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SITZUNGSBERICHTE 



DER 



PIIIL0S0PFI1SCII-II1ST0B18C1IEN GUSSE 



DEK KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 




HUNDERTZEHNTER BAND. 



WIEN, 188«. 



IN COMMISSION BEI CARL CxEROLD'S SOHN 

BÜCnnÄNDT.ER DER KAI.S. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 




As 

A55 



Druck von Adolf Holzliausen, 

k. k. Hof- uad Universitäts-Buclidruckcr in Wica, 



INHAL T. 



Seite 

IX. Sitzung' vom 15. April 1885 . 1 

Zimmermann: Kant nnd Comte in ihrem Verliältniss zur 

Metaphysik 3 

Hannsz: Ueber das allmälige Umsichgreifen der -?i-Declination 
im Altindischen 41 

X. Sitzung: vom 22. April 1885 84 

Pfizmaier: Vier Himmel des Jamato- Liedes. Erklärungen 
buddhistischer Dichtungen 87 

Brandt: Verzeichniss der in dem Codex 169 von Orleans ver- 
einigten Fragmente von Handschriften lateinischer Kirchen- 
schriftsteller 167 

Bacher: Die hebräisch-neuhebräische und hebräisch-aramäische 
Sj)rachvergleichung des Abulwfilid Merwän Ibn Ganah . . 175 

XI. Sitzung vom 6. Mai 1885 213 

XII. Sitzung vom 13. Mai 1885 215 

XIII. Sitzung vom 3. Juni 1885 217 

Steffenhagen: Die Entwicklung der Landrechtsglosse des 
Sachsenspiegels. "V. Die Bocksdorf 'scheu Additionen . . . 219 

Xiy. Sitzung vom 10. Juni 1885 302 

Mekler: fMAGAHiMOil HEPI ÖANATOr A. Philodemos Ueber 
den Tod, viertes Buch. Nach der Oxforder und Neapolitaner 
Abschrift 305 

Mussafia: Mittheilungen aus romanischen Handschriften. H. 
Zur Katharinenlegende 355 

XY. Sitzung vom 17. Juni 1885 422 

Engel brecht: Untersuchungen über die Sprache des Clau- 
dianus Mamertus 423 



■jY Inhalt. . 

Seito 

XYI. Sitzuiiir vom 1. Juli 188r> 543 

Hü liier: Uebor das Zeitalter dos kasmhischeii Dichters So- 

n.adeva ^^^ 

(Jrünert: Die Bepritfs-Präponderanz und die Duale a potiori 

im Altarabischen ^^^ 

XVII. Sitzunir vom M. Juli 1885 597 

XVIII. Sitzunjr vom 15. Juli 1885 599 

Smal Stockij: Über den Inhalt des Codex Hankensteinianus 601 



IX. SITZUNG VOM 15. APRIL 1885. 



Von Druckwerken wurden mit Zuschriften eingesendet 
und der Classe vorgelegt: 

,Vocabolario degli ucaderaici della Crusca^, Vol. V, fasc. II, 
ein Geschenk des königl. italienischen Unterrichts-Ministeriums; 

,Les derniers voyages des Neerlandais a la Nouvelle- 
Guinee', gewidmet von dem Herrn Verfasser prince Roland 
Bonaparte in Paris; 

/ropographie von Niederösterrcich', 14. und lö. Heft, über- 
sendet von dem Herrn Verfasser, Hofrath M. A. Becker in Wien. 



Das w. M. Herr Hofrath Ritter von Miklosich ersucht 
in seinem und im Namen des c. M. Herrn Professor Josef 
Müller in Turin um eine Subvention für zwei weitere Bände 
des von ihnen mit Unterstützung der Akademie herausgegebenen 
Werkes : ,Acta et diplomata graeca medii aevi sacra et profana^ 



Das w. M. Herr Hofrath Robert Zimmermann legt eine 
t'ih- die Sitzungsberichte bestimmte Abhandhing vor unter dem 
Titel : ,Kaut und Comte in ihrem Verhältniss zur Metaphysik*. 



An Druckschriften wurden vorgelegt : 

Akademie der Wi.s.senschaften , köiiigl. prRus.sische zu Berlin: Sitzuiigs- 
berichfe. Nr. XL— LIV. Berlin, 1S84-, S". 

— Ctjmmentaria in Aristotelem graeca. Vol. XVIIl, pars 111. ßcroliiii, 
188.0-, 8". — Siipplementuin Aristoteliciim. Vol. 1, pars I. Beroliiii, 
1885; 8". 
Sitzungsber. d. pliil.-liist. Cl. CX. Hil. I. IHt. 1 



Contr.'il-Co mmissiou, k. k. statistisdie: Oesterreicliisclio Statistik. VII. 
Hand, I. lieft: IJoriclit ülmr dio Krlio'lmui>' der Ilaiulolswertlio und Ilaupt- 
ergobuisso dos aus\värtig-en llaiulols im Jahre 188;i. Wien, ISH-k; gr. 4". 
— VIII. Band, 1. lieft: Statistik der Spareassen für das Jahr 1882. — 
'2. Heft: 15e\veg-uii}i: der Bevölkerung- im Jahre 1883. Wien, 1885-, gr. 4". 

Congri's international des Amerieanistes: Compte-rendu de la einquieme 
Session ;i Copeniiaguo 1883. Copeuhag'uc ; 8". 

Jolms Hi>pkins Univorsity: Studies in historical and political science 
3., series II— 111. Baltimore, 188ö-, 8". 
Tlio American Journal of Pliilology. Vol. V, 4. Baltimore, 1884; 8". 

Kiew: Universität.siiachricliten. Tom. XXIV, Nr. 11 und 12. Kiew, 1884; 8". 

König-sberg-, Universität: Akademische Scliriften. 42 Stücke 8" und 4". 

Smithsonian Institution: Anuual Report of the Board of Regents for the 
year 1882. Washington, 1884; 8». 

St. Petersburg, Univer.sitäts-Bibliothek: Schriften. Tom. I— X, XII —XIV. 
St. Petersburg, 187G — 1884; 8". — Specimina linguae palaeoslavicae 
edidit Jagid. St. Petersburg, 1882; S^K — Ueber eine Parsenhandschrift 
der kaiserlichen öftentlichen Bibliothek zu St. Petersbui-g, von Carl 
Säle mann. Leiden, 1878: 8". 



Zi min ermann. K;viit und Comte in ihrem VorliältniKS zur Metaphysik. 



Kiiut und r'omto in ilii'cm Voiiiältiiiss zur 

Metaphysik. 

Von 

Robert Ziminermann, 

wirkl. Mitglic'de dor kais. Akadcinio der Wissenscharten. 



Js.aut und Comte, der Urheber des Kriticismus und jener 
der positiven Philosophie, pflegen als diejenigen angesehen zu 
werden, welche, der eine in Deutschland, der andere in Frank- 
reich , der Metaphysik als Wissenschaft im Sinne der alten 
Schule ein Ende gemacht haben. Kant selbst bezeichnete die 
Metaphysiker seiner Zeit, Wolf und Crusius, insofern sie eine 
Wissenschaft vom Sein und Seienden ,aus reiner Vernunft^ auf- 
zustellen sich vermassen, spöttisch als ,Luftbaumeister^ Comte, 
wie ich' in einer vorangegangenen Abhandlung, die im Jahr- 
gang 1874 der Sitzungsberichte dieser Classe enthalten ist, 
gezeigt habe, fand zwar den Urheber der kritischen Philosophie, 
als er ihn zu einer Zeit, da er mit seinem eigenen System 
längst fertig w^ar, kennen lernte, immer noch ,trop metaphysique', 
aber erkennt nicht nur zwischen sich und ihm ,eine Menge Be- 
rührungspunkte' an, sondern er nennt ihn auch denjenigen 
Metaphysiker unter allen, welcher der positiven Philosophie ,am 
nächsten stehe'. Dennoch bedarf beides der Einschränkung. 
Weder ist Kant mit seiner Aufliebung der Metaphysik als 
Wissenschaft so Aveit gegangen , wie seine neuesten Wiedcrer- 
wecker, dieNeokantianer, gegangen sind und ihn gerne gegangen 
sein lassen möchten, noch hat der Urheber der positiven Philo- 
sophie so gering von dem Werth und der Bedeutung der Meta- 
physik für die Entwicklung wahrer Wissenschaft gedacht, als 
seine angeblichen Jünger, die Vertreter der positiven Wissen- 

1* 



4 /im in rill an n. 

scluit'tcn, von derselben denken und ilm gerne c'cdaclit haben 
lassen niöclitiMi. Vielmehr hat der erstere zwar den Umfang- 
der Gegenstände derselben beschränkt, aber innerhalb desselben 
an ihr als Wissenschaft festgehalten; der letztere hat ihr zwar 
m der von ihm aufgestellten ^natürlichen Hierarchie der Wissen- 
schaften' keinen Platz eingerJlumt, dieselbe dagegen als noth- 
wendiges und unvermeidliches Durchgangsstadium des Wissens 
auf alle in jener enthaltenen Wissenschaften ausgedehnt. 



Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts lassen sich in dem 
Entwicklungsgang der Philosophie zwei Strömungen unterschei- 
den, deren eine von der Vernunft, deren andere von der Er- 
fahrung als ausschliesslicher Erkenntnissquelle ihren Ausgang 
nimmt. Die ei'ste, die man nach dem Ort ihrer Entstehung und 
nächsten Ausbreitung als die continentale und als deren Be- 
gründer man Descartes bezeichnen kann, charakterisirt sich 
dadurch, dass die Beschaffenheit des denkenden Wesens jede 
Avie immer geartete Aufnahme von aussen kommender Eindrücke 
unmöglich macht. Die zweite, die nach dem Orte ihres Auf- 
kommens als insulare und als deren Begründer Bacon bezeichnet 
werden kann, charakterisirt sich dadurch, dass sie die Annahme 
ursprünglicher, d. i. solcher Ideen, welche nicht näher oder ent- 
fernter durch Abstraction aus den allein immittelbaren, durch die 
Sinne von aussen empfangenen Eindrücken entstanden wären, 
als Fiction betrachtet. Jene, die um der Natur ihrer Erkennt- 
nissquelle willen Rationalismus, wie diese, welche um jener der 
ihrigen willen Empirismus genannt wird, behält obigen Charakter 
im Verlauf der Entwicklung trotz mannigfacher Umgestaltung 
im Wesentlichen unverändert bei. Die Ausschliessung jeder 
wie immer gearteten Aufnahme von aussen seitens des den- 
kenden Subjects wird durch die einander folgenden Hypothesen 
der assistentia divina, des (Jccasionalismus und der prästabilirten 
Harmonie, sowie durch die Denkendes und Ausgedehntes für 
identisch erklärende Alleinslehre Spinoza's zwar umgangen, aber 
nicht aufgehoben. Die Bekämpfung aller nicht unmittelbar oder 
mittelbar aus der Erfahrung empfangener, sondern aus was 



Kant und Cointc in iliicm Vorliältniss zur Metaphysik. O 

immer für einem Grunde unabhängig von dieser entstandener, 
ererbter und raitgebracliter Vorstellungsweisen, als ,Trug- und 
selbstgemachter Götzenbilder (Idole)^ durch Bacon, kehrt in der 
Läugnung angeborner, d. i. vor aller Erfahrung nnd unabh<ängig 
von dieser vorhandener Ideen durch Locke wieder. Folge des 
ersteren ist, dass im Rationalismus von einer Erfahrungserkennt- 
niss im empirischen, im Empirismus von einer Erkenntniss durch 
reine Vernunft im Sinne reiner Vernunftwissenschaft nicht die 
Rede sein kann. 

Wie es vom Standpunkte der Vernunft als einziger Er- 
kenntnissquelle keine andere Wissenschaft als Verniinftwissen- 
schaft, so kann es von dem entgegengesetzten der Erfahrung 
als einziger Erkenntnissquelle kein(; andere als Erfahrungs- 
wissenschaft geben. Der geläufige Gegensatz rationaler und 
empirischer als einander ausschliessender Gattungen von Wissen- 
schaften wird innerhalb des Gesichtskreises des Rationalismus 
zu einem solchen innerhalb des Gebietes der Vernunftwissen- 
schaft selbst, während er innerhalb des Gesichtskreises des 
P^mpirismus zu bestehen überhaupt aufhört. Vernunft- und Er- 
fahrungswissen stellen im Sinne des Rationalismus nicht zweierlei 
Wissen, sondern ein und dasselbe, das einzig mögliche Wissen, 
das Vernunftwissen in zwei verschiedenen Entwicklungsstadien 
dar, so dass das sogenannte Erfahrungswissen die unvollkom- 
mene, das im engeren Sinne sogenannte Vernunftwissen die 
vollkommene Form des einzig möglichen, d. i. des Wissens 
mittelst reiner Vernunft ausmacht. Im Sinne des Empirismus 
aber verhalten Vernunft- und Erfahrungswissen, von Avelchen 
das erste auf vom Denken tingirten, das letztere auf von aussen 
geg(;benen Ideen beruht, sich wie Nichtwissen zu Wissen, 
Illusion zu Wahrheit, und der Gegensatz der einander aus- 
schliessensollenden Arten des Wissens hört auf, weil das eine 
Glied desselben aufgehört hat überhaupt eine Art des Wissens 
zu sein. 

Wi(; man sieht, ist die Aussicht, welche der Rationalismus 
den P^rfahrungsAvissenschaften, günstiger, als diejenige, welche 
der Empirismus Wissenschaften mittelst reiner Vernunft eröffnet; 
jener lässt die empirischen Wissenschaften zwar als solche, deren 
I'orm noch unvollkonimon, deren Vollendung erst in ihrer Um- 
wandlung in reine Vernunftwissenschaften zu hoffen ist, aber 



(l 7. i III in r in a n n. 

(Idcli ,ils Wisscnscliartcit, wcniic;lcicli nioclcrcr Ordnunf!; bestehen; 
dieser dagegen spriclit allen nielit nuf Krfahrnng allein gebauten 
Wissenschaften, also allen Vernunftwissensehaften den wissen- 
sehaftliehen Charakter schlechthin und für alle Zeiten ab. Physik 
und Geschichte als Erfahrungswissenschaften vom Wirklichen 
werden daher vom Rationalismus auch in ihrem gegenwärtigen 
unvollkommenen Zustande, der sich dadurch verräth, dass ihre 
Lehrsätze theilweise wenigstens nur als Thatsachen registrirt, 
keineswegs aber, wie es im Begriff einer Vernunftwissenschaft 
gelegen ist, aus einem einzigen oder einigen durch sich selbst 
gcAvisscn Principicn als unvermeidliche Folgerungen deducirt 
zu werden vermögen, als Wissenschaften anerkannt. Metaphysik 
und Philosophie der Geschichte als reine Vernunftwissenschaften 
vom Wirklichen würden dagegen, auch wenn ihre Gestalt im 
Sinne des Rationalismus die denkbar vollkommenste, d. i. ihr 
Gesammtinhalt durch Deduction aus einem oder wenigen durch 
sich selbst gewissen Principien als unvermeidliche Folgerung 
gewonnen wäre, trotzdem vom Empirismus als Wissenschaften 
verläugnet werden , weil deren Inhalt nicht aus der allein 
wissenschaftlich zulässigen Quelle, aus der Erfahrung ge- 
schöpft sei. 

Metaphysik als reine Vernunftwissenschaft vom Wirklichen 
hat daher wohl eine Stelle im System der Wissenschaften, wie 
es der Rationalismus, aber keine in demjenigen, wie es der 
Empirismus entwirft. Von den beiden Gliedern des contra- 
dictorischen Gegensatzes, deren einer nur Wirkliches, der 
andere nur Nichtwirkliches umfasst, behandelt der Rationalis- 
mus beide, der Empirismus dagegen nur eines als möglichen 
Gegenstand des Wissens. Während nämlich der letztere, weil 
seine einzige Erkenntnissquelle die Erfahrung, dasjenige aber, 
was nicht ist oder nicht war, auch nicht erfahren werden kann, 
nur das Wirkliche, kann der Rationalismus, weil und insofern 
ein Künftiges, also noch nicht Wirkliches, in dem Gegenwär- 
tigen begründet und durch dasselbe bedingt erscheint, auch 
NichtAvirkliches zum Gegenstande haben. Je nachdem nun das 
Nichtwirkliclie einerseits entweder ein solches ist, dessen Ver- 
wirklichimg seiner Natur nach unmöglich oder möghch, anderer- 
seits ein solches, dessen Verwirklichung gleichgiltig oder nicht 
gleichgiltig ist, ergeben sich durch Combination beider Ein- 



Kant und (,'oratp in ihrem Verhältniss zur Metaphysik. 7 

thoilungcn vier Gattungen des KichtAvirklichen al« möglicher 
Gegenstände des Wissens: 1. Nichtwirkliehcs, dessen Verwirk- 
lichung seiner Natur nach unmöglich, aber gleichgiltig, 2. Nicht- 
Avirkliclies, dessen Verwirklichung seiner Natur nach unmüglicli, 
aber nicht gleichgiltig, 3. Nichtwirkliches, dessen Verwirklichung 
seiner Natiu* nach möglich, aber gleichgiltig, und 4. Nichtwirk- 
liches, dessen Verwirklichung seiner Natur nach möglich und 
keineswegs gleichgiltig ist. Zu der an erster Stelle genannten 
Art des Nichtwirklichen gehört das Mathematische, und zwar 
sowohl die Zahl wie die Raumfbrm. Die eine Avie die andere 
sind von der Beschaffenheit, dass sie die Verwirklichung aus- 
schliessen, indem zwar das Wirkliche gezählt Avird und räum- 
liche Gestalt annimmt, die Zahl selbst, sowie die räumliche 
Gestalt (der mathematische Punkt, die mathematische Fläche, 
der mathematische Körper) als solche aber niemals wirklich 
sind. Dasselbe ist aber auch zngleich von der Beschaffenheit, 
dass seine Verwirklichung gleichgiltig, d. h. dass der Umstand, 
dass weder Zahl noch Raumfbrm jemals ein Wirkliches sein 
können, in jeder Hinsicht ii'relevant ist. Zu der an zAveiter 
Stelle genannten Art des Nichtwirklichen gehört das Logi- 
sche, dessen Formen, z. B. der logische Begriff, von der Art 
sind, dass sie in ihrer Reinheit niemals im Denken verwirk- 
licht werden können, z. B. der logische Begriff für das wirk- 
liche Denken ein unerfüllbares Ideal bleiben muss. Während 
nämlich der logische Begriff in seiner Reinheit alle den seinen 
Umfang bildenden Begriffen gemeinsamen Merkmale, aber auch 
nur diese umfasst, Averden bei jedem Versuch, denselben im 
wirklichen Denken zu Aviederholen, Merkmale zu dem Inhalt 
desselben hinzugedacht, aa^c sie dem besonderen Kreise von 
Anschauungen entsprechen, aus welchen der fragliche Begriff 
gerade bei diesem denkenden vSubject im Unterschiede von 
anderen, durch Abstraction der diesen gemeinsamen Merkmale 
hervorgegangen ist. Es wird z. B. derjenige, der niemals einer 
Palme ansichtig gcAvorden ist, in den Begriff des Baumes das 
Merkmal der Verästelung in ZAveige hineinlegen, Avelches im 
logischen Begriff des Baumes um so Averiiger enthalten sein 
kann, als es sonst unmöglich Aväre, dass unter diesem auch die 
Palme befasst Avürde. Dagegen kann von der Unmöglichkeit, 
Avelche das Logische in sich trägt, jemals zu erschöpfender 



n '/. i in 111 (' 1 111 ii II n. 

Vcrwirklifliuii^ zu ,i;'elanfi,'cn , keineswegs wie von jener des 
IMalluMnatischen zugestanden Averden, dass dieselbe gleieligiltig, 
vielmehr uiuss hehauptet werden, dass dieselbe vom Gesiehts- 
jnuikte des zum Zwecke vollkoniinenen Erkennens unbestreit- 
baren Hedürinis.ses logisch vollkommenen Denkens im böcbsten 
Cirade bedauerlich sei, insofern aus derselben alle diejenigen 
Selbsttäuschungen und Irrthümer des Denkens entspringen (zu 
enge oder zu weite Begriffe, allgemeine Urtheile statt besonderer, 
Paralogismen) , welche durch in formeller Hinsicht vollkomme- 
nes Denken hätten vermieden werden können und sollen. Zu 
der dritten Art des Nichtwirklichen gehört das Aesthetische, 
das mit dem der vierten und letzten Art angehörigen Ethischen 
daiin übereinkommt, dass beider Verwirklichimg möglich, da- 
gegen dadurch von demselben unterschieden ist, dass dessen 
Verwirklichung (ohne Schaden) auch unterlassen werden kann, 
während die des letzteren schlechterdings nicht unterlassen 
werden darf. 

]\Tathematisches, Logisches, Aesthetisches und Ethisches 
bilden nach Vorstehendem viererlei Gegenstände möglichen 
Wissens, welche als solche zum Inhalt ebensovielerlei verschie- 
dener Wissenschaften werden können, von welchen die einen, 
welche sich auf der Verwirklichung unfähiges Nichtwirkliches 
beziehen (Mathematik, Logik), theoretische, die anderen, welche 
der Verwirklichung fähiges Nichtwirkliches zum Objecte haben 
(Aesthetik, Ethik), praktische Wissenschaften heissen dürfen. 
Dieselben machen mit derjenigen Wissenschaft, welche sich auf 
Wirkliches bezieht, zusammengenommen den Umfang möglichen 
Wissens überhaupt aus, so dass dieser im Ganzen fünf Wissen- 
schaften umfasst, von welchen die eine (die Wissenschaft vom 
Wirklichen) Realwissenschaft ist, die übrigen (die Wissen- 
schaften vom Niehtwirklichen) Formalwissenschaften, und zwar 
theilweise theoretische, theilweise praktische sind. 

Obgleich den Formalwissenschaften gegenüber nur eine, 
zerfällt die Realwissenschaft, je nach der Beschaffenheit des 
Wirklichen, von dem sie handelt, in ihr untergeordnete Wissen- 
schaften, von denen die eine als allgemeine dasjenige behandelt, 
was allem überhaupt Wirklichen gemeinsam, die anderen als 
besondere Realwissenschaften dasjenige enthalten, was gewissen 
Classen von Wirklichem, z. B. dem der sinnlichen Wahrneh- 



Kant nii'l Cointi- in iluftni Voiliältniss vaw Motaphysilc. ;) 

iiimif]^ entweder zugän,£^licliem oder nlclit zugrinp;liclicin , ins- 
besondei'c eigen ist. 

Sämmtliclic vorgenannte Real- wie Formalwissenschaften, 
insofern sie für ihn überhaupt Wissenschaften sind, betrachtet 
und behandelt der Rationalismus als reine Vevnunftwissen- 
Schäften. Dagegen behält der Empirismus, für den die Er- 
fahrung die einzige Erkenntnissquelle und daher sowohl das 
Wirkliche das einzig erfahrbare, wie das Erfahrbare einzig 
wirklich ist, von den Formalwissenschaften keine, von den Real- 
wissenschaften aber nur die vom sinnlich wahrnehmbaren Wirk- 
lichen, als wirkliche Wissenschaften hn. Als reine Vernunft- 
wissenschaft vom Wirklichen fällt daher für den ersten die 
Realwissenschaft in ihrer Gesammtheit, sowohl deren allgemeiner 
als deren besonderer Theil, mit der Metaphysik zusammen; fin- 
den zweiten füllt ausser sämmtlichen Formalwissenschaften so- 
woid der allgemeine Theil, als jener besondere Theil der Real- 
wissenschaft, der von einem andern als dem sinnlich wahr- 
nehmbaren Wirklichen handelt, aus. So gut daher für den 
Rationalismus die Physik nur dann und insoweit Wissenschaft 
werden kann, als sie Metaphysik ist oder Avird, so gut können 
für den Empirismus Logik, Aesthetik, Ethik, ja sogar Mathe- 
matik, wenn sie Wissenschaften sein sollen, nichts anderes als 
Erfahrungswissenschaften von dem einzigen Erfahrbaren, d. i. 
vom sinnlich wahrnehmbaren Wirklichen sein. 

Dabei wird dem Rationalismus durch die wenigstens theil- 
Aveise Zufälligkeit des Wirklichen, dem Empirismus durch die 
schlechthin und ausnahmslos, also nicht wie die des Erfahrbaren 
blos comparativ oder inductiv, geltende Allgemeinheit des Mathe- 
matischen einer-, den normativen Charakter sowohl des Logi- 
schen Avie des Aesthetischen und Ethischen andererseits eine 
nicht zu umgehende Sclnvierigkeit in den Weg gelegt. Während 
nämlich sich imschwer begreifen lässt, dass das nothwendig 
Wirkliche durch reine Vernunft, d. i. durch eine Erkenntniss- 
quelle, welche als solche den Charakter der Notlnvendigkeit in 
sich schliesst, erkannt, d. i. mit Nothwendigkeit als wirklich be- 
griffen werde, tritt bei dem zulallig Wirklichen der Widerspruch 
ein, dass dasselbe durch eine Erkenntnissquelle, deren Charakter 
Nothwendigkeit ist, begriffen und nichtsdestoweniger zufällig 
sein solle. Folge davon ist, dass die Wissenschaft vom noth- 



IQ /, i 111 111 r 111 a n n. 

wrndiji,- Wirkliehon olmcwritorp, (lngcf!:;en die Wissenschaft vom 
zufalli,!;' Wirlclichcii, wiMtn i'il)erluiu])t, nur in einem von dem 
im Kntioiialisnnis j;-e\völiidiclien abweichenden Sinne Vernimft- 
wisscnschait heissen kann. Es muss, was dasselbe ist, Mcta- 
plivsik im Avcitcrcn von der Metaphysik im engeren Sinne unter- 
scliiedcn werden, von welchen die erstere alles Wirkliche, die 
letztere dagegen nur das nothwendig Wirkliche, d. i. dasjenige, 
dessen Wirklichkeit mit Nothwendigkeit erkannt zu werden 
vermag, zum Gegenstande hat, während das übrige Wirkliche, 
d. i. dasjenige, dessen Existenz durch die Vernunft nicht mit 
Nothwendigkeit, sondern nur mit mehr oder weniger Wahr- 
scheinlichkeit erschlossen zu werden vermag, den Gegenstand 
der im Gegensatz zu obiger Metaphysik im engeren Sinne soge- 
nannten ,Physik' ausmacht. Daraus ergibt sich der Wider- 
spruch, dass ein mit mehr oder minderer Wahrscheinlichkeit, 
also nicht mit Nothwendigkeit erkennendes Vermögen nichts- 
destoweniger Vernunft, d. i. mit Nothwendigkeit erkennendes 
Vermögen, wie oben, dass ein zufällig Wirkliches nichtsdesto- 
weniger durch Vernunft, d. i. mit Nothwendigkeit erkanntes 
Wirkliches sein soll. Der Rationalismus hat, um demselben 
auszuweichen, kein anderes Mittel als die von Leibniz einge- 
führte Unterscheidung eines klaren und deutlichen einer- und 
eines verworrenen Denkens andererseits, von welchen das erste, 
weil es sich des Inhalts seiner Vorstelhmgen und demzufolge 
auch der Vollständigkeit dieses Inhalts sich bewusst ist, durch 
diesen mit Nothwendigkeit bestimmt, nothwendig richtig denkt, 
d. i. erkennt, während das letztere, weil des Inhalts seiner 
Vorstellungen selbst unbewusst, auch der eventuellen Unvoll- 
ständigkeit dieses Inhalts sich imbewusst bleiben muss und da- 
her, wenngleich durch diesen (unvollständigen) Inhalt mit Noth- 
wendigkeit bestimmt, nothwendig unrichtig denkt, d. i. irrt. 
Wirkliches nun, dessen Gründe vollständig bekannt, oder was 
dasselbe ist, dessen erkannte Gründe zusammengenommen der 
vollständige Grund seiner Wirkhchkeit sind, wird daher mit 
Nothwendigkeit als nothwendig wirklich, solches dagegen, dessen 
Gründe nur unvollständig bekannt sind, oder was dasselbe ist, 
dessen bekannte Gründe zusammengenommen nicht den voll- 
ständigen Grund seiner Wirklichkeit ausmachen, Avird zwar mit 
Rücksicht auf diesen bekannten Theil der Gründe seiner Wirk- 



Kant und (^omte in iliivm Vfiihilltniss ■/.nr Metaphysilc. 11 

üclikoit notlnvendig als wirklicli gedacht, d. li. für Avirklicli ge- 
halten, muss aber, weil der bekannte Thcil der Gründe seiner 
Wirklichkeit znsainraengenommen nicht der vollständige Grund 
derselben ist, nicht eben auch wirklich sein, d. h. seine Wirklich 
keit ist in Bezug auf jenen bekannten Bruch theil ihres vollstän- 
digen Grundes nicht nothwendig, sondern blos zufällig. Daraus 
ergibt sich sowohl, dass nur nothwendig Wirkliches Gegenstand 
bewussten Denkens, wie, dass der Gegenstand verworrenen Den- 
kens nur zufälHg W^irkliches sein kann, dass daher von den 
l)eiden einander dem Grade nach übergeordneten Stufen des 
für den Rationalismus einzig vorhandenen Erkenntnissvermögens 
die höhere, d. i. die ihrer selbst bewusste Vernunft (intellectus) 
das nothwendig, die niedere, die dunkle, verworrene Vernunft 
(simnlacrum rationis, sensus) das znfällig Wirkliche zum Object 
ihrer Erkenntniss hat, Metaphysik als AVissenschaft der ersten, 
dagegen Physik als solche der zweiten zufällt. Letztere hat 
daher, insofern das zufällig Wirkliche mit dem im Sinne des 
P^mpirismns einzig erfahrbaren Wirklichen zusammenfällt, mit 
diesem denselben, Metaphysik dagegen, insofern das nothwendig 
AVirkliche vor und abgesehen von aller Erfahrung als wirklich 
erkennbar ist, im Sinne des Empirismus, dem nur das Erfahrene 
Avirklich ist, überhaupt keinen Gegenstand. 

Wie für den Rationalismus die Physik, so bildet für dessen 
Gegentheil die Mathematik die Klippe. Da der Gegenstand 
derselben, wenn er überhaupt vom Standpunkt des Empirismus 
aus erkennbar sein soll, erfahrbar sein muss, so muss er ein 
AVirkliches sein, während er andererseits als Mathematisches, als 
reine Zahl und reine Raumform, kein solches sein kann. Daraus 
ergibt sich ein Widerspruch, dessen Lösung nur entweder da- 
durch herbeigeführt werden kann, dass auf die Erkenntniss des 
Mathematischen überhaupt verzichtet, oder dadurch, dass Zahlen 
und Raumformen selbst als Gattungen der wirkhchen Dinge 
angesehen, d. h. z. B. die Zahl drei oder der mathematische 
Punkt, die mathematische Linie u. s. w. für ein Existircndes 
erklärt, zwischen physischem und geometrischem Körper, von 
welchen der erstere nicht nur Ausdehnung, sondern auch 
Schwere, der letztere dagegen nur Ausdehnung besitzt, nicht 
unterschieden wird. In diesem Falle erscheint das Mathema- 
tische, insbesondere das Geometrische, als ein verdünntes, und 



1 ^ Z i 111 ni V 111 ii n n . 

zwar bis zum äusscrsten Grade, der sich noeli mit der behaup- 
teten Wirklichkeit desselben vcrträ<it, vei'dünntes Körperliches, 
welches aber eben darum immer noch nicht das als solclies im 
physikalischen Sinne völliji; \mkurperliche Geometrische, die 
reine Kauraform, sondern mit, wenn auch noch so sehr ätheri- 
sirten nnd der Unkörperlichkeit angenäherten physikalischen 
Stoffen erfüllte Raumform ist. Lieü;t in diesem Sinne das Mathe- 
matische, weil jenseits der Grenzen des Erfahrbaren, für den 
Empirismns auch jenseits der Grenze des P^rkennbaren, und sieht 
sich dieser folgerichtig gezwungen, entweder auf dessen Er- 
kenntniss zu verzichten oder die Erkenntniss auch eines nicht 
Erfahi'baren , also die Möglichkeit einer nicht auf Erfahrung 
beruhenden Erkenntniss zuzugeben, so bietet die Natur mathe- 
matischer Erkenntniss, welche als solche ausnahmslose und 
schlechthinige Geltung beansprucht, verglichen mit jener auf 
blosser Erfahrung beruhenden Erkenntniss, welche als solche 
nur thatsäcliliche und die Möglichkeit künftiger Ausnahmen 
nicht ausschliessende Geltung gewährt, einen neuen Wider- 
spruch dar. Derselbe besteht darin, dass ausnahmslos Giltiges 
auf einem Wege, der Ausnahmen zulässt, als solches erkannt, 
d. h. dass die Ausnahmslosigkeit auf eine Weise gerechtfertigt 
Averdcn soll, die deren Gegentheil einschliesst. Soll derselbe 
gelöst werden, so ist nur eins von beiden möglich, entweder das 
Mathematische wird auf dem Erfahrungswege erkannt und büsst 
seine Apodicticität, oder es behält die letztere und die Erfahrung 
büsst ihre Stellung hIs ausschliessliche Erkenntnissquelle ein. 
Diu'ch jenes wird die Mathematik als Wissenschaft, durch dieses 
der Empirismus als exclusiver Erkenntnissstandpunkt aufgehoben. 
Wie der Charakter des Mathematischen in dessen Aus- 
nahmslosigkeit, so liegt der des Logischen, Aesthetischen und 
Ethischen in dessen (wahrer oder vermeintlicher) Mustergiltig- 
keit. Sowie das Mathematische im Einzelnen, z. B. die Con- 
gruenz zweier ebener Dreiecke, deren Grundlinien von gleicher 
Länge, deren an derselben anliegende Winkel einander gleich 
sind, allerdings (durch Deckung), allein nicht die Ausnahms- 
losigkeit dieser Congruenz erfahren wei'den kann, so kann das 
Logische, Aesthetische, Ethische im Einzelnen allerdings, allein 
nicht die Mustergiltigkeit desselben, d. i. dessen schlechthinige 
und ausnahmslose Nachahmungs Würdigkeit auf dem Erfahrungs- 



Kant und Comtc in ilucm Verhältniss zur Metaphysik. lö 

wegc erkannt werden. Erfahrung zeigt, dass im gegebenen 
einzelnen Falle auf eine gewisse Weise thatsächlieh gedaclit, 
in einem solchen eine geAvisse künstlerische SchafFensweise 
thatsächlieh wohlgefällig oder raissfällig gefunden, eine gewisse 
Art und Weise zii Avollen und zu handeln thatsächlieh gebilligt 
oder missbilligt wird, aber sie zeigt nicht und kann nicht 
zeigen, dass ausnahmslos und in jedem Falle in der ange- 
gebenen Weise gedacht, Wohlgefallen oder Missfallen geäussert, 
Lob oder Tadel ausgesprochen werden wird. Da nun in 
letzterem der normative Charakter sowohl des Logischen als 
des Aesthetischen und Ethischen einzig besteht, indem diejenige 
Art und Weise des Denkens und ßeurtheilens, welche aus- 
nahmslose Geltung besitzt, selbstverständlich diejenige ist, 
welcher dieselbe auch in jedem einzelnen Falle gebührt, so 
folgt, dass, da dieselbe auf dem Erfahrungswege nicht erkannt 
werden kann, auch der normative Charakter irgend einer Denk-, 
Urtheils- oder Handlungsweise, sie mag nun häufig oder selten, 
vereinzelt oder mehr' oder weniger allgemein verbreitet sein, 
auf diesem nicht erkannt werden kann; und dass, wenn alles 
nicht auf dem PMahrungswege Erkennbare für den Empirismus 
überhaupt nicht vorhanden ist, ein Normatives als solches, 
damit aber auch sowohl ein Unterschied eines normalmässisi-en 
Denkens, Beurtheilens, Wollens und Handelns von, wie ein 
Vorzug desselben v o r dem normalwidrigen für denselben nicht 
besteht. 

Daraus ergibt sich, dass für den Empirismus Logik, 
Aesthetik, Ethik, wenn überhaupt Wissenscliaften, in keinem 
Falle vorschreibende ipräscriptive), sondern lediglich beschrei- 
bende (descriptive) Disciplinen sein, d. h. statt zu lehren, wie 
gedacht, beurtheilt, gehandelt werden soll, lediglich angeben 
können, wie thatsächlieh gedacht, geurtheilt, gehandelt wird 
oder (zu irgend einer Zeit) worden ist. Dieselben fallen sodann, 
insoweit das thatsächliche Denken, ästhetische Beurtheilen, 
praktische Wollen und Handeln Folge und Ausfluss der that- 
sächlichen Natur, sei es des Menschen im allgemeinen, sei es 
lies ()(l(!r der Angehörigen eines bestimmten Volksstamnies 
iider irgend cüner begrenzten Culturepoche ist, sämmtlicii in 
das (iebiet der empirischen Anthropologie als der auf Er- 
lahrung gegründeten Menschenkunde, und zwar, da es sich 



14 



m III e r ni ii ii n. 



um geistige Functionen handelt, in deren psychiselien Tlieil, 
in die auf Erfahrung gegründete Psychologie (Erfahrungs- 
seelenlehre). Letztere umfasst, insofern sie erfahren werden 
können, sämmtliche geistige Functionen, demnach nicht nur 
sowohl das Vorstellen, als das Fühlen, Streben und Wollen, 
sondern auch innerhalb jeder dieser drei Hauptgattungen 
sämmtliche Unterarten derselben, also sowohl innerhalb der 
Gruppe des Vorstellens das Empfinden und Anschauen einer-, 
das Denken (Begriflfebilden, Urtheilen, Schliessen) andererseits, 
wie innerhalb der Gruppe des Fühlens die vagen und fixen 
Gefühle, die stofflichen und Formgefühle (Geschmacksurtheile), 
egoistischen und Mitgefühle, innerhalb der Gruppe der Stre- 
bungen Begierden, Wünsche, Willensacte und Handlungen, 
insofern dieselben als thatsächlich vorkommende Phänomene 
des Bewusstseins Gegenstände der durch Beobachtung des 
wirklich Geschehenden gewonnenen Erftihrung sind. Dasjenige 
Capitel der Psychologie nun, welches das Denken, seine Formen 
und Gesetze, in welchen und nach welchen es thatsächlich 
vor sich geht, zusammenfasst, also weit entfernt, dem thatsäch- 
lichen Denken Gesetze vorzuschreiben, vielmehr umgekehrt 
das thatsächliche Denken als Denkmuster, d. i. als Gesetz für 
jedes Denken ansieht, vertritt im Empirismus die Stelle der 
Logik. Dasjenige Capitel der empirischen Gefühlslehre, d. i. der 
auf Erfahrung durch Beobachtung gegründeten Kenntniss der 
thatsächlich gegebenen Gefühle, welches von den thatsächlich 
gefitllten Geschmacksurtheilen, d. h. von demjenigen handelt, 
was thatsächlich ,nach Geschmack' gefunden oder nicht ge- 
funden wird, vertritt für denselben die Stelle der Aesthetik. 
Endlich dasjenige Capitel der psychischen Erfahrungswissen- 
schaft, welches sich auf den begehrenden Theil des Bewusst- 
seinsinhalts bezieht, in welchem von der thatsächlichen Be- 
schaffenheit des Wollens und Thuns gehandelt, d. h. durch 
Beobachtung festgestellt wird, wie und was factisch gewollt 
oder nicht gewollt, gethan oder unterlassen wird und zu werden 
pflegt, die empirische Sittenkunde (Ethnik), vertritt in demselben 
die Stelle der Sittenlehre (Ethik). 

Ist so die empirische Anthropologie bestimmt, durch ihren 
psychischen Theil dem Empirismus für die demselben unzu- 
gänglichen normativen Vernunftwissenschaften einen (allerdings 



Kant und C'omte in ihrem Verliältniss zur Metaphysik. lÖ 

unzurcidienden) Ersatz zu l»ieten, so hängt sie andererseits 
nacli unten dureli ihren somatischen Theil aufs engste mit der 
Natiu'wissenschaft, und zwar zunächst mit der Wissenschaft 
von der organischen Natur oder Lehre vom lebendigen Körper 
(Biologie), von dem die anthropologische Somatologie oder 
Wissenschaft vom menschlichen Leibe nur ein Capitel aus- 
macht, zusammen. Insofern jedocii der Mensch als nach dem 
bekannten Ausdruck des Aristoteles , geselliges Thier^ nicht 
sowohl in Vereinzelung (ausser ,als Robinson*^), sondern inmitten 
seineso-Ieichen und im Zusammenleben mit andern als gesell- 
schaftliches Wesen Gegenstand der Erfahrung ist, lassen sich 
innerhalb der empirischen Anthropologie mehrerlei Erftihrungs- 
wissenschaften unterscheiden, von Avelchen die eine, die ge- 
wöhnlich mit diesem Namen belegt wird, den Menschen als 
Einzelwesen, die andere entweder denselben, insofern er mit 
andern seinesgleichen zu einem Ganzen (Gesellschaft) verbunden 
ist, als gesellschaftliches Wesen, oder dasjenige Wesen, welches 
durch die Vereinigung menschlicher Einzelwesen zu einem Gan- 
zen (Gesellschaft) entsteht, das Gescllschaftswesen, zum Gegen- 
stande hat. • Dabei bi'ingt der empirische Charakter aller drei 
angeführten Wissenschaften es mit sich, dass ebensowenig als 
in der Psychologie des Einzelwesens Normen für das Denken, 
ßeurtheilen oder Thun und Lassen aufgestellt werden, in der 
socialen Anthropologie Normen für das Verhalten des Menschen 
in der Gesellschaft oder in der anthropologischen Sociologie 
Normen für die Gesellschaft gegeben werden. Jene behandelt 
den socialen Menschen, diese die menschliche Gesellschaft, wie 
beide thatsächHch sind oder zu sein pHegen, als Wirkliches, 
nicht, wie beide sein sollen, als zu Verwirklichendes. Weder 
handelt es sich darum, dem socialen Menschen vor dem Ein- 
siedler, noch der Gesellschaft als solcher vor dem Individuum 
einen Vorzug in dem Sinne beizulegen, dass der Einsiedler um 
desswillen verpflichtet wäre zum gesellschaftlichen Leben zurück- 
zukehren, oder das Individuum mit andern seinesgleichen ein 
Gesellschaftswesen zu formiren. Beide, der sociale Mensch 
wie die Gesellschaft sind für den Empirismus lediglich That- 
sachen, die er vorfindet, deren Natur uiul Wesen er wie die 
jedes andern erfahrungsmässig Gegebenen analysirt, deren 
natürliche Folgen er entwickeh und deren Ursachen, wenn thun- 



1 (3 >j i 111 in e r m a n n. 

lieh, er zu ontdeekcn und anzugeben bemülit ist. Findet sieh 
dabei, dass der Orund der Thatsaehe des soeialen Zusammen- 
lebens in dem gleiehfalls als Thatsaehe anzuerkennenden Vor- 
handensein einer auf andere scinesgleiehen bezugnehmenden 
(^soeialen) Anlage im Menschen, z. B. in einem natürliehen Zuge 
zur Gesellung mit anderen (socialem Instinct, Geselligkeits- 
trieb), oder auf einer unwillkürlichen Nachahmung der Gefühle 
anderer durch die eigenen (sociales Gefühl, Mitgefühl, Sym- 
pathie) gelegen sei, so folgt daraus zwar, dass, weil ohne Vor- 
handensein dieser auch das sociale Zusammenleben nicht vor- 
handen wäre, jene sociale Anlage für die Gesellschaft den 
(theoretischen) Werth einer conditio sine qua non habe, keines- 
wegs aber, dass darum die sociale Anlage im Menschen (der 
Geselligkeitstrieb oder das Mitgefühl) an sich, ohne Bezug auf 
das Zustandekommen der Gesellschaft einen höheren Werth 
und deshalb einen Vorzug besitze vor jedem andern im Men- 
schen durch die Erfahrung aufgezeigten Trieb, Gefühl oder 
überhaupt Vermögen. Altruismus oder die Lehre, dass das 
durch die Rücksicht auf den andern hervorgerufene Handeln, 
und Egoismus oder die Lehre, dass das durch die Rücksicht 
auf den Handelnden selbst beeinflusste Handeln besser als die 
entgegengesetzte Handlungsweise sei, sind daher vom Stand- 
punkt des Empirismus aus gleich unberechtigt, es wäre denn 
vorher ausgemacht, entweder dass das gesellige Zusammen- 
oder das vereinzelte Einsiedlerleben besser sei als die entgegen- 
gesetzte Lebensweise. Nim ist zwar von letzteren beiden 
Lebensweisen die erstere insofern der letzteren übergeordnet, 
als der Bestand der Gesellschaft den Bestand von Lidividuen 
zur Vorbedingung hat, etwa wie das erste Stockwerk den 
dasselbe stützenden Pfeilern des Erdgeschosses übergeordnet 
ist. Von den beiden Organismen der Gesellschaft und des 
Einzelmenschen ist der erstere der complicirtere, insofern seine 
Theile, also die Einzelindividuen selbst Organismen sind; der 
ausschliesslichen Erkenntnissquelle des Empirismus, der Er- 
fahrung, gegenüber aber ist der complicirtere nicht mehr und 
nicht Aveniger blosse Thatsaehe als der einfachere Organismus, 
und einen Grund, der Gesellschaft an sich einen höheren (unbe- 
dingten) Werth als dem Einzelindividuum und diesem letzteren 
gleichfalls an sich einen niedrigeren (nur bedingten) Werth bei- 



Kant \iiifi Cointe in ihrem VmhiiUniss zur Metaphysik. 17 

zule<i-en, gil)t es folgerichtiger Weise für den Beübaclitungs- 
standpunkt nicht. 

Es ist (hvlier ganz im Geiste des Empirismus begründet, 
dass in derjenigen Einthcikmg der Wissenschaften, welche der 
Begründer desselben, Bacon, seinem novum organon zu Grunde 
gelegt, und ähnlich der Weltkarte, welche die Eintheilung der 
Erdoberfliiche in die dieselbe ausmachenden Länder- und 
!\reeresgebictc darstellt, als ,glübus intcllectualis' bezeichnet 
hat, die J\retaphysik als Wissenschaft fehlt, dagegen die obigen 
vom Bationalismus als normative Vernimftwissenschaften cha- 
raktcrisirten Disciplinen, die Logik, Ethik und Politik als 
Theile der Anthropologie, und zwar selbstverständlich der 
empirischen erscheinen. Zwar nimmt es sich sonderbar aus, 
dass er bei der Grundeinthcihmg, nach einer allerdings ziemlich 
Avillkürlichen Sonderung der verschiedenen Seelenvermögen, 
Poesie, Geschichte und Philosophie nebeneinander reiht, die 
erste der Phantasie, die zweite dem Gedächtniss, die dritte 
dem Verstände (intellectus) zutheilt und dadurch sowohl einer- 
seits die Dichtung als eine Art des Wissens zu bezeichnen, 
wie andererseits die Geschichte als Wissenschaft vom Ver- 
gangenen der Philosophie als solcher vom Gegenwärtigen oder 
vielmehr, da es sich in derselben nicht blos um das A'^erständ- 
niss des Gegebenen, sondern um Schlüsse aus diesem auf das 
Zukünftige handelt, vom Künftigen entgegen zu stellen scheint. 
Ebensowenig wird ersichtlich, ob aus dem Grunde, dass Gott, 
Mensch und Natur der Philosophie als Gegenstände zuge- 
wiesen werden, dieselben der Poesie und der Geschichte als 
solche abgesprochen Averden sollen, oder ob dieselben vielmehr 
der Philosophie mit jenen beiden gemeinschaftlich seien und 
der Unterschied nur darin zu suchen sei, dass die Poesie die- 
selben mit der Phantasie, die Geschichte ausschliesslich als 
Gedächtnisssache, die Philosophie allein mit dem Verstände 
zu erfassen bestimmt sei. Weder die Poesie noch die Ge- 
schichte wird in der Eintheilung weiter verfolgt, dagegen jene 
der Philosophie nach den drei obigen Gegenständen alsol>jectiven, 
und der Beschaffenheit der von denselben möglichen Einsicht 
als subjectiven Einthcilungsgründen entwickelt. Gegenstand der 
Erkenntniss kann nur entweder das unendliche oder das end- 
liche Wesen sein, unter dem letzteren nur entweder das mensch- 

Sitzungsbor. d. pliil.-hist. Cl. CX. 15cL 1. Uft. 2 



^ M 5C i 111 111 1^ I' 111 ii n n . 

liehe oder der lnl)0i2,TiiV nllcr ciulliclion Wgs(mi luil vXusschhiss 
(los Mrnsolu'n. die Natur. Die Erkcnntniss selbst kann nur 
entweder direet oder indireet sein, indem der von dem Objecte 
herkommende und von dem SuLjecte aufzunehmende ^Strald' 
(radius) entweder unverändert oder verändert vom letzteren 
empfanj^en Avird; die Veränderunp; selbst, die im letzteren 
Falle mit demselben vor sich geht, aber kann eine doppelte 
sein, indem derselbe entweder durch das empfangende Subject 
(wie der Lichtstrahl durch ein Medium) ,gebrochen^, d. i. von 
seiner urs})riinglichen Uichtung abgelenkt (radius refractus) 
oder von dem empfangenden Subjecte (wie der Lichtstrahl 
von einer Wand) ,zurückgeworfen', d. i. auf das Object selbst 
zurückgestrahlt wird (radius reflcxus). Folge des gebrochenen 
Strahls ist, dass derselbe dem Subject aus einer andern Richtung 
zukommen scheint, als er wirklich kommt; Folge des reflectirten 
Strahls ist, dass das Object statt in seinem eigenen, im Lichte 
des von der Wand auf dasselbe zurückgeworfenen Strahls ge- 
sehen wird; in beiden Fällen erscheint dasselbe anders als, 
nur im directen Strahl erscheint es so, wie es wirklich ist. 
Stillschweigend läuft dabei das erkenntnisstheoretische Axiom 
als Voraussetzung mit unter, dass wirkliche Erkenntniss nur 
dort möglich ist, wo das (zu erkennende) Object und das (er 
kennende) Subject gleichartig, also entweder beide unendlich 
oder beide endlich und im letzteren Falle entweder beide 
Mensch oder beide Natur sind. Da es sich nun nicht um die 
Erkenntniss Gottes durch Gott selbst, sondern um die Erkennt- 
niss Gottes, des Menschen und der Natur durch den Menschen 
handelt, so folgt sowohl, dass eine vollkommene Erkenntniss 
Gottes durch den Menschen, als auch, dass eine solche des 
nicht der Natur angehörigen Theiles des Menschen, die erstere 
durch den Menschen überhaupt, die letztere wenigstens durch 
den der Natur angehörigen Theil des Menschen, unmöglich sei. 
Denn da der Mensch als solcher (sowohl seine der Natur an- 
gehörige, wie seine von dieser verschiedene Beschaifenheit 
zusammengenommen) ein endliches Wesen ist, so schliesst eine 
vollkommene Erkenntniss der Gottheit durch denselben sich 
von selbst aus; aber auch eine vollkommene Erkenntniss des 
Menschen durch denjenigen Theil desselben, durch Avelchen 
dieser von der übrigen Natur nicht verschieden, sondern dieser 



Kant und Comto in ilirom Vorlifiltniss zur Metaphysik. 19 

gleichartig- ist, d. i. durch den Menschen «als Naturwesen, bleibt 
von selbst ausgeschlossen. Nicht nur ist der Mensch IVn- die 
Erkenntniss Gottes, sondern auch der Mensch als Naturwesen 
ist für den Menschen, insofern dieser Geistwesen ist, ein un- 
adäquates jMedium; andererseits erblickt der Mensch nicht nui- 
die ganze ihm gegenüberstehende Natur, sondern auch sich 
selbst nicht sowohl in dem Licht, welches von beiden als 
Objecten auf ihn geworfen, als vielmehr in demjenigen, welches 
von ihm auf dieselben zurückgeworfen wird. Folge des ersteren 
Umstandes ist, dass für den Menschen, wie er thatsächlich in 
der Erfahrung gegeben ist, sowohl Gott seinem wahren als er 
selbst seinem geistigen Wesen (spiraculum) nach wissenschaft- 
lich unerkennbar bleiben. Beide sind für denselben zwar 
Gegenstände des Glaubens, nicht aber des Wissens; weder 
eine philosophische Theologie, noch eine solche Pneumatologie 
ist vom Standpunkt des natürlichen Menschen aus als Wissen- 
schaft möglich. Erstere reicht höchstens aus ,den Atheismus 
zu Aviderlegen', da die Erklärung aus physischen Ursachen der 
Ergänzung durch die Zuflucht zur göttlichen Vorsehung bedarf, 
nicht aber ,eine affirmative Gotteserkenntniss zu begründen^; 
letzterer wird nicht einmal dieses, d. i. die Widerlegung des 
Unglaubens an die Existenz eines immateriellen Geistwesens zu- 
gestanden. Insofern daher Gott und Geist Gegenstände der Meta- 
physik sind und diese eben nichts anderes ist als die Wissen- 
schaft von jenen, wird, wenn die Avissenschaftliche Erkenntniss 
obiger Objecto aufgehoben wird, dadurch auch Metaphysik als 
Wissenschaft aufgehoben und ist demgemäss aus dem globus 
intcllectualis als Inbegriff und System des menschlichen Wissens 
und raenschlicluir Wissenschaften zu streichen. 

Sonach bleibt als dem Mcuischen zugängliches Object der 
Erkenntniss nur die Natur und der Mensch selbst, letzterer je- 
doch nur insofern er Naturwesen ist, übrig; jene macht den 
Gegenstand der Naturphilosophie, diese jenen der Anthro- 
pologie aus. Der Inbegriff derjenigen Begriffe und Sätze, welche 
beiden gemeinsam sind, d. i. welche allen Theilen der Philo- 
sophie gleichmässig zu Grunde liegen, wie die Begriffe Sein und 
Nichtsein, Aehnlichkeit und Verschiedenheit, das Axiom von 
der Gleichheit zAveier Grössen, die einer dritten gleich sind, 
macht, aus beiden herausgehoben und zu ein(;m Ganzen für 



-U / i III in « rill :i n n. 

sich vereinigt, die sogencumtc pliilosopliia prima oder scicntia 
universalis aus. Da Geistiges unerkennbar ist, so kann alles 
Erkennbare, dalier sowohl Natur als der Mensch als Naturwesen, 
nicht anders als körperlich sein, der Unterschied zwischen beiden 
daher nicht darin bestehen, dass die Natur materiell, der Mensch 
immateriell, sondern lediglich darin, dass derselbe eine durch 
den Umstand, dass es des Philosophirenden eigene ist, vor an- 
derem Körperhchcn, ausgezeichnete Art desselben sei. Die dar- 
aus unvermeidlich fliessende Folgerung, dass der einzige und 
ausschliesslich mögliche Gegenstand der Philosophie Körper 
(corpora) seien, hat allerdings mit ausdrücklichen Worten erst 
Bacon's kühnerer Nachfolger Hobbes ausgesprochen. Bei dem 
Begründer des Empirismus wird dieselbe durch die festgehaltene 
Trennung des Menschen von der Natur, als ob derselbe etwas 
wirklich von dieser Verschiedenes und nicht blos ein willkür- 
lich der Eigenliebe zuliebe von derselben Geschiedenes wäre, 
möglichst zu verschleiern gesucht und daher nebst der Aus- 
scheidung des Menschen aus der Natur auch die gewohnte 
Unterscheidung des Leibes und der Seele im Menschen beibe- 
halten. 

Naturphilosophie und Anthropologie zerfallen jede in zwei 
weitere Unterabtheilungen: die erste, je nachdem sie entweder 
auf die Ei-kenntniss oder auf die Anwendung der Naturgesetze 
gerichtet, die letztere, je nachdem ihr Object der Leib oder die 
Seele des Menschen ist. Die auf die Erkenntniss der Natur- 
gesetze abzielende Philosophie wird von Bacon speculativ, die 
deren Anwendung behandelnde operativ genannt. Die Natur- 
gesetze selbst unterscheidet er in solche, welche die wirkenden 
Ursachen, und solche, welche die Zweckursachen der Natur- 
erscheinungen behandeln. Die Wissenschaft der ersteren ist 
ihm die eigentliche Physik, für jene der letzteren, die bei ihm 
nur erwähnt werden, um davor zu warnen, dass denselben ein 
Einfluss auf die Erforschung der Natur eingeräiimt werde, 
gebraucht er den Namen der Metaphysik, wohl kaum um ihr 
dadurch eine bessere Empfehlung zu Theil werden zu lassen. 
Letzteres wird besonders durch das Gegenstück deutlich, das 
die Metaphysik unter den operativen Naturwissenschaften findet. 
Unter diesen ist die Mechanik die Anwendung der Physik, 
die Anwendung der Metaphysik dagegen die ,natürhche Magie^ 



Kitiil uihI Coiiitc in iliroin VeiliiilUiiss /.iii McliipliysiV. 2\ 

Wie man sieht, erüLrie;! bei dieser Eiiitlieihnig- der Natur- 
|iliil().so])liie weder ein l^latz für die reine Matlienuitik, noeli für 
die matlieniatiselie Astronomie; erstere wird von IJaroii als 
blosse jllilföwissenscluüV, die Astronomie aljer nnr als ein 
(va})itel der Physik angesehen. lieides mit lieeht. wenn es wahr 
ist, dass der einzige Gegenstand wirk liehen Wissens das Körper- 
liehc sei, keineswegs aber, wenn diese ,Hilfswissensehaft', deren 
(gegenständ, Zahl nnd Raumform, sich zwar am Körjierliehen 
findet, selbst aber nichts Körpeidiehes ist, trotzdem für eine 
^\•i^kliehe Wissenschaft gelten, nnd ebensowenig, wenn niclil 
ila> wirkliche Weltgebäude mit seinen Avirklichen Weltkörpcrn 
physikalisch construirt, sondern dessen Vertheilung nnd lie 
weguMg im Kaumc aus den mechanischen liewegungsgesetzen 
mathematisch berechnet werden soll. Offenbar schwel)t ])ei 
jener Bezeichnung der unklare Gedanke vor, dass die Gegen- 
stände der ]\Iathematik nur durch Abstraction aus den (Jegen 
ständen der wirklichen Körperwelt gewonnen und daher gleich- 
sam nur zvir l^e(piemlichkeit und Abkürzung des bei Erkenntniss 
der Welt der wirklichen Gegenstände eingehaltenen Verfahrens 
erfundene Symbole und Constructionen seien, die Wissenschaft 
von denselben daher nicht Gegenstände, sondern bei Erkenntniss 
der Gegenstände angewandte Hilfsmittel zum Gegenstand habe, 
und daher im rjegensatz zur Physik, die eine gegenständlieh(! 
Wissenschaft, eine blosse , Hilfswissenschaft' sei. Letzterer Name 
würde für eine AVissenschaft passen, welche die Anleitung ent- 
hielte, Avelcher Gebrauch von jenen , Hilfsmitteln' bei der Ei-- 
kenntniss der Gegenstände der wirldiehcjn Welt zu machen, 
d. li. welches die schickliche Anwendung der Mathematik in 
der Physik sei, dagegen die Wissenschaft, deren Gegenstände 
die , Hilfsmittel', nämlicli Zahlen und Jiaumformen selbst, abge- 
sehen von ihrem Ursprung durch Abstraction aus der und von 
ihrer Anwendung auf die Welt der Avirklichen Dinge, sind, eine 
solche für sich und nichts weniger als eine blosse , Hilfs- 
wissenschaft' ausmacht. Wie hier ungerecht gegen die reine 
^lathematik, so verhillt sich Bacon unbillig gegen die reine 
Astronomie, oder die Mechanik des Himmels, an deren Stelle 
er vielmehr die Physik der Himmelskör])er, also statt der Be 
wegungslehre die Naturlehre der Himmelsköi-per (Astrophysik) 
setzt. Zu der richtigen Würdigung der erstereu verschliesst 



'2'2 X i 111 111 f r ma II u. 

ihm seine üeriugöcliätzung der copernikauiöcheii Weltaii sieht, 
die er für einen iiLenteuerlielicn Einfall erklärt, und sein Fest- 
halten , der Gegnersehaft gegen die aristotelisehe Logik zum 
Trotz, an der aristotelischen Physik und Kosmologie den Weg. 
Wie die Naturpliilosophie in Physik und Äletaphysik, so 
zerfällt die Anthropologie in die Lehre vom Menschen als Einzel- 
und in die Lehre von diesem als Gesellschaftswesen. Jene, 
die philosophia humana, hat den Menschen im natürlichen, diese, 
die philosophia civilis, im geselhgen Zustande zum Gegenstand, 
daher die erstere von ihm auch kurzweg als Anthropologie, die 
letztere als Pohtik bezeichnet wird. Insofern der Mensch in 
Leib und 8eele, zerfällt die Lehre vom Menschen in Leiblchre 
(Somatologie) und Seelenlehre (Psychologie); wobei unter der 
Seele (psycho) im Unterschiede vom Geist (pneuma) weder ein 
Ausser- oder gar Uebernatürhches , noch ein Unkörperliehes 
(Immaterielles), welche beide nach dem Vorangegangenen kein 
Gegenstand der Erfahrung, also auch menschlichen Wissens sein 
können, sondern lediglich ein, verglichen mit der Materialität 
des Stoffes, aus welchem der Leib geformt ist, verfeinertes, 
gleichsam ätherisch gewordenes Körperliches verstanden Avird. 
Bacon bezeichnet dieselbe im Gegensatz zu dem von Gott dem 
Menschen eingehauchten Geist (spiraculum) ausdrücklich als 
,Körper', aber im Gegensatz zu dem kalten und dichten der 
unbeseelten Materie als , dünnen und warmen^ Körper. Seele 
und Leib sind daher bezüglich der beiden gemeinsamen Grund- 
eigenschaft der Körperlichkeit untereinander verwandt, gleich- 
artig, nur hinsichtlich des Besitzes oder Mangels gewisser inner- 
halb der Körperlichkeit gegebener (secundärer) Eigenschaften 
(Dichtigkeit, Temperatur u. dgl.) untereinander verschieden, 
ungleichartig, also, da die letzteren nur graduelle Unter- 
schiede bezeichnen, auch untereinander nicht dem Wesen nach 
(dualistisch), sondern nur dem Grade nach (monistisch) ent- 
gegengesetzt. Daraus erklärt sich, wie Bacon, da die Fähigkeit, 
Empfindungen zu haben, erfahrungsgemäss zu den Eigenschaften 
der Seele gehört, dazu gelangt, diese Fähigkeit als eine all- 
gemeine des Körperhchen zu betrachten, d. i. jedem Körper- 
element ohne Unterschied die Fähigkeit beizidegen, Perceptionen 
zu haben, und in Folge dessen zu Bewegungen (Anziehungen 
und Abstossungen) veranlasst zu werden. Andererseits aber. 



Kaut und Couito in iliiciii VerLältniss zur Metaphysik. ^3 

auch, (lass derselbe die der Seele cigentliümlichen Perceptioiicii 
( Eiupiiiidungen), welche erfahrung«j2,emä«s vom Bewusstöcin be- 
gleitet sind, von den den Körperelementen überhaupt eigenen, 
bei welchen dies nicht der Fall ist , und folgerichtig die 
aus den erstcren entspringenden Bewegungen (Willensacte, 
Handlungen) als specifisch seelische von den durch die allen 
Körperelementen gemeinsamen Perceptionen veranlassten Be- 
wegungen (Distanzänderungen) unterscheidet. Ersteres ist die 
natürliche Folge der natürlichen Verwandtschaft der Körper und 
ilcr Seelen, die Bacon einräumt, letzteres die ebensolche des 
(allerdings nur graduellen) Gegensatzes beider innerhalb des 
sie gemeinsam umfassenden Rahmens der Körperlichkeit, den 
Bacon aufrecht erhält. Die sich sofort aufdrängende, gleich- 
falls natürliche Folgerung , dass , wie der Gegensatz zwischen 
Körper und Seele überhaupt, so auch der zwischen den (nicht 
bewusstcn) Perceptionen (Empfindungen) des ersteren und den 
(bewussten) Perceptionen (Empfindungen) der letzteren und 
sonach auch der zwischen den aus jenen und den aus diesen 
entspringenden Bewegungen ein ,fliessender' (gradueller) kein 
wesenhafter (generischer) sein müsse, hat Bacon gefühlt, aber, 
da die Erfahrung in jedem gegebenen Falle nur entweder das 
eine oder das andere, niemals aber das ,Fliessen^, d. i. den üeber- 
gaug des einen ins andere zeigt, nicht zulassen zu dürfen ge- 
glaubt, sondern ,die Natur vmd den Grund dieses Unterschiedes' 
(nicht bewusster und bewusster Perceptionen) weiterer Unter- 
suchung vorbehalten und empfohlen. 

Perceptionen und aus denselben entspringende Distanz- 
änderungen (Näherungen und Entfernungen) bilden die Grund- 
hige aller in und zwischen den Körperelementen sich vollzie- 
henden Veränderungen : Empfindungen und durch dieselben 
(näher oder entfernter) beeinHusste Willensacte und Handlungen 
machen den Inhalt des durch die Objecte der ersteren von 
aussen beeinflussten und durch die Objecte der letzteren das 
Aeussere beeinflussenden Seelenlebens aus. Ersterc bilden die 
Grundlage der (theoretischen) Erkenntniss, diese das Werkzeug 
der (praktischen) Umgestaltung (Unterwerfung) der Natur durch 
ilen Menschen. Jener entspricht eine Wissenschaft, welche als 
Zweck der Erkenntniss das Wahre, dieser eine solche, Avelche 
als Zweck des Wollens und Handelns das Gute zum Gegenstande 



Z4: Z i 111 m 1111 ;i 11 n. 

hat. Jene, die Logik (logica) ,scrvit ad illmiiinatiouis piiritatcm', 
diese, die Ethik (ctliica) ,ad hberae vohintatis directioiiein'. Beide 
Wissenschaften bezeichnet Bacon als ,chives reliquaruni om- 
nium^ Das Weseu der ersten besteht nicht darin, dass die 
Empfindungen, um zu Erkenntnissen zu werden, die Form des 
Walircn annelimcn müssten, sondern darin, dass der Inhalt der 
Avirklichen Empfindungen, d. i. derjenigen, die durch die Gegen- 
stände der Natur ,radio directo' hervorgerufen werden, die Waiir- 
heit sei. Das Wesen der zweiten nicht darin, dass die Willens- 
acte und Handlungen, um zu guten zu werden, die Form des 
Guten annehmen müssten, sondern darin, dass der Inhalt der 
wirklichen, d. i. durch wirkliche Empfindungen (in obigem Sinne) 
hervorgerufenen Willensentschliessungen und Handlungen das 
Gute sei. Aufgabe der ersten ist daher: den Inhalt der Er- 
fahrung zu , reinigen^, d. i. das wirklich Empfundene, das aus 
dem Object der Erfahrung (von den Gegenständen) stammt, 
von dem nur vermeintlich Empfundenen, das vielmehr aus dem 
Subject der Erfahrung (dem Menschen und dessen Vorurtheilen) 
herrührt und statt aus den Gegenständen herausgelesen zu 
werden in dieselben hineingetragen wird, zu sondern. Aufgabe 
der letzteren ist: den Willen durch diejenigen Beweggründe zu 
,leiten', Avelche aus dem Inhalt der wirklichen , aber nicht 
einer vermeintlichen Erfahrung, d. h. aus der Erkenntniss der 
Natur, Avie sie ist, statt aus angebornen oder anerzogenen Vorur- 
theilen über dieselbe, hergenommen sind. Die durch richtige 
Leitung erreichte Güte (bonitas) des Wollens, insofern sie dem 
Einzelnen für sich ohne Bezug auf das Zusammenleben mit 
seinesgleichen zukommt, bezeichnet Bacon als ,innere (interna)'^ 
und setzt sie der ,äusseren (externa)^ entgegen, welche die 
Vollkommenheit des gesellschafthchen, d. i. im geseUigen Zu- 
sammenleben mit andern und in Bezug auf diese sich äussern- 
den Wollens ausmacht. Letztere bildet den Gegenstand der 
Lehre vom Menschen als ,bürgerlichem' Wesen (philosophia 
civiHs, Politik) und ist selbst eine dreifViche, je nachdem sie 
innerhalb des Bereichs blos auf Unterhaltung abzielenden ge- 
selligen Verkehrs (in conversationibus) oder auf dem Felde des 
Geschäftslcbens (in negotiis) oder auf dem Gebiet des staats- 
bürgerlichen Verbandes zwischen Beherrschten und Herrschen- 
den (in impcrio) bewährt wird. 



Kant lind Coiiito in ihioni VoiliältiiiKs i;ur Hlclaphysik. 1;; ) 

Wie mun sieht, trägt keine der drei letztg-cnnnnicti Wissen- 
schaften, Logik, Etliik und PoHtik, normativen, sondern tragen 
alle drei ausdrllckhch empirischen Charakter an sich. Da der 
Inhalt der Empfindungen als solcher das Walire ist, die auf 
iiiductiveni Wege entstehenden Begriffe, Urtheile mid Schlüsse 
des Verstandes aber nur natürliche Transformationen der Em- 
pfindungen und als solche gleichfalls wahr sind, so hat die Logik 
nichts anderes zu thun, als den naturgcmässen Vorgang des 
Ilervorgehcns dieser aus jenen (die Liduction) zu beschreiben, 
um damit die Art, wie Erkenntnisse (richtige Begriffe, giltige 
Urtheile und Schlüsse) zu Stande kommen, angegeben zu haben. 
Dieser Vorgang aber, die Transformation ursprünglicher Em|)lin- 
dungeti, Wahrnehmungen und Anschauungen in Begriffe, Ur- 
llicile und Schlüsse, ist ein psychologischer, im BeAvusstsein nach 
dessen Naturgesetzen sich vollziehender, die Logik als Beschrci- 
])ung desselben daher nichts Aveiter als ein Capitel der Psycho- 
logie oder im weiteren Sinne der Anthropologie niul sonach, 
da diese beiden empirische Wissenschaften sind, gleich ihnen 
eine reine Erfahrungswissenschaft. 

Nicht anders verhält es sich mit der sogenannten Ethik. 
Denn da die Willcnsbewegungen die natürliche Folge von Eni- 
|)findungen, imter diesen aber nur diejenigen, deren Ldialt durch 
das Object der Erfahrung erzeugt ist, die wahren sind, so folgt, 
dass die guten Willensbewegungcn natürliche Folgen wahrer 
Empfindungen sein, d. h. sich aus diesen mit Noth wendigkeit 
von selbst ergeben werden. Der Process, durch welchen das 
ethische Wollen zum Vorschein kommt, ist daher ein rein psycho- 
logischer, nach Naturgesetzen sich vollziehender, die Wissen- 
schaft, welche denselben und dadurch das ,gute' Wollen zum 
Gegenstande hat, ist daher nichts weiter als eine beschreibende, 
ein Capitel der Psychologie oder im weiteren Sinne der Anthro- 
pologie, beide als empirische Wissenschaften gedacht, und sonach 
selbst nichts anders als reine Erfahrungswissenschaft. 

Es kann beinahe von UeberÜuss scheinen, die analoge 
Consequenz rücksichtlich der letzten der genannten Wissen- 
schaften, der Politik, zu ziehen. Es leuchtet ein, dass der 
L^nterscliicd derselben von der sogenannten Ethik lediglich in 
dem Inhaltt' des einmal auf andere bezogeneu, das andere mal 
auf solche nicht bezogenen AVoUens, d. i. in dem Umstände, 



^b Z i 111 111 1' 1111 ;i II 11. 

dass das eine öocialcs, das andere solipsistisehes Wollen ist, 
g-esueht werden darf. Wie nun unter dem solipsistisclien Wollen 
nur dasjenii;-e, welehes aus Avahren, d. li. durch die Objecte 
selbst, und zwar ausseldiesslicli durch diese hervorgebrachten 
Empfindungen entsprungen ist, gut genannt wird, ebenso kann 
unter dem socialen Wollen lediglich dasjenige, welches natür- 
Hche Folge realer Empfindungen ist, ethisches Wollen heissen. 
Während nun die Empfindungen, aus welchen solipsistisehes 
Wollen entspringt, solche sein werden, welche nicht durch das 
Zusammenleben mit seinesgleichen , werden diejenigen , aus 
welchen sociales Wollen entspringt, solche sein, die nur im 
Zusammenleben mit andern zum Vorschein kommen. Von 
dieser Art sind die sogenannten sympathetischen oder Mitge- 
fühle, und insofern dergleichen wahre, d. h. durch die mensch- 
liche Umgebung thatsächlich im Menschen hervorgerufene, also 
nicht eingebildete, sondern selbst erfahrene Gefühle sind, wird 
das aus ihnen entspringende, auf andere bezügliche, also sociale 
Wollen selbst gut, weil durch wahre Empfindungen mit Noth- 
wendigkeit verursacht, sein. Welcherlei sociale Gefühle nun durch 
das Zusammenleben mit andern thatsächlich im Menschen ver- 
ursacht werden, dies festzustellen ist lediglich eine Aufgabe der 
Psychologie als Erfahrungswissenschaft, während der Process, 
durch welchen aus den thatsächlich gegebenen socialen Ge- 
fühlen mit Nothwendigkeit gewisse Arten socialen Wollens ent- 
springen, gleichfalls ein psychologischer und dessen, sowie der 
daraus folgenden Wollen Beschreibung Sache der Psychologie ist. 
Insofern nun Politik das aus den thatsächlichen socialen Gefühlen 
mit Nothwendigkeit entspringende, also das gute sociale Wollen 
zum Gegenstande hat, ist dieselbe nichts weiter als eine beschrei- 
bende Wissenschaft, ein Capitel der Psychologie oder im weiteren | 
Sinne der Anthropologie, beide als empirische Wissenschaften 
gedacht, und sonach selbst eine reine Erfahrungswissenschaft. 
Von dem Inhalt der Erfahrung, d. i. von dem Inhalt der 
als Thatsachen des Bewusstseins erfahrenen Empfindungen und 
Gefühle hängt es ab, welchen Inhaltes nicht nur die durch 
Transformation derselben gewonnenen Begriffe, Urthcile und 
Schlüsse, d. i. die durch Abstraction aus dem Inhalt der Wahr- 
nehmung entstandene abstracto Gedankenwelt, sondern auch 
welcher Art die durch thatsächhche Gefühle mit Nothwendigkeit 



Kant und Comti; in üirciii Verliältniss zur Metaphysik 1:7 

verursachten Willensbewcgungcn (Willensactc und Handlungen) 
liii werden. Sowie mit jeder Aenderung des Inlialts der ur- 
sprünglichen Empfindungen auch jener der daraus abstrahirten 
Uedan kenweit, so muss mit der Aenderung der ursprünglichen, 
Willensbewegurigen verursachenden Gefühlswelt, auch der In- 
halt dieser durch dieselben verursachten Willcnsbewegungen 
selbst eine Aenderung erleiden. Ein anderer Inhalt der ur- 
sprünglichen Empfindungen hat ein anderes Wahres, ein anderer 
Inhalt der Willen verursachenden Gefühle ein anderes Gutes 
zur Folge. iSo lange die Menschennatur der Erfahrung gegen- 
über stets das nämliche Antlitz zeigt, ist nicht zu besorgen, 
weder dass das Wahre, noch dass das Gute erfahrungsgcmäss 
zweierlei gleich gut daseinsberechtigten Inhalt aufweisen könnte. 
Wenn dagegen, wie der Streit der empirischen Ethiker unter- 
einander zum Vorschein bringt, die Erfahrung des einen die 
menschliche Natur als thatsächlich egoistisch, die Erfahrung des 
andern ebenso thatsächlich als uneigennützig und wohlwollend 
zeigt, sonach nach dem einen das egoistische, nach dem andern 
das selbstverläugnende Wollen als gut und daher jedem von 
beiden das gute Wollen des andern für verAverflicli gilt, so zeigt 
es sich, dass entweder, was unmöglich ist, die Erfahrung selbst 
zwiespältig, d. h. das Entgegengesetzte gleich gut Erfahrung 
ist, oder dass der Massstab dessen, was gut oder verwerflich 
sei, nicht aus der Erfahrung selbst gewonnen werden kann. 

Dasjenige, Avas der Rationalismus Metaphysik nennt, Wissen- 
schaft vom Seienden aus reiner Vernunft, erscheint in obiger 
Eintheilung der Wissenschaften gar nicht, dasjenige, was er 
als Psychologie bezeichnet, nur als ein Capitcl der Naturphilo- 
sophie, im engeren Sinne als derjenige Theil der Körperlehrc, 
der von der , warmen Flüssigkeit', Seele genannt, handelt, die 
von demselben als normative Vermmftvvissenschaften bezeich- 
neten Disciplinen, Logik, Ethik, Politik, nur als Capitel dieser 
letzteren als empirischer Lehre vom Menschen. Dieselbe stimmt 
mit der von Comte seiner ,natürlichen Hierarchie der Wissen- 
schaften' zu Grunde gelegten Aufzählung der Wissenschaften 
insofern überein, als auch in dieser die Metaphysik als Wissen- 
schaft gar nicht, die Psychologie nur als ein Theil der Biologie, 
also der Lehre vom organischen Körper erscheint, Logik, Ethik 
und Politik (letztere als Gesellschaftslehre unter dem Namen 



^ö Z i in Ml e r m u n ii. 

der Sociologic) :il)er im Systeme des Positivismus cbeusoAveniju 
wie in jenem des Empirismus als normative (vorsclireibende), 
sondern lediglicli als , positive^ (besclireibende) Disciplinen an- 
gesehen werden. Dagegen kommen in der letzteren im Gegen 
satz zu der Baeon'sclicn die IMatliematik, die von dieser als 
blosse Hilfswissenschaft der Physik geduldet wird, und die 
mathematische Astronomie, die von dieser mit der Physik, von 
der sie nur ein Capitel ausmachen soll, zusammengeworfen wird, 
als selbstständige Wissenschaften ebenso hinzu, Avie andererseits 
die Chemie, welche von Bacon mit in die Physik einbezogen, von 
dieser ausgeschieden und zwischen die Lehre von den leblosen, 
aber mechanisch zusammengesetzten Körpern (Physik) und jene 
von dem lebendigen Körper (Biologie) eingeschoben Avird. Die- 
selbe zählt daher statt der Bacon'schen zwei, oder wenn wir 
an die Stelle der Anthropologie deren Theile, die philosophia 
humaua (Lehre vom menschlichen Einzelwesen) und philosophia 
civilis (Lehre vom menschlichen GesellschaftsAvesen) setzen, drei 
Hauptwissenschaften : Naturlehre, Menschenlehre, Gesellschafts- 
lehrc, deren sechs, und wenn Avir an die Stelle der letzten der- 
selben, der Biologie, deren Theile, die Lehre A'om lebendigen 
Einzel- und die vom lebendigen GesellschaftsAvesen, einschalten, 
sieben HauptAvissenschaften auf: Mathematik, Mechanik, Astro- 
nomie, Physik, Chemie, Biologie und als deren Unterabtheilung 
Sociologie. Wie in der Bacon'schen Aufzählung ein gewisses 
Gesetz der Aufeinanderfolge durch den Umstand sich bemerk- 
licli macht, dass der Mensch A^on der Natur ausdrücklich ge- 
sondert, und obgleich seinem leiblichen Bestandtheil nach als 
ein Theil derselben betrachtet, doch seiner psychischen Seite 
nach als über derselben stehend angesehen, zugleich aber auch 
die menschliche Gesellschaft, Avelcher der Einzelmensch als 
Voraussetzung und Grundlage dient, ihrerseits Avieder als über 
dem Einzelnen stehend, aufgefasst wird : so macht sich ein ähn- 
liches in der von Comte gegebenen geltend durch den Umstand, 
dass der Gegenstand jeder in der genannten Reihenfolge an 
ihrem Ort aufgeführten Wissenschaften jedesmal zusammen- 
gesetzter ist als derjenige der ihr zunächst A^orangehenden, zu- 
gleich aber jedesmal einfacher als derjenige der ihr zunächst 
nachfolgenden, d. h. dass jede ihrem Gegenstand nach über 
ihrer Vorgängerin und unter ihrer Nachfolgerin steht. Nach der 



Kiuit und Conite in ihiciii Vorliältniss zur Metaphysik. 2u 

1 istcrcn bildet die Natur die Voraussetzung des Menschen, 
dii'scr die der Gesellscliaft; nach der letzteren der Gegenstand 
der reinen jMatliematik, Zald uiul Raum, die Voraussetzung der 
angewandten jMathcniatik, entweder auf Naturkräfte überhau})t 
"der auf die Bewegung der Himmelskörper, die durch solche 
inwirkt werden; Kraft und Bewegung aber bilden die Voraus- 
setzung des Stoffes, und zwar sowohl des unorganischen ent- 
weder mechanisch oder chemisch zusammengesetzten, wie des 
organischen Körper«; jener selbst aber die Voraussetzung des 
< )rganismus, und zwar sowohl des einzelnen wie durch diesen 
lies höchsten selbst wieder aus Organismen organisch gegheder- 
ten Wesens, der organisirten Gesellschaft. 

Eine Annäherung beider entgegengesetzten Richtungen, 
von welchen die eine die Metaphysik ausschliesst, die andere 
Physik als eine nur unvollkommene Wissenschaft betrachtet, 
kann nun auf do])pelto Weise herbeigeführt werden, indem 
entweder der empirische Stand])unkt sich dem rationalen, oder 
umgekehrt dieser jenem sich nähert. Letzteres erfolgt, indem 
der Inhalt der Metaphysik beschränkt, d. i. der Umfang der- 
jenigen Gegenstände, über deren Sein durch reine Vernunft 
entschieden zu werden vermag, eingeschränkt wird ; ersteres 
geschieht, indem die als Wissenschaft ausgeschlossene Meta- 
physik als unvermeidliches, wenngleich vorwissenschaftliches 
Durchgangsstadium auf alle Wissenschaften ohne Unterschied 
ausgedehnt wird. Indem das erstgenannte Verfahren di(; Zahl 
der durch reine Vernunft als solche erkennbaren Seienden ver- 
mindert, also dazu beiträgt, dass entweder die Zahl der durch 
Erfahrung erkennbaren Seienden in eben dem Masse vernudirt 
oder jene der Seienden überhaupt entsprechend verringert Avird, 
enthält dasselbe eine Concession an den Stand])unkt der Er- 
fahrung. Insofern dagegen das letztgenannte Metaphysik als 
eine Entwicklungsphase darstellt, welche jede Wissenschaft ohne 
Unterschied des Inhalts durchgemacht haben muss, erscheint 
dasselbe ebenso als ein Zugeständniss an die Behauptung des 
Rationalismus, nach welcher alle Real- oder theoretische Wissen- 
schaft vom Wirkhchen Metaphysik ist. 

Die Annäherung im ersten Sinne (des Rationalismus nn 
ilen Em])irismus) ist durch Kant, jene im zweiten Siime (des Em- 
pirismus an den Kationalismus) durch Comte vollzogen worden. 



ö\) Z i m m r in n. ii ii. 

Die Metaphysik im Sinne dos Rationalismus hat durch die Kritik 
der reinen Vernunft als Wissenschaft keineswo,i>-s, wie es den 
Anschein haben kann, eine völlige Aufhebung erfahren, dagegen 
ist die Zald der dui'ch reine Vernunft als solche erkennbaren 
Seienden, welche vor deren Erscheinen den Gegenstand der- 
selben ausmachten, durch jene bedeutend herabgesetzt, ja im 
strengen Sinne des Wortes auf einen einzigen, das seiner Qua- 
lität nach unbekannte, dagegen seiner Existenz nach allerdings 
a priori (auf Grund einer reinen Urtheilsform des Verstandes) 
erkennbare Ding an sich reducirt worden. Es ist vollkommen 
richtig, dass von den Objecten, welche die Vorrede zur Kritik 
als Gegenstände der Metaphysik aufzählt: Seele, Welt und Gott, 
nach den Ergebnissen derselben keines als durch reine Vernunft 
als seiend erweislich übrig gelassen wird : während die Existenz 
der Seele auf einem zwar unvermeidlichen, aber nichtsdesto- 
weniger illusorischen Fehlschluss beruht, verwickelt die Welt, 
sobald dieselbe als nachweisbar durch reine Vernunft ange 
nommen wird, diese in die einander ausschliessenden gleich- 
zeitigen Behauptungen der Antinomien, lässt sich in jedem der 
überhaupt möglichen Beweise für das Dasein des allerrealsten 
Wesens ein logischer Mangel oder eine Lücke nachweisen. Wie 
aus der eingangs dargelegten Uebersicht der Wissenschaften 
vom Standpunkte des Rationalismus erhellt, machen nun Gott, 
Welt und Seele in der That die Objecto dreier Vernunftwissen- 
schaften vom Seienden, in der entsprechenden Reihenfolge der 
rationalen Theologie, Kosmologie und Psychologie aus, welche 
zusammen sich zum Umfang der besonderen Metaphysik er- 
gänzen, die ihrerseits als Vernunftwissenschaft von besonderen 
Seienden der allgemeinen Metaphysik als der rationalen Wissen- 
schaft von Sein und Seiendem überhaupt (Ontologie) gegenüber- 
steht. Durch die Aufhebung der drei Gegenstände : Gott, Welt 
und Seele, als durch reine Vernunft nachweisbarer Seiender, 
sind daher allerdings die drei denselben entsprechenden Wissen- 
schaften als Vernunftwissenschaften und ist die denselben an 
Umfang äquiparirende besondere Metaphysik als solche aufge- 
hoben; keineswegs aber ist mit der Aufhebung der besonderen 
Metaphysik auch die von dieser unterschiedene allgemeine Meta- 
physik als Vernunftwissenschaft geschwunden, so wenig als 
durch den Umstand, dass die Existenz der besonderen Seienden, 



Kant und Comto in ilireni VcihältnisB /.ur Motaphysik. 31 

<iott, Welt, Seele, aufgehört hat, durch die Vernunft nachweis- 
li.ir zu sein, das Glciclie auch von der Existenz des von jeder 
I '.esonderhcit entkleideten, seiner Qualität nach schlechthin l^n- 
l)('kannt bleibenden Seienden, des Dinges an sicli gelten muss. 
1 )ie Verschiedenheit des Thatbestandes vor und nach dem Er- 
scheinen der Kritik hinsichtlich des Bestandes der Metaphysik 
.ils Wissenschaft besteht nicht darin, dass vor demselben eine 
Wissenschaft der Metaphysik, nach und seit demselben aber 
Ivcine solche existire; vielmehr besteht Metaphysik nach wie 
\or als Wissenschaft vom Seienden durch reine Vernunft. Die- 
•Ibe liegt einzig in dem Umstand, dass diese Wissenschaft vor 
ili'm Auftreten Kant's nebst dem Sein und Seienden überhaupt 
noch einzelne besondere Seiende als Erkenntnissobjecte zählt, 
nach und seit demselben aber nur das erstere Sein und 
Seiende überhaupt als einziges, wenngleich dem Charakter 
seiner Erkennbarkeit nach sich gleichgebliebenes Erkenntniss- 
object bewalü't. 

Während sonach für Kant allgemeine Metaphysik wie im 
Kationalismus als Wissenschaft fort-, dagegen besondere Meta- 
physik mit ihren Theilen als Wissenschaft nicht mehr besteht, 
vollzieht sich die Annäherung des Empirismus an den Rationa- 
lismus durch Comte in der Weise, dass dieselbe, die in der 
Eintheilung der Wissenschaften von Seite des Empirismus als 
Wissenschaft nicht enthalten ist, dafür in der EntAvicklungs- 
geschichte joder einzelnen dieser Wissenschaften und sonach 
in jener des Ganzen der Wissenschaft als unvermeidliches uiul 
allenthalben wiederkehrendes Durchgangsstadium des Wissens 
überhaupt auftritt. 

In der Entwicklung jeder dei* in der obigen natürlichen 
Hierarchie der Wissenschaften aufgezählten Disciplinen, so 
lautet Comte's Lehre, lassen sich drei Stadien, von ihm les 
trois etats genannt und mit d(!n Entwicklungsperioden des 
lebendigen Organismus verglichen, unterscheiden. Das erste 
derselben, von ihm als das theologische bezeichnet und mit 
dem unmündigen Kindesalter in Parallele gestellt, charakterisirt 
sich dadurch, dass nicht nur eine jenseits der Erscheinungen 
gelegene Welt als Gz'und jener selbst vorausgesetzt, sondern 
dieser (»rund oder diese Gründe als persönliche Wesen von 
mehr oder weniger dem menschlichen Geiste verwandter oder 



o2 ' Z i 111 III ciinii IUI. 

überhaupt mensebcnähnliclicr Nat^^r angenommen werden. Das 
zweite, von ihm das metapliysisehe genannt und dem jugend- 
lichen Alter gleichgestellt, kommt mit dem ersten zwar darin 
llberein, dass gleichfalls über die Erscheinungen hinausgegangen 
und als Grund derselben eine jenseits ihrer gelegene, selbst 
weder in die Erscheinung fallende, noch der Erfahrung un- 
mittelbar zugängliche Welt postulirt wird, unterscheidet sich 
aber von jenem durch den Umstand, dass dieser jenseitige Grund 
oder die jenseitigen Gründe als unpersönliche ,Entien' (Ideen, 
Substanzen) gedacht werden. Das dritte von ihm positiv ge- 
nannte Stadium endlich besteht darin, dass über die Erschei- 
nungen überhaupt nicht hinausgegangen, der Grund derselben 
überhaupt nicht in einer jenseitigen, weder persönlich noch 
unpersönlich gedachten Welt gesucht, sondern innerhalb der- 
selben selbst in dem die Erscheinungen beherrschenden Gesetz 
oder in solchen Gesetzen gefunden wird. Dasselbe bezeichnet 
wie das Mannes- einen Fortschritt über das Jugend-, dieses 
über das Kindesalter, so einen solchen über das metaphysische, 
wie dieses ^einerseits über das theologische Zeitalter des Wissens. 
Wie das metaphysische Ens vor dem Gott der theologischen 
Natur- und Geschichtsauffassung den Vorzug hat, dass es durch 
seine Unpersönlichkeit die Möglichkeit und den Verdacht will- 
kürlicher Eingriffe ausschlicsst, während es andererseits mit 
demselben die das Reich der Erscheinungswelt transcendirende 
Existenz einer überempirischen Jenseitigkeit theilt, so hat ihrer- 
seits die Erscheinung vor dem metaphysischen Ens die sinnen- 
fällige Wirklichkeit erfahrbarer Diesseitigkeit voraus, während 
der in ihr waltenden Naturgesetzlichkeit die Ausschhessung 
des Zufalls und eigenwilliger Götterlaunen mit der unwandel- 
baren Geltung der unpersönlichen Idee und der vernünftigen 
Welt- und Naturordnung gemeinsam ist. 

Metaphysik als solche ist daher zwar keine Wissenschaft, 
aber jede der wirklichen Wissenschaften ist im Laufe ihrer 
Entwicklungsgeschichte zum Rang einer solchen einmal Meta- 
physik gewesen. Jede derselben führt anfänglich ihren Inhalt 
auf den Willen übernatürlicher Persönlichkeiten, in deren 
Willkür es lag, denselben so oder beliebig anders zu gestalten, 
zurück. Derselbe hat seinen Grund ledii;lich in der Laune 
der Gottheit, die selbst ohne Grund, rein zufällig ist, also., was 



Kiuit \iiui Ooiiito in ihrom Veiliältiiiss zur Metaphysik. 33 

• ■henso viel ist, als Inhalt keinen Grund. Das Gewnsste ist 
'benso zufällig, wie dessen Aufeinanderfolge und Zusamnu^n- 
stellung- Avillkürlich tmd baar jedes innerlich Ijegriindcten Zu- 
-aiunienhanges ist; sowohl das den Inhalt bestimmende wie 
das die Verbindung desselben bewirkende Band ist gänzlich 
lussorhalb des Inhaltes in einem selbst jede Bestimmbarkeit 
lurcli Gründe ausschliessenden , weder Gesetz noch Kegel 
.inzuerkennen und zu befolgen geneigten Wesen gelegen. Diese 
Zufälligkeit schwindet und macht einer an sich immer noch 
grundlosen, aber den launenhaften Wechsel der Laune aus- 
cidiessenden und daher in iJirer Richtung und in iliren Folgen 
i)eharrenden Nothwendigkcit Platz, sobald der ursprünglich als 
letzter Grund gedachte Wille der Gottheit selbst als einem 
Höheren unterworfen und durch dieses bestimmt, dieses Höhere 
selbst aber nicht wieder als ein Wille, sondern als ein an sich 
unpersönliches Gesetz, eine den ganzen Umfang des Gewussten 
bedingende und normircnde Idee vorgestellt wird. Bleibt doi't 
das Gewusste unbegreiflich, weil die absolute Zufälligkeit der 
göttlichen Willenslauncn, aus denen es fliesst, an sich die Be- 
greiflichkeit unmöglich macht, so würde dasselbe hier sofort 
begreiflich und wirklich begriffen werden, sobald die Idee, als 
deren nothwendiger und unvermeidlicher Ausfluss es gedacht 
wird, selbst einmal begriffen wäre. Während daher der In- 
begriff des Gewussten in jenem Falle von der Beschaffenheit, 
welche durch den Begriff einer Wissenschaft gefordert wird, 
am weitesten entfernt ist, steht er in diesem verhältnissmässig 
derselben am nächsten: jenes, weil sowohl der Inhalt des 
Gewussten, wie dessen Aufeinanderfolge willkürlicli, dieses, 
weil, den Inhalt der Idee einmal vorausgesetzt, sowohl aller 
übrige Inhalt, wie die Aufeinanderfolge des Gewussten noth- 
wendig ist. 

Ersterer Zustand des Gewussten fällt mit dem oben soge- 
nannten theologischen, dieser dagegen mit dem , metaphysischen' 
Zustand des Wissens zusammen. Der Inbegriff des Gewussten 
im , theologischen' Stadium ist überhaupt noch nicht, dagegen 
im , metaphysischen' Stadium unter . der Jjedingung wirkliche 
Wissenschaft, dass nicht nur eine denselben beherrschende 
Idee vorhanden, sondern dieselbe als solche ihrem Inhalt nach 
bekannt ist. Jener Benennung wie dieser liegt die gemein- 

Sitzungsbor. d. pliil.-liist. C'l. CX. P.d. I. Hit. 3 



Ö4 Z i 111 m rill ;i ii u. 

sarao Voraussetzung zu Grunde, dass von wirklicher Wisseu- 
scliaf'r nur dori die Rede sein kann, wo zwischen den einzchieu 
Theilen des Gewussten nothwendiger Zusaiuraenhang, und zwar 
in der Weise besteht, dass die einen als Gründe die andern 
als Folgen T)edingcn und dcingoniäss die ersteren den letzteren 
in der systematischen Anordnung vorangehen. In beiden 
Fällen liegt der Grund des Gewussten ausserhalb desselben, 
das einemal in einem Persönlichen (Willen), das anderemal 
in einem Unpersönlichen, in einer abstracten Idee, während 
im sogenannten positiven Zustand des Gewussten der Grund 
desselben überhaupt nicht ausserhalb desselben, weder in einem 
Willen, noch in einer Idee gelegen, sondern das Gewusste als 
solches Thatsache, d. i. sein eigener Grund oder vielmehr als 
Ganzes grundlos, dagegen jeder Theil des Gewussten durch 
andere Theile desselben begründet und andere begründend ist. 
Theologischer, metaphysischer und posiliver Zustand des 
Gewussten verhalten sich so zu einander, dass in dem ersten 
das Gewusste als Werk göttlichen Willensactes, in dem zweiten 
als Ausfluss abstracter Idee, im dritten weder als das eine 
noch als das andere, sondern als schlechthin gegebene That- 
sache erscheint, welche jeden Versuch, den Inhalt desselben 
entweder aus göttlichen Rathschlüssen teleologisch abzuleiten, 
oder aus abstracten Ideen apriorisch zu deduciren, aus-, dagegen 
nicht nur die Möglichkeit, sondern die wissenschaftliche Nöthi- 
gung, mittelst Betrachtung i^nd Vergleichung der einzelnen Theile 
des Gewussten ihrem besonderen Inhalt nach das demselben 
gemeinsame Allgemeine und das den Zusammhang derselben 
beherrschende Gesetz zu induciren, einschliesst. Während die 
Tendenz der theologisirenden Wissenschaft darauf gerichtet ist, 
den gesammten Inhalt des Gewussten, Natur und Geschichte, 
unter den Gesichtspunkt göttlicher Absichten, Vorsätze und 
Endzwecke zu rücken, jene der metaphysicirenden Wissenschaft 
daraiif ausgeht, denselben in seiner Gesammtheit aus abstracten 
Ideen (einer oder mehreren) zu entwickeln, begnügt sich die 
positive Wissenschaft, denselben, wie er nun einmal factisch 
in der Erfahrung der wirklichen Natur und der wirklichen 
Geschichte gegeben ist, als Thatsache hinzunehmen und das 
demselben innewohnende und daher gleich thatsächlich wie 
das Gewusste selbst gegebene Gesetz als solche anzuerkennen. 



Kant und Coiiitc in iluciii Voihältniss /,ui- Metaphysik. o5 

Wie jpositive^ Wissenschaft in diesem Sinne mit Wissen- 
schaft im Sinne des Empirismus, so fällt ^mctaphysicirende' 
Wissenschaft im obigen Sinne mit Wissenschaft in jenem des 
Nationalismus zusammen. Oilt dem Empirismus der Inbegriff 
des Erfahrenen, so gilt dem Rationalismus ausschliesslich das 
aus Vernunftbegriffen Gefolgerte als wirklich Gewusstes. So- 
wohl die im eigentlichen Sinne sogenannte Metaphysik, welche 
das Seiende, wie die rationalistische Ethik, welche das Sein- 
sollende aus abstracten Vernunftideen abzuleiten sucht, sind 
in den Augen des Positivismus nur metaphysicirende , die 
inductiven, ausschliesslich aus der Erfahrung schöpfenden und 
an der Hand derselben fortschreitenden sind in diesen allein 
positive, d. i. wirkliche Wissenschaften. 

Rationalismus und Empirismus oder, um mit Comte zu 
rtnlen, Metaphysik und Fositivismus verhalten sich zu einander 
Avie zwei verschiedene Behandlungsweisen eines und desselben 
Wissensinhalts, von Avelchen die eine diesen in seiner Ge- 
sammtheit aus abstracten Ideen ableitet, während die andere 
denselben als schlechthin durch die Erfahrung gegebenen an- 
sieht. Dabei kann die Frage entstehen , ob jeder Wissens- 
inhalt ohne Unterschied beide BehandlungsAveisen, sei es gleich- 
zeitig, sei es in verschiedenen Momenten seiner zeitlichen 
Entwicklung dulde , oder ob es gewisse Gebiete desselben 
gebe, deren Natur, sei es die eine, sei es die andere jener 
Behandlungsweisen von sich ausschliesst. Während der strenge 
Rationalismus sich gegen die empirische, der strenge Empiris- 
mus sich gegen die rationalistische Behandlung, sowohl des 
Wissens im Allgemeinen, wie jedes besonderen Wissensinhalts 
abwehrend verhält, gehen die BemiUiungen der beiderseitigen 
Annäherungsversuche von Seite sowohl des Rationalismus an 
den Empirismus, wie dieses an jenen dahin, entweder je einem 
Theile des Gewussten eine der beiden einander ausschliessenden 
Behandlungsweisen ausschliesslich, oder dem Gesammtinhalt des 
Gewussten beide Behandlungsweisen, jedoch in verschiedenen 
^ronienten seiner zeitlichen Entwicklung zuzuweisen. Ersteres 
führt zur Theilung des Gesaramtinbegriffs des Gewussten in 
einen rationalen durch reine Vernunft und einen empirischen 
durch reine Erfahrung gewonnenen Bestandtheil; letzteres be- 
wirkt die Unterscheidung zeitlich getrennter Entwicklungs- 



ob Z i mmcnnu nn. 

Stadien des Gewussten, in deren einem dasselbe durch reine Ver- 
nunft, in deren anderem durcli reine Erfiihrung" gewusst wird. 

Kant's Unterscheidung eines apriorischen, der reinen Ver- 
nunft, und eines aposteriorischen, der reinen Erfahrung ange- 
hörigen Bestandtheiles der Wissenschaft vom Wirklichen, von 
welchen dem ersteren die Form, dem letzteren die Materie 
aller Erfahrung entspringt, gibt das Beispiel des ersten, Comte's 
evolutionistische Auffassung des Wissens, nach welcher dasselbe 
vor seinem vollendeten, dem positiven, ein Uebergangs-, das 
metaphysische Entwicklungsstadium dxirchläuft, ein solches des 
zweiten Falles. Nach jenem zerfällt das Wissen vom Wirk- 
lichen in einen rationalen (Metaphysik) und einen auf Er- 
fahrung gegründeten Theil (Physik);, nach diesem ist nicht 
nur das Gewusste in seiner Gesammtheit, sondern jedes der 
besonderen Gebiete, aus welchen dasselbe zusammengesetzt 
ist, das Gewusste jeder der einzelnen Wissenschaften in seinem 
geschichtlichen Entwicklungsgange einmal Metaphysik (rational) 
gewesen, ehe dasselbe positiv (empirisch) geworden ist. 

Der Beweis der Möglichkeit obiger Theilung der Wissen- 
schaft vom Wirklichen in eine reine Vernunft- und ebensolche 
Erfahrungswissenschaft ist durch die Geschichte der Metaphysik 
in Deutschland von Wolf bis auf Kant geliefert, deren Ergeb- 
niss eine durch diesen herbeigeführte äusserste Einschränkung 
des Umfanges des durch reine Vernunft erkennbaren Seins, 
keineswegs aber die Läugnung der Erkennbarkeit jedes Seins 
durch reine Vernunft war. Durch die Ea'itik der reinen Ver- 
nunft sind zwar die Gegenstände der sogenannten besonderen 
Metaphysik und ihrer Theile, der rationalen Theologie, Kosmo- 
logie und Psychologie, aus dem Kreise des durch reine Vernunft 
erkennbaren Seins ausgeschieden worden, der Gegenstand der 
allgemeinen Metaphysik (Ontologie), das Sein und Seiende über- 
haupt aber ist unter dem Namen des Dings an sich, als zwar 
nicht seiner Qualität, wohl aber seiner Existenz nach erkenn- 
bares Object der reinen Vernunft erhalten gebheben. 

Der BcAveis des metaphysischen als eines Durchgangs- 
stadiums des Wissens überhaupt ist dann vollständig erbracht, 
Avenn er von jedem der das Gesammtgebiet des Wissens zu- 
sammengenommen erschöpfenden integrirenden Bestandtheile 
desselben, d. i. von jeder der einzelnen Wissenschaften erbracht 



Kitiit und l'oiule in iliicui Vorliällnisb zur Mütapliysik. d/ 

i4 Daljci zeigt sich das Eigcnthihnlichc, dass gewisse 
Wissenschaften nicht über jenes Dnrchgangsstadinm hinans- 
i;ehing-en, wälu-end andere, wenigstens in Comte's Darstellung, das 
l)il(l ihrer Beschaffenheit während desselben schuldig bleiben. 
Zu den Wissenschaften ersterer Art gehört die Metaphysik 
selbst; denn, da sie ihrem Begriffe nach Wissenschaft vom 
Seienden aus reiner Vernunft, d. i. aus abstracten Ideen ist, 
so fängt sie, sobald in derselben das Wirkliche nicht mehr aus 
Ideen, sondern, wie es die Natur des positiven oder VoUendungs- 
-tadiums des Wissens verlangt, aus der Erfahrung begriffen 
wird, zwar an, Wissenschaft, aber sie hört auf, IMetaphysik zu 
sein. Es ist daher folgerichtig, dass in der natürlichen Hier- 
archie der Wissenschaften, deren Inbegriff nach Comte jenen 
des Wissens erschöpft, Metaphysik ebensowenig wie in der 
eingangs angeführten Eintheilung der Wissenschaften nach 
Bacon und vom Standpunkt des Empirismus aus erscheint. Wo, 
wie im Empirismus, rationale, d. i. Erkenntniss aus reiner Ver- 
nunft überhaupt als solche ausgeschlossen ist, kann auch eine 
Wissenschaft, zu deren Wesen es gehört, rational, d. i. aus 
reiner Vernunft geschöpft zusein, nicht anders als ausgeschlossen 
sein. Dagegen lässt die BcAveisführung Comte's, dass jede der so- 
genannten positiven Wissenschaften ihr metaphysisches Zeitalter 
durchgemacht habe, manches zu wünschen übrig. Wie Schreiber 
dieses an einem andern Ort (,Kant und die positive Philosophie^, 
Sitzungsberichte 1874, Aprilheft, Seite 62 u. f.) gezeigt hat, wartet 
dessen, der mit der Erwartung einer Geschichte der Wissen- 
schaften an Comte's Werk herantritt, keine geringe Enttäuschung. 
Der Verfasser bezeichnet als Zweck seines Cours de philosophic 
positive ,die Entdeckung der Naturgesetze des grossen Phäno- 
mens der wissenschaftlichen Entwicklung des Menschengeistes 
auf dem Wege der Beobachtung^ Das Ergebniss derselben 
hätte ein Werk sein müssen ähnlich WheweU's , Geschichte der 
inductiven AVissenschaften', ausgedehnt auf den Umfang des 
raenscldichen Wissens überhaupt. Gelingt es von jeder der 
sechs Fundamentalwissenschaften zu erweisen, sie habe nach 
einander den theologisirenden und metaphysicirenden Zustand 
durchgemacht, um schliesslich zum Reife-, d. i. zum positiven Zu 
stand zu gelangen, so ist es vom Umfang des Wissens über- 
haupt erwiesen. Folgerichtig erwartet man, dass der Verfasser 



r> 



ö Z i m m c r ni a n ii . 



sämmtliclie oben genannte Fnndamcntalwisscn schaffen nach der 
Reilie durchnehmen und von jeder derselben deren normalen 
Kutwicklungsprocess durch alle drei Stadien hindurch successive 
darlegen werde. Wie ernsthaft es Comte selbst mit dieser 
unvermeidlichen Folgerung nahm, geht daraus hervor, dass er 
mit dem Plane der Gründung einer eigenen Lehrkanzel zu dem 
Zwecke der Darstellung einer allgemeinen Geschichte der 
mathematischen nnd Naturwissenscliaften sich trug und darüber 
dem Ministerium des Julikönigthums eine eigene von seinem 
Biographen Littre mitgetheilte Denkschrift einreichte. Der 
gedruckte Cours de philosophie positive, welcher die Stelle des 
nicht zur Ausführung gekommenen akademischen Lehrcurses 
vertritt, zeigt das Gegentheil des ursprünglich in Aussicht ge- 
stellten. Was man in demselben antrifft, ist nicht die Geschichte 
der positiven Wissenschaften, sondern sind diese selbst. Die- 
selben werden von dem Verfasser in ihrer hierarchischen Auf- 
einanderfolge zwar niclit als angewandte, concreto, deren Auf- 
gabe die Anwendung der Gesetze der Erscheinungen auf die 
verschiedenen existirenden Wesen ist, wohl aber als reine, 
abstracto, deren Absehen auf die Gesetze der Erscheinungen 
als solche gerichtet ist, vorgetragen. Mathematik, Astronomie, 
Physik, Chemie und schliesslich Biologie und Sociologie werden 
nicht blos in encyklopädischer Reihe, sondern selbst encyklo- 
pädisch, ihrem Inhalt nach als , positive' Wissenschaften abge- 
handelt. Nur gelegentlich fällt ein Seitenblick auf deren 
Vorgeschichte, • ihren tlieologisirenden und metaphysicirenden 
Embryonalzustand. So bei der Geometrie, deren in Comte's 
Augen unvollkommener Zustand in früheren Epochen durch die 
Einmischung sophistischer Raisonnements und metaphysischer 
Streitigkeiten über die Natur des Raumes verursacht worden 
ist ; bei Astronomie und Chemie, von welchen die erstere aus 
Astrologie, die letztere aus Alchemie, die eine wie die andere 
aus einem mystischen und schwärmerischen Vorstadium zur 
Wissenschaft sich herausgearbeitet hat. Endlich bei demjenigen 
Theile der Biologie, der vom Menschen und dessen morahschen 
und intellectuellen Fähigkeiten handelt, avo auf den Begriff der 
Seele, als einen Ueberrest aus dem tlieologisirenden und meta- 
physicirenden Stadium der Anthropologie, in deren ersterem 
der Mensch als Ebenbild Gottes, in deren letzterem der Men- 



Kant und <'oiDte in ihrem Vcrhältniss zur Jletaplijsik. 39 

M-hengeist als jenseits der luilürlichen Welt gelegenes pneuma- 
lisches AVesen gedaclii wiink', hingewiesen, mid derselbe folge- 
richtig als unwissenschaftlich aus der positiven Wissenschaft 
\ oni ^lenschen ausgewiesen wird, an dessen tStellc nunmehr 
jrner der Organisation des Gehirns und der Mannigfaltigkeit der 
' »ruane des letzteren zu treten und die vormals , Psychologie^ 
mnannte Wissenschaft nunmehr der , Phrenologie^ im Sinn der 
Scliädellehre Gall's und seiner Schule den Platz zu räumen 
habe. Statt einer Geschichte des Entwicklungsganges der ein- 
zelnen Wissenschaften durch die normalmässigen Perioden des 
theologischen, metaphysischen und schliesslich positiven Zu- 
standes hindurch, erhält der Leser eine Encyklopädie der posi- 
tiven Wissenschaften selbst und wird , wie Schreiber dieses 
a. a. < ). zu bemerken sich veranlasst fand, das beklemmende 
Gefühl nicht los, dass dem Autor sein Buch unter den Händen 
zu etwas ganz anderem geworden sei, als er ursprünglich an- 
gekündigt hat. 

Schwerlich wird dieser Beweis des metaphysischen als 
eines blossen Durchgangsstadiums des Wissens für vollständig 
gelten dürfen. Die Behauptung der positiven Philosophie, dass 
Metaphysik als Wissenschaft kein positives Zeitalter vor sich, 
dagegen jfide der positiven Wissenschaften ein metaphysisches 
hinter sich habe, fällt mit der Behauptung zusammen, dass 
der Rationalismus als solcher die unvermeidliche Vorstufe, da- 
gegen der Empirismus allein die Stufe wirklicher Wissen- 
schaft sei. Dieselbe kommt daher zwar mit dem vulgären 
Empirismus darin überein, dass ihr der Rationalismus als solcher 
kein Wissen, unterscheidet sich aber von jenem dadurch, dass 
ihr derselbe weder gleichgiltig, noch verächtlich, sondern als 
unvermeidliche und unentbehrliche Vorbedingung und Geburts- 
stätte zukünftigen wirklichen Wissens physiologisch und cultur- 
historisch bedeutungs- und werthvoll ist. 

Sowohl die Stellung Kant's, wie diejenige Comte's zur 
A[eta])hysik, jene von Seite des Rationalismus, diese von Seite 
des Empirismus stellt ein Compromiss zwischen beiden eingangs 
erwähnten entgegengesetzten Strömungen der Philosophie seit 
dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts dar. Das des Einen 
bezieht sich auf die Theilung der Gegenstände der bis dahin 
sogenannten Wissenschaft vom Seienden aus reiner Vernunft, 



40 ZimiiioriiKiii 11. Kant und (Jomle in i)ni.'iii Vorlialtniss Äur Mulapliysik. 

von welchen die sinnliclicn clor Ertahrungswisscnschaft gänzlich 
ausgeliefert, die übersinnlichen, wie Gott, Seele u. s. w. bis 
auf einen einzigen, das zwar seiner Existenz, nicht aber seiner 
Qualität nach bekannte Ding an sich, für schlechthin auf theo- 
retischem Wege unerkemibar erklärt werden, während alle 
übrigen in der Eintheilung der Wissenschaften unter dem Ge- 
sichtspunkt des Rationalismus enthaltenen Disciplinen (Mathe- 
matik, Ethik u. s. w.) ihren urspi'ünglichen Charakter reiner 
Vernunftwissenschaften bewahren. Das des Andern bezieht 
sich auf die Stellung nicht blos der Metaphysik als einzelner 
Wissenschaft, sondern aller Wissenschaften und der Wissen- 
schaft überhaupt aus reiner Vernunft zur positiven, als der 
allein wirklichen Wissenschaft und dem Inbegriff der positiven, 
d. i. der allein wirklichen Wissenschaften, welche zusammen- 
genommen den Inhalt dieser crsteren ausmachen, d. i. auf die 
vStellung des gesammten Wissens im rationalistischen zu dem 
gesammten Wissen im empiristischen Sinne des Wortes, in 
Folge welcher jenes zwar noch nicht wie dieses: Wissen, aber 
dieses aus jenem als seiner naturgemässen und unausweichlichen 
vorzeitlichen Entwicklungsphasc entsprungen ist. Wie bei Kant 
Rationalismus und Empirismus als einander ergänzende Aus- 
flüsse eines und desselben in sich gespaltenen, aus einem ratio- 
nalen (apriorischen) und sinnlichen (aposteriorischen) Bestand- 
theil zusammengesetzten Erkenntuissvermögcns im Neben-, 
so vertragen sich bei Conite beide als zeitlich verschiedene 
Momente eines und desselben normalen Entwicklungsprocesses 
des Wissens im Nacheinander. Der Grund dieser Verträglich- 
keit liegt in beider Verhältniss zur Metaphysik. 



Hariuiz. üobcr das Umsichgreifen der -(i-Declinalion im Altindischen. 41 



lieber das 

alliiiiilige riiisiehgreileti der -M-Deeliriatioii 

im Altindisclieii. 



Von 

Dr. Johann Hanusz. 



Ijekaiiiitlicli gibt cö in der Dcclination der voealischen 
und maneher consonantischen Stämme eine Keilie von Fällen, 
in welelien vor der Endung ein angeblieh eingesehobeucr Nasal 
erscheint. Es sind nämlich folgende: 

1. Der Genit. plur. aller voealischen Stämme, nämlich 
auf -änäm, -Inäm, -ünäm, -fnäni; dann gonäm, caturnäm u. dgl. 

2. Der Nomin. Accus, plur. neutr. der voealischen und 
mancher cousonantischen Stämme, also auf -äni, -mi, -üni, -fni; 
cmsi, -Imslii, -mmhi; -itti^ -Tic/', -vqn u. dgl. 

3. Der Instrum. singul. der -/- und -/^-Stämme auf 
-lud, -nnä. 

4. Alle anderen Casus mit vocalisch anlautenden Endun- 
gen bei den neutr. -i-, -u-, -r-Stämmen, also: -ine, -ina-s, -ini ; 
dual, -inl, -iiios ; -wie, -unas u. s. w. -rue u. s. w. 

Es tritt hier offenbar eine Stammerweiterung durch n 
(vi, ni) auf, mit Verlängerung des Stammvocals in den beiden 
ersteren, und ohne dieselbe in den beiden letzteren Fällen. Die 
untei- l. erwähnte Bildung hat sogar den Schein eines älteren 
Ursprungs, denn sie erscheint nicht nur im Indischen, sondern 
auch im Iranischen, ja sogar im Germanischen wollte man etwas 
ähnliches nachweisen, während die anderen ]>ildungen spcciell 
indisch sind. 

Der Zweck und die Herkunft dieser Stammerweitcrung 
durch einen Nasal wird bis jetzt verschieden aufgefasst. Bopp 



4i Hiinusz. 

(Krit. Gramm. (Um- Saiiskritspi-. ■', i^. 41) b) bclrachtct diesen 
Nasal als einen ,eu))bonischcn Zwiscbcnlaut^; bei Benfcy (Vollst. 
Gramm. 308) wird liier ein u ,zur Vermeidung des Hiatus' ein- 
geschoben-, Soll leicher KZ. IV, 56 erkennt darin , das Haupt- 
clement des Pronominalstammes ana (lit. (iikd^, slav. onz)'] 
W. Scherer (Zur. Gesch. -, 5f)0) denkt — wenigstens beim 
Genit. plur. — an eine Präposition *a7)i (deutsch an, /m) und 
Andere dergleichen. Schleicher hat später (Comp. •', 528. 545. 
561) diese ,unursprüngliche Stammerweiterung durch n, als eine 
, indische Neubildung' betrachtet. Noch weiter ging Osthoff, 
indem er (Forsch. H, 16 ff.) die aind. Formen daviinäm, yugdni 
als einen ,Metaplasmus in die Declination der -a//-Stämme' er- 
klärte. Da diese Ei-klärung von den meisten heutigen Sprach- 
forschern gebilligt, von den anderen aber stark angegriffen 
wurde, so will ich im Vorliegenden alle die Fälle einer genauen 
Untersuchung unterziehen, in denen sich Avirklich die Möglich- 
keit einer Formübertragung von den -u-Stämmen beweisen 
liesse. Wir wollen dabei trachten, immer auf die Anlässe zur 
Neuerung das Augenmerk zu richten, und vielleicht gelingt es 
sogar, den Weg zu ermitteln, auf welchem das allmälige Um- 
sichgreifen der -/; -Declination im Indischen vor sich ging. 

Es sei mir vergönnt, an dieser Stelle Herrn Professor 
K. Brugmann für die Anregung zu dieser Untersuchung, und 
den Herren Professoren G. Bühler in Wien und Job. Schmidt 
in Berlin für einige wichtige Bemerkungen meinen besten Dank 
auszusprechen. 



1. Genit. plur. Jinf -anani., -tnmii, -unatn^ -rnani. 

Die durchgreifende Endung des Genit. plur. ist im classi- 
schen Sanskrit, wie bekannt, -am, welches am deutlichsten bei 
den consonantischen Stämmen auftritt, z. B. pad-äm, mdnas-äm, 
ätmdn-äni, hhdvat-äm, u. dgl. Die vocalischen Stämme dagegen 
haben den Ausgang -näm, vor welchem der stammauslautende 
Vocal immer als lang erscheint, z. B. kämänäm (St. kCima-), 
senänäm (St. seiuJ-)'^ agiilnäm (agni-) , devinäm (devl-) : cdtrü- 
näm (catru-), vadhünäm (vadhü-), 'pitfnäm (flfr-). Es fragt sich 
also, wie dieser Ausgang zu erklären ist. Ziehen wir andere 



Ueber das allmälige Umsichgreifen der -«-Declination im Altindischen. 4o 



I II 



dogerinanische Sprachoii zur Vcrglcicluiiii;- licrLei, so zeigt sich 
last dasselbe Verliältniss im Iranischen, wo die consonantischen 
Stäiurae ebenfalls -äni^ die vocalischen aber öfters -wiäni, -inäm, 
nimm zum Ausgang haben. Die europäischen Sprachen dagegen 
'•igen inis nichts Aehnliches, ausser dem Westgermanischen, 
wo neben der allgemeinen Endung -o, welche dem arischen -am 
mtspricht, die femin. -«-Stämme den Ausgang -önö zeigen; vgl. 
ahd. gebönö, as. gSönö u. s. av. 

Beginnen ^vir also mit den femin. -ü- und nuisc. noutr. 
'^-Stämmen, welche im Altindischen -änäm, im Iranischen vor- 
wiegend -anäm zum Ausgang des Genit. plur. haben. W. Schcrer 
i^Zur. Gesch. '', 5(i0) führt aind. -änäm und iran. -nnäm. auf ari- 
sches '*'ä»äni zurück, welches wegen des westgerman. -Onö bei 
den femin. -ä-Stämmen sogar als urindogermanisch anzusetzen 
sei. .Darnach müssen wir der arischen (d. h. indogermanischen) 
Ursprache zu -am und -säm auch noch -7}äm, als Suffix des Genit. 
plur. vindiciren' — heisst es a. a. O. Dasselbe hat er schon in 
der ersten Ausgabe seines Werkes gelehrt und besonders bei 
IL Zimmer grossen Beifall gefunden ; vgl. Zeitschr. f. deutsch. 
Altth. XIX, 424, Quellen und Forsch. XIII, 174. Gleichzeitig 
aber haben sich dagegen Leskien (Declin. 88 ff.) und Osthoff 
(Paul-Br. Beitr. III, I ff.) ausgesprochen. Was den aind. Ausgang 
-änäm anbelangt, so hat schon Schleicher (Comp. •', 545) be- 
hauptet, dass diese Bildungsweise bei den vocalischen Stämmen 
eine ,indische Neubildung^ sei. Ihm folgte Osthoff (Forsch. II, 17, 
Paul-Br. Beitr. III, 3), indem er erklärte, dass ,die Casusendung 
von sanskr. devänäm, abaktr. daevanävt unzweifelhaft so ange- 
sehen werden muss, dass man sie schlichtweg für eine Form- 
übertragung von den -??-Stämmen, also von sanskr. räfnäm, 
tflkshnäm^ abaktr. acnäm u. a. hält^ Trotz Zimmcr's (Anzeiger 
f. deutsch. Altth. I, 237) und ^Nfahlow's (Die langen Voc. 41) 
Einspruch theilen die Ansicht Osthoff's die meisten heutigen 
Sprachforscher, wie Joh. Schmidt (vgl. KZ. XXV, 37), Bar- 
tholomae (Arische Forsch. 91), Hermann Möller (Paul-Br. 
Beitr. VII, 544) , K. P) r u g in a n n u. A. Ehe wir auf das 
Nähere eingehen, um zu beweisen, dass diese Ansicht richtig 
ist, ist noch einer Erklärung von A. Bezzenbcrger zu er- 
wähnen, Ay(dche er diesem Gegenstande in seinen Beitr. 11, 133 
gewidmet hat. 



44 ll;uiusz. 

Auch für ihn iat die Endung -näni älteren Ursprungs, 
denn sie ^erscheint aueli im Altbaktrischen, Altpersischen und 
vielleicht auch im Germanischen und sonst^, aber die Erklärung 
Scher er 's stellt ihn noch nicht zufrieden. ,Man muss sich 
also nach einer anderen Erklärung jenes -neun umsehen, und 
diese liegt sehr nahe', nämlich: ,sanskr. carathänäm, gatäväm, 
zend. aredranäm, urvaranäm sind aus dem arischen *carathän-än, 
*()atan-än u. s. w. entstanden, d. h. die Endung -an ist in ihnen 
doppelt gesetzt, wie ved. 'prtäushii : prtsu.' Dadurch wird freilich 
nicht nur der Ausgang -änäm, sondern auch -inäm, -ünäDi, fnävi. 
erklärt, denn ,aind. hivluäm, tälnuäm, pitfnäm ; zend. mäzda- 
ydcninäm, aithyunäni, apers. parhuvnäm u. s. w. sind aus •'7i;a- 
viäu-än, taliuin-än, pitarcin-äii, -yaciiiänän, aithyuän-än u. s. w. 
entstanden.' Es wird sich wohl schwer Jemand linden, den 
das überzeugen möchte. 

Nun aber, wie stellt sich uns die Geschichte des alt- 
indischen -änäm überhaupt vor? Die Zustände, wie sie im 
classischen Sanskrit vorkommen, sind nicht die ursprünglichsten; 
man muss einige Grade unterscheiden, in denen ihre Entwick- 
lung allmälig vor sich ging: 

1. Das indogermanische Casussuflix *-oh/ (vgl. Osthoff, 
Morphol. Unters. I, 207 ff.) sollte im Arischen als -am erscheinen, 
aber nur bei den consonantischen und bei den -i, -(/-Stämmen. 
Bei den -«- und -ä-Stämmen dagegen ist aus *-a-(nn und '^-ädvi 
der Ausgang -am entstanden, welcher ebenfalls auf die indo- 
germanische Ursprache zurückzuführen ist. Dies ergibt sich 
aus der Vergleichung mit anderen indogermanischen Sprachen, 
besonders mit dem europäischen Theile dei'selben. Es war also 
ursprünglich '^pad-dm, ^atmän-rnn neben dcväm (aus '^acva-am, 
oder '*agvä-am). 

2. Eine Tendenz der Formausgleichung, die sich in diesem 
Falle schon frühzeitig in allen indogermanischen Sprachen zeigte 
(vgl. Osthoff a. a. 0.), bewirkte, dass auf dem arischen Sprach- 
gebiete, wie auf den meisten europäischen, der Ausgang -am 
die Oberhand gewann. So wurden ursprünghch '^pad-dm, "^at- 
mdn-am durch Angleichung an dcväm zu padäm, atmduäm. In 
dieser Periode wurde also der Ausgang -am, indem er als Casus- 
suffix angeschen wurde, allgemein herrschend. 



Ucber ilus allinäli^'c Umsichgiciton der -K-Doclination im AUindisulicii. 4o 

3. Nun aber liat sicli die (Kasusendung im f'cmin. «cväm, da 
der Stamm ncmi- sonst ülx'iall solir deutlich hervortritt, im Ver- 
gleiche vaxi j)ctd-äm. gatiz unkenntlich gemacht. Deswegen musste 
sich jetzt die Sprache ein IMittel finden, um den zum Casus- 
suftixe gewordenen Aiisgang -am. bei den -ä-Stämmen klarer 
hervortreten zu lassen. Als Muster konnten der Sprache am 
besten die consonantischcn Stämme dienen, und von ditiscn 
eigneten sich dazu vorzüglich solche Formen, wie üfmdnnm, 
sndmrmäm., so dass deren Ausgang -iiäni zunächst auf die -ä-, 
dann auf" die -a-Stämme übertragen, und acväm dui'ch eine Form 
dcvänäm ersetzt wurde. 

Sowohl die Uebertragung des Ausganges -am. auf die con- 
sonantischen. als auch die des -väm, auf die vocalischen Stämme 
filllt in die vorhistorische Periode der altindischen Uoberlieferung. 
Die Ersetzung der Casusendung *-am ])ci den consonantischcn 
Stämmen durch den Ausgang -am, musste in so grauer Vorzeit 
bewirkt worden sein, dass wir weder im Altindischen noch im 
Iranischen noch irgend eine Spur der Endung -nin aufweisen 
können. Die Uebertragung dagegen des Ausganges -iiäm auf 
die vocalischen -a- und -ä-Stämme und die weiteren Folgen der- 
selben haben noch in der vedischen Sprache sowie in den alt- 
iranischen Dialecten manche Spuren zurückgelassen, die wir 
im Folgenden anführen und das zur Bestätigung unserer Ansicht 
noch Nütliige hinzufügen wollen. 

Bei den -a-Stämmen finden wir nach Lanmann (Noun 
Infiex. 353 — 354) noch zwölfmal im Veda den Ausgang -am, 
nämlich: yufhtäm, Rgv. Välakh. 8,4, cardthäm. Rgv. I, 70, 3, 
In'msäiiäm Rgv. X, 142, 1, arnavdm SV. I, 340, vcuidm \igy. X, 
46, 5, cäsäm Rgv. II, 23, 12, und sechsmal mit geschriebenem 
-(1)1 oder -an, welches aber -am oder -am zu lesen ist: tnanu- 
shjjä» Rgv. VI, 47, 16, mdrtän (2 mal) Rgv. IV, 2, 3, 11, davan 
(Jdinna) Rgv. I, 71, 3; VI, 11 3; X, 64, 14. Ausserdem fordert 
das Versmass die Zusammenziehung von devdiiäin zu devänij 
Rgv. VI, 51, 12 (gleichfalls vor jdnma). Jedoch nur wenige 
von diesen Beispielen sind ganz sicher ; denn (ji-assmann z. B. 
hält himsrinrim nnd cäsäi». ' in den bezeichneten Stellen für accus. 



' L an man fasst <;fi-<ia)n als Genit. ])liir. za daxii. (ITftvrsclior) auf und über- 
setzt : ,deeniin{j liiniself tlie niiglity, one (of tlie) amoug tlie rulers' 



46 Hiin (iK/.. 

singul. ferain., mnnnsliyhn für accus, plur. und vanäm führt er 
mit Roth (Fetersb. Wörterb. VI, GGG) auf deu Stamm van- zu- 
rück, welcher zweimal in der Form vatusn Ri>;v. IX, 57, 35; 
86, 3 vorkommt. Die Formen auf -an können in den bezeich- 
neten Stellen wirklich als accus, plur. g'elten, so dass die Lesung 
-äni. ganz unnöthig erscheint. 

Mehrere Beispiele dieser uralten Endung finden sich in 
der Avestasprache : agfävi^ geredhäm, zyänäm, varccäm, careAhdm, 
cfaoräm, cpämävi, varsnäm' adiectiva: anahimänt, ashavatbaEshäm, 
nzdäqyamnäm, pacuskaurväm, frapterejähäm, hipnitistanäm, vis- 
hnurvam ^ cnkhräm-ca, vgl. Justi, Handb. §. 528. 531. Im 
Gäthädialcct entspricht dem -am die Endung -em (-Pm, -Mg), 
diese aber findet sich wohl nur in daevefig Y. 49. 4, vgl. 
Barth olomae, Handb. der altiran. Dial. S. 96. 

Die -ä- Stämme haben im Altindischen schon kein 
einziges sicheres Beispiel mit dem Ausgange -am aufzuweisen, 
obwohl die Grammatik bei den einsilbigen (Wurzel-) Stämmen 
neben -änäm die Endung -am anzusetzen pflegt, z. B. jäm neben 
jäiKim, vgl. Whitney, Ind. Gramm. §. 351. — Wenigstens in 
der vedischen Sprache findet sich kein Beleg ' dazu, vgl. La n- 
man, Noun-infl. p. 453. — Im Avesta jedoch, obwohl selten, 
finden sich manchmal Beispiele des Genit. plur. auf -am, z. B. 
gadhwäm, näirikäm, vanäm ; vgl. Justi, Handb. §. 529; Bar- 
tholomae, Handb. §. 241. — Dass die Spuren der Genitiv- 
formen auf -am. bei den -ä-Stämmen im Arischen schon so 
gering sind, hat seinen Grund hauptsächlich darin, dass die 
Stämme auf -ä- überhaupt viel seltener vorkommen, als die 
-a-Stämme. Nach L an man 's Zählung (Noun-infl. Table 1) 



(Noun-infl. 353); ebenso übersetzt Ludwig (Rigv. 1,343), Roth (Petersb. 
Wörterb. VII, 168) folgend: ,wer für gewaltig unter den Herrschern sich 
lialtend mordsüchtig ist' und hält im Commentar (Rigv. V, 280) diese 
Uebersetzung für ,unz weife! haft zulässig', zieht aber eine neue Auf- 
fassung vor, nämlich qUmm als einen alten Instr. singul. femin. und 
übersetzt: ,der für einen Gewaltigen geltend durch seinen Befehl zn 
tödten beabsichtigt'. — Die Form hhmünmti hält auch Ludwig für 
Accus, singul. femiu. nämlich als Attribut zu dkliphn: ,hinweg schaft'c 
den schädigenden Blitz' (Rgv. I, 472). 
1 In dhenäm antar sahardüghUm SV. II, 5ö2 sieht Lanman nicht den 
Genit. plur. wie Benfej (Gloss. s. v. äntar), sondern den Accus, singul. 
(Noun-infl p. 304). 



Ueber d;i.s allmiligo UmsichgrcilVüi der -)j-DccIinatioii im Altiiidisclieii. 4< 

sind (li(! -«'/-Stjinimf' in der K^'voda-sainliitä. 42518, die Stämme 
uuf -ä- da<>;eg'en 4318 mal belegt. Das Verhältniss ist also 
ungefähr -ä- : -a- = 1 : 10. Dasselbe Verhältniss, sogar noch 
grösser, sehen wir mi Genit. plur. dieser Stämme; die -«-Stämme 
l<oramen 027, die Stämme auf -ä- dagegen nur 47 mal vor, 
also wie 1 : 11. Da wir nun im Rgveda elf, obwohl nicht so 
sichere Belege mit dem Ausgange -am bei den -a-Stämmen 
finden, so möchten wir bei den -ä-Stämmen verhältnissraässig 
«loch ein Beispiel erwarten; das findet sich aber nicht. Dieser 
Umstand kann auch zur Unterstützung unserer Ansicht dienen, 
niunlich dass zuerst die Uebertragung des Ausganges -näm auf 
die -ä-Stämme gänzlich vollzogen wurde. 

Somit erscheint in der vedischen Sprache ausser einigen 
wenigen, meist zweifelhaften Fällen, immer der Ausgang -änäm. 
Woher er kam und warum er die ältere Endung zurückge- 
drängt hat. wurde schon oben angedeutet; hier möchten wir 
es noch näher erörtern. 

Bekanntlich giebt es im Sanskrit fast zu jedem -aw-Stamme 
einen Parallelstamm auf -a-, welcher gewöhnlich als das erste 
oder zweite Glied eines Compositums erscheint, z. B. röjav-, 
daneben räja-pufra und maliä-räja; pdrvnn- ., daneben parva- 
käla und tri-jynrva; äfmnn-, daneben ätma-han; dcman-, daneben 
iipäcma u. dgl. Daraus ergiebt sich, wie es schon Osthoff 
(Forsch. II. IG) bemerkt hat, dass ,von Alters her zahlreiche 
-an- und -o -Stämme ohne wesentliche Bedeutungsverschiedenheit 
nebeneinander standen, und dass die Sprache bei Zusammen- 
setzungen sich dieses günstigen Umstandes bediente, um für 
hmgathmige und schwerfällige Wortbildungen , wie es Com- 
posita sind, die kürzere und bequemere Stammform in An- 
wendung zu l)ringen.' Da man derselben Erscheinung auch 
auf dem griechischen, lateinischen und germanischen Sprach- 
gebiete begegnet , so kann man sie sogar mit B r u g- 
mann (]\[orphol. Unters. II, 251, 2t)l) für grundsprachlich be- 
trachten. — Seltener kommen im Altindischen neben den -an- 
Stämmen parallele -«^^Stämme selbständig vor. So haben wir 
im Yeda neben cirshän- den Stamm clrshd-, ' neben dhan- ein 

' Vgl. qtrs-lwm AV. IV, M, 1. T.oc. <^trxh(' AV. VII, ÖG, G; XIV, 1, 55. 
Dual, rimh' Rgv. IV, 5S, .3. J'liir. n. a. qlrithä Rgv. I, 3.3, 5; KJß, 2; 



48 Hanns/,. 

dk((-;^ in der späteren Sprache vraha-, tak.sha- neben den ved. 
vrshan-, iakahan; ebenso mehrere Stämme auf -mau- und -van-, 
wie: dhdrman- und dhnrnia-y'^ darmän- und r/arma-,-' enian- und 
ema-,^ luhnan- und hdma-,'' djman- und d.jmn-/' yäm.on- und 
yäma-,^ rkvdn- und rküd-,"^ rhhvdn- und rhJwd-,'^ tAkvan- und 
tdkva-,^^^ cikvan- und cikva-,^^ vdkvan- und vdkva-,^'^ vihhävan- und 
vihhäva-,^^ anarvdn- und a>?a>"?;ri-,i ' dhdnvan- und dlidnva-, pddvan- 
und pddva-, vdnwin- und rdnvn-, srkvan- und srkva- und andere, 
vgh Lanman, Noun-infl.; Whitney, Index verborum . . . of 
the Atharva V.; Böhtlingk-Roth, Sanskr. Wörterb.; Osthoff, 
Forsch. II, 22, 

Aus dieser ParalleHtät erkUiren sich leicht zaUreiche soge- 
nannte Metaplasta der -a-Stämme in die -«-DecHnation und 
umgekehrt. Da man neben clrshä (St. cl.rsha-) clrsliän-i 
(St. cirshan-) sprach, so fieng man an neben yvgä auch yngäni 
zu sprechen, als ob es ein Nebenstamm yugan- wäre; umge- 
kehrt ist das ved. ahä neben ahäni (St. ahan-) wie von einem 
-a-Stamme aha- gebildet. Auf einem ähnlichen Vorgange be- 
ruht auch die Uebertragung des Ausganges -näni im Genit. plur. 
von der -?j-Declination auf die -a- und -ä-Stämme. Ehe wir 
darauf näher eingehen, sei es noch erwähnt, dass sowohl im 
Indischen als auch im Iranischen die consonantischen, und 



VI, 62, 10; VIII, 63, 13; X, 8, 9 {glrshäni Rg-v. VII, 18, 19; AV. I, 7. 7; 

VIII, 3, 15; X, 4, 9). 
' Vgl. plur. n. a. dhä (Rgv. 21 mal, AV. 3 mal) neben i'ihäni (Kgv. 14 mal. 

AV. 4raal); genit. «/tän«?)i Rgv. VIII, 22, 13 (neben Ahnnm Rgv. 23 mal, 

AV. 6 mal). 
2 dMrmas AV. XI, 7, 17; XII, 5, 7. dhdrmam AV. XVIII, 3, l. 
^ darmäs Rgv. III, 45, 2. 
" emas VS. XVIII, 15. 
5 homas AV. VIII, 8, 17. hömam AV. IV, 38, 5. liönum AV. VIII. 9, 18: 

XIX, 1, 2. hnmais AV. VI, 93, 2. hömäya VS. VIII, 58. 
^ (ijmeshu Rgv. VIII, 41, 20; vgl. agmen nnd oyfxo-c. 
■^ yumam AV. X, 2, 6. yameslm AV. VI, 21, 2. 

8 rkv('i.i Rgv. X, 36, 5. 

9 r/,hv<Un Rgv. VI, 49, 9; X, 120, 6. ' ' 
•0 tdkva.'< Rgv. VIII, 58, 13. 

" Qikväs AV. X, (5, 3. 

'2 vakväs Rgv. X, 148, 5; accus, plur. Rgv. IV, 19, 7. 

'^ vihhdvam Rgv. I, 148, 1. 

^* unarväm AV. IX, 9, 2. 



UeV)cr das iillinälif;e Umsichgreifen der -H-Declination im Altindisclipii. 4:9 

licsonclcrs die -u-Stämme, häufig- in die -a-Declination iiber- 
ireten; z. B. Nom. sini>;ul. pmhdnds Hgv. X, 93, 4, hasfaghids 
Kgv. VI, 75, 14, Genit. päshandsya Kg\\ X, ö, 5, ägi;agJindsy(i 
Kgv. X, ni, 21, IjOC. parnai/a-ghue Rgv. X, 48, H, Nom. pliir. 
'irir.^hänäs , Instr. dcnaish n. dgl. (Lanman, Noun-infl. 479); 
lOiesf. Nom. siiigul. iidi-njanö, haevarecashtmtnö^ Dat. fdrj/avKiväi, 
arshauäi, veretliritcfhurd ; Abi. asnäth, kfihafnäfh , iham:(i.nnih ; 
Cleiiit. arshavahe, syävarshänaJie, zrvänahc; Loc. Ichnhafne, ftpmuie- 
ca u. dg]. (Bartliolomac, Arische Forsch. I, 95). Im Pali 
1111(1 Prakrit ist der Uebertritt der -m?-Stämme in die -a-Decli- 
natimi ))ekaiintlich ganz allgemein; vgl. E. Kuhn, Päligr. 7."5 
bi.s 7(1; E. Müller, Jainapräkr. 51 ; A. Torp, Die Flexion des 
J';ili ]). 25. Den Anlass dazu gab ohne Zweifel der Ausgang 
des Accus, singul., der sowohl bei den vocalisdien al.s auch 
bei den consonantischen Stämmen gleich lautet; vgl. Osthoff, 
Paul-Br. Beitr. III, 7ß; Brugniann, önrt. Studien IX, )>14. 

— Es darf daher auch deswegen gar nicht befremden, wenn 
unter Umständen auch das Gegentheil eintrat, nämlich dass 
eine Form von der -»-Declination auf die -a-Stämme über- 
tragen wurde. 

Diese Formübertragung nahm wohl im Genit. plur. zuerst 

— wie gesagt — von den -ä-Stämmen ihren Ausgang, veran- 
lasst durch das Zusammenfallen des alten Genit. plui*. senäm 
mit dem Accus, singul. Es wurde bei den Formen ätmdnäm, 
brahmdnäm., dcmanäm u. dgl. der Ausgang -näm als eine Casus- 
endung aufgefasst, die sich an den vocalischen A^^sgang der 
-ä-Stämme vorzüglich anhängen, und sowohl den Stamm des 
Nomons als auch die Gasusendung deutlich und rein hervor 
treten Hess. Dass bei einem so regen Austausche, wie er 
zwischen den -a- und -r^»-Stämmen war, die Auffassung des 
Ausganges -tiäm in ätmdnäm., dliarmdnäm u. dgl. als Casus- 
endung wohl möglich war, ist ganz natürlich; es traten aber 
dazu noch andere Formen, die diese Auffassung begünstigten. 
Es waren nämlich die Formen ätmd-hhis, ntiDd-bbyas-, äfmd-fui, 
die dem indischen Sprachgefühh' älmdnäm in älmd-iiäm zer- 
legen und nach diesem Muster zu suitäbhi.s, Hniiä-hlupis, scnä-su 
eine Genitivform senä-näm. schaffen Hessen. Nachher begann 
man ohne Zweifel auch bei solchen Formen wie rdjüäm, ndm- 
iiävi. den Ausgang -näm als Casussuffix zu betrachten, besonders 

Sitzungsber. d. pliil.-hist.. Ol. CX. Hd. I. Hit. 4 



50 Uaiiiis/,. 

da räjn-hhis (-hhyas, -su), iiänui-hhin (-hhyas, -sn) sich mit ätmn- 
bhi.s (-bhi/ds, -s-u) im Auslaute der »Stammform ganz genau 
decken. Es ist liier a})er noch zu bemerken, dass die Formen 
wie ätmdnäm., hrahmdnäm, ilhärmanäni überhaupt öfters vor- 
kommen, als solche Avie rfijnäm , nämnäm. Denn unter den 
-??■ Stämmen giebt es besonders viel solche, die vor dem Suffix 
-man-, -van-, einen Consonanten haben. Diess sehen wir schon 
aus dem , Verzeichnis» der biegsamen Wcirter^ im Rgveda bei 
rassmann (Wörterb. 1730 If.) und aus einem ähnlichen in 
Atharvaveda bei Whitney (Index vcrb. 344 ff., 367 ff.). 

So haben wir z. B. im Rgveda neben anarvdnäm., dyaj- 
vanäm^ sd.fvanäm, maghdnäm, fnahrndnäm, dhdrrnnväm., mdnnia- 
näm, nur (jräimäm, dhinämnäm. vrshnäm,, dhnäm. Die Formen 
oyirävnäm, -dävnäm, sornapävnäm sind wegen des Versmasses 
auch rdrävanäm, -däva.näm, -prwanäm. zu lesen; vgl. La n man, 
Noun-infl. 541. 

Die Uebertraguiig der so aufgefassten Endung von ätmd- 
näm. u. dgl. auf senä-näm u. dgl. war ohne Zweifel noch da- 
durch begünstigt, dass im Nom. singul. senä^ kanyä u. dgl. 
ebenso wie ätmä, dcmä, auf langes ä auslauten. — Zwar sind 
die von uns bis jetzt als Beispiele erwähnten -m?-Stämme masc., 
aber es giebt ja doch im Altindischen auch femin. -an- und 
besonders -r»«(;-Stämme, die ganz dieselbe Plexion wie masc. 
haben. So haben wir z. B. im Veda belegt: Nom. singul. 
femin. sdldkfthviä Rgv. X, 10, 2; 12, 0. Accus, singul. dyutd- 
dyämäiiam (ushdsäm.) Rgv. V, 80, 1 , snfdrmänam. (nävam) 
Rgv. VIII, 42, 3, Grenit. plur. cnkrd-sadnianäm (ashdsävi) 
Rgv. VI, 47, 5 und andere; vgl. Lanman, Noun-infl. 528, B. C. 
Ebenso haben wir im Rgveda neben dem allgemein gebräuch- 
lichen Stamme ydshä- auch ydslian- belegt. Beide diese Stämme 
haben im Nom. singul. ynshä, es ist also nicht unwahrschein- 
lich, dass im Genit. plur. der Ausgang -näm (yoslmäm) an den 
Stamm yoshä- übertragen worden ist, um für yoshäni eine deut- 
lichere Genitivform yoshä-näm zu schaffen. 

Diese Formübei-tragung wurde bei den -ä-Stämmen schon 
sehr friih vollzogen, denn in den vedischen Texten findet sich 
schon kein einziges sicheres Beispiel mit dem älteren Aus- 
gange -am, dagegen -änäni nach Lanman (Noun-infl. p. 'M'A) 
im Rgveda 47 mal (hex '21 Stämmen). Nach Grassmann 



Uebei' das uIliHülii^c Uiusicligrcii'en der -(i-Occliiiatiuri im Altindisclicn. Ol 

Wörterb.) fordert das Versmass in 8 Fällen eine Auflö8nni>- 
des -änäni in -änaam. was aber unsere Frage hier g'ar iiidit 
Ix'rührt. Dass diese , scheinbare Spaltnng' sich bei den -n- 
^tänimen niclit ,als das ursprüngliche Verhältnisse ergibt (vgl. 
Schleicher, Knhn's Beitr. TV, 180), braucht wohl kaum be- 
wiesen zu werden. 

Den -«-Stämmen war es mit der Formübertragung gar 
nicht so eilig. Bei ihnen fiel die ursprüngliche Genitivform 
wie Jcämäm (aus *käma-am) mit keiner anderen derselbt^n 
Stämme zusammen, daher war auch die Noth einer Neubildung 
_;ar nicht so dringend. Zwar hat sich der 8tamm des Nonicns 
ilurch Verschmelzung mit vocalisch anlautendem Casussuffixe 
• twas unkenntlich gemacht, doch etwas Aehnliches kam auch 
in anderen Formen vor, wie Nom. ])lur. kämäs, Abi. singul. 
knmät; es konnte also der Grenit. plur. kämäm, vfkäm ebenso 
gut bleiben, wie griech. Auy,o)v, lit. vllku (vilkün), got. vii/ß 
u. dgl., die sich mit den altindischen Formen auf -am ganz 
genau decken. Nachdem ab(^r bei den -ä-Stäramen die Ueber 
tragung des Ausganges -nävi von den -?i-Stämmen eingetreten 
Avar, mussten auch die -«-Stämme folgen, die ja doch mit den 
-«-Stämmen am engsten verbunden waren. Noch mehr scheint 
diess möglich gewesen zu sein, wenn man beachtet, dass die 
-«-Stämme in einem so regen Austausche mit den -«//-Stämmen 
standen. Es ist sogar manchmal zweifelhaft, ob man eine Form 
von einem -«- oder von einem -«/i-Stamme herleiten soll. So 
haben wir schon erwähnt, dass den Genit. plur. vanüm Kgv. X, 
46, 5. Grassmann (Wörterb. 1206) mit einem Stamme -?;«//- 
(also van-äm), Lanman (Noun-infl. 353) dagegen mit r«»«- 
(also vanäm aus '*vana-a/m) in Zusammenhang bringt. 

Somit wäre es auch zweifelhaft, Avelchem Stamme z. B. 
dhdrmanäm angehöre, denn bekanntlich tritt im AV. neben 
dhdrman- auch der Stamm dhdrma- auf; vgl. dhdrmas XI, 7, 17: 
XIT, 5, 7. dhdrmam. XVIII, 3, 1 (Whitney, Index verb. 152). 
Zwar sind im Altindischen solche Genit. plur. mit dem Aus- 
gange -anäm bei den -«-Stämmen nicht belegt, jedoch lassen 
sich manche Spuren, dass solche Formen jemals vorhanden 
waren, aus der vedischen Metrik nachweisen. Denn es kommen 
im Rgveda 5 Fälle vor, wo das Versmass fordert das über- 
lieferte -änäm als -anäm zu lesen, vgl. Lanman, Noun-infl. 352. 

4* 



5!2 II a ri u s ■/„ 

Sonst kommen die Formen auf" -<i.nüm. fast allgemein im Irani- 
schen vor, so (lass wir gezwungen wären, diese Neubildung 
sogar noeli in die Zeit des gemeinsamen arischen Zusammen- 
leLens zu verleo-en. Dass der Aus<rang -anäm nur so unhe- 
deutende Spuren im Altindischen zurückgelassen hat, hat wohl 
seinen Grund darin, dass er überhaupt nie durchgreifend war. 
Es wurde ja schon oben angedeutet, dass die Formübertragung 
von den »Stämmen auf die -a-Stämme erst dann begonnen 
hat, als sie bei den -ä-Stämmen schon im Zuge war. Es ist 
also wohl möglich, dass hier schon gleichzeitig neben ätmänäm. 
u. dgl. solche Neubildungen wie senä-näm im Spiele waren. 
Somit würde neben '^'Icämn-näm, schon gleichzeitig eine Form 
kämä-näm entstanden sein, welche auf indischem Boden die 
erstere in Kurzem ganz verdrängte. Umgekehrt haben die 
Formen auf -anäm im Iranischen die Oberhand gewonnen, so 
dass sie sogar bei den femininen -ä-Stämmen den Ausgang -äiiäm, 
verdrängt haben. Im Avesta wenigstens findet sich der Ausgang 
-änäm soAvohl bei den -ä-, als auch bei den -a-Stämmen sehr 
selten; vgl. masldänäm, zenänäm (Bartholomae, Handb. 96, 97). 
Es ist wohl denkbar, dass unter dem Einflüsse der -an- 
Stämme einerseits femin. senä-näm u. dgl., andererseits masc. 
*käma-näm u. dgl. entstanden sind. Die Formen wie kämä- 
näm, yiigä-näm, würde man sodann als ein Angleichungsprodiict 
an senä-näm u. dgi. betrachten ; es sind aber dabei wahrschein- 
lich mehrere Factoren thätig gewesen. Die Neiibildung senä- 
näm, kommt in ein gewisses Verhältniss zu anderen Pluralformen, 
wie nom. accus, sSnäs ; man kann also vermuthen, dass dieser 
Umstand auch ein Grund war, dass bei den -a-Stämmen neben 
nom. plur. kämäs, accus, kämän sich eine Form kämä-näm, neben 
yugä ein yugä-näm festgesetzt hat. Auch dies Avar wohl nicht 
ohne Einfluss im indischen Sprachgefühl, dass bei den männ- 
lichen consonantischen Stämmen Accus, und Genit. plur. gleiche 
Stammform haben ; also solche Ätuster wie ätmdn-as : ätmän-äm, 
räjn-as : räjnäm u, dgl. haben wohl die Festsetzung des Ver- 
hältnisses kämän : kämänäm nur begünstigt. — Jedenfalls sehen 
wir in der Durchführung des Ausganges -änäm bei den -^/-Stäm- 
men etwas Aelndiches, wie wir jetzt in manchen modernen indo- 
germanischen Sprachen haben. So z. B. auf dem slavischen 
Sprachgebiete hat sich im Polnischen der Ausgang -ämi (Tnstr. 



lieber das allnuilij^c Uinsiubgrcifeii ilcr -H-Oecliiiiition inj Altiiulisclieii. ÖO 

plur.), Welcher ursprilii^licli mir dca tcmiii. -«-Stäiimicii zukam, 
nicht nur auf die masc. und ncutr. -r;-Stämmc, sondern sop:ar 
fast aui' die ganze Declination verbreitet, während nocli im 
Altpohlischen sich die Verhältnisse ganz anders zeigen ; ebenso 
verhält CS sich mit ilcun Ausgang -äc/i (Loc. plur,); vgl. Miklo- 
sich, Vgl. Gramm. 2 III, 411, 415, 427, 431, Verfass. Materyaly 
do historyi form deklin. 1, 32—33; II, 220 -234, und Archiv 
für slav. Phil. VI, 13 — 15. Im Russischen treten im Dat. 
instr. loc. plur. regelmässig die von den -«-Stämmen entlehnten 
Endungen -är/i, -ämi, -ach in der ganzen Declination ein, vgl. 
^[iklüsich Vgl. Gramm.'- III, 287. — Da nun eine solche Neu- 
bildung von Sprachformell in ([vn modernen indogermanischen 
Sprachen ohne Zweifel auf dem Wege der Analogie geschieht, 
so kann man auch die altindischen Genitivformen auf -änäm 
unbedenklich als Analogiebildungen erklären. 

Job. Schmidt glaubte, es sei hier ein rein lautgesetzlicher 
Vorgang, indem er behauptete (Vocal. I, 39), dass in dcvänäm, 
yiKjänäm u. dgl. ,nur auf Rechnung des n' die langen Vocale 
kommen. Jedoch ist diese Ansicht trotz Osthoff 's Zustimmung 
(Forsch. II, 17, Paul-Br. Bcitr. III, 39) kaum mehr haltbar. 

Der Ausgang -änäm. verbreitet sich in den Pr.lkritdialekten 
als -änam auf alle consonantischen Stämme, so dass die alte 
Endung -am ganz in Hintergrund tritt. In den modernen indi- 
schen Dialekten entstand daraus eine Form auf -om und -am, 
vgl. Beames, A compar. grammar 11,219. 

Gehen wir nun zu den -^-, -ü- und -/-;, -v«-Stämmen über. 
Bekanntlich haben alle diese Stämme im Gcnit. plur. den Aus- 
gang -Inäm, -faiäni, nur wenige Wurzelstämme auf -l- und -ä- 
können daneben — nach der Angabe der Grammatik — eine 
Form auf -iyärn, -uväin in Anwendung bringen 5 vgl. Whitney, 
Ind. Gramm. 121. Im Veda jedoch haben wir nur zwei solche 
Beispiele, nämlich dhitjäm (St. dht-) Rgv. V, 44, 13 und jogu- 
rärn (St. jofjü-, intens, zu gu-) Rgv. X, 53, 6, sonst findet man 
immei' die Formen auf -uiäm, -ünäm, die ohne Zweifel ebensogut 
Analogiebildungen sind, wie die Formen auf -änäm. Schon die 
Parallelität der Formen devl-hhis (-bhyas, -shu) zu senä-hMs 
(-h/ijj'is, -Sil) war ausreichend, um dem senä-näm eine Form deoi- 
näni nachzul)i!den, besonders da sie auch im Nom. singul. in 
demselben Verhältnisse zu (einander stehen fsenä : devl). 



Die -/-Stämnic halben walirschcinlicli ursprünjj;Iicli solche 
Genitivtonnen wie *hivy-<im, dann ' /ciivfj-äm sjehabt; vgl. rä/n- 
mn, svdsr-äm n. dgl. Im Indischen jedoch hat sich von dieser 
Bildung keine Spur mehr einhalten, Avohl aber im Iranischen : 
vgl. hioy-äm, ßartholomae, Handb. 90. — Die altindischc 
Bildung auf -Inäm. entstand einerseits unter dem Einflüsse der 
-ü«-Stämme^ andererseits durch Angleichung an die betreffende 
Neubildung bei den -^-Stämmen. 

Was zunächst die Stämme auf -In- anbelangt, so ist es 
wohl bekannt, dass sie den Stämmen auf -l- ganz parallel 
laufen. Die Zahl der parallelen -i- und -/w-Stämme, wie arci- 
und arciii-, granthi- und grnntliin-, khädi und khädin-, mandi- 
und mandin-, ist sehr gross. Da nun diese Parallelstämme in 
mehreren Pluralformen, wie arci-hhis (-bhyas-^ -shu)^ zusammen- 
fallen, so liegt die Vermuthung nahe, dass auch im Genit. plur. 
insofern eine Uniformirung eingetreten ist, als die Form '^arcy- 
äin (St. arci-) zunächst durch die Form ardn-äm (St. arcin-) 
verdrängt wurde ; vgl. kärinäm, mäyinäm., väjmäni, crnginäni, 
stiikävinäm (Lanman, Noun-infl. 545). Infolge solcher Formen 
wie arci-hJds (-bhyas, -shu) wurde auch in nrcvul.m der Ausgang 
-näm. als eine Endung betrachtet, die sich vorzüglich an alle 
-i'-Stämme anhängen Hess, so dass nach dem Muster arci-hhis 
(-hliyns, -slm) : arci-näm zu kavi-hhis (-hhyas-j -shu) wohl zuerst 
ein '^-kam-näm entstand. Der ganze Vorgang war also derselbe 
wie bei den -«-Stämmen, und da er mit jenem wahrscheinlich 
auch chronologisch zusammenliel, so erklärt sich leicht, warum 
die Form kaviuam ganz allgemein im Iranischen ist. Ebenso 
wie bei den -a-(-ä)-Stämmen der Ausgang -ancm, hat bei den 
./-('-ij. Stämmen der Ausgang -inäm. auf iranischem Boden die 
Oberhand gewonnen. Dagegen im Indischen hat wahrscheinlich 
die Form ^kavinäm gar nicht lange gedauert. Denn schon bei 
ihrer Entstehung unterlag sie ohne Zweifel dem Einflüsse 
solcher Formen wie devinäm, patnlnäm. Nach dem Muster 
devis (accus, plur.) ; devinäm. konnte wohl zu gdHs (accus, 
plur.) eine Form gdil-uäm, zu kavin (accus, plur.) ein kavi-näm 
gebildet werden. Also ganz analog, wie bei' den -a- und -ä- 
Stämmen der Ausgang -änäm, hat sich bei den -i- und -I-Stäm- 
men der Ausgang -l.nam auf indischem Boden vollkommen ein- 
gebürgert. 



Ueber das allmäligcUinsicligi-eifen der -M-DccliiialiLHi im Altiiidisclien. 00 

Frcilicli ist alles dies nicht auf einmal geschelieii : uns 
tiitt al)t'r in der ältesten Ueberlieferimg die ganze Neubildung 
schon fertig entgegen. Im Rgveda haben wir ausser dhiyäm 
immer den Ausgang -Inäni, nämlich bei den -Z-8tämmen 110 mal, 
bei den Stämmen auf -i- 32G mal. Manchmal wird aus metri- 
schen Rücksichten -Inäm als -liiaam gelesen; vgl. Lau man, 
Noun-infl. 3^7—399. 

Denselben Weg wie die -*- und -/-Stämme haben auch die 
Stämme auf -ü- und -"- eingeschlagen ; denn richtig ist die Be- 
hauptung Lanman's, dass das ganze ,declensional system of 
the u and il-stems is closely analogous to that of the stems in 
i and l.' Wie zu seiiä-bhis (-hhyas, -su) — tienä-näni, zu devl- 
])ki.s (-hhyas, -slm) — devi-näm, so wurde auch zu Vddhü-hhi.s 
(-hhyris, -shv.) ein vadhü-näm, gebildet, Avelches alle anderen For- 
men ganz verdrängt hat. Ausser der Form jöguvävi Rgv. X, 
53, G haben wir sonst in der vedischen Sprache nur den Aus- 
gang -ünäm. — Die ursprüngliche Genitivform zum Stamme rtit- 
war ohne Zweifel '^rlv-am, utul dann '^rtv-äm. Im Iranischen 
ist diese Form, Avie die entsprechende bei den -{-Stämmen, 
wenigstens durch ein Beispiel bezeugt, nämlich rat.hväm (Bar- 
tholomae, llandb. 92), welches eben auf '^-rtväm. zurückzu- 
führen ist. Sonst ist sie im Iranischen allgemein durch -lüidm, 
im Indischen ausschliesslich durch -ünäm verdrängt Avordcn. 
Auch hier muss man annehmen, dass bei den -it-Stämmen der 
Ausgang -xinäm noch in die Zeit des indoiranischen Zusammen- 
lebens zurückgeht. — Die Formen '^'Hun-äm. (St. smi), '^'krtnv- 
äm (St. Jq-fmi-) Avaren wegen der Anhäufung von Consonanten 
nur schwer aussprechbar, sie mussten daher durch andere ersetzt 
werden. Woher aber sollten diese Formen genommen werden V 
Es gibt im Indischen seit Alters her viele parallele -u- und 
»;a»-Stämme, wie tdku- (xr/jc) und tdkvan- (Vogel), dhann- (Ge- 
stade) und dhanvan- (Land) ; dlidmi- und dhdnvan- (Bogen), rhhü- 
und rhhvnn- (kunstreich) u. dgl. Nun war die schwache Form 
des Suffixes -van-, wie sie uns noch ganz deutlich in der Avcsta- 
sprache entgegentritt, ohne Zweifel -un-, vgl. Osthoff, Forsch. 
11, 24 ff., Brugmann, Morph. Unters. II, 189 ff. Somit war 
(Jcnit. plur. zu tdkcan- ursprünglich '^taknn-aiii, dann '^taknn-änt ; 
vgl. avest. urcaii-, Instr. singul. vinna. Dat. arune, urunaa-ca, 
Barth olomae, Handb. §. 218. Da nun sowohl der Stamm 



56 Hanns/,. 

taJcH- als Huch tnkvan- in vielen Pluraltbrmen , wie taku-hhis 
(-bhyns, -ahn) zusammeiiHclen, so darf" man sich nicht Avundern, 
wenn man auch die Genitive '^takv-ämi und *fahm-ä7u uni 
formirte. Der Ausgang -näm Avurde schliesslich wegen dei' 
Formen taku-hhis (-bhyas, -shv) sogar bei den ?/M-(^-f«?iJ-Stämmen 
als Casussuftix aufgefasst und an solche Stämme Avic snu-, krtnn 
ohne ZAveifel sehr gern angehängt, um die unaussprechbaren 
Formen *snvä7n, '^'krinväm durch aussprechbare und deutlichere 
*snu-nävij ^krtnu-näm zu ersetzen. Diese Form ist im Iranischen 
herrschend geworden, im Indischen jedoch Avurde sie Avahr 
scheinlich nach vadhünäm u. dgl. in krimuiäm umgeformt. Audi 
hier hat wohl das Muster vadhüs (accus, plur.) ; vadhü-näm bei 
getragen, um ein gleiches Verhältniss krtnus : krtnü-näm, dann 
dhenäs : dhenü-näm, cdtiün : cdtrii-näni zu bilden. Sonst eilt 
auch hier das Alles, was beim analogen Vorgange schon bei 
der Behandlung der -a- und -j-Stämme erörtert wurde. 

Also — Avie gesagt — kommt uns der Ausgang -ünäm 
schon in der vedischen Sprache mit einer einzigen Ausnahme 
ausschliesslich entgegen. Nach Lanman's Zählung Avird er im 
Rgveda bei den -?<-Stämmen 101 mal und bei den Stämmen auf 
-ü- 21 mal belegt (Noun-infl. 417 — 418). Die Ausgänge -inam, 
'ünam, die aus -inäm, -ünäm entstanden sind, sind im Päli ganz 
allgemein; vgl. E. Kuhn, Päligr. 79 — 83. 

Den -i- und -w-Stämmen folgten die Stämme auf -r-. Die 
ursprünglichste Form hat sich ohne ZAveifel im ved. svdsr-ävi 
Rgv. I, (35, 7 erhalten, Avie es schon Schleicher, Comp. ■' 545 
behauptet hat. Sie ist im Iranischen ganz allgemein, vgl. siravi. 
cai'ethräni , duijedräin, und deckt sich in Bezug avif den Stamm 
ganz genau mit solchen Formen wie räjn-äm, avest. khshafn-dm, 
kaoy-äm, rathv-äm, griech. ^u-^aip-Mv u. dgl. Lanman's Ansicht, 
es sei eine ,wrong formation^ (Noun-infl. 430), Avie er vermuthet. 
imter dem Einflüsse des Metrums entstanden, lässt sich gar 
nicht rechtfertigen. — Ein anderes Beispiel derselben Art hätten 
Avir in sthäfdm Rgv. I, 70, 3, Avenn Avir es mit Roth (Petersb. 
Wörterb.) sthätr-nm (St. sthätr-) lesen möchten. Jedoch Grrass 
mann (Wörterb. 1602) fasst die Form sthätdm als part. aor. 
von der Wurzel sthä- auf. 

Sonst hat nur der Stamm nr- 16 mal im Rgveda eine ältere, 
übAvohl auch nicht die ursprünglichste Form nar-dm (füi* *»/'-rtm). 



Ueliei- iliis alhnälige Uiiisichj,'reifen der -u-Dtcliiiatioii im AHiiidisclieii Ö7 

welche aus metrischen Klicksichten 10 mal in nnr-ddvi aut'zii- 
löscn ist. Alle übrigen Belege für den Genit. phir. l)ei den 
-/•-Stämmen zeigen uns eine Form auf -7iärn^ die man ehenso 
wie bei den -a-, -i-, -«-Stämmen als eine Neubildung bezeichnen 
niuss. Bei manchen Stämmen wie »r- liegt der Anlass zur 
Neidjildung auf der Hand. Eine Form '^'^tr-äm war nicht so 
leicht aussprechbar, dalier wurde einerseits nach dem Nom. plur. 
ndras eine Form nar-äm (It) mal im Hgv.), andererseits nach 
dem Muster vajri-hhis (-hhyas, -shii) : vdjri-uäm (statt vajrin-nni) 
zu iir-hJds (-hhyas, -shuj ein nr-nam gebildet. Im Rgvcda iinden 
wir immer nrnäm, jedoch nur 11 mal ist es so zu lesen, vgl. 
Lau man, Noun-infi. 430; darunter (> mal uriuhim. Im AV. 
findet sich arnäin 2 mal (II, 9, 2; XIX/47, 7), im Yajurv. sind 
auch andere Beispiele derselben Art belegt; man findet z.B. 
in TS. ndgäfrnäm III, 2, 9 -^ dhätrnäni IV, 7, 14 •', natrnäin I, 
3, (j ', pltrnnm I, 3, 6 '. 8, 5-; III, o, 5', bhräfrnäm II, 0, (5 -, 
einige Beispiele sind sogar in der späteren Sprache nachzu- 
weisen, vgl. Lanman, a.a.O. Gleichzeitig aber mit diesen 
ist noch eine dritte Neubildung entstanden, die sogar später 
fast allgemein herrschend geworden ist. Es ist nämlich die 
Form auf -f-näm, wie pitfnäm^ welche wohl nach dem Muster 
dfrihhis (-hhyn.s, -skn) : dfrl-näm zu yltr-hhis (-hhyas, -shu) ge- 
bildet wurde, da überhaupt die Declination der -r-Stämme mit 
der Declination der -/- und -»-Stämme ganz parallel geht. Also 
ist wahrscheinlich auch das Muster nynin -: ayninäm, cdtrfm : cd- 
frnnnm, nicht ohne Einfluss geblieben, um ein gleichförmiges 
Veriiältniss p/trn : jdifiiäm. zu bilden. Ausser den oben er- 
wähnten Beispielen svdsräm., naräm, m'-mim ist diese Form auch 
im Rgv. schon ganz allgemein ; denn man findet hier : dhäff- 
näm, pitj-näm, stotfnäm, hotfriäm, j((ntfnäm, svdsfnäni, vgl. Lan- 
man a. a. O. Das AVort nryäm ist auch mehrmals aus metri- 
schen Rücksichten tifnäm zu lesen, vgl. Benfey, Vedica 1 ff., 
Grassmann, Wörterb. 750 und Lanman a. a. O. — Die üeber- 
t ragung des Ausganges -näm auf die -r-Stämme scheint chrono- 
logisch später erfolgt zu sein als auf die -/- und -'(-Stämme. 
Dies beweisen zuerst solche Spuren der älteren Form, wie 
svdsr-äm, ndr-äm, denen gleiche sich bei den -i- und -•?t-Stäramen 
nicht finden, und dann der Umstand, dass die Neubildung auf 
-)iäni b(!i den -r-Stämracn dem Iranischen unbekannt ist. 



Oo TlaiMisz. 

Daraus sclilicsscn wir, dass sowohl iir Däni als aucli )ir-vniii 
specicll indische l^ildungen sind, während die ähnliehen Neu- 
]>ildungcn bei den -a-, -i-, -?/-Stänniieii his in die arische Urzeit 
zurückreichen. 

Die verhältnissmässicj späteste Neubildung ist ohne Zweifel 
(jö-))ärn, welche wohl zu (/o-hhis (-hhyas, -shu) nach dem Muster 
ätmd-nävi (für ätivdn-äm) : ätmd-hhis (-hhyas^ -sn) hinzugebildet 
Avurde. Jedoch ist diese Neubildnnc' nicht vollkommen in die 
Sprache eingedrungen, da man dieselbe nur 20 mal im Rgveda 
und einmal im AV. XX, 127, o (immer am Ende eines päda) 
findet. Sonst hat sich die ältere und Avahrscheinlich auch die 
ursprünglichste Bildung gdväm (vgl. avest. gaijäm, griech. ßoNov) 
auch im classischen Sanskrit erhalten. Im Rgv. kommt diese 
Form 55, im AV. 11 mal vor, vgl. Lanman, Noun-infl. 431 
bis 432. Im Pali jedoch kommt neben gavnm auch gonam 
und gi/miavi (' gonäm) vor; vgl. E. Kuhn, Päligr. 84. 

