei Mahlzeiten zu 
pfiOgen, übh. zu bearbeiten vermag. 

Metzgi-Mäli: Metzelsuppe BBe.; Syn. Metzgeten; 
vgl. Gräüben-M. 

Nacht- Mal: 1. Abendmahlzeit. ,N., cena ob- 
sonium.' UwE. Voc. .Das beschach am nechsten sttn- 
nentag darnach umb das n.' 1388, Gl Urk. ,Zue 
vesperzyt umb das n.' NSchradin 1499. ,Es ist auch ihr 
brauch, auf stroh oder einer sträue sitzende ihr ymbis 
und n. zu essen.' Tschddi, Gallia. ,Die schenke oder 
n. [am Hocltzeitstag].' Jos. Maler 1593. .Ammanmahls 
halber blybt [es] wie von Altem har, [dass] jeder Land- 
mann über 14 Jahr das N. am Ammansatz tuon möge.' 
1612, Gfd (Ndw). ,Den Brütigam und Brut samt ihren 
Eiteren und Geschwüstergiten by einem bescheidenen 
Nachtmäli in ihrem Hus ald Herberig allein lassen.' 
Z Mand. 1636. — 2. das h. Abendmahl Bs; B; Gr; 
Th; Z. 's N. ne", zum Tisch des Herrn gehen. D's 
N. Im", konfirmiert sein BHa., B. Zum N. gä", kon- 
firmiert werden GrD.; vgl. zum Her gän. Wie de'' 
Buob denn üsg'schuolet zum N. g'sin ist. Schwzd. 
(GkD.). ,Wir band ouch nützid für uns genommen 
wider den einfaltigen ynsatz des n-s unsers Herren, 
das man bishar die rness genemmt hat.' B Disp. 1528. 
,Es solle der evangelische Sigrist mit einem sonder- 
baren [besondern] Kilchenschlüssel und Ghalter usw. 
insonderheit [zu den] dem h. N. gehörigen Sachen ge- 
bürlich versehen werden.' 1639, AAWett. Klosterarch. 
,Das Nachtmahlfest in der Karwochen.' JMüll. 1661. 
.Weilen das Brod bei ihrem N. kein Segnung bedarf, 
so könnte ja ein Jeder selbiges zerschneiden und seinen 
Mocken [Stück] nemmen.' FXsi 1696. — g*nacht- 
malet: konfirmiert B. 

Betr. den Gehrauch der beiden Synn. Abend- und Nacht- 
Mahl vgl. Gr. WB. I 25; s. auch noch ebd. VII 199. 

Becher-: ein früher in ZWthur von der .Gesell- 
schaft der Bürger' bei Anlass der Untersuchung des 
Silbergeschirrs gefeiertes zweitägiges Fest; vgl. Troll 
III 74. — Beile"-Möli: ein alljährlich am Schlüsse 
des Holzschlags von den Beilengenossen [Holzkor- 
poration] der Kehrordnung nach bei einem Mitglied 
gefeiertes Mahl, wobei man zur Bestreitung der Ko- 
sten gewöhnlich einen der gefällten Stämme verkaufte 
ZZnll. — Bone"-Mäl: die Bewirtung, welche der 
Pfarrer von AA.Mumpf den Einziehern der Bodenzinse 
und Zehnten zu Teil werden Hess, wenn sie dieselben 
ablieferten. — Bären-: Mahlzeit nach glücklich ver- 
Schweiz. Idiotikon IV. 



laufener Bärenjagd. XVI.. BSigr.; vgl. Wölf-M. — 
Buesse"-: Mahlzeit, die aus den Gerichtsbussen ver- 
anstaltet wird, so z.B. einst bei den Knabengerichten 
von Graubünden. — Kindbetti-: Kindbettschmaus. 
Die Kindbettermähler, wie sie an etlichen Orten üb- 
lich waren, wurden bei 10 fl. verboten. XVII., L (Gfd). 
.Kindbetti- oder Kindstaufimähler.' B Mand. 1667. — 
Botten-: Mahl, das im Schloss ZGrün. den ankommen- 
den Boten (bes. obrigkeitlichen) gereicht und regel- 
mässig in den Ausgaben verrechnet wurde. — Bruch-: 
bis 1798 alljährlich auf Schloss Kyburg abgehaltenes 
zweitägiges Mahl, zu dem alle hoheitlichen Beamten, 
viele Gäste aus der Grafschaft und aus der Verwandt- 
schaft des Landvogts eingeladen wurden und das mit 
allerlei Spielen schloss; vgl. ZWthur Neuj. St. 1886, 
13/4. — Bruederschafts-: Mahl einer (religiösen) 
Bruderschaft. Aufgezählt neben .Gcsellen-Mählern.' 
1683, U Rq. — Brunne n -Möli: Mahl bei der Rech- 
nungsablegung des sog. .Brunnenmeisters' an die 
.Brunnengenossenschaft' ZZoll. — Rüebli-Mäl: all- 
jährlich im Frühling und Herbst auf der Zunft der 
.Metzger' abgehaltenes einfaches Fest, das in drei 
Gabenverteilungen an die Armen und ein Gastmahl 
der Zünfter zerfällt BStdt; vgl. B Taschenb. 1862, 
155 f.; Durheim, Beschr. 162/5. , Während früher auf 
Neujahr bei den Botten [Zunftversammlungen] und 
bei der Waffenschau Mahlzeiten gehalten wurden, 
haben sich auf Metzgern einzig noch die beiden Rüebli- 
mäler erhalten.' B Taschenb. 1866, 434/7; 442/4. ,Die 
Rübli- und Metzgermähler sollen eingeschränkt und 
nicht mehr als 6 Ztr Fleisch und 6 Mütt Dinkel dazu 
verwendet werden.' 1693, ebd. — Reche"-: Mahl bei 
der Ablegung einer Rechnung oder Rechenschaft; eine 
solche gab der Amtmann z. B. den , Rechenherren' 
ScHSt. S. noch Rechen-Gelt Bd II 260. — Ufricht- 
GrD.; Sch; Th; Z, -richter- ScHHa., -richti- S, -richts- 
Bs: Mahl, das der Eigentümer eines neuen Gebäudes 
den Zimmerleuten und Maurern, sowie den helfenden 
Nachbarn und Dorfgenossen nach der Ufrichti [Er- 
richtung des Dachstuhles] gibt; Syn. Ufrichtetm. In 
LSemp. leisten auch die Nachbarn Beiträge an Speisen 
und Getränken; vgl. JBölsterli 1867, 104; HsHerzog 
1884, 266. — Richter-: Mahl der Gerichtspersonen. 
.Us'geben r. [der sog. Landrichter] an gelt 5 Ib.' 1537, 
ZGrün. Amtsrechn. ,Der Richtermähleren halber ist 
unsere Erlüterung: Wann neuwe Richter an unser 
Stattg'richt erwellt werdend, dass dennmalen die zwen 
neuwe Richter zu ihrem Antritt ald Ynzug kein Mahl- 
zyt nit, sonder beid mit einanderen nur einen be- 
scheidenlichen Abendtrunk halten [sollen].' Z Mand. 
1650. ,Wir verbieten, dass an die Richtermähler keine 
andere Personen mehr als die jederweiligen Richter 
geladen werden.' ebd. 1680. ,Das r. für beide rate und 
das gericht sammt ihren wyberen [soll bleiben].' 1509, 
Wild, Egl. — Landgerichts-: Mahl der Land- 
richter im Thurgau. ,Es will auch das Landgericht 
die vier ordinari Landgerichtsmähler fallen lassen.' 
16'26, Absch. — Ufritt-: Mahl, welches der neu auf- 
ziehende Amtmann seinem Ehrengeleite gab. ,Der 
Ufrittmähleren halb habend wir gesetzt, dass fürhin 
Niemand an solche Ufrittmähler solle geladen werden, 
dann nur Diejenigen, welche an den Ufritt geladen 
sind und mit dem G'ritt ryten werden.' B Mand. 1628. 
— Sibner-: Mahl des sog. .Siebnergerichts' [eines 
Civilgerichtshofs] U. ,Die Fünfzechner- und Sibner- 



163 



Mal. mel, mil, mol, mul 



164 



mähler abzuestellen.' 1625/50. Gfd (für U). — Sech- 

\l ,i 1: Mahl, Jas ein neu gewählter Zunftvorstand 

(,S6chser') seinen Kollegen gab; vgl. Geering l <x ii. 100. 

— Seckel-: Mahlzeit bei Abnahme der .Seckelamts- 
rechnung' (vgl. Bd 1 245). .Als anzug ist bescheehen. 
ob man well das s. abstellen und eim für das mal 5 ß 
geben, "der ob man das mal well in einem wirtshus 
haben, damit zuo verhüeten unnützen kosten, der in 
vil weg mit essen schicken [vgl. Bescheid-Essen] und 
in ander g'stalt ufloufe.' 1519, Egli, Acten. — Ge- 
sellen-. ,Ich will dich ouch laden, dassdu nf Sonntag 
uf den [Linden-] hof kommest; da werden guot g'sellen 
zuosammen kommen und ein g's. da haben.' 1522, 
Egli, Acten. Vgl. Schenkt. — Senne"-: Mahlzeit an 
der Sennenkirchweih SchwW.; vgl. Schwzd. 35, 32. — 
Süser-: in der Sauserzeit von Vereinen (Zünften 
ZStdt), Privaten und spekulativen Wirten verunstal- 
tetes Mahl, wobei neben Schweinefleisch und Sauer- 
kraut der Sauser eine Hauptrolle spielt Z. Dergleichen 
Mähler scheinen schon früh üblich gewesen zu sein. 
wie eine Verordnung von ZEgl. beweist (XVI. Jhdt), 
laut welcher in der (Ernte und) Weinlese den Ver- 
ordneten der Lohn (offenbar st. eines Mahles; vgl. Wild 
1883, I 109) entrichtet werden sollte. — B'setzi-: 
Mahlzeit der Wahlbehörde bei der Ämterbestellung 
(JüPr. Betr. die ,Besatzungsmähler' im alten Luzern 
vgl. Liebenau 1881, 203/4. — Gescheids-: Mahlzeit 
des .Gescheids', d. h. des Gerichts über Grenzstreitig- 
keiten. ,Dass die Sechser-, Statt-Ehegerichts-, wie 
auch die neulich eingeführte Gescheidsmähler auf die 
seit etlichen Jahren eingerissene überköstliche Weis, 
in sonderbaren Häuseren oder auf den Zünften, keines- 
wegs mehr gehalten werden [sollen].' Bs Mand. 105s. 

- Schüeler-: jährliches Festmahl der Schuljugend 
von AaL.; vgl. JMüller 1807, 157. — G'sch wornen-. 
.Als ich den 0. Jenner Vogt und sechs G'schwornen 
[Üorfvorstehern] und Weibel das G'schw. gäbe, kostet 
es mich 7 rl. 13 ß.' 1092, Tageb. Zuber. — Sperber- 
= Vbgel-M, .Wegen des Sp-s soll der Landvogt für 
jeden Markt mehr nit als '20 Pfd verrechnen.' 1053/4, 
Absch. — Stuben-: Mahlzeit auf den Zunft- und 
Gesellschaftsstuben. .Wann die Stubenmeister zu 
g'meinen St.-Mälern Wyn uf Borg nemmend.' B Ge- 
rii htssatz. 1715 und ähnlich ebd. 1721, 95. — .In- 
stand-: Willkomm, adventorium prandium; aditialis 
coena, ijuae in aditu bonorum datur.' Denzl. 1077; 
1716. — Stür-: Mahlzeit, welche bei oder nach dem 
Bezüge der Steuer stattfand. 1540/73, UMey., Wthur. 
Chr. Vgl. Zehnten-M. — Tüchel-: Mahlzeit beim 
Fang von Haubentauchern. .Disen tag, da im Züricher 
gebiet, g'wonlich in der mitte des augstmonats im 
i ir\ M'i'hMT. .'in «Ki, r vil,' von ilücheln gelangen wird, 
nennend dieselbigen leut dücheltag und das mal, so 
sy nach dem fang mit einandern essend in des vogts 
haus, düchelinal.' Vogelb. 1557; vgl. HSchinz 1842, 
275. — Tauf- (in Aidl.. .M. Taufer-, in GrD.; Schw; 
Tu; Z Taufi-J: Kindtaufschmaus. Das Fest wird am 
Tauftag oder später, in neuerer Zeit für mehrere Kin- 
der zusammen, gegeben GrD. Wie bi-mene" T., reich- 
lich, herrlich und in Freuden Scnw. .Die Taufmähler 
[sollen verboten sein], ausgenommen ein bescheiden- 
lich Mittag- oder Nachtessen der Hebamm und denen 
Frauen, die in der Kindsnof beigestanden.' Z Mand. 
1718. .Ehedem wurden in der Stadt sehr kostbare 
Taufmähler gehalten, die nun auch abgeschaffet, auf 



der Landschaft aber noch gebräuchlich sind.- Herrliu. 
1751. Vgl. noch iAchen-M., ferner Gotth. XV 87. — 
Narh - Taufe- = Chüechleten 3 (s. Bd III 1-15). Z 
Mand. 1718, 8. — Donnstags-: auf den Donnerstag 
fallende Festmahlzeit der Räte von AaL. (bis 1614); 
die Kosten wurden aus der Bussenbüchse bezahlt; 
vgl. .1 Müller 1867, 156. — Torggel-: Festmahl nach 
dein Keltern der Trauben, zu welchem auch der 
.Torggel-Meister' zu Gast geladen wird Gr; s. Tseh. 
358. Vgl. die synn. Trott-M., Tränten. — Tote"- = 
Gräbt-M. „Bs;" Gl; Gr; L; G; Z (wo auf dem Lande 
ausser den Verwandten auch die .Träger' eingeladen 
werden). Nach dem Mahle knieen alle teilnehmenden 
Verwandten nieder, um für den Verstorbenen zu beten 
L. Betr. die Ausartung der Totenmähler vgl. T.-Fressen 
Bd I 1324, ferner B. II 72. .[Verbot] dass man einiche 
totenmäler uf jarzyten und begengknussen der abge- 
storbenen meer halte.' 1596, L Verordnung; vgl. Kid 
X 236. ,Nach der Leichpredigt werden, wo da- Vei 
mögen zureicht, weitläufige und kostbare Totenmähler 
gehalten, so vielen hierum von Zeit zu Zeit errichteten 
obrigkeitlichen Verordnungen zuwider.' Herrliu. 1751. 
S. noch Germ. XI 1 ff. — Trunten- s. Trunten. 
Truesen-. .Ein feisst maal, ein tr., von feissten, aus- 
getrueseten dingen.' 1548, Jes.; dafür 1531: .ein feisst, 
kostlieh, säuberlich maal'; 1882: .ein fettes Mahl, ein 
Mahl von alten Weinen, von fetten, markigen Speisen, 
von alten, geläuterten Weinen.' Vgl. wöl-ie-marget. 
— Trott- = Torggel-M. AaB.; Z. .Klage wegen Ver- 
vielfältigung der Trottmähler, wie dass nämlich alle 
Teilhabere einer und derselben Trotten sich an mas- 
sind, sich bei selbigen einzufinden, da doch zu einer 
Trotte eigentlich mehr nicht als nur ein Mann ge- 
höre.' 1705, ZWein. — Weber-: alljährlich oder alle 
zwei Jahre an einem Sonntag gehaltenes Familien- 
mahl, wenn der (ebf. eingeladene) Leineweber das aus 
dem Eigengespinnst hergestellte Tuch bringt ZStb. 
,Dass alle und jede Liechtstubeten und die sogenannte 
Wehermähli hochoberkeitlich verhütten sein.' HDiener 
1803 (ZOGlatt). — Weibel-: Mahlzeit, welche der 
Vogt von ZGrün. den Gerichtsboten gab; stehende 
Ausgabe in den betr. Amtsrechnungen. ,3 vtl fueter- 
haber brüchtend die weibel sammt andern, als ich 
das w. gehept hau.' 1547, ZGrün. — Wiber-: eine 
alle 2 — 3 Jahre stattfindende Lustbarkeit der Frauen- 
welt eines Dorfes Aa; Z. Die Frauen versammeln 
sich dabei im Hause derjenigen von ihnen, die als 
.Wiber-Ilauptmann' bezeichnet ist. und werden dann 
mit Musik ins Wirtshaus zu einem Abendessen ab- 
geholt, dessen Kosten aus der , Wiber- Kasse' (s. Bd III 
501) bestritten werden. Nachher stellen sich auch 
die Männer ein und das Fest schliesst mit Tanz ZKn. 
,Dass die ein Zyt her brüchig gewesnen Wyber- 
mäler und andere unverschämten Nachzecheten aller- 
dings abgestrickt syn söllint.' Z Mand. 1636/50. 
Chilchwich Chübi-: Mahlzeit am Kirchweihsonntag 
Schw; U. .Statt des Kilbi-Mahles, das die Obrigkeiten 
jährlich ein nicht Geringes gekostet hat, soll fortan 
der Landvogf den Priestern, Prädikanten, Schulmei- 
stern und Messmern jedem i> Btzn geben und damit 
snll das Mahl abgestellt sein.' 1626, Absch. (GBh.). - 
Äsche n -Mittwuche ,1 -Mä I i: Zunftessen der .Kauf- 
leute', , Hausgenossen' und .Krämer' am Aschermitt- 
woch P.sStdt. — Wolt'-Mäl: Mahlzeit nach glücklich 

abgelaufener Wolfsjagd; so z.B. 1557, BSigr.; vgl. 



165 



Mal. im 



166 



Bären-Mal, Wolfs-Garn IM II 125. ,Den Jagdtag be- 
schloss ein Wolf- oder Bärenmal, dessen Hauptbestand- 
teile Wein, Brut und Käse waren.' Hagenb., Sigr. - 
Wümmer- = Chrä-Hanen (s. Bd II 1308) am Schluss 
der Weinlese Z. — Glück- Wunsch-: Festmahl zu 
Ehren von Gratulanten. .Wann je Einer, so uf ein 
usser Amt gesetzt wird, synen Verwandten und Nach- 
huren, den Mannspersonen uf syner Gesellschaft und 
den Wyberen im Hus ein Gl. halten und geben wollte.' 
B Mand. 1628. — Wuer-Mäli: jährliches Festessen 
der Basler und markgräflich badischen Behörden, denen 
die Aufsieht über die Wasser- und Uferbauten am 
Wiesenfluss zustand; das Mahl fand am Martinstag 
nach Abwicklung der gemeinsamen Geschäfte zu Klein- 
Hüningen Statt und die Fischer mussten dazu einen 
Lachs liefern; vgl. W.-Essen Bd I 528. — Gemein- 
werks-: auf Kosten der Stadt veranstaltete Mahlzeit 
der Bürger, die zur gemeinsamen Arbeit am Gemeinde- 
land zskamen. XVIII., AaL. (bis 1745); vgl. JMüller 
1867, 156. — Wurst- = Gräube*-, Metzgi-M. Aa; B; 
G; Th; Z. Es war üblich, auch den Dorfschullehrer 
einzuladen B; Z. Die Hauptspeisen bilden im Allg. 
sog. .Voressen', Blut-, Leber- und Bratwürste und ein 
Braten vom geschlachteten Schwein; Verwandten und 
Nachbarn werden ebf. Würste oder eine Schüssel mit 
Suppe und verschiedenen Einlagen ins Haus geschickt; 
vgl. Metz geten; (verkleidete GWe.) Kinder und Bettler 
kommen vors Haus und singen, um beschenkt zu wer- 
den, das Chrummbein-Lied (s. Bd IH 1096/7); in GWe. 
klopfen sie und miauen; erhalten sie Nichts, so singen 
sie: 's stecket e" Gapple* in der Wann*; wenn er is 
Nüt ginn, isch e" Schann*. Das Landmädchen erzählt 
vom Abendessen in der Stadt: Fürwör, wie am e W. 
isch es g'si"; grüe"s Heischt und Stückli [Schnitze], 
Suppe*, Brut und Wi m . Stutz. Zuegä" wie z' Watt 
[einem Z Dorf] am W., unordentlich, drunter und 
drüber; in Saus und Braus Z. .Fründligkeit und 
Gastfrye üebend die Landlüt mit einanderen mit Orten, 
Wurst- und Hochzytmäleren.' JRüeger 1606. Söi g'möx- 
gei und 's Würstmol g'ha*. Gespr. 1712. S. noch 
Chesseli-Fleisch (Bd 1 1222), Schwzd. 33, 52/6; PHWolff 
1881; JMüller 1867, 162. Dem Wurstmal geht (z.B. 
in ZZoll.) das Bhietwürst-Versueche" um ein paar 
Stunden voraus. — Wisi n gs-: Mahlzeit, welche 
ehemals im Kloster Fahr [welches früher die Grund- 
herrlichkeit besass] nach dem jährlichen Maiengericht 
gehalten wurde ZWein. — Fünf-Zechner-: Mahl- 
zeit des Fünfzehner-Gerichts Uf; vgl. Sibner-M. — 
Zins Zeis-Möli: Trinkgeld, das in üblicher Weise 
der .Zinsherr' dem Überbringer des Zinses gibt und 
das an die Stelle der frühem Bewirtung getreten ist 
ZW.; Tgl. Z.-Brot. — Zehnten-: (reichliches) Mahl, 
das der Zehntherr alljährlich den Zehntpflichtigen zu 
geben hatte; vgl. Seg., EG. H 768; ferner ebd. I 536. 
N. N. habe ihm gesagt, er gedenke 120 Jahr und habe 
nie anders gehört, als dass Jeder, der eine Garbe zu 
Zehnt gab, an dem Mahl essen helfen dürfte ,und soll 
ein erlichs mal syn, gesotten und gebraten und essen 
und trinken genueg.' Es wird festgesetzt, damit das 
Z. .nicht ungebürlieh gebracht werde, soll [das Klo- 
ster Schännis als Zehntherr dafür] 2 pfd hlr geben 
können.' 1489, LWinikon. Beim Z. der Gemeinden 
Bonstetten, Birmenstorf und Stallikon sollen auf jeden 
Pflug zwei Personen am .Mahl teilnehmen. Wer keinen 
Pflug hat und .mit der howen rütinen macht', soll 



ebenfalls zum Mahle das Recht haben. 1521, Egh, 
Acten, Die Beschwerde des N. N., als Inhaber des 
Zehntens von Oulens, dass diese Gemeinde prätendiere, 
er müsse beim jährlichen Ausruf des Zehntens den bei 
der Steigerung Anwesenden ein Gastmahl oder aber 
20 Florin geben. 1585, Absch. — Hoch-Zit-, 1 [och- 
sig-, Hösstig-: Hochzeitsmahl. ,Für ein H. soll ein 
Mann bezahlen 1 Pfd 2 ß, ein Frau 18 ß; doch ver- 
steht es sich, dass auf den Tisch Nichts solle bezahlt 
werden.' Bs Taxordn. 1646. A H. asa mit Voressa, 
Sau- und Rindfleisch, Bluot- und Lebericürst oder 
Brotis? Korxhofer 1679. .Öffentliche Hochzeitinähler 
an Sonntagen.' 1700, Ap Synodalprot. .[Die Teilnahme 
an] Hochzeitmählern ist höchstens bis 50 Personen 
[gestattet].' Bs Mand. 1758. S. auch noch Gfd X 242. 

über-niöle": refl., an einem Mahle des Guten zu 
viel tun ÄAF.f ,Wenn si cb Eine r übermölet, dass [es] 
zum Herge" chunnt, ist die Buoss 1 Pfd ß.' 1604, Aa 
Wohlen Dorflibell. 

malader (bzw. -öder) Aa; Ap; Bs; VO; G; Sch; 
Tu; Z, maiaderig Ap; B; Z, malaterisch ZWäd. (neben 
malidi), .malm]- : matt, abgespannt (bes. im Infektions- 
stadium von Krankheiten), vorübergehend unpässlich, 
kränklich, krank, von Menschen und Tieren, 's ist 
mer (i ch hi'J m. ZF. In einem Spottvers auf die 
Schneiderinnen heisst es: die drittistm., die eiert ist 
nüd g'sund Z Stall. S. noch Chatz Bd III 588. 

Aus dem frz. malade, tw. viel], unter Einftuss des syn. 
marodi; wie Dieses eines der WW. aus der Zeit der fran- 
zösischen Dienste oder viel], der französischen Invasion. Die 
End. er scheint nach Analogie deutscher Ad.jj. angefügt. Der 
Acceut ist schwankend: ü (so in Aar".; Bs; ZS.) oder ge- 
wöhnlicher 1,1. 

malass: sich übel befindend, schwach Ap. 
Gleichen Ursprungs mit dem Vor., jedoch unter Eiulluss 
von malaz, Malazi; doch vgl. auch frz. malaise. 

malauche n : einem Pferde die Kauzähne absägen S. 
Wie wen uf c Cliauf alti Boss färbt und malaucht. 
Schild. 

Malause" f.: 1. die Traubenkirsche, prunus Padus 
Gr; GO. — 2. Spottname der Bewohner von GVättis, 
wo die Traubenkirschen sehr häufig sind Gü. — Betr. 
den etym. Zshang vgl. das Syn. in«' Bd III 1416. 

nialaz Bs (Spreng), neben malotsch und neuerm 
ni'ihfigj, ,maliz.' Lüt. 1860, sonst in der Lit. .malazig': 
aussätzig. Usg'seh wie-n-en Mals Bs f. ,Du malotziger 
keib!' Schelte. 1381/1420, L Eatsprot. ,Die Bettler 
und die Malizen soll man allenthalben vom Lande 
fern halten.' 1491, Absch. S. auch noch ,malz(ig)' 
bei Gr. WB. 

Malazi, bzw. Malazei, Malzt, -ci — f.: Aussatz, 
ä. Lit. Betr. den Glauben , derselbe könne durch 
Kinderblut geheilt werden, vgl. Ansh. * 233. Bildl.: 
,Er nimmt hin die Malatzy der Sünden.' B Synode 1728. 

Mlid. maletai mit verschiedenen Nbff. ; vgl. .Malzei' bei 
Gr. YVB. .Mala- (bzw. .Male-', ,Mali-')zI', bzw. .-zei' ist in 
unserer ä. Lit. die häufigste Form, seltener sind ,Malzl' (bzw. 
.Malzei'), z.B. Tierb. 1563; Fris. ; 1571, Absch. und noch 
hei Wurstisen 1705; .malitz.' Tierb. 1563. Zweifelhaft ist, 
ob nicht venerische Krankheiten in späterer Zeit, als der 
Aussatz im Schwinden war, darunter verstanden wurden; vgl. 
darüber Gfd XVI 2:39. Unser W. steckt in dem Namen , Malz- 
gasse' in BsStdt; vgl. Bs XIV. 103 und Bd II 152. Vgl. 
,Malz-Halden', Fluni. AaEhr. .Malizmos.' 1450, SchwTugg. 



167 



Mal, mel, mi 1. niol. null 



168 



Mihi- in Verwünschungen wie U.-Flueeh, -Hagel, -Chtib usw. 
ist svahrsch. eupheni. Entstellung aus unserm W.; schon in 
ihr mini. Periode galt malaz als busswürdigos Scheltw.; vgl. 
.las ebf. als Schimpfw. verwendete Siech (= Sondersiech). 

Maledl f.: Verwünschung. ,Ks was nit syn heiiger 
segen, vil mer ein m.' BGlettixg. 

maledie" (in Aa -deie"): verwünschen, bes. im 
Ptc. l>egriffsverstärkcnd AaF. ; VO. E maladiti Hex, 
Schelte auf ein Weib Zg. ,T)er geist Christi bringt 
an das liecht die heimlich sünd und verborgene rna- 
ledyung der herzen.' B Synode 1532/1775. 

ver- = dem Vor., wiederum in participialer Ver- 
wendung, t. als Verwünschung, t. zur Steigerung Aa; 
Ap; VO; Gl; Gr; Sch; Th; Z. V. guet, schön, gross. 
E" rcnnaledlte r Baum, ein erstaunlich grosser Ndw. 
Es het m'r vermaledit 'grüset Schw. Auch i. S. v.: 
schlimm, böse, arg GS. Euphem. abgeschwächt ver- 
malet Ap und so viell. auch vermal Ap; Sch; Tu. ver- 
mal.schiert Gr; GO. Mit Vorsetzung des verstärken- 
den mm- GrPi-. (u'vermahidU). Vgl. das syn. verfluecht 
Bd I 1164. 

Vermal könnte auch aus fermalisch (s. Bd I 1015) ge- 
kürzt, vermalaschiert durch Ycrmengung vou Letzterem und 
vermaledit entstanden sein. 

liialefiste" (in GRHe. -fische', in Igis, UVatz -firste"): 
an Wegrändern die Äste der Bäume und Sträucher 
zurückschneiden, was bes. vor der Heuernte geschieht, 
um für die beladenen Wagen den Durchgang frei zu 
machen Gr. Die Arbeit wird bes. durch Beamte (in 
Chur z. B. durch den Stadtknecht) besorgt, welche mit 
einem Wagen durch die Feldwege fahren und mit 
einem an einer langen Stange befestigten sichelförmi- 
gen ,Hagmesser' bewaffnet sind Gr. Gestrüpp, Un- 
kraut ausreuten Gr (Elias). 

Viell. entstellt aus malefitzen, indem die Instandhaltung 
und der Schutz der Strassen der gleichen h. Obrigkeit zu- 
stand wie auch das Malefizgerieht, oder indem die Operation 
mit der Enthauptung verglichen wurde. ,-First' war eine 
naheliegende Unideutung. 

Maleflz n.: 1. todeswürdiges Verbrechen; im wei- 
tem Sinn: Verbrechen, dessen Bestrafung der h. Obrig- 
keit zufällt, dann diese, bzw. die peinliche Gerichts- 
barkeit selbst; vgl. Osenhr., al. Straft. 197; Tsch. 389. 
.Der bropst hat alle frevel ze richten bis an das ma- 
lefitzi, das gehört dem vogt zue.' 1518, ZEmbr. Offn. 
,\Vir freien alle Bergleut, ausgenommen Übeltäter und 
die das M. angetast hat.' 1530/69, Steinm. ,Es sagen 
die Alträte noch, wenn es um schwere Verbrechen zu 
tun ist: MHHn die Alträte sehen es als M. an.' Ochs. 
Substst. vorgesetzt i. S. v.: verflucht, verrucht als 
Schimpfname; vor Adjj. begriffsverstärkend Aa; Ap; 
Bs; VO; Gr; G; Tu; Z. En M. Eerli, Cheib. M. guet, 
ehalt, schiin, wüest. Mehr scherzh. m.-blond für rot- 
haarig Bs; S; Z. — 2. Kasse, in welche Bussen für 
Kriminalvergehen fallen. ,Der Vogt kann 8 oder 10 
Klonen aus dem M. verteilen.' 1525, Absch. 

malefizisch: der peinlichen, hohen Gerichtsbar- 
keit zugehörig, verfallen; vgl. Tsch. 389. ,Da Kor- 
selbe wider Eid und Ehre gehandelt, die Sache somit 
m. sei.' 1587, Absch. ,Er soll dises schwert Gottes 
zucken und gebrauchen in alle m-en oder Übeltäter.' 
IL iif.lv. Cokf. 1566/1644. .Bürgerliches oder m-es 
Baisgericht.' 1587, Absch. ,1601 hat man angefangen, 
die m-en Weibspersonen mit dem Schwert zu richten.' 



Mf.m. Tig, 1712. S. noch gichten Bd II 112 und die 
Aufzählung der .m-en Vergeben.' Z Beitr. IV 217; 1058, 
Absch. Wie Malefiz begriffsverstärkend, einen hohen 
Grad bezeichnend Bs; Gr; Tu; Z. Ein" m. z' Hände" 
ne". M. schwär, hart udgl. 

vermalefizt: verhext, nicht mit rechten Dingen 
zugehend Schw. Steigerungsadv. (auch -fiz) AaWoIiI. 

Male" W, Mola" PA1. — f.: Tasche, in der man 
z. B. Esswaren aufbewahrt W. Lederner Mehlsack 
PA1. Felleisen. ,Der [im Land herumreisende] Fran- 
zose habe sein Malen als Pfand anerboten.' 1536, 
Absch. Auf eine Badenfahrt werden u. A. mitgenom- 
men ,die malen und rytbulgen [usw.].' 1500, Brügger. 
, Hippopera, ein mallen oder bulgen, waatsack.' Fris. ; 
Mal. — Wahrscheinlicher aus frz. malle (Reisekoffer; Fell- 
eisen) als aus mild, matte. 

Ohoslup-Mola": Kälbermagen (als , Käslab' ver- 
wendet) PA1. — Vgl. die Bezeichnung des Magens als Sack. 

Malete" f.: Keisesack mit Schloss Zg. „Mit einer 
Schnur um den Leib befestigte Tasche, dergleichen 
es nur bei städtischen Weibertrachten gibt, wo die 
Taschen abgesondert [unter dem überkleide getragen 
werden] L; Zg." — Aus frz. mallette (Diu. von maüe), 
Kanzel, Bettel-, Brotsack. Vgl. Aum. zu Manschette*. 

male" II BO.; Gl; Gtw.jTn, anderwärts male" — 
Ptc. g'male": 1. mahlen (bes. Getreide in der Mühle): 
zermalmen, allg. (Jmdm) Bache" und M. abschla", »/'- 
säge*, in bildl. S. Gl; Z. Wenn d' Chind im Bett si>id, 
ist wie Bachen und M. dbg' schlage" Gl. Syn. wie-ne 
Mnlli abgestellt. In der Verrufung eines Ächters wird den 
Luzernern verboten, dass sie ihn .nit mer enthaltend, 
weder hüsend noch hofend, malend noch bachend, en- 
hainen kouf, weder essen noch trinken geben.' 1421, 
Seg., RG. ,In unser teutschen sprach sagen wir: Im 
ist m. und backen abgeschlagen, wenn wir anzeigen 
wollen, man habe einen gar verschuptet [Verstössen] 
und von der gemeinschaft ausgeschlossen.' LLav. 1587. 
,Die Alten pflegten von einem Solchen, welchem die 
notwendigen Lebensmittel abgeschnitten waren, sprüeh- 
wortsweis zu sagen: Aqua et igni interdictum est, d. i., 
wie wir nicht unähnlich zu sagen pflegen, es seie 
Einem M. und Bachen abgeschlagen worden.' JHHott. 
1666. Der Ch'erne" guet nache" m., das Mehl so weit 
als möglich herausmahlen Ndw. Arbeiter, welche eine 
Arbeit in die Länge ziehen, entschuldigt man ironisch 
damit, ,dass sie halt eben denken, so lange man mahle, 
gebe es Mehl' ZW. Z' m. fare", Getreide in die Mühle 
führen, um es sich für's Haus mahlen zu lassen Ndw; 
Syn. s' Mülli fare" (gä"J; vgl. Ndw Kai. 1889, 5. 
.Diese, jene Frucht malet so oder so viel, heisset: So 
oder so viel, z. B. Halbviertel Korn, von solcher Frucht 
geben so oder so viele halbe Viertel recht massig ge- 
mahlenes Mehl.' AHöppn. 1787. 05. Es hed-nen g'rad 
g'male", hat ihn, bei einem Unglücksfall, förmlich zer- 
malmt Gr. .Gemalen [zerriehen] Gold oder Silber aus 
der Federen zu schreiben. Nimm ein Blatt fein Gold 
oder Silber, reib je eins nach dem andern. 1 a. Rezept- 
BD0H , _ 2. mühsam, mit sichtbarer Kaubewegung, mit 
den Zähnen zermalmen, kauen; wiederkäuen Aa; Bs; 
B; VO; Sch; „S;" Th; W; Z; Syn. mäuwm; vgl. 
XSchnider 1782. 113. Äs Büeji .:' wenig .' m. ha; 
zu wenig zu essen W. Hoch m., ohne Appetit au 
Etw. herumkauen, als ob man zu lange Zähne hätte 
Aa; Syn. hoch chüwen (s. Bd II 972). .Wenn 's ein 



169 



Hai, mel, ruü, 



170 



vorgestriges Brötchen ist — macht Nichts, er hat nur 
desto länger daran zu m.' Gotth. 1> Teü Chüe föt 
scho' a" in. und leitsi ck . Breitknst. Es lit und muht, 
das Ding ist einstweilen abgetan. Ineichen. 

.Mini, wühl iu Beil. 1. Von dem schwachen VI) inäfc" hebt 
sicli unser W. tw. auch im Präs. Ind. ab (mäht, mtilt : malist, 
muht) Th. Aus der ä. Lit sind bemerkenswert: ,So mau 
melt [in der .Mühle).- XIV./XV., Sch Stadtb., das Prat. ,muo- 

leud.' llliull. löTi. das Ptc. .geinahlcf (doch nur in der 
Verbindung mit .gebachef). HsEEscher 1692. 

abe"-: 1. heruntermahlen, z.B. Übst mittelst der 
Mühle Th; Z. En Track tt. — 2. hastig essen, ohne 
recht zu kauen, hinunterschlingen Sch. 

ver-, zer-= malen 1, mit verst. Bed. [Hafer] in 
chleini Clwmli vermale'. Hebel. ,Dass er das bild zue 
st uikrn schlahet, ja gar zermalet.' RGualth. 1559. 
S. noch ver-chnütschen Bd III 77:'». 

dur c1 '-: lose Zss.. eine Mühle die ganze Nacht 
hindurch laufen lassen Z; Tgl. dureh-spinnen u.a. Zss. 

Maler II m. : 1. Mühlknappe Aa. In dem Spott- 
vers auf die Müller: Midier, M. usw. (neben Midier. 
Mel' r er). — 2. wer Getreide in die Mühle zu mahlen 
gibt. .Die maier zu Bürren sind 'twungen, an die 
müli gan Bürren ze malen ze gen.' 1460, L Rq. ,Dass 
man ein mülli nit verpfenden mag. dann dass sye den 
malern male, noch dem und sye des notdurftig sind.' 
1490, LRotenb. 

Malete" f.: so viel Getreide, als man auf einmal 
mahlt oder mahlen lässt Sch; Z; vgl. Bacheten, Mali 
(s. Mal 1 c). 

Us-: geringeres Mehl, so wie es beim Mahlen in 
der Mühle nach den bessern Sorten, doch noch vor 
der Kleie, herausgebeutelt wird Ar; Bs. 

Mali f.: 1. Vorrichtung zum Mahlen, Mühle, Mahl- 
gang Ndw. ,Die müle zu Triengen soll hau zwo malen.' 
1460, L Rq. ,Wil derselh [Brief] einzig von einer 
Malen und einer Rellen spreche.' 1625, SciiwE. — 
2. auch Mali'g = Cheri 4 (s. Bd III 441) heim Mahlen, 
das Mahlen S (nur in bildliehen RAA.). A" d' M. 
cho", (über Etw.) aufgeklärt, klug werden. T h will-ech 
scho" a" d' Mali'ij bringe" [gefügig machen], jeti we> 
mer 's lo" drüf ab cho". Schild. — 3. (in L, lt Ineichen, 
Mdli'g) das wiedergekäute Futter im Maule des Viehs 
„Aa; u B; „VO; S." Syu. Muni. 

Ditti-Maler: Name des Wolfsmilchschwärraers, 

bzw. der Raupe Bs. 

Aus lat. tithymalus, dem Gattungsnamen der Wolfsmilch- 
arten; vgl. auch Milemalen bei Schm.-Fr. 1 1588, ferner 
Muni-Mäli ii- 

liialere" II: nnpässlich sein B. - Von frz. mal, mit 

deutscher Endung. 

lllilliligg: prächtig ZU. — Aus frz. magnifiqtie. 

HaliS m.. PI. M,dm: Schuft, Schurke Ar. Stei- 
gernd wie Malefiz, z. 11. in. scho". ebd. 

malitzig: mürbe, trockenfaul, von Obst TuWeini. 
Syn. manch, mimig. 

Vgl. mhd. mi-ih. weich : doch uniss sich das W. au ma- 
lazig angelehnt haben, indem die Trockenfäule als Krankheit 

aul'gclasst wurde. 

Malmasy m. : Malvasier. 1450, B (Gfo.). — Zu mhd. 

malmttsfer. 



Malöggi: Schirapfw. 1. (auch Maiöggis) 111.. wider- 
licher, unreinlicher, einfältiger Mensch L. 2. !'.. feile 
Dirne üwE. 

Zu Grunde liegt viell., von Söldnern heimgebracht, it. 
malotieo, Nbf. von maligno, böse, viel), auch mal' occhio, bö 
Blick, dann Mensch mit einem solchen. Viell. ist es abci 
nur Parallelform zu Galbggi oder mit Möggel zu vergleichen 
Die Endung w wie in Gäuggis u. A. 

Malün(e n ), in AaIIoM. Molüne; in AAF.f Madlüne" 
— f.: Melone Aa; Zg; ZKn. Gemeiner Kürbis, cuc. 
pepo Aa; Bs; S; Z; spec. eine Varietät mit grössern 
Früchten GG.. S. „Flaschenkürbis, cuc. lag. L." Von 
einem Menschen mit einem vollen Gesicht heisst es, 
er habe ein Gesicht ,wie eine M.' Z. 

Aus Melone. A in der ersten Silbe scheint schon alt zu 
sein (schon bei Haffner 1666, I 135), danel.ru erscheint 
aber auch e (vgl. Guggummeren Bd II 191); der Vocalwechsel 
wie in Malisse*, Barägge*; zu dem iu der zweiten Silbe vgl. 
Katün, Vragüner. Es mag Anlehnung an Malünen (Bd 1 1711 
vorliegen, zu dem viell. auch der gleichlautende Neckname 
der Bewohner von LEbikou gehört. 

Mallins (neben Meluns, Malunz, -Ion:, in GT. Ma- 
lutz, in GSa. Mälunz): 1. „n." (nach neuem Angaben 
m.), Gericht aus Mehl, spec. Maismehl (Turtjije"-M.) 
oder Buchweizenmehl (Haida'-M.), das, oft mit zer- 
riebenen Kartoffeln (H'erdbire"-M,). in Butter geröstet 
wird GSa., T.; bes. aber Gr, wo das (oft mit kaltem 
Wasser übergossene) Gericht die Nationalspeise bildet; 
Syn. Bibel, Basti; vgl. G-muijd (Sp. 115), Bihel(i)- 
Suppen, ferner Lehmann 1799, 267. - 2. du arme'- 
M., leichte Schelte, i. S. v.: du armer Tropf Gr. - 
Ans dem Käto-rom. 

Malunsi m. En trockne 1 M.. Schelte auf einen 
wortkargen, einsilbigen Menschen Gut 'hur. 

Mahira: Zerfall, grösste Unordnung Gr. In M. 
si". f hi") ga", richte". 

Aus räto-rom. ir in malur, zu Grunde gehen; in nein 
frz. Form: ,In Malhor und Ruin gestürzt.' AKliugl. 1693. 

Muni-Mäle" m.: Schmetterling GuThusis. Vgl. 
Anm. zu Ditti-Maler. 

Mali n.: Name des Schafes in der Kdspr., nach 
seinem Ruf Z. 

„ Maulet e" f.: Durcheinander von schlechtem Zeug 
Sch. Wenn der Schlächter z. B. viel Zutaten zum 
Fleisch schickt [vgl. Insigei], so sagt man: Es ist nu" 
SO a M." — Viell. zu der Gruppe matur gelierend, also so 
v. a. das Zusammengekaute, sc. Gemisch. 

Mel: Personenname, Emanuel (II. 

Melämpesm.: Schelte auf einen langsamen, trägen 
Menschen oder ein solches Tier ArK. 

Ob der griech.-lat. Männer- und Bundename .Melampus' 
(eig. Schwarzfuss) aus gelehrten Kreisen ins Volk gedrungen, 
etwa mit Anlehnung au Zamperi 

Melancholei f.: Geisteskrankheit übh.; so von 
Einem, der sich für Elias hielt. JGross 1624, 

Meli I: Personenname. 1. m., Emanuel Seil; Tu; /,: 
vgl. Mel. — 2. n., Salomea „Aa: - Bs; B. 

Meli II: Personenname. 1. in.. Melchior Bs; Z. - 
'-.'. n., Melanie AaK.. L.; Z. 

Meli III n.: Name einer geologischen Schicht. ,An 

dem andern Ort ist wieder ein Roterz l 1 /- Schuhe und 



171 



Mal, hh'I. mil. lmil. niul 



172 



msclben das M., ungefähr von 1 Schuhen. Aus 
der \ ermischung dieser drei Arten: Bot, Schwarz und 
M. wird der Stahl gemacht.' JJScnsucnz. 1746. 

Wahrsch., wie die beiden andern Ausdrücke, der Name 
einer Farbe, viel], nnserm meliert laus lrz mili i entsprei hi nd 

Meli-Meli m. = Titti-Maler GiiThusis. 

meliere": 1. sich einmischen Bs. Es gab i" der 
Schwiz e" gruslige" Gh/rieg, wenn ei" Kanton si 1 * weti 
ni ändert m. 's duet Niemeds si e * gSrn m. dri; denn 
's soll ml Alles süferbin-im si". — 2. Ptc, gemischt, 
verschieden von Farbe und Zeichnung, von Zeugen 
<<; Tu; Z. Verächtlich werden Bücher ,m-es Papier' 
genannt. UBrXgger 1777. — Ans frz. 

mellige"! nur in der reimhaften Abweisungsfonnel: 
SchelUge", m.l holla', da wird Nichts daraus ZBamna. 

Melisse" 1: nur als PI.. Gartenmelisse, mel. off. ZO. 
,Malissen (melissen), ein kraut, melissophyllum.' Fris.; 
Mal.; s. noch Frauen-Ghrüt Bd 111 892. — Gold-: 
tnonarda did., eine Gartenzierpflanze B. 

Molisse" II. nur in der RA.: M. spile*, das Loos 
ziehen bei der Rekrutenaushebung U t- — Name und 
Sache sind fremden Ursprungs (frz. müice, it. milizia). 

melitiere" Bs, melidiere" S, malatiere" PAL: ver- 
dienen. Du hesch's, mi S'i. ml melitiert. 's schön 
Ammereüi melidier d'r Du/rsli zw si"m Ma". Schild. 
— Aus ,nieritieren', frz. mfriter, it. meritare. 

iiicilisch: mailändisch, von der Munzwährung. 

,8 |i! 1 in. für ain mark zu rechnen.' P2'.>7. Kind, l'rk. 
.Einen m-en grosen.' 1 163, Si ■<-... ßG. — Von der altern 
Form des Stadt nens (Mailan, Meilen) ans gebildet. 

Meilun m., Dim. Meilöneli: Litzenhäuschen, Auge 
aus Glas für die Fäden in der Bandweberei BsStdt. 
Aus dem gleichbedeutenden frz. maülcm. 

Milautscli, neben Milentsch m. : Blutwurst PAL - 

mi lantsche". bzw. mikntschn" : Blutwürste machen. 
ebd. — Aus it. migliaccio in., dl 

Milli n.: .Mädchenname. Emilie Bs; Z. 

Milling m. = Meidet. Mangolt; Fischb. 1563. 

Daneben die Form .Mülling.' ebd. und 1 169, <; Hdschr. 
Das W. soll lt Fischb. elsässisch, nach Siebold dagegen ziir- 
cherisch gewesen sei». Hie Form ist offenbar aus ,Mid)ing' 
durch Assimilation entstanden: vgl. Midd-FUch Pal 1 1102. 

Million n. P. sonst f. Per Gen. i. S. v. verwünscht, 
bes. auch in Zss., dann steigernd B; <i ; Z. En M-c- 
Sieeh, von einem erzschlechten Menschen Tu. /•.'// 
M-sKerli, M-s guet. <)j>i>is Ms mache", abstelle", eine 
verfluchte Geschichte anzetteln, einen tollen Streich 
ausführen B; vgl. (öppis) Tüsigs. Potz M.! B; G (so 
auch bei UBrägger 17^'M. jinl: Müliönli /. [Studenten- 
sprache), jmt: Millione'-Clieib ! Z, roher Ausruf der 
Verwunderung. — Pas Neutr. nach Analogie von Hundert, 
! ■ end (Tusig). 

M illionär m.: Bezeichnung der Levkojen-Stöcke, 
welche sehr viele Blüten hervorbringen ZStdt. 

millionisch, milliönisch: Steigerungsadv. Aa; 

VO; Tu; /.. .V. heiss, guet. /'' ha' mi 1 ' 1 ' in. «"- 
g schlage" Aa. 

niililiii'lo": Soldat spielen, von Knaben; von Er- 
wachsenen und Behörden: das Militärwesen allzu 
eifrig pflegen Bs; Z. 



Mil<i : Hundename P. Wohl der bekannte griechische 
oder römische Eigenname Milo. 

Mol Möl Ps: P; GRh.; Z (im 0. mit dem IT. Motte; 

Dim. Mali, in Zoll. Mal, im 0. auch Öl), Moll AidP; 
Gl (PI. Motte'); L — n. (in Ar; Gl; 1. f.. in Gl; Z 
auch m.), Maul (PL Mäul) f. Ai-P. Stein. G'mul n. BsL.; 
üw, Mole" (in (JwE. ö, sonst ö) AiPL. M. ; PK.. R. (PL 
Molli); GRh., T.; Sch; SchwMuo. ; Tu — f. (in Sch m.), 
Malier Aa (lt Rochh.); Gl; SThierst., Moler P; Zg; 
/, (auch Maler) — in.. Mollert" f. Gl; Gtw. (Midiere", 
lt Götz.), Molli BsL.; B; S, Mali Btw.; GRPr.; U 
(PL unver.) — n. (in GrPi. f.), G'möl n., PL G'moler 
Aa; Bs; „L;" ZW.. Wl., Möller m. Bs. Molli Btw. 
iMüli. GStrasser); Schw du., PL Mottend), MuH 
AaF.; P. Bnlli (PI. Bolleni) BSi. - n.: 1. Name ver- 
schiedener Weichtiere, al Molch, und zwar im Allg. 
unterschiedslos alle vorkommenden Arten, bes. aber 
der gefleckte Molch, sal. mac, der Alpen-Molch, sal. 
atra (VO; Gl), die Wassermolche, bes. der gefleckte, 
triton punet., der Wasser- oder Sumpf-Salamander, 
trit. pal. allg. Die gefleckten oder verschiedenfarbigen 
Arten werden als <f flecket e r , g'fleekets M. von den an- 
dern unterschieden. Erscheint der Molch tspec. der 
schwarze, sal. atra, zum Unterschied vom Wasser- 
salamander, dem Briin>ie"-M.: vgl. das Syn. Br.-GhaJb 
Bd III 220) auf dem Lande, bes. auf Wegen, so wird 
Das allg. auf Kegen gedeutet, und das Tier wird daher 
meist Bege"-M. genannt Bs; B; 70; Sch; S; Z; vgl. 
.las syn. Wetter-Gueg Bd II in:!. Tw. infolge Ver- 
wechslung mit der Unke, bomb. ign. (vgl. Gügger 3 
Bd LI 19(5) wird dem Molch auch eine Stimme zuge- 
schrieben und heisst es datier: Wenn d' Mola" gluggid, 
so ijeä 's guet Wetter Ar; vgl. die folgenden Zss.. 
ferner die Synn. Boden-Glünggerli Bd II 636, Nacht- 
Glüng(g) Bd II 632. Alan redet dem grossen, gefleckten 
Molch auch nach, dass er die Weinstöcke benage und 
schädige ZS., und allg., dass er giftig sei. Dagegen 
ist der grosse, gelbe ,Regenmolor' gut gegen die Glie- 
derkrankheit und braucht man nur einen solchen an 
einem Seidenfaden aufzuhängen und so sterben zu 
lassen, um von der Schwindsucht zu genesen P. Aus 
den g'fl&ckete* M-e" wird auch Gold gemacht, indem man 
am Charfreitag Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr 
drei dieser Tiere in ein Gefäss bringt, ,flammerschlag' 
darauf schüttet und das Gefäss vergräbt. Ein Jahr 
darauf liegen die Molche oben auf und haben die 
Flecken verloren, die Eisenfeilspäne dagegen sind zu 
Gold geworden SchKL; vgl. das syn. l'nnki und Gr., 
Myth. s 650. .Gott nährt [auch] die Regenmolleni, 
Muheiuie" usw.' Gotth. .Du kennst hinter den Gärten 
den wüsten Fröschenweiher mit dem grünen Dach, in 
dein Kegenmolleni und anderes Gezüchte so anmutig 
gramseien?' ebd. .Saura. moll sc. vermis.' Ebinser 
1438. ,Von der wassermoll. Lacertus aquaticus, ein 
moll, ein wasseradex.' Tierb. 1563. .Salamandra, 
ein maal. moll, molcli. moldwurm.' ebd. ,Die quaxen- 
den fröschen und mollen in disen Wassergräben.' 1586, 
Laufe.. Beitr. S. noch (ihn Bd 1 1'.'::. - b) Kaul- 
quappe von Fröschen und Kröten Bs. insofern sie zwar 
schon Füsse, aber noch den Schwanz hat. also Molchen 
ähnlich sieht GRh.; vgl. MoUen-Chopf Bd 111 H3. - 
c) „Kröte, die sich in Kellern und an feuchten Orten 
aufhält Bs." — di schwarzer Regenwurm SchwMuo. 
2. die Maulwurfsgrille, gryllotalpa vulg. BO. — 
3. Engerling Tu. — 1. grosse Eidechse Aa (lt Rochh.). 



178 



Mal. mel, niil. miil. uiiil 



171 



.".. übertr. a) Molle? f. BE., m. B; Sch, Mölli in. Bs; 
s.inv. sonsf .i/o/// in., etw. unförmlich Grosses, Um- 
fangreiches, bes. von (gemästeten) Tieren BR. Syn. 
1/ ... ■■. •■. II'-''" ti die >>'«»■ no ch e" clilin w<:<tist. su gi b d 
das no e * /m en Molle". Potz, e" wetegi M.! soü Das 
," Chütn'sin! Hl;. Dicke, kurze Mannsperson AaFil: 
dickes, fettes Kind BsL.; SceSchl. Du cMiner, ung'rinter 
M.! du kleiner, angeleckter Bär! MLienert. Vielesser 
Obw; dafür Fress-Molch Z. Menscb mit Pausbacken, 
mit einem dicken, runden Kopf BsL.; BO.; Gr. Verst. 
durch Zss. mit einem Syn. Tscholi-Möler, dummer 
Tölpel L. Auch das pausbackige Gesicht, der dicke 
Kopf selber Bs (auch Möller); Gr. Weit-er-is jetz lo" 
go"? Oderlueget, i eh g'heie" die Lauge" M"ni an'n M-. 
jo hu/.' Breitenst. Übertr. auf das Geistige und Oko- 
nomische: Dummkopf Schw. Reicher Mensch, Protz 
ScHSchl.; vgl. feiss Bd I 1072. Noch mit direkter Be- 
ziehung auf das an unsaubern, feuchten Orten lebende 
Tier nennt man unreinliche Leute Dreckmöllene" 
SchwE. — b) Beiname. .Hans, genannt Molli, und 
Hans, genannt Bitterli. Gebrüeder, beide Truchsess 
von Diessenhofen.' 1413, Eüeger. 

Mhd. mol(le) 111.. Molch, Eidechse. Unsere Formen zeigen 
mehrfach Aulehnung an Mal (tw. gespr. Moli, Fleck, und 
seine Abll., wozu das grell gefleckte Tier Veranlassung gab. 
Moli, Miilli als Neutr. kann als Dim. angesehen werden. In 
unseren 11 AA. hat die nhd. Form mit auslautendem ch erst 
in der neuesten Zeit Eiugaug gefanden (s. o. das Scheltw. 
Fr&t-M.). Im Vogelh. findet sich die Form .Molken (das 
m. oder heidnehsen)' neben dein fast durchgängigen .Maul. 
Moll(en)' im Tierb. S. noch die Umd. unter Mann. Bei 
den volkstümlichen Bezeichnangen niederer Tiere sind Ver- 
wechslungen, Vermischungen und unvermittelte Übergänge 
nicht befremdlich (vgl. (iueg Bd II 160 ff.); hier um so 
weniger, da es scheue, die- Verborgenheit liebende Tiere be- 
trifft; so könnten 1 c und d (gemeint ist wahrsch. nur der 
schwarze Al]>en-Salamander) und 4 auf Verwechslungen be- 
ruhen, definiert doch der Anonymus ad St. G'mol als eine 
Art schwarz and gelb gestreifter Eidechsen, womit aber doch 
nur der gemeine Molch gemeint sein kann. Vollends be- 
greiflich werden Verwechslungen, wenn es sich bei solchen 
Tieren um Constatierung der Stimme handelt; -filier sind 
unter 1 a ?.. T. auch die Unken mit zu verstehn, doch haben 
die Wassermolche immerhin einen leisen, 'bin der Unken 
ähnlichen Huf. Vgl. (lügi-u-Mul. 

Güg(g)e n - (in Z tw. Güg(g)e*-, in AaF. auch 
Gügqe*-)Möl (bzw. -Moli) AaF.; .B:' L; Schw; Z. 
-Maler Z; \. = Gügger3 (s. Bd 11 196) Aa ; L; Schw; 
Z; vgl. auch die Synn. GüllfenJ-ünggen Bd I 345, 
-Gügger Bd II 197, -Glüggerli Bd II 621, -Mügger, 
ferner Maien-Ferlin Bd I 921 und die weitem ümdd. 
unsers \V. Güg(g)en-Mümmeli , -Männli, -Moni, -Mörli, 
-Mörchli und s. mügg. — 2. Molch (spec. kleiner 
Wassermolch ZZoll.) Schw; Z; vgl. das Syn. Güxli 
Bd II 572. 

Sirte"-Mölli m.: Spottname auf die Älpler [weil 
sie Käsewasser trinken] Schw (MLienert). 

Schild -Mol: 1. gefleckter Molch G R Pr. — 
2. = G üg(g)en-Mol 1 GRh. — 3. „Schildkröte GRh." 
— Für GrPr. wird die moderne Form Molch angegeben. 

g'moll GrD., g'molkt GW., sonst mollig I (in 
AaB.; ZS. g'mollig): dickköpfig, aufgedunsen, fett, 
plump AaB.; „Gl;" Gr; GRh.; Sch; Z. G'molkti f.. 
schwammartiges Fett GnPr. 

Lässt sich vom Vor. für unsere MAA. nicht trei n. 

obschon nicht zu leugnen ist, dass die Bedd. sich tw. mit 
denen li,--; gemeindeutschen Ausdrucks ,moll, mollig' decken; 



vgl. Gr. WB. VI 8480, fe mo(l)let, Molen' bei Schin.- 

Fr. I 1589 und nnsi r IfuH, 1 1 ilttch. 

mollecht(ig) = dem Vor., mit dim. Bed. GaPr. 
,[Der Molch] hat einen gro sen und mollechten köpf.' 
Tierb. 1563. .[Der Gottlose] hat ein feisst mollachtig 
angesicht.' I.Lav. 1582. 

Molle". PI.: ungebrannt.' Backsteine Tu. 

Viell. zu Mull.- eig. die zerbröckelnden, oder wahrschein- 
licher, viril, der Westalt nach benannt, zu Mol ', <i ; vgl. 
ChrSttli. 

Mole" f.: eine Missgeburt, die in einer gestaltlosen 

.Masse besteht B (lt Zyro). — Aus frz. mfife, dasselbe; 
vgl. das syn. Mond-Chatb. 

Mitlest (in A.\; Bs; VO; /. Maläst, in Z auch Ma- 
läschge", in Ap Monist, in THTäg. Muel&st) f. (in L; 
Ndwj ZO. in.): meist PL, körperliche und geistige 
Beschwerden. Plagen Aa; Ap; Bs; B; VO; G; S; Tu; 
Z. [Schwerverdauliche Speisen] mache'd (Eim) Mo- 
lest(e"). Es par Pfund Fleisch uir' es pfündigs Brödli 
heigen im keiner Moleste" g'macht BM. (Schwzd.). Wenn 
i ch wider seit bettligerig verde" — und wie glV' war 's 
richtig g'si", ''ass m'r 's Bei" Moläste" g'macht liiitl ! 
so war Xiemer do zum Abwarte". BWvss. .Brutale 
Väter gibt es allenthalben, die Jahre lang um ihre 
Kinder sich nicht kümmern, aber bei der ersten ein- 
lest, die sie ihnen machen, mit der Schlegelaxt auf 
sie dar wollen.' N. B Kai. Auch i. S. v.: Schererei, 
Plackerei; Umstände. Dummheiten Bs. Syn. Stäm- 
peneien. Der Gholi macht sch%ni 's Maläste". Breitenst. 

Aus dein gleichbedeutenden it. molcatia. Bas Masc. uach 
den syn. Last, Schmerzen. 

molestiere*: Jmdm beschwerlich fallen. .Tindii 
belästigen, beunruhigen Aa; B; VO; Z. 

ver-malestiere": Jmdn belästigen, verdächtigen, 
heruntermachen B; S. Hei-ne" Angeri vermalestiert, so 
het er ne" i" Schutz g'no". Hofst. .Die Geiger ver- 
malestierten den Wirt schrecklich, der sie dursten 
Hesse, dass es ihnen ganz blöde geworden.' Gotih. 
.Es erzählte, wie Seine [die Seinigen] ihn's vermale- 
stierten und wie er deswegen mit ihnen Streit ge- 
habt.' ebd. ,Der als kurzer Mensch, der weder fassen 
noch urteilen könne, vermalestiert und abgefertigt 
werde.' ebd. 

molestig: belästigend, lästig VO. 

Moloss m.: Zwischenhändler beim Vichhandel, los. 
Gehülfe des Käufers GnVal. Syn. Bouss. — Aus dem 
it. „„,!.,*»,. Jagd-, Treibhund, in spottweiser Anwendung. 

lllul. in der Verbindung: ja m.! Ausdruck der Wei- 
gerung ZStdt. — Wahrsch. Contamination von mSgg und 

moü (für >ri t li. 

Mölelin: eine Frucht. .Pfirsich, Kestenen, die 
grossen und klynen M.. Tatelkernen.' ZZoll. Arzneib. 
— Viell. ungeschickte Wiedergabe des it. mellone. 

linde": den Laut mö! hören lassen. 1. muhen, 
von Kühen und Kälbern G (schon 1799). — 2. brum- 
men, von Menschen G. Weinen BMeir. — Vgl. dir 
Synn. moggen, mönen, muelen; auch holen. 

Mul 1 n., PL Muler, Dim. Multi Bf).; üw; U. sonst 
Midi : 1. ai Mund, nicht nur in roher, sondern auch in 
der gewöhnlichen Umgangssprache der allg. Ausdruck. 
En rechte Ma n " hed au c * e" rechts M. Aa. Einem 

Etw. immer um 's M. hiiiiih" striche", sieh", immer 



l"i 



Mal. nu'l. m i 1. mol. null 



176 



wieder vorbringen, z.H. Jmdn stets an empfangene 
Wohltaten erinnern 1!; Z. Er ist hei* Batze* wert 
und wenn er sechs Ghrüzer im M. hiitt Aa; Tgl. ,Mor- 
genstund hat Gold im .Mund.- 's .1/. wi Opj is, im Alles 
henke*, sich unbefugt einmischen 1!; Tu. .Wenn afe 
Eine eine Tochter in einem Hause [verheirate! | hat. 
mi hängt sie schon d's Maul in jedere Planne [mischt 
sie sich in die intimsten Geheimnisse des Haushalts].' 
Gotth. 's Wasser lauft-em dur' 1 ' 's M. i", er ist in 
dringender Not (eig. nahe am Ertrinken) Aa. 's Wasser 
wird 'in wol im i* 's 31. rünne*, er wird schon noch 
in höchste Not kommen, zu Kreuze kriechen müssen 
ZZolL .Keine Besserung an die Hand neinmen. Ins 
dass die Straf vorhanden und inen das Wasser in das 
Maul lauft.- Fastn.-Pred. 1601. ,[Noe und Loth] glau- 
ben ganzlieh nicht, dass Gottes Straf vorhanden, bis 
Jenem an dein Maul das Wasser war gestanden.' 
CMet. 1657. .Sie haben die >tatt erobert, alles er- 
würgt und uns zur Schlacht das maul aufgesperrt 
[uns zornig zur Schlacht gemacht; vgl. Gr. WB. VI 
1790].' 1590, Bs Jahrb. .Leiden, dass Einem die Mäuse 
im .Maul nisten.' GHeid. 1732. Zur Bezeichnung eines 
grossen, hässlichen Mauls dienen Vergleichungen wie: 
Es M. ha* ine en Bachofe*, Wäh-Schüssel, es Ofe*- 
Loch, Wäje'-Britt, Schüre*-Tor, e Leck-Täsche; d ass 
im'" ehönnt mit-ime* Heuwage* dri* fare*, en halbe" 
Tnii Batze*brötli, Schue^schlurgge* ine" bengle*, ''ass 
men-em [dem Betreffenden] ehönnt mit-eme* Hündische* 
.:' leihe" ge". wie wenn er s-ibe* Tüfel g'fresse* hält und 
ihr aehti ml'' 1 ' niy' h tee"lt: wenn er hieltet, se-n-ist de'' 
halb Ghopf e*wig Z. Es ist Xiit ,111-cni. n's 's 31. 
"De" tuet 's i\J. uf, d ass-em d' Schwalbe* chönnte* drin 
nieste*. Her lose Mund: Er het e" 31.. me* Sott b'schisse* 
[beschmutzte] Windle* drin näselte". Sdlger. Vgl. 
auch die groben Bezeichnungen für Mund: Goschen 
(s. IM 11 480), Loch (Bd III 1019), Läff, Schneuggen, 
Schnurren. Wafflen. Auch Bezeichnung für das ganze 
Gesicht oder der Mund als Das, wovon hauptsächlich 
der Gesichtsausdruck abhängt: Wenn 's di''' uf's M. 
hcre" leit Aa. /" 's .1/. gi'l-er Ei"- in gueti Wort und 
hinterruggs schimpft er Aa. Es l-'.t" in g'rad i* 's 31. 
säge* GnPr. E* wüests M. mache*, Grimassen schnei- 
den II; Z. En itntjuets 31. Hinein", eine unzufriedene, 
saure .Miene machen. Es Müli mache; ein weiner- 
liches Gesicht Tu: I'; '/.. E" 31. mache*, wie ne* Chue 
uf in Ebberi Sch. 's 31. rümpfe*, henke*, lampe* In" 
,1,11-1, -es alts Ross Bs; S) ; vgl. fül Bd I 788, henken 
Bd 11 1456/7 (dazu Hindern). 111 159), anhenken Bd II 
1460, ehriiml, IM III 821. BAA. betr. den .Mund 1) als 
den essenden. Me* muess um meste* für 's M. sorge" 
Sch; '/.. Mi*s 31. elmst't mv 1 ' eil. Schild, 's Jor het 
i" gross .1/.. erfordert viele Ausgaben. Sdlger; vgl. 
hüs-halten Bd 11 1237. Me* cha** 's 31. nüd an en 
sie,/.," binde", kann nicht leben, ohne zu essen Z. 
Wenn 's Esse" und so gär tür g'se* ist und nie" 's .1/. 
nO ch all urdele darr" 'brächt het. Ar Kai. 1848. Wie 
muess si ch de' Mensch a,e : - plage*, las er nu r 's M. 
versorget häd ZS. Von einem wohlgenährten Manne 
bei i es: Es chunnt em Alles zum 31. %; er hat 's 

und vom l.afl. er spart sieb Nichts am Munde ab Z. 
Voll einem Reichen oder .Im. Im, dem alle Wünsche 
erfüllt werden beis I es: Er cha** nw säge* : M., was 

Witt? I>a Iteseh '. Bs; Seil; S; Tu; Z; vgl. gatlljieil Bd 11 

310. Vgl.: .Sv hnml gross pfruenden, zenf und gült, 
nel nach allem wollusl erfüllt: .Mund, was magst, herz, 



was witt?' NMan. Scherz w. fordert man Kinder auf: 
Heb (tue) 's 31. n/ and d' Ann," :ae. um ihnen dann 
etw. Gutes (oder boshafterweise etw. Schlechtes) in den 
Mund zu stecken Bs; Tu; Z; vgl. die betr. Scene bei 
HPest. (Ausg. v. 1881) I 161. Mer treffet! (fmded) 's 
M. scho* (>to c ''J, RA., wenn man am .Morgen früh oder 
Ibends spät ohne Lieht speist Tu; Z. Gesundheit für 
tni's 31. — die Ander," sind doch s* fül, sagt Einer 
scherzh., wenn er selber tapfer zugreift, während die 
Andern blöde sind Z. 's .1/. wüsche" mal gä; un- 
mittelbar nach dem Essen mit Verzichtleistung auf 
den Anstand, tw. auch ohne Hank, vom Tische auf- 
brechen und seinen Gastgeber verlassen Aa; Bs; B; 
Gl; L; S; Th; Z. Man lässt sich etwa zu Tische 
nötigen, indem man sein Widerstreben damit recht- 
fertigt, dass man doch nicht anders könne als 's 31. 
if. a. g. Bildl. : D' He.ei hl' chjäne" d's 31. w. u. g. 
[mussten leer abziehen] BLenk. Übertr. auf andere 
Verhältnisse erhält die LA. den Sinn: einem Andern 
überlassen, die Suppe auszuessen, die man angerichtet 
hat; den durch uns in Verlegenheit und Not Gebrach- 
ten allein zappeln lassen. Bildl. : An Eppem d's M. 
wüsche*, unanständige, unverschämte Worte an Jmdn 
richten, spöttelnde Bemerkungen über Jmdn machen 
BR. Er isl e* cltlein e" Leide' . er niiies" an allen l.uten 
d's 31. wüschen. Ei"ni Öppis vor "'< m 31. (e*)wcg ne; 
aus Neid gar Nichts gönnen mögen Tu; Z. ,So man 
[den Belagerten] 's brot bym m. tuot b'schnyden. wer- 
dend s' dest e in'n abfall g'richt.' JMurer 1559. .Da- 
mit nit vermeint werde, dass sy andern nationen das 
brot vor dem m. absehnydeii.- 1585, Zellw., l'rk. und 
ähnlich 1051, Seg„ RG. III 198. Bildl.: Ei'tn Öppis 
rar ''ein 31. eweg (US •'ein 31.) ne", Jmdm eine Be- 
merkung vorwegnehmen Aa; Bs; G; Th; Z. Er gab 
Ei"- in [aus Herzensgüte] d'Sachzum 31. üs. D' Mueter 
,,, l 's ,1," Chindc" vom 31. weg, darbt es sich am eignen 
.Munde ab G; Z. Da blibt em 's 31. säber. da hat er 
Nichts zu erwarten S; Z. Zwüsche* 'in M. und der 
Suppe* vergönd vil Sache* Aa. Zwische* 31. nml Löffel 
wird eil Suppe* verschüttet L. Ei" in (de"\ Speck, 
,1' Speckschwarte* dür el 's 31. zielt.," - Ei**m 's Hälmli 
durch 's 31. zieh (s. Bd 11 1201) Bs- GrD.; Tu; Z; vgl. 
l'iieili. '.- Wasser lauft-mer im 31. e'sämme; eshät-mer 
's Wasser im M. z'sämme* 'zöge*, 's Wasser ist-mer i* 's 
M. chö*, der Mund wässert mir darnach Aa; Bs; Tu; Z. 
Ei" in 's 31. :' wässere* mache". Id. B. ,Den Galileern 
hat das Maul nach der alten Freiheit wiederum ge- 
wässeret.- JMvll. 1665; vgl. Gotth. I 269. 358. 's ilf. 
verbrenne*, sein Gelüsten durch schweren Schaden 
büssen müssen B; VO; Th; Z. Wer einist 's 31. rer- 
brönnt hed, bläst d' Sttjijie". Ineichen. Wer es eige's 
31. lad. hrtielit si' h d' Suppe* nid von Andere* lo* z' 
blase*, ebd. Wer 's 31. no ch em Sack richtet, der ver- 
dirbt nit AaEiu. L' h ha* deich [denke ich mir] so «e,s 
Süfers 31. n's da. lässt Joach. Jmdn zu der Tiscb- 
nachbarin sagen, die Ärgcrniss daran nimmt, dass er 
aus ihrem Glase getrunken. Es ist Lei" in 31. /.' traue", 
auch wenn man satt ist, gelüstet man noch nach mehr 
'/.. Wer alli Welt fresse" will, muoss es gross 31. ha* 
W. Es 31. (in Aa auch 31a) voll, ein Hissen; vgl. 
Mumpfel. Kes M. voll, fast gar Nichts. Bildl.: 's M. 
(z'J rttllne". aufschneiden, überfordern, übertreiben Bs; 
Seil; S; Tu; Z. Auch pers.: Esser B: Z. ,Er het vil 
Muler .'erhalte", multi convivae mensae ejus assident.' 
Id. B. .Ist es um lies gelles willen ze tuen, so ist es 



177 



M;l 



in nl 



178 



der rechl papstb'schiss, ilass man die narren um die 
mUlei salbet | ihnen Speck durch's Maul zieht], dass 
sj gold and gelt gebind.' Zwingli. Heim Gesundheit- 
trinken redet Einer seinen eigenen Mund an: ,Ich 

bring dirs. m.. bed backen voll.' Aal 1549. Mit Bez. 
auf den Nachgeschmack auf der Zunge Ap; Bs; B; V<>; 
Tu; \V: Z. /-.'" guets (wguets, schlechtsj 31. ha*. ,Es 
guets M. »xicln". njitimo ferculo convivium claudere.' 
Id. B. Zucker gi't c" süess 31. Th. ,Etw. zu einem 
euten Maul zurücklegen, einen Leckerbissen, eine 
Süssigkeit auf einen gegebenen Augenblick sparen' L. 
D's ganz Gcgräinjuilwerch [kleinliche, unangenehme 
Arbeit] mues' i rh allei" tuen und du liest nur d's guet 
31. [den Vorteil davon] W. Ei*'m es süesses 31. mache; 
bildl.: Jmdm Etw. recht anpreisen, in ihm das Ver- 
langen darnach wecken BO. — 2) als den sprechenden, 
singenden. '« ist im en Jedere" 's 31. selber g'wachse*, 
Jeder darf seine eigene Meinung sagen Ap. 3Ie" cha"" 
Ei**m 's 31. nüd verbüeze* [zunähen] 1) man soll ihm 
das Essen gönnen Aa; Z. 2) muss ihn reden lassen 
Aa; VO; Th; Z. I ch gibe" dem M. z' esse", es muess 
rede', wie ich loill L; Z. Si"m M. nüd vergebe" z' 
esse" ge" Sch; Z. .SV müend au ch Öppis säge" [wenn 
auch nur, damit Etw. gesagt sei], si g'end ire" Muh rc 
auf* nid vergebe" z' esse". Wolf, Gespr. Vil Mills, 
wenig Herz Z. ,Sy ward verwandlet zue einer salzsul, 
«lartimb dass ir g'müet, herz und m. sich stets ängstet 
nach irem guet.' Haberer 1562. Es 31. ha" wie en 
Bändel- Jud (s. Bd III 13), wie 's Madläli Bader 
(Sprww. 1824), wie en Bettler-Bueb, Ank e" -Bettler ; vgl. 
Advokat, Pfarrer. Der hct es M.! ist ein gewandter 
Redner, Zungendrescher, urteilt gern nachteilig über 
Andere Aa; Th; Z. Der het es M. : es haut und sticht 
nie en Schwizerdege", wie 's Anni's Bölle'messer. Auch 
pers. wie im Nhd. ; dazu das Dini. Muli, Plaudermäul- 
chen Z. 's M. lo" /lüge", seiner Zunge freien Lauf 
lassen Aa. Me" muess-em uf d' Finger luege", nid uf 
's M. Sprww. 1869. 's ist Nüt als M. an-em Z. ,Alls 
mit d em M. mache", habere verba et praeterea nihil.' 
Id. B; Th. 's ist gll ch e" lärs M. »/'- und zueg' schlage", 
Spott auf Solche, die unerfüllbare, leere Versprechun- 
gen machen Z. 's M. nüd dilicime", nüd im Sack ha", 
nüd in'n Sack stecke", am rechten Ort ha", um eine 
Antwort nicht verlegen, keck, beschlagen sein im Beden 
und Antworten Sch; Th; Z; vgl. gelächerig Bd III 1003. 
In Allem 's M. wasche*, in Alles hineinreden GrHc. 
Er het 's M. eisster off; 's M. stat-em nie still, allg., 
g'steit-em nie. Id. B. 's M. lauft (er hat es M.J wie 
ne* Belle" Z; vgl. laufedi Schuld (Bd III 1125) und 
Wasserstelzen. Ei"'m über 's M. fare", im Reden un- 
anständigerweise ihn unterbrechen, mit einer treffen- 
den oder derben Bemerkung zum Schweigen bringen 
Aa; Th; Z. ,Männer, die ihren Gehülflnnen sogar vor 
Kindern und Fremden über das Maul fahren.' Sintem. 
1759; s. noch Bd I 890. ,D's M. g'schweige", linguam 
occludere.' Id. B; = Ei"'m 's M. verschoppe" L; Th; Z. 
Wir alle" Litte" d' Muler will verschoppe", Dc r brückt 
vil Lümpe". Ineichen. .Wülcher fürhin den vollen 
[vom Wein trunkenen] Noah allein für g'recht und 
guet will halten, dem kann ich 's m. schoppen damit 
[da er sich nun diese Blosse gegeben].' HvRüte 1546. 
,Hamman: Ich will in en d' müler g'wüss verstopfen 
und b'sunders dem heillosen tropfen [Mardochai].' 
JMürer 1567. 's M. z' wit üftue", sich allzu zuver- 
sichtlich äussern; zu viel verraten Th; Z. Si schwätzt, 
Schweiz. Idiotikon. IV. 



*ass me' meint, 's M. sott-eren abfalle' Hs. .Bist du 
denn noch nicht müde [vom Singen]'? 's isch- mer. 
's sott'der bald 's M. abg'heie* deren". Breitenst. Hall 
's M.l hell 's M. zue! allg., zur Abschwächung der 

Derbheit etwa mit scherzhaften Zusätzen, wie: 'schunni 
ehalt ine Z, oder: Halt 's M. mit Stei'werfe' Bs. 
1)' Ilaiid cor 's M.l man schweige! Aa. Zu Kindern. 
die bei Tische immer reden, sagt man : Gib dem M. 
z' esse" und schwig! Th; Z; vgl. zue-han Bd II 925. 
Schirlg. M.. ii mues't dann e" Cliüechliha" Z. i eh gib- 
der e" Weggli Ap (Abfertigung). Besser, dass »»;<" dem 
M. e" Brütli chaufi, a's all schwätze" Ar. .Einem Ver- 
lümder sein Sprach zu änderen ist kein besser Mittel, 
als ihm etwas Guts in's Maul werfen.' FWyss 1670. 
's M. verlöre" ha", nüd uf- (ab-enand) tue", keis M. 
spalte" möge", (beharrlich) schweigen, wo man reden 
sollte Ap; Gl; Z (etwa mit dem Zusatz: me" muess- 
em e M., oder derb : e" Chalberschnörrli chaufe"). Ein 
Wortspiel beabsichtigt die Anekdote vom Sämichasper, 
der, als er in den Jauchetrog fiel, gesagt haben soll: 
I ch mag nid 's 31. uftue" Ap. Ei"'m 's M. abchaufc", 
ihn zum Schweigen bringen ZWäd.; vgl. Bd III 171. 
D' Mueter luegt verstund, si findet d's 31. nu r bloss 
[findet keine Worte mehr]. Schwzd. (U). Ist-der 's M. 
zueg' fröre"? Solger. Einem 's 31. breche", zum Schreien 
öffnen BHa. Duo han i ch düo miessen uifsägen [auf- 
schreien] und düo hed 's-mer düo d's 31. 'brocken. ,Es 
ist uns die Freiheit nicht darzu gegeben, dass wir 
widerwertigen Leuten das Maul wider Gott und seine 
Religion aufbrechen.' Pontisella 1602. ,Das Maul 
will ich verbinden, was ich auch je von Leuten werd 
gefragt.- Z Neuj. M. 1706. im Wechsel mit ,Mund.' 
Uf's M. sitze", hocke" (s. Bd II 1122), wenig und nur 
mit gutem Bedacht reden VO; Sch; Z. ilfe" muess 
(seit) uf ''em 31. hocke" (wie uf d em Füdli), sott im 
[sich] selber uf's 31. hocke*. ,Sie waren schweigsam, 
hocketen sich selbst, wie man zu sagen pflegt, auf 
dem Maul.' Gotth. Von Jmdm, der zur unrechten Zeit 
geschwatzt, Etw. ausgeplaudert hat, sagt man: 's war 
besser, er war selb 3Iöl uf 's 31. abg'hocket als uf 's 
Füdli Sch; Z. Si hat irem M. Sorg, schwatzt nicht 
viel Aa; Z. 's 31. fg'Jmeistere" (möge") B; Z; vgl. 
hinderen-liiilien Bd II 015. D'm 31. d' Bechni'g mache", 
seine Zunge im Zaume halten B. Züsi, schwig u'"' 
v'rsüng-di"' 1 uit ! Denk, wie 's dem alte" Schlifer 'gange" 
ist, wo o ch slm 31. kei Bechni'g g' macht het! Gotth. 
Mi's 31. ist-mer so lieb als ire" ires, warum soll ich 
den ersten Schritt zum Entgegenkommen tun? sagt 
der schmollende Ehemann Z. 's Wort im M. umme*- 
tröle", ein Wort nicht finden oder herausbringen GRh. 
Es gat (lauft, fartj-mer im 31. umme" Aa; Ap; Bs; G; 
Th; Z, 's ist-mer om 's 31. omni«" Ap. es schwebt Hin- 
auf der Zunge; vgl. Bd II 16; B°d III 1162. De" Lüte" 
i" d' Müder (hin Müdere* umme", in alli Müler Ap) 
cho", Gegenstand ihres Gesprächs werden (meist in 
ungünstigem Sinne) Aa; Ae; Bs; B; VO; S; Tu; W; 55; 
Syn. in 's Geschrei clion; vgl. Fuess Bd I 1088. 31e* 
chunnd Hecht de" Lüte* i" d' Müler, aber nid Hecht 
wider drüs. Ineichen. .Volitare per ora virorum, aller 
weit im maul umbhingon.' Fris. ; Mal. ,Dass der 
vatter nit gern hatt, dass syn dochtor also den lüten 
im m. louft.' ThPlatt., Briefe. ,Du gast wunderbar- 
lich mit dym Madlenlin den lüten im m. umb [deine 
Liebschaft mit M. ist in aller Leute Mund].' ebd. ,Es 
ist im bloss us ''em 31. g'sl", nondum dixerat.' Id. B. 

12 



170 



Mal, mel, mil, nml. uinl 



180 



Öppis i" 's M. n'e": i" 's M. n'e", rem üjijtis :' rede", das 
Ge präch auf Etw. bringen B; L. /<•'■ ha" J>n" nit 
g'sät, '■'■ nimmen eso-n-e* Wort nie i" 's M., brauche 

nie Tu. ,Geng im M.ha", verbum frequenter usur- 
pare.' Id. B. Höflich s»" und gueti Wort ge n , bricht 
Keim 's M. Sulger. So Appas durch 's 3t. zieh", von 
einer Sache etw. Unnötiges reden W. Wer Alles irett 
verseile" — brückte es nasses M. MLienert. ,Sein Maul 
zur Tasche machen, seine Worte wie ein Lügner 
zurücknehmen müssen' Bs (Spreng). ,Er ist häderig, 
lässt sich das maul übereilen [spricht unbedacht].' 
1534, Synodalcensur. — 3) als den (wegen vorlauten, 
unanständigen oder lügnerischen Redens) zu züch- 
tigenden Körperteil; vgl. Hand Bd II 1384. .Ein 
dreck uf'sm., der war dir guet!' derbe Abfertigung. 
VBolz 1554. ,Er schlueg die feind sighaft auf's maul. 1 
Wurstisen 1580. S. noch Ofen Bd 1 HO, Aug Bd 1 134, 
Gugel-Fner Bd I 972, in-gän Bd 11 21, Giel Bd II 213, 
G,il Bd II 219, gunnen Bd n 332, gäng Bd II 355, 
Gitzi Bd II 577, dar-han Bd II 924, Hammer Bd II 
1272, Humig Bd II 1367/8, un-be-hamven Bd II 1811, 
ehalt Bd III 211, rer-chereu Bd III 439, eer-chn'ittloi 
Bd III 870. baschgen, Brot; Sprww. 1809, 71/2. — 
b) Maul der Tiere, jedoch in beschränkter Anwendung 
(sonst Läff, Schnorren) Aa; B. ,Kühe melkt man 
durch's Maul', d. h. der Milchertrag hängt von der 
Fütterung ab AaF.; vgl. das syn. d' Milch muess dur eh 
de" Baren i". M. für M., .Tier um Tier im Tausch'. 
z. B. ein .Maisrind' für ein .Zitriud' auf die Alp; oder 
es wird unter dieser Formel z. B. ein Bergrecht auf 
Rischem mit 1 Füssen gegen ein Bergrecht auf Gem- 
menalp mit 5 Füssen getauscht B öO. ,Worüberhin 
Ihr Gnaden denselbigen Platz, bis der Schutz [Auf- 
wuchs an Jungholz] dem Vieh us dem Maul erwachsen 
[also von ihm nicht mehr erreicht und geschädigt 
werden kann], alten Landsbrüchen gemess einhagen 
wollen.' 1077, AiWctt. Klosterarch. — % 's ober (un- 
der) M., die Ober-, bzw. Unterlippe B; Gr; S; Z. ,Ein 
obermul eines ochsen umb 1 ß; ein undermul umb 
5 ,',.' 1544, Srii Ratsprot. — 3. 's M. uftitc", von 
Schuhen, = ginnen L; Z; vgl. Läff 2 (Bd III 1110). 
— 1. Schnauze. Ausgussrinne an Gefässen Bs. — 
5. Dim., der 16. Teil einer Mass (gleichs. ,ein Mund 
voll') ZO.j Syn. es Chlises (s. Bd III 652), Budeli. 

