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Full text of "Siegfried Guggenheim Collection 1791-1969"

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Sehr geehrte Herren! 

In Verfolg der Besprechung und Entschließung 
In der Sitzung des Stiftungsrates vom 9* Okto 
ber 1967 teile ich ergebenst mit: 

• 

1.) Herr Professor Dr. Morgan, London 
und Herr Professor Dr. Westphal, 
Freiburg, haben ihre Wahl zu Hauptpreis- 
trägern des "Paul-Ehrlich- und Ludwig- 
Darmstädter-Preises" für das Jahr I968 
angenommen. Die Schreiben der beiden 
Herren füge ich in der Anlage in Ablich- 
tung bei. Die Presseveröffentlichung ist 
angeschlossen. 



2.) Der Herr Bundespräsident ist von der Wahl 
der beiden Hauptpreisträger des "Paul- 
Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Preises" 
unterrichtet und gebeten worden, bei der 
feierlichen Übergabe der beiden Hauptpreise 
am 1^. März I968 in der Paulskirche anwesend 
zu sein. Ich rechne damit, daß der Herr 
Bundespräsident wiederum am Abend des 
13. März 1968 zu einem Essen die beiden 
Hauptprelsträger, die Mitglieder des Stif- 
tungsrates und die Mitglieder des Kurato- 
ri\ims der Stiftung einladen wird. 

Das genaue Programm der Veranstaltungen 
werde ich nach erfolgter Vereinbarung der 
Termine mit dem Bundespräsidialamt recht- 
zeitig mitteilen. 



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3») Die Niederschrift, über die Sitzung des 

Stiftungsrates der Paul Ehrllch-Stlf tung 

vom 9» Oktober 19^7 Ist angeschlossen. 

(auszugsweise) 

k») Der Vorstand der Vereinigung von Freunden 
und Förderern der Johann VTolfgang Goethe- 
Unlversltät, Frankfurt am Main, hat In 
seiner Sitzung vom 15» November 19.6? die 
vom Stiftungsrat In seiner Sitzung vom 
9« Oktober 19^7 gewünschten Abänderungen 
der Satzung gebilligt. Eine von Herrn Schwerin 
ohne die erbetene Angabe präziser Ergänungs- 
wünsche - zur Erörterung gestellte weitere Ver- 
tagung der Beschlußfassung hielt der Vorstand 
nicht für angezeigt. 



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In Übereinstimmung mit dem Stiftungsrat be- 
grüßt es der Vorstand, daß mit der Verabschie- 
dung der so lange und gründlich behandelten 
Satzung alle die wertvollen Kräfte wirkungs- 
voll zusammengefaßt werden, die sich seit Jeher 
zum Ziele gesetzt haben, der von der Witwe 
Paul Ehrlichs zu seinen Ehren hochherzig er- 
richteten Stiftung im Gedanken an die hohen 
Verdienste des großen Forschers und Wissen- 
schaftlers eine weltweite Bedeutung zu sichern. 



Die Satzung ist angeschlossen. 



5.) Mit der Anlage übersende ich des weiteren die 
in einem Sonderdruck der Zeitschrift "Umschau 
in Wissenschaft und Technik" erschienenen Vor- 
träge, die die Herren Professor Dr. Dulbecco 



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- 3 - 

und Dr. Bernhard am ik. März 19^7 bei Gelegen- 
helt der Überreichung der Anschlußpreise des 
"Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Prelses*' 
des Jahres 19^7 gehalten haben« 

Mit den verbindlichsten Empfehlungen und Grüßen 
verbleibe Ich 



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Anlage 



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Auszug aus der Niederschrift der Sitzung des Stiftungsrates 
der Paul Ehrlich-St if tung vom 9. Oktober I967 



- 4 - 



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^. Eine eingehende Diskussion erp:ab sich zu der dem 

Stiftunf^srat der Paul-Ehrlich-Stif tung iiber?^ebenen 
Satzun2;sänderune;. ''^•>^' 

a) § 13 Abs. 2 der Satzung: bestimmt, dass niemand 
zuf?leich dem Stif tunp^srat und dem Kuratorium 
anp-ehören kann. Damit ist nicht in Einklano: zu 
brinp-en, dass räch § 5 Abs. 2 c) der Bundesminister 
für Gesundheitswesen dem Stif tunp;srat anerehört 

und zuczleich nach § lo Abs. 2 b) Mitr^lied des 
Auratoriums ist. 

Da an dem Grundsatz ^er TnkomDatibilitat f estrrehalten 
werden soll, erklärte Herr Ministerialdirektor Dr. 
Stralau, dcass sein Minist erium auf die Mitprlied - 
Schaft seines Ministers im Kuratorium verzichte. 

Aus dem Kreis des Stif tunp;srates wird anr^ererrt, 
anstelle des Bundesministers für Gesundheitswesen 
den Oberbürfrermeister der Stadt "Prankfurt am Iv'ain 
als Mitp:lied — kraft Amtes — in das Kuratorium 
aufzunehmen . 

b) In § 5 Ahs. 7 ist bestimmt, dass die A/iit5;lieder des 
Stiftun^srates nach Ablauf der Wahlzeit von sechs 
Jahren erneut kooptiert werden dürfen. 

Hierzu stellte Herr Professor Dr. Butenandt den 
Antrag, dass — entsprechend der Rep-elune: in der 
Max-Planck-Gesellscbaft — nur eine einmalige 
Wiederwahl zulässip; sein soll. Dieser Antrapr ^Anirde 
von den Mitp-liedern des Stiftun^srates mit Mehr- 
heit s;ebillic^t. 

Eine länß:ere Diskussion fand über die Erap;e statt, 
wann die Amtszeit der derzeitin:en Mitprlieder des 
Stiftungsrates ablaufen solle. Der Vorsitzende 
machte darauf aufmerksam, dass alle p:ewählten 
Mitn;lieder des Stiftunfi;srates z. T. weit läno^er 
als sechs Jahre im Amt seien. Er bat darum, die 
Fraß:e des Ausscheidens der derzeit gewählten Mit- 
p:lieder nicht in der Satzung zu rep:eln, sondern 
zunächst einmal die dringend notwendige Ers-änzung 

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- 5 - 

des Stiftunß;srates durch Neuwahlen vorzunehmen und 
dann auf die Frage zurückzukommen. Dem stimmte die 
Versammlung zu. 

Der Gedanke einer p;emeinsamen Wahlversammlune; soll 
durch fol2;ende Formulierune; in S 12 p:ereo:elt werden : 

" Der Ehremoräsident und die Mite:lieder des 
Kuratoriums werden von den Mitgliedern des 
Stiftune;srates, dem Vorsitzenden des Kura - 
toriums, den ühri0;en Kuratoriumsmitf^liedern 
kraft Amtes und den Ehrenmitgliedern des 
Kuratoriums f^ewählt. Den Vorsitz in der 2;emein' 
Samen Wahlversammlung führt der Vorsitzende 
des Stiftunf^srates. " 

Weiter soll besti^.-t werden, dass die Wahlkommission 
sich selbst eine ^>reschäf tsordnun^ s:ibt und dass darin 
auch das Quorum für die Wahlen festr^esetzt wird. 

Sinngemäss p?:ehört auch die Bestimmung des bisheriff;en 
§ 13 Abs. 1 zu § 12. 

In S 15 Abs. 1 des Satzun^sentwurf es ist bestimmt, 
dass der Hauptpreis an einen hervorrae:enden 
Wissenschaftler verliehen wird. Gemäss den Beschlüssen 
zu Nr. 2 der Niederschrift, dass der Hauntnreis 1968 
an die Herren Professor Dr. More;an und Professor 
Dr. Westphal 2;emeinsam verliehen wird, muss die For- 
mulierung des § 15 Abs. 1 eine solche Teilung des 
Hauptpreises ausnahmsweise zulassen. 

In § 17 sind die Universitäten, Fakultäten, Institute, 
Institutionen und ^Persönlichkeiten anr^efreben, denen 
ein Vorscblagsre cht für die Wahl des HauDtoreisträgers 
eingeräumt ist. Der Stiftungsrat bittet, auch die 
naturwissenschaftlichen Fakultäten, die auf den 
Arbeitsgebieten von Paul Ehrlich tätig sind, als 
Vorschlagsberechtigte besonders aufzunehmen. 



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Was die Praxis anbelangt, so berichtete der 
Vorsitzende, dass u.a. selbstverständlich alle 
medizinischen und naturwissenschaftlichen Fakul- 
täten, Institutionen und Institute der Hochschulen 
der Bundesrepublik Jeweils besondere Auf lorderun^ren 
für die Benennung: eines HauDtDreisträorers erhal- 
ten. Die Anfrao^en an ausländische medizinische und 
naturwissenschaftliche i^akultäten, Orp-anisationen 
und Institutionen erfolgen unter Beachtung eines 
früher festgelegten — Jeweils überprüften — 
AnSchriftenverzeichnisses. 'Der. Stiftungsrat bestätig- 
te die Anwendung dieses bisher anf?ewendeten Verfah- 
rens. 

Herr Sperl erwähnte, dass sich im übrigen einige 
redaktionelle Änderungen ergeben hätten. 

Der Stiftungsrat stimmte der Streichung des ersten 
Satzes in § /f zu. Der Herr Bundespräsident hat be- 
tont, dass er nicht nur Schirmherr der Paul- Ehrlich- 
Stiftung sei, sondern er habe als Ehrenpräsident 
bestimmte Funktionen, z. B. die Unterzeichnung der 
Bestellung der Kuratoriumsmitf^^rlieder und der Stif- ■ 
tungsratsmitglieder. Die Streichung des ersten Satzes 
in § 4 sichert die Aufrechterhaltung des bisherigen 
Zustandes. 



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Satzung 
der Paul Ehrlich-Stiftung 



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Präambel 

Die Paul-Ehrlich-Stiftung wurde am 13.7.1929 von Frau Hedwig 
Ehrlich, der Witwe Paul Ehrlichs, errichtet. Nach der Stiftungs- 
satzung ging das Kapital der Paul-Ehrlich-Stiftung als Sonder- 
vermögen in das Treuhand eigentum und die Verwaltung der "Ver- 
einigung von Freunden und Förderern der Universität Prankfurt 
am Main" (heute "Vereinigung von Freunden und Förderern der 
Johann-Wolfgang-Groethe-Universität Frankfurt am Main e.V«, im 
folgenden kurz "Vereinigung") übero Satzungsgemäß wurden seit 
1930 aus den Zinsen des Stiftungsvermögens Medaillen, Preise 
und Stipendien an deutsche und ausländische Forscher verliehen, 
die auf den Arbeitsgebieten Paul Ehrlichs "Urheber wertvoller 
Arbeiten" waren. 

Nach dem Beginn der nationalsozialistischen G-ewaltherrschaf t 
mußte die Paul-Ehrlich-Stiftung im Jahre 1933 ihre Arbeit ein- 
stellen. Die Stifterin emigrierte im Jahre 1938 über die Schweiz 
nach den USA. Sie erhielt die amerikanische Staatsbürgerschaft 
und blieb bis zu ihrem Tode (21o12o1948) in den USAo 

Im Jahre 1952 konnte die Paul-Ehrlich-Stiftung ihre Arbeit wieder 
aufnehmen» Der Stiftungsrat der Paul-Ehrlich-Stiftung und der 
Vorstand der Stiftung "Chemotherapeutisches Forschungsinstitut 
Georg-Speyer-Haus" vereinbarten im April 1952, den "Paul -Ehrl ich- 
Preis" und den am 14o1o1926 gestifteten "Ludwig-Darmstaedter- 
Preis" zu vereinigen. Maßgebend für die Verleihung der vereinigten 
Preise ist nach dieser Vereinbarung die Satzung der Paul-Ehrlich- 
Stiftung. 

In Anerkennung des Lebenswerkes Paul Ehrlichs und in Würdigung 
seiner Verdienste gewährt der Bundesminister für Gresundheits- 
Wesen der Bundesrepublik Deutschland der Psu 1-Ehrlich-Stif tung 



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seit März 1960 einen jährlichen Zuschuß von 50.000, — DM. 

Der Vorstand der Vereinigung hat seit 1952 im Einvernehmen mit 
dem Stiftungsrat der Paul-Ehrlich-Stif tung eine Reihe von Maß- 
nahmen beschlossen, die eine bessere Erreichung des Stiftungs- 
zweckes gewährleisten sollten. Mit Rücksicht auf die wachsende 
Bedeutung, die der Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis 
erlangt hat, sind die Vereinigung und der Stiftungsrat über- 
eingekommen, der Stiftungsurkunde vom 13.7.1929, unter Wahrung 
des erklärten Willens der Stifterin, eine neue Passiing zu 
geben, die den heutigen Erfordernissen gerecht wird. 



Satzung 

§ 1 (Rechtsnatur der Paul-Ehrlich-Stiftung) 

Die Paul-Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselb- 
ständige Stiftung. Ihr Vermögen wird von der Vereinigung 
von Freunden und Förderern der Johann-Wolfgang-Goethe- 
Universität Frankfurt am Main e.V. (im folgenden kurz 
"Vereinigung") als Sondervermögen verwaltet. Die Ver- 
einigung ist als gemeinnützige Einrichtung im Sinne der 
Gemeinnützigkeit sverordnung vom 24.12.1955 anerkannt. 

§ 2 (Zweck der Paul-Ehrlich-Stiftung) 

Zweck der Paul-Ehrlich-Stiftung ist es, die geistige 
Tradition und das Andenken Paul Ehrliche unter Wahrung 
des Willens der Stifterin zu pflegen, insbesondere durch 

a) die Auszeichnung in- oder ausländischer Wissenschaft- 
ler, die sich auf den von Paul Ehrlich bearbeiteten 
Gebieten, insbesondere der experimentellen und Chemo- 
therapie, Blutforschung , klinische Bakteriologie, 
Immxinitätsl^hre und Krebsforschung hervorragende 
Leistungen vollbracht haben, 

b) die Gewährung von Stipendien zur Förderung des wissen- 
schaftlichen Nachwuchses auf den in a) genannten 
Gebieten. 



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§§3-13 



§§5-7 



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(Organe der Paul-Ehrlich- Stiftung) 

§ 5 Die Organe der Paul-Ehrlich-Stif tung sind: 

!• der Ehrenpräsident, 
2. der Stiftungsrat, 
5» das Kuratorium. 

§ 4 (Der Ehrenpräsident) 

Ehrenpräsident kann nur eine Persönlichkeit werden, die 
durch ihre hervorragende Stellung im öffentlichen oder 
geistigen Leben und ihr persönliches hohes Ansehen ge- 
eignet ist, in besonderem Maße zur Erreichung des 
Stiftungszweckes beizutragen. 

Die Wahl des Ehrenpräsidenten erfolgt nach § 12. 
(Der Stiftung^srat) 

§ 5 (Zusammensetzung des Stiftungsrates) 

(1) 

Dem Stiftungsrat müssen mindestens neun Mitglieder an- 
. gehören, davon drei Mitglieder kraft Amtes und mindestens 
sechs zu kooptierende Wissenschaftler des In- und Aus- 
landes. 

(2) 

Mitglieder kraft Amtes sind: 

a) als Vorsitzer des Stiftungsrates: der Vorsitzer des 
Vorstandes der Vereinigung, 

b) als stellvertretender Vorsitzer des Stiftungsrates: 
der Dekan der medizinischen Fakultät der Johann- 
Wolfgang-Goethe-Universität Prankfurt am Main, 

c) der Bundesminister für Gesundheitswesen. Dieser 
kann seine Rechte durch einen von ihm zu benennenden 
Vertreter wahrnehmen lassen. 

(3) 

Die zu kooptierenden Mitglieder sollen aus einem Kreise 
von Wissenschaftlern und Forschern gewählt werden, die 
als Autoritäten anerkannt sind und einen hervorragenden 
Ruf genießen. Es ist erwünscht, daß die neuen Stiftungs- 

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§ 6 



§ 7 



- 4 - 

ratsmitglieder auf dem Arbeitsgebiet Paul Ehrlichs tätig 
sind, jedenfalls sollen sie aber als Wissenschaftler und 
Forscher hohen Ranges das Arbeitsgebiet Paul Ehrlichs über- 
sehen können. 

(4) 

Über die Kooptation entscheidet der Stiftungsrat mit der 
Mehrheit seiner Mitglieder, jedoch nicht gegen die Mehrheit 
der Stimmen seiner kooptierten Mitglieder. Der Stiftungsrat 
ist auch dann kooptationsfähig, wenn die Zahl seiner Mit- 
glieder unter die in Abs. 1 vorgesehene Mindestzahl gesunken 
sein sollte. 

(5) 

Die Kooptation wird mit der Aushändigung der vom Ehrenpräsi- 
denten und vom Vorsitzer des Stiftungsrates unterzeichneten 
Urkunde wirksam. 

(6) 

Die Amtszeit der nach Inkrafttreten dieser Satzung kooptier- 
ten Mitglieder beträgt sechs Kalenderjahre« Bei ihrer Be- 
rechnung wird das Jahr der Aufnahme in den Stiftungsrat dann 
als volles Jahr gezählt, wenn die Aufnahme im ersten Kalen- 
derhalbjahr stattfindet. Findet sie im zweiten Kalenderhalb- 
jahr statt, so wird die Amtszeit vom darauffolgenden 1. Ja- 
nuar an gerechnet. 

(7) 

Erneute Kooptation ist nur einmal zulässig« 

(Aufgaben des Stiftungsrates) 

(1) 

Der Stiftungsrat wählt die Preisträger und die Stipendiaten. 
(2) 

Der Stiftungsrat gibt sich eine Geschäftsordnung. Darin 
ist u.a. das Verfahren zur Ermittlung der Preisträger 
und Stipendiaten sowie die Art und Weise der Preisver- 
leihung zu regeln. 

(Beschlüsse des Stiftungsrates) 

(1) 

Der Stiftungsrat faßt seine Beschlüsse mit Stimmenmehr- 



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heit. Er ist beschlußfähig, wenn mindestens zwei Drittel 
seiner Mitglieder mündlich oder schriftlich mitstimmen. 

(2) 

Bei der Wahl der Preisträger und der Stipendiaten ist 
der Kandidat gewählt, der die einfache Mehrheit der 
Stimmen erhält* Ergibt sich bei nur zwei Kandidaten 
Stimmengleichheit, so gibt die Stimme des an Lebens- 
jahren ältesten Stiftungsratsmitgliedes den Ausschlag. 
Erhält bei mehr als zwei Kandidaten keiner die einfache 
Mehrheit der Stimmen, so findet zwischen den beiden 
Kandidaten, die die meisten Stimmen erhalten haben, 
eine Stichwahl statt. 

§§8-13 (Das Kuratorium) 

§ 8 (Zusammensetzung und Vorsitz) 

Das Kuratorium setzt sich aus Ehrenmitgliedern und 
ordentlichen Mitgliedern zusammen. Vorsitzer des Kura- 
toriums ist der jeweilige letzte Vorsitzer des Stiftungs- 
rates. 

§ 9 (Ehrenmitglieder) 

Ehrenmitglieder sind: 

a) Günther K. Schwerin, Enkel Paul Ehrliche und der 
Stifterin, 

b) Matthias Landau, Enkel Paul Ehrliche und der 
Stifterin. 

§ 10 (Ordentliche Mitglieder) 

(1) 

Dem Kuratorium sollen als ordentliche Mitglieder minde- 
stens zwanzig in- und ausländische Persönlichkeiten 
angehören, die durch ihr hohes Ansehen im geistigen, 
wirtschaftlichen oder politischen Leben geeignet sind, 
in besonderem Maße zur Erreichung des Stifti ngszweckes 
beizutragen. Davon gehören drei Mitglieder dem Kuratorium 
kraft Amtes, mindestens sechzehn durch Wahl gem. § 12 an. 



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(2) 

Mitglieder kraft Amtes sind: 

a) der Ministerpräsident des Landes Hessen als Ehren- 
vorsitzer des Kuratoriums, 

"b) der Rektor der Johann-Wolfgang-aoethe-Universität 
Prankfurt am Main, 

c) der Vorsitzer des Vorstandes der Stiftung "Chemo- 
therapeutisches Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus 
zu Prankfurt am Main"» 

(3) 

Die Amtszeit der nach Inkrafttreten dieser Satzung ge- 
wählten Mitglieder des Kuratoriums beträgt vier Kalender- 
jahre. Bei ihrer Berechnung wird das Jahr der Aufnahme 
in das Kuratorium dann als volles Jahr gezählt, wenn 
die Aufnahme im ersten Kalenderhalbjahr stattfindet. 
Findet sie im zweiten Kalenderhalbjahr statt, so wird 
die Amtszeit vom darauffolgenden 1. Januar an gerechnet. 

§ 11 (Aufgaben des Kuratoriums) 

(1) 

Dem Kuratorium obliegt es, alle zur Erreichung des 
Stiftungszweckes geeigneten Maßnahmen zu beschließen, 
soweit nicht nach der Satzung die Vereinigung oder der 
Stiftungsrat zuständig sind. Hierzu gehören insbesondere 
Maßnahmen zur Erhaltung und Mehrung des Stiftungsver- 
mögens. 

(2) 

Das Kuratorium kann für bestimmte Aufgaben Ausschüsse 
bilden. 

§ 12 (Wahl des Ehrenpräsidenten und der Kuratoriums- 
mitglieder) 

(1) 

Der Ehrenpräsident und die Mitglieder des Kuratoriums 
werden von den Mitgliedern des Stif tunga rates, dem 
Vorsitzer des Kuratoriums, den übrigen Kuratoriumsmit- 
gliedern kraft Amtes und den Ehrenmitgliedern des 

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Kuratoriums gewählt. Die Leitung der Wahl hat der 
Vorsitzer des Stiftungsrates« 

(2) 

Jedes Mitglied des Kuratoriums und des Stiftung rates 
hat das Recht, Vorschläge für die Wahlen zu machen. 
Für die Wahl gilt eine von den Wahlberechtigten mit 
der Mehrheit der Stimmen der Wahlberechtigten zu be- 
schließende Wahlordnung. 

(3) 

Die Wahl zum Mitglied des Kuratoriums wird mit Aus- 
händigung der vom Ehrenpräsidenten und vom Vorsitzer 
des Stiftungsrates unterzeichneten Urkunde wirksam. 

§ 13 (Inkompatibilität) 

Niemand kann gleichzeitig dem Stiftungsrat und dem 
Kuratorium angehören« 

§§14-18 (Der Paul -Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis) 

§ H (1) 

Der Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedeter-Preis wird 

für hervorragende wissenschaftliche Leistungen auf den 

Arbeitsgebieten Paul Ehrliche, insbesondere auf den in 

§ 2 genannten Gebieten, verliehen. 

(2) 

Die Wahl der Preisträger darf nicht von der Nationali- 
tät, der Rasse, dem religiösen oder politischen Be- 
kenntnis, der Abstammung oder dem Geschlecht eines 
Vorgeschlagenen beeinflußt werden. 

§ 15 (Hauptpreis und Anschlußpreise) 

(1) 

Der Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis besteht 

aus einem Hauptpreis, der an einen hervorragenden 
Wissenschaftler - in Ausnahmefällen an zwei - verliehen 
wird, und mindestens zwei, höchstens vier Anschluß- 
preisen, die vorzugsweise an jüngere Gelehrte oder 
Forscher verliehen werden. Die Preisträger müssen 



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sich die Verdienste, für die sie ausgezeichnet werden 
sollen, auf den in § 2 genannten Gebieten erworben 
haben« 

(2) 

Jeder Hauptpreisträger erhält die "Groldmedaille des 

Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preises" sowie 

die Hälfte - bei zwei Preisträgern ein Viertel - des 

Greldpreiseso 

(3) 

Jeder Träger eines Anschlußpreises erhält die "Silber- 
medaille des Paul -Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter- 
Preises" sowie einen vom Stiftungsrat festzusetzenden 
Anteil an der anderen Hälfte des G-eldpreises. 

§ 16 (Zeit und Ort der Preisverleihung) 

(1) 

Der Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis soll 
möglichst am Ho März, dem Greburtstag Paul Ehrlichs, 
verliehen Werdens 

der Hauptpreis in den Jahren mit geraden Endzahlen, 
die Anschlußpreise in den Jahren mit ungeraden End- 
zahl eno 

(2) 

Der Hauptpreis soll im Rahmen eines akademischen Fest- 
aktes in der Paulskirche zu Prankfurt am Main verliehen 
werden« 

§ 17 (Berechtigung zum Vorschlag des Hauptpreisträgers) 

Dem Stiftungsrat können Vorschläge für die Verleihung 
des Hauptpreises unterbreiten: 

a) jedes kooptierte Mitglied des Stiftungsrates sowie 
jeder bisherige Hauptpreisträger des Paul-Ehrlich- 
Preises oder des Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter- 
Preises, 

b) die medizinischen Fakultäten und Abteilungen der 
Universitäten des In- und Auslandes, 



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c) wissenschaftliche Hochschulen, Fakultäten, Insti- 
tute und Gesellschaften des In- und Auslandes, die 
auf den in § 2 genannten Gebieten forschen und lehren. 

§ 18 (Berechtigung zum Vorschlag der Träger der Anschluß- 
preise) 

Jeder Hauptpreisträger hat bei der ersten auf die Ver- 
leihung des Hauptpreises folgenden Wahl der Träger der 
Anschlußpreise gegenüber dem Stiftungsrat ein erstes 
Vorschlagsrecht. Findet ein solcher Vorschlag keine Mehr- 
heit, so findet ein zweiter Wahlgang statt, für den alle 
kooptierten Stiftungsratsmitglieder sowie der Hauptpreis- 
träger Vorschläge unterbreiten können. Für diesen zweiten 
Wahlgang gilt § 7 Abs» 2. 

Der Hauptpreisträger ist in allen Wahlgängen stimmbe- 
rechtigt» 

§ 19 (Stipendien) 

(1) 

Die Vereinigung soll dem Stiftungsrat aus dem Stiftungs- 
vermögen Mittel für die Gewährung von Stipendien zur Ver- 
fügung stellen, soweit diese Mittel nicht für den Haupt- 
preis und die Anschlußpreise benötigt werden. 

(2) 

Stipendien sollen nur an jüngere Wissenschaftler ver- 
geben werden, die auf den in § 2 genannten Gebieten 
bereits besondere Leistungen vollbracht haben oder auf- 
grund ihrer Leistungen besonders förderungswürdig er- 
scheinen. 

§ 20 (Satzungsänderungen) 

(1) 

Zur Änderung der Satzung bedarf es einer Zwei-Drittel- 
Mehrheit aller Mitglieder des Vorstandes der Vereinigung 
und einer Zwei-Drittel-Mehrheit aller Mitglieder des 
Stiftungsrates. 



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(2) 

Zu Vorschlägen zu Satzungsänderungen ist die Stellung- 
nähme der Ehrenmitglieder des Kuratoriums einzuholen. 
Widerspricht ein Ehrenmitglied des Kuratoriiims einem 
solchen Vorschlag, so kann die Satzung nur mit Zu- 
stimmung aller Mitglieder des Vorstandes der Ver- 
einigung und des Stiftungsrates geändert werden. 

(3) 

Jedes Ehrenmitglied des Kuratoriums ist berechtigt, 
Satzungsänderungen vorzuschlagen. 



Der Vors tand der Vereinigung; Klr den Stiftungsrat; 



Unterschrift vd.1 zogen 



Unterschrift vollzogen 



Prankfurt am Main, den ^o, Oktober 1967 

15. November 1967 



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ANHANG 



!• Leben und Werk Paul Ehrliche 

Paul Ehrlich, 
Prof. Dr. med., 

Wirklicher Geheimer Rat, Excellenz, 
geb. am U. 3. 1854 in Strehlen (Schlesien), 
gest. am 20.8.1915 in Bad Homburg. 
Medizinstudium in Breslau, Straßburg, Freiburg/B., 
Promotion zum Dr. med. in Leipzig (1878); 
Privatdozent an der Medi^nischen Fakultät der 
Universität Berlin (1887); später dort a.o. Professor; 
Oberarzt an der Charite; von Robert Koch an das 
Institut für Infektionskrankheiten in Berlin berufen; 
ab 1896 Leiter des "Instituts für Serumforschung und 
Serumprüfung" in Berlin-Steglitz, ab 1899 des "König- 
lichen Instituts für experimentelle Therapie", des 
heutigen "Paul-Ehrlich-Instituts" in Prankfurt a.M., 
seit 1906 auch des "Georg-Speyer-Hauses" . 



Paul Ehrlich ist in die Geschichte der Medizin einge- 
gangen als Begründer der Wirksamkeitsmessung von Heil- 
seren und der modernen Chemotherapie. Er hat auf vie- 
len medizinischen Gebieten als Forscher Bahnbrechendes 
geleistet. Sein wichtigster Beitrag zur klinischen 
Medizin waren seine Arbeiten über histologische Pärbe- 
methoden und seine Blutstudien. Mit seiner Habilita- 
tionsschrift "Das Sauerstoffbedürfnis des Organismus" 
betrat er den Weg, den er während seines ganzen wissen- 
schaftlichen Lebens verfolgte und der ihn zunächst zu 
seinen klassischen Untersuchungen über die Verteilungs- 
gesetze der Gifte im Organismus führte. 



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Durch Aufklärung der zuvor nicht richtig erkannten 
chemischen Konstitution des Atoxyls gelang ihm die 
Auffindung der gegen Syphilis-Spirochaeten wirksamen 
Arsenikalien, insbesondere des Salvarsans. Schon 
früher hatten Ehrliche Untersuchungen die Bindungs- 



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gesetze der Schutzstoffe, vor allem der "Antitoxine" 
an die spezifischen krankmachenden Toxine aufgeklärt. 
Paul Ehrlich erhielt 1908 den Nobelpreis (zusammen 
mit Elias Metschnikof f ) für seine Studien über Immuni- 
tät, vor allem über die Standardisierung des Diphte- 
rie-Serums, durch die dieses Heilmittel erst seine 
heutige Bedeutung erlangte, dazu viele weitere be- 
deutende Preise, Orden und Ehrenzeicheno Er war 
Ehrendoktor vieler Universitäten, UoBo Chicago, Oxford, 
Athen, Breslau, Ehrenbürger von Prankfurt am Main und 
Strehlen (Schlesien) o Frankfurt am Main benannte nach 
ihm die Straße, in der das "Paul-Ehrlich-Institut" 
liegt. 



I I . L eben und Werk Ludwig Barmstaedters 

Ludwig Barmstaedter, 
Profo Brophilo Brojur» h.Co, 
geb« am 9 080 1846 in Mannheim, 
gesto am 17o10o1927 in Berlin« 
Studium der Naturwissenschaften, 
insbesondere der Chemie in Heidelberg, 
dort 1868 Promotion zum Br. philo unter 
Bunsen und Kirchhoff o Portsetzung der 
chemischen Ausbildung in Leipzig und in 
Berlin, von 1869 - 1871 in Paris, London, 
Brüssel und Carabanchel/Madrid. Seitdem 
Betätigung in der Industrie, 1884 Begrün- 
dung der von Barmstaedter geleiteten Lanolin- 
fabrik in Martinikenfelde • Ehrenmitglied 
des "Kgl. Instituts für experimentelle 
Therapie", des heutigen " Paul -Ehr lieh- 
Instituts", später auch des Chemotherapeutischen 
Forschungsinstituts "Georg-Speyer-Haus" • 



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Ludwig Barmstaedter ist als Chemiker durch eine 
Reihe grundlegender chemischer Arbeiten, u.a# 
über Naphtholdisulfnnäure und Binitronaphthol 



- 3 - 



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- 3 - 

("Naphtholgelb") , und als Historiker der Natur- 
wissenschaften durch das von ihm gemeinsam mit 
R« Du Bois-Reymond herausgegebene "Handbuch zur 
Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik" 
international bekannt geworden« 



Darmstaedters Freundschaft mit Paul Ehrlich und 
sein Verständnis für dessen Arbeitsweise waren der 
Anlaß, daß er die Schwester seiner Frau, Frau 
Franziska Speyer, die Witwe des Frankfurter 
Bankiers Georg Speyer, veranlaßte, anstelle 
des von ihr zum Gedächtnis an ihren verstorbenen 
Mann geplanten Universitäts-Verwaltungsgebäudes 
ein Forschungsinstitut für Paul Ehrlich zu be- 
gründen, das Georg-Speyer-Haus, in dem Paul Ehr- 
lich die moderne Chemotherapie der Infektionskrank- 
heiten entwickelte und das erste neuzeitliche Heil- 
mittel gegen Syphilis, das Salvarsan, entdeckte o 
Darmstaedters Einsicht und Einfluß ist es zu ver- 
danken, daß diese Umwälzung der Medizin nicht 
erst sehr viel später erfolgt isto Zum Dank hat 
die Stiftung Georg-Speyer-Haus im Jahre 1926, an- 
läßlich des 80 o Geburtstages von Ludwig Darmstaedter, 
den "Ludwig-^Darmstaedter-Preis" begründet, der mit 
dem im Jahre 1929 gestifteten "Paul.-Ehrlich-Preis" 
der Paul-Ehrlich-Stiftung nach dem zweiten Welt- 
krieg (1952) vereinigt wurde und heute als "Paul- 
Ehrlich- und Ludwig-'Darmstaedter-Preis" verliehen 
wirdo 



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4 . » 



MAX-PLANCK-INSTITÜT FÜR IMMCNBIOLOGIE 

Prof. Dr. Cito \.estphal 



78 FREIDURO-ZÄHRINOEN 
btObkwbusi o 

TBX.BPON •ossa 



28.0ct.19G7 



60CO 



An den Vorsitzenden 

des S t irtun[: srates der 

Piiul-Ehrlich-Stiftung 

Frankfurt a o: ain 

Neue .»ainzer Sl7o4C--42V. 



Sehr verehrter Herr Speril 



Eben erhalte ich Ihr Sclireib 



en vom 27 . 10 



10 r.iir mitteilen, daß der St irtun^.srat 



iich-btift 



un 



j in welchem 
der Pcul-Lhr- 



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meinen Freuna und Kollegen Prolesfeor 



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•organ/London und mic 



cr'.'.ern des 



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ul-T;;hrlich- 



1 zu den beiden Hauptpreis- 



ses^^ 1968 pewählt hat 



unc* i^uawio -i^rrmst ad ter-Pr ei- 



sehr hohe 

übrigen 

sonderen 

liehe Auszeichnung 



e bedeutet 



Ich binjnir be 



wüßt , daß dies eine 



:it-,liedern des St irtun-2srat 



und ich möchte xrnca and den 



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es meinen ^anz be- 



vertrauen und für diese 



aussprechen 



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iierr Sporl, wüßten, wie sehr 



le, sehr /lechrter 



ch das Lebenswerk V 



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xessor Morgan und ihn selbst als :'ensch und Freund schat- 

f hnnno ^''^i^'^K ^ ^ "^ ''''''''' ^rossc Frcude über die ü.ei.einsanie 
.>i.nrunf^-. nocli besser ve 



sicriorun'}. 



rstehen als 



urch meine ])losse Ver- 



ls ..or^an geleistet hat - und theinatiscl 



unsere Arbeiten in violer Hinsicht 



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ganz wenigen :.:itarbei t ern liot 



(Oratorien des Lis ter-Ins t it 



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ich mich seit Jahre 



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ses innerhalb und 



le J.'itarbeit eines 2 



uls und 
r/cmgegeniiber durfte 



ausserhalb 



rossen Krei- 



Sie werden violleicht 



eines Instituts stützen 



den par 



wissen, daß einer 



tner über viele erfolgreiche Jahre Prof 



unserer bedeuten- 



Kauff ii.ann/Konenhagen war, d 



nen Teil) sicher auch durch die 

'1 o n rl o ^Ty^y-* ^ CA r^ ■: . . • 



, acr seinen Preis (zu ein 



essor Fritz 
em klei- 



gende Verif izierun.c; seine 

chungen in Form ch 

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annte er ja d 



an unserem Institut erfol- 
.öossen serologischen Untersu- 
emischer Strukturen erhielt. Damals (l9Ö4) 



Otto Lüderitz als ei 



ann auch meinen langjährigen I\;itarbeiter ^r 



nen der Anschlußpreisträger 



Daß ich den Preis annehme und daß das von Ihnen ski 



Propr 



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amm mein volles F.inverständ 



zzierte 



vemer besonderen Bestätiru 



nis findet 



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irf wohl 



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sehr freue 



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«esprasKJcnten wird beide Preisti 



go uie Anwesenheit des Herr 



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erne in der v 



xcn werde meine 20-30 .\'inuton-Pe 



er ebenso ehre 



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der Inhalt ei 



on Ihnen angedeuteten \ 



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de natürlich 



nem breite 



eisep halten, nämlich 



n Publikum verständlich 



ist 



s wird mir eine besondere Freude sc 



fessor y.oi 



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an zu berate 



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m, gemeinsam mit/pro- 



m Stiftungsrat vorschl 



, welche Anschluß-Preis t 



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en wollen, vir wcrd 



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MAX-PL.ANCK-1N8TITUT FÜB IMM UNBIOL.OOIE 



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- 2 - 



größter Sorgfalt erwägen und 
gebührend begründeno 

Für Ihre vorsorgliche Besorgung der Hotel 
lurt danke ich Ihnen sehro \\c 
in diesem besonderen Fall ger 
bcn, an der Feierlichkeit tei 



unsere Vorschlage natürlich 






einacht werden kann, würde ic 
Einzelzimmers im Motel Frankf 
lieh auf meine Kosten gehen k 

Indem ich Ihnen und den luitgl 
mals meinen ganz besonderen D 
tuung und Freude zum i^usdruck 
ehrter lierr Sperl, 



nn es angäng 
ne meiner N;u 
Izunchmeno W 
h um Res er vi 
urter llof bi 
ann) . (x) 

ledern des S 
ank und ruein 
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egenheit ge- 
möglich 
nes weiteren 
Iches natur- 



rates noch- 
roßte Genug- 
ch, sehr ge- 



Ihr sehr ergehener 







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(x) i\:eine Frau wird Ihre 
ireui dliche Einladung gerne 
anneiimen, und ich danke Ih- 
nen im Namen meiner Frau da- 

lüro 

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Prof oDroDr« med oh 
Otto üestphal 



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Chairrnan of the Governing Body 

SIR CHARLES DODDS. BT 

MVO. MD. FRCP. FRS 

Honorar/ Treasurer 
PAUL CHANNON. MP 

Direclor 

PROFESSOR SIR ASHLEY MILES 

CBE. FRCP. FRS 



The Lister Institute 
of Preventive Medicine 



(UNIVERSITY OF LONDON) 



CHELSEA BRIDGE ROAD • LONDON • SW1 -TELEPHONE SLOANE 2181 • TELEGRAMS •ßACTERIOLGGY LONDON SWI* 



Herrn 

Friedrich Sperl 

Vorsitzender des Stiftungsrates 

der Paul-Ehrlich-Stiftung 
6000 Frankfurt am LIain 
Neue Mainzer Strasse 40-42V 
V/est Geriiiany 



6th November 1967 



Dear Mr. Sperl 

Thank you for your letter of 27th October, in which you 
informed me that the Stiftungsrates of the Paul Ehrlich Foundation, 
with yourself as President, have awarded jointly to my friend and 
colleague, Professor Otto Westphal, and ne, the "Paul-Ehrlich and 
Ludwig Darmstädter Preises'» for 1968. I am most honoured that 
your Foundation should have awarded me this high distinction, and I 
am delighted I should have been chosen to share the award with 
Professor V/estphal whose outstanding scientific achievements in the 
field of bacterial chemistry and as Scientific Director of the Max- 
Planck-Institut in Freiburg, I have admired for many years. It is 
an interesting fact that early in his career Professor Westphal 
studied the chemistry of the blood-group substances as a member of 
Xarl Freudenberg *s department in Heidelberg, whereas at about the 
same time I was engaged at the Lister Institute in London on the 
isolation and characterisation of certain bacterial antigens. 
Soi^e time later Professor V.'estphal changed the subject of his 
researches to that of bacterial antigens, and at about the same 
time my colleagues and I began the study of the Chemical, immuno- 
logical and genetic aspects of the human blood-group specific 
substances. Professor Westphal and I therefore understand very 
well each others field of enquiry. 



contd. 






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SHEET NO. 2 



DATE 6th November 1967 



Herrn 

Friedrich Sperl 

Vorsitzender des Stiftunijsrates der Paul-Ehrlich-Stiftung 



I accept with deep appreciation, and with a sense of the 
honour bestowed, the Paul-Ehrlich Prize. I am happy also to 
accept your invitation to be in Frankfurt from 13th-15th March, and 
to take part in the ceremony associated with awards, as described 
in your outline Programme. I hope it will be possible for my wife 
to join me on this very special occasion, 

The names of possible "Anschlusspreisträger" I shall consider 
carefully and discuss with Professor Westphal as soon as possible. 
V/e will certainly let you know the names of those persons we 
believe to be suitable candidates, and submit them to you for your 
consideration. 

I would ask you to accept my most sincere thanks for the very 
detailed account you sent me of the forthcoming activities of the 
Paul-Ehrlich Foundation on the occasion of the prize-giving meeting 
in March 1968. I am very grateful for this Information, which I 
am sure I shall find most useful. 

I much regret the delay in replying to your letter. At the 
time it arrived at the Lister Institute I was in America, and I did 
not arrive back in London until Saturday, November 4th. I hope 
this delay has caused you no serious inconvenience. 

I should be most grateful if you would convey to the members 
Ox the Stiftungsrates my deep appreciation of the high honour they 
have conferred upon me. I can assure you, Mr. Sperl, that I am 
looking forward to meeting you and thanking you personally when I 
attend the ceremonies in Frankfurt in Iviarch 1968. 

Yours very sincerely 




W.T.J. Morgan 



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erehrtor Herr Sperll 
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2i£^ V-. T. 

hncn als Anre£;un(^^ rwäf-cn zu ceben^ 

^-^'-, den ^u. teilten Enkel Paul Ehrlichs , 
alr: r:hrcnLiit^:lied in d:.r; ICuratoriura zu bei-fifon. Im Testament 

wi|3 ii^hrlich ist die Paui-i.hrlich-otirtun|j 
, aber die Aufgabe, das ku seines 

bcAMit^ zu erhalten, ist in S ^ Karu, Wolf^jang 
..urai.buürtet. Ich lege eine Kopie des Testaments 
bo !. , Lchc ic. ..ich . . . ,.^ 

Hans Schwerin ist Privatg^lohrter, da ar Itider seit Jugend 

auf schv/er sehbehindert i.st| er beGchäftißt sich mit 
literarischen und soziologischen Studien. Er lebt in. IJev; York 
una reißt selten^ ich stehe in rc^e] mäßigem ochi^if tverkchr 

ml L 



ül 



Sti 



Ic^^ ■ -'^fe, '■ er el.uiul zu einer Feier der Frcis- 
. 'ir-'it - colbstve^^Lanndlich olme Bclar . :c3 
\r. -, nach dar^ letzte Mal 195'» daran 
•• . :? >vns''.rl r t Isi; : 
^1-5 V/ect 81st Street 
Kew York, N.Y. 1C024 



1 * 



Mit den besten Wünschen zu ^on Fasttagen 
verbleibe ich 
Ihr Ihnen sehr ergebener 



^aJJLl 



L^>-^^ 



dn 

SPaul SInlirJt (F/Ullun^ 

Friedrich Sp«rl 



§^uuJtfMäi 28.2.196a 

oimm^MmMti ^lutfe 40-42 ^ V 



An 41« H«rrttB Nitfli«d«r d«s OrMiit 

«iitgjli#dTt 



fttr dl« Mmhlmm 



Smhr f««Krt« H«rr«mt 



I« ^•r lim«» Mit 8ekr«ib«A vmi Mm. VvTMibar v.J#. «b^r« 
Bittttlt«n Satsuns dT Paul Shrlich-Stlf tung ist für dl« 
Vahlaa dar KitratoriiMaMatgliadar aim VahlgrafliitHi gabil« 
dat wordaa, daa aiah gaailA f 12 dar Satsung suaaiMiam- 
aatst auat daa Nltgliadara daa Stiftaagarataa, da« "f^r^ 
•ttmmr da« Karatariw»a, daa Karat ariuMaaiitgliadara kraft 
Aataa uad daa thraaaitgliadara Harra Gaathar Sohvaria 
aad Harra NattlULaa Laa4aia« M« Laitam« dar Vakl 0^Xtmgk 
dmm Varaitsar dmm Stiftuagarataa. 



la Binvarnahnaa alt daa Harra Toraitaar daa Kuratariaaa 
Harra Dr. Sahnidt«-PaXax, ttbarsittla iah daa baigafügtaa 
Vahlaatrag das Harra Matthias Laadau ait dar Bitta im 
fraundlicha Zustinaung. 



Harr Matthias Laadau hat ia da« aaliagaad baigafttgtaa 
Schraiban daa Aatrag gaatallt, Harm Dr. Hans WoXfgaa^ 
8chwarin sua Bhraaaitgliad daa Karatariusia au wählaa. 
^^i iMit ar daraaf aatoarkaasi fsaasht^ daB Karr Br« 
KdM Valfgaag tahvaria dar Iltaata Bakal Faul Bkrliaha 
iat. In daa Tastaaaata aaiaar GraAsuttar, dar -wrmXmr^ 



.../« 



- 2 - 



ben«n Frau Hadwi« Ehrlich, Gattin Paul Ehrlich« , dia dla 
Paul Ehrlich-Stiftung begründet hat, ist Herr Günther 
Schwerin zum Tes t aiiion tvolls trecker eingesetzt« Daneben 
hat Frau Hedwig Ehrlich u.a. ^#atiflMt, daA Herr Dr. Hang 
Wolfgang Schwerin gleicherweise die sehr ehrenvolle Auf- 
gabe auferlegt worden ist, das Andenken seines Großvaters, 
des großen Wissenschaftlers und Forschers Paul Ehrlich, 
aufrecht zu erhalten. 



In unserem Kreise haben wir selbstverständlich immer die 
Beziehungen zu den Angehörigen der Familie Ehrlich ge- 
pflegt, und so wurden denn auch zunächst die beiden Töch- 
ter Paul Ehrlichs, Frau Landau und Frau Schwerin zu Ehren« 
Mitgliedern des Stiftungsrates bestellt. Nach dem Hin- 
acheiden der beiden Damen ist Herr Günther Schwerin, den 
•eine Mutter nit ihrer Repräaentaas beauftragt hatte, 
Ehrenmitglied des Kuratoriums geworden, und in gleicher 
Eigenschaft gehört Herr Matthias Landau, Sohn der Frau 
Landau, unserem Kreise an. 



i 



Im Hinblick darauf, daß Herr Dr. Hans Wolfgang Sdhwerin 
der älteste Enkel Paul Ehrlichs ist, und im Hinblick auf 
die ehrenvolle Bestimmung im Testament seiner Großmutter 
Frau Hedwig Ehrlich, die die Paul-Ehrlich-S tif tung be- 
gründete - schließen sich die beiden Unterzeichneten der 
dankenswerten Anregung des Herrn Matthias Landau an und 
bitten um freundliche Zustismiung bu der beantragten Wahl 
des Hsrrn Dr. Hams Wolfgang Schwerin zum Ehrenmitglied 
des Kuratoriums. 



Herr Dr. Schwerin hat seine Dankbarkeit für die ihm zuge- 
dachte Ehrung sum Ausdruck gebracht und die Zustismiung mu 
seiner Wahl erteilt. Er hatte in dem mit ihm geführten 
Briefwechsel sein Erscheinen zu den Feierlichkeiten mm 



• ../3 



- 3 - 



13. und l*. Här% d.J«. xus«s«st, «uöt© ^hmr Imtdmr w«f#n 

einer Erkrenkung dieser Tage •beagen. 



Wir dürfen darum bitten, die erhofften, zus tlnunenden Er- 
klärungen z.Hdn. de» Voreitzenden de» Stif tungarate» an 
die obenangegebene Adre»»e abzugeben und waren dankbar, 
wenn Ihre Äußerungen bis zum I3. März d.Js. vorliegen 
würden, damit dem Ehrenpräaidenten unserer Stiftung, de« 
Herrn Bunde»prM»id»nt Dr .h. c .Lübke, die Be»tellunf »Ur- 
kunde bei Gelegenheit »einer Anweeenheit in Frankfurt 
xufli Vollzug vorgelegt werden kann. 

Mit verbindlichen Grüßen verbleiben wir 
In «uegezeichneter Hochachtung 



Friedrich Sperl 
(der »uglelch für den Vor»it»er de» Ku- 
ratorium» • Herrn Dr. Sch»iidt-P©lex, »ur 
Zeichnung ermächtigt worden i»t.) 



Anlag» 



FAUL KHRLICM - STIFTUlia 



Frankfurt mb Mal» 



KurAtariuMiMÜLtgll«4«r in al]plMi¥«tisah«r Raihamfalg« 
(naeh 4mm Stand vom Wkrm 1968) 



Natthiaa Landau 

Münchan 5%, GubaatraEa 3)/0 

•«atliar K.Bm^mwtn^ 
MOMkan 1), MaaatraAa 9,T 



Mitslladar 4mm EuratariuiM t 

Dr. Aloia AlshalMar 

Toraitnar 4mm YarataaAaa dar Miniiliamar RUalrrarai 

«•••lls^üaft, • NtoalMnt EHmiginatraEa ta7 

Dr.li.a. Varnar BackaUMinn, Qaaalilftaführandaa FriaidiJüL« 
•itgliad daa DamtaakMi Stldtatagaa» 9 KbXn-NariMltarf « 
Lia4amallaa 11 

Dr* Hana C.ladam 

Taraitnar 4aa AmTaialitarataa 4ar AM AilfaMaitnaa llaliti« 

ait«ta-«aaaliaaluift« € Fraakfwt m Main, Iwrliaaaaaatr.M 

Tr^fmmmmr Pr, W..lr»i»dart 

Okarkttrfanaaiatar dar Stadt Fraaiunart an Mala, 

( Frasknirt «a Malm, »atlMiM 

Sir Hanry Dala 

Mitgliad mnd ahaaialigar Frlaidant van Tlia layal S^aiaty 

of London, $2 Quaan Anna Straat, London If 1 

Hana Fürst anbarg 



•amf , 16 Kua da Baaianant 

Dr. tugan Qarataaiaaiar 

FrSaidant daa Oantaaten IwUaatagaa« 53 



, Mrraatr.iJ 



Alfrad Haaaa 

Varaitsar daa Varataadaa dar Alli^ 

AktiaAgaaallaaliaftt • l ü»i fc is »t lteigl~tra#a •• 

Prmtmmmmr ©r. MM. •aftaring ^ 

Bratar FrSaidant dar Dautackaa Bnndaakaha» % FraMmwt 
a« Mai», Friadriak-lkart-Aalaga %3 

Dr. Frladriak E. frmtUmrr vam Oppankaia 
9 KSln, Untar Saakaankamaan ( 

Pr. Bgan Chrarbaak 

Taraitsar daa Farataadaa dar Maanai 

Manna— a—^Hfar 1 

Pr. Fall« Fraatsal, Mimistarialdirigaat m.P. 

Taraitsar daa Taratandaa dar Dagusaa« b Frankfmrt an Naln 

IraSatraSa 11 



Aa, % MUaal 



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Casimir Prinz zu Sayn-Wi ttgenstein 
VoratÄndmitglled der N«tAllg«««llsch«rt AG 

Sü!r "•f'^f"»«'^^^^«»' Rektor d.r Johann Wolfgan« Go.th— 
ünlvr.itut Frankfurt a» Main. Profea.or Dr. Valfr Rü#«« 
6 Frankfurt aai Main. MartonatraAa 1? 

ür» Hana Walter Schmldt-Polax 

Voraitzer des Vorstandaa dar EuropKlachen Gütar- und 

2! a**?r!^:^*r*o^*'*'^"«—^^' * München. Marla-Theraaia- 
Strafte 18 (laut Satmung Voraitmer dea Kuratoriuaia) 

Profeaaor Dr. Erwin Stein. Staat.mlnlater a.D. 
Bundeaverfaaaungsrichter. 757 Baden-Baden, Biaaarokstr . 5 
Dr. b.c. Irich Vierhub 

Nitslied dea Voratandea dar Ehraadnar Bank Aktiaaxaaall* 
•chaft. Frankfurt aai Naln-Süd, Nax-Ras«r. Strafte 23 

Profeaaor Dr. -In«. , Dr. rar. nat. b.c. . Dr .rer.nat .b.c. 
Karl Winnacker. Voraitmer dmm Voratandea der Farbvark« 
Hoacbat AG. 62W Kteifstal» /Ta., ölüttklwt 3t • 

Minieterpriaident Dr.Dr.phil.h.c . , Dr.agr.h.c. 
Georg August Zinn, 62 Wieabaden, Bier« tÄdterstraße 2 
(laut Satzung Bhrenvoraitsender dea Kuratoriuaia) 

Mitglieder gemüft § lo Aba.II der Satzung: kraft Anteai 

dar MiniaterprÄaident dmm Landea Heaaen. Dr.Dr.pbil.b.c. , 
Dr.agr.h.c. Georg Auguat Zinn (vergl. oben) 

dar Rektor der Johann-Wolf gang-Goethe-Univerai tat . 
Fraakrurt aa Main, Profeaaor Dr. Walter Rüegg (vorgl«obon) 

dar Voraitser dea Voratandea dmr Stiftung **ChaBK>thora- 
peutiachea Forachungainatitut Georg--Speyer-Haua xu 
Frankfurt aai Main". Ragierungadirektor Dr. Gerd Bollort» 
1 Bariin - Zehlendorf 37. Schweizer Strafte 32 



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Einladung 



ZUR TbILNAHMt DER ff f R 

ANLÄSSLICH 

DER VERLEIHUNG DFS HAUP. ..5c:> 

DES PAUL-EHRLICH- ü^ 
LUDWIG DARMSTAEDTER-PRElSfcS 1968 



HERRN PROFESSOR DR DR h c WALTER T. j MORGAN 

Lofidoe 



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HERRN PROFESSOR DR. DR h c OTTO WESTPHAL 

Fruborj 

an Donnrrteag, den M SUti 196i, 10 Uhr. 
iB der Paulsldrche, Frankfurt an Mam 



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Bitte vorzumerken: 



Es folgen: 




PROGRAMM 



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Musikalische Einleitung 
Es spielt das CoHegium musicum der Universität unter Leitung von Herrn Peter Cahn 



vi 






1.) Für Sie persönlich eine Einladung des Herrn 
Dundespräsidenten zu einem Abendessen am 
13. März 1968 im Frankfurter Hof. 

2.) Eine Einladung für Sie und Ihre Begleiter 
zu einem von der Stadt Frankfurt und dem 
Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stif tung ge- 
• gebenen Essen im Frankfurter Hof am l4. März 
1968 nach der Feier in der Paulskirche. 



Begrüßung durdi den Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, 

Herrn Professor Dr. W. Brundert 



Eröffnung durch den Vorsitzenden des Stiftungsrates, Herrn Friedrich Spcrl 



Grußwort des Direktors des Paul Ehrlich-Institutes, Herrn Professor Dr. Jeme 



Preisverleihung 

Laudatio : Seine Spektabilität, der Dekan der Medizinischen Fakultät 

der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Herr Professor Dr. A. Wacker 

Verleihung der Hauptpreise des Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preisef 

durdi den Ehrenpräsidenten der Paul Ehrlich-Stiftung, 

Herrn Bundespräsident Dr. h. c. Heinrich Lübke 

an Herrn Professor Dr. Dr. h. c. Walter T. J. Morgan 
und Herrn Professor Dr. Dr. h. c. Otto Westphal 



Es wird höflich gebeten, die Plätze bis 10 Uhr einzunehmen 
Ende der Feierlichkeiten gegen 12.15 Uhr 



Vortrag der Preisträger: 
Von Paul Ehrliches immunologischer Symbolik zur molekularen Antigen-Struktur 

L 

Professor Dr. Dr. h. c. Walter T. J. Morgan, Lister-Institute, London : 
Jbc !MoUcuhr Basis of Jiuman Blood Qroup Specificity 

n. 

Professor Dr. Dr. h. c. Otto Westphal, Max Planck-Institut, Freiburg: 

Die molekulare Basis der serologisäjen Spezijität von Snicrohacteriaceen 

C7yphusgruppe u. a.) und ihrer Qijtwirkungen 



Musikalischer Ausklang 



Um Antwort auf beiliegender Postkarte bis Mittwoch, 14. Februar 1968, wird gebeten 



Der Vorsitzende des SUfUm^sraies Der Dekan der !Medizinis(^jen yakuUät 

der Paul EhrUdj-Stiftung der Johann Wolfcjang Qocihc Universität 

SPBRL PROFESSOR DR. WACKER 



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Sehr geehrter Herr 

«I« o„ V ^ j M I^® Korrekturen zu ei- 

nem Buche von mir. das vor etwa 26 Jahren während 

wriSL5i^«2^*i^'^22^??^3<*^* ^^^^ philologische 
NachschlagemöÄlichkeiten 1^-gend welcher Art «e- 

sohrieben wurde »md das in keiner Zeile den #i- 

Jmt^ *i^' Reohthaben «d Reohtbehalten erhebt, 
koffloen etwas zu spät. Ich kmn linen nur fUr die 
Beweise d«ken.M«irtln Buber k*inte ich, als ich 
,^,^*S H*"** ^ySl? schrieb .noch nicht pe^sönliSh, 
SS?«i2f*tnXf ihm nur die chassidisohen Schrift« 
»lesen. Später aber sind wir gute Fremde «ewor- 
STilf ? vor einigen Monaten .bei seiner ersten 

?SSi «2i? P«? !5**P!tfi8* •' »ni* «•l»»r Frau einen 
rag mein Gast gewesen. 

Es grüsst Sie Ihr 




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ZUM hSm><?- ü!^{ 

naturschütztagJ 



Carte postale r^^OStk3.rtG Cartolina Postale 




Adresse des Absenders — Text 
Adresse de l'expediteur — Texte 
Indirizzo del mittente — Testo 



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L.-A. & Co. AG., Z. Form 42 



Cr* Siagfr» Guggenheim 

35 - 05 Person 8 BLVD. 

FLU SRI NÖ 

New York 



USA 




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Hochgeschätzter Herr Guggenheim 
m4« ,f,5^/^i?^ l^^ «igeltfigt.md eb^so das 

<«?*^^°\^^? "icl^tzu kränken vermag.werde 
in5i»tlV^®§®'' mitteilen ,dass in ipätem 
dSn 5u?J. fragliche Wort gestrichen wer- 

rfiinrtn Ahof^5+*^S ©s, aus Respekt vor Ihrer 
reinöi Absichttaber ich tue es gegen meine Ue- 

5?hl?;?ff S:?^'» JS^J?"^ ist nicKt^S?i§ 
f?^^i^« lÄd ein fach, wie ein Leser geiti denkt, 
sie kenn auch sehr verwickelt sein. awiitT,, 

A^r>^^ i?i^ "i® ^. irgend einer meiner Schriften 
den geringsten Anspruch auf autoritative Gelt^ 
mg des von mir Gesäßen gemacht habe.da ich 

itSlrS^«^'.*!* J" BlcheiT^rdeÄS^IIst-, 
inh*™<i^Ä+!^,^^'$"?^ ^^\^^ habe.dass las.ww 
h2fJ-.'"i*^"*SJ^* habe, seinen Wert nur darin 
tf^*;?«s««yrv*"* Mensch versucht so aufrich- 
«äfzS^flSifi^^n^ 5Ls?i"v. ' darum ist es dem 

»Ko^JlkS eX^s^JoföVe'Sf S^l^n'ic^^ ' 

55'f J%?te°^??l^ä^^^ffrtS'ni%^ JSISf^^Tll 
Janr 1^25 schon völlig wissend gewestfi. 

iir,«.^^§°-."" ®i^« Objektive Wahrheit ,auf 

?lrilren';;?4Tl!i''^ie^ Leser^hin^zu kor- 
v^lB®^?^ »^?^P^?°"9 ich die subjektive Wahr- 

e? md^S«!S?;f^.W""T\1''^l» Stelle mä nJs ISh- 
?^l A^J^^^]^ ®^? 1*^8» daraus. Die Vermtwort- 
mg dafür trage lch,nicht Sie. "ermiworx 

mir'^no2f«o?i'L!?^* "5»i' Ihr Geschenk.Bs ist 
mir äusserst mtfigenehm,da8s Sie Ihren Wmsch 



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mit einem Geschenk verbtndtfi habtfi.uid ich 
werde dies Geschenk keinesfalls behalten. Da- 
rum bitte ich um eine Adresse,«! die ich es 
senden knin, entweder in der Schweiz oder in * .' 
der ameriktfiischen Zone Deutschlaids.in die 
Äidem werden keine Drucksachen ai genommen. . 
Es grüsst Sie Ihr 





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Hochgeschätzter Herr 
Aus Ihren kurzen kühlen Zeilöi sehe ich,dass 
es mir nicht gelmgen ist, Ihnen mit der Er- 
fülling Ihr«r Bitte, die mir licht leicht fiel, 
eine kleine Freude ?u machen »Ich habe den Ailass 
ausserdem dazu benutzt »in der Presse etwas zu 
veröffentlich« »was im jetzigen Augenblick als 
pro-semitisches Bekenntnis vielleicht nützt* 
Das Buch werde ich morgöi nach Zürich senden* 
Hochachtui gsvoll 



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Hochgeschäteter Herr Dr * Eine Dame in HollÄid 
sindte mir,nachdem sie das "gestrichene Wort* 
gelesen hatte »ein Üenuscript mit der Bitte, es 
an Sie weiter zu leiten, sie hoffe Ihnen damit 
vielleicht eine Freude zu mechen. 

Die Dame gehört den Constätitin Brunner- 
Institut fin,ihre Adresse ist 

Magdalena Kasch Den Haag, Batjaanstraat 1?. 



Mit (irüssw Ihr 



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eschätzter Herr Guggenheim 
hat eindrucksvolle Bild, 
Sie mich beschenkt haben, 
h im Engadin in Sils Maria, 
holung suchend, in wenig gutem 
Zustand «Sonst hätte ich Ihnen einen . 



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.^Ig-geschrieben^Aber das Leben 
^^l^ianiiählich zu kurz für alle 
Anforderungen, die sich nicht selber 
durch Dringlichkeit durchsetzen. Sie 
haben mich durch Ihr Gedenken er- 
freut und geehrt. Dafür dankt Ihnen 



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A. KUBIN Umschlagzridinung zur ersten Ausgabe der Morgcnlanilfahrt 



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und würdigen alten Juden antworten, sollte ihm 
eine Genugtuung versagen, um die er auf eine edle 
Weise gebeten, sollte seinem Glauben und seiner 
überpersönlichen frommen Weisheit mein Recht 
als Bücherschreiber, als Vertreter einer psycho- 
logischen Spezialität, mein Pathos als Bekenner 
entgegenstellen und ihn, indem ich ihn ent- 
täuschte und abwies, noch belehren? 

Ich brachte das nicht über mich. Es hätte dazu 
ein Maß an Sicherheit, an Glauben an mich und 
den Sinn und Wert meiner Arbeit gehört, den 
ich heute nicht mehr aufbrächte. Ich schrieb dem 
Leser in New York einen kurzen Brief, daß ich 
seinen Wunsch erfüllt habe, und schrieb meinem 
Verleger eine Mitteilung, daß bei einem etwai- 
gen Neudruck des «Kurgast» auf Seite 154 das 
W^ort «erstaunlicherweise» wegzulassen sei. 



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' ci.'Vi'. >.' «, 



Blätter vom Tage 



von 



HERMANN HESSE 



An Stelle von Briefen, zu welchen mir Zeit und Kräfte fehlen, 
sollen diese Privatdrucke meine Freunde und Korrespondenten 
grüßen. 



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Privatdruck 1948 

Copyright II. Hesse, Montagnola 

]\ achdruck verboten 



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Brief einer Schülerin über Josef Knechts 
Tod, und Antwort des Autors 



November 1947 
Sehr geehrter, lieber Herr Hesse, 

Hoffentlich sind Sie mir, einem jungen Mäd- 
chen nicht böse, wenn ich es, nach langem Zau- 
dern, dennoch wage Ihnen zu schreiben. Sie 
sind ja nicht nur der gefeierte Dichter, der No- 
belpreisträger Hesse; Sie sind ja auch ein Mensch, 
wie wir alle es sind. 

Ich habe Ihr Glasperlenspiel gelesen. Schon 
lange standen die zwei blauen Bände zwischen 
meinen Büchern. Ich stellte mir seltsame Dinge 
darunter vor. Zarte, zerbrechliche Dinge aus 
feinem Glas, die von einem alten Mann in einem 
Wald geblasen wurden. Ein Märchen kam mir 
auch immer in den Sinn, in dem Wichtelmänn- 
chen zauberhafte Tierchen und Blumen aus Glas 
unter der Erde herstellten. 

Das hat ja nun alles nicht gestimmt; aber das 
Buch hat mir einen solchen Eindruck gemacht, 



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wie ich es nie jemandem erklären könnte. Wenn 
das stimmt, daß man ein Buch mit seinem gan- 
zen Wesen in sich aufnehmen kann, dann ist es 
mir mit diesem Buch so gegangen - his auf den 
Schkiß. Mit so viel Hoffnung und Erwartung 
habe ich die Seiten von Knechts Reise zu Uto 
gelesen - und nun ertrinkt er. Als ich an jene 
Stelle kam, bin ich erschrocken, zutiefst erschrok- 
ken. Noch nie habe ich etwas gelesen, was mich 
so vollkommen unerwartet getroffen hat. Ich 
habe so fest daran geglaubt, daß der junge Tito 
nun der gläubige Schüler des Magisters werde 
und damit zur Brücke zwischen Kastalien und 
der Welt. Soll es denn für uns keinen Geist, 
keine Wissenschaft geben, der wir wahr und 
ernst dienen können? Sind wir denn wirklich 
dazu verdammt, wie Plinio an diesem Zwiespalt 
zugrunde zu gehen oder einfach stumpf dahin- 
zuvegetieren? Kann denn nicht alles in uns Eins 
sein, Körper und Seele, Geist, Traum, Trieb und 
Verstand? Kann denn wirklich unsere Welt nie 
klar und rein und licht werden, daß wir glück- 
lich darin leben können? Soll denn wirklich im- 
mer Krieg und Haß und Grausamkeit und Trä- 
nen auf unserer Erde sein? Es wäre doch so 
schön zu leben. 



Wenn ich doch nur die Worte fände, um 
Ihnen alles sagen zu können, was mich so quält. 

Meine Lehrer würden wahrscheinlich lachen 
über diesen Brief. Aber ich glaube fest daran, 
daß Sie mich verstehen und mich nicht auslachen. 

Ihre dankbare 
Lore S. 



Liebes Fräulein, 

Ich bin ein alter Mann, dessen Kraft nicht 
mehr ausreicht, um auch nur die tägliche Brief- 
post ganz zu lesen. Aber Ihr Brief ist ernst zu 
nehmen, darum versuche ich eine kurze Ant- 
wort. 

Sie haben in meinem Buch gewiß manches 
gefunden, wovon ich selbst nichts weiß. Andrer- 
seits haben Sie, Ihrer Lebensstufe gemäß, gewiß 
manches in dem Buch noch nicht verstanden, 
dazu gehört der Opfertod von Josef Kneclit. Er 
hätte, klug und fein, es unterlassen können, trotz 
seiner Erkrankung den Sprung ins Bergwasser zu 
tun. Er tut ihn dennoch, weil etwas in ihm stär- 






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ker ist als die Klugheit, weil er diesen schwer zai 
gewinnenden Knaben nicht enttäuschen kann, 
und er hinterläßt einen Tito, dem dieser Opfer- 
tod eines ihm weit überlegenen Mannes zeit- 
lebens Mahnung und Führung bedeuten und ihn 
mehr erziehen wird als alle Predigten der Weisen. 
Sie werden das, so hoffe ich, vielleicht mit 
der Zeit auch verstehen. 

Aber schließlich ist es gar nicht so wichtig, ob 
Sie es verstehen werden, ich meine: mit dem 
Verstand diesen Tod Knechts begreifen und bil- 
ligen. Denn dieser Tod hat ja seine Wirkung 
auf Sie schon getan. Er hat in Ihnen, so wie er 
es in Tito getan hat, einen Stachel hinterlassen, 
eine nicht mehr ganz zu vergessende Mahnung, 
er hat eine geistige Sehnsucht und ein geistiges 
Gewissen in Ihnen geweckt oder bestärkt, wel- 
che weiter wirken werden auch wenn die Zeit 
kommt, wo Sie mein Buch und Ihren Brief ver- 
gessen haben werden. Hören Sie nur auf diese 
Stimme, die jetzt nicht mehr aus einem Buch, 
sondern in Ihrem eigenen Innern spricht, sie 
wird Sie weiter führen. 



Mit einem freundlichen Gruß Ihr 



H. Hesse. 



Antwort an einen Studenten, der mit dem 

« Glasperlenspiel » nichts anfangen kann 

und um dessen «Erklärung» bat 



Im Mai 1948 

Sie bitten mich um eine «Erklärung» meines 
Buches vom Glasperlenspiel. Dabei setzen Sie 
offenbar voraus, daß es einem Dichter wichtiir 
sei, von möglichst Vielen verstanden zu werden. 
Das ist aber nicht der Fall. Eine Dichtung wen- 
det sich stets nur an die Aufnahmebereiten, sie 
drängt sich Keinem auf, zehn oder zwanzig Ver- 
stehende genügen ihr. Und die sind für mein 
Buch längst vorhanden. 

Sie setzen aber bei Ihrer Bitte auch voraus, 
daß es mir überliaupt möglich sein müsse, mein 
Buch einem Leser zu erklären, der ohne Erklä- 
rung nichts damit anzufangen weiß. Auch das ist 
ein Irrtum. Ich habe zur Darstellung der Ideen 
oder geistigen Realitäten «Kastalien» und «Glas- 
perlenspiel» etwa elf Jahre gebraucht, das heißt: 
die guten, die besten, die geistig wachsten Stun- 
den dieser elf Jahre. Und nun soll ich das, was 



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mir in elf Jahren nicht gelungen ist, nämlich 
Ihnen die Wahrheit und Realität dieser Ideen 
zu beweisen, schnell in einem Brief nachholen! 
Sie können im Ernst daran kaum glauben. 

Gewiß, es gibt ausgezeichnete, herrliche Er- 
klärungen von Dichtungen. Sie sind aber alle 
nicht von Dichtern, sondern von Philologen ge- 
schrieben worden, und stets über Dichtungen, 
die sich über Jahrhunderte, mindestens über 
Jahrzehnte gehalten und bewährt hatten. Das 
Heutige und Aktuelle entzieht sich dieser gedul- 
digen schönen, von mir sehr geliebten Philolo- 
genarbeit durchaus. 

Ich begreife es wohl, daß Sie mit meinem Buch 
nichts anfangen können. Es wird darin eine Welt 
der geistigen Ordnung und Zucht dargestellt, die 
von der Ihnen bekannten und Sie umgebenden 
Realität gründlich verschieden ist (ohne freilich 
darum weniger eine Wirklichkeit zu sein). Aber 
wenn wir mit einem Buche nichts anfangen kön- 
nen, dann ist es ein falscher Ausweg, es sich von 
Anderen oder vom Autor erklären zu lassen. Man 
legt es weg und verzichtet darauf. Das gilt frei- 
lich nicht von Lehrbüchern, aber es gilt uneinge- 
schränkt für Dichtungen. 



8 



Das gestrichene Wort 



April 1948 

Ein wunderliches Anliegen hat uns gestern, 
meiner Frau und mir, je für eine Stunde Arbeit 
gegeben. Es kam ein Brief aus Amerika, geschrie- 
ben von einem alten Herrn, einem frommen deut- 
schen Juden aus einem jener alten Judenhäuser 
des Rhein- und Maingebietes, die bis an die 
Schwelle des unfreundlichen Heute zu den älte- 
sten und besterhaltenen Kulturherden Deutsch- 
lands gehört haben, einer jener alten rheinisch- 
jüdischen Familien, deren eine in Wilhelm 
Speyers wunderschönem Roman «Das Glück der 
Andernach» ihr Denkmal und ihren würdigen 
Nachruf gefunden hat. Dieser alte Herr in New 
York, ein Emigrant, ein kultivierter und from- 
mer Jude, ein Namenloser in jenem Heer von 
Wertvollen, die Deutschland zugunsten der 
Schreier und Bösewichte von sich gestoßen hat, 
schrieb mir einer Gewissensfrage wegen, die ihm 



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Skrupel machte, und die Bitte, die er an mich zu 
richten für seine Pflicht hielt, besteht darin: ich 
möchte ein einziges Wort in einem meiner Bücher 
bei künftigen Auflagen weglassen. Er hat vor 
kurzem den «Kurgast» gelesen und darin eine 
Stelle, wo ich den Spruch zitiere «Liebe deinen 
Nächsten wie dich selbst». Der Kurgast nennt 
diesen Spruch «das weiseste Wort, das je gespro- 
chen wurde», und fügt hinzu: «Ein Wort, das 
übrigens erstaunlicherw eise auch schon im Alten 
Testament steht.» Für den Leser und Briefschrei- 
ber in Amerika nun, für den frommen Juden und 
Bibelleser, ist das Wort «erstaunlicherweise» 
nicht annehmbar, er findet mit diesem Wort das 
Judentum und die Thora beleidigt und ange- 
zweifelt, und er bittet mich mit ernsten Worten, 
dies Wort zu streichen. 

Zunächst nun mußte meine Frau, da meine 
Augen es nicht leisten konnten, den «Kurgast» 
auf jene Stelle hin durchfliegen, um den Zusam- 
menhang und Wortlaut des Satzes festzustellen. 
Dann las ich die fragliche Seite meines vor 
25 Jahren geschriebenen Buches sorgfältig nach. 
Natürlich hatte der Briefschreiber recht, natür- 
lich war es ein Irrtum, und war für jüdische 
Leser beinah eine Blasphemie, wenn ein bisher 

10 



von ihm ernstgenommener Autor es «erstaun- 
lich» fand, daß ein so edles und erhabenes Wort 
«schon» im Alten Testament stand, also lang vor 
Jesus und der christlichen Lehre geschrieben war. 
Er hatte recht, daran war nicht zu zweifeln : 
mein Ausdruck «erstaunlicherweise» war, ebenso 
wie das Wort «schon» (das mein Briefschreiber 
aber nicht beanstandete) objektiv unrichtig, 
er war voreilig und töricht, er spiegelte etwas 
von der zugleich verlegenen und hochmütigen 
Art wider, mit der zur Zeit meiner Kindheit und 
Erziehung die populäre protestantische Theologie 
uns kleinen Protestantenkindern von der Bibel 
und vom Judentum sprach, und welche etwa 
darauf hinauslief, es sei das Judentum und das 
Alte Testament zwar hochehrwürdig und nicht 
genug zu respektieren, aber es fehle ihm eben 
doch das Letzte, die Krone, das Alte Testament 
sei vorwiegend ein Buch des Gesetzes und der 
Strenge, während erst das Neue den wahren und 
vollen Begriff der Liebe und der Gnade gebracht 
habe usw. Als ich jene Zeile im «Kurgast» vor 
25 Jahren schrieb, war ich, mindestens für eben 
jenen Augenblick, nicht ein Wissender und Über- 
legener gewesen, sondern es war mir damals, als 
ich jenes herrliche Wort von der Nächstenliebe 

11 



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zitierte, in der Tat «erstaunlich» vorgekommen, 
daß ein solches Wort, das man ruhig die Quint- 
essenz der christlichen Lehre oder doch der 
christlichen Moral nennen konnte, «schon» im 
Alten Testament stehe. Recht hatte er, der liebe 
besorgte Mann in Amerika. 

Aber wie war das nun? War der «Kurgast», 
und waren alle meine Bücher denn geschrieben, 
um Kenntnisse und objektive Wahrheiten im 
Volk zu verbreiten? Gewiß wollten sie, vor allem 
andern, der W^ahrheit dienen, aber im Sinne 
der Aufrichtigkeit, welche sich sorgfältig jedes 
autoritären Beiklangs beim Aussprechen von Ge- 
danken enthält, einer Aufrichtigkeit, deren Ge- 
setz den Autor zu einer weitgehenden Preisgabe 
seiner Person und nicht selten zu einer Selbst- 
enthüllung zwingt, deren Opfer noch niemals 
ein Leser voll begriffen hat. Wollte ich denn 
meinen Lesern etwas anderes mitteilen als die 
Ergebnisse meines eigenen Erlebens und Den- 
kens, und dazu jeweils eine Strecke des persön- 
lichen Weges, auf dem ich zu diesen Ergebnissen 
gelangt war? Hatte ich je den Diktator, den un- 
bedingt Wissenden, den Priester und Lehrer ge- 
spielt, der seine Wahrheiten mit der Autorität 
eines Amtes verkündigt, seine Lücken und Zwei- 

12 



fei aber sorgfältig verschweigt? War nicht dies 
meine Rolle und Aufgabe gewesen: meinen Le- 
sern nicht nur meine Gedanken und Überzeu- 
gungen mitzuteilen, sondern auch meine Zwei- 
fel, und ihnen nicht einen Autorisierten und Ge- 
weihten vorzuspielen, sondern nur mich selbst zu 
zeigen, einen suchenden und irrenden Bruder? 

Ich konnte dem Manne in Amerika dies alles 
nicht erklären. Da er es bei der Lektüre meiner 
Bücher, die er beinah alle kannte, nicht gemerkt 
hatte, würde es mir in einem noch so langen 
Briefe auch nicht gelingen, ihn zu einer anderen 
Art von Lesen und Verstehen zu bekehren. Er 
verlangte von mir, ich solle ein einziges Wort in 
einem Buche streichen, und verlangte damit, ich 
solle, im Dienste der Wahrheit, eine Lüge be- 
gehen, ich solle so tun, als sei ich damals vor 
25 Jahren, als ich den «Kurgast» schrieb, keines 
Irrtums oder Leichtsinns, keiner Unwissenheit in 
bezug auf Bibel und Theologie fähig gewesen, 
als hätten nicht damals wie heute noch überall 
Reste meiner Herkunft und Erziehung an mir 
gehangen. War das nicht doch vielleicht etwas zu 
viel verlangt? 

Scheinbar war die Sache also sehr einfach. 
Man verlangte etwas von mir, was meinem We- 

13 



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sen und Geschmack, meinen literarischen Ge- 
wohnheiten, um nicht gleich zu sagen «Grund- 
sätzen», widersprach, und darauf gab es ja 
eigentlich nur eine Antwort, eine Absage. Aber 
die Dinge sehen immer einfacher aus, als sie 
sind, und die moralischen noch mehr als alle an- 
dern. Wäre ich zwanzig Jahre jünger gewesen! 
Dann hätte ich nicht meine Frau mit dem Su- 
chen der Buchstelle belästigen, hätte mir nicht so 
viele Skrupel machen müssen, hätte Zeit gefun- 
den, meinem Leser in einem Brief von vielen 
Seiten die Sache zu erklären, hätte mich an die- 
sem Brief warm geschrieben und in die Über- 
zeugung hinein geschmeichelt, nun habe ich den 
Partner wirklich überzeugt und beruhigt. Das 
Wort «erstaunlicherweise» wäre weiter in mei- 
nem Buch stehen geblieben und hätte weiterhin 
in edler Aufrichtigkeit meine Ahnungslosigkeit 
und Torheit vom Jahr 1923 dokumentiert. 

Aber nun war ich eben etwas älter und etwas 
bedenklicher, wohl auch etwas unsicherer ge- 
worden, und der Mann, der das Wort gestrichen 
haben wollte, war ebenfalls nicht ein junger, 
durch einen guten Brief zu beruhigender und in 
seinen Überzeugungen wankend zu machender 
Leser, sondern er war ein alter Herr, dessen Brief 

14 



es weder an Bescheidenheit noch an Würde 
fehlte. Er war außerdem ein Frommer, ein Lieb- 
haber der Bibel, ein Mann, der im Alten Testa- 
ment sehr viel besser als ich Bescheid wußte, und 
dem ein etwas unbedacht geschriebenes Wort von 
mir weh getan und Ärgernis gegeben hatte. Und 
noch etwas: er war ein Jude. Er war ein Ange- 
höriger des Volkes, das der Welt die Bibel und 
den Heiland gegeben und dafür den Haß und 
die grimmige Feindschaft beinahe aller andern 
Völker geerntet hatte, ein Mann aus einem uralt- 
heiligen Volk, das in unserer gottlosen Zeit Un- 
ausdenkliches erduldet und sich dabei besser be- 
währt hatte als irgend ein anderes, jüngeres Volk 
in ähnlicher Drangsal: denn nicht nur hatten die 
Juden (und das gilt auch noch für heute, die Ver- 
folgung dauert ja an) ein Beispiel ohnegleichen 
an Solidarität, brüderlicher Hilfs- und Opfer- 
bereitschaft gegeben, dessen die Welt noch gar 
nicht bewußt geworden ist, sie hatten überdies in 
unzähligen Fällen einen Heldenmut im Ertra- 
gen, eine Tapferkeit angesichts des Todes, eine 
Würde im Elend und Untergang bewiesen, bei 
deren Betrachtung wir NichtJuden uns nur 
schämen können. 

Und nun sollte ich also diesem wohlmeinenden 

15 



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sehr nach dem, was wir uns von dieser Fahrt ver- 
sprochen hatten, nach etwas Bergluft, etwas Schat- 
ten, etwas Kühle. Unerschrocken und entzückt fuhr 
Ninon die vielen steilen Kurven hinan, schon vor 
San Giacomo wehte uns herrliche Frische entgegen, 
bald darauf lagen wir unter Tannen im Schatten 
und lasen von der mitgenommenen Epistolar- An- 
thologie noch so viel, als uns recht und bekömmlich 
schien, und jedem dieser Freunde hätte ich gern 
sofort geantwortet, gedankt, etwas Liebes gesagt 
und vom heutigen Tag erzählt. Das muß nun dieser 
Rundbrief einigermaßen ersetzen. 

Lebet wohl. Freunde, habet Dank und seid ge- 
grüßt von 

eurem 



Qeburtstag 



EIN RUNDBRIEF VON HERMANN HESSE 



JULI 1952 



H. Hesse 



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Liebe Freunde! 

Noch nie war ein Rundbrief nötiger als jetzt, er 
soll einen großen Teil der etwa 1200 Briefe beant- 
worten, die der 75. Geburtstag mir gebracht hat. 
Und nie habe ich solche Mühe gehabt, mich zum 
Schreiben aufzuraffen. Es mag das Alter sein, und 
die unheimliche Hitze, und das Übermaß an Sehen, 
Empfangen, Aufnehmen in diesen Tagen — jeden- 
falls dürft ihr von diesem Brief nicht viel erwarten, 
er soll nur ein Dank und ein kurzer Bericht sein. 

«Was man in der Jugend wünscht, hat man im 
Alter die Fülle», heißt es bei Goethe, so geht es 
auch mir. Nicht alle, aber einige meiner heftigsten 
Knaben- und Jünglingswünsche sind in Erfüllung 
gegangen, und manche in solcher «Fülle», daß eine 
Verlegenheit und Not daraus wurde. Es sind mir 
aber auch Geschenke und Ehrungen zuteil gewor- 
den, an die ich auch in den frechsten Bubenträumen 
nicht gedacht hätte: in meinem lieben Heimatstädt- 
chen beflaggter Marktplatz mit Stadtmusik, Fest- 
rede, Enthüllung einer Tafel am Geburtshaus (es 



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wird oft mit jenem andern Kindheitshause jenseits 
der Nagoldbrücke verwechselt, von dem in vielen 
meiner Erzählungen die Rede ist) - und weiter: 
Gratulationen von Oberbürgermeistern vieler Städ- 
te, darunter solche, die einer ihrer Straßen meinen 
Namen geben, Gratulationen von Schulklassen in 
der Schweiz und in Deutschland, Verleihung von 
Ehrentiteln, Feiern mit und ohne Musik in Thea- 
tern, in Rathäusern, in Schulen, Reden von Bundes- 
präsidenten, berühmten Dichtern, Professoren. Das 
alles hatte ich mir nicht so gedacht und gewünscht, 
und in Augenblicken guter Laune dachte ich etwa: 
«So, jetzt noch ein zwei Meter hoher Steinsockel 
und ein Leiterchen, dann kann ich hinaufsteigen 
und die neue Existenzform als Denkmal antreten.» 
Es waren unter den Gaben, Zurufen und Ehrun- 
gen aber auch viele, die ohne Spaß und ohne Ver- 
legenheit angenommen und begrüßt werden konn- 
ten. Daß bei der größten und feierlichsten Ver- 
anstaltung zu meinem Jubiläum meine älteste En- 
kelin als Sprecherin von Gedichten mitwirkte, daß 
der liebe und verehrte Rud. Alexander Schröder, 
der bei eben dieser Feier die Rede hielt, mich mit 
einem überaus schönen Aquarell von seiner Hand 



beschenkte, daß die von Freund Suhrkamp so schön 
und mühevoll vorbereitete Ausgabe der «Gesam- 
melten Dichtungen» schon gleich vergriffen war, 
daß ich eine kleine Anzahl von Briefen meines 
Großvaters Gundert geschenkt bekam, daß mehrere 
meiner Freunde sich anboten, am 2. Juli herzukom- 
men und mich vor etwaigen Überfällen zu schützen, 
dies und vieles andre war ohne Abzug freudevoll 
und wohltuend, von den vielen schönen und lieben, 
zum Teil auch lustigen Briefen gar nicht zu reden. 
Nur war es eben etwas viel, es kam allzu dicht 
vom Himmel geregnet, Kopf und Herz waren nicht 
groß genug, den Segen zu fassen, er hatte in seiner 
Fülle, so wie es ja wohl auch Goethe in seinem 
Spruch gemeint hat, auch etwas Belastendes, ja Be- 
ängstigendes; es konnte einem, wenn wieder eine 
Wagenladung mit Paketen, Briefen und Blumen 
kam, auch vor der Götter Neide grauen. Und am 
Morgen des Festtags, nachdem die Post wieder 
mehrmals dagewesen war, standen wir eher ein- 
geschüchtert und bedrückt in dem viel zu eng ge- 
wordenen Hause herum, wo alle Tische und Borde 
mit Blumen und Briefhaufen beladen, Atelier, Bi- 
bliothek und Korridor mit Paketen verstopft waren. 



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Wir fanden uns der Sache nicht gewachsen, auch 
nicht würdig, wir waren in manchen Augenblicken 
bereit, auf alle weiteren Gaben, die aus aller Welt 
noch unterwegs waren, zu verzichten. Da rissen wir 
uns von der Überfülle des Glückes los, wir brachen 
aus, wir ließen alles liegen und stehen, stiegen in 
den Wagen und fuhren weg, durch ein glühendes 
Lugano, ein glühendes Bellinzona, ein glühendes 
Misox hinauf, das ich zum erstenmale sah. Staunend 
blickten wir zu den gewaltigen Wasserfällen, den 
Burgen und Kirchen hinauf, und wenn wir auch 
bis Mesocco kein Nachlassen der Glut wahrnehmen 
konnten, so entstand doch zwischen uns und Mon- 
tagnola, zwischen uns und den Stuben voll jener 
Gaben, deren man im Alter die Fülle hat, ein immer 
größerer und angenehmerer Zwischenraum, wir 
wurden aus überanstrengten und seit Tagen über- 
müdeten Leuten langsam wieder zu einem Ehepaar, 
das einen Festtag zu feiern hat. Das Auto strengte 
sich tüchtig an und brachte uns, eh es versagte, 
grade noch bis beinahe vor das Gasthaus, das uns 
in Mesocco empfohlen war, da blieb es stehen, und 
die Panne ließ uns nicht nur reichlich Zeit zu einem 
Imbiß, sondern auch noch zum Beginn der eigent- 



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liehen, privaten Feier, die wir uns ausgedacht hat- 
ten. Denn hatten wir auch auf schmählicher Flucht 
die drohende Überfülle im Stich gelassen, die Fülle 
hatte uns doch begleitet, in einem Köfferchen 
brachten wir, von Ninon sorgfältig ausgewählt, 
eine edle Elite von Briefen mit, mit deren Lesung 
wir nach Tisch begannen. Ach, was waren da für 
herrliche, liebe, schöne Briefe dabei, von Peter dem 
Treuen, von Frau Elsy, von Engel, von den Brem- 
gartener Schloßherren, von Alice, von E. Korrodi 
und Fritz Strich, und noch so viele andre! Es gab 
da auch den Brief eines Arbeiters im Kanton Solo- 
thurn, der lautete: 

Eine Zeitschrift liegt 
Vor mir aufgeschlagen, 
Darinnen seh ich geschrieben, 
Daß Sie Geburtstag haben. 
Ihnen wünscht viele Jahre 
Noch ein sonniges Leben 
Ein ganz gewöhnlicher Mann, 
Der sonst nichts kann geben. 

Es ging eine gute Weile, bis das kranke Auto 
wieder vorgefahren kam, und jetzt sehnten wir uns 



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der Kaffeemühle hinein, stellt mir eine Tasse her, bietet mir zu 
schnupfen an, und jetzt sitzen wir am Feuer, trinken Kaffee, 
spucken ins Feuer, erzählen, fragen, werden allmählich schweig- 
sam, sagen dies und jenes von der Gicht, vom Winter, von der 
Zweifelhaftigkeit des Lebens. 

«Die Gicht? Eine Hure ist sie, eine verfluchte Hure! Möge sie 
der Teufel plagen! Möge sie verrecken! Na, hören wir auf mit 
Schimpfen. Ich bin froh, dass Ihr gekommen seid, ich bin sehr 
froh. Wir wollen Freunde bleiben. Es kommen nicht viele mehr 
zu einem, wenn man alt ist.» 

Sie steht nochmals mit Mühen auf, sie geht ins Nebenzimmer, 
wo am Spiegel die erblindeten Photographien stecken. Ich weiss, 
nun sucht sie nach einem Geschenk für mich. Sie findet nichts 
und bietet mir eine der alten Photographien als Gastgeschenk an, 
und als ich sie nicht nehme, muss ich wenigstens noch einmal 
aus ihrer Dose schnupfen. 

Ich weiss nicht, wer diese Schilderungen lesen wird, es wer- 
den Leute beim Frühstück oder im Wartesaal sein, Leute eines 
anderen Jahrhunderts, einer anderen Welt, Leute, denen es hier 
in der rauchigen und verrussten Küche meiner Freundin viel- 
leicht grausen würde. Es ist nicht sehr sauber und hygienisch hier, 
der Boden ist vollgespuckt, und das Stroh am Stuhl hängt zerris- 
sen herunter, und wenige von euch Lesern würden aus dieser 
Kaffeekanne trinken, dieser alten blechernen Kanne, die schwarz 
von Russ und grau von Aschenresten ist, und an deren Rändern 
seit langen Zeiten der vertrocknete, eingedickte Kaffee eine Kruste 
gebildet hat. Wir leben hier in einer andern Welt, in einem an- 
dern Zeitalter, etwas ruppig zwar und ärmlich, etwas verkommen 
und keineswegs hygienisch, aber dafür nahe an Wald und Berg, 
nahe bei den Ziegen und Hühnern, nahe bei den Hexen und Mär- 
chen. Der Kaffee aus der krummen Blechkanne schmeckt wunder- 
bar, ein starker, tiefschwarzer Kaffee, mit einem leisen Anflug 
vom bitteren Geschmack des Holzrauches, und unser Beisammen- 
sitzen und unser Kaffeetrinken, und die Schimpfworte und Kose- 
worte, und das tapfere, scharfe Gesicht der Nina sind mir sehr 
viel lieber als zwölf Tee-Einladungen mit Tanz, als zwölf Abende 
mit Literaturgespräch im Kreise berühmter Intellektueller — ob- 
wohl ich auch diesen hübschen Dingen ihren relativen Wert nicht 
absprechen möchte. 

Draussen geht jetzt die Sonne weg, Ninas Katze kommt her- 
ein und ihr auf den Schoss gesprungen, wärmer leuchtet der 
Feuerschein an den gekalkten Steinwänden. Die Katze wird wie- 
der fortgejagt, Nina steht wieder auf, gross und gespenstisch steht 
sie im Zwielicht, die hagere knochige Gestalt mit dem weissen 
Schopf über dem streng blickenden Raubvogelkopf. Sie lässt mich 
noch nicht fort. Sie hat mich eingeladen, noch eine Stunde ihr 
Gast zu sein, und geht, um Brot und Wein zu holen. 

(Geschrieben im Jahr 1927) 



Separatdruck aus dem Sonntajfsblatt der National -Zeltunj? Nr. 265 vom U.Juni 19 53 



NINA 

Von Hermann Hesse 

Wenn ich nach Monaten der Abwesenheit wieder auf meinen 
Tessiner Hügel zurückkehre, jedesmal wieder von seiner Schön- 
heit überrascht und gerührt, dann bin ich nicht ohne weiteres ein- 
fach wieder zuhause, sondern muss mich erst umpflanzen und 
neue Wurzeln treiben, neue Fäden anknüpfen, Gewohnheiten wie- 
derfinden und da und dort erst wieder Fühlung mit der Vergangen- 
heit suchen, ehe das südliche Landleben wieder zu munden be- 
ginnt. Es müssen nicht bloss die Koffer ausgepackt und die länd- 
lichen Schuhe und Sommerkleider hervorgesucht werden, es muss 
auch festgestellt werden, ob es während des Winters ins Schlaf- 
zimmer geregnet hat, ob die Nachbarn noch leben, es muss nachge- 
sehen werden, was sich während eines halben Jahres wieder hier 
verändert hat, wie viel Schritte der sogenannte Entwicklungspro- 
zess wieder vorwärts getan hat, der allmählich auch diese geliebte 
Gegend ihrer lang bewahrten Unschuld entkleidet und mit dem 
Kram der Zivilisation erfüllt. Richtig, bei der unteren Schlucht 
ist wieder ein ganzer Waldhang abgeholzt, und es wird eine Villa 
gebaut, und die Strasse ist bei der grossen Kehre verbreitert 
worden und hat einem zauberhaften alten Garten den Garaus ge- 
macht. Und die drei letzten Pferdeposten unserer Gegend sind 
eingegangen und durch Automobile ersetzt worden, viel zu gross 
für diese alten, engen Gassen, und in den überfüllten Omnibussen 
sitzen und stehen eng gedrängt, wie auf Gefangenentransporten, 
die tausend Fremden mit ihren Zivilisat'onsgesichtern. Nie mehr 
werde ich den alten Piero mit seinen beiden schönen, strotzenden 
Pferden die Post fahren sehen, nie mehr ihn beim Grotto del Pace 
zu einem Glas Wein und einer kleinen, ausseramtlichen Ruhe- 
pause verführen. Und nie mehr werde ich über unserem Dorf an 
dem herrlichen Waldrand sitzen, meinem liebsten Malplatz: ein 
Fremder hat Wald und Wiese gekauft und mit Draht eingezäunt, 
und wo die paar schönen Eschen standen, wird jetzt seine Garage 
gebaut. 

Dagegen grünen die Grasstreifen unter den Reben in der alten 
Frische, und unter den welken Blättern hervor rascheln wie immer 
die goldglänzenden Eidechsen, der Wald ist blau und rot von Im- 
mergrün und Lungenkraut, mit weissen Anemoneninseln, und 
durch den noch halb kahlen Wald schimmert blau und sanft der 
See herauf. Ich habe ausgepackt, ich habe die Dorfneuigkeiten er- 
zählt bekommen, habe der Witwe des verstorbenen Cesco kondo- 
liert und der Ninetta zu ihrer kleinen, schwarzäugigen bambina 
Glück gewünscht, habe mit der den Winter hindurch liegengeblie- 
benen Post an zwei kühlen Abenden den Kamin lodern lassen und 
habe sorgfältig meine Sachen zum Malen hervorgesucht und bereit 
gemacht: den Rucksack, das Stühlchen, das hübsche körnige Aqua- 
rellpapier, die Bleistifte, die Farben. Das ist immer das Hübscheste 
bei dieser Arbeit: all die kleinen Vertiefungen meiner Palette mit 
den frischen, froh leuchtenden Farben anzufüllen, dem beglücken- 



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den Kobaltblau, dem satten Ultramarin, dem prächtigen Krapp- 
lack, dem lachenden Z'nnober, dem fetten Orange, dem sanften, 
zarten Citrongelb, dem durchsichtigen Gummigutt. Das wäre nun 
getan. Aber mit dem Wiederbeginnen des Malens ist es so eine 
Sache; ich schiebe ihn gern noch hinaus, bis morgen, bis über- 
morgen, bis zur nächsten Woche. Wenn man nach Monaten zum 
erstenmal wieder im Grünen sitzt und seinen Pinsel ins Wasser 
taucht, dann sitzt man mit dem entwöhnten Auge und der unge- 
übten Hand recht hilflos und traurig da, und Gras und Stein, Him- 
mel und Ferne sind schöner als sie jemals waren, und unmöglicher 
und gewagter als je scheint es, sie malen zu wollen. Nein, ich 
warte damit noch ein wenig. 

Immerhin, ein Frühling und em Sommer liegen vor uns, noch 
einmal hoffen wir es ein paar Monate lang gut zu haben, lange 
Tage im Freien zu leben, die Ischias ein wenig los zu werden, mit 
unseren Farben zu spielen und das Leben etwas fröhlicher und 
unschuldiger zu bestehen, als es im Winter und in den Städten 
möglich ist. Schnell laufen die Jahre weg — die barfüssigen Kin- 
der, die ich vor Jahren bei meinem Einzug in dies Dorf zur Schule 
laufen sah, sind schon verheiratet oder sitzen in Lugano oder Mai- 
land an Schreibmaschinen oder hinter Ladentischen, und von den 
Alten von damals, den Dorfgreisen, sind seither die meisten ge- 
storben. 

Da fällt mir die Nina ein — . Ob sie noch am Leben ist? Lieber 
Gott, dass ich erst jetzt an sie denke ! Die Nina ist eine Freundin 
von mir, eine der wenigen guten Freundinnen, die ich in der 
Gegend habe. Sie ist 75 Jahre alt und wohnt in einem der letzten 
kleinen, alten Dörfchen der Gegend, an welche die neue Zeit noch 
nicht die Hand angelegt hat. Der Weg zu ihr ist ein wenig weit 
und beschwerlich; man muss ein paar hundert Meter in der Sonne 
steigen. Aber ich mache mich sofort auf den Weg, stecke ein Brot 
und eine Zitrone ein und laufe erst durch die Weinberge und den 
Wald hinab, dann quer durchs grüne, schmale Tal, dann steil 
jenseits bergauf über die Hänge, die im Sommer voll von Zyklamen 
und im Winter voll von Christrosen stehen. Jetzt herrschen hier 
die Anemonen, und zwischen langem, welkem Wintergras die 
rosigen Wicken, auch smd schon die ersten Ginsterblüten da, und 
zwischen den erst zaghaft knospenden Kastanien stehen die wilden 
Kirschbäume hell in Blüte. 

Das erste Kind im Dörfchen frage ich, was denn die Nina 
mache. O, die sei noch immer da, wird m'r erzählt, und sitze am 
Abend noch immer auf der Kirchenmauer und schnupfe Tabak. 
Zufrieden gehe ich weiter: sie ist also noch am Leben, ich habe 
sie noch nicht verloren, sie wird mich lieb empfangen und wird 
zwar viel brummen und klagen und schelten, mir aber doch wie- 
der das aufrechte Beispiel eines einsamen alten Menschen geben, 
der sein Alter und seine Einsamkeit und seine Armut und seine 
Gicht zäh und nicht ohne Spass erträgt und vor der Welt keine 
Faxen und Verbeugungen macht, sondern auf sie spuckt und ge- 
sonnen ist, bis zur letzten Stunde weder Arzt noch Priester zu be- 
mühen. 

Von der blendenden Strasse trat ich, an der winzigen Kapelle 



vorbei, in den Schatten dieses uralten finsteren Gemäuers, das 
da verwinkelt und trotzig auf dem Fels des Bergrückens steht und 
keine Zeit kennt, kein anderes Heute als die ewig wiederkehrende 
Sonne, keinen Wechsel als den der Jahreszeiten, Jahrzehnt um 
Jahrzehnt, Jahrhundert um Jahrhundert. Irgend einmal werden 
auch diese alten Mauern fallen, werden diese schönen, finsteren, 
unhygienischen Winkel umgebaut, über den Gebeinen der alten 
Nina wird ein Hotel mit französischer Speisekarte stehen oder ein 
Herr aus Berlin seine Sommervilla haben. Nun, heute stehen sie 
noch, und ich steige über die hohe Steinschwelle und die ge- 
krümmte steinerne Treppe hinauf in die Küche meiner Freundin 
Nina. Da riecht es wie immer nach Stein und Kühle und Russ und 
Kaffee und nach dem Rauch von grünem Holz, und auf dem Stein- 
boden vor dem riesigen Kamin sitzt auf ihrem niederen Schemel 
die alte Nina, und hat im Kamin ein Feuerchen brennen, von des- 
sen Rauch ihre Augen etwas tränen, und stopft mit ihren braunen, 
gichtgekrümmten Fingern die Holzreste ins Feuer zurück und 
starrt auf den an der Kette hängenden Kessel mit Wasser, ob es 
schon siede. 

«Hallo, Nina, Grüss Gott, kennt Ihr mich noch?» 

«O, Signor Hesse, Signor poeta, lieber Freund, sind Sie endlich 
wieder im Land?» 

Sie erhebt sich, obwohl ich es nicht dulden will, sie steht auf 
und braucht lange dazu, es geht mühsam mit den steifen schmer- 
zenden Gliedern. In der linken Hand hat sie die hörnerne Tabaks- 
dose zittern, um Brust und Rücken das schwarze wollene Tuch ge- 
bunden. Aus dem alten schönen Raubvogelgesicht blicken traurig- 
spöttisch die scharfen, gescheiten Augen. Spöttisch und kamerad- 
schaftlich blickt sie mich an, sie kennt mich lang, sie weiss, dass 
ich zwar ein «Herr» und ein Künstler bin, dass aber doch nicht 
viel mit mir los ist, dass ich allein da im Tessin, oder wo immer, 
herumlaufe und das Glück ebensowenig angetroffen und einge- 
fangen habe wie sie selber, obwohl ohne Zweifel wir beide ziem- 
lich scharf darauf aus waren. Schade, Kamerad Nina, dass du vier- 
zig Jahre zu früh geboren bist! Schade! Zwar scheinst du dummen, 
jungen Augen gewiss nicht schön, du scheinst ihnen eher eine alte 
Hexe zu se^n, mit etwas entzündeten Augen, mit etwas gekrümm- 
ten Gliedern, mit dreckigen Fingern und mit Schnupftabak an der 
Nase. Aber was für eine Nase in dem faltigen Adlergesicht! Was 
für eine Haltung, wenn sie sich erst aufgerichtet hat und in ihrer 
stattlichen Grösse aufrecht steht! Und wie klug, wie stolz, wie ver- 
achtend und doch nicht böse ist der Blick deiner schön geschnit- 
tenen, freien, unerschrockenen Augen! Was musst du, greise Nina, 
für ein stolzes, schönes Mädchen, was für eine schöne, kühne, 
schwer bezwingbare Frau gewesen sein! Ich gäbe zehn von den 
hübschen Allerweltsdamen dafür, die drunten in Lugano in den 
straffen Seidenstrümpfen Tango tanzen; obwohl ich eigentlich 
auch gegen sie, die Tangodamen. gar n'chts habe. 

Nina erinnert mich an den vergangenen Sommer, an meine 
Freunde, an meine Schwester, an meine Geliebte, die sie alle 
kennt, späht dazwischen zuweilen scharf nach dem Kessel, sieht 
das Wasser sieden, schüttet gemahlenen Kaffee aus der Lade 



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Zum 75. Geburtstag 



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Zum j5, Geburtstag von 
Hermann Hesse 






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Im Schloß Bremgarten 

(August 1944) 

Wer hat einst die alten Kastanien gepflan:{t^ 
Wer aus dem steinernen Brunnen getrunken^ 
Wer im geschmückten Saale getankt ? 
Sie sind dahin^ vergessen^ versunken. 

Heut sind es wir, die der Tag bescheint 
Und denen die liehen Vögel singen: 
Wir sif^en um Tafel und Kernen vereint, 
Trankopfer dem ewigen Heute lu bringen. 

Und wenn wir dahin und vergessen sind, 
Wird immer noch in den hohen Bäumen 
Die Amsel singen und singen der Wind. 
Und drunten der Fluß an den Felsen schäumen. 

Und in der Halle heim Abendschrei 
Der Pfauen sitien andere Leute. 
Sie plaudern, sie rühmen wie schön es sei. 
Bewimpelte Schiffe fahren vorbei. 
Und es lacht das ewige Heute. 






Der späte Hermann Hesse 

Otto Basler 



Letztes Jahr erschienen von Hesse zwei 
Bücher, die schon ihrer Titel wegen einige 
Aufmerksamkeit erregten : «Briefe» und «Späte 
Prosa». Es handelte sich um zwei kurz aufein- 
ander folgende Publikationen, die sich trotz 
der Verschiedenheit ihrer Struktur innerlich 
wundervoll ergänzten, was die Gleichzeitig- 
keit ihrer Veröffentlichung nicht nur recht- 
fertigte, sondern sogar forderte. Etwas wie ein 
Nachlaß zu Lebzeiten schien, den Titeln nach 
zu schließen, vorzuliegen und war es auch, bei 
näherem Zusehen, in manchem Bezüge tat- 
sächlich. Die «Briefe», mit ganz wenigen Aus- 
nahmen auf äußern Anruf hin geschrieben, 
deuteten einen Abschluß an. Doch war es 
kein gewöhnlicher Abschluß, wie er meistens 



Briefen eigen ist. Es war mehr. Die «Briefe» 
umfassen beinah ein volles Vierteljahrhundert, 
jene Epoche in ihrer Gesamtheit, während 
welcher die Welt wie kaum je zuvor dem Ver- 
derben nahe war. Im ersten Brief fällt gleich 
zu Anfang das Wort «Steppenwolf» — dieses 
Steppen wölfische in seiner Hypertrophie, Rein- 
und Massenzucht kam dann tatsäclilich wie 
eine Epidemie über einen großen Teil der 
Menschheit — und im letzten Brief des kost- 
baren Buches steht zu allerletzt: «Du hast 
etwas tief Christliches und zugleich etwas 
Östlich-Stilles in Dir, einen Hauch von Tao, 
eine verborgene Verbindung mit dem Innern, 
dem Herzen der Welt. An diesem Geheimnis 
werde ich noch oft herumsinnen». Im ersten 
Brief fällt das Stichwort, nur das Stichwort für 
das was kommen wird, und im letzten Brief 
ist angedeutet, was jetzt kommen muß. Ein 
ganzes Zeitalter in seiner Geistesgeschicht- 
lichkeit, menschlichen Not und Hoffnung ist 
in diesen Briefen eingeschlossen, ein Reich- 
tum an tröstender, mahnender, hilfeleistender 
Aussage. Jeder Abschied bedeutet, da es 
kein Ende gibt, Fortschreiten und Neubegin- 
nen. «Wohlan denn, Herz, nimm Abschied 



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und gesunde!» heißt es in «Stufen», diesem 
schönen, tiefsinnigen Gedicht. «An diesem 
Geheimnis werde ich noch oft herumsinnen», 
das ist späte Verheißung. Ein Geheimnis ist 
besinnenswert, das Geheimnis um eine außer- 
gewöhnliche menschliche Erscheinung. 

Daß es in dieser unruhvollen, merkantilischen 
Zeit den Menschen gibt, der nicht «aufregend» 
wirkt und von dem «dennoch Ruhe» ausgeht, 
ist ein besinnenswertes, Möglichkeiten er- 
schließendes Phänomen. Hier ahnt der Dich- 
ter einen neuen Problemkreis seiner warten, 
einen anthropologischen vielleicht ebenso 
sehr wie einen mythologisch-psychologischen 
und dichterischen. Es geht um nichts Geringe- 
res als um die Erhaltung und Errettung des 
Menschenbildes. Der genannte Briefschluß, 
so unauffällig er sich gibt, scheint mir in dem 
aufgeführten Zusammenhang gerade für den 
heutigen festlichen Tag besonders wichtig 
und aufschlußreich: Der 75jährige Hermann 
Hesse, dem Abschiednehmen und Gesunden 
altvertraut sind, besinnt das mögliche Men- 
schenbild der Zukunft. So wie keine seiner 
Gestalten, am wenigsten die allerkostbarste, 
der Josef Knecht, «erfunden» ist, sondern 



jede innern und äußern Wirklichkeiten ent- 
springt, darin ihr Dasein hat und in ihrem 
Streben ihrer Zeit um einen Schritt voraus ist, 
so formt sich auch Hesses neues Menschenbild 
aus dieser Zeit, ihren Erlebbarkeiten und ihrer 
Not heraus. Für ihn gibt es kein Stillestehen, 
alles ist im Fluß und ewigem Wandel begriffen. 
So war der damals kühn konzipierte «Demian» 
auf die Stunde das richtige Buch, wie später 
der «Siddhartha», der «Steppenwolf», «Die 
Morgenlandfahrt», «Das Glasperlenspiel». Im- 
mer tauchen neue Spannungen, neue Polari- 
täten auf, wollen in ihrem geheimen Einheits- 
streben erkannt und in die ihnen gemäße Form 
gebracht sein. Unter der Zerrissenheit lauert 
das Chaos. Hesse hat früh und leidvoll in sich 
selber und in der Welt erfahren, daß es nur 
durch die Form zu bannen ist. Sein Anliegen 
wird auch in der Zukunft in unermüdlichem 
Dabeisein darin bestehen, der Zeitunruhe mit 
geistigen Maßen zu begegnen und mit ihrer 
Hilfe den neuen Ruhepunkt zu bestimmen. 
Über «Späte Prosa» liegen Reif und Reife 
des Alters. Es stellt Hesses bisher letzte Prosa- 
veröffentlichung dar. «Jede Blüte will zur 
Frucht, jeder Morgen Abend werden» lautet 



10 






































<• 







Hermann Hesse acquarellierend in einem 
Tessiner Wald. (Hesse Photograph SWB Bern) 



der erste Vers des schönen Trostgedichtes 
«Welkes Blatt». «Frucht» und «Abend» deuten 
Ende von Blüte und Tag an. Auch hier wird 
Abschied genommen, aber wiederum kein 
endgültiger; «Laß vom Winde, der dich 
bricht, dich nach Hause wehen», heißt es zum 
Schluß. Bindungen lösen sich, und die Teile 
streben unruhvoll neuer Bindung zu. Das 
Zuhause ist schon neuer Anfang. «Späte 
Prosa» ist ein solches spätes Zuhause, samt 
Ende und Wiederanfang. In den «Brie- 
fen» sind es die Stimmen von außen, die mit 
Fragen, Ruf und Anklage an den Dichter ge- 
langen. Es ist die äußere Welt im Ganzen, die 
Welt des Tuns und der Geschäftigkeit, die 
auf ihn eindringt, und deren Tausendstim- 
migkeit er sich als Einzelner und Einsamer 
entgegenstellt. So hat sich unweigerlich etwas 
wie eine Front gebildet, eine undichte zwar 
und nicht ohne Transparenz, aber doch zwei 
Welten mit verschiedener Gesetzgebung von- 
einander trennend. Wie es um Welt und Ein- 
samkeit des alten Dichters bestellt ist, erfahren 
wir in «Späte Prosa»: «Wir Einzelgänger und 
Nichtkonvertiten haben an unserer Verein- 
samung nicht nur einen Fluch, eine Strafe zu 



13 



I 



tragen, sondern haben in ihr und trotz allem 
eine Art von Lebensmöglichkeit, und das 
heißt für den Künstler Schaffensmöglichkeit». 
«... diese Einsamkeit, dies Herausgefallen- 
sein aus den Ordnungen und Gemeinschaften 
und dies Sichnichtanpassen wollen oder -kön- 
nen an eine vereinfachte Daseinsform und 
Lebenstechnik bedeutet darum noch lange 
nicht Hölle und Verzweiflung. Meine Ein- 
samkeit ist weder enge noch ist sie leer. . . 
Sie ist voll von Bildern. Sie ist eine Schatz- 
kammer von angeeigneten Gütern, ichgewor- 
dener Vergangenheit, assimilierter Natur. Und 
wenn der Trieb zum Arbeiten und Spielen 
noch immer ein wenig Kraft in mir hat, so ist 
es dieser Bilder wegen.» Und ein weiteres 
kommt hinzu: es ist die vielgeübte Hinnei- 
gung zur Traumwelt, das Hinhorchen zu 
jenen Stimmen, die zwar nicht das Ganze und 
Wirkliche allein, aber ein Teil davon und 
nicht der unwesentlichste, ein Ruf zu ihnen 
sind: «... je und je müssen und wollen wir 
uns über diesen holden Abgrund beugen und 
ein wenig in seine Geheimnisse staunen, in 
seinen zerstückten Bilderfolgen Hinweise auf 
das Ganze und Wirkliche entdecken und uns 



14 



beschenken lassen von den oft unsäglichen 
Schönheiten seiner Phantome». 

So eröffnet uns das Bild des späten Hesse — 
sofern sich über seine enorme Künstlerschaft, 
sein komplexes Wesen und seine differenzierte 
Geistigkeit in der fragwürdigen Form eines 
Schemas überhaupt etwas Gültiges aussagen läßt 
— dreierlei Aspekte: den des militanten Kämp- 
fers und Wirkers, des aktiven Teilnehmers 
am Zeitgeschehen, des mutigen Werters und 
Anklägers, wie er sich in den Briefen offen- 
bart; den des Eremiten, des einsamen Künst- 
lers, der bei aller selbstempfundenen Frag- 
würdigkeit des üblichen Erzählens aus der 
eigenen Vergangenheit Gegenwart und Wirk- 
lichkeit belebende, zaubervolle Bilder hebt; 
und endlich den des tiefen Träumers, des 
Frommen und meditierenden Asketen, des dem 
Innern hingegebenen Weisen. Es ist eine 
Dreiheit, die in der Einheit ihre Wurzeln hat. 
Sie zeichnete sich schon immer ab, doch waren 
ihre Grenzen fließend und elastisch und gaben 
Ausbruchsversuchen und entwicklungsbeding- 
tem Widerstreben nach. Aber seit dem «Glas- 
perlenspiel», diesem großartigen, im Symbo- 
lisch-Mythischen wurzelnden Läuterungsver- 



i5 



such, aus dem der menschliche Mensch, der 
Homo humanus, Josef Knecht sich heraus- 
kristallisiert, begannen die Konturen fest zu 
werden. Es war hier eine einsame Gipfelhöhe 
erreicht, von der es keine Rückkehr, sondern 
nur mehr den geweiteten Blick in die Ferne 
gab und das Bedenken, was fernerhin noch 
lebens- und kunstgerecht, daseins- und men- 
schennotwendig sei. Wir haben gesehen: das 
Bemühen ließ nicht nach, «Briefe» und «Späte 
Prosa» sind Zeugnisse eines unentwegten 
Vorwärtsschreitens. Dem Ruf des Außen in 
den Briefen steht der des eigenen Innen ge- 
genüber, dem von außen geäußerten Bedürfnis 
nach Sicht und Klarheit das eigene innere. Der 
Ruf nach Beseelung zaubert aus eigenen 
Tiefen das Glückserlebnis hervor; und der 
Bogen vom j ugendlichen außenstehenden Brief- 
schreiber zum alten angesprochenen, aufge- 
rufenen Dichter wird zum Verbindungsmittel 
zwischen eigener Jugend und eigenem Alter; 
und der wirkliche Dialog, das Zwiegespräch 
zwischen Welt und Ich wird zum imaginären, 
magischen. Wie im Spätwerk des Glasperlen- 
spiels die Menschheitskulturen konsultiert 
und zu differenziert-mys tischen und mythi- 



i6 



sehen Spielen herangezogen, geprüft und kon- 
frontiert werden, so wird in der noch späteren 
Prosa das eigene Innere zu kontrapunktischer 
Eröffnung der mythisch-fernen eigenen Ver- 
gangenheit zu «Arbeit und Spiel» beschworen; 
denn «jener Trieb zu Arbeit und Spiel besteht 
ungebrochen fort». Wer weiß darüber Be- 
scheid, ob die Länge des Weges, den Josef 
Knecht vom «Regenmacher» über Zeiten 
und Kulturen bis zum kastalischen Magister 
Ludi und Erzieher zu machen hat, so sehr 
von der verschieden ist, die jenem Kinde zu- 
rückzulegen aufgegeben war, das den «Bett- 
ler» erlebte.'^ Im geistigen und seelischen Be- 
zirke unterscheiden sie sich weder zeitlich 
noch räumlich. Aus der geisterhaften Wechsel- 
beziehung zwischen fern und nah, jung und 
alt wird die neue, späte Wirklichkeit des Alt- 
und Weiseseins, das neue Werk und die neue 
Form. Wie jedes Werden und jede Wandlung 
schmerzhaft ist, so vollzieht sich auch der 
späte Übergang nicht ohne schmerzende, ge- 
fährliche und selbstgefährdende Anfechtungen. 
Immer sind es Mensch und Dichter zutiefst 
aufwühlende Dinge und Vorgänge, die zu 
Konfrontation und Wiederbegegnung zwin- 



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gen oder verlocken; unveräußerliche Ele- 
mente und Wahrheiten formen sich zum Bilde, 
das keine ungelösten Reste unter sich verträgt. 
Die Heiterkeiten wie die Dunkelheiten und 
quälenden Dämonien verlangen ihr Recht 
und wollen mitgehoben sein: «So muß auch 
ich mich bemühen, so viel Wahrheit einzu- 
fangen, als irgend möglich ist». Aus der Viel- 
fältigkeit der frühen Bilder wird die Synthese, 
das Altersbild : «... denn der ,Sinn' ist ja 
eben jene Einheit des Vielfältigen, oder doch 
jene Fähigkeit des Geistes, den Wirrwarr als 
Einheit und Harmonie zu ahnen». Etwas 
«Urhaftes und Mythisches» ist in diesen Bil- 
dern und Erlebnissen frühesten Glücksemp- 
findens und kreatürlichen Ausgesetztseins 
enthalten. Wahrheit bedingt Nachdenken. So 
vermögen die holden wie bedrückenden Bil- 
der und fernen Vorgänge nicht mehr in ju- 
gendlicher Unbefangenheit heraufzusteigen. 
Der Geist greift aktiv in den Beschwörungs- 
vorgang ein; er macht ihn zu einem Destilla- 
tionsprozeß, analysiert ihn und seine Umstände 
und prüft, was er zutage fördert, eingehend 
auf Gehalt und Form. Doch ist die Magie des 
Erlebnisses nicht gestört oder vom Bewußt- 



i8 



sein verfälscht. Das Erlebnis wird auf jene 
neue Ebene gehoben, wo Bild und Reflexion, 
Form und Substanz zur Einheit werden. Die 
Erzählung in ihrem reifen, köstlichen Alters- 
stadium hat zugunsten geistiger Potenzen 
vielleicht ein Zuviel an Naivität verloren. So 
kommen erstaunliche dichterische Gebilde 
zustande, in denen die persönlichen Einsich- 
ten in Ding und Erlebnis das Absolute treffen 
und in einer Sprache Ausdruck finden, die nur 
noch Dienst bedeutet und mit Bild und Ge- 
danken eins wird. Über dem Glanz der späten 
Erkenntnisse und den Würdigungen früheren 
Seins waltet der «unerklärliche Trieb zu ein- 
samer Arbeit, einsamem Spiel», zu vollkom- 
mener Schau, Sichtung, beseelter und durch- 
geistigter Darstellung des Erlebten. 

Wer wie Hermann Hesse die Fähigkeit 
besitzt, über Jahre und Jahrzehnte hinweg 
das Erlebnis bis in die geheimnisvollen Ver- 
wurzelungen und Verschwiegenheiten nach- 
zuleben, und über die Kunst verfügt, es pro- 
duktiv in den Lebensorganismus einzubauen, 
der hat vielgestaltige Möglichkeiten, das Da- 
sein zu verstehen und damit sinnvoll zu be- 
stehen. Er ist begnadet, auf rätselhaften Anruf 



19 



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hin ins «Offene» zu schauen und «etwas vom 
Glanz und Klang, etwas vom Licht der zeit- 
losen Freude» in seinem Leben leuchten und 
erklingen zu lassen. Und der Leser hat Anteil 
an diesem schönen späten «Spiel»; es ist ihm 
Hilfeleistung, Genuß und Stärkung. Denn 
dieses Spiel bemüht sich um die reinsten 
menschlichen Glückseligkeiten. 



20 



Hermann Hesse, 
der Musiker des Wortes 



Otto Zinniker 



Die Schweiz schätzt sich glücklich, Her- 
mann Hesse, den Nobelpreisträger für Litera- 
tur, seit Jahrzehnten in ihrer tessinischen Son- 
nenstube zu beherbergen. Die frühen Werke 
dieses Dichters waren unsere Jugendgefährten. 
Wir versenkten uns in die Romane «Peter 
Camenzind», «Unterm Rad», «Gertrud», 
«Roßhalde», in die Erzählungen «Diesseits», 
«Nachbarn», «Umwege» und in seine Gedicht- 
bändchen wie in erquickendes strömendes 
Wasser. Wir lauschten dem neuen Ton, der 
aus diesen Büchern berauschend aufklang, so 
offen und hingegeben, daß er noch heute in 
uns fortklingt. Es war ein Ton, weich und 
warm wie der Strich über ein Cello, der in die 
Weltliteratur einging und dort immer wieder 



21 



Auferstehung feiern wird. Aber es war nicht 
nur diese Kammermusik der Sprache, es waren 
auch die Gestalten, die wir mit ihren Freuden 
und Schmerzen, ihrem Wünschen und Sehnen, 
ihrem Denken und Empfinden als Menschen 
der großen Wende erkannten. Dann kamen 
die Bücher «Klingsors letzter Sommer», «Sid- 
dhartha», «Knulp», «Klein und Wagner» und 
immer wieder Gedichte. Auch sie taten es uns 
an, weil sie einen so beglückenden Zauber 
ausübten. 

Es sind die Außenseiter des Lebens, die 
durch das Werk Hermann Hesses schreiten, 
immer unterwegs bleiben und nie an ein Ziel 
gelangen. Hundertfältig sind die Klagen des 
Dichters über den Niedergang der Kultur und 
Menschenwürde, über die Verkümmerung und 
Verkrümmung der europäischen Seele. Diese 
Klagen sind nicht a > Zorn und wehleidiger 
Stimmung geboren, sondern wohl bedacht 
und begründet. Unser Schicksal ist ein 
anderes geworden als in den Tagen Goethes. 
Die Einheit, die Harmonie und Ruhe des 
Daseins sind in die Brüche gegangen. Der 
moderne Mensch hat sich mit seiner Wissen- 
schaftlichkeii, Zweckmäßigkeit und Sysrema- 



22 



tik, seiner Vermassung und Einebnung des 
Geistes in eine Sackgasse verirrt, aus der er 
kaum mehr herauskommt. Es ist schwierig, ja 
es ist geradezu eine Kunst geworden, ein men- 
schenwürdiges Leben zu führen. «Ich wollte 
ja nur das zu leben versuchen, was von selber 
aus mir herauswollte. Warum ist das so sehr 
seh wer .^) fragt eine Gestalt Hermann Hesses. 
Wir begegnen den Trägern solchen Fühlens 
und Denkens in den verschiedensten Ver- 
wandlungen und Maskierungen: vom sehn- 
süchtigen Pennbruder und Vaganten in den 
frühen Gedichten bis zum seismographisch 
auf die Geschehnisse der Außenwelt reagieren- 
den Kurgast und abenteuernden Steppenwolf 
in den späteren Prosabüchern. Immer ist es 
der Danebenstehende, der Einsame, der Wan- 
derer. Die reinste Gestaltung des ziellosen 
Wanderns findet sich in der indischen Dich- 
tung «Siddhartha», wo der Mönch Gowinda 
bekennt: «Nirgendhin gehe ich, immer sind 
wir Mönche unterwegs, solange nicht Regen- 
zeit ist, immer ziehen wir von Ort zu Ort, 
leben nach der Regel, verkündigen die Lehre, 
nehmen Almosen, ziehen weiter. Immer ist es 
so. Du aber, Siddhartha, wo gehst du hin.'*» 



-2J 



sprach Siddhartha; «Auch mit mir steht es so, 
Freund, wie mit dir. Ich gehe nirgendhin. Ich 
bin nur unterwegs. Ich pilgere.» 

Wie seine Helden, so ist auch der Dichter 
selber immer unterwegs, unterwegs zu seinem 
eigenen Innern, zum Kern seines Wesens, zur 
Wahrheit, zur Schönheit. Seine Bücher sind 
Schritte und Stufen einer einzigen Wan- 
derung. Je mehr dieser Weg, der Arbeit, 
Verzicht und Mühe ist, zu seinem Anfang, 
zur Mutter Natur zurückfindet, um so feiner 
und natürlicher wird auch Hesses Sprache. 
In «Siddhartha» und im «Steppenwolf», vor 
allem aber im «Glasperlenspiel», Hesses letztem 
großen Werk, erreicht sie eine Subtilität, die 
kaum überboten werden kann. Die von zar- 
tester Musik durchströmte Ausdrucksweise 
zieht uns immer wieder in ihren Bann und ruft 
uns immer wieder zur Bewunderung auf. Sie 
ist in ihrem feinen Gefälle selber ein Stück 
Natur, wie bei Goethe und Keller, sie schlüpft 
in die Dinge hinein und sagt alles so aus, wie 
es ist. Sie kommt auf uns zu und richtet uns 
auf. Dann vergessen wir, was uns eben noch 
quälte und Sorgen machte; dann werden der 
Vagabund und der Steppenwolf, der indische 



24 




Im Atelier des Dichters. Der Schreibtisch begleitete ihn durch sein 

ganzes Leben und durch manche Häuser seit Gaienhofen 

(Hesse Photograph SWB Bern) 



Asket und der Glasperlenspieler Ludi Josef 
Knecht Menschen von unserem Fleisch und 
Blut. 

Eine junge Generation empfing in den Jah- 
ren nach dem Ersten Weltkrieg den Roman 
«Demian» gerade in dem Augenblick, als sie 
gegen Überlieferung, Moral und Schule mäch- 
tig zu rebellieren begann. Als Verfasser des 
aufrüttelnden Buches zeichnete Emil Sinclair, 
aber das Geheimnis wurde bald gelüftet, daß 
hinter diesem Decknamen kein anderer als 
Hermann Hesse stand. Das Buch hieß den 
Barrikadensturm gegen die alten, durch den 
Krieg entwerteten Anschauungen in jedem 
Sinne gut und pries die Befreiung von dem, 
was den Vätern eben noch als heilig gegolten 
hatte. Hesse war auf einmal wieder, wie schon 
einmal im «Peter Camenzind», der Wort- 
führer und Dichter der Jungen geworden. 
Er lehrt die Menschen, nur das zu leben, was 
von selber aus ihnen heraus will, und aner- 
kennt die eigene Natur und Richtung als 
oberstes Gesetz. 

Auch andere Dichter der Gegenwart neh- 
men den Geist gegen den Ungeist, die Kultur 
gegen die Technik in Schutz, keiner aber tut 



-27 



dies so entschieden und mit so starker Sprach- 
kunst wie Hermann Hesse. Keiner verteidigt 
wie er den Ungeselligen und Heimatlosen, 
dem es in die Augen regnet, so brüderlich 
gegen die Masse. Hesse ist verliebt in diese 
Welt, wie verstört und verdorben sie ihm 
auch erscheinen mag; denn aus der Fülle 
ihrer Erscheinungen formt er Bilder von oft 
überirdischer Schönheit. Man denke nur an 
die wundersam hingehauchten Verse «Blauer 
Schmetterling» aus dem Jahre 1930: 

«Flügelt ein kleiner blauer 
Falter vom Wind geweht, 
Ein perlmutterner Schauer, 
Glitzert, flimmert, vergeht. 

So mit Augenblicksblinken, 
So im Vorübergehn 
Sah ich das Glück mir winken. 
Glitzern, flimmern, vergehn». 

Ein ausgesprochenes musikalisches Gestal- 
tungsgefühl gibt ihm die rechten Mittel in die 
Hand, durch die Klangform von Vers und 



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Prosa erlebbar zu machen, was ihn beseelt 
und bewegt. Seine Sprachmusik wird von 
einem Schwung getragen, der ans Wunder- 
bare grenzt. Das Werk Hermann Hesses, das 
alle menschlichen Tiefen auslotet und alle 
Herztöne kennt, legt eine solide Grundlage für 
die Weiterentwicklung der deutschen Litera- 
tur nach der Katastrophe. Seit Goethes 
«Faust» ist es eine Selbstverständlichkeit, daß 
der Dichter durchaus nicht nur das Sprach- 
rohr der Gesellschaft zu sein hat, sondern 
daß er sich selbst, sein eigenes Erleben gestal- 
ten darf. Hesse hat die Beziehung von Indi- 
viduum und Gesellschaft noch vertieft und 
zu einem tragischen Problem gemacht und dem 
Bild des Dichters, des Künstlers überhaupt in 
der Welt eine neue Farbe aufgetragen. Man 
erstaunt vor dem Bekennermut, mit welchem 
er den Stoff zu seinen Werken ganz in sich 
selber sucht. Von Gedicht zu Gedicht, von 
Erzählung zu Erzählung drückt er aus, was 
ihn erfreut, geschmerzt, beschäftigt hat. Jedes 
einzelne seiner Werke gewährt Einblick in 
einen gewissen Zustand seiner Seele, und als 
Ganzes geben sie eine lückenlose Geschichte 
seines Daseins, eines Daseins, das sich aus 



2S 



29 



den selig-schmerzlichen Gefühlen der Ein- 
samkeit und der Sehnsucht nährt und im Ein- 
klang mit der Natur Erfüllung findet. Es ist 
ein tröstliches, in die Zukunft weisendes Zei- 
chen, daß der Duft und Schmelz, die Stim- 
mung und Musik seiner Bücher auch von un- 
serer Zeit empfunden wird. 

Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 im 
württembergischen Städtchen Calw an der 
Nagold geboren. Vom dritten bis zum neunten 
Lebensjahr verbrachte er seine Kindheit in 
Basel, wo er die für die Kinder der Missionare 
errichtete Knabenschule besuchte. Da dem 
Dichter die Theologen lauf bahn bestimmt war, 
trat er 1891 ins Kloster Maulbronn ein, aus 
dem er 1892 flüchtete. Während anderthalb 
Jahren lernte er hierauf in Calw das Schleifen 
von Rädchen für Turmuhren. Dann bildete 
er sich in Tübingen zum Buchhändler aus und 
betrieb in seiner Freizeit Goethestudien. Mit 
zweiundzwanzig Jahren kam er 1899 als an- 
gehender Dichter neuerdings nach Basel, wo 
seine ersten Bücher erschienen. Von 1904 bis 
191 1 lebte er in Gaienhofen am Bodensee, 
wo er sich mit dem schwäbischen Landarzt 
Ludwig Finckh befreundete. 191 1 begab sich 



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Hesse auf eine Reise nach Indien und ließ sich 
nach der Rückkehr 191 2 am Melchenbühlweg 
in Bern im Haus des Malers Albert Welti 
nieder. Seit dem Abschluß des Ersten Welt- 
krieges lebt er in Montagnola bei Lugano. Im 
Jahre 1946 wurde er mit dem Nobelpreis für 
Literatur ausgezeichnet. 



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Erschienen im «Kleinen Bund», Nr. 296 
27. Juni 1952 



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NEUE ZÜRCHER "ztiTUNG 



Fernauscjahe Nr. 107 

Montaa. 19. April 1948 Blatt 4 





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% Das gestrichene Wort 



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Von Herrn mm 7/f.s^r 



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Ein wundcrTii-lies Anlicfron hat uns j^ostem, 
meiner Frau und mir, je für eine Stunde Arbeit 
gegeben. Es kam ein Brief aus Amerika, geschrie- 
ben von einem alten Herrn, einem frommen deut- 
schen Juden aus einem jener alten Judenhäuser des 
Rhein- und Mainjiebietes, die bis an die SchweUe 
de« uiifreundlichen Heute zu den ältesten und 
besterhaltencn Kulturherden Deutschlands gehört 
ht]H?n, einer jener alten rheinisch-jüdischen Fami- 
Ueil*' deren eine in Wiliielm Speyers wunders<'höncm 
Boraan „Das Glück der Andernach" ihr Denkmal 
imd ihren würdigen Nachruf gefunden hat. Dieser 
idte Herr in New York, ein Emigrant, ein kulti- 
vierter und frommer Jude, ein Namenloser in jenem 
Heer von Wertvollen, die Deutschland zugunsten 
der Scliicier und Bösewichte von sich gestoßen hat, 
schrieb mir einer Gewissensfrage wegen, die ihm 
Skrupel machte, und die Bitte, die er an mich zu 
richten für seine Pflicht hielt, besteht darin: ich 
mpchte ein einziges Wort in einem meink?r Bücher 
bei künftigen Auflagen weglassen. Er hat vor kur- 
zem der, „Kurgast" gelesen und darin eine Stelle, 
wo ich den Spruch zitiere, „Liebe deinen Nächsten 
wie didi selbst". Der Kurgast nennt diesen Spruch 
.^d^ß weiseste Wort, das je gesprochen wurde", und 
fügt hinzu f „Ein >Vort, das übrigens erstaunlicher- 
weise auch schon im AlteT Testament. öteljt-!^Fii|: 
den Leser und Brief Schreiber in Amerika nui^üf 
d«i' frommen Juden und Bibelleser;, ist das Wort 

der Liebe und der Gnade gebracht habe usw. Als 
ich j*tte Zeile im„Kitrgast" vor 25 Jahren schrieb, 
war ich, mindestens für eben ' j^men Augenblick, 
nicht ein Wissender und Ueberlegener gewesen, 
sotidcm es war mir damals, als ich jenes herrliche 
Wort von der Nächstenliebe zitierte, in der Tat 
\&(Tstaunlich" vorgekommen, daß ein solches Wort, 
das man ruhig die Quintessenz der christlichen 
Lehre ,<Hler do<'h der christlichen Moral nennen 
i«mnt<S' „schon" im Alten Testament stehe. Recht 
hatte er, der liebe besorgte ]\Iann in Amerika. 

Aber wie war das nun? War der „Kurgast"", 
Wd waren alle meine Bücher denn geschrieben, um 
K^ntnisse und o})jektive Wahrheiten im Volk zu 
verbreiten? Gewiß wollten sie, vor allem andern, 
der Wahrheit dienen, aber im- Sinne der Aufrichtig- 
keit, welche sich sorgfältig jedes autoritären Bei- 
klangs l.eim Aussprechen von Gedanken enthalt, 
Viurv-P Aufrichtigkeit, deren Gesetz den Autor zu 
eitler vv-rit^chenden Preisgabe seiner Person und 
nicht selten zu einer Selbstenthüllung zwingt, deren 
Opfer jttOfV niemals ein Leser voll begriffen hat. 
Wollte ich diMn meinen Lesern etwas anderes mit- 
teilen als die Ergebnisse meines eigenen Erlebens 
«nd Denkens, und dazu jeweils eine Strecke des 
"pcraönlichen Weges, auf ^em ich zu diesen Ergeb- 

IgiSSeft gdnngt war? Hatte ich je den Diktator, 
den un&dingt Wissenden, den Priester und Leh- 
rer ges;^elt, der seine Wahrheiten mit der Auto- 

Zweifel aber sorgfältig verschweigt! War nicht 
jdies meine Rolle und Aufgabe gewesen: meinen 
,L«ieni nicht nur meine Gedanken und Ueberzeu- 






„erstaunlicherweiße** nicht anhehmbar, er findet 
mit diesem Wort das Judentum und die THdva 
4)^idi«4.-«nd anf|«tweifelt, und «er bittet mich mit 
ernsten Worten, dies Wort zu streichen. 

Zunächst nun mußte meine Frau, da meine 
Augen es nicht leisten konnten, den ,,Kurg;ast" aijf 
jene Stelle hin durchfliegen, um den Zusammen- 
hang und Wortlaut des Satzes festzustellen. Bann 
las ich die fragliche Seite meines vor 2$ Ji^hren 
geschriebenen Buches sorgfältig nach. Natürlidi 
hatte der Briefschreiber recht, natürlich war es 
ein Irrtum, und war für jüdische Leser beinah 
eine Blasphemie, wenn ein bisher von ihm emst- 
genommener Autor es „erstaunlieh" fand, daß 
ein so edles und erhabenes Wort „sclictti:*^^hrt 
Alten Testament stand, also lang vor Jes^ns und 
der christlichen Lehre geschrieben war. Er hlltt(; 
recht, daran war nicht zu zweifeln: mein Aus- 
druck „erstaunlicherweise" war, ebenso wie das 
Wort „schon" (das mein Briefschreiber aber ni(!ht 
beanstandete) war objektiv unrichtig, er war vor- 
eilig und töricht, er spiegelte etwas von dfr zm-< 
gleich verlegenen und hochmütigen Art wider, mit 
der zur Zeit meiner Kindheit und Erziehung die 
populäre protestantische Theologie uns kleinen 
Protestantenkindern von der Bibel und vom 
Judentum sprach, und welche etwa darauf hin- 
auslief, es sei das Judentum und das Alte Testa- 
ment zwar hochehrwürdig und nicht genug zu 
respektieren, aber es fehlt ihm eben doch das 
Letzte, die Krone, das Alte Testament sei vorwie- 
gend ein Buch des Gesetzes und der Sti*enge, wäh- 
rend erst das Neue den wahren imd vollen Begriff 
gungen mitzuteilen, sondern auch meine Aiv»*5iici:> 
und ihnen nicht einen Autorisierten und Ge- 
weihten vorzusjMelen, sondern nur mich selbst zu 
zeigen, einen' suchenden und irreTH^rti Brtider? 

Ich konnte dem Manne in Amerika dies alles 
nicht erklären. Da er es bei der Lektüre meinei 
Bücher, die er beinah alle kannte, nicht gemerkt 
hatte, würde es mir in einem noch so langen Briefe 
auch nicht gelingen, ihn zu einer anderen Art von 
Lesen und Verst eben zu bekehren. Er verlangte 
von mir, ich solle ein einziges Wort in einem 
Bnciio streichen, und verlangte damit, ich solle. 
im Dienste der Wahrheit, eine Lüge begehen, ich 
solle so tun, als sei ich damals vor 25 Jahren, als 
ich den „Kurgast" schrieb, keines Irrtun,, od^ 
Leichtsinns, keiner Unwissenheit in bezn'^^ÄW 
Bibel und Theologie fähig gewesen, als 14t^B 
nicht damals wie heute noch überall Reste meiner 
flerkunft und Erziehung an mir gehangen#;War 
das ni<-ht doch vielleicht etwas zu viel verlai^t 

Scheinbar war die Sache also sehr einfadi. W^n 
verlaupte etwas von mir, was meinem "^^^^'^^ J^ 
Geschmack, meinen literarischen GewohnhCiJ^, 
11m nicht gleich zu sagen „Grundsätzen , WiW- 
sprach, und darauf gab es ja eigentlich nur eipc 
Antwort, eine Absage. Aber die Dinge sehen un^ 
einfacher aus, als sie sind, und die moralto^ 
nocl, mehr als alle andern. Wäre ich zwanz..r Jfthre 
iünper gewesen! Dann hätte ich nicht meine Fl^fu 
Imt xk-'in ^licJUcn .der JBjidi^cUc belä§tigon, hatte 
mir nicht «o viele Skrupel machen mussere, hatte 
Zeit gefunden, meinem Leser in einem Brief von 
vielen Seiten die Sache zu erklären, hatte mich «i 








SiM«m Brief warm ifMchrleben trnd in di e ffltte r- 
^itgung hinein geschmeichelt^ ju» hube 18R Hf^tf 
i^ftrmor wirk! ich iihorzoiij?t imd beruhigt. Daa 
hVort j.erstamilifhorvvoise" wäre Weiter in moinrni 
, Btich stehen gteblicbcn itnd hätte "tvMtefliln in e^et 
Aufrichtigkeit meine Ahnim^losigkeit und Tor- 
j «it vom Jahr 1923 dokiimentiett. 

Aber nun war ich oben etwas älter und etu'as 
i*edenklicher, wohl auch etwas unsicherer gcMX)r- 
<i6n, und der Mann, der das Wort gestrichen haben 
.s'ollte, war ebenfalls nicht ein junger, durch einen 
jj^uton Brief zu beruhigender und in seinen Üel'(>r- 
xong^ungen wankend zu machender Leser, sondern 
er war ein alter Herr, dessen Brief es weder an 
Bescheidenheit noch an Würde fehlte. Er Mar 
außerdem ein Frommer, ein Liebhaber der Bibel, 
«in Ma&n, der im Alten Testament sehr viel be.s<or 
als icK.,Bfe8chMd w^ßte, und dem ein etwa» ujöc* 
dacht |plctiri#ben6« Wort von mir weh getan ilnd 
Aergerfti» gögdbett hatte. Und noch etf^tA: er ^ 
ritt JvÄii. Et war ein Angehöriger des Volkes, 4«ß 
de* W*!t die Bib(«l und den Heiland gegeben tfid 
dafijr den Haß und die grimmige Feindschaft tei^ 
nahe aller andern Völker geemtet hatte, ein 'SU\m 
aOS >inem uralt-heiligen Volk, das in unserer gdt- 
loi«n Äöit Onausdenkliches 'erdftldet und sich la- 
bei besser bewährt hatte als irgend ein andei^, 
jüngeres Volk in ähnlicher Drangsal: denn ni4it 



nur hatten die Judun (und das gilt auch noch f&r 
heute die Verfolgung dauert ja an) ein Bdspi^i 
ohnegleichen an Solidarität, hriiderlioher Hil^ 
und Opferbereitschaft gejyelx'ii, dcss. a du? \VtȊ* 
noch gar nicht bewußt geworden ist, Rio hatten 
iiberdiöR in unKUhlig^n Fällen einen Heldennrut im 
Ertragen, eine Tapferkeit angesichts des Tode», 
eine Würde im Eler.d und TTnterffang bewiefitti, b«i 
deren Betrachtung wir Nicht Juden uns nun gchil- ! 
men können. 