Es bleiben noch die Nuraeralia zu erwähnen, aufweiche 
in diesem Falle die -?(-Declination auch ihren Einfluss ausgeübt 
hat. Zuerst sind wahrscheinlich solche Neubildungen wie prm- 
cändm, saptäiiäm., ashtäiiäm, nnvänäm, docänäm entstanden. Die 
indischen Grammatiker, geben den Stämmen dieser Zeitwörter 
ein finales -n-^ somit wäre eine Form *pancan-äni u. dgl. ebenso 
ursprünglich wie ätvwii-dm, besonders da pancd-hhis (-hhyas, -su) 
auch eine -)/-Dec]ination zeigen. Diese Form haben wir im 
Iranischen, vgl. avest. paucanäni , navanäm, dasanäni. Im 
Indischen jedoch finden wir schon im Veda saptäväni, navä- 
näin, dacänäm., d. h. den Ausgang -äuävi. Wahrscheinlich hat 
zuerst ein Muster wie sdnä-bkis (-hliyas, -su) : senä-näm die Folge 
gehabt, dass zu den ved. ashfä-hhis (-bhya.s, -su) eine Form 
ashtä-näm. gebildet wurde. Dieser Form wurden Avohl dann 
andere, wie '^''puncaimm, angeglichen, besonders da wahrschein- 
lich auch die neugebildeten Formen der -a-Stämme (devänävi) 
mit ihrem Einfluss nicht ausgeblieben sind. — Im P^ili und 
Prakrit entstanden daraus die Formen pancannavi, saWniham, 
atthnnham u. dgl. (E. Kuhn, 92, E. Müller, 54). 

Die Form ivinäm Rgv. X, 185, 1 ist wohl den Formen 
tri-hhis (-bhyas, -shu) so hinzugebildet worden, wie dem agni-bhis 
(-bliyas, -shu) ein agnl-näm. Das Iranische hat ohne Zweifel 
eine ursprünglichere Form in semem thrayäm. Die Form trlnäm 



Ucber (Jus allinilligc Uiiisichjcrcifoii der -«-Declination im Altimlischen. ÖV 

litit sich im Indischen in den Präkritdialektcn erhalten,' wäh- 
rend sie in der elassischen Sprache durcli frayänäm verdrängt 
wurde. Diese Form ist wold durcli Angleichnng- an den Nom. 
|ilur. trdyas wie von einem Stamme traija- gebildet. 

Die Formen tisrudm, catasrnüm sind Avahrscheinlich zu 
ti.sf-bhis (-hhyas, -sJui), catnsf-bhis (-hltyaft, -slm), wie vr-näm zu 
nr-hhis (-hhyas, -slui), d. h. nach dem Muster vajri-hhis (-hhyas, 
-shu) : vajrvHlm. lünzugelnldet worden. Nach einem ähnlichen 
Cluster entstand dann auch zu cdtür-hhis (-hh.yas^ -shu) ein catur- 
udm, zu shad-bhis (-bhyds, -su) ein shan-näm ("■'shad-näiii für 
'^shid-ävij. Diese Formen sind sowohl in der älteren als auch in 
der späteren Sprache ganz allgemein. In den Präkritdialektcn 
sind daraus entstanden: (■iitiimjatii (Päli), caünharn, chanhavi 
(*shanncmi), u. dgl. vgl. E. Kuhn, Päligr. *J1, E. Müller, Jaina- 
])räkr. 54. Nach Grassmann (Wörtex'b. 556) ist fisrnäm Rgv. 
V, 69, 2 aus metrischen Rücksichten fisrnäm. zu lesen, was 
wiederum eine derartige Neubildung Aväre, wie nf-näm, yltr- 
yäm u. dgl. Jedenfalls scheinen diese Formen im Vergleich 
mit avest. fishräm speciell indische Neubildungen zu sein, wie 
andererseits avest. tishranäm eine speciell iranische Neu- 
l)ildung nach der -a-Dcclination ist; vgl. Bartholomae, Handb. 
i<. 208. 

Die Zahlwörter vimcnfi, shashti, snptati, aclti, uavdti werden 
bekanntlich als femin. -/-Stämme flectirt, somit haben sie auch 
im Genit. plur. den Ausgang -lnäm, z. B. mwaünäm, roprishinmii, 
Rgv. I, IUI, 13. — Ebenso catd und sahdsra als neutr. -«-Stämme 
haben im Genit. plur. den Ausgang -änäm. 



II. Noiii. accus, plur. neutr. auf ~((ni, -ini, -iini^ -riii ; 
-anisif -inishi, -iinishi ; -nci^ -nti, -nipi \\. (lirl. 

• • • ' 

Im classischen Sanskrit erscheint hier im Allgemeinen als 
lOndung -i, vor welchem gewöhnlich eine Stammerweiterung 
durch u (m, vi) und die VerJängerung des Stammvocals eintritt. 
Somit haben die vocalischen Stämme den Ausgang -äid, -Inij 
-nni, -fni, die consonantischen -.5-Stämrae, -ämsi, -irnshi, ntiish), 

' \ ;;!. i'ali tinnum, Jaiuapräkr. tii,iham (E. Kuhn 'Jl; E. Müller 5i). 



h() Iliinusi. 

manrlic andere euiiöoiuintisclic Stämme -nci, -iiti, -mpi n. d^l. 
Berechtigt ist der Nasal nur bei den -n- und -^//-Stämmcnj wie 
iiämäu-i, hülin-i, hhuvaiif-i, hhägavant-i^ jmcumdnt-i^ dann bei 
den Composita mit -anc, wie iiratyänc-i^ und vielleicht auch bei 
den Part. perf. act. und Compar., z. B. vidvävisi, greyämsi. Gar 
kein Nasal ist nur bei den Part, praes. auf -af-, wie z. B. jühvat-i, 
obwohl auch diese nach der indischen Grammatik eine Form 
auf -anti bilden können, vgl. Whitney §. 444. 

Ein Blick auf das Iranische und die europäischen 
Sprachen, welche keine Spur von einer solchen Stammerwei- 
terung durch den Nasal haben, lässt uns vermuthen, dass wir 
hier mit seciindären Bildungen zu thun haben. Dasselbe be- 
stätigt sich auch aus der vedischen Sprache, die auch hier 
noch viele ältere Formen bewahrt hat. Daher hat sie schon 
Schleicher (Comp.^ 528) ,dem Altindischen eigenthümlich und 
offenbar eine Neubildung dieser Sprache' genannt. 

In der vedischen Sprache sind bei den neutralen Nomina 
vier Arten von Pluralbildungen zu unterscheiden, nämlich: 

1. Der Nom. accus, plur. behält die Form des Nom. accus, 
singul. bei den -?"-, -n-, -an- und consonantischen Wurzel- 
stämmen, z. B. cdmi, mddliu, nämu, ukha-cliit, dlrgha-crüt, ndliar. 

2. Der Nom. accus, plur. hat bei den -an-Stämmen den 
Ausgang -ä, z. B. nämä. 

3. Der Nom. accus, plur. hat bei den -a-, -i-, -«-Stämmen 
den Ausgang -ä, -i, -ü, z. B. yugä, krndhml, vdsü; die con- 
sonantischen Stämme dagegen haben die starke Stammform mit 
dem Suftixum -/, z. B. nämän-i, pdrvän-i, sänt-i, ijhrtdväni-i, 
paq umänt-i, ndvyämsi. 

4. Der Nom. accus, plur. hat bei den vocalischen Stämmen 
den Ausgang -äni, -Ini, -Tmi, und bei den -.s-Stämmen -ämsi, 
-linshl, -mnshi. 

Ad 1. Die erste von den genannten Bildungsweisen ist 
auch im Iranischen üblich, und da sich etwas Aehnliches auch 
im Germanischen und Griechischen findet, so hat Joh. Schmidt 
sehr wahrscheinlich gemacht, ,dass das Neutrum in der indo- 
germanischen Ursprache einen Unterschied von Singular und 
Plural noch nicht gekannt hat', vgl. Mab low, Die langen Voc. 72. 
— Im Rgveda ist diese Bildung sehr häufig. Bei den -«"-Stämmen 
kommt sie 23 mal vor, und da die Zahl aller belegten Formen des 



lieber das alliiiiiligc Uiusicligroiten der -n-lJcclinutiuii im Altindisclioii. ul 

Nom. accus. ])lur. 02 ist, so uiinnit sie; mehr als den dritlcii 
'l'lieil (lersclLen ein. Ansserdeni ist zu beachten, dass dieselbe 
bei sechs Stämmen (aprafi, asfhüri, jämi, hhüri, gami, snrahhi) 
\ (trkoniint. wälireiid aul' die übrigen Bildungen desselben Casus 
mir acht Stämme fallen. 

Das ähnliche Verhältniss ist bei den -?/-Stämmen. Die 
Singularform mit Pluralbedeutung ist hier bei 12 Stämmen 
belegt (urYi, rjit, cärn, tridhdtu^ pnrü, halm, mddhuj vnsu, i:tdil, 
üänu, siidätu, suhdnfit) , während die anderen Bildungen bei 
D) Stämmen erscheinen. Die Zahl aller Belege des Nom. accus, 
plur. ist 203, darunter 48 auf u, also fast der vierte Theil 
fällt auf unsere Bildung. — Bei den -rt??-Stämmen findet sich 
die Singularform in Bluralbedeutung (53 mal unter 256 Belegen, 
also ebenfalls der vierte Theil belegter Pluralformen endet 
auf -c/-. — Die consonantischen Wurzelstämme haben nur diese 
Bildung, sind aber überhaupt nur ein paarmal belegt: ukha-chif 
IV, 19, 9, üdhar (diviäni) I, 64, 5, d.lrgha-c)-üt (vratd) VIII, 
25,17; VII, 61, 2, vgl. Lau man, Noun-infl. 394, 415,. 474, 
488, 503, 539. 

Ad 2. Die zweite Bildungsweise no.mä ist vielleicht auf 
'^ndmän. zurückzuführen: es wäre also der starke Stamm ohne 
Suffix als Plural gebraucht. Diese Bildung ist ganz allgemein 
im Iranischen, vgl. avest. nä))iän, dämän, karsJivän, sogar bei 
den a.s-Stämmen, z. B. vacäo, manäo aus *vacäs, '*manäs, vgl. 
racäos-ca ; somit wäre dieselbe vielleicht älteren Ursprungs. In 
der Rgveda-samhitä linden wir diese Bildung unter den 256 
Pluralformen 27 mal, nämlich bei 7 Stämmen aui -man- : j<'mimä, 
dhdrniäj ndmü, hrdhmä, bkümä, rdmä, addmä ; der Padatext hal 
jedoch in allen diesen Fällen ein kurzes -d zum Ausgang, Avas 
die erste Bildungsweise bezeugen würde. Ausserdem haben 
die beiden Texte des Rgveda clrshä (4 mal), dhä (21 mal), 
AV. dhä (3 mal), was man jedoch auch auf die -a-Stämme 
zurückführen kann. Anders fasst diese l^ildung Bartholomae 
auf, vgl. Arische Forsch. I, 89. — Die -r<.s-Stämme haben zwar 
eine dem avest. vacäo entsprechende Bildung auf -äs in der 
vedischen Sprache aufzuweisen, dieselbe wird abisr in alh^n 
20 oder mehr Fällen singidarisch gebraiudit, vgl. devdvijdcäs 
(hnrhis) Rgv. III, 4, 4; dcihdrhäs (vdyas) Rgv. I, 71, 6; (cdr.ma) 
\, 114, 10; (sdrtui) IV, 5, 3; (vdcns) VII, 8, 6 u. s. w. ; vgl. 



t)2 Hanus/. 

Liinmaii, Kouii-inti. 560. Joli. Schmidt (KZ. XXVI, 34Uj 
meint, dass, wie der ursprüngliche Plui-al )iämä vediscli als 
Nom. accus, singul. fungirt, so auch die arische Pluralbildung 
auf -äs singularisch gebraucht und nur in dieser Verwendung 
erhalten wurde. 

Ad 3. Die dritte Bildung weist auch auf einen älteren 
Ursprung hin. Schleicher, Comp.-^ 527 — 529, hat für die indo- 
germanische Ursprache eine ,in ihrem Ursprünge dunkle En- 
dung -ä' angesetzt und yngä aus *yn(i(i-ä, vdrl aus *väri/-ä, 
mdrlhü ans. *madhv-ä erklärt; ebenso Seh er er (Zur Gesch,^ 38G 
bis 387). Das Suffix -/' bei den consonantischen Stämmen scheint 
Schleicher ,eine Schwächung des ursprünglichen -ä' zu sein; 
jedoch hat schon Scherer (Zur Gresch.- 386) dies als , schwer- 
lich richtig^ erkannt. Wahrscheinlich haben wir hier mit einem 
Suffix -a zu thun, welches mit dem Stammvocal der soge- 
nannten -a-Stämme schon in der Ursprache zu einem langen 
Vocal zusammengeflossen ist. Dieser lange Vocal erscheint im 
Arischen als -ä, vgl. ved. yngä (*yuga-aj, apers. haivaranä, 
avest. shynothnä; ebenso im Slavischen igä (*igo-a); gTund- 
sprachlich wird er jetzt als -ö angesetzt, vgl. Kluge, Germ. 
Coniug. 27; Osthoff, Morph. Unt. H, 119. Bei den consonanti- 
schen Stämmen erscheint jenes Suffix im Griechischen und 
Lateinischen als -a. (yivs-a, äsTs-a; gener-a, nomin-a), im Indi- 
schen dagegen und Iranischen als -i, z. B. sanskr. mahänt-r, 
nämän-i • avest. sähven-t, nävienl (gäfh.J. In welchem Ver- 
hältnisse das arische -/' zum griechisch-lateinischen -a steht, ist 
sclnver zu sagen; wahrscheinlich ist es einer von denjenigen 
Vocalen, deren grundsprachliche (Qualität sich nicht genau be- 
zeichnen lässt; vgl. sthitd — cTaxoc, dnliitar — ou^ar^p, pitdr — TcaTi^p 
u. dgl. Auch das ist schwer zu ermitteln, was das Suffix -n 
(griech. -a, arisch, -i) ursprünglich bedeuten soll. Mahlow 
(Die lang. Voc. 73, 76) ist der Ansicht, es sei kein Plural-, 
sondern nur ein Neutral suffix, welches an den gedehnten oder 
an den reinen Stamm anzutreten pflegt: \^\. hnrdi (ved. Nom. 
zu hrd-) : homer. 7.r,p = väri : väi-; väri ist später neutraler 
-t-Stamm geworden. 

Joh. Schmidt (KZ. XXVI, 16 fl*.) betrachtet sogar das 
Suffix -i für grundsprachlieh: ,Die Ursprache — heisst es 
a. a. O. — hat in ziemlich Aveitem Umfange ein Suffix -?' dem 



Uebei- das iiUmaligo Uinsichjjrcif'en der -;i-Dcclination im Altindischen. flO 

Noiu. accus. siiii;iil. wie (U;iü Nom. accus, pliir. der Neutra 
ano-efügt, dasselbe, welches im Sanskrit im Plural überall zur 
Regel geworden ist.' 

W. Ö oberer (Zur Gesch.-* 387) erklärt dies -/ als eine 
^neutrale Form des Pronominalstammes i^ , welche fertigen 
l'luralljildungen von der Art, wie avest. nämäi), dämän, blos 
zugesetzt Avorden ist; also avest. nämän : nämen-i =: aind. 
näma(n) : nämän-i. Abgesehen von seiner Ansicht über die 
Herkunft und ursprüngliche Bedeutung des »Suffix -/ greifen 
auch die Schlussfolgerungen derselben ein wenig zu weit, 
njlmlich dass analog den Ausgängen -äni, -mäni, die vedischen 
Formen sänti, dann die auf -mänfi, -vänti, sowie sanskr. rnnhänli, 
die a\if -vämsi, -ijämsi u. dgl. ältere Formationen auf *-änf, 
*-tJ)ns voraussetzen. — Somit bleibt noch die Frage über Zweck 
und Herkunft des arischen Sufüx -i offen; man kann nur con- 
statiren, dass es im Kgveda immer an die starke Stammform 
anzutreten pflegt, also: nämän-i, pdrvän-i, dhän-i; sänt-i, via- 
lidiifi, ii/änti VI, 23, 4; ghrtdvänfi IX, 96, 13; pacumänfi IX, 
07, 1 ; 92, 6. In der späteren Sprache haben Participia auf 
-fdif-, soAvie die Stämme auf -manf- und -vant- gewöhnlich den 
Ausgang -ant-i, sogar schon manchmal im Padatext des ligveda, 
wie iyanti, pacnnidnti^ in beiden oben angeführten Stellen. Die 
-/^-Stämme jedoch, und darauf kommt es uns hier am meisten an, 
haben auch im classischen Sanskrit vor dem Suffix -/ immer 
die starke Stammform behalten, sie haben also im Altindischen 
immer den Ausgang -äni, -im'. Dieser Ausgang wurde offenbai- 
auf die vocali sehen Stämme übertragen und so entstand 
schon in der vedischen Sprache 

4. die vie.i'te oben erwähnte Bildungsweise, die im classi- 
schen Indisch zuc allgemein giltigen Regel geworden ist. Fs 
fragt sicli nun aber: Was war der Anlass zu dieser Forni- 
iibertragung und was hat dieselbe begünstigt? 

Vor Allem war es eine Anzahl der parallelen -an-, -in- 
und -n-, -i-Stämme, die hier ebenso wie bei der Neubildung 
des Genit. plur. auf -änäni-, -Inäm- u. s. w. thätig war. Wenn 
man neben nhä (St. aha-) dhäni (St. ahnn-), neben (;lrsliä 
(St. clrfiha-) cirshäni (St. cl.rshan-) , neben mandi (St. viandi-) 
m.avdtni (St. ma)id>n-) u. dgl. sprach, warum sollte man nicht 
auch neben yuf/a (St. yiuja-), yiujäui, neben värl (St. vän-) 



n'4- Miiinisz. 

vdrtni sprechen V Wenn {lucli diese Parallelität nicht vorhanden 
gewesen wäre, so hatte die Sprache gennü,- Anlass dazu, um 
solche Neubildungen, Avie yngäni, värlni, vdsüni zu schaffen. 
Wir sehen ja doch aus der vedischen Sprache, dass die -on- 
Stämme mehrere Pluralbildungen gehabt haben. Es war ja 
doch neben nämän-i auch eine Form nämä, die vielleicht mit 
avest. nämän identisch ist. Dieselbe Parallelität im Avesta 
(nämem : nämän) möchte uns zum Beweise eines älteren Ur- 
sprungs dieser beiden Formen dienen. Wenn man nun im 
Altindischen neben nämä ein nämän i, hatte, so konnte man 
auch leicht zu yngä ('^'yuga-a) ein yngäni bilden. So wurde 
auch zu väri ein vävlni, zu vdsü ein vdsüni gebildet, besonders 
da diese Neubildungen auch von einer anderen Seite unter- 
stützt wurden. Es war nämlich der gleichförmige Auslaut -?*, 
-w, -a des Nom. accus, singul., der die Formübertragung auch 
im Nom. accus, plur. begünstigte; also nach dem Muster 
ndma : ndmäni, hali : halini, bildete man väri : värlni, vdsu : vdsüni. 
Dabei schwebte wohl dem unbewussten Sprachgefühl noch ein 
anderes Muster vor, nämlich haU-hhis (-bhyas, -shu) : hnli-ni 
(statt balin-i), nach welchem es zu väri-hliis (-hhyas, -sJiu) ein 
väri-ni, zu vasu-hhis [-hhyas, -shu) ein vdsü-ni, und zuletzt auch 
zu (JJiätr-hhis (-hhyas, -shii) ein dhäir-nl. schuf. Letzterer Vor- 
gang gab ohne Zweifel Anlass -ni als ein Suffix zu betrachten, 
welches wie bei yugä-ni, so auch bei värl-ni, vdsü-ni an eine 
ältere Form yugä, väri, vdsü anzutreten schien. Diese älteren 
Formen sind in der vedischen Sprache noch sehr zahlreich 
belegt. Die Formen auf -ä und -t sind im Rgveda sogar in 
der Majorität gegenüber denen auf -äni, ini, bei den -»-Stämmen 
dagegen haben schon die Neubildungen auf -üni Oberhand 
genommen. Die neutralen -r-Stämme können in der vedischen 
Sprache überhaupt noch keine Form aufweisen, im späteren 
Indisch haben sie schon immer den Ausgang -fni. Ueberhaupt 
sind alle diese Neubildungen speciell indisch, denn im Irani- 
schen findet man keine Spur davon; und da sie sich auf dem 
historischen Boden entwickeln, so ist es sehr interessant zu 
beobachten, wie das Umsichgreifen der -?«-Deelination in diesem 
Falle allmälig vor sich ging. 

Nach Lanman's Zählung (Noun-infl. 346 ff.) findet man 
bei den -a-Stämmen im Rgveda den Ausgang -ä 10X2 nuil (bei 



Ueber das allinälige Umsichgreifen dci- -«-Uecliiiation im Altindischeii. 65 

• !94 Stämmen), -äni 1050 mal (bei 280 Stämmen), somit im 
\'erliä]tniss ungefälir 3 : 2. Im Atliarvav. dagegen wird dieses 
V'erliältniss sclion gewaltig geändert, denn die Zahl der Bei- 
spiele auf -äni wird fast veixloppelt; es kommt nämlieli der 
Ausgang -ä 3Ö2 mal (bei 102 Stämmen), -äni 407 mal (bei 
158 Stämmen) vor, also im Verliältniss wie 3 : 4. In der 
ilassischen Sprache wird 1)ekanntlicli schon der Ausgang -äni 
nllgcnioin herrschend. Nach diesem und einigen anderen Merk- 
malen trachtete Lanman (Noun-infl. 576 ff.) sogar das relative 
Ahcr der oinzelnen Theile des Rgveda zu ermitteln. 

Im i'üli und Präkrit ist aus -ä)i.i ein -äivi und -äi ent- 
standen 5 manclie jedoch modernen indischen Dialekte können 
neben -äini (und -e.m) auch ältere Ausgänge aufweisen, niuulich 
Ulli, -/ina, anha, z. B. älteres und mittleres Hindi: htiffnnr 
i Worte), nnrani (Älänner); hälalcana (^Knaben), carnnanha 
Fiisse); vgl. Beames, A compar. grammar II, 206. 

Was die -i- und -?t-Stämme anbelangt, so sehen wir schon 
im Rgveda das Verhältniss sehr ungleich. Den Ausgang -l 
liaben wir 25 mal (bei 4 Stämmen), -ü 28 mal (bei 4 Stämmen), 
hIso fast gleich an Zahl. Ganz anders jedoch verhält es sich 
mit den Neubildungen, denn während -m?.?* nur 14 mal (4 Stämme) 
vorkommt, wird der Ausgang -fiiri 127 mal (14 Stämme) belegt. 
Dies erklärt sich wohl dadurch, dass der Ausgang -ü sich 
NJelleicht noch nicht gut in der Sprache eingebürgert hat, als 
die Neubildung -Uni kam. Denn im Pädatext findet man kein 
einziges Mal den Ausgang -ii; er ist immer durch eine Form 
auf -n, d. h. durch die Singularform vertreten, vgl. Lanman, 
Noun-infl. 415. 

Es ist hier noch einer Erklärung W. Schercr's (Zur 
Gesch." 387) zu erwähnen, welcher ebenfalls vermuthet, -äni 
sei bei den -a-Stämmen ,nach dem Vorbilde jenes -äni für -an 
von Stämmen auf -an, unter Mitwirkung des Genit. plur. auf 
-änäm gebildet, jedoch sucht er den Anlass dazu wo anders. 
Er glaubt nämlich, dass das Suffix -i ebenso an den Nom. 
accus, plur. ynyä angetreten ist, wie an '^'nämän, und dass erst 
aus *?/"//«-/ durch Angleichung an nämän-i eine Form yitf/ä-n-i 
entstanden sei. Schwerlich richtig. Nur das ist glaublich, 
dass , unter dem Einflüsse des Ausganges -äni sich bei den -/- 
und -?A-Stämmen: -Ini, -üni festgesetzt haben'. 

Sitznngsber. d. pliil.-hist. Cl. CX. Bd. I. Ilft. 5 



66 Kanus/.. 

Auch in dieser Frage vertritt A. Bezzenberger (Beitr. II, 
130 fF.) eine besondere Ansicht, die über — obwohl an eine 
Vermuthung Benfey's (Vedica und Verw. 124) angeknilpft 
nicht glücklicher zu sein scheint als jene über den Ausgang f 
-änäin. — Er glaubt nämlich, dass in gafäiii, värml, tälüni, 
dhätfni u. dgl. eine Formübertragung aus der pronominalen 
Declination (taut, etäni) vorliegt. Die Pronominalformen täni, 
ßtäni , beruhen auf den Stcämmen fä-na-, etä-na-, die selbst aus 
den Stämmen tä- (fä-hhis, tä-säni), eJä- (etä-.m) mit Hilfe des 
Elementes na gebildet sind^ Zum Beweise, dass das pronom. 
Element na häufig zur Ableitung pronom. Stämme verwendet 
wird, führt er einige Beispiele aus verschiedenen indogermani- 
schen Sprachen an, aber gerade diese Beispiele bezeugen, dass 
wir im Altindischen mit ganz anderer Bildung zu thun haben, 
jindog. a-na neben a-va, zend. cin-em neben eis, griech. xt'v- 
neben v.q, apreuss. fans^ öech. poln. tm, Jen, got. thana neben 
lit. tan'' u. dgi. haben ja doch einen kurzen Pronominalstamm; 
woher soll nun im Altindischen der femininale Stamm tä- eben 
dazu dienen, um mit na einen abgeleiteten Pronominalstamm 
tä-na-, und sogar zur Bildung des Nom. accus, plur. neutr. täni 
zu schaffen? Dann, wie ist die Form täni vom Stamme tä;na- 
zü erklären, und warum hat sie die ältere Form tä verdrängt'? 
Das Alles sind Fragen, die bei einer Annahme, wie wir sie 
bei Bezzenberger finden, ohne Antwort bleiben müssen. 
Vielmehr ist anzunehmen, dass umgekehrt täni, etäni nach 
fjatäni resp. nach namäni u. dgl. gebildet wurden. Wir finden 
ja doch im Altindischen dasselbe Verhältniss der älteren 
Formen tä, etä, zu den jüngeren täni, etäni, wie bei den -a- 
Stämmen. Im Rgveda sind tä, etä noch viel häufiger als täni, 
etäni (vgl. Grassmann, Wörterb. 299, 508); im Atharvav. 
sind dagegen die jüngeren Formen den älteren gegenüber in 
Majorität; z. B. täni findet man 21 mal, fä nur 11 mal, vgl. 
Whitney, Index verb. 122. 

Nun aber gehen wir zu den consonan tischen Stämmen 
über. Wie gesagt, haben im Rgveda die Wurzel- und ihnen 
gleich flectirten Stämme gar keine Endung, denn die Singidar- 
form wird in Pluralbedeutung gebraucht. Abgeleitete Stämme 
dagegen erscheinen mit starker Stammform und dem Suffix -/, 
z. B. nämän-i , mahänt-i, pacnmänt-i, ndvyäms-i. Demgemäss 



Ilphfir das allmälipo TImsic!ip;roifen iler -H-I>oc,liiiiition im Altindischen. b7 

wäre bei den abj^'cleiteten -as-, -is-, -zw-Stämmen der Ausganc; 
-äs-i^ Ish-i, üsh-i zu erwarten. Doch ist ein solcher Ausgang 
im Altindischen nicht zu belegen, denn schon im Rgveda 
treten uns bei den -s-Stämmen immer -ämsi, -wishi, -nmslii ent- 
gegen, die anch in der späteren Sprache miangetastet geblieben 
sind. Es fragt sich also, wie diese Ausgänge zu erklären 
sind; sind sie ursprünglich oder aus den vorauszusetzenden 
-*r7.st, -'■''■ islil, --^ üshi entstanden; d. h. ist der Nasal an dieser 
Stelle ursprünglich, oder ist er etwa erst später eingeschoben 
worden V 

]\Iahlow (Die lang. Voc. 75) glaubt, ndhhätmi sei eine 
,sehr alterthümliche liildung, die ursprünglich vielleicht niclit 
bei allen -.^-Stämmen berechtigt war und sich erst im Sanskrit 
in dieser Weise ausgedehnt hat.' Zu diesem Schlüsse führt 
ihn das griech. tjißac, welches sich so zu ndhhämsi verhält wie 
cvo[xa : nämäni. Da nun solche Formen wie asßac und vl^oc im 
Arischen zusammenfallen, so hat wohl im Indischen die 
Pluralbildung von seßa; die von vicpoc verdrängt. Auch J o h. 
Schmidt ist jetzt der Ansicht, es sei hier ein Nasal be- 
rechtigt (KZ. XXVI, 340), früher aber war er anderer Meinung 
(Vocal. I, 31). Möghch ist es wohl, olj aber auch richtig, 
darüber lässt sich noch streiten. Denn K. Brugmann 
(KZ. XXIV, 18, 90, 97) hat bekanntlich nicht nur in ndhhmusi, 
sondern auch in mdvämxi., nidläyämsi die Ursprünglichkeit des 
Nasals in Abrede gestellt. Nach seiner Ansicht ist vdJihämsi 
aus ''^nnlihäü-ni entstanden, welches wohl ein älteres *ndbhäs-i 
verdrängt hat; der Ausgang -ni aber ist von den -n-Stämmen 
übertragen worden. 

So unmöglich ist es nicht, wie es Mahlow (a. a. O.) zu 
sein scheint. Denn dass zu nämäni, niahänt-i u. dgl. ein 
paralleles *nahhäs-i vorauszusetzen sei, das haben wir schon 
oben gezeigt. Es haben ja doch auch die Formen avest. 
nämän, vacäo im Altindischen ihr Gregenstück in näniä, devd- 
vyacäs u. dgl. Auch ist wohl möglich, dass der Ausgang -ni 
von den -)i-Stämmen gleichsam losgerissen und auf andere 
Stämme übertragen wurde; die- Formen näma-hhis (-hliyas, -sn), 
hali-hhis (-bhym, -shn) gaben gewiss genug Anlass dazu, um 
in den Formen nämäni, htdini den Ausgang -ni als ein Sufhx 
aufzufassen! . Die älteren Formen ndmä, yncjä, vdrl, vdsv, die 

5* 



68 Hanusz. 

noch eine lange Zeit in der Sprache mit den neueren zusammen 
lebten, haben wohl diese Auffassung begünstigt. Auch das 
ist nicht zu verwerfen, dass aus '■'^'v.ahhäs-ni ein nahhämfti ent- 
standen sei. Ein solcher Vorgang lässt sich als lautgesetzlich 
aus dem Indischen selbst nachweisen. Im Prakrit, Pali imd 
in den modernen indischen Sprachen wird ja doch gewöhnlich 
die Lautgruppe sm, sn durch die Vermittlung des ms zu mh 
(ml), nh), z. B. präkr. Loc. singiil. tamsi (sanskr. idsmiii) neben 
Abi. tnmhä (sanskr. fdsmäf), dmlii (sanskr. dsrnd)'^ präkr. nliänam 
(sanskr. snäiui), hindi vhänä, panj. nhäunä, gujar. maräthi 
uliCmn u. dgl., vgl. E. Kuhn, Beitr. zur Pfdigr. 53; E. Müller, 
Beitr. zum Jäinapräkr. 47; Beames, A compar. gramm. I, 347. 
— Es hat ja auch schon Job. Schmidt (Vocal. I, 31) darauf 
hingewiesen, dass der Uebertritt des Nasals aus dem Suffix 
in die Wurzel genau in derselben Weise geschehen sei wie 
bei der Epenthese oder dem Umlaute der Uebertritt eines ?' 
oder j in die vorhergehende Silbe, vgl. avest. räitish (sanskr. 
rätish), avest. daevaelhyo (sanskr. devebhya.i)] ebenso verhält 
es sich mit u oder v, vgl. avest. dänru (sanskr. därri), aur- 
vantem (sanskr. drvantam) u. dgl. Auf den Parallelismus, der 
in der Behandlung der i, y^-Laute einerseits, der Liquidae und 
Nasalen andererseits herrscht, wurde auch schon mehrmals 
hingewiesen; vgl. Brugmann, KZ. XXIV, 290; Bartholomae, 
Arische Forsch. I, 24 ff. Somit ist es wohl überflüssig zu be- 
weisen, dass Mahlow Unrecht hat, wenn er sagt, es sei ,zum 
mindesten zweifelhaft, dass aus * nabhnsni ein nahhämn ent- 
stehen konnte.^ Doch kann man nicht leugnen, dass bei Brug- 
mann's Annahme manches Bedenken zurückbleibt. Es drängt 
sich nämlich die Frage auf: Warum ist die Form *ndhhäs-i 
nicht geblieben; warum ist sie von der Neubildung '^'ndhhäs-ni 
verdrängt worden; was war der Anlass zu dieser Neuerung V 
Dann möchte man fragen: Wann ist die Formübertragung 
von den -/^-Stämmen auf die -.«-Stämme geschehen, wenn wir 
schon 'im Rgveda keine einzige ältere Form von der Art, wie 
*nahliäs-i, finden? Bei den vocali sehen Stämmen ist diese 
Formübertragung eben im Zuge; wir haben in der vedi sehen 
Sprache neben den Neubildungen auf -ä7ii, -mi, -fmi noch die 
älteren Formen auf -ä., -i., -ä; ist also die Uebertragung des 
Ausganges -ni auf die -.s Stämme schon früher bewirkt worden, 



Ueber das allindligc Umsicligieit'cn der -)i-l>coliiiiitiuii im Altiridisclioii. t)9 

wenn wir bereits im Rgvcda nur die Ausgänge -ämst^ -imshl 
itriishi belegt habcnV Somit hätte avoIiI diese Formübertragung 
l)ei den -.s-Stämmen ihren Ausgang genommen, und wiederum 
— warum? Das Alles sind Fragen, die noch ihrer Lösung 
liarren und die uns verleiten diese ganze Frage unentschieden 
zu lassen. IMan kann nur constatiren, dass während das all- 
mälige Umsichgreifen der -v?-Declination bei den vocalischen 
Stämmen gleichsam vor unseren Augen langsam vor sich geht, 
l)ei den consonantischen -6-Stämmen schon in der ältesten 
l Überlieferung ein solches ganz fertig aufzutreten scheint. Im 
Ijgveda haben Avir den Ausgang -änisi 284 mal (bei 49 Stämmen), 
-nnshi 2C) mal (bei 4 Stämmen), -fuiisJu 23 mal (bei 5 Stämmen) 
belegt, vgl. Lanman, Noun-infl. 566, 573. 

Wenn w^ir also nicht bestimmt sagen können, ob ndhhnmsi 
11. dgl. auf einer Formübertragung von den -vi-Stämmen be- 
ruhen, so können wir dasselbe noch weniger für vidvämsi, 
mdlnyüvi.n u. dgl. behaupten; vgl. Brugmann, KZ. XXIV, 90, 
97; Jüh. Schmidt, KZ. XXVI, 331 ff., 337 ff. Im Rgveda 
haben wir überhaupt keine einzige Form Nom. accus, plur. 
n. des Part. perf. act. belegt, und von den Comparativformen 
findet sich nur ndnyämsi I, 38, 3. 

In der späteren Sprache ersclieint bei den Wurzel- und 
ihnen gleich flectirten Stämmen im Xom. accus, plur. ebenfalls 
ein Nasal, der in der übrigen Flexion unbekannt ist 5 z. li. 
(iCDd-yünji (St. yuj-), hfndi (^St. Jird-^, svampi (St. sva]>-), dhdna- 
lainbhi (labli-) n. dgl. Hier haben wir wahrscheinlich mit 
einem Vorgang zu thun, wie er bei manchen Verba sogar in 
anderen indogermanischen Sprachen zu beobachten ist, vgl. 
aind. j/wljmds^ f)i7i2)dti, Iwvpdti • griech. 7:uv0ävo[xa'., lat. iwxjo, 
runipo; lit. limpn, szvintü, viingü, bvndn; lett. bridü (* hre7idü) ; 
slav. sedq, gredq, s^-restq u. dgl. Schon Schleicher (KZ. 11, 
455 ff.) hat es erkannt , dass in solchen Fällen der Nasal 
des Suffixes durch Epenthese in das Innere der Wurzelsilbe 
versetzt wurde; vgl. auch Brugmann, KZ. XXIV, 288. Das- 
selbe ist wohl auch hier zu constatiren; hfndi wäre somit 
aus * lifd-ni entstanden. Das Suffix -ni ist wohl der Ausgang 
des Nom. accus, plur. der -n-Stämme, der leicht als Casussuffix 
aufgefasst und nach dem iVluster ndmä : ndmäni, yugä : yuyäni. 
vä7-l : värliii, vasü : vasüni^ auch auf andere Stämme übertragen 



70 Hiinusz. 

werden konnte. Somit raüsste man annehmen, dass die Form 
'■'■/ird-ui eine andere, wohl ursprüngliche Form verdrängt hat. Im 
Rgvcda verwenden die Wurzelstämme, wie gesagt, die Singular- 
form in Pluralbedeutung, was Joh. Schmidt sogar für indo- 
germanisch betrachtet. Da sich aber später ein Differenzirungs- 
trieb erkennen lässt, der die Pluralform auch bei den Neutra 
von der Singularform zu unterscheiden trachtet, so ist wohl 
auch im Altindischen ein *hrd-i entstanden; vgl. kshumdt-i, 
Rgv. IV, 2, 18; jilhvat-i u. dgl. Jedoch fiel diese Form mit 
einer anderen, nämlich mit dem Loc. singul. hrd-i zusammen; 
daher musste sich die Sprache zu den Neubildungen flüchten. 
In der That finden wir schon im Rgveda solche Neubildungen 
verschiedenster Art. Gewöhnlich werden in diesem Falle die 
Formen der -a-Stämme übernommen, z. B. vishtdpä VIII, 80, o 
(statt vishtap-i)', aytijäni (statt aynj-i) 1, 15, 7; mahä und 
mahäni (statt mah-i)'^ sogar noch im classischen Indisch, vgl. 
etädrcäni (St. dir-), M. Bh. III, 579. Statt * hrd-i haben wir 
im Rgveda immer hfdayäni vom Stamme hfdaya-. So wurde 
die Form von der Art * hrd-i in allen vedischen Texten auf 
verschiedenste Weise vermieden und durch andere neugebildete 
Formen ersetzt. Die Neubildungen von der Art hriidi (*hrd-ni) 
findet man erst in den Brähmana's und dazu sehr selten, 
z.B. -vpiti P. B. XVI; -hamti A. B. VII, 2 ; -hhänji K. B. XXVII, 7 ; 
vgl. Whitney, Indische Gramm. 137. In dieser Zeit aber 
haben nicht nur alle -vi-Stämme, sondern auch fast alle vocali 
sehen Stämme im Nom. accus, plur. neutr. bereits den Aus 
gang -ni gehabt. So ist also leicht möglich, dass dieser Ausgang- 
unter dem Einflüsse so häufiger Formen mit dem Ausgange -ni 
auch auf die Wurzelstämme übertragen wurde, so dass die 
unbequeme Form '^- hrd-i durch eine Analogiebildung '^hrd-ni 
ersetzt wurde. Jedoch in dieser Gestalt hat wahrscheinlich 
die Form gar nicht lange gedauert; denn gleichzeitig mit ihrer 
Entstehung wirkte einerseits das altererbte Lautgesetz, nach 
welchem *mnc-nd-ü, '^'lip-vd-tl \\. dgl. m muncdtij Umpdti umge- 
formt wurden ; andererseits hatte die Sprache neben solchen 
Mustern des Nom. accus, plur. n. wie -am, -Ini, -üni fast aus- 
schliesslich nur solche, wie mahätdi, pagumdnti, sdnti, hrhdnti 
Athv. VIII, y, o; pränci, praiydncl ; mdiiämsl, havimshi, äyümshi; 
vdvyäimi, vidvämsi u. dgl., also überall mit einem Nasal, der 



Uebei- das allmaligc Umsichgreifen der -K-Dcclination im Altindischcn. i 1 

entweder von Haus aus, oder erst im Laufe der Zeit die vor- 
letzte Stelle vor dem Suffix -/ eingenommen hat. Somit mochte 
iiian^ wenn mau aueli zu der Annalime gezwungen wäre, dass 
jenes ahe, wahrscheinHch indogermanische Lautgesetz nicht 
melir wirkte, doch behaupten, dass nach dem Vorbihle hrhdnfi, 
/intti/dhci, navyämsi, mdnämsi u. dgl. solche Formen, wie hrudi,, 
iricrnii, dhaiia-ldmhhi , acva-yunji u. dgl. entstanden sein 
konnten. 

III. Instr. siiimil. auf -hiay -una. 

im elassischen Indiscli ist zur festen Regel geworden, 
(la.--> im Instr. singul. die masculinen und neutralen -i- und 
/f-Stämme auf -inä, -wiä, die feminalen dagegen auf-?/« enden; 
/,. H. 'Kjninn (masc. Stamm agni-), vdrina (neutr. Stamm odri-), 
lieben ;jdfyä (femin. Stamm gdti). Der Ausgang -Ina erscheint 
sonst luir im Instr. singul. der masc. neutr. Stämme auf -^«-, 
wo er ganz berechtigt ist, z. B. h<d'm-ä. Da nun das Casus- 
suffix des Instr. singul. -ä ist, so erscheint bei den masc. neutr. 
-l- und -w-Stämmcn eine Stammerweiterung durch n: agnin-ä, 
rnriu-ä. Etwas Aehnliches lässt sich in diesem Falle weder 
im D'anischen noch in irgend einer anderen indogermani- 
schen Sprache nachAveisen; daher hat es schon Schleiciier 
(Comp.' ö()l) ein , unursprüngliches /t' genannt. Dazu ver- 
leitete ihn wohl auch die vedische Sprache, in welcher sich 
diese Verhältnisse noch ganz anders gestalten. 

Im Rgveda nämlich sind folgende Thatsachen zu unter 
scheiden : 

L Alle -i- und -«-Stämme haben, ohne Genusunterschied, 
im Instr. singul. den Ausgang -yä, -vä, d. h. die schwache 
Stammform und Suffix -ä, also pavyä (masc. pavi-), mutyd 
(femin. matt-), krdivä (masc. kidtu-), pcmvä (femin. paud-), 
mddhvä (neutr. mddhu) u. dgl. 

2. Dieselbe Bildung hat oft den zweisilbigen Ausgang -iä, 
-uä (mit Hiatus), z. B. hrmiü, femin. simiafld; masc. krdtnä, 
femin. cdruä. 

?). Es zeigt sich ein Dilfercnzirungstrieb zwischen den 
masc. neutr. einerseits, und den femiu. Formen andererseits, 
nämlich: 



Tz üiinusz. 

a) Masc. neutr. Stämme bekommen neben -i/ä, -vä {->ä, 
-iiä) die Ausgänge: -inä, nnä. 

h) Femin. Stämme bekommen neben -yä (-iä) zum Aus- 
gang -t (oft auch zu -i verkürzt), neben -oä (-aä) in einigen 
Fällen -ityä. 

4. Alle diese Formen werden so vermischt gebraucht, 
dass man sogar bei den femininen Stämmen zweimal den Aus- 
gang -Inä^ bei den männlichen dagegen einmal den Ausgang -i 
ündet. 

Ad 1. Die erste von den genannten Bildungen ist ohne 
Zweifel die ursprünglichste. Im Iranischen hat sie noch 
einige Spuren zurückgelassen, vgl. apers. äpiy-ä, avest. hnsh'i 
(für * haskya =^ sanskr. sakhya)] bäzoa, khratvä (gdfh.). Sonst 
deckt sich diese Bildung mit der sowohl im Altindischen wie 
auch im Iranischen geläufigsten Form bei den -r- und -n- 
Stämmen, z. B. aind. dhäträ, räjnä; avest. äthy-ä (gäth.), 
zaothra, urun-a, airiamn-ä (gäth.), wo ebenfalls die schwache 
Stammform und Suffix -ä erscheint. Im Rgveda ist sie noch ziem- 
lich häutig, vgl. -i-Stämme: m.a,SG. pavyä 3 mal, rayyä (ßt. rayi-), 
jjatyä '6 m.Si\, sdkhyä 4 mal (14 Belege bei 4 Stämmen); femin. 
acityä, matyä, mithafyä, vasatyä, sumatyä 3 mal, sushUdyü ; 
acdnyä, äküiyä, islityä, devdhutyä, prdmafyä (13 Belege bei 
11 Stämmen); -w-Stämme: masc. paracvd, pacvd 2 mal, 
krdtvä 57 mal, cigvä; neutr. niddhvä 17 mal; femin. panvä, 
niddlwä 2 mal. Auch im Atharvav. sind diese Formen noch 
gebräuchlich; vgl. masc. pdtyä 8 mal, rayyd 2 mal; femin. 
svddhifyct; neutr. mddlivä 3 mal; femin. cikitvä, ishvä (Lan- 
man, Noun-infl. 378 fr., 408 ff.). 

Ad 2. Die Formen auf -iä, -nä unterscheiden sich eigent- 
lich von denen auf -gä und -vä in ihrer Bildungs weise nicht, 
denn auch sie haben schwache Stammform und Suffix -ä. Der 
äussere Unterschied zAvischen ihnen besteht nur darin, dass bei 
den Formen auf -m, -nä der schwache Stamm in einer sonst 
nur vor consonantisch anlautenden Casusendungen üblichen 
Form auf -i-, -n- auftritt; also urmi-ä, kräfu-ä wie ürmi-m, 
üimi-bhis ; krdta-m, krdta-hhis u. dgl. Man kann jedoch diese 
Formen nicht für ursprünglich oder mit L an man (Noun-infl. 365) 
für ,most organic' halten, denn die Stammvocale -i-, -u- wurden 
vor vocalisch anlautenden Suffixen schon urindogcrmanisch 



Uelier das allmäligc Uinsicligieifcn der -»-Doclination im Altindisclicn. 7o 

/AI ij, V. Daher ist es walirschcinlieh, dass sie im Altindisehcn 
irst secundär gebildet und in der vedisehen Spraehe meist 
nur aus metriselien Rücksicliten gebraucht werden. Im Rgveda 
ist nur bei den femininalen -/- und -»-Stämmen der Ausgang 

idj -iiä häufiger als -yä, -vä, z. B. fifin, iniiä, vrshtiä und 
Milderen (37 Formen bei 19 Stämmen), dann mehatnud, ddheiwä, 
(■druä 5 mal, susdrtnä, hdnnä (9 Formen bei 5 Stämmen). 

Bei den männlichen Stämmen findet sich der Ausgang 

/ä, -uci sehr selten: ürmid, jjdtiä, sdkhiä 4 mal, kidtuä 2 mal 
und nie bei den neutralen Stämmen, vgl. L an man, Noun- 
infl. 379, 408. Jedoch ist im Atharvav. dieser Ausgang auch 
bei den neutralen Stämmen nachweisbar, z.B. madhnä 'd m&\ 
neben wadhvä 2 mal und Duidlnum 15 mal, vgl. Whitney, 
Index verb. 217. Sonst finden wir im Atharvav. ein ziemlich 
ähnliches Verhältniss, z. B. pdtyä 8 mal neben pdtiä 2 mal, 
vgl. Whitney, Index verb. 171. 

Ad 3 und 4. Schon früh zeigt sich in der Sprache ein 
Besti-eben, den Unterschied zwischen den masculinen und 
neutralen Formen einerseits und den femininalen Stämmen 
andererseits keimtlicher zu machen. Das vorzüglichste Muster 
dazu hatte die Sprache bei den masc. neiitr. -a-Stämmen, denen 
die fem. -«-Stämme mit ihren Formen von Alters her gegenüber 
standen. Da nun Gen. singul. (jdten, dhenös, Dat. <jdf(iye, dhe- 
ndve, Loc. gdtau, dhenaü, mit den entsprechenden Formen der 
masc. eignes, agndye, agnaü; cdtros, cdtrave, cdtran zusammen- 
fielen, so wurden schon früh nach devyäs, devydi, devydru (St. 
devl-), vadhväs (-väi, -väm, St. vadhü-) die Formen gdtyäs, gdtyäi, 
gdtyäm; dhenväs, dhenväi, dhenväm gebildet. Da aber der Instr. 
singul. femin. gdtyä, dhanvd nicht nur mit masc. pavyä, krdtvä, 
sondern auch mit feniin. devyd, vadhvä (St. devl-, vadhü-) zu- 
sammenfiel, so musste die Sprache nach einem anderen IMittel 
greifen, um die femin inale Form von der männlichen unter- 
scheiden zu k()nncn. So wurde bei den -/-Stämmen nach der 
Angabe der Grammatik der Ausgang -yä ,zu -l contrahirt und 
dies dann bisweilen in i verkürzt^ (Whitney, Ind. Gi-amm. 
§. 336). Anders wird dieser Vorgang von Osthoff (Morph. 
Unters. II, 139) aufgef'asst und noch anders von Joh. Schmidt, 
KZ. XXVII, 287 f. 292. Diese Bildung ist im Rgveda die 
häufigste; sie kommt nämlich 105 mal (bei 35 Stämmen), also 



74 H ;i n u s z. 

in zwei Dritteln der Fülle vor; vgl. Lanman, Noun-inH. 380. 
Jedoeli die feminin. -^^Stämmc konnten so etwas Paralleles 
im. Altindiehen nieht entwickeln, und da sie überhaupt viel 
seltener vorkommen als die -i-Stämme, so haben sie die Formen 
auf -vä und -tiä beibehalten. Nur von sechs Stämmen kommt 
ein adverbieller Instrumental auf -vyd vor, nämlich : anushfhuyä, 
(trmiyä 7 mal, acuyä 2 mal, dhrshnuyä 15 mal, ragJmyä, sädhuyä 
6 mal. Diese Form ist wohl durch die Angicichung an den 
Instr. singul. der -«-Stämme: senayä, kanydyä u. dgl. entstanden. 
— So musste nun bei der Neubildung einer Instrumentalform die 
sonst überall vorkommende Parallelität der femininen -i- und 
-H-Stämme zerstört werden. Jedoch blieb dieses Verhältniss 
nicht bestehen. Denn derselbe Differenzirungstrieb, welcher 
die Form femin. matyü durch 7nati ersetzen Hess, griff wohl 
gleichzeitig auch nach einem anderen Mittel, um den Unter- 
schied zwischen masc. (neutr.) und femin. erzielen zu können. 
Man Hess nämlich femin. matyd bestehen und griff zur Um- 
wandlung der männlichen Formen ; masc. pavyä, Icrdtvä mussten 
nun durch eine Neubildung ersetzt werden. Und dies Avar gar 
nicht so schwer. Wir haben ja schon erwähnt, dass im Alt- 
indischen seit Alters her mehrere parallele -i- und -///-Stämme 
nebeneinander standen, die im regen Austausche miteinander 
waren. So ist im Kgvcda neben m.andin-atn (3 mal) ein 7nandi-m 
I, 9, 2, neben khädin-am VI, 16, 40 wohl auch ein khädi-m, vgl. 
Nom. plur. khäddy-as (3 mal) neben klißdin-as II, 34, 2 '^. Dasselbe 
lässt sich auch in der späteren Sprache beobachten, z. B. cva- 
nin-am VS. XXX, 7 (nach Petersb. Wörtcrb. gvaidn-, nach 
Benfey, Vedica 122 eine Neubildung zu cvani-), grd'ipänin-am 
MBh. vgl. Petersb. Wörterb. VII, 286, und besonders im Päli, 
wo die einheimische Grammatik die Themen auf -in- nur als 
Appendix der -/-Dechnation behandelt, z. B. dandim neben 
dandvmin u. a., vgl. E. Kuhn, Beitr. z. Paligr. 80; A. Torp, 
Die Flexion des Päli 26 f. 

So haben wir auch im Instr. singul. neben masc. ünniä 
(nrm.yä) Rgv. I, 184, 2 ein ürmin-ä (7 mal). Die Form ünny-ä 
war als Adjectiv sowohl masc. als femin., daher trachtete die 
Sprache in irgend einer Weise das Genus zu unterscheiden. 
Femin. ürmy-d fiel schon ohnedies mit der Form devyd \St. devl-) 
zusammen, es bheb also nichts Anderes übrig, als das masc. 



Ueber das itlliiutligc Unisicligicifcn der -n-Decliiialiüii im Altinilischcii. <Ö 

iirnnj-d durcli ciue Neubildung zu ersetzen. Woher sollte nun 
iliese Neubildung genommen werden? Es wur ja doch nichts 
Natürlicheres, als vom parallelen -/«-vStamme die Form nrmin-ä 
.11 nehmen. So wurden auch wahrscheinli< h '■'■' khädy-ii, *arcy-ii, 
<jrantliy-ä ii. dgl. durch Instrumentalfornicn der parallelen -In- 
Stämme : khä-lm-ä, arcin-ä, f/rantlrin-ä u. dgl. verdrängt. 13ei 
manchen Stämmen war diese Neuerung auch durch sprach- 
physiologische Rücksichten begünstigt; denn ein afjninä war 
gewiss leichter auszusprechen als '^axjiiijd ; daher findet man 
-chon im Kgveda nur agninä. — Den Formen : khädin-ä, gran- 
'iiin-ä, agninä u. dgl. folgten nun solche wie kaviiiä (Jiü.Y*kavy-(f), 

I iidtinä (für jjdtya) u. dgl. — Ganz ebenso verhielt es sich mit 

den -u-Stämmen. Auch dic^c haben einst ihre parallelen -nn- 

»;a7i-J-Stämme gehabt, auf welche solche Formen wie mdhnn-ä 

I I Kgv. X, 14^ 10), fdkun-ä, dlirshmin-ä, üyim-ä, dlidnun-ä, adhun-d, 
ivest. wiDi-fi, athaurun--i u. dgl. zuriickgehen ; vgl. Osthoff, 
l'orsch. II, 24 ff., Brugmann, ]\Iorph. Unters. II, l'JO. Wenn 
wir also eine Instrumentalform tdkun-ä haben, so gehört sie 
'igentlich dem Stamme tdkvnn; daneben aber ist im Rgveda 
auch der Stamm tdku- zu belegen, welcher wohl eine Instru- 

j uientalform *tdkv-ä bildete. Da diese Form aber sowohl masc. 

' als femin. war, so hat sich die Sprache zur Unterscheidung 
ler Genera so zu helfen gesucht, dass sie die Form tdknn.-a 
ils masc, '^tdkv-ä dagegen als femin. verwendete. Wie nun 
masc. '^takv-ä durch faknn-ä, so Avurdeu auch masc. krdfvn, 
iioutr. mddhvä n. dgl. durch ähnliche Neubildungen nach den 
-'^-Stämmen krdtnnä, mddhunä u. dgl. anfangs vertreten und 
später ganz verdrängt. 

Auch hier ist zu bemerken, dass es bei manchen Stämmen 
schon von Haus aus fast unbedingt nothwendig war, eine Neu- 
bildung zu s(diaffen; denn Formen z.B. wie * vngnv-ä (St. vagnv-), 
'^dbr.shnv-ü(ßt. d/irshnii-) waren gCAviss nicht leicht auszusprechen. 
Daher hat sich auch wohl deshalb die Sprache einer so nahe 
liegenden Formübertragung von den -»-Stämmen sehr gern be- 
dient. Diese Formübertragung wurde gewiss noch durch andere 
Umstände begünstigt. Für neutr. -/'- und -/(-Stämme ist dabei 
der gleichförmige Auslaut des Nom. acc. singul. wohl nicht 
ohne Bedeutung gewesen ; also nach halt : haltnä wurde wohl 
sehr leicht dem väi-i ein vürinä, dem viddhn ein mddhuna hinzu- 



76 lianusz. 

gebildet. Sonst waren sowohl für masc. als auch für neiitr. 
vielleicht auch andere Formen nicht ohne Einfluss; nach dem 
Muster haM-hhi.s : hnlinä, tdku-hhis : tdkunä konnte sehr leicht 
sowohl masc. agnibhis : agninä, cätruhhis : cdfnmä als auch 
neutr. värihhis : värinä, mddJaihhis : mddhunä gebildet werden. 
Auf diese Weise wurde nun auch von einer anderen Seite die 
Unterscheidung der masc. neutr. Formen von den femin. 
erzielt. Dass dieses Differenzirungsmittel eben so früh zu wirken 
begonnen hat als jenes, welches von den femin. Formen aus- 
gegangen ist, sehen wir daraus, dass im Kgveda die Formen auf 
-inä, -irnä ebenfalls die zahlreichsten sind. Mit dem Ausgange 
-inä sind 51 masc. Formen (bei 25 Stämmen) belegt, darunter 
gücinä II, 35, 8, welches auch für neutr. gelten kann; die masc. 
Formen auf -M?m kommen 108 mal (bei 31 Stämmen), die neutr. 
39 mal (15 Stämme) vor. Wenn man nun diese Zahlen mit der 
Gesammtzahl aller anderen Formen (auf yä, iä; -vä, -uä) ver- 
gleicht, so sieht man, dass die Formen auf -hiä zwei Drittel, 
die auf -imä sogar fast drei Viertel der Fälle bilden. In der 
vedischen Sprache sehen wir nun, wie die alten masc. neutr. 
Formen auf -yä, -vä (-iä, -uä) allmälig durch Neubildungen 
auf -inä, -unä verdrängt werden. Da dies Alles auf einmal 
nicht geschehen konnte, so haben noch lange in der Sprache 
die alten Formen neben den neuen gelebt. Somit besass die 
Sprache eine lange Zeit hindurch verschiedene Formen zum 
Ausdrucke eines und desselben Casus : so bei den -i-Stämmen : 
masc. neutr. -yä, -iä, -inä; fem. -yä, -iä, -l (-i). Da nun durch 
die älteste Form auf -yä (-iä) noch immer eine Verbindung 
zwischen den masc. neutr. einerseits und den fcmin. Stämmen 
andererseits bestand, so kann man sich gar nicht wundern, wenn 
hie und da der Ausgang -^ bei einem männlichen, -inä dagegen 
bei einem femin. Stamm zur Anwendung kam. So haben wir 
im Rgv. masc. ghrm II, 33, (i, dagegen femin. dhädnä VI, 67, 6, 
nähliinä VI, 3*J, 4. Jedoch hat die classische Sprache, dem 
Triebe folgend, welcher wohl die Neubildungen auf -inä, -unä 
hervorgerufen hat, diesen Gebrauch dahin regulirt, dass die 
masc. neutr. i-, -?<-Stämme immer -inä, -unä, die femin. dagegen 
das alte -yä, -vä zum Ausgange des Instr. singul. haben. Der- 
selbe Unterschied tritt uns z. B. im Päli entgegen, wo ebenfalls 
masc. -inä, -unä, femin. dagegen -iyä, uyä haben, vgl. E. Kuhn? 



Ueber das uUraälijjc Unisichgicifen der -7i-Dccliiiatiun iiu Altindischen. 7 i 

I'Alio'r. 80 — 83. Als die einzige Ausnahme von dieser Regel 
iicli'ii im classisehen Indisch die masc. Stämme sdkhi und pt'tli 
auf, die überhaupt als ,unregclm;lssig flectirt' betrachtet werden. 
Iiu Instr. singul. haben diese beiden Stämme ihre uralte Form 
■ ikhyä, pdfyä auch im classisehen Indisch beibehalten; im Pa.li 
jedoch haben wir sakkinä (vgl. E. Kuhn, Päligr. 80). 

IV. Die Dccliiiation <Ier lU'iitr. -/-, -ti-f -/•-Stäiunie. 

Im classisehen Sanskrit ist eine Regel herrschend geworden, 
der zufolge die neutr. -i-, -u- und -j-Stämmc vor allen vocalisch 
anlautenden Casusendungen ein n einschieben. Ueber gen. plur., 
nom. accus, plur., instr. singul. Avurde schon oben gehandelt. 
Somit bleiben uns übrig noch folgende Formen: 

1 . Dat. singul. auf -ine, -une ; 

2. Ablat. genit. singul. auf -imis, -nnas; 

3. Loc. singul. auf -ini, -uni; 

4. Nom. accus, dual, auf -inl, -vnl; 

5. Genit. loc. dual, auf -inos, -unos ; 

(). analoge P^ormen der neutr. -r-Stämme sammt dem Instr. 
singul. auf -rnä. 

Dass auch hier die Stammerweiterung durch n ebenso 
unursprünglich ist Avie in allen schon oben behandelten Fällen, 
lässt sich kaum bezweifeln. Im älteren Indisch stand es damit 
ganz anders, obwohl Joh. Schmidt (KZ. XXV, 02; XXVI, 17 f.) 
so etwas Aehnliches bereits für die indogermanische Ursprache 
nachgewiesen zu haben scheint, vgl. (Irmj'is : ooupzio; = nd»!- 
nas : ovöixarcc. In der vedischen Sprache nämhch ist Folgendes 
zu betrachten: 

1. Die neutr. -i- und -«-Stämme werden in allen diesen 
Formen von den masc. fem. nicht unterschieden; wir haben also: 

a) Dat. singul. masc. agndy-e, femin. i.shtdy-e, neutr. cü- 
cay-e ; masc. äydv-f, femin. dhendv-e, neutr. u)ri.v-e ; d. d. die 
starke Stammform -|- Suffix -e,- seltener ist die schwache 
Stammform, z. B. pdfy-e, krdtv-e; neutr. pdco-e. 

Iij Abi. Genit. singul. masc. agues, femin. ad.ites, neutr. 
hliiwcft ; masc. amhos, femin. dlidnos, neutr. tu-os, d. h. starke 
Stammform -4~ Suffix -.s; seltener ist die schwache Stamm- 
form -|- Suffix -US, z. B. masc. ary-ds, pitv-ds^ neutr. mddhv-as. 



iö Hanus/.. 

c) Loc. singul. masc. agnaü, äyail, temin. ishfaü, sin- 
dhan; neutr. uraü, also mit dem Ausgange -au; seltener ist 
der Ausgang -ä: masc. mjnä, femin. nd/iä, neutr. apratä (nur 
bei den -^'-Stämmen). Noch seltener kommt zur Anwendung 
die starke Stammform + Suffix -/', z. B. yönay-i, ddsyav-i ; 
femin. dhdna-sdtay-i ; neutr. sänav-i. 

d) Nom. accus, dual. masc. ^^'f''^, femin. w^Z;, neutr. cȊ; 
nur bei den -«-Stämmen zeigt sich hier insofern ein Unterschied, 
als masc. femin. -n, neutr. dagegen -i zum Ausgange haben, 
z. B. adhvaryä^ femin. dkenü, neutr. urv2. 

c) Genit. loc. dual. masc. hdrl-os, ürv-os, femin. ynvaty- 
ÖH, hdnu-os, für das Neutr. fehlen hier die Belege ; wir haben 
hier also den schwachen Stamm -(- Suftix -os. 

Die Vergleichung mit den iranischen und anderen indo- 
germanischen Sprachen lehrt, dass die meisten von den ge- 
nannten Bildungen uralten Ursprungs sind. 

2. Später tritt in der vedischen Sprache ein Bestreben zu 
Tage, die neutralen Formen der -;"- und -rt-Stämme von den 
masculinen und femininalen zu unterscheiden. Den Anlass 
dazu gab wohl der Umstand, dass dieser Unterschied in manchen 
anderen Casus von Alters her existirte; so stand der Nom. 
accus, singul. neutr. väri, mddhu, den masc. afpiis, agnim ; 
cdtrus, cdtruni; femin. gdtis, gdtim; dhenüs, dhenüm gegenüber; 
ebenso unterscheidet sich der Nom. accus, plur. neutr. värl(ni), 
vid,dhü.(ni) seit der Urzeit von masc. agndyas, agnin ; cdfravas, 
gdtrün; femin. gdtayas, gdtls; dhendvas, dlw.nüs. Nach diesem 
Muster etwa suchte die Sprache auch in den anderen Casus 
einen Unterschied zu erzielen. Zu diesem Behufe mussten also 
die neutralen Formen, die sich von den masculinen und 
femininen nicht unterschieden, durch andere ersetzt werden, 
die den Unterschied kenntlich machen Avürden. Woher sollten 
nun diese Formen genommen werden? Hier kam Aviederum 
die schon mehrmals erwähnte Parallelität der -i- und -«-Stämme 
zu Hilfe. Nach dem Muster mandi : vKmdin-e, mandin-as, man- 
d'in-i; dual mandiin, mandin-os entstand hnri : lidrine, hdrinaSj 
lidrini; dual hdrinl, hdrinos, wodurch diese Formen von den 
masculinen und feminin, hdray-e, harfs, hdrau ; lidrl, hdryos 
sehr deutlich unterschieden wurden. Dabei ist auch der Umstand 
zu beacliten, dass, insoweit man nach dem überlieferten ^laterial 



Ueber d;is allniäliijo nitisichKifiifV-n der -7;-I)(>clinatiori im Altindischon. 79 

iirtheilen kann, das dentliche Bestreben zur Unterscheidung der 
neutralen Formen von den niasculinen und femininalen 
verlüütnissmässig sehr spät sich entwickelt hat. Daher kann man 
fast alle die seltenen Fälle, in denen hier die vedische Sprache 
den Einfluss der -»-Declination bezeugt, dem uralten Austausclie 
zwischen den -i-, -u- und den -n Stämmen, sowie d(!r Aveiteren 
unbewussten Angleichung zuschreiben. Bei den -/-Stämmen 
z. B. kommt hier wohl nur ein Beispiel aus dem Rgveda hdrini ' 
IX, 70, 7 und eins aus dem Atharvav. akshinl X, 9, 14 ; XI, 3, 2 
in Betracht; selten auch sind derlei Formen in den späteren 
vedischen Texten, z. B. Loc. singul. akshinl, ]5rhad-äran. upanish. 
IV, 2, 3. — Mehr zeigt sich dies Umsichgreifen der -h-\)qq\\- 
nation bei den -//-Stämmen ; jedoch ist auch hier aus der ganzen 
Vcda-Samhitä in manchen Casus nur ein Beispiel aufzuweisen; 
so haben Avir: Dat. singul. mddhuna Rgv. IV, 45, 3, kagipune 
Atharvav. VI, 138, 5; Abi. singul. mddhunas Rgv. VIII, 24, 20, 
sänunas Rgv. V, 59,7; Genit. singul. Rgv. cärunas 5 mal 
(masc. cärunas mddasya NIW, h, 14), dänioias 3 mal, mddhunas 
9 mal, vdsunas 11 mal; Loc. singul. Rgv. äyiini ?)Vim\\, sänuni 
I, 155, 1, Atharvav. ddruni VI, 121, 2; Nom. accus, dual, jä- 
mmt VS. XX, 8, Genit. Loc. dual, jdnunos Atharvav. X, 2, 2. 
Dass also in der vedischen Sprache die Unterscheidung der 
neutralen Formen von den m a s c u 1 i n e n und f e m i n i n a 1 <} n noch 
kein Hauptzweck bei der Anwendung dieser Neubildungen war, 
sieht man daraus, dass sie noch so selten vorkommen und dass 
cdrnnns z. 1^. einmal sogar als masculin bezeugt ist. Aber es 
kann Avohl sein, dass diese Neubildungen, durch die Parallelität 
der -/'-, -//-Stämme mit den Stämmen auf -/Ji-, -?//i- (-van-), dann 
durch den gleichförmigen Auslaut des Nom. accus, singul. 
(-1, -u) veranlasst, für die spätere Sprache ein bequemes Mittel 
waren, um die neutralen Formen von den masculinen und 
femininalen unterscheiden zu können. Nicht ohne Einfluss war 
dann gewiss auch der Umstaiul, dass in manchen anderen Casus, 
wie Genit. plur. auf -tiiüm, -ünäm; Nom. accus, plur. auf -//«", 
-üni; Instr. singul. auf -inä, -iinn, die Formübertragung von den 
-?/-Stämmen längst fertig war. Die Ausgleichung der -/'- uml 



' Nach L an man, Nonn-infl. 392; Roth (Petersb. Wörterb.) und Grass- 
niann (Wilrterb.) botrai-liten diese Form als zum Stamme haritn- «jtdiörig. 



öü Hanusz. 

-la-Stämme im Plural ist des ältesten Datums und mit vielen 
anderen Factoren verbunden, daher auch insofern nicht voll- 
kommen, als die -?'-Stämme den Ausjt^ang -mäm, -Ini haben. 
Dasselbe _i>ilt für die -?/,-Stämme. 

Viel später ist die Ausgleichung zwischen den -i-, -n- 
und den -w-Stämmen im Singular und Dual bewirkt worden, 
daher ist auch in der classischen Sprache die Declination der 
betreffenden Stämme in diesen beiden Zahlen ganz zusammen- 
gefallen. Nach dem Muster halt, balinä, haUhhyäm. : halin-eA 
hnlin-as, halin-i, halin-%^ hnlin-os wm'den zu väri, värinä, väri- 
hliyäm. die Formen värme, värinas, vdrini, värinl, värinos ge-j 
bildet und bei allen neutralen -i-Stämmen streng durchgeführt.] 
Dasselbe geschah mit den neutralen -n-Stämmen, denen auchi 
die neutralen -r-Stämme folgten, wie ähätr, dhätrnä, dhätfoie^ 
dhätrnas, dhätHü, dual, dhäthü, dhätfnos u. dgl. Neutrale -r- 
Stämme sind überhaupt späteren Ursprungs; im Veda kommen 
sie gar nicht vor. Sie beginnen erst in den Brähmanas zu 
erscheinen, z. B. in T B. hliartf, janayitr als nähere Bestim- 
mungen zu antdriksham, bkartfni, janayiifni in gleicher Weise 
zu ndkshaträni, vgl. Whitney, Indische Gramm. §. 375. 

Zu weit scheint mir Bezzen berger (Beitr. II, 132) zu 
greifen, wenn er däfrnä : däfrne, dätrnas, däfrni u. s. w. für 
Analogiebildungen nach mrudushä : rwudushe, -shast u. s. w. 
betrachtet. Gab es nicht mehrere viel passendere Muster? 

Die neutralen Stämme dkshi, dsthi, dddhi, sdkthi, die in 
den schwächsten Casus sich mit den Formen von Stämmen 
auf -an- (akshdn-, asflidu-, dadhdn-, s(iktlidn-) ergänzen, z. B. 
nkshn-ds, asfJm-e, dadJin-ä, snkthn-i gehören wohl nicht zu 
unserer Untersuchung. Es waren ursprünglich einsilbige con- 
sonantische Stämme aksh-, asfli- u. dgl, die aber ebenso wie 
dofih- genit. doslin-ds , ynsh- genit. yushn-ds , äs- genit. äsn-ds, 
schon in der indogermanischen Ursprache ihren Stamm durch 
Suffix -an- (-)>-) erweitert haben. Auch die Stammerweiterung 
durch -/- ist bei den erwähnten Stämmen schon der indoger- 
manischen Ursprache zuzuschreiben, vgl. Scherer, Zur Gesch. 
S. 431 ff.; Joh. Schmidt, KZ. XXVI, IG ff. 



Ueber das aUmäligo Umsichgreifen der -n-Declination Im Altindischen. 81 



S c h 1 u s s. 

Als Gcsammtrcsultat dieser ganzen Untersuchung glauben 
wir Folgendes aufstellen zu können: 

1. Das allniälige Umsichgreifen der -w-Declinaiion begann 
schon in der Zeit des indo-iranischen Zusammenlebens und 
hat sich dann stufenweise bis zur Feststellung des classischen 
Indisch entwickelt, und zwar: 

a) Zuerst wurde der Ausgang des Gen it. plur. -näm 
auf die -ä-, -l-, -n- imd -n-, -i-, -?t-Stämme übertragen. Im 
Indischen haben sich die femininalen Ausgänge -änäni, -inäm, 
-ünäni, im Iranischen dagegen die niasculinen und neu- 
tralen -anäm, -inäm, -unäm allgemein verbreitet. Dann folgten 
im Indischen der -7i-Declination auch die -?■- und manche 
andere, diphtongische, ja sogar consonantische Stämme, Avie 
nr-näm und nr-näm, gö-näm, caUir-nüm, shan-näm. 

})) Auf indischem Boden, aber noch in einer frühen 
Zeitperiode, wurde der Ausgang des Nom. accus. }) 1 u r. 
neutr. -ni auf die -a-, -i-, -it-Stämme übertragen und die 
Formen auf -äni, -Im, -üni durch Angleichiing an die betrefFen- 
den Formen der -?i-Stämme gebildet. Viel später erscheint 
bei den -r-Stämmen ein analoger Ausgang auf -fni, und bi^i 
den consonan tischen Wurzelstämmen die Formen auf -iif/\ 
-fici, -mpi u. dgl., die wohl auf *-t-ui, *-c-»/, *''p-ui u. dgl. 
zurückgehen. Ob die Formen der -.5-8tämme auf -rmsi, -imsJii, 
-ünishi auch so zu erklären sind, kann man nicht bestimmt sagen. 

c) Ebenso speciell indisch ist das Umsichgreifen der 
-?i-Declination im Instr. singul. der -^- und -?(-Stämme-, die 
Formen auf -mä, -xinä sind bei den genannten Stämmen erst 
in der späteren Zeit der altindischen Ueberlieferung gänzlich 
durchgedrungen. 

d) Am spätesten erfolgte das Umsichgreifen der -w-Decli- 
nation bei den neutralen -/-, -u- und -.r-Stämmen in den übrig(Mi 
Casus, die vocalisch anlautende Suffixe haben, also: -ine, -vnns^ 
-rnü u. s. w. Nur einzelne Fälle von diesen Bildungen reichen 
in die vedische Zeit zurück. 

2. Als Hauptanlässe zu diesen Neuerungen sind zu 
betrachten : 

Sit/.ungsbci-. d. (ihil.-hist. Cl. CX. Bd. l. Uft. 6 



Sic 11,1 imsz. 

a) Die uralte Parallclitil.t der -a-, -i-, -a (rcsp. -ä-, 
-l-, -Ü-) Stämme mit den Stämmen auf" -an-, -in-, -im- (van-), 
die sieh sogar auf die Flexion dei'selben erstreckt und einen 
reffen Austausch der Declinationsformen verursacht hat. 

b) Das Bestreben sowohl den voc^llischen Stamm des 
Nomens, als aucli das vocalisch anlautende Casussuffix nicht 
durch Verschmelzung beider unkenntlich zu machen. 

c) Der Diff ercnzirungstrie b, dem zufolge sowohl 
der Zusammenfall von zwei oder mehreren Formen bei den- 
selben Stämmen vermieden, als auch der Genusunterschied 
bewirkt wird. 

d) Der bei allen Analogiebildungen vorkommende An- 
gleichungs trieb, der sich, ebenso wie der vorher erwähnte, 
in jeder Sprache unbewusst vollzieht. 

Somit wäre die Frage über das -n- in den fiexivisehen 
Silben der Dechnation vorläufig als erledigt zu betrachten, bis 
auf einen einzigen Fall, nämlich den Instr. singul. der -a- 
Stämme auf -ena. z. B. gatena, (St. gata-). Das Iranische hat 
hier den Ausgang -ä (-a), der sich mit der entsprechenden 
Form der europäischen Sprachen ganz genau deckt; somit 
scheint der Ausgang -en« eine indische Neubildung zii 
sein. Eine plausible Erklärung dieser Form fehlt noch, denn 
sowohl das diphthongische e als auch das kurze a (nur in der 
vedi sehen Sprache kommt manchmal langes ä vor) erlaubt 
uns nicht diese Form mit der -Ji-Declination in etwaigen Zu- 
sammenhang zu bringen. Am wahrscheinlichsten jedoch scheint 
uns die Ansicht Mahlow's zu sein, ena sei ,ursprünglich nur 
der Instr. singul. von ayam gewesen,- von da auf die anderen 
Pronomina üb ertragen und zuletzt auch auf die Nomina, 
übergegangen' (Die langen Voc. 85); man vergleiche sonst die 
Erklärungen von Schleicher (KZ. IV, 54 ff.. Comp.« 561), 
Benfey (Vollst. Gramm. §.725), Bezzenberger (Bezz. Beitr.II, 
130), LudAvig (Der Rigveda III, 8) und besonders Joh. 
Schmidt (KZ. XXVII, 292). 

Herr Professor B ü h 1 e r war so gütig, meine Aufmerksam- 
keit darauf zu richten, dass es doch im Altindischen Fälle 
gibt, wo ein Nasal hiatustilgcnd zu sein scheint, z. B. im 
.Rgveda: himram ojaJj, eväm agni (neben eva agni?) u. dgl., dann 
in der Reduplicationssilbe solcher Perfectforraen , wie än-äca 



U('l)er das allmälige Umsichgreifen der -/(-l)eclination im Altindisclieii. ho 

(Wurzel, ac-), än-ä/in (Wurzel (di-), und bei allen mit -r- an- 
lautenden Wurzeln, z. B. än-rce (rc-) , än-rdhe (reih-) u. dj;!. 
(vgl. Benfey, (Jranim. §. 86; Whitney, Indisehe Gramm. 78<S). 
— Freilieli lässt .sich hier der Nasal nicht so leicht erklären; 
da aher diese Fälle nicht in den Bereich der Declination 
lallen, so schliessen wir diese Abhandlung ohne dieselben 
berücksichtigt zu haben. Vielleicht finden wir noch Gelegen- 
litit. (li(!sen Nasal im Anschluss an andere ähnliche FiUle im 
PAH und l'r:\krit (vgl. F. K u li n , Prdigr. 34; F. Müller, 
JainaprAkr. o7) einer besonderen Untersuchung zu unterziehen. 



6* 



X. SITZUNG VOM 22. APRIL 1885. 



Se. Excellenz der Präsident gedenkt des c. M. Herrn 
Dr. Rudolf Eitelberger von Edelberg, k. k. Hofratli^ Di- 
rector des Museums für Kunst und Industrie, o. ö. Professor 
an der Universität, welcher am 18. d. M. in Wien gestorben ist. 

Die Mitglieder erheben sich zum Zeichen des Beileides. 



Das k. und k. Ministerium des Aeussern maelrt die Mit- 
theilung, dass nach einem Berichte des diplomatischen Agenten 
in Cairo bei der durch Herrn Director Maspero vorgenommenen 
Demolirung von mehreren aus alter Zeit stammenden Häusern 
in Luxor, dem Tempel Neophis' III. gegenüber, ein sehr grosser 
viereckiger Raum mit 72 Säulen von alter und fester Bauart 
aufgedeckt worden sei. 

Herr Dr. J. Krall, Privatdocent an der k. k. Wiener 
Universität, sendet ddo. Teil el Amarnah, 5. April 1885, einen 
Bericht über seine von der kaiserlichen Akademie ermöglichte 
Reise von Cairo nach Oberegyptcn. Es ist demselben möglich 
gewesen, durch Einsichtnahme zahlreicher demotischer Texte 
die Kenntniss dieses neuen Gebietes der Egyptologie zu er- 
weitern. 

Die Kirch enväter-Commission legt den IX. Band des Cor- 
pus scriptorum ecclesiasticorum latinorum, enthaltend von Ev- 
gippii opera pars I: excerpta ex operibus s. Augustini, in der 
Bearbeitung von Herrn Pius Knöll, vor. 

Ferner überreicht dieselbe Commission zur Aufnahme in 
die Sitzungsberichte eine Abhandlung des Herrn Professor Dr. 



85 

Urundt in Heidclberi;-, welche betitelt ist: ,Verzeichniss der in 
dem Codex 169 von Orleans vereinigten Fragmente von Hand 
.sc'lii'iften lateinischer Kirchenschriftsteller'. 



Von dem w. M. ITerrn Dr. Pfizmaier wird eine für die 
Sitziingsherichtc bestimmte Abhandlung: , Vier Himmel des Ja- 
ni;ito Liedes. Erklärungen buddhistischer Dichtuniren' vora-elefft. 



Von Herrn Dr. Vaclav Vondräk wird eine Abhandlung: 
,Zur Geschichte des « im Slavischen' mit dem Ersuchen um 
ihre Aufnahme in die Sitzungsberichte überreicht. 

Die Abhandlung wird einer Commission zur Begutachtung 
überwiesen. 

Herr Dr. Stefan Smal-Stockij, Privatdocent für slavische 
Philologie an der Wiener Universität, überreicht eine Abhand- 
lung : ,Ueber den Codex Hankenstcinianus' und ersucht um ihre 
Veröffentlichung in den Sitzungsberichten. 

Die Abhandlung wird einer Commission zur Begutachtung 
übergeben. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Academie royale des sciences, des lettres et des beaux-arts de Helgique: 
Bulletin. 54^ annee, 3« serie, toine 9, No. 2. Bruxelles, 1885, 8". 

— uf science of St. Louis: The Traiisactioiis. Vol. IV, Nr. 3. St. Louis, 
1884; 8«'. 

Berlin, Universität: Akademische Schriften pro 1882/83. — 24 Stücke 4" 

und 8^ 
Bureau, k. statistisch-topog-rapliisches: Württemberfrische Jalirbücher für 

Statistik und Landeskunde. Jahr}i;ang 1884. 1. Band, 1. und 2. Hälfte. 

Stuttgart, 1884—1885; 4". — IL Band, 1. und 2. Hälfte. Stuttgart, 

1884—1885; 4«. 
Gesellschaft, k. k. geographische in Wien: Mittheilungen. Band XXVIII, 

Nr. 3. Wien, 1885; 8". 

— für Geschichte und Alterthum.skunde der Ostseeprovinzen Kusslands; 
Sitzungsberichte. Riga, 1884; 8". 

— Mittiieilungen aus der livländischen Geschichte. Jubiläumsheft zum 
*). December 1884. Riga, 1884; 8". — Die Livländer auf auswärtigen 
Universitäten in vergangenen Jahrliunderten. 1. Serie. Riga, 1884; 8". 



86 

Istittiut, het koniiiklijk voor do T;uil-, Land- en Volkenkiuide van Neder- 

landsch-Indic: Bijdragen. 4"^ Volf^reeks, Deel X, ;S'= stuk. 's Gravenhage, 

1885; 8". 
Johns Hopkins University Circ.ulars. Vol. IV. Nos. 36 — 38. Baltimore, 

1885; 4. 
Mittheilnngen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt von Dr. A. 

Petermann. 3. Band, 4. Heft und 77. Ergänzungsheft. Gotha, 1885; 4". 
Socicte imperiale des Amis des sciences naturelles, d'anthropologie et 

d'ethnographie. Tome XLV, Nos. 1—3. Moscou, 1884; 4». 
Society, the Asiatic of Bengal: Bibliotheca indica. N. S. Nos. 5ü8 — 530. 

Calcutta, 1885; 8". 
Verein für Kunst und Altortliuni in Ulm und Oberschwaben: Württem- 

borgisehe Vierteljahrshofte für Landesgeschichte. Jahrgang VU. Heft 

1 — 4. Stuttgart, 1884—1885; 4". 

— für meklenburgische Geschichte und Alterthumskvmde. XLIX. Jahrgang. 
Schwerin, 1884; 8". 

— historischer von Oberpfalz und Regensburg: Verhandlungen. XXXVHI. 
Band. Stadtamhof, 1884; 8". 



I' fi z 111 j i f I- Vier Himmel di n .);uii;Ui)-Lici1.'s. S< 



\"k'|' liinimcl dos Jaiii;ito- Liedes. 



Erklärungen buddhistischer Dichtungen. 



Von 



Dr. A. Pfizraaier, 

wii'kl. iMit''lio(io tlcr kais. Akadeiiüc der Wisscnscliaftcii. 



Die I',onzen j^ |Jpf Ton-A, jf ^ Ken-ko, f^ f)f 
/iö-bcn und J^ ^|& Kei-un werden als die sogenannten vier 
Iliramel des .lauiato-Liedes (5j^p ^^ lltj ^ wa-ka-no si-ten) 
anc;eführt, ein Name, den sie nicht sowohl wegen der Vortreff- 
liehkeit ihrer Gedichte als wegen des Inhaltes derselben, welcher 
ein durchaus buddhistischer ist, erhalten haben dürften ; denn 
der als Dichter berühmte Bonze ^ ^^ 8ai-gio und noch andere 
auch mit weltlichen Stoffen sich befassende Bonzen werden 
zu den Himmeln nicht gezählt. 

Unter den oben erwähnten vier Bonzen wurden über 
Ton-A, Ken-ko imd Kci-un einige, zumeist spärliche, über 
Zio-ben indessen gar keine Angaben gefunden. Was deren 
Werke betrifft, so wurden von Ton-A zAvei Schriften, eine 
grössere und eine ganz kleine, von Kei-un eine einzige, ziem- 
lich kleine Schrift dem Verfasser zugänglich. 

^ ^ Ton-A vermied in früher Jugend die Welt und 
bestieg den in dem Reiche Mino liegenden Berg Hie. Nach- 
dem er daselbst die Vorschrift gelernt, trat er in das Gebirge 
von Taka-No. Ein Freund der Dichtkunst, bethätigte er, wie 
gesagt wird, wunderbare Begabung. Er starb vierundachtzig 
Jahre alt. 

In dem Werke ,Der Weg von Taka-No% ursprünglich 
^I ^ pB ^'ff'^^^^-'<^o-n<} nikki, ,Das Tagebuch von Taka-No*^ 
genannt, schildert Ton-A seine Ankunft in dem Gebirge von 
Taka-No und Avas er in dem Kloster dieses Gebirges erlebte. 



88 Pfizraaicr. 

Er öchlicsöt in seine Selirift; wclclic in dieser Ablumdlnng er 
klärt wird, eine Menge buddhistiselicr Gedichte. 

Die p;anz kleine Sclirift ^J.i ^ ^ g^ ^ </>i-i)inn-ken- 
siü-b'/tfiti ^Nachschrift znr Erklärung der Fragen des Thoren an 
den Weisen^, ebenfalls von Ton-A, wurde, weil prosaisch, nicht 
in Betracht gezogen. 

lieber *^ ^ Zio-ben und J^ ^ Kei-un findet sich 
nur, dass sie Bonzen von der mit dem Namen ^^ |^p Ho-win 
bezeichneten ersten Rangstufe der Bonzen gewesen. Von den 
Schriften Zio-ben's wurde dem Verfasser nichts bekannt, von 
Kei-un blos die kleine prosaische Schrift »^ *^ y ^ / ^ 
(jai-kotsu-no e-no sein ,Auf das Gemälde der Todtenknochen', 
welche jedoch hier erklärt wird. 

Von ^ W Ken-ko sind eine grosse Anzahl Dichtungen 
vorhanden, welche in dem aus einem einzigen Buche bestehen- 
den Werke ^^ ^? ^^ j^fjj ^ ^^ ken-ko lio-si ije-no atsume 
, Sammlungen des Hauses des Bonzen Ken-ko' vereinigt sind. 
Diese Sammlung ist dem Verfasser nicht zugänglich geworden. 

Zu den ebenfalls nicht erlangbaren vSammlungen der Häuser 
gehören ferner : 

J^ 3iM ^' ^f|j ^^ kei-un ho-si sin , Sammlungen des 
Bonzen Kei-un'. Ein Buch in Handschrift. 

^S ^. ^^ ^0 ^C ^^ zoku sb-an iva-ht sin , Fortgesetzte 
Sammlung von Jamäto-Liedern der Pflanzenhütte^ Dieses aus 
zwei Büchern bestehende Werk ist die Sammlung des Bonzen 
Ton-A und enthält dessen Dichtungen. 

Den genannten zwei Schriften wurde eine von dem Bonzen 
^ S "^^'^^^ ™ Geiste des Buddhismus verfasste poetische 
Schrift : |ö^ J^J2 ^ ^^ pE töförni-no mitsi-no ki ,Der Weg 
von Totomi' vorangesetzt. Z6-ki, ein Bonze des Berges Hi-je, 
sonst hinsichtlich seiner Abstammung unbekannt, soll in dem 
Jamäto-mono-gatari vorkommen. 

Auch über das Zeitalter, in welchem sämmtliche Dichter- 
bonzen lebten, schweigen die Verzeichnisse der Stammbäume. 
Aus der chronologischen Ordnung dieser Stammbäume geht 
indessen hervor, dass als Lebenszeit für die vier zuerst erwähnten 
ungefähr die Jahre um die ]\Iitte des vierzehnten Jahrhunderts 
n. Chr., für Z6 ki ungefähr die Jahre um den Anfang des eilften 
Jahrhunderts n. Chr. anzunehmen sind. 



Vier Himmel des Jamäto-Liedes. ö9 

Der Weir von Tölömi. 

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^ }^ t t ~ '- y + 

/Saii-fpuitsu toioo-ka adzuma-je vmlcaru-ni \ tsutsmni-te ai- 
niin.u. hito-ico omo. 

Am zelmten Ta^'c des dritten Monats nach dem Osten 
scheidend, daclite man an den Menschen, mit dem man ver- 
(hckt die Zusammenkunft hatte. 

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Mijaho idzitru \ kefu hakari daiii | hatsulca-ni-mo \ ai-mite, 
In'to-ni I wakare-ni-si-ka-ha. 

Aus Mijako man tritt, 

Heute nur allein, 

Oberflächlich auch 

Indem man sich sah, von dem JMenschen 

Als man getrennt sich hat. 

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Ä H 7 y" ^ )\ 

Kawa-hata-dera-nite viijako-wo kajeri-ndte. 
Von dem Kloster von Kawa-bata nacli Mijako znriick 
lilickcnd : 



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Mijttko nm)d \ hijari-mlrare-si \ adznma-dzi-ni \ kovia-no 
kokoro-ni | makasete-zo juku. 



i/U Pf i z m aier. 

Nach Mijako nur 

Wo zurück man blickte, 

Auf des Ostens Wege 

Sich dem Willen des Füllens 

Ueberlassend man geht. 

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/Sekt jama-no nüdzii-no hotori-nite. 

An dem Ufer des Bergwassers des Passes: 

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Seki-midzu-ni \ mata koromo-de-wa | mire-ul-keri \ futa-iiin- 
suhi dani | nomann kokoro-ni. 

Von dem Passwasser 

Noch des Kleides Hand 

Befeuchtet ward, 

Mit zwei Händen bloss 

Nicht zu trinken, bei dem Willen. 



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-^ ^ ^^ M ^ "r ^ y 

Hifo-no do k%idari-ne-io i-i-sl-ico seki-idzuru hodo-ni ovwi-idelr 
Die Menschen sagten : Jedenfalls steige man herab. Bei 
dem Austreten aus dem Passe kam in die Gedanken : 

Sr y y n ^ "t i- r )v ij 
»j -t h X t ij y 3^ # >J 

U-kari-keru | mi-tva adztmui-dzi'no | seki-niori-m.o | ovwi-ii.a 
je koso I fodov)ezari-keri. 

Traurig gewesen 

Ich selbst, des Ostweges 



Vier Iliiniiicl des .Tajnäto-Licdes. Ul 

Passwächter auch, 

Von Gedanken g'lücklich, 

Anff^ehalten nicht hat. 

~ ^ 7 7 h n -5? 7 
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Wo-knta-)io liara-to iü fokoro-wo maqnru-ni. 
Indem man an einem Orte Namens Wo kata-no hara 
,l'-bene von Wo-kata' umherzog: 

3.7=777 7 11^117^ 

y X ^ ^ )v jj 7 )u >r ^ 

Uld-na nomi \ oi-dzuru mono-wo | Idbarl agarii | wo-hitu-no 
lni)-(t-wo I vii-sutete-zo jukti. 

Der leichte Name nur 

O dass gebannt wäre ! 

Wo die Lerche steigt, 

Wo-kata's Ebene 

Aus den Augen lassend, man zieht. 

7t^y^t\U^t 
IV ^ m "r y y ^ 

Kruiavii-no jama-no viive-ni kumo-no nohoru-tvo. 

Als auf dem Gipfel des Spiegelbergcs ' die Wolken stiegen : 

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)) -)j :2 it\ ^ ~ )V y" ^ ^ 
U Y t 3 )\ 1^ ^ )V ^ 

K(igami-jawa | im made mi-tsurn \ wagn mi-7Ü-tva \ uki-jori- 
l/i)k(i-iio I kofo na-kari-kerii: 

In den Spiegelbcrg 

Bis sie eintraten, man blickte hin, 



' Der Spiegelberg liegt in 'leni Reiche Uiiii, Krei.s Kaina-fu 



92 



Pf i i;in!i i er. 



An dem eigenen Selbst, 

Ausser dass es traurig, 

Eine Sache nicht gewesen ist. 



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Akn-tsulci-ni kisi-no naku-wo. 

Bei Tagesanbruch schrie der Fasan. 

7. ^ if^ ZL y" ^ 

^ 4z - 4z ^ > 

Sumi-nare-no | no-be-ni wonore-wa \ tsuma-to nete | tabi-jnki 
gawo-ni | »la/c?« kigis^i kana. 

Wo zu wohnen gewohnt, 

In der Feldgegend er selbst 

Und die Gattin nachdem geschlafen, 

Mit des Reiseantritts Miene 

Der schreiende Fasan! 

Y ^ \y t ^) X 9 y t H )^ 

Haruka-ni hi-ra-no jama-ico ' asu-jori-wa kakure-nu-besi tote. 
In weiter Ferne der Berg Hi-ra.' Man sagte, dass er, 
von dem morgigen Tage angefangen, verborgen sein wird. 

~iy\h^:Lry7sU^ 

Kefu bakari | kasxmiazaraiinn | agate-juku \ mijnko-no j'ivui- 
wo \ are-to dani min. 

Heute allein 

Nebel nicht wird umzieh'n; 



' Der Berggipfel Hi-ra befindet sieh i» Omi, Kreis Taka-siitia. 



Vier Himmel des Jamäto-Liedes. 93 

Den man verthcilen will, 

]\[ijako's Berg- 

üass dort ist, wird man nur sch'n. 



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Mtikasi komori-te okonai-si - haberi-si \ jama-dera-no lii-ni 
jakfA.e ari-si-ni-mo arazu nari-te \ amutsutsi-no maje-ni ari-si | 
jamd-hitki-no kitsn-no naka-ni maziri-te \ tokoro-dokoro aru-ioo. 

Einst wurde ein Gebirgskloster, in welchem man im Ver- 
borgenen den Gottesdienst beging, vom Feuer verzehrt und 
war zuletzt nicht vorhanden. Die früher vor der Schiesswand 
wachsenden IMusspflanzen mengten sich inzwischen ein und be- 
fanden sich an verschiedenen kStellen. 

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u -^ y ^ 1Z [U p ^ i- 

Ada-iKD'i-io I miru-mirn vje-si | jama-Jmki-no | Inina-uo iro- 
si-mo I kntarazari-keri. 

Eitler Weise 

liier und dort die man pllanzte, 
Der Bergmusspflanze 
]ilüthen farbig werdend, 
Verfaulten nicht. 

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1/ ly ly 9 i iJt)^^'7 



ii4 



r f i 7 III a i e r. 



Jama-hiiki-no \ sirusl hakari-mo \ na-kari-se-ha \ idzuko-ioo 
sumi-si I sato-to siramaai. 

Der Miisspflanze 

Kennzeichen einzig 

Wenn es nicht gäbe, 

An welchem Orte das bewohnte 

Dorf, man nicht würde wissen. 



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Soko-jori kudaru-ni hi-kure-mi \ katarai-si hiziri-no aru 
tokoro-ni makari-tare-ha \ sono hito-iva sini-keri. 

Indem man von dort herabstieg, ging die Sonne unter. 
Als man nach dem Aufenthaltsorte eines heiligen Mannes, mit 
dem man gesprochen, sich fortbegeben hatte, war dieser Mensch 



gestorben. 




















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icokono tote ' 


liito-hito nmata 


hoher e-do 


mi-mc 


siranu hito nari 


hito 


-wo /oft/- 



dasi-te iü. 

Indem sie mit Allen zugleich begannen, sind viele Men- 
schen, von denen es heisst, dass sie die allgemeine Verwandlung ' 
so vollbringen, doch es sind Menschen, welche man nicht sieht 
und nicht kennt. Man sagt es, indem man die Menschen 
hervorruft. 



' Dip liior zu Grunde liegenden Zeichen sind -jMf' ^tK (fn-kc) ,allgemein 
sich verwandeln', d. i. .alloemein sterlicu. Es wird von einem Bonzen 
der allgemeinen Verwandlung {fi(-ke,-.to) berichtet, doch sind ilie über 
ihn vorhandenen Erklännig(Mi niclit gut verständlich. 



Vier Iliiiiinol ilos .lamäto-Tacdes. 



95 



vo 



Waqa omojn | hifo koso )i<t-k(ire | niukain' mi-si \ mijuko- 
iiiki-irit I omoi-idzti-rdmii. 

An den icli denke. 

Der Älensch nicht j:j;eweöen sein mag. 

Den einst ich sah, 

Mijako's Mond 

In die Gedanken kommen mag. 

1^ )j - ^ ^ f^ )\^ y Y X 

Mdta koio-J)ito-no sarv-heki-mo | nakn. nari-ni-keri-to kiJd-fs. 
Auch konnte ein anderer Mensch ein solcher sein, und 
iii hörte, dass er gestorben ist. 

7; - A 
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± y m 

Nazo-mo kaku \ mi-to mi-si kito-wa | kije-ni-si-wo \ k<ii-nakl 
si-mo I nani fomari-keu. 

Warum auf solclie Weise, 

Den von Leib man sah, der Menscli 

Ausgelöscht wardV 

Der Leib, dem nicht zu helfen, 

Wie wird er eingekehrt sein? 



iii: 



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Sk-ho mntn-no lontari-nite amc-ni (li-te, | .s'o;k) /o 
->// tomari-fe hahcru-ni | koma-domo avinta miju 



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96 1* t'izma i r. 

An der Ucberfahrt von Su-no mata^ hatte man Regen, 
und als man diese Naeht sogleich dort einkehrte, waren viele 
Füllen zu sehen. 

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^ % 7 l^ ^ =• 

y y" Mi ti ^ X 

Sawa-ni sumu | koma hosi-karanu \ mitsi-ni dete | hi-gitrasi 
sode-tüo I ■)nirasi-tsuru kana. 

An dem Sumpfe wohnend 

Das Füllen auf dem unerwünschten 

Weg indem heraustrat, 

Die Abendgrille den Aermel 

Befeuchtet hatte! 

y^^ypy^lV-y \) )\ f 

Owari narimii-no ura-nite. 

An der Bucht von Narumi'^ in Owari: 

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Kai-)iaki-ii:a j iiaivo hifo sirezit | nfii koto-no \ haruka-narn 
mi-no I urami nari-keri. 

Wo kein Mittel, 

Noch immer der Mensch nicht gekannt, 

Der Begegnung Sache 

In weiter Ferne des Leibes •* 

Missbehagen geworden ist. 



' Der Flnss Su-no mata bildet die Grenze zwischen den Reichen (>\v;ui 
und Mino. Der Name ist die Znsaninienziehung von smiii-no mala 
,Tintenschenkel'. . 

^ Die.se Bucht befindet sich in Owari, Kreis Ai-tsi. 

■' In den Worten hnruka-naru mi-iio vrnmi ,des in weiter Ferne befind- 
lichen Leibes Missbehagen' werden die inneren »Sylben zu narmni-no 
ura , Bucht von Narnmi' .al)p'etheilt und als ein Wortspiel 'j-ebranclit. 



Vier Himmel dos .lamätri-IJodps. 97 

Futa-go-jama-nite | tsufsuzi-no haru-hnrn-fo saki-fe haheru-ni. 
Als auf 
rosen blühten : 



Als auf dem Zwillingsberge ' weit und breit die Berg- 



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)^ 2> Ui ^ ^ ^ h Z> B 

Karn-kuui-no \ nisi nari-tote-mo j kurnhe-viiu | fufa-mnra 
jama-vo \ vi-si-ki-m-wa nisi. 

In des Chinareiches 
Westen ob sie auch seien^ 
Vergleichend man wird seh'n, 
Von dem Berge der zwei Dörfer'^ 



Dem Goldstoif glichen sie."' 



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Sono jo ko-fu-ni fomaru \ kono ornosi-no woka-ni hito-hifo 
toinari-ta \ kitana-to iü-heki-ni-mo (xrazu. 

Diese Nacht kehrte man in dem Sammelhause des Reiches 
ein. Indem auf der Anhölie von Omosi daselbst die Menschen 
einkehrten, konnte man nicht sagen, dass es garstig sei. 



' Der Name dieses Berges ist, auf der Karte iiielit enthalten. 

- Dieser auch anderswo vorkommende Name eines IJerges ist auf der 

Karte ebenfalls nicht (Mithalten. 
■' Ein Wortspiel zwiselien den Wörtern nln ,Westen', ni-si-ki ,Hri)cat' und 

ni-si ,sie glichen'. 
Sitziint'sber. d. phil.-hist. Cl. CX. Bd. I. Ilft. ' 7 



98 







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Kasiwa-(]i-no sita-ni makic hiki-te jadori-haberi-te \ hifo sirezu 
omo hoto ohoje-liaheru-ni | tike-gata-ni. 

Unter einem Steineichenbaum ein Zelt spannend, über- 
nachtete man und fühlte, dass man sicli von den Älenschen 
ungekannt denke. Bei Tagesanbruch : 

jj ^ ^ m ^ ^ y y ^v 

Neraru-ja-to | fusi-mi-tsure-domo | kusa-maknra \ ari-ake-no 
tsiiki-'ino I sode-ni mije-keri. 

Ob geschlafen ward, 
Liegend wohl war zu seh'n, 
Bei dem Pflanzenpolster ' jedoch 
Des Tagesanbruchs Mond 
Auf dem Aermel war zu seh'n. 

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IV y. z. j) m ^) y n 
^viyyiy^yx 

Slkasu-ga-no toatnri-nite | vmtasi-mori-no imiziü nure-taru-ni. 
Als an der Ueberfahrt von Sikasu-ga ^ der Fährmann 
überaus benetzt war: 

\)^jLiyytiTty^ 

t^ JV y" ^ X h M. h t 
"ty^i-lltyJilyA 



' Das Pflanzenpolster ist der Schlaf im Freien. 

2 Die Ueberfahrt von Sikasn-jja soll sich in dem Reiche Migawa neben 
dem zu dem Dorfe ~r^ PH Tai-raon gehörenden Altare der acht 
Schwerter (ja-tsurugi-no jasii-o) befinden. Sie soll auch in der Gedicht- 
sammlung der goldenen Blätter und in dem Tagebuche Sara-sina er- 
wähnt werden. 



Vier Himniel dos Jamäto-I.iedes. 99 

Tahi-hito-no \ tos/'-vio mrjene-do \ sikast(.-ga-no \ mi-iKireta 
mijurii I wntasi-mori kmui. 
Der Reisenden 

.Jahre wenn auch nicht zu seh'n. 
Doch selbst an ein solches ' 
Wasser dass gewülmt ist,-' man sieht, 
Der Wiicliter der Fähre! 

Mlja-dzijama-no fndzi-no Imna-wo. 

Die BUithen der Bohnenbäume des Berges Mija-dzi: 

b- )V J ^ ^ ^ )\^ Y ^ 2^ 

Mwasciki-no \ kumo tomi-fstirni-tva | 7nija-dzi-jam,a \ na-tahiki 
fndzi-no I sakeru nari-keri. 

Wo die purpurnen 

Wolken reich gewesen, 

Auf" Mija-dzi's Berg 

Der von Namen hohe Bohnenbaum '^ 

Dass aufgeblüht ist, geschah. 



IV y y X ^ i^ ^ 

Takasi-jama-nite suje-tsuki f.ndairii-to kiki-te. 
Man hörte , dass man auf dem Berge Takasi ' irdene 
Becher verfertigt. 

"' Der Name der Ueberfahrt von Sikasu-ga wird hier als nikasu-ga, welches 
mit dem abgekürzten sa.in-r/a , selbst ein solelier' gleichbedeutend ist, 
betrachtet. 

' Mi-nuinivu ist sonst in der Bedeutung: ,an das Sehen gewöhnt, zu selien 
gewohnt sein' üblicli. Indem man hier mi als Abkürzung von midzn 
,Wasser' betrachtet, erhält das Wort die IJedeutung: an das Wasser ge- 
wülmt sein. 

■' Vielleicht Anspielung auf ^fe J^ Fudzi-wara ,Ebeno des Bohnen- 
banme.s', den Namen des angoschensteji japani.schen Ge.schlecht.es. 

■* Der Berg Takasi befindet sicli an der (Jrenze der Reiche Migawa nud 
Tötomi. 

7» 



100 l'fi/.iiiaior. 

hyy^^xy^± 

Tatsu narami. | iaknsi-no jama-no \ suje-tsukiiri \ mono-omoi- 
wo-?:o I jakn-to sa-to Iciku. 

Ununterbrochen 

An des Berges Takasi 

Töpferarbeit 

Den Gedanken 

Zum Versprechen dass man macht; hört man. 

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Hama-na-no hasi-no mofo-nite. 
An der Brücke von Ilama-na : ' 



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Hito sirezu | hama-na-no hasi-no \ vt.n-watasi \ nageki-zo 
loafaru | ikn-jo nnki-jo-wo. 

Den Menschen unbekannt, 

Hama-na's Brücke, 

Bei ihrem Schlagen 

Das Weh übersetzte '^ 

Wie viele Alter, entschwundene Alter V 

9 )v ^ ly t^ D y 2> n 

Hasi-no kohore-tarn-ivo. 
Die Brücke war zerstört. 



' Die Brücke von IIam.a-n,a befindet aicli in Totumi, Kreis Ilama-na. Man 
baute sie im achten Jahre des Zeitraumes Gen-kei (884 n. Chr.). 

2 Die Wörter watasi ,übei-setzen, hinüberführen, auclt eine Brücke .schla- 
q;en^ und wataru , übersetzen oder vei'bringen' sind Formen eines ein- 
zigfen Verbums. 



Vier nhniiiel des .liimato-Liedcs. IUI 



^ .7 y ^ ^ ^J^i n ^ X 



Naka-tajetr, | watasi-mo hatenu | mono jiije-ni udui-x! lunua- 
na-no \ hasl-ico mise-ken 

]\Iitten zerrissen, 

Das Sclilagen auch, nicht zu Ende 

Gebraclit weil es ist. 

Wozu liama-na's 

P)riick(' man gezeigt wird haben? 

# ^ ^ )^ ^ u y # 4^ »j ^ 
)V X ^ U ly i^ 7 m y" y 1J 

iMakari-tsiiki-ta notsi (ima-no j nri-Jidheri-keve-ha kaku oboje- 
haherii. 

Als man gänzlich fortzog und naclihor Regen gefallen 
Avar, dachte man wie folgt: 

Tare,-ni iwamu \ hima-)inki koro-no | nagame fiirn \ mono- 
oniofa hito-no \ jadori-(/ara-kf(-tvo. 

Wem wird man c\s sagen? 
Zur Zeit, wo Müsse nicht ist, 
Langer liegen fällt, 
Der Mensch, an den man denkt, 
Seiner Einkehr Art ob es ist? 

Hotofjisu-no ko-ewo kikl-te. 

Indem mau den Ruf des Kukuks hörte : 



102 





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mijako-no \ mono-gatari-se-jo. 

Um diese Zeit 

Indess man nur schläft, früher 

Der Kukuk 

Eine Weile Mijako's 

Gespräche führen möge. 

^ > 4^ 7 ^ -h y h :/ )^ 

Hako-dori-no naku-wo kiki-te. 

Indem man den Kistenvogel ' singen hörte: 

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^v^t^yyntVY 

Furu-sato-no j koto-tsute-ka tote \ hako-dori-no | vakn-ioo 
nresi-to \ omoi-keru kana. 

Von dem alten Dorfe^ 
Botschaft vielleicht dass sei, 
Des Kistenvogels 
Singen als freudig 
Gedacht man hat! 

^)\y^py'yyuyi' 

Nunawn-no nngaki-.ioo \ hito-no mote-mode-kitarn-ioo viite. 
Indem man sah, dass langen Wasserklee ein Mensch 
hereinbrachte: 



' Dei" Name dieses Vog^els kommt bloss in zwei neiieren Wörterbüchern 

vor, deren eines dufür -t« & (hal 
2 Pas alte Dorf steht für die lleimat. 



All- gC-t 

vor, deren eines dafür -t« ^^ (hako-dor!) ,Kistenvofrel' setzt. 



Vier Himmel des Jamäto-Liedes. 1 Oo 

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-- h )^ - )^ ^ :& ^ ^ ^ 

Ware nava-ha \ ike-to i-i-te-mo \ ulci nunawa \ haruka-ni 
knru-ioa | madzu tome-temasi. 

Wenn ich es bin, 
Gehe! ob man auch sagt, 
Der schwimmende Wasserklee, 
Fernher indess man kommt, 
Aufhalten früher wird.' 



7^ 7 ^ h ^ 7 

Jo-fakaka hototogisii-wo kiki-te. 

Indem man in tiefer Nacht den Kukuk hörte: 

l^ y ^ ^ 7^Ajiy-s7 

Mi-wo tsume-ba \ aware-to-zo kikn \ hototogisu \ jo-ivo hete 
ika-ga \ omojerai nasi. 

Sich selbst wenn man bedrängt, 

In Leid den man hört, 

Der Kukuk 

Die Nacht verbringt und wie 

Gilb' CS ein Nachdenken nicht? 

- )i> # 7 y pH i ii 

Roka-guntsu itsu-ka ame-no furi-liaheru-ni. 



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Als am fünften Tage des sechsten Monats Regen fiel: 



' Das Wort nunawn ,Wasserklec' ist dio Abküi'zung von nuna-naioa ,Teicli- 
scliinir', wobei numa oder ?/?/ ein Synonym von ike ,Teicli', I/ce kann 
alx!!' auch als Imperativ von i/cu , gehen' betrachtet werden und ,geh('!' 
bedeuten. Nmtm ,Sehnur' wird als etwas, womit man den Kommenden 
aufgehalten haben wird, angeführt. 



104 l'fi/.iiiaicr. 

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V y u y( )\ t ^ / y 

Jo-no naka-no \ tiki nomi rnasaru | )i(ujame-ni-wa \ njame- 
no ne koao \ madzu iiayare-kere. 

Wobei von der Welt 

Das Traurige nur zunimmt, 

In dem langen Regen 

Der Schwertlilie Wurzel 

Zuerst wird geschwommen sein.' 

- # y B$ yfc :ffi ^ 

)u Pf ,i - y ^ 

Tntsi-hana~no kl-ni hototogisu-no nahi-haberu-ni. 
Als auf einem Pomeranzenbaum der Kukuk rief: 

y ly Z^ )\ - )\ -y ^ ^ if^ 

Hototogisu I hana-tatsi-hana-no \ kawakari-ni \ naku-ioa 
mnkasi-ja \ koi-si-karu-ramv . 
Der Kukuk 

Auf dem blumigen Pomcranzenbaumj 
Wenn die Blüthen verdorrt, 
Dass ruft, einst vielleicht 
Geliebt sie werden gewesen sein. 

^ )V ^ P y" 7 ^) =^ 



Jama-dera-jori mume-ico vwte-nwde-kifaru-wo mite. 
Indem man sah, dass man von dem Gebirgskloster einen 
Pflaumenbaum hereinbrachte : 



1 Anspielmif!: ;mf das vorhergehende Wort nki, welches sowolil ,traiirifr' 
als auch ^schwimmend' bedeutet. 



Vier Hiniincl des Jamäto-Medfis. lOO 



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A 9 y n ^ )^ U y ~ 

IlIijako-)u-wa \ ,\i(h:u-je-no miivie.-mo | fsirl-hatete \ t<ida 
haiüakarino \ fsiiju-no wokurama. 

In Mijako 

Dos untcrzvvcigigcn Pflaunicnl)uiuncs 

l^lilthen da ganz vorsti'out, 

Nur der verdorrten Blüthen 

Tliau geleiten wird. 

7 ^ + 7 m ^ 

HototogisH-no wiku-wo. 
Das Rufen des Kukuks : 

1] ^ )V 3 7 J ^- ^) 

Wam hakari \ wari-naku mono-jn | omofu-ramu \ jorii hirii- 
vio nakii I hototogisu kann. 

Für sich allein 
Unentschieden vielleicht! 
Denken wird, 
Tag und Nacht rufend, 
Er der Kukuk! 

Roku-guatsu nanu-ka mala tsutomete. 

Am siebenten Tage des sechsten Monats noch am frühen 
Morgen : 

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^ tit / -h r ^ It y Oj 



106 I'fizniiiicr. 

Natsit-jama-iio \ ko-no sitn kage-ni \ wokn tsuju-no \ aru-ka 
uaki-ka-no \ vki-jo nari-keri. 

Der Sominerberg, 

Unter seinen Bäumen im Schatten 

Der Thau, der fällt, 

Die zweifelhafte, 

Vergängliche Welt geworden ist. 

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Jo-vio sucjara tsuki-too nagaTtmru akatsuki-ni. 

Als man die ganze Nacht nach dem Mond blickte, bei 
Tagesanbruch : 

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/^'^yH^'r^ ( 

Tsure-dzure-iva \ nagusamane-domo jo-mo sngara j mirani,ru 
mono-wa \ owo-sora-no tsuki. 

In Langeweile 

Nicht getröstet man war, 

Doch die ganze Nacht 

Was gesehen ward, die Sache 

War der Himmelsfeste Mond. 

i^ ^ ^ ^ ^ )V 7. y ^ t y 

Tsugomori-ni nerarezu haberu mama-ni \ jo fukuru made 
haberi-fe. 

Als an dem Tage des Neumondes eben nicht geschlafen 
wurde, war es bis tief in der Nacht. 

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Vier Himmel des Jamäto-Licdcs. 1U7 

jSoixi harii-to \ jami-no joru-joru \ nagamuve-ha \ aivare-ni 
viono-zo I mije-watari-heru. 

Wie der Himmel sie spannt, 
Fiusterniss Nacht für Nacht! 
Als man in die Ferne blickte, 
In Leid die Sache 
Sich zeigend, hinüber setzte. 

)^ # I) t/ «■ » ySi ^ + 

Onazi-tsuki-no mui-ka \ tsuju-no hotaru-ni kakari-te habere-ha. 
Als am sechsten Tage desselben Monats Thau an den 
Fcucrrtiegen hing : 

Koi-xcabi-te \ nagusame-ni surii | tama-dzusa-ni \ itofn-mo 
masaru \ waga namida kann. 

Liebend bekümmert, 

Die zu Tröstung man macht, 

Die Edelsteintafel,! 

Es verdriesst, besser als sie 

Meine Thränen! 



Narm-ka-no tsufomeie \ kawara-be hito-no iza-fo mhsri-ni. 
Am frühen ]\Iorgen des siebenten Tages sagte an dem 
Flussbett 2 ein Mensch: Wohlan! 



' Durch das Wort Etlelsteintafel wird ein theures Schroibon bozoichnet. 
Tama-dzusa ist die Abkiirzuiij^ von Uima-ndzusa ,Ede]stoinhartriog'ol'. 
Man sagt so, weil die .Schre"btafel aus dem Holze des Hartriegels ver- 
fertigt wird. Diesen Versen liegt oft'enhar (Miie alte Erzählung zu 
Grunde, welche sich jedoch njcht vorfand. 

- Ob hier die Iiesung kawara-hp. ,an dein Flnssbett' richtig ist, lässt sich, 
da die Verbindung sonst nicht aufgefunden wurde, nicht bestimmen. 



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Tana-hata-ao \ amn-no ha-goromo j sagi-tara-ha \ kakn-te-ja 
loare-wo \ hito-no omowamu. 

Der Weberin 
Himmlisches Flügclkleid 
Vorbeigegangen wenn ist, 
Auf diese Weise wohl an mich 
Der Mensch denken wird. 

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Onazi-hi urajarnare-num iiado omoi-haberi-te. 
An demselben Tage, indem man dachte, dass man be- 
neidet werde : 



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Tana-hata-ioo | modokasi-fo mi-sl \ waga mi-si-mo \ hnte-ioa 
(li-minu \ tamesi-to-zo kana. 
Die Weberin 
Mühsam der sah, 
Ich selbst bin es auch, 
Endlich dass man zusammentraf, 
Ein Beispiel es ist! 



± ^ 1] )^ ^ # y 7 > r 



Die folgenden Verse enthalten eine Anspielung, dass an dem genannten 
Tage, dein siebenten des siebenten Monats, das Stornltild der Weberin 
über den lliniinelsfluss setzt. 



Vier Himtnol dos Janiäto-Licdns. 109 

Afa kofo-ico I Tcefu-to fanomefe j matsii dani-mo ika-hakavi- 
/.'hwa I asa-na tana-hnta. 

Der Begegnuni;- Sache 
Heute dass ist, hoffend, 
Wartet allein, 
Wie lange wohl es istV 
Am Älorgen die Weberin.' 

Am so-no mofo-jori \ 7vomina-]i(isi-wo okosete. 
Von Seite eines Bonzen schickte man Baldrian. 

y 7 ij ^ 1^ IV - y ly 

Sira-tsvjn-no \ lookn-ni saki-keru | womma-hesi \ jo-vxi-ni-j<i 
iri-te I klmi-ioo miru-ramu. 

In des weissen Thaues 

Tiefe der aufgeblüht ist, 

Der Baldrian 

In der Nacht 2 vielleicht eintretend 

Den Gebieter sehen wird. 

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' Es srlioint liier luul in dorn Ohiuroii vvirklicli anofRiiommoii zu werdHii, 
(lass der erwäiinto Menscli das 15ild der Weberin gewesen. 

- Die liier für jo-ina ,Naclit,' ^gebrauchten Zeichen sind dem .Sinne nicht 
entsprechend, da "^j^. (Iia) ,halb' eine Ililfspartikel ist und nicht ;ils 
Wörterschrift, sondern als Syli)eiischrift zvi gelten hat. 



110 Pfizmaicr. 

Wotoko-no koto-dokoro-jorl kajö hito-no mato-jori \ isuknru 
hito haherane-ha \ ito koto-jh-ni nan tote \ fnri-wo okosete haherii-vi. 

Da ein Mann, ein von einem anderen Orte verkehrender 
Menseh, ursprünglich kein zurechtbringender Mensch Avar, 
schickte er, es auf eine sehr verschiedene Weise sagend, 
Melonen. 

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Aki-goto-ni j tada miru jori-wa \ fwi-fu-jama \ ivaya sono- 
ni-ja-wa \ nari kokoro-mi-nu. 

Jeden Herbst, 

Seitdem man es nur sieht. 

Der Berg, wo Melonen wachsen,^ 

In meinem Garten vielleicht 

Entsteht, man hat es versucht. 

Akatsuki-ni musi-no naku-ivo. 

Bei Tagesanbruch schwirrten die Insecten. 



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Kite-si kana \ waga koto aki-no \ jo-mo sugara \ nerarenu 
mama-ni \ musi-mo naku nan. 

Gekommen es ist! 

Meine Sache diess, im Herbst 

Die ganze Nacht 

Eben wenn nicht geschlafen wird, 

Die Insecten schwirren. 



' Der Berg, wo Melonen wachsen (furi-fu-jama) befindet sicli in dem 
Reiche Mutsii, Kreis Sira-kawa. 



Vier Himmel des .Tamäto-Liedes. 111 



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Ära so-no nohor/-/i(ihe)-(iviu koto ioi-te liaheri-st-ni. 

Indem ein Bonze frag-te, ob man emporsteigen Avcrde : ' 



77 ^ T i; X A )^ ^ )^ 
^ ZI ^ 1] y ly m ^ & 



Kimi-wa oinofu \ mijako-wa koi-si \ hito sirezu \ futn-mitsi 
kakete \ iiageku koro kana. 

Der Gebieter gedenkt, 
In Mijako der geliebte 
Mensch nicht gekannt, 
Zwei Wege ^ betretend, 
Wo Schmerz ist, um die Zeit! 

i^ y A ^ i^ y i^ p h^ 
^xh u yf^ )v m ^ y 

Kikii-ioo ito owo ujete haheru-ni \ nohori-haheri-nan tote 
musubi-tsuke-haheri-si. 

Indem man sehr viele Goldblumen pflanzte, band man sie 
an, damit sie in die Höhe gehen. 

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"^ 1] y. ^ V -g. ^ )\ y 

Mitsugi-na-ha \ furu-sato-mo koso | loasurarure \ kono han<i 
sakana | madzu kajeri-nan. 

Wenn man beschenkt, 
Die Heimat auch 



' D. i. ob man uacli Mijako reisen werde. 

2 Der Weg der Schrift und der Weg des Krieges. 



112 Pfi zmai er. 



Vergessen werden mag; 
Diese Blume bevor blüht, 
Früher man zurüekkehren wird. 



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Wofsi . . . ko-domo-no haha-no koto-icotoko-ni tsuki-te lia- 
here-hn | imiziü nngeku josi-ioo kiki-haberi-te. 

Indem man hörte, dass weggefallene ^ Kinder, als di^ 
Mutter einem anderen Manne sich anschloss, überaus siel 



beklagten : 



1/ ift ^ 4^ ^ )^ ^ X 



So-no-liara-no \ ko-zu-e-wo mire-ba \ haliaki-gi-no j nki-wo 
nomi kikn \ sode-mo niire-keri. 

Von So-no's Ebene ^ 

Die Baumwipfel als man sah, 

Der Besenbaum ^ 

Trauriges nur hörte, 

Der Aermel auch befeuchtet ward. 



1 Nach ')votsi, dem hier die muthniassliche Bedeutung , wegfallen' gegeben 
wurde, ist in der Handschrift ein Wort oder eine Sylbenverbindung 
ausgelassen. 

2 Die Ebene So-no befindet sich an der Grenze der Reiche Sinano und 
Mino, gehört jedoch zu dem Kreise I-na in Sinano. 

3 Ein nicht ganz verständliches Wortspiel, wobei hahaki-gi , Besenbaum' 
wohl als haha-ki-gi ,Mutterbäume' zu betrachten ist. Das Andere dürfte 1 
sich nicht zu einem Wortspiel eignen und der woi-tspielende Sinn ein- 
fach sein : die Muttorbäume Trauriges nur hörten. 



Vier Hinimpl des Jamäto-Liedos. 11.'} 

^ ^) n y ly 7. u ^ # 

^ ^ ^fh U n y ly 

Kni-no snkp,-to in mono-no \ <jo-ioo imizin konomi-habari-si ni. 
fsuknicasii foki sika-no nnld-liaheri-si-ni . 

Ein Mensch Namens Kai-no Suke liebte iil)ernns das 
^^(•liaehspiel. Zu einer Zeit, avo er ausscliickte,' lirülltc ein 
llir.srli.2 

# 1/ 2> A »J ^Lx f^ -h \) 

U )^ 1i ^ ^ ^ -^ )V ^ 

Mijako-jori nemugoro-naru hito-hito-no \ on-fumi-domo aru- 
II i naku nari-tamai-ni-si hito | owase-masi-ka-ha-to mire-ha ohoje- 
lidheri-te. 

Ans Mijakü hatte man Briefe freundHclier Menschen. 
Als man sah, dass ein verstorbener Mensch es gewesen, ge- 
dachte man: 

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)j )i^ h ^ 7 L- -^ y 11 

-btä:yyA3EÄ-\h 

Ima hitori \ sojete-ja mimasi \ tamd-dzusa-ico \ vmkasi-nn 
hlfo-Yio I (ini jo nari-se-ha. 

Jetzt ein Einziger 

Hinzufügend wohl, sehen wii-d 

Die Edelsteintafel, 

Ehemalige Menschen 

Wo es gibt, die Zeit da geworden ist. 

' J)ei- Ausdruck ist offenbar bei dem Schachspiel üljlidi. 

- JJic hier folgenden fünf Verse, welclie in der Ilandsdn-ift zwei /.woifel- 
hafte oder unriclitige Zeichen enthalten und hauptsächlich ;ius diesem 
(jinuide sich jeder Erklärung entzogen, niussten weggelassen werrleu. 

Sitzungsber. d. phil.-bist. Cl. 'CX. Hd. J. litt. S 



114 



P f i 7. 111 a i e r. 



H y" i^ y )ly 7 ly y X ~ 

Kiku-ni vmsuhi-tsuke-si fumi-ioo \ nru liito-no mi-tamai-tc 
kokqno-ka. 

Indem ein Mensch ein an Goldblumen gebundenes Schrei- 
ben sah, am neunten Tage: 

y ^ h )^ h .s ^ -^ -i- ^ 

^ h i "Ä b- r\ y- \^ ^ y 
1/ :? 7 ^ 7 T )^ h h ^ 

MitHuc^i-miku | tortiare-to made-W(t \ omoioane-do \ kefn-wa 
siigii-to ifi> I hana-fo koso mire. 

(Jhne Beschenkung 

Einlialt bis ist, 

Diess man nicht dachte, 

Doch heute das Vorübergeh'n 

Als Blume man sehen mag. 

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Kajesi. 














Die Entgegnung: 














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Ma-gokoro-ni \ jowai-si tomani | mono iiara-ha \ fsi-dzi-no 
nki made | sngi-mo sinamasi. 

Mit wahrem Herzen 

Wo man altert, die innehaltende 

Sache wenn ist. 

Bis an tausend, tausend Herbsten 

Vorübergehend, man sterben wird. 

h ^7)^^H + tlj + 



Vier Iliii'.inol des Jaiiiäto-Liedes. 1 iJ) 

»j Ä 4^ ^ ^ ^ .g »J 

Natoo idete ziu-itsi-nitsi | hama-na-vo hasi-vo moto-ni tomriri- 
li'. I fsnld-no iio omn-sirold-ivo mi-haberi-te. 

Als man wieder auszog und am ellften Tage an der Brücke 
\()ii Ilama-na einkehrte, sah man, dass der Mond sehr HebHch war. 

^ i- m ^ ^ t y y" y 

t -^ y 7" 7 )V 1] ^^ ly 

Utsuai motß I 7cokoro-sidznka-vi | mirv-hcki-irn \ utato-mo 
nami-no | utsi-smcnfpi kana. 

In Abspiegehmg, 
Kuhioen Herzfens 
Man sehen könnte V 
Unmensehhch auch die Wellen 
In Aufruhr sind! 

Jo-fukete sika-no 7iaku-ni. 

Als in tiefer Nacht der Hirsch Lrüllte: 

Tnkasi-jamd \ matsic-)io ko-zu-e-ni \ fuku kaze-vo \ vii-ni 
simu, toki-zo | sika-mo naki-keru. 
Auf Takasi's Berg, 
In der Fichten Wipfeln 
Wehend der Wind 
In den Leib wo drang, um die Zeit 
Der Hirsch auch brüllte. 

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8* 



116 I'fi/.m liier. 

Ufsuroi-sum tokoro-nl iirai-uo kokoro-tvo. 

Wo (;f< wi('(lerg"läiizte, hatte es den Sinn der ]i{eo;lilek- 
Avüiiöcliung: 

A T 7; h # ^ ^ 7 )^ # 
1^ 7. ^ y y" ^ y "f- U 

y ^ y "f ^v ik p )v j\i 

Kimi-ga jo-tva \ naru-wo-no ura-ni | nami taterii \ matsu-no 
tsi-tose-zo I kazu-ni atsuniemu. 

Was das Alter des Gebieters, 
In Naru-wo's ' Bucht 
Die Wellen, im Aufstellen, 
Der Fichte tausend Jahre 
Als Zahl werden sammeln. 

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Kono maje-ni naru-wo-no hama-to in tokoro-no hahfiu nnri ' 
sdte sono matsu-tra mije-haberi-si nari-to-zo. 

Voi'her gibt es einen Ort Namens Meerufer von Naru-wo. 
Die genannte Fichte war daselbst zu sehen. 

Der Weg: von Taka-No. 



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' Nani-wo befindet sit-Ii in Setsn, Kreis Mn-ko. 



Vier Himmel des Jainäto-Liedes. ] W 

Taka-no-jama-je makari-haheri-keru-ni | tsnje-no hodo-nite 
viatagari-tarn ki-ni \ koromo-wo tsudziira-kadzura jb-no mono-nita 
karami-fsukete \ saka-ivo ori-kurn so nri. 

Als man sich nach dem Berge Taka-No ' fortbegeben hatte, 
war ein Bonze, der um ein gabelichtes Holz von der Grösse 
eines Stabes das Kleid nach Art der Schliiigpfianzen herum- 
wand und die Bergtreppe hcrabkam. 



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Jiiki-tsigote omo-kage-no mi-taru kokotsi-sii-mere-ha \ t<itsi- 
kajeri-miru \ kare-mo onazi-ku tafsi-kajeri-tavio-wo j jokn-joht 
mire-ha tsuna-moto nari. 

Als man sich begegnete und man das Gefühl zu haben 
schien, dass die Züge gesehen worden, blickte man zurück. 
Indem er zu gleicher Zeit zurückkehrte und man ihn ganz gut 
erblickte, war es Tsuna-moto. 



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Ika-ni-to ije-ha \ ifo ju-i-no tai-men kana \ jukii tukoro-wa 
kefu narade-mo ari-namu \ ana i-zen tote saki-ni tatsi-tamb. 

Als man fragte, wie diess gescliehe, sagte er: Eine sehr 
luncniiutlictc Begegnung! Es wird sein, dass ich heute nirgends 
liin wandle. Wohlan vorwärts! — Diess sagend, schritt er 
voraus. 



' Der Berg Taka-no befindet sicli in dem Reiche Ki-i, Krei.s I-to. 



118 











Pfizmuier. 








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Siri-ni tsuki-te nmkasi-ima-no koto-domo kikoje-aioane \ sate- 
mo ari-si katatsi-^va jume-mo nokorade \ lib-ni mi-wo jatsusi-tama- 
jerio sama \ geni-to omoi-nagara | iiamida-wa fukaku-nite sihoru 
hakari vare-ha \ kiri-no simeri-ni magirawazii. 

Ihm nachfolgend, brachte man die Sachen von Eni st und 
Jetzt gegenseitig zu Ohren und dachte wirldich, wie doch die 
gewesene Gestalt nicht im Geringsten mehr übrig und er durch 
die Vorschrift den Leib Verringert. Indem man dabei die 
schweren Thränen nur auswand, war mit der Feuchtigkeit des 
Nebels keine Verwechslung. 



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Koko-kasiko mi-hahurl-te \ oku-no ioin-nite~ica hare-watari | 
kaze iiii-nl siml tori-no ko-e nado au-me^'i. 

Während man sah, was hier und dort, war in dem inneren 
Gebäude Hinüberziehen von Aufheiterung, der Wind drang in 
den Leib, die Stimme des Hahnes schien zu ertönen. 



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Vier Himmel des Jamatu-Licdes. liü. 

Nobovi-te-Wd \ kokoro-no kiri-ino | hare-uu-besi j taka-no-no 
jama-no \ mine-no matsn kaze. 

Als man emporstieg, 

Bei des Herzeos Nebel 

Aufheiterung konnte sein; 

Taka-no's Berg, 

In seines Gipfels Fichtenwind. 



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Na-mo siranu \ mi-jama-no tomo-no | ho-e-ioa site | o/w /itVo- 
7/iO nasi \ maki-no sita ndtsi. 

Den Namen wo man nicht kennt, 
Des grossen Berges Genossen, 
Ihre Stimme wie ertönt,' 
Ein begegnender Mensch ist keiner, 
Auf" dem Weg unter den Eiben. 

Kaiuarci-ni wa I viatsa saje ojefe \ fnru-tcrd-no \ kokc-no ruu- 
niro-nio | nori-ni siku-ravm. 

In dem Flussbett 

Die Fichte nur indess wächst, 

])es alten Klosters 

Moostep})ich auch 

Zur Vorschrift man wird breiten. 



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jori kudari-te \ tsuna-moto-no iwo-ni | ko-joi-wa akasi-habere-kasi- 
to are-ba \ idzuku-no hoton-ni-to tofn \ hi-no otsi-juku kata-ni 
simete haberi-keru. 

Als die Herbstsonne sich nach Westen wandte nnd ruliig 
über dem Berggipfel schwebte, stieg man von hier hinab, und 
Tsuna-moto sprach: Ich möchte diese Nacht in der Hütte ver- 
bringen. — Man fragte: An welcher Seite? — Man verschluss 
an der Seite, wo die Sonne zu sinken im Begriffe war. 



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Juki-te mi-jo \ negai-ivo matsti-no \ koori-ni-wa \ nisi-ni ko- 
koro-tüo I kakete mustiheru. 

Hingehend siehe 

Den Wunsch, die lichtene 

Hütte, in ihr 

Nach Westen das Herz 

Wie man anhängt, sie geknüpft ist. 

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To are-ba kajesi. 

Als diess gesagt war, lautete die Entgegnung: 

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Tak'i-ii()-j(iv)(i I iioofi-tiiHStd)(i-ba | icare-mo mata \ nisl koso- 
to omofn I onazi-ne.gnl-ioo. 

Auf Taka-No's Berg 

Pie Hütte wenn man knüpft, 



Vier Himinel <ies Jamato-Licdes. xZL 

Ich dann avicli 

Nach Westen mich sehne, 

Gleichen Wunsches ! 






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Kurete, tadovH-fadoru iicori-ni iri-nu \ tsuna-moto hi-ntsi-wo 
tori-idete \ tomosi tsuke-tamh-wo mire-hn \ joja süsi-siaku si-men- 
no hvori-ni mi-da-to dai-si-no zb-wo kakete butsu-gu sawajaka- 
ni I ari-taru noki-hd tsiko sitsitrni. 

Bei Dunkelheit trat man tappend in die Hütte. Tsuna- 
moto nahm ein Feuerzeug hervor und zündete Licht an. Man 
sah in der an den vier Seiten etwa sieben Schuli messenden 
Hütte das Bildniss des grossen Lehrmeisters A-mi-da angehängt 
und ein Vordach, avo sich die glänzenden Geräthe Buddha's 
befanden, in der Nähe aufgebaut. 

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Sono manid uiidzit, vuisiihi-bana via-irase-kaje \ hi kakacjn- 
sojii kmcori-ni-mo vtsnsi-te j korio z6 kiki-icake-nö fude-nlte ow'i.n- 

1)l((sil-to-Z'). 

« 
l)ab<'i waren geknüpfte Blumen in Wasser zur AbAvechslung 

dargeboten, und indem mau ein emporgehobenes Licht hinzugab, 



122 Pfi/.iu:ii.M 

bei Wcilmiuch uucli vcr.sct;4tc, Wiir dicöc« liild der Pinsel di ^ 
Hörens und Unterseheidens. ' 

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Jo-no tsune-ni viijezu \ sai-gib siö-nin mi-dzukara kaki-tama- 
jerii san-ke-siü-wo \ kiki-wake-tsntojerare-keru-wo \ ho-sio-zl so-bo- 
no hi-no toki jake-haberi-keru. 

Es war in der Welt gewöhnlich nicht zu sehen. Die von 
dem hochwilrdigen Sai-giö '^ eigenhändig geschriebene Samm- 
lung der Berghäuser war durch Hören und Unterscheiden 
überliefert worden. Sie war zur Zeit des Brandes der Bonzen- 
zellen des Klosters des Siemes der Vorschrift verbrannt. 



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Sono notsi sai-glo-no taku-ni \ tsuju tagawazu kakarete 
haberi-si-wo \ miserare-tamai nari. 

Später wurde sie in dem Hause Sai-giö's ohne die ge 
ringste Veränderung niedergeschrieben und gezeigt. 

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' Die Rede ist, wie aus dem Folgenden hervorgeht, von der Beurtheilung 

der Schriftwerke oder auch der Zeicliimngeu. 
- Der Bonze Sai-giö, ein öfters genannter berühmter Dichter. 



Vier Himmel <ies Jainäto-Liedes. 123 

Kuki-Jt JiitiiU-ziütsu hifosi-to i-i-si-nio | naru koto-ui haberu \ 
jori-tomo dai-sio-no sin-won-sb \ mu-do-zi-nitt mi-hahcru \ sai~gib 
hitsu-ni ni-tari. 

Kö war HO, dass es hicss, die Schriftj die Zeielinunj^en 
und die Kunst des Pinsels seien ein und dasselbe. Das 
Pflüeken der GartcnpHanzen des grossen Anführers Jori-tomo 
sah man in dem Kloster des Bewegungslosen. Es war dem 
Pinsel Sai-giö's ähnlich. 

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Kono jama-ni-mo <juan-mon nado ari \ mina tcujaicaza-nite 
habera | kiki-icake-to kono san-Jdtsic hito-tsa-ni mije-habcru. 

Auf diesem Bci'ge gibt es auch Schriften des Gebetes. 
Sie sind alle nicht verschieden. Bei Hören untl Unterscheiden 
zeigen sich dic.■^e drei Pinsel ^ als ein einziger. 

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Sa-nari taka-nobu a-son-no oioo-wara-no dzu roku-kuan | 
fun-siki fude-no haje mi-dokoro ari \ sio-sio-no koto-ba kaki- dö- 
hitsu nari \ owo-kdta-nite-ioa ino-zi kake-b-mo?:i-ki nanieri. 

So ist es. Die von Taka-nobu A-son stammenden sechs 
Bücher Abbildungen von Owo-wara,"- der Ruhm des mehl 
farbigen Pinsels, enthalten Öehenswerthes. Die verschiedenen 



' Nob.st diesen Scliriften des Gebetes worden oben noch die Schriften 

Sai-giö's und Jori-tomo's erwähnt, 
- Das Feld von Owo-wara befindet sich in Jama-siro, Kreis üto-kuni. 



lZ4 l'f i /.mai er. 

Wörter sind iin Sclircilxni der näiuliehe Pinsel. Iiu (ianzcn 
gcnoiumeii, dürften die Selirit'tzeichcn nicht einander entgegen 
zu halten sein. 



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H6-sei-zi-dono ohon-fude-)ii mwjo hakari-ni hnheri-si | kakarn 
fitde-dzukni | irna jo-ni viitjezit. 

Eine solche Anwendung des Pinsels, wobei man bloss 
den Pinsel des Herrn des Klosters Ho sei ' nachahmte, ist jetzt 
in der Welt nicht zu sehen. 

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Jo-no hedate haruka-naranu hodo-ni \ ito kutsi-osi-ku nari- 
jnkn mono-ni haheru. 

Da das Zeitalter kein getrenntes und fernliegendes ist, 
beginnt die Sache sehr bedauerlich zu werden. 

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Sib-gnan-ioin-no hoku-hb-nite mi-haheru \ mi-sase-tamai-si-ja 
imad/i si \ nohu-sane n-son-no mi-na-se-tono-no si-ki-no si-kwin \ 



' Statt des Eigennamens eines vornehmen Menschen setzt man, wie es 
hier geschehen, bisweilen den Aufenthaltsort mit Anhängung von dono 
,Palast, Herr'. 



Vier Himmel des Jamätu-Liedes. 12d 

koto-ha kalci dö-hitsu \ gio-sei nado-no am naru atari-wa \ olion- 
fiide-mo kuicajerm-e-tari. 

Man sah es in der nördlichen ZeUe des Tempels Sio-guan. 
Es geschah noch^ dass der Gebieter es etwa zeigte. Die von 
Nobu-sane A-son stammenden vier Bücher der vier Jahreszeiten 
des Palastes von Mi-na-se ^ sind in der Schreibung der Worte 
ein und derselbe Pinsel. An den Stellen, wo kaiserliche Ver- 
fertigung- sich befindet, wurde der hohe Pinsel auch hinzu- 
gefügt.'' 

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Wo-no he-dono taki-dono ta-no kavii-no ina-ha-dono \ htwara- 
ni nozomeru kaja-huki-no wata-dono isuri-dono | tokoro-dokoro-no 
nca-ki-no iro-ai \ iniidza-no kokoro-haje \ sono owoku-no ke-siki-ivo 
kaki-wakerare-si \ ima-mo me-ni tsuki-taru jb-ni haberu. 

Der Palast des Berggipfels, der Palast von Ta-no kami,' 
von Ina-ba, der auf das Flussbett herabblickende, mit Ried- 
gras gedeckte Durchgangspalast, der Angelhakenpalast, die 
Erscheinung der Felsen und Bäume der verschiedenen Orte, 
die Eigenschaft der Gewässer, die vielen Ansichten im Zeichnen 
vertheilt, sie sind, als ob sie noch jetzt sich an das Auge 
gelegt hätten. 



' ireber Mi-na-.se ,wasserlose Stromschnelle' findet sich blos dio hage. : 
Kreis Oto-knni in Jama-siro und Kreis Sima-kanii in Setsii ang'Hgeben. 
Die beiden genannten Kreise berühren einander. 

2 Die Schrift, der schriftliche Aufsatz des liiininels.sohnes. 

^ Es wurden Zusätze gemacht. 

■• Ta-ni) kami befindet sidi in dem Reiclie Oiiii, Kreis Kuri-moto. 



126 Pfizmaioi-. 

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l-ki-no kuni-je womoniiikase-tamo-ni \ nari-liaberi-si toki \ 
on-katami-ni tote \ kono a-son mesi-te \ on-kage-wo kakase-tamai- 
tc sitsi-deö-no nio-win-je \ ma-irnsevare-si-to iü-wo-mo \ ogami-tafe- 
matsuri-haheru. 

Als er nach dem Reiche I-ki reiste, zur Zeit wo sie ent 
standen, Hess dieser A-son,' für ein ßeisegeschenk Auftrag 
gebend, sie abzeichnen, und man betrachtete sie mit Ver- 
ehrung , indem man sagte , dass sie der Kaisermutter des 
siebenten Viertels dargeboten worden. 



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Sore-nite mi-kage-do-wa tater(ire-si-to-ka \ midare-tarii, jo 
ni-wa ika-ga nasu-heki-mo hakavazu liito-lii mo-haja de \ mi-na 
se-je-m.o owo-wara-je-mo \ jiiki-te m.i-sase-tamaje-kasi. 

Somit wurde wohl die Halle der erhabenen Bildnisse er- 
richtet. Wie konnte man es in einem Zeitalter der Wirren 
thun? Möchte man doch, ohne zu erwcägen, eines Tages bald 
hinaustreten, nach Mi-na-se und nach Owo-wara gehen und 
zu sehen geruhen! 



' Der oben genannte Nobu-saue A-son. 



Vier Himmel des Jamäto-Liedes. \2 i 



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Dai-si Icono jama-no dzu-ioo kaknse-tamai-si \ liö-sai-ioin-no 
hb-ni ari \ idzure-no e-dokoro-fn in-to-mo \ lüojohi-mnziü mija- 
haheru. 

Es befindet sich in einer Zelle des Tempels Ilo-sei, wo 
der grosse Lelirnieister die ALLildung dieses Berges zeiclnien 
Hess. Nennt man «s ancii irgend einen abgebildeten Ort, es 
erscheint unerreichbar. 

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Take-wn fake-fo mije ki-ioa ki-to mije \ tori tori nado in 
mo-z'i I S0710 mono-to mijiuu sama-ni \ kakase-tamai-si mono-mo 
ari I faje-naru mono nari nado kikoju. 

Es gab auch Gegenstände, bei welchen er die als Vögel 
benannten Schriftzeichen , wo Bambus als Bambus erschien, 
Bäume als Bäume erscliienen, auf eine Weise schreiben Hess, 
dass sie als diese Gegenstände sich zeigten. Man hörte, dass 
es wundervolle Dinge seien. 

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Tomo-ni omoi-idznrn-ico mama-no \ mono-(]ntari-su-inevu 
naka-ni | nana-so-dzi-ni-mn fake-tanxiJHrii, so-no | waga iia-wa 
umi-ije-to ijeri. 

Wälirend man das, was zugleicli in die Gedanken kam, 
eben zu erzählen scliien. war ein in dem liülien Alter von 
siebzig Jahren stehender Bonze. Derselbe liiess mit Namen 
Umi-ije. 



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Knra-kere-ha to-hira tsikb narahete sbraje-domo mi-tamawasi \ 
ko-joi kaku todome-haheru \ ikade akasase-tamawan-to | iio-taviu- 
wase-si-ka-ba. 

Als es finster ward, richtete er in der Nähe den Thür- 
flilgel, blickte jedoch hin und sprach: Heute Nacht wird man 
so innehalten. Wie wird man die Zeit bis zum Morgen ver- 



ringen? 




















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Jama-zumi-no tnoke-ni sbro tote | utsi-oki-ni \ awa-no i-i si- 
so hi-siwo nado in mono tori-soje \ ziü-ni-san ko-zo mote-ku-meri. 

Damit Erlangung des Bergbirnbaumes sei, nahm bei dem 
Hinstellen Speise aus Hirse, Eingemachtes aus Basilienkraut 
und andere Dinge hinzu. Zehn bis dreizehn junge Bonzen 
schienen es zu bringen. 

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Jo-ica-no arasi-wo sinogu made-no | jadori-nl-to koso omoi- 
haheri-si \ mijako-mo tahi-tahi-no sawagi-ni \ jo-no hohi-ni nari- 
juM-te I kakaru on-motenasi \ sute-hito-no mi-no u'jß-)n-ioa \ medzii- 
rasiü liaheru tote | si-nin mi-ivo sohame-wi-te hü. 

Tiidess Mijako' auch, nach welcliem man in der Einkehr 
bis zum Ertragen des Sturmes der Nacht sich sehnte, bei 
mehrmaliger Aufregung die Aussenseite der Welt zu werden 
im Begriffe war^ Aveilten, damit eine solche Bewirthung für 
den Bonzen kostbar sei, vier Menschen zur Seite und assen. 

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Säte wni-ije-no j jen-aru koio-domo nn-tnmh nahi-ni \ dai-si 
kann jamn-ico \ kiri-hirakase-sase-fnmai-te \ do fate-sase-famb-ni. 

Während Umi-ije die bezüglichen Dinge sprach, liess 
der grosse Lehrmeister diesen Berg ' durch Abhauen erweitern 
und eine Ilallo herstellen. 

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9 ^ ^ i- h 7. )V y y y t 



' Der (innul dps Bergklosters, der durch Al)trap;eii von Felsen oder Fällen 

von Bäumen erweitert wurde. 
Sit/.ungsbev. d. phil.-hist. Cl. CX. Hd. 1. Hft. . 9 



130 rfi7iii;iipr. 

)^ :? K t X A / 'J |p ^ 

Kono mitüi-no tute mi \ mo-zi-no koto-wo sirane-ha \ sirnsi 
awasu-heki kotoivari-mo nasi tote \ iro-ha-no si-zm-hatsi-zi-ivo j 
wosije-sase-tamai-si-jori \ su-e-no jo-no hito-no \ fasiüce-ni-mo nari- 
mi-fo \ kikoje-haberi-si-ka-ba. 

Da man, die Herstellung dieses Weges sehend, die Saclie 
der Schriftzeiclien nicht kannte, Hess er, damit kein Grund sei, 
Kennzeichen hinzugeben zu müssen, die achtundvierzig Zeichen 
des I-ro-ha lehren, und man hörte, dass sie seitdem die Hilfe 
der Menschen des letzten Zeitalters geworden. 



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Sara-ba-to omoi-te \ iro-ha-ioo kanfuri-ni woki-te \ si-ziü-hatsi- 
gen-wo tsudzuri-itasi kage-no maje-ni sono. 

Denkend, dass es so recht sei, setzte man das I-ro-ha als 
Haupt und, die achtundvierzig Wörter zusammenstickend, ' bot 
man es vor dem Bilde ^ dar. 

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Ima-tote-mo \ hotoke-no mitsi-ioo \ motomene-ha \ tama-tamn 
hito-ni I naru kai-rao nasi. 

Jetzt ob es auch sei, 
Buddha's Weg 



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' Man verfasste achtundvierzig Gedichte, deren jedes mit einem anderen 

Buchstaben des I-ro-ha begann. 
2 Vor dem Bilde Buddlia's. 



Vier Himmel des Jaraäto-Licdes. 131 

Wenn mau nickt sucht, . 
Zuf'illlig- zum Menschen 
Man wird, kein Nutzen ist, 

^^^^'^^y'n'9 1] 

Ro-mo kai-mo \ ware-ra-wa torade \ vori-no Diifsi | fada 
fnud-nusi-wo \ ianomi-te-zo ßikn. 

Steuerruder und Ruder 
Wir niclit nehmend, 
Der Vorschrift Weg, 
Nur dem Scln'ffsherrn ^ 
Vertrauend, wandeln wir. 

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Ilaisl-su-ha-ni \ ivoki-fe kije-nnmii \ tsiijn-no vii-no \ inofsi- 
iro ike-no \ mi-dztikara-zo siru. 

An ein Lotusblatt 

Sich legend, der vergehen wird, 

Der Thau, seines Leibes 

Leben, dem Teich 

Selbst ist es bekannt. 



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Nisi-je juku | tsuki hi-no kage-ni \ sasowarete | joicai kafa- 
huku I tosi-wa uresi-ki. 

Die nach Westen zieh'n, 

Die Sonne, der Mond, von ilirem Liclite 



' Der Schiffslierr ist Bufldlia. 

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132 



I' fi 7. m n i pr. 



Hingelcitct, 

Wo das Alter sich neiji:t, 

Die Jahre, die freudio;cii. 

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Hono-hono-to \ nke-juku sora-wo \ nagamurc-ha \ tsiiki-mo 
koi-sihi \ nisi-no jama-no ha. 
Wo es dämmerig 

Zu tagen beginnt, nach dem Himmel 
In die Ferne wenn man blickt, 
Der Mond auch an des lieblichen 
Westlichen Berges Rande. 



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Hedate-naki | tsikai-fo tare-mo | tanoviu-van \ siru-vw sira- 
nu-mo I va-mti n-mi-da butsu. 

Ohne Scheidung 

Auf den Eidschwur wer 

Sich verlassen wird? 

Wissend und auch nicht wissend 

Namu Amida Buddha. 

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-^z^^yn-j-hvyy" 
zy U P ly A ^) 77^t 

Tote-mo jo-no \ liomnn-ico ifofii \ mi nari-se-bn | hiio-no 
sosiru-ja \ vresi-knrnmasi. 

Immerhin der Welt 

Lobrede zuAvider 

Uns selbst wenn ist, 

Ein Mensch vielleicht schmäht, 

Freudig wird man sein. 



Vier HiiiimGl des Jaraäto-Liedes. Ido 

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h '^ ^ n A r\ ^ A t 

Tsikdi-nite \ mumdvnrn nara-ha | tanomu-hesi \ liotoke-jori 
nnivo I mi-da-no hifo-ko-p. 

Mit dem Eidsclnvur 
GeLoren wenn man ist, 
Hoffen man kann, 
Von Btuldlia nocli immer 
Mi-da ' der einzige Lant. 

Rin-siju-ico-mo \ ivare tasinanü-ni \ omofu na-jo \ mnkaje- 
toran-no | tsikai tanomi-te. 

An die Scliuppensammlung - 

Mit Sorgfalt ich 

Denken möge, 

Den entgegen man iiclimen wird, 

Anf den Eidscliwur indem man vertraut. 

)!> ^' -f y^ 1j 3 ^ )^ )V 

^ > -;y Z 7 y t jg t: 

Nuru hodo-ica I utsutsx-to omofu \ jo-no naka-ivo | mmezu- 
wa iha-ga \ jiime-io sini-heki. 

Tax des Scidafens Zeit 
Wirklichkeit ist, denkt man, 

' Mi-(l,i, (ÜB Abkürzung von A-nii-(l;i. 

- Die Schuppensammlung sind die vier Jahreszeiten, Hitze und Kälte, 

welche wie Fischsclinppen einander folgen und sicli ohne Ende in 

einem Kreise drehen. 



134 



Pf i zin aicr. 



Was in der Welt; 

Wenn kein Erwachen, auf welche Weise 

Dass es Traum ist, kann man wissen? 

^ y y vii i^ T ^ ^ / 

Bu-ri-no ike-no \ omoi-jararete \ jukasi-ki-wa \ kowori-ni 
sidzumu \ midzu-no tstiki-kage. 

Der Smaragdteich 

In Gedanken wenn vorgestellt, 

Der ersehnte. 

In Eis versunken 

Das Mondenlicht des Wassers. 

tt y 7 ^ ^ y \L y n -j- 

Wonaziku-ioa mi-da-no tsikai-wo j sirase-haja \ tote-mo tona- 
furu I hito-no kokoro-ni. 

Auf gleiche Weise 
Mi-da's Eidschwur 
Bekunden man möchte. 
Immerhin anstimmt 
Der Mensch in dem Herzen. 



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Waga negai \ mi-tsu-no kokoro-too \ tadzimure-ha \ tada hito- 
ko-e-no | mi-na-ni koso are. 

Mein Begehren, 
Die drei Herzen 
Wenn man sucht. 



1/ 



Vier lliinmcl des Jamdto-Licdcs. 13ö 

Bloss mit dem einen Laute 
Der hohe Name seiJ 

y P )\ 1Z y 7j 7J U 

Kakure-(ja-ni j sakanu uarahi-no \ hana nara-ba \ harii-ja 
nki Jo-no I koi-si-garamasi. 

Im verborg'enen Hanse 

Nicht Llühcnde lieilien 

Von Bhimen wenn sind, 

Der Frühling wohl )iach der vergänglichen Welt 

Sehnsüchtig wird sein. 

i^ z. ^ )v 7, t y ^ :t ^ 

Jo-no naka-wa \ omoki taki-gi-no \ jama-kajevi \ sute-nuru 
hito-wa I ktirusi-mi-mo nasi, 

Glitten in der Welt, 
Bei des schweren Brennholzes 
Rückkehr zu dem Berge, 
Der Mensch, der verliess, 
Die Beschwerde nicht hat.^ 

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^ D K ^ T' )l/ 7 f^P 4^ 

Ta-riki tote \ mi-na-wo irokotaru \ kokoro-nite \ ta-riki tano- 
manu \ kokoro nnri-keri. 



' Bidsu , Buddha', welches als einziger chinesischer Laut betrachtet wird. 

- Nicht mit Gewissheit zu erklären. Es dürfte sicli auf die Verbrennung 
des Todten beziehen. Der Ausdruck , Borgrückkehr' bezeichnet sonst 
die Jahre des Falken. Der Mensch, der verlassen hat, d. i. der die 
Welt verlassen hat, ist der Bonze. 



136 l'i' i Äiiiai er. 



Viele Kraft genannt, 

Das den liolien Namen hintansetzt, 

Mit einem Herzen, 

Ein auf andere Kraft niclit hoffendes 

Herz sie geworden ist. ' 



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Reo-vio fusi I tora-vio uso-fuku | jama-nite-mo \ mina ivoto- 
naje-ba \ loosoru-heki-ka-ioa. 

Wo der Drache sich niederlegt, 
Der Tiger auch brüllt, 
Auf dem Berge, 
Wenn alles wiederhallt, 
Darf man sich wohl fürchten. 



y V y" 7. y )V ii^ p )V 

Sostril tote | urami-goJcoro-no \ aru-ni Iwso \ ini-ivo sute-hatn- 
mi I hodo-mo sirare-hi. 

Damit man schmähe, 

Das grollende Herz 

Indess es gibt, 

Wo gänzlich man sich Avegwarf, 

Die Zeit auch wurde gekannt. 

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A^^'&y^^A^ 

Tsuwi-nl wäre j mtimare-juku-heki, \ goku-rakn-no \ tsikaki, 
towoki-ja I inotsl narn-r<imv. 



^> */J ta-riki ,viele Kraft' verwandelt ^iich durcli Setzung eines 
ver.schie<lenen Zeichens zu Y||l j\ ta-riki , andere Kraft', 



Vier llimmel des Jumälo-ljiedos. iö i 

Wo zuletzt wir 
Geboren werden sollen, 
Das Paradies, 
Das nahe, ferne vielleicht 
Das Leben Averden Avird. 

^ fj y y )\ -^ h ^y -h -n- 

Ne-znmezu-na | akatsuld-goto-ni | tonafure-h<i \ oi koso m.i- 
'/(i-iio I tajori nari-kere. 

Aus dem Schlaf nicht erwache ! 
Bei jedem Tagesanbruch 
Wenn man anstimmt, 
Gealtert, Mi-da's 







Hilfe geworden 


sei. 










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Na-vm a-nd-da-hu | tasvke-tamaje-no \ hoka-ica mina \ omoi- 
iiio ifii-mo I majoi nari-keri. 

Namu Aniida Buddha ^ , 

Wolle helfen! 

Ausserdem Alles, 

Das Denken, das Sagen, 

Irrung geworden ist.^ 

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Xh^ypX7-fll^ 

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Raku-to i-i \ kn-to IJ'u kof.o-tco \ sivanu mi-wa | fsioiii-wo 
loosorezu j mi-da-mo tonajezu. 

' Bu ist flic Abkürzung von hiitsu JJnddlia'. 

- Ausser dem Worte ,Namu Aniida Buddlia wolle lielfeu' sei Alles Irrtlnuu. 



loo Pfi /, iiuii c r. 



Dass man Freude sagt, 
Dass iiuui Mühsal sagt/ 



Wer nicht weiss, 

Der vor Sünde sieh fürchtet nicht, 

Den Ton Mi-da singt auch nicht. 



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Miirasaki-no \ iro-to omoioa-ha \ aki-no jo-no \ tsiiki-ni-ja 
kumo-ico I itoiücizaramasi. 

Für purpurne 

Farbe wenn man es hält, 

In der Herbstnacht 

Monde vielleicht die Wolke 

Zuwider nicht wird sein. 

Urajamasi \ iiresi-ki koto-mo \ lüci koto-mo | tomo-ni ivasu- 
ruru j hito-mo sute-bito. 

Beneidenswerth ! 

Die freudige Sache, 

Die traurige Sache 

Mit einander vergisst 

Der Mensch auch, der verwerfende Mensch.- 

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' Die Wörter raku und kii stehen mir in Öylbeiisclirit't. Sie sind ohne 

Zweifel ^^ raku , Freude' und ^ö* ku , Mühsal'. 
2 Der die Welt verwerfende Mensch, der Bonze. 



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Vier llimiüul ilos JaiiuUo-Liedcs. Ib9 

Wi-ma-zo tiiru | fsumi-fukaki mi-ioa \ tiaka-naka-ni \ tsikai- 
iro fanomu | tajori n<ui-to-wa. 

In dem AVolmgcmach man weiss, 

Für den, dessen Sünde schwer, 

Walirhaftig 

Auf den Eidschwur hoffend, 

Hilfe dass ist. 

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<- n )\ W n -y 1J h 7 ^ 

Notsi-no jo-ico \ makoto-ni negafu \ ml nari-se-ha | kono Jo- 
na koto-ioa I omoioazaranmsL 

Die spätere Welt 

In Wirklichkeit der begehrt, 

Jemand wenn ist. 

An dieser Welt Sache 

Nicht denken er wird. 

Omoi-jaru \ imada-iü-mo fjeni \ sabisiki-ica j hitori juhu-ran \ 
notai-no jo-no fahi. 

In Gedanken man sich vorstellt 
Immer noch, was wirklich 
Einsam ist, 

Wo allein man wandeln wird, 
Der späteren Welt Reise. 

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y -y Y. y ^ ^y V 7 y )v 

y'^yi'tXljnpiy' 

Kurusimi-no \ umi-wo-ba tare-hi | ivatasu-heki | mida-no 
fsikai-no \ funa-dzi narade-wa. 



140 Pfi/, llliMCI 



Der ]\Iüli.selip;koit 

Meer, darüber wer 

Setzen könnte, 

Von Mi-da's Eidsclnvur 

Der SchifFswe": wenn nicht wäre? 



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Jama-JukaJü | liito-no kokoro-wa \ naka-naha-ni \ uki jo-fo 
ifofu I kakiire-ga-mo nasi. 

Für das berg tiefe 

Menschenlierz 

In Wahrheit, 

Wo der vergänghchen Welt man müde, 

Ein verborgenes Haus nicht ist. 



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Magafu tote | tare-ka ivosijen | kage-dani-mo \ ivaga 7)ii-vi 
sowamh I nofsino jo-no jnmi. 

Vermengt ist, sagend, 

Wer würde lehren, 

Dass Schatten bloss, 

Unserem Leib was zugesellt nicht ist, 

Der späteren AVclt Dunkel? 

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Ge-ni suisurtt, | hito-ioa ama-jo-no \ fsiiki nnre-jn \ jnma-ni 
idete-mo \ kakiire-SHm.u nari. 

Wirklich der verwerfende 
Mensch in der Regennacht 



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Vipi- F[imiiiol fies .Fuiiiiito-Liedes. |41 

Der Mond mag sein ! 

Ob aucli in das Gebirg er tritt, 

Verborgen Klarsein ist. 

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Fiiku tahi-ni \ ge-ni uramesi-ki \ jiifu-araHi \ safe-vio mafa- 
i)()ii I Jiann-no sira-kumo. 

So oft er wellt, 

Der wirklich geliässige 

Al)endstunn, 

Ach! erwartet wird 

Der Blnmen weisse Wolke. 

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Koto-no Im-ni \ ifsuwari owoki \ m/'-wo sire-ha \ irdga kokoro 
saje I h(i(/zi(kafii-ki kana. 

Was in Blättern der Worte 
Lügenhaft gross, 
Das Selbst wenn man kennt, 
Im eigenen Herzen nur 
Beschämt man ist! 

)^ j! :^ 7 7" h )^ V t X 

y y y }v h y ^ ZI j: -^ 

,/enu hifo-mo | je-tarti kotoha-mo | hito-fsu-uife | tonafurn 
mi-da-no | ko-e-zo kawarann. 

Der nicht erlangt, der Mensch, 
Das erlangt hat, das Wort, 
Als ein Einziges 
Die man anstimmt, Mi da's 
Tone, die unveränderten. 



1 4_ P f i 7. niaior. 

^ h i- ^ "^ ^} ^ m ^ t y" 

^ \L y )v Y 3 y ^ ij ^ 

Te-zusahi-ni \ kaki-woku mi-na-no \ mo-zi-jorl-7no \ ionafurii. 
ho-e-ioo I tsikai-to-zo kiku. 

Zum Zeitvertreib 

Den man niederschreibt, der hohe Name, 

Aus seinen Zeichen 

Angestimmt der Ton, 

Als Eidschwur man ihn hört. 

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Aware jo-no \ nigori-ni sornade \ kije-na-ha-ja j urajamasi- 
ki-iva I hafsi-su-ba-no tsiiju. 

Ach! Von der Welt 

Trübung nicht gefärbt;, 

Geschwunden vielleicht wenn er ist, 

Beneidenswerth 

Der Lotusblätter Thau. 

Y ^ ly )\ y )V i^ r a 

Saki-datsi-te \ negafti kokoro-ja \ ojeru-ramu \ soiio mi-wa 
sihasi \ koko-ni ari-to-mo. 

Vorangehend 

Das begehrende Herz vielleicht 

Entstanden sein wird. 

Es selbst eine Weile 

Hier wenn es auch vorhanden.' 

1 D,as Herz, welches eine Weile hiei" vorh.aiulen gewesen, werde voran- 
gegangen nnd in dem Paradiese geboren worden sein. 



Virr Ilinimol dos Janiütn-Licilcs. 14') 

n "t u 9 y ^^ n 7 ZI ^ 
r r n h p t^ j]y i y ^ 

ly y -^ y ^ jä: u h i- n 

Kike-hd koso naivo ifowamre sufe-si. jo-no I %tki-wo todzure- 
Ixi j sd-vio nrn-ha are. 

Da man hörte, 

iMelir noch Ueberdruss sei ! 

Die zurückgesetzte Welt, 

Die traurige da man verschloss, 

So wenn es ist, sei es. 

"t y ^ T ^ 1] ^ / )V yi 

i-^yuyyyMijir 

Jimie-samuru \ kane-no hibiki-no | taka-no-jama | sono aka~ 
tsuki-wo I matsu made-mo nasi. 

Aus dem Traum indem man erwacht, 

Der Glocke Wiederhall, 

Auf Taka-No'^ Berg 

Diesen Tagesanbruch 

Bis man erwartet, ist nicht da. 



-7 



Me-ni mi-si-mo \ mimi-ni klki-si-mo | na-nomi-nite \ oiaki 
hito kazu-no \ mi-fo-wa sirazu-ja. 

Die mit den Augen man sah, 

Von denen mit den Ohren man hörte, 

Dem Namen nach nur 

Die Verstorbenen, unter ihrer Zahl 

üb selbst man sei, wohl weiss man nicht. 



144 IMiz maier. 

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y y" 2> 3 n )\ a A y ^ 

Mi-da-no na-tco \ tanomu kokoro-nn | karuarnzv-vn | rni-no 
josi asi-ioa \ tote-mo kaku-te-mo. 

Auf Mi-da's Namen 

Hoffend das Herz 

Sich nicht verändert, 

Des Leibes Gutes und Böses 

So mag sein, oder auch so. 



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Slru-rame-ja \ aioare mi-mo naki j hifo dani-mo \ tanome-ha 
sutenu I narai ari-to-wa. 



Wissen vielleicht wird, 

Der leider ohne Leib, 

Der IVIensch allein. 

Wenn man hofft, die nicht abgelegte 

GeAvohnheit dass es ist. 



U Ä 7 ^ ^ X -V ^ 7^ 2 

^ n ^y t ^ y y" y )^ y 

uyty^yittt 

Erahi-ie.-tca \ mi-da-no liikari-ja \ feraftu-ran \ mi-da-vo isl- 
kai-wo I fanomu hakari-ni. 

Hat man gewählt, 
Mi-da's Licht Avohl 
Leuchten wird, 
Auf Mi-da's Eidschwur 
Nur indem man hofft. 



Vier Himmel des .T;imäto-Licdes. 



145 



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y h )^ z ^ K - h 

Hifo-ko-e-ni \ t.<n-i-miru mi-iia-ito \ kdzv. sofa-iva \ makoto- 
ni fanomu \ sirusi tari-keri. 

Der für Einen Laut 
Genügte, des hohen Namens 
Zalil hinzugefügt,' 
In Wahrheit, worauf man hofft, 
Ein Kennzeichen hat genügt. 

7. Y W ^ "^ \y r / 1] )V ^ 
^ t ^ )\ ^ n n ^ X A 

Motomuru-ni \ je-gataki nori-wa | negmoarete \ omoje-hd j<t- 
sukl \ mi-na-mo tonajezu. 

Im Suchen 

Die Vorschrift, zu erlangen schwer, 

Begehi-t indem wird, 

Den, wie man glaubt, leichten 

Hohen Namen singt man nicht. 

)^ U ^ P "t ^ U ~ U h ?^ 
Jj a )V ^ ^^\\ )V ^ t P y" 

Semete nado | ufagai dani-mo \ nn-karu-ran | mi-na-mo klki- 
urn I kokoro-na-kari-se-ba. 

In Minderung 2 warum 
Zweifel allein auch 



' Woun zu dem einzigen Laute /jutsu , Buddha' nocli niohrore I^aute, 

nümlicli Namu Amida hinzuijelutrt werden. 
■' Von dem Worte aemete ,wenigstens' wird vermuthet, dass es die yVl)- 

kiirzung von semari-te ,besc,liränkt' .sein kcinne. 
Sit/.uiigslier. <1. phil.-hist,. Cl. CX. l'.d. I. Hfl,. 10 



146 



r f i 7, m a i 1 



Nicht wird sein, 

Das den hohen Namen hören kann, 

Ein Herz wenn es nicht gibt. 

^ ^ -JL ij )\ 1] \y ^ / 7. 

Sumu hito-no \ sora-ni sirarete \ jnkasi-Jd-ica \ kevmri-n! mi- 
juru I jnma-no kalaive-ga. 

Der wohnende Mensch 

Im Himmel indem gewusst wird, 

Ersehnt ist 

In Rauch erscheinend, 

Des Berges verborgenes Haus 

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\) t :j. A )^ "^ K 3 n 

Itowanu-mo \ jokti, sini hito-mo \ founfure-ha \ mina mumare- 
jvku I tsikai nari-keri. 

Unverdrossen,^ 
Gut wissende Menschen 
Wenn den Ton anstimmen, 
Alle dass geboren werden, 
Der Eidschwur ist entstanden. 



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> Dieses Gedicht, ist das letzte der 48 Lieder, welche je mit einem ver- 
schiedenen Buchstaben beginnen sollen. J)er letzte der 48 Buchstaben 

ist jedoch /j^ (^y nj, welches niemals im. Anfange, sondern immer nur 
am Ende eines Wortes gebraucht wird. Warum hier das mit einem anderen 
Buchstaben beginnende itofu ,zuwider sein' gesetzt und das zur Schreibung- 
unpassende J^ ito , Faden' angewendet worden, lässt sich nicht er- 
klären. In der IT.-indstlirift steht tt viljako Jfauptstadt' und daneben 
als Verbesserung JS^ ito ,Paden'. 