Mini, mttl(e) in Bed. 1. Pie Form Mü ist in AaLeer. 
1 ■ röhnliche in Zss. ; vgl, 11. 185 und Schue-Meister. Eine 
Parallele zu der Verdrängung des edlern Ausdr. durch den 
gemeinem bildet das lat. bncca, welches in den rem. Tochter- 
sprachen zur Alleinherrschaft, mit Ausschliessung von o«, 
gelangt ist. Zu 1 a 2. '* MadtiUi Bader ist wahrsch. eine 
Erinnerung an die auf den Namen Göldi veröffentlichte 
Satire über den Religionskrieg von 171'J. 

Acker Aher-Müli = Sammet- Violen (s. Bd 1 635) 
GWe. — Hie Blüte hat viel Ähnlichkeit mit einer Rachen- 
oder Lippenblüte. 

Pluech-: Schelte auf einen Menschen, der oft 
llucht und schwurt Z; Syn. Schwer-M. — Flotz-: 
das haarlose Hautstück am Maule der Wiederkäuer, 
das sich von der Oberlippe an aufwärts bis zum obern 
Rande der Nasenlöcher hinzieht. VeterinIrspr, Syn. 
Nasen-Spiegel. Ein wisses FL, d.h. weisse Behaarung 
um das eigentliche Fl. herum, ist das Zeichen reiner 
Rasse der braunen Oberhasler und Walliser Kinder. 

Frösche"-: 1. Zange mit breitem, dem eines 
I' ms. lies ähnlichen ,Maul' L. - 2. Dim., eine Art 



Verzierung am Saum von Frauenkleidern, an Hauben. 
Hüten oder an Halskrausen, bestehend aus ^offerier- 
tem' [s. Bd II 131] Tüll udgl. oder aus zackig umge- 
legten Bändern Bs; L; Soh; Z. — .'1. Dim., Pflanzen- 
Barne, a) = Leuen-Läff (s. Bd III lllü) Scb; Z. — 
b) gelbes Löwenmaul, gem. Leinkraut, lin. vulg. Tu 
Mainm. — c) gem. Milzkraut, chrys. alt. G. — frö- 
sche°-müle n : Spitzen usw. aut die unter 2 bezeich- 
nete Art falten „L; Scb." 

Zu 3. a und b siud benannt nach der Form der Blüte; 
vgl. die Synn. zu a: (Leuen-) Schnorren, Drachen-, Wolfe- 
Schnürrli, Schnapper, Leuen-Zand; zu b: Hasen-Mul. Zu a 
und b sind syn.: Mul-Äjlli (Bd I 101), f.euen-Jiächeli. 3 c 
dagegen ist benannt nach dem Staudort am Wasser; vgl. die 
Synn. Chrotten-Müli, -Blüemli, F'üecht-Berli. 

Geifer-: Scheltname, = Geiferi (s. Bd II 129). 
.Vorhin galt bei menklichem alles, was ich [Hiob] 
redt und tet, gar vil; yetz verspottend mich die jungen 
geifermeuler.' LLav. 1582. Auch bei Haberer 1562. 
- Ginn-: 1. = dem Vor. Haberer 1502. — 2. der 
Blutstrieme, serr. cabrilla. Fischb. 1503; s. ginnen 
Bd II 329. — Gränni- = Grannen 1 (s. Bd II 744) 
„Aa; Bs; B; LG.; S"; vgl. Zänni-M. Es Gr.-Müli, 
Schmollmündchen B. — Gross-: Grosssprecher L; Z. 
Gr. ist bi der Arbet ful. — ,Höch-: brochus et bron- 
chus.' Mal. — Höll-: Höllenrachen; unter Theater- 
requisiten genannt. 1583, OBwKerns. — Hampetzgi-: 
Schelte auf ein weinerliches Gesicht ZRicht. S. Amei- 
sen Bd I 216. — Hau-: derjenige Teil des Gewehr- 
hahns, in welchen der Feuerstein festgeschraubt wurde. 
Z Verordn. für die Büchsenschmiede 1821. — Hase"- 
Müli: 1. stark gespitzter Mund. Zuckermäulchen Bs; 
B (.osculum.' Id. B); L; vgl. H.-Kuss Bd III 528. Es 
IL machen. — 2. = Fröschen- Mül 3 b Aa. — Chüe- 
Mül: Kuhmaul, von Menschen: grosses, breites Maul 
Z. Wenn Jmd ohne Gruss vorübergeht, ruft man ihm 
nach: Wenn i eh anal ge" Züri' 1 ' gä". so vill-d'r denn 
es Gh. chaufe" ZS., W. Es Gh. roll, ein tüchtiger 
Schluck. Mund voll ZS. Es Tröpfli Brenn ja, bloss 
es Ch. voll. Wolf, Gespr. ; vgl. Chüc-Schluck. Nach 
dem Schwabenkriege (a. 1499) Spottname auf die 
Schweizer; vgl. ABirl. 1808, 43; 1890, 43. .Wann 
wend die küemüler wychen?' Spruch von der Schlacht 
bei Dornach. .Zu Konstanz haben Zwei einen Schwei- 
zer als K. angeredet und ihn gefragt, wo er den Kuh- 
schwanz habe.' 1522, Anscu. Noch im 30jährigen Krieg 
auch von Schweden und Franzosen angewendet; vgl. 
Gfd 27. 203. — Chalbs-: 1. Pflanzen name. n) = Frö- 
schen-Mül 3 a. Durh. — b) Chalbermüli, hohe Schlüssel- 
blume, pritn. el. BSa. — 2. Zuname. ,Hans Walther. 
genannt Kalhsmul.' 11 19, Auscb. — Chirsi-, Chriesi-: 
Mund, der vom Genuss schwarzer Kirschen dunkel ge- 
färbt ist Aa; Bs; VO; Tu; Z. Es Chr. ha". Ähnlich: Es 
Heiti-, Heubcri-M. u. A. B; Z. — Chlapper-; Plapper- 
maul BsL.j Syn. Lafer-, Bappelen-, Bladcr-, Binder-. 
Matsch-, Schnäder-, Schnatter-, Trätsch-M. — Chrot- 
te n -Müli = Fröschen-M. 3 c G. — Lafer- = Ghlap- 
per-M. BR. Syn. Laferen Bd III 1109. — Luge"-, in 
Z auch J.ngi-M.: Lügenmaul Bs; Gl; Z. — Leckerli-: 
Spitzname Bs; vgl. Breitenst. 18G4, 89. 

Lampele"-, in Scnw; Zg Lampi-M, - Lampelen 

(Bd III 1274) VO; Z. Es L. mache", ein unzufriedenes 
Gesicht zeigen; Syn. Lätsch-M. — Vgl.: .Kumrnt da* 
ampelenmul [KPfyffer] usshin [aus Frankreich].' 1569, Seg., 
Pfyffer. Vgl. noch L len Bd III 1266. 



181 



Ma 



'1. Illil. Hin). II) || I 



182 



Läschi- i- : einfältiges Plappermaul ZKüsn. — 
Latschi- ä: Hängemaul L; vgl. Latsch 3. Es cer- 
tschieggets [unförmliches] L. — Latsch- = Lampelen- 
M. 13; „L;" Z; Syn. Latsch. — Läutschen-. ,Hunds- 
schlund, löutsehenmaul, caninus rictus.' Fris. ; Mal. 

— L c u "' e ° - M ü 1 i : Pflanzenname, a) = Fröschen-M. 3 a 
Aa; B; Sch; Z. — b) gel"s Leuenmüli = Fröschen- M. 3b 
A.Uib. — Bappele n -Mül= Ghlapper-M. Z. — Bap- 
pe°-: 1. Mund mit dicken, fleischigen, lüsternen Lippen 
Sch. Si hct e" recht B. — 2. Bappe*mMi, scherzh. 
Schelte auf ein Kind, das gerne Brei isst. ebd. — 
B iisch eli-M ü li: Zuckermäulchen, Spitzmäulchen B; 
vgl. Strüss-M. Eine Frau, welche, im Begriffe in Ge- 
sellschaft zu erscheinen, ihren Mund schon zu einem 
B. zurechtgelegt hatte und der Magd noch den Be- 
fehl erteilte, ,Böhnli - zu kochen, fiel aus der Bolle, 
als das Dienstmädchen den Befehl nicht verstehen 
konnte, und herrschte die Magd an: Bone" chochest- 
mcr! Miiest-mer du iez 's Mol doch no ch verderbe'! 
.Eine hübsche [Schwiegertochter] wollte es, aber doch 
nit so ne Gäuggel mit emene B. und z'wegknüblets 
Kruselhaar uf d'r Stirne".' Gottii. ,Ürsi flattierte dem 
Ueli, machte süsse Büschelimüli.' ebd. — Blader- Z, 
Bläder- Gr = Chlapper-M. — Blutt-: bartloser Mund; 
unfähiger Mensch. ,Bl. ! Bl. !' Ruf des Kuckucks, auf- 
gefasst als Vorwurf, den die enttäuschte junge Frau 
ihrem impotenten Ehemann zuschleudert. Schimpfr. 
1651. .Wottst saufen, BuebV Ja frylich, ja! Zum 
Wasserkrueg sollt du nach stä". Den Barten g'hört 
der küele Wein, d' Bluttmüler sond darneben sein.' 
Jon. Mahler 1674/1761. Hieher wohl auch: ,Es sygen 
vil der Blutmüler im Rat, sy können kein Bat nit 
geben.' 1651, Seg., RG. S. noch chlepfen Bd III 674. 

— Prolosehe"-: Prahler, Unverschämter Sch Kl. 
Syn. Prolosch. ,Ein wüster Grosshans, sie sagen ihm 
Pr.' Pilger 1884. — .Bruminel-: ein aus Unwillen 
verzogener Mund B; L." 

Bris-Müli = Biischeli-M. Sch (Sulger). Es Br. 
milche''. — Von brise*, fälteln, kräuseln. 

Brietschi-Mül: zum Weinen verzogener Mund 
Aa. Si hcegen-ech so trürig drl" und fand a* Br.-Müler 
mache". SLandolt 1815. — Rüde"-: Mund, um den 
die Haut, z.B. in Folge von trockener, kalter Luft 
oder Schnupfen, aufgerissen (und gerötet) ist GlK. 
- Rife°- ßs; Z, Rufe"- Th: Mund, der von Schorf 
umgeben ist; vgl. Gräuben Bd II 686. — Ruepel-: 
beschmutzter Mund Sch. — Ratsch- = Cldapper-M., 
doch derber Bs; Z. — Süu-: Maul eines frechen oder 
schamlosen Menschen, auch dieser Mensch selber Z. 

Salat-: Schelte, grosser Mund AaL.; Bs. — Vgl. 
das Sprw. bei Wander: ,Zu eim Salat gehört ein gross Maul.' 

Sürfeli-: Mund, der sich spitzt, um behaglich 
Etwas trinken (schlürfen) zu können S. D'r Hans- 
Christe* seit »<><>■ mc büschelete r [vgl. Büscheli-M.J S.: 
Da' 'sch e" famose' Tropfe"! Schilp 1885. — Süess-: 
Leckermaul Bs; s. Schwzd. 23, 3. Syn. Zucker-M. 

Schaf-: 1. im eig. S. Wann mc" all Segese'züg 
numme" no ch nes Sch. coli abmäit, vcrdicnct-me" no ch 
Chüechli und Fleisch S. — 2. Dim., Pflanzenname, 
a) Acker- oder gemeiner Feldsalat, valerianella ol. (von 
Pritzel-Jessen als schwz. angegeben). — b) Keusch- 
lamm- oder Keusehbauni. vitex agnns castus. .Abra- 
hamsbaum, künschbaum. schaffmüle, salix amerina, 
vitex Dioscoridi, agnos.' KdGessn. 1542; Fris.; Mai,.; 



Denzl. 1677; 1716. ,Agnicasti, Schalfsniüllensamen.' 
Bs Apothekertax 1701. 

Zu •_' b. Wahrscheinlich durch Missverständniss, indem 
der griech. Pflanzeuname agnos mit dem lat. agnns ver- 
wechselt wurde; anch ,Mule' steh! nicht fest, indem dir 
Pflanze sonst auch .Müllen' (wahrseh. zu ,Mull, Müll', Staub) 
heisst; vgl. Bock, Kräuterb. 15TT. :!7'.i/^o : Zwinger 1696, 
200/1; .Schafmaul' bei Gr. WB. S. noch Sch.-Müten. 

Schlehe"-: saures Gesicht, wie nach dem Genuss 
von Schlehen GSa. Wimm,-i ch üser'ge* [Wein] versuechti, 
machti c" liells Schi, ä'rzue. G Prophet 1855. Vgl. Sfir- 
erbselc'-G'sicht. — Schleck-: Leckermaul; auch pers. 
Bs; B; Th; Z; Syn. Zucker-M. .Eruditum palatum, 
ein schl., der gern guete bissle oder mümpfele isst.' 
Fris.; Mal. 

Schlucke"-: Mund mit Zahnlücken BsAllschw. 

— Das Wort ist elsässisches Sprachgut; vgl. nihd. ducke, 
Lücke. 

Schlutten-: Scheltw. ,Der Pfaff, der hölzin Art', 
das Schi.' JMahl. 1620. — Zu .Schlutten', weite Hausjacke. 

Schnäder- Bs; Z (in Ner. Näder-), Schnatter- Ar 
= Chlapper-M. .Schwätzer, Schnättermul, ungstümer 
Redner, Schryer, loquax.' RCvs. 

Schri-: Schreihals Ndw. — Schwer- = Fluech- 
M. Z. ,Ein gottlos Schw.' FWvss 1672. — Strüss- 
= Büscheli-M. Sch. E Str. mache", den Mund spitzen. 
Scu Pilger 1869. — , Taschen-: Löffelente, anas clyp." 
Vogelb. 1557. Syn. Schilt-Ent(s. Bd I 355). — Trolli-: 
Mund mit aufgeworfenen Lippen AaZ.; L. „Grosses 
Maul mit herabhängenden, gleichs. übergelegten Lip- 
pen VO; Z"; Syn. Wurst-M. ,Labeo, Chilo, der gross 
lefzen oder ein grosses maul hat, troll(en)-maul.' Fris.; 
Mal.; Denzl. 1677; 1716. — Trüsche"-: spitzer Mund, 
bzw. ein Mensch mit einem solchen Z. E" Tr. mache". 
Nach anderer Angabe: Mund mit rundlichen, nicht 
spitzen Winkeln Z. .Trischenmul', Schelte auf einen 
Pfaffen. NMan. - Tratsch- = Chlapper-M. .Hätte 
Kätti mit ihrem Tr. Alles hintereinander gereiset 
[gegen einander aufgestachelt].' B Hist. Kai. 1849. — 
Wäueli-: zum Spott verzogener Mund, wobei die 
Unterlippe herabgezogen wird BAarb. — Wäje"-: 
grosser, weiter Mund, bzw. Mensch mit einem solchen 
AaFh.; Bs. — Wolf-. .Die Arzatin N. N. wurde be- 
schuldigt, mancherlei Zauberei bei sich zu tragen, 
Wolfaugen, Wolfmilin . . .' Bs XIV. — Wanne"- = 
Wäjc-M. ZO. — Wurst- = Trolli-M., bes. wenn dir 
Lippen, z.B. infolge Insektenstichs oder eines Schlages, 
angeschwollen sind ScnSt. ; Z. Ein solches W. be- 
kommt man auch durch das Anrufen eines Gespenstes 
Z. .Labeo, Gross-, Wurstmaul.' Vesiib. 1692. Es W. 
mache", den Mund verziehen, die Lippen aufwerfen, 
wenn man mit Etw. unzufrieden ist ZO. (JSenn) ; Syn. 
e" chrumms M. mache". — Z ucker- = Schleck-M. Ar. 

— Zänni-: grinsender Mund, bzw. Mensch mit einem 
solchen Mund Ndw; vgl. Gränni-M. 

müle": 1. den Mund stets bewegen SchwE. — 
2. verächtlich für sprechen; schwatzen, ausplaudern 
GrO. ; Scu; S; W; Z; Syn. yoschcn. D' Meidlc" us 
•'cm ganze* Dorf chäme* zur Spüse*. Du wird denn 
Ei"'s g'müled, ei b'hüet-is Gott! Schwzd. B'hiet-isch 
Gott, ran am so braven Her so Appes z' m. W. Er 
het-cm möge* einstelle", wie lang er [der Lehrer] für 
das Geld mües'i m. und Club und Schuclstauli schlucke". 
Hofst. Spec. a) oft mit Dat. P., auch umme"-m., = 



I - 



Mal, niol. liiil. mol, llllll 



184 



's Mül brücke", bes. gegenüber Obern, z. B. von Kin- 
dern beim Tadel ihrer Eltern; trotzen Aa; Ap; Bs; B; 
I : VO; Gr; G; Th; Z; Syn. ufbegeren (s. Bd 11 403/4). 
])'r Chnecht hed ,! em Herr g'mület Sohw. ,Er maulte 
im Hausgang.' Z Prozess lSTii. .Kein Landvogt sei 
mehr sicher, dass ihm nicht Einer maule in der 
Audienzstube.' Gottu. — b) zanken, schelten, schim- 
pfen Gr; L; Ndw; U; W; Syn, chiben, chiflen (derber 
als Dieses). St muled mid enanäere* Ndw. Der Marti" 
liet g'werchet undg'mülel und g'fluechet derzue. Schwzd. 
(TJ). Jmdn mit derben Worten zurechtweisen, aus- 
spotten \V. — 3. grollen, schmollen; das Maul hangen 
lassen; heimlieh erbost tun Aa; S; U; Syn. müsen, 
Schalken. — 4. ächzen, stöhnen, vor Schmerz, Schwäche 

BSi. — Vgl. das mehrfach syn. »<» i 

ab-müle": Jmdn derb abfertigen TiiTäg. — 
über-: Jmdn nicht zu Worte kommen lassen, im 
lauten Beden übertreffen, überschreien, zum Schwei- 
gen bringen Ar; VOj Gl; Gr; G; Sch; Z; Syn. über 's 
Mül farcn, üs-handlen (s. Bd II 1403). Er hat Älli 
übermület. Ü. ist nid übenoise: Ineichen; Soloer. — 
„a"-: Jmdn im Sprechen trotzig anfahren." — üs-: 
Jmdn ausschelten, kritisieren U; W; Syn. üs-schuren. 
— schmal-: nur kärgliche Kost, wenig zu verzehren 
haben, sich am Munde absparen müssen L; Syn. schm.- 
borten. .Schmal leben, schnialmäulen, tenui victitare 
salin...- Denzl. 1716. — schnarr-: 1. „gierig, schma- 
rotzend nach Speisen verlangen B." ,Schnarmaulen, 
esurire apud saturos, esuriens spectat edentes. 1 Denzl. 
1710. — 2. = dem Vor. Gl (1t Prophet 1856). — dürr- 
= schmal-mülen, mit verst. Bed. ZGlattf. — wider- 
mülen 2 a B; PMu.; vgl. das syn. chläffelen Bd 111 
629. /'"'' Im" möge" säge*, was i' h ha" wolle", si hat- 
mer (fing widermület. 

Mule'ri ("") m.: Einfaltspinsel AAÄugst, Ober- 
llachs. 

Die Betonung deutet auf eine Zss. ; s. Läri (Bd III 1362) 
und Auia. zu Gal-LBri (Bd III 1375); das erste W. der- 
selben hätte Verkürzung erfahren wie dasjenige in Gros- 
Mueter, SchV-Macher usw. 

g'mület: mit einer geläufigen Zunge versehen 
Gr. E guet g'm-i Frau. 

Mülete" f.: ein Mundvoll BHk.; Syn. Mumpfel. 

mületschen: das .Maul brauchen' zum Zanken 
und Schelten W. 

niülhalt: zum Widerspruch geneigt S. 

Muli in. : Mensch, der oft und gern , mault' Bs; Z. 

g'mülig: zum Ausplaudern geneigt Zu. 

lind-mülig: weichmäulig, von Pferden Bs; Gl. 

litz-mulig. ,Bist oben 'nun so litzmaulig', redet 
OBrägger 1782 den Mai an. 

Walirsch. i. S. v. : mit verzogenem Mund, indem Brägger 
sagen will: die Witterung sei Anfangs .Mai launisch; vgl. 

Mut litze*. 

zwei-mülig: zweiseitig, von sogen, englischen 
Schlüsseln ZStdt (Tagblatt 1884). 

spar-müle": an Holzblöcken, bes. Sägehölzern, 
die man über einen .Holzlass' hinunter lassen will, 
an den Sägeschnitten ringsum die Kanten abschroten, 
damit die Blöcke leichter gleiten, den Boden weniger 
aufwühlen, auch weniger leicht an den Enden be- 
schädigt werden BO.; VU. .So Einer ungehorsam im 
Spalte ler im Sparmülen in beiden Orten [Enden], 



so mögend Inhaber der Güter selbe um den Schaden 
anlangen.' 1645, OüwKägiswyl. 

Vgl. .las syn. Sektionen, v.m N./,, „.,--. li vorragendes, ver- 
■ lirMes Staniiiiende, 21 Ilängeniaul. 

Mal II n„ Dira. Mülti Ndw; W. Midi n. BSa.. 
Mül in. Gull., V„ Müle* f. GrI'i-.; TAI.: 1. Maultier. 
Starch wie as Multi \V. — 2. Pferd von der Farbe 
eines Maultiers GrD. Gaul mit einem Fleck über 
dem Maule Gitl'r. 

Mini. mal, aus lat. niulux. In unserer ä. Lit. finden wir 
die l'l. -Formen: ,Mul.' 1 I Ts. T., VI..; ,MB1.' JCWeissenb. 
1681; .Mauler.' Wlluher 1TST. .Mit malen.' 1 1 l'J, Absch. ; 
,by 26 mulen.' 1526, ebd. Das Gcschl, lichtet sich z. T. 
nach dem von Evd, z. T. nach dem von Mären. Auf duti 
Palmesel bezieht sich wohl die Stelle: ,Sol. 12 ad lumen 
vor dem m. Lumen, quod deputatum est zno dem niule.' 
XIV., L Propsteirodol. 

Mull n.: Sand, lockere Erde BO. 

Vgl. Gr. WB., ferner Mull- Wurf und die Gruppen G'müel, 
G'mülb, Mol'/. G'mvlder. 

Mulle", Molle" f.: 1. aufgeworfene Erde L (Bu- 
cher). — 2. a) ungereinigtes Korn sammt der Spreu 
GrD., Pr. — h) = Kar Junten (Bd III 429) GRTschiertsch. 

mulle" (in Uw wolle"): 1. „kauen, essen"; bes. 
mit (über-)vollem Munde und mit sichtbaren Kau- 
bewegungen HO.; Uw; \V ; Syn. mufften, mumpfen. 
— 2. = mülen Ha BSi. — Fig. zermalmen; vgl. Schm. V 
1590. steht offenbar für u-, 

über- = über-mülen l!Si. 

inhi"-: gierig, hastig in den Mund stecken und 
verschlingen BO. 

Mullete" f.: 1. alte, kleine Reste, von Ähren und 
Stroh; leichtes, ungereinigtes Korn GuObS.; Syn. 
Müllen, Gemüster. — 2. lockerer, unfester, nicht fest- 
getretener Schnee in einem Wege GrV. — 3. = Mu- 
teten BO. 

in u lüg, mollig II: locker, von Schnee, der sich 
nicht leicht ballt, oder der nicht festgetreten ist Gr 
ObS., V. 

G'müll in: allerlei kleinerer, mehlartiger Abfall, 
wie er z. B. beim Reinigen des Getreides sich bildet 
oder auf dem Heuboden, Zimmerplatz usw. zurück- 
bleibt Gr; SThierst. Syn. Gehuder B.l II 999. Eswas 
z'scmmag'scharrats Cr'?». Scbwzd. 

müllele" (in Uw möllele"): Dim. von mullen, in 
kleinen Bissen verzehren, behaglich kauen VO. 

Mülli°g m.: Schwätzer BSi. 

Mulletnng B, sonst Midtum m. : eine Art Flanell 1!; 
dicker Wollstoff, bes. zu Frauenkleidern VO; Z. .Ich 
hatte darauf hin schon der Frau M. zu einem wannen 
Gloschli gekramet.' Gotth. Adj. multummi: Kn mul- 

I ininiioic'' ühderrock. — Aus frz. moUeton 'AM. von ,«,.„, 
mol), dasselbe. 

Miillibus: eine Art feiner Spalierbirnen Bs. — Aus 
frz. mouille-bonche, eine Birnenart. 

üf-mülle": das Getreide nach dem Dreschen mit- 
tels der Putzmühle reinigen AaE1ii\; Syn. uf -machen; 
irind-miillen; vgl. G'müllet. 

Das Vh kann nicht als Abi. von Mutti erklärt werden. 
welche mülUne* heissen müsste, sondern ist als Grundw. zu 
Diesem construiert, 

.Müller (in l'Al. Miliner) in.: 1. Berufsname, wie 
nhd. allg. Das Gewerbe des Müllers war privilegiert, 



185 



M.ll. mel. luil. niul. um! 



I-., 



anderseits dagegen wieder an verschiedene Betriebs- 
vorschriften gebunden; vgl. Ehaft(i) Bdl 8/9, ferner 
Seg., RG, 111 175. .Erstlich sollen die müller einem, 
so ein mütt des besten kernens in die müli tuet, 
11 halb gestrichene viertel mel geben, wie man es 
den [lüstern malet, krüsch und mel under einandern. 
So es husguet ist, soll ein m. geben von einem mütt 
13 halbe gestrichene viertel rein gebütlet mel und 
2 halbe gestrichene viertel krüsch.' 1580, L Müller- 
ordnung. ,Es sollen die Mülleren schuldig sein, einen 
gelehrten Eid zu schweren, dass sie mit dem trug- 
lichen Hauwen der Steinen, vorteiliger Richtung der 
Müllenen. überflüssigem An fachten der Früchten, als 
in einich anderen Weg dhein G'fahr bruchen w bilind. 
Was aber den Lahn betrifft, obwohlen man den Gelt- 
lohn am lvdenlichsten befunden; dieweilen jedoch 
die Müller e meistenteils einen schweren und grossen 
Hausbrüch habend und ihr Gewerb mit schweren 
Kernenzinsen beladen und anderwerts der Geltlohn 
auch nit brüchig, sonderlich in diseren Landen nie- 
nialen üeblich gewesen, so sollend sie den Lohn von 
zugebrachten Früchten wyter dergestalt haben, dass 
ihnen aus jederen Mütt Kernen ald andere Frucht 
Pfd an Gewicht darvon ze Malerlohn und für den 
Abgang gehören.' Z Verordn. 1628; vgl. auch Griff' 
Bd II 710; Z Ges. III No 10; IV 197/212; Ap LB. 
1585/1828, 90/4 ; AI. VI 277 (Sch Stdtb.). In einem 
Fahndungsbuch heisst es: .».übt sich vor einen M. aus; 
führet auch deswegen einen Zollstock wie ein M.' Z 
Nachr. 1751. Das Volk rächte sich an dem in be- 
vorzugten Verhältnissen lebenden Stand durch ein 
böses Leuraundszeugniss, offenbar nicht immer ohne 
Grund; so beschwerten sich 1554 die Bauern über 
den Geiz der Müller, kauften einige Mühlen an sich 
und Hessen darauf durch angestellte Knechte mahlen 
(Fun.). 1(7 mache" 's denn di 31. ? Si bette" 's Vatter- 
unser, das halbi Korn ist unser Aa. Der Volksmund 
behauptet, ,der Müller lasse die Eäder am schnellsten 
laufen, wenn er sollte den Mahllohn taufen', d. h. er 
sorge dafür, dass die Räder der Mühle am schnellsten 
arbeiten, wenn dasjenige Korn aufgeschüttet wird, das 
seinen Mahllohn bildet (das er gleichsam als seinen 
Mahllohn tauft) L (Schürmann). D' M. sind Schelme", 
aber nid all Schelme" sind 31. Ineichen; Sdlgf.r. De 
bist-mer se lieb, u-ie-n-cm M. de'' Dieb, d. h. ich liebe 
dich wie mich selbst. Solger. Iiedti'd in'n Müllene" 
d' Seele mit enand — wa' hörti'd nid d' M. für Schimpf 
und Schema! Sch. D' M. si™ 1 der Mutter Gatten z' ver- 
gliche*: si isch vor der Gibwrt, wäre*d der Giburt und 
taf'' ihr Giburt e" reini Jumpfere" g'sl", d' 31. aber 
si nd vor der Mülli, mitts i" der Mülli und hinger der 
Mülli die gliche" Schelme" S (Schild). Die .Mühle klap- 
pert: 31., 31., Kübelitrolcr, Hör abhaue", Hüs/i haue" 
G; oder: Müllerli, Drüllerli, 's Iiedli göt um. D'r M. 
(Meister) wird (ist) zornig und weiss nid worum Aa 
(mit noch andern Var.); Bs; oder einfach: D' 31. sind 
all Schelme" Aa. Jo, jo, das glaub -i ch , d' M. sind 
stauhi'j, d' Bettler sind arm. im Sommer isch's warm G 
(Scherzreim). Maitli, wenn d' hürote* wPt, hürot du 
an 31.! und wenn er nöd de" G'rate" häd [übel aus- 
fällt], so steck-em du, de" Lidler. ebd. Auf die Frage: 
Biiseli [Kätzchen], was stilt der M.? erfolgt nach der 
MA. des BU. die Antwort: Mau [Mehl]; vgl. Rochh. 
l x '>7. No 199. Jmd, der sich in seinen Berechnungen 
getäuscht, wird der überrechnet 31. genannt Z. Ein 



Zwerglein verdingte sich einst bei einem Müller als 
Knappe; nachdem es am Jahresschlüsse das Mehl aus- 
geteilt hatte, gieng es davon und sagte: Für einen 
braven Mann taugt das Müllerhandwerk nicht. YV ; 
vgl. W Sagen 103. .Einer, wann er Andere Lugen 
strafen wollte, sagt: Der redt wie ein M. [d. h. lügt], 
und wann man fragte, wie dann die M. redind, ant- 
wortet: Laut, dass man's mag hören.' Schihpfr. 1652. 
.Das gemeine Sprüchwort, den M-en müsse man eine 
Sach zweimal, den Narren aber zum dritten Mal sagen.' 
ClSchob. 1695. S. noch Sch Volksfreund 1861, E 4/5; 
BHist. Kai. 1851, G 3; S Kai. 1714. — 2. Name einer 
Ziege, die immer ins Mehl will Ap (T.). — 3. Name 
einer Kuh mit weissen Flecken Uw. — 1. a) Motte; 
kleiner, weisser Nachtschmetterling; Nachtfalter übh. 
B; F. D'r miiesst d' Pfeister nid off'e" la", das" d' M. 
nid geng um d's Liecht umhafare" BG. ,Ich flatterte 
immer näher um's Licht herum, wie ein M., eine 
Fliege, welche am Ende die Flügel sich verbrennen.' 
Gotth. — b) Kohlweissling. pontia BBurgd. — 5. Dim., 
Zaun- oder Hausgrasmüeke, Sylvia curr. L; Aa Gem.; 
TscHi'Di, Tierl. — 6. Dim. a) Gänseblümchen, bellis 
per. AABb.; vgl. die Synn. Müller-, Milch-Blüemti, 
Wisseli; andere s. Bd II 373. — b) Mehlprimel, prim. 
far. TiiMamm.; Syn. 31el-Blüemli. — 7. Familienname. 
allg. Dazu der Scherz: en 31. oni Mel Z. .Mülnei", 
Name eines alten Z Rittergeschlechts, das die Mühle 
in Stadelliofen zu Lehen besass. Auch in Zss. wie 
Frei-Midier Z; , Fort-Müller.' 1530. Kessl. (viell. be- 
nannt nach der ,Furt-Mülli' ZYValt.). 

Mini, mülnaere, alnl. mulinari, aus mlat. moliuarius. Dazu 
.las Fem. .Mulera.' 1329, Kopp, Urk. 5 ist benannt uacb 
dem einförmigen Ruf: Klapp, klapp! 6 a (wie '■'> und 4) 
nach der Farbe; vgl. M.-Chnecht Bd III 726. 

Hans-: Name einer Apfelsorte; s. Bd I 372. 

Wie iu andern Fällen, so mag auch hier die Frucht nach 
Demjenigen benannt sein, der sie zuerst eultivierte oder ein- 
führte; doch ist es viell. nicht zufällig, dass hier der ge- 
meinste Vorname mit dem gemeinsten Familiennamen die 
wenigstens vormals gemeinste Apfelsorte bezeichnet. 

Lumpe"-: Schelte auf einen schlechten Papier- 
müller Bs (Spreng). 

Siden-: Seidenzwirner. XVI./XVIIL. ZStdt. Zoll. 
, Einen guten S., der das Tramenarbeiten, Seile und 
Greppen wol versteht, auch mit Packen umgehen kann.' 
1778, Z Intelligenzblatt. Vgl. noch Siden-31ülli und 
Chambler Bd III 299. 

Diebs-: Scheltw., neben ,D. -Henker, -Mörder.' 
XVI1./XV11L. Gespr.; s. T. 1809, 7. 

müllere": 1. a) das Gewerbe eines Müllers be- 
treiben, malen B; S; Z. ,Es ist fast, als ob ich Nebel 
m. wollte, um Mehl zu machen, oder mit Wolken oder 
Schnee Fundamente zu einem Hausbau.' Gotth. — 
b) = chornenc (s. Bd III 475) FMu. — 2. „Kartoffeln 
durch ein Drahtsieb stampfen LE."; vgl. Erdepfel- 
Mülli. 

üs-: mit Acc. P„ Jmdn ausspotten B hE. 

Wahrsch. eig. : au Jnidm seine böse Zuuge üben, wie mau 
es an den Müllern tut. 

Mülleri" f.: Frau des .Müllers, allg. Dri" luege" 
wie nc M., ein behäbiges, (geld) stolzes Aussehen 
haben L. 

G'müllet n. = G'müll; vom Abfall beim Reinigen 
des Getreides durch die Windmühle ScnSchl. 



IST 



Mal. nie 



il. 



'1. null 



1" 



Mülli f.. PI. MüUene», Dirn. MiiUeli: 1. Mühle. 
allg. ,Es sond alle pfister zuo Santgallcn zue den 
selben vier mülinerj mahl und tarn als von alter sitt 
und g'wonlich g'wesen ist.' 1373, Richtung zwischen 
dem Abt und der Stadt G. .Kein niülin sollt ihr gar 
nicht schleisscn, auch kein baehofen niderreissen. die 
beckenhäuser nicht zerstören.' GGotth. 1599 (Mahnung 
an die .Soldaten). RAA. Er hat 's wie de' Müller z' 
Bürgle': Er leitet Alls uf si* 31. Tu. .Sie sei eine 
Mühle, denn sie mache immer: Gib abe*. gib abe" (vgl. 
IM II 77). sie sei aber auch eine Müllerin, denn sie 
leite alle Wässerlein auf ihre Mühle.' Sch Pilger 1884. 
.Kinder, in der Waage geboren, wissen geschickt das 
Wasser auf ihre Mühle zu leiten.- ß Hist. Kai. 1862. 
.Das Wasser des weltlichen Intressens auf das Rad 
der Societät [Jesu] und dero Mülle hinrichten.' Goliath 
1741. Mit Verblassung des ursprünglichen Bildes: 
Uf si* M. rede", in seinem eigenen Interesse S; /". 
P't- ist Wasser uf si* 3/., kommt ihm sehr zu Statten, 
sehr gelegen Bs; Gl; Tu; Z. I* der 31. sait me* 's 
: wei Mol, Abfertigung lästiger Frager, die Etw. das 
erste Mal nicht verstanden haben Bs; G (mit dem Zu- 
satz: Und ente" Narre* drü GBern.; Z). I ch sage* Nüt 
.tut) zweite* Mol als in-ere* M. Bs. Wenn ein lästiger 
Lärm, ermüdendes Geschwätz auf einmal aufhört, sagt 
man: 's ixt g'rail. wie wenn e 31. abg'stamde* war G; 
Z; vgl. ab-lassen Bd III 1400, Stutz V 29. .Abgestellt 
die Mühle [das Treiben hat ein Ende].' Verh. Tage. 
Von einem Mensehen, an dessen Ehre ein Makel klebt 
(in S bes. von einem Mädchen, das unehlich geboren), 
häufiger aber von Einem, der beschränkten Geistes 
ist, sagt man: De- ist (e chli'J duV" d' 31. g'loffe" 
fdure* g' gange*) B; L; S, ist bi 's Löli's 31. am:" 
g'gange*, a* 's Löli's M. vorbi g'gange* Z; er het au ch 
Ei* e s mit ''em Sack übercho*, iro-n-er bi der Lölis-3I. 
diiren ist. Sprww. 1869; vgl. laufen 3 b a (Bd III 1123), 
Löli 1 (Bd 111 1260). Us der 31., us ''em Buech, RA., 
die sofortige Baarzahlung (wie sie in der Mühle üblich 
ist) empfiehlt A.\Bb. Z' 31. ge* ffare", gä*, tue", träge"), 
Getreide zum Mahlen aufgeben (vgl. Cher, uf-laden, 
-leggenj. allg. ; vgl. 3Iülli-Guet Bd II 550. ,Es sei gar 
gemein, mit Rindvieh z' Mühle fahren.' Ndw Kai. 1889. 
31e* seil nit uf ei"m Esel z' 31. füere" S; vgl. Bd I 514. 
'/.' M. trösehe*, von der Ernte so viel Getreide dre- 
schen, um ein .Mali- in die Mühle bringen zu können 
Tu; '/,. Z' 31. fasse", Getreide in Säcke fassen, um 
es in die Mühle bringen zu können Bs; Th ; Z; da- 
gegen in S: das Gemahlene vom Müller wieder in 
Empfang nehmen. ,Uer l'aur gibt dem Müller z' Mülli.' 
Schihpfr. 1651. Mit Dat. 1'.. s' 31. ge*, trösehe" (schon 
Mey., Hort. 1692), .Tmdm tüchtige Prügel verabfolgen, 
und entsprechend :' 31. übercho* Aa; Scn; Z. Ei* e m 
.' M. tue", eine tüchtige Tracht Schläge, eine herbe 
Züchtigung in Aussicht stellen ZO. ; Vgl. Ei"'m 's Bad 
übertue*, l'f Ei" in :' 31. rite*, Jmdn recht ausbeuten 
BO. Mini 31. gut. dini M. b'stöt, mini malet Zttcler- 
erbsli, dini malet Chatze*- (Spatze*-J Dreckli, Vers zu 
einem Fingerspiel, wobei .lind die Finger in einander 
zu Hechten und dann den Daumen und den Zeigefinger 
auf einander zu kippen sucht Ap; G; Scn; Z; viele 
Varianten s. Uno! 1868, 50, gän Bd II 5/6, T. 176 a. 
,Gelt und ■/.' inüli ausleihen, commodare argentum et 
triticum.' Mal. ,\'il habend im Brauch, ohne Under- 
scheid in den Hufen hhmi zu fragen, wie es die Mülli 
ohn Gefehrd gibt.' 1626, JJBreit. .Es sei aber weit 



gefehlt, dann alldorten [in der Ewigkeit | werde ein 
Jeder seinen Sack selbs zur Mühlen tragen und ein 
Jeder sieh selbs verantworten müssen.- Heut. 1658, 
,Er gehet zu Andern zur Mülli, schändet Anderer 
Weiber.' Met., Hort. 1692. .Ein geiziger Müller sollte 
einem Schnitter, der, wie er meinte, zu viel essen 
mochte, gesagt haben: Nun. nun. deine Mühle geht 
streng!' 1! Hist. Kai. 1821. S. noch Plämp, ab-gän 
IM 11 '.'. — '_'. /: Mülli n. (in Sch; ZO. auch in.), so viel 
Getreide, als man zu einer .Baclieteir [als Bedarf an 
Brot und Mehl für 1 •'■ Wochen] in die .AI üble gibt, 
d. h. ein Sack von 2 — 7 Vierteln, bzw. das Quantum 
Mehl, das man zurück erhält Aa; Bs; B; L; Seil; S; Z; 
Syn. Mali. Zum ene* Z' 31. trösehe*. E* chlises, 
grosses Z 31. 's Z' 31. fasse", 's Z' 31. hole: De r 
Z' 31. langet no'* bis zur Eni. wir haben bis dahin 
noch Mehl (bzw. Brot) genug Sch; ZO. Um eine dank- 
bare oder anhängliche Gesinnung auszudrücken, ver- 
sprechen Bauernknaben dem Müller: Wenn-incr einisch 
grösser si* d , muesch üsi Z' M. Int". Schild. Du müessest 
ga" es Z' 31. reiche*, d'r Müttikarrer heig 's v'rgesse* 
z' bringe*. Gotth. So band [bald] a's de r Charer 
chunnd, su lad-em euses Z' M. üf AaF.; Z. I ch vermag 
das 3Ial e grosses Z' 31. ZAff. Eusef G'mei'rot hed 
tlnr' h de* Wächter lo" umme'säge; es muess jedi Uns- 
halti'g n/'s Neujör es Z' 31. buche", üb 's 3Iel hebi'ä 
oder l.ci"s ZKn. Ghumm, blös-mer du es Z' 31.: i** 
will-der gern der Sari; üfha" Aa (Rochh.), höhnische 
Herausforderung. .Man hatte nicht mehr Korn genug 
für Brod, es musste Z' Mühle gekauft werden.' Gotth. 
.Wer eigene Frucht oder ein erkauftes Mühlin hat, 
bacht es meistenteils selbst.' 1698, ZEgl. Bericht. 
S. noch Her Bd 11 1526. — 3. als Verkürzung von 

Wind-31. 1. die Mühle im Mühlenspiel, allg. D' 31. 

uf-, zue-tue*. Ei"'m d' 31. stopfe*, das Handwerk 
legen Bs; vgl. Binderin. 1861, 59. S. noch Figgen 
Bd I 712/3. 

Mini, mul(c), alul. muh(n), aus vulgärlat. inoifiia. Die 
Form mit ausl. i wiegt auch in uuserer ä. Li t. vor (vgl. 
dazu Cltuchi Bd 111 129, Ohämin Bd III 259, Ruft), ebenso 
die Schreibung mit Doppel-/ (XV./XYIII.). Neben der regel- 
rechten Plural-Form (.Von millinon. Hie ze Zürich mtlliue 
haut,' 1304, Z K. -Brief. , Mülline.' 1309, Alpenp. .Mülineu, 
Mülenen." 1360, Gfd; 1550, ÜMey., Chr.; 1572, Arduser; 
1585/182S, ApLB.; Z Maud. 1699; dazu der Geschlechtsn. 
,von Murinen 1 1! und ebenso in den Haimonsk. 1531 als 
Übersetzung von ,de Moulins') kommt auch seltener .Müllon' 
vor. so 1303/11, Gl ürk.; Helv. Kai. 1783. Vgl. noch 
Steinm. 1802, 254. Die RAA., welche den Einfältigen be- 
zeichnen, gulien viell. aus von der Befleckung mit Mehl, 
welche dem Tölpel angetan wird; vgl. ,niit dem Sack ge- 
schlagen.' Die Art der Entrichtung des Mahllohnes wird 
illustriert durch eine Einrichtung in der aus dein Jahr 1533 
stammenden Mühle in ZHirsl., wo sich bis auf heute eine 
in die Mauer zwischen den Mahlgängen eingelassene eisorne 
Geldkasse befindet, in welche durch eine Spalte dor Lohn 
geworfen winde. Betr. die Verschmelzung der Präp. %' mit 
dem Sulist. zu einem W. vgl. Anni. zu Abend Bd I 36. Das 
W. auch, einfach und zsgs., in einer Menge Flurnamen, z. Ii. 

.Mühlen' B; Gr Haler Mol ine) ; W, .Mülenen. .Mülineu' 

B; Schw; /.. RdmddH B, aus Ar-M., ,Feld-M.' Bs; I. (1893, 
Gfd); ü. 

Obs-: Mühle mit vertikalen Reibsteinen, zwischen 
welchen ..Mostobst- zum Zwecke der Mostbereitung 
zerquetscht wird. Quetschmühle Tu; Z. Syn. 3lost-, 
Biren-M. — Ochse"-, scherzh. in der RA.: -1* der 

t). a"renue*. geistig beschränkt sein I!s (An. ad St.). 



189 



Mal, mel, mil, mol, miil 



190 



— Vattcr-Unser-: spöttischer Name der Betschwe- 
stern L. — Herd-Öpfel-: Stampfmühle, in welcher 
vermittels eines Kolbens gesottene Kartoffeln durch 
ein unterhalb der Schale angebrachtes Sieb durch- 
gepresst werden, worauf man die dadurch entstehen- 
den wurmartigen Gebilde (z. T. zum Behuf e der Men- 
gung unter das Backmehl) dörrt Tu; Z. — Figg-: 
l. = Figgen Bd I 712/3 GrS., Scuolms. ,Spe duplici 
uti. zwo (.eine.' Dknzl. 1677; 1716) fickmüle haben, 
zwyfache hoffnung haben.- Fkis. ; Mal. — 2. = Figg 
(Bd 1 711) L. — Frei- oder Freiheiten-: Name 
der Sehultheissenmühle zu BHuttw., welche im Be- 
sitze besonderer Rechte und Freiheiten war und als 
Wahrzeichen hievon zwei Fähnchen auf der First 
trug. (Nyff. 1871, |120.) — Frön-: herrschaftliche 
.Mühle mit Mühlzwang, Bannmühle; Syn. Twing-M. 
.[Die von Mumpf] haben ouch ein fr., darin soll man 
haben das alt raäss, und wann er malet, so soll er von 
einem mütt dürrem nemen ein ymmi und von dem 
grüenen ouch ein ymmi.' 1535, Arg. — Gelt-: übertr., 
sehr einträgliches Gewerbe, bes. von einem landwirt- 
schaftlichen Besitz, Bauerngut Gl; Syn. G.-Chloben 
(s. Bd III 620). ,So ist [durch die Predigt des Evan- 
geliums, wodurch dem Ablass ein Ende gemacht wor- 
den] dem papst syn geltmüle abgeschlagen. - RGdalth. 
1546. — Glästi-: Mühle, welche die Töpfer zur Be- 
reitung des Glasurmehls brauchen, Glättmühle Ap. 

— Grüscli-: Mühle, in welcher die gröbste Kleie 
gewonnen wird Ap. 

Hell-: Name einer ehemaligen Mühle ÄAZof. 
Ortsname S. Euphem. für Hölle in der RA.: Der H. 
:ue fare* S. 

Anlass zu der Übertragung mag die Vorstellung von der 
trichterförmigen Gestalt der Hölle (verglichen mit dem Mühl- 
tric.htcr) gegeben haben; vgl. Ohesael-, Ilott-Hafen. 

Hirs-: Mühle, in der Hirse gemahlen wird; noch 
als Eigenname einer Mühle ZDielsd.; vgl. Schaubg. 
Rq. I 183. Von einem dummen Menschen sagt man: 
De'" ist aw h für d' H. ane" mit ''em Sack ZReg. ; vgl. 
Miilli 1. Hirsmüller, Familienname Z. 

Hüs-. .Nachdem wir dryerlei gattungen des hü- 
rigen kernens uf der h. (wie man es nennt) malen 
und probieren lassen.' Z Mand. 159*. 

Viel], eine kleinere, auf dem Kernhaus (s. Bd II 1715) 
aufgestellte Haudinühle. 

Kafi-. D's Mal geit-mi}' «(» uf-rp-g.* K., er ist 

ein unermüdlicher Schwätzer GrRIi. — Chunde"-: 
Mühle, die für Kunden mahlt Tu; Z; Gegs. Handels- M.; 
vgl. Mülli 1, ferner Maler-, Mittler- Lön{V„\ III 1290/1). 

— Knechten-: Mühle, die mit Mühlknappen in 
Regie betrieben wird. .Einen Ratschlag abfassen, ob 
diese Mülle fernerhin eine K. verbleiben oder aber 
zu einer Lehenmülli [in Pacht gegebene] gemacht 
würde.' 1734. Z Staatsarch. — Leder-: Walkmühle 
der Weissgerber. Z Mein. L801, 11. — Weg-Lu ege n -: 
eine spec. zum Mahlen der Wegluege" (vgl. Bd III 
1229) verwendete Kaffeemühle Z. — Lumpe"-: Pa- 
pierfabrik Ndw. Ärmliche Papierfabrik Bs (Spreng). 

- Münz-: Münzstätte. 1567, B Staatsrecht — Mel- 
Mues-: Mühle für , Breimehl' (Hafergrütze). .Zwei 
Mühlen, da die obere ein Mahlhaufe und ein M., die 
untere eine Relle haben.' Z Prozess 1805. — Most- 

= ObS-M. Ar; Th; Z. 

Narren-: fingiertes Gerät, in dem unheilbare 



Narren zu Mehlstaub gemahlen werden sollten; s. Z 
Kai. 1811 D 3. 

Viel!, beruhend auf dem Sprw. Salomons: .Und wenn du 
den Narren in einem Mörsel zerstossen würdest, so würde 
er doch nicht von seiner Narrheit lassen 4 ; vidi, aber nichts 
Anderes als eine Yerhochdciitsrhuiig von l.ol i s- MiMi. 

Bi-: Nebenmühle, kleineres Gebäude mit 1 — 2 
Mahlhaufen am gleichen Bache, welcher die Haupt- 
mühle (im grossen Gebäude) treibt, doch unterhalb 
Dieser und in deren Nähe Z. — Pelz-: fing. Ortsname, 
in der Abfertigung auf die Frage ,Wo?' Z' Bümplü 
(Tripstrüll) uf der P. Sch; Sprww. 1869. — Bändel-: 
Kunststuhl der Bandweber. XVII./XVIII., Bs; vgl. 
Ad.Bürkli 1884, 13; Bs Jahrb. 1885. 69. Dafür in 
neuerer Zeit Band-Stuel. .Dies bewog mehrere Bürger, 
diesen Gewerbszweig ohne Zunftzwang zu betreiben, 
geschickte Arbeiter anzustellen und den Gebrauch der 
sog. Kunststühle. Bändelmühlinen, einzuführen.' um 
1650, Bs (Ochs). — Bire"- = Obs-M. Z. — Bütel-. 
.Beutelmülle, mola pollinaria.' Mal. — Brot-: Brot- 
Einschneidemaschine ZStdt; Syn. Tünldi-Maschlnen. 
— Roll-: fingierter Name, in der RA.: albig uf der 
R. ga", von Gegenständen, welche der rechtmässige 
Eigentümer oft entbehren muss, weil sie häufig von 
Andern entlehnt werden Gr oHe. Syn. eisster uf der 
Fart si". — Rcll-. Roll-: Schrot-, „Gärbemühle 
Gr; Z"; Syn. Belli. — Ratz-: Mühle, die wenig 
Wasser hat. Sclger. — Siden-: Seidenzwirnerei. 
XVI./XVIII., ZStdt. Eine solche errichtete Zanino 
1567 in dem Gebäude, das später in , Wollenhof' um- 
getauft wurde. Vgl. S.-Müller. — Säger-: Sägemühle, 
doch nur als Hausname ZStdt 1796, sonst Sagi. - 
Semmel-: Mühle für Semmelmehl. Syn. Wiss-M. 
,1533 ist die erst s. allhie in Sant-Gallen gemacht 
worden ; darnach liess der spital ouch aine machen, 
vormals nie gebrucht noch erkannt in MHHn statt.' 
Kessl. — Schwert-: mit der eisernen Jungfrau, dem 
bekannten Strafinstrument, verbundene Vorrichtung, 
bestehend aus Schwertern, auf die der Verurteilte 
beim Kuss der Jungfrau stürzte; vgl. die (immerhin 
phantastisch ausgeschmückte) Beschreibung bei DHess 
1818, 274. — Spinn-: Spinnerei. Aa Gem. 1844, I 478. 
Syn. Maschine*. -- Sprür-: wahrsch. eine Mühle, 
welche mit einem Putzwerk versehen war, so z.B. in 
L, wo die Sprür-Srugg ihren Namen von einer solchen 
daran gebauten Mühle erhalten hat. — Staub-: Putz- 
mühle S; Syn. Wann-, Wind-M. Wenn Fun' nie 
du !■'■'• d' St. geit, wird er nit lüter, Erfahrungen lassen 
sich nie ohne Opfer gewinnen. Schild. .Sy sond ouch 
du st. nit da han ald aber der stoub soll bi den sprüren 
belyben.' Sch Stdtb. — Trib-. .Moletrina, ein wasser- 
müle oder treibmüle.' Fris. ; Mal. - Trübe"-: 
Quetschmühle mit hölzernen Walzen, für die Trauben 
in der Weinlese, welche mehr und mehr den Trüben- 
Stössel verdrängt Z. — T wing- = Fron-M. ,Es sind 
zwo twingmülinen, die nider und die ober, und hat 
ein her ze gebieten da ze malen allen denen, so in 
dem hof gesessen sind.' 1427, ScHwPfäff. Offn. .Es 
war altes Herkommen, dass eine gewisse Gemeinde 
des Buchsgau's der Tw. in Rickenbach nach Abnutzung 
des Wendelbaumes beim ersten Mahlgang einen Eich- 
stamni zur Erneuerung verabfolgen musste.' BWvss 
1865. 

Wann- (in W Wanmi-31., in Tu Wammülli) = 
Staub-M. Gr; GT.; Tu; W. - In dieser Benennung liegt 



101 



Mal mnl. Malb — mulli 



192 



die Erinnerung daran, dass ehemals alles Getreide von Hand 
gewännet [geworfelt] werden musste. 

Wind-M. Wimmülli = dem Vor. Scbj Th; Z. .Dir 
Samenhülsen [des Klees] werden ausgedroschen, nach- 
her über ein Staub- oder Habermehlxieb durch die W. 
gelassen.' Z Ges. 1788. — wind-mülle": das Ge- 
treide nach dem Dreschen mittels der Windmühle 
reinigen Z. 

Winter-. .Garten und Haus bei den W.-Mülinen 
[in LStdt].' 1331, Gfd. — Wiss- = Semmel-M. 1653, 
AAWett. Elosterarch. Mühle, in der sehr weisses Mehl 
erbalten wird Ap. .Weissmüller', Familienname B. — 
Ziech-: durch Zugkraft von Tieren getriebene Mühle. 
.Die kelte war also streng, dass die stehenden und 
fliessenden wasser überfroren , desshalb [man] die 
müllinen stellet und ziechmülen anrichten muesste.' 
Wdkstisen 1580. — Ziger-: Mühlwerk, in welchem 
der eingelegte Quark mit fein zerriebenem Ziegerkloe 
und Salz gemahlen und nachher in die bekannte Kegel- 
form gebracht wird Gl; vgl. Schweiz. Milchbuch 113; 
Alpenp. 1874, 274; Syn. Z-Eibi. 

Zwing- = Twing-M.; vgl. vArx 1819, 105/6. ,Und 
sollen die waldleut zu den Einsidlen die vorgenannt 
ir müle hinanhiu für ein zw. oder wie es inen fücglich 
ist, um den vorgenannten erbzins haben und niessen.' 
1390, SchwE. Klosterarch. ,Ist der amptlüten ver- 
meinen, dass si dhein zw. mer haben wöllint, dann 
si es ganz ungöttlich bedunk.' 1525, ZGrün. (Egli, 
Akten). .Auf ihre Beschwerde, dass kein fremder 
Müller zu ihnen fahren dürfe, lässt man. weil diese 
Zwingmühlen von Alters her häufig, auch meistens 
mit schweren Zinsen beladen sind, und es sich nicht 
geziemt, solche Mühlen zum Nachteil der Zinsherren 
zu befreien, auch des Gotteshauses Mühlen angeändert 
bei dem Herkommen bleiben; doch soll der Hauptmann 
Vorsorge treffen, dass die Gezwungenen [unter dem 
Mühlzwang Stehenden] immer vor Andern gefertigt 
werden.' 1530, Abscli. (GT.). 

Die Einrichtung hat sich mit den Ehehaften bis in die 
neuere Zeit erhalten, eine ,ZwangmUhle' befand sich z. B. 
im Distrikt Aubonne. 

>1 iil iseiler m.: veraltete Bezeichnung des Teufels, 
/.. 1!. als Herrscher in dein berüchtigten Rottal B. 

Nach einem der bernischen Weiler Müliseilen benannt; 
vgl. Jahn, Emmentaler Sagen. 

Muel in. (PL Muelege«) BR., n. Bllk.: lauter Schrei, 
von .Menschen; Gebrüll, von Kühen BO. — Abstrahiert 
aus muelen. 

G'muel n.: Geschrei BR. 

muele": Schallwort. 1. von Tieren, a) brummen, 
dumpf brüllen, von Kühen BO.; U; „laut, unangenehm 
schreien, wie ein Esel BO.; UV." .Der stier von Ure 
treib ein grob gesang, us grossem zom er fast wuelt, 
mit lnter stimm er schrei und muelt.' NSciiradin 1499. 
Hieher wahrsch. auch: ,Dass dich der stier so rüch 
hatt angeluvt und wider dich gemulet, er lüyt dort 
her mit rucher stimm.' Lenz 1499. — b) „quaken, 
von Fröschen Uw." — 2. von der menschlichen Stimme, 
unartikulierte Töne ausstossen. a) „unverständlich 
reden, sprechen DUrs." Syn. mit mülen :> BO.jGrA.; 
LV.; Uw. Krhel nmme" ifmueh-t l.'wE. De'het g'muelet 
und 'prediget! Lallen, im Traume unverständlich reden 
Nnw. — b) hässliche Time ausstossen, wie .lind, der 
grossen Schmerz leidet (Syn. mülen t) oder sein Miss- 



veigiiügeii äussert (Syn. mutteren) BO. ; GrA.; Uw; 
U; \V; Syn. auch flännen, heplen, brüelen. Öppis m., 
von einem Unzufriedenen. .1/. und fuchton, zanken 
W. Sclti muolet hit der ganz Tag W. Im Traume 

seufzen Gr ObS. — 3. unaufhörlich farzen GrL. — 

4. a) dumpf rauschen GrO. — b) in der Ferne, bes. 
mit langem Nachhall im Gebirge, donnern GrD., I,., 
Pr., Seh.; \Y. Es Innolet timmer [dumpf ]. Der Donner 
mttolA \V. Wer. wenn er im Jahr das erste Mal m. 
hört, sich auf den Rücken legt und am Boden herum- 
wälzt, bekommt keine Rückenschmerzen mehr GrD. 

Das Verhältniss zu muten ist unklar. Viel), darf ein drei- 
silbiges mii-i-l," als Abi. von dem Schall«, mu vorausgesetzt 
werden, in welchem dann u und e zum Diphth. verschwommen 
wären, wie z. B. in Fiele", Biet,. 

Muele" I f.: laute, schreiende Stimme BR. E M. 
ha: Syn. s. bei Gellen I Bd II 208. 

Mueli m., PL Muelige" : Schreier, Schreihals, 
Brüller, von Menschen BO. 

muelig: viel weinend, laut schreiend BO. Eins 
Chind. 

Mncle" II: Name einer Kirchgemeinde mit unver- 
hältnissmässig kleiner Kirche G. .Von einer Frau, die 
kaum jemals aus der Schwangerschaft herauskommt. 
spottet man : Si hat 's wie 's Muelemer Chilcheli, si ist 
's ganz Jar voll Tu. 

G'müel n. = G'inull (i. S. v. Kehricht), das sich 
bes. in Holzschuppen von faulendem Holz, Erde usw. 
bildet HSL; W. Holzsplitter, wie sie auf dem Koch- 
herd oder von feuchtem Holz unter der Pfanne zurück- 
bleiben GnRh. - Vidi, im Abi. -Verhältniss zu malen im 

5. v. zermalmen. 



Malb -mulb. 

innlh: neblig, bedeckt, vom Himmel AaSuIu'. 
Wahrsch. liegt eine Form molm(i<j) zu Grunde, eig. staubig, 
unrein, dann auf die Trübung des Himmels übertragen. 

G'iniilh n.: 1. = Gemüll, bes. allerlei lockere Ab- 
fälle beim Sägen oder Abladen von Holz, von Torf 
usw. G. ,Wann [da] ich g. bin und flaisch.' 1476, G 
Hdschr. — 2. Laub udgl. für Laubsäcke GStdt. — 
3. Durcheinander von altem Gerumpel G 1799. 

Zu mhd. gemüwe (Coli, von Melw); vgl. ,Gemilbe, -mülbc', 
bei Gr. WB. und die Gruppe Milw-, ferner Malm. 

vermülbe": 1. (in ZZoll. rennulhe") vermodern S. 
Morsch werden, zu Grunde gehen, bes. von der Saat. 
die z. B. bei grosser Trockenheit nicht Wurzel schlägt 
ZZoll. — 2. tr.. zu Pulver und Mehl zerreiben B. — 
In rmuHll,," fehlt der Umlaut, wie häufig bei u vor l -|- Cons. 

G'mülber n. = Gemülb, bes. i. S. v.: „zu Pulver 
und Staub gewordener Abgang, z. B. Überreste von 
Getreide. Tuch usw., nachdem die Mäuse sie zernagt 
haben BO.;" G. — Neuere Einsender aus BO. (spie. r.K.I 
kennen nur die Form G'mülder. 

g'inülbre n - vermülben :.' BD. 

mülbig: in (Mehl-) Staub und Moder zerfallend, 
■/.. B. von wurmstichigem, altem Holz BE. 



193 



Maloli, melch, milch, molch, malch 



191 



Malch mulch. 

Haber-Malcli LW.; Zg, -Molch (PI. -Molche*) GS., 
■Molch /.(>.. -Melch V.o.. -Melech (i oT. m.. -Molche' 
\\7..-, ScHwIb., Tnggen; ZRiesb., -Mohhe" AaBIj. — 
f.: Wiesenbocksbart, trag. prat. 

lür Etymologie dos vielgestaltigen W. ist nicht auszu- 
machen, wenn auch die Form habermaUi die älteste erreich- 
bare scheint (schon nihd. ; vgl. Gr. WB. IV 2, Sil und ein 
Zsliang mit mctch, Milch (vgl. die Synn. Haber-Mulchen, 
Milch (e)li-Chrüt, Melchelen, Milcheren, Milchlig) am meisten 
für sich hat. Vgl. ancb noch die Synn. Haber-Mauch, -M.ln-, 
-Mareh (-Marg), ferner HG rassmann 1870, Nr. +15. 

malche": mit Gier und yollein Munde essen LG. 
(Ineichen). Syn. midien, maischen. Dazu die tr. 
abe*-m., ie-m. Aa; vgl. Rochh. 1857, 17. 

Malchus U, Molches Ap; Ndw. Malchis Aa; L, 
Molchis SchwE.; S, Malkis Aa: 1. Personenname. — 
2. (PI. Malchcse" Ndw) Bezeichnung eines fetten, plum- 
pen, vierschrötigen Menschen Ap; VO, mit dem Nbbegr. 
grob L ; Ndw, nimmersatt L, böse S. Unsauberer Mensch 
AaFi'L ich dumme' M..' MLienert. Langsamer 
Esser Aa (Eochh.). 

Malchus bildete in den mittelalterlichen Osterspielen eine 
stehende Figur und vermutlich gehörten die wesentlichsten 
Züge der appellativen Bed. schon der Darstellung der Rolle 
durch die Schauspieler an. Mul.hi* scheint sich an ,Molch ( 
anzulehnen; vgl. die Bezeichnung eines dicken Menschen als 
.dicken Molchs' (Campe). 

G ült e"-Malchis: Besitzer vieler .Gülten', Ka- 
pitalist L. De r Baggerbur hed vor- d em G. Angst u-eg- 
a em Zeise*. Brands 1 !'. -- Suppe"-: Spottname Des- 
jenigen, der mit dem Löffel zuerst in die Morgensuppe 
fährt Aa (Rochh.). 

Wiss-: Name einer Sorte kleiner, runder, weisser, 
süsser Äpfel Zg. 

Uli* Ich (in Aa; Bsj B; L; S; Tu auch milchig, bzw. 
meVHg): 1. Milch gebend, im Gegs. zu (/"/'. gust (s. 
IM II 236. 493) Bs; B; Gb; G; ü; W; Z. M. Mibe*, 
im Stadium des Milchgebens verharren, nicht ergalten. 
Er het kener welche" Striche" [Zitzen], hat keine melke 
Kuh BHk. ,0b aber ainer nit mer dann ain khue oder 
zwo hette möleh, der mag die melchent khüe den kin- 
den behalten.' XVI., Gr Kq. .Unter dem Vieh wurden 
2 /3 Melchs (Kühe) und '/s Galts (Rinder) verstanden.' 
1545, Amiierd. ,Esel, die alltruegen und molkig wären.' 
Tierb. 1563. ,Die Allmenden mit den melchen Küenen 
nutzen.' 1672, Obw Rq. S. noch Melch-Geiss Bd II 463. 
Auch prägn., viel Milch gebend, milchreich B; Gl; Uw, 
leicht zu melken B. Ubertr. a) leicht zu behandeln, 
gefügig ; vgl. d' Milch ahe" ge". .Damit [der Redner 
in einem Rechtsstreit] uns zue der güetlikait melch 
machte.' Vad. ,Ain pratik, ob man uns sehrecken und 
m. machen möcht.' ebd. — b) leicht zu verstehen, 
, fasslich', verständlieh Obw. Das Biechli ist nit ms 
für iser Eins. Obw Volksfr. 1891. — 2. triefend GrS. 
E »teichi Nase*; vgl. ermelchen. — 3. von Viehfutter, 
Milch erzeugend, den Milchertrag fördernd B; Gl; 
Gr; U. G'stobe*'s [Staub enthaltendes] ist nie m. We** 
mu" schon weniger Eüffen machd, su isch [das Heu] 
d'rfür melcher and fuoriger BR. ,Sie hatte die grösste 
Freude, wenn die Kühe viel Milch gaben und das Heu 
m. wurde.' Gotth. ,Dass das Heu melker und Blu- 
men von stärkern] Gerüche um die Gegend Camana 
sollen gefunden werden als anderer Orten.' Sekeru. 



1712. — 1. günstig (zunächst dem Gedeihen milch- 
reicher Futterkräuter), z. B. vom Wetter ScuwMuo. 

5. reichlich niessend (wie eine ergiebige Milch- 
quelle) GrPi\ I)' Wasser [der Mineralquellen], die 
früer so m. g'si" sind, werdend nid verschloffe* si" 
im Bode*. MKuoni (GaPr.). Ertragreich, „vorteilhaft, 
nützlich BO.; LE.;" ScuwMuo. „Der Gewerb ist 
jetzt melchig, wirft vielen Nutzen ab." D' Bödmeren 
ist itic melchist Alp, tro 's gi b d ScuwMuo. — 6. „von 
Personen , in grossem Lob und Ansehen stehend" 
(gleichs. wie eine milchreiche Kuh). Reich Nnw. Er 
ist e* M-e r . 

Mhd. melch in Bed. 1 ; vgl. nhd. ,melk.' Betr. den Aus- 
fall des ch in der zweisilbigen Form vgl. melchen. Zu 1 a. 
In diesem Sinne meinte es wohl auch Sicher 1531: .üarmit 
die niüuch malch wurdend, sich uszekonfen lassen.' Zu dem 
Yocal Wechsel vgl. Weinh. al. Gr. 16; D. Volksb. Eiuleit. 
LXXIX, ferner winter-yni'kh. Bed. 2 auch nd. Tw. syn. (bes. 
in den Bedd. 4 und 6) sind /eins (s. Bd I 1071/2), nhd. ,fett.' 

alt-melch(ig): von Kühen, die noch bis in die 
Zeit vorgerückter Trächtigkeit, bis kurz vor dem 
Kalben, gemolken werden Bs; B; „LE." Milch a-er 
Kühe ist stark, schmeckt nicht gut. Vgl. ,altmelk' 
bei Gr. WB. 

ei"-, zwei-, drei-melig = ei"-mälig usw. (Sp. 
154) ZO. 

ander-: in der zweiten Melkperiode stehend, von 
einer Kuh, welche das zweite Mal gekalbt hat Ap; 
B; Z. Auch subst. B, und sogar als Masc. Ar; Z. 
,Zu verkaufen: Ein frisch gckalberter A.* 

Ähnlich sagt man: E" dritti Mslchi, Kuh, welche zum 
3. Mal gekalbt hat BK. ; vgl. das Folg., ferner ander-chsHberig 
Bd III 225. 

erst-: in der ersten Melkperiode stehend Ap; VO; 
Gl; Gr; Tu; Z. ,Erst, wenn das Rind sein Kalb ge- 
worfen, bekömmt es den Namen einer Kühe, und zwar 
einer erstmelchen, weil es das erste Mal gemolken 
wird.' JXScHNm 1782. Subst. 1. Erst-Melch m. (in 
UwE. n.), Erst-Melchi n. GrV. = Erstelen Bd I 472; 
Syn. auch en ersti (sc. Chue), Erst-M'elchcn, Maus-, 
Scnten-Ühue (s. Bd III 94/5). Auch von Ziegen GrV. 
— 2. scherzh.. Lediger ZO. „Er (sie) hat einen 70- 
jährigen E. geheiratet." 

Das Neutr. in UwE. viel!. Verkürzung aus Erstmelch- 
Ghueli. Eratmelchi ist Dim., nach Analogie von Galti, Gusti. 

härt-melchig Aa, zäch- (in B säj-jmelchfigj, 
bzw. -meilig Aa; Bs; B; L: schwer zu melken. ,Die 
Kuh ist zähmelkig und am Ende noch heimtückisch.' 
Breitenst. S. noch langlecht Bd III 1335/6. Auch 
übertr.. nicht nachgiebig; knauserig L. Dass er e* 
schlechte' Spekulant wä/r, wenn er in-cre" settige" Sach 
we'Ht knauserig oder gar zächmelig si* L. 

lind-melchig ÄABb., ring-melch B: leicht zu 
melken. Syn. l.-mulch. 

neu-melch(ig): aufs Neue Milch gebend, von 
einer Kuh unmittelbar nach dem Kalben Aa; Bs; Gl; 
S; Z. ,Hat man Kühe, die nahe am Kalbern sind, 
die, wie der Bauer sagt, alte Milch geben, so tränkt 
man die Kälber mit dieser ab, weil sie viel fetter ist 
als die der neumelchen.' Stemm. 1802 (für Gl). 

winter-melch s. G altling Bd II 238. 

Daneben findet sich sowohl bei Fris. als bei Mal. ,w.- 
malcli' und wahrsch. nach diesen Beiden bei Spreng; vgl. 
die Aiini. zu melch. 



Schweiz. Idiotikon IV. 



13 



195 



Malch, melch, milch, molcli, nmlch 



106 



G'melch n.: coli. 1. die lnilchgebenden Teile des 
Melkviehs, bes. das Euter der Kühe „Aa; B; VO;" 
Gr; „S;" Z. — 2. grob, die weiblichen Brüste Z. 

Melehele" f. = Haber-Malch Zg oÄgeri. 

M ;■• 1 c h e" f. : 1. = G'melch 1 Ap; Gr. — 2. Verbalten 
während des Melkens, Melkfähigkeit Ap; GrD.; Syn. 
Melch i. E* zähl M. ha* = zächmelch si* GrD. Die 
Chiie hed e* schönt M., ist gut und angenehm zu 
melken. — Betr. die Wortbildung vgl. Lunge*. 

Erst- = E.-Melch Gr; W. Dreijährige Kuh, die 
einmal gekalbt hat, im Gegs. zur Chalbelen, einer nur 
zweijährigen, die bereits einmal gekalbt hat GRSeewis. 

M änschen-Erst- Melche" = Mansi-Ckue (s. Bd 
III 94) GRKlosters. 

melche" AABb., Fri., Leer., L.; Bs; B; Gl; Gk; 
GT.j Schw; S; Th; Uw; U; Z tw., melke" BSi.; GrHc, 
meleche" Ap; TnBerg, Hw., melle* AaF., Leer., L.. St.; 
„B ; " L; GA.; SchwE., Ma.; Obw; Zu., S. — Präs. Ind. 
1. weihe* BSi.. mele* Z tw., sonst milche" (in Sch; ZO. 
auch milke*). 2. milfchjst. 3. milfchß, in ThHw. me- 
lechet, in ZS. auch wellet — Cond. 1. mnlch Aa; Z. 
milchte BSi., melletiZS. - Imp. melch BSi., sonst milch! 
— Ptc. Perf. g'mulche* (bzw. g'molche") Aa; Ap; Bs; 
BO.; Gr; G; S; UwE.; Z, g'moleche« Ap; Tnllw.. 
(( midie" (bzw. g wolle") AaZ.; L; GA. (in tr. Bed.); Z, 
g' mellet GA. (in intr. Bed.); Z: 1. tr., bzw. abs., (das 
Vieh) melken, allg. Man unterscheidet beim Melken 
der Kühe g'hämpflingen, chnödlingen, tümlingen m.; 
vgl. Bd II 1304. Melche" il -er brav? formelhafte Gruss- 
frage beim Eintritt in einen Stall, in dem eben ge- 
molken wird aSciiw; dafür sonst auch: Sind-er am M.? 
Melche's-Zit L; Z; vgl. Hirten Bd II 1649. Melket 
er vü? geben die Kühe viel Milch? BSi. Her m., die 
meiste Milch geben GRÜe. ; vgl. Bd II 1520, ferner 
JIi r-Melcherin. I" me" verborgene" Tal, reo me" Nüt 
su"st weiss a's vum M. Anderlinth 1852. Alles in 
ei"s G'schirrli (in ein" Napf) m., Alles in einen Topf 
werfen, keinen Unterschied machen, gleich behandeln 
B< ». Drescher sagen spottend von einem Anfänger, 
er mele, wenn Derselbe mit der Hand am Stiel des 
Dreschflegels immer auf und ab fährt, statt mit der- 
selben an einer Stelle zu bleiben ZZoll. Wottst de* 
Pflegelhalm m.? er gid ja fce" Milch. Durch gewisse 
Zaubermittel kann dem Vieh Milch entzogen werden, 
indem man die Handlung des Melkens nachahmt; so 
können Hexen einen Hand-Fetzen (s. Bd I 1149), ein 
Stuhlbein, einen Pflock melken. An en anders Ort 
(ja" in., sieh weiter begeben, um die Arbeit an einem 
andern Ort aufzunehmen BO.; Syn. um es Hüx uitcr 
gä*. .Melle", das Vieh im Sommer, z. B. auf den 
Alpen, besorgen B; VO"; Gegs. hirten. S. noch Or 
Bd 1 413, geben Bd II 75, Gans Bd II 371, Müs, 
Spats. Übertr.: An Ei"m, Ein'" m., Jmdn ausbeuten; 
tüchtig hernehmen Aa; Bs; B (,beneflcia extorquere.' 
Id. B); VO; Tu; Z. Gelt, die Spilvr hend-di"* ne chli" 
g'mulche*! 's isch Nut me an em z' m., Nichts mehr 
bei ihm zu holen Bs. Me* het-en g'mulche* bis uf's 
Blmt Bs (Spreng). Von Einem, der leicht zu betrügen 
ist, sagt man: De* cka"" me* ständli'ge" m. aSciiw. 
.Michel sah wohl, er war gemolken worden, nicht 
bloss wie eine Kuh von einem Melker, sondern wie 
ein Staat, an dessen Euter jedes Kalb im Lande sein 
durstiges Maul hängt.' Gotth. De" Geldseckel w., ihn 
erleichtern, durch grosse Ausgaben UwE. .Kr [Kaber] 



muess aber denen, die er milcht, dennoch einen sehyn 
dartuen, oder aber sy wurdind mit letzem fuess in'n 
kübel schlahen.' Zwingli. ,Sy schindend uns, die 
grossen sehälk; es war zyt, dass man s' oueh melk, dass 
inen die spannadren krachtind.' U Eckst. — 2. intr., 
Milch geben, an Milchertrag zunehmen GlK. ; GrI'i.. 
V.; „LE.;" GA. Die Cime mellet wider GA. Schi händ 
g'mulche", haben (wieder) den vollen Ertrag gegeben 
GrV. Auch im weitern S., fliessen GrPi\ ; GA. Der 
Brunne" welfehjet, er fängt an Wasser oder mehr 
Wasser als bisher zu liefern. 

Mlid. milchen uud melken, in Beil. 1 uud 2. Die Grenzen 
der Formen mit und ohne Spirans lassen sich nicht scharf 
ziehen, an vielen Orten kommen beide Formen vor, ohne 
dass die eine oder die andere als die ältere augesehen würde; 
vgl. Hunz. 179. Über den Grund des Schwindens der Spirans 
s. Braune, ahd. Gr. § 145, Anm. 7; vgl. auch hefeichen IM I 
799, irere" für .wereheu.' In BSi.; GrPr. ist die Spirans vor 
Voc. zum blossen Hauchlaut geworden : vgl. das Ptc. ,g'molhen.' 
Regimentsküher 1781 (B). Ch (st. des hd. k) wiegt, auch in 
unserer ä. Lit. vor, die schwache Flexion in der intr. Bed. 
auch GlK.; vgl. darüber Wint. 155, ferner ermelchen. 

abe"-: tr., eine Kuh durch vieles und langes 
Melken mager machen ZZoll. En alie'g'mulni Cliuc. 

— über-: eine Kuh vor dem Kalben über die nor- 
male Zeit hinaus melken B; Z. Das Ptc. uliermiilchr" 
i. S. v. alt-weich BoE. — ufi-: (eine Last) an einem 
Seil emporziehen, das man mit beiden Händen ab- 
wechselnd fasst, so dass eine Bewegung entstellt, wie 
beim Hainji/Iigen-Melcheii LI; Syn. suchen. — limine"-: 
tr., herumzerren, z.B. Katzen; eine Weibsperson un- 
anständig antasten BsStdt. Wenn er mi ch het welle* 
a'döpc* und u. oder ungültig si". Vgl. Chat ze*-Mel eher. 

er- 1. an Milchertrag zunehmen, von Kühen BSi.; 
Gr; U; Gegs. ergalten 1 (s. Bd II 237). — 2. übertr. 
a) von Hühnern, wieder anfangen Eier zu legen GrD.; 
Gegs. er-galten 3 a. — b) wieder anfangen (reichlicher) 
zu fliessen, von Brunnen und Quellen GrD., L., Pr., 
Tschiertschen. Me* muess jetz noch a" warma* liege* 
wüntsche; dass d' Wässerli und di Brünne* vor I*- 
schnlc" noch e" Bitz erweichend. MKüoni. Vom , Fliessen- 
der Nase bei Kälte, Schnupfen GrD.. Pr., Tschiertsch.; 
vgl. milch 2. — 3. „aufhören, Milch zu geben, zu 
fliessen." — 4. tr., durch Milchwirtschaft gewinnen Z. 
l rh liun a" dem Chiieli UM Fr. ermulle". 

Zu 1. Die Flexion ist in Gr im Präs. allg. schwach 
(ermelchet), dagegen ist das Ptc. Perf. nur in GrL. schwach, 
snnst (in S., ObS., Pr., Scuolms, Spl.) stark (ermolchen); vgl. 
welchen 2. 

üs-: zu Ende melken, was etwa von ungeschickten 
oder nachlässigen Melkern unterlassen wird, zum 
Schaden der Kühe Th ; Z. Übertr., mit Acc. P., Jmdn 
aussaugen S. — use"-: herausmelken Ap; Sch; '/.. 
Vil use*-m., am Milchertrag einen grossen Gewinn 
machen Ap; Z. Durch Melken wegbringen; bildl. : ,An- 
geborne Laster lassen sich nicht ausinelken. - ScLQER. 

— ver-: 1. das Melkgeschäft beendigen B; Z. Sihei* 
grad vermolhes g'hiibe* BSa. Hiind er vermulche*? 
Grussfrage Z; vgl. melchen 1. — 2. durch unzeitiges, 
ungeschicktes Melken dein Vieh, bzw. sich selbst, 
Schaden zufügen, a) tr., bzw. abs., eine dem Kalben 
nahe Kuh zu lange oder so melken, dass sie am Euter 
Schaden nimmt !!<>.; „LE." — b) intr., „so melken, 
dass der Ertrag der Milch nicht hinreicht, den Scha- 
den zu decken, den man anderwärts am Vieh oder 
wegen des Preises des Winterfutters erleiden muss. 



197 



Malch, oielch, milch, molch, mulch 



198 



So geschieht es nicht selten, dass ein Älpler an seinem 
Senntum im Winter mehrere 100 Frkn verliert oder 
vermelket." — 3. „aufhören Milch zu geben, bzw. zu 
füessen BO,; LE."; Syn. ergälten (s. Bd II 237). „Die 
Kuh, der Brunnen hat vermSlet." — nach-: nach 
beendigtem Melken die Zitzen noch einmal streichen, 
um rein auszumelken Ndw; Syn. nächst rupfen. — 
Wechsel-: im Melken abwechseln, eine der Mass- 
regeln, um auf gemeinsam bewirtschafteten Alpen eine 
anparteiische Bestimmung des Milchertrags vornehmen 
zu können. Je drei und drei Vieheigentümer werden 
zusammengestellt in eine Gruppe und A melkt dann 
die Kühe des B, B die des C, C die des A GRh. ; 
vgl. Steinm. 1804. 386. Etw. anders in Gr. doch auch 
so, dass Keiner seine eignen Kühe oder die seiner 
Verwandten melken darf; vgl. Gr Sammler 1809, 352. 

Meleher, bzw. Mehr — m.: 1. Melker, meist ein 
besonders hiefür bestellter Knecht, dem gewöhnlich 
(ausser im BSi.) auch die Viehfütterung, bzw. nbh. die 
Besorgung der Kühe übertragen ist; Kuhhirt B; L; S; 
vgl. Gotth. XIX 164. De r Hirter, De r seil im Vieh 
nid so eil Fneter gc" und de'' 31., De r seil luege", d ass 
er me meli, susch mües'-er fürt. Hausfrd. S. noch 
hürnen Bd II 1632. — 2. Kuhname. Kühreihen. 

Oren-: Schmeichler. ,Es stat übel, wenn einer 
liebkoser und o. gern hört' LLav. 1582. — Früe-: 
1. Kind, das vor Ablauf von neun Monaten nach der 
Verehlichung geboren wird U. — 2. eine Apfelsorte. 
ebd.; s. Bd I 372. — Geiss-: Nachtschwalbe, capri- 
mulgus eur. B. Sie kommt bisweilen in die Ställe. 
um, nach dem Volksglauben, Kühen und Ziegen die 
Milch auszusaugen. — Chüe-: 1. Kuhmelker. .Mor- 
gens und Abends lässt man [die Kühe auf den All- 
menden] von einigen sogenannten Kühmelkern melken.' 
Stein«. 1802 (für Gl). — 2. Spottname a) der Schwei- 
zer von Seite der Deutscheu, nach deren Ansicht das 
Melken der Kühe den Mann herabwürdigt. Der Aus- 
druck gehörte zu den Hauptneckwörtern bes. in der 
Zeit des Schwabenkriegs ; vgl. Birl. 1890, 43/4 und 
Chüe-Mül. ,Die Eidgenossen wären nur Küemelcher.' 
RCys. — b) im Toggenburger Krieg (1712) Schimpf- 
wort auf die katholischen Kantone (an deren Spitze 
die Alpenkantone standen); vgl. das Schimpfw. Chüe- 
Drcckeler. — Ch atze"- Maler: Schelte auf Jmdn, 
der die Katzen zu plagen liebt Zg; vgl. ummen-melchen. 
— Nach- Meleher: Melker, der bei der Milchmessung 
auf der Alp nachzusehen hat, ob alle Kühe recht aus- 
gemolken seien; für jeden Stall wird ein besonderer 
N. bestellt Gr (lt Sammler 1809, 352); Syn. Strüppeler. 

nn"-m8lcherig = nüio-melch Bs. Subst., Neu- 
ling, z. B. von neuangestellten Schutzleuten Bs. 

Her-Melcheri" f.: Name der Kuh, welche in 
einer Herde am meisten Milch gibt GRHe. 

Mel(ch)ete° (in Gk M'elcheti) f.: was auf einmal 
(„von sämnitlichen Kühen auf der Alp, z. B. des Mor- 
gens oder des Abends") gemolken wird „BO. ; LE.;" 
Gr; Scaw. 