Und nun sollte ich also diesem wohlmeineildfeft 
und würdigen alten Juden antworten, sollt» ihm 
eine Genugtuung versagen, um die er auf eine edio 
Weise gebeten, sollte seinem Glauben und 4«iner 
überpersönlichen frommen Weisheit mein Recht 
als Bücherschreiber, als Vertreter einer payofaolo- 
fischen Spezialität, mein Pathos als Bekenner ont- 
gegenatcllea und ian, indem ich ihn üuttiUischte 
und abwies, noch bdehrent 

ich brachte daa nicht üb«r mich. Ss hätie dafst 
ein j!^aß an Sichei^eit, an Glauben »n mipi» v^ 
d#tt Sinn und Wen; meiner Arbeit gehört, den iöb 
bent« nicht mehr aufbrächte. Ich schrieb dem 
Leser in New Yorjt einen kurzen Brief, daß ich 
seinen Wunsch erlüllt habe, und schrieb meinem 
Verleger eine Mitteilung, daß bei einem etwaigen 
Neudruck des „Kirga«t"-ftui' Seit^^^p4 das Wort 
„erstaunlicherweiscf* wegzulassen sei. 





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In Abw«s«nh*it Ton M«nlr«cl 
0)Kor§«. d»r sich auf Urlaub b«- 
Madet. bringen wir an«t«ll« »«in«« 
ArliicelB "Zur Lag«" «inan Essay 
dtea Nobelpraiiträgari Harmann 
Mass«. 



Ein wunderlich€ls Anlie^n hat 
un« gestein,:'meirtef Frau und mir, 
je f|ir eine Stunde Arbeit gege- 
ben. Es kam ein Brief aus Ameri- 
ka» geschrieben von einem alten 
Herrn, einem frommen deutschen 
Juden aus einem jener alten Ju- 
denhäuser des Rhein- und Main- 
gebictcs. die bis an die Schwelle 
des unfreundlichen Heute zu den 
ältesten und besterhaltenen Kul- 
turherden Deutschlands gehört 
haben, einer jener alten rheinisch- 
jüdischen Familien, deren eine in 
Wilhelm Speyers wunderschönem 
Roman "Das Glück der Ander- 
nach" ihr Denkmal und ihren 
würdigen Nachruf gefunden hat. 
I Dieser alte Herr in New York, ein 



V^tt HBMMANN HESSf 

Emrrrant, ein^ kultivierter und 
frommer Jude, ein Namenloser in 
jenem Heer von Wertvollen, die 
Deutschland zuguiio^en der Böse- 
wichte und Schreier von sich ge- 
stossen hat, schrieb mir einer Ge- 
wissensfrage wegen, die ihm 
Skrupel machte, und die Bitte, die 
er an mich zu richten für seine 
Pflicht hielt, besteht darin: ich 
möchte ein einziges Wort in einem 
meiner Bücher bei künftigen Auf- 
lagen weglassen. Er hat vor kur- 
zem den "Kurgast" gelesen und 
darin eine Stelle, wo ich den 
Spruch zitiere: "Liebe deinen 
Nächsten wie dich selbst". Der 
Kurgas ". nennt diesen Spruch "das 
weiseste Wort, das je gesprochen 
wurde' , und fügt hinzu: "Ein 
Wort, cas übrigens erstaunlicher- 
weise auch schon im Alten Testa- 
ment sieht.** Für den Leser und 



*-r. * >U ^ ^ - 1» * f=.. ^ 

Briefschreiber in Amerika nun, 
für den frommen Juden und 
Bibelleser, ist das Wort "erstaun- 
licherweise" nicht annehmbar, er 
findet mit diesem Wort das Ju- 
dentum und die Thora beleidigt 
und angezweifelt, und er bittet 
mich mit ernsten Worten, dies 
Wort zu streichen. 

Zunächst nun musste meine 
Frau, da meine Augen es nicht 
leisten konnten, den "Kurgast" auf 
jene Stelle hin durchfliegen, um 
den Zusammenhang und Wortlaut 
des Satzes festzustellen. Dann las 
ich die fragliche Stelle meines vor 
25 Jahren geschriebenen Buches 
sorgfältig nach. Natürlich hatte 
der Briefschreiber recht, natür- 
lich war es ein Irrtum, und war 
für jüdische Leser beinah eine 
Blasphemie, wenn ein bisher von 
ihnen ernst genommener Autor es 



n.<'t8 




•erstaunlich'* fand, dass ein so 
edles und erhabenes Wort "schon" 
irn Alten Testament stand, also 
lang vor Jesus und der christ- 
lichen Lehre geschrieben war. Er 
hatte recht, daran war nicht zu 
zweifeln: mein Ausdruck "er- 
staunlicherweise'" war, ebenso 
uie das Wort "schon" (das 
mein Briefschreiber aber nicht 
beanstandete) objektiv unrichtig, 
er war voreilig und töricht, er 
spiegelte etwa's von der zugleich 
verlegenen und hochmütigen Art 
wider, mit der zur Zeit meiner 
Kindheit und Erziehung die popu- 
läre protestantische Theologie uns 
kleinen Protestantenkindern von 
der Bibel und vom Judentum 
sprach, und welche etwa darauf 
hinauslief, es sei das Judentum 
und das Alte Testament zwar 
hochehrwürdig und nicht genug 
zu respektieren, aber es fehlte ihm 
eben doch das Letzte, die Krone, 
das Alte Testament war vorwie- 
gend ein Buch des Gesetzes und 
öer Strenge, während erst das 
Neue den wahren und vollen Be- 
griff der Liebe und der Gnade ge- 
bracht habe usw. Als ich jene 
Zeile im "Kurgast" vor 25 Jahren 
Ki'hrieb, war ich, mindestens für 
eben jenen Augenblick, nicht ein 
Wissender und Ueberlegender ge- 
"wei^en, sondern es war mir da- 
mals, als ich jenes herrliche Wort 
von der Nächstenliebe zitierte, in 
der Tat "erstaunlich" vorgekom- 
men, dass ein solches Wort, das 
man ruhig die Quintessenz der 
christlichen Lehre nennen konnte, 
"schon" im AltenTestament stehe. 
Kecht hatte er. der liebe besorgte 
Mann in Amerika. 

Aberwie war das nun? War der 
'"Kurgast", und waren alle meine 
Bücher denn geschrieben, um 
Kenntnisse und objektive Wahr- 
heiten im Volk zu verbreiten? 
Gewiss wollten sie, vor allem an- 
dern, der Wahrheit dienen, aber 
im Sinne der Aufrichtigkeit, wel- 
che sich sorgfältig jedes autoritä- 
ren Beiklangs beim Ausprechen 
von Gedanken enthält, einer Auf- 
richtigkeit, deren Gesetz den Au- 
tor zu einer weitgehenden Preis- 
gabe seiner Person und nicht sel- 
ten zu einer Selbstenthüllung 
zwingt, deren Opfer noch niemals 
ein Leser voll begriffen hat. 
Wollte ich denn meinen Lesern 
etwas anderes mitteilen als die 
Ergebnisse meines eigenen Erle- 
bens und Denkens, und dazu je- 
weils eine Strecke des persönli- 
chen Weges, auf dem ich zu diesen 
persönlichen Ergebnissen gelangt 
war?. Hatte ich je den Diktator, 
den unbedingt Wissenden, den 
Priester und Lehrer gespielt, der 
seine Wahrheiten mit der Autori- 
tät eines Amtes verkündigt, seine 
LiJcken und Zweifel aber sorgfäl- 
lig verschweigt? War nicht dies 
meine Rolle upd Aufgabe. gewe-^ 
sen: meinen Lesern nicht nur 
meine Gedanken und Ueberzeu- 
gungen mitzuteilen, sondern auch 
meine Zweifel, und ihnen nicht 
einen Autorisierten und Geweih- 
ten vorzuspielen, sondern nur 
mich selbst zu zeigen, einen su- 
thenden und irrenden Bruder? 

Ich konnte dem Manne in Ame- 
rika dies alles nicht erklären. Da 
er es bei der Lektüre meiner Bü- 
cher, die er beinah alle kannte, 
nicht gemerkt hatte, würde es mir 
jn einem noch so langen Briefe 
auch nicht gelingen, ihn zu einer 
anderen Art von Lesen und Ver- 
stehen zu bekehren. Er verlangte 
von mir, ich solle ein einziges 
Wort in einem Buche streichen, 
und verlangte damit, ich solle, im 
Dienste der Wahrheit, eine Lüge 
begehen, ich solle so tun, als sei 



' ich damals vor 25 Jahren, als ich 
den "Kurgast" schrieb, keines Irr- 
tums oder Leichtsinns, keiner Un- 
wissenheit in Bezug auf Bibel 



des Volkes, das der Welt die BibelBinii unci Wert meiner Arbeit ge- 
und den Heiland gegeben und da-lrört, *Mi ith heote nieht mehr 
für den Hass und die giimmi^gepufbrächte. Ich schrieb dem Leser 
Feindschaft beinahe aller andererjln New York einen kurii^n Brief, 



u^rTheölog" fähig ge^sen, als Völker geerntet hatte ein Manad*^ kh .einen Wun«h ertüllt 



hätten nicht damals wie heute 
noch überall Reste meiner Her- 
kunft und Erziehung an mir ge- 
hangen. War das nicht doch etwas 
zu viel verlangt? 

Scheinbar war die Sache also 
sehr einfach. Man verlangte etwas 



von mir was meinem Wesen und , x • t> • 

^°" " ' ,^ Verfolgung dauert ja an) ein Bei 

Geschmack, meinen literarischen . . ^. ^ , . . ^ ,., ..,. 



aus einem uralt-heiligen Volk^habe, und schrieb meinem Verie- . 
das in unserer gottlosen Zeit Un-ljer eine Mitteilung, <t»ss bei einert \ 
ausdenkliches erduldet und sicli^twmigen Neudruck des "Kurgast" i 
dabei besser bewährt hatte alytuf Seite 154 das Wort "erstaunli. | 
irgend ein anderes, jüngeres VoliÄcherweise" wegzulassen sei. j 

in ähnlicher Drangsal: denn nich'^^ 
nur hatten die Juden (und das 
gilt auch noch für heute, denn die l 




! Gewohnheiten, um nicht gleich zu 
' sagen "Grundsätzen", wider- 
sprach, und darauf gab es ja 
eigentlich nur eine Antwort, eine 
Absage. Aber die Dinge sehen im- 



spiel ohnegleichen an Solidarität 
hrilderUcher Hilfs- und Opferbe- 
reitschaft gegeben, dessen die 
Welt noch gar nicht bewusst ge- 
worden ist, sie hatten überdies in 
nnzähligen Fällen einen Helden- 



mer einfacher aus, als sie ^^^^^ '^j^^^it im Ertragen, eine Tapferkeit 
und die moralischen noch ^^^^^ \a^jgesichts des Todes, eine Würde 
;als alle anderen. Wäre ich zwan-,.^^^ ^^^^^^ ^^^^^ Untergang bewie- 
jzig Jahre jünger gewesen! Danni^^^^^ ^^. ^^^^^ Betrachtung wir 
I hätte ich nicht meine Frau mit ' ,j^j^^.^^^^ ^^^ ^^^ schämen 
jdem Suchen der Buchstelle ^ela- ! ^.^^^^^^ 
stigen hätte mir nicht so viele i 

Skrupel machen müssen, hätte Und nun sollte ich also diesem 
Zeit gefunden, meinem Leser in | wohlmeinenden und würdigen al- 
einem Brief von vielen Seiten dieten Juden antworten, sollte ihm 
Sache zu erklären, hätte mich an 'eine Genugtuung versagen, um 
diesem Brief warm geschrieben ' die er auf eine edle Weise gebe- 
und in/die Ueberzeugung hinein- iten, sollte seinem Glauben und 
geschmeichelt, nun habe ich den seiner überpersönlichen frommen 

Weisheit mein Recht als Bücher- 
schreiber, als Vertreter einer psy- 
chologischen Spezialität, mein Pa- 
thos als Bekenner entgegenstellen 
und ihn, indem ich ihn enttäuschte 
und abwies, noch belehren? 

Ich brachte das nicht über mich. 
Es hätte dazu ein Mass an Sicher- 
heit, an Glauben an mich und den; 



iPartnef^'-^^ii'k^ic^ überzeugt und 
' beruh^'teL Dftf: Wort J'ei^iaunli- 
icherwet^^ wäre *jiiter- in 
I meinem Buch stehen geblieben 
I und hätte weiterhin in edler Auf- 
■richtigkeit meine Ahnungslosig- 

keit>vnd^ Torheit vom Jahr 1923^ 

dokumentiert. 

Aber nun war ich eben etwas 
älter und etwas bedenklicher,» 
iwohl auch etwas unsicherer ge-J 
I worden, und der Mann, der das 
|Wort gestrichen haben wollte, war 
! ebenfalls nicht ein junger, durch 
leinen guten Brief zu hcruhigen- 
'der und in seinen Ueberzeugun- 
gen wankena zu machender Leser, 
^ sondern er war ein alter Herr, 
dessen Briefe es weder an Be- 
scheidenheit noch an Würde 
i fehlte. Er war ausserdem ein 
i Frommer, ein Liebhaber der Bibel, 
lein Mann, der im Alten Testament 
I sehr viel besser als ich Bescheid 
wusste, und dem ein etwas unbe- 
dacht geschriebenes Wort von mir 
wehgetan und Aergernis gegeben 
hatte. Und noch etwas: er war ein 
Jude. Er war ein Angehöriger 








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SÖSNTAGSBLATT STAATS-ZEITUNG UND HEROLD, DEN 29. JUNI 1947 



Zum 70. Geburtstag des Dichters / Von Claude Hill (Rutgers University) 

Es gibt wenig Deutsche, die zog er von Bern nach31onta^iio la • Broschüre, in der bittere Sätze 
nicht irgendwann einmal in rfon ' im Te&sin. w o er neute nocn leDT:7''wie die folgenden stehen: "Ihr 

letzten vierzig Jahren ein Buch ' ^^ *"^^ wieder Schweizer Bür- 

ger 
von Hermann Hease gelesen ha-' .', „ «^,^ 

Den. Unsere Eltern schwärmten Zürcher Zeitung an die Besinnung 
für die stadtfeindliche Urwüchsig- und Toleranz der Intellektuellen 
keit des "Peter Camenzind" oder Emopas appellierte, waren es nur 
lehnten sich gegen die Barbarei wenige, die ihn grüßten: Romain 
der Wilhelminischen Schule in Roil2in<i und Stefan Zweig; aber 
•Unterm Rad" auf; die deutschen "™ ^ rabiatere Nationalisten 
Wandervögel liebten "Knulp", den brandmarkten ihn als Vaterlands- 
weJtweisen und scharmanten Va- Verräter und Gesinnungslump, 
gabund, und erhoben "Demian' ^^^^ tiefst« verwundet, zog der 
zu einer Art Bibel; wir jüngeren E)ichter sich immer mehr von al- 
ließen uns vom "Steppenwolf" der ^^"^ literarischen Getriebe zurück 
verwirrten zwanziger Jahre im "^^ begann nach seiner eigenen 
tiefsten aufwühlen. Und kaum Mitschuld am (ieutschen Elend zu 
einer, der nicht ein paar Verse suchen. Später bekannte er: "Es 
des Dichters im Herzen trüge. " i dauerte nicht lange, so sah ich 

Und doch war es einsam und ^^^^ genötigt, die Schuld an mei- 
/ still um Hermann Hesse gewor- ^^^ Leiden nicht außer mir, sen- 
den; und wäre ihm nicht plötzlich ^^^ ^ '"^^ selbst zu suchen. 
der Nobelpreis verliehen worden, ^^^^ ^^^ sah ich wohl ein: der 
so hätten die wenigsten gewußt, ganzen Welt Wahnsinn und Ro- 
daß er nocht lebt. Wie war das ^^^ vorzuwerfen, dazu hatte kein 
möglich? Nun, diese Piage läßt Mensch und kein Gott ein Recht, 
sich vielleicht zum Teil damit be- *^^ ^^ wenigsten . . . Und so 
. antworten, daß der Dichter ein ^^^'^^ ich mehr und mehr, die 
wahrer Sohn seines tragischen Händel der Welt ihren Gang ge- 
Volkes, des deutschen Volkes, ist, i ^^^ ^" lassen, und konnte mich 
das in den seltensten Fällen seine ^^^ meinem eigenen Anteil an der 
großen Propheten zu Lebzeiten ge- ' Verwirrung und Schuld des Gan- 
ehrt hat. Hinzu kommt noch, daß ^^^ beschäftigen . . . Und noch 
seine Werke seit 1943, seit der ' ^"^"^^^ ^^^ ^^^ <^^^ heimüche 
Veröffentlichung des grandiosen , ^^^^^^"^^' ^ werde mit der Zeit 
"Glasperlenspiels", in Deutschland i ^"^^ "^^^^ ^°^^' ^^^^^ *^ Ganzes, 
verboten waren. So wird es seine '^^^ ^ ^^^ vielen wachen und 
Zeit dauern, bis die Bücher des ' verantwortlichen einzelnen, eine 
Dichters wieder deutschen Lesern ' ähnliche Prüfung vollziehen und 
zugänglich werden. Heute be- ^^ ^^^ Stelle des Klagens und 
schäftigt sich der "grand old < Schimpfens über den bösen Krieg 
man", wie ihn ein amerikanischer ""^ ^^ bösen Feinde und die böse 
Korrespondent jüngst genannt ' ^^^volution in' tausend Herzen die 
hat. damit, seine Werke in klei- ^'^8^ setzen: wie bin ich selber 
nen aber sorgfältigen Ausgaben °^^*^^^^^^ geworden? Und wie 
in der Schweiz wieder neu her- 1 ^^"^ ich wieder unschuldig wer- 
auszubringen. jden? Denn man kann jederzeit 

Der Nobelpreis bringt es mit \ nieder unschuldig werden, wenn 
sich, daß der siebzigste Geburts- "^^^ ^^^ ^^^ ^"^ seine Schuld 
"tag Hermann Hesses am 2. Juli «i^ennt und zu Ende leidet, statt 
i» allen Kulturländern "^gef eiert ' ^^^ Schuld daran bei andern zu 
wird. Um den noch vor kurzem ^^hen." Diese prophetischen 
so Einsamen ist es laut geworden- \ Worte über die Kollektivschuld 
und man braucht den Dichter ' schrieb der Dichter 1925. 
nur ein wenig zu kennen, um zu i Ebenfalls seherisch sind die 
ahnen, wie verhaßt ihm jede fest- ' bitteren Anklagen, die Hermann 
liehe Betriebsamkeit ist. Doch ' Hesse nach dem Krieg 1919 
wird ihm seine sublime Ironie si- 1 den Deutschen entgegenschleudert, 
cherlich helfen, den Ehrentag zui 'Zarathustras Wiederkehr" heißt 
überstehen. Vielleicht wird er jp die heute zu Unrecht vergessene 
dem "Kurzgefaßten Lebenslauf^ ' ^ 

blättern, dei. er 1225 ^.incb unu 
in dem er sich folgende Zukunft 
ausmalte: -Im Alter von mehr als 
siebzig Jahren wurde ich, nach- ! 
dem eben erst zwei Universitäten j 
mich durch Verleihung der Würde j 
eines Ehrendoktors ausgezeichnet! 
hatten, wegen Verführung eines' 
lungen Mädchens durch Zauberei 
vor die Gerichte gebracht." Nun, ■ 
heute ist der Dichter siebzig Jahre I 
alt und die Wirklichkeit hat ihm 
ein Schnippchen geschlagen; und 
wenn er am 2. Juli diese Zeüen' 
wiederlesen sollte, dann wird er' 
vielleicht» ausnahmsweise einmal! 
mit der sonst von ihm so verab- ' 
scheuten Realität des Lebens zu- 
frieden sein. 

Die Literarhistoriker, die be-. 
kanntlich den Wald vor lauter 
Bäumen nicht sehen, haben Hesse 
stets ignoriert. Als "Spätroman- 
tiker" hat er in den meisten Li- 
teraturgeschichten seit mehr als 
zwanzig Jahren ein abseitiges Da- 1 
sein geführt, überschattet voni 
"Asphalt - Pseudo - Größen" und ' 
••bodenständigen" Hinterwäldlern 
Politisch war der Dichter so un- 
heimlich, daß man seine Stellung 
2U Deutschland gänzlich tot- 
schwieg. Noch 1936 konnte der 
Nazi-Skribent WiU Vesper ihn öf- 
fentlich anpöbeln und ihm vor- 
werfen, er wäre in die Schweiz 
gegangen, um sich vom Krieg zu 
drücken, in Wahrheit war Her- 
mann Hesse in Calw bei Stuttgart 
Als Sohn eines staatenlosen Bal- 
ten und späteren naturalisierten 
Schweizers geboren, verlebte seine 
Jugend teils in Deutschland und 
teils m Basel, nahm als vierzehn- 
jähriger Junge- die deutsche 
Staatsangehörigkeit an, um eine 
Freistelle im, Tübinger Stift zu be- 
kommen, verließ bereits 1912 
Deutschland für immer und sie- 
delte sich in der Schweiz an. 
Wahrend des Krieges stellte er 
sich der deutschen Legation ii^ 
Bern zur Verfügung, organisierte 
Bibliotheken für deutsche Kriegs- 
gefangene und gab selbst eine Ge- 
iangenenzeitschnft ixeraut. 1919 



seid vor eurem langen Krieg zu 
reich gewesen, o Freunde, ihr seid 
zu reich und dick und vollgefres- 
sen gewesen» ihr und eure Väter, 
und als ihr Schmerzen im Bauch 
verspürtet, wäre es Zeit für euch 
gewesen,, in diesen Schmerzen das 
Schicksal zu erkennen und seine 
gute Stimme zu hören. Ihr aber, 
ihr Kinder, seid über die Bauch- 
schmerzen böse geworden und ha- 
bet euch erklügelt, es sei Hun- 
ger und Mangel, welcher diese 
Schmerzen in eurem Bauch ma- 
che." Und er fügt zornige Sätze 
hinzu, die auch im Jahre 1947 
ihre tiefernste Mahnung nicht 
verloren haben: "Steht nicht und 
fleht wehklagend das Erbarmen 
der Weltgeschichte an, ihr, die ihr 
eben noch das Lied vom deut- 
schen Wesen gesungen habt, an 
dem die Welt genesen soll, steht 
jetzt nicht als bestrafte Kinder 
am Wege und tufet das MiUeid 
der Vorübergehenden an! Könnt 
ihr Armut nicht ertragen, so 
sterbet!" 

Seit dem ersten Weltkrieg hat 
Hermann Hesse die Welt der pri- 
vaten Konflikte verlassen; der 
Mensch an sich, sein Verhältnis 
zur Umwelt und zu Gott, steht 
im Mittelpimkt des Schaffens. Die 
Zwiespältigkeit menschlichen We- 
sens wird ihm zum Problem im 
"Steppenwolf" (1927), der zu- 
gleich ein bedeutsamer Ausdruck 
jenes Dualismus ist, der gerade in 
Deutschland verhängnisvoller ge- 
wütet hat als in irgendeinem an- 
dern Lande. Von Luther über 
Kant und Goethes "Zwei Seelen 
ach in meiner Brust" führt ein 
gerader Weg zum "Steppenwolf", 
zum Elend iles deutschen Klein- 
bürgertums, und schließlich zu 
Hitler. Geist und Fleisch, Seele 
und Körper, das Bewußte und das 
Unbewußte, wo klafften diese Ge- 
gensätze stärker als in einem 
Voik, das rieben den größten Ge- 
nies stets a ich zugleich den uner- 
träglichsten Pöbel hervorgebracht 
hat? Das weniger in einer "wohl- 
temperierten" Mittelschicht als 
vielmehr in extremen Gegentypen 
sich zu äuß3m scheint? Der Held 
des Buchfs, der Intellektuelle' 




H E RMäN N HESSE 



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Harry Haller, öffnet sich dem ; liebäugelt . . . Wir Geistigen alle 
"" ' " ' ' " " " waren in der Wirkhchkeit nicht 

zu Hause, waren ihr fremd und 
feind, und darum war auch in 
unsrer deutschen Wirkhchkeit, in 
unsrer Geschichte, unsrer Politik, 
unsrer öffentlichen Meinung die 
Rolle des Geistes eine so kläg- 
liche . . ." 

Das großartige Alterswerk des 
Siebzigjährigen, der zweibändige 



Trieblehen und dem Unbewußten 
und lernt in einer Art von Traum- 
welt die verschiedenen gespalte- 
nen Wesensteile seiner ^Persönlich- 
keit kennen. Nicht nur, daß in 
diesem Roman die Psychoanalyse 
zum ersten Male in der deutschen 
Literatur eine dichterische Gestal- 
tung erfährt, oder daß der zweite 
Weltkrieg hier vorausgesagt wird. 



nein, auch die Frage, die so viele j Roman "Das Glasperlenspiel 
Menschen oft beschäftigt hat: (1943), ist zur Zeit vergriffen, 
"Wie konnte der Nazismus in 'noch kaum bekannt, und wird in 
Deutschland groß werden?" —'seiner ungeheuren Bedeutung für 
diese Frage wird hier von Hesse | unsere gegenwärtige Zivilisation 
vorausschauend beantwortet: "Imkerst allmählich erfaßt werden. 
deutschen Geist herrscht das ' Formal lehnt sich das Buch ganz 
Mutterrecht, die Naturgebunden- j an Goethes "Wilhelm MeLster" an, 
heit in Form einer Hegemonie der von dem es auch den Begriff der 



Musik, wie sie nie ein anderes 
Volk gekannt hat . . . Statt sein 
Instrument möglichst treu und 



"Pädagogischen Provinz" entlehnt 
hat. Es gehört in die Reihe der 
großen europäischen Erziehungs- 



redlich zu spielen, hat der gei- romane und ist inhaltlich wie sti- 
stige Deutsche stets gegen das 'listisch ein typisches Alterswerk. 
Wort und gegen die Vernunft 'Eine Einzelwürdigung scheint 
frondiert und mit der Musik ge-jnoch verfrüht, doch bestätigt der 

•»Roman die Sonderstellung seines 
j Schöpfers im Geistesleben der Ge- 
'■ genw art. Um es <Mnmnl .'e>-pm- 
facnend auszudrücken, Hesses 
selbstgewählte Mission ist es, das 
gesamte geistige Erbe des Abend- 
landes mit den Fundamenten der 
chinesischen und indischen Philo- 
sophie zu verschmelzen. Er führt 
einen zähen Kampf für die Erhal- 
tung der individuellen Seele und 
blickt mit gleichem Mißtrauen 
auf den Typus des Russen wie den 
öes Amerikaners, in denen er et- 
was Anti-Individuelles, Kollektivi- 
stisches zu spüren scheint. Die 
Belesenheit des Dichters ist be- 
ängstigend; und außer der Welt 
i der Technik, die er völlig igno- 
iriert, fehlt keine Errungenschaft 
des menschlichen Geistes in sei-, 
I nem literarischen Werk. 
! In einer Zeit, die von einer 
' ständig wachsenden Mechanisie- 
rung des Lebens bedroht wird, ist 
eine Erscheinung wie Hermann 
Hesse ein tiefer Trost. Hier ist 
der CJeist, der — jenseits aller na- 
tionalen Schranken und allen un- 
tergeordneten Konfhkten entho- 
ben — mit unendlicher Treue und 
zäher Arbeit über dem Reich der 
[menschlichen Seele wacht, gegen 
1 alle Bedr(rfiungen seine warnende 
Stimme erhebt und durch sein 
dichterisches Werk beweist, wel- 
cher Weite und Tiefe die mensch- 
liche Persönlichkeit fähig ist. 

Für die Deutschen hat die Exi- 
stenz Hermann Hesses eine l)eson- 
dere Bedeutung. Wenn auch die 
Verleihung des Nobelpreises an 
den deutschschreibenden Ehchter 
nur eine Überraschung für die 
Uneingeweihten war (Thomas 
Mann hatte sie schon seit Jahren 
gefordert), so kann man doch 
vielleicht diese großartige Geste 
der schwedischen Akademie als 
einen Akt der Eimunterung für 
alle diejenigen auffassen, denen 
Hesse in einem "Brief nach' 
Deutschland" (1946) zuruft: 

"Hütet den Keim, bleibt dem 
Licht und Geiste treu! / Ibr seid 
sehr wenige, aber vielleicht da» 
Salz der Erde." 



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AUFBAU 



i'^^nj yd..'}j ffr? 



rzel sollt Ihr sie erkennen 




lument 1947 — 

Verlag Charles 
Buch unter dem 
? aiid Legend -*/ 

Freundschaft er- 
ewahrt für das, 
:'n geleistet hat, 
sten politischen 
wird auf dieses 
ärker reagieren, 
ner Streitschrift 

stammt aas der 

'sten Seite: dass 
eit in Marx ihren 
jenin, keine Sow- 
ären Staaten — 
Mussolini-Italien, 
■Argentinien. Ja, 
ä Staates in den 
(zum Beispiel) 
!n United States 

iraden das Marx- 

•agen. Aber dort 

ind noch andere 

Schild erfand den 

weites Buch (ein 

ä), in dem Marx 

child, ein mytho- 

cte auf Marx — > 

'Monstrunis" mit 

bewohners". Und 

1-Bart des Neun- 

?^arzschilds Phan- 

e von Marx (aus 

ms") sind (nach 

"eine ganze Pe- 



Von LUDWIG MARCUSE 

riode menschlicher Entwicklung zum Abschluss zu 
bringen und eine altehrwürdige Tradition 7U zer- 
stören". 

Das schrieb nicht Rosenberg. Das schrieb einer der 
logischsten Schriftsteller unserer Tage. 

Die Anklage-Schriff 

Der Titel "Der Kote Preusse" ist eine unfreund- 
liche Variante von Spenglers "Preussischem Sozialis- 
mus". Die Schrift "Der Rote Preusse" ist die An- 
klage eines sehr schneidigen General-Staatsanwaltes, 
der den Angeklagten für die Geschworenen des Jah- 
res 1947 spruchreif machen will. Es gibt zwei Arten 
von Demagogie: die auf Frauen und Kinder speku- 
liert — und die auf Intellektuelle berechnet ist. 
Schwarzschild macht mit Zitat und Logik — Propa- ] 
ganda. Manche Intellektuelle werden dies Propa- j 
gandastück wegen seiner Kunstfertigkeit bewundern, j 
Gehen wir die Anklageschrift durch! Schwarz- 
schild klagt an: zuerst und vor allem die Person des 
Karl Marx; dann (weniger intensiv) den Denker 
Karl Marx; dann (noch weniger intensiv) die vor- 
marxistischen Sozialisten; dann nur mit dem klein- 
sten Finger der linksten Hand) den Philosophen 
Hegel; und schliesslich (in dem kürzesten Paragra- 
phen) die ganze Rasse der Philosophen. 

Was wirft er auf Seite 35 den Philosophen vor, den 
Piatos und Spinozas und Schopenhauers? Dass sie 
von allen Wissenschaften die sterilsten sind! Wa- 
rum? Weil sie die Vielfältigkeit der Welt ungebühr- 
lich vereinfachen! Schwarzschild ist also Empiriker? 
Mitnichten! Er gibt die umfassendsten Urteile ab, 
die keine Erfahrung belegen kann. Er sagt: Marx ist 
an allem schuld — und wettert gegen die Philoso- 
phen, die alles auf eine einfache Formel bringen. 
Dabei wagt er sich selbst weit hinaus auf das Meer 
der Philosophie. Religion, erklärt er zum Beispiel, 
"ist eine Angelegenheit des Glaubens und Gefühls 
und hat nichts zu tun mit Logik und Wissenschaft". 
Wirklich? Hat das Christentum zum Beispiel nichts 



zu tun mit Aristoteles, der Gnosis, ' 
der Scholastik, dem philosophischen 
Idealismus? Woher stammen ei- 
gentlich die christlichen Dogmen? 
Der Unterschied zwischen Schwarz- 
schild und den grossen Philosophen, 
die er abkanzelt, ist der: sie be- 
leuchten ihre dogmatischen Funda- 
mente, während er ein naiver Dog- 
matiker ist — rm Stande philoso- 
phischer Unschuld. 

Was wirft er Hegel vor? 
Schwarzschild redet Vv)n "mysteriö- 
sen Hegeischen Formeln". Er über- 
setzt das Wort "Dialektik" mit 
"Zickzack" — was wohl auch kein 
überwältigender Einwand ist. Er 
bringt auf Seite 889 logische Kate- 
gorien Hegels in Zusammenhang 
mit dem verrotteten Leben des 
Karl Marx — sodass die höchsten 
philosophischen Abstracta plötzlich 



Der Gärtner von Montagnola 

Zu Hermcnn Hess^ siebzigstem Geburtstag — Von OSKAR MARIA GRAF 



Nun, da vv an der Schweik le^ 
Gre:se.,alt,.ti steht, ist es also dich 
auch soweit gekommen, dass dirf 
grosse Welt . der verschiedeic-^ 
Literatu ren voa ihm und seinem 
"Werk Kenntnis genommen hat. Es 
inusste allerdings erst ein i'us- 
si'rei* Anla^Js, die Zuerkennung des 
Nobelpreises, * kommen. Wie be- 
schämend und merkwürdig zugbich 
für diese Literaturwelt I 

Wie erklärt sich das eigcntLch? 
Oft habe ich sehr eindringlich, bei- 
naiie erschrocken, darüber nacnge- 
dacht, gerade inbezug auf Hermann 
Hesse. Ich kann mir nicht helfen, 
mir kommt es vor, als beglücke 
diesen süIlen «lärtner von Mon- 
tagnola (las (iedeiheii eines Vv ein- 
stockcs, dHs Blühen seiner CiaiLon- 
blunien oder eines seiner zarten 
Aquarelle stets genau so wie etwa 
ein tiefheraufgeholter Satz in sei- 
nen Büchern! Und das schien bei 
ihm immer so gewesen zu sein. 
Es war der tiefe Grund dafür, dass 
sich der Dichter von Anfang an 
ohne jede falsclie Bescheidenheits- 
Koketterie und also ganz natür- 
licli von allem litei-arischen Betrieb 
abgewendet hat. Sinnlos und kin- 
disch wäre der Gedanke, zu glau- 
ben, dass sich Hermann Hesse., 
dessen Bücher so schnell eine 
grosst>, bunte und sehr wesentliche 
deutsch*» Leserschaft errano-en, 
jemals zu l^nrecht voikaniic fuhho! 
Er schrieb, um ein Wort Rilkes zu 
variieren, immer nur "sieh zur 
Lust", und im "Glasperlenspiel" 
definiert er sein Dichten wahrhaft 
berückend schön, indem er meint, 
CS sei die. "schickliche Mitte zwi- 
seheii Ehrfurcht und Vertraulich- 
keit, zwischen Ernst und Spieleroi, 
dieser Ton nicht der Belehrung, 
sondei-n der freundschaftlichen 
Mitteilung und Aussprache über 



dies und jenes, was der Autor er- 
fahren oder gelernt zu haben 
glaubt . . . dieses behagliche, aber 
sorgfältige Anfassen der Dinge". 

Dellken wir nur oberflächlich zu- 
rück: Ungefähr gleichzeitig mit 
seinem naturverhafteten, wald- 
und wolkenverträumten "Peter 
Camenzind" . erschienen Thomas 
Manns "Tonio Kroger", Heinrich 
Manns unvergessliche Novellen 
"Flöten und Dolche" und Wede- 
kinds Gymnasiastenstück "Früh- 
lings Erwachen" erhitzte die Thea- 
terbesucher. 

Aus Thomas Manns Novelle be- 
zog die gebildete bürgerliche Ju- 
fire^d eine schopenhauerisch ange- 






wehte, melancholische Ironie, die 
"Flöten und Dolche" blieben eine 
Angelegenheit für literarische 
Feinschmeckei-, und um Wedekind 
entbrannte ein unfi'uchtbares Rich- 
tungsgezänk — der "Camenzind" 
dagegen drang ganz ins Volk und 
gev/ann sein Herz. Hesse hatte das 
gewiss nicht erwartet. Er floh vor 
seinem Erfolg. Immer blieb er ein 
wahrhaft gottbegnadeter Dilettant, 
der mit wissender Unruhe dem 
Höchsten zustrebte. Darum seine 
Gleichgültigkeit dem Tagesgeschrei 
gegenüber, darum seine Abge- 
wandtheit aus innerster Natur. 
Vergessen wir nicht, dass es kleine 
(Forttiet~ung auf Seite 0) 



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\ 



j 



AUFBAU 



Der Gärtner von Montaqnola 



(Fortsetzung von* der 5 Seite) 

und kleinste Geister gab, die — 
nachdem sachverständio-e Kritik 
ilirea Büclicru den gebühienden 
Platz zugewiesen hatte — rein äus- 
serlich auf etwas Aehnliches ver- 
fielen: Auf Grund ihrer Auflagen- 
höhe spielten diese Gekränkten mit 
würdiger Mannespose die also Ab- 
gewandten und gierten insgeheim 



eine Aufnahme 
seiner jüngsten 
Jahre 1946 und 
wie er mit der 



Weinstock; dann 
des Dichters mit 
Knkelin aus dem 
endlich ein Bild, 

Handhacke ein Stück Boden um 
einen jungen Weinstock häufelt. 
Da ich ihn anschaue, den Mann 
mit seinen wissenden Zügen, in 
seiner behutsam hingegebenen Hal- 
tung — ach, wie wird mir alles 




Der Dichter 

und 
seine Enkelin 



das Geheimnis der Hesseschen 
Geisteshaltung, dies der Quell sei- 
ner gläubigen Demut. Da ist einer 
wie du und ich, der mit höchster 
Zartsinnigkeit und unendlicher Ge- 
duld immer nur nachweist, wie es 
um uns bestellt ist und was das 
bedeutet, schlicht und klar ein 
Mensch zu sein. Nirgends lässt er 
sich einordnen, weil er stets nur 
das tat, worum er uns sein Leben 
lang verhalten bat: in allem, was 
lebt, die Liebe zu suchen. 

Kein schwärmerischer Leserkreis, 
keine deutsche oder europäische 
literarische Strömung, keine zeit- 
weise vorherrschende intellektuelle 
oder politische Richtung konnten 
ihn je beanspruchen. Er war zu 
einfach und doch zu vieldeutig. 
Wenn tüftelnde Schriftgelehrte 
endlich das richtige Clischee für 
ihn gefunden zu haben glaubten, 
widerlegte er sie durch ein ''ganz 
anderes" Buch. Und so verfuhr er 
auch mit der ihm herzlich zuge- 
tanen Leserschaft. Einmal vor dem 
ersten Weltkrieg sah ihn — sagen 
wir — der urban nationalbetonte 
Deutsche beiderlei Geschlechtes als 
den Träger alles Deutschen an und 
wurde sehr rasch und nachhaltig 
enttäuscht. Beim ersten Kanonen- 
donner entpuppte sich der Dich- 
ter ganz pietätloserweise als 
anationaler Pazifist, als einer der 
ganz wenigen Unbestechlichen im 
Menschlichen und Geistigen. Er 
konnte gar nicht politisch irre- 
gehen, er brauchte nicht schrift- 
stellerisch zu eifern, sein dichteri- 
scher Ton blieb gleich stark. (So 
möcht' ich noch einmal erschauern, 
wie damals beim "Defnian"!) Die 
um jene Zeit beginnende Freund- 
schaft mit Romain Rolland stärkte 
nur etwas, was immer in ihm 
wirkte. 



doch so danach, endlich ernst ge- 
nommen zu werden. Etliche hatten 
dann während der Weimarer Re- 
publik sogar den heissersehnten 
Erfolg: Sie wurden in die "Preus- 
sische Dichterakademie" aufge- 
nommen. Den beseligten Gärtner 
im Tessin übersah man. Er hatte 
es auch nie anders gewollt! 

Vor mir liegen drei schöne 
Fotos: Hesse — das hagere, iro- 
nische, ein wenig mönchisch listige 
Gesicht unter einem breitkrempi- 
gen Strohhut — veredelt einen 



[Glück bewusst, das er uns allen 
geschenkt hat! Warum hat denn 
die Welt so lange gebraucht, um 
sein Ureigenstes zu entdecken? 
Ein Werk, so dauerhaft und fort- 
zeugend in jeder Hinsicht, dass es 
mir beinahe vermessen vorkäme, 
wiederum nur auf seine geistig- 
literarische Bedeutung hinzuwei- 
sen. Sagt nicht Walt Whitman 
einmal: "Ich und die meinigen über- 
zeugen nicht durch Beweise, Gleich- 
nisse oder Reime — wir überzeugen 
durch unsere Gegenwart!" Dies ist 



Die Zeil < ehr [ft 
für alle Bi}dung>heßi<<enen und Lthrendeti 




W^arum werden eigentlich, im 
Gegensatz zu ihm, wirklich begei- 
sternd intelligente, weltgültige 
Schriftsteller oft so phrasenhaft 
farblos unj platt, wenn sie* über 
zeitbezüglich Politisches aussagen? 
Weil sie, ohne dass ihnen das 
bewusst wird, noch zutiefst im 
nationalen Ressentiment stecken, 
weil sie, obgleich sie sich die red- 



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+ 



II 



Max firod 

dem Jugendfreund und Herau«g»ber des Gesamtwerket von 

FRANZ KKFKA 

DIESSEITS und JENSEITS 



II 



Band I : Von der Krisis der Seelen und Tont We!tbil<I der neuen 
Naturwissenschaft 

Band 2: Von der Unsterbliciikeit der .S*-l. J— r L^-u.: 

Gottes und einer nt 

(Ersehe] 

Jeder Band ist ca. 3 50 Seit* 

\ 



A 



/\ui origineuen 
^•uen Deutung Piatons gelangt, 
Glauben an die Unsterblichkeit 
mündet. 

Theorien der modernen Physik 

^t sich Max Brod scharf gegen 

igler und alle Relativisten. Aus 

-1 Plato. Goethe, Novalis. Kier- 

ist er auf das Ziel des neuen 

taates und der neuen Mensch - 

'.ie Zukunft das auf den ersten 

'erlockende, aber absolut not- 

Verxicht" ausspricht. 

isgabc enthält ein Penoaen- 

auch dem nicht philosophisch 

icht, aus diesem glänzend ge- 

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1 





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MmfrmckfMiifimii lur Lti§m: 



^'^i^uiiu^^i4^ ^^<JI iiu^I^ 



Das gestrictiene Wort 



i^^f^ 



<^ f^'i'fl 



\ 
r 



In AbwM*«h*ii von Manfred 
Oteorg«. dar sich auf Urlaub ba- 
filidet. bringen wir anstalla s*in«f 
Artikels "Zur Lage" «inan Essay 
.#k* Nobelpraisträgars Hermann 
Hease. 
•*- 

. Ein wunderliches Anliegen hat 
\ms gestern, meiner Frau und mir, 
je für eine Stunde Arbeit gege- 
ben. Es kam ein Brief aus Ameri- 
ka, geschrieben von einem alten 
Herrn, einem frommen deutschen 
Juden aus einem jener alten Ju- 
^.^nhäuser des Rhein- und Main- 
gebicVs. die bis an die Schwelle 
des unfreundlichen Heute zu den 
ältesten und besterhaltenen Kul- 
turherden Deutschlands gehört 
haben, einer jener alten rheinisch- 
jüdischen Familien, deren eine in 
Wilhelm Speyers wunderschönem 
Roman "Das Glück der Ander- 
nach" ihr Denkmal und ihren 
würdigen Nachruf gefunden hat. 
Di^er alte Herr in New York, ein 



K«ii H^MMANN HCSSf 

Emigrant, ein kultivierter und 
frommer Jude, ein Namenloser in 
jenem Heer von Wertvollen, die 
Deutschland zugunsten der Böse- 
wichte und Schreier von sich ge- 
stossen hat, schrieb mir einer Ge- 
wissensfrage wegen, die ihm 
Skrupel maclite, und die Bitte, die 
er an mich zu richten für seine 
Pflicht hielt, besteht darin: ich 
möchte ein einziges Wort in einem 
meiner Bücher bei künftigen Auf- 
lagen weglassen. Er hat vor kur- 
zem den "Kurgast" gelesen und 
darin eine Stelle, wo ich den 
Spruch zitiere: "Liebe deinen 
Nächsten wie dich selbst". Der 
Kurgas n nennt diesen Spruch "das 
weiseste Wort, das je gesprochen 
wurde' , und fügt hinzu: "Ein 
Wort, c as übrigens erstaunlicher- 
weise aach schon im Alten Testa- 
ment sieht." Für den Leser und 



Brief seh reiber in Amerika nun, 
für den frommen Juden und 
Bibelleser, ist das Wort "erstaun- 
licherweise'' nicht annehmbar, er 
findet mit diesem Wort das Ju- 
dentum und die Thora beleidigt 
und angezweifelt, und er bittet 
mich mit ernsten Worten, dies 
Wort zu streichen. 

Zunächst nun musste meine 
Frau, da meine Augen es nicht 
leisten konnten, den "Kurgast" auf 
jene Stelle hin durchfliegen, um 
den Zusammenhang und Wortlaut 
des Satzes festzustellen. Dann las 
ich die fragliche Stelle meines vor 
25 Jahren geschriebenen Buches 
sorgfältig nach. Natürlich hatte 
der Briefschreiber recht, natür- 
lich war es ein Irrtum, und war 
für jüdische Leser beinah eine 
Blasphemie, wenn ein bisher von 
ihnen ernst genommener Autor es. 



1 



\ 



\ 






"erstaunlich** fand, dass ein so 
edles und erhabenes Wort "schon" 
im Alten Testament stand, also 
lang vor Jesus und der christ- 
lichen Lehre geschrieben war. Er 
hatte recht, daran war nicht zu 
zweifeln: mein Ausdruck "er- 
staunlicherweise" war, ebenso 
wie das Wort "schon" (das 
mein Briefschreiber aber nicht 
beanstandete) objektiv unrichtig, 
er. war voreilig und töricht, er 
spiegelte etwas von der zugleich 
verlegenen und hochmütigen Art 
wider, mit der zur Zeit meiner 
Kindheit und Erziehung die popu- 
läre protestantische Theologie unsj 
kleinen Protestantenkindern von i 
der Bibel und vom Judentum 
sprach, und welche etwa' darauf 
hinauslief, es sei clas Judentum' 
und das Alte T^estament zwar 
hochehrwürdig und nicht genug 
zu respektieren, aber es fehlte ihm 
-eben doch das Letzte, die KroHe, 
das Alte Testament war vorwie- 
gend ein Buch des Gesetzes und 
der Strenge, während erst, das 
Neue den wahren und vollen Be- 
triff der Liebe und der Gnade gc_ 
feracht habe usw. Als ich jene 
Zeile im "Kurgast" vor 25 Jahren 
«<'hrieb, war ich, mindestens für 
eben jenen Augenblick, nicht ein 
Wissender und Ueberlegender ge- 
wesen, sondern es war mir da- 
mals, als ich jenes herrliche Wort 
von der Nächstenliebe zitierte, in 
der Tat "erstaunlieh" vorgekom- 
men, dass ein solches Wort, das 
man ruhig die Quintessenz der 
christlichen Lehre nennen konnte, 
''schon'' im AltenTestament stehe. 
Kecht hatte er, der liebe besorgte 
Mann in Amerika. 

Aberwie war das nun? War der 



ich damals vor 25 Jahren, als ich 
den "Kurgast" schrieb, keines Irr- 
tums oder Leichtsinns, keiner Un- 
wissenheit in Bezug auf Bibel 



des Volkes, das der Welt die Bibel! Sinn und Wert meiner Arbeit ge- 
und den Heiland gegeben und da- hört, den ich heute nicht mehr 



für den Hass und die grimmige 
Feindschaft beinahe aller anderen 



und Theologie fähig gewesen, als! Völker geerntet hatte, ein Mann 
hätten nicht damals wie heute Uus einem uralt-heiligen Volk, 
noch überall Reste meiner Her- das in unserer gottlosen Zeit Un- 



kunft und Erziehung an mir ge- 
hangen. War das nicht doch etwas 



'Kurgast", und waren alle meine i ^^u viel verlangt? 



Bücher denn geschrieben, um 
Kenntnisse und objektive Wahr- 
heiten im Volk zu verbreiten? 
Gewiss wollten sie, vor allem an- 
dern, der Wahrheit dienen, aber 
im Sinne der Aufrichtigkeit, wel- 
che .sich sorgfältig jede» autoritä- 
ren Beiklangs beim Ausprechen 
von Gedanken enthält, einer Auf- 
richtigkeit, deren Gesetz den Au- 
tor zu einer weitgehenden Preis- 
gabe seiner Person und nicht sel- 



Scheinbar war die Sache also 
sehr einfach. Man vetlaii^ic eiw&s 
von mir, was meinem Wesen und 
Geschmack, meinen literarischen 
Gewohnheiten, um nicht gleich zu 
sagen "Grundsätzen", wider- 
sprach, und darauf gab es ja 
eigentlich nur eine Antwort, eine 
Ab.sage. Aber die Dinge sehen im- 
mer einfacher aus, als sie sind, 
und die moralischen noch mehr 
als alle anderen. Wäre ich zwan- 



Un zu einer Selbstenthüllung | zig Jahre jünger gewesen! Dann 
zwingt, deren Opfef noch niemals j hätte ich nicht meine Frau mit 
ein Leser voll begriffen hat. dem Suchen der Buchstelle belä- 



Wollte ich denn meinen Lesern 
etwas anderes mitteilen als die 
Ergebnis.se meines eigenen Erle- 



ausdenkliches erduldet und sich 
dabei besser bewährt hatte als 
irgend ein anderes, jüngeres Volk 
in ähnlicher Drangsal: denn nie* 
nur hatten die Juden (und öS? 
gilt auch noch für heute, denn die 
Verfolgung dauert ja an) ein Bei- 
spiel ohnegleichen an Solidarität 
brüderlicher Hilfs- und Opferbe- 
reitschaft gegeben, dessen die 
Welt noch gar nicht bewusst ge- 
worden ist, sie hatten überdies in 
unzähligen Fällen einen Helden- 
mut im Ertragen, eine Tapferkeit 
angesichts des Todes, eine Würde 
im Elend und Untergang bewie- 
sen, bei deren Betrachtung wir 
NichtJuden uns nur schämen 
können. 



aufbrächte. Ich schrieb dem Leser 
ir\ New York einen kurzen Brief, 
dass ich seinen Wunsch erfüllt 
habe, und schrieb meinem Verle- 
ger eine Mitteilung, dass bei einem 
etwaigen Neudruck des "Kurgast"^ 
auf Seite 154 dai Wort "erstaunli-f 
cherweise" wegzulassen sei. • 




\ 



Und nun sollte ich also diesem 



stigen. hätte mir nicht so viele 

Skrupel machen müssen, hätte 

Zeit gefunden, meinem Leser in ^ wohlmeinenden und würdigen al- 
bcns und Denkens, und dazu je- i einem Brief von vielen Seiten die ten Juden antworten, sollte ihm 
weils eine Strecke des persönli- Sache zu erklären, hätte mich an eine Genwgtuung versagen, um 
then Weges, auf dem ich zu diesen j diesem Brief warm geschrieben die er auf eine edle Weise gebe- 
persönlichen Ergebnissen gelangt und in die Ueberzeugung hinein- [ten, sollte seinem Glauben und 
war? Hatte ich je den Diktator, geschmeichelt, nun habe ich den seiner überpersönlichen frommen 
den unbedingt Wissenden, den j Partner wirklich überzeugt und 
Priester und Lehrer ge.spielt, der beruhigt. Das Wort "erstaunh- 
seine Wahrheiten mit der Autori- i cherweise" wäre weiter in 
tat eines Amtes verkündigt, seine ' meinem Buch stehen geblieben 



Lücken und Zweifel aber sorgfäl-» 
lig ver.schweigt^ War nicht dies 
Tneine Rolle und Aufgabe gewe- 
sen: meinen Lesern nicht nur 
meine Gedanken und Ueberzeu- 
gungen mitzuteilen, sondern auch 
meine Zweifel, und ihnen nicht 
einen Autorisierten und Geweih- 
ten vorzuspielen, sondern nur 
mich .selbst zu zeigen, einen su- 
chenden und irrenden Bruder? 
Ich konnte dem Manne in Ame- 



und hätte weiterhin in edler Auf- 
richtigkeit meine Ahnungslosig- 
keit und Torheit vom Jahr 1923 
dokumentiert. 

Aber nun war ich eben etwas 
älter und etwas bedenklicher, 
wohl auch etwas unsicherer ge- 
worden, und der Mann, der das 
Wort gestrichen haben wollte, war 
ebenfalls nicht ein junger, durch 
einen guten Brief zu beruhigen- 
der und in seinen Ueberzeugun- 



rJka dies alles nicht erklären. Da Igen wankend zu machender Leser, 



er es bei der Lektüre meiner Bü- 
cher, die er beinah alle kannte, 
nicht gemerkt hatte, würde es mir 
in einem noch so langen Briefe 
auch nicht gelingen, ihn zu einer 
anderen Art von Lesen und Ver- 



sondern er war ein alter Herr, 
dessen Briefe es weder an Be- 
scheidenheit noch an Würde 
fehlte. Er war ausserdem ein 
Frommer, ein Liebhaber der Bibel, 
ein Mann, der im Alten Testament 



t^tehen zu bekehren. Er verlangte .sehr viel besser als ich Bescheid 



von mir, ich solle ein einziges 
Wort in einem Buche streichen, 
und verlangte damit, ich solle, im 
Dienste der Wahrheit, eine Lüge 
begehen, ich solle so tun, als sei 



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wusste, und dem ein etwas unbe- 
dacht geschriebenes Wort von mir 
wehgetan und Aergernis gegeben 
hatte. Und noch etwas: er war ein 
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Weisheit mein Recht als Bücher- 
schreiber, als Vertreter einer psy- 
chologischen Spezialität, mein Pa- 
thos als Bekenner entgegenstellen 
und ihn, indem ich ihn enttäuschte 
und abwies, noch belehren? 

Ich brachte das nicht über mich. 
Es hätte dazu ein Mass an Sicher- 
heit, an Glauben an mich und den 



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AUFBAU 



Literarische Welt 



.:::::;;;;;::::;:;;:;:::;:::::;;:.;:;;:;;;:.;;;;;:;;;;:::::;:;— ^ 



Hesse-Erzählungen 

Hermann Hesse: Der Novalis; Der 
Zwerg. Zwei Erzählungen mll 
einer Einleitung von Anna Jacob 
»on. Herausgegeben von Anni 
Jacobson und Anita Ascher. Apple- 
lon-Century-Croilk. Ziic. M«-><r ^««'. 
1948; $1.75. 

Das Büchlein enthält zwei 
frühe, fast unbekannte Erzählun- 
gen Hesses. "Der Novalis" ist die 
Biographie einer Novalis-Aus- 
gabe von 1837. Für Hesse, den 
Bibliophilen, haben Bücher 
Schicksale wie die Menschen: 
manche bleiben daheim, andere 
wandern. Der zweibändige No- 
valis gehörte zu den Wanderern. 
Seine Chronik ist die Geschichte 
einer Freundschaft. 

"Der Zwerg" ist eine mär- 
chenhafte Geschichte einer schö- 
nen Venetianerin und ihres 
phantastisch kleinen und hässli- 
chen Palastnarren aus Cypern. 
Der Narr ist klug, die schöne 
Margherita ist schwach, und ihr 
Geliebter, der Edelmann Baldas- 
sare, ist nicht edel. 

Die beiden Novellen sind 
kleine Juwelen der Literatur. Sie 
sind sanft und sensitiv. "Der No- 
valis" ist substantieller als "Der 
Zwerg", aber "Der Zwerg" ist 
bunter und geschlossener. Viele 
Züge des reifen Hesse sind schon 
in diesen Erstlingsschriften an- 
gedeutet. 

Die instruktive Einleitung von 
Professor Anna Jacobson ist eine 



willkommene Erinnerung an 
sen ursprünglichen Dichter 
Schriftsteller der Gegenwart 

Ph. W. 



die- 
und 



U a- 






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M«rt4« m d« i>ici«mi»rft d« ld4i ~ .%«• IX — m «&« 



JtiBliiCBK nOCHENSCBAU 




UTERATUR und KUNST 



r 



>#5 



Makka tri 

H'QfCn niiiit rnnner das Volk, äo-i hfCini, 
Volk der Tränen, der heujzer itnd if'>f»r^«, 
habcti einstnwh- Oen stürkxten b'einii 



Wir 

Wir 

i:iclrhrt: Auch Juden K'önnrn sthlau"*^- 

WW h9hen c^rr ^i^vlcjiü^^en Hasser ff^Mrvh^. 
L'Ki (in den iihivhcn grosser Almen 
WW s^inn^H mulvo-ll in die üv}d%ht, 
Vtt4 3iieftreUh wehten nnsre Fahnen. 

(icuhlc'.hfer schwanden iw ZeUenffe-umhl, 



Im hrntuf^der GolMfinof Vi'rlore.m,, 

Verloren den alten Itiesenmut 
Und vurden zager, stiller, scheuer, 
Vnd doch, noch brennt in unfirr-^ 
/>ff* altf HütHn>Ofiöerjcver. 



HttU 




wurden 
hnl>cH das 



Und 



nm gf'boren, 
Heldenffefühl 



Mah hat umiigehetzt in Not und Tod, 

Mit Qro]*:^!i,-4,l&£H^hi den Leib unft zer4rain:fi' 

thid doch. <#(!$ alte l'eue/ loht 

Uhci iftt im Bl\ntm(^€r nicht erloschen, 

yftr duldeten ^qrtern wottl so-nder 7i\i-ht, 
}»ie ftchirachen' Körper mHsst''n erHe^<*i^.. 
hoch Ichl in nn.i fin Idcol. 
Im-i, Völker, könnt ihr nie henieoe^ f 



**, 








• • 



DER "BERLINER LUACH' 



%, '• 



\ 



HermMAH Htse, der heuie 75. 
ikhrige Dichter, empfängt in 
M4»Mtagnola tii^licii eine grosse 
'f.i\i\ Von Brieien aus aller 
Welt, in denen junge und ulte 
Mfi» thcn ihre Anlieseu vor- 
¥rmse«> oder ih» um Rat fra- 
C«B. Kr luuiA Klebt al e Brief < 
1»eai»tKM:teB. aber an SJelle 
▼o» Brief«» scbicltt er AOn Zeu 
v» zeit »!• freundli hen ittMi 
Mrsltoikende» Grass k eine v\\. 
vatdCHckc MM, seine Freunde. 
'Blätter Tcna Taue" stciit über 
d«» let'/ten kleinen Privat- 
•ftfck. den dieser Tage die fost 
ii»>. Ilaiis krachte. Darin berirh- 
tec Hermann Ue^se unter antfe. 
rem folgendes: 

Eil wundeilicUes Anliegen hat 
uas gcst«n, nr-einer Frau und mir, 
je für ein? Stunde Arbeit gegeben 
E.> kaai ein Bvief aus Amerika, 
pedchri-eben von einem alt^n 
Herrn, einem frommen deutsci-.en 
Juden aus rinem jener alten T'j- 
denhäu>ser des Rheiii-Mainpeb'crs, 
dit* bii, an die Scliwelle de» un- 
freundlichen Heute zu den äbe- 
5»teti und brsterhaltenen Kultur- 
herden Deutschlands gehört ha- 
ben, einer jen^r- ahen rheini.sch- 
jüdischen Pi?miJien, deren eine in 
Wilhelm Sp: ye^s wunc^ersehöneni 
Roman 'Di^s Glück der Andei- 
r.ach" 'hr De.ikmal und ihren 
pwalUFui «Munden ha,. 
lüillT »*^ •*' y<»* ein 
int. ete" NamÄoser t« je- 
V^em. M^aif «Ofi Wefirollen. die 
t>eut'5«hl«wi<l zugiÄsten der 
Schreier und Bösewichte von si.ii 
se-tossen hat, pchrieb mir einer 
Gewissensfra.ge wegen, die ihm 
Skrup.l marht* und die Bitte, d'3 
er an mich zu richten für sein^- 
Ptllcht hielt. I>esteht darin: ich 
möchte ein einziges Wort in einen 
meiner Bücher bei künftigen Auf- 
lagen wzglassen Et- hat vr kur- 
zem den "Kti.^ast" gelesen und 
dArin eipe Stelle, wo ich dr\i 
Spruch zitiere * Liebe deinen 
Nächsten wio dich srlb.st". Der 
Kurgast nennt diesen Spruch "d*i^ 
Ti eisest e Wort, das je gesprochen 
'vjrde". imd fügt hinzu: "ein 
Wort, das libri:?en5 schon erstaun- 
hcherweise au?h im alten Trs'ji- 
ment steht". Für den Leser und 
Briefschreiber \w Amerika nun, 
für den frommen Juden und Bi- 
belleser, ist das Won "crstaunl«- 
cherweise" nicht annehmbar, er 
findet mit diesem Wort dis Ju- 
dentum und die Thora beleidigt 
und angezweifelt, und er bittt 
mich mit ernsten Worten, die^ 
Wort zu streichen. 

Zunächst musste meine Frau, da 
n?eine Au'cn es nicht leisien 
konnt.n. den '"Kurgast" auf jene 
Stelle li-n durchfliet^en. um den 
Zusammeniiang und Wortlaut des 
Satzes fes:t zustellen. Dann las ich 
die fragliche Seite meines vor 25 
Jähren geschri benen Bu'^he- 
w>r?falti:^ nach. Natürlich hatte 



der Briefsch reiber rechf. natürlicii.^ den 
war es ein Ififum und .j^^*'^ 
jüdische Leser_^ bei^WS'^We ßlas- 
IJhetitie, wehrf^em von ihm bis- 
her ernstgenommener Autor tä 
"er.-5iaunlicn' f:>nd, dass ein so 
edles und erhabenes Wort '\schon" 
im Alten Test<»ment Ltand also 
lange vor Jesus und dei' .QikiiLs(!*t<-* 
chen Lehie ge>3hrieb€n "War. Ei 
liatte recht, daran war nicht zu 
zweifeln: mein Ausdrack '"er- 
staunlicliei-wäse" war, ebenso wir. 
das Wort "5chon'" (das mein Briel- 
sc-hreiber aber nicht beanstande- 
te». objek.tiv anrichtig. es war 
voreilig und törichi, es spiegelte 
etwa.s von der zugleich v:rl«genen 
und hochmütigen Art wider, mit 
der zur Zeit meiner Kuidlieit unC 
Er'iieiiung die populäre protestan- 
ische Theologie uns kleinen Pro«' 
tistantenkindcrn von der Bibel 



sprach 



ur 



und vom Judentum 
welche e^wa darauf hinauslief. 
5ei das Judentum und das alte Te-f 
stament zwar hociiehrwürdig unii 
niclit genug ?.u respektieren. aJ>^, 
e.s fhle ihm das Letzte, die Kro- 
ne; d'is Alte Testament sei vcr- 
\\iegend ein Bi.cli des Gesetze;^ 
und der St.engo. während erst das 
Nou ■ den wahren und vollen Be- 
griff ^m. Li?be i nd der GuÄde t^- - 
biA-kt ti^bj'-uw. i^! i3ii.^i»e Ztl-^ 
V-, im 'Kur^ai.t'" vor 2» Jahre'; 
schrieb. wy>r ^ch. mjndesten.s fir 
eben jen:n Augenblick, nicht ein 
Wis ender urd Ueberics'^nder ge- 
wesen, f-ondern es war mh- damai:-: 
aL> ich jenes iierrliche Wort von 
d r Nathstenhcbe zitierte, in dei 
Tan -er^raunhch*' vorgekctnmen, 
dass ein solches Wort, das man 
ruhig die Quin;es.<e!i?: der christli- 
chen Morjl nennen könnt*-, 
"schon" im Alten Testament stehe 
Recht h.nt' er. der hebe besorgt^' 
Mann in Aa^erika, 

Aber wie wjr das nun? War der 
"Kurgast" und waren alle meine 
Bücher denn geschrieben, um 
Kenntnisse und ol^cktive Wahr- 
heit n im Valk zw verbreit-en? Ge- 
wiss wollr:^n sie, vor allem an- 
dern der Wahrheit dienen, aber 
im Sinne der Aufrichtigke-t. wel- 
che sich .sorgfältig jedes au;oritä- 
ren Beiklangs b:im Aussprechen 
vcn Gedanken enthiit. einer Auf- 
richtigkeit, deren Gesetz den Au- 
tor 7,a einer wtitgetienden Pr.is- 
gäbe .»einer Person ond nicht sel- 
ten zu einer Selbstenthüllung 
zwngt. deren Opfer noch ni malo 
ein Leser begriffen hat. WolUe 
ich d?nn meinen Le.sern etwxs an- 
aeres mitceileti als di? Ergebnisse 
mf'ines eigenen Erleber-s und Den- 
kens und dazu jeweils eine Stj;<ne*' 
ke riis persönlichen We^es au< 
dem ich vx d'e-en Er<»ebnis.-.ea ae- 
lang' Wir? Hutzle ich je den Dik- 
tator, den unbedingt Wissenden. 




TORTEN 
PLATTE 

au* besonders 
reich geschlit- 
t'etietn böhmi- 
rchen Blelkri- 
\ stall. 

Be.sichtjgen Sie 
1. inserp <» '•' ^ '-■ 



Priester und L-ehrer tjesi>ieit 
der seine Wahrheiten mit der Au- 
torität eines Amtes» verkündigt, 
seine Lücken und Zweifel aber 
sorgiältig verschweigt? War nicht 
dies meine Rolle und Aufgabe ge- 
v.esen; meinen Lesern nicht nur 
Oieiiie Gedanken und üebeizeu- 
gungen mitzuteilen, sondern anci 
meine Zweifel, und ihnen nieiil 
einen Autorisierten und Geweih- 
ten vorzuspielen, sondern nur 
mich selbst zu zeigen, einen su- 
chenden und irrenden Bruder? 

Ich konnte dem Mann in Ame- 
rika dies alles nicht erklären. Di 
er es bei der Lektüre meiner Bü- 
cher, de er oemahc alle kannte, 
nicht gemzrkt hatte, würde e.» mir 
in einem noch so langen Briei 
nicht gelingen, ihn zu einer an- 
deren Art von Letfen und Verste- 
hen zu bekehren. Er v.rlangte von 
mir. ich solle ein ein?;iges Worr in 
einem Buche streichen, und ver- 
langte damit, ich solle, im Dienst 
der Wahrhei:. eine Lüge bege'H?n. 
ich solle so tun, als sei ich damal.: 
vor 25 Jahren, als ich den "Kur- 
gast" schrieb, keines Irrtums oder 
Leichtsinns, keiner Unwissenheit 
in bezug auf Bibel und Theolog> 
fähig g we^en. als hüllen nich' 
damdki wie iicute iMuh üUerall Re- 
ste meiner iÖferkmifl uttd Krale- 
h'mg an mif -'haft^ieö. War'dttis 
nicht doch vielioicht etwas .'.u viel 
verlangt? 

Anscheinend war also di- Sache 
5ehr einfach. Mm verbngte etwas 
von mir. was treüiem Wesen und 
Geschmack, meinen literarischen 
Gewohnheiten, um niciit gLich zu 
sagen 'Grundsätzen". wider 
sprach, und da'\iuf ^ab es ja -.ei- 
gentlich nur eine Aniwort. eine 
Abv^age.- Aber die Dinge sehen im- 
m£r einfpjcher .^us. als sie sin-c*. 
und die moralischen noch mehr 
als alle anderen. Wäre ich 'JO Jah- 
re jünger gewesen, dann hätte icb 
nicht meine Frau mit dem suchen 
der Buchstelh belästigen. hätte 
mir nicht so vi.le Skrupel zu ma- 
chen brauchen, harte Zeic gefun- 
den, meinem Le^er in einem Brief 
von viel n Seiten die Sache zu er- 
klären, hat e mich an diesem 
Brief warm ge.^chriebeti und in die 
Uebei-zeugung hlaeingescimie!- 
chelt: nun ha:>e ich den Partn i 
I wirklich überzeugt und beruhigt. 
Das Wort 'erstaunlictterwei.^e" 
wäre weiter in meinem Buch ste- 
hen a'^blielr n u.-'d hätte weiterhin 
in edler Aufr.c'itigkett meine Ah- 
nungslosigkeit und Torheit vcm 
Jahre 1923 dokumentiert. 

Aber nun w>*r ich e-i^n etwas 
älTer und etw?.s bedenklicher, wohi 
uuch etwas Mn-icherer geworden, 
und der Manu, der das Wort ge- 
strichen ha">-"n w«^lte, war eben- 
falls nkht ein 'unger, durch einen 
guf.n Brief zu beruhigender und 
in seinen Ueberzeui^uiigen wan- 
kend zu machender Leser, sondern 
er war ein alter Herr, dessen Briet 
es weder an Bescheidenheit noch 
an Wüide fehlte. Er war ausser- 
dem ein Frommer, ein Lieblnaber 
der Bibel, ein Munn, der im Alten 



Vor mir lieg», ein ^xU cm klp> 
r.es, etwa 120 Seiten star-kes Büch- 
lein in graugrürem Gewände, und 
&üf der Titelseite sehe ich das 
Symbol d r ^^enoralV- unter dem 
zu ie&en ist: LUACH Ischanah to- 
wah 5709" in nebräischen Lettern 
und in lareinischer Tran*criptioii, 
Der Luach kommt aas — Berlin. 

Herausgegeben hat ihn die Kux- 
tusverwaltung cer Jüdischen Ge- 
rn: inde zu Berhr., für die Gerhar:'. 
Cohn PiH Geleitwort unierzeicn» 
nei, und sein Verfasser ist — Wit 
ich aus den Dar-kesv/orten auf Sei- 
te 110 oemtnke — Lektor Juda An 
Wohlgimuth, kein anderer also, 
fels der jüngere Sotin des ehema- 
ligen Rektor.> des Beihner Rabbi- 
ßer-Seminars. Rabbiner Dr. Jo- 
seph Wchlgemuth s. A.. aer, sei- 
nem gros.s.n Vater nacheifernd, 
^ch schon vor c*em Krieg als Blr- 
;^eher und Jjgendführer sowie 
fl^rch iein hebrä .>rlies Erzie- 
idtonusbuclt •Jesodoth Chinuch 
Hl^tiath* einen Namen erworben 
h^. Sein in m.mer Nachbarscual- 
wtiiuicnaer Bruder hat mir das 
Btfcchlein gebracht, und ich habe 
malpches Allgemeininteres>ante in 
diesem Luach des "Menorah-Ver- 
lag^ zu B rlm. von der Amerika- 
nischen Mili.ärvegierung und in- 
rer Nachrichtenkontrolle zugelas- 
sea^, geiunden. d^s unseren Le- 
sern nicht voienthalten werden 
soIU 

tXw Luach aus Brlin. — bis 19;<3 
eine uninteressante Selbstver- 
ständlichkeit; im Jahre 1948 eu e 
btftnerkenswerte Erscheinung. Jü- 
disches Leben, traditionolles jüdi- 
sches Leben lii.dec seinen Aus- 
drm*k in der Stadt, in der und von 
der aus in der ganzen WeU d^i 
Judentum ausgeroter werden soll- 
te. Die Knochen un^eier Feinde 
faulen unter der Erde, und jüdi- 
sciies Leben spriesst aus den Rui- 
iSen. Aber der Freude wird scfon 
■ein ..Dänni^e^-, ,.4J4f|ese^zt L ^^e:j^ 

Te*tiinent seliv viel b.cser als icii 
iB^gm^td wuss(2 und dem ein et- 
was unbedacht geschriebene.^ Wort 
von mir weh getan und Aergernis 
g-geben hatte. Soll e ich also die- 
sem wohlmeinenden und würdigen 
alten Juden eine Genugtuung ver- 
sagen, um die er auf eine edle 
Wei3_ gebeten, sollte seinem Glau- 
ben und seiner überpersönlichen 
frommen Weisheit mein Recht alr 
Bücherschreiber, als Vertreter ei- 
r^r psycholosischen Spezialitä:. 
mein Pathcs als Bekenner entge- 
genzustellen und ihn, indem ich 
ihn enttäuschte und abwies, noch 
belehren? 

Ich brachte das nicht üb'^r 
mich. Es hätte dazu ein Mass an 
Sicherheit, an Glauben an mi.-h 
und an den Sinn und Wert mei- 
ne)- Aroei' gehört, den ich heute 
nicht mehr aufbrächte. loh 
schrieb dem Leser in N:w York ei- 
nen kurzen Brief, dass ich seinen 
Wunscii eriüllt habe, und .sclirieb 
meinem Verleger eine MittMlung. 
dass bei einem etv/aigen Neudrucic 
des "Kurgast ■ fiuf Seite 154 das 
Wort ••erstaunlicherweis:" wegzu- 
lassen sei. (Die Wgj: > 



ir 



Luach enthält gleich am Anfancr 
kurze Angaben zut» Gebraueli der 
Zeiten tafel auch in Hamburg:, 
Hannover. Leipzig. Praj: u. a. einst 
blühenden jüdischen Oetueindeii, 
die heute von Berlin aus mitbe- 
treut werden. 

Und nocli ein Strich, der weli- 
mutsvon s'immt: die Adressen- 
tafel. die auf zwei kleinen Seiten 
all? jüdischen Institutionen d»r 
einst so grossen jüdi.ächen Ge- 
meinde au.sweist. Acht Synagogen, 
4 Religionsschit?en, ein KJ-anken- 
haus und ie ein Heim für A!*e, 
Kinder. Schwestern und Durch- 
Wandrer, eine AiLswandererbera- 
tun<rc£telle. Lebensmittel- und 
Kleidern us2:abe -teile, eine Frauen- 
gruppo der Jüdischen Gemeinde 
und dr i Friedhöfe: — da.« sind 
p^ben der Hiiuntverwaltung in der 
Oranie.'"'burQer='trasse 28 die jiuii- 
fh-n Institutionen des heutigen 
Berlin. 

Aber son-t atmet der LUACH 
.lüdiscben LcbeiiswUlen und jü- 
disch-traditionellen Ge st. Nei)et> 
dem praktisch und geschmackvoll 
nuf!:p«T-.f»chten Kalendarium firi- 
(3en wir — seTs in knr.^ester Fa.=5- 
y,\v<r — "Rf-mf^rkungen über den 
iiidi-chen Kül^r-der und d«.s s.X't' 
Tiielle -lahr. Ihvmche Ansführun- 
pen über d.^n Beiinn und das En- 
r> von s-^bb=<th- und Festtagsruhe, 
Z^ittafpln zur Feststellung der 
Jahrre=t«n n^ch jüdischem Datum 
für all?» M^n'^t.« von 1939 bis 1945 
(al<o dr Zeit der Massenmorde, 
da kein Li 'ach in Dent.',chl-^nd Pr- 
scheinen konnle». Die 
das rhai.ukkaii-Lied. di<- wichtig- 
^♦pn Se^enssorücho in Hebräisch, 
in Tran.skription und m deutschsr 
Urben ragung. z. T. vom Verfass-r, 
fehlen so wenia; wie das K^iddisch- 
n.-^het Für ied'^.n Schabbath ent- 

IliiJilr da? Büchlpin ein markantes 
Wpvt aui: dem Thora- Ahsohnilt 
mf!i^ für den vcnirier G:bildften 
eine Abteilung, in der alle im 
T uaeh verwetideten hebräischen 
Ai'«ÄVücke erklan #eideu. ifi n: 
i'l ipe Serie von blr graphischen 
"Not*£r.^n über berühmte jüdische 
Pci«pnlichkei|en unter besonderer 
BrrScksichtigung der geistiger» 
Füb|k-er des trc^ditionell-rligiösen 
Ju^ntums in Deutschland gibt 
dieTendenz des Luach und seiner 
HejBusieber v;ieder: Erneuerung 
wxA Stärkung de«: tradiUons- 
pegvmdenen Judentums unter den 
überlebenden der gro.ssen Tragö- 
dii des deutschen Judentums. 

Anz;igen;eil erscheinen Ko- 
er-Restiurants neben Geschäf- 
te, Handwerkern und jüdischen 
Ä6it«chriflen. welche die Aufmerk- 
keit des Leser.s und B?nützcr.^ 
f sich lenkten wollen, und wir 
fahren auch - w'.s uns beson- 
. heima lieh anspricht — da<«.'J 
Berlin -Neuköln ein An- und 
vkaiif für Gold und Brillanten 
[Steht, das sich 'Alfr do. Am.>ter- 
m- Montevideo' nennt. Ein 
ach - - ein Kalender fürs Jahr, 
n Kalender, der ein ganzes Ka- 
ijjiiitel .1iidis<her Geschichte wider- 
j^pi geh. G. R. 




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I S R O E L " 



Ano XII — N.o 4 



SANTIAGO DE CHILE 




f 



ABRIL, 195L 



GESTRICHENE WORT 



EINE LUEGE IM DIENSTE DER WAHRHEIT 

Von HERMANN HESSE 



Ein wunderliches Anliegen 
hat mir gestern, fuer eine 

Stunde Arbeit gegeben. Es 
kam ein Brief aus Amerika, 
geschrieben von einem alten 
Herrn, einem frommen deut- 
sehen Juden aus einem je. 
ner alten Judenhaeuser des 
Rhein — und Maingebietes, die 
bis an die Schwelle des un. 
freundlichen Heute zu den 
aeltesten und besterhaltenen 
Kulturherden Deutschlands 
gehoert haben. Dieser alte 
Herr in New York, ein Emi- 
grant, ein kultivierter und 
frommer Jude, ein Namenlo. 
ser in einem Heer von Wert- 
vollen, die Deutschland zu- 
gunsten der Schreier und Boe. 
sewichte von sich gestossen 
hat, schrieb mir einer Gewis- 
sensfrage wegen, die ihm 
Skrupel machte, und die Bit. 
te, die er an mich zu richten 
fuer seine Pflicht hielt, be- 
steht darin: ich moechte ein 
einziß:es Wort in einem mei- 
ner Buecher bei kuenftigen 
Auflagen weglassen. Er hat 
vor kurzem den "Kurgast" ge- 
lesen und darin eine Stelle, 
wo ich den Spruch zitiere: 
"Liebe deinen Naechsten wie 
dich selbst". Der Kurgast 
nennt diesen Spruch "das 
weiseste Wort, das je gespro- 
chen wurde", und fuegt hin. 
zu: "Ein Wort, das uebrigens 
erstaunlicherweise auch schon 
im Alten Testament steht". 
Fuer den Leser und Brief- 
schreiber in Amerika nun, 
fuer den frommen Juden und 
Bibelleser, ist das Wort "er- 
staunlicherweise" nicht an. 
nehmbar, er findet mit die- 
sem Wort das Judentum und 
die Thora beleidigt und ange. 
zweifelt. Ich las die fragliche 
Seite meines vor 25 Jahren 
geschriebenen Buches sorg- 
faeltig nach. Natuerlich hatte 
der Briefschreiber recht, na- 
tuerlich war es ein Irrtum 
und fuer den juedischen Le- 
ser beinahe eine Blasphemie, 
wenn ein bisher von ihm 
ernstgenommener Autor es 
"erstaunlich" fand, dass ein 
so edles und erhabenes Wort 
"schon" im Alten Testament 
stand, also lang vor Jesus und 
der christlichen Lehre ge- 
schrieben war. Er hatte recht, 
daran war nicht zu zweifeln: 
mein Ausdruck "erstaunli. 
cherwelse" war, ebenso wie 
das Wort "schon" (das mein 
Briefschreiber aber nicht be. 
anstandete), objektiv unrich. 
tig, er war voreilig und toe. 
richt, er spiegelte etwas von 
der zugleich verlegenen und 
hochmuetigen Art wider, mit 
der zur Zeit meiner Kindheit 
und Erziehung die populaere 
protestantische Theologie uns 
kleinen Protestantenkindem 
von der Bibel und vom Ju- 
dentum sprach, und welche 
etwa darauf hinauslief, es sei 
das Judentum und das Alte 
Testament zwar hochehrwuer. 
dig und nicht genug zu re. 
spektleren, aber es fehle ihm 
eben doch das Letzte, die Kro. 
ne, das Alte Testament sei 
vorwiegend ein Buch des Ge. 
setzes und der Strenge, 
waehrend erst das Neue den 
wahren und vollen Begriff 
der Liebe und Gnade gebracht 
habe. Als Ich Jene Zelle Im 
"Kurgast" vor 25 Jahren 
schrieb, wir Ich, mindestens 
fuer eben jenen Augenblick, 
nicht ein Wissender und Ue- 
berlegener gewesen, sondern 
es war mir damals, als Ich je. 
nes herrliche Wort von der 
Naechstenllebe zitierte, In der 
Tat "erstaunlich" vorgekom- 
men, dass ein solches Wort, 
das man ruhig die Qulnt««- 



senz der christlichen Lehre 
oder doch der christlichen 
Moral nennen konnte, "schon" 
im Alten Testament stehe. 
Recht hatte er, der liebe be- 
sorgte Mann In Amerika. 

Aber wie war das nun? War 
der "Kurgast" und waren alle 
meine Buecher denn geschrie- 
ben, um Kenntnisse und ob- 
jektive Wahrheiten im Volk 
zu verbreiten? Gewiss wollten 
sie, vor allem anderen, der 
Wahrheit dienen, aber im Sin. 
ne der Aufrichtigkeit, welche 
sich sorgfaeltig jedes autori- 
taeren Beiklangs beim Aus- 
sprechen von Gedanken ent- 
haelt, einer Aufrichtigkeit, de- 
ren Gesetz den Autor zu ei- 
ner weitgehenden Preisgabe 
seiner Person und nicht sel- 
ten zu einer Selbstenthuellung 
zwingt, deren Opfer noch nie- 
mals ein Leser voll begriffen 
hat. Wollte ich denn meinen 
Lesern etwas anderes mittei- 
len als die Ergebnisse meines 
eigenen Erlebens und Den- 
kens und dazu jeweils eine 
Strecke des persoenlichen 
Weges, auf dem ich zu diesen 
Ergebnissen gelangt war? 
Hatte ich je den Dlktator,-den 
unbedingt Wissenden, den 
Priester und Lehrer gespielt, 
der seine Wahrheiten mit der 
Autoritaet eines Amtes ver. 
kuendet, seine Luecken und 
Zweifel aber sorgfaeltig ver- 
schweigt? War nicht dies mei. 
ne Rolle und Aufgabe gewe- 
sen: meinen Lesern nicht nur 
meine Gedanken und Ueber- 
zeugungen mitzuteilen, son- 
dern auch meine Zweifel, und 
ihnen nicht einen Autorisier, 
ten und Geweihten vorzusnle. 
len, sondern nur mich selbst 
zu zeigen, einen suchenden 
und irrenden Bruder? 

Ich konnte dem Manne In 
Amerika dies alles nicht er- 
klaeren. Da er es bei der Lek. 
tuere meiner Buecher. die er 
beinahe alle kannte, nicht ge. 
merkt hatte, wuerde es mir 
in einem noch so langen Brie- 
fe auch nicht gelingen, ihn zu 
einer anderen Art von Lesen 
imd Verstehen zu bekehren. 
Er verlangte von mir, ich st)lle 
Pin einziees Wort in einem 
Buche streichen, und Verlan er. 
te damit, ich solle, im Dienste 
der Wahrheit, eine Luege be- 
gehen, ich solle RH tun. als s^l 
Ich damals vor 2.*> Jahren, als 
ich den "Knrga.st" 5?chr1eb. 
keines Irrtum«: oder Leicht- 
sinns, keiner Unwissend Pit in 
bezug auf Bibel und Theolo- 
gie faehig gewesen, als haet- 
ten nicht damals wie heutp 
r»o<»h uPberall "R^s^-p meiner 
Herkunft und Erzlehime a-n 
mir ereha rjppn. War das nicVi^ 
doch vfplleicht etwas zu viel 
Verlane^.? 

Scheinbar war die Sache al- 
so sPhr einfach. Man verTan?. 
tp etwas von mir. was meinem 
Weseri und Gpsr^hmark. m^l- 
npn llteraHcchpn n^wohnhH. 
^f^n. um nl'^ht p'leff*^! r\\ sap"pr» 
"OnirtdsaM.'jpn". widprs^rfly^h. 
nnd darauf sab e^ 1a eigpnt. 
l^'^h nur p1n<» Arifwort. Pine 
Absaee. Ahpr dip Di^ge sehen 
immer einfacher aus als sie 
sind und die moralischen 
noch mehr als alle andern. 



Waere ich zwanzig Jahre 
juenger gewesen! Das Wort 
"erstaunlicherweise" waere 
weiter in meinem Buch stehen 
geblieben und haette weiter, 
hin in edler Aufrichtigkeit 
meine Ahnungslosigkeit und 
Torheit vom Jahr 1923 doku- 
mentiert. 

Aber nun war ich eben et- 
was aelter und etwas bedenk- 
licher, wohl auch etwas unsi- 
cherer geworden, und der 
Mann, der das Wort gestri- 
chen haben wollte, war eben- 
falls ein alter Herr, dessen 
Brief es weder an Bescheiden, 
heit noch an Wuerde fehlte. 
Er war ausserdem ein From- 
mer, ein Liebhaber der Bibel, 
ein Mann, der im Alten Testa. 
ment sehr viel besser als ich 
Bescheid wusste, und dem ein 
etwas unbedacht geschriebe- 
nes Wort von mir weh getan 
und Aergernis gegeben hatte. 
Uno noch etwas: er war ein 
Jude. Er war ein Angehoerl- 
ger des Volkes, das der Welt 
die Bibel und den Heiland ge- 
geben und dafuer den Hass 
und die grimmige Feinds-chaf t 
beinahe aller anderen Voelker 
geerntet hatte, ein Mann aus 
einem uralt-heiligen Volk, das 
in unserer gottlosen Zeit Un- 
ausdenkliches erduldet und 
sich dabei besser bewaehrt 
hatte als irgend ein anderes, 
juengeres Volk in aehnlicher 
Drangsal: denn nicht nur 
hatten die Juden (und das 
gilt auch noch fuer heute, die 
Verfolgung dauert ja an) ein 
Beispiel ohnegleichen an So- 
lidaritaet, bruederlicher Hilfs_ 
und Opferbereitschaft gege- 
ben, dessen die Welt noch gar 
nicht bewusst geworden ist, 
sie hatten ueberdles In un- 
zaehligen Faellen einen Hel- 
denmut im Ertragen, eine 
Tapferkeit angesichts des To- 
des, eine Wuerde im Elend 
und Untergang bewiesen, bei 
deren Betrachtung wir Nicht- 
juden uns nur schaemen 
koennen. 

Und nun sollte ich also dle- 
s e m wohlmeinenden und 
wuerdigen alten Juden ant- 
worten, sollte ihm eine Ge- 
nugtuung versaeen, um die er 
auf eine edle Weise gebeten, 
sollte seinem Glauben und sei. 
ner uebemersoenlichen from- 
men Weisheit mein Recht als 
Buecherschrei'ber, als Vertre- 
ter einer psychologischen Snc. 
zialitaet, mein Pathos als Be. 
kenner entgegenstellen und 
ihn, indem ich ihn ent- 
tapn sehte und abwies, noch 
belehren? 

Ich brachte das nicht upber 
mich. Es haette dazu ein Mass 
an Sicherheit, an GlauHp*^ an 
mich und dpn Sinn und WPrt 
m Piner Arbpit gehnprt, den 
Ich heute nicht mehr auf- 
brapch^-p. Ich «schrieb d^m Le. 
cpr In Npw York plnen kurren 
PHAf das"5 ich seinpn Wunsch 
prfnpllt "H«H<*. und .«'»"h-HAb 

T^mcr^. dn^S HaI f»<r»Äm pf^r^lfr^ri 
MAndm<»k d^« 'TTnrorq <;+,'* ^rif 

cherwelse" wegzulassen sei. 




(**ThnerlnHsM»he T.andp'tvH. 
tnnsr^, Weimar: 30.12.1950) 



1950) I 

ml 



J 



r 



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NEUE W ELT 

Ein Worf ^^^'^5' 
über den Antisemitismus 

Von Herinanii Hesse 

Im Zusammei ihaiig mit de r H erausgab e 
des JlMches „Da^r-t^rTlTe ReifjiJimiL tfie^ 



JITditiV-, von Leüiri*DtiaköV und 'jLsef Wulf; 
^''wrTiIel uns der berühmte Nobel-Preistrager 
Hermann Hesse folgenden Artikel. 

Der primitive Mensch haßt das, wovor 
er sich fürchtet, und in manchen Schichten 
seiner Seele ist auch der zivilisierte und 
gebildete Mensch ein Primitiver. So beruht 
auch der Haß von Völkern und Rassen gegen 
andere Völker und Rassen nicht auf der 
Überlegenheit und Stärke, sondern auf Un- 
sicherheit und Schwäche. Der Haß gegen die 
Juden ist ein verkleidetes Minderwertigkeits- 
gefühl: Dem sehr alten und sehr intelligen- 
ten Volk der Juden gegenüber empfinden die 
vvenigen klugen Schichten einer anderen Rasse 
Konkurrenzneid und beschämende Unterle- 
genheit, und je lauter und heftiger dies 
üble Gefühl sich als Herrentum aufspielt, 
desto gewisser steckt Furcht und Schwäche 
dahinter. Ein wirklich Überlegener, ein wirk- 
licher Herr wird den, dem er sich über- 
legen weiß, bemitleiden, vielleicht ge'egent- 
lioh auch verachten, niemals aber hassen. 

Wir alten Leute haben die Zeit noch 
erlebt, da man in Deutschland von den Ju- 
denverfolgungen in Rußland und anderen Län- 
dern nur mit Schauder und Entsetzen las 
und sprach. Ob man nun die Juden liebte 
und zu schätzen wußte oder nicht, man 
empfand diese Pogrome als barbarisch und 
menschenunwürdig. Doch reicht'? freilich die 
Verstandes- und Herzensbildung nur selten 
so weit, daß man den Antisemitismus auch 
im eigenen Volk erkannte und verurteiltet, 
wo er sich vorläufig nicht in Schlächtereien, 
sondern nur in Rechtsbeschränkungen und 
in einem Vokabular von Spott- und Schimpf- 
namen für die andere Rasse äußerte. 

Die scheinbar kleine Unterlassungssünde hat 
sich entsetzlich gerächt. Dasselbe deutsche 
Volk, das einst die Pogrome in andern Län- 
dern mit Schaudern verdammte, hat ein paar 
Jahrzehnte später alle diese Scheußlichkeiten 
so überboten, daß seither in vielen Ländern 
der Erde das deutsche Wesen für viel ge- 
fährlicher und schändlicher gilt als jemals 
das der Juden oder der Hunnen. 

Gewiß, dies Urteil ist nicht das der Ge- 
scheitesten und Fortgeschrittensten, es ist 
ein Urteil des aus Furcht geborenen Hasses^, 
wie es einst der Judenhaß der Hitlerleute 
war. Aber es ist eine Tatsache, und wohin 
solche Haßurteile führen können, das haben 
ja Hitlers Konzentrations- und Vernichtungs- 
lager der Welt vor Augen geführt. 

Zu den Aulgaoe.i der ueutscUeii Juguid 
gehört es nun, diesem Deutschenhaß 
,1 durch eine vernünftige und würdige Haltung 
1 zu begegnen. Dazu gehört vor allem eine 
I Einsicht in die Ursachen der Schande, die 
der Nationalsozialismus über Deutschland ge- 
bracht hat, und eine immerwache Abkehr 
von den Charakter- und Denkfehlern jener 
Generation und ihrer Führer. Wer heute 
in Deutschland noch oder wieder hitlerische 
und judenfeindliche Phrasen nachspricht und 
die Augen vor dem unheimlich folgerichtigen 
Ablauf der deutschen Geschichte zwischen 
1933 und 1945 verschließt, ist ein Feind 
seines Vaterlandes. Und wenn einem von 
euch Jungen das, was jeder weiß, noch 
nicht genügt und wenn ihn ein Verführer 
mit jenen Lügenmärchen über jüdische Min- 
derwertigkeit und jüdische Übeltaten kommt, 
dann denket daran, daß das, was Deutsche 
den Juden angetan haben, leider keine Lü- 
genmärchen sind. Das Buch vom Dritten 
Reich und den Juden spricht eine Sprache., 
vor der jede Phrase verstummt. 




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Siegfried Guggenheim 

Dr. iur. Flushing^parsons Boulevard 3505 

I 2#'*\igust 19^8 

An den Herrn Direktor der Bibliothek 
der israelitischen Gemeinde Zuerich 
I*avaterstrasse 
Zuerich 

Sehr geehrter Herr, 

^^ , ^ ^ , ^^® haben ein Exemplar meiner ♦♦Offenbacher Harradah* 

ffi^^J^^JL^f S"^r "^^ ^^ i^^ ^^^^^ Bestaetigung von Ihnen emJfS^en 
naoe, erlaube ich mir diesen Brief, yj-^^^^u. 

?o?J?"®^n^* ^*^®^ F?.f^^ Feuilleton von Hermann Hesse in der "Zuercher 
-i&^fwf^^v^^v'Kf^^^^i*/^" gestrichene Wort".Der dort erwaehnte 
•<«B!r in New York bin ich. Im Februar 1948 hatte ich Hermann Hesse wLen 

des Wortes -erstaunlicherweise" in seinem Buche «Der Ku^st" leschfiS- 

3r?;?^ ^?tf L?rf t^Z^^t irrefuehrende Wort tilgen. In ei?em zwf J?ef 
Briefe zitierte ich Martin Bubers Vorrede zu Hermann Cohens "Der Naech- 
ste» imd am Scnlusse bemerkte ich: «aecn 

« ■ÜJ^'^oc^ u^**® ich noch, von mir annehmen zu wollen, das zufaellig auch 
It^^ii »^*5 entstandene Buechlein,die Offenbacher Haggadah,eil biblio- 

^ ?SerF?|S|"Slcien?^'' vergriffen ist.Ich hoffe,ForrSd InAalt .tlHl 
Hermann Hesse hat darauf geantwortet: 

^ "IJ«" Brief ist angelangt imd ebenso das mir zugedachte Geschenk Ihr 

. prachtvoller Druck der Haggadah Um eine objektiv! wISheit auf 

?S?ätlir5a^^fJ?^j2*'^? ^"^?".=''^ korrigieret, verfaelsSeich Sie 
f?5i T Wahrheit, die mich blamierende Stelle meines Buches, und mache 

Nun noch ein Wort ueber das Geschenk. Es ist mir aeusserst unangenehm 

dass Sie Ihren Wunsch mit einem Geschenk verbunden habeJunrjSS SJr!: 

dieses Geschenk keinesfalls behalten. Darum bitte ich um eine Adresse 

. an die ich es senden kann, entweder in der Schweiz oderin dir Se?ikli- 

:. nischen Zone Deutschlands; in die andern werden keine Drucksl^h^ SJt- 

notanen.Es gruesst Sie Ihr H.Hesse.- i^rucitsacnen ange 

:,S^f^aJ?*S^Ü^^*^+*' ®4?®'^ Wunsch ausgesprochen, sondern nur diese Tilgung 
^d^n ?h^:^^S^L"®^*®'' ^^®^ "^«'^^ ^o» Belang. Herrn Hesse habe ich 
aann inre migti Adresse angegeben. Ich^ vermute, er hat Ihnen das Buch 



* "S?tS?v „L^r^^^SiJ wohl etwas benihigt und mir eines seiner Bueeher 



ji. 



^ur> J 



^la^ 



GrjjtalJ" geschickt. ^ »«^Ui^, _ 

chiTJestimrat, ueber meine Haggadah zu verfuegen,wie 



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h^h«f«J*?*4."'^°*^ij','""'i™'^'^®''®^ "'®^'^« Haggadah zu verfuegen,wie es nicht 
zSJsaiÄlif p7^ u ^^^^^'^ ^^^ ^""^ nur-^i Exemplar! iA dieser Vor- 
JSSf Sf:^oV^f* ^^® i°? *" Universitaetsbibliotheken hier fuer • 20. 
mo«S« h?^ sind meine Selbstkosten. Da ich durch Hitler um mein Ver- 
k««f Lf 52"°°?" ^^" und von Verwandten unterstuetzt werde, ist der Ver- 
üJch ha?ti^^^™f«S ^^!^»«?erei entstandenen Haggadah fuer mich wichtig. 
S«™«?«! !„ u^S^ entschlossen,dem Dichter "lekiddusch haachem" ein 
Exemplar au schenken - g4t dem genannten Erfolg. . 

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BIBLIOTHEK 



der 



Israelitischen Cultusgemeinde 

Zürich 



Telephon 3 81 29 

Postcheck -Konto 

VIII 1731 



ZQrich, den 7. September 1948. 

Lavaterstrasse 33 



Herrn 

Dr. S.Guggenheim 

35-06 Parsons Boulevard 

Flushing , L.I., N.Y. 

U.S.A. 



Sehr geehrter Herr Doktor, 

Wir haben Ihr Schreiben vom S.August a.c. in unserer gestrigen 
Kommissionssitzung behandelt und Ihnen in Anbetracht Ihrer 
angeführten Argumente einen Betrag von Fr, 50.- für die Offen- 
bacher Haggadah überwiesen. 

Wir möchten noch ausdrücklich betonen, dass uns das Buch durch 
Herrn Hermann Hesse als Geschenk übermittelt wurde und wir sehr 
erstaunt waren, nach einigen V/ochen Ihren Brief zu erhalten. 
Das Werk ist bereits mit dem Stempel unserer Bibliothek versehen 
worden, so dass eine Rücksendung schon aus diesem Grunde nicht 
gut möglich ist. Unsere beschränkten finanziellen Mittel zwingen 
uns leider, kostspielige Anschaffungen zu vermeiden. 

Wir hoffen Sie mit der getroffenen Lösung einverstanden und 
begrüssen Sie 



mit vorzüglicher Hochachtxing 
Der Prlsident : 










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Dar Bib«Itext gilt d«n orthodoxen Heligionent den chriatliohen 
sowohl wl« d«r ao8ai8oh«n« %X% ** Gottes Wort** ia dwai Sinne nie hätte 
Jehovah selber ^ durch den Finger !<:oae • diui Alte reet«nentt und des- 
gleichen ale hätte dar chriet liehe '•Liebe ^ott** - durch die üände <kr 
i^rangelieten «» späterhin das ^eue Testament nied^rgesohrisben» L>les 
isoB wohl die Grundlage des kirchlichen respt» s/nagogalen Dogmas ge* 
Mttmt werden« Tmr gelehrten Forecüung gelang es naoh und nach diese 
Ihrundlage su ereohüttem und daralt die Maoht des dogmatisehen Glaube« 
SU brechenfOder dooh das Hauptsiiohlichste hierfür su leisten« 

Wenn wir gestehen aüsaenydsS wir auOer Stande sind die Kenntnlve^ 
tsm Scharfsinn und den FleiS dieser Forsohungt Tleljsrtir dieser Bibel- 
forsohsrt wed^r naeh Umfang noch in Binse Iheitaa stt wurdigent so tsew 
atfgea wir doeh Ihrs Resultate und deren Bedeutung su ermeeden« lUi 
f^lt also nicht sa allgsaeiner ftirdigung ihrer jeistiingen» und mit 
SwüclMurkeit ertcennsa wir vor all«a, da3 wir es dieser gelehrten For- 
schung wsrdanlcen» wenn wir nunaehi^ ohne Voreingenomnenheittnai*«! 
und herslichen ;>inn^<i^ Studium der Bibel uns hingeben können« Aohl 
fragen wir unSfWie sc che gelehrten Männerfdie so soharf d»?n do^sati« 
sehen Glauben und seine AuswUohse bekäapfteiit wohl einer swar undog«» 
matiachent aber aaoh ungslehrten Betrachtungsweise i^egenüber stehen 
»achten? /^^iner BetraohtungmreisSf die tos naiv-aenschliehen Stand- 
punkt aus daa eigentlich Menschliche der Bibel aufnimiiit und es sich 
SU Hutae SU aaohen sucht? die es brennend interessiert »wis ^^r Mensch 
dsr Bibel sich, sein Ineres» ia Sprechen und tun Terrät» wie ^%t 
Mensch ^%t Bibel sich selbst darstellt i Der fisaende a5ge uns doch 
dies nioht wsal4;er<^sugestehen9 wie wir bekennen, da3 er uns den feg 
frei g^uicht su solcher Betx^ohtungswelse und daalt aar rechten Tsr-» 
tiefuiig in die biblischen Texte und In die Menaohenoharakterstdie 
dort in so einsiger Welse geselehnst sind« ir wie wir sögen doch alt ^ 
tiefer XMilkliarkell Genugtuung vor allem dies empfinden, daü die KnCt 
biblischen i^eistes sich Imasr erneut mit ^mtk sloh erneuernden (lesohie 
tem der Msnschen« 

Wenn wir annehmen, daß die atreng«»dogmatlsohs Auffaaaung unter tei 
heutigen ** aufgeklärten** Menachen kaum noch ansutreffcn ast, so geh« 
wAr wohl nicht fehl« £s dürfte wohl, soweit ein lebendiges Interesse 
für die Bibel besteht, sich die Meinung wertareitet ^ben, daS Im 
Alten Testament eine Samlung uralten Schrlftgutesflaa sloh aus dar 
wmndsrbarstsn aller mtlndliohen borllefening^n hsrauagebo#ea hatt) « 
welches entstanden sein mag Im kiufs von Jahrhnaderten, wie eben '^ . 
Schriftgut unter Menschen intitikt su entstehen nflegt« und daS die* 



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860 alt« G^ut dann susammengatragen und geaammelt wurday iim ao su T%%^ 
ten vor dem Untergänge , dem ^ auh so viele Schriften untergegangener 
Tölker anheimgefallen aein mögen ohne daß auch nur Heete blieben» 
Und das Neue Testamentp es ist Literatur Jener einfachen Seelen^ dia 
sich Christus su seinem Umgange und zu seinen Schülern erwählt e^ die 
bewegt \ind entzündet wurden von seinem Wort, seiner göttlichen Art, 
so bewegt und entzündet, daß sie nun - nach seinem Tode, gar nicht 
anders konnten als niederschreiben davon, festzuhalten suchen, fest- 
zuhalten von diesem Unvergeßlichen, von dieser göttlichen Hoheit und 
Gewalt im Menschen, die sich ihnen - den Ärmsten der Armen - offen- 
bart hatte. Sie konnten nicht schweigen von »iesem, das da in Mensch- 
engestalt über die Erde gegemgen und sie für würdig gehalten seines 
Wortes und seines Umgaui^. JSs ist Literatur jener ungebildeten jüdi- 
schen Leute, die von den gebildeten Kreisen verachtet und als ••Amme 
I lÄ«X«JI.J5SÄÄliöiJülJmfil^^ haarez=Unwi3aende bezeichnet wurden. 

Also durchaus nicht wie das religiöse Dogma es dachte und dichte- 
te, und wie die religiöse Frömmigkeit es hinnahm, ist Hi das "Wort 
Oottes'» von Jehovah, dem Herrn der Heerscharen oder vom '»Lieben Gott- 
Vater im Himmel" niedergeschrieben, sondern von allerlei Menschen In 
menschlicher Art, wie uns ja auch aus den verschiedenen Schriften die 
verschiedensten Charaktere ansprechen. Und danach ist es gesammelt 
wiederum von allerlei Menschen, zusammengetragen, zuoammengestuckt, 
ergänzt, überliefert; auch wohl hie und da - wie das so bei Überlie- 
ferungen zu gehen pflegt - mit ZMgen ausgestattet, die dem Überliefe- 
rer angehöi^n, dem ursprünglichen öut jedoch fremd waren. 

Also ist die Bibel Menschenwerk, nicht Gotteswort, und die Kri- 
tik hat demnach vollkommen recht? 

Nun, nun - vollkommen ist ja nichts in unsrer relativen Welt, 
ganz gewiß keine Kritik - 

Dem, der die Bibel mit einem bloßen nüchternen Interesse histori- 
scher Kritik lesen würde, dem müßte das Wesentlichste verloren gehen, 
dem offenbaren diese Schriften nicht ihren tieferen, allerdings iSbOft 
göttlichen Geist. Wer sie hingegen liest in der relegiös abergläubi- 
schen Annahme, daß sie nicht Menschen- sondern "Gottes^^^Wort seien, 
der nimmt ihnen ihren höchsten menschiichen Wert und ihre ureigne 
Würde. Also wieder der religiös-fromme, nioh der historisch-kritische 
Sinn vermag den Geist der Bibel zu fassen, der allerdings göttlicher 
Geist isti Geist ewiger Besinnung. Und welch hohe Weisheit finden K 
wir in ihr, Vernunft und ungeschminkte unverschrobene Menschlichkeit . 
Die natürlich-echte Menschlichkeit, die sich einfältig und eindeutig 
ausspricht wie ein Kindt unverstellt, unschuldig sagt es ^» Gutes- wie 
-Böses-; es ist eben-noch ganz Natur-. Solche Natur zeichnet die Bi- 
bei aus, und so enthält sie das echte, naturhaft-Menschliche, und 



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^ 3 - 

Bwar - dies iat das Einmalig-Einzigst In dsr stets mlfgegebensn Bs- 
slshung auf den ewigen Orund des Menschlichen. Immer spricht mit 
das Bedürfnis, die Nötigung, der Wille i die tiefere Beziehung wach 
zu halten, die Beziehung auf das Ewige. Dies ist dae Einmalig-Einzige 
der biblischen Schriften, die man aus diesem Grunde ja auch kurzweg 
"Heilige Schrift" genannt hat. 

IMXXÄlIIMX »•Will man das wirklich unbedingt Einzigartige der 
hebräischen Literatur in Einem Wort sich vor Augen führen, da ist 
das Wort Heilig. ••• Nein gewiß nicht, diese Literatur hat nicht das 
Leben der Menschheit umgewandelt zu einem Leben der Heiligkeit, Li el» 
und Brüderlichkeit, aber die ungeheure Macht ihres Willens hat trotz ^ 
dem nicht versagt, und sie ist doch des Lebens der Menschheit SXIK 
%XJi gewaltig gewordeni das beweist die Geschichte und noch unser 

Leben •' "Die jüdische Literatur ist die wirksixtaste, in alle 

anderen Literaturen, in alle Kunst, in alles Leben aller lölker 
tiefst eingreifende Literatur; die einzige Literatur, welche durch 
alle die Grenerationen aller Zeiten hindurch in allen den Reihen der 
Lebendigen, von den Königen bis zu den letzten Bauernknechten, le- 
bendig gewesen; die einzige wirklich tiefst lebendige Literatur von 
immer nochunausgeschöpftem geistigem und sittlichem Erweckiwigswerte. 
Zu ihr hin und zurück wendet sich die edelste Seele, wenn ihr Shake- 
speare nicht mehr Genüge tun kann; und die Heiligen an wundertiefen 
Gedanken und unersättlichem Erbarmen lesen in dem Buche wie dort 
oben in der schrecklichen Kammer die Prostituierte und der Mörder. 
Die Literatur mit der Enthüllung eines Menschencharakters unä Men- 
scheninneren wie Jesus Christus - das ist das ^Yunder der Literatur, 
über welches man am meisten sich wundern muß; das ist das Wunder 
der Literatur, welches Wunder in der Menschheit vollbracht hat und 
weiter vollbringen wird, Wunder über alle andern v/under."l) 

Ja, es werden neben den Stimmen der Kritik und des Glaubens auch 
immer wieder diese ganz anderen Stiaunen laut, die Stimmen der höch- 
sten TOrdigung, der Liebe und Verehrung, die Stimmen der wahren Ken- 
ner und großem Liebhaber des Bibelbuches, - die allerdings wohl auch 
einmal einen Stoßseiif zer hören lassen, indem sie beklagen müssen daß 
uns das Beste so elend überliefert ist; dennoch werden sie nicht mü- 
de^ immer wieder darauf hinzuweisen, daß es das Beste ist, was wir an 
Kulturgut haben, daß die Bibel der Brunnen ist, aus dem unsre best« 
Kraft, die Kraft der Liebe und des ethischen Sinnes , sich nährt. 

Was also auch verloren sein mag bei der Rettung dieses Schrift- 
gutes, wir haben allen Grund, uns des Geretteten zu freuen und für 
uns und unsre Kinder immer wieder zu schöpfen aus dieser unerschöpf- 
lichen Quelle« 



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Wir wissen ja heute fast nicht mehr was es heiBt, wenn iinser 

tieferes Wesen berührt , wenn unser Denken und damit unser Leben von 

solchem (reiste durchdrungen wird^ wenn \uisre Handlungen dadurch moti- 

Tiert. wir dayon in Bewegung gebracht werden. Wir • Tom Geiste der 

der 
Wie enschaft xind Technik Besessene» \inter Tages- und Zeitliteratur 

Begrabene p von den Prägen der Politik und der Wirtschaft Genasrtei 
« wir von ixnserm tiefsten Wesen getrennte» yxai unser Bestes betrogene 
Eintagsmenschen - wo haben wir noch lebendige Berührung mit dem 
Ewigen ? Das doch unser Eigenstes, tiefstes Wesen ist« 

Ich kann doch so gar nicht» und ich möchte es nicht vergessen»^ 
daß ich in meiner frühen Jugend Ivfenschen begegnete, einfachen Men- 
schen, um die ein Hauch vom Geiste des Bibelbuches v/ebte, wie auch 
ich selbst als Kind zuinnerst ^^etrof-^en ward von manchem Bibelwort» 
das seinen geraden '7eg bei mir fajid und es mir da drinnen wunderlich 

warm und hell machte. Und gewiß • trotz allen Aberglaube^^^a-der sich 

. jmöglion 

an biblische Lehren gehängt hat - war stets und wird imaier sein ein 
ursprungliches Verhältnis zur Bibel und damit die Segnung durch den 
innewohnenden Greist» Dies wird nie für alle verloren sein» wenn es 
auch unter uns fast so aussieht als hätten wir mitsamt der christ- 
lichen Religion auch das Buch der Bücher verworfen und könnten es 
uns nimmer zurückholen. Und es ist doch die vornehmste Quelle des- 
sen» was Ethik in unsrer Kultur war \and ist. 

Wir sollten nichts unversucht lassen, den Menschen unsrer Zeit 
und den nach uns Kommenden wiederum Zugang zu verschaff en, Verständ- 
nis zu eröffnen, wd) es verloren gegangen. Selbst hier in Holland» 
wo doch eine der ersten Pflegestätten der Bibel und der biblischen 
Lehren ist, hörte ich junge Menschen sageni »'Die Bibel? - ach, das 
kann man heute nicht mehr lesen! das ist unsclimackhaft - es ist ja 
so langdrähtig geschrieben, mit den vielen Wiederholungen; das in- 
teressiert uns heute nicht mehr. Es ist veraltet." iJun. ich las ih- 
nen dennirdie eine und andre der alten Geschichten, bis sie es merk- 
ten» daß es auf der Welt nichts geben könne» das in solcher Kürze 
solchen Reichtum beschlösee» das so schlichtweg von Herzen kommt 
und zu Herzen geht» das so menschlich-ehrlich ims anschaut» unsre 
tiefste Seele anrührend» bewegend. Ich zeigte ihnen auch» wie sich 
Rembrandt vertieft hat in diese alten Schriften» im/aer wieder daraus 
schöpfend »sich daran entzündend zu seinem höchsten Schaff en,xind wie 
er doch mit allem was er schaffte »nur diesen Reichtum der Menschen- 
seele nachzuschaffen suchte »der so unendlich bewegt und der unver- 
sieglich strömt. So daß wir nun - wenn v;ir es eben vermöchten - an 
Beidemi an der Bibel selbst xind an Rembrandt» die Menschenseele stu- 
dieren und alle Lehren der Psychologie daraus ziehen könnten. 



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- 5 - 

D.nn das l.t ja Psychologie, das Innerliche des Meneohen erkaiul 
und durchdrungen in allen seinen wirklichen und möglichen Regungen. 
Bedingtheiten, Reaktionen und Aktionen, 

Und das ist angewandte Psychologie, Die Lehr, von den Affekten , 
Ihrer Naturgehundenheit. ihren Gefahren, und wie diesen ^ begegnen 
ist. (Von den Ergebnissen der Psychopathologie hier natürlich >u 
schweigen« ) 

und das ist die allgemeine Grundlage der Psychologie, Kenntnis 
des einheitlich-unveränderlichen Grundcharakters m.srer Gattung. « 
dem alle Varianten, alle üin^elindividuen der Gattung Mensch teilhat 
ben. Alle gleich im Grund Charakter, der sich naturnotwendig ergibt 
aus unserm gesetzmäMgen Verflochtnasein in das Ganze der Allnatur. 
Davon die Kenntnis, das geklärte und gefestigte Wissen, ist die 
Grundlage unsrer Psychologie. 

u„. nT !r'' """" «i— <i-. so weitgreifend-allgemeine Einsicht 
und Orientierung sei weder Sache Rembrandts noch der Bibel, sondern 
Aufgabe einer philosophisch fundierten Lehre? Das wird zugegeben. Ix 
^xnsicht jedoch auf Kenntnis des Menscheninner*n nach allen Hühen 
^. riT ^'"/^'^' ^^" Hembrandt noch für die Bibel ein. Einschr*.. 
kung Und aui3erdem. was die Lehre von d«n Affekten, ihren Gefahren 
und deren Überwindung anlangt - hierin hat die Bibel ein gewichtig« 
Wor mitzureden und Plnger.elge .u geben, ja hierin kennen wir ^ 
voii^oamene und sehr nachdrückliche Beispiele entnehmen, aus denen 
die Lehren .u .iehen öach. jedes besseren Lesers sein sollte. 

Machen wir einmal die Probe. neh:aen wir die Bibel .ur Hand und 
schlagen wir nach, Genesie I.Kapitel 4 - da ist von dem ersten Brüd., - 

lieh LtTir:°''" T ^'"'' ^"°' '-'' "^^ ^^^^" '^ «^"^' ^^« -»^ = 

inöglichen Anlaß. negativen Affekte auT^ommen bei jedem 

Was ist gewesen, das aum Totsphi-» *^v. 
nichts vermeldet als d.R Z ,^^^^ '^'^" "»^5*«? «a wird weiter 

ausgew« wird. v„„ Ab,I, üpf„ „!.„!'„ ' '""°'' ^'"^ Aberglauben 
icaine Opfer „aa niedergedMo"^» , T '^"'"^^ '""' »»«'■ "■> 

l" ^-au.e Aberglaub*, «».u,,, n.JZtl T. '" " •""'" ""'- 
•ber wallt es eogleleh auf. aaa hllSe Bl!t ,' '" """ '^*'*- "l* 
Kam ergrl™,t u„a eel„. Oe;ärae veretellTl, b T"""*" "'"^ ' 
«■^ u„a beginnen Ihre Jagä, a.r illd . . '^""' ''"^''«»" 
"ird ^. Toteohia. ..>.<i„ ^'"""° "'""^ «m.erU.g, Ihnen und 



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Eb geschieht «war suTor einiges, ohne jedoch den Lauf der Dinge 
weder iMUtMÄX hemmen nooh leiten su können» es epriohl^XJe Stimme des 
Herrn t 

"Warum ergrimmst du Eain, und warum Terstellet sich deine Sebärde 7 
Ist« 8 nicht also? wenn du fromm bist, so bist du angenehm» bist du abaar 
nicht fromm, so ruhet die Sünde vor der ItUr, und nach dir hat sie Ver- 
langen; du aber herrsche über sie," 

So spricht die Stimme des Herrn, oder sagen wir die tiefere Besin- 
nung im Menschen - 

"Wenn du fromm bist".... was heißt, was bedeutet hier das "fromm 
sein" ? gewiß nicht jenes, was die Kirchenfrömmiskeit darunter ver- 
steht und was allgemein darunter verstanden wird. Welt eher dürfen wir 
an den Sebrauoh denken, den Goethe in seiner Marienbador Siegle von 
diesem Worte macht» "Des liimiaels Frieden, welcher uns hlenleden mahr 
als Vernunft beseliget.... vergleich ich wohl der 'Aebe heitern Frie- 
den in Gegenwart des allgeliebten .Vesensi wir heiSens from.-n sein} sol- 
cher seligen Höhe fühl ich mich teilhaft, wenn loh vor ihr stehe." 

Dem Liebenden wird in der eigenen Seele solch ein Llebeslohn^ wo 
er das Höchste liebt oder wo ihm das Gellebte wahrhaft das Höchste 
ist, er wird - gereinigten und gestillten Herzens - teilhaft solcher 
seligen Höhei 

"In was du liebst, in das wirst du verwandelt werden; 
Gott wirst du, liebst du Gott, und Erde, liebet du Erden." 

Gewiß, nichts anderes ist mit dem schlichten Bibelwort gemeint; 
fromm sein heißt auch hier» den inneren Sinn ganz und ungeteilt auf 
das Höchste richten, davon erfüllt und herzllchfdS?chdrungen sein, 
und andres heißt es nicht. 

Mit diesem .ort der Bibel ist also eine, vielleic'r,t die bedeutend- 
3te__ psychologische Tatsache bezeichnet. Wenn du den Sinn auf das Hödi- 
8te gerichtet hast, so bist du befreit und erlöst von all den dringen- 
den, dich rastlos umtreibenden egoistischen Interessen/ und. was mehr 
ist. befreit und erlöst von äen unruhigen und quälenden Geistern, den 
negativen und überhaupt den leidenden Affekten, die zum Schweigen ge- 
bracht werden, sobald dieser ?,ustanä in der Seele des iienschen ein- 
tritt. 

"Schaff in mir Gott ein reines Herz, 
Und gib mir einen guten, gewissen Geist." 
Das klingt so simpel und doch ist es das Höchste^ was dem Menschen er- 
reichbar ist. Man stelle sich's nur recht vor, Nicht verunruhigt. nicht 
gequält sein, sondern so bewegt, daß älsx. das Gefühl der reinen Lust 
und das Bewußtsein der Höchsten Übereinstimmung den ganzen inneren Me». 
sehen einnimmt. ,o kannst du auch nicht zu einem Tun getrieben weiden, 
das verhängnisvoll auf dich selber zurückwirken könnte so und so,«ur<h 






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fatal*» oft schicksalsschwere Schläge von auQen her, und Ton Innen 
diirch die bittre Qual der Reue. Es verhält sich damit wie üplnoza sa^ t 
"Die Glüokseligkeit ist nicht der Lohn der Tugend, sondern die Tugend 
selbst." 

Eas mögen wir also wohl glauben, daß da der Mensch angenehm ist. 
Zuerst natürlich sich selbst: er ist ja außer allem Zwiespalt - gehobm 
\md gestillt; ja er denkt in solcher inneren Situation gar nicht an 
sein loh, er ist Ich-vergeseen, da er vereint und völlig JSines ist mlfe 
der hohen Idee, die ihn beseelt. 

Welter hei«t es im^biblischen Texti "Bist du aber nicht fronun, so 
nihet die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen..." 

Sie ruhet vor der Tür - sie ruhet awar, aber sie hat Verlangen na>h 
dir. Wie ist das aufzufassen? Wie anders alsi die negativen Affekte 
sind latent da; sie sohlvunmern wohl, doch selbst schlummernd liegen 
sie auf der Laue£, immer bereit loszubrechen und ihre lacht zu üben. 
Und nun folgt ein gewaltiges Worts " Du aber herrsche über siel " 
So bündig und stark ausgesprochen, im lapidaren otil der Bibel, 
ist dieses Vort zum Erschrecken; ein Donnerwort, eine allerstärkste 
Porderungi der katagorischste Imperativ, gegen den alle andern Impera- 
tive nur wie schwaches Mahnen und sanftes Gesäusel sind. 

Herrsche über die Sünde! Das heißt, greife ein in die natürliohs 
Bewegung, die durch dich hindurohbraust , und lenke sie nach dieser HÖÄ 'l 
sten Forderung. JNm heißt, herrsche über deine ,A^fekte,mache, daß du 
anders bewegt wirst als du von Katur bewegt ««M^igehe nicht fehl, sei 
ein Weiser an Gedanken; liebe anstatt sni hassen; tue dem andern nicht 
das, was du nicht willst daß er dir tuel «o erfüllst du zugleich die - 
höchste ethisch-praktische Forderung, das Gebot eines ^eeunden und auf- 
geklärten Egoismus. 

Als wenn das dem heißen Blut von Natur so natürlich, so leicht aeii 
würde! Nein, von Natur kann es keiner - also auch Kain nicht. Spino.as 
Affektenlehre aber war ihm unbekannt, sie wurde ja erst 5000 Jahre 
nach seinem Fall geschaffen - also konnte er eioh dieselbe nicht su 
Mutze machen. Weit eher wäre wohl die Frag* an uns berechtigt, war* 
gegen uns ein Vorwurf au erheben, dennjetzt ist ja diese Lehr* **rei1. 
mm 500 Jahre vorhanden, -riennoch wiederholt sich täglich der Fall 
Kains? Zu unsern-wlBsensohaftlich fortgeschrittenen"und"p«ychologisch 
orientierten-Zeiten ?! Jär tut es. Jir tut es eben well dl* ilenschenna- 
tur «1 allen Zeiten und in allen Zonen dieselbe eine ist, von konstan- 
tem Charakter. Da kann es nicht anders sein als es ist, daß nämlich 
auch heute noch alle ./elt randvoll ist von Aff*kt*n und dadurch voll 
V*rwirrun« (welche den Höhepunkt erreicht wo der blinde Affekt für W 
klar* Vrnunft JM gehalten wlrd!#). D*n Grund nannten wir schon, w*a 
•8 die Matur in uns ist, die «llgea.ine Bewegung der Natur,dl* nach 



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ihrer Gresetzllohult - wie duroh alles ^ so durch den kleinen 
Mensohen hindurchgeht, deren er sich nicht erwehren kanni wir sind 
naturgehunden - gänzlich« 

Und sind wir dagegen denn ganz hilflos - gibt es keine Möglichkeit 
der Rettung - ? keine Wege in die Freiheit? 

Es gibt doren, doch sind sie ao außerordentlich, daß man meinen 
könnte, nur außerord eilt liehe i^aturen würden die Seibatrettung vollzie- 
hen können. Henn um eine solche geht es natürlich. Doch dies TheM 
berühren wir zum Schluß unsrer Betrachtung. 

Natürlicherweise also herrscht in Zain der Affekt, 'und - so sagt 
es der Texti Kain redete mit seinem Bruder Abel..» d.h. er rechtete 
mit ihmi Du ^^ast, und ich habe nicht; dein Opfer ist angenelim, meines 
nicht. Er vergleicht, er neidet, er haßt den Vorzug des Andern; - er 
vergißt, daß er selber auch hat, was dem Andern mangelt. So muß es den 
Gang der Welt gehen. Der Gang der Yelt ist Streit : Kain erhebt die 
Paust gegen seinen Bruder. 

Gewiß war da schon vorher mancherlei, bevor es zum blutigen Ende 
des Dramas kommt. Scrion länger wird der '^rm des Neides den Kain ge- 
nagt haben. Neid vergiftet die Seele auf arge Weise. Wir haben aber 
gegen Vorzüge Anderer nur die eine Hettungt sie lieben und anerkennen | 
wo wir das nicht können, müssen wir Schaden nehmen, müssen wir dem 
Neid verfallen^ Wir können allerdings auch »u völligen Ignoranten wer- 
den, womit wir uns jedoch grenzenlos herabsetzen in den Augen derer, 
welche Jene Vorzüge anerkennen. 

Kain kann den Vorzug seines Bruders nicht lieben,und d.h. er kann 
sich der negativen Affekte nicht erwehren, die ihn bemeistern; aus ih- 
nen aber folgt mit Notwendigkeit die blutige Tat. 

Keine Tat kann ohne Rückwirkung auf den Tat er bleiben; entweder 
sie stößt ihn weiter auf dem eingeschlagenen \7ege^ oder er muß das ha». 
t« Gericht der Selbstverurteiliing und Reue erfahren. 

Bei Kain ist der innerliche Prozeß so, daß zuerst die Stimme des 
Herrn spricht i ^Wo ist dein Bruder Abel?Jf»' Vor dieser Frage möchte 
Kain fliehen, er will leugnen, will ea nicht getan haben. Doch schei- 
tert <iieser Fluchtversuch sogleich, denn nur zu bftld erhebt sich die 



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i *'Wa8 haejk dm 



dringe/re lind unheimlich-schreckliche Frage, die Ajoklaee 

getan? die Stimme deines Bruders Bluts schreiet zu mir von der Erde, 

die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen 

«rapfangen." 

Der Pluoh trifft den Sünder 1 ) ; der Pluohj "Wenn du den Acker bau- 

llitlt iL^fA^ *^''^" »u «rlnnern.daß die deutsche Bezeichnung «Sünder« sich aV 
i!i Sl+I v^*"?""^*?^! ^"^ **«"» Sinne. daß ein Sünder sei. wer sich vom Höchsten 

KJ?t^l?:^-^°"^*''*:^u ^^^"™ ^^""* ^■* «^°^ ^*« '^o'* Christi vonlSJsUndh^ftiÄ 
cJJlHssli; /r?P*^??- ^*« ^S^^r" ^*^«'' "»" 'Sünde'überse tzi. 1^ ürW an- 
a?f ?-i. { a.B.'Pehl« oder «Pehltritf. der OefühLwert ist hier wie dort di 
^l.ioh., .olange sich kein, schnöde Moralkritik beimischt. 



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•n wirst» soll «r dir hinfort sein Yennögen nloht geben. Unstät 

und flüchtig sollst du sein auf ISrden. ..** 

Und nim aerknirsoht sloh Zain: ''Meine Sünde ist größer als daS 

sie mir rergeben werden möge..." und wagt nimmer, sein Antliti «u 

erheben au der Reinheit des Herrn, - er fühlt sich gejagt, hinweg 

muß er von der Stätte der Tati »Siehe, du treibest mioh heute aus 

dem Lande, und muß mioh vor deinem Ahgesloht verbergen, und muß 

unstät und flüchtig sein auf Erden..." 

^zerrütteten 
Was ist das für ein gewaltiger Streit in dem^^armeW Menschen I 

- Und die ?ureht frißt sich ein in ihn: "So wii^'mir'B gehen, daß 
mioh totschlage wer mioh findet! ). 



1) Hier haben wir au denken an den uralten Gebrauch der Blutraehs, 
die als Verpfliohtung auferlegt und durch den Glauben gestützt 
wurde, daß die Seele des jirsohlagenen keine ituhe fände solange ii« 
Rache nicht vollzogen sei. .iicht selten wurden ganze Stämme in jah- 
relange Fehden verwickelt duroh diesen Brauch. Das ursprüngliche 
Motiv ist natürlich vom Affekt gegeben, vom Rachedurst, dem sieh 
das abergläubische Motiv verbandi dar Geist erschien dem Sohne ' 
respt. Bater, Bruder, Freunde des Erschlagenen, mahnend, fordernd' 
daß der Racheakt vollz*gen weiden solle. Wer dächte hier nicht aa 
bha^espeares Hamlet, der in tiefen Zwiespalt i.estürzt wird durohdl« 
Raohepf licht, mit der er sich belastet findet. Andere Naturen lebaiv 
es anders: Benyenuto Cellini wird krank bis er nicht MäKä'.XMMääÄ 
iiat den Tod seines Bruders gerächt hat, danach ist er wiederseT^ 
sund. Bei den Arabern spielte neben der Gastfreundschaft die Blut- 
rache die vornehmste Äollet da der Araberkönig milPieinen Leuten 

!+f°Si!^!" T,^"^^* ^^""^ ^i°^ <ä"' *^«'*« ^«c^* Koßeir auf das schnall 
ste Pferd: "±.iner muß entrinnen, um auf Rache zu sinnen!" - Doch 

i;2 m"^ f ailöITTei den Arabern die seltene Ausnahme, daß ein ed- 
ler Mann das Schwert von sich wirft, da laan ihm den Bruder, der 
ihm den Sohn erschlagen hat, zur Raohenehmung vorführt: 

So au meiner Seele Sprech ich, ihren Schmerz zu stillen : 
üine meiner Hände traf mioh wider meinen Willen 
Jeder dieser Beiden dient dem Andern zum airsatze. 

\ber einJ°qnh™!ih i?^^'^^^^!'' "^^? ^""^'^^^ "^ ^ meinem Platze." 
5 ? ® Schmach gilt das in der allgemeinen Meinung, die sieh 

«t-\^rJ!^?: ^? R^oheregem geformt hat, RachepS; J,l Sijßt , 
minlti^^V' ^^".^f allgemein, eich nicht zu rächen. Die P^isiak 
T^?^!f A^^r ^^""^ durchsetzt von solchen Motiven. Viele Klage- 
Anklage- Ausford erungs- Haß- und Rachelieder gibt es. und von üb.xw 

^S^ S^?^"" ^^t f^" grundgleioh. Nur von einer RicSung S.r 
klingt Text und Weise grundanders : 

rMH^n «!!*^® J2n^^? *^* ?*u^!* ^°^ *^^^ vergelten, spricht der Herr." 
Mihfi SiJ«^?^*"" «-2^*^** Forschung kopfschüttelnd sagen würdi i 
„Aber gerade dieses Ibrt ist anzuaweifeln!"- Sei es so - es^eht 

Tß ?:t^«.??*/>'r l^'^^ «**^»' '^^ bewiesen Ji^S höoL?eJS? 
t^L ^l }^u^ ^*i!? ^'°''* *'®^ ^^^®1' worauf nicht ein Berg gesaU 
2t^ew?^^/ia+*"^°^* lebendig dem Leben der Völker verbunden JJd 
Si5*!!^iT?^«^f K*i *"■ *"'' **"" :2u8tand der Barbatel au befreie^ 
Und schließlich kann man dagegen fragen: Zeugt denn dieses Wo?t 
nicht vom Geist der Bibel? von der höheren ßeain^Slg. die d!S Me«. 
^«Jr ^'^^fo "^^^ '^ milderer Praxis, die deJiS^die ?«^ fre? 
SeSShJii^Lb^^hr^»."™*"*? will.welohen Segen die BiSfdfr 

wiJlhar Pralines Ei n^i'r """'S "^ ?i*'^ «^^ lebendig vorführen, 
waAcnar Praxis es Einhalt «u tun galt. Auf Oorsioa herrschte dii 



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?iv^?f°u**JJ^^*^ **" *^' "^*** *®" IQ'JlKl*«. »o, «aß ihre Opfer auf 
u?i+i^o ^2° gesohätat wurden, in Deutschlan* erlosch sie um die 
miMtltltu ?+^^\' fi«, Duellpflicht in unsern Militär- und 
SSSfrf^" i^tudentenkreisen war nur eine Abwandlung, ein über- 
!iesLSsliirSJÄ''i'"°^"* i'° hebräischen Staate hingegen wurde 



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Dies also ist es. was Kain mit Grund zu fürchten hati "So 
wird mir's gehen, daß mich^ totschlage wer mich findet!" Er muß 
fürchten, daß er ein Opfer der Blutrache wird. 

Aber - da iat nun etwas . berraschendes, etwas zanz ind^es ala 
Pluch und Hache - das dem Fluch üntgegenge setzte ist da: die (Jna* , 
das göttliche Erbarmen . der"Herr", der dem Totschläger Unrast um 
Qual auferlegt, er richtet ihn nicht, sondern, da der in sich 
schlägt und sich selber anklagt, da nacht er ihm ein Zeichen "daß 
ihn niemand erschlage, wer ihn fände." 
Was - was für ein Seichen ist das ? 

Das Zeichen des 3ESI reuigen und aerlcnirschten Herzens. 'Yar Ter 
möchte dagegen die Hand zu erheben 7 "/er es vermöchte, wäre der 
nicht ärger als der ärgste Sünder!? und hielte er sich damit für 
den Gerechtesten , "Im Himmel wird mehr Freude sein über einen reu- 
igen Sünder als über neunundneunzig Gerechte." 

Im Volksmund, in der allgemeinen Keinung.hat das »Zainszei- 
chen. einen ganz andern Sinn und Geschxnack angenomiuen, einen völlte 
negativen, nämlich den der letzten Verworfenheit und Verruchtheit 
Das ist nicht in Lbereinstimmung mit dem ^inn der Bibel, es ist ye^ 
kehrte Ausdeutung des Textes, :3rfindung einer gnadenlosen Moralkü-" 
tik, die sich auf den Richterstuhl setzt und so ein falsches Prin- 
zip hineinbringt. Ursprünglich ist alles weit tiefer, gewichtvol- 
ir'/l"' reineren und reiferen Sinnen, an den die ^ oberflächli- 
che Auffassung nicht heranreicht. Im Texte heißt esi 

"Hein, es sei dich niemand erschlagen, wer dich findet, son- 
dern wer Kain totschlägt, das soll «^«>^»r,■PK^*4 

ixagi., aas soll siebenfältig gerochen werden." 

So erhält der Reuige das Schutzzeichen . 

wohn."""* r ''""*'* ''""^ ""^'^ '^""*« - «'• ^'''^* J«"-i* ^^on und 
wohnt xm Lande Mod, wo er lebt und sein Weib hat und seine Kinderl) • 



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iinrwelJ^r?ie''I:L'S::unf e:i;ri1t°\ir''^f°"J.'^^ «^°^^«- -*^*- 
für menschliches üasein^LISen Ü^«^*^ Z ^^"J^^ Lebensbedingungen 
und dort... gegeben waren - Menschen entstanden..:, hi« 



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W«nn wir ixni niui Ton Kaln« Naohkoauaensohaft berichten lassen» sO 
erfahren wir» daS im vierten Gllede wiederum ein Totschläger Ist. la 
gleichen Kapitel, V. 19-20 , finden wir in einem seltsamen bruohstückar- 
tlg anmatenden Bericht eine ho ohdramat Ische Soene t Lamech kommt nach 
Hause, ruft seine beiden vVeiber herbeis "Hört ihr Veiber Lameohs, hört 
meine Rede und merket was ich saget ich habe einen Kann erschlagen zu 
meinem Schmer», und ein Kind zu meinem Gram, Kain soll siebenmal gerochen 
werden, aber Lamech siebenundaiebeuaiginal." 

Ob nun die Erzählung recht hat, die da sagtt "Lamech war ein Jäger, 
und da seine Augen trübe geworden, vermeinte er einiißÄi zu sehen, legte 
an und traf seine» Vater; im LUtsetzen warf er die Arme auseinander und 
traf mit ungestilroer Bewegung ein Kind, s^daß er auch dieses tötete." 
Oder ßei es, daß ein Totschlag im Jähzorn - ohne Absicht des Tötens - 
geschehen sei; oder sei es selbst, daä Lamech überhaupt nicht zwei Men- 
schen getötet, sondern da3 hier ein Mißverständnis herrscht, zu welchem 
das poetlache -littel der hebräischen 'bprache den Anlaß gegeben i die An- 
wendung des Paralleliamus, das Nebeneinanderstellen zweier Halbverss, 
deren zweiter zur Verstärkung des ersten dien*, wonach es sich also luch 
hier nur um Wiederholung einer und derselben Sache handeln wUrde, und 
sachlich-inhaltlich also nur von einem iotschlag bericntet würde. Wls 
dem auch sei, wir sehen einen Unglücklichen nach Hause kommen, hören, wie 
es aus beklerruater Brust hervorbricht, ich habe einen Kann erschlagen zu 
meinem Schraerz.imd ein Kind zu meinem aram.... und das bedeutet, ich woll- 
te es nicht tun! und daher dann der Nachsatzi wenn Kain siebemaal geroc- 
ohen werden ifollte, so müßte ich äSl siebenundsiebenzig mal gerochen w- 
den. 

Was die weitere ^Tachkom^nenschaft Kalns angeht, so vernehmen wir. - 
daß Lamechs beide .Veiber ihm Söhne geboren haben , Ada gebar den Jabal, 

von dem sind herkonunen die in Hüttei wohnen und Vieh zogen". Die in Hüt- 
ten wohnen - das dürfte heißen, daß sie kunstfertig waren und die Anfaivs 
gründe des Bauens erfanden. Jabals Bruder hieß Jubal: von dem sind her- 
kommen die Geiger und Pfeifer. Zilla gebar den Tubalkain, der Meister 
ward in allerlei Erz- und ::isenwerk. 

Diese sind als Kains lÜachkon..en genannt, ein be^regliches Gesohlecht, 
und auf allerlei schöne Künste aus. kein träges Blut, kein stumpfer Sinn, 
sondern nur allzu erregbar. ^^^ 



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H« .1 rT"""^ ^""^ "'" ^'^^'^'"'^ '^^ '"^ ^^^°^' ^«^ ^i- bllnd-affektlTs 
Handlung trifft, wisdurholt sich seltsam eindringlich wo wir es am weni«. 

nirertiritr ''"°''*"' '" '" '''"' ''" '^" '*^^'^"'^ '^^^'^ -^-- ^■^- 

schen?f!rr'"'''°*' "''''•" '^^ ^''^ "''''* ''' Brgebnloae einer histoxi 
sehen Kritik in Betracht, da sie für unsern Zusammenhang unwesentlich 



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- 12 - 



vielmehr gegenstandslos sin<f» Wir sehen auoh Ton der poetisch-ansohaull-- 
ohen Kraft und Bildhaftigkeit ab \md reflektieren lediglich auf das 
saohlioh-Inhaltliche, und sogleich drängt sich uns die Tatsache auf, 
welcher für unsre Betrachtung das Gewicht sukommt« 

Wir führen uns die Scene vor, wie Jalcob ^It und lebensaatt - sich 
gesaimnelt hat und sich aum Sterben bereitet* -^r läßt seine Söhne rufen, 
versfiuumelt sie um sich, sie zu segnen bevor er dahin geht zu seinen 
Vätern j 

"Konrnit zuliauf und höret zu, ihr Kinder Jakobs, und höret euven / 
Vater Jsrael!'* 

Und nwci beginnt er t 

"Hüben, mein erster Sohn bist du, meine Kraft und der Erstling mei- 
ner Starke, der Oberste in der liOniK Würde und der Oberste in der Macht," 
Doch schon wird der Segen unterbrochen: 

*'Kr fuhr leichtfertig dahin wie Wasser. Du sollst nicht der Oberste 
sein »• 

Da haben wir sie wieder, die Ablehnung des blinden Affektst leicht- 
fertig fuhr er dahin wie Yasser , die blinde llaturkraft, die elementare 
Gewalt, in der keine Besinnung ist nach menschlicher Weise, keine Ver- 
nunft, kein Bedenken wegen der Folgen. 

Und weiter geVit die Ablehniiiig iind die radikale Verwerfung! 
"Die Brüder 3imeon und Levi, ihre Schwerter sind mörderische Waffen. 
Meine Seele koxme nicht in ihren Rat, und meine lilhre sei nicht in ihrer 
VersanL(Qlung; denn in ihrem Zorn haben sie den Mann er^Mirgtt, und in ih- 
i*em .viutwillen den Ochsen verlähmet. Verflucht sei ihr Zorn, daß er so 
heftig ist, und ihr Griirmi, daß er so atörrig ist '• 

Weiterhin folgt Sohn auf Sohn, Segen auf Segen, Bild auf Bild in der 
großen bildhaften Kraft, deren Zauber wir uns nun nicht länger entzie- 
hen wollen. 

Jedoch, was wir da vernommen haben an radikaler Ablehnung und völ- 
liger Veinwerfung, das gibt uns zu denken, und es darf hierbei nicht 

s G In f^ "fc 

übersehen werden, daß nicht eigentlich den Söhnen/ geflucht wird, son- 
dern dem heftigen Zorn, dem störrigen Grimm wird geflucht, denn diese 
sind ein Pluch, sie sind es Ja, die das Verderben heraufbeschwören, 
da sie den Menschen hinreißen zu verhängnisvollem Tun. lUemals liegt 
Segen auf ihnen, immer nur Unsegen, und der Segnende kann sie nicht 
segnen, er muß sie verwerfen. 

Von den Sölmen Jakobs wären mehr Affekthandlungen zu berichten, 
iiiine von XÜAML diesen werden wir sogleich berühren, wenn wir Jetzt 
einen der Brüder besonders hervorheben! Joseph . 

In Joseph erfährt unser Thema eine bemerkenswerte Variation; man 
möchte sagen. In ihm benehmen sich die Affekte anders als in seinen 
[i«3MX tllMXlMMÄtÄlCtÄ )r 



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- 13 - 

BrUd.m (alB gemeinhin In Menschen), sie sind nloht so relflend. Ja 
er äuflort überhaupt keine negatlren Affekte. 

Wir sagen er äußert sie nicht, womit also nicht gesagt Ist, sie 
seien In ihm nicht aufgekoaunen, sondern nur, daß sie sich in Ihn 
anders ausgewirkt haben. Sie müssen eigentümliche und bedeutende 
Binduncen und Lösungen gefunden haben, da er sie niemals HuSert, 
und da er niemandem achadet, sondern nur nlitat und hilft. 

Dieser Joseph - als Kind hatte er zwar' recht ehrglizlge 
Träume? nicht wahr - das muß man doch sagen? 

So sieht es aus - Ja, es sieht sogar nach Hybris aus, aber - 
vielleicht sieht es n-or so aus. - Wenn man sich einfühlt in dieses 
Mensohenwesen, in di.sen Joseph der Bibel, so muß man die Überzeu- 
gung gewinnen, daß es^doch nicht Ehrgei» gewesen, viel wfniger üb— 
heblxchKeit, vielmehr, nur Vorgefühl der bedeutenden Zukunft, de. 
unabwendbaren Geschiocs, las sich erfüllen mußte. Eben daher eraäüt 
er auch ohne Arg diese Träume, die sein Schicksal heraufbeschwören, 
.ich au erheben über seine Br-.der und gar über seine Eltern, kommt 
Ihm ,anz.und gar nicht in den Sinn, davon träumt der Joseph ebene.. 
.enlg wxa davon, daß seine Brüder ihm so übel mitspielen werden. M 
^ st arglos. Offen, und selae Träume kommen ihm wie dem Vogel s^ 

so vil" T"' '""' ''" '° ^°^^''^' ^^^ ^«^--- ^««« 'eist, 
ihm . P«^°^°l-SiBch^KlMgH-.« Tief blick, solche Klugheit eignet 
ihm scheint alles dies ganz zu fehlen gegenüber seinen Brüder^ 

enn sonst hätte er Ja vermieden was ihren :.oid herausfordern^uß*. 
^r hat gar keine Vorstellung davon, wie sie reagieren werden, weil 

ai8 eie - eine frdere Seele» 

ihn I» .«IKK erw,lrgen und in eine Grube werfen, und sa^en ein/ h« 
Tier habe ihn eefraa«,on o« ^ ^ eagen, ein^ bö«( 

inn gefressen, so wird man sehen, was seine Träume sind." 

Da das Rüben hörte, wollte ^-r ^^,« » ^^ 

.üi Kö, woi.xte er ihn erretten aus ihren Hand«« 

daß er ihn seinem Vater wieder-brächte/. ^-^i»!!, 

Sie sehen die Angst seiner Seele, als sie ihn hinunter.toß.n te 
«as dunkle Lech, gewalttätig, wie^'^onst auch schon gewesen. uL". 
r« TT/--*' '^' - «-- - «Pät . Sie haben'ihn v.;ka:ft^ 

Prelh!'!'!' ^T ""^'"'* '" ''' Knechtschaft, doch er hat etwas von 

lllTl\T "^"^ '^'^'^ '^* ^^^ ^«^°^*- -^ -^«ii- y^r. 

stand, die beflügelte Phantasie, er hat, was ihm die Herren .,,.... 