Vier Himmel des Jamäto-Liedcs. 147 

Ahe,mi soki-ni kutsi-toku-io se-.ir-ka-ha nta-no jh-m-mo nasi. 
Als mnn es noch vor Ta^esanbrucli zu einer mündlichen 
Erklärung machte, war es nicht nach Art der Lieder. 



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Kane-iw ko-e-ni ije-wo hirake-ha \ otsi-ha-ga uje-no tstijn 
shno-ni \ kirameku hosi mirn-mirtt, kage-ga su-de \ ko-no ma-jori 
joko-knmo liikn kinofu ml-nokosi-fsuru tokoro-dokoro min totß \ 
wara-kutsu nado tori-idzu. 

Als man bei dem Ton der Glocke das Haus öffnete, waren 
über den gefallenen Blättern die Thautropfen als Reif glitzernde 
Sterne, sichtlich zog eine blosse Hand des Liclites aus den 
Zwischenräumen der Bäume die schrägen Wolken hervor. Damit 
man die Orte, welche man an dem gestrigen Tage zu sehen 
unterliess, sehe, nahm man die Strohschuhe und trat hinaus. 

Auf das Gemälde der Todtenknochen. 



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Osajuru hupj)o-n{ tri \ sio-zi-ico hanareM-to omo kokoro-wa \ 
köre nani-mono-zo \ tada kokoro-no minmnoto-ivo kajesi-miru-hrjn'. 

Das Herz, in welchem man denkt, dass man in die nieder- 
haltende Vorschrift Buddha's tritt, von Leben und Tod sich 

10* 



148 rflziiiaior. 

trennen Avirtl, wiis für eine Sache ist diessV Man darf nui- 
auf die Quelle des Herzens zurückblicken. 

y 1] V ^ ^ H =. y :^ -^ 

Manalco-ni iro-ioo mi \ mimi-ni ko-e-tvo Ja'Jci \ liana-ni ka-wo 
kngi \ sita-ni adziwai-wo namu \ köre, fare-ga on-ka-zo. 

Mit den Augen die Farbe sehen, mit den Ohren den Ton 
hören, mit der Nase den Geruch empfinden, mit der Zunge 
den Geschmack empfinden, wessen Gnade ist diess V 

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Mv-si-jori kovo on-ioo nke-nagara j nusi-ivo sirazaru kofo- 
wa I tatoje-ha hito-no ije-ni jadori-te | tokosi-naje-ni hngokumare- 
nagara \ ije-nusi-ni fai-men-mo sezu \ mafa ika-nnru hifo-to-mo 
sirazaran-ga gotosi. 

Dass man, obgleich seit undenklichen Zeiten diese Gnade 
empfangend, den Gebieter nicht kennt, ist gleichsam so, als 
ob man, in dem Hause eines Menschen Wohnung habend und 
ewiglich verpflegt, dem Herrn des Hauses nicht vor die Augen 
treten und auch, was für ein Mensch er ist, nicht wissen würde. 

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Vier Hinimcl des Jamäto-Liccles. 149 

Sare-h(t Iro-wo mim mono-ica \ köre nani-mono zo | ko-e-wo 
Lika-wa köre nani-mono-zo \ ka-iuo kcuji adzhvai-tvo iianiitru \ 
iiHita köre nani-mono-zo. 

Somit die Farbe sehen, was für eine Saehe ist diess? 
Den Ton hören, was für eine JSaelie ist dicssV Den Gcnirh 
empfinden, den Gesehmaek em})finden, was für eine Saehe ist 
diess ferner? 



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Gio-dziü-za-fjua-ni tsiikete-mo \ kore-wa nani-mono-zo \ kono 
utagai-wo okosi-te \ kih-no ufsi-no do-ri-ni jorazK | mi-dzukara 
kajesi-miru-hesi. 

Ob man es auch auf Gehen, Stillstehen, Sitzen, Liegen ' 
anwende, was für Dinge sind diess V Indem man diesen Zweifel 
erhebt, stützt man sich nicht auf den in der Lehre enthaltenen 
Grundsatz, man muss auf sich selbst zurückblicken. 



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Mosi akiramnrit koto-wo je-ha | kuo-kiaku-no m,n-mio tatsi- 
viatsi-ni seö-messi hon-rai-no men-hoku simawatsi (jen-zen-sen. 

Wenn man die Verständigung erlangt, Avird das Liehtlosc 
der Zurückwerfung des Lichtes plötzlich verlöscht und ver- 
nichtet, der ursprüngliche Aussenschein wird dann sichtbar 
vortreten. 



' In don hnflflhistisc.heii 15iicherii .sind Golioii, Stillstehen, Sitzen, Liegen 
die vier äusseren Merkmale der Elirwürdi'jkeit. 



150 Pfivimaier. 



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Kajesi-mi-jo | ivono-ga kokoro-ica \ nani-mono-zo \ iro-ico nü 
ko-e-too I kiku-ni isukete-mo. 

Zurückblicke ! 

Das eigene Herz 

An welche Sache, 

Die Farbe sehend, den Ton 

Hörend, man es auch hefte. 



Der Morgen von xHijäko. 



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K\han-wo-no koro \ itsi-nin-no jo-siUe-bito ari | mi-dzukara 
gln-snn sioku-heki-iao toworu kokoro-zasi nasi-to ije-domo | ziu-ye 
aeki-zio-iüo simesi-ato-ioo sitai-te \ idzukxi-mo tswwi-no \ sxmii-ka 
narane-ha-to omoi-nasi-tsutsu siranu hi-no \ tsukusi-ico tatsi-ide-si- 
jori koko-kasiko \ majoi-ariki-haheri-si hodo-nl iaasaka sirii tajori 
ari-si-ka-ha. 



Eine Schrift des Boiizeu ^^ //l Mune-liisa. 



Vier Himmel des Jamato-Liedes. 1 <_) l 

Um die Zeit Kuan-Av<V lebte ein Bonze. Derselbe, ob- 
gleich ohne die Absicht, durch den Silberbcrg, die Aemtcrmauer 
zu dringen, liebte die den Stamm der Bäume, den Obertheil 
der Steine bekundenden Spui-cii und sich einbildend , dass 
nirgends ein ähnlicher Wohnsitz sei, erhob er sich und trat bei 
dem Verbringen des unbekannten Tages aus. Als er seitdem 
hier imd dort umhergeirrt war, hatte er ein wenig ihm be- 
kannte Hilfe. 

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Owo-je-jama-no kumo-ni fusi \ iku-no-no hara-no tsuju-ni 
jadori-site \ sastu-ai-haberi-si hodo-ni \ tan-ha-no kuni \ ija-jama- 
to iü tokoro-ni juki-nu. 

In den Wolken des Berges Owo-je ^ sich niederlegend, in 
dem Thau der Ebene von Iku-no •' einkehrend, ging er zur 
Zeit, wo er hin und hergewandert, zu einem Orte Namens 
Ija jama in dem Reiche Tan-ba. 



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1 Der Zeitraum 1:5.50—1351 n. Clir. 

•2 Der Berg Owo-je liegt an der Gränze iler Reiche Tan-ba und Tan-go. 
^ Iku-no ,das lebende Feld' befindet sich in dem Reiche Tan-ba, Kreis 
Ama-da. 



J 52 r f i z m a i e r. 

Mi-wo kahmu-heki jado-to made-wa tanomane-do \ sono tod- 
wo-ba so-ko-nite sugi-si-haheri-te \ mata-no haru jajoi hakari-ni mi- 
jako-je nohori-te | ni-san-nitsi haheri-d hodo-iii \ si-midzu kita-no- 
no mija nado-je mbde-tsutsu \ sore-jod adzuma-no kafa-je \ nIu- 
gih-ni omoi-tatsi-haheri-ki. 

Obgleich er nicht einmal eine Einkehr, in der man den 
Leib verbergen kann, erhoffte, verging dort dieses Jahr. Im 
nächsten Frühling, im dritten Monate des Jahres nach Mijako 
reisend, erschien er, als es zwei oder drei Tage waren, an dem 
reinen Wasser, in dem Palaste des nördlichen Feldes und an 
anderen Orten zum Besuche. Hierauf war er für die Gegenden 
des Ostens als ein den Wandel Ordnender entschlossen. 

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kage \ higad-no kawa-no natni-ni tttsuri-te naki-icataru torl-no 
ko-e I towo-sato-no ato-ni kikojete \ soko-liaka-to naku \ kasimii 
watareru sora-no ke-siki \ ito omo-sirosi. 

Er trat noch in der Nacht aus Mijako. Indess das Licht 
des Mondes des Tagesanbruchs in den Wellen des östlichen 
Flusses sich abspiegelte , die Stimme des herüberkrähenden 
Hahnes hinter dem fernen Dorfe gehört ward, Avar der Anblick 
des ohne Ursache mit Wolkendunst sich überziehenden Himmels 
sehr freundlich. 

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Vier Hiranu'l des Jamäto-Liedes. 1 Öö 

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Jagate afu-saka-jama-wo koju \ siuji-no sita mitsi imada 
ko-guraku\ seki-no iioa-ka-to fuini-nar<tsu-mo \ tado-tadosi-ki hodo 
mijako-no itsu-si-ka hedaUiri-juku-vu) j san-sen-ri-no hoka-vo ko- 
koro-site \ furu-sato-wo icasuresi-jori-mo \ nawo kokoro tomari- 
haheri-si-ni-ja. 

Er überschritt sogleich den Bei'g von Afii-saka. ' Der Weg 
unter den Cypressen - war noch dunkel, ' und er machte das 
Felsenthor des Passes durch Tritte ertönen. Während er tappte, 
begann Mijako eine Zeit getrennt zu sein. Mit dem Herzen drei- 
tausend Ri auswärts, hielt er wohl, noch mehr als wenn er die 
Heimat vergessen hätte, im Herzen inne. 



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Sono hi-wa isi-jama-ni tsu-ja-si-haberi-te-mo \ hito-sudzi-ni j 
niu-zib ho-dai-sin-no kage-ioo inori-mosi-ki. 

Ob er auch an diesem Tage auf dem Öteinberg den Tempel 
besuchte,' betete er in einer Abzweigung den Schatten des 
Herzens des höchsten »Seelenheiles. 



' Der Ort wird sonst der Pass der sicli veroinigenden Bergtreppe (afu- 

naka) genannt. Er befindet sich in dem Roiclio Omi, Kreis Si-ga. 
- Der Name eines öfters genannten Weges in dieser Gegend. 
^ Das Wort ko-gurasi hat nicht, wie es scheinen könnte, die Bedeutung: 

von Bäumen tinster, sondern liat, mit ko ,klein' zusammengesetzt, die 

Bedeutung: klein finster, d. i. dunkel, düster. 
■' Tsu-ja ist das Koje von :* 5 Yy f.ifi-ja ,die ganze Nacht' und steht für 

das sonst übliche :^k ^g .san-rö jKorb des Besuches', welches ungefähr 

den Besuch eines buddhistischen Tempels bedeutet. 



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ga-no ura-wo sugi | kogi-juku fune-no ato \ haruka-ni mi-watasa- 
rete \ kano man-sei-su-na-ga \ nani-ni tatojen-to jel-zi-keru fu-zei- 
mo \ kokoro-ni ukahi-haheri. 

Als es tagte, wurde er von den abreisenden Menschen 
begleitet und kam um Sonnenaufgang in der Bucht von Si-ga ^ 
vorbei. Indem nach den fortrudernden Schiffen 2 in weiter 
Ferne hinübergeblickt wurde, schwebte auch die Weise: 

Mit was wird man vergleichen? 
die jener Man-sei Suna-ja ^ gesungen hatte, in dem Herzen. 

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Jei-san reo-kon-no sen-toku \ ^oa-ka-wa ke-ron-no mote-asohi 
nari tote todomerare-keru-ga \ aru toki itsu-tsu kokotsi-nite | ake- 
hono-ni mei-sui-wo mi-idasi-te oioasi-keru-ni. 

1 Eine Bucht des Landsees Bi-wa. Der Kreis Si-ga gehört zu dem 
Reiche Omi. 

2 In der Handschrift hier yT^ (ki) ,Baum' statt -^ (fune) , Schiff', 
eine Verwechslung-, welche ohne Zweifel dadurch entstanden ist, dass 
in Pflanzenschrift diese zwei Zeichen mit einander einige Aehnlich- 
keit haben. 

3 Dieser Name konnte bisher nirgends gefunden werden. 



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Vier Iliimiicl des Ja,niäto-Lieiles. lOO 

Von Seite Sen-toku's, ' der Seele des Jei-san/^ ward inne- 
;j,vlialten, indem es hiess, das Jamato-Lied sei ein Spiel sclierz- 
liafler Erörterung. Zu einer Zeit hatte er mit fünf Gefühlen 
bei Tagesanbruch das glänzende Wasser bemerkt.^ 

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Oki-ni fune-no jnku-wo mite hito-no kono nta-wa | ei-gin- 
zi-kertt-tvo kiki~tamai-te j kuan-nen-iio zio-en-to j nari-im-be-kari-keri 
tote I sono notsi ni-ziü-hatsi-hin zlü-raku-no uta nado | owohu jo- 
mare-keru-to | inosi-tsutaje-haberu-mo j sa-mo-ja-to ohoje-haberi. 

Als er die Schiffe auf hoher See fahren sah und von den 
Menschen dieses Lied singen hörte, ^ konnte es eine helfende 
Beziehung der Betrachtung geworden sein. Später wurden 
daher Lieder der achtundzwanzig Classen, der zehn Freuden 
häufig gedichtet. So etwa erinnert man sich, dass man es 
überlieferte. 

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' Audi der Name Sen-toku konnte unter den vielen Namen von Dichtern 
nicht aufgefunden werden. 

2 Joi-san ist der berülimte Berg Hi-jei, auf welchem ein l)uddhistisches 
Kloster steht. Er befindet sich in dem Keiche Omi, Kreis 8i-ga. 

^ Wegen Unbekanntschaft mit dem Gegenstande ist dieser Abschnitt 
schwer zu erklären, und kann auch über ,fünf Gefühle' und ,glänzendes 
\\''asser' nichts gesagt werden. Was letzteres betriift, so fehlt die aus 
ro fmei) gebildete Zusammensetzung in den Wörterbüchern. 

' Die Rede ist von dem oben erwähnten unbekannten Dichter, was aus 
der Setzung des Ehrenzeitwortes ersichtlich ist. 



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Kagami-jama-ivo siicjfiru tote-mo \ sumi-dokoro-ni aratamnrn 
tvagii omo-huje-mo hahaJmrl am kolcotsi-site \ iza tatsi-jori-te-to- 
7)10 ohoje-h(ibßrazu. 

Obgleich man im dem Spiegelberge ^ vorbeikam, hatte 
man das beschämende Gefühl wegen des ihn zu einem Wohn- 
orte verändernden eigenen Bildnisses, und man erinnerte sich 
nicht des Wortes: Wohlan, tritt hinzu! 



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jo-ni tomen \ kage-mo ukere-ha. 
Hinzutretend, 

Wasser dass es ist, sage nicht! 
Der Spiegelberg 

Den Namen in der Welt behalten wird, 
Das Bild wenn auch verschwommen. 



/Safe adzuma-dzi-no Uibi-no hi-kazu-mo \ jb-jo tsumori-juke- 
ha I lui-takakl tokoro-dokoro | fu-wa-no seki narumi-kaia \ taknsi- 
jama futa-mura-jama nado sugi-te \ sa-ja-no naka-jama-ni-nio 
nari-nu. 



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Der Spiegelberg befindet sich in Ömi, Kreis Kama-fii. 



Vier Himicel des Jamäto-Liedes. lö i 

Als also die Zahl der Reisetage des Weges des Ostlandes 
nach mid nach sich anhäufte, kam man an den berühmten 
(h-ten, dem Passe von Fu-wa,' der Fluthseite von Narumi/'^ 
dt in Berge Takasi/"* dem Berge der zwei Dörfer vorbei und 
iiefand sich auf dem Mittelberge der wahren Nacht.' 

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Kann sni-gih-ga \ niata koju-heki-to omoi-ki-ja-to jomerii-wo \ 
(1 ware-ni omoi-awaseraru. 

Was jener Sai-gio gedichtet: 

,Dass ferner man überschreiten soll, 
Vielleicht gedacht man hat/ 
wurde trauervoll in Gedanken verbunden. 

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Sa-jn-no naka-jama \ sa-jo-no nnka-jama-to iü \ sefsu-setsu 
(ini-)il-j(i I f.nn-na-(jon si-naka th-kokn-no makase-m'tc kudarare- 
ki'.ru-ni \ do-min sa-jo-no naka-jama-to mosi-haberi-keru tote \ tsin- 
ko-no spii-ren nado-vio sa-jh-ni jomarete haberu-ni-ja. 



' Der Pass von Fn-wa befindet sich in flem Reiche Mi-no, Kreis Fu-wa. 
2 Die Flntliseite von Narunii befindet sich in Wovvari, Kreis Ai-tsi. 

Der Berg von Takasi liegt an der Gränze der Reiche Mi-kawa und Tötömi. 
* Der Mittelberg der wahren Naclit liegt in Totomi, Kreis Sa-no. Man 

schreibt in dorn Namen sowohl na-ja als sa-jo , wahre Nacht'. Eigentlich 

wird .V« durcli ^nt (sa) ,zur Seite stehen' ansgedrückt, docli glaul)! 

man, dass .w. so viel sei als |B (sa) ,wahr'. 



1 öH I' t'i zniiii er. 

Es o-ibt wohl die Erklilruii.2;(Mi Sa-ja-no naka-jama und 
Sa-jo-no naka-jama." Als der mittlere llatlislierr 8i-naka im 
Auftrage dieses Reiches herahgereist war, nannte das Volk 
des Bodens den Namen Sa-jo-no naka-jama. Daher wurde die 
frühere Verbindung in dem mittleren Alterthum vielleicht so 
gelesen. 

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:^ h ^ :? 3^ y )L/ ft yM i\!> ^ 



Sen-siü-no naka-ni-mo \ mi-wo johu kokotsi-si-haheri-si | mina- 
moto san-wi jori-masn-wa naga-jama-to-zo mosi-keru \ kono tohi 
rh-w6-no ari-si-ni tadzune-haberi-si-ka-ha \ koio-jb-mo naku \ sa-ja- 
no naka-jnma-to kotaje-haheri-ki. 

In der ausgewählten Sammlung ~ sagte der zu der dritten 
Rangstufe gehörende Mina-moto Jori-masa, der das Gefühl hatte, 
als ob er sich selbst riefe, das Wort Naga-janla.^ Da es diessmal 
einen ehrwürdigen alten Mann gab, fragte man ihn. Derselbe 
sagte in seiner Antwort nicht anders als Sa-ja-no naka-jama. 

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Ko-ko-v:a mafa \ idzuku-to toje-ha \ nma-hiko-no \ kottifuru 
ko-e-mo \ sa-ja-no naka-jama. 

Dieser Ort auch, 

Welcher Ort ist es, man fragte; 

^ Der Unterschied ist, ob das Zeichen J^ , Nacht' die Lesung ja oder j'o 

erhalten soll. 
2 Die ausgewählte Sammlung japanischer Lieder. 
^ Naga-jama ,der lange Berg' anstatt naka-jama ,der mittlere Berg'. 



Vier Himmel des Jaraäto-Liedes. 159 









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Echo 










Zur 


Antwort gab^ der 


Laut 








Sa-ja-no naka-jama. 




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Jagate suru-ga-no kum \ u-tsii-no jama-wo kojn. \ tsuta-no 
sita mifsi-mo \ imada waka-ba-no hodo-nite \ momidzi-no aki omoi- 
jarare-haheri. 

Sogleich überschritt man in dem Reiche Suni-ga den Berg 
von U-tsu.' Der Weg unter dem Epheu wurde, noch zur Zeit 
der jungen Blätter, als Herbst der rothen Blätter in Gedanken 
vorgestellt. 

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Momidzi-se-ha \ jume-to-jn naran \ n-tsu-no jama \ nfsufsu- 
ni mi-fsuru \ tsuta-no awo-ha-mo. 

Wenn rothe Blätter sind, 

Im Traume vielleicht wird es sein; 

Auf U-tsu's Berg 

In Wirklichkeit 2 man sah 

Des Epheus grüne Blätter auch. 

Kijo-mi-ga seki-ni todomari-te | mata jo-fukaku ide-haberu 
tote omoi-tsudztike-haberi-s/'. 



' Der Berg von ll-tsn findnt sich weder in den Wörterbüchern noch auf 

der Karte. 
2 Wortspiel mit u-tau, dem Namen des Berges, und nt.mlnu , Wirklichkeit'. 



160 Pfizraaicr. 

Damit man, in dem Fasse von Kijo-mi ' haltend, iiocli in 
tiefer Nacht austrete, setzte mau in Gedanken fort: 

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Kijomi-kata \ nami-no to-zasi-mo j akete juku j Unki-wo-ha 
ika-ni \ jo-tva-no seki-mori. 

An Kijomi's Fluthseite ^ 
Der Wellen Schlagbaum 
Zu öffnen der gedenkt, 
Der Mond, wie ihn nennt man 
Den Passwächter der Nacht? 

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Tarann lii-mo ari-to kiki-si \ ta-go-no ura-nnmi-ni-mo tahi- 
no koromo-de-wa | itsu-to-naku siwo-tare-gatsi nari. 

An den Biichtwellen von Ta-go,^ wo man hörte, dass ein 
unzureichender Tag sei, war die Hand des Reisekleides zu irgend 
welcher Zeit überwiegendes Herabfallen der Salzfluth. 

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- Der Pass von Kijo-mi befindet sicli in Surn-gva, Kreis Ro-\vara. 

'^ Kijo-nii-kata ,flie Fluthseite von Kijo-mi' ist eine besondere auf der 

Karte verzeichnete Gegend des Meerufers in dem Reiche Snru-o'a. 
•' Die Hucht von Ta-go befindet sicli in 8nrn-ga, Kreis Ro-wara. 



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Vier Iliiiiincl des .lamäto-Liedcs. lÜl 

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Fi(-zl-vo jnm<t-n:o mt-it:aiafif'-ha ] ito fuk(ikn kasnmi komefe | 
foki ftirann jama-to-mo sara-ni mijezu \ asn-hi-no kage-ni | faka- 
ne-no Juki nawo nznjaka-ni mijete \ kagnmi-xro koke-tani jh vnri | 
fii(le-vw loojohi-gafnsi. 

Als man z\i dem Bcrg'c Fu-zi hiiiülx'rblickte, trat man 
sehr tief in Wolkendnnst und Avar, oline dass die Zeit man 
kannte, der J^erg- nicht mehr zu sehen. Im Liclite der Mor<;'en 
sonne erschien der Schnee des hohen Gipfels noch i>Ulnzender 
und Avar es, als hätte man einen Spiegel hingehängt. Es war 
für den Pinsel unerreichbar. 

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Toki sirami | na-wo saje koniete \ kasimnc nari \ fii-::i-iio 
ftik'i-)ui-))n I hnru-no akß-hono. 

Wo die Zeit man nicht kennt, 

Nur dem Namen nach indess man eintritt, ^ 

Wolkendunsten ist 

Von des Fu-zi hohem Gipfel 

Des Frühlings Morgendämmern. 

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Fit-zi-no ne-no | kp.fnri-no su-ß-tca | idje-iii-si-vo | fini-kcrn 
/iiki-ja. \ kije-sezaru-rati. 

Auf des Fu-zi Gipfel 

Des Rauches Spitze 

Durchschnitten ist! 

Der Schnee vielleicht, der iicl. 

Geschmolzen nicht wird sein. 

' Difi Zeit des Eintretens ist wegen des Nebels nur dem N;inien nach 

bekannt. 
Sit/uiissl.or. (1. pliil.-liist. Cl. CX. IM. I. Ilft, 11 



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Sore-jori uki-sima-ga hara-tco siigi \ halco-ne-ni mhdzu \ geni 
gon-genno arata-naru oJion-tsikai narazu-wa | kono jama~no ita- 
daki-ni \ kakarn vridzu mu-besi-to-mo ohojezu \ ito fu-si-gi 7iari. 

Von dort kam man an der Ebene der schwimmenden 
Insel ' vorüber, begab sich nach Hako-ne.'^ Wenn in Wahrheit 
der neue Eidschwur Gon-gen's'^ nicht entsteht, erinnert man 
sich nicht, dass es ein dem Gipfel dieses Berges anhängendes 
Wasser geben könnte. Es ist sehr wunderbar. 

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Ko)io tokoro-wo-ha \ kono jo-nagar<i-no mei-do 7iari-to | mhsl- 
tsutaje-tffTK-ni-ja \ tokoro-no sama-mo \ nahete-ni-ioa \ kmoari-tnru 
koto oico-kari, \ itsu-to-tiaku nami-kaze arefe | ito susmnazi-kn mijii. 



1 Diese Ebene befindet sic-li in Siirn-g\a, Kreis Snn-tu. 

•^ Hako-ne wird auf der Karte als eine Einkehr des Kreises Asi-kara-no 
simo in Sagami bezeichnet. Es liegt an der Gränze des Reiches I-dzn, 
nahe an einem Landsee, der zu den berühmten Orten zählt. Es heisst 
ursjirünglich der Altar von Hako-ne. Hier ist der Herg von Hako-ne 
gemeint, der nach einer Angabe zu dem Reiche I-dzu gehört. 

3 Gon-gen ,die Sichtbarkeit des Einflusses' ist der Diamantstoff des Ge- 
ehrten der Welt (Buddha's), dessen Einflnss auf die Verwandlung des 
Leibes sichtbar ist. 



Vier Hiiiiiuol des Jamiitu-hifdes. lüö 

Von diesem Orte wurde wold überliefert, dass er der 
finstere Weg ' in dieser Welt ist. Auch das Aussehen des 
Ortes hatte im Ganzen vieles, das sich veränderte. Zu Zeiten 
toben A\'ind und Wellen, und er zeigt sich sehr schauerlich. 

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Hako-ne-dzi-ja I midzu-umi ai-nrn \ jamn-kaze-m ake-jarmw 
jo-itit i ns(t-zo siraruru. 

Auf llako-ne's Wege! 

Wo der See tobt, 

Li dem Bergwind 

Die Nacht, in der kein Tagen, 

Ihre Traurigkeit man kennt. 

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Safe sagami-no knni \ kama-kura-jama-no iitsi-to in tokoro- 
ni juki-tsitki-te \ ini-si-je \ jukari ari-si hito-wo fadzvne-si-ni \ 
mnkasi-gafari-ni nari-nn-to kiki-si-ka-ha \ liajo sumi-keru tokoro- 
no sama nado mi-hnheri-te \ itodo jo-no ]nik(i-nasa-mo omoi-sirare- 
hnheri-ki. 

Also zog man nach einem Orte, der in dem Gebirge von 
Kama-kura in dem Reiche Sagami sich befinden sollte. Als 

' Der linstere Weg ist die Unterwelt. 

11* 



1 Ö4 I' ti zinai or. 

man ankam nnd einen Menschen, mit welcliem man ehemals 
eine Verbindung j^chabt, suchte, liürte man, er .sei zu einer 
alten Kr/ilhlunii,- geworden. Man sah l)al(l die Beschaflenheil 
(b's Ortes, wo er gCAvol^nt, tmd zu sehr wurde die Unbeständig- 
keit der \Vv\\ in Gedanken erkannt. 

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Mist hiio-nn | kohe-no slin nani, | tifo tojc-lxt | soi-ft-jiikii 
fsiiki-)n(> I iKiiro hasunm unri. 

Von dem Menschen, den man geseh'n. 
Die unter dem Moose befindliclu' 
S})ur, nach ihr als man fragte, 
Der an dem Himmel wandelnde Mond 
Mehr noch umnebelt war. 



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/^So??o atari-ni kari-no jadori-ioo tadzune \ tod oviari-liaheri - 
si-nl I aii-g?'fa-no so vado \ amnta ari-si naka-ni | hi-tatsi-no 
kitni I fakn-woka-io in fokora-ni | jnmu koto-nakl tsi-siki ownsu- 
to I kafarii. hifo haberi-si-ka-ha \ jagate fadzune-makari-nn. 

Man suchte in dieser Gegend eine vorläuiige Einkehr 
tmd verweilte daselbst. Indem es viele reisende Bonzen gab, 
waren Menschen, welche erzählten, dass in dem Reiche Hi- 
tatsi, an einem Orte Namens Taka-woka, ein Wissender und 



Vier Hiiiiiiifl lirs J;uiiätij-Liedes. 1 ßf) 

r'.rkennenilcr ' viyi Iiolicin Runge sich beliiid(!. Man reiste 
sogleich al)^ Ulli ihn zu suclien. 

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llo-hon-zi-to ni tera (tri \ muae-ki an-ziit tota | kü-gait ivo- 
seo-no son-tei-nite owasi-keru-ga zai-tb hitiani-hu si-tamai-te \ tau- 
iiioku'iio iiaka-mine ivo-sro iindo-nl-nio ma-mije-tamai-kei'u-to-ka-ja. 

Es Avar ein Kloster Namens Kloster des Stammes der 
Vorschrift. ]\lune-ki, der Herr der Hütte, war der geehrte 
jüngere Bruder des Bonzenvorsteliers Kü-gan. Da er lange 
Zeit in China gewesen, dürfte er von den Bonzenvorstohern des 
mittleren Berggi})fels des Himmelsauges •^ besucht worden sein. 

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Jo-ico ,si(tsuru-fo nara-hd krikit koso (ira-7U(i-ho.'^i-ki( ohoje- 
.n-ka-ba \ soiio jama-ni san-ken-no ho-wokn-wo ^misnhi-tt \ hito- 
aatsu-wo sugi-ai-haberi-wf. 

Als man sich erinnerte, dass, wenn man der Welt cnl 
sagt, es so zu wünschen sei, baute man auf diesem P>ergc ein 
Riedgrashaus von drei Schritten und verbrachte einen Sommer. 



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' Die Bezeichmuig eines l>oiizen. 

- Das Himmelsauge ( T? H ten-mokn) ist ein Borg des Reiches Kn-i. 



Hlb 1' t'i /, 111 a i pv. Viri- Iliiiiniol ilos .laiiuilo-liitHlos. 



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Mata ka-i-no kuni to-kiisa-jama-ni jama-govwri-hisasi-ki 
so arl-to I kiki-si-ka-ba \ kano mura-ni-mo tadzune-makari-te j 
sihasi ari-te \ mata hi-tatsi-no kuni-je kajeri-haberi-si-ni j vmsasi- 
no-no I hate-naki mitsi-ni jnki-kurete \ sono jo-wa wokuri-tsure-no 
so nado amata ari-si. 

Als man ferner hörte, dass es in dem Reiche Ka-i, auf 
dem Berge To-kusa einen Bonzen gebe, der sich lange Zeit 
auf dem Berge verborgen, reiste man auch nach jenem Dorfe, 
um ihn zu suchen, und indem man binnen Kurzem auch nach 
dem Reiche Hi-tatsi zurückkehrte, wandelte man am Abend 
auf dem endlosen Wege des Feldes von Musasi, und es gab 
viele Bonzen, welche sich diese Nacht als Begleiter zugesellten. 



Brandt. Fiagniento von Handschriften latfiiiischer Kiiclienscliriftstennr. I(i7 



Vfrzeichiiiss der in dein Codex 169 von Orlnaiis 
vereinigten Fragniiuite von llandsdiriften lateini- 
scher Kirche nsehriftsteller. 



Von 

Dr. Samuel Brandt, 

l'iofessor in llcidelbeig. 



Uic Bil)liotliek von Orleans besitzt in ihrer Handschrift 1^9 
eine Sammhuif:^- von Fragmenten lateinischer Kirchenschrift- 
steller, die, so hohes Interesse sie in mancher Beziehimg bietet, 
dennoch ihrem Inhalte nach noch nicht genan bekannt worden 
ist. Weitaus der grösste Theil der Fragmente ist in bisweilen 
höchst charakteristischen Formen der Unciale oder Halbnnciale 
geschrieben, so dass diese Blätter mit einem nicht geringen 
paläographischen Werthe die Bedeutimg verhältnissmässig alter 
Textesm-kunden verbinden. Aus diesem zweiten Grunde glaubte 
ich auch, nachdem ich eine genaue Uebersicht über den Inhalt 
der Handschrift erlangt hatte,' dieselbe im Interesse des von 
der kaiserlichen Akademie ausgehenden Corpus der lateinischen 
Kirchcnschriftsteller veröffentlichen zu sollen, damit künftige 

' Im Anjjusjt 1884, als it-li mit Lactanzstiidiou auf dor Pariser Bibliothek 
beschäftigt war, liatte Herr Delisle die Freundlichkeit, luicli auf die 
Handschrift, die er damals in Paris hatte, aufmerksam zu machen, da 
sie zwei Blätter aus Lactanz enthält. Ich fertigte mir damals zugleich 
ein bei beschränkter Zeit nur kurz gehaltenes Verzeichniss an, zu 
welchem Herr Loiseleur, Conservator der Bibliothek von Orleans, mir 
sj)äter (nnige Ergänzungen zu senden die Güte hatte. Die genauesten 
Notizen über die Handschrift verdanke ich jedoch Herrn Dr. Gunder- 
mann (seit Januar 1885 in Paris), dem ich für seine grosse Bereit- 
willigkeit und Sorgfalt ebenso verpflichtet bin, wie den Herren Loiseleur 
und Delisle, welche meiner Bitte, dem.selben die Benutzung der Hand- 
schrift, die mich aus verschiedenen Gründen sehr interejssirte, auf der 
Pariser Bibliothek zu ermöglichen, in entgegenkommejadster Weise ent- 
sprochen haben. 



168 Hrandl. 

llerciu.sj:,cbor weiiii;'.slcii.s von dem \''urluiii(icnbt.'iu iiiul ilcm 
Umfange dieser Fragmente nnterrielitet sind. Anekdota Hessen 
sich nicdit constatiren, nach anderer Seite war es aber ein 
kleiner Erfolg der Untersuchung der iSammlmig, dass sogleich 
in dem ersten lilatte ein in der Wiener Ausgabe zwar ver- 
öffentlichtes , aber damals seinem Aufenthaltsorte nach nicht 
bekanntes Stück aus Cyprian nachgewiesen werden konnte. 

Der Band, nach der vorne eingetragenen Notiz ,Ex libris 
mon. 8. Benedicti Floriaceiisls' aus der uralten Abtei Saint-Benoit- 
sur-Loire stammend , für deren einstigen Reichthum an herr- 
lichen Bücherschätzen auch dieser Trümmerhaufe ein heredtes 
Zeugniss ablegt, enthält in neunzehn Fascikeln jetzt 55, ur- 
sprünglich, Avie sich aus den Bemerkungen der Handschrift zu 
Fascikel 3. 7. 15 berechnen lässt, 59 Pergamentblätter, während 
Septier, Manuscrits de la hlhliotlwque d' Orlmns, p. 108, n. 109, 
60 Blätter zählt, wenn er die Handschrift so einführt: ,Varl(i 
Fragvienia ex SS. Patrum operihus iu. uno collecta, in-fol., 120 
pag/ Da die meisten Fragmente aus einem oder zwei Blättern 
bestehen, so liegt hier offenbar eine Sammlung von losgelösten 
Einsatzblättern ' vor, doch öfter findet sieh auch eine grössere 
Anzahl, wie in Fascikel 3. 4. 5. 8. 13. 19., so dass wir an 
anderweitig erhaltene Reste von Handschriften denken müssen. 
Ueber den Inhalt der Blätter sagt Septier a. a. O. Folgendes: 
,Ces pieees, au nombre de dix-huit (jetzt vielmehr 19), sont de 
r Ecriture-sainte, des ouvrages de S. Basile, d' Optat de Mileve, 
de l'hexameron de S. Ambroise, de S. Jerome sur Isaie, Jeremie 
et Zacliarie; de S. Augustin a Dardanus; de son livre du 
mensonge; de l'hexameron de Bede; de son explication sur 
r epitre aux Romains : de 1' ejjitre d' Adalberon , eveque de 
Laon, a Foulques. eveque d' Amiens'. Diese Angabe ist je- 
doch weder vollständig noch genau, iu einem Falle, bei 
Fascikel 14, geradezu falsch. Viel eingehender sind die von 
einer Hand wohl aus dem Anfange dieses Jahrhunderts ge- 

1 Eine ganz ähnliche Sammlung ist der ebenfalls aus Saiut-Benoit stam- 
mende Codex 16 von Orleans, doch enthält er nur biblische Fragmente. 
Herr Omont bereitet eine paläographische Studie über denselben vor, 
in der er auch Cod. 169 berücksichtigen wird. Vgl. Delisle, notice sur 
plusieurs mauuscrits de la bibliotheque d' Orleans, in Notices et extraits 
des manuscrits de la Bibliotheque Nationale XXXI, 418. 



Fiaguicnto von liaiidsclniftcn lateinischer Kiichcnschriftsteller. \\i\) 

sehriebenen Notizen, die sich auf den Umschlägen der einzehicn 
Fascikel finden, soAvohl was die Angaben über die Zahl der 
Blätter jedes Fascikels angclit, witi hinsichtlich des Inhalts 
ilerselben. Wenn min hier eine möglichst genaue Mittheilnng 
über diese Fragmente gegeben wird, so schien diese Sorgfalt 
auch desliall) nöthig, weil bei der bekannten Zerstreuung 
der libri Floriacenses die Möglichkeit nicht ausgeschlossen er- 
scheint, dass sich anderwärts noch P»lätter finden lassen, die 
mit den hier besprochenen aus denselben Handschriften 
stammen, ja dass einzelne aus dieser Sammlung verschwundene 
Blätter wieder nachgcAviesen werden können. Denn dass die- 
selben sämmtlich sollten zufällig verloren gegangen sein, ist 
deshallj nicht glaublich, weil bei Fascikel H offenbar durch 
den Entwender, vielleicht I^ibri, der ja nach den schlagenden 
Darlegungen von Herrn Delisle auch sonst die Bibliothek von 
Orleans in raftinirter Weise geplündert hat, die entsprechende 
Notiz auf dem Umschlage gefälscht Avorden ist. ' • 

Wir lassen nunmehr das Vei-zeichniss der Fragmente 
folgen.' 

1. Ein Pergamentblatt, tuiten stark und auch am äusseren 
llande beschnitten, jetzt 22 auf 17*^^"', zu 2G Zeilen, in zwei 
Columnen in sehr alter Unciale geschrieben. Das Blatt be- 
ginnt ro.s- in rebus suhlimen und schliesst _/i(/«»i tuam, salu(h)ris 
audit(us ohlc). Es ist dies das Fragment aus Cyprian ad 
Donatum, vol. I pag. 14,28 — 16,(1 ed. Hartel, welches der 
Herausgeber von f Dr. Nolte erhalten hatte und vol. III praef. 
pag. IX mit den Worten begleitet /iltenim (frwjmentutnj quo 
pars llbeUi Ad Donatum saruatur uhi inuenerit Nolte nesclo, sed. 
lltterU uncialihus exaratuni esse affirniaV. Die Identitätsfrage 
ist völlig erledigt, da Nolte auch Fascikel IG der Handschrift 
collationirt hat. 

^. Zwei Pergamentblätter, am oberen und äusseren Uaudc 
mit Stücken des Textes bis in die J\Iittc der dritten Cohimne 
weggeschnitten, jetzt oO auf 21 '"', zu 41 Zeilen, in drei Co- 
lumiMMi in Unciale geschrieben. Nach dem Vermerk auf (U'ni 
Umschlage des Fascikels enthalten die Blätter excerpta quaedam 

' Nicht siclier leserliclio oder verschwuiulone Jiuch.stabfiu siiid fiin.sr«- 
klummert. 



]!() Brandt. 

ex prooemio Sei Basilii episcopi in recjidas fasias dispiUatns et 
ex intei'rogationlbiis X. XIV. XVI. XVII, d. h. aus der lateini- 
schen Bearbeitung von Kulinus, und zwar nur aus Intcrrog. IL 
VII. VIII. Blatt 1'' beginnt: (mo)do tafmen hoc pos)s(it i)m- 
plere ^= pag. Ul),29 der Ausgabe von Luc. Ilolstcnius, Codex 
regularum monacli.^ Paris 1GG3 part. I, und 1^ .schlicsst: semet 
ipsum exhinaniuit. fnrniam = pag. 101,44. Blatt 2' beginnt: 
fp)arentu(ni ijmmo a(h ipsis pa)reMtihus oblatus = pag. 109,3, 
2^ schliesst: ßebitis ne'' sane sed uere (für seducere) nos dehit 
simi = 111,7.' 

8. Drei, ursprünglich vier Pergamentblätter, 24 auf IG "'\ 
zu 29 Zeilen, in Halbunciale geschrieben. Auf dem Umschlage 
des Fascikels findet sich die Angabe: Tres foUis constat, aber 
tres steht, Avie es scheint, auf radirtem quatuor ; auch die Form 
Tres neben dem Ablativ foliis erregt Verdacht. Jeder Zweifel 
aber wird dadurch ausgesclilossen, dass die als Schluss des 
ganzen Fragments auf dem Umschlage angegebenen Worte: 
dum pauca commemoro , ipsius Sei. Petri heatitudo trihuat sich 
jetzt nicht mehr in demselben finden, sie haben, wie sich aus 
einem Vergleiche mit dem gedruckten Texte ergiebt, ein weiteres 
Blatt geschlossen. — Die drei Blätter bieten ein zusammen- 
hängendes Stück aus Optatus von ^lilevum, de schismate Donatis- 
tarum. Blatt 1^' beginnt mit dem siebenten Buche: In hoc 
nouissimo libro id est septimo = P^g- 101,7 ed. du Pin, Blatt S'^' 
schliesst: satis sä homini si de'pec = 104,12, die erwähnten 
Schlussworte von Blatt 4 stehen pag. 105,5. 

4. Acht Pergamentblätter, 28 auf 20 «™, zu 27 Zeilen, in 
Unciale geschrieben; die erste Seite ist stark abgerieben, an 
allen Blättern ist die äussere untere Ecke beschädigt. Die 
acht Blätter bilden einen Quaternio, dessen Zahl, III, unten 
auf dem letzten Blatte steht, und zAvar aus Ambrosius' Hexae- 
meron. Blatt 1'' beginnt: modo in psahno d(ocemu)r operationem 
= pag. 16 F vol. I ed. Maur., Blatt 8^ schhesst (c)ontemplatione 

1 Wenn auf dem Umschlage die Bemerkung zugefügt ist: difert versio 
huius frarjmenti ah ea qiiae edita est a. 1637, so ist dem gegenüber jeden- 
falls zu constatiren, dass der Text mit dem bei Holstenius stimmt. Die 
Notiz kann nur die Ausgabe des Basilius, Paris MDCXXXVIIl, was sie 
irrthümlich mit 1687 wiedergiebt, meinen, welche, ein Abdruck der Aus- 
gabe von Ducaeus und Morelhis, Paris 1618, zugleich deren lateinische 
Uebersetzung wiederholt. 



Fragmente von Handschriften lateinischer Kirchcnschriftstellcr. 171 

taute maiesfatis fiele =: pag. 23 D , aus Buch I Cap. 8 bis in 
Buch II Cap. 1 reichend. 

5. Vier Pergamentblättcr, jetzt 25 auf 18 '='", zu 32 Zeilen, 
in Unciale geschrieben; die unteren Ränder sind mit den letzten 
Zeilen abgerissen. Die Blätter sind Palimpsest, ^ ebenso wie 
in Fragment 1, und zwar stimmt bei beiden die untere Schrift, 
eine Capitale ungefähr wie im Palatinus des Vergil , ebenso 
wie die obere so überein , dass wir zwei Stücke derselben Hand- 
schrift, nämlich des Commentars von Hieronymus zu Jesaia, 
anzunehmen haben. Die vier Blätter enthalten ein zusammen- 
hängendes Stück aus Cap. 48. 49. Blatt 1^' beginnt: (et) büquus 
athuc ex utero uocaherls = pag. 555 E vol. IV ed. Vall., Blatt 4" 
sind die zuletzt gelesenen Worte, auf die noch vier sehr schwer 
lesbare Zeilen folgen, fiont tempora düs inqitit ah utero = 
pag. 562 A. 

6. Ein Pergamentblatt, dessen oberer Rand mit einigen 
Zeilen fehlt, jetzt noch 26 auf U)'"^, zu 34 Zeilen, in Halb- 
unciale geschrieben. Der Text des Blattes ist aus Hieronymus' 
Commentar zu Jesaia Cap. 4.5, beginnend: sanguis ems super 
nos et super filios nosfros = pag. 66 A vol. IV ed. Vall., 
schliessend: si.cut gallina eongregat jndlos suos -= pag. 67 D. 
Diese Handschrift des Commentars zu Jesaia ist nicht identisch 
mit der, aus welcher die Fragmente 5 und 7 stammen. 

7. Jetzt ein Pergamentblatt, dessen äusserer und unterer 
Rand mit Text abgeschnitten ist, jetzt noch 16 auf 12*=™, zu 
17 Zeilen, gleichen Ursprungs wie Fragment 5 und PaHmpsest 
wie dieses. Nach der Bemerkung auf dem Umschlage ,duohus 
con.stat folm' ist hier ein Blatt abhanden gekommen. Das er- 
haltene Blatt , Hieronymus zu Jesaia Cap. 51, beginnt: genimina 
uiperarum et ad libidinosos = pag. 57(5 B vol. IV ed. Vall., und 
schliesst: (et appel)lanf.ur caelestia. et adversariae = pag. 578 A. 
Das jetzt fehlende Blatt begann nach der Notiz auf dem Um- 
schlage: isti ah aquüone et mari , alil autem t=: pag. 566 C 
und schloss: powiY vianifestius ecce isti de longo = pag. 567 F. 

' Eine Untersuchung der l'alimpse.stblätter in F;iscikel 5 und 7 wäre sehr 
zu wünschen und nach dem Eindrucke, den icli hatte, nicht zu schwieri}];-, 
leider fehlte sowohl Herrn Dr. Gundermann wie mir die Zeit dazu. 
Ersterer las an einer Stelle von Fragment 7 das Wort Quirües . mnn 
möchte darnach an eine Rede denken. 



172 



lii a 11 dt 



S. Siebon l'crg-aiucntblilltcr, jiiu äusseren Rande Ixvseluidij;!, 
2*J auf 20 '■'", zu 35 Zeilen, in IJncialo j^-escliritihen. Ks ist ein 
Quaternio, von dem jedoch das lelzte Blatt verloren ging-, das 
Proömium und den Comnientar des Hieronymus zu Jeremia bis in 
Cap. 2 entlialtend, Blatt 1*' beginnt : Pont nxplanationes duodechv 
prnphetarum. = pag. 833,8 vol. IV ed. Vall., Blatt 7^ schliesst: 
maledictua channm seruiis erit frairihus .suis = pag. 848 A. 

9. Ein Pergamentblatt, 27 auf 11)'"', zu 30 Zeilen, in 
Uneiale geschrieben. Das Blatt enthält ein Stück des Com- 
mentars von Hieronymus zu Zacharia, beginnend: o profundum 
dmiciai-um et sapientiae =^ pag. *J34E vol. VI ed. Vall., schhessend: 
et coqncnt in. Ulis et non erit dumaneus ultra — pag. 03() C^. 

10. ZavcI Pergamentblätter, 25 auf 17*^'", zu 27 Zeilen, 
in Uneiale geschrieben. Es sind zwei Stücke aus Pseudo- 
Hieronymus Ad Marcellam, ut aduersa toleret. Blatt l"" beginnt: 
illo quo domum tuam = pag. 37,ü'J vol. V ed. Martianay, 1.^ 
schliesst: sicut esse coepisti et gloria = pag. 37,605 Blatt 2^' be- 
ginnt: dns uide quanta glorvt tua = pag. 38,47, 2^' schliesst: 
hl ijjso angulari lapide fundatmn non = P'^g- 38,77. 

11. Ein Pergamentblatt, 28,5 auf 19 '^"', zu 33 Zeilen, in 
Uneiale geschrieben, aus Augustinus epist. CLXXXVH ad 
Dardanum , beginnend : habet quidevi alüjuid simile eticmi = 
pag. 685 F vol. H ed. Maur., schliessend : spe enini salhi facti 
sumus sicut = pag. 686 F. 

13. Zwei Pergamentblätter, 27 auf 15,.') ^'", zu 23 Zeilen, in 
sehr schöner Halbunciale geschrieben. Sie enthalten ein zusam- 
menhängendes Stück des ersten Buches von Augustinus contra 
duas epistolas Pelagianorum, Blatt P' beginnt: nis nostrae facientes 
uoluntatem = pag. 419 A vol. X ed. Maur., Blatt 2^ schliesst: 
quod sequitur non ita expeditnm est quomodo de = pag. 419 G. 

18. Vier Pergamentblätter, bezeichnet 34. 35. 36. 37, nur 
Blatt 34 und 37 sind ziemlich unversehrt, von 36 ist nur ein 
Viertel, von 35 nur drei Viertel erhalten; die ersteren, 18 auf 
14''", haben 23 Zeilen; die Schrift ist Uneiale. Es sind zwei 
Doppelblätter, einen Binio bildend, die so folgen müssen: 36 
(Blatt 1) 34 (Blatt 2) 35 (Blatt 3) 37 (Blatt 4). Der Text 
ist aus Augustinus epist. LIV ad lanuarium. Blatt P beginnt 
ego vero de hac. sententia = pag. 124F vol. H ed. Maur., 
Blatt 4^ schliesst: henedixit cum etiam superi =: pag. 126 F, 



Fragmente von Handschi-iften lateinischer Kirchenschriftsteller 173 

14. Ein rer<:2;amentl)latt, am äusseren und inneren Rande 
verstümmelt, 23 auf 17,;") '™, zu 25 Zeilen, in Unciale geschrieben. 
Nach Septier's Katalog wäre das Jihitt aus Augustinus de men- 
daciO; dagegen heisst es auf dem Umsclilage: non est Augustini; 
beides nicht richtig, die Stelle findet sicli in dessen Enarratio 
in Psalmmu V, vers. 7. Der Text beginnt, weil das Blatt 
umgekehrt eingeheftet ist, mit der jetzigen Rückseite: est. si 
enim hoc ri/V«"<<«* = pag. IS D vol. IV ed. Maur., imd schliesst 
auf der jetzigen Vorderseite : (m)anifestmu est tiinc non esse 
re.(ld\ = pag. 19 A. 

15. Ein Pergamentblatt, schlecht erhalten, 2G auf 1V>''", 
zu o2 Zeilen , in Minuskel des IX. Jahrhunderts geschrieben, 
den Anfang von Beda's Hexamei'on enthaltend. Es beginnt: 
i(i)r)(eR) exA(ni)€R(orM) (neÖAe) pRiTi (inj) QeNes(i)oi- ///(.•//>// 

jjrologus. Dllectissimo ac reuerendissimo = pag. 1,1 vol. IV ed. 
Colon. 1088, und schliesst: tanfa celeritate operationis =■ 
pag. 2,13. Nach der sehr unklaren Angabe des Umschlages, 
auf die jedoch näher einzugehen zwecklos wäre, würden es 
ursprünglich, wie man wenigstens schliessen muss, zwei Blätter 
ans Beda gewesen sein. Auch die weitere Notiz: 'png. tc.vtia 
exhihet aliud fygw- de opificio dei; incip. (d) iis xierhis eadem 
series et ordo memhrorü, avozu von neuerer Hand bemerkt 
ist: la troisieme page manque, erregt Bedenken, da sich in 
Fascikel 1(3 ein mit denselben Worten anfangendes Fragment 
aus der Schrift des Lactanz de opificio dei befindet und auch 
auf dem Umschlage von diesem Fascikel K) von derselben Hand 
verzeichnet ist, Avelche anderseits jene Notiz auf Fascikel 15 
geschrieben hat. Es ist schwei' zu glauben, dass ein ganz mit 
denselben Worten anfangendes losgerissenes Stück aus Lactunz 
solkc, zweimal, aus verschiedenen Handschriften stammend, voi-- 
handm gewesen sein. ' ; , 

10. Zwei Pergamentblätter, 28 auf 21'='", zu 32 Zeilen, 
in zwei Columnen , in Unciale geschrieben. Die Blätter ent- 
halten Lactantius de opificio dei Cap. 7. 11, Blatt T beginnt: 
tuiduni series et ordo mejuhrorum =z pag. 185,19 vol. II ed. 
Fritzsche, V' schliesst: frontem noniinaff im var(roj =^ pag. 187,17; 
Blatt 2'" beginnt: (con)cidere. qui meatus si nliquo = pag. 194,27, 
2^ schliesst: consummari ex fd>ort.atio)ii(hus Ikw.c) =-- pag. 190,23. 
— Dieses . sind die von Teuffei RLG ' S. 932 (und schon 



1 i-± lliiindl. l'raKiutrito von lliUulscliiifUMi hcteiiiisclior KirclioiisohriffstftUfr. 

3. Auflage S. 9i]0) erwähnten Fragmenta l^'loriacensia de« 
Lactantius, deren Kenntnis«- ilnn wolil von Jlalni zugekommen 
ist, für den Nolte die Blätter collationirt hatte. 

17. Drei Pergamentblätter , in Minuskel des X. Jahr- 
hunderts, nach der Notiz auf dem Umschlage : continet jxirfeiu 
cuiusdam tractatus nel epistolaa ad quemdam pastorem. Dies 
bezieht sich nur auf die beiden ersten Blätter, deren erstes 
beginnt: hoc e mandatuni meum. ut dilujatis inuicem; das zweite 
schliesst: nolite mebriari uino t quo est luxuria non quia in 
uino est Juaniria sed in ehrietate. Auf der ersten Seite des 
dritten Blattes, das sonst ganz leer ist, stehen eilf Zeilen, 
über deren Inhalt auf dem Umschlag bemerkt ist : pagina 5" ex- 
hihet fragmentum. aliud de peccatore qui re,veriitur ad peccatum 
iam remissum. Nach den Anfangs- und Schlussworten besteht 
das Stück aus accentuirenden trochäischen Tetrametern, der 
erste: Alexander urbis rome clarus olim, pontifex , der letzte: 
, . et credendum /po dicit caieta nutrix. Ich schreibe caieta für 
das handschriftliche ceia. — Auf eine Untersuchung, woher der 
Inhalt dieser drei Blätter stammt, habe ich verzichtet. 

18. Ein Pergamentblatt, auf der Vorderseite 29 Zeilen, 
in Minuskel des XI. — XII. Jahrhunderts, ein Theil eines Briefes 
von Bischof Adalbero von Laon an Bischof Fulco von Amiens 
(den ersten dieses Namens, vgl. Grallia Christiana, vol. IX p. b'I\ 
und vol. X p. 1162), beginnend (EFISTOL)A ADALBERONIiS 
LAUDUNENSIS . . (fulco)7ii ambianensi epo subdialogo di- 
recta i . . (f)ulconi ambianensi epo. A laudunensis , . . a anteceden- 

tibus digna, schliessend ente amoris stimulis inquieto lU. 

Auf der Rückseite Federproben. 

19. Zehn Pergamentblätter, am oberen imd äusseren, zum 
Theil auch am unteren Rande beschnitten, Blatt 8 hat 17 auf 
jj^cm y^T^^ 25 Zeilen, die anderen ebensoviel oder weniger, in 
Halbunciale geschrieben. Die Blätter sind sehr beschädigt, 
auf Blatt 9' ist ein zusammenhängendes Stück, indem jedoch 
immer das Ende der Zeile fehlt^ zu lesen : tifex ille quem tunc 
ordin } esset cireuoncisio spiritalis { circumcisionem. carnis qida \ pon- 
tifex esse non poterat h j duas tunicas unam mysterii intellegentiae 
spiritalis scieb \ u. s. w. Trotz längeren Suchcns in verschiedenen 
Indices konnte ich die Stelle nicht nachweisen. 



Buclicr. Die hettr.-neuliebiaiscbe u. liebi.-araiiiaisclie Spiadivorgleicluing etc. 170 



Die hebräisch- neuhebräische und hebräisch -ara- 
mäische Sprachvergleichung des Abulwahd Merwän 

Ibü (Taiiäh. 



Von 

Dr. Wilhelm Bacher. 



Vorbcmerkuiig-. 

Uie o-länzendere , zumeist in's Auge fallende Seite der 
Sprachvergleichung Abulwalid's bildet seine umfassende und 
tief eindringende Herbeiziehung des Arabischen zur Erklä- 
rung des Hebräischen und der althebräischen, biblischen Litte- 
ratur. Ein Bild davon habe ich in meiner Abhandlung: ,Die 
hebräisch-arabische Sprachvergleichung des Abulwalid Merwän 
Ibn Ganäh' ' zu geben versucht. Aber im Grunde eben so be- 
deutend, wenn auch in den Ergebnissen nicht so hervorstechend 
ist seine ebenfalls in ziemlich weitem Umfange geübte Ver- 
gleichung des althebräischen Idiomes mit dem ihm zunächst 
stehenden, dem Neuhebräischen, und mit dem Aramäi- 
schen. Auch für diese beiden Richtungen der zu Zwecken 
der Bibelexegese gehandhabten Sprachvergleichung bildet Abul- 
walid's in seinem Hauptwerke niedergelegte Leistung einen 
Markstein. Er fasst das bei seinen Vorgängern Gefundeue zu- 
sammen, sichtet es auf Grund der von Hajjiig angebahnten 
und namentlich von ihm selbst vertretenen neuen und sicheren 
Sprachcrkenntniss, vervollständigt aber das Material in sehr 
reichem Maasse, es mit scharfem Blicke und mit fester IMethode 
durchdringend. Auch hier werden die Grenzen, die er mit 
kundiger Hand absteckt, für die Späteren maassgebend, und 



^ Ritzung.sberichte der philos.-histnr. Classe der k. Akafleniie der Wissen- 
schalteu, CVI. Bd., S. 119—196. 



17B Bacher. 

innerhalb der.scllteu bewegen sich seine Nachfolger, das Beste 
und Meiste dessen, was sie bieten, iluu entlehnend. Den Ein- 
druck, welchen die moderne semitische Philologie bei der Be- 
trachtung von Abulwalid's Arbeiten empfiingt, hat eiMcr der 
berufensten Vertreter derselben erst jüngst auf folgende Weise 
umschrieben : ^ ,La perfection des travaux de cette grande öcole 
arabe-juive nous surprend. La science moderne ne proc^de pas 
autrcmcnt, et on peut dire que Rabbi Jona, dans la premierc 
moitie du XF siecle, pratiquc deja avec habilete les raethodes 
comparatives , qui devaient donner a la philologie curopeenne, 
sept ou huit siecles plus tard, une si incontestable superiorite/ 
Obwohl, was hier Renan von der vergleichenden Methode 
Abulwalid's sagt, wahrscheinlich zunächst auf seine hebräisch- 
ai-abische Sprachvergleichung geht, so verdient doch auch seine 
Anwendung derselben auf das Neuhebräische und Aramäische 
gleiche Anerkennung und darum auch eingehendere Darstellung. 
Damit ist Zweck und Inhalt gegenwärtiger Arbeit gekenn- 
zeichnet. Auf so annähernd vollständige Vorführung des Mate- 
riales, wie ich sie in der oben erwähnten Abhandlung an- 
strebte, konnte hier meine Absicht nicht gerichtet sein, da die 
hier in Betracht kommenden einzelnen Daten der Sprachver- 
wandtschaft viel mehr auf der Hand liegen und viel weniger 
Interesse bieten, als die reichen und mannigfaltigen Daten der 
Verwandtschaft des Hebräischen mit dem Arabischen. Indessen 
wird die den grössten Raum einnehmende Zusammenstellung der 
Vergleichungen schwieriger oder seltener Wurzeln und Wörter 
des biblischen Hebräisch mit dem Neuhebräischen von nicht 
bloss historischem Interesse sein. Bei dem Mangel eines ge- 
schichtlichen Wörterbuches der hebräischen Sprache, welches 
den Sprachschatz der althebräischen Litteratur mit dem der 
Mischna und der verwandten Theile der Traditionshtteratur in 
inneren Zusammenhang zu bringen hätte, kann ein gewisser- 
maassen aus dem Wörterbuche Abulwalid's ausgezogenes Glossar, 
wie es hier geboten wird, auch an sich das Verdienst guten 
lexikographischen Materiales beanspruchen. Ferner aber soll in 
diesem Glossar, wie auch in den übrigen Theilen der vorliegen- 
den Arbeit ein Hilfsmittel zur Benützung des Abulwalid'schen 



' E. Renan, Nouvelles etude.s d'liistoiro relig-ieuse. 1884, j). 175, 



Diß hebiäiscli-neuhoLräische u. hebräiseli-aramfiische Sprachvergleichung etc. 1 l i 

Wörterlmches o-ebotcn werden, indem in der Ncubiiiier'sclien 
vVuso-abe des letzteren der Stellennachweis sowohl für die bibh- 
sehen Citate, als für die aus der Traditionslitteratur f(dih und 
dieser Mano^el namentlich bei den Citaten der letzteren Art die 
Benützung und oft genug auch das Verständniss erschwert. 

Noch eine Bemerkung sei mir gestattet über den Gebrauch 
des Begriffes der Sprachvergleichung auf das VerhiUtniss zwischen 
dem Hebräischen der Bibel und dem Keuhebräischen. Es wird 
weiter unten ersichthch sein, dass Abvüwalid selbst das Be- 
wusstsein davon hatte, — wenn er es auch natürlich nicht so 
tbrmnlirte, wie es die moderne Wissenschaft thut, — dass es 
sich hier mehr um S])rachgeschichtc, als um Sprachvergleichung 
handelt. Aber er wendet bei seinen hebräisch-neuhebräischen 
\'ergleichungen dieselbe Terminologie zur Bezeichnung der Ver- 
wandtschaft an. als bei den Vergleichungen mit Aramäisch und 
Arabisch. Indem er zur Beleuchtung und Erläuterung des bibli- 
schen Litteraturgebietes das von diesem streng geschiedene Ge- 
biet der Traditionslitteratur heranzieht, sieht er in den Idiomen 
l^eidcr zwei von einander geschiedene Sprachgebiete und ver- 
gleicht sie mit einander, sowie er Hebräisch und die beiden 
anderen semitischen Sprachen mit einander vergleicht. Ucber- 
dics hatte er diese drei Richtungen der Sprachvergleichung als 
coordinirt bei seinem hauptsächlichen Vorgänger auf diesem 
Eelde vorgefunden, bei Jehüdä Ibn Koreisch, der in seiner 
bekannten Schrift (Risäle) zwischen den Vergleichungen des 
Hebräischen mit dem Aramäischen und denen mit dem Arabi- 
schen als mittleren Theil die Vergleichungen mit der Sprache der 
Mischna und des Talmud anbringt. 



IIcbräisch-iHMihobräische SprachveruiiMcliiiiiu. 

In der Einleitung zu seinem Hauptwerke beruft sich Abul- 
walid auf die Erläuterung Saadja's von 70 in der heiligen 
Schrift vereinzelt vorkommenden Wfirtern nach verwandten Aus 

Sitzungsber. d. phil.-hist. Ol. CX. Ud. I. Ilft. 12 



1 7S l!iicl\(^i'. 

(Irüc-kcn ilcr iAIiscIma und di's 'rahnud,' als Mnstcv üii" sein 
ci«2;cncs Vcrfalinm. Wörter, die or uiclit aus der Schrift selbst 
erklären kann, in erster Reihe aus dem Neuhebräischen und 
Aramäischen zu erklären.^ Neben Saadja nennt er als Vor- 
s^ängcr auf diesem Gebiete auch die G«aonen Scherira und 
Hai, wie denn in der That seine Citatc aus den Schriften des 
Letzteren zumeist Vergleichungen der bezeichneten Art be- 
treffen. Jehüda Ibn Koreisch nennt er zwar nicht^ aber 
auch ihn meint er wohl unter den ,Anderen^, auf die er ausser 
den genannten drei Gaonen noch hinAveist. 

Der Gesichtspunkt, von dem Abulwalid bei diesem Zweige 
der Sprachvergleichung ausgieng, findet sich am bündigsten an 
einer Stelle seiner Grammatik angegeben, wo er einen von 
anderen Grammatikern beanstandeten Ausdruck des bekannten 
gaonäischen Buches Halachoth gedoloth verthcidigt. In diesem 
Buche war nämlich für zweitausend D'^ö'ü'X ''Jtr gesagt, statt 
D''3'?bs; Abuwalid weist nach, dass beide Arten, die Zweizahl 
auszudrücken, sowohl in der heiligen Schrift, als in Mischna und • 
Talmud begründet seien, und schliesst mit den Worten: , Diese 
Ausdrucksweise ist bei den Trägern der — hebräischen — 
Sprache gebräuchlich und geläuhg, den Alten, wie den Neuen/" 



1 Das hier citirte Schriftchen Saadja's ist ahgedruckt' in Ewald nnd 
Dukes, Beiträg-e znr Geschichte der ältesten Ausleg^ung und Siirach- 
erklärung des A. T., II. Bd., S. 110 — 115, und in der kleinen Sclirift 
Ü'p'Tli:' annn (Leipzig-, 1844), p. .3—11. In der That sind darin nicht 
siebzis^, sondern neunzio- Worte Ijesprochen, während die Ueberschrift, 
vielleicht in Folge eines alten Schreibfehlers, nur von siebzig' erklärten 
Wörtern weiss. Sie lautet: k\>^__iJ\ ,*iäiJ -v-ot,^-cvJ\ ^.««m.^"; die An- 
führung bei Abulwalid lautet: d^ kiJ ^^y.^A^..^\ ,^_^ s^l.{,xiJC,fco\ ^^ä 

KIpÜ 1\ ^4 ij>jj_^\. Dunasch ibn Labr.'it, in der Kritik gegen Saadja, 
Nr. 1'.), gibt den Titel hebräisch: nS'n ÜT^tTI nnD. 

2 R. (Rikinri, ed. Goldberg), VII, 11 — 15. 

Dieser Satz steht blos im arabischen Original, am Schlüsse eines Passus 
der in K. p. 235, Z. 3 nach den Worten mS'T'nn ^V^ zu ergänzen ist; 
derselbe lautet: Ü^IX^n p \)!!,ir\ p riHK n"i:'V^i3\ J^s ^ "nssbnjl ^^ 

|!a Dj'rsn p »s'?i [N2in jd Tirssn jia \h^ nnx nraan j!2 x*?! nr (Ez. 45, 1 T) 

U5 mX)2 Tli:' J-viä (Pesachim 47 /- f.) 'l■T^^-^tt?Ot" mX!a %Tvy "im!a:2 QTlNicn 
W'-h'A "yiTI m3'?nj\ ,__,.=^l..o JU. Zu dem Ausdrucke i^\ J.a\ \gl. 
Wb. 713, 16, wosell)st damit die Träger der Mischnasprache bezeichnet 
sind, in R. 47, 12 die n3t:'!3j\ Jjfc\ 



Oii^ Iiobräiscli-nfnlipbrüische n. hohräiscli-iiiamäisclio Sprarlivorjrloirlmn); rtc. 1/9 

Die Misclmaspraehe ist also die Spraclie flei' neueren Hebräer, 
sowie in der heiliü;en Sehrift die der früheren Hebräer erscheint. 
Aber es ist ira Grunde eine und dieselbe Sprache, wenn auch 
in zwei von einander genugsam verschiedenen Gestaltungen. 
Abulwalkl unterscheidet denn auch den , Sprachgebrauch der 
Mischna' von dem , Sprachgebrauche der Schrift^' Gewöhnlich 
nennt er das Neuhebräische, als die in der Traditionslitteratur 
gebrauchte Sprache, die Sprache der Weisen, der Alten. '^ Für 
sie tritt er voll Eifer in die Schranken in seiner Bekämpfung 
der fanatischen Gegner jeder rationellen Bibelexegese. Diese 
wiesen soffar die Verffleichuns: von biblischen Ausdrücken mit 
denen der j\Iischna ab, Aveil es in dieser Anomalien gäbe, die 
den Gesetzen des Hebräischen widersprechen. Diesen frommen 
Verkleinerern der Misehnasprache gegenüber beweist er, dass 
die von ihnen als unrichtig beanstandeten Wortbildungen in der 
hcilis'en Schrift ilir Analoo'on finden.-' 

Ebenso bringt Abuhvalid für anomale oder ungewöhnliche 
AVortformen und Ausdrucksweisen der Bibel Jjclege aus der 
Misehnasprache. Zum Plural nVDbü, Dan. ^, 22, nacli ihm 



' Wh. 15(K 2:; nDtt'?3j\ Jl_.^jt;Lco\ — Nnp^J\ JUä;:-o\; v^^l. 770, '20: 

- JJU^\ JaS- Jp\^'^\ ?^; zwoinuil, WI). (55, 30 und '22C,, '27: AS^\ ^AJ, 
.Si)niclin dor Viitor. Ewa]d, Beiträo-p I, S7, Anni. 2, .sagt in tiozufj ;mf 

l S\a^)\ «LsJ , das o.r mit , Sprache der Aelteren' übersot/,t,: , Hierunter 

verstellen diese Gelehrten vielen Zeiclien nacli die jj^anze ältere Sprache 
sowolil zur Zeit des Alten Testamentes, als zur Zeit des Talmuds.' Das 
ist fränzlicli unbegründet, da unter iU\5\ n»'' flie Lehrer der Mischna 
und des Talmuds, die Träger der Tradition — liebr. Q'DlÖlp, irilÖlp — 
gemeint sind. Dem \J\o^^\ iA) hei Moses Ihn Uikatill.a, worauf sich 
Ewald's Bemerkung bezieht, entspricht bei Abuhvalid, Wb. 1211, LS: 
J.S\a'^\ »U^; auch das talmudische Beispiel zu Z'M, liiob 7, .''), nämlich 
^"i-^'cb X»',:N, Sabbath lö'', hat Jener von Abuhvalid. 
■ R. VIII f. Die von Abuhvalid gerechtfertigten Anomalien sind die fol- 
genden : Zu den Verben C"iri, bTirn, i""irü, in denen das n der Sul)- 
stantiva H^SIin, HTTin, nj71"iri als Kadical erscheint, verweist er auf 
anriTÖ, Esther 8, 17 von mirT'; zu "[BV (.statt -[Sn-) M. Kilajini, 2, ii, 
auf -annx, II Chr. 20, .35, und TiSkJ«, Jes. (5.3, li, wo K statt n Steht, 
und auf h^V , Ez. 42, 5, .statt h^Ü\ In n'Söl n'lÖ, Clnillin li:5^' ist 
iT't'Ü aus H't'Oü geworden, damit es dem ersten Worte älmlicli werde, 
wie in -]S2i!21 "]X^":!2, II 8am. 3, 20, das /.weite. Wort ans yleicliem 
Grunde anstatt '^IN'irp steht, vgl. Ez. 43, 11. 

12* 



1 80 l'> 11 c li e r. 

(liireli A'erwmullniii;' des n vom Sinj;'. niD^SS in "^ oiitstandeu, 
venveist er .auf mnsnS, Abotli n, 18. und nVjr^lX, M. Pc- 
sacliini 4, (!.' Zur Nouiinalform n'T'>'2S brin_i;,'t er das Beispiel 
n:pnK, .M. Gittin 3, 2-J zu nS^'?n : n^TH. M. Zebacliim 5, 1." 
Dass die Wurzel von DlSt, PI. nil2S^, Mutter, nicht DI2X, sondern 
nÖ>5 ist, beweist ihm der Plural mn!::«, M. Pea )j, 4; Bera- 
choth Iß''.^ Zui- Combination des Niphal mit dem Hithpael in 
einigen biblisehen Wörtern, Ez. 23, 48, Prov. 27, 15, verweist 
er darauf, dass in der Sprache der Alten diese Form, Nithpacl, 
häufig sei.'' Für gewisse Nomina, die mit 3 beginnen, nimmt 
Abulwalid an, dass dieses ] der Niphalbildung der Vcrba ent- 
spricht, obwohl bei den betreffenden Wörtern von der dem 
Niphal zukommenden Bedeutung nicht die Rede sein könne; so 
für nDD3, II Chron. 10, 15; nSj, Jes. 30, 12; n>5r3, II Sam. 19, 43. 
Analog damit ist nD'HDJ, M. Baba Bathra 2, 1. s. v. a. HD'!?.'' 
Die Pluralform '''pÖ1J7 aus hSH'iH,, im Neujahrsgebet, dient zur 
Analogie für mV^'D, Jos. 23, 8, Plur. von |jrJ5.' Mit der suffi- 
girtenForm^n'pXtr, \n:xn vergleicht erin^lDi^ Baba Kamma 38^^ 
Als analogiegemässe Pluralbildung der Nomina auf H^ nimmt 
Abulwalid die Form an, in welcher vor der Endung ni^ ein D 
als Aequivalent des H erscheint, wie in VninSt?, Höh. 5, 13. 
mnStL'J^, Eeha 4. 5; denn dass von letzterem Worte der Sin- 
gular n2'CX sei, beweise der Sprachgebrauch der Alten." 'T'pK 
und Hds sind zwei verschiedene Formen mit gleicher Bedeu- 
tung: Trauer. In der Sprache des Talmud lautet der Status ab- 
solütus zu dem in Gen. 50, 11 zu lesenden Status constructus 
ebenfalls t'HX, nach der Aussprache der spanischen Talmud- 
gelehr.ten.i" Aus pj^^, lieehte, wird das Adjectivum ''3Ü'' gebildet, 

' R. 47, 10 — 18. 

2 R. 7.3, 28. Uiisero. Ansoalien lespii n'.^iy):^ "ISI^, nicht njpnxn '35)3 

3 R. 74, 20. 

4 Wb. r,i>, 24—27. Z. 2C, ist für mnSSX'r' zn lesen miaX. 

5 R. 97, 12—14: ,^^9 ^ß^^ ^kh J.5\_5^\ ^^J5 Q_j. 

6 R. 94, 41— 9ä, 11. 
"■ Wb. 32.5, 1 . 

8 R. 167, 2.'-)- 27. 

9 R. 227, 13. 

"> R. 124, 21—24. Der letzte Satz: SsX pff'? ^""1 ,"17 piTSl T1J:'?nn pr^ril 

rbsK imssnrn i:::-!« '«rn rc-i:n p cj ns'i^cn •n'-'-s a"ni'r: i.-imet im 



Oll' hcbrUisch-nculicbiiÜKclic u. liclnuisuh-iiramäisclit: Sjpruclivcrgluicluuig clc. Ibl 

niclif rö^ zurUntcrsclicidims von''r22';, Bcnjciminit, Esther 2,5.' 
lii der Misfhna, Para 1, 1, wird ausdrücklich gesagt, dass ""Z'hz^ 
■'S.'Zl'n zum Unterschiede von den Ordnungszahlen ''il?'''!?';^, T^?"l 
so gebildet sind.- Von zusammengesetzten Ortsnamen bildet 
man das lierkunf'tsAvort aueli ohne I^erüeksichtigung des ersten 
Bestandtheiles: ^Tf2' aus pS2^ p; \-lSin)::n, I 8aui. 21, X, aus 
nSin!2-':'2J?, Richter 1, 22. Ganz so findet sich M. Kehm 2, 2 
m"'J2n'?, aus DPlS n''2.'' Dass der Artikel manchmal auch vor 
dem Status constructus steht, dafür dient zur Analogie der be- 
kannte kSchluss eines traditionellen Oebetstückes: tOE'^TX^n 'l'T'^n.' 
1 )ie Anwendung der männlichen Form des Zahlwortes bei weib- 
lichen Hauptwörtern, wie in Gen. 7, 13; Ez. 40, 20; Hieb 1, 4, 
liudet sich auch im Talmud.'' pw?n Sp DPIS M. Sabbatii, 2, 5, 
citirt Abulwalid als Beispiel für die Verbindung von Präposi- 
tionen mit dem Verbum finitum, wie in HSi^nn, Lev. 26, 43; 
doch sei es möglich, dass DH Participium, nicht Perfectum ist.'' 

Original: ^ ^ Ü^li'): hzH iiJ ^^;\ iüJ\ zsjoto ^ -nüSnji iij^ 
lijJo L(Jü '(i~i\cf, ^ 1>Ö3\ üiLö^l. Statt JVii'bn ist also ptcba zu sotztMi 
uiiil das Taliuu(K-itat in 11. aus Möed Katon 17'' ist zu streichen. In der 
Tliat hat es gar keinen Sinn, da es sich nicht um die suftigirte Form 
von bsN handelt, vielmehr Abulwalid sich auf die traditionelle Aus- 
spräche der Talmudisten seiner Heimat dafür beruft, dass h'ZH, welche 
F(n-m in der Bedeutung Trauer in der lieiligen Schrift nur als Status 
constructus vorkommt, auch in der niciit construirten Form so lautet, 
^^Vi im Talmud also nicht bloss den Trauernden, sondern auch die 
Trauer bedeute. Damit entfällt aucli die Uenierkuu"- Geifrer's in Ozar 
nechmad 1, 10 k 
' So schon Jiajjüg im Artikel J)2\ ,_r-Ui)\ ^^^ n^itl^n ':f^^r\ '>L^.„.,J^\o, 

]'^':2 ^\ 'Ä^y,.,^^\ ^..^3 ^-;^ j^ j_R.iw ^5Ü3 n'rl2^-^ 'r^'n. Vgl. 

mein Aliraham Ibn Esra als Grammatiker, \i. 42, Anm. 10. 
- R. 137, 24—34. Z. 25 ist zu lesen: •'?N!2rn vbv 1^,13,11 ('n <^^,Jls. \c,j^\ ^j). 
3 R. 138, 25—31. 
' R. 223, l'J: j^ 3 s^i^\ ^ (6-f-^5^ (^^ ij-^^^^^ <— -^Jfci ..„---* j-^jJ\ \jufcj 

'n 'n "'^ nns 11^2 ^^^.oir* 0U3. 

■' R. 207, 5 f. Das von Abulwalid citirte Beispiel lautet: nrSINT nc'?!:'! 
f1T!2n n:-i2 J^mZ^a (.sc. rri::)-, die O.xtbrder Handschrift hat p!2''jn statt 
jnan. Es ist die in Berach. 4Ü^ so lautende Barajtha: r,3-l2l "jn^N N'Om 
nrriNI nrbi:' lJ1i;2n. S. Alfäsi und Ascheri zu dieser Stelle. 

*' Die Stelhs liudet sich nur im Original, nach den AVorten VIDC hv, R. 

31, ö'j. Sie lautet: CHZ föttTi bi' cnz -i;n hv onr n:tt'?2j\ j^ U.1^ ^ 
^>ls U-j\ ^^\s Jj U^U ^Jj»i \JJb ^Jo. J U^_j^ -"^^^'?^n£n hv.'x^l 

noch Z. d. D. M. G., 3(3. Band, S. 400. 



\o'2 Bacher. 

Nucli "inin, Koli. ll*, \'2, ist die Präposition j/P zu crg-änzon, wie 

auch Jcbamoth 85" srrb nHiH i^-csagt ist, für x^'r'?!2 nnnn.' 

l'^iir die i^cnaue ßecitation des liibeltextcs, die Ausöpiaelic 
des Althebräischen entnimmt Abulwalid Kiniges den Aussprüchen 
der Tradition. Aus der rabbinischen Vorschrift, Borachnth K»'', 
beim Losen der Schema-Abschnitte den Aushiut des Wortes 
von dem mit dem gleichen Consonanten beginnenden folgenden 
Worte wohl /m unterscheiden, schloss Abulwalid, dass sonst die 
Assimilation von solcherweise an einander stossenden gleichen 
Consonanten gestattet sei."- Ebenso glaubt er aus der Vorschrift, 
jer. Berachoth 4'', das 1 in nDiM, Num. 15, 40, das D in nDfl, 
Ps. 118, 1, besonders deutlich auszusprechen, schlicssen zu 
dllrfen, dass sonst in der Aussprache 1 vor 3 sich zu D ver 
härtet, D vor 1 zu T erweicht.'' 

Um wie vieles umfangreicher die lexikalische Verglei 
chung des Hebräischen mit dem neuhebräischen Wortschatze 
der Traditionslitteratur bei Abulwalid als bei seinen Vorgängern 
ist, möge eine kleine statistische Uebersicht veranschaulichen. 
Saadja hat 90 talmudische Wörter zur Vergleichung heran- 
gezogen, Ibn Koreisch einige und 70, Abulwalid über ooO. 
Von Saadja's Vergleichungen hat Abulwalid den überwiegend 
grösseren Theil aufgenommen, meist mit denselben Belegstellen,' 
von denen Ibn Koreisch's nur den dritten Theil.'' Meist lässt 
sich der Grund, weshalb Abulwalid die von seinen Vorgängern 
gebrachten Vergleichungen nicht berücksichtigt hat, noch er 



1 R. Ifil, 1 f. 

■i R. 141, 28—29. 

a R. 144, 3 ff. 

^ Von (leiL ilO Vergleichungen Saadja '.s hat, Abulwalid nur 20 nii-lit, die 
Nummern: 6, 9, 29, 33, 3.5, 30, 43, 45, .5(3, G2, (34, (58, 71, 7.3, 74, 75, 7(3, 
79, 85, 88. Doch ist zu beachten, dass bei den Vergleichungen Saadja 's 
öfters Wörter des biblischen Aramäismus erklärt worden, die Abulwalid 
niciit behandelt, und auch hebräische mit talmudisch-aramäischen Worten 
verglichen werden, wovon hier nicht die Rede ist. 

^ Ibn Koreisch selbst hat von den Vergleichungen Saadja's nur 18, 
die Nummern: 1, 2, 4, 7, 8, 11, 22, 38, 39, 4Ü, 45, 52, 54, (33, 71, 8-1, 
85, 86. Menachem b. Sari"ik hat in seinem Wörterbliche nur zu 10 
Wurzeln das Mischnaidiom — njü'ün jwh — herangezogen. Siehe die 
Wurzeln "^SS', 3ü^'; b]}2), 52^'; s^i II, 58 ^ TJ, 59''; pT III, SC; Hrtt, 
98''; iho, 127^; 02:]; IV, 136"; -[b^ II, 142"; ISSIS:, U8\ 



Dio hebräiscli-iifiihcbraiiclie u. hebiüisüh-aiiiiiiäiscliL' .SpracliveigleicliunK ou-. iH'o 

kennen; doch wäre es ohne besonderen Nutzen und würde /u weit 
führen, (his cinzehi zu erörtern. Jedenfalls zeigt das angegebene 
Zahlcnverhältniss, dass AbulAvaltd das bei Jenen Gefundene nicht 
nur ausgieV)ig benutzte, sondern selbst noch bei weitem mehr, 
als Ergebniss selbständiger Forschung, hinzugethan hat. 

Oft begnügte sich Abulwalid damit anzugeben, dass die 
betreffende hebräische Wurzel oder die betreffende Bedeutung 
(Muer Wurzel, eines Wortes in der Sprache der Alten bekannt, 
verbreitet, sehr gebraucht sei;' zuweilen setzt er zu di(!ser 
Angabc noch eine beliebige Stelle als B(deg dafür liinzu.- 

Im folgenden Glossar, dessen Zweck in der Vorbemerkung 
besprochen ist, sind nur diejenigen Vcrgieichungen alphabetisch 
zusammengereiiil, in (b^nen seltene Wurzeln oder seltene Wort- 
l)edcutungen des biblischen Sprachschatzes aus dem Neuhebräi- 
schen, mit Hinweis auf bestimmte Stellen der JMischna oder son- 
stiger Werke der Ti-aditionslitteratur erklärt werden; namentlich 
aber solche Vergleiclumgen, die von besonderer Wichtigkeit für 
die Exegese sind und schwierige Bibelstellen erklären sollen. 



Hobräist'h-iieuhcUräisclM's Glossar.'^ 

D2J<, füttern; j^CniK M. Sabbatli 24,:;. JS, 18. 

nXi!^, Bund; j^JIS M. Sukka 3, 8, m^S, M, B. mez. 1, 8. 19, 23 f. 



' .y-f^JL^, ,_j.ioU, L_3^^-<j, \j-^ jJ.^Ä.X,».v^^. S. Wb. 1'.), -JT, njK; 57, 7, 
[SK-, öi», 7, D2K; \->H, 27, 5]13-, 156, 8, pt; 15t), IS, mn»; 1S<), •2l,rT'1T; 

210, 5, t:?nn; 2(is, -2, mis; 270, 4, ncnt?-, ;u)<», 27, "^a-, 332, 23, d-i3; 

335, 10, nrS; 357, C, nptl- 422, 18, p;D-, 451, 14, "Ip?; 474, 20, JJD; 
486, ,5, fXS'D; 493, 27, D^D-, 517, 29, fflCJ7; 519, 1, tt't2]7; 514, 31, IpV; 
553, 28, por-, 5(55, 4, r,£; 570, 1:J, -ntt£ ; 599, 2, ]!^X; (i3(;, C, obp; 
(i55, 23, 'IXT; <)71, 1, mi ; 695, 10, büZi; 719, 17, "13tt'. Ferner Ihm ara- 
mäischen Würteru: 137, 23, Hfi'h}; 562, 31, K'nSK; 649, 21, ND'a'p. 

2 8. Wb. 142, 1, 73J, M. Fesach. 4, 9 (56^^); 156, 16, -111, Knibiii 6, 1 ; 
260, 4, nUtO, Nidda 30''-, 280, 3, nTt, Wabb. K)^^; 328, 4, nC^, Kilajini 
9, 2; 390, 28, -nZiD, IJaba batlira, 26''; 435, 7, C'C^:, Kidd. 1, 7; 495, 5, 
-]D:c, Saldj. 21-(;iG, 2, "ly::, PxM-ach. 28^'; 620, 14, -jnjf, Pca 5, 4, 
Hcrai-li. 3, 1. 

•' Die Citate aus iMi.scIina und Talmud werden niclit in exten.so wieder- 
gegeben, wie sie Abulwalid giebt, sondern mir das betreffende Wort, das 



1 (S-4 liacliur. 

nix, Exod. 14, 20 und Ps. 139, 11, Dunkelheit, das Gegcntlicil der 
geAVülndiclien Bedeutung-; nr>' n>'2nxS mS, M. Pesachim 1, 
1. 28, lo— 15 (Mustalhik, Opuöeules, p. G4). 

mS'2S, Exod. 9, 32, bedeutet vielleiclit verspätet, spätreif, wie 
in der Mischna: SSSH nmn mS^n I^^V,^ im Talmud, 
Roseli Hasehana 8', snsSsS; aueh vom Regen: nb'SS, 
opp. n"l^D3, Tos. Taanitli 1, 3, jer. Taan. G4^ 64, 26—30. 

□''DSS, Ezeeh. 47, 3, ist als Synonym zu D''2D zu betrachten, 
da dem hebräischen Tp aramäisches (ST) D£ entspricht, 
s. Dan. 5, 15; vgl. T nSS, Joma 87 ^ D^C£X ^f2 bedeutet 
demnach Wasser, welches bloss die innere Fussfläche, 
Sohle, bedeckt; das X ist prosthetisch, wie in CJDS, VJSX. 
65, 27—32. 

n"l,X, II Sam. 12, 4, bedeutet etymologisch den Wanderer, aber 
im Sinne von Gast, vgl. imXÖ, Hisnö, M. Demäi 2, 3. 
68, 11—14. 

pTD, untersuchen; IpID Megilla 25^ 84, 23. 

"tlHD, Jer. 51, 22 hat die specielle Bedeutung des Unverheira- 
teten, wie im Talmud IIHD dem ''1t?J entgegengesetzt ist, 
s. Kethub. 10'^ und Nidda 33^, die P]rörterung über M. 
Nidda 4, 1. 88,31—89,3. 

San, Koh. 12, 3; s. h]^2h, M. Berach. 2, 5. 89, 28. 

3^2. Zu dieser Wurzel, s. D'^3, Höhlung, M. Erubin X, !0, ge- 
hört mn:, Exod. 27, 8; Hiob 11, 12. 90, 29—91, 4. 

rT]? bedeutet zuweilen die Gattin, so Exod. 1, 5, I Sam. 27, 3, 
sowie jener Weise (Q!^nj\) im Talmud — ■ Sabb. 118'' — von 
sich aussagt, dass er seine Frau stets Tl''^ genannt habe. 
92,4—11. 

dSd, verschliessen; ^Z^hf^ yZ Ü)h2 {?), □l'r'n l^ilX, Gittin 64'. 
95, 32 f. 



verglichen wird, oder ein kleiner Passns, in dem das Wort sich befindet. 
M. bed. Mischna; die Namen der Talmndtractate bezeichnen die des 
liabylonischen Talmud. Am «Sclihisse jedes Artikels bedeuten die beiden 
Zahlen Culunine und Zeile des Wörterbuches. Neben einige Talmud- 
citate, die ich nicht veriticiren konnte, habe ich ein Fragezeichen gesetzt. 
' Diese angebliche MischnastcUe wird auch bei Ihn Parclion (ö"^) citirt, 
doch richtiger "l"22.1 mit Jod. Kohut, der in seinem Aruch I, i!lG% die 
Stelle aus Altulwalid citirl , bemerkt nichts über dieses Mischnacitat, 
welches mir untindlich ist. 



Die hubräisuli-neuhcbiäischü u. Iiebiäisch-aiauiitisclie Sinachveigleichung etc. löö 

Jr'-i'Z. Nach diesem Verbiim und dem Nomen dazu Syi-STD, 
!\I. j\Iik"\vantli 10, 4, sowie dem damit verwandten ''SI'1£>2 
TS, Sabbath 109^', ist m>'->'2K, Exod. 5i, 10, zu er- 
klären. 100, 8—12. 

n"ip2, Lev. ly, 20, ist weibliches Adjectivmu, nach der Form 
von miD^b, M. Terumoth 11, 10. Das Wort bedeutet ilie 
mit dem Riemen Gezüelitigte (s>^Jis.'°), va,-l. m"lp2 .züch- 
tiget ihn', im Talmud;' aber auch gleichzeitig^' die Frei- 
gelassene, mit Nachsicht Behandelte, d. i. trotz der Geisse- 
lung nicht dem Tode Preisgegebene, nach dem »Sinne 
von Tprn, Pea 4, 9, "Ip:;,'^, ib. G, l, '\p2^^, Schebiith 9, 
4. 106, 10-31. 

ns, Hiob 39, 4. Vgl. nn hz' n^in, opp. nv^i'^ Str 'n, M. Chuiün 

11, 2. 107, 4—7. 
111 Dass diese Wurzel schneiden bedeutet, ist aus Baba me- 

zia 39' ersichtlich: IH^'^, mj, vom Abschneiden (^j^) 

der Datteln. 123, 14—19. 
'C'% Haufen. Vgl. das Verbum: j'm:, Baba bathra 89% mUH:, 

Joma 48^ 125, 28—33. 
^::i:, Heuschrecken: 'S3i:i M. Berach. 6,2. 126,27. 
riJ), Hiob 7, 5; tri:, B. mez. 10 1% :\l. Tohoroth 5, 1, xri: 

Sabb. 15". 129, 23—28. 
nnn^, n Sam. 12, 31. Sägen, Avie M. Arachin 6,3. 131, 21. 
h^5, Dan. 1, 10, hat dieselbe Bedeutung wie in l'^^J p2 ,T1^^ Xr^ltT 



Cb) m"ipi ^L^^l \^ -wc- Ebenso Saadja, Nr. 48 der , siebzig- Worte': 
nmp« llä L^ (so lautet die Le.seart in der Handschrift, wie in CI^T 
C'p'nr, \>. 8. n. 4, bemerkt wird, niclit 'Sip-, wie Dukes, Hciträj^e 11, 
11'J, i)lnie weitere Bemerkung- nach Kerithotli ll-' l)ericlitig-t). "N"ip2 in 
dem Sinne, wie es au der eben angeführten Talmudstelle zur Erklärung 
von mpn gemeint ist, kaini weder Saadja noch der ihm folgende Al)ul- 
walid im Äuge gehabt haben. Dieser übersetzt das Talniudcitat mit 
Sa jj>:i.\ , also als Imperativ. Das in der einen Handschrift nach m~ip2 
noch fülgend(! '7 ist wohl zu ri''?' zu emendiren ,ihn'. Wie .Saadja mp2 
etymologisirte, wird ohne Tahnudcitat von D. Kimchi im Wörter- 
buch, W. "ipz augegeben (wcdil aus dem Couuuentarti .Saadja's zu Levi- 

ticMs): -iprSr r7;i:f-ir j- npSanr 'zb mpn ]^z'b bKm -3, also von -ip:, 

K'iud. So muss Saadja wohl auch das aus dem Talmud citirlt; \\'ürt er- 
Ivl.-irt haben, und in Beidem folgte ihm Abulwalid. Aber immerhin bleibt 
zu ermittclu, wie das so gelesene und erklärte \\'ort anstatt \S~^p2 in 
den Zusammenhang der Taluiudstelle eingefügt war. 



18(j Bacher. 

(so ist statt )b^: p3 ml^':2 n<':2rvr zu lesen), u. mk!/.. 27'', 

ferner ih'^ p, Meg-. 1 1 ', Nednrim 89". 133, 14 17. 
5]^:i, Neil. 7, 3, vcrschlicsscn; ^j^in, Oliolotli (5, 3, pS^^S: (^opp. 

pnmS), Zabim 3, 2. 134, 1—4. 
'^'?1 Der Hithpael dieses Verbums in Grcn. 43, IS ist zu ver 

gleichen mit npn'd* Sl^S:!, Kidd. 27" (Verursachen des 

Eides). 135, 14— IG. 
nh:, Hiob 16, 15, Haut; vgl. H^ll'?:, M. Chullin 3, 2, n':':, 

R. Hasch. 27". 13(), 13—16. 
^^S:, Ps. 139, 16; üh% M. Aboth 5, 7. 137, 21. 

ns::, Ps. 57, 3, 138, 8, beenden, bcschlicssen; m^:'^!, lAl. \\r 
räch. 3, 2. 139, 19. 

Si?l Hiob, 21, 10 ist S^j;r nach dem talm. n'^r^H (.Pesachim 30") 
zu erklären, worunter das Loslösen des Fettes von den 
Gefässen durch Spillen im heisscn Wasser verstanden wird. 
Als Subject zu ^'^^^T' ist der Same zu denken, von dem 
gesagt wird, dass er sich nicht auflöst, zcrtliesst, sondern 
fest wird und befruchtet. 142, 11 — 19. 

in:, Hithpael in Hiob 2, 11, sich kratzen; 1"n:, R. H. 27", 

|nn:x2, Sabb. i4i\ 144, 12. 

e^ni, Ri. 5, 21; ^£"113, M. Pesach. 4, 7. 146, 20. 

75733, Exod. 9, 31, ist nach der Bedeutung dieses Wortes in 
M. Para 17, 7 zu erklären. Dort werden mpr als f^Si:?^: 
17Ü3 ah'Ü, als Blüthenstengel, die noch nicht zur Frucht ; 
gereift sind, erklärt. Daher bedeutet 7^23 den Zustand 1 
der Pflanze vor der Reife, wenn sie mit Blüthen bedeckt 1 
ist, vgl. Num. 17, 23, im Arabischen J-^xS^. i\ran sagt 
(Ol'^O cu-J-M J«Tf-^\: Avenn sie in Blüthen gehüllt ist: 
(Var. .\^Jb) ,5>^b ^Z-^ y^- [Greseiiius, Thesaurus 2()1'', 
citirt diese Erklärung Abulwalid's, schreibt aber statt 
^Z^: ^^^JijtS (er las Üt2Vi^ statt Dt2]!n) und statt ^^-Üb: 
v_^.b. Letzteres wird von Roediger im Nachtrag zum 
Thesa\irus, 78"', dahin berichtigt, dass i^p^^b zu lesen sei; 
Schnurrer habe in seiner Abschrift HD'^X^ gelesen. Das 
Richtigste ist Neubauer's Lesung: "lUT'SZ, woraus sich 
leicht die beiden anderen erklären. Das wird auch diirch 
die Rouener Handschrift bestätigt, die "IXIjtS- hat. Eine 
weitere Bestätigung dafür ist in Tanchüms Erklärung 



Die hebriiisch-acuheluaisohc u. hcbiiiisch-aniiiKusclie .Sprachvergleichung etc. Iö7 

des Misclnuiwortcs, welche GescTiius I. 1. anlVilii't: ^j-^^m^j«-^ 
Sj;n:i ^_^,Z^^. .^.s.-^^ J-:^ ^\^b oU-M (1. ^.^~„J!CS). Zu dem 
von Abidwalid als Uebersetznng von ^]^2^ »gebotenen 
J.(j:5^-<i und als Erläuterung dazu ist zu verc;leiclien, was 
KTiniüs liat: l-ft,y L^--^ Ä-öoi^l o.i.(-XS\^.| 148, 8 — 15. 

n-n, Jes. 38, 15, Ps. 42, 5; p^Tüs, rnir!:, lAi. 8abb. 18, 2, jms: 

Sabb. 88". 153, 14—17. 

m*T, im ITiphil abwischen: n^^ÜSI, Cliullin 113\ 155, 4. 

nn, Ball. Das 3 in "in::, des. 22, 18 und 2U, 3 ist Verglei- 
chungspartikel, während es im IM'D der JMischna, Kelim 10, 4, 
Wurzelbestandtheil ist. 15(*), 20---25. 

nH Höh. 7, 4. Vgl. iSnbTü Chullln 44^ 150, 17. 

s^S*!, Prov. 27^ 15. Vgl. dasselbe Wort in j\I. Beza 5, 1 und 
Alachschirin 5, 3. 160, 4 — G. 

DV^"!, Exod. 22, 2, ebenso DI, Num. 35, 27, bedeutet Wehr- 
geld, Preis, s. V. als nS3; D^'2^, Pesachim 112",, KH, 1—4. 

n^:i!2Dnn, Esra 2, (59, und D^JISTIX, I Chr. 21), 7, bedeutet 
Denare, wie milDIl, AI. Schekalim 2, 1. 166, 2. 

*^^.1^, Erklärung; "vrm "d?-)^^ HT, Kethub. 4, 6. 166, 21. 

nr^n, Ezech. 42, 12, gerade, Apposition zu "[^"1: plHD, Kethub. 8{\\ 
16Ü, 20—23. 

'Snzn, Hos. 8, 13, gehört zu ^3.12."!!::, jM. Menachoth 10, 4 und 
nnrDn, M. Sabb. 2, 3 (rösten, sengen). 184, 5 — 1). 

nn*. Von dieser Wurzel kommt VW, Exod. 28, 28; vgl. arab. 
^:i-j, entfernen und im Tahnud: nS TIinT, Sota 47", die- 
jenigen, deren Seelen sich iiberheben, von ihrem Orte 
entfernen, S. auch (■huUin 7", wo die drei Varianten 
]^n^'T2, i'n'Jirj und iTI'ni!::djisselbe bedeuten: beseitigen, ab- 
weisen. Hieher gehört auch; rb>' inp*! H'in DX^, Joma22\ 
l'dl, 2— 1<)2, 7. 

hni, sich bewegen, verwandt mit pbmi, »Sabb. 65'', Nedarim 40'' 
(f Hessen). 11)2, 14—16. 

r\?'lM, Echa 1, 11, geringgeschätzt; b)12 "l'C'Z ''b*!, Baba kaninia 
112'. 196, 5. 

21', Josua 10, 19 und Deut. 25, 10; D':£:3 2:1^71, M. Sche- 
biith 2, 6. 198, 10—14. 



Ibö Haclu'f. 

p3T, Deut. 33, 22: ,ci' ist übennütliii;-, ausj;'el.i.sscn, woi>'oii der 
Fülle an Gütern in Basclum'. Vgl. Hpri DK H^l, Ciiiillin ob '. 
200, 5-8. 

?]pl, erheben; J£pT1, liaba uiezia 72". 202,2. 

"Iin. Die Bedeutung Zauberei für diese Wurzel (s. Deut. 18, 11, 
Ps. 58, (), .les. 47, 12) ist besonders aus der J^edeutung 
des Wortes ^2n in Jebamoth 121" ersichtlich. 208, 21—26. 

nin, Ezech. 18, 7; mns pnai, Baba kamma 115''. Dfiri^m, 
Dan. 1, 10; n^^HH DS D^'^H iV). 213, 22, 27. 

mn. In Jesaia 29, 22 hat mpl'' denselben Sinn, wie der gleich- 
falls auf die Grundbedeutung , weiss' zurückgehende Aus- 
druck: n^nnn nnn ^:2 pb^n, Aboth 3, ii. 217, 8 f.i 

■^in, Gen. 40, 16, bedeutet Zweige, Ruthen, Avie "n^^ Kilajim 1, 
8, in welchem Worte ' Bildungsbuchstabe ist, wie z. B. 
in ^^ph\ 217, 22—26. 

nvn, Exod. 1, 19, bedeutet Hebammen; vgl. T?n, Kidduschin 74", 
mn Sabb. 31". 222, 9—13. 

pn, Ez. 13, 11; 71Tnr2, M. Baba bathra 1, 1. 223, 27. 

b'^n hohl sein, woher |1'?n: üSlp hz' hhn, Pesachim 64", 
D^blSn D^b^hn, Berach. 60*^; n^HÜ, Kethub. 111", Sin- 
gular zu m^n^t:, Jes. 2, 19. 225, 3—6 (vgl. Rikma 67, 12). 

nxSn, Ezech. 24, 6; vgl. in^bnS:, Berach. 3"^ von Wurzel hSh. 
226, 27 - 29. 

abn. Zu ^]!2^Snm, Jes. 38, 16, vgl. mbn (l. □"'bn), R. Hasch. 28"; 
zu müSl, Hiob 6, 6: pl^Sn, Aboda zara 40". 229, 1-4. 

=]Sn. In Esra 1, 9 sind Q^s'^nia Messer; mS^Snn H^D, M. Mid- 
doth 4, 7. 229, 26—29. 

r'?n. Dem Zusammenhange nach bedeutet p^PI^ Jes. 58, 11, 
benetzen, befeuchten, vgl. ib. V. 21 und G(i, 14. Den- 
selben Sinn hat die Wurzel in Berach. 34'': n!2n initTTI, 
,das Fieber benetzt ihn', indem es ihn in Schweiss ver- 
setzt, so dass er gesund wird. Ebenso M, Erubin 3, 9: 
1j2i'''!'nn, was mit 133'd synonym ist, so dass auch 

' Die von Neubauer in den Text aufgeuommene Leseart der Oxforder 
Handschrift D''2~i2 mPI VOS i.st nur aus dem in der Kouener Handschrift 
richtig gegebenen Mischnatexte corrunipirt, wohl in Folge der irrigen 
Aniuihme., dass Abuhvalid keine Analogie zur Bedeutung von VIS 
mn"', sondern ein Beispiel für die Wurzel "iin selbst bieten will. 






Die hebräisch-ncuhebiäischo u. lietiriiisrh-araniiiische Sprachvergleichung etc. 1 89 

■f '^n' 1'm^l'r -ni üT; ]Z"ir\, Prov. 15, 30, vg-l. Hiob 21, 
14, erinnert. 2:J(), li) :50. 
Hn. Jes. 14, 12: v-1. DT'Sn j'=?"l:.^, .^I. SaW). 23, 2. 231, 3\ 

n"k::n. Höh. 2, 13, stimmt überein mit VnnS TtSjHr |b^^5, K. 
II. lö", und mit pL:;in \r^Z' nV'^'2 D%T7S(V). J>as Verbum 
bedontet den Beji^inn des llervorsprossens und Wachsens. 
238, 8-12. 

-|:n, Prov. 22. r,. Vo-I. -jim'? ir^:n CSl, R. Hasch. 33^ 238, 20. 

*i2n. Zu dieser Wurz(d, in der P>edeutuno- bergen, schirmen 
(Deut. 33, 12, HSH), gehört nr:S «qlH, Gen. 40, 13, der 
Ort, wo die Sehifl'e geschützt, geborgen sind; hingegen 
gehört C'!::'' ^)n, ib. zu s^SPI, in der Mischna, Nazir 6, 0, 
reiben, und i)edeut('t d(m Oi-t, an dem die Wogen sieh 
reiben, brechen, die Küste. Diese Bedeutung von ^^'^ 
passt auch besser als die Bedeutimg ,Hafeu^ an Stellen 
Avie Jos. 9, 1; .Ter. 47, 7; Ez. 25, IG; Deut. 1, 7. 240, 
1 8—33. 

ppn, graben, höhlen; mpimn DIppHr, Tosefta Kelini H, 7, 7. 
(vgl. M. Kelim 17. lö). 245, 5. 

1"in. Zu dieser Wurzel gehört wohl in. H Kön. 12, 10; Hiob 30, 
6; vgl. D'Sl^Jn nnn.' Ameisenlocher, M. Pea 4, 11. 245, 
24—26. 

nn, aufreihen; Q^n 'r'tT nnin!2, J\I. Baba raez. 2, 1. 247. 21. 

pnn, Dan. 9, 25, Graben; pin, lAI. Erubin 7, 3, dasselbe. 
250, 22—25. 

Z'Cn, Ps. 40, 18, bedeutet schätzen, hoch achten; vgl. DIS 
2irn, z. B. Taanith 14". 253, 29. ' 

"jnn, Dan. 9, 24, entscheiden; 1^2 b'C HlD^n, Chullin 108\ 
255, 30. 

'inn, Heuschrecke; h'j^m r\T:i, M. Sabb. ('., 10. 25S, 7. 

>'2i2. Zum Pual, Eixod. 15, 4, iindet sich der Piel in den Gebet- 
stücken nach dem Schema: n>'rü Q^n, :72tD mS:inn3. 259, 
19-22. 

mnt:, Nabel; nin£ 111312, Nidda 30\ 200,4. 



' NoliPii dio.spr Loso.irt. wolflic .■iiicli in dor Mlsclm.nans^abp von Noapfl 
--icli liudpt, s. Koliiit, Anteil III, 480'', ist die (jewülinliolK^rp '"llin und 
aiudi '"nn zu vory.i'irliiK-ii S Kninit 1. ]. und Lev}', Neuli. Wörterb. II, 
2ij" oben. 



190 R 110. hör. 

nStita, Deut. (), 8, jWas an die Stirne oTbuiidou wird;' i^S 
m£t2"t2D, M. Sabb. (i, 1. 1^02. 15). 

kSl3. Davon mxSt2!2, Jos. 9, 8, o-oflickt; vgl. r\^h^t2, M. Kelim 26, 
2. 263, :-30. 

lÖD, verbergen; n^DX ' |ÖlDn l'll'^Sr qSiDI, M. Raba kamma 10, 
9. 26^1, 11. 

S]2D, Hob. 5, a, a^23ü!2n mS12Ü, Tos. P>eracli. 2, 17 (jcr. Be- 
racb. 4"). 265, 11. 

r\rC), Ez. 13, 10; nyiOI. M. Bcracb. 5, 3. 265, 17. 

IPtO. Gren. 45, 17; p HDIplD, Baba mez. 32", \^^) pnS, M. Bab;i 
mez. 2, 10, a^:DJ< HiipiO, M. Baba batbra 3, 8. 266, 1—4. 

5^2D, Jes. 3, 16, bedeutet den geraden, künstlicb gericbteten 
Gang, so zu erklären naeb mS12tD, .Toma 48", von dem 
geraden, weder gekauft nocb gestrichen Vollsein der Hand. 
266, 24—32. 

*]'1tp, Gren. 8, 11, kann mit ,abgerissen, abgepflückt^ übersetzt 
werden; denn a"£m, Gren. 41, 8, wird vom Targum mit 
XS'ntO'^Xil übersetzt: ,sein Geist war gebrochen'. Ebenso 
wird vom Schiffbruch der Ausdruck nsniSJ^H nrSDH, M. 
Taanith 3, 7, gebraucht. Dass aber SHltO in der That mif 
"iD'iS? synonym ist, beweist der Umstand, dass Jebamoth 121" 
in der p]rzählung Akiba's D''D n^IDy^T gesagt ist, während 
ebendaselbst in Gamliel's ähnlicher Erzählung dafür der 
Ausdruck 0^2 nnnt?Jtr angewendet wird. 269, 5—21. 

rh2\ Lev. 22, 22; rh)T, M. EruLin 10, 13. 273, 7. 

Vil"^, Neh. 7, 5. Zu diesem 8ingidar findet sich M. Jebam. 4, 
13 der Plural D^DH^ nach dem IMuster Q'^^T^ von -1S?\'^ 
282, 5. 

"TDV Diese Wurzel von ']D'^^, Exod. 30, 32, gleichbedeutend mit 
■^ID , findet sich auch in der Mischna, Joma 8, 1 : niiTl^lD 
•^HD^D^m. 287, 3—9. 



' Dass Jfatsn die ältere, richtig^ere Leseart für J'SitsriT' ist, s. Ralibino- 
witz zu Baba kamma 118'' (Dikilnke Sofrim, XII. Bd. ]r>S''). 

^ Die Angabe dieser Musterform beweist, dass Abulwalid au der an- 
geführten .Stelle der Misclina nicht J^Cni" gelesen haben will, wie im 
Text bei Neubauer gedruckt ist, sondern (|in'Dn'. 

3 Diese Leseart statt der gewöhnlichen HS'DDI findet sich auch in dem 
von Lowe edirten Mischnatexte 



Dio hobntiscli-ruMiholiiiUscliP ii. li<'l>r;uscli-:inimä.is<-lio Spniclivi!ii;lcii'liun<r ntc. J .'] 

Sl'\ Diese Wurzel Ix'drutet I Saiii. '22, :>, Kutli 2, 22, vielleicht 
auch Exod. -1,7, vei-Avcilen, verharren, sowie Bcrachoth 39% 
in der Redensart: Dn^'C' IK'l'IH xS a.TrC, d. i. Beide — 
di(^ z.Avei vor Bar Kappara sitzenden Schüler — verharrten 
nicht in dieser Woche ])is zu Ende, sondern starben wäh- 
rend derselben: L^^ iJ'La Jo ,i5ÜLJ" U-^^Xsi^ '■•i-^. {J<» LisL^j Ji 
(Abnlwalid las statt Drirw": UT\'2%^ und übersetzt dies mit 
U-fJiH>., Avas, analoi;' dem hebräischen Di^w'. sowohl den 
Schlusstag der Woche, als die Woche selbst bedeutet). 
291, 4—14. 

nniD, Sieb. Das Verbum dazu s. M. Para o, 11 ; Sabb. 20, :]. 

306, 15—18. 

nrS: vo-1. n2D nU'n:i, M. ChaA-iga 1, 7. 307, 4. 

^23, II Chron. 9, 18, Stufe; '^^23^ hS^, M. Zebach. 5, 3. 

307, 19. 

a^jIS, Jer. 7, 18; 44, 19. S. das Verbum jVD M. R. Hasch. 3, 7, 
jn3" 31. Moed Katon 2,3. 311, 25—27. 

tT\^, mao-cr sein; HtinnS r\r21^'Z (vielleicht ist H'^nn^ m£. Be- 

rach. 32'', gemeint). 314, 25. 
D:D. Verwandt ist D:D2, M. Chagiga 2, 2. 324, 14. 
.123, Prov. 21, 14, bewältigen; DniK pS13, M. Kethub. 7, 10; 

nSID, Tos. Kethub. 5, 5, M. Kethub. 5, 5. 329, 2—7. 
nS, Sattel; s. M. Kilajim 9, 2, Mikwaoth 10, 2. Dass das Wort 

von der Wurzel 112 stammt, sieht man Moed Katon 13'': 

IIDH iT3Ö 13 p:3. 331, 5—10. 
-[13. Zu *|^13n, Esther 8, 15, auch M. Kilajim 9, 4, das Verbum 

in M. Berach. 5, 1, -[113. 332, 3—5. 
•Cn3, Prov. 27, 22: D^rn3]n DM^IH, M. Terumoth 1, S. 33r), 29. 
CD13, Ps. 80, 14; durch den Wechsel von 3 und p dasselbe 

was ^-hni m!::Dipr nr^, M. Pea 2, 7. 338, lo. 

"JilSS'?, Iloh. 4, 9: ,du hast mein Herz getroffen' mit dem 
Pfeile deiner Augen, von 33^?; vgl. 3^313^, M. Aboda 
zara 2, 3, Bezeichnung der Thiere, deren Herz zu g()tzen- 
dienerischem Zwecke herausgenommen wurde. 34.3, 1 — 9. 

nsS,, Exod. 3, 2, Flamnn- n3':'!2n, M. Baba kamma, (J, 4. 343, 

!(')— 20. 
SlS, I Kün. 0, S; u^h-b M. Middoth 4, 5. 349, 28. 



102 Baclior. 

"1^7, in (1er liecloutniij;- i;('\vi)liiu'n, Avic j''"nS2'!', M. Dcmai 4, f). 
•¥)."}, 27. 

TpH. ps. 114, 10; •i';)h2 mny'^S M. Megilla 2, 1; ^JIM^S, Me- 
^-illa IS'. 354, 10. 

"11<"2. Von dieser Wurzel staranit nil*-:S2, Deut. 23, 3, uud O'T^ 
nnn)2, M. Chullin 12, 3. nnü ist s^ebildet wie Q^H, IIa- 
bak. 2, 10; SniH, Jes. 44, 20. -^l^:i^J bedeutet demnach 
Jemand, dessen Geschleclit. Herkunft verdorben ist 
(Abulwalid liest nl1|1l2, nielit nlTIIÖ, aueli itbersetzt er 
es mit dem lautverwandten arabischen Worte "sjjJi, ver- 
dorben, faul). 3(59, 19—21. 

nnö. Mit r\nf2)r2, Sanhedrln i')^ ist zu vergleichen □'m!:2!:2, Jes. 2;'), 
6; es sind , auserlesene^ Oele gemeint. 370, 24 — 20. 

,TS2, Ps. 73, 8, rohe Reden führen; )r\p't2t2 XM^ ^JSJ2, M. Ke- 
thub. 7, 10. 373, 12. 

nih'hf^, Deut. 23, 26; vgl. nnül bSitt, Beza 33". 374, 19 (vgl. 
Rikma 45, 10). 

n]j:, zählen, vgl. nm ):t2:, M. Sabb. ],4; nS^, einsetzen, vgl. 
D']!2):2n, M. Schekalim 5, 1; ni!2, wie M. Keth. 1, 2. 380, 
33; 381,5; 381,25. 

nOÜ, überliefern. Vgl. inno^, M. Joma 1,5; n"lD521. Aboth 1, 
1; 383, 21. 

nyX2, Jes. 48, 19, bedeutet kleine Kieselsteine, Sandkörner; 
ebenso heisst ihrer Kleinheit wegen die dem Dänik ent- 
sprechende Münze n>'S2, s. rm:;j2, M. Erubin 7, 11. 383, 
26—284, 2. 

"IJ^Ü, I Kön. 7, 36, ist dasselbe, was "IDS^, ib. v. 30, bedeutet 
also , Seite', ebenso wie die vollere Form H^lpÄ, Richter 20, 
33. Damit ist vielleicht in Verbindung zu bringen (D'^l^'^^S) 
an^aD nm>'Ü, Beza 1% d. i. Eier, die ,an den Seiten' 
mit Adern umgeben sind (Abulwalid bemerkt, dass er diese 
Erklärung des talmudischen Wortes bei keiner Autorität 
gefunden habe, sie daher nur als Vermuthung hinstelle). 
385, 25—386, 4. 

pp!2; vgl. anao ppr^, M. Sabb. 9, 6. 390, 34. 

ni/tS, Jes. 38, 21 ; n^t2'T IJ?, M. Pea 1, 6. 392, 24. 

S^"|]; =^113 mm, Berach. 5r. 411,31. 

r]13, Ps. 48, 3; HtOI] 12131, Kidd. 40". 418, 9. 



Die hcVn-äisch-neuliebi-äisclie u. hcbräiscli-;tiaiuäisc,liü Sprachvergleichung etc. 19o 

'?!:. Zu n^'?'^r2, ii Kön. 2?,, :>, vgl. nibix: i'cv n^yc, Bcracli. 32 \ 

422, 12. 
nm Von dieser Wurzel stammt nPliJS nicht; dass dieses Wort 

T : ■ ' 

nach der Form von nplll'^ gebildet und das Ü radical 
ist, beweist die Lesung der Tradenten der Mischna (der 
Talmudgelehrten) — ,13^'^ J\ "sU^ 'i\ß —, welche im Plural 
mn](2n, M. Menach. 5, 1, das 3 mit Kamez lesen, nach 
dem Muster nli73?, Plural von n>'53, u. dgl. Wäre das 
t2 Bildungsbuchstabe, so raüsste der Plural 111113^ lauten, 

Avie n'is:^ von ni::x: u. dgl. 423, 19— 30.^ 

rriJ, wahrsagen; tTIH^] IHrX, Tos. Sabb. 7, 13 (Sanh. 65''). 
427, 24. 

ntOj bedeutet Amos 2, 8 sich stützen, anlehnen, wie IX'^p"'! 112'', 
M. Berach. 1, 3. 430, 27. 
Tj. Hos. 14, <; bedeutet y) sich ausbreiten, vgl. HDIS h^hnT^^ 
□n^:£S, M. Bikknrim 3, 4. 434, 14. 

nl3^, Deut. 4, 34 und 7, 19, ist verwandt mit O:, D^DJ, bei 
• den Alten ,Wunder^, mir dass dieses zur Wurzel DD3. 
jenes zn HD] gehört. Möglicherweise stammt auch HDI^ von 
DD2, indem aus HSiD — vd. Hl^tT^ von at2t' — das 3 
so ausfiel, wie das X in ^]"lim, II 8am. 22, 40, und der 
Vocal auf das f2 übertragen wurde. 438, 24 — 439, 2. 

nS?:. Zacharja 2, 17 bedeutet niy: dasselbe was iSlp jn' in 
Jerem. 25, 30, gehört also zu l"!^], .lerem. 51, 38, schreien; 
vgl. ']';^: mi^n, Berach. 3% 442, 7—10 (s. Opuscules 
d'Aboulwalid, ed. Derenbourg, p. 99; 258). 

n-;i>':, AVerg. jnt's bz'> nmi;]:2i M. «abb. 4, i. 443, 2. 

□'■^pj? Gen. 30, 49, bedeutet punktirt; Avahrscheinlich sind 
damit schwarze Punkte am Kleinvieh gemeint, nacli M. 
Maaseroth: ITpr^Üi jmnrn SdI."-^ 451, 10—12. — Q^lp:, 
I Kön. 14, 3, sind kleine Kuchen (.^Xä^), vgl. \^l^p:, M. 
Terumoth 5, 1. 451, 15 — 17. 



1 1 



I >UJ- 



1 Diese Beweisführniigf nennt Abiilwalid eine entscheidende — ^lfti,j 
aials — , liing-e}>-en ist juu-.h Jo.sepli KiincJii di(^ Wur/.el von nrtJÜ: TlTli, 
iiud die traditionelle Aussprache des Plurals, mn3p, unriclitigf. 

■•' Auch Lowe's Misclinatext hat ITpO^rö, während Levv, 111, t-'i:^ '■, das 
Wort als Niphal liest: llpJX'Ö. Da das XCrhuin als Denominativuni ge- 
nounneu werden niuss, ist die Hiphilform gewiss die richtigere. 
Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. CX. Bd. 1. Hit. 13 



1 94 H ii li 1-. 

np3. Der Fiel dieses Verbuius in Jos. 8, 2(5, ebenso Jerem. 30, 
11, bedeutet aiisrottcMi, was mit der urspninj^lielien Be- 
deutung ,reinigen^ so zusammenbängt, wie die Redensart 
SÖV ^niD, Beracbotb 2'', vom Versebwinden des Tages 
gesagt ist, obwobl die Grundbedeutung ,rein werden^ ist. 

452, 4—10. 

»^pj, im Kai Jes. 17, G, im Fiel ib. 10, 34, abbauen-, vgl. ''Öp3S2 
^S3n, Baba kamraa 119'', n^TH rX"C =]p2X:n M. Gittin f), 8. 

453, 9—13. — nsp:, Jes. 3, 24 bedeutet Wunde, vgl. 
ip::2iS* =^p13, Cbullin'7^ 453, 23—26. 

Üp3, Fs. 9, 17, umkommen lassen; vgl. D^p^l ^tTpiÖ, die die 
Dornen aus den Saaten wegscbafFen, Baba kamma 119''. 
455, 7. 

Kt?3. Diese Wurzel bedeutet in nst?^, II Sam. 5, 21, nxt'XS, 
Riebter 20, 12, verbrennen; vgl. mSIt^S: j^S^'^TJa, M. R. 
Hascb. 2, 3, und die Erläuterung im Talmud dazu, 22''. 
460, 13—18. 

nSD, Maass. Davon stammt nXDS^DD, Jes. 27, 8, im Sinne der 
Redensart: h j^^I^nS: 11)^ DIKÜ n'lÖD, M. Sota 1, 7. 471, 
5—8. 

nnD. In nOÖ, Hob. 1, 12, und ^2DÖ, Fs. 140, 10 bat die Wurzel 
die Bedeutung sieb anleimen, stützen; vgl. 1'J h^'Ü,'' iÖ 
2D'T, M. Fesacb. 10, 1. 473, 10-12. 

rt:nD, Hob. 7, 3, umzäunt; T^D, Zaun, Abotb 1, 1. 476, 12. 

■[ID. Zu yDf2, Riebter 3, 24, ■j-'Dn'^, I Sam. 24, 4, vgl. ']''Üt2n 
rbn ni<, M. Joma 3, 2. 477, 3—7. 

rpQ, Prov. 28, 3, Jerem. 46, 15. Vgl. HSn^D (:= nS^ön), Fe- 
sachim 40 \ 479, 2. 

pD im Nipbal, Kob. 10, 9, sieb verletzen, schädigen; plDÖ, 
M. Gittin 6, 5, Baba bathra 9, 7, Chullin 37^^''. 482, 8—15. 

7D71D, Frov. 4, 8, hochhalten, ehren; daher stammt blD^D, Be- 
choroth 30 \ 483, 30. 

ibü, Hieb, 6, 10, verbrennen, vgl. m>?2 mi^Dn HSi'D. (Das- 
selbe angebliche Talmudcitat hat Ibn Farchon s. v. ibü'-, 
hingegen Menachem b. Sarük, Machbereth 127^: pn''1 
mXD n^lSlOn nm ]r^'hf^ nVrh. Ibn Gikatilla im Com- 
mentare zu Hieb — bei Ewald, Beiträge I, 8.5 — hat 
*nxn °\i2 D'^I'T'ID. Diese Version steht am nächsten dem 



Die hebiäisch-nenhebräische u. hebräisch-aramäisclie Spinchvergleicbung etc. 19D 

Ausdrucke in Gittin 57^': mSH p 'ih^Ü r\T2 plb). 484, 
19—20. 

ni^D. Zu nn!2C!2, Jes. 10, 4, und Dni^DX:, Jes. 41, 7, findet 
sich der Singular IXiDÖ in der Miscbna: 1^Ct2Z IS "112^2 
('?). 486, 12. 

D'^nO, Ez. 2, 6, widerstrebend; jmD SH" nh% M. Berach. 5, 
3. 493, 2. 

nno, Jes. 49, 7, verderben, nnnc HSD, Abotb 3, 1. 493, 14. 

tSlSp, Deut. 15, 6. Damit hängt etymologisch zusammen ID''-J7 
D''3]r bvT, M. Baba mezia 5, 7. (Es ist nicht klar, wie 
sich Abulwalid den Zusammenhang denkt.) 499, 2. 

naj?, Hiob 21, 10; vgl. mmpü: nna, Baba kamma47^ 501, 3. 

r^2V, Joel 1, 17, verAvandt mit ntT'ST'^' nSH, Berach. 40". 
501, 6. 

.12", Ruth 1, 13 (n^jj/n). bedeutet warten, harren, und dazu 
gehört etymologisch nV^IJ?, M. Moed katon 1,1; so heissen 
die Wassergräben, welche die Weinstöcke, umgeben. Die 
Wnrzel bedeutet nämlich ursprünglich im Kreise herum- 
gehen, dann warten. 502, 5 — 8 (mit Hinzunahme der in 
Anm. 67 daselbst citirten Erweiterung in der hebräischen 
Version des Wb.). 

□^■^j;, Jes. 64, 5, gehört vielleicht zu 1J7 Zeuge, und ist dann 
dasselbe, was in der Mischna, Nidda 2, 1, □"''IJ/, was nach 
einer Erklärung ebenfalls D^'^J/ gelesen wird. Das Dagesch 
in 1 ist, ähnlich dem in ü""^^, I Kön. 6, 18, Vertreter 
des ausgefallenen ruhenden Buchstaben (langen Vocales). 
508, 16—24. 

-1"!^', Jes. 5, 6; "[Ü>' m>'Sl ^J2P nn>, M. Baba mezia 5, 10. 
507, 6. 

n:iy, Kxod. 21, 10; njij; n^Di, Schebuotii 18", nms25<n n:u"n 

n-nnD, M. Kethub. 5, 6. 510, 13—22. 
r]1p. Zu dieser Wurzel (Fiel ?]21p) gehört D^S^'S:?; so heissen 
die Wimpern wegen ihres häufigen Sichbewegens. Das 
Wort stimmt noch genauer übcrcin mit n2>£J?S3,' M. 
(Jhulliu 12, 3, womit das Fhittern des Vogels um das 
Nest herum bezeichnet wird. Diese AnAvendung des Ver- 



1 Statt nsy31'Ö haben die Ausgaben nEeiJ?l2. Die Leseart Abiilwalicl's 
scheint richtiger zu sein, und deinnacli ist d;is Wörterbuch zu ergänzen. 

13* 



196 üitchoi. 

(loppelung'sstaimiu's ^]!^^ für das niclil vollst:ln(li_ü;c Flieg-en 
ist aiialoü,' der Bczcichmirij»; der Farben, wenn ii\ir ein 
unvüUkonimener Grad derselben ji'enieint ist, mit den V"er- 
doppeluno-sstämmen DIXSnX,, pnp'l^ ininw'. T)! 1, 19—512,4. 

rr'JTJ?, Lev. 11, 18. in diesem Vogelnanu'n ist das ] Vertreter 
des zweiten Doppellautes der Wurzel ny, vgl. n^JTJ^''^. des. 23, 
11, Plural von IIJ^Ö: dies wird dureli M. Kolim 17, 14 
bekräftigt, wo der betreffende Vogel 'Ip^i heisst. 515, 3 — 14. 

ptJ7, Jes. 5, 2, umgraben; DISH n^D pili/'n, M. Oholotli IS, 5. 
51G, 17. 

t2J7, Schreibrolir, Stiel. Dass die Wurzel dieses Wortes drei- 

buehstabig, ntOj;, ist, kann durch tTR] b'^ VtOpD, J5aba 
batlira 17 ', bewiesen werden; VtOp ist analog den Formen 
1'^I.S , VIp, T'D'?r, und der Ausdruck bedeutet nach dem 
Gaon Scherira das Schreibrohr, mit dem der Tod über 
die Menschen verhängt wurde (o^\ <^ <^,.j:S ^3-3 \ ^JS}{:> 
^_y>^\ j^6, so ist mit der Oxforder Handschr. zu lesen). 
517, 4_s. 

sp]!, ohnmächtig werden; HS'^pn' Kl^r, Sabb. 9'; )b ^T^'vT ^f2 

nt^'si? n^n^ii ^Synji in^n "[inn nSin, Nedarim 87-\ 530, 

18, 23 (s. Rikmä 81, 11—13). 
imSDP, Micha 1, 11, ist soviel als in"iS2X und bedeutet Er- 
wägung, Ermessung^ wie m^ÖlX, Aboth 1, 16, was auch 
nn^iy gelesen wird; s. das Verbum dazu, M. Pea 5, 1, 

nnj? K^^ topS nssD p^imx. 533, 32—34. 

"I2:j7. "t::p!:3, BeÜ, wie M. Arachin 6, 3, Baba kamma 10, 10. 

541, 11-13. 
D^p. Die Wurzel bedeutet in üyr\)t2:iV, Jes. 41, 21, und in 

D\'212£y, Prov. 18, 10, Ps. 10, 10, Widerstreit, Kampf, wie 

in pin 1S2:r>'n:r:', Sanh. 31". 542, 12—21. 
inS7, Waldesel, wie in Chidlin 59^': inpH nx T3):2 XH^U?. 

548, 11. 
n^3S, Höh. 2, 13, unreife Früchte; p:2n, M. Schebiith 2, 5 und 

4, 7. 561, 9—13. 
%S, Lev. 19, 7, Ez. 4, 14; nS^SÜ, S^SÜ M. Menachoth 2, 3. 

5(;i, 14-16. 

mns, 1 Kön. 7, 50: T2in nnnr mmsn, m. Keiim 9, 2. 567, 

17-19. 



Die hebiaisch-neuhebiaisclie u. hcbiiiisch-aramäische Spracliveiglficbung etc. iv i 

nnriD, Lev. \y>, 00, Vcrringcrunj:;-, Schwand; inflE, nnriD, M. 

Terum. ö, 9, mnS U. Erubiii 5, -i. 570, 4—6. 
:Sd, Flu.ss, ist verwandt mit j^rSsü, Sabb. 19% aufs hohe 

Meer fahren. 572, 26—28. 
D*??, Ps. 56, 8, bedeutet ,wirf, schleudere fort^ vgl. HtsSs^' HU 

P"IT nnD'iT, M. Berachoth o, 6. Dazu gehört auch tD'Ssn, 

i:Ss:n, Micha 6, 14; \:hz\ Targum von Xp'1, Jona 2, 11. 

574, 9-14. 
□:i:£, P.S. 60, 4, spalten; nDil'? D'1'2 ^D, M. Sabb. 8, 7, von 

den Spalten, Fugen des Bauwerkes. 579, 16—18. 
ms, Ez. lo, 20, fliegen; vgl. ausser dem Aramäischen: miSH 

p2, M. Cluilliii 3, 7, ÜTIV ^nnSÖ, M. Sanh. 3, 3. Vielleicht 

stammt davon D^nh^S. öS6, 14—22. 
ID"1£, Lev. 19, 10, die von den Trauben abgelösten, getrennten, 

einzelnen Beeren; 1212, opp. S'r'D, p!2"in 101121, M. Maa- 

seroth 2, 6. 586, 23—26. 
D12, .Ter. 16. 17, Jes. 58, 7; ^:pH ' HDIIS jm^n, ßaba bathra 9", 

ns ncnS M. Demäi 5, 5. 587, 7—10. 
>"12, Ez. 24, 14, bedeutet umkehren, sich abwenden: ,ich werde 

mich von meinem Worte nicht abwenden, von ihm nicht 

zurückkommen*; vgl. pISJ^S, M. Megilla 2, 1, , umgekehrt*, 

vom Ende dem Anfang zu. Dazu gehört auch I^ISfl, 

Exod. 5, 4, abwendig machen 587, 33 — 588, 2. 
niSn£, Deut. 32, 42, Vergeltung; iriS:!^ i:':' I^IÖJm, in dem 

Gebetstücke nach dem Schema. 588, 5. 
::n£, Ez. 34, 12, Prov. 23, 32, trennen; nh Hl p tTISH H)!:, 

Sabb. 155'\ 589, 17. 
nt'^, Echa ;], 1 1 ; nr2:r |S^S\ M. Schebiith 4, 6. 590, 25. 
t"2, Ez. 16, 25; Q'bnn plDS, Kethub. 39\ 591, 25. 



r^ r« 



' Diese Lesniiir für HDIIS findet sich mir bei Abulwalid. Rabliino wicz 
z. 8t. verzeichnet sie nicht; sie ist auch zweifellos die richtige, da der 
mit dem anureführten Worte beginnende Ausspruch über Alijiosengehen 
mit Jes. 58, 7 begründet wird, so dass HDIIS fmiri dem D")C entspricht. 
Sowohl .J. l'archön als Kiinchi haben in ihren Wörterbüchern das Citat 
"p*? nDT"S jmsn ühernommcn, doch Erstercn' unrichtig mit der (Jitirungs- 
fornud für Mischnasätze (]3m). Biesenthal und Lebrecht in ihrer Ausgabe 
d(is Wurz(dbuches von Kimclii geben Demäi ö, 5 als Stelle au, sie mit 
der anderen auch von Abulwalid angeführten Stelle verwechselnd. 



19R Hachri-. 

S^n2, Niim. 1'.', 15, fest sicli anschliessend^ wie in M. Kcluii 10. 
2. 5U4, 80. 

□nnS, II K. 23, n, Umgebungen; D^'^flT^t' annSD, Gittin 
8'\ 596, 11. 

□THSr, 1 Sam. 13,18, Hyänen; "131 P1D2£, Baba kamma Kr\ 
599, 4. 

n^n^Ii, Ruth 2, 16, Bündel, Handvoll, soviel mit der Hand 
zusammengefasst Averden kanu; vgl. nS2i, M. Erubin 10, 
15, Zange, so genannt, weil dies Werkzeug die Sache 
zusammenfasst. 599, 12 — 16. 

TiJ Seite. Dass die Wurzel lllt sei, beweist der Plural CTl^. 
M. ChuUin 1, 4. 599,, 23. 

"in^, Gen. 6, 1(), Lichtöffnung, Fenster, durch welclus da^s 
Licht eindringt. Gen. 8, 6 pbpl genannt: vgl. Ili^^, Oho- 
loth 13, 1. 600, 31-601, 3. 

D"''r'l£b^, H Sam. 6, 5, Ps. 150, 5 sind Castagnetten, (^Ucü..^^^ 
s. Dozy, Supplement I, 659"), welche mit beiden Händen 
aneinander geschlagen werden und so ertönen. Diese Art 
der Handhabung des Instruments beweist der Ausdruck 
der Mischna: h^ihl^ . . • r^pHI, M. Tamid 7, 3, und 
'?:::'^i:D ^'pÖ, ib. 3, 8; denn rpJ, ^'"'pn bedeutet scldagen, 
vgl. |trp3, Dan. 5, 6, r':'Dnpn tr^pn, M. Bechoroth 7, 6, 
l^'pm pa>n ^W, jer. Berach. 12'\ 609, 18—32. 

trirhl, n Küu. 2, 20 ; m^mbir ^a by, Baba kamma 49 ^ 

610, 28. 
□^pS2i:, Hos. 9, 14; pl:2t02iS2, Sabb. 37". 613, 14. 
tVyi, Hieb 6, 17, verdichten, zusammenziehen; vgl. i'T'^n nX21ii, 

M. Chullin 4, 6, Vereinigung, Bündel von Sehnen. 613, 26. 
rm, Kälte, Prov. 25, 13; pt::2in, Moed Katon 12^, n::i2£n, M. 

Demäi 5, 3. 613, 30—33. 
mb3it, Gen. 41, 23; r\r:^:^ na, Berach. 39 ^ 614, 12. 
j;3i:, Prov. 11,2, Micha 6,5; ^^l^riT], M. Para 7,8. 614, 14. 
"inaii, Ezech. 32, 6, kann auf mehrfache Weise erklärt werden. 

Nach dem Ausdrucke T\^1 n3nX2, M. Menach. 5, 8, von 

der flachen Pfanne, könnte man "jnSiJ p"lS übersetzen: 

dein ausgedehntes Land (^Xk^^yv^j Jpj^^- *^''^? ^^ — ^'^• 
HTSSr, Ez. 7, 7 Reihe, Kreis, Jes. 28, 5 Diadem; niTSli, M. 

Kelim 16, 3. 618, 24—27 und 712, 5. 



I>ie hebiäisch-neuhebhiische u. hebiäisch-aramäische Spiachvergleichiing etc. 199 

hzp, Exod. 26, D, II Kon. 15, 10, Ez. 26, 9; nn ^3£ b'Zprh, 

Joma 77". 624, 7. 
tsSp, aufnehmen, einziehen; nt:Slp Aboth 5, 15-, \2^hp'', M. 

Sabb. 1, 6-, ntS^p, ib. 11, 6. 635, 27—32. 
•t:!2p, Hiob 16, 8 und 22, 16; r2!::pn, M. Nidda 5, 8. 636, 28. 

C"l'!2p, Gen. 41, 47, ist vielleicht nach □^iJl^p)^, Baba bathra 
106'', zu erklären. Mit dem letzteren Worte sagt der 
Amora Samuel, dass man für den dritten, nach der Erb- 
theilung gekommenen, Bruder von jedem der Antheile 
der beiden anderen Brüder wegnimmt, damit er so sein 
Drittel erhalte; ebenso bedeutet D'^^^pS, dass die Aegypter 
in jedem Jahre des Ueberflusses von ihren Ernten einen 
Theil wegnahmen und bei Seite schafften. 637, 12 — 18. 

Xp, Jes. 46, 6, Wage. In der Baraitha, Baba bathra 89^, heisst 
nur der Balken der Wage so, während die h. Schrift die 
ganze Wage damit bezeichnet. 638, 30 — 33. 

l'pi'p, Lev. 19, 29, stimmt in der Bedeutung mit 'i!p1!p^, Taa- 
nith 16^, überein; mit diesem Worte wird das Abreissen 
und Zertrümmern des Gebäudes bezeichnet. ]!p]!p be- 
deutet graviren, einritzen, wie aus M. Makkotji 3, 6 er- 
sichtlich ist, wo 2n!D als nothwendige Vorbedingung der 
mit ]!p*i!p bezeichneten Handlung erscheint, indem dem 
Graviren das Zeichnen, Schreiben der darzustellenden 
Figuren vorangeht. 652, 23 — 31. 

yzp, Höh. 2, 8; lilbsi I^EpK, Gittin 49". 640, 19. 

D"ip, Ez. 37. 6; n^:a ^t2^p'*^ n^, M. Sabb. 1, 10, mü hv nnp, 

M. Chullin 3, 1, nbptr D)^p, Chullin 47". 648, 16—21. 

y^p, Jerem. 46, 20; 1}£np, U. Joma 3, 4. 649, 17. 

"lp"lp. Dieses Num. 24, 17 und Jes. 22, 5 vorkommende Verbum 
ist nach THTn^lplp, M. Kelim 2, 2, zu erklären; dieses 
Wort bezeichnet den Boden, den unteren Theil der Ge- 
fässe, demnach bedeutet das Verbum: das Oberste zu 
Unterst kehren, von Grund auf zerstören, sowie "llpp?, 
Kohel. 3, 2 ,von der Wurzel ausreissen^ bedeutet, von 1pJ7, 
Lev. 25, 47. 652, 32—653, 10. 

nS"l. Zu nX"r2, Spiegel, Exod. 38, 8 s. den Singular, Sabb. 149": 
nsns:n |"Xn pX. 655, lO. — Zu nr5<"in, Esther 2, 9, s. die 
Redensart -[dSi '^'jh i^lH ^IK^. 655, 23. 



200 • Kaeher. 

l?ni, Lcv. 20, 1(1, il». IS, 'SA 1111(1 l'.l, 1'.), ist metapliorisch 
angewendet in nj,"'D'n, IM. Taanith o, 1, vom Regen, der 
die Erde beleuchtet und ilir Waelisthuni bewirkt, vgl. 
Jesaja 55, 10. (562, 29— (563, 3. 

Sil. 'i"l'?}l'nn, Hos. 11, 3, bedeutet: ich habe gewöhnt; vgl. S"'3"l, 
z. ß. M. Taanith 2, 2. 664, 22—26 (Abuhvalid verweist 
ausserdem auf das Kitab a1-luma', wo er an mehreren 
Stellen — s. Kikma 31, 15; 49, 8; 199, 14 — das neu- 
hebräische 7'')l'nn heran/ieht). 

D'D'Dn, Amos 6, 1 1 ; vgl. DCnü, M. Sabb. 8, 5. (182, 30. 

m'?n, des. 3, 19; vgl. n^Sm, M. Sabb. 6, (■). 683, 33. 

D^n21, Hab. 3, 12; den Singular dazu s. M. Baba bathra 3, 3: 

npn Str' na-i. 686, 12. 

iVirn, Esra 3, 7, Erlaubniss; nim mn:, Berach. &\ Daher 
heisst die Herrschaft auch mtl^n, Aboth 2, 3. 690, 1—3. 

nn*!, Hosea 13, 1, bedeutet was sriTll, Targum von 1^1, 
Exod. 15, 15; bei den Alten: D^Ü2'^ ^^n nnnn. (Hier 
wurde Abuhvalid durch einen sonderbaren Schreibfehler, 
vielleicht einer secundären Quelle irregeleitet, denn es 
kann mit dem Citat nur der Ausdruck in Chullin 54' 
gemeint sein: Ü^r^"^ ^''2 nnnH. Parchon, Machbercth 65'-, 
schreibt ohne weiteres nach: ^"2 nnnn imiD^ nXiKI 
a^llStr.) 690, 32—691, 1. 

nncan, H Chr. 2, 15 ; s. den Singular TiDD"! im jer. Talmud, 
Berach. S\ 692, 13—15. 

SiSrnr, Fs. 58, 9; nTl^S SiSnr Xnn, Sabb. 17\ 699, l— 5. 

mü; im Hiphil, sich hinwenden, blicken; s. pH^i^^ pS, M. 
Beza 3, 6. 703, 9. i:t, Deut. 7, 13, Exod. 13, 12, gehört 
zu mSsn ni:^, M. Berach. 5, 5, n^m n:tr, M. Baba 
bathra 2, 5. 703, 17—21. 

Tflt?, naitr Richter 9, 49 und 48, Ast; hSs] HDItT, M. Mach- 
schirin 1, 3. 709, 27. 

int?, Bestechung, wird im Talmud auf das Reden übertragen; 
man sagt D^m m'^, Kethub. 105\ 713, 16—19. 

tsnt', anspressen; ptom^ pS, M. Sabb. 22, 1. 714, 2. 

ntOtV niDtriS; Befehl, Hieb 38, 33, gehört zu Din "IDtT, Schuld- 
schein. 717, 26. 

hy^. In I Chr. 2S, 19 kann b^DtL'H auf die Bedeutvmg ,hin- 
blicken, betrachten' zurückgehen; dann ist zu vergleichen 



Die hebiäisch-rieubebräisclie u. hebräisch-aramäische Sprachvergleichung etc. 201 

^Dn^lVtSn, ^I. Aboth o, 1, in der Bedeutung betrachten, 
um zu erkennen. 721, 10 — lo. 

DDII'. In Hos. 6, 4, ebenso Jerem. 5, 8 ist D''3^?^ ein Haupt- 
wort in der Bedeutung Morgen, Frühe, nach der Form von 
n^nr^, Jerem. 51, 25; ebenso ist in M. Bikkurim 3, 2 
Ü^^Z'nh) soviel als ^pzh). 721, 33—722, (i. 

n'ZhZ', I K«Jn. 7,28. Stufen; mmiS Vnn^S'Cr dSd, Erubin 77", 
□Sd2 rmrS'v:' p2 ^Sn ,Tn (y, Makkoth 7'' liest man: 

ns'br nt:x:t:':i dSdz rhiv -thj. 724, 12—14. 

^*\^, Ps. 129, (), bedeutet nach einem Commentator (s. Saadja 
bei Ewald und Dukes, Beiträge, I, 70) die heisse Jahres- 
zeit, nach dem talmudischen l^^p ^sS'^T, Jebam. 11(3''. 
Gegen diese sonst vortreffliche Erklärung — bemerkt 
Abulwalid — lässt sich nur einwenden, dass das Wort 
so punktirt ist, als ob es ein Verbum im Perfectum wäre. 
729, 11-14. 
"nyy^, ir Sam. 6, 6, bedeutet verrenkt werden; vgl. I^l^n niSl^^r, 

=]: ni2i!2\r, Chuiiin öi\ 731, 22. 

n'^t', Prov. 23, 7, Gen. 26, 12, ermessen; m^tT nn'^ j^Xtr, M. 

Pea 1, 1. 737, 25—27. 
12ir, Hieb 33, 21, gehört zu ,Tli miDp nS'C'C 'i:, Aboda zara 49". 

738, 14—16. 
j;£'C, Fülle, Menge; D'i'^Str^S:.! hz\ M. Demäi 2, 4. 741, 7. 
pst», I Kön. 20, 10, Hiob 20, 22, Jes. 2, 6, gehört zu jS^ 

Sabb. 128''. 741, 9—15. 
s^p'ü'. Dass s^ip'^^Ö nicht Fenster, sondern Obersclnvelle be- 
deutet, bcAvcist die Talmudstelle: i^pn"lX "'J^^ "'"'ns "lÜSX 

nbnn n^:: n |^d^:d!::i:' ?]ipr^n Sbn (•?). 747, 13— 16. 

"ip'w, Jes. 3, 16, bedeutet winken, blinzeln, vgl. iT'JlpD, Tan- 

chuma, Wajescheb g. E. 748, 1 — 8. 
"intr, I. Chr. 20, 3, sägen, "llt?^, Säge, kommt vielleicht nicht 

von -nt', sondern von ItT:; vgl. Q^ITin ^'C nmtr:, M 
Sabb. 4, 1, DnDj^ p3D!2, M. Sukka 1, 6. 748, 26, 31. 

zyc, Hitze. Vgl. nnnr^c' nnn::2 ><i' ib niasn '^s. 748, 33. 

:TC, verflechten; mLi^H ns jMTvI'^l, M. Moed Katon 1, 8, 
C^n^i: Td'Sü (nn) nr\M< no^t'^,' M.Kelim 16, l. 749, 6—8. 

1 Die gewöhnliche Leseart i.st: DT13 ni:>':>iy rO nD'tt^a. 



202 Hiichor. 

mCV r\1'Ct2, Num. (), :>, g-(>liört zu pitr, M. Sabb. 20, o, "IS 
n-l-CS2n, ]\I. ßerach. 3, 5. 749, 28—30. 

nnü. /n dieser Wixrzt;], deren Grundbedeutung ,fliessen' in 
M. Oholotli 3, 5, nm^, ersichtlich ist, gehört )r\t% sowohl 
Psalm 7.3, 1», als Ps. 49, 15. An der ersteren Stelle ergibt 
sich aus der ursprünglichen Bedeutung die weitere: der 
Kede freien Lauf lassen, vgl. =]''I2n, Micha 2, (5; an der 
anderen Stelle die Bedeutung: sich zurückziehen, ver- 
bergen. 752, ]5— 28. 

ünZ', Nura. 24, 3, schlaflos, offen, vom Auge; vgl. mntr^^T "^3 
□inD^I, M. Ab. zara 5, 4. 753, 13—15. 

int', J Sam. 25, 22; Q^i? pnr^ xb, Baba bathra 19", X^^StTD 

'i^n^^ pnt'ü:, Mcgiiia 27". 753, ig— 24. 

tD^Snt', Esther 4, 11; tO"^nnt» IX SpÜ, M. Ab. zara 3, 10. 754, 15. 
niin, II Sam. 17, 19, hat die Bedeutung von "lin an der Pa- 
rallelstelle, I Chron. 17, 17 und in Esther 2, 12: Rang; 
vgl. D'^'mn, Höh. 1, 10, Reihen. Dazu gehört die Redensart 
vSj7 ^bD nmn, Sabb. 124^^, Rang, Stellung ('^_^l\ '^^ 
<ds:^3). 759, 26—31. 
nn, im Hiphil Jesaja 18, 5; vgl. tTXnn HS mn, M. Chullin 2, 

3. 760, 4. 
abn, Furche; trSs!:: nhnn X.Ttr 1p, M. Kilaj. 3, 3. 762, 27—30. 
^pn, ergreifen; ID^StD S]pin, Baba Mezia 3^ 770, 19. 

Aus diesem Glossar sind diejenigen Vergleichungen aus- 
geblieben, in denen Abulwalid den Gaonen, besonders Scherira 
und Hai, dieselben ausdrücklich nennend, gefolgt ist. Ueber 
dieselben ist das Nöthige zu finden in meiner Schrift: Leben 
und Werke des Abulwalid Merwän Ibn Ganah (R. Jona) und 
die Quellen seiner Schrifterklärung. (Leipzig, O. Schulze, 1885), 
S. 83—91. 

III. 

Hcbräiscli-araiuäischc Sin'aelivergieicliuiis^. 

Die Verwandtschaft des Hebräischen mit dem Aramäi- 
schen- wird von Abulwalid in seinem ersten Werke, dem 



1 Die gewöhnliche Leseart ist Knü\ 

- Abulwalid, wie überhaupt die arabisch schreibenden Juden bezeichnen 
das Aramäische, ohne das Biblisch -Aramäische, Targumische, Talmu- 



Die hebräiscli-neuhebniisuhe ii. hebiäisch-aiamäische Sprachvergleichung etc. 20o 

j\[ustall.uk', so charakterisirt, class er die letztere Sprache die 
Zwillino'sschwester der ersteren nennt^ indem sie unter allen 
Sprachen die meiste Aehnlichkeit mit ihr habe.- Als Beweise 
hiefür erwähnt er daselbst insbesondere/' dass beide Sprachen 
im Gebrauche' der Vocale Kamez und Pathach, ebenso in der 
Vocalisation bei Gutturalen und endlich in der Bildung des 
Hithpael von Wvu'zeln mit Zischlauten als erstem Kadical über- 
einstimmen. Als Beweis könne ferner gelten, dass die Hebräer 
selbst in der Massora die beiden Sprachen vollständig gleich- 
stellen, indem sie z. B. von "l^-l sagen, dass sich dieses Wort 
dreimal finde, nämlich ausser Ps. 18, 26 noch Daniel 2, 25 und 
ö, 11,' also ohne jegliche Unterscheidimg eine hebräische mit 
zwei aramäischen Stellen zusammen nennend. Ebenso heisst 
es in der Massora, dass in Q'S'IS das D stets mit'Dagesch 
gelesen werde, mit Ausnahme von Dn''3"l!3, Richter 7, ß und 
^"nD"l!;, Dan. (), 11.'' Auch in der Massora über die Frage- 
partikel nü, wonach diese vor n und p stets H^ gelesen werde, 
mit Ausnahme von fünf Stellen, wo H^, und zwei, wo HO 
punktirt ist, wird als eine der fünf Stellen eine aramäische 



dische von einander zu unterscheiden als syrisch, ^^\j> j.-«j. Doch über- 
setzt Saadja, Jesaia 36, 11, rT'ÜIX mit ^L^ia-^../üL>. 
' Opuscules, ed. Dereuljourg, p. 133, Z. 7 f. 

renl)ourg übersetzt die letzten vier Worte dieses Passus so: ,et qui 
Uli ressemljle pour la ])]upart de ses raciues'. Er liest also statt <^k_,j^.i 
(d. i ^iL^JL«), liinsiciitlicli der Aehnlichkeit) das Adj. ^^.^..^^^■J^ und tasst 
iJ1jLrJJ\ nicht als ,8praclien' auf, sondern im Sinne von , Ausdrücke, 
8praclnvurzelu'. Vgl. R. VIII, 1 f., wo das Original zu dem t'olg(Uulen 

Passus: nijur'^n bsö ~inr 1321^.''?'^ nsin •'üiKn jiu>'?n -inx sma' ^:£a so 

lautet: \ oLwJb ^-^ ^^b ,^.^]\ jjo OL»JJ\ jiS\ ySb ':>\. liier ist 

L{,x-<i soviel als 'd..^,.^. 

3 Opuscules, p. 13.S rt'. 

^ S. Massora zu Dan. -2, -Jö. K, 133, lO nimmt Abulwalid an, ~i:3 in 
Psalm 18, 20 könne ein Aramäismus sein. 

•'- S. Massora zu Dan. C, 11: 'Z ]K. "C (Norzi üjn) -D^^'n D'^-Q fitt''? hz. 
Bei Abulwalid steht dafür: '" p ^Z \'Z':i a:Z"b hz. Abulwalid urgirt den 
von der Massora gebraciiten Austlnick NOil"'? 73, indem durch diesen 
bewiesen sei, dass man die beiden Sprachen als eine betrachtete: L^^^JLsji 



204 Bacher. 

genannt: Dan. 4, -VJ. ' Wie. sehr, eben wegen dieser nahen 
Verwandtschaft der beiihMi Sj)rachcn, die Hervorragendsten 
unter den Hebräern in aUer Zeit die Kenntniss des Aramäi- 
sehen besassen, sehe man aueli daraus, dass sie in den lUlchein 
Daniel inid Esra ohne Nöthigung aramäisclie und hebräische 
Abschnitte untereinander mengten. 

In grammatischer Beziehung hat Abulwahd nur selten 
Veranlassung, das Aramäische zur Verglcichung heranzuziehen. - 
So sagt er von dem S, mit dem die Wörter "isnrii^, 11 Chr. 20, 
35, ■'n'?X3K, Jes. {)?,, 3, ibSint^X, Ps. 7(-), H und ^^::3i^, II Chr. 10, 
14, beginnen, es sei analog dem X in rT'ljriK, Dan. 7, 15, und 
anderen aramäischen Zeitwortformen.'' Nach dieser Analogie 
ist vielleicht auch das S in irT^JiKm, Jes. 19, 6, aufzufassen.' 
Das Kamez unter dem n in Ijni/ÜlII'n, Jos. 2, 17, und sonst, 
zwischen dem Objectsuffix 1J und der mit ri schliessenden 
Verbalform, entspricht dem gleichen Kamez in S^nj/mn, Esra 7, 
16. -5 Das ^ in ptr!!2im, Arnos 3, 12, ist das aramäische Relativ- 
pronomen ■'"T, "1, welches hier dem in ähnlicher Weise einge- 
schobenen arabischen U entspricht.'' Zu der Form m"'iDnnn, 
Dan. 11, 23, verweist er auf aram. m!2"I]nn, Esra 1, IG." 

Von den zum Zwecke lexikaliselier Vcrgleichung heran- 
gezogenen aramäischen Wörtern ist nur ein kleiner Theil dem 
Talmud entnommen.'^ Zu n"llÜD, Jerem. 17, 8 citirt er xn^ll^D, 
Kethuboth 97^•' Zu jin^, ausser pm, Targum von "IHn, I Kön. IS, 



' Bei Abulwalid lautet die Massora vollständiger als die bei Frensdorf, 
Massora magna, p. 203, citirten Stellen; sie beginnt bei ihm so: "]'^0T 73 

pnns 'm i'^i^ap 'n ': p in n^ai no jti n^nb. 

- Ibn Koreisch stellt im Anhange seiner Risäle (p. Oö^lOt) die gram- 
matischen Verwandtschaften der drei Sprachen, besonders in Präfixen und 
Suffixen, ziisammen. 

' R. 54, 1 — 5. Norzi, zu II Chr. 10, 14, bemerkt, er habe in ,mehr als 
800 Jahre alten' Pergamenthandschriften "T'22N für T^sn, und zwar 
ohne vorhergehendes ''DX gefunden. 

* Wb. 199, 22—28. 

5 R. 229, 11 — 14. 

6 R. 34, 3. S. Die hebr.-arab. Sprachvergleichung Abulwalid's, p. 20. 
■» R. 96, 22. 

^ Wb. 489, 2 wird in einem solchen Falle der Ausdruck "HD/n \\ <Ls6 

angewendet. 
9 Wb. 10.5, 4. 



Die hebräiscli-ueuhebräischc u. bcbiiiiscli-iiiaitiäisclic Spiachvorglcicbung etc. 205 

42, auch jTi:i in einer talmudisclicn Phrase.' D'ITin Jes. 45, 2, 
hat die Grundbedeutung: Windunoen, Krümm ungen, und ist 
verwandt niil xnnpl xmn.-' )2ir, Hiob 6, 17, bedeutet kalt 
Averden, als Gegensatz zu D^n^ im selben Verse; dazu wird 
der Aussprucli R. Aschi's citirt/'' dass man am Versölmungs- 
tage auch mit der Berührung eines nicht ganz gefüllten Bechers 
sich nicht abkühlen dürfe, nn"l'!21 DT^'^, d. h., weil die Kühle 
des Wassers sich den Becher mittheilt, auch wenn er nicht 
ganz voll ist. ' rhün^ Deut. 28, .'58, ist vielleicht s. v. als Is'pD^, 
verwandt mit '^pH, beendet sein.'^ P'^P'^^ ^^^- ^^^> l'^' bedeutet 



' Wb. 132, 9—1--'. Die cilirte TalimulstGlle: n'h ^V'nh) ^TM übersetzt Abul- 
walid mit: iT.LaO iLlkJ", ,er neigte sich herab, imi ihm ins Ohr y,u 
raunen'. So ist die Stelle nirgends zu finden. Vielleicht meint Alnilwalid 
die Stelle: n'S rTlbl '^i "Q "in NnK, jer. Sabb. 14'i (s. Levy, II, 497^'), 
wo er etwa vor tt'TlT'l noch JTIJ las. Doch rathsamer ist es wohl an- 
zunehmen, dass er hier nach einer secundären (Quelle den Schluss des 
Sprichwortes: rh DinSm J''^ XIÜIJ "^nrT'X, Baba mezia ö9% citirt, und 
zwar in der Form, wie sie auch bei Kimchi, Wörterbuch s. v. fHJ, vor- 
kömmt: Tr? 'Onht IIHi. Indem er den Zusammenhang nicht kannte, las 
er n'p, machte aus dem Imperativ das Perfectum und übersetzte dem- 
gemäss. 

'^ Wb. 171, (). Dieses Citat, von Abulwalid so erläutert: ,was sie — die 
Stadt — umgiel)t, umkreist', findet sich gleichfalls nicht. Sollte es nicht 
verschrieben sein atis STIDST N"nn, Chullin 48'', 113", welchen Ausdruck 
auch Kimchi zur Erklärung von C~mn liatV Dieses Beispiel passt um 
so eher, als die ursprüngliche Leseart S"mn ist, s. Levy I, 45.")''. — 
Al)ulwalid citirt auch nocli die talmudischen Redensarten: SD~I Iflü "l"in 
(n2"ll ,er wandte sich um und sagte', rTDCS ~inn, ,er erklärte es wieder- 
holt'. 

^ .löma 78-', wo nach Dikdüke Söfrim z. St. alte Handschriften und andere 
Autoritäten ebenfalls "ti'S' 21 lesen, statt des SDS D"l der Ausgabe. 

'' Wb. -iO-i, 5—10. Abulwalid bezeichnet diese Erklärung von ^miia-t CWÖ 
als seine eigene Ansicht, j^^ULXäI, Ivaschi erklärt i""nTÄ mit ,glatt sein'; 
Aruch, der anders liest ('"irmTN'? TlNT DTiTÖ, s. Kohut's Edition I, 51"), 
erklärt: ,verschüttet werden'. Nach dieser Erklärung hat Bu.xtorf, (')87'': 
ut effundatur parum , wo aber jiarnm durch ein sonderbares Verseheu 
entstanden ist, indem liuxtorf zu D"~niD das im Talmud darauf folgende 
NTJ?' {Zeira, N'ame eines Gelehrten) hinüberzog uiul ül)ersetzte. l'el)ri- 
gens hat aucli Saadja di(^ Vergleichung von 1S~ir mit ^'-HtC (s. Ewald 
und Dukes, Heiträge I, 8ö, Kimchi s. v. 2~n). 

^ Wl). '2:i9, 8 — 11: nna -no bon. Kimchi s. v. bon, hat dafür n"?cn 

n-iiSs n^orz "IS "ihst "ino. Vgl. Amch, hon ii. 



206 15 ach Ol-. 

gelb, wie ''P'\'\\ Kcthul). 1()7\' nJ2D, Kz. 17, 7, ist traiisponirt 
aus n£3D und geliürt so zu X''£13D, Versammlung.- ^n, in 
Jer. 31, 12, Jes. 2, 2, Micha 4, 1, Jes. 51, 24, ib. 60, 5, be- 
deutet anblicken, betrachten, wie denn auch an der letzten 
Stelle damit ns*l parallel ist; vgl. das talmudischc: SilTI^ "'S 
^b Ppn "f?.^ "]D, Ps. 42, 5, bedeutet Menge, verwandt mit "JD, 
Summe, XDD, summircn.' X1£Dt3, den. 24, 25, bedeutet alle 
Arten von Viehfutter, wie das arabische ^_ÄJlfi, und ist verwandt 
mit nSD, ''SD, zu essen geben, nur dass der dritte Wurzellaut 
zu X wurde. ^ 1"13S, I Sam. 30, 21, bedeutet müssig sein, stille 

1 Wb. 298, 14— IG, wo das Wort "p-lV hiutet. 

2 Wb. 329, 12—14 (s. Levy, II, 358"). Ganz so, ohne Abulwalid zu 
citiren, Kimchi, v. r. JS3. 

3 Wb. 413, 3 — -7. Der angeführte 8atz, Kosch Haschana 34"^, wird von 
Levy, in, ST", nach der anderen Leseart (J^iTTlD statt XD"l"ri3) so über- 
setzt: ,wenn ich dir durch Schnauben ein Zeichen geben werde, so blase 
für mich'. Ansprechender ist wohl die Erklärung Abulwalid's : wenn ich 
dich anblicke ; doch wird 1,13 in dieser Bedeutung sonst nicht angewandt. 
Ibn Parchon, Machbereth 39*', gibt dieselbe Erklärung des biblischen 
"in3, verweist aber auf eine andere talinudische Phrase: ib^HD'' IB^Tl^S 
^:)bSi "\b K"1\"ID llf^bn jrrbm; er meint das Wort, welches ,sich erinnern' 
bedeutet, s. Aruch, -1,13 IV, Levy, III, 350-''^. 

■» Wb. 481, 9—15. Das erste Beispiel KnS'ST "]D, mit A ^\ dJ..„^ , Summe 
des Kaufes' übersetzt, finde ich nicht. Das andere Beispiel, 'D''trD DnD 
^3D "^D^O, ist wohl ziisammengezogen aus dem Baba bathra 166'' unten 
sich findenden Satze, aber in der Form, wie er in Halachoth gedoloth, 
mich. Halwäa (ed. Wien, 82 ^ oben) zu lesen ist: ^Vi'ü pnnD Hb ■'tD"'K?En 
■ • ■ ^tl-a )nb ^"2^0 "[D-ia abii in^^VZ. Für ^a-'^a haben die Tahuudausgabeu 
^Dne, für ■'DD -p^Ki (Peal): pDÜ "'SIDN (Aphel), richtiger 'SDÖ •'31DN, s. 
Levy, ni, 521=*. Ibn Parchon. s. v. "]3D, 45'', hat das erste Beispiel 
so: ri''317EJ Xri3''37 ^D. Es ist vielleicht die aramäische Uebersetzung von 
hpö D12D, Beza 29'', welchen Ausdruck Kimchi, s. v. 13D, citirt. 

^ Wb. 488, 18—489, 2 (s. die Berichtigung in Z. d. D. M. G., 38. Band, 
S. 62''). Die angeführten Talmudstellen sind: Pesachim 3'' {r\''bn2 "b 13D) ; 

n^3ö n'^b 1DD ab^ (?) ; Kpii'^b rr'BDi -[T' rr-rJa x"? ■'Küx, s. chuiiin i07 '■, 

wo die letzten zwei Worte fehlen; ferner theilt Abulwalid in extenso 
die Erzählung Rabba bar bar Chana's mit, aus Chullin 106-'. Für diese 
hat er mehrere erhebliche Varianten, so in"]''?: ''b 1BD üb) statt nn* s"?! 
^TQ ''7', und am Schlüsse nach den Worten p'^tlb miCÄ noch die Moti- 
virung: IH^IHD T]^b ISO K"?nö. Gerade aus diesem iSchlusspas.sus beweist 
Abulwalid, dass "'SD nicht einfach , geben', sondern ,zu essen geben' 
(^>_»i>\) bedeutet: ,denn das Geben, ohne dass man es zum Essen gäbe, 
reicht nicht hin, um den Empfänger zur Theilnahme am gemeinschaft- 
lichen Tischgebet (pö''?) zu berechtigen'. 



Die hebräisch-neuhebräisclie u. hebriusch-anuniUschc Sprachveiijlciüliung otc. 20 i 

stehen, nach tahn. ~i:£, Müsse haben.' Zu 1j"l2J<, Dan. 11, 45, 
vgl. talm. S;i£K; beide Wörter bedeuten emen burgartigen 
Bau."- □""ins, II Kön. 2o, 11, sind die dem Tempel umgebenden 
Räume, vgl. Xmn2 Sdi S^n, Kethub. 54", Babel und seine 
Bezirke.-' ]^Z^^p'', Jes. 29, 21, liat die Bedeutung des talmudischen 
S*ü"p, Widerlegung, Gegenbeweis.-* Dass zu 1p, Hip, TVpf^ <^ie 
Wurzel nnp ist, beweist talm. Tip, kalt."' It'U'pnn, Zeph. 2, 
1, darf vielleicht übersetzt werden: l^irr-^, werdet alt, d. i. 
vernünftig, indem gewöhnlieh mit dem höheren Alter auch die 
höliere P^insicht verbunden ist; das Wort ist dann mit talm. 
Si2?"rp verwandt.'' Indem Abulwalid auf Grund einer arabischen 
Wortvergleichung' tTH"!, Ps. 45, 2, mit , hervorsprudeln lassen' 
erklärt, wendet er diese Erklärung auch auf das talmudische 
^rni an."' n^hz\ Deut. 28, 57 ist soviel als talm. J^n^Sc.^ 

Für die bei weitem überwiegende Masse seiner hebräisch- 
aramäischen Sprachvergleichung entnahm Abulwahd die Bei- 
spiele dem biblischen und targumischen Aramäismus. Er hat 
ausser den bisher erwähnten talmudischen Vergleichungen für 
ung-efähr ein Vierteltausend hebräischer Wurzeln verwandte 



' Wb. 562, 6-y. Die citirte Talmudstelle lautet: jb innx x'? S!2yB "NÜi 
-i:2X Hb KröXI 'Xin Xar "l^JX rna XIÖ (Taanith -20'^). ms Xia ist eine 
nicht schwer zu erklärende Corruptel aus ITSK "lü, und "innK ist wolil 
aus "nr.a corrumpirt, wie eine alte "Variante für das ~12CX der Auso-aben 
lautet. Sar "l":« ist el)enfalls eine alte Variante für DT "T-aiT (s. Dikd. 
Sofrim 2. St.). Vor "U£K hat die Kouener Handschrift des Wb. noch XH, 
vielleicht aus Hp geworden. 

■^ Wb. 5G2, 80—563, 2. S. Levy, I, 136''. 

^ Wb. 590, 6—8. 

•» Wb. 636, 6— <). Ibn Parchon, 59% erklärt demgemäss ]W\p^ mit ptT 

^ Wb. 645, 15—17. Er citirt ""inp N"'!2, Ch>illin 49'', und das Sprichwort, 

8abb. 53% so: n^b Tip n^n nsipriD ib^ZH xnan. 

•; Wb. 649, 28—650, 2. Ibn Parchon erklärt demgenüLss: D'-pn lamm. 

" S. Die hftbr.-arab. >Spraclivergleichting, S. 35. 

** Wb. 677, 6—15. Abulwalid citirt den Aus.spruch Aschi's, Megilla 21^, 
und bemerkt zu den W^orten rrnnSIT JU^nnti "üin-l: ,Er vergleicht die 
Bewegung der Lippen beim Gebete mit dem das ller\«)rsi)rudeln des 
Was.sers bezweckenden Graben'; ferner die Erzählung von den zwei 
.Stummen, Chagiga 3'', irT^nnSU? jrn"1!21, womit ilir Wunsch zu reden 
auf Grund derselljou Vergloichung liezeicdiuet wi^rdeu soll. 
' Wb. 725, 2. S. Levy, III, 532 \ 



208 r.acKer. 

ai':iin;ü.sclie zur Vcri^'lcicliuni;' licnin^"ezoü,'on*, etwa 70 (IcMselben 
nimmt er aus Daniel und Ksra. Wenn er eine Targumstelle 
citirt, in der das betreibende Wort vorkommt, thnt er das in 
der Regel mit Angabc des liebräisehen Textes; doch bei häutig 
vorkommenden Wörtern begnügt er sich damit, dass er angiebt, 
welchem hebräischen Worte das herangezogene zur Uebersetzung 
diene.' Von DDT'PD, Gen. 45, 17, sagt er in diesem Sinne: 

aDn!::n3 amn y^;-^ von ^int?, iiiob K), k-I: ^r; Dinn.-' an^inpü, 

lliob 34, 25, ist dem Aramäischen verwandt und soviel als 
□n'"C'>'X2. ' Für D"13; Knochen, genügt es ihm zu sagen, es sei 
dem Aramäischen verwandt;'' ebenso für b'2p, empfangen." 1*nn\ 
Jes. 29, 22, "1111, Esth. 1, 6, ^^)n, Jes. 19, 9, sind nach der 
, Sprache des Targum' zu erklären, wo für *^'2^, weiss, "IVH ge- 
sagt wird." Von HD], bellen: dieses Wort ist sowohl dem Ara- 
bischen als dem Aramäischen verwandt.^ Zu *]trs, Lev. 21, 20. 
citirt er ühvn ^StTX." 