Melchi f.: 1. = G'melch 1 GRVal. — 2. das Melken, 
bzw. der Ertrag eines einmaligen Melkens Gr. D' 
Milch teird jedi M. [auf der Alp] g'messa" und uf- 
g'schriba" GRHaldenstein. D' Hcrmesseri" hat an W- 
erhörta" Schöpf Milch g'g'e" ; im Mass [bei der Messung] 
si seh' uf d' M. clw bis uf drl Binner. Schwzd. 29, 51. 
,Es ist in einigen Gemeinalpen üblich, dass bei der 



Messzeit die Milch der gemeinschaftlichen Haabe nur 

von einer Melke gemessen wird.' (in Sammler 17s-_'. 
— 3. Melkfähigkeit Gr; Syn. Meldten. E" z&H M. 
ha", zunächst von einer Kuli, dann scherzh. von einem 
liedner, dem die Worte mir langsam und stockend 
vom Munde füessen; s. noch fri Bd I 1260. 

M g 1 c li i "g f. : .Milchertrag S. Wott d^ Chüeli Scrsch 
i" d' Hcrhstweid trlbe", wo 's no ch 'ne gueti M. gi'1. 
Schild. 

Melchior Me'leher Gl; GoT. ; SchwB.; Z, Melker 
üwE. (nur in Verbindung mit andern Namen), Bleich 
B; GoT.; ScuwE., Melk GlK. (Me-lh); L; SchwE.; 
S; UwE.; Zg, Melkel ScuwE., 3le 2 v k °BO. (lt Alpenr. 
1827, 369 MeinkJ, „Mek BGadmen«; Dim., bzw. Kose- 
formen: Melcherli (in Gl auch Melcheli), Melchli, 
Melkli (in Gl MeHkli, MeHHchi), Mehjki (BO.): 1. Per- 
sonenname, Melchior, Name des zweiten der h. drei 
Könige, allg. Melker-Sepp, Melchior Joseph UwE. 
Batli-Melk. Baptist Melchior Zg. D' Melchcri, Mel- 
chiors Frau Z. Auf den Umzug der h. drei Könige 
(vgl. Bd DI 333) bezieht sich noch der Beimvers: 
Chasper, Melk und Balz — wenn d's [das Geschenkte] 
nit g'esse" magst, so g'halt 's L (Ineichen). — 2. über- 
gehend in appellative Bed. Hcsch-mer e" nienc" g'seh, 
dur Melk oben am Se? L (Reimvers). Läferi-Melk, 
Scheltw. auf Jmdn, der unordentlich isst und trinkt, 
beim Sprechen geifert oder die Lippen hässlich be- 
wegt L ; Syn. Läferi. 

In unserer ä. Lit. sind belegt die Formen : .Melker.' 1541, 
Uw (Gfd); , Meleher.' XVI. .Meleher', auch Familienname Gr; 
.Melcherrüti', Flurname Z. S. auch MeUi II. 

Milch (in Ar; Th; Z tw. Milech, in BSchw. Mülch, 
in Ap lt Merz MileJ — f.: 1. wie nhd. allg. Nüi M., 
von einer Kuh, die eben gekalbt hat; alti 31., von 
einer Kuh kurz vor dem Kalben BHk. ; Gl; vgl. alt-, 
nüw-melch, ferner Steinm. 1802, 55, galt Bd II 236. 
Ersti, swüti, dritti M., Milch vom ersten, bzw. zweiten 
oder dritten Tag nach dem Kalben BHk. I" der erste" 
31. si", von einer Kuh, die das erste Mal gekalbt hat 
Gr. Ei" e m e" Cime um d' M. g'e" [zum Überwintern], 
um den Milchertrag B; Z. (Wider) a" d' M. chö", 
wieder anfangen Milch zu geben, bes. von Kühen nach 
dem Kalben Vü; Th; Z; Gegs. ab, vo" der M. chö"; 
vgl. er-galten Bd II 237. Doch a" d' M. chö" auch 
i. S. v. an die Reihe kommen L; vgl. er-melchen. E" 
Cliue wider a" d' M. bringe", durch gute Pflege Z. 
,Der Geiss ja recht viel Kohl und Kartoffeln füttern, 
um sie möglichst an die M. zu treiben.' Benzigers 
Marienkal. 1896. Bildl. : Jmdn a" d' M. bringe", 
Jmdn zur Erfüllung seiner Pflichten zwingen, nach- 
giebig stimmen L. Das ist die (best) 31., wo-n-er gi b d, 
Das, so viel kann er leisten; Das ist sein Meisterstück; 
doch meist iron. Gl; S. 3Ie" iveiss scho", was dr [du] 
für M. gisch, was du kannst S. Du gisch dl" M. 
glich [gleichwohl], Abfertigung i. S. v.: du brauchst 
nicht von Allem zu haben S ; Z. Du gi''st hinecht 
nüd minder 31., wirst nüd a" der 31. abbreche" (ab- 
sclilä"), an Jmdn gerichtet, dem man eine etw. grössere 
Leistung zumutet oder der sich sperrt, Hand anzu- 
legen Ap; G; Z. Eine" rüeme", dass er macht 31. gr", 
übermässig Z. 7J' 31. abe'ge", -lä", zunächst vom 
Melkvieh: beim Melken die Milch nicht zurückhalten; 
dann bildl. (in Sch 's 3Iilchli), den Widerstand auf- 
geben, im Zorn oder Eifer nachlassen, seine Ansprüche 



199 



Malch, melch, milch, molch, mulcl: 



200 



hcrabstinimen Aa; Ap; Bs; B; Gr; S; Tu; Z. Er häd 

z'erst d' 31. nüd recht wellen a. Z. ,I)er Landjäger 
Hess die M. hinunter und endlich kam ein Vergleich 
zu Stande.' Gotth. .Es nähme sie Wunder, ob Anni 
jetzt die M. hinuntergelassen und oh es jetzt mit 
Leuten wie sie sich abgeben möchte.' ebd. ,lch mein. 
[die Prozessgegner] soliden schier die m. nider lan.' 
1512, Aiiscu. ,Zu Bern sei beschlossen worden, auf- 
zubrechen; nun dürfe man aber hotten, si werden die 
in. niderlan in Gotts namen.' 1523, ebd. .Demnach 
und man si [die Wiedertäufer] an gelt anfieng ze stra- 
fen, liessend si die m. gar nider und wurdend so ge- 
schlacht, dass man si um einen finger ge wenden bette.' 
Vad. .Darum gibt sy im dise schenke, dass er die m., 
wie wir sagend, niderlasse. • LLat. 1584. ,Die stolzen 
Kegenten demütigen, dass sie die M. und das Gemüt 
niderlassen.' FWyss 1673. .Spiritus ponere, die Fet- 
tich fallen lassen, das Milchlein niederlassen.' Denzl. 
1677; 171G; Mev., Hort. 1092. ,Je hitziger ihr werdet, 
je mehr lässt N. die M. fallen.' Sintem. 1759. Ei*"m 
Staub (Dreel;, Wuest) i" d' 31. mache", Jmdm eine 
Freude, das Spiel verderben Aa; Bs; VO; Th; Z; das 
Bild zunächst entnommen von der Kuh. welche von 
ihrem Kot in die frischgemolkene Milch fallen lässt. 
Ei"'m d' 71/. swr mache", im gleichen Sinne Z. .Aber 
die Herren Compilatores streuen Wust in die M.' Fr 
Haffnek 1666. .Bei dieser Wahl schlug der Partei- 
geist seinen Schwanz in die M. [spielte störend mit].' 
Ndw Kai. 188b'. Wer ein saures, missvergnügtes Ge- 
sicht macht, von Dem sagt man : Er macht es G'sicht, 
wenn er e* M. a'lucgeti, wurd si scheide" [gerinnen] 
Z. ,Es hilft doch nicht, säur sehen; die M. säurt 
davon nicht.' XVII., Lied (DTomann). Wer will lang 
lebe*, De' schwemm d' 31. ah der Leber. Splger. .An 
manchem Ort M. über [dem Feuer] haben', nach ver- 
schiedenen Seiten Acht geben, seine Aufmerksamkeit 
teilen müssen. Sprww. 1824. Wer sich unüberlegter 
Weise sein eigenes Spiel verderbt, den rechten Augen- 
blick verpasst, muss den Spott hören: Das ist g' schiel, 
co" der M. eiveg (z' gä"), wenn si ob ''em Für ist Z. Von 
einem Mädchen, das unglücklich heiratet, sagt man wort- 
spielend: Das het e* heissi 31. erwellt mit Dem S; Z. 
Grüess di ch , Joggi [bravo!], hasch d' 31. gnet a'g'richtct, 
mach 's no ch einischso! Hänggi 1893. D' 31. müesse" chalti 
triche", seinen Zweck nicht erreichen BR. Häutig dim. 
(in der Kdspr. Mücheli, Mincheli) Ap; Z. Müend s 1 's 
31 U vidi chaufe" oder händ s' e" Geiss? ZO. 'Bratni 31., 
eine Speise, bestehend aus einem Gemenge von Milch, 
Eiern und Zucker, das in einer flachen Schüssel ge- 
braten wird Z ; Syn. Eier-M., Chachlen-, Blatten- Mues ; 
vgl. auch Ufjuek. .Diss ass [Essen] ist einer gebratnen 
m. nit ungleich.' Vögele. 1557. Vgl. Birl., Kochb. 10. 
.M. im Napf.' .Wann ir wenen, ir haben in. im napf, 
so scheint üch der mon darein [so ist es Nichts als 
Täuschung].' 1489, Zellw., Urk. ,Glych wie man in 
gemeinem sprüchwort sagt von dem, der da wond 
| wähnte], er hätte in. im napf und schein im aber der 
mon daryn.' HBull. 1563. .Mancher voller Zapf, der 
meint, er habe M. im Napf: So ist es Nüt denn Eitel- 
keit.' Myricäus 1630. ,Wiewol ich nach Gottes leer 
und art mit m. gespyst hab [meine Herde mit der 
reinen Milch des Evangeliums gespeist habe].' Zwingli. 
,Wie denn unsere heutigen Älpler, die sich mehren- 
teils von der M. ernähren, noch immer vor andern 
Schweizern, die ihre Natur durch allerhand fremde 



Speisen verfälschen, an ihrer lilienweissen, nüt Kosen 
untermengten und lebhaften Farbe zu erkennen sein.' 
Spreng. Vormals bedienten sich die Bäurinnen saurer 
M., um ihre Hemdärmel zu stärken Z. S. noch gant 
Bd II 385, Bach, ulmeweii, diel;. Glaube und Brauch. 
Mau soll nicht mit schneidenden oder stechenden 
Werkzeugen in die M. fahren, denn sonst verletzt man 
der Kuli das Euter Ar; B; Z. Hexen konnten den 
Kühen die M. entziehen: vgl. Hand-Fetzen Bd 1 11 19; 
ferner RGwerb 1646, Vorrede, Wolf-Mannh., Ztschr. 
IV 118/:». .Es geschiehet vielmahlen, dass die sonst 
milchreichen Kühe keine M. geben, welches daher 
kommt, weilen die Hexen sich oftmahlen an ein ge- 
wisses Ort zu setzen pflegen, da sie ein .Messer, Gabel 
oder ander Instrument mit zauberischen Worten und 
Ceremonien in eine Wand "der Saul stecken, einen 
Milchkübel zwischen die Bein nemmen, ihrem teuf- 
lischen Buhlen rufen, eine Kuh. die sie melken wollen, 
benennen und dann anfangen melken, ihren Kübel 
füllen.' Anhorn 1674. Bevor die Bauern M. über die 
Strasse tragen, giessen sie einige Tropfen Wasser 
hinein ZA.; vgl. Dien. 1863, 105/6. Am ZS. pflegte 
man Wasser [das Weihwasser der katholischen Zeit?] 
vor dein Melken in den Kübel zu sprengen und glaubte 
damit die Kühe vor bösem Einfluss zu bewahren. .In 
die M. ziehen', ein jährlich wiederkehrendes Fest der 
Schuljugend. ,Es zogen jährlich im Sommer alle 
Schulerknaben [in ZStdt] mit Fahnen, Tronnneii und 
Pfeifen, in Begleit ihrer Herren Lehrmeister, auf eine 
Wiese oder in einen grossen Garten, ergötzten sich 
daselbst mit allerhand erlaubten Spielen und assen 
mit einander M. und Brot.' vMoos 1775. Eine Zeit 
lang gab man ihnen sogar das Prunkschwert mit. das 
Papst Julius II. den Eidgenossen geschenkt hatte; 
vgl. Vög.-Nüsch. I 297. .Der schueleren in Winter- 
thtir milch zug uf den Lindberg. Nach gehaltenem 
Examen nach pfingsten 1589 sind die schueler in die 
m. gezogen uf den Lindberg; und ward us dem spital 
allen schuelern m. und brod genuegsam 'geben.' Jos. 
Maler. — 2. mit unbest. Art. oder Zahlw. a) eine 
Schüssel voll Milch Aa ; Ap; VO; G; Tu; Z. Zwo Kü- 
che" brüche"; e" 31. ahne" [abrahmen]. E" 31. esse" Z. 
— b) das auf einmal (Morgens oder Abends) vom ge- 
sammten Milchvieh gewonnene oder vom Milchliefe- 
ranten bezogene Quantum .Milch Z. Es sind zwo 
Milche" z'sämme" cho" Z. De'' Milchma"" hat c" 31. 
:'nl ufg'schribe". — c) der von einem .Sennen' ge- 
kaufte, bzw. gepachtete, jährliche oder halbjährliche 
Milchertrag eines bestimmten Bezirks (einer .Käserei') 
oiler eines Senntunis VO; Tu; Z. Man unterscheidet 
Maie"- und Martini- oder Früehli"gs- und Herbst-M. 
'/.. .Summer- und Winter-M. VO; Tu. E* grössi M. ha". 
.Ein rechter Senn, der seine fünf Milchen hat.- Herzog 
1863. .Wenn ein Käser eine M. kaufen will und man 
ihn fragt, oh er Bürgschaft leisten könne.' Alpenp. 
IST:;. — d) die Gesammtheit der Käse, die während 
des Sommers aul einer Alp gemacht werden .. BSi.:" 
F; Syn. Mulchen. .Im Kanton Freiburg werden jähr- 
lich 500 Milchen, jede zu Sil Zentnern, verfertigt..' 
KiF.Ni.ix. .Es sind weniger W-cn vorhanden als sonst. 
was von der verspäteten Alpfahrt und dem teuern 
Preise der Kühe herrühren mag; denn Salzspeicher, die 
sonst 7 — 8 M-en zählten, halten .lies Jahr nur 5 — 6.' 
Schweizerb. 1817 (für F). — 3. Pflanzensaft (in noch 
unreifen Feldfrüchten). ,Manchmalen geschieht's [im 



201 



Malch. iiii'IWi, milch, moli'li, niulch 



202 



Engadin], dass mitten im Sommer scharfe Reifen die 
Feldfrüchte in der M. verderhen.' Serbrb. 1 7 1 ■_'. 

Mhd. mil(i)ch, aus ahd. miluh; die zweisilbige Form, 
die allen altgormanischen Dialekten eigen ist, findet sich in 
unserer ä. Lit-Sprache ebf.: ,milicb.' L319, Z ßatserk. 

Eier-Milch: l. = 'bratniM. ZMönch. 2. ,Coa- 
gulatio lactis. ' Solger. Galli gigat nit, er gigat notte; 
frisst lieber E. weder Schottet*. 1700, Gassenhauer. ,E., 
gescheidne milch, da der ziger und <lie schotten noch 
in einanderen sind, schistum.' Mal. — Über-: 1. Zu- 
mass beim Milchverkauf Gl; G; Z; Syn. Ü.-Mäss. 
Eh gueter Für giH Ü. — 2. die Milch, die der Milch- 
käufer über das gewöhnliche Mass hinaus nimmt Gl. 
E>t Liter Ü. Vgl. E.vtra-2[. — Anke"-, bzw. Auch-, 
Äeh-, Ah-: Buttermilch; Syn. Bwnvpel-, Euer-, Schleg-, 
Stoss-M. , Serum butyri, a butyro separato relictuni, 
a.' CGessn. 1555. A. us ''em Chübel vertribt alli Übel; 
ist si älter ah e* Stund, ist si dem Mensche" nümme* 
g'sund. Ineichen. Bes. dem Gelüsten eines Kranken 
nach A. schreibt man eine instinktive Bed. und der 
Erfüllung desselben heilende Kraft zu Z; vgl. ab- 
essen 5 (Bd 1 524). Wenn etwas Erwartetes ausge- 
blieben ist oder wenn man einen Schaden erlitten 
hat, tröstet man sich: Es chuiuit de" öjijic" no ch i" 
der A. nache" oder Das chunnt Alls ume" i" der A. B. 
Von zwei Verliebten, die an sich gegenseitig nur Tu- 
genden sehen, sagt man: Iri Auge" sind mit A. i"g'setzt 
ZZoll. Knaben und Mädchen necken sich gegenseitig 
mit dem Spruch: Süri A. und btaiti Dinte*: D' Buobe" 
fd' Maitschi) schmucke" icol und d' Maitsehi (d' Buobe") 
stinke* L. Tüfel, schiss A., so händ d' Hüener z' Irinice", 
RA., mit der man seine Überraschung ausdrückt über 
unerwarteten Ausgang der Erzählung eines Vorfalls L. 
Der Spruch : drei Ell A., drei Ell süri soll die ,an- 
kende Bewegung - (s. Bd I 344) der Glocke malen Aa. 
A. bore", durch Reibung ein Feuer (Notfeuer) er- 
zeugen; in neuerer Zeit nur noch als Knabenspiel 
Aa; BE.; SG. Ein Pflock wird zwischen einen Balken 
und ein anderes härteres Stück Holz oder zwischen 
die zwei Pfosten einer Haustüre in Bohrlöcher ge- 
steckt und eingezwängt, sodann durch ein umgelegtes 
Seil in quirlende Bewegung gesetzt, bis in den Bohr- 
löchern Selbstentzündung eintritt. Mit diesem Feuer 
wurden früher zu beiden Seiten der Dorfgasse auf- 
geschichtete Haufen leicht brennbaren Materials in 
Brand gesteckt und Menschen und Vieh hatten den 
Weg durch diese , Feuergasse' zu machen. Mit Kien- 
fackeln , die an dem neu gewonnenen Feuer ent- 
zündet waren, gieng man auf die Viehweide hinaus, 
um sie zu räuchern (.Weidbräuki 1 ); nach der Heimkehr 
folgte auch noch die .Husbräuki.' Den Dorfbach hin- 
unter Hess man auf Brettern Feuerbüschel schwim- 
men; vgl. Arg. IV 175 ff.; Hunz. 16; Rochh. 1867, 
II 115 ff.; Nationalkai. 1892 und heilen Bd II 1145. 
In SGunzgen war der Brauch an' ein bestimmtes altes 
Haus gebunden; die Reibung aber wurde einlach da- 
durch erzeugt, dass man ein Seil durch ein Bohrloch 
zog. S. noch Gr. WB. VII 936 und bes. Kuhn, Herab- 
kunft (1886, 41 ff.). — Esel(s)-: Saft der Cypressen- 
Wolfsinilcli, euph. cyp., dann auch die Pflanze selbst 
A v (vgl. Rochh. 1857, 180); Gr. Syn. Gugger-, Juden-, 
Boss-, Schlangen-, Titfeh-, Toggi-M. — Vogel-: späte 
Lloydie. Lloydia ser., eine Alpenpflanze BO. — F i s c li - : 
= Müchli*g 1 b (Sp. 207). ,F., lacteum intestinum.' 
.Mal. ,F., milchlig genannt.' Zg Arzneib. 1588. — 



Ki'isterli-: wesentlich = Pusterli 2 (s. Bd I 1124). 
,Nec porro deerit celebris illa F., rerae aestatis cu- 
pediae; constat illa recoeta es pingni lacte, nee ebu- 
tyrato, lentissima coctione parata, ei multo alio lactis 
cremore seu brodio mixta: et quia suecussione sapidior 
redditur, delieatiorque. longius saepe transfertur in 
abiegnis lagenulis, quarum arcuatuu manubrium pugno 
amplectitur, hinc vasi suum Domen et lactis a vase.- 
Cappeler 1767. — Frauen-. Lt den Arzneibüchern 
und auch in der neuern Zeit in der Volksmedicin als 
Heilmittel verwendet. ,Fr., so ein Knäblin söuget.' 
JJNüsch. 1608. S. noch Gr. WB. IV 1 a 81 (ThPlatt.). 
— Jungfrauen-: Name von Arzneimitteln. 1. Jwm- 
pfere"-M., eine Benzoe-Lösung in Weingeist. Apo- 
thekerspr. — 2. die Quintessenz von Spiessglas, lt den 
alten Arzneibüchern. ,Von Einigen von seiner Köst- 
lichkeit und Seltsame wegen J. genannt.' JRLandenb. 
1608. — Güggel-: scherzh. Bezeichnung eines Bürger- 
meistern genannten Liqueurs, sofern er mit Wasser 
vormischt wird, wovon er eine milchweisse Farbe an- 
nimmt BsStdt. — Gugger-: 1. „Milch, auf der sich 
Zieger- [Quark-jteilchen befinden BO;" W. ,Die Spin- 
nerin im Hohbach nimmt unartige Kinder in eine 
Berghöhle, wo sie ihnen Mäuseaugen zu essen und 
(!. zu trinken gibt, so viel sie nur verdauen können.' 
W Sagen.— 2. = Esels- M . Grü. — Gelt(e-)-: „Nach- 
molke, mit frischer Milch und ein wenig Zieger L.E.; 
frische Nachmolke, mit etwas säuerlicher Nachmolke 
und etwas Rahm; ein angenehmes, durststillendes Ge- 
tränk BE." — Gamfer-: Kamphergeist (spir. camf.) 
Z (Apothekerspr.). — Glück-: die erste Milch nach 
der Biestmilch; man macht damit meistens den Milch- 
kunden ein Geschenk ScuSt. (Sulger). — G ras-: Milch 
von Kühen, die mit frischem Gras (st. mit Heu) ge- 
füttert werden Ar; Z ; Ant. Heuw-M. Vgl. Gras- Aule» 
Bd I 342, gräselen Bd II 798. — Jude-- = Esels-M. 
GSa.. We. — Kafi-: geringere, abgerahmte Milch, 
die sich nicht mehr zur Butter- und Käsebereitung 
eignet BBe. — Chalber-: 1. erste Milch einer Kuh 
nach dem Kalben, die für den menschlichen Geschmack 
ungeniessbar ist und daher dem Kalb gegeben wird 
Z/.oll.; Syn. Biest-M. — 2. Wiesenbocksbart, trag. 
prat. GuRh. — C h äs- : die milchige Flüssigkeit, welche 
im Käsekessel nach der Käsebereitung zurückbleibt, 
aus der dann noch ,Vorbruchanken' und , Zieger' ge- 
macht wird W (Syn. Wiss-M.), und zwar a) diese 
Molke, bevor sie neuerdings zum Sieden gebracht 
wird UwE. ; Syn. Sirten. — b) nach dem Sieden BE., 

0. Syn. Süffi. Vgl. chäsen Bd III 511, Chäs- Wasser, 
Scheid-M., ferner Wöch. Beitr. 1785, 64. ,Die nahr- 
hafte Milch, K., Zieger, Erdäpfel sind nicht mehr gut 
genug.' N. B Kai. 1838. ,Uli schaffte so viel Wein an, 
dass er nicht bei jeder Flasche, welche er aus dem 
Fässlein zog, in Versuchung kam, K. aufzustellen in 
Ermangelung des Weines, ein bös und dünn Surrogat 
desselben.' Gotth. ,K. und Mehlsuppen ohne Mehl 
für Dienstboten.' ebd.' 

Lugg- (bzw. Logg-, in Ar; G auch Lupp-): 

1. = luggi M. (s. Bd III 1233) Ar; Gut'hur. He., h.. 
Pr„ Rh.; Syn. auch Büm-M., Nidlen, 'bläete r Nidel. 
Die L. ist bes. Festspeise und wird z. B. aufgetischt 
an der Geburtstagsfeier (vgl. Schwzd. 19, 48), am 
Himmelfahrtstag Ap. am Sonntag Lätare G (s. Eier- 
Örli Bd I 414), in der Fastnacht G, spec. am .Funken- 
Sonntag' Gr (s. Vonbun 1862, 21), der daher auch 



2>y.i 



Malch, melch, milch, molch, muleh 



20-1 



,L.-Sonniag' heisst; doch ist sie auch sonst im Früh- 
ling und Sommer ein beliebtes kühlendes Essen am 
Abend and wurde trüber durch hausierende Kinder 
auf den Gassen feil geboten GStdt; vgl. üLHartmann 
1817, 7. Reis und ,L.' (die so dick sein niuss, dass 
ein Löffel aufrecht darin stecken bleibt) gelten als die 
Speise des Paradieses; der Jungbursche, der am Fun- 
ken-Sonntag von seiner Tänzerin zur ,L.' eingeladen 
wird, bringt dazu eine Flasche des besten Branntweins 
mit GrO. (vgl. Herzog 1884, 229); ähnlich im GRh., 
wo die junge, ledige Welt am Fastnacht-Abend bei 
,Ii. und Schnaps' zskommt. um sich mit Spiel und 
Tanz zu vergnügen. D' Ousbouwer-L., Schlagsahne. 
die man nach der Beendigung des Ptlügens auftischt 
GuSch.; vgl. Schwzd. 19, 21. .Gestern wollte man mir 
mit einer sogenannten Niedel oder Luckmilch auf- 
warten und als man dieselbe auf den Tisch stellen 
wollte, so war solche geronnen, ob sie gleich erst den 
Vormittag vom Maiensäss war gebracht worden.' Git 
Sammler 1780; vgl. noch ebd. 1811, 365. ,N. N. hat 
[als Vergabung an ein Kloster] 'gen ein halben mütt 
kern[en] den frowen unib [1. ,und'?] ain lugmilch.' 
TiiTän. Jahrzeitb. .Und gi b t man den frowen ain 
lugmilch von Elsinun von Andelfingen.' ebd. .Wann 
der senn die lugmilch machet.' ZWthur Stdtb. S. noch 
fräsen Bd I 1331 und Tsch. S. 312. — 2. geronnene, 
.dicke' Milch G. Zum Nachtisch eines Festessens 
wird u. A. auch aufgetragen: ,Lugmilch, süss und 
sauer.' 1651, PScheitlin. 

Luckmilch bei Lexor, mini. Wß., in Bed. 1. Viell. haben 
sich über auf uiiscnii Buden zwei WW. verschiedener Ab- 
stammung mit einander gemischt: das eine zusammengesetzt 
mit lugg, locker, das audere mit Lupp (Bd III 996/7). Doch 
küunte auch Lupp- ans Lugg- entstanden sein durch Assimi- 
lation des Gutturals (il an den labialen Nasal (m). ,L»p- 
niilcb' auch in einem Briefe des Appenzellem Zellweger XVIII., 
während sich im G Stiftsarch. aus dum XIV. /XV. die Form 
.Luckmilch' findet. Über die beiden Belege aus dem Jahr- 
zeitbuch von Th'lau. vgl. auch Schm.-Fr. I 1463. 

Mal-Milch = Vogel-Mal. vArx 1810, I 314 (Ar; 
GT.). 

Mä"-: Berg-, Mondmilch, die weissliche, schaum- 
artige Masse in den Klüften der Kalkalpen Ar; B; F; 
VO; Syn. War-Milch, Himmels-, Berg-3Ielw; Berg- 
Ziger. Vgl. Män-Loch Bd 111 1034; Ziger-Loch Bd III 
lull, lerner .IXSchnyder 1782, 44/(i; JJScheuchzer 
1746, 113/7; Steinm. 1804, 21!'; Germ. VII 422; Rochh. 
1862, 252. Die 31. wird gegen Entzündungen beim 
Vieh angewendet F (vgl. Schweizerb. 1818, 364) und 
soll Gold enthalten (vgl. Wildkirchlein 1786, 43). ,In 
spelunca quadam per suminum montem, ut di.ximus. 
fornici adhaerens nascitur substantia quaedam fungosa. 
alba, levissinta, friabilis, quam fungum petraeum di- 
xeris. vel agaricum saxatile, ipsi monmilch appellant, 
id est lac lunae, a substantia alba et spumosa. Si 
aquae misceatur, albo lactis colore eam inficit. Super- 
stitiose et stulte quidam adversus quemeunque mor- 
liuin aegroti cujusvis, propter ijuem ezpresso ipsius 
nomine e spelunca petatur, salutarem esse putant.' 
CGessner 1555. .Lac lunae, Monmilch, Steinmark.' 
Wagner 1680. ,Agaricus saxatilis seu lac lunae, Mon- 
milch.' Bs Apotliekertax 1701, 

Die M. wurde dem Einfluss des Mondes zugeschrieben; 
naiverweise meinte man auch, sie werde aus dem Monde ge- 
molken (S). 



Nä cL '-: die zweite Hälfte der Milch, die von einer 
Kuli gemolken wird; sie ist stärker und nahrhafter 
als die erste und wird bes. den Saugkälbern gegeben 
Gl; vgl. Steinm. 1802, 55. Sie wird auch zu Wa- 
schungen gegen Euterentzündungen verwendet, 

Nidel-: Milch mit dem Kahm darauf; solche wird 
als bes. leckeres Essen aufgestellt ZO. .Hie spil sind 
unglych: Eins allein um kurzwyl, das ander umb wyn 
ald n.' 1533, Egli, Akten. .Scliistum, gesclieidne milch; 
etlich haltend's für n.' Fius. ,Gangend bald hin und 
luegend, wo der anken sei und d' n., sainuit dem 
linden eierziger.' Haberer 1562. S. noch Grüschler 
Bd II 818. 

In dem Beleg aus Egli, Acten, ist viell. Lwjg-Milch ge- 
meint; noch heute wird z. B. in ZO. au ,I,ichtstuheten' um 
Nidel gespielt. 

Biest- Aa; Ar; GrD.. Biesch- BO., Bleust- GT., 
Biemst- Z, Briest- Aa; Tu; ZDättl., Bricsch- Bs; BM., 
Brüsch- F, Briemst- AASeetal, Primat- AaWuIiIcii: 
1. = Chalher-31., doch, ausgenommen in GrD., mit Ein- 
schlags derjenigen ersten Milch, die, wenn zubereitet 
(vgl. B.-Chuechen Bd III 141), bereits geniessbar ist. 
allg. ,Nach der Geburt darf das Kalb nur 3 — 4 Mal 
an dein Euter der Kuh (so lange sie sogenannte Biest- 
milch gibt) saugen, und nachher tränkt man's Mor- 
gens und Abends ab.' Steinm. 1804 (für Ap). ,Man 
muess das fülhin vor dem dritten tag die eslin nit 
saugen lassen, dann es stürbe ab der selbigen milch, 
so die biensch- oder prieschmilch genannt.' Tieru. 
1563. — 2. = Biest-Chuechen AaZ.; F. ,Sie brachte 
Brieschmilch (es hatte eine Kuh gekalbert), Hirsbrei 
(es war Hirsmontag), Küehli und Bretzelen.' Schwei- 
zers. 1818. — Pfingste 11 Pfeiste"-: Milch, welche 
am Plingstabend oder Pfingstmontag Morgen von den 
reichern Bauern verschenkt wurde; Frauen und Kin- 
der ärmerer Familien giengen, mit einem Gefäss ver- 
sehen, herum, und bettelten: Gend-is au' h e" Pf.! 
Die Bauern hielten es nicht nur für eine Ehrensache, 
die Bitte zu gewähren, sondern glaubten auch, damit 
für das nächste Jahr ihrem Viehstand Glück und 
Gedeihen zu sichern ZO. — Binder-, Ploder-: 
Schlippermilch ArH. (ohne Stein); Gl; GA., T.; Syn. 
SchloUer-M. — Käbe -: Milch von Kühen, welche 
mit weissen Rüben, bzw. deren Kraut gefüttert werden ; 
sie hat einen Beigeschmack (s. rubelen) und kann 
schädlich wirken Z. — Rum- = Luggmilch 1 Bs. 
,Lac agitatum, Raummilch.' Denzl. 1716; dafür: .Rühr- 
milch.' 1677. — Rumpel- = Anken-M. SHinnnel- 
ried. — Rüer- (in SciiSt. Ruer-) = dem Vor. AaZ.; 
Ar; GF., Rh., Sa., Ta. ; Sca; ScnwMa.; Th; ZO., Wl. 
.Oxygala, saure milch, ruer (rüer)-milch, dicke milch, 
ankenmilch, die man lang gehaltet.' Fris. ; Mal. S. noch 
Büm-M. - Ross- = EselfsJ-M. GrD. (neben der Wald- 
Wolfsmilch, euph. silv.. lt B.); GSa. — Magsamen- : 
der in Wasser aufgelöste .Milchsaft der Mohnkapseln. 
.Ein wenig M., Opium genannt.' J.lNüscn. 1008. — 
Sennte"-: so viel Milch, als ein Senntum (70—80 
Kühe) auf ein Mal liefert, also 30— 40 Mass Zg. — 
Sür-: saure Milch. , Weiss Eiter, als ein S.' Würz 
1634. — Scheid-: Molke, d. h. Milch, aus welcher 
der Käse ausgeschieden ist; vgl. Ghäs-M. ,ln luterer 
Seh. von Geissen. \ XVII. , BArzneib. — Schinnerli-: 
durch einen .Schinner' [Korb]geseilite geronnene Milch, 
aus der somit die festen Bestandteile ausgeschieden 
werden L. 



205 



Malch, melch, milch, molch, mulch 



21 Mi 



Schleg- (in Gr t\v. ; GRh.. Sa. Schlcgg-) = Anken- M. 
GM., S.j Gr; GA., (>., Rh., Sa., oT.; „SööwMuo.; Uw ; " 
r. Vgl. Stein m. 1802, 156 und a. SWberg - Häneli 
lid II 1309. 

Ii. II 14'.) Unterscheidet für GrD. die Sekleg-M. (.Über- 
rest Oer Buttermilch') von der Avkenmilch. Vgl. auch nhd. 
.Schlagsahne.' 

Schlampe"-: Milch von Kühen, die mit Schlampe 
genährt werden B. Sie gilt für geringer als GraS-M. 

— Schlange"- = Esels- M. Rochh. 1S57, 180. 
Schlipp- = Anken-M. Ebel 1804, 250. 

Vgl. das uhd. ,fechlipper-Milch' ; ferner scMippirig; doch 
stellt die obige Forin viell. nur eine eigentümliche Abffassnng 
des W. Schlegg-M. vor. 

Schlotter- (in L auch Schlotte"-): 1. von selbst 
geronnene Milch AaF.; VO; ZKn.; Syn. Lugg-, Blu- 
der-M. Sie ist eine beliebte Speise zu gesottenen 
Kartoffeln Z. Wiss si" wie ne Schi., sehr blass L. 
Gho" wie ntMüs us ern Schi., absonderlich, geschmack- 
los gekleidet einhergehen L. Als der Luzerner .Wahr- 
heitsfreund' behauptete, die Beschlüsse der Schützen- 
hausversammlung seien ,Schl.', die man dem Volke 
vorgesetzt, antwortete der ,Bprütze°hannes': ,Nein; 
frisch vom Euter weg war sie gemolken, warm und 
süss zu trinken, die Milch, die du geschmäht.' ,Das 
Schreiben, so von der überkeit herkomme, koste viel 
und sei nit eine Schi, wert,' 1653, Helvetia. Einem 
parodistischen L Spiel von 1743 ist ein Lied beigefügt 
,von Eitelkeit der Schi, und Fusterle.' .Gelatum lac, 
stockmilch, gerunn[en]e, g'standne milch, schl.' Fkis. ; 
Mal. ,Was aber das Trank belangt, soll man sich 
goumen von unerwölt.er kalter und Schlattermilch.' L 
Pestbüchlein. .Adponunt oxygalam sie Aeginctae vo- 
catara: lac videlicet concretum Taciti, aeido gustu 
blandiens, quod vernacula voce Schi, vocamus, a tre- 
mulo, gelatinae in modum, motu: vel etiam hoc ipsum 
a sero liberant et conquassatum cum cremoris portione 
remiscent et sie inspissatum (Dicke Milch vocatur), 
afferunt.' Cafpeler 17(57. -- 2. eine Wolkenbildung 
am Firmament, bestehend ans kleinen, dichtgereihten 
Haufenwolken (im Gegs. zu den grossem, mehr ver- 
einzelten .Schafen') L. — 3. Schimpfname auf eine 
sauer dreinsehende, böse Person L. — Stock- = 
Schlotter-M. 1. Fris.; Mal. -- Stüss- = Anken-M. 
AaFi'L, Z. Me" muess Gott für Alles danke": Für 
d' St. wie für de" Anke". Eidg. Nat.-Kal. 1SGG. - 
Tüfels-: 1. Name des Milchsafts gewisser Pflanzen, 
bes. des nachdunkelnden, giftigen, dann auch die betr. 
Pflanzen selbst; vgl. Flücchi-Chrut Bd II 891; Wolf- 
Mannh., Ztschr. IV 174. Spec. a) (Saft der) Wolfs- 
milcharten, bes. der Cypressen- Wolfsmilch, euph. cyp. 
Aa ; B; GT., We. ; Sch; Th ; Z, doch auch der kreuz- 
blättrigen Wolfsmilch, euph. lath. Hegetschw., und 
anderer Arten. Vgl. Esels-M. — b) in Zg -Milchlig, 
des gem. Schöllkrauts, chel. majus AASigl. ; Sch; Zg; 
ZW., Zoll. — c) des Löwenzahns, leont. tar. Sch; Syn. 
Milch-Stock; andere s. bei Milch-Chrüt Bd III 901. - 
2. einer der vielen verächtlichen Beinamen des Brannt- 
weins Aa. — Tag-: das Quantum Milch, das eine Kuh 
in einem Tage gibt Gr; vgl. Tsch. 265, T.- Mulchen,. 

— Toggi- = Esels-M. (eig. Milch eines Albs) GnRh. 

— Tause"-, Tiiusli-: Marktmilch, d.h. Milch, die 
der Milchverkäufer in einer Tanse den Kunden täg- 
lich bringt und die von geringerer Qualität ist, als 
die (in Flaschen gebrachte) ,ganze' ZStdt. ,Was will 



Tansenmilch heissen? Gibt es denn Milch, die in 
Körben in die Stadt gebracht wird?' fragt ein gemass- 
regelter Milchhändler im Z Tagbl. 1876. — Wal(l)e°- 
= Hengst S (s. Bd II 1450) GT. (Pup.). .Lac passnm, 
lactarins s. eibus, gewellte milch, milchbrocken, wallen- 
milch.' Mal. — Well-: gesottene Milch Gl (Rochh.). 
„Milch, die zum Zieger machen oder zum Vermehren 
nachgeschüttet wird GrA." — Wolfs- = Esels-M. 
Aa; B. .Carytis, die gemein gross w. mit den burzlen- 
bletteren, ist das ander geschlecht der w.' Fris. ; vgl. 
l'lin. XXVI 40. — War- = Mön- Milch (eig. .Arznei- 
milch'). Z Apothekerspr. — Wärm-: abgerahmte 
Milch, die man bei der Bereitung der .Walleten' oder 
des .Ziegers' (also wenn man Milch erwärmen will) 
zusetzt Gr; vgl. Gr Sammler 1805, 261. — Wiss- = 
Chäs-M. LE. — Ziger-: 1. Milch, die unter dem 
Einfluss von Wärme (bes. beim Sieden) gerinnt, in 
der die , Ziegerteilchen' herumschwimmen Aa; Zg; Z. 
Es ist heiss g'si" im Tal, i eh ha" g'meint, i ch müess 
zun - rc Z. scheide" wie im ene" Chäs-Chessi. Zg Kai. 
1882. — 2. süsse, über Zieger geschüttete Milch, eine 
beliebte Speise Bs; S; vgl. Breitenst., Erz. 303. .Eine 
nahrhafte Z. besteht aus einer grossen, ein paar Mass 
haltenden, mit guter, süsser Milch gefüllten Kachel. 
in welche Milch eine reichliche Menge Zieger, das 
heisst frischer, ungesalzener Käsestoff, eingebrockt 
wurde.' AHartm. 1879. — Zeine -: saure, dick ge- 
ronnene Milch, aus der mittelst eines dünnen Tuches 
über einem geflochtenen Korb [Zeine"] die Molke ab- 
geseiht wird und die dann, mit süsser Milch oder 
Kahm gemischt, als Delikatesse genossen wird ZO. ; 
Syn. ufg'schütteli Milch. 

milchbar: milchgebend. ,Guet m. oder schlechte 
Küe.' RCvs. 

milchele": nach Milch schmecken Bs; L; Z. 

milche": einem Kalb Milch reichen, essäugen ü. 

Milche" Gr; Sch tw., sonst Milke" — f.: 1. auch 
Ghalbs-, Chalber-M., Brustdrüse mit Milch genährter 
Tiere, bes. der Kälber, doch auch der Lämmer, eine 
DelikatessC; Kälberbröschen Gl; Scii; Th; UwE.;Z; 
De Lacour 1730 (,le laites, du ris de veau'); Syn. 
Milehling. .Ein Essen Kalbsmilchen' erhielt Bürger- 
meister Wascr 1065 als .Badenschenke.' Ein Pfund 
Kalbermilken schenkte u. A. alljährlich am Ascher- 
mittwoch die Zunft zum Widder dem Pfarrer zum 
St Peter. — 2. a) = Milch-Chrüt 1 c (Bd III 9oI) Gr. — 
b) die Blätter des Löwenzahns Zg; Syn. Milcheren. 

Milcher m. : Milchverkäufer, der die Milch den 
Kunden zum Haus bringt BsStdt; L; Syn. Chüejer, 
Milchler, Milch-Mann. 

Milchere" f. = Milchen 2 ScnwE.; vgl. das syn. 
Melchternen. 

milchig U, milchi* Z: aus (mit) Milch bereitet, 
M-s Kafi U; Gegs. schwarzes; vgl. Gholflji Bd III 
'208/9; Kaffee mit ausgiebigem Milchzusatz Tb; Z. 
Milchi's Hahermues, mit Milch st. bloss mit Wasser 
gekochtes ZWyt. 

milchle": Vieh halten, um die Milch zu ver- 
kaufen Ap. 

Milch(e)ler m. = Milcher Ap; BE.; L. — Blau-: 
Verkäufer von .blauer' [abgerahmter] Milch B. 

Milchli"g m.: 1. a) in Bs auch Milchli n. = Mil- 
chen 1 Bs; B; UwE. Die Fleischer unterscheiden 
,Herz- und Halsmilchli' eines Schlachtochsen Bs. 



207 



Malch. molch, milch, tnolch, niulcli 



2 ( w 



,Voressen von Hirn, Milchlig usw.' Gottii. ,Milchlig- 
,.ii. Schwelle und schele die Milchling' usw. 
B Kochb. 1756j 1796. ,Kine Platte mit zerschnittenen 
Milchlein und 1, eueren.' Leicht 1767. .Milehlin und 
Krös.' XVII., Bs Maml. — b) Samenmilchdru.se. .Kar- 
pfen, in welchem weder milkly noch rogen gefunden 
worden.' Fischb. 1563. .Gefüllte Karpfen. Die Einge- 
weide, die Milcher zerhackt... Das gehackte Milchlein 
darunter gerührt.' Bs Kochb. — c) = Milchen 2 (bes. 
die Blätter des Löwenzahns) L; Scnw; Ndw. — 
2. a) männlicher Fisch. Milch(n)er. .Keine mämily 
oder milkling, sonder alle rögling oder weiblin.' Fischb. 
1563. ,Dise fischlin wachsend nit von inen selber, 
sonder habend milchling und rögling.' ebd. ,Piscis 
lactarius, Milchling.' Denzl. DT7; 1716. — b) eine 
Art Schwamm, wahrsch. der Milch blätterschwamm, 
lact. Z. 

Tüfels- s. T.-Milch. 

lind-mulcli, in Gl auch li-m. = l.-melchig „VO;" Gl. 

Molche , bzw. Molche" (in Bs; B Mulch, in L 
MulU?) — n. (in Bs in Bcd. 1 a f.. in GrD. m.): 
1. Coli., das .Gemolkene' d.h. der Gesammtertrag an 
Milch, bzw. den daraus bereiteten Produkten, in einer 
gewissen Zeit, von einer bestimmten Anzahl Kühe 
(einem Senntum) Ap; Gl; GrtPr.; GRh.j Syn. Mulchi. 
Wo-n-e Tür ime' Hüttli d's M. Mi b'sorget Gi. (Becker). 
De r Senn hed e" schlecht* M., wenig Milch, bzw. einen 
geringen Ertrag an Käse und Butter Ap. Mer wend 
hoffe", e" guetc Summer a" der Alp bring-is Dos wider 
nachc", was-is hi ilcm trockne' Früehli'g im M. z'rugg 
'bliben ist. Gl Volksgespr. Spec. a) der Ertrag an 
Milch selbst Gl,. ,Die Sennen suchen aus der Milch. 
oder, wie der Älpler sich ausdrückt, aus dem AI.. 
Butter, Zieger und Käse zuzubereiten.' Steinm. 1802. 
Wesentlich = Milch 2 d, die in eine Käserei vertrags- 
mässig abzuliefernde Milch Ap; Bs (als Fem.); ZKn. 
Ein Senn kann mehrere M. haben. ,Die hiesige M. 
ist eine der kleinem im Kanton.' Zeitungsinserat 
(BsL.). — b) der aus einem bestimmten Milchquantum 
(einer Sennerei auf der Alp, einer Käserei in der 
Ebene) während des Sommers gewonnene Ertrag an 
Butter, Zieger, bes. aber an Käse Ap; B; VO; Gl; 
Gr; GEh.j „S"; vgl. Milch 2 c. D's M. hol,,«, auf 
der Alp GBh. Wem gesch [gibst du] 's M. [Butter 
und Käse]? fragt man einen Sennen Ap. In B (bes. 
Si.) wird das M. [die Gesammtheit der fetten, auf den 
Verkauf fabrizierten Sommerkäse] unterschieden vom 
gesammten Milchertrag (an Butter usw.) einer Saison, 
dem Summer-Nutzen. Es M. Chris. ,Die halbfetten 
Käse, welche vor und nach dem eigentlichen Mulch 
gemacht werden.' Gottii. ,Wie viel Zentner ihr Mulch 
in der Käserei gewogen hätte.' N. B Kai. 1840. ,An 
einem Orte sei über 16000 Pfd aus einem Mulch ge- 
löst worden.' ebd. ,Ein Käsehändler hat ein Mulchen 
zu Frkn 96 [per Zentner] gekauft.' Alpenp. 1873 (für 
l!l';.). .Der Salzer hat aus Unkenntniss schon manches 
M. verdorben.' Schatzmann 1870.. ,'Weit und breit 
werden die Käshütten bekannt, aus welchen die teuer- 
sten Mulch verkauft wurden. Eben so weit erzählt 
man sich von den Mulchen, welche am schlechtesten 
oder gar nicht verkauft werden, ,1c teurer das Mulch, 
desto besser der Senn.' Gottii. .Dass si ir mulken 
behalten sulln in dem huse, beidü, in kelre und in 
spychern.-' 1836, Gfd. ,Was von zwain tagen mulchen 



gemachet ward.' 1419, Zellw., Urk.; vgl. Tag-M. .Sie 
dürfen eine Hütte hauen, die mulchen ab melchsee 
darin und von dannen zue söumen.' 1452, Kö bleu. 
.Es soll jedermann syn mulchen nüt verkouffen, denn 
uf unsrem offnen merkt.' 1 127, ScHwMa. LB. .Si band 
gesetzt zwei nies mulchens ewiger giilt an das gotts- 
hus.' XV.. Gfo XI 35. .Das m. [d. h. der Genuss bes. 
ven Käse und Butter als Fastenspeisen ; vgl. Chös 
Bd III 503; Absch. V 1, Hilft] ist in einer Eidgenoss- 
schaft erst in den lOOjaren sünd worden. Unser lieb 
Eidgenossen band erst inner lOOjaren das m. erkauft 
[d. h. die Erlaubniss, es in den Fasten zu geniessen] 
von dem bischof zue Born; in der bull wirt 'klagt, man 
hab in unsren landen nit gewonet öl ze essen, je so 
hand sy die landbrüchigen spys, milch, ziger, käs, 
anken, geessen.' Zwingli. ,G'schandten vil an m. und 
vidi.' WSteiner 1532. , Unter andern Mulken wird in 
diesem Lande [Gl] viel Zieger gemacht.' Steinm. 1802 
(nach Stumpf). ,Sy band geboten, das molken und 
sunderlich den anken nit uf fürkouf, noch ussert 
lands zue verkoufen.' Ansh. .Vermählende, einem Land 
Abbazell von ie weiten her nichts bas erschossen noch 
fürbas erschiessen möchte, dann fiyssig der inulclien, 
kuen und alpen warten.' Kessl. ,Hicr han ich anken. 
molchen, käs.' HvRüte 1546. ,Lactis massa coacti, 
easeus, käs oder niulhen.' Fris.; Mal. ,Wo man vil 
anken und mulchen hat, da hat man keinen Inniger.' 
LLav. 1582. ,Gott hat seinem volk verheissen ein 
land, das von honig und milch fliesse. In denen landen 
hattend sy ir grös't guot an vech und m.' ebd. ,Es 
band neu und alt rät erkennt wegen denen mulchen- 
grempler[n]: Was sie unseren landleuten auf molchen 
geben oder vorgeben betten, eh dass mulchen vor- 
handen wäre.- 1585/1828, Ap LB. ,Es verbrann ein 
alp mit dem molchen.' 1588, Ardüser. .Die molchen- 
grempler sond in jedem Umgang ein säum schmalz 
und käs auf dein markt monatlich feil haben.' 1598, 
Ap Ratserk. ,Dise Züger [aus Gl] haben den l'rvs 
wyt und breit über alles Molchen, so man in der Eid- 
gnossschaft macht.' ROys. .Molchen, als Käs, Anklien, 
Ziger.' ebd. ,Zinset 4 Mass Mulchen.' 1604, LEscholz- 
matt. .Wegen Dingskaufs des Vychs und Molchens.' 
B Wuchermand. 1628. .Dadurch, dass die Landlüt 
ihre Küe und dadurch auch das Molchen aus der 
Landschaft hinliehen und veräussern, wird an Molchen 
und Anken ein Mangel im Land gespürt. 1 1644, BSi. 
Rq. .Man erachte es an der Zeit, auf Beschränkung 
der Ausfuhr der Mulchen Bedacht zu nehmen.' 1674, 
Absch. , Mulchen [im it. Text ,de' laticini'] von Alp 
führen.' 1700, U Rq. ,Sie formieren die Zigerlin in 
Form einer Schneebällen und verkaufen dieses Molken 
ziemlich teuer.' Sererh. 1742. .Alle Mulchen, es wäre 
Käs, Ziger oder Anklien.' 1756, Schw Rq. .Jeder Land- 
mann soll auch berechtiget sein, aus einer ganzen Mol- 
chen oder nur zum Teil Käs, so von einem Fremden 
in unserer Landschaft erhandlet wird...' 17li9, ebd. 
S. noch durch-gän Bd H 35, vergelten Bd II 280, Chcm 
Bd III 466, Bädling; helv. Almanacli 1802, 28. — 
2. „geschmauchter süsser Zieger, geformt wie Butter- 
striezel BO." — 3. 3Mche", Käsewasser PAL (,ricotto c ); 
Syn. Sufi, Schotte),. .Die suwen wurden t'aisst ah mol- 
chen, die pfalfen ah pfruenden.' Vad. ,Käs, der wol 
ausgetriickt ist: dann das molken schadet den jungen.' 
VoGELB. 1557. .Wässerig, wie molchen oder käswasser.' 
Tierb. 1568. .So lang, bis der Käs ausgetropfet, die 



309 



ftfalch — miilcli. Äfalchst— mulchst. Malcht— mnlcht 



210 



Molchen abgelaufen ist,' SLdtz 1732. ..Molken autem 
in specie sernm lactis, non quidem apnd noa 7erna- 
cule. Dam Schotten dicimss, sed per totani Germanium 
vocatnr.' Cappeler 1767. 

Mhd. molchen |l>zw. molken; mulchen, muVcen). Das (auch 
in ;i, I.it. hie und da vorkommende) Fem. richtet sieh wahrseh. 
nach dem Geschl. des syn. Milch; das Hase, nach demjenigen 
TOD Nutzen. Vgl. noch CGessner, l.ibellus de laete et opeiibus 
lactariis. Tig. 1541. Im Flurnamen: .Mulchenrain.' XIV., 
I. Propsteirodel (6fd). Vgl. auch .Molke' bei Hr. WB. 

Ab-: Zieger Gl (lt Steinm. 1802, 165). 
Die Ziegerbereitung bildet gleichsam den Abschluss der 
Verarbeitung der Milch (vgl. Bd III 511); doch vgl. auch 

Haber- = H.-Malch ZeBaar. 

Margel-: Name einer Abgabe. .Vierdhalb Schil- 
ling j er li c h margelmulken.' XIV., I. Propsteirodel (für 
SchwK.). 

Die Abgabe war viell. fallig an einem der Marientage; 
viell. ist aber .Margelfareb'. durch Eichelmast fettes Schwein 
(Schmid, schwäb. Id. 321), zu vergleichen. Das nicht mehr 
verstandene W. erscheint schliesslich in der Entstellung 
.Mardermulchen.' 1561, SchwK. Rq. (Ztschr. f. schwz.R. II IT). 

Mass-: Einheitsmass zur Berechnung der Alp- 
produkte, bestehend aus 20 Erinnert (s. Bd III 827) 
Butter, 2 Käsen und 2 Ziegern GrS., 28 Pfd Butter. 
40 Pfd Käse und 10 Pfd Zieger GrV;i1. 

Schaf-: Name einer Abgabe; viell. urspr. be- 
stehend in Produkten aus Schafmilch oder Abgabe 
für Benutzung der Alp zur Schafweide. ,Do hat im 
ain abt ainen schafmulchen daiuf gemacht [auf eine 
Alp gelegt] für ein schirmgelt järlieh zins.' 1529, 
Strkkl. ,Sy habend demnach aiuem kloster müessen 
gen seh. und schmalzzins.' ebd. ,l>er Käse, des Zigers 
und Ankens wegen, die man Seh. nennt.' 1529, Absch.; 
vgl. ebd. IV 1 b 653/4. 

Tag- = Vogel-Mfd, eig. die Quantität Milch, welche 
die Kühe während eines Tages geben, bzw. die daraus 
gewonnenen Quantitäten Butter und Käse; spec. die 
Quantität Milch, welche die Kühe auf den Alpen am 
Morgen früh liefern, bevor sie auf die Weide getrieben 
werden GSa. ,Das T. solle der Landweibel dem Land- 
vogt umb den Ziger ohne sein Kosten uferen.' 1653/4, 
Absch. .Beschwerde des Landvogts, dass die von Flums 
ihr Vieh auf die Glarneralpen treiben, wodurch einem 
jeweiligen Landvogt in Beziehung auf die T. ein Nam- 
haftes entzogen werde.' 1732, ebd. ,Aus dem Berichte 
des Landvogteiamts ergibt sich, dass der Ertrag des 
Titels T. von Zeit zu Zeit in den Rechnungen sich 
vermindere, weil die sargansischen Angehörigen ihre 
Alpen an Fremde zum Hintrieb für Pferde und Schmal- 
vieh ausleihen, ihre eigenen Kühe aber ausser Landes 
verstellen.' 1786, ebd. Dem Landvogt von Werdenberg 
spec. kam die gesammte Butter- und Käseproduktion 
am Jakobstage zu; vgl. noch Steinm. 1804, 375. 

Mulcherer m. : Berufsname; wahrsch. Händler 
mit Milchprodukten. .Die gelübde, die m. und mülner 
geton hatten.' um 1311, ä. L Batsb. 

Mulchete" f.: Coli., Butter und Käse aus der 
Alp GRh. 

Mulchi t = Mulehen 1 BBe.; S. 



Me'lchster ApI. (neben Mulsin-), Meister Ap — m. 
(lt einer Angabe f.), Meistere? f. GRh.: einfache Hütte 
auf den Alpen, in welche das Vieh zum Melken ge- 
trieben wird und die ihm auch etwa Nachts eine 
Unterkunft bietet; sie ist offen bis unter den Giebel 
und hat keine Tenne Ap. Viehstall auf der Alp GRh. 
,Die Sennen trafen (im Juli 1870) hie und da eine M. 
vom Schnee eingedrückt,' Zeitungsnachricht. .Holz, 
irene melster und käsgadner zue besseren.' 1491/1527, 
Zw.i.w., Urk. ,[Sie haben auf der obem Gamor] zim- 
mer, gaden und melster gebaut,' 1529, Hof Kriessern. 
,Soll jeder Alpgenoss von seiner Meister den Bau 
[Dünger] ausführen.' 1078, GRh. Alpordn. .Meister.' 
Will., Güberried Arch. .[Uli Rotach] stellte sich an 
die Ecke einer Meister und eines kleinen Gädeleins.' 

XVIIL, ReIMREDICHT. 

Zur Abi. vgl. ,Galster' : ahd. galan und s. Kluge 1881'.. § 94. 
Die ä. IL.it. zeigt auch eine Form mit anderer Abi.: ,Si brann- 
tent 7 städel und melktran.' 1405, Wegeliu. ,I>ie Melchter 
lag bis an die Einbindcr oder obere Sehl [Schwelle] uuter 
dem Schnee.' 1687, Ap Chr. 



Schweiz. Idiotikon IV 



Belebtere" (in GO. lt Zahner Maultere") f., PI. 
Melchtri BO., sonst unver. : 1. hölzernes, langrundes, 
offenes Gefäss für Flüssigkeiten, mit einem Öhr, das 
meist in einer verlängerten Daube angebracht ist, in 
GlS. statt dessen mit zwei Tragzapfen; verschiedenen 
Zwecken dienend: (oft Dim.) als Melkeimer Aa; Bs; 
B; Gl; L; G, (in BSa. auch Hand-M.) als Trag- oder 
Schöpfgefäss für Milch, Wasser (bes. in den Stall, 
daher auch Wasser-, Stall-M.), für Schweine- oder 
Pferdetränke Aa; Bs; B; F; Gr; S; üw; \V. oder 
auch, um den Arbeitern das Essen auf das Feld zu 
tragen W; als Rahmeimer Aa; Gl; zur Aufbewahrung 
des ,Etschers' (s. Bd I 608) Gl (vgl. Etscher-Tansen). 
In die M. (in BG. Abtrag-M.) wird auch die Milch 
aus dem Melkeimer geschüttet, um sie darin stehen 
zu lassen, bis der Schaum vergangen ist. worauf man 
sie in die Gepsen (s. Bd II 393/4) umschüttet B; Gl; 
LE.; vgl. FXSchnyder 1782, 125; Gl Gem. 1840. 121, 
ferner Handfass (Bd I 1050/1), Füsterli (Bd I 1121), 
Gummer II (Bd II 308), Gauseli (Bd II 453), Melch- 
Chübel (Bd III 114), Bränten, endlich noch PSchild 
1893, 358; JRWyss 1817, 557; Steinm. 1802, 127. 
.Wenn sie das Melchterli untersuchten, in welches er 
melke.' Gotth. Dermit het 's d's Melchterli ro" dW 
Bnume'rüre' weg' zöge", e Gutseh Wasser drüs g' schüttet 
BM. (Schwzd.). Er schüttet d' Nidle' us dem Melchterli 
i" si" Bränte'. Nat.-Kal. 18G4. Nimmt si* Braute" 
uf ''c" Buggel und 's Melchterli a' d' Hand. ebd. In 
Vergleichungen typisch für ein grösseres Mass. Es 
schüttet abe" [giesst] irie mit Melehtere' B. ,Hass und 
Misstrauen melchtere°weis eingiessen. 1 Gotth. .Ein 
Euter wie eine Melchter.' AHartm. 1852. All Melehtere' 
voll! verhüllend für: allmächtiger Gott! Aa. Wahrsch. 
ähnlich zu erklären ist die Rochholz'sche Aufzeich- 
nung: Alh Melehtere" und alli Chübeli lär (Letzteres 
ein Zusatz in verhüllender Absicht). ,So seine brüst 
oder melkteren voller milch sind.' 1548, Hiob; dafür 
, Melkfasse.' 1667. ,Urab ein melchtern in markstall.' 
1566, ZGrün. (Staatsarch.). .Mulctra, ein melchteren, 
melchgeschirr.' Fris.; Mal. , Melkkübel, Melkter, 
mulctra.' Red. 1662. .Nachdem der Senn die Milch 
gemolken in die Melkteren (welche den Namen scheinet 

14 



211 Malcht-mulcht. Maid miild. Malv— mulv. Malg— mulg. Malgg— iiinlgg. töalk— mulk. Mulm 212 



her zu holen von dem lateinischen Wort Mulctrum 
oder Mulctrale) und aus vilen Melkteren ausgegossen 
in das Milchtäuslein.' JJSchedchz. 17m;. ,Hic Muttas, 
Taussel, Folien cum Melchtere" cernes.' XVIII., makk. 
Gedicht. S. noch an-gän Bd II 18. Feuereimer. ,Auch 
soll ein jeglicher burger ein melchtran han in Syriern 
huse unt nächtlich syn gross fass volles Wassers.' um 
1311, ä. L Ratsb.; vgl. Liebenau 1881, 48 und s. Gelten 
Bd II 282. - 2. zinnerne Kanne GrV. — Vgl. ahd. 
chumelhtra, miiltra, und s. Kluge 1886, § 96. 

Fisch -Melchtere": Fischbehälter. ,Üenne ist 
auch verboten, einige Fischmelchteren unter die Röh- 
ren zu stellen.' B Brunnenordn. 1740/84. Vgl.: ,Die 
Melchter des Fischers war voll Fische.' Kdenlin 1834. 

Brunz-: hölzernes Nachtgeschirr mit Ohr, meist 
in einem Nachtstuhl untergebracht Gb ObS.; vgl. 
Gang-Chübel Bd III 113 und B. IV, Tafel. 

Sü-, Sil-, Söu- B; L; S; Ndw, Schu-i"- Gr: .Melktcr' 
zur Fütterung der Schweine. Ersetzt in Sennhütten 
oft Stühle und Bänke, indem man ein Sitzbrett dar- 
über legt, wobei die Handhabe als Rückenlehne dient. 
,Man kochte Haufen, zumeist halb z' viel, und wenn 
die S. und die Schüttsteine reden könnten, die hätten 
Einem sagen können, wie viel in sie spaziert sei.' 
Gotth. Das wird nppe" schön stä" i" dim Loch, g'rad 
wie e" Sunntighuet uf eme" Bese'stil oder e" Hochzit- 
rock a"-re" S. ebd. Über d' S. falle", in eine wüste 
Geschichte kommen; spec: der Paternität angeklagt 
werden S. D' S. lüte" = d' Sü'°-Glogg. Ndw Kai. 1895. 
,X und Z [Buchstaben auf einer Figurentafel] stellet 
vor eine mit einer Schindlen belegte Säumelkteren. 
ein Geschirr, darin man den Schweinen zu essen bringt: 
gibet ab den vornehmsten Sitz bei den Sennen, wel- 
chen auch gemessen die fremden Gäste, denen sie 
wollen Gutes tun.' JJScheüchz. 1706. 

Melchterne" f. = Milcheren GiiPr.; vgl. auch 
melch 4. 

Melchtrete" f.: eine .Melchter' voll Milch. 
Hial 218. 



melde": 1. wesentlich wie nhd., doch wenig volks- 
tümlich, dafür chünden, berichten. Mit Respekt z' m., 
Formel zur Entschuldigung eines groben, unanstän- 
digen Wortes; salva venia Bs; Z. Im Kartenspiel, bes. 
Jass (s. Bd II 09) kund tun, dass man eine bestimmte 
Kartenserie bekommen habe, wobei dann, wenn mehr 
als Filier meldet, die höhere Zahl oder die Vorhand 
(s. Bd 11 1394) den Sieg davon trägt Bs; G; Schw; Syn. 
u isen. Dril, filfzgi, d' Stock m. .71/., monere.' Id. B. 
Anfuhren, erwähnen, in Rede und Schrift nennen, 
meist formelhaft. .Wir dickgemelt Burgermeister usw.' 
1535, Sc« Urk. .Wolgemelt unser GHHn.' 1009, Z 
Mand. ,Er muesst einfen] schweren eid tuen, sie 

nin jr ze m. [zu verraten].' Bossh., Chr. — 2. refi. 

;i i ;inkbi|ifcn, um Einlass zu bogrhivii \V. — h) = ehiin- 
ibii 3 b (s. Bd 111 '■':■>■>) W. — c) coneurrieren. Stiere", 
sä schön und feiss, dass si c * mängen Ostere'-Stier nüd 
muess m. JbEgli 1895. — Mhd. in Bed. 1. Bei Morgant 
1580 ,dnrch den gemeltnon kaiser.' 

er- = melden 1, i. S. v. erwähnen. XVI./XVIII.. 
Känzlbisph. , Ermeldte Gegne.' Wurstisen 1580. ,Oft- 
ermelte.' 1 7 1 s. DHess. 



vor-: (Grüsse, Empfehlungen) ausrichten Z f. 
Verraten, ausschwatzen (ein anvertrautes Geheimniss) 
Lj ZKn. .Es enist aber kain v. [Verrat, Untreue] in 
uns.' 1336/1440, Z Chr.; vgl. ebd. 39. ,üa wurden t 
sy von frowen gesechen und von in c " vermeldet.' Edlib. 

be- = er-melden. ,Vorbemelte historien.' Rief 1554. 

G' mulder (in 13R. Gmülder) n. = G'miill, G'mülber 
BO. .Zerknittertes, zusammengedrücktes, klein gebro- 
chenes Stroh.' St.' Zu» dem Chrämer gern /''' uiim-me 
ga" Gaffe nie' Habereherne" choufen; da uberchtinnd 
mW niimmen G'm. BR. D' Mus si"''-mer in der Ulli, 
d's Heu isch gll ch es lötigs G'm. ebd. — Zu ilfulJ. 

g'muldere", bzw. g'müldre': l. = vermvJben 2,ge- 
midbren BO. — 2. Moos, Reisignadeln usw. sammeln, 
um sie als Dünger zu benutzen, wie ärmere Leute 
tun B oHa. 

g'mulderig: locker, staubartig B oHa. G'm-e r 
Schrie. 

g'mulderoch t: breiartig B oHa. 



Malvisier Schw, Malvisyer Ndw: Malvasier; vgl. 
halb Bd II 1101. .Malfensiger.' Em. ib. ,Die stouf 
füllend ir mit malfasy, mit muscatell.' Rdef 1540. 



Melge" I f.: 1. weisser oder gemeiner Gänsefuss, 
eben, album ScuwE.; Uw. — 2. guter Heinrich, chen. 
bonus Heil. Uw. — Vgl. , Melde', Milien. Mülwele'. 

Melge" II f.: 1. Mais PAL Mailyi's Mein, Mais- 
mehl. -- 2. Moorhirse, sorghum, unterschieden als 
.Kolben-M.', gem. Moorhirse, sorgh. vulg. und ,Besen- 
M.', sorgh. sacch. Gr; vgl. Gr Sammler 1781, 74/5; 
Lehmann 1798, 190/1. — Aus it. meliga in Bed. 2 und 
Dies aus dem lat. PÜauzeuuaniL'U melica (Abi. von md). 

Molge" m. : grosses Stück, Brocken BBc. (Dan.) 



g'molg2;et'. plump Gi.Obst. — Vgl. Mulx. 

Miilggeli n.: Name einer [Entwicklungsstufe der 
.Albelen' (s. Bd I 185/6) Z. - Vgl. die Synn. Milling. 
Meidet, Midel, Migling. 



Melkerli n.: Kätzchen des Haselnussstrauches G 
uRh. (Wartm.). 

Höchst wahrsch. zur Gruppe melch- gehörig, indem die 
Kätzchen mit Zitzen verglichen werden können. 

mölke"! Jmdn mit Milchspeisen bestechen, ge- 
winnen BO. (vMülinen). 



Malm I m., nur in der RA.: In Malme" hin gän, 
zu Grunde gehen lassen GrL. 

Viell. angelehnt au rom. laschar ir in maZura. Zu Gründe 
liegt wohl die concr. Bed.: das Zermalmte (vgl. got. malma, 
Staub); vgl. auch frz. reduiro en poussiere, vernichten. 

mal in malam, malern, malum: 1. zutraulich, zahm, 
sanft, von Menschen und Tieren PAL; W. „Ein ma- 
lemer Bär, eine nialume Taube,, im Gegs. zu wild." 



213 



Malm niuliii. Maisch— mulsch. Malt — muH 



•21! 



— 2. mild, sanft, z. B. vom Gesichtsausdruck, vom 
Klima. Wetter \Y. Di Benin" sige* friejer ril malumer 
g'sin. Es ms Guot, ein in der Ebene gelegenes 
Bauerngut, Wiesland. Weich, zart, leicht W. Do« 
Ärgern ist es malums Vagolti, man kommt leicht dazu, 
sieh zu ärgern. 

malme", in PA1.; W malame*, malum(en)e* : 
1. zähmen TAI. — 2. .zahm weiden W." — 3. zer- 
malmen, vernichten GaL. 's hei dir Stein grad [ge- 
radezu] g'malmct. - Zu dor Übertragung auf das Mora- 
lische vgl. li"j<j- 

Malm II m., nur in der Reimformel: .Halm und 
31.' Ar. .Saat und Ernte, H. und M. kommt von Gott.' 
Ar Sonntagsbl. — Dem Keim zulieb geschaffene Ab], von 
.mahlen' oder .malmen.' 



maische", malt sehe": undeutlich reden G; Syn. 
mueslen, nuslen. 

uiiilsch AAtw.; Bs (melsch. Spreng), sonst möltseh, 
bzw. mültsch (in AaWoIiI. mölgseh): 1. weich, morsch, 
mürbe, faulend. S. noch manch. Spec. a) von Holz, 
das lange auf der Erde gelegen bat, auch an seinem 
Standort rotfaul geworden ist Aa; Bs; BBe. ; S; Zj 
vgl. stock-rot. <>lt und m. si* [die hölzernen Bilder] 
i/'si", nie* hiitt ehönne" glaube*, si sige* us ''cm Höh 
vo" der Arch Noc g'schnetzlet worde*. BWvss. — 
b) trockenfaul, von Äpfeln, dem ,teig" der Birnen ent- 
sprechend Aa; Bs; B; S; Z. Syn. flusch (Bd I 1225). 
Mürbe, mehlicht, von Äpfeln und Birnen AaF.; Bs 
(Spreng). — c) = gefosen (s. Bd I 1083), bes. von Rü- 
ben B, oder Obst Z. — d) zerschlagen, gequetscht, 
von Rüben. Fleisch, bes. aber von gefallenem Obst 
Aa; Bs; S. — e) braun und blau, bes. in Folge von 
Prügeln Aa ; S. D'r Grind hei er verbünde" g'ha* und 
het so erbärmlig blau und m. use'g'luegt. Joach. I eh 
chönnt ne" m. schloli*; Syn. verchnütschen. — 2. un- 
fähig zur Arbeit, matt AAAugst. 

Vgl. betr. die nähere Vwdtschaft .indisch' bei Gr. WH, 
ferner die synn. mansch, muh., mfinig. 

ver-möltsche": leicht quetschen, möltseh machen 
(i. S. v. 1 d) AaFim. 



Malte" f.: 1. (in Gr ObS. Maulte") Mörtel Gr. — 
2. = M.-Chellen (s. Bd III 201) GrV. — 3. süsser 
Weinmost, bes. solcher, der von den in Zuber ge- 
schütteten Trauben abgezapft wird, ehe man sie keltert 
BThun. Der unter der Presse wegfliessende Weinmost 
BSigr. (lt Alpina 111 151). ,Von der trotten trinkt 
man m. des edlen rebensaft.' BGletting. — 4. „Malte* 
f.", Malter I (in BHk.; U Molter) in. Aa; Bs; „VO", 
n. L; S; Ndw; U, Mattere* f. AaB1>.; FJ. (Möhre"); 
ZW., meist zsgs. Fröseh(e")-M. = Fröschen-Laich Bd III 
1010. An enand(er) hange* wie ('s) I<r. B (vgl. Gotth. 
II 214); S; Z. Aus Missverständniss auch von den 
grünen Fadenalgen im Sumpfwasser Z. ,Die eier [der 
Frösche], so die Teutschcn fröschmalter nennend." 
Tiere. 1503. .[Der Wassermolche] eier sind zue- 
sammengehenkt wie ein fröschenmalter.' ebd. ,Dcr 
entchrist und die gottlosen hangend an einanderen, 
wir sagend wie fröschenmalter.' LLav. 1582. frösch- 
malter, ranarum ova. sperma ranarum.' TuSpieser 1710. 



It. malta, eburw. maulta, molta, Schlamm, Kalk, Mörtel, 
luiil Diese wahrsch. aus lat. maltha, Bergteer, Kitt, Mörtel. 
Pas W. auch bair.-Bstr. ; vgl. Scbm.-Fr. I 1598 (.Mälter'). 
Auch ni Bed. 1 scheint die Form .Malter' vorzukommen; 
ein Buch von 1775 fuhrt den Titel: .Neue Methode, unauf- 
lösliche Malter und Kitte zu machen.' 3 wird den Namen 
dem trüben, schlammigen Aussehen verdanken, ähnlich wohl 1. 
da die Froscheier von rinn- schleimigen Substanz umgeben 
sind. Vgl. auch .Froschmalter' bei Gr. WH. IV 1, 254; 
VI 1512. Doch haben wir es viell. mit ganz verschiedenen 
WAV. zu tun. 

S e b w i .1 e r - : Frucht des gem. Berberitzenstrauchs, 
berb. vulg. W. 

Wahrsch. ist zunächst der aus den Berberitzen bereitete 
kühlende Trank so bezeichnet worden; vgl. Malten3. Vgl. auch 
Erbieten IM I 1:::'.. ferner Schwider(en), Schwider-Beri (Stüd). 

zer-malte": zerbröckeln BTh. .Zermaltcter Ton- 
schiefer zur Düngung.' 

malterig: dem Froschlaich ähnlich, schleimig Bs; 
syn. sehliferig. 

Malter II n.: 1. Hohlraass für Getreide, in I ,Mütt' 
(B; VO; S; Z). 10 Aargauer Viertel (BHk.! zerfallend; 
vgl. ^eg.. RG. II 249; All.. ptner 17*7. 67/8; lielv. Al- 
man. 1804, 117. .Alter ist ein schweres M.' Z. ,Se- 
nectus ipsa morbus, das Alter ist ein bös M.' Denzl. 
1677; 1710. — 2. ,Gotz m.!' euphem. Schwur für .Gottes 
Marter!' 1490, RBhandst. — Mhd. matter in Bed. 1 ; zu maln. 

Aarauer-: ein M. zu 4541 französischen Kubik- 
zollen. das in einem Teil des Aargau und im östlichen 
Teil des Kts Solothurn gebraucht wurde; vgl. S Gem. 
105. — Frohburger-: ein in SHägend. gebrauchtes 
Getreidemass zu 34 Solothurner .Massen.' — Gäu-: 
auch das .grosse M.\ ein Getreidemass, das bes. in 
Ölten, Hägendorf und Trimbach gebräuchlich war; 
vgl. G.-Mütt, -Vier-Teil. - Kern-: eine Natural- 
abgabe, bestehend in einem .Malter .Kernen.' .Volumus 
ut postea i 1 II servi sua tributa non magis sieut et 
antecessoribus nostris reddant; sie et kernmaldrum 
non solvant.' Trad. Sangallensis. 

Scbis(s)-Malter(e n ) Aa; B; G; Z, -Martele* B; 
TnHw. ; ZW.. -Mätele* Sch (Sulger), -Mätere* ZWL, 
-Mäder mTii, Schisch-Malte* GRh.: Name von Pflan- 
zen, welche Durchfall bewirken. 1. Name von Melden- 
Arten; spec. a) gem. oder Ackermelde, chen. album. 
ein lästiges Unkraut Aa; G; Th ; Z ; Syn. Schiss-Burget, 
Holz-Schissen. — b) guter Heinrich, chen. bonus Henr. 
Ddrh. — c) roter Gänsefuss, chen. rubrum GO.. We.; 
Sch; TuHw. — d) ausgebreitete Melde, atr. pat. AaB., 
Habsb.; ZW.; Syn. Schiss-Müten. - 2. Vogel-Knö- 
terich, pol. av. AASigl.; Syn. Hunds-Schiss. 

Zu Grunde liegt zunächst malten, eine Nbf. des mhd.-nhd. 
Pflanzennaniens melde; die End. er mag sich nach Analogie 
anderer Pflanzennamen, wie Taueren usw. (das mit uuserm 
W. auch den vorwiegenden Gebrauch als PI. gemeinsam hat) 

eingedrängt haben, lu Martelen scheinen r 1 / die Stellen 

getauscht zu haben, worauf dann (in Muteten) r ausfiel, wie 
/ ausfiel in -Mader, -Materen. Doch könnte man auch eine 
Nbf. "Mattete", nach Analogie von Bungele*, Rüttele* und 
andern Pflanzenuameu, annehmen, die dann durch Dissimi- 
lation zu Martele* usw. geworden wäre. Für die Garten- 
melde, atr. bort., hat der modernisierte Name Sehita-Melde*, 
l.zw. -Meldi, Eiugang gefunden G. Nach einer unbestätigten 
Angabe soll das einfache Matteren einen Pilz I .Schwamm") 
bezeichnen, wohl einen giftigen, drastisch wirkenden. 

Her-Malter: gem. Beifuss, art. vulg. Zu Arznei b. 
1588. - Eigentümliche Entstellung und Umdcutiiiig aus dem 
inlat. Xaiiien der geschätzten Arzneipflanze: Mater herbarum. 



215 



Malt, nielt. milt. molt, nmlt 



'216 



Malterser m. : Bewohner des L Dorfes Malters, 
welche mit ilem Verse geneckt werden: Chasper, Mel- 
eher und Baltisser händ d' Hur und d' Chröpf wie d' M. 

maltridiere": verderbt aus rr.altraitieren, misshan- 
deln L. Guiniere' und pingmiere" und m. L Sprach- 
probe. 

milt: im Allg. wie nhd., freigebig Aaj nicht rauh 
(von Wegen LE., von der Witterung, allg.), nicht herb 
oder scharf, vom Geschmack, allg. , All Eidg'nossen 
band das für das milter ufgenommen [nicht so streng 
beurteilt] und die iren ungestraft gelassen.' 1522, 
Strickl. ,Denn was du willt, des bin ich milt [darin 
gebe ich dir nach].' Aal 1549. .[Der Apfel] ist so 
süess, ouch milt und guot.' Ruef 1550. ,Lene vinuni. 
ein milter wein, der nit rauch ist.' Fris. ; Mal. .Mil- 
dere und bessere Butter und Käs.' Sererh. 1712. 

Mhd. müde, miile. freundlich, liebreich, freigebig. Die 
Formen mit ( sind in unserer &. I.it. vom X1V./XV1II. noch 
reichlich belegt; jetzt dringt aber auch in die gesprochene 
MA. die erweichte Form aus dem Schriftdeutschen immer 
mehr ein. .Milt' auch Geschlechtsu. Gl. S. auch noch ge% 
(Bd II 03). rieh-rjrb (Bd II 64). 

an-: hart, grausam. .Die menschen so u. gegen 
uns sind, das* sy uns in unserem presten, den wir 
mit inen gemein band, erst mit den uneeren beschwe- 
rend.' Zwingli. ,Des menschen art, dass er gemeinlich. 
wo er gewalt hat, rauch und u. ist.' HBull. 1597. 

Milteeh. in Summer-, Sür-, Sehwiser-M. : Name 
von Apfelsorten Gl; vgl. Milt acher Bd I 372. 

mute", milde": mild(er) werden, die Rauheit. 
Herbigkeit verlieren, vom Wetter, Früchten, Sitten 
AA; B; VO. 

Süess - Milter : Name einer Apfelsorte GRh. 
(Steinm. 1804). 

miltere": tr. und intr., mildern Bs (Spreng); 
milder werden. ,Den 19. und 20. Febr. wäre es kalt, 
mit dem 1. Merz fieng es wider an milteren.' ZZoll. 
Tageb. 1770. ,Umb Gnad oder Milterung der Urtel.' 
GrD. LB. 

Muten f.: Melde. .Chrysolachanon, wilde M. [im 
Gegs. zur Gartenmelde, atr. hört.].' Denzl. 1677; 1716. 

Schaf- = Sch.-Mill 2 b. ,Somen von sch.-milte, so 
man viticem zu sein vermeint.' Tierb. 1563. 

Seh is s- = Sch.-Malteren 1 d B (Durh.). 

Mult ZS., Muld ZA., Mold ScHSchl.; ZA., Dättl. - 
m.: die unter Einfluss der Sonnenwärme zerbröckelnde. 
in Staub zerfallende, mürbe werdende Erde in Äckern 
und Weinbergen, als Frühlingszeichen geschätzt. Me" 
cha" bald i" d' liebe", es häd sehn" M. I ch gane" nid 
go" Iierdup/Ie", bis 's M. häd. Es häd scho" wider M., 
wenn nach Regen der Boden wieder trocken ist. Auch 
etwa Strassenstaub ZDättl. Auch als präd. Adj. Es 
ist in., locker, mürbe, auf den Ackern. — MhA. moll(e), 
muZfe, molde, Staub. Erde, Erdboden. Vgl. Mull, G'mulder. 

Maclt G; Tu tw., „Mold Sch", Moli Aa ; ApK., 
Malle" AALeer., L. (neben ue), in Zu. auch Muetle; 
sonst Muelte" — f., Diin. Mueltli Aa; B; S, Mueltji 
(iR (in D. auch MueltiJ, Mueltschli S, sonst Müeltli: 
Mulde 1. als Gefäss. Spec. a) ausgehöhlter Baum- 
stamm als Wasserbehälter Gr. — b) auch Bacli-M., 
Backtrog, allg., in der primitivsten Gestalt ein aus- 
gehöhlter Holzklotz (vgl.: .Hebet und wälzt sie das 
Mehl in dem rundlich gehöleten Eichklotz.' JStaub, 



Pädag. Beobachter 1839), später aber, in Nachahmung 
eines Troges aus Brettern gefügt, oder aus einem 
ovalen Zuber auf drei Füssen bestehend, zuweilen zu 
einem eleganteren Zimmermöbel umgeschaffen durch 
Combinierung mit der Commode. In ZU. wird die 
laus Dauben gemachte, zuberähnliche) M. dem (aus 
Brettern hergestellten) Bach-Trog (auch Becke*-M.) 
gegenübergestellt. Syn. B.-Gelten Bd II 284. Scha- 
binggen. Die M. als Lärminstrument s. unter mören- 
gigen Bd II 151, Muellschaft. .Als sie |beim Kneten] 
den Kopf über die M. hatte, habe er [in verbreche- 
rischer Absicht] ein Beyel oder Äxlein herausgezogen.' 
1716, Z Staatsaich. ,I>ass alle pfister, so husbrot ba- 
chend, erberen lüten in unser statt, die des begerent, 
muelten geben söllent.' 1406, B Stadtsatz. .[Der Pfister 
soll] die pristry mit allen dingen, es syg mit tüecher, 
muolten usw., suber halten.' 1495. (1 Küchenordnung. 
.Als kummen wer der recht müller und auch der beck. 
Seind frech und keck; wend nit abstan. Das rad [der 
.Mühle] muoss gan, die muold ist brait [bereit ge- 
inacht] und ausgesprait.' 1520, Schade, Satyren. ,A1- 
veatus. ausgehi'dt wie ein m. oder käncl. Mactra, die 
m., darin man knit, brotkasten, -kübel, -korb.' Fris.; 
Mal.; Denzl. ,Ein Bachmult.' 1627, TiiBürglen luv. 
,Zur Einsammlung der Früchten hast du uns die aller- 
beste Witterung bescheert, dessen man das ganze Jahr 
geniessen kann auf der Schütti | Kornboden], in der 
M., im Ofen und über Tisch.' FWyss 1672. .Das 
Multenbachcn [an Sonntagen verboten].' B Mand. 1728. 
.Eine underschlagene [mit Abteilungen versehene] M. 
sammt dem Stuhl.' Bs Avisblatt 1732. S. noch hebten 
Bd II 944. Das Fahren in der Backmulde galt als 
Kunststück der Hexen; vgl. Rochh. 1856, II 58/9. — 
c) = Bad-Gelten (s. Bd II 284) Gl (Schuler). — d) „höl- 
zernes, offenes Gefäss, Handbrente B." — e) ein Kinder- 
schlitten, von der Form einer kleinen Backmulde, mit 
hoher Rückwand und Seitenlehnen G. Spöttisch, ein 
kleiner, bes. ein abgenutzter Knabenschlitten mit mul- 
denförmig vertiefter Sitzfläche Z; Syn. Füdli-ScKlitten. 

— 2. muldenförmige Vertiefung des Erdbodens, bes. auch 
in einem Flussbett, gerne als Badeplatz benutzt Gl; Z. 
,Cavitas in superficie agri.' Id. B. Syn. Sank, Schüsslen, 
Titelen. Hieher wohl: .Ein Jucherten ob dem Multlc 
1653, A.vWett. Klosterarch. .Uf dem Müeltlerain.' ebd. 