II 



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- 14 - 

und das 7«rwu«n. Er geht «o sicher ■•inen W«g, wie Ton tuifahlbaretli 
Instlnlct geleitet, nicht zu bewegen aus seiner Bahn. £r hat •einen 
Sohuta in sich, und hat seine Srleuohtungen, die vielen andern hal- 
fen und dadurch auch ihm selber. Und als dann der Tag kommt, der IM 
die feindlichen Brüder zuführt, sie in seine Gewalt Gebend, da g«l«g 
gebraucht er seine Gewalt mit Mäßigung und mit r/eiaheit. Ja er be- 
trachtet die feladlichen Brüder im Grunde nur als blinde .Verkzeuge 
(die sie ja sind!) und erwähnt nur nebenbei einxaali "ihr gedachtet 
es böse mit mir zu machen..." 

Welch eine Überlegenheit in diesem JosephI v/ar er einer von 
den großen Wissenden, die immer auch wissen "daß niemand freiwillig 
sündigt", - dai3 sie alle, die von den Affekten Getriebenen, nicht 
wisjen, was sie tun? Wir möchten diese Präge mit vollem Ja beantwo». 
__ten. Ja wir möchten denken, daß bei ihm ein geniales, ein höheres 
Wissen war, wie in ihm ein geniales Herz d 3r Liebe war. 

Weit stärker lebt Joseph das Verbindende als das Trenndade. Da 
ist nicht wenig was ihn trennt von diesen Brüdern. Da ist viel, was 
diese Brüder trennt von ihm: es scheint der Grund - wenn auch nicht 
ihrer Natur, so doch ihres BewuStscine verschieden zu sein von dem 
Grund des seinen; der Grund aber ist es, auf dem alles gelebt wird.. 
Daraus mögen sich denn j&alle Differenzen ergeben. Viel ist da, wa« 
diese Brüder von ihm trennt i es ist auf ihrer Seite eine völlige 
Mißkennung Seiner, eine völlig falsche Beurteilung,, aus welcher sich 
ergibt, daß sie von ihm Reaktionen erwarten, die n^Tials von ihm zu 
erwarten sindt sie unterschieben ihm ihre eigenen Lebensimpulse und 
Motive, und erwarten ihre eignen Handlungsweisen von ihm. So völlig 
mißkennen sie seinen Oharakte:?, daß sie nach dem Tode des Vaters 
Jakob meinen befürchten zu müssen, Joseph werde nunmehr seinen Ra- 
chedurst an ihnen auslassen. Sie ahnen gar nicht, wie das bei ihm 
sitzt und daß er alles ganz anders leben muß. Joseph ist anders be- 
wegt als sie, und als sie von ihm denken daß er sei. Er hingegen er- 
kennt ihre dunklen Herzen, ihn schmerzt ihre Unruhe, ihre trüben und 
verworrenen Gedanken; er beruhigt und tröstet sie, er redet freund- 
lich mit ihnen und versorgt sie und ihre Kinder, ,'as auch Erennsnd« 
ist. es wird zunichte im Verborgenen seiner Seelej es wird das all« 
zum Nichts in den großen Erschütterungen eines Herzens, einer 3eel« 
die trotzdem lieben muß, die keine überhebung kennt, kein Richteraa* 
ausüben wlli; nur das, Meine Brüder lebt in ihr, das Einssein auf 
dem Grunde des LebensbewuQtseins. ]3r ängstigt sie um sie au prüfen 
und zu läutern, und tröstet und hilft anstatt 2acto zu nehuien. Ja 
wahrhaftig, in ihm benehmen sich die Affekte anders als in seinen 



4 



Bonidern, als gemeinhin, in Menschen. Sie ei 
Modlfikationp luid zwar^gBHHgBmi, Weg ei 



rfahren^unzweifelhaft ein« 



einer höheren Linaioht. 



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- 15 - 

Was für «ine Gestalt ist Joseph, der Sohn Jakobs und Raheis p 
der Sprod einer so großen Liebe, der die sieben Dienstjahre ver- 
gangen waren als wärens elnaelne Tage gewesen« 

Wie gern kehren unsre Gedanken »urück au dieser Höhten Ge- 
stalt der Blbell Wie wohl tut es, sloh ^^Inelnauversetaen In diese 
Mensohenseele, die bei Ihrer Gehalt enhelt \md Ausgegllohenhelt, 
bei der Feinheit \md Helligkeit des Verstandes, solche Heraens- 
tlefe \md solche Stärke der Empfindung virrät. Ein gen zer. Toller 
Mensch! und eine Persönlichkeit, deren milder Glana au uns her- 
überstrahlt d4rch das Dunkel der Jahrtausende, uns erwärmt und 
unsre herallchsten Gefühle aufregt; eine sanfte Gewalt bemäohtld^ 
sloh unser, der wir uns willig ergeben. Was wir erfahren? Was das 
Drama leisten soll, aber selten leistet i Reinigung durch Erschüt- 
terung » 



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Dürfen wir es wagen, auch den Mann der ungeheuren Kraft in 
den Kreis unsrer Betrachtung au alehen? den Lehrer ixnd Gesetageter 
kat exochen - Moses, »«den Mann der Männer»*? 

Uns bekümmern keine gelehrten üntersuohmngen, nicht die Frage, 
ob er wohl gar am Ende kein Ebräer gewesen sein mag, sondern ein 
Ägypter. Wir denken, er war wohl ein Ebräer und war es mit unge- 
teilter Seele, - und sollte er es nicht von Geburt gewesen sein, 
so Ist er es geworden In Wahlverwand schaft, und war es also nlchb 
weniger, sonder mehr. Wo anders war sein Plata als unter diesem 
Volke, dem er sich, seinen Geist, mitzuteilen such-^e, ja - das 
seine eigene Schöpfung war; wo anders finden wir seine Gestalt 
mit ihren unverkennbaren Zügen als In der Bibel, und elnalg hier?! 

Den Felsenmann - der für das dürstende, hadernde Volk das 
Wasser aus dem Felsen geschlagen - wir denken Ihn uns gerne so, 
wie Ihn Michelangelo aus dem Felsen schlug. Denn das Ist Ja Mosss 
nach seinem Innerlichen Gehalte i lapidar, als war« er der Bibel 
entstiegen, der Mann, der es jmternahm, die Ägyptischen Sklaven, 
die Nachkommen Jsraels, sechitauVend Mann au Fu3 ohne die linder, 
mitten aus dem Ilerrenvolk der Ägypter herausauführen. Der diess 
"Kinder Jsraels" vieraig Jahre in der Wüste herumführte, bemüht, 
ihnen den Sklavensinn ausautreiben, unermüdlich ihnen predigend, 
daß sie Niemandes Knechte sein sollten, denn allein des Einen - 
des w€thren Gottes. 

Moses, dessen V/ahlspruoh lautet i "Das Recht durchbohre den 
Bergt ^ der seinem Volke einschärft i 

••Du sollst das Reoht deines Armen nicht beugen in seiner 
Sache" , "du sollst keine Witwen und Waisen bedrängen- | -die 
Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken, denn ihr wissei um der 



~1 



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- 16 - 

Fremdlinge Her«, dlewil ihr auch seid Fremdling in Ägyptenlande 
gewesen." 

Undi 
»wenn du deine« P.lndee Ochsen oder Esel begegnest, daß er 
irret, soi:'i,t du ihm denselben wieder avxlühren." "Werm du den 
-Jsel deines Hassers eiehest unter seiner Last liegen, hüte dich, 
and laß ihn nicht, sondern versäume gern das deine um selnetwilW 

^eche Jahre .ollst du dein land besäen, und seine Fracht. 
einsamem. Im siebenten Jahr sollst du es ruhen laosen, daS dl. 
Armen unter deine. Vol. davon essen; «nd was Überbleibt Lfl dl. 
Wild au. dem Pelde davon es.en. Also aollst du auch tun mit d.l! 
nem Ölberge und Weinberge.« 

Ta.s"!o'ris't'l''/r''' '" '^'"^ ^'^'^ *""' «^- ^- «-^ent.« 
Tags sollet du feiern, auf daß dein Ochs und i^sel i>uhen u„. . . 

ner Maßd Sohn und der Fr^mdllri^ .ioV . . . ' ^*^" 

v-^'^x r j. ^ma xi.xig aiGh erquicken '* 

^''*" ^^* ""^ <J^°ß« Ethiker und Gesetzgeber, der Mann d.. ^ 
aen 3onnta, verdanken, den er einsetzte "da.i tZ llTr Ü T 
mal Ruhe habe. ,u.d der Ka,a SoV.. un. der F^^dli" l * 

Nicht für die Freier n<rv+ r- ^ Premaxin« sich erquicken!'. 

«en Mächtigen ist d"; not ai "''''" '"^^ "'^^ ^-^°^* '^^ « 

« « ist; aas nott die machen wohl sich selber Vf^i^r^*^ 

aber daß dem Unfreien -and dem Premdlin« ein AufM ^^^«^*«««' 
nun. das Ist Ja anders .ar nicht zu rr^iehen dl^ "T"^' '^' 
-'''B daß, nach.aottes_Wmen,das g.a.e Wd ; ' '" 

Das heißt die Mensohennatur kannen nr.^ ■>..., 

auf die heilsamste '.eise, Und" ^ ^i "' . "' '"^^^" 

«ung einer volllcommenen Psychol, le l . ''"' ^'"' ^''«"- 

^ , -t-öjronoiogiQ. I:iimer und überall ho-iß+ ^ 

Ja: nach Möglichkeit der Unbändigkeit beg..,.en ZI .1 T r 
ung und ]>urchbrechung des Infli^J ,. o^g^ßnen und auf die lockar- 
anes nur .ich sel^r i^d ^11? t"/''°'^"^^ ^narbelt.n. d.r 
«en möchte und auf kIsIoMITI ' '"' "^ '^" ^^^^ ^- 

Mltelnander .0.11^1..'" '''^"^"' "^^^^ ^«^^ «-*" 
ixianaer -möglich Ist; dessen Streben naeh \i^r-^ ,- i^. 

hinausstrebt über rS«« .-«« . • ^re-ueltung überall 

xcn ,vx erweitern mag ,ur r.iebe des JUidern. 

uis Menaohenklnder h«(i»i-».-p^„ -i -r , . 
A* '«.inaer neoarfen der Tieitimg; vvie sehr «,«<n a 

dieser größte ,thiker und -röHte t>«^ , , ^^ ''*' 

geboren als ^ Diesem ^d'^ 1/ """^ ^''" ^ ^'«^ '^°^^* 

nen Leidensch"ft\ei!' " ^"'"'^^ "" ^^ ungebrooh.. 

xueuscnart aeinoa ganzen Menschen ia t Py- -i i . . 

Uohste Mensch überhaupt, der sich derr, " ^«^^«"«0^*- 
Hechts verschworen hat . "dIs Recht d tT ^ '" ^'^""'^ '" 
Xeldensch^^ f^r dorRelht . ! '^°^^^°^^« <*«" '^-^^i" Welch. 
Tür den Rechtsgedanken, welch, i-idensohaft. 



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- 17 - 

J», M08«8 war k.ln awrfter, aondern ein leidenaohaftUoher 
Mann, und er war ein «ommUtiger Mann, obwohl er/wlfaderum - wi« 
die Bibel sagt - ein bescheidener Mann war. Iwther übersetzt di.- 
•• Stelle fsa I Moses war ein sehr geplagter Mann ror allen Men- 
schen. Gewiß war er dies auch, und neohÄanehes, worüber wir nidit 
erfahren, - 

^ Die Überlieferung sagt, daß er in seiner Jugend li^S^^i^ 
wiwrte zu einer blutigen Tat. 

V/ir fragen uns, was ist es u^ die«« 'x'at und wie unterscheidet 
Bxe sich von den Bluttaten, die von Kain und von den Jakobssöhnen 
nerichtet werden? 

Dort waren offenbar Neid, eifersüchtiger Grimm, Raohegelüst 
die Ursachen, individuale ^ s oieti^sche Motive lage1^°i,*xgrunde . Damit 
sind wir schon beim kardinalen Punkt der Unterscheidung, denn 
Mose« .ar wesentlich anders uiid durch Anderes bewegt ,md Motiviert 
. ^r wax-d Zeuge der Unterdrückung und Mensohenschinderei. er ab» 
verzaochte nicht Zeuge, nicht Zuschauer ^ sein, woy funreaht ge- 
Bchah Passiv bleiben soll er, der in die .Veit ^es^:^;r^ei,a^ 
lirZ ='^^^^«*^«"-'' - «i- Unding war das, eine U...gUchkeit 
xur einen .olchen. ^ schauer sein, wo Unrecht .geschieht, wo der 
U„t.r,.rücker sein Opfer mißhandelt. Es war nicht anders möglich . 
als daß er hingerissen wurde und den Schlager erschlu.. ' 

ä^n .and. .^ast wixl ^ uns wonderlich an^ut-n die.« doch gewissexw 
^.en.esoanene Vorsicht des Jünglings bei seiner unbesonneLr 
xä£ (Gewalttat. Geschehen mu.3 sie mit TIotweudi«keit un<s «i / ^ 
der erste Schritt auf dieser Bahn dl« .'""''^«^^^*' ^"'^ «^« "*'« 
wie der 3on.ae die ihre. vorgeschrieben ist, 

"Auf eiaon and.rn i'ag ging er wiederum aus und sah .wei ebräi 

sehe Männer miteinander aanken," er mischt «i«v, . 7 

■ , . »*■'»" I »r mxscnT sieh ein und rswrffnr 

spricht zu dem Ungerechtem "Waru™ «^hv * . XJt«S«« 

w^^ X. . ^ 6 i-Bcnxeni Warum schlagest du deinen Nächsten t» 
■^er aber konmit ihm, »Wsv ho+ rn^u ^^ '««"»i-eaT 

ium, wer hat dich zum Obersten oder Richter Hb»,. 
.un« gesetat? '.Vill«t iin ™<„i, l iu-onxer uoer 

ö -czTir .villst du mich auch erwürgen, wie du den /vKvrjter 

Moses macht sich davon fHi=h+ *-*» * 

Was m«. . ^ • ^ ^" ^^'^ ^^^ Midian. 

*a8 mag in diesem Mamie voreacr»n^,>r> -^4- , 
nicht duirt«« v o vorgegangen sein, der das ünreoht 



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- 18 - 

wollt«, nie \md nlmraer! - Welch« Gefühle mögen gestürmt hab«xi in 
diesem H«raen, und welch« Gedanken mögen eich h«rai f g«rungen ha- 
ben aus diesen ohaotisohen Gefühlen? Waren •• Gedanken über Recht 
und Unrecht und - über die Affekte, welche den Menschen hinreiö«a 
zuni Unreehttun, za blutigen Handlungen des Hasses und der Eaoh«, 
aus (?enen v7l«derum neues Unheil erwächst ? 

Ist es flies, was in dem jtmgen glühenden iierzen des Mose um- 
£eht? 

In den Urarisaen mögen wir es wohl getrofren haben, wenn wir 
es uns so denken. 

Im Charakter des Mose ist der wesentlichste Zug das Herrisch«, 
der bewwingende Wille? und er wird doch im Urtext ein besohe idengr 
H^n genannt, - was Luther übersetat t "ein sehr geplagter Mann". 
ÜT mag wohl 80 und so gewesen sein, und gana gewiß war er sehr 
geplagt. Aber uns komiat es hier auf das esentliche an, und das 
ist dieser 811»«iwil allbezwingende ^ille, der sich ganz, elementar 
wie er ist, gegen das Unrecht wandet i er will es nicht dulden i 
Recht soll herrschen, mid Friede soll sein 1 Und ist die Natur 
des Ilenschen so, daß sie unbändig ist und auf Unrecht aus, nun, 
so müssen Gesetze herrschen, die solche UnbändiP^keit eindämmen 
und in Schranken halten, die das Unrecht verhüten und Frieden er- 
zwingen , aolohe Gesetze miia.^nn >io->»-n^^>,^^^ 

Wie unbändig die iiaiüzi .Im: ataüanüaK "Jl-wegung der Natur im Men- 
schen sich uratreibt und äußert, das merkt er nur zu wohl in sich 
selöer, dann in ihm .türmen sie ja, die Affekte, mit elementarer 
Gewalt. "Laster- wird er sie kurzweg genannt haben, wie si« Ja 
allgemein in der Bibel bezeichnet werden, ^r aber ist der Mann, 
der auch bei sich selber kein mUßlger Zuschauer bleiben kann,d«p 
auch sich selber angreifen muß, wo er in sich selber den Zug zur 
Unbändigkeit und zum Unreehttun findet , Habe , ich sie, dies« 
iÄster? Ja - so habe ich si«? .o sollen sie mich doch nicht be- 
herrschen, - ich will sie niederhalten Ja ich will «i. ^r>. 

■Pannen, daß sie mich zu Gott ziehen I ~ ~ 



iie Tollbringt sich tatsächlich in Mose diese seltsame ModifV 
kation, und es geschÄit dies-natürllche 'Wunder-, daß seine Affekt« 
ihn nicht umtreibdn wie andere Menschen, sondern daß sie "die oT». 

Bchwebende Stärk«" erlangen daß er sie vorspannt, si« in 

den Dienst seiner Idee stellt. 

So tut ja der Moses der Bibel, so tut er wahrhaftig. 

mr möchte e» - trotz aller gelehrten ^i-orschung - glaub- 
haft scheinen, daß dieser Mann, so wie die Bibel berichtet, «in 



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SproQ aus dem Starorae Leri war, aus den Stamme dea Lovi» desaen 
2om 80 heftig \ind dessen örimm ao störrig war, daß der sterben- 
de Vater seinen 71uoh darauf legte ich denke mir gern, daB 

Moses ein Abkömmliafe dieses äff ekthelad enen Mannes gewesen« 
Was aber machte £12 dieser gleichfalls affektbeladene Ab&öminling 
aus sich I J->aß den Menschen aller "F'olgezeiten seine Qestalt alett - 
bar blieb, ragend auf dem Berge des Gesetzes, das Angesicht leuok- 
tend vom Feuer G-ottea» 



Und das '^nder der Kunst des Michelangelo ist, daß er von 
diesem allerinnersten, diesem verborgensten Geschehen etwas 
sichtbar macht» Welche elementare Gewalt gibt sich kund in sein« 
Bilde des Mose! Wir staunen aiese Gestalt an, - fast mit Schrek- 
ken und Scheu - wir empfinden fliese ungeheure, dieae unbändigt 
ICraft, die Glch in Jedem Muskel verrat; aber in dem liaupt, das 
sich so aufreckt über dl3sen Schultern, in dem Antlitz verrät 
sich etwas von der 3ändit<^in^ der elementaren Gewalten , die in 
diesem raenschl*ch-f1be»nenscMiohen Bau beschlossen sind. Zwar 
ballen sich die Sttrnmuskeln wie drohend zusammen; man denkti 
wie Gewitterwolken, Doch danken wir auch: wenn es ein Gewitter 
gibt, so wird eB ein reinigendes Gewitter sola. Doch sogleich 
legen wir es uns anders zarecht, denn wir erkennen in diesen 
merkwürdigen Schwellungen der otirnmuskeln die höchste SaiHialung, 
Anspannung aller Seelenkräfte i Konzentration, geJL^tige Aktivier« * 
uas_; den ganzen inneren Menschen üKfi aehen wir in Aktion, mit 
der Richtunf^ auf das hohe unegoiahische, oder vielmehr das all- 
meinegoistisohe Ziel, das Recht und Friede heißt. 






So könnte man sich vielleicht herantasten an c^as, v/as dereirs* 
Wirklichkeit war und was heute noch unsre V/irklichkeit bestimrrt 
in bedeutender Weisel)» 

Mner der großen Seibstkenner und Selbstbezwin^^ier war Moses , 
•••• der Mann dos ungeheuersten Willens, der seinen Willen beug- 
te dem Einen - Jahve. Dessen Ich, dösr,en ganzes Dasein die gro- 
ße Modifikation erfuhr durch die große Besinnung auf den ewigen 
Grund alles Daseins, 

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1) In seinen letiaten Tagen JUdpüi äußerte Sieg/nund greud tief- 
sclxraerzliohea Bedauern darüber, daß er seine Studie "Moses ein 
Ägypter" veröffentlicht häklet '»,... Jetat, da man ilmen allen 
nimmt, nehme ich ihnen noch ihren besten Mann," Dies Bedauern 
ist begreiflich, doch hätte sich Freud nicht so sehr zu beunruhi- 
gen brnucheni Moses und die Juden - du haben wir Untrennbares. D«r 



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Den Haag, 11. Juni 1948 



Verehrter Doktor Guggenheim! 

TV, . Haben Sie herzlichen Dank für 

Ihren ao freundlichen Brief, mit dem Sie mich zugleich anregen 
und erfreuen. Sie ermtuitern mich. Jene Aufzeichnungen fortzu- 
setzen, wozu ich selber die größte Lust hatte und habe. Wenn 
mir Zeit und Kräfte bleiben, wilL^ch es im nächsten Winter ver- 
suchen. "Jakobs Liebesroman-IX - ja, das ist ein verlockendes 
Ihemai in sieben Worten sagen Sie!? Das müßte aber wohl /:'öttli- 
che Eingebung sein, eine wahrhaft geniale Passung. Wenn das nuh 
auch über meine Kräfte und Fähigkeiten geht, so lockt mich doch 
dieser wunderbare Stoff mit a*t seinen vielfältigen feinen psv- 
chologischen Motiven. Historie und Legende berichten einen «ro- 
ßen Reichtum an menschlichen, auch allzu menschlichen Züsen? daz u 
ganz Außerordentliches ja Erschütterndes. Rahel die leidenschaft- 
lich bewegte Prauenseele, die Stammutter, die nach der Legende 
selbst Gott, den gestrengen HERRN;?', erweichte und zum Weinen 
brachte, was den Erzvätern und Propheten nicht gelingen konnte 
Jakob selbst, fast wäre man geneigt zu sagen: dieser^^SdisSJ 
Odysseus, so vielgewandt und klug ist er, wenn auch nicht durch 
Krieg und Meere gestürmt. Dafür aber auch menschlich näher Sd 
T^^^L"^*??^?.*^^^^ ^1° ^•'- »rieche. An ihm zeigt sich voJzSS- 
^^°\?i?.^^^^^°^^«^* ^"^ Aufrichtigkeit, und d.h. Unschuld dir 
StL^i^'i^r^"" Darstelluns,die ja |ar nicht dakVaus is?, Sem 
Stammvater zu schmeicheln, ihm "edle" Züge anzudichten aoAde^ 

dJn Si'fbstirder'rH?^.' Beschönigung mitfeigrufe'^auSh Sef R^hel 
den Diebstal der Götzen ihres Vaters). Was natürlich platten 

weli^'^b«^'^^«''TIJ^^°''^^°^!'■.?''■^^^°^*'^« Ml^ß gibt,Esaüs vSJzügc 
weit über die Jakobs zu stellen. Nicht mit Recht! obwohl der 

Kt ;?"i iSfl^öb^^i h"?^ ^'"^' I'**' Sympathie verdient. Seh 
tet II nLh? »fr5^\ ?^^''' 'i''^ ^""^ psychol. Betrachtung bie- 
tet er nicht ein Zehntel von Jakobs Gehalt.. 

c+^+"*'^^^ auch die Reise und Brautwerbung Eliesers hat für mich 
stets den gleichen unsäglichen Zauber, immer hat mich diese 
Schilderung zu Tränen «lüSütKX erschüttert, ganz so stark wie die 

S^^^r '^°?^£?.^i* ^«^^«" Brüdern'iS Lande SizraSm. 
Dann ist da natüffclich Saul und da ist David. Jedoch ««ht •« 

w^iJj?^"''^^?^^'*''' ^"^ wahrhaft ungeheuer 5Implzier?e uSJ ^iS 
wahrhaft schwierig, und so wel ß ich noch nicht, ob ich mich dS- 

?2rlufh? "^^d'^'^T ^^^fi°h an diesem Thema ;ohl schon SncS^ 
versucht, und ich kenne diese Versuche nicht. Kann mich auch rri ^h 

mö^«^•T''';^^^" i^l""" ^«* ^^^- ^°°^ Th.M;nnnoS;pS, Jen 
mochte ich wohl noch kennen lernen. "«i'"» 

»< J^^f Sie von Heine sagenija.ja! Ach die Dichter. sie lassen 
«nH?.?^^"^^^^'' r"" übermütiger Dichterlaune, und -'wer weiß! 
spater hatten sie manches lieber nicht geschrieben SSd in die < 
Welt gesetzt. Doch muß ich eingestehen, daß mir auch so ein Worl 
in den Sinn gekommen ist als ich so recht mit Joses au? tln Ee 
des Gesetzes war.Dieses Wort iatf "Und unten macht AaronK^lwf' 
?^^ **<i°^ a^?r nur Ihnen vertraulich.Man sollte.ÄlSKX meine • 

t^^Ti"" "'''■ ^^f ^^S!"' ^"-"^ '"^ <i^« G^t« und RechtTzS f ??de rn 
JS«n d„J^^^ weniger das Minderwertige herausstellen: Dies mSf 

geS/S S??e?J?iI?: JÄKg^ "•^^•- ^-" ^''' '^^-^-^^^ 

"ChSstos" ^11 ÜJf ?^'«'i''''u"**!'' S*ß'" <*•" Gebrauch des Namens 
Christos , es sei unmöglich, daß ein Jude d0«.mitmache, muß ich 



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Ihnen "beiatininen; es ist mir ein wertvolles Hinweis, den Sie mir 
nicht umsonst gegQ\)en haben. Ihre Einstellung, die ^us dem Worte 
••aebt ihn uns heraus!" spricht, finde ich ganz außerordentlich. 
Das ist ja - ich sage dies mit Gonstantin Brunner - der einzige 
,/eg, um den Juden in der christlichen 'Zelt die gebührende Ileha- 
bilitierung zu verschaffen, dem Unrecht für künftige Zeiten nach 
röglichkeit zu steuern, (Gegensätze zu überbrücken und somit end- 
lich eine geschichtliche V/endung herbeizuführen, oder doch hierai 
den Anstoß zu geben. Wenn ich Ihnen sagen soll, v/as ich denke: 
Es muß dazu kommen, es muß erreicht werden, daß in christl. Lan- 
den die Schulkinder auswendig lernen (anstatt der blöden Glau- 
bensbekenntnisse oder neben denselben) : »»Wir verdanken den Juden 
die höchsten /erte unsrer Kultur (mit Nennung täfi der vornelimst en 
Einzelheiten), wir verdanken ihnen den Bonnta^, ja wir verdan^^nn 
ihnen den lieben Heiland selbst o Schnöde Undankbarkeit ist es^ 
dies nicht anzuerkennen, höchstes Laster, die Juden zu hassen 'und 
zu verfolgen. " - Ich möchte mein Herz verbrennen für diese Ja- 
che ! 

Haben Sie je etwas von Gonstantin Brunner gelesen*? Tielleicht 
^^t ;3uch "Der Judenhaß und die Juden"? M£:C3CiIO..älääid[OÜ Das 
üchußicapitel dieses Buches trägt die tberschrift ".Vir -/ollen ihn 
^^£uckl" Daran wurde ich erinnert durch Ihren Aus druck "Gebt i En 
uxi s n e r au s . 



Nun erwarte ich also Ihren angekündigten Aufsatz auch wpr^lp 



ein 



für 
Vielen Dank auch ^iiKr die persönlichen Auskünfte! V/elch .^.. 
bewegtes Leben! Von rlerzen meine 7/ünsche für einen ruhigen und 
trotz des V/eltzustandes heiteren Lebensabend. ?ragen soll ich 
für einen Preund und Mitarbeiter hier am Institut, ob Sie Ver- 
bindung haben mit dem Herrn Gruggenheim. der die (halbarische* ) 
?ilmschauspielerin i^^velyn IJüigi Holt geheiratet hat; letzte 
bekannte Adr.: 77 Kenton Üourt , ot .Mary Abbot^ Terrace, London 
./.U (Kensington); am 3. Dez. 1938 von Southampton nach USA./ 
l£Ka:Ot3täX( durch Jewish Refugees Gommithy, London nicht ermittel- 
bar!) Gefragt wird, um mit der Eutter von Evelyn Gug/^enheim in 
Verbindung zu koüimen, d.i. die Frau von Max Mansfeld, und deren 
Familie. 

Auch ich bin auf Prägen gern bereit Auskunft zu geben, sei 
es nach Personen oder nach unserer Arbeit hier im Brunner In- 

S u 1 uU u . 

Ich werde auch selegentlich meinen Aufsatz daraufhin durch- 
^^^!!?4^^/^^J^^? °^ tatsächlich "philosophische, zu PhiLsopM- 
Ine^an "MT^r^" ^^'^^i. .<^!{^^ ^^i^ ü^ß^ «^ ja doch hifrbei v?? 

fA.iiTo hinSji^r''''''''^^"^'''"' ""' '^^^"^ ^'^^^ --^ ^^^ 

begr^'sse'^icS'Sie^'''' ™^"^^^°^ ^«^*«" '^'^üßten für Ihre Sesundheit 



^'''1 y diiL^ui t^<ijj^ 



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Den Hääg, 27. Juli 1943 
^x .neb ^ne.\üiOÄ sijjjI xjs i9mu nsbisw via bnsj ,xi9iflBW9a' jjs txsitx^i'^ bnss 
oütc me-irfl Ijjb ifojjß ed-jcsa-eiiil sxc ößb .j-xr^ iscfA .1^£Y ete nsctriox/i^ia' ^I 

__ . ^ ?iii9xi; tiowtnA 9nX9^' 



9X8 



naniß^töi 



nx 



Brief; «a^^es war mir sehr willkommen. Ihre Broschüre "RuöQö^lJ^^ICoööfe*^' war 
-inxJaüTor' aehon ganz tati^öle^atoh^^ngßitcwjvnen iur\d,^ m^^ ,^pv\funÄ^Xung durclige- 

xcf .öhen ron.'iiiitovBÄIeiijna rBrei^ntie ;tepnAßn.^Q^ ,f;|^ischp.i|ie^^en/: aX^^Aehmen 

•li-w eis .al^a..öinind:licl^erjiÖW!l?^; »i§incLa Vj^r^r^iX^eri. J^^^' :fuf .^it^^^' 






^-^X 



9' 

j-BHp^rf jTscToJ V/ae c^icli, Ji^rciffioooQO bj^if/i^^ ^?:jaUl^f^ / 'jA(:e^^^ Frau", 

. ~ wenngleich es Ihnen etwas mysterip^^^^äM^ä^l^ :fc^£v+'fi 

Pr^H^^^^skreis., der £Ar nicjal^ klein ist, allgemein "Prau" genannt, ohne 
^^^Ö^ miäft däÄ%^er^'¥Wk^^' y^ hätte (ich meine nä^^orlich auf Brief a- 
dressen), wenn^nicjit vorgezogen wird, nur meinen Namen zu setzen, 3o ist-s 
nun einiaal der Brauch geworden seit etwa 25 Jahren, und mir ist*s recht 
gro; Jfey- IfekiiMLbÄ sagen, daß mir "Fräulein" irgendwie als Herabsetzung klin- 
gen würde, aiÖ alle Fälle verkehrt. (Jenug. Und nun die Frage nach dem 
runner-Institu^' : " Vas macht man da - Personenkult?"Nein! - "Forschung?" 
cn 'neiny es sei denn, daß in Brunners Werken geforscht würde, doch dazu 
brauchten wir das Institut nicht, denke ich, die Gedanken kann jeder auch 
ohnedas auffrischen. Aber: das Institut hat es a ch zur Aufgäbe gestellt, 
JBrunners ^Verke, die vom Nazi-Regime vernichtet wurden, neu herauszugeben, 
fgoap N» resp. die noch ungedruckten zum Druck zu befördern. Ferner Briefe, 
deren eine große Menge und sehr sehr wertvolle da sind, ferner Arbeiten 
wissenschaftlicher und psychologischer Art etc. 'die auf Brunners (Grund- 
sätzen fußen. Ferner Vorträge halten, in denen nicht sowohl für Brunner 
geworben wird (das tun wir eigentlich nicht) als die Brauchbarkeit und 
Nützlichkeit MMM der Brunnerschen Prinzipien aufgezeigt werden.. Scheint 
Ihnen das nicht ein ganz reelles und vernünftiges Unternehmen zu sein''' 
:^s ist aber noch jung, und es gibt da allerlei Schwierigkeiten zu über- 
winden. Und viel vie3i Arbeit! Am I.Juli standen auf meiner Liste 17 Briefe 
die geschrieben werden mußten (a^ßer privaten) , und angefangene Arbeiten 
warten m Menge auf ihren Abschluß und bedrücken das Gewis en. 

Angenehm war zu hören, daß"aer Judenhaß und die Juden" bei Ihnen re- 

SuSe^Lr^eind^beirfchtir^^^ ^^' '^^ioraisten^^ Qrthodozei iSd^ia' 

arunner als ?eind betrachtet. Und ist es doch so ganz tind ear nicht- er 

Soli?r yfe ha^^^^^h! Y^'^ geliefert, wenn man^sich ihrfrnSr bedienen 
Herzen* und nf! fL""^^^ das Judentum geschrieben! mit welchem glühenden 

er am besten von allen! 



ef e. 



an- 



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. . Friede 

'•/as meinen Sie dazu? mir gefällig 



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gend ?reiheit zu bewahren, und sie werden iroiner zu kurz koiu .en, denn ei^Oj^t- 
lieh brauchten sie viel. Aber gut, daß Sie Ihrerseits auch auf Ihrem StücK 
gestanden, und daß wird ihm wohl, au^^v^e^^l],^^^ |i^be^^^^ Sie 

keine Antwort mehr? 

]ä^m Giug-enfee.imH,^ucher^^ und soll 

ißwl>^atJto:«aqg^ac#j:;>:" eii/rfoaoiFt eiril .nsrnnoirfllxvv idee liia ißw es^^^ ;l9iiG 
-.%rtoix;b snxj^^j^^iäe^ji 'V%i%fe^^ 3EfrF>3iatoVyrelt-9chaim:ner8 

th£k^.b^i 1^0 'daß icir^bn ^äl^eii^-äTß '%&rknu^t&r'''iJih^^ .ßauEi bin 

lit TtiiT itich ^ineni Ast', (fi&i* ''gt'ünw--^^' -öftren ^M 
^,. '^^'liFc'ht Ifje gü^tif*'"'!?*^ ■WliÄ'^e TiloHts öMh, als unermeßliche^ iT^rraier und 

, "jjßi'H. "i^t»^ f^jvfcey^äie merken geWi'&V ^'Ö-Wß- ntöi^^ 5o^h lioch^-W&©T lböt,.^räi» fan Leben hängt 

eiiäo (driiiBns-a "jjßi'i*' niemösÜB »tax nlel:Ä ^rlpin %^^\ lob _^,ai^x:>i^^_bruje' "' 



xi9fi:rf 




a-d'ai De •riöäitea jjs namßPi nenrsm lun ^bixw nsgoss^iov d'xjphttfeifi-i'^ow ,(n9Ra9if) 




a'd'BX ixfn .bxixr ,n9inf;L c^^> ßwd-e cfxsa n9bT0Wö^ rlOi.i^'i' 



:?,nx/sd"ead'ßi9H alß 9xwi&n93ix "itxelxfßT:'!" lim Qßb ,n93ßa/^jM!»^^/j^Vif^, 
oßn 93ß'i''^r 9xb nx;n bnU .3x1119^ •tTfl9>'i9v 9llß^'^ oiÄj\ ^^ ,üIj'IjJv 

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HISTORIA JUDAICA 

Prof. Guido Kjsch, Editor 

415 West IUth SÄleet 
New York 25, N. Y. 



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DR. S. GUGGENHEIM 

35-05 PARSONS BOULEVARD 
FLUSHING, L. I.. N. Y. 






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Den liaag, S6.IX. 1943 



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Ivlein verehrter Dr. (ruggenheim! 

Y/ieder\m ist sträflich viel Zeit vergangen, bevor ich Ihr 
so freundliches Schreiben vom ':5. August beantworte. Und zwar, 
obwohl mich dieses Tal mein 'J-ewissen heftig plagte, i^^s ist 
nämlich etwas Joses passiert, ich will es nur gleich eingeste- 
hen, oie schreiben mit, Sie haben mir Ihren ""etzten Zeitungs- 
ausschnitt geschickt, und bitten mich, Ihnen diesen wieder zu- 
rückzuscnicken und zugleich auch: Abschriften zu machen j^'ür Sie . 
Dies letzte vnirde ich unbedingt tun, trotz der Zeit-Bedrängnis, 
in der ich mich dauernd befinde. Aber : der Zeitungsausschnitt 
ist nicht da! G-ewiß hatten Sie ihn seinerzeit uiii das Foto ge- 
schlagen - ich erinnere mich deutlich gedacht zu haben: wie vor- 
sorglich verpackt l Aber meine ganze Aufmerksamkeit gehörte der 
Fotografie und dem Briefe, das N^tückchen Zeitung wanderte wohl 
- (o fluchen Sie mir nicht!) - in den Papierkorb. Sie wissen 
ja gar nicht, Sie unscnuldiger Kann, mit welchem gefährlichen 
Wesen Sie zu tun haben - wo es um Zeitungen geht. Sie mögen es 
strflich heißen, aber - ich verachte nun einmal alles von G^rund 
aus was Zeitung heißt. Zwar versuchte ich schon manches Mal, 
mich trotz der natürlichen Abneigung ans Zeitunglesen zu gewöh- 
nen - es gelang, nie. Jena also mm etwas ist, was ich doch lesEin 
soll (und gewiß dann auch möchte), so muß man es mir sehr dick 
und deftig anstreichen, das ist das Wenigste, sonst koiiL^ue ich 
überhaupt nicht auf den bedanken, daß da etwas zu lesen sei. 

Was ist nun zu tun? Dies war doch etwas, was nicnt verloren 
gehen durfte - darf! Sie schreiben aber, es ist Ihr letzter , 
also haben Sie schon davon einige weggegeben. Ich hoffe, Sie 
können ihn voij andrer Stelle zurückerhalten. Ich hoffe es' 
Damit meine Sünde ausgelöscht werde, bin ich gern bereit, 'noch 
Abschriften davon zu machen uxid es dabei auch zu lesen 

Was den Weihnachtsgruß anlangt, so habe ich mich schon 
Während dem Lesen Ihres Briefes mit dem Ausdruck "gottinni.e 
Ruhe" innig befreundet. 

bekaJ^J' ^T^-'^P'^^^^ ^^^ ^^- ^- ^ooy. aus dem 2.Buch Sa^uelis 
bekannt und der Aussoruch des Abner genau in Erinnerung. Ich 

rmt .baohre.ben. 3ie lieber gutherziger Suggy. ..Aber diese 



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jüdiscnen i,-ütuer auch! Wahrlich, sie verdienen daß inanlbesingt 
und Dreist. YLeruien Sie die -^Inet tenbilder aus der Sixtinischen 
ICapelle? Dort finden Sie die würdigen Abbilder. 7ie da die 
Iviütter ihre Kinder halten als müßten sie sie schützen und ver- 
teidigen gegen die ganze feindliche 7/elt. Nirgend sieht man das 
sonst, daß Mütter so ihre Kinder umfangen mit ihren Armen, sich 
so über sie neigen. Ach - die ganze christliche Iv adonnenmalerei 

- die ja einigen Uiri-^ing hat - hat nichts aufzuweisen, was 
diesem gleichkom.j.t . Rembrandt steht natürlich für sich. Jeder 
dieser ^tter möchte ich einen Hymnus weihen, und ihn begleiten 
mit diesen 'Mildern, die selber Hymnus sind. 

Daß die Oorrespondenz mit Hesse interessant und sehr schön 
ist, das glaube ich Ihnen wohl. Schicken Sie mir nur ein und 
sejsm 3ie versichert, daß ich sie diskret behandeln werde und 
nach drei Tagen an 3ie zurücksende. Hesse selbst v.ürde sicher 
nichts dagegen haoen, deiwv was dieser l.:ann äußert, das mag die 
ganze v/elt hören, davon wird sie nicht schlimmer, aber MäüM 
mancher Ilensch besser. 



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Hiermit\4ieute G-ott befohlen, ich hoffe, Sie 

trotz meiner Sträflichkeit doch noch wieder ein 
grüße sehr herzlich 

Ihre 




cnen mir 
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MI JiTm RObOHi yiAjm 

und meine Au^en eine Wasaerleitung, 
Tag and i^iaoht virolite ich äe/si^s^®*^ 
meine i)iuniQheit und meine .hlodheiti 
der gefaj-len ist zum, Opfers 

der King» 

äßtm grosselterlichem Boaltz aus Hotjob a/hiheln Btaa- 

aend hUtete ich seit über 5o ^fahren einen alten 

schweren ivin^i^ aus Messing, exn^n Siegelring 

mit hebräischen iXichstaben» 

Viele befragte ich we^^en des i^-ings* 

(xäste kamen und däste gin£:en, doch keiner 

kündet den iiirui« 

]ja packte mich die »ut und verblendeten 

öinnes verschenkte ich den King irts^ndwann 

an irgendwen, der inich besuchte unvi dessen 

Äaaen nicht im G^edächtnis haften blieb» 

Jgines !rages aber - oder wars ' in der Macht - 

da däsmerte Fiirs* aufx 

Yars* nicht eixie ovale j:'rägeplatte, J3tanden auf 

ihm nicht 3 oder 4 schwer lesbare hebräische 

üichstaben? 

"^"^^hies^en aie nicht, daa hatte ich festgestellt, 
weil ich an ^-oacher-uitempel gedacht hatte» 
War nicht ein Z leserlich? 

Hatte ich nicht in der .jinoyclop» Judaica kürzlich 
das ovale ÜLld eines kiie^elrings gesehen? 
Hatten die Chrosoö-tern den King nicht in einem 
bchrank-iUißtchen aufbewahrt mit anderen wertvollen 
bachen, als da« sind alte uhr Schlüssel, ausgefallene 
2iähne und dergleichen? 

hatten die arosseltern nicht so mtmam gesagt wiei^ 
♦'das ist Joseis ^^ing" ! 4Aci4^,*>^*-^4^ iar^<-?«^*^ -^^^ • 
üna üiesen King hab ich verscherakt, verschleudert, 
verloren auf ifimmer wiedersehen! 

Darum hebe ich mein 'frauergesehrei an 

und klage und jammre und weine mit bittrer Seele 

und ach.er ist mein iieuf ^ien vom Morgen bis zum Abend 

über meine i^Uiiunheit und über meine Üödlieitt 

der gefallen ist zum Opfer 

JOSiJiiS KING. 



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Weh dem, der keine andle Erkenntnisquelle hat als die Bücher. 

Schäm dich nur nicht Vor Andern, das zu tun, was du für recht 
hälftst, aber schäm dich vor dir selbst, in Nachahmung der Andern, 
in ihrer Gesellschaft/ das Verkehrte und Unsinnige zu tun. Die 
Scham, mit Andern zu tun, was man allein nicht tun möchte, ist 
die bessere Scham, — besser als die, in Gegenwart Andrer zu tun, 
was man allein gar wohl tun würde, — aber wird selten ange- 
troffen. 



Die Sehnsucht danach, etwas zu lesen, ist lange nicht so groß 
wie die etwas gelesen zu haben — nur um darüber reden zu 
können. Manche jetzt schon nach Kritiken, einer neuen Erfindung 
des Satans, das Geschwätz zu vermehren und den Geist zu morden. 



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Fürs Zusammenlebhig ' 

Deine Gedanken dürfen dich nicht ungesellig machen, sonst 
.. sind sie nicht gut. 

'^ Mach es dir schwer, sehr schwer, eine üble Grundstimmung 
gegen Jemanden zu fassen, ein prinzipielles Vorurteil, an dem 
du studieren willst — Erfahrungen gibt es dann für dich nicht 
mehr, die dir etwas beibringen könnten . . . 

Und wolle nie bleiben wie du bist, sondern denk jeden Augen- 
blick darauf, dich besser zu machen. Wenn du einen andern 
schlecht findest, oder auch nur verkehrt und durch dich berichtig- 
bar: sei bedenklich, sei vorsichtig! 

Sich das Gekränktsein und die Hitzigkeit abgewöhnen! 

Und nur nicht alles gleich rächen wollen — du mußt auch 
noch wa| für das Jüngste Gericht lassen ! 

Fälle über Menschen, mit denen du zu leben hast, kein tadelndes 
allgemeines Urteil — weder ihnen selbst noch Andern gegenü'jer 
— sprich zu Andern nichts Tadelndes über siel zu ihnen selbst, 
wenn du mußt, nur über Einzelfälle . Läv 

^ Ärger über einen einzigen Menschen ist Unzufriedenheit mit 

Das Vermächtnis 8 



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seiner Natur d.i. mangelhafte Kenntnis seiner Natur d.i. ver- 
kehrtes Denken und das Wirkliche anders wünschen als es ist. 
Ärger über einen einzigen Menschen (soweit man es nicht in 
der Gewalt hat, ihn zu bestimmen und zu ändern, was hinsicht- 
lich eines besonderen Verhaltens und einzelner Handlungen 
möglich, seines Charakters unmöglich) setzt verkehrtes Denken 
über die ganze Welt der Dinge voraus. 



Sich selbst soll man zu bessern oder doch in jedem Falle zu 
mäßigen suchen, den Andern aber, mit dem man zusammenlebt 
und von dem man einsieht, daß er sich nicht wohl bessern kann, 
soll man nicht pädagogicren wollen noch an ihm sein Recht 
suchen, sondern — ohne ihn im Zweifel zu lassen über unser 
Urteil — nach Möglichkeit bestrebt sein, ihn vor den schlimmen 
Folgen seiner Schwächen und Mängel zu bewahren — vor allem 
bei uns selbst. 

Ja, wir müssen unsre Freunde, die wir nicht vor ihren Affek- 
ten bewahren können, nach Möglichkeit vor den Folgen ihrer 
Affekte zu bewahren suchen, können dies, sobald sie genügend 
erkennen, daß gewisse Unannehmlichkeiten Folgen ihrer Affekte 
sind. 

Du mußt gar nicht mehr dich befriedigen könneri daß du Recht 
habest — ' 

Denn es kann auf einer Seite richtig sein oder auf beiden 
verkehrt, du kannst es mit Sicherheit niemals wissen und sollst 
dich immer im Verdacht haben, wenn du noch so sicher bist daß 
es auf deiner Seite richtig ist, ob es nicht doch vielleicht dieses 
Mal nicht richtig und du in der Täuschung seiest. 

Zu einiger Verträglichkeit kann man es bei Einsicht und wirklich 
gutem, immer neu angefachten Willen bringen und, wenn es hoch 
kommt, zu lieb haben über alles hinweg, zu nicht rechnen der 
Schwächen, Gebrechen und Sünden gegen uns. 

Bei wirklichem Interessengegensatz jedoch ist kaum je eine 
friedliche Auflösung — 

Was aber tun bei Wissen und doch Müssen? Wollen und auch 
können mit einem grundsätzlich wideregoistisch leben! Wo man 
liebt, d.h. auf irgend eine Art herzlich gebunden ist an den andern, 
Das Vermächtnis 9 



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mit dem man zu leben hat, da muß der Überlegene so führen, daß 
er nach Möglichkeit den Gefährten vor den Folgen seiner Schwä- 
chen bewahrt, ohne ihm diese, die Kenntnis ihrer, zu verschweigen. 
Er muß suchen, des Andern Vertrauen zu gewinnen trotzdem er 
ihm frei zeigt, daß er die Schwächen kennt und nicht mitmachen 
kann — 




Im Familienzusammenlcben mußt du nicht dein Recht suchen 
(denn das bedeutet Streit!), sondern darüber weg will es gelebt 
sein. 

Wenn aber ist, daß du den Andern betrübt siehst, den Schwä- 
cheren, mit dem du zu hausen hast, — du weißt schon — , dann 
geh zu ihm, was auch sei, nicht an ihm dein Recht zu suchen, 
sondern mußt dir den Mund angewöhnen zum Frieden zu sprechen 
und darfst nicht eher ihn lassen, als bis er wieder hell ist und 
warm und gewiß deiner Liebe oder doch deines guten Willens. 

Die Frau soll möglichst mit dem Manne gehen. Diese Forderung 
verstärkt sich um ein Vielfaches, wenn der Mann ein hervor- 
ragender und von gutem ethischen Verhalten ist. Geht ein solcher 
aber gar noch mit der Frau, d.h. läßt er sie herzlich Gleichgeltung 
fühlen, so gibt es nichts, was die Frau berechtigte, den Mann mit 
irgend etwas aus ihrem unvollkommeneren Arsenal zu quälen. 

Willst du heiraten, so gehe keinen Bund ein, worin nicht sitt- 
liche Eigenschaften entwickelt werden und sieh wohl zu, daß du 
für deinen geistigen Geschlechtstrieb das Richtige triffst. 

Über die Liebe klar sein, ' 
Gegeneinander wahr sein — 
Und die guten Ehen 
Würden nicht so rar sein. 

Die Familie erfordert von dir die Erfüllung des Familienideals, 
das selber zu erfüllen doch jeder weit bleibt. 

aus dem Andern einen Kettenhund machen! Vergiß nicht, 

daß du Bewegung, d.h. unbändig und nie zufrieden bist; schreib 
dir das als Spruch über deine Tür (und hör auf, dem andern die 

Das Vermächtnis 10 



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"':<- Schuld zu geben). 



Von Beherrschung der Affekte kann keine Rede sein; denn die 
Affekte sind die Bewegung, /« der wir stehen und die Affekte 
beherrschen hieße die Bewegung beherrschen, die Bewegung nicht 
nur in uns; denn diese ist ja die von außen in uns . . . 

Es ist nur, daß der Denkende zur Besinnung kommt (das ist 
die^ Ruhe des Geistes und die modifizierte Bewegung, soweit sein 
Bewegen. cä?i<c^.ns. in Frage kommt; wodurch denn auch sein 
It cwußtijciy ihm modifiziert^empfindlich wird). 

Der große Arzt im Menschen gegen den Menschen. Wieviel 
der zu helfen vermag, dabei kommt freilich an auf den, dem 
geholfen werden soll, von was für Menschen er ein Mensch ist, 
ob von den geistigen oder ungeistigen. 

Die geistigen Menschen unterscheiden sich doch von den übrigen 
durch ihre Einsicht und ihren Willen zum Frieden, der wahr- 
haft^Wille ja nur sein kann auf Grund der Einsicht. Sie haben 
doch dies, wodurch sie modifiziert sind d.h. in der Bewegung und 
doch über ihr, über der Relativität. Und eben dies ist es, was die 
ungeistigen ihnen nicht anzuerkennen vermögen, die Größen- 
wahnsinnigen, denen die wahre Größe gerade als Größenwahnsinn 
erscheint. 

Die guten Willens und vor der Versuchung Bewahrten, das sind 
die einander Wunderbaren. 



Wo Zusammenleben so ist, daß überhaupt egoistische Liebe ' 
aufkam, egoistisches Gebundensein aneinander, da wird diese 
Liebe gestärkt und kann herrschend werden durch die Einsicht in 
den Charakter des Egoisten, des Richtigen und Tyrannen, der ja 
gar nicht wirklich immer der Richtige ist und — wegen der Not- 
wendigkeit des Zusammenlebens — gewiß nicht der Tyrann sein 
darf. Hier führt der Weg, der einzige Weg, aus dem Streit heraus 
zu bleiben und noch am meisten sein Recht zu finden. Im Streit 
mit dem Andern findest du es nimmer, und der Streit führt dazu, 
daß, wo du anfänglich „Recht" hattest, du doch auch dein Unrecht 
als dein Recht suchen wirst. — Nur nicht dein Recht im Streit 
suchen oder überhaupt im Bösen, und dem Andern — (sei es im 
Bösen oder im Guten — ) sein Unrecht ausreden wollen — willst 

Das Vermächtnis 11 



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du ihm seinen Menschen ausreden? — Vorwürfe machen über 
innerliche Eigentümlichkeiten ist wie: „Hör auf einen Buckel zu 
haben!" und eine elende Tierquälerei, wobei man auch sich selber 
schwer quält. 






Nicht selten hilft Humor, eine Affektäußerung (die Wirkung 
einer Affektäußerung) zu besiegen, sogar eine Affektäußerung 
auf Grund eines Charakterfehlers, den man gerade gezeigt hat. 
Denn darauf humoristische Reaktion beweist zwar, daß man seine 
Fehlerhaftigkeit gezeigt hat und ertappt ist, aber der Humor als 
Reaktion darauf hebt einigermaßen über die Beschämung hinweg, 
über die Unterordnung, macht schon wieder gleich. 

In dieser Welt der Bewegung, in dieser Welt nicht eines Seins, 
sondern des Werdens, wo jedes nur wird durch Entwerdung des 
andern, durch Benützung und Zerstörung des andern, ist ja der 
Egoismus und die Rücksichtslosigkeit des Egoismus/ selbstver- 
ständlich. Nun kommt aber für gewisse Lebewesen die Notwendig- 
keit des (für das Individualbewußtsein unselbstverständlichen) 
Gesellschaftslcbe|^hinzu, welches den Grund der Rücksichtnahme 
und der Rechtlichkeit bildet (der vom Staat, soweit sein Wille und 
seine Macht reicht, erzwungenen Rechtlichkeit — aus Freiheit wird 
sie geübt von denen, die den rechten Egoismus, mit dem rechten 
Verhältnis zwischen Individualegoismus und Gesellschaftsegoismus, 
im Bewußtsein tragen, von den ,, Sittlichen"). Und damit ist der 
Widerstreit erklärt zwischen Natum und Cultum in jedem In- 
dividuum und daß dieses sich empören kann über ein ungerechtes 
Tun andrer, das doch von ihm selbst getan wird, weil es doch, 
seiner selbst wegen, das Gerechte wünschen muß und weil es 
sein eignes Tun anders beurteilt als das fremde und, wegen der 
Herrschaft des Imaginativen in ihm, sich für besser und gerechter 
hält, als es in Wirklichkeit ist. 



Der Egoismus von der Substanz her, dessen Modus er ja nur, 
seine Souveränität, seine Einzigkeit, seine Vollkommenheit, seine 
Unvermischbarkeit, daher es nur geht, wo zwei Egoismen inein- 
andet^etan sind, und nur, soweit sie dies wirklich sind. 



Das Vermächtnis 12 



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Man kann leben mit den Andern und sogar drei können mit- 
einander leben äas egoistische Gemeinschaftsleben in Liebe: indem 
sie die Besinnung halten auf den Egoismus, und den Punkt der 
Unerträglichkeit des Andern nicht jedesmal multiplizieren mit der 
eignen unerträglichen Unbändigkeit, wo dann das Kriegsfeuer 
ausgebrochen scheint. Die Liebe für die Sphäre des Egoismus 
kommt aus der Besinnung auf den Egoismus, die den eignen 
Egoismus einschließt und damit das Streiten, das sein Recht suchen 
im Streit ausschließt oder doch wesentlich beschränkt. Das sein 
Recht suchen am Andern ist — bei dem Charakter unsres Egois- 
mus — oft genug: sein Unrecht suchen. Man kann so, drei 
können so miteinander in gegenseitiger Nachgiebigkeit (mit 
Schlucken vom Andern, weil der auch von uns zu schlucken be- 
kommt, ob auch nicht immer gleichzeitig) leben, jedenfalls besser 
als ohne dieses. 



Jede Gemeinschaft ist Gemeinschaft der Egoismen und daher 
für uns eine Aufgabe, die Gemeinschaft des Egoismus gegen den 
Egoismus zu halten. Die wichtigste und schwerste Aufgabe die 
Ehe, die, wie ich schon geschrieben, jeden Tag neu gemacht sein 
will wie das Bett. An die Aufgabe in unsren Verhältnissen denken, 
damit sie uns nicht zerstört werden! 

Die moralische Kritik lassend, zur wahren Selbstbeurteilung unl 
damit zur wahren Kenntnis der Menschennatur gelangen und, auf 
dem Wege über die Einsicht, zur Liebe. 

Und der Mensch beginnt den andern geradezu zu lieben in dem- 
selben Maße, wie er entdeckt und glaubt, daß dieser Einiges an 
sich nicht richtig hält. 



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Der Egoismus. Alle sind seine praktischen Anhänger, aber sein 
theoretischer will nicht leicht einer heißen. 

Der trüglichste und einfältigste Teil unsrer Menschenkenntnis 
pflegt in uns allen derjenige zu sein, der uns selbst betrifft. Soll 
ich in der Kürze sagen: warum? Weil es nicht zum Egoismus 
gehört, sich selbst zu kennen; weil es zum Egoismus — den andern 
Egoisten gegenüber — gehört, über sich zu täuschen und aufzu- 
binden, sich besser zu machen als man ist. So kommt man dazu, 
Das Vermächtnis 13 



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sich sehr über sich selbst zu täuschen . . . daß wir auch sogar 
unsrcr Heuchelei endlich selber glauben. 

Man kann rphig von Kulturhöhe reden, wenn man nur weiß, 
daß der Mensch zu allen Zeiten und unter allen Umständen, die 
dies irgend erheischen, der gleiche Egoist bleibt — 

Wenn einer irgend etwas an sich, von sich anerkannt wissen 
will — er wird Feind des Verehrtesten, der es ihm nicht anerken- 
nen kann. 

Sie können nichts tun gegen die Logik ihrer roten Suppe — 

Die Menschen verzeihen keinen Fehl. Sie können ihn vergessen, 
eine Zeitlang vergessen, sie können ihn milde beurteilen, nach 
guter Aufgelegtheit milde und auch einmal gar nicht darauf 
reagieren; aber verzeihen — nein. Die so eingestellt sind, daß 
sie anders, denkend betrachten, wo denn freilich das Verzeihen 
aufhört, deren sind so wenige, daß von ihnen hier nicht zu 
sprechen, — Warum verzeihen einander die Menschen keinen 
Fehler.^ Weil sie allesamt den Maßstab des Gattungs-Ideals an- 
legen, an dem sie doch allesamt nur teilhaben; und so bleibt denn 
den Teilhabenden für sich selber nur, daß sie die eignen Fehler 
oder das was ihnen am Ideal fehlt, nicht gewahren und sich 
absperren gegen das sich darauf Hinweisen lassen und das, trotz 
vorübergehender Unzufriedenheit mit sich selbst, doch immer 
sich selber idealisieren und für auserwählt halten, das sich Erheben 
über die Andern (eine für die Selbsterhaltung wichtige Illusion 
über sich selbst, die denn freilich ein mit sich selbst einigermaßen 
in Frieden bleiben, aber unausweichlich Streit mit den Andern zur 
Folge hat — weil sie sich nicht beschränkt hält auf die illudierte 
Selbstbetrachtung, sondern zur Kritik der andern und zur Erhebung 
über diese fortgeht). 

Gegen Vorzüge Anderer gibt es nur Liebe oder Neid; wer sich 
des ersten Mittels bedient, hat noch Vorteil davon, das zweite 
bereitet große Schmerzen und — zieht, zieht hinunter — 

Tragische Schuld ist immer klein. Sie kann so klein sein wie 
Eitelkeit und Geschwätzigkeit, wie Geheimnisverräterei aus Ehr- 
lichkeit. „Blonder Eckbert" (von Tieck): Ich muß doch dem 

Das Vermächtnis 14 



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neuen Freunde mein Geheimnis, alles was ich auf dem Herzen 
habe gegen den alten, ich bin doch verpflichtet, dem neuen 
Freunde das alles zu sagen; zumal mir wohltut, das gegen den 
alten los zu werden an einer Stelle, die mir so wohl will. Diese 
Stelle will nicht nur mir wohl: sie will auch dem gar nicht wohl, 
von dem ich zu ihr spreche, und es ist ihr Interesse, um ganz in 
meinen Besitz zu gelangen, die alte Verbindung zu lösen und 
schwarz zu machen, was weiß gewesen. Und eh ich mich versehe, 
bin ich Verräter geworden und sehe mich in einen Krieg ver- 
wickelt, den ich gar nicht wollte und hab auf den alten Freund 
und auf mich selbst Böses heruntergezogen. Tragische Schuld. 

Wo auch die wärmste Freundschaft gewesen, da sind so viele 
Fäden der Beziehung, die drehen sich zu einem Strick, dich damit 
zu würgen. 

Und daß man sich nicht verdunkele über die einfachsten Dinge, 
ist immer erst Klarstellung des Grundverhältnisses nötig: „Da 
muß ich nun erst wissen, wie du zu mir stehst." 

A hat B erzählt, der es mir* wiedererzählt hat — es sollVa^cr 
noch niemand wissen! darum also wird es so Vielen erzählt zur 
weiteren Verschweigung ! 

Das Schwätzen, das Schwätzen über den Andern; jeder sollte, 
wenn er es kommen merkt, von dem wunderbaren Wasser trinken, 
das der gute Doktor jener Frau gegen den .Zorn ihres Mannes 
verordnet — 

Was ein böses Wort, ein böses Urteil über einen Menschen 
anrichten kann ! Auch wenn wir wissen, es kommt aus dem Mund 
des Neides, verdrießt es uns und leicht bleibt ein Schatten haften 
auf unsrem Urteil und auf unsrer Freundschaft. Unsre Unselb- 
ständigkeit und: Ferreus! 



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Theano zum Timäonides, der sie überall schlecht machte, sie 
habe trotzdem überall nichts als Gutes von ihm gesprochen, — 
nur hätte man ihren Lobeserhebungen ebenso wenig Glauben 
Das Vermächtnis 15 



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^geschenkt wie seinen Verleumdungen. 

Wie einer doch so gar nicht ahnt, daß, wenn er bei einem 
Andern etwas Schönes häßlich findet, damit eigne Häßlichkeit 
offenbart. 

Wenn einer der Einzige ist, der jemandes Eitelkeit schmeichelt 
(besonders in Verbindung mit Geschlechtlichem), so kann er 
sicher sein, daß dieser Jemand seine Hauptfehler übersieht oder 
vorteilhaft auslegt und ebenfalls der Einzige wird, der seiner 
Eitelkeit schmeichelt. ^ 

Wie wichtig das Klatschen: der Richtige kann seine Richtigkeit 
größtenteils nur indirekt befriedigen, sie zeigend, indem er sich 
erhebt durch Heruntersetzen eines Andern vor einem Dritten, der 
ihm mit dem Heruntersetzen des Andern beipflichtet — damit 
gibt er sich schon zufrieden und hält sich in der Selbsttäuschung. 

Und immer noch einmal: wer Vorzüge des Andern nicht lieben 
kann, wird von ihnen neidisch und schlecht. 

Im Anfang der Freundschaft beurteilen wir die Menschen nach 
ihren Vorzügen, nachher nach ihren Schwächen und Fehlern. 
O weh! 

Es ist doch so, daß der Mensch seine Natur nicht vertragen 
kann, sich denaturieren will. — So will auch jeder den andern 
denaturieren — auch manche liebe Knopfannäherin will ja nichts 
weiter, als daß ihrer Natur zuliebe der Mann seine Natur nicht 
habe er wäre aber dann ein Freiwilliger der Dummheit. 

Das fürchterlichste Los droht ebenso aus der „Liebe" her wie 
aus dem gewissenlosen Ausbeuterherzen. Das fürchterlichste 
Menschenlos ist, Sklav zu sein, Besitz eines andern Menschen. 
Aber nicht nur die Eroberer machen Sklaven, nicht nur die Tyran- 
nen und Geldgcwaltigen, aus kaltem Herzen: auch die heißen 
Herzen der „Liebe" sind Egoistenherzen, besonders die der Weiber, 
und der Mann soll alle Schätze ihrer Liebe und Hingebung haben 

Das Vermächtnis 16 



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unter der Bedingung, daß sie ihn besitzen. Diese Menschbesitzung, 
worauf die Weiber ausgehen, rechnen sie zu ihrem erhabensten 
Idealismus; es ist schon die ärgste Besitzgier nach dem Besitz aller 
Besitze, nach dem Menschenbesitz mit der Entpersönlichung des 
Menschen. Die Weiber, die Schwächsten, benutzen ihre stärkste 
Waffe, die ,, Liebe". 



Der egoistisch psychologische Ursprung bleibt ihrem Bewußtsein 
verborgen. Manche lassen sich bei deutlichst ihre Schuld aufweisen- 
den Verwicklungen mit keinerlei Mitteln die wirkliche Sachlage 
klar machen, sondern bleiben verzweifelt auf ihrem Recht: Für 
das Bewußtsein fehlt die Fähigkeit des Auges, mittels des tapetum 
lucidum, auch noch im Halbdunkeln zu sehen. 



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Wie man zum neuen Tage sich wäscht, so sollte man jeden Tag 
sich vornehmen, das Verneinende nach Möglichkeit zu beschränken, 
klar sich auszudrücken, daß keine Mißverständnisse erweckt wer- 
den, und Geduld zu üben, da man doch auf sich so viel nicht 
rechnen kann, daß man immer gerecht urteile und nicht etwa gar 
Ehrlichkeit, Vorzüge und Feinheiten anderer für Mängel und 
Sünden halte. — 

Vergib mir, wenn ich dir ein Unrecht tun sollte, vor allem 
aber — was noch weit schwerer — wenn du mir eines tust. 



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_ Jeder versteht den Andern nur soweit er ihn reproduzieren kann. 
In der Natur des Geistigen ist nichts was nicht and|e seines- 
gleichen als natürlich und gut und fast nichts was nicht "das Volk 
übel auslegen wird. 



Es gibt kein Mittleres zwischen Verstehen und Nichtverstehen: 
wer versteht, versteht, wer aber nicht versteht, der mißversteht 
auf der Stelle, sobald er nur hört. 

Copernicus: „Was dem Volke gefällt, verstehe ich nicht; was 
ich verstehe, gefällt ihm nicht; wir sind verschieden." 

Rache ist zwar ein Naturgesetz, dient also der Lebensfürsorge 
(schon die Furcht vor unsrer Rache hält viele ab uns Böses zu- 

Das Vermächtnis 17 « 



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zufügen), widerspricht aber auch nicht selten dem Hauptnaturge- 
setz: der Lebensfürsorge — und schadet, anstatt zu nützen. Wer 
klug ist, der weiß, daß sich für alles rächen dumm ist, und wer 
sehr klug ist, der weiß, daß keine Rache nehmen in sehr wichtigen 
Fällen nicht allein das Klügste, sondern zugleich die wirkungs- 
vollste Rache ist. Nur eine ist noch mehr zu empfehlen: Rache 
nehmen dadurch, daß man sich bessert. 

Aber nicht, statt Rache nehmen indem man sich bessert, durch 
Rache sich verschlimmern. 

An nichts wird soviel Rache genommen als an der Wahrheit; 
denn sie tut weh der Unwahrheit im Egoisten. Dem liegt den 
Teufel an der Wahrheit; er will fressen und sich amüsieren. 
Begegnet ihm ein Wahrer, so will er den gleichfalls fressen und 
mit ihm sich amüsieren, freut sich auch der Wahrheit, soweit er 
ihrer sich freuen kann; bekommt er sie aber gegen seine Unwahr- 
heit zu schmecken, so wendet sich das Blättchen und zeigt sich: 
seine natürliche Ruhmsucht ist am Leben und seine Rachsucht 
will morden. 



Eigenlob stinkt, was aber fremder unberechtigter Tadel für 
einen Geruch hat, dafür soll man keine Nase haben. 

Zwei weise Spruchverse: ,, Antworte dem Narren nach seiner 
Narrheit; sonst dünkt er sich klug in seinen Augen." Und der 
andre Vers: „Antworte dem Narren nicht nach seiner Narrheit; 
sonst gleichst du ihm." Der zweite Vers ist der weisere, — und 
was machts, wenn der Narr sich Sieger dünkt? 

Ein König frug einen Gelehrten: Was gibt es Neues in der 
Wissenschaft? Worauf er von diesem die mächtige Antwort 
erhielt: Kennen Majestät schon das Alte? 

'Scheinen wollen. Es gibt aber Solche, die scheinen wollen, was 
sie nicht sind, und Solche, die in der Tat auch scheinen wollen, 
was sie wirklich sind — dies immer scheinen wollen (da man, 
was man wirklich ist, doch natürlicherweise nur in Momenten 
auch scheinen kann). Dieser Unterschied und der letztbezeichnete 
Charakter verdient besondere Beachtung. 

Das Vermächtnis 18 



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Die vielen Freundschaften, die wir unterhalten ohne mit ihnen 
brechen zu mögen und doch ohne sie recht zu pflegen. Sie sind 
keine mehr; man hat die Menschen noch lieb, es war einmal eine 
Freundschaft. Jean Paul: „Ohne Sympathie kann wohl die Chirurgie 
bestehen, aber nicht die Freundschaft." 

Laß dich am Freunde nicht irre machen, auch nicht durch ihn 
selbst, halt gewaltsam die Freundschaft auch gegen seinen Willen 
so lange, bis wieder mit seinem Willen — natürlich nur am wert- 
vollen Freunde. Vgl. Hamann bei Hegel, Vermischte Schriften II, 
_S. 66. 67. 

Schreiben und Antworten — das schwere, unregelmäßige und 
qualvolle Ein- und Ausatmen der Freundschaft getrennter Freunde. 
Was leiden die meisten darunter, besonders wenn sie zärtliche 
Naturen sind. 

Was du den Andern (zugefügt, sei dir groß, und Großes der 
Andern dir gering und nichts (Talmud Dun. Br!) — und tu 
jeden Tag „Gutes" — 



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Regeln für Philosophierende 









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Mein Rat an den, der mich ernsthaft fragt, ifetiefst pflegt deinen 
rfcrrb-ttsw: — / Meine Fakultätenlehre. Trenne und herrsche ! Trenne 
die Fakultäten, trenne die Gedanken des praktischen Verstandes 
-— . t A ji ^^^ seiner Wissenschaft von der geistigen Erkenntnis, noch mehr 

k^A iA IXA-VtS ^'^ von dem Wahn des analogischen Aberglaubens, trenne die Welt- 

iv fl '^y \ /^ Weisheit von der Philosophie, Kunst und Liebe, und halte von 

deren Geistigkeit fern alle Metaphysik, Religion, Moral. Unter- 
scheide die Fakultäten und nichts wird dich irre machen! 

Die Reiche der drei Fakultäten müssen lebendig unterschieden 
in uns, in den Gedanken stehen, als Erde, Hölle und Himmel. Ja, 
diese drei sind unsre Reiche; wir wohnen nicht in ihnen, sie sind 
in uns. Wir müssen das wissen, damit wir ein Richtmaß gewinnen. 

Begründen wir die Herrschaft der geistigen Besinnung über alle 
Gedanken (d.i. praktische Gedanken unsrer Seele) — damit 
kehren wir zur Einheit mit uns selbst, damit kehren wir zu uns 
Das Vermächtnis 19 



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selbst zurück, und sind in dem, was nicht, gleich allem Übrigen, 
geliebt und l^egehrt wird, weil es uns Gutes verschafft, wie selbst 
die Gaben unsrer Sinne und all unser praktisches Denken, sondern 
was an sich selbst uns das Beste ist und denn auch der Friede 
unsres praktischen Denkens. ^» rnL,,_^ 

Keine Bildung ohne daß darin unser Denken in dasXjmnd- 
verhältnis gerückt worden sei zu unsrer Wahrheit — sonst wollen 
wir lieber wie die andeijf Bestien bleiben, wenn wir nur Narrheit 
gewinnen und Eitelkeit gewinnen sollen. 

Das Erste ist die Einheit dieser Welt der bewegten Dinge, das 
* sich Eines fühlen mit allen Dingenl innerhalb der eignen Gattung 
mit den Menschen, in der Liebe zu ihnen. Dies das Vornehmste 
des Einsseins mit der relativen Wirklichkeit, welch^ die erste Stufe 
der Vereinigung mit dem Einen. Und je mehr sich lieben unter- 
einander, desto mehr im Bewußtsein ^et Einheit — „Liebe zu 
Gott und Liebe zum Nächsten: damit durch Liebe zu Gott alle 
Einem anhangen, und durch Nächstenliebe alle unter sich Eines 
werden mögen." * ■ 

Wir haben immer nur dieses unvergängliche Juwel ,,Echad" 
icu einzufassen. 

wenn es auch nur Augenblicke sind, in denen wir diese 
völlige Abstraktion leben — unser Leben besteht aus diesen 
Augenblicken. — Und sind das Augenblicke? 






Was Geistiges sich verwirklichen kann im Leben, kann dies nur 
durch die Geistigen für die Geistigen. — 



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Das mag jeder geistige Mensch wissen, daß sein Wesen, unter 
diesen allgemeinen Volksverhältnissen, in die er nun einmal nicht 
h'mQ'm^^Fm^ eine Entstellung angenommen hat (wie j in jenen Ge- 
meinscnarten, die die Köpfe oder Füße entstellen). 

Was du nicht richtig denkst, wirst du verkehrt leben (Denken 
hier vom lediglich praktischen gebraucht) — aber auch was du 
richtig denkst, nämlich richtiger als die allgemeine, verkehrt ein- 
gerichtete Praxis, wirst du in dieser verkehrt leben; daher auf der 
Kenntnis der Allgemeinheit und ihrer verkehrten Gedanken ein 
gar groß Teil der Lebensweisheit liegt. 

Das Vermächtnis 20 



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Wir Gefangene des Volkes . , . denn du bist durch die der 
Wahrheit entgegengesetzten Schulen gegangen — 

Es ist nicht genug, daß du diese scholastischen Sitten nicht mit- 
machst: du mußt auch andre davon abbringen und sie überzeugen, 
daß die Lust daran nicht aus dem reinen Triebe hervorgeht und 
sie fest im GemütJb machen gegen dieses. 

Den Volk/mann, den Erdensohn überwindest du nicht, wenn du 
so mit ihm streitest; du bist ihm höchstens ein Gleicher, eben- 
bürtig an Kraft, aber die seine wächst immer wieder von neuem 
an. Erheb dich aber mit ihm in das höhere Element: dort vermag 
er nichts und dort wirst du leicht Gewalt über ihn haben, wie 
Herakles über jenen Antäus. 

Die geistige Besinnung, vom relativen Denken, d.i. von unsrem 
menschlichen Dingsein verdeckt, regt sich nur äußerst schwach 
und dunkel in uns, und ehe sie noch in dem körperlich und damit 
auch seelisch innerlich ausgereiften Menschen zur Kraft und 
Festigkeit des Denkens gelangen kann, hat sich dieses geistig ver- 
anlagten Menschen bereits der allgemein herrschende Aberglaube 
der Volksgemeinschaft bemächtigt, der dem Geiste äußerlich so 
ähnliche; denn der Aberglaube ist der Affe des Geistes . . . Hier 
wäre nun das über das Wesen des Analogon aus der Lehre zu 
entwickeln, was eben nur in dieser möglich ist. 

Das Gefühl, das in uns heraufkommt, daß wir schon lange, 
lange genug gelebt haben — selten. 

Auf Gefühl des Ewigseins beruhender Seelenzustand. Nichts 
außer dem Kreise dieser Gedankenjdann begehrenswert nochjlange 
fesselnd. 

Klassisch einmal ausgesprochen vom höchsten der geistigen 
Menschen, vom klarsten: von Spinoza (Eingang De httellectus 
emendatione). 

Hochherziges Verhalten aus diesem Seelenzustande heraus gegen 
die an den Gütern der Relativität Haftenden, aber ohne sich des- 
wegen denen gegenüber schwachmütig zu zeigen. Erst, wie Spinoza, 
Erbteil gewinnen, dann es verschenken — und das uns nötige Bett 
behalten wir. 

Das Vermächtnis 21 



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Sowie im Ganzeo und Großen der Menschheit und dem ein- 
zelnen Menschen seine Existenz zur eignen Aufgabe gemacht ist 
— so denn ein Jeder sich selber sein Leben gestaltend, und 
encjlich, durch die Produktion der Kunst, Philosophie, Liebe' seine 
Rückgestaltung zu seinem wahren gelbst in jener Melanom aus dem 
relativen und analogischen Denken. 

Du mußt dich hüten vor jener allzugroßen Überreiztheit deiner 
Theorie und Empfindung im Herzen, auch dann, wenn dir mit 
noch so hohlem Dünkel begegnet wird. Sie geben dir, was sie 
vermögen, so lang und so weit sie dich für einen der ihrigen 
lialten, und mehr kannst du von ihnen nicht verlangen. 

Wenn dir das Leben ein Hindernis des Denkens ist (d.i. deines 
inneren Gemütszustandes in seiner Freiheit und Freudigkeit), dann 
lebst du nicht richtig oder du denkst nicht wahrhaft. Kannst du 
nun überhaupt wahrhaft denken, dann bist du im Stande, dein 
Leben zu ändern und zu schaffen, daß du denkst. 

Einige Blätter Spinoza retten dich. 

Der eiserne Kopf — 

Die Philosophierer, die Spinoza ablehnen, weil sie bei ihm die 
Wahrheit nicht widerspruchslos demonstriert finden, wie er ver- 
sprochen hat, sind ganz gewiß keine Philosophen und verstehen 
den Philosophen Spinoza nicht, trotzdem er versprochen hat zu 
demonstrieren. 

Es ist leicht, besser denken als Spinoza, wenn man sich mit so 
viel schlechterem Denken zufrieden gibt und es für das bessere 
hält. 

Das ist nicht, wie Herr Meyer von der Universität, der Univer- 
sitätsprofessor Meyer meint, jetzt sei nun Kant die Wahrheit (weil 
er die Mode) und Spinoza abgetan: in Wahrheit bleibt Spinoza 
von /an für alle, die überhaupt denken. Wie Christus geblieben 
ist, wird Spinoza bleiben. 

Spinoza. Wer ihn und die Zeit kennt, erfährt auf Schritt und 
Tritt, was diese ihm schuldig ist ohne sich ihm erkenntlich zu 
erweisen. 

Spinoza, der große Wardein der Gedankenwerte. 
Spinoza der Philosoph, und so nun denke ich mir eine Ge- 
schichte der Philosophie: Von Spinozas Philosophie aus, an ihm 

Das Vermächtnis 22 



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gemessen. Durch die Schicksale des Irrens der Philosophen, indem 
man stets ihren Irrtum erläutert an der von Spinoza klar und fest 
ausgeprägten Wahrheit, wird die Erkenntnis des Wahren befestigt 
werden. So lernt man den Körper kennen am gesunden und am 
kranken Körper. Dies die allein fruchtbare Methode. 

Für den Philosophiestudierenden ist natürlich die Beschäftigung 
mit Aristoteles ganz unentbehrlich. Ganz abgesehen von dem 
Gewinn, den er direkt schöpfen wird, wird ihm auch die philoso- 
phische Terminologie, die beinah immer auf Aristoteles zurück- 
zuführen ist, dadurch verständlich werden. Die richtige Kenntnis 
der Termini ist aber mehr als die Hälfte, ist beinah die ganze 
Kenntnis der philosophischen Meinungen, der wahren wie der 
irrigen. Nicht schwer ist es zu philosophieren, wohl aber die 
Philosophie zu lesen. Und das wesentlich durch die Verwirrung 
in der Terminologie. Euken, Kappes usw. 

Charakter des Cynikers, nicht auf die Spitze getrieben, — etwas 
davon muß in jedem Philosophen sein. — Ist auch im Skeptiker 
und Sophisten, wenn er lebendig, wie z.B. in Stirner. 

Stirner ist ein geistreicher Wüterich, womit er sowohl anerkannt 
wie auch als Philosoph gerichtet ist. 

Unsere Bildung ist nur eine wissenschaftlich-logische, sie hat 
keinen Einfluß auf das Wollen, wodurch die Praxis des Lebens 
geleitet wird, und keinen Zusammenhang mit dem gei6tigen 
Grunde, worauf alles Denken des praktischen Verstandes steht. 

Gegenüber der modernen einseitig gedankenlosen Empirie, 
welche für den praktischen Verstand berechtigt ist, das Prinzip 
des freien inneren Denkens wieder hervorheben und einschärfen, 
daß auf diesem, dem Geistigen, der praktische Verstand ruhe. 



Das Absolute ragt nirgendwo hinein in das Relative und wird 
von diesem niemals berührt. 

Wie wäre das auch möglich?! 

Das Relative ist das Absolute selber in der Auffassung der 
Jlelativität. • 

' Wo das relative Bewußtsein hat vom Absoluten, ist dieses Be- 

Das Vermächtnis 23 



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sinnung auf das Absolute in der Form der Modifikation des 
relativen Bewußtseins. 

Wie dennoch der Geist, als außer dem Verstände, diesem offen- 
bar wird, wie er nicht bloß in wissenschaftlicher Form philoso- 
phiert, sondern als die sicherste Wissenschaft und als die Grund- 
lage aller Wissenschaft — dies an seinem Orte von selber deutlich. 

Als ein geistig Denkender wird man geboren, muß aber doch 
erst wieder dazu gemacht werden — wegen der Volkserziehung, 
durch die alle hindurch . . . Darum also muß der Geistige ein 
Geborener sowohl wie ein Gelernter sein. 

Alle müssen wir erst durchs Volk hindurch, durchs Volk in uns, 
und durch Entwicklung und Schicksal erst wird geworfelt und 
gesondert und zeigt sich, wer auf Seiten des Geistes gehört. 

Das Analogon nicht bloß draußen sondern auch der hinterlistige 
Hausfeind in unserm eignen Denken. ^ 

Wie Hillel gesagt hat „Was dir unlieb, das tu auch deinem 
Nächsten nicht; dies ist die ganze Lehre, das Übrige ist nur 
Erläuterung, — so sage ich: das Relative auf dem Grunde des 
Absoluten, das 'ist die ganze Lehre, das Übrige Erläuterung. 

a''^^ Die Lehre vom absoluten und produktiven Geiste — das Be- 
ußtsein vom Absoluten macht uns produktiv für unser Leben, 
daß wir es vergeistigt leben! (Die geistige Modifikation des 
Le bens produzieren.) 

Die Liebe als die- innere Lebensbewegung des Denkens, wodurch 
diesjTiri seinem Mittelpunktef bleibt — 

^ Schöpferisch aus dem Geiste heraus mußt du sein — ob du nun 
produktiv oder nur passiv reproduktiv zu den Formen des Geistes 
stehst — du darfst nicht als ein Träumer, mystisch, quietistisch 
dich hingeben: du mußt und du kannst wirken, für dich in dir 
beständig, und für Andere, — mit Liebe auch für die von der 
jmdern Art viel praktisch Gutes der Relativität. ^ 

Unsere Treue nach zwei Seiten — auch gegen die, die nicht 
unsres Wesens sind — 

Du darfst nicht, was glückselig sein will, unglücklich machen. 



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Das Vermächtnis 24 



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'ZuK Ergr^jndung des Charakters 



am schwersten 



Wie schwer immer die Wahrheit zu finden - 
die des eignen Charakters. 

„Adam wo bist du?" — Adam müßte sich selber suchen! — 
es^ibt aber für diesen schweren Dienst nur Freiwillige. 
"^"^Man muß aber alles tun, sich kennen zu lernen. Obwohl vom 
eigentlichen Charakter die Erfahrung so gut wie abgeschnitten 

kann doch kommen therapeutische oder doch mindestens 

kathartischc Wirkung dieses sich Erziehenwollens und Gegen- 
wirkenwollens (gegen das Nichtwissen und die Selbsttäuschung). 

• Der Egoimus deiner Kinder kränkt dich.^ du Närrchen mit 
deinem Unterschied — das ist doch ein Stück Egoismus von dir! 

Nichts weiß der Mensch vom Menschen, als bis von sich selbst 
er weiß, daß er Egoist durch und durch. Alles andre ist Einbildung 
. des närrisch-abergläubischen Tieres. 

Der Egoismus als die innerste Wurzel des ganzen Denk- und 
Handelssystems. 

Der Egoismus macht das Lebewesen weltbrauchbar; aber der 
unbändige Egoismus und Imaginativismus macht die Menschen 
für einander unleidlich und gefährlich. 

Dieser Imaginativismus ist noch bis jetzt nicht der Psychiatrische 
Punkt für die Wissenschaft gewesen. 

Der neurotische Punkt, der paranoische. — Aus meinem Tage- 
buch, daß der Mensch, auch der Vernünftige, Einschlag von Ver- 
rücktheit hat. Schon dies ist verrückt, daß sie sich immer mit 
Vernunft und Moral abgeben, als wäre nichts andres; und man 
muß doch endlich zugeben, daß die Menschen Verrücktes getan 
haben und Vernünftiges. 

Das klinisch Verrückte und das Verrückte, was von der Allge- 
meinheit für vernünftig kann erklärt werden, sogar für die höchste 
und heiligste Wahrheit, und doch verrückter ist als das für klinisch 
verrückt Genommene. 

Das Vermächtnis 25 



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Der Mensch rechnet das Imaginative, die Verkennung seines 
Egoismus, nicht als seine größte Unvollkommenheit, sondern sich 
zur Ehre und verkennt infolgedessen den Egoismus als allgemeinen 
Gattungscharakter, nennt immer nur — ganz wie der unwissen- 
schaftlich denkende Einzelne — den! oder den andern Einzelnen 
egoistisch und schreibt die Schwächen und Laster nur Einzelnen 
zu, statt zu erkennen: nach Graden, aber Charakter der Gattung. 

Nicht meinen, daß es dadurch gleich steht, weil alle sündhaft; 
— sie sind es doch nach Graden! 




Sota 3: „Der Mensch sündigt nicht eher, als bis der Geist des 
Irrsinns in ihn eingezogen." Das ist richtig. Der richtig gedachte 
Egoismus schließt das Unrecht aus. 

Der Imaginativismus ist nun aber die Theorie des Menschen, 
die ganz maßgebend einwirkt auf sein Verhalten insofern als der 
andere Mensch in Betracht kommt, für .f££« 'Urteil; denn er selbst 
handelt natürlich nach der menschlichen Realität. 




Dieses widersinnige sich Verrenken des eingebildeten Charakters 
und das in ihm Tugend sehen gegenüber der realen Natur, ohne 
die weder das Individuum noch die Gesellschaft bestehen könnte, 
und ein Schimpfwort machen aus der realen Natur und ihrem 
Gesetz: ein Egoist! 

Das Erlogene unsres Gesamtlebens infolge Imaginativismus. — 

Der Imaginativismus, besonders der Moral, würde ja die 
Lebenswurzeln des Egoismus abschneiden, wenn er wirklich Kraft 
hätte, wie er nicht hat. Aber er gilt doch als mitwirkend, ja man 
glaubt im Grunde, daß es recht sein würde, wenn er Alleinherr- 
scher wäre. Das ist schlimm genug, und ein ganz neues und allein 
wahres Verständnis für die Menschenwelt tut sich erst auf, wenn 
der Egoismus allein in Betracht gezogen und der Imaginativismus 
als solcher gekennzeichnet ! ' 

Zur Ablehnung der Moral als des gefährlichen Fiktivismus 
gehört die Begründung der Ethik als des Egoismus, welche diesem 

Das Vermächtnis 26 



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" seinen nützlichen weiten Umfang gibt. 

Ahnungslos über den Unterschied zwischen Affekt und Ver- 
nunft, halten sie ihren Affekt für Vernunft. 

Der Affekt ist ja nicht naturwidrig und überschreitend das 
rechte Maß, er ist vielmehr die Bewegung der Natur, an sich 
selbst hemmungslos und unaufhaltbar, sem Maß findend nur an 
der Gegenbewegung. Insofern liegt in des Sokrates Satz von der 
Tugend als einem Wissen, die Wahrheit, daß das richtige Wissen, 
das Wissen von unsrcm Leben in der Gesellschaft, die sich selbst 
beschränkende Gesundheit des Egoismus. 

Man muß aber verstehen, daß die Sophistik, auf Herrschaft 
gehend rücksichtslos, die Sophistik des Natum ist, des wirklich 
realen Menschen, der den imaginativen bei Seite schiebt, — außer 
so weit er ihn für seine Zwecke gebraucht. 

Ihl- müßt über die Lüge noch ganz anders denken lernen. Lernt 
doch unterscheiden zwischen einer Lüge, die das gute Recht des 
Individuums ist, zwischen seiner Selbsttäuschung, die entspringt 
aus der mangelhaften logischen Erfassung des eignen geistigen 
Gesamtinhaltes oder aus seinem Konflikt mit dem allgemeinen 
Zustande der Einrichtung und Umgebung — und der Lüge, die 
ein bewußtes Mittel des Betruges und der Unredlichkeit. 

Vorurteil, Ignoranz und Parteipolitik stärken und vergiften das 
Lügen. 

Da Charakter die Äußerungsweise des Egoismus, des vernünf- 
tigen und unvernünftig affektiven, sich selber nützenden und 
schädigenden, muß er sich zu nützen suchen, indem er heraus- 
bekommt, womit er sich schädigt. 

Goethe: „Vergebens bemühen wir uns, den Charakter eines 
Menschen zu schildern; man stelle dagegen seine Handlungen, 
seine Taten zusammen, und ein Bild des Charakters wird uns 
entgegentreten." 



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Das Vermächtnis 27 



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Regel, Hilfsmittel: auf die Freunde achten, auf ihre Andeu- 
tungen und auf ihr Schweigen, beides benützen und sich das 
Gekränktsein und die Hitzigkeit abgewöhnen. 

Wenn man dahinter käme und zusammen stellen könnte, wie 
man mit seinem Innerlichen in den uns kennenden Menschen 
ausschaut, so könnte man aus den verschiedenen Bildern wohl 
ein Durchschnittsbild gewinnen, das uns für die Selbsterkenntnis 
nützlich wäre . . . 



Gutes Mittel, sich kennen zu lernen: denken an alle die, die für 
uns keine personae gratae gewesen, ob ihre Leistungen und ihr 
Ansehen unsre Urteile über sie rechtfertigen; untersuchen, was 
denn nun bei uns Anlaß zu unsrer Abneigung gewesen und 
darauf Acht geben, mit welchen Gefühlen wir Lob der zur Zeit 
uns widerwärtigen anhören. 

Konstant ist jeder, variiert aber natürlich je nach den verschie- 
denen Beziehungen und Zeiten — 

Gefühl ist alles und das einzige worauf du bauen kannst. Auf 
das unveränderliche Gefühl eines jeden für sich selbst; sein Gefühl 
für dich ist veränderlich ... 



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Wir sollen und müssen unsren Verdacht und unsre Unzufrieden- 
heit gegen die Andern beibehalten wie auch unsre Zufriedenheit 
mit uns selbst, haben aber zu wissen, daß diese nicht auf unsre 
Richtigkeit sich gründet und Verdacht gegen uns selbst zu fassen, 
wo wir auf solcher Meinung uns ertappen. 

Durch Erfahrung bessert man sich nicht, nur durch Denken. 
Wie ich das meine? So: die Seltenen, die wirklich an sich denken, 
ich meine, mit der Bemühung, wirklich so gut werden zu wollen, 
wie sie sich einschätzen, und die gegen sich Verdacht schöpfen 
können. 

Nicht viel tun können wir, nur durch Lassen und Bessern, uns 
halten — 

Und doch ist dies das Wichtigste, jede andre Bemühung dagegen 

Das Vermächtnis 28 '"^ 



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c^ciftc (ei. <:D IC ntten Siemes un6 jmcö/ bw?'^ 

ptinimtc il)m begc^ftert ba uit6 beibe fctjic^ttny 

;u*PUiercami6 füllten eine 6er n^oeit (^tdzxv 
haaon 2joli biß -^um "^cmSe., 0anhr *i?tmj^at( 






^afc^tc cui Witt [ic()tbate0 -CLoc^ßln ii^cf fßut^ 

men 51etrii3 ^tt ubecgctou iV ließ w irt eim 

oicÄEn litten, ^citemraum^ wo ce an. iincrt£= 
iici)c»t Atomen «ocba//art auf iSit^ (Sr6ef lei 

in cur ^tuttcr^iu:^ farxl^ ^ 

•fiit)ltees feut£fr9^»il)tunvurt6 Slcincti *>?I^cn 
[H)cn^ See il)ni 2üur6i^ crjHjieit/ jo fd^uttEte C5 
alU|cm^^cart6^fci)aP: übet« il)n fuia, a(fo 6a^ 

aucU l^ug . fix gUwibta^^ auc{) alU/ anScctt. l)ai- 



md)t¥6nntz^ cutgeaommert w^iserc^.,^ 
^emi wctxiQ ricfjtete f u cuiö/ eimg^ ot^teteti/ 

^2lu^ auf i^rjßrt gDh5ene4x (^arxi> ^ bUcferry 

cueA^gi^rie|Yct) uni^fatuS fiel) t^ori ocujßtn x^ce^ 
hwmt uru5^ |\t/ ^lagto @Dtt cm/ ilsap ci* i^r jo 





ncr n«i)t f rot) unS C6 ^aiurfe, fu, (jattert. lijnx.^ 

dUUas cd>acnomntext . M> 
iXnbahfitcun 'QXbznS i)itiaiif ^amcti in 6ett 
■J^unmely ixatza fia tjoc 6tn £jcttw un6 baten. 
il)n/ifo^ er it)rm'^()Lßf i3ocfj itaä)ica.alui^ zviz.^ 
btv gilt ntacl)ßrt tr^djtCy abtv (3ott Ser^evi: 
taci)ßltej^t^DU>felt^/ 6a^ See gang& ^im,me( 
»on ttut6em -^ici)teßrftra()ttE. um^ fpi'ac^ : 
\Jd) i)tihe ^ort 5£nfan0 aa t^ctüu^b ScSciivc 
<^eü&. gm* ojit ^ir6 üerltanttt »?ßt^ca VDrt/ 
L)caS??Tmfct)ea/. hodj tamtt il^c fi^, tüieöa' 




niH)t c^mmcn. 42-Uma fie and) feitte 0celc/ 
ifr fie bcd) eine C^tdt itarij i?^ßm -öto^icn^y 



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bei pi ^clfcit ^fltgtcit/ ia ($tcat i^ntuhtt ftx« 

e^djtc fei. Oie rieten iSicfes iiii6 )m£ij/ bwr^ 

ftimmtc ii)mbegc^ft£rt bei un^ bwöe fdjidettrv 
fid) fogbid) an/ 6ic 0ati)t nuj^e (fpmwcl jt* 
^^rpbierca un6 fuüt£n eine6cr neuen OctJen 
^ai?on ypK biß 311m >}^anÄe. Oanft: 9\nü|)ac( 
^cr altcfk iin6 ucöanjU^ftE UJarntefic mi6 
)iiH:citc6ai ^opf , öorii al6 tut beiiScii ^ciU/ 

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iits^cnS/ {)itmb ^ttr <^tiSc' Imtpittett nnß iljc 
©eticl;c»t 2ya«6cln fal)£ii .(^li t»ur6tn fei^ 
ner nid)t fvoi] un6 c« 6aiurl^ fit, l^attctr ii)nv 
geritoiui) iöu6ßf ronöem ^aWttuber^lii^ 

ßhttoa obgcttomnurt . M> 
iln6aUfieam ^2tbcni5 ()maiif t'amcnmocrt 

ijunnici^ traten j*ic vor 6ca i^crrn urtA botcrt 
xi)n /6a^ Cf il)rcu'^el|Lrr 6ofi) riaci)tccL^Ud^ tüie 
6er gilt mad)ßtt rnÄci|fc nbec i3ott 6cr ^jcrc 
(aH)ilte iti^t i)o\^\eiit^/ 6ajj tSpr gattje rjimmci 
2)on miibem -Cw^-tc crjtraljltc untS fprof^: 
\Jct)l)abe VOM ^(txfang nn giKöußt^ 6n^jux 
V^ecleöflro)^ zaiv6 vet^mxi iwct6cn vort/ 
^ca '^7!T£n)ci)ßa . i^pcl) lücnti i^r ) ui rüiü6a' 
li-tr |o|atrt lijv ficmocrc tjctr^ft jcui im6j*iti) 



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l)u)c()te eilt feuim fid}iX^atz6 XLtLthci 

0ßn UictriiB ju ilbßt^cbci V. Occ ließ w lactWr 
glcitctt irt6en ^Zjcltcinrommy wo es aii unca6=^ 

mein ViuUtcti)Erj faulf; x^ 

-PuMtc cö fnncn *?vcit()iunyim6 cö cmcu vl^cn- ' 
feigen / 6cr it)nt 2i?ur6ig crjVijictt/ |o ffl)UttEte C5 
nÜxr jcutü grcuit^fci)aji Tibcc it)n oiiö, alfo Sioß 



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iUcUFiag TitglmUitc aucl)alk'an6criri)at 



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tüntite'nidyt fcuty 6a|3 6ic 6argcbotene5lcui5^ ' 
iiuijimxtttC' cingcnommea tücr^ert^^^ 
-ilti^ 6u/ arme OccU t)at/mand)e' <Snttaa*^ 

-Demi u>ctu0 rrrfjtct^ fu aiiÄ^ einigt or^teteii^ 

tcn )Y<r fiirijc iV6ifci)cii ^ewlrriX/ gon^ leiten' 
mir ftim j^uc an6cn **2vcrt)t£tt 6cr mit ^ccm 
Qiu^t^ auf ü)i'ßtt go(<^cncu (^un6 ? u biicfey 

ZUiö oft itT6er ÖtiUefaifrt^ biciöceie iin6 
inadjtß ßtnen 15lan: u»i^ ivoUtz Hug werbcit 
im6 Ifnit wie bic mibctn. 'XUiSitnmaetvv^cv 
ajevaa^^iifui) iui6 fcuiiS fic{) z/onnciiEitt z>c«^ 
hwint uni> fit' i'taqtx 0ott an /^n|j cvdjr fc> 



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ui iSicfßin ^vicgc fiir 6it ^)cimaX itiden 

einen jcncn^ctxciien xxnö gUicHjct^etu 





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hrWriw Burirw inOfftnbadi Hm Main ttitmm 
ftn. 6» ^öft HanDöiul] imD ßöriie ^urer^ 
ömtrung an Die beiOm Stammtiaufer Der 
4^mflie öuggmfrain m Wonna. 
i Wflpptn um Biufi ftiftete er feinon Mm 
-ptunD Drjur- SftgfrüED Ouggaitjrim zu Tizh 
ftn filbomr H octi2;üt am ^Äiuft i o £ 6, 

Zur€tir£DttVorfiilicai/%um ßcifpicl fucöüc 
Nßdihommüi unQ zum Zeiriioi ante altoi/ 
ri|rlfrf]m ptunöfdraft zmlfriim JuD imDQjcIIr. 



-fmu6ugenie ma^ Oaba 

aiuti nodi mit €i|reti 
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berDielM ßudrea inOffeibedi am Main entioo^ 
ftn. 6» 'z^ HanDIüml] unD Burfis zat&^ 
\xmm^ an Die beiDm Stammtiauler Der 
^mBt Ouggailiain in Wonna. 
i "VV&ppen unö Bud) fiiftete er fcinon lieboi 
4JtunD Drjur- SitgfrüED Ouggoiiieim zu Utfe 
ftn filbaror Hodi2;Ht Bm4';^nB:i9£.<5/ 

zur €tircDtrVbrfotifEn/% um Brifpirf fikflit 

Narfihomniöi unD zum Zarfioi ma äüm/ 
ttlrifdiöipeunDfdraft ztDifrfiai JuD unDQclIr. 



Unürdne Hebe imb hlt^ 

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Diese Breitfeder-Zeichnungr Rudolf Kochs ist im Besitz des Offen- 

bacher Klingspor-Museums 



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Zu seinem 20. Todestag 




Von Professor Georg A. Mathey 



Am 9. April 1934 starb in einem 
Frankfurter Krankenhaus der große 
Meister der Schrift, Rudolf Koch. 
In Nürnberg am 20. November 1876 
geboren, hat er dodi die meisten, 
die widitigsten Jahre seines Lebens 
in Offenbach zugebracht, und von 
hier aus verbreitete sich der Ein- 
fluß seines Wirkens über die ganze 
Welt. 

Dieser Einfluß ist heute, zwanzig 
Jahre, nachdem die Substanz ver- 
gangen ist, die an Rudolf Koch ir- 
disch war, so groß wie je zuvor. 
Darum vermag ich es nicht, an die- 
sem Gedächtnistage von ihm als 
von einem „Toten" zu reden, viel 
eher von dem Uebergang in eine 
andere Daseinsform, die sidi im 
Fortwirken seines Geistes und sei- 
ner künstlerischen Kraft immer und 
Immer wieder offenbart. Die Stadt 
Offenbach hat den Vorzug, im 
Klingspor-Museum nicht nur die be- 
deutendsten der aus seinen Sdirif- 
ten gedruckten Büdier zu vereini- 
gen, sondern audi den gesamten 
künstlerischen Nachlaß zu treuen 
Händen zu bewahren. 

Aus dem Handwerk hervorgegan- 
gen und trotz aller späteren Ehrun- 
gen sein Leben lang mit Stolz die- 
sem Stande sidi zugehörig fühlend 
— sein Vater, der früh starb, war 
Bildhauer, seine Frau die Toditer 
eines Kupferdruckers — kannte er 
das bittere Brot und die Nöte der- 
jenigen, die ohne materielle Sidier- 
heit selber ihren Weg suchen 
müssen. 

Ein Gesdiäftsfreund des Vaters 
in Hanau nahm ihn, der ursprüng- 
lidi für das Gymnasium bestimmt 
war, als Lehrling in seine Metall- 
warenfabrik auf, wo er als Zise- 
leur ausgebildet werden sollte. Die 
Arbeitszeit dauerte elf Stunden, 
dazu kamen mehrmals in der Woche 
zwei Stunden Abendunterricht. Nur 



zu Weihnachten durfte er auf acht 
Tage nach Hause fahren. 

Langsam erkannte er, daß der Zi- 
seleurberuf doch wohl nicht das 
Richtige für ihn sei, und so kehrte 
er nadi Ablauf des vierten Lehr- 
jahres nach Nürnberg zurück. Unter 
Entbehrungen aller Art besuchte er 
dort die Kunetgewerbeediule ohne 
großen Gewinn. Auch der Versuch, 
Zeichenlehrer zu werden, schlug 
fehl. Die weiteren Stationen sind: 
Zeichner in einer lithographischen 
Anstalt und später in der gleichen 
Eigenschaft bei der Buchbinderei 
A. G. Fritzsch« in Leipzig. Es war, 
wie er selber bekennt, in jeder Hin- 
ßichtt für ihn eine «»chwere Zeit. 

Angeregt durch eine Abbildung in 
der „Jugend" kam ihm — es war im 
Jahr 1903 — die Idee, ob e© nicht 
möglich wäre, mit der Rundschrift- 
feder eine Druckschrift zu schrei- 
ben. Dqbei hatte er bis diahin von 
Sdiriften keine blaisse Ahnung und 
mußte sich die Buchstaben formen 
mühsam auc einer Zeitung zusam- 
mensuchen. Aber etwas 
. Besonderes müssen 
diese Versuche doch 
an sich gehabt haben, 
denn die Firma J. J. 

Weber in Leipzig 
wurde auf den jungen 
Sdireiber aufmerksam 
und kurze Zeit darauf 
audi Eugen Diederidis 
in Jena, damals einer 
der bedeutendstenVer- 
leger, der ihm den 
Auftrag für die Aus- 
stattung eines Budies 
gab. Ein längst geheg- 
ter Traum hatte sich 
für Rudolf Koch da- 
mit erfüllt. 

In jener Zeit war es, 
daß Karl Klingspor in 
Offenbach durch ein 

Inserat für seine 
Schriftgießerei einen 
künstlerischen Mitar- 
beiter suchte. Koch be- 
warb sich und hatte 
Glüdc, angenommen zu 
werden. Von da an 
datiert der steile Auf- 
stieg des Schriftzeich- 
ners, Lehrers der Of- 
f enbadier Kunstgewer- 
beschule, Gründers der 
berühmten „Schreib- 
stube", Autors des In- 
sel- Verlags.Erneuerers 
kirdilicher Kunst, Pro- 
fessors und theologi- 
sciien Ehrendoktors der 
Universität München, 
Rudolf Koch. 

Kodiß Arbeit, welcher wir nidit 
weniger als zwanzig neue Druck- 
schriften verdanken, die alle In der 
Schriftgießerei Gebr. KlingsEwr 
herauskamen, war weit mehr als ein 
Beruf — sie war eine Berufung. 
Ueber ihr stand der Grundsatz 
größter Verantwortung gegenüber 
seinem Werk. Für dieses brannte ©r 
lichterloh wie eine Flamme und 
nährte das innere Feuer mit dem 
Blute 6ein«£ Herzens. Darum viel- 
leicht mußte es zu früh verlöschen. 



Dr. Guggenheim 

erinnert sich an 

Rudolf Koch 

Auch Dr. Siegfried Guggenheim, 
der in New York lebende Ehrenbür- 
ger der Stadt Offenbach erinnert 
sich heilte des Schriftkünstlers Ru- 
dolf Koch. Dr. Guggenheim sandte 
uns Fotos von Arbeiten des vor 
zwanzig Jahren Verstorbenen, die 
wir jedoch leider nicht veröffent- 
lichen können. 

Ein Foto zeigt eine Art Sdirein, 
einen silbernen Kasten, den Dr. Gug- 
genheim zu seinem 60. Geburtstag 
am 12. Oktober 1933 von Rudolf Kodi 
erhielt. Der Kasten war in Kochs 
Schreiberwerkstatt angefertigt wor- 
den. Er barg zehn einzelne Blätter 
mit Widmungen von Rudolf Koch, 
Fritz Kredel und anderen Freunden 
der Werkstatt. Das letzte Blatt hatte 
Rudolf Koch, dem einige Gratulan- 
ten fehlten — es war bereits in der 
Nazizeit — leergelassen. Nur an den 
Rand schrieb er: 

„Lieber Freund, denk Dir auf die- 
sem Blatt die Namen aller derer, die 
noch vor einem Jahr sich unserm 
Glückwunsch gern angeschlossen 
hätten, die aber heute in große Ver- 
legenheit gekom.men wären, wenn 
wir sie darum gebeten hätten. Es 
mag mancher brave Mann darunter 
sein, aber persönlicher Mut ist nicht 
jedermanns Sache, und wir wollen's 
keinem nachtragen. Sehe jeder, wo 
er bleibe." 

„Man kann daraus seine Einstel- 
lung zur politischen Lage im Herbst 
1933 entnehmen", schreibt uns Dr. 
Guggenheim dazu. 




Rudolf Koch, 

nach einem Holzschnitt von F. R. Lippnaann 

Kränze fUr den 
Unvergessenen 

Anläßlich der 20. Wiederkehr des 
Todestages Rudolf Kochs wird Pro- 
fessor Mathey, der Leiter des 
Klingspor-Museums. heute zwischen 
zehn und elf Uhr einen Kranz der 
Stadt Offenbach am Grabe Rudolf 
Kochs auf dem Waldfriedhof in 
Oberrad niederlegen. 

Herr Karl-Hermann Klingspor., 
wird im Namen seiner Firma, der 
der Verstorbene sehr verbunden 
war, ebenfalls einen Kranz nieder- 
legen. 



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Das Denkmal Rudolf Kochs ist auch 

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ein Denkmal OfFenbacher ßürgersinns 

Ausstellung der Guggenhelm-Scrmmlung wurde gestern eröffnet — Rudolf Kochs Nachlaß nahezu 

vollständig im Besitz der btadt — Büste Dr. Karl Kllngspors übergeben 



Im Offenbacfaer Klinffspor-Mnienm, der PflecMtltte des Ter- 
pflichtenden Erbes von Radolf Koch, fand sich festem vormittag eine 
Schar verständnisvoller Freunde der Kocfascfaen Kanst. des Mnsenms 
oder des Offenbacher Ehrenbürgers Dr. Siegfried Guggenheim, ein. 
Der Magistrat hatte snr Eröffnung einer Ausstellung gebeten, die 
sum erstenmal die Guggenheim-Sammlung als geschlossenes Ganses 
zeigt. Wir haben bereits gestern ausfflhrlidi darüber berlditet. 

Ist, „und zwar In einer GröOenord- 



Oberbürgermeister Dr. Klüber 
nahm bei der Eröffnung noch ein- 
mal die Gelegenheit wahr, dem in 
New York lebenden Ehrenbürger 
unserer Stadt für seinen Bürger- 
sinn zu danken. Dr. Guggenheim 
habe schon vor Jahren zum Aus- 
druck gebracht, er wolle der Stadt 
testamentarisch die Sammlung ver- 
machen, die aus Werken Rudolf 
Kochs und seiner Schreibwerkstatt 
besteht. Lediglich schwere Sdiick- 
salsschläge in der Familie hätten 
Dr. Guggenheim gezwungen, sidi 
vor der Zeit von seiner geliebten 
Sammlung zu trennen und sie ge- 
gen Geld zu veräußern. 

Der nächste Dank des Oberbür- 
germeisters galt Herrn Konsul 
Hengst, der mit einer Geldspende 
für seine Vaterstadt eingesprungen 




Eine Büste 



von Dr. e. h. Karl Kiingspor. gear- 
beitet von dem Berliner Bildhauer 
Schrott-Fichtel, übergab Herr Karl- 
Hermann Klingspor gestern anlSfl- 
licfa des dreijährigen Bestehens des 
Kiingspor-Museums. 

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nung, wie wir es seit dem Krieg 
noch nidit erlebt haben." Erst da- 
durdi sei es dem Magistrat möglich 
geworden, die Sammlung zu er- 
werben, die nun am dritten Jah- 
restag der Eröffnung des Museums 
der Oeffentlldikeit übergeben 
werde. 

Rudolf Kochs Nachlaß sei damit 
nahezu vollständig im Besits der 
Stadt. Das bereite Ihm besondere 
Befriedigung, sagte der Otierbür- 
germelater. Allerdings seien trotz 
der Spende von Herrn Konsul 
Hengst nun die Mittel des Kling- 
spor-Museums ffir dieses und das 
nädiste Jahr vSllig erschöpft. 
Sehr zum Leidwesen von Profes- 
sor Mathdy, dem Betreuer des 
Museums, der nun auf manchen 
günstigen Einkauf, auch auf ein- 
malige Gelegenheiten, verzichten 
müsse. Er wolle deshalb, sagte 
Dr. Klüber, den tätigen Bürger- 
sinn des Herrn Hengst als leuch- 
tendes Beispiel hinstellen. »M9ge 
er Nachahmung finden!" 

Nach dem Oberbürgermeister 
wandte sich Herr Karl-Hermann 
Klingspor an die Versammlung, in 
der wir audi Landesrabbiner Dr. 
Lichtigfeld l>emerkten. Herr Kling- 
spor übergab dem Museum eine 
Büste seines Onkels Dr. e. h. Karl 
Klingspor, mit dem Wunsch, es 




Die Chronik der Familie Guggenheim 

geschrieben und gestaltet von Rudolf Koch, bewundern hier, 
linlu nach rechts, Professor Dr. LevHn, Frau Hse Cohnen vom A«b- 
wirtigen Amt. Professor Alexander Bfath^y und Landesrabbiner Dr. i 
LicfaUgfeld. Foto: Latxke J 

möge auch bei seiner weiteren Ar- 
beit in jeder Beziehung den Grund- 
sätzen von Dr. Karl KUngspor ent- 
spredien. 

„Drei Jahre sind natürlich eine 
kurze Zeit", sagte Professor Ma- 
th6y, „aber es Kann heute »chon 
eine kleine Chronik der Ereignisse 
geschrieben werden." Er versirfierte, 
er werde t>emüht sein, das Museum 
audi weiterhin im Sinne von Dr. 
Karl Klingspor zu leiten, und er 
hoffe, daß das audi seinem Nach- 
folger gelingen werde. „Es wachse, 
blühe und gedeihe", schloß der Pro- 
fessor seine kleine Anspradie. 

Damit war die Ausstellung erSff- 
net, die in gleichem Mafie Offen- 
badier Bürgersinn rühmt, wie sie 
Offenbachs Ruf als Stadt der 
Schriftkunst bekräftigt. Sie setzt 
ein lebendiges Denkmal dem 
Schriftkflnstler, der sn Anfang die- 
ses Jahrhunderts eine neue Offen- 
bacher Tradition gründete, sei- 
nem eifrigsten FBrderer Dr. Gug- 
genheim und dem Spender, der| 
dazu beitrug, dafi die Wirkung Ra- 
dolf Koche nicht erlischt, sondern 
von Offenbach »ni weiterttrahlt. 

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^♦i/A// 



fty/ i dir, r^ 



Das Denkmal Rudolf Kodis ist auch 
ein Denkmal Offenbacher ßürgersinns 



Im Of f enbadier KIIiif«iMir-Mo»eiim. der Fllef •rtltt« dw ▼«- 
pfliditenden Erbet von Rudolf Kodi. fand ■ich »••*•"»/•""*"»«•*"• 
Sdiar verstindnlsvoller Freunde der Kochedien Knn.t. «"«• Wnsenm. 
oder dee Offenbacher EhrenbOrfera Dr. »»««»rted Ontgenhelm. ein. 
Der Maalstrat hatte «nr Eröffnnnf einer AaBatelianf gebeten, die 
.um rrtfenmal die Gn„enhel«- Sammion, al. «••*»•";«■ ^•°"* 
seigt. Wir haben bereits gestern ansführllch darüber berlchlet. 

,und zwar In einer GrftOenord 



Oberbürgermpister Dr. Klüber 
nahm bei der Eröffnung noch ein- 
mal die Gelegenheit wahr, dem in 
New York lebenden Ehrenbürger 
unserer Stadt für seinen Burger- 
sinn zu danken. Dr. Guggenheim 
habe schon vor Jahren zum Aus- 
druck gebracht, er wolle der Stadt 
testamentarisch die Sammlung ver- 
machen, die aus Werken Rudo f 
Kochs und seiner Schreibwerkstatt 
besteht. Lediglich schwere Schick- 
salsschläge in der Familie hatten 
Dr Guggenheim gezwungen, sioi 
vor der Zeit von .seiner geliebten 
Sammlung zu trennen und sie ge- 
gen Geld zu veräußern. 

Der nächste Dank Hes Oberbür- 
germeisters galt Herrn , Konsul 
Hengst, der mit einer Geldspencle 
für seine Vaterstadt eingesprungen 




nung, wie wir et »elt dem Krieg 
nodi nicht erlebt haben.- Erat da- 
durch «ei es dem Magistrat möglich 
geworden, die Sammlung tu er- 
werben, die nun am dritten Jah- 
restag der Eröffnung des Museums 
der Ocffentlichkelt übergeben 
werde. 

Rudolf Kochs NaehlaB sei damit 
nahezu voUstindlg Im Besit« der 
Ptadt. Das bereite Ihm besondere 
BefriedUung. sagte der OherbOr- 
germrlater. Allerdlnai seien trot« 
der Spende von Herrn Konaul 
Hengst nun die Mittel des Kllng- 
spor-Museums für dieses und das 
nirhste Jahr völlig erschöpft. 
Sehr zum Leidwesen von Profes- 
sor Malh^y. dem Betreuer dos 
Museums, der nun auf manchen 
günstigen Einkauf, auch auf ein- 
malige Gelegenheiten, verzichten 
müsse Er wolle deshalb, sagte 
Dr. Klüber, den tlticen Bflrger- 
ilnn des Herrn Hengst als leuch- 
tendes Beispiel hinstellen. ..Möge 
er Nachahmung finden!" 
Nach dem Oberbürgermeister 
wandte «ich Herr Karl-Hermann 
Kllngspor an die Versammlung, in 
der wir auch Landesrabbiner Dr. 
LIchtigfeld bemerkten. Herr Kllng- 
spor übergab dem Museum eine 
Büste seines Onkels Dr. e. h. Karl 
Klingspor, mit dem Wunsch, es 



Eine Büste 



von Dr. e. h. Karl Kllngspor. gear- 
beitet von dem Berliner Bildhauer 
Schrott-FIchtel, übergab Herr Karl- 
Hermann Kllngspor geatern anläß- 
lidi des dreijährigen Bestehens dea 
Klingspor-Museums. 

7-^ 




Die Chronik der Familie Guggenheim 



aesdirleben und gestaltet von Rudolf Ko<*i, bewundern hier, ▼•« 
link, nach rechts. Professor Dr. I>ewln. Frau "••lohnen vom Aua- 
wirtlgen Amt. ProfeMor Alexander Math*y und »^»«*»j:^^J!"^^J; 
LIchtigfeld. 

möge auch bei seiner weiteren Ar-|| 
beit in Jeder Beziehung den Grund- 
sätzen von Dr. Karl Klingspor ent- 
sprechen. 

„Drei Jahre sind natürlich eine 
kurze Zeit", sagte Profes-ior Ma- 
th*y, .aber es kann heute schon 
eine kleine Chronik der Ereignisse 
ße!»chrieben werden." Er versicherte, 
er werde bemüht sein, das Museum 
auch weiterhin im Sinne von Dr. 
Karl Klingspor zu leiten, und er 
hoffe, daß das auch seinem Nach- 
folger gelingen werde. ..Es wachse. 
blühe und gedeihe", schloß der Pro- 
fessor seine kleine Ansprache. 

Damit war die Ausstellung eröff- 
net, die In gleichem Maße Offen- 
bacher Bürgersinn rühmt, wie sie 
Offenbachs Ruf als SUdt der 
Srhrlftkunst bekrlftlgt. Sie setzt 
ein lebendiges Denkmal dem 
Schriftkflnstler, der «u Anfang die- 
ses Jahrhunderts «Ine neue Offen- 
bacher Tradition gründete, sei- 
nem eifrigsten Förderer Dr. Gug- 
Kenheim und dem Spender, der 
dazu beitrug, daß die Wirkung Ru- 
dolf Kocha nicht erlischt, sondern 
von Offenbadi »ni welterttrahlt. 

- LRB * 



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1 



iHeiA^^ ^6^f ^' f^ /^U 




Blldnif ITnrh *"■ *»««^«"*«nd« vor vlcnlg jähren nscii Offen- 
UUUUU Al.UUU,bacfa gekommene Schriftgestslter. wftre hente 
■0 Jahre alt geworden. Professor Mathey, der Leiter des Klingspor- 
Maseums, wird deshalb auf dem Oberrftder Waldfriedhof am Grab 
des bereits 1934 verstorbenen SdirlftscfaSpfers einen Kranx der Stadt 
Offenbach niederlegen. Das gleiche wird Direktor Gowa für die 
Werkknnstsdiiile tun. Ueber Rudolf Kochs Leben nnd Wirken in 
Bnserer Heimatstadt werden wir auf der ersten Seit« nnserer 
Wocbenendansgabe aasfOhrllch berichten. 

BUdt Rudolf Koch nadb einem Holzschnitt TOn r. R. Lippmann 




Im laiBtAn w«**H.,»«,iK «««iBttt Herr Edgar Wel- | Heute tippen« Oemeladebota Ferdinand Hea- 



,,BIut auf d( 
regt zu Disk 

Da« Frankfurter Schauspiel 
Ist nach seinem Abstecher in 
die Fabrikhallen der Farbwerke 
Hoechst mit Robert Penn War- 
rens »Blut auf dem Mond" ins 
Kleine Haus in der Börse xu- 
rflckgekehrt. 
nBlut auf dem Mond" — der Ti- 
tel sa^ nichts über den Inhalt die- 
ses „Colloquium politicum". bei 
dem das Blut nidit auf dem Mond, 
sondern auf der Erde fließt. Histo- 
risches Vorbild für Warrens Dikta- 
tor-Gouverneur Willie Stark ist 
Huey P. Long, der Ende der zwan- 
ziger imd Anfang der dreißiger 
Jahre den amerikanischen Staat 
Loudsiana beherrschte. Wie so 
viele Diktatoren schaute er dem 
Volk aufs Maul, er kannte die Nöte 
und Leiden des kleinen Mannes, er 
versprach Linderung und hielt 
einen Teil seiner Versprediungen, 
was ihm den Beifall der geistig un- 
selbständigen Massen eintrug. Ge- 
tragen von ihnen konnte er ein Re- 
gime persönlicher Gewalt, der Ge- 
setzesverfälschung und Korruption 
aufbauen, anfangs vielleidit nodi 
mit dem besten Willen versehen, 
die Menschheit zu beglücken, spä- 
ter mehr und mehr den Gewalten 
ausgeliefert, die er selbst ins Leben 
rief. — 

So dränifen sich Vergleiche mit 
Sartre auf. der in seinem „Räder- 
werk" ebenfalls ein Diktatoren- 
schicksal beschreibt. Und dodi sind 
die Untersdiiede groß: bei Sartre ein 
gewissermaßen abstrahierter Dik- 
tator, einer, der stellvertretend Ist 
für alle Diktatoren In jedem mög- 
lichen Land; bei Warren ein Ame- 
rikaner, der in »einem Land ein« 
Einzelersdielnung war. Bei Sartre 
ein von Intellekt und Willen glei- 
diermaßen beherrschter Diktator, 
bei Warren Ist und bleibt Willie 
Stark ein dickköpfiger schlauer 
Hinterwäldler, dem Intellekt im 
Grunde verhaßt ist, so sehr er auch 
Tag und Nacht Bücher über Redits- 
wissensdiaft durchackert, um be- 
schlagen zu sein. Bei Sartre schließ- 
lich bleibt die Frage offen, welche 
politischen Konsequenzen zu ziehen 
sind; bei Warren eine Portion Un- 
terridit In Demokratie, dargeboten 









r 



1 



den Blidc aus dem Fenster nidit mehr. 

In der Luisenstraße stand abends einer und* starrte auf die 
andere Straßenseite. Als ich vorüberging^^afita ff »Allra^be- 
legt." Ich begriff es iihlil i'Ukj H>mw IwI l'^mii iiiFi i i iiii i ii 
nofi^r.pf|iic;^ jni Qpf iiiffiiii>w^gnn»t> hinter allen vergitterten Fen- 



^HoJL/r 



An Rudolf Kochs Grab 



auf dem Waldfriedhof von Ober- 
rad versammelten sich am Diens- 
tagnacfamittas Lehrer der Werkkunstschule mit Direktor Gowa, Pro- 
fessor Mathey, dem Leiter des Klingspor-Museums, und Herrn Karl 
Hermann Klingspor, um des Toten zu gedenken. Sie legten Kränze 
nieder, und zwar für die Werkkunstschule und für die Stadt Offen- 
bacfa. Direktor Gowa gab seiner Bewunderung für das Schaffen des 
Sdiriftkflnstlers Ausdruck, meinte allerdings, man dürfe Koch heute 
nicht sklavisch kopieren. Er habe in seinen Schriften den Geist seiner 
Zeit festgehalten, die heutigen Scfariftgestalter sollten nun versuchen, 
eine neue Offenbacher Schrift zu schaffen, deren Formen in unserer 
Zeit verwurzelt seien. Ungeachtet dessen stehe Rudolf Kodis Werk 
heute noch ebenso leuchtend da wie zu seiner Zeit. Foto: Siwik 



Auch DRK Langen sammelt für Ungarn 




hat. 

Als es hieß, es werde gefähr- 
lich, ging der Dreizehnjährige los. 
Allein, ohne irgend etwas mitzu- 
len. Er marschierte nadi We- 
stenT^Heute scheint ihm, er sei 
damals ins Paradies marschiert. 
Denn für ihn ist ein kleines, ro- 
tes ferngesteuertes Auto sdion 
das Paradies. Für ihn bedeutet es 
Paradies, wenn er, statt zu den 
Schießübungen der „Jungen Pio- 
niere" zu müssen, mit einem Bag- 
ger spielen kann. Für ihn bedeu- 
Itet es Paradies, daß man einen 
iTeppicfa im Zimmer liegen hat, 
\daß man ein Auto besitzt, daß es 
^o etwas Gutes wie Bananen Ribf. 

lenn auch bei ihm war es so wie 
bei vielen Ungarnkindern, die die 
ersten Bananen ihres Lebens sa- 
hen: Er wußte nicht, was man da- 
mit! macht. Er hätte sie fast mit 
der\ Sdiale gegessen. 




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Anschluß an ( ; 
ffenbacher Fee \ 



Langen (hh) — Die DRK-Ortsver- 
einigung weist darauf hin. daß 
Kleiderspenden für Ungarn an der 
Krankentransportstelle Fahrgasse 13 



abgeliefert werden könnej»ri5eld- 
spenden sollte man auflas DRK- 
Postscheckkonto Eptfhkfurt 43316 
überweisen. 



reshauptversammlung 

d^r Jahreshauptversammlu- 
wies ^er erste Vorsitzende Dr. Ste 
1956 dlas erfolgreichste nadi dem K 
somit wieder den Ansdhluß an die 
bacher Fechtsports gefunden. 

Vier deutsche Meistersdiaften, 
darunter zwei Jugendmeistersdiaf- 
i^XL wurden erkämpft. Außerdem 
Wutden 12 Landes- und Gruppen- 
(neiÄterschaiften der Senioren und 
^unibren imd viele Siege auf gro- 
ßen feationalen und internationalen 
Turnleren errungen. 

piJ/^Vi^Jieder Helmi Hoehle, 
Trüdfe Jatdb und Jürgen Stiller 
fodh»n erfcAgreich in den National- 
ma'nnschaftdh bei Länderkämpfen 
und [iWeltmäif terschaften. 

diese Verfolge dankt der Club 

Uem afeinem Meister, Herrn 

dessön Schule sich, wie es 

als die erfolgreichste des 

isgebietes erwiesen habe. 

i 

nders erfreulich ist der An- 
r Jugend an diesen Erfol- 
denrt auch in den Senior- 
schaften standen zahlreiche 
Jugfendlid^e. Der Vorsitzende wies 
damuf hin, daß diese sportlidie 
Arbeit nur fortgesetzt werden 
könne, -v^enn es gelinge, aus- 
reichende \Räume für den ständig 
zunehmenden Nadiwuchs zu schaf- 
fen^ 

Bei der anschließenden Wahl 
wurde der bewährte Vorstand wie- 
dergewählt. Peter Koch wurde zu- 
sätzlich zum Vertreter der Jugend 
bestimmt. Die Weihnachtsfeier ist 
für den 22. Dezember vorgesehen. 



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ii)|$/ioinmbid)fiitd|t-lluf}ii 
. ittiii(q.t)m#ii)ioot)i(ii0tr^ 

tn1Ioit|inin]iUlsioi(SQctQi/ 

■\rau:i)uLrttionn3jauiidei»! 



Dies ist ein rechter Trost zum Toten- 
sonntag: Ohne Furcht, weil voller Ge- 
wißheit himmlischer Gärten, fordert ein I 
Mensch vom Tod die Ueberfahrt. Wie er 
sich den Abschied gedacht haben mag, 
erfahren wir aus seinem Schattenbild 
„Nach der Arbeit". Achtsam zurückge- 
schoben steht der Stuhl eines geduldigen. 
Schreibers vor einem Tisch mit Tinten- 
faß und beiseite gelegter Brille. Nichts) 
deutet überstürzten Aufbruch an, alles 
ist geordnet und ruhig. Wer war der\ 
Mensch, der einfach aufstand und un-', 
erschüttert hinüberging in ein Land, an i 
das viele von uns doch nur mit Grauen ' 
denken können? Woher kam ihm die 
Kraft? 

Nun, es war Rudolf Koch, ein Schrift- 
schöpfer, der den Namen unserer Hei- 
matstadt Offenbach in der Welt bedeu- 
terid machte. Sein Erbe wird im Kling- 
spor-Museum sorgiam verwahrt, und in 
der Letternkunst wirkt sein Vermächt- 
ni». Am 20. November wäre Rudolf Koch, 
MMjSlzb^^Qchtzig Jahre alt 



geworden. Motor seines Lebens und 
Schaffens war die Aufrichtigkeit, Kunst 
und Seele wollte er ohne Brachland wis- 
sen. Als ihn der Tod ereilte, war alles 
bestellt, so umsichtig, wie es nicht nur 
dem Talent ansteht. Deshalb gedenken 
wir heute, am Totensonntag, Rudolf 
Kochs: Weil er mit der getrosten Festig- 
keit jener begabt war, die ihr Ziel er- 
warten — ohne Selbstbetrug 
Trotz der Angst! 




iiine Körte 

von Deutschland, auf der 
bekannte Gebäude, Berge 
und WSlder zu sehen 
sind, begann Rudolf Koch 
im Jahre 1925. Jahrelang 
arbeitete er mit seinen 
Sdiülern an diesem Werk, 
das 1933 erschien. Ein 
Ausschnitt unserer nähe- 
ren Heimat möge für die 
Schönheit des Ganzen 
stehen. 



^ 



einfache Leben des 
Schreibers Rudolf Koch 



Lassen wir' docji den Meister 
für sicii selbst sprechen. 1921 
sandte er der Zeitschrift „Das 
Plakat" folgenden Lebenslauf: 

„Ich bin geboren zu Nürnberg 
am 20. November 1876 als drittes 
Kind und einzäger Sohn des Bild- 
hauers Paul Kodi. Mein Vater 
stammt aois Hamburg, meine Mut- 
ter »US dem Vogtland. Beide wa- 
ren erst im Jahre meiner Geburt 
nadi Nürnberg gekommen. Mein 
Vater haitte in bitterer Annut ain- 
ffefangen. Als ich zur Welt kam, 
war er Inspektor am bayrischem 
Gew€rt>emuseum mit einem sehr 
dürftigen Gehallt, das ihn zwang, 
iede freie Stunde ^är Nebenarbei- 
ten zu verwenden. Er war eine 
starke Arbeitskraft, erwies sich 
später als sehr tüchtiger Aus- 
stelliuigsleiter und hatte sich auf 



Hanns Ullridi von Bissing, un- 
seren Leserinnen und Lesern als 
Verfasser spannender Romane 
bekannt, schrieb auch 

,,Die grünen 
HandsAuhe^* 

einen bis znr letzten Zelle fes- 
selnden Roman, mit dessen Ab- 
druck wir heute beidnnen. 



diesem Gebiet einen Namen ge- 
macht, als er im Jahre 1886 im Al- 
ter von 41 Jahren starb. 

Ursprünglich für das Gymnasium 
bestimmt, besuchte ich von seinem 
Tode ab die Realschule, da bei den 
geringen Geldmitteln ein verkürz- 
ter Bildungsgang notwendig war. 
Ein alter Geschäftsfreund meines 
Vaters nahm mich 1892 in seinen 
Betrieb, eine Metallwarenfabrik in 
Hanau, auf. wo ich als Ziseleur 
lernte. Nebenbei bes-uchte ich die 
Zeidienakademie. Bei elfstündiger 
Arbeitszeit und mehrmals zwei 



Stunden Unterricht des Abends 
wurden die Lehrlinge sehr streng 
gehalten. Idi durfte nur zu Weih- 
nachten auf acht Ta-g« nach Hause 
fahren, umd diese Tage waren für 
mich die Hoffnung des ganzen Jah- 
res. 

Einige Zeit war ich ganz Ih 
der Akademie als Lehrling bei 
August Offterdinger, und ich 
verdanke diesem Lehrer wie 
auch der ganzen Schule eine 
gediegene Grundlage meiner 
Ausbildung. 

Naih tmd nadi erwachte in mir 
das Geftühl, daß das Ziselieren 
mcht der redite Berui für midi 
sei, und idi erreichte es, daß ich 
noch vor Ablauf des vierten Lehr- 
jahres in die Heimat zurüdikehren 
konnte, wo idi 1896 Schüler der 
Nürnberger Kunstgewerbeschule 
wurde. Wenn dort nicht ein gut- 
geleiteter Aktsaal gewesen wäre, 
hätte ich nicht viel gelernt, denn 
die neu erbaute Schule sciiien mehr 
eine Pensionsanstalt für verdiente 
Professoren als eine Bildtmgsstätte 
für die Jugend zu sein. 

Nach drei Semestern faßte ich 
den Entschluß. Zeichenlehrer zu 
werden, ging nach München an die 
Technische Hochschule, wurde aber 
nach zwei Semestern, als idi micii 
zur Prüfung meldete, nidit zu- 
gelassen, da ich meine Ausbildung 
zum Teil außerhalb Bayerns ge- 
funden hatte. So suchte ich eine 
Stellung als Zeichner und Maler in 
einer lithographischen Anstalt. 
Merkwürdigerweise fand ich eine 
solche in Leipzig, denn ich konnte 
weder zeichnen noch malen. Aber 
der daimals eben in Schwung kom- 
mende Jugendstil, dem ich mit Leib 
und Seele anhing, täuschte in mei- 
nen Probearbeiten über alles hin- 
weg. 

Kaum war ich in Leipzig, da 
wurde ich von dem Geschäft auf 
einige Wochen nacii London ge- 
schickt, um bei einem Hauptkunden 
Kalenderentwürfe zu machen. Aber 
was ich machte, konnte man nicht 









mku. 


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... ■ v.v'J 




KodM Wtrkaiatt k d«c Schriftgi^Bar«! von Kiingspor 



brauchen, und recht kleinlaut 
kehrte ich zurück und kündigte im 
Bewußtsein meiner Unzulänglich- 
keit meinem Brotherrn meine 
Stellung, der sehr glücklich dar- 
über war. 

Ich lief nun in Leipzig herum 
mit einer Mappe voll Arbeiten, die 
ich aus dem Kopf gemacht hatte 
im Stile dessen, was. ich so zu 
sehen bekam, aber kein Mensch 
konnte mich brauchen, und ich war 
sehr einsam und verlassen. Da er- 
zählte nwr einmal jemand beim 
Mittagessen, daß es doch auch. 
Buchgewerbe gäbe. Das hatte ich 
noch niciit gewußt, und sofort hatte 
ich das Empfind«!, daß hier mein 
wahrer Beruf liege. Ich lief nach 
Hause und zeichnete zwei Bucii- 
deckel und einen Entwurf für ein 
Postkartenalbum mit einer Radfah- 
rerin drauf und Jugendstil-Linien. 
Damit ging ich. der ich sehr ängst- 
lich und bescheiden geworden war, 
zu dem alten Leipziger Graveur 
Hugo Hörn, der mich aber nidit, 
wie ich erwartet hatte, hinauswarf, 
sondern der mir sogar Mut machte 
und die Buchdeckel abkaufte. 

Zu Weihnachten 1898 fuhr ich 
mit meinem letzten Geld nach 
Nürnberg, um von dort eine neue 
Stellung zu suchen. Die Heimkehr 
war nicht sehr glänzend, Vormund 
und Bekannte schauten mich für 
ein mißglücktes Genie an. und die 
Mutter, die still im Herzen die 
stolzesten Hoffnungen auf ihren 
Sohn gehabt hatte, begrub diese. 

Aber ich zeichnete wacker meine 
Jugendstil-Wasserrosen und er- 
langte miit diesen Entwürfen tat- 
sächlich eine Anstellung als Zeich- 
ner in Leipzig mit einem besciiei- 
deneti Wochenlohn. Damit waren 
meine jugendlichen Irrfahrten zu 
Ende. Mehr als ich hier sagen 
konnte, hat atif diesen Jahren die 
Härte des Lebens gelastet, und es 
war in jeder Hinsicht eine schwere 
Jugend. 

In der neuen Stellung fing 
ich eigentlich erst an zu ler- 
nen, aber idi kam sofort in 
ein rechtes Verhältnis zur Ar- 
beit und war schon bald ein 
braucdibarer Zeichner. 

Drei Jahre lang, 1809 bis 1902, 
saß ich dort, und als ich mich nun 
selbständig machte und wieder mit 
meiner Mappe in Leipzig herum- 
lief, sdvickte man mich nicht wie- 
der fort, sondern ich fand Arbeit, 
wo icii hinkam. 

Da tat ich das, was die meisten 
jungen Leute tun, wenn sie kaum 
mit dem Kopf über Wasser sind: 
Ich heiratete, und zwar 1903 die 
Tochter des Kupferdruckers Adolf 
Koch, und ich halte heute noch 
diese Tat für die klügste meines 
Lebens. Vier Jahre lang war ich 
noch in Leipzig als Buchgewerbe- 
zeichner, und Gott mag mir's ver- 
zeihen, was ich in all den Jahren 
an Werken in die Welt setzte. 

Im Herbst 1903 kam mir, an- 
geregt durch eine Abbildung 
mit Text der Zeitschrift „Ju- 
gend", die Idee, daß es dotrh 
möglich sein müßte, mit einer 
Rundschriftfeder eine Druck- 
schrift zu schreiben. Als ich 
anfing, hatte ich keine Kennt- 
nisse von Schriften, aus de'r 
Zeitung suchte ich mir die 
Buchstabenformen zusammen, 
aber der Charakter war eigent- 
Udi rom aralaB Strldi an dft. 



ich habe heute noch diese er- 
sten Versudie in meiner Mappe 
liegen. Länger als ein Jahr 
arbeitete ich in der StUIe mit 
groliem Fleiße. 

Dann las ich in der Zeitung, daß 
die Rudhardsche Gießerei, die 
Schöpferin dor Eckmann- und Beh- 
rens«d:rift. deren junger Ruhm in 
aller Munde war. einen Mitarbei- 
ter suthe. Obwohl etwas ganz an- 
deres ve' langt wurde, als ich zu lei- 
sten f'^t »' u nd gen eigt ws?r, schrieb 
l^r.di iiT:'.^"h'* uni Mvcr id» 
sei u daß ich sehr gern käme. 

Um ,4» gelang! Anfang 1906 zog 
idi aUs Mitarbeiter der Rxidhard- 
schen IGießered nach Offenbach. 

Hier kam ich zum Durchbilden 
meiner Auisdrucksraittel. Es ent- 
standen vor allem meine Druck- 
schriften. 

Im Krieg wurde ich 1915 Grena- 
dier in Berlin und kam als solcher 
nacii Serbien, Frankreich und Rtiß- 
land. und immer m der Kampf- 
truppe tmd immer als gemeiner 
Soldat. . 

So lebe ich mit dieser Unter- 
brechung jetzt seit 15 Jahren in 
Offenbach als Familienvater, als 
Schriftzeichner der Gebrüder Kiing- 
spor, als Schriftlehrer an der 
Kunstgewerbeschule und in meiner 




freien Zeit denn als Sciireaber von 
Handschriften." 

Rudolf Koch, den 28 tätig erfüllte 
Jahre mit seiner Wahlheimat Ol- 
fenbach und ihren Bürgern innig 
verbanden, nannte sich bescheiden 
einen „Schreiber". Wer Kochs froh- 
gemute UebersQcht schwerer Jahre 
aufmerksam gelesen hat, muß er- 
spüren, worauf es diesem Menschen 
vor allem ankam: Da wird einer 
Schule für gediegene Ausbildung 
gedankt, vom rediten Verhältnis 
ziir Arbeit gesprochen, das Glück 



ALTE ZEICHEN UND SYMBOLE 





hit 6abe(/ 6ec mit ausgebrei' bit bt{d)Uh tan i|l das gott- 
tcttn Jlrmtn nod) oben b(i<f cn« Ud)t ßeil; 6qb Den oben f ommt 
de nicnfd). un6 04 na6) unten ergießt. 



Beide berühren n4;tin 
neues Bild entflebt. 





6ie umgrenzen einen 

Hauni/ beide tvirfen 

nur aufeinander. 




bit t?ereinigung f(f)rettet fort; 

^obel und ücicf)|el deuten mit 

ibren €nden ]6)ün aber das 

Bild hinaus. 



das t(! die ooHendete Dereini» 
gung oon 6ee(e und 9)t\\, ein 
oeUftändig Heues. Das Heue 
bat feine ni(f)tung mehr, es 
flrablt nad) nllen 6eiten. 



Schrift am trspruns demonstrierte immer wieder die Ernsthaftig- 
keit von Rudolf Kochs Absichten. Sein Forschen nach einfachen Formen 
and Sinnbildern lleB ihn alten Zeichen nnd Symbolen neaen Sinn geben. 
Und wo er sie anwandte, waren sie nicht Zierde. »OBdern kemprimierte 
AoaMff«. ftBMU erkMutt «ad dmnhfleitellet. 



der Ehe gepriesen und erwfihnt, 
daß der Charakter seiner Schriit- 
formen eigentlich vom ersten Strich 
an da war. So paaren sich Gründ- 
lichkeit mit emsigem Fleiß, beschei- 
dener Dankbarkeit und Selbst- 
bewußtsein. Da« Gehabe eine« 
Genies mußte diesem Künstler 
fremd bleiben, ja sogar verdächtig 
erscheinen. E« ist bekannt, daß 
Rudolf Koch jedem mißtraute, der 
mangelnden Ordnungssinn bewies 
und mit der Unbekümmertheit des 
Vollbluttalents an einem Dachstocic 
zimmerte, wo nodi kein Funda- 
ment stand. Was wußten diese 
Leute vom frommen Sinn der Ar- 
beit, wie ihn Rudolf Koch begriff 
und erfüllte? 

„Die Menschen wissen 
.nidit, was ein Handwericer 
ist. Wir müssen diesen Be- 
griff erst schaffen", sdirieb 
Koch 1922. 

In Jenem Jahr entstand sein 
erster gestickter Wandteppich, de.^- 
sen Farben er mühevoll selbst ge- 
wann, weil die handelsüblichen 
niciit seiner Vorstellung entspra- 
chen. Zur gleichen Zeit beschäftigte 
ihn ein Würfel aus Blei. Es .«sollte 
ein Hostienbehälter werden, getra- 
gen von sechs stilisierten Pferd- 
chen, beschriftet mit heiligen Wor- 
ten und Sinnzeichen. „Wenn ich mit 
dem Meißel an dem Bleikasten 
arbeite, so hau' ich immer rein 
wahnwitzig drauf und fühle, wie 
ich immer an der äußersten Grenze 
bin. noch ein Schlag, und alles ist 
verdorben . . . Aber es muß wohl 
so sein", bekannte der rastlose 
Werkmann. 

Als kürzlich ein Junges amerika- 
nisches Ehepaar das Offenbacher 
Klin«spormuse\im berichtigte, fragte 
der Mann beim Abschied: „Wer 
war eigentlich dieser Rudolf Koch? 
War es ein Nazi oder ein Jude? 
Er kommt mir so national vor. hat 
al>er auch Widmungen für jüdische 
Freunde geschrieben. Wie reimt 
sich das zusammen?" 