Abulwalid hat in seiner hebräisch-aramäischen Sprach- 
vergleichung das bei seinem Vorgänger Ibn Koreisch vor- 
gefundene Material zum grösseren Theile benützt. Wenigstens 
finden sich die aramäischen Wortvergleichungen, die der nur 
zur Hälfte erhaltene erste Theil der Risale '" enthält, zumeist aucli 



' So Wb. 92, 23 (vgl. 323, 13), zu p31, Koh. 8, 10; Esth. 4, 16: D1J-in yn 
7N1. 126, 12, zu 1J, Hiob, 30, 5: -[in DlJ-iri; 153, 19, zu rornia, Jes. 14, 4: 

Knm nriT Dinn ^^-^ 211, 5, zu n^n^i, 11 Sam. 22, 46: mnnjl jys ^^j 
NTan üBs ^] -2.21, 3, zu -itsn, Jes. 11, 1: xntsin nüia Dinn; 2:-}ü, i.'j, 

zu -liari: J" 'n-, 329, I6, zu jeS: nn T; 500, 12, zu iny, .Jos. 5, 11: 
|n Tl; 503, 20, genauer .508, 5, zu i:?, Gen. 49, 27: '?'?Sy Tl; 521, 31, 
zu r^p:!, Ps. 55, 4: msC 'n; 596, 22, zu D:nB, Koli. 8, 12: ^m 'H; 647, 

26, zu nnp: nianbji 'n. 

2 Wb. 103, 2. 

^ Wb. 705, 30. 

" Wb. 498, 1. 

'- Wb. 144, 27: ^b,,..*JÜ ^1^-* ^A^. 

6 Wb. 624, 2. 

~' Wb. 217, 7, vgl. Mustalhik, Opuscules, p. 79. 

* Wb. 401, 21. 

^ Wb. 70, 29-, gewiss nach Ibn Koreisch, Risale, p. 28. S. Low, Aramäische 

PHanzennanien, .S. 62. 
'" Von diesem Theile fehlen nämlich die Buchstaben h bis ?i' und der Au 

fang von n. Vermnthliche Anfährungen aus dieser verlorenen Hälfte bei 

Abulwalid s. folg. Seite Anm. 8. 



I 



Die hebräisch-neulicbniische u. hebräisch-aiamäisclie Sprachvergleichung otc. ^09 

bei Abulwalid wieder; doch hat dieser auch hier eine grosse 
]\[enge neuen Materiales hinzugebracht. Indessen linden sicli 
bei Ibn Koreisch nahezu 40 Vergleichungen des Hebräischen 
mit dem Aramäischen, welche Abulwalid nicht in sein W()rter- 
buch aufgenommen hat. Das liegt an verschiedenen Gründen. 
Einige der betreffenden Wörter hat Abuhvalid lieber mit dem 
Mischnahebräisch verglichen.^ Anderswo fehlt die Vergleichung, 
weil die Bedeutung der Wurzel überhaupt nicht besprochen 
wird, wie bei mehreren schwachlautigen Verben. 2 Bei anderen 
Wörtern hält es Abulwalid für unnöthig, so wie Ibn Koreisch 
das verwandte aramäische Wort anzugeben, da das hebräische 
zur Grenüge bekannt ist und die Vergleichung überflüssig wäre. •' 
Manchmal ist anzunehmen, dass Abulwalid die Vergleichung, 
die Ibn Koreisch bietet, nicht billigte; so wenn dieser "'inxnn, 
Ez. 21, 21, vom aram. THX = hebr. mS ableitet, h^i^ mit 
aram. |S''X, Baum, gleichstellt, lÖS;, I Kön. 20, 38, trotz des 
X, mit Snapr^, ntmi<, Ps. 21, 3, ohne Rücksicht auf die ver- 
schiedene Wurzel, aber auf Grund der alten Wurzeltheorie mit 

r^ri, s*n mit sn, ^rbni, Hieb 32, ß, mit r\^hr\^ vergleicht, am 

zieht Abulwalid vor mit dem Arabischen zu vergleichen ; ' C'lin 
erklärt er nicht für das, was es im Aramäischen bedeutet, 
jFreie'; '" für TinStO, Echa 2^ 22, hat er andere Vermuthungen.'" 
Es finden sich bei Abulwalid auch directe Abweichungen von 
aramäischen Vergleichungen Ibn Koreisch's, wenn er auch diesen 
nicht mit Namen anführt. So wenn er in dem ersten Artikel seines 
Wörterbuches die Vergleichung von ''SX, Höh. 6, 1 1, mit iTSX? 
dem Targum von VIS, Ez. 47, 12, nicht gelten lässt; " oder 
wenn er noch entschiedener die Ableitung des Wortes millJ?, 
I Sam. 2, 36, vom aram. S'liJK, Lohn, abweist. ^ 



J So jö^, Wb. 57, 7; 'i3, 1-26, 27; löJ, 139, 19; mn, TH, 213, 21, 27; 
Pjan, 240, 20, 26; C\pr\, 770, 19.- 

2 So b'>a, ^bü, xnx, nrn, nr?, nir^, mn, ntn, nsn, an% -ip\ 

3 So niK, -i::, -in, pbi, pn-;, bnn, ^bn, trbn, non, nb^, bsr. 

4 Wb. 288, 16. S. Hebr.-arab. Sprachverfjleichung-, S. 37, Anm. 1, 

5 Wb. 217, 15. 

« Wb. 267, 1—10. 

" Wb. 15, 8—10. Vgl. den ersten Artikel der Risäle, p. 3. 
^ Wb. 21, 2 — 5, citirt mit der Formel: ^y» \o-^ ^~. Mit dem Aus- 
drucke ^^, Leute, citirt einmal aucli Hajjüg- den Ibn Koreiscli (s. 
Sitzungsber. d. phil.-hist. Gl. CX. Bd. I. Hft. 14 



210 Üachor. 

Aus der £2;rossen Menge der hebräisch -aramäisclien Ver- 
gleichiingon Abuhvalids seien hier noch folgende hervorgehoben, 
die auch ein specielles exegetisches Interesse haben. 

y]i^, Deut. 23, 14, und m3T, I Kön. 22, 38, sind mit aram. 
pT, Waffe, zu erklären; das i5 im ersten Worteist prosthetisch.' 
T^K, Deut. 3, 17, m^i'i^, .los. 10, 40, stammen von l]^^, ver- 
giessen.' IST, Neh. 7, 3, bedeutet verschliessen, s. Targum zu 
kichtcr, 3, 13.-* DSinD, II Sam. 23, 9, ist vielleicht nach S^^IH, 
scharf, zu erklären; ,als sie scharf waren gegen die Philister^, 
gegen sie ergrimmten, als ob es hiesse: DT!^"?£2 D33in^nD, vgl. 
piiTiTi^, Ps. 73, 21.' pX ^^rnü, Ps. 74, .20, ebenso D^D'^TH, 
Prov. 22. 29, sind die niedrigen, gemeinen Menschen, vgl. 
X''D''trn, Targ. von D^S^H, Jerem. 39, 10.-^ IjS'r'tO^I, Neh. 3, 15: 
beschatten, d. i. bälken, bedachen, vgl. SStD, Targ. von '72i, 
Gen. 19, 8 und bbton, Dan. 4, 9." PjatO, Jes. 3, 27, bedeutet 
die schwankende, sich hin und her neigende Bewegung, die 
dem Schwimmen gleicht; die letztere Bedeutung hat nämlich 
S^'^tOJ^, Targ. von s^^l^n, Deut. 11,4." nflbö, Wüstenei, Einöde, 
gehört zu inbXSJ, Jes. 51, 6, abgeschnitten sein, zerfallen, und 
ist verwandt mit aram. vh^, i<^rht2 Esra 4, 14.^ inn, I Sam. 7, 



1 

I 



meine Grammatische Terminologie des Hajjng, S. 40); ebenso Abnl- 
walid selbst (s. Hebr.-arab. Sprachvergleichung, S. .31, Anm. 1). Vielleicht 
gehören dem nicht mehr erhaltenen Theile der Risäle Ihn Koreisch's 
folgende bei Abulwalid anonym citirte aramäische Vergleichnngen an: 
PDS, Wb. 326, 31 (p^* JU')-, ^lü (Deut. 32, 24), 369, 8—14, verworfen 
(^55 r^j L^); ■'rt'ö'? (Ezech. 16, 4), von ir^tT, Glätte, 396, 13—15. 
nsr (Zaciiar. 5, 2), von «T'^Tll, Targum zu nSsai (Exo^d. 26, 9), falten. 
510, 25 f.; njD (I Sam. 30, 21) = IDiriD, von priJSn, Targum zu 
DD-inn (Exod. 23, 24), 562, 10, vgl. K. 190, 26. Die letzten drei Er- 
klärungen sind mit wt*<^, es wurde erklärt, eingeleitet. 

1 Wb. 190, 12—15 und '31, 15—18. Ebenso Ibn Koreisch, Eisale, p. 4, 
und Menachem b. Sarük, |t HI, 79'', wo der Hei-ausgeber statt bv 
^5?.K, Deut. 23, 14, irrthümlich und sinnlos angiebt: D""' T"ta '^Npin" -["OTK b:!. 
— niDTm, I Kön. 22, 38 übersetzt auch Targum mit H^l "30. 

2 Wb. 70, 7 — 11. Ebenso Ibn Koreisch, p. 7, und Menachem, p. 35*. 

3 Wb. 133, 27—32. 

* Wb. 249, 25—250, 4. 

5 Wb. 254, 6—8. 

« Wb. 263, 23—20. Ebenso Ibn Koreisch, p. 2.3, und Menachem, p. 98-'. 

' Wb. 266, 19—24. Ebenso Ibn Koreisch, p. 24. 

8 Wb. 377, 7 — 10. Hier folgt Abulwalid, wie es scheint, traditioneller Er- 



Die hebräisüh-neuhebräischc u. liebiäisch-ammaisclie Spiachveigleichimg etc. iJ 1 i 

-, bedeutet: ,sic versammelten sieh', verwandt mit pH^n^l, Turg. 
von np:i, Jer. 3, 17.1 DinS'!, Num. 14,45, gehört zur Wurzel 
r\2j, im Aramäisehen = liebr. "TC^, beissen; es ist das eine 
auch im Arabischen übliche Metapher füi' das Tödten im Kriege, 
vgl. ^^m), Jer. 8, 17.2 ^2T^, I Kon. 6, 21, ist verwandt mit 
K"13:7, Targ. von HnDH, Ex. 2(), 28, Riegel. ^ n'IV, Jes. 64, 5, 
ist vielleicht verwandt mit a.'^l')!, Targ. von nnSD, Lev. 13, 2; 
^^1'i! 1)12 bedeutet dann ein Kleid, das mit dem so benannten 
(icschwür in Berührung kommt, also unbedingt unrein wird.' 
'Zh :£'1, Gen. 45, 26, ist gleichbedeutend mit Ü^h i^T), ib. 42, 
'JX; denn }Z "13 ist das Targum von nS2ü, I Sam. 25, 37.-'' 
Der Flussname jl^T'^S, Gen. 2, 11, stammt von ^1S, sich mehren.'^ 
i"2i, Jer. 48, 9, bedeutet Flügel; die Flossen, ,die Flügel der 
Fische', werden aram. |''2k''2i genannt, s. Targum zu "l''£3D, 
Lev. 11, 9.' )nh^, II Sam. 19, 8, bedeutet den Fluss durch- 
schneiden, indem man über ihn setzt, vgl. U?^, Targ. von 
ypri, Gen. 22, 3.^ Zu Ti^^p, Jes. 38, 12, msp, Ez. 7, 25, 
vgl. das Targum zu H^Sip n^pH, Jes. 50, 2: DT^pn^K xnapir^sn, 
einschrumpfen, abgeschnitten werden.'-' Zu HÖS"!!, Zach. 14, 10, 
= npy, vgl. D^sn, Targ. von n^^, Ez. 28, 2.i<' ^2^, Gen. 21, 
20, ist vielleicht s. v. als aram. ''Il, Jüngling, s. Targ. zu 
Gen. 37, 2." n'^b, Ps. 32, 4, bedeutet vielleicht ,Öeite', vgl. 
XT'il', Targ. von -[T, Exod. 40, 22.12 inDn'vT^I, Koh. 8, 10, ist 
am besten mit aram. n3^, linden, nDn'CX, gefunden werden, zu 



klärung der Stelle im Btiche Esra, wonach das aramäische Wort riTiü 
Zerstörung bedeutet. Diese Erklärung haben nicht nur Ibn Esra und 
Kimchi, wie Gesenius, Thesaurus 790 'j, angiebt, sondern auch Ilaschi, 
der ebenfalls nnpü damit vergleiclit. 

' Wb. 412, 6—11. 

•i Wb. 436, 19—30. Von Ihn Parchon, p. 40-', als D""iaiX tt" citirt. 

3 Wb. 500, 10—12. 

* Wb. 503, 20—22. 

^ Wb. 565, 1-3. 

6 R. 67, 2 f. 

7 Wb. 608, 8—10, Mcnachein, :: l, p. löl'', .statt pi' mit r\:i): zusammen. 

8 Wb. 610, 3—15. 

3 Wb. 640, 10—12. 
1" Wb. 658, 4—6. 
" Wb. 661, 1-3. 
12 Wb. 704, 28. 

14* 



i? 1 2 Bacher. Diu hobi-.-iiouliuljia.isi;lic.' ii. licbr.-iiiaiiuuscliu SpiiichvcrgloicUuni,' etc. 

erklären. I nm^JI, Jcs. 41,23 vicileielit ••viicli Hp^^Sl, P«. Hl», 
117, gehört zu ^pn^X, erzälilen, Targ-. von "ISD^I.- "]^nnt', 
Jerem. IT), 11, geliört zu «n^^l, losem, Dan. 5, 12.-' *[\nnur, 
Ez. 27, 25, ist verwandt mit Ht!^, sich niederlassen, s. Targuin 
zu II Sam. 17, 12.' 



• Wb. 719, 32. 

2 Wb. 737, 5—8. 

3 Wb. 749, 24. 

' Wb. 757, 10 f. 



XI. SITZUNG VOM 6. MAI 1885. 



Von Herrn F. P^ricdrich in Prag wird seine Schritt 
,Kurzgefa.sste Anleitung zur raschen Erlernung des richtigen 
Lesens in fünfzehn Sprachen', 

von ]\I. P. Willems werden Nachträge und Register 
zu seinem Werke: ,Le senat de la repuLlique Romaine', über- 
rcic-lit durch das w. M. Herrn Professor Büdinger, einge- 
sendet. 

Die Direction des Communal- Real- und Obergymnasiums 
I zu Neu - Bydzow dankt für die Ueberlassung akademischer 
I Publicationen. 

Der Vorsitzende der Centraldirection der Monumenta 
(Jcrmaniae in Berlin übermittelt den von ihm erstatteten Jahres- 
bcrieht, sowie den Etat für das Jahr vom 1. April 1885 bis 
:U. MäriT. 1886. 



Von Herrn Regierungsrath M. C. Ritter von Würz b ach 
wird der 51. Theil des ^Biographischen Lexikons des Kaiser- 
thums Oesterreich' mit dem Ersuchen um Gewährung einer 
Subvention vorgelegt. 



Ferner wird ein Gesuch um Subventionirung der Heraus- 
gabe der ,Acta Tirolensia*^ durch Herrn Dr. Oswald Redlich, 
Ofhcial im k. k. Statthalterei -Archiv in Innsbruck, überreicht. 



Von dem c. M. Herrn Regierungsrath Dr. B. Dudik 
wird eine Abhandlung unter dem Titel: ,Das päpstliche Regesten- 



214 

Wesen unter Benedict XII.' zur Veröffentlichung in den akademi 
sehen Schriften eingesendet. 

Die Abhandlung geht an die historische Comuiission. 



An Druckschriften wurden vorgelegt : 

Accademia, R. della Criisca : Atti. Firenze, 1885-, 8". 

— R. delle scieuze di Turiiio: Atti. Vol. XX, Disp. '2"— 4». Toriuo, 1885; 8". 
Akademie der Wissenschaften, königl. schwedische: Öfversigt af Förhand- 

lingar. 41. a Arg., Nr. 6—8. Stockholm, 1884; 8». 

— der Wissenschaften, königl. bayerische: Sitzungsberichte, 1884. Heft IV. 
München, 1884; 8". 

Abhandlungen, XVII. Band, 1. Abtheilung. München, 1884; 8". 

— — Homer oder Homeriden von W. Christ. München, 1885; 8". - 
Rudolf Agricola, ein deutscher Vertreter der italienischen Renaissance. 
Festrede von Friedrich von Bezold. München, 1884: 4". — Die römi- 
schen Grenzlager zu Passau, Künzing, Wischelburg und Straubing von 
F. Ohlenschlager. München, 1884; 40. 

Gesellschaft, k. k. geographische in Wien: Mittheilungen. Band XXVHI, 

Nr. 2. Wien, 1885 ; 8". 
Heidelberg, Universität: Akademische Schriften pro 1883 — 1884.25 Stücke 

4« und 80. 
Institut national genevois: Bulletin. Tome XXVI. Geneve, 1884; 8". 
Mittheilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt von Dr. A. 

Petermann. XXXI. Band, 1885, III. Gotha; 40. 
Museum, germanisches: Mittheilungen. Jahrgang 1884. I. Band, 1. Heft. 

Nürnberg; 8". — Katalog der im germanischeu Museum befindlichen 

Glasgemälde aus älterer Zeit. Nürnberg, 1884; 8o. 

— Anzeiger. I. Band, 1. Heft, Nr. 1—12. Nürnberg; 80. 

Society, the Asiatic of Bengal: Journal. Vol. LUI, Part 1. Calcutta, 
1884; 80. 

— Proceedings. Nr. XI. December, 1884. Calcutta; 80. 

— the royal geographica! : Proceedings and Monthly Record of Geography. 
Vol. VII, Nos. 3 et 4. London, 1885; 8«. 

— the royal historical: Transactions. N. S. Vol. II, Part. IV. London, 
1885; 80. 

Verein für hessische Geschichte und Landeskunde: Festschrift zur Feier 
des 50. Stiftungstages am 1(5. August 1884. Cassel, 1884; 40. 

Wissenschaftlicher Club in Wien: Monatsblätter. VI. Jahrgang, Nr. 6 
und 7. Ausserordentliche Beilagen Nr. II, III und IV. Wien, 1885; 80. 



XII. srrzuNO vom 13. mai 1885. 



Se. Excellenz dei' Herr Curator-Stcllvcrtrcter A. Ritter 
von Schmerling gibt bekannt^ dass er im Auftrage Seiner 
kaiserlichen Hoheit des Durchlanchtigston Herrn Curators der 
Akademie die feierliche Sitzung am 21. d. IM. mit einer An- 
sprache eröffnen werde. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht über- 
mittelt die ihm durch die kais. russische Botschaft dahier zu- 
gekommenen Werke : ^Reglements Judiciaires de 1' Empereur 
Alexandre H^ und ,Appendices aux Codex' vom Jahre 1883. 



Von Herrn Dr. Georg Bippart^ emerit. o. ö. Professor 
an der Piager Universität, wird eine Abhandlung: ,Die sechste 
und zehnte Epistel des ersten Buches des Horaz' mit dem Er- 
suchen um ihre Aufnahme in die Sitzungsberichte vorgelegt. 

Ferner wird eine Ausgabe von ,Philodemus, Ueber den 
Tod, viertes Buch' nach der Oxforder und Neapolitaner Hand- 
schrift von Herrn Dr. phil. Siegfried Mekler mit dem Ersuchen 
um ihre Veröffentlichung in den Sitzungsberichten überreicht. 

Beide Vorlagen werden zur Begutachtung Commissioncn 



zugewiesen. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Academia real do la Ili.storia: Boletin. Tomo VI, Guaderno III. Madrid, 

1 88.'> ; 8". 
Aca dt' 111 ip royalfi des sciences, des lettres et dos beanx-arfs de BelofiqiiR: 

Bulletin. 54« annee, 3'serie, tome 9, No. .'}. Brnxelles, 1885; 8". 



216 

Central-Commission, k. k. statistische: Oesterreichische Statistik. VHI. 
Band, 'S. Heft: Statistik des Sanitätswesens für das .Jalir 1882. Wien, 
1885; gr. 4». 

— — k. k. zur Erforschnnp: nnd Erhaltung der Kunst- und historischen 
Denkmale: Mittheilungeu. XI. Band, 1. Heft. Wien, 1885; 4". 

Gesollschaft, kais. russische geographische : Nachricliten. Tome XIX, 1883, 
Nr. 2, St. Petersburg, 188.3; 8". Tome XX, 1884, Nr. 2—0. St. Petersburg, 
1884; 80. Tome XXI, 1885, Nr. 1. St. Petersburg, 1885; 8". Bericht der 
ostsibirischen Abtheilung im Jahre 1883. St. Petersburg, 1884; 8". 

Kiew, Universitäts-Nachrichten. Tome XXV, Nos. 1 et 2. Kiew, 1885; 8". 

Lese- lind Redehalle der deutscheu Studenten in Prag: Jahresbericht. 
Vereinsjahr 1884-1885. Prag, 1885; 8". 

Mil itär-Comite, k. k. technisches und admini.stratives : Militär-statistische.« 
Jahrbuch für das Jahr 1879. I. Theil. Wien, 1884; gr. 4". - Für die 
Jahre 1880, 1881 und 1882. I. und II. Theil. Wien, 1884—1885; gr. 4". 

Societä italiana di antropologia, etnologia e psicologia comparata : Archivio. 
Vol. XIV, fascicolo 3". Firenze, 1884; 8". 

Society, the American geographica!: Bulletin, 1884. Nr. 4. New-York; 8". 

— the royal of Victoria : Transactions and Proceedings. Vol. XX. Melbourne. 
1884; 80. 

Tübingen, Universität: Akademische Schriften pro 1883 — 1884. — 27 Stücke 

4" und 8". 
Verein, historischer für Schwaben und Neuburg: Zeitschrift. XI. Jahrgang. 

Augsburg, 1884; 8". 
Zeitschrift für Geschichte und Lande.skunde der Provinz Posen, III. Band, 

2. und 3. Heft. Posen, 1884; 8". 



XIIL SITZUNG VOM 3. JUNI 1885. 



Die Abtheiluns; für Krie^sp^escliichto des k. k. Kriej^-s- 
archives übersendet im Auftrage des k. k. Generalstabes den 
X. Band der ,Feklzüg-e des Prinzen Eugen von Savoyen'. 



Von dem Cnratorium der Savigny-Stiftnno; in Berlin wird 
die Zinsenmasse des Stiftungsvermögens jjro ISS4 der kais. 
Akademie zur statutengemässen Verfügung gestellt. 



Die Savigny-Commission überreicht zur Aufnahme in die 
Sitzungsberichte eine fünfte Abhandlung des Herrn Ober- 
bibliotliekars Dr. Emil Steffenhagen in Kiel über ,die Ent- 
wicklung der Landrechtsglosse des Saclisenspiegels', und zwar 
,dic Bocksdorf sehen Additionen^ 



Von Herrn Professor Dr. D. H. Müller wird eine Al)- 
liandlung unter dem Titel: ,Die Keilinschrift von Aschrut-Darga, 
entdeckt und beschrieben von Prof. Josc^f Wiinscli, publi- 
i'irt und erklärt von 1). II. Müller^ mit dem lOrsucheii um 
Aul'iiahme derselben in die akademischen Schriften vorgelegt. 

1 )ie Al)handlung" wird einer Commission zur Bcgutaclitunu- 



zugewiesen. 



Herr Dr. August Engelbrecht überreicht eine Abliand 
lang unter dem Titel : , Untersuchungen über die Sprache des 
< 'Inuflianus Mamertus' mit dem Ersuchen um ihre Verüilent- 
licliuiii;' in den Sitzungsberichten. 

Die Abhandlung wird einer Commission zugewiesen, 



Sitzungsber. d. iilül.-hist. C\. V\. Hrl. II. Hft. 



218 



An Druckschriften wurden vorgelegt : 

Acadumie des hiscriptions Rt bellos-lottres; Coin])tes-i-Bn(lus. 4" s^rie, 

tome XII. Bulletin d'Octobre — Novombre — DL'cenibre. Paris, 1885; 8". 
Akademie, königliche, gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt: Jahrbücher. 

N. F. Heft XIII. Erfurt, 1885; 8«. 
Bibliotheque de l'Ii:cole desChartes: Revue d'Krndition. XLVP annee 1885, 

1" et 2'= livraisons. Paris, 1S85; 80. 
Gesellschaft, deutsche morgenländische: Zeitschrift, XXXIX. Bd., 1. Heft. 

Leipzig, 1885; 8«. 

— königliche der Wissenschaften zu Göttingen : Abhandlungen. XXXI Band 
vom Jahre 1884. Göttingen, 1884; 4". 

Nachrichten aus dem Jahre 1884. Nr. 1 — 13. Göttingen, 1884; 8". 

— — Göttingische gelehrte Anzeigen. 1884. I. und II. Band. Göttingeu, 
1884; 8". 

Johns Hopkins University Circulars. Vol. IV, No. 39. Baltimore, 1885; 4^ 
Mittheilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt von Dr. A. 

Petermann. XXXI. Band, V, 1885. Gotha; 4". 
Society, the Asiatic of Great Britain et Ireland: The Journal. N. S. Vol. 

XVm, part II. London, 1885; 8". 

— the royal geographica! : Proceedings and Monthly Record of Geography. 
Vol. VII, Nr. 5. London, 1885; 8". 

Spitzer, Sam. Dr.: Die Uhr. Ein Beitrag zur Culturgeschichte der Alten. 
Essegg, 1885; S». 



S teffenli;igen. Die Eiitwicklun;? der liandreclitsjjlosse des Saclisenspiojjolfi. 219 



Die Entwicklung der Landroclitsgiosse des 
Sachsenspiegels. 

Von 



Dr. Emil StefiFenhagen, 

Obertjililiotliekar in Kiel. 



V. 
Die Bocksdorf" sehen Additionen. (Vgl. C VI, 197 ff. 1884.) 



Uie Drucke des glossierten Sachsenspiegels , ,den der 
ehrwürdige in Gott Vater und Herr, Theodericus von Bock- 
storf,' Bischof zu Naumburg, Seliger, gecorrigieret haf^, 
vom Jahre 1474 bis 1501-^ enthalten , Additionen^ zu Text 
und Glosse, Avelchen der Charakter einer Glossierung beiwohnt 
und die daher in der Entwicklungsgeschichte der Sachsen - 
Spiegelglosse berücksichtigt werden müssen. Ihre Ueberlieferung 
Avar bisher sehr ungenügend bekannt. Man kannte sie fast 
nur aus den Drucken und auch diese nicht vollständig. Dass 
der Recension der Bocksdorf'schen Drucke eine andere, 
davon unabhängige gegenübertritt, dass wir zwei verschiedene 
gedruckte Formen auseinanderzuhalten haben, war nicht 
bekannt. Die Kenntniss der li a n d s c h r i f 1 1 i c h e ii Ueber- 
lieferung beschränkte sich auf ein paar beiläufige und in der 
Hauptsache unzutreffende Angaben Homeyer's.-^ Gänzlich un- 



' Die Literatur über ihn siehe in den Sitzungsberichten XCVIII, .08, 
N. 2. 1881 und über seine Glosse ebenda CI, 75*;, 775, 787 ft"., 794 ff., 
803 f. 1882. 

■■^ Ifonieyer, Genecalogio, S. 135 f. Nietz.sche, Allgemeine Literatur- 
Zeit iing 1827, III, 713 ff. 

3 llomeyer, Sadisenspiegol, 3. Ausg., S. 75* und Klonkok (in den Pliih)lngi- 
schen und historischen Abhandlungen der Berliner Akademie 1855), 
Ö. 40Gf. 

15* 



220 Stcffcnli.ifjon. 

bekannt war die nahe Beziehnnji; der Additionen zur Stendaler 
Landrechtsglosse. Für die Kritik der Glosse selbst ist von 
Wichtigkeit, dass die Additionen auch in Gestalt von Inter- 
polationen überliefert sind, so dass wir ohne genaue Kenntniss 
jener uns über den Charakter dieser keine Klarheit verschafien 
können. Seist die Bearbeitung der Additionen zugleich 
eine wesentliche Vorarbeit für die kritische Behand- 
lung der Glosse. Es wird deshalb unerlässlich sein, die 
gedruckte Ueberlieferung voll, die handschriftliche wenigstens 
in ihren w^ichtigeren Bestandtheilen vor Augen zu führen, um 
die Erörterung der sich daran knüpfenden Fragen zu belegen. 

1. Wir zählen unter den Bocksdorf'schen Drucken nur 
einen Primär druck, Basel 1474; auf ihm beruhen acht ab- 
geleitete Ausgaben, Augsburg 1481, 1482, 1484, ohne Ort und 
Jahr, Stendal 1488, Leipzig 1490, Augsburg 1496 und 1501.' 
Ein zweiter Primärdruck, Leipzig 1488, folgt zwar ,in Les- 
arten des Textes, der Glosse und in der Zählung der Artikel' 
nicht der Bocksdorf'schen Recension,^ bietet aber ausser der 
Bocksdorf'schen Glosse zu den Schlussartikeln III, 88 bis 91 
auch die Additionen.'^ Aus ihm soll die Kölner Ausgabe von 
1492 geflossen sein.^ 

Während in dem Baseler (ältesten) Primärdruck die 
Addiciones ohne Bezeichnung als Bocksdorfische erscheinen,'' 
giebt ihnen der Leipziger Primärdruck die Ueberschrift:'^ 

Dijf ßn de additiones, vp den \\ faff&fifpyg*'^ (jhefeAtet van || 
dem Erwerdighen In god || vader vnd kern, kern Theo- 



' Ueber das Abstammuug'sverhältniss siehe ausser Nietzsche a. a. O. 
Sp. 719 f. besonders Homeyer, Sachsenspiegel, 3. Ansg' , S. 76 f., SO. 

2 Homeyer, Genealogie, S. 137. 

•' Homeyer, Sachsensjiiegel, 3. Ausg., 8. 74 f. 

'' So nach Dreyer, Beyträge zur Litteratur und Geschichte des deutschen 
Rechts. Lübeck und Leipzig (1783). 4'\ S. 112, Nr. XHI auf Grund einer 
brieflichen Nachricht des ,Holsteinischen Rechtsgelehrten' Joachim 
Friccins vom Jahre 1739. Homeyer 1. c, S. fi9, 78, 80. Ebert 
(Bibliographisches Lexikon, Nr. 19718. 11, 07.>. 1830) notiert hinter der 
Leipziger Ausgabe die Kölner als , Nachdruck der vorigen'; ob nach 
Autopsie? 

5 Homeyer a. a. O., S. 74. 

•^ Vgl. Homeyer 1. c, S. 75. 



Die Kntwickhiiifr der Landreclitsglosse des Sachsenspiegels. '2'2 I 

dri\\cits' von Bockßdorff , ^i/JJ'cojj tltor NiiaiiWho rch^ 
diide^ ßcjnert fyn na dem text vn\\de der (jlofen, lüoi-me fe 
i linden fchal, 

ueimt also auödriicklicli Diotricli von Bocksdorf als Ver- 
fasser. 

Die beiden Angsbnrger Ausgaben von 1496 und 1501 
bezeichnen die Additionen auf dem Titelblatte kurzweg als 
Bocksdorfisclie: 

l[}je lieht fleh (in der Ja \\ chffenj'piecjel mitjampt den caatelen 
vnd addi\\cionibus hockjtorff'^ 

und ebenso in der Schlussschrift: 

Hrje endet ßcli der fachjfenjnegel (so !) || diu fampt den 
ca^Uelen vnd additio-\hus (so!) Bockfforff w. s. w. 

In den beiden Primärdrucken stehen die Additionen für 
sich am Schlüsse und in dem Baseler mit einem Eingänge, 
wonach sie hyn vnd her in deme Jachfenfpicjel vßwendig des 
textis vnd der glofen Joltent gefchrehen ffelien. Sie waren 
also ursprünglich Randglossen. Von den abgeleiteten Aus- 
;.;aben setzt sie bereits die Leipziger von 1490 ,theilweise 
gehörigen Orts an den Rand oder in den Text^ und lässt sie 
am Schlüsse fort.'' In den späteren Ausgaben seit 1501 ge- 
schieht das allgemein.^ 

\'on dem Baseler Primärdruck (B) weicht der Leipziger (L) 
-owohl in der äusseren Einrichtung, als auch hinsichtlich der 
Vollzähligkeit und im Inhalt ab. Er hat jenen Eingang nicht, 
l)ie Stichworte des Textes und der Glosse, zu Avelchen die 
einzelnen Additionen gehören, schliesst er nicht in runde 
Klammern ein, sondern er markiert sie durch die Zahlen der 
Artikel mit dem Zusatz in textu oder dem Hinweis in glo\ faj. 



' dede, verstärktes Kelativimi, ,(ler da', ,die da', in den Additiuiiou des Leip- 
zif^er Drucks öfter gebrauclit (vgl. z. B. Aiiliang 1, S. 281, N. 17). Scliilhsr 
und Lübhen, Mittelniederdeutsches Würterbucli I, t'.'-J, lS7ü. vdc. de. 

-' .So laHtet der Titel der Ausgabe von 14',)6. Nietzsche (Öp. 715, Nr. 154) 
bemerkt von ihr irrig: ,oline Aufsclnüft'. Vgl. llonaeyei", Kichtsteig 
Landrechts, S. 25 zu Nr. 8. 

^ Ilomeyer, Sachsenspiegel, 3. Ausg., S. 75*, 77. 

< Ueber die Z ob ersehe Au.sgabe von 1535 siehe Homeycr a. a. O., S. 79 
und unten §. 7. • 



222 Stcl"fciilii£;en. 

Die 8aeli«cnspic!;cl- Citatc in dm Additionen sind gemäss der 
besonderen Artikeleintlicilung des Leipziger Drucks (Homeyer, 
Genealogie, S. 188 ff.) geändert. 

Was die Vollzähligkeit betrifft, so giebt der Leipziger 
Druck theils mehr (21), theils weniger (91). Mehr 

im I. Buche die Additionen L, 2, 7, 14, 15 (statt B, IG), 
46, 56 bis 59, 69, 71, 73 (statt B, 94), 74, 75, 80, 82 
(Snmmc 16); im IL Buche L, 3, 4, 11 (Summe o); im 
III. Buche L, 6, 7 (Summe 2); 
zusammen 21. Einmal hat L statt der verkürzten und corrum- 
pierten Fassung des Baseler Drucks (B, 26 im I. Buche) den 
lu-sprünghchen Wortlaut bewahrt (Anhang 1, S. 257 mit N. 18), 
einmal die vollständigere Form (L, 16 im IL Buche). Eine 
Addition (B, 86 im I. Buche) trennt L in zwei, was jedoch 
bei der Zählung besser unberücksichtigt bleibt. 
Andererseits ermangelt L der Additionen 
B, 7, 13 bis 16, 22, 40, 45, 48, 51, 58, 62 bis 68, 70, 
71, 78, 79, 81, 82, 84, 85, 87 bis 92, 94 bis 104, 106, 
107, 112 bis 114, 116, 118 bis 120 im L Buche (Summe 52); 
B, 2, 4 bis 6, 8, 12 bis 15, 18, 19, 21, 23 bis 28, 30 
bis 32, 37, 38 im IL Buche (Summe 23); B, 2, 4 bis 6, 
8, 10, 11, 13 bis 21 im UI. Buche (Summe 16); 
zusammen 91. Im Ganzen begreift 
der Leipziger Druck 84, 18, 7 
der Baseler Druck 120, 38, 21 
Additionen in den drei Büchern.' Folglich bleibt L (109) hinter 
der Gesammtzahl der Additionen in B (179) um 70 zurück. 
Auch die Wortfassung ist in beiden Primärdrucken eine ab- 
weichende. Sie repräsentieren mithin zwei verschiedene, von 
einander unabhängige Recensionen der Additionen. 

Rechnen wir den Bestand beider Recensionen, soweit sie 
sich nicht decken, zusammen, so beläuft sich die Summe der 
gedruckten Additionen auf 179 (B) -\- 21 (L mehr) = 200. 
Davon besitzen B und L gemeinschaftlich 88, B singulär 91, 
L singulär 21. Nachstehende Tabelle wird die Zahlenver- 
hältnisse verdeutlichen. 

1 Homeyer (Sachsenspiegel, 3. Avisg., S. 75*) begnügt sich mit der Be- 
merkung, «1er Leipziger Druck zähle ,zum dritten Buche nur 7 Ad- 
ditionen statt der 21 im (Baseler), Drucke'. 



Die Entwicklung dei- Landvechtsglosse des Sachsenspiegels. 



223 



I. Buch . 

II. Buch . 

III. Buch . 


Auza 


hl 


Davon 


Gesamnif/alil 


der Additionen 


gemeinsam 


Singular 


B 

120 
38 
21 


L 

84 
18 

7 


BL 

68 

15 

5 


B 

52 
23 
16 


L 

16 
3 
2 


B + L 

136 
41 
23 


Zusammen . 


179 


109 


88 


91 


21 


200 



2. Die Additionen kommen aucli handschriftlich vor. 
►Schon Homcyer hat darauf hingewiesen, dass , unter den Hand- 
scliriftcn der Bocksdorf'schcn Recension in der ihm zugehörigen 
von 14(10 (jetzt im Besitze der BerlinerUniversitäts-Bibliothek)' 
die beiden ersten Additionen (des Baseler Drucks) am Rande 
zugeschrieben' seien, ^ausserdem aber noch manche andere im 
Druck fehlende Marginalnoten'. - Diese Angabe ist zunächst 
dahin zu vervollständigen, dass nicht bloss ,die beiden ersten 
Additionen' und nicht bloss die des Baseler Drucks, sondern 
über die Hälfte von den Additionen beider Primärdrucke 
sich in der Homeyer'schen Handschrift vorfinden. 
Im Vergleich zum Baseler Druck fehlen ihr 
im I. Buche die Additionen B, 7, 14, 16, 20, 22 bis 24, 
27, 28, 30, 31, 33 bis 35, 40^ 41, 45, 48, 50 bis 52, 57, 
58, 60, 62 bis 68, 70, 73, 76, 81, 84, 88, 90 bis 92, 94 
bis 96, 98, 99, 102, 104, 106, 107, 112 bis 114, 116, 
119 (Summe 54); im H. Buche B, 2, 4 bis 7, 12 bis 15, 
18, 19, 21, 23, 24, 2{) bis 28, 32, 36, 37 (Summe 20); 
im HI. Buche B, 2, 4 bis 6, 8, 10, 11, 13 bis 16, 18 
(Summe 12); 
zusammen So. Von den 179 Additionen des Baseler Drucks 
sind demnach 93 in der Homeyer'schen Handschrift vorhanden. 
Dabei tritt für 15, 26 im I. Buche wie in L der ursprüngliche 
Wortlaut ein. Zu den vorhandenen hat der Baseler Druck 



> Vgl. Sitzung.sberichte CI, 75G neb.st N. T). 

- Homeyer, Sachsenspiegel, 3. Ausg., S. 75*. Von letzteren sind mnhi-ere 
in dem mir vorliegenden Kieler Exein))bir der abgeleiteten Augs- 
burger Ausgabe von 149(5 (Sitzungsberichte CI, 756 mit N. 4) von 
späterer Hand nachgetragen. 



224 



S tct'f e n li age n. 



längere Zuthateii bei 1, 16, 32, 41, 07 = B, 15, 42, o5, 93; 
bei II, 7, 12 ^ B, 1), 17; bei 111, 3 = B, 7. Ausführlicher, 
als in der llomeyer'sehen Handschritt lauten im Drucke die 
beiden Additionen B, 43 und B, 72; abweichend die beiden 
Additionen B, 12 und B, 54 im 1. Buclie. Einmal erscheint 
im Baseler Druck statt der deutschen die lateinische Fassung 
(B, 78 im 1. Buche). 

Die dem Leipziger Primärdruck eigenthümlichen Addi- 
tionen hat die Homeyer'sche Handschritt sämmtlich, wenngleich 
L, 2 im I. Buche anders gefasst; L, 69 im I. und L, 3, 16 
im II. Buche in vollerer Gestalt. Insgesammt theilt sie mit L 
90 von 109, mit B + L 114 von 200 Additionen. In den- 
jenigen Additionen , welche beiden Primärdrueken gemeinsam 
sind, nähert sich die Homeyer'sche Handschrift mehr der 
Fassung von B, als von L, während sie dem Wortlaut der 
singulären vStüeke in L selbständig gegenübersteht. 

In tabellarischer Form ausgedrückt , gestaltet sicli das 
Verhältniss der Homeyer'schen Handschrift (H) zu den beiden 
Primärdrucken folgendermassen. 



Anzahl der Additioueu iu B 

L 



I. 

Buch 


II. 

Buch 


III. 
Buch 


1'20 


38 


21 


84 


18 


7 



Zusammen 



179 
109 



Davon a) gemeinsam in HB i 66 

HL 67 

HBL 5'2 



18 
16 
13 



b) in H fehlend aus B 

L 
BL 



17 
17 



20 
2 
2 



9 

7 
5 



12 



Gesammtzahl in B -j- L j 136 j 41 



23 



93 
90 
70 



86 
19 
19 



200 



Davon a) in H vorhanden 
b) in H fehlend 



82 
54 



21 
20 



11 
12 



114 

86 



Homeyer erklärt es ferner für unentschieden , ob die 
Additionen seiner Handschrift , schon gleich im Jahre 1460 ge- 



Die Entwickluiif,' iler Landioclitsglosse des Sachsenspiegels. JJO 

sclirirljcn, oder erst später aus einem Drucke hinzugefügt sind/ 
Mit Unrecht. Die diplomatische Prüfung der Scliriftzügc er- 
o-iebt, dass die Additionen von demselben Schreiber (Nicolaus 
Hoher de pirnis) und gleichzeitig mit Text und Glosse am 
Rande hinzugethan sind. Aus ,cinem Drucke^ können sie 
schon deshalb nicht entlehnt sein, Aveil sie weit zalilreicher und 
zum Theil ausführlicher sind, als die gedruckten Formen. Aber 
auch deshalb nicht, weil die Drucke selbst, wenigstens der 
Baseler mit seinen Nachkommen, wie oben (§. 1, S. 221) gesagt, 
im P^ingange auf eine ,geschri ebene' Vorlage hindeuten, in 
der die Additionen nicht am Schlüsse zusammengestellt waren, 
sondern ,hin imd her' , auswendig des Textes und der Glosse' 
standen. Es ist evident, dass umgekehrt die Drucke ihre Addi- 
tionen aus Handschriften geschöpft haben. 

3. Unter den Handscliriften der Bocksdorf'schen Recen- 
sion ' ist die Homeyer'sche nicht die einzige für die Additionen 
in Betracht zu ziehende. Ihr treten zur Seite ihre beiden 
Schwesterhandschriften, welche von demselben Schreiber an- 
gefertigt sind, die Dresdener vom gleichen Jahre und Tage 
und die älteste datierte, Quedlinburger von 1454 (Homeyer, 
Nr. 171 und 577).-^ 

1) Die Dresdener (D), 3IS. Fol. 14 der Prinzlichen 
Secundogenitur- Bibliothek,^ vorher Rittmeister von Burkersroda 
zu l^urghessler (in Thüringen),^ Papier, 1460 am Sonnahende 
nach Epiphanie doudni, gr. Folio, von Homeyer nicht benutzt, 
stimmt in Text und Glosse Spalte für Spalte, Zeile für Zeile, 
Wort für Wort, ja Buchstabe für Buchstabe mit der Homeycr- 
schcn Handschrift. Sogar die gemalten gi-ossen Initialen am 
Anfang der drei Bücher und ihrer Register zeigen die gleiche 
Ausführung. Die Additionen am Rande sind nach Stellung, 



^ Vgl. über dieselbeu Homeyer, Genealogie, >S. 13G, 1.37 niid Sach.sen- 
sjiiegel, 3. Ausg., S. 41. 

- Sitzungsberichte CI, 756, N. 5. 

•' AuKtuhrlich beschrieben von Julius Petzhoklt, Catalogi liibliotiiccae 
secundi generis priiicipalis Dresdensis Öpec. III. Lipsiae 1840. 8". p. G(ü'. , 
mit einem schönen Facsiinile, welches auch die Additionen \eran- 
schaulicht. Vgl. Anhang 1, Nr. 67 im I. Buche. 

' llnmcyer, Verzeichniss deut.sclier Rechtsbücher. Berlin 1836. 8. 32, 
Nr. 1)5. Xerzeiclmiss der von Adolph Öamson von Burkersroda hintcr- 
lassenen Büchensamnilung. Leipzig 1839. 8". 8. ■>\, Nr. 109. 



226 Steffenhagen. 

Zalil und Wortlaut bcMdeii llandscliriltcu gemeinsam. Die 
Felder und Sinnlosigkeiten der Dresdener Handschrift giebt 
die Homeyer'sche unverbessert und sclaviseh getreii wieder. 
Sie entstellt aber ihre Vorlage durch Auslassung einzelner 
Worte oder Silben und diu'ch Sclireibfehlcr. Danach kann es 
keinem Zweifel unterhegen, dass die Homeyer'sche Handschrift 
aus der Dresdener abgeschrieben ist, und dass hier, sozu- 
sagen, zwei identische Ausfertigungen eines und desselben 
Schreibers vorliegen, von denen die Dresdener Handschrift die 
correctere, stattlichere und schöner geschriebene ist. 

Uebrigens wurden beide Exemplare wohl für einen Auf- 
traggeber ausgefertigt, oder befanden sich zeitweise wenigstens 
in einer Hand. Das beweisen drei kurze Marginalnoten mit 
der Jahreszahl 1525, welche beiden Exemplaren an denselben 
Stellen am Rande der Glosse zu HI, 44 und von derselben 
Hand gleichlautend beigeschrieben sind. Auf spätere Identität 
des Besitzers weist, dass beiden Exemplaren vorn und hinten 
dasselbe Bibliothekzeichen und dasselbe Wappen eingeklebt ist. 

2) Die zweite, ältere Schwesterhandschrift (Q), in der 
StadtbibHothek zu Quedlinburg (ohne Nummer),' Papier, 
1454, gr. Folio, zeichnet sich dadurch ans, dass sie auch das 
Lehnrecht und dessen Glosse mit Additionen (,Randnotcn') 
versehen hat. Sie enthält ausser dem Lehnrecht mit der 
,längeren^ Glosse das Landrecht mit der Glosse der Bocksdorf- 
schen Recension, das Schlussgedicht GOt in deme Eeiche,'^ und 
die glossierte Weichbildvulgata in 135 Artikeln (wie bei Daniels). 
Das erste Blatt, zu Zepernick's Zeit vorhanden,^ mit dem 
Prooemium zur Lehnrechtsglosse und dem Anfang des Lehn- 



1 Tob. Eckhard, Codices manuscripti Quedlinburgenses. Quedlinburg! 1723. 
4". p. 53 f., Nr. CXI (mit falscher Jahresangabe: 1497; s. Nietzsche, 
Allgemeine Literatur-Zeitung 1827, III, 709*). G. Chr. Voigt, Geschichte 
des Stifts Quedlinburg. Leii)zig 1785. 8". I, 391 f., 393 nebst Facsimile 
in Beilage 2. Zepernick, Nachrichten von den Handschriften des sächsi- 
schen Lehnrechts. Halle 1794. S. 87 ff. Homeyer, Sachsenspiegel II, 1, 
S. 32, 66, 74, 77, 78. 

- Homeyer, Sachsenspiegel, 3. Ausg., S. 53, VII. Unsere Handschrift ist 
daselbst nachzutragen, ebenso eine zweite und eine dritte (Homeyer, 
Nr. 261 und 287). Davon gehört Nr. 287 nicht zur Bocksdorf 'sehen 
Recension. Ueber Nr. 261 vgl. unten §. 4, Nr. 3. 

^ Siehe de.ssen Nachrichten, S. 89. 



Die Entwicklung cler ]>andrcchtsglosse des Sachsenspiegels. 221 

rcchtstextes, ist beim Neubinden verloren gegnngen. Der 
Schreiber hat seinen Namen (Nicolais Roher de pivnis) am 
l'hidc des Lehnreehts und die Zeit der Abschrift hinter jedem 
(Irr drei llauptstücke angegeben: Anno etc. Uiij", fferia 
tercia ante palmarum — Anno domini M" cccc" liiij", In 
vigilia Jacohi apoftoli hora vj — Am /annähende vor fente 
Michels tage, In deine vier vnde funffczigiften Jare.'^ 

Auch hier sind die Additionen von vornherein und von 
demselben Sclirciber am Rande oder auf eingeklebten Zetteln 
beigefügt. Das gilt ebenso von den Ichnrechtlichen Additionen, 
wie von denen zum Landrecht. Die Behauptung Homeyer's, 
dass ,jenes eigcnthümliche Mehr' zum Lelmrccht ,a]s später 
hinzugefügtes auftritt'/'^ ist für die Qucdlinburger Handschrift 
abzulehnen. 

Ueber die lehnrechtlichen Additionen behalte ich mir eine 
gesonderte Darlegung vor.-'' Filr jetzt sei im vorliegenden 
Zusammenhange nur so viel bemerkt, dass sie denselben Ver- 
fasser haben , wie die zum Landrecht , da letztere an zwei 
Stellen des I. Buches auf sie Bezug nehmen. So heisst es am 
Schlüsse der Addition zu I, 21, §. 1 ,(jlouhe' (Anhang 1, 
Nr. 43): 

de hoc vide lehnr. c. xxxi in niarf/hic, 
zu welcher Stelle des Lehnrechtstextes die Quedlinburger 
Handschrift in der That die citierte Randbemerkung hat. Die 
gleiche Randbemerkung ist es, Avelche am Ende der Addition 
zu I. 52, §. 1 /under erhen glauhe' (Anhang 1, Nr. 71) an- 
geführt W'ird:' 

vide lehnrecht c. xxxiifi marf/ine in (iddici Ofiihus, 

Die Additionen der Quedlinburger Handschrift zum Land- 
recht, von Homeyer nicht berücksichtigt, reichen über das 
I. Buch nicht hinaus. Dabei sind sie Avcit weniger zahlreich, 

' Die flrei Schlusssclirifteii sind vollständig-, wenngloicli incovrect abge- 
druckt bei Zepernick, S. 88 f. Voigt, der bloss die letzte .Schlussschrift 
sah, ergänzt die Jalireszalil nach den Schriftzügeji um ein .lahrhundert 
zu früh (13.54). 

2 Homeyer, Sachsenspiegel II, 1, S. 77 nut S. 74. 

^ Vgl. auch unten §. 9, S. 24:^ nebst N. 5. 

' In der Quedlinl)urger Handschrift fehlt obige Addition. Sie steht aber 
in der Dresdener Handschrift. 



iD 



228 Stoff c nliu gen. 

als in der Dresdener Handselirift. Von den im Anhanji; 1 
mitgetheiltcn Additionen der letzteren vermissen wir die Stücke 
3, 9, 15, 17, 18, 21 bis 24, 26, 30, 33, 35, 39 bis 42, 44 bis 
46, 48, 51, 55 bis 64, 71 (oben N. 4 zur vorigen Seite), 74 
bis 76, 80, 83 bis 87 (zusammen 42 von 87). Dazu kommen 6 
von den abundierenden Stücken der Drucke: B, 20, 23, 52, 104 
(theihveise), 106, 112, so dass die Summe der liandschriftlich 
vertretenen gedruckten Additionen von 114 auf 120 steigt. Mit 
B, 112 schliesst die Quedlinburger Handselirift. Hinsichtlich 
der Form der Ueb erliefe rung geht sie mit der Dresdener auf 
eine Urquelle zm'ück. Sie theilt deren Fehler und Lücken, 
die sie noch vermehrt, bietet aber auch abweichende Lesarten 
und ist stellenweise correcter. 

4. Von den übrigen Handschriften der Bocksdorf'schen 
Recension sind zu beachten die Görlitzer von 1470 (Nr. 261), 
die Leipziger von 1461 (Nr. 377), die Sondershausener 
von 1475 (Nr. 626), und die Wolfenbütte 1-Gude'sche (Nr. 700). 
Es scheiden aus, weil ohne Additionen, die Breslau-Saganer 
Handschrift von 1462 (Nr. 82), die undatierte Quedlinburger 
aus dem XV. Jahrhundert (Nr. 579), und die Zwickauer 
vom Jahre 1472 (Nr. 736). 

1) Die Wolfen bütteler Handschrift (W), Cod. Gud. 
Lat. 4 der Herzoglichen Bibliothek, vorher Marquard Gude,i 
Papier, XV. Jahrhundert, gr. Folio, führt die Additionen am 
weitesten (zum Text des Sachsenspiegels bis HI, 88, §. 5; zur 
Glosse bis III, 87). Sie hat die Eigen thümlichkeit, dass sie 
die Additionen zAvar meistens an den Rand verweist, aber im 
I. und II. Buche auch der Glosse und nur der Glosse als 
Interpolationen einfügt. Der Kürze wegen bezeichne ich 
ihre eingeschalteten Additionen zum Unterschiede von den 
Randnoten durch I. Für die am Rande befindlichen Addi- 
tionen ist verschiedentlich von Hause aus Platz gelassen, da 
sie in den Raum von Text und Glosse hineingeschrieben sind. 
Die Gleichzeitigkeit der Niederschrift derselben mit der von 
Text und Glosse wird dadurch über jeden Zweifel erhoben. 



' Bibliotheca . . . a Marquardo Gudio congesta. Kilonii (1706). 4". p. 550, 
Nr. 65 unter der irrigen Bezeichnung ,\Veicli-Bildt', die von neuerer 
Hand auch auf der Kehr.seite des zweiten, leeren Blatte.s eingetragen ist. 



Die Entwicklung der Liuuhcchtsglosse des Sachsenspiegels. 22.) 

Mit der Dresdener Handschrift hat die Wolfenbütteler 
gemeinsam von den Stücken des Anhangs 1 : 

im I. Buche 2 bis 4, 6 bis U, 16, 18, 19, 22, 26 (I), 
27, 28, 30 bis 32, 33 (in der ausfilhrhcheren Form der 
beiden Primärdrucke), 34 bis 42, 44 bis 51, 52 (in der 
ausführlicheren Fassung des Baseler Primärdrucks), 53 
bis 55, 60, 61 (theilweise), 62 bis 65, 67, 68, 70, 73, 78 
bis 82, 84 (Summe 60); 

im II. Buche 1 bis 5, 7, 8, 10, 11, 13, 15, 18, 20 (wie 
im Baseler Primärdruck an die Glosse zu II, 41 angehängt), 
22, 24 (Summe 15); 

im III. Buche 1 bis 9, 11. 12, 14 (Summe 12); 
zusammen 87 von 126. 

Die abundierenden Stücke der Drucke, welche in D fehlen, 
sind in W am zahlreichsten vorhanden. Ausser den Zuthaten 
des Baseler Primärdrucks zu Addition I. 41. ()7 und zu Addi- 
tion III, 3 kennt AV: 

B, 14, 16 (I), 20, 22, 23 (I), 27, 28 (I)^ 30 (I), 31, 33 
bis 35, 41 (I), 45, 50 (I), 51 (I), 57, 58 (Glossenstück), 
60, 63, 64 (I), 65 (T), 68 (I), 70 (I), 73, 76, 84 (I), 88, 
91, 94 bis 96, 99, 102, 112, 119 im I. Buche (Summe 36); 
B, 23, 24 (I), 27 im II. Buche (Summe 3); 
B, 2, 4 bis 6, 8, 13 bis 15 im III, Buche (Summe <S) ; 
zusammen 47 von 86. Nur 3 von den 47 (B, 20, 23, 112 im 
I. Buche) theilt W mit der Quedlinburger Handschrift (§. 3, 
Nr. 2, Alin. 4). Die übrigen 44 treten neu hinzu und ver- 
mehren die Anzahl der handschriftlich beglaubigten Additionen 
der Drucke von 120 auf 164. 

Die Leseweise stimmt mehr mit dem Baseler Primärdruck, 
als mit D oder L. Gleichwohl kann die Wolfenbütteler Hand- 
schrift aus B nicht abgeschrieben sein, weil sie gegenüber B 
durch selbständige und bessere Lesarten ausgezeichnet ist. 
Ihr Entstehungsort i.st Leipzig. Darauf deutet, dass sie 
in der Glosse zu I, 25 über den Ort einer gelobten Zahlung 
Halle und Leipzig statt Magdeburg un<l Frankfurt substituiert: 

Älfo ijlohif cyiie.r czu halle cm ijchin nr marck , er cloijj' 
fie czu leypezlc nicht gehin u. s. w. 



230 Stoffonliiifrcn. 

2) Die Sondershauscncr Handschrift (ß), in der Biblio- 
thek der ötadtkirche 28ö,^ Papier, \41^'^ quarta feria ante 
feftum Calixti, gr. P^)Ho, ist neben der Dresdener die voll- 
ständigste und eine Schwesterhandsehrift der vorigen. Wie die 
Wolfenbütteler, stellt sie die Additionen bald an den Rand, bald 
in die Glosse (I); nicht minder tritft sie mit W nach Wortlaut 
imd Vollzähligkeit zusammen. Sie weicht nur darin ab, dass sie 
vor W von den Additionen der Dresdener Handschrift (Anhang 1) 
und von den abundierenden Stücken der Drucke voraus hat : 

im I. Buche 1, 5 (I), 29, 56 (lateinisch, wie im Baseler 

Primärdruck), 58 (am Rande und wiederholt in der Glosse), 

74, 76, 77 (hinter B, 106 gestellt, wie in Q), 83, 85 bis 

87 undB, 7, 40 (I), 67 (I), 104 (theilweisc, wie Q), 106, 

107 (Summe mehr 12 -|- ^ = 18); 

im n. Buche 12, 17, 19, 23 (ohne Ahn. 2), 25 und B, 

2Q, 28 (Summe mehr 5 + 2 = 7). 

Auf der anderen Seite entbehrt» S im Vergleich zu W 
der Additionen: 

63 (obwohl das Stichwort im Text markiert ist),'^ 73 und 

B, 20, 34, 68, 84 im I. Buche (Summe weniger 2 -f 4 ^ 6); 

8, 9, 12, 14 und B, 2, 4 bis 6, 8 im HL Buche (Summe 

weniger 4 + 5 = 9). 

Demgemäss zählt S in den drei Büchern von den Addi- 
tionen der Dresdener Handschrift 70, 20, 8 und von den abundie- 
renden Stücken der Drucke 38, 5, 3. B, 40, 107 im T. Buche 
und B , 2Q , 28 im H. Buche sind S eigenthümlich , wodurch 
die handschriftlich belegten Additionen der Drucke einen 
Zuwachs um 4 bekommen von 164 auf 168. 

Die letzte (singulare) Addition in W (zu HI, 88, §. 5) 
übergeht S, desgleichen die singulare Randnote zu I, 24, §. 3 
(unten §. 10, Ahn. 1). B, 28 im I. Buche ist in S abweichend 

1 Auf ihre Existenz hat zuerst Gerber (Kritische .Jahrbücher für deutsche 
Rechtswissenschaft. 1844. XV, 93) aiifmerksam gemacht. Genauer ist sie 
beschrieben, freilich ohne Berücksichtigung der Additionen, bei Homeyer, 
Eechtsbücher. Berlin 1856. S. 149. 

2 Nicht 1375 (M" CCC'LXXVJ, wie es bei Gerber 1. c. heisst. 

3 Davon imabhängig ist ebenso, wie in W und im Baseler Primärdruck, 
der Inhalt des zweiten Alinea zusammen mit einer anderen Ausführung 
als Interpolation in die Glosse eingereiht. Vgl. Anhang 1, S. 274, 
N. 14 und S. 275, N. 1, 7. 



Die Entwicklung der Laudrcchtsglosse dos Sachsenspiegels. 231 

gefasst. Addition 52 (= B, 72) im I. Buche wird in der aus- 
fülirlicheren Fassung des Baseler Primärdrucks, wie in W, 
aber nur tlieilweise mitgetheilt. B, 95 im I. Buche, in W ge- 
trennt und zum Theil wiederholt, giebt S in dem Wortlaut des 
Baseler Primärdrucks. 

Bei den gemeinschaftlichen Stücken hält S mit W in dem 
Interpolieren nicht gleichen Schritt. Von den Additionen der 
Dresdener Handschrift hat sie im I. Buche Nr. nicht l)loss 
am Rande , wie W , sondern nochmals in der Glosse ; Nr. 36 
grösstentheils der Glosse angehängt und nur den Schlusssatz 
davon am Rande. Von den Additionen der Drucke setzt sie 
im I. Buche B, 14, 57 in die Glosse (W an den Rand) und 
umgekehrt B, 28, 64 an den Rand (W in die Glosse). Die 
Randbemerkung der Wolfenbütteler Handschrift zu IH, 85 
Glosse (unten §. 11 S. 245 bei N. 4) hängt S an die Glosse, 
wozu am Rande gesagt wird: Hie Incipit Je vna adicio ef 
dural vfqiie ad textum (nämlich des folgenden Artikels IH, 8()). 

Im Ganzen herrscht doch die Uebereinstimmung zwischen 
beiden Handschriften vor. Jedoch ist keine aus der anderen 
entlehnt, auch nicht die den Schriftzügeu nach jüngere S. Denn 
jede von beiden weist Fehler und Lücken auf, wo die andere 
richtig liest, und jede von beiden hat Stücke, welche der anderen 
fehlen. Vielmehr liegt beiden eine gemeinsame Quelle zum 
Grunde. Wenn die Sondcrshausener Handschrift die Stichworte zu 
den Additionen in Text und Glosse durch runde Klammern ein- 
schliesst, wie der Baseler Primärdruck, so ist sie dennoch und 
trotz ihres jüngeren Alters ebenso wenig, wie W, direct von ihm 
abhängig. Verglichen mit W, ist S weniger correct und durch 
grobe Fehler, namentlich in den lateinischen Stellen, verunstaltet. 

3) Die Görlitzer Handschrift (G), MS. 22 in der Biblio- 
thek der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, 
Papier, 1470 Am fonnohinde vor TrinitatiSj kl. Folio, befand 
sich 1762 im Besitze von Karl Ferdinand Hommel, dessen 
Bibliothekzeichen dem Vorderdeckel eingeklebt ist, gehörte 
dann dem Oberhofgerichtsassessor August Friedrich Schott zu 
Leipzig ' und gelangte demnächst an Karl Gottlob von Anton 



' Catalogns bibliothecae Aug. Frider. Schott. Lipsiae (1793). S'\ p. 3(52, 
Nr. G53-2. 



232 Steffen ha gen. 

in Görlitz.' Sie nimmt inaofcrn eine singulare Stellung ein^ 
als sie die Additionen , mit wenigen Ansnalinien (unten N. 3, 
4, ö)^ nicht am Rande bringt ^ sondern dem Landreclitstext 
und der Glosse einverleibt^ so dass sie in eigentliümlicher 
Weise interpoliert erscheint. ^ 

Solchergestalt hat sie, verglichen mit der Dresdener 
Handschrift, folgende Stücke des Anhangs 1 sich zu eigen 
gemacht : 

im I. Buche 1, 7 (nur ein Citat), 8, 9, 14, 16, 19, 22, 
25, 27 bis 29, 31, 32, 33 (in der ausführhcheren Form 
der beiden Primärdrucke), 34, 36 bis 38, 40, 41,'' 43 
47 , 49 bis 51 , 52 (in der ausführlicheren Fassung des 
Baseler Primärdrucks, aber nur theilweise, wie in S), 
53, 57 bis 59, 61, 62, 64 bis 67, 69, 70, 73, 77 bis 79, 
81 bis 87 (Summe 50); 

im II. Buche 3, 6, 9, 10, 14 bis 16, 20, 21, 25 (Summe 10); 
im III. Buche 3 bis 6,' 9, 10, 12 bis 14 •'^ (Summe 9); 
zusammen 69. 

Von den abundierenden Stücken der Drucke sind auf- 
genommen, ausser dem Zusatz zu Addition III, 3 : 

B, 7, 23, 24, 52, 64, 65, 67, 70 (theilweise), 95, 112, 

119 im I. Buche (Summe 11); 

B, 6, 7, 24 (verstümmelt), 32 im II. Buche (Summe 4); 

B, 14 im III. Buche (Summe 1); 
zusammen 16. Davon decken sich 3 (B, 23, 52, 112 im 
I. Buche) mit Q; 7 weitere (B, 64, 65, 70, 95, 119 im I. Buche; 
B, 24 im IL und B, 14 im III. Buche) mit W. Es überwiegen 
demzufolge 6, um die sich die Zahl der handschriftlich nach- 
gewiesenen gedruckten Additionen von 168 auf 174 erhöht. 

In den Lesarten erweist sich die Görlitzer ITandscln-ift 
unabhängig von der Gruppe der Dresdener und ihrer Schwester- 



1 Nietzsche, Allgemeine Literatur-Zeitung 18"27, III, 70ö, Nr. 52. 

2 Eine vereinzelte Parallele hierzu gewährt die nicht der l'ocksclorf sehen 
Recension angehürige Göttweiger Ilnndscln-ift (Anliang 1, Nr. 8, N. 18)_ 

-' Addition 40, Alinea 2 mit Add. 11 stelum verbunden ausnahmsweise 

am Raiide. 
'' Die beiden Additionen i") und (i am Raiule. 
^ Add. 11 .'iin Rande. 



Die Entwicklun;; dei' Landrechtsglosse dos Sachsenspiegels. '2'3'3 

liandöcliriften, luelirfacli bekundet sie Vcrwandtscluift mit der 
zweiten gedruckten Form (L). ' 

4) Die Leipzig-er Handschrift der Bocksdorf' selben Recen- 
sion (Lb), in der Stadtbibliothek Rep. IL fol. lö,^ Papier und 
Pergament gemischt, 1461 in die Alarrjarefe nirginis, gr. Folio, 
ist unter allen nächst der Quedlinburger die dürftigste. Früher 
in Zobel's Besitz- und von ihm, wie Homeyer meint, für den 
Text des Sachsenspiegels gebraucht,'* hat sie ihm bei den Ad- 
ditionen jedenfalls nicht gedient (vgl. unten §. 7). Aeusserlich 
behandelt sie die Additionen insoweit verschieden, als sie die 
Remissionen durch rotho Schrift unterscheidet. 

Von den Additionen der Dresdener Handschrift (Anhang 1) 
überliefert Lb : 

im I. Buche 2, G bis 8, VS, 16, 19 bis 21, 21, 77 bis 71), 
Sl bis 83, 85 bis 87 (Summe 19); 

im n. Buche 3, 6 (als Interlinearglossc), 1, 9 bis 12, 14 
bis 17, 19 bis 21, 25 (Summe 15); 
im HI. Buche 2 bis 6, 8 bis 14 (Summe 12); 
zusammen 46. 

Hierzu treten von den abundierenden Stücken der Di'ucke, 
ausser dem Zusatz zu Add. IH, o: 

B, 20, 23, 24, 112, 119 im I. Buche (Summe 5); 

B, 14, 23 (theilweise), 26 im H. Buche (Summe 3); 

P>, ](! im HI. Buche (Summe 1); 
zusammen 9. Davon sind B, 14 des II. Buches und B, 16 des 
HI. Biu-Ik's in LI) singulär enthalten, so dass sich die gedruckten 
Additionen mit handschriftlicher Quelle um 2 von 174 auf 176 
vermehren. 

Im Wortlaut steht Lb der interpolierten (iürlitzer Hand- 
schrift am nächsten. 



' Aem. Gnil. Rol). Naumann, Catalogus libroi'um mann.scriptoi'um, (|iii in 

hibliotliftca sonatoria civitatis Li]).sien.si.s asservaiilnr. CJriniao 1S;^.S. -I". 

Nr. CCXCVIII, p. 92. 
2 C. W. Gärtner, Eyknns von RGj)gow Saclison-.Spiojj;el. Loipzig 17.32. Fol 

Vorbericht §. K), Nr. VI. 
•' Homeyer, Sacbsenspie<rel, 3. Ausü:., S. 78 mit N. * Gärtner 1. c, auf den 

sich Homeyer (Kecht.sbiiclier, .S. 117) bernft, äussert .sicii lediglich ver- 

muthungsweise und ohne innere ßegründung. 
Sitzungsber. d. phil.-liist. (U. CX. Bd. II. Ilft. 16 



234 Stol'fenli;i(,'cn. 

Zu den l)ciden Artikeln des Suchsenspiegels 17 und 52 
im I. ]3uche .sind Präjudieate nus den Jahren 1545 und 1552 
eingetragen, auf Veranlassung der Doctoren Fachs und Lössei, 
von denen jener damals Bürgermeister in Leipzig war, dieser 
Mitglied des Lei^jziger Raths.' Die Eintragungen lülircn die 
Formeln: Quocl luffit huc annotare D. Fachs und: Et lufferunt 
huc annotare F<ichs et d. Löffel. Die Handschrift wurde dem- 
nach im XVL Jahrhundert von dem Leipziger SchöfFenstuhl 
officiell benutzt. Das erste Blatt mit den auf den Leipziger 
Schöifenstuhl bezüglichen Eidesformeln ist ebenso, wie die Ein- 
zeichnungen auf den beiden Deckeln,'^ vor dem Neubinden ab- 
handen gekommen. 

5. Die Additionen sind keine Öpeeialität der Hand- 
schriften der Bocksdorf 'sehen Recension (HL Ordnung). Wir 
haben eine Glossenhandschrift zweiter Ordnung vom Jahre 
1434 (La), Homeyer Nr. 378, hinzuzufügen, die jene an Alter 
erhebhch übertrifft. Aus Zobel's Nachlass an die Leipziger 
Stadtbibliothek gelangt, •"' Rep. IL fol. 16/^ Papier, 1434 des 
tieften doner ftagis nach des heiligen Cr itcis tag exaltacionis, 
CT. Folio, ist sie für die Additionen in den Zobel'schen Aus- 
gaben des Sachsenspiegels nicht benutzt. Homeyer kennzeichnet 
sie als ausgestattet ,mit vielen Nachträgen und Correcturen 
im Text und am RandeV' ei' hat aber nicht erkannt, dass die 
,Nachträge am Rande' die Additionen sind. 

Li der Vollzähligkeit besteht ein auffallendes Missver- 
hältniss. Während das I. Buch eine reiche Zahl Additionen 
aufweist und darunter gerade von den abundierenden Stücken 
der Drucke mehr, als O Lb Q, treten sie im H. und HL Buche 
nur vereinzelt auf. So sind zu verzeichnen an Additionen der 
Dresdener Handschrift (Anhang 1): 

im I. Buche 7, 8, 10, 11, 18 bis 22, 24 (in der verkürzten 
Fassung des Baseler Primärdrucks), 28, 29, 31, 33;, 34, 
3G (hinten nachgetragen), 37 bis 41, 43, 45, 47, 49 bis 



' L;il»;uul, Zoitsclirift für Eeclitsgeschichte VI, .SS.S, 1SG7. 

2 Naumann 1. c. (oben N. 1 zur vorigen Seite). 

^ Gärtner, Sachsenspiegel. Vorbericlit §. l(i, Nr. V. 

•* Naumann, Catalog-n.s libroruni nianusfriptoi-um, Nr. CCXCIX, \\. O'i. 

* Homeyer, Rechtsbüclier, S. 117. 



Die Eiitwickhint; der Laiidreohts^losse des Sachsenspiegels. 2or) 

53, 58 bis 62, 63 (oIhk" Alinea 1), 64, 65, 69 bis 71, 77, 

78, 81 (Summe 43) ;• 

im n. Buche 13, 14 (Summe 2) ; 

im III. liue-hc 3, 13 (Summe 2); 
ferner an abundierenclen Stücken der Drucke, ausser dem Zusatz 
zu Add. III, 3: 

B, 27, 28, 30, 34, 35, 45, 48, 50, 51, 57, 60, 62, 63, 66 

bis 68, 70, 76, 00, 94, 96, 98, 104, 112 im T. Buclie 

(Summe 24) ; 

B, 21 im II. Buche (Summe 1). 

Mit Ausnahme von 19 im I. Buche (B, 27, 28, 30, 34, 35, 
45, 50, 51, 57, 60, 63, 67, m, 70, 76, 94, 96, 104, 112) ünden 
sich die genannten 25 Stücke der Drucke in keiner anderen 
der bisher besprochenen Handschriften (§§. 2 bis 4). Dadurcli 
wäclist die Anzahl der gedruckton Additionen mit handschrift- 
licher Grundlage um 6 von 176 auf 182. 

In der Leseweise erscheint \mscre Leipziger Handschrift 
ebenso, wie Lb, nahe verwandt mit G. 

Bemerkenswerth ist ein Marginale zu I, 59, welches in 
charakteristischer Weise umgeformt Avird, wie der Vergleich mit 
der Wolfenbütteler und der So ndershausener Handschrift 
(i?. 4, Nr. 1, 2) lehrt: 

Leipzig'er Ilnndsclirift (La). Wolfenbüttol er II ;ni(lsc liiift. 

Nota, hoc fotum f[apitulum] Nota, quod ' iffp. tofns y1r[ti- 

ucJ ar|ticulus] eft verum in ko- culus] eft varus, wo man däujuf 
niyes hau. atnr wif, ut in lip- vndir koniges hann.'^ tind lyp- 
czi(j, et in terra. mifnen\V\\ czen[l'(is] et tota terra mi/neii- 
d'inget man jn viarggrauefcliafft. [fis] dij dingen in marggraue- 

fchafft. 

Wir entnehmen daraus, dass die Additionen der vorliegen- 
den Handschrift in Leipzig geschrieben sind. 

(>. Ueberblicken wir das Resultat, so erhellt, dass von 
den Glossenhandschriften II. ()r(lnung eine, von den zehn Hand- 
schriften der l>()cksdorf'schen Kecension siclxMi die Additionen 
in verschiedenem Umfange überliefern. Sämmtliche acht sind 



' fjvofl fehlt. S. 

^ -wo bis bann] S i/n /coniyes /tun. Wie La. 



16* 



^;>() Stoffcnli af^cn. 

iuiUcldcut.scli; slamiucii aus dem XV. Jahrhundert und bieten 
die Additionen nicht nachtragsweise, sondern von vornherein. 
Nur in einer Handsclirift der Bocksdorf'schen Recension (G) 
begegnen die Additionen fast durchaus, in zweien ( W und S) 
wenigstens tlieilweise in Gestalt von Interpolationen zu Text 
oder Glosse, in einer (Lb) einmal als Interlinearglosse zum 
Text. Sonst stehen sie überall am Rande. 

Gegenüber den beiden gedruckten Formen beobachten 
die Handschriften, wie unter sich, in Aufnalime der Additionen 
nicht gleiches Maass. Es lässt sich nirgend behaupten, dass die 
Handschriften aus den Drucken geschöpft hätten. Eine solche 
Möglichkeit ist bei den meisten ohnehin dadurch ausgeschlossen, 
dass sie früher, als die Drucke datiert sind. Von den Hand- 
schriften der Bocksdorf'schen Recension fallen fünf (Q, H = D, 
Lb, G) aus den Jahren 1454, 1460 (zwei), 14G1, 1470 vor die 
Drucke. Noch weiter hinauf reicht die Leipziger Handschrift 
IL Oi'dnung (La) vom Jahre 1434. Ausser einer undatierten 
(W) giebt es bloss eine (S) mit wenig späterer Datierung (1475), 
als der älteste (Baseler) Primärdruck. Von beiden aber ist 
sicher, dass sie nicht aus ihm abgeleitet sind. Obgleich die 
beiden Primärdrucke auf handschriftlicher Grundlage ruhen, 
ist doch keine der uns bekannten Handschriften ihre Quelle. 

Zu einer Gruppe schliessen sich zusammen die Dresdener 
mit der daraus abgeschriebenen Homeyer'schen und der ältesten 
datierten (Quedlinburger) Handschrift der Bocksdorf'schen Re- 
cension (§§. 2, 3). Ebenso sind die Wolfenbütteler und die 
Sondershausener Handschrift derselben Recension Schwester- 
handschriften (§. 4, Nr. 1, 2). Im Uebrigen ist das Abstammungs- 
verhältniss nicht näher anzugeben. 

Von den 200 Additionen der beiden Primärdrucke sind 
im Ganzen 182 in den in Rede stehenden acht Handschriften 
nachzuweisen. Unbelegt verbleiben (neben den Zuthaten des 
Baseler Primärdrucks zu Add. I, 16, 32 und zu Add. II, 7, 12) 
5 im I. Buche : 

B, 81, 92, 113, 114, 116; 
10 im IL Buche: 

B, 2, 4, 5, 12, 13, 15, IS. 19, 36, 37; 
3 im III. Buche : 

B, 10. 11, 18; 



Die Entwicklung der Landiechtsglosso des Sachsenspiegels. 



237 



zusammen 18, also eine verschwindende Minderzald. Davon 
ist B, 81 im 1. Buche ein blosser Verweis auf die vorhergehende 
Addition ; B, 92 ebenda eine blosse Wiederholung der vorher- 
gehenden Addition; B, 18 im III. Buche ein blosser Nachtrag 
eines feldenden Stückes der Glosse. 

Weit bedeutender ist die Zahl der ungedruckten Ad- 
ditionen, um welche die Drucke von den Handschriften iiber- 
trofl'en werden, und von denen im Anhang 1 nur die wichtigeren 
mitgetheilt sind. Es zeigt sich, dass die Drucke eine blosse 
Auslese veranstaltet haben. 

Die folgenden drei Tabellen werden die Voll/ähligkcit dcsr 
handschriftlichen Ueberliefcrung, soweit sie Anhang 1 berück- 
sichtigt, 1) gegenüber der Dresdener Handschrift und 2) gegen- 
über den abundierenden Stücken des Baseler Priniärdrucks, 
sowie o) im Ganzen erkennen lassen. 

1. 



I. Buch . 

ir. Buch . 

lll. Buch . 


Anzahl der mit U gemeinsamen Additionen 




S 

70 

20 

8 


W 

(iO 
15 
12 


G 

50 

10 

9 


La 

43 
2 

2 


Lb 

19 
15 
12 


Q 

45 


Insj^esammt 

82 voa 8 7 
Alle 25 
Alle 14 




Ziisamnion 


98 


87 


(59 


47 


4(5 


45 


121 von 12 f. 





I. Buch 

II. Buch 

III. Buch 



Anzahl der mit 15 j^omeinsamen al)nnili(M-onden 8tüc.Ice 



s 

38 
5 



W 

3fi 
3 

8 



G 

11 



La 

24 
1 



5 
3 
1 



Q 



Zusammen 



4G 



47 



li'> 



25 



Insgcsammt 

4 9 von 54 

10 „ 20 

9 . 12 



G8 von 8C) 



23.'^ 



Stoffe II lius^en. 





Gesammtzalil der 


mit I) 


+ 1W 


;Gnioius 


amen .Stücke 




S 


W 


G 


La 


Lb 


a 


Insgesammt 


I. Buch . 


108 


96 


61 


67 


24 


51 


131 von 141 


IL Buch . 


25 


18 


14 


o 


18 




35 „ 45 


III. Buch . 


11 


20 


10 


2 


13 




23 „ 26 


Zusammen 


144 


134 


85 


72 


55 


51 


189 von 212 



Ucbcr die Vollzähligkeit der gedruckten Ucberlieferimg 
ist noch zu bemerken, dass in den Bocksdorf' sehen Drucken 
mehrere Additionen, deren Aufnahme beabsichtigt war, durch 
Versehen gänzlich ausgefallen sind. Wenigstens sind die be- 
treffenden Stichworte in der Glosse und im Text von der 
üblichen Parenthese eingeschlossen, ohne dass die dazu ge- 
hörigen Additionen vorhanden wären.' Solcher Stichworte zähle 
ich vier allein in der Glosse zu II, 13, je eines in der Glosse 
zu II, 36, II, 41, III, 39 und drei im Text II, 15, §. 2 ,Glouhit', 
II, 30 ,gezeAi<jen', III, 75, §. 1 ,lehn' , zu welchen ersteren 
beiden die Handschriften je eine Addition haben (Nr. 10 und 
Nr. 17). Einmal ist eine Addition (zu II, 41, §. 2), Avie in der 
Wolfenbütteler und in der Sondershausener Handschrift, 
der Glosse einverleibt. 

Prüfen wir die Ueberlieferung auf ihren inneren Gehalt, 
so lässt sich nicht verkennen, dass die ursprüngliche Form 
verloren gegangen ist. Drucke wie Plandschriften sind durch 
starke Corruptionen (Fehler und Lücken) entstellt, verbessern 
und ergänzen sich aber gegenseitig. Es wird daher gleich- 
massiger Berücksichtigung der Handschriften wie der Drucke 
bedürfen, um die Additionen in reinerer Form wiederherzu- 
stellen. 

Als rcdactionelle Fehler charakterisieren sich wörtlich 
gleichlautende Wiederholungen von Additionen zu verschiedenen 



' Ein Seitonstüc-k hierzu hietot die Sondershausener Handschrift 
(oben §. 4, Nr. '1 hei N. ;j). 



Die Entwicklung der l/iuiilrechtsfrlossc des >Sachscnsi)icgols. 239 

Stichworten, worin die Drucke tlicils für sich dusteheii,' theils 
mit den Handschriften zusammenstimmen. - 

7. Zuletzt ist der Z ob el'schen Drucke des Sachsenspiegels 
/.u gedenken, welche Text und Glosse aus ,geschriebenen Exem- 
lihiren' verbessert haben wollen.-^ Inwieweit dazu die beiden 
Leipziger llandschriften aus Zobel's Nachlass (§. 4, Nr. 4 und 
ij. ;")) licrangezogen sind, mag hier dahingestellt bleiben. Die 
Additionen hat Zobel anderweitig hergeholt. 

Es genügt, als Repräsentanten den ersten ZoboFschen 
Druck (Z), Leipzig löoö, ins Auge zu fassen. Er stimmt Aveder 
in der Vollzähligkeit noch überall in der Wortfassung mit einem 
der sonstigen bekannten Texte, er modernisiert die Sprache und 
trägt Spuren einer theils kürzenden oder ändernden, theils mit 
Zuthatcn verbrämten Ueberarbeitung. Meistens stellt er die 
Additionen an den Rand, in vielen Fällen als Interpolationen 
(I) in die Glosse, einmal (zu I, oG) zwischen Text und Glosse. 
Von den Additionen der Dresdener Handschrift (Anhang 1) 
correspondieren mit Z: 

im I. Buche 1, 2 (I), 8, 9 (Lateinisch), 10 (verkürzt), 12, 
1() (getrennt), 18 bis 22, 23 (getrennt), 26, 27 (verkürzt 
und Lateinisch), 28, 29 (I), 31 (zweimal), 32, 33, 34 (ab- 
weichend), 35(1), 36 (I), 37 bis 40, 41 (abweichend), 42 
bis 44, 45 (I), 46, 48 bis 50, 52 (I,),' 53 (I), 55, 58 bis 
60, 62, 64, 6^^, 67 (I), 69, 70 (getrennt), 71 (verkürzt), 
73, 76, 78 bis 82, 84 bis 86, 87 (zweimal) (Summe 60); 
im II. Buche 1, 2 (beide in deutscher Fassung), 3 (zwei- 
mal), 4, 5, 7 bis 12, 14, 16, 18, 19, 20 (wie in BSW an 
die Glosse angehängt), 24 (Summe 17) ; 
im III. Buche 3, 4, 6, 7 (verändert), 12 (Summe 5)-, 
zusammen 82. 

Von den abundierendcn Stücken der Primärdrucke sind 
in Z vertreten, ausser den Zuthatcn zu Add. 1, K), 41,67; zu 
Add. H, 7, 12: zu Add. III, 3: 

1 B, 91 und 02 im I. JJuclie. 

'^ Im 1. liiidip, 0.') und 79 =. V,, 80 und 100; im II. ßudie 8 und ^ 

]'., tu uu'l 11 icsj). L, 7 und 8. Uel)or dio Dresdener ll.in<1.sf,lirii"t 

im Besonderen vi;-!. Anli;in{r 1, 8. 27.5, N. 7. 
•^ llomeyer, Saclisenspicg-el, S. Austr., 8. 78 f., 80. 
* In der au.sfülirliclieren Fassung des Baseler Primärdrucks. 



240 Stuffonlia;,'!!!!. 

B, 1, 14 (I), 20, 23, 24, 27 (verkürzt), 30, 31, 33 bis 35, 

45, 48 (nur ein Citat), 5 t (I), 52, 58 (Glosscnstück), 03, 

65, 76 (I), 84 (I), 88, 90, V)2, 94 (1), 96. (I), 98, 102, 106, 

112, 114, 116, 119 im I. Buche (Summe 32); 

B, 6, 12 bis 15, 21, 23, 24 (I), 26, 27 (abweichend), 28, 

32, 36 im II. Buche (Summe 13); 

B, 2, 13 (I) im III. Buche (Summe 2) ; 
zusammen 47. Darunter sind 7 Stücke (B, 92, 114, 116 im T. 
und B, 12, 13, 15, 36 im IL Buclic), welche handschriftlich 
nicht vorkommen. 

Näher, als den beiden Leipziger Handschriften, steht Z 
dem in Leipzig geschi-iebenen Wolfcnbütteler Codex (§. 4, 
Nr. 1), dem sich Zobel in manchen eigenthümlichen Lesarten 
anschliesst. Besonders charakteristisch dafür ist, dass Z das 
Marginale zu I, 59 (oben §. 5, S. 235 bei N. 1) nicht aus der 
älteren Leipziger Handschrift (La), auch nicht in der Fassung 
von S, sondern in wörtlicher Uebereinstimmung mit W herüber- 
genommen und ebenso die singulären Randnoten zu I, 24, g. 3 
wie zu III, 7 Glosse (unten §. 10, Alinea 1 und §. 11, Alinea 7) 
aus W sich angeeignet hat. 

Indessen hat Zobel nicht unmittelbar aus W geschöpft, 
sondern aus dem Leipziger Druck von 1528, einem Nachdruck 
der Augsburger Ausgabe von 1517, welche ihrerseits wieder 
auf die Leipziger aus dem Jahre 1490 zurückgreift. Nietzsche's 
Meinung über die Ableitung der Zobel'schen Drucke wird da- 
durch trotz des von Homeyer erhobenen Widerspinichs bestätigt.' 

8. Ein geringer Bruchtheil der Additionen (4) berührt sich 
endlich mit einer Reihe von Glossenhandschriften, in denen der 
Inhalt der betreffenden Stücke einen integrierenden Bestand 
der Glosse bildet. Diese Handschriften, sieben an der Zahl, 
sind thcils mitteldeutsch, wie die beiden ehemaligen Mainzer 
Handschriften,^ theils niederdeutsch. Eine davon (siehe Nr. 4) 



1 Nietzsche, Allgemeine Literatur -Zeitung 1827. III, 720. Homeyer, 
Sachsenspiegel, 3. Ausg., S. 78*. Weiter .spricht für Nietzsche, rias.s 
Zobel'.s wortreicher Titel ersichtlich dem Leipziger Druck (1528) nach- 
gebiklct ist, und da.ss Zobel ebendaher die Magdeburger Fragen entlehnt 
hat. Vgl. Bohrend, Magdeburger Fragen. Berlin 1865, p. XLVII f. 

'•' Die zweite Mainzer Handschrift l)ezeichnet Honu^yor irrthümlich als 
,niedor deutsch'. Dem widerspricht die bei Spangeuberg (unten N. 4 



Die EntwicVluiig der L-.iiulroclitsglossc des Sachsenspiegels. 2-41 

i-aiigicrt in der IL Ordnung, die übrigen in der 111. Ordnung 
der Glossenklasse. Erstei-e steht mit der Stendal er Glosse in 
Verbindung, letztere fallen in den Bereich der Tzerstedischen 
Glosse. 

1) Dahin gehört zuvorderst die Polemik wider Kleidvok 
/.u I. 3, §. 3 a. E, (B, 16), welche, ,der gewöhnlichen Glosse 
fremd', in übereinstimmender Fassung aus (knn Mainzer Codex 
von 1421 (Homeyer, Nr. 434)' durch Grupen mitgctheilt ist,- 
ausführlicher in beiden Exemplaren der Tzerstedischen Glosse 
(1442) und in der Hallenser Handschrift vom Jahre 1478 
auftritt.-' 

2) Auf dieselbe i\[ainzer Handschrift und auf eine zweite 
(llomoyer, Nr. 435), deren Glosse damit , ziemlich überein- 
koinmtV führt die Addition zu HI. 51, §. 2 ,Runciden' (B, 15) 
zurück;'' 

3) auf ersterc aussei'dem nach Ausweis von Grupen's Copie 
die Addition zu HL 51, §. 1 ,Stelent(i' {B, 13).'' Beide Addi- 
tionen (2, 3) decken sich noch mit der Tzerstedischen Glosse, 
sowie der Amsterdamer und der bereits genannten Hallcuiser 
LIandschrift,'' 

4) ^lit einem singulären Zusatz der Berlin-Branden- 
l)urgcr Handschrift (Homeyer, Nr. 30) zu einem Exccrpt aus 
der Stendaler Glosse stimmt die Addition B, 21 zu ,»*«//» 
Vetter' (Glosse II, 20) übercin. 

Von den angeführten vier Additionen sind 2, 3 zugleich 
singulär in der Wolfenbütteler und der Sondcrshausener, 



zur folf^oiidoii Seite) ausjrehobeuo Probe und fJnipen's nnsdrücklicliß 
Angabe der Spr.iclie (Spaiig'onborg, S. lOo a. E.). 

' Die Literatur über diese verlorene llandscln-ift hal)e icii in den SilziuifTs- 
berichteii CVI, 'ilfi, 18SI zu.sainmenge.stellt. 

- Grupen i>ci Spangenberg, Bcyträge zu den Teutscbcn liecliten. Halle 182"2, 
S. 98 f. mit S. 94, 90, 97. Homeyer, Kienkok, S. 40Ü f. Sitzungs- 
berichte CVI, 207 tf. 

" Sitzungsberichte a. a. 0., S. 209 mit N. 1. 

' Grupen bei Spangeni)erg, Beyträge, S. 44. 

■' Sitzungsberichte CVI, 212 nebst N. 3. lieber die Meininger Hand- 
schrift, in welcher der bezügliche Passus als Marginale zum Text steht, 
siebe das(dl)st N. 4. 

« Sitzungsberichte a. a. O., S. 212 mit N. 7. 

■f Sitzungsberichte 1. c, S. 211 f. mit N. 3 zu S. 212. 



242 Stcffoiih:it,'Pn. 

4 in der Ijci])zii;cr Ilundscliritt 11. Ordnung um Rande auf- 
genommen, l , sonst aus den Additionen -Handscliriftcn nieht 
zu belegen, fügen SW in die Glosse ein. 

9. Die Frage nach dem Verfasser der Additionen ist 
streitig. Homeyer hat im ^Klcnkok' (Seite 407) vermuthcst, 
dass ,dic additlones von Tammo von Bocksdorf herrühren, 
. . , nicht aber von dem bekannten Theodor ich von Bocks- 
dorf, . . . dessen etwanige Zusätze zur Glosse wohl sofort in diese 
selber aufgenommen worden sind.^ In der 3. Ausgabe des 
Sachsenspiegels (Seite 75* a. E.) schränkt er diese Vermuthung 
soweit ein, dass die Zusätze , wenigstens theilweise schon von 
Tammo von Bocksdorf stammen.^ 

Er stützt sich dabei auf die oben (§. 8, Nr. 1) hervor- 
gehobene Thatsache, wonach die Polemik wider Kienkok 
aus dem Mainzer Codex in die gedruckten Additionen über- 
gegangen ist, und meint, dass Tammo, der den Codex mit 
Concordanzen und Randglossen ausgestattet hatte,^ ,doch jeden- 
falls jenen Tadel gegen Kienkok aus dem Mainzer Codex 
kannte.^ 

Dazu kommt ein weiteres, von Muther beigebrachtes Zeug- 
niss." Chilian König (f 1526)^ schreibt in seiner , Practica^ 
(Cap. 8) die Addition zu I. 46 ,vo7-niunden' dem , Tammo 
de Bucksdorff Doctor^ zu : ' 

,2lber Caniiuo bc Bu(fsborff Poctor in bor abbition 
bcs ^{6. articFels ' auff bas lüort / furmunbc fagt So 
etil fraxv ober 3i^"9f^*^ii^"' b^-'fl'^öt unrb fo nuis ftc aud) 
einen fuvniunben I^aben / ober unrb et fellio; iic.'^ 

Nach Muther ist es ,zweifelhaft^ ,wie vieP von den Addi- 
tionen dem Theodorich von Bocksdorf, ,wie viel seinem Bruder 



' Grupen bei Spangenberg, Beyträge, S. 4.3, 44, 76 f. , 127. , Homeyer 
Kienkok, S. 406 mit N. .32. 

2 Mutlier, Zur Ge.schichte der Rechtswissenschaft. Jena 1876, S. 82 (auch 
Zeitschrift für Rechtsgeschichte IV, 390). 

3 Vgl. Stintzing, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft, 1. Abth. 
München und Leipzig 1880, vS. 5G0 ff. 

'• Ich benutze die Ausgabe (,Franckfort an der Ader') 1550. Folio. 

Stintzing, S. 561. 
^ Der angeführte Satz stimmt nicht wörtlich mit der betreffenden Addition 

(B, 94), sondern ist nur dem Sinne nach wiedergegeben. 



Pio EntwicVlniifi der Landrochtsglosse fies Sachsenspiegels. z4:0 

Tammo angehört^ .doch wird innu Thcodoricli von Bocksdorf 
die Hauptaiitorschaft niclit bestreiten können/- Für letztere 
Aiinaliiue beruft er sich neben dem Leipziger Primärdruck von 
1488 auf zwei Schriftsteller des XVI. Jahrhunderts. Conrad iis 
Wimpina erwähnt unter den Schriften des ,Theodoricus Bucks- 
dorP an erster Stelle: , Additionuni super speculo Saxonum 
Hb. I.''' Auf Dietrich von Bocksdorf, mit Entstellung des 
Vornamens in Johannes, bezieht sich folgendes Citat in den 
Oonsilien von Henning Göde (f 1521):' 

,Tertio & clarius attel'tatur & affirmat hoc idem D. loan. 
Bockedorff , olhn Epifcopus ecch/iae N. in dicto jure 
Saxonum practicus expertilTimus, ac maximac autoritatis, 
& qui in codcin jiire varias fecit additioncs, qnac 
fic ante & poft cum inconculTae obfervatae funt, in addi- 
tione (piam ponit ad allegafum cap. Lehenrecht, 32. & 
in additione quam Y>onit Lehenrecht, cap. 37''' u. s. w. 

10. Ich bin geneigt, die Additionen dem Tammo von 
Bocksdorf beizulegen. Für die Addition zu I. Ai) , Vormunden' 
B, 94) ist seine Urheberschaft bestimmt beglaubigt (§. 9, S. 242 
mit N. 5). Von entscheidender Bedeutung scheint mir eine zwar 
ilen ZobeTschen Drucken und ihren Vorgängern bekannte, 
aber bisher unbeachtete Randnote, welche sich singulär unter 
d(;n Additionen der Wolfenbütteler Handschrift (§. 4, Nr. 1) 
erhalten hat. Sie bezieht sicli auf den Satz des Sachsenspiegels 
I. 24, §. 3 ,GoJd vnnd, filher vngewurclit, das gehorit die 
frnfcen nicht an' und wird mit den Worten eingeleitet: 

' Allgemoino deutsclio Bioj^Taphie II, 790, 187.5. 

- Mutlior, Zur Geschichte der Rechtswissenschaft, >S. 82 f. 

* Conradi Wiiiipinac scriptorum iiisif;'iiiiuu . . . eentiiria, omendata a 
J. Fr. L. Thood. Merzdorf. Lipsiae 18;:59. 8". p. .'};'). 

^ V<vl. über ihn Stintzing a. a. ()., S. 20.3 ff., 265. 

^ So nach der Wittonberger Ausgabe 1609. Folio. Cons. XXII, §.11 a. E., 
p. 1 10. — Die erste der gedachten beiden Additionen, zum Lehnrocht .32, 
§. 1 ,Wenne fie /ich ahir teylc,n\ findet .sich in der Quedlinburger 
IL-mdsclirift von 1404 (§. 3, Nr. 2) auf einem eingeklebten Zettel (crdnJn), 
desgleiclicn in einer Wolfenbütteler von 1404 (ilomeyer, Nr. 709), 
in der Be rlin-Brandenstein'schen Handschrift von 1467 (Homeyer, 
Nr. 2.3) ,als Randglosse', in den Drucken seit 1537 ,zwischeu Te.\t und 
Olo.ssc'. Homeyer, Sachsenspiegel II, 1, S. 74. Zum Lehnreclit 37 kennt 
die Quedlinburger Handscln-ift gar keine Addition. 



244 StoffiMihapcn. 

Mercke liir, As ich in den Glofen vs eymc, fachfen/pigcL 
des Blffchoffs von Meydehurgk gefundin hahe : ,dy 
frmoe nympt oucli ires manne."! geiourcJit ßlher^ w. s. w. 
(Ebenso bei Zobel hinter der Glosse, im Augsburger 
Druck von 1517 zwischen Text und Glosse.) 

Es liegt nahe, hierbei an den verlorenen Mainzer Codex 
des Erzbischofs Günther von Magdeburg zu denken, welcher 
Codex, wie wir wissen, dem Tammo vorgelegen hat,^ und der 
nach Grupen's Abschrift die fragliche Interpolation zur Glosse 
in der That enthielt.''^ Danach würden wir Tammo von Bocks- 
dorf als Verfasser der obigen Randnote zu betrachten haben, 
ihm auch an den übrigen Additionen einen hervorragenden 
Anthcil zusprechen müssen. 

Bestärkt wird eine derartige Schlussfolgerung durch den 
Umstand, dass nicht bloss die Polemik gegen Kienkok, sondern 
ebenso der Inhalt von zwei anderen Additionen aus der Glosse 
desselben Mainzer Codex in den Baseler Primärdruck herüber- 
genommen ist (§. 8, Nr. 1, 2, 3). Bedeutsam ist endhch die 
Aehnlichkeit einer Randnote des Tammo zum Codex Moguntinus 
(I. 4 /cltvile') mit einer Addition der Handschriften (Anhang 1, 
Nr. 18). 

Nicht verwerthen dürfen wir Stobbe's Behauptung, wo- 
nach ,ein TheiP der Tammo'schen Glossen in die ,Additiones 
bockstorff' der , alten Ausgaben von 1474 — 1501' aufgenommen 
sein soll.-' Sie reduciert sich auf ein Missverständniss der Be- 
merkung Homeyer's (Rechtsbücher, Seite 6 , Nr. 3) über die 



' Sitzungsberichte CVI, 216, 218. Vgl. oben §. 8, Nr. 1, 2, 3 und §. 9, 
Alin. 2. 

2 Das Glossenstück lautet bei Grupen (Celle) vollständig: Die vrouioe 
nimpf. auch yres inannes geworchte filher, fohle yre man das otich i/rer 
(/cfpinnen gehin, ab fin toih fturhe, is ivere gordele edder filneren geuefze? 
Sage Nein. Was die vromoe getragen kette, das volgede yr zcu rade, vnde 
toas der man nicht genutzet hette. die vrouioe nimpt is abir vs ires mamies 
gute zcu Bade, wan ire man ftirht, dar vmme das fie das dicke zcingcn 
von yrer heider gute, des die gc/pinne nicht entut. Alfo iß is auch vmme 
die fchaff. Hierzu fügt die Kandnote der Wolfenbütteler Handschrift 
unter Beziehung auf die nächstvorhergehende Addition (B, 70) hinzu; 
als vor annotiert. Sed cafus huius practicam adhuc non vidi. 

3 Stobbe, Geschichte der deutschen Rechtsquellen I, 384, N. 41. 



Bio Ktilwickluuj,' der Laiidrcchtsglossc iles Sachsenspiegels. 2J45 

, Widerlegung Johann Klenkok's', welche, wie erwähnt, der von 
Tammo vorgefundenen Grlo«se des Mainzer Codex angeliört. 

Wenn die älteste und von der Bocksdorf' sehen Recension 
unabhängige Additionen -Handschrift (§. 5) aus dem Jahre 1434 
datiert, so reicht sie doch über die Zeit nicht zui'ück, in welche 
Tammo's Wirksamkeit gesetzt wird (1426)." 

Das entgegenstehende Zeugniss des Leipziger Primär- 
drucks (§. 1, Alin. 2) hat um so weniger Beweiskraft, als der 
älteste (Baseler) Primärdruck über den Verfasser ganz schweigt. 
Wir würden uns damit in der Weise abzufinden haben, dass 
der Lei])ziger Druck den Namen des bekannteren und bedeu- 
tenderen Dietrich eingefülirt hat. Wimpina und Henning Göde 
(§. 9, 8. 243, K. 3, 5) wiederholen die Tradition des Drucks, 
Göde mit entstelltem Vornamen. . 

Vielleicht ist die Betheiligung Dietriches von Bocksdorf 
dahin zu fassen, dass er die von seinem Bruder Tammo her- 
rührenden Additionen für den Druck vorbereitet und seiner 
Bearbeitung des glossierten Sachsenspiegels angehängt hat. 

11. Der Name ,Additio^ Avird bereits in den Additionen 
selbst zu ihrer Bezeichnung gebraucht. Das geschieht mit 
Bezug auf das Landrecht lediglich in dem Baseler Primär- 
druck '^ und zum Theil in der Wolfenbütteler Handschrift/' 
ferner in einem singulären Zusatz der Leipziger Handschrift 
von 1434 zu B, 76 im L Buche (Anhang 1, S. 273, N. 13) und 
mit Nota bene hnnc addicionem in einer lateinischen Randnote 
der Wolfenbütteler Handschrift zu III. 85 Glosse, ähnlich 
ebenda in der Sondershausener Handschrift.' Die Dres- 
dener Handschrift bezeichnet einmal (I, 71) als addiciones 
die Randnoten zum Lehnrccht,'' ebenso ein Zusatz der Leip- 
ziger Handschrift (1434) zu derselben Stelle (N. 12). 

Bald lateinisch, bald deutsch, abgefasst, bald dem Text 
des Landrechts, bald der Glosse hinzugefügt, tragen die Ad- 
ditionen die Form von kürzeren oder längeren Glossen und 



' Sitzungsberichte CVI, 218 mit N. 2. 

2 B, 41, 44 (N. 4) im I. Buche und B, 17 (Zu.satz) im II. Buche. 

^ Nur hol B, n im J. J'iuclio. 

* Ueber die Sondershausener Handschrift vgl. in dieser Beziehung <)l)on 

§. 4, Nr. 2, Alin. ö a. E. 
'■ Vgl. oben §. 8, Nr. 2, Alin. .'. neb.st N. 4 



24:0 Stc ff e II luitjen. 

einen ühnliclien gemischten Cliarakter, Avie die Arbeit des Sten- 
daler Glossators.' Sie sind der letzte Ausläufer der nach der 
Buch'schen Glosse unternommenen Versuche zu selbständigen 
Glossierungen. Selten gewähren sie ein sprachliches oder rechts- 
historisches Interesse.- 

In sprachlicher Beziehung kann nach dem Befunde der 
Ueberlieferung keinem Zweifel unterliegen, dass in den deutschen 
Bestandtheilen die obersächsischc Mundart die ursprüngliche 
ist, die niedersächsischen Formen des Leipziger Primärdrucks 
wie der abgeleiteten Stendaler Ausgabe als Uebertragungen 
aufzufassen sind. 

Der Inhalt der Additionen ist mannigfaltig. Sie bestehen 
in ConcordanzeU; Remissionen, Belegstellen, Antinomien, Auf- 
lösung von Widersprüchen, Worterklärungen, Interpretation von 
Rechtssätzen, polemischen Erörterungen, kritischen Notizen, Be- 
ziehungen auf den lateinischen Text des Sachsenspiegels, Aus- 
führungen aus den fremden Rechten und Bemerkungen aus 
der Praxis, Nachträgen, Wiederholungen oder Variationen von 
Stücken der gewöhnlichen Sachsenspiegelglosse, Excerpten aus 
der Stendaler Glosse. Sie benutzen ausser den fremden Rechts- 
quellen mit deren Literatur'^ die Magdeburger und Leipziger 
Schöffenpraxis, unter Polemisierung gegen die Magdeburger 
Schöffen, neben der Stendaler die Buch 'sehe (oder Bocks- 
dorf'sche) Glosse zum Landrecht, die Lehnrechtsglosse 
und die Glosse des Weichbilds, von deutschen Rechtsbüchern 
Sachsenspiegel- Land- und Lehnrecht, Richtsteig Land- 
rechts, Weichbild, Sippzahlregeln.' 

Reine Wiederholungen oder blosse Variationen der 
Buch'schen Glosse sind die mit der Formel vel fic eingeleiteten 



1 Ein Flüchtigkeitsfehler Gärtaer's ist es, wenn er bei seiner Beschrei- 
bung des Baseler Drucks (Vorbericht zur Ausgabe des .Sachsenspiegels 
§. 11, Nr. 1) die Additionen auf die Glosse einschränkt und sie ,in 
Alphabetischer Ordnung' gruppiert wähnt. 

2 Sprachlich verwerthet ist ihre Nieder sächsische Fassung nach dem 
Stendaler Druck von 1488 in dem Mittelniederdeutschen Wörterbuch 
von Schiller und Lübben. Vgl. Sitzungsberichte CVI, 212, N. 6 und 
unten Anhang 1. 

3 Einmal wird die Summe des Azo zum Codex, einmal Bartolus ange- 
führt (B, 70 und 107 im I. Buche). 

4 Anhang 1, N. 12 zu S. 254. 



Die Eiitwickluntj der Laiuhechtsglosse des Sachsenspiegels. ^4 i 

Additionen B, 2, 5, G, 8 im IIT. Biiclie, welche die Wolfen- 
Inltteler Handschrift crhcbHch vermehrt. Einmal wird das in 
der Bocksdorf 'sehen Kecension mangelnde SchlussstUck der 
<Tlosse zu TIT, 09, ij. '6 nachgetragen (B, 18). Das Gleiche ge- 
schieht ohne ausdrückliche Angabe mit einem übergangenen 
( ilossenstück zu I, 20, §. (i (B, 58). Die Glosse der Bocks- 
dorf 'sehen Recension ist wiederholt in B, 99 des I. Buches. 

Für die Bekanntschaft mit der Stendal er Glosse erhalten 
wir einen neuen, beachtcnswerthen Beleg. Aus ihr sind Stücke 
zum deutschen wie zum lateinischen Text des Sachsen- 
spiegels entlehnt. Das gilt sowohl von denjenigen Additionen, 
welche die Handschriften mit den beiden Primärdrucken theilen,i 
als auch von den bloss handschriftlich überlieferten. - 

Singular wird in zwei Additionen der Wolfenbütteler 
und der S o n d e r s h a u s e n e r Handschrift zu IH, 7 auf das 
,Kaiserrecht^ Bezug genommen. Damit ist das Schwaben- 
spiegel-Landrecht gemeint, welches nach zwei verschiedenen 
Texten citiert wird, einmal in einer nach Büchern abgetheilten 
Gestalt, sodann mit durchlaufender Artikelzählung.'' Ich setze 
die beiden Stellen aus W hierher. Es heisst zum Text des 
Sachsenspiegels : 

Hie concordat keyfer recht IL iij ar. xj § j. hoc verum 

von vorftolener habe, 
und zur Glosse (ebenso bei Zobel und seinen Vorgängern) : 

Eyn criften ' ift nehir, eynen Juden czu uerczagenn, loenne 

der iude den crlften, key /'irr echt ar. Ixiiii.-' 

Es bleibt noch übrig, die Frage aufzuwerfen, welcher 
Ordnung die Glossenhandschrift zuzuw^cisen sein dürfte, die 
den Additionen zum Grunde gelegen hat. In ihr erstreckte 
sich die Glossierung bereits auf den Bereich der häufig un- 
glossierten Stücke I, 7 bis 14, §. 1, I, 26, III, 47, wne die Ad- 



' Im I. Buche 24, 46, 48, 55, 76, 80 und B, 33 (lotztnro nur in dor 
Wolfenbütteler und der Sondersli ausener ITandsi-lirift, i ; im 
II. Buche 2, 4, 5, 13, 18, 22, 23, 24; im III. Buche 1. 

- Es sind die Stücke 75 im I. Buche und I im 'II. Buche, ausserdem 
viele andere vini inir nielit mitgetheilte Stellen. 

3 Vgl. Sitzunjj.sberichte CVI, 222 nebst N. 3. 

•• S fh. man. 

'■' ar. lxiiii\ S luil dvr Zahl in Worten: c. fexayej'iiiiot/narlo. 



248 S tef fcnliagen. 

ditionen 21, 29, 34, öl im 1. liuclic und 5 im III. Buche Le- 
weisen. Indessen ist daraus ein sicherer Schluss auf die ganze 
Gestaltung nicht zu ziehen. Entscheidender scheint die End- 
grenze der Additionen. Sehen wir auf den Text des Sachsen- 
spiegels, so gehen die Additionen der Bocksdorf'schen Drucke 
über III, 73, allenfalls über III, 75, wo ,lehn'^ §. 1 wenigstens 
im Text markiert ist (oben §. 6, Alinea 7), die des Leipziger 
Primärdrucks über III, 77 nicht hinaus. Die Dresdener und 
die Görlitz er Handschrift reichen weiter bis III, 83, §. 3 
(Nr. 14), am weitesten die Wolfen bütteler bis III, 88, §. ö. 
Zur Glosse schreiten die Additionen in der letzterwähnten Hand- 
schrift bis III, 87 vor. Dagegen findet sich eine Addition zu 
der Glosse der Schlussartikel (III, 88 bis 91) weder in den 
Drucken, noch in den Handschriften. Dürfen wir aus dem Fehlen 
schliessen, so würde die Vorlage der Additionen in die zweite 
Ordnung der Glossenklasse zurückgreifen. Dazu stimmt, dass die 
älteste Additionen-Handschrift (1434) der II. Ordnung angehört. 

Auf die Gebahrung der späteren Glossenliteratur zur Zeit 
der Drucke waren die Additionen nicht ohne Einfluss. Noch 
Christoph Zobel (1535) hatte ihnen in der Weise der Leipziger 
Ausgabe von 1528 nnd der Vorgänger derselben eine Stelle 
eingeräumt (§. 7). In seinen späteren Drucken sind sie am 
Rande fortgelassen und statt dessen Zusätze in die Glosse ein- 
gestreut, welche nach Form wie Inhalt den gleichen Charakter 
bekunden und in übereinstimmender Weise mit dem Namen 
,Additio' gekennzeichnet sind. Dazu tritt, unter der Ueber- 
schrift ,Additiones^ dem deutschen Text des Sachsenspiegels 
vor der Glosse artikelweise folgend, eine eigenartige umfang- 
reiche Glossengruppe, in der sich Reste der alten Additionen 
erkennen lassen, deren überwiegender Inhalt aber aus. modernen 
Zuthaten besteht. Diese Entwicklung erreicht ihr Ende mit der 
letzten Zobel'schen Ausgabe (1614), womit die , erste Epoche^ 
der Sachsenspiegel-Drucke schliesst. 

Im Anhang gebe ich 1) einen verbesserten Abdruck der 
Additionen auf Grundlage der Dresdener Handschrift unter 
Vergleichung der übrigen Handschriften und der Di-ucke und 
füge dazu 2) eine Uebersicht ihres Bestandes in den hand- 
schriftlichen und den gedruckten Formen. 



Die Entwicklung der Landiechtsglosse des Sachsenspiegels. 249 



Anhang. 

1. Die Additioix'ii der HaiidscJiriftcn, ver£>ii('li('ii mit dt>u 

gedruckten Formen. 

Für die liandscliriftlicho Ueberlieferung- ist die Dresdener 
llaiidsclirit't als die vollstärulig-ste imd relativ beste zum Grunde 
U'eleo-t. Ausserdem benutze ich an Additionen-Handschriften die 
(iürlitzer, beide Leipziger, die Q.uedlinburger, Sonders- 
hause ner, Wolfenbütte 1er. Ihre Variantenbuchstaben sind 
im Abdruck hinter den betreffenden Stücken in alpliabetischer 
Ordnung hinzugefügt. Die Homeyer'sche Handschrift bleibt 
ausser Ansatz, weil identisch mit D. Auf die übrigen Glossen- 
handschriften (§. 8) ist an den bezüglichen Stellen hingewiesen. 

Ich zähle die Additionen der Dresdener Handschrift und 
der Primärdrucke in jedem der drei Bücher besonders und 
verweise am Rande auf die beiden gedruckten Formen. Dabei 
bezeichnet B den Baseler, L den Leipziger Primärdruck, 
deren Varianten unter den Text gesetzt werden.' Neben den 
beiden Primärdrucken ist die Stendaler Ausgabe mit heran- 
gezogen, weil sie zwar dem Baseler folgt,'- aber doch Eigen- 
heiten besitzt, die auf eine davon unabhängige handschrifthche 
Quelle ziu'ückzugehen scheinen. Ferner notiere ich die singulären 
Lesarten der Augsburger Ausgabe von 1496, welche im 
Uebrigen ebenfalls auf dem Baseler Primärdruck beruht.'' Von 
den Zobel'schen Drucken ist der erste (lö35) als Repräsentant 
der späteren Ueberliefei-ung verglichen. 



' Den Baseler Druck benutze ich nach dem stattlichen Exemplare der 
königlichen Bibliothek zu Berlin, welchem auf dem vorderen \%)rsetz- 
blatte ein deutsch geschriebener Bericht über den Aufruhr zu Halber- 
stadt (14:23) von einer Hand des XVI. Jahrhunderts eingezeichnet ist. 
Vgl. lateinisch bei G. Schmidt, llrkundenbucli der Stadt Halberstadt II, 
7G f. Halle 1879 (in den Geschichtsquellon der Provinz Sachsen). — 
Für die Leipziger Ausgabe stand mir das E.xemplar der Güttinger 
Universitäts-Bibliothek zur Verfügung. Das Exemplar der Lübecker 
Stadtbibliothek ist leider hinten defect, so dass die Additionen gänz- 
lich fehlen. 
'-' Vgl. Homeyer. Sachsenspiegel, 3. Ausg., S. 77. « 

^ Sitzungsberichte C'I, 7;j(j mit N. -1. Vgl. oben §. 2, N. 2. 
Sitzungsber. d. pliil.-hist. Cl. CX. lid. II. Ilft. 17 



250 St.cfton li;i!,'cn. 

Die im Vcrgleicli zu D abundi er enden Stücke und Zu- 
thaten der Priniärdrucke reihe ich auf Grund des Baseler den 
Additionen der Dresdener Handschrift gehörigen Ortes ein. Ich 
gebe sie da mit kleinerer Schrift ^ wo sie aus den anderen 
Additionen-Handschriften nicht zu belegen sind (18). Ebenso 
stelle ich den Eingang des Baseler Drucks voran. Die in den 
Primärdrucken fehlenden Additionen , von denen ich nur die 
wichtigeren mittheile, sind durch fett gedruckte Nummern her- 
vorgehoben. 

Die Reihenfolge bestimmt sich danach, dass bei jedem 
Artikel des Sachsenspiegels sämmtliche Additionen zum Texte 
denen zur Glosse vorangehen. Die Stichworte des Textes oder 
der Glosse, nach der Lesung der Dresdener Handschrift, zu 
welchen die Additionen in Beziehung gebracht sind, zeichnet 
gesperrter Druck aus. 

Mit dem Abdruck der Additionen verbinde ich die nöthigen 
literarischen Angaben. Die Hinweise auf die Stendal er Glosse 
(§. 11, Alinea 6) entnehme ich theils dem Augsburger Primär- 
druck von 1516, theils meiner Abhandlung über dieselbe.' Wo 
nichts Anderes bemerkt ist, handelt es sich bei der Stendaler 
Glosse um den deutschen Text des Sachsenspiegels. 

Zur leichteren Uebersicht diene der nachfolgende Schlüssel 
der gebrauchten Variantenbuchstaben, wonach im Ganzen zwölf 
Texte (7 Handschriften und 5 Drucke) verghchen sind. 

A = Augsburger Druck 1496. 
B = Baseler Primärdruck 1474 (§. 1). 
D = Dresdener Handschrift 1460 (§. 3, Nr. 1). 
G = Görlitz er Handschrift 1470 (§. 4, Nr. 3), mit ein- 
geschalteten Additionen. 
L = Leipziger Primärdruck 1488 (§. 1). 
La = Leipziger Handschrift 1434 (§. 5). 
Lb = Leipziger Handschrift 1461 (§. 4, Nr. 4). 
Q, := Quedlinburger Handschrift 1454 (§. 3, Nr. 2). 
S = Sondershausener Handschrift 1475 (§. 4, Nr. 2). 
St == Stendaler Druck 1488. 
W == Wolfenbütteler Handschrift (§. 4, Nr. 1). 
Z ^-- ZobcTs erste Ausgabe 1535 (§. 7). 



1 Sitzunfi-sl)-riclitc <;, SST 11'. 1SS2. 



Dio Eiitwickluri),' der Landiechtsglosse des Sachsenspiegels. 251 

15 N^v iß zxi wiffen, dax man hir noch vindef alle ziiffczt, (/e.nant. in 
'lern Latin addidones, die do hyii vnd. her in deine farhj enfpigel vßioemlig 
'!ps iextifi vnd der (jlofen foUent ijefi-hrehen flehen, die feyn alle hir noch czii 
fampnen gefatcz vnd doch vndei-fcheidelichen. Älfo wo mit diffen czeichen 
( ) ader den r/liph in dem f ach f enfpigel eijn wort ingefloffen iß., dax 
hediit, duz ohir das felbige wort gehorit e.i/n addicio. So fallu ahir hir noch 
fi/chea das felhige ingefloffen wort mit den ohgenanten czeichen, vnd daz 
fnnderlichen ftehit in einer linien. Dor noch vindeflu gefchrehen d,ie addicio. 
So mach/hl denne iczliche fchrihen an ire rechte ftudt. Vnd fo fic.giuent fich 
hir addiciones ohir daz erfte hiicli, geord.iniret, als fie in dem f ach f en- 
fpigel noch einander volgen. 

Erstes Buch. 

1) I, 1 ,(-jot' ] Got hat dorwmh von li.ymm.ele das Reich la/Jen \>, i. i,. i 
irerden, itff das^ recht icere uff- erden, nt li. n.j ar. iilj-^ in 
7?r/»[cipioj <ßo[^^]. (GQSZ.) _ 

2) Gl. ^icelchs ift das hochfte'\ Äp der hohift hocher fie, T,. -.^ 
danne^ der keyfer, vide jnfra li. iij nr. Ivj.-' (LbQS^^^ — Z 

in der Glosse.) 

3) Gl. ^Der keyfer nymmet ouch czyns*' von <jotifliiLfern'\ p,, ;>. i,, :; 
nt xi q. i ,inagnum' [cap. 28|.^ Rette her feyn reich von deme 
hobifte,^ fo mochte her von den kirchen'* keynen zcinß ^^' nem-en 

ader trihutwn.^^ (SW.) 

4) Gl. /las her widder die criftenheit niehten en thu'\ vide k, a. i,. 4 
//. iij ar. vi/' ,T)er Jode' et Jxiij ,Confta }itin ks.''^'- ((.(),SW.) 

5) Gl. ,vmh (ffinharc fi( nde' \^'^ ?fM ' in c. ,nonif' |13|''' h. i. l. 5 
,de Jndic[na]' \ll, 1]. (i^^. — S in der Glosse.) 



' LGS fh. dat (das). 2 j, fh. der. 

■' L xlcii. ■> W adir. 

'■' LbS Ivij. SVV' fh. in ///o|r;i|. L t'asst die j^-aii/.e Additimi im Sinne 
der päpstlichen Ansprüche: De po.wes is hoger, den. df L-egfer, li. iii 
articulo xlix. 
'j onch czyns] DLbQ nicht. 
• nt bis ,magnnm^ fehlt S. 
8 B fh. nicht. 

^ den k.] LW der kerlce (kirchen). 
'" l'ejine^i zcinf.^ L nene tinfe. " L frihutli. 

'- In L zu dem regierenden ^onde. dwyngen^ {gestellt und verkürzt: 

li. iij ar. vij et Iv. 
'^ In HS ist das Sticlivvort ,(', nnii enior'- aus dem in der Glosse vorher- 
gehenden Citat, in L das spätere ,ftiiren'-. 
'^ I! Fa. li P.S fh. cxlra. 

17* 



252 Steffotihiiffon. 

Kistes 
Buch 

B, 5. L, c, ()) Gl. (Citat) ,pticcunia' | ihi ej't fextus: ' ,^SV (luis peniuin^'' 

u. s. w. bis ,repeUere/ [Dist. 79^ cap. 9j.'' (LLQW. — S am 

Kande und zugleich in der Glosse.) 
li, 7 7) I, 2, §. 1 ,icanne her zcu feynen tcujen kovien ift'\ 

Wanne eyn man* zcu ßynen tagen-' komen ift/' ho/tu jnfra"' IL 

i ar. xlij^ et Ixij.'-^ '(GLabQSW.) 
1', G. L, 8 8) §.2 ,richtere'] Nota,^'^ die dmgpjUcMüjen^^fint dem 

richtere von irem. '- eygen ^-^ keyns^* pflichtig, danne alleyne das fie 

fin ding fnchenJ'' ivanne fie das tliun, fo haben fie ir aygan kegen 

deme richtere ^^'' gebt ff ej,^"' vnde haben is domit entpfangen.^^ (GLal) 

QSWZ.) 
ß, 7 §. 3 ,eynenfroneboten'\ vt jnfra li. iij ar. ccZu. '" (GSZ.) 

B, 8. L, 9 9) §.4 ,pflichtig'\ wer die fint,'^^^ li. iij ar. Ixi'^^ etc. 

(GSWZ.) 
B. 9.1', 10 10) ,alle vngerichte, das an den Zip']'^^ xoelch vngerichte an 

den lip geht,-^ li. ij ar. xxxf-* welch an die hanf^-' geht,'^^' li. ij 

ar. XV j. (La QSWZ.) 



' ihi eft textus] L Dar is.- de, text. 

2 DQ ,'pecu'niam\ 

^ BSW fh. vt Ix (SW Ixxix) fZ«/[tincc'ionft]. 

'' eijn ma7i\ La et/ner. ■^ L.aW jm-m. 

6 komen iff?[ L krimpt. 

7 hoftu jnfru] La Beqidrr. 

8 G hat. von der ganzen Addition nnr das Citat, li. j ar. xlij". 

° W xliii. — et Ixij fehlt LLa. Lb abweichend (mit rother Schrift) : irie 
her zcu tagin kmninen iß, l. i. i?[ubrica] Ixii (darunter schwarz .x7jj). 

10 La Mergke hir, dax. — Nota fehlt Q. 

11 W pßegehafftenn. 

12 von h-evi] L vor nen. 
1^ irem ei/qen] Lb eigewt. 

1* Z nicht. Lb fh. nicht. Q fh. nur. GLa fii. muhir. 

'^ Das Uebrige fehlt Z. 

16 G gerichte. 

i'' LGLab gelofet fgeloßj. 

'8 Wie in G steht obige Addition auch in der sonst niclit hierher ge- 
hörigen Göttweiger Handschrift, Homeyer Nr. 275 (Dy), im Text und 
in übereinstimmender Fassnng. Homeyer N. LS ;id h. 1. 

'9 Z Ixv. 2n ,;,e,. fiif, f. Int] Z Qui funt. 

21 W Ixvj. '--2 \\\j haben zum Stichwort ,Vngerirhte'. 

2 3 inr/rh bis gpJit\ Z Yl^elrli.v da x feg. 

2< La Xlij. '& j^ /,f,f_ 

-^ iiielrli an die Ji. g. fehlt Z. 



Die Eiilwickliiiig der liiiiidicchtsglossc des tjaclisunsiiic^cls. iOO 

l'.istes 

Huch 

11) Gl. ,jd an dayff man des nicht (jariiyen'] Der ^ da n. io''-'i 
nicht vohjit.'- ift her abir'^ in icertUchem gerichte gctotit, man fal 

on nicht rügen, Inftitu. ,de i)erj)e\^i\\.i^\ et (fe???/>[oralibus] 
ac| cionibus]' (IV, 12]. §. ,nos [lies nov] atitem' \\\. (LaQSW.) 

12) (t1. ,in viertagen'] loelche rechte virtage fint,^ li. ij i;, n. i.. 12 
ar. X in glofa/' lehnr. c. iiij in r/^o[raj.''' (QSWZ.) 

IT)) Gl. ,lantfeffen'Y> eczliche lute^ Jagen, das die heijfen'' b, i-j. 1., 1:3 
fvheppinhar wie lute, die da ander vrien haben,^^ die do fcheppin 
gcjin mögen. Die fagan vnrecht, wanne ' ' die heifen fcheppinhare 
hUe, die ir aggan frie haben, do uon fie fcheppin ammeclit haben 
mogeuA'^ (LbQSW.) 

14) Gl. ,als loir dich hirnach berichten'^''' wollen'] Nota^^ i^- 1^ 
li. ij nr. lix.^'' Nota^'''' fgnnonima '' lantfejj'in, czinßlttte vnde bir- 
gelden, lehnr. c. Ixix ante f {[nein] ^[lofc]. '"^ (GQSW.) 



' Vor Der schicken BL voran vel. (L ohne vel) ihi dehet iwni: ,Man fal' etc, 
2 L vorluft. — Der bis vol<jit fehlt La. 
•* Q fh. in pinlicher clage. 
■• welche bis fint] Z Viertage fein. 
■' BLSWZ fh. et. 

•' In DS ist fliese Addition ohne Stichwort mit der vorhergeheuden com- 
biuiert. In QW steht sie, wie in BL, gesondert zu dem ausgehobenen 
Stichwort. 
'' BL stellen die obige Addition richtiger zu dem Stichwort ,Scheppin/iar'- 

resp. ^Schepenharvry''. 
•^ lute fehlt W. » heiffen fehlt DSW. 
1» die do l)is hahm. fehlt DSW. 

" Das Folgende stützt sich auf die Buch'sche Glosse: Schepenhare nri/en 
flin, de eygen vn/ he/tben, wen dat fij dar Jchepen äff' ivefen fcholen. 
Vgl. auch die Stelle der Glosse zu III. 73 (nicht 7(i) bei Stobbe, Zeit- 
schrift für deutsches Recht XV, 333, N. 55 a. E. 185ö. 
'■- In B weicht die Addition von dem Wortlaut der Handschriften folgen- 
dermassiin ab : Scheppinbar frei fint die, dy do ander freien haben, die 
do fcheppin fein viogen. Ader faf/e, als hir in ijlofa. Aehnlicli L: 
Scliepenbar vry fint, de er cgen ory heben. Eder fegye, alfe hir i«^Zo[fa]. 
Vgl. die vorige Note. 
'3 In BW zu ,14^0^67*'. 
" B Scilicet. — Nota fehlt LbQW. 
'■^ Nota bis lix fehlt G. W giebt das Citat abgesoiulert, Lb als Interlinear - 

glosse. 
"^ G fh. hie. 
'" fynnonima fehlt B. 
1* ante f. g.\ G in gloza. 



254 rf lort'cli liay;iui. 

Krstcs 

Buch 

L, 14 15) I, 3, §. 3 ffich zeit der Jtjypc. geczigen' \ > IUudi raguldm 

int eilige fecundum declaracionem ar. xvii ßifra li. i, videlicet- 
non i)i collateraUhus, uf ihi, fed ajcendentihu>< et defcendentihuH,'' 
et in ij'to iniqui/Jmie crrdnf iii<igd[ehur^en\'es\ nolentes intel- 
ligere itis clttriom. 

K, u Grl. ,alJo ffonehoten' \ Vnd henger, die dy^ luthe von ge- 

lichfs wegen toten, heiffen ouch ritte): ■' (W. — öZ in der Glosse.) 

B, 15 16) Ol. JH/Je nederwert nemen der iiffwert erbe vor alle, 

die J'eytlialhen ge]>orn fint' \ ut^> pifra e. li. ar. xvij."' Nota,'^ 
ift nymant nederiuart ?:cu nemen,'^ J'o nemen is, die officart J'int,^" 
vor alle die,^^ die fietkalhen dorczu gehorn fint.^'^ das ift dorvmh,^''' 
das ,is nicht uß deme hofeme geth, die wile der rechte hofenie do 
ift/ ut ivfra e. " ar. xvij/'' ut^*' C. ,[de bonis,] (juc liheris' 
[VI, 61 1 l. i. vlde C. ,de fuis et legit\im.i^\ /iere[dibiiö |^ 
[VI, 55] aiUen. /in fuccejyione' et in l. ij C. ,ad J'ena\ivi^\ 
coHyM^[ tum J or_p/ii[tianum]' [VI, 57]. (GLbQSWZ.) 

BZ fli. Nota,^"^ mo,gdehv,rgenfes et Lipfenfes pronunctiant con- 
trarium, quia pi-onunctiant/^ quod auus /iue auia et f rater fiue foror patrin 
vel matris^^ /wiul fuccedunt.-'^ Vgl. oben N. 3 zu Nr. 15. 

B, 16 Gl. >wijfe auch, das der bohift mag alle recht vnde priuilegia 

üorkeren'] Ouch Jage, worunnbe wolde der babift vnfer aide recht 



1 In L zu dem Satze der Glosse, auf welchen sich Nr. 16 bezieht. 
- videlicet fehlt L. 

•' Das Folgende in L abweichend: Et maf/def>ur(/en[(es] et liptzen[^ii^\ 

pronunciant contrarium, quia prommciant, quod auus fiue auia et frater 

/lue foror patris uel mutris fiinvl facceduni. Uebereinstimmend mit dem 

Zusatz zu Nr. 16 in B. 

■1 W do. 

'" Die Buch'sche Glosse an der angeführten .Stelle sagt: Alfe vi-oneboden, 

dl) heyten eck ridder. 
^ Z Concordat. ' ut bis xvij fehlt GLb. 
* W Ite^n. '■' zcn nemen fehlt GLbZ. 
'" fint fehlt GLbW. " alle die] Z allen andern. 

^2 Aus den Sipp zahl regeln III. §. 4. Wasserschieben, Prinzip der 

Successionsordnung. Gotha 1860. S. 24 mit S. 128. 
':> das ift dorvmh] Z Racio. » BGLbW fh. /*[bro]. 

^'^ die wile bis .r,vij fehlt Z. Die folgenden Belogstellen sind in GLb über- 
gangen. Statt dessen fügt G hinzu: Nota liic, quod directi excluduut 
collateralen. In Z stehen die Belegstellen mit dem Zusatz des Baseler 
Primärdrucks als gesonderte Addition, 
i'' BW et. 1' Z Tarnen. ^^ quia pr.\ Z frilicet. 

''■^ Z fh. defmictis. ^n 2 fuccedant. 



Uic Entwicklung dor Laiidieclitsglosse des Sachsenspiegels. 2öo 

Erstes 

Buch 

verkeren,^ weime her f'm icol vovhcffarn maijkf noch denie mal- 
(ler keijer dlffe recht gefaczt hat, wanne ^ der keij'er macht hat, 
wertlich recht zu fetczen, vnd der bahift daz geiftliche. vnd die 
ahfnren fachfen vernemen dißen ar[t\\<.e\] alfo: , Rahe der bahift 
irloubit, weip czu nemen in deme fünf teil gelede, Da mitte mag 
her vnfer lantrecht vnd lehenrecht nicht geergert haben, daz man 
fich möge ^ in deme fünften gelede nemen/ ■' Vnd alfo waa meifter 
kilenkoch/' der monch von dem orden heremitarum,, der diffen 
artickel ftraffte, diffes artikels"^ nicht irfaren.'^ vnd von dem 
correlario mag das fein, das eyn loevp ires mannes erbe Giemen 
magk, icenne fie keyne kinder hat vnd ire man keijne'-^ nehir magen, 
irenne feyn '" wip in dem. fünften gelede hat etc., vt patet in textuJ^ 
(SW in der Glosse.) Vgl. oben §. 8, N-r. 1. 

17) Zu demselben Stichwort.] Anstatt der vorigen Addition l, 15 
■wiederholen DL den in L fehlenden, in D aber vorhandenen 
Schlusssatz der Glosse zu I, 'S : Wi/fe auch, das der hohft alle 
priuilegia vnde recht vorkeren mag, wo fie vnvedelich vnde widder 
der feien fei igkeit f int, ut ,de conftitu\it\onih\\^\ [I, 2] c. ,licet' 

[1] li. vj. 

18) I, 4 ,altvile^] alteuil,^'^ id eft der zcu^'^ uil hat, fcilicet 
ntrumque fexum,"^^ itt ermafrodita.^'' (LaSWZ.) Aehnlich eine 
liandglosse des Tammo von Bocksdorf zum ,Codex Mo- 
gunt. IL' Spangenberg, Beyträge S. 44 und Homeyer, Sachsen- 
spiegel, 3. Ausg., S. 160. 



' Mainzer Codex von 1421 eryeren. Sitznnjjsberichte CVI, 2()<S. 

2 SW f h. dcis. 3 W fo. 

* daz man fich möge (d. h. dürfe) statt daz ficli. moijr, (d. li. ISIag-cii). 
Sitzungsberichte CVI, ÜOl) mit N. l. S liyst richtig das /ich marj. 

^ Sachsenspiegel I. 3, §. 3 am Ende. 

*" Kienkok. W kylenhach. S cleinkov.li. 

' Der Mainzer Codex fh. fin. Sitzungsberichte a. a. O., S. 208. 

^ diffen bis irfareii\ W der fielt diffes ar. nicht erfarnn hatte. 

^ W keyneii. 

'" So in W. Mainzer Codex .An. BS /m (freue). 
" vt patet in tcxtu fehlt S. 
'- Z Alij yAltuille'. 
'■• Z alzu. 

1* Z fh. als zers vnd fudt, wie im ,Vocab ularius' (Homeyer, S. 160). 
'^ S hennofrodity..i. — lU e. fehlt Z. La kürzer: Js hei/ft alzotvele , ut 
errno/roditus. 



256 Steffen ha;,' en. 

Erstes 

Buch 

B,i7. L, 16 lU) I^ ö, §. 1 ,cn(jeteilt'] Notx, iß Imr aßgeteilt ,^ Ja hat 

her (jUchwol fien teil- cm den erftorbin tjiitern, ah die '■^ der eider - 
uater (jehiffen hat, wich\hi\d] ar. Ixij, de quo vide hie ftatim.^ 
(GLaLQSWZ.) 

I.. is. I.. 17 20) ,Des en mag der tochter kinde'\ Illud eft correctum,'' 

ut dicit jnfra ^?o[faj, de quo habetur in atict. ,de here\dihus\ 
ab intef[tato]' [IX, 1 = Nov. 118] §. /nullam/ [4].'' (LabQZ.) 

i;,i!». 1^.18 21) §. 2 ,gerade'] Waa zcu der gerade gehört, li. primo 

ar. xxiiij.' (LabZ.) 

13,20. L, ]!i >Eyn iveip'] De hoc vide jnfra e. li.'^ ar. xxi in glofa.'* 

(LbQWZ.) 

B, 21. L,2o 22) §. 3 ,Der pfajfe nympt gliche teil'] Cbncor[dat] '" jnfra 

e. li. ar. xxiiij. ^^ Do ho/tu, das man den frauwen, die do erbe 
nemen, nicht darff^'^ gebin die gerade, fage, man fal yenis vor- 
nemen von der ^^ nyffteln vnd auch^^ von den frauiuen nach eyns 
mannes tode. Abir pf äffen vnd tochtere die nemen die '•'' gerade 
vnd a??, 1'' erbe. Racio, icanne die föne nemen darkegen ^'' das her- 
geivette vnd das lehn. (GLaSWZ.) 
ij. 22 Grl. ,ader feyne kinder fint nicht ebinburtig'] Ebinbort ift 

vierley, vtli.iijar. Ixxiiij in glofa infineetjnfra ar. xvi^^ 
§i^-' et wich. ar. lij."^^^ (SW.) 

B,23. L, 21 Gl, ,Das fagit her abir von elichen frauwen'] De hoc ui[de] 

lehenre[Q.]xi\ c. xxxi in glo[^8i\. (GLbQZ. — SW in der 
Glosse.) 



^ Q vngeteilt. LaSW vßgerad. — ift her ii.\ L were de föne afgedelet eder 

afyefmdert. 
2 L erfdel. '■' ab die] L de. 
* W fh. infra. LbS fh. infra poft diias rigas. Z liäiigt einen längeren 

Zusatz aus der Leipziger .Schöffenpraxis an. tZe bis yüaiwri fehlt LGLa. 
^ B incorrectum. 

<* La verkürzt: eft correctum, ut in 7Zo[ra]. 
■^ BLD xxviij. Lb xxiij. '^ Q fh. j. 
^ in gl. fehlt L. Z fh. d: w eich [hild] ar. xxij co^. ^en [ultima] 

in glo [fa]. 
1" GLaSW Contra. " BL xxiij. '^ L dorft. '^ GLaSW den. 

'1 Z nicht. 15 die fehlt BZ. L dat. ^'^ an fehlt BLZ. GLaSW auch. 

17 darkegen fehlt G. Bacio bis darkegen] L dariegen nemen de föne. 

18 W XX j. 

1" §. i] W in fi. yNgmand' etc. in ^[lofa]. S eben.so, ohne in ß. 
2ö SW fh. ,Vo)i vndirfcheid eigen n vnnd frei'. 



Die Knlwickliiuf,' ilei- Laiidicchls^'lossc des Sachsenspiegels. 257 

Erstes 

Buch 

Gl, yicaniie alle die icerlt (jemtfet ires gehetii5^\ Vide jnfra 11,24. \.,ii 
IL ij (ir. xxvij et IL lij av. Ixx.^ (GLbZ.) 

23) I, 6, §. 2 ,Wer das arbe mjmpf'\ h heiß allis- erbe, "• ^^ '• '-^ " 
das zcu der kirchen nicht ^ gc.horit, xij q. iij c. ,nulli quicun- 

que' [2] et c. ,obitum' [2. C. XII. (|U. 5|, ,de /e/(![ameiitisp 
[III, 26] ('. ,relatit,m' ij [12].' Item der erbe fal auch vorftolin 
(jut icidder geben, ap-' hers reich'' wurden iß, jvfra li. iij ar. 
XXX j in ß. ^[lofe] § i.' (Z.) 

24) ,die fchult yelden'] Hoc verum puto, J'i fecit inuenta- u. 26 '' —'i 
riam. alias enim heres"" tenetur ad folucionem omnium debitorum, 

ut C. j[de iure] deli[\)C,Yixr\(\.\Y [VI, 30] l. ,ßimus autem 
duas' [22]." et dicunt quidam, quod^^' heres habet x dies ad fa- 
ciendum inuentarium a morte deßmcti, ,de rap. |?] c. ,ß<jni- 
ficauit.' fi)e\Q,\i\'Aiov\ " uero djic.it, quod habet^'^ xxx dies '•'^ a die 
adite hereditatis et xl ^^ ad conplendum,^'' (;i[cle] in fpe'[i:,\\\o\ ,de 
/n/i^?'tt[nieiitorum] ecZi[cione]' [Lib. II Partie. 2] § ,dicto' 
[16] "' t;er[bis] ,in huiusmodi autem.'' '' hoc naturale de iure im- 
penali, fecus de iure ßixonum, quia ihi nori curatur inuentarium.^^ 
Der grösste Tlicil der Addition bis an hoc naturale wörtlich aus 
der Stendaler Glosse zum lateinischen Text. 



1 GLb Ixxix. Z Ixxx. 

^ 7s h. allis] L Alle dat Ziel. ■* •Jiicht fehlt Z. 

■* ij fehlt L. Bis hierher wörtlicli ans der Biicli'sclicii Glosse. Der Rest 
steht in Z gesondert. 

5 L if/et, dal. '^ LZ 7yjker (reicher). ' §. i felilt L. 

s Hoc bis heres] L quia, fi non fecit inuentariam, heres. 

'-' jfcimus autem d.'] L ,fanxinins'. -' 

i'J dicunt quidam, quod felilt L. 

'' Das ist Wilhelm US Durantis. 

'2 quod habet fehlt L. i^' dies felilt L. 

'^ Stendaler Glosse quadraginta. Richtig- Ix. 

1^ Das Uebrige in L abweichend: hoc de iure imperiuli. fed de iure faxo- 
num non curatar inuentarium et ad nihil tenetur, iiifi quod prohafum 
faerit, amplius non, nifi penam. et werijeldma. 

16 D ,dari'. 

1" Dnrandi Speculnin Juris. Francofurti 1G12. Fol. Pars II, \>. 3()5, 
col. 1, Nr. 21. 

'^ IJLa substituieren folgende verkürzte und an L (N. 1')) anUlingtnidc 
Fassung: Hoc eft verum feciindum iura imperialia (La fh. ut Supra), 
fecundum autem .1. .v. [i. e. speculum, saxo niriim\ non Quicquid pro- 
hattim fuerit, dattit, ampliiis non (La et non amplius), nifi cum penu et 
toerr/cldo. La noch mit der Variante nam statt fecunduTn autem s. s. non. 



^Oo S I. e ffc II li ii t;oii. 

Erstes 

Biicli 

25) ,ader hurge icds lüurden^] Nota enwi, textas ej't hie 
tranfpofifus ; debet fic J'tare: ,duhe nach rouh nach toijpelfpil 
ift her nicht pßichtig zcu gddene, nach die fchidt ader wo her 
borge was wurden, wan^ne der her widderftatunge entpßng/^ Jure 
enim faxonum huiusmodi'^ ratione ßdeiujfionis predecejjor eon- 
ueniri non poteft, ui dicit i^^o[fa].^ ita^ eciam. in practica fer- 
uatur. (GQ.) 

u, 27. L, 25 ,Die fchult ßtl der erbe gelden^] Man fal die^ erben noch 

toder hant^ felbfibende irynnernJ i?[eQuire] li. iij ar. xli § vlti.^ 
et wich. ar. xxvi ,Nu vernemet' et ar. Ixvij in glofa in 
medio'^ et lehenrecht c. xlv^^' in glofa etc. (LaSWZ.) 

H. 2s. L, 2ij Qj ,nach keyferrechte en darff her der erbe nicht alleyne 

gelden^] Vt li. iij ar. vi §. ^vertoppelt" et ivich. ar. ci " et 
libro ij ar. Ix §. ,welch man' etc. (LaS. — W in der Glosse.) 

B, 2!t. L, 27 26) Gl. ,was abir eyn fchilling ift, als du vindift'] Keyn 

richter fal richten obir toppelfpel nach vmbe buffe gelt '^ nach vmbe 
wette gelt '^ nach vmbe allerhande '^ vorpßichtunge, ut C.^'^ ,de alea- 
[toribus]' [III743] l. i. et ivich. ci.^^ (Z. — SW in der Glosse.) 

B. 30. L, 28 0^1, ,fcheppinbare frey fiyit^] Vnd ouch noch frone rechte 

ader icichhilden rechte ''' fo fint ouch '"^ fcheppenbar frie, die czu 
deme ftule geßcaren haben, vnd ouch alle dy yennen,'^'' die in deine 
frone vnbefchidden von iren vir anen 2" fitczen, vnd die man ouch 
zu fcheppin kyfen'^^ magk, ap mans bedarßS- (LaZ. — SW in 
der Glosse.) 

B, üj. L, 23 Ij 7 ,Wer icht burgit ader gloubit'] Concordat wich. arti. 

Ixxv ,wirt eyneni manne''^'^ et Ixxxviij ,leyge vnd not' 



1 Nota bis ,entpfing' fehlt G. 

2 G Jieres. ^ G f h. jnfra. * G Itaque. 

^ yW den. 6 noch t. Zt.] L na dem toden. 

7 L vorinren. — Man Ins irynnern\ Z verkürzt Selbfibende. 

8 §. vlti. fehlt L. 

5 et ar. Ixvij bis media fehlt LZ. '" Z xlvj. 

" Das Uebrige fehlt LS. S abweichend: Wi/ man vorfijeit ijut loiddir er 

Icrige, ha/tu jnfra li. iij ar. vj et wich. arti. cj. 
12 huffe gelt] BSZ haß fbüs) gelt. L böte. 
'3 ■^oette gelt] LZ loergelt. '* S ander hande. '^ Z ff. 

^'^ Z fli. et infra li. iij ar. vj. '" ader 10. r. fehlt L. 

'^ L de alle. '■' i/ennen fehlt L. ^'' L mannen. -' Z loeleu. 

22 aj} mans b. fehlt Z. -^ Das Uebrige fehlt L. 



Die Eutwickluiig der l>;inilreclitsglosbe deb 'Sachsenspiegels. 'ZDo 

Erstes 

Buch 

.«^^ vlti. et lehenrecht c. xix ,ap eyn man' et xlvl ,nicht 
waiine drie fachen.' (^SWZ.) 

27) ,das fal her ftcte hahten'\^ Contra'^ iL llj ar. ix'^ v>.:yi.h.m 
in ///y|l'u|.^ ^.oi'fj*'-'} her Jait du uon vnviogelichen (ßoidjden, der^ 

darf man nicht haldenj' (GLbQSWZ.) 

,mit feyme eyde'] Et fic iuramentum cedit' loco folucionis, b, 33. l.m 
J. jiiifiurandum' [27] ff ,de iure iuran[(\.oY [XII, 2]. vnde^ 
dicunt vulgaren: Talis'* foluit dehitum cztm "^ iuramento, et nun 
folum per iuramentum folucio, fed eciam, ex quihufcunque alijn 
lecjittimis prohacionihus oftenditur,^^ vt C. ,de probacioni[h\i&\' 
[IV, 19]/. /proprietatis' [4]J2 (^SWZ.) Der erste Satz stammt 
aus der Stendaler Glosse, im Aug'sburger Primärdruck au 
die Buch'sche Glosse ano-ehäugt. Sitzungsbericlite C, 890, N. 2. 

,der fachicaldige' \ Nota hie, der fachwalde darff idcht k,3,i. l. üj 
ficeren, dorumhe das der richter imd fcheppin haben gefivaren 
iczlichem zu feynem recht enS-^ Similiter verum eft^^ de arhitris et 
compromiffarijs. ' '' (LaW Z.) 

1,8, §.3 ,lSune^\ Wich. ar. iiij ^*> ,Wo abir fune' et b,;)5. i>, ;« 
Ixxxv ,Wirt abir' etc. (LaSWZ.) 

28) ,felbfebind e'\ Vo7'nym in pinliclier fache, abir in barg- n, y,;. 1,. :;i 
lic.her fachen felbdritte.^'' alfo helt is auch die gewonheit,^^ da man 

' In G ist die Addition an die (ilosse zum vurlierji'elienden Artikel ange- 

hän<^t, mit Umstellung des Contra \\. s. w. hinter (jeUlen (unten N. G). 
- BZ Concordat. L de hoc. ■' |j xLi. , 

' in (Jl^^ L in ^3>'«/([cipio |. Das Folgende in L abweichend: alle vnmorjelike 

louede dorfl me nicht, holden. In Z verkürzt und Lateinisch : iOi de i)n- 

pojyibilibus . 
s GLb dy (die). — der fehlt DQ. 
'' G fjelden. — Halden fehlt DQ. 

'' ho'umentmn cedit] S t e n d a 1 e r Glosse ins inrandmn faccedit. 
8 L ei hoc. '■* L liic. 
'" debitum cum fehlt L. 

'^ per bis oftendit^ir] L fit folutio iuramento, fed qualibet legitima probatione. 
'- Z hat nur das Citat. 

'3 wid l)is rechten^| Z (jefchworen hat, yder recht zu Ihun. 
'■■ Similiter verum eft\ IjüZ Idem. 
'^ W compromifforibus. 

lö L lii. Das Uebrige fehlt L. '^ q felbfifmide. 
'^ al/o bis i/ewonheit] La et fic tenet confnetudo. Der Kest der Addiliou 

fehlt LGLaZ. 



2(^)0 St,cff(Mili;if;oli. 

Erstes 

lliicli 

hur(jUch cUujit. CUujlt man ahlv in puiUclien Jacken,^ J'o iiias nuDi 
die Jana '^ geczugen J'cAhJhbinde, id'-' dlcit textus.^ (GLaQSWZ.) 

i:, a?. L, 35 29) Gl. J'o vorlore der anticertav den ^ip'] Vornym in pin- 

Ucher claije, vnde auch das her ofßnherlich der tat ■' bekenne '• in 

feyner antwert. Brengit her aber die fune in eijnem, ivanne "^ vor, 

fo ift her nicht obirioimden, in c. ,cum venerabilis' |6J de ex- 

cep[cioiiibiis]' [11,25] et in <;. ,excepcione')n' [12] et ,de re- 

Igulis] ■iz6r[iö]' |V, ult] li. vj. (GLaQS. — Z in der Glosse.) 

B,3s. L, 36 30) 1,9, §.6 yZcu laj'fene']'^ Vornym, ab is lehngut ift. 

ijt is abir erbe ader eigen, fo mus hers lajfen, ut fiat differentia 
illorwn paragraphorum, ut eciani hie glo[i'ii\ dicit in fine. uel-^ 
dic^^et^^ melius,^'^ quod eft differentia inter vendentem,^^ quia^^ 
tenefur tradere, et inter eins heredes, quia ''^ non tenentur tradere> 
ut dicit ftatim "• (/^o[faj jnfraJ'^ et tex[t\\&] loquitur de vendicione, 
quia fecus eft, fi fieret ''^ aliud, pactum, ad illud heres obligatiir 
indiftincte, quia in devendicione ^'^ habet locum pecunia dando'^'' 
intereffe, ut in iuribus in glol^^l aUe[giiti&]. fecus in alio"^^ pacto 
uel alia'^'^ promiffione. (SW.) 

B,3ij. L,37 31) Gl. ,wie fulde danne yenner feyns geldis'^'^ e^itpern'] 

Das"^^ ift der verkouffer P-'^ vornym das, alfo'^^^ das erfte teilfpricht: 
loanne der erbe des kouffes louckent. Das ander teil fpricht : 
wanne der erbe des koujfe.^ bekennet V7ide wil geczugen, das fin 



' in j). _/*.] BSW pinliclie fache. 

2 die fune] W das. 3 ßSW fh. hie. 

^ dicit <.] W in tex[i\\\. In D ist obige Addition fehlerhaft zu ,feV>fe- 

binde' §. 1 statt zu §. 3 gestellt. 
^ der tat] L de clage. ^ Z bekennet. 

' in eynem wanne] GLaS in eijner were. BLZ fe/iner were (ffpier -wer). 

8 In BS zu den voraufg-ehenden Textvvorten ,laffen fulde'. 

9 uel fehlt B. i" D di' = dicit. i' et fehlt L. 

'2 et melius fehlt W. '^ S cedentem. ''•' BLSW qui. 

'^ Wie vorige Note. "'■ ftatim fehlt L. 

17 j„/ra fehlt W. L fh. eo[dem]. ^"^ W ßat. BÜ faerit. 

'■■* BLÖW vendicione. 2" BLSW da^ida. L fh. et. 

21 L aliquo. 22 «im fehlt BSW. 

23 Zu ,ijeldis' in DQ, zu ,i/enner^ in W. La ohne Stichwort. BL stellen 

die Addition zu ,ond' in dem späteren Satze der Glosse ,vnde verczugil 

feijnen redelichen kouff vnde pfennije'. 
21 Q Biß. 

25 Da.« ift der v. fehlt BLG, ist aber in BG in die Glosse iierübergenommen. 

26 Das bis alfo fehlt La. 



Die Entwicklung Jor Laiuhcohtsglosso des Siiclisonspiegels. 2i)\ 

Erstes 

Buch 

vorfarn^ liaf'^ das (jut (jekouff}-^ inde gelt doriiff (jetjehin. (GLa 
QSW. — Z zweimal.) 

Gl. , Johannes der deiiczfclie Jaget von den erben, vnde wer h, 40 
ane not vovkoufft'\ Dij mögen daz gelt loider gehen vnd feyn loß. 
(S in der Glosse.) 

Gl. (Schluss) ,etc.'\ Nota hie addicionemJ (Juck merke i'., 4i.t,, ss 
von kouffe infti. ,de «?7i/;[cionc] et ?;«??,rZj[cione] ' [III, 2;>| 
§x [jetzt §. 3J. Wenne der kouff' vnd verkouffunge volczogen-' 
ift, vnd. das*' man vmhe daz gelt ohireln kommen ift, vnd das do 
kein fchrifft ohir gegeben icirt, der Jchade des verkoufften ' gutis "^ 
gehorit deme von ftunt an, der is gekoiißfi'* hat, lool das daz 
dingk^^ dem kouffer nicht geanticert ift. Item § xi [§. 3 verb. 
,Itaque' \A^ dor noch ^'~ fteit, loas gefchijt ane trogene vnd ane 
fclmlt des verkouffers, was fchade dem kouffer gefchijt, '•' des ift 
der vorkotffer^^ ficher. Item von lehene ff ,de periculo et eom- 
modo rei tradite'^'^ [XVIH, 6, 1. 15]: ,Si vina, que in doleis'^*' 
erunt '' vendita, et antequam. ab emptore tollerentur , fua natura 
corrupta fuerint, fi quid de honitate eorum affirmauit '^ venditor, 
tenebitur emptori. Quid, fi nihil afßrinauitf emptoris erit peri- 
culum, quia non deguftauit vel deguftando male probauit.' "• (In 
SW der Glosse angehängt.) 

32) I, 10 ,cleydere vnde ors vnde pferde^]^'^ Vnde auch i'.. 42. i,.:)^ 
allerleie-^ varnde habe, fo doch, das der uater die gäbe thu zcu 



' fin vorfttvn] B feyne vorfaren. 

2 BZ liaften. Und zwar in B ans Endo di^s Sat.zßs, in Z liinier dax (jid ^rpstpllt 

^ W vorkaufft. 

"• JVote hie addicionevi fehlt LS. 

•'' L vulkamen. ^ L iven. 

'' LW (jekoßes (gelernt ff teri) . 

8 SW dingen. ^ S vorkoxfft. Vj^l. unten N. 14. 

"1 L koft gud. " S xij. W i. 

'2 Item bis dor nocli] L in dem negeften §. 

'•'' wax gefchijt bi.s gefchijt^ L roat gefchichten eder vngeluken di'.m gekoften 

dgnge icedervart ane den verkopers fcliidt vnd drogrn. 
'^ der vorkouff'er] L he. S der kouffe)-. Vgl. oben N. 9. 
''' L ,vendi[tey. — Item von l. bis ,tradite' fehlt W. 
'•' dolus. ''' SW erant. Wie llaloander. 

'S W affii-mahit. '^ L fh. fihi imput.et. 

2" In BL 7A\ dem vorherfrcdienden ^cleyde.rp'. 
51 StS lüle. 



Erstes 
Buch 



1!, 4:!. li, 40 



2b'2 S te ff en haaren. 

der cziiif, i.dj'o her ^ von reckte, gehen mmi.'^ vt jnfra e.'-'' (tr. lij.^ 
(GQSWZ.) 

B t'h. W^enne w der vater gehen mag, 7?[eqnire] IL ij ar. lij et jnfra 
e. li. ar. liij. 

33) jStirhit dornach feyn vater, her en-' darff'] Des glichen 
vernym auch*' von der fochter/ ap ße^ der gefniücke gelnn/' (dfo 
der uater deme fone,^** wich. ar. Ivlj in _(t//o|ra|." Merke den 
text, do her Jpricht^'- ^teilen.' '•' weren fle ahi:r mete ußgerat ader 
heftatit,^'^ Ja mußen fie is yn hr engen, weiden fie mete den^'' vn- 
heßaten ^*'' ßceftern ader brudern '' teilPM '"^ nach lantrechfe,^-* ut jnfra. 
e.-'- ar. xiij. icas ahir ußgerat fie, '^' hoßu wich. ar. Ivij in 
^[lofa].22 (GLaSWZ.) 

K.41. L.41 34) I, 11 ,von vngeluche^Y'^ Is fie danne, das eyn hruder, 

der mit den andern brudern vngefitndert iß,-^ Vormunde teere, 



1 L f h. fe. 

~ L möchte. Q fal. — zcu bis mag fehlt Z. • 

•* «[ödem] seil, libro. " Z liij et li. ij ar. lij. 

'•' lu BL zu ,vater'. •"' vernym aucli] La ift zu vernemen. 
' der tochter^ La (le7i tochtern. * La die rnnter. 

^ La gegehin liette. — aj) bis gehhi] Z vnd. yrem gefrhmuck. 
'0 alfo bis föne fehlt Z. 
1' La fh. ante ^[nem]. G fli. vnd es der vater gehen mag, vt jnfra 

e. li. ar. lij. 
'2 den bis fpricht fehlt La. do bis fpr. fehlt Z. 
'•' GLa ,fy endurffen is nicht teyelen' . 
^'^ ußgerat ader />.] Z ahgefund.ert. 

'^ BLGLaSW iren (eren). St deen. '•'' L vnhegeuen. 

1'' fweftern ader &r.] S gefwiftern adir hindern. — ader hrud.eim fehlt GLa. 
'^ L deil nemen. 

'ä weiden bis nach l. fehlt Z. nach. l. fehlt GLa. 
2" Siehe N. 3. 21 La heißet. 

22 %oas bis g. fehlt Z. Statt dessen BLGSW ausführlicher: 'Nota, (L ohne 
Nota)., vß gerath ift alfo vil gefprochen, a,h zu rathe vßgefnezt vß feinex 
(L des) vater vnd muter hrote in feyn eygen hrot mit ahe funderunge des 
gutis, daz fie annamen wollen, vi[de] (L vt) wich, vhi .«[upra] (W ar 
Ivij in ^[lofa] statt vhi s.). 
2^ In BLQS ist diese Addition zii ,der kinder vormimde' in dem letzten 

Satze des Textes gestellt, 
'"i d.er bis ift\ So in L. B der mit den andern, vngefandert loere. GLaQW 
der andern hriidere (W kindern), mit den her vngefandert (Q gef ändert) 
ift. S den andern, mit den her gefnndrrt ift. D fehlerhaft der andern 
brudern mit dem gefwnderten iß. 



Uic Entwickluiii; licr LuiKlicchtsgiosse des Sachsenspiegels. 2oo 

Erstes 

l'.iich 

der darjf ^ nicht rechen/^ uf ^ fnfra e. li. ar. xxiij.^ 
(GLaQSWZ.) 

I, 12 yVorfpelt'] jnfra'' IL ij ar. Ix ,Welch man' ef T"-- 4r) 
II. iij ar. vi ,vortoppelt' et loich. ar. c'' ,Eyn iczlirh man' 
§. vlti. ei ar. fequen\i\\ cum glo\{'&] etc. (LaSWZ.) 

35) I, 13, §. 1 ,an der vnheftaten ßcefter, fle muffen yn i'-. if; i-- 1-' 
die teiiunge' hrengen'] Nota, fuj>er illo articulo ma(jd\Q,\)\x\'- 
genles] male^ fentenciant-' et eum male feruant, ciuia ipfi fenten- 
ciant^^ indiftincte: ,wo mit^^ die tochter ahegefundert ijt, da mus 
fie eyne genüge an han,^'^ vnde fie kan darnach zcu glicher teiluuge 
nicht komen, ah fie icelde ynhrengen, ico niete fie ahegefand.ert 
were.' ^^ contrariitm huius^^ manifefte difponit ille artimdus.^-' fed 
magd[ehu.i'gen[es] addunt: ,Is teere danne, das deme vater fin 
gut anirftorhin icere, fo mag her die tochter nicht ahegefundern, 
fie nymmef glich ivol teil^^ mit den^' andern erhin.' ^^ fed '" addunt: 
,noch icich\h\\diQ\ rechte.^ funder nach lantrechte tunc procedü ille 
articulus. (SW. In Z der Glosse angehängt.) 

3G) Ij 14 Gl. ,u?icZe2" keyfer fredrich gap das lehnrecht'\ b,47. L.4.i 
Wil'^^ der'^'- bruder das lehnrechf haldeny'' fo neme ich das erbe, 



1 L dorß. 

2 In Z lautet die ganze Addition abweichend: Der ctu/ezvjeüe hnider (hirlj' 
feinen brüdern nicht rechen 

^ der durff bis ut fehlt GLa. 

'' B fh. Idevi vide jnfra in addicione circa. arti\^i^\\ [Iura xxit/. Vgl. 
nnten Nr. 44. 

^ LaS liequire. ^ La Cj. 

'' In BL zu dem vorhergehenden ,/uie/f,er^. 

8 male fehlt L. ' L fentiiml. 

'" L feniiant. — ipfi y'.] Z tenent. " ico mit\ L Wen. 

'2 do bis hmi\ L fo mot fik nngen taten. 
1^ S wirt. '^ huiti.^ fehlt L. W illiiin. 

'^ contrarium bis articulus fehlt Z. 

"* glich wol <.] BL glichen teil (geliken deil). '• dm fehlt DSW. 

1^ ß.e nymmet bis erbin\ 7i fo das fie nicht gleiclien /hej/l neme. 
'9 Z Et. 

2" In B zu dem ,eir.' am Schlüsse der Glosse gestellf. Ebenso in GSZ 
der Glosse angehängt. In La ist die Addition mit der Glosse zu I, 14, 
§. 1 zusammen hinter der Hclilussschrift des Codex naciigetragen. 
" Z schickt vor Wil voi-an: Vnd Keyfer Frid.ericli fatzle diß alfo. 
22 Wil <lf'r\ L 117/ ein. BCiWZ Weide meipi. La.S Weuiic 'woldc myn. 
2' lehnrecht h. \ BLLa.SWZ lelienyut behalden (leengul beholdenj. G lehen- 
gut haben. 



Erstes 
Buch 



264 Steffcnliageii. 



douon Ja gehe ich ym. keijn feil.^ So toiirde her mich heclagen vor 
dem lantgerichfe,'^ fo ynuffe'-^ her mir danne ividder anfwerten, 
anders darjf^ her mir vmhe ■'' lehv ''' nicht antioerfen vor deme lant- 
gerichte.' das is ahir meyn bruder^ alleyne behalde, hoffu lehnr. 
c. vj in ^[lofa]. wanne da is ymßinvateruffliß, vnde der herre, 
em das leig, da ivas is fin, vnd darff is mit feynen hrudern nach, 
feynes vater tode nicht teilen, dock fo geivynnen is ym die andere 
hrudere an zeit lantrechte ;•' wanne nach lantrechte fallen fie glich 
teilen,^^ alfo hir. Et a contrario fenfa^^ xoich. ar. Ivij in 
_g[lofa[.^- Ahir die gewonheit hat heftetiget das lehnrecht, fo das 
is der bruder zcuuor hehalden möge. Tene mentiJ'^ (GLaQSW. 
— Z hinter der Glosse, mit der Bemerkung; am Rande: Seqidfnr 
additio Bogsdorff.^ 

R, 48 I; 15 Gl. (Citat) ,preterea'] Nota hie, wie fibenerleie dinft 

iß an einem vermieten gute, vt jnfra li. ij ar. lix'^^ ,wil ein 
herre feinen czinjhnan' in (/Zo[faJ poft princi'pium et lehen- 
recht c. ,Wer'^'' in glofa. (LaZ.) 

1!, 49. L,44 37) Gl. ,vnde her daran beweyfe redeliche fache'] Nota 

bene:^*' Is ift nicht gnug , das ich fpreche: ,das ding ift meyn, 
vnde loil das meyn machen^ ßmder ich mus^"^ dorczu beioiffen rede- \ 
liehe fache, wurumbe is meyn ift.^^ (GLaQSWZ.) 

B, 50. L, 45 Gl. ,das man hpUehe^'* bexviffen m.ag'] Vnd ich fpreche: 

,liepUche', als fehen vnd vernemen.'-** (La. — SW in der Glosse. ) 



' das erbe his feil] L evi fijn deil 

2 LaS lantrichter . L landrechte. •^ L mot. 

^ ander-1 darff] L Jus: dorfte. ^ L vp. *' W lehnre.cld. 

'' BLLaSZ lantrichter. G lantrechte. W lehnhernn. 

s is bis bruder] GLaS heiß (her iß). 

^ GLaS fh. czu gleichem teile. 

"^ wanne nach l. bis teilen fehlt LaS. In G ans Ende gestellt. Siehe 

unten N. 13 
II Et bis fenfu fehlt LDQ. 
'2 Bis hierbei' in S der Glosse angehängt, das Uebrige am Rande. Dei 

Rest fehlt La. 
" G fh. wenne noch lantrechte fidlen fie gleich teilen. Vgl. oben X. 10. 
" In Z nur das Citat: vt li. ij ar. lix. 
1^ c. ,]Fe?-'] La ar. Ix. 
IC Nota hene fohlt GLa. bene fehlt SW. 

" L doch. '8 wurumbe bis ift fehlt La. ''^ ,Uplic]ie< fehlt DG. 

"^^ L abweichend: Dat ik Ufliken fen hebbe eder vornainen. 



Oip EntwiiVIniii; dev Ijiindiprlitsjjlosso flcs SacliRonspiPdels. 2ßÖ 

Erstes 
Bncli 

(jil. ,das man uff eynen man mit vjorfen faget'] Ah daz^ b, 5i 
man einen czihef vnwißlichs- dinges. (La. — SWZ in der Glosse.) 

38) I, IG, §. 1 ,rorluft'] Vorn/jm'^ zcii dem male, nt jufra l, ic 
//. ij ar. vj et- U. primo ar. xxxij:^ (GLaQSWZ.) 

,lantfeffen recht^^ Concordat'' li. iij ar. Ixxx. (GQZ.) i?, na. i>. it 

39) I, 18 Gl. ,gehort is eyme nicht'\'' Vornyin'' nach fech- r.. r,:t. l. -is 
fiffchem rechte, ut jnfra^ li. ij ar. xxxiiij in glo\['ki\ ultra 
medium.-^ Intellige,^** fi luramentum.^^ defertur a parte pavti; alias 
contra, de quo vide jm rieht ft ige, uhi^'^ ,die vir de har gliche 

clage fromet^^ douon' [11, §. 1] in fi.^^ vide eciam jnfra ii. iij 
ar. xxij poft principium glofe. Et quomodo iurainentii^m defer- 
tur a i:>arte parti, vide jnfra li. ij ar. xxij in tex\i\\\ et Supra 
e. li. ar. vj ihi ,ah der man feynes geczuges icil ahegehn' 
[§. 3]. (LaSWZ.) 

40) I, 20, §. 1 ,geczune^^ Do meynt her aucli hufere mete, n, r.4 h. m 
die do fin,^'' li. ij ar. xxi. 

Nota, mit deme worte ,czuneJ meynt her auch^'' leymcendti 
rngecleiUt.^- (GL a SWZ.) 



• daz fehlt S. W ap. 2 ^ vnheivdßlic.he!^. 

•' Vornym felilt G. 

' f.f, bis xxxij felilt L. In G folgen die beiden Citate in umgekehrter 

Ordnung. 
^ C(mcordat fehlt G. 
^ La schickt voran: C'oncordaf, li. iij ar. xxij in (/lo\ l'a] cirm prin- 

[cipium] et li. ij ar. xxxiiij in ^Zolfa] id.tra medimn. 
~ BLSWZ Das (Dat.^ Dia) vormjm. La Dom iß loar. 
ä ii.f, jnfra'] S Et co7icor[ dat]. 
ä idf.ra medium fehlt L. In La ist das Citat an den Anfang gestellt 

(oben N. 6). 
"• La et hoc verum. " iuravienttim fehlt La. 

'2 BLRW üe?-[bis]. La in ue?-[bis]. 
" LaSW ,kommet'' (,kompt'). 
'* Das Uebrige in La abweichend: .v. s. [i. e. speculo saxonicoj li. ij 

ar. xxij, do fthet, wie der man felhir .fage etc., ut i/mlem. 
'^ HLGLaSWZ flehen (flan). 

'" mit bis aucli\ GLa czevne daz .fei/n (La v>eren). 