— 3. spöttisch, sehr beleibte Weibsperson W; Syn. 
Speu-M. E" seharpfi M. van am Fräutui. — 4. Dim. 
a) auch Fleisch-, 1t Spreng Schäl-M., zinnernes oder 
blechernes, muldenförmiges Gefäss, worin die Mägde 
das Fleisch an der Metzgerbank holen Bs (Spreng). 
.Fleischmültlin.' Bs Taxordn. 1646. — b) kleiner 
Nachttopf für Kinder Bs (Spreng). 

Über Abstammung und Formen s. .Mulde' bei ttr. WB. 
Die Form .Molton' auch 1587, Hiigenb., Sigr. 

. Fisch-M üeltli oder sant jakobs muschelen zuo 
bulver gebraunt und das getrunken.' Zc. Arzneib. 1588. 

— Fress-Müelteli = Gcpscn 1 c (s. Bd II 393) Y -. 
vgl. Ess-Gepsen Bd II 394. — Hain- = Muelt 1 b 1" AI. 
(Giordani). — Choder-Mueltli: verächtlich, Spuck- 
napf B. Syn. Speu-M., -Chübli (s. Bd 111 116). _ 
G'mcng-Muelte'': muldenartiges Rolzgefäss, in dem 
das .Gemenge" [Glasfritte] von den .Anmengerii' zum 
Glasofen getragen wird S. — Bach- = Muelten I h 
Gr. — G"bacht- GrI). (neben Gibäch-), Bucht- UrV. 
Muelte" (bzw. -Mueltji, -MueltiJ: kistchenartige Keh- 
richtschaufel; Syn. Gebacht-Schuflen. — Pflaster-: 



217 



Malt— muH. Malw — mulw 



218 



flacher Kasten oder Trog, in dem Mörtel zubereitet 
wird '/,. .Mortarinm. ein pflastermuelt(en) oder pflaster- 
pfann.' Fris.; Mal. ; Red. 1062; Denzl. 1077; 171Ö. 
Soller-: Gang, in Form eines Steges mit niedrigen 
Randlehnen, vom Soller zum Hö^-Soller FKerz. - 
Süw- BR., Schwin- BBe.; GrD.. L.: Trog, in wel- 
chem die geschlachteten Schweine gebrüht werden. 
— Speu- AAAarb., L.; B. Spüi-Mueltli S: 1. Spuck- 
Dapf Aa; B; S. Syn. Speu-Beckeli, Speuz-Trucken. 
•>. = 3Iuelten 3 B. — Tisch-Muelte": ßackmulde. 
die auch als Tisch benutzt wird ZBül., Rüml. — 
Tränki Trcichi-: tragbarer Tränketrog BR, Vgl. 
Mitelten 1 a. 

Mueltete" f.: eine Mulde voll Mehl. Dial. 218. 

mueltig: muldenförmig vertieft, vom Erdboden L. 

Mueltschaft f.. in der Verbindung: z' 31. gä": 
mit allerlei Lärminstrumenten, u. A. mit einer Mulde 
(s. muelte'-chratze" Bd III 930) an einer Hochzeit ein 
Charivari bringen S oA. 



Melw n. (in PA1. 3Ielu, in Ar; Tu; ZSth. Me'l, in 
GlK. MÜ, sonst meist 71/««?, bzw. 3I.il): 1. Getreide- 
mehl, allg. RAA. und Sprww. Wie der Cherne*, so 
uird's 31. .Wie 's Korn ist, so wirt 's M.' 1566, Z 
Inschrift auf einer Glasscheibe (zu einem Bilde, wo 
Geistliche in eine Mühle geschüttet werden und Schlan- 
gen herauskommen). Nüd vom rechte' 31. si", nicht 
von der rechten Art oder Gesinnung G. ,Elsi ist frei- 
lich nicht vom besten M.' UBrSgger 1780. Das ist 
alliier* 31, das ist (freilich) etw. Anderes Z; s. noch 
ander Bd I 303. Das ist g'sptissigs 31., eine ver- 
dächtige, sonderbare Angelegenheit Z. Ei"'m scho" 
säge", nie Wir 's 31., Jmdm den Standpunkt klar ma- 
chen Z. Ei" e m 's Meli abe'tue", ihm tüchtig den Text 
lesen, ihn derb ausklopfen; vgl. erbärsten; Ei"'m de" 
Staub uschlopfe". Ei"'m welle" 31. a'mache", ihn be- 
trügen wollen B. Von Jmdm, der seinem Ende naht, 
sagt man: De r isst hei" Pfund 31. me ZWeissl. Von 
Jmdm, der den Hut schief oder hinten am Kopfe trägt, 
etwa wie ein Betrunkener, heisst es: De r hat 's 31 
verchauft Z; s. noch Chernen Bd III 465. Er isch 
so troch (vor Durst), er chönnt 31. üsblöse" S (Schild). 
31. im 31iil ha", mit der Sprache nicht herausrücken, 
undeutlich sprechen Gl; Soh; Z; vgl. Haber-M. und 
das syn.: En Melsack uf der Zunge" ha". Das ist 
e" Eesoluti: die häd ekel" 31. im 3Iül Z. ,Die Per- 
sonen aber, mit denen ich darvon geredt, band meel 
im mul, wend aber nit blasen', wüssten viel von dem 
betr. Handel zu erzählen, wenn sie wollten. 1552, Z 
Staatsarchiv (Untersuchungs-Akten). ,Dahar etliche 
Scribenten diesem Hus [Osterreich] mer dann z' vil 
flattierend. Andere schonend, band M. im Mul, wie 
man sagt, wend aber nit blasen.' JRüeger 1606. .Pre- 
diger, die M. im Maul haben und die Stimm nit rechl 
erheben dörfen.' FWyss 1650. ,Bos in lingua, er haf 
M. im Maul, er darf nicht reden.' Denzl. 1077; 1716. 
In 's 31. g'hit si" W, 31. am Ermel ha" B, dumm sein. 
Einere" 's 31. röste", mit ihr (bes. verliebten) Scherz 
treiben, sie necken AaF. JVi'e gend Ztvätschge" 31.! 
Abfertigung. G Kai. 1890. Nei", 31., du gisch nit Bröd! 
daraus wird Nichts! JHofst. ,Man sprächet, wer von 
forchten stirbt, dass der im selber das erwirbt, dass 
man in soll in m. begraben.' Boner, .Ungelych als 



der wind und das m.' HsSohüRpf 1 !!".»; vgl. über diese 

Zusammenstellung Gr. Wß. VI ist;:,. S. jh Chue- 

ehen Bd III 133. — 2. übertr. auf mehlartige Stoffe. 
i) Staub, mehlartig zerbröckelte Erde BO.; ZO. — 
b) Arzneipulver Ap; G. — 3. verbunden mit dem un- 
best. Art. oder mit einem Zahlwort, auch Dim., so viel 
Mehl, als auf einmal in einer Haushaltung verbacken 
wird Aa; Th; Z; Syn. Baeh-M. Zwei, dru 3Ieler. 
So viel Getreide, als man zu einer .Bachete"' in die 
Mühle gibt AaKöII. 

Mhd. met, -wes in Bed. 1 und 2, ahd. m&o. Das stamm- 
tuslautende w erscheint in den Abll. (gew. zu h vorhärtet). 
Die urspr. Kürze des Voc. hat sich bes. im Gebirg erhalten, 
z. B. in BGadmen und GrAv. Zu der RA. Ei"'m 's M. "'•■"- 
tue" vgl. Ei""m d' Ltu, de" Staub usw. abc'tue" ; s. auch 
M.,li (Mal II). Zu den Mehlsorten vgl. Flug 8, MiscMeten. 

Agathe" Agedc"-: Mehl, das am Agathentag ge- 
segnet und gegen Krankheit und Verhexung ange- 
wendet wurde S. Hesch [für das Vieh] d' Tränh 
z'urg, mit g'segnetem A. und Dreifaltiglceitswasser 
drinn? Schild. 

Ammele"- Aa; Bs; Th; UwE.; |Zg; Z. Ammeli- 
Ap, Ammer- B; „Vw; Z", Ämmerfe")- B; Gl; Sciiw; S; 
Uw: Stärkemehl; Syn. Stärchi; vgl. Chläri Bd III 685. 
Neben dem syn. , Kartoffelstärke' unter den Zutaten 
in die Würste genannt, Obw Volksfr. 1892. ,Ob man 
wohl gutes Ammermehl hätte von körnigem Mehl.' 
Gotth. Früher giengen Hausierer herum mit dem 
singenden Rufe: A. und Blöni! Z. Wenn ich ge" 
Züri ch ko" bin mit Ammelenmehl. Gespr. von zwei Am- 
melenmehl-Trägeren 1712; dafür ,mit Ammermehl' in 
einer Ausgabe von 1713. .Amylum, amelmel.' Fris.; 
Mal. .Nimm Amelmel oder Kraftmel.' JRLandenb. 
1608. ,Das Amelmeel ist Meel, das man nicht malet 
und wird nur aus dem eingebeizten und ausgetretenen 
Weizen gemacht' Spleiss 1667 (der damit nur eine 
Erklärung des zu Grunde liegenden gr.-lat. Etymons 
Amylum gibt). — 2. feines Staubmehl zur Überstreu- 
ung der .Frattwunden' (s. Bd I 1337) kleiner Kinder 
TiiTäg. - Ammel-Meler: Fabrikant, bzw. Hausierer 
mit .Ammeimehl' Z (bis in die neuere Zeit). Sie mach- 
ten sich bemerkbar durch den Strassenruf: Ammeli- 
mel! Ammei imel '. 

Die Formen mit r lehuen sich an Ammer I (s. Bd I 218) 
au. In GlK.; GA. ist ä lang, viell. in Anlehnung an Amerli 
(s. Bd I 214). Die Form ,am(m)elmel' auch im Vogelb. 1557, 
,emelmel.' Zg Arzneib. 158S. 2 ist wohl identisch mit 1. 
da Aiulung zu dem bezeichneten Zwecke gebraucht wird. 

Holz-Öpfel-: aus gedörrten Holzäpfeln und Holz- 
birnen in der Mühle gemahlenes Mehl von säuerlich 
süssem Geschmack, das als Zusatz zu Milch, bes. aber 
zu geschwungenem Rahm geschätzt war ZO.; vgl. 
Stutz II 122. — Fratt-: die Sporen des Keulen-Bär- 
lapps (lyc. clav.), die auf .Frattwunden' kleiner Kinder 
gestreut werden Z; vgl. Melw 2; ßäbeli-, Hexen-, 
Zäpfli-M. und Bd III 1350. — Gäbeli- = dem Vor. 
Ar ; Zg; vgl. T. 1830, 158. — Gurke"- neben Gurgle"-: 
zerriebene Gurkensamen, als Heilmittel ApK. — Gna- 
den-: Mehl, das die Obrigkeit aus Gnaden an die 
Armen der Landschaft wöchentlich austeilen liess Z 
(bis 1798); vgl. ANäf 1870, 153. — Gräbt-: Mehl 
für das Brot, das auf die .Gräbt' (s. Bd II 698) ge- 
backen wird S. I ch muess hütt no' h 'nes Gr. mache", 
trenn 's scho" Sunndig isch. Schild 1885. — Gries-: 
Dinkolgrütze L; Zg; Z. Mehl aus Kleie Nuw. 



•JIM 



Malw, mehv, milw, raolw, mulw 



220 



Haber-Melw: 1. Hafergrütze, allg. Von Jmdra, 
dessen Stimme keinen Klang hat. der an den Worten 
gleichs. herumkaut, sagt man: Er redt allitril, wie 
wenn er H. im Alu! h/itt ZO. Syn. mit Mel, in der 
RA.: Kci" H. im Mül ha" VA).' .Sein [des Hafers] 
Mehl gibt grobes Brot; doch von Weissliaber eben 
nicht schwarzes. Das gröbere Mehl oder Grütz vom 
Haber (welches wir schlechtweg H. und von anderer 
Frucht auf ähnliche Art zubereitetes Griesmehl nennen) 
dienet absonderlich zu Suppen.' A Hopfner 17S7. — 
2. Wiesenbocksbart, trag. prat. (iSa. Haber- 

mel w er: 1. wer Hafergrütze bereitet, bzw. feil trägt. 
Bei der Beliebtheit des Hafermehls gehörten die ,Ha- 
bermehler' zu den stehenden Figuren des Hausierge- 
werbes; so in ZO. bis in die 50er Jahre. ,N. N., der 
hebrinmelwer.' 1297, Bs Urk. ,Die brodbecker oder 
die habermehlier, die ihre Zunft band.' 1335, Ochs. 
.Habermelber.' 1453/4, Bs. ,Die Habermebler und 
Fassmissverkäufer sollen, wenn sie das beim Viertel 
und Halbviertel verkaufen, es am offenen Kornmarkt 
feil bieten, wenn sie aber bei Bechern, Vierlingen 
und halben Vierlingen verkaufen, so sollen sie im 
Kaufhaus feil haben.' 1492, L Ratsb. ,Hans Studer, 
habermelwer', gehörte dem .hürnin rat' an. Edlib. 
,ln des habermelbers hus.' 1532, Egli. Akten (neben 
.Habermelwer.' 1528, ebd.). ,So und wann es sich be- 
gibt, dass uf eins habermelwers guot by synem leben 
oiler uf synen abgang ein uffall kommt, ist dise er- 
kanntnuss gegeben: Soferr der habermelwern wyber 
ynnement und usgebent. dass sy dann, wie ander 
wyber, so zuo bank und laden stand, in uffällen für 
ir[en] eemann zuo bezalen schuldig syn söllent.' 1564, 
Z Batsverordn. Im XVIII. waren sie in Z, neben den 
Grämplern, der Zunft ,zum Kämbel' zugewiesen (Leu. 
Lex.). Die ,H.' mussten in Z in ,der Brotlauben' feil 
bieten. 1575, Ratsverordn.; vgl. Bd III 965. — 2. .im 
H.' Zlllnau. .Habernieli' ZTurb., Wyla, Name einer 
für sich abgeschlossenen Abteilung im Hintergrund 
der Kirche, unter der Empore ZTurb., Wyla, der drei 
hintersten Stühle bei der Ausgangspforte Zlllnau. 

Uaberm'elw 2 eine der vielen TJmdeutungen aus H.-Malch, 
Zu Hahermthr 2. Diese Benennung (wie der Name Chuchi 2 I, 
Bd III 130) bezieht sich darauf, dass früher die Verteilung 
des von der Obrigkeit oder der Gemeinde den Armen ge- 
spendeten Brotes oder auch Hafermehles (vgl. Gnadenmel) 
wirklich nach dem Gottesdienst hinten in der Kirche (wo 
die Armen sich einfanden) stattfand. 

Heide"-: Mehl von Heidekorn GrPi\ Vgl. Bd II 
990. — Halb-: die geringste, zum Mästen des Viehs 
verwendete Sorte Mehl Gl. — Holz-: zu Staub ver- 
modertes Holz Aa; Z. ,Der Blauspecht nistet in 
hohlen Bäumen auf H.' Aa Gem. 1844. — Hüs-: ge- 
wöhnliches Mehl zum täglichen Hausgebrauch; aus 
dem selbstgepflanzten Getreide gemahlen BSi.; vgl. 
Brüch-M. .Cibarium sive secundarium. das mel, das 
nach dem simmelme! gemalet wirt, h.' Fris. ; Mal. 
,|Der Müller soll liefern] währschaft H.' Z Mand. 1693. 
.Dieses wird von gutem einzügigen oder sogenanntem 
11. verstanden.' Bs Mand. 1740/72. — Hexe B - = Fratt- 
M. G; Z. - Chöechli-: feineres Mehl zum Kuchen- 
backen Gr; Z. — Kommiss-: Mehl, aus dem das 
,Konvmiss-Brot' [zur Austeilung unter das Militär] ge- 
backen wird. 1655/6, Gpd (für '/.). — Chinde"-, 
Chindli-, Chinds-: Mehl, gewöhnlich Semmelmehl 
(zweiter Qualität. Z techn. Cos. 1846), aus dem Brei 



für kleine Kinder gekocht wird. S 1746; Z. Wenn 
die Schnitter bei der .Ackerscheide' (am Ende des 
Ackers) angekommen sind, ratschlagen sie. ob sie den 
Rest zu Chindlimei stehen lassen wollen oder nicht 
und entscheiden, je nachdem dem Besitzer des Ackers 
eine Vermehrung der Familie in Aussicht steht oder 
nicht ZBass. Noch jetzt dürfen fünf katholische und 
fünf reformierte Familien von AAGebistorf, welche 
kleine Kinder haben, wöchentlich je ein Immi Mehl, 
das sog. Kindlimehl. in Königsfelden abholen; diese 
Stiftung ist angeblich gemacht worden, weil König 
Albrecht in den Armen einer Frau von Gebistorf seinen 
Geist aufgab (I.iebenau). — Chunde -: Mehl, das 
der Müller aus fremdem Getreide, nicht aus eigenem 
auf den Verkauf, mahlt Z; vgl. Cliiuiden-Mülli. Gegs. 
Becken-M. .Dass die Müllermeistere und derselben 
Knechten das K. an Sonn- und Feiertagen eher nicht 
denn nach vollendetem nachmittägigen Pfarrgottes- 
dienst den Kunden, es seie tragend, reitend oder 
fahrender Weise, überliefern sollen.- S Mand. 1783. 

Chopf-: schwärzeres Mehl, aus dem die Bäcker 
noch etwa Ruch-Brot machen, das aber sonst meist 
zur Viehmast verwendet wird Z; vgl. Büch-M. 

Vermutlich davon benannt, dass dieses Mehl gemessen 
wurde, während feinere Sorten beim Gewicht verkauft wur- 
den : vgl. Pfuml-M. 

Cherne"- = Chernen 2 (s. Bd III 466) GrAv.. Eh., 
S.; vgl. chernig Bd III 468. Weizenmehl Ap; Z. Die 
Mittelstufe zw. Semmel- und .Bollmehl' Bs (Spreng). 

Chaiser- Gr ObS., V., sonst Gais(s)er-: eine 
feine Sorte Mehl Gr. 

Viell. liegt der Name des Ap Dorfes Gais zu Grunde (das 
Mehl beisst auch St Galler Mel) und Chainr ist dauu Dmd. 

Clin o p f - (neben Chnöpf- Obw) = Chopf-M. L ; Orw. 

Laib-: Nachmehl, das nach dem Kernenmehl aus- 
gemahlen wird Bs (Spreng); Syn. Boll-M. 

Vgl. .Laib', Brot aus Roggenmehl, bei Schm.-Fr. I 1403. 
Viell. zu leiben, übrig lassen. 

Lim-, Li- = Lim 3 (s. Bd III 1268); "Haferkleie, 
Abgang der Hafergrütze; wird in Zeiten der Teuerung 
auch gegessen „Ap;" G; Sch; Tu. — Eig. die Kleber- 
substauz des Getreides, die bes. in der Kleie zu finden ist. 

Lor-: zerriebene Lorbeerblätter. ZZoll. Arzneib. 
1710; s. Dwch-Fitli Bd 1 793 und vgl. Lor-Öl Bd I 
182. — Lau"- (in Z auch Laub-): Gerberlohe (aus 
zerriebener Tann- oder Eichenrinde), die nach der 
Verwendung getrocknet und als Brennmaterial ver- 
wendet VO, oder auf Gartenwege gestreut wird '/.. 
— Mues-: 1. kleingebrochene Hafergrütze Apj Gj 
.Seil;- Z; Syn. Haber-M. M. us-*em Schlof [Schlauf]- 
sack esse", d. h. aus dem Sack, in dem man es eben 
geholt hat, also roh, ungekocht; bildl., ein Dummkopf 
sein GT. ,So man hat dis zue m. in den löifen ver- 
flucht, mit namen 1 malter, 2 mütt haber.' 1489/90, 
Zellw.. Urk. ,Ziger, m. und ander gemües.' ebd. 
.Demnach man das muess ettliche monat 'geben, haben 
unsere herren nit on ursach das muess abgestellt und 
gebend darfür alle frytag den älteren klain und gross 
m. nach erhäschung [ Erheischung] der notturft.' Kessl. 
.Der Müller soll zue Lon iieiniiien von 2 Viertel dürren 
Haber, daraus man M. machen will, den zwenzigsten 
Teil.- 1638, Aiiscii. Gerstengrütze GnPr. — 2. Gänse- 
haut Ap. — Mittel- = Minder-Cltmini (s. Bd II 167), 
eine .Mittelstufe zwischen WiSS- und Ttüch-M., doch 
etw. feiner als Bitre"-Bach-M., Mehl, das man nach 



221 



Malw, niclw. niilu. inolw, 11 1 11 1 w 



222 



dem 3. Aufschütten erhält Gr; Z. — Nach-, in Ap 
Nä-: wie nlnl. ,Nahmehl, welches noch vor dem 
Grüseh vorangeht.' Steinm. 1804 (für Ap). ,Us dem 
N. mag er die schillingwertigen Brot wol bachen.' 
UilT, Z Ptisterordn. — Not-: .Mehl, dergleichen man 
in Zeiten der Not aus allerlei Ersatzmitteln bereitet. 
,Am Morgen stellte die Mutter eine Brühe von N. 
auf den Tisch.' Schweizerseppeli 1818. — (Pure"-) 
Bach- = Mittel-M., sofern es in den Haushaltungen 
zum Backen verwendet wird, bzw. noch eine etwas 
schwärzere Sorte, die man nach dem zweiten Auf- 
schütten erhält. Gr; Z. Auch i. S. v. Melw 3 ZO. 

— Bill-. .Wann die müller die zargen ufheben, so 
sollen sie bei iren eiden dieselben zargen mit dem b. 
wider um zufüllen und by denselbigen iren eiden nit 
malen, sie sygend dann zuegefüllt.' ZWthur Stadtb. 
Vgl. billen-mel bei Lexer I 276. 

Boll-: Mehl, welches nach dem ,Kernenmehl' (Bs 
lt Spreng), nach dem dritten Aufschütten (S lt St. b ) aus- 
gemahlen wird; Syn. Mittel-M. .Auf einen Sack Ker- 
nen solle nicht mehr als 30 Pfund Semmel-, 28 Pfund 
Boll- und 12 Pfund Griesmehl gemacht, das Übrige 
aber zu Vorlauf oder Hausmehl gemahlen werden.' 
Bs Mand. 1740/72. Syn. mit Rüch-M. Z; vgl. Z techn. 
Ges. 1846, 66. 

Vgl. mild, holte (aus lat. polten), feines Mehl: dagegen 
werden folgende drei Stufen unterschieden: .Semmel-, Bollen- 
oder Mittel- und Nachmehl.' (Entdecktes Geheimniss der 
Müller usw. Nürnberg 1769) und bedeutet auch an der Mosel 
,Bollmebr ein Nachmehl, aus dem ein dunkleres Brot ge- 
backen wird. S. noch B6U-Weggen. 

Bei"-: Knochenmehl, zu Leck oder als Dünge- 
mittel verwendet L; Z. Eine" zu B. verrlbe" (ver- 
stampfe"), B. us Ei"'m mache', gleichs. seine Knochen 
zu Mehl zerreiben; Drohung. — Bürli- = Mittel-M. 
Gl; G; Th; ZO. Mehl, das eben so fein, aber weniger 
weiss ist als .Schiltmehl', doch weisser als ehernes 
Mel Ap. 's B. hat abg' schlage" bei-n-em, er spannt 
seine Ansprüche weniger hoch G. — Bitte"-: feineres 
Mehl zu Bitte", einer Art Kuchen Gr. — Bütel-: 
Mehl von der weissesten und feinsten Sorte, .gebeutel- 
tes- Mehl Ap; Syn. Simmel-, Schilt-M. — Pfeffer-: 
zerriebener Pfeffer. .Der Zwingli ist grüen und gel, 
darus brönnt man pf.' 1528, Strickl. (Spottlied). — 

— Pfund-: feines Mehl, zum Backen von Pasteten, 
Kuchen usw. VO; ZO. Er wäget Chrisch fir Pf. us. 
Hausfrd (U). ,4 Becher Pf.' 1795, Obw Rechnung (für 
ein ,Ehrenmahl'). Vgl. Anm. zu Chopf-M. 

Bri- (in Sch; Th; ZW1. auch zsgez. Brintel, in 
Th auch BrünielJ = Mues-M. Neben dem sonst syn. 
,Mues' unter den Dingen aufgezählt, deren Kauf und 
Verkauf auf den Märkten frei sein soll. 1599, Absch. 
,Breimehl', aufgezählt unter den Besoldungsposten. 
XVIII., Sca Pfrundenb. ,Dem Spitalbeck, für Br. 
dörren, jedesmal ein Kerzen.' ebd. — Brimelber: 
Fabrikant, bzw. Verkäufer von Brunei. .Müller und 
Prymelbei" sind der Pflsterzunft zugeordnet. 1535, Scu 
Zunftbr. 

Bruch-: Mehl zu täglichem Gebrauch. ,1 Nuss- 
schal voll Br.' ZZoll. Arzneib. 1710. Vgl. Hüs-M. 

— Bräti-: geröstetes Mehl Gr ObS. — Räch-: 
Mittel gegen die Lecksucht ZBuch; Syn. B.-Pulver. — 
Ruch-: die geringste Sorte Mehl, die man nach dem 
ersten Aufschütten erhält G; Th; Z. ,R. gibt es. [in 
der Teuerung von 17701 keine oder wenig.' UBrägger. 



..Man hat in der Spitalmühle zu Baden mit Kernen 
sowohl als Roggen und zwar mit der in der Grafschaft 
gewachsenen besten, mittelmässigen und geringsten 
Sorte eine Probe vorzunehmen, um zu erfahren, was 
jede Gattung sowohl an zwei- und einzügigem Mehl, 
als auch an Rauchmehl oder Krüsch auswerfe.' 1797, 
Absch. S. noch Gries Bd II 801. ,Von der Kleie oder 
dem Krüsche werden vornämlich unterschieden a) das 
Reinkrüsch, b) das Rauchmehl und das Grobkrüsch.' 
Z techn. Ges. 1846. — Sau- = .lein Vor., oft noch mit 

Kleie vermischt, zur Schweinemast verwendet Z. 

Sag- (in Ap; BsStdt; G; Tu Säg-): Sägespäne Aa; 
Ap; Bs; B; VO; Gr; G; Sch; Z. S. chnüpfe", eine 
der nutzlosen Beschäftigungen alter Jungfern auf dem 
.Girizenmoos' L. Hans Heinrich, Ham Heinrich, jete 
hand mer no ch ka" Mel. Herr Epepe, du tusigi Grit, 
's git öppe" Absägmel G Volkslied von den Erforder- 
nissen eines neu zu gründenden Hausstands. Auf dem 
Wege über die Musegg in Luzern wird für die all- 
jährliche Prozession S. gestreut. ,Das Sagmel, scobs.' 
Vestib. 1692. .Saagmel.' Sererh. 1742. S. noch sagen, 
Abfieleten Bd I 779. — Simmel-: Semmelmehl Aa; 
Bs; Z; Syn. Schilt-M. .Nimm dreu mäss s. und bach 
kuochen.' 1531/1667, I. Mos. .Similago, pollen, s., das 
ist das reinest oder feinest mel.' Fris. ; Mal. ,Der von 
Gades Trüben mostet, mahlt das reine S.' JCWeissenb. 
1678. — G'sundheits-: Arrow-root, Mehl von der 
Pfeilwurz, mar. ar., mit Gerstenmehl gemischt Z (Apo- 
thekerspr.). — Schilt- = Simmel-M. Ap; Gl; ZO. — 
Vorschuss-: Auszugmehl Nnw. — Schwing-: aus- 
geschwungenes Mehl; vgl. .Stauben.' Wenn Leute 
rellen [rennein], sollen die Müller ihnen unverküm- 
mert lassen folgen u. A. das ,Schw.' ZWthur Stadtb. 
— Staubete"-: Staub-, Flugmehl, welches die Müller 
in der .Stauben' [einer Schwingvorrichtung] erhalten 
Ap; Syn. Staubeten. Vgl. das Vorige. 

Tann-: gebräuchlicher Baldrian, val. off. XIV., 
Scuw Arzneib. - Vgl. das Syn. Tarmmarg. 

Weggli- = Simmel-M. BHk. 

Wurm-: staubförmige Masse in wurmstichigem 
Holz Gr; Z. ,Das w. vom eschbaum.' Tierb. 1563. 
- „wurm-melig: Wurmmehl enthaltend VO." 

Ziegel-: Pulver aus zerstossenen Ziegeln Th; Z, 
bes. als Putzpulver für Metall verwendet; sonst genoss 
es auch bis in die neuere Zeit eines gewissen Rufs 
zu Heilzwecken. Oft bei JRLandenb. 1608, wo z. B. 
auch ein .Ziegelsteinöl.' In Zubers Tagb. 1668 als 
Ingredienz zur Bereitung von Firniss. — Zunn-. 
Zonn-, assimiliert Zummil, Zommel: feines, oft noch 
mit einigen Körnern vermischtes, daher meist als 
Hühnerfutter verwendetes Mehl, welches beim Schro- 
ten des Hafers (Ap. lt T.). bzw. dann abfällt, wenn 
die gebrochenen Haferkörner noch einmal durch eine 
Staubmühle getrieben werden Ap; ScnSt. Wird in 
Zeiten der Teuerung auch zu Brei (s. Zunnen) ver- 
wendet; vgl. Steinm. 1804, 143. 

Zäpfli- = Fratt-M. B; „LE." Jst er no"* nit 
trocken hinter den Ohren oder manglet er no ch Zöpfle- 
Mehl unter die Ohren?' B Nachtspruch. 

, Zäpfli' bezieht sieh auf die Fruchtkolben der Pflanze. 
Dieselben liessen sich ganz wohl auch mit Zöpfchen ver- 
gleichen; da aber ö nur ein einziges Mal bezeugt ist, so ist 
es wohl als Druckfehler zu taxieren. 

Melwele"BO., Melbele" B; F; VOjGuRh., Melbe" 
F; SchwG., Ma.; OßwGisw. — f.: 1. Melde, atr., bzw. 



■ 



Malw — n 



Mab 



itih 



Malz— imilz 



224 



chen. F. „Ackermelde, chen. atr. B; I, ; Schw." Spec. 

a) = Schiss- Malteren 1 a B; GuRli.; Schw; Obw. — 

b) = Schiss-Malteren le 1!; L; Schw. — 2. Mehlbeer- 
bamn, erat, aria B (Dan.). 

Zu 1. Die Pflanzen sind davon benannt, däss Stenge] 
und Blätter gleiehs. einen Mehlbewnrf tragen; vgl. das Syn. 
Mel-ßaum, ferner anch Melyen. 

melbele", in Ar; UwB.j Z melde*: mehlichte Be- 
schaffenheit haben, nach Melil riechen oder schmecken, 
bes. von Speisen, wenn das Mehl nicht verkocht ist 
,Ai;" Ap; B; VO; „S." ,Die [.Mehls]. eise] ob dem 
Feuer gerührt, bis es nicht mehr mehlelet.' ZZoll. 
Kochb. 1820. 

zer-melben: zu Mehl, Staub zermalmen. .Wie 
der zermelbet staub.' 1531/48, Jes.; dafür .zermalmet.' 
1667. 

Melwer, Melber m.: Meblverkäufer. .Ruedolfus 
dietus Melwer.' 1 253, JEüeger 1606. .Burkhard Mel- 
wer.' 1357, Z Steuerb. ,In der müller zunft [zu St 
Gallen] sind die pflster, melber, kornköufler.' Vad. 
S. noch Maler. 

g e -melbet Schw, g'melet Ap; Gl; GSa., g'metberet 
Ap, m'elbig Gr; Schw, melmig Gr, (g')m'eliq Aa; Ap; 
„B;" VO; PAL; „S;" Tu; W; Z, melbelig „Aa;" B; 
VO; „S", melberig Tu (Pup.): mehlicht, z. B. von 
Birnen, Kartoffeln; Gegs. nass. Wie Mehl anzufühlen 
mit Mehlstaub bestreut; fein zerrieben; nach Mehl 
riechend oder schmeckend. aaOO. — Betr. das Verhält- 
niss hc : Im : U> : I vgl. Anni. zu hüw Bd II 1245. 

„ un-g'melberet: unangefochten, unbeschädigt. 
Du kommst nicht u. davon BO." 

Die eig. Bed. ist wohl : nicht mit Mehl beworfen, ohne 
einen Mehlfleck; vgl. brämen. St. freilich denkt an Zss. mit 
/.. n u, schlagen, setzt also eine andere Betonung voraus als wir. 

M e 1 1 i g m. = Stein- Hirt (s. Bd II 1649) W (Tschein.). 

Der ,Steinbii t l erscheint oft wie mit einem mehlartigen 
Staub überzogeu, der sich bes. an kalkhaltigen Steinen als 
Verwitterungsprodukt bildet. 

Milwe" Uw; U, Milme* GrD.; „U", Wilme" ZO.. 
\V„ Milb(e*) Gl; S; ZS., „Millie* W (PI.)" — f., 
Mitbin. S: Milbe, bes. Käsemilbe, ac. siro. Schuldn" 
hart nie o« alla Ghäs Milma", d. h. viele GrD. ,So 
wirt er ze nichte wie die milwen.' 1531/48, Psalm; 
dafür .Schaben.' 1667. 

Mhd. milwe, zu mit. Die Form Milbi (eig. Dim.) hat sich 
wohl nacb dem syn. Gäegi gerichtet. Aus Aa wird auch 
eine Form Milbig, Motte l.Sehabe') angegeben. Zu WH im:* 
vgl. Wvrmete* aus Murwete*. 

vermilbe": eine Beute der Milben, von M. zer- 
fressen werden S; I'wK.; /,. \'crmilhctc' r Clläs, rcriitilbets 
'J'ücclt UwE. Deis si* A die ältere* Schnitz; si wei* scho* 
c. .Ioach. Formelhaft verbunden mit vergilben S. 

„milbig: von Milben zerfressen L"; Syn. miluen- 
stichig. 

Mil"tum: Coli., die Milben, bzw. ihre Brut W. 
,Merze"luft zerstört das M. in den wollenen Kleidern', 
deswegen hängt man im März alle Wollstoffe an die 
frische Luft. 



Miilx m. : verächtliche Bezeichnung eines groben, 
dummen Menschen Schw. 



malz: 1. faulig, verdorben, in Folge von Feuchtig- 
keit, bes. von Früchten, z.B. Bohnen, Kartoffeln 



usf. Z. ,Üie Sojabohnen sind bei dem langen Regen- 
wetter in der Erde m. geworden, wie unsere Bauern 
sagen.' Basellandschaftliche Ztg. ,M. und rüdig Erd- 
äpfel.' Stutz. Von Äpfeln i. S. v. mölseh 1 b und il : 
saftig, weich Seil (malzig); ZW. — 2. ganz frisch, 
noch nicht sauer, ranzig oder abgestanden, von Milch. 
Butter LTw. 

Bed. 2 scheint zunächst mit 1 im Widersprach zu stehen; 
doch lassen sich aus dem amhd. malz, weich, sanft, schlaff, 
kraftlos, je nachdem mau den Begriff wendet, sowohl 1 als 2 
ableiten. Iodess wird I wohl richtiger als Nbf. zu malatig 
aufgefasst. Vgl. auch müUch, motzig. 

Malzech: Apfelsorte B, = Malzecher s. Bd 1 372. 
Rot-Malzer: eine Sorte roter, später Äpfel BU. 

Milzi n.: 1. die Milz Aa; Ar; Bs; B; VO; Gr; G; 

Seil; Tu; Z. l'ie Milz soll die Ursache des Seiten- 
stechens und Leibschneidens (s. Milzi-Schniden) Ai; 
B; Tu; UwE., sogar des Herzklopfens sein (s. chlocken, 
Here-Chlocker und T. 319 a). Läufern wird geraten, 
sich die Milz ausschneiden zu lassen, ebenso den Ad- 
vokaten, da das Lügen Leibschneiden erzeugt. .Ich 
hau mir Ion das milz usschnyden, dass ich mag wandlen 
wyt und feer.' JMdrer 1559. .Das milz des esels hilft 
denjenigen, so das milze sticht.' Tierb. 1563. Wenn 
Einen ,das M. schnidet', soll er ein Steinplättehen 
nehmen, drei Mal darauf speien und es mit der be- 
spieenen Seite nach unten wieder an seinen frühern 
Ort legen (ohne dass man beim Bücken die Kniee 
biegt) Bs; B (Rothenb.); Th; ZS. 's M. uf der Sunne*- 
Site* ha*, eine durstige Leber GrD. Wer Jmdn hei- 
ratet, der eine weisse Milz hat, stirbt bald 1!; L; Z 
(an Herzkrankheit). ,Was bei den Juden die Be- 
schneidung und bei den Christen die Taufe ist, das 
war bei den Wildmannli das Heraussehneiden der 
Milz.' WSenn 1875. ,Man soll enhein haupt, hingen, 
leber, noch milzy zue anderem fleisch tuen noch wä- 
gen.' 1365, Ochs. ,Ist der harn tünne und schamhaft, 
das betüt einen siechtagen des milzis.' XIV., Arzneib. 
.Beschwerden von einem versteckten Milze.' a.ARzNEiB. 
,Die eine Krankheit kommt vom undäuwigen Magen, 
die viert vom verstopften Milz.' FWyss 1653. S. noch 
knellen Bd III 739. — 2. Milzkrankheit, Entzündung 
der Milz S; Z. Becept für 's Mihi. Usteri. .Hirzen- 
zuiigenwasser ist gut zu dem M.' ZElgg Arzneib. — 
3. fast nur verbunden mit Adjj., Schelte auf einen 
durchtriebenen, boshaften, schlechten Menschen (in. 
E* hellis [.höllisches 1 , heilloses], letzes [schlechtes], 
schlechts M. Da bist e* rechts M., auch nur scherzh., 
ein rechter Schalk GkI>. — 4. zur Verstärkung von 
Flüchen und Scheltww.; vgl. M.-Fanen, -Flitech Bd 1 
1163, -Hund Bd II 1432, -Gheib Bd 111 103. Auch 
M.-Hagel Z und aus diesem und den Synn. verk. das 
Scheltw. Milzi m. ZO.; vgl. Stutz VI 195. 

Mhd. mib.tr) li., in Bed. 1. Betr. die End. i vgl. Anni. 
zu Hirni Bd II 1614. In unserer ä. Lit. ist das neutr. Ge- 
schlecht Kegel und zwar bis ins XVIII.; die vorwiegende 
Form ist , Milze', neben ,Milz.' Der (Jen. lautet: ,des Milzis.' 
Guler 1616, ,des milz.' Zg Arzneib. I.'.ss, sonst ,des .Milzcs.' 
s, ii. ich Grien Bd II Tis. Betr. Mihi als Verstärkung von 
Flächen vgl. Anni. zu malazig; doch liisst sich diese Ver- 
wendung auch an li anschliessen. 

molzig: aufgeweicht, von Schnee Tu (Pnp.). Vgl. 

ninl:. .nndzet' bei Schm. -Fr. 1 1597. 



225 



Main, liii'iii. mim, mom, muni 



220 



Main, mein, mim, mom, mom, bzw. liianim usw. 

in am in Aa; G; Tu, mämm Aa; Bs; '/.: meist wieder- 
holt, Naturlaut, den lallende Kinder kund geben, wenn 
sie zu trinken begehren. Vgl. WWack.. Voces 96. 

Mamma, Mämm: 1. Mamme' Sch; Tu, Mämme" 
Aa; ApK.; BBfiren — f.. Mammi SThierst., Mämm 
Aa; Bs; B; G; Z, Mämmi Aa; Ap; Bs; B; VO; Gl; 
G; S; Th; Z, Mämmeli Aa; Bs; B; F; S; Uw; ZO. 

- n., Getränk, in der Kdspr., bes. Milch, in SoiiwE. 
dagegen Wasser, im Gegs. zu Butzi; oft durch Zss. 
unterschieden als Milch-, Wi'-, Wasser-, Te-, Tokter- 
M. [Arznei]. Syn. Mimmi. Nei", hieged au ch , wie vil 31.! 
soll ein Kind ausgerufen haben, als es zum ersten 
.Mal den Zürichsee erblickte. Im Rätsel vom Stroh- 
dach heisst es von den bei Regenwetter triefenden 
Strohhalmen: Hunderttüsig Stängeli gend enandre" 
Mämmeli Aa; S. Da heit-er 's best Mämmeli übercho", 
spöttisch, da seit ihr an den Rechten gekommen FMu. 
,Das mämmele, der unmündigen kinden trank, bua.' 
Mal. Scherzweise im Munde Erwachsener bes. von 
gutem Wein; vgl. mämmelen. Wer jetzt [in der Wein- 
lese] Mämmi »Hielte" cha"', hänkt getrost si"s Bückti 
[Bütte] a". Hagröschen. ,Der Wirt in N. habe gutes 
Mämmi.' Estehm., Ncud. Wahrsch. mit Beziehung auf 
die Abschlagung des Proviants sagt Zwingli: ,Dass 
die 5 ort fürchtend, inen werde das memmely 'zuckt.' 
1530, Auscii. — 2. Mammele" G; Scn; Tu, Mamme" 
AaZ. - f., Mämmeli Aa; Ar; B; Gl; Gr; L; G 1790; 
S; U; Zg, Mayeli L, Mämmi W; Z, Mämmeli Aa; 
Tu; Z — n. = Ammeli 1. 's feit Nilt, a's dass er-em 
[dem alten Mann] na e" Büliehappe" ufsetze'd und es 
M. gend zum Säge". ACorrom. Me" sött-der 's no ch 
i" der M. ge", sagt man zu einem altern Kinde, das 
heim Trinken verschüttet Th. .Für ein Mämmeli 10 ß.' 
1763, Z Haushaltungsb. (Ausgabeposten). — 3. Mammi 
n., Mutterbrust PA1. — 4. Mamme" Bs; GRÜbS., Pr., 
Val.; Tu; UReusstal; Uw; W; Z —f., mit den Kose- 
formen Mammi IJs; Gr; Z (lt MUsteri auch Mämmi), 
Mämmeli Bs; U; Z, Mutter, in GrD., ObS., Pr., Val. 
ausschliesslich, in W in der Kdspr., sonst nur in den 
vornehmern Ständen und erst seit Ende des vorigen 
Jhdts sich ausbreitend; in GrL. auch von Tieren. 
Frau aus den bessern Ständen Ndw; Syn. Herren- 
Frau. Mammerlis mache", Papa und Mama spielen, 
von Kindern BsStdt; Syn. Müeterlis. — 5. Mämmi 
(PI. MämmeniJ, Mämmeli BBrünigen, Mämmeli B 

— i). a) neugebornes Kind BO.; W. — b) Puppe, als 
Kinderspielzeug BO.; F. ,Es wäre mir auch nicht 
recht, wenn man meinte, ich könne es ganz gut ma- 
chen ohne dich und du seiest [als Frau] nur für mich 
da wie ein M. für ein Kind.' Gottu. Es Glider-M., 
eine Gliederpuppe; vgl. Firmenich II 579. Es Brieggi- 
M., eine Puppe mit einer Vorrichtung, um sie weinen 
zu machen. Es Charte"-M., eine Puppe aus Pappen- 
deckel, Carton; auch: Maske BO. — 6. Mämmeli n., 
Läppchen am Halse der Ziegen ApK; Syn. Glöggli 
(s. Bd II 611). — 7. Mämmeli n., c. l /s— 2 Mass hal- 
tende Flasche, um Wein auf das Feld zu tragen, entw. 
in Form einer Feldflasche oder eines Fässchens mit 
Eisenreifen und einem eisernen Tragbogen GrD., L. 

Die Bedd. 1 und 2 vereinigt auch Ammei, die Bedd. 3 
und 4 lat. mama und die davon abgeleiteten WW. Nhd. 

Schweiz. Idiotikon. IV. 



.Docke' und , Puppe' vereinigen die Bedd. Spielpappe; Wickel- 
kind; Brustwarze; vgl. auch , Mama : Mamme; Memm: Komme' 
bei Gr. WB. Zu t. Für Gr liegt Entlehnung aus dem Rom., 
für die übrigen Kantone frz. Einfluss auf der Hand. Vgl. 
noch Mumme". Mammerlia ist Analogie nach den Spielnamcn 
Müeterlis, Räuberiis usw. Zu 6. Die Troddeln am Hülse der 
Ziegen sind mit Zitzen verglichen. Zu 7. Obschon sich zwi- 
schen dem Gefäss und der Saugnasche anschwer com Ähn- 
lichkeit herausfinden lässt, so liegt doch wahrsch. direkte 
Entlehnung aus dem gleichbedeutenden rätorom. mamma vor. 
mammele" ZA., „mamme" Seil", sonst mämmele": 

1. (Milch) aus der Saugflasche trinken, von kleinen 
Kindern; von Erwachsenen mehr scherzh., sich den 
Wein in kleinen Zügen schmecken lassen, behaglich 
schlürfen; auch euphem.: oft und im Stillen dem Glase 
zusprechen, dem Trunk ergeben sein Aa; Ap; Bs; B; 
VO; Gl; G; Scb; S; Th; Z. Er het es Bitzeli z' vil 
g'mämmelet und m'r [man] het-em 's alben a'g'mcrlt. 
b'sunders uf en Obe". Joach. ,Subbibere, ein wenig 
trinken, mämmelen. Bibulus, der gern trinkt oder 
mämmelet.' Fris.; Mal. Mämmeler, Trinker G; Syn. 
Lödeler. — 2. mit der Puppe spielen B. 

üs-: mit Trinken zu Ende kommen, leer trinken '/.. 
Iez isch 's üsg'mämmelet. 

mämmig: 1. „einer Puppe ähnlich BO." — 

2. blöde, unbehaglich, etwas kränklich (eig. wie ein 
neugebornes Kind) BHk. (St. b ). 

Mameluck m.: falscher Mensch Schw. Verräter, 
Abtrünniger: ,Es könnten Mamelucken da sein und 
erzählen, wie wir hier in Eintracht in diesem Ecken 
Rat gehalten haben.' HPest. 1781; dafür .Schelmen.' 
1790. .Mameluken, die den Mantel nach dem Wind 
hängen.' ebd. 1785. Parteiname in Genf im XVI. 
Dann sei aber Einer zu Genf zu denselben gegangen, 
habe sie Mameluken gescholten und .ein party an sy 
gehenkt [ihnen einen Parteinamen angehängt].' IM!'. 
Arsch. .Mamelus warden um das Jahr 1518 ff. in der 
Stadt Genf von denen sogenannten Eignots genannt 
die Bürger, welche des Herzogs von Savoy Partei ge- 
halten, als wann sie, wie die Sklaven der egyptischen 
Sultanen, das Christentum abgeschworen und die Frei- 
heit des Lands nicht geachtet.' Leu, Lex. S. auch 
Ztschr. f. d. Alt. XXII 174. 

Me'mnie" f.: leichte Schelte auf weibliche Per- 
sonen, bes. kleine Mädchen, Püppchen, Närrin BG.; 
weniger stark als Fafel. 

Me'nii: Koseform des Namens Salomca BsLiestal. 
Syn. Mimi. 

Memmiuger: eine Art Barchent, aus der Stadt Mem- 
mingen. 1571, Z Inv. 

Memite: Name einer Arznei aus dem Saft des 
Hornmohns, glaucium. .Glaucium, ein kraut, saft, in 
berüemten apoteken memithe genannt.' Fris. 

Memöri n.: Gedächtniss L. 

Das Neutr. nach dem syn. Gedächtniss; im Übrigen folgt 
das W. der Analogie der Frenidw. wie Glori; s. Bd II 64 3 

Memorial n.: Geschäftsverzeichniss für die Lands- 
gemeinde Gl. 

mim! 1. meist wiederholt, Lockruf für die Katze 
Ap. — 2. f., Katze Th. 

Mimeli (in G auch Mimmeli) n.: 1. Name der 
Katze in der Kdspr. Ar; G; Tu. Vgl. die Synn. 
Slmcli, Zimeli. — 2. Kätzchen der Sahlweide, sal. 

15 



227 



Main, mein, mim, nioin. m um 



228 



caprea G. — 3. die Wollbüschel (.Kätzchen 1 ) des Woll- 
grases, bes. dos schmal- und des breitblättrigen, er. 
„poly.", = er. ang. und er. lat. .Ar;- G. Vgl. die Synn. 
bei Channel (Bd 111 326). 

Mim er ra.: \. = Mimeli 1 Ar. — 2. nur Dini., = 
Mimeli 2 ApK. — :'.. Flaumabgang unter den Bett- 
stellen, an den sich der Staub setzt Ar. Syn. Staub-Müs. 

nimia: in dem Wiegenliedchen: .Britta, m., bruta.' 
Eringer 1438. — Vgl. ninn. 

Minima: Emilie Gr. 

Mimi: 1. = dem Vor. BsStdt; Gr (%). — 2. Maria 
Zg; Anna Maria UwSachs. (~\). — 3. Salomea Gl; Syn. 
Memi. 

Mimnii n.: Milch (Kdspr.) Gr; GRh. Vgl. das syn. 

Mämm und Mincheli (unter Milch). 

Moime, nur in der Verbindung: Im M. si", nicht 
wissen, was man tun soll GrV. 

Aus der it. Interj. des Schmerzes oime, mit welcher das 
m des deutschen Art. verschmolzen wurde. 

ni liimii ! Brummlaut, in dem an einen Zuchtstiel 
gerichteten Reimvers: Hage", Hage", mumm, mumm, 
mumm, drät de* Chübel dringel-um Seil. Vgl. Gr. WB. 

Mummel I in. : 1. Mensch, der halblaut, unver- 
ständlich vor sich hin spricht TaTäg. — 2. (PI. Mum- 
mel Gr) Insekt, das heim Fliegen einen brummenden, 
surrenden Ton hören lässt, wie Pferdebremsen (PAL). 
Hornisse (GrPi\), bes. aber Hummeln B; Gr; PAL; 
Oew; vgl. Hummel Bd II 1295/6, ferner die Synn. 
Hummel, Brummet. D' Mummel henä g'surret. Schwzd. 
— ■ 3. verächtlich für Mund (als der brummende) S. 
De" M- hange' In"; vgl. henken Bd II 1457. — 4. Der- 
jenige, der den Sami-Chlaus (s. Bd III 689/90) darzu- 
stellen hat TiiTäg. — Vgl. .Mummel' Lei Gr. WB. VI 2661. 

Blitze 11 -, Butzi-: 1. vermummte Person, Mas- 
kierter, z. B. an der Fastnacht, bes. aber i. S. v. Mum- 
mel 4 Bs; S. Popanz, Schreckgespenst. -Männchen 
ii Mi. Bs; Syn. Böli-Mann. I ch glicr e" Stäge'tritt gixe" 
a's kam e" B. Auch Midi. Bs. .Den B. muss man 
Kindern machen [nicht Erwachsenen].' Das ist no ch 
hing lein B. für mi eh , Pas macht mir noch lange 
nicht hange. Männchen oder eine andere Figur, die 
nach einem Druck auf eine Springfeder aus einem 
Schächtelchen herausspringt Bs. Uf-fare* ('-jucke") 
wie e" B. us ''em Kästli. — 2. unordentlicher Kopf- 
putz (zunächst ein Mensch mit einem solchen) Bs. 
Tuch, das den Kopf gut einhüllt, ebd. — Eig. tauto- 
logische Zss. 

Mummel II ZO., G'mummel Bs (Spreng), G'miim- 
mel Scaw; Zg — n.: Gemurmel, Gerücht, Gemunkel. 
Gerede. .Jetz ergeht das Muinol, sie seien närrisch.' 
Stutz. .Sölichs ist nun alles lang ein red g'syn und 
ein m., den ich vil gehört hab.' 1525, Egli, Akten. 
,Uf sölichs anbringen ward ein unruow und g'mümel 
im sal under den fürsten.' I'Eckst. .Wie ein mummel 
und ein geschrei under gemeinem volk sye.' 1532, 
Egli, Akten. ,Es was ein solch gemummel [wirrer 
Lärm], dass vor nie kein solch unrüewige g'meind 
ersechen ist g'syn.- 15:'.::, Val.Tsohüdi. , Wie wol lang 
cm g'mummel ist umgangen.' 1510/7::, I'Mev., Chr. 
,Und was das gemömmel, dass die fürsten um gelt 
reiche gestiftabteien verliebend.' Vad. .Kumor, su- 
surrus, ein gasseng'schrei, märe, geräusch, gemummel, 
als der bäumen und des wassers. Admnrmurare, 



murmlen oder ein gemummel über ein ding machen.' 
Fris. ; Mal. .Wie dann schon das gemummel gehe.' 
Wurstisen. ,Das gemummel wüchse allgemach.' ebd. 
, Rumor, murmur, rumusculus, Gemummel, ein gemein 
Geschrei. Sag, Gegenred, Gericht.' Dexzl. 1677; 1716. 

Mummele" f.: 1. = Mummel :' i. S. v. Hummel 
GuubS.. VaL; ZRafz. — 2. auch Mummle". Betschwe- 
ster, scheinheilige Person Schw. 

Verhalt sich zu Mummel wie Bummele 9 /u Hum(b)el. Zu '2 
vgl. frz. mömier, Mucker. 

Hus-: Frau, die (wie eine Hummel) sich geschäftig 
im Hause herumtreibt B; Syn. H.-Mugg. 

Chüzi-Mummle" f.: Schelte auf ein phantastisch 

aufgeputztes oder unordentliches Frauenzimmer BSi. 
(lt Hausfreund 1877). — Nur gelegentliche, nicht volks- 
tümliche Zss. 

Surr -Mummle" f.: 1. = Mummel I 2 B. — 
2. Schelte auf ein übellauniges Frauenzimmer B. ,Es 
hatte gedacht, wenn sie Zwei recht zusammenspielten, 
ob sie dann der alten S. nicht Meister würden.' Gottii. 
— surr - mummle": gleichsam wie eine Hummel 
herumfahren, im Zimmer oder um das Haus herum; 
unwirsch, übler Laune sein B; Syn. surren. — surr- 
mummlig: unwirsch, übellaunig B. ,Er war s., 
surrete und brummte.' Gotth. 

mumm(e)le°, in BBurgd. mummele*: 1. murmeln 
(z. B. ein Gebet, bes. von Betschwestern), murren (z. IL 
von Unzufriedenen), brummen (auch von Tieren Seil), 
in dumpfem Ton, unverständlich Etwas vor sich hin 
reden AaFH.; Bs; B; Gr; GT.; Sch; Th; Syn. mu(n)<i- 
gen, bäft'len, bismelen. Me" mummlet dem", es gebt 
das Gerücht, es wird gemunkelt Aa; Bs; Sch. .In 
solcher red ich das, das vor 'dick gemummlet was. 
hört wor syn.' 1525, Egli, Akten. ,Uf der Rhynbruck 
was ein krueifix zerschlagen worden, darus etlicli 
mumletend, die Behem bettend es tuen.' Vad. ,Su- 
surrare, lins reden, brumlen, mumlen, rauschen. 
götschlen wie ein bächle, schnurren. Forum arguluin. 
daran ein wild geräusch und gross mumlen ist. 
Dcstinare sermonibus aliquem hostem esse, miiininleii 
und gemeinlich sagen, er seie ein feind.' Fris.; Mai. 
,Wenn der Mensch leis redend flismet und munilel 
oder murmlet und brumlet.' SpleiSS 1667. ,Dic Waar- 
sager und Zeichendeuter, welche schwetzen und inuin- 
melen.' LLav. 1670 (nach Jes. VIII 19; vgl. ilismcu 
Bd I 1212). .Man habe von diser Sach gemummelet.' 
ZWast. Prozess 1701. .Alle, die mich hassen, mumlen 
zusamm wider mich.' 1707, Psalm; dafür .murmeln.' 
1882. .Als einen Menschen, der in der Einsamkeit, 
nur bei sich selbst pippe und mumle.' JZimmerhann- 
Haug 1731. — 2. summen, ,wie eine Hummel', von 
Kindern vor dem Schlafengehen, indem sie dabei den 
Daumennagel über die Lippen führen U. — 3. „un- 
pers., grollen, dumpf rauschen. z.B. vom fernen Donner. 
Es mummlet (scho"), das Gewitter zieht näher heran 
L." — 4. heimlich Etw. kauen, essen; vgl. Gr. WB. 
VI 2663. .Stehet ihren gleich der Keller ollen, muss 
er doch nicht förchten, dass sie hinderrucks seinen 
gästle und mümle oder sich fülle, und in einer Völle 
Etwas verwahrlose.' FWyss 1673. Hieher wohl auch 
der Personenname .Mummeli', eig. als Spitzname. 1637, 
AiWett. Klosterarch. 

i"-: oft refl., (sich) einmummen, warm einhüllen 
\ \ ; Bs; B; S. Er hei <V Bei* mit Watten i'g'mum- 



229 



Mi 



IUI. in. ■in. lllllll. ni'.lii lllllll 



230 



melet Ks. De tmsch-dr'' »., i as$ me* di a nil b'chönnt. 

Si mild. 

v er- = dem Vor. 1 "-s 

sür-: sauertöpfisch drein sehen oder sich ge- 
berden; verletzende, bittere Reden führen B. Syn. 
sür-niblen. 

Mummeli (in SB., NA. Mommeli) n.: 1. = Mum- 
met I 2 I!. — 2. Kuh, bzw. Kalb, in der Kdspr. Bs; Z. 

— .'!. Lebkuchen in Gestalt einer Kuh (aufgezählt in 
einem Kdld unter den Sachen, die man an den Weih- 
nachtsbaum hängt) Z. — -1. Laus, in der Kdspr. Bs; B. 

— 5. Gänseblümchen, bell. per. ApHer. — 6. auch 
Bett-M., = Mummelen 2 L; Schw. — 7. vermummte 
Weibsperson L. — s. unordentlich gekleidetes, ein- 
geschrumpftes, altes, geistig beschränktes Weiblein 
Bs; L; SL. — 9. Name gespenstischer Wesen. Das 
.Bibern-Mummeli' muss zur Strafe dafür, dass es einst 
sein Kind in der Bibern ertränkt, in alle Ewigkeit 
umgehen LE.; vgl. Lüt., Sagen 288 ff. 

Das W. lässt sich als Dim. t. von Mummden, t. von 
M <i mmi auffassen. 5 uud 6 bezeichnen wohl das Versteckte, 
Geduckte. Zu 9. Das .Bibcrn-Mummeli' hat seinen Namen 
wohl von den unterdrückten Jammertönen, die es hören 
lässt; Fahrwangen im Aa hat seinen Mummdi-Ma'*. Betr. 
den Kamen .Mununel' für dämonische Wesen vgl. Gr. Myth. 3 
•K.7 : Ztschr. 1. d. Phil. VI -165; Gr. WB. Hieher wohl auch 
die Sage vom .Aeckelniüuimeli', einem sagenhaften Manne, 
dessen liebster Aufenthalt bei einer Quelle (,A-s-Brünneli') 
ii sein soll; vgl. Kohlrasch 1854, 299/301. 

Side"-: in der Kdspr. Bezeichnung für etw. Seiden- 
weiches Bs. 

mumin(e)lig: brummend, leise, undeutlich Seil. 

Stra u " - M u m m e " : Name einer Fastnachtsmaske, 
ein altes Weib mit einem Strohhut S; Vgl. Hänggi 
1892, 112. 

in um me n : 1. „Etwas zwischen den Zähnen mur- 
meln, unvernehmlich sprechen L", mit geschlossenem 
Munde singen BHk. — 2. die Betschwester spielen 
Seil (Sulger). 

sür-: weinen BE. 

Mummer in.: Name einer im Anfang dieses Jhdts 
in Genf und Waadt aufgekommenen Sekte, dem frz. 
mömier entsprechend; vgl. Schweizerbote 1825, 81 ff. 

mummere": dumpf tönen B; vgl. vi um w eleu 3, 
bummeren. „Es mummerei, von einem heranziehenden 
Gewitter L." .Es ist oft am hellen Mittage vom Boden 
bis in den Keller hinab ein schreckliches M. [von 
Geisterspuk].' B Tagblatt 17:><. 

Mummen f.: auch pers., Maskierter ScuwE. 
Mummerte* sind umme*g' Sprunge*. MLiehert. Die 
bede' ubermüetige* Mummerte*. ebd. 

M um mi (in AAZein.il/HHimi') n. : 1. = Mummeli 2 
ÄAZein. — 2. = Mnmmeli 4 Bs. — 3. auch Bett-M. = 
Mummeli 6 L. — 4. - Mummeli 8 L; vgl. Hummi 
Bd 11 1297. — 5. = Mummeli 9, bes. als Schreckwort 
für Kinder L. 's M. chunnt und iiimmt-di' 1 ' .' 

,Mummler m.: der das Maul nicht auftut, sub- 
mussus.' Denzl. 1677; 171ti. 

Bett-: Mucker, der an Einem fort Gebete murmelt; 
vgl. Mummeli 6. ,B., Predigfresser.' UBragüer 1777. 

Gugge"-Mümnicli n. = Gugen-Mul 1 Z. — Be- 
nannt nach der Stimme. 

Miiiiiällc: Name einer Birnsorte GKh., lt Steinm. 
180-1, 458. 



Mumme" f. = Mii)iiiii:i i Gr; PAger. - Steif-: 
Stiefmutter PAger. — Wohl direkt aus dein gleiehbod. 
oberländisch-romanischon mumma. 

Mimimerli = Hummerli (s. Bd II 1297) AaBd. Vgl. 

Mummeli .'> und 6. 

Mncm „Gl; Gr;" L, sonst Mueme* — f.. 1 >im. 
Muemi Gb; P, Muemli L, MuemeliGh, sonsl Müemh 

1. Muhme, Tante Gr; L; Pj W; Syn. Bäsi. .Und 
Amram nam sein muem Jochebed zum weih.' 1531, 
II. Mos.; dafür: , seines vatters brueders Schwester J.' 
1548; .seine Base.' 1667. Auch sonst in der Lit. des 
XV. und XVI. — 2. verächtliche Bezeichnung von 
Frauenspersonen, a) alte Weibsperson L. Arms M., 
armer Tropf L. — b) auch Bett-M., Betschwester Vü; 
„Z." E" rechti M.; e" tüsigs M. und Chifcliclli. Gleis- 
nerisches Weib Gr. — c) „schmeichelnde Bettlerin, 
die Etwas gern hätte, ohne es zu sagen Gr;" Nnw; 
Schmeichlerin, Schmarotzerin L; Ndw. Si gend i* 
arme' Muemlene" ne" par Batze". L Nachrichten 1865. 
— d) gefallsüchtiges, eitles Weib L; Sch, ,das nach 
Männern strebt' Bs (Spreng). ,Müemli, Dämchen, 
Hürchen' Bs (Spreng). Vgl.: ,Mueme, apud Helvetios 
in deteriorem sensum abiit atque scortillum denotat.' 
Schulze. — e) naschhaftes Weib Aa; Gl; Frau, die un- 
ordentlich haushält Gl. — f) fette, langsame, energie- 
lose, zimpferliche Frau GWe. Dickes Kind BBc. 

Mhd. muome. Mutterschwester, weibliche Verwandte Dbh.; 
vgl. Fr., Ztsclir. VI 113. Dass sieh die abgeleiteten ßedd. 
mit der Gruppe mumm berühren, ist wohl nur Zufall. Zu 
den verschlechternden Bedd. bei 2 haben wir Analogien an 
andern Verwandtschaftsnamen; vgl. Schwätz-JBäri, ulnl. .Bet- 
schwester, Saufbruder', ferner auch Oötti, lat. nepos 1) Neffe. 
■Jl Schlemmer. 

Muem m. : wer durch Schmeicheln Etwas zu er- 
langen sucht VO. — Bett-: Betbruder Nnw. — Aus 
dem entsprechenden Fem. erst abgeleitet. 

muem(e)le n : Altweibergeschwätz treiben. Euel. 

„bett-: die Betschwester spielen VO; Z." 

mueme": 1. „Altweibergeschwätz führen", mit 
alten Weibern Umgang haben und ihre Albernheiten 
gern anhören Bs. Behaglich, weitschweifig erzählen; 
Jmdn mit seinem Geschwätz, oder mit undeutlichem 
Beden langweilen BS. Vertraulich mit einander reden, 
plaudern, scherzen Bs. Wie 's Jumpfere* mache", "'«■"" 
me' nil mit-ene* m. will und lache" und zum Höfle" 
hei kei* Lust. BReber. Vgl. das syn. frau-basen. — 

2. die Betschwester spielen VÜ; „Z." — 3. „schmei- 
chelnd sich umtun Gr." Durch Schmeichelei Etwas 
zu erhalten suchen, ohne dass man es heraussagt 
Ndw; Syn. guenen. Euphem. für betteln; heimlich 
betteln Gr. — 4. mit dem männlichen Geschlecht zu 
intimen, verdächtigen Umgang haben, sich gern mit 
ihm abgeben; kokettieren Bs. — 5. heimlich naschen; 
„allerlei Näschereien kaufen, bes. von Weibern hinter 
dem Rücken der Männer Gl." Abi. müemeleu. 

Muemeri" f., PI. Muememe*: gleisnerisches 
Weib Gr. Frauensperson, die dem heimlichen Bettel 
nachstreicht und sich zu diesem Ende an die Frauen 
macht GitL. Muememe' ha", von Hausfrauen, welche 
solchen Weibern heimlich Etwas zustecken. 

M u e m e r i , - e i : 1. verdächtiger Umgang mit Manns- 
personen Bs (Spreng). — 2. verwandtschaftliche Rück- 
sichten, Nepotismus. ,Dass im versoldeten regiment 
frye wal bestände und nit durch muemery, gunst, 



231 



Main — in li in . Mamf— mumf. Mampf— mampf 



232 



anhang und pratik der sold- und ergyt diss pfruend- 
regiment besitze.' Ansii. 

in u ein ig: eintönig, langweilig GnChur. 

niüeiiiele": verstohlener Weise essen und trinken 
(iL. — liim. zu muemen 5. 



Mamfele" f.: 1. „ein Bündel Flachs; so viel, als 
ein Mann nach Hause zu tragen vermag \V." — 
2. eine Handvoll Hanf FS. 

In 1 steckt ohne Zweifel das W. .Manu' und das Ganze 
ist eine Analogiebildung nach Hampfeien (s. Bd 11 1302/3); 
2 dagegen ist viell. eine Verquickung des letztem W. mit 
einer syu. Abi. des frz. main (Patois man). 



mampfe": hörbar kauen, bes. an Obst herum; be- 
haglieh essen B oAa. — Lautmalend wie das bair. ,mam- 
pfon', mit vollen Backen essen. 

Munipf I in.: Mumps, Entzündung der Ohrspeichel- 
drüse; Entzündung des Halses G; Z. — Vgl. Ztschr. f. 
d. Phil. I 309/12. 

Mnmpf II in., PI. mit Uml.: 1. Stoss mit der Faust 
"der dem Pusse, Puff AiFri.; Bs; auch Ohrfeige ßs. 
,l)ie Mutter hatte ihm zuerst im Unwillen ein paar 
Mümpfe zugedacht.' Breitenst. — 2. Anschnitt des 
Brotes B; Syn. Mutseh. — 3. „stolze Person, die ihre 
Verachtung gegen Andere nicht zurückhalten kann G ; 
Zg" (lt St. a ). — Wenigstens in den Bedd. 1 und 3 aus 
dem syn. Mupf, unter Einschiebung eines m. 

mampfe": 1. (auch i'-m.) den Mund voll stopfen 
BO. Vgl. mampfen. — 2. tr., im Munde weich machen, 
z. I>. hartes Brot ScnwE. — 3. mümpfe", in Nnw auch 
mitmjife", durch Geberden oder Worte seine Verachtung 
oder seine Unzufriedenheit ausdrücken; boshafte An- 
deutungen über Etw. machen, sticheln AaZol. ; Bs; 
Nnw; Syn. föpplen, chöglen. Wo Die jetz 's Süseli 
an 's Her Brunen Arm g'seh het spaziere", so het-si 
gli ch a'fange" tri. Breitenst. ,Er wusste wohl, wie 
die grossen Mädchen in. würden, wenn er vor dem 
Pfarrer in der Kirche wäre.' ebd. Verblümt reden 
Gl. — 4. schmecken, munden ZTurb. Das hät-em 
uml ifwiimpft, nicht gepasst. 

In das Yb, bes. in den Bedd. 1, 2 und 4, spielt die 
Gruppe Mümpfel herein, Bed. 3 aber deutet auf Vwdtschaft 
mit müpfen. 2 bedeutet eig. : im Munde halten, hin und her 
I" wegen, bis die Speise vom Speichel erweicht ist. 

ver-mumpfe" : 1. „Jmdu verächtlich behandeln, 
durch spöttische Geberden aushöhnen B; VO; G; Z" 
|lt St. 2 ). ,Um diese überfreimütigen Bügen zu hin- 
dern, wurde ernstlich untersagt, die Verkündiger des 
i iotteswortes in der Kirche zu v., zu schänzeln und zu 
sturnpfieren. 1 XVI., Z Mand. — 2. Jmdn als einen vom 
Lande Geächteten öffentlich auskünden Zg (Kanzlei- 
spr., lt St. a ). — St. 1 hat bloss uermup/en, -müpfen. 

M iimpfi n.: Stoss L. Es hed hie und do so nes 
M. vo" 's Moritze" Bassgigc" a" siner Ellboge" <j 'spürt. 

Mampfe] AajAp; Bs; B; VO; G; S; Tu; /.. Numpfel 
I 'ullw.. Tag., Umpfel Sca — m., Mumpffejle" f. Gl; 
Nnw, PI. Mampfte" BSi., sonst PI. und Dini. mit Uml.: 
1. ein Mund voll. Hissen, Brocken, allg. E" M. Spick, 
ein grösserer Bissen, verschieden von tSpeck-M. Müm- 
pfcl nie Kindc"schüehli üs. Gross Mump fei, feiss 



Vögel Aa. Legt d' Gable" mit i em M. ab. Hindern. 
Ei—m (sogar] de" .1/. zum Mul üs ge % , Alles für ihn 
tun Z. De" M. söü-mi ct (in all Weltteil) versprenge', 
Beteurung '/.. Wer sieh Abends recht schläfrig fühlt. 
sagt: I rh uiU au''' Mümpfel ne" halt :' Nacht, mit Be- 
ziehung auf die tiefen Atemzüge '/.. Chlau Mümpfeli 
esse". Sciiwzd. (Aa). Na ch de" Inste" Mümpflene" sueche*. 
Usteri. De farst demit dem Mali :ue mul wottsch es 
ganz dn" inne" tue"; ja in'irlr'', 's Löchli ist na z' 
chli", es gönd im kc" gross Mümpfel drl'. Nägeli. Ei— vi 
en ieders Mümpfeli cergunnc" Z. Gneti Mümjifeli Im". 
gut zu essen, Wohlleben haben Bs; Z. D' Mexe" 
Int irnii .l/a"* gueti Mimpfeli 'kocht. Sciiwzd. (Bs). 
AU(i) Mümpfel (Mümpfel), dann und wann, jedesmal 
Aa; L (Häfl. 1813. IUI). Es muess du dure", und 
wenn 's dlli Mümpfel en 31a"" chostet. Sprww. 1869. 
Jedes Mümpfeli gnappet de" Bart, bei jedem auch 
Doch so kleinen M. kommt der Bart beim Kauen in 
Bewegung (man soll also auch für Weniges dankbar 
sein). 1850, Stutz. Weggli — so Mümpfeli, wie 's iez 
gi'i. ANeher. ,Der schnitte [vom Braten] ab und ässe 
ein mümpfel.' 1522, Egli. Akten. .Ich lülfe eini durch 
ein für umb eines mumpfels willen.' JBinder 1535. 
.Foecundi leporis sapiens seetabitur armos, ein meister- 
loser schlecker, der die gueten bissle oder mümpfele 
kennt, wirt sy suechen.' Fris.; Mal. ,Ea geschiehet 
oft, dass auch ein gutmütig Sebaaf eben so bald auf 
ein guts Mümpfeli triftet, als dass es dasselbige esse.' 
1015, JJBreit. ,Ich will dir selb dein Mul ufsperen 
und disen Mümpfel stossen ein.' GGotth. 1010. .[X. 
v. der Flüe] äss zum Tag nit mehr denn drei Mümpfel.' 
1633, Odw Volksfr. Der Bewerber um eine Stelle, der 
mit einigen Maltern Korn abgefunden wurde, äusserte 
sich unwillig: ,l)as heisst ein Mundpfel in's Maul 
werfen und schweigen machen.' 1608, Esterm., Piek. 
,Ein Mümpfelein Brot.' JUlr. 1727. Auch gelegent- 
lich von ungeniessbaren Dingen, z. B. von Fetzen Bs 
(s. Schwzd. 23, 77). — 2. en dicke M., dicker, fetter 
Mensch Bs (s. Schwzd. 23, 82); vgl. das syn. Mocken. 

— 3. Dim., der 10. Teil einer Mass Schw; Syn. Budeli. 

— ■!. unwillig verzogener Mund Ndw. Vgl. mumpfen .7. 
Betr. die Abschwäcliung dos 2. Teils der Zss., ferner die 

Fem. -Form vgl. die Anm. zu Arfel (Bd I 443/11, sowie /" 
Bampfel (Bd II 1303/4). Das Bewusstsein der Entstehung 
des W. war wohl nie ganz geschwunden, wofür folgende 
Rekonstruktionen desselben sprechen mögen: , Ans einem 
mundfol 3 teil machen.' Salat. ,Nee sumito magnos morsus, 
gross mundvoll. Zwen mundvoll oder ein mundvoll über den 
anderen. Die gueten bissle oder mündvole.' Fris. 1562. 
,Guet mundvoll abbeissen. Eiu mundvolle, bissle. (luete bissle 
oder mündpfele (mundvolle) essen.' Fris.; Mal. ,Er ist mit 
seiner Gesundheit [seinem G. trinken] den Andorn fast eine 
Viertelstunde hintennach gekommen, weil er diu Mundvoll 
nicht hat können herunterbringen.' HPest. 1785. S. auch 
M' rvt '. 

Ise"-: Eisenklumpen Bs. In der bei GiggerniUis 
(s. Bd II 176) angeführten Stelle spec. Bruchstücke 
von Bomben von der Belagerung von Strassburg her; 
solche wurden in Bs verkauft und u. A. als Brief- 
beschwerer benutzt. — Hus- m. : Person, die gern 
zu Hause bleibt und ihre Freude daran hat. im In- 
nern des Hauses zu walten; Hausmütterchen Bs. — 
Chuchi-: Mädchen, das die Küche gerne besorgt Bs. 

— Chraft-Mümpfeli: kräftiger Hissen, Speise, die 
Kraft gibt; Leckerbissen Bs; „VO; Z." — (tiuet-) 
Nacht-: Bissen, etwas Weniges, das man vor dem 



283 



Mampf- uiunipf. Mains— mums. Man 



234 



Schlafengehen noch geniesst, bes. Leckerbissen, den 

man den Kindern gibt, wenn sie den Eltern .gute 
Nacht' sagen '/.-, Syn. Bett-Mümpfeli, Zungen-Mumpfel. 

— N ü 11 i - = Z'nüni-Essen (s. IM 1 527) Bs; vgl. Zehni- 
M. — Bett-, meist l>im., = Guet-Nacht-Mümp feli Bs 
Gl: Z. PfaffC-Mumpfel, meist PI., =Pf.-Mocken 
Aa; Z; auch = Pfaffen-Chäppli 3 (s. Bd III 393) Z. 

— Reputa z (ions)-M ü m p f e li = B.-Moeken Scu ; Z. 
Sack-: was man von den Speisen an Mahlzeiten 

in die Tasche steckt, um es nach Hause mitzunehmen ; 
vgl. Behalten* Bd II 1239. Er habe den eingesteckten 
Braten nicht gestohlen. ,nur für ein S. geachtet.' 1690, 
Z OGlatt — Schuf-, meist PL: Name einer von den 
Schafen gern gefressenen Pflanze, rundblättriges Lein- 
kraut, lin. spuria AABb. — Speck-: kleiner Speck- 
würfel, z.B. in der Wurst oder auf sog. Spieck- Wäjen 
Bs: S; vgl. Mumpfel 1. — Tau™-: Mensch, der die 
üble Gewohnheit hat, den Mund immer wie zum 
Kauen zu bewegen GTa. — Zehni-: Zwischenessen 
um 10 Uhr Morgens BsStdt, wo der Z. bes. in den 
Familien an die Stelle des mehr bei den Arbeitern 
üblichen ,Nüni-Mnmpfels' tritt. — Zunge"-: \. = Guct- 
Nacht-M., da er oft nur in einer Kleinigkeit ,auf die 
Zunge', z. B. Bonbons, besteht ZElgg. — 2. Zunge"- 
Mümpfeli mache", die Gewohnheit haben, die Zunge 
zwischen die Zähne zu legen, gleichs. um daran zu 
kauen, wie viele Leute tun, wenn sie etwas Unge- 
wohntes. Heikles auszuführen haben Z. — 3. Mensch 
mit schwerer Zunge ZElgg. 

mumpf(e)le° (in GlH. mumfle*): 1. auch i'-m., 
= mampfen 1 BSi.; sonst wesentlich = mullen 1 Aaj 
Ar: BO.; VO; Scn; Z. Er mumpflet 's, we-n-es alts 
Müeterli, wo-n-ekeini Zän<l »ic heil ScnwMuo. ,M. und 
Kauen ist nicht Einerlei.' Tobl. 1814. Beim Essen 
grosse Bissen nehmen, gierig drauf los essen BSi.; 
VO; Z. .Er mundvelte drauf los, als ob er die halbe 
Welt verschlingen wollte.' 1851, Stutz. Etw. appe"-, 
e'weg-m, ScnwMuo. — 2. durch blosse Bewegung des 
Mundes einem Andern Etw. zu verstehen geben GlH. 

Mampf li m.: Schelte auf Jmdn, der beim Zer- 
arbeiten grosser Bissen die Kauwerkzeuge stark be- 
wegt ScnwMuo.; Z. 

mump feie": kleine Bissen, einen nach dem an- 
dern, langsam, behaglich kauen Bs; B; Vü ; Z. Syn. 
grummelen Bd LT 731. müffelen. Iss doch, da müm- 
pfettst mumme* BSi. 

ver-: Etw. in ganz kleine Bissen, Stücke oder 
Maasse teilen ScawE. 

Miinipl'erine", auch Muffeline' — f. : frz. Tanzweise, 
die im ersten Drittel unsers Jhdts mit Vorliebe ge- 
tanzt wurde BStdt. Es Anders pressiert, am mit dem 
Chammermeitli e' neui Mumpferuie" :' probiere", d'r 
Kutscher heig cersproclie", er wcll-ne" flöte" d'rzue. 
Gottii. — Ans dem frz. mmtferrine (Adj., abgel. von Mont- 
ferrat), eiu it. Taaz. 



Mamsell f.: 1. französische Stubenmagd. 2. Hälfte 
des Will., Z; vgl. Jung-Frau Bd I 1247. Titel der 
Kammerjungfer übh. XVIII., Bs (lt Sintemal 1759). 
— 2. Frauenzimmer, das .aufgehört hat eine Jungfer 
zu sein, ohne sich zu verheiraten.' 1794, Merian. 



Man, inen, min, mon, mim, bzw. mann usw. 

Man, bzw. Man AaI r.; BsL.; BBr. (neben Sfä"), 

Li., IIa., li. (neben Mo"); Gr (selten); Lila.; S; USch.; 
\V. Mane" B uSi.; GrD., S.. SpL, Tschapp., V., Manne" 
BoSi., Mon BG., M.; Gatw.; l'Sil.. Möne" GrAv., .1/" 
(nas.) UrFcIsIi., Man GrAv., uVaz (neben Mo"). Mo, 
bzw. .1/0 AaL.; Ap; BHk., „G., 0.;" FL; „LE.;" PAL; 
G ; Scu ; Si/HW ; Tu ; Uw ; Zg ; Z, Mü* Gl ; GrSccw. ; GSa. ; 
ScHStdtf; ZRfz, PI. Mö" Ar; (i; Th; Z, Lim. Mönli 
AABb. — in.: Mond. 1. der Himmelskörper. Vgl. Serr- 
gotte'-Lieeht ; Mnn-Bübeli; Chnahe"-, Bmbe" - Sann 
a) nach seiner Stellung und Bewegung (ähnlich der 
Sonne). Er het de" Chopf üf, wie wenn er am M. 
wett schmücke', trägt den Kopf hoch AaSL So g'wüss 
äass Sann und Mo" am Himmel städ Z. Es send Zivi 
Mö" |Mond und Nebenmond] am Himmel GStdt. Lei- 
Mond chunnt, gät (stät ZO.) üf, geht auf, gilt abe", 
ander, geht unter. S. noch Gold Bd II 224. — b) Licht- 
wirkung. De'' M. schlnt; vgl. M. -Heitert; M.-Schin; 
Durch-Schm. Er ist so dürr, de' Mo" sehint dw° h -ne 
dure" L (Ineichen). Bildl. der Mo schint, von unan- 
ständiger Entblössung Ap; vgl. gemeind. Mondschein 
für Glatze. Das Bild der Mondscheibe gleicht einem 
Antlitz, daher und wegen der Homonymität mit Mann 
der Entlebucher den Mond für einen Mann hält. St.' 1 
Ober die Sage vom Mann im Monde vgl. Gr. Myth. 
681. Den Kindern sagt man, es sei ein Ma"" im Mö" 
drin Ar. Wer am Sunntig Hol; trat [trägt], chunnt 
in Mö". KSteiger 1839, ähnlich jetzt noch Z; s. noch 
Rochh. 1867 1 13. Seine Spiegelung im Wasser: Auch 
den Gersauern in Schw wird nachgeredet, sie glauben, 
dass der M. im See liege. — c) nach seiner Veränder- 
lichkeit, seinen Phasen. De r M. schwmt, nimmt ab, 
wachst, wird roll: es ist schwinc"de'\ wachse"de r M. 
S. ab-, üf-, dbsich-, nidsich-gänd Bd II 9. 13. 3.:;. 34. 
Hiezu: Volle'' M., volli Jar, läre r M., läri Jar, d. h. je 
nachdem der Mond in den nächsten Tagen auf Neu- 
jahr voll oder leer wird, ist ein fruchtbares oder un- 
fruchtbares Jahr zu erwarten Z. Geschäfte, Tätig- 
keiten, welche auf Wachstum und Gedeihen des betr. 
Gegenstandes abzielen, sollen im zunehmenden oder 
steigenden, solche dagegen, bei welchen ein Abnehmen 
oder in die Tiefe Wachsen wunschbar ist, bei ab- 
nehmendem oder absteigendem Mond vorgenommen 
werden. So soll man z. B. Hühneraugen hei abnehmen- 
dem Monde schneiden S. Wenn Blatternkranke im 
schwinete' Mö" den Ausschlag verlieren, so bleiben 
nach dem Volksglauben die Narben sichtbar Z. S. Voll-, 
Xiui-M. und nüw. Der Mondwechsel hat Einfluss 
auch auf das Gemüt der Menschen, bes. bei Geistes- 
kranken S; Z. Mit dem Mö" gö", von Frauen, nach 
der Mondphase unpässlich, schwermütig sein Ap; vgl. 
.mondsüchtig-, lünig, mönig. .Die Cartoffel wollen umb 
das Wedel in undergehendem Monn gepflanzet sein.' 
Rhag. 1639. .Der Monn soll obsich oder nidsich gehen, 
bald Schweinen, bald wachsen, je noch dem der Scha- 
den zu- oder ahnemmen soll.' RGwekb 1646. .Wer 
spielet und mit dem Rücken gegen den Mond sitzet, 
der verspiele Alles.' Aniiorn 1674. .Dein Sein [Sinn] 
ist wie der Mohn gericht; was dir z' Nacht g'liebt. 
erleidt dir hinacht.' Wahrsager 1675. Man soll das 
Holz [zu einem Bau] .bei instehend und abnehmendem 
Mond' lallen. 1713, Abscu. Vgl. noch über den Mond 



235 



Man. inen, min, rnon, nanu 



236 



in der Mythologie und im Volksglauben: Birl. 1861, 
186 f. 1 16 f.; Eochh. 1856 I 262 f., II 237. 306; Baurag. 
7; RHassenkamp, der Mond in den Anschauungen der 
Naturvölker 1874; WWack. 1872, 250 f£ — 2. a) als 
Wirtshausschild. Selten. z.B. SOlt. ,N. N., Wirt 
/um halben Mon.'. 1<>53, AaWcU. Klosterarch. — 
b) Bild des Mondes auf Kirchtürmen. ,1488 stackt 
man den steinen mit dem man uf den münsterturn.' 
Edlib. — 3. Schelte: Du MO" : Einfaltspinsel GStdt. 
Verkürzt aus Mö'-GhaTb Bd 111 219. — 4. (meist PI. 
Mon) ringförmiger Fleck, a) Ringe von ausgewasche- 
nen Flecken. Fettropfen usw. an Stuften. Tapeten Aa 
Wohl.; li. Das [Hemd] chasch ämel wäger nimme* 
bräche", 's isch ja ganz karfange; g'sesch, es het ja 
hie in" Mon W d dort eine* B (vRütte). — b) dunkle 
Ringe um die Augen, durch Blutauflauf bewirkt B. 
Schwärzt Man um d' Auge* umme" BBe. Vgl.: Die 
Unholden hätten ,rote Mönli' in den Augen, daran man 
sie erkenne. 1570, L (Turmbuch). — c) rote, blaue 
eder grüne rundliche Flecken in der Haut, bes. im 
Gesicht, in Folge eines Schlages AALeer., St.; Bs (gew. 
blaue' Mön); rote, entzündete Augenlider BsL. ,Der 
dicke, aufgedunsene Kopf mit den roten Mönen. 1 Bkei- 
tenst. — 5. Dim., runde Klammer, Parenthese. .Was 
fanden würt stau zwüschen zwei solchen (..) män- 
linen. sull mit stillerer stimm gelesen werden.' Salat. 
In unserer ä. I.it. yr i 1 1 fast durchweg ,Mön', so noch 1715; 

Salal braucht neben einander ' nnd .tuäu.' .Zum Man(enV, 

Bausname in ZStdt 1357/1504, .zum halben Moou.' 1637. 
Erst 1772 (JCSulz.) begegnet uns ,Mmid.' Von Klexionsfonneu 
notieren wir: ,den monen.' 1336/1446, Z Jahrb., ,des mous.' 
Zwingli, ,des Moues.' HRKebm. 1620, ,des Monden.' vMoos 
1777. Die Form für den (seltenen) PI. schwankt: ,zweu 
monen.' um K.:;i>, Bs. ,Dry mon am hinimel.' Salat. Bei 
Anh. 1674 Sing. ,Mon\ PI. ,Mönd.' — Unsere einsilbigen 
Können sind ans dem Nom. dos mini. mSne, die zweisilbigen 
aus dem Acc. desselben zu erklären. Über den Abfall des n 
und die verschiedene Gestaltung des Voc. vgl. analoge Fälle 
wie -/"", lim, Man, (y')tan : auch h*u\ 11. ä. Auffallen niuss ö 
für ij in MAA., die diesen Lautwandel sonst nicht anerkennen. 