Es war schwierig, di*»^$em Kunst- 
freund zu erklären, daß man ein 
guter Deutscher sein und jüdische 
Freunde haben kann, kurz, daß 
Rudolf Koch, der Autor der 1924 
ersdiienenen „Kriegserlebrwsse des 
Grenadiers R. K." zwar ein guter 
Soldat, aber kein Nazi war. Mit 39 
Jahren war er den Strapazen des 
ersten Weltkrieges kaum gewach- 
sen. Die Not und das Leid trafen 
ihn persönlicher als die Jungen des 
203. Gardegrenadier-Regiments. Und 
doch konnte er ihnen Vorbild 
geben, erfüllte er doch selbst die 
so amusischen Pflichten des Soldat- 
seins noch gewissenhaft und reinen 
Herzens. Was immer ihm das 

Wird auf der folgenden Seite 
foftgetetzt. 



k 




j: ■VV'SiKjSS 




;»»n«5««^»»«r««w., >.- 


















Bald werden vergehende Kraft and Schönheit der Sonne hinter den 
Horizont sinken, das Boot wird die Geborgenheit seines Hafens finden, 
nnd der Abend, dessen Nahen einem jungen amerikanischen Fotoama- 
teur dieses malerische Bild schenkte, breitet seinen Frieden aus. 



Der Fluch des Pharao 




Buffalo (up) — Viele Bücher sind 
sdion über den „Fluch des Pharaos" 
geschrdeiben worden, der — so heißt 
es — all jenen galt, die 1922 das 
Grabgewölbe des ägyptisdien Herr- 
sdiers Tut-anch-amon öffneten. 
Von den 31 Forschern, die damals 
dabed waren, sind heute nur noch 
zwei am Leben, und einer von 
ihnen, der in Buffalo lebende Dr. 
James Carlton Hollembeck, scheint 
trotz aller wissensdiaftllcher Schu- 
lung halb und halb an den berühm- 
ten Fludi *u glauben. 

.Verflucht »ei, wer dl« Rübe Pha- 
raos stört. Wer da^ Siegel seines 
Grabes aufbricht, soll von einer 
Pestilenz dahirhgeralft werden, der 
keine Mensdienkunst widerstehen 
kanm." Das stand an der Schwelle 
des Grabes, in das die Forscher 
unter Führung von Lord Camavoo 
eindrangen. • 

Sdwn t»ld Bdrien der Fluch slffi 
zu erfüllen: Fünf Monate später 
etaob Lord Camtavoo an einer ge- 



asb 



heimnis vollen Lähmung des Ner- 
vensysteme. Innerhalb von adit Mo- 
naten fielen acht andere Expedi- 
tionsteilnehmer der gleichen rätsel- 
haften Krankheit zum Opfer. Jahr 
um Jahr starben andere Teilneh- 
mer unter den gleichen Sympto- 
men. 29 Tote — alle mit den glei- 
chen Lähmungserscheinungen. 

Heute sdnd nur noch Dr. Hollen- 
bedc und J. O. Kinnaman übrig, 
der in Kalifornien lebt. -Auch sie 
wurden von der geheimnisvollen 
Krankheit belallen, doch kamen sie 
als einzige nach langem Leiden 
mit dem Leben davon. 

AI« Wissenschaltier gibt Hollen- 
beck natürlidi nidit gern zu, daß 
am Fludi „dodi etwas dran" sedn 
könne. Er versucht die «eltsame 
Kette von Todesfällen auf seuoe 
Art f«| erklären: „WeM\ man etwas 
gl»ubt, was ^di so absurd ist, 
dann bekommt «a Macht Ober 
einen." 



Ein La|D ßrot vom lieben Gott 

Eijne Geschichte aus Ungarns dunkler Zeit 



Der Verfasser, ein jiinger 
ungarischer Sdiriftstellev, hat 
ein erstes ^lüchtlingsasm in 
Wien gefunden. Seine ftrzäh- 
lung ist aus dem Er\ebi%is der 
Budapester Kämpfe ejntsfan- 
den. i 

Im ir hatten seit drei Ta^^n fast 
•■ nidits mehr gegessen. ; Ferena, 
Ivan, Eva und ich saßen Pm Kel- 
ler unseres Hauses und ss«h€n uns 
an. Ja. wir sahen uns. ob^wohl es 
so gut wie stockdunkel \\ 'ar. Eva 
sagte schon langp nidits mehr, 
höchsteng. daß sie Seufzer von sidi 
gab. Ihre Tränen waren lä ngst zu 
Ende gegangen. Die erste Nacht und 
den ganzen nädisten Tag haitte sie 
geweint wie ein todkrankere Tier. 
Aber schließlich hatten wir ihir klar- 
gemacht, daß es keinen Sinn hat. 

Die Eltern sind tot. audi Tränen 
können da nichts mehr ände:fn. Va- 
ter haben sie ermordet, ehe t»r nodi 
Zeit hatte, seine Polizeiur'iiform 
auszuziehen. Und Mutter wtuile er- 
schossen, als sie den Mörder auf 
der Straße die Augen ausl^atzen 
wollte. Nur gut. daß sie ur« nidit 
bemerkten. Mich hätten sie be- 
stimmt audi kaltgemadit. als den 
Aeltesten. Und Eva? 

Gut, daß Eva das alles nicht ge- 
sehen hat, meinte gestern Ferenc. 
während unsere Sdiwester den er- 
sten Sdilaf in unserem KeTlerasyl 
gefunden hatte. Sie war hinten im 
Hof gewesen, um Holz zu holen, 
während vorne auf der Straße un- 
sere Eltern abgesdilachtet wurden. 

„Wie lange wollen wir bloß noch 
hier unten hodcenbleiben?" murrte 
Ivan zum hundertsten Male. 

„Wo glaubst du. daß wir hin- 
gehen könnten? Es wird lange dau- 
ern, bis man uns wieder In unsere 
Wohnung lassen wird", sajfte Fe- 
renc. 

„Wenn wir hierbleiben, werden 
wir hungern!" sagt© Ivan. „Viel 
leicht geben sie draußen auf der 
Straße wieder Lebensmittel aus . . ." 

„Willst du hinaufgehen?" meinte 
Ferenc. 

„Wenn ihr es wollt . . .• 

„Nein, wir wollen gar nichts", 
sagte ich. „Es hat einfadi keinen 
Sinn. Man wird uns erkennen, 
Schließlidi sind wir die Kinder von 
Janos Heltai. und sie werden Hadc- 
fleiÄdi aus uns madien . . ." 

Eva begann — '-^-- - — » 

leiser und sdi^ 
aber es zog an i 

„Idi halte da; 
sagte Ivan. „Ich 
und sehe zu. da£ 
auftreibe . . ." 

Ferenc und Ich 
was wir sagen 

gab es keineif**=«!HR^5ff-:it fsir^. 
Einer mußte gehen. Ivan im wohl 
nur der Zweitälteste und nv\t .einen 
aiebzehn Jahren zwei Jahre langer 



als ich und eines älter als Ferenc, 
aber er war erst vor zwei Tagen 
aus Györ zurückgekommen, wo er 
die letzten vier Jahre als Mecha- 
niker verbradit hatte, und hier in 
der Straße kannten ihn nur die al- 
ten Freunde und Bekannten. Er 
konnte es am ehesten riskieren. 

„Also gut. ich gehe jetzt", sagte 
Ivan und stand auf. 

„Paß gut auf dich auf", sdiludizte* 
Eva. 

„Mach's gut. Ivan", sagten Ferenc 
und ich. 

An der Türe lausditen wir ange- 
strengt, ob jemand auf der Treppe 
sei. Aber es war nichts zu hören. 
Ich schloß auf und Ivan sdhlüpfte 
hinaus. Dann verschloß ich leise hin- 
ter ihm wieder die Türe. 

Wir gingen zurücic und setzten 
uns wieder auf die alten Matratzen, 
die Vater noch für uns in den Kel- 
ler getragen hatte. Keiner sagte et- 
was. 

Ganz in der Nähe hörten wir Ge- 
wehrschüsse, und dann et vas wei- 
ter weg, vielleicht am Postplatz, 
ein paar schwere Einschläge. 




„Hoffentlich oassiert dem Ivan 
nichts", sagte Eva einmal. 

Weder Ferenc noch ich sagten et- 
was darauf. Was hätten wir darauf 
sagen sollen? Der liebe Gott 

Ja, vielleicht zitterte der Ge- 
danke an den lieben Gott jetzt 
durch alle unsere Köpfe und Sinne. 
Denn ich dachte daran, als Ferenc 
plötzlich sagte: 

„Kommt, Eva und Laszlo. wir 
wollen beten!" 

"Ja", sagte Eva, „das Ist das 
beste . . ." 

Und dann knieten wir atif den 
nen schmalen Kellerfenster, das 
der. nebeneinander, wie in der Kir- 
che. Wir falteten unsexe Hände und 
erhoben unsere Köpfe zu dem klei- 
nen, schmalen Kellerfenster, das 
zwei Meter über uns war und einen 
winzigen Funken Licht durchließ. 

Wir beteten, ohne zu sprechen. 
Aber es war das gleiche Gebet: 

„Lieber Gott, laß unseren Bru- 
der Ivan gesund wieder zu uns zu- 
rücickommen. auch wenn er kein 
Brot mitbringt. Lieber Gott, wir 
wollen lieber hungern und zusam- 
men " 

Es war vielleicht eine Stunde ver- 
gangen, seit wir un? zum Beten 
entschlossen hatten, als es an der 
Kellertüre klopfte. Viermal kurz 
hintereinander — unser Zeichen — 
Iv^nü 

Wir erhoben una und stürzten zur 
Türe. Ivan fiel uns in die Arme. 
Eva schloß schnell wieder die Türe 
und zog den Schlüssel ab. 

Dann erst sahen wir, daß Ivan 
Glück gehabt hatte. Unter seiner 
Jacke trug er einen Laib Brot. 

„Wo hast du das Brot herbekom- 
men?" fragte Ferenc. 

„Ich glaube, vom lieben Gott", 
sagte Ivan leise. 

„Vom lieben Gott???" 

Und dann erzählte un« Ivan sein 
seltsames Erlebnis. Er war über 
eine Stunde lang durch die Straßen 
geirrt, ohne irgend etwas von einei 
Lebensmittelverteilimg zu sehen 
Dann hatte er sich in einer Ruine 
auf eine zerbrochene Bank gesetzt 
um einen Augenblick auszuruhen 



Dabei war er darauf verfallen ru 
beten. 

„Ich habe nicht um Brot gebetet", 
sagte Ivan, „sondern nur darum, 
daß wir irgendwie durchkommen 
und daß uns nicht» pas*ie»"t. Da 
kam plötzlich ein alter Mann min- 
destens siebzig war er. Und der 
sagte zu mir: .Da, nimm dieses 
Brot und trage es heim, damit Ihr 
etwas zu essen habt. Ich sehe, daß 
du Hunger hast. Und deine Eltern 
und Geschwister haben bestimmt 
auch Hunger.' 

Ich nickte, obwohl das mit den 
Eltern ja nicht mehr stimmt. Aber 
da schob mir der alte Mann schon 
das Brot in die Hände . . . .Ja. und 
dann sagte er noch* 

,Ich bin ein alter Mann, ich brau- 
che nicht mehr so viel zu essen. 
Aber ihr Jungen, ihr dürft nicht 
verhungern und umkommen. Ihr 
müßt Ungarn erhalten' . . ." 

Ivan verschwieg uns zunächst, 
daß er dem alten Mann die Hände 
geküßt hat. bevor er zu uns in den 
Keller zurückkehrte. Das hat er uns 
erst gesagt, als wir nach unserer 
glücklichen Flucht in Oesterreich 
eingetroffen waren. 

„Und ihr mögt mich auslachen", 
fügte er hinzu, „er hat aus«?esehen 
wie der liebe Gott in meinem alten 
Religionsbuch . . ." 




Wir «rhobMi uns und tturzlen zur Tur... 




Das einfädle Leben Rudolf Kodis ... 




Foriaeizung von Seite i 

Schicksal aoiferlegte. Rudolf Koch 
packte es an, befragte es ivm seinen 
Sinn und ward des Edlen Heimat, 
nimmermüd xmd unbeirrbar. 

Aus der Matte dieses ordnenden 
Fleißes heraus flammte die Kraft 
seines Werkes. Es umfaßt knapp 
hundert handgeschniebene Bücher, 
sowie herrliche Scherenschnitte, 
Zeichnungen, Schriftteppiche, Me- 
tallarbeiten, das wvmderlxare „Blu- 
menbuch" und eine Bildkarte 
Deutschlands. Schreiblehrbücher 
und zahlreiche Aufsätze. Ueber 
seine Sdiriftan wie die „Koch-An- 
tiqua", die „Neuland"-SchrLft, die 
„Wil!helm-Klingspor"-Schrilt, die 
„Kabel" und die Schireibschrift für 
den Sch'ulgebrauch bis hin zur 
„Wallau" und „Marathon-Antiqua" 
sind etliche Bücher verfaßt wor- 
den, die den Künstler Rudolf Koch 
im Wandel seiner Absichten und 
Wirkungen würdigen. Eine Liste 
„Rudolfimscher Drucke", die Koch 
gemein^?a.m mdt dem Offenbacher 
Verleger Rudolf Gerstung schuf, 
um Beispiele gut gedruckter Bü- 
cher und Mappen zu geben — sde 
allein würde eine Spalte füllen. 

Doch damit ndcht genug: Was Ru- 
dolf Koch, der sich aJs Pädagoge 
den Lehren Pestalozzis verbunden 
fühlte, 1918 miit dem Zusammen- 
schluß der „Offentbacher Schreiber" 
begründete und sx>äter als Lehrer 
der heutigen Werkkunstschaile in 
seiner „Schreibstube" fortsetzte, 
waren Mühen, die heute noch le- 
bendige Früchte tragen. Wer 
möchte überschauen, was alles von 
dieser Pflainzstätte ausging? 

Seine Idee des Jahres 1903, 
mit einer Rundsdiriftfeder 
eine Drudeschrift zu sdireiben, 
hat Rudolf Koch ein Ueber- 
maß an Arbeit gebracht nnd 
war ihm gerade deshalb eine 
nie versiegende Quelle der 
Freude. Zwischen Klingspors 
Fabrik nnd dem Lehrstuhl, 
freiem Werken und der Tätig- 
keit fflr Offenbachs Friedens- 
gemeinde, mit deren Pfarrer 
Friedrich Matthäus er herz- 
lich befreundet war, fesselten 
Rudolf Koch ungezählte Auf- 
gaben. Und keine achtete er 
gering. 

\ Im Buchrainweg 29 bewohnte er 
ihit Frau und vier Kindern — da- 
von drei Mädchen — eine Etagen- 
ohnung im zweiten Stock. Wer 
chs 1912 bis 1917 geschaffene 
S^e renschnitte aus dem Let>€n sei- 
ner Fanwlie kennt, weiß, daß auch 
hier Bescheidenheit \md stille Hei- 
terkedt su H«UM ^mraa. Der V 



hatte viel Sinn für kindliche 
Scherze und blieb doch stets Re- 
spektsperson. Gastfrei und hilf- 
reich, nahm er oft bedürftiige Schu- 
ld an seinen Tisch, tmd wenn es 
hieß „lang zu", dann war es so 
gemeint. Hier im Buchrainweg ver- 
ewigte Rudolf Koch Blumen und 
Gräser des nahen Waldes, gestal- 
tete er sein „Blumenbuch". Und 
am Abend wurde musiziert und 
gestmgen. Um F*xmkt zehn jedoch 
rasselte der Meister mit dem 
ScblüfSseKbuind und rief: „So Leutl" 

Da erhoben sich sedne Schüler 
und dankten für den gemöitlichen 
Abend, denn sie kannten ja Kcxhs 
OrdnivmgsJiiebe nur allzu gut. Sde 
galt nicht nur Äir die Arbeit 

Wo maji srich eines bedeutenden 
Menschen erinnert, laufen auch 
allerlei GeschidÄen um. So wissen 
viele Offenbacher von Rudolf Koch, 
dem kleinen Mann niit den zarten 
Händen, die nicht so recht zu sei- 
nem männlichen Kopf pasaen woll- 
ten, zu berichten. Doch halten wir 
uns an edne Geschichte, die er selbst 
erfunden bat: 

^Neulich sah idi einen 
Freund auf ein Motorrad stei- 
gen. 

Halt, rief ich, und faßte ihn 
am Arm, du, sag, geht's denn 
schneller mit dem Ding? 

Was meinst du? fragte er 
unwirsch. 

GehVs denn sdineller, sagte 
ich, komm.t man denn schnel- 
ler damit ans Ziel? 

Was für ein Ziel? fragte er 
und machte ein dummes Ge- 
sicht. 

Ja, sagte ich, es gibt ja nur 
eins, das Ziel, das letzte Ziel. 
Sag mir's, ich will mir auch so 
eine Masdiine kaufen, wenn's 
schneller geht, und wenn ich 



darum hungern müßte. Ich 
trachte auf nichts anderes bei 
Tag und bei Nacht, wie ich 
auf die beste Weise ans Ziel 
komme, und ich möchte schon 
lieber heute als morgen dort 
sein. 

Er stieg auf, und das Ding 
fing an zu puffen. Ich hab 
keine Zeit, sagte er. Wenn tch 
dreißig Geschäfte statt drei an 
einem Tag verrichtet habe, so 
habe ich den Tag verzehnfacht 
und mein Leben und meine 
Wirksamkeit um soviel ausge- 
dehnt. 

Ich ließ ihn fahren. Der 
rechnet sein Leben nach der 
Zahl seiner Geschäfte, dachte 
ich, da muß er sich wohl spu- 
ten, daß es sich gelohnt hat, 
wenn er stirbt!" 
Seine Freunde rühmen, daß Ru- 
dolf Koch jedes Gespräch im Nu 
auf seinen Kern zurückführen und 
gehaltvoll bcreicherp konnte. Bei 
aller biederen Fröhücäikeit war 
er ein ernster Mensdi. Das Ziel, 
das letzte Ziel, mit alltäglicher 
Betriebsamkeit weder zu erzwin- 
gen noch zu fliehen — Rudolf 
Kocii war es stets gewiß. Daher 
die Ruhe seiner Arbeit, daher 
auch die beglückende Einfachheit 
seines Lebens. Gott, Mensch und 
Welt sah Rudolf Koch in einer 
Ordnung, die den Tod nur als 
Diener, nic±it als Mächtigen kennt. 
Diese Ordnung einzusehen und 
zu bestätigen, ist jedermanns Auf- 
gabe, an die der Totensonntag 
jährlich einmal trübselig mahnt. 
Wohl dem, der sie so vollendet 
harmonisch zu lösen weiß wie 
Rudolf Koch, dem eine Wahrheit 
Frieden und Beständigkeit im 
Schaffen sdienkte: 



+ %unÖ13rad|t 
(ftan^Oiefenbluni' 



\fenschen ohne Erdenschwere 

Medizinische imd praktisdie Probleme der Weltraumfahrt 





Der Vorstand des Physiioflo^ischen 
Instituts der Wdener Universität, 
Prof. Dr. G. Schubert, hat sich mit 
den meddzdn Ischen Problemen der 
'eltrainnfahrt befaßt. Er meint, 
der Flug in den Weltraum am 
Problem Mensch nicht scheitern 
d. Inzwischen haben Testpiloten 
•32 Sekunden lang die Schwere- 
losigkeit erprobt und sie nur unter 
erheblichen Mühen ertragen. 

schwerelosen Raum gibt es 

Gewicht, man könnte dort 

Tonnen heben wie einen 

lU. Eine sanfte Ohrfeige 

genügen, um einen Men- 

iin die hinterste Ecice des 

ffe« »u befördern. 

In d^r Kabdne gibt es kein Oben 
oder Imten, keinen Fußbcxlen und 
kedne Decke. Der Weltraumfahrer 
kann vÄe ein Engel durchs Rauin>> 
schflff saiweben, er stürzt auch von 
der „D^e" nacht ab. Nur gehen 
kann et nicht, seine Füße sdnd 
überfkisftdg geworden im schwere- 
losen R^um. 

Da ihk kein Gewicht „nach un- 
ten" drückt, fehlt seinen Sohlen 
jede RÄbung. Will er sich fort- 
bewege4 von »einem Standpunkt, 
dann bi^aucht er sich nur in der 
Richtune auf das 2Uel leicht a<l>zu- 
stoßen,r und schon schwebt er da- 
von. Br kann sich den Wänden 
seines /Raumes entlang aber auch 
mit ddn Händen an Schlingen oder 
Griffen fortziehen. 

Der; schwebende Weltraumfahrer 
muß feich anbinden, wenn er eime 
Tätigkeit verrichten will, und er 
muß J innerhalb von gepolsterten 
Wänden leben, weil er sich sonst 
beim leichtesten Abstoßen den 
Kopf anrennt. ^ 

Tisdie, Stühle, Bänke und Betten 
sdnd l überflüssdg geworden im 
schweielosen Raum, man müßte 
sich <Äinn an sie festbinden, um 
nicht oei der kleinsten Bewegung 
davonzkschweben. Da ist es schon 
besser. \ einfach die Augen zu 
s<hließei\ und im Schweben zu 
schlafen. 

Wenn dki Weltraumfahrer dür- 
stet, kann »r sich nicht einfach aus 
einem Behalter ein Glas Wasser 
einschenken, ^edn Wasser hat auch 
keine Schwe«, so wenig wie er, 
es läuft also wicht ohne weiteres 
aus einem Tank oder einer Flasche. 
Man muß es f&Tnlidi herausschüt- 
teln. Dabei balt sich das Wasser 
zu Kugeln und\ schwebt im Zim- 
mer hemm wie Seifenblasen, wenn 
man die „Kugelig nicht rechtzeitig 
einschKirft. 

Ist eine solche^ Wasserkugel zu 
groß, sie in den Mund zu stedcen, 
dann knallt man iie an die nächste 
Wand, wobed sie /in kleine Kugeln 
zerbröselt. 

Trinkgefäße yind ebenso über- 
flüssig "*Pie_.^ Badewannen oder 
Waschsdiüsseln. Das Wasser würde 
sich über^ alle Zimmerwände aus- 
brsdten ofer sidi in Kugelform an 



Ganz eigenartig wire ea mit dem 
Essen. Ean Koch bat im schwere- 
losen Raum nichts vu lachen. Will 
er einen Pfannkuchen backen, 
dann saust i'hm plötzlich die Pfanne 
mitsamt ihrem Inhalt davon, er 
müßte hinter ihr herschweben oder 
sie anbinden. 

Der Koch könnte sich nicht ein- 
mal eine Schürze umbinden, sde 
würde ihm ständig vor der Nase 
herumschweben, weil es ja ke4nen 
Fall nach unten gibt 

Nur elektrische, verschüeßbare 



Koch^räte wfiren *u gebrauchen, 
tmd Speisen könnte man nur in 
fester Form (wie Brot) zu sich neh- 
men oder breiig aus Spritzen. Da 
mag auch dem kühnsten Welt- 
raumfahrer der Appetit vergehen. 

Rechnet man hinzu noch die 
Probleme des Meteoriteneinschlags, 
der künstlichen Luft. Organstörun- 
gen, die Höhenstrahlung und vie- 
les andere, dann muß man schon 
fragen: Wanim nicht endlich lieber 
das Leben auf4der Erde schön und 
harmonisch gestalten? Universum 



Bäume trauern mit uns 

Almut Lammert sdiildert Friedhofspflanzen 



Die Lebensbäume passen ihrem 
Namen und ihrem Gepräge nach 
besonders gut auf den Friedhof. Sie 
erwecken mit ihrer dichten, hell- 
grünen Krone einen ernsten, aber 
auch wieder tröstlichen Eindruck, so 
daß man den Lebensbaum in der 
Nähe der Gräber unserer Lieben 
nicht missen möchte. 

Auch die Zypresse ist ein Fried- 
hofsbaum. Allerdings findet man bei 
uns nicht den echten in Kleinasien 
und Syrien beheimateten Zypres- 
senbaum. In unseren Breiten ge- 
deiht die amerikanische oder virgi- 
nische Zypresse. 

Gegen den Lebensbaum sieht 
diese Zypresse allerdings etwas 
dürftig aus. Auf imseren Dorf- und 
Kleinstadtfriedhöfen finden wir In- 
dessen statt der fremden Gewächse 
mehr einheimische Nadelhölzer, vor 
allem Fichten xmd Tannen. 

Die schwarze Kiefer hat einen zu 
unregelmäßigen Wuchs, tun auf 
einem Friedhof entsprechend wir- 
ken zu können. Ihre Schwester, die 
„Weimuts-Kiefer" ist besser geeig- 
net. Sie erinnert mit ihrem pyra- 
midalen Wuchs und ihren feinen 
schlanken Nadeln an die Zypressen 
de3 Morgenlandes. 

Bezeichnenderweise hat der 
Volksmund aus der „Weimuts"- 
Kiefer eine „Wehmuts"-Kiefer ge- 
macht. Die hängenden Zweige ma- 
chen die Fichte gleichsam zum 
Trauerbaum unter den Nadelhöl- 
zern. Auch die Tanne strahlt Ernst 
und Würde aus. wie es auf einem 
Friedhof angemessen ist. 

Von den strauchartigen Nadel- 
hölzern werden ihres starken und 
unbeweglichen Wuchses und ihres 
düsteren Aussehens wegen gern 
Wacholdersträucher auf die Gräber 
gepflanzt. Wacholder ersetzt auch 
m China und Japan die Zypressen 
Bei den alten Germanen zählte er 
zu den heiligen Hölzern, mit denen 
die Toten verbrannt wurden. 

Natürlich fehlen auch die Laub- 
bäume auf den Friedhöfen nicht. 
Vor allem sind hier Linden, Erlen. 
Birken und Weiden vertreten. Die 
Elche hat jedocfe kalBM PUts unter 



den eigentlichen Friedhofsbäumen 

Sefunden, denn der Volksmund ver- 
ammte sie als Sitz der Dämonen. 
Solche „gefährlichen" Bäume wur- 
den später nicht in der Nähe der 
letzten Ruhestätte der Verstorbenen 
geduldet. 

Die Linde dagegen gehört zum 
Friedhof. Vor allem auf den alten 
Dorfkirchhöfen, wo die Toten noch 
rings um die Kirche bestattet wur- 
den, durfte die Kirchhofslinde nicht 
fehlen. Kirche, Friedhof und Linde 
waren der Mittelpunkt des Dorfes. 
Noch heute haben viele Dörfer und 
Städte ihren Namen von der Linde, 
die slawisch „Lipa" heißt Leipzig 
heißt nichts anderes als Linden- 
stedt. 

Die Bäume mit niederhängenden 
Zweigen sind vor allem dazu ge- 
eignet. Trauer auszudrücken Eschen. 
Birken und Weiden sind nicht von 
unseren Friedhöfen wegzudenken. 

Sinnbild des Sterbens und des 
Todes von alters her ist die Weide. 
Im germanischen Altertum war die- 
ser Baum dem Totengott Vidharr 
geweiht, der in der Unterwelt un- 
ter Weiden seinen Sitz aufgeschla- 
gen hatte. Noch heute ist die Weide 
einer der häufigsten Trauerbäume. 

Auch Platane. Pappel und Ulme 
schmücken unsere Friedhöfe. Große, 
oft schon sehr alte Baumgruppen 
verwandeln die Friedhöfe in einen 
Hain, in dessen Schatten die Toten 
ruhen. 

Das Bepflanzen der Gräber mit 
Blumen geht auf uralte Gebräuche 
zurück; es ist bei fast allen Völ- 
kern üblich. Die Pflanzen sind nir*-* 
nur als Schmuck gedacht, sonr' 
sie sind auch der Ausdruck r» 
daß wir Lebenden die To*- 
vergessen haben 

Oelbaum. Maulbeerb 
lyptus. Granatapfel 
zählen zu den Friedhof, 
derer Klimazonen. 



OFFENBACI 



Nr. tri — Bamstaf , U 



1 




Vkm 1Ifff|M R ITffflllCIlf ^^*'*^'^^' ^®' Leiter des Klingspor- 
lil« nUllS li« nUlDey Museums in Offenbadi. erlslärt 
dem Leiter der Bostoner Universitätsbibliotheken und Museen, Dr. 
Robert E. Moody (Needham, Massachusetts), die Inschrift eines 
Wandteppidis von Rudolf Koch. Dieser Wandteppich ist ein Teil 
einer Ausstellung für moderne deutsche Budigestaltung und Buch- 
drudcerkunst, die das Klingspor-Museum zur Zeit in Boston und 
spater in begrenztem Rahmen audi In verschiedenen anderen StSdten 
Amerikas zeigen wird« (Bild: AO) 



r,Rudolf Kochs Kunst wirkt 



sich in den USA aus'' 



/p f^ 



Ehrenbürger Dr. Guggenheim schrieb an Dr. Klüber 

de„Ts^^!.1?/ u^""^^i^'' ^'- 8*««'ried Guggenheim, der Jet.t in 
den USA lebt, hat an Oberbürgermeister Dr. Klüber wiederVin..n 
seiner launigen Briefe geschickt. Er bedankt sirJür da^ OffenbaT 

?ie*'ne"erhi: t ITV/ '" ^"" **"**» ""^'^ ^-»'- Freund .^'„t 
llehenc erhielt, berichtet von einem Essen zu Ehren eines amerika- 

t"rifl' nr^'r^'"-'';;*-^*''^" ""«^ «*^** beimatkundlUrs Ma- 
terial. Dr. Guggenheim schreibt: 



«Das Buch ist eingetroffen und 
mit herzlichem Dank empfangen. Es 
gelingt mir nicht, so schnell zu fol- 
gen wie alles sich zum Ganzen 
webt. In der Offenbach-Post er- 
scheinen phantastische Baupläne 
Wie geht das alles so schön vor sich" 
und welch ein Schneckentempo hatte 
der Verein für Kunstpflege zu be- 
kämpfen. Ich sende Ihnen die drei 
Berichte über die 25jährige Tätig- 
keit des Vereins für Kunstpfieg^ 
als eingeschriebene Drucksache. - 
Haben Sie das Offenbach-Buch der 
btaatszeitung geschickt? Diese Zei- 
tung bringt gern Bilder und Notizen 
aus der alten Heimat. 

Zuni ersten Mal. seit ich in USA 
Din, habe ich etwas mitgemacht: 



Ein Diner zu Ehren von Warren 
Chappel, einem Schüler Kochs, ver- 
anstaltet von Freunden des Künst- 
lers ,in the Graphic arts at the Ad- 
vertising Club'. Wir waren als Gäste 
eingeladen, weil man unsere Bezie- 
hungen zu Rudolf Koch kennt und 
würdigt. Denn viele kommen, um 
meineKoch-Sachen zu sehen. Erfreu_ 
lieh ist, wie die Kunst Kochs und 
seiner Schüler sich hier auswirkt. 
Fritz Kredel spielt in der Buchillu- 
stration eine hervorragende Rolle.— 
Sonst komme ich wenig aus dem 
Haus und erfreue mich eines recht 
schmerzlichen Kniekehlen-Rheuma- 
tismus. Kein Wunder bei diesem 
Klima. Auch der Heuschnupfen 
sucht mich heim, um zu beweisen 
daß der Offenbacher Isidor Simon 
recht hatte, wenn er an seinem 
Stammtisch gefragt: ,Wie geht's, 
was gibt es Neues?' antwortete: 
.Werren Se 70 Jahr, dann erleben 
Sie jeden Tag was Neues!', — 

Mit nochmals bestem Dank für 
das schöne Buch begrüße ich Sie 
ergebenst 

fei. Dr. Guggenheim". 



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Prayer 
written on vellum by Professor Rudolf KOCH. 

Donated by Mrs. Siegfried Guggenheim, Flushing, i^j.Y 



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Gebet 



geschrieben von Rudolf Kooh auf Vellum 
deutscher Text 18 Zeilen u Ifenorah -Zeichnung 



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Wegen Groesse separat 




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A-us einem Brief an Kurt 



• • • 



In Darmstadt. 



Lieber Kurt, wir verstehen uns zu gut, wir sind einan- 
der zu unverbruechllch verbunden, als dass Du nicht merktest, warum 
Ich eine solche Erfahrung so sichtbar In den Vordergrund ruecke. Du 
siehst, dass Ich damit zugleich zu der von Dir wie von Jedem der 
Brief Schreiber gestellten Frage nach meiner Rueckkehr Position nehme • 
Keiner von Euch allen konnte vermuten, die nun ueberschrlttenen acht 
Jahre meiner Entrueckung In die antipodische Sphaere waeren In leerem, 
tat- und wirkungslosem Warten vergangen. In einer Art Slebenschlaefer- 
Frlst, nach deren Ablauf der Aufgewachte die Augen reibt. Ins Bisheri- 
ge tritt, als waere nichts geschehen. Nebenbei: dass dies Bisherige 
seinerseits nicht gewartet hat, der Verschollene sich nicht mehr zu- 
rechtfindet, nicht mehr begreift noch begriffen wird, berichten Dir 
alle Maeren und Maerchen ueber den In seelenvollen Zelten sicherlich 
gelegentlich vorgekommenen Fall eines solchen Auftauchens aus der 
Ferne, fast aus dem Totenreich, Einer, der solcher Art wiederkehrt, 
erscheint In Jedem Sinne das, was die Franzosen einen revenant nen- 
nen, einer der "umgeht^*. Wie nun aber In meinem Fall? Kurt, Ich 
habe nicht geschlaf en. Ich habe viel durchgemacht. Einsamkeit, Ent- 
taeuschung, Schmerzen, Sehnsucht nach Unwiederbringlichem, alles das 
hat zumal meine Naechte bedroht. Aber es gab und gibt auch andres. 
Nicht bloss, dass Ich mich bemueht habe. In einen Blldungs- und Gels- 
tesra\am, der mir bis dahin fast voelllg fremd war, den der englischen 
Welt meine Ich, verstehend mich elnzufuehlen, hat diese Jahre und Ihre • 
Arbelt ausgemacht. Wie weit Ich In unmittelbarem, nicht bloss denk- 
haft-abstraktem Wissen um diese Welt, Ihre ueberzeltllchen Werte wie 
Ihr Alltaegllches gekommen bin, darf Ich nicht selber bestimmen. Von 
mir aus spuer Ich allerdings, mein Umfang hat sich erweitert, mehr und 
mit groesserem Recht wie frueher nenne Ich, der Jude, der deutsche 
Dichter Karl Wolfskehl, mich einen Buerger der Welt, einen Sohn unsres 
Planeten. 

Ich, der deutsche Dichter, den die Heimat verstless. In einer 
Zuschrift, der Ich auch sonst nicht viel Verstaendnls abgewinne, 
sprach M., die Tochter des nie genug zu ruehmenden R.L., das Ergehen 
der verschieden®!! Gruppen von Ihr nah Gewesenen andeutend, auch von 
"manchen, die abtruennlg wurden, die In der Fremde die Liebe zur Hei- 
mat vergassen". Auf wen sie dabei zielt, geht mich nichts an. Was 
mich aber angesichts einer solchen Feststellung beleidigt. Ja anwidert. 
Ich sag es offen heraus. Du merkst, Kurt, wie dies eben In mir kocht. 
Wo liegt der Kern der ganzen Sachlage? Diese Heimat hat, als ihr ein 
neues, in weitem Umfang willig aufgenommenes Gesetz erlassen war, den 
deutschen Dichter verbannt, zum Landfremden, Ja zum Urfelnd gemacht, 
sein Wirken schaendlich zerbrochen, «leln Wort verschuettet . Ich, Karl 
Wolfskehl, spreche hier von mir. Und zum zweiten: Wer wurde richtig 
und unausweislich abtruennlg? Waren es nicht Jene unter 
den Naechsten unserer Runde, ich nenne ihre Namen nicht mehr, aber 
Du welsst, auf wen ich deute, die unbedenklich oder vom Taumel erfasst, 
zu dem uebergingen, nein, ueberrannten, der, Widersacher des Geistes, 
Verleiblicher der achwaerzesten aller Daemonlen, mit billigster, tri- 
vialster Verfuehrung alles sich zutrieb, was geschwaecht war, haltlos, 
ohne Gesicht. Sind diese, die ein Leben lang dem Meister, dem sie 



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. 2 - 



dies Leben doch verdankten, schuldeten und dem sie verbunden schienen, 
nicht die wirklich Abtruennlgen, Kurt? 

Von diesen sei nicht mehr die Rede, nicht mehr davon, wie sie mit 
mehr oder weniger reservatio mentalis dem Unding Gefolgschaft leiste- 
ten, Namen, Wert und Ehr des Meisters im selben armseligen Atem mit 
dem d@3 teufelhaften Wuergers zugleich ausstiessen, blasphemisch Be- 
zuege. Ja Gleichart des Wollens verkuendeten, den Tempel schaendeten, 
noch eh er in Brand geriet • Denn dazu geziemt keine Haltung als die 
der Abkehr, kein Laut, nur Verstummen., Aber, Kurt, ich muss Dir und 
nicht allein Dir ins Gedaechtnis ruecken, was es fuer mich bedeutet 
hat, als die Heimat die Liebe zu mir vergass, mich auswarf wie ein 
Fremdgebild oder, wer weiss, wie etwas noch Schlimmeres. Was damals, 
als dies zu geschehen anhob, (es nahm ja anschwellend immer boesere 
Gestalt an) in dem Dichter vorging. Du weisst es, nicht Du allein. 
Damals entrang sich aeusserster Qual eine neue Sicht, eine neue Ver- 
pflichtung. "Die Stimme spricht" hast Du wohl n. >mals vors Auge ge- 
nommen, wie man so ein Baendchen Gedichte gemeinhin anfasst, ueber- 
blaettert und weglegt. Du kennst mich auch innerlich, Du verstehst 
was ich schuf, wie 's in mir anhob, wie es auswuchs, wie es reifte. 
Dass mit diesem, das "Stimme" ward, ein Grund ins Gruenen kam, der bis 
dahin noch im Dunkel verblieben war, blieb Dir nicht verborgen. Seit- 
her kam er noch staerker ins Bluehen, dieser Grund, noch mehr zu sich, 
und, wer weiss, noch mehr ich zu mir. Vom Tag ab, als das Schiff vom 
Hafen Europas abstiess, hab Ich's gewusst, gelebt, ausgesprochen, aus- 
geschluchzt, ausgesungen, das Zeichen, unter dem mein Leben, die letz- 
te Phase dieses Erdengangs seitdem steht. Dieses Zeichen, mehr als 
ein Bild, es ist der ewige Fug des Judenschicksals. Und ich, zuckend 
und fast widerstrebend gehorsam, fuehl ich, der Mitwalter, Mithueter 
des deutschen Geistes, ich mich dazu bestimmt, das lebendige, Ja das 
schaffende Symbol dieses Schicksals darzustellen. Seit Jenem Augen- 
blick steht alles was ich bin, was ich fuege unter dem ewigen Namen 
Hiob, seitdem bin ich, leb ich, erfahr ich Hiob. Alles was seitdem 
entstand, fuehrt diesen Namen, oder, auch wo es abseits gewachsen 
scheint, ist es von ihm durchweht. 

So, Kurt, steht es heute und bis zum gewissllch nahen Tod um mich 
Also hab ich, wie der Schaffende muss, den Abfall der Heimat ueberwun- 
den, zum Schicksal geformt, Notwendigkeit zutiefst erlebt. Du kennst 
mich. Dir brauch ich nicht nahe zu bringen, was der Begriff, kein Be- 
griff, was die Wirklichkeit Heimat fuer mich war, naemlich alles i Du 
kennst, freilich in einer sehr fruehen, noch ganz unreifen Fassung, 
Jenes Gedicht A.deD., Du weisst, dass ein Dichter keine Worte "mache" 
sondern lebt, vor allem, dass Worte des Dichters nicht "schoen" sind, 
nicht "tief empfunden", sondern Wirklichkeit, Leben, lebendiger wie 
das was der Alltag so helsst im Zwischenraum von Zeugung zu Sarg. Und 
dem Stofflichen dieses Gedichtes hast Du entnommen, wenn ich Dir etwa 
nicht schon davon gesprochen hatte, dass nach der nicht urkundlichen, 
mir aber gesicherten Familiensage mein Geschlecht unter Karl dem 
Grossen von Lucca nach Mainz kam, seitdem also unausgesetzt im glei- 
chen rheinischen Gau verblieben war. Dies nur zu meinem Anrecht auf 
Heimat, auf Verwurzelung. Und wie steht es, Kurt? Damals warf sie 
mich aus, die Heimat. Heute, ein volles Jahr nachdem das. von dem Ihr 



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Euch als von einem Spuk oder Nachtmar befreit fuehlt, mit dem Koest- 
lichsten der Heimat zusammengebrochen ist, hat die Heimat durchaus ver 
gessen, dass es den deutschen Dichter Karl Wolfskehl noch gibt, wahr- 
scheinlich vergessen, dass es ihn Je gegeben hat. Einige Frauen mei- 
nen, meine Rueckkehr sei wuenschenswert . Die Familie hofft auf mich. 
Und Du, Kurt, Du der Einzige, der mich versteht, fragst wie ich ent- 
scheide? Kurt, frage Dich selbst, gib Dir selber die Antwort, sie ist 
furchtbar genug, siehst Du eine andere? Ich klage nicht an, aber dass 
nur die Naechsten noch um mich wissen, dass ich fuer die Stadt, deren 
"Liebling" ich in Wort und Schrift genannt wurde, deren Ruhm und Art 
ich verkuendet habe und gemehrt wie nur Einer, dass ich fuer diese 
Stadt Muenchen verschollen bin, das sei Dir, Kurt, Antwort von der 
andern Seite« Sic translt non solum gloria sed etiam amorl • • • « • 



Auckland, NoZ» 

13th of September 1946 



Karl Wolfskehl 



©otttttaaöötatt 




Sonntag/ £f . f uii 



ItumtiKt 50 



4£. faiyegonB 19^6 



3um <Se6o(^t^ tion Hod IDolf^fe^l 



$ec nienfcQ und Aec X>ittittt 

aSon (gbgar Salin. 

SJon Äarl 2Boff5fe^I ein Silb 3u jeit^nen, bas 
au(^ bcnen, bic i^n nic^t fannten, einen (ginbrurf 
»om 3öubcr jeiner ^erjönlic^feit, 00m 9?eic^tum |ei= 
nes 2Befen5 unb Sßiffcns, oon ^^rt unb ©e^alt jei- 
nes bid)teTii(^cn Sßerfes ocrmittclt, oermöt^te root)I 
nur ber i^m Sßcjcnsgleic^e, bcn e? nit^t gibt, nirf)t 
Qnh^n tann. 3)enn er ijt einjig in feinet ^Ürt gciöc- 
jcn, einaig in ber gömilie, einzig unter t>tn 5rcun= 
ben, ein5ig in ber naf)en unb fernen Umtüett. So fei 
es bem greunb erlaubt, in noUem 93eu)uf3tfein ber 
Unjulönglit^teit einige Silbfragmente aneinanber= 
jurei^en. 

1. Die ^erfunft. 

Äarl 2ßoIf5fef)t ift am 17. September 1869 in 
I^armftabt geboren, als Sprößling einer ber älteften 
beutfci)=iübijcf)en ^atriäierfamilien, bie i^re ^er^ 
fünft bis auf bie Dttonenjeit äurütffü^rt, unb3)arm= 
ftäbter, 3)cutfc^er unb 3ube ift er aeitlebcns gcblie^ 
ben. 3)armftäbter, auc^ als er in iüfünc^en=Sc^u)a= 
bing refibierte, Deutf(^er, aut^ als i^n bie teutf(^c 
gremb^errft^aft aus ber ^eimat oertrieb, 5ube, auä) 
als i^n ein unheimliches ©eft^t oor 2ßotan unb in 
bie 3ßelt ber germanifc^en ©ötter ftellte. 

Sßolfsfe^l felbft f)ai einmal in ben ßic^tenberg 
unb 9J?ercf, ben SfJiebergall unb Süc^ner bas „eine 
unoermüftlit^e Urantli^" bes Darmftäbters fo um= 
fc^rieben, t)a^ es getnetet ift aus Älug^eit unb Sfep= 
fis, aus 2Bärme unb Irocfen^eit, aus Spottluft unb 
gutem fersen, innerlicher greifieit unb Sieber= 
mannstum, Sifcr unb SSerträumt^eit; alle biefe Ux-, 
eigenfd)aften bes Darmftäbters — mit 3(usna^me 
ber Irocfen^eit — I)<it<r befeffen unb f)at fie, aut^ als 
fte längft jn neuer gorm unb neuem ©eift gebunben 
roaren, lärfielnb unb ftolj jur S^au getragen, f)at 
bas 3)armftäbterif(^, bie älfutterfprad^e „fräntifrf) 
breit", mit Se^agen unb mit ßeibenfc^aft gefpro= 
(^en unb fjat jenes „Stürf innerlichen Dutfibertums", 
bas er bei ben berül)mten Darmftäbtern ber 93ergan= 
genl)eit fanb, in fic^ äu echter mcnfc^lic^er (öröfee ent= 
toicfeü. 

IDarmftabt aber loar ^effifc^ unb mar beutft^. 5n 
unfrer 3cit, in ber juiei SBetttricge, bie S^^^'f^ti" 
fierung ber Sßeimarer 5?epublif unb bie Uniformier 
rung bes ^ta^iregimes einen flachen beutfc^en 21(1= 
gemein=Xt)p l)aben entftel)en laffen, ift frf)on bie Gr* 
innerung gcfft)U)unben, bafe bis 3um Sismardreic^, 
ja bis 1914 bie Bürger ber oerfc^iebcnen beutft^en 
Staaten, ber Sat)cr unb ber ^effe, ber S(I)U)abe unb 
ber Sa(f)fe, ber 5il)einlänber unb ber ^lltpreufee \\d) 
nit^t toeniger ooneinanber unterf^ieben als noc^ 
beute bie Bürger ber Stf)U)ei3cr Äantone. 5(Is Sobn 
bes langjäbrigen ^räfibenten ber erften ^effifc^en 
Kammer ^at SBoIfstel)! oon ju ^aufc jenes Ianbs= 
mannf(^aftli(^e Selbftbeu)uf}tfein mitbctommen, bas 
grabe an ben (leinen ^öfen gebiet), unb Ifai, no(^ 
e^e i^n ber 2(nbaut^ ber 9ieuen 3)ici)tung oerujan= 
belnb berüf)rtc, aus Goet^eft^er Ürabition unb eim 
geborener, no(^ ungeprägter ^raft fic^ in jener SSiel* 
falt ber beutft^en Äultur gcbilbet, bie immer me^r 
jübltc^ als nörblit^ bes 9J{ain$ beheimatet toar unb 



bie bamals im ^ampf gegen Berlin, fpäter aUge* 
meiner im Äampf gegen ben SBBit^elminismus fit^ 
behauptete. 

2Bar bas Deutfc^e fein (5eift=(£rbe, bas er tief in 
fi(^ trug unb f^on am 3)armftäbter ©nmnafium, 
bann on ber ^e)fif(f)en iianbesunioerfität in föie^en 
in ©ergangene unb gegenioärtige 5?äume unb S^i- 
ten bebnte unb mel)rte, fo toar bas 3übifc^e fein 
Sluts^ßrbe — Sluts^ßrbc in jenem abgrünbigen, 
felbft roieber geiftigen Sinn, wo Geft^idite unb 
Ueberlieferung auf bem Seelengrunb rufien, 3u= 
näcf)ft nur im Ceben5rt)i)ttrmus fic^ tunb tun unb 
ftiU barauf 3u loarten ft^einen, bafe (giner, ber bes 
Sßortes mächtig, fie 3U neuen ©eftalten unb Silbern 
unb 3ei^en rocctt. Solc^ (Einer ift SBolfsfe^l geu)e= 
fen. 3)oc^ beburfte er felbft bes Srroeders, ^at auf 
ibn gedarrt unb f)at naä) il)m gefut^t. Da roarb man» 
c^es in i^m frucbtbar ans irr*,Mnb Silbungswclten, 
bas Cicb 3ßalters rührte i^n un, unb Sat^ofen lei^ 
tete feine erften Scl)ritte in bas 5lei(^ ber 9J?ütter. 
5tber eic^t faf) erft ber 23jä^rige, als i^m bie frühen 
93crfe Stefan ©eorges 3u ©efic^t (amen, unb feine 
crfte Begegnung im 5a^re 1893 mit bem nur u)cnig 
älteren *Di(f)ter cmpfanb er als bie Xaufe, bie i^n 
für 3eit unb (gmigfeit in bie ©efotgf(^aft bicfes 
ajleifters f)ob unb bannte. 

2. Der Sunb. 

1893—1933, biefe lange ©emeinfam(ett bes ße» 
bens unb bes Did)tens, biefe lange, burt^ oiele Sfö^r- 
li(^(eiten erprobte, burt^ Wdije unb gerne geläuterte 
greunbft^aft ^at i^re tiefen Spuren in ber beutfc^en 
©eiftesgeft^idite eingegraben, ^ier fei nur auf bic 
unmittelbare Spiegelung im 9J8er( ber beiben Di(^= 
ter geroiefen. 

Sc^on im 3a^re 1894, als Stefan ©eorge fein 
neues 9ßer( „Die Sucher ber ^irten* unb ^reis= 
gebi(^te, ber Sagen unb Sänge unb ber fiängenben 
©arten" mit ben 9?amen breier Dichter ftbmücft, 
tritt neben ben Seigier ©erarbi) unb ben ^olen ßie= 
ber als Dritter Äarl 3Bolfsfel)l. 3n „Das 5a^r ber 
Seele" (1897) finbet fit^ bas erfte bem greunb ge= 
u)ibmetc ©ebit^t — ©eorge er(ennt unb aner(ennt 
ben „gottentfanbten fpred)er". bot^ mufe (£r es fic^ 
oermcbren, fein immer raufcboaftes ßeben 3u teilen, 
muft t)eim(el)ren in bie eigenen „u)unberbaren iDel)= 
mutjabre". 3n „Der fiebente 3?ing" (1907) begeg= 
net 3ßolf5(ebls Flamen nur in ber lleberf(^rift bes 
„Äarl unb ^anna" gemibmeten ©ebi(^ts, bem 2tnruf 
aus 5lnlaft ber Sermäblung mit ^anna be f>aan, 
bie fpäter felbft gefeiert u)irb als bie ein3ige, bic 
bie gan3e Schwere bes Iraucrjabrcs (annte, als bas 
cinaige „lebenb ^er3", 3U bem ber Dichter u)iebcr= 
(c^rt. 3lber in biefem Su(^, in bem bas 9J?ajimin= 
(Erlebnis, ber 9Jta5(en3ug unb bas geft ber 5{unbc, 
bic (osmifc^e Serfübrung unb bic Irennung oon ben 
Serfü^rern im ©ebitbt beuja^rt unb gcftaltet ift, 
3ie^t burc^ manches Silb 2Bolf5(el)ls Schatten, burt^ 
manchen Älang 5ßolfs(el)ls Ion. Siellcicbt bafj fjier, 
wo in ©eorge felbft bas ^ropl)ctif(()e crftmals tnU 
bunben ift, bic bid)tcrif(^e 9läl)e größer ift ols je 3u* 
oor, loä^renb bie 9lä^e bei litcrarift^cn 3ufammen* 
arbeit too^l um bic 3al)r^unbcrtö)enbc am gröfjten 
njor; bie brci ^usioa^lbänbc „Deutfc^e Di^tung", 



bie ©eorge unb SBoIfsfe^t gemeinfam ^erausgtde* 
ben ^aben, seugen baoon in gleicher 3Beife loie mon« 
d^er namenlofe 95orfpru(^ 3u ben „Slättern füt bie 
Kunft". 

3n „Der Stern bes Sunbes" (1914) ift feiner, 
ber er(oren ober oeriDorfen, ber gefeiert ober be» 
ft^rooren loirb, mit Flamen genannt; aber im enb* 
gültigen ^Ibfc^ieb bes Dichters oon ben Ko5mi(ern 
mag aBolf5(e^l bes gansen ©lüds inncgemorben 
fein, bas ibn b^il genefcn liefe, unb im ©eftf)en( bet 
11./12. Slätter=5olge ift ibm 3um anbern 9KaIe of* 
fenbart ujorben, roie fe^r feine eigene 2lrt 3U fc^en 
unb 3u föflcn in ©efit^t unb Xon bes größeren greun« 
bes mitentbalten mar. Stf)lieBli(f) bringt ©eorges 
le^tcs 3ßer( „Das 9leue 5Rcid)" (1926) in bem 3en» 
traten ©ebic^t „©ebeimes Deutfc^lanb" bie ^öc^fte 
(Sbtung unb bas unoergänglic^c Silb: unter ben 
SBcnigcn, bie bem Dicbter bie noä) nirfit crfc^öpfte 
mütterlid)e Äraft feiner ^eimat oerbürgen, ftebt 
ragenb Äarl Sßolfsfe^ls 2lpoftelgeftalt, ber, ^ort^er 
unb 3Biffer oon überall, unfangbarer gänget, bo(^ 
Dor ber ßrft^einung bes ©ottes feine ©ren3e befennt 
unb oerftummt. 

Hnb oom älteften jünger (Am in Sers unb ^rofe 
^ulbigenbe 2lntn)ort. 2ßolfs(c^ls erftes 2ßer( „Uloi«", 
bas im 5o^r 1897 im Serlag ber Slätter für bie 
Äunft erf(^ien, trägt ebenfo u)ie bas Sut^ „©cfam- 
melte Dichtungen", in bas es 1903 übernommen 
rourbe, bic SBibmung „^Tn Stefan ©eorge" unb be» 
ginnt mit einem Dithyrambus „Der ^riefter oom 
©eifte". 5n „(Erfüllung" ft^rcitet fegncnb ber 9Wet« 
fter übers ©efilbc, unb im Sc^lufegcbidjt „Der 3Kei. 
fter" wirb bas roec^felfeitigc ©eben unb 9le^mcn in* 
^altlic^ überraf(^enb unb bo(^ roo^l ber t^tnf)it\i 
oolt entfpred^enb oon feiten bes ©röfecren fo um* 
ft^riebcn: „dud) ban( it^ mein SBiffen, mir ban(et 
bcn 9Beg." ^ , ,^ 

3n ber 3n)eiten ©ebic^tfammlung, „Der Umfreis 
(1927) ift ©eorge als $err ber SBanblung unb $err 
bes aJlorgen gleich gcgcnroärtig am füblic^en Son» 
ncnftranb unb im ©rauen ber nörblic^en 5lpo(ati)pfe, 
unb ber greunb erfährt beglüdt feine Berufung ju 
f(^li(^tem Dienft: J^ bin bein (nec^t, i(^ will bein 
«Petrus fein." 

Äür unb Dienft roä^ren übers ©rab (linaus. 9la<f) 
©eorges Xob im 3Binter 1933 in 9Kinurto, ols 
9ßolfs(cf)l fern ber Heimat feine ^Tbret^nung mit 
bcn ©croaltbabern liält, bie Deutfc^lanb ufurpiert 
^aben, bcftätigt i^n in ©cfi(f)t unb ©ebi(^t b«r tote 

üJieiftcr: 

Ueberbaure! Sleib am Steuer! 
Selige See la^t, ßanb erglcifjt! 
3ßo bu bift, bu freier, S«Uter, 
Du, ber mabrt unb magt unb prcift — 
2ßo bu bift, ift Deutfrf)er ©eift! 

3. Der D i (^ t e r. 

3n 2Bolfs(e()Is ©ebit^ten oor 1933 ^aben Cefer — 
oor allem foldjc, bie nod) im Älingtlang ber dpi* 
gonenseit aufgeu)ad)jen marcn unb mcber ^ölbcrlin, 
not^ ©eorge, meber yjtallarme, noc^ 9limbaub etnft« 
baft in fit^ oufgenommen tjatten — bie „Dunfcl* 
l)cit" als ^emmenb empfunben, unb onbre ^aoen 
einen eigenen Xon oetmi&t, ^aben bie Stimme 



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Hf'r,i;,i;.. 









^'J^\' ^Sli' :■■■ '^m-^:m'k-ä 






,,,;v^s,.''i.-j. 'j^ ;-,,;. : ^>j-;;y;\>, ;..;.- "; ,'!^)t^-^l'!^'-' ' ■ ■■ ■■:^'*^'f'^''','K-:>^'-' 1 



— 118 — 



Jßeorfles burc^ju^örcn gcßloubt. Sclbft tocnn bie 
le^te »c^auptung auttöfc, ©ärc ftc als folt^c gc^ 
»iö !ctn eintoanb — mancher Citcrat brächte «eHe^ 
tes awmcöe, ©cnn er tDenigftens fid^ einem ßro^en 
»orbilb ergäbe unb biefem folgte, [talt fi^ jcin-«-, 
prioaten iönFjflangs au freuen. 3lber in 3ßirnid)feit 
t|t an biefer iBcI)Quptung nur |o cid rid)tin, ba'ß, ge= 
tiau jo roic in frü^cften (Öebit^tcn iO^oIfsfe^Is noc^ 
einige STac^flänge ©oet^es unb feines jpürbar 
jinb unb iDic in ber frü^cften *Pro|e unoerfcnnbar 
Jieölt^e eingercirft f)ai, ]o fpäter bas ftilbilbnerifcf)e 
Clement Georges oerroanbtc Saiten bes ^rcunbes 
toedt unb crdingen läfet. 5lber es ift ein ganj ur= 
jprüngtit^es 3)i(^tertum, bas \\(fy in SBoIfsfe^I fün^ 
oei, unb tatjäc^Iit^ fann man bie „DunfelJjeit" als 
eines feiner Sonberacit^cn benennen. 

Slber 35unfel^eit tann fe^r oerft^iebenen XU-- 
iprungs fein unb fe^r oerfc^iebenc SBebeutung ^abcn 
3)ic 3)unfel^eit äJfanarmts grünbet beifpielsmeife in 
bem Tationalen SBillen 3ur reinen ^oefie, bie 3)un. 
fcl^eiten ^ölberlins in ber a=rationaIen, fd)öpfung5= 
ortigen Silb^aftigfeit ber mt)ti)\\d)zn SBirflic^feit, 
bie 25unfel^eit ©eorgcs in ber inneren Sponnung 
aroift^en bem feftgeprägten Sßort unb bem nad^ 3eit 
unb IRaum ^in offenen Sinn ber ^rop^etie (£5 gibt 
aBoIf5fef)If(^e JBerfe. beren Dunfcl^eit an bie föl-- 
berlins — anbre, beren 3)unfel^eit an bie ©eorges 
lü^rt; aber aud) bann noc^ bleibt bas «efonbere, 
bafe in ifir ctroas oom Hrc^aos ber Sßelt, oom Hr=' 
ftoff ber 3eugung unb ©eburt entf)alten ift. 3ene 
eigentümliche aSitalität, bie aus 2ßoIfsfef)I loberte 
— eine ungeheure, ungeäü^mte fieibcnfc^aft aller 
Sinne, bie aus ^era unb Slut, aus bem Xlrgrunb 
bes ßebens oufftieg unb 2lug unb ©aum unb ©eift 
o^nc 9?aft burti)brang, bie ttn Partner, t>en ©elieb^ 
4en, ein a3ilb, bie Sßelt ergriff unb loieber losliefe — 
bicfe altfinnlic^e ficibenft^aft ift aud^ im ©ebid^t fel= 
ten gana aur 5{u^e gefommcn. Unh bies ft^afft bie 
2)unfel^eit, bafe bie ©eftaltung oft noc^ garbe unb 
ßaut unb ©eruc^ unb ©efrfimad bes Cljaos enthält, 
bem pc fi^ entringt — oft ft^on bes Strubels, ber 
ben Kosmos in neues C^aos oerft^Iingt. 25iefe bop= 
pcitc 35e^nung jeber Dimenfion nad) oortoärts unb 
naä) rüdmörts, bie llrgcf(^i(^ts--Xrärf)tigfeit 
aui^ no^ bes aufünftigen iBilbes, ](i)cit3ü Sßblfs- 
fe^Is ©efit^te oon aller anbern ^ropbetie, aud) ber 
©eorges, unb biefe Ueberft^reitung bes fonftigen 
aWenft^cnblides m^at^t feine ©cbit^le n^ac^ ©unbolfs 
Sßort aum „Xort ber blofecn «ut^ftobcnbeuter unb 
ber blofeen Sinnfut^er, ber romantift^cn unb ber ra= 
tionalen, b. f). ber aWe^raabl heutiger fiefer", oer= 
lei^t i^nen aber grabe für eine f^aotiftfje 3eit jenen 
Strauber ber liefe, ber gcfieimnisooll anaief)t unb 
ah\ti)%t unb mit ben eroigen Wdd)Un burd^ entwirrte 
aOBirrnis oerbinbct. Slm e^eften mag bies faßbar, 

— ni^t: oerftänblid)! — werben in ben 5ßerfen, mit 
bcnen ber „Umfreis" anbebt, ber frü^eften ^ropbe= 
aciung ber na^en 3erftörung ber europäifc^^d^rift-- 
litten Sßelt in beutft^em ©ebi^t. Heberfd)rieben hat 
es ber SBiffcr „^imbultointer" . . . 

©ermanift^e unb jübifc^e Äräfte unb ©ötterbilber 
unb JRamen finb es benn aut^, bie in ibm auffteigen 
unb toieber Silb roerben, feltcner griec^if^e — bie 
Jcitere ^elle fpiegelt fit^ nit^t oft in ber fc^ioeifen- 
Oen Seele, unb fiilit^ unb Ceba finb i^r oertrauter 
0I5 Gcoa unb Sltr^cne. 9?ur roo bas 3eitenff^i(tfal i^n 
[0 heftig an ben Schultern fafet unb rüttelt, bafe bas 
unmittelbare (Erlebnis aum nadten 2(usbrurf brängt 

— nur bort meiert bas I^unfcl, nur bort erfd^eint 
bos aßort in feinen geroofinten Dimenfionen. Dies 
tt)iberfuf)r 2ßoIfsfef)r am Sübmeer, im 3ufammen= 
[ein mit ©eorge, unb gibt ben bort entftanbencn ©e-- 
bit^ten eine fonft nit^t gefannte plaftifc^c Kraft — 
btcs roiberfubr ibm aum anbernmal im Unbeils= 
\al)x 1933 unb f)ai bie ©ebic^te biefer Sßenbc Die 
Stimme fpri^t" (je^t aut^ in englift^er Hebertra^ 
gung unter bem treffenben litel „1933") au ben 
mciftgelefenen unb oielgeliebten 93erfen ber 93er= 
iticbenen gemacht unb f)at auä) not^ in „5ln bie 
5)cutf(^en" (1934/44) jene f^Iic^ten Sßortc bcroor= 
getrieben unb mit Sc^rerfen unb Sc^Iut^a^n erfüllt 
in benen ber Dichter oon ber geft^änbeten unb oer= 
olenbeten Heimat 2lbftf)icb nimmt: 

^aä)i f)ai auä) au mir gcfproc^en, 
©ottesnat^t, fc^roer bröbnt bas 2ßort: 
Cosgebrot^en! Cosgebrodien! 
SlUe meine gJuIfe po^en 
»on bem JRufe: 9Iuf unb fort! 
Unb i(^ folge, unb id) meine, 
SBeine, roeil bas $era oerroaift, 
Sßeil ein Ittufcnbial)r oereift ... 



4. Der greunb. 

93on bem ajfenfc^n Jffiolf&feijl Iprerf^n i)eiBt Don 
bem greunbe fpredKn. Denn greunb au fein bot fo 
jcbr fem men](^Iid)C5 SBefen ausgemötbt unb be^ 
ftimmt, ba& es 93tek gob, bie ibm nur einmal im 
ifeben begegnet finb, unb benen boc^ ein cinaiges 
n-abcs ©efprät^ i>an bleibenbcn Ginbruct einer 
bleibenden 5reunbfrf]<ift einprägte. So finb ibm 
iüfenid^en ous Dcutfd)Iön'b unb ber Sd)u>eia aus 
^ollanb unb ^xanttaid), aus Italien unb nun aus 
yfeuteelanb freunbitboftlic^ Dcrbunb^n gen>efen fo 
t>abcn »Banner unb grauen oller Sd)irf)ten'on 
lemem ifeben unh Sc^irfiol Slntcil genommen fo 
rwt in ben Sabren bes Gjils fein Did)ler unb 'fein 
©elebrter b^ralidKr unb banger ouf 9?otf)ri(bten 
von ibm gemartet oIs ber [t^IiAte iJoftbelfer ber 
©rellingerftrafee. . . 

Die gerooltige JBitoIität. bie ous ben ©ebiditcn 

pri^t, fwt ben 3)?enid)en iTOoIfsfef)! in teber 

5Ieuf}erung, in jcbem Schritt, in je-ber ©efte ou5= 

ge,^eifbnet. ?n 9)fünd)fn, mo er ofs ungefrönter 

König oon St^roobing oon ber C^obrbunbertroenbe 

bis aum erften 2ßelttrieg hcn ernften feiern unb 

i>en beiteren geften bie beber rfrbenbe dlok gob. 

roo er oom Dreifönigstog bis aum 5lfdjermittroorf|. 

m €Kiu|e unb im Srf)toobinger Srnu unb ouf bem 

-ßol porc, ben 5o!rf)ing b^ft^ioingte, roo er ouf 

fernem Donn«rstog=?our STfobcmifer umb Künftler 

unh Äunftgeroerbler um fi(^ oerjammelte, bot jebes 

5Kint> ben „^errn Doftor" getnnnt, ber. ein ^üne 

mit rothcbem 33onbart unb roebenbem ^auptbaar 

mit riefigen, roumgreifenb^n Sdiritten burrf) bie 

Strogen ging, bonn roobr plöt^Iitb fteb^n bli<'b. 

Den ^gleiter ober bie ^Begleiterin om 9lrm griff 

un'b mit m^-itouslobenber ©ebärbe etroos Sirfit^ 

bores o-ber Hnfidjibores bemonftrierte. S^birofe 

Romane boben fein 5BiIb in biefer 3^H feftq'ebalten. 

mm florften unb ri^ti<5ften tritt es jet^t b^roor ous 

ben Erinnerungen bes 3<?icbncrs 5l?oIf 0. ^oerfdrel^- 

monn („ßeben obne Sllltag") — unenblicb reirfi in 

ollen menftblic^n unt> [oc^Iicb-en »caügen feiner 

Ditbter.', feiner 9J?orer=©ruppe umb =SBeroegiing oona 

fremb, feinem intereffonten Koua unb feiner fibönen 

5rou oerfcbloffen unH> bod} im Kern unontoftbor, 

immer ftt^ unb feiner Senbung treu. 

Slls berJBort gefollen mar unb bie großen unb 
noren 3uge feines Slntlitjes beutlitb'er beroor. 
troten, xmt bie ^^sainntion ouf Zsun^ unb mt 
nid)i geringer. Scböne grouen loufcbten roie ebbem 
feinen gfubenb geftommelten 5Borten, Kinber unb 
.sunglmgc folgten gebonnt feinen begcifterten (£r= 
Gablungen oon qSflonaen unb »ögeln unb gfefon^ 
kn unh onbcrm ©etier. Unt) olles Sreunbesgefpräffi 
oerftummte, wenn im fleincn Kreis beutlidi mürbe 
baft er felbft ©ebidite au lefen bereit roor unb er 
bann onbob mit feiner oollen Stimme, bie über 
oll^ Xonlogen oerfügte unb in ber Xiefe feines 
macbtigen Korpers ein« gerooltige ^Refonona fanb. 
5n ber 3nflotion mor bas grofee oäterlicbe ©cr= 
mögen aufommengejdimolaen, ober bie STrmut trug 
^«olfsfebl fo Ieid)t unb fo beiter roie oorber ben 
^eicbtum, mitteilfom roie immer oon feinen gei- 
ftigen Sdiätjen. 3n glorena uw'ö in JRom fonnte 
man ben «professore tedesco», ber, in langem ©ope 
mit breitem Sd)l<tppf)ui unb großem ^Krürfftod 
burcb bie fublit^n Stäbt-e tconbernb. bie beüigen 
Statten ber 2Intife unb ber rbriftiicben 3elt in 
N) aufnobm, au ben aj?effen ber orie^ifdien 
^ruber pilgerte, ben Spuren bes SHöncbs oon 
d'^ioie nod)foIgte unb ous ©emäuern un'b Xrüm^ 
mern, er, ber ^Ib^iBIinbe. mebr erioitterte unb 
crfubr unb eraäblte oIs bie 9?eunmoIn)eifen mit 
ibren febenben STugen unb ibrem ongcfernten 
Sßiffen. 

Sfbon in jungen Sabren ift Sßolfsfebls Seb= 
icbarfe gering gemefen — im STIter ift er nobeau 
erblmbet. Slber er f^iic einen fecbften Sinn mit 
bem er, aud) menn er bos 5luge gona nob on ein 
©emalbe ober einen 5Brief bcronbrotbte unb olfo 
nur einen gona Heinen 3luGfcbnitt unmittclbor 
ffiobrncbmen fonnte, bocb bas ©ona^e erfaßte in fid) 
oufnobm, ous fitb neu era<rugt'e. Unb er bnt'te boau 
eine urfprünglidje Jßitterung für alles ed)ie 3)?en= 
fijentum unb olle ed)te Kunft, bie ibn im oorlauten 
mort oon Jünglingen unb im frübreifen 93erfud) oon 
jungen Kunftlern fd)On bas 33erfpred)en fünftiger 
UJCeifterfd)aft oernebmen unb pe mit förbernber unb 
fteigernbH:r STnteilnobme roürbigen liefe, ©or montb- 
mar bat. er Tifb bierbei getäufdjt — mer mit fo ooflen 
t>anHn feinen 9?ei(^um Derftreut, mie es SBoIfs^ 



febl tot, ber fann nic^ immer on ben 9?ed)ten ge« 

lougen. Slber iöjolfsfebi ift es geoKien, burd) ten 

©unbolf au ©eorge fom — Sßolfsfebl, burd) hen 

^ellingratbs $öIberIin=J^orfd)ung ben ftärfften "an- 

ftofe erbieÜ, — SBoIfsfebl, ber ^^rona iüfnrc ent^ 

bcdte unb ficb freunbid)aftlid) mit ^^aul Klee oer- 

bonb, unb iahUoU anbere Did)ter unb «klebrte 

unb 9}?oIer, StbriftfteUer unb Tsournoliften f:)<ibcn 

unter feinem ^ilnboud) fdjöpferijtben 9Jfut geioonneu 

ober boben bie ©ebonfen unb Silber, mit benen 

er um ficb rc«rf, 5u fprit^igen ober longroeiligen 

iMperrus geformt ober au longotmigen 23üd)ern 

ou5<^en>aIat. 2ßo ©eorge fid) in bie Giniomfeit feines 

Kreiies oerfdjiofe, ta bot 2ßoIfsfebI, ber greunb 

oon 93era)ei) unb oon Sdvuler, oon Ced)ter unb oon 

^ubin, oon 9?icott)o unb griebrid) 9)ud}, 9?e<T|ino 

Ullmonn, mie 9)?org. Susmon — oon ten übrigen 

greunben bes ©eorge-Kreijes bier gona au fdinveigen, 

— ficb bei oller Sßabrung ber letzten ©ebeimniffe in 

bie oolle Deffentlid)feit geftellt, unb 93iele, benen 

ber 3ugong aur boben Did>tung oerfcbloffen roor 

unb blieb, b-aben burd) ibn erfobren. bafe in biefer 

onfd)einenb |o oben unb otltägtidien 3EeIt bocb 

Götter unb Dämonen unb ©efp'enfter nodj immer 

pirfen. oud) wenn nur bos innere Slug-e bes Sebers 

ibrer gemobr roirb unb bismcilen nur mogifcb^ 

geföbrlid^er ^-auber fie befdjroört. 

93ielleicbt ift bas ©efpräcb Sßolfsfebfs unmittcl^ 
borfte ittusbrudsform geroeien. ©r broud>lc tos 
Gegenüber, on bem er ficb entaünben, — bos 
Gegenüb-er. on bos er fid) oericbroeiiben fonnte. 
(£r broucbte ben ^freunb, bie ©ottin. bie ©eliebte, 
bomit er bie ©lut feiner Seele offenboren, bos 
?ycuern>erf feines Geiftes losproffeln fonnte. Dic= 
fem Gefelligften ober bat bos Sdiirfiol bie fcb^oerfte 
Prüfung auferlegt: bie letzte ©infamfeit. 

5. Exul. 



XBolfsfebl Hiic eine au ti^fe 2Bitterung für un= 

boIbcnb<iftc Kräfte, um ficb täufcben au fönnen über 

bos beutjcbe 95erbängnis, bos in hen aujonaiger 

3obren ous feinem geliebten 'Münd^en oufftieg. 3n 

bem Scbroonenruf ouf „Dos unfterblicbe 9Hünd)en", 

ben er in bie Sommlung feiner grofeartigen, noc^ 

ouf longe bi»<ius gültigen ^rofo-Sd)riftcn „SBilb 

unb ©efet^" oufnobm (1930), finbet fid) trot^ oller 

obgerungenen Hoffnungen fcbon bos SBiffen, bofe 

äWüncben brauf unb bron ift, Scbeingcftolt au iDer= 

ben, „iöfasfe, binter ber bos Wid)i5 gäbnt." 2lls 

bann im Sabrc 1933 bas 9^id)ts triumpbierte, b«* 

SBolfsfebl bie $eimot oerloffcn unb b^i bie fol= 

genben fünf ^brc in ber Scbroeia unb in Stolien 

augebrocbt. ©s finb bie Ckibre, in benen er tn 

©rofe. unb Kleinbofel, ouf bem »tünfterbügel unb 

im Geplätiri)er ber Brunnen, nocb ben unterirbifcben 

Quellen bes Geiftes forfcbte, bie einft SBocbofen 

ocrnommen f}>aiie, — bie Sobre bes legten 3u- 

fommenfeins mit ben greunben fßexxoex) unb ßed^= 

tcr in 9J?eilen unb !8af^:l unb Sibers, — bie ?obre, 

in benen er in aJünufio Stefon Geor<^e, in 5?oron 

aWelcbior Cecbter bos Grobgeleite gob unb 2rbfd)ieb 

nobm oon ben grofeen J^reunben feiner aWonnes» 

jabre. SIls ober bos 9^id)ts brobenb feine ^yänge 

über nana ©uropa ausbreitete, als ber Ungcift audb 

om 3Jüttelmeer hie 3J?enfcbcn ber bumonen Kultur 

oergiftete, bo f)ieU es ibn nicbt länger ouf bem 

alten Kontinent, ba trieb ibn bie Sorge um bie 

©rboltung bes ibm. bem Scber^Dicbter, ono«rtrou* 

ten Gutes au ben STntipoben, nocb 9Teufeelonb. 

©rft menn bie ©ebicbte unb Scbriftcn biefer 
3abre gefammelt oorliegcn, roirb ]id) gana über» 
feben loffen, au mel^n $öben unb in meldte 
Xiefen ber SScrbanntc nocb oorgeftofeen ift. 9lus 
bem SBenigen, bas in Slbfcbrift berüber fam ober 
bas gebrurft oorliegt, ift biefes fd)on bcutlicb. bofe 
2ßolf5febl bos feltcne ©lücf unb bie feiten« Kroft 
Wie, nocb im boben 9Ilter, nocb im o^ten ßebens- 
jobraebnt in ungeminberter ^robuftioität bie gülle 
ber ©eficbte ins bicbterifcbe ©ebilb au faffcn. ©5 
f^eint, bofe oon feinen Urfräften bos ©ermonifcbc 
oerftummte ober bofe er ibm nicbt mebr Sßori au 
merben erloubte. Dafür ift bos aKittetmecr in 
feinem gonaen 9?eid)tum ibm neu erfcbloffen, — bie 
römifcbe unb bie fränfifdk aSergonflenb^it merben 
neu unb grofe in ibm mocb, unb bas öftrid)=jüb!rd)e 
Cid)t entfenbet ibm ols neuen SBoten feinen grofeen 
Dulber. ols beffen fpäten »ruber JBoIfsfe'bl M 
nunmebr füblt: §iob. 

93or 3eiten mufete SßoTfsfebr um „bas oft 
fc^urigc ©efet^ ber 3u)on<^5räufigfeit oltes Do- 
feins, bas biologifc^ töie gefc^it^tli^ jebes 3urü(f 



— 119 — 




bas i^art'b bes W\x)l5 frcunblit^ bos Sürflerrcd)t 
Dcrlicl)cn fyati^, in Sc^niuc^t unb i>icbc firf) mit 
bem ^I<in bcr 9iücffe^r befo^tc? Ober ift biejcr 
*4^Iön nur ein lotfenber Ir«um (jenjefen ein kijer 
51?unf4 btc greunbe unb Äinber unb Cnfd not^^ 
m<il5 ons $cr3 3u fdrlicRen unb in ber $cim<tt ju 
gerben, — ein menfd^Iic^er STOunjt^, oon bm bcr 
S(f)icf|<il5funber tDu^te. baft bem $iob bic (gr. 
funun<^ Dcrföflt fei? 9J?onötc unb Ckiürc oer^inflcn 
in ^orfen unb ^knen. 3"<jnn fxii p ^Bcflinn bic|c5 
3of)re5 eine ft^roere ©rfmnfunfl bcn Hnermübeten 
flcporft, — bcn erften 3Inf<in hot er übcrftönben 
einen 9?ü(ff<3n nicfit meftr. 3n ber yi^^t bc<^ 
30. 5uni ift Äarl SBoffsfef)! fieimfle^Kinflcn unb 
nur fem SBiIb !c1)r1 no^ gurop<j. ^^u feinem loten 
Weifter, ^u ben toten unb lebenben JVreunben 
i^urucf. ©5 ift. oIs f)ah< fdion ber tuflenbricf)e T^icf}^ 
ter bies Cnbe fle<if)nt, — perFöbnlid) flinaen benn 
in Ollem e<^er5 Me «Jc^mutooIIen Slbfc^iebsoerfe: 

?(^ h'diU perne meiner brüber üerb 
5lufIobern fet)en auf ber I)eimatfrfione. 
C^hr tQflmcrf nod) n^tt^eifit — bod) iffi erfennc 
5>»e biinfTf»n mer»«» bi»> bn mir^ aefüf)rt 
93i5 I)''crber <juf bie letjte ber^es^oe 
3ur obf(^ieb0[t^»au . . . 



5cri Pcofopücfß öon molf^hf^l 

^tint, 6tt ^tütfdfcn ,lSu|!i9cr 2lor 

Sßarum unfer JBIicf ^cuie toieber auf ^eine fällt, 
freunblirf)er, t)erftet)cnber? Uns allen, nic^t nur 
bcn tolpifdjen gelben ber S^Iagroorte, loar er fern= 
flcrürft, fdiicn er ein oerjprcngter 3ufan, ein St^ätv= 
linö oicHctt^t. dJl'Cin mifetr-oute i^m. 2lu^ wo man 
ii)n berounbertc, ben COIanj ober bie Ceit^tiflfeit, 
ba0 ^aii)05 ober bie 3lnmut feiner SBorte oerfpürte' 
tDcttte er !cin reines Gefühl: er fd)ien 5u bicnbeni 
nir^t 3u leuchten, au ocrtoirren, itaii au meifen. 
^eutc aber fcl)eint fic^ biefcs alles 3u Hären, aufju. 
tjellen. 3^er Äampf um t>cn 5R^ein, neu entbronnt, 
!rf)eint it)n uns neu 5u |d)enfcn, ^einc, ben ^hein^ 
länber. 

2Bie fcl)r ift er bas, roie fe^r gauentfproffen, btefer 

fonenannte ^cimatlofe! Sßieoiel ftärfer ift in ibm 

bas Ianbf(^aftlic^e (Clement ofs bas bes ^Blutes. 

grcilirf) finb bic altr^einifc^en Subcnfamilicn benen 

er oon ber »lütter ^cr entftammtc, feit bcn ZaQcn 

bcr^dmer^crrff^ftonbcn Ufern bes Stromes feft- 

öcfeffen, b-aburc^ noc^ ben öei<?imnisDoncn ©efetjen 

ber 93erbinbung oon aWcnfff) unb eanb|cf)ttft cbenfo 

unloslit^ mit bes JR^eines SKefen unib S^irffol oer^ 

bunben roie bic übrigen Slnroo^ncr. 5a, er ^otte 

ben 5Rbein als lebcnbigen 5In^auc^ in feinem ur^ 

olten Dftblut, unb ber 2ßein, ber i^m, roie Xrertft^fe 

fetnbjeliö anmerft, fein elnjiges Xrinflicb entlorft 

hat, ber Sßein buftete unb perlte bennoc^ oIs ©cift, 

Sßur^c unb 9J?cIos bur^ fein lebenbiges 2ßort. 

^uxd) bos gcfprot^ene, bas gefaßte, bas gefungene. 

C^ean ^auls Einteilung loirfenber Staturen in 

Sff)reibmenfc^en unb Sprc(^mcnf(^en trifft bei i^m 

geiDi^ nicf)t 5u, er mar in jebem STugcnblicf unb 

immer entaünbbar. (£x roat es bei fit^, in ber (£in= 

lömfeit bes Schaffens, Sta^I unb Stein in (ginem, 

er mar es in jebem Umfreis, jebcr ©efellft^aft, in 

bcr beften mie ber ft^Ict^teften. 2ßie er bei feinem 

erften STuftauc^cn aus ber Stubcntcn= unb ^am'u 

liencnge in bcn bamaligen ^Berliner ©eiftfalons 

brillierte, oon bcr tonanQebcnben 9?<ti^el unb i^rem 

©otten unb ^lllcrroeltspatcn 93arnl)agen berounbert 

nnh öcrroö^nt, fi(^ für jungiübifd^es (£xvoaä)en 

begeiftertc unb mit bcn „©cnies" ber 3eit, mit 

©nabbc unb Ut^tritj, faft^emmte unb renommierte, 

fo blieb es fein ganzes ßebcn ^inbur^, aut^ als bies 

35afein [i^ burri^aus nat^ innen gcaogcn ^attc unb 

in achtjähriger graufamer ßeibenspön'itcnä ber letjte 

JHeft t)on „t^h\\ä) unb ^eibentum", fo feufate er 

fclbft ironift^ bitter, einborrtc unb abftarb. 

5lls aWciftcr bes lebcnbigen Sßortes, bes fpielen= 
bcn ober tiefen Einfalles fönncn toir i^n ^cutc 
iDcnigftens a^nen, jeit uns in ^oubens umfang* 
reicher Sammlung „feines ©cfprät^e" auööttölit^ 



gemacht finb. ^ler erleben wir, mie je^r er oom ^Imiusmurf. 



SBcgeiftC; 
rung au fpüren, er}d)üttcrt au rocrben roie ein 3un* 
ger, roo if)m Gröfee entgegentrat, ^elbentum in 
irgcnbciner ©cftalt. 5Bie fein erftes beraubtes Äinb* 
t)eit5crlebni6, bic Gr|c^cinung STapoIeons, i^n fürs 
Qahcn a^t uncrf)örtcn 5(nbctung bicfes, mic er i^n 
nannte, „neuen ^eilanbcs" gearoungen f)ai, fo am 
Cnbe ber Xage bas t)inreif?cnbe C^üngtingsbilb eines 
freiließ nur ge|piclten gelben, gerbinönt) ßofföUes. 
3)iefer unb bic „»fout^e", bic enttäufd)te ßotos* 
blume, feine fpäte Iraumgeliebtc, brarf)ten not^ ein* 
m<il bcn ^aud) bes JUcrbens, biesfeitiger ©tut in 
feine faft nic^t mel)r irbift^c Gnbejiftena. Unb er 
fd)äumte norf) einmal auf, loarb nodj einmal cor 
bem Sterben um bas ßebcn, bas jt!)öne ßcben, in 
bem cinaigen Dienft, bem er treu blieb, unb ben er, 
bcr Spötter, ernft nabm. ^oIiti)d)e (yreif)cit, „9?e(i)te 
bes ^nbioibuums", Gmanaipotionen unb roas alles 
bic bamals auftommenbcn Programme ftfjmctternb 
forberten, bas roarcn für i^n Spiclbällc, Uebungen 
bcr ßuft, unb frcilid) mar er 35?cifter auc^ auf bic* 
fem 5ßurffelb. Cr fcfmellte bic «ällc in bie ßuft, fic 
funfcitcn ober fielen, fo roie es ber ^lugenblirf, bie 
Stelle im ©ebid)t, im 3lrtifel, ber 2ßunf(^, au ge- 
fallen ober au ärgern, eine 5ln|piclung au machen, 
eine ^ointe au f(^Ieifcn gerabc »erlangte ober ein* 
gab. 9?bßiniif^es Serfcntum, ein lebenslanger 't^a- 
ft^ing, ben aut^ ber böfe unb lange 2ljcf)ermittn)oc^ 
nirf)t gana au bannen ocrmorf)tc, unb ber toic alles 
Sßirtlit^e leinen Sinn f}<itW, feinen Crnft — freilid> 
nirf)t ba, tt)0 unb nirf)t |o roie ©rnftc bei guten Deut* 
Ic^en fit^ au äußern ^aben. So ift benn er, ben 
??ict^|d)c „bas le^te curopäifc^c (Ereignis bcr beut* 
fc^en ßitcratur" genannt f)ai, feinen ßanbsleutcn 
immer unt)eimlirf) geiocjen, geliebt unb gc^af^t in 
einem, nar^gcabmt unb oermorfen, ^cimlirf) gefüfjt 
unb oor ber 3ßelt „gefd)nitten"", in bie Grfe oer* 
loiefcn. 2Bas ^at man i^m n\d)t olles oorge^alten. 
Gcrobc feine beften ßigenj^ottcn machten i^n ocr* 
bärf)tig. (ginauorbnen roor er ui^t, bos mar oiel* 
leicht bos S(^limmftc. Unb aud) roir heutigen müf* 
fen augeben, boft i^m bos §öd)fte oerfagt geblieben 
ift: bcn 3lugcnbli(f, ben frud)tbarcn 9J?oment, fo au 
fteigern, bafe er ins eigene ßcud)ten !am, 5lura er* 
l)icit — ober il)n fo mit feinem Did)tcrtum au burt^* 
bringen, ba^ er ©eftolt erhielt. 5Bei einer Spra(^* 
modjt foft o^ncgleid)cn warb er fein Erneuerer, fein 
grof^er Sager, blieb er ein blcnbcnbcr, ein füf? oer* 
mirrenber 9Kinftrel, mc^r für onbere bo toic für 
fidi, unb barum, nur barum, miffen roir in feinem 
2Cerf bie le^te Sßürbc jclbftfic^eren 9J?enf(^cntatms. 
9lber roie no^e tücft i^n ou(^ olles bies bem 
9)üi unb ber $oft unferes eigenen Grlcbens, un^ 
jerer eigenen Sfepfis! Cr ift ber crfte mirflit^e 
©roftftäbtcr unb reine Stnbtmenfd) im beutft^en 
Schrifttum. 2ßo^l ^t er feine lieblic^fte unb gc 
Tunbetfte 35ic^tunö, ben „Sltto Iroll", bos „leite 
freie SKolblicb ber D^omontif" genonnt. 3lber out^ 
biefe luftifl*t>er}onncne, nodjibcnflic^put^ifle ^ären^ 
Iroöifomöbie oon bcr beflofftertcn — XicruKlt, bcn 
o^ fo oiel b'Cffercn unteren — SSierfü^lcrn, ben 
eigentums*, roeil toft^nlofen, ift ein in ©rün unb 
^Blüten oerfet^tes ©e|cllfc^fts|piel, eine Sommer^ 
frifc^c bes ©ciftcs, entftonben io out^ mirflid> ols 
3frud^t bcr Soöereifc in bie ^i)renäen-5bi)tle Gou* 
tercts. 9lu(^ ^icr ift er nur ols Stäbter au ^' 
greifen, bem bos Selbftt>crftänblid)c ber 9lotur 
iDunberfom unb intereffont aufl'^it^ ift unb bcn bie 
„irienen $Beeme" im ©runbe gcnou fo rocnig on* 
gel)cn roie jene oon ifrm bcloufd)te ^Berliner 53f)rc. 
3ßei^ ©Ott, fein berühmter 93cllmonb f)ixn<it über 
Dächern unb ^löt^cn roie eine 93oro^nun<^ mcnfd)== 
erft^offner ßi(!)tförper ols fo5mifd)er Sc^inrocrfer 
ober ^immlift^c 5Bogenlompe. Unb fopor bem 
aJicer, in feinen oieigerübmten „9?orbfeebilbern", 
ftonb er — gegenüber. Cr, ber j^oftor $eine in 
3roiefpro(^ mit $crrn ©Ott ^ofeibon. goft fo t>cr- 
ebrcnb ferf gegenüber roie bem ^erm ©e^eimrot 
(gjcaellena oon ©oet^e. bem ber „begobtc" junge 
SOTonn ouf bie olpmpifc^e J^roge: „Sßomit bef(^öf= 
tigen Sie fit^ jc^t, $crr ^eine?" aur Slntroort gob: 
„3(^ ft^reibe einen gfouft, gja^nena". STOorouf ftdj 
li^nn ber 3lltmeifter er^ob unb ben (^xei)Hn<i mit 
ben Sßorten entlief;: „öoben Sie fo-nft no(^ ©e= 
fd)äfte in Sßeimor?" Unb twic bicfes fein erfter 



©oet^ felbft erroäljnt i^n nur eitmol, f^od^ 
mütiq, unb obenhin feine unb ^lotens ouf ni&t 
le^r buftigem gelbe fpiclenben litcrorift^en ^^nen- 
fdmpfe ftreifenb. 3^en ungebeuren Sßibcrboll be» 
„'ßüdfs ber ßieber" bot ©oetbe, bomols Id)on oöUig 
aeitentrüdt, gor nic^t me^r bemerft. 9lud> uns iit 
bieje, feines frübe ßi)rif. in ber „ous ben grofeen 
Sd}meraen bi« fleinen ßieber gemodyt" rocrt>en^ 
fein lebenbiger Song metir; erft bie (^ye^d^te un^ 
ajfosfcn unb 5rot?cn jeiner reifen So^re wo et 
rotrflic^, hii leinen eigenen Sßorten au 'bleiben, 
^ofnorr unb luftiger 9?ot feines beutft^en 93olfe9, 
^oblfpiegcl unb t^lomme bcr 3cit roirb, finb le«» 
benbig geblieben über biefe 3eit l)inous unb f^H 
oiclletd)t me^r, ols bo [u entftonben, ton eben 
biefcm 93olfe geroürbigt unb oere^rt. 



tlemeti^ l^rentono 

„Droben im Fimmel ift bein JBobu^; 
ein ßonb ouf (Erben ift bir nichts nut? 



u 



l)<iiH bie aWutter ©oet^e bem enttäufc^ten, oer« 
aroeifcltcn Änoben ins D^r geflüftert, ols mon i^ 
— es geft^b in ben logen ber Äoi|erfrönung Ceo- 
polbs II., 1791 — jtfyroora ouf roei^ beroiefen'^otte, 
fein Iroumrcit^ läge leiber totfäd^li(^ irgenbroo 
unb ^obe bereits einen ^otentoten. Dies Xroum* 
reic^ mit bem crregenbcn Spornen — roer roeift, 
roo er ibn aufällig oufgcfcbnoppt bottc — roar bie 
roirre, bunte, oollgcftopfte 9?umpelfommer bes e^r^ 
bor rooI}lbäbigen oäterlit^n Äouf^ unrb SPofyn- 
boufes „3um ©olbnen Knopf" in ber gronffurter 
©rofjen Sonbgoffe, unb bem Kinbe Clemens erging 
es n\d)t onbers ols ollem ajfenfc^enoolf beim 3Ser* 
finfcn ber Äinbl)eit: bie aroei 5Rei(^ ftiefeen roiber* 
cinonber, ber ©loube roorb irr, 93ertrouen fdjroonb, 
bas bis bo^in in fit^ felber ru^nbc Qehen ftonb 
oufgerüttelt om Zox, bie ^nb roor au tiebcn, ber 
crfte Schritt au tun. Diefcn Schritt ober, (Tlemens 
Srentono ^t ibn a^itl^bens nit^t geton. Sßo^I 
fticfj er roiber bie ^Jforte, boft fie fprong. bofe bie 
9Belt fi(^ i-^m ouftot, bie Sßelt bcr Drbnungen unlb 
©renaen, rtt^tlic^ unb greiflit^, ooller 2lbrtd^t, 3roe(f 
un'b Sßirfung, betreten ober fyxt er fie nie, unb fo 
ift es i^m nie beft^iebcn gerocfen, fcinesteils i^r 
onauge^ören, mit bobei au fein. 93iele 3ßege 
f^ienen i^m gcboljnt, benn er roor ft^ön unb reit^, 
roor ous gutem §oufe unb, in einer 3^'* ber 
©enie^2lborotion, überbegnobet on ©cift, roor feu«» 
tigftcn ^eraens, unbefümmerten Sinns. Dofj er 
nit^t au Q^i^n oermo^te, nic^t bcbäc^tig fdfireitcn 
fonntc, oon Stufe au Stufe, oon Slusbilbung au 
^ilmt, ^ousftonb unb Sßürbe oerftebt [lä), ober'oud^ 
bos froglojc, felbftgeroiffe Jkrrocilen im C^nnen« 
reic^, roie es $ölberlin gclong, biefem freiließ ouc^ 
nur mit bem Cinfot^ bes ^öiiblten, blieb ibm oer- 
logt. SBci jenem erften 9Inproll fidiic es Sdierben 
gefoftet, es flirrte oon bo ob bei jebcr 2ßenbung. 
3mmer roieber a^r'borft SJabu^. Ober, fc^limmer, 
get)örte f^on roem 9[kbu^. 

Smmer gob es bann out^ eine mütterlich lö* 
c^elnbc Iröftcrin, bie bem ^Beftüraten, 93erfd)eud)ten 
bos „Droben im ^immcl . . . " augerount bot. 5ebe 
^ielt i^n eine 3eit. erfüllte i^n, gob il)m bcn ©Ion* 
ben, nun ^be er gefunben, nun bobe bos 2then 
feine aJTitte, er fclbft Sit^ unb Stimme- Unb bei 
feiner bot^ fyxiU es fein ^eroenben, jebc gorm ber 
93crroirflid^ung erbrüdte ifin, jcbe Bcreidyerung 
modite i^n orm ober leer, (ginc unbeimlirf)c 95er<» 
roirtli(^ungsongftbrodjibtn2ßilten unb OWut. 9?i(^t 
nur feine änfjern Umftänbc fd^roonften unter biefem 
bunflen ©eroölf, bos feine 5Beaiebungen au g^öuen 
unb greunbcn ftets bebroblid) überl)ing ober ou(^ 
bos oon ibm felber bitter bcflogte „Glcnb ber Se* 
rufslofigfeit — aur einaig ifjm gemäfjen Dofelns* 
form ousrood>fen lief;: oudj (roie fönntc es on^er» 
fein?) im ^ö^ften menfd)lid)en Dofein^beairf bron« 
teie ber Xroum ob oom ©cftoltungsroillen. flirrten 
bie Scherben, einlaufe. Slbftürae, J^lud)ten oud) b^et 
oft bis aur Cigenaerftörung. Sin „grüljlingsft^rei 
ous ber Xiefc", roie et felber bos unge^cuerfte feiner 
©e'birf)tc ^ci^t, in ollem, roos er roor, fong unb — 
ocrlic^. 

5ßer biefe müttcrlic^n 9J?äd>te rooten, bie il)n 
umfingen, on benen er li^t, benen er entronn? ^äf, 
feiner blieb et gona augeroon'bt. felbft ni<f>t ber 
^oefie, ouf beren JBcllen fdioufeln'b er bod> fein 
gonaes fieben ^ingebrot^t ^ot. Unb bcnnotfy — 
niemols roor ein Xreubrud) oon feiner Seite. 
Smmer jroifc^ bcn SReic^cn, immer an ber gero4>c 



— 120 — 



öuffleftofecnen lür, fonnte. burft« nichts mähren 
in biejem iNajetn, bas fid) rtüc^ allen Seiten au5= 
ftrectt«, nia(^ allen <5r'^"^^<^" langte, immer 9'{eu<?s 
oer^ieö. aßotfen, Stürme, 5rüI)ünö5iAreie bis ans 
Crmb! 

Unb tDuitberbar, toic fl<rrabc bi<fe Seinsform bem 
3eit'alter mit jcinen bcft^n, ftürtitcn, reid>|ten, 
ilarften Xenb€njen unb Irakern bei uns entgegen 
un'b iugutc tum. ^i«r bei'Ht es tniltmac^en, fitf) 
e^rjiirt^tig eingcfteben, ha'^ bas Ct^os eines Ge- 
bens nur nad) äl^aß unb Sülle besjenigen i^ebens 
Öfmogcn ©erben barf. bas €s (aue^ mittelbar!) 
geugt unb jeitigt, mill man nic^t bas für ^-Brentano 
felber Cäppiftjfte unb St^mäl)lic^ite, bas tbm 
t<^lef^tbin 2Biberlid)c, in all [einen SSerfleibungen 
unb Sprciaungen ^itufgeftöberte unb ^olingemar^ 
*erte fein: ein ^biliftcr. 3>iefer ftets aus ber ^Skli 
ins Xraumlanb jurürfgejc^euc^te nnt) unauf^örlitf) 
aus bem Xraumlanb ins 0)cgenftän blicke berüber= 
ftofeenbc Sol^n bcs SlugenWirfs f^at gefunben, ge= 
t(^irmt, gemedt, befruchtet, mo^in er blidt«, burc^ 
toas er aut^ fu^r. 2ßona(^ er fa&te, oh er es auc^ 
»iebcr falten lieft oiber es fic^ i^ entroawb: ftets 
fyxtk er an ber rechten, ja cn ber einzig richtigen 
Stelle ^ugeiwcft, beftimmenb, rit^tunggebcfnS, oft 
gerabe^u Sc^irffal. ©etoift n>ar er txxs ©cgenteil 
bes 5orf(^ers, unb bennod): mit bem untDiffeu' 
ft^ftlic^ften aller »üt^r, mit „Des Änaben 2ßuu- 
ber^orn", bas, obmo^l mit «ttrnim gemeinfam ge» 
plant un<b ;iu|ammengebtiQ(^t, im C&eiftigen ganj 
fein SBerf ift — mit biefer funterbunten aus 
erfjten un>b unedyten, meift oon if)m überarbeiteten. 
m^xndfni'al felbft oerfafjten, oielfat^ mit jerfungcnftcn 
»erfionen burc^ietjten Sammlung beutfdjcr Cieber 
fyat er, man meift nit^t mie, feinem SSolfe genau 
^as gegeben, toona^ es i>erlangte, 9Wag man bie 
ungeheure 3!Birfung btefes ^ud>es „rein literarifc^" 
beiften — ein ganzes Sobr^unbert burd) ffat bies 
^üdf bie Deutft^en in allem, nxäft bloft iit ben 
bit^terifc^en Äunftformen, \<t mit tiefen (ginroir- 
fungcn auf "öie ^tt bes Selbftgefübls unb mannig= 
fat^c Cebensäufterungen burc^tränft unb beredjtigt. 
9Kit ibm unb nur mit ibm f^t bie 9?omantif 9ra-- 
gememgültigfett bcfommen. ^uiüd^ ift es aur^ 
bas Kimb oon Brentanos ftärffter unb ec^tefter 
üuft: bes 9luff)orc^ens unb feiner gröftten Äraft- 
ber ausft^licftlidjen, ja bemmungslofen Eingabe 
unb feiner ein^^igen Sfreube: bes Spielens. Diefe 
brei (Elemente, beren jebcs ^roar fi(^ oer^erren ober 
ins eigene Gegenteil umft^agen ti>müe, un<b bie 
oft im SBiberftreit roaren miteinanber, fic^ fc^oben 
}»"«>Jtörten, bilben bot^ bie tief Ttttlit^e ©runbloge 
tm SBefen Brentanos, fte machten, baft er nicht 
alterte, baft er feiner Sßcife treu blieb uub feine 
Xollbeit ibn umtrieb bis in bie letzte 9?adit. ,.?ch 
fpring immer m ft^nelt alle treppen hinauf", ffagt 
unb rubmt ber iKr^franfe Sec^aiger noc^ im lefeten 
Cebensja^r. 

^a bas Uli er roirflic^, fein Ceben lang, ftrau^ 
cl^eln^ unb ftürmenb jugleic^. 5?affen^ unb oer= 
gcubenb 3ugleicf>. iöfenfc^en, Canbfc^ften, «Iter- 
tumer (mclcfK Süc^erfc^^e f)<xt er erfpürt un-b gc^- 
rettet!), Sc^irffale unb oor allem fit^ felbft 3tu5 
göb er fic^ mit oollcn ^änben jeben ^Tugenblirf, unb 
biefe feine Sc^t^fammer. bie meiftgeplünbertc ift 
me leer gemorben. Sein ganzes J>ic^ten ))in ein^ 
aigenjrounbertorio ber „!Romanaen oom 5Hofen= 
rrana . ausgenommen, ift ein fold>es öcrfdyroenben 
4uc^ im 3)ic^ten feine ©ren^e, ätoielic^tiger 2ßiber^ 
rtrcit oon Ckftalt unb flieftenbem 5Kaum ober 
nnbbaft fpielerifc^es Durri^müblen unb »crfcbleu- 
S?I?r ^^^ .fifl^"^« Portes. STudi ganj äufterfic^. 
5a<^tros, fpater fogar feirtblic^. fümmerte er fic^ nie 
um bas Kntftanbene. oieles fam erft nac^ feinem 
mUUn 3um 25orfc^ein. 9Toc^ immer gibt es ©nt^ 
r I . ^i? 3U moc^en, un'b uwis alles mag Derfcfiotlen 
fein! STber u)ie fonnte er fingen, mns für ein 

^^^^•ß- ^l, 0^"^^)««? deines anbcm J>eutfc^en 
SBort ift, m Älang unt) »fiftflang, fo febr 9)?ufif — 
JTit^t im «erftanb ber „fd)önen Sprad}e". fonbcrn 
tm tieferen bes Xonmerts, ber mufiflogifd)en ;^üV 
rung un^ ber fijmpbonifc^en Skrfnüpfung umb STus^ 
orbeitung ber Ib^men. Daft er au feinen Ciebern 
Jelber bie 2ßeifen fan-b unb fie jur 2<iuk oortrug. 
V ^v^*^'^ ö>eniger als beren innere Struftiir 
ober bie feiner fc^mcbcnbfc^uKinfcnben faenifcben 
SÜJerfe feines — oon ibm felber fo genannten — 
„pcnoilbertcn" 9?omans, alles fonftigen (Snäfik'- 
rrf^en oor altem feiner 93?ärd)en, biefer bei artem 
Uie^upf, ©eltingel unb ©e^irp, bei alter ©eift= 



reic^igfeit umb 9J?osferabe unoer^ültteften Keibe 
autobiograpbMc^r Seelenoorgänge. 

Sogar hcn geuwltigen, fatbebralenbaft in ^Ue 
unb Cmporen, Strebung unb 5tufrift burcbgefüi)Iten 
^-(Jlan bes DeutjdKu Äatbolifc^en (Epos, ber „5Ro 
mannen oom 5Hofenfrana", nod) in feinem balb 
erbauten, (id)t gotifcb übergeu)ollten 3uftanb, oon 
einer fugenlofen (ölieberung, bie alles <leblenbe 
bem innern ^ituge geifterbaft iia^e erjdyliefjt, ein 
^erl alfo, fein einziges, bas in einem gebeimnis 
oollen Sinn, foft UKigt man au jagen traniaen 
bent, DoUenbet ift, nennen u)ir eine mu|ifaliid)C 
Äompofition. Dicie Didytung. beute nocb bie oer^ 
fd^loffenfte oon allen, ift ißrentanos 93ermäd)tniC' 
an 3Belt unb UebernKtt. 3n ibr ift 9)färd>en 
ajfinne un'b iütufif aur (Einbeit oertcbmolaen, ^ux 
(iinhtit bes iUtptbos oom 5?ofarium. 

SDenig t>erfd>lägt es, t>a^ er felber ein b^lbes 
ajfenfdKualter fpöter gerabe bies Sßerf als feine 
fünbigfte ifebensoerirrung beaeicbnete. Solches ge- 
borte hii ibm aur Sßottuft ber Äafteiung unb aur 
Selbftflucbt, unb oielleicbt nocb iux Selbftbefrefung. 
Sufte follte es fein, unb mir i^ben aucb b^er ni^t 
mit ibm au rechten, bem mieber unb biesmal ein- 
bringlicb unb nie oerballenb eine müHerlidje 
Stimme aurief. SBieberum, mie au beginn, mar 
es eine ^rau «ja, ja bie ^ogia felbft, es mar bie 
^gia Sopbia, es mar feine 9Hutter, bie Äircbe. 
5?ube fanb er aucb ietjt nidrt. fein 2ebin ^oh, aer- 
ftob mie bisber, aber bie Eingabe batte ibr ^ief 
gefunben. Die aroei 9?eid)e bietten ficb bie Silage, 
fcbienen fid) onauid^auen, au oerftebcn, au fpiegefn 
im gebeimnisöolten C5runbafforb bes reinften, reif 
ften. umfpannenbften, bes let^tootlenbeten feiner 
9J?ärd>en. ber SBunbcrgefcbitbte oon „©odel, ^infef 
unb C5adeleia": 

„O Stern unb 5^tume. Greift unb Äfcib, 
üieb', Ceib unt) 3eit un/b (Emigfeit." 

<Segenfpielee 

(3ur 9Wetapbi)fif bes (Slomns.) 

aJian bat es immer rubig bingenommen, felbft 
oerftänblicb gefunben, ha'^ ber (£Iomn nie altein 
auftritt, ftets in 2lnberer 3>arbietungcn einbe 
a'>flen ift, fie itluftriert, oerbobnagett, oerflumpt, 
ober aber 3roif(ben|tüd ift, überleitet, 2ltem fc^öpfen 
laftt, bie Spannung aerlöft, „^ufe" ift, ein Sid^ 
ftreden, ein ©lieibericblenfern bes überreiaten 3n= 
tereffes. Setbft in unferer, bie alten ©runborbnun= 
gen aerfcblagenben ober oermirrlenben 3eit ift ber 
(Tlomn taum je eine ©inaelnummer, fontbern mos 
er oon alters mar: unbeimlicbes, mebr uni) mebr 
aur »ormacbt ftrebenibes (Element, 93?itläufer unb 
»eimerf: biefe Ofunftion im f c^a ufte Her if eben Äräfte. 
fpiel nimmt ibm natürlicb nitftt bas minbefte an 
iHang, Sßicbtigfeit, iUl^irfung. 

9Jicbt nur, meil erft bufcb ben ©lomn Ceiftung 
unb 3lrt ber 9?icbtclomns ber tragenben gfJummern 
bcutlicb merben, mas <in ficb fcbon recbt oiet be. 
beutete: ^iebeftal, gingeraeig, menfcbgemorbenes 
,,^ier". Sem Sinn, feine 9tbfid>t mac^ifen meit 
barüber binaus, un»b ber geniale (£lomn mirb aum 
oielfättigen. buntaerriffenen Sc^logfcfyitten ber 
©röfte felbft, bes ^tbos fefbft — moratifdj ge« 
fprocben bes 3ßid)tignebmens, ber geftbmetlten 
Kdnnerbruft. So ift er gemiffermaften ©röfte o-on 
unUn, Scbönbeit oon ber anberen Seite, olijmpi^ 
f<bes Sld^iclauden. Unt) gebort unbebingt „baau". 
So mie Xberfites, ber Urclomn (Europas, in bem 
bomerif<ben ^elbeniaal notmenbig figuriert mie 
Ibr 9Kut feine ?Veigbeit, ibr $odigebaben fein (5e- 
grinfe, ibr ©belgrimm fein Cäftern, ibr 9J?anne&= 
brüften feine Knirtebeinigfeit als ©egpnbilb er^ 
aeugen. mie bie grietbi|d)e Xragöbie aus ibrem 
Xriti)d)on ooll Stürbe unb Äotburn bas Satirrt 
fpiel gemiffermaften abfombert, ausfdymil^t, fo ift es 
geblieben, über Sftafefpeare b'naus. mit närrifcbem 
3«J«f(benipiet auf iPrettern unb ÜJknegen. ^reitid) 
ber puriftiid>c, logifcb fonbernbe. meibcootle Stetaen. 
Stitismus HHe im Xbeoter in ben letzten ^br^ 
bunberten oielcs oerborbcn unb mit bem berübmt« 
berüd)tigten SScrjagen bes ^nsmurft oon ber 
Scbaubübne biefer bas lebenbige ©efü<^e acrbrodien, 
t)h Xragöbie traurig-gäbnifl unib bie Äomöbie 
frampfig-nät>nig gemad>t, inbem er aus ibnen 
„(Einaelgattungen" b^rauspröparierte. 5tber bem 
Zeitigen „©ott^ei^bei uns (unb ©octbe, ber im 
<yauftoorfpicl ben .,Sd)alf" ooll tiefften 2Biffens 
ben f)immtifc^en ^erfc^ren gottmo^lgefällig ein= 



reibt) fei Hob unb ^reis: an ber anberen gr4>ften 
Sd)ouftätte, am 3'rfus, mar bas Sreie, bas ^11» 
feitige, bas runbe Spiel ber Ärafte nicf^t alfo au 
oerftümmeln unö oerftümpern. om 3irf"5 unb bei 
allem 3 r'^^baflen, überall, mo es „©lananum- 
mern", Äraft- ober ©emanbtbeitsbeftütigungen 
gibt, lädytinbes ober fübnes Ueberroinbungsipiel, 
überall ba bat ber (£lomn fiif) erbalten, mirb ber 
Stoff ebenfo glanaooll nid)t übenounben, bas ^Wl 
genau jo granbios oerfeblt, oon ibm ^em Un^ 
gelben ((fontre^^eros) — ber faft nod) bcffer, nod^ 
binreiftenber ni^t fann, als ber anbere fann. 
Der faft nod) pracbtiger oom Sd)ulroft puraelt als 
ber bcl)re Äunftreitcr ober t>k linienftolae Dame 
fid) mippenb fcarauf miegen. Der alles grünblicb 
ocrfebrt mad)t, aber \o grünblicb, baft er bie 
i'eiftung nid)t etma aufbebt, fonbern umfebrt, um* 
fippt, ein uwbrbaft fünftlerilcbes ^JHnus baraus 
macbt, unb jo als nei|atii>e ©röfte bie Darbietung 
aum mirflicben, üid)t unb Dunfel umfaffenben ©e« 
famtbitb berausfcbält, fomit ootlenbet. 

Un^, bies ift beaeicbnenb, forbert beraus jum 
??ad)bcnfcn: mar in früheren 3^'tläuften bas 
(£lomnifd>e nur ein 5tu5läufer, ein 5lnb5ngfel 
innerbalb bes ©efamtbilbes. eben ein tberfitif^ier 
Sdjnörfel unter fo oieler bcroifcber ^ompofität, bas 
Iröpflein gemiffermaften an ber ^errfc^rnoje bes 
©ötteroaters Äronion: beute f^ai es ficb übermad)^ 
fen, es ift ibm beinabe fo gut ergangen mie in 
^^nberiens 9Wärd)en bem Sdjatten. bem Scblagfcbat = 
ten, ibm, ber aunäcb-ft als treubefdjeibener Diener 
unb 9Tad)treter feines Sefit^ers felbftänbig gemor 
hen ift, im 93erlauf bann befien 2Belt|tetlung ttnö 
^cbeutung in ficb faugt. fo 'b<x'\i aum Scbluft ber 
yjienid> feines eigenen Sdiattens Scbatten rolrb. 
unb als folcber fid) fümmerlicb meiterfriftet. Zn 
unferer, oon altem betonten, allem Sonberbetbt- 
fcben amcifelnb, bös ober oerberbt abgefebrten 3eit 
n>ad)fen aucb <in biefer Stelle bie ©egenmäk)te. 
©egenfpictcr ins iRiefenmaft. Die oom (Ttomntyaftcn 
oerförperte Spiegelung unb 58rerf}ung bes fo5= 
miicben unb fosmogonifcben Feuers, bie SJeraerrung 
ober »ernicbtung oon ^ttung. Tai unb 9Torm 
burcb ibren clomnifdien 5Ibfla'tfd) li<xi |et?t um fo 
mebr bie !L>acber, bie 35erftebcr, fa mer meift, matid) 
emige mäd^k felber für ficb. 

Die ©eniatität bes (Tlomns nimmt imeifetlos unb 
ndfüicti au, feine alte Xt)pif belebt unb crmeitert 
fid) nad) allen Seiten. Sd)on bat bas (Tloronifd^e 
übergegriffen in Sdirifttum unb bifbenbe Äunft. 
borf oiet oom Steftbe^ifd^en, oom Soaialen. oom 
fittlid)cn ©emiffen ber 3eit in Stnfprucb nebmcn. 
^ucb bies ein Snmptom bes munberbaren Dämmer. 
grauens, ber 5Ibenbneige — ber Sßettftunbe eben, 
mo bie Qd)<i tie n länger merben oor bem 
(Enb! Der über=. balb melteidit attmäd>tiae (f:iomn. 
bie immer fetbftänibiger merben^e Äebrfcite ftebt 
b'fute gigantifdi bodvaetürmt, fprciabeinig überm 
bunflen (^lu^ bcs ©eid)ebens. oon Ufer' au Ufer 
geftemmt, fo mie ber Saae nad) im Rittertum ber 
ungebeure (Erafoloft bes ^potto oon 5Hbobos. 

(Die brei oben tDiebcracqebenen Stütfe finb bem erften 
^rofabud) SPofffebls ..Silb unb ©cfe^" entnommen, er^ 
fcbionen in ber Dcutfffi = Srf)a)eiaerifcben ^Berloflsanftalt, 
«ertin unb 3üricb, 1930.) 



Iletfen 



2Bir aufgereibt an laffer fc^nur 
ber melfen nonne banbgefpict 
2ßir rotten emig gleicher fpur 
Unb brebn uns nur. 

2Bir flirren faum. (Sin blätterfatl 
3m bcrbft gibt lautern mibcrbatt. 
2Bir ftoften • fugein • mer acrfprengt 
3ft ftaub ber fid^ bem ]taubi mengt. 

5Bi5 ber gequälte faben fpleiftt 
Die nonn ibn ungebutbig reiftt 
Dann gibt es bunter perlen oiet 
Unh jeb ift aiet! 

Äart Sßotfsfe^t 

5tus „Der U m f r e i s " »erlag ©corg «onbi, 
«erlin 1927. 



Verantwortliche Redaktion für das Sonntagsblatt: 
Dr. a. F. K D u c ti • 1. 



/^_ ^ 



7 



'■■ '9^^ 



3um 0et^ac^tnid 



^on QfÖgar ©atin 



eeparatabbrurf au< &em ,©onntag<SUitt ber 8o«(er 7la<^rU^ten', Tlr. 30 194« 



t V 



V 



3um &ft>ääftni^ von l^avl 3l^o{f^f el^I 



«oti 9d0ar €Sa)in 



SBon Äarl SßoIfsfc^I ein Silb 5U actt^ncn, bas 
au6) benen, bic i^n ni^t !annten, einen Cinbrud 
oom 3ciuber jeiner ^er[önli^!eit, oom 9iei(^tum jeis 
nes SBßefens unb 2ßtf(ene, von 5lrt unb ©e^alt jei^ 
nes bi^terif^en Sßertes vermittelt, oermöt^te loo^I 
nur ber i^m 2Bejen5gIei(^e, ben es ni^t gi^t, ni^t 
Qchtn tann. Denn er ift einsig in jeiner ärt getüe« 
Jen, einaig in ber gamilie, einjig unter ben Jreun* 
ben, einjig in ber naf)zn unb fernen Ummelt. So (et 
es bem g^^eunb erlaubt, in üollem SBeuju^tfein ber 
Hn3ulängli(^!eit einige SBilbfragmente aneinanber= 
anreihen. 

1. 3) i e § e r f u n f t. 

Äarl 2BoIfs!e^I ift am 17. September 1869 in 
!Darmftabt geboren, als Sprößling einer ber älteften 
beutid^=iübi((^en ^atriaierfamilien, bie i^re $ers 
!unft bis auf bic Ottonenaeit gurürffü^rt, unb JDarm« 
ftäbter, !Deutf^er unb 3ube ift er aeitlebens geblie= 
hzn, 3)armftäbter, aud) als er in aWün^ensS^ma* 
bing refibierte, J)eut((^er, au^ als i^n bie teutj^c 
gremb^errjc^aft aus ber Heimat oertrieb, 3ube, au^ 
als i^n ein un^eimli^es ©efid^t vor Sßotan unb in 
bie 2BcIt ber germanijt^en ©ötter ftellte. 

SBoIfsfe^I (elbft ^at einmal in htn ßit^tenberg 
unb aWerc!, ben jniebergall unb JBü^ner bas „eine 
unoerroüftlit^e Urantliö" bes Darmftäbters ]o um^ 



jcfiricbcn, bafe es Qttnütt tft aus Älug^ett unt) Sfcp^ 
Rs aus Sßärmc unb Xrocfcn^eit, aus Spottlujt unb 
öutcm öeraen, innerli^et 3tct|cit unb JBicber. 
mannstum, Ccifer unb SBettraumt^ctt; aHc bteje Ut. 
ctaenj^aftcn bcs Darmjtäbtets — mit 3lusna^mc 
bet Irotfen^eit — W er befeJIen unb i)at fic, au^ als 
He längjt in neuer gorm unb neuem (Seift gebunben 
maren, lät^elnb unb ftol5 8ur Sc^au getragen, W 
bas Darmftäbteril^, bte aJlutterjpra^e „franhjc^ 
breit", mit »e^agen unb mit ßeibenj^aft ge)pro= 
Äen unb ^at ienes „Sind innerlitfien Dutfibertums , 
bas er bei ben berühmten 3)arm[täbtern ber iöergan* 
genfteit fanb, in fi* ju echter menj^Ii^er ©rofee ent« 

röitfelt. ^ ^ V ^c^ « 

J)armftabt aber toar ^ejfti^ unb mar beut)^. 3n 
unfrer 3eit, in ber a^ei 2Bert!riege, bie 3entrali-- 
Tierung ber SBeimarer ^Hepublif unb bie Uniformte= 
rung bes «Tlajiregimes einen flachen beutj^en m-- 
gemein^X^p ^aben entfte^en lajjen, ift jt^on bte (gr* 
innerung gej^rounben, bafe bis 3um ^Bismartfret^, 
ia bis 1914 bie Bürger ber oerj^iebenen beutj^en 
Staaten, ber SBa^er unb ber öefje, ber St^mabe unb 
ber Sa^je, ber 9l^einlänber unb ber ^lltpreufee ft^ 
niit meniger ooneinanber unterj^ieben als no^ 
beute bie ^Bürger ber S^toeiaer Äantone. 5lts So^n 
bes langjährigen ^räftbenten ber erften ^eiftjc^en 
Kammer §at SBotfsfe^I von äu öauje jenes lanbs- 
manni^aftli^e SelbftbeuDufetfein mitbetommen, bas 
grabe an ben üeinen §öfen gebiet, unb §at, no^ 
e^e i^n ber 3ln^au^ ber 9^euen !Di^tung oertoan^ 
belnb berührte, aus ©oet^ei^er Xrabition unb ein= 
geborener, nod^ ungeprägter Kraft ft^ in jener SBiel^ 
falt ber beutft^en Kultur gebilbet, bie immer mebr 
füblid^ als nörbli^ bes ajlains bei)eimatet mar unb 
bie bamals im Kampf gegen ^Berlin, fpäter aUge^ 
meiner im Kampf gegen ben SBil^elminismus m 

h^fianptttz. ^ ^. . . 

2Bar bas !Deutj(§e fein ©eift=(£rbc, bas er tief m 
fi(^ trug unb f^on am 2)armftäbter ©^mnafium, 
t>ann an ber fieffif^en ßanbesunioerfität in ©iefeen 



in oergangene unb gegenroärtige 9?äume unb 3^^' 
ten bel^nte unb mebrte, jo roar bas 5übif(^c fein 
SBIuts^Crbe — SBIuts^Grbe in jenem abgrünbigen, 
felbft roieber geiftigen Sinn, wo ©ef^i^te unb 
Ueberlieferung auf bcm Seelengrunb ru^en, ju» 
näd^ft nur im ßebensrft^t^mus ]id) !unb tun unb 
ftill barauf au roarten fc^einen, baß ßiner, ber bes 
2Bortes mä^ttg, fie 5u neuen ©eftalten unb 58ilbern 
unb 3ei^en mctft. Solc^ (£iner ift 9BoIf5te()l getoe:» 
fen. 3)0^ beburfte er felbft bes ©rmeders, ^at auf 
i^n gedarrt unb ^at nat^ if)m gefugt. Da marb man« 
rf)e5 in i^m fru^tbar aus Ur^ unb SBilbungsmelten, 
bas ßieb Sßalters rührte i^n an, unb SBa^ofen lei^ 
UU feine erften Stritte in bas 9tei^ ber ÜKütter. 
5lber ßi(^t fa^ erft ber 23iäftrige, als i^m bte frühen 
5Berfe Stefan ©eorges 5u ©efit^t !amen, unb feine 
erfte ^Begegnung im Sa^re 1893 mit bem nur toenig 
ölteren Dieter empfanb er als bie Xaufe, bie iftn 
für 3eit unb (gmigfeit in bie ©cfolgf^aft biefes 
3Heifter5 ^ob unb bannte. 



2. Die Kür. 

1893—1933, bicfe lange ©emeinfamfeit bes fie* 
bens unb bes Did^tens, biefe lange, bur^ mele Sä^r« 
Urf)feiten erprobte, bur^ S^ä^e unb gerne geläuterte 
greunbf^aft f)at iftre tiefen Spuren in ber beutft^en 
©eiftesgef^i^te eingegraben. &ier fei nur auf bie 
unmittelbare Spiegelung im 2Ber! ber beiben Di^* 
ter gemiefen. 

S^on im Sa^re 1894, als Stefan ©eorge fein 
neues 2ßer! „Die 33ü^er ber öirten= unb $reis= 
gebiete, ber Sagen unb Sänge unb ber ^ängenben 
*©ärten" mit ben 9flamen breier Dichter f^mütft, 
tritt neben ben ^Belgier ©erarbt) unb htn ^olen ßie« 
ber als Dritter Karl SBoIfsIe^I. 5n „Das 3af)r ber 
Seele" (1897) ^nhü fi^ bas erfte bem Sreunb ge* 
roibmete ©ebic^t — ©eorge er!ennt unb anerfennt 
ben „gottentfanbten fpre^er", bo^ mug (gr es fit^ 
oeriDe^ren, fein immer rauf^^aftes ßeben au teilen, 



muft Seimteörcn in bic cißenen „tounbetbaren toe^* 
mutja^rc". 5n „5)cr ficbentc 9linö" (1907) begcg= 
net 2ßoIf5!e^l5 S^amcn nur in bcr Uebcri^rift bes 
„Äarl unb §anna" gcioibmeten ©ebit^ts, bem Slnruf 
aus 5lnlaö bet SBcrmä^tung mit §anna bc ^aan, 
bic jpätcr jelbft gefeiert toirb als bie einaige, bie 
bie ganae Sd^toere bes Irauerjo^res !annte, als bas 
einaige „lebenb fiers", 3u bem ber Dieter roieber» 
!e^rt. ^Iber in biejem SBu^, in bem bas SJlaiimin« 
Erlebnis, ber aKastenjug unb bas 5eft ber 9lunbe, 
bic fosmifc^c SBcrfü^rung unb bie Trennung von bcn 
gScrfüftrcrn im ©ebii^t betoa^rt unb geftaltet ift, 
3ie^t bur^ manches ^ilb 2ßolf5!e()ls Statten, bur^ 
manchen Älang Sßolfsfe^ls Xon. 33ieUei^t t)a)i ftier, 
tDO in ©eorge jelbft bas ^rop^etifc^e erftmals enU 
bunben ift, bie bi^terif^e 9^ä^e größer ift als je 3U= 
oor, löä^renb bie 9^ä^e ber literarij^en 3ufammen= 
arbeit too^l um bie Sa^r^unbertmenbe am größten 
toar; bie brei ^lusma^lbänbe „Deutf^c 2)i(^tung", 
bie ©eorge unb Sßolfste^l gemeinjam l)erausgegc= 
ben ^aben, seugen baoon in glei^er SBeife mie man* 
^er namenlofe aSorfprut^ au t>en „^Blättern für bie 

Äunft". , , . 

3n „:Der Stern bes Sunbes" (1914) ift fetner, 
ber erforen ober oernjorfen, ber gefeiert ober be* 
f^rooren u)irb, mit 9^amen genannt; aber im enb* 
gültigen 5lbfd^ieb bes IDi^ters oon hzn Äosmüern 
mag SBolfste^l bes ganaen ©lüds innegemorbcn 
lein, bas i^n ^eil genefen liefe, unb im ©efc^en! ber 
11./12. 5ßlätter*5olge ift i^m aum ant>nn 9Jlale of-- 
fenbart roorben, u)ie fe^r feine eigene Slrt au fe^en 
unb au i<iflen in ©efi^i unb Xon bes größeren Jr^un« 
bes mitentl)alten aar. S^licglic^ bringt ©eorges 
lefetes 2ßer! „3)as ^Reue $Hci^" (1926) in bem aen* 
Iralen ©ebit^t „©e^eimes Deutf^lanb" bie p^fte 
e^rung unb bas unt)ergängli^e Silb: unter ben 
Sßenigen. bie bem 3)i^ter bie no^ ni^t erf^öpfte 
mütterliche Äraft feiner ^eimat oerbürgen, ftel)t 
ragenb Äarl Sßolfsfe^ls 5lpoftelgeftalt, ber, §or(^er 
unb Sßiffer oon überall, unfangbarer Jünger, boc^ 



6 



oor bcr Ccrft^cinung bes ©ottes feine ©renje befennt 
unb oerftummt. 

Unb oom älteften Sünger fam in 93crs unb $rofc 
^ulbigenbe 5lntu)ort. SBolfsfe^ls erftes SBer! „Ulais", 
bas im 3a6r 1897 im SBerlag ber 93lätter für bic 
Äunft erf^ien, trägt ebenfo roie bas 5Bu^ „©cfam* 
melte 3)i^tungen", in bas es 1903 übernommen 
iDurbe, bie Sßibmung „3ln Stefan ©eorge" unb be» 
ginnt mit einem J)it^^rambus „3>er «ßriefter oom 
©eifte". 3n „(Erfüllung" ft^rcitet fegnenb bcr 9Kci« 
fter übers ©efilbe, unb im S^lufegcbi^t „J)cr 3Kei« 
fter" ujirb bas tücc^fclfeitigc (5ehtn unb «nehmen im 
^altlit^ überraf^cnb unb boc§ too^l ber grü^a^it 
oolt entfprec^cnb oon feiten bes ©röfeeren fo um» 
f^rieben: „©u(^ hant i^ mein SBiffen, mir banfet 
ben 2Beg." 

3n ber atoeiten ©cbic^tfammlung, „IDcr Umfrcis" 
(1927) ift ©eorge als §err bcr SBanblung unb &err 
bes aJlorgcn gleich gcgcntoärtig am füblic^cn Son= 
nenftranb unb im ©raucit bcr nörbli^cn 2(po!ali)pfe, 
unb bcr greunb erfährt beglürft feine Berufung au 
fc^li^tem Dienft: „it^ bin bein tnet^t, ic^ toiU bein 
«Petrus fein." 

Äür unb 3)ienft toä^rcn übers ©rab hinaus, ^ad) 
©eorges Xob im SBinter 1933 in aWinufio, als 
2Bolfs!e^l fern ber §eimat feine 5Ibre^nung mit 
bcn ©cujaltbabcrn plt, bic 2)cutf(^lanb ufurpicrt 
§abcn, bcftätigt i^n in ©efi^t unb ©cbic^t ber tote 

aJleifter: 

Heberbaure! SBlcib am Steuer! 
Selige See la^t, 2anb crglcifet! 
2Bo bu bift, bu freier, Steifter, 
3)u, ber toa^rt unb toagt unb preift — 
2Bo bu bift, ift 3)eutf(^er ©eift! 



3. 3) er !t)i(§tct. 

3n 2ßolfs!c^ls ©cbit^ten oor 1933 ftaben ßefer — 
oor allem fol^c, bie no« im Älingflang ber «pi* 
goncnacit oufgetoac^fen loarcn unb mber öolbcrltn, 



mä) ©cotße, loebcr ^allatm^, noc^ 9limbaub ctnft- 
J)aft in fxd^ aufgenommen Ratten — bte „^unttU 
^eit" als ^emmenb empfunben, unb anbre f)ahen 
einen eigenen Xon oetmifet, ^aben bie Stimme 
©eorges butc^5ul)ören Qt^lauht Selbft toenn bte 
le^te »e^auplung 5uträfe, toäre pc als joli^e ge« 
iDife fein (gintöanb — mannet ßiterat braute aSefte- 
res autoege, roenn et toenigjten© jt(^ einem gtofeen 
SBorbilb ergäbe unb bicjem folgte, ftatt p^ Mnes 
prioaten aWigflangs 5u freuen. Slber in 2ßir!Ii(^!eit 
ift an biejer Sefiauptung nur |o oiel ri^tig, bafe, ge^ 
nau |o u)ie in frü^eften ©ebi^ten SBoIfsfe^ls no^ 
einige «rja(^!Iänge ©oet^es unb feines fpürbar 
Pnb unb toie in ber frü^eften ^tofe unoetfennbor 
ifiieöf^e eingetoirft l^at, fo jpätet bas ftilbilbneti((^e 
Clement ©eorges oeiioanbte Saiten bes grcunbes 
toerft unb erüingen lägt. Slbet es ift ein gana ut^ 
iprüngli(^es Did)tertum, bas \i^ in SBoIfsfe^I !ün* 
hti, unb tatjä^a^ !ann man bie „3)unteI5ett" oIs 
eines feiner Sonberaei^en benennen. 

Slber 3)un!eI5eit !ann je^r oerf^iebenen Ut- 
Iprungs fein unb fe^r oerft^iebene SBebeutung ^aben. 
!Die 3)un!eI5eit SOflaHarm^s grünbet beifpielstoeife in 
bem rationalen 2BtIIen aur reinen ^oefte, bie :Duns 
feHeit $ölberlins in ber a^rationalen, ft^öpfungs^ 
ortigen SBilb^aftigfeit ber mtjt^if^en 2ßir!li^!eit, 
bie Dun!el^eit ©eorges in ber inneren Spannung 
aroij^en bem feftgeprägten Sßort unb bem na^ 3eit 
unb ^aum fjin offenen Sinn ber ^rop^etie. (£s gibt 
SBoIfsfe^Ii^e 9Serfe, beren !Dun!eI^eit an bie §öl« 
berlins — anbre, beren !DunteI^eit an bie ©eorges 
rü^rt; aber aud) bann no^ bleibt bas SSefonbere, 
bai in i^r etioas oom Urt^aos ber Sßett, oom Ur« 
ftoff ber 3eugung unb ©eburt enthalten ift. 3ene 
cigentümli^e 93italität, bie aus SßoIfsfe^I lobertc 
— eine ungeheure, ungeaä^mte ßeibenf^aft atlet 
Sinne, bie aus §era unb SBIut, aus bem Urgrunb 
bes fiebens aufftieg unb 5lug unb ©aum unb ©eift 
o^ne IRaft burt^brang, bie ben Partner, ben ©elieb^ 
tcn, ein SBilb, bie Sßelt ergriff unb toieber losliefe — 



8 



biefe aUrtnnlir^e ßeibcn|(^aft ift au^ im ©ebi^t fei* 
ien gana a^r SHu^e gefommen. Unt> bies ft^afft bie 
DunJel^eit, t>ai bie ©eftaltung oft no^ garbe unb 
fiaut unb ©eru(^ unb ©ej^marf bes C^aos entpit, 
bem pe fi<^ entringt — oft f^on bes Strubels, ber 
ben Äosmos in neues G^aos oerf^Iingt. 3)ieie bop* 
pelte 3)e5nung jebcr 3)imenfion na^ rorroärts unb 
nat^ rürftoärts, bie Hrgefi^ic^ts^Xrät^tigfeit 
au^ no* bes autünftigen SBilbes, ft^eibet 2BoIfs= 
!ef)Is ©efit^te oon aller anbern ^rop^etie, au^ ber 
©eorges, unb biefe Ueberf^reitung bes ionftigen 
aJlcnft^enblitfes mat^t feine ©ebli^e na^ ©unbolfs 
SBort aum „Xort ber blofeen ^Bu^ftabenbeuter unb 
ber blofeen Sinnfu(^er, ber romantift^en unb ber ra^ 
tionalen, b. f). ber 9Ke^raa^I heutiger ßefer", oer* 
lei^t i^nen aber grabe für eine (^aotif^e 3eit jenen 
S^auber ber Xiefe, ber ge^eimnisoolt anaie^t unb 
abftögt unb mit ben eroigen aJlät^ten bur^ enttoirrte 
2Birrnis oerbinbet. 5lm e^eften mag bies fafebar, 

— ni^t: oerftänblii^! — toerben in htn 93erfen, mit 
benen ber „Umfreis" anhebt, ber frü^eften $rop^e^ 
aeiung ber na^en 3erftörung ber europäijd^-^rift* 
liefen SBelt in beutj^em ©ebi^t. Heberf^rieben l)ai 
es ber SBiffer „Simbulrointer" . . . 

©ermanif(^e unb jübij^e Kräfte unb ©ötter, SBilber 
unb 5Ramen finb es benn au^ bie in i^m auffteigen 
unb toieber Silb loerben, feltener griei^ift^e — bie 
I)eitere $eUe Ipiegelt p«^ nxä)t oft in ber f^u)eifen= 
ben Seele, unb fiilit^ unb ßeba finb i^r vertrauter 
oIs (goa unb ^It^ene. 9lur too bas 3eitenf^idial i^n 
jo heftig an ben S^ultern fafet unb rüttelt, bafe bas 
unmittelbare Erlebnis aum narften 2lusbrud brängt 

— nur bort toeid^t bas 3)un!el, nur bort erjt^eint 
bas 2Bort in feinen gewohnten IDimen^onen. Iiies 
toiberfu^r Sßolfsfef)! am Sübmcer, im 3ufammen= 
fein mit ©eorge, unb gibt ben bort entftanbenen ©c= 
bieten eine fonft ni^t gefannte plaftif^e Äraft — 
bies toiberfu^r i^m a^m anbernmal im Unheils« 
Ja^r 1933 unb fjai bie ©ebi^te biefer 2Benbe „3)ie 
Stimme jprit^t" (ie^t aut^ in englij^er llebertra* 



9 



gung unter bcm treffenben Xitel „1933") 5u ben 
meiftgelefenen unb oielgeltebten 5Ber|en ber SBet^ 
triebenen gemacht unb f)ai anä) no^ in „5ln bie 
3)eut(d^en" (1934/44) jene j^Ii^ten Sßotte ^eroor« 
getrieben unb mit S^rerfen unb S(^Iu^5en erfüUt, 
in bencn ber Dirf)ter oon ber gej^änbeten unb oer» 
blenbeten §eimat 3lbi(^ieb nimmt: 

yiad)t f)ai anä) au mir gejproc^en, 
©ottesnac^t, j^iüer brö^nt bas 2Bort: 
2osgebro(^en! fiosgebrot^en! 
5ine meine ^ulje po(^en 
SBon bem 9tufe: 5luf unb fort! 
Unb id) folge, unb i^ toeine, 
2Beine, toeil bas §er3 oertoaift, 
SBeil ein Xaujenbia^r oereijt . . . 

4. 3)er greunb. 

SBon bem 9Jlenf^en 2ßoIf9fe^I (pre^n ^ei&t von 
bcm greunbe Ipre^en. !I>enn greunb ju [ein ^-t jo 
je^r i^in menj^Iid^es 9®efen öu&gemac^t unb be^ 
ftimmt, bag es SBiek gab, bie i^m nur einmal im 
2zhen begegnet finb, unb benen bo^ ein einjiges 
ntt^es ©ejprät^ ben bleibenb^n (girtbrurf einer 
bleibeniben Sreunbf^ft einprägte. So finb i^m 
ajjenf^en aus !Deut((^I<in'b unb ber S^toeis, aus 
^ollanb unb gfran!rei(^, aus Italien unb nun aus 
9leu'|eelanb freunbf^ftli^ oerbunbcn c^croefen, jo 
^ben Sölänner un^ grauen aller Sd^i^ten an 
feinem Ceben unb S(^icf[al 5lntcil genommen, fo 
f^i in ben ^i^ren bes Gjils Uin !Di(^ter unb !ein 
©eleftrter fytt^U^x urtb bängter «auf IFl-adiri^ten 
oon i^m getoartet als bie alte SKRagb oom Stern^of 
unb ber ft^Iidjte ^oft^elfer ber ©rettingerftraSe . . . 

3)i-e gemaltige 93italität, bi« aus b-en ©ebit^ten 
Iprit^t, fyat ben 9Jlen|*en Sßolfsfe^I in feber 
5leufterun0, in iebem Stritt, in j^ber ©eftc aus« 
geaei^n-et. 3n SDTüni^n, n)o er als ungefrönter 
Äöni^ oon Si^itiwbing t>on ber ^i^rftunbertmenbe 
bis aum erften SBeltfrieg ben ernften feiern unb 

10 






ben f)eitercn Seften bie be^errj^nbe 9lot« g-ab, 
roo er oom Dreifönigstag bis aum 5lfc^ermittmot^, 
3u öauje unb im S^uMbin-ger Sräu unb auf bem 
5BaI pare, hm t^Wm^ b^it^roingte, roo er auf 
[einem Don nerstög^Sour 5l!abemi!er umb Äünftkr 
unb Äunftgeujerbicr um fi^ oer[ammcItc, W {ebcs 
Ktmb ben „öerrn 3)oftor" gefannt, ber, ein ^ünc 
mit rölU(^em 33oUbart unb toetienbcm §aupt^aar, 
mit rie[tgen, raumgreifenben Stritten burc^ bie 
Strafen ging, bann loo^I plö^Itt^ fte^n blieb, 
ben ^B-egleiter ober bie SBe^Ieiterin am 5lrm griff 
un'b mit to-eitaustabenber ©ebärbe ettoas Sii^t^ 
bares ober Unfit^tbares bemonftrkrte. 3<if)nole 
SHomane hahen [ein 58ilb in bie[er S^it feftgelialten. 
Slm flarften unb ri^tigften tritt es je^t ^eroor aus 
titn Srinnerunöen bes S^i^ners $HoIf o. 5oer|rfreI= 
mann („ßeben o!)ne 5intag") — unenblirf) reirf) in 
arien men'[d^It^n un'b [ta^Ii^en aScpgen, feiner 
Dtd^ter*, feiner 9JlaIer=©ruppe unib =5Bemegiung m^?^ 
fremb, feinem intereffanten Äaua unb feiner ft^önen 
grau oer[^Io[[en un'b bo^ im Äern unantaftb-ar, 
immer fit^ unb [einer Senbuntg treu. 

5lls ber ^rt gefnitlen n>ar unb bie grofien unb 
flaren 3üge feines 3lntli^es beutli(f)er geroor. 
traten, mar bie gasaination auf Sun^ unb mi 
nxdji geringer. S^öne grauen kuj^ten mie el)bem 
[einen glüf)enb geftammelten SBorten, ^tnber uitb 
Jünglinge foI<jten gebannt [einen begeifterten (gr^ 
aäfilungen oon ^flanaen unb SSögeln unb ©(efan^ 
ten unb attberm ©etier. Un'b altes greunbesgefpraö) 
i>er[tummte, votnn im fleinen Äreis beutlicf) mürbe. 
b<tf^ er [elbft ©ebi^te au le[en bereit mar unb er 
hann anfjob mit [einer ootten Stimme, bie über 
alle Xonla^en oerfügte unb in ber Xiefe [etnes 
mätfitigen Körpers eine gemaltige $Re[onana fono. 

3n ber Inflation mar bas grofte t)äterltd)e 35cr» 
mögen aufammengej^molaen, aber bte 5Irmut tru<^ 
?Bolfsfef|l [0 um unb [o lieiter mte oorbcr ben 
SReit^tum mitteiHam mie immer oon feinen aet- 
[tigen Sdbä^en. ^n glorena unb in 5Rom fannte 

11 



man bcn «professore tedesco», bet, in langem Cape 
mit breitem Sd^Iöpp^ut unb großem Ätiitfjtod 
buT^ bie (ü^blic^n Stabte n>anibern'b, bie fteiltöcn 
Stätten ber 3lnti!e unb ber ^riftli^en 3eit in 
ftrf> aufnahm, au ben aJlefjcn ber grierfnitfien 
33rübcr pilgerte, bcn Spuren bes 9Jlön^5 von 
S^iefole nat^folgte unb aus ©emäuern unb Xrum* 
mertt er ber §alb-231inbe, mef)r ertoittertc unb 
erfuhr unb eraä^Ite als bie «Tteunmcilmeiien mit 
i^ren (ei)enbett klugen unb i^rem angelernten 

S^n in jungen 3al)rcn tft 2BoIfsfet)Is Se^^ 
jcprfe gering gemefen — im Sllter ift er n^^eau 
erblinbet. Slber er fyaiU einen fei^ften Sinn, mit 
bem er, ou^ toenn er bas 5luge gana na^ an ein 
©emälbe o^er einen Srief ^eronbra^te urtb alfo 
nur einen gana fleinen ^lusi^nitt unmittelbar 
nxitirneSmen tonnte, hoä) bas ©cnae erfaßte, in fi^ 
aufnö^m, aus pt^i neu eräugte. Unb er fjaiit baau 
eine uriprünglid)e Sßitterung für aües e^te 9Jlem 
i^entum unb alte et^te Äunft, bie i^n im oorlauten 
2ßort t)on Jünglingen unb im frühreifen IBerjut^ oon 
jungen Äünftlern j(^on bas 93erfpre(^en !ünfttger 
9Keifter|^aft üerne^men unb fie mit fijrbernber unb 
[teiflernber Slnteilna^me roürbigen lie^. ©ar man^^ 
mal f)at er fic^ hierbei getäuf^t — mer mit ]o oollen 
$änben jeinen SRei^tum ücrftreut, mie es 2BoIfs= 
fe^I i<xi, ber Bann ni^t immer an ben 9{e^ten ge= 
langen. Slber Sßotfsfe^I i|t es geu)eien, bur^ ben 
©unbolf au ©eorge fam — Sßolfstef)!, bur^ ben 
<oeningratl)s §öIbcrIin*5orfd)ung ben ftärfften 5ln» 
ftofe erhielt, — SBoIfsfe^I, ber grnna aJiarc ent=^ 
berfte unb fi^ freunbf^aftli^ mit $aul Älee oer* 
banb unb ^<tf)lloU anbere Dieter unb Geleljrte 
unb 'aHaler, Stf^rift^tellcr unb Sournaliftcn ^aben 
unter feinem 5Inbau^ irf)öpferi)(^en 9J?ut gewonnen 
ober I)nben bie ©ebanfcn unb 5BiIber, mit benen 
er um fi^ ujarf, au Ipri^tgen ober langtoefligen 
5lper<'Us geformt ober au lanoatmigen 5Bü(f|ern 
ausgeuKiIat. 2Bo ©corgc \\ä) in bie ©injamteit feines 



12 



Äreijes »erf^Ioft, ba ^t SBoIfsfe^I, ber Sfreunb 
öon aSertoe^ unb oan S(^uler, oon ßet^ter unb non 
Kubin, oon SHicatba unb griebritft &u*, 9lcgina 
Ullmann mie 9«arg. Susman — oon ben übrigen 
grcuu'ben bes ©eorge-Ärcifes ^ter gana au it^uKtgen, 
— RA bei aller Sßa^rung ber legten ©e^immf|e in 
bie ooUe Deffentli^feit gefteüt, unb 93iele, "Dtnm 
t>er 3uganö aur lio^en 3)i^tung oeri^Ioifen omr 
unb blieb, ffahtn burt^ i^n erfaliren, t>a% m btefer 
anjc^einenb fo oben unb alltäglid^en Sßelt boct) 
©Otter unb Dämonen unb ©eipenfter not^ immer 
iDirfen, auc^ roenn nur bas innere 5Iuge bes Sehers 
i^rer geuw^r mirb unb bismeilen nur ma-gifc^- 
gefälirlitf^er Sauber pe befc^ört 

»ielleit^t ift bas ©efprät^ 2Bolfsfe^ls urrmittet^ 
barfte 3lusbru(fsform gen>efen. ßr brauchte Ms 
©egenüber, an bem er p* entaüni^en, - Ms 
©egenüber, an bas er fi^ oerf^menben foiinte. 
®r brauste ben Sfreunb, bie ©attin, bie ©eltebte. 
bamit er bie ©lut feiner Seele offenbaren, bas 
S^cuenoerf feines ©eiftes lospraffeln tonnte 3)te" 
fem ©efenigften aber W bas Scfiirffal bie f(^n>er?te 
Prüfung auferlegt: bie letzte (ginfamteit. 