''' Das zweite Alinea, weldies in DGLa mit Add. 41 verbunden ist und 
in D liinter Add. 42, in G ausnahmsweise am Rande der Glosse steht, 
haben I5LSWZ in folgender abweichender Fassung: veimi/vi, die do 
(L ohne do) vmjecleibet fe>pi vnd flecht vffgehauwen (A aufff/ehauiren). 
Z fh. vnd alfo noch niclit vorhruclit nar/i r/ehohen. 
Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. CX. Bd. II. Hit. 18 



26n st offoiihiifTt^n. 

Erstes 

Buch 

n. r.r>. li.öo 41) jVnde czymme')'\^ ,Czi/m')ner' , daft ij't cyn iifffifhaiiicen 

(jehiide ,- gefatczf ader^ rngefnfczf ,^ gehuioct (tdcv tDujeJnuoct ,'' 
dafi*' do mit die czogen' vuheflojfin'^ ift. (GL a IS WZ.) 

BSW fh. Saffe, daz hufer, die do vnheeleihef fein vnd flecJds 
vffgericlit, die lieiffen ,czymer'. loanne die namen fallen heqneme 
Jeyn den dingen, anders hefte ye der text gefprochen von hufern 
vnd nicht von czymmere etc.'' 

li, r.(;. L, 51 42) §. 2 ,mit deme gehuive rumen'] Nu mochte eyner 

fprechen : nymmet doch die^^ frauvoe keyn^'^ gehude. fage , das 
kommet douou, das man fie^'^ dormete nicht nur^'-^ hemorgengahtt 
durch miffeften^^ der dorffere. lourde ahir eyne'^'' domit bemorgin- 
(fabit, fo hilde man is alfo, als is alhir ftet gefchrehen. Sunder 
man left fie nu nicht ^^' d,ormete hemorgingaben, uff das die gittere 
nicht wufte werden,""'' ut jnfra li. ij ar. xxi in (/[lolaj. (SWZ.) 

B,57. L,52 Q-1. (Citat) ,dicat^] In libro^^ /ew[doruni] /^[ubricaj 

,de co»?ywe[tudine]^ [II, 33] Do fteit: kr iget der herre mit weme,^'* 
weiß man, daz her recht hat, adir zioiuelt man dor an, der man 
fal deme herren helffen, Ift daz ahir offenbar, das her vnrecht hat, 
er fal'^^ ym helffen zu feyner befchirmunge. Wil der herre ahir 
ymande'^'^ befchedigen,'^^ der'^^ man mag ym helffen, ab er teil. Ouch \ 
fteit in den nehften geallegirten allegaten:'^ loere der herre zu 



I 



' BSW schicken voran Item nota (W ohne noto). 

2 BLSW huß vnd gebuwede (lius vnd gebuw). 

3 B vnd. ^ ader ongefatczt fehlt LLaS. 

^ gebuwet ader vngelmwei] BLGSW bewart adder (L vnJ.) vnbeumrt. La 
nur vnbewart. GLa fh. vnd vmbecleibit (vngecleibet). 

•"' D dn. " do bis czogen fehlt L. die czogeti] BGLa8W czogebrucken. 

8 G be/loßen. 

8 Z bietet die Addition nebst Ziisatz in veränderter und zum Theil lateini- 
scher Fassung: Gezimmere fein auj/gericld ader V7iauffgericht, vngedeijbet 
heu/er ader gebende. Quia uerha debent effe confona rebu.i, alia-'i 
dixiffet domos. 
1" BLSWZ keine (neun). 

11 BSWZ das. Vgl. die vorige Note, keyn fehlt L. 

12 A dge. '•'' BLSWZ meUr (merj. 
''' L miftalt. St wufte werdenf. 

!■' BSWZ f h. fi-auwe. — abir eyne'] L fe oiier. 

1" L fh. mer. i^ Sunder bis werden fehlt Z. 

18 L«A:[bns]. 13 L fh. vnd. '^'i er fal] L fo frhal me. 

21 L iennlgen. ^^ £, f li. ed,er fchuden. ^■' L fin. 

^'i den n. g. a.\ W d.em nehft allegirtten allegah. 



Die Entwickiunpr der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels. 267 

Erstes 

adir ' von deine konnige in die achte ijethan, der man darff- yiii 
nicht helffen adir^ dynen. (LaW. — S in der Griosse.) 

Gl. ,dns die fachfen allen frauiven zcii irem eyde gelafen n. rm 
l/ahen'] Nu mochftu fprechen: der nicht eyn fachfe were, dar 
machte der^ frauwen lafßn , ican her ivelde/' des endorjfte eyn 
ander nicht thim/' Ich fpreche:'' ya, wamieis ift keyferrecht,^ vnd 
vas danne das keyferrecht icil, daz vm/fen ander recht lyden vnd 
litdden. wanne der keyfer ift ein vater des rechten, vt infti. 
,^ja*|Lus] ^?,o[dis] tefta[vü.QYiiSi\ [iii]/{rm.a[ntur]' |II, 17] ^.'•* 
,ex eo' [7] et in aucten. ,de raptis^^^ mulie\rihns]' [IX, 2('}, 
al. 13 = Nov. 143]. Diese Addition ist nichts Anderes, als 
ein nachgetragenes Stück der Buch'schen Glosse, welches an 
seiner Stelle in den Bocksdorf sehen Dmcken, wie in 1) über- 
gangen ist. In SWZ in der Glosse vorhanden. 

43) I, 21, §.1 ,mit erhin gloiche'] Non^^ intelligas filios, n.S!'. L,53 
fed alios heredes , quia fiUj contradicere non jm/funt , et hoc^'^ 
■propter confuetudinem, que hodie feruatur per totum,^'^ jnfra, li. iij 
ar. Ixxv in _^?o[fa].^^ de hoc vide^'> lehnr. c. xxxi in margine.^*' 
(GLaQZ.) Vgl. oben §. 3, Nr. 2, Alin. 3. 

§. 2 jLipgeczucht en kan'] Racio,^'^ das macht, daz is in i'.. f,o. l. r.i 
kegen ire^^ metegift gedinget vnd gegehen ift, vnd, toirt nicht ehir 
ire, danne noch des mannes tode.^-* vnd ap der man daz bey feinem 
lehin"^^ mit irer vulhort^^ verkouft,'^'^ daz fchat ir nicht, fie hübe is 



' zu adir fehlt LLaW. 2 j^ fiorff.. 

^ LaSW noch. " SWZ den. 

■' was h. w.] SW worczu fie weidin. Z wozu er wolde. 

6 SW fh. Solucio. — des bis thun fehlt Z. 

" Ich fpreche] 7i Sprich. 

^ ija bis keyferrecht] SWZ das dis (Z das, S is das) kp.yf irr echt fei. Z i'h. 
dis aber fey fach ffenr echt, das dnrffen nicht (die leuilr lei/den. \U'y 
Rest fehlt Z. 

9 B c. 1" B ,raptu'. " G Nota per hoc. 

12 et hoc fohlt BGLa. 

1' et hoc bis totum] Z de confuetudine hodie. 

'^ Z fh. & f/Zo[fa] hie fequenti. 

'^ de hoc vide] L et. 

1*' B ///o[ra]. - de hoc bis mar rj ine fehlt Z. 

'" Iiacio fehlt W. '^ in kerjen ii-e] Ij in erer. 

'9 noch bis fode] L de man dnet is. 

2" feinem le.hin] L crem leuenden. '■" L vorwiilinijc. 

22 LSt vorkofte. 

18* 



Erstes 

Biicl) 



:^()S S ti-ffiMihaRon. 



danne verj'tvareti . dorumhe^ mag fit- is noch tode iras mannas 
widder fordern von eyncm iczlichenn etc.'-^ (LaSW.) 
H. t;i. L, 55 44) jhynnen {rem recht en^ tedingen'] Das iß h/puien'' drev 

virczen tagen*' von der czeit, als is ir irkant' ift, das fie is vn- 
hillich gelajjhi hnhe. tcanne , loen^ eyner gut-' Ifift , der mus is 
hynnen^^ m'^ icochen icidder in feine geicere nemen ,^'^ leJinr. c. 
Ixix et Iviij et lix. (SWZ.) 

B, 62 Gl. ,Neme auch eyn man czwey wip'] Doch mögen fie ire 

lipgedinge vßthun vnd vermyten. Sie füllen is ahir den erhen vor 
anbieten, anders mögen fie is nicht vßthun ader vorkouffen , vt 
lüich. ar. Ivi ,Keyn weyp' in glo\{a\ ante medium etc. (La.) 

B^ G3 Grl. ydomete eyne frauwe ire lipgedinge vorioirkeoi mag^] 

Vornym diß, daz is icar fie,^'^ ap is ir man loidderte vnd wider 

dingen liffe vor deme lehenherren ^^ adir vor gerichte. hiebe fie 

aber fuft fitczen hey ires mannes leben, noch feynem tode moc.htens 

feyne erben nicht gebrechen etc.''^ (LaSWZ.) 

B, 64 Grl. ,Dis loere icidder die recht, die hir vor ftehn gefchreben'] 

vt Supra e. ar. in glo[l'8i] in ,daz vir de' et Supra ar. v in 
^Zo[fa].'<' (GS. ^ W in der Glosse.) 

L_5(;a 45) Gl. ,Dis entrichte alfo^Y'' Nota hene illam diftinc- 

cionem, quia -wia^/c/^eburgenfesl indijß^ er enter pronuncciant, quod 
uxor retinet ^"^ bona eciam propter adulterium a viro dviorciata, 
quod eft contra illam diftinccionem et contra cafum Supra notatum 
in (/[lofa]."' (LaSW. — Z in der Glosse.) 

* L fus. 2 s fi2. tiiclit. 

^ La fh. ^^[de] roicli. ar. xxj, quavdo hoc verum eft. 

* In DL ist die Addition fehlerhaft zu ,gefcheiden' im letzten Satze 
gestellt. 

^ A bey. L in. ^ virczen tagen] L vireldagen. 

"^ BL gekundirjet. W vo7-kundiget. Z kundt. 

8 B weme. ^ L fin gud. BSW feine (feijn) lehen. 

^0 A beij. L in. Vgl. oben N. 5. 

" BLSW fechs ivij. D vir. 

12 wanne bis nemen] Z fiiaile in feudis. 

13 St ys. — Vornym bis fie] La Nota, hoc inteUlge verum SZ Nota, hoc 
verum. W Nota, hoc eft. 

" A lehenrecht. '^ La fh. vi[de] ut Supra in v ar. in margine. 

'ö SW haben ntir das zweite Citat. 

i'' In L zu ,gefcreuen' im vorhergehenden Satze, dem Stichwort der 

Addition B, 64. 
1^ Z retineut. '^ cafum bis 9.] L multa iura. 



Die Eutwicklung iler Luiidreclitsglosse des Öacliseiispiegclb. 2hu 

Erstes 

Buch 

Gl. jdcis ir eyme yn eyn fjeiftlich lehin welde'\ Das muß b, üü 
'li'fcheen mit den andern luilleA (GZ. — SW in der Glosse.) 

46) I, 22, §. 1 ,Der erhe'\'^ Nota,^ fecundum mac]d\Q.h\\Y- l, sr.b 
■j, e n l'e sj heres tenetur foluere exequias. ' fed fecundum leges com- 
inunes impenfa funeris'^ ante omnia ex hereditate deducitur/' et 
■procedit omne creditum et es alienum/ ut in fpe\Q,\x\o\ ,de inftru- 
[mentorum] ecZi"[cione]' [Lib. II Partie. 2j §. ,ut autem caiUe' 

[12] circa ^[nem]'' fer[bis] ,circa legata vero fcias''^ et in 
addi\c\ov^\h\\ü\ [iiämlieh Ipeculi] ,de parro[cliiis]' [Lib. IV 
Part. 3] 'yer[rieulo] ,pone i'ei.'i" (SWZ.) Aus der Stendaler 
Glosse zum lateiniselien Text. 

§. 2 ,Ift en ahir''^ Concordat wich. ar. Ixxviij in (jIo\^'a\ li, w; 
et jnfra li. ij ar. xxxij. (La.) 

47) ,zcu vil lones gegehin']^^ Nota, entget dir dyn knecht, l, 57 
ir die mytimge^'^ uß get, So darf ef tu ym nichtif nicht ^■'' gehin^ et 
datum reftituat dujMciter,^^ ./^^/'"^^ ^?*' V '^"'- ^^xij. (GLaQSW.) 

48) §. 3 ^mnfteilen'] Muf teil fecundum ma(/f?[eburgenfesj l, ss 
ift allis getotis ßeifch vnde gefaltczen fleifch vnde getrocken '-'' ßeifch, 

et 7ion"' maft fwyn, dorczu alle^' muf körn, alfo etc. erhiß,'^'^ alles ^'^ 
hrotkorn, ane fatkorn ,'^^ vnde hrot vnde getrencke. (SWZ.) Der 



' tZ&s andern roille] G irer heider willen. 

2 In D ist die Addition für sicli und ohne Stichwort fälschlich der Glosse 
zu I, 21 boigeschrieben. In L ist sie ebenso fehlerhaft mit der Ad- 
dition 45 der Dresdener Handschrift verbunden (vgl. die näcliste Note). 
Dass sie zu I, 22 gehört, zeigt ihr Inhalt und die Stendaler Glosse. 
In W steht sie bei I, 22. 

3 L fh. circa eandem ^Z[ofam ], quod. * L exceffus. 

^ communes ivipenfa funeris] L verderbt fi communes imijenfe fuerunt. 

^ L deducuntur. ' es alienum] Li omnis res aliena. 

8 Das Uebrige fehlt L. 

2 Durandi Speculum (oben S. 257, N. 17) 1. c. p. 330, col. 1, Nr. 45. 

Der Kest fehlt WZ. 
'" Die Stendal er Glosse hat ,2^0. rci'-. Das Citat scheint verderbt. 
'^ In DQ zu ,Vorlouckent'', dem Anfan^swort des nächsten Satzes. 
12 die m.] L de fit der medinge. 
'^ niclitif nichi\ SW nichtis {nichts), ohne nicht. GLa nicht (ohne nichtif). 

L neijn Ion. 
'■• dnpUciter fehlt L. La duplicaturii. 

'^ SW ijetruf/et. — getotis bis getrockeii] Ti (jefalzens vnd gereuchert. 
'6 et non] LSZ vnd nicht. W Ahir nicht. 

'7 alle fehlt L. »8 w fh. grotze. S fh. lynfen. >» D als. 

2*^ Z famen. — a/ne fatkorn fehlt W. 



270 Steffeiihiigcii. 

Erstes 

Buch 

iiiluilt stimmt nahezu wörtlich mit der k5tciulaler (Jlosüc zu 
dersclbcu Textstelle. Öitzungsberichte C, 922 f. Nr. 17. Vgl. 
unten B, 68. 

B, 67 Gl. ,das ift des liern^\ Die wile her^ dint. (GLa. — S in 

der Glosse.) 

B, 68 Gl. ,'nmffei.ln, das ift die fpeyj'e teiln^^ Das ift truyejleifch, 

gefaltczen ßeifch, körn mel etc., vi wich. av. xxiiij in principio 
glo[£e]. (La. — W in der Glosse.) 

L, 59 -iÖ) I, 23, §.2 ,torheif'\ Die wert biß'^ xxi iarn. danmi 

fu ift is'^ komen zcu feynen tagen, ut jnfra in _^yZo[l"a] et jnfra 
av. xlij in ^[lofaf.» (GLaQSWZ.) 
,;9. L, 60 50) ,der en darff keynem manne heo'eche7i^]-' Vornym das, 

wo her in vngefundertein gute fitczt mit den kindern.'' Ift her ahir 
gefundert, fo mus her herechen.' wen eyn iczlich Vormunde, her'' 
fie erbe ader nicht, der mus rechen dem kinde,-* wanne is^^ zcu 
feynen ' ' iaren kommet, ^'^ anders nicht, wanne her mochte alle feyne 
guter e vorthun.^'^ Sunder ehe ^^ is zcu feynen iaren kommet, fo mus 
der rechen, der nicht erbe ift. Aber der do ^^ erbe ift, "' der darff 
nicht ehr rechin, das kint kome danne zcu feynen iarn.^'^ hoc verum, 
fi habet ^'^ bona diuifa,^'^ ut wich. ar. xxvj in medio glo[i^e], wi^*' 
eciam hie glofa d,icit in fine.'-^ (GLaQSWZ.) 



» A der. 2 LGLaQWZ fli. to (zm). 

3 L he. * et bis g. fehlt L. 

^ So BSW. D stellt die Addition unpassend zu ,her ecken' in dem 
früheren Satze ,deme fal des kinden oormunde herechen', Q zu dem 
folgenden ,des kindes gut. L bleibt fraglich , da das Stichwort im 
Text nicht njarkiert wird. G verlegt die Addition hinter , hur gen 
fetczen'. 

^ Z hrudern. '^ Vorntjm bis herechen fehlt La. 

8 wen bis her] La Nota hie. der Vormunde. 

^ dein kinde\ L den hinderen. 

1« L /e. " L eren. 

'2 L kamen. G fh. vt- jnfra in nottula. Nota, der Vormunde fey erhe adir 
nicht u. s. w. mit Wiederholung des vorhergehenden Passus bis kompt. 

13 anders bis vorthun] BLGLaQSW anders (La fh. ßo) mochte er alle fein 
gut (Q feyne gtder, L fine guder) verthun. 

i'' G wenne. ^^ W nicht egn. 

'6 Aher bis ift fehlt LDQ. 

i'' BGLaSW fh. vt hie. — da.s kint bis iarn fehlt GLa. 

18 BLaSWZ hahent. '^ BS WZ indiuifa. L diuerfa. 

'-'^ B et. -1 ut eciam bis in fine fehlt L. 



Die Eiitwickhiiig ilcr Lamlrucljtsglosse des Sachsenspiegels. j?71 

Krstcs 

liiich 

Gl. ,Das vir de ift eyn vnde czwenczig iare'\ Das loij'fe, i'. to 
ilati ein kiiit kompt zu feinen tagen,^ icanne is xxi iar alt,^ Als 
Irir.'^ Wiffe ouch, das dijj'e keyn tefiament fetczen mofjen : Als 
rnntundige kinder, tobende lute, dy nymme fynne^ haben, fpellute, 
l'tummen , blinden, vnd dy verthumet fyn zu dem. fode, vt in 
l'amnia^ azonis^' ,qui teftamentum facere yoffunV [VI, 22J. " 
((JLa. — SW, iu der Glosse.) 

51) Gl. ,cdfo ab eyn bnider feynes bruders hindere vor- ^^ ■?! 
munder were'^ Idem intelliye de alijs coniuncfis , aJfo bruder 
kindere, ivo J'ie gancz vngefundert fin. nota bene. (GLuSW.) 

52) I, 24, §. 1 ,veltpferde'] Vornym ftrinczen.^ icanne b, 72. l, (u 
alle menliche thir gehören zcu dem erbe, lehnr. c. Ivj in ^/[lüfu].'' 
(GLaQSW. — Z in der Glosse.) 

BGS WZ ausführlicher: Nu mochftu loenen/^^ daz man ouch 

ffudpferde meynte, wanne dy heiffen^^ ouch veltpferde,^'^ vnd man 

muß die ^'•'' hüten. Sage neyn, her meynt hir mete ftrintzen.^^ vnd^-' 

fpricht der text ,fictne' [§. 1], dor meynt her fuwe methe, wanne 

(die menliche thir gehorn zu dem erbeJ*' Wayn^' pferde vnd pßug- 

pferde gehorn nicht zu der morgengabe etc.^"^ Nota, kuwe vnd kelber 

vnd J'tudpferde, die man nicht ynf pennet, die gehören noch lant- 

recht zu der morgengabe vnd gerade, ader noch tüic/([bild] gehören 

fie zu deme erbe.^'^ Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches 

Wörterbuch IV, 437. 1878 voc. strintze. 



» La iaren. ^ SWSt fh. iß (ys). A fh. wirt. 

^ Das Uebrige fehlt G. La hat den Rest der Addition besonders nnd den 

Anfang als Einschaltnng zvir Glosse. 
' nyvime fymie] A nymmen f;jnn. SW ni/vimer fijnnen (fij7me). 
^ S feniencia. ^ B afonis. 

'' Summa Azonis. IJasileae 1572. Fol. col. 5i)ö, §. 1. 
** Sachsensi)iegel III, 51, §. 1 veltstriken. Homeyer 8. 810 mit N. 2<S 

und im Register S. 4ül voc. Vell.perde. 
n in (f. fehlt La. "' .St manen. " Z feindl. 
'^ GSWZ vclt yenye (veUl<jen<i). '•'' St fe. G ir. 

" G ßriuczel. St fh. eddei- moderen. '■' GSW Ouch. 

"■' Bis hierher GS. SWZ fh. lehnr. c. ivj (Z lo). Das Folgende in Z 

gesondert. 
'■' IVccgen. Vgl. Lexer, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch III, (51(5. 1878 

voc. wain. 
'^ Das Uebrige in W getrennt. 

'^ WZ fli. loich. ar. xxvj. Aelmlicii lautet die Addition iu L: Jler meijut 
hir nene ßodperde, funder he vteipit perde mit ßrulzen. he ß'dU ok ,mefte 



'212 Ötefteiihiigcii. 

Erstes 

Buch 

ß, 73. L, (52 jCZ'anunga onde czymmer'] Czune vnd^ geczijmmiiv yehorit- 

zu monjeufjaha, als dar text hir fpricht. Das Jaltu alfo'-^ Vornamen: 
Czunt^ daz fint czuvftecken vnd gerfen/' dy nicht vollcomen fint. 
das gezune •' mag d/j frauive vff flißfen ' vnd vff Ire gut fetczen, 
ap die erben daz geczune^ nicht galden'* wollen. '^'^ Abir czymmer, 
daz ift gebuwe, daz do vngericht iß,^^ ader gericht vnd vngedacket ^'^ 
vnd nicht volkommen ift ,^'-^ daz mögen die erben lofen , ap^^ fie 
wollen etc. (SW.) 

B, 74. L, 63 53-^ g_ 2 jGemefte /ioy7i'\ Vornym , die do gefaltczen flu 

vnd, geteilt y^ fuft gehören fie zcu dem. erbe, wanne mufteil ift 
eyne fpiffe, die eyn man zcu feyner notdorfft geflan hat, wich, 
ar. xxiiij^^' in gf[lofa].^' (GLaQSW. — Z in der Glosse.) 
Martitz, Güterrecht des Sachsenspiegels. Leipzig 1867, S. 107, 
N. 7 am E. mit S. 7-i, N. 13. So viel ich sehe, die einzige 
von Martitz benutzte Stelle der Additionen. 

B, 75. L,6i 54^ g 3 ^df^ig 2CW der gerade gehöret'] ]Vo abir^^ die nyfftel 

gerade nympt der frauioen, die faV* dem manne bereyten fin'^^ 
bette, ut jnfra li. iij ar. xxxviij in tex\i\x\. (QSW.) 

B, 7(i. L, 05 ,fchoff'] Nota,'^^ ^ifß ouch,^'^ daz die frauwe alle fchajf ires 

mannes nympt zu gerade. Hette aber ein ^^ man ^^ eynen funder- 
lichen fchaffhertten,"-'^ die fein wem,-'''' die gehören'^'' irer'^"^ '>^yft^l 

fwyne' [§. 2], wente alle minfchlike deer hoj-en to dem erue. tcmjenperde 
vnd lohichperde hören to morgengaue. Ko vnd keiner, rynder, ftodperde, 
de nie mede in fpannet, de hören na lanlrechte tor morgengaue vnd lom 
gerade. Sunder na wich[he\de] hören fe tom erue. 

^ Czune vnd fehlt L. ^ l hören. 

3 W ouch. ■* L tymmer. '' St roden. L tun i-oden. 

^ das gezune] St de thune. L dat getijmmer. 

^ '^ff y^i/'i/ß^] St ajfhreken. L vth fluten. 

^ daz geczune] St wie oben N. 6. L dat timmer. 

3 LSt Letalen. ^o L loolden. 

" do vngericht ift] L me noch nicht vpgerichtet hefi. 
1- L nicht gedecket. '■^ vnd nicht v. ift fehlt L. 

'^ L iffet dat. '^ Z fh. zu ftücken. »e Z xxiij. 

1" BZ fh. et Supr-a ar. xxij, vt notaui etc. LSVV fh. et supra ar. xxij. 
18 Wo abir] L wen. 'O die fal] L fcal fe. -'" I. dat. 

2! LaZ fh. hie (hie). — Nota fehlt SW. 
2"-ä rviffe ouch fehlt LLa. SW Hy (Hir) wjffe ouch. 
-■' La ir. Z der. 21 2 flu fonderliche Schaf odder. 

25 eynen f. fchaffhertten] La funderliche fchajf herdin. 
'^'° die fein loern] St vnd de fcliape fyne loeren. Z der fein were. 
2^ L horden. La geboren. -'^ LaSt fyner. 



])\e Entwicklung der I.iuuireolitsglosse des Sachsenspiegels. 27b 

Erstes 

liuch 

)ächt, ap fein iceip fturbe. Wass die frauwe felhir hat^ an Jchaffen, 
daz erhit J'iii'^ v(f' ire nehfte gefpjjnne.'^ Als weip ^ und meide, die 
Jchajf heften, Das prüfe'' hir bey, daz do fteit indem xxxi. ar. 
hirnoch. Stirhit aber das wei]), dy*' erbit keynerleye varnde habe, 
funder gerade vnd eigen, ap fie daz hat, vff ire nehfte J hat fie 
felber^ keyne fchaff, die ire feyn,'^ fo e)idarjf^^ der man feines 
iceibes gefpynne ^^ feyne fchajf nicht '2 zu gerade gebend' Et fcabini 
magdeburgen\^Q^\ fie pronunccianf A ^ (LaSW. — Z in der 
Glosse.) 

55) I, 25 Gl. ,die haben vorlorn alle lehn'] Ideni^-' de iure b, 77. l, ofi 
communi, l. ,deo' [56] C. ,de epif[co^is] et cl e[riQ,is\' [I, o\. 

vi [de] eciam:^*' ,qiii clericus efficitur aut votiim religionis affumit, 
hoc ipfo^' feudum amittit', c. ,qui clevicius' [6] ti. ,fi de /ett[do] 
c'ju<>-o[verfia]^ [II, 26] i"' in ufu feudorum. (SWZ.) Aus der 
Stendal er Glosse zum lateinischen Text I, 25, §. 3. 

56) Gl. ,her darff or ?:cu Franckenfurt nicht gebin'\ Wo b, 73 
man gloubit zcu halden, do fal mans halden.^'' (S.) 

57) I, 26 Gl. ,kommet faft fogetane eynem herren^] Alfo i^, ■?:' 
epte,'^'^ bifchoffe vnde eptifchynne. (G.) 

58) I, 27, §. 1 ,nyjftele'] Ift aber die nyftel auch erbe u, so. l. cv 
mete, fo hat fie die kore,'^^ ab fie die gerade nemen wll ader erbe, 

Siipra e. li. ar. xxiiij in fi[ne] g[\o(e].-'^ (GLaZ. — 8 am 
Rande und später abei'mals in der Glosse.) 



' L hede. ^ L fik. 

^ nehfte f/efp//n7ie] L /pilmaqen. * St frowen. 

5 LSt markt (mercke). " StLaSWZ Je (fie). L dat. 

'' ap fie bis nehfte fehlt L. * felher fehlt L. 

" keyne bis feyn] L nehi fchap, dat er is. 
1^ L dorft. " L fpilmagen. 

^' feijne fchaff niclit] L 7iein fchap. 
'3 La fh. Iftam addic ionem inveni in «[cabinorum ] e/^fijltola] 

il/a(/rf[ebiirgerif ium]. 
1* Et bis pronuncciant] La et ita eft pronunciatum fecundum Scahinos M. 
1^ BL.SWZ fh. dicendum eft (LSWZ ohne eft). 
'P vi[i\e] eciain] JiLSWZ Nam. 
'" BDSW ipfum. — hoc ipfo fehlt Z. 

'S B jcontra fiierit'. LSWZ ,controuer[V\a,\ fuerit'. 
'^ In BS Lateinisch: Qui certo loco foluere proniittit, ihi tenetur. 
2» epte fehlt B. 21 7, wal. 

2- in ß. (j. fehlt L. //[lofej fehlt B iiinl 8 am Rande, steht aber in S 

in der Glosse. 



Ji74: S tef fe nhiitjcii. 

Erstes 

Buch 

B, 81 Gl. jGerade iß hitjiijerethe'] Javi, liahila eft ibi: ,Iß aber dyc nifflel 

auch' etc. Vfjl. dio vorhergehende Addition. ^ 

B, 82 59) I, 28 ,fr(>7i(i boten'] Was aher deme fronehoten douon 

hUhit,'- IwJ'tii li. tij ar. Ivj. (GLaZ.) 

1!, 8.3. L, (!8 60) Gl. ,durch des toden hruche'] ut , fi fidffet hereticus, 

uel fe ipfum meiu mortis'^ interemiffet, IL ij ar. xxxlj. (LaSWZ.) 

L, 69 61) I, 29 ,iar vnde tage'] Contra jnfra IL iij ar. IxxxLlj.^ 

Do lioftii/' man fal is geweren, die loile eyner lehe.*'> ibi foluitur, 

vide wich. ar. xvj.' fac diftinccionem., an ab intef\isiio\ et tunc 

requiruntur xxx anni; an ex empcione Jeu donacione feto allo 

contractu quocunque, tunc Jufßcit annus. Tene menti , illa ejt 

fententia omniimi laicorum, vide jnfra li. ij ar. xliij in j/Zo[la] 

et li. iij ar. Ixxxiij in glo[i^&,].^ Item contra tex[tum\ habetur 

jnfra li. ij ar. vi in fi. ibi foluitur in glo\^3?y'' (GLaSW.) 

B, 84 Gl. ,Das andere fint heilige ding'] Exemplum^^^ klicke, 

mejfebucher,^^ mejfegewant etc. (WZ in der Glosse.) 
B, 85 62) I, 31 Gl. ,Nu mochftu fagen, ich faite vnrecht'] Vor- 

nym ^- doran, das her ym text fpricht, das eyn man feynes wibes 
gut in feyne vormundefchafft nympt. (GLaSWZ.) 

u, 8G. L, 70 63) I, 32 ,Keyn loeip'] Ncichkeyn man. ivanne loer fo an 

feyme lehne ader an de7ne^''' lipgedinge feyner muter ein ey gen zcu 
fagit, der vorluft is, li. ij ar. xliiij in textu in fi.^^ 



i Der Verweis erklärt sich daraus, dass der Baseler Primärdruck eine 
Handschrift vor Augen hatte, in welcher, wie in S, die fragliche Addition 
zweimal vorkam, zuerst zum Text, dann in der Glosse an der be- 
zeichneten Stelle. 

2 Was bis hlibif] Z Fronbote, was der douon hat. 

3 mein mortis fehlt L. * W Ixxiij. S Ixxii. 

^ Do hoßii] GLa vbi dicitur. ^ etjner lebe] GLa her Mit. 

■^ LaSW xxj.. G V. Den Anfang bis hierlier rückt La hinter die folgende. 
Ausführung. In W fehlt das Uebrige. G fh. Contra jnfra li. ij ar. vj 
in fi. Ibi fohdtur in.(/lo[(n]. Vgl. den Schlu.ss der Addition. 

8 In L, mit Uebergehung des Restes, verkürzt: dat if war, hefl he dat ex 
emptimie, donacione uel alio contractu. J'ecus, fi ab inteftato, fo is em not 
xxx Jar, 70 ich. ar. xvi, in li. ii ar. xliii in gi^ofa]. 

9 Item bis in gl. fehlt La. i" WZ Alfo (als). 
'» meffebucher fehlt Z. '^ GLa Intellige. 

'3 B feinem. — an deme fehlt LW. 

" in textu in fi. fehlt L. Das ganze Alinea ersetzt La durch eine andere 

Ausführung, welelie nebst dem folgenden Alinea BSWZ in die Glosse 

recipiert haben. 



1!, SO 



Die Entwicklung der Laudiechtsglosse des Sachsenspiegels. ^iD 

E istes 

Buch 

Fallit,^ icanne eyne frauwe hette erbe ader eyfjen zcu lip- 
(ji'Ainfje,^ vnde die'^ kinder fturben, Jo fturhe^ der muter das 
erbe in den fchoß, vnde'' behelt danne ir lipfjedinge zeit, ejjgan 
vnd erbit is danne abir nicht^ alfo lipgedinge , Junder alfo erbe 
propter mutacionem.' (LaW.) 

64) I, 34 Gl. ,is blebe doch des kouffers'] Contra^ li. iij ^< ^'^ 
ar. iiij. do fpricht die ylofe:'^ ,diewile ich eyn gut vor gerichte 
nicht vorgebe,^^ fo ift is nach vieyn/ (GLaSWZ.) 

Gl. Jage, is fie gut durch vierleie fache'] Concordat lehen- ^' ^s 
recht c. xvi et xxxvi. vnd man faJA^ gut verrechen in deme 
gerichte, dor is ynne leyt, ader vor dem hofeheri'en, vide ^- icich. 
ar. vlti\moY''^ in recapitidacionibus. Do haffu ouch , toie lange 
einer dem andern gewern fal in iiij calumpnisA^ do fal man ouch 
clagen, li. iij ar. xxxiij §. vlti. et wich. ar. xxi in glo[[a,] 
ante medium. (SWZ.) 

65) I, 36, §. 1 ^befchelden^Y'" Hie hoftu,^^ dar der vn- 
eliche^'' vorfpreche nicht gefin mag. wanne du hojt jnfra ar. Ixi 
e. li. [§.4]: vorfpreche mag'^^ nicht gefin der, ,den man an feynem 
rechten befchelden mag.'' ergo etc.'^'^ (GLaQSW. — Z hinter dem 
Text des ganzen Artikels.) Vgl. unten Nr. 71). 

1 La Sage, quocl <ea;[tus] hie fallit, wie BÖW in der Glosse. Vor Fallit 
wird in L vorgemerkt: In cilo\is,\ eo[denij av. mlde, wälirend ß den 
Eingang des mit Fallit beginnenden Alinea unmittelbar an das vorige an- 
scliliesst. Bei der Zälilung lasse icli di(i Trennung in L unberücksichtigt. 

- Das Uebrige fehlt BW, wo statt dessen auf die Einschaltung in der 
Glosse (N. 14 zur vorigen Seite) verwiesen wird: vt jnfra c. ar. in (jlofa. 

^ Tu er. ■» L ßeriiet. » L f h. fe. 

'"' L fh. mer vp ere frimdt. 

^ propter mutacionem fehlt L. La fh. racione detiolucionis. dar vmhe hlihct 
noch dijjer <e.T;[tus| recht, wie BSWZ in der „Glosse. 1) hat das Alinea 
Fallit zweimal, und zwar einmal in obiger, mit L stimmender Fassung 
für sich, sodann am Ende vei'kürzt in Anlehnung an das erste Alinea, 
dessen Inhalt kurz wiederholt wird. 

8 BWZ CoiicordaL 9 die (ßofe\ G her. 

'" GLaSW enijebe. " Z magk. ''•^ B et. 

13 Das Uebrige fehlt Z. 

'* in iiij calumpnix fehlt W. 

'^ In D fälschlich unter die Glosse zu I, 35 gestellt. 

16 Hie ho/tu] BQ8WZ Dor vß (Q vff) mercke. 

■'' der vneliche] BQSWZ eipi vnelicher. .St ei/7i vnechte. 

'S GLaSWZ kan. '« erc/o etc. fehlt LaQSWZ. 



276 Stei'l'oiiliii ;; cu. 

Erstes 

Buch 

i'- -'0 I, 08^ §. 1 ,K(i}))2'fiii^\ Keinpfen das J'int dij, die oinbc ijelt 

veclitan,^ Ader katzen ritter. die heißt man jm latin'^ actores arene.^ 
(LaZ.) Schiller und Lübbeii, Mittelniederdeutsches Wörter- 
buch II, 435. 1876 voc. katfenridder. 

^' 91 §. 3 ,geiüynnen^] Erbe zu nemen. ivanne alle feyn gut das 

ift vorioorcht gut. (SW.) 

B, 92 ,yn feyn recht Ican her ahir nicht loidder körnen' (Homeyer N. 23)] 

Noch eliche* kinder enmag der man Jeder nicht gewynnen,^ erbe czu nemen. 
wenne alle fein (jut ift vorworcht <]utj' (Z.) Wiederholung der vorigen 
Addition. 

L. 71 66) I, 39 ,w all enden keffel'] Das ift ahe geleit, vide 10 ich. 

ar. xxxij in ^?o[ra] ante medium.'^ (GrQ.) 
B, o;j. L, 72 67) I, 40 ,vnde nicht feynen lifY Contra-^ e. IL ar. liij.^'^ 

Do fpricht die glofe:^^ ,her vorluft feynen lip.' die, ut ihi in 
^/o[faV2 (GQ.SW". — Z hinter der Glosse.) Vgl das Facsimile 
bei Petzholdt, oben §. 3, Nr. 1, N. 3. 

BS WZ fh. Sage, das her fait in dem. liij.'^^ ar. von de7n^^ 

ftritßuchtigen , der vorluft feinen lip. Hie fait her von dem her- 

ßuchtigen, dem.e vorteilt man feine ere vnd feyn leheuX^ ^^g'- hierzu 

die Buch'sche Glosse zu I, 53, §. 2 und Sachsenspiegel I, 40. 

L. 73 68) Ij 46 ^miiffen^^'^^'' Contra^' jnfra li. ij ar. Ixiij^^ et 

li. iij ar. xxx.^'-^ Do fpricht die glo\^e\, das is anders fie nach 
geiftlicliem rechte. (QSW.) 



' St liest mit Nichten rechten (Schiller und Lübben), sondern hat nur ein 
ausgesprungenes v, welches dem r ähnlich sieht, dessen Reste aber in dem 
Exemplar der Lübecker Stadtbibliothek noch deutlich erkennbar sind. 

2 die h. bis latin] Z latine. 

3 Z fh. nt iiifra eo[dem] [seil, libro] art. xxxix in (jlo\_(i\,]. 
* St echte. 5 B fh. c^u. 

6 gut fehlt Z. 

7 GQ ^nem. — in gl. ante m. fehlt L. 

S In B zu jtruweloß'. '■' BZ Concordat. 

'0 W Ivii. BZ Ixiij. BGSZ fh. in ^Zoffa]. 
11 die glofe] BGSWZ her. Vgl. oben S. 275, N. 9. 
^■^ L hat nur den Satz: die, ut ihi in glo[Ux]. 
13 W Ivii. B Ixiij. Wie oben N. 10. " BS den. 

'^ S lehnrecht. 7i fh. aber nit den leib. 
16 In L zu dem Stichwort der Addition B, !I4. 
IT SW Co«cor[dat]. '» SW Iviij. 

'9 et bis XXX fehlt L. 



Dio KntwickhinK der Landiochlsglosse des Sachsenspiegels. 2lt 

Erstes 

Buch 

,vo7-m7inden'] Nota hie , wer ahir nyne frauwe antwert- b, 9i 
teriimie,'^ daz man zu iren gutaren claüe ,'^ vnd hette keipien Vor- 
munden , ivanne fie danne vor gerichfe qweme , fo mufte fie von 
ffundt einen Vormunden fcyfen, der fie vorantwertte, adir'^ wurde ^ 
f eilig. Hette fie aber einen rechten Vormunden , vnd der loere 
nicht t/nheymifch,'^ daz her fie verantwertten muchte,'' fo mag fie 
iren Vormunden' hinder fich czihen xiiij tage, daz fie yn vor- 
hrengen mogen."^ (LaSW. — Z In der Glosse.) Dem Tammo 
von Bocksdorf zugcscbrieben. Vgl. oben §. 9, S. 242, nebst N. 5. 

I, 47, §. 1 ,eyde'\-^ Nota hie, daz man dy frauwen nicht i5, 9ü 
ohirczugen niagk, vnd daz fie nicht ^'^ recht iviffen dorjfen.^^ Et die, 
quod illud hodie receffit ah aula. (GSW.) 

jEr rechte vorni^inde'] Nota hie, daz^"^ rechte Vormunden f-. 9(; 
heyffen^^ als eyn man feines loeihes ader der nehfte ehinhortige^^ 
fwertmoge. die folen geioere thun vnd leijten^-'' vor fein loip vnd, 
mundelinA^' Die ahir von gerichtis halben zu Vormunden gegebin 
icerden , dorffen des nicht, vt jnfra, ftatim in ar. fequenti. 
(LaSW. — Z in der Glosse.) 

09) I, 48, §. 1 ^gemacht'] Vide jnfra IL iij ar. xvj et b, 97 
lehnr. c. l xiiij. (GLaQZ.) 

,klage'] Die zu kämpfe gehit etc. (LaZ.) b, '•*« 

I, 51 Gl. ,Die erften fint rechtloß'] Nota,^' wurde eyn i'», «a 
geczug angefprochen ,^'^ daz er rechieloß icere, daz mufte yenner 
zu hant hewifen, vt C. ,de ^e/^i[bus]^ [IV, 20] l. Ji guis' 



' St anlicerdet. 

2 Nota bi.s claite] La Iteiu /.!o man clajete zu eyner frawin gittere. 

3 St fh. fe. " Z ivirt. '■> St Iho huef. 
" daz her bis imichte felilt LaZ. 

'' iren Vormunden^ La yn. 

8 WSt mag (mach). LaS möge. La fh. vnd fie vorantwerte. La conibiuiert 

damit die Addition B, 96. 
8 G bringt die Addition in den Text de.s vorhergeliondon Artikels. In W 

ist sie in zwei getrennt und tlieil weise wiederholt. 
'■" St negn. '^ V7id bis dorffen felilt G. 

'2 La loelch. ^^ La fh ut in te.-r[tn]. 
'■• ehinhortige fehlt La. '^ La fh. vnd rntphan. 

"■ Der Rest fehlt La, wo die Addition mit R, 94 verbunden ist. Vgl. 

oben N. 8. 
1" SW fh. hie. 
'^ ■umrd.e bis angefprochen] W loeime eyng. angefprochin iimrdf. S stimmt mit H. 



278 S tef foii li;ifrcn. 

Erstes 

Buch 

[17],^ vnd daz fie kein warf vor gerichfe fprechen mögen, '^ //« 
accvf a[cior\\hi\s]' [V, 1] c.-' ,omnipoienH' [4|. (SW.) Aus 
der Bocksdorf' seilen Glosse wiederholt, mit Umstellung des 
letzten Satzes. 
L. 74 70) I, 52, §. 1 JC'yn eygen nach feyne lute gebiii'] Contra 

Supra ar. xxxiiij. do hoftu, das eyn man mag icol fin cygßn 
vergehin ane des ricliters orloup. foge, her fagit do uon heioege- 
lichen gutem, hie ahir^ von vnheAoegelichen.-' in bewegelichen dingen^' 
darf man nicht mer, wanne yens gunft, der is gah,'^ ut jnfra IL 
iij ar. Ixxxiij in glo\'iix\. vide eciam. li. iij ar. iiij in glo\j9^.^ 
(GLaQ,SWZ.) 
L, 75 71) Junder erben gloube']-* Nio mochftu fprechen:^^^ lej't 

doch eyn man fein iceip bedingen ane erben glouhe, vnde die erben 
muffen is vefte lialden. Sage, feynem wibe mag hers icol thun 
vnde uff geben ^ i ane erben glouhe, ader nicht eynem andern, vide 
lehnrecht c. xxxi in margine in addicionibus.'^'^ (LaZ.) Vgl. 
oben §. 3, Nr. 2, Alin. 3 nebst N. 4. 
B, 100 72) §. 4 ,vorgebit'] Sage,'^-'' her mag in feynem f ichbette 

vorgebin alfo vil , alfo her obir das bettehret gereichen mag. do 
von hoftu in dem^^ loicli. ar. Ixiiij in dem biefacze der glofen. 
(Q.)i-^ Vgl. Sitzungsberichte Gl, 797, N. 8, wo die Addition 
nach der Homeyer'schen Handschrift abgedruckt ist.^" 



1 BSW ,aut.em'. 2 w fh. extra. ^ B l. * \^ fecht he. 
5 Bis hierher in GLa lateinisch. Der Rest in Z abgetrennt. 
^ L gudern. 

'' darf bis galj] L is nicht nnder.i men de gunft des geuers. 
^ Die Citate fehlen L. 

^ In D ohne Stichwort der folgenden Addition nachgestellt. 
^^ Nu mochftu fprechen] L dar mochte ein feggen. 
'1 thun vnde uff g.] L vp taten eder geuen. 

^2 in m. in addicionihufi fehlt LLa. La f h. ponitur in addic \\ouih\\?,\ 

differentia inter gedingen vnd vndir lihen u. s. w. Z verkürzt die ganze 

Addition folgenderniassen : Seinem weyhe gibt der man cm erben la.ube, 

vide lehe n re[c. h t ] c x x xj in margine in ndd i. 

*■' B Eczliche fagen, daz. •'' do von bis dem] B yj[de]. 

'^ In Q auf einem eingeklebten Zettel, auf welelien am Rande verwiesen 

wird mit: vide cedulavi de hoc. 
""' La hat statt dieser Addition den vollen Zusatz über die Gesnndheits- 
proben des Bürgers in der Form der Petrinischen Glosse und der 
Bncksdorf'schen Drucke. Sitzungsboriclite C'I, 7'.)() f. In DQ wird ein 
langer Zu.satz angehängt, der in G für sich dem Texte einverleibt ist. 



Die Entwicklung der Ijandrechtsglosso des Sachsenspiegels. 279 

Krstcs 

liuch 

73) I, 53, §. 2 yhuße'] Conr.or\ dat] ^ .P^ß'" *?• ^''- '^'■- ^■^ij '■• '"'i 
«/ a?'. Ixx iv (jlofa. \(tQ,WZ.') 

§. 4 ,Keyn man ivettit''] Mercke ouch ym dritten buche >'•• '02 
?/?n xxxix. ar. §. 'penitlti. do xnndefiii in feiner <//o[ren], wo 
man deme richter dreiens'^ wettit, vnd ift doch nicht icidder diffen ^, 
der hir ffehif : ,nymant icettit' etc. (SWZ.) 

74) I^ 54, §. 3 ,Cz^ns'■^^ Intellige de cenjn hereditario qiu)- 
cunque facto, -^ non redempcionis contractu,^ fecundum magd,\c,- 
burgenfes]. (S.) 

75) §. 4 ,2) f enden'] Vnde jufra annum et dien, nani poftea 
emonentur cenfus et alia communia dehifa, fecundum ma(jd[o- 
burgenfes]. AVortlich gleichlautend mit der Stendalcr Glosse. 
Sitzungsberichte C, 924, Nr. 30. Im Augsburgcr Primärdruck 
übergangen. 

76) I, 57 ,keyn gerichte'Y Et fl iudicet,*' fententia fiia non n. 103 
valet et eft nidla. nam que a iudice incompetente fiunt , nulla 
funt,' C. ,fl a non conpetenti' [VII, 48]*' l. i. (SZ.) Aus der 
Stendal er Grlosse zum lateinischen Text. 

I, 59, §. 1 ,ane'\ Aliqui'^ non habent illam dietionem /ine'.'^" n, 10t 
Sed^^ habent: ,vff yn fei b er clait' ,^'- et hoc vult glo[[a,\ jnfra 
iftius arjticuli]. (LaQS.) 

77) I, GO Gl. ,das eyn vorfpreche ßch lool mctg laffen ri. i(ir>. i,. ?<; 
myten'] '•' N'ota,^^ eyn vorfpreche^^ mag^^' lOol feyne wort ader tat '" 



1 <7<mcor[dat] fehlt WZ. B vt. 

2 WZ dry ßunt. S stimmt mit B. 
•* quocunque facto fehlt S. 

'' redempcionis contractu] So in S. D re empforis conf.racfa. 

^ In Z zu I, öö. ^' S iudicat. 

"' nulla funt] Stendal er Glosse nmi valent. 

8 BSZ fh. ,iudice\ " Q alij. 

"^ Das Uebrige fehlt QS. Aligiii bis ,«««' felilt La. 

'^ La alij. '2 Homeyor, N. 2 ad h. 1. 

'•' In L zu dem Stichwort der folf^enden Addition efostollt. QS verlegen 

die Addition hinter 15, loi; und verbinden beide zu einer. 
'■• BQS Vnd. La Alzo fpricht auch daa recht, d,ax, untei' A'oraussciiickung 

einer längeren Ausführung. 
•'' 1.1a IiaUjche in dem rechtin. 
"' lia muß. 
" /fl.'/«e ?r. oder i.\ BOLabQS feinm rath. L fynr irm-f. imd fi/nm rat. 



280 >^tpf fonli:iKon. 

Erstes 

Huch 

verkouffen , at xi q. i/'j c. ,non /.icet' (71 | et xiiij q. v ,non 
fane''[\^^ (GLabQS.) 
H, lOG Gl. ,femen ratli wol verhau ff en^^ Nota, aduocafus hene'^ 

jpoteft vendere covfilluin ßtum. (QSZ.) ' 
i^ i'»' Gl ,Nu fage du'] Glofa de procuratoribus ,^ quod, gratis 

debet procurare, defendere vel agere, m[dej ibi 6a?"[tolumJ, qui 
reprehendit ibi glofam^ et concordat hie cum glo[(a]. (S.) 

B,io8.L.77 78) I, 61, ij. 1 jburgen fetczen'] InteUiye' in caufa criminali, 

fecus in ciuili, jnfra li. ij ar. v''^ in prin[ci^[o] _r/[lore]-' et li. 
i ar. Ixvij^'' in glo[U]M (GLabQSWZ.) 

B,io9. L.78 79) §. 4 ,hefchelden'] Nota, hie hoftu, das der vneliclie^'^ 

nicht kan"^-' vorfpreche gefin, fo^^ man on anfeynem rechten be- 
fchelden mag, Supra ar. xxxvj. (GLbQSWZ.) Vgl. oben Nr. 65. 

15, 110. L, 79 80) I, 62, §. 1 ,zcu eyner clage'] Sic communiter ^'^ litis 

conteftatio eft forynale principium iudicij, quod per partes remitti 
non poteft, ut Miy);e[culo] ,t/e ye[ntentia] p?'oZa[ta]'^ [Lib. II. 
Part. 3] §. ,iuxta' [8]^" ,quid fi de parcium/^' (SWZ.) Aus 
der Stendal er Glosse zum lateinischen Text. 
L, 80 81) §. 3 ,drey fchillinge'] Dorbie^"^ faltu vernemen,^^ das 

man vmbe alle ander boffe'^^'' brochep-"^ id eft'^'^ geringe broclie auch 
fal mit dren fcldllinge icetten eyme iczlichen richter. vnde das 
heijf^^ die cleyne buffe. Abir vmbe groffe broche, alfo tot/lag vnd 



^ et bis ,non fane' fehlt L, wo der Inhalt der folgenden Addition in 
deutscher Fassung hinzugefügt wird: fo mach ok finen rat vorkopen 
eyn aduocate. 

2 So in B. In D fehlt das betreffende Stück der Glosse. 

3 he7ie fehlt Q. 

* Wegen QS vgl. oben N. 13 zur vorigen Seite,, wegen L N. 1. 

^ S fh. dicU. ^ ihi glofam] S in ^Zo[fa]. '' BLS IntelUgitur. 

^ Z iij. ^ 7i fh. vbi limitatur. ^" S Ixv. 
'1 et bis gl. fehlt L. BSWZ fh. et loich. ar. xxvij (WZ xxvi, S xx) 

in glo[^ii]. 
'2 St vnechte. '^ LWZSt mach (mag). 

'* BGSWZ fint. St ß^it dat. L dar vmvie dat. 
^5 BLSWZ de iure communi. Ebenso die Stondaler Glosse. 
16 LSW fh. uerA-[culo]. BZ fb. 'üer[ficulo] ,fed'. 
i"? Durand! Speculum (S. 257, N. 17) 1. c. p. 4.*?9, col. 1, Nr. lö, 
18 L Hir. 

1^ Dorbie f. vernemen] GLa Nota hie, da.i du hir hie fall vernemen. 
••'» GLabWZ bloß. 21 swZ geruffte. -'2 L vnd. 

2-' dan heifi] L dar vmme hef dat. Z fli. dicke. 



Die Entwicklung der Landreclitsglossc dos Sachsenspiegels. 281 

Erstes 

Buch 

fleijchiounden falUi'^ wetten p- alfo du hoft^ IL iii ar. Ixiiij. 
(GLabQSWZ.) 

82) §. 4 ,ane fchaden'] Contra^ li. ij-' ar. xxxvjS' do b, iii.L.si 
fpricht die glofe:' ,irlouhit der richter^ widder recJtt , feyne ir- 
lovlnmge entfchiddlget den cleger nicht/ ihi vide in r/[lofa].'' 
(GLbQSWZ.) 

I, 63, §. 1 ,houbtloche']^^^ Das i/t hey dem. oljirften locha'^'^ h, 112 
feines cleides ader hey^'^ deme kollner/'^ (GLabQSWZ.) Letzte 
Addition in Q,. 

I, IJG Gl. ,\Vanne her dannc durch vngehorfum ulleyne voruejl ivurt'^ Ilir ]>,. na 
fpriclit her nu, toas eynein dy ve.ftuiif/e, do her vnhenumet iß ynkotninen, fchade. 

I, 68, §. 2 , Wer den andern''^ Concordaf, li. iij ar. xvij. (Z.) B, 114 

83) ,mit knutteln'] ^-^ wer ahir^'' den andern fcJiilt ader login l, 82 
ftrafft,^'' der gehit gm feyne Iniffe^ li. ij ar. xvj. (GLbS.) 

84) ,ane fleifch loicnden'] Hat her aher fleifch wunden^ b,ii5.l.83 
fo verlieft her^' die hant, li. ij ar. xvj."^^ her vorluft damit feynen 

lip nicht, li. iij ar. xxxvij et li. ij ar. xvj in ß.^'-^ (GSWZ.) 

§. 3 ,vah.n zcu kämpfe'] Daz iß in lianthafter tat oorhrengen vnd B, HG 
lelhfihinde geczugen, vt wich. ar. xxvi ,Nu horit'. (Z.) 

85) I, 69 ,)nan'] Thar her vor'^^^ ^'>^[)iß feynes lihes nicht b, 117. l,8i 
vorkomen'^^ vn.de en bereden, fo gehe her dem rieht er feyn gewette 

vnde tJm, alfo du haft jnfra li. ij ar. xiiij. (GLbSZ.) 

86) I, 70, §. 1 ,iiff gnt''^ Wie hevs entreden fad, vide lehnr. b, us 
c. xliij:^^ (GLbSZ.) 



' GQSWZ fal man. ^ faltu loetten fehlt La. L rvedde. 
^ du hoft] L ßeit. ^ Z Concor[da.t]. = BSWZ iij. 
** D xxvj. ' do bis glofe] G in gloza, dy fpricht. 
s L fh. ivat. 3 ibi Iji.s g. fehlt L. 
10 LbQ schicken voran: Alij hahenl: ,hie deme houiit gate/. Homeyer, 

N. 7 ad h. 1. 
" St hole. 12 Q ^on. 
'•^ GLbQ kolnere. A goller. Z kotier. St kraghen. La gicbt von der ganzen 

Addition nur die Worte: ader kolner. 
'■^ In G hinter der folgenden Addition dem Texte eingereiht. In S zur 

Glosse gestellt. 
'^ wer ahir\ G Adir wer. "^ L hei. 

^^ Hat her bis her] L dede enen flefchwundet, de vorluft. 
'^ D xxxvij. "' li. iij bis in fi. fehlt L. 

20 BGLb von. 21 ßgZ bekennen. 
22 G fh. et li. ij ar. vj. 
Sitzungsbcr. <1. iiliil.-liis(. Cl. CX. Kd. 11. llft 19 



282 Steffonhiigen. 

Erstes 

l'ncli 

F., iiii Gl. ,vrhare']^ Id eft^ nutcz, et ideo hahent aliqui^ exprejje 

,von nuteze/^ (GLbSWZ.) 
B, 120 87) Gl. ,diC' nicht dingpflichtig fin'] Nota, der'' Ift ding- 

jrßichtig , der do zeu dinge geladen ift, ader der do eynen*' zcu 

dinge geladen hat, loich. ar. xlvj et lehnr. c. Ixv'' in _r/?o[ra|. 

(GLbS. — Z zweimal.) 

B Hir enden fielt addiciones des erften huchea, vnd folgen hirnoch. 
addiciones den andern hnche/i. L J)>/t flnt de additiones np dat, 
ander hoeck. 

Zweites Buch. 

1) II; 1 ,So /ich furften']"^ An iuramentum vniuerfitatis 
tranffeat ad fuccejjores, vi[de] in queftione d o minie ali ,^ que 
incipit ,Bononienfes/^^ ihi concluditur : ^ ^ ,filij ex contractu patris 
pojfimt conveniri, 7ion tarnen funt periuri ex iuramenfo paterno, 
cum periurus dici non poffit, qui non iuravit/^'^ (SW. — Z in 
deutscher Fassunpj.) Aus der Stendal er Glosse zum lateini- 
schen Text. 
r>, 1. L, 1 2) Gl. (Citat) §. ,conuenticulas^'\ Conuenticulas quoque 

omnesque coniuraciones^^^ in ciuitatihus, et extra, eciam occafione 
parentele, et inter ciuitatem et ciuitatem,''-^ et inter perfonam^ et 
perfonam omnibus modis fieri^'^ prohihemus. fingidis coniuratorum^^' 
pena vnius lihre^' anri ponenda eft.^"^ ^ecp[tus] [nämlich Feud. II, 
53, §. 6].i'' 



1 D liest ,erbe'. 

2 Id eft] WZ vrhar ift alfo vil, alfo. S stimmt mit B. 
^ GLb alij. '' ,von nutcz e'] WZ ,nutz'. 

^ Nota, der] D Non dicltur. ^ A fh. dinr/pflichtif/en. " Lb Ixx. 

^ In D ohne Stichwort an den Fuss der Glosse zu II, 1 gestellt. 
9 Von Bartholomens Brixiensis. Sitzungsberichte C, 896. 
1'^ Die Stendal er Glosse fh. et eft xxxviij. 
'1 SW fh. qnod. 

'2 Vgl. das Kieler Manuscript Cod. Bord. 24 Blatt 178'', Sp. 2. Steflfen- 
hagen und Wetzel, Die Klosterbibliothek zu Bordesholm. Kiel 1884. 
8». S. ?A. 
'■•* BS conimmiicaciones. L comminationes. 

'^ et citätatem fehlt D. '^ D fiue. ^'^ BSW coniuratoribus. 

" D lihri. — pena, vnius L] BSW pro penos libra. 
'3 fingvlis bis oft fehlt L. Vgl. jedoch unten S. 28S, N. 3 a. E. po- 

nenda eft] Stendal er Glosse pnniendis. 
'3 tex[i\\s] fehlt BLS. 



Die Entwicklung ilei- Landreclitsglosse des Sachsenspiegels. 2öö 

Zweites 

Bncli 

Similiter^ eciam prohihentur coniuraciones negociatorwn,'^ ut 

videlicet res certo precio et non minori vendantur ,^ C. ,de monopo- 

\\nä]' [IV, 59] l {. (SW. — Z dcutscli gefasst).' Beide Absätze 

aus der Stendalcr Glosse. 

II, 2 Gl. ,al/o is hedcmmevte dan fjul 'Korweril'\ Alfo der tarj, do mete B, 2 
vertoerit darc f}id. 

3) II, 4, §. 2 ^lat der richter geicunnen, vnde nicht der b, 3. l, 2 
cleger'] Contra li. iij ar. ix. do fpricht her,-' der cleger falle is 
haben. Sage ,^ das her hie fagit von eyme, der do vorueft ift, 

dor über' wirt yenner nicht vorueft.^ dorvmbe fal der cleger dorte 

das tver gelt haben, hir aber der richter. (GLbSW. — Z zweimal.) 

II, ö, §. 1 ,gerichte'] Dretj hocjlfte wetten macht ein half} u-C7r/eÜ, Bi ^ 
wich. ar. xlvi in r/Zo[fa]. £)az ift var, her hefte denne den hantfreden 
glabit vnd felbi/t gehrochen, vt wich, ar, Ixxxiiij et xlvi in glo[(a] etc. 

4) §. 2 ,die man vor gerichte geivint'] Nota, debitores non l, s 
fiint cogendi gladio aut metu foluere, fed ordine iudiciario , ut in 

l. ,negantes' [9] C. ,de acci[onibus] et o&Z'i[gacionibus]' 
[IV, 10]. ffallit hoc, fi debitor fuit'^ fugitivus, ut in l. ,ait preior' 
[10] §. .fi debitor em^ [16] // ,de hijs, que in /ra?([dein]^ etc. 
[XLII, 8].'f' (SWZ.) Aus der Stendaler Glosse. 

5) II, (3, §.2 ,AUe vorguldenefchult'\ Nota, quod^^ allegans ^'^ ^ 
folucionevi debet illam^'^ probare, hoc de iure magd[Ghurgei\ri]^'^ 
verum, fi reus dicit,^^ actori folucionem. fore factam, fecus fi 
tercio. (SWZ.) Achnlicli die Stendaler Glosse. Sitzungs- 
berichte C, 925, Nr. 34. 



* L fic. 2 L mercatorum. 

^ D videantur. — nt bis vendantur] L quo certo jyrecio aliquam rem vendi 
volunt. öteiidaler Glosse /[cilicet] vt fpecies diuerjorum corpormn 
negociationis non minoi-is precij , quam inter Je ftatuerint, ventmdentur. 
Li fh. p>'ina eft lihra auri. Vgl. oben N. 18 zur vorigen Seite. 

'' BLW vereinigen die beiden Absätze der Dresdener Hand.sclirift zu 
einem Stück. 

^ Z der text. G Z Sol[vii\o\. 

'' dor iiher] GLb^VZ dort (W da, Lb dor) ahir. 

ä icirt bis vorueft^ Z von einem vnuerfejten. '■* SWZ fuerit. 
^^' In L verändert und verkürzt: Nota, debitores cog% Judiliario ordine, non 
metu nee gladio, nifi fnerit in fvga, in l. ,ait pretor' [10] § ,fi dehito- 
rem' |16] ff ,de his, que in frazid[em]^ [XLII, 8]. 

" Nota, quod] SWZ et. Mit der vorhergehenden Addition vereinigt. 

'- S iam. '^ de iure magd.] LSWZ dicnnt magdeb^(,rgen[iQs]. 

" ]) dedit. 

19* 



284 Steffenhagen. 

Zweites 

Buch 

B, 5 §-4 ,gahe'] Concordat lehen7-e[cht] arti. xvij ,Welches mannen 

gilt' et Iv ,Wirt' in fjrZo[fa], li. iij ar. Ixxxij ,Wer fiii recht' in 
^Zo[fa] vüi. et wicli. ar. xxix ,ioelch man'. 

ß, fi II, 8 jVorgeladen'] vt li. i^ ar. Ixij in glo[^a.\.'^ (GZ.) 

u, 7. L, 5 II, 11, §. 1 ,dem 7'ichter'] vnd nicht dem fcheidefrichtere. ^ (G.) 

B, 8 6) jdeme manne feyne hiiße gehin'] Vornym vor gerichfe/' 

ader'^ nicht vor den fcheidefliifen.'' (GLb.) 

B, i». L, fi 7) §. 2 ,des eydes'] Idem eff, loanne eyner eyne fache ge- 

czugen wil vnde hrenge"^ ß^y^^*^ geczugen ,^ wil yenner der geczn- 

gunge^ nicht hören, fo hat her yennen"^^^ oherwunden. toanne wo 

gliche fache ift, do ift auch gleich recht, li. i^i ar. iiij, vj et ix.'^~ 

(LbSWZ.) 

BLZ ih. Concordat ivicJi. ar. xcij-^ et feqiienti in ^?o[fa] et'xvin 
glo[(a.] et li. iij ar. xi et loich. ar. xvij. 

B, 10. L, 7 8) TI, 12, §. 14 ,ahe lafjen'] Das vornym, wanne diefcheppen 

yoworten in das gefundene orteil, ah danne dornach fleh ymant 

heriffe , dennacJi^^ fal her nicht ahe laffen , der is gefunden hat. 

Alfo aber wurde eyn orteil gefunden vnd nicht geyawort ,^^ danne 

fo mag her wol ahe Iciffen ane fchaden, ut in contrario. (SWZ.) 

B, n. L, s 9) Gl. ,wanne die volhort vorfprochen ^^^ wurde'] Dis vornym, 

wanne die fcheppin volhorten'^'' in das gefundene orteil, ah danne 
fleh dornach ymant herlffe,^^ dennach fal der ricJiter^^ nicht ahe 
laffen, der is gefunden hat. alfo aher lourde'^^ eyn orteil ge- 
funden vnde nicht gevolbort , danne fo mag her wol ahe laffen 
ane fchaden, ut in contrario."^^ (GLbZ.) Wörtliche Wiederholung 
der vorhergehenden Addition. 



* G fh. ar. Iiij et. ^ j,^ ,ji_ fehlt G. 

3 dem feil.] L den fchedes luden. G vor den fcheides litten. 

* Vornym v. g. fehlt BLb, ^ BLb vnd. 

^ ader bis fcheidej'luten fehlt G. '' BLb brengit. 

^ D geczugunge. — brenge f. g.] L /ine tugen vorbringen. S brengcn feyne 

geczugunge. WZ feyne geczugung brengen (Z f h. wil). 
ä der geczugunge] L fe. i" hat her yennen] L is he. 
'1 WZ ij. Lb iii. ^~ wanne bis ix fehlt L. 

12 Das Uebrig-e fehlt L. " L dar na fo. i^ L geiart. 

1^ In B zu dem folgenden ,wurde'. In L zu dem vorhergeliendeu ,vo/- 
bort'. In G ist die Addition dem Text des nächsten Artikels (II, 13) 
hinter §. 2 eingeschaltet. 
1'' L vorwilligen. ^^ L beropen loolde. 

>9 richter fehlt BGLbZ. der r.] L he. 
20 L wert. 21 (j5jg i){g contrario fehlt L. 



Die Entwicklung der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels. 285 

Zweitos 

Buch 

II, 13, §.1 ,eyne dube^'\ Eyner mag^ dnbe^ irkrifien, vnd iß doch kein B, 12 

dip, vt jnfva ar. xxxvi et li. iij ar. v in rjlo[(ii] et 10 ich. ar. xl in 

rjlo[U]. (Z.) 

§. 8 fWelch richter'\ Nota hie, richte/tu nicht ohir einen dip, du hiß B, 13 
ei/n dip,'^ vt jnfra ar. Ixiiij^ ,ioip vnd mait' in _9^o[fa] et wicli. ar. xi in 
'/Zo[fa] poft7nedium. Melius^ xoich. ar. xvij in glo\(ii] poft principium. Do 
Jiaftii, nne man on^ oJnrwinnen'' fal, et xxxvi cum duobus feqnentibus. (Z.) 

II, 15, §. 1 ,fo(jethane fache, do her eyne gewere'] Was b, h 
wergelt fie,^ li. lij^ ar. xlv. Wenne vnd icie^^ inans^^ gelden 
fal, lihro primo ar. Ixv.''- (LbZ.) 

10) §. 2 jGloubit'] Vo7i der gewere zcu fhune vnde auch 
von denie nutcze ho/tu jnfra li. iij ar. xiiijJ'-^ (GLbSWZ.) 

II, 16, §. 1 ,e>/n iczlich man'\ Concordat li. i ar. Ixviij et jnfra B, 15 
e[o(iem] [seil, libro] ar. xxxiiij et lehenrecht c. Zxa;'* et wich. ar. 
Ixx^^ et Ixxix in fflo[l'n] etc. (Z.) 

11) §. 8 _,ir6u'J^'' Ä contrario fenju, f int is vleifcliicunden ^'^ ^^- J', s' 
ader kampffhare icunden,^" Jb mag her f ich nicht ledigen mit flechter 

^>>fjfe, funder mit eyme halben wergelde jn hurglicher clage. In 
pinlichar clage geth is em an die hant, ut c. ar. §. //.'^ (LbSWZ.) 

12) II, 17, §.2 ,ußnemen']^^ wich. ar. Ixxv,'^^^ das her imv. l, k» 
em felbfehinde ußzcihin fal, et ibi'^^ dicitur ,-'- das der uafer den 

Jon driemal ußzcihin mag. (LbSZ.) 

BZ fh. Item li. ij ar. xvij § pennlti. in f/lo[(a] ihi ,Das- vernym^. 
nota addicionem l'equentem. Nota,-^ lourde her-* ahir beyrißen in hanthafter 



' Eyner may] Z Merck aber, das auch eyner woU mag. 

- Z diehifch yut. ^ eyn dip] Z fchnldiy. ^ B Ixv. 

5 Z Sed melius. " Z den d/jp. "^ St nuertuyen. 

s St ys. 9 B iiij. Lb i. w vnd loie fehlt Lb. 
" Z man auch dz irertjelt. i- 7j xlv. 
'•^ In B ist nur das Stichwort im Texte markiert, während die Addition 

dazu fehlt. Vgl. oben §. 6, Alin. 7. 
'^ Z Ixxix. 15 2 Ixxij. 

"^ In L zum Stichwort der vorhergehenden Addition. 
'^ kampffbare «r.] W kovipffirwimden. Lh kamppirwunden. L kampwunden. 

Z kampff lounden. St kampiierdyyhe uninden. 
'* Das Citat fehlt Fi. Z fh. vide lib. iij ar. xxxvij. 
'5 In D falsch zu ,nater' §. 1 gestellt. 
-^ Z Ixxvj. LI) fh. dicitur. 
-' Lb ibidem. — et ibi] Z vhi. 

22 et ibi d.] L vnd den fteit. 

23 nota bis Nota] Z wiffe auch. 24 2 der fun. 



Zweitos 
Üucli 



286 S tef fen hagon. 



tat, adev das nian^ yn mit gecztigen^ anclagete,'^ Jo miij'te her nntioertten, vnd 
der vater mocJite en nicht ^ vßnemen. 

^^ 1^ II, 18, §. 1 ,iüie'] Nota, loil man obir einen rouber adir dip richten, 

man fal vor heiceifen lajfen, daz her is fie. 

15, ll* 11, 19 Gl. ,wanne her mag is vmhe redeUche fache erbelofi machen'] 

vmbe loelche fache, vt li. i ar. xvi in glo[[ii] et lehenrecht c. xxvij in 
gIo\Ca] et Ixxij in r/Zo[fa] et li. i ar. xxviij in gloH'a]. 

L, 11 13) IIj 20, §. 1 jVngeczwieter hruder^\ Nota, fecundum 

ma^(Z[eburgenfes], vhicimque cUftinctus et jndiftinctus con- 
currunt in equali linea , ^ prefertur jndiftinctus , et fic des toden 
halben ßvefter fon ift nicht Jo nahe , alfo des toden volle bruder 
fon. Si autem vicinior qids^' ^'/ß-t y fö diftinctus uel indiftinctus , 
nie femjper'^ prefertur,^ alfo ,des toden halbe bruder Jon ift nehir, 
danne des vollen ßvefter kindes h'.nt'. ^ hoc eft hie contra textum, 
et dicunt,^^ quod tex[tus] hie et li. i ar. iij §. ij feruattir in 
lantrecht et non^^ in icich[hi\d].^'^ (LaSW.) Aus der Stendaler 
Glosse. Sitzungsberichte C, 926. Nr. 43. 
B, 20. L, 12 14) Ql. ^meyn f oller bruder ift nehir^y^ Secus eft in 

•jyatruo, quia^^ excluditur per uterinum. Item fecus eft de^^ affun- 
culo"^^ et matertera. ratio diuerfitatis , quia vnimi eft expreffum 
in ßpeculo faxonum, aliud non eft expreffum.^'^ vnde ut^^ fiUj 
fratrum equallter fuccedunt cum uterino^-^ non autem in'^^ patruo. 
(GLabZ.) 



^ das man fehlt. B. '^ Z fh. der lad halb. 

3 das man bis anclagete] St meth ghetuge an gheclaget. 

* Z fh. vortretten nach. 

^ in equali linea fehlt in der Stendaler Glosse. 

8 vicinior qiiis^ L quis proximior. 

'fit bis feviper fehlt L ^ l proferreretur. 

9 Ueber die Quelle dieses Satzes s. Sitzungsberichte C, 906 nebst N. 4. 
10 W fh. il/a_7c?[eburg' enfes]. 

" non fehlt LDLaW. 

12 hoc bis 10 ich.] L et hoc fecundum wech. magd,\ 

13 In L zu dem späteren ,mynes haluen hroder'. 
" BLGLabZ qui. 

IS BLGLaZ in. 

ip BLGLabZ auunculo. 

1" eft expreffum fehlt Z. 

1^ eft expr. vnde ut] BLGLab Expreffum eft enim, quod. — vnde ut] 

Z fcilicet quod. 
13 JilLiLiS!L vterinis. 20 z cum. 



Die Entwicklung der Lumhcchtsglosso des Sachscnspiogcls. 287 

Zweites 

Ruch 

Gl. ,meyn vetter'] N^ota hie, in eczlichen Jtetten, als do U- -'i 
man mafjdehurfiks loichhilden recht^ helt ,'^ do helf'^ man 
den halben hrnder nehir, danne dy vngecziceiien hruderkint. alfo 
tut man ouch den hrudern vor Jones Jdnt. loenne fie rechen dar 
den nehften noch den* perfonen , Als wer den toden von perfone 
loegen bohen^ der eider kinder vnd hrudere vnd ßceftern nehft 
fin/' daz dy"^ ouch deme erbe'^ nehir'-' fin^'* vnd teilen ouch daz 
erbe nach perfonen czal, do doch dy vorgefchriben ' ' recht ^- kegin 
fyn etc. (LaZ.) Uebereinstiramend mit dem Zusätze der Berlin- 
Brandenburger Handschrift zu dem in die Additionen (oben 
Nr. 13) übergegangenen, aber im Baseler Primärdruck fehlenden 
Excerpt aus der Stendaler Glosse. Sitzungsberichte C, 920, 
N. 8 mit S. 891, N. 3. Vgl. oben §. 8, Kr. 4. 

15) II, 22, i^. 5 ,mit geczuge'\ Wanne loer fich^^ geczug B.22. l. i.! 
vermift, volkompt hers ^ ' nicht, fo mus her wetten vnde buffen, li. 
i ar. Ixij in (/?o[fa]. alfo mus differ auch tlmn, der fich felbir 
oberczugifA^ (GLbSW.) 

n, 24, §.1 ,czu feynen recMen fedingen'] Wie man em b. 2.1 
tedingen fal, li. i ar. IxvijJ'' Daz ift zu allen drien dingen vnd 
nicht zu eyme ader zu zweien alleine. (LbSWZ.) 

Gl. (Citat) /.ib^"^ inicio'] Et in regula^"^ .non firmatur' ^^ -i 
[18] ,d(^ re[gulis| ui[ris]' [V, ult.| li. vi et ff ,de r(^[gulis] 
ü^ris]' [L, 17] /. ,iii^re' [206]. 1^» (G. — SWZ'in der Glosse.) 



' maf/d. tvichh. recht] ha. wie /i/jil de Magdehurgij'cli reclit. Z Ma(/de- 
hnrfjifch loeychhylde recht. Die Berlin-Brandenburger Hand- 
schrift (Br) fh. vnd ok in h r anden[h \\v ^ü charci] rechte. 
2 hell fehlt B. ^ ßr heet. ^ Br der. 

5 B heken. .St hekent. A ijecjen. Z vor. La liest richtig-, in Ueberein- 

stimmnng mit Br. 
'■ Br fy. Z wer. Br fh. hy J'y van yettveider odir vidier hört. 
^ Z der. ® deme erbe] Br den eruen. ^ Br neycft. 

1» Br fy. Z wer. Vgl. oben N. 6. daz bis fin fehlt La. 
" voryefchrihen fehlt La. '2 ß,. fh_ e,y,j fjgj^, 

■'^ Wanne w. /.] S Wenne fich der. 
'•« B8W er (her). G der. L he der. 
15 alfo bis oherczngit fehlt BLSW. 
1*5 Das Uebrige fehlt Lb. 
1" ,ah' fehlt D. i'« Z c. 

15 In G verstümmelt: et c. ,non firmatur' li. vj. Das zweite Citat 
fehlt SWZ. 



288 Sto ffciiluigon. 

Zweites 

Rucli 

B, 25 16) TI, 28, §. 3 ,hie der loeyt'] Das ift, man fal en hengen. 

das ift dorvmhe, das der doran geerhit liat,^ ut in glo[lLSi\ß 
(GLbZ.) 

17) II, 30 ,geczugen'] Wie man^ gecziigen fal, li. i ar. 
vij.^ (LbS.) 

B, 2G II; 31 Gl. ,ah fle lichte heclait ader begriffen weren'] 

Ädir ap fle fich tofen^ bey g(fundem Übe yn'^ vorczwiuelunge. 

(LbSZ.) 

B, 27 Gl. ,Wi^(fe auch, das die bigrafft'] Scilicet quod fiib tecto 

autfub limite extrahuntur ^ et non per ianuam deportantur et fiipra 
raftrum ediicuntur et in ftruno'' fepeliunturß et illa dicitur fe- 
pidtura canina, vt in c. ,placuit' [12] xxvi q. i [lies xxiij q. 
i] etc. (SWZ.) 

B, 28 11; 34 Gl. jWarheit, redelichkeit vnde gerechtickeit'] Tres 

comites debet habere quodlibet iuftum iuramentum ,'^ vt in c. ,fi 
xps' [26] ,de iure iuran[doY [II, 24] et hie, als ,ioarheit, rede- 
likeit vnd gerechtikeit.' ^'- (SZ.) 

B,29. L, u 18) II, 35 ,flucht'\ '1 Nota, hie eft cafus,^'^ vbi^^ fugafacit 

quem^^ adeo ^'^ fufpectum, quod poffit contra eum^^^ ferri^' fententia, 
de hoc in f2)e[c nlo] ,de prefump[cionihusY [Lib. II. Part. 2] 
§. ijA"^ et habetur hie i'' fugiens pro confeffo , et regidariter fuga 
nocet, ff ,quod me[tii.sj caH[ra,]' [IV, 2] l. ,metum'' [9] §. i. 



1 der bis hat] BZ dar an gearbeü ift. 

2 ut in gl. fehlt BZ. 3 LbS fh. is, 

^ B nur mit Markierung des Stichworts im Text, ohne Addition. Vgl. 

oben S. 285, N. 13 und §. 6, Alin. 7. 
* St van. '^ W extraliantur. '' SW fcrinio. 
s Z abweichend : Quia ifti debent fuh tecto domtis, uhi fihi mortem confciuernnt, 

deijci uel fuh limine domus extrahi & fupra raftrum educi tß comhuri aut 

fepeliri in campo. 
^ Tres bis iuramentum] Z Nota, iuramentum dehet habere hos tres comites. 
1" et bis gerechtikeit fehlt Z. als bis gerechtikeit fehlt S. 
'1 In D steht die Addition am Fusse der Glosse des vorhergehenden Artikels. 

12 hie eft cafus fehlt L. " LZ quod. 
11 quem für aliquem. D quam. 

15 L ita. i<5 Z ijjßim. " B fieri. 

IS Die Stendaler Glosse fh. per /o[annemJ ««[dree] in add[ici- 

onibus]. Durandi Speculum (oben S. 257, N. 17) 1. c. p. 381, 

col. 1, Nr. 3 am Ende. 

13 L et. 



Die Entwicklung der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels. 289 

Zweites 

Buch 

vi[de] in a7-./e<j'[iiente] ibi de hocJ (SWZ.) Aus der Stendalcr 
Glosse zum lateinischen Text. 

19) II, 36, §. 1 ,geczug'] Wie hers geczugen fal, li. iij •'• ^o 
ar. iiij. (LbSZ.) 

20) II, 41, §.2 ,drie gewette ader eyn icergelf]- Merke 
dlffen text am ende,'^ wie meynt hers, nach demmale das der 
r'icliter nurt hat^ feipi gewette in dem gerichte , vnde der cleger 
hat'' feyn xcergelt vnde feyne huffef Sage, der richter hat auch 
in eyner Jachen loergelt , das ift, wanne eyn verueft man /ich 
ußzcihen loil vnde fetczt dem Richter bürgen vorzcidcomen. komjjt 
her danne nicht, fo nympt^ der richter vnde nicht der cleger, 
das loere"' eyn xcergelt,'^ xvanne die clage gef an den hals, ut 
Supra e. li. ar. iiij et x in glo[i^a], jm Richtftige c. xxxiij. 
Diffe burgeczog mag der Richter entpfan ane des clegers icille. 
(GLbSWZ.) 

21) Gl. ,drie gewette vnd eyn wer gelt'] Vornym^ eyns tags, i;, 31 
lehnr. c. Ixix^^ et Ixviij^^ et Supra li. i ar. Ixij. (GLb.) 

II, 42, §. 1 ,gliche'] Daz ift^'^ bynnen^^ iare. (GZ.) Vgl. b. 32 
Homeyer, N. 8 ad h. 1. 

22) §. 3 ,vorf igelt'] Quibus ftatur'^^ contra dominum et ü, ya. l, 10 
preiuclicant^'^ fibi ut confeffo ,^*'' ut in c. ,fi caucio' [14] ^'^ ,de 
//[de] inftrii\vQ.Q\\iovnm[' [11, 22]. et idem eft., J'i dominus 

alteri tradidiffet^'^ fuum fig\\\\\\vci]. Confidit enim cpiis de illo, cid 



1 § i bis hoc felilt L. yt[(le] bis hoc fehlt Z. Statt dessen BSW el hie 
(S hec). Die Bezugn.alime der Dresdener Handschrift auf den , folgenden' 
Ai'tikel, d. h. II. 35, erklärt sicli aus der Stellung der Addition (oben 
N. 11 zur vorigen Seite). 

2 In BSWZ ist die Addition mit der Glosse zu II, 41 verbimden. 

3 Merke bis ende] BGLbSWZ J/e;-c/i;e, er J'ait hie ,eyn wer (j elf (GLb fou 
eyme wergelde). 

^ niirt hat\ BCiLbSWZ nicht en {7i nichts) hat denne. 

5 Z fh. vnd behelt. « ßGLbSWZ gewynnet. 

"^ BGLbSW wirt. ^ ivere eyn w.] Z bürynifs vnd weryelt. 

9 B Adde. GLb Intellif/e. lo Q j^v. " G Ixvj. Lb Ixii. 
'2 Z)az ift\ Z Vornym difs. G fh. heyde. 
13 A hey. Z fh. eynem. 

i'' Quihus ftatnr] BLSW Nota, qnod ftatur fiyillo domini. 
'■'^ BLSW ijreiudicat. 

'^ BL confeffio. Ebenso die Stendal er Glosse. 
1" D jcanon'. 'ä Stendals r Glosse tradidil. 



Zweites 
Buch 



290 Steife 11 lullen. 



fujillum irad'ulH, et totamA voluntatevi Uli coinmittit , cum in 
ßgillo inprimltur'' ymago domini, ,de |3e[nitentia]^'^ [C. 33. 
qu. 3] dif. i [lies ij\ ,principium^ [c. 45],' tcel /altem ca- 
racteres nominis eius, ^de fi[de] inftrulm entornm.]' [II, 22 j 
yinter dilectos' [Q\. Et figillum, cuius^ non poteft legi fcri- 
■ptura/' non jjrohat nee meretur dicA' figillum,notatur in^ c. ^inter-^ 
dilectos'.'^^ et figilli appenßo^^ facit confenfmn, wo[tat] har- 
[tolus]'2 in c. i § ,'preterea^ [5] ,quihus 7nodis feu[dum.] 
amittitur' ^^ [Feud. I, 5]. (SW.) Aus der Stendaler Glosse. 
B,34. L, 16 23) II, 45 Gl. ,Das iß, der eynen man in kegimoertickeit 

heclaglt'\ ^^ Ratio, quia ^'^ fugiens Judicium videtur de^^ßia iußicia^''- 
dißedere,^^ xi q. j i" ,xpianis< [c. 12] '^" e^^i Ixxiiij.^'^ dif. ,hono- 
ratus' [c. 8].23 (S.) 

Sexus ergo, quod pofßim debitorem meum ßigientem capere 2-* 
et detinere, donec ipßum ad iudicem perducam, in l. ,ait pretor' 
[lOj // ,que i« /raw[dem] crß[ditorum]'^ [XLII, 8] 2^ § ,ßi 
debitorem' [16]. non tarnen pofßmi ab eo rem per violenciam 
außrre, ut C. ,de decuri[on\hu&Y \^, 31] l. ^generali' [54] 
et in l. ,ßiant cunctV [IV, 19, 25] et C. ,vnde vi' [VIII, 4].2« 
Beide Absätze aus der Stendaler Glosse. 



1 Die Stendaler Glosse fh. fuam. 2 BSW imprimatar. 

3 BSW ,co9z/e[cratione]'. L ,confecra[iioney. 

4 ,princi'pium' fehlt BLSW. ^ D eius. 
6 nmi bis fcriphira\ L fcriptura legi nequü. 

'' meretur d.] Stendal er Glosse dicüur. ^ BSW fh. dicto. 
'J ,inter' fehlt D. i» nee bis ,diiectos' fehlt L. 

" Stendal er Glosse appoßtio. 

12 D bor. Stendaler Glosse 5rtZ[dus]. 

13 «(^[tat] bis ,amittitii.r' fehlt L. 

1" In L zu ,antwert' im Text, in S zu ,dingfluchtif)' ebenda. 

15 Ratio, qnia] L quod. ^^ BLS a. 

" D iudicia. L iuTifdictione. 

IS L decedere. Stendal er Glosse diffidere. " LD iij. 

20 D ,xxanus'. 21 xi bis et fehlt BS. 

22 D xliiij. BS Ixxxiiij. 

23 J) ,honeratus'. B ,oneratus'. S ,orieratus'. — ,xpianis' h\s jhono- 
ratus' fehlt L. 

2'» D rapere. 25 ^^„e in fr au. cre.'] D ,qui inftru. re.' 

26 Das Alinea Secus fehlt BS. In L wird es in verkürzter Form an das 

erste Alinea angeschlossen : et poteft quis fu[viva] debitorem fugitivum capere 

et ad iudicis prefentiam ducere. 



Die Entwicklung der Landiechtsglosse des Sachsenspiegels. 291 

Zweites 

Buch 

24) II, 51 Gl. ,Das ander gehot^Y Quia vim facit, qui b, 30. l, n 
contra inhlbicionem- facit, ff ,quod vi aut dam' [XLIII, 24] 

l. i § ,quod ficiit' [lies ,quid fit'] [öj. aduerfus violentiani 
eciam'^ parum prodeft cuftodia, ff ,quod iiie[tu.s] cau\Ca]' , 

[IV, 2] l. ij.^ i^SWZ.) Aus clor Stcndaler Glosse. 

II, 54 Gl. ,Das iß durch das, das vihe ßeticUch fchadet'] Eyn dinfj ''>• •'5*^- I^^ l^^ 
mvß man^ nicht thun durch zukunßigen ßhadens roille,^ vt hie et toich. ar. 
cxxiiij in c/lofa etc. (Z.) 

II, 60 Gl. ,Wie, ab ich yeme tete'\ Ap ein man r/eivanf- adir ander I>, ;i7 
ding tete czu nehene vnd ivurde em geftalen, quid iuris etc. 

25) 11, 61, §. 5 ,ledekeyne'\ Das ift, imnne' die faet^ h, 3s 
ledif/en -^ hat, das ift, wanne ße gefchoft ^^ Jiat, ader icanne Jle 
hhtter hat.^^ (GLbS.) Vgl. Homeyer N. 19 ad h. 1. Scliil'ler 
und Lübben, IMittelniederdeutsclies Wörterbuch II, 649. 1876. 
voc. ledich. 

B Hie enden /ich additiones des andern buch/, vnd volgen hienach 
additiones des driten buchs. Li Seqimnttir additiones tercij libri. 

Drittes Buch. 



,n- 



1) III, 3 ,thoren^] grnnio fententia lata contra furiofuni 
uel honis i.nterdictum^'^ eft ipfo iure nidla, ff ,de re iudica[ta]' 
[XLII, IJ l. Juriofo' [9],i* ,de fucce ff [lowihw^] ah i 
tefta[ioy [111,21] c. /i[nali] [3]. (SW.) ' Aus der Stendaler 
Glosse zum lateinischen Text, 

III, 4 Gl. ,das eyner, deme eczioas gegehin loere'] ml fic: b, 2 
iceme waz •'' gegeben "^ adir verkouft were, der icere daz ^'' nehr zu 



i. L. 1 



' In D am Kopf des Textos. 
- W prohibicionem. 7i fh. aliqnid. 

3 eciam fehlt L und in der Stendaler Glos.se. ■• Z xj. 

'■• L fh. dicke. Z fh. offt. 6 Vgl. hierzu die Buch'sche Glo.sse. 
■' BLb f h. daz körn vel (A oder, Lb das ift). ^ g fnodt. 
9 G f/elode. BLb rjeledet. A 'rjeUdiget. S gelediget. 

lö B f h. ader gledert (A oder geledet). 8 f h. ader geledert. G f h. adir gelodirth. 
1* icanne fie bl. hat\ BGLbS geblettert. 
'- bonis inte7-dictuin\ L cuiit-f bonis intei-dictum eft. 
'3 ,de re iud'.] Stendaler Glosse im Aug.sburger Primärdruck corrumpiort: 

,de reg. iuris'. 
'< Das folgende Citat felilt L. '' Z das. ""' WZ vorgebin. 
1^ Z des. 



292 Stef l'o n li;vgeii. 

Drittes 

Buch 

hehaldene, denne is yenner zu verfacheneA Hlr hegen Ift hiruor 
etc. (WZ.) Variation der Buch'schcn Glosse. 
ß'3-L,2 2) Gl. ,wanne is iß nach feyn'Y^ Das^ vernym, toanne her 

, das verkoußte ding in^ feyner gewere hehalden hat,^ ah Supra*' 

li. i"^ ar. xxxiiij in ^^o[fa]^ quia per tradicionem eciam^ 
extraiudicialem tranffertur dominium, § ,per tradicionem' [40] 
Infti. ,de ?'e[rum] diuifi\o\iQ,Y [II, 1]. (LbSW.) 

B, •! Gl. jWer do kouffunge bekent^~\ vel ßc: loas einer verkouft 

ader vergihit, des fal her geivere ßeyn. (W.) 

B, 5 Gl. ,Wanne ßage, is en fie''] vel ßic: daz her do ßait, daz 

die erben iren meteerhen ßollen gewern, die dorff, dy ym gehen 
ß.nt von'^ ßeyme eldervater, dy loerden em vor ein teyl ßeines ^^^ 
gutis gegeben, vnd hir ßait her etc. (W.) Variation der Buch- 
schen Glosse. 

B, 6 III, 5 Gl. ,Hie merke das vnderßcheit dißs artickels''\ vel 

ßic: hir mercke vnderßcheit des '^^ ar., der hiruor ßtehit, vnd dißßes. 
Yenner ar. ßait von deme antwerttere, der ßch czuet an ßeinen ^- 
gewern, daz daz angefangete gut ßeyn bleiben ßolle. Difßer ar. 
verantwert daz gut alßo, nicht daz is icht ßeyn ßie, wenne her 
hegert, daz hers mit rechte geloße.^^ (W.) Variation der Buch- 
schen Glosse. 

3) III, Ö, §, 2 ^beßatczt'] Vornym das cdßo, wie wol der 
knecht habe ym uß gedinget ^^ vnde beßiczt, das der herre om ßulde 
legen ^^ vnde gebin ^'^ alle ßeynen jchaden vnde alle ßeyne vorluß, 
die wile her an ßeyme dinße ißt^^"^ glichwol darff^'^ her ßulchen 
ßchaden vnde vorluß, alßo hir in dem texte ßtehit, nicht legen^-' etc. 
(GLabSWZ.) 

BGLabSWZ fh. Racio, wenne daz ^^ ißt ßeyn guter wille 
vnd ßeine ßchulf. 



B, 7. L, 



1 W uorßehne. Die letzten Worte felileii WZ. 

2 In L zu dem vorherg-elienden ,glieweren'. ^ B vel. ' L %. 
^ L hedde. ^ D jnfra. BLLbS contra (LbS fh. Supra). 

■J W ij. 8 ecinm fehlt B. ^ W adir. ' 

10 W e?/ns. 11 W diC/e.'i. '2 ^x ei/n&n. 

13 W f h. Hip- mercke drcijrley ftucke, wie in der Buch'schen Glosse. 
" Z fiedient. i^ L leggen. S legin. BLaW legeren. Z loegeren. 
16 vnde gebin fehlt BGLabSWZ. 
" die loile bis iß fehlt BLabSWZ. 

18 L dorß. i'J H legin. BLaW legem. Vgl. oben N. 15. 
20 WZ do. 



Die Entwicklung der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels. 293 

Drittes 

Buch 

Gl. ,ader ah ße der egnanten ingefinde'] vel ßc: daz ße n, 8 
'rjn geßnde feyn nottorft mete koufften , ader ap^ etc.. (\N.) 
Variation der Buch'schen Glosse. 

4) III, 31, §. 1 ,antioerten^'] Das vornymP- ah man auch P..3. l. t 
deme erben -^ nicht ^ glouhit hette.'" luer do eyme icht*' nymmet, 

der pflegit "^ deme erhen nichtif nicht ^ zcu glauben " vnde mns 
e?7i *" doch dor uor antwerten, ut hic.^'^ (GLbSWZ.) 

Gl. ,icie en füllen die eriew'] Nota hie, das dy erben den /chnldijen n. lo 
nicht dovffen irynneren'^'^ noch toder hanl, fundern man muß fie iri/imern'^^ vj)' 
des vaters fchuU, vt hie, vide proceffum etc. 

III, 32, §. 8 ,her nymi^t'] vel fic: her wjmjyt fein erhe noch feyme Lode '% ii 
xnd feine kinder, ap fie noch em gehoren,'^^ dimittendo vnd erhit is. 

5) III, 47 Gl. ,das die buffe gliche '■'' groß ßeyn ßalle'] Bis p-. '2 l.ö 
vornym, loanne man pynlichen (-läget, ß) henget man vnder teilen 

eynen, vnde vnder icilen ßo flet man en zcu der ßtiippen,'^^' li. ij 
ar. xiij.^- (GLbSW.) 

III, 51, §. 1 ,ßtelente'] Das ßint dy enten, do man icilden^^ !•, in 
enten mit ßtelUt. (SW. — Z in der Glosse.) Vgl. oben §. 8, 
Nr. 3 nebst N. 6, 7. 

,hobewart'] Id eß der hunt in deme huße des mannes.^-* R, n 
(GSW.) Schiller und Lübben, JMittelniederdeutsclics Wörter- 
buch II, 325. 1876 voc. hoßcarf. 

§. 2 ,runczide7i'] Daz ßint roß,'^^^ dy zu ßreite-^ togen."^'^ ^r i"> 
(SW.) Schiller und Lübben a. a. O. III, 532. 1877 yoq,. runt- 
siden. Vgl. oben §. 8, Nr. 2, 3 nebst N. 5, 7. 

in, 64, §. 8 ,Deme ßchulteyßen'] Daz ßint richter in R, ig 
mergkten. (Lb.) 



' W f li. ße. 2 GLbWZ faltu vornemen. 

3 er-hen felilt D. ■* BGLbZ nichtis (nichts). 

5 BLGLbSWZ fh. -wenn ( IVente, wann). ^ Lb recht. 

7 Z fh. ya gewiflich. « nicht fehlt BGLbSWZ. 

^ L geuende. Z gelden. '" em fehlt LG. 
" td hie fehlt LZ. 12 dorß'en irynnei'en] St hewifen. 

'^ fie ii-ynnern] St dat hewifen. " St geboren. 
^'^ ,gliche' fehlt D. ic 2c?< der ft.] A mit zntten. 

1^ Das Sachsenspiegelcitat fehlt G, wo die Addition ausnahmsweise an den 

Rand geschrieben ist. 
'■* HWander. Ebenso die Tz erst edische Glosse. Sitzungsberichte CVI, 211. 
''•' G kürzer: id eß den hvß hunt,. 20 st per de. 
21 W czufchte. S czofte. 22 gt dhenen. 



Drittes 
Buch 



294 Steff oiiliagcn. 



B, 17 6) §. 9 ,Dem.e belehnten voyte'] Vnde das ßnt gogreuen, 

die man zcu langer zceit keuft, der ift nu niclit,^ ttt IL i ar. 
Iviip in glo[U]. (GLl)SWZ.):^ 

B, IS in, GO Gl. am Ende ,ef.c.'] Not.a hie pnrtem glofe. fwpcr articulur,i 

Ix ix perlinentem ad finem illuc, videlicet ,vnd vinden' etc. [§. 3]. Diß iß 
Widder daz keiferrechl, daz fpricht,der rirhter folle dy ortcyl f eiber vinden, ii.s.w. 
bis Wenne das orteil iß allerlohelicliß, daz von vil lutcn gegeben tvirt vnd ge- 
fnlbort, vi (Citate). Dieses nacligetrageno Stück der Bach'schen Glosse fehlt 
an der betreffenden Stelle in den Bocksdorf 'sclien Drucken, wie in D, wo 
die Glosse zu §. 2 ,Sitczende' abbricht. 

7) III, 73, §. 1 jNympt aber eyn frie fcheppinbare weib 
eynen birgelden'] alfo hie faltu den text nicht anders han, danne 
alfo her hie ftet.^ eczliche bucher haben: ^nymrpt das fcheppinbare'' 
iceib eynen birgelden'. die haben vnrecht, loanne is ift widder 
den latinifchen texf/' vnde auch clor vmbe, das das ammecht 
ift der manne ammecht, ~ ut dicit glo\_(a,] hie in pyin[ci])io]. 
(SW. — In Z verändert und weitschweifiger.) 

B, 19 8) §. 2 ,die dinftman'] Dinftman, id eft die eygen. abir^ 

fage, her heiß hie die dinftman, die do dynen vmbe ir gut, ut 
jnfra^ glo[Ca]. (LbW.) 

B, 20 9) §. 3 ,ire burtmit'] Das iß, ße geben irem^^ hern eyne 

gäbe vnde muffen das myten, das ße mögen man genemen, vnde 
das heiß merces coimlacionis. (GLbW.) Schüler und Lübben, 
Mittehiiederdeutsches Wörterbuch I, 450. 1875 voc. bumede. 
Vgl Dt. im Text (Homeyer N. 29 ad h. l). 



' der bis nicht fehlt G. 

2 B Ivij. Ebenso Lb ursprünglich, aber mit nachgetragenem i, 

3 In G steht die Addition ausnahmsweise am Rande. 

* alfo hin ßet fehlt SW. Statt dessen setzt S: In ar. Ixxiij faltu habin 
in principio: jNgmpt egn fcheppenbar freij man eyne birgelde'. Die Be- 
merkung trifft nicht die Lesung der Dresdener Handschrift, welche 
im Folgenden verworfen wird, sondern die des Baseler Primärdrucks: 
,Nim2Jt abir eyn fcheppenbar frei man eyne birgelde' (Homeyer N. 2 ad h. 1.). 

5 SWZ fh. freij. 

6 Der Lateinische Text des Sachsenspiegels lautet in Uebereinstimmung 
mit der Deutschen Lesart der N. 4: ,Si vero pagana aut villica bannito 
copuletiir' (Homeyer a. a. O.). 

^ W fh. mid nicht der loyber. ^ BLbW Ader. 
3 BLbW fh. in. 
'" D statt gehen irem zweimal irem. 



Die Entwicklung; der Liindrechtsglosse des Sachsenspiegels. 295 

Diittos 

Buch 

10) ,ire man'^'^ Idem ejtp- fi mnrifus repudint uxorem, b. 21 
qiiod tunc temporis licuit fecundum iura flau or um. (GLb.) 
Letzte Addition in B.'' 

11) ni, 76, §. 2 ,der man^'\ Noid, das iceib erhit keyne l, c 
farnde habe hie des mannes lehin, ane aJleyne^ gerade vnde 
eygen, vide li. i ar. xxxi in j?rM?.[cipio] glo[^Q.\'' (LbSW.) 

12) ITT, 77, g. 1 ,Tvt eyn man'] Du fall den fext alfo t.. ■< 
vornemen:^' wanne eyn man nympt eyne icitteice,' die do'^ acker 
Jiat,^ tut danne der man^'^ den acker uß/^ loanne danne die icit- 
teice ftirhit,^- fo fal der man, der den acker gemyt hat, den erben, 
uff die '•'^ der acker gefellit,^^ icidder gebin,^^' vnde die erben fidlen 
deme mitter e gebin fidchen ^^' zcinß, alfo her yeme gebin fulde, do 
her en vmbe vormit.^'' ab auch das des myters fchade were, fo 
miis her s glich icol thun, ut hie dicit glo[^&,] in ßne. (GLb WZ.) 
Letzte Addition in L. 

18) III, 83, §. 2 jgeicern'l Das faltu vornemen von lehn- 
gutern nach Inte des latinifchen textesA'^ (GLab.) Letzte Ad- 
dition in Lca. 

14) §. 3 ,die icile das her lebit''\ Intellige ante tradicionem 
iudicicdem, uel infellige, fi tcde pactum, factum eft inter partes, 
cdias fuf fielt vnus annus, Supra e. ar. § proximo. uel intellige 
hie textum contra cdfenfem, ut wich. ar. xxi in _r//o[fa]. (GLbW.) 
Letzte Addition in DG.'" In W steht die letzte Addition zu 
UT, 88, i^. 5 ,volkommen'. 

' In D zu jibendifch'. 2 /(^gnj gß fdilt B. 

' B schliesst hier mit Finis fdiciter. 

^ ane aUei/ne] L funder. ■''' in pr [iL fehif, L. 

'"' Du bis rornewien] L Vornim deffen ar. aljo. 

^ Z fh. Aber herwiderumh ei/n fravi einen man. 

8 Z fh. eijgen. ^ 7a hetten. 
1" der man\ Z yhr eins. 

" Z fli. vrah zynfe, dem man ylnne dauon gehen folf mit ylienea rril.len. 
'2 wanne danne bis ftirhit] Z Stirhet dan dafs, des der acker eijgen wafs. 
'^ L fh. dar. '^ L vpp foll. GWZ fh. den acker. 

lä Z laffen. . ic Z fonill. 

i'' her yeme \3\?i Viorniit\ 1^ nie iennen geuen fcholdc, den en em vormedet hedde. 
'S jQui vero alicui plieoda conferal' w. s. w. (ii;vch doiii Anj^sburg'er Priniilr- 

dnick). 
■'■' G giebt die Addition uu.sualims\vei.se am Kande. 



290 



st off null agcii. 



3. Uebersichts- Tafel der Additionen. 

Die naclifolgcnde Uebersichts- Tafel vergleiclit den ge- 
druckten Bestand der Additionen mit der liandscliriftlichen 
Ueberlieferung, olme auf diejenigen abundierenden Stücke der 
Handschriften^ welche im Anhang 1 niclit mitgetheilt sind, ein- 
zugehen. Bei allen Handschriften, deren Additionen ich (ausser 
der Dresdener) nicht beziffert habe, ebenso bei dem Zobel'schen 
Druck bedeutet ein Gedankenstrich ( — ) das Vorhandensein des 
betreffenden Stücks, wogegen das Fehlen nicht besonders aus- 
gedrückt wird. Wo die Additionen als Interpolationen zu 
Text oder Glosse auftreten, ist statt des Gedankenstrichs ein 
I gesetzt. Zum Text des Sachsenspiegels verweise ich auf die 
Zahlen der Artikel und Paragraphen, zur Glosse nur auf die 
Artikelzahlen der drei Bücher, in beiden Fällen ohne die Stich- 
worte. Wegen der Bezeichnung der Handschriften und Drucke 
vgl. bei Anhang 1 den Eingang am Ende. 



Sachsenspiegel 



Glosse 



Die Drucke 



B 



Z 



Die Handschriften 



D G La Lb 



Q 



S W 



I. 1 



2. §. 1 

§• 2 

§• 3 

^. 4 



3. §. 3 



2 
3 
4 
5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 



1 

2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 

Vi 
10 
11 
12 
13 

14 



1 

2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 

9 
10 
11 
12 
13 
14 
15 



I 
I 
I 
I 



* Am Rando und zuti-Icnch in der Glosse. 



L'ic Eiitwickhiii;,' der Laiidrcchtsglotiso des Sachsenspiegels. 



297 



Sachsenspiegel Glosse 



1. 5. S. 1 



§• 3 



6. §. 2 



8. §. 3 



10. . . . 

11. . . . 

12. . . . 

i:j. §. 1 



8 
9 



14 
15 



Diu iJnickt! 



B 



15 
16 



17 

18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
20 

27 
28 
29 
30 
31 
32 

t> '> 

O ' > 

oi 

35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 
48 
49 
50 



15 

16 
17 
18 
19 
20 



21 
22 
23 
24 

25 
26 
27 
28 
29 
30 

:n 
;J2 
33 
34 
35 
36 
37 



38 
39 
40 
41' 

42 
43 

44 
45 



Z 



Diu iiaudsclirifteu 



D i G I La Lb 



Q S 



16 



I 
I 



1« 
19 
20 
21 



22 



23 

24 
25 



26 



27 



28 
29 
30 
31 



32 
33 

34 

35 
36 

37 



' Zweimal, 
rfitzungsber. d. phil.-hist. Cl. C.V. 15d. II. Hft. 



W 



I 
I 



I 
I 
I 



20 



Stcft'u 11 liaguii. 



Sachsenspiegel 



Glosse 



I. IG. §. 1 

20. §. 1 



21. §. 1 



22. §. 1 

§■ 3 

23. §. 2 

24. §. 1 

§• 2 



27. §. 1 

28. . . . 



Die Drucke 

B I L I Z 



Die Handschriften 



D G La Lb Q I S 



15 



18 



20 



21 



22 



23 



25 

26 

27 



51 

52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 
59 
60 
61 
62 
63 
64 

65 

66 



67 

68 

69 
70 
71 

72 
73 
74 

75 
76 

77 
78 
79 
80 
81 
82 



46 
47 
48 
49 
50 
51 
52 

53 
54 
55 



57 

58 



59 
60 



61 
62 
63 

64 
65 
61 



67 



56^^ I 
56'' 



I 
I 
I 



38 

39 
40 
41 
42 



43 
44 



45 

46 



I 
I 

1^ 



47 

48 



49 
50 



51 
52 



53 

54 



56 

57 
58 



59 



I 
I 
I 
I 
I 



1 Alinea 2 am Kaude. 

2 Am Rande und später abermals in der Glosse. 



I 

(ilosse 



W 



Die Entwicklung der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels. 



299 



Sachsenspiegel 



I. 29.. . 



32. 



36. §. 1 

38. §. 1 

§•3 



39. 
40. 
4ß. 



■17. §. 1 . 
48. §. 1 . 

.52. §. 1 . 



53. § 

§ 

54. § 

7 . 
Ö9. § 



Gl. 


§. 1 . 




§• 4 • 


G2. 


^•1 • 




§.3 . 




§.4 . 


()3. 


§•' • 



Glosse 



28 

29 
31 

34 



51 



60 



66 



Die Drucke 

i; L z 



84 
85 
86 
87 
88 
89 
90 
91 
92 

93 

94 
95 
96 
97 
98 
99 



100 
101 
102 



103 
104 
105 
106 
107 
108 
109 
110 

111 
112 
113 



»is 
69 



70 



71 
72 
73 



74 
75 



76 



77 
78 
79 
80 
81 



Die Handschriften 



D G La Lb Q S 



W 



60 
61 



62 
63 
64 



65 



66 

67 
68 



69 



70 
71 
72 
73 



74 
75 
76 



77 



78 
79 
80 
81 
82 



I 

I 



I 
I 



I 
I 
I 



' Zwischen Text und (Jlosse. 



20* 



300 



Stoffe n lia jjen. 



Sachsensiiiegel 



I G8. §. 2 

§.3 
G9. . . 

70. §. 1 

IL 1. . 



4. §.2 

5. §. 1 
§■2 

6. §. 2 
§•4 

8. . . 

11. §.1 



12. 

13. 
15. 



2 . 
14 



1 

8 
1 

1-2 

16. §. 1 

§• 8 

17. §. 2 

18. §. 1 

20. §. 1 



22. §. 5 . 
24. §. 1 . 

28. S. 3 . 



Glosse 



70 



1 

2 



12 



19 

20 

24 



Die Drucke 



B 



Z 



Die Handschriften 



D 



G La Lb Q 



S 



w 



114 

115 
116 
117 
118 
119 
120 

1 

2 
3 
4 



5 

6 

7 

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9 

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25 



82 
83 

84 



9 
10 



11 
12 

• • 

13 



83 

84 



85 
86 

87 
1 

2 



I 
I 



I 
I 
I 
I 



I 
I 
I 



10 



11 
12 



13 
14 

15 



16 



' Zweimal. 

^ Deutsch ffefasst 



2 In deutscher Fassung. 



Zweimal. 



Die Eutwickluuf,' der Landrecbtsglosse des Sachsenspiegels. 



301 



Sachsenspiegel 



Glosse 



IL 30. 



35. . . . 
3ß. §. 1 

41. §. 2 

42. §. 1 
§. 3 



III. 3. . . . 



G. §. 2 

31. §. 1 

32. §. 8 

51. §. 1 

§. 2 

r,4. §. 8 

§. ^» 

73. §. 1 

§. 3 

70. §. 2 

77. §. 1 

83. §. 2 

5. 3 



31 
34 

41 



45 
51 
54 
60 



5 

6 

31 

47 



69 



Die Drucke 



i: L Z 



26 
27 
28 
29 
30 

31 

32 

33 

34 

35 

36 

37 

38 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

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12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

19 
20 
21 



Die Handschriften 



14 



15 
16 
17 

18 



D G La Lb Q 8 



w 



18 
19 
20 
21 

22 
23 
24 



25 
1 

2 



6 

7 
8 
9 
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11 
12 
13 
14 



I 
I 

I 
I 



XIV. SITZUNG VOM 10. JUNI 1885. 



Das k. und k. Ministerium des Aeussern übersendet das 
ihm von der hiesigen niederländischen Gesandtschaft über- 
mittelte jNederlandsch-Chineesch Woordenboek^, herausgegeben 
von Professor Dr. Schlegel, Theil I, Lieferung 2. 



Von Ilci-rn Josef Maurer, Pfarrer in Markthof, wird eine 
Abhandlung unter dem Titel : J)ie Tlieilnahme des Cardinais 
Leopold Oraf Kollonitscli an der Papstwahl des Jahres 1081). 



I 

I 



Von Herrn Professor Dr. Adolf Bachmann in Prag wird 
eine Abhandlung eingesendet mit dem Ersuchen um ihre Ver- 
öffentlichung in dem Archiv. Die Abhandlung ist betitelt: 
, Beiträge zur Kunde österreichischer Geschichtsquellcn des \ 
XV. Jahrhunderts. I. Das sogenannte Chronicon Universitatis 
Pragensis untersucht von Michael Rustler.' 

Die Mittheilung geht an die historische Commission. 



303 

mit (lern Ersuchen um ihre Aufnahme in die akademischen 
Schriften übersendet. 



Die Abhandlung wird der historischen Commission über- 



wiesen. 



Das w. j\{. Herr Ilofrath Dr. Mussafia legt eine Ab- 
liandlung mit dem Titel: ,Zur Katharineulegende IP vor. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Academia Real de la Historia: Boletin. Tomo VI, Guaderiio I, IV et V. 
Madrid, 188.5-, 8". 

Academie, imperiale des sciences de St.-P6tersbourg-: Bulletin. Tomo XXX, 
Nr. 1. St.-P('tersbourg, 188.Ö; gr. 4". 

Zapiski. Tome XLIX. St.-Petersbourg, 1884; 8". 

Akademie der Wissenschaften, königl. bayrische: Sitzungsberichte der philo- 
sophisch-philologischen und histori.schen Classe. 1884. Heft V und VI. 
München, 1885; S«. 

— der Wis.senschaften, königl. scliwedische: Handlingar. Ny Följd. Band 18, 
1880. Stockholm, 1881 1882; l". — Band 19, 1881. I. und II. Stockholm, 
1881 — 1884; 4". 

— Öfversigt, 1884.41: a Arg., Nr. U und 10. Stockholm, 1885; 8". 

— Biliang tili Handlingar. VI. Band, 1. und 2. Heft. Stockholm, 1880 bi.'* 
1881; 8". — VII. Band, 1. und 2. Heft. Stockholm, 1882—1883; 8". — 

VIII. Band, 1. und 2. Heft. Stockholm, 1883—1884; 8«. - IX. Band, 
1. und 2. Goft. Stockholm, 1884—1885; 8". 

— Lefnadsteckningar ofver efter är 1854 aflidna Ledamöter. Band II, 
Iläfte 2. Stockholm, 1883; 8». 

Akademija jugoslavenska ssnanosti i umjetnosti : Äluuumenta spectautia 
historiam Slavorum meridionalium. Vol. XV. Zagrabiae, 1884; 8". 

— Starine. Knjiga XVI. U Zagrebu, 1884; 8". 

— Rad. Knjiga LXXIII. Razredi tilologicko-histori( ki i lilosolicko-juridicki. 

IX. U Zagrebu, 1884; 8". 



30-4 

Institute, the Anthropolog-ical of Great Britain ainl Irolaud: Tlio .Journal 
Vol. XIV, Nr. 4. London, 1885; 8". 

Societe royalo des Antiquaires du Nord: M^moires. N. S. 1885. Copou- 
hague; 8". 

Verein für Moklenburgische Geschichte und Alterthumskunde: Meklen- 
burgisches Urkundenbuch. XIII. Band. 1351 — 1355. »Schwerin, 1884; 4". 

Wissenschaftlicher Club in Wien: Monatsblätter. VI. Jahrgang, Nr. 8 
und Ausserordentliche Beilage Nr. 5. Wien, 1885'; 4". 



Mekler. Philodemos Ueber den Tod, viertes Huch. 30o 



OIAOAIIMOX IIEPI OANATOr A. 

Philodemos lieber den Tod, viertes Buch. 

Nach der Oxforder und Neapolitaner Abschrift 

herausgegeben von 

Siegfried Mekler, 

Dr. phil. 



Uie herculanische Rolle Nr. 1050, welche das vierte, Lis 
jetzt allein aufgefundene Buch von Philodemos' Tractat über 
den Tod enthält, ist, nachdem sie längst geöffnet und von 
John Hayter, der im Besitz des erforderlichen Materials war, 
zur Publication bestimmt gewesen, die jedoch nicht erfolgen 
sollte, erst 1848 auf Grund der Neapolitaner Copie (71) im 
neunten Band der Herculanensia Volumina, Collectio prior, der 
Welt bekannt gemacht worden. Seither ward, soweit der eben 
genannte Text in Betracht kommt, die Schrift nur einmal der 
Gegenstand kritischer Behcindlung, indem F. Buecheler im 
fünfzehnten Band des Rhein. IMuseums, 1860, S. 289 — 296, eine 
Reihe von Stellen daraus nicht so sehr eindringender Prüfung, 
als einem flüchtigen Augenschein unterwarf, der, so summarisch 
er auch war, immerhin in Ansehung namentlich der quantitativen 
Unzulänglichkeit der zu Gebote stehenden Vorlage ein keines- 
wegs verächtliches Ergebniss geliefert hat. Es bedurfte und 
bedarf auch heute nicht erst des Beweises, dass den streitbaren 
Jünger Epikurs, wie den Meister selbst, derjenige schlecht 
kennt, der ihrer Spur auf dem schlüpfrigen Boden der Be- 
arbeitungen der Academici nachzugehen bemüssigt ist, und 
dass ein Text von der Beschaffenheit des hier von dem Be- 
arbeiter Ant. Ottaviani zugrunde gelegten — um von dessen 

2u** 



306 Mcltlor 

Transscription in ein buchst frap;würdiges Griecliiscli ganz zu 
sclnveigen — eben nur als Notbbebelf dienen konnte, woran 
fernere Bemübnngen um die Restanration des Originals nocli 
des öftern bätten Scbiffbrucb leiden müssen. 

Die Hoffnung, einen zuverlässigeren Text aus kundigerer 
Hand zu empffingen, scbien auf Verwirklicbung rechnen zu 
können, als Herr Prof. Th. Gomperz im zwölften Bande des 
Hermes, S. 223 ff., die Probe einer Bearbeitung mittbeilte, zu 
deren Abschluss es ihm dermalen an Müsse gebrach. Mit Hilfe 
eines in seinem Besitze befindlichen Facsimile (o) der in der 
Bodleiana verwahrten Hayter'schen Copie vei'mochte er schon 
hier, im Bei-eiche der drei Schlusscolumnen des Buches, den am 
besten erhaltenen unter allen, in nicht wenig Fällen Ottaviani's 
Lesung zu ergänzen, beziehungsweise zu berichtigen, und Les- 
arten, die Buecheler's divinatorischer Blick erschlossen, die 
erfreuliche Gewähr handschriftlicher Ueberljeferung zu ver- 
leihen. Wie viel mehr durfte demgemäss dort zu erwarten sein, 
wo die prächtigen Kupfertafeln der Neapolitaner sammt ihrer 
fadenscheinigen Gelehrsamkeit uns im Stich lassen, also vor- 
nehmlich im Gebiete der Fragmenta, deren ärmlicher Ertrag, 
wie Taf. IH, IV, V zeigen, nicht einmal zur Bearbeitung einlud, 
sowie in den unteren Partien der weit besser erhaltenen Co- 
lumnentafeln, wo zollbreit klaffende Lücken stellenweise jede 
Möglichkeit, den verlorenen Posten vereinzelter Silben und 
Buchstaben eine irgend vernünftige Losung abzunehmen, aus- 
schliessen zu sollen schienen. 

Indess Hessen anderweitige Arbeiten Herrn Prof. Gomperz 
auch späterhin zur Vollendung seines Vorhabens nicht gelangen ; 
so überliess er denn kurz vor dem Ende des Jahres 1884 dem 
Schreiber dieser Zeilen die Oxforder Copie zur Veröffentlichung 
der Schrift und unterstützte ihn überdies wesentlich in der 
kritischen Thätigkeit durch zahlreiche Ergänzungen des ver- 
stümmelten Textes, wie durch werthvoUc Nachweise im sach- 
lichen und sprachlichen Gebiete. Für beides sei ihm an dieser 
Stelle der gebührende Dank des durch ihn vielfältig belehrten 
jüngeren Mitforschers abgestattet. 

Wenn nun auch, wie dies bei dem beklagenswerthen Zustande 
des Originalpapyrus begreiflich, die Herstellung des textlichen 
Urbildes nicht ilbcrall in wünschenswerthem Grade zu er- 



Philodemos Ueber den Tod, viertes Buch. 307 

zielen ist^ zumal auch in o die gemäss der dort gegebenen 
Bezifferung an den Anfang tretenden Columnen, die in der 
Neapolitanischen Ausgabe den Schluss bilden, Spuren tiefgrei- 
fender Zerstörung aufweisen, so wird doch schon eine kurze 
vergleichende Ueberschau lehren, um wieviel reicher die nun- 
mehr zum ersten Male in ihrem vollen Umfang ausgebeutete 
Quelle fliesst. Der ZuAvachs ganzer und halber Columnen wäre 
an sich schon bedeutend genug, doch ist der Ertrag aus dem 
mehr weniger fragmentarischen Texte im Ganzen nicht zu hoch 
anzuschlagen; dagegen ist unendlich oft für Buchstaben, Silben, 
selbst ganze Worte, deren Existenz nach dem Ausweis in n 
nicht sicher gestanden, aus der andern Quelle die urkundliche 
Bestätigung gewonnen, während vcrhältnissmässig nur selten 
der Fall sich ereignet, dass umgekehrt u mehr bietet als o. 
Dank der so ermöglichten bessern Kenntniss ist jetzt der 
Text, soweit beide Copien in Rechnung kommen, auf eine er- 
heblich gefestigte Grundlage gebaut, derart, dass nicht blos 
solchen Ergänzungen Ottaviani's, die auf Beachtung Anspruch 
machen durften, angesichts abweichender Lesungen in o, theils 
ausdrücklich bezeugter, theils unschwer ergänzbarer, der Boden 
entzogen ist, sondern auch, was noch schwerer ins Gewicht 
fällt und wofür in den Noten bezeichnende Belege gegeben 
sind, die Wiedergabe des Originals durch o (dessen Fac- 
simile von durchaus unbefangener Laienhand herrührt) sich 
im Allgemeinen als die getreuere zu erkennen gibt. 

In den Anmerkungen zum Texte glaubte ich mich umso- 
mehr der knappsten Einkleidung und Beschränkung auf das 
Wesentlichste befleissen zu sollen, als für nicht zu ferne Zeit 
eine Veröffenthchung des Oxforder Facsimile durch W. Scott 
zu gewärtigen steht; ebensowenig habe ich, eine geringe Zahl 
von Stellen abgerechnet, Veranlassung gefunden, mein Eigen- 
thum an Restitutionen von dem des ersten Herausgebers zu 
sondern, weil ich die Bände der Academici wohl in den Händen 
aller Jener, welche an meiner Ausgabe auch ein philologisches 
Interesse nehmen, vermuthen darf. 



308 Mokier. 



I. (11. A. a.) O. . xer; 

. M-^s (za- 

pa[ji,uOiov . . ocsy.a , 

t)o'l? oXoiq . . GZ , 

5 TYjv ava[(j(Orja)iav fi-q') h 

tw(l) T£6vava'. ij:r,{ch zt- 

vat '::pb; y;[j.a(; • eho(i).o k6 jqT:ov . . . , 

To TYjv cxepYjccv ^(wv ava- 

6wv |j,£t' ävaic;6r(C(ia; u- 

10 ■üäp/ou(j(a)v avuTTOvs , 

y.al o'j TOtauTYjv oTav e , 

C*^v r^ . . y.avojj,sv , 

y.aOiarrictv. oxt o(£ , 

y.ii[j-£va)t Twt A£X£ 

15 T£tOV ßo-r]9£'i TuaXo 

TpiTOU 7C£pt ßlWV CO'J , 

X£Tat Ö OUC£G 

ar/^c avatc(6)r,cfa(? , 

Mr(Tp6o(a))pov oiao 

20 xaTaffl£p(£)G6ai t£ 

£V tWt G(T)£p"/]SiV Ci;j.£ 

'/CM» rv 

■/2'- 

v/, 



I. 10 «VUrOVOTJTOV £tV«t? 

14 Xs/O^vTi? 

15 BONQa o. 



Philodemos Ueber don Tod, viertes Kucli. 



309 



(1. A. b.) O. 



10 



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20 



YY]V£V 



A cT^v.aea 

. . . Xeyov , . V ÖTTCO? [xr, y.a 
aizAiaq STUt 

• . ■J-''', TävaOa ota xo 

. äva;cr(0-^-(oc) ccj-zoIz i'/j.'.") "/.ä 
7,aT£Aa . . , £C Yap w«; e-i Vo 
T:X£('iijtsv £)v Twt !^^v y.aTa 
")r,v t(wv aYa)6wv ctiprjCiv 
T/;)v t(£ 7ip6cA)-/)'|'.v xay.öv 

. r, cu[ji.£v 'jYcixc c/^£ 

. cxo'. . . . vfjo) y.cr.z'/c- 

[a)£vou . , . aic6r^a£wv 

t)«? £7, t(^(; a)7;o§oA-^g aurdiy 

£T avovxoc; oSuva«; 

uc£ orr^Trep tou C7r(a- 

V£(jü: isyx)!"/;: v.äI ■::T(jü"/£t(a(; 
. 'J? avac£/_C[j.£vo'J u 



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OC C£ V.«'. 



. TWV 5'J7!"/,0 V 

. WV (0 

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(2. B. a.) O. 



c'.v £v \):rfi 



ai -(c)pl Osolii; £iv(a'. 



II. 5 AHÜC o. 

12 f. T/£'(cr'.!; y'.V(ö)a:'.0'(T' äv) ? 

15 nOPOAHCAYTÜI o. 



310 Mcklei. 

5 o)ti to cw[J.a '/.aO' £/. 

....... iaoij.eY£0£? Y^''^'^'''(^ • • • 

ä'Ticipov, y.aTa 0£ r^ . . . a 

7:s~zpo^ü'^.tm ■c6';:(« . . 

viai -/.al To Y£YCv(c? 

10 T£ */•«! £V£axb); y.al to y^C'"'*- 

a6[X£Vov av) aXo^ii^ov (rat 

izXeao\j(ci . . 



V. Fr. 1. N. 



VT, 

15 £T'.C9 

.... £ Ta(>.ai)'7r(i)po(; £7roi(p.wil£t? 

oTw)v £(jT£p'^Ta[ Qioü\eh'o{\t.e'>oq io 
coj[j,)a 'jT.dpywK £T:!/£(i)[ji,(£6a . . . 
. . . prii).v/0'.q Ate? con'^p(o(; .... 

20 . . Yi)3ovY]V oTOaot; xpovoq -ctot a- 

yaOa) 7rapac/.£uai^£tv T:eou%v^ 0T(av 
.... TY)? y.aTO!Aaßr) toui; opouq to 
. . ä)iia TO capy.ivov £u()u? a7:o;j.6(p- 
^Yj? T)b p.eY-9o? f^? -/jccv^i; 0'7C£(p 

25 .... aTcetpoq /povoq TiEpicTCOi-/] . . 

IV. (3. C. a.) O. T£lT£ V. Fr. 2. N. 

ouvaxbv av 



III. 8 n^lZ/CPACM^NU o. 

18, 19 £;rt/£oj[j.£9a und atoTrJpo; von Buech. p. 292 ergänzt. 
Zeilen 1 — 12 fehlen in n, dagegen sind dort 13—15 mehr Keste vor- 
handen als in o: 

nN6T 

AmaA 

AC6CYa 

15 ZHNH~6776TIZ 

23 AnOMC H, AnOAA o. 

IV. 1 "aT( ». "61// 6 o. 



Philodemos Ueber den Tod, viertes Buch. 311 

. . . . Tt Y''v£<^öa', A£Y£i:a(i) v.aOx(7C£p 

.... ouvaTOv U7:ap7^£(:)v eiScoA 

5 .... va^Ox; y.aO' o'O; a7:o(oQcwc'. . 

. . . TiiJ.eiq [;.£V oüv Toiq £ip'/][;.£vo('.^ 
7pw)[j.£Öa TTip; Twv 7:p5y.£'.[j.£va)v . . 
. . xXo'Jsi'co; y.7.-vr/z'.pc~Jo'. Top. . . 
. . TrapaiiOivTS;; ctäv £(-/.)'ä;v£ov(t£; oa- 
10 vto)?iv (bc [/£0' r(5ov(y;;) t£),£'j-:(ov (täc 

. . TOUC £V TWi (!7)uV0u(!;ta)L£tV 7.7.1 TO 

. . -/.oiJ. £(v)i(pp)(ijc'c(3:'.c yov 

. . '.ZIJ.Z . V . . . . 

£'.C£V (X'J'OXC, i'.'JctOV . . 

15 vo)q S'.aT'.OiV 

. . ■/.-/. . /£::t'.v Xa 

. . CJ 



, (4. C. b.) 0. ... ort; _ t^v y.xl ci' x/.wv y,a("; 5ap;.;.x- 
y.(i)v icTOvo)? ä[;.a'jpcu;;.£v (ouc . .) Cr,'/ 
[j.ciy. zx- £(ü)w7i3;c h -zoXq i)7:['r.)oiz y.al 
7:)poV£[;.(£)vo'j; y.xl toIi; £vt . . . o'j7.£ 
5 . ycEY- . . £c:iv ävaisOr,TS'j v('j/.)':a y.al 
■^[j.£p)av (cia)9£povTaq. äXAä . . iptaa 
. . TOta^O)^' i'/izMay:/ o ttcov 



7 nP0KaM6NÜN o. HA NUN n. 

10 CiNCOC H. ox/w)ctv erg. Gomp. 

11 . YNOY. . . sZCIN o, n^lN n. 

12 Ergänzung- von Gomp. "«JA . UCTIAIC o, wovon ausser HA für 
TIA n nichts hat. 

y. 1 Der gegebene Raum spricht eher für /.al »..als für v.ix'. ota 9., vor- 
ausgesetzt, dass das abgerissene Stück rechts, dessen oberste Zeile . ZHN 
enthält, in der richtigen Entfernung geklebt ist. 

3 YT . '^ . . OIC o, Herstellung von Gomp. Der Gedanke scheint 
sich mit dem Lucrezischen qui somno partem maiorem conteris acvi III, 1000 
eng zu berühren. 



312 Mekler. 

. . "zaiG . (£)'::ty_£ipv^a£atv .... -tp.ev 
. . . w; . . £v ^(ap xoivwcci . . . . ou . . 
10 Tiov £Yprj[;.£V(ov /. v£ . at 

c, aAY'r)B(6)vo(; ttoaX . . {'^)^pi zv/y.q 

av.oAcuOouj'.v . . £vopa 

V To Tuposavsi; . . . ai Trpoc 

14 .... VTWV 

16 .... Atav 

.... Xzic 

YI. (6. C. c.) O. vou y.a(v £7ia)ic0o(iX£- 

vot oiaT£X)£a(j)c(tv,) tcw? oüy. st/,6? ia- 
Tc) . . . . y.aiacTTpiipovTai; a^vY^jOs- 

C.) 7:£pi~fcT£[V5 ouB£/.a . 

5 7.ougoi>07 TYjV uYpaGia 

c)K£p[j.aTt/.r,v EÜTTOpOV 

T£ y.al cv.'kTfpoiq cuv£ 

ca y.al 7:£pl twv a-rraY- 

rr,vii>v auTwv apjj-ox- 

10 x6 y)£ fV' aTToy.apxcpouv- 

xa . . . ?ay.)piTü)(; a7ro0vr,c(y.)£iv 
y.al Tzovoiq £)v£-/£cOat ßapictv 
Trepl ßpcoi^ax' v)) X£pl (7r6)TOu; ipYCV 
A£YCU(jtv a':ro'::A)7^y.TOU ©«(vxaatac 

15 V . . . VT£0(7 



YII. (39. D. a.) 0. . . cv [).y. 

. . ßapuv 



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OS ai(:9-^T(t)y.r|V uo , 

c)tepia/.£j6a'. y^p (?toi- 



VI. 8 ar:aYyo[j.£vcjjv? 



Philoderaos L'ebor doii Tod, viertes Buch. Ol'o 



Q(.-J~y. [X£V ZT, 'y. Z 

tbv 'ATroAAosavfjV 

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£)y.'r/OY; 



VII. 8 Ein Apollophanes wird Vol. Ilerf. C. A. TV, -208 als Klietor 
oder Philosopli genannt (s. Gomp. in d. Zeitsclir. f. ü.sterr. Gyinn. 1804, .S. 70;j); 
dnrselbe Name erscheint bei Scott Fragm. Ilercul. Pap. 19 — 098 in einer titel- 
lüsen liullc, für welche der Ilsg. den Titel <l>!Äoo/]fj.ccj 7:ip\ a.i<jfh\(Si(i>z inuth- 
ma.sst, Catalogixe S. 19, Introd. S. 17. 

Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. CX. I'.d. 11. lUt. 21 



314 Mcklor. 

VIII. Fr.l (14.D.1..) 0. -jsTa-: Tc xaxa xbv Ac(ycv 1. Fr. 1. N. 

a . p(ov aXvyjSivwv c 

T£A£'JTäc ä^lO'JVTto(v') 5'jv(^aTbv 

rr,v xvj-iz^'KTiizv )v(ü')£cOai cj . . , 
5 av •^r, [j.£t' 0'/A-/5a£o>(c) ävuzepß(A-(^TC'J 

(pY]co[j,£v xe ty;v cu[j,zäOtav 'Kpb(;; ib 

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[j-st' c/A-f^ccWi; aiTta c ...(;; v^ ■:r(u)y.(vo6- 

c)r,q äcujjipiTpco;; -« I^i-C^piQ t)(i>v ^o)(tov';' 
lt> y) BticxavoÜTr^c. «aX' che . . . v vs aoü(va- 

Tov AuO-^vai tot' x'JTYjv (t-^(; S)uc:xu)^oü(<; 

. . . £T£pota)(7£ti)c •S^Tt; -/.al (^s.g)~'. xcvo; 

aA)Y("Oob)v&; aixia • A(£7:)xoyi.£p£? v^? 

aw|j,)a %atX£A£wc £U7a'v(-/;xcv ^)^{'/ri): -J; y.a 
15 a xsux' £7. !J.t7.poTax({o)v c(uv)£ax-r;x(u^a 

.... oxäxojv y.Äi '::£p'.!5£(p£C7)xa(x)w(v 

p.)£([j.[Y)[j,cv-/; 7.al ■:tapa xou(x)o TroAAr^v 

a)TOpia(v ■:ra)p£(yJou(7a tzovcrou £^t7:xa- 

xat A(£A£i|j.[jiv)(.)v TTCptüV £v x'^t ^3:(p- 
■20 7t 7:(oAA(Öv) -J^j [j,(up{o)v . £)7. xivoi; . . zzv 

£17: ... £ . aAYY)oöv)s(;) a!xi(a 

"fl XptCtV .... (0£- 

0Cl7a([J.£V a)7:CX£X£X£0-- 

M-O'^- ^p- 

25 c'jv o)vx ... V 

A (x£)pd/£0); a 

x/.x . . . 

-ohq a-(cc7:cz7iJ.cu;?) .... C;'J[j.ßo:(tv)£t 
7axa (xi-üzp . . . pcuc o . x 

Till. 2 azpwv? vgl. Plato Pliileb.45 ai^oova^ — xoc? axpoTaxa; y.at atpoo^ooTarat 
8 CHn . N n. 

V2 auv£T£poicüa£w;, hier sehr wohl passend, obsclion sonst nicht nacli- 
gewiesen, vermuthet Gomp. 1.3 A . .TOhCPICTAP o. 

14 f. •/.«! -apä toux' ? vgl. l? l(j X£;i:TOTaTojv oder Asioxäxwv Gomp. 



Philodemos Ucbcr den Tod. viertes Hncli. ölö 

'/pc'j y:/v. T!;, k7:z'.c-f;r.zp (r/. 

30 TotoÜTa)(v c)tjve(rrr(7.£v, (a)^iü)trjt (av) 

«TTOv-tov /.aTa tyjv (rjv/,(p)i(7(tv ov- 

Xeu-a«; oux icv äz'6av(ov 

... "70 jJLSV CU[J.ßaiVS 

35 av'JTTspßAYjTcv y.otvo 

y.ai^l •:)£p'i/£(o; /.al va 

. . . VTO)v i^-cva . 

Fr. 2 (ir).D.c.) O. . . . . -y. Tiva; [j.sOac -/.y.'. yw. H- l-'r. "J. N. 

.... 7:cv;'j (•/.a)0ä7:£p £-1 Ty;c a . . . . 
. . . izb Twv -a;c((ov et:! ~r^c, . . . \j:q 
. . . zf,z a7:(ä)cr((; ä~o -:(ov äV.(p)tov cO-'- 
5 ztMc) £-1 TS Y"^p:z; • ^■^bioviaci zk v£av{- 

X'.;) ;/£TaßoAal v.x: oC ärj[j.;;.£-:pwv 
■/.ivY;)ij-at(i)v u)(7':z£p zlq 'jtuvov Otto tou 
[Ar//.)(»)v{c'j • -A-f.v -/.a; -b ßtaiou(? v){v£(;- 
Oa:) tcuc izoc-asp.O'j; r^; <b'j'/f^(^c) cctzo 

10 ToG crw)i/aT;; v.s). oik tg'jto ty;v [ji.£Y''^- 

iTjV £T)£p;(wGtv (£'::)a7.o}.cu6£'iv a('j)7<o 
.... 9'js)'.7.(i)v £ . . vi'jT . . p£T y.-/d^(y.r,q 

ZV/. . . . v(o .... i-O'J . q v.ap- 

T.c/jq TU))v $£vcpoj(v . . . ä)AX' ;'.(va)v7.a 

15 ä)7;aAAoTpi(cuc;05: i?) .... /.£ 

A . . T£A£C TOV 

7.3:(0ä)-£p 'jr.tiJ.'.'^.Yr,Gy.o- 

[j.zv) .. zt .... v, ... . C/.0'.VOV 

33 AHKAN o. 

37 Yavwisfi)?? 

IX. 1 T ATI NAC ", TACYN /^ 

3 aä[j.tj.r,5 Gomp. 

4 TT]; bis -fObcw; erg. Gomp. 

5 vEaviat; erg. Gomp. 

8 p.r;/.'i)v{o-j und yiv:?')»-. erg. Gomp. 

y f. Ane MATAKAI «. ^-i NOY~ «, NO o. 



31 



* 



310 Moklpr. 

.... avo syst . -^v 

20 .... es; (i-)oc7:xG[J.c{z 

.... c'nii''f 0'. 

X. (9. D. d.) O. [j.evetv 'jct£'.ov < -^i;, , v 

Tb)v /.ivOV £!XSV 

[r/'jTi o(a 7:)£ipa? ;;.r,-:£ cia C7ir;;/£('(i)v 
■/.aTaXa)ߣ'?v r>,v vr. . . ct^{ . g . . z 

6 u--/)!; 7r(ä)vTa)<; o(7Ja7^((J£0)c 

sc'.a; c-o-£pw<; (£)"/£t. <?v;(jj,' 

o' oüc£T£p)ov ij-ap/£'.v, £r':r£p apa c 

G7:"E7:tv.o'j(po'j) Bta ('i)wv . . 

(ov -a |j.£v £•/. T-^? £'7:t([j.)ap- 

10 -(upta; vc£T7)03:;, tä B' r/. r^(c) '::T(i;) j;:z'.- 

pcv (a-oo£B)(o/.ac7'.(v) . tc -'xp aü [.>,( £-:;r/,- 

Xxa(c£sOaL?) , . TTöpt To .. a ...-'... . 

6a ()z'.cr,q cij.c'ko-;s .... 

15 y 

a apicc'.^ C'.y. ... wv 

£ %T, . . . 0.-7. 

/.'. 

a 

20 cOt . . 



C'JT'.V . . . . 

. (70 

0)VO 



25 a . 

ca 



X. 1 'JjTepo'/? Das folgende Zeichen isf wohl Intori>unctionszeichen. 

2 o;oi -' £)7[j.2v? 3 ff. vgl. Gomj). -spi arjj/. xal arjas'.töa. fragm. 4, 

Zeitschr. f. österr. Gymn. ISGß, S. 70n. und Philippson de Philodemi libro 
T.. T. p. 8. 10 vosT^Oat Gomp. 12 ä-ooEOfü/caaiv erg. Gonip. 



Philoilemos Ueber den Tod, viertes Buch. ol 

•27 -y- 

29 . . y.~z . Taj . v. 

30 ''.|ji.r, .... ptov T'. 'ir;/.zz 

(o; (y.a') OaTTSp xr. . . . z~ . zzr{z . . Oa; 

. . . v)Z'. cy.zv) ij> . . z'j. 



(ö. E. a.) O. 



a'.£'.V ~XZ 3.'.~:7.- . . . ZiT, .... 

y.x(\ 7)3(0 £v Tov. ■::(ä)c"/cv(T[ . . 
yy. (0)T:äpy_£iv : 



V . . . r^'. (ir,zO[xv/ 



ZT'I 



too 

cav CT, cp(;A)cJcc;i^üv 

p . y.iTs; v.z. o('Kjy.p''.7.v? [j-^ij-j- 

6/;c0at TO . . . vav , 

z~c/M~.z . . . cTav-a (äX- 

7r,Bcvw(v) cjij.ßa'.vs-: , 

Tov ilx/.vjy.: y^p'.z 

-£)i(0; £(X)£IV Ö |J.Yi 0£' ...... , (0£- 

G'.evat, T:a(v)T2; c£ 'z-j-.z 

T£p'.V£ .... ;j.£V cr^KO'. ■/. 

VW r £■/, TCJ 



.1;= 



y.a": y.y.L(jb)z , , 

15 av a; v.a'. -ncX 

.V ;j.OK £•/£'. . . 

. £ a'.COOTTXj . 

y.y.~y.z~ . 

lyjz'.') £a('j' 



XI. 14 f. x.aTaÄäßwa'. und ("9v)ava'. zu vermuthen läi,^« luilio, wciiu siclior 
stünde, dass die bis Zeile 23 reichende, isolirt stehende Partie so weit nach 
links {gehört. 



318 Moklor. 

20 «^ 5' äXÜY] 

00 ... . 



üljiq 'A.7.'. TCO'. TO 

p . (Y")pa'J;a[X£(v 

ea 

25 p'.'^'^ 



;jLvr;[ji,a 

via . . 



XII. Fr. 3 (1(5. E.b.) O. . . t^spov c II. Fr. 1. N. 

OlCTt TY]V äwpoy TeX£(uTY]V 

Ttv£(; exy.a .... ctv sXi 

Awv aY*ö<iJ(v £)v Ttöi ':rA£i(ovi "/pivw 
5 . r/jaiv £^£iv ("/o})p;^ r^q Y'''')'^(''*? <^-~ 

(pta; cuo' £v u7:(vto)'. cüvzTa; 

Oy.i oC -/jv a?T'!a(v) a'jr/;v vsot ...... 

Tw)v -JrAEicrTwv (a)vOpoi':rtov £ 

TO TiXsTcTov )^(po)vov £-iO£ciy 

10 Tuoiouaevwv a(x)b Xöyou TMq o 

ov ' '/povwt |J,£y (7a)p [Ji.£TpcüvT(£; ~x'(y.- 
0(a) oijo£v iJ-£(Ya ■::)£pt':roirjCC[j-£(Oa . . . 
. ... (XI TYJc; . . . oiaq iiizep 'wv . . . 

TSV . . . CV /.EVdJC ~£ 

■^ .... ouT£T . . £ . vTat . . cTÄtwaXa . . 

T£p(i)V .... CtpS , . . £5 . . . 



XII. 2 T^AC o, T^N «. 

•4 f. T:\daxM yp. a'j;r]aiv Ottav. 

6 o05' iv Ü7:vn)] vgl. Philod. r.zp: aouaizi]"; p. 45, n. 54, 11 K. 

9 riAaCTÜN Ap(ograplia). 

10 a;:ö Xo'you] vgl. ir.o Xöywv Gonip., die Ueberreste eines Buches von 
Epikur r.ip\ ojtewc, Wien. Stud. I, 30, Zeile Ol. 

11 f. habe ich zuerst TccYaOöv erg.änzt, aber mit Gomp. Tay aO« vorgezogen. 

14 0NK6NUC o, NreNUC n. 



•2(5 



Philodomos lieber dr-n Tod, viertem Buch. 319 

. . . Tpicojv 0- Ol . T:va . . . 

~1<)Z T.ZOZ . . U . . . * 

19 a-.cv . . . -jz 

i<y/t-y. 

.... r,VMi . . :/.-y.z rrpb.; äX- 

X . . i:o>v cüOev i'j(p-r;V/.co; äv^- 

0;(v) . . £ . (7 . . . c äzsX) t-'j. Tcu 

■^t> [jL . . . . vTO.- xr.-j.z ac . t:;j väp 

£Xsv;7ai v£ov £C7T'.v xb 

ävaXoY[!^6jjt.£vcv . . «ov njOc-/.X(£- 

a •/,cX£Ü£i M-f,-:p6oto(^poc) . ■:r£pi:r:(f^c:- 

•r-.%'. Y£ . . ytOvOU" . . . VC . . Twy.a . . . 

I. Fi.l (17. E.c.) O. 7.a äXX' ou/c xo 

ß(o(v) 'Crfi'j.z. avu-ovcr^TOc 

'to(t) Y£''*'3'cat zav-b? clocu^ 

V) -TZOGon ypövMi ts [A£y''"cv x'j 

ö "/.al ~ic'.'Kor,Gy.z()at. •/.«(!) aTuoXaOcai r, (^v.a- 

0a7:£p 'j-£0£'.r ....£.. cvecctu c 
lJ,y.toiJ.z'/o: 3^(1) Tc('j^xo -/.al rr^c ä7:£(i- 
ziy;, G'j/ c^t;) r^c toj (v)£povTc; zpoO- 
r,c7£Ta'. ua>(y;)r, £xt es [j.ctpxy.'.cv ä^0(o- 
10 V7. '::£p'.(':xci'<(j)£xat Toü(t)or/ (osxs y-~ 

Yavo)[j.£vo^ i'Trip/^EcOat y.äv pr/J-?;v(5:'. 
■;xX£(o)y (ß)£ß[wx£va'. xwv dvaTroXajc- 
-)(i)y (o7a ct£)iJcov iV^. ctwTxto Y^p c- 
xi) zoXXay.t ttoXXoI^ x(w)v ä(ppcvu) (v) xb 

15 V£)ou(c T£X)£(u)x-^Gat Xus(tX£X£(7)x£pOV 

9a){v(£xat y.ai \):r,) y.aT(ä) xyjv yjXiy.iav 
£)'jO(r,voijs'.) xpa5r(V(ai o'Qxot;, £v 
a)o£('!a c£ xpo)«-?]; «(oOcvQav p. . a • 
?i:!Xi)s\ s' (-/iBcva; ä)7:äca(c i7:a'jp')£sO(a'.? 

Xlll. S y;>ov7o; Gonip. fl^PONTOC ". 
11 yiyavcüacvaji;? 



320 



MoklPf. 



20 



OlG 



. . . TCVTS; 

. . . ovio; 

Bc 

25 V c'j 

A . . . . pOG 

p. . . . OT! V.y}. 0\).Ti 

voc •:(e)A£U":a . . vo) tax- 

0:i ("/Jp^^'c^' (e-t)'^^'' -' 

30 ":: . {cz-a^( a 

7.S . Trx ov-'.vat Xs; 

CO . av(6v^TCV? Y)ap -:b ':o[(oüto (pai)v£-' 

Tot(t) '/,£p(oo)c; ouo£ .vi: pt 

£ . ßüot o'.y.- . ouat £v 

35 k . . q iocTZ . . <p_ . ocr/][J.o ©[xxff 

. . . va'. T£ 0£ vrjT£Tv Ti i;*r]V 

.... xtav w; (':r)X£taTOV (x)pi(v)cv 'C-?;v 

a'.p£)'ibv za'! T'.(va)(; ^>iyjq -eXfj- 

XIV. Fr. r» (IS. F.a.) O. xmvxxq oiä touto ou7Tu('/)e^ vo|j.(i- 

u£tv. To [j.£v vap, i'va c'JVT£()v)£arjTa'! -(t^ 

-ac: (j'JVY(£)vtyv.a(; /.al (puTtxa(q) £-iOu|j.'!a(; 

y,o:l zäaav aTuoAaßv) ty;v o(i)/,£toTäTY;v 

5 f)) £v3£(yj£-:ai SiaY^YV^cp^Y^^Ö'^ttTcpcc- 

ß»Ö)vat Ttva /pövcv, waxe ('::)X-r;p(o))0-?;- 

va'.) Twv (XY^Owv 7.at T:äca(v) £-/.ßaA£Tv 

TYjv) vtaia Ta? £-tOu[ji,ia? o('/)X'r]atv •(^- 

p£[j,)ia(; |X£':aA{Z|j,ßav3v:a, vouv i/ov- 



I. Fr. 2. N 



38 NfCYCT^A^Y 0. 

XIV. 5 ri habe icli mit Gomp. ergänzt-, auch 7]v oder, wie Ottav. will, 
El wäre müg'licli. 

8 f. ö/).rja'.v, (las Buech. S. 293 fand, be.stätig't o mit O . AH CIN. 
Gleich nachher habe ich für linech.'s /jau/ia; voro'e/.o^-en rjpc[j.iot; zu schrcib(Mi. 
^AC hat o, was ebensowulil zu MIAC als zu XIAC ergänzt worden kann. 



Philodemos Uclicr den Tod, vieitos Ruch. 



321 



10 



15 



■cöq £)(JT'.v avGpwTTO'j • ts o' :'va r?;; 

t' sV/;) y.3!(0)a7:£p iqovTa -:(a[jM)eTcv t:5 
"'Cy;v? ■::ap)a('::)A-/;at(i)(; tcv a-£(pav':ov 

)(PCV)0V 7 2V7, . 'xa 

z\X 



uy^ou 



30 



35 



. (7. F. b.) O. 



10 



TC'J '/,sp(o:u;? 

va; 0£i . . . . 

T'.va a'£ . . . . 

«(ocrasOa . . . 

t(0'. V3 . . . . 

v.q -CYjv T . . . 

TO)C£'.~ . . . . 



cpa; , . A 



•/.£ . . . 50ß0Ll(lJ.£v)c'. 

. . . sOzvo 

. . v.)y.':y.'~pi(^(['t)'y aXXa . Tr,v 



zav TO oy; ki'(:ij.v/Z'> 



3V? £^7 (':)ciO'j(-)(o'. ■/.v-'j.'Tzi^\).'j-'. -JY" 
'/y:>z'S)'z\y yr.i- v.a: -cI; irr(T:co['.j ur.v 
cuat)v '.y.avo't; £'!q tcüto ßA£7:ov:£; 
oii sa[X£v 3u)[;.9£p£'.v \):q -p;-£(p)cv y.a- 
Tactp£2>£'.)v ■?( ~r^'^ y.^''.z'.r-t (y.xp7:to)a'.v 
x-oX<X;j)zh'! o'>/ iva z(-); '{■/z-i{-.iz 
■/.y.-z £)y.£'vr,v t>;v [X£Tay.ic([xiov 

'/(i)oy:i) £'j otäv'^'^^'"' ''•^"' '^'-'"''^- 

V T'.S'.v y.v.y.(o: y.a 



l/x 



-) 



XV. 2 a. E. TYN n. 



. 'l'jy . y. . . -.z y.yr.y. zm- 
. ... "a ... V /,jT(i>'. O'.a 
v- "r^'J [j.-.-y. 

3 e'NONTCC o. 



IV. Fr. 1. N. 



21** 



322 Meklor. 

?IIXä)T(ovo(?) ft»ai- 

15 Swv-) r^v Tip . . . 

oj/ev .... 

17 Y2V0[J.£V . . 

26 ■zoi . 

oey 

^W 

d ziq elaäiyoi [xetpocxiov? 

30 Or, . . . okX 

7:po£UAaßo(ü[j!.£vov [^.y] auv 'KoWaiq 

äX(Y)Y)Scai xa(TaüTpe(f Y) ? . . 

. . . Tov eXa 

£"ct S' oü§£ (q/uai)/,bv £(ivat vo[;.ict£Ov 
35 Y;co(vY))y ty;v (ä-/,)£pato(v veov ovxa? 

£Y)v{i)/,£(va'. 

• axaiav 

at -£X£Ui 

XVI. Fr. 6 (19.F.c.)0. a . aXko^f op • • ? [J-rß^ lU- Fr. 1. N. 

S . . yo'j "Kpoq aÜTOv tou (y.)a':a 

t: . . . -ipÖTiov tot; £vo£/^£Tat ctavEtv 
•/j Sc'., -{q o' ay Siaoöpo);; Trpb^ xouto 
5 •/ay,(wc 'i)y^o'. '/.oizy. y; -y;v (pu^iy.Yjv 6p[j,-)^v 

7.al [j.(Yi) £Y Bo^wv, z\c\y ok ^toviov ixa- 
- - Tai(o(v) axo . . a?; Sib §y) y^äoTov to 



10 



7rpo(a£)vaTY][^.a TTEpt twv o'jtco? 
[0 . . . £VOJV £v T(I); •/.aTaaTp£(o)ctv 
~p . . . otTO . ;; aÜTO xb tcu y^pövou 
7.e(poo(; ßA£)-ov-a .... aoaO . . 
V . . . . yjxq z£iv -/.ai . 



I 



XVI. Die linksseitige isolirt stehende Partie Zeile 2 — 14 ist in n durch 
ein Versehen um eine Zeile zu hoch gerathen: HA(I TPOflON u. s. w. 

•2 TOY . ATA o, POY . . MA n. 

■^> CJC (lüutlicli o, statt dessen PH nicht minder deutlich n. 

7 AKC..\^ n. 8 von Gomp. ergänzt. 12 fl^l n, TT6I o. 



Philoderaos Ueber den Tod, viertes Hucli. 



323 



lö 



20 



25 



av 



eu'.ß . . tay.siw z~.'j. . . 

. . ip . . . auiiJ.oczo .... ij.aXo . m 
. . . . ap To •7:pc . . . >,£'. . . 

T£X£Ut(-/])v TZO'Ze .... 

o'jsXaT . . . -r]'. 3ca t(y;v 

. . . a) Ytov-lrv p'j-£ . . 

. . |ji.a T, AoY "I"* 

. . . tVO? TO'J . . . . O'J 

. . . patvov .... r/jv [j. . 

. . . act3!cp(öp(.))<; £yo'j(ffiv 

. [j.)£[j.i)(o)(j.£vto(v) ya . . 

. . ay;£ . Tf . iJ.exxv.ociJ. . . 

. . . U)V Xövwv ocTTactv . . 



ai 7.xt' auTol»:; ava . . 
. . . T£ TOt , . , (oyasa 
. . y_)t!)pi(j(j.o'J . . TaT£- 



30 



£710 



ov . 



.34 
36 



I. Fr.7(20. F.cl.)0. 



0£ . . ~r](7 . . . TOU 

?6au[j.a!I(o c)£ toü co((I'Ou) Xsy^''^ 

TOV ߣX~tOV A£- 

YOVToq tri '^^yJü) '^°^-'^ a(~b) tou 

G('i)\j.a.~)oq "/a)pic[J.(ou)c, ii)c(t)£ xb ty;(v) xa- III. Fr. 2. N. 

7t(cxY;v tou)to ouix(ß)a{v£tv atpExbv u- 

'!xa(p-/£i)v. cu |jly;v ou3' £y.£(Tv6) -^s. '/(a)pt- 

£V u(ji.(voX)oY£^v CXI Bta xaüx' ou}^ «tp£(xb)v 



XYII. H X/-B' '/, X . PI o. 

4 YM . . . ^riN o. Ergänzung von Gonip. 



324 M c k 1 c r. 

5 v£OL»; -(eX)euTäv, sxetOYi xoAAa guv(o!- 

7roiaov(xat x)ä)v ev twi i^'^j'^ y.xy.cov • xai 
Yap a7c(aXA)aYr,ffOv6' w; soty.i OaTT(o)v 
£aOsvt£(!; "p)";;; touc y.o/vacra^ 7.a.\ xwv 
y.ay.(ov a(^vTa)AAäy.Tac, ei t' sv.ot touto 

10 [rl^ 7:£i7c(vxÄ)i, xi Stoijsi v£;u; r, z(p)£c- 
ß'jxa; «(üxo'Ji; x£)a£uxävj ccc 0£ ttsicjov- 
xai, x{ a(v £pcox)w'.[j,£v c7:[r^K()v.o: r.o- 
T [C'^iiq ey.7rv)£Ci£V pa(iov;)'!' . . X£pa -pp 
10 xay,(ijv (a(fa{p)£(jt? ex 

15 . ai T-^(?) 'J;ux(Yic;) ävip0(.)(0£ic7)-rj; ev Oa- 

vaxfp) . ti)? c . . ot £i^YiC7(av) . . . . xb xoO 

:: . sc 'Ava^aY(cp)av axa x£'. ß 

or^ . . . £-/va . ca . . qaÖ£'.v/;x . . . vt£'. 

X . . pOCT 

20 G . [J.o . . 7ap 3 

... 7.0) ... V . . OVXO;; CT/ . . 



. . po) . . . TTEv ay 

oix .... £vo[j. Oa 



avY) £ 



25 .... •:xp2c; (? ai)xiav 

ava oy 

. . Su<7a/opoü[j,£(v) . . . Y?/V (/.al c£A-/^)v(y]v? 

'Av)a^a(Y)cp(a)c xi x:(u voD?) -/.'.v- 

. . . . . O'E . £v . xatr, oc 

30 . . a>'^"''-' cu . . 7C£pt x(^)<; aix(a((;) . . . xcj 

(i) i'f/j (cptAo(j)o(poD(ci) v£;j.a . £ . a)c;-£p 
. . . eiq. Ae^w . . . . t yap o . . TüaeTi; 
. . . (jJC7:£ . . X . . . . a[j.£vcv t . . . . tj' 
y.)axa 9tAcicro<f(a(v) y' ap'::as£cOa'. c 

10 AIOIC^ING^OYC iJ, was vielleicht in ototdEt tjO^oj? aufzulösen ist. 

11 nClüN «. 28 KIK o. 

A 

29 TATH o. 



Philoderaos Ueber den Tod, viertes Buch. ö2d 

35 . . (fjc7'.y.(bv) [xb xfo v)ÜTT£c:(0)a('. T)bv To(t- 

oij)Tcv 0'j(iJ.bv? a)AAo(t)? euXoYtav rapa- 
8t)Boüq Tou ((pucr/.w)«; xaTa c'./vccc^iav 

'f:(p)oxi6£i(v) .... O^'jp.a a- 

Y^Og (0)a'j,a(a)'Co .... 

[. Fl- 8 y.a . ij:j . ojv. a(7:{Ö)avcv IV. Fr. -J. N. 

(1.1. \J. H.) U. <N% »/ .S \ V /" <N\ f\ ' / 

C£ £(T:;cey.)T'.y.r,v [xa7.ap(ia; c)'.aüss(£- 
ü); (l'u(/r,v) [xr, TC'.ajf^v £ . . . (o; bzxp- 
yvy u)(g)t£ . . q aH'.oXövoi; a(YaOc)t; •/;(pl[xa- 
5 TisOat, Ycv(c[X£)vr,v C£ c-r; . . . £y. c'.- 

Xoiao(ptac . . . o)v . . . . y.al ■;:(^a)v-:£Xo).; 
oux 2''5v ■:£ . . TitpiCzcpiyßx'. OxjiJ.i- 

4 

ciov aYaO;(v, u))ct£ Ya'jptx[J.aT!;.; a-t£vai 

[ji.£0T2v. 7:o(a'j? [ji,)£v cOv y.p£TTTo(v x)-);v TTpC- 
10 (pavTÄCOj) . . . cv «'(Ow;; t'^? cpü(c)£a)^ cjv- 

a'j^r,ÖY;v(a'. /.ai ä7:)oAau!7ai -yj? C'jva- 

Ta)TaTa)(i;) (£)ij£rr)p(ta)c. «XXä 

v.y.'. To Y£i (ä')Htov TioX- 

X^? y.a; Tax cia/(£T)j6a[ S 

lü . . TO)(t) '/pcvu)(t ::);Xa 

X . . 

X£ 



c 

19 £'• 

22 xiov a 

£ . zt' 

25 '^c/a . . 

P 



XYIII. 6 KAI o. NAI «. 

8 Durch 6AMAT0C in ?( wurdo Huoch. S, 291 f. irregeführt, al« er 
O^äiAaToi; ergänzte. 

9 f. Gomp. vermuthet Keminisceiiz au l'iud. Ol. 1, 187 -po^avrov ao^ia. 



326 M ekler. 



TO[J,£ 

c'.ov . . . voys . 



A'^ia . . . at 



30 £3! . . . -a . . . opo 



ZV . . 

pOTTO 

. . WpCV . . TO «p£ . . 

. . r,[jL'r; . ovv töX 

35 ... vovo? 0'jB(£ |j,£Ta)/.off(ix()av? 
. Eys . TtvT ■Trpo 

. Tp£ £UO£[J. 

. ap £ Y£ <j'JvS . . at 

XIX. 'Fr. (22. G. b.) O. vjy om Y£vcp.£vwt y.al 7:o<o)v Col. I. N. 

yp6^fo(^/ £)7:t^rjcavT(t) Tb [>.e'^(',cT:o'^ ^'i?-- 
Obv a7:£({)A-^7:Tat. tt^? §£ xaxa tyjv ic7Ö- 
T'/jTa auT(o)u x.a'. tyjv 6[j.o£(o£[av 7r(o)p£''- 
5 aq Ytvo[j,£(vr)q) iw; (£)?<; a-KE'.pov £i Suva- 

Tsv El'-/) ^(aBi)^£iv oiy.£tiv icciv • äv 
C£ •::apaY(£v)"r)Ta(i), r^«; |X£V £uoat[j,(o- 
vi'a? a(i>a(p(£G[)(; ou yivETai tv]!; ^(^'(O'imiolc^, 
"/.a)Auct((;) 0£ TYJq £T[ [X£xou(jia? auT^q. 

l*^ aXX' ouo ([j-^ETEfvai Taütr^v e- 

TraicOt ai . y.al Mr,T(po)co)p , . 

''E'ä[y.ou(p , . t)£ TocaüO' o((7a '::)po£'i/£(v 

Ir/) (7r)A£iova . . . (£)7:ißi<i)ca 

/ap Toc . , ." . ß . . . . 

1^ xXe oc:£v .... VT«- . . 



. £ 

. ai 

TWtp. 0\). 



XIX. 1 xu'ftoi? vgl. Ar. Plut. 205 f. 7:pEaßÜTrjV . . -/.uf^ov. 

6 P . . . ) Z(IN n,\/... Z^IN o. G ff. .s. Biiech. S. 293. 

11 M. AI o, N n. 



Philodemos Ucber den Tod, viertes Buch. o27 



Tc: 

20 vo 



O'l 



;vr, 



■ZV £V3 

25 3 t(i)s .... 

a £va ... £TC . . . . 

[X . . . . STC? Se [j. . «[vaa 

"oTc; auT(ctc) -/p-^s(Tio)v •JiapaiJ.uOiOK; o . 
o' £TriO£)(6|Ji.£Voq . xav u 

30 . r^TSTat, Xu'7:r(C£T(at) o' oüoa[J.((Ji)<; i^ai- 

p)c6[j(.£V0(; £■/, Twv o(v)Ta)v (oi; e? [j.rjO£- 
[xiav ?7X£y T"^(?) £XA£it];£co(q £7üai)G6-^- 
civ. b B' a(op)(i)y cut' a^t6X(oYov) £7CtX-/^- 
'lit~' aY^Ö^'^ '''"' ■'■^'- ('^)'2V T(t)Oo)vou o(ia- 

35 Y^'''1'^(*0 Xpsvov . aXXo . wt 

psvaj . . V2 . . . (ö)-:?.'^ Y(£vr,)Ta'.? . . . 
Ta/{sTr,v, a(AAx ßpa)ByT£pov a 

X. Fr. K» I y.a [j.ßo'jO£ta).y.£v/;;xeY . . i\- Col. II. N. 

(•28. G. c.) O. r~ . , , ," ,,^ ,' , 

^ ^ Ax TO'JTo ;x£v -0 ;j.£poq ccjvtov -a- 

yy. '/.%'. cjvYvwsTJv isT'.v • to o' i'::! twi 

Tous; o'ja([J-)£V£T(; £Z'.)rap-r,7£!:0a'. [j.a- 
5 ZT-Zi-^) ä5(uYY)va)c7i:a); £crxiv • 7:avT£; ;/£V 

Y^p oüz, £(';;at)c6'r^(;ovTat twv ETCi/at- 

povccov •/; . . t'io . -£).£0);. svo/aeT 

C£ tp'j3'./.w((;) £TC£(y)y£''^w''' ^Z^^f^?! 

STav £7:a(tij0)avojx£voi? touto TioiTjt /.al 
10 y.r/.a Trapa (xou)xo cu[xßaiv/;i toÜ«; £-(ix)at- 

pc;ji.£vo'.!; • (tÖ)'.) 0£ a(Y)aO(i)'. /.aTa otä9(£- 



30 H;a'cojij.£vo; erg'. Goinj». 

30 PONÄy o, PCI na n. 

XX. J OAYNAN o, OAINAN w, hcichtigt von Buecli. S. 293. 

5 -ä/T'o;? 8 ^ne^rjreAAüN Ap. 

10 von Gomp. ergänzt. 



328 MoVlor. 

ffiv oh^tlc, %(«?) e:r£7Viox,tb; auT(b)v 
Y^vsTat 0U7(iJL£v)iQC, ucp' (o(v £xO)paiv(£s- 
Oai XuzYjpiv . . . u . ocexO . , . sasi o 
15 .... gut' £7;i-/(aip)(ov siopo 

. -oXX(OV £7^6(Jl(£v)o? (B'.)aO£3£(t) [JI.£T 
.... OG^£tV£ . . £tV aT£ 

xa 

ov 



20 oei). 

!CUC . 



§ta TTiV . ax, 



.... CUV .... 

cu . . . . 

25 . !:'J 



!j5[ji,£6a siy,a(i)u)? X . . ß . . . 

•/;[JAV o' aTa(p)axa}(?) £'.0 .... a£7ra . , 

ptcti; öSuv(i)[ji,£6a cu(7. av 

!fOavo[[j-£v aBtaXct-- . [j, . o 

30 T£? Ä'JTob; £-' O'J/, oX((y- 

Tov ■:p27i(o)v av6p((i)7:)o'. /« w 

Yivo[JL£Vü)V Zop £ xa; . . 

Twt (piXo(705£Tv "/.(a;) '.:v . . 

. . . [).z^('.cTiiii T0> '.T£'. (■::£- 

35 ptzo'.*(^!7av(T£i; ßä)Oo;? aTa(pacia; azo- 
Ovy;t/.o[j.£(v 

XXI. Fr. 11 . . . . O'.ta'. . [ [j.£Xov -qijh £C7t('.v Col. III. N. 

(24. G. d.) 0. ... ■ V.x 

^ Tojv (•/.)ap(ojo-(ov Oj-i r.oxt 'za.cyo'jzvf 

^•t]lJ.(i'j) £(/,)X£f('äo)u(jtv, £7cl Be xoTt; jx'/]- 

12 Ar. . 6TCrNUKUCo, Ar. . . . OINÜKÜC «. lyvwxco; emirte 
aus ?j schon IJuech. S. 293. 

15 OYTenix o, CT^nAC n. \c, noAAü fehlt in o. 

17 OCZ6IN6 . . €IN o, (CTflNC . . ^N «. 

28 PIOIC o, TOIC n. 3(J eNHCK^Mf o, . . HCKATA n. 

XXI. 2 APNOnCOh o, verbessert von Gomp. 



Philodemos Ueber den Tod, viertes Buch. 329 

Sev a(Ya)Gbv iQ'/T^y.baiv sav x(a'')p"^('-) 
ö T'.?, Tjc('j(;) £CTa(t) y^oäpiii'/ stzI to('i)(: y.a- 

'/MV di;(7UOA)sXu[J!.£vo'.<;. y;[v.Tv -£ -/.axa 
Ti T£6v(£äi(j)tv STCi/apiQasTai ti«;, äpa 
Y£ BiCTt (XoY)ta(Ji.öJv (?) ecrT£p-/)iJ.£6a (f,) Sio- 
t; v.y./.(i)G . TraX . Y0[X£V5 aXX' oücets- 

10 pov £(jTa(t TC£)pl r)[Ji.ac, war' s'Cccri [j.(a)v'!- 

av /.aTa(Y'.v)(i')ij/.(£'.)v -:(7)V £'::iy£(X)(ov- 
Twv • Xu(7cr(CO[ji.)£(v)ouq -£ '::oXXob(c) v.y.l 
aYaOcu? (£^0[j.£v) T£X£UTr,aav(T)£i;, 
'::po/.a[j,ßa(v6f-)£vov t ...... . (9)'^- 

15 c7'./.a);; £ . . . Y- • • • «y» 

017. i . . . . 

£)V0/(X£T? 

18 pa 

22 ? svo[A 

00 auTÄ 7, 

cav . y . tv 

•J5 ?£':)atpiy.a)v 

TC(ap)£atc Ton la (iTit- 

yy.ipo'ny.c £^£[v(?) 

•J>£t. otb TOL)iouT£y_ ([j.)y.i:{y.ioi.'( 

Xvjpot a , . . Tova VY)[j.aT. 

30 X' . . UiJtV OV VT . 

X'r)[;.£v ■:rp6T£pov £-c £t •/.«; 



£y.'jpr(C£ TOUTO . OAACV£ 



5 rjou; stellt (ionip. her unter Vergleichuiig- von IMato Gorg. 491 1'^ u)? 
iiciuc, V. und ähulicheu Weiiduiigeii. 7 TON o, FCON h. 