Voll-Män m., in „Z n.": 1. Vollmond, allg. Syn. 
Wädel. Volksglaube: We**-me" Bluemen im V. ver- 
setzt, werde'd-si (/'füllt Z. We"*-me* im Vdllmäne* 
hüratet, sn het-me* ml Strit im Hüs GrD. .Si seien 
im vollen Mon worden, mögend widerheben wie hagen- 
büchin Zaunstecken.' Scuimpfr. 1651. Vgl. Gr., Myth. 
(1854) S. 676. — 2. Vollmondgesicht Tu. 

Das v n. u nach Analogie von Neu, Neumond. Die Zss. 
ist eine lose: ,1m vollmon oder wädel.' 1584, Zcllw., Urk., 
woch elnd mit .im vollen mon oder w.' und so noch heute V.'K 

Finster-: Neumond. Syn. Schwarz-M. .Bim Fy- 
stermond.' B Kai. 1858. — Halb-: Halbmond. 1. halb- 

1 (förmiges Messer der Sattler. Schlichtklinge Tu. 

Vgl. das frz. lunette. -- 2. Rundeinschnitt ob dem Herd 
BsBuus. :!. Vorwerk einer Festung, Lünette. ,Von 
den halben Midien.' JCLav. 1644, ..Monden.' HJÜ7. — 
I. halbmondförmiger Einschnitt auf einem Brücken- 
»fosten als Grenzzeichen? .Auf der Sensenbrücke soll 
vnii der Mitte der halben .Minien [ )( ] oder Ringe an 
die Souveränität der Kantone B und F anheben.' 

1655, Absch. — Herbst-: Herbst n.it . .Merzens und 

Herbstraons GTegenheit.' HRRebh. 1620. — Churz- 
M a 11 o": Februar GrRIi. 

Nüw-Män: Neumond; vgl. Nüw. .Im X. ist gut 
düngen.' L (Ineichen). Drei Tage vor und nach N. 
sät man gern Weizen und Roggen Z. Vgl. Gr., Myth. 



(1854) S. 676. ,Biss auf das neüwmon des eisten 
inonats.' 1531, Z Bib.. = .auf den iieuwnion.' 1548. — 
11 ü w-niö n 1 ich : zur Zeit des Neumonds stattfindend. 
,Pie nüwmönlichen fest und sabbat.' Zwingli. Übei 
das Neutr. Tgl. die Anm. zu Voll- Mön. 

Schwarz- = Mnster-M. GRh. 

halb-mo nacht ig: halbmondförmig. , Her kr um nie 
und halbmonachtige Louf des Rhyns.' Rüegbr 1606. 

liione" ThRom., mö'ne* Th (Pup.); ZRafz: 1. 1111- 
pers. Es mottet si' h , der .Mond ist wieder in gleicher 
Phase wie damals Tu; vgl. jäten,. — 2. tr., eine ge- 
wisse (krumme) Form geben. Er liet-em de* Hurt 
g'hörig g'mämet ZRafz. ,G'mönt', halbmondförmig ge- 
bogen. Als Zeichen der Güte beim Rindvieh weiden 
aufgezählt: .Home on alle böse, arge krümm g'ini'nit.' 
Tierb. 1563. 

ver-möne": durch runde Flecken entstellen. Das 
1'iijnr isch ganz vermönet BsLang. — Zu Man i. 

Mänende" f. D' 31. ha; die Zeit der Trächtig- 
keit erfüllen (von Kühen, Ziegen) BHk., oE. — Zu der 
Bildung vgl. , Gemächende.' 

MänetBHa. (Mäned); GrL., ObS., Pr.; T (Mänot); 
l'w; W (Mannt/: ZKn.f. Mänet BE.j I.E.; ZLiuiin., 
W., Mönet GuUbS.. Mönet AASt; LG.; Tu; ZS., Mü'net 
Glj Gr UVaz, Haldenst. ; GO. — PI. meist ohne I ml, 
— m.: 1. Monat, allg. D'r M. (GO.), d' Mfinelc" (B) 
!ia", die Menses haben. — 2. Mond GrL., ObS. (Mänet, 
dagegen Mönet in Bed. 1); W. Im üfgendw M. 
[schwanger] si« W. — 3. Mönetli ScuSt.. Munetli 
LiWe.. Massliebchen, bellis per. 

Bind. mctii>it. möznet. Aus ;i. I.it.: .maiiod." ThDiess. Stadtr., 
.des manots.' 1413, Bs Urk., ebenso 1531, Strick]., ,Monet' 
neben .Manat.' Salat, , Hauet.' Edlib., aber schon bei Mal. 
.Monat.' S. noch wedemänt. Bod. 2 auch bair. und kärntb. 
Zu 3 vgl. bair. ,Monatb)üeml', tir. ,Honatle.' — Über die 
folg. Zss. (Monatsnamen) s. Gr., Gesch. d. d. Spr. 7S ff.; 
Weinhold 1869; auch die Anm. zu Uorning Bd II 1628. 
Es mag beachtet werden, dass, während im deutschen Reich 
trotz dem gegenwärtig herrschenden Purismus mit Vorliebe 
die lat. Namen beibehalten werden, die Schweiz Ins in die 
neuere Zeit den alten Namen treu geblieben ist. Dass früher 
die Monatsnamen auch für die Benennung von Geschützen 
dienten, zeigt folgende Stelle aus HBull. 157-2. welche zu- 
gleich auch für die schwankende Orthographie, bzw. Aus- 
sprache des Wortes Monat von Interesse ist: ,der Aprel), 
der Mey, der Brächet, der Äugst, der Wynmont, der Winter- 
iiionct, der Wolfnianet.' Z Geschütze, welche löol bei Kappel 
verloren gieugen. Wahrscli. bildeten je 12 Geschütze mit 
den 12 Monatsnamen eine Einheit; vgl. die analoge Benennung 
nach den 12 Aposteln. 

Augst-Monet neben Augstfe") (Bd I 15:3) Tu: /.. 

Herbst-: September, allg. Was der Augste' 
nitd chochet, cha" de r H. iiütl brate" ZS. .In dem 
ersten herbstmanet.' 1334, BFraubr. Urk.; 1409, Ar 
LB. .Erst herbstmant' neben ,h.-manot.' Edlib. .Im 
dritten herpstmanot M!' v . jar.' ebd. S. Herbst Bd 11 
1593. — Herbst-Moneter: im Horbstmonat gewon- 
nener Käse B. .Keinen einzigen Aussehuss hatte der 
exakte Händler unter den Soinnierkäsen finden können 
und auch die H. versprachen kein schlechteres Re- 
sultat.' NVDEGGER 1890. 

Hcu(w)-, in PA1. Hei-monud: Juli. allg. — 
Hcu-Moneter: frühste Kartotfelsorte B. 

Churz-: Februar Gr. D' Mumme leid denn .!//■. 
[am Neujahr Geschenkte] in en grössi Bandzeime H , bis 
d' Chind eilen im i 'hur . mn ml Alls g' schnäblet heind. 



237 



Alan. 



iin'ii, nun. inon. mim 



288 



ScHwzn. (GRPeist). Vgl.: ,A. 1583 am ersten Sonnen- 
tag im kurzen monat.' Ahm-skr 1572/1612. 

Chatze n -Manet: Februar Git ObS. - Vgl. h,,,-»,-,-,,, 

VA II 1687. 

Christ-Monet: Dezeinbor. Betr. Gebräuche in 
diesem Monat vgl. Alt-Jär, Ghlungeren, CMaus, Lös 
Tag. - Lächli-: die Flitterwochen Gl. — MSss-: 
November, weil der Jahrmarkt zu BsStdt in diesen 
Monat lallt Bs. 

Bon-. ,Ani fünften tag bonmanot.' Datum einer 
Urk. vom 5. Juni 1371. LMünster. 

Nach der Blütezeit der (Acker-) Bohnen benannt; bei 
Fischart heisst der Mai .Bonenmonat.' 

Bar-, Bär-: Januar. ,Der erste manod in dem 
jare. der da beisset barmanot.' 1313, Urk. (Gfd). .Bar- 
manot.' UwE. Psalter. .Datum im Bärmonat.' Urk. 
vom 1. Jan. 1343 (Regesten von BBuchsee). .Antonii 
im bärmonat [17. Jan.].' 1415, BKaufbr. ,Ze mitten 
barmenod.' 1436, B Urk. , Bärmonat ze tütsehe, in 
latyn januarius.' 1449, L Urk. 

Gerne würde mau dem , Wolfmonat' einen .Bärenmonat' 
anreihen, allein die Belege mit dem W. ohne Umlaut sind zu 
gut vertreten. Soll bar die aller Vegetation entblösste Erde 
andeuten? Doch s. auch die Anm. zu bar-hämmig Bd II 1271. 
Zu dem Wechsel von a und ä vgl. Bar-Lucke", -Meter neben 
lliir-; Gm» neben Gras. 

Brach-: Juni. allg. Syn. Brächet. Br. nass lärt 
Schüren (Spir, Speicher) und Fass L; Z. De r Nord- 
wind im Bröchmonet wäit Chorn i* 's Land. Sulger. 
.Biachmant.' Edlib. ,Man rechnet vom ersten Brach- 
monat, da der Knab das erste Mal Hosen und das 
Mägden das erste Mal die Schnürbrust angezogen, bis 
wieder zum ersten Br. auch ein Jahr.' Erinnerer 1766. 
Bildl. Das isch Eine'' wie der lang Bröchmonet, von 
einem langen, hagern Menschen S. Er* lange' Brach- 
moned, lange, magere Gestalt Bs; vgl. Brächet. 

Die bildl. RA. entweder, weil im Br. die Tage am läng- 
sten, oder, was wahrscheinlicher, weil die Zeit von Pfingsten 
bis Jakobi, wo die Erntevorräte zur Neige gehen, der .lange 
Brächet' hiess. Zu Urach- vgl. den umgekehrten Fall in 
it. maggese. Brache, cig. Maifeld, von maggio, Mai, weil in 
diesem Monate nach altrömischer Weise das Brachfeld um- 
gebrochen ward, wie diesseits der Alpen im Juni. 

Red-, Reb-: Februar. ,In dem nianot vor merzen 
(redmanode).' F Handfeste. .Fehruarius, der hornung, 
der redmonet.' BFraubr. Jahrzeitb. ,1m rebmonat, im 
merzen und im abereilen.' 1336/1446, Z Chron. .Am 
hind ersten tag rebmant und am ersten tag merzen 
überschoss der Zürichsee.' Edlib. 

Die erstere Schreibung auch 1292/1371, Z Ratsbuch; 
1305, BInterl. Urk.; 1312. Z Urk. ; 1369, B Urk.; 137s, 
fiPfäf. Urk.; UwE. Psalter; .redim.' um U00, ApReimchr.; 
,rebm.' 13S2, ZRichtebr.; 14öfi, L Urk.: Kessl. Das W. 
stellt sich zu ags. hredmbnath, sächs. rhedmanath, März. Diese 
Namen gehen zurück auf ahd. fhiradi, redi, celer, agilis, 
mit Beziehung auf das im Februar und März sich wieder 
regende Leben in Natur und Feldarbeit. Die Schwankung 
in der Schreibung erklärt sich daraus, dass einerseits das 
Etymon dem Sprachbewusstsein abhanden gekommen war. 
anderseits im Sandhi beide Schreibungen gleich berechtigt 
sind. Oli zu der Schreibung mit b der Gedanke an die zu- 
meist im Februar beginnende Arbeit im Weinberge den An- 
stoss gegeben oder mitgewirkt habe, bleibe dahin gestellt, 
weil in diesem Falle eine Änderung des Voc. hätte geschehen 
müssen. 

Mittwoche"-: ein mit Mittwoch, nach dem Volks- 
glauben einem .verworfenen' Tag. beginnender Monat. 



E* Mittwuchcmänet und en Holderboge* und en mit" 
Ma"". wenn die g'räte; so sind -seh' besser als alli 
anderi GrD. Wolf-: Dezember. ,Uf dem vierteln- 
der mannten wynraanet, wintermanet und wolfmanet.' 
1527, Absch. .Wolfmond.' 1528, L (Strickl.). .Ufden 
11. tag des monat decembers ist M. Uelrich Zwingli 
erwelt zum liprister und demnach utf den 31. tag wolf- 
mont bestallet.' Edlib. .Wolfmon.' 1555, Z Kai. ,Nach 
der wienacht oder christtag, das ist nach dem ende 
des wolfmonats.' Fische. 1503. .Wolfsmonat.' 1573, 
Z Urk. .Christmonat, decomber, wirt sunst der wolf- 
monat genannt.' Mal. So noch 1587, Z Katserk. und 
bis 1589 in BSigr. (Ehtagsrodel). ,Von uns Teutschen 
wird der December genennet der W., weil die Wolf 
in diesem Monat allermeist sich merken lassen.' JMüll. 
1665. .Der Dezember sei nicht mehr der Wolfsmonat, 
weil die Wölfe nicht mehr im Christmonat wärffen 
[nach Einführung des gregorianischen Kalenders].' 
Beiträge 1785. Vgl. ,der monat, so von den rüssigen 
[brünstigen] Wölfen genempt.' Ansh. — Wi°-: Oktober. 
Im Wimanet, wä nie" schon entalpeget g'han hed GrPi'. 
Gewitter in diesem Monat deuten auf einen unbe- 
ständigen, nassen Winter. Ineichen ; Sulger. Warme'' 
W., ehalte Homer L (Ineichen). Warmer Regen am 
Ende dieses Monats deutet auf kalten Jenner und 
Hornung. ebd. — Winter-: November. En nassi- 
W. bringt en nasse" Merz. Sulger. .Wie der W., so 
der März.' Ineichen. ,Den wintermanet so soll der 
bach gän in die alhnent.' 1436, ZNiederhasli Otl'n. 
Der läng W., der Januar GrV., wohl mit appellativer 
Auffassung des Wortes; übrigens werden hie und da 
Dezember, Januar und Februar die drei Wintermonate 
(par excellence) genannt. In ä. Zeit war es der De- 
zember; so in UwE. Psalt. und imNekr. AAHermetschw. 

monetli ch Z, -lig Ap; GRh.; S: wie nhd. .Basel 
hatte schon 1541 einen monatlichen Bettag eingeführt 
aus Veranlassung einer Pestseuche.' Frick. Kirehen- 
gebr. 's 31. Ar; S ; Z, 's m. Zug GRh., die Kata- 
menien; vgl. noch Schild 1873. 70. 

Moni, in TuHw. 3tö L 'ni, in PA1. Mini — f.: 
1. Mondphase, auch der Mond selbst PAL Xtic M., 
Neumond, halbi 71/., Vollmond. Z>' M. chinnd hur. 
der Mond kommt her, geht auf. — 2. PI. Menine*, 
Biegungen, Krümmungen PA1. - - 3. Männi, Mond- 
blindheit oder periodische Augenentzündung, zunächst 
von Pferden „Vw;" S. — 4. Laune, Einlall SchSU; 
TiiHw. Syn. Lün. Wenn en d' M. a'ehunnt, macht 
er e" Reis. Du hast Mönene"! sonderbare Einfälle. 

Von einer Gilt. 'Mäni(n), abgeleitet von Man, Mond. 
bzw. vom Vb. matten, niöiieii (s. d.). Zu 1 vgl. frz. lunaison. 

raönig AAFri., Wohl.; Ap; Gr; L; „SciiwMa.;" Th 
(Pup.); ZLunn., mo-ig SchwE., männig Gl; L; Zg; 
ZKn., me'nnig ZZoll.. miVnig SciiStdt, niunnig GlMoII. : 
1. mondähnlich Th (Pup.). — 2. einen Monat alt Gr; 
Z. E" sibe'mönigs Chind. E" dreimönigs Chalb. ,Er 
machet einen drymönigen bestand [Waffenstillstand].' 
Ansh. .Bimensis, zweimönig, semestris, sechsmönig.' 
Fuis. ; Mal. — 3. mondsüchtig, zeitweise geisteskrank 
L; ScawE. .Cerebrosus, vieium habens in cerebro. 
scilicet niönig.' Ebinger 1438. ,Juno was Libero, dem 
bankhart, so g'hass, dass sy in ganz m. and unsinnig 
macht.' Tierb. 15G3. Hiezu wohl: brünstig, von Katzen 
Ar. — 4. a) übelgelaunt Gr.; ScnStdt; „ScnwMa." Syn. 
h'tnig. _ Ist 's Neu oder Wedel, dass der Kerl so niönig 



239 



Man. men, min, mon. lmm 



240 



ist?" ■- b) angetrunken, berauscht AxWc-hlen. — 
5. fleckig; vgl. Man 4. a) von den Augen, bes. von 
Pferden B; L; S. ,Münnig heisst das Pferd, wenn es 
bei jeder Mondsveränderung einige Tage beinahe blind 
wird.' Steinm. 1804. .Einen Staatsgaul meint er von 
den Juden gekauft zu haben. Nun findet der Gaul 
sich biästig und undersätzig, mähnig und stettig.' 
Gotth. .Dämpfig, stättig. mönig' sind nach dem alten 
U LB. Fehler, welche einen Pferdekauf ungültig ma- 
chen. S. Blumer. I!G. 1 468. ,Prouwen monstrum in 
die ougen getan, nimpt die flecken und fei 1 in ougen, 
so sy menig wellend werden.' Zg Arzneib. 1588. .Wann 
ein Ross mönig werden will. Nimm ungelöschten 
Kalch. schüft Wasser daran, lass es sieden. Dis Wasser 
vertribt alle Fleck in Augen.' 1710, ZZoll. Arzneib. 
S. noch fül 3 Bd I 787. — b) = gläsig c (Bd II 647) 
AAFri., Wohl.; Gl (auch teasser-mänig) ; L; Zg; ZKn. 
(auch von Bettigen), Zoll. ; = mölsch (verschieden von 
gläsig) GlMoII. ; L; von Waldbäumen, stockrot L. 
Auch übertr. von .Menschen, faul zur Arbeit L. 

Mhd. mänig und mänig in Bfid. 2 und '6. Dass dem 
Volksbewusstsein der etym. Zshang abhanden gekommen ist, 
beweisen die Formen männig, mennig, lautliche Ausweichungen. 
die sicli schwerlich von Wart ableiten lassen. Die Beziehung 
auf den Mond und seine Einwirkung blickt nicht nur bei 
Bed. 3 und 1. sondern auch bei 5 deutlich durch, zumal 
wenn man bei 5 b noch das Syn. .mondsüchtig' hinzunimmt. 
S. noch ,monig' bei Gr. WH. VI 2513. 

winter-mönig; wintermonatlich, zum November 
gehörend, in den November fallend. De' ivintermönig 
(ic.-münnig ZTagelschw.) Sehne tuet dem Söme we 
ScnSt.; Z. Wenn de'' wintermönnig Sehne in'n Ghrist- 
monei übere" blibt, so giH 's na [noch] SO Seltne uf- 
enand ZZoll. 

w fetter - m ä n i s c li : wetterwendisch . übellaunig 
SraSt. 

M5ni°g f.: 1. (halb)mondförmige Biegung. Win- 
dung AAZein.; ScuKl.; ZPfäff. — 2. auch „Männigi" , 

- Moni 3 Vw. .Mänig', als ein sog. Hauptmangel beim 
Pferde. I. Stadtr. 1706/65. 

Mann B; < iul>., L., Man (neben Mä) GRVal., sonst 
Mä, in TuFr.. llw. Mä, in Gr ObS. Dat. Sg. Meine — 
PI. Männer GrD., L., V., Mc'nncr GrPi-., sonst Manne" 

— m., l'iin. Mainiftl/Ii, Männfdßi. allg., in GrPi\; W 
Mannji, in BO.; W Mandschi, noch stärker dim. Man- 
deli B; l,;\V ; /. Mändelli BHa. ; W, Mandschelli W : 
im Allg. wie nhd. 1. a) männliche Person übh., im 
Gegs. zu Frau (s. d. Bd I 1241). allg.; vgl. Mannen- 
Volch Bd 1 804. Es häd vil Frauen i- der Chille» 

g'ha", aber wenig Manne" Z. .Der Fuhrmann und die 
Mannen im Coupe stiegen aus.' Breitenst. 1860. Der 
.blaue Mann' hiess früher in LStdt der in einen blauen 
Mantel gekleidete und, um späterer Bache zu ent- 
gehen, jedesmal vermummte Vollzieher der Ruten- 
strafe an ungezogenen Schülern; vgl. Liebenau 1881, 
41. Als kosende Anrede, t. schmeichelnd, t. scher- 
zend, bes. in der Dim.-Form und in Zssen; vgl. Vetter-, 
Hansel-, Heiri-M. He, Midi na! Anruf an' einen Mann 
aus einiger Entfernung Aa; Bs; L; 8; Z. und von 
dieser Vocativform aus auch als freie Neubildung 
11s; UM.; „Hauer, den man nicht zu benennen weiss." 
Respek vor so ime* Manno ! Breitenst. (scherzh.); zur 
Form vgl, ö III (Bd 1 22), Hanso Bd II 1470 u. Über 
die Stellung der .Männer im ;i. Recht gegenüber den 

Frauen vgl. Frau Bd I 1243. — b) formelhaft and 



abgeschwächt in gewissen RAA., Mensch übh. /)' Saeh 
im' n M. bringe", einen Käufer, Abnehmer finden L; Tu; 
Z; ähnlich; Sid Mos (Gl), Mäsch (GRPr.), Manns(Z) 
Denke*, soweit ein Mann sich zurück erinnern kann. 
,By mannsdenken war nie so tür g'syn.' 1585, Ardüser. 
Es sind jo wässt kän Ma [Niemand] wie eil Litt dort 
g'si". Scu Gespr. 1838. Über rom Ma [Fuhrmann] 
und die Versteinerung Vundem (Vonder)-Ma für das 
Zugtier selbst s. com Bd I 840; ähnlich: Zuedem-Ma, 
s. zue. .Beim Scheibenschiessen von der Richtung 
der Schüsse: tu" 31., rechts; :um M., links A.\: Bj 
VO; S; Z." -- c) mit Adjj., in abgeblasster, z. T. 
abstr. oder mythologisch-personifizierender Bed. Der 
alt M., der Greis, auch personifiziert: das Greisen- 
alter. Me» brückt der alt M. wie der Arsch (wie der 
Appiz&ler, der im Sommer keine Schuhe trägt) d' 
Selinih, alte Leute werden überflüssig, bei Seite ge- 
stellt. Spkww. 1869. Em Vit isch der alt M. uf 'V» 
Bügge" g'sesse" und het in vor abe° drückt! er isch nc 
Sibsiger worde". BWyss. I" der Juged vergiss der alt 
M. nid L (Ineichen). .Denke an den alten Mann, so 
wirst du nimmer müssig gan.' Mev., Hort. 1692; vgl. 
auch alt Bd I 203. Alte" Ma"", Fruchtstand (Pappus) 
vom Alpen-Buschwindröschen, anemone alp. Ap; vgl. 
lat. senecio. Arme r M., s. arm Bd I 454. ,Ein guter 
M.', Jemand. S Kai. 1709. Guet M. („auch vom weib- 
lichen Geschlecht") si", mache", s. guet Bd II 535; an- 
haben ebd. 900; wozu noch: ,cutem curare, seinem balg 
rat tuen, guet männle sein, guet laben haben.' Fris. ; 
Mal. .Warzue hülfe es dich, ein wenig guet menlin 
mit inen [den Leichtsinnigen] syn und die alleredelste 
zyt verlieren V' TiiPlatt., Briefe; vgl. guet HanscU 
Bd II 1409 und 1 171. De'' ehalt M., die Kälte; s. ehalt 
Bd III 239. Es isch e* ehalte'' 31. über Feld 'gange*, 
der Winter ist gekommen. Sprww. 1869. Ähnlich: 
der wiss M., in der Kindersprache der Schnee Ar. E" 
schwarzer M., die Nacht AALeer. 's hat di c * e" schiear:e r 
M. abblase" zu Jmdm, der sich bei Nacht im Gesicht 
erkältet hat AaWoIiI. f E" b()se r M., ein scharfer 
Wind AALeer. — d) als zweiter Bestandteil in Zss. 
a) bei Appellativen als Träger der Beziehung oder 
Bestimmung, welche das erste Glied ausdrückt. In 
sehr vielen Fällen der Sg. zum PI. -Litt (s. d.). Milch-, 
Chorli-, Bürste-, Bese*-, Sand-M. usw.. der betr. Ver- 
käufer, Händler. Zins-M., Zinser; Stür-M., Steuer - 
einzieher (verschieden von Sturme, Steuermann). Of 
ist dieses -Mann, doch nur, wenn das 1. Glied ein- 
silbig und die Zss. eine alte ist, zum tonlosen Suffixe 
-tih zsgeschrumpft; ein ähnlicher Vorgang wie bei 
-voll, -fuess, -bäum, -statt, -teil, -u-erch u.a.; z.B.: 
Amme*, Ainmann; Fuermi ; Hüsme, Sg. zu Hüslüt; 
Ultimi', Schiffme, Spilme u. a. Ein Teil solcher Ap- 
pellativa hat sich nur noch in Geschlechtsnamen er- 
halten, wie z. B. Win-mann ; s. die Zssen und die folg. 
Abteilung. — ß) in Personen-, bes. Geschlechtsnamen, 
wo bei einsilbigem 1. Gliede immer -nie gesprochen 
wird, häufig den frühem An- oder Bewohner einer 
Lokalität bezeichnend und dann syn. mit den damit 
parallel gehenden Familiennamen auf -er von gleichem 
Etymon oder mit den durch Präpositionen mit Orts- 
namen gebildeten Namen: Aseh-m., Guhcl-m., GaSS-m., 
Ilnf-ni., Loch-m , Büel-m., Boll-m., Berg-tn., Stock-m., 
Stadel-m., Täl-m., Wile-m., Wis-m. neben Escher, 
(hitiler usw.; Baeh-m. neben Mar-, Brugg-, Stett- 
bacher; \\'e<i-in.. vgl. Her-, Holen-weger. Im J. 1565 



241 



Man. in. 'ii, min. mon, mun 



'i 



erscheint .'in Berner mit .lern Namen ,Hans Solatur- 
nianir: vgl. hiczu noch Hinder-, Nider-m. .A colle 
[bei Gundelingen L] mei majores nomen adepti sunt, 
ut dicantnr Zum Büel vel Am Büel ?el Büelmanni. 
Nam liis nominibus ho. He [um 1560] indifferenter no- 
minantnr.' Vita Rod. ,Collini' in .Mise. Tig. Vom Beruf 
her sind genommen Namen wie Acher-m., BW-m. = 
Bin-. Bauer, Flachs-m. u.a.; dem alten Rechtsleben 
gehören an Eigen-m., Leibeigener, Fri-m., Freier. Die 
Konfession bezeichnet Jud-in. Ein Jude, Judmann 
genannt, lebte Ende des XI V. in Sen. Wie leicht 
dieses -mann sich anhängte, beweist folgende Stelle: 
.Iten Öchenmannin [Dat.], Ruedolf Öchens, des metz- 
gers, elidier wirtiu [eine geb. Ita von Cham].' 1438, 
/ Urk. So winde es. gleichs. als Exponent des männ- 
lichen Individuums übh.. auch an Taiifnamen gebangt, 
die dann wieder Geschlechtsnamen werden konnten: 
Uel-m., Ulrich (Bd I 183); .Ueliman üchsner.' 1652, S.u 
Ratsb. ; Hansen-, Hansel-m., Hans; Heini-, Hei(n)z-m., 
Heinrich; Gall-m., Gallus ; Kuenz-m., Konrad; Peter-m., 
Peter; Ruetsch-m., Rudolf; Ritz-m., Moriz. Der Fa- 
milienname .Thomamr ist aus Thomas, gespr. Thoma, 
durch Anlehnung an Mann entstanden. Zum An- 
denken an ihren Sieg über die Savoyer bei Visp am 
S. Thomastag 13S8 feierten die Oberwalliser Jahr- 
hunderte lang diesen Tag und gaben ihm den Namen 
.Mannen-Mittwoelr, weil jedesmal am Mittwoch nach 
S. Thomas gefeiert. — 2. der Mann im prägnanten S., 
nach seinen Eigenschaften der physischen und gei- 
stigen Kraft, des Mutes, der Ehre; Ant. Bueb. Asie 
hat 's im''' Manna gige", ehemals hat es noch «ackere 
Männer gegeben. Das sind andri Manna g'si" W. 
Ja, du bist nu ch en Ma! Du bisi en Burst! Stutz 
(ironisch). Du wärist c" rechte 1 Ma, wenn d' um- 
änderst tiitist L (Ineichen). .Der Eid gieng nicht vor 
sich; es legten sieh Mannen dazwischen. Das ist ein 
ganz eigen Wort: d' Manne" haben gesagt, dem Spiel 
ein Ende gemacht. D' Manne", das sind nicht die Er- 
wachsenen, nicht die, welche Weiber haben oder gar 
Gemeinderäte sind oder auch Neutäufer mii Harten. 
D' Manne können Gemeinderäte sein [usw.], das ist 
gleichgültig, aber drei Dinge dürfen nicht fehlen: ein 
weiser Rat, ein festes Wort und saubere Finger.' 
Gotth. ; vgl. noch ebd. Erz. und B. 3, 215. .Mannen' 
schickt man auch als Vermittler, Unterhändler an den 
Beleidiger B; s. Gotth., Vehfr. S. 270 f. und vgl. An- 
schicks-Mann. I ch inues' M. si", das' i' h guet hei m 
chwnme*, ich darf mir nicht zu viel Wein einschenken 
lassen (kann auch eine Frauensperson sagen) Z. I ch 
,,/,„„„ e n Di IU j nud grad b'halte" ; aber wenn i ch 's im 
Chopf inne" ha", so hau i ch 's; i r '' bi" M. denn. Wolf. 
Bauerngespr. .Bis du nun der mann [wage es] und 
kumm [nach Zürich].' Zwingli an Eck. (Der) 31. für 
(auch um, zue Ar) Öppis si", einer Sache gewachsen 
sein, auch dafür gut stehen (auch von weibl. Personen) 
Ac; G; Tu. Es ij'ri'itt di ch nüd : dei bin-i c * M. derfür 
Ar (AHaider). 3Ia""s g'nueg zu Etw. sein, stark genug 
sein, um Etw. zu leisten Aa; L; G; Th; Zg; Z; bes. lieg. 
nüd M-s g'n. s. , Ulysses ist vil schäder g'west dein 
feind, dann des Ajacis zehen seind. Zue seiner stärk 
ist er manns g'nueg.' GGotth. 1599. ,Und vermeint. 
ietz allen Nationen Manns g'nug zu sein.' RCysat. 
Züricher und Bärner weräen-a [ihnen, den Feinden] 
notta" no' h Ma""s g'nueg si". Göldi 1712. ,N. ist der 
Schuel nit Manns g'nug, sollte sich nach Hülf um- 

Schweiz. Idiotikon IV. 



sehen.' 1751, Z OGlatt. Vil Manns, geschickt, ge- 
wandt; wenig Manns Sciiw;Zg. Davon abgeleitet ein 
Adj. vil-, wenig-mannsig. Eim .' M. si", Einem über- 
legen sein, physisch und geistig VO. Mä* seit, dem 
Tifel sig gar Meiner z' M. ErzXbli r 1856. /■''' bin-em 
.'31., z' esse", vermag mehr zu essen als er Ndw. 
.Wie Josephus mit dem Hebräischen bei den Römern 
nicht wol angekommen wäre, als., war ihm dargegen 
das Lateinische zu Mann [zu schwer].' JBOtt 1736. 
Z? 31. werde", Meister werden, überwältigen BSa.; 
Gr; Schw; Uw; U. Es teüril ('s) nur :' 31., es wind.' 
mir über den Kopf wachsen Gr. .Mann zur Frau: 
l ch fürchte" nur, es [das Stillen] chönnte d'r z' M. 
werden [dich zu stark angreifen J uf d' Lengi GrPi\ 
(Sebwzd.); vgl.: Si [die Welsehen] UgiH ati und 
schnurrid [schnarchen] bald de" Dütsche" .:' .1/.. über- 
treffen die Deutschen. Zg Kai. 1872 (L). .Hill, hilf 
mir. sust wird er mir z' man.' Com. Beati. Vgl. noch 
das syn. her Bd II 1520 und bei (ir. WB. VI 1562: 
.zu vil Mannes sein', über den Kopf wachsen. - 
:;. Ehemann; verheirateter Mann, im Gegs. zum ledi- 
gen Burschen (Chnab, Kerli. Bueb) Aa; Tu; Z. Im 
Oberdorf sind alli Wiher Meister, im l/iidenlnr/ In" 
M. AaWoIiI.; doch nicht immer so glatt weg, denn: 
Wenn Einen e" brave' 31. will si", so schlöt-er der 
Emu der Buggel l" S (Schild). .All ihre Lebtage 
bloss Buben zu heissen und zu bleiben, wenn sie es 
nicht vorzögen, durch den Prozess einer Heirat in 
Mannlein (s. auch (3 b) sich umzuwandeln.' ABitter 
1864. .Das Wettschiessen, an welchem die Buebc" 
gegen die Manne" zu wettkämpfen haben.' Mader 
1871. Vgl. Frau 2 Bd I 1243 und geb. ebd. 67. ,Swer 
syne tochter git ze manne.' um 1305, Gl Drk. .Ftlieh 
frowen giengend uss dem kloster, nament mannen.' 
1525, Bossh., Chr. — 4. der Hausherr gegenüber den 
Dienstleuten SchScIiI. f. jetzt von ,Herr verdrängt. 
Syn. er. Meister, Bier. — 5. Untertan. Vasall. Eigen- 
mann. .Die spenne seien vor die man ze wysen.' 1423, 
L Urk. (Seg., RG. I 120). ,Es soll fürohin des bann. 
<les mann on alle nachfolgung der [Leib-] eigensehalt 
gehalten werden.' 1527. Abscii. IV 1 a. 1172. — 6. was 
die Gestalt eines Mannes hat, sei es in Wirklichkeit 
oder bloss vorgestellt, a) der Mann als Popanz. De' 
31. nimmt di rh ! Z (Dan.). Der bös 31. chunnt! SchwK., 
Schreckruf an Kinder; vgl. ,der Mann, der unter dem 
Herzen liegt und anstatt 1000 Zeugen ist [das Ge- 
wissen].' Lacffer, Beitr. De fürig, brünnig 31., s. 
Brenni-M. De schwarz 3Iä [eig. der Teufel oder eher 
der Tod, der zu seinem Reigen holt. In den Toten- 
tänzen sagt das Kind: .Ein schwarzer M. zieht mich 
dahin'], beim Spiele schiearze" 31. jage" Aa; B, mache" 
B; Z, wobei ein Einzelner als schwarzer M. aus einiger 
Entfernung der ihm gegenüber stehenden Schar zu- 
ruft: Fürehed-er de" seine. 31. nüd? dann, auf die 
Antwort: Nei" ! auf sie zurennt und Einzelne mit je 
drei Schlägen zu seinen Gefangenen macht, die ihm 
wieder fangen helfen. Was machet-dir [ihr], wenn die 
schwarze" Manne" chöm ine"? Usrissen und flieh! Bari 
1S85. Wüder 31., s. Wild-Mann. — b) Vogelscheuche 
Z. .l/<" miuss en M. uf de" Chrieshaiim iife" tue", sust 
ncmme'd d' Chräje" Alls. — c) en tötC 3[., ein Skelett 
Ap. — d) a) Gebäck, Kuchen in Form eines Mannes 
Aa; Bs; vgl. Frau Bd I 1213. ,4 Männer [s. Pasteten- 
Mann] den Kindern 4 Schill.' 1834, Z Ilausb. In 
Winterthur erhielten die Patenkinder zur sog. Letzi 

IC 



S43 



Man, 



1II0II. III I II . 111011, lllllli 



424 



die Mädchen einen M., die Knaben eine Frau, l'/a — 2' 
hohe Figuren, in der Tracht des 17. Jhdts auf Gueteli- 
eprägt. — ß) alte' 31., eine Speise aus Teig, 
mit Käse in Butter gebacken Gr ObS.; aus Käse, Brot 
und Butter bereiteter Kuchen Ai>, viel), so benannt, 
weil wegen ihrer Weichheit für alte, zahnlose Leute 
bes. passend; vgl. Bed. 1 c. Ähnlich: .armer M.', s. 
arm Bd 1 455. Vgl. Bettler-Bueb. — e) Name von 
Bergen, wie Frau (s. d. Bd I 1244), so des Matter- 
horns W; der alt M., Berggipfel am Säntis Ap; die 
Mannen, Gruppe von Felskuppen, riesigen Steinmän- 
nern ähnlich, bei Gi/Elm; Hardermann, grosser, einem 
Mannskopf ähnlicher Felsen am .Härder- ob Inter- 
laken. — 7. das Dim. (von Menschen vorwiegend 
Mandli, von Tieren Mändli) in besonderer Anwen- 
dung, a) als kosende Anrede, ohne dim. S., entspre- 
chend Fraueli. Guete* 'J'ai/, mi*s Mannji! GitPr. 
Mandschi, Kosewort für den Sohn BHerz. — b) em- 
phatisch von einem körperlich kleinen, aber an Geist 
oder Charakter bedeutenden Manne. Das ist im' 1 ' 
[noch] es Mandli! Bs; Z; vgl. für Sefb will ich iio ch 
's Mandh si", das strich ich dene* Here* i". Feurek. 
's isch en a'schickligs Mannli, ein geschickter .Mann 
Bs. .I'abst Hiltprand, ein vergeitig, listig und rach- 
girig mandli.' Vau. - c) a) Familienvater mit ge- 
ringem Landbesitz, Kleinbauer Aa; B; ZU. ; oft mit 
dem Zusatz arm, chlin. .l>io ultramontane Partei im 
Aa stützt sich wesentlich auf die ärmere Bevölke- 
rungen, die sich selbst Manli betiteln.' (Hunz.). Ir 
söttet-ech schämt ", wie d' Budle", dass-er en arms Mändli 
zum Spile" verfüere'd! Gl Gespr. 1834. ,Die gehen 
[vom Jahrmarkte] heim, welche mit einem halben 
Schoppen vorlieb nehmen, Anken. Garn verkauft haben 
oder sonst Etwas. Ziegen. Schafe, Schweine gekauft, 
die sog. Mannlein und die Hausmutteni, die sich nicht 
gerne lange säumen und doch noch Etwas möchten, 
ehe sie heim ans dünne Kaffee müssen.' Gotth.; s. noch 
gelten Bd II 277. — ß) Verheirateter im Gegs. zum 
.Ledigen' Ndw. ,Im Spätherbst wurde gewöhnlich ein 
Grümpelschiesset, verbunden mit einem Wettkampf 
zwischen den Mandli und Ledigen, veranstaltet.' Ndw 
Kai. 1896. — d) Figur eines .Männchens, a) im Ge- 
birge Steinhaufen, welche als Wegweiser dienen; Syn. 
Stein-Mannli, Hirt Bd II 1647. — ß) = First- Joggeli 
(Bd III 26 u.) AAMettau. — y) Backwerk für Kinder W 
(Mannji). Figuren mit feiner Mandelfüllung, zurNeu- 
jahrszeii gebräuchlich G. — d) Zauberfigur (viell. aus 
Holunder; vgl. Lüt, Sag. 223). ,Hab sy [die Hexe] 
helfen mit anderen bösen Wyberen ein Wetter machen 
durch die Mendly.' 1603, Ar Malefizb. — e) Hahn an 
der Flinte, mit Lunte st. Feuerstein; Syn. Männli- 
Schloss. Den Reitern ist ein langes Bohr vorgeschrie- 
ben ,mit Füwrschloss oder Manli oder je beiden Mittlen 
zugleich verseilen.' 1614, B Verordn. (vRodt 1831, 70). 
- e) Mändli, das Männchen von Tieren im tiegs. 
zum Wibli. allg. Vom Kater GRh. In Zss. Amsic-, 
Firike*-M. udgl. Vgl. Frau 3 (Bd I 1244) und dazu: 
,In die arch alls tuon, je par und par von allen tieren, 
's mäniiliii und 's fröwlin.' Ruef 1550. Übertr. a) auf 
Pflanzen, z. II. Weiden. Pappeln; auch beiden Spazier- 
stöcken aus Meerrohr nennt das Volk diejenigen mit 
längslaufender Kante Mändli '/,. Mannli und Wibli, 
ein Pärchen zsgewachsener Wurzeln von Allermanns- 
harnisch, welche den Kindern um den Hals gehängt 
werden G. — ß) auf Sachen. 1) der Ilafthaken, welcher 



heim Häftii (s. Haft Bd 11 1053) in die Ose (Wibli) 

eingreift Aa; BsStdt; „BO.;" Gl; „LE.;" W. — 
2) Schlussglied einer Kette, welches in dasjenige einer 
andern eingreift L (Ineichen). — 3) = Chamben 10 
(s. Bd 111 297). — 4) Schleife am Peitschenstock, in 
welche die Schlinge eingehängt und befestigt wird 
Aa; ZW. — f) 's M. (Ap; Bs; L; GT.j Sch; Schw; 
S ; Tu; UwE.; U; W). es M. (Gl; Ndw; Zi mache', 
a.) von Hunden. Kaninchen, Hasen. Wieseln, sich aut 
ilie Hinterbeine stellen. aaÜO. Die Hase" chömme* us 
allen Egge* z' springe' und mache 's Mannli. BWvss 
1863. S. auch gaulen Bd II 207. En samt? Leu, der 
vor siiu Wibli 's Mandli macht und diu das Fräiüi 
a* der Chette* füert [Wappen von Frauenfeld]. Schwzd. 
— ß) bildl. von Menschen. 1) sich in Positur, zur 
Wehr setzen, zeigen, dass man sich nicht einschüch- 
tern lasse Bs; L; Sch; Th; W; vgl. das schriftd. syn. 
.sich auf die Hinterbeine (-füsse) stellen.' Du muost 
oich d's ^[tln>lji machu" W. Auch: sich ermannen. 
.Her Präsident sagte ermunternd zu Jakob: No, na, 
Vetter, mach 's Mannli, nimm de* Wurm [die arme 
Waise] uff Scb Pilger 1894. Auch im PI.: M. mache", 
sich sperren Z. 's macht no ch Mänge'' [Mancher] 
Mändli, cha"" si eh schier nid dri" enß 1 "*. Häfl. 1813; 
vgl. Eppem d's Mannli ä'chünte*, Jmdn ernstlich zur 
Rede stellen, z. B. der Käufer eines Stückes Vieh den 
Verkäufer wegen eines Währschaftsmangels BR. Dazu : 
„Es steigt dem Peter, seiner Frau, oft das M.. d. h. 
der Peter, seine Frau, werden oft zornig, allg." — 

2) so vorteilhaft als möglich erscheinen wollen, sich 
über sein ökonomisches Vermögen hinaus einen gross- 
artigen Anstrich geben, gross tun GT.; SchwNuoI. ; 
ZWthnr (PI., M. machen); sich Etw. einbilden Bs. 
Vgl.": ,War doch das wieder eine erwünschte Gelegen- 
heit, das M. [den .Herrn'] zu zeigen.' Breitenst. — 

3) höflich, schön tun Th; U; Z um Wthur (PL). — 

4) (auch PI.) Vorspiegelung, Vorwand; Ausflucht Z. 
Mach-mer au'* kei* M.l ,Was macht ihr mit dem 
Schuldentrieb und andern Plänen 's Mändli.' L Nachr. 
1865. Vgl.: ,Ein blosses Mändli und Einbildung.' 
JKHofmstr 1744; s. noch itei Bd I 602 und vgl. Mach- 
Männli. — g) Eigenname von Tieren. 1) Manndli in., 
der Herdestier SchwE. — 2) Mändli n., für Pferde 
ScuSt.; Z. — 3) Hundename: .Mannli.' 15(il. '/.. 

Auiliil. man(n), VI. man und mannen; erst spat mini. 
menner. Bei uns ist .Männer', mit Ausnahme von (ir, der 
lebenden Volksspr. ganz fremd, doch im Kriegsexerzitium für 
Uri 1785 stehender Ausdruck für die gemeinen Soldaten. Die 
ältere PI. -Form ist auch in unserer Lit. stark vertreten. 
.Zw. ,u mann.' 1530, Apostelgesch. ,Ireu eignen mannen 
gehorsam. 1 15)11/48, Tit.; dafür: ,Männeren.' 1683. ,Die 
mann.' Gualth. 1559. ,Die wyber überredend sich vi] meer 
dann die mannen.' LLav. 1669; dafür: .Männer.' 1670. .Hie 
mannen.' 1595, ThPlatter und so noch hei JJHott. 1666. 
Zu 7 f a vgl. Jümpferli und it. donnola, Wiesel. Die Be- 
deutungsverschiedenheiten in 7 f ß erklären sich so. dass 
lud II das Bild von dem Tiere hergenommen ist, das sich. 
wie Bären, Hunde u. a., angegriffen oder gereizt, aufrichtet 
und zur Wehre setzt, hei 2) und den folg. aber ist au ab- 
gerichtete Tiere zu denken, welche zur Ergötzung der Zu- 
schauer diese Leistung zeigen und damit gleichs. gross oder 
schön tun. Bed. 7 eß II auch hnir. Bei den nun folgenden 
Zss. vgl. in vielen Fallen auch die entsprechenden mit -Iran, 
-Herr, -l.itt, -Mensch, -Meister. 

E-Mann: 1. Ehemann, Gatte, allg., doch nicht 
recht volkstümlich. — 2. rechtlicher Mann. ,Die 
Richter sollen, wo ihrer zu wenig seind, die Ge- 



2 1 5 



Man, nii'ii. min. nioii. niiui 






schworenen oder andere ohnparteiische Ehemänner, 
welche die Güter wohl verstehen, zu sich nemmen.' 
17'iT. Bs Kq. — Über die Berührung von E mit Er vgl. 
die Ainii. zu E Bd I T. 

Ob-: 1. „Schiedsrichter <ut; oder Präsident bei 
schiedsrichterlichen oder andern Collegicn, Gemeinde- 
versammlungen B." .Der erste Gemeindebeamte als 
direkter, erster Subaltern des Landvogts.' An. Habk. 
,Die Zwölfer [Stadtbehörde in AaBi\] bestanden aus 
zwölf Männern, deren erster den Namen 0. trug.' Aa 
Gem. S. noch zerfallen Bd 1 758. .Gott nimmt sich 
selb der sach [des Hiob] an und tuot als ein o. den 
ausspruch.' LLav. 1582. — 2. „Vorsteher einer Hand- 
werksgesellschaft, Zunft Zf; jetzt noch derjenige 
von Schiessvereinen Z; vgl. Schützen-, Zunft-Meister. 
— 3. ,0. gemeiner Klöster'. Verwalter aller säkulari- 
sierten Klostergüter seit der Reformation, der seinen 
Sitz im Obmann-Amt (s. Bd I 245) hatte Zf; vgl. 
Simmler, Reg. 1722, 482; Vög.-Nüsch. I 595. — 
4. Meister, in der BA.: Er hat sin Obme* g'funde* 

ScnSt. (Sulger). — Mhd. obeman in Bed. I. 

Ober- = Ob -Mann 1. ,Unt nam ietweder teil 
willeklich ein schideman ze dirre sache unt mit ir 
willen, da gaben wir ein von dem rate dar zeim o.' 
1310, Z Urk. (Staatsarch.). ,0b sach wer, dass solich 
richter sich nit mochten vereinigen, so soll einer von 
gehell beider partyen, der ein o. [frz. Text surarbitre] 
sv. geweit werden, der in den stucken, do si sich nit 
vereinigen mögen, ein mers mache.' 1175, Bs Chr. 

Acher-: 1. a) der pflügende Bauer Z. Es Stuck 
Brod vir für en A. ZZoll.f .Der A. ist auf das fol- 
gende Jahr reich.' ScuSt. (Sulger); vgl. ,der Säemann 
sät auf Hoffnung.' — h) Bflüger, der dem ärmern 
Landbesitzer sein Feld bestellt ZWald. — c) Ge- 
schlechtsn. Th. ,Hans Ackermann.' 1503, BsPratt. 
Früher auch in G; Sch; Ndw, z. T. viell. zu erklären 
nach Mann 1 d ß, vgl. .Paulus Enentachers.' 1478, 
Ndw Urk. — 2. A.-Männli, Odermennig, agr. eup. 
ÄAWohlenschw. — 3. eine Art Latwerge. ,Ackerm. 
ist auch ein eonfect und Latwergen.' Mal. .Die Wurzel 
der gelben Speckgilgen (acorus adulterinus) wird zur 
Arznei gebrauchet und eine kostliche Latwergen, A. 
genennet, daraus zubereitet.' HEEscher 1092. 

Mhd. ackerman in Bed. 1 a. Bed. 2 scheint volksetym. 
Umdeutung aus ,agri-monia', welche sich auf die Wahr- 
nehmung stützen konnte, dass die Pflanze lies, gern an Acker- 
wegen wachst. 3 dürfte auf dem tat. aeorns fassen. 

Eichle"-: angeblich im Walde hausender, ge- 
spenstischer Mann, mit dem man die Kinder vom Be- 
treten des Waldes abschreckt Tu. Brumme wie-n-en 
Ächlc-Mü", von einem unwillig Brummenden. - 
Edel-: Offizier (weil gewöhnlich vom Adel). , Einer 
jeden Batterei solle auch ein E. vom Geschütz zuge- 
ordnet werden, ohne welches Geheiss die Constabler 
nicht schiessen dörfcn.' HCLav. 1644; 1667. 

Oder-Mändli: Odermennig, agr. eup. Aa; Bs; S; 
vgl. Agermönli Bd I 127. Syn. Männli-Chrut. 

Eine Angabe .Zauhcnvuiz'. ans 3, lässt deutlich die per- 
sonifizierende Bed. des zweiten Teiles in der Volksphantasie 
durchblicken. Rätselhaft und viell. anders zu deuten ist 
.Adermännli' in: ,[Ein Marchstein] steht am Port unter dem 
A.' 17s::. ßlnr, Roggw. 

.. A ffs-Männlein: zornmütiger, höchst empfind- 
licher Mensch GrA." — -a nach Analogie anderer Com- 
posita; vgl. Äff Bd I 99. 



Ofen-Mann = Hvs-Fürer Bd 1 950. ,1318 wird 
das Ofenhaus bei Gundoltsbrnnnen verliehen an Hein- 
rich den 0.' Bs XIV. S. 85 Anm. 

E igen-: Höriger, ä. Ln. Auch Geschlechtsn. Th; Z. 

- E igen mann schaft: Hörigkeit. .Die e. von im tuen 

und sieli in freiheit setzen, exuere servitutom.' M u,. 

, Alraun-Männlin, mandragoras mas.' KdGessn. 
15 12. Vgl. Murin 7 e ol. 

Elgger-Ma"": aus mehr oder weniger feinem 
Brotfeig gehackenes. mit Augen aus Waehholderbeeren 
versehenes Männchen (zuweilen bis auf 2' hoch ZFlurl.) 
mit gespreizten Beinen, als St Niklausgal ler auf Neu- 
jahr S.-iiSf . ; uTii: ZSth., um Wthurf. In TiiFr.; ZO. 
auch auf .Märkten feilgeboten. Sie wurden bisweilen 
durch ein an den Rücken gestemmtes, abgestelltes 
Schwefelholz aufrecht gestellt, daher die IIA.: Du stä" 
wie ru h'.. verdutzt dastehen; vgl. Öl-Giit:. Am Neujar 
bringt-mer de Samechlaus en Simmering, Wähen und 
gross Birr", en E. und es Name"büechli und icissi und 
bruni Dvrggeli. Stctz. .Was ich denn nur davon ver- 
stehen könnte, der ich noch nicht grösser sei als ein 
Elggermannli.' JSENN 1888. — Benaunt von der urspr. 
Herkunft, dem Z Orte Elgg, wie Steiner-Gigen von SchSt. 

Alpe"-: Älpler PA1. 

Alt-: 1. alter Mann, Greis. So neben dem Miesch- 
und BlätzU-Ma" eine der Gestalten bei den frühem 
Umzügen in BStdt, wahrsch. eine Greisengestalt mit 
langem, weissem Bart. Vgl. ,Altman', alter, weiser 
Mann. Morgant 1530. Als Personenn. .Altman de 
Batemaringa.' 1091, Sch Urk. (Rüeger). Vormals auch 
Geschlechtsn. in AAZof. ; Gl. — 2. Name eines Tei- 
ches am Freudenberg hei GStdt. — Vgl. die syn. syn- 
taktische Verbindung alte r .1/.."" unter Wann 1 e und 6 d. 

Amm-Mann Amme", PI. Ämme* AALeugg; (neben 
Ammänner); Ar, sonst wie Sg. : Beamter. 1. Gemeinde- 
vorsteher, .Dorfschulze'; auch Vorsteher eines Fleckens 
Aa ; BM. (früher direkt unter dem Lancfoogt stehend; 
vgl. Under-VogtJ; F; Gr (auch Dorf-, Gemeinds-A.) ; 
G; S. Syn. Vogt; Kaßg (vgl. Tsch. 103); President; 
churw. mastrel. I" dem Dorf isch gitet A. z' si"; es 
si"' all z'sämme" glich guet (iron. .-t. schlecht). Schild. 
Das ist dem liebe" Gott bekannt und dem A. z' Muele" 
[der ein sehr einhildischer Mann war] G. Wenn, e" 
grössere Chue im Dorf g'si" war, war si A. worde" S; 
vgl. Gemeind-Bat. En Süstall (e* Su. Sclger) und 
en A. b'halted (alliwil) de" Name", geringschätzige 
Taxierung des Amraanntitels G; ScnSt. Vgl. noch 
E-Gaumer Bd 11 304, Hunig ebd. 1307. 'Butzt wie 
d's Ammes Tächter [Tochter], ve)in si z' Märit geit. B 
Hist. Kai. 1777. .Den Ammen, Räten und ganzen Ge- 
meinden [in GT.].' Inpormatio 1713, nach einer Urk. 
von 1437. ,Die niedern Gerichte [in GT] wurden von 
dem Stifte von jeher durch die Ammänner verwaltet.' 
1797. G. Obertr. : Vorsteher des sog. Knabengerichtes, 
d. i. des Gerichtes der erwachsenen Burschen Gr ObS.f; 
vgl. B. IV, 38. — 2. verk. st. Land-A. (s. d.) Gr; in 
UwE. st. Tal-A. Der erst.' Vorsteher der ehemals 
selbstherrlichen Hochgerichte in Gr; im Domleschg 
Landvogt, in den it. Tälern podestä. Landesoberhaupt 
in den Kantonen mit Landsgemeinden Ap; Gl; Schw; 
Uw; U; Zg, welche Verkürzung in den Urkunden des 
I3./16. Jhdts häutig (z. B. ,B. Schüpfer, A. von Ure.' 
1275, Urk.; L567, Ndw LB.; vgl: ,N. N., altaman.' 
1478, Ndw Urk.). Nach Leu, Lex. I 191 zu seiner 



Man, inen, min. iiiini. iiiuii 



248 



Zeil (IT 17) nur noch in Zg gebräuchlich, während an 
den andern Orten die volle Bezeichnung galt. .Kr 
sei der A. und des Tages Haupt.' Schiller (nach Ä.G. 
Tschudi). .Auch die March Schw [welche früher ein 
- ,Land' bildete] hatte ihren A.. Statthalter, 
Seckelmeister, Bau- und Zeugherr.' Steinaier lsiil. 
— -k Vertreter des Grundherrn, z. B. eines Klosters. 
Stiftes zum Bezug der Grundzinse, Gefälle, z. T. auch 
zur Verwaltung der niedern Gerichtsbarkeit. Einen 
solchen Beamten als Einzüger des Zehntens usw. hatte 
z. B. das Kloster Einsiedeln in ZErl., Mann.. Stäfa bis 
um 1830, wovon der Zuname 's Amme's den betr. 
Familien bis in die neueste Zeit geblieben ist; ähn- 
lieh das Stift G im Bheintal. .Her Hans Waldman. 
amen im hof des gottshus Einsidlen.' Edlib. ,Der 
grichtsäman oder undervögten [die das Stift G über 
seine Gotteshausleute setzte] halb, wie denn die by 
iren herren und obern und in iren landschaften ge- 
wonlich genempt werdend, dass durch die wort vögt 
oder grichtsäman anders nit - 1 > 1 1 verstanden »erden. 
dann die grichtsäman [Ausüber der niedern Gerichts- 
barkeit].- 1529, Absch. Wie ilie Grundherren anstatt 
der mächtig und unabhängig gewordenen .Meier' und 
.Keller' schon seit Mitte des XIII. für beide Be- 
amtungen einen einheitlichen, von ihnen mehr ab- 
hängigen und geringer besoldeten Ammaiin (.minister 1 , 
vgl. das entspr. rom. mestrdl aus mmisterialisj er- 
nannten, darüber vgl. Bluiner, KG. I 68 f. 238. 306; 
Bluntschli, RG. 1 248; Seg., RG. 1 84 f. 364. 524; 
II 231 f. Ammann hiess in der Regel auch der Ver- 
treter und Verwalter der in der Vogtei (der alten 
Zentgrafschaft) gelegenen Gerichtsbarkeit, woraus das 
Amt der Landammänner sich entwickelte. Darüber 
Blumer. RG. 1 120 f.; Bluntschli. Gesch. des B.-R. I 28; 
Gfd XXVI 7 f.; XXVIII 221 f.; Gl Gem. 182. Auch in 
Gr treten die Ammänner schon im XIII. in der dop- 
pelten Eigenschaft als Richter und als Verwalter auf; 
seil der 2. Hälfte des XIV. aber auch in unfreien Ge- 
richtsgemeinden, wo sie urspr. nur die Verwaltung 
der (aiter der Nutzungsgenossenschaften gehabt hatten, 
nun aber von den Gerichtsherren die niedere Judikatur 
erhielten, da sie anspruchsloser als die Vögte und 
unter der Bevölkerung sesshaft, daher ihr genehmer 
waren. .Nach Planta 1 w v 1 . -_'u7. In eigentümlicher 
Form erhielt sich die alte Ammannswürde bis ins 
vorige .Unit in Luzern. ,Es haben die jungen Burger 
im liebrauch, jeden St Johannistag [d. h. sowohl im 
Sommer als zu Weihnachten, wo die periodische Er- 
neuerung der Räte stattfand] aus der Gemeind einen 
zu einem A. zu erwehlen, der etwas Spottwürdiges 
begangen, und solle das geschehen zu einer Gedächt- 
nuss als vor Zeiten das < Hostel' , im Hol'- noch grossen 
Gewali und seine Jurisdiktion in der Stadt und im 
liat gehabt, aus den Burgern einen A. genommen. 
welcher von des Clusters wegen im 1,'at und Gericht 

seinen - lerbaren Befehl gehabt. 1 User wird in dem 

Umzug, desgleichen bei den Mahlzeiten, Weinschenken 
und andern Anlässen wie die Ratsherren gellalten, 
»bei 'inst hat er gar kein Amt noch Befehl, dann 
da '■! von der Stadt mit einem Rock und gewohn- 
lich \<>n einem jeden Burger, der sich dasselbe Jahr 
verheuratet, mit einem l'ar Hosen beschenket wird.' 
Simhl., Reg. 17'J'_'. 512, wozu Leu ergänzt: ,Selbigei 
A. wird von dem Ammanschreiber vorgeschlagen und 
dem abgehenden ernamset, und wann dlser etwa eine 



curiose oder lächerliche Tat begangen, öffentlich er- 
zehlet. In dem 1'mzug aus der Kapellen zu der Mahl- 
zeit auf das Kathaus wird er von dem ältesten grossen 
Ratsglied begleitet. Er wird aus dem Stadtseekel mit 
etwas Geld beschenket; hat aber wegen dess. was er 

auf die Gesellschaften geben muss und wegen des 
Ammannbrots, so teils bei disem Anlass öffentlich aus- 
geworffen, teils unter die Armen ausgeteilet wird, 
etwas Kostens, danahen gewöhnlich Einer, der in den 
grossen Bat erwehlet zu werden die nächste Hoffnung 
hat. darzu genommen wird.' — 4. Familienname Aa; 
Bs; B; F; litt; Seil; Th; Z. Vgl. die ( leschlcclitsnanien 
.Vogt, Keller. Meier. Schulthess (Schulz). Weibel.' 

Scli, in mini, umman, Verl;, aus ambet-man in Heil. 1 — :',. 
Zu 3. Zu der Rechtskarrikatur vgl. den .Narren rat' in Ap, 
den ,grossmächtigen Rat' iu Zg. 

Landvogts-A. ,In jedem diser Höfen [GRh.] ist 
ein von dem [eidgenössischen] Landvogt zu Obsicht 
der hochobrigkeitlichen Geschäften gesetzter, so ge- 
nannte L. befindlich.' Simhl., Reg. 1722. .Die Land- 
vogtsammänner [in GRh.] sollen bei den Bussenge- 
richten anwesend sein, um zu verhüten, dass vor den- 
selben Criminalfälle behandelt werden.' 1710, Absch. 
— Vazer-: eig. Ammann von GnYaz. .Zu lgis und 
Triintnis sind sehr viel Menschen mit Kröpfen ver- 
sehen. Sie sind gemeinlieh auch etwas träger im 
Geis! als ihre Benachbarte, massen die gegenüber 
stehende l T ntervazer beinahe alle ganz geschwinde 
[gescheide] und überaus beredte Leut, danahen mau 
sie durch ein Beiwörtlin in genere du- Vazer-Ainan 
nennt.' Sererh. 1712. — Flecken-: Ammann des 
.Fleckens- Beromünster L. — Ho f-: Vorsitzender eines 
Hofgerichtes, wie z. B. früher iu GRh. ..Jeder Huf [in 
GRh.] hat seine eigenen Gerichte und zwei Anmiann, 
deren einen die Eidgenossen, den andern aber der Abt 
zu SGallen setzet. Der Hof zu Rüti aber erweb.lt 
ihren H. selbst' Simml. Reg. 1722; vgl. auch Absch. 
IV 1 b, 172. Geschlechtsname oTn; Z. 

Hüs-A.: Geschlechtsname Tu. 

Viel), verk. aus Gotte- oder Gred-Hüs-A.; vgl. Hüshcr 3 
(Hü II 1532) und Gred-Büa (Bd 11 1710), sowie Hito-Mann tb. 

Hüsli-A.: Spottname um Luzern. Syn. Schiss- 
It/isli- Verwalter. 

Wohl Einer, der ..t't das ffürfi , b li'.'l II 1703) in Be- 
schlag nimmt, oder Einer, der Nichts zu verwalten, zu be- 

ill'lltrll hat. 

Rathüs-A.: Saalinspektor und Stimmenzähler im 

alten Bern, eine gesuchte Stelle, weil sie bei Regi- 
mentserneuerungen ein Präsentationsrecht gab; vgl. 
Mörik., Lit. des XVIII., 45. Nach Leu, Lex. war der 
R. Mitglied des grossen Rates, wohnte im Bathaus 
und .wartete den kleinen Ratsversammlungen ab.- Vgl. 
dir BA. vioi einem korpulenten Manne: Das isch Kim' 
me-n-e' Tiöihüsamme* oder er hei e" Buch wie-n-e* lt. 
S; vgl. dazu Sats-Herr. — Chäfer-; der amtlich be- 
stellte Aufseher über das Sammeln und Abliefern der 
Maikäfer Gu olle. — Uhreis-: in <■'• seit der neuen 
Verfassung 1814 st. des frühern Friedensrichters. .Per 
Kr. hat in seinem Kreis Schuld- und Streitsachen zu 
besorgen, der Gemeindammann in seiner Gemeinde.' 
Sulger (Si'iiSt.). Er hat e" Buch wie ne" Chr., ist 
wohlbeleibt GA., W".; vgl. Land-A. 

Land-A., PI. L.-Ämme" Ap; Now: 1. Haupt der 
Regierung und der Landsgemeinde; s. Ammann -.'und 
vgl. wm-gän Bd II 1"'. Land i " l»l 111 1298, sowie 



249 



Man, iiu'ii. min, lnuii. muii 



250 



Panner-Herr Bd II 1538. Titel des Regierungsober- 
banptes auch in Aa und Gr. In BSa. werden nach •l«*r 
Verfassung von 1609 je zwei gewählt, die sechs Jahre 

lang alternative jeder ein Jahr die Stelle versehen. 
S. Kohli. Saaiien. S. 15. Seit der Verfassung von 1814 
führen in G zwei Begierungsräte als Landaramänner 
von Jahr zu Jahr abwechselnd den Vorsitz im kleinen 
und grossen Rat. So auch in Ar ein stillstehender und 
regierender L.; vgl. Haupt-Mann. Auch in 1! hiess 
eine Zeit lang der Präsident des Grossen Rates /... 
während derjenige des Regierungsrates den Titel 
Schultheiss führte. ,L. der Schweiz' war zur Zeit der 
Helvetik der Titel des jeweiligen Tagsatzungspräsi- 
denten. Wenn jetz der L. und die ganz Tagsatzig 
ehiim und wött-mer-e" ne""". so gäb-ene" nüä ;<>■ de" 
Hände'. AHaldek 1839. Auch ganz kleiue Gemein- 
wesen wie SchwG. und K. hatten ihren L.; vgl. Stein- 
auer 1861 1 7'.' und 89 f. Üher den L. im Thurgau mit 
seinen Kompetenzen neben dem .Landvogt' s. Absei). 
VII 1. 731 vom J. 1717. In den frühem Sehreihen 
fremder Machte als Anrede der betr. eidgenössischen 
Stände selbst ins Frz. und lt. übergegangen: ,Land- 
ammans, l.andummani.' .Porträts der Herren Land- 
ammannen.' Hklv. Kai.. 1782. Über den Stellvertreter 
des L-s vgl. Statt-Halter 1 b (Bd II 1241) und Land- 
Weibel. In der Volksspr. gilt L. wie Landrogt u. ä. 
als Typus des Bedeutenden in geistiger und körper- 
licher Bez.. auch der Redegewandtheit und Zungen- 
fertigkeit mit schlimmem Nbbegr. Bede" eswie ne" I. 
Ndw. Schriben und schwätze?, sogar lüge" wie en L. 
An vgl. Vazer-Ammann. Wie-n-en L., korpnlent Th. 
Sogar das Schnaderhüpferl wagt sich an das Landes- 
oberhaupt: Zöge" am Böge", d'r L. tanzt! SchwE. 
(Lienert). Obertr., Name einer schönen Ziege ApI., 
nach Hochh. auch der Mittelfinger als hervorragender 
Ap. Über das älteste Vorkommen der Benennung und 
die Entstellung und historische Entwicklung der Würde 
iu den demokratischen Kantonen vgl. Blumer. RG. I 
120 f. 211. 275 f. — 2. a) Gemeindepräsident GitPr.; 
vgl. Ammann 1. — b) Präsident des Kreisgerichts 
(frühern Hochgerichts) GrD.; vgl. Ammann 2. Rätsel: 
Es steid en Tanne" isenfest, lud me r a's dritthalb hun- 
dert Ast; jede'' Ast hed en eigene" Xaiiiine". und wer 
das errat't, ward z' Jar [übers Jahr] L. GrD. (B.). 
. 1 ' .• i Landama, die Amptleut, G'richt und ganze Ge- 
meinden der vier Dörfer Zizers, Trimmis, Igis und 
Undervatz als ein besonders Hochgericht.- Ge VDörf. 
1692. Auch hier ist die Benennung geblieben, unge- 
achtet sie an die Zeit der Untertänigkeit erinnerte, 
als die Herrschaften sieh in Ausübung ihrer llerr- 
schaftsrechte. namentlich der Gerichtsbarkeit, durch 
Amtmänner vertreten Hessen. — 3. eine Art Ballspiel, 
bei welchem dem L. nach dessen Rufe: Bischalle, Bo- 
schalle, dir X. nimmt d' Balle', der Ball aus dem 
Schosse genommen und auf den Ruf halt', von N. nach 
den mitspielenden Kindern geworfen wird. Das ge- 
troffene tritt aus, das zuletzt übrig bleibende Eind 
bückt sich, den Ball am Boden vor sich, und wird vom 
L. unter Hersagung des Spruches: !•'• bin e" Jnrli 1. 
g'si", i ch bitt und bett um no ch es [eins] z'si". I** ha" 
17 China ii"' 's chlinst het de" grösH Grrrrind! um- 
kreist. Mit dem letzten Wort eilt der L. seitwärts. 
Das Kind ergreift den Ball, ruft halt! und wirft nach 
dem L. Wird dieser getroffen, so ist das werfende 
Kind für das nächste Spiel L. GFlaw. Vgl, an-halten 3 



(Bd II 1227). — land-äiinnelo": wi.- ein I.andam- 
mann auftreten, auch von Beamten: nach dieser Würde 
streben Ar. Vgl. .hauptmännelen.' — Bund(c)s- 
Landammann, Bundslamme": früher Name des 
Hauptes eines der drei Bünde, welche periodisch zu- 
sammentraten. Seit 1803 bildeten dies,- drei Land- 
aramänner, vom grossen Rat aus jedem Bunde Ifrei 
gewählt, unter dem Titel Landrichter. Bundespräsident 
und Bundeslandammann den permanenten kleinen Rat 
Gr.; Tgl. Gr Gem. 7!': Kasthofer ls-_'_\ 177. 

Land-Ammig, auch -Ammig — m.: Landammann, 
bes. PL I)' Land-Ammig, die Landesregierung Schw. 
Im llothüs z' Sehwyz, du lueged siletewis [reihenweise] 
</' Landämmig [die Bilder der Landaramänner] uf d' 
Sehwyzer abe*. Schwzd. Der Stifelwirt häd es gistrengs 
Amtsg' sieht g'ha"; im [dem] G'sicht nache" hätt-er 
ehbnne" Kantonslandämmig si". Lienert 1891; s. Hin- 
gt ni Bd II 15. 

Aus Land-Amme" mit dem patronymischeii Ausgang -ing, 
welcher in Schw auch sunst beliebt ist, gebildet; vgl. z. K. 
■ I' Schmidig, die Glieder der Familie Schmid, und G'vatterig 
Bd I 1189. 

G'mein- (L). G'meind- (AaFii.; Th; Z), G'meis- 
[I IWa.) Amme": Gemeindeammann. 1. Vorsteher der 
Munizipalgemeinde; Dorfpräsident AAFri.; GWa.; Th ; 
vgl. Stab-Halter Bd II 1241 und Ammann 1. Spottn. 
für einen breitspurig einhergehenden, wichtig tuenden 
Menschen TuHw. — 2. Schuldbetreibungs- und Polizei- 
beamter der Gemeinde L; Z. En Buch ha" uie-n-en 
G., wohlbeleibt sein Z. — g'mei I1 -aniinele'': ein 
Knabenspiel, wobei Einem, der als G. sitzt, ein An- 
derer als .Landjäger' einen Dieb bringt, der abbitten 
muss GSev. — Die Funktionen von G. 1 und S waren früher 
im Undervogi vereinigt. 

Senne°-A.: Vorsteher der Sennen. .S'. und Senne"- 
Fänderi, zwei Ehrenämter an der Senne'-Chilbi LW. 
S. Schwzd. 42, 10. — Stadt-: 1. Beamter für den 
Rechtstrieb in der Stadt Z, was G'meind- A. 2 auf dem 
Lande. — 2. Vorsteher einer städtischen Munizipalge- 
meinde, Bürgermeister Aa; G; Tb. ,Die Städte Rheinegg 
und Altstetten haben ihre eigne Stadtamman und Rat, 
welche ihre Stadtsachen verwalten.' Simhl., Leg. 17l'l'. 

— 3. Abwart (eoncierge) des Rathauses in FStdt j. 
Küenlin, Dict. bist. Bd I 298; vgl. Bathüs-A. - Zo- 
llend-: Verwalter der Zehnten des Ritterhauses ZBub. 
iZ Staatsarch.). — Bezirks-: Regierungsstatthalter 
eines Kantonsbezirkes Aa seit 1803. S. Aa Gem. 133. 

Amman nin Ammene" B, Ammänni" Aa, Ammene" 
UwE., Ämineni" GB.Pr., Ämmi" Ap — f.: Frau eines 
Ammanns. 

Ammann schaff f.: 1. politische Gemeinde G. 
St Josefe" und Engelburg sind e" Amme'sehaß, 's hässl 
Gäserwald GGoss.; vgl. Ammann 1 und G'meind- A. 1. 

— '2. Ammannswürde. .Es betreffe Landammen und 
andere Ammenschaften.' Gr Landsatz. 1619. 

ImbC-Ma"" 1 Z, Impe"- AaoF.; LG.. Imbli- Z: 
1. Bienenwärter, Zeidler Aa; L; Z (Dim. Imbfeßi- 
Mannli in verächtlichem S.); vgl. Häfl. 1813, 177. 
Syn. Imben- Vatter. — 2. Händler mit Produkten der 
Bienenzucht (lt Menzel); Syn. Hunig-Mann. 

Amt-: 1. Beamter im Allg., Sg. zu Amt-Lut Bd III 
1519; s. noch ver-geben Bd LI 88 und Tag-Ürten I 
Bd I 495. Ein A. sass als Verwalter im Ritterhaus 
Bubikon, einer im Amthaus Rüti Z. — 2. Regierungs- 
statthalter AaBIj. (Amlme'J. Überh. Vorsteher eines 



251 



Man, men, min, mon, mun 



252 



, Amtes', Amtsbezirkes. ,Die Landgrafschaft Baden zer- 
fiel in Ämter (ofrieia). Über jedes Amt war ein Vogt 
oder Amtmann (wohl zu unterscheiden von dem Am- 
mann, minister) gesetzt,' Seg., RG. I 140. Anch im 
alten B in gewissen Landesgegenden s. v. a. .Land- 
vogt'; vgl. EFvFischer 1868, 28 und Leu, Lex. 1 212. 
Als Ausdruck der Volksstimmung gegenüber dieser 
Obergewalt ist viel], der Beim: Der Amtme* verdammt- 
iii'- (Ineichen) zu betrachten. — 3. Angehöriger. Be- 
wohner eines gewissen Amtsbezirkes. .Es soll ouch 
ein amptman vordem frömbden nächeren kouf [Näher- 
recht] haben.' LMönster Amtsrecht. .Kein a. von 
Grüningen.' Egi.i L878. S. Hodler Bd II 992. - Über 
die Ausspr. vgl. die Anni. zu Haupt-Mann. 

A m t - M ä n n e r lis: ein früher in Bs sehr beliebtes 
Jugendspiel; vgl. g'mein-ammelen. 

Ober-Amt-Mann : 1. Regierungsbeamter über ein 
Oberami (Bd I 244) B; Z. Sj n. Obervogt 5. Von 181 1 bis 
1831 Regierungs-Statthalter Z. En Buch hä- wie-n-en 
0. Z um Wthur. — 2. = Land-Vogt Bd I 706. Gegs. 
Unter-A. ,Der Gläubiger mag die Sehatzung einem 
0. anzeigen.' 1659, BE., für: .einem Vogt' 1559, B 
Rq. (Ztschr. f. schwz. R. IX b, 201 f.). ,Der Unter-A.- 
1059, BE. (ebd.). .Beide Unteramtsleut, der Statthalter 
und Landsvenner, sollen mit unserem 0. an die G'richt 
sich verfügen.- 1670, BSi. (Ztschr. f. schwz. B. IX b, 
lT-.'i. .Kin jeder O. sanimt seinen Dnteramtleuten, 
Gerichtsässen und Chorrichtern.' 1659, BK. (ebd. 
S. 212). Auch Bs hatte seine Oberamtmänner. 

Iu Bed. 1 eine Zss. aus Oberamt und Mann, iu Bed. 2 
eine solche aus Ober and Amtmann. 

Fri-A.: urspr. Vorsteher der Freien am Land- 
gericht, zu welchem sie in besonderer Beziehung stan- 
den, und als solcher Gehülfe des Landrichters (Fr 
vWyss). Im freien Amte Aa (s. Amt Bd I 248) übte 
der Fr. beim Blutgerichte die landgräflichen Rechte 
der Herzoge von Österreich aus; seine Wahl stand 
der Gemeinde zu. Blumer, RG. I 120 f. Der Obervogt 
[beim Landtag .Landgraf genannt, s. d. Bd II 707] 
beauftragt den Fr., durch alle üntervögte der Herr- 
schaft den Landtag in allen Kirchhörenen verkünden 
zu lassen. Er verbannt auch auf Geheiss des Land- 
grafen das Gericht. Bluntschm, RG. I 204. In Bs der 
älteste der drei dem Gerichte beigeordneten Beamten, 
bes. im Malefizprozess tätig, wo er als Fürsprech des 
obersten .Ratsknechts' die Anklage führte; vgl. Heusl.. 
Vcrf.-Gesch. 209 f. und s. fr* Bd I 1256. ,Und als 
dahar [bisher] der fr. des gerichtes g'walt g'hept hat, 
solich schlecht friden ze schenken, dadurch den reten 
10 ß pfenn. ab'gangen and nit worden sint, da s.dl 
hinathin [von nun an] der fr. nit wyter gwalt haben, 
solieh friden [Busse für Friedensbruch] ze schenken, 
denn synen teil, so im davon gebort.- 1457, Bs Gerichts- 
ordn. Anno 1615 heisst er .Statthalter des freien Amts' 
und ist beim Blutgericht neben drin .Herrn Reichs- 
vogi und (»bristen Knecht- genannt. Bs Rq. — Holz- 
Holz-Geber Bd II 95. .Erst a. 1646 wurde [st. des 
.Holz-Gebers'] ein II. durch den kleinen Rat gewählt.' 
Z Wthur (Troll). Sei-: Amtmann, der den Schwe- 
sternhausfond gemeinschaftlich mit dem Seelhausfond 
(s. Selen-Hüs Bd 11 L726) verwaltete Senf; vgl. Sel- 
Meister. .Vom kleinen Hat zu einem S. gewählt Herr 
V N.- 175::. Z Nachr. 

„ A"-,\l a"": wer bei einer Sache, einem Geschäfte 
den Anfang mach! AaF." - Vgl. an Bd I -256. 



G'radane"-: ein Leichtsinniger, eig. Einer, der 
es mit Allem obenhin (grad-ane*) nimmt FMu. — 
Hebanne"-: Ehemann der jeweiligen Hebamme ZSth. 
— Äni-: Vater des Grossvaters Nnw. Syn. An i ratter. 

U"-: 1. ungewöhnlich grosser, starker Mann Ar-; 
SchwE. Vgl. im- 5 (Bd I 298). — 2. Unmensch, un- 
billiger, nnfreundlicher, hartherziger Mann Ar; Gl.; 
Gul'r.; SohwE.; Tu ; '/.. Bes. in der neg. Verbindung: 
er ist kein U. - Anke"-: Butterhändler Z. RA. Es 
ist " - Das [eig. es wiegt so und so viel]! Wenn ä" 
im' witt, legg üf — seit der A. (Z) oder: 's muess 
Das si; 's ist Das, seil der A. (550.), Feststellung 
einer Tatsache oder Rechtfertigung einer Behauptung. 
Vgl. noch Esel Bd I 515. Enzi- s. Enzi II Bd I 
358. — Erdöpfel-: Kartoffelesser. Spottname für 
die Talbewohner ArWalz. Du tüsigs Katrili, vwst 
au eh en Ma"" ha«, en alte* Ri'taler, en E. — Ere"-: 
Ehrenmann. Biedermann. Guete* Frünä und E.! ge- 
mütliche und vertrauensvolle Anrede, mit der man 
eine Eröffnung oder Bitte einleitet Tu; Z. He! guete" 
Fr. und E., mues» i" dem Dorf ml« Herbert) hu" '/,. 
lt Meyer, al. Spraehb. 11'e' wett au rh schöners Weiler 
ireusche", seid de r Bai: :um l'eli. Ja, es mücsst ja 
Kiue r eleu E. st", wenn er Öppis d'ra" andere« teett 
ZWettschw. Er ixch e" E., aber me« chann-em 's nit 
bewise- S; Z (iron.); vgl. noch bei Gr. WB. III 62, 
wonach das \V. spec. schweizerisch ist. — Arbets-: 
Arbeiter, bes. Handwerksmann Sch : Z. 's ist en 
schlechten A., wir nid eum Handerch rede« cha— 
SoeSt. (Sulger). — Erd-, HSrd-Mannli, -Männli: 
1. Wichtelmännchen, Zwerg im Volksglauben Aa; B; 
L; S; Tu: ÜW; Z; vgl. Erd-Lütli Bd'lII 1520; Erd- 
Männli-Loch. ebd. 1034; Fänk Bd I 866 f. In SGüns- 
berg hausten ehemals die E. Sie taten den Landleuten 
viel Gutes, besorgten ihre Wiesen u. A. m. Sie ar- 
beiteten nur des Nachts oder früh Morgens. Als sie 
einst alle auf einem Aste sassen, kam ein mutwilliger 
Bursche, sägte den Ast ab, so dass sie alle zu Boden 
fielen; seither kamen sie nie mehr. Im Leberberg 
kamen sie früher aus den Höhlen hervor, halfen den 
Leuten mit ihren kleinen Fingern W&rch reiten und 
allerlei Anderes. Wenn ein Bauer ein Fest hatte, 
erschienen auch sie und assen vorzüglich gern Wähen. 
Endlich seien sie durch mutwillige Bauernbursche, 
die, um die Form ihrer Füsse zu erfahren, Asche 
streuten, vertrieben worden. Ihre Fussspuren aber 
seien Kntenfüssen ähnlich gewesen. Nach anderer 
Überlieferung zogen sie sich zurück, als die Menschen 
überhaupt böser wurden und zu fluchen anfiengen. 
Lt einer Sage aus dein Tu beschenkten sie die Fehl- 
arbeiter mit köstlichen Gerichten, welche in silbernen 
und goldenen Schüsseln sieb befanden. Als einst ein 
habsüchtiger Bauer eine solche Schüssel für sich be- 
hielt, hörte der Brauch auf-, vgl. hiezu Venediger Bd I 
833. ,Von den Erdmännchen hätte es ihnen erzählt, 
wie sie ganz kleine Leutchen seien und den lieben 
Kindern allerlei schönes G'vätterzeug brächten.' Nat.- 
Kal. 1891. .llerdiuäniili, die zue nacht in kestlinen 
und innren oder wenden gleich als schmidend.' M u,. 
.In einer hölzinen «and g'nagend etwan die holzwürnr 
lut. I>a überredend sieb etlicli lüt. es seiend heid- 
uieiili. habend ire seltsamen fablen und gedieht von 
denselben, die sy von iren müeteren und grossmüc- 
teren gehört, wie sy dem husvolk erschinen, gedient, 
die kind gewieget und wie es glücklich sye, wo sj 



253 



Man, 



in. 'ii. nun. inoii. mim 



25 1 



in einem hus gespürt werdind.' LLav. 1578. ,Etlich 
Landleut sagend, dass auch Erdmännle im Stigelfatt- 
balm am Iiiin gewohnet haben.' JLCys. 1661. ,Vor 
Jahren scind vil abentewrige and wunderliche Dinge 

von Enlmännlin oder Zwergen, so in dem Pilatusberg 
und dessen vilfältigen Klüften und verborgenen Gängen 

ihr Wohnung gehabt [erzählt worden].' ebd. Vgl. 
auch Cappeler 1707. 10 f. ,[Beim Walterschweiler Bad 

Zg Beng man an nach Hold zu graben, wie annoch 
die unterirdischen Gänge anzeigen] dessentwegen sie 
das warme Wasser verloren. Item wie sie auch von 
denen Bergmannlein übel geplagt worden seind und 
leiblich erschinen. auch vilmalen ires Vieh gcstriglet, 
gebutzt und gehirtet (so bishero auch geschehen) 
under dem Schein der Dienstbarkeit; also tut der 
Teufel vilmals die -Menschen allen.' Beschreibung d. W. 
B. um 1700. Weiteres über die E. s. bei Rochh., Sag. 
1 264 f.; Lüt., Sag. 50; Ndw Kai. 1888, 8 f.; Gotth. 