5. Exul. 

3Bolfs!el|l iKitte eine ju tiefe 2ßitterung für un- 
bolbenbafte Gräfte, um fic^ täuj^en au tonnen über 
bas beutjÄe 9Jer^ängnis, Ms in h^n amanaiger 
Sauren aus jeinem geliebten ^Hün^en aufftieg 3n 
bem Stftmanenruf auf „!Das unfterbli^ 9«und)en 
ben er in bie Sammlung jeiner grofeartigen, no(^ 
auf lange hinaus gültigen ^rofa-S^riften ,«jlb 
unb ©efe^" aufnahm (1930), finbet ft« fro^ aller 
abgerungenen Hoffnungen f^ori Ms 2Biffen, Mfe 
9Kün«en t«auf un4) bran ift, %"fi^f^?^^„ ^i; ioet= 
htn „aWasfe, hinter ber bas 9litf|ts gajnt ^Is 
Mnn im 3al,re 1933 bas ^i«ts triumphierte ^at 
SBolfsf^l bie §eimat oerlaffen unb ^.t bte fol-- 
genben fünf Ja^re in ber S^meia unb m stalten 

13 



augcbra^t. (gs \int> btc Sa^re, in bcnen et in 
(5tö6= unb Älcinbajel, auf bem SUiünfterf^ügcI unb 
im ©eplätj^er ber SBrunn^rt, wüä) ben untcrirbiic^en 
QucUen bcs ©cifks f^rjt^e, bie ein[t ^act|u3fcn 
Dernommcn ^tte, — bic 3<if)rc bes k^ten 3^* 
jamm^nieins mit ben greunben Jöertüei) unb £e^» 
ter in äfleUen unb Sa(el unb Sibers, — bie Sa^rc, 
in hzmn er in aHinufto Stefan ©c^rö-e, in ^üxon 
3JieId^ior fiet^ter bas ©rab^eleite gab unb ^Ibj^ieb 
n«al)m oon ben örogen greiinben jeiner SD^annes* 
jo^re. 3ll5 aber tiüs ^Tli^ts broi^en'b jetnc gän^« 
über gan5 Europa ausbreitete, als ber Hngeift aud) 
am röittelmeer t>k 9Jlen|^en ber I)uman«n Äultur 
vergiftet«, txi ^ielt es i^n nit^t länger auf bem 
alten kontinent, ^a trieb i^n hk Sorge um bie 
ßr^ltun^ bes iijm, bem Se4ersJ)i^ter, antKrtrau* 
len ©Utes 3U ben Slntipoben, na^ 9^eufeetanb. 

ßrft menn bie ©ebic^te unb S^riften biefer 
5af)re gejammelt üorliegen, mirb fid) gans über= 
je^cn (äffen, 3u wdä^en gö^en unb in tocl^e 
Xi^f^n ber SBerbannte not^ öorgeftogen ift. 3lu5 
bem SBenig^n, bas in 3lbfd^rift herüber fam ober 
bas g-ebrurft oorlie^t, ift biefcs fd^on beutlii^, baft 
SßoIfsfe^I bas feltene ©lürf unb bie felten-c Äraft 
fjciU, no^ im ^o^en 5llter, no^ im <iä)Wn £ebc rt5= 
ja^rae^nt in un^eminberter ^robuftioität bie gülle 
ber ©efi^te ins bit^t^rifi^ ©ebilb gu faffen. ßs 
l^eint, txi^ von feinen Ürlröflen bas ©ermantl^e 
oerftummte ober ^^ er i^m nid^t me^r 2ßort ^n 
merben erlaubte, iya^ür ift bas 9}?ttteTmeer in 
feinem öangen 9?ci(^tum i^m neu crfd^Ioffen, — bie 
römif^e unb hiz fränüidie 93ergangenf)eit uj-erben 
neu unb ^rog in i^m nxi^, unb bas öftli(f)=jübtf(f)e 
ßij^t entfembet i^m als neuen SBoten feinen <trof?en 
3>ulber, als beffen fpäten ©ruber 9BoIfs!ei^t fi^ 
nunmelir fü^It: $tob. 

33or 3*^^*" mugte Sßolfsle^t um „bas oft 
fc^urige ©efcft ber 3ßW"Ö5läufi<j!eit alks !I>a^ 
jeins, bas biologift^ mh gefdyldjtlic^ iebes S^riid 
ousft^Iießt unb, toenn au^ ferpentinen^ft, ein- 



14 



malig unb mit gebunbener 9li(^tunö roeiter unb 
äicIiDärts ftrebt". Staub au(^ fein fieben unter 
biefem ©efe^ uitb l^htn bie S^meiger greunbe 
bies oerfanut, bie na^ Äricö&enbe xfjn fieimäu^olen 
hofften? i^i er felbft bies oerfannt, roenn er, bem 
bas ßatt'b bes 5lf^Is frennbli^ bas Sürgerredöi 
oerlie^en WU, in Se^nfut^t unb fiiebe p^ mit 
bem $Ian ber 5lü(f!e^r befaßte? Ober ift biefcr 
^-Plan nur ein lotfenber Xraum öen>efen, ein leifer 
2Bunf4 bie greunbe unb Ätnber unb Cnfel nod)» 
mals ans §er5 gu f^Iiegen unb in t>tx §eimat äu 
fterben, — ein menf^Iit^er 9Bunf(^, oon bem ber 
S^irfjalsfünber tougte, tia^ bem öiob bie Er- 
füllung oerfaöt fei? aJJonate unb Sa^re oergingert 
in hoffen unb planen. 3>ann f^i ju ^Beginn biefes 
So^res eine friere (grfranlung ben Unermübeten 
geparft, — ben erften Einfall fyii er überftanben, 
einen SRütffafl ni^t me^r. 3n ber ^<id)i bes 
30. 3uni ift Äarl SBoIfsfe^I öeimöegött^en, unb 
nur fein ^Bilb fe^rt md) Suropa, ^n feinem toten 
SJleifter, 3u ttn toten unb lebenben St^unben 
3urüd. es ift, als t}aU f^on ber {u^enblirfie Di(^- 
ter bies d^nhz geafint, — oerfö^nli^ !Iin<ien t>^nn 
in allem Sc^era bie toe^mutoollen ^Ibf^iebsoerfe: 

3^ fj'düe gerne meiner brüber ^erb 
Sluflobern fe^en auf ber ^eimatfd^olle, 
3^r tagmer! not^ gemeint — bo^ i^ erfenne 
3)ie bunflen roege, bie bu mi^ geführt 
5Bi5 ^ierfier auf bie le^tc berges^ö^e 
3ur abf^ieibsfd^u . . . 



15 



r 



acn Hymnen fles wahr gewordenen Infer- 
no Im dritten und münden schließlich In 
Jener Abrechnung mit den Deutschen, die 
das letzte Gedicht darstellt und die in ihrer 
Würde, der überwälligencien Größe des 
Schmerzes und ihrer einsamen Hoheit 
ihresgleichen nicht hat in der Dichtung 
unserer Zelt. 

Was sich in den schwieriger zugSng- 
liclien Regionen von Wolfskehls Gedich- 
ten und dichterischen Uebersetzungen 
birgt, das liegt in seinen Aufsätzen leich- 
ter und einfacher eröffnet vor. Man wan- 
dert durch die Länder seines Wissens und 
.einer Weisheit, die sich in dem Bande 
„Bild und Gesetz" vor uns eröffnen, und 
man weiß doch, das alles ist nur Aus- 
schnitt, nur Andeutung. Diese großartigen 
Essays wie auch die anderen Bücher 
Wolfskehls erschöpfen ihn nicht. Er ge- 
hört zu denen, die größer sind, viel grö- 
ßer als ihr Werk. Wolfskehl war kein 
Schreibmensch. Wenn es bei ihm zu 
schriftlichen Fixierungen kam, so war das 
immer mehr oder weniger Zufall. Er 
hatte keine Lust zur Feder, aber eine un- 
erschöpfliche Lust zum Gespräch. Dies 
Bedürfnis war besonders stark, wenn er 



einen Tag lang allein war und öle Füiie 
sich angesammelt hatte. Dann ging das 
Gespräch viele Stunden bis tief in die 
Nacht, wobei er mit gewaliigen Schmitten 
das Zimmer durchmaß, von Zelt zu Zeit 
seine Mähne mit der mächtigen Hand 
strählend oder plötzlich stehen bleibend, 
den deutenden Finger gehoben, um einen 
Satz des größten Nachdrucks zu sprechen, 
dann aber seinen Weg von Wand zu 
Wand wieder aufnehmend. Sein Wort 
reichte leicht an die Grenzen des Sag- 
baren, und doch gab es kaum jemanden, 
der anmutiger, scherzender, leichter, 
flüchtiger sprechen konnte als er, ein 
Plaudern aus dem Nichts zaubernd, über 
nichts, nur über ein Spiel von Worten. 
Er konnte ein Virtuose des Worts sein, im 
Vers wie in der Unterhaltung, unbescha- 
det, denn sein Menschliches überblühle 
alles, so wie es auch jetzt seinen Tod 
überblüht.' Er war so sehr eine ganze 
Welt, daß seine Person zu einem Mythos 
wurde, unvergänglich verknüpft mit der 
Gestalt Sielaa Geoigea, init Jei Staot 
München, in der er am längsten ver- 
weilte, und seiner Heimat Darmstadt. 



Der vorstihcH^e Beitrag ersJiicH i» äen „IhssisdicH Nadirldnen" vom |r. }uU ig4i 
Puhllhcd mdtr Milltaiy Coveinment Llcenst No. is 



Drudt: Healsdte Naditidtten 



g 'ZI 




n 



3,1 7. /^^^ 



FR/TZ USINGER 



Zur Erinnerung an Karl Wolfskehl 



KA SSEl I 94 « 



SEPARATDRUCK DER HESSISCHEN NACHRICHTEN 



r 



^din war sein Gott, der unstete, schwei- 
fende, niemals zu fassende, der Freund 
* von Traum und Zerstörung, der Gott nicht 
des Besitzes, sondern der Begegnung, 
Herr aller Rätsel und aller Zauber, dem 
Geist und irdische Stoffgewalt noch ein 
unauflösbar ineinander ergossenes Gan- 
zes waren, das sich nur aufheben ließ 
durch die alles verschlingende Lohe des 
letzten Weltbrandes. Er ist der Gott, der 
nicht sagt, sondern raunt. Und dieser Ge- 
heimnis-Gott war in Karl Wolfskehl wie- 
der lebendig geworden, nicht nur in dem 
Dichter, sondern auch in dem Menschen 
des alltäglichen Lebens: der gewaltige 
Mann mit den mächtigen Gliedern, aber 
so anmutigen Bewegungen, hinter den 
dicken Brillengläsern die starr blidcenden 
Augen, die, da sie kaum mehr sahen, die 
Dinge zu erfühlen schienen, die schönen 
Strähnen schwarzen Haares, die immer 
wieder in die Stirn fielen und von der 
mächtigen Hand zurückgestrichen wurden, 
die kaum zu bändigende Vitalität, die 
ihn, den wunderbaren und unerschöpf- 
lichen Sprecher, stundenlang mit großen 
Sdiritten im Zimmer hin und her trieb, 
die Art seines Sprechens, das aus der 
vollen Gewalt des Stimmtons plötzlich zu 
einem Wispern absank, die Fülle der er- 
hellenden Deutungen, die aber immer 
wieder vor Rätselbezirken halt machte, 
jedoch nicht so, als ob er darin nicht Be- 
scheid wüßte, sondern vielmehr, weil da- 



von etwas offenbar zu machen untersagt 
sei, eben vom Weltgesetz her, von der 
Notwendigkeit des Welträtsels her, das 
alles war odinisch oder war Odin selbst, 
in einem Mensdien wieder leibhaft ge- 
worden, ganz nah, durchaus heutig und 
modern. Denn bei Karl Wolfskehl gab es 
keine Historie, Ihn bewegte nur das, was 
noch eine TCraft der Bewegung des Heu- 
tigen besaß. Alles, was ihn interessierte 
und anrührte, war dieser Art und sang, 
sprach, lächelte über den Abstand von 
Jahrhunderten, als sei es von gestern her. 
Auch sein Odin war kein historischer, 
kein altgermanischer Gott, In dem Ge- 
dicht „Ur-Odin" aus seinem Gedichtband 
„Der Umkreis" beschwört er ihn. „Wir 
wollen dich. Spiele / In unserem blut." 
Dieser Gott, von dem es so schön in die- 
sem Gedicht heißt, er sei ein „am letzten 
abhang ewig träumender", wird hier ganz 
als eine Macht der gegenwärtigen Wirk- 
lichkeit genommen, als eine, die vielleicht 
nicht jedem Menschen deutlich sein mag, 
mit der der Dichter aber in der wahrhaf- 
tigsten und ehrfürchtigsten Weise umgeht. 
Wer den Zugang zu solchen Wellen hat, 
sieht natürlich lebendiges Geschehen dort, 
wo ein anderer nur Erloschenheit ge- 
wahrt. 

Wir hatten wohl in der letzten Gene- 
ration keinen zweiten solcher Versteher 
altgermanischer Mythen und Dichtungen. 
Wolfskehl hätte für die altgermanische 



n 



unflt altdeutsche Dichtung das werden 
können, was Hellingrath für Hölderlin 
wurde: der Neu-Offenbarer. Wolfskehl ist 
zu der geheimsten und größten Aufgabe 
seines Lebens nicht gekommen, zu der 
Uebertragung der Edda. Was ihre Schaf- 
fung bedeutet hätte, ist hier mit wenig 
Worten gar nicht auszusagen. Neben die- 
ser höchsten Möglichkeit seines Lebens 
hätte noch die andere der Uebersetzung 
des Nibelungenliedes gestanden. Was ver- 
wirklicht wurde, sind die „Aeltesten deut- 
schen Dichtungen", vom Hildebrandslied 
bis zum Ezzolied, übersetzt und heraus- 
gegeben zusammen mit Friedrich von der 
Leyen, sowie die Uebertragungen des Ar- 
chipoeta und des großen anonymen Ge- 
dichts „Der Weinschwelg", das, mit einer 
Menge kleinerer Gedichtneuformungen, in 
dem zusammen mit C. S. Gutkind heraus- 
gegebenen „Buch vom Wein" abgedruckt 
ist. Welche Liebe und welchen Fleiß ha- 
ben die Kunsthistoriker den bildnerischen 
Werken und Architekturen der romani- 
schen und frühgotischen Zeit gewidmet! 
Hier bei WolfsKfehl geschieht einmal das 
gleiche für die dichterischen Werke dieser 
Zeit. Es ist wohl nocii selten der Fall ge- 
wesen, daß zwischen der Diciitung dieser 
fernen Zeit und einem modernen Men- 
schen sich ein solcher tiefster und natur- 
hafter Wesensbezug herstellte. In diesem 
Zusammenhang sei noch eine andere 
einer ganz anderen Epoche zugehört, die 
des „Ulenspiegel" von Charles de Coster. 
Karl Wolfskehl besaß ein geradezu un- 
endliches Sachwissen, das einen immer 
wieder zu Staunen und Bewunderung 
hinriß. Und all diese Dinge durchdrang 
er ganz, er verfügte frei über sie als über 
einen Teil seiner selbst. Davon gibt das 
„Buch vom Wein" einen Begriff und auch 
der kostbare Versteigerungskatalog der 
Sammlung Victor Mannheimer, welche die 
deutsche Barockliteratur von Opitz bis 
Brockes umfaßte. Karl Wolfskehl hat die- 
sen Katalog mit einer Einleitung und mit 
Notizen versehen, die ihn zu einem Hand- 
bucii der deutschen Barockliteratur 



machen. Aber all diese Welten, die Wolfs- 
kehl durchdrang und seinem Leben zu 
verbinden wußte, waren im tiefsten 
Grunde, auch wenn man es niciit immer 
spürte, zusammengehalten von dem Zen- 
tralerlebnis, das den Namen Stefan Ge- 
orge trug. Die strenge Bindung Georges, 
dessen Geburtstag sich übrigens am 12. 
Juli zum 80. Male jährte, hatte Wolfskehl 
die Möglichkeit gegeben, so frei, so spie- 
lend, so ungebunden zu sein, denn das 
Georgesche Wort war für Wolfskehl die 
unverbrüchliche Satzung, das wahre Heil 
und jener unerschütterliche Polarstern, 
der, auch wenn sicii eine noch so rasende 
Welt um ihn drehte, immer die innerste 
Ordnung der Welt aufwies. Wolfskehl 
war bedroht von seiner Fülle, einem 
chaotischen Wogen der Kräfte, Einsichten, 
Ahnungen, Leidenschaften. Georges Fin- 
ger zeigte ihm, wie dies alles sich in den 
Aufriß der Welt aufteilt, mitschaffend, 
mitformend ohne Not der Fesselung oder 
Unterdrücicung. Wolfskehl wurde durch 
George ganz Wolfskehl, nicht etwa ein 
Georgianer. Um dies festzustellen, genügt 
ein Blick auf die völlige Versciiiedenheit 
ihrer Gedichte. Es läßt sich kaum etwas 
Gegensätzlicheres denken. Bei George ist 
alles Maß, Bändigung, Herrschaft des 
Menschen über sein Reich. Bei Wolfskehl 
ist es das unaufhörliche Herandonnern 
eines horizontlosen Meeres, das Hauchen 
des Weltabgrundes, das Wissen um die 
ewige Bedrohung der Welt vom Menschen 
her und vom Kosmos her, die Verkün- 
digung der zyklisciien Wiederkehr des 
Fimbulwinters und der Götterdämme- 
rung. Das Gedichtwerk Wolfskehls um- 
faßt drei Bände: „Gesammelte Dichtun- 
gen, erste Reihe", „Der Umkreis" und 
„Die Stinlme spricht". Und als Abgesang 
gleichsam wäre noch zu nennen der Son- 
derdrucdc des großen Gesanges „An die 
Deutschen", des gewaltigsten Gediciites 
der deutschen Emigration. Diese Bücher 
führen von den ruhigeren Bezirken der 
George-Nähe über die großen apokalyp- 
tischen Gesänge des zweiten Bandes zu 



r 



1 



Vase Eight 



<r. 



ti I^^S/^^ 



THE JEWISH WAY 



KARL WOLFSKEHLS ABSCHIED 



von BERTHA BADTSTRAUSS 

"Mein*^L8ben ' mag vTeigesTaRig 
'aussehen, doch nur von aussen; 
wenn ich jetzt vom Gipfel meiner 
75 Jahre zurueckblicke, &o stand 
es von Anfang bis zum Ende un- 
ter der Herrschaft eines unver- 
Tueckbaren Gesetzes . . . " — ^Wer 
war der Mann, der mir vor vier 
Jahren diese Saetze in einem sei- 
ner inhaltsreichen Briefe schrieb? 

Es war KARL WOLFSKEHL, 
der vor Monaten im Alter von 79 
Jahren "alt und lebenssatt", ein 
blinder Mann, im Exil von Neusee- 
land starb. Sein Name wurde in 
seiner Jugend meist in Verbindung 
mit Stefan George genannt, dem 
rheinischen Poeten und Propheten, 
dessen getreuester Herold und 
Freund Wolfskehl war. Aber der 
eigentliche Sinn seines Lebens und 
seiner Botschaft an die Juden sei- 
ner Zeit erhellte sich erst als die 
Jahre der Truebsal kamen, als 
Hitler und die Barbaren in 
Deutschland einzogen. Da war es 
Karl Wolfskehl der — obwohl er 
damals schon ein Mann mit grau- 
en Schleafen war, das befreiende 
Wort fand, das in sprachschoepfer- 
ischen und doch volkstuemlichen 
Gedichten den jungen Juden die 
Kraft gab, auszuharren und sich 
unt^r andern Sternen ein neues 
Leben aufzubauen. Das wird im- 
mer des Dichters Wolfskehl schoen- 
ster Ruhm bleiben. 

Karl Wolfskehl war Einer von 
der letzten Generation der deut- 
schen Juden, deren Ehrgeiz und 
Traum eine Synthese von deut- 
schem und ju«öischem Wesen bil- 
dete. Sein Vater bekleidete eine 
der hoechsten Stellen in der hes- 
sischen Kammer in Darmstadt und 
war zugleich im Vorstand der jue- 
dische^ Gemeinde, was damals 
Jiicht eben haeufig mit einander 
gepaart war. Stolz war Wolfskehl 
auf die Familien-Ueberlieferung, 
zer Familie Kalonymos verbindet, 



die Karl der Grosse von Lucca 
nach Mainz verpflanzt hat. Und es 
war eine der Lieblingsaufgaben 
des Forschers Karl Wolfkehl, in 
Italien den Spuren mittelalterli- 
cher Kultur-Einheit zwischen Ju- 
den und Deutschen, den mittelhoch- 
deutschen Bearbeitungen der bib- 
lif.'chen Buecher, des Josua, des 
Schmuel Buches, nachzugehen. 

Karl Wolfskehls gastliches Haus 
war im Muenchen der ersten De- 
kade des 20. Jahrhunderts weit be- 
kannt. Der maennlich schoene 
; Mann mit dem Prophetenbart und 
(den blitzenden Augen war von 
; Stefan George selbst als der "Im- 
( mertreue" bezeichnet worden. Sei- 
j ne Hauptarbeit galt in jenen Jah- 
ren deutscher Dichtung und Philo- 
sophie, Goethe und Bachofen. Aber 
schon in jenen Jahren muehte er 
£)ich gleichzeitig um die Erfor- 
schung juedischen Wesens: sein 
"Saul" und seine Gedichte "An al- 
ten Wassern" zeugen davon, dass 
er nie den Fels vergass, aus dem 
er einst gehauen war. 

Dann kam das schreckenvolle 
Ende einer zweitausendjaehrigen 
Epoche in der juedischen Geschich- 
te: es kam Hitler und der Natio- 
nalsozialismus. Wolfskehl hatte 
frueh erkannt, was sich vorberei- 
tete. Er verliess im ersten ihm 
moeglichen Augenblick die trotz 
alledem geliebte Erde, um nie zu- 
rueck zu kehren. Das waren die 
Jahre, da Wolfskehls Gedichte im 
Schocken Verlag erschienen "Die 
Stimme spricht". — Es waren diese 
kuehnen, volkstuemlichen Gedichte, 
die sich in den Rucksaecken und 
Koffern der Auswanderer befan- 
den. Kaum ein Seder Abend seit- 
dem, an dem nicht ein oder der 
andre an das unveFgessliche Seder- 
gedicht Wolfskehls erinnerte "Am 
Seder" zu sagen: 

Immer wieder. , .nun und immer 

wider 
Samml' ich meines Volks ver.- 

worfene Glieder 



In der Zeitnacht Meiner Passah- 
stunde, 

Schlag und schone. . .treu dem 
ewigen Bunde 

Ziehe imftier wieder, wieder im- 
mer 

Vor Euch, tags Gewoelk und 
NAECHTENS SCHIMMER! 

Und der Dichter selbst Hess 
nach einigen Jahren ein "Erwei- 
tertes Werk' erscheinen. Jetzt 
aber waren den Passah-Gedichten, 
den Gedichten des Aufbruchs, die 
Gedichte des Jom-Hakippurim bei- 
gegeben. Zu der zeitlichen Bot- 
schaft war die Ewige Botschaft 
GOTTES an Sein Volk beigege- 
ben. Es enthuellt sich, dä&s wir in 
Wolfskehl einen unsrer wenigen 
neuen religioesen Dichter besas- 
sen: einen Paetan wie ihn sonst 
wohl unsre Siddurim und Machso- 
rim aufbewahrt haetten. 

Wer das seltene Glueck hatte, 
die aus den letzten Jahren des 
Exil& stammenden, Gedichte Wolfs- 
kehls kennen zu lernen, der weiss, 
dass dieses Dichters innerste Kraft 
im Alter und der Verbannung 
nicht geschwunden ist, sondern 
noch eine Reihe gewaltiger Schoe- 
pfungen in Handschriften des Dich- 
ters auf ihre Veroeffentlichung 
warten. 

Gedruckt wurde in ^en letzten 
Jahren nur Wolfskehls Auseinan- 
dersetzung mit den Deutschen 
"Brief an die Deutschen", ein tief- 
sinniges und flammendes Gedicht, 
das in der Schweiz gedruckt wur- 
de und den einst so heiss gelieb- 
ten "Landsleuten" zeigt, dass 
Wolfskehlfc' Art und Weg der ihre 
ist — bis zum "Abgesang", der dann 
dem "bruellenden Teut" die stolze 
Absage gibt "Dein Weg ist nicht 
mehr der meine. . .". 

Wichtiger wohl noch und ergrei- 



ZWISCHEN 

(Forts, von Seite 4) | 

deuteten. Die Zivilisation erbebte 
in ihren Grundfesten, geruettelt 
von ZIVILISIERTEN. Vergleiche 
man die Gestalt eines Goebbels, 
der literarische Vorlesungen eines 
Gundolf hoerte, mit jenen asiati- 
schen Barbaren, die es besser nicht 
wiss-en konnten. 

Ein neuei- Kampf um die Sub- 
stanz des Westens ist entbrannt. 
Diesmal scheint die Krisenursacho 
nicht aus seinem eigenen Innern 
zu kommen. Steht nicht der alte 

Osten mit gewandeltem Gesicht vor j 

—— — ■ t 

fender ist, was Karl Wolfskehl in 
seinem letzten Briefe an mich als 
"sein letztes Wort" und nach sei- 
ner Meinung auch als sein "wich- 
t4gstes Wort" bezeichnente. Das 
sind die HIOB-Gesaenge. Vier Run- 
den, wohl auch "Die vier Spiegel" 
genannt, die sich in urgewaltiger 
Sprache mit der Gestalt Israels in 
der Welt beschaeftigen, die ihm — 
wie auch M. Susman etwa — unter 
dem Bilde des biblischen Dulders 
HIOB erscheint: Sie sind im Lau- 
fe von 15 Jahren allmaehlich ge- 
reift. "Seltsam — diese spaete Le- 
se!" sagte er in einem Briefe an 
mich; das letzte, das Widmungs- 
gedicht, entstand erst im letzten 
Jahre. 

Hoffen wir, dass diese Visionen 
des alten Kuenders, die bis jetzt 
nur in einigen wenigen Abschrif- 
ten sich in den Haenden einiger 
Freunde befinden, bald einer groes- 
seren Oeffentlichkeit zugaenglich 
gemacht werden. Dann erst wer- 
den wir das Testament unsres gros- 
sen Interpreten Karl Wolfskehl 
in Haenden haben. 





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n 




Dedicated to the advancement of Judaism as a religious civilization, to the upbuildlng 
of Eretz Yisrael, and to the furtherance of universal Ireedonn, justice and peace. 





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ff 



the Reconstructionist 



Karl Wolfskehl's "Last Word" 



By BERTHA BADT-STRAUSS 



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'HHEE g r c a t ''baale- 
teshuvah" werc born to 
thc dooiiu'd gencrations of Gcrman Jewry 
shortly bcfore it was Struck by disaster. 
The first was old Hermann Cohen, the 
philosopher of German Judaism, who had 
called himsclf "a baal-teshuvah for more 
than thirty years"; that is what he con- 
fessed whcn talking to his sensitive friend 
Boris Pines. The second was young Franz 
Rosenzweig, who will always remain 
young in our hearts, since he passed away, 
before reaching his fiftieth year, after 
heroically battling for seven years against 
mortal illness. Rosenzweig had come from 
the extreme left of German Jewry . . . 
and had grown to be one of the last phil- 
osophers of traditional Judaism. The third 
baal-teshuvah left us some months ago, 
dying a lonely exile in far-away New Zea- 
land, in his eightieth year, "füll of days." 
He was Karl Wolfskehl, who began as a 
brilliant Germanic poet and scholar, a 
friend and helper of Stefan George, the 
master-poet of the German young genera- 
tion. He died as a great Jewish poet, 
who had kept alive the Judaism of a 
whole generation of young Jews in the 
turmoil of the Hitler years. 

Never shall I forget the time when I 
first met Karl Wolfskehl in my Student 
days in old Munich. Every Student used 
to know him, the handsome bearded man 
whom you met everywhere, both in the 
bookshops and libraries and at the car- 
nival dances and frolics. His sound schol- 
arship had discovered in Bachofen the 
mystical philosopher of the new school 
of thought. Moreover, Wolfskehl had 
edited some of the oldest German poetry 
and his book on Goethe had rediscovered 
for the Germans their greatest poet. 

Karl Wolfskehl stemmed from one of 



the oldest families of German Jews, the 
Kalonymos family, and was always 
proud of the tradition that Charlemagne 
himself brought the family from Lucca to 
Mayence, where they flourished for three 
centuries until they were all but wiped 
out in the massacre of thc Jews in 1096. 
But all this belonged to the past; and 
today the late offspring of this proud 
family seemed willing to dedicate his 
whole being to German poetry and 
scholarship. It is true, Karl Wolfskehl 
never quite forgot the rock from which 
he was hewn. He was an early Zionist 
and a contributor to the famed Bar 
Kochba yearbook, where many names of 
writers of the Jewish renascence appear 
for the first time. 

There still remain some unanswered 
questions for the Wolkskehl biographer. 
Thus it seems a psychological miracle, 
comparable only to the awakenirtg 
of the Biblical prophets to their calling, 
that this man, no longer young, was des- 
tined by fate to be the poet who would 
forge the weapons for Jewish youth in 
the dire year of 1933. It was then that 
this man of the graying temples, the eter- 
nal discoverer of old-new values, dis- 
covered the secret meaning of Israel's 
fate: to go on. . . . 

Abraham went, Jacob went 

They all had to go . . . 

All of them went, staff in the 
road-hard hand 

Promise in their hearts, eyes 
filled with Him . . . 

Turned to the one and only goal. . . . 
It was then that his unforgettable Seder 
Songs were created, songs which have 
Seen many a Seder Night in this country. 
in Israel and in every other country in 
the World where refugees assemble. 



20 



I 



the Reconstructionist 



All this we knew. What we also knew, 
but did not grasp as we should haye was 
this: that these songs — The Voice Speaks 
they were called — signified the beginning 
of a new life and a new Jewish art for 
their creator. They were conceived in 
1933 and printed in 1934. From then on 
to his dying day Karl Wolfskehl never 
tired of adding to them, deepening their 
meaning and their message. In the years 
of his exile in Italy, he seems to have 
studied mediaeval Jewish religious phil- 
osophers. With the help of his friend 
Friedrich Bargebuhr, who subsequently 
translated Karl Wolfskehl's The Voice 
Speaks into a crisp, living Hebrew, he 
translated at this time Gabirol's Keter 
Malkhut (The Royal Grown). The Voice 
Speaks, which had been published twice 
in the series of the Schocker\ books, was 
published in 1935 ^^ ^^ enlarged edition, 
containing about ten more poems. The 
bilingual edition of Wolfskehl's poems, 
published in 1947 in New York, brought 
four new poems and significant altera- 
tions and additions in the text of the 
older poems. The lonely poet himself 
wondered at this "late harvest"; it seemed 
a Symbol of his indomitable youth. 

In those years we might have perceived 
that here we had one of the very few 
genuine religious pocts of our time: a 
modern paytan whose piyutim ought to 
be pondered and "Icarned" like the 
thoughtful piyutim of Eleasar Kalir and 
Meir Rotenburg. It was his Tom Kippur 
Message which grew most of all; some- 
times a new stanza was boni which 
astonished and even startled its own 
author, as Wolfskehl's letters teil us. 

In his last years of exile and sickness, 
Karl Wolfskehl's unfailing hand tried to 
sum up the results of his life. Some time 
ago, a Swiss publishing house — Orego 
Verlag — published his "Epistle to the 
Germans": a proud and sad farewell to 
his former friends and countrymen. It re- 



vealed to the "raging Teuton" where the 
two paths separated — never to meet 
again. It also revealed the author's un- 
dying love for the German language 
and poetry, but it would seem as though 
Wolfskehl now heeded his own waming: 

No love for pasts. . . 

Reject return . . . 

To go . . . what pain! 

To go . . . what joy! 

Do not remain! 

For now Wolfskehl retumed in every 
sense of the word to the way of his an- 
cestors: another of those baale-teshuvah 
who have appeared among European Jews 
of his generation, Like many a fellow 
sufferer among his Jewish brethren, he 
turned to the Book of Job for symbols of 
Jewish fate and Jewish character. 

In 1947 he sent me the following let- 
ter: "My strength is ebbing away. I shall 
not be among you — or rathcr, far from 
you — for long. So, I send you what is in 
every respect my 'last word,' (I consider 
it also my most important word ) , the 
'Job.' . . . The various Cantos grew into 
their present form through the years. . . . 
This poem is sent to you as my chief testa- 
ment. I feel satisfied now that these copies 
are in the hands of my friends. I ask 
you and my other friends to see to its 
publication. . . ." 

Here they are on my desk, these gigan- 
tic, visionary poems, depicting fate and 
metamorphosis of the Wandering Jew. 
It would seem to me that each one of us 
who was fortunate enough to be a con- 
temporary of Karl Wolfskehl is in duty- 
bound to make these poems, his "last 
word," available to a larger public. Only 
then our generation will understand that 
we were blessed to have in our midst a 
religious poet of the kind that our fathers 
saw in Judah Halevi or Ibn Gabirol. Karl 
Wolfskehl lived to see the decline and fall 
of German Jewry — but he also saw the 
dawn of a new age: the age of Israel. 



21 




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Seite 10 



nhs ^ /<T</ ALLGEMEINE ZEITUNG 



17./18. Sept 1949 



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(^xXnntttxn^tn n« fa^xi |lli»lf0kel|l 



VON FRITZ USINGER 



Wem das Glück zuteil wurde, zu der Ge- 
neration zu gehöret!', in deren Jugend das 
Erlebnis der Dichtunig Stefan Georges 
und seines Kreises fiel, dem wird die Er- 
innerung an den Schauer des neuen, nodi 
nie gehörten Sprach-Tones unauslöschlich 
sein* Dieser Eindruck hat sich später nidit 
abgeschwächt, aber andere, ideelle, sadi- 
lidie Gehalte der Diditung Georges traten 
dringender, beherrschender hervor. Aber 
darunter schwingt immer noch jener erste 
Rausch des neuen Tönens, jener zauber- 
vollen Stimmen. Unter ihnen war neben 
der des Meisters die Karl Wolfkehls wohl 
die geheimnisvollste, bannendste, macht- 
vollste. Sein Wort war dunkel und farben- 
voll zugleich, es erschien oft dem Gedanken 
undurchdringbar, lodcte aber unablässig 
wieder durch seinen wehenden, stürzenden, 
haudienden Atem. Nun, da Karl WolfSkehl 
in die Ewigkeit entrückt wurde, sudit die 
Erinnerung das Bild des wunderbaren und 
hinreißenden Mannes mit den Wesenszügen 
seines Werkes zusammenzusehen, um 
wenigstens daraus den Trost einer gei- 
stigen Gegenwart zu formen. 

LebensganiT 

Von seinem Leben.«?gange sei hier nur 
weniges angeführt: Er ist in Darmstadt am 
17. September 1869 geboren. Zuerst be- 
suchte er dort das „Pro-Realgymnasium" 
des Dr. Theophil Maurer, dann, von Herbst 
1878 an das Ludwig-Georg-Gymnasium, an 
dem er 1887 die Reifeprüfung ablegte. Er 
bezog zu^ädist die Universität Gießen, ging 
im Herbst 1888 auf ein Jahr nadi Leipzig, 
im Winter 1889/90 nach Berlin und sodann 
wieder nach Gießen. Seine Studien wid- 
met« er der Germanistik in ihrem weite- 
sten Sinne: Germanischer Literatur, 
Sprache, Rellglons- und Sagen-Gesdhichte, 
der Geschichte überhaupt und der verglei- 
chenden Sprachwissenschaft. Im August 1893 
sdüoß er in Gießen seine Studien mit der 

ersten selbständigen Publikation gingen 
lediglich kleinere Veröffentlichungen In 
Zeitungen voraus. Das Studium germani- 
scher Geistesgeschichte bezeichnete schon In 
der Jugend des Dichters die Wesensrich- 
tung, die auch später für Ihn bestimmend 
sein sollte. Für ihn bedeutete die Univer- 
sität nur die methodische Erschließung der 
ihm verwandten Stoffgebiete, aber nie eine 
Umformung oder auch nur Formung des 
eigenen Wesens. Die seelennÄhrenden, ge- 
staltwirkenden Zuströme kamen vielmehr 
au« anderer Richtung, von Bachofen, 
Burckhardt, Lazarus Geiger, Nietzsche, und 
die große endgültige Wegweisung sdilleß- 
llch bedeutete für ihn Stefan George, dessen 
.Hymnen Pilgerfahrten, Algabal« und 



Baudelaire-Uebersetzungen neben den 
ersten Veröffentlichungen der „Blätter für 
die Kunst" damals vorlagen. 

Im August 1893 ging Karl Wolfskehl nach 
München und lernte dort Stefan Georg« 
persönlich kennen, der nach früheren 
Aufenthalten in Paris, Wien und Berlin 
damals hauptsädilich in München lebte. Im 
Vorfrühling 1895 verließ Karl Wolfskehl 
München, und nadi einer anschließenden 
zweimonatigen Romreise siedelte er im 
Sommer desselben Jahres nach Berlin über, 
wo er Melchior Lechter, Reinhold und Sa- 
bine Lepsius, Georg Slmmel, C. • A. Kieln, 
Albert Verwey und nodi anderen Mitglie- 
dern des sidi gerade bildenden George- 
Kreises begegnete. In Berlin blieb er bis 
zum Frühjahr 1898, verbrachte alsda^fp den 
Sommer in Heidelberg und zog nach seiner 
Heirat im Herbst wieder nach München, wo 
er bis 1919 ansässig war. In diese Zeit fal- 
len eine Anzahl Reisen, nach Italien, dem 
Westbalkan, Indien, Paris. Audi in den fol- 
genden Jahren hielt sidi der Didiler län- 
gere Zelt in Italien, In Padua und Florenz, 
auf, bis er sidi 1925 wieder in Mündien 
niederließ. Dort hatte er seinen Wohnsitz 
bis zum Jahre 1933. Als der National- 
sozialismus sidi in DeutÄ^diland der Hfegie- 
rung bemäditigte, weilte Wolfskehl gerade 
in der Südschweiz. Er kehrte Qicht mehr 
nadi Deutsdiland zurück, sondern entschloß 
sldi, nadi einem Aufenthalt In Italien, dazu, 
Europa völlig den Rüdcen zu kehren und 
eine möglichst große Entfernung zwischen 
diesen Erdteil und sidi zu legen. Er emi- 
grierte nadi Auckland in Neu-Seeland, wo 
er im Alter von 79 Jahren verstorben ist. 

Werke 
Etwa bis zum Jahre 1925 waren die Ar- 
beiten Karl Wolfskehls nur einem kleineren 
Kreise von Freunden und Kennern lyrischer 
Dichtung vertraut. Erst seit diesem Jahre 
hat er eine weite publizistische Tätigkeit 

berühmt werden ließ. Denn diese Aufsätze 
und Abhandlungen, die nun in Zeitungen 
und Zeitschriften zu erscheinen begannen, 
zeigten eine solche Fähigkeit der Tiefen- 
durchdringung, des Vorstoßes bis zur letz- 
ten Geheimnissphäre, eine solche Vielfalt 
der Inhalte, ein so Immenses Wissen, im 
ganzen genommen ein so bewegtes und be- 
wegendes Leben, daß jedem Verstehenden 
deutlldi werden mußte, aus welcher 
mensdilldien Fülle und umfassenden Weis- 
heit dies alles stammte. Unter dem Titel 
„Bild und Gesetz" erschienen diese Auf- 
satz« In einem Bande gesammelt im 
Jahre 1930. 

Die Gedichte Karl Wolfskehls („Gesam- 
melte Dichtungen", 1903, und „Der Um- 



kreis**, 1927) sind häufig noch viel weniger 
„erklärbar" als die Stefan Georges, weil 
sie noch in stärkerem Maße Ausdruck dunk- 
ler, sprengender, überpersönlidier, schidc- 
salwlrkender Mächte sind. In den Gedidi- 
ten Georges waltet eine größere Bewußt- 
selrnftielle, ein stärkeres Licht der mensdi- 
lldien Maß-Setzung. In den Gedlditen 
Wolfskehls wallt das sdiöpferlsche Urdun- 
kel, das den einzelnen Mensdien unendlich 
überschwillt. Handelt es sich bei Georges 
Werk um die Sinngebung der Gestalt, so bei 
Wolfskehl um das erste Auftaudien der Ge- 
stalt aus dem Gestaltlosen. Wolfskehl lv<?t 
dem Ungeformten näher und verwandte? 
als George. Daher finden slda bei ihm auch 
meerartig wallende, sdiwankende, weit- 
flächige Rhythmen und diorlsdi gefühlte 
Strophen, wie sie George nldit gegeben 
sind. Ihre Entwicklungswege laufen 
nadi entgegengesetzten Richtungen. Georg^t 
kommt Immer entsdilossener zu dem Jetzt ' 
und Hier der Wirklichkeit, zu der Formung 
der Gegenwart und einer mensdilldien 
Gruppe, die diese Gegenwart geistig erfül- 
len soll. Bei Wolfskehl verstärkte sidi in 
den letzten Jahren sdion vor dem Na- 
tionalsozialismus immer mehr das tiefe und 
visionäre Gesicht des Zerfalls der euro- 
päischen Gesellschaft bis zum Hervorbre- 
ciien prophetischer Verdammung voll apo- 
kalyptischer Furchtbarkeit. Während George 
die Vollendung in der Gegenwart will, sieht 
Wolfskehl die Ur^vollendung bis in alle 
Ewigkeit. Er ist, ganz im Gegensatz zu 
George, ein Chlllast, aber keiner, der am 
Ende der Zeiten ein ewiges Eden auftau- 
chen sieht, sondern einer, dem sidi die 
Welt am Schlüsse in ein alles ausgleichen- 
des Nichts aufhebt. Ein götterloses, un- 
mythlsdies Ragnarök endet alle Laufte. 
Die Erhebung der Welt in den seligen Stand 
eines paradiesischen Friedens Ist nur eine 
schöne und ergreifende Legende, die ein- 
fach den Anfang der ewigen Welt mit dem 
Ende der zeitlidien gleichsetzt, den Kampf 
von Kräften und Oegenkräften im Durch- 
gang durdi das Ndits schlichtet. Nur in 
einem solchen paridoxen Sinne kann das 
Ende der Anfang aain. 

Woifch^his letztes Gedichtbudi „Die 
Stimme sprldit" (lj34) bestätigt das hier 
Gesagte. Durch die furchtbaren Ereignisse 
der Zeit wird der Dichter aus allem, was 
ihn seither freun*chaftllch und Hebend 
bargj vertrieben. Aus der antikischen Halle 
des Georgschen Weltraumes tritt er zurück 
In das Dunkel des göttlldien Chaos, aus 
dem Reidi der Bilder in das Reich eines 
bildlosen Gottes, der der Gott seiner Väter 
ist: 

Wieder drängt Er uns. 
Wieder verhängt Er uns 
Seinen ewigen Fug: 
Den Weiterzug, 
Den WeiterzuÄ. 

Und so zieht der Dichter welter, ans Ende 
der Welt, zu den Antipoden, von wo ihm 
keine Heimkehr mehr beschieden «€ln 



sollte. Diese finstere L«ben«run« warf ihm 
das Schicksal, Ihm, der die geheimnisvollen 
Runen deutschen und germanischen Wesens 
liebte und verstand wie wohl kein anderer 
in seiner Zelt. Es gibt keine schöneren 
Uebersetzungen althodideutsdier imd mit- 
telhochdeutscher Dichtungen als die Karl 
Wolfskehls. Mit Friedrich von der Leyen 
gab er 1909 die „Aeltesten deutschen Dich- 
tungen" heraus. Er formte virtuose Ueber- 
tragungen der latainlschen Gedichte des 
Ardiipoeta. In dem mit C. S. Gutkind her- 
ausgegebenen „Buch vom Wein" (1927) steht 
neben vielen anderen herrlichen Ueber- 
setzungen die unvergeßlldie des großen 
mlttelhodideutscfaen Gedldits vom „Weln- 
sdiwelg". Es Ist eines der vitalsten, mit- 
reißendsten Stücke deutsdien Humors. Auch 
der „Ulensplegel" von de Coster entsprach 
diesem gewaltigen Lebensgriff Wolfskehls, 



und so sdiuf er auch davon eine unttber- 
trefflldie deutsche Ausgabe. Wie sollte es 
möglidi sein, daß Karl Wolfskehl sidi je- 
mals von dem deutschen Geiste trennte? 
In den Jahren seines Exils arbeitete der 
Dichter an einem großen, hymnischen Ge- 
sang „An die Deutschen". Von diesem ge- 
waltigen Gedldit gibt es mehrere Fassun- 
gen, und dle*e Fassungen spiegeln das Auf 
und Ab der Auseinandersetzung mit dem 
deutschen Geist. In der legten Fassung, 
die vor kurzem (im Origo-Verlag, ZüridO 
erschienen Ist, spricht zum Sdiluß der Geist 
Gottes zu dem Dichter: „Wo du bist, ist 
deutscher Geist". Und damit hat der Dich- 
ter die wahrste Lösung seines Lebens ge- 
funden. Seine Deutsdihelt war dl© reinste, 
die sldi denken läßt, und Immer werden 
wir liebend und verehrend zu ihr zurück- 
kehren. 



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Hessische HeiMATzeiiscHRiFT 

FVyR VOLKSKV/NDe/ OeSCHICHTe 
NATV/R/ KUNST VND LITeRATVR 



5/6. HEFT 1950 
22. JAHRGANG 



VERLAG C.W.LESKE 
DARMSTADT 



Aus dem Inhalt : 

Kad JW!^e]/sk?hL Xon Fritz Usinger, — Die sieben Hände 
des Töpfers Adam, von Nikolaus Sdiwarzkopf. — Wie sie 
erzählten, von A. Merkelbach-Pinck. — Zwei eigenartige 
rheinhessischs Steinkreuze, von Friedr. Mößinger. — Das 
Ohly'sdie Haus in Niederkleen, von Karl Söhngen. — über 
den Vogelsberg, von Dr. Heinridi Diehl. — Die häufigsten 
Familiennamen in Hessen-Starkenburg, von Dr. E. Führlidi. 
— Gedichte von Hans Sdiiebelhuth, Walter Schmiele und 
Jo Ehlers. 



HeiMATßVND FWDeN R€0.߀2.DARAASTADT 




Preis dieses Heftes: 1. — DM 



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Odenwaldlandschaft 



Eberhard Sdilotter 



Karl Wolfskehl 

Von Fritz U s i n g e r 



Wem das Glück zuteil wurde, zu der Gene- 
ration zu gehören, in deren Jugend das Erlebnis 
der Dichtung Stefan Georges und seines Kreises 
fiel, dem wird die Erinnerung an den Schauer 
des neuen, noch nie gehörten Sprach-Tones un- 
auslöschhch sein. Dieser Eindruck hat sich später 
nicht abgeschwächt, aber andere, ideelle, sach- 
lidie Gehalte der Dichtung Georges traten 
dringender, beherrschender hervor. Aber dar- 
unter schwingt immer noch jener erste Rausch 
des neuen Tönens, jener zaubervollen Stimmen. 
Unter ihnen war neben der des Meisters die 
Karl Wolfskehls wohl die geheimnisvollste, 
bannendste, machtvollste. Sein Wort war dunkel 
und farbenvoll zugleich, es erschien oft dem Ge- 
danken undurchdringbar, lockte aber unablässig 
wieder durch seinen wehenden, stürzenden, 
hauchenden Atem. Nun, da KarlWolfskehl in die 
Ewigkeit entrückt wurde, sucht die Erinnerung 
das Bild des wunderbaren und hinreißenden 
Mannes mit den Wesenszügen seines Werkes 
zusammenzusehen, um wenigstens daraus den 
Trost einer geistigen Gegenwart zu formen. 

Von seinem Lebensgange sei hier nur weniges 
angeführt: Er ist in Darmstadt am 17. Septem- 
ber 1869 geboren. Zuerst besuchte er dort das 
„Pro-Realgymnasium" des Dr. Theophil Mau- 
rer, dann, von Herbst 1878 ab, das Ludwig- 



Georg-Gymnasium, an dem er 1887 die Reife- 
prüfung ablegte. Er bezog zunächst die Univer- 
sität Gießen, ging Herbst 1888 auf ein Jahr 
nach Leipzig, im Winter 1889/1890 nach Berlin 
und sodann wieder nach Gießen. Seine Studien 
widmete er der Germanistik in ihrem weitesten 
Sinne: germanischer Literatur, Sprache, Reli- 
gions- und Sagen-Geschichte, der Geschichte 
überhaupt und der vergleichenden Sprach- 
wissenschaft. Im August 1893 schloß er in 
Gießen seine Studien mit der Promotion ab. 
Seine Dissertation behandelte die „Germa- 
nischen Werbungssagen". Sie war die erste 
selbständige Publikation Wolfskehls und er- 
schien 1894 bei Arnold Bergsträßer in Darm- 
stadt. Ihr gingen lediglich kleinere Veröffent- 
lichungen in Zeitungen voraus. Das Studium 
germanischer Geistesgeschichte bezeichnete 
schon in der Jugend des Dichters die Wesens- 
richtung, die auch später für ihn bestimmend 
sein sollte. Für ihn bedeutete die Universität 
nur die methodische Erschließung der ihm ver- 
wandten Stoffgebiete, aber nie eine Um- 
formung oder auch nur Formung des eigenen 
Wesens. Die seelennährenden, gestaltwirken- 
den Zuströme kamen vielmehr aus anderer 
Richtung, von Bachofen, Burckhardt, Lazarus 
Geiger, Nietzsche, und die große endgültige 



73 







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Wegweisung schließlich bedeutete für ihn 
Stefan George, dessen „Hymnen, Pilgerfahrten, 
Algabal" und Baudelaire-Übersetzungen neben 
den ersten Veröffentlichungen der „Blätter für 
die Kunst" damals vorlagen. 

Im August 1893 ging Karl Wolfskehl nach 
München und lernte dort Stefan George per- 
sönlich kennen, der nach früheren Aufenthalten 
in Paris, Wien und Berlin damals hauptsächlich 
in München lebte. Im Vorfrühling 1895 verließ 
Karl Wolfskehl München, und nach einer an- 
sdiließenden zweimonatigen Romreise siedelte 
er im Sommer desselben Jahres nach Berlin 
über, wo er Melchior Lechter, Reinhold und 
Sabine Lepsius, Georg Simmel, C. A. Klein, 
Albert Verwey und noch anderen Mitgliedern 
des sich gerade bildenden Georgekreises begeg- 
nete. In Berlin blieb er bis zum Frühjahr 1898, 
verbrachte alsdann den Sommer in Heidelberg 
und zog nach seiner Heirat im Herbst wieder 
nach München, wo er bis 1919 ansässig war. In 
diese Zeit fallen eine Anzahl Reisen, nach 
Italien, dem Westbalkan, Indien, Paris. Auch in 
den folgenden Jahren hielt sich der Dichter 
längere Zeit in Italien, in Padua und Florenz, 
auf, bis er sich 1925 wieder in München nieder- 
ließ. Dort hatte er seinen Wohnsitz bis zum 
Jahre 1933. Als der Nationalsozialismus sich in 
Deutschland der Regierung bemächtigte, weilte 
Wohlfskehl gerade in der Südschweiz. Er kehrte 
nicht mehr nach Deutschland zurück, sondern 
entschloß sich, nach einem Aufenthalt in Italien, 
dazu, Europa völlig den Rücken zu kehren und 
eine möglichst große Entfernung zwischen die- 
sen Erdteil und sich zu legen. Er emigrierte 
nach Auckland in Neu-Seeland, wo er nun im 
Alter von 79 Jahren verstorben ist. 

Etwa bis zum Jahre 1925 waren die Arbeiten 
Karl Wolfskehls nur einem kleineren Kreise von 
Freunden und Kennern lyrischer Dichter ver- 
traut. Erst seit diesem Jahre hat er eine weite 
publizistische Tätigkeit begonnen, die ihn auch 
in größeren Kreisen berühmt werden ließ. Denn 
diese Aufsätze und Abhandlungen, die nun in 
Zeitungen und Zeitschriften zu erscheinen be- 
gannen, zeigten eine solche Fähigkeit der 
Tiefendurchdringung, des Vorstoßens bis zur 
letzten Geheimnissphäre, eine solche Vielfalt 
der Inhalte, ein so immenses Wissen, im ganzen 
genommen ein so bewegtes und bewegendes 
Leben, daß jedem Verstehenden deutlich wer- 
den mußte, aus welcher menschhchen Fülle und 



74 



umfassenden Weisheit dies alles stammte. 
Unter dem Titel „Bild und Gesetz" erschienen 
diese Aufsätze in einem Bande gesammelt im 
Jahre 1930. 

Die Gedichte Karl Wolfskehls („Gesammelte 
Dichtungen", 1903, und „Der Umkreis", 1927) 
sind häufig noch viel weniger „erklärbar" als 
die Stefan Georges, weil sie noch in stärkerem 
Maße Ausdruck dunkler, sprengender, überper- 
sönlicher, schicksalwirkender Mächte sind. In 
den Gedichten Georges waltet eine größere Be- 
wußtseinshelle, ein stärkeres Licht der mensch- 
hchen Maß-Setzung. In den Gedichten Wolfs- 
kehls wallt das schöpferische Urdunkel, das den 
einzelnen Menschen unendlich überschwillt. 
Handelt es sich bei Georges Werk um die Sinn- 
gebung der Gestalt, so bei Wolfskehl um das 
erste Auftauchen der Gestalt aus dem Gestalt- 
losen. Wolfskehl ist dem Ungeformten näher 
und verwandter als George. Daher finden sidi 
bei ihm auch meerartig wallende schwankende, 
weitflächige Rhythmen und chorisch gefühlte 
Strophen, wie sie George nicht gegeben sind. 
Ihre Entwicklungswege laufen nach entgegen- 
gesetzten Richtungen. George kommt immer 
entschlossener zu dem Jetzt und Hier der Wirk- 
lichkeit, zu der Formung der Gegenwart und 
einer menschlichen Gruppe, die diese Gegen- 
wart geistig erfüllen soll. Bei Wolfskehl ver- 
stärkt sich in den letzten Jahren schon vor dem 
Nationalsozialismus immer mehr das tiefe und 
visionäre Gesicht des Zerfalls der europäischen 
Gesellschaft bis zum Hervorbrechen prophe- 
tischer Verdammung voll apokalyptischer 
Furchtbarkeit. Während George die Vollendung 
in der Gegenwart will, sieht Wolfskehl die Un- 
vollendung bis in alle Ewigkeit. Er ist, ganz im 
Gegensatz zu George, ein Ghiliast, aber keiner, 
der am Ende der Zeiten ein ewiges Eden auf- 
tauchen sieht, sondern einer, dem sich die Welt 
am Schlüsse in ein alles ausgleichendes Nichts 
aufhebt. Ein götterloses, unmythisches Rag- 
narök endet alle Laufte. Die Erhebung der 
Welt in den seligen Stand eines paradiesischen 
Friedens ist nur eine schöne und ergreifende 
Legende, die einfach den Anfang der ewigen 
Welt mit dem Ende der zeitlichen gleichsetzt, 
d. h. den Kampf von Kräften und Gegenkräf- 
ten im Durchgang durch das Nichts schlichtet. 
Nur in einem solchen paradoxen Sinne kann das 
Ende der Anfang sein. Das meint Wolfskehl mit 
seinem für ihn so kennzeichnenden Gedicht 



Finis initium 

Wenn sonn und mond alle beide scheinen 
Wenn blumen blühn aus den dürren steinen 
Wenn alle engel warten und weinen 

Wenn alle dornen trauben tragen 
Wenn alle glocken ave schlagen 
Wenn alle pforten amen sagen 

Dann ist das ende aller irrefahrten 
Dann blickt der herr in seinen erdengarten 
Davor die vielen engel weinen und warten 

Dann wird der Herr in seinen garten gehen 
Dann wird die kreatur ihn leibhaftig sehen 
Dann wird die kreatur zu ihm eingehen. 

Wolfskehls letztes Gedichtbuch „Die Stimme 
spricht" (1934) bestätigt das hier Gesagte. Durch 
die furchtbaren Ereignisse der Zeit wird der 
Dichter aus allem, was ihn seither freundschaft- 
lich und hebend barg, vertrieben. Aus der anti- 
kischen Helle des Georgeschen Weltraumes tritt 
er zurück in das Dunkel des göttlichen Chaos, 
aus dem Reich der Bilder in das Reich eines 
bildlosen Gottes, der der Gott seiner Väter ist: 

Wieder drängt Er uns. 
Wieder verhängt Er uns 
Seinen ewigen Fug: 
Den Weiterzug, 
Den Weiterzug. 

Und so zieht der Dichter weiter, ans Ende 
der Welt, zu den Antipoden, von wo ihm keine 
Heimkehr mehr beschieden sein sollte. Diese 
finstere Lebensrune warf ihm das Schicksal, 
ihm, der die geheimnisvollen Runen deutschen 



und germanischen Wesens liebte und verstand 
wie wohl kein anderer in seiner Zeit. Es gibt 
keine schöneren Übersetzungen althochdeut- 
scher und mittelhochdeutscher Dichtungen als 
die Karl Wolfskehls. Mit Friedrich von der 
Leyen gab er 1909 die „Ältesten deutschen 
Dichtungen" heraus. Er formte virtuose Über- 
tragungen der lateinischen Gedichte des Archi- 
poeta. In dem mit C. S. Gutkind herausgegebe- 
nen „Buch vom Wein (1927) steht neben vielen 
anderen herrlichen Übersetzungen die unver- 
geßliche des großen mittelhochdeutschen Ge- 
dichts vom „Weinschwelg". Es ist eines der 
vitalsten, mitreißendsten Stücke deutschen 
Humors. Auch der „Ulenspiegel" von de Coster 
entsprach diesem gewaltigen Lebensgriff Wolfs- 
kehls, und so schuf er auch davon eine unüber- 
treffliche deutsche Ausgabe. Wie sollte es mög- 
lich sein, daß Karl Wolfskehl sich jemals von 
dem deutschen Geiste trennte? In den Jahren 
seines Exils arbeitete der Dichter an einem 
großen, hymnischen Gesang „An die Deut- 
schen". Von diesem gewaltigen Gedicht gibt es 
mehrere Fassungen, und diese Fassungen spie- 
geln das Auf und Ab der Auseinandersetzung 
mit dem deutschen Geist. In der letzten Fas- 
sung, die vor kurzem im Origo- Verlag, Zürich, 
erschienen ist, spricht zum Schluß der Geist 
Georges zu dem Dichter: „Wo du bist, ist 
deutsciier Geist". Und damit hat der Dichter die 
wahrste Lösung seines Lebens gefunden. Seine 
Deutschheit war die reinste, die sich denken 
läßt, und immer werden wir liebend und ver- 
ehrend zu ihr zurückkehren. 



Strand 



Wie gut das tut: die Sonne auf der Haut, 
Am Ufer leis des Meeres Murmellaut, 
Der Wind im Haar, das Aug am Himmelsbug, 
Der Möwen Flimmerflucht, der Segel Zug. 

Der Kranz von Dörfern freundlich um die Bai, 
Des Markts bisweilen hadernd Heischgeschrei, 
Die lungerbunten Boote trag am Strand, 
Der keusche, fein perlmutterfarbene Sand. 

Der Berge jäher Riß. In breitgestufter Seite 
Rebgärten und Kastanienwald. Und Weite, 
Gewog des Lichts, im Blau geruhte Flut 
Und Wellengang im Blut . . . wie gut das tut! 

Hans Schiebelhuth 



75 



Au 




r 



n 



Karl Wolfskehls /^ 
Vermächtnis 



(Karl Wolfskehl; Hiob oder Di« 
vier Spiegel. Gedichle. Claassen 
Verlag, Hamburg.) 

Am 20. Juni 1948 schloss im 
feinen New Zealand "bei den 
Antipoden" der greise Dichter 
und Seher Karl Woljskehl die 
müden Augen. Seine Freunde in 
aller Welt hatten kurz vor seinem 
Tode von dem "Uralten" ein Ver- 
mächtnis empfangen: das Manu- 
skript seines letzten Werkes, des 
"Hiob", sein "letztes und wich- 
tigstes Werk", wie er ihnen ge- 
schrieben hatte. 

In schlichtem, würdigem Ge- 
wände liegt das monumentale 
Werk jetzt vor uns, von einem 
tief verstehenden Nachwort von 
Willy Haas begleitet. 

"Vom Tag ab. al« das Schiff vom 
Hafen Europas abtlieKs, hab ich'B ge- 
wuaat,' gelebt, ausgesprochen, ausge- 
schluchzt, ausgesungen, das Zeichen, 
unter dem mein Leben, die letzte 
Phase dieses Erdenganges seitdem 
steht. Dieses Zeichen ... es ist der 
ewige Fug des Judenschicksals . . . 
Seit j^nem Augenblicke steht alles was 
ich bin, was ich füge unter dem ewi- 
gen Namen HIOB, seitdem bin ich, leb 
ich, erfahr ich Hiob. Alles was seit- 
dem entstand, führt diesen Namen . . ." 

So schrieb Karl Wolfskehl in 
den Jahren des Exils einem deut- 
schen Freunde, der nicht ver- 
stand, uarum der deutsche Dich- 
ter Karl Wolfskehl nicht an die 
Rückkehr ins einst so sehr ge- 
liebte deutsche Land denken 
konnte. 

Damit schon ist der Charakter 
dieser kostbaren Blätter gekenn- 
zeichnet. Es ist, wie Willy Haas 
bemerkt, "ein überaus kühner 
Versuch, dem Urtümlich-Jüdi- 
schen seinen Ort im deutschen 
Staatsbereich, und damit im deut- 
schen Seelenbereich zu finden 
und anzuweisen". 

Vielleicht ist es kein blosser 
tragischer Zufall, dass die Kata- 
strophe des deutschen Judentums 
diese Dichtung Wolfskehls zeiti- 
gen musste. Vielleicht wäre ohne 
die Spannung, aus der das Werk 
geboren wurde, niemals aus dem 
Weltfreunde und Stefan George- 
Schüler Wolfskehl der Dichter des 
Judenschicksals geworden. 

Es .sind vier Spiegel, in denen 
der Mann Hiob, in dem ja auch 
Margarete Susman ein Symbol 
des ewigen Juden erblickte, 
dem nachlebenden, nachfühlenden 
Dichter erschien. 

Hioh-lsrael erlebt an sich das 
das ewige Schicksal des Kampfes 
mit Gott, der einst dem Ahn "die 
Lenden renkte" und der noch 
heute nach allen Wanderungen 



C7 



und Untergängen dem rühelo.«;eii 
Pilger, der zugleich "Enkel und 
Ahne" ist, die ferne Verheissung 
des Ziels bedeutet. 

Aber aus Hiob-Israel, dem Er- 
ben des "Buches", wird Hiob- 
Simson, der blinde Kämpfer, der 
die Welt und alles Leben mit sich 
in Nacht begräbt: in einem der 
wuchtigsten, dramatischen Bilder, 
die die nimmerrastende Hand 
Wolfskehls je entworfen hat. 

Der dritte Spiegel zeigt Hiob' 
Nabi, den Propheten, zunächst 
den Nimmerbegriffenen, gegen 
den sich enger Widerspruch der 
Nachbarn empört; und dann in 
einem zweiten grossartigen Ka- 
pitel den Freund des kosmischen 
Lebens, den nur nachbarlicher 
Unverstand ablehnte . . . und der 
doch selbst versagte und feig 
säumte, bis auch er nun "nicht 
sehen darf, wie sichs erfüllt '* 

Der letzte, kühn.ste Spiegel 
aber zeigt *'Hiob-Mschiach'\ den 
Mann, der einer letzten Zwie- 
sprache mit Gott gewürdigt wurde 
und die uralte Botschaft erneue, 
die einst die Väter ahnten: 

Wer wenn nicht Du? 
Wann wejin nicht heut? 
Wo wenn riicht hier? 

Dieses Kapitel bringt den Wan- 
derer in unmittelbare Beziehung 
zum heutigen Leser, der mit der- 
selben Wucht und Dringlichkeit 
angerufen wird wie es einst die 
unvergesslichen Gedichte der 
"Stimme" im Unglücksjahre 1933 
taten; und es klingt zur gleichen 
Zeit schlicht und kühn wie ein 
altes Chassidim-Lied, etwa wie 
das "Dudele", Denn es ist das 
Merkwürdigste in diesem merk- 
würdigen Gedichtbuche, dass es 
in seinem klangschönen Sprach- 
gewande (man muss es laut lesen, 
am besten jemandem vorlesen!) 
ältestes deutsches Sprachgut mit 
allen Bereichen des jüdischen 
Sprachgutes zu vermählen unter- 
nimmt: hebräische und jiddische 
Worte scheinen sich freundlich 
mit altdeutschen zu vertragen. 

Karl Wolfskehls Freunde und 
Leser leben heute verstreut in 
allen Ländern des Erdballs: sie 
werden dies Vermächtnis des 
toten Dichters und Juden mit 
wehmütiger Freude begrüssen. 
Denn es ist Ende und Anfang zu- 
gleich: der Schritt vom deut.schen 
Dichter Karl Wolfskehl zum Bür- 
ger einer künftigen Welt, der 
Welt des Messias. 

Bertha Badl-Slrauss. 



r 



1 



t Sartre die ^Ürterature 
-itar, za öberhrüdccn. 

heißt sdirciben?" rniter- 
provokatonscher Strenge 
. Für deti Dichter sei dasl- 
rn ^Abbild" eines Wejt^ 
irift-^tellcrs fiingegcft^» 
Icr hat Rcwäblt, die 
\ Wensdien, den' am 
ts des 90 entblößten Ob- 
Ting auf sidi nehmen." 
7clt aussagt, verändert er 
die Absidit hat, die Welt 
3tn, das heißt enthüllen. 
1 and die Aktion tnadit 
rrst siditbar. 

«n der IJterafrif willen! 
I dit Freiheit des Lesers 



ziaiismas. 



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cmoKTiiUc, «IC« i'iieucnv 



* M«JNU»4 BCtl*A<_*«« ^H>H 




Hiob und Hellas / Ccdidhtrn vonKaHWolfskchl 



rerk 



f Studie — ru dem to- 
r. Als praktisdic Übung 
gene Nadibarsdiaft und 

', «o ist es fast unglaub- 

o viel Material, eine so 

lodemen Sdiau, auf ein 

Aber nidit nur das ist 

: so faszinierender Weise 

ade für Erwadisene und 

^m, sidi vorzustellen, was 

j Kuns'crzichung hier in 



Am 30. Juni msliP^ä^'i^off^^^'^'f^i^^ 
gestorben. Man hörte, daß aus der Zeit des Exils be- 
deutende Diditungen vorlägen, und war gespannt, ihnen 
zu begegnen. Nun sind zwei Bände dieser Gedidite 
ersdiicncn (,7iiob oder "Die vier Spiegel', Hamburg 
1950, CInasscn, 31 Seiten, DM. 4.8ü, und ^Santl aus 
dem £-xil'. Heidelberg o. J., Lambert Sdmdder, 79 Sei- 
ten, DM. 10.—), und es sei gleidi gesagt, daß sie, zu- 
sammen mit dem im vorigen Jahre 'u\ der Sdiweiz 
ersdiicnenen Gesang ^An die Deutsdien", den Höhe- 
pimkt der Wolfskchl sehen Diditimg darstellen und das 
diditerisdi Mächtigste und Bewegendste sind, was neben 
dem Werke Georgeis selbst aus dem George-Kreise 
liervorgegangen ist. Hier ist nid^s mehr von einem 
Nachfahren und Epigonen Georges zu vermelden, son- 
dern von einem Diditer selbständigster und eigcntüm- 
lidister Art, einem Schöpfer von kühnem geistigen und 
spradilidien Griff, dem Dinge gelingen von einer 
strömenden Fülle, einer Rühnmgsgewalt ans Herzzer- 
brochenhcit und Größe, einer Wcitnähe des Sagens, 
wie sie selbst bei George selten sind. Es mutet einen 
als ein wunderbarer Akt gesdiiditlidier Gerechtigkeit 
an, daß Kar! Wolfskehl, der menschlich-größte der 
George-Freunde, der , Immertreue ", nun auch didite- 
risdi unmittelbar neben seinen Meister genldct ist, 
als einziger Gleich-Großer, dem es gelang, neben der 
Georgeschen Sprach^^'c!t eine eigene, eben die Wolfs- 
kehlsdie Sprachwelt, zu sdiaffen, etwas ^Weiterführen- 
des, Neues- 

Dem kritisdien Auge war «choa an de« frilh^ 
Werken (.Gesammelte Diditungca", 1903, .Der Um- 



«rloschener Glanz / jcan giohm »Nonna« 



fdiige, mit lQuan»pHttem 
^ogen der alten Marquise, 
, *]ean^>'^ton0f niaem R^ 
: ■ , öefljetzt^ in :^eutsd«r 
! Nontta*, Öbersetz;* vöo 
950, Cotta, 195 Seiten, 
- Großmutter de« jungen 
rem sdiönen und sdiarf- 
iem .sdiattenverzehrten* 
•enze zur Unterwelt sdion 

In den letzten Jalirzehn- 
a Dasein» nimmt sie nicht 
len Gemeinsdiaft, ist nn- 
lerz, doA sie ernährt sidi, 
jsdiiedcnen vom Blut, von 
cbung. Wer in den Sog 

muß ilv, wie einer Gott- 
Dpfcr um Opfer bringen 
Lädieln ztrni Dank. .Wir 
gelo, der Enkel, der 1ms 

kcrperlichen Verfall» — 
dringlidikeit gcsdiildert«! 



and 



rgangenheit Ijeeinflußt ist. 
ihr oder weniger verarm- 
mds wird in allem, im Er- 
in den Sitten des Tee- 

der Begräbnisse, von der 
j bestimmt. Das ist ra- 
rielartigen Kontrasten ge- 
'erfasserin ein Experiment, 
5en ist und das audi mit 
isdien und geistigen Mit- 

nicht zu realisieren ist. 
t in Jede Geste .wirkltdi" 
ihereitt ins pberwirklidie 

oder redit .surreal* kon- 
i\ gefallen lassen, daß die 

elnd im Steiirücitalter xtnd 
Iben Figuren sehen. Aber 

tmd soviel sie von den 

versteht, der Salto mor- 
inständltdien, vomFleisdi- 
lelingt ihr nicht — so be- 



Verwesnng bei lebendigem Leib — an ihrer Seite 
bleibt, .sie war im Herzen blind, hinter ihren Augen 
gab es eine» Ort, wo man nid»t leben konnte, iw> liles 
Irui.sdiey.eigiJi^,* , . ..... ,- 

Ein geheimnisvolles imd gespenstisch e« Budi, in wel- 
diem die Vorgänge sich in einem anderen Medium, 
außerhalb der gewohnten Zeit- und Raranbegriffe voll- 
ziehen. In dem Hause, wo die Marquise lebt, ver- 
misdien sich Licht und Scliatten, Leben tmd Tod so, 
daß keine der gesdiilderten Personen ganz dieser Welt 
anzugehören sdieint: weder der Enkel, der sdion als 
Knabe nidit mehr jung ist, noch der Vater mit seiner 
Güte und Mildtätigkeit, noch das blinde Mädchen 
Waditel, das sidi in der sie umgebenden Finsternis 
eine eigene Welt der Imagination gesdiaflfen hat Es 
spinnt sich kaum eine äußere Handlung an, in einem 
tieferen Sinn gesdiieht in diesem Buche sogar immer 
das gleidie, wodurdi der Eindruck jcn^r quälenden 
Einfönnigkeit und Unruhe entsteht, die so bezcidi- 
nend sind für das adieronisdie Zwisdienreidi. 

Mandier Verehrer des früheren Giono und seiner 
reifen und süßen Sinnlidikeit, mit der er die Gaben 
der Erde pries, wird über dies Budi erstaunt, ja ent- 
täusdit sein. Wohl lebt die südlidi glühende Welt sei- 
ner berühmten Romane mit ihrer reidien Skala von 
Gerüchen, Tönen tmd Farben nodi im Bewußtsein des 
jungen Angelo fort, aber immer wieder droht ihr Glanz 
zu verlösdicn durdh den Sdiatten .von drüben*. Das 
Mysterium der großen Verwandlung vollzieht sidi 
schon hier, unvermerkt wachsen die beiden Bereiche 
zusanunen, ein Vorgang, der mit antiken Vorstellun- 
gen mehr Verwandtsdiaft zu haben sdieint als mit dem 
diristlidien Todesbegriff einer jähen Abberufung ins 
JefMeitfb 



kreis*, 1927) dentlich/wie'iya»"dedrdit WoIfskehTs 
ganz anderen seelischen Quellen gespeist war als da$ 
Georges. Es versudue wohl, m einer im glcidiwi Maße 
geordneten Fügimg zu kommen, dodi war ihm nicht 
derselbe plastisdie Sinn verliehen, und es hatte immer, 
eine gewisse Schwierigkeit auf dem Wege rnm anschao* 
lid>en Bild m fibcrwindetu Diese Eigentümlichkeit rti» 
stärkte sich nodi, als unter dem Eindruck der Ereigniss« 
des Jalires 1933 sidi in Wolfskehl eine Wiedererwedomg 
seiner jödisdien Religiosität vollzog. Eine Welt der 
Ortlosigkeit, der EKinkdhcit tat sidi auf. So gilt achon 
für das durchaus relif^iöse Gediditbnch .Die Stimm« 
spridit" (1934) das spätere Wort am dem ^Hiob*« 

Hinsdwanden Stufen, Wirbel, Lewhter, Sphärea^ 

Das onschaabare Nichts hob Sein Gesicht. 4^« 

Vor den neuen GediditbOdwm durfte man Hantii 
von der Frage bewegt sein, ine das Religiös-Unschaa- 
bare sidi von dem Diditerisch-Schaubaren formen Heße;* 
Ganz besonders bewegend ist, daß »och da» zweite 
Lebensmotiv Wolfskehls, das mittelmeerisdi-sdiönheit- 
lidie, wieder hervortritt mid sich ebenbürtig neben das 
religios-jüdisdie stellt Der Meister der alten Zeit, Stefan 
George, ist nidit vergessen und dxnth die Ereignisse 
der Leidenswelt in seiner Strahlungskraft nidit gemin- 
dert. Immer noch ist er für Kari Wolfskehl der in unse- 
rer Eiwdie inkaniierte Mythus des deutsdien Mensdien« 

.Hiob* ist das Budi der Katastrophe de« Jndentmmt 
Karl Wolfskehl selbst ist dieser Hiob, nnd er setzt 
sein Schidcsal dem des Volkes Israel im ganzen gleichu 
Er ist Hiob Israel. Aber dabei bleibt es nidit, senden» 
er geht mit dem jüdischen Volke ins Gericht, weil es 
von dem Erlittenen her nicht die entsdieidende Wand-» 
lung vollzieht Als Hiob Stmson reißt er die Säulen 
des Gebäudes ein, um durdi den gewollten Untei^ang 
die Bahn in die Zukunft zu brccheni Als Seher, als 
Hiob Nabi, riditet er heftige Worte der Mahnung an 
sein Volk, «m dann als Vcrkünder des Messiai^ als 
Hiob Maschia-di, das Wichtigste auszwspredien,: daß 
jiidcr Mensch i~ siJi den Messias verwlfldidic« afrfbsoi 
So kündfct Hiob «ein* durdi dats Leid gewonnene Eüt*^ 
sieht in vier prophetischen Visionen. Es sind die .vier 
Spiegel*, von denen der Untertitel des Buches spndit, 

Audi im .Sang aus dem Exil* erhebt Hiob idie 
Stimme. Seine Worte nehmen den dritten, den letzten 
Teil des Budies ein und bilden, als Ausklang, allerdings 
das Fazit au« der Existenz des Dichters. Aber der 
Hauptteil des „Sangs aus dem Exil* ist, nach emem 
kurzen „Präludium", die Gedichtgruppc .Mittelmecr*, 
welche die kontrapunktisdie Gegenstimme zu den .vier 
Spiegeln" des .Hiob* bildet Hier enttaucht der didv 
terisdicn Sidit Wolfskehls noch einmal der ganze Glanz 
jener deutsdi-mittelmeerischen Sdiönheitswclt, jener 
höchsten Welt der Identität von Ding und Idee, wie 
sie in der Gesdiidite der deutschen Didituog nur in 
jenem seltsamen neunzehnten Jahrfiundert, von Goethe 
bis George, gesehen und gelebt wurde, um dann wieder 
zu versinken. Hier erscheint sie in einem letzten lieben- 
dert Rüdcblidc, in ihrer endgültigen Heimweisung an 
den ewigen Traum. Was in der Zeit nidi* mehr mög- 
lich ist, kehrt zu seinen Göttern zurüde. Aus diesen 
Versen des Diditers hallt die Bestätigimg, daß den 
Menschen niemals Sdiöneres zuteil wurde als das 
griedijsdie Erbe: .Was glich in Himmeln diesem Erden- 
kreis, / Wo Sappho sang mit Pindar um das Reis?** 
So sind in diesen beiden Büdiem Hiob und Hella« 
abgründig und erstaunlidi genug miteinander verbunden. 
Das Gel:cimnis ihrer Verbindung aber ist: die prophe- 
tisdie und die hellcnisdie Erfüllung, die Größe de« 
Menschseins in jeder Gegenwart, 



Das menschlidie Dokument eines Kaisers 

Franz Josephs Briefe an Katharina Schratt 



Im Ullstein -Verlag, Wien, sind vof einiger Zeit 
Briefe Xaistr 'Jranz Josephs an Xatharina Sd>ran ver- 
öifentlicht worden. Als Herausgeber des 503 Seiten 
starken Bande« zeidinet 'Jean de Vourgoing. (DM. 
18.50.) Au« «ehier Feder stammt auch die Einlei- 
tung, die da« Leben der beiden Hauptpersonen, des 
Kaisers und der Sdiauspielerin, nadizuzeidinen ver- 



c«»....:« 



*t: — . 



Stehende Frau belegt, wird viele Herzen rühren und 
hat seinen Wert als Beitrag zur Aufliellung einer 
Herzensgeschidite, die nur deshalb als Skandalaffäre 
durdi die Weltpresse gejagt werden konnte, weil der 
Mann ein Kaiser und die Frau eine Sdiauspielerin war^ 
Im Vorwort zu Reinhold Sdineiders Buch „Die 
Hohenzollem* heißt es: .Einzig und allein in Herr- 



) 



.^ » - «. 







7 Y'^^' 



NEUE ZÜRCHER ZETTUMC 



LITERATUR UND KUNST 



Samstoff, 7. April 1961 Blatt 4 
Morgenausgabe Nr. 744 (13) 



«SsLUfr aus dem Exil» 

Zu den spaten Gedichten von Karl WolfskeJd 

Die wenigen Jahre, die uns von dem Tode Karl 
Wolfskehls und von der Vollendung seines letzten 
Vermächtnisses trennen, haben in unserer von 
neuen Nöten und Problemen bedrängten Zeit den 
Kern dieser Dichtung schon ein Stück weit in die 
Vergangenheit gerückt. Das Exil, noch eben Mitte 
und schwärende Wunde des Weltgeschehens, ist, 
obwohl keineswegs geheilt und überwunden, für 
die rasch vergessenden heutigen Menschen keine 
lebendige Gegenwart mehr. Das ist aber für diese 
Dichtung ohne letzte Bedeutung. Denn dieser „Sang 
aus dem Exil"* ist, so sehr er Bekenntnis, Aus- 
druck eines einzigen einmaligen Schicksals und da- 
mit auch einer bestimmten Weltstunde ist, weit 
mehr als ein persönliches Bekenntnis. Das Exil, 
aus dem dieser Sang erklingt, ist nicht nur das des 
jüdischen Dichters deutscher Sprache in Deutsch- 
lands dunkelster Stunde und nicht nur das Exil 
des jüdischen Volkes, für das dieser eine stellver- 
tretend steht; es ist auch nicht nur das Exil des 
europäischen Geistes, den der Dichter in weiter 
Ferne von Europa verwaltet; es ist als Ringen mit 
den letzten dunkelsten Mächten von Einsamkeit, 
Alter und Tod das Exil des Menschen auf der Erde 
überhaupt. 

Aber alle Formen und Weisen des Exils klingen 
in diesem großen Sang zusammen. Es ist, als wäre 
gerade dieser Mensch, dessen Väter seit einem 
Jahrtausend am deutschen Rheinstrom wohnten und 
— wunderbares Gleichnis seines eigenen Geistes 
und Werkes — das Sabbathlicht im Rhrinw*^in 
löschten, dieser Dichter, der mit der deutschen 
Heimat eins und identisch und dem sie doch auch als 
Gegenüber der Gegenstand einer noch tieferen 
Liebe war — als wäre gerade dieser mit Herz, Geist 
und Wort zutiefst in der Heimat wurzelnde Mensch 
an die von Europa entlegenste Küste geschleudert 
worden, um von ihr aus den Sinn aller Verbannung 
zu offenbaren. Es ist, als hätte die Selbstzerstörung 
Europas den greisen, fast schon erblindeten Sänger 
in das jugendlich rasende Abenteuer des Aufbruchs 
in ein allerfernstes, ihm bis zur Sinnlosigkeit frem- 
des Land getrieben, damit er von drüben, von jen- 
seits der Meere, im dreifachen Blutschein des Unter- 
gangs, des Gerichts und des eigenen brennenden 
Heimwehs noch einmal das ewige Europa schaue, 
wie es um das „Mare nostrum", das heimische 
Mittehneerbecken, gesammelt, mit all seinen Götter-, 
Helden- und Heiligengestalten, mit all seinen Träu- 
men, Bildern und Urbildern, des Dichters eigenen 
Doppelursprung einschließend, in den großen 
Kulturen des Abendlandes aufgestiegen ist. 

Nicht leicht erschließt sich dies große Spätbild. 
Auch die Sprache dieses Sanges ist im Exil. Sie ist 
einsam n.id «sotcrisch schon durch den Reichtum 
geschichtlich-übergeschichtlichor Wissensgehalte ; 
sie ist es nicht minder als Erbe Stefan Georges, 
den Wolfskehl, da er einst seinem über alle Rän- 
der stürzenden Leben die Form, seiner vom eige- 
nen Ueberreichtum verwirrten Sprache das neue 
Wort und seiner ganzen entleerten Zeit die Schön- 
heit eines neuen Lebens und Wortes gegeben hatte, 
bis zuletzt als seinen Meister verehrte; die sranz 
eigene Sprache dieses Sanges ist schwer faßlich vor 
allem dadurch, daß diesem Dichter von je das Wort 
Ausdruck eines in unwegsamen, unzugänglichen 
Lebenstiefen Erfahrenen, eines letzthin Unaussag- 
baren war. Der schon die früheste Jugendliebe 
„schaudernd ob des Glücks gorgonischer Schre<kung" 
erfuhr, war zeitlebens von dem Schauder eines 
Numinosen umwittert, das sein Wort fast wie das 
der delphisehen Priesterin mit den Dämpfen der 
Tiefe umhüllte und es, obwohl oft blitzsrieich ein 
letztes Dunkel erleuchtend, im Irdischen fremd und 
vieldeutig werden ließ. Es lastet auf dieser ein- 
samen Sprache aber auch eine Feier des Geistes, 
die uns heute fremd geworden und die doch der 
Sinn der großen Zeiten Europas gewesen ist: eine 
Treue des Dienstes, die den Geist zu dem Todes- 
nahen die lösenden, fast schon erlösenden Worte 
sprechen läßt; 

Vorschreitend meinen Säem, meinen Schnittern, 
Wer darf die Glieder lösen wenn nicht du? 

Aber dies Wort des Geistes bleibt nicht das 
letzte, nicht das wahrhaft erlösende Wort dieses 
Sanges. Aus dem noch größeren Dunkel der Ver- 
bannung, einem Raum unterhalb aller geistigen 

• Origo- Verlag, Zürich 



Bezirke, aus einer Einsamkeit von so grauenhafter 
Tiefe, daß in ihr „Selbst ein Nachtmahr zur Ge- 
sellung freut" steigt vor dem dunklen Blick des 
'\''erbannten die Gestalt des einsamen Dulders Hiob 
empor. Mit ihm, dem von Gott und den Menschen 
Ausgestoßenen, hat der Dichter den letzten Sinn 
der Verbannung erreicht: er hat in der dunklen 
I^idensgestalt Hiobs sein eigenes, immer vergeb- 
lich gesuchtes Ich gefunden, das sich im Reichtum 
von Leben und Geist in der Heimat ihm immer 
entzogen hatte. Und er geht noch die letzte Strecke 
weiter: dieses Ich, das sich ihm, nachdem aller 
Stolz und Reichtimi des Geistes von ihm abgefallen 
ist, als „ein ganz Geheimes, ganz unsäglich 
Selbes" offenbart, gibt er wie Hiob in nackter 
Demut dem Ganzen der Schöpfung zurück. Und es 
wird ihm darauf auch dieselbe Antwort: wie Hiob 
nach überstandener Prüfung alles Seine zurückge- 
geben wird, so erhält auch der Dichter, naciidem er 
*^ aufgegeben hat, noch einmal sein kostbarstes 
Eigentum: die Gabe des geistigen Schauens zu- 
rück. Er erblickt sein dunkles Lebensgeheimnis im 
prahlenden Ganzen: Der rastlos in alle Weiten 
and Welten verflogene „Flatterer Ich" kreist zu 
sich selbst von sich selbst erlöst mit den Sonnen, 
den Sternen, den Welten und Wesen, den Faltern 
und Motten im All. Er hat alles Fragen aufgegeben: 

Bist du Falter, Entfalter aus eigener Brut, 
Dann fliegst du dir seiher entgegen; 
Bist du Motte, versprühst, nurh das ist gut: 
Gleich tuirst du wieder dich regen. 



fe 1. 






Auch das ist gut; denn das Leben ist gut, auch 
das Leiden, auch der Tod ist gut; er wiederholt 
das Wort des Schöpfers am siebenten Tage. 

Am Ende des Sanges klingt noch einmal sein 
Grundton: Europa, das versunkene Europa auf. 
Das letzte Gedicht zeigt den blinden Sänger, wie 
er beseligt am Strand neben einer aus dem Meer 
heraufgefischten alten gotischen Glocke kniet, mit 
kundiger Hand ihre mächtige Wölbung, ihre großen 
Ornamente abtastet und aus ihnen Ort und Zeit 
ihrer Bestimmung errät. Welcher geheimnisvolle 
Zufall, welches Wunder hat ihm diese in ihrer 
Stummheit beredte Gefährtin aus der weit ent- 
fernten Heimat vom Grunde des fremden Meeres 
zugesandt? Er fragt nicht: er hält Zwiesprache 
mit der „Schicksalsgleichen", gleich ihm in fremde 
Welt, in fremde Zeit Verschlagenen; er sieht auch 
sie, die Mächtige, nach Form und Sendung Ueber- 
dauernde, fromm einem größeren Lebensganzen: 
dem Gesetz der Zeiten eingefügt. 

Stumm ivwn, denn Zeit hat dich verxoitteri, 
Rufst keinen auf swr Liturgie — 
Doch die nie mehr vor Wohllaut zittert, 
Schweigt in der Demut Harmonie. 

Das letzte Wort der beiden stolzen Zeugen des 
versunkenen Europas ist die Demut: in der Har- 
monie der Demut klingt wie die verstummte 
Glocke der Sang aus dem Exil, die einsame 
Stimme des Verbannten aus. 

Margaret iSusman 



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Extract from "RSFLECTiOKS ON RECENT GERMAN WRITI^G" 
by F. A. Voigt, (from: The Lletener, June 14, 1951.) 



4 



And now, before I flnish, let me say somethlng about 
recent German verse. I find myself in rather a difficulty, 
for jerman critics whose Judgment I trust speak with admiration 
of several poets wbose poetry, it seems to me, doee not 
^uite *come through'. The course of English poetry, from 
ohaucer to Andrew Young, preserves an astonishing organic 
continuity on the highes t level, whereas the course of German 
poetry is broken by arid periods, like bleak winters that 
last too long. It seems to me the German poetry is in suchj^ 
a bieak period today. I, at least, know of only one German 
poet who has, since the war, written verse which I should 
dare call great'. I mean itARL WOLFSiiEHL. A slim volume of 
bis verse appeared last year under the title of JOB, OR THE 
FOüR Mli^CRS. Wolfskehl is an orthodox Jew whose poetry is 
rooted in the Kabbai a and the JR^opSTi: "His poems have ä SJSXCHlxxt 
concentrated religious passion controlled by a povverful 
mind and sweetened by Joy and by humility. I shall finish now 
by eaying ^ust this about one of them, a poem entitled 
Hiob i\iabi , and I could not speak in terms of greater 
reverence when I say that 'Hiob Kabi' has a close affinity, 
both in manner and content, with Christopher Smart *s 'Sonp; 
to David. * ^ 



- TKIRD PROGRAI^E 



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«Hiob oder die vier Spiefjel» 

Gedichte von Karl Wolfskehl 

Die Spätdiehtung, die dieser schmale Band um- 
faßt*, erschließt sich nicht leicht dem Verständnis 
des Lesers. Sie ist, inhaltlich gesehen, von der Ge- 
walt eines Leides ausgepreßt, das ganz das des Dich- 
ters und ziugloich das ihn weit ü'berschreitende seines 
Volkes und seiner Weltstunde war. Ausgepreßt, wie 
es die Strophe des Einleitungsgedichtes sagt: 

Wimer Leid, dich grüß ich, meiner Trauben 
Ueberschwere Beeren seien dein. 
Herbste! Lang schon gilben meine Lauben, 
Späte Lese bringt den vollsten Wein. 

Vom Sprachliehen her ist aber diese Dichtung 
wie alle späte Dichtung Wolfskehls nur aus seinem 
Doppelursprung zu verstehen: aus seiner geistigen 
Herkunft von Stefan George und aus der erst spät 
ihm bewußt gewordenen von den alten Urkunden 
des jüdischen Volkes. Diese Doppelheit, die vor fast 
zwei Jahrzehnten durch die jähe Wendung seines 
Schicksals in seiner Dichtung als Zwiespalt auf- 
sprang, ist hier zu einer Einheit zusammengezwun- 
gen, in der beide Ströme seines Lebens rauschen. 
Durchweg spüren wir in der halb verschlossenen 
Spracbwelt dieser Dichtung in doppeltem Sinn ein 
Aeußerstes an Schicksal: ein mit blutendem Herzen 
Erlebtes und auch schon mit dem Blick des Sehers 
Erschautes. 



Claassen-Verlag, Hamburg. 



Als Teppich, als bunt und schön geknüpften 
Teppich, hat George das Ganze des Lebens erblickt 
und es dadurch in den reinen Raum der Schönheit, 
in eine so unausmeßbare Ferne vom Wirklichen ent- 
rückt, daß in ihm auch noch die finstere Blutfarbe 
unserer Zeit als ein tiefer Purpurton in einer Fax- 
bensymphonie erscheinen könnte. Man kann diese 
letzte Dichtung Wolfskehls als das kaum mehr mög- 
liche Wagnis begreifen, das Dunkelste, in seiner 
Zeit Erfahrene: das Zerbrechen des Menschlichen in 
der Menschheit, noch einmal der Schönheit des 
Teppichs einzuknüpfen. Denn das Material zu 
dem bunten Geflecht ist für ihn wie für George das 
Wort. Das Wort, das für Goethe der letzten Wahr- 
heit, (iem tiefsten Geheimnis des Lebens gegenüber 
immer ein nur Vorletztes war, ist für George die 
Offenbarung der Wahrheit selbst geworden, und 
keiner hat roiner als Wolfskehl die Treue, den 
Dienst am Wort als Offenbarung gewahrt. Ihm 
wurde es ja in noch anderem Sinne Gotteswort im 
Menschenwort, so daß auch sein Dienst am Wort 
in der Spätzeit ein neuer, noch einmal vertiefter 
war. 

Nun scheint aber in dieser letzten Dichtung ge- 
rade das Wort mit Sprengung bedroht: nicht nur 
durch das Uebermaß des Gehaltes, sondern auch 
durch die Ueberf orderung der Sprache selbst. Fast 
allzu dicht, schwer und dunkel war von je die 
Sprache dieses Dichters, aber, einmal durchdrungen, 
auch von einziger Erschließungskraft für sonst 
nicht mehr Aussagbares. Hier aber ist dem Wort 
etwas zugemutet, was es kaum mehr zu tragen ver- 
mag. Der tiefe Erforscher deutscher Frühzeit, dem 



die altgermanische Rune weit vertrauter war als das 
spät und nie ganz erworbene hebräische Wort, hat 
in diese deutsche Dichtung die hebräischen Unvorte 
aufgenommen. Und nicht nur aufgenommen; sie 
sind die Pfeiler, auf denen das Ganze der Dichtung 
ruht. Er hat noch darüber hinaus das goschichtlich- 
übergeschichtliche Schicksal seines Volkes aus den 
letzten mythisch-mystischen Gründen auch in Wor- 
ten der frühen Kabbala und der späten brennenden 
Mystik der nachbi'blischen Leidenszeit erschlossen. 
Und er ist in der Sprachvermischung noch weiter ge- 
gangen: er hat viele der im sakralen Hebräisch über- 
lieferten biblischen Worte in die zeitlich g^enwarts- 
nähere, uns und ihm fremde ostjüdische Sprache 
— selbst schon ein Gemisch von Deutsch und 
Hebräisch — übersetzt. Dies Vielfache zu einer Eiin- 
heit zu zwingen — denn eine Einheit ist die Dich- 
tung durchaus — , ist ihm um den Preis gelungen, 
daß das Raunen der Runen die fremden Worte mit 
ergriffen hat und so aus beiden (wie es im Vorwort 
gesagt ist) ,ydie organische Einheit oder der anorga- 
nische Zerfall dieses runenhaften Sprachgebildes" 
entstanden ist. Aber diese der Unform nahe Form 
ist doch weder geschichtlich noch persönlich ein Zu- 
fall; sie ist die genaue Spiegelung der Welt und 
Seele, der sie entstammt; sie ist, wie alle heutige 
Kunst, nur aus ihren besondern Gründen entfaltet, 
Sprengung der ruhenden Gegenstandswelt durch in 
ihr nicht mehr faßibare Gehalte. 

Und doch sind die Spiegel, aus denen die Dich- 
tung besteht, tief und klar. Als wäre es für die 
Fülle der Fragen von Leid und Erlösung mit der 
einen Erscheinung Hiobs nicht genug, wird die Ge- 



stalt des biblischen Dulders noch in vier weiteren 
biblischen Bildern gespiegelt: in Israel, in Simson, 
im Nabi (Seher, Prophet) und zuletzt im Messias 
— und in jeder dieser Spiegelungen sehen wir zu- 
tiefst den Dichter selbst gespiegelt. Am mächtig- 
sten offenbarend in dem Bild, in dem die dumpfe 
Meeresibrandung, die die ganze Dichtung durch- 
braust, selbst Gestalt gewinnt in dem Richter und 
Rächer Simson, der, ein riesiger Baum, von Wetter- 
güssen wild zerzaust und fast schon fortgerissen, 
am äußersten Rande des lockeren Erdreichs steht, 
ungewiß, ob er hier noch wankend standhält, um die 
Brandung aufzuhalten, oder ob er selbst schon fast 
Woge, Meer, Brandung ist, bestimmt, das Herein- 
brechen der Flut in seinem eigenen Sturz zu voll- 
strecken und alle in seinen Untergang, in das Ge- 
richt mit hinein/ureißen. Einige Verse mögen von 
dem menschlichen Uebermaß und dem künstleri- 
schen Maß dieses Bildes zeugen: 

Da quoll's ihm dunkel, umjcsttim vom Munde, 
Da wüßt' er um Gericht und Fug und Stunde, 
Da brüllt' er lang, lang, lang, da sang, da rief er: 
Wer hat mich eingerammt, mich Dünenkiefer? 
Ina sinternde Geschwemm, mich Dünenkiefer? 
Half * ich den Ftugsavd auf, muß ich ihn stemmen . . . 
Ich letzter Stamm am Band? 
Darf ich feststehn wider der Brandung Drohn? 
Bin ich nicht eh'r ihr Sohn? 

Eine Steigerung scheint nach den Bildern des 
Aeußersten, die in den ersten drei Spiegeln auf- 
gefangen sind, nicht möglich; und sie wäre nicht 
möglich, wenn nicht zuletzt der Sprache noch ein- 
mal Gewalt angetan wäre. Die letzte Spiegelung im 



'j 



i Messias ist die Wiederbringung aller 
* sie Hiob am P]nde widerfährt; aber d 

Ergebung Hiobs, sein Verzicht auf 
j Begreifen schlägt um in mystische Eks 
I eine ganze Welt des Lichts in Beweg 
Lieht, wie es als Gegenmacht dunkela 
BOT David, Hiob, die Psalmen, die spa 
Myetik kennen. Alles wird Anfang, 
Gkgenwart, ein einziger tönender Jubel i 
»Aufgang ringsum, alles ein Ja-HalleLu.'! 
Sdiöpfung, die Schöpfung des Reiches v< 
nnd stürzt alles in die Erlösung hinein, 
»ohcint mehr Musik als Sprache, mehr 
^prt — und ist doch Wort, letztes, reiij 
IMl seihet eingekehrtes Wort. Es sind I 
^orte für Dinge, Begriffe, nur wie inl 
»gen ungeheuren Liebesgespräch stamm^ 
gestoßene Fürwörter: Du-Ich, Ich-Duj 
rmIs wird wie in der christlichen Mystik, 
Ich-Du verschlungen; immer bleibt aj 
l«tBten Vereinigung ER. „ER-DU" — \ 
lösenden Gleichung klingt die schwenil 

<««g a-^ Margarete 



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Seite n t Mlitwodi, 28. Dezember 1955 / Nr. 301 



FEUILLETON 



FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG 






Ethis(;Jies Ballett 

ttMigter Scrooge** nach Dickens in der Münchener Staatsoper 



Alan Carter, der englische Balleltmeister 
der Bayerischen Staatsoper, ist ein erfinde- 
rischer Kopf. Die Gattung des „Ballet d'action", 
also des Tanzspiels mit einer dramatischen 
Handlung, hat er, gerade recht zu Weihnachten, 
da sich auch der ausgemachte Genüßling unter 
den Theaterbesuchern einem moralischen Ap- 
pell zugänglich zeigt, um eine Variante be- 
reichert, die man als „Ballet d'action ethique" 
bezeichnerw könnte. Den Stoff zu dieser apar- 
ten moralischen Aufrüstung des Bühnentanzes 
lieferte ihm Dickens' berühmte Märchen- 
erzählung „Ein Weihnachtsabend", in der die 
Bekehrung eines abscheulichen Geizhalses zu 
einem Wohltäter und Menschenfreund geschil- 
dert wird. Die Story erweist sich als erstaun- 
lidi „tanzbar", wenn auch der sozialkritische 
Hintergrund, der in dieser wie in allen Dich- 
tungen von Dickens durchscheint, sich auf der 
Ballettbühne zur romantischen Armutsdeko- 
ration verflüchtigt. Die menschlichen Typen 
aber, der verbitterte, mißtrauische und filzige 
Leuteschinder Mister Scrooge, der dem Ballett 
von Carter den Namen gibt, die Familie seines 
wie ein Sklave geschundenen Substituten Bob 
Cratdiitt, die Braut, die Wohltätigkeitsdamen — 
sie alle bewahren auch im pantomimischen 
Umriß ihre Lebensdidite, und vollends die 
Märchenfiguren der Weihnachtsgeister sind als 
„Erscheinungen" in der tänzerischen Gebärde 
nicht minder, sondern eher noch stärker exi- 
stent als im Wort. 

Kein Zweifel, daß Alan Carters choreo- 
graphischer Instinkt ihn richtig führte, als er 
den Weg zu Didcens einschlug; wo aber blieb 
sein musikalischer Instinkt, als er sich dazu 
Kompositionen des neuromantischen Tsche- 
chen Josef Suk (1874 bis 1935) aufreden ließ, 
der das böhmische Musikantentum seines 
Schwiegervaters Dvorak „straußisch" dekoriert 
und mit seinem üppig quellenden Klangpathos 
einem Kolorismus zusteuert, der ungefähr das 
Gegenteil der realistisch genauen und skurril - 
humoristischen Diktion von Dickens ist? Hier 
hätte es einer auf Rhythmus und lineare Prägn- 
anz gestellten Musik bedurft, etwa in der 
Art von Strawinskys „Jeu de cartes", nur we- 
niger elegant. Man erfuhr in München, daß 
Carter seinem Dickens-Szenarium Musik von 
Hindemith unterlegen wollte, der Komponist 
aber „aus prinzipiellen Erwägungen" Ein- 
spruch dagegen erhoben habe. So kam es auf 
Zureden des ungarisch-amerikanischen Dirigen- 
ten Zoltan Fekete zur Verbindung Dickens — 
Suk, von der man nichts anderes sagen kann, 
als daß sie Widriges zusammenbraut: Nebli- 
ges Londoner Eastend mit frostklappernden 
Sargträgern, frierenden Blumenfrauen und 
rotznäsigen Dreckfinken von Gassenbuben — 
wie soll sich das in dem fett gefirnisten, pasto- 
sen Klang des Sukschen Orchesters spiegeln? 
Zumal wenn dieser Klang von dem gastdirigie- 
renden Herrn Fekete auch noch robust und 
nervenlos auf die Ohren eingehämmert wurde? 

Den Augen ward bei der Uraufführung im 
Prinzregenten-Theater dagegen viel Pläsir. 
Nicht nur durch die ebenso phantasievoll wie 
in der personalen Charakteristik ihrer Träger 
ungemein prägnant entworfenen Kostüme und 
die pointiert andeutenden Bühnenbilder Car- 



ters, der gern sein eigner Szeniker ist, sondern 
auch in der choreographischen Gesamtanlage, 
die das Charakteristische mit dem Poetischen 
verband und damit die beide.. Hauptelemente 
der Dickensschen Erzählung ins tänzerisch be- 
wegte Bild übertrug. Zuweilen schienen pan- 
tomimische Naturalismen die erstrebte Stil- 
ebene des Ganzen — eine Art modern trans- 
ponierter, die figurative Glosse miteinbezie- 
hender Romantik — zu durchbrechen und die 
Tanzhandlung sich zu einem getanzten Hand- 
lungskommentar zu verdünnen; dann gab es 
aber wieder rein tänzerische Passagen, die im 
Solistischen durdi ihre expressive Intensität 
fesselten und im Ensemble durch ihre 
schwungvolle raumdynamische Disposition 
mitrissen. Wie das Weihnachtsfest der (in ein 
köstliches Pastellrosa gekleideten) Schulkin- 
der ohne zuckrige Gefälligkeit wahrhaft lie- 
benswürdig inszeniert, wie das Finale mit dem 
Freudentanz um den geläuterten und seelisch 
befreiten Mr. Scrooge zum rauschend beweg- 
ten und dabei doch vollkommen klar geordne- 
ten Ornament gesteigert war, das verriet den 
Choreographen von hohem Rang. (Es stellt 
sich, nach Bartöks „Wunderbarem Mandarin" 




T 

und seinem eignen [„Haus der Schatten" 
immer deutlicher heraus, daß das „Ballet 
d'action" Alan Carters besondere Domäne zu 
sein scheint. 

Die Ausführung durch das Ensemble, dis- 
zipliniert präzis und bis in die kleinste der 
zahlreichen Rollen hinein vortrefflich besetzt, 
zeigte das Münchener Opernballett in bester 
Form. Ueberragend als Charaktertänzer Franz 
Baur, der dem Mr. Sqrooge ein Profil von 
E. T. A. Hoffmannscher Bizarrerie gab, und 
seine drei kuriosen Doppelgänger Renate Dep- 
pich (Scrooge als Kind), Helmut Gilitzer 
(Scrooge als Jüngling) und Heino Hallhuber 
(Scrooge als Mann). Die debütierende Prima- 
ballerina Annette Chappell erwies sich, den 
kühlen Charme der jungen Britin ausstrah- 
lend, durch ihr sicheres Können als Gewinn 
für die Gruppe der „Etoiles". 

Der Beifall für den getanzten Gewissens- 
schock und ethischen Anruf war enorm, wobei 
dahingestellt bleiben nag, ob der Enthusias- 
mus der Mündhener am Tag vor Weihnachten 
mehr der künstlerisdien oder der moralischen 
Bedeutung des Abends galt. Was diese angeht: 
Man kann nie oft und eindringlich genug an 
das so leicht verkrustende Gewissen der Men- 
schen appellieren. Jene betreffend aber wäre 
ernstlich zu fragen, ob Carter sich für sein 
ausgezeichnetes Tanzlibretto nicht nach einer 
besseren und richtigeren Musik umsehen 
sollte. K. H. Ruppel 






ugend^ntd^^ 



Für die Nachgeborenen, die Karl Wolfskehl 
nie persönlich begegnet sind, ist die Bedeutung 
dieses Dichters und Gelehrten schwer zu er- 
lassen. Er gehört zu jenen sokratischen Ge- 
stalten, deren Wirkung unmittelbar mensch- 
lich ist. Seine persönliche und geistige Aus- 
strahlung läßt sich aus seinen im Vergleich zu 
dem von Freunden berichteten Ueberschwang 
des Wissens und Ahnens nur spärlichen 
Schriften und Gedichten kaum noch ablesen. 
Unsere Zeit, die sich rühmt, eine so allum- 
fassende Kommunikationstechnik entwickelt 
zu haben, scheint unfähig, lebendige Wirkun- 
gen des Geistes von Mensch zu Mensch zu 
spüren und weiterzugeben. Karl Wolfskehl 
droht außerhalb des Kreises seiner alten 
Freunde in Vergessenheit zu geraten. In die- 
ser Situation werden wir von einem schmalen 
Bändchen überrascht, das den Menschen Karl 
Wolfskehl und die Umrisse seiner geistigen 
Welt vor unseren und vor allem auch vor den 
Augen unvorbereiteter Leser erstehen läßt. 
Man ist doppelt überrascht, wenn man liest, 
daß es von Gymnasiasten erdacht und ver- 
wirklicht wurde. Die Abiturienten des Ludwig- 
Georg-Gymnasiums zu Darmstadt (an dem 
vor nun bald siebzig Jahren Karl Wolfskehl 
selbst sein Abitur gemacht hatte) haben das 
vierte Heft ihrer Zeitschrift „Agora" dem Ver- 
such, gewidmet, „das Werk eines jener Reprä- 
sentanten eines ,geheimen Deutschlands' in das 
Gedächtnis der Gegenwart zurückzurufen". 
Sie fanden dabei die Unterstützung des 
Magistrats der Stadt und den Rat einiger 
Freunde des Dichters. So kam das sauber ge- 
druckte Bändchen von 112 Seiten und 6 Ab- 
bildungstafeln mit Fotos und Faksimiles zu- 
stande (das in Leinen gebunden vom Verlag 
Lambert Sdineider in Heidelberg ausgeliefert 



Münchener Kunstkalender 

Magnet Picasso / Franz Marcs letztes Skizzenbuch j Fritz Winter 



. Die Picasso-Ausstellung ist von 1^0 000 
ÄIo"»s©k-cr» . K^Rurht wjordont oino Uncrv/artot 
hohe Zahl. Immer waren die Säle überfüllt, 
die Teilnahme an den Führungen war lebhaft. 
Reproduktionen fanden großen Absatz; an der 
Spitze lagen die Bildnisse der blonden Syl- 
vette. Vor dem großen Kriegsbild „Guernica" 
dränRten sich die. Menschen^ . bfttj^nffen und 



Spanier nun aber deutlich ins Blickfeld der 
Zc: t sorückt. , 

Das letzte Skizzenbuch Franz Marcs aus 
dem Felde, in das er 1916 vor Verdun seine 
Ideen und Träume mit zartem Stift gezeichnet 
hat, war im Besitz der Witwe des Malers ge- 
blieben. Nach ihrem Tode konnte das kaum 
handgroße Skizzenbuch jetzt von der Graphi- 



wird). Schon Instink' und Tatkraft dieser 
jungen Menschen könnten verleiten, ihr Werk 
mit Wohlwollen zu betrachten. Doch damit 
geschähe einer Leistung unrecht, die der Kri- 
tik standhält und unabhängig von ihrer Ent- 
stehungsgeschichte Bepchtung verdient. 

Die Dichtungen Woifskehls, die Fritz Usin- 
ger im einleitenden Aufsatz als „stark vom 
Gedanken her mitgeformt" imd „weniger 
bildhaft als musikalisch, weniger plastisch als 
raunend" bezeichnet, diese Diditimgen er- 
halten durch die letzten Strophen aus dem Exil 
in ihrer Gesamtheit einen mächtigeren tiefen 
Ton, und wohl erst heute, nach den Bänden 
„Hiob" imd „Sang aus dem Exil" vermögen 
wir ihren „funkelnden Schrei" und ihr „dröh- 
nendes Rufen" ganz zu begreifen, von dem 
Hof mannsthal schon 1904 in seinem Widmungs- 
gedicht zu Woifskehls „Maskenzug" ahnend 
sprach. Zuspruch, Mahnung und Beschwörung 
sind von Anbeginn die Absicht dieser mehr 
von Sorgen und Ahnungen als von Empfin- 
dungen diktierten Gedichte und steigern sich 
bis zu jenem späten Hiobsruf: „Lugt, horcht, 
ausharrt, ihr alle Leute, / Reift doch, begreift 
doch, was das bedeute:..." Die sokratische, 
die helfende, erweckende, geleitende Absicht 
spricht, nachdem wir ihre verzweifelte Ohn- 
macht erleben mußten, um so ergreifender aus 
jedem Wolfskehlschen Gedicht zu uns — , auch 
dort noch, wo Bilder und Begriffe wie« etwa 
Stundenglas, Posaune, Lorbeer, Kelch, Hort 
oder Hain für uns blaß geworden sind oder 
wo eine philologische Suada den lyrischen Ton 
wegzuschwemmen droht. Dankbar ist man den 
Herausgebern auch, daß sie Woifskehls Humor 
und seine Lust, mit Worten, Assoziationen und 
Reimen heiter zu spielen, ganz unbefangen 
deutlich machen. Man sieht den Jünger mit 
den Kultgeräten Schabernack treiben, sobald 
der Meister George nidit im Tempel ist. Diese 
Gelegenheitsverse sind dabei nicht nur über 
ihren Anlaß hinaus ergötzend, sondern be- 
weisen auch eine Souveränität, die uns den 
pathetischen Ton mancher Gedichte ertragen 
läßt. Indem sie selbst jdie Komik postulieren, 
nehmen sie unfreiwiJltee Komik vorweg. 

In einer Zeit, iftT^fr man der Jugend 
Skepsis gegen Ueblr^chwang und Ent- 
täuschung von Persöjnlichkeiten mit Herr- 
schafts- oder Führung^anspruch nachsagt, ge- 
winnt diese liebe- unifl verständnisvolle Be- 
schäftigung der Daripistädter Schüler mit 
Wolfskehl besondere feedeutung. Wir erken- 




Ignaz Epper (geb. 1892): „Die Treppe". Holzschnitt. 1925. — Aus der Ausstellung „Sdiwei- 

• zerische Graphik" in Offenbach am Main. 



Graphik aus der Schweiz / m offentach au^estem 



Die Bemühungen, die in Offenbach am 
Main gemacht werden, um dieser Stadt ein 
eigenes kulturelles Gepräge zu gehen, fallen 
auf guten Boden. Erst im Sommer zeigte die 
Werkkunstschule junge französische Malerei, 
und jetzt stellt die Stadt eine Kollektion 
schweizerischer Graphik aus, die von der Stif- 
tung „Pro Helvetia" zusammengestellt wurde. 
Sie wird auch noch in anderen deutschen 
Städten gezeigt werden. 

Die Kollektion ist mit einem sicheren Ge- 
fühl für Qualität zusammengestellt worden. 
Man war bemüht, Zufälligkeiten auszuschal- 
ten. Vierzehn, Künstler, 133 Blätter: diese 
Zahl ermöglicht einen Eindiuck von den ver- 
schiedenen Persönlichkeiten und Tempera- 
menten. Die Verbindungslinien, die sich in die 
verschiedenen Richtungen ziehen lassen, rei- 
chen nach Frankreich, Italien und Deutsch- 
land; die intereuropäische Verflechtung 
scheint fast zu gleichen Teilen aufzugehen. 



der einzelnen Körper intensiv geltend ma- 
chen, läßt sich von Elementen der Früh- 
renaissancemalerei beeindrudcen; Visionäres 
gerät dabei zu kompakter Körperlichkeit. 
Hans Fischers Phantasie, die Tiere und 
Mummenschanz gespenstisch zu dichtem 
Liniennetz verspinnen, schafft durch das 
Springen in den Maßstäben, durch überdehnte 
Proportionen eine sehr eigene Ausdrudcswelt, 
die durch die ans Virtuose reichende Technik 
frappiert. Wehrlin, der in seinen „Fenfetres 
de Paris* einen überzeugenden Ausdruck fin- 
det, bleibt in den Blättern religiösen Inhalts 
merkwürdig dekorativ. Bei Surbek spürt man 
noch etwas Vom Hodlersdien Erbe; in dieser 
Weite der Landschaft mit dem Gefühl für 
große Linien liegt etwas Großzügiges. Die 
figürlichen Blätter von Pauli dringen in 
metaphysische Bereiche vor, deren Realität 
am stärksten in dem „Notturno", einer 









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ifnchener Kunstkalender 



Mtignet Picasso / Fraruf Marcs letzte* Skizzenbuch / Friiz Winter 



. Die Picasso-Ausstellung ist von 1 JO 000 
JN^«n»«h.-n b«fju<4it worden: eine uncrv/artct 
hohe Zahl. Immer waren die Säle überfüllt, 
die Teilnahme an den Führungen war lebhaft! 
Reproduktionen fanden großen Absatz; an der 
Spitze lagen die Bildnisse der blonden Syl- 
vette. Vor dem großen Kriegsbild „Guernica" 
drängten sich die Menschen, betroffen und 
still. Es gab in München keine lauten Pro- 
teste wie noch vor einigen Jahren während der 
Picasso-Ausstellung in London. 

Die ungewöhnlich große Reaktion des Spa- 
mers hat nun freilich mit Kunstinteresse nidit 
eben viel zu tun, noch erklärt sie sich durch 
die künstlerische Leistung. Sie ist zum großen 
Teil in außerkünstlerischen Faktoren zu su- 
chen: in der Suggestion des Namens, dem 
Einfluß der Reklame und der Vorstellung vom 
erfolgreichen Künstler. Trotzdem aber müssen 
da noch tiefere Schichten aufgerufen und Re- 
gionen des Unbewußten mobilisiert worden 
sein, um den nicht abreißenden Strom von 
Besuchern zu verstehen. 

Geht man dem Werk Picassos gegenüber 
einmal umgekehrt vor als sonst und fragt 
statt nach den stärksten Werken nach den 
schwächeren und schwachen, so liegen die 
Schwächen in seiner Malerei. Eine kritische 
Auslese würde einen nicht geringen Teil 
der Bilder ausschalten. Das gilt aber nicht für 
die Graphik. In nahezu lückenloser Vollen- 
dung fügen sich Zeichnungen, Steindrucke und 
Radierungen aneinander. Gelöst und heiter, 
ironisch und verspielt entzücken sie das Auge 
durch die Reinheit der Linie. Und in der Gra- 
phik blüht das hellenische Erbe noch einmal 
verjüngt und ohne Faltenwurf auf. 

Im Werk dieses Spaniers spiegelt sich das 
große Durcheinander der Zeit in faszinierenden 
Zeugnissen und Bruchstücken wider. Es ent- 
zieht sich der Einordnung in Kategorien des 
Stiles und läßt sich nicht wie ein Rechen- 
exempel lösen. Es wurzelt im Irrationalen wie 
Picasso selber. Durch die Ausstellung ist der 



Spanier nun aber deutlich ins Blickfeld der 
Zc't scräckt. 

Das letzte Skizzenbuch Franz Marcs aus 
dem Felde, in das er 1916 vor Verdun seine 
Ideen und Träume mit zartem Stift gezeichnet 
hat, war im Besitz der Witwe des Malers ge- 
blieben. Nach ihrem Tode konnte das kaum 
handgroße Skizzenbuch jetzt von der Graphi- 
schen Sammlung erworben werden. Was den 
„Blauen Reiter" bis zuletzt bewegte, hat er 
hier aufgezeichnet. Er tastet sich zu den Ur- 
sprüngen zurück und entwirft auf kleinstem 
Raum ein „Arsenal der Schöpfung": die „Ge- 
burt einer Zikade" oder einen „Schöpfungs- 
morgen". Von der Darstellung des Stofflichen 
schon weit entfernt, suchen die Zeichnungen 
eine geistige Wirklichkeit zu fassen. Und Marc 
erfindet neue, abstrakte Formen. Alle diese 
Blätter weisen auf Bilder hin, die nicht mehr 
gemalt werden sollten. Am 4. März 1916 wurde 
der „Blaue Reiter" durch einen Granatsplitter 
getötet. Das Skizzenbuch, das nur einmal in 
der Galerie Stangl gezeigt wurde, ist jetzt in 
der Graphischen Sammlung ausgestellt. 

Fritz Winter ist vor kurzem fünfzig Jahre 
geworden. Aus diesem Anlaß widmet die 
Galerie Franke ihm eine Retroperspektive. 
Von Klee und Kandinsky ausgehend, hat der 
Bergmann von einst sich eine eigene Aus- 
druckswelt erarbeitet. Während eines Pariser 
Aufenthaltes hat Härtung auf seinen Stil ge- 
wirkt, und das Skizzenbuch aus Rußland zeigt 
Anklänge an Franz Marc. Es ist ein melan- 
cholisch gestimmter Pantheismus, der bei Win- 
ter nach neuen Zeichen und Formmitteilungen 
sucht, in der Bilderreihe „Triebkräfte der 
Erde" wie' in den „Sternbildern". Bei Winter 
handelt es sich um Improvisationen im ge- 
nauen Sinne des Wortes, um Bilder, in denen 
etwas vorher nicht Gesehenes Gestalt gewon- 
I nen hat. Deutlich wird auch hier wieder die 
Nähe und Bezogenheit ungegenständlicher Ma- 
lerei zur Architektur und zum Raum. Hier 
liegen vor allem ihre Möglichkeiten, die von 
den Architekten heute nur selten erkannt 
werden. Fritz Nemitz 



u':;ixiiiai mactien. JVian sient aen m unam ttnx 
den Kultgeräten Schabernack treiben, sobald 
der Meister George nirj.n im Tempel ist. Diese 
Gelegenheitsverse sina dabei nicht nur über 
ihren Anlaß hinaus ergötzend, sondern be- 
weisen auch eine Sern veränität, die uns den 
pathetischen Ton mancher Gedichte ertragen 
läßt. Indem sie selbst die Komik postulieren, 
nehmen sie unfreiwülMe Komik vorweg. 

In einer Zeit, inj der man der Jugend 
Skepsis gegen Uebtrschwang und Ent- 
täuschung von Persöblichkeiten mit Herr- 
schafts- oder Führung^ansprudi nachsagt, ge- 
winnt diese liebe- und verständnisvolle Be- 
schäftigung der Darmstädter Schüler mit 
Wolfskehl besondere Bedeutung. Wir erken- 
nen, wie sehr wir anregender und helfender 
Menschen von seiner Art bedürfen. Wolfskehls 
bacchantischer Ruf wie seine . Hiobsklagen 
wollten immer die Jugend treffen, immer 
suchte er aus den Qrakeln der Vergangenheit 
und den Widersprüchen der Gegenwart einen 
Zusammenhang mit der Zukunft zu spüren. 
So dürfen wir hoffen, daß sein Zuspruch an 
die Jugend, der in dem Prosaband „Bild und 
Gesetz" vor zweieinhalb Jahrzehnten schon 
erschien, heute die Ohren getroffen hat, für 
die er bestimmt war: „Das man nicht ein ein- 
ziges Mal wieder in dieselbe Welle tauchen 
könne, war den Griechen ein furchtbares, ehr- 
erbietig eingestandenes Grenzerlebnis: Eure 
Erkenntnis, Euer Weltgefühl, ja Eure Daseins- 
gestaltung hat, sollt Ihr weiterbestehen, gerade 
an diesem Erlebnis zu beginnen. Eure Aufgabe 
ist der Sprung ins Helle, wagt ihn, den Sprung 
ins Helle, das Euch heute tiefer ist, geheimnis- 
schwangerer als ehedem Schau und Schauer 
der Nacht." Fritz Arnold 



sdiweizerisc±ier Graphik aus, die von der Stif- 
tung „Pro Helvetia" zusammengestellt wurde. 
Sie wird auch noch in anderen deutschen 
Städten gezeigt werden. 

Die Kollektion ist mit einem sicheren Ge- 
fühl für Qualität zusammengestellt worden. 
Man war bemüht, Zufälligkeiten auszuschal- 
ten. Vierzehn, Künstler, 133 Blätter: diese 
Zahl ermöglidit einen Eindi udc von den ver- 
schiedenen Persönlichkeiten und Tempera- 
menten. Die Verbindungslinien, die sich in die 
verschiedenen Richtungen ziehen lassen, rei- 
chen nach Frankreich, Italien und Deutsch- 
land; die intereuropäische Verflechtung 
scheint fast zu gleichen Teilen aufzugehen. 
Dieses Gleichgewicht sdialtet in dieser Aus- 
stellung alles „Sensationelle" aus. Das wird 
vielleicht bei Dalvit am deutlichsten, dessen 
abstrakte Kompositionen, sehr sensibel in 
Form und Farbe, in einem Maße kultiviert 
und überlegt sind, wie man sie bei uns nur 
selten sieht. Das Kultivierte der Linie erreicht 
bei Bodmer fast die Präzision einer geometri- 
schen Zeichnung, und bei Brigoni wirkt sie 
am surrealistischen Inhalt wie eine Kontrolle. 
Der zarte Strich von Rene Auberjonois schafft 
stille und sanfte Form. Kräftig harmonisch, 
manchmal an Maillol erinnernd, wirkt der 
Kontur von Barraud — klassisch, aber un- 
akademisch. D'Altri, wohl stark unter dem 
Eindruck von Marini stehend, und Carigiet 
arbeiten mit stark kontrastierenden Bewe- 
gungsrichtungen. Epper, der in seinen Holz- 
schnitten eine innere Verwandtschaft zum 
deutschen Expressionismus zeigt, läßt das so- 
ziale Milieu zurückhaltend mitsprechen. Pa- 
tocchi, dessen Blätter die kubische Wirkung 



T 



wackelt die Burg? / synthetische Theaterkrise in 



Bei der Wiedereröffnung des Burgtheaters 
madite ein Ausländer dem Direktor Rott 
gegenüber die Bemerkung, daß er nur einen 
Posten in ganz Europa kenne, der ähnlich ge- 
fährdet sei: den des französischen Minister- 
präsidenten! In seiner Eröffnungsansprache 
gab Dr. Rott damals auch gleich die Entgeg- 
nung, daß er nicht an seinem Sessel klebe 
und auch nicht mit einem „Programm" auf- 
warten könne und wolle, sondern nur eines 
verspreche: Arbeit. Diesen „Programmpunkt" 



Kulturelle Nachriditen 



Professor Theodor Litt, der Bonner Pädagoge 
und Philosoph, hat in der rheinischen Fried- 
ricb-Wilhelm-Universität, Bonn, das Große 
Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens 
der Bundesrepublik erhalten. Der Orden ist 
dem Gelehrten, der das 75. Lebensjahr voll- 
endete, vom nordrhein-westfälischen Kultus- 
minister Dr. Schütz in Gegenwart des Rektors 
und fast aller Professoren der Hodisdiule 
überreicht worden. pr 

Dr. Günther Rennert, der für die Dauer 
von zwei Jahren von seiner Intendantentätig- 
keit an der Hamburger Oper beurlaubt wurde, 
läßt sich in Stuttgart nieder. Er wird an der 
Oper der Württembergischen Staatstheater in 
diesen beiden Jahren je vier Werke der mo- 
dernen und klassischen Opernliteratur insze- 
nieren. Dieser Mitteilung fügte der General- 
intendant der Württembergischen Staat»- 
theater, Dr. Walter Erich Schäfer, hinzu, daß 
Rennert in dieser Zeit auch in Hamburg, Wien 
xmd In anderen Städten Opern inszenieren 
werde. dpa 

Die Arbeitsaufnahme des Norddeutschen 
Rundfunks am 1. Januar 1956 wird in den 
leitenden Positionen der Funkhäuser des neuen 
Sendebereichs nur geringfügige Aenderungen 
bringen. Unter dem Intendanten Dr. Hilpert 
werden dem Direktorium angehören: Dr. Hans 
Ajnnold alg stellvertretender Intendant und 
AngQonpndtkektcn^ Dtn^ Han« Rindfleisch ala 



technischer Direktor und Oberregierungsrat 
Gehard Schulz als Finanzdirektor. Wie bisher 
werden Chefredakteur Starke die Hauptabtei- 
lung Politik, Hermann Spitz die Hauptabtei- 
lung Mußik und Dr. Heinz Schwitzke die 
Hauptabteilung Hörspiel und Produktion lei- 
ten. Die Hauptabteilimg Wort wird der jetzige 
Schuliunkleiter Franz Reinholz übernehmen. 
Das kulturelle Wort wird von Jürgen Egge- 
brecht und das Nachtpro.gramm von Dr. Jür- 
gen Schüddekopf betreut. Als Kandidat Ifür 
den Posten des Justitiars wird Dr. Friedrich 
Wenzlau, der Referent von Generaldirektor 
Grimme, genannt. -wy 

„Xovocain", das Standardmittel für örtlidie 
Betäubungen, wird in diesen Tagen ein halbes 
Jahrhundert alt. Sein Erfinder, der aus Ham- 
burg gebürtige spätere Münchener Chemie- 
professor Alfred Einhorn, hat das Novocain 
Ende 1905 zum ersten Male diemisch darstel- 
len können, und von 1906 an eroberte es sich 
rasch weite Gebiete der Chirurgie. AP 

Volksfeste sind GEMA-frei. Der Erste 
Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat ent- 
schieden, daß für die Aufführung urheber- 
rechtlich geschützter Musikwerke dann keine 
Gebühren an die GEMA (Gesellschaft für 
musikalische Aufführungs- und Urheber- 
rechte) gezahlt werden müssen, „wenn diese 
Veranstaltungen echte Bestandteile des Volks- 
festes sind, also das Volk als Träger der 



Musikveranstaltung erscheint, was voraus- 
setzt, daß sie jedermann frei zugänglich sind". 
Läßt aber ein Gastwirt anläßlich der Kirch- 
weih-, Kirmes- oder Karnevalstage in seiner 
Wirtschaft urheberrechtlich geschützte Unter- 
haltungs- und Tanzn^usik aufführen, ohne 
Eintritts- oder TanzgeCd zu erheben, so dient 
dies nach Ansicht des Bundesgerichtshofes doch 
vornehmlich seinen gc^werblichen Interessen, 
nämlich der Kundenwerbung. Darum hat der 
Gastwirt Aufführungs/Iebühren zu entrichten. 

I hs 

Jean Cocteau hat dJh Begleittext zu einem 
farbigen Dokumentarfilm über das franzö- 
sische Atomenergieprojramm geschrieben, der 
im Januar uraufgefühh werden soll. In dem 
25 Minuten langen Filih, „An der Dämmerung 
einer Welt" betitelt, dtlr von Rene Lucot und 
Georges Adam in Zusammenarbeit mit der 
französischen Atomenei-giekommission gedreht 
wurde, wird die Oefföbtlichkeit erstmals mit 
mehreren, bisher geheimgehaltenen Atomein- 
richtungen in Frankreich bekanntgemacht. 

Schweizer Ardüteli|t in Ost-Berlin. Der 

langjährige Präsident der Basler Organisation 
der kleinen „Partei dfer Arbeit" (Kommuni- 
sten), Architekt Hans Schmid, hat eine Be- 
rufung der Deutschen 'Demokratischen Repu- 
blik nach Berlin als Chefarchitekt am Institut 
für Typenprojektierun« angenommen. Er tritt 
den Posten am 1. Jan&ar an; das Institut ist 
dem Ministerium für A|ufbau angegliedert und 
hat die Aufgabe, die iTypenprojektierung im 
Hinblick auf die induÄtriia|^ Entwicklung zu 



planen. 



UP 



Wien 



hat er auch vor Wien und vor aller Welt in 
der Serie der sieben Eröffnungsvorstellungen 
realisiert. Nach anfänglichem Zögern hat sidi 
das Publikum eindeutig für die Direktion ent- 
schieden; es gibt nur ausverkaufte Vorstel- 
lungen im Burgtheater. 

Aber es gibt auch eine „andere Seite". 
Jene Kreise nämlich, die ihren „Gegen- 
direktor" bereits gewählt (und für ihn auch 
Unterschriften gesammelt) hatten, bevor die 
Direktion Rott-Schreyvogl nominiert worden 
war. Es ging dabei weniger um sachliche als 
um persönliche Gründe. Oft waren es sogar 
sehr persönliche Gründe, wie etwa die Durch- 
setzung eines Stückes. Das „Halali" der Jagd 
auf Dr. Rott ertönte um so kräftiger, als er es 
als seine Pflicht ansah, die noch vor ihm an- 
genommenen Stücke, eins nach dem andern, 
aufzuarbeiten. In einer gewissen Untergangs- 
stimmung scheinen die Vorgänger von Bun- 
destheaterdirektion und Burgtheater damals 
alles angenommen zu haben, was ihnen sug- 
geriert worden war, und der neue Direktor 
sah sich vor vollendete Tatsachen gestellt, 
ohne irgendwelchen Einfluß darauf ausüben 
zu können oder zu wollen. 

Die Atmosphäre war bereits vergiftet, als 
das Burgtheater in sein neues Haus über- 
siedelte. Dort war als „Prüfungsgegenstand" 
der spröde „König Ottokar" Grillparzers als 
nationales Anliegen gewählt worden, dem sich 
Adolf Rott entgegen eigener Absicht — er hatte 
den „Egmont" als Eröffnuingsstück geplant — 
beugte. Eine saubere Aufführung kam zu- 
stande, die nach dem effektvolleren „Don 
Carlos" (unter Giehlen, mit Oskar Werner und 
Werner Krauss) zu unnötigen Vergleichen 
herausforderte. Im „Tasso" fand man ein 
Haar in der Suppe, weil ihn der Weimarer 
„Tasso" und ums Burgtheater so verdiente 
Oesterreicher Raoul Aslan inszenierte, und 
beim „Verschwender" paßten wieder der 
deutsche Regisseur und der deutsche Bühnen- 
bildner nicht ins wienerische Konzept. An 
allem aber trug Rott die Schuld. 

Als nun die Uraufführung von Priestleys 
»Schafft den Narren fort" bevorstand, glaubte 
n|^ 7itei vod Aalaß gefunden i». haben, dm 



mummenscnanz gespenstisch zu diditem 
Liniennetz verspinnen, schafft durch das 
Springen in den Maßstäben, durch überdehnte 
Proportionen eine sehr eigene Ausdruckswelt, 
die durch die ans Virtuose reichende Technik 
frappiert. Wehrlin, der in seinen „Fen^tres 
de Paris" einen überzeugenden Ausdruck fin- 
det, bleibt in den Blättern religiösen Inhalts 
merkwürdig dekorativ. Bei Surbek spürt man 
noch etwas vom Hodlersdien Erbe; in dieser 
Weite der Landschaft mit dem Gefühl für 
große Linien liegt etwas Großzügiges. Die 
figürlichen Blätter von Pauli dringen in 
metaphysische Bereiche vor, deren Realität 
am stärksten in dem „Notturno", einer 
Frauengestalt mit einem Ehigel, und in der 
„Dämmerstunde" offenbar wird; die Schatten- 
partien, differenziert gegeben, wirken ge- 
heimnisvoll. Ein vielseitiger Künstler ist 
Hunziker. Bei ihm sind Elemente von L^ger 
und vor allem von Rouault in einer sehr per- 
sönlichen Weise miteinander verschmolzen. 
Immer wieder gehen omamentale Bänder, 
wie auf mittelalterlichen Glasfenstern, durch 
seine Kompositionen, aber in einer neuen 
Funktion. Sie rufen eine merkwürdig sdiwe- 
bende traumhafte Raumvorstellung wach, die 
in den großen Blättern die einzelnen Elemente 
zu einer zeitlich abzulesenden, oft phantasti- 
schen Folge verbindet. Am reinsten wird das 
im Titelblatt zum „Cherubinischen Wanders- 
mann" sichtbar. Auch in dem „Heimkehren* 
den Paar" erscheinen omamentale Bänder, 
die der Komposition etwas Schwebendes und 
damit der weltvergessenen Versunkenheit des 
Paares einen Hauch von Poesie verleihen. 
(Bis 8. Januar.) Doris Schmidt 



Regisseur und Burgtheaterdirektor gleich- 
falls zu verjagen. In einem Stadtcafe fand die 
düstere Konspiration statt, die dann in der 
Oeffentlichkeit ihre Auswirkungen hatte. 
Nicht nur durch die Verschiebung der Urauf- 
führung, sondern durch eine vorzeitige Ent- 
deckung von Machenschaften war dieses Kon- 
zept gestört worden. Es entspann sich eine 
Pressekampagne, bei der es nicht an persön- 
lichen Angriffen fehlte. 

Es bestünde kein Anlaß, auf diese lokalen 
Umtriebe näher einzugehen, wenn nicht 
neuerlich durch geschickt lancierte Meldungen 
eine „Krise der Burgtheaterdirektion" syn- 
thetisch erzeugt würde. Von einer solchen 
weiß in Wien kein Mensch Auch von einer 
„Gnadenfrist" ist keine Rede! Im Gegenteil, 
die Bundestheaterverwaltung hat sich ein- 
deutig hinter Rott gestellt. F. H. 

iiMiiiiiiMiiiiitMiMiiiMMitiiiiMiiiiiHiHiiiiMiiiiiiniiiiiiiiiiiiinuiiiiiiiiimifiiiiKrtiminiiimiiHi 

Mpdaillon 

Ziehe aus allen Rosen 
Vnauffällif!, die Summe. 
Sie überwintern ratlos 
Im Sdiatten der alten Gefühle. 

Melancholie der Bukette! 
Selten erhebt sich noch Nachtwind 
7A0ischen den Augenpaaren, 
Die sich im Dunkel bekämpfen. 

Aber zuweilen entdeckt man 

Den Abdruck von Lippen auf Mörtel, 

Ehe er sich von der Mauer 

Löst und verdirbt unterm Schuh, 

Manchmal geht eine vorüber. 
Ohne zu zaubern. Die Formel 
Für die vergessenen Rosen 
Wartet auf sie schon im Wind. 

Eine wie du. Die mit Kreide 
Gezogenen Herzen der Sage 
Beginnen noch einmal zu schlagen, 
Lettchten auf an der Wand. 



r 



^ 



•> 



GESELLSCHAFT FÜR CHRISTLICH- 
JÜDISCHE ZUSAMMENARBEIT E*V^ 
MÜNCHEN 



Goschäftsstölle 
Ysenburgstrasse 9/o 
Telefon: 64089 



^ 



.vi 



^ 



^ 



den 21 .Mai 1958. 



Einladung 

— Ü—i" I' I ■ — »— — — 

Am 3f^#Juni 1956 jährt sich zum zehnten Male der Tag, 
an dem 



*K a r 1 



WOLPSKEHL 



der ♦'Exul Poota" des jüdischen Volkes als Verbannter in 
Nausoel&nd gastorben ist. 

Wir godonken des Dichters am 

2 8>Mai 1^56. 20 üh r.^ im Saalo des Wirt sohafta- 
ministeriums» Prinzregentenstrasse 28 



in einer 



geieratunde_. 



Herr Rafael W ^Merlin wird die Gestalt des grossen Toten 
würdigen und aue aeinen Yiferken vortragen, Sie Feier wird 
musikalisch umrahmt. Die Gesellschaft betrachtet diese 
Veranstaltung als ihren besonderen Beitrag gur 800 J.^hr- 
feior der Stadt München und lädt Sie höflich ein, dem 
Dichter durch Ihre Teilnahme die ihm gebührende Ehre zu 
erweisen* 

Wir hoffen gcra, dass Sie dieser Einladung Folge leisten 
worden^ 



Ho chachtungsvoll 
Im Auftragt 

geztj Dr. Erandlmeier 
Geschäftsführer 



riA- 




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n 



^(r V . ^^ 17 



Süddeutsche Zeitung Nr. 81 



j^milUUn 





Samstag/Sonntag, '4./5. April 1959 




Karl Wolf skehls Briefe aus dem Exil 



Im München der Jahrhundertwende als „Zeus von Schwabing" 
geehrt, ein Mittelpunkt jenes Kreises der „Münchner Kosmiker" 
um Schuler und Klages, einst einer der treuesten Jünger Stefan 
Georges, ist der Dichter Karl Wolfskehl heute schon den Jüngeren 
unter uns nur noch Sage und Legende. Aus dem Exil, in das er 
1933 getrieben wurde, sollte er nach 1945 nicht wie andere emi- 
grierte Dichter in seine einstige Wahlheimat zurückkehren. In 
Neuseeland ist er 1948 gestorben — krank vor Heimweh, wie es 
heißt. Vom Heimweh nach jenem München, das er einst mit- 
geschaffen hatte, geben auch die Briefe aus den Jahren 1938 — 1948, 
die heuer — im Jahr seines 90, Geburtstages — als Veröffent- 
lichung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 
erscheinen werden, bewegendes Zeugnis. Dem Band, den Margot 
Rüben (mit einem Nachwort von Fritz Usinger) herausgibt, 
entnehmen wir die folgenden Proben. 



und über den "Worten Flimmerndes oder Prickelndes, im noch gelegentlich" traf. Da wäre viel nachzuholen! Aber 



ganzen doch mehr Ätzkalk als Heilsalbe, mag Dein Fein- 
gefühl herausspüren . . . 

Ja Lula, ich bin voller Sehnsucht nach Euch einzelnen, 
die mir geblieben sind, und darüber hinaus nach jenem 
München, das sich mir aufgetan hatte, jener unsterblichen 
Stätte des Geistes, des Schwingens wie des Überschwangs, 
nach jenem München, an dessen Leben, dessen Gedeihen, 
dessen Blühen und Fruchten ich mitschuf, mitliebte mit 
aller Kraft, aller Inbrunst, aller Hingabe! Und das ich 
nicht aufhöre, zu umfassen mit aller Glut, ob es mich auch 
verleugnet hat und verleumdet. Und heute nichts mehr 



Maxi, meinst Du wirklich, einer wie ich könnte, dürfte zu- 
rück? Glaubst Du, außer für Dich und die Handvoll Übrig- 
gebliebner hätte es irgendwelchen Sinn, wenn einer wie ich 
plötzlich wieder auftaucht? Glaubst Du nicht, ich müßte 
wirken wie der Deifi auf der Wurstelbühne? Fremdartig 
und lächerlich zugleich, plötzlich auf der Oberwelt, und 
vom Wurstel selber unter „Barliko Barluko" auf und ab 
gehopst, und schließlich wieder dahin geschickt wo er her- 
kam? Dann braucht einer doch gar nicht erst heraufzukom- 
men, was meinst? 



[dAti Louisa Hohy, München 

Du liebe Lula, 

Das hast Du Dir gewiß nicht vorstellen können, daß 
Dein Brief mir so viel bedeuten würde! Ich höre jetzt recht 
viel aus der früheren Welt, wirkliche Freundschaft kommt 
wieder nah, man erlebt aufs Neue das Zeitlos-Währende 
einer Welt, zu der man selber zählte, die in tausend 
Abtönungen dieselbe Sprache spricht, sich voraussetzungs- 
los dartut und willig empfängt. Aber trotzdem, Lula, Dein 
Brief hat mir, der bis in die Frühzeit alles aufruft, was 
wir zusammen erfahren haben im Guten und Bösen, ganz 
besonders viel Herzwärmendes gespendet. Du erzählst so 
richtig, alles wird deutlich, wo Du hinschaust scheint sogar 



die Liebe zur Heimat in mir erkaltet sei: Im Gegenteil, 
im Gegenteil! Die Liebe zu der Heimat, die mich selber ver- 
stieß, die nichts mehr von mir weiß. Und in ihr, und als 
lebendigstes Symbol der Heimat, die Liebe, die Verbunden- 
heit mit dem München unsrer Jugend, unsrer Fröhlichkeit, 
unsres Werks, dem einzigen München! Alles mag sich ge- 
ändert haben oder zerfallen, unser München ist ewig in 
unsrem Herzen, und darüber hinaus und immer wieder 
muß es neu erstehen, denn es war und ist und bleibt 
die schönste Blüte unsrer Heimatwelt. Die Menschen ver- 
gehen, die Einrichtungen verfallen, aber der Genius Mün- 
chens ist unzerstörbar. Unter Schutt und Asche wartet er 
bloß, bis seine Zeit kommt, bis er wieder Gestalt annimmt, 
Leben aussät und Menschlichkeit. Auch bei diesem Wein 
werden wir nicht mehr sein — oder vielleicht doch? Irgend- 
wie sind wir dabei, mitschwingend und hilfreich. 