8 Xoyiafxwv Gonip. PICI^ÜN ", mit etwa zwei Buchstaben fassendem 
Riss hinter 010'-;. Nachher ist ?, von Buech. S. 290 hinzugefügt, der in n 
NO TI fand und hieiiach HOTI las, wäiirend o dentlich AlO TI zeigt. 

9 KAKUC . nAA rOM6N o, KAKU . . TANT0M6N ». Eine 

wahrscheinliche Ergänzung steht mir nicht zu Gebote. 

24 IN fehlt in o. 27 XAIPON . ACCZ^N o, XAIP0NTAT6Z(N ». 
30 XI . . YCIN o, MA . . CIN n. 81 ^niO n. 

Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. CX. Hd. II. Htt. 22 



330 Mcklcr. 

. . . Oävaiot S7j7:(o)u6£v eictv w . . . 

a . . VTOC i7:Vjf^ai(p)ti'* ovo[x 

35 .... aAt . . . . a (j(i)((xaTCC st£- 

po(a))civ(Tc -/.ai x)ax(0(j(tv üzo- 

c)x-^vat y.c(v6v?) kw? £(Kt)T:Aa'r' 

XXI l. Fr. 12 .... TS Y£v(-^)acvTa'. [/STa oüo /pc- Col IV. N. 

V . . . . Y[J.3!?, ö y.al or, •:rpoAa[j.ßavov- 
-c_<; iv Twi ';^-^v ibv zpo? au-:(o)u? e/ou- 
ct 6(av)aTCV, yj[j.(ov £-::' ouosvl TO[o('JT)a)i 
Ta(paT)TO[j.(e)vwv. */,at ■7:6(70(0)^ auxoTi; 
vo([j.(i^o)[j.£v e-'./apr^GSijOai cxouoai- 
oi»q (i;(uci/,)cT)i;, u©' öiv xa». ^wvxci; eßXa- 
zTovt(o) y.al o(i)£X£Aouv TapaT;x6[ji.£- 
vot (J.Y] (%)oAa(7(G)üJ7iv ; [j.äxaiov S' eu- 



(25. H. a.) O. 



10 xl y.al x(b) XuTcewOai x£A£UXwyxai; 

£TCt Xü)(t x)£/,va \):q xaxaA£'!7C£[v et 
aA£YO'J . . • /ä(p)'.v yap xou SiaxYjpEtff- 
6«; x(t) . . . a y.aOeuOc'.v zqzax'.v z- 
-' ä[j,2/(6x£p3:), [j.'jpicov, [j,aAAov (0') a-£i- 

15 p{i)v X . . . . xot; (ovö)[j.aaiv 7rp(o)5aYO- 

p£uo)[/.(£v){ov . . . y.al xoüx . . tuv 

. [Aac xovx .0 

[j.iji svy.a . . 

ptq po . . 

20 otߣ 

CV V . . 



aix 



34 CniKAI . CIN o. 

XXII. 1 f. xpovou ariYp-a? Ottav. 9 AAC . . 6IN «. 

12 AA6rOY o, AACrO n. Ol' ä )vSYO[i.sv ,ob ea quae diciraus' Ottav. 

13 (a) in TW ist nur durch o bezeugt; xa x^xva Ottav., vielleicht richtig. 

14 aucpÖTspa nach Meineke Men. fragm. p. 143, während Ottav. au.s un- 
vollständiger Vorlage fehlerhaft Itz'' «[xooxtpwv wxwv ergänzte. 



Philodeinos Ueber den Tod, viertes Buch. 33 1 

TO'J O'J . . 

~ö (zpou Xou 

UV . . 

. C)u)c7tX 

. wv £•/. cp(u7'.7.v^? y.o'.vwvia; ?) auo- 

[XSVCüV ('J/'J-/)WV £7:'. a TTOt- 

30 sTv, cü'/ ÖTt yivc-ai (avOpo)'äoi)c (p/r)- 

■/.£-' 0'j(7'.v (£)K:a(')!70-^G(ii; . . . T£)y.va 

o{)Xa p,£v Y£v(6)[j,£va Tau(-:) . . . a . . 

. £'. y.al T^epiilo) exEpov oüS' £(av TaX) a' xr.- 

o)ßy;(c) ij;}; oQv(a) . . vSi vm v 

35 Aeo)v y.ÄV tts . . 



:wv y,at 



r,\o xa £t 



I. l'^i"- 13 o(a)i[j.6v(ü))v •?( Twv (jUv(r/Y)opo6v(TO)v Col. V. N. 

(38. H. b.) O. ' A ' ■, >sv ... / ^N . , / 

avöpto'Ttwv. £'. 0£ TS'.c (ajTTOxeAEGj./.^a- 

ijt)v }(p->j T£/.jj,a(ip)£cGai, Tic äxuyev 

xr()Sc[j.ovo)v oTcov noAu(a)tvo!; xal M*^- 

5 Tp5)Sa)po; y-aCt) A£ovT£('j)c y.at 'E'jrr/.ou- 

p(o? aij)Tb; a^b Ty;; TöASur^q a'/^p'. y.at 

vu(v, y.)a; y,a-x aqy^v ä7:av-:(£)^ c\ y.aTa ty;v 

at . . V v)[J-ci)V 7:poy.64'avT(£(;)- opd)[;,£v 

0£ y.(a)t Toiv '.Stonwv tcoaaou; ti/(y- 

10 yä'fioynaq 0'.7:<x^y.'::!iarfq T(i)[ji/ry(; £vv6- 

[j.o(u •/,«)! WQi-^fiq b'KO V. . tov a^ioXo- 



XXIII. 3 NXPH o, AIXPH n. 

4 /.r)oe[xövojv ergänze icli nacli o, worin vor s noch \, der schwache 
Rest eines A, wahrzunehmen ist; f^y£ij.ova)v Ottav. 

5 A^ONT^C /i, von Ottav. berichtigt, (ONTO .Co. 

8 ATC . N o, AT. . N ?i; Ottav. S. 10 vernmthot äyfoy/^v ,disciplinam', 
ich würde äysXr|V den Vorzug geben, vgl. Epiktet hei Stob. Fl. V, 113. — 
-po/.oiavTE; habe ich aus der Verballhornung in o nPOCOYANH hergestellt; 
minder deutlich nPOvVC^YANT in n. 

11 Vn O 771. ••••.- ÜN o. 

22* 



332 Mokier. 

To6? '^(sV) Aavaou xat i:aS£A90u vcal 
Toü Ka(8|j.o'j) Gc . . . /. . 

15 OD £y.aT(b)V? TTOA 70 . WSptS'TT . . 

T£ /.£p(o)a(v(£)tv iv . y . . 

/,a/,aa . [j. va . . . 

0'. 7raTS(£(;) |r/;cov 

av£i(;Gp WVTY) 

20 V , . o)vo (tq . . . 

X . . TTEpt a . . TOTToXt 

. . . TWV [J. . . (OV •/.£ . . 

. . . 6tz'. . . . . £ auT . . 

VO) 

25 £)v ■7:oA£[j.(ü)t) Ta 

y.ava . . vx . . . . TOt 

Siotau 



. . T£l . . . cr[j, : . 

. q ocp£X6(q Ejaxtv [j, . . . . yc . £iv . , . 

30 . ßaObv £ . . ©A'japGV -/.äae^v pr, . . . 

xat p.£pY;T . . . otTt aurc'jc; 

3' (£)vu-V10 .... TO'.O'JXOy^ 

^r^e xöiq 7c(poY)ovot? -^[j-wv £y(aiY5- 
[x(a)TOt; y£(y^ovöto? '::£pto'JC-(ia;) v^S(£- 
35 c6aiT£0v(£(pa)7tvxap' ocov . . . £ti;aTr(£- 

%07:(T)d[ji,Y;v Tr,v SiaSo;^^Y;v . c'jv£- 

A)ü)y Xeyo) 3t6(Tt) . . ttä A£t- 

(f (Ö£V-o>v v^ [;.)?; xaTa)v£tcp6£(v-)wv 



12 ^10HCANT(Jl)N »i, wonach evvorjaavTojv Ottav. o zeigt einen Buch- 
stabenrest vor O, in der Gestalt <:, der auch von einem / herrühren kann. 
Eine definitive Herstellung müssen wir uns wohl versagen. 

15 OYCKA n, lYCKAT. nI o. is Ol n, 61 o. 

19 AN^KGP 7^ 30 BAOYNf . . 0AYAPON o. 

36 ,insofern ich die Gedaukenfolge durch eine Abschweifung unter- 
brochen habe'? KOI I . OMNTHNAIAAO (HN o. 37 AO n, A^rü o. 



Philodemos Ueber den Tod, viertes Bnch. OOO 

V. Fr. U £YYCvo)v y.a: r'jv(T)£Xo'JV':w(v) ä npo- Col. VI. N. 

(37. H. c.) O. , ' " / \ >o /'V 

s'.'Trau.iV TOUTCov -rj (tjiviov cöv=<i^wv 

y) irfjOsvuv a'::(A)(J5(?) ouSev ETiat 

■TTpbc r;[xa(; |ji.äXAov f( xaia tou? £(T:t 
5 <i>op(ov£ü)c YiYC>v(ÖT)a(c) • si [j.-rj vt; (A(- 

a) y.aTä toGto A'jz"/;pcv duT'.v i'7:a(t§o)(; 

•/.)aTa(c-)':pc<j''/;, (o)i5Tt Tdc •/.Ar,povcjji.o('.(; 

£)cTa(t) -a -ovr;6£VTa, v.aöaTzep oü'/t 

7:)cA/.äy.;; a^autv y.aiaAsfcetv v^ cet 
10 . . sc . VTi; -i^ T'.c'.v Tsy.vctq, '/wpt; 

TO'j) [j.y;o£ (pauAoui; elva: [ji.r,o' äva- 

^(()ou? ev(oT£ TOU{; y.AY;pcvo|ji.Y^(jav- 

T(ac) • £av o' waiv 7:ov(-/;)po(, TCpotpuAacac- 

0(aO ouvaTCV •. aTco'J^aio'.q y.ac 

15 5'!(X)o'.i; aT:oX£X(o'.::-) . . c-'.q ohv. £X£', ci- 

a t(o)5t' IcTiv o(')/.':p(ö<;, 0)0/ cti y...^ 

tai . TO'. y.ay. . . ;aj . . . . v£ . . . (?:- 

Ti S'(a)7coXc(Aoi7:)6T(c a)u[ji,(ßa{v£t i% ::£- 

p'.o'j(cia)? £'!; jcy.p ;■:•/;':(« 7)-a(v£(0i: asi- 
20 y.£j(6a)'., £cr-a(t '::)pc? (T/IJ.)^? OTro'.c . . . 

A . £ . ilo'JC'.va y . . 77 . . . 

T'.v £7:1 To uovxa ÜK . . . 



Vß'Ti 



r,iji.cov 0X0 



y.a . . . Tojy.a . • a 

25 . a . . . . A £/. 

. ^T^ . . . To;c r^ 

cppöv(rj)cw oüt: o.ü'/y.-t 

c'j [j.£(To)v 0£ y.ai , . . ■Äovr^poti; ou- 
-/JItoT; (y.A)Y3pov6(x(ot)(; ::(p)b? y.ay.oj y£- 

30 vf/C£(Tat) TUXOUTO? cl Bf [J,Y5 Y£ ToTq ö- 

Aotq o(iJ5)£v ö(s£)aoc; (a)7r(o)ic£C . Tot? 3' aü- 

XXIV. 8 oO /prj Ottav. 9 lr.%'.z'.'P. 10 C^ . NTOC o, 

OM .TOC n. 21 A.6.Z0YCIN o, K.O.TOYCIN /i. 



334 Mcklei-. 

To To(ÜTo /.a)To(3upoix£)v(oi(;), all xu- 

pt£6ff(oua)t Tüiv aav({3cov) oüq oü OeXou- 

atv, e(^£a)Tat xat t£x(v)_oi)v uTuapj^öv- 

35 Twy (xaT)a6py3ve(tv, £7U£t)SYj -/.at tu;^^ 

•^ ■j:avT)wv Suva(aTC(; avOp(i))TC(i)v o(t- 

XXV. Col. 1 a t' saxiv £X£(i')va)v a<f)£Xo!X£v/] u(poa-- Col. VII. N. 

(26. H. d.)0. ., . . '\. . ■■, 

TaX£i7ü£tv Yov£T(; v) 7ua3a((;) v^ Y_a([x)£- 
TYiv yj Tiva? aXXou? töjv £(';:i)t'^0£(i- 
5 (ov, £V GU(X(po(p)aT(; eco[j.vio(uq) Bia (t)y]v 

/.aTacTpo(pY)v yjij.6iv 9i 7,al t((i))v dv(aY- - 
y.aiwv iXXsitj^ovTa;, £/£[ iJ-(£)y a[ji,£- 
X£[ (puffixokaTov ov5Y[j,bv y,(ai B)a(*/,)pü- 
WV TUpoiaEti; £Y£ip£l TÖit vouv £)rovx('i 
10 IJ.ÖVOV •/) [AOcXtCXa • TOV 0£ TOaOUTOV 

/pÖVOV 0C70V £YX£(t];£lV 7C£l9(£T)a'. 

T£Xo) . . ßatovxa . xat [j.£Ya(XY;v?) oü 
7ra(paax)£ua'C£(t X6)7c-/]v, £7r£tS'>j . . v . . 

GOCpS . . . tOVTci; 0'. /.(a)TaX£t7iö[J,£v(ot 

15 ij,£ oouv(-/)6£v)t£(; stü' aüi . i . . 

TcXet . . . (a)Ya6o ovTai: .... 

Tai . . . a . p-<^a(j)v au . ot? Y'^'P £('i'')p£- 

daei? (j)v . . . (•/)ap-/^c£Tai S . . . 

[j-cvoc a . 71 . a £(p\ . . •(7:cp)t£7roi"^(c£v 
20 y.at £<p' 6 . . . C7 . . (aTC£)Xa (ua£)v t(Ö)v 

xYa6)d)v? . . . . . ov . . . '.o[;, . vwv . . 

33 6 AN o, (A ;j. 35 KAI 0, AAI n. 

36 bis «vOp(o;:rov Ergänzung von Gomp., oi'a meine eigene. 

XXV. •-' ff. vgl. Lucr. m, 907 ff. 3 f. HA . 6 THN o. 

7 ^AACITONTAC o, vk^odurch Baech.'.s Lesung 290 f. bestätigt wird. 

11 6KA6!YaN H, wälirend o C, d. i. CT, au.sweist. 

1-2 -^Aü . . BAIONTA n, T(AC . . . )AIOKTA o. 

14 TAA^nO/^ 6NA u. 17 AY OIC o, ATIA . C n. 

19 MONOC «. 



Philodemoi Ueber den Tod, viertes Buch. 33ö 

v, . 'jT, . . Oa . . . ;j,r((y.)£(T') ö(v)to(;? 

c: c .... et t(-r/)v au(T)Y)v e(v- 

0)'j;jLOÜ;j.£vo(<;) y . . au ... . 

25 " !-''■'] f^ T:ä6(ioc'. 

. . £0) 3X 

. V . . . a . . . '. . . . . V ■:Tpovo(ia<; £V£- 
/,£v (y^) y.r(S£|j,o(via)(; abzdlc t£ x£(pBo(; 
£)c(o[;.£v)oui; ouS(£)y £7r'.iji,£Ar,co[j.£- 
30 vo'J?) r^TTOv £au(T)ou . y.ai c i"'. luv- 

Y£v(£'t<;) cwsc; r^ (c7)T£(pvcix)£Vot Oia^s- 

pCV-ü)C OTT . U U t . . . ? c'. clv OLG- 

-v.o\ . . . Y£vt o('.)iTt (tw)v ä'XXwv ol- 

!:cua(iv) a'j-c(t r/;)v (y.aTacxjposrjV, £(• 
■■■S5 0£ [xy;, ctOTi ja,(aT)a'.öv h-'. xa; ici- 

a^ «pu(p)ovTa y.(a/,07;a6£tai; £T)t Ta(<; 

£T£p(to)v auiJi.9op(a)'C(£i)v . Tt 

£)äv S' £Zt ^irqq (pus('.y.oTc) ar^ .... 
/■J. Fr. lö y.a'. ©'.AOAOYC'.c y.a(l) [./.aXtax' £a(v) y^VcT? Col. VIII. N 

*■ ■ ■ ^f •;> c'jy(t)-'^^''-? ■Z''->'-2u; £7:t x'^c; zaxpicoc; 

a-oAc(t)7;ü)7'.v, ä/vX' c'i)ax£ vJxxciv ij.o 

£:v^ z['j)y^ w^T£ X'j~-/;v y.a* |;.£Yä/>r,v 
^ xa'jXTjV £::'.9£p£'.v (y.)axacp£po;/£Vi'j; 

£•::; xäc £v xwi of/^ (7:a)pay.oXc'jÖc'j!jac 

£)::• ;£vr,c (yT/)? o(u)r/p(r;c)xiac. y.axa [x£v 

xb c'jv£-/ov öx'. Tipbc (•^)i^-ai; oüo' ojxö:; 

£cxiv Oävaxoq y.a05(cov) Oavaxoq ax£ |r/;G£vb; £'::atc- 
10 6-^7C|j.£V0'ji;, cux 3x'. x(o)ü y,£^cOa'. xa 

X£t(iia(v') r^ij-ojv £7ul ^£(vr(;). £'.x' o'jo£ (oi') 

«jxb ©£('j)y.xbv ob/. esx'.(v c'j)o£ xb y.xxa- 

Gxp£9£'.v £-' äXXco-/]!j.({a;) ou5£ oi' aj- 

xb x{;j.(;)ov xb et:' xr,? o?y.(£(ai;), wcx' £•. 

86 -fjpovTa za/.o-aOc'!a? erg'. domj). 

XXYI. ;i f. [J.ÖVOV Comp. 9 Die Worte zaOö(aov) Oävaro? .sind über 

der Zeile nachträglich hinzugefügt. 11 (10 o. 



336 M e k 1 e r. 

15 |JI,£V <pu(Y)aBsC Y£VÖ[JI,SV0(l ■:£A)£UT{b(c)Yj- 

|j.£v -i^ 5t' aXXr,v xtva «[^(lav 9i) Tzepic- 
taatv a(uv)r^O(y;), vx/ji S' a . . ya . . . . yj 

. £0V . . Mq oü /.aOöcJOV KeX- 

£)uT(0[j(,£V. OTrix£ Ya(p 

20 . Tuaii wvc , 

. . ava \iav. 

11 Bei >>o(Y07COt£t)v Y] . . T 

üffT£pov .... (x)aTaaTaat(v 

. uBeTC« i 

25 .... y;? i; .... X 

. . . . ira . . . aXXaT 

. . . Tspoy . . . twaict Yj . . 

Tov (piXwv (7r)ävTa la [j.l)6oujji,(£)vo)v 
v.oa TC£pt(aT)£XX6vT((i))v . Sta 

30 ... 0T£ TCu(va)vTlOV (tw) [JI,6(Ga)t) T£ 

. . vai. ....... T£t ... 710 .. . Mr^ 

TpoSojpO .... 8£(J T£V 

•/] Tcapa xao . . . 7rapiJi,£V£ 

X . . aTCO |j,ovT . . a . . cxcot 

.... TU)V V£y(ji) .... HO . . 

TclOO'J CO . . 



35 



to yTt[J. . . 

XXVII. Fr. 16 . . ^oua . . . Totq e9(Ö)6v£t? atcT! 3£ X«]/,- Col. IX. N. 

(36. I. b.)0. , ^ ,^ , , , 

TipoTEpoi^vJEtt; ooqav £r/£V {i)(;xa(i) toutoe? 

•/.al AeovteT xal M'r]Tpooa)p(o'. 0£(p)a'Ä£u- 

o|X£vot5 uä;' aXXY]Xo3V xal ÖEpaTrcUouat -a- 

5 (71V 'E7itXOu(po)v, 'Ep[JiapX(Ot 0£ X(z(t) TüSpi- 

0T£iXav-t xocl ToTi; Xsitiavoii; £ai£3p£6- 
OVT'. Tuac; av liiq) £0 ©povojv op.oXoY'i'l'Jct- 

I5f. CYTÜH M6No, (K.NHjMCNn. 17 C . . HG o, O . K^ ». 

24 A^riA n. 33 Ta o(uCT)-ap[j.c'v(a ? 

XXYfl. 1 TOlC^O o, POC<t) Ji. 7 li; von Gomp. ergänzt. 



riiilodcraos Ueber den Tod, viertes Buch. OD i 

iV. öuCk £3x(^t y.)«! -ouTO /.aTasspoixsvwv 
iid xa Y.y-k tou; [j.üOcuc, si [xy] vr, Ai'a 

10 Toüxcov y.al (xb) Ttoppwxcpov a(pi^cG- 

6ai Tupb? xcv (a7:o)Sc5erf[ji.£vov aij- 
TO'.? '/.aO' "AiS(o'j yjwpov xoiv 7rpb(i;) xyjv 
aS'.«Xr/|{a(v) . . . xat (x)b •äavx(a5(_b)0£v 
i'ffTjV eivai XYjv (oob)v -r;v st? "AtSo(u) /,ax(a Ato^- 

15 £vr/^. xb iJ.£v(xot) Y^ 3('j)(j0ü[Jia)(; £(x)£tv 

£-t XWV . . XOJ XpOv(lo(v x)0X£ 

/.axaGxa(c£wv) pwv 

XI c;UVX£V V£0 ... V 

oXov . . xa O'J 

20 G7U . . . (i)VX 

7 ./,.... X"^l ... . 

elaö^ouq a . . ^{oca .... 

acavYjxY^t 

vouO . . . a 

25 r^a 

'S 

. . . . 

. . . Tovxa vat .... 

. (i)v xuYX ^ /«-/(tlov 

/p)ovi'Coytj(t)? .... £cx(£p)-/;[j,£vo(uc X£ 
3<^ z,)«! 67:0 X£(cppa? 6p)(ov ETCYj'psäaot (xs'.;.».- 

svou^ Y.y.1 . . . . : y.xl y.(u)voßp(o)x)oug (s- 
ü)o[jAvo'jq . . . . . xo[j.£xa . . . vo)v 

, 0)'. ... 7.'. y.xxa 

.... |j.a vsyjv (xay.ct- 

35 VO £Vc(/A£'lV X£y)0'JGCV £(v'.0'., XcAS'J- 

x'/ji; ava^((ou tcoaXouc; T)£X£(u)x£vat (xwv 



10 nUPPÜTfPON o. 11 djioo. von Gomp. ergänzt. 

12 /üjpov von Gomp., 'Aio&j von mir selbst ergänzt. 

13 f. Der Ausspruch, bald Diogenes, bald Anaxagoras und anderen zu- 
geschrieben, bei Wachsmuth, Die Wiener Apophthegmensammlung, Nr. 33. 

36 f. in der Hauptsache von Gonip. ergänzt. 



338 M.kl.r. 

XVIII. Col.2 (27.1. e.) O. 7;p6(T£p)ov • ei ok tc VcVswXy.rdxevov Col. X. N. 

£V T(^t /.)Xivrjt %a\ Y(p)a(t)Stqu xpÖTrov, aX" 
a' ou/t '[xi^^ix peilovTa y.at £a-co|j.£Vot- 
-; TruOeuOa'.', /.aOaTcep sOoi; ivioi? TpaYw(i)- 
5 Bciv, aTCO'äXr/^i'a ttoaX*/^ tk; iaiiv " w? 

vap EV "Atoou TrpoT'.irriO-^aöixevot /.aöa- 
'::(£)p WyßChebq tcov 'TYj'AeSövi g'c(u)yc- 
p-^('.)' T£A£UT(i)VT(ov (^o)'Jt(i)(; £xoucri(v 
■j7c(b) T^i; oi.bia\r,'])iaq £7:iXav6av5[X£- 

10 vo(i) o'JTUOTc xaTa-/.p£tv£cv TWV £XA('.- 

':u6(v)t(i)v avai(j6-/;ciav ■::avT£Ar^[i] x(al 
Sta TOÜTO TOJt; ai7.t^O[j.£vouq tä A£i(];a- 
va y.(u>)(pYiv ya^av a£i/,(i)'C£iv [X£V£aiv£(t)v 
XeY(ovT)£?, 36£V ou S(t)a7.piv£t ^pEva? 

15 -X^CO '^* Tco'.YjTixa t(^(;) teXeut^i; eic; a- 

va'.ff(6"/j(j(a)v /,al avuTrap^'lav TravTa 
7rapa(irAY))aioj<; ä'Y(o)vTa, 7uAv)v twv [j.£- 
*/pt TT'. .. UT ..,•/;. t . i . T . |X£iX(ov)a zovov 
•J} 'hZT. . |X£vcv y.al T£(A)£av (av)aX(Y)rjG{- 

20 av 7ca(pa)(:%cua(^(6)vTu)v • &cze a(u)v- 

Y)vu)p,(y;) 00T£(a ß)quAot;.£v(ci)t 7ro)'r(£?) xa- 
-ua ';cöX(£)iJ.ov a7ro6v>^(j/.£tv, £? TrpoffßaX- 
X£i T(3(i ^)icp£t xay^ewq (fj t[)vi twv 5- 
[ji.oi(j)v (a)'!T:a(XX)aYY)(j£GG(a'.) tou i^^v, a(X- 

25 X' ou vö(acot) y.al zf,i Ta(pax^'?) . . . otq 
£5(,0iJ.£v . [^/fjVc (? hoypq ^e.- 



XXVIII. 2 -/.Xtv7)i ergänzt Gomp. und vermuthet, das.s hier irgend eine 
Reminlscenz aus der Komödie vorschwebt. — F. AAlCY o, F. AAKY n, 
wonach Buech. S. 295 i-j-cpor.o'i, ohne sich über den Sinn dieser Lesung aus- 
zusprechen. 

3 Nach Hom. X, 305. 7 Hom. l, 201. 13 Nach Hom. Q, 54. 

16 dvuT:ap^(av, da.s Buech. S. 296 durch Conjectur fand, wird durch o 
be.stätigt, wo ANYIInIIIAN steht. 19 HAdI o, HA6IF n. Etwa 

).£iJcdjj.Evov? Nachher Äva/.yrjaiav von Gorap. ergänzt. 

24 TOY o, POY n. 25 AOY . O o, AÜN «. 



Philodemos Ueber den Tod, viertes Buch. 009 

V/)ff£c00£('.). VlVSTai S' . . £T . . T(OV 

•/.al 7iap(a) ip'Xoi? T£X£UTCüa(i,Ä)at ToXXa- 

cov Twv (iv) ixa/a;? aX(Y)-/]B6va(; £zt- 
sdpc'JG'.v a'. vcco;. to 7(^3<p) aü cia^pctT- 
T£ff6a'. M-(iY)a ti y.al tc^; (£)7:r;ivo[j,£vo'.i; 

^aVTjCÖiJ-cVOV 0'JT£ (x)iv(£'l -(•)); TSV 

35 ou"/. £'Ä;at((j)0Y)a6jX£vov . . . ov . t£ . , . . 

vov(oXiY)ot<;? T£ ■7rapaxo(X)ou6£l! •:i:a(vxa- 
::aj(iv, £7:£t) TioXXot 7r(poß)aTti)v T(pö- 
X. Fr. 17 -cv £v -aT; :rapaTa(c)£civ aTCÖXXuv- CJol. XI. N. 

(35. I. d.) O. , . ^, , / V N ^ ' 

^ tat. Oaui^acTov o £'. -/.(at tjo'j? £V zapa- 

Tacet [jivov aTroÖvyjcT.ovTa«; utco- 

Xa|j,ßavouciv o'i [j,cTaY£V£(jT£pot Xaij- 
5 ■Trpov T. 7r(£)'!rpa5(£va[, (■JEjj.tcTOÄXea 8£, 

cv (p'/]c'. öouxuoiorj? vöcto'. "CEXcUX'^aac 

y.ai n£pr/.X£a xal |j.up{ou(c) yXkouq xcov 

äo'.cijjt.o)v 0L> vo[j<i^oug;v */at cpuffixco- 

TEptoc; £tY)y,i'ra;'ETr(-/.o'j(p)ov -/.ai ]Vl-/)Tpd- 
10 ccopov, äXXa By; */,al to'j; zX£t(ff)-oüc tcov 

9iXoTÖ^(i)v oü TCciOovTa; ('ä)ävT£c oi vouv 

7.a; 9p£va(<;) £)^ovt£c, a[j.u9'/^Ta)v Hs^wv 

aYVoou[;-£V(i)v wc aTuiOavov /.ai- 

TC. Xa[A7:(p)w(; £V [xa/ai? a7üo6avo(v- 
15 Tiov. £Y<o [J.£V Y«p oi[J-a'. (TJauT' cü 7iä(^v- 

TW? (£t)va[? , . (y.)aXw? £Vvo(ouvxt?) teX^j- 

Tr^aV.i iJia(x,6)[ji.£vov toi? ('KoXejiJ.ioic 

30 MONAAAC ». 34 a. E. TON u, CYON o. Ergänzung- 

von Gomp. 37 TzpoßstTwv erg. Gomp. mit Hinweis auf Diou. Hai. Ant. 

K. VH, 11 ::poßaT'j)V of/.r/V y.aTa'j-fä^ai u. ä. 

XXIX. 1 nON^N o, MONON n. -2 tf. s. Buech. S. 293. 

6 f. Thuk. I, 138. II, (35. 10 -AEfsTou? erg. Gomp. 

11 NOYN o, NYN n. Vgl. zu voOv AO.'. -fpho^z E/civ XXVIII, 14, 
XXXII, 19 und XXXVIII, 14. 15 -aui'? 



340 M c V 1 r. 

xat (oux, oi.)y.o{())aiov Tpöwov v. 

Sl £ TrCtYjTlXOÜ jJ-S 

20 .... ? oi,Tzo)'K'kri^iaq euyap • 

£ r,^ . . . . cp,£v 

p . , , . [o)i)ok 7i(^£)pt xr,q a 

. ;£io . , . . oa . . . xau 

. au au 

25 xa a . . . xa 

, votG . . . . [jieYicTOV r^YO'J 

T^(; o' au (a-q'Ke)o6^oq ej^Et .... (?%aTa 
AY;[ji.o/,piTo(v) . . . . xb ouaa)7i£(Tc0ai 

Sta XY)V oao . avx ixou 

30 . xac . . v.a\ (p)\Jaixo[pai)<xq ' y.axa(^(^epov- 
xat yap £''^1 (to)ioux(o) izd^oq üq (x)at x(ü(v 
[jLExa zir^q eha)<xp-/.io(.q (7,)al xoü /,aXXou(c 
ä7ro6vY)(ax6v)xü)v -/.ai xwv £/. 

xa)v xo '^? • • 0'^''' • • '■'5 

35 . lov v.al £p£t -/P'-w 

0£ xa 7i(£pt? X£A)£UXr,V .0 

. otaY/Su .... xr^OvjaoiJLEv . . . (x)axaxev- 
XXX. Fr. 18 ^(6\).e^ia. (■/.)al Trapa'TreixTCOUCiv oxt (tcocv- CoL XII. N. 

^ ■ ' ^'^ ' Ttq a\j.a zotq dq MtAcov s.h<jä{p)y.oiq oArj-ou 

[i,£V xpövou o/,£X£xot Yivovxat, xb Se 
TCEpa? elq zaq Tipioxac; avaX(u)ovxa[ cp6- 
5 GEt?' iJTra7.ouGX£ov §£ SyjXovoxi xa xo^i? 

£tpr([ji,£VOC(; aväXoY« xai 7r£p(t) x^? 7.a(y.o- 
y^^poiaq y.a\ au^okhiq zr^q Buc[ji.op<pia<;. (/.£- 
voxaxov xoivuv £cxlv xb AUTCEWÖat :rpo- 
optojJLEvoui; (x)}jv oü TioXuxsX^ xaif-Y-jV 
10 "/.al (7:)£(p)ißA£7u(x)ov, aXXa Atxvjv xalTcpoa- 

TU5^(ciua)av • %(a)xa(p£po[Ji,£vci)V '■(äp icxiv 
d)c(£i) y.aO' "A(;oou) ciafj.svoüvxwv (xoTq 
18 oü/. äx.oJaiov erg. Gomp. 29 ors-z^pxn-? 32 APHIAC o. 

XXX. 1 0T6 n. 2 eVCA .KOI o, 6YCA . KOX n. s T6 Ap. 



Philodemos lieber den Tod, viertes lUicIi. o41 

[j.£v Twv 7:oXuTe(A)wv, -olq Se twv (t)'j- 
/ovTGJv, xal ToT^ [;iv e-ttpaveiac eco- 
15 ^•^'''■'(Si 'co('rc) S'ä§(o)^(a^, ArjO-/;([)Tou ■rrav- 

p.r^o' civat, "/.«(i) xo'j-o)v elq Txq la^a; 

T)a [JL£V cd>xo(X)q (cu^{v.y.':oi.)YJ.EzQa'.^ xa ce 

c)uv(Ta<p)£VTa -/.oviop^T- 

20 w! !;v3V 

24 ?[xax)aptO(; 

ö XcY 

. Oatova . 

T£Tapa(Y[J.£vo)? £uoa{([j.a)v?) . . t£vt . 



«).■ 



S' ötTTO Vir aXkT. 



. -{0 CtV . . . Za . . £ . . 

•^0 . ov 0£':a)v . . a[j//;T . . . •::piöri .... 

. 0)1 Xa([j.)'Ä:pW(; r^ AiT(7jc; £^£V£)^6£VTa? 

Y() Ta(p(£V':)a; £7:((c)Ta7Ta(i)xat o(t)a[J.vyj- 
[j.ov£uo'Jc-tv c'jt' ('a)v äxavT£; (u)[j.vä)G[v 

v^ a)£Y(i)c;'.v 5 [rrjy.dx' tov i-atcO 

•^•'' . . w[j.-r; .... £7r(rj')£VY;ixa a a . 

. . ToS' a£ Y^^'' ^"^'•'■' ^'- 1-'-"') ß^XT(i- 

ov) £S^y;7£v 'H(cpacc)':ui)v 'E7:t/,o(u)pou 

Fr. 19 r)) IlXaiwvoi;, aAAa -oüvavxiov £- Col. XITI. N. 

(8. K. b.) O. ^ 5 . ,. , , 

[j.ojiY£ ooY.ei y.a/.ooaijj.ovo? civat 

£'Ka)p|J.a jJLaAAov, iav aÜTo; Tt? ETitcr/^- 

'J/a? y.)al (jatv/jtat xaT£c:7touBa(x.)o);. 

5 (p(a)ivov-at 0£ y.xl twv vs[j;.oÖcT(jjv 

ir, vi^NHC o. . P. NHC n. AAÜZIAC «. . . AHIAC 7,. 

IG a. Auf. TAG u,T s(: o. 18 AYTOC o, AYTOG n. 

2Ö nacli o, ^A^C n. 26 nacli h, ONON o. 

27 M. C^Y€NA n. 28 AAII^ >/. 36 ifpa o:>;'/V 

XXXI. 3 i7:i7/'.ri'!'a; habe ich nach Ott.av. geschrieben, rler (in den Ad- 
notatioups S. 26) IriazTj-TEtv vennuthet, S. 25 aber sinnlos ergänzt. AI vor 
OAINHTAI steht nur in o, nicht in n. Die Richtigkeit der Lesniiii' wird durch 
Zftihi VA bestätigt, wo wieder o aushilft, während in n nur ^IN übrig ist. 



342 Mokloi. 

vot Y-Ot). v.eY.i>)X\jy.ÖTeq ey. . , o) . . Oat 

Y.(a)xa. Txq -acpa«; Sia xo twv JIwvkov 
-)«(; y^pdaq a(f(a)ip£TcOat, roXXwv y.al 
■ 10 oia (pOovov toutcu Ta(; o\)c[i)aq d^a- 

vi^stv xsAsucvTcov. iotxact oe 
7.at T(T)V iStcoTwv cl /ap(£(v)Tc(; (e- 
7cta(x,)y^7CT£iv OTTW? av ehaxa.'kSiq (e^- 

eV^X^^K*^' ^O*' "fi^ccpwcjtv 

1 5 X'.yfkq Y.a(\ Yt)va)CXOUfftv ot(i [xy; cupcps- 

xa))oou?? i%aq(C)aq £V£/,ev x(outo ßouXov- 

xa)i? cuvx£A£'i((7)6a[ xat xoux 

..[;.£... Sia(xa)^£i 7.axa y,6[J.(xov . . . 

£a6ai xoT<; 

20 X , . (ov a 

24 UGt xcov 

25 TWt [J,£ 

Xp'.CtV£ 

xoxouc 

'Xt(xoJq) 7:£ptcx(£>.X-? 

youatv ojxot'wg 

30 io ok iJ.(r))S' oX(i)c 

£tv wv £V£xa cxa 

0|J.£V(i)V OU TTäVX 

£7uiX)u7rov? £7r(t)YtV£xat ^dp £j 

.... yMq iauxwv TCpov£Vo(r/[X£)voui; 
35 «xa .... •/)(javataff . . . y.o 

.... X£ ... [Jl.£ .. . !CJT/.Y VOU 

■/.)at xc'jxotc Xu7:'(]G£x' av . . . -rjy . . v 

XXXII. ^'"'- '^ '^'«J?, 2UX Exl xoT(; [j.cxd xy^v X£X£Uxyjv. Col. XIV. N. 

' (28. K. c.) O. ., \, . \- \ ^ - 

^ oxav 0£ v.q £u x£ p£p»o| tjy.(0i; Yji y.a: 

7 Gomp. vermuthet izzszuXtcyOai, wozu aber der Raum nicht reiolit. 
10 TOYTOY beide Ap., toutov Ottav. 

xxxii. 1 OYX o. 2 T( n, re o. 



Philodemos Ueber den Tod, viertes Buch. ö4ö 



30 



.' K.' 



cpiAoti; aqio'.i; eauxou 7.t-/yr^\}.v>oz, 'j- 

•/,c-/,wXu[j.£VOV zuyjXv, ouo' iXayh- 
■zr,'. cuVcSsTat Au— r,('.) "b [x-r)o' esscrOai 
Ttpbq lau-bv XoY'.^oiJ-svo; ■ m: väp e- 
•^T'-YiveT«'. ib /«'JTrTjpdv^ ouy. l'^'/J.''-, aA- 
Xa TOÜvavT'iov zäv. 0'jC£ yäp xb tLe- 



10 YS'.v Tivä- 7) TaAxt-iopiusiv O-oze- 

£('.)q aUVOCTTTSC Tl TO'.OUtO, ~WV 0£ JUV- 
«■TrTbVTWV OUO' £V TÖül !^"^V £7UtCTp£- 

xxEoVj ou/ oTt y.aO' öv "/povov oijo' £- 
15 TcaiGÖavofJ.cO' auxtov s'j3' cXo);; £a|ji,£V. 

(XAAa Sy) y.a' [j.up'!st twv v.al ix£Y3'.Xo- 
7r(p)£'7:(J5v 7,a; •7:}s(o)l»c7((i)v y,at o(u)vacTÖ)V 
-(a)(p-^c (ou)y. £'u(/)ov, o(ü? o)uo£!_<; y.axa- 
[A(£)[J.(p£(xai) y.at xaAa(t)T]:o)pi(^(£); (?)pe- 
20 ''(*)? ^'Z**K''') • • "ftz . a; . (x()c; ^^P ^''1 (>!■)«' 5'. 

£tA)"/;[/[/(£vo); £:-'.cx . . a; Gtuoav^'I/s- 
xa'.) 7:ap(aAAa)Y'';v £ Aa(-/ V!sxr;V (£)/_siv, 
ouyj ext ([j-£)Ya(A)r;V, (u::)£p Yr5(v -i^) üzb 
Y(^)v avaic6(Y5)x£(T)v ; r^ ziq, av o('l^ [Ji,)£xa 
25 xauxa 0'.7 x'.v('o); a?xia^ ^(uiJ.(v)M()r^('.) 

xa A£i'J^a(v)äx(iv)o?, B 7:oAXay.(i); (or)oa- 
|j.(£)v y^yC^^'^^^J^ o(ly,)Tphv -/iY^jaExat xbv 
oux ovx(a)5 x('!? 5' o)uy, av Tt£tc6£(Q-/3 (><■)«(' 



xobc x£(pt£)cxaA(;.£vcuc y.al (xo)'J(; (£)E;"^ 
xasouc (£i)q ä 7ro(x)c vc;(j.(^£t c-(xo;-/)£'t- 
a Trävxa; avaXuOv^c&aOa'. 5 y.svbv xo'!- 



vu)v y.al xb ty;v £v 6aA7.xx-^('.) "copi- 
•/A'i)y.'. y.5'.xa7xp(o)9Y;v ij.aAAov v*^ xy;v 




U KAKON o. 2G f. €AA M . Nf^fA o, hergestellt von 

Güuip. o"oap£V auch -£pl Os'Üv oiaywY^? col. 14, Zeile 12 (Scott). 



344 M k 1 c r. 

£v X)t[jL(v{)ci) y.a; 7r(o)-a(;,ö)i t6 (t)£ (£v)Ta5- 
35 0' a'7r)oßt(o'j)cOat? [/äXXov -J^ ty^v (iv [xa)y,pa(c) 

. . . y.oa) t(o)üto (Y)3tp uYpov, t6 (0') 0'::' i/9- 
üwv •/.)a(Taß)p((«)0)v]vai /£Tpo(v) . . i f . X . . 

S,X\1II. Col. 4 Ocv £-/£t ToD Yy;(i) x.£y,pu[j.[X£vov G::' £u- Col. XV. N. 

(29. K. d.) O. ^ -"'-,.• ^i ' 

A(ov y.a; ^xdV.r^y.wv r, y.£iix£VOv £- 

Til Y^"? '^''^^ '^^p2;, ÖTÄv Y- H-Tj"' ey.d- 
V(ov [J.v)T£ T3UT0)v arcOYjati; i]i ~m 
5 A£t<iiXVO)i, -( 3£T Scacp£p£(jOat5 [xa- 

■caiov 0£ xal xb ';:'jpYoüv '£v tueXocys^' 
XEY^vxa'xat xwt Atßuxwt 0£(5ia)'', utto (t)p(i<j5v S' 
Y5 Xcxxapwv aTTOäVtYV/V''!' ß(p)^ZÖ*»*'^ °~ 
xav £v TCU£A(a)) •^v)riT:o:f.. "äjwi; o' oux, ac- 

10 ~5/o)? A£YO)v 'Oouc7(j£u?' 'xpt? [j,axap£(: 

Aavaoi /.al x£xpay.tq, di xox' oAovxo Tpot- 
*/)(t £)v £up£irj(i) /aptv'Axp£i§r,(t)at 9£povx£(; - 
Giq y.od eywv o^eAov Öav£(£)tv - vijv C£ 
[).e "kz'J^yXhin Oxvaxo)t £'!:,y,apxo aXwvat,' 

15 oucTioxfJ.oui; EVop/.'Cev xob; £V xaiq va(u- 

[xixyyMq '::£pl xv^; Traxpi'oc? öcTxoGavov- 
xy.q 6)q tobe £-::'' 'Apxip.iafojt x.(al) ^aXa[j.T- 
vi /.al xoli? 'jc-£(p)ov %a\ [xeO' riiJ.S.q xau(xa 
7C£'.co[ji.£voui;; (ou) y«? '^xxov x(t) pi^oüct 

20 y.al) £c:((7)o[ji,£vo(t(jt) TCUÖicOat xwv £v nXa- 

xat)aT<;, £7:£iSyj x(d)%£iycov 7:(X£io)u? o?w- 
v6ßpo)xot xai y.uv6ß(p)a)xoi y(^T^)'^'^('^''' 

34 XifjLviw erg. Gomp. nach o, worin GJ sicli findet; IM und nichts 
weiter 7i, wonach X([Avr] Ottav. 

35 SV [xx/.pcc erg. Gomp. unter Verweisung auf das von Sauppe zu 
Philod. de vitiis 1. dec. p. 25 über diese Wertform Gesagte. 

36 f3f. vgl. Lucr. III, 883 ff. — 6;:' t/Oüwv hat Buech. S. 294, zaraßpro- 
6r|va'. habe ich ergänzt. Am unteren Rand der Cohimne ist a(Y)aOdv bemerkt. 

XXXIII. 1 oOOsv (oder [i.r)0£v) l'ysi scheint nöthig. 

€ 
8 f. OTAN n, OKAN o. o nVAA Ap. 

10 Hom. E, 306—308. 11 TOT o, UO n. 

13 Hom. £, 312. 19 f. vgl. XXVIII, 3 und Buech. S. 295. 



Philodemos Ufiber den Tod, viertes Kuch. d45 

25 e(^/ey/,o(. c'Jv/jOajv ttasov:«? (Ta)90U5 (e- 

^ •Az{iyfouq ijAvzo'. (v)yj tov A(a "/.«('.) d/SY^-'' ('*< 

•/.(a)y,ooat{Aov({Q£tv cp'jcf/.bv y; toü; 

o(:)a 9iAoy.£pBi(o:)y (T)bv (a)-avxa (ii)bv i7:('.- 

7.'j;j.a':t'(ojj.£v(ou)? y.al c:a touto ^^(ts 
30 ß'j(6'.)^o[;.£VO'j;5 (a)XXa to sy;v o'.(y,)Tpc(v o'j- 

^(a)); ? a'jtüiv, oux o OavaToc ot' oux, ly. ^^»(Tpi'- 

S(o?) S(i' av) af/.a(ia)? (jlsv y^pv.y.q ttassv- 

Twv, ~'y/rli) 0£ aßouA'r^TW. Guvwj(pr,3av- 

Twv süocT£p(a)v), aX/vOK 73 [J.yjS' £q a- 
35 vä-j-y-Y);; toü y,a(Ta)aTp£9£iv IvO' av 

'^^r/. Trivouc lc/_(yp)o(T)£pcu; £TC(tcp)£povT(o(;. 

';:)äAtv Srj Guv(Y)ywcTov a(v) B6^£t£(v 

IV. Col. 5 cTvai TO AU':r£Ttj6ai [AiXAovTa y.aTa(7T(p)£- Col. XVI. N. 

(30, L. a.) O. r) .' '- ■ -■ 

^ ' GS'.v pia'.o);; u'TTo 0'.y.aGf/;p'.ou y.aTa/.£%pt- 

|j,£vcv v) O'jva'TO'j, y.aOiTTsp c \\dua\i:r^- 

or^z, y.ai 2a)y,paTr,g y.al KaX/acOsv/;? • £C- 

5 t; jJ.Ev vap a;x£A£'. twv äv^v TapaAÖ- 

-/wv y.al a-av'.oKaTGJV TCöpt cocoy; äv- 

opac, cu)^ ÖTi Yoyv £V£pYouc( -t twv e-.c 

zz\yz avwYwv, aXX' ouoe x.oivoTYjtac -a- 

p£/0'jGtv. aAA' £7:£t0'/^7.£p ouy, aoüvaxov, 



10 £Tl §£ [AaXXov £7:1 TtSv (;.Y) T£X£l())V TCU- 

To G'jvy.jpr^cac, to [;.£V aS-<^/,Ta)q £y_£tv y.a- 
ta zav oü pätB'.ov, -rb 0' £voxAr,ft£VTa 
Travj |j.£-aio? toT; bAo('.)<; Y-''''3:{a); •j('::)o- 
o£p£iv £?£aTtv TOI? t(oi)outoi5 SiaAo- 

24 Zu 9iXo[i.aO(a; vgl. XXXVIII, Z. 8. 26 NOYM^NTO ii. — 

Y^riN o. :n är'? — a. E. aCFA o. Dies und das Folgende bis Z. 36 

im Wesentlichen von Gomp. hergestellt. 

34 OYA^rCP o, OYA^T^Y n. 37 CY. . . . ^TCIC n. 

XXXIV. 1 fl'. vgl. Buech. S. 294. 
Sitzungsbei-. d. phil.-hist. Cl. CX. Bd. IL Hft. 23 



346 Mckler. 

16 ^[iaiJ.öiq. oiav [j.ev ^(äp T)t? evoxoq tbv 

xotq ÜTub 7:\ffioj(; •}) S(uväa)TOU /.aTay.p(t- 
Osictv ai!r^(p)oI? TüY<(/)ä(vr)t) xy;? xaxacj(Tpo- 
9YJ(;, a6Xio(t [J-)£v £c(ovt , a)XX' oxi Cäiv(T£<; 
Tota(6)Tr,v S£Sia(ct luy/jv), ou^ oxt t(£- 

20 X£ur/^ca(j(t) /.axbv (£C7Ta)i oia tyjv a- 

So^iav. 5(T)av Seit: .... /.aAwg v.(x{\ 
xavToq GTC . ou .■/,a0 . . . t £/. cp06vou 
xai StaßoA(^)? y.at 6(pxtoiJ,)o(j(a(; avöpw- 
•irwv T:('aiJ.rov)-(^pw(v §ta T6)y;/]v Toiau- 

25 TY)V S(-/))y6£t? ouajJLO ouaav xpoc . . 

o)c (|j.)aXXov Y^ Sta voo-(ti))v ei'Sy; 

7£t)[j(.ailo(v)Tai;? o o' £t(x6T)(i)? xet 7ra((; y- 
vaTc(T)ot o?a(T)pü)[i.£voi; u']T£pav(i) y£- 
V(](j(£t') auTwv, Tov §(e) xpöxov ir^q 

30 T£X£UT7i<; o(u)'C£ xaö' (auT)bv ■qfqQeTai 

<L£XTbv 7^ TaX(a()7U(opov (ou)t£ oiä To -ou? 
£'^(i)0£v äv6(p)d)':t(ou;) G7:(o)Xa[J.ßav£tv 
Sta TO [xv^T£ Travxac oXeaBai [j.v^t£ 
tcoaXous" £1 T£ xat ■:ravT(£)(; £v6[ji,t^cv, 

35 'o S)£ xrjv auvYVwatv ei^sv xac ty]v 

C(j)Y)v a(v)£Y(7.)XY]T0v xal [j,axapiav 
av . . ■zi(ja£ . . w? s'^ctv aipcptov a 
T . . pcov y.a(l o)u (jiovov au(xb)v Ivxs- 
/.)u(p)Y]X£vat, (^xo)ü(p)yov oüy, evo/AeI * xal 

XXXT. Col. 6 yap (jLUpi'ou? oISe xal xwv ETitcpavscxa- Col. XVII. N. 

(31. L. b.) O. ■ , ^ ^ -,- 

^ xwv i^öovwt 7,at otapoA^i ':i£pt7C£(j0v- 

xag (£)v x£ B-<^[ji.ot(; /.al irapa äuvaaxat«;, 

u-xb §£ xupavvcov y.at xob(; apicxout; 



23 opy.wixoata; von Gomp. ergänzt, der an das homerische xXsTiToauvr) 
6' opzw x£ (Meineid) erinnert; O . . . . OCIAC o, C . . . . OriAC 7(. 

24 rYANC . HPÜ o. 25 A . C«IC o. 38 0M6N0N >,. 

39 xoupyov erg. Gomp. — ^N0XN6I o. 
XXXV. 1 aA€ n. 



riiiloderaos Ueber tlen Tod, viertes Buch. 34/ 



5 [jLxX'.ora y.al ßa[tj(JiA£T? 67:0 ß^ciXetov, 

TiSiGcTa'. 5e y.al to'jc y.aTaYyivTs:; i'v 
T£ T(ü'. TTav:": ßiov. TST'.jx(opY;a6a'. Trpb? 
x-r^q £V ajTcT; y,ay.ixc y.at of aÜTSv [j.s- 
Tai^.sXciatc TTOAXÄt; oB'jvr,CccOa'., xa- 
10 ya ol y.al y,cXac6Y]!7£G6a'. our/specTs- 

pcv 'jt:' ä'AAOJv. syto 8s Oauj-z-av^o) twv 



30 



aßi(t)TOv r,'^0'JiJ.iwi>)v ~o /.aTaYvcoc 



0"^va'. y.al Taut' oü/ j'::': cTrouoaiwv, aX- 
X' u~b /ctp{!JTO)v av0p(i)7:o)v, [j.ä/.Xov 

15 oe 6'^(p)t'(i)v, tl [j.ay.apKo; •^y^^C'')'^'''' ß-~ 

ßtojxsvac y.al ßiwcscOat tcu(c) 7ca[j.xo- 
vr,po('j); \jA'/, aTCoX(u)o[i.£vouc os Staßo- 
Xwv •}) [j.r,86Xw? 3taßaXXo[ji.(£)vou; 
Trapa -coTc ToiouToti;, In S' si [j.(r() voi/.i- 

20 ''^ Cou3iv (y>.)a(l) twv (j'povqji.a}(T)a(Twv) tov 

ßt'ov £iv(at) xaXatTCwpov, s'iTcep £ij(Tt) aup.- ■ 
^opa[t] 1(0 YOv£aOai ':r£pt7r£xrj TOi(q) T0106- 
TCtc, •::poXa|j.ß(a)vovTai; i'cw^ £C£((j)9at y.at 
TTSpl £a(u)T(o'J{;), £(7:)£iSyj xüy;^? £t(ff[)v ep- 

2ö YOV. o'j(xOi) 3' seil TTICTOV TS Y-''('')<5'-i*»>!; 

O'jVÄsOa'. (5cp£'.)v Ta TO'.auTx To(l));; ap£- 
':('/])(f6poU(; löJv (av)opo>v, a)(7T£ y.a(l) xwv 
{o'.u)T(]ü(v) 7:ap(£cr)-'.v 0£(jL)p(£Tv T)tv(a); ou- 
y. £uXc(p(oc [^.övov uT:o$£povTa((;), aX- 
/.a y.a: y.(aT)avwTiuO[j.£Vou; wv 3t- 
aT'.Ö£v:a)(v) . aYap£ 2(oy.pa'c(r,?) y-al Zr,- 
vojv c'E(XJ£arr,(c) y.ai'Av(a);ap/oq, w; t'.ve; 
'.crx(c)po'j((j'.), y.a(t t)'.v£? aXXo'. twv cp'.)>OGO- 
j (f'^aavxo^v. x6 ye [rr^v £7:1 xiot Trpcq 



20 — 24 im Wesentlichen von Goni]). ergänzt. 

PI 

21 BiONar«, BiON^T«. 22 neneTH Ap. 25 ccTine . . n «. 

33 ''aTOjvOj^i erkannte sclion Riiedi. 8. :iif^ in n. 

23* 



348 Mckicr. 

35 |xr,3£v(b)(; (o))vW? |Avr([j,oveu9/^(c£(7)0ai 

BrjY(ji.(öv t)'.v' ävaS£X£(c)öat 9Ufftx(cv) £0i- 
y.sv £Tv(a'.) • '(^liiifiq yap ivio-:' ot.cfiXo(o) xai 
[xyjSev (aYa)6bv s.'zyjqvMac, i7:i-^i(^Yr,- 
[i E(JTi(v • £a)v (S)£ T'.q £(u ß)t(t)ca? xai (xp"/)- 
40 (7a([j.)£vo(^) ehvoiOLiq ('^)'^(x)t<(') "'•''• ^'^vC^-'^- 

'iXXVI. Col. 7 p"'/<^'i(')5 "^ou? £YV0)/.6Ta<; a'/eipr,i . izxi Tolq Col. XVIII. N. 

(32. L. c.) O. „, '5.' '-^-^ 'I ' /v \ " 

^ OKOiq ou2£V eAA£h1»£1 ' /pEiav YiO'P) ^"V-"" 

[i,£V TWV C'JV£/.':iT03[;,aTWV (o)uX £V£- 

y.£V auTwv, aXXa t^i; £uBo/.ou[j,£vy)(; 
5 ^w^; -^t Tiicpu/.EV £7:tYi''£a6a([) • StoTuep 

äv £X£(vr] cuvt£>.£<jO^(i), tou [xyjSev 7:pb; 
Yj[j.aq ou3' £vvoou[;,£vou '{erqaz'zaa 
(fpovTic;. ol' S' £0ixa5tv 6ouvr,pov r^YE'ia- 
Oat TO [ji-E-ca lYiv ^cor^v a[v][;,vr,[;.6v£u- 
10 Tov, Yjvi'/,' oijy. Eiciv, £7:1 Tr;v Iv Ttot E^'^v 

acppovTicTiav Gt:' ayOptoziov y,aTa(f£- 

p6[J.£V0t. AYjpOUC'. S' cDX(i)q 7.1X1 TY)V Es' oli? 

Sy^tcote Oau[j-a!^c[jL£vot;; u::' avOpwTrwv 
[j.vr,tji.Y)v EÜSat[j,ovi!^ovT£? ■/^xti; £■;:«- 

lö /.cXquöeT 'Q^caq TaXa'.TCwpott;, aAX' o(u) [j.i- 

v^v TYjv so' olq d7:£Xau(£)v Tiq ayaf^oiq ' 
aXXa |ji,Y)v £t auixcpopa (to) [xy] [ji.vr)[j,ov£(u- 
£c6at, Tobi; (jt'^'kdciQuq •^(Y)r;T£OV Oiy.':po(uc; 
Y£Y0V£va(t) Twv u7:ap^a(v)':o)v ä^' o(u ^r^- 

20 ''^°)T? Xpövo(u) [j-(v)-r([xrjq y^^uoO*^ (it u- 

'::)d.pyy?, ä':i(a)vTa; Se T(cui;) ■::p6t£po(v), i- 
'Ä;£i)SY^':r£p (ouSJEt;; ouO£(v l(j)Tsp(-rj)c£V (dvÖ)p- 
w)':ro)v, o'j(x) av iX'6avq(i)[J.£V Be y,(al 7u)a(v- 
x)ciq äT:QMq) tou? YEY0v(6Ta)c; (te /.al) yE- 

35 vAUC o, lAüC «. 

XXXVI. 1 Vermuthlich ist xoli; Eyvw/.oTa? äv tupr/.oi -/.ai zu lesen. 
2 yap mit Ottav., h. P steht in o. 6 AN o, AI n. 

8 ff. s. Buech. S. 292. 12 AMÜC n, was Ottav. mit ,quodammodo' 

wiedergiebt. 19 ot^tcote erg. Gonip. 



Philodemos Ucber den Tod. TJertes Buch. 349 

25 v)-^cc;jl(£)vo(uc) h -m: 7.i(5);j.o): * c . . . . £V- 

oc vap (o)uo(£')c ;r,'y;;j,o(v)£'j 

X-^t: . . aXXa tov. -/.äv-co . tto) . . . , (■/.)av 

TTavTsc aÜTov "j'::ovowc('.)v p('. !j.£':a)Ye- 

v£5T£pct [j,ay.ap'!wc ev/]7.£v(a'.. oh 7.£)y.0'J- 
30 ?(0">'-<»^; £(r:a(t) ty]? aOXia? ■(«'.•/^(c;) ... es 

T(ri)v £7:'.voYia('.)y. -ra 5' avaXova /pr) c;£'.X'/;- 
"T'fljEva'. y.al '::(£)p'- tou o'.ot'. Buc©y][ji,£(T)c- 

Oa'. !j.£XX£'. X'jroj;j.£vo'j toüt^cc ■:)£ 

y.al Tot? 'J'::s(p) täv ß'.a{(.)(r) ä'x(oOvr]7)v.cv- 
35 Tdjv zlpTiiJ.ho'.c y.y). ~£p(l t)ou 6(p'/)vou)v- 

~oc CT'. TO'ji; y.Xauco[x(£)vou(; o(uy. £07)£v 

y.zi Tolic £'::'.'CY;r^oov(':)ac. e-'/iv (es v.T. 
^':('.)v£: y.al 7:apa'7:(X)-/;7'.(o; T)o'j':(o'.i;) . . . a 

::(avj) av(6Y;':o'.?) y.y. 

40 ■: . . a £ . . . . y.x'. 

ni. Col. 8 . . -iX'.v xa- a!:(y)Y;;j.6v(.); -.z /«•j::o'j;j,evcc; Col. XIX. N. 

(33. M. a.) O. - ' ,, ^ ^ V -. , . 

' -p'.v Y^ s'jvaTSV c'.y; taut ava;j.a/^£cy.- 

cOa'., y.ai y-aO' v/.y.z-.'j') /p6vcv £• tojt' £- 

TT'.owv 7£v6;/£V0v xT:£Gvr;!:y.£v 'ojy. av 

5 £Z£r:p£9i;j/^v -rv;; T£/>£'JTy;?' Xi^tov, 

y.ä'v. £• OsXc'. t;;. s !J.£':' iXoo'jpi^.ou ßocov 

'sv*'^ l-'-^'' ^■''- "^-'■■' Cw'''"<^'>''' a'pop.a'. y.at 
■rrcXXay.'.c, ävaöa -rosau-:' s/cov y.a- ou- 
va;j.£voc azoXx'jc'.v, 5 o£'iv7. 5s y.xl 5 cs"- 
10 v)a r.tp'.ic-:7.:\ v.y': ^ap ßXETETa'. c-.' wv 

ö \}.bf T£6q£Tat ::apa;j;j6{5:;, B 5' ohck 
■::pS7cpwv/;7£a)q äc'.o)0-f,7£Ta'.. cjveXsv- 

31 TANAAOrA Ap. 

36 Erg. von Gomp. oO/. sX'.-:v Ottav.; auch oO/ Ejpev wäre denkbar. 

XXXYII. 1 äcr/r);j.Ö7'i); Gomp. Herrn. 

2 nPINd Ap., verb. von Gomp. Herrn. 

7 f. Gomp. vergleicht Plato Apol. 30 c oüo' e; a£X/.'o r.oKko:y.:(i tsBväva'.. 

9 AH NA an beiden Stellen Ap. 



350 Mekler. 

T(t) S' stiüsTv, d(7r)£[pifjix£va)v Töiv ixäXtcTa 
£t)7r£iv ä(i)Ot(j((x)£vcov, 0'J0£V 7.3f:[aT] £::£{- 

15 y)£i tä? Twv zavTooaTcw? aoY;[j.ovo'JV- 

~)ti)v xa; p'.7iTaLO|X£vtov ■äpotpäcö'.i; 
£y,-£ptoB£(6)£'.v, s! -/.al {-/.^xib. xo t.{ol)^(x-k\- 
I 'rc(T )ov aE(t)oövTat Acyo(u). xb Tot'vuv ouv- 
a(p)7:Ä£(70a(t) Oävxtou •::po-'::(':rTOV- 

20 ''^(^)?i *''^? i~poc;(c)o-/.-/5-:c'j T'.vb.c /.a; ■Ä(a)px- 

o(ö)^ou cuva(v)T(ävTo(q), '^(ia£T)v (!Ji)v 
o'j(/(, Yi)v£Ta(t S)£ 7:£pl toI»; -A£{ct(o'j)(;, 
a-(yoo\iv(x')iy.c, ov. r^q avOpwzoc, y.(a)v 
i(;(yJ'jp6'C£poc ^(t) twv TtYavxwv, ijp^riiJ-)^- 

25 po? (£5)t'. T:pb? ^o)y;v /.al (t£)X£-jt-/;v, y.a; 

as(-r/A)5v £(aT[)v oj to aj(p'.)ov ;j,iv(c)v, 
aXXa y.al (to (rS)v.-/,y. c-/^ • ('::x)vt£c 7ä(p) a- 
Ti(/'.a)TOv (ttoA'.v) T.poc, 6a(v)aTov oiy.ou- 
.u.sv (y.)a! zav(Ta) y^H-^' ■Äo([)r(Tr/.o)v a('j- 

30 "ccu 7:apa t£ t(y;)v s'ja'.XYjv !:'J(jTaff'.(v, r^- 

[xöiv oÜTCoi; a((7)6£vwv ovtwv y.a(i t)^^? 
C/uxr<(; £TOt(|ji.o)TaTO'j!; ':r(c)pou<; £i; (e)/-- 
TT^OYjv £)(oüa(r3c), y.at tcu (-)£pi£X2'VTo; 
a|j.a Tv;'. vr/r^i h.ay,^'<.QeisiC ■qiiwf a- 

35 ixuOr,Ta Ysvv(ä))vxoc y.ai zoXXay.t; «[xa 

vo'/]([J.)aTi -/ai ■^rcvYjp-a? ävöpwTcojv, x,at 
Tau(T)a Y.cd 7ca(p' a'j)-cou(; ou(ff)TÖ7caaTa /.od 
7ca|j,7roAA' 3a(a) TCpo'J£Z£C!7<j>opO'j7Y5(<; * 
wax' £1 [i.-»^ xi? £((>)~tv (£)yx£A£axaxo? (£)i(c xb 

40 a)6yov r,^{eiaOx(i), y.a(t 'Ä;)a(p)äBo;(o)v oü- 

22 a. A. (Y 0, von Gomp. Herrn, zweifelnd ergänzt. 
27 ff. Metrodor zugeschrieben bei Stob. Flor. 117, 33. 

M 
29 rCNa Ap. 32 YO . HC n. 

35 Hinter a[j.u9r]T« verraisst man aVna oder -apaa/csuaa-ct/.ä, wie Goinp. 
vermuthet. — Sfxa vor;[j.aTi] vgl. Epikur Journ. of phil. XHI, 298, Scott pap. 993, 
col. XVI, fin. TTjv Y^'veaiv xjTtöv ajjLa vorjij.a-:i jjjj.,3sß)'iy.cv a-OTsAET^Oai und im Brief 
an Herodot D. L. X, 48. 



Philodemos üeber den Tod, viertes Buch. 351 

111. Col. 9 •/. £? -£(X)£U-a(t> -'.:, x/j: d gia[X£Vc'. -poq Col. XX. N. 

(12. M. b.) O. . , ^ s> > - 

xal TspaTwcssTÄTov. ev'.ot 3' o'jtwc 
eiciv TSV ävOptoTT'.vcv ßi'ov ■::apa)(v)Y]y.6- 
5 Tcc, oü yjjoodo: [aovov, aXXa xal toJv 9;- 

A0(70<p£Tv By) X£YO|j.£va)v^ to7'r£ xal §'.- 
a(Ta)TT0VTa'. locauTa [^iv ir/) otaxpei- 
6£iv WGr^VYjtT'.v ctXo;ji.a0oijvT£c, Tosau- 
TÄ CS Tr,v 'EXXaSa y.al t^;; ßapßapo'J 



10 



:a ouvaTa 0£(»)pO!jvT£c, -zogoiutt. ze 



■zx Twv YV(j)pi[^.ii)v • acpvw 3' aipavTcv 
Trpotjdßa [J,ay.pac «©aipouixEVov eXtci- 

15 X-^so)^ 3(ti) ouvata'. -xv ■:r£pi7:ot^!7a'. 

T)b 7:pbi; £'jSai.aova ßiov aÜTapxcq, £Ü- 
6'j? Y^or, TO XofÄb(v) £VT£':af'.aa|ji,£- 
vo; -öp'.TraTsT /.«(t) tyjv [J.iav '/ijj-spav 
cbc aiöiva y.£pSa(t')vc'., 7:apatpou|X£VY;? 

20 §£ OÜT£ (ij)T£v(a)i^(a))v zQ) OÜTW? £XX£t7r(o)v- 

T! toj y/p)a-(c'iOu ß(t)ou auvaxoXou6£T (to 
7:£)pac fjO'^, y,a; tyjv ey. toü xp(6)vo'J 'ÄpccOr,- 
y.)-^v x^'.o(X6Ya))? ä(';:)oXaßa)v (bc 7:apa§6- 
^a)(t) G'Jvy,£(y.)'jp"/;xo)c £'jTux'!a(' /.)«• y.a(T)ä 
25 t(o)üto to 7upaY[J.a . r^v £'jya(p)'.!r:£'i. ttä; 

0' y.r,c--/;(v)wo*/):; /,«(! Y)£pü)v (y)£vÖ|j.£voc 



XXXVIII. 1 Anders Gomp. Herrn., welcher die dort gegebene Ord- 
nung der Stelle nicht mehr anfrechthält. 

7 AIATTONTAI Ap., berichtigt von Buech. S. 290. ' ' 

12 ti". Fniü-in. trag, adesp. 100 Naiu'k, vgl. Buech. S. 280. 

16 f. OYGYC ». 20-6NIZON o, dann (AA6I RUN Tl Ap., 

beide.? corrigirt von Gomp. Herrn. 

21 f. nPO ^AC-LAH o, nPO ")A . . AI //. ,Icli vermag keine 
gelindere HersteUung zu linden' Gomii. Herrn. 

25 HN o. Gomp. Herrn, vermuthet zweifelnd aj/su/apiCTiet, ich habe 
an {r.pxf [).'') «/.[xriv (= ?t'.) gedacht.' • - ■ ■ 



352 Mekler. 

ä'fvM(iJ.)r,i6c, £(rr(t) toü Ov(v3)toü y-cu (£- 
■::(t)y.if^poi) (t^)c c\)<;':i<7{t)i>K, v.(x\ (■Ä')[Oavcv (tjv- 
£("1)7«'. X£Y(e'.)v Tov (pa((;)/,ovTa ■rapaoo^ov 

30 £(T)va'. 7£p(o)yTa 7.uße(p)vv^r/;v (QosTv -/.al t(u- 

p(av)v(ov), oöx7;(Y)£T':a'. oe 7,(a)l':b xotvw^avOpw- 
7:0V aXXa /.al Xot|J.'.("/.)ü)v-y.aT£x6v:u)v (0- 
a(va)TOV ou xpoaooxa(i), i^-aXXov o£ 7.a't y.a- 
Tot TT]"/ a.oi'xkrir^TO'f «popav oüol ri^v ä- 

35 9avx7'!av a'::£A'::tv^£'., y.aOa'XEp ejtI ct,- 

Kzc. apTt /,('j)'::ap{T':o'j? ©uteüwv 'av). tzz- 
p\ 060 yjxk/M'f aTravyoj/Evoc y.al Oe- 
jjLiX'.a 7.aTaßaXA6[;-£vo; o(i)y.r,c£a)v 
3'j(y.) Et? x'^'o^'^'o'' -"^c? £':r'.'r(£)A£cO-^va' 

•vXXIX. Col. 10 3'jvY]7o;j-£V()jv. y.aiTO'. Tj; ra6(Y)) '(au- Col.XXI. N. 

(13. M. c.) O. ^ , , „ „ ,„s . 

Ta cia2)£p£tv 0U7. av tu; sitis'.e 'C)('JJ v(o- 

|^.('(£'v uaX'.va 7.ai 7.£pa;j.£a T/.z{j-q 
ff'jV7.pouovTa 7ca;j.7:6XXou? y^povo'jq 
5 acap-avTivot«; avA'cav.xa oiot,\jA- 

V£[(v). aXX' £o(y.aat ota to tptXoi^wcov 
£/, Toij 7ü£(ppty.£vat Tov ÖavaTOv, oh 
ota TO ßtouv '^OEw?, 7.ai Ta? ETUtßoXai; 
Toc? £-"■ auTOV e^wOeTv, eTO' oTav evap- 
10 vYj(; auTOu YEvr^Tai 9£(»)(p)ta[:], TcapäSo- 

^0(; auToT? Gtüotcitcte'., Tuap' vjv aiTiav 
c)u3£ oiaÖT^vca«; -jTroi^ivovTEi; Ypacp£c- 



28 f. ^gyeiia'. A^yaiv iincl 30 f. losiv y.al TÜpavvov erg. Robert, Hermes XII, 
508, nach Plut. sept. sap. conv. 147 BC und de gen. Socr. 578 D. (T. : P. 

e 

NOYX «, gleich schmales Spatium nach P zeigt o, wo übrigens jenes fehlt.) 

35 AFltAHlZCI o, Afl^AYT . -J n, welclf letzteres schon Biiech. 
S. 290 berichtigt hat. 

XXXIX. 2 Toij Buech. S. 290. TO Ottav. mit n, während o zwar nur 
einen Rest des zweiten, aber genügenden Raum auch für den dritten Buch- 
staben zeigt. . I 

3 YANNAAp. 

10 e£top{a Gomp. Herrn. G^CJMAI 0, G^UNAI n. 



Philodemos lieber den Tod. riertes Buch. 3.')3 

0)«'. rzzp'y.y.-zy.'hTiZio: -'J.-tyoyr.y.'. y.al cl- 
c) £;j.oop£Tv avav/.auOVTa; 7.aT(a) A*/;- 

lö ,y,ö/,p'.TOv. 0'. CS optrf^pz'.c 7.(5!v) o(')ä t-.- 

voc aiTiac yMcc^'j-ah-c ay('j'::o)vc-^-:o'. 
^svwvTx; Tou Tay' »jo'/j 3'('jv)y.upr((7)£'.v 
rr;v -o'j ß('')o'-' 'apa^paoT^v, (o)Tav sv H^.- 
axT'. vcvYjTa;, 7:£p(i)oc£6cavT£c app-/^(-/.- 

20 "WC TsT; aYVOOjy.v ocj':a(T)x v.yX -o 

zx)v':tov ä::cAt(X)Ä'J7.£v(a'.) y.z' ts 
Tfs)^^^.'^ zjtojc £('::'.)Aa;Aßav£'.v ä(v)a'.7- 
0(-r;7){av o'JTco; y:/,y.~y.~Xr;/.~biz £/,t('.- 
0(£Tjt)v, 6)t; £(?) -r^cs -rbv £Xä/('.)c-ov y(j?)i- 

25 v(o)v syAcITToucocv ss/ov Tr,v £Z'|jOAt,v. 

L. (40. M. d.)0. OIAOAHMOY 

n^PI OANATOY 
Ä 
A 
5 HAH\ 

7£(X'o)£q £y.a- 
Tov o£y.(a) o/,T(j) 

O'.C ... 



13 51? j'j.'foosTv (so w, €M06P^IN o) Gomp. Horm. 
•23 f. izT-.OsrTiv Gomp. Herrn. ^KT^N^ . .^l o, ( K . . ( , 6 (in fiss.) . . N «. 
XL. 4 und 8 fehlen in o, ferner stellt A in Zeile 5 nicht völlig sicher: 
Z- o, ^ ?i ; doch liegt kaum A vor. 



354 



Müklör. Philodemos Uuber den Tod, viertos Uuch. 



Nachtrag. 

Nochmaliger Durchsicht des vorstehenden Textes von Seiten Herrn 
Professors Gomperz verdanke ich die folgenden Bemerkungen, welche nicht 
mehr an Ort und Stelle Platz finden konnten. 

21, 9 y.x/Mc, ij.aX' (oder r.irj) oXoti-vi? Gornj). Hiezu mag 29, 27 ff. ver- 
glichen werden. — 22, 12 ff. /«piv yap toü oiairjpsTuOai xouvoijia xaöeüos'.v 
£'?£ai:iv . . . [Aupitov, jjLa/.Xov o' aTzeipcov xoT; auTot? ovo[J.aaiv TipouayopeuofAcVcov war 
mit Gomp. zu schreiben, der auf Iph. T. 695 ff. und das in seinen Beitr. zur 
Krit. II, 10 f. (Sitzgsb. d. k. Ak., ph.-hist. GL, LXXX. Bd., 754 f.) dazu Be- 
merkte verweist-, vorher wird wohl nichts übrig bleiben als (j.rj xaTaXsfTUEtv 
.3ia8£?d[X£va zusetzen, oder, da der Raum zu beschränkt scheint, <5io(5o/ou?. 

— 25, 12 deuten die Zeichen auf ßaio'v, ein Wort, das Philodem auch sonst 
gelegentlich sich gestattet; doch weiss ich auch damit der Stelle keine be- 
friedigende Gestalt zu geben. — 25, 38 vermuthet Gomp. -^uai/'.oT'? orjyjj-oTi;, 
womit z. B. Z. 8 derselben Columne verglichen werden kann. — Zu 27, 8 f. 
y.atacpspojj.^vojv i::! Ta /.aia tou; i;.ü6ouc weist Gomp. auf Epikur bei D. L. X, 87 
i-'. Sj -bv [xuOov x.a-appst". — Ebenda 12 f. ,Hiess es nicht xwv r.phi; ifjv aSia- 
X/j'^iav ^{veTai toO ;:., die mangelnde Einsicht in den Umstand, dass etc.' Gomp. 

— 32, 20 f. Etwa yp^va? l'/wv [jisipia;, sodann oi£iXy)[j.[A£vwi; ETüiarap-svo^? Gomp. 

— 33, 23 f. schlägt Gomp. vor: tou^ aKo fik. s;:avaYO[x^voui; ^ h. auvrjOojv Tz'kiovza.i 
ao'fO'JC. — ■ 34, 37 f. ac'pcpwv aTiT^pcov? Gomp. — 36, 23 f. ergänze ich zu oOy. 
äv yOavoifjLEV -aVT«? tou; etc. wie zu 21 (areavTag z. Tip.) aus 18 otxxpou; rjyoü- 
ii.£voi; Gomp. denkt an oux äv ^9. §£ /.aTEXEriaavjTEc, doch ist zwischen K und A 
höchstens Eaum für drei oder vier Buchstaben. 



Namen- und Stellenregister. 



Achilleus 28, 7. 
(Aigyptos) 23, 13. 
Anaxagoras 17, 17. 28. 
Anaxarchos 35, 32. 
Anonymer Tragiker 38, 

12. 
Anonym.iis 7:£p\ ß'!tov 1,16. 
ApoUophanes 7, 8. 
Artemision 33, 17. 
Athen 38, 8. 
Danaos 23, 13. 
Demokritos 29, 28. 39, 

14. 
Diogenes 27, 14. 
Epikuros 7, 10. 10, 8. 



19, 12. 23, 5. 27, 5. 

29, 9. .30, 37. 
Giganten 37, 24. 
Hellas 38, 9. 
Hephaistion 30, 37. 
Hermarchos 27, 5. 
(Homeros) 28, 3. 7. 13. 

33, 10. 19. 
Kadmos 23, 14(?). 
Kallisthenes 34, 4. 
Leonteus 23, 5. 27, 3. 
Libysches Meer 33, 7. 
Metrodoros 1, 19. 12, 33. 

19. 11. 23,4. 26, 31, 

27, 3. 29, 9. (37, 27). 



Milon 30, 2. 
Odysseus 33, 10. 
Palamedes 34, 3. 
Perikles 29, 7. 
Phoroneus 24, 5. 
Plataiai 33, 20. 
Piaton 31, 1. 15, 14(?). 
Polyainos 23, 4. 
Pythokles 12, 32, 
Salamis 33, 17. 
Sokrates 34, 4. 35, 31. 
Themistokles 29, 5. 
Thukydides 29, 6. 
Tithonos 19, 34. 
Zenon der Eleat 35, 31. 



Mussiifia. -Mitthcilnnjjcn ans roinuiiisolien HaniiscUrit'ten. II. 355 



.Mittlu'iluiigi'ii aus romanischen Handschriften. 

Von 

Adolf Mussafia, 

wirkl. ilitgliedc dor kuis. Akiulonif <ler Wissenschaften. 

IL 
Zur Katluiriiionlegciide. 

Uie Handsclirit't lo. D. 59 der Nationalbibliothek zu 
Neapel, dem Anfange des 15. Jahrhunderts gehörig, enthält 
ausser anderen Schriften religiösen Inhaltes in süditalienischer 
Mundart eine Katharinenlegende, welche in den folgenden 
Blättern zum Abdrucke gelangt J Der Verfasser nennt sich 
am Schlüsse : Buccio de Ranallo. Auch giebt er das Jahr an, 
in welchem er die Legende dichtete : 1330. Im sechsten Bande 
von Muratori's Antiquitates italicae ist nun eine Reim- 
chronik von Aquila abgedruckt, deren Verfasser sich ebenso 
nennt. Buccio, sagt in der Vorrede der Herausgeber Antonio 
Antinori, muss im zAveiten Decennium des 14. Jahrhunderts im 
Jünglingsalter gestanden sein ; er starb hochbetagt im Jahre 1363. 
Ungefähr um 1343 mag er begonnen haben, die Chronik ab- 
zufassen; er setzte sie dann bis zum Jahre 1362 fort. Die 
Identität des Namens und das Zusammenstimmen der Jahres- 
zahlen lassen kaum einen Zweifel zu , dass wir es mit einem 
und demselben Verfasser zu thun haben. Dazu kommen ein- 
zelne freilich nicht sehr bedeutsame Wendungen, die in beiden 
Schriften mehrfach wiederkehren und die Beschaffenheit der 



' Ich verdanke eine Abschrift der Güte Muiiaci'.s,- welcher .sie für mich 
bereits im Jahre 1874 verfertif^t liatte. Zu einer überaus sorgfältig'en 
Collation mit der Handschrift fand sich bereit Herr Dr. Erasmo Percopo, 
der aucli in Beantwortung' meiner wiederholten Fragen .sich unermüd- 
lich erwies. Beiden verehrten Freunden statte ich hier den aufrich- 
tigsten Dank ab. 



356 Mflssafia. 

]\[imdcart. Die Legende hat sich avoIiI eines geringeren Beifalles 
als die den Localpatriotismus interessircnde Chronik erfreut, 
denn während Antinori von letzterer nicht weniger als fünfzehn 
Handschriften, alle in Aquila, verzeichnet, ist von der ersteren 
bisher nur eine nachgewiesen worden. Diese verdanken wir 
einem Dom Petru de Nicola, Avelcher in einigen am Schlüsse 
hinzugefügten Versen sich als den Schreiber nennt. Ob wiederum 
der Neapolitaner Codex uns die Abschrift des Dom Petru selbst 
bietet oder, da Fol. 1 — 77 von einer Hand herrühren und Dom 
Petru sich sonst nirgends nennt, nicht eher ein Schreiber 
dessen Abschrift benützt und dabei auch die Schlussverse auf- 
genommen habe, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Jeden- 
falls leidet die Neapolitaner Handschrift an manchen offenbaren 
Gebrechen. An mehreren Stellen sind Verse ausgelassen : hie 
und da fehlen einzelne Worte. Leicht denkbar ist es auch, 
dass die sprachlichen Formen manche Modificationen werden 
erlitten haben. Wenn daher in der nicht sehr umfangreichen 
Schrift eine ziemlich grosse Anzahl von dunklen oder w^enigstens 
nicht sehr deutlichen Stellen vorkommt, so ist es schwer zu 
entscheiden, wie viel davon auf Rechnung des — wie auch die 
im gereifteren Mannesalter abgefasste Chronik erweist —^ nicht 
gerade sehr gewandten Erzählers Buccio, "und wie viel auf jene 
des Schreibers oder der Schreiber zu setzen ist. Immerhin 
aber verdient unser Text alle Aufmerksamkeit; vor allem als 
ein wichtiges Denkmal der älteren abruzzensischen Mundart, 
dann als eine im Ganzen recht ansprechende Darstellung der 
überaus behebten und in zahlreichen Versionen auf uns ge- 
kommenen Legende. 

Ich hoffe den seit lange gehegten Plan, über die ver- 
schiedenen Redactionen der Katharinenlegende zu berichten bald 
ausführen zu können; vor der Hand Avill ich nur bemerken, dass 
die einzelnen Begebenheiten, welche die mit Maxentius Auf- 
forderung zum Götzendienste beginnende Legende (abgesehen 
also von der später hinzugekommenen Geschichte der Jugend- 
jahre Katharina's) erzählt, fast überall bis auf unwesenthche 
Einzelheiten dieselben sind; auch reihen sie sich aneinander 
in' gleicher Folge ; der Unterschied zwischen den einzelnen 
Versionen beschränkt sich beinahe ausschliesslich auf die Aus- 
führung. Eine unmittelbare Quelle für Buccio's Gedicht auf- 



Älittheilungon aus lomanischen Handsclirifton. If. OO i 

zutinden ist mir bisher nicht gehingen; dass er eine latciiiiselio 
Schrift benutzt habe, scheint mir bei weitem wahrscheinlicher 
als dass er einer vulgärsprachlichen Vorlage gefolgt sei. Seine Er- 
zählung berührt sich bald mit der grossen von Eincnkel neulich 
herausgegebenen Legende bald mit der damit verwandten aber 
manch' Eigenes bietenden Version bei Jacobus a Varagine; 
vielfach findet Avörtliche Uebereinstimmung mit Bonitus Mom- 
britius statt , der sein Material zunächst aus Handschriften 
italienischer Bibliotheken geschöpft haben wird. 

Nicht ohne Interesse ist es, auf die Reminiscenzen aus 
der Divina Commedia hinzuweisen; am deutlichsten 406-7 che 
spandi si grau fiume de nobile parlare (Inferno I 79-80). 
Dante'sche Ausdrücke sind auch 743 con vergogniosa fronte 
(Inferno I 81), 744 paraule conte (Inferno X 39). SchliessKch 
sei bemerkt, dass zw^ar alle Versionen heidnische Weisen auf- 
zählen, deren Schriften Katharina studirte, und dabei bezüglich 
der citirten Namen zahlreiche Varianten vorkommen, dass aber 
in keiner Redaction die Liste so grosse Aehnlichkeit mit jener 
des vierten Gesanges des Inferno zeigt, wie die unseres Textes.^ 

Im Folgenden soll über Sprache und Metrum des Denk- 
males das Nöthige bemerkt werden. Ich kann mich hier um 
so kürzer fassen, als ich auf das im vorigen Jahre über das 
altneapolitanische Regimen sanitatis Gesagte (Sitzungsberichte, 
Band CVI, 507 ff.) bezug nehmen kann. 2 



Vocale. 

1. Neben chiaro im Verse und im Reime, am Ende von 
V. 1690 cleru, nicht beweisend, da das Reimwort fehlt. -ari- 
stets als -er-; nur 754 primaro innerhalb des Verses. 

Umlaut von e und o vor -i (das unmittelbar oder mittelbar 
auf lat. -i zurückgeht) und -tt ist bis auf geringe Ausnahmen 
streng durchgeführt: 



1 In fler Chronik kann ich mich nicht entsinnen, dei'artiges getroffen zu 
haben; höchstens könnte man au papale manto (Str. 192) erinnern. 

2 Zur besseren Orioutirung: füge ich zu den hier verzeichneten Erschei- 
nungen die betreffende Ziffer der Paragraphen iu KS. liinzu. 



2;")^ !\I 11 s K a f i n . 

2-4. 11-18. Von {',: henedicfo imd -deeta, replho {doch 159 
plemt. unter lauter classischen Namen, also Latinismus) und 
2)lena piena, impriso und pi-esa prese, quiti und queta Vb. quMe, 
signo insigno und Vb. insegno, virgini und vergene; Demon- 
strativa, sieh später; accrisci und crascere, cridi und credo 
creda, pvindi und prendere, prisc'i und iircse, vindi (ven-ui) und 
venne; 2. Impf. Ind. der E-Verba -Ivl und 3. -eva; 2. Impf. 
Conjun. der E-Verba -isc! und 3. -esse. Ferner capilli, incrididi, 
ligno, pisci, serinu, sino, sinnu (,Sinn, Verstand^) ; affisu, missi, 
despisu; mitti, tmnero ' (ten- statt tai- an ven- angebildet). 
Suff, -enäim weist bald e (77-8) bald / (704-5) auf; 1252-3 -into: 
-ento; 1210 im Verse -intL- Südliche Mundarten haben meist 
e oder ie, beide auf e (-enium) hinweisend; doch tose. -ento. 
Man kann das Schwanken dulden oder angleichen. 1041 recepl 
statt -ipl; etwa gelehrt? Meco als Indeclinabile ist keine ent- 
schiedene Ausnahme. 

16-18. 23-26. Von g: Sing, -one, Plur. -uni; Sing, -ore, 
Plur. -uri; Suff. Masc. -uso, -usi und Fem. -osa; adurno und 
adorna, didc.i und dolce^ fuscu und fosca fosche, i)runto pruntl 
und pronta, simso (1413 sposo) und sposa; aduri und adora. 
Ferner cunto, jitrno jurni, mundo, mucti, pidli, rotundo secundo, 
suzo, vultu; dui; nui, vui; dudici (aber docento). Fontem hat 
hier wohl o; daher 327 fonfi unorganisch iiiid zu fimti zu 
bessern. Nosco vosco sind wie meco zu beurtheilen. Vergogni 
ist keine Ausnahme, da dieses Wort vielfach o statt o aufweist.-' 
Hiatus-i bewirkt keinen Umlaut; vgl. z. B. §. 81 eze gg. r;^/, 
§. 97 vegio gg. vlglu. 

Tax q ist noch zu bemerken, dass einzelne Wörter an dessen 
Stelle, unabhängig vom Umlaute, ü aufweisen. ^ Vor Nasalen: 
diina, puno, inpune (doch pönale 2, apponere 364) ; mustra (auch 
vortonig mustro)y' nume (nome 414). Wie puno, so j;use (trotz 
pös-); respuse entweder schon wegen n (* responsit) oder zugleich 

' Falls das im RS. §. 2 bezüglich /ece?-o Gesagte seine Giltigkeit hat, so 
ist finnero durch tinni herheigeführt worden. 

2 HAqu.i liat hie und da -info, meist aber -enfo. 

3 Sic. vh-gogna, vrig. vriogna, teram. shrivnegno (postA'erbal ans shruvignare 
= sbrivtign.). 

^ Vgl. die Bemerkungen über den Reim, §. 112. 
i" Daneben monfttrarä, latinisirend, vgl. §. 56. 



Mittlieilungen aus roinanischon Handscliiiftcn. II. 359 

an puse angelehnt. Dazu multa multe^ conuscere (aber vortonig 
conoscate), ein paar mal majure 444. 586. 

Schliesslich sind mintri, undi, dundl zu erwähnen. Voran- 
gegangen sind wohl Formen mit -e. Handelt es sich um bei- 
behaltenes klass. i, ü oder liat hier späteres -i Umlaut hervor- 
gebracht: mentre, mentri, mintri? Noch eigcnthümlicher ist 
ancuri (: -uri). Es ist von ancore (ZRP, VII 255) auszugehen 
und (dem Ital., Franz. u. s. w, entgegen) o anzunelimen ; es 
bleibt die Frage, woher wV Da die bei mintri angenommene 
erste Möglichkeit wegfällt, so bleibt nur die Vermuthung, -i 
habe analogisch gewirkt: wie z. B. aduri, so ancori zu ancuri. 

5-8. 19-21. 28 Diphthongirung von e und (^ kommt nirgends 
vor; vgl. im Glossar jecola. 

27. Zu au. Volksthümlich o (neben jparole, paraule)-^ 
(jcicjiu gajora weist d auf. Ein anderer Fall wäre ade; vgl. 
Anm. zu 458. repuso 1041 ^ it. riposo; n wegen Einmischimg 
von ponere; auch vortonig repusato 1428. 

29-43. Zu den tonlosen Vocalen seien erwähnt e zu o in 
solndtura (Einfluss der Labialis und Einmischung von sid)-), 
soductu (Einmischung von suh-)-^ u tax e in remore (Einmischung 
von re- trotz folgender Labialis); o zu a in affiso = it. offeso^ 
vielleicht auch in apponere; s. Glossar. 

44. Zum Hiatus-r. Für L die Schreibungen (jli, lU, <jl. 
Für cpi: gn, gni; einmal abesongiusi 1586; Avohl nicht ng, sondern 
ü auszusprechen; vgl. ahisognasse 1603. Dent. -\- I: giurno 
and jurni; Suff, -agio und -ajo. Lab. -7- /.• nur einmal ajo 
gg. stetem -gi- ; dann sajo 1153 neben sonstigem savio. cp: stellt 
dar zz in palaczo, speczare und im Suff, -ecz-, wohl cc in mcza 
und moczecare (s. Gloss.). Cons.TI =: Cons.S: adalsa, forsa 
1716 neben forza.^ it. g (= fj, sj) entspricht sei: rasdone, 
frisciata (fregiata), malvascio, prescione (doch pregiata 980). 177 
scheint sei für ci (= ecce hie) und 578 seih für cih {■= ecce hoc) 
zu stehen. 

47. -0 und -u schwanken in den Flexionen vielfach; kaum 
-e und -i. Ein paar mal -e statt -0 (u) in der Nominal- und 
Verbalflexion; etwa die damals schon vorhandene oder in Ent- 

^ Andere Belege in RS. Die Erscheiniino' ist eip^entliiimlich, <la gerade 
im Süden .* nach /, r, n zu s wird. 



360 Mussiiliii. 

stehung begriffene Verdnmpfung andeutend. Dazu das adverbial 
gebrauelite certe 26. -e statt -d nur zweimal §. 81 ; 8uff. -eza 
= Uia ist ein eigener Fall; ibid. 

48. Aphaeresis: spectate nebiüi as^). ; instola, rede; nante 
nanti, namorafa, ma(}i,nh; celli. (it. uccelli). Prothesis: acchoro 
1615 neben chorn 344. 

49. Apocope ist schon in der Handschrift nicht selten; 
andere Male käme sie dem Metrum zu statten. Für lat. liomo 
hat die Handschrift fast immer die Abkürzung ho, das ich mit 
liom auflöste. Ich hätte aber besser gethan liomo anzusetzen 
und dem Lesenden zu überlassen, dort wo Apocope nöthig ist 
(meistens fordert das Metrum die volle Form)^ sie vorzunehmen. 
Habe ich doch; und ich glaube mit Recht, höi als hoininl (nicht 
Jiomi) aufgefasst. 

52. Zusatz von -/ nach Vocalen: in mei, sei §. 87, in Ver- 
balformen §. 99. oy = auf wie im RS. In ey, crai ersetzt es s. 

Coiisouaiiteu. 

54. Co7is. -f- L bald erhalten, bald zu Cons. + /; chia- 
mava; inana; inßammata^ fiumi; vlamjeano, placiviliczi und die 
gelehrten Wörter gloria, ßagello; dann plena und piena, com- 
plendo und compienno, tempht -pm, exemplu -piu, cliiaro und 
cleru. autra ist der einzige Fall von AL vor Dentalis zu au^ 
einer Erscheinung, die in den jetzigen Mundarten beständig ist. 

55. r vor s abgefallen in moczecare. Forphyrius wird 
Proffilio genannt; also -rlo zu -'lio und Metathesis des r (Ein- 
fluss von pro-?) 

55.* Domna (dompna) und donna, condempnare, omne und 
onne; ome 1728 ist wohl nur verschrieben; nicht mn = m. 
mh zu mni: ammasciata, palomma, tromma; im Zusätze harn- 
macina; doch comhacte, amburo amhendora , auch anbendue 
(mit n). Ebenso nv = mv = mm: commenente neben co7iv. 

56. Anima und ahna. inlese; in- vor Labialen bald er- 
halten bald als im-, nd ^=- nn: Gerund, -anno^ -enno; dünnt, 
granne, mcinna, vennenno neben häufigem -ud-. Dazu die um- 
gekehrte Erscheinung (Lautentwicklung oder Schreibung?): 
Avicenda, oguando, vando, vindi. Sponsa und monstrarä neben 
'S- sind Latinismen. cosiglio, quanfuca (727, sonst stets -unca, 



Mittlicilungon aus romanischen Ilandscliiiften. II. Oul 

-unqua); wahrscheinlich l'chlt da« Ji-Zcichen (wie in dein zweimal 
vorkommenden sehr-)-^ doch da n vor s ausgefallen sein kann 
und Formen wie nuca nocet im Altnorditalienischcn und im l'ro- 
venz. vorkommen, behess ich die Schreibung der ITandschrift. 

57. Intervocalisches j) gern erhalten; doch soholtura. 

58. Anlaut, h zu v: vocca, vove neben hovi.^ 

59. V zu h nach Präf. ad-: abiaro; nach ex-: shercjogniafi ; 
nach quod-: cobelli. v ausgefallen imd durch d ersetzt: vi- 
danda; neben empaurire, inpagoranno.'' 

60. Intervoc. < meist erhalten ; doch auch -d-: imperadore, 
gewöhnlich -af-; neben häufigem -ate (-atem) hie und da -ade: 
strade, contrade. fo- crhiiltan: j^afre^ matre; nehcn frafri (: -ati) 
auch frati; im Süden geht frate nicht nothwcndig auf den lat. 
Noniin. zurück, da hier tr = t üblich ist '^^ daher imperadice 
loTG gg. sonstiges -fr- nicht gebessert zu Avcrdoii brauclit. 
Anders im Condit. von potere: porria; tr zu rr oder blos zu r 
und dann die übliche Gemination des r. 

GG.* Im Suff. -y<i- einmal d zu f: cdndife 107G rieben 
MeideJ Intervoc. d abgefallen und durch v ersetzt: paravisu. 

G2. qu erhalten, meist im Interrogativpronomen que; hie 
und da auch in der Conjimction. Auszusprechen ist jeden- 
falls k. -unqua und -urica; hier könnte qu lautliche Geltung 
haben, et ist eine oft wiederkehrende Schreibung für den Laut 
tt '^auch aus anderen Quellen, wie gemin. t, pf u. s. w.V Pra- 
dica ist eigenthümlich ; man würde gerne d als für ct. ver- 
schrieben ansehen, Avenn in einem anderen abruzzischcn Texte 
(Antiqu. ital. VI, 908) nicht pradicara vorkäme. 

G5. ce zu sce in damiscdla (it. -i<ic-). Die einmalige 
Schreibung cldascimo st. clasc. möge erwähnt werden. 

G7-68. 1452 renegi ist wohl -e()ht zu lesen. Intervoc. (/ vor 
(', zu j: pajesß; ausgefallen: maica. Neben hujenocclda auch injen. 

' Man kiiuute sich geneigt fühlen, mise vocca, cid vovr ah'^ Worteinheiten 
zu erhlicken, in welchem Falle dann /> intervocalisch wäre; damit 
würde f>ovi am Beginne des Verses stimmen. Dem steht entgegen, dass 
in den jetzigen Mundarten anlautendes /> stets zu v wird. Oder handelt 
es sich da lun Verallgemeinerung eines früher bedingten Lautwandels? 

2 Vgl. HAqu.2 fa()urione 85 (favoi-efjfjio). 

3 Icli hätte daher RS. 19.5 qnacfo -r^ it. rpiatfro unberührt lassen sollen; 
unser Text hat freilich qvafro. 

•• HAqu.i :iO nplmdilo; ebenso neap. campb. u. s. w. 
Sitzungsbor. d. phil.-hist. Cl. CX. Bd. II. Hft. 24 



362 Mussafia. 

ll'Gl) uiul iyiKMi. 1445. yii zu in: a'mi neben (Ujndli; zu n: 
senavano 396. 473. 1382 ^ neben signo, insegno. 

69. Tonloses s vor i häufig zu 5: scia (sit), sei cosci, 
ascise; dissci (dixi), 2. Impf. Conjunc. -assci. -isci; forscia ist 
dalier nicht = forsan sondern forsi mit der bei Indeclinabilien 
beliebten Endung -a. Wenn^ wie kaum zu zweifeln, in mocze- 
care cz = c ist, so haben wir hier c aus s (oder z). sm = mm 
in medemme. s nach l, n zu z: volze 939, penza 323 (neben 
-/*'-;, -71S-). X ist latinisirende Graphic für den daraus ent- 
standenen Laut SS [excellentia ist wohl als eccelL, exciuti als esuti 
auszusprechen); durch umgekehrte Schreibung x auch für lat. 
ss: foxtty foxe, imxione. 

70. _/ ist erhalten: ja, jovene, judicio jura justo. ajuto. 

71. Abfall von -r im vereinzelten pe = per 1098 von -n 
in CO, vo. Wie ist ß (in per ß ,bis^) zu deuten? Aus ßn, oder 
aus^^ne (ZRP. VII, 130), durch Einfluss des paragogischen -ne? 
In letzterem Falle stünde dem Paare dl dine das Paar ßne ß 
zur Seite. Ueber hello, §. 74; über ve = lat. vmü, §. 99. 
Abfall von -te: cito ein paarmal; sonst -ate -ade von -de: 
gran. 1720 hat die Handschrift qii; man wird trotz des 
Metrums eher quando als (luan lesen. 

72. Paragogisches -ne in Verbalformen, dann in dine, mone. 
-ce in foce (fidt) durch Einfluss von fece fe; über convece 
s. Glossar. 

74-7.5. Gemination des Anlautes eines Begriffswortes nach 
Procliticon a-rrascionare 229, vielleicht a-llosengare 1479, a- 
llaude 1512; sehr oft bei Formwürtern, und zwar wird anlau- 
tendes l von Artikel und Pronomen und der Anlaut von te, se, 
cib nach nie, tu, te, se, ne; cAePron.; a; e, sei, sß Conj., che Conj^. 
geminirt. Bei 7wll-, coli-, pell- kann man zweifeln ob no-ll, 
co-ll, pe-ll oder nl, rl = II vorhegt. Eher ersteres; vgl. auch 
hello (hene illud) 279, das ich zu he-llo trennte, da nl ^== U auf 
unserem Gebiete mir nicht sicher schien.' Nach mehrsilbigem 
Oxytonon: respondero-cte, cosl-Ui. Dagegen nach der 3. Sing. 
des Perf. Indic. nie Gemination: parole, speczole. Ebensowenig 



1 HAqii.i senh; vg-l. .nnsser fler ühornll vi>rl<()nnneiideii Profliicte von cogno- 

scere, cmpb. prien§ (praegnus). 
* be ist dann wie fi (§. 71) zu deuten. 



Mittheilungen ans romanischen Handschriften. II. 363 

wenn Reflexivpronomen an Oxytona inclinirt: pose, sase. Ein- 
mal ausnahmsweise Gremination nach einem Paroxytonon: era 

lly 748. 

Noniliinl- jiihI Pronomlnalformen. 

78. Artikel: lo (ht), la, U, h. Zweimal et, eine süd- 
liehen Denkmälern sonst unbekannte Form 325. 740. Die Prä- 
positionen verwachsen damit: ausser den eben erwähnten allo, 
noch dello, collo (colo 33 8)^ pdlu pella, nello, einmal nullo, eine 
sonderbare Form, die ich niclit anzutasten wagte^ da Finamore 
im jetzigen Aquilanischen gniul gnjiul nachAveist, endlich no 
234," na 350 (vgl. auch Anm. zu V. 275). 

79-80. Masculina der I. : -poeta als Plur. 409. Masc. 
der IL: Sing, -o (-u); Katharinens Vater heisst Cos/^ß (lat, Cosfus)- 
Plur. -'/■ (-e 1587): -?o gewöhnlich -ü (die Handschrift schreibt 
meistens ij) ; doch neben savii auch savi. Masc. der III. : 
Sing, -e, Plur. -i. 

81-83. Femin. der L: Sing. -a\ Plur. -e; doch im Reime 
carti 1G9. 541, stradi 798, tucti 540 im Verse.2 Parol 911 
gegen sonstiges -oh zeigt einen ungewöhnlichen Abfall von -e.'' 
Femin. der III.: Sing, -e, Plur. -i; nur einmal teile 804. In 
eigenthümlicher Weise verhält sich das Suff, -üia , das stets 
-eze ergibt 125. 150. 430. 90G-7. 1149. 1152. 1187. Man 
möchte darin eine Abschwächung des -a zu -e und Verbleiben 
der betrejfenden Nomina bei der I. Declination erblicken ; der 
Plural lautet aber ebenso consequent auf -/':.■/, also mit -/ der 
III.' Annahme einer Endung -ifies scheint gewagt; Einfluss 
des Hiatus-/ auf -a (in welchem Falle Plur. -i durch Analogie 
aus dem secundären Sing, -e zu erklären wäre) zeigt sich auf 
unserem Gebiete nirgends. Manus bietet im Plur. Diani; 195 
mit -ani, 304 mit -aim reimend; soll da die Nebenform manu 
(RS. §. 83) zugelassen werden? 

83. Pluralia von Masc. auf a mit verändertem Genus : 
le coltella, le malefitia, le peccata auf -öra; ausser lat. corpora 



' do/e 807, donne 82-1-. 
^ HAqu.' carti 20, casi 185, /avi 501. 

^ V^l. Ant. ital. VI, 1008 Udendo le parol d.d cupitanio ; ein Endecasillabo. 
■• \\k([\\.'^ fortelUzzi ISöö; ll.\(|ii.2 Sing', parenlecze 78, jeutelecze 414, Plur. 
prodiczi 120. 

24* 



364 



M u i 



i f i a . 



noch lö jiaramaida, f/ajora (gaudia), lengua/jora, lumora. Aus 
dem Flur. Noutnuu (Ins Fomin. Sing-, la prima secola 484. 

85. Verilnderung- der Decliiuition: airo, novemhro, decem- 
hro ; communamente. 

86. Zum Genus: una dia 30'J nb. la cdtro di 76 und (luiJIi 
(-0?) dine 1721. 

86.* Aus den flectirbaren Numei-alibus sei dni erwähnt, 
auch auf Femin. bezogen, amhora Fem. Flur, (-öra) ist die 
bekannte auch anderswo vorkommende Form ^ ; daneben inner- 
halb des Verses amheridora'^ ; wie zu betonen und wie zu beur- 
theilen ? 

87-88. Personalia I. und IL Ferson. Nomin. io, tu,, nui, 
vui (nur einmal gegen das Umlautgesetz voi). Obliqua betont: 
vie (ini 55, mei im Reime 589), te, oiui, md'^ tonlos me, te, ce 
(selten ci 828, -nci 829) und iie z. B. 79o, vi (nur einmal 
ve). 3 III. Ferson : illo (-u) Uli ella eile. Obliqua betont : Ini 
lei loro ; daneben für Fem. Sing, oft ella; tonlos: lo (lu)'^ lila 
le. Dativ für beide Genera Sing, li; Flur, theils loro theils 
Zi." Reflexiv betont: se, sey 1422, tonlos: se. inde = ne, als 
Encliticon -nne '' -nde. ecce Ine = ce. ihi = vi. 

89. Fossessiva : 



Masc. Sing. 
meo mio me' 
teo tou 

seo sio sou 



Masu. Plur. 


Fem. Plur. 


i mie 


viei 


soi soe 


tei toi 




soe soi 



Fem. Sing. 
mea 

tea foa tua 

soa Sita 

nostro, vostro, loro. 

90. Demonstrativa : isso issi essa esse; quesso (vostro dire) 

statt quisso 927 quessa. quisto (questo 662 reimend auf -isto) 

quisti questa queste (cjuista. 572. 1723 -e 930), Neutr. questo 

((['uisto 429). quillo'^ quilli quella quelle:, Neutr. quello (^qnillo 

^ Aus amhidfum (Romania XI, 109); altit. amhuro, afz. ambure; o ent- 
spricht, da u in ufrum kurz ist, den Lautgesetzen besser. Die Endung 
-a in unserem Texte durch Einfluss der Plur. auf -öra. 

2 Das n vor d aucli im veralteten ital. ambendue; steckt in darin oder 
ist es Wiederhall der Nasalis, welche die vorangehende Silbe schliesst? 

^ Warum diese besondere Behandlung von vi7 

4 1.341 rechandoseUe = -Uo. 5 go z. B. 5G7. 853. 

" Es sei hier daran erinnert, dass andotienne, rechandoseUo u. s. w. Paro- 
xytona, nicht Proparoxytona sind. 

'' quele 1003; vgl. Anm. 



JJittheilungen aus romanischen Handscliiilttn. II. 365 

403). costei. queUoro 207, collovn, 1442 ; Gemination des / zu 
bemerken, medemme als Masc. iSing. 288, als Masc. Pliir. 302, 
als Fem. Sine;. 044. Wohl nicht zntallij;- -e für -o, -i, -et; eher 
Gebrauch des Wortes als Indeclinabile und -e statt des zu 
erwartenden -o.' 

91. llclativum: che (que), Obl. ch<'; aucli ca; lu (el) quäle 
u. s. \v. 'die qui = chi (che; s. Anni. zu V. 670 ff.) Uli qiü 
= ad cm 4. 1274. 

91*. Interrogativ um, adjectivisch und neutral: Iclic, ((jue) 
qnale in persönlicher Bedeutung ,Aven' 1190, in neutraler 
,was' 1205. 

91**. Verallgemeinernde: Persönlich qualunqua (-e), chiun- 
([na chiinq.', quantunqua ,so Viele immer'; adjcctiv. qaantun- 
cha 1213. 

Verbal fo rill eu. 

92. Intin. -are (zu governdli 336 s. Anm.) -ere, cre (ein- 
mal -cri 1178), -Ire. füre; convertire, recepire, sapive; selbst 
perdive im Reime, und etwa mordire aus mordisse 1437 zu er- 
schliessen. 

92*. -7)t fällt ab , wenn der Flexionsvocal in den zwei 
Numeri verschieden ist; bleibt als -iio, wenn er identisch ist, 
wodurch bei Abfall von -nt Öiimnilar und IMui-al zusammen- 
liclen. 

93. Präsens Indicativ: 
A-Conjug. -0 -i 
E-Conjug. -0 ' -i 
I-Conjug. -0 -/ 

786 sapemo ^g. mehrf. -imo, -ite. 

94. Präsens Conjunctiv: 
A-Conjug. -e -i -e -emo -ete -eno 
E-Conjug. 



a 


-avio 


-ate 


-äno ^ 


e 


-emo 


-ete 


-u 


e 


-imo 


-ite 


-u 



_ ^ . , -a -i -a -amo -ate -uno 

1-Conjug. 

Das Verharren von -e in der 1. 2. l^lur. der A-Conjng. 

ist bemerkensAverth. Zu ajuia st. -e siehe Anm. zu 1606. 



' IIAqu.' li laici medemmo 79(5. 

- So, ohne i, HAqu.^ '2\'i. 

3 -a 1707; vgl. Anm. zu 1.081. ■• 676 comhacte. 



3(iH 



Miissafi a. 



HO. Impenitiv. 2. Öing. in der A-Conjug. -a ; in den zwei 
anderen /; doch ((de 458 (?) und exaude 1579. In der 2. Plur. 
wird auch bei anderen als den üblichen Verben Conjunctiv 
statt Imperativ gebraucht, sowohl im prohibitiven (99. 841. 
1154) als im adürmativen Heischesatz (2. 470. 776. 1189. 1352. 
1353. 1567). 

96. Aus den inchoativ flectirenden Verben der I-Conju- 
gation wären zu erwähnen: ojferisca und convertiscano nb. con- 
vertano. 

97. Der Einfluss des Hiatus-« stellt sich folgendermassen dar: 



Indieativ 



Conjunctiv 



Ij : voglio 
doglio 
nj : tengo 



6 


1 


2 


3 


i 


[volu] 




vogli 


tenga 




vengu 






venga 




-agio 
digiii 


agia 


agi 


degia 

sacza 


agiamo 


vigiu 










crigiic 










pozu 




facci 


poza 
faccia 





sostengate 
agiate 



vengano 



degiano 



cregianc 
[vadano 



hj: agio ^ 
d'egio 
pj : saccio sacza sacciate 

dj : vegio 
* dj : [credoj 

vagio 
*fj: 
cj: faccio ^ facci \ faccia facciate 

99. Besondere Formen, a) im Indieativ: 

Esse : so, ey sV (sei') se 453, e ene, semo, sete (sitel02), so sone sonno. 

Habere: one, ay, a ane ay ao (au) anno (ando) 

Dave : dal 

Stare : sta stane stai stao (stau) 

Facere : fai fa fane fau fanno 

Sapere : sai sa sao 

Vadere: va vao vanno (vando) 

Also, wie überall im Italienischen, sowie auf anderen 
romanischen Gebieten, die stammbetonten Formen dieser oft 
gebrauchten Verba möglichst kurz und an einander angeglichen. 



1 agie 1120. 



Mittheiiungen aus romanisclieu Handschriften. II. 3b i 

Das Vorbild gaben clare, stare. Das -l der 3. Sing, ist in unserem 
Texte paragogiseh. Noeb immer iiicbt reclit klar ist mir, auf 
welebem Wege die 3. Plur. auf -ao (-au) entstanden ist.^ Zu 
erwähnen sind noch 2. Sing, voi, pol und 3. po (mit enclit. 
Keflexive) neben jwfe. Auch teuere und venire folgen der 
Neigung zur Abkürzung der Formen ; denn 2. Sing, sostei kann 
nicht auf lautlichem Wege aus *te[n]i-s sich entwickelt haben. 
Die 3. Sing, ve könnte allerdings aus vene durch Einfluss des 
paragogischen -ne erklärt werden (wie fa fane so umgekehrt 
vene ve) oder die apocopierte Form ven könnte ihr -n wie co, 
no verloren haben; indessen scheint mir natürlicher, auch hier 
Bethätigung jenes Zuges zu erblicken, kraft welches derartige 
Verba nach kurzen Formen streben. 

l)j im Conjunctiv : 
Esse : sia (scia), si , sla (sciaj, . . . ., State (sciate), s'iano. 
Dare: 3. Sing, dea (de-vi) 
Stare: 2. Sing, sti', 3. Plur. steano 
Posse : 3. Sing. j90ssa (nb. dem bereits angeführten po.sa = *po^^a??i) 

c) im Imperativ. 2. Sing, va, fa, (fe 1278 -j, dl; toi; 
neben veni auch vei. 2. Plur. faife 1674; ist die Form richtig, so 
ist sie aus einem Sing, fa -+■ i, dem die Endung der 2. Plur. 
angehängt wurde, zu erklären. 

100. Imperfect Indicativ: 



A-Conjug. 






o. 


-ava 


6. 


-avano 


E-Conjng. 


2. 


-ivi 


3. 


-ea 


6. 


-eano 


I-Conjug. 


2. 


-ivi 


3. 


-ia 


6. 


-iano 



Nur einmal -v- erhalten: odivano 123. 7''ana 389 setzt j^f^r/re 
voraus. Neben fac- auch fec- 112. 122. 124. 187; Einfluss 
der starken Perfectflexion. Von esse kommen vor eri, era, erano. 



1 Am meisten .sagt mir zu die Annahme, dass man der 3. Hing-, die 
Endung de.s 3. Plur. der E-Verba angehängt liat: a-u, fa-n ii. ,s. w. 
Auch ital. hanno, fanno, vanno las.sen sicli nicht lautgesetzlich aus ha- 
bent, faciunt, vadmit erklären; sie als Anbildungen an dormo, stanno, 
anzusehen, geht nicht an, da streng genommen auch diese Formen 
nicht iinmittelbar aus dant, stant entstanden sein können. — ■ Mir will 
vorkommen, als ob auch die in letzterer Zeit so oft besprochenen (am 
ausführlichsten von P. Meyer, Komania IX, 102) provenzali.scdKni Formen 
au fau van niclit anders zu erklären sind. 

2 Vielleicht Öchreiberfehler; kaum aus fai. 



368 Mu ssafia. 

101. Perlectum schwach: 

1. -2. 3. 0. 

A-Conjiig. -ai -b -one; ao -aro (-am) 

E-Conjug. -isti -ecte -ero 

I-Coiijug. -isti -10 -ero 

Das Schwanken der 3. Sing, in der A-Conjng. bildet in 
unserem Texte, der sonst eine grosse Uniformität in den 
Flexionen aufweist, eine Seltenheit; -ao kommt ein Mal inner 
halb des Verses, dann 1258-9, wo also der Reim nichts 
beweist. Aber 10(52 wird durch -ao statt -one der Keim 
genau. Ueber -one : -ane sieh unter ,Reim^ Wenn, wie es 
allen Anschein hat, contese 46 it. contb entspricht, dann hätten 
wir einen Beleg für die Endung -ese, welche in jetzigen Mund- 
arten des Abruzzo häufig ist.' Dass auch die I-Verba in der 
3. Plur. -ero haben, verdient Beachtung. 

Perfectum stark. I. Classe: \. fui, o. fo föne foce, 6. foro 
(-u) ; fece fe' ; vlde (vidi 190-, s. Anm.J, videro ; stecte; de' deo 
dene. IL Classe: 1. discl 3. disse 6. dissero ,• ßsse, reniase, mise, 
rise, trasse ; fuse pusero ; apparse, volse (volid) ; lesse recoUe, 
1. prisci 3. prese, ascise,^ respuse , intese, sfese, volse (volvi). 
III. Classe: ahe, ahhe (letzteres richtiger; -hu Voc = hh), sappe; 
piacque; 6. tinnero, 1. vindi, 3. venne; starke und schwache 
Flexion nebeneinander: vide und vedecte , videro und vedero 
videro (814:. 1290);, respüsero und respondero ; neben ahe dhera 
(§. 103), aver 555, das wegen v nur schwach sein kann und avev 
zu betonen ist. Tonloser Stamm ist in der Regel schwach; 
doch neben facisti auch fec, dixistl, nacqidsti. 

102. Imperfectum Conjunctiv schwach: 

2. 3. 6. 

A-Conjug. -ascl -asse -assero 

E-Conjug. -isci -esse 

I-Conjug. -isci -isse -issero 

Sapesse 596. Der tonlose Stamm ist meist schwach; doch 
redixesse, jacquesse. Dass in vennesse starke Flexionsart, nicht 
etwa schwacher Stamm mit willkürlich geminirtem n vorliegt, 
zeigt die Endung, welche im zweiten Fall -isse lauten würde. 



1 War einst auch in Caiiipobas.so gebräTiclilicIi ; davon ein U.ebern'st 
esse: 1. 3. fos^, ü. fos§n§ (Arch. glott. JV, 155. 183), 



Jlittbeiluiiijcn aus lümaniscLeii Hamiscliriftcn. II. OütJ 

Man wird dasselbe von teimesse sagen, avü freilich ancli die; 
schwache Form -esse laviten Avürde. Bei cappissero dagegen 
scheint die P^ndnng darauf hinzuweisen, dass wir es nicht mit 
capp- = '"''cajiu- sondern mit dem schwachen Stamme cap- und 
Gemination des p zu tliun liaben. Von esse: fosse (foxe); von 
Stare: staesse. 

103. Plusquamperfectum Indicativ mit conditionaler Be- 
deutung: 1. fora, o. ('(heva. 

104. Participium schwach: -ato, -tifo (fleci. convert.), -ito ; 
-Uta auch von schwachen I-Verba: exciuti, partutl, sentuH, 
vestuta. Stark : dicto, facto; concoltl 7-ecolte; recliicsa, affisu, Jesu, 
despisu, presa impriso; conquisto. Besonders zu bemerken lesto 
dellesto, mosta. ^ 1653 hat die Handschrift victu, man könnte um 
so eher annehmen, es fehle das ?2- Zeichen als das Fem. venta 
lautete; indessen da HAqu. ebenfalls diese Form avifweist (dazu 
Perf. viquette, Imperf. Conjunc. viquesse; also nach der III. Classe, 
aber ohne n), so beliess ich die Lesung der Handschrift. 

106-7. Futurum. Die Endungen sind: aijio (ajo) h one, 
ai, ä, -emo, -ete, ao u. üijio 1093. Vom Condition. kommen vor: 
1 . -la, 2. -i, 3. -in, 6. -iano. Zur Gestaltung des Stammes sei 
bemerkt: der Infinitiv der A-Verba bleibt unverändert :/ 7Uosfr«r« 
471 ist die einzige Ausnahme. Ebenso meist jener der E-Verba; 
doch teuer- und terr- ; nur porr- , vorr-. Der Infinitiv der 
I-Verba verändert i zu e: jerr- (von <jü'e), oder-, cener-, Con- 
verter-. Beliebt ist Gemination von r: darr-, farr-; dirr- (neben 
d'icer-). Von esse: serr- und sarr-. 

Hier noch ein paar Bemerkungen über Syntax. Bestimmter 
Artikel Avird gebraucht vor Micckaele 625. 650, vor qualunca 550; 
wird unterdrückt: fecese croce 700, ad celo 615. 637. 1554, ein- 
mal ad cell 1035. — Tonloses obliques Personale erscheint ge- 
trennt von Verb um finitum: durch non oder no (104. 246. 263), 
mo (820), pur (365 ; durch diese Partikel auch im Alttoscani- 
schen) : wird einer infiniten Form des Verbums vorangestellt: 
della testa li tagliare 1516; Massentio U tjuardando 399, la venjene 
lo odendo 839. — Gerundium statt Infin. nach ndire und vedere: 

' HAqu. 2 leste Fem. Plur. 012. ,In dinletti meridionali mos/.o r. iionn.ilo', 
sagt D'Ovidio, Arcli. IV", 110. l)i<! Literatur über -.vM'articijiieii Ist 
bekannt. 



Ö < Mu ssafia. 

(jraii j/cnte odio (jridando löf), in imperadore odenno costei cosi 
dicendo 509; auch wenn der Inünitiv in passiver Geltung ge- 
braucht ist: vedando la piimaro vencendo 754, odenno grandi 
laude dicendo de questa vergine 955. In der HAqu. gebrauclit 
Buccio das Gerundium nicht sehen in sehr freier Weise, so 
dass es fast als Vertreter einer finiten Form erscheint; in den 
Anmerkungen verweise ich auf einige Stellen, in welchen auch 
unser Text Aehnlicbes aufzuweisen scheint. 



Metrum und Heim. 

112. Die Legende ist in Versen zu sechs (nach italieni- 
scher Zählung sieben) Silben abgefasst, die paarAveise mit 
einander reimen. Wir haben hier also die nämliche Form wie 
in Latini's Tesoretto und Favolello. Manche Verse sind zu 
kurz ; bei einzelnen dieser ist oifenbar dem Schreiber ein bedeut- 
sames Wort in der Feder geblieben; auch bei den anderen 
lässt sich vermuthen, dass sie im Originale richtig gemessen 
waren und es wäre ein Leichtes, sie durch Anwendung vol- 
lerer Formen oder Zusatz von Füllwörtern auf die Beine zu 
bringen. Bei weitem zahlreicher sind die zu langen Verse. Auch 
hier geht es oft leicht an, durch Gebrauch von contrahirten 
oder apocopirten Formen und Tilgung leicht entbehrlicher Wört- 
chen die Verse auf ihr richtiges Maass zurückzuführen; nicht 
selten aber versagen solche Mittel und da wird es gestattet 
sein, die Abschreiber vom Verdachte nachlässiger Wiedergabe 
der Vorlage zu entlasten und die metrischen Sünden auf Buc- 
cio's Rechnung zu setzen. Nicht als ob ihm (wie die beliebte 
Wendung lautet) nicht zuzutrauen wäre, dass er bis sechs zählen 
konnte ; sondern er mag hie und da, vom Ausdrucke gedrängt, 
lieber diesen als das Versmaass geschont haben. Dass ich 
dem Metrum zuhebe den Text nicht antastete, wird man bei 
dem conservativen Verfahren, das ich betreffs noch wichtigerer 
Punkte beobachtete, verständlich finden; ich konnte mich 
aber auch nicht entschliessen, die Anmerkungen mit Vorschlägen 
zu metrischen Emendationen zu belasten. Es kann doch Nie- 
mand hoffen, dass es ihm gelinge, überall das Ursprüngliche 
zu treffen; da scheint es mir gerathener, dem Leser eine so 
grosse Menge von subjectiven Ansichten zu ersparen. 



Mitthcilnngcn aus loraanischen Uandschiiftcn. II. o7 1 

Der Reim ist oft unrein: 

a) Betonte Vocale. Von geringem Belange sind die Fälle, 
in denen Beobachtung des Umlautgesetzes reine Reime ergibt; 
so questo : conqulsto 662, ßori : coluri 1162, fonti : munti 327 5 
ebenso Bindung derselben Endung in verschiedener Lautgestalt, 
wie -entü : -into, §. 2-4. Die Bindungen cridi : suj^erbi 292, 
vc,(]io : cri(jio 929, strominti : genti 1118, multo : dessolto 1572, 
multi : concolti 190 ergäben reine Reime nur bei Verletzung des 
Umlautgesetzes ; man wird da eher ^ ; e, ü : 6 annehmen, trotz- 
dem es sich meist um e, handelt. 1591 schreibt die Hand- 
el t- 

Schrift dono : sonno (d. h. sono = simt)] duno ist vorzuziehen 
(vgl. §. IG). 1432 vid'.tol; man wird, die organische Form vui 
nicht antasten und entweder tut (toi) statt toi (toi) einsetzen, 
oder — da erstere Form in unserem Texte nicht belegbar ist 
— auch hier t\:6 dulden. 1612 soe:voy; da diess die einzige 
Stelle ist, in welcher unorganisches voi vorkommt, so darf man 
sich erlauben, vui zu bessern (über -e : -i siehe unten). Bei 
der Beständigkeit der Schreibung der Handschrift und der 
Bestätigvmg von Seite anderer Denkmäler wird man ; ü 
auch bei jenen Fällen zulassen, in denen o, wenngleich nicht 
durch Umlaut, als ic erscheint : multa : ascolta 690 , multe : re- 
colte 96, Corona : duna 1032 (wenn nicht coruna\ respuse : pose 
(potest se) 984. 1174 und: -ose (-avit se) 1364. 1430. Weitere 
Belege für 2 ; e sind Sevilla : appella 162, meco : dico 598, Cata- 
rina : piena 1481. Und ist eine solche Bindung als möglich 
anerkannt, so wird man sich in den zahlreichen Fällen, in 
welchen Verbalformen mit e und solche mit ^ mit einander 
reimen, davon enthalten, die grosse Regelmässigkeit in der 
Flexion, welche unser Text aufweist, zu Gunsten des Reimes 
zu verletzen: vedere : apparire 1525, convertimo : crederemo 793, 
averete : gite 847, languia : tenea SSl,feceano : odivano 122, giano : 
aveano 1533, porria : avea 246, porriano : occideano 104. Vgl. 
noch lucea : dia 1008 ; in farria : tea 889 wäre es nicht schwer, 
ein tia (an mia angebildet wie tea an mea) anzunehmen ; man 
darf aber das Ueberlieferte bewahren.' Zu erwähnen ist schliess- 



^ 132 mea : porria könnte man allenfalls, da mia vorkoiiiint, ang-leichen 
Als ein weiterer Fall von geringer Bedeutung sei erwähnt die Wieder- 
gabe von Deus reimend mit io (der Text kennt nur diese Form) ent- 
weder als dio 487. 900. i;5G2 oder als den 1493. Audi hier lässt sich 



o72 Miissafia. 

lieh ilcsulerio : tinuiirio 1007. 1574; in bcitU'u Fällon käme 
allerdings dem Metniiu zu statten, desiro zu lesen: ob aber 
das so schwanke IMetrum genügt, um eine solche vom Stand- 
punkte des Reimes nicht nothige Aenderung vorzunehmen, möchte 
ich bezweifeln. Wohl aber ist Aenderung geboten, wenn andere 
Vocale als die zwei bisher besprochenen Paare mit einander 
gebundenerscheinen; \0'o'2 pyeyone : ao ; \. pregao. An anderen 
drei Stellen linden Avir dieselbe Endung -one, mit ane (377), 
fane (485), sane (^1396) reimend. Auch hier muss die Endung 
mit -d- in Anspruch genommen werden ; nur fragt sich, ob 
do : ane mit unreinem Reime in dem posttonischen Theile der 
AVörter, oder ob, um reinen Reim zu erhalten, die sonst im 
Texte nicht vorkommende Form -ane (d. h. -ä statt -ao luid 
paragog. ne) anzunehmen ist. 1638 pigliate : menete in coor- 
dinirten Sätzen; beide Älale -ate oder -ete. 1664 petuta : exaudita; 
darf man nach dem Muster anderer Participia schwacher I-Verba 
(^§. 104) exauduta ansetzen? 

b) Auslautender tonloser Vocal; -o:-u, wenn beide auf 
lat. -u zurückgehen {-ato : -atu 1519, -aro : -aru (-drunt) 1354 
u. s. w.; auch -ao : fau 1256 gehört hieher) hat keine Bedeutung; 
nur adoro : cliovu 343, provo : novu 495 sind zu bemerken , da 
unser Text für -ö kein -ii kennt. Selten -e : -i :fratri : sostengate 
1537, denanti : levante 1102, giogie : ogi 300, Adv . foi-te : accorti 
751. Fem. Plur. soe: voij ist etwas mehr störend, da -i sich an 
den betonten Vocal diphthongisch anlehnt, -e aber nicht; da nun 
soi für Fem. Plur. belegt ist, so darf man diese Form ansetzen. 
Auch wird man sich erlauben, dort anzugleichen, wo die Gram- 
matik dafür spricht ; 'parenti : molte gante 146, ahesongiusi : tu U 
fa copiuse 1586. Andererseits wird man, da Femin. der IL 
auf -t doch zulässig erscheinen (§. 81), sich enthalten, aus gram- 
matischen Gründen bei carti : arti 168. 540 den Reim zu trüben, 
oder bei stradi : citade 797 reinen Reim herzustellen. Grösser ist 
die Unreinheit des Reimes, Avenn es sich um andere auslautende 
Vocale handelt als um die erwähnten zwei Paare. ^ 425 arti : 



angleichen. Und wenn wieder neben eleu,: seo 1412 auch dio: feo 1368 
vorkommt, so mag man in letzterem Falle deo ansetzen; durchaus noth- 
wendig ist diess nicht. 
1 Die Bindung combacte : ahact.o 676, lieide 1. Pers. Sing., kommt selbst- 
verständlich nicht in Betracht. 



Mitllit'ilunp;cn iuis romiknischcii Handschriften. II. O i O 

rarid ist Iciclit zu cartl zu iiiulcrn. 1GÜ6 ajata o. Pracs. Con- 
juiic. : virtuti; die regelrechte Form ajuie ergibt -e:-i; über 
mani : vanu §. 11 ; signore : allora 1444; 1. allore (ZlvP. VII 255). 
139 dtade : chiamafa bliebe demnach der einzige Fall. 

c) Verschiedenheit betreffs der posttonischen Vocale be- 
gegnet in hestie : tempeste 186: andere Fälle unter dV 

d) Consonant. -ade : -aie, -ajo : fuj'io, Voc. NN : 1 or. ND 
(hieher gehört auch dompiui [donva] : monda) bilden keine Asso- 
nanz ; es sind verschiedene Behandlungsweisen derselben Laute, 
die Angleichung zulassen, Ja fordern. Auch savio : coragio 544 
liesse sich zu sagio ändern. 

Der Assonanzen sind indessen ziemlich viele. Vor Allem 
ist tönendes mit tonlosem s zu bemerken: remase 148, cose 878, 
respuse 1174. 1364. 1430, reimend mit oxytonen Verbalformen 
nebst inclinirtem se; es handelt sich aber überall um ein s, dem 
einst n vorangieng und das im Toscanischen den bekannten 
eigenthümlichen, dem des tonlosen ,'? ähnlichen Laut hat. Die 
anderen Fälle sind: steine : entrare 226, paxione : core 353, citade : 
adorare 890, fede:deve 642, ardita : mica 248, imqno rinimicii 
1280, fece : confese 45, palazo : ractu 564; loshighi : pi-indi 910, 
recpia : sempiterna 740. 1196, defenda : regna 114i'), vergogni : ogi 
898; poza (oder possa) : mosfa. 580, comandamento : dentro 1114; 
dazu -nte : frafri (wenn nicht frati, wie 28) schon unter h) 
und a'idi : superhi schon unter a) angeführt. ^ Bei Proparo- 
xytonis um so leichter; menano : degiano 1378, con vertan o : 
flectano 1276, videci : carnißci (zugleich verschiedener vorletzter 
Vocal) 1535, legere : comprehendere 152, respondere : -ponere 363, 
1178, maica : jpradica 1485. Paroxytona mit Proparoxytona ist 
eine seltene und vielleicht abzulehnende Erscheinung : carne : 
campdro)ie 810, farene 121S-^ -ar im Perf. ist leicht annehmbar; 
im Tnlin. pflegen zwar südliche Mundarten -e auch bei Inclina- 
tion zu bewahren (RS. §. 50); indessen kennt gerade unser 
Text manche Fälle der Apocope, so 974 redirelo : mplrlo, wo 
ohne weiteres anzixgieichen ist und 1326 ajutarla : toccarula'^ 
entweder -arla : -arla oder -arela : arida mit verschiedenem vor- 
letzten Vocal. 188 vederelo : ello, ist zu -erlo : -ello zu ändern; 



' Dnr Srln'ftibor Dom Petni wenfl^to nntor .slnhon Vprspnnroii ilicini.;! 
As.soiianz: Nicola : iwva, hrnmiiacivo. : Maria , Injc : (jovcntc. 



3 < 4 M 11 ssafi a. 

einen reinen Reim erhielte man clureli die Form vedello ; aber 
ich bezweifle dass diese AssimiLation in nnserer Mundart statt- 
haft sei. Am Sonderbarsten ist macjnanuln : faula 1172; der 
Accent im ersten Worte kann doch intr auf dem ersten a ruhen; 
Av*'ini man aucli annimmt^ fnula sei als Proparoxytonon gefühlt 
worden oder dafür fannula ansetzt, so ergibt sich eine Un- 
gleichheit in der Anzahl der posttonischen Silben. 

Andere ungenaue Reime kommen zur Sprache in den 
Anmerkungen zu den Versen 112. 170. ooö. 849. 993. 1000. 
1104. IIOG. 1453. 



Mittheilunsen aus romanischen Handschriften. II. 



375 



öignui'i, boua gcnte, T)? 

Ponate core et mente 
Alle sante parole, 
Ad CTii odii'c Ic vole; 
ä Cha le cose mundane 
Sapite clia so vane, 
Cha multi l'au imo anno, 
Che-lhi altro sc-nnc vando; 
Ma le cose cternali 

10 Loeo no pozu mali. 
Quilli che ben conuscu 
Lo chiaro dallo fuscu 
No-lli ene bisogniu reprcndere, 
Cha ben la sao compi*eudere; 

15 Ifa vni che qui sedete, 
Se ascoltare volete, 
lo vi contaragio, 
Breve quanto porragio. 
De una nobile ystoria 

20 De qtiella plcna de gloria, 
De Santa Catarina. 
Uiiella vergene fina, 
In cui ogi la gente 
Tucta conirannamente 

2'» La porta con devotione, 
Certe con gran rascione. 
In quilli tcinpi andali, rjT'' 
Ascoltatc, boni frati. 
In ten*a alexandrina 

'W Ei'a qnesta farina. 
Allora signioriava 
Uno che s(> cliiamava 
Massenzio iraperadore, 
Pes.sinio ei. mal faetorc; 

35 Sodea pro li*i banale 
Con sua verga regale. 
Trenta sei anni regnatu 
Area lu inipcriatu 



Uuando ipso divisone 

40 Et qiiesto coraraandone 
Per tucto sou pajese: 
Terrazano et forese 
Vadano ad sacrificare 
L'idoli che fece faro. 

45 Una pistola fece 

La qnale cosi conte.se: 
,Massentio imperadoi'c, 
Lu nobile signore, 
Ad omne soa citade, 

50 Ville et soe contrade; 
Salute da soa parte 
Vi manda in omne parte. 
Tucti quanti sciate 
Cha in cort'e indevisate, 

55 Che ciaschunoad mivenga, 57 
Como se-lli adconvenga, 
Ad odire lu bando 
Chc-sse-lli inpune oguando. 
Qualunqua no vennessc 

60 Ad tale pcna jaequesse 
Conio e custoditu; 
Dollo seo scia scaltrito; 
De foco et de coltclhi 
Li darremo Hagcllo.' 

05 Fece quisto bando meetero 
Et poy mandö le lectere. 
Poy che fo saputo, 
Cotantu fo temuto 
Che venne cotanta gente 

70 A-llui subitamente 
Che locu no trovavano 
Nclla eitfi dove stavano. 
Poy che-lhi gente vede, 
Massentio rcprovede, 

75 Pro tribunalc sedendo; 
Et lu altro di vencndo, 



.S7(; 



Mussa f i a. 



i'oco commaiidamento 
Senza dcmoramcnto 
Che omnc hom che i'icco cra 
SO Teuga cotal manera. 

Che dcgia allu texuplu gire 
Ciaschuno ad offerire, 57«' 
Chi vovo et ehi vetello, 
Chi castrato et chi agncllo 
85 Oy altra bcstia grossa, 
Secundo como se possa; 
Et altri poverelli 
Becheno piilli et cclli; 
Alli ydoli ofi'eriseano, 
i)0 Tiieti qiianti obediscano. 
Odendo hi commando. 
(Che-ssc-lli inpune oguando) 
Ciaschuno no tai'dando 
De gradu in grado andaro 
95 Et loro offerta donaro. 
Poy che foro recolte, 
Erano bestie multc, 
ßovi beu cciito trenta, 
No credate ch' io mcnta, 

100 Senza bestie menule 
Che foro recepute 
Et de aini et de castrati 
Che no foru nominati; 
Contare se non porriano 

lüä Uuanti se-nne occideano. 
Et altri pnlli et celli; 
Sacciate ca foru iielli, 
Non tanto che cappisscro 
Alle tempio dove gissero, öS'-' 

HO Ma tucta la citadc 
Plena era in veritate; 
Tanto reniore feceano 
Che omne hom sei assorda- 
Tucte genti cantavano [vano. 

Hü Ad altu et poy sonavano 
Tromme et corni et bncine 
Ch' erano senza fine, 
Et altri loro strominti 



Che usavano alloru lu geuti. 

120 Una per lo sonare, 
L' altra per lo cantare 
Tanto reniore feceano 
L' nno r altro no od i vano. 
Lumora tante feceano 

125 Che gran chiareze faceano 
Senza lumora d' entorno 
Per le hiniora d' entorno. 
Lo sangue delli animali 
Correa como canali. 

13U Che allora se occideano. 
Che sacrifieare voleano. 
Ma per la lengua nica 
Contare no se porria 
La gente che vi andava 58'' 

135 Ad quella opera prava. 

v7r quella gloriosa 

De Jhesu Christo sposa 

Era in quella citade 

Che Alexandria e chiamata; 

140 Or voglio che sacciate 
Per ferma veritate 
Cha figlia fo de rege, 
Secundo como se lege. 
!Mortu era allora lu patre 

1 15 Corte et an che la niatre; 
Pemasc ad soe parenti 
Ella con multe gente; 
Et ella rede remase 
Comu per scriptu sase. 

150 La riccheze che avea 
Tucta la despendea 
Li libri et in lcge[re] 
Per omne scientia comprehen- 
Ora vi voglio dire [dcrc^. 

155 Uuanto fo sou sapire: 
llectorica parone 
Uuanta se-nne trovone, 
Virgiliu et Galieno 
Et Aristotile plenu. 



Mittlieilungen aus romanischen Handschriften. II. 



37: 



IGO Homeriu et bonu Platoue, ü8<^ 

Avicenda e Zenone, 

Oratiu e Sevilla, 

Ovidio se appella, 

Et altri savii multi 205 

105 Che qui no so concolti; 

Tucti sapirc volsc, 

A mente li recolse. 

Infine de tucte arti 

Sapire volso per carti; 210 

170 L'arte de gramatica 

Troppo bene sapia; 

Sexanta dui lenguajora 

Questa plcna de gajora 

Tucte quantc parole, 215 

175 Et bene ministrolc; 

jN^ulla scientia era 

Che no sei fosse yera. 

Vuando foro queste cose 220 

Cotanto abominose, 
180 Santa Catarina, 

Vergene piTra e fina, 

Avea dece et octo anni, 

Vestuta fascie et panni. 225 

Uno jorno stando, 
1!^5 Gran gente odio gridando, 

Et altri animali et bestie 

Chefeceanograntempeste; 58-^ 

Volse gire a vederelo 2:{() 

Uue fosse per ello. 
lÜO Vidi gridare multi, 

Ch' erano loco concolti, 

Fortemente plangeano 

J)e quelle che vedeano; 2:^5 

Vedeano li ])anaiii 
l'>5 Colli strominti in mani 

Ad fare hi sacriticiu, 

Aspectando beneficiu, 

Alli mali loro yduli; 240 

De Jhe.su Christo inci'iduli, 
200 Ciuilli ydoli adoravano 

Sit/.nngsber. <L phil.-hist. Cl. CX. IUI. II. Ilft. 



Et Jhesu Christo iassavano, 
Sei che-lli christiani 
Stavano quiti e piani, 
Pariare no scuctiavano, 
Is^anti se-llo duravano. 
La vergene, sguardando 
Quel che quelloro fanno. 
Audüsenne con gcnti 
Ch' erano soy serventi; 
Ando forte et veloce 
Collu signu della croce; 
AUo tempio ne audone 
Et daventro entrone. 59" 

Ad iino sou servente di.sse 
Che ad Ma.ssentio ne gisse; 
,I)icerai cha: „Questa 
Nostra dompna no entra, 
Dice che vole entrare 
Con vui ad rascionare"; 
Mo vidi que te dice 
Quella cruda cervice.' 
Entro lu sou servente, 
Passö fra quella gente, 
Disse allo signore 
Prunto con gran vigore: 
,La domna nostra stane 
Alla porta per entrare; 
Dice cha vole entrare 
Con vui a-rrascionare.' 
Uuillo respuse: ,Venga, 
Chaparche-sse-lli aconvenga'. 
Lu missu no sc fisse, 
L' ammasciata redisse; 
Et ella no tempio entrone 
E Massentio vi trovone 
Con gran turba pienera 
E con grande lumencra, 
Tucti saerificando 
E loro idoli adorando. 59'' 
Quando nel tempio entrone, 
Omne hom li mirone 
Clie era tan tu bella; 

25 



37S 



Mnssiif i a. 



Liicca piü che de slcUa. 

Sei bella creatura 
245 No fece la natura; 

Contare se no porria 

Le belli(ji ch' avea. 

Andö pi'onta et ardita, 

No inpaijorenno miea; 
250 Da Uio era infiammata 

Et' bene confortata. 

Vidc quisto exercitiu 

De quisto sacrifieiu; 

Ad Massentio ne andone 
255 Et sci-llo salutone, 

Udite en quäl manera, 

Quella vergene vera: 

,Uyo vi salve, signore. 
Et devi forza et vigore 
260 Che Christo conoscate 
Con granne sanctitate, 
Et r idoli lassetc, 
Che piü ce no credete.' 
Et fece sou serraonc, 

205 Lu quale mai'no föne 59'^ 
Ne piii hello ne piü aduruo 
Como fece in quillo giiirno. 
Nello sou dire tcnca 
La manera ch' avea 

270 Virgilio nel parlare, 
Cha ben lo sapia farc, 
Cha Deo era con ella 
In Icngua et in favella. 
Lo sou parlare recha 

275 Allor na lengua grcca; 
Ben abera potuto, 
Se avesse voluto, 
D' onne lengua parlai'e; 
Cha be-llo sapia fare. 

280 In quisto sou sermone 
Multi savi toccone, 
Disse allo signore: 
,Par che sti' 'n errore, 



I'ar che agi congregata 
285 Questa gente qui adunata, 
Et faila tucta errare 
Coli' idoli adoi'are. 
E tu medemme ey erratu 
Se r idolu ai adoratu; 
290 Or leva su lu core 

Et esci de quisto errore, 
Ad Jhesu Christo cridi, 59'' 
Ne fare como superbi, 
Che volu contenere 
295 Che Christo no a potere. 
Or vidi quisto exempiu; 
Reguarda ad quisto tempiu 
Como so lavorati 
E tueti per me nati, 
300 Con tucte queste giogie 
Como nui vederao ogi; 
Et r idoli medemme 
D'oro et de argento con gemme 
Tucti so facti ad mani; 
305 Chi altro crede e vanu. 
Or no sai che un gran ventu 
Tucti da fondamento 
Uuisto tempiu farria 
Scervicare una dia? 
310 Or no voglio che tai'dy, 
Vollio che ad celo guardi 
Colle soe paramenta, 
Lu sole colla luna. 
Che tantu lume duna, 
315 Et an che delle stelle 
Che [so] lucide e belle, 
Che raai ficta no fanno; 
Pellu airo vao volando 
Et vcngu da Oriente 
320 Et vaosenne in occidente, CO" 
Nulla no e che-sse figa 
Senza de lor fatiga. 
Or penza chi le fece: 
De quisto dire convece 
325 El quale fece lu mundo, 



MittliPihuifjen aus romanischen FTamlsrliriftcn. II. 



379 



Ch' c bellu et c rotundo, 
Che mari et fiumi et fonti, 
Che vanno i'ra li munti. 
Et celli et pisci con fere, 

330 Che regere li mere; 
E-lla terra chi fructa 
La vita monstraru tucta. 
Or te micti ad pensare 
Chi lo fa questo fare, 

335 Et li homini et li animali 
Chi governali fane: 
No altri che solu Dio, 
Isso colo figliolo sio, 
Che nellu miiadu mandolo, 

340 Che-llu recomparolu 
Dallu peccatu 
Dello primo hom natu; 
Or quillu Deu adoro 
Che sta sopre onne choru, 

345 Che e signore potente 60'' 
Sopre omne anima vivente; 
Fo sempre et serrä 
Che mai no mancai'ä. 
Et sempre soa gloria 

350 Portarö na memoria; 
E In Santo sou figlio 
lo voglio per cosiglio; 
Et la Santa soa paxione 
Tu portaragio en core; 

355 E quella santa croce, 
Dove illu posto foce, 
Ad qnella nie aeomando, 
Sempre Christo laudando. 
Tu, se questo farray, 

3(jo Jjo nieglio prendei'ay.' 
(iuistu sermone fornito, 
Massentio fo jorditu 
Et non potea respondcre, 
No tantu che apponere. 

3(35 Poy se pur cont'ortone 
Massentio et favellone 
Et disse: .Damiscella, 



Taci mo toa favella; 

Non c' impedementire 
370 Questo nostro offerire; 

Lu sacrificiu factu, 

Responderocte ractu 60«= 

A-cciö que proponisti, 

Poy che qui venisti.' 
375 Factu lu loro orditiu 

De quillo sacrificio, 

Massentio commandone 

Alli famigli che ane 

Che tostu fossc presa, 
380 Senza nulla defesa, 

Ad palazu menata 

La vergene biata. 

Como illu commandone 

Cosci factu sei föne. 
385 Qnando in palaczo introne, 

Massentio li mirone; 

Quasi tucto languia 

Se mente li tenea; 

Pariali tanto bella 
390 La gentile damiscella! 

Per la gratia de Deu 

Lucea lu viso seo; 

Como sole in jurno 

Lucea el sou viso adurno. 
395 Quanti ne-lli guardavano 

Tueti se-nne senavano 

Delle soy grandi bellizi 

Colle placiviliczi. 

Massentio li guardando, 
400 Ad clla favclkindü, 00*1 

Disse: ,Tu sei' figura 

De sole ])or natura. 

Que fo quillo che dixisti 

Quando ogi ad me venisti? 
405 Et come enc lu tou nume, 

Che spandi si gran fiiime 

De nobile parlare, 

De cotantu alegrare 

De savü <;f de poeta, 



25* 



380 



Mussaf i a. 



410 Et de omnc scicntia splcta?' 
Ecspuse Catarina, 
La piciia de doctrina: 
,No conusci clai sone 
Et lu nome clic io one? 

415 De Re Costa fui nata, 
Catai'ina so chiamata; 
Et lu tempu mio 6 despisii 
In legere che 6 impriso; 
Che Virgiliii paray 

420 Et multi libri assai. 
Et pochi a\ituri so stati 
Ch' io no agia parati, 
Et de omne gran scientia 
Io crcdo avcr prudentia; 

425 Infine le septe arti 
Tucte parai per carta; 
Et de omne lengna saccio ; 6 1 * 
Bene ad sapire te faccio: 
Tiicto quisto sapcndo 

430 Et mca rieheze vennenno, 
Tncta r agio lassata, 
Ad Christo me so data, 
Ad quillo Christu araoruso; 
Quillo voglio per spiiso. 

435 Convenente ni' e statii 
Com' e prophetatu, 
Como disse lu prophcta 
Con soa loquela spleta: 
Perderö Io sapire, 

440 Lo quäle me piacque dire, 
De omne granni scientiati 
Li quali agio pai'ati; 
Or tengo altra scientia 
De raajure excellentia, 

445 La quäle reclio Christai; 
De quella farragio aquisto.' 

JUu iraperatore respiise, 
A-lley mente puse: 
,Io credo fermamente 
450 Che nata non si' niente 



AUu mundo de hom natu, 
Che si bene üy favellato; 
Ma so' qualche risione, Cl** 
Che qui apparisti mone.' 

455 Eespuse la polzella 
Con soa franca favella: 
,Massentio, anche indurisci, 
Ade quel ch' io -te dissci: 
Dici cha so visione 

460 Et femena no sone; 
Li dei dove spene puni 
ISTo contrastau ad visiuni? 
Or dime: in que figure 
So facte queste scolture?' 

465 Maxentio disse ad ella: 
,Q,ue parli, semplecella? 
Nostri dei so gloriusi 
Et multo virtuusi.' 
Et Catarina a-llui: 

470 ,0r desputete vui. 
Et io te mostreragio 
(ISTanti no me-nne vagio) 
La croce ch' e senata, 
De stelle incoronata; 

475 In septeandrionali 

Vederai quisti segniali. 
Anche te voglio pregare 
Tu-cte micti ad pensare 
Lo nenguere et lo piovere 

480 Et la terra commovere, 

Bonnire et tonetare, ßl"^ 

Fulgori et allustrare; 
Uuesto no e facto jecola, 
Fo dalla prima secola. 

485 Quillo che ordenone 
Uuesto che-sse fane, 
Quisto e quillo alto Dio 
Del quäle te dico io. 
L\i errore dove state 

490 Delli dei che adorate 
E una cosa soctile, 
Obscura, fosca et vile, 



Mittheiliingcn aus romanischen Ilandschiiftcn. II. 



381 



Et ene gran fautasia 
Tcnerc per questa A'ia; 
495 Ma io tc insegno et provo 
Per hl testamento novu 
E-lla glöria de Dcu, 
Lu qualc e spiiso meo.' 

l^n imperadorc, odenno 
500 Costei cosi diccTido, 

Multo meravcgliose 

Et enfra se tnrboso 

Et disse: ,Io no ?accio 

Rcsponderc vivaccio, 
505 Ca HO so lecteratu, 

Che tantu agia paratu; 

Ma io venire farragio 

Li savii che averagio; 

UuiUi te sapcrao rcspondere, 
510 No-lli porrai confondere ; Ol'' 

Da loro venta sarray, 

Da poy che oderay 

Tucta parti ciliare 

La lege che-sse deve furo; 
515 Et tu conven che aduri 

Li nostri dei migliiiri.' 

Complendo quisto parlare, 

La pistola feee fare; 

In qucsta forma föne 
520 Como vi contarone: 

.Maxentiu imperadorc, 

Lu nobile signore, 

Ad orane soa citadc 

Et ville et soe contrade; 
525 Sahite c benivolentia 

Yi manna la sua dementia, 

Significando ad vui 

Una femena enanti 

Con soi dulci pi'edicanti, 
ö:U) Con soa lege nova, 

Che-lla nostra reprova, 

Et dice che e falsa 

Et la soa pure adalsa, 



Et a tanto sapire 

535 Con sou soctile dire 

Che non sapimo rcsponderc; 
Tucti ci volc confondero, 
Et plena e de omne gloria, 
Tanto a sinno et victoria; 62* 

540 Et tucti secte 1' arti 
. Ella prova per carti ; 
Undi vi commandamo, 
A-ccio che-lla vencamo, 
Davuncha c hom savio 

545 Che sia de gran coragio, 
In quahmqua scientia 
Illu avera prudentia, 
Venga senza tardanza 
Ad nui con securanza; 

550 Et lu qualunca abacte 
Costei ehe me eonibacte, 
Darrajoli gi'an duno, 
In gran gloria Io puno.' 

VT^uc"ste liefere gite, 

555 Poy ehe-Ue aver udite, 
Qualunca ä gi'an coro, 
Che se sacza vigore 
Che gran scientia avesse 
Che honore avere credesse, 

560 Subito se abiaro, 

Davanti allo ße andaro; 
E for ben einquanta, 
Secundo che-lla storia canta. 
Poi che foro in palazo, 62'' 

565 Lu eraperadore ractu 
Ad tucti fecc honore, 
Et eontoli lu tenore 
E disse: ,Q,ui se mustra 
Chi a scientia lustra, 

570 Che penza a lei contendcre 
E nostra lege defendcre, 
Ad quista savia femena 
Che tanto sapire semena ; 
Dice che nostri dei 



382 



M u ssaf i a. 



575 Sonno demonü rei; 
Cosi lo aiFcrma et dice 
Et lo sou deu ben lo dicc. 
Scio che dico [e] qucsto: 
Qiialunque a tanto Icsto 

580 Che contrariare poza 

Ad qiicsta question mosta, 
Che qnesta persona ammactc, 
Che tanto me combacte, 
Se tanto c chc-lla qucte, 

585 lo li do ciö que pete.' 
Lu majure licterato 
Allora abe parlatu: 
,0r venga mo costei, 
Che sia dcnanti a mei; 

590 Alla scriptura prima 
De Omero che fo cima 
lo te-lla venceragio 
Con quelle che dirragio. 62<= 
Como se trovaria 

595 Domna nata che sia, 
Che cotanto sapesse 
Che contra me staesse? 
Falla parlare con meco; 
Odendo quel ch' io dico, 

600 S' io no-lla ammacto qnesta, 
Famme tagliar la testa.' 
Lii eraperadore, odendo 
Queste parole dicendo, 
Multu se fo alegrato 

605 E tosto a commandato 
Che Catarina venga 
E soa lege contenga 
Davanti alla soa bancha, 
Dove soa gente sta franca. 

610 Ad qiiesto questionare 
Fa gran gente adunare ; 
Mandaro alla prescione 
A dir che venga mone. 

t^uando quella lo intese, 
615 Le mani ad celo stese, 



Dicendo: ,0 alto Dio, 
Tu che ey spuso mio, 
Tu me sta apprcsso onn'hora, 
Cha io per nie nientc fora.' 

620 Complendoqucstaoratione 62'^ 
Con grande dcvotione, 
Jhesu Christo bcnedicto, 
Che ajuta lo dericto, 
Alla Santa fidele 

625 Mandö hl Micchacle 
E dice: , Catarina, 
Vergene pura et fina, 
Sta ben francamente, 
Cha 1' alto Dio omnipotente 

630 Te darrä sapientia 
Sopre la tua scientia, 
Che tucti vencerai 
Quilli che trovarai, 
Et convertire se digiu 

635 Da poi che mo se avigio, 
Et martiri sarrao. 
Ad celo venerao; 
Et multi altri, allo ver dire, 
Se digiu convertire 

640 Per lu exemplu de quisti 
Che foru cosi antisti, 
Sei che-lla sancta fede 
Per vui crescere deve; 
Tu medeme pe questo, 

645 Como ce c dellesto, 

La Corona averai, 63* 

Ad celo venerai 
Ad recepire la gloria 
Con sigiio de victoria; 

650 Io so lu Micchaele, 
Che colle mie loquele 
Vmdite ad confortare 
Et ad evangelizare 
De quelle che averai, 

655 Sei che te alegrarai.' 

Uuisto sermone complito, 
Lu angelo fo partito. 



Mittheilungen aus loniaiiischen Handschriften. II. 



383 



Li servcnti pigliarola, 
Ad palazu raenarola 

660 Nanti lu emperadore. 
Ella dissc: ,Signoi'c, 
Che judicio e questo 
Che äi cosi conquisto: 
Che adunare fecisti 

665 Qiiantunca savü avisti 
Per fareli disputarc 
Et tucti contrastare 
Con una femenella 
Che de Christo favella; 

670 Et dice che me abacte 
Che contra Dio combacte 
Gratia guidardone daili 63'' 
Et miiltu exaltaraili; 
Et a me no fai spene 

67ö De fareme niülo bene, 
Se io per Dio combacte 
Et tucti quanti abacto. 
Ma io ö spene in Deo, 
In Christo spiiso mio, 

680 Che niillo mio sermone 
Multi ne converterone, 
Et sarrao chiamati, 
Da Christo coronati, . 
Et io averö victoria 

685 Da Christo Deo de gloria.' 

JLu primo licterato 
Allora abe parlato 
Edisse: ,Ei tu questa 
Che äi sei savia testa? 

690 Or sta queta et ascolta 
La mea scientia multa, 
Et io te ascoltaragio 
Et ben te responderagio.' 
Ad quisto parlaminto 

695 Eo grande adunaminto 
De s;enti che guardavano 



Quando questionavano. 
La vergene gloriosa, 



63^^ 



De Jhesu Christo sposa, 
700 Eecese croce et rise 
Et ad parlare se mise; 
,Site vui lu migliore?' 
Volsese allu doctore, 
Feccli uno argominto 
705 Soctile ad compleminto, 
Lu quäle de Omero föne, 
L\i primo che allegone; 
E dapoi mise vocca 
E multi savii tocca 

710 E tucto lu sou sermone 
Provoli ben per rascione. 
Poi che-llu abe complito, 
Lu savio fo storditu, 
Lu capo abe fieetuto 

715 E stava como mute. 
E-lli altri savi entorno 
Vedeano quisto scorno; 
E sancta Catarina, 
Quella vergene fina, 

7:20 Sorrise et disse a-llui: 
,Como no parlate vuir' 
Da poi se volse a tucti 
Dicendo cotal mucti: 63"^ 

,0 cechi della mente, 

7'25 Vedete veramente 
Ch' io vi agio provatu 
Uuantuca agio allegatu. 
Or responda chi vole 
Sopre le mei parole; 

730 Vui setc cacciunelli, 
Iso sapite cobelli, 
Ma nello parlar mio 
E scientia de Dio, 
La quäle a reprovati 

735 Tucti nostri peccati. 
Adunqua vi voltate 
E Christo conoscate, 
Cha ad quillo se convene 
La gloria et omne bene, 

7-iO El quäle vive et regua 



38-1 



M u s s a f i a. 



In gloria scmpitcrna.* 
E hl doctorc sc ascise 
Coii ycrgogniosa fronte 
Delle paraalc contc. 

745 Tticti li altri docturi 
E Maxentiu anciiri 
E tticta r antra gentc 
Che era-lly prcsente 
Scdeano sbergogniati 64a 

750 Celle Corpora inclinati 
E dnbitaro sei forte, 
Poy clie-sse foru accorti; 
Li altri docturi yedendo 
Lu primaro vencendo, 

755 Nnllo fo scuttiante 

Che fosse a-llei parlante. 

Ijn primo se levone, 
Ad Maxentio favellone: 
,Niillo hom mai trovay 

760 Ch' a me staesse may; 
Sol a questa pnella 
Con soa soctile favella, 
Ch' e in omne son latino 
Lu spiritu divino, 

765 Con sou grande sapire, 
No sapimo que dire. 
Pcrö no ne responda, 
Ca par che ce confonda; 
Con sou sancto signaculo 

770 Par che niustre miraculo, 
Che a Deo ce convertisca; 
Chi altro dicc se invisca.' 
Lu imperatore iratu 64^ 

Alli altri ä commandatu: 

775 , Docturi tucti quanti, 
Facciateyi denanti 
Collo sapir c' avete, 
Che-lla vectoperete.' 
Li docturi respiisero, 

780 Ad Maxentio propusero: 
,Se-llu primo doctore, 



Che de vui e lu miglorc, 
Da-llei c repi'ovatu, 
Che-llu a vectoperatu, 

785 Como nui scuctiaremo 
Dire, che no sapemo? 
Sei che nui te dicemo. 
Ad quelle che vedcmo. 
Che ydoli se no cregiano, 

790 Ma rompere se degiano. 
Se questo tu no fai, 
Lo peju preuderay; 
Ma nui ne convertimo, 
In Christo crederemo.' 

795 JLu imperatore iratu 
AUora a commandato 
Che in mezo della citade 
Nelle majuri stradi 64"= 

Che siano nello focu arsi 

800 E nella cene[r] sparsi, 
,Che ad iina femenella 
Con soa soctil favella 
Vencere vi lassate 
E tale parole usate; 

805 Adunqua per rascione 
Morite a derisione.' 
Date questa sententia, 
ISTanti la sua presentia 
Li cavaleri pigliaroli, 

810 Alle focu menaroli. 
Uno ne favellone, 
Alli altri se voltone 
E disse: ,Q,ue facemo. 
Che appresso a morte semo ?' 

815 TJn altro disse: ,Io dico 
Ad ciaschuno mio amico 
Che ad ella ne acostemo 
Che-llb insigno parenio 
Della sua sancta fcde; 

820 Forscia ci mo concede 
Air alma pietate 
Per la sua santitate 



Mittlieilungeu aus lonianischcn llandscliriftcu. II. 



385 



Che rcqnic trovando." 

Colla donnc vando, 64^ 

Sl'ö Guardaro alla benedeeta 
Con dcvotione necta 
Dicendo: ,Sancta dompna, 
])' ogni pcccato ci monda; 
Danci hi sancto -signo 

830 De quillo dolce ligno, 
De qiiella santa croce 
Dove Christo posto foce, . 
Che pclla nostra morte 
Ce opera le portc 

835 Delhi Santo paraviso, 
Dov' e gagiu e riso; 
Per la tiia sanctitate 
Questa gratia impetrate.' 

Ija -vergene lo odendo 
840 Fo lieta et respondendo: 

jNo vi diibitete, frati, 

Cha bene sete biati; 

Per In meo salvatore 

Sete usciti de errore; 
845 Como sete conjunti, 

Or State arditi et prunti; 

Lii baptisimo averete 

Delhi focu dove gite 

Et pocu fatigarete 
850 Ad quelle che acqnistate. 65* 

Lassate la casa inferna 

E gite a vita etcrna.' 

Cosi-lli favellone, 

Cosi-Ui confortone; 
855 La croce li foce fare, 

Ad tucti Dco laudare; 

E nellu focu intraro 

Et issi se consuraaro. 

Da poi che loro paxione 
860 Cosi complita föne 

A giurni dicisepte, 

E depo' qiiesto facto 

Christian! giero racto 



Uuasi fiirunimcnte 
865 Tenendo pella gentc 

Loro Corpora [cercaro,] 

Inlcse le trovaro 

Che ja no erano arse 

Ne pellu focu sparse. 
870 Kon tanto la loro carne, 

Ma li capilli camparone, 

Che no-lli toccliö focu; 

Chiascuno era in sou locu. 

Quando questo vedero, 
875 Multi se convertero; 65'' 

Poy foru quisti pilliati 

E bene socterati. 

Complite queste cose, 

Maxentio voltose 
880 E disse: ,Catarina, 

Nobile fautulina, 

Piena sei' de scientia 

E d' ogni gran prudentia ; 

Solu che me cridisci 
885 E-lli mei dei obedisci, 

lo te farria exaltare • 

Che no trovassci pare. 

Eigura una farria 

Allä semeglia tea 
890 In mezo d' una citade; 

Farriala adorare; 

Digna sarri' ad regnare, 

Lu impcrio ad signoriarc. 

Luce lu tou viso fiuo 
895 Como lu sole in scrino.' 

Catariua respuse, 

Ad Massentio i'espuse: 65^^ 

,0r conio no vergogni, 

Suzo caner ca ogi 
900 JSTo tc agio dicto io 

Voglio per spuso Dio? 

E quillo e mio dilectu 

E omne bene perfectu, 

E quella e la mia spene. 



386 



Mu s saf ia. 



IH),") So;i gloria ö ogni bone, 

E quclla c raia dolcczo 

E omnc placcvclczc; 

Da quisto amorc may 

1^0 mc revocarai, 
010 J^e tanto mc losinghi 

Che con toi parol mc prindi; 

Ne tanto mc mcnacci 

Che martoriu mc facci.' 

Maxcntio fo adirato 
915 Ad clla ä favellatu: 

.No par che vogli fare 

Cosa da tc honorare, 

Ma vetoperarai voy 

Tu con parenti toy. 
920 De rege tu nacquisti 

E purpura vestisti; 

No mc-ctc farc farc 

Cosi vctoperare.' 65'' 

Jja vergene a parlatu: 
925 ,Maxentio, como ei crrato! 

Cridime cmpaurire 

Con Quesso vostro dire; 

Ja no me par forte; 

Cha multa gentc vegio 
930 Che in Deo mo crigio, 

Uuilli spetialmente 

Che so dcUa tua gente.' 

Lu cmperadore iratu 

Allora a comraandatu 
935 Chc-lli foxe spogliata 

La purpura frisciata, 

E fcccla legare 

E poy la fe' f rustare ; 

No volzc altri luscuni 
940 Se no nervi vaccuni. 

Per spatiu de dui höre 

Patio quisto dolore. 

E poy fo imprescionata 

La vergene biata 
945 In carcere obscurata; 



Dudici dl vi stectc 
Che civo no vedecte. 
Poi abe commandato 
Che un canc foxe trovatu 
950 E sia factu afFamare 
Per clla moczecare. 
Mostroli allo prescntc, 66* 
Ma no-lla tocco nicnte. 

Jiisscndo imprescionata 

955 La vergene biata, 

La impcratricc, odcnno 
Grand i laude diccndo 
De questa vergene sancta, 
Undi la storia canta, 

960 Desiderava multu 
Vedere lu sou vultu, 
Ma no-Uo scutiava, 
Per lo signore doctava. 
Uno jurno se stava, 

965 Vestiase et adornava; 
Nello palazo entrone 
Uno che-sse chiamone 
Proffiliu dalla gentc; 
Mastro cra d'onne servcntc. 

970 La dompna se accostone, 
Privatu lu chiamone, 
Disse: ,Profilio mio, 
De ciö que te dico io 
Jura de no redirelo 

975 Ne de fare sapirlo: 
A direte veritate, 
Gran vollia agio, sacciate, 
De parlare ad Catarina 66'' 
Uuesta sera o de matina, 

980 Perche m' e sei pregiata 
Ch' e sei scientiata; 
Et dice ch' c sei bella 
Che no trova pare clla.' 
Profiliu respuse: 

985 ,Ciö que vöi fare pose, 
No se saperane, 



Mittlieiluncrcn aus romanischen Haniischiifton. II. 



387 



Sei eautu se farrane. 

yVir ora vespertina 

Ad terra vei et dcclina.' 10;}0 

090 Ad vespcro sonatu 

Profiliu fo tornatii 

Et dissc alla inadonna: 

,Alla vergene mo va.' 

La iraperatricc ractii 1035 

995 Kespuseli: ,Ecco factu.' 

Et tostu se-nne giero 

Con grande hime picnero 

Et con soy cavaleri 

Ch' erano Meli et veri. 10-tO 

II 100 Nella prescione intronc; 

Videro gran lumc chiaro, 

Che pariano loro lumere 

Fra quele fosche et nere; 

Et li angeli vi stavano, 1045 

1005 Ad ella menestravano, 06'^ 

Le piaghe giano curando 

Et tucta la sanando, 

Sei che tucta lucea 

Como lu sole in dia. 1050 

1010 Quando qnesto vcdcro 

Tucti inpaurero. 

La impei'atrice guardanno 

Tucta quanta tremando 

Ad pedi ad Catarina 1055 

KU 5 Se ingenocchia et inclina 

Et disse a-Uei: ,Beata, 

Tu si' glorificata; 

Tou vi so et tua natura 

Xo se[mjbra ad creatura, 1060 

1020 La qualc sia humana; 

Ma tucta e celestiana. 

Della gloria divina 

Picna si', Catarina; 

Et io so namorata 10(55 

1025 De vui, sancta beata, 

Et so contcnta multu 

Che vegio hi tou vultu 

Et so acconci'a iare 



Ciö que say comniandare.' 

Jtespuse Catarina: 

,Tu si' beata et fina, 

Cha io vegio la corona 06'^ 

Che ad vui se recha e duna; 

Ad tre jurni avcraila, 

Ad cell portcraila, 

Ad quillo signor jcrrai 

Che regna sempre mai. 

Or fa che si' costante 

Como le bone sante, 

Et no te para forte 

Sc reccpi la raorte.' 

La vergene gloriosa, 

De Jhesu Christo sposa, 

De fi a matotinu 

Li lesse quisto latino; 

Tanto la predecone 

Per fi ch' ella amnaollone, 

La soa fede lassone 

Et convertuta föne. 

Profi liii questo odendo 

Et li segnali vedendo, 

Isso con soi cavalcri 

Et colli soy scuderi 

— Et foro ben docento 

Per cunto, no vi mento — 

Tucti se ingenocchiaro 

E-lla sancta fede piglaro 

Davanti alla polzella, 

Che stava cosi bella. OT" 

La vergene verace 

Li deo la santa pace, 

Et poy si-lli pregone 

Che ciö que vcdutu ao 

Xullo Io redixesse, 

Celatu Io tennosso. 

Et poy sc-nnc foro exciuti 

Che no foru sentuti ; 

Tornano alle loro case. 

La vergene remase, 



388 



M u ssa fi a. 



1070 Diidici dl vi stccte 
Che civu no vcdccte, 
Ciö 6 civo luundano; 
Ma lu habe celestiano. 
Corno Deo commandone, 

1075 Lii angelo li recone; 
Como palomnia venne 
Celle candite penne. 
Et depo' questo Dio 
Alla prescione gio 

1080 Con grande hinienera 
Et con turba pienera 
De angeli et de sancti 
Et de virgini constanti 
E disse: ,Catarina, 

1085 Vergene pura et fina, 67'^ 
Leva l'occhi et lu core, 
Conxisci lu tou creatore, 
Per cui amore sostey 
Cotanti martorii rey. 