IV 2, 79; BWyss 1863, 52; RWyss 1815, 101. 320; die 
Schweiz 1 1 i2; neue illustr. Ztschr. 1850, 270; Schwzd. 

V 17. Vgl: auch Berg-, Wild-M. — 2. gefleckter Sala- 
mander TnEgn. — Örgeli-Ma" : herumziehender 
Drehorgelspieler, meist Savoyarde Gr; G; Th; Z. Die 
Abneigung gegen eine Annexion Savoyens durch die 
Schweiz 1^59 drückte sich in dem Satze aus: Was 
brüched mir dere" O-e"? ZS. 

Erst-: der Erste auf dem Plan, beim Angriff, 
einem Unternehmen, Anfänger. ,L besorgt einen Über- 
fall von B; weshalb es besser wäre, dass wir E. wären 
und einen geeigneten Anschlag beraten würden.' 1534. 
Absch. ,1m schlämm [Schlemmerei] will ich gern e. 
syn.' Küef 1550. ,Antistes, qui in aliqua re prinei- 
patum tenet, ein rädlefüerer, anleiter, e., anfüereiv 
Fris. .Also hören wir, wer im Handel unsers Heils 
Erstlimann ist. nämlich der liebe Gott.' FWyss 1672. 

Erz-: Minenarbeiter, Erzknappe PA1. 

Eissele°-(ZGSchönbr.), Eisse"- (Schw) Mandli: 
1. der h. Rochus, bzw. sein Bild SchwE. Dieser heilte 
mit Geschwüren (Hissen) Behaftete, indem er den Eiter 
aussog. — 2. ein Bild der h. Kümmernuss (s. Bd III 
304) in ZiiSchönbr., zu welchem man gegen Eissen, 
Geschwüre. Kopfweh udgl. seine Zuflucht nimmt. 

Die Form Eisselen, die sonst für Eissen nicht belegt ist. 
beruht wahrsch. auf einer Mischung mit Eiselen (Bd I 58'2) 
= Einsiedeln, wo nach Gfd 19, 195 eine silberne Statue der 
hl. Kümmernuss sich befand. 

Äsche"-Ma nn : Aschensammler, Mann, der von 
Haus zu Haus die Asche sammelt BStdt; vgl. Schwz. 
Dorfkai. 1891, 54. In ZStdt früher Bauer, der in den 
grossen Äschen-Tansen die Asche aus den Äschen- 
Tollen holte. — ■ Äxe°-: axttragender Mann; beim 
Militär der Sappeur Ar. Auch bei der Feuerwehr: 
,Die Axtmänner sind gehalten, alle Hindernisse aus 
dem Wege zu räumen, welche einer Spritze entgegen- 
stehen.' ArHeid. Feuerordn. 1836. — Vech-: 1. Vieh- 
kenner Z. — 2. Viehzüchter. ,Mesa aber, der Moa- 
biter künig, was ein vychmann.' 1548. II. Kön.; dafür: 
,war ein Viehemann.' 1667. — Fade"-: Fadenver- 
käufer, Hausierer mit Faden, allg. (F.-Mannli Ap). 
Glück zue. F.! iron. Glückwunsch zu einem zweifel- 
haften Unternehmen Ap; G; Th; Z. Guet Nacht, F.! 
seherzh., = gehab dich wohl! oder: ich danke, im S. 
der Ablehnung ScHSt. (Sulger). — Federe"-: Mann 
mit einer Feder auf dem Hut, Vornehmer. Sprww. 
1824. Er stellt st** wie cn F., ist ein Hochmutsnarr, 



eig. wie ein Junker mit der Feder auf dem Hut ScuSt. 
(Sulger). — Vogel-: hausierender Singvögelhändler 
ZO.f .Es seind in dem Lande nicht zu gedulden die 
Vogelmänner, Schleifer, Löter, Zeinenmacher.' Tu 
Mand. 1789. 

Vogt-: 1. Vormund Aa; Bs; S ( Vogtme'J. — '_'. Sg. 
zu Vogt-Lüt (s. lid 111 15-20). ,Fart euch jeiuan in 
die obgenannten geriebt heryn, den soll man haben 
für einen v. und in schirmen. - 1538, Z Rq. -- Zu Bed. l. 
1'. für Vogt wie Witt-Frau für .Wittwe.' 

Fall-: Höriger, der den Leibfall zu geben schuldig 
ist. .Ein lehen- oder fallmann soll geben das best der 
on eins, wenn er stirbt.' XIV., Bs Rq. S. noch Hueber 
Bd II 962. — Vened iger-Män ndli = Venediger 2 
(Bd I 8:13) GMosn.; ZF.; s. die Aiim. zu Gold Bd II 
225. — Fänken-Mannli = Faul; Bd I 866 Gr. .Das 
gefangene Fänggen-Mannli'; s. KARutishauser 1880, 
100 und bes. Jecklin 1874, 20 f. 

Vor-Mann: 1. „der Erste, Vorderste in der Ord- 
nung. allg. 1- ,Des Petrus, des vormannes der apostel.' 
ZwiNiiLi. — 2. = Erst-M. Mit Zg solle man die Sache 
,kurz anbinden, damit man, wo sy den bösen weg fls 
welltind, v. syn möcht.' 1529, Absch. ,Es ist ze be- 
sorgen, dass sy uns überfallen werden; darnmb wäre 
guet, dass wir v. syn möchten.' 1531, Strickl. — 
Mhd. cor-man, vgl. engl, foreman. 

F ü r - M a n n 1 i , - M ä n n 1 i : 1 . = füriger Mann (s. 
fürig Bd I 951) Ndw. .Die sog. Fewr-Männlin sind 
keines Wegs, wie viel einfältige Deut ihnen einbilden, 
die Seelen und Geister Tieren, die Grenzen und Marken 
verruckt haben.' Anhorn 1665. ,Die Feuermännlein, 
wie man sie nennt, wann etwann in Räbcn, auf den 
Kirchhöfen hin und har schweifend Feur gesehen 
wird, worvon einfaltige Leut wunderliche Gedanken 
haben.' JMüll. 1666. ,Das Scheinholz, mit welchem 
muetwillige Junge ihre Gesellen erschrecken, dass sie 
vermeinen, sie sehen böse Geister und Feurmännlein. 1 
LLav. 1670; dafür ,füriu mannen.' 1578. ,Ignis fatuus, 
Irrwisch. Feurmännlein.' Denzl. 1677; 1716. ,Die 
Teutschen heissen dises Liecht auch Wischmännlein, 
feurige Männer, Feurmännlein, Irrwisch. Irrlicht.' 
JJScheuchz. 17o7; 1746. — 2. eine Art Feuerwerk. 
Syn. Für-Tüfel. .Dass die jungen Buben die grösste 
Freude daran haben, wann sie schiessen und Feur- 
männli machen können.' Z Kai. 1762. 

Fuer-Mann Faerw,": 1. Fuhrmann, allg. PI. 
Fuer-Lüt, selten Fuer-Manne". ,Was für einen herr- 
lichen Tag die Fuhrmannen hatten.' Breitenst. RAA.: 
Wo 's ehe" göd, ist guet F. si" L. Lass du nw de" 
F. sorge", bis 's umg'heit! auch Vorsorge schützt vor 
Unheil nicht Z. Da färt de r F. um der Eggen umme", 
wenn man einen Gedankengang verlässt und uner- 
wartet zu andern Erwägungen übergeht, ebd. S. noch 
chlepfen Bd III 672. Auch der Treiber beim Pflügen 
GEh. — 2. Säumer W. ,J. Truffer starb 1756 als F. 
auf dein Theodulpasse.' Rüppen. Neben Chlaus und 
Esel die dritte vormals zum Chlausen durchaus ge- 
hörende Figur mit einer zu diesem Zwecke eigens 
angefertigten, besonders starken Peitsche, mit welcher 
der F. gewaltig knallte ZKüsn.-Berg f- — 3. Führer, 
Anführer. ,Josua, der f. Israels.' RSchmiii 1579. 

Eggiwil-F. : personifizierende Benennung der 
Emme, insofern sie Überschwemmungen verursacht 
und Geschiebe mit sich führt B uE. Wenn d' Emmc" 



255 



Man. inen, min, mon, nnin 



256 



recht gross chunnt, so säge" de"" d' Lüt: der E. chimnt 
aber BLimpach. — ,KggiwIl', Ortschaft beim Zsfluss des 
Rütenbaches und der Emnie. 

Güeter-Fuerme": Frachtfuhrmann „B; L;" /. 
Sein Leben geschildert bei JDennler 1817, S. 1! |S . — 
Höchster- = Höchster Bd 11 981. D' Zuschg [Sust, 
Warenniederlage], wo ä" H-fuermenne" </' Wägen »*- 
g' stellt hind. Scbwzd. (GuMai.). — Ghacheli-, Gha- 
chelg' schirr-: Fuhrmann mit Töpferwaren, spec. „einer. 
<ler aus der Ferne [oft aus dem Elsass] her, mcisl 
mit seiner ganzen Familie, zu den grossen Töpfereien 
im Heiniberg bei Tlinn führt' B. Typus der Roheit: 
.Kr [ein ausgelassener Mann] redet manchmal Sachen, 
welche einem Kachelfuhrmann "der Schweinhändler 
übel anstellen würden.' GoiTH. — Landi- = Ein- 
Kärrler (Bd 111 128) Z. Vgl. Ländi-Boss. — Mol- 
che"- = Alp-Füerer (Bd I 983) GiiChur, oHalbstein, 
Fr.; vgl. Tsch. 353. - Mordio-: Fuhrmann, der 
seine Zugtiere quält, sie unter Fluchen und mit 
Schlägen zu übermässigen Leistungen anstrengt S; Z. 
— Schwabe"-: Fuhrmann aus Württemberg, welcher 
vor der Erbauung der Eisenbahn über Eglisau Ge- 
treide nach Zürich führte Z. En Appitit ha' leie en 
Sohlt'. — Stadt- = Karrer (am Ötenbach) Bd 111 427 
ZStdtf. Auch in ZWthur: .Wenn der geschworen 
Stadtfuermann die notwendige Euer nit fertigen könnte.' 
1695, Verordn. — Wi"-: Weinfuhrmann, allg. Spec., 
trüber in ZStdt obrigkeitlicher Beamter, .der. wann 
Oberländer Wein kauften, die lären Fass zum Ver- 
käufer und von dannen voll widerum an die Schiff- 
lände zu führen hatte.' Meb. Tig. 1742, (508. 

fuerme": aus dem Suhst. gelegentlich zum Verb 
gestaltet im Kinderreim. En alte'' Ma"", en arme'' 
Ma"", Der mues' na [noch] Fuerme" werde", und wenn 
er nümme* /'. cha**, so mues'-er under <t' Erde" ZZoll. f 

Die volle Form wäre ei^. fuermene" ', vgl. auch /' imi m 
Bd III 1267. 

Fcrden-Man n = Verden Bd I 995. ,Sammer botz 
ferdenmans!' Aal 1541). — First-Männdli = F.- 
Joggeli (s. Jogg 4 a Bd 111 26) Aa; vgl. Mann 7 d$ 
und Rochh. 1867, 95 f. — Viert-Mann: 1. ,Viertme", 
quartus.' Id. B. — 2. = Vierer 1 Bd 1 923. ,üass N. 
do zue Schinznach ein vierdraan wäre.' 1484, Aa 
Schenkenb. Arch. , Sodann werdent zwen v. g'setzt 
mit der liieren band, die steg, weg, zun usw. sollen! 
besebowen.' 1562, Esterh., Rick. — Fuess-: 1. Fuss- 
soldat. ,40 wolmögender f.' 1443, B (Gfo.). ,900 f. 
und 200 ze ross.' ebd. — 2. Teil eines Harnisches; s. 
Bdll 1610. — Fisch-: Fischer l'Al. — G'vatter-: 
Benennung des Taufpaten von Seiten der Eltern des 
Kindes und des Vaters von Seite des Baten B; L; 
S; Z. Er ist min G., sagt z.B. der Vater von einem 
Freunde, der einem seiner Kinder Gölti ist. Er isch 
G. z' Hüstage", wenn d" Geiss gitzlel, er hat keine Be- 
deutung S (Schild); vgl. G'ealler-Lat Bd 111 1520. 
— Vetter- = Vetter, bes. in familiärer, gemütlicher 
Anrede an einen Verwandten Aa; Bs; Th; Z. Kinder- 
reim: leh und du sind V-e", wie-n-en alti Ghupfer- 
pfanne* Aa; ZO. Vettermannis machen die Kinder 
auf der Schlittenbahn, indem sie ihre Schlitten einen 
hinter den andern hängen TuFr. — Fäuzen-: Sg. 
zu Fäuzen-Lüi (Bd III 1520). Ein tobender Mann aus 
ZMaschw. wird ermahnt, Gott zu bitten usw. Ant- 
wort: ,Ä. Gott isi eins föizenmendli und die heiigen 
oueh; si haben! niemanl nttnz zue helfen.' um 1500, 



/, Staatsarch. — Fluc-Mannli = -Engi-M. L. Die 
Fl. schiessen in den Flühen am Napf, wenn Regen 
eintreten will. Lift 1 ., Sag. 27. — ,Flac h s-Mann : der 
im flachs werket, linarius.' Fris. ; Mal. Auch Ge- 
schlechtsname Z. 

Fri-: Scharfrichter. .Weilen durchgehends die 
Scharpfrichter und Wasenmeister als Freimänner an- 
gesehen worden, auch man niemals den Zehnden von 
dem zu einem Wasendienst gehörenden Land gefordert, 
11 auch der dismalige Scharpfrichter gleiche Rechte 
geniessen.' 17t',:,, Aar. Batserk. ,Geörg Fleischer, dem 
Nachrichter zu Altkirch, und W. Vollmar, dem Wasen- 
meister zu Schöpfen, woraus erbellet, dass auch fremde 
Freimänner allhicr Recht genommen haben.' Bs Chr. 
177'.». .her Freimann oder Exekutor zu Lauis.' 1780, 
Absch. .her Fr. J. Math. Vollmar zu Lauis. 1 1781, ebd. 

Nu schon mini., doch in erster Linie = Freier im Gegs. 

zu ,Eigci ihii'. und uns diesem Begriffe, nicht (wie im XVIII. 

missverst&ndlicb angenommen wurde) aus dem der Freiheit 
von Abgaben, erwuchs die Bed, .Scharfrichter.' Am Land- 
gericht sassen Dämlich nur Freie und Einer aus Diosen voll- 
zog das Urteil. Die zünftigen Scharfrichter der spätem Zeit 
erbten dann allerdings von Amtswegen mit der Benennung 
auch die Privilegien des Freien. Im XVIII. musste die 
Freiheit, weil ihr Ursprung vergessen war, eben neuerdings 
sanktioniert werden. Mehr über den Fr. in dieser Bed. bei 
Schm, -Fromm. I 816. Auf die nrspr. Bed. geht der '/. Ge- 
scblechtsu. (Frime") zurück. 

Freiheits-: Einer, der des Klosters Freiheit 
(s. Bd 1 1265) benutzt. .Articul. die ein Fr. zu halten 
schuldig.' 1590, ScitwE. Klosterarch. — ,Frisch-, 
ein anderen zue beleidigen, alacer ut alteri noceat.' 
.Mal. -- Frösche"-, Frösche*bei"- : Verkäufer von 
Froschschenkeln Z. — Gäbeli-: 1. scherzh., der 
Teufel (!F., iL. T.; Th; UwE.; ZO. Syn. de* Tafel 
mit der Ofe"gable". Und hat -er nüd recht 'lö-, se 
chunnt halt de* G. und Mgglet-e" dei äbe" [in die 
Hölle] and 's wird-em, was-em g'hört. Stutz. Zu der 
argen Beschimpfung: ,Leck den gabelmann!' (um 1450, 
L blaspbem.) ist an das angebliche Küssen des Teufels 
durch die Hexen zu erinnern. — 2. neckische Be- 
zeichnung der Toggenburger als Heugabelnmacher, 
auf die Zeit zurückgehend, da die Baumwollenindustrie 
dort noch nicht heimisch war. Gäbelima, G., d' Togge*- 
burger müend en Ise'ban ha"! Z (Spottreim). — Gu- 
gel-: 1. Mann, welcher als Kopfbedeckung einen 
Gugel (Bd II 155) trägt. Als Schreckgespenst haust 
ein solcher im Steinhölzli ob der sog. Nase, der Stadt 
Seu gegenüber, auf der Z Seite. .Ä Samiklaus, du (!.!' 
St Nikolaus mit der Bischofsmütze. .TMaiii.. 1*57-1. — 
2. Geschlechtsn. Z. von dem Fluni. Gugel gebildet 
oder auch urspr. = 1. S. die Anm. zu Gugel Bd II 1 -"•<;. 

Güge"- (lii.ll.; GSa.; Nnw; ZO.), Güger- (GW.), 
Güge"- ((1A.), Gugger- (GWe.) Mandli, -Mändli, in 
GlM. und U. -Ma"", PI. -Manne": 1. Feuerkröte. Sala- 
mander, Unke. In Gl Güge"-Ma"" und G.-Wib auch 
bildl., Eheleute, welche getrennt von einander leben. 
— 2. Güge'-Mannli, Gebäck, das eine männliche Figur 
darstellt ZKn. 

Syn. Gugen-Afol, -M>>li, woraus unser W. mit Alllehl % 

an Mann entstellt ist; die Übertragung auf die getrennten 
Eheleute vom einsamen, nicht im Chore ertönenden Qnkenrnf, 

eher als vom lir; he. solchen Eheleuten ein Churivuri zu 

bringen, zu gügen (Bd II 157). 

Gäggeli-Ma"" -a- = Gdgg IV 3 (Bd II 168) Z. 
Nei", lueged au'* dc r G. da im Easiererstübli a". wie-n-er 



257 



Man. 



nun. nun. niun. niun 






st°* dreht, loie-n-er s» eJ duckt, teil d' Scher um sini Ore* 
juckt; i r /mint ganz sicherli'*, perse, es sei scho" um sin 
Ghrage* g'scheh. Moll., Jugendschr. — Gaug(g)el-, 

in '/AK Gäuggel-: Gaukler. 1. Possenreisser. De" G. 
(Gäuggeli-M. Tu) mache", den Hanswurst spielen '/,, 
Beim GrünipeUschiesset in BBurgd. wurde die Jagend 
dureh einen G. unterhalten, um sie vom Sclliessplatz 
fern zu halten. .Göuggelmann', die lustige Person im 
Schauspiel. 1533, Aarai Ratsprot. Die Tänzerin zum 
Narren: .Wohin, niyn fryer gouggelmann ! ' Maukitiana 
1581. .So wirst u auch ein Narren hau und er an dir 
ein Gaukeim.' GGotth. 1019. .Gaugehnann.' Jon. Maul. 
1074. Vgl. Gauggler Bd II 171. — 2. possierliche 
Figur, l'uppe. wie sie der Zeiger nach einem Zweck- 
schuss aufsteigen lässt Z ; vgl. Gauggler 3. Gaugycli- 
M,i I.. GäuggeUMandli '/., am Schnürchen gezogene 
Figur als Kinderspielzeug; Syn. Bajass. Julie, es 
Gaugelmänndli, i' h g'seh-n-em scho" es Bei", in einem 
sog. Baderkram. Schwzd. (Z). — 3. Hebemaschine, 
Flaschenzug Tu. Syn. Gauggel II 6 (Bd II 173). — 
Göli- = Göli-Chrämer (Bd III 814) Gr. - Gülle"-: 
im Munde des Städters der Bauer, welcher mit seinem 
GüUen-Fass die Jauche aus der Stadt holt ZStdt. — 
Gelte"-: seine Ware auf der Gasse ausrufender Gelten- 
verkäufer Aa; '/,. Müeffe* (Z), schreie*, rumpüse* (Aa) 
wie-n-en G. — Gampi-: ein Spielzeug, bestehend aus 
einem etwa 2" hohen, rund gedrechselten Holzmänn- 
chen, welches statt auf Füssen auf zwei Metallspitzen 
steht. Am Bande des Tisches wird dasselbe durch 
einen vom Bauche ausgehenden, sichelförmigen Draht, 
der unten in eine Bleikugel endigt, ins labile Gleich- 
gewicht gebracht und durch einen Stoss in regel- 
mässige, lang andauernde Bewegungen (zum Gampen) 
versetzt ZBauma. — Gänggeli- = Gänggeier (Bd II 
364) TuHw. 

Gänsen-: verächtlich für Gänsehändler oder eher 

- Gänserich V ,Du hast vor geschrauen laut und auch 
verkauft die Bärenhaut, do du ihn noch hast nienen 
g'han. Lueg, was bist für ein G.!' Myricäcs 1630. 

— Gans-Mann — träusericli auch Schwab. 

Garte"-: Gärtner im Kinderspiel. S. Garten 1 
BdII433. — Wingert-: Weingärtner, Winzer GitHe. 
Auch 1668, Z Üfeninschr. ; vgl. Wingart-Lüt. — Gi sli- 
= Glsel-I resser 2 (Bd I 1325) S. — Götti-: 1. Pate, 
im Munde der Eltern des Patenkindes B; s. Gotth., 
Gehlst. 315. — 2. der Vater des Täuflings am Tauf- 
feste B (Zyro); vgl. G'vatter-Mann. — Gütterli-: 
= Gütterler (Bd II 535) B; Z. S. gwnpen Bd II 312. 

Guet-: 1. Lebemann, hon vivant; vgl. Mann 1 c. 
.Die epikureischen seuw sagend : Lassend uns g. sein, 
fressen, saufen.' LLav. 1582. — 2. Geschlechtsn. Z. 
Guetfe"Jiuä""shüs, Hof in FSs., der seinen Namen von 
der Guttätigkeit eines Besitzers erhalten haben soll, 
der die auf rauhen Pfaden herübergekommenen Sim- 
mentaler und Saanenländer gastfreundlich aufgenom- 
men habe. Daher die RA.: Z' G. ist der Tusch [Tisch] 
för alli Litt 'deckte*. Nach anderer Tradition war es 
ein Einsiedler, der die (legend, bes. die Herden, vor 
bösartigen Einflüssen schützte. ,St G.' in Z vor der 
Reformation Patron der Schneider. — guet-männlig: 
leutselig GrPi'. 

Güeter-: Landwirt ScnSf. En G. sött-si''' choiiiie" 
7 Jar hinder e" Bebe" verberge". 

Gatze- (auch Gatzi-). Dim. Gatze-MannH; grosser 
Mull' der weiblichen Bevölkerung auf dem Lande Ft. 

Schweiz. Idiutikou IV 



Syn. Schlau/. Mi" G. lal d' Ilar gä"; d' Schabe" si" 
iner ilri" chu". — Aus frz. cachi main, waadtl. ■■■ 
mit Anlehnung an .!/><,*,< ,■ vgl. Basel* Bf. 

Gle'tti-: mit Tuch überzogenes, etwa manns- 
langes Plättebrett Aa: Bs; Syn- Gletti-Brett. 

Gruebe"-: „Jener, der die Hausjauche zur Dün- 
gung seiner Felder abholt G." Syn. Güllen-M. 

In Aji auch als Geschlechtsn., womit aber riell. eher 
,der an iler Grübe Wohnende' gemeint ist. Syn. G 

Gred- = Greding (Bd II 705); s. er-getzen (Bd 11 
574). Verallgemeinert: zu gewissen Festzeiten an 
Dienstleute abgegebener Lohn, Geschenk übh. .Bin 
käller am g'stift gibt dem weibel zue Schwamendingen 
die gredman am helgen abend zur wienacht an brot 2. 
an wyn 1 köpf, an gelt 1 ja 8 hlr.' XVI.. Hotz, Schw. 
.Dem Weibel zu Wienacht an Gr. Brot 3, an Gr. Wyn 
1 Kopf.' 1649, ebd. — Ans ,6redmi ch ' mit Anlehnung an 
das in Gebäcknamen so häufig verwendete Mann. 

.Grafschaft-: der in einer vogtei sitzt, der under 
einem vogt oder bevogtet ist. provincialis.' Mal. - 
Graffel-Manndli = Graffei 3 BHa. — Gröggel- 
Mannli = Groggel Bd II 728. Es sottigs Gr. sott 
schurige* VO" Schwächt, sollte nicht Andern Schwäche 
vorwerfen. Schwz. Dorfkal. 1860. — Grisen-Man n : 
Greis. S. grls Bd II 799, Anm. Als Geschlechtsn. um 
1330, Z Stiftsurb. — Gross-: Grosstuer; vgl. Gross- 
Hans. .Es ist begegnet gar Manchem, der bei wären- 
dem Friden Grossmann syn und nicht den Nammen 
haben wollen, dass er ihm fürchte.' JJBreit. 1642. 
Auch Geschlechtsn., gespr. Grösfsjme* Aa; Scuw; Z. 
— Grätti-: Gebäck für Kinder in Gestalt eines 
Mannes mit gespreizten Beinen Bs. Syn. Gritti-Benz. 
Auch ähnlich geformte Holzfigur als Spielzeug, ebd. 
S. auch Grätti. — Hab er-Männdli: kleines Gebet- 
buch in Sedezformat, benannt nach dem Verfasser Job. 
Habermann f 1590, beim Volke bis heute beliebt Z. 
.Die Mutter betete den Abendsegen aus dem H.' JSenn. 
Spottweise, ein Spiel Karten GitPr. ; Syn. Bett-Büechli. 

Hübsch-Mann: 1. Buhle, Ehebrecher. , Wer sein.' 
Frau an seiner Unehre findet und er tötet sie oder 
den H. oder Beide, soll 18 Heller auf den Leichnam 
legen uud damit unschuldig sein.' 1398, Z Ges. (nach 
Joh.v. Müller). ,Hübschmann, amasius.' XV., G Voka- 
bular. .Ob sich begebe, das" der eeman dewäders lyblos 
täte uf der tat und darnach frid an sy erfordert wurde, 
so söllent sy alle, es syg der eemann. die frow oder 
der hüpschmann, schuldig syn, frid ze geben und ze 
halten.' 1578, Z Ratserk. — 2. = hübscher Mann; s. 
hübsch 4 Bd II 965. Dazu: ,Swele r burger dehein 
brutlouf hat, gibt der deheim hübschen man [Gaukler] 
ine denne zwene gygern uud zwein töibern und an 
das zwein hübsch mannen essen oder trinken oder gil 
er deheim nie, so git er von ieglichem 1 mark Silbers.' 
um 1300, L ä. Ratsbüchl. 

Zu 1 vgl. frz. gakmt-htmme, zu - mattre de plaisir. Das* 
das W. Compositum war und ein Gewerbe bezeichnete, be- 
weist auch der Geschlechtsu. .Hübschmann.' 

Hechel-: Hanf- oder Flaclishechler. ,Den Hechel- 
manneu von Wengi aus dem Turgau von 25 Pfund 
Reisten zu hechlen 25 ß.' 1676, Zuuers Tagb. .Hecbcl- 
mannen, deren drei, täglich 1 Mass Wein sammentlich 
und */• Bissen Käs.- XVII., AaMuh Gesindeordn. 
,N. N., der H.' XVIII., Bs Stdt, oft unter den Bürger- 
aufnahmen. — Heide n -Manndli: mythisches Wesen 



25!' 



Man. inen, min, mon, uiun 



260 



der Vorzeit öwGisw. Syn. Wild-Mannli. S. l.üt.. 
Sagen 180. — Hndel-Mann lis; B, Hudle"- GlH., 
Hudüi- Ndw: 1. Lumpensammler Bs; Gl. — 2. der 
, Wild-Mann' an der Älplerkirchweib Ndw; vgl. Hudel- 
Wtli. — '■>. Lump B; ZO. Wen« /.'utc aHi Hand- 
werch cha"", so giH-er z'letst en IL B. — Bäfeli-: 
Hausierer mit kleiner Töpferware. Im Kinderreim: 
//.. Beckelima"", d's Häfeli muess es Deekeli ha". 
Schwzd. (Gl). — Hage"-: der Halter des Zuchtstiers 
(Hage") Tu; ZSth. — Hoger-: 1. Mann mit einem 
Höcker Scnw; Z. — 2. Hoger-Mändli = Högerli (s. Ho- 
ger 6 Bd 11 1086) Zg. 7" d' //. gö", sie pflücken gehen. 
— Hugel-Ma"". -Männdli: Nachtkäuzehen Bs. 

Hagge" - Mi", bezw. Hoggc- : Hakenmann. 
1. Wassermann, Nix, vorgestellt als alter Mann mit 
langem Bart usw.. welcher in allerlei Gewässern haust 
und mit seinem langen Haken die zu nahe Tretenden 
in die Tiefe zieht. Hauptsächlich Schreckgespenst zur 
Warnung an Kinder. .Tridentifer quo infantes terren- 
tur ne nimis aquae appropinquent.' Id. B. Heb Sorg, 
nimm-di ch in Acht! De 11. nimmt <&<*.' oder: Gang 
iiinl .:' mich zum Sc iUiillc"loch, Gumpe", Bach) tue, 
sust nimmt-di"* de' H.! Aa; Bs; B; Gl; G; Sch; Tu; 
Obw; Z. S. Baeh-Häggel IM II 1097 und lussen Bd III 
1455. Chinitc", ijum-mcr [geht mir] uiiil zum Weier, 
's nimmt -i [euch] sust de' II : tuf im Wasser hockt 

er stille", hat en leite" Mantel a". KdMey. 1860. De" 

H. im Oberblegise wird-en bim Bei* gfnu" ha" Gl 
(Kohlrusch 237). .An Hakenmann und Bölimann glau- 
ben wie die Kinder.' Gotth. Mer [man] het [in der 
Jugendzeit] nit Chummer brache z' hü" vor Landvögt, 
Oberg'richte" ; der Bölima"", der IL het Alles müsse" 
2? schlichte". Ott 1864. .Man zecht bis in die Nacht 
hinein, gar Mancher gebt auf dem Heimweg kreuz 
und quer, bis ihn der schlaue H. in Bach hinunter 
ziehen kann.' Dietschi 181!. In BBiel ein hagerer, 
grosser Geist in Mannsgestalt, der die auf dem Heu- 
boden spielenden Kinder mit einem langen Haken 
herunterzieht und raubt: Gang-mer nit uf d' Büni, 
süsch nimmt -ili' h der H.! In Z um Uster HÖggeli- 
Mä"", ein Gespenst im Kornacker, mit welehem man 
die Kinder vom Betreten des Letztern abschreckt. 
„Eine Art Totengerippe als eines verpersönlichten 
Wesens L"; vgl. den .Sensenmann.' — 2. Geizhals; 
„niederträchtig geiziger, zanksüchtiger Mensch" Gl. 

- 3. gemeiner Milizsoldat, oft in geringschätzigem S. 
l!f; vgl. vRodt 1831, 64. — 1. Hägge"maime* = Halde"- 
Chrüt (Bd 111 891) ZS. 

Zu 1. Über den Wassern ix vgl. Gr. Myth. 275. 462. 
186; Kohl, Alpenr. III 334. Bed. 2 zum Vb haggen 4 (Bd II 
1096). Bed. 3 nach B Taschenb. 1862, II eig. spöttische 
Bezeichnung der nicht mehr im Auszug befindlichen, mit. den 
alten Hakenbüchsen bewaffneten Mannschaft, während, seit 
der I. Hälfte des XVII. , der Auszug Musketen trug. Bed. I 
eine Übertragung von I, weil diese Wasserschlingpflanzen 
den Schwimmer, wenn er sich darein verwickelt, in dir 
riefe ziehen. 

llolli-: Schreckgestalt Ihr Kinder Bs. Syn. Böli-M. 

— Zu //..//.«, pochen (Bd II 1 157); vgl. auch ffollelio. ebd. 859. 

Hold- Hall- = Holder I (Bd II 1183) I'Al. 

Wachholder- = Elggermann TuTäg. 
So benannt wegen der an Stelleder Augen, "it auch des 
Nabels, eingesteckten Wachholderbeeren. 

G'bilf- (SoawMa.), G'lulfs- (L), G'hülf- (SchwE.; 

S; Tu; '/.) mc": Gehilfe, z.B. eines Zabnarzts. in einer 



Apotheke. — Helge"- Bs, Hclacli- ZS. f: Verkäufer 
von Hellten 1 ( Bd 11 1199). In ZS. waren es bis um 
1860 arme Vaganten, welche Kindern gegen Glas- 
scherben, altes Eisen, Lumpen und Knochen .Helgen' 
und sog. .Menschenhäute' austauschten. Der II. lauft 

ihr Mammi" nah mal seit: Scheut Madam, laufe" si 

doch die empfindsami Historie vo" der heilige" Geno- 
refa. Schwzd. (Bs). 

Holz-: \.l>\. lliil.manm» ZZoll., Holzfäller GSa. ; 
Z. — 2. Holzlieferant, -Verkäufer. .Meister Uolricb, 
der b. von Louffen.' L386, Bs Rq. .Kein IL oder Holz- 
führer soll das Holz in höhern Preis bringen [als die 
obrigkeitliche Taxe].- Z Ges. 1757. — 3. im Kinder- 
spiel = schwarze' Mä*" ScHwMa. 

:; wohl oig. Gespenst aus dein Wahl; ,Holz, Wahl' ist 
viel], Sinnbild der Unterwelt; vgl. Mann '; a, nihd. i«rft- 
nian, Waldgeist, Satyr, nhd. , Waldmuhme.' 

Zündhölzli-: Hausierer mit Zündhölzchen Z. 
— Hung- = Imben-M. 2. — Hansel(i)-, Hanse 1 i-: 
eig. Träger des Namens Hans (Bd II 1468), in ver- 
schiedener Anwendung und Übertragung. 1. als Vorn. 
.Hanselm.' 1520, ZÜet.; 1521, ZStdt; 1521, BThunj 
.Hansenm.' 1525/1600, Zllinw. (auch .Hansam.'); ,IIan- 
senmändli.' 1539, Abscu. (Th); 1598, ZZoll. Jetzt noch 
als gemütliche Anrede an einen Knaben Namens Hans, 
wie Heirima*" für Heinrich; daher der Kinderreim: 
(Der) Hanselima"" hat Höseli a; (hat) 's Degeli uf 
der Site", hat 's Boss rerchauft, hat 's Geld versauft 
(verspilt Schw; ZG.), iez chann-er nümtne" rite" Bs; L; 
Scuw; S; Z. H. hiid Hasen a", hind und cor es Schelle! i 
dra" ZReg. //. hat Dreck am Ba", hinnen and turne" 
llollcli ilni" Tnllw. /'' nett nit d'r Hanselma" singe*, 
ich möchte mir nicht die geringste Mühe geben mit 
der fraglichen Sache S; vgl. Hans (Bd 11 1469 u.|. Im 
Kinderrätsel für den Pflug bezeichnet der Name den 
Bauer als Pflughalter: Zireti rumli Bundelt [Räder], 
-.iccu g'hörigi Zundeli [Ochsen], Hansima** isthinde* 
ilra", <'ass 's Niemer wol erröte" cha"" S. — 2. ein 
Backwerk für Kinder, Lebkuchen in Form eines Man- 
nes mit gespreizten Beinen, Bock und Hut L (Han- 
siii-): S (Hansel-M.). Syn. Grätti-M. Bring-ne" öppen 
e" H.; i'* mll-der no c " dürri Ghirsi nml Zwätschge" 
dereuege" und g'spasswis Oppise" chli" us- d em Gliämmi* 
und säg-ne", der St Nikiaus heb-nes g'schickt! B\\'\ss 
1863. Auch eine Drahtpuppe S. — 3. Hanseli-M., 
Maskierter = Hans 3 b Uw. — 4. Hänseli-M. = Beb- 
Hansel (Bd II 1173) SenSt, ; TuTäg. Er schneidet 
den Kindern die Hand ab, wenn sie nach Trauben 
greifen wollen. 

Heinz-: Koseform des Namens Heinrich (s. Bd II 
1313). .11. l.üdin, der fassbinde.' 1368, Bs l'ik. ,11. 
von Silinon.' 1131, W. ,11. am Grund.' 1572, W. 
S. noch Heu: Bd II 1 177. 

Auch ,Hcinzel-.M.' kommt vor als Geschlechtsn. BsL ; 
,Hanzel-M.', welches Kali;,' als Gefangniss od. Drille (Drehkorb) 
als Strafmittel bedeutet haben mnss (,Iu schwereren fällen 
wurden die Vorgeladenen auf dem Rathanse in den Hantzel- 
maun gesetzl "der getürmt,' um 1700, ZEgl. It Wild 1883), 
damit zu vereinigen, hätte keine begriffliche, wohl aber laut- 
liche Schwierigkeit. Zu dieser ev. appell. Verwendung wären 
die cht. auf den Personennamen .Heinrich' zurückgehenden 
Heirute (Bd II 11771 für Holzgestell und .Stifolheinzel' für 

.SticIVll; :ht' hei Schm.-Fr., bei Gr. WB. I b, 890 .Heinz', 

Wasserhebemaschine, zu vergleichen. 

Haupt- Hoptme" (PL Häpitne" und Hoptlüt) Ar, 
Ilopmc" oTu. sonst Hattpme". 1 »im. (verächtlich) Ilänji- 



•Ji.l 



Man, 



inen, nun, linin. iiinn 



262 



meli, Höptmeli: 1. beim Militär, Anführer einer Kom- 
pagnie, allg., früher eines Fähnleins. ..Teiles Fähnlein 
hatte einen H. und einen Venner, alle Fähnlein stun- 
den unter dem Panner der Stadt; der H. beim Panner 
war des Zugs oberster Feldhauptmann, der Panner- 
lierr der zweite im Hange.' 8kg., HG. II 417; s. auch 
vRodt 1831, li>'-'. ,H. Nielaus, als er zum ersten mal 
ein halben h. was', d. h. ein halbes Fähnlein befehligte, 
1563, Obw Staatsprot. ,H. über das grosse Geschütz', 
Chef der gesammten Artillerie. 1528/89, 13 (vRodt 1831 
11 171). ,Bei jedem Regiment war der Oberst auch 
II. des ersten Fähnleins, das alsdann der Lieutenant 
befehligte.- XVII.. 15 (ebd. 185). — 2. (auch G'meind- 
H.) einer der zwei ersten Vorgesetzten einer Gemeinde 
oder Rhode, wovon der eine der regierig [regierende], 
der andere, meist dessen Stellvertreter, der stiUstent 
[stillstehende, quiescierende] H. heisst Ap. Emm de" 
II. schicke", bei einer Injurienklage Einen durch den 
H. zur Rede stellen lassen. Etwas hönder de" II. legge", 
zur Sicherheit beim Ortsvorstand deponieren. Sie sind 
zugleich Mitglieder des grossen Rates; vgl. H-s-Ge- 
meind. ,üer ammann und der hoptmann und ge- 
mein lantlüt ze Appenzell.' 1404, Ar (Zellw. Urk.). 
Klage von sieben Gemeinden in G: .Der Abt setze 
jeder Gemeinde (gegni) einen H. nach seinein Gefallen, 
während früher jede selbst den H. gewählt habe.' 1525, 
Aßscn. ,Wenn Landesbeamtete, wie früher, dem Ge- 
meindrate beiwohnten, so hiess er Amt-, Hauptleut 
und Räte. Hauptmanns- oder Rodsgemeind.' LZellw. 
an Leu 1720; vgl. noch Seg., RG. I 141. Über die 
wahrscheinliche Entwicklung der bürgerlichen Würde 
aus der militärischen vgl. Lanäs-Fänner Rd I 832. 
— 3. der Vorzüglichste, gleichsam der Führer unter 
Vielen, in Etw. Uw; Z. Das ist der Hautmen under- 
ne"; er cha"" 's am beste" Ndw. So in ApI. die statt- 
lichste Ziege der Herde; Syn. Fuer-Geiss; Land- 
Ammann; Fünner. 

Von altern Schreibungen seien noch notiert: ,Hoptma.' 
1500, Absch. .Hötmen.' B (wohltat. Jüngl. 1780). Zum 
ersten Bestandteil s. Haupt Bd II 1495. 

Vicr-Orten-, auch Lands-H.: bevollmächtigter 
Gewalthaber der vier Schirmorte Z; L; Sciiw und Gl 
über die sämmtlichen Landschaften des Abts von G, 
mit zweijähriger Amtsdauer und Sitz zu Wylj vgl. 
Leu, Lex. VIII, 118. Syn. .der Schirmorten H.' - 
Für-: Kommandant der Feuerwehr, Vorgesetzter über 
das Löschwesen einer Gemeinde TnHw.; Z. Jetzt noch 
als Zuname von Familiennamen ZS. ,l)ie von Bülach 
schicktend [bei einer Feuersbrnnst] iren fürhoptmann 
mit etlich 20 mannen gen Winterthur.' JMal. 1593. 
Scherzh. für Hebamme ZO. — Frei-: Hauptmann 
einer Freikompagnie (Bd III 306). ,Fr., capitaneus 
s. centurio selectae cohortis.' ThSpieser 1716. — 
Läubli-: wer am Silvester zuerst auf den Abort 
(LäubliJ geht Ap. Vgl. die Zssen mit -Fuchs. — 
Lands-: 1. der von der Landsgemeinde gewählte 
zweitletzte Staatsbeamte, einer vor. der andere hinter 
der Sitter ApA. In ApI. der dem Seekelmeister fol- 
gende, einzige Landesbeamte dieses Namens (T.); vgl. 
Lands-Fänneri Bd I 832. Früher auch das Landes- 
oberhaupt von W; frz. baillif. — 2. Kriegsoberster 
über die gesammte Streitmacht von U (Leu. Lex. XXIII 
756). — Fürleitere"-: Führer des Leiternkorps bei 
der Löschmannschaft ZStdt f. ,Zimmermeister, wel- 
cher zu einem Feuer-Leitcren-Haubtuiann verordnet 



ist.' Z Stnrmordn. 1772. — Schüfle" fSchüflis-JLüte"-, 

Srhufrl- l'iirc»-: Befehlshaber der Pioniere. 1533/SS. |; 
(vRodt 1831, II 143). — Panner-: Hauptmann .zur 
Panner'; vgl. Haupt-mann 1. .Her P. und sein Venner 
(Pannerträger), Chargen nach dem obersten Anführer 
(Oberst-Hauptmann) und seinem Venner beim Auszug.' 
Bf bis um 1590 (vRodt 1831 I 114 und II 168). 

Quartier- H.: vom Landvogt ernannter Beamter 
über eines der vier äussern und vier innern Quartiere, 
in welche die Landschaft Th eingeteilt war; Oberauf- 
seher über die .Kriegs-Ordnungen', etwa entsprechend 
dem heutigen .Bezirks-Kommandant'; vgl. Simmler, 
Reg. 1722. 687. Ebenso waren Stadt und Landschaft 
Z in 20 Quartiere mit einem Q. eingeteilt. Leu, Lex. 
XX 439. Vgl. Q.-Herr. 

Die Einteilung in .Quartiere' geht auf die städtische Or- 
ganisation zu militärischen, bes. aber Löschzwecken zurück. 

Senne"-H.: neben Sennen- Fänden, -Aminen und 
-P/leger eines der Ehrenämter an der Sennenchilbi LW. 
(Schwzd. 42, 10 f.). — Schanzen-: Befehlshaber der 
,Schanzgraber', wie seit 1588 in B die vorher .Schuflis- 
lüt' genannten Pioniere geheissen wurden. vRodt 1831, 
II 144.— (Büchsen-)Schützen-: Anführer der ver- 
einigten Schützen des .Auszuges' Bf; vgl. Schützen- 
Meister und s. vRodt 1831, 120. — Spiessen-: der 
Hauptmann über die Spiessträger im Gegs. zum .Hell- 
parten-H.' Früher allg. (s. vRodt 1831 I 123, II 179, 
wonach es in B 1533 deren 3, 1560 und 1598 aber 
nur 1, doch mit einem Lieutenant, gab). ,N. N., 
Spiessenh.' 1638, ZZoll. Taufb. — Stuck-: früher 
Befehlshaber der Artillerie B; U; vgl. Züg-Hcrr IM II 
1549. — Stadt-: Befehlshaber der Stadtwache. XVIII.. 
Z. S. Leu, Lex. XX, 439. — Trossen-: Hauptmann 
des Trosses, Fuhrwesens, Trainkommandant, seit 1589, 
B. S. Val.Friderich 1619, 32. 73 und vRodt 1831 II 
181. — Wiber- s. Wiber-Mäl. — Wagen-: Befehls- 
haber über die Wagen, den Tross eines Regiments. 
XVIIL, Z. Der ,Ober-W.' war als solcher Beisitzer 
des Kriegsrates; s. Leu, Lex. XX 434. — Zehn den-: 
vormals Vorsteher eines der sieben .Zehnden' oder 
Landesbezirke im oW. 

h a u p t - m ä n n e 1 c " häptmele" : den Hauptmann 
spielen; spec. von Ratsherren: Lust zur Hauptmanns- 
stelle verraten Ar; vgl. landämmelen. — haupt- 
männisch: adv. verstärkend, sehr. //. brar Bs. 
Syn. hauptendisch. 

Här-Manndli: Alpenwindröschen, an. alp. Ulla. 

Der Name bezieht sich auf die aus haarähnlichen Fasern 
bestehende Blüte; vgl. Mann /., Sehüder-M., Wald-M. 4 b, 
Siden-Huet, TüfeU-Bart. Durli. schreibt ,H.-Manteli.' 

Herrschaft - Mann: Angehöriger einer Herr- 
schaft; vgl. Amt-M. 3. ,Dass ein jeder H. [der Herr- 
schaft Wädensweil] befüegt syn sollte, in die Statt 
zu ziehen.' 1046, Z Staatsarch. (.Burgrecht der Herr- 
schaft Wädischwyl mit der Statt Z'). — Heiri-: 
Heinrich als Koseform und meist nur in traulicher 
Anrede; oft in der Reimformel: H. hat Hosen a" Z. 
Vgl. Hansel-M. und Hosen-M. 2. — Hori-: Vater 
des Täuflings II. Syn. Chindbetti-M. Zu Hori= Hörn; 
vgl. Bd II 1618 (4 k). — Hurrli-Mä"". -Manndli 
= Hurrli-Chnopf (Bd III 751) Aa (Roehh.). Vgl. 
Hurrli-Bueb. — Harnisch -Mann: vormals Krieger, 
der einen Harnisch trug. In späterer Zeit, als die 
Harnische beim Heer mehr und mehr ausser Übung 
kamen, dienten solche bei Umzügen als Dekoration. 






Man, raen, min, ffloti, niiiii 



264 



So seit 1713 in I.st.lt beim Fritschiumzug einige 
,11. -mannen' als Erinnerung an die vormalige mit der 
ehschau verbundene und nun durch den Fritschi- 
umzug ersetzte militärische Feier des .Landsknechten- 
umzugs.- Liebenau 1881, 242. , Falls etwa erwachsene 
Knaben sieh in den Waffen üben wollten, so wollen 
wir ihnen nach Pfingsten Umzüge erlauben, wobei 
alle Harnischmänner und alles Schiessen ausser der 
Ordnung verboten sein solle.' Bs Eef.-Ürdn. 1765/68. 
So auch beim .Aufritt' des .äussern Stands' im alten 
l; im XVII. und XVIII., wobei nur der .Rat' und 12 
Bui vr' als ,H-en' zu erscheinen hatten; vgl. B Neuj. 
1858, 17/8. Hölzerne Puppe oder Figur als Träger eines 
Harnisches in Zeughäusern usw. B; Z. Der grüss 
[grosse] Harnischmändel [am Zeitglockenturm in BStdt] 
BGr.; s. Christophe! Bd III 869. .Harnischmännchen' 
neben Vögeln. Putten als ornamentaler Schmuck gemalt 
um die Fenster an der Aussenseite eines Hauses LStdt 
(Liebenati 133). — H8rndli-Ma" = Gäbeli-M. 1 L; 
GF., G. ; S. Wenn doch de LI. die frönde" Wörter 
1ml,'" ic'iir'. G Kai. 1891. Das isch Alls so weidli cl > 
'gange*, dass der Müller hätl chönne" glaube", der II. 
sig hinger si g'röte*. BWvss 1863. S. noch Runggelis- 
Eafen (Bd II 1016) und Hörn 6 (Bd II 1619). — 
llarpfe"-: wandernder Harfenspieler Z f. Wie's 
g'heisst i" dem Lied, wo de H. g'sunge* hat. Stütz. 
l[,..se"-: 1. bei der Armbrüstschützengesellschaft 
in l'.Tliun Derjenige, der die meisten Treffer hatte; 
der erste Preisschütze ; vgl. Äschlim., Chr. von Burgd., 
iL'. So vormals auch in aScHW und in U. War Einer 
im Stich der Erste, so rief man: IL! oder: er ist hütt 
IL [Schützenkönig] aSciiw; U. S. noch (Herren-) 
Hosen-Geld Bd II 250. — 2. (scherzh.) hosentragender, 
dem Flügelkleid entwachsener Knabe S; Z; s. Hösi 
Bd II 1699 und vgl. llciri-M. — 3. Höseli-Mä, cha- 
rakterschwacher Mann, Achselträger U. Syn. Höseler 3. 
Si sölled-mer ««' [zum Handgemenge] clw", wenn s' 
Öppis sind, die Hose'mandeli. ,M Lienebt 1888. - Zu 
Bed. 1 vgl. Hosen S c (Bd II 1690). 

II üs-, in B; S auch G'hüs-, in 8 B'hüs-Ma, -me: 
1. Hausmieter, Einer, der in einer gemieteten Wohnung 
wohn! IS; ZO. ; vgl. Hüs-IM. Syn.Hüseler. .Sein Hei- 
met war sein grösster Stolz und von Jedem, der keines 
hallo, sagte er mitleidig: Er isch umme" e G'hüsme", 
er isch umme? .:' Hüs.' Gotth. .Still gieng's zu auf der 
Zeughauswache, welche hauptsächlich aus schittern 
[gebrechlichen] Hausmannlene bestand.' ebd. .Her 
Hanoi- will seinem G'hüsma höchstens ein Eggeli Land 
geben, und soll ihm noch einen schweren Hauszins 
abwerfen.' B Wochenblatt 18-17. Er isch en arme 
G'hüsma g'si". SchUpfer 1851. Auch als Titel und 
Anrede und zwar auch von Seite dritter Personen B. 
,1 i.i hett ein hussmä drin [im Hause] g'han.' 1540/73, 
ÜMey., Chr. .Hausmann, Bciwbner, inquilinus, in- 
habitator.' Bed. 1662. .Kommet die liebe Gottsforcht 
an euch, losieret disen Gast in euer Haus, diser Haus- 
mann gibt dir den besten Zins.- FWvss 1073. .Per 
\ erleihcr kann den Besteher oder Hausmann nicht 
länger darin [in seinen Räumlichkeiten] haben.' XVIII. , 
Z Stdt- und Ld-R. — 2. als Correlat zum Vor., Haus- 
vermieter li (selten). Si" W&rchzüg ist sein," längst 
verpfändet dem strenge" G'hüsma für a e* /-eis. Ott 

1864. — 3. Verwalter eines (Gottes-) Hauses. ,I)er- 

jenig biism.. welchem das obgemell schwösterhus in- 
ggben [verliehen].' 1596, AaZ. Stiftsarch.; vgl. Gotts- 



hüs-Mann 2. — I. Hauswirt, der seinem Hause wohl 
vorsteht Es; BHk., „wirtschaftlicher Mann mit oder 
ohne eigenes Haus und Land L", oeconomus Ulla. 
(Id. H). Vgl. H.-Frau (Bd 1 1246). Er war sust eso 
brav ioid sn-iie" rSchtschaffene' Hüsma**. Breitenst. 
Eu jede' JSilr und Hüsma"* chonnt in Schade» int", 
ich si [die Strasse] döre" chonnt. Ae Kai. 1847. — 
5. Einer, der spart fhüset), sparsamer .Mann Seil; Z. 
Wie isl Das nid en Hüsmä** g'si" cor Zltc", jel: hat 
er bald keis Hüsrötli me. Stutz. - G. Hüs-Mannen 
= U.-Lut 2 (Bd 111 1521). Man sah sie häutig mit 
einem Knotenstock in der Hand und der Tabakspfeife 
im Mund; so in einem Trachtonbuch aus dem An f. 
des XIX. — Hüsmeni": Haushälterin ScnwE. Zum 
Seh recl.c" vo" der alte", unwirsche" H. [kam ein Bettel- 
kind in das vornehme Haus]. MLieneut 1891. 

Was XMan. (.Per friinuu arm krank hüsiuanu.') unter 
dem W. vorsteht, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. 

Gottshüs-: 1. Sg. zu Gottshus-Lüt Bd III 1521. 

,Es sond gotshuslütgotshusgüeter inhaben, nutzen und 
messen, und ob ein ungotshusman ein gotshusguet 
inngehebt kurz oder lang on gunst und willen eines 
herren und abts, mag ein jetlicher g. [dasselbe] an- 
sprechen.' 1464, ZRhein. Oft'n. .Wenn ein g. seinen 
herren verrat oder einen g. oder ein gotshuswib er- 
schlecht ze tot, des lyb und guet ist dem gotslms 
verfallen unz an des apts gnad.' 1582. UwE. — 2. „Be- 
amter, der für die Kirche, d. i. das Gottshaas, zu 
sorgen hat. In alten Luzerner Urkunden." ,20 blap- 
hart sond an die spend gon und soll die der g. us- 
richten.' 1470, LE. Jahrzeitb. An anderer Stelle von 
gleicher Hand .Kilehmeier.' ,l)er Spendmeistcr und 
der G. sollen das Gemüess versuchen, damit es die 
Armen gut erhalten.' 1555, Aaraukr Ratserk. (Olli.). 

— Ebben™-: Maskierter, auf dessen ganzem Gewand 
Epheu aufgenäht ist S (Schild). — Häxe"-Män nli: 
Holunder-Männchen Es. Syn. Häxe'-Wibli. 

Heiz-Mann = Heinz-M., erhalten als Geschlechts- 
name Z. Appellativ gewendet: .Der schwarz h.', der 
Teufel. Koi-ros 1532. 

Letzteres vi. -II. mit Anspiolung aal ,(dic Holle) heizen'; 
doch heisst der T.iil'.'l auch wirklich .Heinz(li).' 

Motze"-: Schwarzwäldcr aus dem Oberamt Hauen- 
stein in alter Tracht; vgl. Hotz I (Bd II 1835). 

Chabis-: 1. wandernder Krautschneider, meist 
aus Vorarlberg und Tirol Z; Syn. Ghabis-Schnetzler. 

— 2. Nebenbuhler BG. (Nydegger 1890). '_> cig. wer 
.l.aii Andern in den ,Kohl' (s. Cliabin), ins Gehege geht. 

Chacheli- 1!; LE., Chaclüe"- Gn = Chachler. - 
Lebchueche"-: Lebkuchen in Form eines Mannes l!s. 
L-e hanged am [Christ-] Baum AaB. (Landesztg 1867). 
In Uw mit Abbildungen des b. Nikolaus und auf den 
S. Nikolaustag bereitet. Vor Allem hat, der Clilims 
de" Chindc" diu' llire", Xus* und Mitlschli 'brunge* 
und e" Lj., e" linde". Sciiwzd. (Gl). L-en und Leb- 
chuechenfrauen in B an Weihnachten, Silvester und 
Neujahr. .Stattliche L-en [auf der Messe] mit den 
grossen, steifen Zuckerfedern auf dem Dreispitz.' Mky.- 
Mer. 1854. — Ch üechli-: Fastnachtkuchen in Form 
eines Mannes ZS. Vgl. Chüechli- Maien. Kind zur 
Mutter: Mächt es Hämpfli Teig denn [an der Fast- 
nacht | ha", dass i ch icider chönnti forme« en famose* 
Ch. ESchönenb. Chudei-: 1. komischo Person bei 
Volkaaufzügen (in li z. B. am Hirsmontag), ganz in 



265 



Man. 1 1 1 < ■ 1 1 . min. nion, ninn 



266 



Werg eingehüllt (vgl. Ebheuw-, Miesch-M.), bes. aber 
mit einem Barte von Werg B; S f. — 2. Ch.-Mannh 
a) kleiner Mann mit struppigem Bart Z. — b) ge- 
ringes, altes Bäuerlein B; S; auch mit dein Nbbegr. 
des erfahrenen, witzigen S. ,Ein klein, anscheinbar 
K.. wir glauben, er trug noch Spitzhosen.' Gotth. 
.So ein alter Barth', ein sechzigjährig K.. hat gut reden.' 
ebd. S. noch Grännet Bd II 744. Chafel-Manndli: 
heftiger, vorlauter Schwätzer Ulla. 

<'häfer-Ma nn : Grenadier Z (scherzh.). 

So benannt, weil iu den Spitzen der FrackschtissG Ver- 
zierungen von rotem Tuch (Granaten) aufgenäht waren, welche 
einem Käfer ahnlich sahen. 

Chauf-: Käufer Gr; Lj Scnw; Uw. Er (si) ist 
zu Dem Chaifme* Ndw. S. Hütten Bd II 1778, laufen 
Bd 111 1120. — Für K. im schriftd. S. ist beim Volk 
Handelsma"" üblicher. 

Chelle"-: Krämer, der mit hölzernen Kochlöffeln 
hausiert Z. Büe/f'e" wic-n-en Gh., laut rufen. — 
Chille"-: .Mann, der, wegen Vergehens zu öffent- 
licher Kirchenbusse verurteilt, vor den .Stillstand' 
gestellt worden ist ZKn.f — Kund-: Einer, durch 
den man Kunde einzieht, Kundschafter, Gewährsmann. 
,Wir schickten einen k. üs um geleit.' 1460, Gfo. (Bs). 
,Also lötend die wort unsers kundmanns, der uns der 
handlang bericht hat.' 1530, Arsch. (B). — Charrc"-: 
1. vonnals Verbrecher, der zu öffentlicher Arbeit in 
Fesseln, eig. zum Ziehen von Karren, verurteilt war Z. 
En ledere'' luegt ',- di c '' für en Ch. a", wo erst ns ''cm 
Zuchihus cho" ist. Wolf, Banerngespr. .Die sog. 
Karrenmänner, davon einige ihre Ketten Tag und 
Xaeht tragen müssen. - HBossn. 1810. — 2. .ordinari 
Kärrlismamr, Fuhrmann, der den Warenverkehr ver- 
mittelt und zwar zu bestimmten, regelmässigen Zeiten. 
BMand. 1763. Vgl. Bännli-Earrer (Bd III 427). — 
Chürbse"-: ausgehöhlter Kürbis, an dessen Aussen- 
seite ein menschliches Antlitz eingeschnitzt ist und 
der durch eine Kerze von innen erleuchtet wird. Die 
Knaben laufen Abends mit solchen herum, indem sie 
selbige über ihren Kopf halten, oder sie stellen sie 
in eine dunkle Ecke, um die Leute damit zu schrecken 
Tu; vgl. Siiben- Liecht. — Cherzli-: Spottname für 
einen Geistlichen. .Mein Herrgottsfresser. K., will Nüt 
tuen weder g'nustert [das Paternoster gebetet] hau 
von einer Kirch zur andern; da tuet er Nüt dann 
blöderen.' JMahl. 1620. — t'häs-: Käsehändler, -Ver- 
käufer Z. Am lärc" Stand [Bude] schmücke" wie de* 
Gh., das Nachsehen haben. Srnww. 1860. .Dann konnte 
er [der verschmähte Freier] nach dem Markt am Stand 
schmöcken, wie der K.' JSenn 1854. .Käsmannen von 
Brienz husieren.' 1722, Sch Zunftprot. — Chette"-: 
in Ketten einhergebender und angeblich für den Los- 
kauf von Christensklaven Geld sammelnder Vagant. 
Arsch, (lt Sonntagspost 1860, 780); vgl. Mer-Mann. 
— Chatze"-: Mann, der mit einem Sack auf dem 
Rücken Katzen aufkauft, um deren Bälge zu ver- 
kaufen und das Fleisch zu essen Zf. — Chutze"-: 
Popanz, womit man die Kinder schreckt BRoggw. 
(Glur 1895). Syn. Nacht-Chüz Bd III 603. — .Klaf- 
fen-: der mit der klaffen [Klapper] das almuesen be- 
gärt, als die aussetzigen.' Mal. — Chlinge"-: Burg- 
wart auf llohenklingen ob SoHSt. De' Chi. steckt cn 
fürige' Besen use', zeigt durch ein Feuerzeichen eine 
Feuersbrunst an. die er gewahr worden (Dan.), Sind 
d' Früehwise" g'mäit, het 's (dti Sprüchwort g'seit, so 



teil de* Chi. de" Clmesichratten o", d. h. es beginnt 

die Kirschenernte. Sdlgf.r. Gl bei-: kurzer. 

dicker .Mann (litl'r. — (.' h rac h e" - M a u n 1 i : Mann. 
der wogen eines Meineides um einen Wald. .Krachen' 
gen.. als Gespenst rumort GrL. (Jecklin 1874, 86). 

— Chraft-Ma"": zu erschliessen aus dem Vb chraft- 
männk", seine Kraft in übermütiger Weise zeigen 
wollen, „das Kraftmännchen spielen BO.," Stdt; „LE." 

— Chriegsme": Söldner. En alte r Chr. ZS. ,<;. 
Hauser, gen. Kriegsmann.' 1653, .WWett. Klosterarch. 

— Ch rippeli - Mannli : 1. die kleinen Figuren, 
welche man zu den sog. Krippen braucht, die zu 
Weihnachten in den Häusern aufgestellt werden <; \. 

— 2. übertr., kleines, altes Männchen mit breitem 
Hut und einem Stock in der Hand. ebd. 

Chris-: 1. komische Figur an den Hirsmontag- 
aufzügen in B, ähnlich dem Wild-Blannli an der Uw 
Älpler-Kirchwcih. - 2. Übername der das Bargergut 
gegen kommunistische Gelüste verteidigenden Bürger 
B (1885). Syn. Chris- Ast. 

Bed. 1 bezieht sich darauf, dass .las Chr. ganz in Tum 
reiser gehüllt ist, 2 darauf, dass das Bürgergut hauptsächlich 
in Brennholz und Reisig bestand. 

Chriesi-Ma°°: mit Kirschsteinen gefüllter Sack 
als Bettwärmer Ap; Gr.Pi-.; GA.. Eh.; ScHwMa.; oZS.; 
Syn. Stein-Sack. Vgl. Gluet-Hund. 

Bes. vom zartem Geschlecht gebrancht und daher wohl 
das W. urspr. mit scherzhafte!' Anspielung gebildet; vgl. 
Atiinch. 

Chrätte"-: hausierender Korbhändler aus dein 
ZO. ; vgl. Chellen-Länder, Zeinen-Man n. — Chräze"-: 
Träger einer Chräze" Tu; Z; ,dossuarius, gerulus.' 
Id. B. Im Bes. a) Glasträger oder Hausierer mit 'F i- 
roler Holzgeschirr Aa. — b) Popanz für Kinder Aa; 
Tu. De'' Chr. isch einisch chö", hat bösi Chindli wolle"; 
do folge" d' China enander-nö ch , do muess-er d' Clträze" 
lär In- stii" und öni d' China si" 1 ' dröle". Rocim. Ähn- 
lich der , Kinder-Mann' bei Gr. WB. — Lieber-: ein 
(dem Lehensherrn) vor Andern angenehmer und darum 
bevorzugter Mann. ,Und soll der herr dem mann das 
guot nit beschwären noch nemen, weder durch 1-s 
noch durch mer Zinsen willen noch niener umb.' 1432, 
TriFisch. Offn. .Von dem guet nit trängen noch stössen 
weder um mer zins noch 1-s willen.' 1518, Z Staats- 
arch. jAlldieweil die Lehenleut die Güeter in gueten 
Ehren halten, so sollent wir sy von disem Hof nit 
treiben weder umb Mehrzins noch L-s willen, sondern 
darby ohne Steigerung bleiben lassen.' 1670. Aa Urk. 
.Ihr Herren Regenten werdet auch änderst zun Sachen 
tuen müssen; die Parteilichkeit, die Menschonforeht, 
den L. nicht also bei euch regieren lassen.' FWvss 
1672. 

Libdig- f-pt-J: Mann, der bei einer Familie um 
das .Leibgedingc', den .Altenteil', lebt Z. Syn. Ver- 
libdingeter. 

Läche°-Männli = Gügen-M. 1 SOlt. — Indien, 

PI. zu Lachen Bd III 1004. 

Loche"- (Bs; S), Le'che*- (Gi/)bst.),Mä nn , Lerne" 
L; PA1. (-mä); Zo; Z: Lehenmann, Pächter (eines 
Bauerngutes). Wenn cn L. niul de" halb Nutze" häd, 
chann-er nüd b'stä" Z. 's <f fallen Obs (was abe"fallt) 
g'hört dem L. Vgl. Gotth. 1 34. Auch scherzh. von 
irgend einem Geschäft, wo Etw. .abfällt' oder man 
sich Etw. zueignen darf; ebenso: Was nebet use" 



267 



Man, men, min. mon, imni 



208 



(denebet) chunnt usw. Z. Auch scherzh. beschönigend, 
wenn beim Messen, Essen usw. Etw. daneben fällt. 
Vgl. Hof-Meier. In der ä. Lit. oft noch i. S. v. Lehen- 
träger; dem Lehensherrn zinspflichtiger Hofbauer. 
,Dhein leman soll dhcin guot von einander teilen 011 
eins leben berm gunst und willen.' 1384 (bzw. Auf. 
XVI.), AaB. Stadtb. ,I'er berbst wirt aus sein und der 
Iehmann nit kommen [um den halben Ertrag oder den 
Zins abzugeben].' 1531/48, Jes. ,Wenn du einen leman 
oder räbman hettist, den du uf dyne güeter gesetzt.' 
RGualtu. 1553. .Was rechts ein lechenherr zue des 
leemans hab und guet haben soll.' 1569, Z Rq. Ver- 
breitet ist ,Leh-, Lee-Mann' als Geschlechtsn. — V ei- 
le e h e n - s. begüeten Bd II 555. 

Leder-Männli = L.-Ghnecht (Bd III 725) ZG.; 
vgl. Mann 6 d ß 4. — Leid-Ma"": Leidtragender, 
Einer aus dem Tranergeleite Z. ,Es giengend zween 
leidmann nach der baar.' 1522, NMan. — Lafer- = 
Ghlapper-M.; s. Uferen Bd III 1108. .Lafcrmann, 
Schwätzer, locutor, locutuleius.' Mal. 

LOgerc"-Manndli: eine Art Schreckgespenst, 
Kobold. Wo-n-i' h gö" und wo-n-i ch stö", lauft-mer 's 
L. nö ch . Wenn i rU will i" d' Chammer gö" und i ch 
will go' schlafe", lauft-mer 's L. nfs h und will mi"* us 
der Chammer schlö*. Wenn i eh will i" d' Ghille" gö" 
und i-' 1 uill go' bitte", lauft-mer 's L. n<Y h und läd- 
Mi'* gar nid bette" AAWohl.f — Eiu ähnliches Kinderlicd 
aus Z mit .Buckclmännlein' st. L. s. bei Staub, Kinderb. 7. 8. 
Lumpe n -Ma n ": 1. Lumpensammler Aa; Tu; Z. 
.Sein Ruf war: Alli Lümpe", wer-r-r hat? Z. Du chast 
de" Bock dem L. gS", er taugt Nichts. ,Dass der Herr 
den Sündern rüefte, wie der Hudellumpenmann den 
Lumpen, ie böser ie besser.' J Breit, um 1030. — 
2. jLümplismann', elender, nichtswürdiger Mann. 
,Wenn er allweg ein b'sonders haben [eigensinnig 
sein] wellte, so nuiesste er doch wol ein 1. syn.' 1521, 
Egli, Akten. ,Hast des vergessen, so bist du wol ein 
lümplinsm.' HBull. 1533. 

Land-: Sg. zu Landl&t 2 (Bd III 1522). ,Wer 
unser lantm. will werden, der soll gen den lantlüten 
10 pfd; git er sy nit, so ist er nit 1.' XV., Gl Rq. 
S. Land-Frau Bd 1 1250, Gast Bd II 484. , Weller 
zue einem 1. wirt angenommen, der soll dem seckel- 
meister geben CO pfd, und einer, der ein halber lantm. 
von syner mueter ist, 40 pfd.' 1510, Onw Rq. .Wann 
einer einein frömden ligende güeter zue kaufen geb, 
der nüt 1. ist, so magt's ein 1. dem frömden wol ap- 
züchen in jar und in tag, wann er des teilig ist, und 
ein 1. dem anderen in dryen manat.' 1533, Scnw.Ma. 
Rq. ,Wo jemaiits vermeint in unserm land Sehwyz 
ein 1. zue sinde, der und die söllent allwegen in 10 
jaren ir lantrecht erfordern, ja die so usserthalb lands 
gesessen sind; und wellicher übersitzt, der soll dannet- 
hin nüt mer am landrecht haben.' 1536/44, Schw LB. 
.Welcher fürhin lantm. werden will, der soll uns 
50 guldin gen, das soll das uedel syn.' um 1550, Nuw 
Rq. ,lhr Landmann und Undertan.' 1034, ArHeid. 
Dem Ausdruck ,Landmannen' [in einer Urk. SchwG. 
1528] wird der Sinn gegeben, dass die Betreffenden 
zu Landleuten und nicht ZU Beisassen aufgenommen 
worden seien. 1035, Auseii. — Land- i\l an nin = I.iiihI- 
Frau Bd I 1250. So 1502, Ndw LB. .Wann ein Frauw 
ein Beisassen nimbt und bei ilime Kinder erzüget, 
dannethin der Mann stirbt, dass danne die Frauw 



wiiler L. wird.' 1692, Schw LB. .Eine Bürgerin und 
L • Z Mand. 1699. 

Lands-me": scherzh. von einheimischem Wein, 
auch Früchten Aa. S. auch Fön Bd I 811. L.-Chraft. 

Lor- = Fatz-M. - Vgl. Gal-LsH Bd III 137:. und 

mini, lörlit n leman. 

Aderlass-Män nli: das Aderlassmännchen im 
Kalender. ,Das Kuttlen- oder A.-Männlein.' Der lust. 
Schweizer 1788. Indem man das A. mit seinen Tier- 
zeichen als Anschauungsmittel benutzte, ergötzte man 
die Kinder durch folgende Knittelverse: ,Die Widder 
gestöss, die Kinder sind bös; der Stier, der zücht, 
de* Chrebs, de* chrücht; de r Skorpion sticht, die Jung- 
frau spricht; der Leu, der brüllt, die Wog, die schnellt ; 
der Schütz, der schiesst, de r Wassermä"" giesst; de* 
Stei"boek chlümmt, der Fisch, de* schwümmt' SenSt. 
(Sulger). Vgl. auch Kuhn, Volksl. 1819, 109. 

Der Name .Kutilcii-Männleiii' bezieht sich darauf, dass 
die Figur einen aufgeschlitzten Bauch zeigt, zu dessen ver- 
schiedenen Eingeweiden ,je eine Linie von dem beeinflussen- 
den Tierzeichen führt. 

Lösch-, Lösch-Uä"": Pächter GuD., L. - Zu 
losen 1 c (Bd III 14+1). 

Leist-: zu einer (Tag-) Leistung (s. leisten ä a 
Bd III 1170) Verordneter, Kommissär. .Jetweder teil 
soll zween erber und vernünftig 1. als zuesätz in .las 
recht setzen.' 1500, Absch. — Leitere"-: wer dem 
sog. Leiternkorps bei der Feuerwehr zugeteilt ist L; Z. 

Mach-Männli: eitler Vorwand, Scheinmanöver, 
Popanz Bs. Das isch nur eso e" M. — S. Gr. wo. 
VI 1396. 

Michels- Mann: Sg. zu Michels-Lüt Bd III 152:'.. 
.Erlaubt die stift einem, der nicht m. ist, zue holzen.' 
1471, LNeudorf Urk. — Muchel-: Zuchtstierhalter 
Z (Spillm.). — Möggel-: vermummter, hässlich ge- 
kleideter Mann LRickenb. Vgl. Ma""- Möggi (Sp. 125). 
— Müle" Müumo: Maultiertreiber PA1. — Milch-: 

1. Milchhändler oder Bauer, der Milch zum Verkauf in 
die Stadt fährt Bs; Nnw; Z. — 2. der Senn, der vom 
Bauer die Milch kauft Nuw. — Mannes-: eines andern 
Mannes (Dienstherrn) Mann, Leibeigener. .Uinb die 
darkommen lüte: ist er ein mannesmann, so soll er 
dienen unsem herren jerlich umb 4 vierteil habern 
und umb ein fassnachthuen, ob er jar und tag do sitzet 
un versprochen.' XV., Bs Rq. 

G'niein-: 1. amtliche Würde im alten S; eine Art 
Ädil. Er wurde von den Jungräten aus ihrer Mitte 
erwählt und war Mitglied des geheimen Rates. Bei 
der jährlichen Ämterbesetzung am St Johannistag im 
.Rosengarten' dankte er Sehultheissen und Venner ab. 
Er war der Vertreter der Gemeinde und Fürsprecher 
aller Parteien, die sich vor dem Rat erstellten, daher 
frz. procureur gencral betitelt. Die Aufsicht über 
Mass und Gewicht, Marktverkehr, sowie über das Vor- 
mundswesen lag ihm ob. Krutter 1815. S. auch 
Stäts-Haupt Bd 11 1500; Simmler. Reg. 521. 

2. Obmann eines Schiedsgerichtes Tu (Pup.). ,Be- 
sueeht ich obgenannt gemeinmann mit den zuesätzen, 
die sach in der minn zu vereinbaren.' 1458, GBuchs 
Urk.. wechselnd mit .gemeiner obmann.' .Zwüschel 
Zürich und Sehwyz ward die sach zue dem rechten 
g'setzt uf vier man, dero zwen von Zürich warend 
und zwen von Sehwyz. Der g'main man was von 
Underwalden.' Vad. Bed. 1 vom Subst. .Gemein', Ge- 
meinde, - vom Adj. .gemein' i. S. v. neutral. 



269 



Man. men. min. mon, iiitui 



270 



G'meins-: 1. „Bürger einer Gemeinde im Gegs. 
von Bei- oder Hintersass" 1!. — '-'. .Mitglied der Ge- 
meindebehörde, Gemeinderat B; S. '■'>. G'meind- 
M<C", Teilnehmer an der Landsgemeinde Ar; Syn 

(i'innii(il)lcr. Ist er Bräutigam, so steckt ilmi die 
Braut einen Stranss auf den Hut. — .Mer-: von den 
türkischen Galeeren wirklich oder angeblich befreiter 
Sklave, der mit seiner Kette bettelnd das Land durch- 
zog. .Drei Meermannen ein Stür 'zahlt 3 Btz.' BE. 
Rechnungsman. 1723. .Allem fremden Strolchen- und 
Bettler-Gesind: Korbmacheren, Kessleren, Spengleren, 
Kräzen-, Schleifstein -Trägeren, Sehwummkränieren, 
Schaubhütleren, Sterzeren, Liederkrämer, M-en, Quack- 
salberen, Musicanten verbieten unser Land zu be- 
tretten.' B Mand. 1742. .Alles fremde Strolchen- und 
Bettelgesind, sich heissende Refügics, Proselyten, De- 
serteurs, M-en sollen aus dem Land geführt werden.' 
55 Ges. 1757/93. Vgl. Chetten-M. — Mär(i)t-: Mann, 
der zu Markt geht Aa; B; L; Z. So Vir d.iher chö" 
irie-ii-en [vom Markte zurückkehrender] .1/. ZNer. 
,So ein Märitmannli, welches sein Körbchen gerne 
regelmässig nach Bern oder Langental trug und das 
erlaubte Schöpplein sich zu Gemüte führte.' Gottu. 
— Mus-: Mäusefänger GkL. — Mies-: ,Mussmann', 
als Personifikation der harten Notwendigkeit Gl. Der 
M. ist e" böse' Ma"', häd die s&b Frau g'seü Gl. — 
Muster-: Soldat L! ; ZO. Icz schulde" d' M-en [Brot 
zu Suppe | l" u' d choche" da w' backe". Sciiwzd. (B); 
s. Camp Bd HI 304. — Mittel-, in Bs Mittels-: 
wie nhd. Ar; Bs; P; Schw; Z. 

Mutte"-, nur in der RA.: Bede" aswie-u-c" M., 
eine geläufige Zunge haben, viel plaudern SunwE. 

Vi.ll. Krauler, der mit BSttcherware hausiert, oder 
neckische Benennung der Sennen. Im letztem Fall würde 
sieli die RA. darauf bezieheu, dass Älpler, wenn sie Milch 
z« tragen haben, dieselhe unterwegs etwa abstellen, um mit 
einander zu plaudern. 

Nebel-Männli: elbisches Wesen, vorgestellt als 
altes Männchen, das einen Hut mit breitem Rande. 
wallendes, weisses Hirtenhemd, Holzschuhe und Tasche 
mit Leeksalz für die Kühe trägt und welches bes. ge- 
sehen wird, wenn dunkle Regenwolken über der Alp 
schweben. So oft das N. erscheint, und wäre es auch 
am klarsten Abend, so schneit es doch ganz sicher 
am nächsten Morgen GnPr. Näheres bei Vernaleken 
78 j Flugi 1843, 80; Vonbun 73 f. Vgl. auch Gr. VfB. 
VII 485. 

Hinter dieser Gestalt steckt wohl Wuotan mit seinem 
breiten Hut und weiten Mantel; auch er ist Wetterherr und 
Viehhirt. S. noch Simrock, Myth. 374 und vgl. Lampi-, 
Wutt-Huet Bd II 1788. 1792. 

Näch-Mann: 1. der Nachfolgende, Zweitnächste, 
z.B. beim Schiessen BK. (Nahi-M.J, .seeundus in or- 
dine.' Id. B. — 2. „der Letzte in der Ordnung, allg." 

— 3. naher Verwandter. ,Der mann hört uns zue 
und ist unser n.' 1530/31, Ruth. ,Es ist war, dass 
ich der n. bin, aber es ist einer neher dann ich.' ebd.; 
dafür 1548: , naher freund', ,der nachfreünd', .nächst 
freund'; 1667/1882: .naher Verwandter.' 

1 und 'J zur Präp. nach, 3 zu nach = nahe; vgl. Naehbür 
und mini, nächgesette, Nachbar. 

G'nägi Tniigi-: Knochenmann. Skelett ZWyla. 

— Nunneli-M. und N.-Wib, zwei Geschwister am 
Hallwilersee; vgl. Aa Taschenb. 1802, 124 f. — G'nis- 
(meistPL): Gemeindebeamte, welche bei der Nieder- 



kunft unverheirateter Personen zugegen sein müssen 
Bf. Vgl. Genis-Verhör Bd II 1572. — G'nossamc"-: 
Mitglied der (Allmend-) Genossenschaft Gl. .Jeder 
Tagweh- "der Gnossammemann, der eine eigene Haus- 
haltung führt, hat das Recht, eine Kuh auf die All- 
ment zu treiben.' Stein». 1802. — Nüts-Mä"", 
-Manndli: verwahrloster Mensch, Taugenichts Ar; 
G. — Bü-Mann: 1. Bebmanu, Weingärtner TuTäg.; 
s, auch Sü-M. ,Ich bin ein warer wynstock und mein 
vatter ist ein (der) bawmann.' 1548/17117. Jon. 15; 
dafür 1531 und 1882: .Weingärtner.' ,Gott ist der 
trüwe buwmann oder räbmann, der uns immerzue 
reiniget.' RGdalth. 1580. ,Die Reben tragen reiche 
Frucht ohne sondere Mühe des Bawmanns.' Guler 
1025. ,Gott, der himmlische Baumann, wolle uns zu 
allem Guten weiter reinigen.' JMüll. 1673. — 2. (Ba- 
rne") Gescblechtsn. Ar; Z. Vgl. , Heini Widmer. gen. 
Bumann.' 1053, AAWett. Klosterarch.; viell. Bearbeiter 
von Klosterreben. — Biber-: Gebäck aus feinem Leb- 
kuchenteig mit aufgeprägter männlicher Figur G. Vgl. 
B.-Frau Bd I 1252. — A-bach-: Gespenst, Unhold, 
welcher die Überschwemmungen des Aabacbes ver- 
ursachen soll UwDallenw.; vgl. Lüt., Sagen 281. - 
Bider-: wie nhd. Isch wür, iseh dln Vatter en B.? 
Neckformel für Kinder Tu; ZWyla. S. auch Geiss 
(Bd II 458) und scher-wis. ,Rüef oder keer dich etwa 
zu einem traut bidermann, ob jemand sye, der dir 
antworte.' Z Bibel 1531/00. — Bodo»-: 1. Freund 
und Kenner des .Bodens' oder des Landbaues Ar. — 
2. Gescblechtsn. W. Syn. ,Bodmer'; eig. der im , Boden'. 
in der Niederung Wohnende. — Bifer- Mann (li ): 
hämischer Kobold, welcher das Biferen [Sauerwerden 
der Milch und Blähung des Käses] bewirkt BG.. 1 1. ; 
viell. Personifikation des Föhns. ,Der gefürchtete B., 
der besonders gern in den beissen Augusttagen auf 
den Sennalpen seineu satanischen Spuk und Schaber- 
nack treibt.' Nydegger 1890. -■ Bagäsch i-Jla"»: 
Oberbub oder König beim .Bagäschispiel' Nnw. 

Bagge"-Männdli: Entenart, Männchen von ful. 
crist. TuErm.; vgl. Nider-Länderli Bd III 1303. 

Verderbt aus .Backelmaun' mit einer Anlehnung, welche in 
dem aufgedunsenen Kopf dieser Ente ihre Rechtfertigung fand. 

Böggel- Ö (TitSteckb.), Bögge"- (ScüSt.), Böggi- 
(B), Broggel- (ÄAoEnd.), Bröggel- (AaZ.; Z), Brög- 
g(e)li- (Z) Mä 00 : Popanz, Schreckgestalt für Kinder. 
aaOO., auch Maskierter Z. .Bögenmänner, gellones.' 
Denzl. 1677; 1710. — Buggeli-Mann (li): \. = Hv~ 
gcr-M. 1 B; Z (P-J. — 2. eine Art Hausgeist, Kobold; 
vgl. Lvgere"-M. Ich und du und 's B.-Männli band 
en halbe" Batze" , ich und du und 's B. tuend -en 
s'sämme'chratze" Seil. ,Icb und du und 's P. giengen 
zu dem Pfaffen und als wir zu dem Pfaffen kamen, 
süssen wir zu Tische. Und als wir zu dem Tisch 
gesessen, assen wir die Fische. Und als wir d' Fisch 
gegessen hatten, giengen wir zu Bette. Und als wir 
in das Bette kamen, fieng es an zu krachen. Ich und 
du und 's P. muessten da d'rab lachen.' Z (Dan.). — 
Bije 11 - Ndw; W, Biji-L, B»K-Ma° a ZHoinbr. = Im- 
ben-M. 1 und 2. ,Die B-en reisen gegen Ende August 
mit dem Täusli auf dem Rücken oder dem Zuber auf 
einem Wägelchen im Lande herum, um gegen Ent- 
schädigung die Zeidelung vorzunehmen, Honig und 
Wachs einzukaufen und zu verhausieren. Man über- 
lässt ihnen auch etwa die Besorgung der Stöcke, weil 
sie (freilich ohne Grund) als Sachverständige gelten.' 



271 



Man. men, min, raon, imin 



Z Neuj. Naturf. No LXV1I. lez chunnd e* fremde' 
Biitna", tued 's Hang und d' Wöbe" ne m ". Ineicuen 
1859. ,Becke D -Männli nennt mau die trockenen 
Mehldrüsen oder -kügelchen, welche von den Weibern 
n Brot und anderm Teig zuweilen gelassen werden 
und nicht zu geuiesscii sind' Hs (Spreng). Syn. Becke"- 
liueh. — Becki-Mä"" 1 : Krämer, Händler mit irdenem 
Geschirr, Becken Sciiw; Z. — Bieli-: Sappeur G; 
Syn. Axen-M. 