Aber Du merkst, Maxi, wie mir alles noch vertraut ist 
und damit wichtig . . . Daß der Fürmann gleich anfangs 
aus dem Leben ging, als es keins mehr für ihn gab, 
als die schwarze Flut wegschwemmte, auch was er geschaf- 
fen hatte, das hat man mir erzählt. Beim Vierteljahr- 
hundertsjubiläum der legendären „Pension F." war ich 
zugegen, und wie! und zur Bowle hab' ich das Begrü- 



Im Ernst, Maxi: außer Dir und ein paar Freundinnen, 

weiß von mir, ach vielleicht weiß es nichts mehr von sich der Gräfin, für die es schon lang keinen „Ultimops" mehr 

selbst! Das wäre noch fürchterlicher, noch unausdenk- zu betreuen gibt, die sonst aber auch treulich zu mir 

barer — . hält, der Lula und paar anderen gut geblieb'nen Weiblichen, 

Schreib mir ein bißchen mehr von München, nicht von hat sich noch niemand ernstlich drum bemüht, mich wieder 

der Trümmerstätte, wie sie sich den Augen zeigt, sondern zurückzukriegen. Die Jugend, von der Du sprichst, kenne 

von jenem ungreifbar Wirklichen unserer schönsten Zeit, ich nicht, was ich aber von ihr weiß durch Zufall oder 

Ob davon noch etwas west, ob der Duft noch hauchhaft Spiegelung, spricht nicht g'rade so, als ob man interessiert ßung^gedicht gemacht, und der Carlo Holzer hat's herrlich 

über all den Ruinen, den innerlichen meine ich jetzt, aus sei, einen von ehedem, naturgemäß unbequem durch Alter, hergesagt. Ich hab' davon nur den Vers behalten: 

all dem Zusammenbruch, dem des Gemüts, herausweht, ob Werk, Anspruch und Schicksal, wieder in die Nähe zu be- 

noch eine Hoffnung blieb. Nicht eine für mich, wohl aber kommen. Vollkommen verständlich. Ja, ich finde es rich- 

für jenes Wunder, das Stefan Georges unsterbliche Zeilen . tig, nicht wegen des Abgrunds des Grausens, dem Druck des 

ins Wort bannen: „Heimat deucht/Uns erst wo Unsrer Augenblicks, nein auch ganz einfach weil jede Zeit, jeder 

Frauen türme ragen." Du verstehst mich. Hier frag ich neue Weltabschnitt, jede Generation sich selber finden 

nicht, ob noch oder wieder und inwieweit Fasching ist muß. Vorbilder, Erfahrung, Worte der Weisheit holt man 

das Gleichgültige oder das Verworrene fast bedeutsam oder, kümmerlich oder nicht, Oktoberfest oder sonst etwas sich lieber aus Gedrucktem, das verpflichtet nicht, und man drin gespukt hat, und es einen manchmal durchfuhr wie 

oder erlaubt. Und auch daß Du ein paar Namen nennst. Rahmenhaftes. Ja, das möcht ich gern wissen. Du hörst so kann's wieder zum übrigen stellen, wenn man seiner müd ein Eishauch. Einzelheiten mehr fürs Mündliche gemacht, 

die ich aus meinem Gedächtnis habe ausbrennen müssen, viel herum. Du merkst manches, was anderen verschlos- wird. Das alles fällt schwerer, wenn einer plötzlich wieder Der Engert war damals vierter Klasse in sechzehnstündiger 

hat höchstens ein wehmütiges Lächeln geweckt, keinerlei sen bleibt, gib mir also Antwort und Nachricht . . . Aber in der Mitte weilt, greifbar ist, existieren will und von Fahrt, eine Leistung dazumals, von Bonn 'rübergekrochen, 

sieh, obwohl dieser Brief ganz und gar zu Dir spricht: ohne außen gesehen dazugehört. „Der war' auch besser ge- wurde von uns allen im Triumph auf den Schultern zere- 

daß ich's will, greift er doch noch weiter, meint er noch blieben, wo er herkommt" — wäre die natürliche Reak- moniös rund um den Saal getragen. Und dann kam die 

mehr. Und so hab ich gar nichts dagegen, wenn Du ihn tion. Für die dank' ich aber im voraus. Das aber sagt Bowle, die unvergleichliche Fürmanns-Bowle, und dann 

auch andre lesen läßt, obwohl es mir gar nicht sehr drum durchaus nicht, Maxi, daß ich nicht über alles gern wieder kam nodi vieles, und die Nacht war süß und schwer. Auf 

zu tun ist, daß jeder noch oder wieder um mich weiß. Halte mit Euch zusammen wäre, und daß Du mir so klar und der „lanj^en Bank" für den Pensionsgarten, dem Ge- 



Was wäre Schwabing ohne dich? 
Ein bürgerlicher Länderstrich, 
■^iin Viertel wie so viele . . •. 

Wie's weiterging, hab' ich vergessen. Es war eine herr- 
liche, tolle Fürmanns-Nacht, obwohl's schon ein bißchen 



Groll. Auch das kannst Du mir glauben. Ob man im Alter 
weiser wird, kann ich nicht sagen. Auch milder wird man 
nicht. Aber, mindestens wenn man Karl Wolfskehl ist, 
dann befindet sich die Spätzeit eines solchen Einzel- 



daseins in einer Luft, der das Widrige oder das Verlogene 

oder der Kleinmut oder die Ausnutzung des praktischen das, wie Du willst. Und sei tausendmal bedankt für die so 

Moments nichts mehr anhaben kann. Lula, ich habe inner- vollauf erwiderte Treue des Gedenkens, des Beharrens, des 



lieh Fürchterliches durchgemacht, das Schlimmste, was einer 
meiner Art, meiner Hingabe, meiner Gläubigkeit erfahren 
kann, ward mir zugemessen. Ich habe es empfangen, auch 
solches wie eine Gnade des Schicksals. Nicht gemindert, 
sondern gemehrt fühle ich mich, weiß ich mich durch das, 
was früher bitterste Enttäuschung gewesen wäre. 

Genug davon. Diesen Blick auf meine augenblickliche 
seelische Lage hab ich Dir gestatten müssen, ins einzelne 
leuchte nicht. Zerbrich auch Du Dir nicht den Kopf, wor- 
auf ich etwa deute, was ich verschließe... Grade in meinem bedeutet! Nicht bloß, daß er alles aufruft, was ehedem uns 
jetzt neunjährigen Exil, so weit fort von allem, was einst Leben war, er bringt etwas von der Lust des Daseins in 



Wissens ums Wahre jenseits von Wahn und Verzerrung. 
Immer warst Du mir lieb und vertraut: heute fühl ich 
Dich so nah, so stark wie nur je! 
Ich grüße Dich von Herzen. 

An Maxi, München 26. 9. 1947 

Meine liebe Maxi, du unvergess'ne, 

das kann sich niemand vorstellen, auch Du nicht. Du 
goldige Schreiberin, was solch ein Brief aus der Heimat 



nah und lieb vor Augen und im Herzen stehst wie nur 
je, daß ich Sehnsucht nach Dir habe, und daß ich, ich weiß 
nicht was drum gäbe, wenn ich wieder, und nun endgül- 
tig „in Deinem Stall stehen" könnte, so hast Du 's einmal 
ausgedrückt, als Du mit Recht feststelltest, ich schaute ge- 
sünder aus, seit Du für mich sorgtest. Wie hast Du für 
mich gesorgt, Maxi! Von Hemdsknöpfen und Haxen auf- 
wärts bis zum Innersten, Innigsten und Liebsten. Ich hab's 
nicht vergessen, und wenn es wiederkommen könnte — 
Träume sind Schäume, und ich muß mich wohl auf die 
nächste Inkarnation vertrösten. Denn, Maxi, das gehört zu 
meinem wirklichsten Wissen: Was einmal Bestand hatte 



schenk der Inwohner und Unzahler, war auch ein Vers 
von mir eingeschnitzt, den hab' ich auch vergessen. Und 
es gibt sie gewiß nimmer, die lange Bank nicht, noch 
weniger das, als dessen Symbol sie dastand, das liebliche 
Sich-gehen-Lassen, das Gähnen, das Ausruhn, das Zeit- 
haben, das „Morgen ist auch noch ein Tag", oder jenes 
„eigentlich sollte man . . .", mit dem die Gräfin Reventlow 
von einst sich zwiefach tatenlos und genußvoll auf „Diwan 
dem Schrecklichen" ausstreckte. Das aber war vor Deiner 
Zeit, Maxi. Verstehn und schön finden tust Du's doch . . . 
Bist Du zufrieden, Maxi? Zufrieden mit dem überlangen 
Brief? Ich hoffe. Du bist's nicht, und er schmeckt nach 



zutiefst, das ist unvergänglich und bleibt, mag es auch die mehr. Wenn er nur recht ankommt, und der Zensor nicht 

für mich wichtig war, so weit fort von München wie vom unsere Einsamkeit, an der man sonst fast erstickt. Auf einen Form wechseln. Es ist schön, darum und um Dich zu bös' wird wegen der unmenschlichen Länge! Hoffentlich 

wissen. bedenkt er immer: er ist ja doch ein Liebesbrief! 

Und, Maxi, mit all dem, was ich oben über die Hinder- Maxi, ich grüße Dich aus vollem Herzen, und mit einer 

nisse des Hinkommens schrieb, das sagt auch niclit, daß Zeitlang, wie's nur Du verstehst, rund um die Erd' herum. 



Mittelmeer, hat die innere Welt, die Welt der wirklichen solchen Brief hab' ich lange gewartet, nun hab' ich ihn, 

Bezüge, mir fast alles zu ersetzen gehabt. Und nicht nur les' ihn wieder uhd wieder. Es ist wunderbar, wie alle Er- 

wie sonst im Alter die Jahre der Entwicklung — nein, der innerungen noch in Dir wach sind, hierin gleichst Du mir 

ganze Umkreis dessen, worin, woraus, wofür ich da- sehr. Auch ich vergesse nichts von all dem Schönen, all 

gewesen bin, bleibt mir vertraut, bildet die Lebenskraft, der bunten, lustigen oder behaglichen Wirklichkeit seit 

aus der heraus ich noch schaffe, von deren lebendigem jenem Nachmittag, wo Du mit der Lula im etwas verstaub- 

Odem mir Kraft zuwächst, die Kraft zum Überdauern . . . ten Atelier auftauchtest und man sich augenblicks verstand. 

Ach, Lula, glaubst Du wirklich, Karl Wolfskehl könne, und wie verstand, Maxi! Daß ich dann am Abend zu 

dürfe zurückkommen? Die Heimkehr wäre fruchtbar? Für irgendeiner offiziellen Feier behufs Durchlangweilens weg 

wen? Was mir zu tun blieb, ich bin nicht müßig gewesen, mußte, drängte nur noch mehr Zauber und Traum in den 

es zu vollbringen. Selber staunend, darf ich's bekennen, kurzen Vorabend, dessen Abglanz heute noch in mir glüht. 

daß das Exil, daß vielleicht grade die Fremde, die Öde, Und die Zeit, die diesem Auftakt folgte,Nvar danach — 

die mich umgab, weil ich in mich zurückgetrieben war viel- auch sie nicht ausgedehnt, doch erfüllt. Seitdem ist auch 

leicht, mir eine dichterische Ernte und Endphase gteschenkt der Ostbahnhof niir ein lebendiges Stück München. Manch.* 

hat, auf die auch nur zu hoffen, mir noch vor zwanzig mal wartete jemand, wenn ich von irgendeinem Wochenend 

Jahren wie vermessen vorgekommen wäre. heimkam, meiner am Bahnsteig. Weißt Du noch, Maxi? 

So viel von mir, Lula. Recht viel Ungesagtes, zwischen Eigentlich ist es recht schad', daß man sich seitdem nur 



Rudolf Kassner 



Der indiskrete Mensch 



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Größe und Einsamkeit des im 86. Lebensjahr gestorbenen 
Rudolf Kassner hingen nicht mit seinen Urteilen, seinen 
Meinungen oder seiner „kritischen" Haltung zusammen. Es 
geh lind gibt schockier ender e. ja streng<^re Schriftsteller. 
Die „Aura" jedoch, die Kassner' umgab, entsprang bereits 
seiner Art, der Welt zu begegnen. Er urteilte nicht, sondern 
er sah. Ein Leben lang hat Kassner es verstanden, die Ele^ 
mente der Größe zu sehen. Gestalten zu beschreiben, Zu- 
sammenhänge zu vergegenwärtigen, Maßlosigkeiten auf die 



Dieser Mensch ist indiskret, weil ihm der Gegenstand, 
und er ist ohne Gegenstand, weil ihm die Hingebung fehlt. 
Und er wird niemals begreifen, daß die Welt nur für den 
bc'^.tir' ,/\t Irl; ^jc^enständlich und v/irklich wird, der sich 
hinzugeben vermag. Idi möchte diesen indiskreten Men- 
schen einen entarteten Pedanten nennen, einen Pedanten, 
der plötzlich über Nacht, ohne Grund zu verschwenden 
begonnen hat, den Pedanten einer ganz unwirklichen, un- 






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Odem mir Kraft zuwächst, die Kraft zum Überdauern . . . 

Ach, Lula, glaubst Du wirklich, Karl Wolfskehl köhne, 
dürfe zurückkommen? Die Heimkehr wäre fruchtbar? Für 
wen? Was mir zu tun blieb, ich bin nicht müßig gewesen, 
es zu vollbringen. Selber staunend, darf ich's bekennen, 
daß das Exil, daß vielleicht grade die Fremde, die Öde, 
die mich umgab, weil ich in mich zurückgetrieben war viel- 
leicht, mir eine dichterische Ernte und Endphase geschenkt 
hat, auf die auch nur zu hoffen, mir noch vor zwanzig 
Jahren wie vermessen vorgekommen wäre. 

So viel von mir, Lula. Recht viel Ungesagtes, zwischen 



ten Atelier auttaucntest una man h».%xi MUK*^iiL>AicM.a vci.»b«i&*vA, 
und wie verstand, Maxi! Daß ich dann am Abend zu 
irgendeiner offiziellen Feier behufs Durchlangweilens w^eg 
mußte, drängte nur noch mehr Zauber und Traum in den 
kurzen Vorabend, dessen Abglanz heute noch in mir glüht. 
Und die Zeit, die diesem Auftakt folgte,^^ar danach — 
auch sie nidit ausgedehnt, doch erfüllt. Seitdem ist auch 
der Ostbahnhof mir ein lebendiges Stück München. Manrh-* 
mal wartete jemand, wenn ich von irgendeinem Wochenend 
heimkam, meiner am Bahnsteig. Weißt Du noch, Maxi? 
Eigentlich ist es recht schad', daß man sich seitdem nur 



Rudolf Kassner 



Uer incliskrete iVienscti 




iiiiNymphenburger Pa/k. 



I'hutu: Ju vua Kalckreuth 



Größe und Einsamkeit des ivn. 86. Lebensjahr gestorbenen 
Rudolf Kassner hingen nicht mit seinen Urteilen, seinen 
Meinungen oder seiner „kritischen" Haltung zusammen. Es 
gah und gibt schockier ender e, ja strengi^re Schriftsteller. 
Die „Aura" jedoch, die Kassner umgab, entsprang bereits 
seiner Art, der Welt zu begegnen. Er urteilte nicht, sondern 
er sah. Ein Leben lang hat Kassner es verstanden, die Ele^ 
m,ente der Größe zu sehen. Gestalten zu beschreiben, Zn- 
sammenhänge zu vergegenwärtigen, Maßlosigkeiten auf die 
Spur zu kommen. Ob er Tragiker deutete, Begriffe entfaltete, 
Erinnerungen zum Leuchten brachte: immer durchbrach er 
die starren Ketten des Kalküls, immer vertraute er der 
Evidenz innerer Erfahrung mehr als den Denkgeleisen, in 
denen das feuilletonistische Zeitalter sich bewegt. Sein Prosa- 
stück über den „indiskreten Menschen" bewährt diese Kraft 
* wahrhaft intuitiven Feststellens. Da treten plötzlich Begriffe 
nebeneinander — Indisk/thton, Heillosigkeit, Hingebungs- 
fremdheit, Karikatur — die der platt routinierte Blick zu 
trennen gewohnt sein mag, die sich aber hier auf rätselhafte 
Weise gegenseitig erklären und beleben. 

Daß der moderne Mensch im ganzen so indiskret ist, 
soll gar nicht bedeutende Fähigkeiten in Abrede stellen: 
seinen Spürsinn, seinen Witz, seine Anempfindungs- und 
Stimmungsfähigkeit und auch nicht eine gewisse Einbil- 
dungskraft, soweit diese eben mehr in der Fähigkeit liegt, 
sich in Stimmung zu setzen, als sich zu verwandeln. Aber 
als Material zur Größe taugt er nicht. Man kann aus 
einem indiskreten Menschen keinen großen machen, wie 
immer man es anstelle. Sein Wesen drinnen ist brüchig, 
cavos, geteilt. Und sein Werk darum auch voll Reiz, doch 
ohne Gestalt und Gesetz und vermag uns darum wohl 
anzuregen, aber nicht zu bestimmen. 

Dieser indiskrete Mensch ist zerstreut von innen heraus, 
und darum wirkt er nicht trotz vieler Mittel. Er vermag 
nicht zu repräsentieren und bricht immer wieder ab. Seinem 
Dasein fehlt die Vorsehung, das innere Gesetz und die 
Folge, und so läuft sein Leben ab und ist stets irgendwie 
verschwendet und verworfen. 

Diese Indiskretion, von der ich rede, ist schlechte Ökono- 
mie und Verfassung, kein Laster, aber eine Unordnung 
und Heillosigkeit tief drinnen, was ja in einem gewissen 
Sinne viel schlimmer ist. Der moderne Mensch ist damit 
geboren. Ich möchte sagen, es ist diejenige Krankheit der 
Seele, bei der die menschliche Persönlichkeit am wohlsten 
aussieht, und man darf sie mit gewissen Herzerkrankungen 
vergleichen, die ein Unkundiger dem Kranken wegen des- 
sen guter Farben nicht ansieht. Also ist dieser Indiskrete 
tief und doch nicht tief, sublim und doch nicht sublim, 
geistreich und im tiefsten, entscheidenen Sinne ohne Geist, 
groß und doch klein. Er ist, weiter, nicht ohne Innerlich- 
keit, und doch beneidet er die Leichten und Oberfläch- 
lichen und ist also, wenn ich es so sagen darf, unglück- 
lich über seinem eigenen Glück. Ist das nicht ganz und 
gar Mangel an Maß: also innerlich zu sein und nach 
den Leichten zu schielen? Ist das nicht ganz deutlich ein 
Fehlen von Größe und Bestimmung: sich also mit sich 
selber immer wieder aufzuheben? Und die Folge dieses 
unseligAi inneren Zustandes ist, daß der indiskrete Mensch 
niemals ganz ohne Verrat aus sich heraus kann und jeg- 
licher Äußerung seines Wesens etwas von Frevel, ja eine 
gewisse Schamlosigkeit anhaftet. 

Wer ist ihm noch nicht begegnet, diesem untypischen, 
unsatten und undichten Geschöpf mit dem überhitzten Blick, 
dieser Kreatur ohne Sinnlichkeit mit der wollüstigen Fratze, 
diesem Menschen voll von Gegensätzen, Brüchen und ohne 
Spannung? Wer kennt ihn nicht, diesen Genußmenschen 
ohne Geschmack, den tristen Erotiker, den mitleidsvollen 
Ästheten, den Patrioten aus Verzweiflung und ohne Über- 
zeugung, den Frommen ohne Glauben? Wer stößt nicht 
täglich auf diese Überlebendigen und doch schon Toten? 
Auf diese ewig Entzückten und doch Flüchtigen? Auf alle 
die mit mehr Worten als Dingen, welche darum lieber mit 
einem ganzen Buche unrecht als mit einem einzigen Satze 
recht haben? 



Dieser Mensch ist indiskret, weil ihm der Gegenstand, 
und er ist ohne Gegenstand, weil ihm die Hingebung fehlt. 
Und er wird niemals begreifen, daß die Welt nur für den 
be«;tiT'^it ir-i. gü.:enst8rdlich und v/irklich wjrd, dtr sich 
hinzugeben vermag. Ich möchte diesen indiskreten Men- 
schen einen entarteten Pedanten nennen, einen Pedanten, 
der plötzlich über Nacht, ohne Grund zu verschwenden 
begonnen hat, den Pedanten einer ganz unwirklichen, un- 
heimlichen Welt, den Pedanten mit dem Hunger nach dem 
Anderen, nach dem Fremden, innerlich voll Angst und 
Todesfurcht. 

Ich sage, er ist ohne Hingebung. Und vielleicht ist das 
seine Tragik, daß er einmal sich hinzugeben versucht hat 
und dabei fühlen mußte, daß er sich entwerte, was ihn 
schließlich dazu treibt, schwermütig und frivol zugleich 
und zum Spieler zu werden in einer Welt geheimnisvoller 
Bestimmungen. 

Der Spieler ist notwendig indiskret, das heißt: ihm ist 
alles preisgegeben, und er entwertet die Dinge, gleichwie 
der Wollüstige sie entwurzelt. Seine Seele ist maßlos, er 
tut und fühlt vieles und nur das Eine nicht, und darum 
wird er die Angst nicht los, so daß man wohl behaupten 
möchte, die Angst sei sein Maß. „Eines aber tut not" — 
dieses Wort Jesu ist gegen den Spieler, gegen den Indis- 
kreten gerichtet. Martha war vielleicht im Mittelalter die 
Tätige, da man eine ganz bestimmte Weise hatte, Gott zu 
dienen; heute ist Martha die Indiskrete und Zerstreute und' 
ein Sinnbild jener, deren Maß Ängstlichkeit ist. Alles, was 
sie tut, ist vertan und verstreut, da die Angst nichts zu 
halten und zu sammeln vermag und stets verliert. Ihre 
guten Gefühle sind alle verschwendet an eine fremde Welt, 
und so ist sie stets ohne das Gute, das sie gewirkt und 
gefühlt hat, und darum ohne Wert und ohne Maß. Maria 
hat das Maß, und sie ist, und darum ist sie groß. 

Man erkennt den Indiskreten durchaus an dessen Werk, 
das ohne wahre Innigkeit und darum ohne Form ist. Der 
Indiskrete kommt nicht über die Antithese hinaus und so- 
mit nie zu einem Geschmack des wahren Wesens der 
Dinge. Die Antithese ist recht eigentlich die Form jener, 
die innerlich voll Angst sind, die Form der entarteten Pe- 
danten, eben jener Tiefen, die nicht tief, und jener Großen, 
die nicht groß sind. 

Ich sage, die Antithese ist die Form des Marsyas, der von 
Apollon geschunden wurde. Marsyas war ein Indiskreter 
im griechischen, im großen Stile, ein Maßloser, und darum 
wurde er geschunden. Das entsprach. 

Wenn ich behaupte, daß der Indiskrete kein Material zur 
Größe sei, so will ich damit nicht gesagt haben, daß er 
kein Bedürfnis nach dem Großen empfände. Er hat, möchte 
ich sagen, dauernd einen kranken, den falschen Appetit 
nach dem Großen, nach dem Helden. Nach der großen 
Persönlichkeit, nach dem großen Ereignis, nach der Schön- 
heit, und er ermüdet nicht an seinem Wunsche, seiner 
Begehrlichkeit. Und was er wünscht und verehrt, ist immer 
das ganz Andere, das Fremde, das aus dem fremden 
Lande, das da kommt und verschwindet, zu nichts ver- 
pflichtend; was er wünscht und verehrt, ist durchaus der 
Schauspieler. Ich meine, durch nichts verrät er so deut- 
lich seine Herkunft aus dem Vulgären, Willkürlichen und 
Mittelmäßigen wie dadurch, daß er Größe nur noch im 
Schauspieler, daß er sie nicht mehr ohne die Vermittlung 
des Schauspielers gewahr zu werden fähig ist. 

Oder er hat das amerikanische Ideal von Größe, den 
exzessiven Menschen, den Superlativ, den Spezialisten, die 
Unmasse, die Größe des Tages, den Tenor, den Milliardär, 
den Baseballspicler, überhaupt das ganz Lose, und er 
verehrt seinen Helden damit, daß er ihn karikiert. Kari- 
katur ist umgekehrte Monumentalität und vielleicht die 
einzige ursprüngliche Art des Indiskreten, groß zu sehen, 
und die einzige Möglichkeit, das von Natur aus Indiskret« 
und innerlich Formlose groß auszudrücken. 



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Donnerstag, 17. September 1959 



PARMSTÄPTER ECHO 



Seite 7 



Der Dichter Karl Wolfskehl 

Vor neunzig Jahren wurde er in Darmstadt geboren / Von Fritz Usinger 



Am 17. 9. 186fi wurde Karl Woliskehl als 
Sproß einer alten Darmstädter Familie ge- 
hören. Er besuchte das Ludwig-Georgs- 
Gymnasium, war in München eine der ge- 
wichtigsten ihid eigenwüchsigsten Persön- 
lichkeiten im George-Kreis und kehrte 19.33 
von einer Reise in die Schweiz nicht mehr 
nach Deutschland zurück: ihm, der die My- 
then seines Vaterlandes besser kannte als 
die Machthaber des „Dritten Reiches", die 
sich fälschlich auf diese Mythen beriefen, 
war die Heimat verwehrt. Ihm blieb nur 
das Exil, in dem er am 30. Juni 1948 starb. 
Mit Nachdruck sei noch einmal auf den er- 
greifenden Band „Zehn Jahre Exil — Briefe 
aus Neuseeland 1938/1948" von Karl Wolfs- 
kehl verwiesen, den Margot Rüben im Auf- 
trag der Deutschen Akademie für Sprache 
und Dichtung im Verlag Lambert Schnei- 
der, Heidelberg, Darmstadt, herausgegeben 

Preise im Rundfunkwettbewerb 

Der 8. Internationale Musikwettbewerb 
der westdeutschen Rundfunkanstalten ging 
in München mit der Bekanntgabe der 
Preisträger zu Ende. Die Jury vergab im 
Fach Gesang keine ersten Preise, sondern 
verteilt je zwei zweite Preise von je 2000 
DM. Ausgezeichnet wurden Lois Lacerty 
(USA), Mary Wells (England), Brian Hens^- 
ford (Au*tralien) und Jindrich Jindrak 
(Tschechoslowakei). Je ein Förderungspreis 
von 500 DM wurde an Anabelle Bernhard 
(USA) und Paul de Medina (USA) ver- 
geben. 

Im Fach Klavier siegte der westdeutsche 
Pianist Friedrich Wilhelm Schnurr (3000 
DM); Zweite (je 2000 DM) wurden sein 
Landsmann Gornot Kahl und der US- 
Amerikaner Norman Shetler. Die För- 
derungspreise (!500 DM) erhielten die Un- 
garin Anni Feiner und Sylvia Jenkins 
USA). 

Hedwig Bilgram (München) wurde mit 
dem ersten Preis im Fach Orgel aus- 
gezeichnet (3000 DM), der Schweizer Lionel 
Rogg mit dem zWeiten Preis (2000 DM) 
und Jean Claude Henry (Frankreich) und 
Eberhard Kraus (Bundesrepublik) mit den 
beiden Förderungspreisen (je 500 DM). 
Auch im Fach Streichquartett vergab das 
Schiedsgericht keinen ersten Preis. Das 
Weiner-Quartett (Ungarn) und das Weiler- 
Quartett (Österreich) erhielten die beiden 
zweiten Preise (je 4000 DM), das deutsche 
Strauß-Quartett den Förderungspreis 
(1600 DM). ap 



hat. pem Nachwort, in dem Fritz Usinger 
die geistigen Welten Stefan Georges und 
Karl Wolfskehls in ihrer Verwandtschaft 
und griLndsätzlichen Verschiedenheit unter- 
sucht, entnehmen wir die folgenden Absätze 
mit den Schlußfolgerungen. 

Karl WolfJ5kehl ist ein schwieriger Dich- 
ter, schwierig im Werk, aber noch schwie- 
riger in der Beziehung seiner menschlichen 
Erscheinung zum Werk. Denn er war als 
Person die strahlende Gegenwart einer un- 
faßbaren Fülle, die er königlich im Ge- 
spräch verschenkte. Er war aus Reichtum 
heiter-bewegt, mitreißend, ruhelos, schöp- 
ferisch aus dem Feuer des Augenblicks, ein 
göttlicher Mensch und unvergeßlicher Zau- 
berer allen denen, die ihn sahen und hör- 
ten. Sein dichterisches Werk dagegen ist 
dunkel, schwerfließend, mit sich selber um 
Ausdruck kämpfend, dabei von gewaltiger 
Sprach-Macht, aus finstersten Abgrunds- 
visionen heraus die höchsten Höhen 
menschlicher Verklärung erfliegend, eine 
Ur-Gewalt, aber deshalb auch erfüllt von 
Ur-Geheimnis. 

Das dichterische Gesamtwerk Karl Wolfs- 
kehls liegt vor in den Bänden „Gesam- 
melte Dichtungen" (1903), „Der Unnkreis" 
(1927), „Die Stimme spricht" (1934), „An die 
Deutschen" (1947), „Hiob" (1950) und „Sang 
aus dem Exil" (1950). Der äußere Umfang 
dieses Werkes ist nicht groß, aber sein 
geistiger und sprachlicher Umfang ist weit 
gespannt. In diesen Gedichtreihen werden 
ganze Welten ins Wort gebracht, und ihre 
Sprache ist von einem gigantisch-prophe- 
tischen Griff, daß man in der deutschen 
Literatur vergeblich nach Vorbildern sucht. 
Selbst in der frühen Zeit seiner stärksten 
Beeinflussung durch Stefan George war 
Wolfskehl nicht georgisch. In den „Gesam- 
melten Dichtungen" (1903), auch wenn sie 
einen Namen oder Begriff der Antike als 
Titel tragen, ist überall ein Schweifendes, 
Ruheloses spürbar, das sich mit keinem 
Konkretum zufriedengibt und aus jeder 
Gestalt-Situation (im Sinne Georges) aus- 
bricht. Die Gedichte sind merkwürdig 
durch ihr Schweben in einer Unanschau- 
lichkeit, die sich dennoch nirgends auf eine 
theoretische Begrifflichkeit einläßt. Die 
dichterische Bildlichkeit fügt sich nicht zum 
konkreten Bild, weil ein innerer Strom die 
Teile der dichterischen Vorstellung fort- 
treibt und nicht zusammenläßt. Die bei- 
den letzten Gedichtreihen des Buches tra- 



gen die Titel „Nirwana" und „An den 
alten Wassern". Die eine spricht von dem 
Entsinken aus den Reichen des Le- 
bendigen, die andere von dem Heraufdäm- 
mern der alten Welt jüdischer Überlie- 
ferung. Beide führen von der Werk- und 
Welt-Intention Georges hinweg. 

In dem Buche „Der Umkreis" (1927) wird, 
wie schon der Titel sagen will, die ganze 
Weite der in Karl Wolfskehl wirkenden 
Kräfte , deutlich, deutlich wird aber auch 
die innere Dialektik dieser Kräfte, die 
dauernd aus Leben in Tod und aus Tod in 
Leben umschlägt. Von daher nimmt das 
Buch seine apokalyptische ' Kraft, doch 
stellt sich dabei heraus, daß diese Apoka- 
lypse im Grunde perennierend ist und sich 
nur in manchen Epochen zu großen Ak- 
zenten steigert wie in der un.seren. Die 
ewige Apokalypse der Welt ist nichts an- 
deres als ihr vormessianischer Zustand, 
der noch alle Weltkräfte im Kampfe mit- 
einander zeigt. In unorthodoxer Weise 
spricht sich in diesem Buche aus, was sich 
iYi orthodoxer Weise in den beiden folgen- 
denden aussagt, in „Die Stimme spricht" 
(1934) und in „Hiob" (1950). 

Diese beiden Bände geben auf knappstem 
Raum ein Konzentrat jüdischen Glaubens 
und Schicksals. Die kosmischen Elemente 
treten zurück, und das rnenschliche Schick- 
sal tritt vor und erhält seine geisterhafte, 
prophetische Deutung. Schicksal als Geist, 
als geistige Fügung und als Gegenstand 
geistiger Bewährung, das ist das große 
Thema dieser Werke der Leidenszeit. Ihre 
jüdische Offenbarung ist nicht ein Rück- 
griff auf Vergessenes und Versunkenes, 
sondern nur die Enthüllung und Benen- 
nung von Mächten, die seit je in dem Dich- 
ter wirkend und schaffend waren, wenn 
auch unter anderen und allgemeineren 
Aspekten. Die tiefe Paradoxie des irdisch- 
geistigen Geschehens, die das Hauptthema 
des Buches ..Der Umkreis" bildet, ist auch 
im religiösen Räume dieser beiden Bücher 
anwesend. Auch unter dem Lichte des 
göttlichen Gesetzes bleiben Tod und Le- 
ben, Schuld und Sühnung, Leiden und Er- 
hebung untrennbar miteinander verbun- 
den. Durch Gott wird die Welt weder in 
ihrem Bestände noch in ihrer Interpre- 
tation einfacher. Sie wird noch schwieriger 
durch den Anspruch Gottes an den Geist 
des Menschen. 

Unmittelbar neben dem „Hiob", dieser in- 
tensivsten Formulierung jüdischer Re- 






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KARL WOLFSKEHL wurde vor neunzig Jahren, am 17. 9. 1869, in Darmstadt geboren. 
Diese letzte Aufnahme des Dichters aus dem Jahre 1947 entnehmen wir dem Band „Zehn 
Jahre Exil" von Karl Wolfskehl, Verlag Lambert Schneider. 



ligionsgehalte, stehen zwei andere Bücher, 
in denen die gegenpolare Region der 
Wolfskehlschen Welt ihren nicht minder 
großartigen dichterischen Ausdruck fin- 
det: der Gesang „An die Deutschen" (1947) 
und der „Sang aus dem Exil" (1950). Beide 
sind eine Bestätigung der deutschen und 
mittelmeerischen geistigen Heimat des 
Dichters, trotz aller dazwischenliegenden 
äußeren und inneren Verwüstungen. Eine 
unerschöpfliche Liebe triumphiert über die 
fast tödliche Verwundung des Herzens, 
über Demütigung und Ungerechtigkeit. 
Wolfskehl hat das Gedicht „An die Deut- 
schen" gern als Lied bezeichnet, und es ist 
auch im tiefsten nichts anderes als ein 
Heimwehlied. Der „Sang aus dem Exil" 
aber ist die Feier des Mittelmeeres, des 



,.MARE NOSTRUM", als des geistigen 
Zentrums der westlichen Welt. Der Dich- 
ter taucht als Letzter der Seher, als ultimus 
vatum, in getreuer Sohnschaft zurück ins 
Mittelmeer. Bezeichneten die jüdisch-theo- 
logischen Bücher Stadien der Seele, so be- 
zeichnet die George- Welt Deutschlands zu- 
sammen mit dem von ihr innerlich umfaß- 
ten Mittelmeer die Sphäre der Realisation, 
der irdischen Verwirklichung, der alle noch 
so schweren und dunklen Umläufe der 
Seele zu dienen haben. In solcher Weise 
hat Karl Wolfskehl die stürmenden Kräfte 
in sicli bezwungen, und unter solchem 
Durchblick ordnen sich die disparat sdiei- 
nenden Werkmassen seiner Dichtung zu 
einer kosmisch-weiten, menschlich-gött- 
lichen Ordnung. 





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13. FOLGE JAHRGANG 1960 



und Berichte 



CLAASSEN VERLAG HAMBURG 




KARL WOLFSKEHL 



über die Erneuung dichterischen Erbguts 



Die Schwierigkeiten der Übertragung von 
Dichtungen aus einer älteren Sprachstufe in 
die eigne Hegen, man möchte fast sagen, in 
der Leichtigkeit. Worte, Figuren, Gefüge, 
Rhythmik und Melodik sind nahe verwandt, 
vielfach identisch. Das hemmt und verführt 
zugleich. Denn weder im ganzen noch im ein- 
zelnen stimmt es jemals durchaus. Die erhal- 
tenen Worte haben Bedeutungswandel erfah- 
ren, ihr Sinn ist erweitert oder verschmäh, 
meist farbloser, abgezogener, matteren Voll- 
klangs. Und mit dem Sprachbau, 
vor allem mit dem Gefälle steht es 
nidit anders. Auch wo langwäh- 
rende Überlieferung einen Stil ge- 
schaflFen hat, Ausdruck und Geha- 
ben leitet und eingrenzt, ist alles 
gesprochener, näher, merkhafter, 
weniger besormen als bei uns. Jede 
wahrhaft dichterische Übertragung 
aber arbeitet mit dem was sie hat, 
mit den gegenwärtig vorhandenen, 
freilich steigerbaren, freilich ver- 
tiefbaren Sprachmitteln, denn nur 
aus dem Lebendigen entsteht Le- 
ben. Jeder Versuch nachtastenden 
Angleichens, interlinearer Schein- 
treue, mehr aber noch jedes Alter- 
tümeln, jedes faschinghafte Her- 
übernehmen vermuffter Embleme, 
Wendungen, Endungen, Windun- 
gen, bleibt Rumpelkammer und 
Mummenschanz, also stümperhaf- 
ter Verzicht auf eignes Wohnen, 
eignen Wuchs, eigne Tat. Auf die 
wahrhaft erneuernde Erhaltimg 
des ewigen Erbgutes kommt es an. 
Was ich in meiner Abhandlung 
»Vom Sinn und Rang des Über- 
setzens« über das Gesamtproblem 
ausführe, gilt hier ganz besonders. 
Welche Mittel nun besitzt unser 
heutiges Deutsch zum Behuf und 
Endziel der Erneuung? Wie ge- 
lingt es ihm, Nähe zu sein und Fer- 
ne zu atmen, vergangene Laufte, 



Gesinnungen, Bluttöne, seine eigne Früh-Zeit, 
Hoch-Zeit, sidi einzuziehen, einzuverleiben? 
Diese Mittel bestehen, es sind keine anderen, 
als deren der deutsche Dichter überhaupt be- 
darf, auch zum eigenen Werk, und über die er 
verfügt. Sie bestehen, denn unsere Sprache 
»steht« noch nicht wie so manche andere Eu- 
ropas, sie ist nicht stationär, ihre Gesetze sind 
noch nicht zu Regeln erstarrt. Ohne Chaos zu 
sein, durchformt, durchgeistet, ist sie dennoch 
ganz Element. Bis in ihre Tiefen hinein reicht, 




Karl Wolfskehl 



wir haben es ehrfürchtig erlebt an Nietzsche 
wie an George, noch die liebende Gewalt ihrer 
großen Sprecher und ihrer großen Dichter. Ja, 
in der Hand jedes Meisters ist unsere Spradie 
gefügigstes Werkzeug, und sie bleibt dabei 
unverdorben, heiligster Mutterschoß. Das mag 
manchen befremden, manciier bespötteln, der 
Pedant mag es abstreiten, der Schnellschrei- 
ber es begrinsen in dieser Zeit barbarischen 
Verplattens oder Vermanschens, der Zeit der 
Schlagworte, Schlagzeilen, Schlagreime. Und 
dennoch ist es so: das alles rührt nicht an un- 
serer Sprache eigentümliches Dasein, an ihren 
Mysterienbezirk, ihren glühenden, immer ge- 
bärerischen, immer geschützten Kern. Und aus 
diesem glühenden Kern kann und muß unsere 
Vorzeit wieder erstehen, nicht umgeschmol- 
zen sondern reinwüchsig, weder wiederher- 
gestellt noch modernisiert. Wir bedürfen kei- 
ner Notbehelfe, denn das was den 
SprachstoflF durchdringt, ihn kne- 
tet und prägt, der Spiadi-Geist ist 
heut noch der gleiche wie in unse- 
ren Vorzeiten. Und auch die frei- 
lich gefährdete Sinnlichkeit in Bild 
und Klang, in Bedeutung und Fü- 
gung ist wiedergewonnen oder wie- 
der gewinnbar. Audi haben wir 
gültigste Vorbilder, geradezu stil- 
schaflFende, für unser eigenes Be- 
mühen. Vor allem in den schon vor 
hundert und mehr Jahren von den 
Brüdern Grimm geschaffenen Aus- 
drucksformen (für das dichterische 
Neuwerden vor allem Wilhelm 
Grimms »Altdänische Heldenlie- 
der«), denen freilich die überreiche 
Übersetzungsarbeit des vergange- 
nen Jahrhunderts bis in unsere Ta- 
ge kaum etwas abgelernt hat. Heu- 
te noch mangeln uns das erneute 
Nibelungenlied, der Parzival, der 
Tristan. Denn was es davon gibt 
ist saftlos und ohne dichterischen 
Benif. Aber sie müssen uns wie- 
dergeschenkt werden, es ist unum- 
gänglich. Sie sind unveräußerliche 
— und wie alles wahrhaft Bild, al- 
so ewiges Sinn- und Geist-Zeichen 
Gewordene immer gegenwärtig — , 
nicht bloß fortwirkende Kräfte. Sie 
sind Glieder unserer Totalität, ha- 
ben Anteil an uns und damit allen 
Anspruch. Wie ich mir Art und Um- 



BetHna-Photography 











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► 



fang solcher Emeuung denke, will ich noch 
nicht aussprechen: auch hierfür bestehen un- 
abweisliche Muster. 

Und wie ich selber die Aufgabe angepackt 
habe, die bezeichnendsten und bedeutendsten 
Denkmäler unserer frühesten Poesie zu über- 
tragen, wohin ich das Ziel gesteckt habe, mag 
das Werk selber erweisen. Kenner des Alten 
und Freunde der Dichtkunst mögen bemer- 
ken, daß hierbei nach keiner Vorschrift ver- 
fahren werden durfte. Eben die Fern-Nahe 
unseres Sprachschatzes nach Gehalt und Ge- 
staltigkeit verbietet allen Schematismus, zer- 
bricht jedes festgelegte Fordern. In einem 
Falle ist nachrechenbar genaue Wiedergabe 
von Sinn, Wortstellung, Silbenzahl möglich, 



Hans WolfFheim 



also Gebot, ein andermal wird Freiheit, ja 
scheinbares Paraphrasieren (niemals freilich 
Willkür oder Deutelung!) dichterische Gewis- 
senspflicht. Der aufnehmende Empfänger hat 
sich stets das Ganze vor Ohr und Sinn zu hal- 
ten, doch darf und soll er das Warum je und 
je selber erwägen, und ich hoffe, das Werk 
selbst steht ihm dann Rede, gibt ihm Rechen- 
schaft. Nur zu gut weiß ich, wie manchmal 
meine Absicht nicht sich erfüllt hat. Doch 
schon daß ich vor dem Ungeheuren, vor dem 
Gewicht dieses Auftrags nicht verzagte und 
nicht zusammensank, sagt mir, ich habe mich 
zu Recht an ihn gewagt. Möchten diese Älte- 
sten deutschen Dichtungen immer wieder auch 
die Neuesten bleiben. 



Zum Erscheinen der ersten Wolfskehl -Werkausgabe 



Wenn jetzt die Gesammelten Werke von Karl 
Wolfskehl erscheinen, so wird dies ein denk- 
würdiges Ereignis sein — das bedeutsamste, 
das wichtigste in der Geschichte der deutschen 
Buchproduktionen seit 1945, wenn man sich 
vergegenwärtigt, daß von allen Dichtern und 
Autoren, die ihm an Rang gleich sind, schon 
vorher Gesamtausgaben bestanden oder we- 
nigstens Anläufe in der einen oder anderen 
Form zu einer Werksammlung unternommen 
wurden. Das aber ist bei Karl Wolfskehl nicht 
der Fall. Sein Werk hat im buchstäblichen 
Sinne des Wortes ein Emigrantenschicksal er- 
fahren; es war, was besonders für die Aufsät- 
ze gilt, in aller Welt zerstreut, so daß auch 
der gutwillige deutsche Leser vieles nicht auf- 
nehmen konnte. 

Bisher lagen die im Exil geschriebenen Dich- 
tungen >An die Deutschen< (1947), >Hiob< 
(1950) und >Sang aus dem Exil< in zum Teil 
textlich unzuverlässigen Einzelausgaben vor. 
Der Gedichtband >Die Stimme spricht<, zuerst 
1934 erschienen, führte auch in der späteren 
erweiterten Ausgabe ein Exildasein, denn die- 
se Beschwörung des jüdischen Schicksals mit- 
ten unter den Deutschen hat man bisher kaum 
zur Kenntnis genommen. Von seinen frühen 
Dichtungen, die noch in der Verbindung mit 
dem George-Kreis veröffentlicht wurden, >Ge- 
sammelte Diciitungen< (1903) imd >Der Um- 
kreis< (1927), läßt sich ohne Übertreibung sa- 
gen, daß sie auf unserem Büchermarkt längst 
verschollen sind. So gut wie verschollen ist 
auch der Band seiner gesammelten Abhand- 
lungen >Bild und Gesetz< (1930). Wer diesen 
Band besaß, hütete ihn wie einen kostbaren 
Schatz. 

Und nun gar seine Übersetzungen und die 
von ihm unternommenen Ausgaben! Die >Ge- 
dichte des Archipoeta<, das Gedicht aus dem 
dreizehnten Jahrhundert, >Der Weinschwelg< 
oder >Das Buch vom Wein<, alles das war 
längst unerreichbar, von seinen übrigen Über- 
setzungen gar nicht zu reden. Nur die ge- 
meinsam mit Friedrich von der Leyen unter- 
nommene Übersetzung der >Ältesten deut- 
schen Dichtungen< ist wiedergedruckt worden. 



Im Ganzen aber bleibt das Fazit: ein solches 
Schicksal, ein solches Verhängnis über einem 
ganzen Lebenswerk kennt die Geschichte un- 
serer neuen Dichtung kaum. Nun ist das Un- 
entbehrliche, das schlechtweg Unersetzliche, 
das einer grenzenlosen Überfülle des Daseins 
entstammt, zum ersten Mal gesammelt und 
dargeboten, denen, die ihn verbannten, und 
der gesamten Welt, soweit sie auf Bildung 
Anspruch erhebt. 

Diese beinah unerschöpfliche Überfülle eines 
geistigen Daseins, wie sie uns nun entgegen- 
tritt, die über Jahrzehnte hinweg sich unbe- 
kümmert an den Augenblick verschwendete, 
ist im gedichteten und im geschriebenen Wort 
das Dokument eines einzigartigen Lebens. 
Denn Karl Wolfskehl war ein Verschwender, 
weil er reich war wie wenige seiner Epoche. 
Er, der in seiner Jugend Bachofen wiederent- 
deckte und eine fast unbegreifliche Witte- 
rung für das im Geist Lebendige noch in sei- 
nem Alter im Exil besaß, der auf allen Stu- 
fen seines Lebens ein begierig und schöpfe- 
risch Lernender war, verfügte über eine Kraft 
der Intuition, über eine Kraft der An- und 
Einverwandlung, Mde sie sich unter Deut- 
schen und Juden bisher so nicht verwirklicht 
hatte. 

Wenn man ihn in seiner Schwabinger Zeit 
einen Dionysos nannte, wenn er sich in seinem 
Exil als Hiob bezeichnete, so treten diese bei- 
den Namen, mit ihrem ganzen Ernst genom- 
men, als zwei Wesenheiten in seiner von die- 
sen Ursprüngen erfüllten Existenz zusammen: 
er war ein sich ständig Wandelnder, ein sich 
ständig Verschwendender, zugleich aber ein 
Wortmächtiger aus dem tragischen Urgrund 
der Welttrauer und Weltklage herauf. Er war, 
um ihn mit einem vielleicht geheimnisvollen 
Wort zu bezeichnen, eine archaisch-kretische 
Existenz, mittelmeerisch-minoiscii, von phöni- 
zischem Gepräge, aber begabt zu italischer 
Verwandlung. Älteste Urzeit des europäischen 
und voreuropäischen Menschen war in ihm 
gegenwärtig und lebendig, in die er das Deut- 
sche einverwandelte, dieses aber wieder zu- 
rückverwandelnd, so daß er mit seiner ganzen 



Person der Repräsentant einer zugleich ar- 
diaischen wie modern-zukünftigen Kultur ge- 
nannt werden kann. 

Diese Repräsentanz allgegenwärtiger Ur- 
sprünge befähigte ihn, alles Geistige als das 
Sinnliche, alles Sinnliche als das Geistige auf- 
zufassen und zu begreifen, also das Höchste 
und Seltenste zu verwirklichen, das dem Men- 
schen möglich ist. In seinen Briefen aus Neu- 
seeland bezeichnet er sich einmal als >ein dem 
Eros Geweihter<. Das ist eine Chiffre wie die 
andere, die im >Sang aus dem Exih steht: >jü- 
disch, römisch, deutsch zugleich<. Aber Chiff- 
ren dieser Art weisen auf Tieferes hin als auf 
das, was sie noch greifbar bezeichnen. Er hat- 
te wie keiner sonst eine Liebesbindung zu 
allem Geistigen, das er auch in allen Urschich- 
ten vergangener Völker erspürte. 
Zugleich war er befähigt, noch als beinah 
Siebzigjähriger, als er das Exil auf sich nahm, 
sich das Lebendig-Gegenwärtige, z. B. die 
moderne englische Lyrik, anzueignen. Wenn 
er anderseits die weinberauschte Tavernen- 
Keckheit des >Archipoeta< in das Medium un- 
serer Sprache übertrug oder noch im Alter 
über den saftig Niebergallschen Humor in 
Darmstädter Mundart verfügte, wenn er den 
>Ulenspiegel< von Charles de Coster in ein 
prall ansdiauliches Deutsch übersetzte — so 
ist dies, wie noch vieles mehr, Ausdruck seiner 
proteischen Produktivität dem Leben und der 
Sprache gegenüber. Das Wort, das lebendige 
Wort, das bei ihm Kunde und Prophetie zu- 
gleich ist, war ihm noch ein Heiligtum voll 
Lebensenergien . 

So war er weit über seine Bindung an George 
hinaus, an der er immer festgehalten hat, >der 
Flamme Trabant<. Vielleicht als der Einzige 
war er der wahre Folger Georges, indem er 
mit seiner Person und mit seinem Werk eine 
völlig eigene Individualität verwirklichte. 
Auch sein dichterisches Werk steht nicht in 
der Sciiule Georges; er ist kein Nachahmer. 
Mit seiner ganzen Wortmächtigkeit, mit der 
ihm eigenen Rhythmik seiner Gedichte ist er 
ein schöpferischer Eigenbildner. 
Auf seinem Grabstein in Auckland stehen in 
lateinischen und in hebräischen Buchstaben 
die beiden Worte: Exul Poeta. Nun, mit den 
beiden Bänden seiner Gesammelten Werke, 
kehrt der Vertriebene und Verbannte in die 
Heimat zurück, zu der er auch in seinem Exil 
sich bekannte: in die ihm lebensmächtige Hei- 
mat der deutschen Sprache. Auch im Exil hielt 
er, in einer Zeit, da Treue so wenig galt und 
Verrat so vieles vergiftete, dem deutschen 
Wort die Treue. 

Sein Werk ist deutsche Dichtung, die aus der 
Spannung der Dionysos- und Hiob-Erfah- 
rung entstand. Sein Werk ist ein Beitrag zu 
den höchsten Verwirklichungen unserer Spra- 
che. Was diese Sprache ihm an Bereicherun- 
gen verdankt, geht weit über alles auch aus 
unserer Vergangenheit lebendig Vermittelte 
hinaus. Dieses in Bild und Gesetz geprägte 
Werk bezeugt, daß das mit allen Sinnen er- 
faßte schöpferische Prinzip des Geistes das 
einzige und wirkliche Gesetz des Lebens in 
allen Kulturen ist, ja daß alle Kultur, daß aller 
Geist die Offenbarung und Repräsentanz 
eines sinnlich Lebendigen ist. 



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MICHELINE MAUREL 



Die große Straße 



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Frangois Mauriac, der immer dann seine Stimme 
erhebt, wenn die mensdilidie Würde bedroht ist 
oder auf unmensdilidie Weise mißaditet wird, hat 
dem Budi von Micheline Maurel ein Vorwort mit- 
gegeben. Er sagt: »Wir wollen nicht mehr wissen, 
wozu wir imstande sind. Wir wollen nicht mehr 
wahrhaben, was aus uns geworden ist. Es ist ein 
Irrtum, anzunehmen, das Publikum wende sich 
von Beriditen wie diesem ab, weil es zuviel davon 
hörte. Wahr ist vielmehr, daß es keinen dieser 
Berichte bis zu Ende angehört hat und daß es 
damit verschont werden will . . . In einem Buch 
wie diesem kommt der Protest der Seele in einer 
so ergreifenden Schlichtheit und Demut zum Aus- 
druck, daß unser Mitleid sich von dem Opfer ab- 
wendet und seinen Peinigern sich zukehrt. Denn 
das schlimmste Unglück ist, wenn man seine Seele 
verloren hat und nicht weiß, daß jedes Lebewe- 
sen, das uns anvertraut ist, eine Seele besitzt. Das 
ist die Lehre, die die Überlebenden der Schrek- 
kenslager uns unermüdlich wiederholen müssen, 
selbst wenn wir uns die Ohren zustopfen, um sie 
nicht zu hören. Der Mensch des Atomzeitalters 
geht unaufhaltsam seiner Zerstörung entgegen, 
aber bis zum letzten Tage wird die menschliche 
Seele ihre Zeugen und ihre Märtyrer haben — 
und sie ist es, die durch ihren Mund das letzte 
Wort behalten wird.« 

Micheline Maurel wurde bei einer Aktion der 
französischen Resistance gegen die deutsche Be- 
satzungsmacht 1943 verhaftet und bald darauf 
mit anderen Französinnen zusammen nach 
Deutschland deportiert. Sie kam in das Frauen- 
arbeitslager Neubrandenburg und blieb dort 
zwanzig Monate, bis sie 194$ von den Russen be- 
freit wurde. Ihr Bericht über dieses Lager erschien 
I9S7 unter dem Titel »Un camp tres ordinaire« in 
Frankreich und erhielt den »Prix des Critiques«. 



Abends regnete es meist. Wir kamen nur sehr 
langsam vorwärts. Viele von uns sanken um 
und blieben liegen. Die Aufseherinnen schlu- 
gen nicht mehr. Einige Frauen sagten, am 



WILL NICHT 

VON KARLWOLFSKEHL 

Will nicht was ich will. Will nicht was ich muß. 
Die Trän ist trocken, verstaubt der Kuß. 

Weiß nicht was ich weiß. Weiß nicht was ich soll, 
Und schien doch aller Gnaden voll. 

Ich schweige nicht, schweig ich. Sing ich, wenn ich sing? 
Den sie tief und gewiß darin befing, 
Ich fiel aus der Mutter Zauberring. 

Hab nicht was ich hob. Gehr nicht wes ich gehr: 
Der über floß, ist leerer denn leer. 

Bin nicht der ich bin. War ich der ich war? 
Doch Einer lacht bald auf der Totenbahr. 



Horizont stände Feuer. Die Kanonen donner- 
ten ganz nahe. 

Dann wurden wir von deutschen Truppen auf 
dem Rückzug überholt, die mit Flammenwer- 
fern bewaffnet waren; auch Militärwagen 
passierten uns, während die Kanonen ein alles 
übertönendes Getöse machten. Da brach die 
Panik aus unter der in letzter Stunde fliehen- 
den Zivilbevölkerung, die ihre mit Betten und 
alten Menschen beladenen Karren vor sich her 
stieß. Jedermann, nur wir nicht, begann wie 
toll die Straße entlangzurennen. Die Aufse- 
herinnen hielten Militärwagen an — fünf stie- 
gen ein. Und plötzlich fanden wir uns allein. 
Es gab einen Augenblick der Ratlosigkeit. 
Dann entschlossen wir uns, querfeldein zu ge- 
hen. Die Dunkelheit bradi an. Würden die 
russischen Tanks kommen, könnten sie die 
Gefangenen von den Deutschen nicht unter- 
scheiden. Wir zerstreuten uns. Die Kräftig- 
sten unter uns gingen auf ein Wäldchen zu. 
Michelle und ich, dazu Mizzy und Renee, ver- 
suchten ein paar Schritte auf dem gepflügten 
Feld; aber unsere Beine waren zu schwach, 
das Wäldchen war zu weit. Michelle ließ sich 
zu Boden fallen, wir taten desgleichen. Wir 
lagen mitten auf dem Acker, dicht an einem 
Sumpf. Wir rollten uns in die Decken und 
schliefen ein. 

Hundegebell weckte uns. Ein großer Hund 
und ein deutscher Soldat tauchten auf. Wir 
glaubten uns schon festgenommen, ins Lager 
zurückgebracht. Doch der Soldat sagte uns 
nur, daß ganz in der Nähe ein Strohschober 
sei als Unterschlupf. Wir schleppten uns dort- 
hin und krochen hinein. Es regnete, es war 
sehr kalt, wir waren durchnäßt und durchfro- 
ren. Sogar im Stroh wurden wir nicht warm. 
Es wollte nicht Tag werden. Es regnete in 
einem fort. 

Als es anfing hell zu wer- 

den, krochen wir aus 

unserem Stroh, vor Käl- 
te erstarrt, stumm. Wie 
Gespenster schleppten 
wir uns weiter, querfeld- 
ein, bis zu einer Scheune. 
Dort trafen wir viele an- 
dere Frauen, die auch 
Kleider trugen, die mit 
Kreuzen gezeichnet wa- 
ren, und einige Deutsche 
in Zivil. An einer Mauer 
lag ein Haufen Kartof- 
feln. Wir verschlangen 
sie roh. Dann kam Mi- 
chelle auf den Gedanken, 
sie in Asche zu braten. 
Ich weiß nicht, wie sie zu 
Streichhölzern gelangte. 
Aber sie brachte die gerö- 
steten Kartoffeln zu mir 
ins Heu. Dann ging ich 



zu ihr hinaus unter das Schutzdach; dort saß 
sie an einem kleinen Feuer. Wir aßen. Mi- 
chelle erinnerte mich daran, daß Mizzy, den 
Kopf schüttelnd, oft gesagt hatte: »Wenn wir 
befreit sind, werden wir auf unser Essen ach- 
ten müssen, zunächst etwas Fleischbrühe trin- 
ken, leichte Suppen . . .« 
Über das winzige Feuer gebeugt, brachten 
wir nicht die Geduld auf, zu warten, bis die 
Kartoffeln wirklich gar waren. Wir aßen sie 
mitsamt der Schale. 

In dieser Scheune brachten wir den ganzen 
Tag - es war der 29. April - damit zu, Kar- 
toffeln zu rösten, in Erwartung der Russen. 
Denn sicher waren es die Russen. Der Hori- 
zont im Westen war vollkommen ruhig, der 
Horizont im Osten hingegen stand voll Rauch. 
Ein paar ältere deutsche Soldaten machten 
mit ihrer Feldküche vor der Scheune halt und 
schickten sich an, ihre Mahlzeit zuzubereiten. 
Kaum hatten sie damit begonnen, ein halbes 
Schwein zu zerteilen, da sahen sie sich von 
einer Menge von Skeletten umringt, die Kreu- 
ze auf dem Rücken trugen und sie mit irren 
Blicken anstarrten. Ich kann es noch heute 
nicht verstehen, daß wir nicht einfach über 
das Fleisch herfielen, ohne viel zu fragen. Aber 
sie waren bewaffnet. Und wir fühlten uns 
noch nicht in Freiheit. Uns erschienen diese 
Deutschen denen im Lager ähnlich, bereit, 
uns zu schlagen und auf uns zu schießen. Wir 
starrten auf das Fleisch, ohne es zu ergreifen. 
Doch unsere Hände streckten sich von allein 
danach aus. Die Soldaten schienen zunächst 
sprachlos vor diesen scheußlichen weiblichen 
Gespenstern, die da aus dem Dunkel der 
Scheune aufgetaucht waren. Sie zögerten. 
Schließlich sagte einer: »Nicht gut!« und bot 
uns Suppe an. Als er den Deckel der Feld- 
küche hob, streckten sich ihm zwanzig Schüs- 
seln entgegen, die er mit einer kalten, aber 
dicken, wohlschmeckenden Suppe füllte. Er 
schenkte alles aus, was die Feldküche enthielt; 
und nun, glaubte er, wüide man sie in Frie- 
den lassen. Keineswegs. Durch ihr Wohlwol- 
len ermutigt, drängten wir uns noch dichter 
um das Fleisch. Da machte der Soldat, der das 
Fleisch zerteilte, eine Gebärde der Resigna- 
tion und warf ein Stück Fleisch in die ausge- 
streckten Hände, dann noch eins und wieder 
eins, und dann Stück nach Stück, bis das ganze 
Fleisch verteilt war. Die anderen Deutschen 
schauten mit halbem Lächeln zu, wie die Ge- 
spenster das rohe Fleisch mit den Zähnen zer- 
rissen. Und als nichts mehr übrig war, zogen 
sie weiter, um ihr Gemüse woanders zuzu- 
bereiten. 

Abends stiegen wir auf den Heuboden, um zu 
schlafen. Er war bereits voller Menschen. Beim 
Durchgehen trat man auf Arme und Beine. 
Aber es gab keine Streitereien. Es waren alle 
zu sehr erschöpft. Wir fanden etwas freien 
Raum und fielen in Schlaf. 



Aus Micheline Maurel »Kein Ort für Tränen», Be- 
richt aus einem Frauenlager. Deutsch von Wolf- 
gang A. Peters. 144 Seiten. Englische Broschur 
DM 9.80. 



682 



Rudolf Pannwitz 



fliegenden Fahnen und eine Verherrlichung des alten Volkes und neuen 
Staates Israel. So gewaltig und suggestiv diese Dichtung ist, wie sie mit 
den stärksten Bildern, Vorbildern und Anrufen ein neues Zion sogar im 
Namen Jahves beschwört, mußte wohl der Vorbehalt des reinen Dichters 
übersehen werden, daß in der ideellen Sphäre eine Idee sich realisierte, 
daß diese zwar jede Möglichkeit zu einer äußeren Realität offen ließ, 
ja eröffnete, aber mit einer solchen selbst sich auf keine Weise vermischte, 
auch daß noch eine Autarkie blieb. Außerdem stehen schon in den 
„Gesammelten Dichtungen" Gedichte eines gleichen, wenn auch längst 
nicht so intensiven Sinns, und es gibt Aufsätze, in denen der innere Zionis- 
mus sich findet, lange ehe die Hitlersche Verfolgung angebrochen war 
und dem äußern ein so großes Gewicht gab. Das Gedicht „Der Aufbruch" 
ist als jüdisches gedichtet und gemeint, aber jede Auswanderung aus 
einer verfallenden Welt in eine neue mitumfassend. Jede direkte Reali- 
tät, die in ihrem höheren Wesen sich darstellt, ist von selber Symbol 
für viele ihr entsprechende, aber andre. So ist Wolfskehls ganze jüdische 
Dichtung Symbol für andere Volkheiten und Völker. Und es wird sich 
zeigen, daß sie in sich selber als ihren Kern das messianische Mysterium 
enthält und den wirklichen, überhistorischen Christus trägt und aus- 
trägt: darum und damit, daß sie sich gegen die äußere Verwirklichung 
absetzt. Wolfskehl distanziert sich in seinen Aussprüchen von dem 
naturalistischen Staat Israel und macht für sich selbst halt vor dem Eins- 
werden mit Christus. Er beugt sich aber vor der Epiphanie und weiß 
auch das geschichtliche Wunder : „Jeder Stein auf der Erde sehe anders 
aus, seit Christus gelebt, aber der Messias wird immer noch erwartet" 
(zu Lechter gesprochen). 

In den „Gesammelten Dichtungen" (1903) ist Wolfskehl noch kennt- 
lich als echter Erbe, nicht Nachfahr, des „Jahrhunderts Goethes" (Bren- 
tano, Novalis am nächsten). Das Buch ist Stefan George gewidmet. 
Mehr als in George ragt Nietzsche herein, der dionysische Allverwandler. 
Nach- und Anklänge berechtigen sich durch den Vollton des Eignen. 
Es gibt nichts von Wolfskehl, was nicht ganz Wolfskehl wäre. Schon 
zeichnen sich ab die Getragenheit der Zeilen und Geschlossenheit der 
Strophen wie die Pracht der Bilder imd Gebilde, der Wechsel zwischen 
Reigen und Tanz, die Rhythmen der Rede und des innigen Liedes, sei- 
ner Wehmut und Verlorenheit. Hier sind die Spannungen noch schwä- 
cher, die Fügungen noch loser, Glut und Feuchte gärender und die Er- 
scheinungen prunkender. Ein Wiegen meidet die Härte und erreicht, wo 
es sich glättet, die ganz schlichte Sagung in der Reimstrophe und die 
verhalten stolze in den Kurzzeilen. Der Lebensgehalt ist die Umkrei- 



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KARL WOLFSKEHL 



GESPRÄCHE (1935-1937) 
Aufgezeichnet von Margot Rüben 

Die Verfasserin nachfolgender Aufzeichnungen verwaltet Karl 
Wolfskehls dichterisches Gesamtwerk. Sie war seit dem Jahre 
1934 Sekretärin und Begleiterin des fast erblindeten Dichters in 
Italien, zuerst in Florenz, dann in Recco an der ligurischen Küste. 
Als Karl Wolfskehl sich entschloß, Europa endgültig zu verlassen, 
ging sie mit ihm nach Neuseeland und teilte dort sein Exil bis zu 
seinem Tod vor 10 Jahren, am 30. Juni 1948. 

Die hier abgedruckten Auszüge sind einem Tagebuch entnommen, 
das in der Gemeinsamkeit der italienischen Zeit entstand. 

Für den Herbst dieses Jahres ist ein etwa 300 Seiten starker Band 
Briefe Karl Wolfskehls aus der Neuseeländer Exilzeit geplant. Die 
Ausgabe besorgt Dr. Margot Rüben. 

März 1935. „Frühere Sprachen, wie die hebräische, und andere [auf 
gleicher Altersstufe, waren stets gefühlsbestimmt, nicht begrififsbestimmt. 
Daher der scheinbare Widerspruch (Polarität) der Inhalte. (Vgl. sacer: 
mit göttlichem Bann belegt — was entweder positiv geheiligt oder 
negativ verflucht, je nach der konkreten Gefühlssituation, bedeuten 
kann.)" 

„Wie gescheit könnt ich sein wenn ich dümmer wäre ! Was könnt ich aus 
den Dingen machen die ich begreife — hätt ich nicht dies ungeheure 
Gehirn." 

Dezember. „Die heutige Form der Katakombischen Existenz: der 
milite ignoto. Ob in Menschenleibem, ob in Steinhöhlen: immer ent- 
stammt der fruchtbare Keim dem Dunkel, dem Namenlosen, Unbekann- 
ten. Ach, auch dem Häßlichen! Paulus, sagt man, sei klein, sommer- 
sprossig, rothaarig gewesen — und doch gründen auf ihn 1500 Jahre 
europäischer Geschichte! Was heut schön und anmutig ist, das kann 
nimmer Träger des Künftigen werden. ,Die ihr entfuhrt / dunkler gebmi) / 
euer reich hat begonnen.' Das Göttliche läßt sich nicht nieder dort, wo 
ihr es vermeint, sondern wählt sich nach seinem Fug Norm und Ort des 
Erdenleibs !" - Ich : und doch sagt Stefan Greorge, nur aus der Anmut und 
dem Flötenspiel komme die Stärke und die verwandelnde Tat ! — „Ja, das 
ist die künftige Prägung. Doch heut und morgen und wie lang noch (,eine 
weile währt noch nacht') wird das Leben weitergetragen von den Un- 
griechischen, den Amusischen, den Trocknen, Besessenen. Typisches Bei- 
spiel eines solchen: Goldberg^). Einer der ganz wenigen Erkennenden, 

») Oskar Goldberg: Die Wirklichkeit der Hebräer. Berlin 1925. 



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Karl Wolfakehl 



seit den Neuplatonikem der Erste, der wieder etwas vom wirklichen 
Walten und den Gesetzen der Götter gewußt. Aber, gemäß der Zeitform: 
klein, bös, häßlich, beschränkt, bürgerlich, eng, besessen: der milite 
ignoto. (,Und roden will ich roden / Habt ihr auch nicht gewetzt / Schon 
ist ans Herz der Großen / Der Richtstuhl angesetzt/)^) — Ja, die Wahr- 
heit ist bitter und schwer zu ertragen imd ganz anders als ihr es meint! 
Ihr wollt zuviel! Ihr lauscht nicht! (St.G. in seinen letzten Tagen zu 
einigen jüngeren Freunden: ,Im Grund bin ich der Menschlichste von 
Euch allen* — als diese über andere Freunde zu Gericht saßen.)" 

März 1936. Die besondere Rolle des Gesetzes für die Juden. Ausruf: 
„Gesetz ist Geist!" 

Gespräch: über letzte Erkenntnis vor dem Tode. „Viele Sterbende 
glauben sie zu besitzen, aber nie gelingt eine Aussage darüber. Die Er- 
kenntnis, außerhalb des Irdischen, von der Schwelle hinüberleuchtend in 
die letzten Augenblicke, kann nicht mehr hineingezogen werden ins 
Menschendasein. Franz Rosenzweigs letztes Wort: ,nun aber kommt sie, 
die Pointe der Pointen . . .* Scheler . . . verlangte, um das Tiefste, Letzte, 
Eigentliche aufzeichnen zu können, auf dem Sterbebett nach Papier und 
Stift, doch gelang ihm nur undeutliches Kritzeln . . . und viele andere 
Beispiele. Eine einzige Ausnahme gibts: Sokrates im Phaidon. Durch 
das Bedecken des Hauptes mit dem Mantel ist er seinem Willen gemäß 
nicht mehr auf dieser Welt, hat er die Schwelle überschritten. Das noch- 
malige Abtun der Bedeckung imd ,Vergeßt nicht, dem Aeskulap einen 
Hahn zu opfern* spricht er schon vom Jenseits, mit dieser Botschaft noch 
einen Augenblick zurückkehrend ! Der Hahn als Symbol des Schwellen- 
erlebnisses. Denk auch an das : ,dreimal nachdem der Hahn gekräht. . .*." 
— Karl spricht diese Worte aus entrücktem Zustand, mit geschlossenen 
Augen, zurückgeworfenem Kopf. Der daneben sitzt, fragt und entgegnet 
töricht, d. h. rational, philologisch-wissenschaftlich. 

Ende April. „Europa geht an seinen antiken Vorbildern zugnmde. 
Über diese ist es nirgend hinausgekommen (Verwaltimg, Byzanz). Ein 
nicht unedler Untergang!" 

Aus dem gleichen Gespräch: „Wie seltsam und nicht erklärbar: das 
Rückgreifen und Berühmen auf alte Vorbilder ist, obwohl bei allen 
Völkern durchaus in gleichem Maße unbegründet, bei den Italienern 
höchst rührend, bei den Deutschen dagegen unerträglich! Kontinuität, 
echte, gibts nirgend mehr: der moderne Italiener hat nichts mehr mit 

*) Aus einer unveröffentlichten Fassung von: ,Die Stimme spricht am Jörn Haldppurim' (.Die 
Stimme spricht — Erweitertes Werk'). 



Gespräche (1935-1937) 



621 



einem antiken Römer gemein, ebensowenig wie ein Franzose und alle 
andern Mittelmeervölker. Woher aber der Unterschied in der Erfreulich- 
keit des Anblicks?" — 

„Schuler und Hitler. Gab's da eine Beziehung? In München? Sehr 
möglich. Gemeinsam: der Glaube an eine geheime dämonische außer- 
menschliche ,dunkle* lebensvemeüiende Macht, die sich in den Juden ihre 
Träger in der Welt erwählt habe." 

Juni. Über das Schicksal Europas: „d. h. über das Schicksal des homo 
europaeus, denn Europa selbst ist besiegelt, ist dem Untergang geweiht". 
Aber auch das Fortbestehen des homo europaeus ist K. W. zweifelhaft. 
„Vielleicht sind die jetzigen Auf lösimgsformen der erste, in grellem Rasen 
und Flackern aufbäumende, unter furchtbaren Zuckungen sich fort- 
setzende Beginn des völligen Untergangs. Die Weltgeschichte ist ja auch 
voll, übervoll von roten Fluten Bluts, von salzigen Fluten aller Tränen 
— wie sollten die nicht einmal überfließen? Nim wird dies Geschehen, 
dieser Hergang am deutlichsten sichtbar an den seit jeher allem Schicksal 
Ausgesetztesten, dieses daher auch am reinsten Spiegelnden: den Juden. 
Und wenn die — neben ihrer durchaus jenseitigen, nur von Gott be- 
stimmten, auf Gott bezognen Aufgabe — daneben auch eine geschicht- 
liche Aufgabe haben, dann diese : die Kunft des neuen europäischen Men- 
schen, des Weltmenschen vorzubereiten. Sie, überall verbreitet, nirgends 
heimisch, von Natur aus allem eng Nationalen, allen Abschluß- und 
Unterscheidungswünschen abgeneigt, allem wölbend Einenden, unter 
Einer Idee Stehenden zugetan (Jesaja- Vision!), wären ja auch die geeig- 
neten Bereiter dieses neuen Weges ..." 

Jeder große Deutsche wußte, wünschte, ersehnte diesen europäischen 
Menschen. Goethe : Weltbürger. Nietzsche : der gute Europäer. George, 
Verwey, Pannwitz — jeder in der ihm gemäßen Form. George als reUgiöse 
Emeuung Europas von Deutschland aus, Verwey als große Völkerfamilie, 
Pannwitz im allmählichen Herausbilden und Verbinden der Besten aller 
Länder (Hyperboräer!). K. W. ist die Vision von Pannwitz die nächste. 
Aber alle wußten zu jeder Zeit : daß die Verwirklichung nur unter imge- 
heuren Zuckungen, Rückschlägen, Trümmern und langer Brache ge- 
schehen könne ! Karl sieht noch eine andre furchtbare Möglichkeit : der 
Geist hält diese grauenvolle Notzeit nicht durch, er verlischt mit Europa, 
stirbt, fallt auseinander . . . 

„Die Begrenzung eines Dichters auf das ,rein Dichterische* (Verwey) 
ist eine willkürliche! Ja, George vx)Ute in seinen letzten Gedichtbänden 



622 



Karl Wolfakehl 



noch etwas Außerdichterisches (die Lehre, die Gründung, das Reich). 
Dieses scheinbar Außerdichterische in seiner Weltzeit, die der Verwey- 
schen um einen Aeon voraus ist, ist das wenn nicht ,rein*, so doch 
schlechthin Dichterische, Herzpunkt, Blick und Hand zugleich. Meine 
eignen Gedichte bleiben ganz in der Sphäre der Dichtung, sie wollen 
nichts bedeuten, sind nichts als sie selbst: sie haben keinen ,Inhalt*, man 
kann sie nicht .verstehen*, ebensowenig wie man eine Landschaft erklären, 
auslegen oder verstehen kann, oder einen physikalischen Vorgang. Man 
kann nur mit und in ihnen schwingen, mit und aus ihnen leben. Selbst ihr 
Widerhall ist unwichtig: nur ihr Sein, ihr Da-Sein ist wirklich." — Ich 
frage: wie kommts, daß auch diese ,reinen* Gedichte, die nur sie selbst 
sind und nicht wirken wollen; daß auch sie menschen verwandelnde 
Kraft haben? — „Weil sie eine Haltimg haben, eine Haltung sind, und, 
richtig aufgenommen, eine Haltung bewirken. Natürhch ist jedes Gedicht 
verpflichtend, aber es sagt nichts/^ 

Heut früh geschah etwas Seltsames. Wir badeten im Meer. Ich schwamm 
hinaus und kehrte von Zeit zu Zeit zu Karl zurück. Der saß bis an die 
Hüften im Meer, unbewegUch, verzaubert und versunken. Nur seine 
Hände spielten und wühlten, führten einen Kies, einen Seestern, eine 
Alge dicht vors Auge, streichelten sie, legten sie dann behutsam zurück. 
Es war, als löste er sich auf, als wurde er selbst Teil des Meers — Fisch, 
Gestein, Pflanze? Androgynes Fabelwesen? Was dort hockte war nicht 
mehr ein Mensch, nicht Karl! Wer? Was? Unheimlich und mir völlig 
fremd ! Ich versuche, dies schreckhafte Erlebnis zu vergessen. 

August. „Seit 2000 Jahren der Knechtsaufstand gegen den Geist. Jetzt 
ist in Deutschland wohl seine endgültige Zerstörung gelungen. Es wäre 
das unerhörteste, schwebendste aller Zeitalter herangebrochen, mit ihm 
die Vollendung, die das heutige — oder morgige — Europa als seine eigenste 
Form gefunden hätte, eine Vollendung, die auch die Griechen auf ihre be- 
sondere und ganz einmahge, nicht wiederholbare Weise hatten : ein Kräfte- 
spiel, ein schwebendes In- Aus-Mit- Gegeneinander von Akzenten, die Auf- 
hebung aller starren Begrenzungen, aller sogenannten Inhalte, Realitäten 
— ein seliges Schweben des Geistes in Beziehungen ! Piatons Kampf gegen 
die Sophisten war nichts andres als eine Verteidigimg des Geistes gegen 
den Einbruch von Begriffen und Inhalten. Hier gings nicht etwa um den 
Gegensatz : Gestalt gegen zersetzende ratio — eine ganz im Diesseitigen 
liegende Polarität. Piaton kämpft darum, die Idee, das Jenseits ins Dies- 
seits hereinzureißen und damit die willkürliche Denkform, Denksetzung 



Gespräche (1935-1937) 



523 



des Gegensatzes: Endlich-Unendlich, Wirklich-Unwirklich, Diesseits- 
Jenseits aufzuheben, zu sprengen. Mit Plato gelangte der griechische 
Geist, und aller abendländische bisher überhaupt, auf seine reinste weite- 
ste freieste Stufe. Piatons Dialektik gegen die Analyse der Sophisten. 

Und heut lebte dieser Geist (in seiner besonderen heutigen Form!) 
in den mathematischen und physikaUschen Instituten Deutschlands, und 
ist endgültig daraus vertrieben worden! Die moderne Mathematik und 
Physik war die Keimzelle für die Zukunft, der Glanz, die Höhezeit des 
europäischen Menschen. Eine wunderbare Freiheit schien angebrochen: 
keine »Inhalte* mehr, ein Ertrinken der Materie in Bezug, im schwebenden 
Spiel von Kräften und Gegenkräften. " ( Quanten- und Relativitätstheorie.) 

K.W. 's Zugang zum modernen Denken: von seinem Dichten her. 
„Meine Gedichte sind reine Physik." Auch sie, jedes einzelne, ein aus- 
geglichenes Spiel von schweren und leichten Silben, sich anziehenden, 
einander abstoßenden Lauten, hellen und dumpfen Klängen, Zahlver- 
hältnissen, Quantitäten — und sonst nichts! Kein ,Dahinter', keine 
jMaterie*, kein ,Inhalt' !^) — 

Franz Rosenzweigs Briefe : „Ghettojude auch er ! Nicht die Dinge und 
deren Verwirklichung sind ihm das Wesentliche, sondern die ,Idee*. Der 
Ghettojude sieht nicht, er kennt kein Außen, wandert von Warschau 
nach Bagdad, Hamburg, Venedig, dann lernt er zu Hause wieder drei 
Jahre — und all das Äußere existiert nicht, er weiß kaum wo er ist : 
einzig die Lehre ! Wie gleichgültig ist es Rosenzweig, ob er im Schützen- 
graben schreibt, im Hotel, im Lazarett, aus keinem seiner Briefe spricht 
die Art der Umgebung. Ebenso erlebte er seine Krankheit nicht als Wirk- 
liches, sondern höchstens als Unbequemlichkeit. Der arme Ghettojude 
hat darum auch keine Beziehung zu Tieren." — 

„Versöhnung von Quantität und Akzent, von antikem und deutschem 
Metrum — das hab ich in der deutschen Sprache fertiggebracht! Z. B.: 
,Leises Geräusch dringt bis zu mir herauf.' So eben nicht! Sondern 
verschwebend, den Wellenschlag einfangend : ,Leises Geräusch / Dringt 
bis zu mir herauf." Vgl. auch Karls Übersetzungen aus dem Hebräischen, 
und seine Übertragung des ,Figaro'. — 

Aus einem Gespräch. Ich: ja, man hat stets eine gewisse Scheu, seinen 
Namen auszusprechen. — K. : „So. Ihr vielleicht. Ich nicht. Höchstens 
daß mein Name Scheu hat, nur mich zum Träger zu haben." — 



») K. W. sagte oft und nachdrücklich, die Sicht von den schwebenden Bezügen sei nicht ihm 
eigentümlich, sondern die jedes Künstlers - des Dichters, Malers, Musikers. 



524 



Karl Wolfakehl 



„Die Ameise Mensch ist heute Wirklichkeit geworden. Zum ersten Mal 
wird statt des fernsten Ziels das nächste Ziel transzendiert." 

Immer deutlicher wirds mir: es kommt nicht darauf an zu wissen, 
Wolfskehl habe dies gesagt, das gemeint, so zu dem und dem gestanden — 
seine neue Denkart gilts zu sehen. Die ist nicht logisch, nicht kausal, 
sondern — wärs möglich, das Außer-BegrifiFliche begrifflich auszudrücken — 
reines Identitätsdenken. Daß a = a ist : das wirklich zu erieben ist für uns 
Verbildete fast imvollziehbar. Die wir stets, auch wenn wirs nicht wissen 
oder wollen, innerhalb hergebrachter Denkformen das Außen und das 
Innen erfassen. Wie ist dies dichterische Denken unbegreiflich schwer 
und einfach zugleich ! — 

„Eines der wichtigsten Geheimnisse des Lebensgrundes : Das Gesetz von 
Zeit und Ort ist unverrückbar! — Deutsche Bierherstellung ließ sich 
nicht nach Amerika verpflanzen, obwohl echte bajrrische Bierbrauer 
herübergeholt wurden und alle rationalen Voraussetzungen die gleichen 
wie in Deutschland waren (gleiche Malz- tmd Hopfenbearbeitung). — 
Der hellenische Geist wurde bei der Auswanderung von den Arabern 
nicht aufgenommen, sondern umgeschmolzen, blieb also außerhalb 
der Grenzen nicht »griechisch*. Nur deshalb erhielt er sich. Ja, es 
gibt wohl eine Kontinuität, doch nur in und durch Verwandlung." — 
Auf meine Frage : Können wir ES also in uns weitertragen? — „Ihr könnt 
es nicht ,weitertragen* — ja, wenns so einfach wäre ! Aber die Braut im 
Zauberschreine^) wird schon einmal erwachen. Doch vom Geheimnis 
Sprech ich jetzt nicht: der sogenannte ,deutsche Geist* aber, der hört 
auf — in seiner jetzigen Form — außerhalb der Grenzen. (Vom Drinnen 
ist nicht zu sprechen.) So die Physik, letzte Blüte des deutschen Gei- 
stes. Sie wird die des fremden Landes, wenn dieses jung genug ist, d. h. 
unverbraucht genug, eigne Kräfte zu entwickeln. Vielleicht ist's Amerika 
noch. 

Aber keine Wissenschaft kennt und anerkennt dies geheimnisvolle 
Gesetz von Zeit und Ort. Denn nur der Dichter ist wissend — er allein 
kennt die Lehensgesetze . . . ,Eheme Gesetze* — dummes Zeug! Warum 
gab es denn in Itahen im 15. Jahrhundert so viele, im 16. weniger und 
im 17. fast gar keine hervorragenden Männer? Damit müßte z. B. der 
Nationalökonom beginnen, d. h. es wissen, um über wirtschaftliche Zu- 
stände jener Zeiten das geringste aussagen zu können! Aus diesem 



') Karl Wolfskehl: ,An die Deutschen.' 



Oespräche (1935-1937) 



526 



Grunde hat auch St. G. alle Wissenschaft so verachtet (die sich für ihn 
in Max Weber verkörperte, dem menschlichen Geliebten).** - 

Gespräch Derleth- George. George: ,Warum werden die großen Taten 
nicht getan?* - Derleth: ,Weil sie niemand tut!* - George: ,Nein, weil 
sie niemand sieht!* 

Das gleiche, sagt Karl hierzu, gut auch fürs Erkennen. Denn Er- 
kenntnis ist Tat, auf andrer Ebene. 

„Wenn man etwas aus seinem Lebensbereich ausschaltet, ist das keine 
Verminderung, sondern eine Erhöhung. Menschliche Grenzsetzung und 
Begrenzung ist Profilierung, Gestalt, Konturgebung. Nicht Beschrän- 
kung!** — 

Juden und Deutsche. „In welchem Volk sind noch solch furchtbare 
Gegensätze lebendig? Wo gibts das noch: die Wenigen ganz Schönheit, 
ganz Erhabenheit, ganz Größe, über alles Maß hinaus -und die Vielen . . . !? 
Und doch, wie gehören sie zusammen : eins ist nicht ohne das andre I — 
Vielleicht sind die Juden als Opfervolk gesandt und bewahrt, als Geißel 
und als Bewährung sich und den Andern. Daß das ganz Schöne, ganz 
Große, ganz Erhabne in seltnen Augenblicken entstehen darf . . .** — 

Januar 1937. „Das Grundwasser steigt! In jedem einzelnen! Und es 
ist tief — tief rot. Und es entsteht daraus eine Sintflut, die ganz Europa 
und Westasien überschwemmen wird, viel grauenhafter als jeder bis- 
herige geschichtliche Bruch, Einbruch. Mongoleneinfall, Völkerwande- 
nmg — wie harmlos sind sie gegen das Aufsteigende ! Die »Völkerwande- 
rung von unten*, oder besser, die Sintflut von unten. Die Sintflut von 
oben kam von Gott und endete mit einem Ölzweig und einer Taube. Die 
Sintflut von unten kommt vom Antichrist und kann nur durch sich 
selbst enden, wenn die Grundwasser abgeflossen sind.** 

Dann lesen wir die Sintflut- Geschichte in der Bibel. „Ja, es gibt nur 
symbolische Geschichte, ewige Wiederkehr . . .** — 



„Die wirklichen Dinge sehen immer ganz anders aus. Daher merkt und 
sieht sie auch kein Mensch. Die heutigen Geheimbünde sind profanste 
spießigste Zusammenkünfte von bürgerlichen engen unbekannten unbe- 
deutendsten Menschen: Goldberg mit Herrn A und B im Romanischen 
Caf(6! Das sind die wirklich Eingeweihten heut — heut im Zeichen des 
milite ignoto! Freimaurerloge mit ,Geheimnissen*, Großmeistern, Titeln 
usw., aUes Unsinn — so gehts eben grad nicht vor sich!** — 



526 



Karl Wolfskehl 



Meister- Ausspruch. Kurz vor der März -Offensive 1916. Karl: „Meister, 
Sie sind der einzige Mensch, der die Dinge weiß, Sie müssen jetzt Hinden- 
burg einen Brief schreiben: es ist vorbei, es kann nicht gelingen, das 
Schicksal ist dagegen, das Schicksal der West- Offensiven!" Meister: 
,Karl, wenn das einen Sinn hätt', dann braucht' ich es ihm nicht zu 
schreiben: dann wüßt' er 's selber!* — 

„Das Geheimnis der dichterischen Schöpfung ist wunderbar im Gleich- 
nis der reifenden Traube zu fassen: die Wärme, die Sonne des ganzen 
Jahres braucht sie, speichert sie auf in sich, und bleibt doch hart, erdig, 
verschlossen — bis in den allerletzten Wochen der Reife sie schwillt, 
glüht, die Sonne sichtbar spiegelt und verwandelt in Süße, Farbe und 
Duft. Man meint, die letzten Herbstwochen hätten all dies vollbracht. 
Und doch hätte nicht ein einziger der früheren Sonnenstrahlen, des frü- 
heren Lufthauchs fehlen dürfen!" 

3.— 14. Juni. Rudolf Pannwitz in Recco. Sehr slawisch. In der Rhyth- 
mik seines Wesens, seiner Sprache, des Tons und Klangs beim Sprechen 
von Gedichten. Ebenso seine allgemeine überströmende Güte, die auf den 
Karl gerichtet sich allerdings in echte, auf ihn direkt bezogne Freund- 
schaft und Wärme verdichtet. Erstaunliche Fähigkeit, die Anordnung 
der inneren Kräfte Karls zu verstehen, sein bewunderndes, zugleich scharf 
zusehendes Begreifen aus Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Viel ist ihm 
aufgegangen von Karls actio und reactio, seinen Bedrängnissen, Hemmun- 
gen, Spannungen, von der Art seiner zustoßenden und plötzUch ermatten- 
den Kräfte. Mit R. P. treff ich den ersten Menschen, der durch seine Wär- 
me, seine wirkliche Bedeutung, sein subtiles Differenzierungs vermögen in 
dem Freund zwar nicht das einmalige Phänomen sieht oder erlebt, — auch 
er reiht ihn ,historisch' ein, sieht ihn in seinen Bedingtheiten — aber in sein 
engmaschiges, zartes und behutsames Begriffsnetz vermag er doch viel 
vom Wesen einzufangen. Und dann : dieser hat keinen heimhchen Neid, 
wie ihn fast Alle fühlen vor dem stets an Sprache, Geist und Lebens- 
schwung Mächtigeren, so sehr ist er selbst durchdrungen von der eignen 
Bedeutung seiner Person. Er fühlt sich als Kosmos, der die Welt hinein- 
gestalten möchte in sich ! 

Amedeo ist sehr stolz aufsein Gedicht^). Er setzte uns eine besonders 
gute, von der padrona eigenhändig bereitete cena vor. Dazu einen Wein 

>) Ein heitres italienisches Gelegenheits-Gedicht, in dem Amedeo, der geschäftige padrone der 
Trattoria in Recco, wegen seines vorbildlichen Erdenwandels als Wirt und Familienvater in den 
Chor der Heiligen aufgenommen wird. 



Gespräche (1935-1937) 



627 



aus dem geheimsten Keller. Heitres Gespräch, Karl ganz lächehid und 
gelöst. Dann kommt die wein-selige alte Zither-Spielerin herein und singt 
mit heisrer Stimme herrliche sentimentale Lieder. Alle Arbeiter und Fi- 
scher an den Nebentischen fallen ein. Was sind doch die Itahener für 
zivilisierte Menschen - besonders die sogenannten ,ungebildeten' ! Unter 
denen fühlt sich Karl am wohlsten, und wird von ihnen - dem Friseur, 
dem Silberschmied, Agostino dem cameriere — nicht nur geliebt und ver- 
ehrt, sondern auf geheimnisvolle Weise verstanden. Jeder strahlt, wenn 
,il professore' vorübergeht! 

Juli. „Husserl: äußerster letzter Skeptizismus, der sich absolut ge- 
bärdet (nicht etwa absolutiert!)." — 

Gespräch im duftenden Wald von Lengmoos. Karl, welches ist der 
Unterschied zwischen rhythmischer Prosa und freien Rhythmen bei Höl- 
derlin? — Karl: „Der allergrößte! der gleiche wie zwischen magischem 
Singen und magischem Sagen! Jede Hymne Hölderlins in freien Rhyth- 
men kann, genau wie der griechische Chor, GEGANGEN werden. (Vers- 
gehen.) Vom Chor allein, oder in Abwechslung von Chor und Einzel- 
sprecher, geschritten. Jedes Gedicht, auch das in freiem Rhythmus, ist 
Verleiblichung, strömt aus dem ganzen Sein. Prosa, auch die schönste, ist 
nie leibhaft, ist erhöhte Rede, kann nie anders als gesprochen werden." 

Wir sprechen davon, wie selten in unserer Zeit ein hoch und groß 
gesinnter Mann ist. „Ja, ich hab fast keinen gekannt. Trotz all der Men- 
schen mit guten und edlen Eigenschaften. Als ob Eigenschaften irgend 
etwas zu tun hätten mit der Substanz — nur bei den Größten quali- 
fiziert sich gleichsam die Substanz. Dann, aber nur dann ist in jeder 
äußerlichsten Geste der innerste Kern enthalten." 

Aus einem nie geschriebenen Mythen-Spiel: 

„So ist denn Gott tot? - Gott? Der Mensch ist tot!" — 

„Jeder Mensch kann nur in seinen eignen Geschäften handeln. Es 
kommt einzig darauf an, wie mittelpunktHch er ist : in genau demselben 
Maß vermögen seine eignen Taten die Welt zu bewegen oder zu wandeln 
(George, Napoleon, Caesar)." — 

„Daß die Juden kein Glück in der Welt haben : das ist grade ihr Glück, 
Gewähr ihres Bestandes." — 

„Schuler, Kaiserin Elisabeth, Goldberg, Kavaphis: daß es diese vier 
Wissenden gab ist wichtiger als alles, was in dieser Zeit geschah \ Sie, in 



628 



Karl WolfskefU 



denen die Mächte aufstiegen, transparent wurden. Aber auch wie un- 
heimlich : stets stehen solche Menschen, durch die der Dämon unmittel- 
bar spricht, am Anfang oder an einem Ende. So vieles wissen vermag nur 
der instinktsichere, unmittelbare anfängliche Mensch einer starken Zeit - 
oder eine Epoche spricht sich in ihnen zu Ende. Und oft hält man für 
eine Morgenröte, was das rote abendliche Licht des Untergangs ist. So 
wie das Alpenglühen erst nach Sonnenimtergang anhebt. ,Denn Winke 
sind von alters her . . .' Niemand hat so viel über die Antike gewußt 
wie die Neuplatoniker — da sie vorbei war. Daß es Goldberg gibt ist 
solch ein Zeichen, und in starken Zeiten — wenn es dann hätte geschrie- 
ben werden können ! — wäre dies Buch von den Rabbonim feierlich 
verbrannt worden." — 

„Die ,schwebende Betonung* : längeres Verweilen des Tons (der Stimme) 
auf den Silben, die in der Senkung stehen!" — 

Jedes Geschehen, jede menschliche Einzeläußerung in Wort und Tun 
erlebt Karl als Symbol. Jede politische Rede, jede politische Handlung 
als unverrückbares Zeichen der geschichtlichen Stufe eines Landes. Jede 
scheinbar zufällige Lebensäußerung als aus dem innersten Wesen, not- 
wendig und unabwendbar strömend. So fügt sich alles in eine große Be- 
zogenheit, aus der nichts herausfallen kann — aus der es aber auch kein 
Ausweichen gibt, keine Entschuldigung vor sich, kein feiges Auslöschen 
eines schwachen Einzelmoments in der Geschichte oder in einem Men- 
schen-Schicksal. — 



November. „Eros, d. h. alle Geistformen der Liebe, der Freundschaft, 
ist ganz männlich. Und weißt du, welche Stelle die Frau darin einnimmt? 
Sie ist das vom Mann Geschaffne, und als Geschaffnes das viel geeignetere 
Wesen, das Höchste zu erkennen. Denn der Mann ist ganz Tat und ver- 
mag darum, als Schöpfer, das was ihn treibt weniger zu erkennen als das 
Geschaffne. Darum spricht Diotima das Höchste Wissen über Eros aus." 
(K. W. : „Wie mag der Schaffende ein Erkennender sein? Mannesmacht 
und Weibeswählen sind die Pole der Welt^.") 



») Blätter für die Kunst, 3. Folge, 1. Bd. 



RUDOLF PANNWITZ 



KARL WOLFSKEHL 



Karl Wolfskehl^) betrachtete sich als einen reinen Dichter, und das 
im Sinne des psychologischen Typus. Dies war für ihn überhaupt und 
bestimmter noch in seinem Falle ein Mensch, der einmalig und souverän 
ist ; zu dem es keine verbindende Brücke gibt, er sei sie denn selber ; der ein 
immittelbares Verhältnis zu den Mächten, Dingen, Normen, Qualitäten 
hat; dessen Erkenntnisse Quellen haben wie die der Schamanen und 
Magier (Intuition sagt das nicht, es bezeichnet weder Wesen noch Wertig- 
keit) ; der mit der Magie des Wortes, einer eigengesetzlichen, Realitäten 
höchster Art als Autarkien mit autonomer Wirkungsweise zu schaffen 
vermag; dessen Dasein, wie es auch als privates sei, in allem Wesent- 
lichen weder ein privates noch ein kollektives, sondern eine reü- 
giöse Funktion im Ablauf des Äons ist, die den Mächten dienende 
und zugeordnete Macht des Sehers, Sinners, Wissers, Künders, stell- 
vertretenden Dulders, Opferers und wirklichen Opfers — insbesondere 
während einer Epoche, wo er, der Dichter, allein übrig ist für Erfüllungen, 
die keine der altheiligen Institutionen und keiner ihrer Vertreter mehr 
auf sich nimmt. Der Dichter vollzieht das Sakrament und ist es selbst 
geworden. So ist Wolfskehls eigentliches Leben in seiner Dichtung auf- 
gezeichnet und diese zwar nicht vom Persönlichen und Weltlichen ge- 
schieden, vielmehr ihm innigst, ja rauschhaft verschmolzen, aber vom 
imsichtbaren Seidenfaden des Tempelbezirks umschlossen und damit 
ins Symbolische verdichtet. Das offenbare und geheime Werk griff mehr 
und mehr auf sein Leben über imd er empfand sich auch in dem symbo- 
lisch, ja als Symbol. 

Wolfskehls Dichtung hat drei oder vier Perioden, die sich vonein- 
ander abheben, untereinander aber, im Vergleich zu anderer verwandter 
Dichtung, eng verbunden bleiben. Von allem Gewohnten entfernen sie 
sich zunehmend bis zuletzt. In seine Dichtung entladen sich die maßlosen 
Spannungen seines Körpers imd seiner Seele. So ist sie ihrer Natur nach 
dynamisch und expressiv. Sie hat den Traum, die Glut, den Tanz und 

») Karl Wolfskehl Ist 1869 In Darmstadt geboren und hat In München gelebt. Er Ist 1933 aus 
Deutschland ausgewandert, 1938 aus Europa und nach zehnjährigem Aufenthalte In Neu-Seeland 
gestorben. Seine Hauptwerke sind: Gesammelte Dichtungen, 1921; Der Umkreis, 1927; Bild und 
Gesetz (Prosa- Aufsätze), 1930; Die Stimme spricht, 1933; An die Deutschen, 1944; Sang aus dem 
Exil, 1950; Hiob, 1950. — Über Karl Wolfskehl: Bei Friedrich Wolters „Stefan George und die Blätter 
für die Kunst"; bei Robert Böhringer „Mein Bild von Stefan George"; bei Edgar Salin „Um Stefan 
George"; Das Wolfskehl-Heft (Oktober 1955) der „Agora" (Zeitschrift des Ludwig-Georg-Gymna- 
siums zu Darmstadt). 



630 



Rudolf Pannwitz 



Reigen, die Wildheit und Weisheit des Dionysischen. Das verstärkt sich 
noch durch den Innenzug, die Anziehung durch ein ungreifbar Letztes, das 
krampfhafte Kreisen bis der Radius zum Punkt wird : Phänomen der In- 
tensität. Und ein drittes ist der fortwährende Einbruch unsäglicher Gewal- 
ten : welche nicht nur nicht gesagt werden können, auch nicht gesagt wer- 
den dürfen, nachdem ihr Schauer angerührt hat; die, ehe sie Form ge- 
wonnen, geschwiegen, vielleicht ziu'ückgetrieben werden müssen — oder die 
Ahnenden von ihnen weg. Er haust, greift, blickt, spricht in fast unzu- 
gänglichen Keimschichten des nackten Daseins und hat auch dem Ober- 
weltlichen gegenüber die Witterungen und Sicherheiten des Tieres oder 
Urpropheten. Das ist die Grundlage, Anlage. Es hätte rettunglos ins 
Stottern oder sonst Unartikulierte fallen müssen und nie gültige Dich- 
tung werden können ohne einen Gegentrieb, den zur Klarheit, zum 
Festen und Rechten und die irdisch blühende, schauend selige, sinnlich 
rauschende Verschmelzung des Ur-Ich mit dem Geiste des Lebens und 
das Eingehen in das Reich der heischenden und schenkenden Musen. 
Wolfskehl ist nicht ohne George zu denken, der ihm sehr früh begegnete. 
Von ihm ergriffen, verfiel er ihm nie schülerhaft und blieb ihm dafür 
immer als Jünger und Selbständiger treu, ja in der äußersten eignen, 
auch gegensätzlichen Entfaltung märchenhaft treu. Dieser Bändigung 
und diesem Gestaltwillen dankt er seinen Weg und daß er sich auf jeder 
von dessen Strecken verwirklichen konnte, daß ihm nie vor allerletzter 
Entscheidung das führende Meister- Wort fehlte. Es fand sogar durch 
die Zusammenarbeit eine Art von gegenseitiger Durchdringung statt, 
so daß jeder an den Rändern des eignen Wesens auch über Kräfte des 
andern verfügte. 

Wolfskehls Vers ist als Form das, was ihn hervorgebracht hat. Keine 
Spiegelung, kein Ausdruck nur, eine Identität. Er ist in einem stoßend 
und wogend, dem Wortakzente zwar verpflichtet, aber ihn oft herum- 
brechend durch jenes Rückschlagen, das betonte und unbetonte Silben 
verwechselt und damit an die Meeresbrandung gemahnt. Mit solchen 
gleichsam physischen Bewegungen kontrastiert und bindet sich harmo- 
nisch ein großes, freies und weites Schreiten wie vor einer Heerschar. 
Stark ist das musikalische Element und bis zuletzt dringt das deutsche 
und romanische Lied durch. Dem entgegen steht wieder das nordisch 
Eddische und hebräisch östliche, so das Herbste neben dem Süßesten 
und das Geistigste neben und über dem Üppigsten. Die scheinbar ästheti- 
sche Dominanz reicht nur so weit, daß sie der Welt der Nähen, Tiefen und 
Höhen alle Tore öffnet. Innerhalb des Musenhains enthüllt sie ihr Ge- 
setz : die hier waltende y^eltordnung. Wolfskehl geht bis zu dem Punkte, 



Karl Wolfskehl 



531 



daß er das Übersetzen - imd er hat viel übersetzt, Vers und Prosa - 
als eine vorzüglich moralische Sache ansieht. Er ist nicht nur diony- 
sisch, so wenig wie er ins Apollinische übergetreten ist, er ist der von 
Apollon gezähmte und dann ihm nächst verbundene Dionysos, und 
solches zu sein ist das Geheimnis des Orpheus. 

Um die Jahrhundertwende war imter den Münchener Legenden zu 
hören, Wolfskehl verkehre in vier Kreisen, von denen nur einer der 
Georgesche sei, und er halte sie ganz auseinander, sei in jedem ein anderer. 
Als einer wurden die Zionisten genannt. Es ist richtig, daß Wolfskehl 
gegenüber niemandem George auch nur erwähnte, den er nicht ernstlich 
anging. Auch vom Jüdischen sprach er nicht ohne Beziehung und Grund. 
Nicht erst 1914, sondern stets war er Deutscher und Europäer, und zwar 
mit Leidenschaft, Er bezeichnete sich nicht als Deutschjude, sondern als 
Judendeutscher. Mit Hitlers Bewegung und Machtergreifung geriet er 
in einen Konflikt. Geriet hinein, weil er nicht in ihm lag, aber der Welt- 
bruch seiner Umwelt ihm den Boden entzog, der Kulturwahnsinn auch 
gegen ihn losbrach, daß ein Jude nicht Deutscher sein könne noch dürfe. 
Es ist immer wieder nicht verstanden worden, weswegen es ihn so traf. 
Er wurde selbst nicht verfolgt, vielmehr, was aber für ihn mehr bedeutete, 
taktlos geduldet und das von Freunden, die, aus sehr verschiedenen 
Motiven, sich dem Gegner angeschlossen hatten. Neben manchen oberen 
Gründen für seine Verstörung und zuletzt Auswanderung war der ent- 
scheidende nicht, daß er die äußere Apokalypse, die er mit George 
längst erkannt und drohend gedichtet hatte, allerdings floh, — und auch 
das nicht, weil er einen besseren Platz haben wollte, aber weil sie ihn 
nach ihrem Ausbruch nicht anging — : sondern daß er in die innere sich 
ganz hineinwarf, um in ihr zu leben und zu sterben. Er flüchtete aus den 
Trümmern seiner Welt nicht nach der Schweiz, nach Italien, nach 
Neu-Seeland, auch nicht in sein Selbst, sondern durch völlige Finster- 
nis hindurchstoßend in ein ganz neues Dasein. Wolfskehl setzte nicht 
nur, um vor Nicht verstehenden sich zu schützen, sich Masken auf. 
Auch die Wirklichkeit gewordene Maske trug er, eine einzige : der noch 
immer private Mensch, wenn auch der letzten Tiefenschicht, wurde wider 
seinen Willen mit seiner Eigentlichkeit verwechselt, der Nicht-mehr- 
Person, die er als seine Wahrheit suchte und fand. 

Unter Wolfskehls Freunden und ihm Fremden kam es zu einer großen 
Verwirrung, als „Die Stimme spricht" erschien. Die einen sahen darin einen 
Abfall von George, einen jüdischen Nationalismus, einen Sturz in expres- 
sionistische Hemmunglosigkeit und Formlosigkeit (und das unmittelbar 
nach dem Tode des Meisters und Hüters), die andern den Übergang mit 



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Karl Wolfskehl gesammelt 



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Als Karl Wolfskehls Gedichte „Die Stimme 
spricht" die jüdischen Leser bald nach 1933 er- 
reichten, war dieses Werk in mehrfacher Hinsicht 
ein bemerkenswertes Ereignis. Es erinnerte uns an 
die alten Propheten, es kündete die psalmodisdie 
Botschaft des „Tröstet mein Volk!" Sein dichteri- 
scher Wert beschränkte sich nicht auf die dama- 
lige Lage, indem es die Verirrten zu ihrer Erb- 
schaft zurückführte, die sie nur „besaßen", weil 
sie ihnen von den Tagesereignissen, auf die sie 
keinen Einfluß nehmen konnten, aufgezwungen 
war. Wolfskehl machte sie das Vätererbe „erwer- 
ben". 

Ins Ghetto zurückgeworfen, zunächst „nur" in 
Gin geistiges, erfuhren die Juden, was sich in der 
Diaspora so oft zuvor zugetragen. Wie in kommu- 
nizierenden Röhren die Flüssigkeit in gleicher 
Weise steigt und fällt, so reagiert jüdischer Geist 
nicht anders als seine Umgebung, von der er los- 
gelöst lebt. Die Errungenschaften eines Galilei 
und eines Giordano Bruno auf der einen Seite, die 
eines Spinoza und Urjel Acosta auf der anderen 
illustrieren im größeren dieses Phänomen. So hat- 
ten jüdische Literatur und die der deutschen Um- 
welt in den Nazitagen gemeinsam, daß man eine 
gewisse Vernachlässigung der Maßstäbe wahrneh- 
men konnte, eine ganze Reihe von Schriftstellern 
unternahm wohlgemeinte Versuche, aber die Lei- 
stung war vergleichsweise arm. Schlimmer war, 
daß es auch ein unaufrichtiges Nachlaufen nach 
der Aktualität gab und daß nicht wenige Kritiker 
sich täuschen ließen. 

Wolfskehls Gedichte lehrten uns, daß große jü- 
dische Dichtung in deutscher Sprache noch immer 
möglich war, das jüdische Thema gab dem Ge- 
dicbtband einen- Sonderreiz, aber sein wesent- 
licher Wert hing nicht davon ab. 

Der Dichter war vorher am besten als ein treuer 
Jünger und deutender Prophet Stefan Georges be- 
kannt, aber er nahm schon damals an jüdischen 
Dingen einen ebenso regen wie innerlichen Anteil. 
In seiner Einführung zu Wolfskehls Briefen (Ver- 
öffentlichung der Deutschen Akademie für Spra- 
che und Dichtung, Darmstadt) hatte Fritz Usinger 
schon darauf hingewiesen, daß der Dichter Wolfs- 
kehl weit weniger ein George-Epigone war, als 
man gewöhnlich annahm. Wir können diese Fest- 
stellung heute überprüfen, wenn wir Wolfskehls 
Frühwerke, die so lange unzugänglich waren, in 



Von Lutz Weltmann (London) 

den beiden Bänden seiner „Gesammelfen Werke", 
um die sidi der Classen Verlag, Hamburg (1016 
Seiten; DM 48, — ) verdient gemacht hat, nach- 
lesen. Seine eigene Stimme drang bereits durch, 
aber es bestand eine Affinität zu George, die dar- 
auf zurückzuführen ist, daß beide Männer ihre 
tiefen Wurzeln in der rheinischen Landschaft hat- 
ten. Wolfskehl war stolz darauf, daß seine Vor- 
fahren zu der jüdischen Gelehrtenfamilie Kalony- 
mos gehörten und war sich immer der Tatsache 
bewußt, daß Karl der Große sie an seinen Hof ge- 
zogen hatte. George wie Wolfskehl gingen auf 
die tiefsten Schichten der deutschen Sprache zu- 
rück, die Suche nach dem vorn Gebrauch unabge- 
nutzten „Urwort" kam beiden Dichtern ganz na- 
türlich. 

„Die Stimme spricht" war nicht Wolfskehls 
erste jüdische Dichtung, eine seiner frühesten 
Schöpfungen war das bev/egende Drama „Saul", 
wofür er stets eine besondere Vorliebe hatte, und 
das den Vergleich mit Beer-Hofmauns unvollen- 
deter Trilogie „König David", wenn auch schwer 
aufführbar, so doch bühnengemäßer, wohl aushält. 

Die „Gesammelten Werke" wurden (zusammen 
mit Claus Victor Bock) von der Herausgeberin der 
Briefe ediert, Margot Rüben, die zu Rom als junge 
Studentin des Dichters Sekretärin geworden war, 
ihm in gleicher Eigenschaft nach Neuseelar.d folg- 
te und später des Erblindenden Vertraute und bis 
zu seinem Tode treue Gefährtin wurde. Es ist vor- 
nehmlich ihr Verdienst, daß uns Wolfskehls Ge- 
samtwerk erhalten geblieben ist, der Verleger, 
der sich von ihr zur Veröffentlichung überreden 
ließ, und das Leo-Baeck-Institut, das die verant- 
wortliche Herausgeberarbeit ermöglichte, teilen 
mit ihr die Ehren. 

Wolfskehls Exil in Italien war noch eine Art 
Heimat; er liebte den Mittelmeerraum und das 
Weinland als eine Stätte des Ursprungs — seine 
Vorväter waren aus Lucca eingewandert, als sie 
vor Jahrhunderten auf deutschen Boden verpflanzt 
wurden. Neuseeland bedeutete etwas ganz ande- 
res, es war eine Entscheidung des Temperaments, 
Wolfskehl war „europamüde" geworden und hing 
doch mit jeder Faser, wie Stefan Zweig auch, an 
diesem Kontinent. 

„Die Stimme spricht" hatte neue Tiefen in des 
Dichters Persönlichkeit erschlossen. In seinem 
Dichten auf Neuseeland wurde er der repräsenta- 
tive Dichter der Verbannung, dem ein Gott die 



Gabe des Cesanges gegeben hatte. Wir können 
an Ovids Klagelieder vom Schwarzen Meer, an 
Dantes Zorn über die Partei denken, die ihn aus 
dem Vaterland verjagte, und an Heines im Grunde 
ungebrochene Heimatliebe. 

Einer seiner materiellen Verluste war der Ver- 
kauf seiner Bücherei, und wer sich je von Büchern 
hat trennen müssen, weiß, was das zugleich gei- 
stig bedeutet. Wir können uns einen Begriff von 
deren Zahl und Wert machen, wenn uns erzählt 
wird, daß Salmon Schocken ihm dafür eine Rente 
aussetzte, von der er „leben" konnte, wenn es 
auch trotz der Großzügigkeit dieses Philanthropen 
gegen Er.de seines Lebens nicht ganz leicht war. 

Unter den Büchern, die uns wiedergeschenkt 
wurden, befindet sich neben den neueren wie 
„Hiob" und „An die Deutschen", seine Nachdich- 
tungen der ältesien deutschen Poesie, jene aus an- 
deren Sprachen (Byrons „Hebräische Melodien" 
u. a.) sowie die Aursät/e, die er für deutsche Zei- 
tungen unii Zeitschriften geschrieben hatte. Eine 
charakterlsi'/ che Auswahl hatte der Band „Bild 
und Gesetz" vereint, der lange vergriffen war. 

Bild und Gesetz — das wäre auch ein Titel für 
da.s Cesamlv/erk Karl Wolfskehls. Wir gewinnen 
aus dieser höchst willkommenen Veröffentlichung 
das Bild eir.es Dichters, der ein Meister der Spra- 
che und ein kühner Denker war, eines Schriftstel- 
lers, dessen Weite kaum von einem Zeitgenossen 
übertroffen wurde. Gesetz? Nicht, wenn man unter 
Gesetz Regeln versteht, die gelernt werden kön- 
nen. Wolfskehl war ein Gesetz in sich selbst. Er 
wird in diesen beide^i Bänden wieder lebendig für 
die, die ihn kannten, und et erscheint denen als , 
eine verehrungswürdige Gestalt, denen es leider ' 
nicht beschieden war. 



Im Axel Juncker Verlag, Berlin, erschien der 
Urlaubs- und Reise-Sprachführer „Schwedisch" 
in handlichem Taschenformat und biegsamem, ab- 
waschbarem Plastikeinband zum Preise von 2,Ö0 
DM. In der gleichen Ausstattung legte der Verlag 
einen Urlaubs- und Reise-Sprachführer „Serbo- 
Kroatisch" vor. Beide Ausgaben mit Aussprache- 
bezeichnungen und ausführlichem Sachregister 
sind ein unentbehrliches Requisit für Urlaubsrei- 
sende nach Schweden oder Jugoslawien und sol- 
len ihnen behilflich sein, sich im fremden Lande 
zu verständigen. 




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4: JcA/acA/er f/f//- ^e^-fraf/; uf/fs, /lim/fcAefj ms /a///4iA^Asi^ ^aj Jf^s.serffefW^e^ 




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^- siyi/f^C/^yf Se - scAacAAsA0f9rafer ^a/aL a/f/s JJ/zm^Aeff ufff^ /offffffcAw/ a/efff 



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srcAz/eA/ßrar er /w- ^raw/A £////s Aa/z///^cAw u/z/s /.aß///y/€:Ae// , 
/'y-^// ^ar afer ^ue// uws Xa/wz/cAe/f u/z/s A^d'zßz/zßcAezz, 

JcA/acA/ez* i:/z''aii/' z^er - A/zcA . ums zLazzwfcAezz czz/zs Xazzzz/ßcAez?. 
Sesprochen : 

f90^^ricAfe^¥e/^utfiif ^e^en^ ctteSu^n tntt^te Sojen. oV// Tic/z/eA/^erzar ^ffk'^e//jc4a/^, 
Wiiierjeif J7?e'fJC^eo '''Jf*^^ efe/Atiffe/uArZzctr <J^^^^^/^//r///^#// ^^je/f tfer^ass Mksse/- Aa^/A'^ 

Jeti^utfti M^uy4>/0iJMe ^Muf i;Zer/if^e^Jr44Z^yetaZz\err/ss ^t'^tZas ufuc^uZ^Z'^^jiM^mc^M 6i'3S 
Jas lanm»€A0ßi fM0//9€M iklter Htar^ ir/au^/'esyi/r Z4t^/ Sustm Sttr hh XiMmc6eM tm XdMMicZtejf , 




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me/-ne^dem^aiia^^e- ^/A^^ 4'^u.aus me/.,^eM> de^, J^^Ua/^e- H^e/A-/e,, /aus 



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3. ^Jfiiw aZ-Ze^>,Iaf,rir/ru,e/4ii^^eru/fsZneu ^e- Zra- je»^ S,i ,Z/e rac4Z trar du/r/i^'MAZ 





i ifieaifJf^.Ze,s-^c/imW^„. M,„ ^^^ f^^„, /^J-^eZ^Z/x,^ jOv.^ej X^eä er- m, ---fe» 
3. un^,»uAi,Z.Zer« J^/a - ^^/^ ^^ ^^r ^/ 4f,r-^e,,. r^Z neu Ze.jyi,„Ziu Z^ - - -^^,. 



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4: xfcA/dc/p/er /m/' ffe^sra^/', u///s^ /dm/zcAe// a///j Za//md^0j^ das Jf^s^ser^/doe- 




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K. Jh/n-de def? ^i///d ersMao /A// /^/^ u/us^aMMcAej/^wß/s/Jj/mc/ie/;. ^//j 

^' ^//^,de di?d /dscA/e aus dei/ S/'a//di////s/^d//wcde// u^/^/J/TTd/e//, //// 

4:- scA//^/e// S^ - scAacAAs/- H^rd er ^a/d a///s jia//////d/e// u/z/s /a^////c^4i0(// dem 



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J^d/^^^^uAe/f w/zs ild'wfJuVien er M/- ^/acA >re/^//er /^/Ij*^^ der 



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r/SS d/'e Jta/z /h /fi// c////s ^//////cAe// u///s X/t ////// d/e// . 
jcA//e//^ar er yer- ^ra///// u/z/s Aa ////// cAe// u/z/s /.d//////cAe// . 
^r^'dlej/ /rar der ^ue^/ ti///s /^d//w/cAe// u///s ^d//////cAe//^ 

JcA/dcA/er d/^aci/" rer - McA . u///s JLd/j////cAe/7^ a///^ Xd /?//// cAe/?, 
Scsproche/? : 

Ifet'i gr €ie9f J77effJcAeff '''Jf""^^ c/er Awfe/iUr/zLfr <jf>^-^<'4^/'/r//^^4r// ^Aje// a/er0fas9 Mksse/' /fa/ß4'^ 

Jen ^utt^ Maitj^^/er S/e//e ^c/f/uj^ «rV/* ////»>/- /^/«^> /tk/z'ze^r/ss^ ^Zte ^as t/f/^Md^/ß/j^ejCsisfcAe// 6/ss^ 
Jas ^Mf9f€6*if /M0/j9tM Kthr Hrar^ 2r^tni/*<^ €3 /o'r zu^ei' Sussm 6ar hh /LiMf^c^e» f/>ß /aM/fu^e^ , 



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^e/d-^ A/n-ai/Sf o^ önhyl- m/r den fr^e-afe^^ /Ar ///-^^/ ä^er T/eue /h 
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wefn äeM<faiiai-^e-Hrey^fes/tws^äf we/n ^e/// JaUa^ ye-M^e/A-Zes /aus. 
we/^nem o/e»i Jaiia^^e - M^/A/e» 4'ausaus We/- //ev» c/em JaUaJ- fe - fve/A-Ze/f /aus. 




Moire t^/^0/i/u/t^ jrar fffi//--. ef> afe/- r/>/fj a'as M //? /}/e- i/e/f 



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l//f// t/t/ at/Z'-fftr /a - /er a/ra-Je/f der u//s /if/'e-sej ^v//-^e/r - /es/" 



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^/as ^1 " '* /Vui-^ /tsi) " ^1 'I '^ t /y/Ä?/-- Z^- 
^y/?a/ af/'e Su-cAe/- JWo - ses^ 
s/'/ifil äe/' /V/scA'//a 3an - afe 

de^/ c/i*e ifiß^cAe/i^Z-gL ^ oe 
Top <a^ ky/'/'of c/e/' ^nct-Ae 
T/*Acc-ei''' ^a, ^^e /iJ'A?'- ^e 
j/nd alte tf/'/za/'- /»^•./•--/V, 




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a/e/' Ae//'^e// TAp^/a di/'*- - cAe/* . 
secAs j/f/Gl afes Ta?///u^s Te/'- - ie . 

c/er j/'e^^Av Ae/Jige/' SaA — 6aA. 

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Aer^^e/ ale/' J/ä/u-y/ze J/ze/A — 

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f: ^X^/phMtr //y// ^e^^a^^, U///S, /a//////cAe/j m^j /a///m^m^ ^j z^^s-^e/'^ra/^ae- 



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//y-^// ^ar afer i^ue// u///s /^am//^cAe/f^ u///s X.d'wwcAe/r 
JcA/acA/er drai^" i^er - ^//cA . u/vs iLä/Jwn^A e/?^ c////s Xaz/Jz/^cA^p/r. 
Scsprochef? : 

Ifei'ierjen J^e'/JcAeo ^'njtrajjf'^^cfe/ Aiftje/uAr/^z aferafass Jfasser ^an/^ 

5»// ^//y Maar v/er S/f/U ^efy/u^nfer/>>^^^'^*f/^/'fi taH' zerr/ss , cft'e «Zas t/9fsc^v/t/^p/,Mmc//f/f ^^-SS^^ 







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3. c/a i//fs S^M aus Jafmai^e-j^f/-'at/s cfe/Z/fecii/t^«//'i/u.s/ef-// i/? - oe , 

S. /rffA re/-- <:/>?/■ er./e - ^e» /ass^^ Je/' ^e -/or/e-se/i cmd er- ^fi - ^e// / 



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3. y^/// a/-/e/>/Ja//4^ir//ii^/jü/4/e/'i///s^/'&uae' //H'-ae// S/j af/e /fitcA/'' fra/' i^u/rA/rduA/- 





< /e///M:c//e/ ffe- it/a/ ^ /e//. Jk /mr er d/s A/'e-Aer AaA er u//s er ^ Aa2 - - /p//, 
/, m'ea/(ffiJ^/e/^^scAm'//ye//. .»/// zum fi/A/z, Us-^e^/i^/^/zi /re^Aej jL/'eä er- Jt//// ---y^//. 
J. unäimt^6/A^ti/9 JVa - ye//^ ^acA ^/- ^/ /^^/'-ye/z/e^ /?eu ^ej/z/z/^zu U —^ -cefz. 










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3. //e- Ap' /•//// A/'/'/f "du c/f^ e "- /•>// y ' >ry . ^ s K'^^ - /te 



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Ae/'^de/ i/e/' J/^a/zj-zß/e Jh'e/^ — 
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sTcAzzeA/srar ez- rez- ^zazzzzA czzzzs A^azzzzz/cA^^z uzzzs /A.a/zz/zzcAez/ , 
/^z^^'^^zz trar ^er ^ue// uzzzs ^Aazzzzz/cAezz uzzzs A^d'zi^zzjcAezz, 

JcA/acA/ez* afraa/ yez- A/zcA . u/zis ^zizzizz^cAezz az/zs Xdzzzzi/cAez?, 
C/esprochen: 

^oZZi'ZcAh^¥e/^ui?cf If^esen^ cZt'eSuZen ^/e <:Zie S^jen, cZe// ZöcZz/eA/^erzar ZfecZfe/i^Aa/Z^ 
M^eZ/er^e/f JZZe//Jc4e/f 4wjtraiff/^cße/^Z^/jeyi/ArZzi^r cfertZass Mksse/- /fa/iJt^ 

Jen Z/uiftZ Mau^cZet' SZeZZe se/f/uj^ tffer /tinZe^ m4Z V/e ZTaZz zerr/sz , cZt'e tZas uffsc^t^ZtZ^eXM^c/tM ^/jj 





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U,td ire/f» /Ar ^cAe/de^/Ar i„-^e/ der fTej-fie^ io scAe/c^e/-:io», /^vea^,, züm 





/^u-Ae a„d Sf'äus tr/// - /r,m-»,e>, /Ar ///-^«^ Jer J./e. ^e uy,d T^eue. 
>Ce/d^ /fJn-auS; o, Ar/„y/- »,/r den f,;e-de» /Ar ///-^^/ de, TJeue ,„ 
friede» z,eAA aus^ /Ar 2»-^e/ der ^e- h ,Ar /// -^<j./ c/er TJeue aus 







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/v^/-//«-/ de,>, ^aiU^e-Hre/A/e,, itus ,i, ,„e/-,;e,» de^, SaA-Aai- ^e.tre/A-/e,, /^aas 
me/n dem ,faHa^^e - H^e/A^es Afaus^ /,, „,e/„ de,,, SaAJa^ fe-^^e/A-Aes /aus. 
,„e,-„e,>,de„,JaiiaA^e- „^,AAe„ A^aus au. we/-„e„, de„> Jai-AaAye- ,ye,A-/e„ /aus. 



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;2. Afa-jam ro-a ^a^jh- /?(?s Aa ^ja/- aie// ji-so^' /'- a-cA^r 

3, /Va -ie - cA-ii Aa-jm Xilso??us Aa - j^f' - ^^^^ h'-s(ß/' /'- i^-cA^r 

j^ /n/- J/^' ^ /?e ^-i^// cAuii't^rez /^ly- /(/* - ^^^ e^/o-- a ja-^at4ß 




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secA/s j/z/el a/es Ta////u^s Je/'-- ^ Ae . 

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a/i'e Ae//'^e/i zeA/; Se - Ao /e. 



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i, vmichtbarer //and ums iwiiwchen, iiwsJJuiMcAei/ //it ßtusse/* pA-i;e 
^ Jc^/ac/z/e/* /w/- ^e^ira^/-, ums^ iUm//cAe// mj Za/^^^fui^^n^ ^j Jf^s-f^er^/'^^e^ 




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ila//izzz cAezz^ c/zz/s /azzzzzzcAez/ ez • //uizzJra/a - - z-aus uzzü^ i^ez/- /e S/j 

äld/zzzzzcAezz czzzzs /Azzzzzzc/ßefz er /^a/- z/acA yPez'^z/^r /fizL^e <^ez' 



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jc^zze//H^ar ez* iz^r- ^za/zzz/ c/zzzs Aazz/zzzc/zezz uzzzs /.azzzzzzcAezz , 

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/r^'C^ejj iYAz' afez' ^ue^/ uz/zs /.azzzzjzcApzi uzz/s ^d'zzzzzzcAezz, 

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Jc^/acA/er z:/z*aii/' yez- ^/zc4 . uzzzs zLäzzzzzzcAez? czzz/s Xazzzzzzc/zez?, 

S&sprochez?: 

^€?^/i'icAfe^¥eUuntif ßf^e^en^ dteSa^n ir/e afte Bojen. tf>// yoc/z/eA^erzm /fe^/te/^jcAa/^^, 
H(ei/er<^en J/7etiJcAeif ^injtrajgr^^eZerAt,je/u''Ar^ t/en^ass Jfasse/' /ha„Jt , 

Jas autjeZiicZt^ «V/, ^euer^ranal^ niafem ef^i- S/^^cfe// ^ac4efyw^^ a^erjy^itc/er/A„e >Ffi^A/u//y Aiy 



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///e//7 äe/// ^fadhaZ-je- tye/A/^es Afaus^/>/ j//e/// de/// JaAJa/ je-/f^e///'/e$ Jjfaus. 
///e/-//e/// de/z/yTadiaZ-je- /ye/A/e// A/aus aus //;e/^//e/// de/// Jaiia/- ye - /ye/A-Ze// ^aus. 



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J. ^7^7 ^///^ lÄ// aus Jof/fm"^ ^^ '/re^'Z' aus afe/- Jf//ecA/^cZß^Z afu- s/e/vf ?/? -^<?. 

4^. /i'uA'//'/;^s-yes/- aZer /fj?/-^^// ^^^ Je - isfe/'-a - ^ez/aZ se/' h^/'//- /^//f -///e//^ 

S, /}'i?/f rer- e/y?/- er^ /e - ^^v/ /aj*^^ JJ?/' ^^ -/j/ve-je// u//af er - ^/? - i^^// / 



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3. yM/// a^'/er//Ja/f4^tr//ufe/4i/äfe/'i/7/sA^8aae' /ra - ye/r S/s af/e ^^A/- nrar afu/vAmicA/' 




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\ ^' JeMM'cAer ffe ' 147a/ ^ /e//. % nur er ä/i A/e-Aer Aa/ er a/zs er ^ Aa^ /e/i , 

l. H^/'eatf/^ M'/erS' s-cAm'nje//. *^/// zi//// /fa^w ^as-seZ-afn/w y/p-Aes jU'eii er- Jt/n/ a^//. 

J. utfä tttu^ S/A Aer/f JVa - Qen Aitc/i ^z- y^/ ^^r-yen-r^A neu ^e-j/mA zu Aa, — '^^^- 



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V. ßuf^QujderJ(/?we i/s ^ro s/e m's//?Jt/- er- saAa/'/e/'J/vfyM-/ie//^e CAfrl !>"</ / 

A. U'^er der ^/mve/Mf-Zec/df^e/t-de/? ß-acA^^Atafm//^ a* zur ir--de Aer^-n/'e der. 



jT|iM]MiJ>/ij'iJi'j';jj' 







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MuUer^dd(iä-de/i'^c'M"^e'i/y /w CA^r /A-irr Atw—der d/e //'//-der U se 







* -/ ßzes jVs /'O ei ////'- ///U'/a -/'/'/// des j^o, Ato/r ///e <2/f/ /o - es 

JZ. ^U-yo/// /'o-o ^a -jo - ////s Aa ^ya/- de/? y^-^^ ^'- o-cA^/' 

J. ^ü -ie - cA'i? Aa-ye//? Xil3c??us Aa - jar - de/? //-j*^ /'- ^-cA^r 

^, /n/'- J/'^' ^ //e ^^da// sAui/'i?rez /w- ///*- /?e e-Zc?^ a ya^^a/^ 

Chor. 

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Jt, ^e- Ai? ^iihf /'a^^- du cA' e "-//>// y^ /r^- a s t/W- /?e za/?. 

3, //e- Ap' /v'/i/ i?'rA ' du ^'tf--///// ^' /»v « ^ s U/W " ?te ze/?. 

^, ^a 'Aey^cA?' Aa^- zu?' a 1 ^ew ??//fy//// cAa - /e ^ ////^saf /e^ ???a/- - /// ///e -/»// 



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K, cf/iz/f-^e üiefz ^z/üf er ^iM/o /A// /^/ u///s ^äz/jM c^ej/ ä/jis/J/z/Mc^e/r ^/// 
^' c/^^.afe l/i^s/ /pscA/e aus i/etz S/^azidu/z/s/^^'/zz/z/c^e// uizzi/J/7Tc//e/r //// 
4:- sciA//j^y^//^ Se ^ ScAacAAez^st9rafer Aa/d.c////3jJ//////c//e/z u///i/aw^^ 



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jcA//e//irar er y^r- ^raw// £////s /^'/////^cAw u///s jia^/////<:Ae// . 

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/ry-ciijj ivar ^er ^ue// u/z/s /^amjj/cAe/f u///s ^a/i//iJcAe//. 

JcA/acA/er c^raa/ yer - A//cA . u///s /.ä/Jwn^Ae/? c/ms Xdy/j//^cA6^/7. 
t/esprochen: 

Jen ^Uifti /0/aaf4>/er S/e/U ^e^/uj^ -/^////it^«/ /^/^> taU'zerr/sz^ ^t'e^as uf^^c^i^/s/^ejlM^mc/zP/, ^/ss^ 
Jas ^'M»9f€6e/f me/jfeM Ki/er M^ar ir/aii^/' esyi/r Ziee/' ^ussm Smr hh /-iMinc^M €ßh XaMMtcde^f , 



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URD DURCH RECHT UID DURCH LXSm UKD DURCH SRBARMSR* UMD ICH AHQILOBE DICH 
MIR IX7RCH TREUR URD DU WIRST IHR ERKEKHSR« 






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H«rr äMT l«lt.d«r lönif sohon war.«h irgend •in (Nsohtfpf •rsohaff^n 



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IIa dtiroh ••inen Willen das 111 •ntstand^n war da wurda König er 

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genannt« 

!hid ir«nn in künftiger Zeit das All rergeht, auch dann wird er noch KOnig 

•ein, er allein ale der Erhabene* 

£r war» er ist, und er wird sein in Herrlichkeit, 

£r iat einzig, und kein Zweiter ist, der ihm zu vergleichen oder ihs 

Buzugesellen wäre« 

Ohne knfaing ist er und ohne Snde» sein ist die Macht \md Herrschaft« 

Kr iat »ein iott und mein lebendiger Erlöser, mein Hort und mein feil 



in der Zeit der Hot« 

Sr ist meine Fahne ^xnd meine Zuflucht» mein Kelch jSO oft ich zu ihm 

rufe« 



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Xn ••in^ Hand befehle ich meinen Gtoist^ob ioh schlafe oder wache« 

VM mit dem Seist auch meinen Leib, XH ist mit mir, ioh fürchte nichts 



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Mein Oott, die Seele die Du mir gegeben hast, ist rein. 
Du hast sie geschaffen , Du hsjit sie gebildet» Du hast sie 

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mir eingehaucht. Du behütest sie In mir. Du wirst sie eilest 
von mir nehmen imd sie mir wieder zurückgeben In künf tlgepr 
Zelt« So lange die Seele In mir Ist. bringe loh Dir Dank dar, 
W. mein Gott und Oott meiner Täter i Meister aller Geschöpfet 
Herr aller Seelen* Gepriesen seist DU, der 1^ die Seelen 
den toten Leibern wiedergibst • 



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Herr aller Welten 1 Sicht »uf unaer Verdienet hin legen wir unser 
Flehen vor Dich hin »ondem auf Dein grosses Erbarmen hin. Was 
sind wir? Was ist unser Leben? Was ist unsere Liebe? Was unser 
Verdienst? Was ist unsere Hilfe? Was unsere Kraft? Was unsere Stärke? 
Was können wir vor Dir sagen, DU, unser Gott und Gott unserer Täter? 
Wahrlich vor Dir sind alle Starken wie nichts, und die Männer 
ruhmreichen Namens sind vor Dir, als wären sie nie gewesen, 
und Weise sind vor Dir , als hätten sie kein Wissen, und Verständige 
sind vor Dir, als hätten sie keinen Verstand. Denn ihrer Teten Fülle 
ist leer vor Dir, und ihres Lebens Tage sind eitel vor Dir^und des 
Menschen Vorzug vor dem Tiere ist nichts, denn alles ist vergänglich* 



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Geprieaen »eiat Dü-unser Qott, König der Welt der das Licht bildet 
luid Finstemia schafft» der Frieden wirkt und alles schafft; der 
Licht giht der Erde und allen, die auf ihr wohnen in Barmhersigkeitt 
in seiner Güte an Jedem Tage das Schöpfungswerk erneuert • Wie gross 
sind Beine Werke, DU, sie alle hast Du in Weisheit gewirkt, voll 
ist die Erde von Deinen Geschöpfen. 



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Mit grosser Lie>>e hast "Du uns gellebty Vüy miser Oott, mit grossem 
und Inuner grösserem Erbarmen hast Du Dich über xms erbarmt« Unser Vater t 
unser König! wegen unserer Väter, die a\xf Dich vertrauten und die Du 
lehrtest die Satzungen des Lebens, sei so auch uns gnädig \md lehre uns« 
Unser Vater, erbarmender Vater, Barmhorziger, erbarme Dich über uns und 
gib in tmser Herz einzusehen, zu erkennen und zu Ter stehen, zu lernen 
und zu lehren, zu bewahren, zu befolgen und zu bewähren alle Worte des 
Forachens in Deiner Lehre in Liebe. Erhelle unsere Augen durch Deine Lehre 
und hefte unser Herz an Deine Gebote^ und eine tinser Herz zu lieben und zu 
fürchten Deinen Kaaen, daß wir nicht beschämt werden für Welt-Zeit und 
ISwi^eit» Denn auf Deinen heiligen Hamen, A^n grossen und furchtbaren, 
vertrauen wir, wir frohlocken und freuen uns mit Deiner Hilfe. Bringe uns 
zum Frieden aus den vier Enden der Erde und führe uns aufrehht in xinser Land« 
J>eTm ein Uott, der Hilfen wirkt, bist Du, und uns hast Du erwählt von allen 
Völkern und Zungen i und Du hast uns nahe gebracht Deinem grossen Namenx Sela)^ 
in Treue, dass wir Dir danken und Dich einen in Liebe* Gelobt seist DU, 
der sein Volk Israel in Liebe erwählt« 



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H5rey Israclj^ IR Ict unser Gott, ER ist einzig. TThd tu «ollst lieben «M>-//f ; 
deinen Cott mit deines ganxen Hereent mit deiner gansen Seele iind mit all 
deiner Kraft. Und diese Worte die ich dir heute gebiete, sollen in deinem 
Herzen leben. Präge sie ein deinen Kindern .und sprich von ihnen- wenn du 
in deinem Haus sitzest, wenn du auf dem Wege gehest, wenn du dich nieder-* 
legst und wenn du wieder aufstehst. Binde sie zum Zeichen an deine Hand, 
und sie sollen sein ein Stirnband «wischen deinen Augen # Schreibe sie «in 
die Pfosten deines Hauses und an deine Tore« 



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Du bist nächtig in Weltz«iy J)U; Du rufst iio Toton t/ieder ins Leben, 

Du bist der stäricstQ Helfer. Du erhälüt dio Lebenden in Gnade, Du erweckat 

zum Leben die Toten in grosser Barmherzi^eit, Du stützest Fallende, heilest 

Kranke, lösost Gefeaselte und häljlt die Treue denen, die in der Erde 

schlafen, ^er ist v/ie Du, Herr der l'tärke, und wer gl .ichet Dir, König 

der Du Tod schickst und v;ioder zum Leben erweciiat und Heil spriessen lasseit. 

Du hasts vorheisaen^und ;^ir vertrauen Dir^ dass Du die Toten zum Leben 

rufst; gepriesen seist OT, der W die Toten zum Lebön ruf/t. 

Du bist heilig und Dein Kaae ist heilig^und wer sich heilig machen will, 

preist Dich täglich. Gepriesen seist bfc^ DU v heiliger Gott. 

Du begnadest den Menschen mit Erkennen und lehrst den Sterblichen Eineichti 

begnade auch unc mit Erkennen, mit Einsicht und Verstand. Gepriesen seist DU, 

der M mit Brkennen begnadest. 

Führe uns zurackif unser Vater zvl Deiner Lehre^ und bringe uns nahei^ unser 

König^Deinem Dienste,' lass uns zu Dir zurückfinden in völliger Umkehr. 

Gepriesen seist DU, der ^ Wohlgefallen halt an der Umkehr. 

Vergib uns unser ¥ater, wenn wir gesündigt haben, verzeih unsy unser König, 

weim wir abtrünnig wurden, ä^eim im Vergeben und Ver seihen tust Du Dich kund. 

Gepriesen seist DU, der \fa gnädig viel verzeihet. 

Schau auf unser Elend , und streite unseren Streit, erlöse uns bald um Deines 

Famens willen, denn ein starker Erlöser bist Du. Gepriesen seist Wg 

Erlöser Israels* 

8#nde uns Heilung^ DU, dann sind wir geheilt, hilf uns, dann ist uns geholfen, 
denn Du bist unser Ruhm. Lass vollkommene Heilung blühen für alle unse^ Wunden, 
denn Du In Deiner göttlichen Allaacht bist der verUssllche und barmherzige 
Spender der Heilung. Gepriesen seist DU, der M die Kranken heilit. 
Segne DU unser Gott dieses Jahr und was immer in ihm wächst, sohütte Tau und 



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Re^n suB S«g«n üb«r dsn Acker aus, sättige uns von Deinsa Gute, segne 
dieses Jahr^dass.es gleich werde den guten Jahren. Gepriesen seist ^l|^ ^lU 
^ " *^ der ili die Jahre segnest« 




Wir bekennen vor Dir, dass DU unser Gott und Gott unserer Väter bist in y 

jd"lW^ Ewigkeit I Hort unseres Lebens, 3child unseres Heils bist X)u von 

Geschlecht zu Geschlecht. Wir danken Dir und verkünden Deinen Ruhm für 

unser Leben, das in Deine Hand gegeben ist ^ und für unsere Seelen, die in 

Deiner Obhut stehen, und für Deine Wvinder, die Du ^^^%xi Tag an uns tust, 

yxtA für Deine unvergleichlichen Guttaten zu Jeglicher -^eit des Abends 

des Morgens und des Mittagsi Allgütiger, undndlich ist Dein Erbarmen, 

Barmherziger, nie hört auf Deine Liebe, in l^elt^it hoffen wir auf Dich« 

Für alles sei gepriesen und erhöht Dein fianeV unser König^ allezeit für 

ewigi alle Lebenden danken Dir und rühmen in Treue Deinen Namen, Gott 

unserer Hilfe und unseres Beistandes. Gepriesen seist Du, Allgütiger ist 

Dein Name und Dir zu danken ist sohön-v 
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I^H 89^n« dich und bc^hutu dioU! 

ER lasse soin Antlitz dir leuchten und sei dir ^nädi^'! 

EH 'Wende soin Antlits dir zu und Jtift-j dir Frieden! 