1090 Infra le femmene sancte 
Beata si' che tante . 
Persone per tou amore 
Converteragio lu core.' 
Jhesu Christo bencdicto, 

1095 Compienno quisto dictu, 
Ad celo retornone 
Con quilli che menone. 

Juu imperadore pe questo 
Eecordose et fo presto 

1100 De sancta Catarina; 
Pecela gire 'n agina. 
Uuando li gio denanti, 
Liicea como sole levante. 
Lu emperadore guardone 

1105 Et ella si bella stände 
Infra se maginone 
Quäle persona li deo 
Ad questa a magniare, 
Che no potea affare: 

1110 Se no avesse magniato 



No averia lu tiafu. 67*^ 

Allora con grande ira 
Alli guardiani mira, 
Et fcce commandamento 

1115 Che siano missi dentro 
Per fareli manifestare 
Chi li de' a magniare. 
Catarina respuse, 
Ad Maxentio propuse: 

1120 ,Io no agie avuto civo 
Da homo in terra vivo; 
Christu me notricone 
Collu angelo che mandone; 
Omne dl me a rechiesa, 

1125 Eecandome la spesa'. 

Q,uando Maxentio 1' odio 
Tucto quanto stordio. 
Illo con tucti quanti 
Li stavano denanti. 

1130 Poy se pur confortone 
Massentio et favellone 
Et disse: , Catarina, 
Nobile fantolina, 
Lu tou nobile aspectu 

1135 Pieno e d'ogni dilectu; 
Lu tou viso e chiaritu 
Piü che sole e politu. 67"^ 
Dico per fede mea 
Che se[m]bri ad quella dea 

1140 Che Venus e chiamata, 
Che tanto e dellicata. 
Digna sarri' ad regnare, 
Lu 'mperiu ad signuriare; 
Or cridi a nostri dei 

1145 E connosco te-nde vey, 

Et nui promectemo ad vui 
Che regnarai con nui; 
Or no volere perdire 
Toa belleze et sapire.' 

1150 Or Catarina a-llui: 
,I)e que pensate vui? 



Mittheilungen aus romanisclien Hiindschriften. II 



389 



So-Ua bcUezc ch'iu ugio 
Et de mio intellecto sajü, 
De qiiesto no pensete 

1155 — Cha 110 e como credete — 
Che si cara la tenga 
Che convosco mc-nde veiiga. 
Le bellizi mundane 
IN'o sapite ca so vane? 

1160 lo no-lle prczo niente, 
Ca saccio fermamente 
Che so como li fiori 
De nobili cohiri. C^^'' 

Che r uno di stao politi 

1105 E r altro stao atfoschiti. 
Cosi c la carne mea; 
Che mo te paro dca. 
Et poy che sarro morta 
Et alla foxa ad ort a, 

1170 La carne mea raarcisce 
Et tucta invermeiiisce; 
Li vcrmi magnanula 
E loro vidanda faula.' 
Maxentio respuse: 

1175 ,Puella, se fare pose, 
ISo pensare lo veneturo 
Della carne che-sse fa «curo, 
Li dubio no responderi, 
En mi spene poy poncre, 

11>!0 Cha io no te teneragio 
Como fameglia che agio; 
Ma como regina 
Te tenero, Catarina, 
Bella, adorna, parafa, 

11H5 MiiUu glorificata; 
Et tu triumpharai, 
Omne ale£;rezc averai.' 



rJ Catarina a-llui: 
,{)r judicete vuj 
UOü Uuale degio goliare 
E meglio procacciare 
D' avere pro meo spuso: 



OS'" 



Jhesu Christo amoruso, 
Che e grande et potente 

1195 Sopre omne hom vivente, 
Lu quäle vive et regna 
In gloria sempiterna, 
Oy uno homo mortale 
Che e factu ad temporale; 

1-200 Ogi ene jovene et sano 

Et crai e vecchio et vetrano.' 
Massentio fo adirato; 
Allora abbe parlato 
E dixe a Catarina: 

1205 ,Ad quäle tou core dcclina? 
Oy ora nostri dey 
E conosco te-nne vei 
Oy tu te puni cn core 
Morirc ad gran remore, 

1210 E torminti averai, 

Li quali no foro mai.' 
Et Catarina a-llui: 
,(iuantuncha pare a vui 
Martorii trovare OS"^ 

1215 Per fareme consumare 
Acconcia tu de farclo, 
Cha io so acconcia a duravclo; 
Dello sangue de mia carne 
Io vo2:lio ofi'erta farene 

1220 Allu me' salvatore, 

Dov' e tucto lo meo coro. 
Uuillo per noi se dene 
Ad morte et alle peiio; 
Per nui recomparare 

1225 Laxose passionare; 

Or quillo e lu meo deu 
E dolcc spuso meo; 
Jhesu e lu meo amatu, 
Et issu e meo advocatu, 

1230 E isso e meo signore 
E-llo mio prcdicatore, 
E isso ene la mia spene 
E tucto lo mio bene.' 
Quisto sermone complitu, 



390 



MuKsaf i a. 



rj;$5 !Ma-^sentio fo siorditn, 
No sapia que-ssc fare, 
Presese ad conselliare. 

Cjt imo favellone, 

Lu qiiale sc chiamoiic (>8'' 

1240 Cesar dalla gente. 

Dixe: ,Signor potente, 
Ciuatro rote fa fare 
Con ferri da tagliare, 
Che vi siano levate 

1245 Le coltella affilate, 

E messa scia infra esse, 
Che ciaschuna li desse, 
Quandunca se voltassero, 
Le carni li taglassero, 

1250 Et tre jarni se tenga 

Che questo ella sostenga. 
E quisto gran torminto 
Sarra sbavoctementn 
De tiicti li cristiani 

1255 Che so contra pagani, 
E mai no scuetiarao 
De fare quelle che fau.' 
Corao illii divisao, 
Maxentio commandao 

12G0 Che siano facte le rote 
Tostu qiTanto se pote; 
En tre di facta föne 
La mala operatione. 

Allora Catarina, 

1205 Vedendo questa riiina; (J^ 
In terra injenocchione 
A Dio se accommandone, 
Et fece questa preghera, 
(Mite en quäl nianera 

1270 Dixe: ,Signoro Dio, 

Se e justo lo preghu mio, 
Acciö che sia tua gloria, 
Allu ton nume victoria, 
Exemplu ad cui la vede, 



1275 Che nella loa fede no crede. 
Che illi sc convertano. 
Ad tua laude se flectano, 
Den! tu la fe spcczarc 
L'opera che fece fare 

1280 C-iuisto malvascio iniquo, 
Che vi cosi inimicu.' 
Uuando questo abc dictu, 
Lu Angelu benedictu 
Apparse et speczole 

1285 Et tuetc dessepole. 
Ad quelle despeczai'c 
Sei fece tribulare 
Quaeti'o niilia persone; 
Tucti pagani sone. 

1290 L'altri che-llo videro 69'' 

Tucti inpaurero, 
L'uno all' altro parlava 
Piüvatu et rascionava; 
Per lu grande terrorc 

1295 De quillo emperadore 
Diceano ad piana voce: 
, Quisto deu postu in croce 
Che questa adora et crede, 
Da-llui sei procede 

1300 Uueste grandi virtuti, 
Dundi semo aveduti 
Cha quisto e dio potente 
De sopre ad tucta gente.' 

IVlassentio, vedendo 
1305 Quisto remoi'e fäcendo, 

Fo troppu conturbatu. 

Sei che abe commandatu 

Che foxe tormentata 

La vergcne beata. 
1310 ]ja emperatrice odio 

Cotesto che-sse ordio 

E sappe delle rote; 

Vasenne quanto pote 

Davanti allo marito 
1315 Et steseli lu ditu 



Mittheilungen atis romanischen Handschriften II. 



391 



Et dissc: .Impcratorc. 09"" 
Abassa lu tou fiirore 
Contra de qucsta puella, 
Sposa de Christu bella. 

Io20 Poy clie-iräy sententiata 
Che sia ad morte data, 
Le rote fccisti fare 
Per farela scarsciare; 
Se Deu per lu sou amore 

l3-2ä Mustro lu sou vigore 
E piacqueli de ajutarla, 
— Le rote no toccarula — 
Iso volere loctare 
Con Deu che no :\ pare.' 

l-'i;JO Tai emperadore, odenno 
Uuesta cosi dicendo, 
Tanto per questo dire 
Quanto per animonirc 
E che-llu repillione 

13Ö5 Quando sacrificone, 
Dundi fo menacciata, 
(Piü di stecto celata 
Che nanti no-Ui gio 
Per fi che questo odio) 

i:UO Undi lu imperadore, 
Rechaud oselle a core 
Quello che dicto avca, 
Et questo che dicea, G9'' 

Tanto fo adiratu 

1345 Che abbe commandatu 
Che sia la moglie prosa 
Senza nulla defesa; 
In prirao li siano prese 
Ambendora le sese, 

1350 Per grande crudelitate 
Da pectu li siano cavate; 
,Et poy la dccoUeto 
Et loco la lassete.' 
La fameglia pilliarola 

1355 Et de fore menarula, 
Cioe fore della terra, 
Dovc li rcy se atferra. 



La imperatrice allora 

Ingenocchia in terra et plora 
1360 Et disse ad Catarina: 

,0 vergene pura et fina, 

Ora pro me a Dio 

Nante che trapasse io'. 

Catarina respuse 
1365 Et ad essa reinelinose: 

,Eeata te' dicendo 

,Sta franca, no temcndo; 

Cha amata sei' da Dio, 

Che sarrä spuso teo; 
1370 Perdi spuso mortale, TO^ 

Acquisti lu celestiale; 

E no te para forte, 

Se recepi la morte 

Pro avere tantu bene 
1375 Mintri lu seculo ene.' 

Allora la imperadice 

Costante parla et dice 

Ad quilli che-lla menano 

Che tostu fare degiano 
1380 Cio que-lli e comraandato. 

Che no sia piu tardatu. 

De croce se senone. 

A Deo se aeommandonc. 

Li carnifici allora 
1385 Pilliaro le sese ambora, 

Da pectu li cavaro 

Et poy la decollaro, 

Poy che fo decollata 

Profilio l'ay pilliata 
1390 (iuasi furunimentc; 

Tssii coUa sua gente 

Allora la socterraro 

Con pianto forte amaro. 

Lu altro jiirno vencnno, 
1395 Massontio se scdendo, 70'' 

E uno a-Uui parlone. 

Che-llu factu no sane, 

Disse vorria fare 

De questa socterrare 



392 



Mnssa f i ;i. 



l-luii Cha sarria vctoijeriu 

De tiicto In altii imperiu. 
Multi ne rcspondero 
Ben sarria vctopcro. 
Massontio, questo odenno, 

1405 Allora commando dicendo 
Che f'osse socterrata. 
Con geilte adunata 
Proffilio sc fa nanti 
Arditu como sancti 

1410 E disse: ,Io socterraila, 
Mea gente a-Ucy menaila, 
E lu sancto corpu seo 
Factii e sposu de Den; 
E io coUa mia gente 

1415 — Saeciate fermamente — 
Prisci co-llei la fede 
De Christu, soa mercede, 
Et tengola et terrajo 
Mintrunqiia viveragio.' 

1420 Allora hi imperatore 

Replino de dolore 70" 

Strillando disse oysey: 
, Proffilio, soductu ey; 
Tu eri la mia spenc, 

142ä Omne meo ajutu et bene; 
Lu meo imperiu regivi 
Con quilli che tenivi; 
Erane repusati:; 
Or chi me-tte a gabbatu ?' 

1430 Cesar respuse 

Et ad Profiliu voltose 
Et dixe: ,Perche vui 
Con tueti li toy 
Sete da nui partuti, ' 

1435 C!he si bcn sete stati tenuti?' 
Con tanta ira lo disse 
Paria cbe-sse mordisse. 
Uuando quilli l'odero, 
Niente respondero ; 

1440 Stavano admarmoriti 



Et multu impauriti. 
Proffilio, vcdcndo 
Colloi'u no respondendo, 
Denanti allu signore 

1445 Ignenocchiaro allora 

Et disse: ,Eccho la tcsta. 
Voi sete signor grandc, 70^ 
Cio que piaee fanne.' 
Massentio fo adiratu, 

1450 Respuse adoloratu: 

,Tu si' digno de morte, 
Se rencgi mia eorte.' 
Allora commandandone 
Alla famegiia che ane 

1455 Che no sia piü tardatu 

Che-llo capu li sia talliatu 
Ad Profilio et alli soy 
Che-llu sequero poy; 
Et le Corpora loro 

14G0 8enza fare demoro 
No siano socterrate, 
Ma siano alli cani dato. 
Poy che-llo commandone 
La gente lo pillione, 

14G5 Et foro dccollati 
Uuilli sancti biati; 
Loro morte forncro, 
L' anime a Deo rendero 

i oy che fo questo factu, 
1470 Lu emperatore ractu 

Mandö alla prescione 

Dove Catarina föne 71'' 

Et fecela venire 

La piena de sapire; 
1475 Sedea pro ti'ibunale 

CoUu officiu emperiale. 

Quando nanti li vene, 

IVIasaentio mente li tene, 

Comenzo a-llosengarela 
1480 Mostrando troppu amarela 

Et disse: , Catarina, 



MiftliiMhincMi aus romanischen Handschriften. II. 



393 



De omne scientia ey piena; 

Avenga che faeisti 

Con ai'te che avisti, 
1485 Cio c qiiess' arte raaica. 

Che fai sei mala pi-adica; 

Fecisti alla mia emperatrice 

Talliare la cervice 

Et altri miilti assai 
1490 Che predicati li ;\i, 

Dunni io assai mv doglio 

Et conuscere iio-llo voglio. 

Se fai cio que te dico io 

Et lassi quisso deu 
1495 E-Ui mei dei aduri, 

Che so multu megliuri, 

Nel locu dove io avea 71** 

La imperatrice raea 

Io te farragio sedere 
l;jUü Et donna de meo avere; 

Se que-sto no voy fare, 

Facciote decollare.' 

Kespuse la benedecta: 
,Fa cio que te delecta; 

1505 Cio que me fai patire 
So acconcia ad sofferire; 
E quillo e meo desideriu 
De avere gran martirio; 
E se me dai la morte, 

1510 Ja no me pare forte, 

Ma Io agio per gran de aquisto 
A-llaude de Jhesi; Christo.' 
Uuando cosi parlone, 
Massentio se adirone; 

1515 Fecela condempnare 
Della testa li tagliare. 
La fameglia pilliarula, 
Della terra cacciarola; 
Allu locu deputatu. 

1520 Lu quäle era ordcnato 
De fare le malefitia, 
Menarola con letitia. 



Co-lloro gi'o gi'an gente, 7l<^ 
Femene spetialmente, 

1525 Che giano per vedere 
Se-nci devea apparii'e 
Uualche nova cosa 
Per lei miraculosa. 
Uuando foru allu locu, 

1530 Dissc: ,Spectatc un pocu.' 
Volsese entorno ad essa; 
— Venia la gente spessa 
Et multi ci ne giano 
Che pietate li avcano — 

1535 Et poy guardao et videci 
Appresso li carnifici; 
Dixe: ,Pregovi, fratri, 
Uno pocu sostengate, 
Ch' io voglio un pocu orare, 

1540 A Dio me adcommandare, 
Ad Jhesu Christo meo, 
Ch' e figliolo de Deo 
Questa mea oratione 
Pov me lassarone.' 

1545 Li carnifici guardan[n]o 
La gente che illi stando, 
Multe genti vedeano 
Che per toa amor plangeano; 
Dixero alla benedecta: 

1550 ,Vostra oratione facciatc, 71'i 
Per mi no-llo lassate.' 

-Lia vergene ingenocchiava. 
In ve lu celo adocchia; 
Le mani ad celu stese 

155Ü Et a dicere prese; 
,0 spene, o salute, 
suma gran vert[ut]e 
De cunqu'a vui a spene, 
Clie en tua fode ci'ede bene; 

1560 Tu gloria delli sancti 

Et delli angeli ch' ay davanti ; 
Tu piena de justitia, 
Non te place malitia, 



Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. CX. Bd. II. Hft. 



26 



394 



M 11 R s .1 f i a . 



Christo mco glorinso, 

1565 Che ci tanto pietnso, 
Per la toa pietate 
La precc mca cxaudate, 
Cha e qui miilta gente 
Che spera ferraaiuente 

157») D' avcre guidardone 

In questa mea paxione; 
Undi io te prego miilto 
Nanti che sia dessolto 
Mco corpu allu martirio: 

1Ö75 Quisti c' ando desiderio 

Vedere alctina cosa 72" 

Per nui miraciilosa, 
Accio che sia tua laude, 
Per lu meo amore exaiide; 

1580 Ad chiunqua me a cordollhi 
Et de me penso et dollio 
Et anno qualehe male, 
Patre mio eelestiale, 
Tu li da sanitate 

1585 Et infine sanctitate; 
E se so abesonghisy, 
Tu li fa copiuse 
Delle cose mundanc 
Mtiltu piu. che no ane; 

1590 Et quilli che ricchi sonno, 
Che appetano per mi dono, 
Tu li guarda da male 
. E da pena eternale 
E da rea operatione 

1505 E da mala congregatione 
E de omne gratia preterito 
Et infine li da merito. 
Anche, dolce signore, 
Te prego per mio amore 

1600 Che ciaschuna persona 
Con devotione bona 
Che ad mi se acommandasse 72'' 
De ciö que abisognasse, 
Avendo specialmente 

1605 La mia paxione ad mente. 



Che per mio amore lii aiuta 
CoUc toi granni virtnti; 
Et anche chi ve' a raorte, 
Ad quillo puncto forte, 

1010 Et illo me chiamasso. 
De me se rccordassc, 
Che-lle peccata soe 
Li perdunete voy. 
Per fi che-ir anime loro 

1015 Vengano all' alto acchoro. 
Anche te prego, Christo, 
Grande dolce mio acquisto. 
Che ciaschuna citade 
castella o viilate, 

1620 Che faccia de mi storia 
Che me agia in memoria. 
Tu li accrisci omne bene 
De eio que mistero li ene. 
De fructu et de guadagnia 

1625 Et de ciö qiie gente magna. 

Ancora te prego, Jhesu. 
De chiunqua ad mi ä lesu 72"= 
Tanto lu emperadore 
CoUu soll mala core 

1630 Uuanto qualunqua altro homo 
Affiso me a quanto et como, 
Perdunali, Signore; 
Cha-llo fa per errore, 
Che no sa que-sse fare 

1035 Ne da que-sse guardare. 
Et poi te prego, patre. 
Per la mia dolce matre 
Che r alnia mea pigliate, 
Ad celo la menete; 

1640 Tu che ei gloriuso 

Et de omne bene repuso, 
Ad vui lo recoramando, 
Lu spiritu mco te mando.' 

L'oraplita la oratione 
1045 Con grande devotione, 



Mittheiinngen aus romanischen Handschriften. II. 



395 



Una voce souono 
Neil' airo et Icy cliiamone 
E disse: ,Catarina, 
Sponsa mca pura et fina, 

IGüO Veni, dilccta mea, 
Toy la Corona tea 
Et recepi la gloria 
Cha äi victu con victoria. 72'i 
In sinu de Habrae 

1655 Che rccogliera te. 

Non te curare de morte, 
Cha ä aperte le porte 
Bellu meu paraviso, 
Dov' e gajii ei riso 

1G60 Et colli angeli stando 
Colla pane rechando, 
Et tucti te stao aspectano 
Che Corona te mectano; 
La gratia ch' ai petuta 

IGGö lo te r agio exaudita. 
lo so lu spuso teu, 
Christo figliolo de Deo.' 
Odendo quisto dictu 
De Christo bcnediclu, 

IG70 La vergene biata 
AUora s' e voltata 
Et disse alli scrgenti: 
,0r no siate ])iu Iciiti, 
Faitclo sbrigato 

IGTö Cio qiie vi e commandaio.' 

Quilli la pilliaro 

E si-lla decollai'o, 

Et sangue no nc uscio, 

Anche lacte appario. 7S* 

ir.sn Dapoi snbitaraente 

Davanti ad tucta gcnte 
.Multi angeli pilliarola, 
L' alma ad celo portarola, 
TiTi Santo corpu seu 

1685 Per comnaandamento de Den 
In monte Sinay, 



Como scriptu stay, 

Loco la spogliaro 

Et si-lla socteraro 
1690 Con gran triumpho clcru; 

Ma poy chc-Ua pilliaro 

Nanti no-lla adterraro, 

Nellu airo vinti dine 

Lu tinnero coscine. 
1695 Uuando vede la gente 

Cotale comraenente, 

Multi laudaro Deo 

Collu figlolu seu. 

Cosi fo paxionata 
1700 La vergene biata 

Dello mese de novembro 

Sei dl nanti decembro. 

Ur voUio che sacciate 

Per ferma veritate 73'' 

1705 Ca de soa soboltura, 
Secundo la scriptura 
Et per quilli che ci anda, 
Che ne escio niulta raanna; 
Et dico che a sanati 

1710 Senza fine aramalati, 

Sei che omne homo natu 
Cristianu baptizatu 
Deve avere in memoria 
Qucsta sancta sua storia. 

1715 ()r Dcu per lu sou amore 
Ci dea forsa et vigore 
Che sempre conoscamo 
Illu, da cui agiamo 
AUo mnndu bono statu, 

1720 Senza grave peccatu. 

Et quando ve' quilli dine 
Clic veneremo ad fine, 
Chiamemo quista sposa 
De Christo gloriosa, 

1725 Che sia nostra advoeata 
Denanti 1' Anunctiata 
Et davanti sou figlio 



26* 



39(> 



M 11 ssaf i a. 



Chu de üiuo bcnc c eosiglio. 



Ora vi voglio du'e TS" 

1730 Ca lo male sc dcve pimire. 

Massentio, che fe qiiesto 

Male che vi c lesto, 

Illu punito fonc 

Uuando se retrovonc 
1735 La nosti'a sancta croce, 

Dove Deo postn foce. 

Sacciate senza fallo 

Ca Buccio de Ranallo 

Compuse qnisto dictatii 
1740 Lu quäle vc e contatu; 

Sacciate senza fallura 

Ca-llutrassedellasoascriptiira 

Illo clie-llo dictone 

Et chiunqna clie-llo ascoltone 
1745 Christo si-llo defenda 

Lo quäle vive et regna. 



Agiate per memoria 
Cha facta fo qucsta storia 
AUi aiiiii mille trecentu 
1750 Trenta, et no vi mento. 

Dom Petru de Nicola 
La retrassc in carta nova, 
Ciö in carta bammacina; 7.'!^ 
Isso ajute santa Maria 

1755 Isso et chi la lege; 
Deu si-llo governe 
In quisto mundu bene, 
jVeir altro senza pene. 
Christo, la soa memoria, 

17G0 Conduein' a toa gloria 
Et omne homo batipzato 
Eine li da senza peccatu, 
Che steano allocati 
Colli santi biati. Amen. 
Deo gratias. Amen. 



Mittbeilungen aus romanischen Handschriften. II. 397 



A II II» e r k u ii :;■ <; ii 



3 



4. ad cid kann «ich auf saufe beziehen : , Worte , welche 
Dem heilig sind, der sie luh'en will*. Es kann aber auch eine 
freiere ('onstruction vorliegen; -'/(/ cui = chi ,wenn Jemand''; 
der Sinn bliebe der nämliche. — Endlich liesse sich ver- 
muthen, dass dem Reimer der Gedanke ,die ich an Den richte, 
welcher . . . .^ vorschwebte. 

10. wohl anacoluthisch : ,die ewigen Dinge, dort (=: auf 
sie) vermögen die Unglücksfälle nichts'. Wollte man loru statt 
loco ändern, so würde der Sinn derselbe bleiben und die Con- 
struction gewänne nicht wesentlich an Deutlichkeit. 

14. la (wenn nicht aus metrischen Gründen zu streichen) 
bezieht sich auf ein vorschwebendes Femininum, wie im ital. 
la sa luiHja, me la pagherai u. s. w. Aenderung zu lo ist über- 
flüssig. 

19. vi contaraglo de una nobile istoria; so construirt wie 
parlare, trattare dl una cosa. Es ist nicht nöthig anzunehmen, 
das de sei aus den zwei folgenden Versen anticipirt worden. 

23 — 25 in cui la gente . . . la poi-ta con devotione ergibt 
eine ungelenke Construction. Am liebsten läse man a cui la 
gente . . . le porta dev. oder (ohne das expletive /«) porta grau 
dev. Nur wenn portare con dev. alcuno , Jemanden andächtig 
verehren' bedeuten kann und man ein Einlenken von der Con- 
struction, mit der begonnen wurde (in cid . . .), in eine andere 
annimmt, kann das Ueberlieferte haltbar erscheinen. 

30. farina ,Mehk für , Wesen' (etwa wie in den von der 
Crusca ed. Manuzzi, §. VI, angeführten Beispielen, in welchen 
jedoch stets ein Adjectivum hinzukommt) ist wohl eine zu 
kühne Metapher. Wohl fafnjtina ; vgl. fantolina 88. 

37 — 38. imperiatu ^= impero und regnare transitiv , ver- 
walten, lenken'. Aenderung von lu zu et ist daher uiclit nöthig. 

44. Statt l'idoli würde man all'id erwarten. 

47 ff. Der Brief bietet manche Schwierigkeiten. Voi- allem 
sei bemerkt (wenn auch diess für die Interpretation von keinem 



398 Miissafia. 

Belange ist), dass V. 54 die llaiidsehrift In dec. trennt und 
dass es nicht klar ist, ob -ate oder -du zu lesen sei. Ich hatte 
im Anfange daran gedacht, corte zu lesen und dem Vcrbura 
indevisare -— dev. die Bedeutung ,verkehren, Zutritt haben' zu- 
zuweisen, wodurch man eine nicht gerade glatte, aber immerhin 
verständliche Construction erhalten hätte. Dagegen spricht aber 
erstens die Nothwendigkeit, cha zu che zu ändern (unser Text 
kennt nämlich kein Relativum cha) ; zweitens die Schwierigkeit, 
dem Verbum eine von der gewöhnlichen so verschiedene Be- 
deutung beizulegen ; drittens der Umstand , dass nicht bloss 
die Höflinge, sondern Alle, Stadt- und Dorfbewohner (V. 42), 
Arme und Reiche (79 — 87), aufgefordert werden den Götzen 
zu opfern. Ich musste mich daher nach anderen Deutungen 
umsehen. Ich trennte cort'e vmd fasste die Endung -ate als 
-ato auf (vgl. §. 47 und bezüglich -e : -o ,Reim^, Abschnitt h) ; 
Aenderung von corfe zu cort'o würde einen noch prägnanteren 
Sinn geben, ist aber nicht nöthig. V. 54 bedeutet demnach ,denn 
bei Hofe ist es (oder ,in meinem Hofe habe ich') bestimmt'. 
Wie ist nun 53 zu erklären ? Wollte man die Ueberlieferuiig 
schonen, so könnte man den Vers als weitere Ausführung des 
Vi von 52 auffassen: , entbietet Euch allen, so viel ihr seid 
(sein möget), seinen Gruss'. Da mir aber diess überaus ge- 
zwungen erschien, so fragte ich weiter, ob es nicht angienge, 
sciate durch ,wisset' zu übersetzen. Von einem Fortleben des lat. 
scio auf unserem Gebiete ist mir allerdings nichts bekannt, und 
einen Latinismus anzunehmen schien mir gewagt. Sollte man aber 
nicht s[ac]ciate conjecturiren dürfen? ,Ihr alle möget wissen, dass 
es . . . beschlossen wurde (ich beschlossen habe)'. Da mir nun 
diese letzte Interpretation am meisten zusagte, so erlaubte ich 
mir darnach zu interpungiren und nur um meinem Vorhaben, 
im Texte möglichst wenig zu ändern, treu zu bleiben, beliess ich 
sciate, um selbst dem wenig wahrscheinlichen Falle Rechnung 
zu tragen, dass Buccio doch diesen Latinismus gebraucht habe. 
60. Die directe Rede scheint in diesem ^Verse in die 
indirecte überzugehen, um dann wieder mit V. 63 zur früheren 
Construction zurückzukehren. Es wird indessen besser sein, 
dem Imperf. Conjun. conditionale Bedeutung beizumessen, wie 
noch heutzutage im Munde der Süditaliener: cMunque non 
venisse so(jcjiacerehhe a tale pena. 



Mittheilungen aus lonianischcn Handschriften. II. o99 

74. .Als ^laxcntius die (versamuicltcu) Leute erblickt, 
sieht er sich wiederum vor' d. h. ^überlegt was er nun weiter 
zu thun habe'. 

75 — 76. Sind vielleicht umzustellen; vgl. ^lombritius: 
altera die sedens pro tribunali praecejptt. 

91 — 93. Sind drei Verse auf -ando. Es kann eine Zeile 
ausgefallen sein, da auch an anderen Stellen vier mit einander 
reimende Verse vorkommen ; indessen ist es viel wahrschein- 
licher, dass 92 eine irrige Wiederholung von 58 ist. Ich habe 
daher diesen Vers eingeklammert. 

102. Die Präpos. de gehört zu scnza; vgl. V. 322. 

103. ,Die gar nicht erwähnt wurden', ,von denen man, 
als von zu geringen Gaben, gar nicht redete'; numerati oder 
noverati ^gezählt" würde zu 104 — 105 besser stimmen. 

108. non tanto che mit Conjunetiv = it. non che , ge- 
schweige denn', ,weit entfernt davon, dass . . .' Ebenso 364. 
HAqu.i 409 scheint dagegen non tanto Josse ,nicht blos wurde' 
zu bedeuten. Auch it. non che kann , nicht nur' und , nicht 
nur nicht' bedeuten: vgl. meine Osseroazioni sul Decamerone 
(aus der Mailänder Rivista ginnasiale vom Jahre 1857), S. 60 ff. 

109. Das Imperf. Conjunc. statt des Imperf. Indic. ist 
durch cappissero herbeigeführt. 

112 — 113. -eano : -dvano ist kaum richtig; statt feceano 
wird im Original ein anderes Verbum gestanden sein. 

ZAvischen 115 und 116 steht in der Handschrift Tromme 
et pol sonavano, aber durch Punkte getilgt. 

124 — 125. Die Wiederholung von faceano ist verdächtig. 
Etwa 124 ardeano. 

126 — 127. Einer der zAvei Verse ist offenbar verderbt. 

129. Hs, Colrrea. Ist canali Singular oder Plural V Wenn 
Sing., so wird man eher canale lesen; -/ : -e. Wenn Plur., so vgl. 
Anm. zu V. 293. 

131. Als Subject zu voleano ist ,die Leute' anzusehen, 
wie in dicono = si dlce. 

151. ^Möglich dass nach diesem Verse etwas fehlt, da 
alle anderen Versionen berichten, Katharina habe ihre lieich- 
thümer unter die Ai'men vertheilt. 

162. Sevilla = Sihilla, Avelclie in den meisten Versionen, 
freilich in anderem Zusammenhange, erwähnt wird. 



400 Uliissafia. 

163. Die Namen von Vir(jilio bis Sevilla möchte man am 
liebsten als Accnsative zn parona anffassen. Der Reimer mag 
dann die begonnene Constrnction vergessen und znm letzten 
Namen das Verbum se appdla ,lieisst er' oder auf alle Namen 
bezogen ,lieissen sie^ hinzugefügt haben. Man wird kaum ver- 
muthen, in .s-e app. stecke ein weiterer Name. 

168 — 175. Der Ausdruck ist nicht sehr klar, und ich bin 
nicht sicher, ob die von mir angesetzte Interpunction die richtige 
ist. Man könnte vermuthen de tiitte arti sapire volse Varte de 
gramatica; . . . sapia sexanta dui lenguajora questa plena de 
gajora; tufte quante u. s. w. Viel passender aber erscheint^ 
dass gesagt werde, Katharina habe in allen sieben Künsten 
unterrichtet sein wollen (vgl. 425 — 426, 541 — 542) und dass 
die Grammatik nur desshalb hervorgehoben werde, um ihre 
Sprachkenntnisse, von denen auch später die Rede ist, zu 
rühmen. Grammatica und sapia geben keinen Reim; ist gram- 
matica oder -Ha zu betonen, oder Ausfall von zwei Versen 
zwischen 170 und 171 anzunehmen? 

173. Hs. gaioia, also gaioria = gajora, Plural von gajo = 
gaudium; dass Katharina schon jetzt imHinbhcke auf ihr späteres 
Martyrium als gaudiis plena bezeichnet wird, ist nicht auffallend. 

177. Ich fasse sei als ci auf: ,in ihr^ Auch vera ist nicht 
durchaus klar. Etwa ,die nicht echt in ihr wäre' = ,die sie 
nicht in vollem Umfange besässe'? Oder ist es attributiv mit 
scientia zu verbinden? ,es gab keine wahre Wissenschaft (im 
Gegensatze zu den falschen), die nicht in ihr innewohnte'. 

178. Hs. queste pafole und über letzterem Worte cose. 
183. Liegt ein sogenannter griechischer Accusativ vor? 

Ist vesfit' a zu lesen oder vestiva zu emendiren ? Fascie e panni 
bezeichnen wohl die Kleidung einer Jungfrau. 

189. Wörtlich ,was darum wäre' d. h. ,was diess zu be- 
deuten habe'. Ein etwas seltsamer Ausdruck. 

190. v'uU ■= vide. Aenderung zu udl ist nicht unumgäng- 
lich nöthig. 

198. alli gehört zu fave In sacrificiu. Es ist überflüssig 
alli zu dalli zu emendiren. 

213. Mit daventro ist nicht gemeint, Katharina sei schon 
in das Innere des Tempels getreten; sie hat (vgl. 227) die 
Schwelle überschritten und steht am Thore, 



Jlittheilungen aus romanischen Handschriften. II. 401 

227. Hs. Allo. 

216. In der Rede Katharina's ist die, welche der Diener 
halten soll, eingcsclialtet. Letztere wird, wie nicht selten in 
mittelalterlichen Texten, durch che eingeleitet. 

216 — 217. Sind nicht sehr klar. Die Handschrift hat g^sta, 
also questa; no entra stimmt aber nicht gut zu 226 — 227. 
Man könnte eben nach diesen letzteren Versen 216 qui sta 
lesen, das mit entra (oder, Avenn diess irrthümlich ist, mit einem 
anderen Worte) ebenso reimen würde wie bei Dante non ei 
ha mit oncia, bei Ariost aver de' mit perde ; avo also ein be- 
tontes Wort seines Accentes verlustig wird und als posttonische 
Silbe einer Worteinheit fungirt. Vgl. die Anmerk. zu V. 992. — 
Eine weitere Aenderung von 216 — 217 nach dem Muster von 
226 — 227 qui staue n. d. per entrare würde sich von dem 
Ueberlieferten zu stark entfernen. 

218 und 228. Kann im eigentlichen, materiellen Sinne 
aufgefasst werden ; man darf indessen auch entrare a rascionare 
durch ,sich in eine Discussion einlassen', it. entrare in raglona- 
7nenti, Aviedergeben. 

231. Legte ich dem König in den Mund: ,Sie möge 
kommen; denn diess geziemt sich ihr' (= ,sie ist dessen würdig' 
oder ,es kann ihr frommen'). Es könnte aber auch eine Be- 
merkung des Dichters sein: ,denn es scheint ihm diess zu 
passen' (= , angenehm zu sein'). 

243. Ich folgte der Handschrift, welche che de trennt; ,sie 
verbreitete einen solchen Glanz, wie [jener der] von einem 
Sterne [strahlt]'. Ich bin indessen nicht sicher, ob nicht ched 
(Arch. glott. IV, 176) e zu lesen sei: ,sie Avar glänzender als 
ein Stern es ist'. Es liesse sich selbst ched -|- parag. e oder 
che + parag. de vermuthen; dienen doch allerlei Älittel (vgl. 
tretl = Ire im Tai-ent.) dazu , um oxytone Formen so zu er- 
weitern, dass sie paroxyton Averdcn. 

252. Handschrift exercito, das ich nach dem ReimAvorte 
emendirte. 

259. devi =■ det vobis. 

263. Man Avürde credate erAvarten; es kann aber trotz 
des che Uebergang zum Imperativ angenommen AA^erden. 

275. Hs. Allor (das r ist nicht so deutlich, dass es nicht 
auch ein n sein könnte; indessen ist bezüglich dieses Wortes 



402 Mussal'ia. 

kc\u Zweitol möglicli) xuntalengiui. Bei der Unmöglichkeit, aus 
mena einen Sinn zu gewinnen, tilgte ich me. Es liesse sich höch- 
stens, um die Züge der Handschrift möglichst zu schonen, inna 
(vgl. in anderen Texten inneUa) lesen. Dabei aber ist nichts 
gewonnen und der Vers wird zu lang. 

284. Bedarf vielleicht einer kleinen Hilfe. Dass Katharina 
dorn Maxentius in schonender Weise sagt: ,Du scheinst im 
Irrthum zu sein^, begreift man leicht; schwerlich aber wird 
sie die Thatsache, dass er die Leute versammelt hat, in Zweifel 
ziehen; dazu kommt, dass 286 der Indicativ gebraucht wird. 
Man fühlt sich versucht, Par auf Rechnung von 283 zu setzen 
und Per zu emendiren; das durch Par herbeigeführte agi hiesse 
dann äi (oder ist agi Nebenform von äi?; vgl. Reg. San., 
S. 528 = 24 des Separ. Abdr., Anm. 6), also Perche äi. Diess 
liesse wieder eine doppelte Deutung zu: ,Weil (da) du . . . . 
hast^ oder Semicolon nach 283 und Fragezeichen nach 287: 
jWarum hast du . . . '? ' Vgl. Jac. a Varag. : quare incassum 
congregasti lianc muUitudinem ad colendam stultitiam idoloruni? 
und Mombritius, bei welchem Katharina's Rede, die im Uebrigen 
sonst von der unseres Textes gänzlich abweicht, beginnt: Quare 
frustra hanc tantam multitudinem cogens animas eorum in stultitia 
et idoloruni erro7mm perdis ? 

293. Unterdrückung des Artikels vor dem Plural superhi 
(vor dem Singular wäre sie bei der Anrede an eine einzelne 
Person unbedenklich) ist zu bemerken. Aehnlich 1409 ; 1039 
dagegen wird der Artikel gebraucht. 

298. Hs. lavarati. — Auf was bezieht sich der Plural? 
Man möchte sagen : Auf die Götzen, die im Tempel sind ; 
diese werden aber 302 ff. besonders erwähnt. 

299. per me nati gibt keinen Sinn; ob yer man , durch 
Händearbeit' (vgl. 304) und nati , entstanden'? Vielleicht birgt 
sich in den drei Wörtern nur eines. 

307. tucti; wohl zu bessern tucfo. 

309. una als Numerale: ,in einem einzigen Tage'. 

Nach 312 fehlt ein Vers, der ein Verbum im Conjunctiv 
enthalten haben wird. 

315. Die Construction verändert sich; es schwebt dem 
Reimer dicoti oder dergleichen vor. 

322, ,ohne irgendwie zu ermüden'. 



Mitthcihingen aus romanischen Handscluit'teii. II. 4UO 

327. Vor marl ist im Sinne fece zu ergänzen. Che zu a 
oder con zu ändern ist nicht nothwendig. 

330. ,dic zu leiten (über die zu herrschen) ihm (d. h. 
Gott) zukommt^ 

331. Wie mundo, mari, celli . . . ., so möchte man auch 
terra als Accusativ zu fece auffassen ; V. 332 bliebe dann 
unklar. Deutet man aber la terra als kSubject zu monstrarä 
(etwa des Metrums halber monsti'a), so lässt sich zur Noth inter- 
pretiren: ,und die befruchtende Erde wird dir [vollends] das 
ganze Leben vorweisen^. 

334. lo anticipirt qiiesto. ^lan könnte auch la oder li 
lesen, auf" terra bezogen. 

335 — 336. -alt : -ane ist ein in zweifacher Hinsicht un- 
reiner Reim. Es schiene leicht durch Urastclluiig zu fane 
governali einen durchwegs reinen Reim zu erlangen. Indessen 
ist die Infiuitivendung -ä, da sie sonst nicht zu belegen ist, 
verdächtig. Also jedenfalls governarli ; der Reim ist unrein nur 
in einer Richtung. Bezüglich des Sinnes dürfte fa governare 
statt governa stehen, was ein Beispiel mehr wäre für die von 
Tobler angenommene (freilich von Anderen bestrittene) Peri- 
phrase der Verba durch /acere + Infin. — ijorerna (postverbales 
Subst.) /(' (= Ulis) fane möge als eine wenig befriedigende 
Vermuthung noch vorgebracht werden. 

341. Vor peccatu ist ein Adjectiv zu ergänzen. Etwa 
primo, das, weil auch im folgenden Verse enthalten, ausgefallen 
wäre? (so D'Ovidio). 

o6S. Tacl = facciaf Oder transitiv , lasse ruhen'? oder 
in vor toa zu ergänzen? 

39(). , bekreuzigten sich^ als Geste der Bewunderung. 
Dass diess von Heiden gesagt Avird, ist mittelalterlich naiv. 

408. alef/are ,anfiihren, citircir' liegt so nahe, dass ich 
hätte wagen können, es in den Text einzusetzen. 

424. Hs. auea. 

455 — 457. ,Du verharrst in deiner Hartnäckigkeit; höre 
Tuiii was ich dir sagte^. Das Perfectum ist seltsam, nm\ nur 
dadurch zu erklären, dass audire in der Bedeutung , hören 
und befolgen^ sowohl auf das früher Gesagte als auf das 
Folgende sich bezielit. — Ich bin indessen über die Richtigkeit 
von ade nicht ausser allem Zweifel. 



404 Miissafia. 

461 — 4()2. Der Sinn der zwei Ver«e ist mir nur dathirch 
einigermassen klar geworden, dass ich den Satz als interrogativ 
auftasste: ,sind also deine Götter so schwach, dass sie nicht 
einmal einem Phantom widerstehen können?^ Dazu stimmt 
gut Maxentius' Antwort, welche der Götzen Macht preist. 

472. ,das mit Zeichen versehene Kreuz'; die Zeichen sind 
wohl die Sterne, die der folgende Vers erwähnt. 

481. Die Züge der Handschrift lassen am besten honnire 
lesen. Es ist selbstverständlich von einem mit Lärm ver- 
bundenen Naturereignisse die Rede ; ob das Getöse bei einem 
Ei'dbeben oder das Donnern gemeint sei, Avüsste ich nicht zu 
sagen. Bonnire würde franz. hondlr entsprechen. Ich habe 
das Wort auf italienischem Gebiete sonst nicht nachgewiesen 
gefunden. Bonimire würde von homba stammen. 

513. particulare als prädicativischer Accusativ; Ergänzung 
von in ist nicht gerade nöthig. 

Zwischen 527 und 528 fehlt offenbar ein Vers; etwa: Or 
e venuta a nui. 

bl2. ad quista s. f. erklärt näher a lei von 570; es wäre 
denn, dass defendere la lege a . . . statt contra zulässig wäre. 
In solchem Falle wäre das Komma nach 71 zu streichen. 

577. Etwa das zweite lo zu streichen; et lo sou deu bendice. 

591. cima, ohne weitere Ergänzung; ,welcher der Erste war'. 

593. Hs. como, das sich wohl aus folgendem Verse hieher 
einschlich. 

635. , sobald sie gewahr werden' nämlich ,der Wahrheit 
deiner Worte'. 

670. Der Sinn ist klar : ,du sagst, dass du Dem, Avelcher 
gegen Gott kämpfend, mich überwindet, grossen Lohn geben 
wirst' ; der Ausdruck ist aber recht ungelenk. Vor Allem ist 

670 dici statt dice zu lesen und che im Sinne von clii aufzufassen ; 

671 wieder che = cki (dann Komma nach ahacfe) oder Che in 
Et zu ändern. Den zwei chi ist dann die Bedeutung ,wenn Einer' 
beizulegen oder es ist die übliche anacoluthische Construction 
anzunehmen , nach welcher einem absolut gebrauchten Nomen 
erst durch das folgende Pronomen die ihm gebührende Stellung 
im Satze zugewiesen wird (Questa donna io le niostrerb). Man 
bemerke auch den Uebergang vom Singular chi zum Plurale^ 
und zwar entweder erst in 673 (exaltaraili) oder, wenn U in 



Mittheilun<;en aus romaiiistliPii Kandscliriften. If. 400 

daill = illU ist, sclion in (j72. — Endlich ist fjuidardone als 
zweiter prüdicirender Accusativ (^önade als Lolin') oder Gr., 
(juid. als asyndetisch verbundene Accusative aiifzufassen. (An- 
dere Möglichkeiten wären: [e] cjuid., [in] guid.) 

694. Hs. parlamto, das ich hier, da -meufo und mmfo 
vorkommen, dem Reime entsprechend auflöste. 

735. voshi schiene angemessener. Das Ueberliefertc lässt 
sich indessen halten. Zwischen 742 und 743 fehlt eine Zeile. 

744. Delle mag von dem Verbum abhängen, das in der 
ausgefallenen Zeile enthalten war. Es kann indessen auch mit 
744 in Verbindung gesetzt werden ; ,beschämt über . . .' 

750. Ist t»c?ma^i Masc. oder Femin. (zu -i statt -e §. 81)'? 
Letzteres wäre schlichter, aber auch Ersteres lässt sich leicht 
annehmen. 

752. D. h. ,der Macht der Worte Katharina's' ; vgl. 635. 
Allerdings scheint diess auf Maxentius nicht gut zu passen; 
indessen vgl. bei Mombritius: Imperaiov . . . et omnis multitiido 
admodum duhitaverant. Die Partikel sei im V. 751 ist daher 
in absoluter, emphatischer Bedeutung aufzufassen. Ohne die 
Bestätigung von Seite Mombritius hätte man sich versucht ge- 
fühlt, 751 — 752 nach 754 zu stellen und E in 751 zu streichen. 

760. Stare ist hier im prägnanten Sinne gebraucht; , Wider- 
stand leistend 

767. Kaum responda als ])ostvcrbales Substantiv: vo )i' e 
r. ,es ist keine Antwort darüber'. Noch weniger befriedigt 
respondo mit unreinem Reime und ve , darüber' statt ci ,darauf^ 

782. Es ist wohl nui zu lesen. Vgl. Mombritius: Primus 
omnium nostrorum cecidit. 

788. ,nach Dem, was wir sehend 

799. Die übliche Wiederholung des die. 

800. Die Emendation von ceve zu cener l)ot slcli von selbst, 
denn man Avird Avohl keine Nominativbildung aus cim(s) an- 
nehmen. — IVIan würde eher e la cenere ne sia sj)arsa erwarten. 
868 wird von den Leibern gesagt: vo ernno ... pelJo focu sparse. 

807. date = data. 

823. Bei der grossen Freiheit im Gebrauche des Gerun- 
diums, die Buccio sich gestattet, mag trovando richtig sein. 
Sonst Hesse sich etwa andiam ergänzen. 



40(5 Mussafia. 

824. llandöclirift colla dum vando ; ,sie gehen mit ticiu 
JMädchen^ = ,zu dem Mädchen^ Vgl. MomLritius nn einer 
anderen Stelle: Porphyrius intravit im palatium cum imperatrice 
,Y.\\v Kaiserin^ liier bietet MomLritius nur: ,. . . . nt inveniamus 
requiem'. Et euntes cecideriint ad pedes heatae K. — Es scheint 
mir daher unnöthig, einen Emendationsversuch zu machen und 
etwa collä donu <\ne\ vando (donne, adonne ist nämlich im 
Süden für dove zu belegen). 

840. fo respondendo = respuse, oder freie Anwendung 
des Grerundiums statt einer finiten Form. 

845. Handschrift coimiti: von dem zweiten Zeichen ober- 
halb der Zeile muss man in jedem Falle absehen; das Uebrige 
kann covjunfi, oder convinH gedeutet werden. Das Letztere 
würde einen trefflichen Sinn geben: ,wie (^ da) ihr [nunmehr] 
überzeugt seid, so möget ihr auch standhaft sein'. Der Reim 
dagegen (wenn nicht Verse fehlen, was aber wenig wahrschein- 
lich ist) fordert conjunü, das nicht leicht zu erklären ist; etwa 
,da ihr eines Sinnes seid'. 

848 — 849 reimen nicht mit einander; entweder fatigate 
oder acquistarete. Ersteres kommt dem Metrum zu statten. 

Vor oder nach 8(J1 fehlt ein Vers; a giorni d.icisepte gibt 
wohl das Datum des Martyriums an ; in der grossen lateinischen 
Legende wird als solches der 13. November bezeichnet. 

865. jihren Weg durch die Leute hindurch nehmend', 
,sich durch die .Leute heimlich schleichend' (vgl. bei Dante: 
tenne a sinistra, Sacchetti : tenne versa Bologna). — Aenderung 
zu temeMdo ,aus Furcht vor . . .' ist demnach nicht nöthig. 

896 — 897. Die Wiederholung von respuse ist verdächtig; 
vielleicht propiise. 

905. Hs. & ogni hene; wohl Verwechslung zwischen e Con- 
junction und e Verbum. Ich hielt mich daher für berechtigt, letz- 
teres einzusetzen. 

918 — 919. Entweder vetoperarai als. erste Person und voi = 
vos, worauf mit plötzlichem Uebergange zur zweiten des Sing. 
te (so ist jedenfalls statt in zu lesen) folgt; oder vefoperare 
voi (= lat, ms). Letzteres ist weit ansprechender; doch da 
ich zweifelte, beliess ich die Lesung der Handschrift. 

Nach 928 fehlt eine Zeile ; etwa se tu ine dal la morte, 



Mlttheilunf,'«n ;hip lomiiniscben Handscliriftcn. II. A\J i 

943 — 945 sind tlrei Verse mit gieiclicm Keime. Es kann 
immerhin eine Zeile fehlen; aber wahrscheinlicher ist es, dass 
944 sich aus anderen ähnlichen Stellen eingeschlichen hat. 

945 — 946 berichten bereits über die Thatsache, welche 
1070 — 1071 wieder mit denselben Worten erzählt wird. In 
den anderen Versionen findet sich liier bloss der Befehl. Diess 
genüg-t aber nicht, um eine Emendation zu stesse (staesse, die 
übliche Form, geht nicht in den Vers) und vexUsse nüthig zu 
machen. 

952 ist wenig deutlich. 

982. dice = didtur; Diez, Gramm. III, 208. 

982. ad terra ,herunter^ ; vgl. a v.alh , steige [von deinem 
hohen Palaste] herab^ 

992. Ich folgte der Handschrift, welche mo ua trennt; 
,nun gehe^ statt des zu erw^artenden ,nun komme'. Vgl. 1101 
wo man ebenfalls, statt gire, venire vorziehen würde. Ueber 
den Reim madonna : mö va vgl. Anm. zu 226. INFan könnte 
indessen auch mova ,sich in Bewegung setzen, sich begeben' 
vermuthen; es läge dann indirecte Rede vor. 

999. Besser intraro. 

1003. queh — quello (st. quill o , Avenn nicht neutral) auf 
lume rhiaro bezogen. 

1028. Ich druckte aconci a fare wegen 1217. 1506. 

1039. Hs. saie. Man könnte auch hon e trennen. 

1047. Oder che -IIa '^ ammoUare w^äre dann transitiv. 

1062 ff. Es scheint sonderbar, dass Katharina dem Por 
phyrius und seinem Gefolge einschärft, Niemanden das, was im 
Kerker vorgefallen war, mitzutheilen. Man würde eher er- 
warten, dass sie sie auffordert, den neu angenommenen Glauben 
offen zu bekennen. Ob nicht da etwas fehlt? Bei Mombritius 
heisst es, Porphyrius und die Seinen hätten den Kerker ver- 
lassen praecipientes custodibus tif nidli liaec indicarenf. Möglich 
daher dass nach 1061 ein paar Zeilen ausgefallen sind. 

1098. Es ist nicht klar, ob die Handschrift pe (= per) 
oder 2^" (== p(^sf) liest. Da ich in südhchen Texten präposi- 
tionales poi nicht fand und pe = per noch jetzt häufig ist, so 
beliess ich letzteres; etwa ,unterdessen'. Auch 644 kommt yc 
qupstn vor. und obgleich es hier leicht ist ,desshalb' zu über- 
setz(;ii, SU kann es auch wie 1098 eine temporale Locution sein. 



408 Mussafia. 

10i*l>. et j'o presto kann ein Zwischensatz sein; ,nnd zwar 
o-escliah dicss schnellt Oder es ist dem recordose coordinirt : 
,und war gleich bereit [sich zn erknndigen]'. 

1104 — 1105 reimen nicht mit einander; etwa guardando 
mit freier Anwendnng des Grernndinms; oder sfane, da 3. Sing. 
Perf. Ind. anch sonst mit -ane gebunden vorkommt. 

1106 — 1107 reimen ebenfalls nicht mit einander; ein 
schwaches Perfect von dare ist wohl nicht anzunehmen. 

1109. no potea affare muss bedeuten ,es konnte nicht 
anders sein^ Vielleicht ist auch hier, wie in manch anderer 
Stelle, ein Abfallen von einer Construction in die andere zu 
erkennen. Gemeint ist non potea fare (äff. mit üblicher Pro- 
thesis des «-) che, se non avesse magnato, avesse lu fiato oder 
che, se . . . ., non avesse perduto. 

1152 ff. sind mir nicht gut verständlich, und ich ver- 
muthe irgend eine tiefer gehende Corruptel, vielleicht Verlust 
einiger Zeilen. Es sei indessen eine Erklärung versucht. 
Maxen tius sprach von Katharina's helleze und sapire. Wenn 
sie nun in der Antwort sagt: de que pensate voi'? und es folgt 
de mio int., so muss auch vor bell, dieselbe Präposition stehen; 
also Della statt Se-lla. (Oder soll man de vor intell. streichen 
und lesen se-lla. hell, et mio intelL?) Dem de que pensate ent- 
spricht dann 1154 de qitesto non pensete: ,was macht ihr euch 
um meine Schönheit tmd meinen Verstand Sorge? (oder: ,wenn 
es meine Schönheit und mein Verstand sind [um die ihr euch 
Sorgen macht] ), so möget ihr da nicht denken, dass ich sie 
(die Schönheit) so theuer halte u. s. w.^ Sie nimmt also hier 
blos auf die Schönheit Bezug; indessen ist es begreiflich, dass 
sie ihre Missachtung vergänglicher Vorzüge besonders 
betone. Dass diess Alles nicht sehr befriedigend ist und dass 
andere Deutungsversuche leicht gemacht werden könnten, ist 
selbstverständlich. Im Zweifel habe ich keine Emendation 
vorgenommen und nach 1153 nur ein Komma angewandt. — 
Es sei schliesslich noch bemerkt, dass Mombritius nur von 
Schönheit spricht: ,Noli perdere (— 1148) pidchritudinem tuam'. 
Cath. respondit: Quid miraris in pidchritudine onea . . .? 

1177. che se fa scuro mag auf veneturo ,die Zukunft' sich 
beziehen und bedeuten ,welche im Dunkel gehüllt ist^ 



MitUioilunf;cn aus loiiianisclieii irandscliriftcn. II. 409 

1178. Wie ist VI dahio zu deuten? etwa: ,bei deiner 
Antwort auf meine Anerbictungen beziehe dicli niclit auf so 
ungewisse Dinge wie die Zukunft'; oder bildet in d. den 
Gegensatz zu folgendein Verse ,bei deiner Antwort hege keinen 
Zweifel über die Aufrichtigkeit meiner Absichten'? — Es ist 
indessen möglieh, dass hier nur die bei .lae. a Varag. (in ähn- 
lichem, aber allerdings nicht identischem Zusammenhange) 
vorkommenden Worte: noll dnbiis respondere sei-monlbu.s wieder- 
gegeben werden. 

1200. Hs. sano d jovaua; der Reim forderte die Um- 
stellung. 

looO. Die Darstellung ist etwas verworren, doch der Sinn 
klar. jMaxentius war schon von früher her gegen seine (le- 
malin erbost, weil sie ihm Vorwürfe gemaclit lialli!: er hatte 
sie daher bedroht und sie musste einige Zeit hindurch es ver- 
meiden vor ihn zn treten ; erst als sie von Kathariua's Mai'ter 
und dem geschehenen Wunder Kunde erhielt, kam sie zu ihm 
und ermahnte ihn, gegen Gott nicht ankämpfen zu wollen. 
J\[it lo40 beginnt in der Handschrift ein neuer Abschnitt. Ich 
bin ihr darin nicht gefolgt, da undi . . . mit dem Vorangehenden 
innig zusammenhängt. — Jiemerkenswerth ist, dass weder in 
unserer Legende von einer früheren Unterredung zwischen der 
Kaiserin und Maxentius die Rede gewesen ist, lux-h die anderen 
Versionen etwas davon wissen. 

1333. Klarer wäre p. per [rjam.monire. 

13.'>4. Eine kleine Aendernng der (.■onstructioii, statt n per 
rliß oder e per cih che Iv rcpiUlone. 

1375. Sollte bedeuten ,so lange die Welt ihi ist' d. h. 
, dauert'. Wie ]iasst dicss aber zum Vorhergehenden? Das 
hene von 74 bezeichnet die liinunlische (»lückseligkeit; und 
diese ist doch ewig. 

1391 kann auch zum Vorhergehenden gezogen werden. 
Dann Komma nach 90, Semicolon nach 91. 

1398. fare de socferrare ,sich mit der Beerdigung be- 
schäftigen'. 

1401. Ergänze: ,sie unbeerdigt zu lassen'. 

1403. Nebensatz ohne che wie l.")9S o(l(u- dirccte Rede. 
1 )ann (yolon nach respondero. 

Sit/.iin|,'sl.ev. <1. pliil.-liist. Cl. CX. VA. II. IlCt. ■ 27 



410 Mnssafia. 

1409. sancti kann nicht Singular sein. Die Emcndation 
sancfo : nanti wäre bedenklich. Man erkläre ,\vie es Heilige 
sind' und vergleiche 293. 

1422. oisei in indirecter Rede entspricht einem oimei in 
directer; so bei Boccaccio: Oise, dolente se. 

1427. ,mit denen, die du unter deiner Botmässigkclt 
hieltest^, d. h. ,du und die deinen leitetet das Reich'. 

1428. era kann erste oder dritte Person sein: ,ieh baute 
auf euch und nährte keine Sorgen' oder ,das Reich war durch 
euch in Ruhe und Sicherheit'. 

1429. ,Wer hat dich mir mit List entrissen?' oder gahhato 
in der geAvöhnlichen Bedeutung ,hinters Licht geführt' und me 
ist ethischer Dativ. 

1430. Cesar kann nur Maxentius sein (der freilich in 
unserem Texte nie so bezeichnet ist); an Cesar (= Cursafes 
der anderen Versionen) von 1240 ist nicht zu denken. Die 
Rede von 1423 — 1429 ist daher als ein Monolog aufzufassen. 
Maxentius beklagt zuerst in seinem Lmeren den Abfall Por- 
phyrius', dann wendet er sich zu diesem. 1430 ist respuse kaum 
richtig ; besser etwa prop. 

1445. Doch ingnenocckino, da nur von Porphyrius die Rede 
ist; doch vgl. bei Mombritius : quos uhi vidisset Porplujrms per- 
terrlfos dixit eis : Dhniitiiis caput et ad pedes itis. Es ist daher 
immerhin möglich, dass nach 43 zwei Zeilen ausgelassen wurden. 

Nach 144G (oder vor?) feldt eine Zeile. 

1448. te vor piace ist kaum entbehi'lich. 

1453. Es ist commandone gemeint; über -one : -ane siehe 
die Einleitung unter ,Reim'. 

1479. Oder allos. mit dem beliebten Präfix. Ich zog a-ll. 
vor um die übliche Präposition nach cominciare zu erhalten 
und weil 910 einfaches los. vorkommt. 

1483. , ob wohl du mit deiner Zauberkunst die Ursache 
des Todes meiner Frau warst'; 1487 ist fecisfi. (das übrigens 
dem Metrum zuliebe besser zu streichen wäre) der Deutlichkeit 
halber wiederholt. 

1494. Nicht ganz klar ob lassi oder -e. Ich wählte die üb- 
liche Form. 

1500. Vor donna ist farragio aus 1499 und zwar als selb- 
ständiges, nicht als modales, Verbum zu ergänzen. 



Mittheihingcn aus romanischon Ilaiidschriften. 11. 411 

1543 — 1544. Wenn 44 ,dann werde ich micli [tödten] lassen' 
bedeuten sollte, dann würde 43 in der Lnft schweben und man 
müsste entweder facta qu. or. oder in Verbindung" mit dem 
Vorherg'chcnden Fare qu. or. conjceturiren. Oder soll poi me 
(als ethischer Dativ) lassarone qu. niea or. construirt werden ; 
.nachher werde ich sie endigen'? Die.se Erklärung s^lieint mir 
überaus matt. Um nicht 7A\ präjudiciren unterlicss ich hier 
jede Interpunction. 

1548. Ohne Zweifel soa oder vielmehr .so, da «wo?- Mas- 
culinum ist (1599. 1606); -a ist Dittographie. 

Nach 1549 fehlt eine Zeile. 

1551. vn' ist kaum haltbar; wohl nu. oder, um die sonst 
stets vorkommende Form zu gebrauchen, nuL 

1552 — 1553. In beiden Versen entweder -ocf^///« oder -occhiara. 

1553. Hs. in ne lu; innaln befriedigt nicht, da man doch 
nicht adocckia nel cielo sagt. Es bleibt nur inversus, bei tosca- 
nischen (ob aber auch mundartlichen '?) Schriften in ver. Das r 
zu ergänzen oder ausgefallen wie in pe. 

1557. Hs. gränerte; ich nahm v als verschriebenes u an 
und ergänzte ui. 

1558. Einfacher Avärc cunqua [n] vid; doch zog ich es 
vor, mit dem Ueberheferten auszukommen. 

1581. Ist 'penso postverbales Substantiv"? dollio könnte 
aucli 3. Pers. Plur. sein (^dolevnf), dann müsste man pensa 
lesen und -a -— -änn annehmen, eine Endung, die in unserem 
Texte nur 1707 im Reime vorkommt. 

1596. preferifo ist wenig verständlich, daher niclit klar 
ol) dieser Vers zu li. (junrda oder zu a in 97 gehört. 

1()06 njnfa könnte Imperativ nach che sein (vgl. die fol- 
gende Anm.), doch der Reim mnclit räthlich afiifa zu lesen. 

1(338 — 1639. In beiden Versen -afa (Imperativ nach che 
wie im Altfranz.) oder, Avas einfacher ist, -efe. 

1660. Statt Et colli möchte man Ecco (,dort' wie in der 
llA^jU., und im jetzigen Abruzz.) li; stando i= stanno. 

1()61 versteheich nicht recht; möglich dass in colla pane 
ein Substantiv steckt. 

1662. aspectano könnte Gerundium sein wie 1545, wo die 
Handschrift ebenfalls fjuardano statt -anno bietet; der Reim 
alur fordert -i'ctano und somit ist stao zu tilgen. 

'>7* 



412 Mussafia. 

1G78. anche ist zur Notli haltbar; anfl (nanü) , vielmehr' 
wäre befriedigender. 

Vor oder naeh 1G90 fehlt eine Zeile. 

1()92. adterraro kann , begraben' (so Arch. stör. nap. IV, 
444) oder , zur Erde hinuntertragen' bedeuten; der Sinn bleibt 
derselbe. . Es wird nämlich l()91-94 genauer ausgeführt, was 
82-90 erzählt Avurde: Die Eugel fassten den Leib K.'s, trugen 
ihn auf den Berg Sinai und begruben ihn dort. Die erste und 
die letzte Handlung folgten aber nicht unmittelbar auf einander, 
sondern das Tragen durch die Lüfte dauerte zwanzig Tage. 
Die Construction ist volksthümlich ungelenk ; nanti lässt eine 
andere Wendung des Ausdrucks erwarten. 

1707. ,nach dem Zeugnisse der Reisenden, w^elche sich 
dorthin (zum Berge Sinai) begeben'. 

1741. Man möchte quillo vorziehen. 

1759. Ja soa memoria ist absoluter Accusativ wie la sua 
tnerM u. s. w. 

1760. Hs. conducl na; na wäi'e r:^ nella ; dann aber 
würde der Accusativ zu conduci fehlen. 



Mittheilungen aus romanischen Handschriften. II. 



418 



Glossar. 



(1 : niilio homo trovai cIi a nie staesse 
760 = contra nie, wie im V. 597, 
capire (Mo temino , Platz finden in 
dem Tempel' lO'J; ad queUo che. 
acqidstate ,im Verg-lcich zu' 850 ; 
ad qncllo che vedemo ,n;u-h dem' 788; 
alla script'ura de Omero la vencerayio 
,bei [Anführung] der Schrift' oder 
instrumentales a , durch, mittels' 
;")'.K); <id, Ire jarni ,nach Verlauf 
von' 1034. — a vui ä spene 1557 
ist niciit sicher. 

abesongiuso ,bediirftig' 1586. 

aliisognare , bedürfen' 1603. Vgl. Subst. 
ahenogno in HAqu. 906. 

Hccommandare , adcomm., acomin. = 
it. raccomm. 357. 1267. 1383. 1540. 
1602; daneben recomni. 1642. 

acconciare intran.s. : acconcia de farelo 
,mache deine Anstalten um es aus- 
zuführen' 1216. 

ncchoro ,Chor' 1615; 344 steht clioru. 

aconvenirse, ade. ,passen' 56. 231 statt 
des einfachen conv. So HAc^u.' 
Aiu:h in der C'rusca acconvenirsi 
,voce poco usata'. 

adahare ,hochhalten, preisen' 533. 

admannorUo , vor Schrecken ver- 
steinert' 1440. 

adocchiare ,den Blick erheben' 1553. 

adorta; pol che sarro alla foxa adortu 
,zu Grabe getragen' 1 169 ; die eigent- 
liche Bedeutung scheint zu sein ,in 
die Höhe heben', dann ,et\vas Ge- 
hobenes tragen'; so HAcju.^ 281 la 
loro hanera haoeano adorfa per sal- 
lirela ad alto ,sie ergriffen und 
trugen hoch die Fahne'; vgl. ibid. 
179 le fjeiiti hauiano adorte; der 



Herausgeber erklärt ,eruno oenufe' ; 
mir scheint besser ,aveüano eccitato 
a sollevazione'' . Ist bloss das l'ar- 
ticipiuui zu belegen oder waren 
auch andere Verbalformcn vor- 
handen? Und woher das Wort? 
Die Bedeutungen des lat. adorlri 
stimmen nicht gut dazu. 

adfcj-rare; s. Anm. zu 1692. 

affare:no ijotea af.; s. Anm. zu llOU. 

afferrare; dove U rey se afferra ,wo 
die Schuldigen ergriffen [und be- 
straft] werden' 1357. 

affoschito , dunkel geworden' 1165 von 
Blumen, die ihre Farbe verloren. 

aglnu : ';< ag. ,in Eile' 1101; das 
Verbum und wohl auch das Nomen 
lebt noch in südlichen Mundarten ; 
so verzeichnet Finamorc: aquilan. 
ajinarse ,affrettarsi' ; terani. jiiiä. 
Die Crusca hat das Wort mit einem 
Belege aus der Tav. ritonda und 
übersetzt es ,fi-etta, proutezza'; 
dazu bei Manuzzi : ,(lici(inio pro- 
priamente avere (KjinKl cioe for- 
za, possa,, leim'. Unter gina 
werden nur die letzteren Bedeu- 
tungen atigegeben, und zwei Be- 
lege, worunter einer aus Davanzati, 
beigebi-acht. Die neueste Auflage 
der Crusca hat das Wort in das 
Glossar verwiesen, wo sich auch 
ein Beleg für aina findet. Alle drei 
Formen bei Diez, der zugleich jene 
Stelle aus Dante's de vulg. eloqu. 
anführt, in welcher das Wort (in 
der Form aina) den Marchigiani 
zu {jesch rieben wird. Diez verirleicht 
ferner Mittellateiuisches, Altspan. 



414 



M VI s s a t' i ;i 



luul Altiiurt. iiiul gil)t als Etymon 
den Stamm von agere -{- Siiü. ina an. 

allocare = it. collocare 1763. 

allosengare? s. Anni. zu 1179-, mit 
dem Präfixe IIAqu.' öll. 

allmfrare ,blitzen' 482; IIAqu.' 1-233 
adlust[r]are; vgl. mit anderem 
Präfixe abruzz. seliistrh selustrija 
,lampeggiare', selmfre ,lampo'. 

ammacfare ,matt machen, überwinden' 
582. GOO, auch im älteren Toscan. ; 
vgl. neap. smattare , abbattei'e ', 
Diez s. V. matto. 

ammollare intrans. ,weich werden' 
(im figürlichen Sinne) 1017; viel- 
leicht ist es als Transitivum auf- 
zufassen; vgl. Anm. 

antisti (Sing, -o oder -e?); von den 
heidnischen Gelehrten, deren bal- 
dige Bekehrung verkündet wird, 
heisst es che forii cos\ antisti 611. 
Am leichtesten böte sich Annahme 
eines Latinismus: antistes , Meister 
in einer Wissenschaft, in einer 
Kunst'. Indessen ist aus jetzigen 
Mundarten zu verzeichnen: aqnil. 
andiste , vivace, irrequieto'; anderswo 
im Abruzzo: 'ndiste ^nziste ,svelto, 
intelligente', zunächst von Kindern; 
neap. 'ntisto 'nzi-sto ,insistente, mo- 
lesto'. Je nachdem man von 
den angegebenen Bedeutungen die 
eine oder die andere urgirt, ge- 
langt man zu , gründlich unter- 
richtet' oder zu , ungestüm, hart- 
näckig', und Beides würde auf die 
heidnischen Philosophen passen, 
lieber das Etymon wage ich keine 
Vermuthung; das Concurriren der 
Dentalis mit der Sibilans macht 
die Sache noch schwerer. Gegen 
Zusammenliang mit testa (lat. te-, 
roman. aber te-) scheint i zu 
sprechen. 

apponere ■= it. opporre , widersprechen, 
widerlegen , eine Meinung der 



alliieren entgegensetzen' 364; eher 
o- zu a- (§. 2'J) als Präfixtausch. 

hancha ,Kichterstuhr von Maxentius 
608; davanti alla soa h. entspricht 
der sonst (35. 75. 1175) gebrauchten 
lateinischen Formel pro trihimale. 

hcmnire; s. Anm. zu 481, zu welcher 
noch hinzugefügt werden möge, 
dass hommire Ant. ital. VI, 908 
vorkommt; um so eher wird man 
auch in unserem Texte so lesen. 

caidii adverbiell: sc) c. se farrane 987. 

cacciunelh ,kleiner Hund' 73U; abruzz. 
cacciune, cacciuneUe, caccndteUe ,cuc- 
ciolo, cagnolino'. 

campare ,unversehrt bleiben' 871 von 
den Haaren der zum Feuertode 
verurtheilten Gelehrten. 

cavalero: Plur. -i in der Bedeutung 
,Vüllstrecker der Todesstrafe' Sü'.^- 
vgl. die Crusca. An anderen Stellen 
bedeutet es .Ritter'. 

celestiano 1021. 1073. 

cello ,Vogel' 88. 106; abruzz. ccU§, 
cnipb. cielle (neben ancielle). 

cohelli: no c. ,niclits' 731 ; vgl. 

RS. Anm. zu V. 100. 

commenente in der Bedeutung des 
altit. convenente, afz. covenent ,Ereig- 
niss, Thatsache' 1696; so HAqu.' 
112 se male vie comm. ,wenn es 
mir schlecht geht, wenn meine 
Angelegenheiten schlecht stehen'; 
273 lior ve vogKo contai-e che ce fo 
comm. ,was uns geschah'; noch 
cmpb. ch§ m' e stat§ cummfnende! 
,che mi e successo!'- (Arch. IV, 106). 
435 convenente m'h statu kann ebenso 
übersetzt werden: ,es geschalt mit 
mir wie es beim Propheten hei.sst'. 
Indessen lässt sich hier auch die 
Bedeutung von cmivenire adconv. 
erkennen: ,Es passte mir, es schien 
mir geziemend'. 

commövere , beben, von der Erde' 480, 



Mitthoilungcn aus romiinischen Handschriften. 11. 



415 



complcminto : avffominto soctile ad comp. 

,vollständig' 705. 
roncol/o ,gesammelt' 16ö. 191. 
conquisto : ui c. ,hast ersonnoii' C63. 

contenere ,beh,aiij)toii' 294. 607; also 
mit anil(>rem Suffixe als it. sostenere. 

contrariai-e ad [mxa] questione ,wider- 
lofreu' 580. 

co)ii(.iccre : c. lo cliinro (InJlo faxen. 
, unterscheiden' 11; in V. 1192 
scheint es ,vergelten' zu bedeuten. 

roiivecc 321 sehe ich als it. conv.irne, 
mundartlich conve entsprechend an ; 
-ce wäre paragogisch wie in foce. 
l-^-(MlicIi führte '/.nfofoce ein anderes 
l'erfect fcce fe (dass alle mit ,Pa- 
ragoge' bezeichneten Erscheinun- 
gen schliesslich auf analogische Vor- 
gänge zurück/.nfiilireii sind, braucht 
kaum gesagt zu werden; so, um 
ein anderes Beispiel anzuführen, 
veranlasste face fa neap. va vacc), 
während in unserem Worte ein 
Präsens vorliegt. 

erat. , morgen' 1201; in der Schrift- 
sprache veraltet; noch lebend in 
vielen Mundarten, zumal des Cen- 
trums und Südens. 

croce : farse er. ohne Artikel ,sich be- 
kreuzigen' 700. 

cunlo : foro hen doeento per c. wörtlicli 
,der Rechnung nach', also , wohl- 
gezählt' 1055; vgl. KS. jpe?- cominto. 

cuft/odifie. Gl scheint zu bedeuten 
, durch das Gesetz bestimmt'. 

daventro ,hinein' 21. 3; HAqu.' 790. 
•Noch lebend; so z. B. in Agnone 
(Molise) loelte daveiür ,dort drinnen'; 
Canti n, 268. 

davuncha ,wo immer' 544; n st;itt 
des erwarteten o (it. dovunque) ; 
HAqu.'' 99 daunqur; IIAqu.2 öfters 
dav. neben seltenerem dov. Ist 
o zu a in anlautender tonloser 
Silbe (trotz folgender Lal)ialis) an- 
zunehmen, oder liegt eine andere 



Bildung vor: de ah unquain? Letz- 
teres wäre gar seltsam, da imqiiani 
sich niir an schon vorhandene 
Wörter fügt. 

de : confarafjio de una ystoria 19 (s. 
Anm.); de cio che te dico jxra de 
no redirelo ,betreÖ's dessen' 973; 
ähera pof.ido d' ofjni lenf/na i)arlare 
278; loco . . . ordcnato de fare le 
vialrfilia 1521 ; corria fare de questa 
socterrare 1399. 

declinare-.ad qvale tou core -a? ,wozn 
neigt sich dein Herz?' 1205. 

dclleMo 045. Der Sinn des Wortes 
ist mir niclit selir klar. Der Erz- 
engel Michael Ivündigt Katharina 
die himnilischo Glückseligkeit an, 
romo ce e del. Ist es ein verstärktes 
Icslo ,wie wir [im Buche der Zu- 
kunft] lesen, wie uns vorherge- 
kündigt ist'? Oder entspricht es 
einem it. adj. fZ*fe^/fo ^= dilectus , ange- 
nehm, lieb'? Da kein volkstliüm- 
liches Verbum dellcgeve annehmbar 
ist, so müsste das isolirte Adjectivum 
unter Einwirkung des Partici]>iums 
von legere sein -st- statt -tt- er- 
halten haben. 

denanti; s. enanti. 

dcspendcre = it. spcndcre 151, <> des- 
pisu 417. Uebrigens aucli im 
Italienischen, w(Min auch bei weit(!m 
weniger gebräuchlich. 

de.ftpeczare 128G neben einfachem spe- 
ezare 1284. 

dessepare von den Rädern , zerbrechen 
und die Stücke umher zerstreuen' 
1285. Auch die altgen. Legende 
gebraucht hier dasselbe Verbum : 
531 e quele roe disxipasse. Nicht 
anders bei Jac. a Varag. : vir(io do- 
minum exoravif, id macliinam dis- 
slparef. E.s liegt indessen keine 
knechtische Uebersetzung des la- 
teinischen Ausdrucks vor, denn 
HA((U.- G44 heisst es von einem 
Schlosse aijia malanno lo comune 



416 



M ussaf iiL 



Aqitllaiio che . . . iiol free dcnipare. 
Noch im abnizz. dissceph ,ronipero, 
aftrnngere' ; dazu iieap., lecc, cam- 
pob. XI. s. w. sippa seppä ,strappare, 
svellero' (Arch. IV, 151-152 Anm.) 
Vgl. endlich die letzte Ausgabe 
der Crusca dissipare, §. VI: ,fran- 
gere, l'are in pezzi'. 

ditit : stendere In düu als Geste der 
Bitte um Gehör, 1315. 

doclare ,t'ürcliten' 968 ; so auch im 
älteren Italienischen. 

durare: se lo duravano , ertrugen es' 
205; so HAqu.' 284 como se Uo 
duraof b\l Quant e ontc li feceano 
tutte se le duravano. Ant. ital. VI, 
1019 ^2"^^ diio parlo in pace te lo 
dura. Ohne den Dativus ethiciis 
1217. 

evangelizare ,gute Nachricht bringen' 
653-, gibt das entsprecliende Wort 
des Lateinischen wieder; so in der 
ältesten Version: e(/o sum Michael 
... missus . . . haec sibi evangelisare. 

fallura ,Fehl' 1741; auch im älteren 

Italienischen. 
fameglia , Dienerschaft' 1181, mit der 

speciellen Bedeutung , Schergen' 

1354; §. VI der Crusca. 
fantasia : ene (jran f. ienere per qiicsfa 

via , diesen Weg einzuschlagen ist 

eine Phantasterei, eine Thorheit' 

493. 
figerse ,in einer Bewegung innehalten, 

ausi'uhen' 232. 321 und in gleicher 

Bedeutung /are _/?ci« 317. Ygi.fitfo 

,ruhig' in lIA(iu.i 50. 208. 576; 

noch jetzt im Abruzz. fitte ,quieto'; 

statte ßtle ,non ti muovere'; tarent. 

ajjiscersi ,arrestarsi'. 
flectcre lo capo 714; ad tua laude se 

ßeciano 1277. 
fornire la morte , sterben' 14G7. Der 

Gebrauch von fornire entspricht 

hier der Bedeutung , ausführen'. 



ähnlich wie in der llAiiu.' fornero 
la pace. Von der anderen 15e- 
deutung , endigen' ausgehend, sagt 
man im Italienischen für , sterben' 
fornire la vita. 

frisciato ^= it. fregiato 936. 

furunimente , insgeheim' 864. 1390; 
wohl mit fitr zusammenhängend. 

f/arjin 836, Plur. «/r^ora 173 , Freude'. 

(joliare , verlangen', eigentlich , gierig 
verlangen' 1190; war auch im Alt- 
tosc. vorhanden ; vgl. noch tarent. 
i/u/io jdesiderio di alcuna cosa da 
mangiare', Vb. ''ngolare, campb. 
fi/)ul.§ju.ie ,ghiotto' = ,golioso' (Arch. 
IV, 153); neap. golio ,desiderio, 
voglia' (auch in der Bedeutung 
, Muttermal'), goliuso. 

guadagnia , Gewinn' 1624. 

guardare mitDativ derPerson395.399. 

Uli ,dort' 1546. Man wäre versucht 
iui fi'vi) zu bessern; indessen lebt 
noch im Abruzzo ell§ ,dort'; vgl. 
esse und JL'ste um den Ort in der 
Nähe der angeredeten Person zu 
bezeichnen. In den HAqu. kommt 
mehrfach d'ellafi ,von dort' (z. B. 
1, 338. 2, 352) vor; bezüglich des 
-ti zu vergleichen mit jecute ,per 
Costa' (über ecche ,hier' vgl. jecola) ; 
auch -ce wird suftigirt: /^e^fece ,di 
la, per colä', jtecuce ,per qui, per 
qua'. 

ImperialH, ,Reich' 38; vgl. Anm. 

imprcuderc , lernen' 418. So auch im 
älteren Italienischen ; jetzt ge- 
bräuchlicher apprendere. 

iuferuo : casa -a , Hölle' 851; vgl. 
Dante la valle -a. 

injjogorire intrans. , erschrecken' 249. 
Eine andere Form ist 

inpaurire, emp. trans. 926, intrans. 1011. 

inpicdemcntire , verhindern, stören' 369; 
auch in älteren tose. Schriften zu 
treffen. 



Mittheilungen aus romanisclicii Handscliiiften. II. 



417 



inngno ^= it. seqno 818; abnizz. '')izcgn§. 

invcrme)dre intrans. ,zvi Würmern 
\v(M(lon' von einer Leiciie 1171. 

inviscarse: se -a 77- ,g"elit auf die 
Leimrutlie' in bildlichem Sinn , ver- 
setzt sich in eine .schwierige Lage, 
aus der er sich nicht losmachen 
kann". 

Jaccre ad ima pena , einer Strafe 
unterworfen sein' GO. 

Jccola ,iuin, soeben' 183-, kommt auch 
lIAqu.- Gt-1 vor, vom Herausgeber 
.ade.sso' erklärt. Ob das Wort im 
Ar|uil. noch lebt, ist mir nicht be- 
kannt. Finamore führt ans der 
.Mundart von Palombaro an jierche 
.adesso, appunto ora'; unser Wort 
ist wohl nur eine mit der Endung 
-öla erweiterte Form davon (oder 
ist ein Encliticon -/«, ähnlich wie 
bei den unter Uli angeführten Orts- 
adverbia, anzunehmen?). Es dürfte 
mit dem ecchc jetziger abruzzesi- 
scher Mundarten (ecco sehr oft in 
den lUst. Aqu.) welches .hier' be- 
deutet, identisch sein; Adverbia 
der Zeit und des Ortes berühren 
sich vielfältig. In ic könnte man 
Diplithongirung von e vor -u er- 
blicken : da diess aber der einzige 
Fall in unserem Texte wäre (dazu 
in einem Indeclinabile) zog ich j als 
prothetischen Laut (vgl. Arch. gloss- 
IV, 150, §. 23) vor. 

jorclitn , bestürzt' ;}()2. In ähnlichem 
Zusammenhange steht mehrfach in 
unserem Texte stordilu; trotzdem 
enthielt ich mich einer Emeudation, 
da neap. jorda, abruzz. joi-de ,ma- 
lattia articolarc delle bestie equine' 
vorhanden sind. Es ist nicht un- 
denkbar, dass hier ein bildlicher 
Ausdruck vorliege; vgl. neap. a(j- 
(jhiordare ,intorpidire, indolenjire'; 
la pawa le fj(jamme l'af/^/hiordaje. 



ledere mit Dativ der Person 1()27. 

lesto Part, von Ze//^e?'e 579; §. 104; so 
HAqu.2 0-26; Ant. ital. VI, 989. 

loco ,dort' 10. 1(588. 

fo(2«e?ft : Plur. -e ,Reden' 651. 

liimenera , Beleuchtung' 237. 1080; 
it. luminaria, -ara. 

Inscone; Plur. -uni 939; das \\'ort ist 
mir gänzlich unbekannt ; dem Zu- 
sammonliang nach nuiss es , Werk- 
zeug zum Schlagen, Peitschen' I)e- 
deuten. 

Insfro : -a, Adj. zu scienza ,glänzend' 
569. 

malefiüo : IMur. -« ,lliin-ichtungen' 
1521. Das Wurt dürfte nicht 
schlechtweg diese IJedeutung haben, 
sondern hier desshalb angewandt 
sein, weil die von einem Tyrannen, 
wie Maxentius, angeordneten Hin- 
richtungen als ,Uebelthaten, Ver- 
brechen' angesehen wird. 

viadna : de in. ,ain morgigen Tage' 
979. Ich ]iätt(iaucii in einem Worte 
drucken können ; it. donia/flna. 

menedrare, minist, als Irans, mit dem ■ 
Accus, leiif/uajora ,eine Sprache 
handhaben , geläufig gebrauchen' 
175; intrans. mit Dativ der Person 
jbedienen, pflegen' 1005. 

■»lev.f.e : teuere m. mit dem Object im 
Dativ ,aufmerk.sam ansehen' 388. 
1478. Dadurch dass die zwei 
W^örter als ein Ganzes aufgefasst 
werden, auch mit Accusativ; so 
Boccaccio in Ameto : c tutte /.iis-i.eine 
tenendole menfe. So Ijestäudig im 
Neapolitanischen, wo man aui-h 
zusammenzuschreiben pflegt: tetie- 
remcnte ,affisare, mirare, squadrare' ; 
manco se poteano tenemenfc ,man 
konnte sie nicht einmal erblicken". 
Flectirt wird aber nocli immer nur 
teuere; also z. B. tu tieneinente. 
Anderswo geht es weiter und teiier- 
inent- wird als der Stamm eines 



418 



M u ssaf i a. 



neuen ^'L'rbllluy boIiamU'li ; ^d in 
Cumpohasso : ji (am^nd§, tu tamiendg 
(odor trineniiendg), vu tam§ndet§ ,io 
giiardo fiso ii. s. w.' (vg;I. Arcli. 
glott. IV, 150 Anm.); toi-ani. Infin. 
fremendg ,guarclar fiso'; in einer 
anderen Gegend des Abruzzo (Fina- 
more, tradizioni I, 221) tammendä, 
Imperf. tammcndcve ; tarent. Infin. 
trimentere ,guardare' schlechtweg, 
2. Sing. Präs. Ind. Inmünti (nebst 
tUnimente). Anch 448 piise mcnf.e 
könnte in gleiclier ßedentung auf- 
gefasst werden; unisomehr als auch 
diese Verbindung in älteren tos- 
canischen Schriften mit dem Aceu- 
sativ construirt wird; Boccaccio se 
voi il porrete ben mente nel viso, 
Passav. stesi inverso di voi la mano 
inia e non fu chi la ponesse mentc 
Doch an unserer Stelle ist p. m. 
eher im ursprünglichen, imma- 
teriellen Sinne aufzufassen , be- 
achten, besondere Aufmerksamkeit 
schenken'; vgl. ponate corc e mente 2. 
mere .es ziemt sich, ist nöthig' 330. 
Das Wort kommt auch im Ritmo Cas- 
sin. vor 63: dmnqua te mere scoltare 
.du musst hören'; dazu Navone:, voce 
di oscurissima origine; anclie il signi- 
ficato sarebbe ugualmente oseuro, se 
nonvivesse tuttora nei dialetti cam- 
pani sotto la forma viare in senso di 
jbisogna', usato sempre impersonal- 
mente. Forse dal latino manet 
u. s. w.' Auch erinnert Navone 
daran , dass in einem noch un- 
edirten vermuthlich aquilanischen 
Texte conmere vorkommt, welches 
wieder von convenit staminen soll. 
Man wird schwerlich mere von 
commere trennen wollen. Der 
Stammvocal erweist sich als e, das 
später zu a (dank der proleptischen 
Stellung des Wortes, das meist vor 
einem Infinitiv steht und mit ihm 
eine Worteinheit bildet) geworden 



ist. CoHVcnc zu coiiLiiicre geht, gut 
an; nv zu mm ist Regel; n zu r 
nicht gerade üblich aber doch 
denkbar; aus comm. wäre dann 
mere durch Abfall des Präfixes ge- 
worden. Von befreundeter Seite 
wird mir meret-ur vorsreschla- 
gen ; (mcrita andare ■= conviene 
and.; noch deutlicher mit Ne- 
gation: non merifa dire ^= non 
e d'' uopo che si dica)-^ recht an- 
sprechend; zumal wenn man be- 
denkt, wie vielerlei Ausdrücke für 
opus est die italienischen Mund- 
arten bieten. Commere wäre dann 
ein Compositum von mere. 

metter dentro , einkerkern' 1115; so 
in vielen Mundarten. 

mintrunqua ,so lange als' 1419; HAqu.2 
mintrnnca 303. 

mirare mit Dativ der Person 241. 
386. 1113; vgl. giiardare. 

moczecare ,beissen' 951; so in allen 
südlichen Mundarten , juid zum 
Theile auch im Centrum; bald 
mit € bald mit s (^ ts) ; unser ez 
kann beides bezeichnen; ich wäre 
eher geneigt, e anzunehmen. Von 
morsicare ; Arch. IV, 165. Be- 
merkeuswerth ist, dass auch das 
Rumänische mu><kä bietet; also mit 
Abfall des r und Modification des s. 

vwsto Part, von muovere 581; §.104. 

nanti (nur einmal, 1363, -e) als Präpos. 
660. 808 neben denanti 1726, den. 
a 1444 und davanti 1727, dav. a 
1058. 1314; als Adv. : nanti li gio 
1338, n. li vene 1477, se fa n. 1408 ; 
auch en. 528 und dav. 1561. In 
allen diesen Stellen mit localer 
Bedeutung; mit temporeller ,voi-- 
her' 472, als Conjunction n. che 
,bevor' 1363. Mit adversativer 
Bedeutung: ,vielmehr' 205. 

nenguere ,schneien' 479; HAqu.' nen- 
giieva; lobt noch im Abruzzo: nen- 



^littlieilun^on aus romanischen Handschrifloti. 11. 



419 



giie. ncnghe; dazu iiengncnda ,nevi- 
i-.iia\ nenguiccc ,bioccoli di iieve'. 
VVl. Arch. g-lott. YIII, 117. 

oguando 58 Jetzt', welche Bedeutung 
sii'li aus d(n- ursprüng^lichen ,in 
die.sem Jalu-e' entwickelte; vgl. 
Koland 250. Das Wort, im Italieni- 
sflieu veraltet, lebt noch in den 
nici-^ti'u ^[undartcn von Mittel- 
uud Süditalion; oli auc-li im Sinne 
\tn\ .jetzt' woi.ss ich nicht anzu- 
geben. 

operire: ,öft'nen' 834. Mit o noch im 
Acjuilaii., Scnens., Umbr. u. s. w.; 
vgl, Flechia und Ascoli im Arch. 
glott. II, 307. c i.st in <>2J('va er- 
halten wie in /tperi RS. 

ordisiu ,.schens.slich<' ilaiidlung' 375. 

paramenfo: Fem. l'lur. -a , Schmuck' 
312 von Sonne \\\\A Mond im Hiu- 
blii'k auf den Himmel gebrauclit. 

parare M'wcii' 156. 174. 419. 422. 442. 
Italieni.sch neben imparai-e, auch 
app.; Simj)lex statt Compositum« 
oder Aphäresi.s von a-. 

petere , verlangen' 585. IßGL 

pienero: Adj. zu lume 007, zu tiu-ha 
1081. Dieselbe Bildung koln-t 
öfters in der HAqu. wieder. 

placevelecze 007, Plnr. j)/aciviUcsi 398 
, Lieblichkeit, liebliche Manieren'. 

jprrdkanfe : Plur. -i .Predigton' 520. 

pvcdicare trans. mit Accu.s. der Per.son 
1490; auch im Italienischen. 

primo : in. 2)v. , vorerst' 1348. 

privatu adverl)iell gebraucht ,insge- 
heini' 071; vgl. RS. s. v. 

pro Präp. nicht bloss in ora pro vir. 
1302, das als lateini-sch angesehen 
werden könnte, sondern auch uvere 
pro vipo spuso 1102, pro avere hciir 
1374. Vgl. Ant. it. VI, 904 pro 
nliisarvi = jKr auvisarvl. A^ielleiclit 
au.sgehend von ^'^r vor Vocal, das 
zu pr wurde. 



qnaiifo cl, conw ,wie innner' 1(331. 
qiictare ,zum Schweigen bringen' 584. 

rechar.ic a corc mit Accus, der Sache 
jübel nelimen , über etwas Groll 
empfinden' 1341; it. recar.si ad 
aiiinio. 

rechlcdcrc: von dem Engel, der ihr 
die Speise brachte, sagt Katharina 
omne d) me ä i-ecMcfia 1124; am 
besten mit ,aufgesuc]it' zu über- 
setzen. Wohl eher freiere Verwen- 
dung des Wortes, von der Bedeu- 
tung ,aufrufen, auffordern' ausge- 
lieud, als Erinnerung an lat. (jiiae- 
rere , suchen'. 

regnare trans. 37; vgl. Anm. 

reincJinarse ,sich wieder verbeugen', 
1365. 

riiina etwa , drohendes Unglück, 
Schicksalssturz' 1265. 

sacrijk'ure V idoli statt aW Id. -13-4. 

saperae vigore , die Kraft in sicli fülilen, 
sich ziitrauen', 557. 

shavocfcment». .Schreck' 1253; it. shi- 
gofflm.; -a- statt -i- im römischen, 
ueap. , sicil.; Formen olme -//-: 
sixudtimiento, nljhaatürisi ; mit -(,'-: 
shavorfi'ti in HAqu.-' 73. Das -v- ist 
ursprünglich, wenn Cai.x' Ansicht 
(Studii, S. 38), nach welcher ^Jf/c- 
zu Grunde liegt, richtig ist. 

shergogniaf.o , beschämt' 749. 

sbrigato adverbiell , schnell' 1674; 
HAqu.i 353 se ne gea shrlgnf.o. 

scaltrito; delJo nco sia ac. 62 wörtlicli ,er 
sei über seine Angelegenlieiten (it. 
del fcdto siio) klug, gewitzigt' ; freier 
,er möge auf sich bedacht sein'. 

scaritclare ,zerreissen' durcli die Räder 
1323; Yi.A.i\Vi.'^ escarziat.o von olnem 
auf die ]'"'olter Gespannten; HAqu.' 
282 .?c«?Y(V;7-o von einer Fahne. Wohl 
mit it.A-'jij/rtrc/ft/r zusammenhängend. 

srerricarc. (oder -arse , da dem Intl- 
nitiv das Verbum /acere voranstellt) 



420 



M u s s ;i f i a. 



,zu.sainiiionstiirzou' vcni (Miumii 'rciii- 
pel oOi). 

scnctiare ,wagen' 204. 785. lüöi), mit 
einfachem t. 962 •, dazu fo sciiftimüe 
755. irA(in.2 48 scotlnoano, mit aii- 
deroni Prätixe iind reflex. HAqu.' 
347 non sc adcottinvano. Es ist 
also ein Stamm cot- (cott-) mit Suff. 
-ia- (^ it. -etjffia-) zu erkennen. 
Man denkt zunächst an cogif,-; das 
Präfix ex- würde das Hinüber- 
greifen, Hinausschreiten über die 
richtigen Grenzen des Gedankens, 
des Willens bezeichnen-, der oUra- 
cotante ist zugleich waghalsig. Zu 
dieser Auffassung würde freilicli 
ad- wenig passen. — Eigenthüm- 
lich, dass , wagen' im rumän. cutez 
lautet; auch alban. geg. kn.dsoj, 
tosk. fjiifsoj; als alban. Urform ist 
kut§z anzusehen (vgl. Miklosich, 
Beitr. zur Lautlehre der rumun. 
Dialekte, Conson. H, 11). Ein Zu- 
sammenhang mit unserem Worte 
ist freilich schwer zu vermiithen. 

sembyare ital. ^= soinigliare ,ähnlich 
sein', daher mit Dativ der Person 
1019. 1139. 

semeglia ,Aehnlichkeit' ; alla s. tea 889 
,nach deinem Ebenbilde'; postver- 
bales Substantivum von semegUare\ 
auch im Churwälschen semeglia 
sam. Sinn. (Arch. glott. VH, 548). 

sesa: Plur. -e ,Brüste' 1349. 1385; 
so mit s (oder mit s) an beiden 
Stellen überall im Süden; der be- 
tonte Vocal ist vielfach *; vgl. Diez 
s. V. tetta. 

septeandvionaU Corruption oder volks- 
thümliche Ummodelung (durch was 
veranlasst?) von settentrionale 475. 

soctile ist 49 1 in der Bedeutung , ge- 
ringfügig, nichtig' aufzufassen. 

sopre: responda sopre le mel parole 729. 

spene: fare .sp. ad ah. ,hoffen lassen, 
versprechen' 674. 



spesa , Speise' 1125. So l)ei Bonvosin 
und noch, wenn ich nicht irre, in 
manchen Mundarten. Auch die Cru- 
sca verzeichnet das Wort, abcM- nur 
im Plural, in der Bedei;tung ,ali- 
menti'. 

spleto: Fem. Sing. -« Adj. zu scienfia 
410, /AI loquela 438; lat. cxpleta 
entsprechend; also ,vollgiltig, treff- 
lich'. 

stare: 1a pohella die. slava co.n hella 
,da stand' 1059; die Bedeutung ist 
aber so abgeschwächt, dass starc als 
gleichwerthig mit esse, angesehen 
werden darf. Ebenso 1105. 

tantv,: no L , nicht bloss' 870; iio f.. 

cAemitConjunctiv , geschweige denn 

dass' s. Anm. zu 108. 
fempesta: PI. -e ,Lärm' 187; vgl. Crusca 

ed. Manuzzi §. V. 
tempo7-ale: Jiomo che h factu ad f.. ,für 

eine beschränkte Zeit' 1199. 
teuere pella gente; s. Anm. zu V. 865. 
toccare: multi savii toccone ,sie führte 

viele Weise an' 281. 709. Sonst 

bedeutet toccare a qc. oder di qc. 

,tlüchtig behandeln, kurz hinweisen'; 

so auch deutsches berühren. 
tonetare , donnern' 481; vgl. aquil. 

tonito , Donner'. 

uelU , viele' 107; vgl. RS. zu V. 100. 

vaccone; PI. -unl, Adj. zu nervi ,von 

Kühen' 940. 
venet/iro , Zukunft' 1176; aus * venit- 

orinm , vgl. spau. venidero {■= 

-duero). 
vergognare intrans. 898 ; so auch bei 

Petrarca. 
vero: Plur. -* Adj. zu cavalcri nebst 

fedeli] , aufrichtig' 999. 
vlllata oder -ate ,Dorf' 1619. 
vivaccio , schnell' 504; Ritmo cassin. 8 

mendc abhibatio ,me ne affretto', 

wozu Navone aus Rusio's Mascalcia 



Mittlieilungen aus romanischen Handschriften. II. 



421 



sc ahloazza anführt. Es ist ancli in 
älteren Denkmälern von Mittel- nnd 
Nord-Italien zu treffen. Vgl. meine 
Monum. aiit. s. v. viaqamente, wo 
aul" prov. vicutz vialz, afz. vias liin- 
f^owiesen wird. Caix, Stiidii, S. 4 
bring't damit nwvh it. vaccio av(Kcio 
in Zusammenliano-, von Die/, ans 
uhactiare gedeutet. — Bei dieser 
Gelegenheit sei es mir gestattet, 
das im (Jlossare zu den catalon. sie- 



ben w. Meistern s. v. ivan Gesagte 
zurückzuziehen. Die Form war be- 
reits bei Diez verzeichnet und ist 
auf einfache Art durch Abwerfung 
von anlautendem v aus l^issiniila- 
tionsstrieb zu erklären. 

vocca: inifie v. ,tiug zu reden an' 708. 

voJfarsc ,Umk('lir halten , ;uid('ren 
(und zwar hess.'ren) Sinnes werden, 



XV. SITZUNG VOM 17. JUNI 1885. 



Das k. k. militär-geo^raphische Institut in Wien über- 
raittelt die 29. Lieferung der neuen Specialkarte der öster- 
reicliisch-unffarischen Monarchie. 



Herr Dr. Max Grünert, Privatdocent der orientalischen 
Sprachen an der deutschen Universität in Prag, legt eine Ab- 
handlung vor, welche den Titel führt: ,Die Begriffspräponderanz 
und die Duale a potiori im Altarabischen' und ersucht um Auf- 
nahme in die Sitzungsberichte. 

Die Abhandlung wird einer Commission zur Begutachtung 
überwiesen. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Acaderaie des sciences, belles-lettres et. art.s de Lyon: Memoires. Vol. 
XXVI. Paris, Lyon, 1883 — 1884; 4". 

Accademia, R. delle scienze di Torino: Atti. Vol. XX, Disp. I" et 5". 
Torino, 1884—1885; 8". 
Memorie. Ser. IF', Tomo XXXVL Torino, 1885; 4». 

Delisle, Leopold: Inventaire des Manuscrits de la Bibliotheqne nationale. 
Fonds de Chnii. Paris, 1884; 8'1 

Gesellschaft, Schleswifj- Holstein -Lauenburgische für Geschichte: Zeit- 
schrift. XIV. Band. Kiel, 1884; 8". 

— Schleswig- Holstein -Lauenburo-ische Regesten und Urkunden. I. Band, 
1. — 3. Lieferung. Hamburg und Leipzig, 1885; 4'1 

Halle, Universität: Akademische Druckschriften pro 1884. — 91 Stücke 4" 
und 8'\ 

Harz-Verein für Geschichte und Alterthumskunde: Zeitschrift. XVII. Jahr- 
gang 1884, I.— III. Heft. Wernigerode, 1885; 8". 

Peabody Academy of Science: Annual Report of tho Trustees 1874 to 
1884. Salem, 1885; 8^ 

Societe d'Emulation d'Abbeville : Memoires. 3° serie, 3'' volunie, tome XV. 
Abbeville, 1884; 8". 

— nationale des Antiquaires de France: Memoires. Tomes 43 et 44. Paris, 
1882—1883; 8". 

— Dictionnaire topograpliiqxie du Departement des Hautes-Alpes, compre- 
nant les noms de lieu anciens et modernes, redige par M. J. Roman. 
Paris, 1884; 4". 

— des sciences de Nancy: Bulletin. 2" serie, tome VI, fascicnle IG. 
XVF annee 1883. Paris, 1884; 8". 



En gcIt iro h t. Untersucliungcn iUior flio Sprache fies riamlianns Mamcitus. 423 



üntorsuciuingoii ül)cr dio Sprache des Chiudianiis 

Mainertüs. 



Von 

Dr. August Engelbrecht. 



Uie folg-ende Abhandlung ist keineswegs eine Gesaramt- 
darstellung der formellen wie syntaktischen Eigenthümlichkeiten 
der Sprache Claudians, etwa wie zuletzt (Paris 1884) der franzi)- 
sischc Gelehrte Henri Goelzer die Latinität des heiligen Hie- 
ronyraus behandelt hat^ sondern verfolgt nur den Zweck, die 
Stellung, die Claudian in der Geschichte der lateinischen Sprache 
einnimmt, halbwegs ausreichend zu charakterisiren. Demgemäss 
Avar in erster Linie für Claudian wie für jeden spätlateinisehen 
vSchriftsteller besonders niehtitahenischer Abkunft die Frage zu 
behandeln, von wem unser Autor seine Bildung empfing und 
welches insbesondere die Vorbilder waren, denen durch Nach- 
))ildung ihrer Sprache nachzueifern man ihn in seiner Jugend 
lehrte. Neben diesen eigentlichen Vorbildern für die Form 
Avar ferner zu sehen, ob nicht auch die literarischen Producte, 
die Claudian für den stofflichen Inhalt seines philosophischen 
Tractats als Vorlage dienten, irgendwie dessen Sprache bcein- 
fiussten. 

Nach Sonderung alles dessen, was Claudian nicht als sein 
Eigenthum beanspruchen darf, sondern nur aus bewusster Nach- 
ahmung Anderer schuf, Avar zu erörtern, Avelche Stellung dem- 
selben in sprachlicher Hinsicht in der Literatur seiner Zeit und 
Heimat gebührt. Da jedoch die Latinität der gallischen Schrift- 
steller noch nicht hinlänglich erforscht ist und auch unsere 
Lexika nur spärliche Beiträge zur Erkenntniss ihrer Sprache 
liefern, so glaubte ich mich nicht damit begnügen /ii sojicii, 
nur blos die Neuerungen Claudians (in der Wortbildung, der 



424 Engelliicclil. 

Seinnsiologio. der Constniction n. s. w.), die diu von allen übrigen 
Schriftstellern unterscheiden^ zu behandeln^ sondern meinte in 
Auswahl auch ire wisse Eiü'cnthümlichkeiten, die er mit anderen 
gallischen Schriftstellern gemein hat, in den Kreis der Unter- 
suchung mit Kutzen einbeziehen zu können. Dabei wurde 
besonders auf die Werke des formgewandtesten der gleich- 
zeitigen gallischen Schriftsteller, des Apollinaris Sidonius , der 
zudem zu Claudian in einem engen Freundschaftsverhältnisse 
stand, als des geeignetsten Massstabes zur Bemessung des sprach- 
lichen Charakters der Schrift Claudians, Rücksicht genommen. 
Durch die besondere Güte des Herrn Professor Friedrich Leo 
in Rostock konnte ich hiezu die Aushängebogen der von dem 
während der Drucklegung verstorbenen Gelehrten Christian 
Lütjohann für die Monumenta Germaniae besorgten trefflichen 
Ausgabe des Sidonius, deren Erscheinen sich nur noch der 
Anfertigung der Indices wegen verzögert, benutzen, wofür ich 
hiermit den besten Dank ausspreche. Natürlich wurden auch 
die übrigen gallischen Schriftsteller gebührend berücksichtigt, 
von denen ja bereits eine schätzbare Anzahl in neuen kritischen 
Ausgaben, mit reichlichen Indices versehen, wie Sulpieius Severus 
von Halm, Ausonius von Schenkl, Salvianus von Halm und 
Pauly, Alcimus Avitus von Feiper, Ennodius von Hartel und 
Venantius Fortunatus' von Leo, denen sich in Kürze Petsche- 
nig's Cassianausgabe anreihen wird, vorliegt; auch für Faustus 
Reiensis xind Ruricius, deren Ausgabe ich eben vorbereite, 
konnte bereits fast das ganze kritische Material in Betracht 
gezogen Averden. Schwer wurde es dagegen empfunden , dass 
die gallischen Inschi'iften noch nicht im Berliner Corpus inscrip- 
tionum erschienen sind. 

Die folgenden Jjlätter sind grossentheils aus den Collec- 
taneen entstanden, die ich mir zur Zeit, als ich die Heransgabe 
Claudians für das Wiener Corpus scriptorum ecclesiasticorum 
latinorum besorgte, gelegentlich machte. Ich betone nochmals, 
dass ich bei Sichtung und Verwerthung jener Notizen nur den 
Zweck im Auge hatte, das Wichtigste und das für Claudian 



' Um rechne ich hieher, weil er, obzwar Italiener von Gehurt, in Gallien 
den grös.sten Theil seines Lebens verbrachte nml seine Sprache den 
gallischen Einflnss niclit /,ii leugnen vei-niag". 



Untorsucliunfjen Ober dio Spraclie des Chuidiamis Mamertus. 425 

am meisten Charakteristische vorzutuliren , wodurch f'reilicli 
vielleicht ]\Ianchem mein Aufsatz nicht ganz das zu erfüllen 
scheinen wird, was er sich vom Titel versprochen hatte. Immer- 
lilii jedoch hoffe ich sowohl die Sprache des Schriftstellers im 
Allgemeinen genügend charakterisirt, als auch im Besonderen 
für das lateinische Lexikon manchen brauchbaren Beitrag — 
so unbedeutend das P^inzelne auch sein mag — geliefert zu 
haben. 

Die Citate aus Claudianus Mamertus bezichen sich auf 
die Seitenzahl der von mir besorgten Ausgabe (Wien 1885), 
aus deren Index sich der, welcher .hier zu Avenig über die 
S])rache des Schriftstellers erörtert findet. ohn<; ]\lidi(^ über das 
hier Uebergangene orientiren mag. 



Sit/.Miit^'sl.ei-. .1. pliil.-hist. n. ex. Bd. IT. Ill't. 28 



426 Engollu-cc. ht. 



I. Alliiemciiio Cliaraktcrsstik der Sprache Claudians. 

Von Claudianus IMamcrtus, Presbyter der Kirche zu Vienne 
in Gallien, der in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts 
(gestorben um 473 74, vgl. Sidon. epist. IV, 11, worin es von 
ihm nuper erepfus heisst) lebte, besitzen wir ein philosophisches, 
aus drei Büchern bestehendes Werk de statu animae und zwei 
Briefe, von denen der eine an Apollinaris Sidonius, der zweite 
an den Rhetor in Vienne Sapaudus gerichtet ist. Das Haupt- 
werk de statu animae findet von literarhistorischem Stand- 
punkte aus jetzt ziemlich wenig Anerkennung, und dies mit 
Recht; vgl. Tcuffel, Geschichte der römischen Literatur, S. 1109: 
,Ihrem Inhalte nach ist diese Schrift scholastisch, in der Form 
bald trocken, bald schAvülstig.' Jedoch gänzlich im Unrechte 
befindet sich Lucian Müller, Avenn er folgendes vernichtendes 
Urthcil fällt (Jahrb. für Phil., Bd. 93, S. 391): ,Das Werk 
des Claudianus ist eines der trockensten, abstractesten und für 
den nichtphilosophischen Leser ungeniessbarsten, die es in der 
lateinischen Patristik gibt.' Wer diese AVorte liest und Clau- 
dians Werk kennt, wird mir gewiss beistimmen, dass ÄEüllcr 
nur einen recht oberflächlichen Einblick in die Schrift des 
Scholastikers gethan haben kann, um solch ein völlig ungerecht- 
fertigtes Urtheil abzugeben. Sind doch, um Anderes hier zu' 
übergehen, bei Claudian allein zweifellos echte Fragmente 
mehrerer griechischer Philosophen des Alterthums — wenn 
auch nur in lateinischer Uebersetzung — , bei ihm allein mehrere 
Namen von Mitgliedern bestimmter griechischer Philosophen- 
schulen erhalten ! Ist ferner bei ihm auch die Sprache bald 
trocken, bald schwülstig, so bietet sie doch, wenn auch nicht 
für den Literarhistoriker, so doch für den Sprachforscher des 
Interessanten in Hülle und Fülle: die folgenden Blätter werden 
gerade davon, wie ich hoffe, genügende Beweise geben. Be- 
sonnen urtheilt Ebert, Geschichte der christlich -lateinischen 
Literatur (Leipzig 1874), S. 450 : ,Die christliche Speculation ist 
im fünften Jahrhundert wenigstens durch ein für jene Zeit nicht 
unbedeutendes Werk rcpräsentirt, welches zugleich auch in 



Untorsuchangcn über die Sprache des Claudianus Jlamcrtus. 42/ 

stilistischer Beziehung l)cmerkenswert]i ist: es ist dies die da- 
mals liochgcrühinte Schrift des Claudianus IMamertus de statu 
animae^i 

Um einen richtigen Massstab zur gerechten Bcurthcilung 
der Werke eines spätlateinischen Schriftstellers zu liahen, der 
doch als Kind seiner Zeit und seiner Heimat gewürdigt Averden 
muss und nicht mit dem Massstabe, der an die Classiker des 
alten Rom gelegt wird, gemessen werden darf, müssen die Zeug- 
nisse seiner Zeitgenossen über ihn und seine literarische Thätig- 
keit wohl in Betracht gezogen werden. Derartige zeitgenös- 
sische Urthcilc über Claudian sind uns nun erhalten durch 
Gennadius und besonders Apollinaris Sidonius. Gennadius de 
uir. illustr., cap. 83 nennt Claudian ,iur ad loquendum ariifex et 
ad disjyutandum suhtiUs', und in noch Aveit höherem Grade preist 
ihn Sidonius, der an Nymphidius schreibt (e})ist. V, 2): librum 
de statu animae trihus iiolwninilms inlustrem Mamarfus Claudianus 
peritisshmis Christiavorum pJulosojjhits et quorumlihet primus eru- 
ditorum totis seetat ae phiJosophi'ae memhris arfih/is partUwsque 
comere et excolere curauit nouem quas uocant Musas discipUnas 
aperiens esse, non feminas. namque in paginis eins uigilax lector 
inueniet ^leriora, nomina Camenarum , quae propriam de se sihi 
pariunt nunrupationem. illic enim et grammafica ditddit et oratoria 
declamat et arithmetica. numernf et geometrica. metitur et musica 
ponderat et dialectica disputat et astrologia praenoscit et archi- 
fectonica struit et metrica. modulatur. In einem Briefe schreibt 
Sidonius an Petreius, dessen Oheim Claudian eben gestorben 
war (epist. IV, 11, S. 62, 9 L.): uir (Claudianus) si quidem fuit 
prouidus prudens, doctns eloquens, acer et hominum aeni loci po- 
piüi sui ingeniosissimus quique iridesinenfer salua religione pkiloso- 
jiharetur, et licet crinem, harhamque von paseevet . . ., a collegio 
tarnen conplatonicorum solo haintu ac fide di.ssociaha,tm\ In dem- 
selben Briefe, schickt Sidonius dem Petreius ein auf dessen 



' Vo^l. auch S. 4')2: ,Das Werk ist für sfiiiiR Zoit koiiipswon's zu nntnr- 
Rcliätzen; es zeug't. niclit blos von einer damals seitonen Gelehrsamkeit 
nufl dialektischen Schulung des Geistos, sondern auch von einer Frei- 
heit lind Selbständigkeit dos Denkens, die für jene Tage alle Aner- 
kennung verdient. Dieselbe offenbart sich auch in der Külinheit, womit 
Claudian ans dem Sjirachschatz der fernen Vor/,eit wie der Gegenwart 
schöpft, .-ilJcrdings mit Verzicht auf Eleganz des Ausdrucks.' 



428 Engel brecht. 

» 

OlK'iin verfasötcs E})itapli, in welcliom es unter Audrrom aucli 
heisöt (S. 03, v. 3): 

Jioc dat ccHplte membra CUiudianus, 
fn'plex hyhlioiheca (pio luagistro, 
Romana, Attica, Chrisfiana fulsit. 

Ich fülvre diese Verse an, weil aus ihnen hervorgeht, dass Clau- 
dianus aucli der griechischen Sprache mächtig gewesen sein 
muss, welche zu jener Zeit in Gallien (ausser Massilia) bereits 
verschollen war (vgl. Teuffei, a. a. O. §. 4G6 , 2). Auf diese 
Kenntniss des Griechischen spielen auch die Worte des Sido- 
nius in dem Briefe an Claudianus an (epist. IV, 3, S. 55, 19): 
ad extrejnum nemo saecnlo meo quae uoluit adßrmare sie ualuit, 
si qvidem, dum. sese aduersus eum, quem, contra loqnitur, exsertai, 
morum. ac studiorum linguae Ktriusque symholam. iure 
sihi uindicaf. Wieweit Claudian die griechische Sprache be- 
herrschte, können wir insoferne noch beurtheilen, als er seinem 
Werke ein verhältnissmässig grosses Stück aus Platon's Phaedon 
(pag. 1)6 b — 07 a) in lateinischer Uebersetzung eingefügt hat, 
das wir der Uebersichtlichkeit halber unter Beifügung des 
griechischen Textes wiedergeben: 

Plat. Phaed. GG b — G7 a. Claud. Main. II, 7 

Ort, ewgavTdGa>!.iasxcof.i€v Donec corpus haheamus per- 

'/.al (TV!.i7t€q)VQf.isvrj ?y yi-iojv ?y ipvxi) mixtusque sit fall malo noster 

f.iSTä.ToiovTov zaxoP, ov f-iiq iroxB animus, numquam nos' id quod 

y.Ti^awf^isSa r/.avcog ov em&v- iam olim concnpiscimus satis 

l.iovf.i6v ' (pai-ih da tovto sivai %b füene consecuturos. concupisci- 

äh]dig. i-ivQiag fuv ycig f^uv mus aidem. ueri scientiam. corpus 

daxoXiag naqfyßi tö aG)(.ia diä enimnohis primuminnuvierahiles 

zijv äray/Miav TQocpr^v • en de, et infinit as occupationes infert, 

av Tivsg röooi rrQogrrmioaiv, quibus conterimur oh necessarium 

i[.i7todlCov(nv iji.i6jv Tt)v Tov ovTog uictum et alimenta cotidiana. 

d^i^Qav eqwTwv da y.al e7ri&v{.ii(I)v deinde si qui morbi ingrnerint, 

xai (poßiov y.al sidcbhov TtavTO- impedimento sunt quominus in- 

da/Tojv ycfX (fkvaqmg l^iTCiirXr^aiv quirere et inuenire ueritatem. 

fjpag 7TollTjg, äare rö Xeyöf.i£vor jmssimus. nam cupiditatibus et 

tag ah]&Mg rw orvi bit avrov cupidinibus et timoribus innu- 

oöda ipqovTjaai ytur eyylyvETai merabilibus , uariarum verum 

ovÖETtOTB ovdiv tö d^ adpetitionumque uisionibus et in- 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianiis Mamertus. 



429 



irayicaov jravTuo', ozi, eciv ni^ 
huv y.cd ff/oÄ/) yartpca c<:r^ arrov 
■/.cd fQC<7rco(.is0a ;iQdc; tö gaohsIv 
ri, ev raig Cr^Ttpsair €(?• rravrayov 
:rc(qanT7Trov dÖQvßov 7ia()£xsi /mI 
iaQC<xi]r /.cd s/.;Th]tTSi, äore (.n] 
dvvaffdca hr ccltoü yxiDoQCiv 
ic}hj!}€g, dlXcc iio orri ijuip f)'f'- 
ösr/.rcu., Oll, si i.iillof.ilv 7iots 
/.cc0^c<Qä)g Ti EYasadca, (y:ic(XXc<- 
'/Tfov cccTOv zcd cci'zf] tfj yjvxjj 
,'h:ccTS07' ccvrä lä rrQcc/f.iara ' '/Mi 
i6i€, iog eoi'/.ev, tjt.uv l'cnca, ov 
e:rid-v^iov(.iiv te /.cd cpcqisf €QC<- 
01 cd aivca cpQOv^asiog, i;i£iöca' 
ieXsinjatoi^isv, cog ö Xöyog atj- 
iiaivEi, Ccbaiv ()i ov. ei yäg j.(t) 
o'iöi' IS {.lerä xov o<bf.icaog [ujclav 
/.aOc(Q(x)g yviTjvai, dvoTv O^chEQor, 
y^ ordccj-iov eaiiv /.xrpciüdca rö 
EiÖEvai /] rsXEVTt']aaaiv ' töte yäo 
ein) /.ad-" airij)' t] ipvyi] t'oTca 
X'oQig Toü ad)[.icaog, /cqöteqov (1 
oiL y.al ev cb av Cmj-iev, ovTcog, 
ojg l'or/.Ev, EyyvTch(i) EadfiEÜa toü 
hiÖEvca, sccv OTi ^lüXiOTcc j.iiidii> 

Ot.ll?Ml.l£V TCO G(x)[.lCCTl [.UjÖi '/.Ol- 

y(ov(7)UEv, Ti [.li] Ttäoci dvcxyyjj, 
iD^ÖE c^<va7rii.i7rXo)U£3c( Tijg tovtov 
cpmEiog, dXXä /.c.dciQEViouEv ccti 
ccrior, gV/^g ch' ö Osog ccroXvarj 
t)!.iäg. y.cd. ovcco firr /.aOcooi 
c}:tc'.XXcctt6i.ievoi TTjg tov cT(i')[.iC(TOg 
cdpooavi'tjg, ojg tÖ Eiy.ög, /.isrä 
lOiovTcov TE saö^iEda /.cd yvcoaö- 
UEdci dl i]u(~jv c'.r/iT)}' :rc(v to 
Ei?j/.oivfg. 



ßnlta qaailnin dement i(i coij)US 
oneyatav, at prcie illo ne sapere 
quidem ulla in re possimus. et 
si (piando tempus aliqtiod ad 
phüosopliandum nacuum uel ha- 
haerimus uel fecerimus , tmic 
quocpie in ipais co(jitationihus 
noatyis covpua inferciirrit ficrhccm 
evroruin inferens menti, nt oh- 
caecante illo ueriidtem pendclere 
non possimus. iiaque unum hoc 
in omid qtuiesfione et id (ßddem 
eiddentissime prohatiir, si quid 
umcquam honafide scire uolumiis, 
recedendam esse a corpore et in 
ipso anlrno res considerandas. 
tiinc enim uideviur consectituri 
qaod concupisc.hnus et cuius ret 
amatores nos profitemur, cum 
defimcti erimus, nam dum idui- 
mus desperandum est. etenim si 
constat nihil sinceri mixtum cor- 
porl nnimum periddere posse, 
sequitur alterutrum, aut nullo 
tempore nee usqitnm contin<jeve 
homini uerani scientiam posse aut 
tunc dernum, cum excesserimus 
e lata, defunctorum enim animus 
Über est et solutus a corpore, 
eo autem tempore quo uinimus 
ita demum adpropin(picd)imus 
adplicahimurcpie scientiae , si 
nihil aut quam ndnimuin corpore 
utamur neque in societate eins, 
insi (piatenus necesse est, animum. 
dimitfamus. ita enim minime re- 
plehimur uitiosa turlndentcuque 
natura corporis, sed puri a con- 
f.agione eius, in cpiantum facere 



430 Engel brecht. 

possumus, erimus et, sl Ita feceri- 
rnat), iiicorrapti tslnceiique diyre- 
dlentes ad omwia incorrwpta sin- 
ceraque ueniemus. 

Mit dem Originale vergliehcn ist diese Uebertrag'img fast voll- 
ständig wortgetren und gibt ancb den Sinn vollkommen ricbtig 
wieder. Dass sie von Clandian selbst berrlibrt mid niclit etwa 
einer damals circulirenden lateiniscben üebersetzung des Pliae- 
don entnommen ist, scbeinen die unmittelbar folgenden Worte 
(S. 127, 3): haec ad uerham ex dialogo pldlosophi admodum 
prlncij)is excerpenda afque Jude nostro inserenda uolumini ratus 
sum hinlänglicb zu bestätigen. Bei dem übergrossen Ansehen, 
in dem des Apuleius Schriften in den damaligen gallischen 
Rhetorenschulen standen, worüber wir bald ausführlicher zu 
sprechen haben werden, möchte man freilich vielleicht an eine 
Benützung der apideianischen Bearbeitung des platonischen 
Phaedon denken, von der Sidonius berichtet (epist. II, 9, S. 31, 
24): quamquam sie esset (Origenes) ad uerhum sententiainque 
translatus, ut nee Apidelus Phaedonem sie Piatonis neque Tullius 
Ctesiphontem sie Demosthenis in usum regidamque Romani sermonis 
exseripserint (cf. Prise. X, 19, p. 511 H.). Indess hat es für 
mich wenig Wahrscheinlicbkeit, dass Apuleius' Uebertragung 
sich dem Original so eng anpasste, wie dies bei Claudian der 
Fall ist. Auch für die anderen, leider wenig umfangreichen 
Fragmente griechischer Philosophen dürfen wir eine gleiche 
Zuverlässigkeit betreffs der Üebersetzung voraussetzen, und 
auch der Verdacht, als seien die Citate erdichtet (nach der 
bekannten Methode des Mythographen Fulgentius oder des 
Grammatikers Vergilius), wäre durch nichts gerechtfertigt. 

In . der Collectio Pisaurensis (tom. V) findet man sogar 
zwei griechische Gedichtchen unter dem Namen des Claudianus 
Mamertus: elq, vöv aanfjQcc und eig xbv dsGTtöctjv Xqigzöv, indess ist 
ihre Unechtheit schon längst erkannt worden, und ich hätte 
sie mit keinem Worte berührt, wenn niclit Teufi'cl für ihre 
Echtheit eingetreten wäre (Rom. Lit. -Gesch., §. 4(38, 5): ,Da 
Sidonius (epist. IV, 11) Gedichte in griechischer Sprache ihm 
beilegt, so mag er wirklich der Verfasser sein/ An der ange- 
führten Stelle spricht jedoch Sidonius nirgends von Gedichten 



Uutersuchunsjen über die Sprache des Claudiaiiiis Maiucrtu.s. 4ol 

in griechiöclicr SpracliC; und offenbar hat Tcuffel die Worte 
triplex b/jhliotheca quo maglstro Roinana, Attica, Christiana 
J'idsit miss verstanden, hijhliütheca Attica fidsit (in eo) kann 
nicht in l)c%ue; auf von ihm verfasste griechische Gedichte 
gesagt sein, denn Avie wäre dann neben hybliotheca Romana 
(hiteinischc iSchriften) das hyhliothaca Christiana zu verstehen? 
Ich deidie aber, dass der Sinn jener Worte des Sidonius ganz 
nahehegend ist, nur freilieh grundverscliieden von der Aus- 
legung TeuffeFs. Claudian führt nämlich im zweiten Buche 
de statu animae eine Reihe von Zeugnissen alter Schriftsteller 
über die incorporalitas der Seele vor, und zwar im 7. Capitel 
Stellen aus griechischen Philosophen, im folgenden solche aus 
römischen Schriftstellern und endlich im U. Capitel Zeugnisse 
von christlichen Kirchenschriftstellorn über denselben Gegen- 
stand. Darauf spielt ohne Zweifel Sidonius mit obigen Worten 
an, und somit fällt Teuffers Begründung der Echtheit jener 
griechischen Poeme. 

Es ist zur Genüge bekannt, dass Sidonius in seinem 
Lobe von Freunden und deren literarisclien Producten über- 
haupt nicht gerade karg ist — man vergleiche beispielsweise 
die Tirade auf den ßhetor in Bordeaux, Lampridius (epist. VIII, 
11) — , doch des Lobes reichste Fülle strömte er über Claudian 
aus in dem an diesen gerichteten dritten Briefe des vierten Buchs. 
Wir sind gewiss weit davon entfernt, die masslosen und übcr- 
schwänglichen Lobeserhebungen des vSidonius für bare Münze 
zu nehmen, jedoch ihrer bombastischen Einkleidung entledigt 
und auf ein vernünftiges ]\Iass zurückgeführt, können sie 
j\ranches zur richtigen Charakteristik Claudians beitragen. 
Wenn Sidonius in Claudian alle Vorzüge eines Pythagoras, 
Socrates, Plato, Aristoteles, Aeschines, Demosthenes, eines Hor- 
tensius, Cethegus, Curio, Fabius, Crassus, Cäsar, Cato, Appius, 
Tullius, eines Hieronymus, Lactantius, Augustinus, liilarius, 
Johannes, Basilius, Gregorius, Orosius, Rufinus, Eusebius, 
Eucherius, Paulinus und Ambrosius vereinigt findet, so ist dies 
einfach ein heiter stinimcsndes Beispiel, was ein angesehener 
Schriftsteller des 5. Jahrhunderts an Uebertreibung leisten kann. 

]\Iehr Glauben jedoch verdienen und nicht gänzlich aus 
dei- Luft gegriffen sind des Sidonius Bemerkungen über die 
Sprache Claudians; er schreibt darüber (epist. IV, 3, S. 54, 20): 



432 Engelbiüchc. 

praeter aeqiium ista coniectas, sl reare mortalium quem/piaiti, 
cui tarnen sermocinari Latialiter cordi est, non pauere, 
cum in examen aurium tuariim qiiippe .scrijytus adducitur; ttiarum, 
inquam, aurium, quarum peritiae, si me decursorum ad, hoc aeui 
temporum praerogatiua non ohruat , nee Frontonianae grauitaiis 
aut ponderis Apideiani fah)ien aefjuiperem, cui Varrones uel Ata- 
cinus uel Terentiun, Plinii uel auunculus uel Secundus compositi 
in praesentiarum rusticahuntur. adstipidatur iudicio meo uolumen 
illud, quod tute super statu animae reruni uerhorumque scientia 
diuitissimus propalauisti . . . at quod, deus ynagne, quantumque 
opus illud est, materia clausum declamatione conspicuum, propo- 
sitione ohstructum disputatione reseratum , et quamquam propter 
hamata syüogismorum puncta tribulosum, uernantis tarnen eloquii 
Höre mollitum. noua ihi uerha, quia uetusta , quihusque conlatus 
merito etiain anfiquarum litterarum stilus antiquaretur , quodque 
pretiosius, tota illa dictio sie caesuratim succincta quod proßuens, 
quam rebus amplam strictamque sententiis sentias plus docere 
quam dicere. Diese Stelle ist werth, zum Ausgangspunkte einer 
kurzen Besprechung über die Pflege der lateinischen Literatur 
in Gallien im Zeitalter des Sidonius gemacht zu werden. 

Die Diction Claudians muss seinen Zeitgenossen als eine 
mustergiltige und geradezu tonangebende erschienen sein ; sie 
wird von Sidonius um so höher gepriesen, als sie auch mit 
dessen eigenem genus dicendi die allergrösste Aehnlichkeit hat. 
Diese Aehnlichkeit ist um so auffallender, als die Stilgattung 
beider Autoren doch so grundverschieden ist. Wer möchte 
glauben , dass der philosophische Tractat Claudians für den 
Briefstil des Sidonius so reiche Ausbeute lieferte, wie wir dies 
bald ausführlich darlegen Averden ? Dafür kann ich nur die 
eine Erklärung finden, dass der Unterricht, den beide Männer 
genossen^ sehr gleichartig gewesen sein muss und deshalb auch 
ihrer Diction einen so homogenen Charakter aufdrückte. 

Worin bestand nun dieser Unterricht? Allenthalben liest 
man bei den Schriftstellern der zweiten Hälfte des 5. Jahr- 
hunderts die Klage, dass die lateinische Rede immer mehr und 
mehr aus Gallien verschwinde. Das deutsche und celtische 
Idiom griff immer weiter um sich. An der Mosel sprach schon 
Alles fast deutsch, und Sidonius spendet dem Arvogast, dem 
potor Mosellac, das wehmüthige Lob (epist. IV, 17, S. 68, 9): 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mainertus. 4«JO 

quocirca sermoiiis ijompa Romani, si qua adhuc uspiavi est; Belgicis 
oliin sine Rhenams aholita terris in te resedit , tiiid aus einer 
anderen Stelle geht hervor, dass im Arvernerlaiide das Celtisehe 
stets Volkssprache geblieben Avar und nur (Unn Adel durch 
Ecdicins, dem Zeitgenossen des Sidonius, einiges Interesse an 
lateinischer Bildung eingetlösst wurde (epist. III, 3, S. 41, 13): 
miiio isiic . . tuae ^^ersonae quondcwi debituni, quod sernionis 
Celtici squaviam depositura nohilitas nunc oratorio stilo, nunc etiain 
Camenalihus modis iinhuehafur. In dem Briefe an den Rhctor 
von Vienne Sapaudus klagt Clandian (S. 204^, 22 fF.): uidao os 
Romanum non modo neglegentiae, sed pudori esse Romanis, cjyam- 
niaticam uti quandani harbarani harharismi et soloecismi pugno et 
calce propelli, und ähnlich schreibt Sidonius (^epist. II, 10, S. 33, 8): 
lUud apponc, quod tantuvi increbuit nmltitudo desidiosorum, ut, 
nid uel paucissirni qnique vieraiu linguae Latiaris proprietatem 
de triuialium harhavismorum ruhigine uindicaueritis , eant hreui 
ahoUtam deßeamus interemptamque: sie onines nohilium sernionum 
[jurpurae per incuriam uulgi decolorahuntur. Solche Aeusserun- 
gcn zeigen zur Genüge, dass die römische Sprache damals nur 
mclir Kigenthum der Gebildeten war. An den Fürstensitzen 
der AVestgothen in Toulouse und der Burg'unden in Vienne 
mochte die römische Literatur wohl noch für längere Zeit ihr- 
bescheidenes Dasein fristen , hauptsächlich aber war es der 
Clerus, bei dessen begabteren Mitgliedern römische Sprache 
und Literatur noch eifrige Pflege fand. 

Woher schöpfte aber der Clerus diese seine Bildung V 
An Klosterschulen darf mau bei den Männern, welche den 
Kreis um Sidonius bilden, nicht denken. Ihre Bildungsstätten 
waren vielmehr die Ilhetorenschulen, und wenn auch die Kirche 
die Studien der Rhetoren verdammte, so gelten doch gerade 
die hervorragendsten kirchlichen Würdenträger der damaligen 
Zeil die klarsten Beweise ihrer relativ eingehenden rhetorischen 
Bildung. Dass besonders Gallien fruchtbar an Khetorenschulen 
gewesen sein muss, das zeigen die üppigen Früchte, die jene 
hier trugen, die Werke der gallischen Banegyriker, die Schriften 
des Ausonius, die Briefe und Gedichte des Sidonius, sowie im 
(J. Jahrhundert die Declamationen des Ennodius. Im Uebrigen 
verweise ich auf die nützliehe Abhandlung von Georg Kauf- 
mann, Khetorenschulen und Klosterschuleu oder heidnische und 



434 Ell go 11) recht. 

cliristliclic Ciiltur in (Jallicn willirciid des 5. uiul (j. JuluLiuiulcrtö, 
in Raumer's liiötoriscliem Taschenbuch (4. Folge, 10. Jahrgang) 
186!), S. 1 — 94. Ich muss übrigens hier in einem Punkte Kauf- 
mann entgegentreten , wenn er schreibt (S. (59) : ,Claudianus 
Mamertus, der von seinen Zeitgenossen und auch von Sidonius 
bcAvundert wurde, weil er in geistlicher wie in weltlicher Wissen- 
schaft Alle übertreffe, der den Rhetor Sapaudus bei seinen Be- 
mühungen, das Studium der Alten in der Stadt Vienne neu zu 
beleben, unterstützte, Mamertus war von Jugend auf in einem 
Kloster erzogen , wahrscheinlich in dem Kloster Grigny.' 
Kaufmann kann diese Notiz nur aus secundärer Quelle ge- 
schöpft haben, denn überliefert ist Derartiges über die !E^rzie- 
hung Claudians in einem Kloster nicht. Und ist es überhaupt 
auch wahrscheinlich? Konnten die damals in ihren ersten 
Anfängen sich befindenden Klosterschulen einen solchen Unter- 
richt, wie er bei Claudian vorauszusetzen ist, gewähren? Ge- 
wiss nicht ; dies sieht auch Kaufmann ein und nimmt an, dass 
Claudian seine profane und theologische Bildung ,zum besten 
Theil der privaten Anleitung eines gelehrten Mönchs und 
eigenen Studien^ verdankte (S. 70). Ich für meinen Theil 
glaube, dass man nicht umhin Avird können, anzunehmen, dass 
er in seiner Jugend eine Rhetorenschule besuchte. Man lese 
nur die Schriften von zeitgenössischen Schriftstellern, die von 
Jugend auf in Klöstern erzogen wurden, wie Salonius, Vincentius 
Lerineusis, Hilarius Arelatensis (vgl. des Eucherius instruct. I, 
praef., bei Migne L, 773), und man wird den Abstand zwischen 
Kloster- und Rhetorenunterricht unmöglich verkennen können. 
Dass übrigens damals die Rhetorenschulen in Gallien unter- 
gegangen waren , ist eine durch nichts gerechtfertigte An- 
nahme Kaufmann's (S. 70), der er selbst mehrmals Avider- 
spricht, und es genügt, an den Rhetor Sapaudus zu erinnern, 
von dem nach den Worten Claudians (S. 205, 19 ff.) : fac 
memineris docendi munus tibi a proauis et citra hereditarium 
fore . . admonitus quoque sis oportet Viennensis urhis nohilitatis 
antiquae , cuius tu ciuis et doctor (es) angenommen werden 
muss, dass er Leiter einer von seinen Vorfahren ererbten 
Schule war. Zahlreiche andere Rhetoren, unter ihnen beson- 
ders Lampridius von Bordeaux (epist. VIII, 11), werden von 
Sidonius erwähnt. 



Untersuchungen über die Sprache dos Claudiiiniis Jlaniertus. 43ö 

Claudiaii verdankte also den Rhctorcnschnlen wohl einen 
Grosstlieil öciner litcrarisclien Bildung-, imd zumal die formelle 
Seite seiner Schriften verräth die Schule, die ihn gänzlich becin- 
flusste, auf den ersten Blick. Wir kommen hier auf die oben 
angeführte Stelle des Sidonius über die Sprache Claudians 
zurück. Daselbst wird diese mit dem fulmen Frontonianae 
grauitatis mit pondens Apuleiani einerseits und dem sermo ur- 
hduus (als Gegensatz zu rusticahuntw-) der beiden Varro und 
Plinius anderseits verglichen; natürlich muss Claudian sie xVlle 
Aveitaus übertreffen. jMänner also wie Fronto und Apulcius 
galten als besonders nachahmenswerth: das lernte man in den 
Khetorenschulen, in denen man die Kede nach der Manier jener 
zu l)ikk'n als höchstes Ziel betrachtete. Wer die Briefe des 
Sidonius aufmerksam durchliest, wird bald gewahr werden, 
dass ihnen Apuleius' Schriften Aveit mehr zum stilistischen Vor- 
bilde dienten als Plinius und Symmachus, deren Nachbildung 
der Autor selbst betont. Dass es sich bei Claudian ganz ebenso 
verhalte, wird bald durch zahlreiche Beispiele gezeigt werden. 
Deshalb kann der Einfluss der scliwülstigen Schreibart des 
xVpuleius auf die gallischen Rhetorenschulen des 5. Jahrhunderts 
und durch diese auf die aus ihnen hervorgegangenen Schrift- 
steller nicht genug liervorgehoben werden. So befindet sich 
W. Teuffei sehr im Unrechte, Avenn er in seiner Literatur- 
geschichte gelegentlich der Besprechung des Stiles des Fulgen- 
tius (§. 480, 8) schreibt: ,Des Fulgentius stilistische Vorbilder 
sind Apuleius und Martianus Capella. Aber auch mit Sidonius 
hat er Aehnlichkeit genug, um den Gedanken an eine specifisch 
.afrikanische Latinität^ nicht aufkommen zu lassen.' Sidonius 
hat eben von Apuleius so viel entlehnt, dass das afrikanische 
Latein deshalb noch nicht geleugnet zu werden braucht, wenn 
ein Nachbeter des Apuleius, wie Fulgentius, sich öfters mit 
der Diction des Sidonius berührt. 

Ferner lobt Sidonius an der Sprache Claudians : noua ibi 
uerha, qida uetusta, also den Gebrauch obsoleter Wörter. Dies 
ist ein weiterer Einfluss der Rhetorenbilduiig : die Nachahmer 
des Apideius mussten nothgedrungcn auch für Archaismen 
schwärmen. Die verhältnissmässig so wenig umfangreichen 
Schriften Claudians bieten eine stattliche Reihe von antiquirten 
d. h. zu des Autox's Zeiten nicht mehr gebräuchlichen Wörtern, 



436 Engelbrecht. 

Ihrem at'rikanischen Vorbilde getreu, wussten unsere 
gallischen Lehrer der Rhetorik aucli jene Regeln über den 
kunstvollen Satzbau, die effectvolle Gruppirung der einzelnen 
Theile desselben, den harmonischen Wortfall, das reimartige 
oder Avenigstcns rhythmische Ausklingen der Schlusssilben und 
andere derartige Mittelchen der Effecthascherei ihren gelehrigen 
Schülern beizubringen, Beispiele dafür aus Sidonius oder Clau- 
dian beizubringen, hiesse wohl Eulen nach Athen tragen. 

Wir sehen also, dass Claudians Sprache zielbewusste 
Nachahmung des apuleianischen Stiles ist. Uebrigens spricht 
sich Claudiau selbst in dem Briefe an den Rhetor Sapaudus 
über zu seiner Zeit als empfehlen swerth geltende stilistische 
Vorbilder folgendermassen aus (S. 205, 30 ff.) : Naeuius et 
Plautus tibi ad elegantiam, Cato ad graidtatem, Varro ad peri- 
tiam, Gracchus ad acrimoniam , Chrysi-ppus (?) ad discipUnam, 
Fronto ad pompam, Cicero ad eloquentiam capessendam usui 
sinf . . . Uli ergo reuentilandi memoriaeque mandandi sunt, de 
quibus isti potuere proficere, quos miramur. Chrysippus 
' passt in diese lateinische Autoren gesellschaft nicht und wird 
deshalb wohl Crispus zu schreiben sein, unter welchem Namen 
Sallustius auch S. 130, 12 (ebenso bei Sidonius epist. V, 3, 
S. 79, 26 und carm. II, 190) angeführt wird, avo aber eben- 
falls fast sämmtliche Handschriften — darunter auch E, in 
der allein der Brief an Sapaudus erhalten ist — Chrysippi 
(Chrisippi, Crisippi) statt Crispi bieten. 

Sehen wir uns nun die einzelnen Namen etwas näher an: 
Naevius und Plautus gelten Claudian als elegante Stilmuster, 
weiters werden Cato, Varro, Gracchus und Sallust empfohlen 
und vor Allen Fronto wegen der pompa. Teuifel (a. a. O. 
§. 466, 16) nennt dies eine , Anhäufung von Autorennamen der 
alten Zeit mit einem charakteristisch sein sollenden, aber meist 
phraseologischen Epitheton^ ; ich glaube, dass er hierin unserem 
Claudian Unrecht thut. Neben einer Reihe von alterthümlichen 
oder mindestens archaisirenden Schriftstellern der Republik, 
an die Cicero sich wohl nur honoris causa reiht, erscheint 
Fronto, und dass man gerade dieser Männer Schriften stu- 
diren müsse, wird damit begründet, dass von ihnen isti potuere 
proßcere, quos miramur. Wer dächte dabei nicht sofort an 
Apuleius, den allerdings geistvolleren Vertreter der frontonia- 



Untcisufliungon über die Spiaclie des Clandianus Mameitus. 4o i 

nisclien Manier? Wir haben hier gewissermassen einen Kanon 
jener Prosaiker vor uns, die in den Rhetorcnscliulen des 
5. Jahrhunderts in GalHen in grösserem oder geringerem Um- 
lange gelesen worden sein mögen. Von den alten Komikern 
zum Mindesten, sowie Varro und Sallust darf dies als fest- 
stehend angenommen werden. Cicero wird nicht allzu ein- 
gehend behandelt Avorden sein, Cato und Gracchus kannte man 
möglicherweise mehr dem Namen und dem Lobe nach, das 
ihnen Fronto (vgl. epist. p. 114 N. : contionatur Cato infesfe, 
Gracchus turhulenie, Tullius copiose) und Apulcius (vgl. A])()]. 95) 
spendeten, als aus eigener Lectüre. Hauptaufgabe war natiii-- 
licii genaues Studium des Schwulstes des Fronto und A])uleius. 

Wie CToss die Neigung zu den rhetorischen vStudien und 
den aus der Schule her geläufigen Disputirübungen bei (jlau- 
dian gewesen sein muss, geht daraus hervor, dass Sidonius 
von ihm erzählt (epist. IV, 11, S. (32, 13 ff.), er habe noch in 
seinen späteren Jahren um sich gelehrte Cirkel gebildet 
uoluptuosissimwn repiUans, si forte ohorta quarum/plam r/tuiestio- 
num insoluhüifate lahyrlntliica scientiae suae fhesauri eventila- 
rentnr. iam si frequeiifes consederamus, officium nudiendi omnihus 
iniiivgehat, uni solum cpmm forte olegissemus depufans ius lo- 
queiidi , uirifim tdcissiiiique , non tumidtuatim nee sine schematis 
cniuspiarn gesfu artificio.so doctrina.e suae opes erogafuriis. dein 
qnaecumqne dixisset protinus reluctantinm si/llogismorum con- 
trarietatihus excipiehamus : sed repeUehat omnium nostrum teme- 
rarias oppositiones etc. Wer dies liest, glaubt sich sicher eher 
mit einer derartigen Unterhaltung in den Hörsaal eines Rhe- 
tors, als in die Stube eines Presbyters der Kirche versetzt. 
Und ein solcher jMann sollte keinen anderen Untericht als den 
der Klosterschule oder höchstens noch den J^rivatunterricht 
eines gelehrten Mönches genossen haben? 

Fassen wir nunmehr die Resultate zusammen , die Avlr 
aus unserer bisherigen Darstellung für die Erkenntniss der 
Diction Claudians gewinnen, so sind es kurz folgende: Als aus 
einer Rhetorenschule hei' vorgegangener Schriftsteller verwendet 
Claudian auf die Diction weit mehr Sorgfalt als die meisten 
seiner in Klosterschulen erzogenen Zeitgenossen. Höhere Bil- 
dung verräth er auch durch vollkommene Beherrschung der 
griechischen Sprache. Sein genus dicendi ist von der Manier 



438 Eng Ol 1)1-0 eilt. 

des Apulcius stark beeinflusst. Er alinii dcsliall) denselben 
sowohl in einzelnen Phrasen und Redewendungen, als auch in 
speciell jenem eigcnthüralichen Wörtern nach und bekundet 
dieselbe Vorliebe fiir archaische, der Sprache der Komiker an- 
gehörende Worte, wie jener. 

Wir gehen nun daran, die Beispiele zusammenzustellen, 
durch die wir uns oben für gerechtfertigt hielten, auf 

Bewusste Nachahmung des Apuleius bei Claudian 

einen Schluss zu ziehen. 

A. 

Wir führen zuerst eine Reihe von Phrasen und Rede- 
wendungen des Apuleius vor, die sich entweder wörtlich auch 
bei Claudian finden , oder die doch wenigstens dem Claudian 
zum deutlichen Vorbilde gedient haben. Ich citirc hiebei Apu- 
leius' Metamorphosen nach der Ausgabe von Fr. Eyssenhardt 
(Berlin 1869), die philosophischen Schriften nach der Recension 
AI. Goldbachers (Wien 1876), endlich De magia (Apologia) 
und Florida nach Grust. Krueger (Berlin 1864 und 1865) : 
Met. 11, 7, S. 21, 22 accedo et, qnod ainnt, iiedihus in sent en- 
ttarn ine am, iiado, vgl. Met. VI, 32, S. 117, 7 non pe.dihus 
sed totis animis latrones in eins uadnnt sententiam (als 
terminus technicus von den Senatoren gebraucht bei Sallust 
und Liv. V, 9, 2; IX, 8, 13 u. ö. — Cl. 48, 7 (nt) in ma- 
gistri sententiam p edihus,ut aiunt, transeam. 
De deo Soer. prol. S. 1, 2 prout mea opinio est; ebenso 

Claud. 128, 8. 
De mag. 3, S. 6, 8 nt mea opinio fert, vgl. ib. 95. ~- Cl. 

141, 13 prout mea opinio fert. 
De Deo Socr. prol., S. 2, 21 nel inaequalitnte aspera uel 
lenitate luhrica uel angulis eminula uel rotunditatr 
uolubilia. — Cl. 25, 1 qnae suhterluuione cedentia, uel 
leuipr ono luhrica uel cauo pendula uel sudihus aspern 
sunt, dazu vergleiche man Sid. epist III, 2 (40, 13) aggeres 
saxis nsperos aut flimios g elu luhricos aut colles ascensu 
salehrosos aut ualles lapsuum assiduitate derasas. 
Ibid. 8, S. 12, 24 cum sit aeris agmen immensum, usgue ad citimam. 
lunae helicem, quae porro aetheris sursum. uersus 
exordium est. — Cl. 144, 18 exin profundum aeris us- 



Untcrsuchuntjcn über die Sprache dos Claudianus Uramertus. 439 

que ad lunaris sideris citimum luvien, ahhinc iijniwiu 
aetheriorum spafia. 

Ibid. 10, S. 14, 9 (iguntur uolafu pevniciore. — Ol. 150, 14 
uolaiu .perniciore transcende omnia corporea. 

De (log'ra. Plat. I, 8, S. 70, 8 hinc illud etimn cum. septem 
locorum motus haheaniur, progressuf; et refrocßssus, 
dexferiores ac sinistri, sursum efiam deorsumque 
m'fentlwii et qiiae in gyrum circuUumque torqueniur. — 
Gl. 67, 8 subiacef auteni (corpus) pro numero parthim sex 
iitique motibus. mouetur autem omne corpus sitrsitm deor- 
sum, in dextrum ac sinistrum, priorsus et retrorsus, 
mouetur autem etiam motu, septimo, sictit est rotae et 
splmeroidis. Hier haben mit Ausnahme von M alle Hand- 
schriften mindestens von erster Hand die I^esart retro- 
cessus fitr retrorsus — eine merkwürdige Variante. 

Ibid. I, 9, S. 70, 21 miimam aero animantitim om.nium 
non esse corpoream nee sane periturani, cum corpore 
fuerit ahsoluta . . . ipsamque semper et per se moueri 
agitatricem. aliorum, quae natura sii,i im.mota sunt 
atque pigra. — Gl. 124, 17 anima, inquit (Platnn in Jiltro, 
quem jtsqI (fvaiyJjg scripsit) , animanti.um omnium cor- 
pornlis non est ipsnqne se mouet aliorum quoque 
agitatrix, quae naturaliter immota sunt. l>ezeiclinend 
dafür, dass hier Claudian direct ans Apuleius scjiöpfte 
und nicht aus Phito, ist der Ausdruck agitatrix in übcr- 
tragener Bedeutung, den die Lexika nur mit der ange- 
führten Stelle des Apuleius zu belegen Avissen. 

Ascl. 3, S. 30, 2 Jiunc mihi adesfo totus, quantum mente 
uales. — Gl. 174, 13 nunc igitrir a desto totus et quam 
potis es praesens fito. ■ 

De mag. 8, S. 11, 15 quin ei nocens lingua . . semper in fetu- 
tinis et olenticetis suis iaceat. — Gl. 137, 1 ah'um. 
situ fetidinarum. turpium ex olenticetis suis ac 
tenehris cloacam uentris et oris inhalare sentinam. Dass 
auch hier die Nachahmung evident ist, muss schon aus 
dem sonst nirgends vorkommenden Substantiv nlenticetum 
noch dazAi in Verbindung mit dem ebenfalls sehr seltenen 
fetutinae (fetidinae, über die Sclireibweise wird weiter 
unten gesprochen werden) geschlossen werden. 



440 Eiigol brecht. 

Ibid., S. 11, 17 u(i)n quae, 'iDa/uiii, ratio est l'mrjwim mio)- 
(larii . . possidere? — Cl. 172, 18 qune, maluon, ratio est 
Ulis eandem cvedi similem? Ebenso Livius V, 54, G (l-Jede 
des Dictators Furius Caminus): quae, malvAn, ratio est e;r- 
pertis nlia experiri, Cic. Phil. X, IS quae, mahmi, est ista 
ratio semjyer . . opponere (vgl. Acta sem. phil. Erlani!;. 1, 
17o) und nach Claudian Ennodius 35, 11 quae^ mnlvui, 
ratio est, nt ita sis parcus in gratia (vgl. 325, 8. 443, 9 
Hartel). Vergleiche überhaupt IMartha, Sur le sens de 
rexchxmation malvm in der Revue de philologie, Bd. 111, 
19—25 und Bd. VJI, 1—5. 

Ibid. 11;, S. 18, 4 aiide sis.^ Aemiliane, dicere. — Cl. 33, 11 
aude sis non fateri (nach meiner Conjectur, die Hand- 
schriften haben audes Ms [audes is M]). 

Ibid. 15^ S. 23, 3 radii nostri seu mediis oculis proliquaii 
et lumini extrario mixti . . cum alicui corpori in- 
ciderunt spisso et splendido et leid, pavihus angidis quibiis 
inciderant resultent adfaciem suam reduces. — Cl. 45, 
8 ex qidhvs radii per ociilorum media profusi ac 
lumini extero commixti corporum. quae inciderint 
repercussu retrouersim, cedentes eorundem colores ac 
foi'mas haiiriunt. 

Ibid. 19, S. 28, 6 oneri potius quam iisui exuherat. — Cl. 75, 
20 animo dominandi accidit difficultas et incipit esse oneri 
quod erat usui. Ebenso schon Sallust lug. 14, 4 cogor 
■pnus oneri quam tcsui esse. 

Ibid. 30, S. 40, 4 Arisfotelis . . erregt Lmor \aroQiag multiiuga 
nolvmina. — Cl. 135, 18 editis in rem, ßdei mulfiiugis 
uariorum operum uoluminihus. 

Ibid. 41, S. 51, 18 hoc quis ferat philosopho crimen esse quod 
lanio uel coquo non fnissetf — Cl. 23, 22 haec quis 
ferat . . hominum, quempiam et infitiari scientiam etc. 

Ibid. 74. S. 84, 10 cui errorem. suum deprecanti simpliciter 
ignoui. — Cl. 48, 8 ueniam deprecaturus erroris mei. 
Da hier alle Handschriften ausser M nee deprecatus erro- 
rem, hal)en, so mag mit Rücksicht auf die Parallelstelle 
aus Apuleius die Vermuthung gestattet sein, dass vielleicht 
meum, deprecaturus errorem zu schreiben sei. 



Untersuchungen übpr dio Sprache des damlianus Mamertus. 441 

Ibid. 75; S. 8(), 11 qune omn'm . . hie (higid/ifoi- studiose in 
uentrem condidit ef omnimodis conlnrcinationihus di- 
lapidauif. — CI. 137, 4 ah alio, qui sfipem stuim nnrils 
c onlur cinationihii i< dilapidmiit. Bei Claudian ist con- 
JurcinaHomhua eine Conjectur Schott's, die ich mit um so 
geringerer Scheu in den Text aufnahm, als apuleianische 
Ausdrücke wie fefidinne und olenticeta aucli unmittelbar 
vorausgehen (in demselben Satze). Später (vgl. meine 
Ausgabe praef. p. XLVI) entstanden in mir docli I)e- 
denken, ob nicht die Lesart der sämmtlichen Handschriften 
coiducernationihus — ein Wort, welches ganz regulär ge- 
bildet ist und ])assend durch ^iiächtliche Zechgelage, Ge- 
lage bei Laternenschein' übersetzt werden kann, man 
denke an das Horazische (Od. I, 27, 5) idno ef hicermx 
Medus acinnces immane quantum discvepat — vorzuzieluui 
sei. Ich bin auch jetzt noch der letzteren Ansicht und 
möchte vielmehr glauben, dass Claiidian an der Stelle 
des Apuleius ebenfalls conlucernationihus las. Man darf 
dabei nicht ausser Aclit lassen, dass conlvrn'natio ein arra^ 
8tQiji.ifvov und möglicherweise eine uralte, sehr naheliegende 
Conjectur für das scliwerer verständliche conlucernatio ist, 
also gar nicht von Apuleius selbst herrührt. Uebrigens 
soll nicht verschwiegen werden, dass an und für sich 
betrachtet die Bildung conliircinaflo nicht auffällig ist, da 
neben lurcare (lurcari) auch ein lurclnari Ijestanden haben 
muss, indeirt Cato (nach Quintil. I, 6, 42) hircifxdnindiis 
gebrauchte. 

Asel. 26^ S. 49, 17 ipsum uelle e nolunfata (est). — Cl. 'SU, 
11 ips-am 11. eile snhsfanfia est. Auch der von Claudian 
so häufig (76, 10, <S;}, 8. m, ]8. 15(;, 2. 185, 7) gebrauchte 
Tropus ocidus menfis (gcAVöhrdich oculi m.') findet sich bei 
Apuhmis de dogm. Phit. I, G, S. (57, 27 (essentia) qitae 
v7ei)tis ocidis comprehendifur, übrigens hat ihn auch Augustin 
z. 1>. de quantit. animae IV, ß gebraucht. Die Wendungen 
bei Claudian 125, 8 mdnliim üpioranflaa und 145, o opa- 
airti nuhilv/m rernm califpivfinm mögen dem mdyilum mentis 
l)ei Apul. de mag. 50, vS. GO, 19 nachgebildet sein; übrigens 
iiuxss die Wendung sehr beliebt gewesen sein, da Cyprian 
426, 6 11. nidrilmn UuoriH, Salvian ad eccl. I, 43 mdrihim 

Sitznngsher. d. phil.-hist. Cl. CX. Bd. II. Hft. 20 



442 EnsTollu-ocht 

er)-oris^ Alciraus Avitus 79, 30 (Peipcr) 7mJ)ilum it.mh!(jui- 
tatis und Ennodius (409, 20), sowie Sedulius (Pascli. 
carm. II, 81) das apuleianisclic mdrilum menfis liaben. 
Natürlich fehlt die Wendung auch bei Sidonius nicht;, 
e]iist. IV, 12 (64, 19) nuhüum superducti maeroris. Endlich 
kann ich die Vcrmuthung nicht unterdrücken, dass die 
Stelle de mag. 43, S. 53, 21 haec et alia apud phrosque 
de magic/'s puerls lego Vorbild für Claudian 97, 4 und 
143, 10 war, wo an ersterer Stelle sämmtliche Hand- 
schriften ausser M haec et alia loquitur ueritaH, sowie an 
zweiter Stelle haec et alia . . innumera i)rofevre 'posseimts 
bieten. Obwohl ich die Lesart von M haec et talia in 
den Text setzte, so gebe ich jetzt doch mit Rücksicht 
auf die Stelle aus Apuleius der Lesart der übrigen Hand- 
schriften den Vorzug. Ascl. 26, S. 48, 22 hat zwar Apuleius 
haec et talis senectus, sonst verbindet er aber diese beiden 
Pronomina stets asyndetisch, also hie talis, vgl. Koziol, 
Stil des Apuleius, S. 77. 

B. 

Weiters findet sich bei Claudian eine nicht unbedeutende 
Anzahl von selteneren Ausdrücken oder von Wörtern mit ausser- 
gewölmlicher Bedeutung, die unsere Lexika entweder nur durch 
Stellen aus Apuleius belegen oder bei denen durch andere 
Umstände ersichtlich ist, dass Claudian sie speciell aus Apuleius 
entnahm. Zu letzteren rechne ich Ausdrücke des vorclassischen 
Lateins, die erst wieder durch Apuleius (möglicherweise auch 
schon durch Fronto) zu neuem Leben erweckt wurden. Wir 
führen die hieher gehörigen in alphabetischer Reihenfolge vor. 

ahhinc in räumlichem Sinne ^ Lucrez III, 958 und Apul. 
flor. 16, S. 25, 15 totoque (d)hinc orhe totoque ahhinc tem- 
pore laitdes henefacti tui idnque gentium semper annorimi 
repraesentet (wo ubique <jentinm dem toto ahhinc orhe und 
semper annorum dem toto ahhinc tempore entspricht). — 



' Unrichtig füluM; Kretschmann, Do latinitate L. Apnlei Madanren.sis, Inaug.- 
Dissert. König-sberg-, 1865, ancli Plant. Pers. V, 2, 19 an, wo aber aus 



allen Handschriften Mnc gelesen wird. 



üntersnchungen über die Sprache des Claudianus Mamcrtus. 44d 

Cl. 131 , 2 ahJdnc (= inde ah hoc loco) ecclesiasticis doc- 
torihus utitur testihus; 150, 15 a. in tertinm caehim (fivin- 
scende); 141^ 10 estJie aliquid, quo ahhinc locorum uspiam 
progrediaris ; 29, 21 a. superius; 144, 17 ecce a terrae conti- 
quis aere fenus aquanim klementum est, exin profundum 
aeris usque ad lunaris sideris ei.timum lumen, ahhinc igniurn 
aetheriorum spatia; 19, 11 primus Uher in sui primordio 
hreuiter ad st mit . . ., post de animae statu . . luciamen 
alternat, ahhinc itidem . . praelihauit. Vgl. ahinde beim 
auct. incertus de S. Helena (ed. lleydenreicb) 18 a. nauigare 
coeperunt (Paueker, Siipplementum lexicorum latinornm, 
S. 2). Die Vorliebe Chuulians, hinc mit Präpositionen zu 
componiren, zeigt sieb auch dureb die bäuiioe Anwendung 
von posthinc (vgl. Index und weiter unten). ' Jedenfalls ist 
nicbt ricbtig, was Hand (Tursellinus I, 66) bemerkt: ,quam- 
quam igitnr ipsa uocalndi formatio non poterat aliena uideri 
a notione loci, tarnen non permisit communis usus'. An der 
localen Bedeutimg des Wortes bei Lucrez kann nicht ge- 
zweifelt werden und war dieselbe jedenfalls in der Volks- 
sprache nichts Ungewöhnliches. Auch Jordanes gtdn-aucbt 
an einer Stelle ahhinc in localer Bedeutung 82, 8 Mommsen: 
ahhinc Geta recessit in propria. 
alt rinsecus ^=z ,auf der anderen Seite^ Plautus und Apul. met. 
I, IG, S. 10, 24 a. prominere', I, 21, S. 13, 29 nidcsnc . . 
a.fores; H, 18, S. 29, 18 gladiolo solito einet us a.: HI, 17. 
S.49, 7; V, 2, S. 79, 27 a. aedium. — Cl. 190, 1 qwnlam 
a. continuati uiarum periculmn feci.nius. 
autumare, bekanntlich als aus dem Sprachschatze der altini 
scenischen Dichter (Quintil. 8, 3, 2(5 ,autunio' tragicum) 
entnommen ein Lieblingswort des Apuleius (zahlreiche 
Belege bei Georges), gebraucht Claudian einmal in Ver- 
Ijindung mit einem Accus, c. inf. (30, 7) und fünfmal in 
der 1^'ormel ut autumo (-as, -at). Auch Sidouius gebraucht 
es mehrmals (vgl. epist. V, 4, S. 80, 13; VII, 9, S. 1 14, 30), 
ebenso Ausonius XX, 208 Schenkl und Victor von Vita 
I, 5 Petschenig. 
Brachmani: so ausser Amin. 23, 6, 33 bei Apvd. Hör. 15, 
S. 18, 12 und Cl. 204, 13; den Genetiv Brachmannvi 
hat Apul. flor. 15, ö. 18, 13 und Cl. 130, 10. 

29* 



444 Enge 1 lue c 1) t. 

cedo adverbiell ^leicli einem a(je Apul. de mag. 37, S. 47, 3 
cedo enim experianmr , de deo Soor. 9, S. 13, Ki cedo 
igitur mente formemifs nach dem Vorgänge des Plautus. 
— Gl. 178, 17 ceAlo efiavi de dlo (juaeraviiis. 
consequenter in der Bedeutung ,folgerec]it^ nach Georges 
zuerst von Apuleius met. X, 2, S. 182, 15 liahehat iuuenem 
filium lyrohe litteratum atque oh id consequenter p'tefnte mo- 
destia praecipuum angewendet, hat Claudian an fünf Stel- 
len (36, 3. 38, 1. 62, 14. 102, 11. 113, 16). Ausserdem 
gebrauchen es Chalcidius, Sedulius, Alcimus Avitus. 
conihiuari Sisenna, Apul. met. I, 24, S. 16, 1; V, 31, S. 97, 
10; VI, 18, S. 108, 5; der galhsche Panegyriker Eumenius, 
Symmachus. — Gl. 190, 1 quoniam altrivsecus continuati 
uiarum periculum fecimus. 
creper in der übertragenen Bedeutung , zweifelhaft, misslich' 
ausser den Tragikern und Lucrez auch Apul. de deo Socr. 
18, S. 20, 25 res creperae et adßictae. — GL 143, 6 esfne 
aliquid istic crepjerwn aut fortassis obscurum? Ennodius 64, 
13 H. 6t pagina nostra res crepera et anceps est. 
detrimentum: Apul. Ascl. 3, S. 30, 9 corporum angmenta 
detrlmentaque. — Gl. 28, 4 (deus) detrbnenta non sentit 
augmentaue non recipit. Damit vergleiche man auch Hie- 
ronymus, Orig. in Luc. hom. S si . . nee augmentum nee 
decrementum recipere potest. Bei Gl. 149, 5 lunaris glohi 
per incrementa ac detrimenta uarlatio bin ich sehr im 
Zweifel, ob nicht mit Bezug auf Apul. met. XI, 1, S. 205, 
19 ipsa Corpora terra caelo marique nunc incrementis con- 
sequenter augeri nunc decrementis ohsequenter iniminui auch 
bei Glaiidian decrementa für detrlmenta zu schreiben ist", 
zumal da auch Augustin (Enarrat. in psalm. 71, 8) decre- 
menta incrementaque' lunaria schreibt. Auch Augitst. de 
ciiiit. dei V, 6 (S. 198, 30 Domb.2) hat man lunaribus 
incrementis atque decrementis augeri et minui quaedam genera 
rerum zu lesen, und ich kann nicht begreifen, Avarum 
Dombart in der 2. Auflage der Lesart der interpolirten 
Handschriften AKF detrimentis den Vorzug gegeben hat. 
Von den von ihm angezogenen Parallelstellen ist nur Apul. 
met. XI, 1, S. 205, 19 beweiskräftig, und gerade hier best 
man auch decrementis, freilich nicht bei Eyssenhardt; aber 



Untersuchungen über die Sprache des Claudiaiius Mamcrtus. 445 

wer die Stelle genauer betrachtet niuic incrtmentis con- 
sequenter auger'i nunc decrementis obsequenter imminui 
wird durch das Wortspiel consequenter — ohsequenter hin- 
iänji'lieh belehrt, dass der Schriftsteller wohl auch decrementis 
wegen des Gleichklanges mit dein vorausgehenden Incre- 
menfis absichtlich schrieb. Zudem ist gerade decrementum 
ein Wort afrikanischen Ursprungs (vgl. Sittl, Die localen 
Verschiedenheiten der lateinischen Sprache mit besonderer 
Berücksichtigung des afrikanischen Lateins, S. 145) , das 
sicher auch Cyprian de spectac. 9 (Append. 11, 13 Hartel) 
gebrauchte: glohuni lunae temporum ciirsiis incrementis suis 
decrementisque signantem (so der Codex Z saec. XIV und 
c saec. XV), wo ich nicht mit Plartel zwei Handschriften 
des 15. Jahrhunderts ([.i, r), die detrimentisque bieten, 
folgen möchte. 

dire.cfim: A})ul. de deo Socr. prol. (S. 2, 18) lapidam directim 
caesum. — Cl. 90, 15 laiitudo directim recipit sectioneni. 
Aehnlich gebraucht das Wort auch Macrobius. 

dispudet aus dem Sprachgebrauche der Komiker aufgenom- 
men von Apul. de mag. G3, S. 73, 14 non uos tot calum- 
niurum tandem dispudet? — CI. 172, 5 no7i dispudet auctor 
huius sententiae exeinpfae animae corporalitatis capessere 
indiciumf Auffällig ist hier die (durch alle Handschriften 
bezeugte) sonst nicht belegbarc persönliche Construction 
mit folgendem Infinitiv ; unrichtig ist bei Georges unsere 
Stelle als Beispiel eines folgenden Accus, cum Infin. an- 
geführt, denn selbst wenn man mit den früheren Heraus- 
gebern aucAorein läse, so wäre der Accusativ doch zu 
dispudet gehörig und nicht Subject zu capessere. 

equidem in Verbindung mit der zweiten und dritten Person 
gebraucht, findet sich bei Plautus, nicht mehr bei Terenz. 
Von Plautus hat es Apuleius übi-rnommen (Fronto ge- 
braucht equidem nach ciceronianischem Sprachgebrauche 
nur in Verbindung mit der ersten Person), der es aber 
so nur in den Metamorphosen gebraucht: I, 1, S. 1, 13 
hciKC (-quidem ipsa iiocis immutatio . . rcspondit ,• H, 13, 
S. 26, 9 quam olim e. exoptatus )iobis aduenis ; III, 27, 
S. 54, 17 quod coroUis roseis e. recenfibus fuerat ornatum; 
IV, 2, S. 57j IG quos e. fragrantes . . rosat$ laureas appel- 



446 Engelbrecht. 

laut; \ , 1 , S. 79, 22 ut e. illud rede uideatuv . . loui 
fabricatum caeleste palafium ; YH, 9, S. 122, 30 quorum 
poterit unus magnis e. talentis , xd arhitror , puellam istnm 
praestinare; Ylll, 10, S. 141, 3 istud a. certe . . concedas 
necesse est (vgl. Jordan, Kritische Beiträge zur Geschichte 
der hiteinischen Sprache, S. 325, der überhaupt den Ge- 
brauch dieser Partikel in der archaischen und classischen 
Zeit erschöpfend behandelt, dagegen die späteren Schrift- 
steller mit Ausnahme des Apuleius leider nicht in den 
Kreis seiner Untersuchung gezogen hat). Die zahlreichen 
Belege aus Claudian für die Verbindung von equidem mit 
der 2. oder 3. Person sehe man in meinem Index zu Clau- 
dian nach. Das so häufige Vorkommen dieses Sprach- 
gebrauchs bei Claudian erklärt sich aus der Nachahmung 
des Apuleius, während vereinzelte Beispiele sich bei vielen 
späteren Schriftstellern finden. 
ergo igitu'r war eine im Volksmunde wahrscheinlich stets be- 
liebte Verbindung, wie dies der Gebrauch bei Plautus zeigt, 
von dem sie Apuleius hat, aber nur in den Metamor- 
phosen (I, 5, S. 3, 29. II, 18, S. 29, 5. 28, S. 35, 18. III, 19, 
S. 50, 3. IV, 2, S. 56, 26. V, 11, S. 85, 20. VII, 9, S. 122, 

25. 15, S. 125, 30. 19, S. 128, 13. IX, 17, S. 165, 12. 
22, S. 168, 15. 39, S. 179, 8. X, 3, S. 183, 7. 35, S. 204, 

26. XI, 5, S. 208, 9. 21, S. 218, 17. 28, S. 223, 26).' 
Aus Letzterem möchte man wohl schliessen, dass die Ver- 
bindung in der niedrigen Vulgärsprache Afrikas zu Apu- 
leius' Zeit noch lebend war, denn hätte sie dieser blos 
aus der Leetüre des archaischen Latein geschöpft, so 
wäre nicht einleuchtend, Avarum er sie nicht auch, oder 
vielmehr gerade in seinen sorgfältiger stilisirten anderen 
Schriften (vgl. Jordan, Kritische Beiträge, S. 325; Sittl, Die 
localen Verschiedenheiten der lateinischen Sprache, S. 82) 
angewendet haben sollte. — Claudian hat ergo igitur 
111, 9 und 173, 8 (G auch 148, 4). Bei Salvian de 



1 Sämmtliclie von Kretschmann a. a. O. S. lO'i beigebrachten neun Stellen 
aus den anderen Schriften haben in Wegfall zu kommen, da sie nur 
irrthümlich angeführt sein können und wahrscheinlich als Belege für 
cUenim dienen sollten (vgl. Koziol, Stil des Apuleius, S. 145). 