Ilöli- Aa; Bs; Bj GrL; I.; <i; Schwj S; Tu; ÜW; 
Zg; Z, Eöüfc- GG.. Nessl.; Tu tw., Höh:"- ThHw., 7.W/- 
GRh., BoHe"- GT. tw.; Tu tw.. BoZt- FSs. ; GT. tw.; 
ZGÄg.: 1. Poltergeist, zumeist ;ils Schreckgespenst für 
Kinder. aaOO. Syn. llnli, Möggel. Vgl. Butzen- M.; 
Böli-Butsch nnd Böli-Flueh Bd 1 1185. £»<;</. der B. 
nimmt '/('' i" Sack.' zu einem Kind, das nicht ge- 
horchen will LRick. (Esterm.). Mit .lern B. droht man. 
um die Kinder Abends zur Betzeit von der (iasse weg- 
zubringen Aa/cui.; Tu. um sie vom Verlaufen in ein 
Getreidefeld abzuschrecken, in dem der B. angeblich 
sitzt ZBül. Sonst wird er vorgestellt als Kobold, der 
auf der Diele oder in den Gängen des Hauses durch 
Geräusch und Gepolter, bes. des Nachts, sieb bemerk- 
lieb macht (Jl; Tu; Z. Kc" Mansch glaubt nie' a" 
d' Sträggelc, se wenig a's a* JB., 's tued Alls de" 
Ghinde däggele' [schmeicheln] und gid-nen bppis 
G'schiders o". II ml. 1813. .Grossmüeti, wenn jetzt 
der Böllimann käme oder gar der Tüfel, was wollten 
wir machen?' Gottu. ,Die Grossmutter niusste dem 
Johannesli erzählen vom Teufel und dem B.. von Gott 
und den Engeln.' ebd. .So wurde das Schulgehen 
einige Wochen lang als ein recht wirksamer Böllima 
[für die Kinder | gebraucht.' ebd. S. Häggen-Mann. 
Uni hed-er [der Pfarrer in einer Strafpredigt] der B. 
wider einist reiht füre'g'no" L. G'firchtel hend s' e" 
[den gespenstischen Steinibachhund in UwÜallenw.] 
wie der Belima*" Uw. S. Grüwel Bd II S34. ,Er 
wolle der Stadt den 1). zeigen', droht der äbtische 
Hofmarschall 1617, G. Vgl. noch Gügi Bd II 157. 
Eine Anekdote vom Hauer, der, um seine zudring- 
lichen Kinder zu beschwichtigen, das für die verkaufte 
Kuh erlöste Geld am Abend dem B. zum Fenster 
hinausstreckt, s. im l'> Kai. 1814. Auge" mache" nie 
de B. Stutz (vgl. Boll-Aug Bd I 137); daher: Mann 
mit grossen Augen tili. — '-'. übergebend in die Bed. 
Teufel I.; S; '/.. Ku nun' Satan ist die Frau, e" 
Stuck oom 11. Her sündige'd halt früeh und spät; 
dr 11. git 's mängs Mal Kim gar listig a". Stutz. 
Xnm 's de' Schinder und de'' BJ ebd. Wart, de' />'. 
eluinni nnil nimmt :ir h in'n Rotthafen abe*! ZO. I'u! 
nie isch-es se schwarz, als hett de' B. g'wissget! KMkv. 
1844. Wenn Eine' meint, es g'räti, und zu der Chiste' 
chunnd, se schlüft wie m ein Bode* eu schwarze Zottel- 
huml. De' bieget -i dann a". dass Keine me r d'ra" 
niiißet, er sei de" 11. RBaur, Sagen. 3. Vogel- 

scheuche AaBd., Hold., Z.; Bs; 1.; GBh.; ZSth.; Syn. 
Bali, Löli. Vgl. noch Hanf-Löli Bd 111 1261. .Hin 
U. (Butzemann), den man in dem Feld oder auf den 
Schulleu aufriebt, dir Vögel zu stäuben.' JMüller 
1665. 1. vermummte Person ; Fastnachtsbutz BSi.; 
ZSth.; Syn. Bögg; vgl. Gäuggel Bd 11 172. Possen- 
reisser Scnw. .Meinst, was ich dir zu sagen hätte, 
durfte ich dir nicht mehr selbst sagen, niusste weit 
her einen Hanswursl und Böllimann kommen lassen. 

um dir was zu sagen. 1 Gotth. Usg'seh wie-n-es Bali- 



mannli B. ,Uem Mädchen, welches dem Volksgericht 
verfallen ist, wird in der Maiennacht statt des Maiens 
ein kolossaler Strohmann, B. oder Doggel genannt, in 
irgend eine alte Uniform gesteckt, mit einer scheuss- 
licben Maske versehen und zu oberst aufs Dach ge- 
pflanzt. Ist das .Mädchen im Gerüche der Unreinlich- 
keit, so wird dem B. ein gewaltiger Kehrwiscb in die 
Hand gesteckt, oder ein sog. Ofenwisch angehängt. 
Einem, der im Verdacht stand. Heu und Stroh ge- 
stohlen zu haben, wird ein martialischer B. mit einer 
Hürde Stroh vorneii. einem Büschel Heu hinten, in 
Sträflingskleidern und mit einem Strick um den Hals, 
auf das Hausdach gepflanzt.' JHofst. 1805 (S). — 
5. = Gunggeler (Bd II 369) B; Syn. Ghüz. — 6. = Mög- 
gel 4 L. Es stund B-e" hinder-em Püatis üf. Sciiürm. 
VIImI boten, rollen, wälzen, schleudern. Ober den l'uil. 
vgl. die Anin. zu G6t Bd II 214. Entsprechende Namen 
für den polternden Hausgeist sind holl. buU(er)mann, nlul. 
,Bumpclstilz', sehwäb. .Poppele'; .Popanz' (aus ,Pop-Hans'); 
vgl. Hr., Mvtli. 3 17:! f. und die Auni. zu Bammer Bd II l'JT:!. 
Die Gestalt dieses, neben Chlungerin, Haggen-Mann und //<.. 
allgemeinsten seh weizerischen Landesgespenstes ist in der 
Volksphantasic nicht scharf umrissen. Der Z Dichter Reithaar 
(1853. 124) malt den B. als alten, bärtigen Mann, glotz- 
äugig, mit wollenem Sack, worein er die bösen Kinder packt, 
um sie in seine Holde im Ütliberg (vgl. Kindlifrcmer Bd I 
13'2U) zu bringen, wo er sie mit Brot aus Hobelspänen speist. 

Blosses H lym zu nnserm W. ist B. als Bezeichnung eines 

Mannes, der auf oder am Billi (Dim. zu Unit, Hügel) wohnt GT. 

( F leiscli-)Boi"-, in Bs auch Heiner-: Knochen- 
sammler, der von Haus zu Haus gehend die Knochen 
aufkauft Bs; 11; Z. .Wie die Beimannen, welche von 
weitem schreien: liid-cr [habt ihr] Bi oder Bvner?' 
Gotth. -- Bunds-: 1. Bundesgenosse. .Diese warend 
mit Abrain pundtsmänner.' Z Bibel 15(10. — 2. Ange- 
höriger des Bundes, spee. eines der drei Bünde von 
Gr. jPundtsm.' Gr Ges. 1827. ,N. N.. us den Buntz- 
mann und Kngeiidin.' HStockar 1519. .lielincation 
gemeiner dreien Bünden, durch Nie. Sererhard, einen 
II., beschrieben.' Sererh. 1742, Titel des Werkes. 

Bündeli-: Spottname auf Einen, der sich in den 
1850er Jahren als , Wahlknecht' für die Liberalen in 
GG. hergab. 

So geheissen, weil die Partei nach verlorener Schlacht 
den Bündel schnüren musste oder wahrscheinlicher weil diese 
Leute mit dem Bündel kamen und giengen. 

Den gel- = Chneliel-M. Gr. — Boppen-: Geck; 
Prahlhans? Vgl. .Poppe' Gr. WB. VII 2001. Der 
Melchior sei ein ,b., dann man hielte nüt uf im.' Ent- 
gegnung: ,er sei ein bidermann, kein b.' 1521, Egli, 
Akten. — Bare"-: Kindergespenst G (Hotz.). 

Bereli-: ebenso GG. — Etwa Waldgospenst, das die 
Kinder heim Beerensuc.hon schreckt V 

Pure"- (PI. P.-Lüt generell, -Manne" individuell): 
Bauersmann (als Vertreter des Standes) Tu; Z. — 
Birche"-: Birkenrute zur Kinderzucht ZWyla. 
Berg-: 1. Sg. ZU Berglüt 1. In //.oll. Bewohner der 
.Berg-' im Gegs. zur ,Dorf-'Gemeinde; s. Dorf-Mann. 
— 2. Dim. = lierd-Mannli. sofern es in den Helgen 
haust lh'.; GEh.; SchwE.; ZoWalchw.; ZBachs. /" 
der Ghrummßueh obe> sig es Bergmandli, das trägi 
der Grind eister unterm Arm. MLienert (Vermischung 
mit dem wilden .läger). In den Bergen von li ul.'h. 
pflegten die Bergmännli, nachdem sie das Vieh ge- 
füttert, auf dem Heust. ick Feuer anzumachen, ohne 
zu schaden. Eine Bauersfrau, der sie Elw. in die 



273 



Man, men. min. moD, mun 



271 



Schürze legten, mit dem Verbot, hineinzuschauen, 
bevor sie daheim sei, blickte hinein und fand nur 
Kuhlen. Zu Hause war eine dieser zurückgebliebenen 
Kohlen zum Goldstück geworden, um 1820 (Land- 
amraann Zäch); vgl. Stadiin 1819, 11 221 f. Nach dem 
Volksglauben des BO. leben sie von der Milch der 
Gemsen, deren Verfolger sie bestrafen. In den Hohlen 
hocken sie beisammen und bewachen die Kristalle. 
Sie lenken den verheerenden Bergsturz und beschützen 
das gastliche Dach. Die rätselhaften Kreise, Ringe. 
die man etwa im Grase sieht, werden als ihre Tanz- 
plätze betrachtet; vgl. Toten-Chrann Bd III 840. Sie 
sind jähzornig, neckisch gegen das Hirtenvolk, strafen. 
was übel oder rauh geredet wird, und verschwinden 
wegen der Bosheit oder der Neugierde der Menschen. 
Über ihre Gestalt s. RWyss 1815, 69. 101 f. 319 f.; 
vgl. auch den Alpnamen Mäiudi-l'lneh BFnit. Aus 
Grotten bei Z Bachs kamen B. nach der Mühle und 
holten Mehl; bald aber, als der Müller Kleider für 
sie hinlegte, damit sie ihre Nacktheit verbergen könn- 
ten, verschwanden sie. .Bergmännlein, daemon me- 
tallicus.- Dbkzl. 1077; 1716. Schreckgestalt in den 
Beben AaZ.j vgl. Beben-, Trüben-Hans. — 3. B.- 
Männdli, Pflanzenn. a) Alpenwindröschen, an. alp., 
spec. der Fruchtstand derselben B; GWyl; Syn. alte' 
.!/.'"".- s. Matmlc. Vgl. Här-M., Wüdmännli-Chrut 
Bd III 902. — b) Odermennig, agr. eup. Aa. Vgl. 
Acher-M. — Bergs-: Gebirgsbewohner PA1. Birgs- 
nie*, Jäger SchwMuo. — Bürste"-: hausierender 
Büistenverkäufer. allg. D' Bürsle'manne" händ gueti 
Lösig bi-n-em ; er g'seht üs [so sauber] wie w-eme" 
Trückli use". Sciiwzu. (ZWthur). — Bart-: bärtiger 
Mann. Syn. Bartli, Bartlime. .Das ansehen Hieronymi, 
so du in den b. nempst [weil er gewöhnlich als bär- 
tiger Greis gemalt wird], uns gar nit bekümmret.' 
Gyrenri'pfen 1519. ,B., gebartet, voll barts, barbatus. 
Bartmännlin, der ein bärtlin hat, barbatulus.' Mal. 
.Wann ich [Knabe] mein Sach nit g'schicken kann, 
so helf Gott wo] eim Bartlimann.' JMabl. 1674. — 
Bürt-: Genosse einer ,Bäuert' BHk. Syn. Bfirtcr. 
.Reisbare [kriegstüchtige] Personen mögind auf der 
Bürt oder Dorf, da sy hausheblich sind, ein Recht 
[Anteil] Allmend als ein anderer Bürtmann b'setzen.' 
1675, B Rq. — Baseli- s. Baseli. — Bastete"-: 
Haches Gebäck aus Butterteig mit aufgeprägter Figur 
eines Mannes Z. — Bettel-: 1. wie nhd.; s. Gulli 
Bd II 221. — 2. a) Gebackenes von Eiern, Brot und 
Milch GStdt. — b) eine Art geringerer Küchlein, aus 
Brot statt Mehl gemacht ApHer. ; vgl. Brueder-M. — 
Peter- = Beter als Vorname in ä. Zeit. In der RA.: 
I' 1 ' wett-der nüd de" V. singe", ich setze keinen Wert 
darauf, achte es für Nichts (SchwE.j ZS., Stdt) könnte 
eine historische Keminiscenz an die Z Mordnacht 1350 
liegen, nach deren Misslingen das Losungswort der 
Verschwornen: ,Ich heisse P.!' viell. in einem Spott- 
lied der Sieger Verwendung fand. Auch das Bonen- 
Lied (s. Bd III 1097) erinnert an die Bohne, welche 
die Verschwornen der Z Mordnacht einander als Er- 
kennungszeichen in die Hand drückten, verbunden mit 
dem Aussprechen obiger Worte; vgl. auch peteren, 
Hansel-M. und Z Taschenb. 1883. 170 f. — Chind- 
betti-: Vater eines neugebornen Kindes, bes. insofern 
er zu Gevatter bittet oder den Taufschmaus gibt B. 
.Die schwarze Scheube gehört der Leichenbitterin, 
der schwarze Hut einem K.' Gotth. .Selten eine Woche 
Schweiz. Idiotikon. IV. 



vergieng, dass nicht ein schlotternder K. erschien, mit 
stammelnden Worten zu Gevatter zu bitten.- ebd. 
'D's ßlisi sass in der Wartstube [besseres Gastzimmer 
in einem Wirtshaus], sah sich zuerst die gräulichen 
Helgen an, welche an den Wänden Mengen, zu grosser 
Erbauung manches K-es, der nie etwas Gemaltes ge- 
sehen als die Wegweiser, die Kirchenzit und Hochzeit- 
schäfte und Tröge.' ebd. Vgl. bes. noch ebd. Schulm. 
II 135 f. .Ein K., dem die alten Gebräuche noch immer 
am Herzen liegen, Hesse vor einigen Tagen einen Sohn 
taufen. Nicht nur die Gevatterleut, sondern auch noch 
viele andere gute Freunde und Verwandte mussten 
das zu dieser Feirlichkeit express geschlachtete Frutig- 
sehaf verzehren.' B Hist. Kai. 1777. — Bettler-: 
1. = Bettel-M. 1. , Todschlag, den N. N. begangen hat 
mit einem b.' 1540/73, UMey., Chr. — 2. = Bettel- 
Vogt. ,Ich fordere Nichts [keine Unterstützung], bevor 
mich der B. nehmen will.' Inuermtzi 1826. — B itt- : 
Bettler PAL — Botte"-: Bote. Wer von den Kindern 
zuerst die Worte: Pottemä", P., Müllibach! ausruft, 
hat den ersten Anspruch auf den Besitz eines von 
Mehreren begehrten Gegenstandes TuFr. — Patsch- 
= Chindbetti-Mann GrD. Syn. Gevatter- Meister. — 
Butze"- Ap; GRh.; ZAuss., Butzi- Ap ; GRoHe.; ZO.: 
1. = Boli-Mann 1 und 2 Ap; GroHc; GRh.; ZAuss. 
Eppes Butzema*"s, etw. Schlimmes Ap. Syn. Öppis 
Tüfels. — 2. = Boli-Mann 3 ZO.; vgl. JSenn 1864, 
35. — 3. = Boli-Mann i Ap. .Durch den furcht- 
erregenden Aufzug des Butzmannes, der in Deutsch- 
land Knecht Ruprecht heisst, den Kindern Schrecken 
einjagen.'' Ap Kai. 1875. ,Butzenmänner, gelones.' 
I'lnzl. 1677; 1716. ,Den jungen Kindern ist ein ab- 
scheulicher Cappuziner oder ein anderer verhülleter 
Butzimann zum Schreckzeug.' ATscuddi 1696. — 
Pfeffer-Männdli: freundliche Bezeichnung eines 
kleinen Jungen Z. — Pfands-Mann s. Gise2BdII407. 

Planete"-Männdli: kartesianischer Taucher '/.. 
Syn. Holländern. 

Die Benennung davon, dass das Schicksal des Orakel- 
suchers von demjenigen Planeten abhäDgig gemacht wurde, 
gegen dessen Bild das .Männchen schaute, wann es zum Still- 
stehen kam. 

Blatt-Mann: Münzplatte, d.h. für den Münz- 
stempcl zubereitetes, rundes Metall- (Silber-, Kupfer-) 
Blech. ,Ob dekein der vorgeschoben münzen gemacht 
werden, die an der ufzal ze liecht wäre, als man die 
versuecht, so sy ze bl. usbereit sind und man sy 
malen [= ,mit der stett zeichen zeichnen.' ebd.] und 
bilden [prägen] soll, dass man die selben Hechten 
münz, die also ir gewicht an der ufzal nit enhettin, 
vorhin, e si gemalet werden, soll uslesen so vil, unz 
dass die andern bl. swer genneg werdent.' 1425, Abscu. 
Vgl. .Platte' 6 d bei Gr. WB. VII 1907. — Ble'ttli-: 
1. Zeitungsverträger Bs. — 2. Feuilletonist BsStdt. 
— Blätzli-: Fastnachtmaske, deren Kleid aus bunten 
Flicken zsgesetzt ist S. Syn. Blätzli-Bögg. Masch- 
grate* git 's von aller Art, es Bluttg'sichtund e" Chuder- 
hurt, e" Harligingg, e" Bl. Schild. — Brachs-, 
l'rachts- s. Brachsmen. 

Brueder-: 1. Bettler, bettelnder Vagabund Gl; 
L; Tu; Z. Syn. Brueder, Brucder-Bueb ; vgl. Brueder- 
Frau. Wie int dort es Elend! 3Ie" g'seht 's ''ein Hüs 
usse* dur ch c" scho* a", es stöt jo dort wie-n-en Br. 
Stitz. A'halte* wie-n-en Br., flehentlich bitten Z. 
Druff s%* wie-n-en Hr. uf-em Almuese". Stinke* wie 

18 



275 



Man. inen, min, mon, uuiii 



276 



en Hr. Gl; Z; Syn. brüederle*. Das ist hart wie 's 
Bruederma**s Ankefbrüt, sehr hart [zu beissen] ZHinw. 
hätegi hinder-em Hag, Hr.. nimm-mer 's Hitzgi- 
hätzgiab! Spruch gegen den Schlucken ZErl. Schnee- 
wie Br-e*, sehr grosse V.o.. Wäd.; Syn. Bettel- 
Bueb; vgl. Brueder-Bueb. ,Br., mendicantes.' Mal. — 
2. klein zerschnittenes Brot in heisse Butter geworfen, 
einige Eier darin aufgeschlagen, das Ganze etwa 8 Mi- 
nuten gekocht und oft umgerührt ZLVunn.; vgl. Bettel- 
Mann 2 und Bittel-Bueb. 

Urspr. wohl ,Bettelmö"nch', Almosen sammelnder Wald- 
bruder; vgl. .Einnahme wegen des zu Lunkhofen gestorbenen 
Br-s.' 1555, Absch. 

bruedermannig tue": wie ein Bettler anhalten, 
zudringlich bitten ZO. 

Bi ügel-Ma"" = Bengel-M. Gr. — Prämi-: einer 
der Schüler, welche berufen waren, prämiert zu wer- 
den. L Schulkatal. 1855/6. - Brenni-, Brönni- (B), 
brennjeßiger (Bs), brönnligtr, brünnlige r (AaSL; B oÄa; 
L; S), hcunnigf (ÄAFii.; ZW1.), brunnctV (SchwMuo.) 
Ma**, brünnigs Mannli B - fürige Ma** Bd I 951. 
,Die Gespenster oder die bründligen Mannen und 
Wandelnden.' MEsterm., Bickenb. Sie laufen bes. über 
die kirchlichen Festzeiten Nachts 11— 12 Uhr den 
Marken entlang. Man hört sie oft kläglich seufzen 
und stöhnen, so das Brennemawnli bei BErlach; s. 
B Sonntagspost 1870, 301. Betenden kommen sie 
näher; fluchen treibt sie ab L; S. Do fohn-ig d'ruf 
du :' beten a", *ass mi ch das G'spenst [der bröndlig 
Ma'"] U>i gö'; ie ml, d ass ig do 'betet ha", so nöeher 
isch es cho*; i" minen Ängste" sehwer-ig d'ruf und mach 
es sehröckligs G'schrä; do flüchtet 's g'schwing dür ch 
d' Marchi uf. Schild. Wer sie anredet, dem müssen 
sie Rede stehen; aber wehe dem, der ihnen das erste 
Wort lässt,- oder ihnen die dargebotene Rechte drückt, 
statt ein Scheit Holz zu reichen! Ineichen. Als eines 
abends einige Bauern in SLommiswyl beim Karten- 
spiel sassen, hörte man draussen rufen: Wohin soll 
ich den Markstein setzen? Da antwortete einer der 
Spielenden: In's Loch, du Narr! Nach einiger Zeit 
kam der .brünnlige Mann' in die Stube, um dem Rat- 
geber zu danken. Weil aber seine Hand, wie der 
übrige Leib, feurig war, so durfte er ihm dieselbe 
nicht reichen. Er berührte ihn darum mit einem Stabe; 
gleichwohl entstand eine Brandwunde. Der Geist 
jubelte: Ich bin ein Kind der Seligkeit und in vier 
Wo. heu bist du auch eines! Und wirklich lebte der 
Angeredete nur noch so lange. Auch andere Gewalt- 
taten als das Markenversetzen mussten mit solchem 
Umgehen nach dem Tode gebüsst werden. So ist der 
br. M. hinter der S Lehmfluh der Geist eines Zwing- 
henn, welcher einem pflügenden Bauer das Gespann 
rauben wollte, von Diesem aber mit der Pflugschar 
erschlagen und dann verscharrt wurde. Laufe" wie 
ne" Brimnlige (Ma**), eilig hin und her laufen L; S. 
,Mancher laufe wie ein Brönniger, um ihn einzuholen.' 
Gotth. Worum dass es keini brennelige* Fraue* giH. 
purum giH 's keini, will d' Fraue* nit guet ehönne* 
wmgo* mit dem Marchstei'versetze*. CSchneider 1880. 
S. auch geisteren Bd II 191, Haslen Bd 11 1676 und 
Sinn oi k. Myth. 3, 1 18. ,Brönnimann' auch Gcschlechts- 
iKinie B. — Brunne"-: 1. Statue, Steinfigur auf einer 
Brunncnsäule ZeStdt. — 2. (Br.-Mannli) = Brunnen- 
ChüeU (IM III 95) G; Tu; vgl. auch Mol. — Brenz-: 
1. Branntweintrinker Z. — 2. Branntweinhändler, 



-hausieret /.<>. Jetzt nur noch als Zuname fortlebend. 

— Hackbrettli-: Hackbrettspieler bei einer ,Alp- 
stubeteir Ar. — Brätscheli- = Chläffler 1 (Bd III 

-i aStdt. her Br., ein Insasse des Annen-, früher 
Sondersiechenhauses auf der Steig, pflegte jeden Sonn- 
tag nach dem Morgengottesdienst, gekleidet in eine 
lange, braune Kutte mit grünen Aufschlägen, einen 
Cylinderhut auf dem Kopf, mit seiner Holzklappor 
i Hriitsrhele*) laut klappernd in den Strassen der Stadt 
herumzugehen und milde Gaben für das Armenhaus 
zu sammeln, die ihm aus den Fenstern zugeworfen 
wurden und die er in halb singendem Teno verdankte 
mit dem Spruche: Dank-i Gott! b'hüet-i Gott '. ersetzend 
Gott eue' Armuese" a* Sei und Llb! Gott geben-i Sege" 
und G'sunket trüU*»! So bis 1860. — ßritsche"-: 
Pritschenmeister. Harlekin mit Pritsche bei einem 
Schützenfest Scu f. A. 1774 wurde .das Komische und 
Burleske, nämlich der Zug von dem Schiesshaus und 
der sog. Brütschemann' abgeschafft. Härder, Kauft. 42. 

— Reh-: Einer, der die Reben eines Andern lehen- 
weise oder um Lohn bearbeitet, übh. Einer,, der sich 
auf ilie Pflege des Weinstockes versteht Bs; G; Tu; Z. 
Me" g'seht 's dem Bebwerch a", ob Eine' en (guete'') 
Bebmen ist ZS. ,N. N., der R.' 1535, BsStdt Archiv. 
,1'utator, ein r., der die reben schneidet. Consitor, 
ein pflanzer, zwyer, r.' F"ris. ; Mal.; vgl. auch Bü- 
Mann und Herbst-Mai. Geschlechtsn. in AaB.]-; Tu f 
(Kahm.); ZStäfa. 

Rob(b)-: eine Art Harnisch. 1387, B. S. Harnisch 
Bd II lblO. — Vgl. Fnem-M. 

G'richts-: Mitglied der Ortsvorsteherschaft, des 
.Ortsgerichtes' S. D' G'mein geit a'sämme* [versammelt 
sich] und der Amme" [Präsident] chunut und d' Grichts- 
me" hingerdrl". Schild. Der Fänner het i* der Chilch, n 
i* de" G'richtsstüele" wie-n-e" Gr. sl" Fre'poste" g'ha". 
ebd. ,8. Martii 1724 haben die G'richtsmannen an der 
Huldigung vertan 3 fl. 4 Btz.' 1725, Aa Schloss Rued. 

Die Benennung stammt aus der Zeit, da die Ortsvorsteher 
ihr Amt hauptsächlich als Richter der (unter freiem Himmel 
versammelten) Gemeinde ausübten; vgl. Schild 1S60, 89. 

Red-: Sprecher. Vormals der oberste Leiter aller 
Einungsgeschäfte der acht Einungen oder Gemeinden 
des Hauensteiner Ländchens, der von den acht Einungs- 
meistern (Achtmannen) gewählt wurde; vgl. Bed- 
Meister. ,N. N., burger zue Zeiningen, gemeiner land- 
schaft Mölinbach gedingter und erloubter r. und für- 
sprech.' 1594, Aa Urk. — Mhd. redeman, Rechtsanwalt. 

B'ruefs-: Handwerker B; Tu; '/.. — Bolle"-: 
ein Kindergespenst GaL.; vgl. Boli-M. — Rölleli- 
= Zeiger-Hans (Bd II 1474) BsStdt; vgl. Bs Taschenb. 
isr.s, :,i,. — Run-: Vertrauensmann. .Es weiden un- 
sere 1. Mitbürger [des Kantons Säntis] aufgefordert, 
zu der bemeldeten Zeit sich in bürgerlicher Kleidung, 
mit dem Seitengewehr versehen, jedoch ohne Mantel, 
in den bestimmten Sektionsversammlungen einzufinden 
und allda den bestellten geheimen Raunmännern zwei 
rechtschaffene Bürger aus der Mitte ihrer Sektion zu 
Wahlmännern zu nennen.- 1798, Regierungserlass. 

II i nder-I! isi-Manndli: Gespenst an der Quelle 
der Thur G. - Vom Lokalnamen Bim, Bergschlipf. 

l,'oss-Ma"°: Pferdehändler S, R. luegt de* Brue- 
der nid a*, d. h. betrügt auch seinen Nächsten S 
(Schild). — L'össli-: figuriert neben den ,frömden 
Spillüten' [Musikanten] bei der Festlichkeit des ,.\iu- 
mannsalzes,' XVII., Nnw; vgl. Wild-Mann 3 b. ,Den 



277 



Man, inen, min. raon, muri 



278 



frömden Spilluten, so die Schild tragen, jedem '/» Kro- 
nen and dem R. glychfalls.' 1609, Ndw Batsprot. ,Den 
frömden Spillüten, so den Sehilt haben. '/-' Kronen 
sammt der Zerig, den andern aber 1 Dicken saimnt 
der Zerig, dem K. aber 1 Par Hosen, jedoch MHHn 
Färb.' 1644, ebd. Vgl. LandspiMt Lid III 1525. — 
Rusch- (in ZKafz auch Biischi-): Berauschter (auf 
der Strasse) L; Z. hnene [einem] li. muess-me" mu- 
rine" Fueder Heu us Weg füre*. Ineichen. — Eats-: 

1. (Gemeinde-)Katsmitglied TAI. — 2. Ratgeber. Be- 
rater. .Bisweilen, z. B. in Elgg, standen [im XVIII.] 
den kleinen noch einige grosse R-en zur Seite [kleiner 
und grosser Bat]. 1 GFihsl. 18S4. — Eitere"-: Sieb- 
handler Z. — Rott-: Vorgesetzter, Leiter einer .Rotte', 
Abteilung Dorfbewohner, die an einem Gemeindewerk 
(an Strassen, im Wald beim Holzhau) arbeiten Z uKn. ; 
\g\.G'viehid loerchs- Mal.— II \\ et\ i- = Wasserschmecker. 
Z Post 1889 Nr 46. — Ratze"-: Rattenfänger, 's wird 
Müs [Schwierigkeiten] ha", oder es wird si ch milse" 
[wortspielend st. wisc"] hat de r B. g'seit Z. — Sü-. nur 
in der RA.: de'' Seher [Maulwurf] ist in'n Reben en 
Bäme". in'n H7.se» c» Süme n , baut die Reben, verwüstet 
die Wiesen SciiSt. — Nidsich Nitschich-Mo : Nieder- 
länder, d. i. spec. ein Bewohner des tiefer liegenden 
Tales Varallo PA1. — Side"-: Seidenfabrikant, 
-Händler. .Anna Sydenmannin.' 1555, BsStdt. — Se- 
gessc"-: 1. Sensenhändler Tu; Ndw; Z. Vgl. ,Hans 
Scgisman, Burger und Schlosser zu Bremgarten.' 1628, 
Aa Urk. Syn. Segesser. — 2. = nhd. Sensenmann, der 
Tod, personifiziert L; Ndw. — Segi-: einer der (18) 
Anteilhaber an einer Gangfischsegi TuErm.; s. anhalten 
Bd II 1228. Vier Segimannen bilden die Bemannung 
eines Segischitl'es Th Bodensee. — Säckli-: Ein- 
sammler des (Kirchen-) Almosens Scn; vgl. Armen- 
Säckli. — Sfile"- = Sele'-Vater (Bd 1 1130) UwE. - 
Salz-: 1. von der Behörde bestellter Salzauswäger Z; 
Syn. Salzwäger. „Obrigkeitlicher Salzmesser B." ,Ist 
angesehen, das s keiner einem s. syn salz soll abkaufen 
uf einem märcht, da»" er das widerumb well verkaufen 
vor vesperzyt.' 1489, L Rq. Vgl. noch Müs und Garten 
Bd II 433. — 2. Geschlechtsn. Bs; B; W; Z. - 3. im 
Kinderspiel, s. Garten Bd II 433. — Sand-Männli: 
hausierender Sandverkäufer Bs. — Sess-Mann: In-. 
Hintersasse. Syn. Bi-Säss. ,Wär, das 8 ein burger older 
ein seidner [Kleinbauer] older ein sesman einen us- 
man erschluege. Wer in der stat ze Rynfeblen seshaft 
ist, es si burger, seider older sesman.' 1290, AAKheinf. 
Stadtr. S.Arg. I 32. — Sust-me" = S.-Herr (Bd II 
1543) Ndw. Syn. Sust-Meüter. — „ Satz- Mann : Der- 
jenige, der ,Satz' macht beim Spiel VO." — G c satz-: 
Gesetzmacher, -geber. .Du gibst ein gueten g.' UEckst. 
— Scheid-: 1. Sg. zu Scheidlüt :J. .Wann in künf- 
tigem am g'scheid enent Ryns ein fünferherr oder 
seh. manglen wurde, so sollent die fünferherren enent 
Ryns fürer dhein seh. setzen noch machen, sonder 
iren mangel uns anzeigen, damit ein ersamer rat den 
selben seh. selbs machen und das gescheid mit toug- 
lichen personen versuchen mög.' 1513, Bs Rq. — 

2. Schiedsrichter. .[Es] versambleten sich die siben 
Seh. (Scheidboten).' Hafn. 1666. ,Es ist zwüschen 
uns kein Seh.' 1707. Hiob; dafür 1683: , Schiedmann'; 
18S2: .Schiedsrichter.' — Sehid-, in AALeer. Schids- 
me' : Schiedsrichter, Vermittler. .Honorarius arbiter, 
ein seh. oder willkürlicher richter. Für ein seh. kom- 
men oder zue einer täding. Pacificator, fridmacher. 



seh.- Fris.; .Mm..: vgl. auch .Befrider' Bd I 1284. 
.Ein seh. oder mittler, der /witschend zweien Spänen 
oder zwytracbten frid und einigkeit zuewegen bringen 
will.' OWebdm. 1552. — Seh üder- = Ilar-Mann GSa. 

— G'schäfts-: Einer, welcher Geschäfte vermittelt, 
Schreiber für Aufträge udgl. B. Syn. ,Geschäftsagent.' 

— A°-scbicks-. in Semv; Zg Schick-: 1. Unter- 
händler Aa; B; Schw; Tu; 7a;; '/.. Im Bes. Vermittler. 
Friedensstifter bei einem Rechtsstreit Schw; Zr; '/.. 
In B pflegt nach einem Scheit- oder Raufhandel der 
Geschädigte zwei A-en zu dem Angreifer zu senden, 
welche Diesen zu einem gütlichen Vergleich auffordern 
sollen. — 2. Schigg-M., wer sich zum Kaufen an- 
schickt, Kaufliebhaber GTa. 

Schellen - Mann li : Katzenname. 1504, Z. — 
Nach Gr. WB. scheint (las W. Kater zu bedeuten. 

Glogge l, -Schelle ,1 -Ma n, ': Maskierter, .1er zu 
gewissen Zeiten herum zog, um an den Hausglocken 
zu , schellen' AAKais. ,Um Weihnacht und Neujahr 
pflegt der Gl. umher zu ziehen als ein maskierter 
Teufel, zum Andenken, dass bei so hl. Zeit die höl- 
lischen Geister den Menschen mehr als jemals zuge- 
setzt' 1736, AAKais. Ratsverordn. Das Verlud dieses 
Brauches wurde später dadurch umgangen, dass in 
der Bochselnacht Fleisch an die Glockenzüge gehängt 
wurde, damit die darnach schnappenden Hunde «las 
Schellen besorgten. — Schimpf-: Vertrauter, mit dem 
man zu ,schimpfen' [scherzen] pflegt. ,Der Zollner, der 
sin sunders gueter seh. und gevatter war.' 1533, B 
(Gfo.). — Schin- = Fnr-M. 1. ,Von disen Scheinmän- 
neren ist bei unserm Volk die meiste Sag, das seien 
die abgestorbene, nun von der Höll oder Fegfeur an- 
geflammte Geister Deren, welche sich mit Versetzung 
der Marchsteinen versündiget.' JJScheuchz. 1707/46. 

— Schür-: Pächter eines , Schürgutes' (s. Bd II 551). 
, Lasse er das Gut durch einen Seh. oder selbst buwen.' 
1649, Absch. Auch Geschlechtsn. L. 

Schüssel-: Scheltwort. ,N. ist gestraft worden, 
darumb das" er Hansen ein seh. und Verräter ge- 
schulten.' 1551, Scn Ratsprot. — Entw. = Tellerleckei 
oder dann = hausierender Händler mit Schüsseln, Vagabund. 

Schaft e°-Männdli: Schatten eines Menschen 
Ndw. — Erbse hatzi"gs- Mann: von den Behörden 
ernannter unparteiischer Mann, welcher mit Andern 
zs. die amtlichen Erbteilungen vorzunehmen hatte 
Bsf. — Schlänggel-: Müssiggänger, der von einem 
Wirtshaus ins andere zieht [schlänggetj Zg; vgl. Steckii- 
Mann 1. — Schne-Manndli: Eindruck, welcher 
entsteht, wenn ein Kind sich, etwa an einem ,Strassen- 
borde', zum Scherz in den frischgefallenen Schnee 
legt Sch; Ndw; Z. Hast e" Sehn, g' macht? Scherz- 
frage an ein Kind, wenn es in den Schnee gefallen 
ist SciiSt. — Schnegge"-Ma" n : Schneckenzüchter, 
-händler; vgl. Schn.-Frau Bd I 1252. .Hat der Schnegg- 
ler eine beträchtliche Menge Schnecken bei einander, 
so trägt er sie zum Sehn., der ihm 20 Cts für je 
100 Paar ausbezahlt.' Alpehp. 1874. — Schnüerli-: 
1. eig. Puppe, die an der Schnur gezogen wird. Ma- 
rionette. Dann bildl. (meist PL): Abhängige, die bei 
öffentlichen Wahlen nach Vorschrift der Parteihäupter 
stimmen, Drahtpuppen Z. — 2. eine Art Gauner. In 
Anschlägen der Polizei auf dem Schützenplatz Schw 
l v ii7 wurde das Publikum gewarnt vor Taschendieben 
oder sog. ,Schn.-M-en.' — Schnitter-: Schnitter S. 



270 



Man. men, min, moii. mmi 



28i i 



V Schn-e" um! d' Schnittermeitli hei- e" Mde' uf- d em 
lim t oder e* Böse" im Brustgänterli. 

Seh wänzli-Ma nn : Angehöriger des Juste-milieu 
in dem Streit zwischen ,Horn-' und ,Klanenmannen' 
Scnw. 

Eig. Einer, der (zwischen) beiden Parteien , schwänzelt', 
oder ohne reale Bez. spöttisch nach dem Schwänze benannt, 
welcher den .Hörnern' und , Klauen' gegenübergestellt wird. 

Schwätz-: Schwätzer, Ausplauderer; vgl. Laferer 
Bd 111 1109. ,Er schweiget, will kein Schw. sein. 
Daher etwan böse Sachen fürgehen, die Niemand straft. 
Warumb? Es leidet [verzeigt] sie Niemand.' FWyss 
1672. — Schwizer-: ein als alter Schweizer Ge- 
kleideter BO. Auch Geschlechtsn. Te. — Spil Spill- 
me": Musikant, bes. auf Tanzböden Aa; Ap; L; Ndw; 
Zg. Schauspieler PA1. In ä. Zeit oft zugleich Gelegen- 
heitsdichter. ,Des spilmans hus.' 1301, Bs Urk. ,Bo- 
iiuni dictum Spilmans guot.' um 1330, LNeud. (Urbar). 
.Gleichwie ein fürst ein sp. b'stellt, der im kurzwyl 
soll machen.' Glettixg. ,Der sp. g'hört an das hoch- 
zyt.' Zwingli. .Ein schöner Hochzeitspruch durch 
Heinr. Wirri, ein Spillraann von Aarau.' 1556, Z. 
.Spilmannli', Name einer Voralp F, lt Kuenlin. Alpenbl. 
07 und 101, von den Sennen benannt nach einem Ko- 
bold, der dort Tänze und Lieder auf der Geige spielte. 
Sp. auch Geschlechtsn. Zo; Z. — Spille"-: hau- 
sierender Verkäufer von Spindeln ZO. ,Ein Korb- 
krämer oder ein Spielenmannli, mit dem kleinen Räv 
am Rücken.' Stitz. 

Spenzer-: Anhänger des Alten in Ap. Sonntags- 
post 18G8, 324. — Spenzer, altertümliches Oberkleid der 
Inm rrhoder. 

Sparre" Spare"-: 1. PL, junge Ehemänner, die 
es vorzogen, noch ein paar Jahre mit den Ghnaben zu 
geiien und, wie Diese, nicht an den Gemeindeversamm- 
lungen teilzunehmen. Mit der Knabenschaft des Ortes 
hatten sie am Bertelistag (2. Jan.) Vormittag, während 
die .Männer' im Gemeindehaus Beratungen pflogen, 
die Verpflichtung, einen Tannenstamm aus dem Ge- 
meindewald zur Dorflinde zu holen (der später ver- 
steigert wurde), wobei unter Vortritt eines Trommlers 
oder Musikanten die .Knaben' den nur auf einem 
Vorderwagen oder Schlitten liegenden .Klotz' zogen, 
die Sp. hingegen mit .Sparren' [Holzhebeln] dem 
Hinterteil nachhalfen, wo es nötig war, und über die 
Chnäben eine Art Kommando führten. Beim Friedhof 
machten sie einen kurzen Halt und verrichteten ent- 
blössten Hauptes ein Gebet, worauf der Zug lustig 
weiter gieng. Am Nachmittag durften die Sp. mit 
den .Knaben' in der .Knabenstube' (neben dem Ge- 
meindesaal für die Männer) am Gemeindetrunke, der 
bis in die Nacht dauerte, an einem besondern Tische 
teilnehmen. Wann die Sp. durch Anmeldung bei den 
Gemeindevorstehern Zutritt zu den Gemeindeversamm- 
lungen erlangt, wurden sie zu Mannen und hatten 
dann kein Recht mehr, in die .Knabenstube' zu gehen 
ZSth. bis in die 1850er Jahre. Vgl. Eichen-Schleiket . 
- 2. Leibgedingmann Z Sth., Trüll. — Bed. 2 meint 
wohl eig. den ,alten Knaben.' 

Spiesse"-: Spiessträger. So heissen in Ap bei 
Anlass der Landsgemeinde die (Spiesse tragenden) 
Nachtwächter, welche mit den Trommlern und Pfei- 
fern paradieren. — Zur Form vgl. Spieesen-Üauptmann. 

Spatze"-, im Zuruf: HeUiif, Sp..' ZNer.; vgl. 
Fiule"-M. — „ Spi tz-Män n li: wer gel n mit Worten 



stichelt [spitzt] G; Z." — Bruederstuben-Mann: 
Aufseher der .Lruderstube.' Aufgezählt unter allerlei 
Angestellten, die vom Almosenamt ein Gutjahr be- 
zogen. 1784, Z Amtsordn. — Stübi-Männdli: Po- 
panz, Kobold, der die nach dem Stubüüten [Betzeit- 
läuten] noch herumlaufenden Kinder nimmt GtaMastr. 
Wart, d' St.-Manndli kimnt und nümmt di'* in ih- 
Sack! GitMai. — Stächeli-Ma n ": wohl scherzh. ge- 
bildetes Syn. zu Gäbeli-M., im Neckreim auf die 
Toggenburger : Gäbelima [s. d.], St., <!' Togg&burger 
müenden Isc'banha" (Götz.). Der Geschlechtsn. (.Hans 
Stachelraann, burger zu Baden.' 1403, Aa Urk.) bedeutet 
viell. den Stahlhändler. — Stüde"-: 1. Popanz, mit 
dem die Kinder Abends von der Gasse gescheucht 
werden G; vgl. Holz-Mann 3. — 2. St.-Mcmne*, junge 
Männer, die um Urbanstag, durch angebundene grüne 
Stauden riesengross erscheinend, aus dem Walde 
Abends durch die Dörfer schreiten GSa. (Republikaner 
1844, 21). — 3. ,Studeman'. Geschlechtsn. 1309, L 
Eschenb. Urk. Syn. Stüder. Eig. der bei den Stauden 
Wohnende. — - Steekli-: 1. Träger eines Spazier- 
stockes; verächtlich für müssiger städtischer Spazier- 
gänger ZO. Syn. Steckli-Gumper (Bd II 314). -/.'»./>. 
.So faule, gottlose Herrenleut können in der Welt 
herum schlänggen und am Steekli spazieren, und er 
müsse seinen Verdienst den verdammten St-en geben', 
klagt ein unzufriedener Landmann bei Stutz. — 2. Trä- 
ger eines Knotenstockes, mit einem Knotenstock be- 
waffneter bäurischer Insurgent. Am 6. Dez. 1830 
drangen .Steckleinmänner und Säckleinträger' in Aarau 
ein. Aa Gem. Ähnlich am 6. Sept. 1839 in ZStdt. - 
„Stückli-: Fabrikant, der Musselin- oder Baumwoll- 
tücher [Stückli] feil bietet G" ; Syn. Stüclcli-Träger. 

— Stci" - Mannli : pyramidenförmig geschichteter 
Steinhaufen 1. um als Wegweiser auf den Schnee- 
feldern der Alpenpässe zu dienen „Scnw;" W. Syn. 
/ Stein-) Hirt Bd II 1647. 1640 ; vgl. Mann 6 e. a. — 
2. als Zeichen der Besteigung einer Bergspitze von 
Bergsteigern, Touristen errichtet. — 3. Stein(e)mann, 
Geschlechtsn. Gl; G; Zg; Z; vgl. Steiner. ,Der Steinm.', 
ein Leibeigener. 1379, Z Urk. — St ü r- IIa": Steuer- 
bezüger GG. — Strau-: 1. grosse, menschenähnliche 
Strohpuppe. Ein Str. wurde der Jungfrau, die mut- 
willig braven Bewerbern Körbe austeilte. Nachts zur 
Strafe vors Haus gestellt GW.; vgl. Maien 4 a (Sp. 3). 
In Aa; Z soll bei anhaltender Sommerdürre der er- 
sehnte Regen symbolisch dadurch herbeigelockt wor- 
den sein, dass man einen Str., mit leerem Wasserkübel 
in der Hand, im Dorf oder im Feld aufpflanzte. — 
2. Strohlieferant, spec. Schiffer, der im Spätherbst 
Schiffsladungen schwarzer Streue aus ScinvMa. oder 
GLBilten in die Dörfer am ZS. bringt ZS. — 3. Ge- 
schlechtsn. Bs; S. — Strale"-: Kristallsucher W. — 
The-: Händler, der mit sog. Glarnerthee hausiert '/,. 

— Tach-me": Dachdecker ZZoll.f; Syn. Tach-Stiger. 
Noch Familienzuname, ebd. — Tuech-Mann: Tuch- 
händler. ä.Spr.; vgl. Wät-M. So 1521/14, SchwLB.; 
1527, Aissch. ,Wie jener cdelman. der tuech zue einem 
rock auf die borg nam, die er dem t. erst in jener 
weit zalen sollt,' Gyrenrupfen. ,N. N., burger und t. zu 
Bischofzeil.' .1 Maler 1503. — T ö c h t e"- (6 ') : 1. hau- 
sierender Dochtenverkäufer Z. — 2. PI. Töchtemanne; 
spöttisch st. Tochtermänner Z (Dan.). — Tochter-, 
in Seit; Tu Töchter-: wie nhd. .Techteimann', altes 
l'-ei Geschlecht, wie frz. .Legendre.' Vgl.: Jakob 



281 



Man. iiu'ii. min, mon, imiu 



282 



Meiers ,des Tochterinännlis.' 17:::'.. AaB. (Absch.). 

— T&äi' k gs- = Tädmgs-Herr (Bd II 1545) .'/.-■. vgl. 
Schid-M. ,Si gerten auch keines teidingsmann.' L400, 
Lied. .Her pfalzgraf am Ryn, der sicli erbot, dis 
kiiegs ein tedigsman zu syn.' 1500, Schradin. .Es ist 
/wischen uns kein tädingsmann, der sein band zwü- 
schend uns lege.- Z Bibel 1560. .Proxeneta, under- 
tädiger, mittler, underköufer. tädigsraann.' Fris. - 
Tuft - Mannli: Mann, der mit Scheuersand (aus 
Tuffstein) hausiert B. .Nur so arme Leute. Besen- 
binder, Tuftinannleni und Heubeeriweiber.' Gotth. 
Vgl. Sand-Meüschi (Sp. -1). 

Tag-Mann: Taglöhner am Gemeindewerk. .Jeder, 
der Rosse, Kühe oder Esel auf die Allmende treiben 
lässt, sei schuldig, fürjedes Stück einen T. zu schicken.' 
1730. Absch. (für T). — Obers, des it. giornaliere. 

Fritigs-Mannli: Schuldner, der Freitags (d. i. 
am Markttag) in die Stadt geht, um Aufschub für Be- 
zahlung seiner Schuld zu erlangen S. Das $1" Fr., 
Schulde'bürli, wo-n-i* (V Statt chömme" cho" Zali'ge" 
mache. Hofst. — Tagme n -Ma°°: 1. Anteilhaber am 
.Tagwenreeht- [Nutzen des Gemeindelandes] Gl. — 
2. Taglöhner am Gemeindewerk. ebd. — Düggeli- ü: 
Teufel, zu Kindern st. Düggel A.iWohl. — „Docke"- 
Männli: Zärtling G." — Tal-Mä"": 1. (nutzungs- 
berechtigter) Einwohner eines Tales, so in BHk. 
.Wenn ein talman von dem tal ze Engelberg ziechen 
will, der soll usw.- 1582, übw Rq. .Keiner mag weder 
alp noch buwland nutzen, er sye dann sasshaft im 
tal und t.' 158S, ebd. — 2. Talmi", Gesehlechtsn. Tu. 
Syn. Taler. — Till- s. Ghappen Bd III 384. .Der 
nydhart und her dilleman nan mit den puren vil 
angefangen im land zu Osterrych.' 1499. Lenz. .Man 
sieht wol. das" du von her tilmans kappen redest, das" 
du ein langen tant machest, nun das" du nit müessest 
antwnrt geben, so man dich fragt.' Gvrenrüppen; vgl. 
Tihhüii und Öl-Götz Bd II 581. — Tilli-: das aui 
der Diele wohnende Gespenst TBTäg. ; vgl. Böli-M. 
Man ruft ihm herausfordernd zu: DiMma" 1 talli hüi 
hö fäl! — Tilderi-, im Kinderreim: de T. hat de" 
Sunntigrock am Werchtig a" Z; vgl. tüderen. — Tem- 
pel-: 1. urspr. Höriger oder Lehensmann des Templer- 
ordens; erhalten als Gesehlechtsn. Z; vgl. , Tempelhof' 
ZBüml., ein dem Orden der Templer angehöriger Hof. 

— 2. = Priester? .Mein T. in d' Küchen stets mich 
nöten tuet.' JMabler 1620. — Temperaments- 
Männdli = Planeten- M. Z. Vgl. Vom Fels zum Meer 
1883, Heft 6. — Tann- Mann: der am oder im Tann 
Wohnende. Gesehlechtsn. 1472. GBurgau. .Danninann' 
noch in Gr. Syn. Tanner. — Tauner -Mannli: 
armer Tagelöhner S. 

Tangel- (ApK.i. Tängel- (GWildh.), Tängeli- (Ap 
H.. M.) Mannli, -Männli: der Holzwurm; vgl. Toten- 
Ür Bd I 420. Syn. Erd-Schnudli. 

Der Name deutet auf Vorstellung eines verborgenen Ko- 
boldes, der mit seinem Hämmerchen pocht [tängekt] ; vgl. 
BSli-M., Bammer (Bd 11 1273). Das Klopfen des T-s zeigt 
in ApH. gutes, in GWildh. schlechtes Wetter an und wird 
daher bes. von den Mähdern beachtet. 

I>orf-Mann: Dorfbewohner im Gegs. zum Aus- 
wärtigen oder auch zum Bergbewohner. ,Man soll 
niemder nie nemen ze dorfma. er geb denn 2 gülden 
den dorflüten gemeinlich.' 1399. Ndw Eq. .Ein ussre, 
der nit dorfma war.' ebd. .Nieman soll kein ströiwi 
us der onw verkoufen, er sy denn d. ze Buochs oder 



aber bergman am Bürgen.' 1433, LTw Urk. .So ein .1. 
ein dochter nsserhalb des dorfs etter näme.' 1559, G 
Niederst, Dorfr. .Ein D., der die Gemeinde verliess 

und ein anderes Dorfrecht annahm.' 1618, ZHorg. 
(Strickt.). .Ein D. soll die Unzucht [Polizeibusse] zu 
geben schuldig syn als Ussleute.' Bs Chr. 1779. Ge- 
sehlechtsn. 1348, BStdt; 1504, Z; .Job. D. (Coman- 
der)' hiess der Reformator von Gr. 

Dor z-Män nun: fackel- oder schildtragende Figur. 
.Ein becher hat uf dem deckel ein dorzmenlin.' 1 169, 
Bs. — Mhd. torze, Fackel; kleiner Schild. 

Tessel-Mann: Aktivbürger. Teilhaber an den 
Gemeinderechten WGräch., Saas. 

Der Name bezieht sich darauf, dass das Bürgerrecht 
damit bestätigt wird, dass Einer seine Totale*, d. i. einen 
kurzen Holzstab, auf welchem seine Namenszüge eingeschnitten 
sind, im Gemeindehaus aufhängen darf. 

Tause n -Manndli: meist kunstvoll geschnitztes 
Männchen mit Bütte am Rücken, welche Zünften und 
andern Gesellschaften als Trinkpokal diente ScawBr. ; 
Z>t lt. .1 hölziu Deusmannli.' um 1600, Z Inv. — 
Tos(e)li-Mä ,,n : alter Mann, kleiner Knabe, welcher 
seinen Weg gemächlich und gemütlich dahin geht G 
st lt. — Trübe»- (GSa.; Th). Trubel- (AaZ.) Männdli 
= Trat ich -Hans Bd II 1474. Die ist" Ältsaggristeitür, 
wo das heilig Grub und d's Tr. däjinne* ist. Albr. 
1 — I. .Trübelmamr. Gesehlechtsn. Bs. — Drache"- 
Mann(li): Bergkobold, der in dem von einem Ge- 
witter hoch angeschwollenen Bergbache auf einem 
Wurzelstock oder Stein mit dem reissenden Strom ins 
Tal hinabfuhr und dem man ja kein Hinderniss in 
den Weg legen durfte GFreienbach f. — Trüdüteli- 
Mä nn : spött. = Örgeli-M. SchKI. — Dräj -Männdli: 
in einer Höhle hausender kleiner Kobold, welcher 
nach dem Abendläuten auf dreimaligen Ruf: Dr.! ent- 
weder selbst zürnend herauskommt oder ein schwarzes 
Hündchen herausschickt, welches beisst SBalst. — 
Trüssel-Ma lln : Träger einer Keule, eines .Morgen- 
sterns', zum Landsturm. gehörend L; Zu. .Musketiere, 
Dr-en und endlich Kanonen [im Bauernkrieg 1653].' 
Feierabend 1864. .Die Tr-cn von 1798 in der Nähe 
von Villmergen.' Stadlix 1824. — Trost-Mannli: 
meist ärmere Leute aus BE., die mit einem Sack auf 
der Schulter im Lande herum laufen, um Waben- 
trester und leere Waben aufzukaufen. Z Neuj. naturf. 
Ges. 1865. 25; vgl. Imbli-M. — Drötli-Ma"": Draht- 
geflechthändler Aa. ,Ein Mann mit einem Pack wie 
ein Dr. oder dgl. Handelsmann.' AASarmenst. Hausfrd 
1856. — Dritt-: unparteiische dritte oder Mittels- 
person Gl; Schw; Ndw; Zg; Z. Öppis hinder cn 
Drittmi" legge", einen (streitigen) Gegenstand zur 
Sicherheit in unparteiische Hand legen. S. hinder 
Bd II lllö. .Diese vier Kühe befinden sich zur Zeit 
an Drittmannsort hinter Recht.' ZoBaar (Z Amtsbl.). 
.Deponere aliquid, pfand hinder einen dr. legen.' Fris.; 
Mal.; s. auch mit-hellen Bd II 1142; behaltsam. ebd. 
1243. ,So der Beleidigete den Täter nit leidete und 
ine ein Dr. angäbe, sollend sy Beid die Buess ver- 
fallen syn.' 1607, U Rq. — Trotte"-: Eigentümer 
einer Kelter, der, wenn Andere dieselbe benutzen, die 
Aufsicht über das Keltern führt und von jedem Saum 
Weinmost ein gewisses Quantum als Trotthin bezieht 
ZSth. .Trottmann.' Gesehlechtsn. AA.Muri. 

Tritschel-, Trutzel-: Dolmetsch. Wortführer. 
,N. N., der gar wolbedacht ir tritschelm. ist gesyn.' 



283 



Man. men. min, nion. mini 



284 



Zellw., Urk. II 2, 113. ,Trutzelm., das ist ein tol- 
raetsch, der die türgisch sprach kann.' Stulz 1519. 
,Die Araber hand uns disen Tag noch drymal geran- 
zioniert und brandschatzet; als aber unser Trizelm. 
mit inen geredt, hand sy uns lassen basieren.' Stockm. 
1606. — Frz. trucheman, Dragoman. 

Weier-Mann: Aufseher über die einer welt- 
lichen oder geistlichen Herrschaft zugehörigen Mühl- 
oder Fischteiche. So der Beamte, der die im XIII. in 
den Besitz der Stadt Bern gelangten, zu den Mühlen 
am Sulgcnbach gehörenden Teiche zu Bümplitz zu be- 
aufsichtigen und ihren Wasserstand zu regulieren 
hatte, und von dessen Amtssitz der Weiler .Weier- 
mannshaus' den Namen empfangen hat. Vgl. Messmer 
1830, 5. 

Der in B; F; G vorkommende Geschlechtsn. wird z. T. 
eher als Anwohner eines Weihers gedeutet werden müssen ; 
vgl. .Teichinann' und frz. .lhivivicr.' 

Wabe"-Manndli = Trost-M. — Wiber-Mä" n : 
1. wer gut ist mit der Frau, mit den Frauen Ap; Z; 
,homo uxorius.' Sdlgkr. Anne Bäbcli, witt-mi cJ ' ha". 
i ch bin en guete'' W.: i eh will am Marge" früe üfstä" 
und go* 's Käfeli chochc", und wenn i ch 's Käfeli 
(f machet ha", will i ch d' Frau go" wecke". Schiuleri- 
schä, wie isch(s) so ehalt; wend-si na c * e" chli" declce' Z. 

— 2. Weiberfreund im schlimmen S. ,Sunst ist er 
ein W. gewesen.' Rüeger 1600. — Erdwibli-, nur 
in der RA.: Selber 'tö", selber g'ha", seit der E. AaFh.; 
vgl. Erd-Manndli und Wild-Mannli. — Wechsel-: 
Personifikation des Wechsels, der Veränderung; s. 
glichlig Bd II 002. - Weid-: Fischer. XVI./XVIII., 
ZS. Bei JMurer 157."> auch syn. mit .Vogler.' Als 
Geschlechtsn. Z ebenso gut von .Weid' in lokalem S. 
abzuleiten; vgl. .Vollcnweider.' — Wagen-: Wagen- 
lenker, Fuhrmann. ,N. N., eines w-s und burgers zu 
Bynfelden elicher sun.' 1488, Aa Urk. ,Es fuer einmal 
ein w.' Gletting. ,Ein ung'felliger und selbs muet- 
willig verdorbener, einhändiger w. [Fuhrmann, der 
durch Ungeschick um eine Hand gekommen ist].' Ansh. 
.Bei dem hellen Sternen Areturo oder W.' JGross 1624. 

— Baumwollen Baude"-: Baumwollfabrikant Z. 
D' B-e" wend ja vom Pfund Garn nümme" mi" weder 
10 Schillig ge". Wolf. rel. Gespr. 

Wald-: 1. Sg. zu Wald-Lüt Bd III 1526. .Wenn 
ein gottshusmann oder ein waldmann von tots wegen 
abgat. von dem soll man einem herren von Einsidlen 
einen fall folgen.' XV., SciiwE. Hofrod. — 2. Wald- 
gespenst. .Da werdend die gspenst und menschentier 
einander begegnen und die waldmennlin einander 
laden.' 1530, Jes. 34; dafür 1683 und 1882: ,die Feld- 
teufel einander rufen.' — 3. Geschlechtsn. Th; XV.. 
Zoliliggenst. ; als Vom. schon ahd. und (selten) wieder 
modern; auch Hundename. — 1. a) Waldmämdli, Wald- 
meister, asp. od. Aa; vgl. Herz-Freud Bd II 1275. — 
b) Waldmandli, = Här-M. UwE, - Zu 2 vgl. die Anm. 
zu Holz-Mann, 

Wild-. -Manndli, häufiger wilde Mä*': 1. Dim., 
Sg. zu Wild-Lüt (Bd III 1526) Gr; Uw; U; vgl. Berg- 
Manndli. Wann alli Wetter Wetter sind, das allcr- 
ergsti ist der Wind, hin d's W. g'seit Gr; vgl. Erdirlbli- 
Mann. Wilde'männlis-, Wildmannlis-Loch, -Bahn, 
Namen von mehreren Höhlen im ehemaligen rätischen 
Gebiete; s. Schumi 1869, 67. Die wilde* Mannte, iro 
drin g'wont, sind schwarz to* Färb und chli" und 
fällig g'höret g'si". ALPENBOTE 1827, Nr 36. Ihr Brot 



machten die W. aus Erde. Das Glockenläuten hassten 
sie GrPi'.; GWe. Einem W., das als .wilder Küher' 
jahrelang gedient hatte, legte der Bauer zum Danke 
Kleider auf einen Stein. Nachdem es dieselben an- 
gezogen, rief es aus: Was weit au''' so en Weidcli- 
Mü"* | stattlich gekleideter Mann] nie' mit dt" Chilene* 
ii,idc(lej" gä"? und verschwand von da an Gurr.; 
vgl. noch Dorfkal. 1896, 87. Sagen von Wildmännchen 
in der Umgehung von GVättis s. bei FIKaiser 1876, 
73 und in Gr bei Sererh. HI. 32 f.. auch Alpenpost 
VII 161; Bündn. Kai. 1870; WSenn 1883, 30 ff.-. Von- 
hun 1802, 45 ff. — 2. de r Wildmä", wild Mä", urspr. 
wie Fänk (Bd I 866) Biese der Vorzeit, der im Walde 
hauste. Vor Einbruch schlechter Witterung oder vor 
schweren Unglücksfällen lässt sieh der wilde M. ver- 
nehmen GrPi'. Weil die Berner 1712 mehr als 100 
.wilde Männer' (es war eine Kompagnie Berner Gre- 
nadiere mit Bärenmützen) bei sich hätten, sei ihnen 
nicht zu widerstehen, sagten die Gemeinden der Graf- 
schaft Baden. DHess, Badenf. De"" han-i do e* Vog.el- 
büchs, nie" könnt mit schiesse" Wolf und Luchs. Si 
ist 's Wild-Ma""s vor Zite" g'si", spottet der mit einem 
alten Gewehr Ausgerüstete in Eliata und Mahomet 
176'_\ — 3. seit alter Zeit als Festmaske in Volks- 
spielen figurierend. So im W in der sog. Jagd auf 
den wilden Mann an der Fastnacht, wobei derselbe 
(vorher von der Jungmannschaft des Dorfes gewählt) 
in möglichst zottige Tierpelze vermummt, in der Volks- 
menge Etw. stiehlt, als Räuber von einer bestellten 
Polizei unter Pistolenschüssen und Geschrei durch 
Klüfte und Schlupfwinkel verfolgt, endlich eingeholt, 
abgeurteilt und zur Strafe des Spiessrutenlaufens 
verdammt wird. Näheres s. Alpenrosen 1869, 126; 
HHerzog 1884, 233; Nat.-Kal. 1878, 47. ,An dem Bann- 
wald ob USehaddorf liegt der Wildenmanns-Stein, der 
den Namen hat von der Sag allda, dass darauf der 
Letste von denen dort gewesenen wilden Leuten ge- 
sehen worden und seit langer Zeit junge benachbarte 
Knaben jährlich an der sog. Herrn-Fasnacht sich ver- 
sammlen, sich wie wilde Männer ankleiden, auch einige 
Ämter unter sich durch ordenliche Wahl austeilen 
und dann in dem Dorf herum laufen und ein Mahlzeit 
in Milch halten.' Leu. Lex. Vgl. auch Schämmeier. 
Auch im GaMünstertal pflegte früher die Jungmann- 
schaft nach einem gewissen Hügel, der noch immer 
Dös dell' oin salvadi heisst und den Kindern zum 
Schrecken gewiesen wird, an einem bestimmten Tage 
auszuziehen, um den W., der sich, in Grün gekleidet, 
vorher dort versteckt hatte, einzufangen und im Tri- 
umph ins Dorf zu führen. An der Alplerchilbi zu 
Samen, Staus und Gersau treten nach dem Gottes- 
dienste ein W. und ein Wüd-Wib, mit grotesken 
Masken angetan und ganz mit Tannreisern oder Tann- 
flecliten bekleidet, als lustige Figuren dem Zuge der 
Sennen voran, wobei sie mit entwurzelten Tännchen 
den Weg kehren und allerlei Schabernak treiben. In 
Samen, wo «las Paar zu grösserem Spasse auch eine 
Puppe (das Iiumpenditti), die sein Kind vorstellt, mit 
sich führt, haben sie dem Festprediger einen grossen. 
fetten Käse zu überreichen; den an der Pestmahlzeit 
ebenfalls teilnehmenden Kapuzinern aber überreichen 
sie unter vielem Spass zwei ganz kleine und unge- 
niessbare Käse. Ebendaselbst unterhalten sie das 
Publikum durch gegenseitige Anklagen von .Mann und 
Frau und durch verdeckte Angriffe auf weltliche und 



285 



Man, mcn. lniii . mein, in 11 it 



286 



geistliche Obrigkeit oder Geisselang von allerlei Lä- 
cherlichkeiten und Ungebührlichkeiten, welche Dieser 
und Jener sieh im Laufe des Jahres hat zu Schulden 

k ten lassen. Daher erheben sich zuweilen Stim- 
men aus dein Publikum und Erlasse der Obrigkeit 
gegen den beleidigenden und Misshelligkeit veran- 
lassenden Charakter der Sprüche. ,Prodit et ein Wild- 
niann. faunus mit zotteten Haaren, horridus in manu 
viridem Tanngiotzen habeto, ludat ut ein stultus, 
G'lächter, Kurzweilque moveto.' XVIII., UwÄlplerged. 
Zwei Wildmannen mit einem jungen Knabli traten 
auch im J. 1578 bei der festlichen Erneuerung des 
Bündnisses der VII Orte mit W in L auf, um einen 
vuii RCys. gedichteten Spruch vorzutragen; der erste 
Sprecher führte sich folgendermassen ein : ,Ich komm 
dorther us wildem wald; da iss ich krüter, würzen 
manigfalt', und erinnerte an sein .ruches g'wand und 
spys, gar hartes leben, arbeit und flyss.' Vgl.: ,Den 
spillüten, item dreien von Brugk, so wildenmänner 
g'syn, und einem mit einem rösslin 13 par hosen' bei 
Anlass eines Jugendfestes Ende April 1551 in Aarau. 
Ölh. 64. Vgl. noch üw Gem. 79 ff. ; Vw Volkskai. 1884, 
17 f.; Lütolf, Sag. 480; WSenn 1870, 15G ff.; Osenbr. 
1864, 85 und Britschen-Meister. — 4. der W. (ge- 
wöhnlich nackt, z. T. haarig, mit entwurzelter Tanne 
oder Keule in der Hand) im Wappen oder als Wappen- 
träger. So führt ihn der Zehngerichtenbund von Gr 
im Wappen; ähnlich die bürgerliche Gesellschaft in 
TuFr., welche 1424 mit der Gründung ihrer Trink- 
stube zum ,w-en M.' auch einen ,w-en M.' in ihren 
Wappenschild aufnahm. Als sprechendes Wappen hat 
ihn auch die Familie ,Wild' ZWäd. Wappenhalter 
der Gesellschaft zur Haren BsStdt, eine entwurzelte 
Tanne tragend, weshalb die Kleinbasler als Wirze*- 
yraber gehänselt werden. In einem Wandgemälde im 
Stadttorturm zu St Gallen trugen zwei ,wilde Mannen' 
die Schilde der verbündeten Stände. Seit 1577, da 
man zu Rekten Mammutknochen ausgrub, die man für 
Überreste eines Riesen hielt, wurde ein wilder Mann 
zum Schildhalter des L Wappens gemacht und ein 
ebensolcher in Riesengrösse an den Rathausturm ge- 
malt. .Bärendanz oder Streitliedlin zwischen dem 
Bären [Stand B] und Wildenmann by Villmergen ge- 
halten.' Titel einer Druckschrift 1656. ,Do hat man's 
'klagt dem Wildenmann.' Yillm. Schlachtlied 1656, 
Mscr. Als Wirtshausschild und -mime kommt der 
, wilde Mann' seit alter Zeit fast überall vor, so in 
Aä; Bs; Th; Z. Nach dem Wappenhalter der Familie 
Bolzhalb Messen in ZStdt zwei Häuser zum ,w. M.', 
welche Figur beim einen in Stein, beim andern in 
Malerei je an der Fassade angebracht war. S. Vög.- 
Nüsch. I 352 und 034; ähnlich an einem Hause in 
(iRZillis, von Ardüser gemalt. Ein Felsgebilde an der 
kleinen Windgelle Scuw trägt den Namen .Wilder M.' 
als Versteinerung eines Jägers, welcher am Sonntag jagte. 
Die Scheidung in mehrere BoeM. ist natürlich nicht ur- 
sprünglich, hat sich alicr nach und nach herausgebildet. 
wiewohl sie auch jetzt nicht überall streng durchgeführt 
werden kann; s. Fänk. Neben allem Mythischen liegt ein 
historisches Moment im vielfachen Durchblicken einer Er- 
innerung an frühere Ureinwohner. Näheres s. noch Arg. 
111 27 f.; V 316; auch Cr. Myth. ' 520 f.; Weinhold, Etil i a 
290; Ztschr. des Ferdinandeums, Iunsbr. 1S7Ü, -209 f. 

Wammis-: der zweite Preisschütze, der zum Preis 
ein Wams erhielt Uf (lt Rochh.); vgl. Hosen-M. — 



Wi"-: 1. Weinbauer, dem man jährlich im Herbst 
den Wein abkauft Sch; Z. ,Weinmost auf des Wein- 
manns Gefahr hin in den Keller legen lassen.' Z Stadt- 
gerichtssatz. 1715/1829. Oorrelat: Win-Berr Bd M 
1548. — 2. Weinbauer übh. .Winiminn, vinitor.' Mal. 
Auch Geschlechtsn., gespr. Wime* 7. rS. — 3. Wein- 
händler Ap. — 4. Weinschenk. ,Der wynnian soll den 
ald die leiden, die übersitzen.' 1304, Z RBr. .Hein r. 
Widerspach, der wynmann', Zeuge. 1347, Bs Urk.; 
ebd. 1555, Archiv. — 5. en rolle'' Wima", ein Be- 
trunkener Sch (Kirchh.). — Gewand-: Tuchhändler 
Ps (Spreng). .Heinr. Einfaltig, der gewandtmann.' 1 191, 
A.tOlsb. Arch. ,Kd Rollenbutz, der gewandtmann.' 
1532, ZStdt. ,Dieb. Ryff, burger und g. in Basel anno 
1583.' — Wingert-: Weingärtner Z (Jucker). — 
Werch-, Werehme': 1. Arbeitsmann, Arbeiter, bes. 
Landarbeiter und im prägn. S. Aa; Ap; B (,operarius, 
multi laboris homo.' Id. B); L; Sch; S; Z. S. angehen. 
Bd II 81. Auch Tagelöhner Ap; E; Sch; Schw; Z. 
Werchmä", im Bes. ein von einer Alpgenossenschaft 
Angestellter mit der Obliegenheit, auf der Alp die Steine 
zszulesen, Gesträuch zu entfernen, die Zäune zu flicken, 
Dünger zu verteilen, die Wassergräben zu öffnen usw. 
Er ist sammt Hirt, Saher und Häeterbueb dem Schivei- 
ger untergeben BHk., R. Auch: Mann, der eine Land- 
arbeit in Akkord übernommen hat UwE. .Gesucht: 
ein tüchtiger, arbeitsamer Werkmann, der ein Heim- 
wesen zu werchen übernimmt.' 1882, Schw Ztgsinser. 
Ein Mörder wird in ZWthur 1434 auf fünf Jahre 
wieder aufgenommen, mit dem Beding, in dieser Zeit 
,der stadt werchmen zue syn.' Troll. .Wer um ein 
utzit dienet mit synen glidinen, er sy hantwerchman, 
sy werchman oder burman, das ist lidlon.' 1400, L Rq. 
.Das gottshus [UwE.] soll ie dry werchman darzue 
tuen und die tallüt sollen helfen [am Aawasser] wee- 
ren und werchen.' 1514, Obw Rq. ,Gueter werkman 
kam nie zue spat.' Schade 1863. ,Kain muess mir helfen 
die erden erbuwen, ein werkmann werden.' Piijef 1550. 
,Den zwei werchmanen, so fünf tag holz gesehytet, 
jedem zum tag 2 btz.' 1594, B (Gfo.). .Weilen an 
den gmeinen Werken merklichen gelegen, sollen die 
Tauwner fürohin nicht Kinder oder Leut under 16 
Jahren senden, sondern selbsten oder einen Werkmann 
schicken.' 1657, AAWett. Klosterarch. — 2. Händler 
mit Hanf (Werg). .Einem Werchmann zalt ich für 
265 Pfd Fimmelwerch und 5 Pfd Flachs 55 nV 1688, 
Taueb. Zuber. — Handwerks Handerechs-, Han- 
ter(e)chs-, Hamperehs-, in BsStdt; S Hampers-: Hand- 
werker. Es ist Eis e" schlechte H, wenn er nid vom 
Hanterech rede" cha** L (Ineichen). — Würze"-: 
Händler, der mit Kräutern und Wurzeln aus den Gl 
Bergen hausiert Z F. - Wasen-: Scharfrichter. 
GKönig 1715. Syn. Wasenmeister. Als Geschlechtsn. 
bedeutet es wohl urspr. nur den am Wasen Wohnen- 
den; vgl. den syn. Geschlechtsn. Wasmer. .Margret 
Wasenmännin.' 1526, Sch (Rüeger). — Wasser-: 
1. Zeichen des Tierkreises im Kalender, allg. Wer im 

II '. fischet, (find gere" i* d's Wasser BBe. — 2. unten 
mit einem Steinchen beschwertes Holzstäbchen, das auf- 
recht im Wasser steht oder tanzt; ein Spielzeug der 
Knaben TöSteckb. — 3. Wasserdoktor, Quacksalber 
Schw; s. Gütterler Bd II 535. — 4. de* schwarz W., ein 

Dämon mit Ziegenfüssen, der Überschwemmungen ver- 
ursacht GrV. (Jecklin 1870, 128). — 5. Geschlechtsn 
TuFr. — Wässer-: 1. Einer, der das Recht besitzt. 



287 



Man. inen, min, mon, mun 



288 



seine Wiesen aus dem Dorfbache zu wässern Aa 
Merischw. — 2. von mehreren Wiesen- oder Rietbe- 
sit/.ern angestellter .Mann, der die Bewässerung zu 
leiten und zu beaufsichtigen hat Z. ,Es sollent die 
von Roggwyl einen w. haben in irem kosten, der das 
wasser leite und wise uf die acker allenthalben ge- 
lychlich.' BRoggw. Üffn. 

Bleiwlsli-Ma nn : Einer, der insgeheim Notizen 
über die Steuerkraft der Leute macht, um sie dem 
Steuerkommissär zuzutragen Z. 

So gcheissen, weil solche Aufzeichnungen, damit sii 
liehst lLis.h und unbeachtet vor sich gehen, meist mit dem 
Bleistift gemacht werden. 

W iss - Mann e" : PL, die Levkojen (mit ihren 
stattlichen weissen Dolden), matthiola incana GWyl. 

Wat-Mann: Tuchhändler. L394/1410, ZStdtUrk.; 
RCys.; 1639, B Arch. .Demnach sind sy [die Mönche] 
zun: wadmann 'gangen und band ander kutten usg'nan.' 

1529, Strickl., Akt. Ein Appenzeller, der ein , wadin.- 
sei. 1529, Absch. ,N. N., huetmacher und wattmann.' 

1530. ZStdt (Edlib.). In BStdt bildeten (schon lt ürk. 
von 1460) die Wat- (Watt-, Wad-, Waad-, Waadt-) 
männer mit den Spezereikräroern, Glasern, Tuch- 
scherern und Schneidern die Gesellschaft zu den Kauf- 
leuten. Sie waren hauptsächlich Leinwandhändler; 
vgl. B Taschenb. 1862, 11 f. - Mhd. wät, Gewand. Zur 
Erweichung des < vgl. Rsd-Hü» u. A. 

Watte' 1 -: Hausierer mit Watte Z. — Wetter-: 

1. der am Tenntor angenagelte, sehwebende, dürre 
Tannzweig, der als Barometer dient, je nachdem er 
sich hebt oder neigt; s. Rochh. 1867, II 107. — 

2. 's Wetter- Mannäli, ein Kobold mit grossem Hut; 
sein Erseheinen bringt Regen BSumisw.; vgl. Nebel -M. 
— Zedel-: Zinsherr, eig. Inhaber eines Schuld- 
briefes (Zedels) Ap. — Ziger-: mit Schahzieger hau- 
sierender Glarner '/.. ,l>as graubärtige Zigermänndli 
aus dem Linttale mit seinem Maisli auf dem Rücken 
und dein Knotenstock in der Hand.- Senn, Charakterb. 
I 75. — Zigerli-: Einer, der sich den Bauersleuten 
verdingt, um aus Trestern sog. Zigerli herzustellen 
ZZoll. — Zehnten-, Zende*-: Zehntenbezüger. So 
noch in der 1. Hälfte unsers Jhdts ein Beamter in 
ZSteinm., welcher den vom Kloster Wettingen ange- 
pachteten Zehnten bei den einzelnen Bauern einzu- 
ziehen hatte. .Der Frauen zu TuFeldbaeh Z.- 1529, 
Absch. — Z ueker-M annli: ein Festgebäck LE.; 
vgl. Mann d a. 

Zimber-Ma" n AAFri.; Bs; S; Z, Zimper- B (Dorf- 
kal.), Zimmer- Ap; BsStdt; Gl; S; Th; CT: 1. wie nhd. 
allg. Neckreim: de? Z. häd um Werchtig d' Sunntig- 
Im.-., ii <i" AaBd. Marjanneli, Susanneli, nimm dune" 
Z. : er /"int! ihr i's llnsili, es Schürli nebe* drä" S. 
RAA. Anders Höh her. seit de Z. '/,. Eim zeige", 
WO de' Z. 'S Loch tf macht häd, ihm die 'Iure weisen 
S; In; Z. .Wenn X. das Bettelmensch nicht sogleich 
aus dem Sinne schlage, so habe der Z. 's Loch g'macht 
und er könne gehen, so weit der Himmel blau ist.' 
Stutz. ,Dio Span fallen am Z. abe°', wer Andere ver- 
leumdet, mach! sieh selbst verdächtig. Sch Pilger 1890. 
D's Z-s lim- (s. Bd II 1508) ist e* Zoll tii.oi.st. Grosse 
Äste in Brettern nennt man Z-s Söhne WLeuk (Dan.). 
Von einem Abgemagerten sag! man scherzh., er habe 
den Z. gehabt Bs; Sj Z; vgl. (ab-Jzimberen. Ähnlich 
von den Katamenien Z.s. (selten). — 2. a) = Geiss 
Ulli 3 (IM 11 1648) Ar: B; VO; „Sch;" S : Tu: Z. 



Wenn Einem dieses Insekt auf die Hand komme, kriege 
man den Zitter ZS. — b) Warze mit Haaren GRh. 
Syn. Schands-Lüs. 

Bei Bed. -J a sind die langen Beine dieses Tieres, die 
aen weil ausholen, mit der Tätigkeit Hol/ behauender 
Zimmerleute verglichen; vgl. die auf ähnlicher Vorstellung 
beruhenden Synn. Z & Weber-CknVcht, Lang-Beinfer, 

in Henneberg ,Haber-Mäder' und zur Personifikation etwa 
. e her erwähnte Aberglaube beruht darauf, 
dass das Tierchen in bestandiger zitternder Bewegung ist, 
Zur Vermittlung von 2 fa mit a vgl. Mwjrj, auch & 
Erzählung .die schwarze Spinne. 4 

Zeine"-: Händler, der mit Korbwaren hausiert Z. 
Syn. Chrätten-M. Bin au"* wider da, de Fischctaler 
Zeine'ma*: Schwzd. V :'.7. .Einem Z. für 4 Zeinen 
21 ß.- 1691, Zubers Tageb. — Zundel-: -ein Pfeif- 
chen rauchender, hinter dem Pfluge einhergehender 
Bauer. Im Rätsel: Zweit nuidi Hünzli [Rädchen], 
-treu g'hörigi Bünzli [Ochsen oder ihre Schwänze], 
hinde'dra* de* Zundelmä": Böt-mer, was isch denn 
Das? A\Zein.; vgl.Baseli. — Zünd-Männli=£renm- 
M. Syn. Zünsler. ,Wer in der Finsternuss wandlet, 
der gehet etwan einem Z. nach, da er meint, er gehe 
einem Liecht nach.' FWvss 1073. — Zins Zis-, Zeis-: 
Zinser, Schuldner eines Kapitals, das jährlieh zu ver- 
zinsen ist 11; Z; Ant. Zins-Herr. Hyperbolisch wurde 
der Reichtum eines Bauern ausgedrückt mit der LA.. 
die Bäurin müsse alle Jahre auf Maitag oder Martini 
nur für d' Zeislüt [Bewirtung der Zinser] einen Bach 
Brot backen Z f. .So der. so das guet in hat von dem 
z., zue schaden kam, es wäre mit dem weibel oder 
mit zerung in das wirtshus.' 1529, Ap LB. .[Der Kre- 
ditor] mag das Vech bis zu Vernüegung des Jarszins 
pfänden, obglych das Vech nit des Z-s wäre.- 1607, 
U Rq. ,üer Ambtsmann soll die Summ hinder dein 
Z. verbieten [d. h. der Zins soll nicht ausser Landes 
entrichtet werden].- B Pfandordn. 1678. 

Zusei-: Geliebter, Anbeter. ,So henk mir an, 
myn z., dises halsband!- sagt die Dirne zu ihrem Bur- 
schen. GBinder 1535. 

Viell. hat das W. gedehntes u und könnte in diesem 
Falle aus .Zuusel-' hervorgegangen sein. Dann Hesse es sieh 
der Beil. nach mit .Flamme' zshalten. 

Zottel-Männli: der Fuhrmann (im Bätsei). Es 
ist e" vierredrige Tun:, vier härigi Schwänz, es Z. 

und e" Schnellbüchs GkD. — Wohl so genannt, weil ei 
eine Mütze mit Troddel trägt. Vgl. Zundel-M. 

Zitzeli-Ma n ": im Kinderlied: d' Sunne sekint, 
's Vögeli chrit, es hoggei undrem Lade*, d' Mueter ist 
iju Bude", de'' Vatter isi i/o Züri ch g'si* ; d' Mueter hat 
es Chindli g'funde*, mit Silber und Gold iscli-es ein 
gebunde*. Z.l Z.\ Mir in ml das Chindli selber hu" : 
nur wend-em wacker z' esse* gi, um Milch und Wiss- 
bröd dri". Karlisepeli, wottsch-mer 's wiege*, will-der 
Nusseli und Il/reli iji und nill di' h init-mer i* 's lliin- 
iinii in GRh. - Zwings-: wer in einem Zwinghof 
(Bd II 1035) sesshaft ist und demselben rechtlich an- 
gehört. .Welicher nun in disen zwing ziechen [wird], 
der soll zu ynzug oder zwinggelt erlegen 10 guldin, 
damit er aller gerechtikeiten in dem zwing wie ein 
anderer zw. gehalten werde.- 1568, AaIIüiizoii (Min. 

man u, m) Bs; BHk.j Tu; Z, m„ BBe.; F. m, B; 
Sch; S. mr Aa; L; S; ZO. (neben nie), Rafz, Rieht, 
mir s (Schild); unbestimmtes Pron. Me* cha*" ja! 
Formel der Zustimmung zu einer Aufforderung, einem 



289 



Man. in. 'ii, min. nion, mini 



290 



Vorschlage Tu; /.. Mir wont der Miss nit bi, und 
geit-mer tut'" us aller G'tconig hi; so blibt-mer vor 
der Chilche" stö* S (Schild). Mi" fantasiert, als ob- 
1111" enere" angere" Welt a'g'hörti. Schwzd. Will man 
eine Person weder mit Du Doch mit Ihr oder Sie an- 
reden, so hilft ,nuur ans der Verlegenheit, aher auch 
in Fallen, wo man die direkte Frage "der Anrede 
mildem will Tu; Z; z.B.: Ist-me* :' Miir't g'si*? In 
a. Spr. ist der Gebrauch noch freier: ,Umb Ostern 
fieng man an ze sterben.' 1544/73, Met., Chr. 

Allgemeinste Form ist me(n), die bei der Inversion auch 
da eintritt, wo sonst tni gesprochen wird. Finales r erklärt 
sich wie in der Zss. Niemer durch Einwirkung des Preu. 
"/■/"'■ Neben mer kommt übrigens immer auch m< vor, z.B. 
bei Joach. (für S). Scheu mhd. men iim>i>. me. 

Ie-nian Icmed : Jemand Z; doch nur selten statt 
des gewöhnlichen Öpper. In ii. Sprache .iemands.' So 
1494, BsKatserk.: Zwingli; Z Bibel 1531/48; .Mal. ,So 
wir jemands hettind beleidiget.' HELv.Conf. 1566/1644. 
.Yeinas.' 1518, GWyl Urk.; 1522, Z ürk.; Zwingli. — 
Ober die Form mit -b vgl. die Autn. zuui folg. W. 