XtKauch i^ee K^tol ^>4^Vers 1i^/^ 






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10 



Mein Gott, bewahre cicine Zun^^o vor 3Ö8en oiid meino Lippen, dasu sie 

nicht Trug reden, Donen dio mir fluchen möge meine Seele still sein« 

Und gleich alü wäre sie Staub, sei sie deoütig vor allen. Öffne mein Herz 

durch iJeino Lehre, und Deinen Geboten treibe meine Seele nach« 

Allen, die- Josse sinnen vider mich, zerstöre Du ihren Hat- und vereitele 

ihr PI anen« 



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11 



Tor d^a O^wxmm von Broti 

Gepriesen seiet Wjf unser Gott/ König der Weltf 

der Brot aus der Erde vachsen läset • 

Vor den Oenuse von Weint 

Gepriesen seist VÜJ unser Oott^CTniij der Weltt 

der die Frucht des Weinstockes erschafft, 

Tor dem Oenuse von Bauafrüchtent 

Gepriesen seist 3)ü/ unser Ootty König der Weltf 

der die yruoht der Bäume erschafft» 

Beim Anblick blühender Bäumet 

Gepriesen seist Wi unser Ootty König der Welt, 

der in jjsiner Welt nichts halt fehlen lassen und in 

ihr schöne Bäume geschaffen halti um mit ihnen den 

Menschen Freude su i&aohenf 

Bei der Begegnung mit Weisent 

Gepriesen seist WJ unser Gott/ König der Welt, 

der von »einer Weieheit sterblichen Itenschen mitgeteilt 

« 

hat« 

Bei der Begegnung mit einem Pürstent 

Gepriesen seist DU/ unser Gott/ König ^n Welt, 

der Ton seiner Herrlichkeit sterblichen Menschen 

mitgeteilt hat« 



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Gepri«8«n oeisir Vlüi unser Gotty König der Itlti dtr Pa di« gans« Wtlt 
speisest in Oüte^ in Huld» in Liebe und SrbaziMn« Du, gibst Brot allen 



Geschöpf en» denn ewig währt Beine Liebe* In Deiner grossen Güte hast 

Du es uns nie fehlen lassen und wirst Do es uns nie fehlen lassen an 

Speise tUB Deines grossen Hamens willen» denn Du hihrest und rersorgest alle 

und erweisest allen Gutes und bereitest Vahrung allen Geschöpfen die 

Du erschaffen hast* Gepriesen seist DUf der alle speist # 

Unser Gott» unser Vater» führe uns» speise uuBt versorge uns» erhalte 



uns und gib uns Weite» Lass uns 



unser Gott bald yon allem ^was uns ein- 



enget ins Weite gelangen« Lass uns doch Döf/ unser GottJ nicht nötig 



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haben ein Geschenk aus Menschexihand oder ein Lehen sondern ntir Deine 

e» die geöffnete» die heilige» die weitoy damit wir in 
'bMchäfflt und nicht zu schänden werden« 





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Las« uns zvor Ruhe geheryDÜ/ unser Oott y mm frieden und laee uns wieder 
aufstehenl uneer K9nigl zun Leben. Breite über uns die Hütte Deines 
Friedens I stftrke uns alt ^Deinem £^ten Rate und hilf uns un Deines 
Naaens willen, Sohlne uns und wehre von uns ab jeden Feindi Pest und 
Schwert I Hunger und HüauBernls. Wehre ab Jeglichen Widersacher vol^lins 
und in unseren Rückeni birg uns im Schatten Deiner Flügel» denn unser 
allBiächt4<er Behüter und Erretter bist Dö, gnädig und barmheraig bist 



Duiallniftchtlgex' König« Behüte unseren Ausgang und unseren Eingang 
zum Leben und z\un 



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Frieden von nun an bis in klR^^^M^fV /l&f^^iÄ 
Preis sei DIR am Tage» Preis sei DIR in der Nacht| Preis sei DIR» wenn 
wir uns niederlegen, Preis sei DIR, wenn wir aufstehen« In Deiner Hand 
sind die Seelen der Lebenden und der Qeitbrbeneni in Deiner land ist 
aller Lebenden Seele und allen Fleisches Oelst« In Deine Rand befehle 
leb meinen Gel st f Du erlösest aloh treuer Oott« leiser Gott Isi Hlaiaiel, 
lass Deinen Hamen als den Slnslgen erkannt werden, richte auf Dein Reich 
für iBuner^ und sei ^nlg über uns für \dl^il^ Weltselt A44vf ^yi'^ojl^«/ 



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Preiset ihr Oläubi^en den Hort, ron dessen Gabe wir gespeist haben j 
satt sind wir geworden tind haben noch übrig gelassen, wie KR verheissen 
hat» 

Er speist seilte Welt, unser Hirt, unser Vater i Ton seinem Brote assen wir 
von seinen Weine tranken wir, darum preisen wir dankend seinem Kamen und 
rüh«en ihn laut, wir sagen und singen» Niemand ist heilig wie ER« 
Preiset ihr Gläubigen den Hort, von dessen Gabe wir gespeist habeni 
satt sind wir geworden und haben noch übrig gelassen wie E» verheissen 
hatt;; 

Dankerfüllt preisen wir Gott im Gesang für das liebwerte Land, das er den 
Vätern geschenkt, mit Speise und Zehrung hat er uns gesättigt, gross ist 
über uns SEIKE Liebe und Treue. 

Pr^8et ihr Gläubigen den Hort, von dessen Gabe wir gespeist habeni 
satt sind wir geworden und haben noch übrig gelassen .wie KE verheissen 

/ 

hat* 

Erbarme Dioh in Deiner Gnade über unser VolkV Da unser Hort, über Zion, 

den Thron Deiner herrliohen Gegenwart J/ unseren strahlenden Tempel; 

Dein KnAcht/ der Davidspross/ er komme und erlöse xin«, unserer Seele 

Sr^uickungtf SEI9 Gesalbter* 

Preiset ihr Gläubigen den Hort, von dessen Gabe wir gespeist habeni 

satt sind wir geworden und haben nooh übrig gelassen .wie £H verheissen 

hatt ^ 

Erbaue wieder den Tempel/Und maoheiZion volkreich, dort wollen wir Dir 

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singen ein neues Lied und im Jubelruf unsere Seele erheben; der Barmhersig«! 

•r sei geheiligt, gepriesen und erhöht über dem Becher der voll Wein ist, 

wie BXV Segen voll ist« 

Freiset ihr Gläubigen den Hort, von dessen Gabe wir gespeist habeni 

satt sind wir geworden und haben nooh übrig gelassen wie ER verheispen hat* 



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Aller h^hmnimn AtMi preis« isnerdar Beinen Kaaeni 1X1/ unser Oott und Könige 

▼on Wel^j^it ra Weltjleit biet Du Mächtig» \md ausser Dir hiQt>en wir keinen 

Königi der wie Du erlöset und hilft, befreit und errettet, versorgt und 

sich erbajmti in jeglicher Hot haben wir keinen König ausser Dir. Du biet 

der Gott derer, die Tor uns waren, und derer die nach uns sein werden, 

der Gott aller Geschöpfe, d e r H e rr all e r Ge s chöpf e, der Herr aller Geschlechter, 

die Vielfalt der Lobpreisung verherrlicht Dich, Du leitest Deine Welt in 

Liebd und Deine Geschöpfe in Bamhersii^eit « DU schlafet und sohlujBmerst 

nicht, Schlafende nächst Du wach, Schlusunemde erweckst Du, Stumme machst 

Du reden. Gefesselte lösest Du, Fallende stützest Du, Gebeugte richtest Du 

auf. Dir allein danken wir« Aber wäre auch unser Mund des Liedes voll wie 

das Ueer voller Wellen, und wftren unsere Lippen so voll des Preisens wie 

der Himmel weit ist, und wenn auch unsere Augen leuchte teil wie Sonne und 

Xond.imd unsere Hände ausgebreitet wären wie Adler die am Himmel fliegen. 
/ 

und unsere l^sse leicht hinsprängen wie die der Hindinnen, es reichte doch 
nicht aus, ^IHV unser Gott und Gott unserer Täter zu danken und Deinen Hamen 
SU preisen für ein einziges Mal von den tausend tausend Tausenden Malen, 
te 2hl unseren Tätern und uns Gates getan hast» Aus Aegypten hast Du uns 
erlöst, aus dem Hause der Hndohtschaft hast Du uns befreit | im Hunger speisest 
Du tins, im Sattsein erhallt Du uns, wenn Schwert oder Seuche uns bedrohen, 
bist Du es der uns rettet, aus bösen und langwierigen Krankheiten hebst Du 
uns empor» Bis hierher hat Deine Barmherzigkeit uns beigestanden und Deine 
Liebe uns nicht verlassen, Du wirst uns auch in Zukunft nicht Verstössen« 
Darum preisen tmd verherrlichen Deinen Hamen alle Glieder, die Du in uns ge- 
fügt und die Seele, die Du ims eingehauoht^und die Zunge, die Du in unsere» 
lande gebildet hast« Jeder Mund mass Dir danksn. Jede Zunge bei Dir schwOreat 
Jedes Knie sioh vor Dir beugen, und Jeder noch so hooh Gewachsene sich vor 
Dioh hinwerfen» Jedes Hers moss Shrfuroht haben vor Dir, und des Menschen 
ganses Innere aniss Deiaen/Iaaen lobsingeni so heisst es auch in der heiligen 



Sohrif ti Alle meine Gebeine sprechen, DCTif wer ist wie Da? Du rettest den 



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Armen tot d«B, der stärker ist als er und den BOrftigen vor de^t der ihn 
berauben will| wer iet Dir gleich» ver kann eioh Mit Dir aeeeea, ^OB^er/" 
starker^ erhalper Gott» höohetee Wesen» der M Himel und £rde erschaffen 
haJta Wir wollen Deinen heilic:en Haaen preisen und rühmen | wie David sangi 
Preise »eine Seele IH£, und was in Air ist seinen heiligen Kaaen» 



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Vorbeter t Wir wollen in Ehrfurcht von Deiner Heili^eit künden 

■it dea geheimniBYollen Ruf der heiligen Serafim, die in 
Beili^eit Deines Hamens Heili|rung künden, wie es geschrieben 
ist durch die Hand Deiner Propheteni einer ruft dem anderen 
SU \md spribhtt 

Oemeindei Heilig, Heilig, Hellig ist EEjJ^ der tJmscharte, so weit wie 
die Erdek reicht seine herrliche Gegenwart. 

Yorbetert Seiner herrlichen Gegenwart ist voll die Welt| seine Diener 
fr&gen einer den anderen i wo ist der Ort seiner herrlichen 
Gegenwart? Sie alle zugleich sprechen« Gesegnet, 

Gemeindei Gesegnet SEIHE herrliche Gegenwart von seineo Haume aus. 

Torbeter I Ton seinem Eaume wendet er sich in Erbarmen und spendet Gnade 
dem ToU, das seinen Hcuaen als den Einzigen bekannt | abends 
und morgens, sweimal an jedem Tage spricht es in Liebe dasi Höre, 



Vorbeter t Einzig ist H^, «t ist unser Gott, 4m 



Gemeinde« Höre Israel, SR ist unser Gott, SR ist einzig. 

^ ±t^ ^ 

4NI ist unser Vater, 4mI> ist 

imser König, «# ist unser Helfer, «r wird in seiner Barmherzig- 
keit uns ein zweites Mal erlösen und uns die Botschaft senden 
vor aller Lebenden Avigent siehe ich erlöse euch in Zukunft wie 
einst am Anfang, um euch Gott xu sein. 

Gemeindet ICH bin euer Gott. 

Vorbetert In Deinen heiligen Worten steht femer geschrieben! 

Gemeinde« XÖnig wird ER sein für immer. Dein öott^ o Zion/ von Geschlecht 



zu Geschlecht, hallelujah. 



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Herr, wenn es gonau nach Recht ginge und Jeglicher T%t SrforBchun^ 



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t würde, kein üenech könnte virj^als" bewährt geltenf 
Seihet den hiamliachen Scharen heftest Du Makel an, an Deinen Boten 
findoöt Du Simden, wie erst am Menschen, ^ev Unrecht trinkt wie ^aseer. 
Verdienst und Gerechtigkeit ist nicht in iuib, in Sünde und Frevel sind 
v.ir allej Allt,-ütiger, geh nicht ins Gericht mit uns! Möge Dein Herz 
hewegt sein für uns, in der Fülle Deines Erbarmens wende Dich uns au, 
verfahre nicht mit uns nach der Bosheit unseres Tuns! Unserer Verfehlungen 
üind so viele, dass :aan sie nicht zählen könnte, Opfer sind nicht möglich, 
dass man durch sie Verdrehung finden könnte • Mcht auf unser Verdienst 
stützen wir uns, befleckt wie wir sind von Abfall und mnd.^, Rechtfertigung 
ssu finden für uns, die wir unser Flehen vor Dich bringen. Lege nicht die 
Meflschnur an unseren Wandel, unser Ende ist ja doch die Made und der ^^toa, 
nichtig und eitel sind unsere Jaiire. Habe Mitleid mit uns und wende Dich 
ab von dem verhängten Böeen, dies ist > Dein \^eg, Dich ohne des Menschen 
Verdienst seiner zu erbarmen, erbarme Dich unser in Deiner grossen Barmher25iÄ. 
kcit! Einst hast Du Mo^|^^ Deine Wege kundgetan zur Weisung, Du hast ihm 
kundgetan Deine dreizehn %rte des Erbarmens, Du hast ihm verheissen, daß 
man nicht vergebens auf sie sich stützt. An ihnen ordnen wir unser Flehea 
vor Dir, vernimm den Angstruf derer, die zu Dir flehen, und lass uns nicht 
tinverrichtcter Sache fortgehen von Diri 



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Laa> können dl« «hrfuroht ror DIH^ unser Oott^ über alle Deine Oeechöpf« 
und die Scheu vor Dir über alle«, was J)u ereohaffen hast, auf dat Ehrfurcht 
Tor Wr haben all« öeechöpfe und sich vor Dir beugen alle Erschaffenen und 
mf dafl «1« alle bilden einen Bund, Deinen fillen zu tun alt gaasea Heraen, 
•o wie wir es heute wissenV DO unser Oott, daS Dein Ist die Herrschaft, 
daß Macht ist In Deiner Hand und Stixke In Deiner Eedhten und Dein Same 
erhaben über alles, was Du erschaffen. 

Gib ffürde^ DU Deine« Tolke, Euhm denen, dl« vor Dir Ehrfurcht haben, Hoffnung 
denen, die Dich suchen, und freie Rede^ denen, die Dich sucheiy Treude Deinem 
Unde und Wonne Deiner Stadt, ^ss wachsen den Strahlenglanz Deines Dieners 
David^und lass aufleuchten das Licht des Sohnes Isais/ Deines Gesalbten 
alsbald in unseren Tagen. 

Die Frommen werden es schauen und sich freuen, und die Redlichen werden 
jauchaen und die Gütigen in Jubel frohlocken, alles Itarecht wird seinen 
Mund verschliessen und alle Bosheit wie Rauch verwehen, wenn Du die Herr- 
schaft der Übermütigen tilgest von der Erde. Dann wirst DÖ allein König ^ 
•ein über alle Deine OesohBpf« auf dem Berge Zion, der Wohnung Deiner 
Herrlichkeit und in Jeroaalaa Deiner heiligen Stadt, wie e« geschrieben 
steht in Deinem heiligen Worti lönig wird SR seift für immer. Dein Oott 
o Zion von Geschlecht zu OesohlechtV hall«lujah. 

H«illg biet Du und erhaben Dein Vaaa^und es gibt keinen Oott ausser Dir, 
wie es geschrieben steht i erhaben Ist SR der Umschart« im Gericht und der 
heilig« Oott wird geheiligt durch a«r«chtl|*eit, gepriesen seiet Düv 
helliger König. 



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Ünkehr, a«bet und Wohltun wenden ab das bös« Yerhängnls. 



Bis sum Tage seines Todes wartest Du auf den sündigen Menschen, kehrt 
er zurück nimmst Im ihn auf sogleich. Wahr istsi Thx bist den Menschen 
Bildner, Du kennet ihre Triebe, denn sie sind nur Fleisch und Blut. 
Der Mensch- dem Staube entstammt er und Stsnb au werden ist sein finde} 
mit seinem Leben erringt er sich sein Brot| einem aerbrochenmn Scherben 
gleicht er, dem trocknenden Grase, der welkenden Blume, dem hinziehenden 
Schatten, der sich auflösenden Wolke, dem rerwehenden Winde, dem verfliegen- 
den Staub, dem huschenden Travoie* 



Du aber bist 



König^ Gott^ ^^^^ebend und immer, 



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Koamen W9rd«n alle Dir su dienen und werden preisen Deinen herrlichen 
Huen und werden rerklinden in den £il«nden Deine Gerechtigkeit imd Tölker, 
die nie Pioh geksumt» werden Dich suchen* Man wird Dich preisen an allen 



Sndjn der Erde und ohne Unterlass wird man sprechen! Groes ist £R* 

Und die Menschen/^MMiiUi» wegwerfen 1l|^ Götzeh^^^/e b^ anifdo^^^^a^und werden 

sich Bohäaen samt ^Ua WTdem^ o^^i^^^UJiMArlüMK Als hätten sie alle denselben 



Nacken y werden sie ihn beugen , um Dir zu dienen. und soweit die Sonne reich"^ 
Dein Antlitz suchend If Dioh rerehren* l£ir)ei^x)Xi%n werden sie Deines Reiches 
Kraft» und Irrende werden Einsicht lernen* Sie werden sprechen von Deiner ^> 
Starte und Dioh rühmen t der Da erhaben bist über jegliches Haupt* Sie werden 
in froiamem Sohauer Dioh preisen xmd Dich krönen ait herrlicher Krone« 
Selbst die Berge werden in Jubel üusbrechen und alle Eilande frohlocken» 
wexm Du als König Dich seigest* Sie werden das Jooh Deiner Herrschaft auf 
sich nehmen und Dioh rühmen in der Tereinigung der Völker «Aattch die Fernsten 
werden es hören und koBunen und werden Dir die Krone der Herrschaft reichen* 



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Aus uns drangt slohs eapor, daß wir preiaon den Herrn des Alls und Zeugnis 
ablegen von der Grösse des Weltenschöpfers, da er uns nicht hat werden 
lassen wie die Heiden auf der Erde und uns anderes Los und anderes Teil 
geworden istj^ als das ihrer Fülle. Sie bücken sich vor Eitle» und Nichtig*» 
lind beten au öötzen, die ohne Kraft ztun Helfen sind, ii^nd wir kniean nieder» 
beugen uns uiid werfen uns hin vor dem König aller Könige, dem Eelllgeny 
gelobt sei er. Er hat ausgespannt den Himmel und gegründet die Erde, seines 
Glanzes Stätte ist der Himmel in der Höhe, seiner Meusht ewige \fohnung ist 
in den höchsten Höhen, er ist unser Gott, keiner sonst. In Wahrheit, er iut 
unser König und keiner sonst, wie es geschrieben steht in seiner Lehre i Er^ 
kenne es heuteiund nimm es Dir zu Herzen, daß ER Gott ist in Himmel droben 
und a\if der Erde drunten, keiner sonst. 

Darum hoffen wir auf DI öHir unser Gott, daß wir bald schauen dürfen die 
Herrlichkeit Deiner Macht, daß alle Götzen von der Erde getilgt werden und 
alle Nichti^eitem schwinden, daß die Welt geordnet werde als Reich des 
Allmächtigen und alles Fleisch Deinen üfaaen anrufe, daß auch alle Frevler 
•ich Dir zuwenden. Alle Bewohner der *elt sollen erkennen und wissen, daß 
vor Dir sich beugen muss jedes Knie, ntir bei Dir schwören darf jegliche 
Zunge, vor DIE unser Gott mögen sie niederknieen und sich hinwerfen und Deinem 
Hamen die Ehre geben .und alle sollen sie auf sich nehmen das Jooh Deiner 
Herrschaft • 



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Du ^denkst all dessen, was Ton ffeltlUit her geecbahan ist und hast 4oht 

auf alle Geschöpfe seit Anbeginn« -) 

Tor Mr liegen offen alle Geheiamisse und die Fülle dessen , was seit der 



Schöpfung uns verborgen ist« 



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Kein Tergessen gibt es vor dem Thron Deiner Herrlichkeit und nichts Ter* 

bor genes vor Deinen Augen« 

Du gedenkst Jeglicher Tat und nichts Geschaffenes kaum sich vor Dir ver* 

bergen» ~--> 



l Alles ist offen und bekannt vor DIRw unser Gott, der Du schaust und blickest 
bis an das Ende der Geschlechter. Du lässt kommen die festgesetzte Zeit des 
Gedenkens» auf daß gemustert werde Jeder Geist und Jede Seele und gedacht 
werde der vielen Werke \md der endlosen Fülle der Geschöpfe« Von Anfang hast 
Du es kundgetan und von Ürbeginn an hast Du das geoffenbart« 
Dieser Tag ist der Beginn Deiner Schöpfung, Erinnerung an den ersten Tag 
der Welt, sc iste Gesetz für Israel, so ists eingesetzt von dem Gotte Jacobs« 

Über die Hciche wird heute bestiamt, welches Krieg haben wird und welches 
Frieden, in welchem Hunger sein wird und in welchem Überfluss« Und die Ge<* 
schöpfe werden heute bedacht, daß über sie gerichtet werde zum Leben und 
zum Sterben« Über wen wird heute nicht bestimmt? Denn des ganzen Geschöpfe« 
Denken kommt vor Dich, des Menschen Tat und sein Dienst, des Menschen Handeln 
und sein Schreiten, die Gedanken des Menschen und sein Planenvund Triebe, 
die ihn zum Tun drängten« 
HeilrndLea Menschen, der Dich nicht vergessen hat, Heil des Mensohensohn» der 



sich an Mr stirktt denn die Dioh suchen straucheln niner.und nie wird su- 



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schänden wer auf Dich vertraut | denn aller Geschöpfe Gedenken kommt vor Dich 



/ 



und Du durchforsohest ihirer aller Tun« 



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Du hast Dich ^offenbaret in der ^/olke, die voll Deines Glanzes war, 
Deinem heiligen Volk, um mit ihm zu reden. Vom Himmel hast Du es hören 
laasen Deine Stimme und hast Dich ihm kimdgetan im schimmernden Gowölk» 
Die ganze Erde erhebte vor Dir und die Geschöpfe der 'Äelt erschauerten 
vor Dir, ale Du Dich offenbar test^r unser König auf dem Berge Sinai, Dein 
Volk zu lehren Lehre und Gebote; Du liessest es hören Deiner Stimue 
Herrlichkeit und Deine heiligen Worte aus Feuerflamncn. In Donner und 
Blitz hast Du Dich ihm ge offenbaret und mit dem Ton des Schofars erstrahlst 
Du über ihm. 



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Von Anfang an hast Du den Kenachen ausgezeichnet und ihn ^evürdi^t, daß 
er vor Dir bestehe. Wer darf au Dir sprecheni was tuet Du? Und ist Ci%r 
Mensch fromm, wao gibt er Dir? Aber DU/ unser Gotty gabst uns in Liebe diesen 
T«^ der Versöhnumi; als Beachluss der Vergebung und der Verzeihung für unsere 
Sünden, damit wir ablassen von äer Gewalttat unserer Hände und su Dir zu- 
rückkehren mit ganzem Herzen, zu handeln nach den Gesetzen, die Du uns als 
Zeichen Deines Wohlgefallens gegeben hast. Du in Deiner grossen Barmherzig- 
keit erbarme Dich unser, denn Du hast nicht Wohlgefallen daran, daßtdie Welt 
üu Grunde gehe. So heisst es auch^ Suchet IH!f, v/eil er sich finden lässt, 
rufet ihn an , denn er ist nahe. Und ferner heisst est Es verlasse der Böse 
seinen ^eg und der Mann des Unrechte seine Pläne und kehre zurück zu IHM, 
er wird eioh seiner erbarmen, zu unserem Gotte, denn gross ist er im Verzeihen. 
Du bist der Gott des Verzeihend, gn&dig und barmherzig, langmütig, reich an 
Güte und voller Bereitschaft Güte zu erweisen; Wohlgefallen hast Du an der 
Umkehr der Frevler^ \ind nicht hast Du Wohlgefallen an ihrem Tode. So heisst 
es auchi Sprich au ihnen. so wahr ich leb«, spricht il^ Ootty der Herr, ich 
habe kein Wohlgefallen an dem Tode des Frevlers wohl aber daran, daß der 
Frevler umkehre von seinem U'ege und lebe; kehret um, kehret um von evuren 
schlimmen Wogen, ihr vom Hause Israel, warum wollt ihr sterben? Und femer 
heisst est Habe ich denn V/ohlgef allen am Tode des Frevlers, spricht Gott der 
Herr, habe ich nicht vielmehr Wohlgefallen daran, daß er umkehre ¥on seinen 
legen und lebe? Und ziim anderen heisst est Ich habe kein Wohlgefallen am 
Tode dessen, der den Tod verdient hat, spricht Gott,, der Hsrr kehret um 
imd bleibet leben« 



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Tnprieaen seiat 7)TJ unscir Qott, \önl^ d.^T 'Tf»lt, rler di3 Friiaht deo 
Woinatocko erschafft. 

Goprioeen seist DU unser Gottp König der Welt, der alles zu seiner 
"^hre oreohaf fen hat. 

Goprioaon seist DU" unser ^ott, IC?5nig dor '^ßlt, der don !?en3chftn erschafft« 
CJoprlf^con soiöt DTJ uncer Gott, Mnig dor ?^3lt, der len Manschen in öoinem 
rbonbildü erschaffen hatj nach dem Bilde seiner Gestalt iind Form errichtete 
er ihn aurs ihm solbct einen ewijen Bau; ^"epriesen seist DTJ, der den 
ücnscTien erschafft. 

Frouon, freuen seil sich und frohlocken das kinderlos gewordene Land, 
v/onn seine Kinder oich wieder in Freude in iha samneln; gepriesen seist DU, 
dor Zion erfreut durch seine Kinder. 

Freude, Froude £;i*b den von 4«*' tiieb^ omochlossenen Lehensgefährten, wie 
Du oinst Pain erstes Geschöpf erfreutest in der Urzeit im Garten Eden, 
gepriesen seist DU, der Jräutigaa und Braut Freude gibt. 
Gepriesen seist DILfT5hig der Welt, der geechaffen hat Wonnoiund Freude t 
Bräutigam und Braut, Jauchaen und Juhel, Lust und Entzücken, Liehe und 
Bruderschaft, Frieden und Gemeinschaft ^ .bald. DU unser Gottw möge ertönen 
in den Städten Jadae und in äon Strassen Jerusalems Huf der Wonne und 
Euf der Freude, Ruf des Bräutigams und Ruf ^er Braut, Jubelruf der Ver- 
mählten aus ihreifi Traugemach und der Jungen von ihrem sanggeschmückten 
Mahlj gepriesen seist DU, der Freude gibt dem Bräutigam mitsamt der Braut« 



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iilrliöht und ^ohoili^t üui GottoD hoili^or Naae ia der 5elt, ii±o ßr go3chaff«n 



nuoli aeiaom 'Tillen* 




^ö^Q /fr üüin R^.dch koiamen laaoen zu euren Lebzaiten.und oolange lebendig 
ist das sLxnzQ Haus Israel bald und in naher Zeit, Darauf sprechet: Amen, 
BD sei Mein Äyoaaor Name ^oprieeen in v/oltaeit und V/eltsoiten« 
Gopricsen und verheurrlicht, /jerfilir^t und erhöht, ^-esohnackt und erhoben 



aoi der ITcijae des üoili 




i^ruiö' i^^üüliri JfLiiA weit hiaaua dber alle Lobpreisungen, Lieder und Tröstungen 

die je in der *'elt gesprochen worden sind* Daruuf sprechet: Amon# 

Heicher Friede komme aus Hiunelahöhen und Leben über uns und ganz 

Israel. 

D^arauT sprechet; Amen» 

Der Frieden wirkt in seinen Höhen, jfr wirke Priedon über uns und gana 

Israel« I/amaf sprechet: Amen» 



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Vaohwort« 



In den vor auf gegangenen Blättern sind wesentliche (lebete susammengeBtelltf die 
I in dem jüdischen Oesieindegottesdienst in Übung sind oder der Ausdruck der persOn* 
liehen jüdischen Fröni^eit sind« Sie sind in dieser Zusammenstellung nicht für 
das Beten selbst bestimmt» das Buch ist nicht als Gebetbuch gedroht. Sie sollen 
vielmelir den Vielen, die die hebr&ische Sprache, in der diese Gebote abgefasst 
sind, nicht kennen. Wesentliches der Jüdischen Frömmigkeit zum Bewusstsein 
bringen) denn daui Gebet ist der Spiegel der lebendigen Frömmigkeit« Die Abfassung 
dieser Gebete erstreckt sich über weite Zeiträume« Einzelnes in ihnen reicht in 
die Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung hinauf» mcmche sind im zweiten und 



dritten Jahrhundert Terfasst worden, manchd sind um reichlich em^ahrta\isend 

,B« das BusBg4bet i^if Seite ^ r- . . , . . . 



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jünger, - wie z 



ew'-, manche wiederum sind Stücke auB 



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der Bibel, die in frühester Zeit, im fünften Jahrhundert vor Beginn unserer 
Zeitrechnung, schon sum Beten ausgewählt wurden« Weil diese Gebete seit der 
Zeit ihrer Abfassung das Gebet der Gemeinde und des Einzelnen waren, sind sie 
in ihrer Gesamtheit der Widerschein der in allem Wandel sich gleichbleibenden 
Frömmi^eit des Juden und der jüdischen Gemeinde. Die vielen in das Gebetbuch 
aufgenommenen Psalmen sind hier nicht wiedergegeben, sie sind in jedermanns 

f Hand« 

I lin Äusserliches mag erklärt werden t für die Wiedergabe des Gottesnamens ist. 



dem Beispiel Buber-Rosenzweigs folgend, die Beseichntmg DU/ S&y IHK gewählt« 
Wo ein Lobspruch"gepriesen seist l>uj# Adonaj", lautet, ist er in "gepriesen seist 
OT" zusammengezogen. Weder"Gott" noch •^err^^ nooh ••Jwiger" geben die ganze Fülle 
dessen wieder, was in dem Gottesnamen sich birgt, dessen üiaschreibung mit 
adonaj auch sohon eine Verengung ist« 



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Abschrift 



Br« Quggoohaim, Offenbach am Malt) 
Txilpaobofatr« M 



Reichaniiiistarium 
für Volkaaufkläruog 
UDd Propaganda 

aesdiäftazalchao: IIA 121o/26.4»38/la 

Betr.: Haouakript * Atis des Oebeteo Israels *• 

Zum TerstüDdols der BeactwortuDg der mir geatellteo Frageo muss 
loh einiges rorausachlcken; 

Ich hatte die Absloht, die Q^bete io etwa loo Stück atif der Hand- 
presse herstellen su lassen« Da dies Terhältnismässig teuer dteworden 
wäre, schlug mir der Drucker ror, Itoschinendruck su wählen, aer 
dem Handpressen driK}k fast gleichwertig hersust eilen sei und den 
Vorteil böte, eine grössere Auflage 9oo oder looo Stück % letstere^ 
falls mit geringen Mahrkosten ) billiger su drticken. So kam ich 
aiaf die Zahl Ton 9oo. Ich dachte mir, 2oo Stück für mich su be~ 
halten für G^schenkswecke an Freunde und Bekannte, insbesondere 
solche, die auswandern oder ausgewandert sind. Den Best ron )eo 
Stück wollte ich zur Verbilligung meiner Herstellungskosten einem 
Jüdischen Verlag anbieten. Ich khbe dabei an den Schocken Verlag 
oder den Philo Verlag gedacht, habe aber noch nicht mit diesen 
verhandelt, weil ich die erforderliche Oenehmigung erst abwarten 
wollte« 

Hiernach beantworte ich die gestellter} Tragen wie folgt: 



8ul: 



?oo Stück 



SU 2: 8. oben 

BU 3: >um gross ten Teil, s« oben 



h ^- ;' 



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1 



^eici>eminifteriuin 

für !Do(6dauf6iäcung unb l^ropaganba 



©ctlin SD 8, &«n.. 

3<rn{|>r<(f)er : 110014 



... 2.5,....Llai. 192ß 






(&cfd)Qfts8ci(i&cn : 



. IIA 1210/26.4. 58/la. 



(3n bet ^itttDort anzugeben) 

Herrn 
Jr.oiegfried Guggenheim, 



Orrenbach/Lain ' 
Tulpenliof str.9« 

Betr. : lAanuskript **Aus den Gebeten Israels'*. 



Die ij'irma Offizin Ilaag/Drugulin, Leipzig be- 
antragt bei mir die i)ruckgenehmi:j;ung für Ihr [.Manuskript 
"Aus den Gebeten Israels**. Zv/ecks iüntscheid über diesen 
Antrag ersuche ich um f ol[;::ende Angaben; 

1. »wieviel Exemplare sollen gedruckt werden? 

2. Zu welchem Zweck erfolgt die Herstellung? 

5. ooll das Druckwerk durch den jüdischen 
Buchhandel verkauft werden. 

b.w. 



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»♦ 



u^.,,iiin!ei^r^ 



Ein Erscheinen im Gelbstverlag koimTit nicht 
in Betracht, v^enn das -Verk in den jüdischen Bachhandel 
koramen soll. In diesem Falle ist das ivianuskript einem 
von mir zugelassenem jüdischen Verlag zu übergeben. 

I.A. 



»», 



:ao 



gez. Hinke 1 




Beglaubigt: 






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9«? ^dc|>6mimf!er 

fflr S>oII»<nifHanffl0 unb <ptopo8anbo 



«eWäftejd^eii: 



II...A.. 21210/3 . 6 . 38/la 



(Sn ^r lintwoct on^uaebtii) 



An 



Herrn Dr. Gruggenheim, 

Offenbach a*LL , 
Tulpenhofstrasse 54. 




Betr.: Manuskript "Aus den Gebeten Israels". 

Ich genehmige Ilinen die Aufnahme von Verhandlungen mit 
dem Schocke n-7erlag, Jüdischer Buch-Verlag Berlin, bezw. 
Philo, Jüdischer Buchverlag und Buchvertrieb Berlin zwecks 
Heratisgabe von 500 3xemplaren Ihrer Zusammenstellung "Aus 
den Gebeten Israels". In dem mit Schreiben vom 26. April 1938 
eingereichten Manuskript«^ sind keine Änderungen vorzunehmen. 

Nach AbschlusG Ihrer Verhandlimgen hat sich der gewählte 
Verlag an meine Dienststelle zwecks Erhalts des Manuskripts 
zu wenden. 



Im Auftrag 
gez. Kinkel 




Bcglaubtgt 



liaris 




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Offlgin f)aag^jömQU\m / ttipflQ (Il«Ierf.un6afjiöenj6cu<P/7IIu(tmMon8.un6 
inelirfocbenftruff / ?eftrd)rfften, Rataiogt unb flrofptfte / eonbetobteflung für ftembfproctilictjen Gati ollec 3« 
23 ©e&mafditnen aller egfteme für Slnjclbudiftoben unö ?eilengu| Cfftonotupe /TTypogropt) /Jntectype) 



I 



aibfenöcc: Offizin f^aag^ÄruguUn /£.clpjlg cri/ealomonftra^c7 



An den Herrn 

Keichsminister ftir 
Volksaafkläruiig und Propa£;anda 

Berlin W 8 



WilhelLisplatz 8-9 



Sernruf^©ammelnr. 70451 
UelegcammaöcefTe: Offijfn £elpgig 
^JoftfdjecPfonto: £eipjfg 59778 
(5fcof onto bei öcr lRefd)6banf, tzip^ig 



II A 2121o/5.6.30/la 20.6,38 
^et«^W: Manus kript "Aa3 den ^obeten Israels. 



Unrere ?efd)en 

Ke/3 • 



le(p2fg/6en 



Herr Dr. GrUß^genlieim, Cf f enbach/ll. , teilt uns mit, dass er zufolge Ilirer Ge- 
nehraigung vom 20.6.38 mit dem Schocken- und dem Philo-Yerlag, beide jüdische 
Buchverla-e zu Berlin, Verhandlungen zwecks neraus-abe von 500 Exemplaren der 
oben jenannten Zusaimienstellung aufcenoui .en hat, dass aber diese beiden Ver- 
la£;'e sich zur Herausgabe nicht entschliescen könnten. 

Aus diesem Grunde tr^^t sich .:err Dr. Guggenheim mit der absieht, sich auf seinen 
ursprünglichen Plan zu beschränlcen uiid nur 200 Exemplare im Selbstverlag für 
seinen eigenen Bedarf herstellen zu lassen, die nicht in den Jüdischen Buchhan- 
del kommen, s.ndern nur für Ge sehe nie zwecke an seine Freunde und Bekannten ver- 
wendet werden, insbesondere fr solche, die auswandern oder aus-ewsjidert sind. 

Wenn wir den letzten Absatzes Ihres Briefes an Herrn Br. Guggenheim vom 25.5.38 
riciitig verstehen, steht wohl dieser Lösung nichts im ./ege. Im Ij^all Ihrer Geneh- 
migung bitten \/ir 3ie, das . anuskript an Herrn Br. Guggenheim oder ari uns zurück- 
zusenden, damit wir die 200 Exemplare herstellen können. 



Heil Hitler ! 

OffIZIN HÄÄG-DRUCULIN 



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G e r m a n y 

An den Herrn 

Reichsminister für 

Volks auf klärung iin Propa.^anda 

Berlin - W8 

Wilhelmsplatz 8-9 



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Betrifft: II A 21210/3»6.38/la 2o.6.1938 

Manuskript "Aus den Gebeten Israels" 

Zufolge Ihrer Genehmigung vom 2o, 6. 1938 hatte ich mit dem Schocken- und dem 
Philo-Verlag, beide jüdische Buchverlage zu Berlin, Verhandlungen zwecks Heraus- 
gabe von 5oo Exemplaren der obengenannten Zusammenstellung aufgenommen, diese 
beiden Verlage haben sich aber zur Herausgabe nicht entschliessen können« 

Aus diesem Grimde trage ich mich mit der Absicht, mich auf meinen ursprünglichen 
Plan zu beschränken und die Gebete im Selbstverlag nur für meinen eigenen Bedarf 
herstellen zu lassen, sodass sie nicht in den jüdischen Buchhajidel kommen, 
sondern nur für Geschenkzwecke an meine Freunde iind Bekannten verwendet werden« 
Dafür wollte ich Anfang November Ihre Genehmigung einholen, wozu ich aber durch 
die iJreignisse nicht mehr g-ekommen bin* 

Inzwischen bin ich nach New York ausgewandert und wüsste nun gern, ob die kög» 
lichkeit besteht, dass ich die Gebete bei der Offizin Haag-Drugulin in Leipzig 
drucken und ein meine New Yorker Adresse liefern lassen kann. Ich möchte jetzt 
die Gebete zweisprachig bringen, und zwar in deutscher und englischer Sprache • 
Nun ist aber die Fra^e der Bezahlung schv/ierig geworden: Mit freien Devisen 
kann ich nicht bezahlen, da ich in New ifork kein ICinkommen habe, sondern bei 
Verwandten untergekommen bin, die mich unterstützen. Ich könnte aber die D2nick= 
kosten aus meinem Ausv/anderersperrmark-Guthaben bezahlen, welches ich bei dem 
Bankhaus Friedr. Hengst & Co., K.G., üffenbach / Main, besitze. 

Ich bitte Sie darum um Entscheidung in folgenden Fragen: 

1). Sind Sie grundsätzlich damit einverstanden, dass die Gebete, deren LIanu« 
Skript sich noch bei Ihnen befindet, bei der genannten Druckerei gedruckt 
werden, wenn die ganze Auflage an mich nach New York geschickt wird? 

2). Was wäre zu unternehmen, um die Genehmigung zur Bezahlung der Druckrechnung 
aus dem obengenannten Auswanderer sperrmark-Guthaben zu erreichen? Die zu- 
ständige Devisenstelle befindet sich wohl in Darmstadt, jedoch glaube ichi^ 
dass für einen dort zu stellenden Antrag zunächst Ihre gTimdsätz liehe Geneh- 
migung erforderlich ist, dass Sie die Drucklegung der Gebete gestatten. 

3). Femer frage icb noch, ob die Ausfuhrgenehmigung der fertig gedruckten Gebete 
vielleicht als Umzugsgut möglich ist. 1 

Für den Fall, dass die Genehmigung des Druckes in Deutschland und die Bezahlung/" 
nicht möglich ist, bitte ich um Rücksendung des Manuskriptes. 



Hochachtungsvoll ! 



/""aus meinem Sperrguthaben 



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U$a.Off1?!n ff^aag^Ärugulfn / £.c(pj(g dl 

©aU)mon(tra6c7 / Secnfpcettjec; 70451, nadj OfJefthflftefdjIul 231 Ol 

^ciDatanrci)cfft: HJfebed^rd) bt\ £.efpj(g, Tflartineijötie 
Äfetrltt)^(Jtfacuetc.27/Sccnruf:579i3/;joftfct)e(f:£.elpjlg6S728 

J.novemlier 1938 



Herrn 

Dr. Sie£:fried CJu^^^enheim 

Offenbach /M 
Tulpeiihoistr . 54 



oehr eehrter Herr Joktor 



Ich da. 



Ilinen vielnials fdr Ihren freundlichen Drief vom '^0.^Q,, vou. dem ich auch 
Zerrn ...rnöld ICenntnis r;ab. Js tut uns herzlich leid fLlr oie, dass Sie nun auch den 
schv/eren -lintschluss sur Ausv/anderung fassen nussten. 

Den Druck der Oebete in 2G0 Auflage v/^erden v/ir Ihnen für ein- und sv/eifarbi2:en Druck 
kalkulieren, und zwar aus "runden der I-ostenersparnis f^-r Handsatz durch Herrn Arnold 
aber Druck auf der Sehne llT)r esse. Die tadellose lusführung des Druckes werden -»wir 
selbstverständlich sorgfältig überwachen, sodass Sie sicher sein können, durch diese 
verbilli{j,te Herstellunrsweise keine unerwL'.iischte L.inderunp,* der v^^ualitilt zu erleben. 

Obwohl ich büstimrat annehme, dass gegen die Herstellung als Privatdruck keine Ein- 
wendungen erhoben werden, wurde ich es doch fr. richtiger halten, dass wir uns noch 
einmal mit dem Propaganda-IÜnisteriuia deswegen in Verbindung setzen. Ich habe darum 
den beiliegenden Brief diktiert, den ich aber noch nicht abschickte, weil ich mich 
vorher Ihres Hinverstündnisses versichern wollte. Jenn Sie damit zufrieden sind, 
schicken Sie den .3rief bitte an r.iich zurück, da^iit ich ihn von hier aus absenden kann. 

in entsprechend abgeänderter i'orm von 



ielbstverstündlich könnte dieser Driei auch 



Ilinen aus an das Propaganda-Linisterium 
halten. 

Den Kostenanschlag cchicke ich Ihnen in 
liehen Gr aasen, auch von Fritz Arnold 



;e rieht et werden, wenn Sie das für richtiger 



einigen Tagen. Inzv/i sehen bin ich mit freund- 



Ihr 



0^*^^^ 




1 Anlage 



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Scnft ßcllncr 



ealomonftraßc? / Secnfpredjer : 70451, nadj (Befdiflftefdjluß 231 Ol 

;)cfoatanrd)dfl: HIlc5cri^rd) bei /Ltlpjlg, Iflartfneljölje 
Z>letrld)/(JcPacuetr.27/$ecncuf: 57913/ :poflfct)ccP: £.efpjlo 6S728 



Herrn 

Dr. Siegfried Guggenheim 

New York 



55 Hilltop Drive 
Strathmore at Manhasset 



Sehr geehrter Herr Doktor! 

Ich danke Ihnen mit Pritz Arnold herzlich für Ihre freundlichen 
Zeilen vom 27. 1 • Es wäre ja sehr schön, wenn wir den Druck nun 
doch noch für Sie herstellen könnten, zu dem wir gern dann auch 
das Papier besorgen werden. Es ist uns leider nicht möglich, wie 
wir inzwischen durch Erkundigungen festgestellt haben, Ihnen die 
dazu erforderlichen Eingaben bei den amtlichen Stellen abzunehmen 
Sie müssen also die beiden Anträge selbst stellen. Den ersten 
bei der Stelle des Propagandaiministeriums, mit der Sie früher 
schon korrespondierten, den 2. bei der Devisenstelle in Darm- 
stadt. Um Ihnen die Arbeit zu erleichtem, habe ich Ihnen d en 
Brief einmal aufgesetzt, den Sie meiner Ansicht nach zunächst 
an das Propagandamini steriiim richten müßten. Wenn Sie von dort 
die Genehmigung haben, müssen Sie dann an die Devisenstelle heran 
treten. 

Mit freundlichen Grüßen und allen guten 
Wünschen 



3^ (=rva^. 




Anlage : 

1 Briefkonzept 



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0cn(t Rtiintv 




t.Sa.Offl?ln \r)aag^l>vugul\n / £.efpjfg dl 

ealomonftraße? / Secnfpccctjec: 704S1, nad) (Bcfdjflfterdjluft 231 01 

;}ciDatanr(t}cfft: tUfeberf^fct) be( £.efp2ig, 1flactfn6t)öt)e 
^>fetcld)^Ötfact#etr.27/Secncuf: S79i3/:po(tr£t)C£P:£.elpjlg 6S728 

Leipzig, am 24, 4, 1959 
Ke/Tr . 



Herrn 

Dr. Siegfried Guggenhe im 
Strathmore at Kanhasset / N,Y« 
55 Hilltop Drive 



Sehr geehrter Herr Guggenheim, 

ich danke Ihnen für Ihren Brief vom 14.4.39 und habe Ihr Schreiben an das 
Ministerium mit dem von Ihnen beigelegten Zettel sofort weitergeleitet. 

Mit freundlichen Grüssen vmd ^uten .Vünschen 



~7^ cS: 




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-i-T.. 




An den 

Herrn Heichsainlster 

f^Xr Tclk3aufkl,U'ung und Prop«^mda 

Berlin ^;8 
Wllhölasplatz 8*9 



^tU II A ?1^ tg 



Kb/5o 



%8.153i> 



-^v!?!!! ^^^?^^^^ ^«« 24. 4. haben wir noch kelno 
^l'^tl Z^^ .'^"^ erhalten. Heute erhielten wir eina 

keinen Bescheid Yon Ihnen bekomen hat» 

ULrJ*^^ "^ ^^^ höflich, die SPl*dl^?t«^ der An- 
frae# In Srinn«runc m brin^n. 

lell Eitler! 



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Offizin t'inng^i>rugulin / deipjig Cf I 

Klere^ unö 3f jf&cnj5cutf / a»u(tratlona> unft WcljrfarbcnbrufP / ^cftfcfjrfflen / 
Itataloge unö :pcorpefte / ee^maftfilnen für efniclbud]flaben^ unft ?cflen-*(Buß 
Cmonotype / TTypoöcaplj / Jntectype) / eonöerabteüung für fcemöfpcatt)l(£tjcn Oa^ 

(:abren6er: Offl?tn f^aaQ^Dtugunn / Hetpglg ai / eolom onftcoge 7^ 

Herrn 

T>r. Siegfried Guggenhe im 

H e w York 




35 Hillto DriTe 
Strathmore at Manhasset 



CJl)ce Jefdjen 



tJ^ce rrattjcft^t oom 



Unrere ?efct)en 

Ke/Bo 



Secnfpccttjec: 
©ammelnc.7045l 

TTelegcamniabcen'e 
Offljln ttlpila 

PortfdjecPFonto 
ttlpilQ Tic. S9778 

(BfcoFonto be( btt 
Kefd)6banf/£,efp2fg 

O^efttjflftogclt: 

8-13, I4-17.30 Ut)t 
öonnabenöo: 

8-13.30 Uljr 

ttlp^ig / 5en 

9.8.1939 



35ctdfft: 

Sehr geehrter Herr Doktor! 

Wir bestätigen dankend Ihre Karte an Herrn Kellner 
Tom 2* 7« und teilen Ihnen mit, daß wir heute It^ 
heiliegendem Durchschlag beim Propagandaainisterium er« 
innert haben* 



Wir hoffen, jetzt bald Bescheid zu bekommen« 



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Hochach tungsToll 



4 t i^i»4\ #«^k4U^' 




Anbei s 

1 Durchschlag 






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Of^i/^ (h)u^ /(^*^^oL at^ ^ftt^ ^ OiAaa^ca^ !?^- 
A^,' (J^ (A/^ ^iAl/Lxj /uit^ /rtui. dcx^ J^üu^iyJixAA^ 

AA- l^ ■SU\,lUytt^ Uuy^ Vi'-T dv^ hXU^ 6-tA 



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d^A^U^ ^ c lujc^^ ifi-cQ" C/H c ix^^u^ c\^ ^cn ^ 

J^ Mj^ djlfo C/) J'^ui/i.Ci^ (^Aa4. CU4vi Ua^v^ 



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Zumneuenjahr 

Gesundheit und Zufriedenheit 

wünschen von Herzen 

HEINRICH JOST UND FRAU 
Frankfurt am Main 



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HOFFNUNG 

Schaff, das Tagwerk meiner Hände, 
hohes ^lück, daß ich's vollende! 
Laß, laß mich nicht ermatten! 
Nein, es sind nicht leere Träume: 
jetzt nur Stangen, diese Bäume 
gehen einst noch Frucht und Schatten 

^oethe 



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Deuts olilaad 

HEINRICH JOST 
FRANKFURT AM MAIN W 13 
SOPHIENSTRASSE 10 .. 



l.k'VT''^ 



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HEINRICH JOST GRAPHIKER künstlerischer Leiter der bauerschen giesserei 



Herrn Dr. Slei^fried Gu^^nheia 
35-o5 Pasgoas BloA 
Fluihlng N.Y. 



«• 



Frankfurt am Main W 13 Sophianitraßa 10 
Pottiohaok Frankfurt (M) US890 
Talafon 



V, den 18.2,1948. 



Sehr i^eehrter Herr 0-u4:ffenheim, 

Ihre« Briefes vom 11.2. hätte et nicht bedurft, mich iaran zu erinnern, 
iaß Ihr freundliches Schreiben vom 17 »12.47 noch nicht beantwortet ist. 
Ich bin in Ihrer Ancele^enheit inzwischen nicht müßii; gewesen und habe 
mich um das Papier für Ihren Druck bemüht. Gleichzeitig mit Ihrem 
letzten Brief erhielt ich nun die Zusage und ein Muster von Armin 
Henker, der dieses Papier liefern will» Diesen Bescheid hätte ich 
Ihnen nun so wie so geseheia^ denn wir werden nun bald mit dem Satz 
be2:innen können. Es ist gut^ daß Sie mir einen Termin nennen . Zu 
Ihrem 75« Geburtstag- im Oktober hoffe ich bestimmt die kleine Auflaj^e 
des Buches ferti^atellen zu können. Ich weiß vorläufig nur noch nicht, 
wie wir die Herausfabe durchführen, denn wie Sie wissen, bedürfen 
alle Druckwerke zum Drucken einer Lizenz der Besatzun^sbehörde. Aber 
auch diese Schwier i|:keit wird sich überwinden lassen. 
Sobald ich Probe c^esetzt habe, lasse ich Ihnen diese zugehen, damit 



Ml I U I I W 



Sie einen Eindruck bekommen, wie sich der Druck auf dem schönen Papier 

von Renker ausnimmt. 

Für Ihren Hinweis auf das Buch von Karl Wolfskehl "An die Deutschen*» 

danke ich Ihnen. Meine Adresse ist rieht i|:, nur heißt die Strasse 

jetzt wieder Sophienstrasse* 

Ihr Brief vom 11. 2. traf am 16.2. schon hier ein, leider kann ich 

meinen Brief nicht auf demselben Wei:e schicken und er wird wohl 

längere Zeit brauchen, bis Sie ihn in Hiinden haben. Ich hoffe, daß 

er Sie bei bestem Wohlbefinden erreicht und verbleibe mit 

herzlichen Grüßen 

Ihr 



/lUMAd^ 




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Heinridh Jo^ 

FRANKFURT A. M. 

Sophienstraße lo 

Femsprecher 778 20 



/. Aa^ YJ9-S- 



i^J^Uc.'jSa^ ü^Hy' UiTn^ u^ A^ f- der %U , 

^^^^fm^o^i^ju^dd^ CO) a^c{^ u^^JU. 3ni. 

f^^^^rioCt4)^ (yU^^L^i^ l^^l^c^JaU^ t^^ 



'mmmmam 



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H^i^ka^ dcx/9 h^UA/vxc^i^ Scluic^ciul (jUi^otj 'nUl/^ ^t^ 

'^i^^^^M^i^^K^t^ (jolA id/^ 3ijrt ^ff^4i^uuv dl^^^y^i^ ^mt^ 

^^U^A^ ^i/> äod^<A, ZAA. (<dgi/}^ t^tyL hn^ ^it VtAA^Üd^ 

^r7hlvd)UiU^ iysA^d Pc/U^ i-cUd p^t^y^i^^^* h^ 
c<y^^^M^ Tcpvy^A^ k^^tyi^ cCouo 7a^U/ir vw^ ^U^ ^^t-^ 



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Myt'V^LCci) I CA^n^t/^ d^r^'(/0L1^ koiyi^i'%^ i'HA.ei^yt 'U*^^ "^ ^ > 
^^-^^i^j f'j VC Scv)A^ t v^-*^^ ■^n tt^^^yurt jU^-d. JCo'^ 






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i^^ . McU ^j^S 



JJeinrid) Jo^ 

FRANKFURT A. M 

Sophienstraße lo 

Femsprecher 778 20 



Cru cU'</i>(/r Wirtin c oU dfi^ Sc^c-ff- ^Viyx^kj%4/i - 

^C^ ^c/^YtoO jiyiyi't^^ut ^^tyvv^ OA^cf;; Ul^</f Uc^la. 



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^i'^^cU l;)U/r OC^iyux Ut^t , "hcTp^ ^U^ k^ U)t^ IpUf 

d(rt4\ , So^uiti. uh^x/rdo ^id] ^^ ^i^ih^^ ^ijiuyt^C 
Sdotdzu^ ! 

^o/^^ rt^H^(K^ li/f^ Sic Acvt^^K^ jyix^^^ ^ ^ 
vi^dljU^A, l)tAri;^Cidj (x^^ca^ T'^vV' s 




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LASS UNS ZUR RUHE GEHEN EWIGER, UNSER GOTT, 
zum Frieden und laß uns wieder aufstehen, unser König, izxim 
Leben. Breite über uns Die Hütte deines Friedens, stärke uns 
mit Deinem guten Rat und hilf uns um Deines Namens willen. 
Schirme uns und wehre von uns ab jeden Feind, Pest und 
Schwert, Hunger und Kümmernis.Wehre ab jeglichenWider= 
sacher vor uns und in unserem Rücken, birg uns im Schatten 
Deiner Flügel, denn unser allmächtiger ßehüter und Erretter 
bist Du, gnädig und barmherzig bist Du, allmächtiger Gott. 
Behüte unseren Ausgang und unseren Eingang zum Leben 
und zum Frieden von nun an bis in Ewigkeit. 

PREIS SEI DIR EWIGER AM TAGE, PREIS SEI DIR EWI= 
ger in der Nacht. Preis sei Dir ewiger wenn wir uns niederle= 
gen, Preis sei Dir wenn wir aufstehen. In Deiner Hand sind 
die Seelen der Lebenden und all der Gestorbenen. In Deiner 
Hand ist aller Lebenden Seele und allen Fleisches Geist. In 
Deine Hand befehle ich meinen Geist, du erlösest mich treuer 
Gott. Unser Gott im Himmel, laß Deinen Namen als den ein= 
Zigen erkannt werden, richte auf Dein Reich für immer und sei 
König über uns für immer und ewig. 



HERR ALLER WELTEN, NICHT AUF UNSER VERDIENST 
nahen wir Dir mit unferem Flehen, fondern einzig nur im Ver- 
trauen auf Deine große Barmhei^igkeit. Was find wir? Was ift 
unfer Leben? Was ift unfere Liebe? Was unferVerdienft?Was 
ift unfere Hilfe? Was unfere Kraft? Was ift unfere Stärke? Was 
können wir vor Dir fagen, ewiger, unfer Gott und Gott unferer 



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O HERR DER WELL DER KÖNIG SCHON WAR/ 

et) irgend ein Gesdjöpf ersdjaf[en ward l Als durd) seinen Willen 
das All entstanden war^ da wurde Yxönig er genannt. Und wenn 
in künßger Zeit das All verge\)t, audj dann wird er nodj König 
seiH/ er allein als der Erljabene, Er war^ er ist^ und er wird sein 
in Herrlidjkeit Er ist einzig^ und kein Zweiter ist^ der iljm zu 
vergleidjen oder iljm zuzugesellen wäre, Oljne Anfang ist er 
und ohne Ende^ sein ist die Madjt und Herrsdjaft. Er ist mein Gott 
und mein lebendiger Erlöser^ mein Hort und mein Teil in der 
Zeit der Not Er ist meine Ealjne und meine Zufludjt^ mein Keldj, 
50 oft id) zu itjm rufe. In seine Hand befehle id) meinen Geist, 
ob id) sdjlafe oder wadje. Und mit dem Geist aud) meinen leib^ 
ER ist mit mir^ idj fürdjte nidjts. 

MEIN GOTT, DIE SEELE, DIE DU MIR GEGEBEN 
Ijast, ist rein.Du Jjast siegesdjaffen^ Du jjast sie gebildet ^Du bast 
sie mir eingebaud)t^ Du bebütest sie in mir^ Du wirst sie einst 
von mir nebmen und sie mir wieder zurüd(.geben in künftiger 
Zeit. So lange die Seele in mir ist^ bringe id) Dir Dank dar^ DU 
mein Gottund Gott meinerVäter^ Meister aller Gesdjöpfe, Herr 
aller Seelen. Gepriesen seist DU, der die Seelen den toten Leibern 
wiedergibt. 

HERR ALLER NABELTEN! NICHT AUF UNSER VER- 
dienst bin legen wir unser Heben vor Didj Ijin sondern auf Dein 
großes Erbarmen bin. Was sind wir ? Was ist unserleben ? Was 
ist unsere liebe? Was unser Verdienst? Was ist unsereHilfe? 
Was unsere Kra/i? Was unsere Stärke? Was können wir vor 



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HEINRICH JOST GRAPHIKER künstlerischer Leiter der bauerschen giesserei 



Frankfurt «m Main W 13 Sophi«nstraBa 10 
Po*tsaheok Frankfurt (M) 148890 
Talafon 77680 



i#n 15.6.1948. 



H«rm Dr. Guggtnhtim 
35-o5 Paraons Blud 

Flushing NaY 



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Lieber H«rr Dr. Gxi^4:«nhtim, 

zl«mlick kurz hintere inanier erhielt loh Ihre beiden Briefe vom 
3oa5a und 9.6. 

Nur nicht »•verzwazzeln" , Ihr kleiner Druck wird fertig werden. 
Aber eine Korrektur des ganzen Textes können Sie natürlich vorher 
nicht bekommen. Wir lesen hier i:enau Korrektur» was ja ohne Gefahr 
möglich ist 9 da das Manuskript ja mit der Maschine c^schrieben ist. 
Ich werde persönlich die Korrektur lesen und die Verantwortung: dafür 
tragen. 

Die Probeseiten werden Sie inzwischen erhalten haben, sie entsprechen 
ja im wesentlichen dem altvn Entwurf von Herrn Kellner« nur daß es 
eine andere Schrift ist. 

Das Papier von Renker ist inzwischen auch eingetroffen, und wir werden 
schon ba^d mit dem Druck beginnen. Die Druckgenehmigung werde ich mir 
schon beschaffen, die Tatsache, daß Sie amerikanischer Bürger sind, 
hat damit nichts zu tun. Die fertigen Drucke werden natürlich geheftet, 
eine kleinere Anzahl auch gebunden. Das lasse ich bei luas im Hause 
machen oder bei einem hiesigen Buchbinder. Auch über diese Frage können 
Sie beri;ihlgt sein. Schicken können wir die fertigen Drucke dann in 
Zweikilo-Drucksachen. Auf jeden Fall werde ich sofort na£h Fertig- 
stellung eine Einkilo-Drucksache unter Einschreiben abschicken, da 
bis zu diesem Gewicht Einschreibe-Drucksachen zxigelassen sind. 
So denke ich, daß Sie bestimmt über einige Exemplare aus Anlaß Ihres 
75« Geburtstages verfügen können. 

Diesen Brief kann ich leider nur auf gewöhnlichem Postwege schicken. 
Per Luftpost ist es nur möglich, wenn Si(f mir von dort einen entsprech- 
enden Luftpost -G ut 3 diein schiken. Sie werden darüber sicher von den 
dortigm Pos t^ teil. eiTlmTerrlchtet werden können. 

Ueber die Frage der **AeppelwelApredigt" kann loh Ihnen noch nichts 
versprechen. Ich mttsste natürlich erst mal die Handschrift hier haben. 
Wenn Sie einen sicheren V/eg dafür wissen, schicken Sie sie mir bitte, 
sonst werde loh mich hier mal ait einem amerikanischen Bekannten in 
Verbindung setzen, ob er mir dabei helfen kann. 

Die Bestätigung der Paketsendung werden Sie inzwischen wohl erhalten 
haben, loh vergaß die Sehttelade zu erwähnen, die hier große. Freude 
ausgelöst hat. Nochmals herzlichsten Dank für alles! 



Mit den besten Grüßen 



Ihr 



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-nrenkfurt a.K. 1 13, den 24.e,l948 
«^ophisnstr. lo 



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Sehr £:eehrter Eavy Dr. Guggenheim, 



Ihr Brief vom 4«ß« ^ci sohon am 7«ß« in meinen !n*sitz. Die I/uftpost- 
scheine, die Sie mitschickten, sind die richtigen, mit ihrer Hilfe 
können v/ir Ihnen nvn auch pe"»^ Liiftpost schicken. Ich +-.-ae das gleich 
mit diesem Brief, damit Sie sehen, wie lange ein solcher Brief von 
uns --US unterwegs ist. Es wäre dann gvt, wenn Sie gelegentlich mehrere 
solcher Gutscheine schicken würden, damit var Ihnen sofort nach Fertig- 
stellung Ihres Büchleins eine Anzahl Exemplare per luftpost schicken 
lassen kennen. *=>i« sollen doch rechtzeitig zu Ihrem 75- Geburtstag im 
Oktober in den Besitz dieses Werkes kommen, '^ann ist eigentlich der 
'Tag Ihres G'?burtstages im Oktober? Ich wurde von anderer Seite darnach 
gefragt . 

"^ir sind jetzt fest dabei, das Gebetbuch zu drucken. Es hat ItJigcre 
Zeit mit dem Satz gedauert, v/eil wir die Schrift von Berthold Wolpe 
erst gießen lassen mussten. Es ist bei einer Schriftgießerei so, daß 
sie nicht immer alle Schriften gleich setzbereit im Kasten liegen haben. 
So nim wünsche ich Ihnen schnellsten Empfang dieses Briefes und verbleibe 

mit harzlichen Grüßen 
Ihr 



!^U^VU^ J^^y^r — ' 



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BAr'::HSCEE gie?ssr:]:i 



Fr. I>r, S. Guggenheim 

? 1 r s b 1 n g r>T. 




Frankfurt a.!.%,aen 4.1o.19i6. 
Hamburger Allee 45 -^ 






^ebr geehrte-T' tto r-r Dr. Guggenheim, * 

leider müssen wir Thnon die t-r',«ur'l>;e T'itteilung machen, daß Herr Jost 

vor vrenigen Tagen seinem schweren leiden erlegen ist. Die Trankheit, von 

der im vergan^r^nen. Jahr vergeblich in der Schweiz Heilung gesucht hatte, 

stellte sieb schon -O"^ drei Jahren, kurz nach seiner Rückkehr aus der 

Kriegsgef'ingensohaf t ein. Offenbar war sein Körper der Härte des lagerlebens 

nicht gewachsejjLjund so haben v.-lr unseren verehrten Mitarbeiter als eines 

der vielen Opfer d«=^- -f^urchtbaren Trieges zu betrauern. - 

Auf Ihr Schreiben voni. 2^, 9« kennen wir Ihnen mitteilen, d?.ß die von Ihnen 

angegebenen Eorrekturen ausgeführt ¥/erden, und daß wir an H errn Gunth ar dt wegeJ 

des Druck vermerke ? und der sonst noch offenen Fragen geschrieben haben. 

Für Thr^ '^ignet hat ims Herr Ka rl Voll mer eine neu« Zeichnung geliefert. 

Die Frage ^.^t Drvo^^^'^r^ehpl^^rung hat sich inzwischen ebenfalls erledigt, da 

wir seit kurzem auf .eigene Verantwortung jeden beliebigen Text drucken dürfen. 

"^ir hoffen also die Sache in Hürze zw einem guten Y^ri^^ führen zu. können. 

Es tut uns sehr leid, daß es nicht möglich war, den Druck rechtzeitig zu 

Ihrem 75« Geburtstag fertig zu stellen, ^^ber wir möchten nicht unterlassen 

Ihnen zu diesem Tage unser« allerherzl ichsten Glück- und Segenswünsche auszu- 

Sprechen. Herr Georg Har^mann dankt verbindlichst für die freurdlichen Grüße 

Ihrer Frau S^hv/Lgerin und Icßt sich Ihnen selbst empfehlen. 




ügl icher Eoci^Äc 










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Trankfurt a.X.,dan 21.12.1948. 

Herrn Dr. Siegfried Guggenheim 
J5^5 Pmaeens Blvd, 
yiuehing W>T> 

Sehr geehrter Herr Dr. Ouggenheia, - 

«u Ihrer Beruhigung können wir Ihnen »itteilen, daB «Die Gebete 
,£■»•1»? »i<*J-« JDruok :fei?findwu ohwohlJLerr Qünthart immr- no«h-~ 
Mf»«'^#^Tioh1s, gi^^ Sie erhalten in der AUa«e« einen 

4?*j;4 .*^^^^*'^ KorrektÄn nehr angdhraoht werden können, 

^weil. die Arbeit schon au weit vorgeschritten ist. 

g*jf unsere Anfrage will Herr Rihker nun auch einen Karton für den 

l^h^fÄ^lag aur Verfügung stellen. 

S^lil!L5*"? ^^^^■!'' «••ei(toete Signet ist mit Ihrem Hamen als 
^^SllJ***?*^ ^ Druckvermerk Verwendet worden. Die Adresse von 
-.9Ji^ Völliger istt Herrn Karl.Jrolliar, Awohaffenburg. Würaburger- 
*"^*!!^Sr 153. Er ist nicht in,.*MpereÄ Sause tätig, sondern frei- 
^.^|h^fender^^ün8tler und koiwrt nur |elegentlich zu Besuch hierher. 

.t!»rf%oldat, der Ihnen die B^mplare|4tnehmen könnte, ist uns bis 
jrtvt nicht bek^umt. ,. *^ 

»oh_Toraioh1ii«5 K*lkulatl<j4to*la,tf4 aioh dl« loatan otana daa 
▼i»n-flartn B^ar gaetlfteta #piar »yiT rund DM 22oo.- für Satm, 
Djuok und BWJhl)li(id«Mi. ^s ^ahan of ^5 Bxamplara zur Yarfügun«. 

?ür Ihra Wailna^taiihttauiohe dan4 wll |hnan ttaatana. 

V^V""^ J*hra^üna<4i^ wiatjhftan Mok und Oaaundhait und 
oegrufien Sie -^ >^« ^mr • • 






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^r«üglicher Hochachtung 



''••te^^J^«^ ««ht separat 
rD Wtef Drucksache 



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Stit*n zutammtnfalfrtn, d«n unteren Teil d«t Bri«f«t 
heditdilog^n und mit der Klopp« verschließen 



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Herrn 

Theo Gerlsch 
Iirankfurt a/M> 
Kaisorstr .30 



ne üfleßi 



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SCHRIFTGIESSEREI • MESSINGLINIENFABRIK • CHEMIGRAPHIE 



Telefon Sammelnummer 70241 

Postscheckkonto 
Frankfurt am Main Nr. 126 

Landeszentralbank 

Frankfort a.M. Girokonto Nr. 4 81 



Telegrammadresse 
giessbauer frankfurtmain 

Bahnstation 
Frankfurt (Main) 
Hauptgüterbahnhof 



Ihr Zeichen 



Ihre Nachricht vom 



Unsere Nachricht vom 



Unser Zeichen 



Ko/D 



FRANKFURT A.M. W13 

Hamburger Allee 45 

9.Mai 1949 



Leu UDS im Auftrag des 
TOD DM 5C.>~ erl^uban 
keine Möglichkeit best 
zum Versand zu bringen 
ein Versand in das Aus 
und nach IiJrhaSt d«r Au 
Herrn Güntheri-Mesg, d 
gesetzt, jedoch ist de 
nicht eingetroffen. So 
ferungen unsererseits 



Einsch reiben. 



Herrn Leo Bloch bez^ .Dr. S.Guggenheim übersandten Batrai 
wir uns Ihnen anbei wieder zurückzuschicken, da zur Zeit 
eht, die für Herrn Dr .Guggenheim hergestellte Broschüre 
. if^'ir haben Herrn Dr .Gugpenheirc bereits mitgeteilt, dass 
land nur nach einer V?»rstärdigung über die Zahlungsfrage 
sfuhrgenehmigunf möglich ist. Ebenso haben wir uns mit 
er sich gleichfalls In der oa^he bemüht, in Verbindung 

er letztes Schreiben vom ll.lvl&rz noch 
g^/rage nicht geklärt ist, können Die- 
rden« 

Hochach tun gsvo 

Bauersdie 



ssen Bescheid auf u 

lange die Zahlun 
nicht vorgenommen 




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BAUERSCHE GIESSEREI 



ftrnruf : S«iiimflnMfiiiiifr 703« 

Bankkonto . Candtszrntralbank Trankfurt a M. {Girokonto Tir. *lHU 

Ttltgramm Jdrtiit . 0itssbamtt frankjurtmain 

Bahnstation ■. Frankfurt (Main) Jiauptgüttrbabnboj 



SCHRIFTCIESSEREI • CHEMIGRAPHISCHE KUNSTANSTALT • MESSINGLINIENFABRIK 

FRANKFURT A.M.W13 

'Hambur^tT Atlet <5 



19.M8i 1949 



Herrn 

Dr.S.Gui[^f?enh«im 
Fluahlng N,y, 
35-05 ?ar80B8 3lTdl . 



3«T!r «geehrter H«rr Dr.CrU^psnhe im ! 



Auf Ihren Brief vom 29.kRri h»b«n wir bia heate noch nicht geantwortet, 
de wir weder über die Zahlungaf rage der für c^ie p^eiruckten Broa^hüre, 
noch wegen der VeraandmSgllchkeit Klarheit achaffen konnten, 

Waa die Bezahlung anbetrifft, «o acheint e» nach allem, «aa wir ¥i« 
Jetzt fehc5rt haben, weder für Sie, noch für Ihren Bekanntenkreie 
mCglich 2u aeiö, die Aualagen aufzubringen. Herr Joat, der seinerzeit 
über den I^ruck der Broa'-hüre mit Ihnen korreapondiert hatte, hat iie 
Zahlungefrage mit Ihnen anscheinend nie geregelt; Jedenfalls gebt 
nichts ataa den wenigen Korreapondenzen, die wir darüber in Händen haben, 
bervor. Wir wiesen nur, desa Herr Armin Renker in Zerkall das Papier 
für den Druck gestiftet hat,» 

Um die Spche endgültig zu bereinigen, hr.ben wir una e-ntschlossen, die 
Sstz-und DrucVkoaten zu übernehmen, aodsss Ihnen für die Herateilung 
der BroanhüreDkeine Kosten entstehen. 

Eine Frage, die uns aber viel Kopfzerbrechen ve^uraöcht, iat, in welcher 
ifVeise wir den Versand vornehmen können. Ihren Vorschlsg, Ihnen alle 
14 Tan?e ein PSckchen mit 5 Bros':*hüren zu übersenden, halten wir nicht 
für gangbar, denn ea würde eine Ewigkeit dauern, bia Sie in den Beaitz 
der Auflage kommen würden, üls würde such für una eine enorme Bel^atun^ 
bedeuten. #ir fragen deahalb heute bei Ihnen an, ob oie una nicht 
eine Firma od^r eine Persönlichkeit hier in Deutachland nennen können, 
der wir die ganze Auflage übergeben können, damit Sie über die 
Broachüren sc verfilgen k!5nnen, wie ;iie es für richtig hsltea. uns ist 
dsran gelegen, dsss dl« 5sch« für uns nunmehr endlich zum Abschluss 
kommt« 

Wir sehen Ihrer freundlichen Büci^ftä^serung entgegen und zeichnen 

ohsohtungsT Oll^ ^ 




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AUS DEN GEBETEN ISRAELS 



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DEM ANDENKEN 



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AN MEINEN FREUND UND LEHRER 



DPi. MAX DIENEMANN 



RABBINER IN OFFENBACH A-M 1920-1939 



GEWIDMET VON 



SIEGFRIED GUGGENHEIM 



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,/NICHT DAS LEKNEN IST DIE HALiPTSACHE 
sondern die Tat^^^ lautet ein Satz der jüdisdjen Sittenleljre. 
Er setzt als selbstverständlidi voraus^ daß im Mensdjen ein 
stetes lernbedürfnis ist und daß er iljm gehordity daß ein 
redjter Mensd) nidjt in seinem Alltag und seinem Beruf 
aufgeljt^ sondern sidj in Verbindung hält mit allem^ was 
Vergangenheit aus Urväter Weisljeit als Erbgut aufgesam- 
melt und was die eigene Zeit an sdjöpferisdjen und frudjt- 
bare/) Gedanken geboren Ijat^ und fordert dann darüber 
IjinauSy daß man nid)t beim lernen und Betrad)ten stehen 
bleibey sondern zur Tat sdjreite. 

hAIiblNEft MAX DIENEMANN 



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ICH ANGELOBE DICH MIR AUF IMMER/ ICH 
angelobe Didj mir dura] Geredjtigkeit und durdj Redjt 
und dura] Liehe und durdj Erbarmen, Und idj angelobe 
Did) mir durd] Treue und Du wirst j^n erkennen. 



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O HERR DER WELT^ DER KÖNIG SCHON WAR/ 
efj irgend ein Gesdjöpf ersdjaffen wardl Als durdj seinen 
Willen das All entstanden war^ da wurde l\önig er genannt. 
Und wenn in künfiiger Zeit das All vergebt^ audj dann wird 
er nod) hönig sein^ er allein als der Erbabene, Er war^ er 
isty und er wird sein in hierrlidjkeit. Er ist einzig^ und kein 
Zweiter ist^ der ibm zu vergleidjen oder ibm zuzugesellen 
wäre. Obne Anfang ist er und oljne Ende/ sein ist die Madjt 
und Herrsdjafi. Er ist mein Gott und mein lebendiger Erlöser^ 
mein Hort und mein Teil in der Zeit der Not. Er ist meine 
Fabne und meine Zufludjt^ mein held)^ so oft id) zu ibm 
rufe. In seine Hand befeble id) meinen Geisty ob id) sd)lafe 
oder wad)e. Und mit dem Geist aud) meinen Leib/ Ej ist 
mit miry id) fürd)te nid)ts. 



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MEIN GOTT/ DIE SEELE/ DIE DU MIR GEGEBEN 
Ijast/ ist rein. Du bast sie gesd)affeny Du bast sie gebildet^ 
Du bast sie mir eingebaud)ty Du bebütest sie in mir^ Du 
wirst sie einst von mir nebmen und sie mir wieder zurüd^,- 



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f/eben in künniger Zeit. So lange die Seele in mir ist, bringe 
id) Dir Dank dar, D^mein Gott und Gott meiner Väter, 
Meister aller Gesd)öpfe, Herr aller Seelen. Gepriesen seist 
D]/, der die Seelen den toten Leibern wiedergibt. 

HERR ALLER WELTEN! NICHT AUF UNSER 
Verdienst l)in legen wir unser Fleben vor Didj bin, sondern 
auf Dein großes Erbarmen bin. Was sind wir? Was ist unser 
Leben? Was ist unsere Liebe? Was unser Verdienst? Was 
ist unsere Hilfe? Was unsere Krafi? Was unsere Stärke? 
Was können wir vor Dir sagen, Du^unser Gott und Gott 
unserer Väter? Wabrlid) vor Dir sind alle Starken wie 
nidits, und die Männer rubmreidjen Namens sind vor Dir, 
als wären sie nie gewesen, und Weise sind vor Dir, als 
bätten sie kein Wissen, und Verständige sind vor Dir, als 
bätten sie keinen Verstand. Denn ibrer Taten Fülle ist leer 
vor Dir, und ibres Lebens Tage sind eitel vor Dir, und des 
Mensdjen Vorzug vor dem Tiere ist nidjts, denn alles ist 
vergänglid). 

GFPKIESEN SEIST DU UNSER GOTT,l^öNlG DER 
Weit, der das Lid)t bildet und Finsternis schafft, der Frieden 
wirkt und alles sd)afft,- der Lid)t gibt der Erde und allen, die 
auf ibr wobnen in Barmherzigkeit, in seiner Güte an jedem 



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Tage das S&jöpfungswerk erneuert. Wie groß sind Deine 
Werke/ ßU/ sie alle Ijast Du in Weis/jeit gewirkt^ voll ist 
die Erde von Deinen Gesdjöpfen. 

MITGROSSER LIEBh HAST DU liNS GELIEBT DU 
unser Gotty mit großem und immer größerem Erbarmen Ijast 
Du Did) über uns erbarmt. Unser Vater, unser König! 
wegen unserer Väter , die auf Did) vertrauten und die Du 
lehrtest die Satzungen des Lebens, sei so aud) uns gnädig 
und lebre uns. Unser Vater, erbarmender Vater, Barmijer* 
ziger, erbarme Did) über uns und gib in unser herz ein=- 
zuseben, zu erkennen und zu versteben, zu lernen und zu 
lebren, zu bewaljren, zu befolgen und zu bewäljren alle 
Worte des Forsd)ens in Deiner Le/jre in Liebe. Er belle unsere 
Augen durd) Deine Lebre, und /je/te unser Herz cin Deine 
Gebote, und eine unser Herz zu lieben und zu fürdjten 
Deinen Namen, daß wir nidjt besd)ämt werden für Weit- 
Zeit und Ewigkeit. Denn auf Deinen beiligen Namen, den ' 
großen und furdjtbaren, vertrauen wir, wir froblod^en und 
freuen uns mit Deiner Hilfe, bringe uns zum Frieden aus 
den vier Enden der Erde, und fübre uns aufred)t in unser 
Land. Denn ein Gott, der Hilfen wirkt, bist Du, und uns 
bast Du erwäblt von allen Völkern und Zungen/ und Du 
\)ast uns nabe gebradjt Deinem großen Namen Sela in 






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Treue, daß wir Dir danken und Did) einen in liebe. Gelobt 
seist D^/ der sein Vo/k Israel in liebe erwäijlt. 

HÖRE ISRAEL ER IST UNSER GOTT, ER IST 
einzig. Und du sollst lieben UjTi deinen Gott mit deinem 
ganzen Herzen^ mit deiner ganzen Seele und mit all deiner 
hrafi. Und diese Worte/ die idj dir beute gebiete^ sollen in 
deinem Herzen leben. Präge sie ein deinen Kindern^ und 
spridj von ibnen, wenn du in deinem Haus sitzest, wenn 
du auf dem Wege gebest, wenn du did) niederlegst, und 
wenn du wieder aufstebst. Binde sie zum Zeidjen an deine 
Hand, und sie sollen sein ein Stirnband zwisdjen deinen 
Augen. Sd)reibe sie an die Pfosten deines Hauses und an 
deine Tore. 



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DU BIST MACHTIG IN WELTZEIT DU,- DU 
rufst die Toten wieder ins leben. Du bist der stärkste Helfer. 
Du erbaut die lebenden in Gnade, Du erweckst zum leben 
die Toten in großer Barmljerzigkeit, Du stützest Fallende, 
beilest Kranke, lösest Gefesselte und bältst die Treue denen, 
die in der Erde sd)lafen. Wer ist wie Du, Herr der Stärke, 
und wer gleidjet Dir, hönig der Du Tod sd)i(kst und wieder 
zum leben erweikstund Heil sprießen lassest. Du basts 
verbeißen und wir vertrauen Dir, daß Du die Toten zum 

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leben rufst/ gepriesen seist DU, der die Toten zum leben ruft. U/ 

Du bist beilig/ und Dein Name ist beilig/ und wer sid) beilig - 

madjen will, preist Didj täglid). Gepriesen seist D^(^ beiliger ^ 
Gott. 



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DU BEGNADEST den menschen Ml'l t\\- 
kennen und lebrst den Sterblid)en Einsidjt/ begnade aud] uns 
mit Erkennen, mit Einsidjt und Verstand. Gepriesen seist 
Dil, der mit Erkennen begnadet. 



FÜHRE UNS ZU AÖCh UNSER VATER ZU 
Deiner lebre, und bringe uns nabe unser l^önig Deinem 
Dienste/ laß uns zu Dir zurückßnden in völliger Umkebr. 
(^ Gepriesen seist Di^ der Woblgefallen bat an der Umkebr. 

VERGIB UNS UNSER VATER, WENN W/R 
gesündigt baben, verzeib unS/ unser König/ wenn wir ab- 
trünnig wurden^ denn im Vergeben und Verzeiben tust Du 
/.( Did) kund. Gepriesen seist Dj/, der gnädig viel verzeibt. 



SCHAU AUF UNSER ELEND, UND STR-^fTE 
unstren Streit/ erlöse uns bald um Deines Namens willen/ 
^ denn ein starker Erlöser bist Du. Gepriesen seist D^Erlöser 
Israels. 



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SENDE UNS HEILUNGiDU, DANN SIND W/l\ 
geljeilt^ hilf ans^ dann ist uns geljolfen^ denn Du bist unser 
ViUljm. laß vollkommene Heilung blühen für alle unserd 
Wunden^ denn Du in Deiner göttüdjen Allmadjt bist der 
verläßlidje und barmherzige Spender der Heilung. Gepriesen 

fi seist Djd; der die Wranken b^ilt. 

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SEGNE DV UNSER QOTT DIESES JAHR UND 
was immer in iljm wädjst^ sdjütte Tau und Regen zum Segen 
über den Acker aus^ sättige uns von Deinem Gute^ segne 
dieses Jaljr^ daß es gleid) werde den guten Jaljren. Gepriesen 
C\ seist D]i, der die ]aljre segnet 

Wm BEHENNEN VOR DIR, DASS DU UNSER 
Gott und Gott unserer Väter bist in We/t-Ze/t und Ewig^ 
keit/ Hort unseres Lebens^ Sdjild unseres Heils bist Du von 
Gesdjledjt zu Gesdjledjt. Wir danken Dir und verkünden 
Deinen Ru/jm für unser Leben/ das in Deine Hand gegeben 
isty und für unsere Seelen^ die in Deiner Obbut steljen^ und 
für Deine Wunder^ die Du jeden Tag an uns tust^ und für 
Deine unvergleidjlidjen Guttaten zu jeglidjer Zeit des 
AbendSy des Morgens und des Mittags/ Allgütiger^ 
unendlid) ist Dein Erbarmen^ Barmherziger^ nie bort auf 
deine liebe^ in Welt-Zeit boffen wir auf Did). Für alles sei 

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gepriesen und erljöljt Dein Name unser König allezeit für 
ewig/ alle lebenden danken Dir und rüljmen in Treue 
Deinen Namen^ Gott unserer Hilfe und unseres Beistandes, 
Gepriesen seist Du/ Allgütiger ist Dein Name^ und Dir zu 
danken ist sdjön. 



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ER SEGNE DICH UND BEHÜTE DICH! 
E/ lasse sein Antlitz Dir leudjten und sei Dir gnädigl 
Er Wende sein Antlitz Dir zu und stifte Dir Frieden! 

MEIN GOTT/ BEWAHRE ME/NE ZUNGE VOR 
Bösem und meine Upipen, daß sie nidjt Trug reden. Denen, 
die mir fludjen möge meine Seele still sein. Und gleidj als 
wäre sie Staub, sei sie demütig vor allen, öffne mein Herz, 
durd) Deine lel)re, und Deinen Geboten treibe meine Seele 
nad). Allen, die böses sinnen wider mid), zerstöre Du il)ren 
JKat, und vereitele il)r Planen. 



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VOR DEM GENUSS VON BROT; 

Gepriesen seist D^ unser Gott König der Welt, der Brot dus 

der Erde wfldjsen lä^t. 



VOR DEM GENUSS VON WE/N; 
/t Gepriesen seist D^ unser Gott König der Welt, der die 
fruäjt des V7einsto(kes ersdjafft. 

VOR DEM GENUSS VON BAUMFRUCHTEN: 
A Gepriesen seist Df^ unser Gott hönig der Welt, der die Frudjt 
der Bäume ersd}af[t. 



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BEIM ANBLICH BLÜHENDER BÄUME: 
Gepriesen seist E^ unser Gott hönig der Welt/ der in seiner 
Welt nidjts \}at fehlen lassen und in iljr sdjöne Mume qe- 
sdjaffen Ijat^ um mit iJjnen den Mensdjen Freude zu madjen. 






BEI DER BEGEGNUNG MIT WEISEN; 
Gepriesen sexst \)\^ unser Gott König der Welt, der von 
seiner Weisljeit sterblidjen Mensdjen mitgeteilt Ijat. 



BEI DER BEGEGNUNG MIT EINEM FÜRSTEN 
^ Gepriesen seist üd unser Gott König der Welt, der von 
seiner Herrlid)keit sterblidjen Mensdjen mitgeteilt \]at, 

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GEPRIESEN SUSI D^ UNSER GOTT KÖNIG 
&ZX \Nz\i^ der Du die ganze Welt speisest in Güte, in HuW, 
in liebe und Erbarmen. Du gibst Brot allen Gesäjöpfen^ 
denn ewig wäljrt Deine liebe. In Deiner großen Güte l)ast 
Du es uns nie fel)len lassen und wirst Du es uns nie fehlen 
lassen an Speise um Deines großen Namens willen^ denn 
Du näbrest und versorgest alle und erweisest allen Gutes 
und bereitest Naljrung allen Gesdjöpfen/ die Du erschaffen 
hast. Gepriesen seist Du, der alle speist. 



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UNSER GOTT, UNSER VATER, FÜHRE UNS, 
spe/se unS/ versorge uns^ erljalte uns und gib uns Weite, 
laß uns Dil unser Gott bald von allem^ was uns einenget^ 
ins Weite gelangen, laß uns dod) Da unser Gott nid)t 
nötig b^iben ein Gesdjenk aus Mensdjenband oder ein leben 
sondern nur Deine Hand^ die volle^ die geöffnete^ die b^iUge^ 
die weite/ damit wir in Welt-Zeit und b^igkeit nid)t 
besdjämt und nidjt 7,u sdjanden werden. 



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LASS UNS ZUR RUHE GEHEN DU UNSER GOTT 
mm Frieden, und laß uns wieder aufsteljen unser König 
zum leben. Breite über uns die Hütte Deines Friedens, 
stärlze uns mit Deinem guten J\ate, und bUf uns um Deines 
Namens willen. Sdjirme uns und webre von uns ab jeden 
Feind, Pest und Sdjwert, Fiunger und Mmmernis. Webre 
ab jeglidien Wiedersadjer vor uns und in unserem Mdzen, 
birg uns im Sdjatten Deiner Flügel, denn unser allmäd)tiger 
Bebüter und Erretter bist Du, gnädig und barmberiig bist 
Du allmädjtiger hönig. Bebüte unseren Ausgang und 
unseren Eingang zum leben und zum Frieden von nun an 
bis in We/t-Ze/t. 



PREIS SEI D/R AM TAGE, PRE/S SEI D/R /N DER 
'Nadjt,- Preis sei Djj^ wenn wir uns niederlegen, Preis sei 
■D/^ wenn wir aufsteben. In Deiner Hand sind die Seelen 
der lebenden und der Gestorbenen,- in Deiner Hand ist aller 
lebenden Seele und allen Fleisdjes Geist. In Deine Hand 
befeble idj meinen Geist, Du erlösest mid) treuer Gott. 
Unser Gott im Himmel, laß Deinen Namen als den Ein^ 
zigen erkannt werden, ridjte auf dein Keid) für immer und 
sei hönig über uns für Welt^Zeit und Ewigkeit. 



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PMISET IHR GL;-\U[MGEN DEN HORT/ VON 
dessen Gabe wir gespeist tjaberi/ satt sind wir geworden 
und ijaben nod] übrig gelassen^ wie Er verbeißen b^.n. 

Eh SPEIST SEINE WELT, UNSER HIWT, UNSER 
Vater: von seinem Brote aßen wir, von seinem Weine tranken 
wir, darum preisen wir dankend seinem Namen und rübmen 
ibn laut, wir sagen und singen: Niemand ist /je/I/g wie E^ 

J^RES^ET IHR GLAUBIGEN DEN HORT/ VON 
dessen Gabe wir gespeist baben; satt sind wir geworden 
und bciben nod) übrig gelassen, wie Ekyerbeißen /jat. 

DANKERFÜLLT PREISEN WIR GOTT IM GE- 
sang für das liebwerte Land, das er den Vätern gesdjenkt, 
mit Speise und Zebrung bcit er uns gesättigt, groß ist über 
uns Seine liebe und Treue. 



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PREISET IHR GLAUBIGEN DEN HORT VON 
dessen Gabe wir gespeist b(^ben/ satt sind wir geworden 
J und baben nod) übrig gelassen, wie E^verbeißen bat. 

ERBARME DICH IN DEINER GNADE ÜBER 
unser Volk Du unser Hort, über Zion, den Tbron Deiner 



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Ijerrlidjen Gegenwart unseren straljlenden Tempel/ Dein 
Knedjt der Davidsproßjer komme und erlöse uns^ unserer 
Seele Erquitkung Seifi Gesalbter. 

PREISET IHR GLÄUBIGEN DEN HORT/ VON 
dessen Gabe wir gespeist baben/ satt sind wir geworden 
und baben nod) übrig gelassen^ wiej^r verbeißen bat, 

ERBAUE WIEDER DEN TEMPEL/ UND MACHE 
Zion volkreid)/ dort wollen wir Dir singen ein neues Lied 
und im ]ubelruf unsere Seele erbeben/ der Barmberzige^ er 
sei gebeiligt/ gepriesen und erböbt über dem bedjer^ der voll 
Wein Ist/ wie ßein Segen voll ist. 

PREISET IHR GLAUBIGEN DEN HORT/ VON 
dessen Gabe wir gespeist b^ben/ satt sind wir geworden 
und bciben nod) übrig gelassen^ wie ^verbeißen Ijat. 



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ALLER LEBENDEN ATEM PREISE IMMERDAR 
Deinen Namen DU unser Gott und König/ von Welt-Ze/t 
zu Welt^Zeit bist Du mädjtig^ und außer Dir baben wir 
keinen König/ der wie Du erlöset und bilft/ befreit und 
errettet^ versorgt und sid) erbarmt/ in jeglidjer Not baben 
wir keinen König außer Dir. Du bist der Gott derer ^ die vor 

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uns wareriy und derer die nad) uns sein werden^ der Gott 
aller Gesäjöpfe^ der Herr aller Gesdjledjter^ die Vielfalt 
der Lobpreisung verljerrlidjt Didj^ Du leitest Deine Welt in 
liebe und Deine Gesdjöpfe in Barmljerzigkeit, Dil sdjläfst 
und sdjlummerst nidjt^ Sdjlafende mad]st Du wad)^ Sdjlum^ 
mernde erweckst DU/ Stumme mad)st Du reden^ Gefesselte 
lösest Du/ Fallende stüiltzest DU/ Gebeugte ridjtest Du auf^ 
Dir allein danken wir. Aber wäre aud] unser Mund des 
Liedes voll wie das Meer voller Wellen^ und wären unsere 
Lippen so voll des Preisens wie der Himmel weit ist^ und 
wenn aud) unsere Augen leudjteten wie Sonne und Mond/ 
und unsere Hände ausgebreitet wären wie Adler ^ die am 
Himmel fliegen^ und unsere Füße leidjt Einsprängen wie die 
der Hindinnen^ es reidjte dodj nidjt aus^Dir unser Gott und 
Gott unserer Väter zu danken und Deinen Namen zu prei^ 
sen für ein einziges Mal von den tausend tausend Jausenden 
Malen; da Du unseren Vätern und uns Gutes getan hast. 
Aus Ägypten b^st Du uns erlöst^ aus dem Hause der 
Unedjtsdjafi b^st Du uns befreit/ im Hunger speisest Du 
unS/ im Sattsein erljältst Du uns^ wenn Sdjwert oder Seudje 
uns bedroben^ bist Du es^ der in; rettet^ aus bösen und 
langwierigen Yxrankbeiten b^bst Du uns empor. Bis bi^rber 
bat Deine Barmberzigkeit uns beigestanden und Deine Liebe 
uns nid)t verlassen^ Du wirst uns aud) in Zukunft n\d)t 

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verstoßen. Darum preisen und verljerrlldjen D3inen N^m?n 
alle Glieder^ die Du in uns gefügt und die Seele^ die Da uns 
eingeljaudjty und die Zunge^ die Du in unserem Munde ge- 
bildet hast. ]eder Mund muß Dir danken^ jede Zunge bei 
Dir sdjwören^ jedes Kn/e sidj vor Dir beugen^ und jeder 
nod] so bod] Gewadjsene sid] vor Didj binwerfen. Jedes 
Herz muß Ebrfurdjt fjaben vor D/V/ und des Mensdjen gan-- 
les Innere muß Deinen Namen lobsingen^ so b^ißt es audj 
in der b^iUgen Sdjrift: Alle meine Gebeine spredjen^ DÜwer 
ist wie Du? Du rettest den Armen vor dem^ der stärker ist 
als er/ und den Dürftigen vor dem^ der ibn berauben will/ 
wer ist Dir gleid)^ wer kann sid) mit Dir messen^ großer 
starker erljabener Gott^ bödjstes Wesen/ der Himmel und 
Erde ersdjaffen bätl Wir wollen Deinen Ijeiligen Namen 
preisen und rübmen^ wie David sang: Preise meine Seele j^fiy 
und was in mir ist seinen beiligen Namen. 



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VOf\BETEf\: WIR WOLLEN IN EHRFURCHT 
von Deiner Heiligkeit künden mit dem geljeimnisv ollen Ruf 
der Ijeiligen Serafim^ die in Heiligkeit Deines Namens Hei^ 
ligung künden^ wie es gesdjrieben ist durd) die Hand Deiner 
Propljeten: einer ruft dem anderen zu und spridjt: 



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GEMEINDE; HEILIG/HEILIG^ HEILIG IST ER 
der ömsdjarte^ so weit wie die Erde reidjt seine Ijerrlidje 
Gegenwart. 

VORBETER: SEINER H ERRLICHEN GEGEN^ 
wart ist voll die Welt /seine Diener fragen einer den anderen: 
wo ist der Ort seiner Ijerrlidjen Gegenwart? Sie alle zugleidj 
spredjen: Gesegnet^ 

GEMEINDE: GESEGNET SEINE HERRLICHE GE^ 
genwart von seinem Räume aus. 

V^ORBETER: VON SEINEM RÄUME WENDET 
er sid) in Erbarmen und spendet Gnade dem Volk/ das 
seinen Namen als den Einzigen bekennt/ abends und morgens^ 
zweimal an jedem Tage spridjt es in liebe das: Höre/ 

GEMEINDE: HÖRE ISRAEL/ ER IST UNSER 
Gott/ Efc/st einzig. 



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VOPiMTEh: EINZIG IST £I\/ ER IST UNSER 
Gotty er ist unser Vater^ er ist unser König^ er ist unser 
Helfer, Er wird in seiner Barmherzigkeit uns ein zweites 
Mal erlösen und uns die Botsdjaft senden vor aller Leben- 
den Augen: sielje id) erlöse eud) in Zukunft wie einst am 
Anfang^ um eud) Gott zu sein. 

GEMEINDE: ICH BIN EUER GOTT. 

VORßETER; IN DEINEN HEILIGEN WOPJEN 
steljt ferner gesdjrieben: 

GEMEINDE; KÖNIG WIRD ER SEIN FÜR 
immer/ Dein Gott o Zion von Gesdjledjt m Gesdjierfjt 
\)a\lelüja\). 



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HERR/ WENN ES GENAU NACH RECHT GINGE 
und jegiidjer Tat Erforsdjung durdjsudjt würde^ kein 
Mensd] könnte vor Dir als bewäljrt gelten. Selbst den binviw 
lisdjen Sdjaren /je/test Du Makel an^ an Deinen Boten 
findest Du Sünden^ wie erst am Mensdjen^ der Unredn 
trinkt wie Wasser, Verdienst und Geredjtigkeit ist nidn in 
uns^ in Sünde und Frevel sind wir alle /Allgütig er ^ gel] nidn 
ins Geridjt mit unsl Möge Dein Herz bewegt sein für uns^ 
in der Fülle Deines Erbarmens wende Did) uns zu^ verfahre 
nidjt mit uns nad) der Bosheit unseres Tuns! Unserer Ver^ 
feblungen sind so viele^ daß man sie nidjt zählen könnte^ 
Opfer sli:d nld]t möglidjy daß man durd) sie Vergebung 
finden könnte, Nidn auf unser Verdienst stützen wir uns^ 
befled^t wie wir sind von Abfall und Sünde^ Kedjtfertigung 
zu finden für unSy die wir unser Fleljen vor Did) bringen, 
lege nidjt die Meßsdjnur an unseren Wandel^ unser Ende 
ist ja dod] die Made und der Wurm^ nid]tig und eitel sind 
unsere ]a\]re. Habe Mitleid mit uns und wende D/dj ab von 
dem verbängten Bösen^ dies ist ja Dein Weg^ Did) obne des 
Mensd)en Verdienst seiner zu erbarmen^ erbarme Did) un^ 
ser in Deiner großen Barmberzigkeitl Einst bcist Du Mose 
Deine Wege kundgetan zur Weisung^ Du \)ast i\)m kund- 
getan Deine dreize\)n Worte des Erbarmens^ Du \)ast i\)m 
verl)eißeny daß man nid)t vergebens auf sie sid) stützt. An 



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lljnen ordnen wir unser FkJjen vor D/r, vernimm den Angst- 
ruf derer/ die zu Dir /le/jen, undlass uns nid)t unverridjletsi 
Sadje fortgehen von D/r! 



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LASS KOMMEN DIE I:HI\rURCHT VOW n/f\ 
unser Gott über alle Deine Gesdjöpfe und die Sdjeu vor Dir 
über alles, was Du crsdniffen hast, auf daß Ehrfunijt vor 
u.. . .,^ui alle Gesd]öp[e und sidj vor Dir beugen alle Er^- 
säiaffenen, und auf daß sie alle bilden einen Bund, Deinen 
Willen zu tun mit ganzem Herzen, so wie wir es beute 
wissen, DA unser Gott, daß Dein ist die Herrsdjafl, daß 
Maün ist in Deiner biand und Stärke in Deiner J\editen und 
Dein Name erleben über alles, was Du ersdjaffen. 



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G/ß WÜRDE DU DE/NEM VOLKE, HUHM 
denen, die vor Dir Erfurd)t Ijaben, Eioffnung denen, die Did) 
sudjen, und freie Rede denen, die Did] sudjen, Freude 
Deinem Lande und Wonne Deiner Stadt. Laß wadjsen den 
Strablenglanz Deines Dieners David, und laß aufleudnen 
das Lid]t des Soljnes Isais Deines Gesalbten alsbald in 
unseren Tagen. 

DIE FROMMEN WERDEN ES SCHAUEN UND 
sidj freuen, und die Redlidien werden jaudjzen und die 
Gütigen in ]ubel froblod^en, alles önred)t wird seinen 
Mund versdjließen und alle Bosheit wie Kaudi verwehen, 
wenn Du die Herrsdjafl der übermütigen tilgest von der 
Erde. Dann wirst D^ allein hönig sein über alle Deine 



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Gesdföpfe auf dem berge Zion^ der Woljnung Deiner 
Herrlid}keit und in Jerusalem Deiner Ijeiligen Stadt; me es 
gesdjrieben steijt in Deinem Ijeiligen Wort: Yxönig wird E/^ 
sein für immer^ Dein Gott o Zion von Gesdjledjt zu Ge- 
sdjled)t Ijallelujal). 

lltlLlG [MST DU UND ERHy^BEX DEIN NAME/ 
und es gibt ke/ne/i Gott außer D/V/ wie es gesdjrieben steht: 
ergaben ist Ef/der Umsdjarte im Geridjt und der b^ilige 
Gott wird gebeiligt durd] Geredjtigkeit^ gepriesen seist Dqp^ 
heiliger hönig. ^"^ 



UMKEHR/GEBET UND WOHLTUN 

WENDEN Aß DAS BÖSE VERHÄNGNIS. 



BIS ZUM TAGE SEINES TODES WARTEST DU 
auf den sündigen Mensdjen^ kehrt er zurüd: nimmst Du ihn 
auf sogleidi Wahr ists: Du bist der Mensdjen Bildner ^ Du 
kennst ihre Triebe^ denn sie sind nur Fleisdj und Blut. Der 
Mensd] - dem Staube entstammt er^ und Staub zu werden 
ist sein Ende/ mit seine mleben erringt er sidj sein Brot/ 
einem zerbrodjenen Sdjerben gleidjt er^ dem trod<inenden 
Grasey der welkenden Blume^ dem hinziehenden Sdjatten^ 

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der sid) auflösenden Wolke^ dem verweljenden Winde^ dem 
verlegenden Stauby dem Ijusdjenden Traume. 



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DU ABER BIST KÖNIG/ GOTT/ 

LEBEND UND IMMEB. 

KOMMEN WERDEN ALLE DIR ZD DIENEN UND 
werden preisen Deinen Ijerrlidjen Namen und werden ver- 
künden in den Eilanden Deine Geredjtigkeit und Völker^ 
die nie Did] gekannt^ werden Did) sudjen. Man wird Did) 
preisen an allen Enden der Erde und oljne önterlass wird 
man spredjen: Groß ist Ef^ 

UND DIE MENSCHEN WERDEN DIR OPFERN 
iljre Opfer und wegwerfen i\)re Q'öuen und werden sid) 
sd)ämen samt iljren Götzenbildern, Als Ijätten sie alle den- 
selben NadceH/ werden sie iljn beugen^ um Dir zu dienen^ 
und soweit die Sonne reidjt Dein Antlitz sudjend Did) ver- 
ehren. Erkennen werden sie Deines JKeidjes Wrafi^ und Irrende 
werden Einsidjt lernen. Sie werden spredjen von Deiner Stärke 
und Did) rübmen^ der Du ergaben bist über ]eglid)es Haupt. 
Sie werden in frommem Sd)auer Didj preisen und Did) krö- 
nen mit l)errlid)er Krone. Selbst die Berge werden in Jubel 
ausbredjen und alle Eilande froblod^en^ wenn Du als König 

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Did) zeigest. Sie werden das ]od) Deiner tkrrsdjcift auf sid) 
ne}]men und D/dj rüljmen in der Vereinigung der Völker. 
Aud) die Fernsten werden es Ijören und kommen und werden 
Dir die hrone der Herrsd)afi reidjen. 

AUS UNS DRÄNGT SICHS EMPOf^, DASS WIR 
preisen den Herrn dess Alls und Zeugnis ablegen von der 
Größe des Weltensdj Opfers ^ da er uns nidn Ijat werden 
lassen wie die Heiden auf der Erde und uns anderes Los 
und anderes Teil geworden ist als das iljrer Fülle. Sie büdaen 
&)V sid) vor Eitlem und Nidjtigerf'-und beten lu Götzen^ die ohne 
hrafl zum Helfen sind/JJnd wir knieen nieder^ beugen uns 
und werfen uns bin vordem König aller Könige, dem Heiligen 
gelobt sei er. Er bat ausgespannt den Himmel und gegründet 
die Erde, seines Glanzes Stätte ist der Himmel in der Höhe, 
seiner Madjt ewige Wohnung ist in den hödjsten Höhen/ 
er ist unser Gott, keiner sonst. In Wahrheit, er ist unser 
Jf König und]/{einer sonst, wie es gesdjrieben steht in seiner 
lehre: Erkenne es heute, und nimm es Dir zu Herzen, daß 
f( ^Gott ist im Himmel droben und auf der Erde drunten, 
keiner sonst. 

DAIWM HOFFEN W/R AUF DICH UNSER 
Gott, daß wir bald sdjauen dürfen die Herrlidjkeit Deiner 

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Madjty daß alle Götzen von der Erde getilgt werden und 
alle Nidjtigkeiten sdjwinden^ daß die Welt geordnet werde 
als Weid) des Allmädjtigen und alles Fleisdj Deinen Namen 
anrufe^ daß aud) alle Frevler sid) Dir zuwenden. Alle Be- 
woljner der Welt sollen erkennen und wissen^ daß vor. Dir 
siä) beugen muß jedes Knie/ nur bei Dir sdjwören d&fjeg- 
lidje Zunge^ vorJ>if unser Gott mögen sie niederknieen und 
sid) bmwerfen und Deinem Namen die Eljre geben^ und alle 
sollen sie auf sid) nehmen das ]od) Deiner Herrsdjaft. 

DU GEDENKST ALL DESSEN/ WAS VON WELT^ 
Zeit ber gesd)eben ist und bast adjt auf alle Gesdjöpfe seit 
Anbeginn, Vor Dir liegen offen alle Gebeimnisse und die 
Fülle dessen^ was seit der Sdjöpfung uns verborgen ist Ke/n 
Vergessen gibt es vor dem Tbron Deiner Herrlidjkeit und 
nid)ts Verborgenes vor Deinen Augen, 

DU GEDENKST JEGLICHER TAT UND NICHTS 
l' Gesdjaffenes kann sidj vor Dir verbergen. Alles ist offen 
und bekannt vor Dl}{ unser Gott der Du sdjaust und blid<.est 
bis an das Ende der Gesdjledjter. Du läßt kommen die fest^ 
gesetzte Zeit des Gedenkens^ auf daß gemustert werde 
jeder Geist und jede Seele und gedadjt werde der vielen 
Werke und der endlosen Fülle der Gesdjöpfe, Von Anfang 

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hast Du es kundijeum und von Urbeginn an Ijast Du das 
geoffenban. 

DIESER TAG IST DER BEGINN DEINER 
Sdiöpfungy Erinnerung an den ersten Tag der Welt, so ists 
Gesetz, für Israel, so ists eingesetzt von dem Gotte ]acob^. 
über die Re/dje wird beute bestimmt, weldjes ürieg haben 
wird und weldjes frieden, in weidjem Hunger sein wird 
und in weldjem öberfluss. Und die Gesdjöpfe werden heute 
bedadjt, daß über sie geridjtet werde zum Leben und z,um 
Sterben, über wen wird heute nidjt bestimmt? Denn des 
ganzen Gesdjöpfes Denken kommt vor Did), des Mensdjen 
Tat und sein Dienst, des A/lersijen Handeln und sein 
Sdjreiten, die Gedanken des Mensd]en und sein Planen und 
Triebe, die ihn zum Tun drängten. 

MEIL DEM MENSCHEN, DER DICH NICHT 
vergessen hat, Heil dem Mensdjensohn, der sidj an Dir 
stärkt, denn die Didj sudien, straudieln nimmer, und nie 
wird zusd)anden wer auf Didj vertraut, denn aller Ge- 
sdjöpfe Gedenken kommt vor Did), und Du durdjforsdiest 
ihrer aller Tun. 



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DU HAST DICH GEOFFENBARET IN DER 
Wolke, die voll Deines Glanzes war. Deinem Ijeiligen Volk, 
um mit iljm m reden. Vom Himmel hast Du es Ijören lassen 
Deine Stimme und Ijast Did) iljm kundgetan im säjimmern- 
den Gewölk. Die ganze Erde erbebte vor Dir und die Ge- 
sd)öpfe der Welt ersdjauerten vor Dir, als Du Did) offen- 
bartest unser l^önig auf dem Berg Sinai, Dein Volk zu 
lebren lebre und Gebote,- Du ließest es boren Deiner Stimme 
Herrlid)keit und Deine belügen Worte aus Feuerflammen. 
In Donner und Blitz bast Du Did) ibm geoffenbaret, und 
mit dem Ton des Sd)ofars erstrablst Du über ibm. 



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VON ANFANG AN HAST DU DEN MENSCHEN 
ausijezeidinet und Ujn gewürdigt^ daß er vor Dir besteljc. 
Wer darf zu Dir spredjen: was tust Du? Und ist der 
Mensdj fromm^ was gibt er Dir? Aber D^ unser Gott gabst 
uns in Liebe diesen Tag der Versöhnung als Besdjluß der 
Vergebung und der Verzeihung für unsere Sünden^ damit 
wir ablassen von der Gewalttat unserer Hände und zu Dir 
zurütkkebren mit ganzem Herzen^ zu bändeln nadi den 
Gesetzen^ die Du uns als Zeidjen Deines Wohlgefallens ge- 
geben bast. Du in Deiner großen Barmb^rzigkeit erbarme 
Did] unser / denn Du bast nidjt Wohlgefallen daran^ daß 
die Welt zu Grunde gebe. So beißt es audj: Sudjet ^ii^ weil 
er sid) finden läßty rufet ibn an^ denn er ist nabe. Und ferner 
beißt es: Es verlasse der Böse seinen Weg und der Mann 
des Unredjts seine Pläne und keljre zurück zu \)m/ er wird 
sidj seiner erbarmen^ zu unserem Gotte^ denn groß ist er 
im Verzeihen, Du bist der Gott des Verzeibens^ gnädig und 
barmherzig/ langmütig^ reid) an Güte und voller Bereit- 
sdjafiy Güte zu erweisen/ Wohlgefallen bcist Du an der 
Umkehr der Frevler^ und nidjt Inst Du Wohlgefallen an 
ihrem Tode, So heißt es audj: Sprid) zu ihnen^ so wahr idj 
lebe/ spridjt Gott der He/T/ idj habe kein Wohlgefallen an 
dem Tode des Frevlers wohl aber daran^ daß der Frevler 
umkehre von seinem Wege und lebe/ kehret um^ kehret um 



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von eurem sdjlimmen Wegen^ iljr vom Hause Israel^ warum 
wollt il)r sterben? Und ferner Ijeißt es: Habe id) denn Wobl- 
gefallen am Tode des Frevlers^ spridjt Gott der Herr^ b^be 
id) nid)t vielmebr Woblgefallen daran^ daß er umkeljre von 
seinen Wegen und lebe? Und zum anderen beißt es: Id) \)abe 
kein Woblgefallen am Tode dessen^ der den Tod verdient 
baty spridjt Gott der Herr^ kebret um und bleibet leben. 




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GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT^ KONIG 
der Welt/ der die Fnitfit des Weinstocks ersdjafit. 

GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT/ HONIG 
der Welt/ der alles zu seiner Eljre ersäjaffen \]at. 

GEPRIESEN SUSI DV UNSER GOTT/ HONIG 
der Welt/ der den hÄensd)en ei^dja^t. 



GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT/ HONIG 
der Welt/ der den Mensdjen in seinem Ebenbilde ersdjaffen 
bat/ nad] dem Bilde seiner Gestalt und Form erridjtete er 
ibm aus ibm selbst einen ewigen Bau/ gepriesen seist Dl^ 
der den Mensdjen ersdjaf[t. 




FREUEN/ FREUEN SOLL SICH UND FROH- 
locken das kinderlos gewordene Land/ wenn seine Yander sldf} 
wieder in Freude in ibm sammeln/ Gepriesen seist Dii/ der 
Zion erfreut durd) seine Kinder: 



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FREUDE/ FREUDE GIß DEN VON LIEßE UM^ 
sdjlossenen Lebensgefährten/ wie Du einst Dein erstes Ge^ 
sd)öpf erfreutest in der Urzeit im Garten Eden/ gepriesen 
seist Dü/ der Bräutigam und Braut Freude gibt. 



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GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT, KONIG 
der Welt/ der gesd)af[en Ijat Wonne und Freude^ Bräutigam 
und Braute Jaudjzen und Jubel/ Lust und Entzücken/ Liebe 
und Brudersdjap:^ Frieden und Gemeinsdjafi/ bald Du ^ ^C- 
unser Gott möge ertönen in den Städten ]udas und in den 
Straßen Jerusalems Ruf der Wonne und Ruf der Freude^ 
Ruf des Bräutigams und Ruf der Braut^ ]ubelruf der Ver- 
mählten aus iljrem Traugemad) und der Jungen von iljrem 
sanggesd)müd<iten Ma\)l/ Gepriesen seist ^t// der Freude ^ L 
gibt dem Bräutigam mitsamt der Braut. 



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ERHÖHT LiND GEHEILIGT SEI GOTTES 
IjeiUger Name in der We/t/ die er gesdjaffen nad) seinem Wil^ 
ien. Möge er sein Re/dj kommen lassen zu euren Lebzeiten^ 
und solange lebendig ist das ganze Haus Israel^ bald und in 
naber Zeit. Darauf spredjet: Amen y es sei sein großer Name 
gepriesen in Welt-Zeit und We/t^Ze/ten. 



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GEPRIESEN UND V£RHEI\I\LICHT/ GERÖHMT 
und erb'öbt/ gesd)müd<it und erboben sei der Name des He/- 
ligen. Preis gebübrt ibm.weit binaus über alle Lobpreisungen ^ 
Imer und Tröstungen^ die je in der Welt gesprod)en worden 
sind. Darauf spredjet: Amen. 



REICHER FRIEDE KOMME AUS HIMMELS- 
böben und leben über uns und ganz Israel Darauf spredjet: 
Ameti, 

DER FRIEDEN WIRKT IN SEINEN HOHEN^ ER 
wirke Frieden über uns und ganz Israel Darauf spredjet: 
Amen. 



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NACHWORT / In den voraufgegangenen Blättern 
sind wesemlidje Gebete zusammengestellt/ die in dem Jü- 
dfsdjen Gemeindegottesdienst in Übung sind oder der Aus- 
druck der persönlid)en jüdischen Frömmigkeit sind. Sie sind 
in dieser Zusammenstellung nidjt für das Beten selbst be^ 
stimmt, das Budj ist nid]t als Gebetbudj gedadjt. Sie sollen 
vielmehr den Vielen, die die hebräische Spradje, in der diese 
Gebete abgefaßt sind, niäjt kennen, Wesentliches derjü- 
disdjen Frömmigkeit zum Be\Nußtsein bringen,- denn das 
Gebet ist der Spiegel der lebendigen Frömmigkeit. Die Abfas^ 
sung dieser Gebete erstreikt sid) über weite Zeiträume. 
Einzelnes in ihnen reidjt in die Jahre vor Beginn unserer 
Zeitredjnung hinauf, manche sind im zweiten und dritten 
Jahrhundert verfaßt worden, mand)e sind um reidjlid) ein 
halbes Jahrtausend jünger, — wie z. B. das Bußgebet auf 
Seite ^ nod) viel jünger ist der Gesang am sabbatlidjen 
Familientisd) Seite 17 — mandje wiederum sind Studie aus 
der Bibel, die in frühester Zeit, im fünften Jahrhundert vor 
Beginn unserer Zeitrechnung, schon zum Beten ausgewählt 
wurden. Weil diese Gebete seit der Zeit ihrer Abfassung 
das Gebet der Gemeinde und des einzelnen waren, sind sie 
in ihrer Gesamtheit der Wißersdjein der in allem Wandel 
sidj gleidjbleibenden Frömmigkeit des Juden und derjüdisdjen 
Gemeinde. Die vielen in das Gebetbudj aufgenommenen 



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Psalmen sind \)kr nidjt wiedergegeben^ sie sind in jeder- 
manns Hand. 

Ein Äußerlidjes mag erklärt werden: für die Wiedergabe 
des Gottesnaßfnens i$ty mit dem Beispiel Buber^Kosenzweigs 
folgend^ die Bezeidjnung dti El^llj^ gewählt. Wo ein 
lobsprud) ^y gepriesen seist Du Adonay^ lautet ^ ist er in 
;/ gepriesen seist Dlt'''' zusammengezogen. Weder ^^Gotf' 
nod) //Herr'' nodj ^/Ewiger'' geben die ganze Fülle dessen 
wieder^ was in dem Gottesnamen sid) birgt/ dessen 
Umsdjreibung mit adönaj audj sdjon eine Verengung ist. 



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Ans dem Täglidjen Morgengebet 

Die Angelobung (Hosea U, 21) S.7 ■ Der ewige Gott S.7 - Die Seele S.7 
Des Mensdien Ohnmadit S. 8 • Die stete Erneuerung 5er Sdiöpfung S. 8 
Der Dank für die lehre S.9 • Das Bekenntnis und die Pflidit(V.Bu(iiMose 
hap. m Vers 4-9) S. 10 • Aus dem Gebet der ,Aditi^el}n lobsprücfie' S. 10 
Der Pr/estersegen (IV. Budi Mose Wap. VI Vers 24-26; 5.13- Demut S, 13 

Aus den lobsprüdjen des Tages und der Gelegenheit 

Aus dem Tisdjgebet 

Aus dem Nadjtgebet 

Aus den Sabbatbgebeten ., 

Ein Gesang am Sabbatßicfien Familientisdi S, IS ■ Aus dem Morgengebet 
für den SabbathsSism- • Gottes Allmadit und wacfie Hilfe S. 18 - Die große 
Heiligung S. ^&^Z / 2 2 • 



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Aus den Bußgebeten für die Tage um das Neujahrsfest 

und den Versöbnungstag ^25 l^Jt/, 

Aus den Gebeten für das Neujahrsfest 25 

Die eine Mensdiheit S. 25 • Der vergehende Mensdi - Der ewige Gott S. 2(/2 7 
Die große Huldigung S. Tf ■ Gott König der Welt S. 28 • Gott der Herr 
des Gedenkens S. 2?/- Gott öat sidi Offenbart S. 31 

Aus dem Sdjlußgebet des Versöljnungstages 

Das unendlidie Erbarmen über den Bußfertigen 

Der Trauungssegen 

Die sieben nacfi der Binggabe gesproctjenen lubsprüdie 



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Kaddisd) 

Das kommen 5es Gottesreidies 



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Gedruckt in 5er von Bertljol^ Wolpe entwotfenen Sdirift /^Hyperion'' 5er 

Bauetsdien Gießerei in hankfutt am Main im jaljre /948 

nadi 5er zu diesem Druck «j— j-^-'ffu] l"'^T'---trtrj von J\abbinez ' I i r 

Dr. M^x Dienemann Of enhrrff» ^m Mtiin. (4^ ^«^^4 /f J^ l^^tiUUM^ ^^WlÄfc^ 

D^s Pdpler stiftete 5/e Vapiei^aWxk Zetkal^ Pienket &[ Söhne^ Zetkall über Düren U 

im JWjeinlan^ 



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AUS DEN GEBETEN JSPiAELS 



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DEM ANDENKEN 

AN MEINEN FREUND UND LEHRER 

DR. MAX DIENEMANN 

RABB/NER IN OFFENBACH A-M 1920-1939 
GEWIDMET VON 
SIEGFRIED GUGGENHEIM 



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//NICHT DAS LERNEN IST DIE HAUPTSACHE 
sondern die Jat^', lautet ein Satz, der jüdisdjen Sittenleijre. 
Er setit als selbstverständlich voraus, daß im Mensd)en ein 
stetes Lernbedürfnis ist und daß er ibm gebordjt, daß ein 
redjter Mensdj nidjt in seinem Alltag und seinem Beruf 
aufgebt/ sondern sidj in Verbindung bält mit allem, was 
Vergangenheit aus Urväter Weisheit als Erbgut aufgesam- 
melt und was die eigene Zeit an sdjöpferisdjen und frudjt- 
baren Gedanken geboren hat, und fordert dann darüber 
hinaus, daß man nidht beim lernen und betradjten stehen 
bleibe, sondern zur Tat sdjreite. 



RABBINER MAX DIENEMANN 









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ICH ANGELOBE D/CH MIR AUF IMMER, ICH 
angelobe Did) mir durd) Gerechtigkeit und dura) Redjt 
und durd) liebe und durd) Erbarmen. \Jnd id) angelobe 
Did) mir durd) Treue und Du mrst IHN erkennen. 

O HERR DER Well DER KÖNIG 'schon WAR, 
e\) irgend ein Gesd)öpf ersd)af[en ward! Als durd) seinen 
Willen das All entstanden war da wurde hönig er genannt. 
Und wenn in künftiger Zeit das All vergebt, aud) dann wird 
er nod) König sein, er allein als der Erhabene. Er war, er 
ist, und er wird sein in Herrlid)keit. Er ist einzig, und kein 
Zweiter ist, der ibm zu vergleid)en oder ihm zuzugesellen 
wäre. Ohne Anfang ist er und ohne Ende, sein ist die Mad)t 
und Herrsd)aft. Er ist mein Gott und mein lebendiger Erlöser, 
mein Hort und mein Teil in der Zeit der Not. Er ist meine 
Fabne und meine Zuftud)t, mein held), so oft id) zu ibm 
rufe. In seine Hand befehle id) meinen Geist, ob id) sd)lafe 
oder wad)e. Und mit dem Geist aud) meinen leib, ER ist 
mit mir, id) fürd)te nidjts. 

MEIN GOTT/DIE segele'; DIE DU MIR GEGEBEN 
hast, ist rein. Du hast sie gesd)affen. Du hast sie gebildet. 
Du hast sie mir eingehaud)t. Du behütest sie in mir. Du 
wirst sie einst von mir nehmen und sie mir wieder zurüd^- 



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geben in künfliger Zeit. So lange die Seele in mir ist, bringe 
idj Dir Dank dar, DU mein Gott und Gott meiner Väter, 
Meister aller Gescböpfe, Herr aller Seelen. Gepriesen seist 
DU, der die Seelen den toten Leibefn wiedergibt. ßsRACHer^ ^o^ 

HERR ALLER WELTEN! NICHT AUF^UNSER 
Verdienst bin legen wir unser Fleben vor Did) W, sondern 
auf Dein großes Erbarmen bin. Was sind wir? Was ist unser 
leben? Was ist unsere liebe? Was unser Verdienst? Was 
ist unsere Hilfe? Was unsere Kra/i? Was unsere Stärke? 
Was können wir vor Dir sagen, DU unser Gott und Gott 
unserer Väter? Wabrlidj vor Dir sind alle Starken wie 
nidjtS/ und die Männer rubmreidjen Namens sind vor Dir, 
als wären sie nie gewesen, und Weise sind vor Dir, als 
bätten sie kein Wissen, und Verständige sind vor Dir, als 
bätten sie keinen Verstand. Denn ibrer Taten Fülle ist leer 
vor Dir, und ibres Lebens Tage sind eitel vor Dir, und des 
Mensdjen Vorzug vor dem Tiere ist nidjts, denn alles ist 
vergänglid). 

GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT, HONIG DER 
Welt, der das lidjt bildet und Finsternis sdjafft, der frieden 
wirkt und alles sdjafft/ der lidjt gibt der Erde und allen, die 
auf ibr wobnen in barmberzigkeit, in seiner Güte an jedem 

8 



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Tage das Sdjöpfungswerk erneuert. Wie groß sind Deine 
Werke, Du, sie alle bast DU in Weisbeit gewirkt, voll ist 
die Erde von Deinen Gesdjöpfen. 

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MIT GROSSER LIEBE HAST DU UNS GELiIeTDU 
unser Gott, mit großem und immer größerem Erbarmen bast 
Du Did) über uns erbarmt. Unser Vater, unser hönigl 
wegen unserer Väter, die auf Did) vertrauten und die Du 
lebrtest die Satzungen des lebens, sei so aud) uns gnädig 
und lebre uns. Unser Vater, erbarmender Vater, Barmber- 
ziger, erbarme Did) über uns und gib in unser Herz ein- 
zuseben, zu erkennen und zu versteben, zu lernen und zu 
lebren, zu bewabren, zu befolgen und zu bewäbren alle 
Worte des Forsd)ens in Deiner lebre in liebe. Erbelle unsere 
Augen durdj Deine lebre, und befle unser Herz an Deine 
Gebote, und eine unser Herz zu lieben und zu fürdjten 
Deinen Namen, daß wir nidjt besdjämt werden für Welt- 
Zeit und Ewigkeit. Denn auf Deinen belügen Namen, den 
großen und furdjtbaren, vertrauen wir, wir froblod<.en und 
freuen uns mit Deiner Hilfe. Bringe uns zum Frieden aus 
den vier Enden der Erde, und fübre uns aufredjt in unser 
land. Denn ein Gott, der Hilfen wirkt, bist Du, und uns 
bast Du erwäblt von allen Völkern und Zungen^ und Du 
l)ast uns nabe gebradjt Deinem großen Namen Sela in 



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Treue, daß wir Dir danken und Did) einen in Liebe. Gelobt 
seist DU/ der sein Volk Israel in liebe erwäblt. 

HÖRE ISRAEL ER IST UNSER GOTT, ER IST 
einzig . Und du sollst lieben IHN deinen Gott mit deinem 
ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit all deiner 
hraft. Und diese Worte, die idj dir Ijeute gebiete, sollen in 
deinem Herzen leben. Präge sie ein deinen hindern, und 
sprid) von ibnen, wenn du in deinem Haus sitzest, wenn 
du auf dem Wege gebest, wenn du did) niederlegst, und 
wenn du wieder aufstebst Binde sie zum Zeidjen an deine 
Hand, und sie sollen sein ein Stirnband z\^isd)en deinen 
Augen, Sdjreibe sie an die Pfosten deines Hauses und an 
deine Tore, . ^ . . 

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DU mST MÄCHTIG /N WELTZEIT DU,- DU 
ru^st die Toten wieder ins Leben, Du bist der stärkste Helfer. 
Du erbältst die Lebenden in Gnade, Du erwedkst zum Leben 
die Toten in großer Barmberzigkeit, Du stützest Fallende, 
beilest Kranke, lösest Gefesselte und bähst die Treue denen, 
die in der Erde sdjlafen. Wer ist wie Du, Herr der Stärke, 
und wer gleidjet Dir, hönig der Du Tod sdjitkst und wieder 
zum Leben erweckst und Heil sprießen lassest. Du basts 
verbeißen und wir vertrauen Dir, daß Du die Toten zum 

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Leben rufst,- gepriesen seist DU, der die Toten zum Leben ruft. 
Du bist beilig, und Dein Name ist beilig, und wer sid) beilig 
madjen will, preist Did) täglid). Gepriesen seist DU beiliger 
Gott. 

DU BEGNADEST DEN MENSCHEN MIT ER^ 
kennen und lebrst den Sterblid)en Einsidjt,- begnade aud) uns 
mit Erkennen, mit Einsiii)t und Verstand. Gepriesen seist 
DU, der mit Erkennen begnadet. 

FÜHRE UNS ZURÜCK UNSER VATER ZU 
Deiner Lebre, und bringe uns nabe unser Honig Deinem 
Dienste,- laß uns zu Dir zurüd(.finden in völliger Umkebr. 
Gepriesen seist DU, der Woblgef allen bat an der Umkebr. 

VERGIß UNS UNSER VATER, WENN WIR 
gesündigt baben, verzeib uns, unser König, wenn wir ab- 
trünnig wurden, denn im Vergeben und Verzeiben tust Du 
Did) kund. Gepriesen seist DU, der gnädig viel verzeibt. 

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SCHAU AUF UNSER ELEND, UND STREITE 
unseren Streit, erlöse uns bald um Deines Namens willen, 
denn ein starker Erlöser bist Du. Gepriesen seist DU Erlöser 
Israels. 



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SENDE UNS HEILUNG/ DU, DANN SIND WIR 

geheilt, Wf uns, dann ist uns geholfen, denn Du bist unser 
Ru/jm. laß vollkommene Heilung blühen für alle unsere 
Wunden, denn Du in Deiner göttlidjen Allmad)t bist der 
verläßlidje und barmherzige Spender der Heilung. Gepriesen 
seist DU, der die hranken /je/It. 

SEGNE DU UNSER GOTT DIESES JAHR UND 

was immer in ihm wädjst, sdjütte Tau und Regen zum Segen 
über den Atker aus, sättige uns von Deinem Gute, segne 
dieses Jahr, daß es gleidj werde den guten Jahren, Gepriesen 
seist DU, der die Jahre segnet, 

WIR BEKENNEN VOR DIR, DASS DU UNSER 
Gott und Gott unserer Väter bist in Welt-Zeit und Ewig- 
ke/t/ Hort unseres lebens/ Sd)ild unseres Heils bist Du von 
Gesd)ledjt zu Gesdjledjt. Wir danken Dir und verkünden 
Deinen Ru/jm für unser Leben, das in Deine Hand gegeben 
ist/ und für unsere Seelen^ die in Deiner Obijut stehen, und 
für Deine Wunder, die Du jeden Tag an uns tust, und für 
Deine unvergleid)lid)en Guttaten zu jeglidjer Zeit des 
Abends, des Morgens und des Mittags/ Allgütiger, 
unendlid) ist Dein Erbarmen, barmherziger, nie bort auf 
Deine liebe, in Welt-Zeit boffen wir auf Didj. Für alles sei 

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gepriesen und erböbt Dein Uame unser mnig allezeit für 
ewig/ alle lebenden danken Dir und rühmen in Treue 
Deinen Namen, Gott unserer Hilfe und unseres Beistandes. 
Gepriesen seist DU, Allgütiger ist Dein Name, und Dir zu 
danken ist sdjön. 

ER SEGNE DICH UND BEHÜTE DICH! 

ER lasse sein Antlitz Dir leudjten und sei Dir gnädigl 

ER wende sein Antlitz Dir zu und stifle Dir Eriedenl 

V^i'p ■'Ji'V^ i:ifJ -'^fii, 
MEIN GOTT, BEWAHRE MEINE ZUNGE VOR 
Bösem und meine lippen, daß sie nidjt Trug reden. Denen, 
die mir fludjen möge meine Seele still sein. Und gleid) als 
wäre sie Staub, sei sie demütig vor allen, öffne mein Herz 
dura) Deine lebre, und Deinen Geboten treibe meine Seele 
nadj. Allen, die Böses sinnen wider midj, zerstöre Du ibren 
Mt, und vereitele ibr Planen. 



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VOR DEM GENUSS VON BROT; 

Gepriesen seist DU unser Gott König der We/t, der Brot aus 
der hrde \Na<i)sen läßt. 

VOB DEM GENUSS VON WEIN; 

Gepriesen seist DU unser Gott hönig der Welt, der die 
Frudjt des Weinsto(kes ersdjafft. 

VOR DEM GENUSS VON BAUMFRÜCHTEN; 

Gepriesen seist DU unser Gott Y^önig der Welt/ der die 
Frudjt der Bäume ersd)af[t. 

BEIM ANBLICK BLÜHENDER BAUME; 

Gepriesen seist DU unser Gott König der Welt, der in seiner 
Welt niä;)ts Ijat fel)len lassen und in i\)r sdjöne Bäume ge= 
sdjaffen \)at/ um mit il}nen den Mensäßen Freude zu madjen. 

BEI DER BEGEGNUNG MIT WEISEN; 

Gepriesen seist DU unser Gott König der Welt, der von 
seiner Weisljeit sterblidjen Mensdien mitgeteilt \)at. 

BEI DE'R BEGEGNUNG MIT EINEM FÜRSTEN; 

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Gepriesen seist DU unser Gott König der Welt, der von 
seiner Herrlid)keit sterblidjen Mensdjen mitgeteilt hat. 

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GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT KÖNIG 
der Welt/ der Du die ganze Welt speisest in Güte/ in Huld/ 

in liebe und Erbarmen, Du gibst Brot allen Gesdjöpfen^ 

denn ewig wd/jrt Deine Liebe. In Deiner großen Güte bast 

Du es uns nie feblen lassen und wirst Du es uns nie feblen 

lassen an Speise um Deines großen Namens willen^ denn 

Du näbrest und versorgest alle und erweisest allen Gutes 

und bereitest Nabrung allen Gesd)öpfen^ die Du ersdjaffen 

bast Gepriesen seist DU/ der alle speist. 

UNSER GOTT/ UNSER VATER/ FÜHRE UNS/ 
speise unsy versorge unsy erbalte uns und gib uns Weite. 

Laß uns DU unser Gott bald von allem^ was uns einenget^ 

ins Weite gelangen, laß uns dod) DU unser Gott nidjt 

nötig baben ein Gesdjenk aus Mensdjenband oder ein leben 

sondern nur Deine Handy die volle^ die geöffnete^ die bdlige^ 

die weite/ damit wir in Welt-Zeit und Ewigkeit nid)t 

besdjämt und nidjt zu sdjanden werden. 



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LASS UNS ZUR RUHE GEHEN DD UNSER GOTT 

zum Frieden^ und laß uns wieder aufstellen unser Honig 
zum Leben, Breite über uns die Hütte Deines Friedens^ 
stärke uns mit Deinem guten Mte^ und Ijilf uns um Deines 
Namens willen. Sdjirme uns und webre von uns ab jeden 
Feinde Pest und Sd)wert^ Hunger und Kümmernis. We/jre 
ab jeglidjen Widersadjer vor uns und in unserem Rücken/ 
birg uns im Sdjatten Deiner Flügel^ denn unser allmädjtiger 
Beljüter und Erretter bist Dl// gnädig und barm\)eriig bist 
Du allmädjtiger König. Bebüte unseren Ausgang und 
unseren Eingang zum leben und zum Frieden von nun an 
bis in Welt-Zeit^^i^ ,, -rs^ ^ 

PREIS SEI DIR AM TAGE/ PREIS SEI DIR IN DER 

Nadjt/ Preis sei DIR/ wenn wir uns niederlegen^ Preis sei 
DIR, wenn wir aufsteben. In Deiner Hand sind die Seelen 
der lebenden und der Gestorbenen^ in Deiner Hand ist aller 
lebenden Seele und allen Fleisdjes Geist In Deine Hand 
befeble id] meinen Geist, Du erlösest mid) treuer Gott. 
Unser Gott im Himmel, laß Deinen Namen als den Ein=^ 
zigen erkannt werden, ridjte auf Dein Keid) für immer und 
sei König über uns für Welt-Zeit und Ewigkeit. 



16 



PREISET IHR GlAUBIGEN DEN HORT, VON 

dessen Gabe wir gespeist Ijaben/ satt sind wir geworden 
und Ijaben nod) übrig gelassen, wie ER verljeißen \)at. 

ER SPEIST SEINE WELT/ UNSER HIRT/ UNSER 

Vater: von seinem Brote aßen wir, von seinem Weine tranken 
wir, darum preisen wir dankend seinem Namen und rübmen 
ibn laut, wir sagen und singen: Niemand ist Ijell/g wie ER. 

PREISETIHRGLAUBIGEN DEN HORT/ VON 

dessen Gabe wir gespeist baben/ satt sind wir geworden 
und baben nod) übrig gelassen, wie ER verbeißen bat. 

DANKERFÜLLT PREISEN WIR GOTT IM GE^ 

sang für das liebwerte land, das er den Vätern gesdjenkt, 
mit Speise und Zebrung bat er uns gesättigt, groß ist über 
uns SEINE liebe und Treue, 

PREISET IHR GLÄUBIGEN DEN HORT, VON 

dessen Gabe wir gespeist baberi/ satt sind wir geworden 
und ijaben nod) übrig gelassen^ wie ER verbeißen bat 

ERBARME DICH IN DEINER GNADE ÜBER 
unser Volk. Du unser Hort/ über Zion, den Tljron Deiner 

17 



Lfa'"iiBjLf '»>•.-, 



^X.* 5S, 



Ijerrlidjen Gegenwart unseren straljlenden Tempel/ Dein 
l\ned)t der Davidsproß^ er komme und erlöse uns^ unserer 
Seele Erquickung SEIN Gesalbter. 

PREISET IHR GLÄUBIGEN DEN HORT, VON 
dessen Gabe wir gespeist Ijaben/ satt sind wir geworden 
und baben nodj übrig gelassen^ wie ER verbeißen bat. 

ERBAUE WIEDER DEN TEMPEL/ UND MACHE 
Zion volkreid)^ dort wollen wir Dir singen ein neues Lied 
und im ]ubelruf unsere Seele erbeben^ der Barmberzige^ er 
sei gebeiligt; gepriesen und erböbt über dem Bedjer^ der voll 
Wein Ist/ wie SEIN Segen voll ist. 

PREISET IHR GLAUBIGEN DEN HORT/ VON 
dessen Gabe wir gespeist baben^ satt sind wir geworden 
und baben nod) übrig gelassen^ wie ER verbeißen bat. 

ALLER LEBENDEN ATEM PREISE IMMERDAR 
Deinen Namen DU unser Gott und König / von Welt-Zeit 
lu Welt-Zeit bist Du mädjtig, und außer Dir baben wir 
keinen hönig, der wie Du erlöset und bilft/ befreit und 
errettet, versorgt und sidj erbarmt/ in jeglidjer Not baben 
wir keinen hönig außer Dir. Du bist der Gott derer, die vor 

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uns waren, und derer die nad) uns sein werden, der Gott 
aller Gesdjöpfe, der Herr aller Gesd)led)ter, die Vielfalt 
der Lobpreisung verberrlidjt Did), Du leitest Deine Welt in 
liebe und Deine Gesdjöpfe in Barmberiigkeit. DU sdjläfst 
und sdjlummerst nidjt, Sdjlafende madjst Du wad], Sdjlum- 
mernde erweckst Du, Stumme madjst Du reden. Gefesselte 
lösest Du, Fallende stützest Du, Gebeugte ridjtest Du auf. 
Dir allein danken wir. Aber wäre aud) unser Mund des 
Liedes voll wie das Meer voller Wellen, und wären unsere 
Lippen so voll des Preisens wie der Himmel weit ist, und 
wenn aud) unsere Augen leudjteten wie Sonne und Mond, 
und unsere Hände ausgebreitet wären wie Adler, die am 
Himmel ßegen, und unsere Füße leidjt binsprängen wie die 
der Hindinnen, es reidjte dod) nidjt aus, DIR unser Gott und 
Gott unserer Väter zu danken und Deinen Namen zu prei- 
sen für ein einziges Mal von den tausend tausend Tausenden 
Malen/ da Du unseren Vätern und uns Gutes getan bast. 
Aus Ägypten bast Du uns erlöst, aus dem Hause der 
Vinedjtsdjaft bast Du uns befreit/ im Hunger speisest Du 
uns, im Sattsein erbältst Du uns, wenn Sdjwert oder Seudje 
uns bedroben, bist Du es, der uns rettet, aus bösen und 
langwierigen hrankbeiten bebst Du uns empor. Bis bierber 
bat Deine Barmberzigkeit uns beigestanden und Deine Liebe 
uns nidjt verlassen. Du wirst uns audj in Zukunft nidjt 

19 



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verstoßen, Damm preisen und verljerrlidjen Deinen Namen 
alle Glieder^ die Du in uns gefügt und die Seele^ die Du uns 
eingel)aud)ty und die Zunge^ die Du in unserem Munde ge- 
bildet hast, ]eder Mund muß Dir danken^ jede Zunge bei 
Dir sdjwören^ jedes hnie sid) vor Dir beugen^ und jeder 
nod) so bod) Gewad)sene sid) vor Did) /jinwerfen. Jedes 
Her^ muß Ebrfurdjt b^ben vor Dir^ und des Mensdjen gan^ 
les Innere muß Deinen Namen lobsingen/ so öe//5t es audj 
in der b^iUg^n Sdjrifi: Alle meine Gebeine spredjen^ DU wer 
ist wie Du? Du rettest den Armen vor dem^ der stärker ist 
als er/ und den Dürftigen vor dem^ der ibn berauben will/ 
wer ist Dir gleid)^ wer kann sid) mit Dir messen^ großer 
starker erbabener Gotty bödjstes Wesen/ der Himmel und 
Erde ersdjaffen batl Wir wollen Deinen beiligen Namen 
preisen und rübmen^ wie David sang: Preise meine Seele 
IHN/ und was in mir ist seinen beiligen Namen, 



20 



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VORBETER; WIR WOLLEN IN EHRFURCHT 

von Deiner Heiligkeit künden mit dem gebeimnisvollen Ruf 
der belügen Serafim, die in Heiligkeit Deines Namens Hei- 
ligung künden^ wie es gesd)rieben ist dura) die Hand Deiner 
Propbeten: einer ruft dem anderen lu und sprid)t: 

GEMEINDE: HEILIG/ HEILIG/ HEILIG IST ER 

der Umsd)artey so weit wie die Erde reid)t seine berrlidje 
Gegenwart, 

VORBETER.-SEINER HERRLICHEN GEGENWART 
ist voll die Welt/ seine Diener fragen einer den anderen: 
wo ist der Ort seiner berrlid)en Gegenwart? Sie alle zugleidf) 
spreä[)en: Gesegnet^ 

GEMEINDE: GESEGNET SEINE HERRLICHE 
Gegenwart von seinem R^ume aus, 

VORBETER: VON SEINEM RÄUME WENDET 

er siä) in Erbarmen und spendet Gnade dem Volky das 
seinen Namen als den Einzigen bekennt/ abends und morgens^ 
zweimal an jedem Tage sprid)t es in liebe das: Höre/ 

GEMEINDE: HÖRE ISRAEL/ER IST UNSER 
Gott/ ER /st einzig. 



21 



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VORBETER: EINZIG IST ER/ ER IST UNSER 

Gott/ er /5t unser Vater ^ er ist unser Yxönig^ er ist unser 
Helfer. Er wird in seiner barml)erzigl<.eit uns ein zweites 
Mal erlösen und uns die Botsdjafi senden vor aller leben- 
den Augen: sielje id) erlöse eud) in Zukunft wie einst am 
Anfang^ um eud) Gott z,u sein. 

GEMEINDE: ICH BIN EUER GOTT. 

VORBETER: IN DEINEN HEILIGEN WORTEN 
steljt ferner gesd)rieben: 

GEMEINDE: KÖNIG WIRD ER SEIN FÜR 

immer^ Dein Gott o Zion von Gesd)led)t lu Gesd)led)t^ 
ballelujal). 



22 



HERR/ WENN ES GENAU NACH RECHT GINGE 
und jeglidjer Tat Erforsdjung durdjsudjt würde, kein 
Mensd) könnte vor Dir als bewährt gelten. Selbst den bimm- 
lisd)en Sdjaren befiest Du Makel an, an Deinen Boten 
findest Du Sünden, wie erst am Mensdjen, der Unredjt 
trinkt wie Wasser. Verdienst und Geredjtigkeit ist nidjt in 
uns, in Sünde und Frevel sind wir alle/ Allgütiger, geb nid)t 
ins Gerid)t mit uns! Möge Dein Herz bewegt sein für uns, 
in der Fülle Deines Erbarmens wende D/dj uns zu, verfabre 
nidjt mit uns nad) der Bosbeit unseres Tunsl Unserer Ver- 
feljlungen sind so viele, daß man sie nidjt zäblen könnte, 
Opfer sind nid)t möglid), daß man durd) sie Vergebung 
finden könnte. Nidjt auf unser Verdienst stützen wir uns, 
befletkt wie wir sind von Abfall und Sünde, Kedjtfertigung 
zu finden für uns, die wir unser Heben vor Did) bringen. 
Lege nid)t die Meßsdjnur an unseren Wandel, unser Ende 
ist ja dod) die Made und der Wurm, nidjtig und eitel sind 
unsere ]abre. Habe Mitleid mit uns und wende Did) ab von 
dem verbängten Bösen, dies ist ja Dein Weg, Did) obne des 
Mensd)en Verdienst seiner zu erbarmen, erbarme Did) un- 
ser in Deiner großen Barmberzigkeitl Einst bast Du Mose 
Deine Wege kundgetan zur Weisung, Du bast ibm kund- 
getan Deine dreizehn Worte des Erbarmens, Du bast ibm 
verbeißen, daß man nid)t vergebens auf sie sid) stützt. An 

23 






UMtwalpiii^fcaii iMHiii rtiili«>xiili 



iljnen ordnen wir unser Fieljen vor D/V/ vernimm den Angst- 
ruf derer, die zu Dir ^e\)en, und laß uns nidjt unverridj teter 
Sadje fortgeljen von Dir! 



24 



LASS KOMMEN DIE EHRFURCHT VOR DIR 

unser Gott über alle Deine Gesdjöpfe und die Sdjeu vor Dir 
über alles, was Du ersd)af[en bast, auf daß Ebrfurdjt vor 
Dir baben alle Gesdjöpfe und sid) vor Dir beugen alle Er- 
sd)af[eneny und auf daß sie alle bilden einen Bund, Deinen 
Willen zu tun mit ganzem Herzen, so wie wir es b^üte 
wissen, DU unser Gott, daß Dein ist die Herrsdjafi, daß 
Mad)t ist in Deiner Hand und Stärke in Deiner Redeten und 
Dein Name erbaben über alles, was Du ersdjaffen. 

GIB WÜRDE DU DEINEM VOLKE/ RUHM 

denen, die vor Dir Ebrfurdjt baben, Hoffnung denen, die Did) 
sudjen, und freie Rede denen, die Did) sudjen, Freude 
Deinem lande und Wonne Deiner Stadt, laß wadjsen den 
Strablenglanz Deines Dieners David, und laß aufleudjten 
das lid)t des Sobnes Isais Deines Gesalbten alsbald in 
unseren Tagen. 

DIE FROMMEN WERDEN ES SCHAUEN UND 

sid) freuen, und die hedlidjen werden jaudjzen und die 
Gütigen in Jubel froblod<.en, alles Unred)t wird seinen 
Mund versd)ließen und alle bosbeit wie Kaud) verweben, 
wenn Du die Herrsdjafi der übermütigen tilgest von der 
Erde. Dann wirst DU allein König sein über alle Deine 

25 



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Geschöpfe auf dem Berge Zion, der Woljnung Deiner 
Herrlidjkeit und in Jerusalem Deiner heiligen Stadt, wie es 
geschrieben steht in Deinem heiligen Wort: König wird ER 
sein für immer. Dein Gott o Zion von Gesdjledjt zu Ge- 
sdjledjt hallelujah. 

HEILIG BIST DU UND ERHABEN DEIN NAME, 
und es gibt keinen Gott außer Dir, wie es gesd^rieben steht: 

erhaben ist ER der Umsd)arte im Geridjt und der heilige 

Gott wird geheiligt durd) Geredjtigkeit, gepriesen seist DU 

heiliger hönig. 



UMKEHR, GEBET UND WOHLTUN 

WENDEN AB DAS BÖSE VERHÄNGNIS 



BIS ZUM TAGE SEINES TODES WARTEST DU 
auf den sündigen Mensdjen, kehrt er zurück nimmst Du ihn 

auf sogleid). Wahr ists: Du bist der Mensdjen Bildner, Du 

kennst ihre Triebe, denn sie sind nur Heisd) und Blut. Der 

Mensd) - dem Staube entstammt er, und Staub zu werden 

ist sein Ende/ mit seinem Leben erringt er sid) sein Brot/ 

einem zerbrodjenen Sdjerben gleidjt er, dem trod^nenden 

Grase, der welkenden Blume/ dem hinziehenden Sdjatten, 

26 • 



* — ^.^ ^ .^. 



der sid) auflösenden Wolke/ dem verwehenden Winde^ dem 
verfliegenden Staube dem Ijusdjenden Traume. 

DU ABER BIST KÖNIG/ GOTT, 

LEBEND UND IMMER 



KOMMEN WERDEN ALLE DIR ZU DIENEN UND 

werden preisen Deinen Ijerrlidjen Namen und werden ver^ 
künden in den Eilanden Deine Geredjtigkeit und Völker, 
die nie Did) gekannt, werden Did) sud)en. Man wird Didj 
preisen an allen Enden der Erde und oljne Unterlaß wird 
man spredjen: Groß ist ER. 

UND DIE MENSCHEN WERDEN DIR OPFERN 

iljre Opfer und wegwerfen i/jre Götzen und werden sid) 
sd)ämen samt ihren Götzenbildern, Als hätten sie alle den- 
selben Nacken/ werden sie ihn beugen, um Dir zu dienen, 
und soweit die Sonne reidjt Dein Antlitz sud)end Did) ver^ 
ehren. Erkennen werden sie Deines Re/djes Y\raft, und Irrende 
werden Einsid)t lernen, Sie werden spredjen von Deiner Stärke 
und Did) rühmen, der Du erhaben bist überjeglidjes Haupt, 
Sie werden in frommem Sdjauer Did) preisen und Didj krö- 
nen mit herrlidjer Krone, Selbst die Berge werden in Jubel 
ausbred)en und alle Eilande frohlod^en, wenn Du als König 



27 



Did) zeigest. Sie werden das ]od) Deiner Herrsdjaft auf sid) 
nehmen und Did) rühmen in der Vereinigung der Völker. 
Aud) die Fernsten werden es Ijören und kommen und werden 
Dir die hrone der Herrsdjaft reid)en. 



AUS UNS DRANGT SICHS EMPOR/ DASS WIR 
preisen den Herrn des Alls und Zeugnis ablegen von der 
Größe des Weltensdjöpfers^ da er uns nidjt W werden 
lassen wie die Heiden auf der Erde und uns anderes los 
und anderes Teil geworden ist als das ihrer Fülle. Sie bücken 
sid) vor Eitlem und Nid)tigem und beten zu Götzen^ die ohne 
Yxraft zum Helfen sind/ und wir knieen nieder^ beugen uns 
und werfen uns hin vor dem König aller hönige^ dem Heiligen 
gelobt sei er. Er hat ausgespannt den Himmel und gegründet 
die Erde ^ seines Glanzes Stätte ist der Himmel in der Hö/je/ 
seiner Mad)t ewige Wohnung ist in den hödjsten Höhen^ 
er ist unser Gott^ keiner sonst. In Wahrheit^ er ist unser 
hönig und keiner sonst^ wie es gesd)rieben steht in seiner 
Lehre: Erkenne es heute ^ und nimm es Dir zu Herzen ^ daß 
ER Gott /5t im Himmel droben und auf der Erde drunten^ 
keiner sonst. 

DARUM HOFFEN WIR AUF DICH UNSER 
Gott/ daß wir bald sd)auen dürfen die Herrlid)keit Deiner 

26 



« 

Macht/ daß alle Götzen von der Erde getilgt werden und 
alle Nichtigkeiten sdjwinden^ daß die Welt geordnet werde 
als J\eid) des Allmädjtigen und alles Fleisd) Deinen Namen 
anrufe, daß aud) alle Frevler sid) Dir zuwenden. Alle Be- 
wohner der Welt sollen erkenneii und wissen, daß vor Dir 
sid) beugen muß jedes Knie, nur bei Dir sd)wören darfjeg- 
iidje Zunge, vor DIR unser Gott mögen sie niederknieen und 
sid) hinwerfen und Deinem Namen die Ehre geben, und alle 
sollen sie auf sid) nehmen das ]od) Deiner Herrsd]a^. 

DU GEDENKST ALL DESSEN, WAS VON WELT^ 
Zeit her gesdjehen ist und hast ad)t auf alle Gesdjöpfe seit 
Anbeginn. Vor Dir liegen offen alle Geheimnisse und die 
Fülle dessen, was seit der Sdjöpfung uns verborgen ist. Kein 
Vergessen gibt es vor dem Thron Deiner hierrlid)keit und 
nidjts Verborgenes vor Deinen Augen. 

DU GEDENHSTJEGLICHERTAT UND NICHTS 
Gesd)affenes kann sidj vor Dir verbergen. Alles ist offen 
und bekannt vor DIR unser Gott der Du sdjaust und blid^est 
bis an das Ende der Gesd)led)ter. Du läßt kommen die fest- 
gesetzte Zeit des Gedenkens, auf daß gemustert werde 
jeder Geist und jede Seele und gedad)t werde der vielen 
Werke und der endlosen Fülle der Gesd)öpfe. Von Anfang 

29 



< I utnimmmmmßmmtmf^ 



l)ast Du es kundgetan und von örbeginn an Ijast Du das 
qeo^enbart. 

DIESER TAG IST DER BEGINN DEINER 
Sdjöpfungy Erinnerung an den ersten Tag der Welt/ so ists 
Gesetz für Israel^ so ists eingesetzt von dem Gotte ]acobs. 
über die Keidje wird beute bestimmt^ weldjes hrieg Ijaben 
wird und weldjes Frieden^ in weldjem Hunger sein wird 
und in weldjem Überfluß, und die Gesdjöpfe werden beute 
bedadjt^ daß über sie geridjtet werde zum leben und zum 
Sterben, über wen wird b^nte nidjt bestimmt? Denn des 
ganzen Gesdjöpfes Denken kommt vor Didjy des Mensdjen 
Tat und sein Dienst^ des Mensdjen Handeln und sein 
Sdjreiten^ die Gedanken des Mensdjen und sein Planen und 
Triebe^ die ibn zum Tun drängten. 

s 

HEIL DEM MENSCHEN/ DER DICH NICHT 

vergessen bat^ Heil dem Mensdjensobn^ der sid) an Dir 
stärkt/ denn die Did) sudjen^ straudjeln nimmer^ und nie 
wird zusd)anden wer auf Did) vertraut^ denn aller Ge- 
schöpfe Gedenken kommt vor Didj^ und Du durdjforsdjest 
ibrer aller Tun. 



Du HAST DICH GEOFFENBARET IN DER 
Wolke/ die voll Deines Glanzes war, Deinem beiXxgen Volk/ 
um vmt ibm zu reden. Vom Himmel bast Du es boren lassen 
Deine Stimme und bast Didj ibm kundgetan im sdjimmern- 
den Gewölk. Die ganze Erde erbebte vor Dir und die Ge- 
sdjöpfe der Welt ersdjauerten vor Dir, als Du Did) offen- 
bartest unser König auf dem Berge Sinai, Dein Volk zu 
lebren Le/jre und Gebote/ Du ließest es boren Deiner Stimme 
Herrlichkeit und Deine belügen Worte aus Eeuerflammen. 
In Donner und Blitz bast Du Did) ibm geoffenbaret, und 
mit dem Ton des Sdjofars erstrablst Du über ibm. 



30 



3t 



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VON ANFANG AN HAST DU DEN MENSCHEN 
ausgezeichnet und i/jn gewürdigt^ daß er vor Dir bestelje. 
Wer darf zu Dir spredjen: was tust Du? Und ist der 
Mensdj fromm^ was gibt er Dir? Aber DU unser Gott gabst 
uns in liebe diesen Tag der Versöhnung als Besdjluß der 
Vergebung und der Verzeihung für unsere Sünden^ damit 
wir ablassen von der Gewalttat unserer Hände und zu Dir 
zurüikkebren mit ganzem Herzen^ zu bändeln nadj den 
Gesetzen^ die Du uns als Zeidjen Deines Wohlgefallens ge^ 
geben hast Du in Deiner großen Barmherzigkeit erbarme 
Did] unser^ denn Du hast nidjt Wohlgefallen daran^ daß 
die Welt zu Grunde gehe. So h^ßt es aud): Sudjet IHN/ weil 
er sid) finden läßt^ rufet ihn an^ denn er ist nahe. Und ferner 
heißt es: Es verlasse der Böse seinen Weg und der Mann 
des Unred)ts seine Pläne und kehre zurüik zulHM^ er wird 
sid) seiner erbarmen^ zu unserem Gotte^ denn groß ist er 
im Verzeihen. Du bist der Gott des Verzeihens^ gnädig und 
barmherzig/ langmütig ^ reidj an Güte und voller Bereit- 
sdjafi/ Güte zu erweisen^- Wohlgefallen hast Du an der 
Umkehr der Frevler^ und nidjt hast Du Wohlgefallen an 
ihrem Tode. So h^ißt es aud): Sprid) zu ihnen^ so wahr id) 
lebe/ sprid)t Gott der Herr/ id) habe kein Wohlgefallen an 
dem Tode des Frevlers wohl aber daran^ daß der Frevler 
umkehre von seinem Wege und lebe,- kehret um^ kehret um 

32 



von euren sd)limmen Wegen^ ihr vom Fiause Israel/ warum 
wollt ihr sterben? Und ferner heißt es: Fiabe id) denn Wohl- 
gefallen am Tode des FrevlerS/ sprid)t Gott der Herr/ h^be 
id) nidjt vielmehr Wohlgefallen daran/ daß er umkehre van 
seinen Wegen und lebe? Und zum anderen heißt es: Id) habe 
kein Wohlgefallen am Tode dessen/ der den Tod verdient 
hat/ sprid)t Gott der Herr/ kehret um und bleibet leben. 



33 



GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT, KÖNIG 
der Welt/ der die frudjt des Weinstotks ersdjafft. 

GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT, KÖNIG 
der Welt/ der alles m seiner Eljre ersdjaffen Ijat. 

GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT, KÖNIG 
der Welt/ der den Mensdjen ersd)af[t. 

GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT, KÖNIG 
der Welt/ der den Mensdjen in seinem Ebenbilde ersdjaffen 
bat; nadj dem Bilde seiner Gestalt und form erridjtete er 
ibm aus ibm selbst einen ewigen Bau/ gepriesen seist DU/ 
der den Mensd)en ersd)af[t. 

FREUEN/ FREUEN SOLLSICH UND FROH^ 
locken das kinderlos gewordene Land, wenn seine Kinder sidj 
wieder in Freude in ibm sammeln/ gepriesen seist DU/ der 
Zion erfreut durd) seine Yxinder, 

FREUDE/ FREUDE GIß DEN VON LIEBE UM^ 

sd)lossenen lebensgefäbrten, wie Du einst Dein erstes Ge- 
sdjöpf erfreutest in der Urzeit im Garten Eden, gepriesen 
seist DU/ der Bräutigam und Braut Freude gibt 

34 



GEPRIESEN SEIST DU UNSER GOTT, HONIG 
der Welt, der gesdjaffen bat Wonne und Freude, Bräutigam 
und Braut, ]aud)zen und ]ubel, Lust und Entzücken/ liebe 
und Brudersdjafi, Frieden und Gemeinsdjafiy bald DU 
unser Gott möge ertönen in den Städten ]udas und in den 
Straßen Jerusalems Ruf der Wonne und Ruf der Freude, 
Ruf des Bräutigams und Ruf der Braut, ]ubelruf der Ver-^ 
mäblten aus ibrem Traugemad) und der ]ungen von ibrem 
sanggesd)mü(kten Mabl/ gepriesen seist DU/ der Freude 
gibt dem Bräutigam mitsamt der Braut. 



35 



ERHÖHT UND GEHEILIGT SEI GOTTES 

})eiliger Name in der Welt/ die er gesdjaffen nad) seinem Wil- 
len. Möge er sein Re/'dj icommen lassen zu euren Lebzeiten/ 
und solange lebendig ist das ganze Haus Israel/ bald und in 
naber Zeit. Darauf spredjet: Amen/ es sei sein Großer Name 
gepriesen in Welt^Zeit und Welt-Zeiten. 

GEPRIESEN UND VERHERRLICHT/ GERÜHMT 

und er\)ö\)t} gesd)mü(kt und erljoben sei der Name des Hei- 
ligen, Preis gebül)rt iljm weit hinaus über alle Lobpreisungen^ 
Lieder und Tröstungen^ die je in der Welt gesprod)en worden 
sind. Darauf spredjet: Amen. 

REICHER FRIEDE KOMME AUS HIMMELS- 

Ijöben und Leben über uns und ganz, Israel. Darauf spredjet: 
Amen. 

DER FRIEDEN WIRKT IN SEINEN HÖHEN/ ER 

wirke Frieden über uns und ganz Israel. Darauf spredjet: 
Amen. 



NACHWORT / In den voraufgegangenen Blättern 
sind wesentlidje Gebete zusammenge.stellty die im jüdi- 
sdjen Gemeindegottesdienst in Übung, sind oder der Aus- 
druda der persönlidjen jüdisdjen Frömmigkeit sind. Sie sind 
in dieser Zusammenstellung nidjt für das Beten selbst be- 
stimmt^ das Budj ist nidjt als Gebetbudj gedadjt. Sie sollen 
vielmebr den Vielen^ die die Ijebräisdje Spradje^ in der diese 
Gebete abgefaßt sind^ nidjt kennen^ Wesentlidjes der jü- 
disdjen Frömmigkeit zum Bewußtsein bringen; denn das 
Gebet ist der Spiegel der lebendigen Frömmigkeit. Die Abfas- 
sung dieser Gebete erstreda sidj über weite Zeiträume. 
Einzelnes in iljnen reidjt in die ]a\jre vor Beginn unserer 
Zeitredjnung Ijinauf^ mandje sind im zweiten und dritten 
]a\jr\jundert verfaßt worden^ mandje sind um reidjlidj ein 
Ijalbes ]aljrtausend jünger y — wie z^ B. das Bußgebet auf 
Seite 23/ nod) viel jünger ist der Gesang am sabbatljUdjen 
Familientisdj Seite 17 -- mandje wiederum sind Stücke aus 
der B/bel/ die in frühester Zeit^ im fünften ]abr\jundert vor 
Beginn unserer Zeitredjnung^ sdjon zum Beten ausgewählt 
wurden. Weil diese Gebete seit der Zeit iljrer Abfassung 
das Gebet der Gemeinde und des einzelnen waren^ sind sie 
in iljrer Gesamtbeit der Widersdjein der in allem Wandel 
sidj gleidjbleibenden Frömmigkeit des Juden und der jüdisdjen 
Gemeinde. Die vielen in das Gebetbudj aufgenommenen 



f 



36 



37 



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Psalmen sind Ijier nidjt wiedergegeben^ sie sind in jeder- 
manns Hand, 

Ein Äußerlidjes mag erklärt werden: für die Wiedergabe 
des Gottesnamens ist^ dem Beispiel Buber-Piosenzweigs 
folgende die Bemdjnung DU ER IHN gewählt Wo ein 
lobsprudj ^^ gepriesen seist Du Adona]''^ lautet ^ ist er in 
y gepriesen seist DV zusammengezogen. Weder ^^Gotf' 
nodj//Herr^^ nod) ^^Ewiger'' geben die ganze Fülle dessen 
wieder^ was in dem Gottesnamen sidj birgt; dessen 
Vmsdjreibung mit adonaj aud) sdjon eine Verengung ist. 

D. 



3d 



Cj Pf} PJL r?/ 






Aus dem Tägiidjen Morgengebet 7 

}] Die Angelobung (Hosea II, 21} S.l^Det ewige Gott S.7 |^Die Seele S.7^^J V7 '^ "H^ JJ^ Vlff J^ 
^; Des Mensrfjen Oljnmddit S. 8 «i^Die stete Etneuetung 5er Srfiöpfung S. 8 "^ ' v-n ^ 1 rr ♦ -> ^T^i^ Cl 
^' Der Dank für die Leljre S. 9 ^/Das Bekenntnis un^ 5ie Pflidit ( V. Buri] Mose ^ ,^ t; ^ > p 7 j^ ^^ 

Kap. III Vers 4-9) S. 10 SfAus dem Gebet 5er //Adjt^e/jn Ubsprücöe^' S. 10 ' f 



9 Der Priestersegen (IV. budi Mose Wap.Vl Vers 24-26} S.ii /^JDemut S. 13 

J7)b'}2 Aus den lobsprüdjen des Tages und der Gelegenljeit 
Aus demTisdjgebet p^iJ ^P'}?- 
Aus dem Nadjtgebet *'?-?l'3!z;n 
Aus den Sabbatbgebeten 

IJ Ein Gesang am SabbatYx^en EamxYientxs^ S. 17-18 • Aus lem Morgen- 
gebet für den Sabbath ^ Gottes Allmadit und wadie Hilfe S. iQ 
3/ Die große Heiligung S. 21-22 

Aus den Bußgebeten fürdieTage um das Neujabrsfest 

unddenVersöl)nungstag^'^'^''T'J?^l} ^^ T^ ^^^^ 
Aus den Gebeten für das Neujabrsfest 

h Die eine Mensffjöe/t S. 25 f Der vergebende Mensdi ^ Der ewige Gott 
S. ^-27 - Die grojSe Hülöigwng S. 27 (Gott König der Welt S. 28 
£/ Gott der Herr des Gedenkens S. 29-30 7 Gott h^it sidi Offenbart S. 31 

Aus dem Sdjlußgebet des Versöbnungstages 

Das unendlictie Erbarmen über den Bußfertigen 

Der Trauungssegen 

Die sieben nadi der hinggabe gesprochenen Lobspröriie 

l^addisd) 

Das Kommen des Gottesreirijes 



15 
16 



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23-24 
25^ 



34 



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(je^w(kt in ^et von Bertöo/5 Wolpe entworfenen Sctitift ..Hyperion'' 
der Bauersdien Gießerei in Frankfurt am Main im jähre 1948 
nach der zu diesem Druck im jähre 1938 hergestellten Übersetzung von 
habbiner Dr. Ma^ Dienemann Offenbacfi am Main 
herausgegeben von Siegfried Guggenheim 




03 



Das Büttenpapier stiftete die Papierfabrik Zerkall, Wenker^ Söhne. 
Zerkall über Düren im Rheinland 



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Aus den G^l^en Israels 

Ein von aussen wie von innen 
schönes Büchlein wurde uns in 
der Auswahl "Aus den Gebeten 
Israels" geboten. Max Dienemann, 
der allzu früh hingeschiedene; und 
unvergessene Rabbiner von, Of- 
fenbach, und Siegfried Guggen- 
heim, der Jurist und Bücher- 
freund, wählten diese Gebete aus; 
Dienemann übersetzte sie aufs 
neue und verband wissenschaft- 
liche Treue mit feinsinnigem 
Sprachgefühl. 

So kam ein Buch zustande, das, 
wie das Dienemannsche Nachwort 
sagt, zwar nicht als Gebetbuch 
gedacht ist, sondern den vielen, 
dife kein Hebräisch lesen können, 
ein Bild von der Welt der jüdi- 
schen Frömmigkeit geben soll und 
wird, die sich in allem Wandel 
der Zeit gleichgeblieben ist. Denn 
die Abfassung dieser Gebete er- 
streckt sich über weite Zeiträume 
hin, von biblischen Stücken, die 
schon im 5. Jahrhundert vor der 
üblichen Zeitrechnung zum Beten 
bestimmt worden waren, bis zu 
Stücken, die um halbes Jahrtau- 
send jünger sind. 

Sie alle sind im jüdischen Ge- 
meindegottesdienst in Deutsch- 



^/jTTyf 



land üblibh gewesen oder sind der 
Ausdruck persönlicher jüdischer 
Frömmigkeit. Und so geben sie 
alle miteinander ein abgerundetes 
Bild der vergangenen, aber un- 
vergessenen deutsch - jüdischen 
Welt. 

Es ist ein schönes Zeichen von 
"reiner Menschlichkeit", dass 
nicht-jüdische Freunde von den 
Gebettexten so begeistert waren, 
dass sie Siegfried Guggenheim 
halfen, sie in modernster Form zu 
veröffentlichen. Das Buch ist auf 



17 

Bütten gedruckt, in der von BerU 
hold Wolpe entworfenen Schrift 
"Hyperion" gedruckt. S. Guggen- 
heim widmete es dem Andenken 
seines Freundes und Lehrers Max 
Dienemann. Viele Leser werden 
ihm dafür dankbar sein. 

Beztha Bad^-Slrauss. 



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Keduschoh. 



Aus jeglichem Munde erschallet der Ruf 
Zum Lobe des Ewgeii, der alles erschuf. 
Es jauchzet und jubelt der Himmlischen Chor, 
Es tönt von der Erde zur Höhe empor: 

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Die Herrlichkeit Gottes erfüllet das All, 

Nicht künden sie Worte, nicht künden sie Schall. 

Und Israel, das er als Priester gesandt, 

Ks trug sein Panier durch Völker und Land. 

Und wo es geweilet, an jeglichem Ort 

Erschallet zum Lobe des Herrn das Wort: 

Ob der Morgen erglühet, ob sich senket die Nacht, 
Empor zu dem Horte, der immerdar wacht, 
Entsendet des Glaubens geweihte Schar 
Das Wort seines Heiles in Ewigkeit wahr: 

Er war uns ein Hort 

In finsteren Tagen 

Er gab uns die Kraft 

Im Dulden und Tragen. 

Gott wird uns dauernd weiter erhalten, 

Denn ohn' Ende währt sein heiliges Walten 



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Und sein heilig Wort 
Lebet fort und fort: 



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gimcnt gu Jug naA Bpari^au ^ebrcu^t. ©njci|(nc ©oltatcn 
t>tcfc^ SöatatUon^ foUen fic^ auf fciefem ^Warfc^ emporentc unt> 
((^aubcr^afte @räucltj>aten gegen tte gefangenen t)ertt)unt)e^ 
ten unb t^cilweife ganj unfäjutttgen 5D?itbürgem erlaubt 
i>aben. T)cx @out)emeur t>on @panbau foU aber bte Un- 
alücftid;en auf baö (iebrct(t)fte empfangen unb gepflegt ^aben. 
Onfer befannter gerichtlicher SBertjieibiger Dr. ©tieber 
rief einigen (befangenen bei i{>rem ^bmarfc^ bie troft^ 
Itdfc 33erfic^erung 5u: „gürc|)tet ^uc^ nic^t^ i^r werbet, 
foÖten wir befiegt werben, »or ba^ öf[entli(^e a3erfa^ren 
fommen, aöe 3«tiflen werben fic^ eine 33ürgerpj!ic^t barau^ 
nta(t)en, (ind) m \)ert^eibigen." taum einige ©tunben in 
8panbau angelangt, würben bie 600 befangenen aber in 
gotge eine^ äönial 33efe^lö in %xcihdt gefegt. 

— Um 11 U^r jammelte fic^ bie 3Solf^menge, welche fo eben 
He ^ffeften be^ Jfianbfc^ufjmac^er^ 2Ü3ernicfe ioerb-mnt 
hatte, welc|)er brei »erftecfte ^olen bem 5D?i(itaie »errut^en 
pattc, x>ov beni ^atai^ be^fPrinjen t)on ^Jreufjen. (5^ for^ 
berte bie bortige 33ürgerfc^i(bwaA auf biefen 9)often ju »er- 
laffen, ba berfelbe fein ^|>renpoften für einen berliner 33ür^ 
ger fei. Die Sßac^e würbe ab^eloft, o|>ne ba| ein neuer 
^oflen aufwog, d^ »erbreitete fic^ je^t bae ©erüc^t x>cn ber 
Slnfunft t)on gabrifarbeitern, wetAe laut erflarten^ ba^ Span^ 
be^ ^Jrin^en »cn ^reugen miiffe ber (^be gleicf) gemaci)t 
werbeti. :Die 3}?enge fförmte jefet ^eran, ba riefen Stimmen 
au^ bem 3Solfe: „teine 33erfe^ung beö (Jigent^um^ ber 
^^ation! 2)a^ 5)a(ai^ be^ ^Jrtnjen t)on 55rcw§^" 
wirb hiermit jum S^Zational-^igent^um erflärt! 
@ogIeidj) fa^ man mit groger (Schrift bie genannten Sßorte an 
ben ^^üren be^ ^alai^ angefc^rieben. 33ürger, 8tubenten, 33e' 
amte mifc^ten fic^ unterbau 33oIf unb beruf>igten bie ^n^hxü^t 
ber D^ac^e. — '^ux ©erec^tigfeit! riefen fte, unb bie 
fott (5uc^ werben, ^ebenft bie vlä^c ber S3ib(iot^ef! riefen 
tk ©tubenten. Waffen wir un^ ben 9?u^m nic^t ne^^ 
men, bag wir 33erliner minber großmüt|>ig aU bie 
"»farifer finb. ©n S^ebner trat auf ben ^alfon mit ber 
breifarbigen ga^ne. Unac^eurer fBolUfuhd, X)er SWebner 
ermahnte 5ur D^iu^e, ba bie für bie greijieit gefallenen $e^ 
ben noct) nic^t hc^tattct feien! üDie^ machte einen erfc^üt^ 
ternben (Jinbrucf; Me^ warf fic^ auf bie ^nie unb fprac^ 
ein (^thct für bie gefallenen J&elben. @olct)c ©cenen mug 
man erlebt ^aben, um bie fefte Ueberjeugung 5U gewinnen, 
bag folc^ ein 3Solf ber greibeit würbig ift, unb bag e^ bie^ 
felbe s" be|)aupten wiffen wirb. fBox bem e^em. ^Jalai^ 
jle^t :^ürgerwacl;e. 

— Der Stampf ber le^ien 2:age war nic^t, wie ber MkUt 
Slu^brucf lautet: „eine (^meute be^ 9)öbel^." d^ war eine 
^r^ebung ber 33ürger. 3tuf fielen 53arrifaben fommanbir^- 
ten bie ac^tbarjlen (Eommunalbeamten. Da^ (Jigentljum 
würbe mit einer bewunberungewürbigen ^ct;tung refpeftirt 
unb gefc^ügt. 9^Uemanb backte baran, nur eine 
@tec!nabel gu nehmen. ^Ue^ focl)t für ben 3wecf ber 
allgemeinen 33egeifterung. din Xxupp 23ürger brang in 
baö falai^ be^ 'JJrinjen %lhxtö)t ein unb fuc^te nac^ 
Sßaffen, aber nic^t baö ©eringfte würbe fortgenommen 
ober bemolirt. ©elbft in ben erftürmten üiafernen würbe 
baö (^»'^entbum geachtet, nur nac^ äßaffcn fud^te man. 
Wlänncx, benen ber junger auf bem ©efi^t gefct)rie^ 
ben ftanb, warfen bie (ilbernen wert^t)ollen fcobbeln ber 
erbeuteten £)fft ierbegen in bie D^iinnfteine. Da^ 9)?ilitair 
hingegen hat in ben eroberten J^äufern »ollftanbig geplün-- 
bert. Ueberall foU ba^ 5D^ilitair bort furd;tbar ge^iaufet, 
wel^rlofe 9)?änner erfc^offen unb nic^t 2öeib nic^t Äinb ge-- 
ic^ont ^aben. ^injelne Xxnpp^ be^ Stettiner S^tegimentö 
werben in biefer SÖSeife befonberiJ namhaft gemacht. 

— 3n biefem 2lugenblirf (3 U^r) ^aben bie fämmtlic^ 
ber grei^eit wiebergegebenen ^ o l e n einen 3ug burc^ bie 
Stabt gehalten. ^IT^iero^law^fi mit befranstem ^aupt 
t)oran. Sie famen bie l^inben in feierlic|)er ^-proseffion 
binuntcr, pkltcn an ber Uni»erjität unter unermeßlichem 
SBolf^jubel an; c6 fanb bort eine 5lnrebe bur^ Stubirenbe 
^att. SSon bort ^ogen fie nacf) bem Sc^log, wo ber Ä'önig 
felbjl fte t)om 33alfon auö begrüßte, unb @raf Schwerin 
eine ^nrebe an fie ricljtete. S3on bort ging ber 3ug mü 
ter, unter unermeglidfiem 3ubel, ber e^ auc^ unmoglid[> 



machte, »on ber D'lcbc ctwa^ ju t>erfle^cn, wenn man nii^t 
ganj na^ babei war. 

- Die »erfloffene 5^ac^t ^at ber 2thm X)kk geforbcrt. 
SoJ^ne m unb berfelben SJJJutter, beflimmt t^eil^ }ur äöa^-- 
rung be^ ^aufe^ im 3nnern, t^eilö gur 33ert^eibtgung bef^ 
felben gegen geinbe t>on äugen, ^aben aueJ unfeeligem 3n^ 
t^um in feigem 33ruberfampf bie ^änbe gegeneinanber er^ 
boben. S3eibe gebieten un^ auf ijjrer ©teile ^c^tung. gür 
bie Opfer biefer 5^ac^t wirb ba^ 3enfeit^ bie ^öfung ^^ 
3rrt^um^ gebracht j>aben. ©orgen wir, bag auc^ bie Ueber^ 
lebenben biefe Söfung finben, unb bag über ben (Jinjeln 
Derer, welche nun in grieben rujjen, bie entzweiten 2lrme 
fic^ »erfö^nt mit erneuerter ^ruberliebe einfpannen. ^Zic^t 
naÄ bem ©tanbpunfte ber lebenben mögen bie lobten 
gefonbert jur D^Ju^eflatt gebracht werben; Men i^nen 
möge t)on un^, ben Ueberlebenben, ^Uen ein gemeinfame^ 
ef>renbe^ @eleit jur vereinten ©tätte be^ ewigen grieben^ 
gegeben werben, ©o fann fo wirb ©egen erblühen au^ 
ber blutigen ^aat. Tillen ©efallenen alfo eine leiste (5{>re, 
eine gemeinfame ©ruft. 

33erlin, ben 19. ^är a 1848. Dr. 21. ©. 

3fiac^ftej>enbe £)rbre ge^t mir fo eben ^u: 
^uf 3^ren Antrag will 3c^ ^ierburc| genehmigen, bag 
fämmtli^e ^])fänber, welche hei ben brei §lbtj>eilungen beö 
E'önigl. ^ii^amt^ ^ierfelbfl für einen 33etrag pon günf 
^^atem unb weniger hi^ hieben Mgenblicf »erfe^t finb, 
unentgelblicb mrücfgegeben werben. 
Berlin, ben 20ften Wiäxi 1848. 

griebric^ 2ßllf>elm. 

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ben ©taat^minifter ©rafen x>on 5lrnim. 

3c^ forbere bemgemäg meine ?D?itbürger fiierburc^ iuf, bte 
bejeid^neten 'JJfänber ^ente 5^acl;mittagö »on brei U^^r ah — 
unb an ben folgenben ^agen hei ben vertriebenen 
^bt|>eilungen be^ ^ei^amt^, gegen 3u^ücfgabe ber ^fanb- 
fc^eine, in (Empfang ju nej>men unb mic^ bei bev Slufrecftt^ 
|)altung ber Drbnnung wäljrenb be^ fenlöfungögefcl;äftö 
5U unterftü^en. 33erlin, ben 20. ^är^ 1848. 

SBucf, ^ei^amt^biref tor. 

3n gol^c ber gcflcrn 9?ac^mittag wn @r. '^ait^ät bem 
Könige öffentlich genehmigten ©ürgerbewaffnung auf bie aud^ 
üon bem Äammergcric^t^affcffor Söa^e mit vorgetragenen SSün-. 
f(^e ber Bürger ifi berfelbe gleichfalls mit ber erfien Einrichtung 
ber Sürgerbewaffnung beauftragt »orbcn, war inbef jur Unter-- 
jeic^nung ber ^efanntmac^ung wm 19ten b. 93?. jufällig nic^t 
mc^r anwefcnb, m^f)alh fein 9lame unter berfelben fe^lt. 

S3erlin, ben 20. ^äx^ 184a x>. 3??inutoli 

2ln unfre lieben 2)?itbürger. 
35on ber <Sc|>u^'.eommiffion beS Sriiberflra^en'.S3e;^irfS ifi und 
bie traurige ^flic^t übertragen, für eine ehrenvolle ^cfiattang um 
ferer gefallenen a)Zitbrübcr @orge ju tragen, ©a n?ir glauben, 
ba^ in ben übrigen @cbu^i(s:ommiffionen eine ä^nlic^e Deputation 
fcbon gewählt ifi, ober genjä^lt tvcrben wirb, fo bitten wir biefe, 
ficb unö anjufcjilic^cn. Bugleicb fönnen wir mitt^eilen, baf wir 
mit bem ^errn *poli;ei'.^räfibenten ü. 5Winutoli hierüber sRücf- 
fprac^e genommen ^abcn, unb ba^ unö berfelbe mit ber liebboll-. 
fien Sereitwilligfeit, wie in jeber guten @ac^e fo auc^ in biefer, 
entgegen gcfommcn ifi. 

Srmler, Eommeri^icnrat^, breite ©tra^e 11. S. Seder, 
©tabtverorbneter, Srüberj^ra^e 34. Dobberife, Kaufmann, 
35rüberfir. 28. Dr. 2 8oeniger, ^ rüberfirafe 16. 

2ln bie grauen Serlin'ö. 

2>ie S?ef}immung ber grauen ifi e^, bie Sj'ifcfnben ^u trSflon, 
ben Äranfen ju Reifen unb wo wir fönnen, mit «Rat^ unb 3:^at 
unb arbeitsfräftigcr |)anb cinjufc^reiten. 2Bo wir aber nic^t me^r 
Reifen fijnnen, ba Ucibt eö unS, mit ben Unglücflicben ju weinen. 
Unb eö gicbt je^t viele Unglücflic^e in Berlin! 3(^ meine nic^t 
bie lobten, nic^t biejcnigen, welche als gelben unb g^rcnmänncr 
mit if>rem lieben nnfere grei^eitcn crfauft unb mit i^rem 33lut 
unfcre Privilegien beftegclt ^aben, — ic^ meine i^re mttmn unb 
Saifen. ©iefen muffen w r Reifen, biefen muffen wir bcifle^en, 
mit biefen muffen wir trauern um it)xc 3:obten! — J)aö ifi unfere 
^Pflicbt, unb be^^alb muffen wir unS junäc^fi mit biefen SBittwcn 
vereinigen, um ben gefiorbenen |>clben bie le^te (J^re ju erieigen 
unb fte jur ©ruft ju geleiten, J^cr Jag ber 33efiattung unb bie 
©tunbe wirb nocb nä^er angezeigt werben. 

3br grauen «Berlin'^! S^a^t une weinen um bie lobten unb hcU 

fen wir ben Hinterbliebenen! Ätara ^JWunbt, geb. SEfiüt^thaä}. 

©ebrucft in ber Seffingfc^cn ^uc^brucferei. ^ 



iftdtttglu^ ptbMtg^ fSerlmifä^e ^itmis 



M 67. 

SRontoj 




hat.70 WtSx^ 
iStö. 



3m tJfrlage Soffifc^ier (Erben. 



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4 

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OlebaRcur (L 5. «effiBS-) 



83offjfd)e "^titmQ^'ßiptiition in ber breiten @trage 9lo. 8. 



(Sictxabiatt ber ^reube^ 



\ — 




Die Umwanblung, bie freubige Umgeftaltung ber Dinge, 
bte »on gefiern auf ^ent ftattgefunben, mac^t e^ un^ ^ur 
^jTic^t auc^ barüber eine augerorbentlid^e ^itt^ieilung in^ 
?5ublifum ^u fenben. d^ fann nic^t früj> genug erfahren, 
wa^ für X^aten be^ jjöc^ften ^nt^^ gefc^ejjen ftnb, bie 
biefe Umwanblung ^erbeifü|)rten. 33oran ftellen wir jeboÄ 
bie ^nficl)t, bie fünftig unfer 33latt leiten fott. gür bie 
fpatern 3)htt^eilungen, mag bie ^il mit ber wir fte ^ufam- 
mentragen, bie (Jntfc^utbigung i^rer SSerwirrung fein. 
2Q3ir füllen un^ aber um fo me^r verpflichtet mit allen 
TOtt^eilungen auf ba^ fc^teunigfte inö *}.Hiblifum gu ge^en, 
al^ ber erfte 33eric^t in unferm heutigen 33latt, welcher mit 
ben SBorten beginnt: ,ßn bem 5(ugenblicfe" u. f. w. eine 
5ln3a|>l »on 3rrtf>ümern ent|>ält, bie wir, x>on ben 
Seftrebungen befeelt, nur bie Sßa^r^eit unb bie gange 
»olle Sßa^r^eit gu geben, mit greuben gu berichtigen bereit 
jmb, unb ba^ex um alle ba^in einfc^)lagenben guverläffigen 
vloü^en bringenb hitten. 



Die treffe ifi frei! 3n ber nämlichen ©tunbe wo 

un^ biefe^ ^errlid^e 3f?ec^t erfüllt würbe, wollten wir bie 

©timme be^ grol^locfen^ barüber ergeben — ba bro^nte ber 

entfe^enbe Donnerfc^lag ber unfere ©tabt traf, unb ber 

, iPtampf begann. — Da^ war ni^t me^r bie S^ih ^^^ 

#«#^efü^le ber 33^tücfung ^uft gu machen! — ^e^t t^eilt 
ber griebenö- unb greubenruf wie ein golbene^ ^i6)t bie 
fc^wargen SBolfen, fo fc^nell faft, al^ ber günbenbe ©tra^l 
fie gefammelt. — Der ^immel ift wieber ^eitexl 3)?öge 
nun ber befrucl)tenbe ©eegen, ber bem Ungewitter, ber felbft 
bem Slu^bruc^e be^ 3Sulfan^ folgt, unferm tl;cucrn, geliebt 
ten 33aterlanbe in fort unb fort wac^fenbcr (Jntwicfelung gu 
^^eil werben. — unter allen D^ec^ten, beren (Erfüllung une 
geworben, unb bie wir hoffen, ift ber befreite ^ebanfe ba«^ 

tbdfk, benn in ibm liegt baö Unterpfanb für aüet^ künftige. 

dx ift bie©onne für bicgrüd^te, bie unö reifen foUen! 

SSon nun an ift biefen 33lättern eine grögere Slufgabe ge- 
bellt. 2ßie fie biefelbe löfen werben, barüber muffen fte 
t^re Strafte felbft erft prüfen. 2Öie fie aber biefelbe auf- 
guf äffen ^aben, barüber xt>aUet ihnen fein Btt^^if^^ ob, 
unb wir bürfen ^offcn, bag aucf) bie ^efer, welche unfern 
©cftrebungen unb Öftic|)tungen, fo weit bie 3Ser^ältniffe ben 
Sluöbrucf berfelben möglich maciS)ten, gefolgt finb, barüber 
feinen B^eifel liegen werben. Unfer 33anner ift ber gort- 
fc^r itt! ^ic^t ber allmä^lige, benn e^ giebt Reiten, 
wo ber ©turmfci^ritt notbwenbig ift, aber ber befon- 
neue, benn fein Öegentljeil ift ftct^ t)erberblic^. Der he- 
fonnene gortfc^ritt wirb nie »erjögern, wo er bef$leuni^ 
gen mug; eö giebt ^ugenblicfe wo ber entfc^loffene ©prung 



nötj^i^ ifi, anbere, wo ber ?auf gemagigt, wo t)ietteic^ etit 
©(bntt jurücfget^an werben mug, wenn man nur baburc^^ 
wieber auf bie richtige 33aj>n gelangen fann. 3n allen bic=» 
fen gätlen aber leitet nur ber 3ügel ber iöefonnen^eit ben 
feurigen ©porn be^ gortfcljritt^ richtig, ©o alfo wollen wir 
unfere 2lufgabe faffen unb auf ©nfi^t, Ihraft unb S3erei* 
nigung @teicl)gefinntcr mit un^ |>offen, um fie, biefer iöe* 
ftrebung würbig, ju lofen. 

Berlin, ben 20fien Tläxi. 

^m 2lbenb beö 19ten bot bie gange ©tabt ein iöilb ber 
greube bar. ^üe Käufer waren beleuchtet, bie ^arrifaben 
\)erfct)Wunben, ba^ Solf, ba^ burc^ feine beparrlic^je tapfer- 
feit ben ©ieg erfocl)tcn, wogte burc^ bie ©tragen, ^n allen 
23arrifaben be^arrte ber fü^ne 33ürgermut^ im ^* 
tigften *a'ugelregen! 2luf ber griebri^^ftabt war ber ^ampf 
an ber Kronen - unb griebric^öftragen - dde ber pe- 
roifc^fte, ber fic^ benfen lägt» (5r erfirecfte fic^ in alle 
SSiertel ber ©tabt, überall würbe mit einer Slue^bauer, einem 
^D^u ^ gefoc^ten, ber bie ^öc^ften ©pi$en erreichte. 3" ber 
granffurter ©trage, in ben ©arten ber ©cgenb, war jeber 
^ewo|mer in 2ßaffen. Ueberall fielen bie ©^üffe, unb com 
Dact) ^erab bie ©teine auf bie ^Ingreifer. — ^ai^ b'^eu- 
reufe'fclje ipau^, beffen wir fc^on gefiern dxwähnnna t\^a^ 
ten, ift mit einem unbefd;reiblict)en ÜJ?utbe »ertpeibigt 
worben. — greubig eilten bie iöürgcr am 9^ac^mittage gum 
(Empfang ber Sßaffcn, um fic^ ale 33ürger''(£orp0 gur ^c^ 
fc^)ü^ung ber Orbnung unb be^ (5igentj>um^ gu organi^ 
firen. — 2ßie "oiek Dpfer im Kampfe gefallen finb, barüber 
ift un^ bie traurige ©ewig^eit noc^ nic^t geworben. | 

9)?orgen wirb bie Söeftattung berfelben georbnet werben. 
(5^ wirb eine ^rauerfeier für bie gefammte 33ürgerfc^aft 
fein. Wie^ wirb \i^ bem grogen ^n^e, ber bie Sapfern, 
(Gebliebenen, gur D^uj^e^ätte begleitet, anfc^liegen, unb jeg^ 
lic^e ^^ren bie ben fämpfenb gallenben gebühren, werben 
it^nen gu X^eii werben. 

Den 33erfpred;ungen unb ©ewä^rungen, um bie eö fic^^ 
gunäc{)fi banbelt, 1^at biefer i^'ampf bie fefiefien SÖurgeln gc^ 
geben, unb er wirb un^ bie iBür^fc^aft barbieten, bag in 
ber 3ufunft ftc^ ber 33aum ber SBölferfreijjeit immer reicher 
entwicfeln werbe. 

^eut '^itta^ burc^wanberten wir 33erltn nac^ allen 9lic^ 
tungen, xtiie e^ im ©lang ber grü!>ling^=©onne, bie un^ »on 
golbner 23orbebeutung fein mag, unb in bem ber greube, 
be^ gerechten ©tolge^, ber fic^ in ben ^aufcnben jeigte, 
bie bie ©tragen burc^waUten, ^eUleuc^tete. 33or t)ie* 
len J£)äufern waren S3ecfen ober teuer auegefiellt in benen 
für bie SSerwunbeten unb bie Angehörigen ber (Gefallenen 
gefammelt würbe, ^ein 33orüberge^enber, ber nic^t feine 
@abe barbräc^te. 3ln allen ^jjoren finb gleiche ©amnu 



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lungcn öeranfialtet. 3n ber greube tfl e^ crfld ?5flu^t, an immer neue Xxwppm herangezogen, tmmer neuer ^arbätfcBen-- 
bie 5U benfen, bte unfer @Iucf mit Strauer utib fc^weren bagel aewüt^et pattc, fiel biefc 23arricarbe. 2)aö mUtaiv 



opfern erfauft l^aben. 3n biefem @inn, njaren e^ auc^ 
bicfe Statut bie glei(^ Jjeut eine ©ammlung eröffneten. — 
^üeSBa^tpofien waren »cn ber Söürgergarbe befe^t; an- 
bere 2(bt|)etlungen burc^^ogen bie @tabt; auö) bie Sc^ü^en^ 
gilbe in iljrcn f(^onen Uniformen, auf «oelcjje biejenigen, 
t>ie fte tragen je^t fo flols fein fonnen, geigte [i^ »ietfac^. 
— greubcnrufe erfc^allten auc^ ^eute nod^, unb n>erben unb 
foKen no(^ lan^e erf(^aUen! — 3)er 18. unb 19. 9}?drj ftnb 
große Stage, ntc^t nur in ber @efc|)ic^te ^Jteugenö, fonbem 
ber SÖeltgefd^ic^te. Mc S3er&ä(tntjte ^eutfcl;lanb^ werben 
nun einen anbern ©tanbpunft gewinnen, gu bem fic^ in ben 
wefl^ unb Jubbeutfc^en <Btaattn fc|)on fo Sßieleö ^vorbereitet 
pat — ^oge unfer^ großen 2)i(i^ter^ fc^one^ SÖort: 

,,2ßir wotten fein ein fSoU t)on 33rübern" 
je^t in (^Tfüüung ge^n! — Unb 33errin^ 33ür3er bürfen 
flol^ barauf fein einen mächtigen ©runbftein gu btefem ^err- 
liefen 33au ber 3utof^ Ö^^^gt 3u ^aben. 

2(n einzelnen ^^ac^ric^ten ift une noc^ mandjertei juge^ 
gangen, baö wir wtebergeben, wie wir e^ empfangen, ta 
eine nähere ^rüfun^ ber Angaben für ben Slugcnblirf un^ 
möglidj) ifi. jDie ^oniglic^e ©fengiegerei ift ^um größten 
Xpäl abgebrannt; nur ein gormgebäube unb ba^ SBo^n^ 
^au^ fmb fte^en geblieben. — 2)ie brei neuerbauten 2Ba= 
genbäufer "er ^rtiKerie t)or bem Oranienburger ibore ftnb 
gleichfalls ein 9?aub ber glammen geworben. T)ic ©tubi^ 
renben waren eS, toic wir ^ijren, welche bem 33ranb (5in^ 
|>alt t|>aten, unb mit ^ülfe vieler 33ürger beS S3iertel6 einen 
X^eil beö 5D?aterialS retteten, baS bem 58aterlanbe gebort 
unb ^ur ^riegSrüflung für beffen 35ertf>eibigung, wo b'iefe 
nötbig werben follte, bient. — 

nn allen ^^oren jlnb «Seeaalen auegeftellt, in benen ixt>ic 
in 33erlin an mim J^äufern) ^Beiträge für bie 35erwunbe^ 
ten unb bie ^ngeborigen ber Gebliebenen gefammelt wer^ 
ben. jDiefe Dpferbeaen füllen fic^ auf^ö fcl;nellfte mit ^el= 
lem Silber. — 

5llle ©fenbal^nen ftnb, hit> auf bie 3J?ärfifcl)=9?ieberf(^lefi^ 
fc^e, wo eine fleine iStrede ©d^ienen eingerijfen worben, 
unoerfe^rt geblieben. S^m großen @lürf ber (Stabt, weil 
auf biefem Sßege bte ununterbrochene Bufu^r t>on Lebens- 
mitteln erfolgt. 2Q3ac!ere 33ürger baben bie S3apnen gef^ü^t. 
— ^rft je^t, nac^bem bie (Jirfulation in unferer @tabt wic= 
ber|>ergefteUt ift, exfäpxt man in ooUem 3}?aße, welchen furc^t= 
baren ^ampf bie Bürger unferer @tabt gefämpft baben 
unb wclc|>er J^elbenmut^ pkvM an ben ^ag gelegt worben 
ift. Männer, welche bie grei^citSfriege, welche bie franjö:^ 
fc^en unb belgifc^en 9?e»olutionen mitgemac^ ^aben, öerfi- 
c^ern, baß fte eine fold^e tapfere ©egenwebr unb einen fol^ 
c^en Siberftanb als unfere 23ürger geleiftet baben, not^ 
nic^t gefejien ^aben. 33ei ber 33reite unferer (Straßen, hei 
ben wenigen »orbanbenen Sßaffen, hei bem 3)?angel aller 
Drganifation, hei ber fonftigen Ö)utmüt^igfeit unb $eiter^ 
Uit unferer 33erliner waren bie Mittel, mit benen biefe be^ 
beutenben (Erfolge, ber »oUftänbig organiftrten unb auSge^ 
rüfleten 5D?ilitairma(^t gegenüber, geleifte worben ftnb, Überb- 
aus gering. 2Bir baben gefe^en, was ein 5Bolf in feiner 
(Jrbebung, wo 3eber für ben 5lnbem Q^ut unb 33lut ein^ 
fiebt, gu leiften vermag! 

2lm ^eftigften war ber ^ampf an jlebcn ^5unften, näm^ 
lic^ hei ber S3arrifabc am Äöllnifc^en diath^am, hei ben 
brei 33arrifaben an ben dden, welcbe bie griebn'^S^aße 
mit ber Slaubenfiraßc, mit ber Dorotl^eenftraße unb ber 
Leipziger Straße bilbet, hei bem @turm beS Lanbwe^r^eug^ 
|>aufe0 in ber Linbenfiraße, hei bem 5lleranberpla$ unb ber 
^auSooigtei. 

fünfmal prmte baS 5D?ilitair bie S3arricafce an bem 
(56llnifc{)cn ^athhan^e, aber jebeSmal fKirjten S^eiben von 
(Solbaten von ben wobl gezielten 8d^üf[en ber 33ürger' 
fcbü^en nieber. 3J?an ging gule^t fo tt>eit, mit ben Ä'arbät^ 
fd^en unb mit ©ranaten gegen biefe Söarricarbe 3u fc^iegen, 
fo baß baS ganje foniglidpe @cl)loß erbitterte unb erbrobnte. 
2)iefe kugeln jerftörten aber mebr baS |)inter ber ^ar- 
ricarbe liegenbe ^auS beS ^onbitorS b'i^eureufe als bie 33ar^ 
«carbe, unb erft nac^ einem ^reiftünbi^en ^ampf, nac^ibem 



folT bet folc^er vier Df^jiere unb 30 2Wann verloren baben. 
2lber fc^on wenige (Schritte binter biefer fo blutig erfämpf-- 
ten 33arricarbe waren neue S3arricarben entftanben unb am 
Söanifc^en fRaippan^e ftür^ten ganje ©teinbagel auf bie 
!truppen ^erab. 

23ei ber 33arrifabe an ber ^aubenfiraße lagen mebrere 
8ct)arffct)ügen f>inter Oelfäffern verftecft unb richteten eine 
furcl)tbare 33erwüf^ung unter bem fWrmenben 33ataillon an. 
9?oc^ ehe ber @turm begann, Ratten bie ©ürger bem com= 
manbirenben Wlafox ben SBertrag atmeboten, baß man ge^ 
genfeitig von ber (Sd^ußwaffe feinen ^ebraud^i machen woue, 
ber ^ajox ging hierauf nid^t ein; gleic|) beim erfreu ©türm 
jiür^te er getrofen vom ^ferbe; ein anberer Offeier na^m 
feine (Stelle ein, auc^ biefer flür^te tobt vom ^Jferbe. 
jDer britte @turm foftete einem Lieutenant baS Sieben. kn= 
^extern fielen x>iele Gemeine. 91unme^r begann an6) gegen 
biefe 33arrifabc ein mörberifc^eS ^artätfc^enfeuer. ^in junger 
@tubent mit fliegenben J^aaren flanb auf ber 33arrifabe 
unb fc^wenfte eine breifarbige ^a^ne. alle ^artätftben 
gingen an ibm o^ne 6d)aben vorüber, grauen unb 3ung= 
frauen webeten mit ^üc^ern i|>m auS ben genjiem ibre 
©lücfwünfd^e ^u. (Jnblic^ fiel ^war auc^ biefe S3arrifabe, 
aber fd^on an ber Leipziger Straße er^ob fid^ ein gleidj)er 
m6rberifcl)er ^ampf. X>oxt patte man bte Straße mit @laS 
belegt, ftebcnbeS SJBaffer unb furchtbare Steinmaffen Rauben 
auf ben :^äc^ern bereit. 

:Der Sturm auf baS Lanbwe^r^eug^auSin ber Linbenftraße 
bauerte von 5lbenbS 9U^r biS5U?orgenS lOUl^r. (Jtwa 20 junge 
Offiziere jjatten fic^ piex hinter ben genftern verfc^an^t unb 
itnterbielten ^ier mit gezogenen 33ücl)fen ein morberifd^eS 
geuer auf bie {»eranbrittgenben 33ürger. Huf jeben Sd)uß 
fiel einer ber 33ürger, aber immer neue Sd^aaren rüaten 
beran. din junger JPjanbwerfer in einer blauen 53loufe mit 
einem 33rec^eifen in ber .g)anb unb befranstem ,^ute 
ber fc|)on 6 Stunben lang an ben 33arrifaben gearbeitet 
patte, fommanbirte biefen Singriff. Hlle tugeln fd^icnen 
burcl) eine |>ö^ere Tla^t an feiner S3ruft abzuprallen, ^ann 
auf 5D?ann fielen an feiner Seite , immer neue greiwillige 
gewann er unb immer von 9?euem rücfte er an. ^nblicb 
würben Stro^maffen aufgehäuft, um f^limmften gatleS bur$ 
bie ^aft beS geuerS gu wirfen. Slber eS fehlten gacfeln, 
um ben 33ranb ge|)örig ju unterhalten unb man wollte bie 
^'fac^bar^äufer ni^t gefä^rben. (^S würben beS^alb Sc^arf^^ 
fc^ü^en von ber 33arrifabe an ber ^aubenftraße ge^iolt unb 
btefe bemolirten wirfli* mehrere genfter ber Äafeme. 51m 
TloxQen fiel fold^e enbiic^ unb baS S5olf f^leppte bie SGßaf^ 
fen armweife ^inweg. 

%n ber .^auSvoigtei wirften vier S^arffc^ü^en in ^^ro- 
lerbüten in einer furc^tbrr entfcl;eibenben SÖeife. deiner 
ibrer Scl)üffe feblte, fie wäblten felbp bie tnöpfe, an benen 
fte baS TOlitair treffen wollten, ^rft gegen 9)?orgen jogen 
ftc^ bie Sc^ü^en gurürf unb poftirten m in neuen S3arri^ 
faben. T)ie .iP)auSvoigtei, in welcher jid^ ein ^^eil ber 
Gruppen feftgcfe^t patte, würbe mehrere Stunben von ben 
23ürgem befc^offen. X)ie ganje untere @tage berfelben ifi 
ift bemolirt worben. 

3n ber neuen ^onigSftraße an bem 5lleranberpla| war 
eine 33arrifabe erbaut, welche viellei^t bie ftärffie in ber 
gangen Stabt war. hinter berfelben lag eine fiarfe 5lbt^ei^ 
Iitng ber ^iejtgen Sc|ü^engilbe. 2)ie tanonen beS Sd^j*— 



genbaufeS waren ^ier gugleic^ oufgepflangt unb bro^eten 
^ob unb SBerberben 3ebem, ber biefer 33arrifabe fidb nur 
gu naj>en wagen würbe. Sffiirflid^ prattte ^ier au§ jeber 
Angriff ab unb bie 3abl ber lobten unter bem ?y?ilitair 
foll piex am bebeutenbften fein, din fc^oner 3ug ^'el ^ier 
an einer ber 33arrifaben vor. ®n 23ürger, ber jtc^ gu mit 
vorgewagt batte, fh'trgte von einer ^gel getroffen nieber 
unb fiel über bie S3arrifabe fiinweg na* ber Seite ber 
Gruppen gu. 2)a fprang mitten im Kugelregen einer ber 
Bürger auf bie 33arrifabe pinanf; mit einem Zn6) in ber 
^anb rief er ben Solbaten gu: „galtet ein rnen Singen^ 
hliä, bis wir bie Leidjje unfercS gefallenen S3ruberS geret^ 
tet pahen. galtet ipx nic^t, fo ^auen wir (5u(fc in Stücfen." 
SBirflic^ bielt baS geuem einen Slugenblicf ein, bie Leiche 



I 



würbe voii ben 33rübem geholt unb bann toüthete ber 
Stanxpf Wetter. ^ 

©nige ^ürger fut^ten gerabegu ben ^Ibentob. din 
großer rtefiger ^ann fprang bmter einer 33arricabe, welcbe 
wegen awangelS an Sc^efigewebr bart bebrobet war ber-- 
vor u. fc^lug ben su^fujjrenben \!ieuteiiaitt mit einem an einer 
langen Stange befinblic^en i^afen nieber. J>ann fiel er 
von etnem gangen ^elotonfeuer gerfc^ettert vor ber &rri- 
cabe nteber. 

, <5in anberer 5Wann, wie eS pei^t, einhole, fprang mit 
an«n 2>egen bewaffnet, j^inter einer 33arricabc bervor unb 
faltete einem Dfftgier ben Kopf, dx expielt einen Stieb 
ttt ben^lrm, ber ibm baS gleifcj) ^runterriß. 3)?it biefem 
jlrm tobtete er noc^ gwei Solbaten, bann fiel er mit ^er- 
fc^mettertem .C)inifc^äbel nieber. 

din polnifc^er (Jbelmann, ber an ber ©arricarbe ber Zan= 
benftraie fämpfte, richtete ben Singriff feiner Schußwaffen 
9auptfad)li(^ auf bie Dffigiere, beren er brei getobtet ^aben 
fott. SliS er felbfi tobtli* getroffen nieberfanf, rief er einem 
neben ipm fämpfenben (ötubenten gu: Sorgt fiir dolens 
grei^eit. 

— 3ür 33eurt^eilung beS GeifteS, ber wä^renb ber ^age 
unferS Kampfes beibe Parteien, baS ^»ilitair unb baS SSolf 
befeelte, ftellen wir ^ier gwei Scenen nebeneinanber, bie wir 
von benen gebort, welche felbft barin mit leibenb unb mit 
t^atig waren. 3n bem ^aufe breite Straße 9. befanben fich 
me|>rere S3ewo|>ner in einem ^aufe beifammen. din ?)oligi|t 
(er würbe uns von bem ^auSeigentbümer genannt) patte bem 
SÄilitair gefaxt, baß auS bem ^aufe ein S^uß gefallen fei, 
fofort brang etn ^aufe hinauf, pieh auf bie wcbrloS baft^enben 
unbarm^ergig ein C^r. Kaufmann 33enbir, kx fic^ baruntcr 
b;fanb, patte gleich 8 ^iebwunben weg) unb fd^leppte fte ale 

,' Gefangene nac^ bem Sc^loßf eller. SllS bie TOß^anbelten bei 
ben Küraffiren Vorbeifamen, rief ein Ofß'gier: ^aut bie 
.J)unbe nieber! — Sin einer 33arrifabe ging eingreunb von uns, 
ber S3uc^^änbler Dr. SOBolff, vorüber; ein 3)?ann von ber 
S3arrifabe ging i^n an mit ben SSorten: 3^ ^abe ;ntc^tS gu 
effen. Dr. «Eßolff gab i^m 5 Sgr., ber Wlann ging in einen 
Sdcferlaben, unb ber Geber woute; eben weiter ge^en, als 
ibm im Gebränge U Sgr. in bie ^anb gebrücft würben, 
ber ^ann patte ftc^ für einen Sec^fer33rob gefauft unb mochte 
baS Uebrige Gelb nic^t bebalten, dx hatte rec^t, baS 3Solf 
Wirb i^n nic^t me^r ^ungent laffen aud^ öpne 33arrifaben. 

— Ueber bie Schritte ber| :5)eputation, ml^e als bie le^te 
fic^ vor bem ©nbruc^e ber 5^ac^t vom Sonnabenbe gum 
Sonntage gum Könige begeben pat, berichten wir verbürg- 
termaaßen me folgt: 2)er 33uc^^änbler Dr. 3, ?. Gum= 
b inner, ber pr. Slrgt Dr. (?öwe, StabtbegirfSvorfte^er 
Labemann unb fRina, Stabtverorbnetcr ^emin, fämmt^ 
lic^e 33ewo^ner ber aßen ^Joftfhaße traten gufammen um 
i^re ffli^t na^ ©nftc^t gu t^un. Sie forberten einige 
5Rac^bam bis gum föllnifcl)en dtatppaufe auf, fiö) ipnen ^n= 
gugefellen, aber vergeblich. ^nx6) bie bewaffneten unb 
tobenben ^ufen brangen fte bis gur 2Ö3o^nung beS 33 i^ 
fc^ofS ^f^eanber in ber 33rüberftraße vor, ber mit ent- 
fd^loffenem ^ntpe ftc^ im geiftlict)en Ornate gu i^en 
gefeilte. jDiefe ?D?änner gogen in feterlid)er Haltung, ent- 
olößten ^aupteS, begleitet von bem 33eifallritfen ber 33ür^ 
0er burdj) bie ^ruppenf>aufen nac^ bem Schlöffe. — 33rav, 
t^r griebenSfiifter, fc^rie baS SBolf, bringt unS ben grieben. 

"^la^ einigen Sc^wierigfeiten gelang ber 3"^^^ gnni 
Könige. 

:Die ©ntretenben erflärten: baS 33olf fei fampffcrtig, 
Straßen unb T)ä&>ex gum SÖtberf^anbe eingericl^tet, bte 
golge ttk^t gu bered;nen. jDaS '^ilitaix mö^e in feine ^a= 
fernen gurüdfaegogen werben, bann nur fei bem 53lutver' 
gießen tvorgubeugen. Seine ^Wajeflät antwortete in ben 
gnabig^ unb freunblic^jien gönnen baffelbe, waS fpäter 
m ber ^roflamation vom 18. gum 19. ^är^ auSgefpro(^en 
würbe; bog nämlic^ guerft baS 3Solf feine (Stellungen auf- 
geben muffe, e|>e ber König bie 3:;ruppen gurücfgiet>en fönne. 
X>ie X>eptttation an baS genfier fü^renb wies ber König 
ncK^ ber von Sßaffen bli^nbcn KönigSfbraße ^in unb 
äußerte: fc^en Sie; biefe Straße gehört mir. dx ver^ 
fpta*^ gern SlUeS gu gewa{>ren, aber nur ber 33ttte, nic^ 
ber Gewoft. ^ie Slbgeorbneten verfuc^ten, wä^rcnb unb 



nac^bem fie ben 23ifc^of nac^ ^a/fe geleitet hatten, vergeblich, 
baS 35olf gur^inwiUigung in biefen burc^ beS Könige SBortver-- 
bürgten ^Bertrag gu veranlagen. Sin ben 33arrifaben mit 
Unwillen gurücfgewiefen, fonnte fic^ ij^re Uebergeugung nur 
verftarfeit, baß feine anbere ^D?aaßregel als bie augenblicf- 
Itc^e 3urücfgie^ung ber 2:ruppen eS vermocht baben würbe, 
bte ntbrnreic^ie ^ac^r beS 18. — 19. ^Dläx^ aus einer "^aö^t 
beS 23luteS in eine S^^ac^t beS 3ubelS unb ber ©rüberlic^-- 
feu für alle Parteien gu verwanbeln. 3. ÜJ?inbing. 

— (^re allen ^apfem, GewiffenSvotten! Söürger unb Sol^ 
baten ftnb gefallen für bie 3nterefren beS SßaterlanbeS. Die 
bepel^enbe Orbnung, obgleich fie ffürgen miifite, ift boc^ eine 
maä)t gewefen, für beren ^epeben treue 3J?änner fid^ auf-- 
opfern burften. ^Denn jebeS ^efteben will aud) georbnet 
fem. S3egraben wir unfere 33rüber gem'einfc^aft^ 
ltc|), möge jenes Grab, welches Sllle umfängt, gugleid^ ein 
Denfmal bleiben für bie 33erbrüberung beS beutfd;en 33olfeS. 

3- ^O^inbing. 

9^ocb nie^ ift vielleid;t in ber Söeltgefc^te ein folc|«r 
Uöecbfel er^rt gewefen, als ber jenige, ber am Sonnabenb 
tu unferer Stabt pexxfd)te. So eben noc^ 3ubel unb ^ur-- 
rab unb fc^on wenige mnnten fpäter 5lßutj)gej>eul unb 9tuf 
nac^ D^ac^e. ^ie Gebulb ber 33ürger, {>ieß eS, fei erfcböpft. 
3n etner Stunbe |war ber Slnblicf ber Stabt vöttig veran^ 
bert. „Sluf bie 3:bürme," rief man, „an bie Sturmglocfen." ^ie 
Kirc^tburen würben erbrochen, bie Xbüifäd)er mit Sletten 
ejtgefc|>lagen , bie acbtbarften g}?änner läuteten felbft 
^turm unb riefen gu ben Söaffen. äßie burc^ 3auber^ 
fct)lag ftie^en bie 33a ricarben empor. 3ebe( gab bereit 
wtlltg, was er batte, Xjjorflügel, 3aune, 2ßagen, ^Jfäble 
u. f. w. Sclbft Königl. 33eamte, ScbriftfieUer unb Ge-- 
lebrte arbeiteten mit bem gemeinf^en ^Tagelöbner im 33unbe, alle 
rcict)ten fid; brüberlicl) bie ^anb. X)ie grauen fochten daffee 
unb fct)nitten 33robte entzwei unb reiften biefe l^ebenSmit^ 
tel auf bie Straße binauS. 3n ben Straßen goß man 
Kugeln unb fct)miebete fangen. 3eber Solbat, ber fi& feben 
Iteß, würbe entwaffnet, jebe Sad;e geftürmt. 3m 2Bob^ 
nungSangeiger ermittelte man bie SSobnunaen ber Ofß'riere 
unb gwang bie grauen bie Söaffen ber abwefenben ^än^ 
ner auSguliefern. X)ie Kaufleute vert^eilten unentgelblidS> 
CEigarren. Die woblbabenben 3?ürger fammelten Gelb unb 
ließen für bie Slrbetterl'ebenSmittcrberbei^olen. :Die grauen 
unb 3:öc^ter felbft 2)amen vom Slbel unb grauen bober 
33eamten fct)leppten in Körben unb in ben Sd;ürgen (steine 
auf bie 2)äc^er unb Kirc^tbürme unb an ibre genfter. :iDaS 
^Mlitaix muß fofort auS ber Stabt, baS war ber allge^ 
meine dinf. SliS bie er^en Kanonen erbröbntcn , ba wuc^S 
bie l^ufi gum Kampfe, niemanb fannte ein Gefübl von gurcbt. 
Sitte genfter waren erleu^tet, bamit bie Slrbeiter unb 
Kämpfer fe^en fonnten. Sobalb baS ^ilitaix trgenbwo 
anrücfte, borte biefeS rege ^eben me mit einem 3auber^ 
fcl)lage auf, alle überflüffige ^erfonen gingen in bie Käufer 
unb verfc^loffen folc^e, bie 5)?änner mtt (sc^ießgewebr gin= 
gen hinter bie 33arrifabe, bie anbern ftiegen auf bie i)äc^er. 
2)ie Kavatterie fonnte, ba aUeS ^Jflafter gerriffen war, gar 
nic^t me^r wirfen, nur 3nfanterie war anguwenben. Smcb 
biefe fonnte nirgenbS in größeren Waffen anrüden, ba bie 
23ücl)fen ber Sd^ü^en unb bie Steinwürfe von ben Dä^rn 
fonj^ gange Glieber nieberftredten. 2)ie 3nfanteriften fcbli-- 
c^en bat?er eingeln an ben i^äufern lang, aber fobalb fie an 
eine 33arrifabe famen, mußten fiii) bie d ngelnen wieber in 
größaen i^aufen fammeln unb nun begann wieberum bie 
neue Gefahr. Slm furc^tbarjien war bie 3erufalemSftraße 
verfc^gt, weil bort gerabe 3abrmarft war. 3ebe 33ube 
würbe in eine gefhtng verwanbelt. 

2)ie (Erbitterung im 33olfe würbe befonberS baburcb furcbt= 
bar vermehrt, baß bie Solbaten in bie ,^äufer ber erobere 
ten (Straßen brangen unb auS folc^n eine ^en^e gang 
unfc^ulbiger ^eac^teter '^annex gefangen ^nwegfci)leppten. 
@S würben biefe Männer mit 33inbfabengef nebelt unb trupt^' 
weife nacl) bem S3ranbenburger ^bor geÄac^t, wo i^re Sln^ 
ga^l balb auf 600 anwuchs, ^er würben immer gwei unb 
mei CeS waren barunter fc^wer vrrwunbete Greife, unb 
Ul^änner ber befien Stänbe) mit gefnebelten ^nben gufam^ 
mengefoppelt unb von einem S3ataillor vom (stettiner 9^e^ 



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1/ -r 11 id :a j« ;t|t j( .,» jX .j-/ •.« i-f .rf -.f ■,-* it -tu» ir*~i 'i -•• -* "4 "•« <i II' ki »f . il »■( -11 t M u« ~i •■ t a I ,-j .1 



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Samstag/Sonntag, 23724. Mai 1953 / Nr. 120/121 



DDE NEUE ZEITUNG 



Seite 7 



^;^ Leo Baeck zum 80. Geburtstag 

Dem Menschen und Gelehrten zugedacht von Bundespräsident Theodor Heuss 



In der gestrigen Ausgabe der „Neuen Zei- 
tung** gedachte der Landesrahhiner von Baden, 
Dr. Robert Rafael Geis, des 80. Geburtstages 
Leo Baecks. Heute geben wir einen Beitrag 
wieder, den Bundespräsident Theodor Heuss 
aus Anlaß des Geburtstages Baecks dem In- 
formationsblatt der jüdischen Flüchtlinge in 
London zur Verfügung gestellt hat. In einem 
weiteren Artikel schildert Kreisdekan Her- 
mann Maas (Heidelberg) die Bedeutung Baecks 
für die christliche Theologie. 
Idi bin dankbar dafür, meine Verehrung für 
Leo Baeck zu seinem achtzigsten Geburtstag aus- 
drücken zu dürfen, und ich darf in diese Bekun- 
dung auch die herzliche Empfindung einbeziehen, 
die meine verstorbene Frau^ mit Baed^s theologi- 
schem Werk viel näher vertraut, als ich es bin, 
dem Gelehrten und dem Menschen entgegen- 
brachte. 

Sein geistiger Rang, die Würdigung, die er als 
Berliner Oberrabbiner nicht bloß bei den Juden, 
sondern auch in den theologisch interessierten 
Gruppen über den jüdischen Kreis hinaus genoß, 
waren mir schon bekannt, ehe ich ihn im Hause 
meines württembergischen Landsmannes und 
Studienfreundes Dr. Otto Hirsdi persönlich ken- 
nen lernte. Hirsch war, als der Nationalsozialis- 
mus mit seiner Vernichtungspolitik gegen den 
jüdisdien Mensdien begann, aus Stuttgart nach 
Berlin übergesiedelt und hatte sich — dem be- 
deutenden Manne waren vom Ausland her starke 
beruflidie Wirkungsmöglichkeiten angeboten — 
an die Spitze der „Reichsvertretung der deutschen 
Juden" stellen lassen. Die Gespräche mit ihm, mit 
Leo Baedc, waren, wie konnte es anders sein, 
tragisch durdifärbt — beide Männer illusionslos, 



Scham stand, mit billigen Worten das sie bedro- 
hende Schicksal an die Seite zu reden. Aber es 
war dann doch eine tiefe Erschütterung, als ich 
von Otto Hirschs Frau erfuhr, daß sie ihn in 
Mauthausen ermordet hatten, ihr eigenes, gleiches 
Los hörte ich, von Berlin verzogen, erst nach 1945 
und audi dies, daß Baeck nach Theresienstadt 
verschleppt worden, aber noch am Leben war. 

Leo Baeck wird, denke ich, nidit widersprechen, 
wenn ich sage, daß die gleiche Liebe zu Otto 
Hirsch und die gemeinsame Trauer um seinen 
Märtyrertod das Band waren, das unseren Begeg- 
nungen in den letzten Jahren den Charakter des 
Menschlich-Unmittelbaren gab. Wir haben Ge- 
schichtliches, Politisches, Theologisches be- 
sprochen — Otto Hirsch war der sdiweigende, 
aber von uns in der Kraft seiner männlichen 
Natur erspürte Partner unserer Gespräche. 

Von diesen will idi nicht weiter erzählen. Idi 
bewahre sie als Geschenke in meinem Gedächtnis, 
weil es eine Gnade ist, in dieser Zeit der seeli- 
schen Verwirrung drei Kräften in einem Men- 
schen zu begegnen: der ruhigen Würde, der sou- 
veränen Bildung und der inneren Freiheit. Aber 
dies darf ich sagen: Nach solch einem Besuch 
reflektierte ich über den Einfall, wenn Lessing 
wieder gespielt wird, müßte der Darsteller des 
Nathan vorher ein paar Tage den Umgang Leo 
Baecks zu erreichen suchen. Natürlich weiß ich, 
daß Lessing 18. Jahrhundert ist und Nathan gar 
kein Rabbiner, daß Generationen inzwischen jü- 
dische und christliche Theologie sehr wechsel- 
reicher Färbung entwickelt haben und Baeck dar- 
über nicht bloß Besdieid weiß, sondern daran 
Teil hatte. Aber das stört midi nicht, diese Über- 
legung mitzuteilen. Sie möchte im rechten Sinn 



und es wäre em Selbstbelugen gewesen, hätte ich verstanden werden. Das gelingt, wenn man Les- 
wagen können, der ich vor ihnen in der inneren j sing wieder liest. 

Der Einfluß auf die Theologie 

Baeck^ Werk, ein Weckruf an die Christenheit / Von Hermann Maas 



Es ist schon ein Wagnis, über Dr. Leo Baeck, 
den großen jüdischen Theologen, zum 80. Geburts- 
tag ein Wort zu sdireiben. Er ist durch sein ehr- 
würdiges Alter, seine durchgeistigte Erscheinung, 
seine mensdiliche Haltung und seine theologische 
Bedeutung uns irgendwie entrückt. Er ist ein 
Mann, der gefangen nimmt durch die feine, fast 
zarte Art zu reden, — ein „milder Mann". Mit 
einer etwas umflorten Stimme trägt er in wun- 
derbarer Freiheit von Konzept und Notizen seine 
Gedanken in edelster Fassung vor. Und er ist 
einer, der über die Schatten und das Gewölk um 
ihn stets das Haupt reckte, und mitten in den 
Stürmen heilige Ruhe in seinem Gott fand, ein 
Frommer im wahren Sinne. Sein Leben und Wir- 
ken gehören in die Kategorie des „Heiligen". Und 
das zwingt zum ehrfürchtigen Schweigen vor dem 
Letzten und Tiefsten. 

Wenn ich als Nichtjude aus dem reichen Schatz 
seiner Schriften hier nur an die eine oder andere 
erinnere, so tue ich es, um anzudeuten, wie in- 
tensiv sich Leo Baedc in seinem Leben nicht bloß 
mit dem Judentum beschäftigt hat, um wesent- 
liches über es zu sagen, sondern wie er ebenso 
auch gerungen hat mit den großen Phänomenen 
und Problemen des Christentums. Und er tut bei- 
des noch heute als ein universaler Gelehrter, Phi- 
lologe und Philosoph, Historiker und Künstler, 
und das alles vereint in dem, was ihm das Wich- 
tigste ist, als jüdisdier Theologe und Prediger. 

Seine gedruckten Werke sind die Früchte stiller, 
intensiver Geistesarbeit, glänzender Beherrschung 
des Stoffes und der immensen Literatur, sowohl 
der jüdischen als audi der griechisdien, der hel- 
lenistischen und der christlichen „in drei Jahr- 
tausenden". Und sie sind voller Leben, überzeu- 
gend, bewegend und voll der dominierenden Wir- 
kung des Geistes und des Reichtums geistiger 
Mittel. 



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Sdireibt oder redet Dr. Leo Baeck über das 
Judentum, und er hat das in umfassenden Wer- 
ken und in einer Fülle von Aufsätzen getan, so 
tut er es hiit der inneren Sicherheit des jüdi- 
schen Gottesmannes und der tiefen Kraft, die er 
aus dem Schrifttum und aus der Seele seines 
Volkes schöpft Ein Rabbiner ist meist Führer 
einer Minderheit, der „kleineren Zahl", Tröster 
der Angefochtenen und oft furchtbar Bedrohten. 
Das ist eine martyrienreiche Aufgabe, und sie 
könnte wohl dazu verführen, erregt, polemisch, 
von oben herunter zu reden. Leo Baeck tut das 
nie. Er ist gehalten von dem heiligen Schrifttum, 
das ihm der Urquell aller Weisheit und Erkennt- 
nis, aller Frömmigkeit und alles Wandels ist. So 
redet er über „das Wesen des Judentums" und 
über „die Wege in das Judentum". So über die 
Berufung des Gottesvolkes, über den Gottes- 
knecht, über den Menschensohn, über die mes- 
sianische Erwartung und über die jüdische Ver- 
kündigung und Predigt. So bahnt er Wege zur 
Bibel, zum Alten und Neuen Testament, dann 
wieder in den Midrasch und in den Talmud und 
weiter durdi das Mittelalter und schließlich in 
die jüngste Zeit, mit ihrem Ringen und Fragen 
nach Gott. Der Glaube ist ihm eine Gewißheit 
„zu Gott hin". Das Hintraditen zum ewigen Sinn. 
Er ist ihm das Herz aller Dinge, die Glut, die 
den Stahl durchglüht. Und darum geben seine 
Bücher Rechenschaft von dem, was dieser gläu- 
bige Jude glaubt, was diese außergewöhnlich 
reiche Seele erlebt und vernimmt. Und so ist 
jedes eine Garbe, in der sich Ähre an Ähre 
drängt, jede ausgereift in bösem Wetter oder im 
Sonnensdiein, in Trauer oder Freude, in der hei- 
ßen Glut eines arbeitsreichen und gebetstiefen 
Lebens. Die Ähren haben den warmen Hauch 
der Scholle, in der sie gewachsen sind, in si<ii 
aufgenominen, aber auch der leise Tau des Him- 
mels ist auf sie niedergesunken. Sie enthalten 



in ihm Sätze stehen, wie sie uns in gleicher oder 
ähnlicher Fassung in den jüdischen Überlieferun- 
gen begegnen, sondern weil die reine Luft, die 
es erfüllt, die der Heiligen Schrift ist, und weil 
jüdischer Glaube und jüdische Hoffnung, jüdi- 
sches Leid und jüdische Erwartung es durchklin- 
gen. Es ist erstaunlich, wie sich Baeck hineinge- 
dacht und hineingearbeitet hat, nicht bloß in das 
Evangelium, sondern auch in die evangelische 
Theologie und ihre großen, schwierigen Entfal- 
tungen durch Jahrhunderte hindurch bis zur jüng- 
sten Gegenwart. Auf wenig Seiten vermag er 
ganz klare Aufrisse und sidiere Urteile über be- 
stimmte theologisdie Fragen zu geben. Man lese 
nur einmal den Aufsatz über Theologie und Ge- 
schichte, in dem er den Anbrudi der neuen Theo- 
logie, der dialektischen nach der Epodie des 
Historismus ankündigt und darstellt. 

Besonders interessant ist, wie Leo Baedc ver- 
sucht, die ursprüngliche evangelisdie Botschaft 
zu entdecken, und die Verbindungen des Neuen 
Testaments mit der Offenbarung des Alten und 
der jüdischen Tradition darzustellen, wobei er in 
ergreifender Weise das Eigentümliche des geist- 
lidien Lebens der jüdischen Tradition, in die die 
alte Evangelienüberlieferung gehört, schildert. 

Er sieht aber auch den Wandel des Ursprüng- 
lichen bis hin zu der verhängnisvollen Scheidung 
der ersten GemeJide von;- jüdischen Volk, so daß, 
wie er sagt, aus dem Neuen im Judentum ein 
Neues gegen das Judentum wurde. Für Baeck ist 
das Geheimnis dieser Vorgänge etwas unendlich 
Schmerzliches. Was an sich philologisdie Ab- 
wandlungen oder nur Neu Wertungen von Worten 
und Begriffen zu sein scheinen, sind Baedc Er- 
eignisse, denn „der Begriff ist für ihn dem 
Offenbarungsgeschehnis unebenbürtig". Ja, es 
sind geradezni dramatische Voongänge, die tm tra- 
gischen Resultaten führten, zu Substanzverlusten, 
zum Abbruch des Gesprächs zwischen Israel und 
dem Christentum, und was noch sdüimcmer ist, 
zum Verlust des Bruders. Darum lese ich zwi- 
schen den Zeilen eine von Liebe bewegte Klage. 

In dieser Klage webt aber die sdimerzlidie und 
nur allzu berechtigte Frage an die christliche 
Kirdie, warum sie die Prädikate, die der jüdischen 
Gemeinde gehören, sidi beimesse, als der wahren 
Gemeinde, dem wahren Israel, der eigentlichen 
Erbin der Verheißungen an Abraham, dem „drit- 
ten Gesdilecht", während doch Israel immer noch 
Israel sei und unter den Verheißungen Gottes als 
das „dritte Geschledit" stehe. Dr. Baeck hat allen 
Grund zu dieser Frage, U)id man beginnt audi in 
der christlichen Theologie und Kirche ihm recht 
zu geben. Man ahnt, daß es hier um Urworte 
geht, mit denen man nichl spielen darf, und liest 
auch in der Bibel neu, selbst wenn man mit Baedc 
über Mißverständnisse, wie etwa den Vorwurf, 
das Christentum sei die romantische Religion, 
rechtet. 

Hier halte ich inne. Es darf nicht beim Abbruch 
des Gespräches mit Israel bleiben. Und wenn 
gerade der furchtbare Ausbrudi der Tragik des 
Sidi-Nichtverstehens in Haß, in Veraditung und 
Schändung zu unserer Zeit gesdiehen ist und auch 
an Leo Baeck, dem stillen, alten Mann, nicht vor- 
überging, sondern ihm furchtbare Wunden schlug, 
so ist sein 80. Geburtstag ein ersdiüttemder 
Weckruf für die christliche Kirdie. Und so mag 
dieser Tag nicht bloß ein großer Tag für das 
Judentum sein, sondern audi ein Tag, an dem 
die Kirche ihm Dank zollt und das Gelöbnis zu 
einer neuen Stellung zu Israel ablegt und zur Tat 
werden läßt. Es geht ja um das Heilige und um 
einen Mann, der ein langes Leben dem Heiligen 
diente. Nathan Söderblori, ein anderer großer 



Mann dieser «pokalyp'ü 



«-«Ca», Sc^t cinmirii^ 



„Heilige sind Menschen, die als Salz der Erde 
dazu beigetragen haben, die Welt vor Fäulnis zu 
bewahren, und soldie, die das göttliche Licht voll 
ausstrahlen lassen für sidi und andere, und 
schließlich Mensdien, die durch ihr Wesen, ihr 
Leben und ihre Taten zeigen, daß Gott lebt. Sie 
leuditen durch die Zeiten." Mit diesem Wort 
grüße ich Leo Baeck in dankbarer Ehrfurcht 



I Vorsicht! Morgen sind Sie dran! 

I (Vielleicht auch schon heute?) 

Ein Lehrgang für jeden, der sidi seine gesunden Knochen so lange wie nur möglich erhalten und 

nicht gern früher sterben möchte, als er unbedingt muß. 

Von Egon Jameson i ■ 



Abteilung I. Nur für Fußgänger 

(Und da wir alle mal zu Fuß gehen, ist es für jeden) 

Sechste Lektion : Der Tod tanzt zwischen den Scheinwerfern» 

Darum hüten Sie sich auj der Landstraße? 

sichtslosigkeit und wohl auch die Ahnungslosig- 
keit mancher Fahrer und Passanten sdiafft un- 
behindert weiter Kummer und Sorgen in zahl- 
losen Familien." 

Ich spreche mit Beamten der Landpolizei. Sie 
alle stöhnen aus tief bedrängten Herzen: „Es ist 
wie verhext! Soeben ist ein Bauer auf der Land- 
straße wieder zwischen zwei Sdieinwerfer ge- 
raten ... er Ist beerdigt . . . und der Herr Pfarrer 
hat gerade noch alle vor den Gefahren der 
Chaussee gewarnt . . . und in der gleidien Nacht 
schleppen wir noch so einen Zusammengefahre- 
nen in die Klinik!" 

Ein Verkehrsbeamter setzt mir auseinander, 
wie er von Schule zu Schule, von Klasse zu 
Klasse geht . . . und mit den Kindern spricht . . . 
und ihnen an kleinen Beispielen zeigt, wie vor- 
sichtig sie stets zu sein haben . . ." 

wir nehmen die Kinder abends auf unseren 

Fahrten mit . . ." 

und wir ericlären ihnen deutlidi, wie plötz- 
lich zwischen zwei unabgeblendeten Scheinwer- 
fern jede Sicht für den Mann am Steuer beendet 
ist, wie sich plötzlidi die didcsten Riesen in 
Nidits aufzulösen scheinen . . ." 

Ich höre überall auf dem Lande, daß sidi die 
örtlichen Behörden die größte Mühe geben, auf 
jedem Bauernhof selbst die Jüngste Kuhmagd 
über die Gefahren der Chaussee zu unterrichten: 
„Du denkst natürlidi an nichts Böses. Das 
Schlechte aucht eben unerwartet auf . . . und 
«;chon liegst du sterbend auf dem Boden oder 
wirst blutend zum Doktor gebradit. Denke dodi 
ständig daran! Je mißtrauischer du auf der nodi 
so leeren, noch so ungefährlichen, noch so unbe- 
fahrenen Chaussee bist, desto seltener kann es 
dir passieren . . . daß dir was passiert!" 

Die Verkehrsposten spredien im Heimatdialekt 
ihrer Hörer. Selbst die Warnsdiriften, die sie ver- 
teilen, sind in der Sprache der Landbevölkerung 
gefaßt. 

„Hilft es denn?" 

Ein Experte für diese Frage schüttelt verzwei- 
felt seinen Kopf. 

„Nichts. Es bleibt alles beim Alten. Als ob wir 
nie gewarnt hätten." 

„Dann ist also diese Form der Propaganda nidit 
ausreichend?" 

Der Beamte antwortet: „Nein!" 

Soll man also machtlos beiseite stehen und zu- 
schauen, wie sich die Särge und Krankenbetten 
füllen? 

Nein. Es gibt eine Möglichkeit. Sie ist redit un- 
bequem und wahrscheinlidi audi sehr kostspie- 
lig. Aber schließlich handelt es sich um die Ret- 
tung von Menschenleben. 

Man hat, ähnlich wie bei Schneegestöber oder 
anderen Unwetterkatastrophen, besondere Auf- 
klärungstrupps, möglichst auf Motorrädern, bei 
anbrechender Dunkelheit und während der Fin- 
sternis durch noch zu enge Chausseen zu schicken. 
Sobald die Beamten einen unvorsichtig dahln- 
tappsenden Passanten antreffen, haben sie ihn 
gewissermaßen In flagranti 7.u «teilen, haben \\\i\ 
I auf sein rücicsicntsloses, sich und andere geiähr- 
I dendes Benehmen aufmerksam zu madien und 
dafür zu sorgen, daß dieser Selbstmordkandidat 
sich fortab korrekt weiterbewegt. 

Nur durch diese sorgsamste Kleinarbeit wird 
man den Tod zwischen den Scheinwerfern ver- 
treiben. Oder die Technik erfindet endlich das 
nicht mehr blendende Autolicht. Aber bis dahin f 



Das ist, was mir Oberschwester Gisela im Mün- 
chener Krankenhaus . . . nein, Oberschwester, ich 
weiß ... ich nenne Sie nicht, obwohl ich wünschte, 
ich könnte das, was Sie Ihren Mitmenschen zu 
berichten haben, getrost mit dem Siegel Ihrer 
Autorität ausstatten . . . also: das ist, was mir 
diese Frau auf die Seele band, wie sie es aus- 
drückte, und was ich nicht etwa gelegentlich ein- 
mal in ein paar Sätzen erwähnen sollte: „Füllen 
Sie eine ganze Seite und, wenn es geht, eine zweite 
und auch nodi eine dritte Seite, am liebsten alle 
Seiten . . . und jeden Tag . . . nur . . . nur . . . da- 
mit die Leutchen es endlidi wirklidi zur Kenntnis 
nehmen . . . damit die Welt von jener Geißel be- 
freit wird, ja, die Welt, denn idi höre das gleiche 
Wehklagen aus Madrid . . . und aus Genf . . . und 
aus Edingburgh.** 

Oberschwester zieht mich durch die Stodc- 
werke: „Da . . . dort wieder eine ... ja, die hübsche 
Kleine in Gips . . . mit dem jammervollen Leidens- 
zug um das so junge Mündchen . . . und der da . . 
und dort ... sie alle . . . alle liegen hier . . . seit 
Wochen ... oft sogar schon monatelang . . . und 
sie sind noch die glücklichsten Ausnahmen . . . 
Die meisten endeten im Sarg." 

Ich unterhalte mich mit einem der Vergipsten: 
„Wie kam's denn?" 

Er schüttelt behutsam den Kopf. 

„Wo?" erkundige idi mich. 

„Chaussee . . . Bergenhausen . . ." 

„Wann denn?" 

„Vor drei Wodien an einem Dienstag, abends. 
Im Zwlelidit." 

„Und?" 

„Ich weiß ja nichts. Idi ging ganz am Rand. 
Dann wadite ich auf . . . hier." 

Der nächste ist besser über seinen Fall 
unterriditet. Es war auch auf einer Landstraße. 
Audi im Zwielidit Im Regen. Er war auf dem 
Heimweg aus dem Werk. „Ich ging am äußersten 
Rande. Ich habe wirklich ausreichend Platz für 
die beiden Autos gelassen, die aus verschiedenen 
Richtungen auf mich zurasten. Plötzlich blende- 
ten mich beide mit ihren Scheinwerfern. Ich sah 
nichts mehr. Idi wollte abseits springen. Aber 
schon stieß mich einer der Wagen zu Boden. Die 
rechten Räder fuhren über meine Beine. Ich 
schrie. Aber es blieb um mich still und dunkel. 
Ich erwachte erst hier nach der Operation." 

„Die Polizei sucht den entflohenen Fahrer**, er- 
gänzt die Oberschwester. „Es ist bestimmt ver- 
gebliche Mühe. Idi bin überzeugt, der Chauffeur 
hat keine Ahnung, was er angerichtet hat. Das 
ist ja, was idi meine: der Autler hat unseren 
Herrn Brennert überhaupt nidit gesehen. Er hat 
ihn auch nicht sehen können. Die beiden aufein- 
ander lossausenden Wagen blendeten die Fahrer 
so stark, daß keiner von ihnen zu erkennen ver- 
mochte, was sich im Raum zwisdien ihnen ab- 
spielte. Die riesigen Lichtmengen haben Herrn 
Brennert einfach unsichtbar gemacht . . . jeden- 
lalls für die selbst geblendeten Chauffeure.** 

„Aber, Oberschwester Gisela, diete Gefahr 
I:2i.^t d-^.\' iedor -rrfahrp*^-) ^nV^'^.** 

„Ja, Ja, aber täglich kommen in der Welt hun- 
dert neue unerfahrene Chainffeure hinau. Nie- 
mand von den Fußgängern nimmt ernsthaft Notiz 
von diesem Mangel unserer Technik. Denn man 
bemüht «ich «chon seit jeher ein Scheinwerfer- 
lidit anruschaHlen, dais dieses Blenden vermeidet 
Es ist auch «dion durch adlerlei Polireiverordnun- 
gen bei un« besser «eworden. Aber die Rück- 



tensiv sich Leo Baeck in seinem Leben nicht bloß 
mit dem Judentum beschäftigt hat, um wesent- 
liches über es zu sagen, sondern wie er ebenso 
auch gerungen hat mit den großen Phänomenen 
und Problemen des Christentums. Und er tut bei- 
des noch heute als ein universaler Gelehrter, Phi- 
lologe und Philosoph, Historiker und Künstler, 
und das alles vereint in dem, was ihm das Wich- 
tigste ist, als jüdisdier Theologe und Prediger. 

Seine gedrudden Werke «ind die Früchte stiller, 
Intensiver Geistesarbeit, glänzender Beherrschung 
des Stoffes und der immensen Literatur, sowohl 
der jüdisdien als auch der griechischen, der hel- 
lenistischen und der christlichen „in drei Jahr- 
tausenden". Und sie sind voller Leben, überzeu- 
gend, bewegend und voll der dominierenden Wir- 
kung des Geistes und des Reichtums geistiger 
Mittel. 




Leo Baeck 



(Privataufnahme) 



Bibel, zum Alten und Neuen Testament, dann 
wieder in den Midrasch und in den Talmud und 
weiter durch das Mittelalter und schJießlidi in 
die jüngste Zeit, mit ihrem Ringen und Fragen 
nadi Gott. Der Glaube ist ihm eine Gewißheit 
„zu Gott hin**. Das Hintrachten zum ewigen Sinn. 
Er ist ihm das Herz aller Dinge, die Glut, die 
den Stahl durchglüht. Und darum geben seine 
Bücher Rechenschaft von dem, was dieser gläu- 
bige Jude glaubt, was diese außergewöhnlich 
reiche Seele erlebt und vernimmt. Und so ist 
jedes eine Garbe, in der sich Ähre an Ähre 
drängt, jede ausgereift in bösem Wetter oder im 
Sonnensdiein, in Trauer oder Freude, in der hei- 
ßen Glut eines arbeitsreidien und gebetstiefen 
Lebens. Die Ähren haben den warmen Hauch 
der Scholle, in der sie gewadisen sind, in si<ii 
aufgenonlmen, aber auch der leise Tau des Him- 
mels ist auf sie niedergesimken. Sie enthalten 
eine Aussaat in den Acker seines Volkes und 
audi der Christenheit und unserer Zeit. 

Darum scheint mir dieser sein 80. Geburtstag 
ein Aufruf zu sein, auf ihn zu hören und das Ge- 
spräch über das Judentum gerade mit ihm daran 
anzuknüpfen und uns so neu zu besinnen. Denn 
hier werden Schätze vor uns ausgebreitet, von 
denen wir noch viel zu wenig wissen. Hier strah- 
len ewige Lichter um „das Mysterium", „das Ge- 
heimnis Israels". Dr. Leo Baeck ist ein Leucht- 
turmwäciiter, der in langen, ermüdenden Näch- 
ten das ihm anvertraute Lidit hütet, nicht bloß 
für sein Volk, das auf stürmischer See dahin- 
treibt, sondern audi für uns. Nach einem seiner 
Vorträge über die Renaissance oder besser die 
Wiedergeburt des Judentums konnte ich nicht 
anders, als vor den Hörern bekennen, daß das 
Tiefste und Eigenartigste und Sdiönste dabei ge- 
wesen wäre, daß ein begnadetes Gotteskind zu 
uns so warm und klug, so demütig und so adelig 
gesprochen habe. Besonders groß ist dabei, wie 
Baeck, der mit größter Peinlichkeit auf das 
Kleinste aciitet, immer zugleich das Große, das 
Weltgesdiichtlidie, das Universelle des Juden- 
tums aufzeigt, das im Denken der Menschheit 
seinen Platz beansprucht. Seine Frömmigkeit ist 
nidit statisch, sonder dynamisch, bewegend und 
auf das Kommende gerichtet. 

Es ist darum kein Wunder, daß Leo Baeck sich 
auch so intensiv mit dem Christentum beschäftigt. 
Er sagt einmal nadi einer ergreifenden Schilde- 
rung der Gestalt Jesu: „Die jüdische Geschichte 
und das jüdisdie Nadidenken darf an ihm nie 
vorbeischreiten oder vorbeisehen. Seit er gewe- 
sen ist, gibt es keine Zeiten, die ohne ihn gewesen 
sind, an die nicht die Epodie herankommt, die 
von ihm den Ausgang nehmen will." Das Evan- 
gelium i8t ihm ein jüdisdies Buch, nicht nur, weil 



überging, sonaem ihm fur-'ntbare wunaen schlug, 
so ist sein 80. Geburtstag ein ersdiüttemder 
Weckruf für die christliche Kirche. Und so mag 
dieser Tag nicht bloß ein großer Tag für das 
Judentum sein, sondern auch ein Tag, an dem 
die Kirche ihm Dank zollt und das Gelöbnis zu 
einer neuen Stellung zu Israel ablegt und zur Tat 
werden läßt. Es geht ja um das Heilige und um 
einen Mann, der ein langes Leben dem Heiligen 
diente. Nathan Södei-blon, ein anderer großer 
Mann dicsei apokalypviswjflif». Zci», Sci,t einmal: 
„Heilige sind Menschen, die als Salz der Erde 
dazu beigetragen haben, die Welt vor Fäulnis zu 
bewahren, und solche, die das göttliche Licht voll 
ausstrahlen lassen für sich und andere, und 
schließlich Mensdien, die durch ihr Wesen, ihr 
Leben und ihre Taten zeigen, daß Gott lebt. Sie 
leuditen durdi die Zeiten." Mit diesem Wort 
grüße idi Leo Baedc in dankbarer Ehrfurcht 



Herrn Brennert überhaupt nidit gesehen. Er hat 
ihn auch nicht sehen können. Die beiden aufein- 
ander lossausenden Wagen blendeten die Fahrer 
so stark, daß keiner von ihnen zu erkennen vei> 
mochte, was sich im Raum zwischen ihnen ab- 
spielte. Die riesigen Lichtmengen haben Herrn 
Brennert einfach unsiditbar gemacht . . , jeden- 
lalls für die selbst geblendeten Chauffeure." 

„Aber, Oberschwester Giseda, dies« Gefahr 
Irsn^t du.:.^ jeder .rrf^hr«»'^ f ,MitVr.^ 

„Ja, ja, aber täglidi kommen in der Welt hun- 
deil neue urverfahrene Chauffeure hinaiu. Nie- 
mand von den Fußgängern nijnmt ernsthaft Notiz 
von diesem Mangel unserer Technüc. Denn man 
bemüht sich schon seit jeher ein Scheinwerfer- 
licht anzuschaffen, das dieses Blenden vermeidet. 
Es ist audi schon durch allerlei Polizeiverordnun- 
gen bei uns besser geworden. Aber die Rück- 



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lig. Aber schließlich handelt es sich um die Ret- 
tung von Menschenleben. 

Man hat, ähnlich wie bei Schneegestöber oder 
anderen Unwetterkatastrophen, besondere Auf- 
klärungstrupps, möglichst auf Motorrädern, bei 
anbrechender Dunkelheit und während der Fin- 
sternis durch noch zu enge Chausseen zu schicken. 
Sobald die Beamten einen unvorsichtig dahin- 
tappsenden Passanten antreffen, haben sie ihn 
■gewissermaßen In flagranti 7.u «teilen, haben i\M\ 
aul sein rütksiaitsloses, sich und andere gefähr- 
dendes Benehmen aufmerksam zu madien und 
dafür zu sorgen, daß dieser Selbstmordkandidat 
sich fortab korrekt weiterbewegt. 

Nur durch diese sorgsamste Kleinarbelt wird 
man den Tod zwischen den Scheinwerfern ver- 
treiben. Oder die Technik erfindet endlich das 
nicht mehr blendende Autolicht. Aber bis dahin! 



Voraussetzungen zur Ab wehr der Willkürherrsehaft 

Gedanken eines Katholiken über die moderne Diktatur 



Wie kommt es, daß sich die Diktatur, trotz 
aller abstoßenden Eriahrung, heute mancher- 
orts wiederum, in dem veriührerischen Glanz 
der besten Staatsform oder gar des Allheil- 
mittels darbieten kann? Diise Frage liegt einer 
bemerkenswerten Arbeit in den „Stimmen der 
Zeit** (1952/53, Heft 8) zugrunde, in der Johan- 
nes B. Lotz S. J. aus ka^olischer Sicht das 
Wesen der Diktatur, ihre Entstehungsgründe 
und die möglichen Sicherungen gegen sie un- 
tersucht. Wir bringen eine Zusammenfassung 
der wesentlichen Gedanken des Verfassers. 

Das Wesen der Diktatur leitet Lotz aus dem 
Urbezug von Macht und Recht ab. Die „Macht" 
ist doppelter Natur: „innere Vollmacht", die aus 
dem Recht erwächst und von ihm nach Eigenart 
und Grenze bestimmt wird. Ferner „äußere 
Macht" als das Vermögen, durch äußere Mittel 
etwas in die Tat umzusetzen. „Macht im Voll- 
sinne umfaßt demnach die innere Vollmacht zu- 
sammen mit der äußeren Macht." Nun kann aber 
die im Recht gegründete iiinere Vollmacht mit 
äußerer Ohnmacht gepaart sein und kann umge- 
kehrt die Zusammenballung von äußerer Macht 
der inneren Reditsbegründung ermangeln. Eben 
dies kennzeichnet die Diktatur: sie stellt „die 
äußere Macht vor das Recht; sie leitet Recht und 
innere Vollmacht aus der tatsächlich in Besitz ge- 
nommenen äußeren Macht her". 




Ein Traum geht In Erfüllung! ich biete 10 Personen, die je einen Reisegeföhrten 

mitnehmen können, 14 Tage long innerhalb des deutsdien Bundesgebietes eine Ferienreise 

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Schiff, Eisenbahn oder Aufo — aussudien. Sie können ein Hotel 

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werden. Sie können schon jetzt 

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Sie Ihren Gastwirt 

oderEinzelhändlor. 




Zur klassisdien Tyrannis steuert die moderne 
Diktatur neue Züge bei. Statt auf einen einzel- 
nen gründet sie sidi heute auf ein Kollektiv, 
eine Gruppe oder Partei, als deren Exponent der 
Diktator waltet. Das Kollektiv „wird durch eine 
gemeinsame Weltansdiauung zusammengehalten 
und vorangetrieben, die man als unbedingt jeder 
bisherigen Religion und Moral überlegen ver- 
kündet". Zu ihrer Verwirklidiung bedarf sie 
einer Diktatur, „die nicht allein auf Neuordnung 
der äußeren staatlichen Verhältnisse, sondern auf 
totale Lebensformung des Menschen bis in sein 
Innerstes hinein abzielt", alles Überkommene 
zerschlagend und das Gewissen des einzelnen 
rücksichtslos vergewaltigend. Sie führt zur kol- 
lektivistischen Auffassung von Gemeinschaft, 
Volk und Staat, in dem der „einzelne Mensch 
keinen eigenen Stand und kein eigenes Ziel mehr 
hat, sondern zu einer einzig und restlos deni 
Ganzen dienenden Funktion hinabsinkt." 

Der entpersönlichte einzelne verliert darin auch 
seine unantastbaren Grundrechte, die sein Men- 
schentum ausmachen Die Zerstörung von Recht 
und Freiheit, von Menschenwürde und editer Ge- 
meinschaft weiß die heutige Diktatur zu verber- 
gen. Sie gibt sich ja als die einzig richtige und 
glückbringende Leben sordnung; was sie an 
Opfern abfordert, rechtfertigt sie mit dem künf- 
tigen Paradies auf Erden. Sodann behauptet sie, 
eine neue höhere Reditsordnung zu setzen, die 
erstmals den Mensdien wahrhaft zu seinem 
Recht kommen lasse. Und da die Diktatoren von 
allen Vorwürfen den der Rechtsunsicherheit am 
meisten sdieuen, suchen sie jede ihrer Taten 
durch eine Flut von Gesetzen rechtlich zu fun- 
dieren. Drittens tarnt sich die moderne Diktatur 
als Demokratie, „ja, sie beansprucht, deren voll- 
endete Gestalt zu sein". Daher sucht sie sich 
denn stets durch Wahlen, Volksentscheide und 
Parlament demokratisch zu legitimieren. Wir- 
kungsvoller ist ihr viertes Argument: ihre 
innen- und außenpolitisdien Erfolge, die allein 
der straffen Zusammenfassung aller Kräfte und 
deren rücksichtsloser Hinordnung auf das ge- 
meinsame Ziel zu verdanken seien. Kein Erfolg 
aber der Diktatur dient ihrer Selbstüberwindung; 
er dient vielmehr nur ihrer Selbsterhaltung. 

Warum aber konnte sich in unsem Tagen die 
Diktatur so ungehemmt entfalten? In der Tat 
vollstreckt sie auf ihre Art ein Erbe, „das sich 
seit langem angesammelt und uns Immer unhell- 
voller belastet hat und das wir selbst bisher noch 
nicht bewältigt haben": 

1. Die unabsehbaren wirtschaftlichen und so- 
zialen Probleme, heraufgeführt durch die Ma- 
schine, versdiärft nodi durch die beiden Kriege. 
Sie fordern zweifellos große Opfer vom ein- 
zelnen, die Koordinierung aller Kräfte und die 
Bildung staatlicher Großräume. Zur Lösung die- 
ser Aufgaben scheint die Diktatur befähigter; 
jedodi gelingt sie ihr nur um einen Preis, der 
ihre Ziele zuinnerst ins Gegenteil verkehrt und 
die zum bloßen Mittel degradierten Menschen in 
noch tieferes Elend stößt, zu dessen Überwin- 
dung die Diktatur ausgezogen war. 

2. Die Diktatur fände geringere Resonanz, 
wäre die Demokratie den drängenden Zeitauf- 



gaben mehr gewadisen. Zweifellos kann auch die 
Demokratie, die sich ihrem Idealbild nähert, die 
gebotene Zusammenfassung und einheitliche Aus- 
richtung aller Kräfte erreichen. Vielfach aber 
trägt sie heute die Züge der Entartung und da- 
mit der Schwäche. Wo sie zum Spielball der 
kurzsichtigen Selbstsucht der Parteien und Grup- 
pen wird, versinkt sie in lähmende Anarchie und 
ist dann unfähig, „mit der nötigen Entschieden- 
heit und Schnelligkeit das zu tun, was die Stunde 
heischt". 

3. „Die Unzulänglichkeiten der Demokratie und 
die Bereitschaft zur Diktatur entspringen einer 
gemeinsamen Wurzel" — der Auflösung des 
christlichen Menschenbildes. Die einmalige Per- 
son mit ihrem einmaligen Schicksal ist ersetzt 
durch das antlitzlose Massenatom, das unfähig 
ist, selbst die Verantwortung und Entscheidung 
für sich und die Gemeinschaft zu tragen. Die 
innere Aushöhlung durch die Vermassung wird 
durch den Sog der Tedinik und die Apparatur 
ihrer Massenbeeinflussung noch gefördert. Die 
amorphe Masse aber vermag sich der Anmaßung 
der Diktatoren nicht mehr zu widersetzen. Der 
Diktator fühlt sich vor ihr als der berufene Ret- 
ter; ihre Hilflosigkeit verführt ihn zur schran- 
kenlosen Hybris. 

4. Diese Schrankenlosigkeit aber setzt voraus, 
daß vorher schon alle entgegenstehenden Schran- 
ken gefallen sind: mit dem Menschenbild ist auch 
die absolut geltende Rechtsordnung zerbrochen. 
Seit der Preisgabe des Naturrechtes hat der ein- 
zelne keine unveräußerlichen Rechte mehr, noch 
gibt es seither für die Gemeinschaft eine unan- 
tastbare Rechtsordnung. Der Rechtspositivismus 
wurde zum Schrittmacher der Diktatur. 

Wie aber kann nun der Diktatur vorgebeugt 
werden? Offensichtlich genügt es nicht, aufkei- 
mende Diktaturgelüste negativ zu bekämpfen. 
Die Therapie der Ursachen erfordert eine positive 
Aufbauarbeit: 

1. Das rechte Menschenbild muß wieder voll 
zur Geltung kommen. Selbstverständlich hat die 
Person ihren Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten, 
doch nie unter Preisgabe ihrer personalen Würde 
und Zielsetzung, die über das irdische Leben 
hinausgreift. Der Mensch als Person ist das 
stärkste Bollwerk gegen die Diktatur Dabei ist 
das Christentum in seiner Widerstandskraft dem 
rein diesseitigen Humanismus überlegen, da die- 
ser den Adel des Menschen nicht in dessen 
Bbenblldhaftigkelt zu Gott gründet; erst recht 
ist es dem Materialismus überlegen, der mit der 
Abwertung des Geistigen dem personalen Men- 
schenbild die Grundlage entzieht. 

2. Mit diesem Menschenbild muß auch das 
Naturrecht wieder als Fundament der Rechts- 
ordnung eingesetzt werden, das aus der Wesens- 
struktur des Menschen hervor- und auf den ewi- 
gen Gott als Gesetzgeber zurückgeht. Im letzten 
unabänderlich, vermag sich das Naturrecht den- 
noch den besonderen Verhältnissen der verschie- 
denen Epochen anzupassen. Ihm gegenüber fällt 
dem vom Menschen gesetzten positiven Recht nur 
die Aufgabe der Ergänzung und näheren Bestim- 
mung zu. Wo aber das positive Recht dem Natur- 
recht widerstreitet, ist es null und nichtig und 

(Fortsetzung Seite 10, Spalte 3) 



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Ein« Monatsb«ilag« dm» "Aufbau" für Unt«r Haltung und Wissen No. 47 

Der unbekannte Leo Baeck 



Dr. Adolf Leschnitrer, Professor 
«m New York City College und 
Honorarprofessor für Geschichte 
des deutschen Judentums an der 
Freien Universität Berlin, gehörte 
von i=»33 bis 1939 als Schuldezer- 
nent der Reichsvertretung der Ju- 
den in Deutschland zum engsten 
Kreise der Mitarbeiter von Leo 
Baeck. — Die Re^. 

Baeck ist in den letzten 20 
oder 25 Jahren seines Lebens 
in immer wachsendem Umfang 
weiteren Kreisen bekannt ge- 
worden. Als er nach seiner 
Rettung und nach der Rückkehr 
aus Theresienstadt von der ge- 
samten Judenheit gefeiert wur- 
de, ist er zeitweilig sogar einer 
der berühmtesten Juden der Ge- 
genwart gewesen. Trotzdem 
oder vielleicht gerade deshalb 
ist er in mehr als einem Be- 
tracht unbekannt geblieben. 
Ebenso wie er in den ersten 
sechzig Jahren seines Lebens in 
weiten Kreisen nicht als eine 
überragende Figur erkannt 
wurde, sind auch später in den 
Zeiten der Anerkennung bedeu- 
tungsvolle Seiten seines Wesens 
vielen Menschen, darunter auch 
manchen, die ihm nahe standen, 
unbekannt geblieben. 

Die Figur, als die er zu seinem 
80. Geburtstage beschrieben 
wurde: der Aristokrat, der 
echte Führer (in einer Zeit, in 
der das Wort Führer entwertet, 
seines Gehalts entleert, in sein 
Gegenteil verkehrt worden war) 
war zugleich ein grosser Theo- 
loge und religiöser Erzieher, 
der das Wesen des Judentums, 
Juden und Christen seiner Zeit 
nicht bloss interpretierte, son- 
dern auch vorgelebt hat. Er war 
ausser all dem eine Gestalt, die 
gekennzeichnet ist durch jene 
Worte, die auf dem Standbild 
de« jüngeren Pitt stehen und die 
er selbst in einer Nachrede auf 
einen Freund einmal zitiert hat: 
**Er lebte ohne Schaustellung 
seiner selbst." Und das bedeu- 
tet, dass Leo Baeck das Gegen- 
teil von dem tat, was in unserer 
Zeit das Normale, das Uebliche 
geworden ist: er strebte nicht 
danach, sich bekannt zu machen, 
weithin sichtbar zu sein. Er 
wollte, dass seine Persönlichkeit 
hinter der Leistung und dem 
Werk verschwand, unsichtbar 



blieb. Wahrscheinlich hatte er 
einen sicheren Instinkt daifür, 
dass diese Lebensform für ihn 
notwendig war, um trotz gros- 
ser Leistungen, die immer wie- 
der Menschen aufhorchen Hes- 
sen, gleichsam anonym zu blei- 
ben, in der Stille, ungestört wei- 
ter schaffen und reifen zu kön- 
nen. 

Baeck war und blieb auch in 
einem anderen Sinne "unbe- 
kannt". Er besass in höchstem 
Masse Selbstbeherrschung, die 
ihn nicht nur dem Publikum, 
sondern auch Menschen, die ihn 
näher kannten, als den gütigen, 
vornehmen, massvollen Weisen 
erscheinen lassen musste. Aber 
dieseSelbstbeherrschung, gleich- 
viel ob sie schwer erkämpft 
war oder sich früh als Ergebnis 
seiner Erziehung und seines 
Charakters entwickelt hatte, 
war nur Aussenseite. Es wäre 
falsch zu sagen, dass sie eine 
Maske war. Sie war nicht bloss 
viel mehr, sondern etwas an- 
deres*^ sie war sein Gesicht. 
Aber hinter diesem Gesicht, 
hinter der Vornehmheit, Selbst- 
beherrschung und Güte lagen 
enorme Energien, gewaltige 
Kräfte, Leidenschaften, die bei 
anderen Charakteren sich in 
weithin sichtbaren und hör- 
baren, Aufsehen erregenden 
Ausbrüchen geäussert hätten. 
In einem gewissen Sinne kann 
n\an daher sagen, dass er durch 
die Worte "Weisheit des Alters" 
nicht ganz zutreffend charak- 
terisiert wird, dass er nicht die 
Ruhe imd Abgeklärtheit seiner 
Jahre besass; sondern, detös sein 
Herz jung geblieben war, dass 
er leidenschaftlich Partei er- 
greifen konnte, dass der zornige 
Eifer der Jugend zu seinem in- 
nersten Wesen gehörte. 

Und doch wirkte er oft wie 
ein Diplomat; es war kein Zu- 
fall, dass er in den Büros der 
Reichsvertretung manchmal "der 
Kardinal" genannt wurde. Er 
hatte viel von der Diplomatie, 
der Besonnenheit, dem imponie- 
renden Auftreten des Kirchen- 
fürsten. Und trotzdem war die 
Feststellung nur halb richtig. 
Seinem Wesen nach war er et- 



Von Adolf Leschnifzer 

was anderes: ein echter Führer, 
der Strenge, ja Härte vor allem 
gegen sich selbst, aber manch- 
mal auch gegen andere zeigte. 

Deshalb konnte er in engem 
Kreise hart in seinem Urteil 
über Menschen sein. Wenn er 
über menschliche Schwächen 
erzürnt war, dann konnte bis- 
weilen alle Diplomatie von ihm 
abfallen, dann sprach er seine 



Ueber einen bekannten Gemein- 
depclitiker, der, selbst niemals 
liberal, mit den Liberalen oft 
paktierte und von ihnen als Ver- 
treter in Körperschaften ent- 
sandt wurde, deren Mitglieder 
nicht unbeträchtliche Vergütun- 
gen bezogen, sagte er: "Herr Z 
hat sich mit silbernen Ketten 
an den Wagen der Liberalen 
schmieden lassen**. Ueber einen 




Zwei Weise des jüdischen Volkes 

Leo Baeck (rechts) und Marlin Buber bei ihrem letsien 
Zusammentreffen in London 



anderen, zwar charakterlich 
einwandfreien, aber in seinem 
Auftreten ihm — Leo Baeck — 
in der Zusammenarbeit nicht 
stets genehmen Mann, machte 
er die Bemerkung: "Er hat seine 
Kinderstube im Eilzugstempo 
durchgemacht". In diesen knap- 
pen, wie nebenbei hingeworfe- 
nen Bemerkungen war er höchst 
eindrucksvoll und prägnant. 
Hier sprach sich seine unmittel- 
bare Reaktion auf Menschen 
aus: ein trotz der vorhergehen- 
den Ueberlegung sicherer In- 
stinkt, der sich allerdings nicht 
zufällig meist in Metaphern 
("Kinderstube", "silberne Ket- 
ten" und "Wagen") ausdrückte. 
Die aphoristische Prägung, der 
treffende Vergleich, der Charm, 
der trotz Zorn und Erregung 
stets dabei war — all das muss 
ihm früh in Fleisch und Blut 
übergegangen sein als Ergebnis 
jener Verschmelzung einer hu- 
manistischen, auf dem Studium 
römischer und griechischer 
Autoren aufgebauten Bildung 
mit der jüdisch-theologischen 
Bildungswelt und mit der Spra- 
che des Predigers. 

Aber noch nacnhaltiger als 
jene aphoristischen Verdikte 
wirkten bisweilen kurze Bemer- 
kungen, die zunächst den Wi- 
derspruch der Hörer hervorrie- 
fen, Aeusserungen. in denen er 
niciit üüsr Menschen, sondern 
zur Sache sprach und in denen 
er sich nicht metaphorisch, son- 
dern ohne jede Bildersprache 
unmittelbar ausdrückte. Es muss 
1936 oder 37 gewesen sein, als 
Leo Baeck nach brutalen und 
heimtückischen Massnahmen der 

(Fortsetsung auf Seite 16) 



Meinung ruckhaltlos aus, ohne 
Mässigung, ohne Abstriche zu 
machen, ohne abzuschwächen. 
Er drückte sein hartes Urteil 
dennoch meist in geschliffener 
Form aus, die zeigte, dass, was 
er jetzt aussprach, nicht aus der 
Erregung des Augenblicks kam, 
sondern bloss durch diese aus- 
gelöst war, dass scharfe Be- 
obachtung, sorgfältiges Abwä- 
gen und sichere Einschätzung 
der Menschen dahinterstanden. 



Das Werk eines Weisen 



Von ADOLF KOBER 



Erinnerungen an einen grossen Juden 



Von THEODOR HEUSS 

Präsident der Bundesrepublik Deutschland 



Leo Baecks geistiger Rang, die Würdigung, 
die ei als Berliner Rabbiner nicht bloss bei den 
Juden, sondern auch in den theologisch inter- 
essierten Gruppen über den jüdischen Kreis 
hinaus genoss, waren mir schon bekannt, ehe ich 
ihn im Hause meines württembergischen Lands- 
mannes und Studienfreundes Dr. Otto Hirsch 
persönlich kennen lernte. Hirsch war, als der 
Nationalsozialismus mit seiner Vernichtungs- 
politik gegen den jüdischen Menschen begann, 
aus Stuttgart nach Berlin übergesiedelt und 
hatte sich — dem bedeutenden Manne waren 
vom Ausland her starke berufliche Wirkungs- 
möglichkeiten angeboten — an die Spitze der 
**Reichsvertretung der deutschen Juden" stellen 
lassen. Die Gespräche mit ihm, mit Leo Baeck 
waren, wie konnte es anders sein, tragisch durch- 
färbt — beide Männer illusionslos, und es wäre 
ein Selbstbolügen gewesen, hätte ich wagen 
können, der ich vor ihnen in der inneren Scham 
stand, mit billigen Worten das sie bedrohende 
Schicksal an die Seite zu reden. Aber es war 
dann doch eine tiefe Erschütterung, als ich von 
Otto Hirschs Frau erfuhr, dass sie ihn in Maut- 
hausen ermordet hatten, ihr eigenes, gleiches 
Los hörte ich, von Berlin verzogen, erst nach 
1945 und auch dies, dass Baeck nach Theresien- 
stadt verschleppt worden, aber noch am Leben 
war. 

Leo Baeck hätte, denke ich, nicht der Be- 



hauptung widersprochen, dass die gleiche Liebe 
zu Otto Hirsch und die gemeinsame Trauer um 
seinen Märtyrertod das Band war, das unseren 
Begegnungen in den letzten Jahren den Cha- 
rakter des Menschlich-Unmittelbaren gab. Wir 
haben Geschichtliches, Politisches, Theologi- 
sches besprochen — Otto Hirsch war der schwei- 
gende, aber von uns in der Kraft seiner männ- 
lichen Natur erspürte Partner unserer Ge- 
spräche. 

Von diesen will ich nicht weiter erzählen. 
Ich bewahre sie als Geschenke in meinem Ge- 
dächtnis, weil es eine Gnade ist in dieser Zeit 
der seelischen Verwirrung drei Kräften in einem 
Menschen begegnet zu sein: der ruhigen Würde, 
der souveränen Bildung und der inneren Frei- 
heit. Aber dies darf ich sagen: nach solch einem 
Besuch bei Baeck reflektierte ich einmal über 
den Einfall, wenn Lessing wieder gespielt wird, 
müsste der Darsteller des Nathan vorher ein 
paar Tage den Umgang mit Leo Baeck zu errei- 
chen suchen. Natürlich weiss ich, dass Lessing 
achtzehntes Jahrhundert ist und Nathan gar kein 
Rabbiner, dass Generationen inzwischen jüdische 
und christliche Theologie sehr wechselreicher 
Färoung entwickelt haben und Baeck darüöer 
nicht bloss Bescheid wusste, sondern daran Teil 
hatte. Aber das stört mich nicht, diese Ueberle- 
gung mitzuteilen. Sie möchte im rechten Sinn 
verstanden werden. Das gelingt, wenn man Les- 
sing wieder liest. 



"Jeder Mensch ist ein Kind 
seiner Zeit" und aus einem be- 
stimmten Familientypus entstan- 
den. Wer daher Leo Baecks gei- 
stige Gestalt, wenn auch nur 
in grossen Zügen, darstellen will, 
kann an seinem Heimatsort und 
Vaterhaus nicht vorübergehen. 

Sein Heimatsort ist Lissa (Po- 
sen), bekannt durch den Begrün- 
der der modernen humani- 
stischen Pädagogik Comenius: 
Baeck ist dort aufgewachsen und 
hat das Gymnasium absolviert. 
Die jüdische Gemeinde Lissa 
war lange berühmt durch 
die eifrige Pflege des Talmud- 
studiums und ihr reiches jüdi- 
sches Leben, 

Leo Baeck selbst stammte von 
einer Reihe gelehrter Rabbiner 
ab und genoss im Hause seines 
Vaters, des Rabbiners Dr. Sa- 
muel Baeck, eines bekannten 
Autors, eine ideale jüdische Er- 
ziehung. Frühzeitig wurde er- 
kannt, dass Leo Baecks Bega- 
bung eigne Züge trug. Seine 
theologische und wissenschaft- 
liche Ausbildung hat Baeck 
an den Jüdisch-Theologischen 
Hochschulen in Breslau und Ber- 
lin und anderen Universitäten da- 
selbst erworben. Er wurde mit 
der Geschichte und Philosophie 
aller Zeiten und Länder ebenso 
vertraut wie mit dem biblischen 
und jüdischen Schrifttum. Zu 
seinen Lehrern zählten Heinrich 
Graetz, Israel Lewy, Eduard 
Baneth, Martin Schreiner, H. 
Steinthal. Vor allem hat Dilthey, 
bei dem Baeck i J. 1895 in Ber- 
lin promovierte, Einfluss auf ihn 



geübt durch die neue Form, die 
er der Ideengeschichte gegeben 
hat. 

Forschen und Lehren waren 
Baecks Lieblingsbeschäftigun- 
gen, die er bis zu seinem Tode 
ausgeübt hat. Auf seine geistige 
Arbeit gewannen bestimmenden 
Einfluss die Vorlesungen, die der 
berühmte Professor der evange- 
lischen Theologie an der Uni- 
versität Berlin und spätere Di- 
rektor des Kaiser Wilhelm-Insti- 
tut daselbst, Adolf von Harnack 
vor Studenten aller Fakultäten 
der Universität Berlin über "Das 
Wesen des Christentums" im 
Wintersemester 1899/1900 hielt; 
sie erschienen in Buchform 1901. 
Harnack zeichnete das Christen- 
tum in drei Kreisen und schrieb 
deren Besitz fast ausschliesslich 
dem Christentum zu: das Reich 
Gottes, der unendliche Wert der 
Menschenseele, die in der Liebe 
sich darstellende bessere Ge- 
rechtigkeit. 

Der junge Rabbiner Dr. Baeck, 
der den grossen Einfluss |Har- 
nacks auch für jüdische Kreise 
kannte, ergriff in der "Monats- 
schrift für Geschichte und Wis- 
senschaft des Judentums" das 
Wort zu einer Besprechung. Bei 
allem Respekt vor dem grossen 
Gelehrten betonte Baeck, dass 
das Buch nicht historisch sei, 
sondern Harnacks religiöses Be- 
kenntnis darstelle, dass Harnack 
gegen das Judentum eine unge- 
rechte Polemik entfaltet und es 
völlig verabsäumt habe, in des 
Dichters Lande zu gehen, dass 
(Fortsetsung auf Seil« It) 



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Tragischer Tod eines Physiicers 



< ' Hans Bärwald, Professor der 

/■^ rijysik an der Teclinischen Hoch- 
' schule in Durmstadt, wurde 19133 

als "Nichtarier" von seinem Lehr- 
stuhl entfernt. Als er nach Buchen- 
■wald verschleppt worden war, ge- 
lang es seiner nach England aus- 
gewanderten und dort naturalisier- 
ten Tochter, ihm die Einreise nach 
England zu erwirken. Dort setzte 
er dann seine Lehrtätigkeit an 
inehreren Universitäten fort. 

Nach Beendigung des Krieges 
wurde ihm jede akademische Arbeit 
in England von den Behörden un- 
""— tersagt. Mangels amlerer Existenz- 

I \ niöglichkeit entschloss er sich, seine 

Wiedereinstellung an der Hoch- 
— schule in Darmstadt zu beantragen, 

so schwer dem überzeugten Demo- 
kraten und Anti-Nazi die Rück- 
kehr nach Deutschland auch wurde. 
Nach längerem Schiiftwechsel mit 
den zuständigen Behörden in 
Deutschland setzte er seine Wie- 
dereinstellung durch; die Hoch- 
schule erklärte sich bereit, das ihm 
angetane Unrecht wieder gut zu 
machen. 

So traf er alle Vorbereitungen 
für die Ueborsiedlu ng. Seine Gat- 
tin, die als ''Arierin" in Darmstadt 
ijnbehelligt geblieben war, und die 



Erlaubnis, ihm nach England zu 
folgen, nicht erhalten hatte, erwar- 
tete ihn in der ziemlich unversehrt 
gebliebenen Wohnung, wo übrigens 
der Sohn, der im Dienste der eng- 
lischen Armee in Deutschland war, 
sie gelegentlich besuchen konnte. 

Da erhielt Professor Bärwald ein 
Schreiben des englischen Kriegs- 
niinisteriums, worin es ohne wei- 
tere Begründung hiess, dass vor- 
läufig seine Ausreise nach Deutsch- 
land nicht genehmigt werde. Diese 
Massnahme erregte ihn so stark, 
dass er einen Schlaganfall erlitt. 
Vor seinem Hause, den Brief in der 
Hand, wurde er besinnungslos auf- 
gefunden und starb nach zehn Mi- 
nuten. 

Frage: Woher nimmt die engli- 
sche Regierung das Recht, einem 
Gelehrten, dem sie die Existenz in 
England unmöglich macht, die 
Rückkehr zu seiner Forschungs- 
und Lehrstätte in Deutschland zu 
untersagen, wo er, von seinen Spe- 
zialarbeiten abgesehen, auch an der 
von den Alliierten als Okkupations- 
ziel proklamierten Wiedererziehung 
wirksam hätte teilnehmen können? 
Mit diesem Physiker starb ein rei- 
ner Mensch von adeliger Gesin- 
nung. Dr. Ernst Feder. 



JENNY BAERWALD 



Am 16. Juni Ist Jenny Baer- 
wald, Gattin des Rabbiners Dr. 
Leo Baerwald, zur ewigen Ruhe 
eingegangen. Sie w^ar ein Kind 
der altberühmten jüdischen Ge- 
meinde Breslau, die eine Ein- 
heitsgemeinde war und ihr gei- 
stiges Gepräge hauptsächlich 
durch das Jüdisch-Theologische 
Seminar empfing. Sie wuchs in 
einem frommen und gebildeten 
Elternhause auf, dem besonders 
die Mutter den Charakter ver- 
lieh. Die jüdische Erziehung des 
Hauses sowie der Unterricht in 
der Höheren Töchterschule fielen 
auf einen umso fruchtbareren 
Boden, weil sie reges geistiges 
Streben mit Witz und Humor 
verband. Vor allem entzückte sie 
durch ihre Anmut. 

Als junge Frau kam sie nach 
München und wuchs in das jü- 
disch-soziale Leben an der Seite 
ihres Mannes und Rosa Werners, 
der Frau des damaligen Rab- 
biners, hinein. Als Dr. Baerwald 
dessen Nachfolgerschaft über- 
nahm, wurde Jenny Baerwald 
schnell als die Mutter der jüdi- 
schen Gemeinde anerkannt und 
ihr Haus Mittelpunkt des jüdi- 
schen Lebens und Wohltuns. Als 
Vorsitzende oder Vorstandsmit- 
glied in den verschiedenen jüdi- 
schen Wohlfahrtsvereinen — sie 
hatte besonders die Anstalt in 
Wolfratshausen in ihr Herz ge- 
schlossen — hat sie unendlich 
viel Segen in jüdische Häuser 
getragen. Mit Würde und Anmut 



hat sie die zahlreichen Repräsen- 
tationspdichten, die mit dem 
Rabbinatshaus verknüpft waren, 
wahrgeiiomtnen, Ihr Haus war 
durch seine Gastlichkeit be- 
rühmt. 

In der Nazizeit hat sie tapfer 
und rnuti» an der Seite des Gat- 
ten ijejtjnden. Als Dr. Baer- 
wald 1340 an die Spitze der 
Con^regotion Beth Hillel in New 
York trat, war sie froh, wieder 
ihre al'e Tätigkeit als Mutter 
der Gemeinde aufnehmen zu 
können. Ebenso übte sie einen 
starken geistigen Einfluss auf 
das Leo Baeck Chapter U.O.B.ß. 
aus. Trotz, der Krankheit, die sie 
vor 14 Jahren befiel, blieb sie 
unermüdlich rege und voller 
Liebe Fül- alle. Allgemein ist die | 
Trauer um ihren Hingang und 1 
das Mitgefühl für ihren Gatten | 
und ihre Familie, Das Andenken 
der Guten bleibt zum Segen! 

Dr. A. Kober. 



NEUE WELT 




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Oktobcr-Hcft 1052 








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Z)ej. Y/lcu^ EJl>Mt 






^rasRSa-«*« 



set 






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hungen mit Israel herzustellen. 

,, Halten Sie, Herr Bundeskanzlar, die 
Wünsche der Juden auf W iedergutmachuiig 
für erfüllbar?" 

,,Ich weiß, daß die Juden nichts 
Unmögliches verlangen, und es ist 
erfreulich, daß sich alle vier Orga- 
nisationen geeinigt haben. Ich bitte 
bloß um Vertrauen, wir werden 
diese Frage lösen. Ich bin mit 
dem Präsidenten der Israelitischen 
Kultusgemeinde in Wien Dr. M au- 
rer und gemeinsam mit unserem Ju- 
stizminister Dr. Gero in Dachau 
gewesen ; w ir sind gut befreun- 
det und er w^eiß, daß bei uns kein 
schlechter Wille vorliegt. Ich hoffe 
ernstlich, daß wir dieses Problem 
in kürzester Zeit lösen werden. 

Wenn man sag*:, der deutsche 
Standpunkt wäre der, daß mit der 
österreichischen Reichsf luch^s*euer in 
Österreich Industriebetriebe errichtet 
wurden, dann müssen wir doch dar- 
auf hinweisen, daß dar Krieg uns 
Zerstörungen genug hinterlassen hat, 
die ein Vielfaches vom Wert der 
neuen Industrien betragen.^' 

,,Wir wollen uns nicht am V^er- 
mögen eines anderen Staatsbür^gers 
bereichern. Aber wir können natür- 
lich nur zurückgeben, was wir ha- 
ben, Geschäfte, Grundbesitz, Woh- 
nungen, nicht aber Geld oder Schmuck, 
die verschwunden sind. Wenn nie- 
mand mehr hier ist, soll das 
erblose Vermögen jemand 
übernehmen und verwalten. 
Aber es muß mit dieser Übernahme 
damit die Frage erledigt sein. Es 
darf dann nicht eine zweite Organi- 
sation kommen und dasselbe Ver- 
mögen für sich verlangen. Als ich 
in New-York war, machte noch jede 
der vier Organisationen eigene Vor- 
schläge. Aber, Gott sei Dank, 
jetzt sind sie sich einig und 
jetzt weiß ich auch end- 
lich, wer meine Verhand- 
lungspartner sind." 



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die 
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enliefe- 
lichtet, 
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,,Che- 
3r, jede 
Ware 
2n (im 
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Kurznachrichten 
aus der jüdischen Weh 

Jerusalem : Die Agudas Israel und 
die Poale Aguda sind aus der Re^isrungs- 
koalition ausgetre'.en. Sozialminister Rabbi 
J. M. L e w i n und Rabbi Dr. Kaiman 
Kahane, der Vizeminister im Erziehungs- 
department, sind zurückgetrelen. Di^ Mei- 
nungs\erschiedenheiten betreffen den Mi- 
litärdienst der Mädchen, das Erziehungs- 
system, d"e Unterstellung des Eherechtes 
unter dio rabbinischen Gerichte, die Ein- 
bringung eines Sabbathgesetzes, das Ver- 
bot der Einfuhr nicht koscheren Fleisches 
und die Frage der besDuderen Ouarti^r.* 
für religiöse Soldaten. 

Jerusalem : Die Delegiertenversamm- 
lung der Mapai beschloß mit 263 gegen 
32 Stimmen, der sozialistischen Internati ;>- 
nale wieder beizutreten. 

Jerusalem : Zum neuen Bürgermeister 
wurde der 49 jährige bisherige Leiter der 
Jerusalemer Mizrachi-Bank, rlzchak K a - 
r i V, gewählt. 

Paris : Israels Aulknminister Mosche 
Shareth erklärte in einer hiesig.^n Pres- 
sekonferenz, daß Israel Anrecht auf Zah- 
lungen auch aus Ostdeutschland habe und 
auf diese nicht Aerzichten werde. 



ucuruL'Pl 
wie res nullius 



Wort so viel 

\ o g e 1 f r e i) und demgemäß soll der 
Besitz dieser Ware keinen rechtlichen 
Schutz genießen, zumal sich „Israel 
und Deutschland in ewigen Kriegs- 
zustand befinden", und daß demge- 
mäß keine Handelsbezieliungen zwi- 
schen diesen Ländern bestehen dür- 
fen. Selbstredend haben Justizmini- 
ster und Knesset die Drohung mit 
dem ,,Hefker" entsprechend zurück- 
gewiesen, wobei hervorgehoben \Mir- 
de, daß Israel der Erklärung der 
USA, England und Frankreichs be- 
treffend die Beendigung des Kriegs- 
zustandes mit Deutschland sich 
nicht angeschlossen hat. Hiemit war 
wohl der Vorfall in der Knesset er- 
ledigt. Sie ging über die Erklärungen 
des Cheruthführers zur Tagesord- 
nung über, aber mir und sicherlich 
auch anderen gab das Wort vom 
ewigen Kriegszustand zu denken. In 
der Natur gibt es wohl ewige Kriegs- 
zustände zwischen Tieren und Pflan- 
zen, sowohl untereinander als auch 
gegeneinander. Ein ,, goldenes Zeiti- 
alter" des allgemeinen Friedens hat 
es auch unter den Menschen nicht 
gegeben, aber etwas sträubt sich in 

uns, an einen ew^^gen Kriegszustand / deutsch-französischen " Krieg 
unter Völkern zu glauben, und sowie * 
es eine ewige Liebe nicht gibt, soU 
audh der Begriff einer ewdgen Feind- 
sdhaft aus unserem Denken ver- 
schwinden, sofern unser mensch- 
liches Zusammenleben geschichtlich 
noch einen Sinn haben soll. 

II. 

Selbstredend sind wir Juden ohne 
Unterschied der Parteizugehörigkeit 
eines Sinnes in der rückhaltlosen 
Verurteilung des in der Geschichte 
gerade zu beispiellosen Massakers, 
das uns sechs Millionen Tote und 
weitere Millionen seelisch und wirt 
schaftlich zerbrochener Volksgenos- 
sen gekostet hat. In der zeitgenössi- 
schen Generation lodert die Flamme 
unseres Hasses. Die nichtjüdische 
Welt hat volles Verständnis für un- 
sere Gefühle und auch für das Be- 
dürfnis nach Vergeltung. Das Auf- 
treten des Cheruthkämpfers und sei- 
ner Genossen soll moralisch nicht 
verkleinert werden, aber es ist Pflicht 
der Publizistik, die öffentliche Mei- 
nung vor Fehlern im logischen und 
im politischen Denken zu bewahren. 
Die Entgegennahme von Entschädi- 
gungen in der Form von zu liefernden 
Waren bedeutet ganz und gar nicht 
einen Handel mit Deutschland, und 
diese sukzessive einlangenden Sach- 
güter als vogelfrei (hefker) zu er- 
klären, auf die unter häßlichen Aus- 
schreitungen und Gewalttaten jeder 
die Hand legen kann, dies wäre eine 
namenlose Torheit, die unzählige 
strafbare Tatbestände schaffen w ür- 
de, abgesehen davon, daß sie un>- 
serem jungen Staat unwiederbring- 
lichen Schaden bringt. 



COieDetgutmadiung 

von Sexte l) 



**" Es'lst allgemeine Meinung, daß 
unsere handelsfreudigen \'olksgenos- 
sen in Israel und in Deutschland aus 
den deutschen Warenlieferungen kein 
Geschäft machen sollen. Unsere Re- 
gierung sorgt für eine zentralamtliche 
Verwertung der zu liefernden Waren. 
So weit wäre alles in Ordnung und 
nur der Blick in die Zukunft macht 
dem historisch Denkenden Sorge. 

IIL 

Es ist nicht gesund und auch nicht 
politisch klug, sich auf einen ewi- 
gen Haß festzulegen, zumal viele 
Deutsche in tief empfundener Scham 
über das uns Angetane greifbare Be- 
weise einer Änderung der Gesinnung 
zu erbringen sich bemühen. Die 
Hitlerzeit war ein wahnsinniger 
Rückfall in das Steinzeitalter, und 
auch da gab es ungezählte Deutsche, 
die nicht mittaten und das System 
verurteilten. Aus Gründen politischer 
Klugheit verbindet sich die politische 
Welt des Westens mit demselben 
Deutschland, das man mit Bomben 
und Granaten erfolgreich bekämpft 
hat. Es kann im Laufe unserer Ge- 
schichte Situationen geben, in denen 
eine freundlichere Beziehung Israels 
zu einem in seinem Volkscharakter 
geläuterten und gebesserten Deutsch- 
land im selben Grade uns nützlich 
sein kann, als ein glühend und fort- 
dauernd gehaßtes Deutschland zu 
einer Gefahr für Volk und Staat 
zu werden vermöchte .... 

Dauernder Haß ist historisch be- 
trachtet kein politischer Faktor. Jahr- 
zehntelang war der Tag von Scdan 
— die Entscheidungsschlacht im 

von 
1Ö70 — in Deutschland ein Festtag, 
in Frankreich ein Trauertag. Das 
,,Loch in den Vogesen" (Der Verlust 
von Elsaß-Lothringen) — kein Fran 
zose hat es verschmerzt. ,,NiemaL< 
davon reden, aber auch nie daran ver 
gessen'' — dies war nationale Parole 
in Frankreich. Heute ist der Elsaß 
wieder französisch. Für immer? Wer 
weiß es? Das Wort von der Ewigkeit 
ist das unrealste und niemals ver- 
standene in unseren menschlichen 
Sprachen. ,, Ausgelöscht soll werden 
der Name Amaleks" sollte ein gött- 
liches Gebot sein, und gerade dieser .^^^„ ^^^^, 
JName ist bei uns Juden der geläu- 1 17.000 Drusen 
figste in unserer alten Geschichte. 
Wir empfinden keinen Haß mehr ge- 
gen Amalek (Armenier) und ich er- 
in