Nie-man Nieme" AaF., Lengn.; Ar; Bs; BO.; PP.; 
GWildh.; S; T; Tu; W (Niemu, auch Dat.). Niem 
A a F r i . ; BsI... Niems A.»Leer. (selten); Bs (Brcitenst.), 
Niemund P (Schott). Niemed GrD., Val.; ZO., Niemet 
GuPr.; GO., Neimct GhS., Niemeds BsStdt; B, Niemes 
AAFri.; Bs; BM.f, Schw., Niemeser BM., Niemer Aaj 

ÄPJ Bs; BE., M.; L; G; S; Tu; Uw; ü; ZO., S., Jvte- 

mer(d) GuLandq., ObS.; aScinv. Niemerts B, Niemere 
B (Noin. und Dat. Gotth.), NämerfdJ Sch, Nämert Th 
Tag., Ne'mer(t) ApK.; TuBerg, Egn. (neben Nemed), 
Niemerist ScHwMa., Niemert AaFIs., Lengn.; Ap; Gr 
Pr.; GStdt, T. ; Sch; Th; Uw (selten); ZS., Sth.: Nie- 
mand. Niemesem g'seit, Int Niemesen (freut B (Sprich- 
wort). Hand -er N. über Nacht? Frage des Nacht- 
herberge suchenden Fremdlings, Bettlers Ap; Z. Und 
danach im Spielreim, der von einem Kinde gesprochen 
wird, während es eine langstielige, durch die Röhre 
eines Löwenzahns gesteckte Blume fortwährend Bück- 
linge machen lässt: Gueten Äbig , Chupferschmid ! 
Händ-er Niemert über Nacht? Wöll, mer händ es 
grosses Tach, aber Kenig Better. B'hüet-i Gott, Herr 
Vetter! Z. Will Niemer me r ge" (bute")? Gantruf Z. 
.Tabula, das ausrüefen an der gant: Will nieinen mer 
gSben?' Fkis. Es göd em [ihm] icol ond Niemerten 
übel, RA. bei einer sog. .Freudleiche' Ap. Miiest Nie- 
med fürchen und vor Niemedem <V Chappe* lupfe". 
Stütz. Wenn 's nu' Niemer g'hört häd! sagt der Kü- 
ster, welcher das Läuten vergass ZS. Nieinertem säge" 
weder alle" Lüte", ironische RA., die auch im Kinder- 
reim (Sesseli träge", N. säge" usw.) vorkommt Z; vgl.: 
,Gemeinlich wird der Vatter im Hus erst eines Dings 
innen, wann es Niemand weisst, als Jedermann.' 
JJ Breit. 1638. N. auch personifiziert wie der Ouxt; 
der Odyssee. Dc r Herr Niemert hat 's 'tu" ZStdt. 
.Niemants und was böss g'schicht hat er tön.' 1504, 
Z (Lotterieloosinschr.). .Ich bin der nieman. All ding 
mness ich verbrochen hau.' 1515, Holreintisch. ,Der 
uns das liedlin new gesang, der niemand hat 's getan, 
ist er genannt, er darf sich selbst nit nennen.' 1533, 
Lied; s. noch Bs Jahrb. 1879, 217; Anz. für Kunde 
der deutsch. Vorzeit 1866, 170 und vgl. Niemerlis-Tag. 
Mhd. nieman, ni> <>t,n und auch schon nitntunt, ui:n>il>. 
niemun(d)>. Das W. wird bald flektiert (bes. im Dat.), bald 
nicht flu Nicme. Hindorm.). Gotth. braucht promisene Nie- 

Schweiz, Idiotikon IV. 



N und Niemanden, Dat. Aus 1; siml folgende Fle- 
xionen angegeben : Gen. Niemes, Niemesi. JKuhu 1806; Gen. 
Nicmereme, Dat. Niemere(m) BM.; Gen. und Dat. Niemes(e)i 
BM.-f Unsere Formen gruppieren sich um die drei Typeu 
Nieman, Niemand, Niemer, mit den gewöhnlichen Reduktionen, 
bzw. Entstellungen der tonlosen zweiten Silbe. 1. , Nieman.' 

1407, G (Wegelin). So noch 1476, Bs Chr.; IE , Absch.; 

1530, Matth., .Niemeu.' Hadlouh; HsStockar 1529; Gospr. 
1712, ,Niema.' HsSchürpf 1497, .Niema.' JCWeissenb. 1702. 
- 2. ai .Niement.' XV., ZKyb. Offn. ; 1516, Hess. Badenf. 
.Xieiiut.' Edlib. ,Niemant' wechselnd mit , Niemants.' 1530, 
Z Bib. .Niemat.' Kessl. .Niemandt,' 1603, Ap Maleflzb. 
b) .Niemants.' 1476, B Schreiben; 1494, BsRatserk.; Zwingli 
(neben .Nieman' i; 1531/48, Z Bib. (dafür 1667: .Niemand'); 
RGualth. 1553 (neben .Nieman'); Mal.; ThPlatter 1572; 
Gulden Bund 1.385/1658; Z Mand. 1650. ,De-niemants.' um 
1550, G t'tk.; 1570, Absch. (wohl Analogiebildung nach 
,de-kein'). ,Niemantzer.' 1630, Härder 1859. .Niemans.' 1476, 
Bs Chr. .Nieinads.' GSldi 1712. .Niemas.' 1490, B Hdschr.; 
öfter in den Absch. seit 1 52 1 : 1525. Strickl., Akt.; Gcspr. 
1712. — 3. .Niemer.' 1383, ZRi|.; Ansli.; 1580, Z Mand. 
.Niemert.- 15'27. Z (Egli, Akt.); zu .Niermant' verhochdeutschf 
von Mey., Wthnr Chr. Vgl. noch das Glossar zu den Hai- 
monsk. 1531, S. 296; Deutsche Volksbücher S. -199. Nie- 
me(d)s, .Niemas' ist verk. aus ,Nieman(d)s', urspr. Gen.. der 
aber als ueuer Nom. gilt, wie .Nichts', oder nach Analogie 
vom pers. gebrauchten ,Eius', ,Keins'; vgl. Gr. WB. IV 2, 
2302. Niemeser uud .Niemanzer' sind Weiterbildungen dieser 
Form, wahrsch. durch Einwirkung von Niemer^ dessen -er 
sich nach Analogie von ('77«/-, Euer einstellte zu einer Zeit, 
als das -er der Letztern nicht mehr als aus .wer' entstanden, 
sondern als blosse Endung gefühlt wurde; vgl. Silber u ml 
Beiger. Niemert (vgl. Öppert) ähnlich erweitert wie nlul. 
.Niemand.' Zu Niemere* vgl. iedere. Zur Snperlativbildnng 
Niemeriet (vgl. oberist, üeeeriet u. Ä.) muss der dem W. inne- 
wohnende Begriff der Ausschliesslichkeit beigetragen haben. 
Zur Verkürzung Niem(e) vgl. Fälle wie gtst aus geeter. Zur 
Flexion Niemeeee* vgl. die Anni. zu ein Bd I '273. Der Gen. 
Niemermes scheint eine Kontamination ans Dat. uud Gen., 
jedenfalls eine pleonastische Bildung. Schwierig zu erklären 
bleiben die Formen mit ä uud e in der ersten Silbe; au 
Einwirkung des Pron. Neimer (,Neisswer') zu denken, wie 
etwa bei Neimet Gr, erlauben die Lautgesetze der betr. 
Mundarten, die ei vielmehr zu o wandeln, nicht. 

Mannbarschaft: Mannesalter. .Der Mensch hat 
seine vier Alter: die Kindheit, die Jugend, die M.. da 
der Mensch in seiner Beste, und das hohe Alter.' 
FWvss 1655. 

„mannele": sich als Mann fühlen und betragen." 
Dial. Auf. büebelen. 

manne 11 : 1. einen Mann nehmen, heiraten A.v; 
Ap; Bs; B; Gr; P; G; Scu; Scnw; Z. Z' III. finde" 
SchwMuo., :' mannid chö" Ar. Heiratsgelegenheit be- 
kommen. '/.' niiinnu", da marito, heiratsfähig l'Al. !''• 
wott nit iclbe", si wott nit in. Stutz. I clt han düo [da] 
(fmanned und binJLüo derdurchtwillen cum Tanzboden 
ehun BHa. .Bisweilen wurde die Erblichkeit der Zunft 
auf die Tochter ausgedehnt, insofern sie in das Hand- 
werk raanneten.' BsStdt (Ochs 2, 1, 158). ,Es were 
dann, das sy zu mannen oder wyben manottind oder 
wybottind, die der obgenannten eigen werind.' 1492, 
Z OGlatt Urk. .Wybent oder mannand knaben oder 
tochtran uss dem hnss, dass sy ir eigen brot und 
rouch band, so ist dem gotzhus gefallen der fal.' 1515, 
ZRhein. Offn. ,Etlich vermeintend, dass nieman eigen 
syn sölt uml ouch iren lierren, so sy wider sy wybent 
oder mannent, kein strafgelt und [1. umb?] ungnossame 
schuldig syn söltend.' Edlib. ,Sy mannetend, sy wei- 
betend.' 1530/48, Luc. 17; dafür 1683: .sie namen zur 

19 



291 



Mull, inen, min. 1 1 1 1 > 1 1 . iiiun 



292 



Ehe, sie wurden zur Ehe gegeben.' ,Ach, Rosa, mann 
nirnmermer, diewyl <lu siehst, was für gross herzleid 
die männer iren wybren anstecken.' 1585, B Arch. 
.Yerzeichnuss derjenigen Töehteren und Frauen, welche 
aus dem Dorf mannend.' 1696, Z Zoll. Pfarrprot. ,We- 
liche Wittib oder Tochter mannet und einen Uiige- 
nossamen oder Ausländischen nimmt, soll gestracks 
aus dem Land gewiesen werden.' 1757, Bs Rq. — 
2. = chilten 2 (s. Bd III '2-15). 

über-manne": 1. überwältigen (phys.) S. I ch bin 
übermannet; mit G'walt cha ,m -men e" Geiss umme'- 
lüpfe". Schild. — 2. reü., überanstrengen. Er hat 
si eh übermannet AaZ. Syn. übermeisteren. — 3. durch 
numerisches Übergewicht einen Gegner besiegen, 
a) beim Handgemenge; s. laufen 1 a a (Bd III 1121). 

— b) bei Abstimmungen. We""-mer e* ehli" z'sämmc" 
hebed, so übermanned-mer die i" den andere" Bezirke'. 
Gl Volksgespr. — i°-: refl., in eine Familie, einen 
Ort sich einheiraten (von der Frau) Bj Nnw. — er-: 
durch Heirat mit einem Manne erwerben B; W; Z. 
Du hast grad so eil erteiltet, das' [als] ich ermannet 
ha", sagt die Frau zum Hanne. Stütz. Elsi: 's ist 
doch nüt Bessers weder Nidelmilch; ach, wenn ich doch 
inf aw h cha"" Chüe e.l ebd. ,Wär, dass ein söllich 
kind ein ehgemächt gehabt, von dem es besonder guet 
erwybet, ermannet oder ererbt hätte.' vor 1596, Tu 
Diess. Erbrecht. — ver-: 1. refl., sich mit einem 
Manne verheiraten. ,Wo sy [die Ledigen] sich ver- 
mannet oder gewybet hättind.' Zwingli. — 2. tr. 

a) durch Heirat dem Manne zubringen B. Ant. ver- 
leiben. .Natürlich ledig wäre ihm [dem Bruder] das 
Ifönsch [die Schwester] am liebsten gewesen, was 
brauche es das Geld zu v.' Gottii. ,Wie kinder [einer 
Wittwe] iren teil guets verwyben oder v. mögend, also 
soll die mueter auch mächtig syn, iren teil einem 
andern mann zuezebringen und zue v.' 1541, B Rq. ; 
und ganz ähnlich 1572, Aarauer Stadtrecht; SMutach 
1709. ,Die Muoter mag das Guot, so ira in der mit 
iren Kinden getroffnen Teilung worden, v. oder sonst 
nach irem Willen vergaben.' B Gerichtssatz. 1615. — 

b) durch Heirat mit einem Manne verlieren, verwirken 
B; Gr. ,0b ein dochter hinus mannen und einen 
nemmen wurde, der nit burger ist, soll sy darumb ir 
burgrecht des abzugs halb nit verwürkt ald vermannet 
haben.' 1536, Z Staatsarch. .Diejenigen Weiber, so 
ihr Burgerrecht v:, sollen aus der Stadt weggeschafft 
oder die andere Woche in die Trülle gesetzt und her- 
nach eidlich verwisen werden.' 1685, Aarauer Ratserk. 

— sack-: plündern. ,Und also das kaiserisch volk 
in Rom hinyn gefallen und daselbst g'saccamannet, 
dem Papst hab und guet genommen.' Kessl. Vgl. Gr. 
WH. unter .Sackmann.' — weg- = ver-mannen 2 b. 
,Nach unsern Gesetzen, da Sie Ihr Landrecht weg- 
gemannet hat, kann Sie nicht mehr, besonders mit 
Kindern, im Lande bleiben.' 1796, Brief JCLavaters. 

Mannete" f.: Mannwerk, als ideelles Landmass 
AaWoIiI.; vgl. die Synn. Mann- Werch und Jüchert(e"). 

mannhaft: 1. wie nhd. ,Das land der eidgnossen 
ist fruchtbarer, schöner, mannhafter lüten. dann dlicin 
land uf dem erdboden.' Zwingli. Bes. in Titulaturen: 
,Die ehr- und m-en Seokelmeister' u.dgl. XVIII. , Z. 

— 2. = .namhaft' (durch Motathesis) Souw; Zg (Dr 
Iten); vgl. ,manhaftosten dienei", Übersetzung von 
.nominatissimis rainisterialibus.' XIV., B Handveste. 



M a n ii i in. : 1. (auch Bäre'-M.) das Bärenmännchen 
im Bärengraben zu Hern. Der .1/. ist es rueldgs 'Bittet. 

BArentai.pks 1882. — •_>. Pferdename Aa; L; S (-ä-). 

- 3. Name für Kanarienvögel Bs (-ii-J. -- Koseform 

von Mann (T /); vgl. Buebi a. ii. Syn. zu Ü und :i Haut. 

Gügger- (ü): Dompfaff. Posiheiri ls7. r >. 

Hirsche"-: das Hirscheiimännchen im Hirschen- 
graben zu ZStdt f (Dan.). 

mannig: heiratslustig, mannsüchtig „BO.j LE.;° 
ScmvMuo.; W. Mannbar: ,Es solle keine Jungfrau 
Dorfschaft haben, oder sie habe zuerst das m. Jahr 
erfüllt.' 1829, Kyd, Bartlispiel. 

manni": männlich Gl. Jungs und Alts, Wibis 
und Mannis. Es Mannis, ein .Mannsbild Gl. ,N. N. 
und syne mannine kind.' 1370, Gl Urk. 

mannli(ch): 1. mannhaft, tapfer Bs (Spreng)-; 
Z (selten). — 2. frisch, munter GitSch. Er ist nof k 
grad m-e r . 

Mannlichi f.: Maiineskraft. ,Myn sterke, man- 
liehe und lob ist der Herr.' Zwingli. .Es werde mit 
der zyt vil abgon an in.; man erlindet in dem Wol- 
lust.' ebd. 

männliche": mannbar werden. Dial. 

Mannoggel m. : 1. bewegliche Puppe in Gestalt 
eines Mannes; Männchen als Kinderspielzeug, als gra- 
phisches oder plastisches Bild BsStdt; B; ZO. Die 
Berner erklärten, sie sehen in einem Soldatenlieder- 
buch nicht gerne solche Mannöggeli, d. i. Figuren. ,Ich 
meinte, man wollte mich einsperren und mit mir wie mit 
einem alten M. ein Narrenspiel treiben.' HPest., Brief. 
— 2. „Manöggd, -ö-", Zerrbild eines Menschen, „dum- 
mer Bauer von übler Figur" AaHI. (n.); Männchen 
Gl (Mannoggel i); scherzh. Bezeichnung eines drolligen 
Menschen, bes. Knaben Tu; ZO. — 3. Backwerk, 
Mann, aus Teig gebacken Aa; BoAa.; Gl [Mannög- 
geli); Syn. Gritti-Benz. 

Vergröberung von Manno (s. Mann 1); vgl. aber auch 
Ifanoggel (aus Hans Jogget). Zur BeU. vgl. frz. rnanne^um. 

Mannschaft Mannseh'cft — f.: 1. wie nhd. Das 
ist e" süberi 31., eine saubere Gesellschaft, i. S. des 
Vorwurfs, auch mit Bez. auf Unerwachsene, bisweilen 
sogar auf Frauen, ja auch auf ungeberdiges Vieh aus- 
gedehnt Z. Auch in Zss. : D' Heuer-, Wümmer-M., die 
Gesammtheit der Heuer, Weinleser, ebd. — 2. Mann- 
schaftsrecht, Lehenspflicht. .Wurden wir kriegen wider 
die beid, da sond sy nit gebunden syn, hilf wider die 
ze geben, alle die wyle sy ir mann sind und die m, 
nit hand ufgeben.' 1418, L Urk. ,Zue Worb hette ein 
herrschaft von Kyburg nüt anders gehept, dem. die 
m. und den reiszug.' ThFkkkart 1470. .Das 8 man 
der statt Costenz die grafschaft und die in. im Tu 
yngeben sollt.' 1500, Absch. Der Abt fieng an. .um 
die statt und in das Turgöw um gerieht [die Gerichts- 
barkeit] und m-en zu werben.' Vad. — 3. Mannes- 
lehen; Mannesrecht. .Der man mag geben, wem er 
will, so er in das todbett kompt, syn fry mannlechen 
oder m-en.' 1476, BKrattigcn Rq. .Wann einem Mann 
allliier [BEschi] sein Eheweib mit Tod abgat, so mag 
derselbig wol ein Pferd für M. voraus nehmen. Wei- 
ters soll sich die M. nit erstrecken.' 1675, I! Rq. — 
4. Mannheit. .Spado, ein verschnittener, one m. ge- 
boren, der vmi natur nichts mag.' Fnis. 

Über-. ,Die über die 10,000 Mann [Auszug! vor- 
Endliche Mannschaft vom 16. bis 60. Altersjahr hiess 



293 



Man. inen, mii 



I. llioll, lllllli 



294 



Ü. und war in Resorvekompagnien eingeteilt.' 1782, 
L (Seg., RS. 111 ■_'. 159). 

StSckli-: Mannschaft, welche, mii' mit Stöcken 
bewaffnet, bei Festlichkeiten and Keuersbrünsten die 
Ordnung aufrecht halten, bzw. das gerettete Gut be- 
wachen muss BBurgd. 

a 11-inänn iij: allgemein L; Zg (St. 1 '). 

zwei-männig, nur Attr. zu Hfts: Haus, in dem 
zwei Haushaltungen wohnen PPo.; TB.; WUlr. 

mann isih : männorartig, dem Weibe nicht an- 
stehend. .Herzogs Amadei hochniüetige, m-e wittfrow 
Jolanda.' Ansh. .Kin mennisch wyb [Semiraniis] bringt 
u f das rych. ein wybseher mann verlürt es glych.' 
JMurer 1550. ,M-e, unanständige Überlitz [an der 
Frauenkleidung].' Z Mand. 1680/1713. .Die grossen. 
m-L'ii Halstücher.' 1703/15, ebd. 

sür-. .Turgöwische saurmänische [Pfründen].' 
Gbistl. Pfri'ndenb. 1740. 

Viel], mit Anspielung auf den Geschlechtsn. ,Siire-niaun'. 
mit appellat. Deutung. Die Pfründen in den gemeinen Herr- 
schaften waren mit besoudern Schwierigkeiten verbunden und 
wenig gesucht. 

niäne" BD.; Gl; Gr; Tu; Z, mäne" Aa; Bs; BM. ; 
GSa. ; Uw: mahnen. 1. Einen an Etwas gemahnen, 
erinnern, eine Reminiscenz wach rufen, pers. und un- 
pers., von Personen und Sachen Aa; Bs; B; Gl; Gr; 
GSa.; Scu; Tu; U.w.; Zg; Z. Er manfnjet (GSa.; Th; 
Uw; Z), munt (Aa; ISs) -mi r '' ganz a' sin Vatter selig. 
„Er manet-mi"'' an e" Jud, ich finde, er gleiche einem 
Juden." Es mannet-mi"* ie: prezis [es kommt mir 
vor] wie... Aa; Z. De G' Schmach [Geruch dieser 
Blume] mannet-mi ch an e" Tulipane". ,Manet es [das 
Bilderverehren] dich nitan das zueloufen genBethel?' 
Zwingli. .Mich mannet dein Brief an das Sprüchwort.' 
Schihpfr. 1651. ,Dann lueg ich ihre Kleidig an, so 
mannet 's mich, weiss nit woran.' JMaul. 1074. ,Du 
mahnest, mich an meinen Bruder, facie et moribus 
fratrem refers.' HosriN. 1683. — 2. ermahnen, an- 
treiben, z. B. einen säumigen Schuldner Aa; Bs; Th; 
Z; auch vom Zugvieh, das man antreibt AiLeer. 
Mann-mv* drä* (wenn ich es vergessen sollte) Tu; 
Uw; Z (Formel bei einem Versprechen). De'Schucl- 
meister mucss d' Bliebe m., balge" Z. ,Er soll die m. 
ir eids.' 1385, SchSl. (Vetter). Der Stadtschreiber 
,soll allwegen einem [so] Schultheissen daran [an die 
Beschlüsse] mannen und erinnern.' 1184. ZWthur. 
Spec. : Verbündete, iibli. Pflichtige zur bewaffneten 
Hilfeleistung aufbieten, allg. So auch Morgant 1530. 

Mhd. mänen. Die Dehnung, sowie die Synkope in der 
Ein)., dringt allmählich aus der Schriftspr. auch da eiu, wo 
sonst Kürze herrschte und zwar zuerst für Bed. 2, so dass 
dann Differenzierung auch für die Bed. sich ergibt. In der 
Literatur .gemahnet' schon Z Mand. 1650, neben ,ab-nianneu.' 
ebd. Die End. -et erklärt sich aus der ahd. Form manön 
(neben minien) ; vgl. die Anm. zu machen. 

ab-: wie nhd. Z. In spec. Anwendung: weg-, ab- 
(he)rufen. ,A., mit der trumnieten einen zeug wider- 
unib hindersieh manen. wider abziehen ermanen, re- 
ceptui canere, ab armis revocare; avocare, dehortari. 
Von der vogtei abgemant uud widerumb beriieft werden, 
de provincia deduci.' Mal. ,A1s ich in Bischofzell ab- 
geiuanet und uf die pfaar Winterthur erfordert ward.' 
ebd. 1593. - flf-: 1. zu den Waffen rufen, (Soldaten) 
aufbieten, aufs Piket stellen Aa; „Seil; Zu; Z." ,Sy 
habend ufgemanet, was spiess und stangen tragen 



mochte.' LLav. 1509; dafür 1670: .versammleten Alles, 
was ins Heer zu zeuhen taugte.' .Hauptmann N. N. 
soll den vierten Fahnen ufmannen, dass. wann man 
dessen würde begehren, selbiger gerüst seie, in die 
Stadt zu ziehen.' 1037, Sch Ratsprot. — 2. auffordern, 
z.B. zum Bezahlen Z (selten). — an-: 1. wie nhd., 
antreiben, -spornen ZS. ,Wir wollen zu dem Guten 
a., von dem Bösen abmahnen.' JMüller 1001. — 

2. „gelüsten, unpers. Zg; Z." Syn. an-machen. — 

3. = „manen 1. I ch weiss nid, wie d' mi rh ä'manist 
L; Seil; Zg." Auch bair. — er-: 1. = manen 1 Gl; 
Gr; Z. Er ermann(e)t mi ch üf und ändli ch an'n Michel. 
,Dyn märitant [Geschwätz] ermanet mich glych, als 
wenn man von roten hosen sagt, die dienent aber wol 
zum doktorat.' Gyrenr. 1523. — 2. = an -manen 1. 
Gend-mer, icas-i [euch] Gott [zu gehen] ermant Z. 
Auch bair. — 3. von einer Kapitalzahlung in Kennt- 
niss setzen, i. S. einer Aufkündung. ,Ist aber, dass 
N. ald syn erben N. 1 ald syn erben ermanent mit 
21 pfunden Züricher pfenninge hinnen ze der nechsten 
wiennachte, so sint die dri matt kernen [Gültzins auf 
dem Hause] abe und ist der halb teil des huses für- 
bass ledig.' 1317, Z Urk. — ver-: 1. bei Anlass einer 
Beschimpfung die Anwesenden durch den Ruf: I rh 
rermane"! als Zeugen anrufen und dadurch zur ev. 
Zeugenaussage vor Gericht verpflichten B. I eh lä" 
drum c, ich bringe die Sache vor Gericht und ihr 
seit Zeugen BHa. ,Der Fritz sagt zum Ludi vor 
allen Leuten: Ich will dir einen Feuf bätzier geben, 
wenn du mir einen grossem Esel zeigen kannst als 
da bist. Und der Ludi hat vermahnt usw.' B Bist. 
Kai. 1822. ,Er begann die Gesellschaft zu schelten, 
dass vermahnt wurde und Denkwein gebracht.' N. B 
Kai. 1843. — 2. gerichtlich verklagen B oAa. Ver- 
malte" hättisch-ne" solle", sc. den Baumstamm, gegen 
den Einer den Kopf gestossen hatte. B Dorf kai. 1878. 

— 3. ermahnen. LLav. 1582; Z Kirchenordn. 1028 
(.trostlich vermannen'); Bs Taxordn.; Z Mand. 1050. 

— g"- = manen 1 AaWoIiI.; Z. 

M a n e r. E" guete r M. ist besser als e" füle' Ar- 
beiter. Ineichen. Vgl. Zue-lueger Bd III 1228. 

Mani n gf.: Mahnung. 1. Aufforderung, Warnung, 
wie nhd. Bs; Uw; Z. Es soll-mer e" M. si", ich will 
es mir gesagt sein lassen Bs; Z. — 2. Mahnzettel von 
Seite der Schulpflege an die Eltern wegen versäumten 
Schulbesuches eines Kindes Z. — 3. eine förmliche, 
bundesgemässe (nicht verschlossene, aber mit dem 
Siegel des mahnenden Ortes versehene) Aufforderung 
von einem ,Ort' an das andere, sei es zu Recht zu 
stellen oder Hülfe zu leisten, z. B. 1530, Absch. Vgl. 
üs-gän Bd II 25; fitr-sicli-gän Bd II 33. 

Ver-: Ermahnung, Erinnerung. ,Das brot [im 
Abendmahl] ist ein v., dass der lychnam Christi für 
uns ist in tod hing'geben.' Zwingli. 

ver-manlich: ermahnend. .Vermanrilicli.' Zwingli. 
,Er wirt ein v. geschrei füeren.' 1531, Jerem. ; dafür 
1007: .antreibendes.' ,Es wird dem Ausschuss v. zu- 
gesprochen.' 1587, Absch. 

Manestre" ü; W, Minestre" PP. ; T; W — f.: Suppe 
mit Einlage von allerlei Grünem, Gemüse; mit Aus- 
schluss der Brotsuppe; Syn. Chudhi-Suppen. .Morgens 
erhält der Bewohner von Ulrichen eine gute Suppe, 
die man M. heisst.' AhIIekd. ,Wett inen ein sür me- 
nester kochen.' Salat. .G'sotten und brates gnueg, 



20h 



Man. 111011. min, mon, niun 



296 



fünferlei pasteten, vil moncster, kriese, er d bere, pfer- 
sich, biren, pfandkucchen' usw. 1557, Geschfo. Ges. 
(Pariser Reise). — Churw. manestm, it. minertra, Suppe, 
vom lat, minutrare, auftragen il"i Tische). 

Mani: Marianno AiSt.; Z (Dan.). 

Mäni BHa.. Moni Gk; Ndw — f.: 1. Mähne, bzw. 
Halsrücken des Pferdes, auch Rindviehs. ,Ein Weib- 
lein [Hexe] schaute das Rind an und strich demselben 
mit den Worten: Das ist doch en hüb seh i Mähni! mit 
der Hand über den Rücken.' Jaklin 1878. ,Die (hals-) 
mänin.' Tierb. 15ti3. — 2. Dim. Mäneli, Mäneli S, 
Männeli BM., a) = Lämeli 2 (Bd III 1267) BM.; S. 
- b) zwei bleistiftdicke Auswüchse, welche am Halse 
von Schweinen etwa vorkommen BM.; S. 

Über die Vwdtschaft s. Kluge (5) 245. Zu unserem '2 
vgl. die BeJ. Halsschmuck, welche in aisl. men und lat 
monih liegt. 

Manier f.: 1. wie nhd. allg. ,.Imdn in der M. [in 
den Schranken des Anstandes] behalten.' Gotth. M. 
lere" wird als Zweck angegeben, wenn junge Leute in 
eine Erziehungsanstalt (der französischen Schweiz) 
gelien Tu. Worum bist au eh du i" 's Wälschland 
g'gange"? Antw.: Hä, go" Mattiere" lere", du Cime! '/,. 
— 2. PI. in concr. S., Gegenstände nach Mode. Art 
eines Volkes. .Dero von Ougspurg burger, so in Oster- 
ivch tagend am Türken, schicktend mancherlei tür- 
kischer monieren gen Ougsbiirg, nämlich dem doktof 
Peutiger ein türkische schritt, vilen Chorherren säbel. 
türkisch li ü ct. kodier, gürtlen, bärt, oren [usw.].- Vad. ; 
vgl. Art li (Bd I 174). - Zu o für n in vortoniger Silbe 
von Fremdwörtern vir!. Polier, Solat. 

manierli" 1 ', -eck, -ig: wie nhd. Ar; Bs: Tu; Z. 
.Eine manierligte Frau.' Gotth. 

u"-: Steigerungsadv. Ap. Omanierlig müed. 

lütscheli- GkB., lutzi- GbAv.; wenig manierlich, 
nur subst. im Volksrätsel als Name der Stubenfliege: 
Es ist es cMeins schwarzes Tierli, heisst L. und hed 
schi" h vermesse", miä Her und Frau (z' Mittag) 2' esse*. 

manierliche": manierlicher werden „VO;" W; Z. 
Auch von Sachen: „das Kleid manierliehet, fällt (durch 
diesen neuen Zuschnitt) netter ins Auge." 

nianiere": 1. „den Mittelweg wählen, z.B. bei 
Handel und Wandel. Er hat's gemanieret, hat keinen 
übertriebenen Preis gefordert. Das Wetter manieret, 
geht an, ist zwischen gut und schlecht VO." — 2. hand- 
haben. ,Gott hätte uns langest den Eni aus den Hän- 
den gewunden, weil wir ihn nicht besser 111. können.' 
PWvss 1673. ,Als ob Alles nur an uns stehe, an 
unserem schürgen und manieren.' ebd. — 1 von ,Ma- 
nicr'; 2 von frz. manier, 

Manöver n.: 1. Sg., Scheinmanöver, Kniff Bs; Sch; 
Tii; Z. — 2. PI., Spässe, Possen Bs; auch: auffällige, 
närrische Geberden Th; Z. 

Manuel AaL., St.. Mdnewel Bs; GlH., Mannt AaL., 
St.; „PMn.; L;" Z. Mäni (Dim. Mäneli) UwE.. Mannli 
'/.. Mannt AALeer.; Bs (Dim. Männeli in.); „B", Man- 
uel \Al.eer.: 1. Emanuel. aaOO. — '_'. Muni, auch 
= Germann I,. Mannli, Hermann Gk (Vassali). — Zu 

Manewel vgl, argewieren aus arguicron, 

Menaschere" f.: .Vorfleck. Tändelschürze, eine 
kurze Schürze des Frauenzimmers, womit es sich das 
Ansehen einer Hauswirti ler Köchin gibt.' Spreng. 



Frz. mfnagere, Hauswirtin. Das Getragene mit dem Namen 
i. li./, 1 !,,, lehnet wie mit bergen der Hut, wie ihn 
eine Schäferin trägt. 

Menäsclii f.: Lebensmittel, Proviant Gitl'r. Päd 
e" gueti chrepfegi M. in d's Renzli. MKöoni 1886/7. 

Vgl. frz. pain -/• menage, hausbacken Brot, jambon d* m„ 
tgi i-äucherter Schinkeu; zur Form des Fremdwortes vgl. 
Fueteraschi, fourrage, Ouraaehi, Bagwtrhi. 

Hcnnel, Menner I (-<*-) — m.: niederer Hand- 
schlitten für Holz, Heu aScnw. Auf leichten M-n 
wird ■/.. 1!. Ende Januar das Wildheu aus den Alp- 
liütten ins Tal herunter geholt, gewöhnlich zwei .Bur- 
denen' auf einmal; Syn. Zug-Schlitten. — mennere": 
ein Fuder (Holz. Heu) auf einem Zugschlitten ziehen, 
bes. aber bergab lenken Schw. Syn. böckleren. Es 
schvers Fueder :' id., wo 's stotzig ist, brächt grad 
nie e" chli" Ellboge'schnml; [Kraft und Behendigkeit | 
SchwMuo. — Vgl. nihd. jii.net, Treibstachel. 

Hore n -Mennel Schw, -Menner ZcoÄg.: Hand- 
schlitten mit zwei Hörnern, d. i. vorn emporragenden 
Sehlittkufen, zwischen denen stehend oder (wenn es 
bergab geht) auch sitzend und daran sich haltend der 
Mann den mit Holz oder Heu beladenen Schlitten 
lenkt (mennet, wist). Vgl. Hörn 4 k (Bd II 1618) und 
Böckler. [Der Holzfrevler] häd mängsmol .:' Nacht uf 
si*'m alte* -ff. die schönste" Schiter us-eme* räche" 
Tüfel [rauhen Berghalde] cippe" nidsi' h g'sehlcill und 
i" der andre" Nacht i" 's Dorf g'füert mit-eme" Zieh- 
rindli. MLienert. 

nienne". in Tu tw. e 1 , in GT. -e'-, sonst -.?-, bzw. 
-e s - (in Gl mit geminiertem «), in ScBwMa. -..-, l'tc. 
I'erf. g'mennt Tu, sonst häufiger -et: 1. das Zugvieh 
antreiben und lenken, mit Zugvieh fahren, a) beim 
Pflügen GTa., T.; Th; Z. Syn. z' Acher tribe"; vgl. 
Menn-Bucb. Er mennfeß, das' wie" 's über 's ganz 
Feld i-e" g'hört. Wann Eine' 's M. nüd verstät, sc 
cha"" de' Pflueghalter he" schöni Art [Furche] maclie" '/,. 
Bisweilen auch allgemeiner = pflügen ZRüml.j Syn. 
z' Acher fare". — b) beim Fahren übh. BO.; Gl; Gk; 
GA., T. ; Schw; üw; I"; W; Zgj Z. Syn. fuer-werchen. 
in den Gebirgsgegenden ganz bes. vom Fahren mit 
dem Schlitten, auf dem man Holz nach Hanse. Dünger 
auf die Wiesen führt. Übh. schwere Fuhrmannsarbeii 
tun Gl; ZRichtersw. Der Mennendt chunnt mit dem 
Rennende", der Bedächtige [eig. langsam Fahrende] 
kommt mit dem Hastigen ans Ziel GrD. Du blibst 
en Stock, zum mit-der M., so dumm, iluss man dich 
als Zugtier brauchen könnte. Scbwzd. (Schw); vgl. 
noch ßunten I (Bd II 383); gresten (Bd II 810). De r 
irird schätzwol ha" müesse* »>.. komische Deutung der 
Bewegungen eines Musikdirigenten. Stutz. ,Es soll 
ein yetlicher, so holz uss den bergen fertigen will, 
faren uf den midisten holzzug und nit darüber noch 
daruss 111., sunder strags dem selben zug nach zu 
boden farn.' 1530, Schw LB. .Wo Einer dem Andren 
durch syn Guet holzeti, fiert oder inent und da Schaden 
tuet.' 1605, ScnwG. LB. ,M., leiten, treiben, miliare, 
dueere, agere, instigare, stimulare.' Red. 1 »"•*>— - .Agi- 
tare equos, boves, 111., die Boss, Stier treiben.' Denzl. 
1G77; 1710. Auf das angetriebene Zugtier übertr. : 
]\'änn-er Wand I wollt] g' fresse" Im", so mäend-er au' 1 ' 
m. MLienert. .Welieher mensch vö hat, [der soll] 
mit \e hellen, und welieher nit nicnctz [= niennendes] 
hat, soll sust ein tagwen tuen.' 1558, Gpd. — c) tr. 



297 



Man, nie», min, mon, mun 






a) mit dem Zugtier al> Obj. Es Bind m. Gl. /•> 
gnets Boss mues'-me* und m. Gl; Z. ,Equos exhor- 
t.ui. die ross redlich m. und nachhin treiben.' Fris.; 
Mal. - ß) mit der Last als Obj. BO.; Gl; GT.j Uw; 
W. Chäs ah der Alp m. ISfur m., Dünger auf einem 
Schlitten in die Wiesen führen W. Hol: [Holzblöcke], 
Schutt m.. mit Hornvieh führen Gl. Frijer Im" s» 
d' Lihi [die Leichen] abhi' g'mcnnd ah-em Berg und 
im''' in H Husen [Ortsn.] hei H -se-sen üfi [nach Meningen 
gefahren]; jit: trollt Alls 'trägen sin BHa. .Das Laub- 
holz wird des Winters, wenn der [Klöntaler-] See tief 
hinunter überfroren ist, auf den Holzschlitten heraus- 
geführt (herausgemännt).' Steikm. 1802. Was s' Alles 
<h(i rh e" saiimcd [auf Saumtieren transportieren], man- 
nt il [fuhrwerken]. Schwzd. (Schw). Alles an ein II äfft' 
in., sich Alles aneignen Gl. ,Bei GRheineck werden 
die Schiffe stromaufwärts (/ernennet, d. h. mit am Ufer 
gellenden Pferden heraufgezogen.' TTobl. 1837. .Wer 
ein nüw hus machen will, dem süllent die herrcn 
geben vier seilen und einen first, und wenn die tallüt 
das in den boden bringent, dass man si da dannen 
mag gemennen. so sullent si denn die herren unz uf 
die hofstatt m. mit ir vich.' 1413, UwE. Talbuch. ,Die 
mülistein sollen wir fertigen unz an Stanzstaden und 
dannethin sollen die herren die stein m. unzt an den 
berg.' 1483, Obw R<j. .Wer theinerlei holzes hüwi, 
rütti oder schwantti oder fallti oder theinerlei fürs 
oder grüens daruss züge, trüege oder mänte.' 1493/151 I. 
Schw LB. .Es ist abgeredt worden, dass Herr Statt- 
halter ihme Lehenmann jährlich mit drei Karrenrossen 
ein ganzen Tag soll lassen m. das Holz vom Walde.' 
L630, SchwE. Klosterarch. S. noch Gart Bd II 432. — 
2. bildl. a) mühsam schleppen, herumziehen (schwere 
Gegenstände) Ndw. Er männd g'nueg a* einer Hüs- 
haltig, er schleppt sich damit, ernährt sie mühsam. 
ebd. Übh. sich abmühen, streng arbeiten Gl; L; 
GWe. Iliitt han-i r '' g' mannet L. I' h ha" miiesc" in.. 
bis )'' dobe" g'si" In", z. B. von Einem, der einen 
schwerfälligen Gang hat, wie wenn er Etwas zu ziehen 
■ ■der zu stossen hätte Gl. — b) durch wiederholtes 
Zureden. Ermahnen zu einer Arbeit antreiben Z. An 
Eim in., an Einem treiben. Me" muess doch eister es 
M. ha" mit dir, es wott ekeln Weg gä". Wenn i c * 
nitil allinil manne", so gät Nüt, sagt der Hausvater 
zu seinen Kindern. .Meister, bruchend zimlichen üwer 
knecht, trybcnd s' und mannend s' nit all stund, nit 
änderst, ob sy sygind hund.' Ruef 1540. 

Mhd. men(n)en, ahd. »im aus ijan; vgl. vulgärlat. 

mtmnire neben minan (.minare pecus in alpem.' Acta Mn- 
reusia), it. menare, fr/, mener. Die Angabe Meng-Bueb, -Stachen 
für ApH. lässt fürs Vb die Ausspr, mengen vermuten; vgl. 
die mini Nbf. men(i)gen, aber auch Falle wie Chi&ngel, Ching, 
Lung neben Channel usw., u.a. ähnliche, bloss lautliche Spiel- 
formeu. 

ab-, abe"-: „[das Vieh] durch zu vieles Mennen 
erhitzen und entkräften Gr." .Conterere boves, die 
ochsen gar a., mit arbeit übereilen, übernötigen, ze 
fast brauchen. A.. das vych übertryben, iatigare ju- 
nienta. Emeriti boves, abgemännte oder erlägene 
ochsen.' Fris. ; Mal. Übertr. auf Menschen Scnw. Syn. 
äbe"g'schafft. — über-: die Zugtiere überanstrengen 
Gl; „Gr;" Ndw. — limine"-: 1. „das Vieh herum- 
führen Scnw; Uw ; U: Zg." — 2. bildl.. an Etw. müh- 
sam arbeiten, doch ohne merklichen Fortsehritt; hin- 
Bchlcppen, verzögern, ■/.. B. einen Prozess „Scnw;" 



Uw; „LT; Zg." Syn. umme*-schJeike: — i°-: 1. durch 
zu schweres Fuhrwerk schädigen, zerstören Ndw. Es 
Briggli i. Syn. in-tharrtn. — 2. rerl.. sich abarbeiten, 
zu Tode arbeiten Z. T'g'mennt, abgearbeitet. — ver-: 
1. einen Vorrat, z.B. Dünger, aus einander führen, 
mit dem Nbbegr. des Aufbrauchen Scnw; '/.. 's müesst 
e" Hautlerer vier BOSS ha", nett er all der Mist r. 
MLiexkrt. — 2. „das Vieh verführen [gleichs. in eine 
Sackgasse leiten] Scnw; LTw; LT; Z«." — 3. „bildl., 
eine Sache verschleppen, d. i. hinlegen, dass man sie 
nicht leicht finden kann, ebd."; Syn. ver-sMeUcen 
Der Bueb he d mir 's [z. B. das Buch] reruirnnt, sagt 
etwa eine Mutter Schw. — 4. Ptc. vermännt, durch 
strenges Arbeiten abgenutzt, entkräftet, von Tieren 
und Menschen GW. En f er mannet e r [abgearbeiteter] 
Ma"" Gl. — z'sämme"-, z'weg-: gefälltes Holz 
mit dem Fuhrwerk zum Behufe späterer Wegfuhr an 
eine Stelle bringen; s. Gunten Bd II 383. .Er mag 
das Holz zusammen mennen und legen.' 1483, Gfd. 

Menner II m. : Bursche, der das Pflug- oder Zug- 
vieh übh. antreibt Ap; Gr; Syn. Menn-Biieb. In Gr 
ObS. ein Knabe (bisweilen auch Mädchen, Menneri'), 
welcher beim alten Vor- und Nachpflug (vgl. Krieg 
Bd III 799). in der Furche vorausgehend, am Pflug- 
baum oder an Seilen, die um die Hörner der Zugtiere 
gebunden waren, lenkte. ,L>er herr ward zornig und 
wollt den m. [Arnold von Melchtal] übel an. der 
muost entrünnen.' 14G8. Obw (weisses Buch v. Samen). 
.Ein Prediger sagt, er sei ein geistlicher Ackermann. 
Sein Pflug sei Gottes Wort. Sein Zug seiend die Pro- 
pheten und Apostel. Sein M. seig syn Wyb. Sein 
Acker seigind seine Zuhörer.- Scuimpfr. 1651. 

In der folg. Stelle scheint das \V. durch Übertragung 
i. S. v. Gespann (Menni) gebraucht zu sein. ,Dise nachge- 
schriben töbler seint behalten allen denen, die nit mennern 
haben; ouch möchte einer wol. der ein in. bat. mit seiner 
selbst Ivb darauss tragen.' 1-tSS, Zellw. tri;.; vgl. Menni i. 

Menneten f. s. Fueter-Habcr Bd II 932. 

Vgl. das in Gr Urkunden öfter vorkommende menaidn 
und frz. men&t . 

Me'nni GuVal.. Meni, Mi'ni GRHe., TJVatz; GSa., 
\V.. Männi kr; Gl; GnRh.; Schw; TJw; U, Mäni V 
— f.: 1. Gespann, Fuhrwerk mit Zugtieren, meist je 
zwei Stücke Hornvieh, auch Pferde Ar; GrD.. L.. < >bS. ; 
GSa.. W.; Schw; in GrD. nur mit einem einzelnen 
Rind. Er hat die Blöcker mit dem schwache" Meneli 
nit tffiiere" möge" Gr UVatz. D' Meni wette", das Zug- 
tier einspannen GkI'i\ ,Da die Äcker und Wiesen 
oft sehr weit vom Dorfe entfernt liegen, so muss jeder 
Bauer in dieser Gegend [G oRh.] eine Mähne haben, 
d. h. Ochsen und Pferde.' Steinm. 1804. .Mit syn selbs 
lyp darus zühen und tragen, aber usgeschlossen mit 
der meni.' XV., G Hdschr. ,Wenn der Herr auf Wartau 
wohnt, soll jeder, der eine Männi hat. demselben eine 
Fahrt Holz auf das Schloss bringen.' 1437, Senn, Chr. 
,Das feld ist ze buwen mit einer starken menni.' 1 168, 
Zellw.. Urk. , Seinem bueben, der im die mäni traib, 
baiss er [ein Wolf] ain or ab.' Vad. ,Ain wolf luf 
X. X. und X. X. 1 an, wie si ain meni fuertend.' ebd. 
,Mit Boss und Meninen.' 1661, GRebst. Arch. Ge- 
spanndienst, Frohndienst mit Fuhrwerk: ,X T . N. von 
Alehistorf soll schwören: dass er und seine Vorderen 
auf den Gütern des Twinges zu A. in 30 oder 40 Jahren 
dehein Meni nie getan haben, dass er noch um die M. 
ledig sei.' 1398, B Urk. — 2. „in. BO.; U", f. GrD., 



299 



Man. HiPii. min, mon, mnn 



3im 



Pr., Kli.. Schnd.; SchwMuo., n. GrO.; U, einzelnes 
Zugtier, meist Rind (Ochse), in SchwMuo. auch Pferd. 
,Wer Zugtiere (Mähnen) besitzt, niuss dieselben, wo 
nötig, statt eines Arbeiters auf Geineinwerk schicken.' 
1868, (in Katsbericht; vgl. Bühler I 89; II 126. D' 
Sjiüse'fner [s. Lid 1 973] chonnd [kommt] am Morged 
frie mit zelte", fufgehe" Meni. Schwzd. (GrO.). — 
3. Schlitten, bestimmt für Hornvieh Gl. Syn. Menn- 
Schlitten. — 4. Stück Holz, das gemennet werden soll, 
M cnnlast, a) „abgesägter Klotz, zwei Scheiter oder 
ca 5' lang BGr. (m.) u , Hk. — b) von Ästen und Rinde 
entblösster, gefällter Baumstamm. Auch Midi., beleibte 
Person Oisw (f.). Syn. Trommel. — 5. Platz. Stelle, wo 
eine Last auf das Fuhrwerk, bes. den Schlitten, ge- 
laden werden kann Gl; SchwMuo.; Uw. Holz (aus 
dem Walde) a" d' M. (z. B. die Strasse) tue", fitere*. 
S. noch grechen Bd II 701. 

Zu Bell. 2 vgl. Iat. jumentvm, Zugtier, eig. Gespann, im 
frz. jument zum Begriff Stute verengert, in welch letzterem 
W. zugleich der Geschlechtswechsel (das Masc. wohl durch 
Och*, Stier, das Ncutr. durch Bind veranlasst) eine Ana- 
logie findet. 

Eren-Menni: freiwilliger Frohndienst durch un- 
entgeltliches Fuhrwerk, z. B. für Geistliche oder An- 
dere, die kein eigenes Fuhrwerk haben. Früher ge- 
schah dies auch an Feiertagen (z. B. an St Sebastian, 
Agathen) mit vorgängiger Verkündung von Seite des 
Pfarrers an das Volk am Sonntag vorher von der 
Kanzel Zg f. Vgl. Er-Tagwan. — Uss-: Zaunlücke. 
Ausfahrt für ein Fuhrwerk, einen Pflug. ,Es gat ein 
ussmänni uss dem Riethof uf den Tollacker.' 1497, Z 
Glattf. Urk. Syn. Mcnn-Loch, -Lucken. — Holz-: 
Holzzufuhr als Frohnde. Der Abt von Kappel ver- 
langt, dass gewisse Lehensleute ,der wynmenni ge- 
horsam syn' [Wein ins Kloster führen] sollten, diese 
aber behaupten, sie seien nur ,ein h. schuldig g'syn.' 
1505, ZKapp. Urk. — Chüe-: Fuhrwerk mit Kühen. 
Pfluggespann, aus Kühen bestehend Gr UVatz. Syn. 
Chüe-Zug. In se söhw'ärem Bode" lät-se si ch mit-ere" 
Gh. nit wol bräche" [pflügen]. -- Ross-: Pferdege- 
spann GnHe. — Win-: Weinfuhr als Frohnde oder 
auch Geldabgabe an deren Statt. , Summa denfario- 
rum] tarn de servicio dicto w. quam de deeima minuta.' 
Auf. XIV., AaMuH Zinsrod. ,Von der w. git N. N. 
von Buochre ze w. 20 den.' XIV., L Propsteirod. Die 
Bauern von ZHausen a. A. kommen bei der Regierung 
ein, ihnen die ,wyn-menne' zu erlassen oder zu er- 
leichtern. 1525, Egli, Akten. ,W. 4 ß [für je 1 Sehu- 
pose].' 1526, BFrienisb. Klosterrechn. ,Die Lehenlüt 
[zu ZKappel] sollend jährlich zwen Ertagwen tuen, 
auch der Wynmänni oder derselben Fuhr gespannen 
stahn, man führe vil oder wenig Wyns.' 1002, Z Lehenbr. 

Menningf.: Fuhre, Fuhrlcistung. .Dieselben lüte 
söllent ouch ir jeglichen zwo mennung, eine zuo wic- 
nacht und eine ze Östren, dem meier ze Biel tuen; 
will er aber husen [ein Haus bauen], so söllent si 
ime die dritten m. tuon.' 1352, BÜlfingen Offn. Der 
Spitalmeister [zu GUzn.] zeigt an, dass das Gottes- 
haus, wenn dasselbe oder die Kirche gebaut werden 
müssen, mehr , Mennung' bedürfe. 1703, Absch. 

g c -inein. in AaF.; Ar; Bstw. ; Gl; Gntw.; G; 
Seil; Tu; Zu., Wl. i/'nui": wie nhd. allg. 1. a) all- 
gemein, was Alle betrifft und von Allen ausgeübt 
wird. G'mci's 'J'liir [Gerede] ist seit/" lär [ohne 
Grund]. Inhichen. — b) öffentlich, das Geineinwesen 



angehend oder davon ausgehend, 's g'mci" Wese* [die 
Gemeinde] muess-en erhalte", er ist .almosengenössig' 
SciiSt. Gr'mäne Alpe*, dem Staate, insbes. dem Armen- 
amte, gehörige Bergweiden, die an ärmere Bürger um 
ein Kleines jährlich verpachtet werden ApI. ,Geiss 
auf's Gemeine [Gemeinalp] treiben.' 1778, UwLung. ; 
vgl. AUmend. ,Die gemeinen Werke (Frohndienste, 
um die Alimenten zu säubern, die Misthaufen darauf 
zu verschlagen usw.), die es einem Jeden auf seine 
Kuh trifft.' Sieinm. 1802. .[Vermächtniss] an die ge- 
meinden kerzen.' XV., ZTJst. Annivers. .Ein g. [öffent- 
liches] mandat uss lossen gan.' 1476, Bs Chr. ,Dem 
X. N. von den gemeinen rüefen.' 1500, B Ausgabe- 
posten. .Ein gemeiner ruef', öffentliche Bekannt- 
machung. 1521, Absch. .[Huss begehrte] man sollte 
im doch einer g-en red [öffentlichen Verteidigung] 
vergönnen.' Vad. ,Ein anders gebürt dem, der ein 
ampt hat und ein g. person ist, dann dem, der allein 
ein besondere person ist.' JHaller 1597. .Alle die 
Hab und Güeter, so man inen g. g'macht [lat. publi- 
care], genommen und confisciert.' RCvs. .Landstry- 
chende Bettler, die zur Arbeit vermüglieh, zum ge- 
meinen Werk anfesslen und brachen.' B Mand. 1628. 
Das ,g. Bett' verrichten. 1653, LNeud. .Wenn ein Amt 
ist zu bestellen, sei es kirchisch oder g. [staatlich ].' 
CMey. 1057. .Das Büchlein g. machen [veröffent- 
lichen].' Sulzer 1772 (und schon hei Zwingli). S. noch 
Dings-Kauf Bd III 107. — c) gemeinschaftlich, ge- 
meinsam, vereint. G'm-i Atzi'g, gemeinsames Abweiden 
der Weideplätze und Wiesen im Herbst und Früh- 
ling ohne Rücksicht auf die Quantität des Privatbe- 
sitzes an Wiesen oder Vieh eines jeden Partikularen 
Gr UVatz. Die g. [Reformierten und Katholiken ge- 
meinsame] Chilclte" Gl. Mer [wir] händ d' Schür 
rfmei" mit enand Z. Si händ 's g'm. wie die erste' 
Christe". Sprww. 1809. I eh mächt nöd mit-cm g'mä" 
ha" GBh. Die ziceii Meidschi hei" es Chrättli e'sämme* 
z' g. [zum Ostereiersuchen]. Schwzd. (BStdt). G. hüse*, 
gemeinsamen Haushalt führen GT.j Tu. E" b'soffe" 
Wib, en g-e r Llb. Sulger; vgl. feninie publique. Z' g-em 
llät, gemeinsam, zusammen, z. B. gehen, Etw. tun Gr 
Chur, D., L., Pr. .Die Bauern seien einig, nächstens 
eine g-e Teilung [Gütergemeinschaft] zu machen.' 152 1. 
Absch. Die Täufer hätten ,wyb und mann g'meind wie 
die Gruebenheimer.' 1525, G Ratsb. ,Ein so herrlicher, 
ansichtiger mann [wie der Papst], so ein g-e [der 
ganzen Menschheit gehörende] person ist.' JWolf 1501. 
,Es gibt in sömlichen anstössen gemeiniglich ein g. 
wetter [es trifft Alle gleich].' 1585, U Ncuj. 1827. .Sic 
müssen den Hag g-d machen.' 1707. ZWang. Ehfad- 
rodel. — 2. zwei Parteien gemeinsam, unparteiisch, 
wie änhd. Übergehend in die Bed. genehm, annehm- 
bar: ,Dass mir Baden [als Ort der Disputation] keins- 
wegs g. ist.' Zwingli. .Es ist den predigeren der statt 
Zürich weder g. noch gelegen, in das concilium von 
Trientzu kummen.' HBdll. 1546. S. noch glich t (Bd II 
595). — 3. ordinär, mittelmässig; Gegs. besonder, her- 
vorragend, selten. En g-e r Ma"", ein Mann aus dem 
Volke Gr; G; Uw; Z. De- g. Ma"", coli., der untere 
Mittelstand Z. Me" cha"" mid-em itmgä; nie mid-eme' 
g-e" Mensch Ndw. I rl ' will lieber en g-er Ma" si" 
und in'n Himmel chö* [als reich oder vornehm und 
gottlos sein] '/.. Das Träten [Prozessieren! ist )iiäl 
für die G-e*. .IKMf.v. 1844, Chömmed w aW* mit? 
Ja fnli'', irc<"-mcr [wir] so .:ire" Ilene", irie-n-ir sind, 



801 



Man. Mir II. min. tliOU, inuii 



302 



und .' g. sind, .li oknoschatz. So </., so ziemlich) nicht 
gerade viel, nicht eben sehr Gl; GA., G. Heid-er vil 
Heu iiberehö'? Antw. »sog- GA. ff'mei" (so g. ane'J 
GG., Sev., so g'mälächt GT., Antwort auf die Frage: 
Wie geht'sV «SV hänkcd de* Chopf und druesed *" 
lll)lllH■", wie wännd s' g'mei* chrank [geradezu krank] 
wäre'd. Fkirek. Cr. [mir mittelmässig] if falle* Gl. 
.G-e Schulden', solche, die sich durch nichts Beson- 
deres, wie Pfandrechte. Privilegien, auszeichnen Z 
(Fr. v. Wvss). ,Die g-en Handschriften, in denen keine 
benannten (Tnderpfänder, sondern allein des Haupt- 
Schuldners Hab und Gut verschriben.' SMdtach 1709 
(für B). — 4. gering, schlecht Ar; G; Z. E* g-s Jar Z, 
g'mä's Jörli GTa., unergiebiges, unfruchtbares Jahr. 
Bär <ji''t 's g-i Frucht, leichtes Getreide Z. Wie 
stät 's in' n Bebe"? 's stät gruselig g'mei*. HBrandenb. 
1870. Er hed 's Vschadelv* [bescheidenlich] g'inäne* 
Ar. es stät g'mei" mit-em ZDättl., leiblich oder öko- 
nomisch. ,l)er Verdienst im Bauinwollgewerb ist g.' 
Tageb. .Schumi 1785. .Er befindt sieh g. - 1788, Ai'Id. 
.Überhaupt war's ein elendes Jahr, allenthalben Krieg, 
Teurung. Hunger. So g-e Jahre hatten die Alten nie 
erlebt.' 1789. HWeber 1869. — 5. herablassend, nicht 
stolz im Benehmen, leutselig Aa; Ap; Bs; B; Gr; S; 
Uw; LT; Z. Gegs. g'herrsch. G'mei* si*. einfach, be- 
scheiden auftreten GrPi\ Der Her von S. tued ganz 
g. GnPr. Cr. mache* Gr; Sch (8t.' 1 ), si ch g. mache" (mit 
EimJ Aa; Th; Zu; Z, sich herablassen, mit geringen 
Leuten (allzu) vertraulich sein. Woll, i ch icett-iiii''' 
nie'' g- mache" mit derige* Lüte"! Tu. Wie der Herr 
B. ^so ne* guete'' und so ne" g-e r Mensch sig und nie" 
mit im chonn rede*, wie mit eusergattige* Lüte*. Schwzd. 
,l)as Meitschi komme immer daher wie aus einem 
Drückli und sei doch ganz g., möge sich mit den 
ärmsten Leuten g'mühen, könne mit einer alten Frau 
b'riehten ganze Stunden lang.' Gotth. ,Die Vorge- 
setzten rühmten mich [den Schulmeister] und sagten, 
das hätte ihnen gefallen, dass ich gar so ein g-er sei 
und niederträchtig mit Jedermann.' ebd. ,Bis aller 
weit früntlich, bis nit aller weit heimlich; bis g., nit 
geheim!' WSteiner 1530. .Machet sich Gott mit uns 
g., so ist er nichts desto geringer; machet er sich uns 
selzen, so ist er nichts desto grösser.' JJBreit. 1016. 
.Gar zu g. mit den Untertanen bringt gern Verachtung 
[der Uegenten].' Lindinner 1733. — 6. adv. Gebrauch. 
Si i'itrsed si ch da iez g. ine* z'säme*, sie versammeln 
sich da jetzt ordentlich [ordentlicher Weise, gemeinig- 
lich] BHk. (St. b ). 

all-: 1. wie nhd. allg. Das Neutr. subst. : Publi- 
kum, Volk; die öffentliche Fama, 's A. denkt änderst Z. 
Oppis für 's A. tue*, etw. Gemeinnütziges ZO. 's isch 
's A., es ist allgemeines Gespräch, die Leute sagen 
allgemein Bs. — 2. mittelmässig BoSi. ; s. gemein 3. 

In der Z Kanzleispr. 1818 die Form ,;i]lmeiu' : ,üie Unter- 
pfand, lind so hieran nicht genugsam wäre, dann auch a. des 
Schuldners übriges Haab und Gut angreifen.' 

G e -mein Aa (PI. G-e* und G-de" Leer.); Bs; BoE.; 
L; S; W, G'mei" PJ.j Gl; GrHo.; PAL; GSev., 
G'meind AaF.; Ap; BsStdt; B; Gl; Gr; G; Sch; Th ; 
U; W; Z, Tmänd Srn. Mund ZSth., G'meid Th (Feier- 
abend 1860) -- f.: 1. Gemeinde, wie nhd., wobei in 
der neuern Zeit unterschieden werden Bürger- (Civil-), 
Einwohner-, Kirchen-, Schulgemeinden, sow f ohl recht- 
lich als lokal, allg. Ohne nähere Bezeichnung ist es 
gewöhnlich die politische, Heimats- oder Ortsgemeinde, 



Dorfschaft. Gang G. uf und ab, ob 's Upper eso macht 
'£&. De Hieltst i" dir (!. iniu-, der reichste Bauer 
des Dorfes. Die ganz G. red't denn", es ist Dorf- 
gespräch. Er mö [muss] -si ek schäme* vor der ganze* 

G. Tu. Es gut mich Nüt et*, ich bin ml vo" den- (1.. 
scherzende und die Kirchturmspolitik verspottende 
Ausrede /.. Wtun-mir Nüt lösed us Wi* und Spise*, 
so ehmiued-mer uu ,h der Tmänd mt zise* [zinsen] Suu. 
Was chunnt di ch o" ch a", e* Sellige* [einen Solchen] 
a* d' Cr. welle* z' tue", d. h. ihn zum Beamten zu 
wählen? B Kai. 1810. Uf d' G. gö", an die Arbeit bei 
den öffentlichen Frohndiensten, bes. an den Strassen, 
gehen AaF. Syn. a* 's G'mei"- Werch. A" d' Cr. am 1 " 
cho*, der Gemeinde zur Last, der öffentlichen Unter- 
stützung anheini fallen Z. Dass mer im vorhaltet, er 
sig der G. uf ein Hals. BWyss 1863. Die heig-mc* 
hei'" uf d' Cr. g'schickt; die werdi scho" öppe* für-se 
sorge*. Bari 1886. .Heimischen Kranken und Armen 
gibt man Nichts; geh vor die G.! ist da der allgemeine 
Trost.' Glur 1835. In einem Schreiben Zürichs vom 
J. 1442 bei Edlib. scheint das W. die Bevölkerung 
von Stadt und Landschaft Z zu umfassen: ,Uas land- 
kündig ist unser ganzen gemeind.' In einem Briefe 
von 1373 werden die Bürger von der Gemeinde unter- 
schieden, wohl nach der alten Klassifikation der Bürger 
von den Stuben und der Bürger von den Zünften. Als 
ein Ratsglied von Zünften zum ersten Male zum Bür- 
germeister erhoben wurde, so sehrieb man, dass der 
B. zum ersten Male von der Gemeinde genommen 
wurde. Ochs; vgl. Bed. 1. Über den Ursprung und die 
Entwickelung der schweizerischen Landgemeinden s. 
bes. Fr. v. Wyss, Ztschr. f. schwz. R. Bd 1; auch Seil. 
140 f.; Tsch. 583 f. — 2. Gemeindeversammlung, allg. 
Hut ist (c*) G. Öppis für d' G. bringe* Tu; Z, cho* 
lö* Gr. D' G. ist bi Buess, Ausbleibende werden gc- 
büsst Z. A* d' G. büte* Gr, i'lade" Th, durch den 
,Weibel' zu einer Gemeindeversammlung einladen. 
'Botteni Cr., obligatorische Bs. ,Die By- oder Hinder- 
sässen sollend sich der G-en müessigen.' 1041, Zuiliin. 
L'rk. .Ein ganz potne G." ebd. ,Dem Wirt allhier für 
zwei Jahr die Stuben zu heizen und die G. zu dulden 
2 Krön.' BE. Pechnungsman. 1728. ,Die kleine G.' in 
ZRheinau bildete der Abt, Vertreter des Convents. 
geistliche und weltliche Beamte im Gotteshaus. Sie ver- 
sammelte sich in der .Tafelstuben' zur Schultheissen- 
wahl, während die .grosse G.' daselbst in der , Burger- 
stuben' sich versammelte. S. auch zer-gän Bd II 37. 
Hie jährlich wiederkehrenden Gemeinde Versammlungen 
werden nach dem Tage oder der Jahreszeit benannt, 
so die Hl. Dreikönigen-G. Zg. .Sonntag den 8. Jan. 
an bei Eiden versammt-, sogenannter Hl. Dr-G..' Urk. 
S. noch die Zssen. — 3. das Publikum, die Leute. 
.Sich halten nach der g., der meinung folgen des ge- 
meinen mannes, abire ad vulgi opinionem.' Fris. 

Das Verhältniss von Tmänd einerseits zu G'meind, ander- 
seits zu Mand lässt sich kaum mit Sicherheit feststellen; 
wohl kommt Vertauschung von g bzw. /.• vor einer Liquid» 
mit « vor; aber in dem vorliegenden Falle konnte Ver- 
schmelzung des synk. Art. mit dem Subst. Statt gefunden 
haben. Letzteres kommt auch in deutscheu MAA. und im 
Jllid. ohne das Prftf. vor; so auch in dem Flurnamen Mändli 
ApI). welcher zugleich als Zeuge des ursprünglichsten Be- 
griffes (Allmende. Genossenschaf'tsguti beachtenswert ist; die 
selbe Bed. liegt dem Fluni, ß'memd ZWyt. zu Grunde und 
ist in unserer ä. Lit. vielfach erhalten. 

Heb-anne"-: Versammlung der Frauen zur Wahl 



303 



Man. MH'II. min. m i • u . 111 11 11 



304 



einer Hebamme Tu; /. — Uss-G e mein: I.Gemeinde 
ausserhalb des Hauptortes Gl. Syn. Uss-Dorfschaft. 
— _'. Vorstadtgemeinde mit eigener Verwaltung Z. — 
Veli-: 1. Versammlung und Beratung der Viehbesitzer, 
zumeist über Haltung des Zuchtstiers ZZoll. — 2. Vieh- 
gemeinschaftsvertrag. Vgl. Halb-Vich Bd I 0-19 und 
bes. Seg., BG. II 516. ,Der vechgmeinden halb, wann 
einer dem andern ein gmeind absagt vor S. Johannes- 
tag, so soll im der gineinder dasselb jar, darin die 
absagung besehicht, züche[n] unz dass einer eim das 
gelt gibt und nüt hören zien. so bald einer eim abgseit, 
und soll allweg einer dem anderen liehen uf ein kue 
11 pfd den. und giong die selb kue ab, so soll dem, 
der das gelt ussg'lichen hat, ein pfund pfennig ab- 
gangen syn. und wend si dann, so die kue abgat, die 
gmeind nie bau, so soll der gmeinder ein ander kue 
darstellen und diser im ein anders pfund pfennig gen.' 
Ar LB. 1409. .Die fechgmeinden und was angeleit 
gelt ist. das nutz und zins bringt, soll g'legen [liegen- 
des] guet syn und heissen.' 1537, Ar LB. Auch bei 
Strickl. II 20 (für GRh.). — • Hüs-vätter-: Versamm- 
lung der Hausväter. .Es ist heute Hausvätergemeinde, 
heute macht mau neue Sittenrichter und neue Ge- 
meinderäte. 1 B Kai. 1840. — Fri-: freie, d. h. unab- 
bängig von der Überbehörde einberufene Gemeinde- 
rersammlung. ,Dass denen Gemeinden [in GT.] fürohin 
anbenommen sein solle, in denen besonderen Gemeinds- 
angelegenheiten Freigemeinden zu halten, jedoch mit 
dem Beding, dass selbige von Niemand anders als von 
den Vorgesetzten gehalten, vorher aber dem Landvogt 
sowohl die Zeit, als auch was darauf verhandlet wer- 
den solle, angezeigt werden soll.' 1759, Arsch. — 
Hof-: 1. die auf den Höfen, d. h. ausserhalb der 
engern Gemarkung Angesessenen und deshalb keinen 
Anteil an der Nutzung der Allmend Besitzenden B 
Huttwyl; ebd. auch Land-G. Gegs. Herd-G. S. Nyff. 
1871, 135 f. — 2. Gemarkung der Höfe in GRh. ,[Die 
Rebsteiner bitten] ob unsere hofiüt nit ouch dörfend 
im Ramstal kriese g'winnen, öpfel und biren schütten, 
als wol als üwer landlüt [die Appenzeller] in unsem 
hofsg'meinden kriese ze gewinnen, äpfel und biren 
ze schütten angedinget habend.' 1534, Schreiben des 
Ammanns von GMarb. an Ammann und Rat von Ar 
(Zellw., ürk.). 

Höflcr-: die jährliehe Versammlung der Dorf- 
bewohner in ApSpeicher je nach der ordentlichen 
Landsgemeinde. — Die Baustulle in Speicher hiess ehedem 
,11'jf, die Bewohner ,H6flor.' 

Herbst-: Gemeindeversammlung zur Bestimmung 
des Tages, an dem die Weinlese beginnen soll Tn. Syn. 
Wimmen-G. — Herd-: durch gemeinschaftlichen Be- 
sitz von Allmendland verbundene Gemeinde B. Vgl. 
Herd 3b (Bd 11 1599) und Allmend-ffird. ebd. ,Ums 
Jahr 1650 wurde durch eine besondere Verordnung des 
Rates von Huttwyl etwa 15—20 .Minuten rings um das 
Städtchen eine Grenzlinie gezogen und dieselbe mit 
Marchsteinen deutlich ausgemarchet. Was innert dieser 
Linie lag, bildete die II.' Nyff. 1871. Syn. Stadt-G.; 
Gegs. Hof-G. — Trübe n - hirten- : Gemeindever- 
sammlung zur Wahl eines Traubenhüters. 1727. Sch 
s.lil. ürk. — Chäs-; Versammlung einer Käsereige- 
nossenschaft Z; Korporation von Viehbesitzern, deren 
jeder so viel Rechte an der Käserei halle als Kühe, von 
denen er Milch zu Liefern versprach B. Vgl.Gotth., Veh- 
freude 28. — Clinabc"-: Versammlung der Jünglinge 



von über 10 Jahren, gewöhnlich am Sonntag Abend 
vor der Kirchweih auf dem Dorfplatz bei der Linde 
abgehalten, wobei der Knabenrat, das Gericht, der 
Seckelmeister und der Weibel bestellt wurden. Der 
Bat hatte die Pflicht, den Jünglingen [lassende Mäd- 
chen zu gelegentlicher Heirat anzuweisen, auf diese 
selbst ein wachsames Auge zu haben und überhaupt 
auf Alles bedacht zu sein, was den Interessen der 
Jünglinge förderlich sein konnte. Das Gerieht sprach 
Recht in streitigen Angelegenheiten der Jünglinge und 
lallte auch Strafen, die gewöhnlich in einigen .Mass 
Wein oder Most bestanden und gemeinschaftlich ge- 
trunken wurden. Alljährlich am Kirchweihfeste war 
dann von Bat und Volk grosser Umzug; wo es tunlich 
war. sogar zu Pferd. Nachher Tanz und Trunk bis 
Abends 10 Öhr AaF. ■(• — Lands-: öffentliche Ver- 
sammlung der Bürger eines .Landes'; vgl. Land 4 a 
Bd III 1298. Spec. die je Anfangs Mai (oder Ende 
April) unter freiem Himmel mit feierlicher Eröffnung 
abgehaltene Versammlung aller aktiven Bürger des 
Kantons zur Wahl der Regierung und gewisser Be- 
amter, Abnahme der Landesrechnung und Abstimmung 
über Gesetze (früher auch über Krieg und Frieden), 
welch letztere Verhandlungsgegenstände in den vor- 
geschrittenen Kantonen den Bürgern gedruckt zuvor 
zugestellt werden; jetzt noch in ArA. u. I.; Gl; Nuw; 
Obw; U. früher auch in aScuw; SchwG., Ma.; Zg, sowie 
den Gr. Hochgerichten; vgl. Land- Ammann. Auch in 
den Landvogteien GG., 8a., T., l'zn. hatten die Unter- 
tanen die Freiheit, sich für gewisse Landesangelegen- 
heiten zur L. zu versammeln. Zur Teilnahme be- 
rechtigt und verpflichtet ist joder Bürger vom 20. 
(früher sogar vom 14.) Altersjahre an; Ausbleiben hat 
Busse, früher sogar den Verlust des Landrechtes zur 
Folge; ausgeschlossen sind die ,Ehr- und Wehrlosen.' 
In einigen Kantonen lag den sog. Hintersassen ob, in 
Kriegsausrüstung Wache zu halten. In Gl sind be- 
sondere Plätze für die unerwachsenen Knaben auf- 
gespart. Die Teilnehmer erscheinen in ihrem besten 
Staate und (nach strenger Vorschrift) mit Seitenge- 
wehr. In Gl halten vor der .ganzen gemeinen L.' 
(deren Ort ,im Zun' heisst) die beiden Konfessionen 
ihre gesonderten L-en. Der wichtige Tag wird schon 
am frühen Morgen durch Mörserschüsse, Trommeln, 
jetzt auch durch .Musik angekündigt. Ist die Stunde 
da, so verfügt sich die Regierung in Begleitung von 
gewissen hohen Beamten und Geistlichen (in U zu 
Wagen, früher zu Pferde) in mehr oder weniger pomp- 
haftem Zuge, bei welchem Trommler und Pfeifer mit 
althergebrachter Marsehweisc nicht fehlen dürfen (in 
Sohw waren es ehemals ihrer 100), und die Weibel 
and Spiessträger in altertümliche Tracht in den Landes- 
farben gekleidet sind, auch das Landesbanner, das 
Richtschwert, das Landessiegel, die Schlüssel der 
Staatskasse und das Landbuch feierlich einhergetragen 
werden, nach dem Orte der L., wo sie von den Land- 
leuten mit entblössten Häuptern empfangen wird; vgl. 
Ihhui II (Bd 11 1205), Uri-Stier. Für die Regierenden 

sind in der Mitte des Platzes ein oder zwei sog. Stühle. 
Tribünen, errichtet. Der Landammann, welcher, auf 
das Landesschwert gestützt, während der ganzen, ofl 
stundenlangen, Verhandlungen zu stehen hat. redet 
die Versammlung an mit: .Vertrüti, getreui, liebi, 
hochgeachtete Landlüt! 1 (Aid.) oder: .Hochgeachtete 

Herren, ein hoch- und wohlweis gesessener Landrat 



305 



Man, mcil. min. ni.in. inuii 



306 



iin.l ir, getrüwe, Heb.' Landlüt!' (tfw). Wann der 
Grossweibel in .He Verhandinngen einzugreifen hat, 
wendet er sich an seine Vorgesetzten und .las Volk mit: 
.Hochgeachteter Herr Landammann, hochgeachtete, 
hochgeehrte Herren, hoch- und wohlehrwürdige Geist- 
lichkeit, sämmtlich verträte, hochgefrite, liebe Herren 
Landleut!' Gl. Bevor die Verhandlungen beginnen, 
wird von der ganzen Gemeinde, an einigen Orten 
knieend, ein Gebet gesprochen oder das L.-Lied ge- 
sungen. Abstimmungen und Wahlen erfolgen durch 
Aufheben der Hände, wobei jede Partei die Zahl ihrer 
Anhänger durch laute Rufe wie ,he, he!' oder .ei n - 
hellig!' zu vermehren sucht. Falls die mit dem Blicke 
abzählenden Beamten sich nach dreimaligem Versuche 
nicht getrauen zu entscheiden, bei wem der Sieg liege, 
so muss das mühselige Geschäft des Abzählens von 
Mann für Mann vorgenommen werden, welches da und 
dort dadurch vollzogen wird, dass man eine Partei 
nach der andern unter den zsgehaltenen Händen zweier 
Zählbeamter oder unter dem Landesschwert durch- 
schlüpfen lässt. Zum Schlüsse leisten zuerst der neu- 
gewählte Landammann and dann in brausendem Chor 
das gesammte Volk mit aufgereckter Schwörhand den 
Eid der Landestreue. In ApA. ist der L. -Sonntag der 
einzige des Jahres, an welchem Hochzeit gehalten 
werden darf, wovon mit Vorliebe Gebrauch gemacht 
wird. In Scnw hat sich der Name noch erhalten für 
die jährlich stattfindende Versammlung der Bürger 
eines Kantonsbezirkes, in Gr ähnlich für diejenige 
eines an die Stelle der alten Hochgerichte getretenen 
.Kreises', nur alle zwei Jahre abgehalten zum Behufe 
der Bestellung der Kreisobrigkeit und der Wahl der 
Deputierten zum Grossen Rate. E" zltigi [eine ordent- 
liche], en o'zltigi [eine ausserordentliche] L. Ap. Om 
d' L. iiiiiiiii", ungefähre Zeitbestimmung, ebd. Es 
Volch ice an-ere" L., eine grosse Volksmenge Gl. .Ich 
teilte aus meiner grossen Dose Tabak wie an einer 
L-e aus.' Sonstagsp. 1866, 671. Ausführlicheres über 
Bedeutung und Verlauf der schweizerischen Lands- 
gemeinden s. bei Leu, Lex. I 288. 292; VIII 574; XI 
345; XVI 615; XVIII 637. 653. 738; XX 486; Ap Gem. 
110; Ap Jahrb. 2. Folge, 6. Heft 83; T., Sprachsch. 
292; Sonntagspost 1868, 323; Wanderer 83; Schäfer 
1813, 124; Gl Gem. 490; Ap Kai. 1894; Zg Kai. Eis. 
1877; Ndw Kai. 1863; HHerzog 1884. 44; Dubs, De- 
mokr. 24. 36; Bergmann 1865, 81; Illustr. Schweiz 
1871. 284 ff.; Osenbr. 1863, 4. 51. 94; 1874, 189; neue 
Kulturb. 32; Wanderer V 218; Senn 1870, 47; Alpen- 
rosen 1869, 144 (mit Abbildung); Centralbl. des Zo- 
fingerver. Juli 1891; N. Z Ztg 1869 Nr 123; 1892 
Nr 122 Beil.; Z Freitagsztg 1892 Nr 20; Tschumpert 
586; GFient 1896, 86. Vgl. noch gefrit Bd I 1264; 
Besatzing. — landsg'meinde 11 : L. halten UwE.; 
s. auch ge-meinehn II. 

Lismer-: scherzhafte Bezeichnung der Gemeinde 
ZRüml.; vgl. lismen Bd III 1424. — Maie»-: die An- 
fangs Mai stattfindende Gemeindeversammlung, welche 
die Hauptgeschäfte des Jahres erledigt Z. ,An der 
järlich gewohnten M., Sonntag den 26. Mai 1726.' Zg 
Urk. — Hauptmanns Hopmes-: acht Tage nach der 
Landsgemeinde stattfindende Gemeindeversammlung, 
an der namentlich die Wahl der beiden .Hauptleute' 
vorgenommen wird Ap. Syn. Früeligs-Chilchhöri; s. 
Chilch-Höri 2 Bd II 1578. — Martini-: Gemeinde- 
versammlung um Martini, an welcher die Rechnungen 

Schweiz. Idiotikon IV. 



über die öffentlichen Güter abgenommen werden Obw. 
— Merze"-: Gemeindeversammlung, welche man 
(noch in den 50er Jahren) jedes Jahr im März abzu- 
halten pflegte und an welcher verschiedene Gemeinde- 
angestellte gewählt, sowie die Gemeinderechnung ab- 
genommen wurde GitHe.; s. Tsch. 587. — Most-: 
Bürger- oder Genossengemein. le GStdt t- .''er Vater 
oder der Götti führt uns an der M. nicht mehr an 
der Hand zum alten Weibel. Heumesser usw. [Wirt- 
schaften] und zu den ersten reifen Haselnüssen.' 
PScheitlin 1829. 

Nebent-, Bi- oder Winkel-Gemeinden ver- 
bieten die 7 katholischen Orte als .Versammlungen, 
rotten und praktizieren hinderrugks und one wüssen 
und willen der oberkeiten, woryn ouch die Sachen 
unsers waren, alten, katholischen gloubens gemischt 
worden.' 1588, Absch. 

Es handelt sich hauptsächlich um Unterdrückung von 
Versammlungen evangelisch Gesinnter und ihrer Beziehungen 
zu den reformierten Kantonen. 

Nä ch -: nachträgliche Landsgemeinde, in welcher 
die in der eig. Landsgemeinde nicht erledigten Ge- 
schäfte nachgeholt werden Uw. .So ist die n. über 
acht tag ang'se h n und sind die artikel [Gesetze], so 
die verordneten g'setzt, an d' n. g'schlagen.' 1562, 
Xnw Rq. — Narre"-: der Montag nach der ordent- 
lichen Landsgemeinde, an welchem gewöhnlich die 
Feuerspritzenprobe, verbunden mit allerlei Lustbar- 
keiten, stattfindet Ap. In ApSchönengr. eine an dem 
genannten Tage die Landsgemeinde parodierende Ver- 
sammlung der jungen Leute. Wenn Weiber die Männer 
wegen der N. necken, pflegen Letztere etwa zu er- 
wiedern: Norre' [Närrinnen] -g'mänd ist 's ganz Jor, 
N. gad en Tag. Ein lebensfroher Spassvogel wurde 
zwei Tage vor der Landsgemeinde bei seiner Arbeit 
nach Landesweise von einem Vorübergehenden gefragt, 
ob er bald Feierabend habe, und erwiderte: Sobald-i ch 
ufhör, hattri"* Firöbed ond der F. clwnd denn, wenn 
£«» emol sterb; i c * uill aber d' X. ferst »o c * döre* lö". 
Vgl. Narren-Bät. — Bürt-: Versammlung einer 
.Bürt' [Unterabteilung einer Kirchgemeinde] BSi. - 
Bettler-: Gemeindeversammlung, an deranne Kinder 
den Mindestfordernden in die Kost gegeben werden B. 
— Brunne' 1 -: Versammlung der Anteilhaber an einem 
der Dorfbrunuen, welche, gewöhnlich beim Brunnen 
selbst, zum Zwecke von Beratungen über Reparaturen 
usw. stattfindet mTn; ZZoll. — Rechtsame"- = Sei- 
G. BM. — Rod(s)- = Hauptmanns-G. ApI. S. Leu. 
Lex. I 299. — Sei-: .Genossenschaft, bei welcher die 
zu den Gütern gehörenden Nutzungsrechte auf die 
gemeinen Weiden, Allmenden und darauf stehenden 
Waldungen nach Häuptern oder Füssen des Viehs 
geseit oder summiert sind BO.' Ztschr. f. Gemeinn. 
1865, 409. — Landsassen-: Verband der kantons- 
fremden Niedergelassenen , welche grösstenteils im 
Flügelberg in der aargauischen Gemeinde Reinach an- 
gesessen waren. Sie machten seit 1805 unter sich eine 
Bürgergemeinde aus unter besonderer obrigkeitlicher 
Leitung mit eignem, vom kleinen Rate gewähltem Vor- 
gesetzten. S. Aa Gem. I 427. — Schiffi"g-: Ver- 
band oder Versammlung der Schifferzunft ScHwBr. — 
Schelle"-: Korporation, bzw. Versammlung der 
Pferdezüchter SchwE. — Stöekli-: Versammlung 
der Holzgenossen. Teilhaber eines Looses im Gemeinde- 
wald Ar. — Teile"-: 1. ein Komplex von Gemeinde- 

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Mail, inen, min, niun 



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gutem GRlgis; s. Tscii. 587. — 2. Versammlung der 
meinde im Gegs. zur Landsgemeinde, urspr. 
aber der Allmendgenossenschaft Obw. — Wimmi- 
G'meind: Versammlung der Eebenbesitzer. um den 
Tag der Weinlese zu bestimmen und die ,Wimmer- 
ordnung' festzustellen GRh. 

g'meinele 1 ': 1. nach einer niedrigen Denkart. Er- 
ziehung, Sitte schmecken Aa; Bs; L; Z. — 2. g'mcm- 
dele" ApH., L, iL. landsg'mändele" ApK., aussehen wie 
an dem Tage der Landsgemeinde, bes. wenn viele 
G'meinder durch einen Ort ziehen oder am Orte der 
Bestimmung ankommen. — 1 von gemein, 2 von Gemeind. 

g e ineine n I Aa; B; S, gemeinde" Ap; Gl; Sch; 
Schw; Th; Uw; U; W; Z: 1. Gemeindeversammlung 
abhalten oder besuchen. aaOO.; in Apaach: Landsge- 
meinde halten. Me" mues' ifä all Sunntig g. Z. 's het 
der Weibel z' Grenchen oben am Sunndig /"der Ghilchen 
inne" g'seit: 's isch G'mein, t rh bieten-ech zur Linge" 
[Linde j z' gö" und dort ern Amme" e' warten und d em 
G' rieht; 's uird <i 'meinet wegen üscr Glaube'ssach S 
(Schild). ,Die gottshuslüt von G beschwärt grösslich, 
dass sy on eins herren von G und der 4 orten willen 
niendert gemeinden noch zuesammen kommen mögent.' 
1525, Arsch. ,Die undervögt sagten, sy wellint 's [den 
Vorschlag] hindersich an ire gmeinden bringen. Hierul 
antwurt JGöldlin, dass es gar gheins hindersich brin- 
gens od