Untersuchungen über die Sprache <les Claudianus Mainertub. 447 

gubei'ii. dci IV, 22 liest man : ergo ut ad superiora redea- 
mus: quid est lijtfur etc. 

(i.vJiinc bei Georges als äita^ E'iqt^uh'oi' aus Apul. inet. XI, 24, 
S. 220, 29 exhinc (= hierauf) festissimum celehraui natalam 
sacrontm angeführt, hat Cl. 19, 1 (s. die praefatio meiner 
Ausgabe pag. XXV) midta exhinc deriuave pottrit, wie 
man sieht, mit veränderter Bedeutung; ebenso Enno- 
dius 292, 10 exhinc digressi honarum verum in rege lau- 
datio affectum (vorausgeht illud iure praeloquerentur exor- 
dium). Dagegen wie Apuleius gebraucht es Sidonius 
epist. IX, 16, S. 172, 59 L. nulluvi cito cogar exhinc pro- 
mere Carmen und Jordaues 114, 19 M. 

flaccere in übertragener Bedeutung Afran., Ennius, Apul. de 
mag. 25, S. 33, 22 cur uestra oratio rehus ßaccet, strepitu 
uigc.tf — 01.31,21 sententia jlaccente. Uebrigens schreibt 
auch Cicero in einem Briefe (ad Quint. fratr. 2, 14, 4) 
Messala flaccet. 

fringultire wird transitiv und in übertragener Bedeutung ge- 
braucht von Apul. de mag. 98, S. 109, 9 audisti priuignum 
meum uix singulas syllahas fringultientem. und ebenso von 
Cl. 137, 3 ceruas hie alium inter ructandum quasdam aug- 
gillatiuncidas fringultientem ah (dio laudari. Intransitiv in 
übertragener Bedeutung haben es Laevius, Plautus, Fronto, 
Apuleius und Sidonius (die Stellen bei Georges). 

geometrica , ae Apvd. flor. 18, S. 31, 2 nach den besten 
Handschriften (Krüger, geometriae Ilildebrand). ■ — Cl. 105, 
10; 204, 27 (in Verl)indung mit arithmetica und musica); 
174, 4 geometricam sine radio docuii ; nirgends iindet sich 
bei Claudian geometria. Derselbe gebrauclit auch astro- 
logica, nicht astrologia 81, 7; und so (aber als neutr. 
plur.) scheint auch Sidonius epist. V, 2 (79, 8) zu schreiben 
sein, obwohl die Handschriften astrologia bieten, wenn 
man bedenkt, dass die Worte arithmetica — geometrica 
— musica — dialectica vorausgehen und noch architecto- 
nica — metrica folgen. Ausserdem hat geometrica der 
Uebersetzer des platonischen Timäus (Jhalcidius als genaue 
Wiedergabe des griechischen ysiof.istor/.'t]. 

illectamentum bei Georges änu^ eiQrji.i8vov aus Apul. de 
mag. 98, S. 108, 8 meretricis hlandimentis et lenonis patris 



448 E II if e Ib r e h t. 

dlectamentis captus rindet sich auch de mag. 102, S. 113, 5 
qui Apuleiam dicitis anbnum Pudenfillae magicis illectamentis 
adortimi. — Cl. 127, 5 non arhitrans fore queviplam In- 
ledamentis fallaclarum corporcdihus ohsistere solitmn. Auch 
Cl. 23, 8 bland iynenta lenocinnntia erinnert an obige Stelle 
des Apuleius. 

impendlo mit einem Verb verbunden gebraucht Apuleius^, 
obwohl er unter den späteren Autoren es nicht allein 
hat, doch mit Vorliebe, so met. II, 18, S. 29, 4. X, 4, 
S. 184, 3; flor. 18, S. 31, 10; de deo Socr. 20, S. 23, 7; 
de mag. 3, S. 6, 9. 15, S. 22, 3. 32, S. 42, 21. 61, S.71, 15. 
— Cl. 24, 15 animaduerti id impendio molientem opelU Ips'ius 
auctorem; 37, 9 non i. emolienda sunt, qiiae per se labascunt. 

interniinus übtr. auch Ausouius und Symmachus; jedoch 
Apul. de mundo 1, S. 107, 10 (caelum) diermn noctiumque 
cut'ricuUs agens stellarum choros intermino lapsu finem. 
nulla aeui defectlone factura ist das deutlich erkenn- 
bare Vorbild für Cl. 149, 10 (sidera) intermino linea- 
riiDi tramite in id ipsum sine f ine redeuntia gewesen. 

interspergere belegt Georges nur mit zwei Stellen aus 
Apul. met. V, 15, S. 87, 30 interspersus rara canitie und 
de mag. 40, S. 50, 11 sunt plurima (remediaj in aliis 
Omnibus rebus eodem naturae munere interspersa atque inter- 
seminata. — Cl. 35, 2 non interspergat sinceritati ueritatis 
ignorantia praesumptiosa mendacium. 

medidlifus : Plaut., Enn. , Varro, Amm. , Apul. met. VII, 2 
S. 118, 17 })i. ingemere, X, 25, S. 197, 23 m. dolore com- 
motufi, flor. 18 extr. sumniis m. uiribus contendunt ambo : 
idncitur neuter , Cyprian 305, 15 m. conceptus ignis. — 
Cl. 176, 17 «ü niihimet hisce inanibus respondeve admoduni 
labori est, quia nihil istic qiiicum congrediar, nihil (est) 
quod medidlitus eruam. Einen Begriff der dieser bildlichen 
Ausdrucksweise hier zu Grunde liegenden Vorstellung 
mag geben Cl. 205, 5 erui atque euelli infixa animo meo 
nequit declamuiionwn tuaruni suauitas. Es ist also nie- 
dullitus gleich einem ex intimo animo. Ausserdem haben 
das Wort von den Galliern Sid. VIII, 7, S. 134, 5 me- 
dullitas aestuare und Ennod. 380, 19 se medidlitus inserens 
(catharrus) gebraucht. 



Untersuchungen über die Si)rache des Claudianus jMamcrtus. 44U 

inomentarius von Apuleius mit Vorliebe verwendet, Avie m. 
maritus (met. V, 12, S. 86, 4), 7n. uita (inet. II, 2\), 
IS. 36, 14), m. Salus (met. IX, 1, S. 155, 23), hat gewölmlich 
die Bedeutung ,nur augenblicklicli = zeitweilig, vorüber- 
gehend' (Georges), jedoch einmal auch , augenblicklich, 
schnell^ Apul. X, 25, S. 197, 29 momentarium utnenum 
(schnellwirkend). Dieselbe Bedeutung lässt sich bei Cl. 
148, 18 idces et spatia temporum et moras dlerum inotnen- 
taria mundi creatio non admittlt statuiren, vgl. auch Pa- 
pinian. dig.' 34, 1, 8 ea res praesentem ac momentarlam 
curam iniungit. 

movlhundus in der Bedeutung , sterblich' hat ausser Vcrgil 
Aen. VI, 732 morihunda menibra noch Apul. de deo Socr. 4, 
8. 8, 17 immortalihus aniniis, morlhundls rnemhris. ' Nicht 
hieher möchte ich (gegen Hildebrand [vgl. dessen Note 
zu de deo Socr. 4J und Georges) Apul. de mag. 50, S. 60, 
19 morihundo corpore cessante animo cadunt rechnen, da 
hier die gewöhnliche Bedeutung deutlich vorliegt. — • Cl. 
06, 3 humanum corpus terrenmn sc'dicet atque morlbundum. 

luulti modus: Apuleius, der für mit midtus zusammengesetzte 
Adjective grosse Vorliebe zeigt (vgl. nudticolorus , nndti- 
forahlUs, nmltihujas, rnidtlmodusy maltinominls, iiialtiscius, 
midtiuaijus, midtuUus) ^ hat auch niultlmodas met. X, 29, 
8. 200, 2\j und de dogm. Plat. I, 7, Ö. ij>i, 20. Auch der 
Afrikaner Augustin hat es nicht selten; Sid. II, 13, S. 38, 
5 midtimoda susplrla. — Cl. 64, 6 multimoda sectlo, 101, 9 
m. doctrinae, 105, 4 i)i. uerlfas rationum, 142, 4 jii. ueri- 
ftitls (jladius (hier neben (ilad'uis auffällig, jedoch ist die 
naheliegende Aenderung midtimodae uerltatis tjl. trotz 
der Analogie 105, 4 nicht nothwendig). Zu streichen je- 
doch ist das Citat Claud. ]\Iam. epist. 1, j). 781, 2 Migne 
(S. 198, 7) bei Georges, da hier, abgesehen von ih-v iiand- 
schriftlichen Gewähr, die durch et verbuiuleneu folgenden 
Worte miseris pe rinde causls der Concinnilät halber fiir 
multis niodis sprechen (Lütjoliann in der Ausgabe des 



1 Aiif^-iistiii. de ein. rlei XXI, 13 init. ist aus Vergil geschöpft: hinc est 
Muronis illa sententia, n/n cum dixi-sset de terrenis corporiiufi moriJmndis- 
que membris etc, 



450 Kngelbrecht. 

Sidoiiius — denn jener Brief Chiiulums ist nur in der 
Bricfscimmlung des Sidoniiis erhalten — edirt freilich 
mich mulftmodls [S. 53, ID], indess bieten die besten 
Hiiiulschriften LMTCF midtis modls [nur P^ hat nmlti- 
modls]). Zudem könnte nmltimodis nicht, wie Georges 
angibt, Adverbium sein, sondern wäre höchstens als zu 
causis gehöriges Adjectiv zu fassen. 

ob i raset findet sich nach Livius und Seneca bei Apul. de 
mag. 3, S. 6, 10 impendio commouen et ohirasci und flor. 17, 
Ö. 26, 9 cessantihus ohirasci. — Gl. 189, 6 oro quaesoque 
non ohirascaris mihi, nach ihm Alcim. Avitus 121, 16 non 
nobis obirascantur. 

opiolens wird von Apuleius bevorzugt und gewöhnlich noch 
mit einem Synonym verbunden, so met. X, 19, S. 194, 4 
matrona quaedam pollens et opulens , de deo Socr. 22, 
S. 25, 1 omnia afßuentia, omnia opidentia, omnia ornata, 
met. VIII, 15, S. 143, 30 castellum frequens et opidens. — 
Gl. 184, 11 opidens negotium et dites causae ad dicendum 
proliciimt. 

periclitari mit dem Genetiv verbunden hat nur Apul. VIII, 
31, S. 154, 15 hie ego nie potissimurn capitis periclitatum 
memini. — Gl. 20, 16 qnoniam, si in kis secus aliquid, ego 
coascriptionis periclitahor , sed tu editionis. Auch periclita- 
bundus, eine uox Apuleiana, ist met. III, 21, S. 51, 22 
mit dem Genetiv sui verbunden. 

praecisio in der eigentlichen Bedeutvmg = ,das Beschneiden, 
das Abschneiden^ war bisher nur bekannt aus Apul. met. 
I, 9, S. 6, 7 ea bestia ab insequentibus se praecisione geni- 
talium liberat. — Gl. 72, 9 haec talibus non inesse uel de 
ossium sectione et capillorum atque unguium praecisione 
cognoscimus. 

praesentare se scheint zuerst von Apuleius met. VI, 1, S. 100, 
10 luno sese praesentat gebraucht. — Gl. 143, 10 per quem 
(spiritum) Paulus apostolus absens toto corporeo sui Corin- 
thiis potuit praesentari. Der Ausdruck mag übrigens im 
gallischen Latein damals schon grössere Verbreitung ge- 
habt haben (vgl. das französische presenter imd Auct. pan. 
Maxim, et Const. 3, 4, Peiper's Index zu Alcimus Avitus, 
Hartel's Index zu Enuodius). 



Untersuchungen über die Spiuclic des Claudianus Jlameitus. 4öl 

proquiritare zuerst ApuJ. de mag. 82, S. 91, 19 epistulam 
saepe aperiens proquiriiahat. — Auf otFcnbarer Nach- 
ahmung dieser Stelle beruhen Cl. 19, 7 opusculum illud 
sine mictore proditum et usquequaque proqulritatum und 
Sidon. epist. VIII, 6, S. 131, 14 per ipsiim fere tempus, ut 
decemuiralitev loquai; lex de praescriptlone tricennii fuerat 
proquiritata. Letztere Stelle scheint den Schluss zu ge- 
statten , dass proquiritare ein dem Zwölftafelgesetze ent- 
nommener Ausdruck war, denn nur auf dieses Wort kann 
sich das ut decemuiraliter loqnar. beziehen. Georges er- 
klärt im Lexikon decemuiraliter zwar durch ,nach Art der 
decemuiri (stlitibus iiidicandis)' , jedoch vermag ich nicht 
einzusehen, warum Sidonius gerade an diese Behörde ge- 
dacht haben soll ; mir scheint es viel natürlicher zu sein, 
an die decemuiri legibus scrihundis zu denken. Ausserdem 
ist es für den alterthümelnden Apuleius sehr bezeichnend, 
dass er ein Wort wieder in die Literatur einführte , was 
aus jener archaischen Rechtsquelle stammte. Merkwürdig 
ist nur, dass dieses Wort sich in den bisher bekannten 
Glossarien nicht tindct, Avährend docli das Verbum sim- 
plcx, dessen Gebrauch in der Schriftsprache sicli durch 
alle Jahrhunderte verfolgen lässt, oftmals als Glosse be- 
gegnet (vgl. Loewe's Prodromus, S. 310). 

Hcaeaus in übertragener Bedeutung wird von A})uleius mit 
auffallender Vorliebe angewendet: met. II, 13, S. 25, 25 
sc. fortuna; IV, 19, S. 68, 5 sc. euentus\ X, 17, S. 192, 31 
sc. praesagium-^ X, 24, S. 196, '50 sc. riiialitas ('?). — Clau- 
dian hat es stets (34, 16 s. sententia, 55, 21 .s-. iudicium, 
132, 1 .s'. praedicatio) in der Bcideutung ,ungescliickt, ver- 
kehrt, unrichtig', und zwar von Sachen angewendet. 

spectamen in der Bedeutung , Anblick' Apul. met. IV, 20, 
S. 68, 28 miserum funestumque spectamen aspexi, met. VII, 
13, S. 124, 30 cerneres nouum et memorandum spectamen. — 
Cl. 149, 14 suntne haec omnia genti mortalium, uel coniuentia 
usui uel iucunda spectaminil Nach (Jlaudian hat es der 
Gallier Alcimus Avitus 129, 15 uideris illic spectamen. egre- 
giuni und carm. IV, 408 Peiper. 

sudis gebraucht (Jlaudian 25, 2 in der Bedeutung , Steinspitze 
(hervorstehende Steine)' : (loca) qitae uel humoris assidui 



452 Ell gel lue eilt. 

suhtevliiuione cedentia uel leid i)rono luhrica uel ccmo pen- 
dula uel sudibus aspera sunt — eine andere Auslegung 
dieser Stelle halte ich nicht für zulässig. Höchst wahr- 
scheinlich hat Apul. met. VII, 17, 8. 127, 16 nee saxeas 
tantum. sudes incursando contriham ungulas obige Bedeu- 
tung verschuldet. 

suggestus im bildlichen Sinne gebraucht Apul. met. V, 6, 
S. 82, 5 neue se de tanto fortunarum suggestu pessum deiciat. 
— Cl. 204, 29 haec in laudem tuam suggestui sunt, was 
einem haec tibi laudis suggestui sunt oder mit Beibehaltung 
der Construction haec in laudis tuae suggestum sunt gleich- 
kommt, 

terriculamenturn ist eine Neubildung des Apuleius (de deo 
Socr. 15, S. 18, 18 inane terricularnentum bonis hominibus 
und de mag. 64, S. 74, 8 omnia sepidcroruni terricula- 
menta), die dessen gallische Verehrer Claudianus (104, 21 
nisi terriculamenta quaedam scientiae profundioris ostenta- 
visset) und Sidonius lepist. VII, 1, S. 103, 14: prodigiorum 
terriculamenta^ getreulich aufgenommen haben. 

trifarius zuerst bei Apul. de mag. 49, S. 59, 20 causam mor- 
borum omnium trifariam percenset. — Cl. 119, 9 quod non 
et trifarium subsistat et unum sit. Nach Claudian ge- 
brauchen es Cassiodorius und Fulgentius. 

Ueberblicken wir diese Reihe einzelner Worte, deren 
Beweiskraft in ihrer Totalität wohl von Niemandem wird be- 
stritten werden können, wenn auch ein oder der andere Aus- 
druck möglicherweise in weiteren Kreisen , als in den die 
Sprache des Apuleius cultivirenden Rhetorenschulen, gang 
und gäbe war, so ist die bewusste Nachahmung des Apuleius 
bei Claudian hiemit genugsam bewiesen. 

Die Schule, die die Nachahmung des Stiles des Apuleius 
lehrte, musste natürlich auch aus dem Sprachschatze der alten 
scenischen Dichter der Römer zu schöpfen angelegentlich em- 
pfehlen. Claudian hat diese Lehre getreu befolgt, und des- 
halb sagt auch Sidonius, dem als Zeitgenossen gerade darüber 
das competenteste Urtheil zustand , von den Schriften Clau- 
dians (epist. IV, 3): )ioua ibi uerba, qitia uetusta. Wir stellen 
nunmehr 



Untersuchungen übei- die Spiaclic des Cl:uidian\is Maineitus. 4o3 

Archaische Worte bei Claudian 

zusammen, wobei wir den Begriff archaiscli mögliclist Aveit 
auffassen, indem wir darunter solehe AVorte verstehen, die; 
in der vorclassisclien Zeit gang und gäl)c waren, dann aus 
der Literatur verscliwanden und erst in naclielassiselier Zeit 
daselbst zu einem künstlielien Leben wieder erweekt wurden. 
Freilich werden manche derartige Ausdrücke im Awdksinunde 
stets fortgelebt haben. 

(iliquantulum als Adverb Pkant., Ter., OelHus. — Ol. '20, 8 
ferfius (Über) a. in sui ^»■imordlo artjumantcdur, li>S, 4 /'/ 
te nel aliquotieiis aliqvwituJidn conucnireni. 

aJtrlnsecus s. oben. 

hhinditer Plaut., Titinius com. — (*l. 184, 12 (cnnmo) paßiie 
hlanditer ohul.ae suapfe spccie desrribi sese quadsmif ; nach 
ihm Alcimus Avitus 133, 30 P. 

concipilare wird durch ,mit aller Begierde ergreifen, an 
sich reissen^ von Georges, Klotz u. A. erklärt und dafür 
Plaut. Truc. 2, 7, 61 und Naeu. com. bei J^aul. ex Fest. 
Q2, 6 citirt. Die Plautusstelle lautet bei Seliull : cfiam, 
scelifs tdri , w'mitave, quem etjo lam iam idni c<mcipid(d)o, 
die Vidgata hat: ip^eym ego offatim ütm iam iam coiiei- 
inlaho. Auf diesen Vers bezieht sich die Glosse (des 
Cod. Vatican. 3320 bei ]\[ai anct. class. tom. VI, 
pag. 517 a: concipidaho ' concidam mimifatim. Man sieht, 
dass für Plautus mit der Bedeutung , ergreifen , an sich 
reissen^ nichts anzufangen ist (vgl. Löwe im Pro(b-onnis, 
S. 278), denn der Sinn und Zusammenliang verlangt 
an obiger Stelle flli- concipnlare die Bedeutung von con- 
cidere, vgl. in derselben Scene Vers 52 und besonders 
65 offatim te machaera conficiam , Avo machaera conßciam. 
dem Sinne nacli sich mit concipilaho^ vollständig deckt. 
Auch die Etymologie empfiehlt diese Bedeutung, indem 
das Wort von crqndare (capid^is) abzuleiten ist. Ivs ist 



' De Vit erklärt roneipilahn durcli corrqnam, laccraho, diiccrpam , wovon 
die erste Erklärung' fnlscli i.st, dag'ejyen die l)oiden .anderen den rich- 
tigen .Sinn wiederp'plj'^n (freilicli unter Anfgebung- einer das Ktyninu des 
Wortes streifenden l'arapiuase). 



454 Engelbrecht. 

iiiclil ullzukülni, anzuncliraeii , dass capulus = Griff des 
Schwertes, auch das Schwert, den Säbel selbst bezeichnet 
haben kann-, deshalb hat capulare bei Anthim. 75 die 
Bedeutuni;' , abschneiden^: hucdlas capidatas et minutas 
(^ähnlich capeUare bei Anthim. 43 assae ita ut capellentur 
partes, wo einige Handschriften auch cnpidentur haben, 
sowie umgekehrt an der vorigen Stelle capiMatas), ebenso 
bei Hieronynius in psalm. 118 tuUe, , capula , seca (vgl. 
Paucker, Supplem. lex. lat., S. Q2). Ausserdem erklären 
zahlreiche Glossen capulare durch scindere, desecare, abscidere 
u. s. w. (vgl. Löwe a. a. O.). Concipilare bei Plautus ist 
ein volksthümlicher Ausdruck, den wir im Deutschen 
genau wiedergeben durch unser triviales , zusammensäbeln, 
niedersäbeln^ Höchst interessant ist nun, wie dieses sel- 
tene Wort bei Claudian auftaucht, wo auch über die Be- 
deutung kein Zweifel entstehen kann (142, 6): fas est 
midtimodo ueritaiis gladio falsiloqui ceruicidam. saluhri 
concisione concipüari. Woher hat nun Claudian dieses 
seltene Wort? Möglicherweise direct aus Plautus, aber 
wahrscheinhcher ist für mich, dass Apul. met. IX, 2, 
S. 15(), 11 das Vorbild abgab: nee dubio me lanceis Ulis 
uel uenahidls, immo uero et hipennihus, quae facile famidi 
sidmiimstrauerant, memhratim compilassent, wo schon Lipsius 
concipilassent conjicirte, obwohl die neueren Editoren 
sich gegen diese Emendation ablehnend verhalten. In- 
dess schon memhratim spricht zu deutlich für concipilassent , 
und ich verstehe nicht, wie man mit compilassent ( = 
, durchprügeln , durchbläuen^ Georges) auszukommen ver- 
mag : wie vertragen sich die lanceae, venabida und die 
bipennes mit dieser Bedeutung? Und sollte der wuth- 
verdächtige Esel blos durchgeprügelt werden? Gewiss 
nicht, sondern man hätte ihn in Stücke zerhauen, wenn 
er nicht geflüchtet wäre. Zweifellos ist also concipllasse)it 
herzustellen und ebenso zweifellos bezieht sich die Glosse 
bei Mai a. a. O. concijmlassent ■ minutatim concidissevt auf 
unsere Apuleiusstelle. Das Letztere hat schon Götz (in 
Lowe's Prodromus, pag. XIH) richtig gesehen. Götz mag 
auch Recht haben, wenn er met. VH, 18, S. 128, 7 occi- 
piens a capite immo uero et ipsis auribns totum me concipi- 



Untersuchungen über ilie Sprache des Claudianns Mamcrtus. 4o5 

Inbat (so Lipsius, comjnlahaf Handscliriftcii iiinl Kditoren), 
cnedit fnsti (jvandissimo zu sclireiben riitli , obwohl man 
liitT aiuli mit compilare (== durchprügeln) vollständig aus- 
reicht und concipilare eigentlich nur in der l>edeutnng 
von concldere. desecare, nicht al)cr im Sinne von caedere 
(ji(Hti), wie es hier zu fassen wäre, bis jetzt belegt ist. 
— Wie captdare verschiedene Bedeutungen hatte, so ist 
es begreiflich, dass auch concipilnre noch Anderes be- 
zeichnet hat. Bei Paulus ex Fest. 02, G heisst es: conci- 
pi/aidsfi dictum a Nac.uio pro corripuisti et h\uolasti, ebenso 
in der Glosse bei Löwe, Prodromus, pag. XIII conciplet • 
corripiat, vgl. das Simplex ctipidare iuuencos Col. (), 2, 4 
und c. pisces Mela 2, 5, 7. So mag also auch l)ei Apul. 
de mag. 96, S. IOC), 18 concipilare richtig sein: an iiina- 
sisse me domnm Padentillae et concipilare hona eins tu nuujift 
dolere dehes (mehrere Handschriften compilare^, nur darf 
man nicht mit Götz a. a. O. diesem concipilare dieselbe Be- 
deutung wie in den obigen Beispielen vindiciren, sondern 
wird hier die von Festus aus Naeuius überlieferte Be- 
deutung anerkennen müssen. 

creper in übertragener Bedeutung Pacuv. , Accius, Varro, 
Lucrez, Avienus, Apuleius, s. oben. 

deliramentnm Komiker, Fronto, Apul. de mag. 29, S. 38, 12; 
flor. 3, S. 4, 5, Cypi'ian. — Cl. 137, 11 de summh rchus 
deliramenta quaedam mnssitant. Das Wort ist übrigens 
bei den Kirchenschriftstelicrn nicht selten (vgl. Paucker, 
Sup])lem. lex. lat., S. 179). 

dispudet s. oben S. 445, 

eqiiidem s. oben S. 445. 

ergo igitur s. oben S. 446. 

flaccere s. oben S. 447. 

intro inspicere Plantus. — Ol. 29, 24. 95, 16. 171, 1. 

itidem spielte in doi- Sprache der Komiker eine grosse Bolle, 
eine niclit geringere bei Claudian , der es an 21 Stellen 
(vgl. den Index meiner Ausgabe) gebraucht. 

lahaacere Plaut., Ter., Acc, Varro, Lucr. (die Stellen bei 
Sittl in WölfHin's Archiv I, 492, denen z. B. August, de 
quantitate anim. XXIV, 46 hinzuzufügen ist). — Cl. 37, 9 
non impendio emoUenda sunt, quae per se lahascunt, 109, 



45ß Engclbicclit. 

IM iddans ne sententia fihi jilacUa lahascat. Nach Claudiaii 
^cbrauelite das Wort Sidonius V, 10 (85, 11) und Enno- 
dius ICu, IG. 269, 17 Hart. Für unriclitio- halte ich Sittl's 
Ansicht, dass labesco stets nur eine Nebenform von lahasco 
ohne BedeutungsdifFerenz sei. Denn wenn Rutin. Oriy;. in 
epist. ad Rom. 9 , 32 qiiod tempus lahescevtlhus quotidie 
diehvs appropmi sagt, so ist klar, dass hier eine Inchoativ- 
form zu labt und nicht zu lahare vorliegt; ebenso liegt 
es mit lahescor (lahiscor), wo Diomed. S. 344, 21 ausdrück- 
lich sagt:, item lapsor iteratiuitm, hichoathitim lahiscor, prin- 
cipale eorum est labor. Auch Aldhelmus laiid. virg. f)!.) 
in luxum labescit kann nur so gedeutet werden. Dass 
von einem Deponens eine active Imperativform gebildet 
wurde, ist nicht auffällig, man vergleiche aiigeri r= augescere, 
generari = generascere ; ebensowenig ist lahescere neben 
lahesci befremdend, man vergleiche nur fatlscere neben 
fatisci (vgl. auch Paucker, Supplem. lex, lat., S. 441). Wir 
kommen übrigens auf das Wort noch später bei Be- 
sprechung der dem Claudian und Sidonius gemeinsamen 
selteneren Worte zurück. 

malum s. oben S. 440. Eine reiche Stellensammlung aus den 
Komikern bietet Lorenz zu Pseud. 236. 

medioximus = medius Plautus. — Cl. 183, 4 medioximnm 
quiddam naturae incorporeae, sed creafne, ebenso Sidonius 
IX, 3, (152, 11) imd Alcimus Avitus 97, 3 medioxwHi 
uirosis amoemtas. 

medullitus s. oben S. 448. 

in meutern est mihi ist eine den Komikern eigene Phrase (vgl. 
Wagner zu Ter. Heaut. 986). Dieselbe glaube ich auch bei 
Cl. 96, 7 ami nntem tibi in. mentem. est cogitationis et amoris 
tili herstellen zu sollen, wo ich früher mit den Handschriften 
mente edirte. Der Genetiv bei dieser Phrase lässt sich 
wohl diirch kein zweites Beispiel belegen, ist aber durch 
das analoge iienit mihi in mentem. alicuius rei gerechtfertigt. 

rnttssitare ,leise sprechen, in den Bart brummen' Plaut, (s. 
Lorenz zu Plaut, mil. 310), Liv., u. a. - Cl. 23, 7 dam 
m., 137,- 12 d.eliramenta. qiiaedam. mussitant (ist in dieser 
Bedeutung als transitives Verbum bisher noch nicht nach- 
gewiesen). 



üntersuchnngen übei- dio Sprache des Claudianus Mamertus. 4o i 

viimquld))((m Terenz (vgl. v^pcng-cl zu Andr. 235\ — Cl. ol, 
23 numquidnam terra unlnerls lüarjam sentit und so 4(5, 9. 
157, 11. 204, 4. Ucbrigens bemerke ich, dass das Wort 
auch hei Augustin sich nicht selten findet, z. ]^>. de quan- 
titate animae V, 7. XII, 21. XXIX, 57. XXXL 04. Auch 
Cicero hat es (vgl. Helhnuth in den Act. sein. j)hil. Er- 
lang. I, 111); bei ihm aber ist quidnam vollgültiges Pro- 
nomen, während es bei den späteren Schriftstellern ohne 
Einfluss auf die Satzconstruction bleibt und numqmdimm 
zur blossen Fragcpartikel herabgesunken ist, vgl. num- 
quidnam terra uulneris plagam sentit. 

opus est mit dem Accusativ Plaut., Cato. — Cl. 65, 15 adten- 
tiorem mihi lectorem opus est (wo der beste Codex M am 
Rande mit rothen Lettern die Bemerkung sie Plautus hat). 

parciter Pompon. com. 179. — Cl. 19, 17 modeste ac moderate 
et quam potuit parciter praelihauit. 

pessumdare Plaut., Terent., Sallust., Ovid u. A. — Cl. 36, 6 

pessumdetur e medio, qui te incautum respergit hifamia, 203, 

18 pesswn porro dedit cum docfrina uirtutem. Ueberhaupt 

liebte Claudian das Adverb pessum, indem er auch ein pes- 

sum facere bildete 136, 11 pessum, facientes sahdnia sun. 

plusculum als Adverb Plautus. — Cl. 206, 7 aliquo for- 
sitan phiscidum famüiarifer, vgl. 184, 18; ebenso Sidonius 
epist. III, 3, S. 42, 28 quid ego istaec iusto phiscnJum 
qnrrio? IV, 16, S. 67, 26 phiscidum recfo secus, VII, 17, 
S. 124. 6 phiscidum iusto corpore inßrmiis, in dem Briefe 
vor carm. XXII disparatis aequo phiscuhim. locis und 
Alcim. Avit. 142, 16 phiscuhim, iusto. 

praepedim.entum Thnit. Poeu. 475. — Cl. 199, 14 nulla cuitis- 
cpiam praepedimenfi occasio praetendi potest, ebenso Sido- 
nius epist. VII, 8 S. 112, 6. 

puhlicifus in übertragener Bedeutung Plaut., Caecil. com., 
Apul. mct. I, 10, S. 6, 19. III, 16, S. 48, 17. (X, 29, 
S. 200, 4.) flor. 9, S. 12, 13. de mag. 14, S. 20, 21. — 
Cl. 189 17 edito pro sententia tua cdiquid puhlicifus lec- 
titandum. 

quaesere archaische Form, von der sich im classischen Latein 
nur quaeso und quaesumus erhalten hat; jedoch Cl. 1S4, 
12 descrihi sese qiuiesnnt. 

Sitzungsbor. d. pliil.-hiRt. Cl. CX. \U\. H. Ilft. 30 



458 Engellucclit. 

quichcm Komiker (Brix zu Plaut, mil. 277, Lorenz zur niost. 
115). — Cl. 137, 7 e socordi turha periculum periclitahere : 
quidunif inperito quijjpe nihil quidquavi iniustius, wo die 
letzten aus Ter. Adelpli. 9<S entnommenen Worte zeigen, 
dass der Schriftsteller mit Absicht gerade ein aus der 
Komikersprache entlehntes Wort anwendet. 

quopiam = ^irgendwohin^ haben Plaut, most. 966 uide ne 
forte q, deuorteris und Ter. eun. 462 ituran, Thais, quo- 
piam es? Claudian dagegen verwendet quopiam sogar als 
Relativum 109, 19 quopiam igitur uideamiis euadas. 

uspiam übertragen = ,in irgend einer Sache^ Plautus, — CL92, 
5 quid mihi proderü uspiam, 128, 14 a magistro u. in hac 
eadem causa dissensit , 141, 11 estne aliquid, quo ahhinc 
locorum u. progrediaris (hier keineswegs local!); dagegen 
in der gewöhnlichen localen Bedeutung 168, 2. 199, 5. 
— Sid. V, 7, S. 83, 3 quorum si nares afflauerit uspiam 
robiginosi aura marsupii, vgl. IX, 11, S. 161, 17. 

Ausserdem finden sich noch folgende Worte des archai- 
schen Lateins, aus deren Gebrauche allein man zwar nicht 
auf directe Nachahmung der archaischen Schriftsteller schliessen 
dürfte, weil ihr Vorkommen sich fast in jedem Jahrhunderte 
und bei den besten Stilisten statuiren lässt, die jedoch im Verein 
mit den eben angeführten Ausdrücken allerdings einiges Ge- 
wicht haben. Es sind dies: inpraesentiarum 37, 10. 88, 3. 
104, 16. 139, 12. 177, 17. 184, 16. 203, 14 (vgl. über den 
anderwärtigen Gebrauch dieses Wortes Wölffhn im Philol. 
XXXIV [1876], S. 147 f.), oppido sowohl bei Adjectiven und 
Adverbien (24, 4. 105, 8. 124, 23) als bei Verben (24, 18. 
169, 9, vgl. betreffs des sonstigen Gebrauchs Wölffhn, a. O. 
S. 151), sodes 146, 4; über cedo adverbiell gleich einem age 
s. oben S. 444, in der gewöhnlichen bei Cicero so häufigen Be- 
deutung hat es Cl. 136, 10 cedo mihi nunc illos. 

Nachdem nach dem eben Besprochenen, wie ich glaube, 
über die stilistischen Vorbilder Claudians kein Zweifel mehr 
obwalten kann, gehen wir daran, das Verhältniss des genus 
dicendi Claudians zu dem des begabtesten Vertreters der Form- 
gewandtheit in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts, wie 
Teuffei mit Recht den Freund und Zeitgenossen Claudians 



Untersnchungen über die Sprache des Claudianus M;imertus. 4ö9 

Sidoniiis nennt ^ zu schildern. Schon an einer früheren Stelle 
wurde bemerkt, dass bei Sidonius sich ebenso sehr wie bei 
Claudian die Schreibweise des Apuleius geltend mache (dieser 
(M^genstand verdiente eine genauere Untersuchung) und wurde 
daraus von uns der Schluss gezogen, dass beide Männer einen 
ziemlieh ähnlichen rhetorischen Unterricht genossen haben 
müssten. Jedoch nicht nur in der Nachahmung des apuleiani- 
schen Stiles begegnen sich beide, sondern sie haben auch so 
vieles Andere im Ausdruck gemeinsam, dass auf eine Einwir- 
kung der Individualität des einen auf den anderen nothwendig 
geschlossen werden muss. Wer war aber da der Lehrer, wer 
der Schüler? Da Claudian iim das Jahr 474 starb, da er bei 
Sidonius epist. IV, 11 nwper ereptus genannt wird (vgl. über 
die Chronologie der Briefe Baret's Ausgabe S. 123 — 145), sein 
Werk aber ungefähr ums Jahr 468 dem Sidonius widmete 
(Baret S. 132), vor welche Zeit nur ein ganz kleiner Bruch- 
theil der Briefe des Sidonius fällt, so war Claudian jedenfalls 
der ältere von beiden; wenn man noch bedenkt, dass Sidonius 
in jenem Briefe (IV, 11) eines literarischen Cirkels Erwähnung 
thut, in dem Claudian als Präses und Leiter der wissenschaft- 
lichen Disputationen fungierte, die anderen Theilnehmer aber 
als lernbegierige Jünger geschildert werden, so hat jedenfalls 
Michael Fertig Recht, wenn er — freilich ohne irgendwelche 
Angabe von Gründen — behauptet (C. Sollius Apollinaris 
Sidonius und seine Zeit, Programm von Passau 1848, S. 9)^ 
, Beide standen im wiss-enschaftlichen Verbände, doch so, dass 
Sidonius mehr der Jünger von Mamertus war. 
Wir handeln nunmehr von der 

Stilähnlichkeit des Claudian und Sidonius. 

Wir widmen gerade diesem Punkte einen eigenen Ab- 
scluiitt, Aveil wir die Hoffnung hegen, dass aus der vergleichenden 
Gegenüberstellung des Lateins zweier gleichzeitiger und lands- 
männischer Schriftsteller auch manches Streiflicht auf die 
Sprache der betreffenden Zeit im Allgemeinen fallen Avird. 



An auffallenderen Wendungen, Phrasen oder anderem 

Derartigen findet sich Folgendes bei beiden Autoren: 

30* 



460 E n g e 1 b r e c h t. 

Sid. ep. I, y, S. 15^ 14 sane moneo praeque denuntio mit 
folgendem Conjunctiv, auffallend wegen des adverbiellen 
Gebrauchs von prae, findet sich ebenso bei Cl. 137, 9 
moneo praeque denuntio aut palam loquantuv auf taceanf. 

Sid. II, 10, S. o4, 3 tu modo fac memineris multipUcato me 
faenore remunerandum. — Cl. 205, 19 modo tu fac me- 
mineris docendi munus tibi heredifarium fore. 

Sid. II, 13, S. 38, 6 refugit celeritate diuitias deliciasque 
regahis. — Cl. 203, 17 deliciis et diuitiis seruiens; über 
die Häufigkeit dieser Verbindung vgl. WölfFlin im Archiv I, 
383, wo aber die Claudianstelle fehlt. Es ist übrigens 
bemerkenswerth, dass, nach den dort beigebrachten Stellen 
zu schliessen, dieser Reim sich hauptsächlich (ausser bei 
Cyprian) bei gallischen Schriftstellern findet. Den Schluss 
daraus für die Aussprache hat bereits WölfFlin gezogen 
(a. O. S. 363). 

Sid. III, 2, S. 40, 30 ad hoc aut aggeres saxis asperos aut 
ßuuios geht luhricos aut coUes ascensu salehrosos aut 
uallis lapsuum assiduitate derasas. — Cl. 25, 1 quae 
(loca) uel liumoris adsidui suhterluuione cedentia 
aut leui prono luhrica uel cauo pendula uel sudihus 
asper a sunt. Das gemeinsame Vorbild für beide Stellen 
war wohl Apul. de deo Socr. prol. S. 2, 21 (s. oben S. 438). 

Sid. I, 2, S. 4, 19 sie tarnen quod illic nee Organa hydraulica 
sonant; III, 3, S. 42, 24 sie tarnen quod nee ossa tumid- 
tuarii caespitis mole tumulahant; II, 9, S. 31, 16 sie 
tarnen quod . . stilus his religiosus inueniebatur; vgl. 
I, 8, S. 13, 11 ita tarnen quod te loquax turba circumsilit ; 
III, 13, S. 50, 3. 51, 1; III, 14, S. 51, 22; IV, 21, S. 72, 11 
und 14; VII, 9, S. 113, 3; VII, 14, S. 121, 26; IX, 2, 
S. 150, 9; IX, 12, S. 162, 5. — Cl. 49, % sie tamen 
quodnonnullae inrationales animantes prae hominibus uigent 
acumine uidendi; 135, 6 sed sie sustinet reprehensionis 
stilum, quod non patitur detrimenta meritorum; 95, 2 
sie ad illum accedit, quod a te utique non recedit. Quod 
mit dem Indicativ nach sie, tarn, ita statt ut consecutiuum 
ist überhaupt eine auffallende Erscheinung des gahischen 
Lateins im 5. Jahrhundert, da wir es auch bei Saluian 
s. Pauly's Index) und Alcimus Avitus (s. Peiper's Indices 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus llaraertus. 461 

zur Prosa und zu den Gedichten) linden; vgl. darüber 
auch Paucker, Subrelictorum lexicographiae latinae scruta- 
riuni;, S. 25 Note und Goelzcr, Etüde lexicographique et gram- 
maticale de h\ hitinite de Saint Jerome, Pai'is 1884, S. 381. 

Sid. III, 11, S. 47, 8 carehit iiosfrum naeuo loquacitatis 
officium; Y, 3, S. 79, 25 Caritas naeuum fam misevae 
suspicionis eliminet, vgl. VIII, 11, S. 141, 1. — Gl. 35, 
19 non caret naeuo suspicionis hiceps ista prolocutio. 
Vgl. naeuus reprehensionis bei Alcira. Avit. 124, 17. 

Sid. III, 4, S. 43, 9. II, 10, S. 33, 12 sed istinc alias. — 
Gl. 31, 6 sed istinc alias (vgl. 123, 18 sed hinc alias). 
Auch der Gallier Ennodius im 6. Jahrhundert hat einmal 
sed istinc alias und fünfmal sed Jiinc alias (s. Hartel's Index). 

Sid. III, 13, S. 50, 21 Jiaec ossium ramosa compago. — Gl. 174, 23 
quae neruorum origines quaeue compago, cpiae ossiium 
coitio quaeue compactio. An der Stelle des Sidonius 
hätte übrigens Lütjohann aus M T ossuum aufnehmen 
sollen; Claudian hat nur ossuuni (72, 9. 174, 24). 

Sid. IV, 7, S. 58, 26 haiulus apicum sedulo precatur, vgl. 
VII, 8, S. 112, 6. — Gl. 23, 8 ut ignaros verum sedulo 
precentur. 

Sid. IV, 12, S. 64, 10 quantum natifragioso pelago conformis 
est motus animorum. — Gl. 23, 15 naufragiosum pela- 
gus disputationis, vgl. bei Ennodius 234, 18 cogitationum 
pelagus, 444, 15 narrationum pelagus. 

Sid. IV, 14, S. 6Q, 16 unde liquido patet und II, 10, S. 35, 8 
liquido claret. — Gl. 59, 25 patet enim liquido, 172, 13 
liquido patuit, vgl. liquido claret 76, 2. 79, 2. 89, 15. 
150, 7. Auch Ennodius schreibt liquido patuit 391, 12. 

Sid. IV, 23, S. 74, 3 nil deprecatus errorem.. — Gl. 48, 8 
ueniam deprecaturus erroris (oder wie oben S.440 ver- 
muthet wui-de, meum deprecaturus errorem). 

Sid. V, 2, S. 79, 5 uigilax lector inueniet ueriora nomina 
Camenarum, vgl. VI II, 11 S. 141, 15. — Gl. 173, 11 uigi- 
lacem uigilantenique simul quaero lector em. 

Sid. V, 10, S. 85, 10 corporis decoramenta currentis aeui 
profectu defectuque lahascunt. — Gl. 28, 5 (deus detri- 
menta non sentit augmentaue non recipit) : adficiuntur autein 
media uel profectu uel defectu. 



462 Engelbiecht. 

Sid. ibid., S. 85, 18 solam tibi acrimoniam Qidntiliani pom- 
pamque Palladii comparari non ambio. — Cl. 206, 1 
Gracchus ad acrimoniaw . . Fronto ad pompam tibi 
usid sint. 

Sid. VI, 11, S. 101, 2 ipse rectius praesentanea cor am nar- 
ratione patefaciet. — Cl. 135, 13 (Eucherium) pracsen- 
taneis coram disputationibus cognitum. 

Sid. VIT, 4, S. 107, 14 uiderit, qua conscientiae dote turgescat, 
qui se ambientibus rigidum reddit: ego tarnen inorum illius 
aemulator esse praeelegerim. — Cl. 137, 16 faxint tarnen 
isti quod foret libitum: ego uero praeelegerim ab istis 
cum Eucherio reici. 

Sid. VIIj 13, S. 119, 19 eum magis occupat medulla sensuum 
quam spuma uerborum. — CL 123, 5 in inperitas aures 
uerborum puerilium spumas exspuunt. 

Sid. VII, 14, S. 120, 20 si humana substantia rectius mole 
quam mente censenda est. — Cl. 107, 17 formicae et 
cameli animas utrumnam prouidentia an mole censeresf 

Sid. II, 8, S. 30, V. 12. VIII, 1, S. 126, 4. 14, S. 145, 25. 
IX, 13, S. 162, 26 hinc est quod, ebenso Cl. 25, 23. 
45, 4, 18. 70, 17. 82, 24. 112, 2. Auch Veiiant. Fort, 
bat es fünfmal (s. Leo's Index), Alcim. Avit. carm. IL 303 
und Ennodius 487, 3. Zablreicbe Stellen für inde est ([iiod 
bietet Paucker (suppl. lex. lat. 374) aus Seneca, Plinius 
Secundus u. A. Auch Augustin bat hinc est quod z. B. 
de quant. animae XVI, 27, ebenso Salvian z. B. gub. dei 
VI, 54 (von Pauly leider nicht beobachtet). 

Sid. VIII, 7, S. 133, 23 trutina iudicii, ebenso Cl. 146, 5 
(vergleiche bei Ennodius das so häutige lanx iudicii 28, 8. 
34, 1. 75, 16 und libra iudicii 359, 9), 

Sid. VIII, 13, S. 145, 13 nisi faceret ad Christum de circum- 
cisione transfugium. — Cl. 189, 14 non pigeat a traiis- 
fugio refugium facere. 

Sid. IX, 9, S. 159, 5 cuius ita dictis uita factisque dupliciter 
inclaruit; vgl. VII, 2, S. 105, 16 sancti Eusfachii actutum 
dicto facto qioe gemina benedictio. — Cl. 122, 8 quo 
(saeculo) dictis factisque caelitus editis eotenus religio 
conclamata est. 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Maraertus. 463 

Zu den Worten Claiidians 22, 2 inludent inpcritos, quae 
maxima turha est merkte ich an: uerha quae maxima turba 
est hexametri clausula esse uidentur. Diese Vermuthunü: bc- 
stätigt sich, indem die Worte aus Sidon. carm. V, 515 

coeperat ad rupis medium, quae maxima turha est 
entlehnt sind, wenn nicht vielleicht für beide eine andere ge- 
meinsame Quelle anzunelimen ist. Claudian konnte sie aus 
dem Panegyricus des Sidonius entlehnen, da dieser bereits 458 
verfasst war (vgl. Öirmond's Note zu carm. IV). 

Ein interessantes Beispiel, wie durch eine Vcrgleichung 
der Sprache des Sidonius mit der Claudians manche bisher 
nicht genügend erkannte oder beachtete Eigenthümlichkeit ins 
rechte Licht gesetzt werden kann, liefert Claud. 146, 20 si 
distant magis quam differant inter primum secundumque caelum, 
quaero quid rei sit verglichen mit Sid. ep. III, 7, S. 45, 15 
qiiia, etsi barbarus in hiherna concedat, mage differuvt quam 
relinquunt semel radicatam corda formidinem; so edirtc Lüt- 
johann, dessen adnotatio critica also lautet: relinquunt scripsi, 
relinquant LMC, reliquant P, relinquent F (in T fehlt der ganze 
Brief). Wer wird aber zweifeln, dass das handschriftlich best- 
beglaubigte relinquant zu ediren ist, da doch auch Claudian 
in ganz derselben Weise nach magis quam das verglichene 
Verbum in den Conjunctiv setzte? 

Ein weiteres Beispiel ähnlicher Art mag hier seine-n Platz 
linden. Bei Claud, 20, 16 liest man: quoniam, si in his secus 
aliquid, ego conscriptionis periclitahor , s e d, tu editio?iis. Alle 
Handschriften haben hier sed, was jedoch die früheren Heraus- 
geber Av'cgliessen. Bei Sidon. cp. I, 11, S. 20, 12 heisst es: 
etenim sufficere debere, quod satirae obiectio famam mihi parasset, 
[sed] sibi infamiam. So liest man in Lütjohanns Ausgabe mit 
der Anmerkung: ,sed uulgo sed/ Also auch hier haben alle 
Handscliriften das sed bewahrt; wird man nunmehr, wo die 
analoge Claudianstelle bekannt ist, wagen, dem sed hier seine 
Berechtigung abzusprechen? Auch bei Ennodius finden sich Bei- 
spiele eines merkwürdigen Gebrauches von sed (s. HarteFs Index). 

Als Gegensatz zu homo gebraucht Claudian stets belua, 
so 49, 8 qui sensus ho mini beluaeque communis est (auch 
68, 19. 71, 15. 173, 12); desgleichen Sid. IV, 17, S. 68, 14 
quanto antecellunt heluis homines. 



4 04 E n g c 1 b r u c li t. 

Bcmerkenswcrth ist ferncrj dass Claudian und Sidonius 
Sallust stets nur unter dem Namen Crispus citiren, so CI. 130, 
12 und 206, 2 (nach unserer nothwendigen Verbesserung für 
das liandschriftliclie Chrisijypus) und Sid. ep. V, 3, S. 79, 26 
(ut Crispus uester affirmaf), carm. II, 190 (qua Crispus hrevitate 
placet), carm. XXIII, 157 (et te qui bveuitate, Crispe, polles). 
Aehnlich nennen beide Vergil gewöhnlich Maro, vgl. Sid. ep. IV, 
1 1 ut est illud Maronianum (ebenso V, 5. u. ö.) und Cl. 108, 4 
hinc etiam tibi Maronianum illud ohicerem. Ferner erwähnen 
beide die Aristotelicae categoriae (Cl. 69, 4 und Sid. ep. IV, 
1, S. 53, 3). Schon Teuffei hat bemerkt (§. 466, 16), dass 
Sidonius in den Briefen die Anhäufung von Autorennamen der 
alten Zeit hebt (vgl. ep. IV, 3, S. 54, 23. VIII, 11, S. 141, 18; 
übrigens auch z. B. in dem Panegyricus carm. II, 182 0".): 
auch hierin gleicht er Claudian (vgl. dessen Brief an Sapau- 
dus, S. 205, 30 ß".). 

B. 

Von einzelnen charakteristischen Worten, die sich bei 
Claudian und Sidonius gemeinschafthch vorfinden, sind folgende 
zu nennen (wenn nichts anderes angegeben ist, findet sich das 
betreff'ende Wort, beziehungsweise die betreffende Bedeutung, 
nur bei diesen beiden Autoren) : 

acescere in übertragener Bedeutung gebraucht Cl. 22, 6 
acescentis semper liuoris inteniio und ähnlich das Stamm- 
verbuni Sid. VII, 6 (109, 25) pectori suo catholicl mentio 
nominis acet. Das Inchoativum in eigentlicher Bedeutung 
gebraucht Sid. carm. V, 341 (ganeaque perenni) pressus 
acescentem stomacJms non explicat auram, ep. III, 13, S. 50, 
15 alarum specuhus hircosis atque acescentibus. 

aequitemus nur Cl. 112, 12 quae trla simid aequiterna sem- 
per indiuidua uhique et uhlcumque tota unus deus siCnt ; 
122, 19 unam summam aequlternam indiuisam diuinitatem 
und Sid. VIII, 13, S. 145, 14 praeuidens sese per aeterna 
saecula aequiterna siq^plicia j^ttssurum. Ich kann übrigens 
hier die Vermuthung nicht unterdrücken, dass schon Apul. 
de deo Socr. 3, S. 7, 14 dieses Wort gebrauchte : quos 
deos Plato existimat naturas [incorporales] animales neque 
fine ullo neque exordio, sed prorsus ac retro aeuiternas. Es 



Unteisuchungen üV/cr die Sprache des Claudianus Maniertus. 405 

kann nicht geleugnet werden, dass aequiternas der be- 
zeichnendere Ausdruck wäre (= vor- und rückwärts 
gleich ewig). Uebrigens habe ich das Citat nicht nach 
Goldbacher's Recension angeführt, sondern nach der hier 
entschieden richtigeren Text bietenden Ijütjohann's (Apuh'i 
de deo Socratis hber ed. Chr. Lütjoliann, Programm des 
Gymnasiums in Greifswald 1878). 

amplluscule nur Gl. 188, 9 illud ampUuscule sermoclnaü 
sumus und Sid. VIII, 16, S. 148, G si aliquid innuper a. 
scribi depoposcisset. Dagegen ist das dazugehörige Ad- 
jectiv &ra^ eiQijuavov bei Apuleius de mag. 75, 8, 86, 1 
homo mlser ampliuscula fortuna deiiolutun. 

authentici subst. = auctores scripturae sacrac, im Allgemeinen 
oder die Aposteln (Evangelisten) im Besonderen fehlt bei 
Georges; es steht Cl. 138, 4 sicut a philosophis ad tractatores, 
sie a tractatorihus ad authenticos gradum consequa ratione 
faciamits (Cl. bediente sich zur Beweisführung nacheinander 
Stellen aus heidnischen Philosophen, aus christlichen 
Kirchenlehrern [tractatores] und endlich aus der heiligen 
Schrift, besonders aus dem heiligen Paulus [authentici]'^ 
ebenso Sid. VII, 9, S. 112, 23 tarn, per authenticos quam 
per dispufatores. Es geht der Gegensätze wegen nicht 
an, an beiden Stellen zum Adjectiv authenticus etwa über 
zu ergänzen, wozu man sonst leicht geneigt wäre (authen- 
tici libri hat Hieronymus, vgl. autli. uohwiina Claud. 143, 
11. 145, 24). 

coHijruere mit dem Inhnitiv Cl. 182,22 quid itidem cougruit 
uel in disputationem. uocare reticenda ttel reticere proposita 
und Sid. VIII, 11, S. 139, 11 quod eo co)igruit ante narrari. 

conscius mit einem Adverb (male) verbunden belegt Georges 
nur aus Justin. 2, 5, 7 mulieres male sibi consdae; Cl. '2^^, 
13 si bene conscius disputas (= boiiam habens conscientiam) . 
Sid. I, 7, S. 10, 19 tamquani sibi bene conscio ipsa quo- 
dammodo elementa fanmlarentur '^ VI, 9, S. 100, 3 neque 
quisquam etiam sibi bene conscius plus facere praesumpsit ; 
IX, 3, S. 151, 23 anima male sibi conscia und Ennodius 
carm. II, 147, 5 concludor sied bene conscia tegmlne busti. 

conscriptio —- ,das Abfassen, die Abfassung' Augustinus, Ar- 
nobius. — Cl. 20, 15 ego conscrlptionis periclitabor, sed tu 



466 Engolb recht. 

edifionis, Sid. VIII, 1, S. 126, 16 sicut adhibendam in con- 
scriptlone diligentlam^ lUi tenendam in editione consfantiam, 
Sid. VII, 18, S. 124, 15 nil de lihelli huiusce conscriidione 
meditari, vgl. IX, 12, S. 162, 20. 

conseqints nur CI. 138, 5 gradum consequa ratione facere und 
Sid. VII, 14, S. 121, 33 consequa paginae parte reserabitur. 

cor am positus im Sinne von praesens Cl. 83, 2 ut cor am po- 
sita non uideat, ut iuxta sonantia non audiat und Sid. III, 
9, S. 46, 9 inter coram positos aequanimiter ohiecta discin- 
gitis- V, 7, S. 82, 4 ut {dem coram positus audisti, VI, 4, 
S. 97, 16 auctoritas personae, opportunitas praesentiae tuae 
inter coram positos facile ualehit, ebenso VII, 4, S. 107, 10. 
14, S. 122, 13. Positus entspricht hier dem griechischen 
IUP oder dem sonst sich nicht selten findenden lateinischen 
coiisfitutus (vgl. Petschenig's Index zum Victor von Vita, 
S. 151) und mag dafür besonders in Gallien gebräuchlich 
gewesen sein, ^ denn auch Alcimus Avitus (s. Peiper's 
Index) und Ennodius haben coram. positus und andere 
ähnliche Verbindungen an zahlreichen Stellen (vgl. Har- 
tel's Index, S. 693 s. u. ponere). 

cordax, cordacitus. Eine Neubildung Claudians scheint 
cordax =t cordatus zu sein 171, 22 cordax quippe iudex 
rite uictum censet qui pro sui ' inbecillitate par tiictis est, 
die durch das bei Sid. IV, 6, S. 57, 27 sich lindende 
Adverbium cordacitus bestätigt wird : siquidem prudentihus 
cordacitus insitum est uitare fortuita, so LM^T^ bei Lüt- 
johann, cordicitus die übrigen Handschriften, wie auch bisher 
gelesen wurde. Dass cordicitus nicht direct von cor, cor- 
dis, sondern von cordax abgeleitet ist, leuchtet ein, da 
von cor nur corditus gebildet werden konnte. Es mag 
übrigens auch cordicitus existirt haben und wurde dies 
vielleicht nach falscher Analogie mit Rücksicht auf radi- 
citus mordicitus (doch siehe über diese Form Bücheier 
in Wöliflin's Archiv I, 105) gebildet. Jedenfalls ist aber 
für Sidonius cordacitus die richtige Form. 



i Vgl. bei Sidonius I, 5, S. 6, 5 Emnae _positm; II, 4, S. 28, 3 proctd 
p.'; IV, 17, S. 68, 21 in longinquo p.; VI, 12, S. 101, 16 'hnge p.; VII, 4, 
S. 107, 16; VII, 7, S. 111, 2; VII, 15, S. 122, 22-, VIII, 4, S. 129, 24; 
VIII, 9, S. 136, 17. 



Unteisuchungeu über die Sprache des Claudiiinus Muiiioitus. 4b7 

diastema Cl. 92, 7 planorum siderum diastemata uel circu- 
lorum uias uel singidorum interualla rimari und iSid. VIII, 
11, S. 142, 5 dementem plcmeticomm siderum ijlohiim in 
diastemata zodiaca pvosper ortus erexerat, vgl. praefatio zu 
carm. XIV und carm. XV, 64; sonst nur von dein Musik- 
intervalle gebraucht, 

final is gleich finitus , begrenzt^ war bisher nur aus der Sprache 
der Juristen bekannt (bei Paucker suppl. lex. lat. S. 28G 
werden die verschiedenen Bedeutungen confundirt). — 
Cl. 112, 22 habet certum magnitudinis modum quidqiu'd 
finale est, 113, 1 (mundi violes, quia ex finitis est conpacta 
corjwribus) procid dubio ipsa finalis est, ebenso 115, 8 
und Sid. VII, 14, S. 120, 21 secundum corpidentiam per 
spafia quamuis porrecta finalem, VIII, 14, Ö. 145, 25 
sanctorum laus diffusa meritormn stringi spatiis non est 
contenta finalibus. 

foetere in übertragener Bedeutung Plaut. Gas. 599 foetet tuus 
mihi sermo. — Cl. 76, 21 inlocaUter Uli fraglat aequifas, 
foetet iniquitas und Sid. IV, 14, S. i66, 13 aliquid de negle- 
gentia fetet. 

hydrops in übertragener Bedeutung Cl. 167, 8 qui postquam 
hydrope superbiae tumuit (sc. diaholus) und Sid. IX, 9, 
S. 156, 25 ecquaenam est cuiquam peritiae ceruix taitta, 
quiue hydrops? Leo vermuthet auch Venant. Fortun. 
VIII, 3, 330 atque uoluptatis morbida crescit hydrops (statt 
hydrus, da auch Append. 9, 16 die Handschrift ydros für 
hydrops bietet). 

insolubilitas: die Bildung des bei Georges als anciS, siQrjph'ov 
aus Sid. IV, 11, S. 62, 16 quaestionum insolubilitas auf- 
geführten Substantivs mag diu'ch das in gleicher über- 
tragener Bedeutung öfter bei Claudian vorkommende Ad- 
jcctiv insolubilis (133, 19 i. argumentatio, 155, 5 i. Syllogismus, 
121, 15 insolubilia argumenta; in eigentlicher Bedeutung 
gebraucht 91, 14 i. leges') vorbereitet worden sein. 

iudicialiter Julian bei Augustin^ Cassiodor. — Cl. 31, 1 ad- 

ficiens salubriter aliqua, iudicialiter aliqua adfici sinens nud 

Sid. V, 15, S. 88, 7 bybliopolam, uestrum. non g ratlose sc.d 

iudicialiter expertus insinuo, VII, 14, S. 121, 2 qui amicos 

ludlficabundi non tarn iudicialiter quam ocidariter intuentur. 



468 Engelbiecht. 

labascere s. auch oben S. 455. — Cl. 37, 10. 109, 21. Sid. V, 10, 
S. 85, 11; gleich vvohl scheint bei Sidonius Inhescunt zu 
schreiben sein : praeteruolantia corporis decoramenta curren- 
tls aeui profectu defectuque lahescimt, wo labescere (In- 
choativform von labi) ein Synonym mit praeteruolare und 
currere wäre und bekannthch liebt Sidonius eine solche 
Häufung von Synonymen. 

longiuscule Augustin. — Cl. 24, 2 longinscide quam uolui p>rae- 
fatus sum, Sid. VIII, 11, S. 143, 3 longiuscule me progredi 
amor ivipulit. 

mediare intransitiv als Particip = , dazwischentretend^ ist bei 
Georges nur durch je eine Stelle aus Claudian und Sidonius 
belegt; es steht übrigens Cl. 22, 15 qui utrumque a se odio 
mediante longinquant, 150, 19 cid congruum est inter ima 
uel summa tui tamquam mediante sidjstantia uel infra de- 
spicere corpus imum uel supra conspicere deum siimmum, 172, 
13 patuit eundem. nulla mediante substantia aeterna contueH, 
Sid. IX, 3, S. 151, 7 quod inter ohstrictas affectu mediante per- 
sonas asperrimum est, weiters bei Alcimus Avitus 101, 2 me- 
diante religione (vgl. 126, 30 P.) und Ven. Fort. XI, 1, 26 ut 
tolleret reconciliator se mediante scandalum, ib. append. 13, 
12 Christus pectora uestra sacer se mediante liget. Dass 
fast stets die Form mediante sich findet, ^ ist mehr als 
blosser Zufall und lässt auf einen fast nur mehr sozu- 
sagen präpositionellen Gebrauch des Wortes schhessen, 
wie absente und praesente, weshalb Ter. eun. 649 ahsente 
nobis sagen konnte. Aus mediante, das sich im italieni- 
schen ganz intact erhielt, wurde das französische moyen- 
nant. Auffallend ist es mir, dass der nach Claudian 
lebende Gallier Ennodius das Wort gar nie gebraucht 
haben soll, weshalb es nahehegend ist, die bei Hartel 
aufgeführten Stellen für medicante (von medico[rJ) auf ihre 
Stichhältigkeit zu prüfen. 141, 14 dum remedia sua quaerit 
affectio et aestum soUicitudinis conloquio cupit medicante re- 
leuari ist die einstimmige handschriftliche Ueberlieferung 
nicht anzutasten und hat Sirmond mit Unrecht mediante 



1 Indess üest man hei Alcimus Avitus 12(), 30 hfäuü mediantis vertice 
rationis. 



Untersuchungen über die .Sprache des Claudianus Mamoitus. 469 

edirt, da medicante zu remedia vortrefflich passt. Eben- 
so klar ist auch 324, 19 nee in profundum ducfis idcerihus 
ferro medicante succurreret ; vielleicht ist auch 97, 16 nt 
quicquid -aegriim est medicante ovatione curetis (für medica) 
zu schreiben. Dag;egen glaube ich 499, 24 mediante her- 
stellen zu sollen; die Stelle lautet im Zusammenhange: 
illa sexum mentis ßrmitate durauerat, dum in ea nndiebris 
inhecilla consilii de uirili ceperant auctoritate suhstantiavi. 
inm lapsibus ordinis sui doctnna mediante (Handschriften 
medicante) repiignahat et trnnslata in usus alteros fenn)iarum 
ridebat excessus. Jedenfalls muss man zugeben, dass die 
Stelle mit mediante einen besseren Sinn giebt und Ennodius 
an den übrigen Stellen medicante nur in der eigentlichen 
Bedeutung, die doch für die fragliche Stelle nicht passt, 
gebraucht. Auch Venantius Fortunatus kennt mediante, 
wie wir oben gesehen haben, und gebraucht auch medicante 
VII, 1, 16 antea quo doluit te medicante caret und X; 10, 
12 71071 ferro artißces sed medicante fide,^ was ich aus- 
drücklich deshalb bemerke, weil sich sonst leicht jemand 
versucht fühlen könnte, medicante in übertragener Bedeu- 
tung als fast gleichbedeutend mit mediante anzunehmen 
— eine Auffassung, die durch die strenge Auseinander- 
haltung beider Worte bei Venantius Fortunatus hinlänglich 
Aviderlegt wird. Als einziges Beispiel für die Verwendung 
von mediante bei einem nicht gallischen Schriftsteller ver- 
mag ich August, epist. 98, 5 anzuführen. 

raedioximus = medius Plautus. — Gl. 183, 3 medioxim.um 
rpdddam naturae incorporeae, sed cretae sortita (anima), Sid. 
IX, 3, S. 152, 11 inter spiritales regulas uel forenses me- 
dioximum quiddam. concionari und Alcim. Avit. 97, 3 P. 

nuhigenus in den Lexicis als tcTta^ eiQrif.isvov aiis Claud. 45, 
17 hunc procellosum aerem et natiLraliter nuhigenum ange- 
führt, gebraucht auch Sid. carm. V, 237 nee plus mohigenum 
celehrentiLr iurgia fratrum. 

nuncupatim kann ich nur nachweisen bei Gl. 137, 14 extra- 
hentur etiam nuncupatim ex abditis tenebellarum. und Sid. 



' Sfdul. cnrin. IV, 142 nrr. ÜM panin srnhift rlommo medicante, Maria, midti- 
plici laes'uvi citrauU iiulnere seiisum. 



470 Engolbrocht,. 

VII, 9, S. 115, 7 cum nullum profernm ituncupatvm, Siel. 
IX, 16, S. 172, V. 81 quos nunc 2nn nuncupafim non unlent 
tiersu cohihere uerba. 

ohloqicium Cassian. — Cl. 137, 11 qui uel in magnos uiros 
ohloquia uel de rehus sum.mis deliramenta quaedam mussitant 
und Siel. VII, 9, S. 114, 5 m qtias me ohloquiorwn Scyllas 
. . quorundam uos infamare conanfuyn turho coniecerit. Bei 
Alcimus Avitus findet sich ebenfalls eler Plural 80, 13 
(Citat aus Sidonius) und carm. IV, 500. 

'peremptorius im juridischen Sinne. — Cl. 154, 10 iamquam 
peremptorie argumentatur (das Aelverb auch Alcim. Avit. 
14, 30) und Sid. VIII, 6 cuius (legis) lieremptoriis aholita 
ruhricis lis omnis. 

jplectihilis Cod. Theodos. — Cl. 22, 16 plectihUe uitium, 32, 
20. 140, 17 pl. sententia, Sid. IV, 6, S. 58, 19 pl. imiidia, 
IV, 13, S. 65, 19 plectihilia occulta, VI, 1, S. 94, 7 p/. 
uita, unel elas Adverb plectihüifer Alcim. Avit. 30, 25. 

ponfifex Bischof, belegt Georges nur durch Sid, carm. XVI, 6, 
wo es von Faustus, dem Bischof von Riez, gesagt ist. Doch 
ebenso gebraucht es Claudian von Eucherius, Bischof von 
Lugdunum 135, 17 magnorum saecidi sid pontificum longe 
maximus; ausserdem noch Sid. VI, 1, S. 94, 14 von Lupus, 
IV, 11, S. 63, V. 20 und V, 14, S. 87, 24 von Mamertus, 
elem Bruder Claudians u. ü,, ebenso Victor von ,Vita, 
Ennoelius u. A. 

jiotentialiter Augustin. — Cl. 91, 7 adtende (vadium) ilUc, 
id)i localiter non est, potentialiter circidum ßgurare und 
Sid. VII, 14, S. 121, 30 Pldlagrium. cordis ocido semper 
inspicio, cm me animus potentialiter notum, worum simili- 
tudine facit; aus diesen beiden Stellen, an denen poten- 
tialiter im Gegensatze zu localiter gebraucht ist, geht 
hervor, dass die deutsche Bedeutung bei Georges ,kräftig, 
nach Vermögen' unpassend ist. 

praeeligere oder praeligere (x^. piraeemineve wn^ praeminere) 
bei Georges als ait. siq. aus Sid. VII, 4, S. 107, 16 ego 
morum illius aemidator esse praeelegerim angeführt, steht 
auch Sid. VIII, 13, S. 145, 10 ßde praeelegit censeri Israe- 
lita quam sangidne und Cl. 138, 1 ego praeelegerim, cum, 
Eucherio reici, 136, 13 ut extraneos mallent cum falsifate 



Untersuchungen über die Sprache des Clandianus Mamertus. 47 1 

praeeliffere. Uebrigens findet sich das Wort sclion in der 
Itala Psalm. 131, 14 quoniam praeehgl (fiOSTiadfii^v) eam (Vul- 
gata eam; vgl. Rönsch, Itala und Vulgata, S. 210), dann 
bei Cyprian 577, 1 carcerem fide et ulriute praeligitis, von 
Späteren gebraucht es Ililarius in ep. ad Galat. 70, Cas- 
siodorus, Boetius und Hieron. (?) in psalm. 92: i)raeele(jistl 
eas (animas) ante Constitution ein mundi (s. Gölzer, Etüde 
de la latinite de S. Gerome, S. 184). 

"praepedimentum Plautus. — CI. 199, 14 und Sid. VII, 8, 
S. 112, 6, s. oben S. 457. 

praesumptiosus von Georges als of/r. stg. aus Sid. I, 11, 
S. 16, 15 citirt, steht auch Sid. IV, 22, S. 73, 21. VII, 4, 
S. 107, 11. VII, 6, S. 108, 24 und bei Gl. 35, 3. Dagegen 
wird praesumptuosus aus Salv. de. gub. dei VII, 33 (ohne 
Variante), den Schoben zu Iloraz und aus Fulgentius citirt, 
und auch Sid. I, 1, S. 1, 6 ist diese Form besser be- 
glaubigt. 

priuilegium caritatis Sid. IV, 18, S. 69, 17, gratiarum VII, 9, 
S. 115, 1, numeri supradicti TK, 1, S. 149, 3, pr. innocentiae 
et laudis Gl. 32, 20, pr. scientlae 123, 4. 139, 8, pr. in- 
localitatis 161, 22. Aehnliche Verbindungen finden sich 
bei Salvian und besonders Alcimus Avitus, dem Nach- 
ahmer des Sidonius. 

•propalare Commodian, Augustin, Orosius. — Gl. 26, 1 quod 
ista paglna 'projyalatur eiusdemqiie mictor occultatur, Sid. 
IV, 3, S. 54, 26 uolumen, quod tute super statu animae 
propalauisti, Sid. VIII, 1, S. 126, 9 propter iam propalati 
augmenta uoluminisj Sid. IX, 11, S. 161, 8 animus quae 
propalare dissimidat excolere detrectat ; Salvian de gub. dei 
VII, 78 hat propalata scelera. 

prosecutio in der Bedeutung , Schilderung, Ausführung, Aus- 
einandersetzung^ (^gl- ^^^ Verbum proseqxd) fehlt bei 
Georges. Dieselbe ist zu statuiren bei Gl. 167, 16 necessarium 
erit, ut tute cedas tibi et partem prosecutionum tuarwn parte 
suhplodas, Sid. VIII, 6, S. 131, 17 liainc (legem) primus 
quem, loqidmur orator indidit jjrosecutionihus edidit tribuna- 
lihus, prodidit partihus addidit tltulis und Ennod. 554, 1 
pi'osecutionem meam, quam uere rusticam in Aratoris con- 
mendatione contexui, felici tantum dicunt aliqui personae 



472 Engellucclit. 

blanditam. Die Claudianstelle citirt wohl Georges, jedoch 
für die Bedeutung , Fortsetzung', die es unniögHch liier 
haben kann. . . 

piterascere steht in der Bedeutung ,sich verjüngen^ Auson. Idyll. 

4, 55 (XIII, 2, 55, S. 38 Schenkl) : ohdiidosque seni fades 
puerascere (= repuerascere) sensus. Dieselbe Bedeutung 
Avill Georges für Claud. Mam. 21, 11 fenellis adlme in- 
fantlae quondam sitae persnasionihus in senecfute puerascmü 
(puerescunt ABDFHMRB) in Anspruch nehmen. Hier 
ist aber puerascere im verächtlichen Sinne gebraucht: sie 
werden im Alter zum Kinde, oder wohl noch richtiger 
mit Aufgebung der Inchoativbedeutung: sie bleiben im 
Alter noch Kinder. Ebenso sagt Sid. VI, 1, S. 94, 15 
cum in grauitatis uestrae comparationem ipsa efiam grand- 
aeuoruvi corda puerascant (puerescant M^ P) , auch die 
Herzen bejahrter Männer sind jung (kindisch) im Ver- 
gleich mit deiner Würde und Erhabenheit (diese Stelle 
vermisst man bei Sittl^ de linguae latinae uerbis incohativis 
in Wölfflin's Archiv I, 495). Dagegen steht repuerascere 
in gewöhnlicher Bedeutung bei Sid. IV, 13, S. 65, 7 
non iuuenescit solum, sed quodammodo repuerascit. 

reponderare nur bei Cl. 189, 8 tibi pro falsitate ueritatem 
haud pari idcissltudine reponderaui und Sid. I, 4, S. 6, 2 
reminiscaris uelle me tibi studii Jmiusce uicissitudinem re- 
ponderare (Salvian ad eccl. III, 2G sagt uicissitudinem re- 
pensare), V, 1, S. 78, 4 tibi gloria reponderatur, IX, 11, 

5. 161, 16 professio non praeter aequum reponderatur. 

uenula in der Bedeutung , Quellader' nur bei Cl. 19, 2 quae 
etsi angustis emanantia uenulis in magnos tarnen amnes 
exuberabunt und Sid. IV, 3, S. 56, 16 delicti huius mihi 
gratiam. facias, quod aliquantisper mei meminens arentem 
uenulam ßumini tuo misceo. 

Schliesslich erwähnen wir, dass folgende für Claudian be- 
reits oben als der Komikersprache oder Apuleius entnommen 
nachgewiesenen Worte sich auch bei Sidonius finden : autumnre 
Sid. carm. XV, 88. — deliramentum Sid. I, 1, S. 2, 6. — 
exUnc Sid. IX, 16, S. 172, 59. — fringuUire Sid. VII, 9, 
S. 113, 8 ptresbyterorum sane paucis angulatim fringidtientibus. 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamcrtus. 473 

— inpraesentiarum Siel. II, 3, S. 27, 6. III, ß, S. 44, ö. V, 9, S. 84, 1 1 . 

VII, 9, S. 115, 14. Vin, 9, S. 135, 16. IX, 9, S. 157, 8. — medidUtus 

VIII, 7, S. 134, 5 medullifus aestuare. — mussitare I, 3, S. 5, 3. 
Vn,'9, S. 113, 8. VIII, 12, S. 144, 14. IX, IG, S. 171, 9. — 
pluscuhim Adverb. Siel. III, 3, S. 42, 28. VII, 17, S. 124, G. 

— proquirifare Siel. MTI, 6, S. 131, 15. — terriculamentwa 
Siel. VII, 1, S. 103, 14. Ebenso erwäluit Sielonius die Brali- 
maneii VIII, 3, S. 128, 13 $i ad Aethiopiun gymnom'phistas 
Tndoriimque hracmanas j:>eregrinere. Da hier L P hracmanas (so 
Lütjolianii), die übrigen Ilandschrifteii hragnumas haben, so 
seheint mir die Schreibung mit g elie von Sidonius herrührende 
zu sein, da auch in allen Handschriften Claudians 130, 10 
hragmanum und 204, 13 hragmanos überliefert ist, welche Formen 
ich hätte in den Text aufnehmen sollen. Ebenso schrieb ja 
auch Claudian 191, 5 dragmavi. für drochmam. 



Wir haben bisher Claudians Werke nur von der formellen 
Seite betrachtet: anhangsweise soll nunm(!hr auch über die 
Quellen, aus denen Claudian seinen Stoff schöpfte, kurz 
gehandelt werden. 

Von den Kirchenschriftstellern, die über das Wesen der 
Seele specielle Schriften hinterlassen haben, ist vorei'st Tertul- 
lian (liber de anima bei Migne II, G41) zu nennen, weiters 
Lactantius (de immortalitate animae, Migne VI, 761), Ambrosius 
(Hber de Isaac et anima, Migne XIV, 501), besonders aber 
Augustinus, der sogar in mehreren Schriften dasselbe Thema 
erörterte: de immortalitate animae (Migne XXXII, 1021), de 
quantitate animae (ib. 1035), liber de spiritu et anima (ib. XL, 
779), de anima et eins origine hbri IV (ib. XLIV, 475). Schon 
Ebert (Geschichte der christlich-lateinischen Literatur, S. 452) 
urtheilt richtig, wenn er, freilich ohne weitere Beweise vor- 
zubringen, schreibt: ,Die lebhaft vordringende Darstellung (bei 
Claudian) erinnert an die der Dialoge seines Meisters Augustin. 
Denn elass dieser zunächst sein Lehrer und Vorbild war, lässt 
sich nimmer verkennen.' 

Besonelers elie Schrift Augustins de e^uantitate animae 
ist es nun, deren Benützung durch Claudian sich leicht erkennen 
lässt. Wir wollen im Folgenden einige der bezeichnendsten 

Sitzungsber. d. phil.-hist. Gl. CX. Bd. II. Ilft. 31 



474 



!■; II Rc 1 li r i;c li l. 



Stellen iius Auguötina Buche ausheben und durch Gegenüber- 
stelkmg des darauf bezüglichen Claudiantextes das gegenseitige 
Verhältniss klarlegen. Bei Auswahl derselben haben wir be- 
sonders die wörtliche Nachahmung im Auge gehabt, die sich 
natürlich nicht so weit geltend macht als die stofFliche. 



Augustinus de quautitate animae, 
Migne XXXII, S. 1035 1080. 

1038, §. 6. 2^'**ws ebb- te quaero, 
utruiu corpus idluni putes 
esse quod non pro modo suo 
haheat aliquam longitudinem 
et laütudinem et altitudinem? 

1041, §. 10. vihil poss'um tale 
(sc. longittidinem quae adhuc 
nidlam latitudinem assuvi- 
pserit) cogitare: si enim filur>i 
araneae in animo constituero, 
quo niliil exilms solemus 
nidere, occtirrit mihi etiam 
in eo tarnen et longitudo per 
se et latitudo et altitudo. 
haue igitur longittidinem me- 
ram et simpUcem lineam uoce- 
')nus. 

ib., §. 12. aliud, est enim cum 
auctoritati credimus , aliud 
cum rationi, 

1045, §. 17. (longitudo) per 
longum diuisionem non ad- 
mittit : est ergo latitudine 
praestantior. 

104G, §. 19. (d) ipso (puncto) 
incijnt linea., ipso ttrminatur 
. . . deinde undecamque secari 
linea potest, per ipsuin seca- 



Chuulianus de statu animae. 

88, II. quod omne coipus lon- 
gitudine longum sit . . neque 
possit sie esse longum, nt non 
latum siinul altu7nque sit. 

88, 13. quocirca sicut aiunt 
etiamsi araneae filum cogi- 
taueris, quia utique corpiis 
est, non solum longitudinem 
cogitasti, hahet enim pro modo 
suo indissociabilem longitu- 
dinis suae latitudinem atque 
altitudinem. 

89, 4. haec ergo de qua loqui 
institueram longitudo cum 
fuerit puncto inchoata puncto- 
que finita . . linea dicitur. 

89, 2. sed non idcirco tardiori- 
hus desperandum est, modo 
nt auctoritati cedamus, qui 
rationem forte non capimus. 

90, 7. p>uncttim principaliter est 
origo lineae, ab ipso incipitur 
ipsoque finitur, cum punctum 
nee oriri a quoquam pateat 
nee finiri . . . ista ergo linea 
quae transuersim secari polest, 
scindi per longum non potest, 
quia utique, si scinditur, habet 



Untersuchungen ül)cr die .Spniclie des Claudianus Mamertus. 



475 



tnr, cum ipsum omnino nu/- 
lam in se admittat sectioneni. 



1065, §. 52. sed minc fito quam 
'praesentlssimuH ad ista, quae 
itolo. 

1074^ §. 71. intendit ,se anima 
in factum et eo calida frigida, 
aspera lenia, dura inolUa, 
leuia grauia sentit atque dis- 
cernit. deindc innumerahiles 
dijferentias saporum odorum 
sonorum formarum gustando 
olfaciendo audiendo uidendo- 
que diiudicat. 



latifudinem, cum secanda est, 
puncto caeditur, cum punctum 
sciUcet non caedatnr. perfectior 
ergo longitiido latitudine. 

174, 13. nunc igitur adesto 
iofus et quam j^otis es prae- 
sens fito. 

43, 11. factu caleutia frigtintia- 
que discernimus u. s. w. bi.s 
44, 3. 

öS, 8. pjer minimam ptartem cor- 
poris, quod, est uisus , tota 
(anima) simul accipit formas 
. ... et per gustandi seMsum 
tota diiudicat saporum diffe- 
rentins et calida uel frigida 
surnmo tantum digiti tota 
discernit. 



Aus der zuletzt augeführten Augustinstelle geht auch 
hervor, dass Claudian 46, 14 aut ad sentienda aspera nd lenia 
gustatui permittit aliquid tactus, und nicht wie (r hat leuia ge- 
schrieben haben wird (vgl. auch 6^, 4 tota fangit leuia quae- 
que et asjyera). 

Endlich kann Augustins Tractat auf einen bei Claudian 
vorkommenden, sonst fast imverständlichen Ausdruck einiges 
Licht werfen. Man liest nämlich Gl. 91, 15: tu mild nunc 
dicas uelim, si ista localiter conspicit anima, quid causae est, tit 
mihi aliquid rotundum, trigonum uel tetragonum in occidente de 
corporihus formare moUenti eadem sine tumore uel motze ratio 
rotundi ziel quadri non desit, cum eodem temporis puncto secundtim 
eandem rotundi et quadrati legem in Oriente alius paria de cor- 
porihus ualeat fabricare? Wie ist hier sine tumove zu erklären? 
Man wäre fast versucht, eher an sine rumore zu denken, wenn 
nicht eine Stelle bei Augustin de quantitate animae (S. 1049) 
die überlieferte Lesart zugleich schützte und erklärte: (naturae) 
quae ut ita dicani sine tumoribus esse intelleguntur. tumor enirn 
non absurde nppellatur corporis magnitudo , quae si 
magnipendenda esset, plus nobis profecto elephanti saperent. 

3r 



476 Engollir cell t. 

Diese hier aufgestellte Bedeutung für Claudian an obig-er Stelle 
verwertliet, stellt Alles vollkommen klar: nine tnmore gleicli 
sine corporis magnitwUnc oder kurzweg sine corpore steht für 
das sonst gebräuchlicliere Adverb incori)oraliter , sowie sine 
motu (sc. locali, vgl. 64, 14: tres esse motiis stahilcm inlocalem 
localeiiupie iam nohim est . . inlocalis [motus] nnimae [est]) 
dasselbe bezeichnen soll, was sonst durch inlocaliter ausgedrückt 
wird. Dass diese unsere Auseinandersetzung richtig ist, geht 
bis zur Evidenz aus einer anderen, der obigen ganz analogen 
Stelle Claudians hervor, wo es heisst (92, 20): cum trigonnm 
uel tribus ptmctis ac trihus lineis uel rotundam ptincto uel Uvea 
confdrmari incorporaliter atque inlocaliter (das obige sine 
tumore uel motu) uideris. Aehnlich gebraucht Claudian das 
Adjectiv fumidus 89, 20: cuius (sc. mundi) utique tumidae 
localesque formae istarum. inlocalium incorporaliumqne 
sunt imago formarum, wo tumidae das incorporalium zum deut- 
lichen Gegensatze hat. 

Aus diesen Beispielen dürfte zur Genüge erkenntlich 
sein, dass Augustin nicht nur allein auf den Inhalt des Werkes 
Claudians, sondern auch auf die Form desselben von merk- 
barem Einflüsse Avar. Es wäre übrigens lohnend, die sprach- 
liche Einwirkung Augustins auf Claudian des Näheren zu unter- 
suchen. ^ 

Claudian seinerseits wurde wieder von Cassiodorius (de ani- 
ma, Migne LXX, 1279) benutzt, vgl. Ebert a. a. 0., S. 487—490. 

Auffallend ist, dass Claudian die Werke des doch nur 
um wenige Decennien älteren berühmten Kirchenschriftstellers 
Cassianus in Massilia so wenig kennt, dass er von einem 
langen, im Briefe des Faustus citirten Stücke aus Cassians 
Collationes (Vfl, 13), das Faustus mit den Worten: legimus 
in quodam receptissimo patrum tractatu, einleitet, die Worte 
gebraucht (47, 21): testimonium nescio cuius auctoris. Vielleicht 
ist übrigens diese Ignoranz nur eine fingirte, indem Claudian 
vielleicht absichtlich von dem , Anfänger der semipelagianischen 
Richtung' Faustus gegenüber nichts wissen wollte. 



1 So findet sich beispielsweise ■phimhci jJiiffionf.i, welches Claxidian 187, 18 
gebraucht, bei Aug'ustin. c. Julian. Pelacr. 1, §. 12, der es seiner.seits 
wieder wohl aus der Lecture des Cicero (de fiu. 4, 48) haben wird. 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Maraertus. 4 ( t 

II. Specielle Eigeuthüiiilifhkeileii der Spijiche (Jlaucliaus. 

A. Claudians äjta^ elQrjj.isva. 

Dass Claudianus Mamertus eine hervorragende Stellung 
in der Geschichte der späteren Entwicklung der lateinischen 
Sprache einnimmt, zeigen am besten die zahlreichen Ausdrücke^ 
die theils als l:l7ta^ siQr-i.ieva, theils öfters von ihm gebraucht 
nur bei ihm allein sich finden. Die Zahl dieser Ausdrücke 
ist überraschend gross, wenn man den geringen Umfang der 
Schrift Claudians einerseits und das trockene philosophische 
Thema andererseits in Erwägung zieht. Wir lassen nunmehr 
diese Worte in alphabetischer Reihenfolge folgen (das vorge- 
setzte -f bedeutet, dass der Ausdruck bei Georges fehlt) : 

accessihiliter Gl. 21, 13 quod in deo iiirtiis est et in homine 
uirtus est hoc tantum differe)is, quod illic suhstantialiter 
hie accessihiliter, 28, 12 eiusmodi bona adfectiones iKissihilis 
dicit esse creaturae easdemque in deo essentialiter , non ac- 
cessihiliter , 35, 2 quod quihus adjicitnr creata suhstantia 
suhstantialiter in deo sint, non accessihiliter. Dass hier 
accessihiliter der Bedeutung nach Adverb zu accidens ist, 
also einem per accidentiam, per accidens gleichkommt (vgl. 
28, 13 accessio = accidentia) , geht aus den Gegensätzen 
suhstantialiter und essentialiter hinlänglich hervor; deshalb 
ist die Bedeutung bei Georges ,hinzukommetid' wohl 
nicht geradezu unpassend, aber nicht ausreichend (vgl. 
auch unten S. 508 und 509). 

f adeotenus Gl. 141, 9 adeotenus non est corpus anima, nt sit 
imago diuina; eine Parallelbildung zu dem von Claudian 
oft gebrauchten itatenus, vgl. unten S. 521. 

aliquispiam Gl. 176, 6 sed en aliquorumpiam qui interimunt 
animas garrientihus nugis lentamur, vgl. unten S. 517. 

alter namentum {= alternatio , ein bei Apideius nicht selten 
vorkommender Ausdruck) Gl. 169, 25 sine alternamento 
reciproci aeris et organo pectoris et tihia gutturis . . uerha 
uocihus effice. 

j an tet empor aneus C1.145, 21 uerum illudxinum antetemporaneum 
caelum. 



478 Engelbiecht. 

f auersim Cl. 89, 12 clxabus paribus Uneis sine miersim positis 
siue capite contingenühus ßgura von clnncUtur (auersim M, 
aduersim die übrigen Handschriften). 

T circumgavrire Cl. 132, 10 hisce falsiloquiis circumgarrieniUms 
istiusmodi fert ille responsitm. 

collectim Cl. 185, 6 coUectim siriciimque et ueluti puncfatim 
sub vientis ocidum redegi. 

■\ conflictor Cl. 189, 2 in fine Indus lihri ueuiam petit a sno 
conflictore ; oder ist conflictatore zu schreiben, ein Wort, 
welches zwar auch noch nicht nachgewiesen, aber durch 
das bei Tertullian (adv. Marc. 2, 14) sich findende con- 
ßicfatrix hinlänglich bezeugt ist? 

disparascere C\. 171, 12 testimonium , quod a nohis disparascere 
arbitrabaris , animaduertis nohiscum profecttt disputationis 
unescere. 

-f hipiam Cl. 142, 3 quamquam nonmdlis locorum sicnbi conduxit 
harumpiam scriptnrarum testimoniis usus sim, vgl. unten 
S. 518. 

indiscriminabilis Cl. 140, 14 idi sint et negotio et sensu et 
uerbo indiscriminabilia (indiscriminalia M). 

indiscussibilis Cl. 148, 6 indiscussibilis auctoritas docet. 

■f indisiunctim Cl. 55, 4 indisiunctini namque mox adicit. 

ininitiatus Cl. 82, 6 operante atque administrante deo principali 
potestate et stabili motione atque ininitiato substantini'um 
cardine. 

f inlabdriosus Cl. 187, 21 in auras fela iacere et sine hoste 
pugnare cassa contentio est et uirinm. frustratio , quod ita 
erit ingloriurn nt inlahoriosum (inlaboriosum CG, laborio- 
sum die ilbrigen Handschriften und alle Herausgeber, 
welche Lesart wohl auch einen Sinn gäbe, aber meiner 
Ansicht nach einen verkehrten) ; übrigens ist inlaboriosus 
noch durch die griechischdateinische freilich ungeschickte 
Glosse civAi-iaroc,' inlaboriosus zu belegen. 

i nlocalitas animae Cl. 64, 8. 68,. 23. 

f inluminabilis Cl. 103, 19 quia sit ille (deus) Inmen iidu- 
minans et haec (anima humana) lumen inluniinabile. 

j intercaelestis Cl. 147, 7 cnius elementnm replet intercaelestis 
uacui concauum. 



Untersuchungen über die .Sprache des Claudianus Maiuertus. 4^9 

interpolamentum CI. 19, 19 sicqne adiectis nostris aliquot sine 
alienorum i)ite.rpolaniento ßnem Über accepit. 

■\ itatenus Cl. 140, 13 duoque isla itatenns tiniaufur, uti 
sinf indiscriminahilia, ebenso 143, 15. 171, 3. Dap;egen 
149, 14 jjer hoc itatenus corporenm caelum, qnia uidelicet 
hominibus datuni est, terra dicitur, 151, 21 excutiamus 
utrum ex incorporeo corporeoue an ex utroque sit itatenus 
nesciat, sicubi cum corpore an sine corpore sit rapttis 
ignorat (über die Bildung vgl. unten 8. 521). 

localitas Cl. 68, 6 mirum uidetiir iuxta necessitatem locali.tatis 
tempormn quod. aninia totuni corpus tota uegetat, 159, 13 
non nohis animam Lazari pro quadam ahscedendi re- 
detindique localitafe velufi quoddam corpus ohjyoues. Es 
ist übrigens sehr zu bezweifeln, ob erst Claudian und 
nur er dieses Wort sowie das obige inlocalitas in die 
Literatiu- eingeführt hat. 

t man s um. Cl. 205, 10 quod, . . apicula caelitus deciduum lianstu 
capiens fahrefactis manso ßori.geris infundit filiorumque 
fabricairix uirginitatis suae feturam alit atque imhuit ubere 
fauorum; die Worte fahrefactis manso ßorigeris sind etwas 
schwer verständlich, da soAvohl, was unter ßorigeris , als 
was unter manso zu verstehen sei, nicht augenblicklich 
einleuchtet. Das Wahrscheinlichste scheint mir zu sein, 
dass mansum dasselbe wie mansio ( := Aufenthaltsort, 
Wolmung, hier also Bienenstock; so auch De Vit im 
Lexikon) bedeutet, ßorigeris für fioribus steht und manso 
Dativ zu infundit ist; quod, ist natürlich nicht Pronomen, 
sondern Conjunction (mit dem folgenden ita correspon- 
dirend; sie — quod gebraucht Sidonius in dieser Weise 
häufig, vgl. Paucker, Sci'utarium, S. 25 Note). 
meditatiuncula Cl. 30, 7 iuxta propheticae locutionis exemplwn 
meditatiunculas suas autumat dehere pensari. Wie sich 
aus dem Wortlaut der Stelle ergibt, ist die bei Georges 
angeführte Bedeutung ,eine kleine Vorbereitung' nicht 
passend; aus dem Gegensatze iuxta propheticae locutionis 
exemplum muss für meditatiuncula eine Bedeutung Avie 
oratiuncula (meditafa) erschlossen werden. 
nescientia Cl. 157, 6 da nohis ueniam nolentihus discere ne- 
scientiam , 180, 18 7iec te academicorum seniorum mor<^ 



480 K n g e 1 b r e c h t. 

nescientiam tuam scisse und im Plural 52, 5 pro una quam 
foUiceris scientia multorum nescientias adtulisse. 

f opellum Cl. 24, 15 animaduerto quibusdam circumlocutioni- 
bn.s id inpendio molientem oi)elli ipsins auctorem (opelli 
HL RS, oppelli ÄBDEFM, opeUeCG). Wie von opera, 
ae das Deminutiv opella (vgl. operula), so konnte von 
opus, eris ganz gut opelhim (vgl. *operidvm, wie reo?, regis 
— regxdus, capni , capitis — capitnlum) gebildet werden. 
Das Wort wurde von Claudian jedenfalls der Abwechs- 
lung halber neben opus (24, 5. 26, 10), opusculuvi (19, 
6. 24, 10. 154, 6), pagina (24, 18. 26, 1. 188, 5), char- 
tula (24, 3) gewählt, welche Ausdrücke sämmtlich zur 
Bezeichnung jenes anonym erschienenen Briefes des 
Faustus, gegen den die Schrift des Claudianus gerichtet 
ist, dienen. 

f ohprobare Cl. 32, 15 uide ne forsitan iste sü quem nobis ob- 
probandnm rere altl prolapsus erroris (opprob || andum L ^, 
adprobandum G). Dass hier nicht adprobandum gelesen 
werden könne, habe ich bereits in der Einleitung meiner 
Ausgabe S. XLV auseinandergesetzt. Dass obprobandum 
von Claudian herrühre und nicht mit den Herausgebern 
opprobrandum zu schreiben sei, habe ich dort gleichfalls 
angedeutet, lieber p- r im Anlaut benachbarter Silben 
im Latein^ verdanken wir Bücheier einen sehr lesens- 
werthen Aufsatz (Jahrbuch für Philol., Bd. 105 [1872], 
S. 109 if.), der gezeigt hat , dass der i2-Laut im Anlaut 
benachbarter Silben stets möglichst gemieden wurde; dass 
aus demselben Grunde aus fragrare schon früh fraglare 
entstanden sei, werden wir bald auseinandersetzen. Uebri- 
gens ist für unsere Stelle gar nicht nothwendig, obpro- 
bare für identisch mit opprobrare zu halten , und scheint 
vielmehr ein Compositum von probare, also obprobare gleich 
improbare zu statuiren zu sein. 

■f percepttis Cl. 37, 18 7io)i fam aliquid sibi perceptu mentis 
cognitum definisse. 

perdagare Cl. 104, 15 philosophorum qitoad potui uoluminibus 
perdngatis und vielleicht ist auch 191, 11 so zu schreiben: 
non tantum ea quae nunc ex philosophorum (vgl. die Prae- 
fatio meiner Ausgabe S. XLVI) lectione percepi, xierum 



Unicisiiclningen über die Sprache des Claudiainis Maiuertiis. 481 

efiam qiuie inde imn pvidem per (dagata) memoriae reser- 
uanda mandaui. 

j perincatholictis Cl. 24, 11 nou perincatholicam praeferebat 
etsi lonije wparl dispidatione senfentiam (parem cathoUcam 
M, per incafholicam rell.). Das Wort, üIku- dessen Richtig- 
keit meines Erachtens kein Zweifel autkommen kann, ist 
nm so kühner gebildet, als selbst incatholicns nnr sehr 
selten vorkommt (nach Georges nur substantivirt im Plural 
incatkolici bei Oassiod. anim. 12). 

■\ pessumfacere Cl. 136, 11 q\d ah hisce docfrinis degenera- 
uerunt pessumfacientes saluhria sua et alienis senirt noxiis 
obnoxiantes. 

philosophomena, on Cl. 19, 16 ex dialeclicLs et nonnuUis, prout 
interfuit nsui, phUosophomeyion regulis, 130, 4 quid in 
philosophomenon libris contendit (sc. Varro)? Das Wort 
lateinisch zu schreiben berechtigt der 0-Laut vor dem 
Suffixe, der un beiden Stellen ohne Variante über- 
liefert ist. 

pondiculicm Cl. 112, 17 pondiculi trutinae certum est pondus, 
deshalb eine interessante Form, weil sie die Form pondus, 
i, die sonst nur durch den defectiven Ablativ pondo be- 
zeugt war, zur Voraussetzung hat. Zu pondus, eris ist 
pondusculum Deminutivform (bei Columella, Plin., Solin.). 

j posticipare Cl. 74, 20 anima uitam corporis ncc anticipat 
nee posticipat; es wäre interessant zu wissen, ob wir diese 
Form blos dem Oenius Claudians als Analogiebildung 
zu anticipat verdanken, oder ob das 'Wort bereits längst 
sich in dem lateinischen Sprachschatze vorfand. Fast 
möchte ich das letztere vermuthcn, da der erste Bestand- 
theil des Wortes posti- deutlich auf das archaische poste 
zurückweist (vergleiche antilena in der Glossensammlung 
des Labbaeus und pjostilena. Plaut. Cas. T, 1, 37). 

j)raeeminentior der Comparativ nur Cl. 42, 12 praeeminentior 
ceteris sensihus uisns. 

prolocutio fünfmal! Cl. 31, 18 m isto comparationum ac pro- 
locutionnm genere , 35, 20 non caret naeuo sitspicionis 
hiceps ista prolocutio, 1Ö8, 19 non te in hac prolocntione 
sollicitet ambtdandi cura, 139, 21 sitne aliqnod prolocu- 
tionum harumce discmmen, 162, 15 tantam aduersantiuin 



482 Engelbrocht. 

i-epugnatitiam prolocxitionum sfupere vie fateor. Daneben 
gebraucht Claudian noch dreimal proloqnium (33, 16. 
167, 21. 170, 25). 

promanare Cl. 173, 15 (uisus animi) in radios porro usque 
provianans. 

■\ prosternitare Cl. 134, 5 auctoritatis pondere et rationis 
nirihvs prosternitare (aliquem), vgl. die Praefatio meiner 
Ausgabe S. XLIIf. Zur Bildung des Wortes vergleiche 
die Reihen defendere — defensare — defensitare, scribere 
— Scriptare — scriptitare , dncere — ductare — ductiiare, 
currere — cnrsare — cursitare, ebenso prosternere — *pro- 
sternare (vgl. consternare) neben prostrare — prosternitare. 

punctatim Cl. 185, 6 coUectIm strictimque et ueluti punctatim 
sub mentis oculum redegi. 

j quadrigonus Cl. 195, 11 numquam erit, ut figura circnli ex 
duabus aut tribus lineis fiat ard quadrigona ex fribus aut 
frigona ex quattnor. Nicht richtig führt Georges, dem 
ich im Index meiner Ausgabe gefolgt bin, diese Stelle 
unter quadrigona., ae an, denn offenbar ist figxra mit 
quadrigotia als Adjectiv zu verbinden; für das Adjectiv 
trigonus, a, nm bringt Georges selbst mehrere Belegstellen 
bei. Dagegen ist frigona Substantiv bei Cl. 92, 20. 

respiraculum Cl. 144, 3 redactis paululum respiraculo pausae 
tdribus, wo Georges nicht richtig respiraculum als , Luft- 
röhre' deutet; auch das einfache Wort spiraculum findet 
sich bei Georges nur in dieser Bedeutung: doch ver- 
gleiche man Goelzer, Etüde lexicographique . . de la 
latinite de S*. -Jerome, S. 253: ,spiraculnm peut etre 
considere comme un mot absolument nouveau. II ne doit 
pas etre confo7idu avec spiracidnm signifiant Ouvertüre, 
soupirail. Saint-Jerome V emploie comme synonyme de sjn- 
ratio, Spiritus: c. Joann. 21, col. 426 insufflatum est spi- 
racuhim, uitae in faciem. eius] Euseb. chron. col. 42 cuncta 
in quihus erat spiraculum, uitae'. Auch respiracidum an 
unserer Stelle ist synonym mit respiratio. Aehnlich ist 
respiramentum. = ,Erholung' bei Augustin. conf. 7, 7 extr., 
obwohl respiramen bei Ovid die Luftröhre bedeutet. 

retrouersim Cl. 45, 10 radii corporum quae inciderint reper- 
cussu retrouersim cedentes. 



TTntei-.suohungcn nVier die Sprache des Claudianus Maincrtus. 483 

f reuentHare Cl. 82, 2 istins modi inlusiones in memoria imiitur 
(iiiiiiKi, ex qua nihil 'phantasiaruvi reuentilare ac proferre 
posseff 206, 5 ilU ergo reuentilandi vvimoriaeqite mnndandi 
stinf. Das Wort scblicsst eigentlich einen Pleonasmus in 
sich, da schon das Simplex uentilare , etwas hin und her 
besprechen, erörtern' ("^'gl- Fronto 157, 7 N. unam eandem- 
que sententiam midtimodis faciunt , uentilant) bedeutet. 
Freilich steht beim Simplex bei Claudian stets ein ad- 
verbieller Ausdruck;, was deuthch beweist, dass für 
Claudian ^lentilare der Bedeutung nach nur mehr einem 
einfachen disserere de aliqiia re gleichkam: 71, 3 hoc 
ipsum diligentius iientilemus, 144, 13 qaaestionem paulo 
scrupulosius ventilemys^ 173, 8 trigeminum qnaestionis huius, 
quoad strictim. possimns, uentilemtis ohscurum. 

reuer gere nach Georges nur bildlich := .gereichen' bei Cl. 199, 6 
ecquo turnet occupatu umquam uspiamue implicabere, quin 
illud in aliorum commoda reiiergaff Uebrigens steht das 
Wort in seiner gewöhnlichen (eigentlichen) Bedeutung bei 
Jordanes Get. 11 stellae uergentes aut reuergenfes. 

reuisio Cl. 198, 6 reuisionis potestas nndtis modis ac miseris 
pertude causis intercluditur . 

f scientialiter Cl. 117, 11 illud in anima numerosum potins 
arhitror, quo eadem scientialiter compos est nnmeri. Das 
dazu gehörige Adjectiv scientialis ist bis jetzt ebenfalls 
noch nicht nachgewiesen. 

secabilitas Cl. 60, 4 in dei uero ipsa trinitate huius secabili- 
tatis et localitatis partes et spatia esse non dicimus. 

t seminaliter Cl. 77, 23 illa quae ex his confiunt seminaliter 
coeunfibus corporis nomine includi non amhigitur. 

sensnalifer Cl. 149, 18 omnium sensualiter uinentiuni princi- 
paliter tactvs ex terra est. Sehr gesunkenes Sprachgefühl 
beweist Isidor. de nat. rer. 33, wenn er schreibt: pluuiae 
nnbium eloquia sunt opostolorum,, qui quasi guttatim, id 
est sensualiter ueniunt, wo sensualiter für sensim steht. 

subterluuio Cl. 25, 1 ut in eis solemus locis, quae uel humoris 

adsidui suhterluuione cedentia sunt, 
succinctim Cl. 19, 5 satis habui, quam, succinctini atque ufi 

digito denotare uitanda. 



484 E n g e 1 b r e c h l. 

snggillatiuncula Cl. 137, 3 cernas hie alium . . inter ructan- 
dnni quasdam suggillatiunculas fringuUientem ah alio . . 
laudari. 

tenehellae Cl. 137, 14 extrahentur etiam nuncupatlm ex ahditis 
tenebellarum qiii hnctenus delifiiere. Betreffs der Bildung 
tenehellae aus tenehrae vergleiche die Glossen furfuraculum ' 
t er eh eil II m und furfuraculum ■ terehr a bei Löwe in 
Wölfflin's Archiv I, 27. Das r musste natürlich, als in der 
Deminutivendung enthalten, schwinden, vgl. lihra — lihella, 
flagrum — ßagellum, castrum — castellum u. s. w. 

transmundanus Cl. 144, 20 ahhinc ignlum attheriorum spatia 
usque in extima transmnndana. Apuleius hat die Com- 
position ultramundamis de dogm. Plat. I, 11. 

friformitas Cl. 174, 20 nohis dicito quihus niodis qnoue situ 
triformitas cerehri coeat. 

uigidus Cl. 171, 21 viinus in confutationem sui penes consilii 
uigidos hahere laboris dehent, 181, 5 fallacia penes intel- 
lectu uigidos illud negotii facessiuit. Aus Claud. Mar. 
Victor's Comment. in Gen. I, 375 führt De Vit s. u 
uigidus an: pon^o dum mundi vitiis et Iahe carehant (sc. 
Adam et Eua) diuinis uigeti animis, nidlius egeni, jedoch 
ist hier jedenfalls uegeti näherliegend als uigidi. 

unescere Cl. 171, 13 testimonium , quod a nohis disparascere 
arhitraharis, ammaduertis nohiscum profectu disputationis 
unescere (unascere Ä), vgl. Sittl, de linguae latinae uerbis 
incohatiuis in Wölfflin's Archiv I, 485, wo ich aber eine 
Bemerkung über das bei Plin. 17, 161 D. sich findende 
Inchoativ uniscere vermisse: est et luxoriosa ratio uites se- 
rendi, ut quattuor malleoli uehementi uinculo colligentur . . . 
umscunt Jioc modo recisique palmitem emittunt (unescunt D^). 

Aus dieser Zusammenstellung der Worte, die Avir bis 
jetzt nur bei Claudian nachweisen können, lässt sich zugleich 
auch ein Urtheil über die stilistische Geschmacksrichtung Clau- 
dian s fällen. Als Nachahmer des Apuleius theilt nämlich Claudian 
dessen Vorhebe für Substantiv-Neubildungen auf -men 
und -mentum (acumeii = acies, alternamentum, inter pol amentum 
von Claudian gebildet, daneben noch adiumeninm, argnmenfiim, 
augmentum, hlandimentum, deliramentum, detrimentum, elementum, 



Untersuchungen iil)er die Spniclie des Cliuulianus Mameitus. 4:00 

ßgmentnin, ßvmamentum, fomentum, incrementum, indumentum, 
inlectamentum, intertrimentum, Uhrnmen, luctamen, mnchinavien- 
tum, praedicamentum, loraepedimentum, spectamen, stahilimentHm , 
supplemenfian, temperamentimi , fei'riculamentum, tormentum, uela- 
men), für Substantiva deminutiua (in besonders auffallender 
"Weise: meditatinncula, o'peUuvi, pondiculmn, suggillatinnadn, 
tenehellae sind von Claudian neugebildet, ausserdem finden sich 
noch apimda, auicxda, capitnlnm, cernicula, chartida, corpii- 
sculum, ßoscidus, formicida, grnmdnm , guttida , homunculus, 
ignicrdus, lecinlus, modidus, ojjusmdnm, pannictdns , imrtiada, 
puhuscidus, ratinncida. sermnncidi(s, neMfriculiis, nemda, 7f.ermi- 
cidus), endhch für Adverbia auf -im. (auersim, collectim, 
indiskmctim, punctatim, retrouersim, succincfim nur bei Claudian 
sicli findend, avisserdem directim, gradaüm, indefessim, inxfim, 
niüicupatim, ordinatim, particidatim, sparsim, speciaHm, stridim, 
transiiersim). Mit Vorhebe gebraucht ferner Claudian Inchoati v- 
verba (so disparascere, unescere neu, und ausserdem acescere, 
negrescere, hrutescere, clarescere^ concupiscere, pjiifescere, ferue- 
scere, innof^scere, lahascere, ohdurescere, patescere, pauescere, 
plngnescere, puerascere, tahescevp, fenehrescere, hmioscere, uetere- 
scevß), sowie Frequentativ- und Inten sivverba (prosferniiare 
hat Claudian selbst gebildet, ausserdem finden sich bei ihm actl- 
fare^ agitare, coniectare, defensitare, dictitare, dissertare, edisser- 
fnre, haesitare, lecfitare, ohlectnre, ostenfare, in-oquiritare, scripfi- 
tnre, iiocitare). Am auffallendsten aber ist der ausgedehnte, 
ja masslose Gebrauch von Adjectiven auf -bilis und der 
dazu gehörigen Adverbien (illuminahdis , indiscrivniiahil/'s, 
indiscnssüdlis sind Neubildungen (Jlaudians, denen sieh an- 
reihen: cogltnhilis , conipriihensihilis , conspicahilh , confenipln- 
bilis, corrnptihüis, credihilis, dnmnahilis, formahüis, formidahilis, 
{nttccessibilis, incogitabilis, incommutahiUs , i)icomprehensiJ>ilis, 
inconfnminabilis , indem utabill s , indinsociabilis , indissolubilis, 
ineffabilisj infattgnbilis, inimitabilis , inmensurabiUs, ivmutrdnUs, 
innum,erfd)ü!s, inpansibilis, inprobnbilis, insecabilis, insensibilis, 
inseparabilis, insolubiUs, intellegibilis, intemerdbilis, intravfime<i- 
bilis, iniLiolabilis, imiisibilis, laiidabilis, mensitrabilif<, vnr(d)ilis, 
numer(d)ilis, passibilis^ penefrabdis, phctibdis, ponderabdisy possi- 
biÜH , prohabiliH , recordabilift , remissibilift , senslbilis , sfnbilis, 
wiener ahilLs, Keniabilis, idsibilis, mdnerabilis; — Adverbia neu: 



4b() Eiifrclbrccli t. 

accessihiUter, ausserdem delectahilif.er , hiconfusibllitar , indisso- 
ciahiliter , indissolahilitar , ineffahillUr , Inmobiliter , inreprehen- 
sihiliter, intellegihiUter, iJasslhiUter, stabilüev, nlsihilAter), sowie 
der Adverbien auf -aliter (scienüaliter , seminaläer, sensua- 
liter neu, avisserdem animaliter, carnaUter , covporaliter , essen- 
tiallter, ßgwaliter, incorporalifer , inlocaliter , inmortaUter , in- 
tellectaal'iter , wdlcialiter ^ naturaliter , poenaliter , potentinliter, 
primordialiter, principaliter^ suhstantiaUter, temporaliter) . Neu- 
bildungen zusammengesetzter Worte, wie antetemporaneus 
circumgarrire, intercaelestis, perincathoUcns^ transviundanus, können 
Zeugniss von einer gewissen Virtuosität in der Handhabung der 
Sprache bei Claudian ablegen. 

B. Singulare Bedeutungen oder Constructionen einzelner 

Worte bei Claudian. 

Nicht nur der Neubildungen wegen ist die Sprache Clau- 
dians interessant und lehrreich, sondern vielleicht noch mehr 
wegen der zahlreichen neuen Constructionen und Bedeutungs- 
verschiebungen, die längst bekannte und gebrauchte Worte 
durch Claudian erfuhren. Da in dem Index meiner Ausgabe 
der Raumverhältnisse halber nur in wenigen Fällen auf singu- 
lare Bedeiitung des jeweiligen Wortes Bezug habende Notizen 
aufgenommen werden konnten, so habe ich den Vorwurf nicht 
zu fürchten, dass ich hier schon anderswo Gesagtes neuerdings 
auftische. Wie bisher nehme ich hiebei die neueste Auflage 
des Handwörterbuches von Georges zum Ausgangspunkte, in- 
dem ich hier nur solche Notizen gebe , die sich in dem treff- 
lichen Werke des hochverdienten Lexikographen nicht linden, 
aber doch einigen Anspruch auf Beachtung erheben zu dürfen 
scheinen. 

ahhoi-rere: ahliorret absolut gebraucht mit folgendem Infinitiv 
entsprechend einem absurdum est Cl. 149, 21 non ahliorret 
aliquid illic esse terrenum, dagegen Augustin de quantitate 
animae XIV, 24 7ion ahliorret a uero animum carere omni 
coi'porea magnitudine. 

acescere in übertragener Bedeutung = hmdum esse Cl. 22, 6 
accedü ad hoc etiam acescentis semper h'uorts intentio (aci- 
scentis AB CR S^, macescentis A. Schott). 



V'nlcisucliungcii über die Sprache dus Cliuidianus Mainertus. 4b ( 

acumen für acies Cl. 49, 10 sie tarnen quod nonmdlae inratio- 
nales animantes 'prae hominihus uigent acuviiue uidendl, 
Avohl aus der Vorliebe Claudians für Substantive auf -men 
und -mentum zu erklären. 

accessio = accidentia Cl. 28, 13 qaia adfectio accessio est, 
vel. unten S. 508. 

adniti in übertragener Bedeutung mit dem Dativ verbunden 
Cl. 205, 20 eo coyiosius te adniti Ojiorfere scientiae. 

adsfipnlari mit passiver Bedeutung Cl. 135, 9 eatenus diui- 
narum tractaforibas scripturarum ßdevi adkiheri par est, 
quoad iisque eidem tenore neritatis adstipulantur. Eldem 
kann hier nur Nominativ sein (sc. tractatores) , da als 
Dativ aufgefasst (sc.ßdei) es den Sinn des Satzes schädigen 
würde. Dies erkannten bereits Barth und Schott sehr 
wohl und edirten tenori, meines Erachtens mit Unrecht, 
da sich durch Annahme einer passiven Construction die 
Ueberlieferung ganz gut halten lässt. 

agnitio = inteUectus Cl. 161, 6 quod eo iisque est siniplicis con- 
seqiientiae, td agnitio (vorausgeht intellegas necne duhi- 
tauenm) eius non dicam in prompta sit , sed ne uitari 
quidem facile ualeaf. 

alternare Cl. 19, 13 post de animae statu narium cum aduer- 
sario luctamen alter nat. 

amhigere aliquid, hervorgegangen aus der persönlichen Con- 
struction des Verbums im Passivum Cl. 191, 14 ininime 
nos habere quorum conlatione de eis, quae ambigimus, firmi 
stabilesqiie reddamur. 

anticipare mit Acc. = ante aliqtiid esse Cl. 74, 20 ef>t in 
pecude . . morfalis anima, quae uitain corporis nee antici- 
2>at nee posticipat. 

apud inuicem Cl. 98, 25 semper apud inuicem eritis, quia in 
tino consistitis. Bisher kannte man nur ad imdctm, ab 
inuicem (Georges), aduersus inuicem^ post inuicem (Koffmane, 
Geschichte des Kirchenlateins, Breslau 1879 ff. S. 138), 
pro inuicem, sub inuicem vmd in inuicem (Hand, Tiir- 
sellinus III, 449—57). 

arbitrari = iudicare hervorgegangen aus der als Terminus 
technicus der Gerichtssjn-ache bekannten Bedeutung ,als 
Schiedsrichter einen Ausspruch thun' Cl. 139, 5 ex quis 



488 Engell>rech t. 

arhitrahere , ntrumnam. istiid in inpios prophefid sermonis 
oniculum on in. te sit porrectum. (dagegen 52, 1 qui si 
arlitroxtiiihi hoc est dtihitantiwn sequitnr forte sententiam) . 

(irJ)itrinm = , Ansicht, Meinung^ Cl. 52, 1 heativn uero Hierony 
mnm Je spiritibus corporatis quoriindani referre dicis arhi- 
frium : qui si arhitrantium, hoc est didritantium sequitur 
forte sententiam. 

in articulo walirsclieinlieli juristiselier Terminus, bei Georges 
erst aus dem Codex Justinianeus belegt': Cl. 23, 13 si 
eandem in articulo reposcas. 

astrologica = aGTQoloyizij Cl. 81, 7. Als Adjectiv ist astro 
logicus nach Greorges aTta^ eiQi]ii{ivov bei Boet. cons. 2, 
pros. 7 in. 

antem nero (vgl. sed antem bei den Komikern und Vergil) 
gleichkommend einem enim uero Cl. 198, 10 porro antem 
uero qnod saepenumero scriptis nestris alii inpertiimtur etc. 
Vgl. nero antem. unten S. 504. 

authentici substantivisch = ;,die Aposteln', s. oben S. 465. 

Camera übertragen Cl. 45, 7 itpiicuU quidam. indefessim, scin- 
tillantes in cameram capitis quasi in caelum nostri corporis 
suhuolant. 

catholica ohne ecclesia findet sich bis zum 5. Jahrhundert nur 
bei afrikanischen Schriftstellern (vgl. WölfFlin's Archiv I, 
153): Cl. 25, 25 sanitas cathoh'cae nostrae non recipit, 
23, 2 catholicae (Genetiv) sanitati opiniones inimicas stulte 
concipiunt. Auffallend und bezeichnend ist es, dass andere 
Gallier, wie Salvian, Alcimus Avitus und Ennodius diese 
afrikanische Ellipse nicht zu kennen scheinen. Das Fehlen 
derselben bei Sidonius ist nicht massgebend , da er zu 
wenig Gelegenheit hatte , den Ausdruck zu verwenden. 

circulus als Adjectiv =■- , kreisend, im Kreislaufe befindlich' 
Cl. 92, 7 quid mihi proderit uspiam altitudinem. corporei 
caeli quaerere, planorum siderum diastemata uel circu- 
lortim. nias uel singulorum interualla riniari. Hier ist 
deutlich pla,norum siderum. dem circidorum (sc. siderum) 
entgegengesetzt, denn wäre ci.rculornm. als Substantiv auf 
zufassen, so wäre das folgende singulorum., zu dem offen- 
bar nur siderum ergänzt werden kann, nicht erklärlich. 
Unter circrda sidera können nur die Planeten (also eigent- 



Untersuchungen über die Sprache des Clandianns Mamertus. 489 

lieh jkrcisendc Sterne^ verstanden werden , unter plana 
sidera nur die Fixsterne, worüber s. u. planus die Rede 
sein wird. 
comp OS gebraucht Chiudian auch in Verbindung mit einem 
Dativ: 45, 13 audifit s inseqiiitur Uli eiern ento compos, 
quod Graeci uocant aethera , 100, 1 1 oporfnit igifur hasce 
distantlas pro suis qualifafibus sihi compotes sortiri pn- 
tronos, 181, 1 uf auctori proho causae prohitas compos 
sit. Es leuchtet ein, dass compos hier für compar gebraucht 
ist. Weit weniger auffallend würde es sein, wenn nur die 
Form compos so angewendet wäre, die sich doch viel 
weniger von compar lautlich unterscheidet, als jenes com- 
potes von compares. Wir haben demnach anzunehmen, 
dass zu Claudian's Zeit in Gallien das Adjectiv compos in 
allen Endungen in der Bedeutung und Construction von 
compar in Yerwondiing war. Demgemäss findet sich compar 
bei Claudian nirgends, während compos in seiner gewöhn- 
lichen Bedeutung (mit dem Genetiv verbunden") fünfmal 
vorkommt (94, 11. 117, 11. 129, 9. 130,8. 190, 1). Bei 
Erklärung dieser eigenthümlichen Bedeutungverschiebung 
hat man von den Nominativen compos und compar, deren 
Aehnlichkeit ohne Zweifel die Verschmelzung beider 
Worte verursachte, auszugehen. 

concrepare übertragen in der Bedeutung von consentire (con- 
sonare) Gl. 130, 15 qiiid orbis wiiuersi de animae statu 
nohis concrepare indicinm in his dumtaxat qni merito 
enituere conuincam'? Auffallend ist, dass concrepare in 
dieser Bedeutung sich nur hier findet, während discre- 
pare = dissentire doch bekanntlich in ausgedehntestem 
Gebrauche stand. 

coniuere = consentire, conuenire. Ein merkwürdiges Beispiel, 
wne zwei durch ähnlichen Klang an einander erinnernde 
Wortformen auch der Bedeutung nach mit einander ver- 
schmolzen, bietet Glaudian in dem Particip. Praes. Act. 
von connenire und coniuere, conuenientia und coniuentia. 
Wir lesen also 75, 18 illo enim ut jnda sancpiinis inpetu 
conitientium (E'^MR und wahrscheinlich 1] conuenflum. 
CG, comiiuentium II LS, conuenientium ABDE^F) elemen- 
torum harmonia. turhata, 124, 23 cum uideamus ilUc nalde 

Sitzungshftr. d. phil.-hist. Cl. CX. Bd. U. Hft. 32 



400 EiiKPllir rollt. 

consentane'i nostrisqiie oppido coniuentia (G HL BIRST, 
conuentia BF\ conuiuentia AC, conuenientia DE) promm- 
tiari, 149, 13 suntna liaec omnia genti mortalium uel coni- 
uentia (ABCG'^HLMR, conuencia G\ connientia FS\ 
conuenieniia DFS'^) i(sui iiel iucunda spectamini? Dagegen 
164, 1 pars nnaquaeque membrorum qnalitati sitae comie- 
niens gessit officium, 104, 9 duo similia eademque conue- 
nieniia. (Gegensatz Z. 8 dissimilia. eademque contraria). 
An sämmtlichen Stellen erfordert der Sinn Formen von 
demselben Verbum, von conuenire; und doch geht es nicht 
an, jene drei von coniuere gebildeten Parti cipien zu corri- 
giren , da sie diplomatisch zu gut beglaubigt sind : nur 
die allerschlechtesten Handschriften haben conuenieniia, 
während die fehlerhaften Lesarten anderer, wie conueniia, 
conuiuentia nur als Corruptelen aus coniuentia aufgefasst 
werden können. Es ist also an der Thatsache, dass Clau- 
dian coniuentia = conuenieniia gebrauchte, unbedingt fest- 
zuhalten und nur nach einer Erklärung dieser auffallenden 
Erscheinung zu suchen. Der ähnliche Klang beider par- 
ticipialen Formen kann unmöglich allein genügt haben, 
um ihre Verwechslung zu motiviren: es müssen jedenfalls 
auch die Bedeutungen beider Wörter sich berührt haben. 
Diess ist auch unschwer zu constatiren. Wenn nämlich con- 
neniens ,übereinkommend , zusammen- , übereintreffend, 
übereinstimmend , harmonierend^ bedeutet, coniuere aber 
,sich zusammen neigen, sich schliessen, ein Auge zudrücken, 
Nachsicht haben, — üben, durch die Finger sehen , nach- 
sehen' heisst, so mag sich aus der Bedeutung ,mit etwas 
Nachsicht haben, etwas nachsehen' [coniuentia, ae ,die 
Nachsicht' ist bei Georges nur durch spätlatcinische 
Autoren, aber durch sie mit zahlreichen Citaten belegt) 
die naheliegende ,zu etwas zustimmen' entwickelt haben, 
. also coniuere = consentire = conuenire ; man vergleiche das 
obige ualde consentanea nosirisque oppido coniuentia. 
Einen passenden Beleg, wie nahe sich die Bedeutung 
von coniuere mit der von consentire berührt, bietet Sidonius 
ep. IX, 7. S. 155, 19 ultro scrinia, tua coniuentihus nohis ac 
subornantihus effraciorum. manus arguta populahitur, wo co- 
niuentihus wohl synonym für consentientihus gebraucht ist. 



Untersuchungen ülier flio Sprache des Clandianus Mamcrtus 491 

Interessant ist nnn, dass diese von uns für conhiere statuirte 
Bedeutung durch verschiedene Glossen ihre vollste Bestäti- 
gung findet; vergleiche die Mittheilung Loewe's aus dem 
im Cod. Ambros. B 31 sup. sacc. IX enthaltenen Glossare 
in der Revue de philologie, Bd. VII (1883) S. 201 conihen- 
fihus 'fabenfünift, conspjitientihns und (als Substantiv) roni- 
hentia ' conspiratio nel consensio. Bei Du Gange wird für 
coninere = consentire citirt: Vetus inscripHo MaHsüiciP: 
Angiffttini Augustalis tutor conhiente Dunrio fratre eins af 
haerede fonendnm curauit und concrepare conibere i. e. con- 
sentire aus Gloss. Ms. Sangerm, n. 501. 

Ich glaube demnach, dass in Zukunft das lateinische 
Lexikon den Artikel comnens Participial-Adjectiv = ,über- 
einstimmend, harmonierend^ (Georges hat ja auch den 
eigenen Artikel comieniens neben conne,ni6) aufzunehmen 
haben wird. Bei Begründung der auch durch die Glossen 
bezeugten Bedeutung von coninere gleich conuenire darf 
man den Einfluss, den der Gleichklang der Parti- 
cipialformen coiuienientia und coniuentia gehabt haben 
rauss, um so weniger vergessen, als bisher sich nur in 
diesen Participialforraen jene Bedeutungsberührung nach- 
weisen lässt. 

con Heins in Verbindung mit bene , male (=■ bonam., mal am 
Habens conscieniiam.) siehe oben 8. 465. 

conti }i er e Gl. 90, 1.0 hoc namqne contiiiet in figuris jnmcfiim, 
qnod nniis in nnnieris (= enndem locum tenet . . pnnctum., 
qnevi nntis in mimeris). 

cordax ^= cordatns s. oben S. 466. 

cvhicK.larivs übertragen Cl. 129, 17 qni citbiculariis dispu- 
tafionibus de siihlimium indage causarum. aliquid sopori- 
ferum in lecfidis oscitantes anilium opinionnm siifipiciones 
edormiunf. Bei Fulgent. myth. I, praef. S. 25 M. 
steht cubicnlariae fores , sonst heisst das Adjectiv cuhi- 
cit/aris. 

dedisrere gleich dem .Simplex discere Cl. 204, 2 qnod non 
modo ad. innouandum qnippiam., sed ne ad dediscendum. 
qnidpm absqne fe nno dIscipUnae nobilis nUus adspirat, 
neglegentiae id. humanae adscrihemns an natura ef 

32* 



492 I':nf,'elbrecht. 

dlspari Liter von Georges nur aus Varro belegt: CI. 75, 4 
quo modo fit ut anima eodem nufn sannm iiifinnumqne 
memhrum. dispariliter moueatf 

dispiidere persönlich construirt Gl. 172, 5 non dispndef auctor 
Indus sententiae exemptae animae corporalifatis capessere 
indicium'? Die persönliche Gonstruction des Simplex ist 
bekanntlich nicht gerade selten. 

ea = eo (ea ratione, hanc ob rem) s. unten S. 520. 

edormire prägnant gleich dormiendo proferre Gl. 129, 20 
ueternosas anilium opiniomim suspiciones edormiunt. 

emoliri = demoliri Cl. 37, 9 quoniam non impendio emoUenda 
sunt, qnae per se lahascunt. 

enisus (enixus) bei Georges nur in der Bedeutung ,das Ge- 
bären, die Geburt^ sich findend, bedeutet ,das Be- 
mühen, die Anstrengung^ bei Gl. 180, 22 quis positis 
temere duohus non utrumque primum, si queat, alterutriim- 
que sciUcet, si utrumque nequeat, enisu cuipiam si non 
prohahile, certe credihile faciat? In derselben Bedeutung 
steht als arra^ siqrjiievov annisus bei Symmachus ep. V, 74. 

euirare gebraucht in übertragener Bedeutung Gl. 205, 30 ora- 
foriam. fortitndinem plandentibus concinentiis euirant und 
nach ihm die Persiusscholien I, 95 sicut rolmr carminis 
le.uitate euiratdmus linguae. 
facilis in Verbindung mit dem ersten Supinum (auf -»???) 
Cl. 70, 10 populus qui hoc ipsum facillimum factum fore 
deo promittente non credidit (factu ABGDEF^j, 131, 4 
facile profecfo hoc idem factum mihi esset (^factu H'^LS). 

falsiloqnium. nach Georges arr. siq. bei August, retract. 
prooem. extr. findet sich bei Gl. 132, 10 hisce fahiloquiis 
circibmgarrienfihus. Ueberhaupt liebt Glaudian die Ver- 
bindungen mit -loquium, besonders im Plural, vgl. elo- 
qninm, ohloquium (der Plural nur bei ihm und Sidonius, 
vgl. oben S. 470). 

fauus in bildlichem Sinne Gl. 205, 15 quos ingenii melle 
repleas eloqiientiae conficis fauos (vgl. 205, 18). 

f ehr IS bildlich Gl. 167, 9 posfquam hydrope superhiae tumnit 
et inuidiae fehre tabuit. 

final is = finitus s. oben §. 467. 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamcrlus. 493 

forma = exemplum. Cl. 199, 17 inxta formam enangelici lar<ji- 
toris qiiod non das amico esurienti dahis inpvoho jytdsafon. 
Man bemerke die pleonastische Ausdrucksweise iiixta 
formam, Avälirend doch iuxta euangelicum largiforem das- 
selbe besagt hätte. 
fraudare: fraudatus mit dem Genetiv Cl. 19, 3 ego uero et 
fraudatus temporis et occupatns animi satis hahni. 

Gabriel wird von Claudian stets als der zweiten iJeclinaüon 
angehörig behandelt: 162, 6 Gahriehim, 1(53, G. KU), 21 
in Gabrielo, 164, 18 Dat. Gabrlelo, so überall nacli der 
überwiegenden und besten Ueberlieferung (vgl. die Prae- 
fatio meiner Ausgabe S. XLIIII). 

/ii)iG = de hac re s. unten S. 521. 

xnaestimatus hat bei Georges nur die aus Juristen belegte 
Bedeutung ,untaxiert, ungeschätzt*; bei Cl. 34, 21 inte- 
merabilis atqiie inaestimata diuinitas steht es jedoch für 
das sonst gewöhnliche inaestimabilis. 

incolumis = sanus Cl. 74, 17 quod quia nemo hominum incohimi 
potest ferre iudicio. 

inconfnsibiliter zuerst von Claudian gebraucht 59, 24 incon- 
fusibiliter misceri, nach ihm Cassiod. in psalm. 9, 1. 

indefensus ,unangefochten*, also mit mo^6??.s«.s gleichbedeutend 
Cl. 127, 18 hinc egomet testium meoriim indefensis hactenus 
mihi testimoniis ufendum ratus sinn (indefessis AE'-M, 
was aber einen verkehrten Sinn gibt). 

in ex hau sf US übertragen Cl. 22, 9 inexhausto ßrmafoque odio. 

insinuare sowohl in der Bedeutung als auch in der Con- 
struction einem appellare gleichkommend Cl. 118, 22 
pondns ergo . . Caritas est pafris et filii, qnoniam spiritum 
sanctum aj)Ostolus proprie insinuans inquit (quoniam M, 
quem die übrigen Handschriften; ist quam [sc. caritatem 
patris etßliij zu schreiben oder lässt sich vielleicht sogar 
quem, als Attraction des Genus an den folgenden Prädicats- 
accusativ spiritum sanctum auffassen?). 

intellegentia , Begutachtung' Cl. 191, 8 lihellorum a me trans- 
missorum editio me fecit caut^im atque sollicitum, nt eorun- 
dem intelleg entiam iudicio non committerem meo, sed ad 
potioris peritiam destinarem. 



494 Engelbrecht. 

intern er and US bei Georges Hu. etq. aus Val. Flacc. V, 642 
hat auch Cl. 37, 20 non tarn probatae rationi aut inte- 
merandae auctoritati concessit (sonst sagt Claudian inte- 
merahilis 30, 19. 33, 4. 34, 21). 

interserere Cl. 150, 24 nisi iuter corpus et deum natura se 
snhstantiae incorporalis interserat. Zu diesem Verbum 
scheint Claudian das Participium intersitus gezogen zu 
haben, vgl. 140, 24 postque paiduhmi sententiam quoque 
intersita disputatione (■= disjjutationem interserens) stibiun- 
git, 169, 1 cliaos quod iuter sontes innoxiasque animas 
intersitum locis merita secernit, 143, 15 sana catholicae 
fidei doctrina itatenus intersito gradti (z=z gradum inter- 
serens) ah imis ad media, a mediis ad summa conscendit, 
147, 8 intercaelestis uacui concauum, quod a tertio caelo 
alia intersiti aeids profunda discriminant. 

inuisihilitas Cl. 44, 14 imdsibilitas incorporei; Georges citirt 
nur Tertull. adu. Prax. 14. 

istinc = de ista re s. unten S. 521. 

iuge bei Georges «ttös £iQi](^i€vov aus Prud. ttsqI axscp. 10, 472 

findet sich bei Cl. 43, 21 iuge narnque uideremus, st lu- 

ceret uisus. 

lanx bildlich Cl. 48, 5 omissis omnibus hac tantum Lance peu- 
dehit (= wird sich in der Alternative befinden), ut . . . 
nunc in aduersarii , tunc in magistri sententiam pedibus 
transeam etc. 

libra bildlich Cl. 189, 13 adhibeto iustitiae libram; neu scheint 
auch Cl. 174, 22 nobis dicito quo situ . . regula lienis 
haereat, stomachi libra pendeat zu sein. 

ligatura übertragen Cl. 175, 1 quae tortuosae botulorum enodi- 
busque ligaturis explicitae inßexiones ac reßexiones; ähnlich 
schon Ambros. enarr. in psalm. 36, §. 55 von Ringenden 
ligaturis tantum corporis certare. 

lippuvi substantivisch in übertragener Bedeutung Cl. 171, 1 
quia cum lippo imaginationum corporaliiim intro inspicere 
neqidmns. 

medullitus ,aus dem Innern heraus', wie caelitus ,vom Himmel 
herab' s. oben S. 448. 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 495 

metricus Cl. 42, 20 ex quorum (elementonon) metrico pro por- 
tione coiuttntu conpactis rate diniensiouibua negetante auinia 
iiiuens corpus eff'icitur. 

viomentarius , augenblicklich, plötzlich^ Cl. 148, 18 quoniamuices 
et spntia tempornvi et moras dieram momentaria mundi 
creatio non admittit, vgl. Apiil. met. X, 25 momentarium 
uenenum. 

musice Cl. 73, 10 ex Ms elementis quattuor, quae moderate musi- 
ceque in nrhoris uitam sibi concinunt ; ebenso musicus 
Cl. 149, 12 quod (sidera) distinctis numerose choris et 
musicis interuallis aetherem pingimt. Bei Georges ist nur 
Plaut, most. 729 (wohl wörtliche Uebertragung von (.lovai- 
-/.Cog des griechischen Originals) citirt. 

mussitare in der Bedeutung , leise vor sich hin murmeln, mur- 
meln' mit dem Accusativ Cl. 137, 12 qid iiel in magnos 
uiros ohloquia nel de rebus su7nmis deliramenta quaedam 
mussitant. 

nexuosus bildlich Cl. 120, 21 no)i ego nunc rationum tramitem 
et nexuosissinias qvaestionwn minutias reuoluo. In der 
eigentlichen Bedeutung findet es sich erst bei Cassiod. 
var. XI, 40. 

nouitii (diese Orthographie hat der Codex sowohl 205, 27 als 
206, 5) = neoterici Cl. 206, 5 quisquis recentiorum aliquid 
dignum memoria scriptitauit, non et ipse nouitios legit. 

nunierosus =: numerahilis Cl. 115,4 mensurabilem uero aerem 
et pro numero partitmi numerosum (iiumerahilis findet sich 
bei Claudian sehr häufig); dagegen 116, 18 animaduertisti 
haec esse in corporibus signa numerorum , quod scilicet 
numerosa sint corpora, quae sibi sectmdiim praestantissimam 
numeri aeqitalitatem partium parilitate respondeant, vgl. 116, 
22 sie itidem illud numerosum corpus esse dicamus , quod 
rata dimensione formatum, ut uerbo tenus humanum, quae 
sunt bina sie habeat ex aduerso posita, ut sibi nee magni- 
tudine nee specie nee loco dissentiant, ut sunt aures et ocidi, 
quae item singida, ut nasus et os , medium locum teneant 
atque ut esse pulchra possint concinentiam summae aequali- 
tatis imitentur, bedeutet numerosus , wie namentlich aus 
der letzteren Stelle hervorgeht, ,harmonisch, symmetrisch' 
(vgl. 117, 9 numerosa parilitas, 117, 11. 12), ebenso 



496 Engelbicclit. 

numerose Cl. 149, 12 qnod distinctis numerose choris et vinsicis 
interuaUis aethereni phigimt wohl obigem vivsice der Bedeu- 
tung; nach gleichkommend und bei Georges in die Rubrik 
,abgemessen^ als Terminus tcchnicus der Philosophensprachc 
einzuordnen. 

omnigenn-s kennt Georges nur 1. als Indeclinabel := omne genus, 
2. als Adjectiv an. eiq. bei Prud. adv. Symm. I, 13 in 
der Bedeutung , alles hervorbringend^, ausserdem als Sub- 
stantiv omnigena, ae, von dem man wohl Cl. 184, 7 omni- 
genum natura uitarttm, aber nicht 47, 4 omnigenum corpus 
herleiten kann. Es Avird also für Claudian ein Adjectiv 
omnigenns a, um in der Bedeutung des Substantivs omni- 
gena zu statuiren sein. Ist übrigens hieher nicht auch 
omnigenis formis bei Claud. Gigant. 51 zu rechnen? 

ordinatim = Ordinate ,in gehöriger Ordnung' Cl. 71, 5 ah 
extremo uiuentium genere ad rationalem quocjue uitam ordi- 
natim gradatimque ueniamus. , 

passibiliter bei Georges cctt. siq. bei Tertull. de anim. 45: 
Cl. 26, 21 ; Fausti epist. 6, 17. 

penes =^ secundum Cl. 138, 8 teste utitur ipsa diuhm sapientia 
festimonia penes scripturarum. Durch Statuirung derselben 
Bedeutung wird auch folgende Stelle klar 127, 19 quia 
penes illos tantum, qxd toto sui admodum corpus sunt, de 
hisce ueritatis uadihus duhitahimns und hiermit erledigt 
sich auch die schwer verständliche Stelle 177, 12 ut tarnen 
istos professionis suae nexihus teneam, penes (= secundum) 
hominem (der Gegensatz ist secundum deum , vgl. Z. 6 
uerum est, quod anima corporea sit, quoniam animae creator 
id nouit) ipsis etiam fatentibus incorporeus est humanus 
animus. 

persuasus, us in der Bedeutung ,Ueberzeugung' Cl. 189, 15 
sin, quod ego nolim nee faxis persuasu istuc^ xdique ohstinatio 
est. Die Stelle ist übrigens handschriftlich sehr verderbt 
überliefert; früher vermuthete ich (praef. S. XLIII) persiia- 
siis (Particip), indess scheint mir jetzt persuasu den Vor- 
zug zu verdienen, da das Substantiv zu dem oifenbar 
gegensätzlichen ohstinatio besser passt. 

pinguescere bildlich Cl. 76, 22 inlocaliter Uli fraglat aeqtiitas, 
foetet iniquitas, uanitate tahescitj uirtute pinguescit, 105, 4 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 4i'i 

nec tumescat sola uanitate nominuni, sed pinguescat multi- 
moda ueiitate vationum. 

l^lanns Cl. 92, 6 quid mihi prodevit . . planorum siderum dinste- 
mata uel circulorum uias uel singulortim interualla rimari. 
Hier sind die plana sidera den (sidera) circida (vgl. oben 
unter circidus) entgegengesetzt und können darunter nur 
die Fixsterne zu verstehen sein. Es gibt übrigens noch 
eine zweite j\[öglichkeit die Stelle zu erklären. Wenn 
man die Sidoniusstelle ep. VIII, 11, S. 142, 5 quemcum- 
qiie dementem planeticorum siderum. glohiim in diastemafa 
zodiaca prosper ortus erexerat vergleicht, so möchte man 
vermuthen, dass auch bei Claudian i:>lan(etic)orum siderum 
zu schreiben sei , wenn man . nicht noch lieber an das 
griechische Adjetiv TtMvog denken und demnach in plaujis 
a, inn ein latinisirtes griechisches Wort erblicken will 
(bei Manetho 4, 3 heissen die Planeten nhiva (ptyytj). 
Uebrigens möchte ich mich für die zuerst vorgebrachte 
Deutung aus dem Grunde entscheiden, weil durch ihre 
Annahme das circulorum seine passendste Erklärung findet. 

plectrum wie das griechische TrlrfAXQOv als Werkzeug zum 
Schlagen bei CI. 170, 1 et organo pectoris et tibia gutturis 
et oris cauo et linguae plectro . . uerha uocihus effice, da 
allerdings die Zunge beim Sprechen die Dienste eines 
7r?vff/.TQor zu versehen hat; ähnlich Cl, 174, 22 dielt o, 
quihus modis . . cordis plectrum feriat (cordis ist natürlich 
epexegetischer Genetiv). 

porrigere =^ dirigere Cl. 139, 7 utrumnam istud in inpios pro- 
phetici sermonis oraculum an in te ait i^orrectum. 

postponere bekanntlich gewöhnlicli nur in der übertragenen 
Bedeutung ,hintansetzen'^ gebraucht, steht in seiner eigent- 
lichen Bedeutung Cl. 140, 13 cumque ex his duohxis quod 
ante dictum est inpiorimi hlasphemia sit, quod post- 
positum (sc. est) tua sententia {sdso postpositum^ posteriore 
loco positum [dictum]). 

prae als modales Adverbium s. unten S. 519, 

praecerpere = carpere Cl, 205, 14 docfiora quaeque uelut thyma 

fraglantia et fecundiora uehtti quaedam ßorida praecerpens, 

wenn man nicht auch hier in dem prae des Verbums 

dieselbe Bedeutung, wie in dem modalen Adverbium 



498 Kngol brecht. 

prae bei Claudian, statiiiren will, wonach also fecundiora 
florida ■praecerpens einem fecundiora ßorida hiprimis car- 
pens (prae ceteris carpens) gleichkäme. 

j^raefixua in der bisher nicht nachgewiesenen Bedeutung , vor- 
her festgestellt^ ("^'gl- tlas Simplex bei Cicero: fixum et 
Statut mn est und Öid. ep. VIII, 6, Ö. 131, 25 de cetera 
fixum apud me stat constitutumqiie) : Cl. 203, 11 repositas 
originalium primordiorum causas et temporaliter fluen- 
tium substantiaruni praefixos aeuo ternünos indage et arte 
conplexi non modo intra mundanum , sed stipercaeleste 
etiam introiere secretum; ebenso gebraucht es der späte 
Auetor ine, de Const. Magno ed. Heydenreich (s, unten 
S. 537). 

praelihare ,credenzen' in übertragener Bedeutung Cl. 19, 17 
(Über) quippiam ex geometricis . . et philo sopJiomenon regidis 
modeste ac moderate et quam potuit parciter praelibauit 
(^ pxrotidit^, dagegen ist 146, 17 iuxta praelibatam tacita 
discussione rationem ternariiim caeloruvi numerum differen- 
tiamque uideamus das Verb praelibare mit praecipere 
synonym. 

praesentaneus in der Bedeutung , gegenwärtig' bei Georges 
orW . EiQ . aus Commodian. instr. I 8, 1 findet sich auch Cl. 
135, 13 haudquaquam tarnen Eucheriicm praeterierim mihi- 
met uiuente doctrina et praesentaneis corain disputationibus 
cognitum, vgl. auch Sidon. VI, 11, S. 101, 2 praesentanea, 
coram narratione ■patefaciet ; ep. VII, 14, S. 120, 18 per 
quem absentum dnmtaxat institutoruvi tantus colligitur 
ajfectus , quantus nee praesentanea sediditate conficitur ; 
VIII, 13, S. 145, 18 de cetera, quae ip)si fuerit isto causa 
ueniendi, piraesentanea canducibilius idem paterit explicare 
memaratu; VII, 10, S. 117, 25 praesentanea potest intimare 
memoratu. 

■profectus ,der Fortgang, das Vorschreiten der Rede^, wie pra- 
gressio Cl. 171, 12 animaduertis (testimonium) nobiscum 
prafectu disputationis iinescere. Ein auffälliger Plural des 
Wortes (in seiner gewöhnlichen Bedeutung) findet sich 
Cl. 146, 14 alioquin cedent auiculis liomines , atque ad 
aeternitatem non profectibus ibit quisque, sed passibits. 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mumertus. 499 

l'rofluiifi in übertragener Bedeutung mit dem Genitiv ver- 
bunden Cl. 135, 17 scientiae plenua, eloquii proflutai, vgl. 
204, 20 profluente eloqnio. 

progressio ,das Fortschreiten, der Lauf der Gestirne' (nicht 
,Wachsthum' !) Cl. 149, 7 uel bintuis (jlobi per increinenta 
ac detiimtnta uariatio uel astroium uagus ratusqne cii- 
cuitns uel per viagnos orbes congressus sidermn et statuta 
progressio. Dunkel bleibt mir der »Satz Cl. 72, 13 (ad- 
spice nunc ad conficiendam hanc ipsarn arhoris uitam om- 
nium elementorum particidatini semina conuenisae) est Uli 
iddelicet terra in crassitudine, aqua in humore, aer in pro- 
gressione, iguis in germine , doch scheint unter progressio 
die Entwicklung des Baumes in die Höhe (also ein modi- 
iicirtes altitudo), sowie unter crassitudo die Entwicklung 
des Baumes in die Breite zu verstehen zu sein. 

proludiurn bei Georges nur durch Stellen aus Ammian belegt 
Cl. 162, 6 Gabrielulli, tibi quasi quoddam linguae proluditmt. 
de.Ugis. An das von den Afrikanern Apuleius und Gellius 
der Komikersprache entlehnte prolubium, was einem un- 
willkürlich in den Sinn kommt, ist indess wohl doch 
nicht zu denken. 

propter = propterea siehe unten 8. 519. 

pruina in übertragener Bedeutung Cl. 51, 18 nide quam parno 
neqotio ueritatis calor frigentium uerborum pruinas liciue- 
faciat. 

pugntis bildlich Cl. ^204:, 24: grammaticam uti quandam barbaram. 
barbarismi et sofoecismi pugno et calce propelli. 

quadrare ,ein Quadrat machen, viereckig machen^ Cl. 112, 7 
sficundum eandem quadrandi legem fabricamus et qua- 
dratam tabnlam et forum quadratum. Aehnlich nur Colum. 
XI, 2, 13 abies atque populus ad nnguem quadrantur (vier- 
eckig zugehauen). 

(jualibet Nom. Sing. Fem. siehe unten S. 517. 

quamlibet = quamuis Ijci Georges nur aus Minuc. i-'cl. 37, 9 
citii't, ist geradezu eine sprachliche Eigcnthümlichkeit 
Claudian's, die sich bei ihm vierzehnmal (u. zw. neunmal 
mit dem Conjunctiv, fünfmal in verkürzten Sätzen, die 
Stellen siehe im Index meiner Ausgabe) iindet. 



500 Engclbrocht, 

quopiam als Fragepronomen gleich quo Cl. 109, 19 qnoplam 
nunc nideamns miadas, vgl, oben S. 458. 

rate bei Georges ärr. siq. aus Cassiod. bist. eccl. 5, 34 findet 
sich schon bei Cl. 42, 21 ex qnorum. metrico pro j)0)iione 
conuentii, conpactis rate dimensionihus, wo es jedoch nicht 
, giltig', wie bei Cassiodor, sondern wohl so viel als pro rata 
parte bedeutet (vgl. das vorausgehende pro portione\ 

recolere in der Bedeutung ,sich erinnern' hat Pauckei*, Bei- 
träge zur lateinischen Lexikographie und Wortbildungs- 
lehre (Melanges Gi*eco-Romains tom. III) S. 667 f. durch 
zahlreiche Beispiele belegt, darunter rindet sich aber 
keines, wo recolere mit dem Genetiv verbunden wäre, 
wie bei Cl. 68, 1 anima tota uisorum recolit, 180, 15 si 
hene scriptoriim tuorum recolis; natürlich war die Analogie 
von meminisse und den anderen Verben der Erinnerung 
hiebei beeinflussend. 

redhihere sonst gewöhnlich nur als technischer Ausdruck der 
Kaufmanns- und Juristensprache gebraucht, ist bei den 
Galliern geradewegs synonym für reddere: Salv. ad ec- 
■ des. IV, 18 quod ei etiamsi quae dehemus redhibere 
cujnamus ; tarnen de stio reddimus^ Cl. 175, 3 quid 
negas arhitro super his responsa redhibere, vgl. 179, 8. 
189, 11 (stets mit dem Plural responsa), 168, 25 st super 
Ms redhibuimus rationem, 134, 16 ne quid segnem me 
redhibendae uicissiti(dinis arhitreris'^ ebenso bei Sid. ep. 
III, 1, S. 39, 15 tibi caelitus iure redhibefur tui facti 
meritum, alieni incitamentum, III, 2, S. 41, 3 gratiae tibi 
redhibeantur quam fundamenta tarn culmina, vgl. V, 16, 
S. 89, 3. 

reflexio Cl. 175, 2 quae tortuosae botulorum enodibusque liga- 
iuris explicifae inflexiones ac reßexiones , wo inßexiones 
ac reßexiones zusammen dem deutschen Ausdruck ,das 
Gewinde, die Windungen' entspricht. 

regula Cl. 174, 21 dicito quibus modis quotie situ triformitns 
cerebri coeat, iecoris massa iaceat, regida lienis liaereat, 
stomaclii libra pendeat, cordis plectrum feriat. Hier scheint 
regula mit , Scheibe' übersetzt werden zu müssen; bei 
Ulpian dig. 19, 2, 19, §. 2 sind regtdae die Scheiben 
zum Oelpressen. 



Untersuchungen übei- die Sprache des Ciiiudianus Mamertiis. oOl 

remiasibllis in der ßcdcutung , erlässlich* bei Georges aus 
Tert. de pudic. 2 citirt, hat auch Cl. 198, 9 ista liaec 
eadem remissihilia sint necne, tute iudicaris. 

renoscere ^wiedererkennen^ Paul. Nol. carm. XV, 342 (Georges); 
in etwas verschiedenem 8inne gebraucht es 01. 185, 7 
(quae spcwsim edissertata qtiaeqiie euicta sunt) reuisenda 
simul renoscendaque congessi (sonst wird gewöhnlich reco- 
gnoscere so gebraucht, was auch der Codex G hat). 

rescriptum nicht bloss ein ,Rescript, Erlass^, sondern auch 
, Antwortschreiben^ Cl. 199, 3 quod lihellos illos nullo um- 
qiiam inpertiuisfi rescripto ; so gebraucht es übrigens 
auch Alcimus Avitus häuüg (s. Peiper's Index). 

reuisere entsprechend dem französischen veAiiser, revidieren 
Cl. 185, 7 (quciö sparsini edissertata qitaeqne euicta sunt) 
suh mentis oculum redegi et reuisenda simid renoscendaque 
congessi. 

rotunda, ae bei Scrib. 201 extr. ,eine Kugel aus PHaster- 
masse' (Georges), dagegen bei Claudian für circulns ge- 
braucht 92, 20 cum trigonam uel trihus punctis ac tribus 
lineis uel rotundam lyuncto uel linea conformari uideris. 

seien ter ,mit Gewissheit Avissend' Cl. 53, 3 cum uero Uli non 
duhitanter, sed seienter, non corporeos, sed corporatos 
Spiritus dixerint. 

sors Cl. 107, 26 ista haec ipsa duplici sorte proponerem, ufrius 
malles tibi copiam facerem. Hier scheint sors mit ,Wahl, 
Auswahr zu übersetzen sein, auf welche Uebersetzung 
wenigstens der zweite epexegetisch zu dem ersten hinzu- 
tretende Satz führt; richtiger wäre in dieser Bedeutung 
sortitio oder sortitus. 

specialis substantivisch ,der speciclle Freund^ (Georges) 
Cl. 199, 15 cur egomet specialis atque inthnus nihil a spe- 
ciali nieo fructi feram. 

sphaeroides bei Georges nur als Adjectiv aus Vitruv VIII, 5, 3 
(s. Schema) aufgeführt, findet sich als Substantiv =: ,Sphäroid, 
die KugeP (sphaera) bei Cl. 67, 11 monetur etiam motu 
septimo, sicut est rofae et sphaeroidis^ 144, 20 usque ad 
extivia transmundana, qua sphaeroidis globo mundus in- 
cluditur. 



502 Enfjollirocht. 

spiona l)il(llicli Cl. 123, G dum in mires inperifas uerhorivm 
imerilium sjruvias exspmmt, vgl. Sid. cp. VII, 13, S. 119, 19 
magis eum occufat medulla sensimm., quam spuma uerhorum. 

stipulari = adstipulari Cl. 34, 17 tu iteluf stipulante tibi per 
apostolutn ueritate adfici diuinitatem dicis. 

suhsistere = esse, consistere Cl. 119, 9 iiihil oninino esse potesf, 
qnod 770)1 et trifarium suhsistat et nnum sit (deshalb 
ist die Lesart von E^ trifarlam. nicht richtig), 119, 12 
omnis anima rationalis trihus indiuidtiis, memoria consilio 
noluntate stihsistit, 194, 15 spiritus pecoris, qid non suhsistit 
post corpus. 

superiectns als philosophischer Terminus dem suhiectns ent- 
gegengesetzt Cl. 65, 18 quibus (formis) indissociabiliter 
iuncta (anima) sine superiecta snhiectis sine subiecta super- 
iectis et memhrum tota mottet, 157, 20 q^ii animam, corpus 
esse et eandem. svperiectam in subiecto corpore confineri 
credis, 157, 23 ipsa in sno superiecta suhiecto est. Man 
vergleiche indess auch Sid. ep. IV, 15, S. 67, 10 nee 
subiectas cautes nee superiectas nines expauescemus. 

suspirare mit dem Dativ construirt Cl. 77, 13 nee suspirare 
potest Uli patriae nach der Analogie von aspirare 204, 3 
qtiod non modo ad innouandum. quippiam.^ sed ne ad dedi- 
scendum. quidem absque te uno disciplinae nobilis %dltis 
adspirat. 

taJ.entu.m in übertragener Bedeutung Cl. 191, 5 ex patipertatis 
inopia dare dragmam. ei, qtd m.idta scientiarnm. abundat 
talenta. 

taurea, ae Cl. 205, 29 nulluni lectifandis h/s fempus insumas, 
qnae quasdam resonnntium sermvnculor^mi taureas rot.ant. 
Das Pronomen q/iac fehlt in der Handschrift und wurde 
von mir ergänzt; es fragt sich aber, ob nicht besser qai 
statt quae stünde, indem man his auf die scriptores nouitii 
bezöge, denen im folgenden die alten Autoren in nament- 
licher Aufzälilung entgegengesetzt werden. Der Ausdruck 
taureas rotare ist hier etwas unklar: bis Jemand etwas 
besseres vorschlägt, scheint man sich mit der Erklärung 
zufrieden zu geben müssen, dass taurea. hier wie öfters 
,der Ochsenziemer^ heisst und natürlicli metaphorisch 
gebraucht ist. Der Sinn dieser geschraubten Ausdrucks- 



üntersnchnngen über die Sprache des Claudianns Mamortus. 503 

weise muss wohl der sein, tlass die resonmifes sermuncnli 
bildlieli mit dem Peitschengeknall in Verbindung gebracht 
werden sollen. Oder ist vielleicht zu übersetzen: ,sie 
schwingen die Geissei ihrer holdtönenden Phrasen' nach 
Salvian. de gub. dei VIII, 22 improhisdmis flayitiosorum 
hoviinnvi cachinnis et detestantihus rideniium sihilis quasi 
taureis caedehatur'^ 

tenellus in übertragener Bedeutung Gl. 21, 10 tenellis adhuc 
infantiae qnondam suae persuasionilms in senectiite puerascioif. 

tenor entsprechend der Bedeutung des ital. tenore Cl. 135, 9 
quond usque eidem tenore ueritatis adstipulantur. 

tepor bildlich Cl. 122, 10 vt (religio) paene iam credendi labore 
suhmofo fepore fidei scientiae frjictmn capessat. Bekanntlich 
bezeichnet bei Tac. dial. 21, G tepor die Lauigkeit, den 
Mangel an Feuer in Schriften. 

testificari mit dem Dativ Cl. 104, IG qni ueritati in praesen- 
tiarum testificarentnr, 152, 22 iam nunc tesfihus meis ad 
induhifatam fidem ueritas ipsa testificahitur. 

tihia ,die Rühre' Cl. 170, 1 sine alternamento reciproci neris et 
Organa pectoris et tihia gntturis et oris cauo et linguae 
plectro uerha uocihus efßee. 

transuersim nach Georges a.;r. etq. bei Tertull. de bapt. 8 
hat Cl. 90, 11 llnea quae transuersim secari potest, 90, 14 
qnia latitiido ei transiiersim et directim recipit sectionem. 

irigona^ ae Cl. 89, 17 numqidd . . ßeri ^nnqnam nisi frigona 
poterit^ 92, 20 cum frigonam ud trihns pu.nctis ac trihus 
lineis conforynari uideris , dagegen • unmittelbar vorher 
92, 17 cum. in trigomim uel hexagounm mentis ocalum figis. 
Unerkennbar ist der Nominativ 91, 1 sicut in trigonis et 
tetragonis -per angulos jnmcta sunt. 

tropice hat nicht bloss Augustin de gen. ad litt. 4, 9, sondern 
auch Cl. 29, 19 qidd prophetico spiritu ueterum quique 
sancfoj'iim tropice proplietmierint. 

trutina bildlich Cl. 14G, 5 trutinae iudicii, corporum ponderihus 
inpositis adpende mimdum; überhaupt findet sich trutinator, 
trutinare im bildlichen Sinne (beurthcilen, erwägen) bei 
den Kirchenschriftstellern nicht selten; trutina iudicii hat 
auch Sid. ep. VIII, 7, S. 133, 23. 

tumor s. oben S. 475. 



504 E nppllupc li t. 

tumulare Cl. 204, 18 quorum egomet studiorum quasi quandam 
mortem flebili ueliit epitaphio iamularem : eine schwülstige 
AusdrucksAveise ! 

uentriculus wie uenter bloss für , Höhlung^ gebraucht Cic. de 
nat. deor. II, 138 ventricidns cordis; ebenso Cl. 173, 14 
ulsus animi intend'd sese atque exserit per isla haec piincfa 
pupillarum uaporato cerehri anteriore uentriculo inuisibilihus 
niscerum ßammis. Vergleiche 85, 6 certum est imaginari 
illum Vitra quendam uentrem memoriae nequaquam fosse 
nisi ea, quae per corpus accepit. 

vero autem Cl. 145, 25 nero antem subicitur^ quod terrae corpus 
unwn in scripturis dicitur orhis esse terrarum; vgl. antem 
uero oben S. 488. 

nicarius = mutuus, also als Adjectiv zu in idcem gebildet 
Cl. 97, 22 si tibi in illa sui parte carus est, qua uterque 
homines estis et qua tiosviet uicario amore diligitis (vgl. 
122, 18 vtriusque horum amorem. mtitmwi). 

u ig /lax , aufmerksam, scharf beobachtend*^, Avie uigilans Cl. 173, 
11 uigilacem. uigilantemque simul qvaero lectorem.; auch Sid. 
ep. V, 2, S. 79, 5 hat uigilax lector und VIII, 11, S. 141, 15 
in bucolica (materia) uigilax parcus carminabundus (est). 

uulnerabilis , verwundend, verletzend Cael. Aur. acut. 3, 17, 
171^ (Georges). Dagegen heisst es ,verwundbar^ bei 
Cl. 32, 14 quia lux et insensibilis est pariter et uulnerabilis 
(vgl. 32, 4 uulnerari igitur lux potest, etsi santive non 
potest). 



Hieran mögen sich einige Notizen über Worte reihen, die 
aus dem Wörterbuche von Georges als handschriftlieh nicht 
genügend beglaubigt zu eliminiren sind : 

ambifarie entfällt, weil Cl. 28, 16 contrariis congruentibusque 
pariter obnoxium ambifariae sid)ditur passioni zu lesen 
ist, durch welche Stelle nunmehr ambifariv.s nicht bloss 
eine uox Arnobiana ist. 

perpeve ist Cl. 21, 7 wohl Lesart des guten Codex M für 
perperam, , der aber hier wie an vielen anderen Stellen 
vom Schreiber selbst ,corrigirt^ worden zu sein scheint, 
da auch an der zweiten Stelle (181, 17) das dem Schreiber 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mainertus. OÜO 

wahrscheinlich uiibekanutc Wort perpeiain falsch über- 
liefert ist (perfernv)). 
perquirifatus ist Cl. 19, 7 nur Lesart der ersten Pariser 
Ausgabe für das sowohl handschriftlich, als durch sein 
Vorkommen bei Apuleius und Sidonius beglaubigte i^ro- 
quiritatus. 

In anderer Weise zu berichtigen sind folgende Angaben 
bei Georges: 

catisnri will Georges ])ei CI. 181, 3 horum minus uvo uirtus 
acüonis vifringifar , si desit ufrumque , caasatnr erklären 
, durch Vorschütznng von Gründen versagen, ablehnen 
(absolut)^, was mir unverständlich bleibt; doch ist sicher- 
lich mit GLS casndtnr zu schreiben, wie ich auch bereits 
cdirt habe. 

ctiruicAila bedeutet bei Cl. 142, 5 ßts est multlmodo nt-rifdi/'s 
(jffidio falsiloqvi ccruictdiitii Sdlahrl concisione concipHari 
nicht, wie Georges will, , Selbstüberhebung^, sondern hat 
seine natürliche Bedeutung, wie das Wort concipilan am 
besten beweist (eine ähnliclic Ausdrucksweise findet sich 
bei Sidon. ej). IV, 22, S. 73, 22 cni datum est saltihis 
(jloriae proterere posse ctrinces vituperonum seu supercur- 
rare). Auch bei Augustin. serm. 298, 4 quid est, apostole 
Paule ? quasi extulisti te, quasi de aliqua ceruicula uidetur 
dictum: ,j)lus omnibiis Ulis lahoraui' möchte ich das Wort 
nicht mit ,Selbstüberhebung% sondern mit , Stolz' über- 
setzen (der den Nacken, Kopf hoch trägt), womit man 
die AVorte in Cap. 5 desselben Sermo vergleiche: sed etiavi 
hie non extollaiur ceruix tua , quia dona ipsins stmt 
merita tua. 

inexterminahilis gebraucht nicht Claudian selbst (138, 17), 
sondern ist Citat aus Sap. 2, 23 (vgl. Rünsch, Itala und 
Vulgata S. 111). 

intransmeahilis ist nicht ä/ca^ eiQij^iivov bei Cl. 170, 16 in- 
menso quodam intransmeahili ah inuicem disparati sint, 
sondern steht auch 171, 10 intransmeahile dicitur chaos 
und findet sich ausserdem bei Jordanes 54, K). OG, 11 
Mommsen. Vergleiche ausserdem Paucker, de latinitate 
Vi. llieronymi S. lüO. 

SiUuugsl.ci-. a. phil.-hist. Cl. C.\. BJ. U. int. 33 



506 E n },' Ol h recht. 

Uhr (im e n soll nacli Georges Gl. 183, 10 nisi dnph'cis crea- 
ftiram suhstantiae , qnoad liomtvi posse fas siidt, adhihito 
nidicii lihramine secernas (in übertragener Bedeutung) ,der 
Schwung, die Scliwungkraft^ lieissen. Man vergleiche 
indess folgende Stellen: Cl. 189, 13 adhiheto iustitiae li- 
hram, 146, 5 und Sid. VIII, 7, S. 133, 23 trutina iudicii, 
Ennod. 359, 9 mdicii lihra, 28, 8. 34, 1. 75, 16 lanx iudicii 
und man wird nicht zweifeln können , dass auch obiges 
lihvnmen gleich lihra gebraucht sei. Die Vorliebe Glaudians 
für die Ausgänge auf -meri und -vientum erklärt die sonst 
auffällige Erscheinung hinlänglich. Eben deshalb ge- 
brauchte ja auch Glaudian acumen für acies , wie wir 
oben sahen. 

ponderahili s liest man nicht nur bei Cl. 112, 15 inimerahilia 
sunt et mensurahilia, sondern auch 114, 1. 119, 10. 194, 
6 (stets in Verbindung mit jenen zwei anderen Adjectiven), 
ebenso bei Prudent. u. A. (vgl. Paueker, Spicilegium ad- 
dendorum lexicis latinis S. 122). 

Endlich fehlen bei Georges noch folgende Worte, die sich 
indess nicht bloss aus Glaudian belegen lassen, sondern sich 
auch sonst noch finden. 

adplene Adverb (vgl. das franz. ä plein) Cl. 80, 12 qiiod tunc 
adplene non erit, 120, 6 tantnm in his morafus stim, qnantum 
prudentihus satis arhitror, quo adplene cognoscanf, wo man 
keineswegs quoad plene zu ediren braucht. Du Gange citirt 
aus der Vita S. Leodegarii: adplene in omnihns discipUnis 
politus. Die Bildung adplene ist übrigens ganz natur- 
gemäss, da ein verstärktes (componirtes) flenus wegen 
semiplenus (set)iiplene Sid. ep. IV, 22, S. 73, 15) angezeigt 
geschienen haben mag. Dass zu dieser Verstärkung 
gerade die Präposition ad. gewählt wurde, mag das ana- 
loge adprime verschuldet haben. Uebrigens mag auch die 
Wendung adplennm = ,vollständig' (Auson. perioch. Odyss. 
22. Eutrop. 8, 19. Donat. Terent. Andr. II 6, 16. Salvian 
de gub. dei VII, 17 cogitat forte aliquis non ita ad ple- 
mmi esse vi loqnor) den Anlass gegeben haben, ein ver- 
meintlich dazugehöriges adplene nach der Analogie von 
adprime zu bilden. Wenigstens lässt sich bis jetzt das 



Untcrsucliungen über die Spruche des Claudianus Mainertus. 50 ( 

Adjectiv adplmiis nicht nachweisen (dagegen adprimus 
bei" Gell. G [7], 7, 11). 

dispuere ist in sämuitlichen Handschriften iiberhefert CI. 135, 
15 terrae dispunns (dagegen 203, IG aiilmi cuÜnm despueus 
in dem Briefe, der freiUch nur in einer Handschrift über- 
Hefei't ist) und dürfte vielleicht noch hie und da für 
despuere zu restituiren sein. Ueber das Schwanken der 
Handschriften zwischen dispuere und despuere vgl. Hilde- 
brand zu Apul. apol. 44. 

eoteuus siehe unten S. 520. 

hidem siehe unten S. 518. 

posihiuc siehe unten S. 522. 

prolaps}is, US Gl. 32, IG alt!, prolapsus erroris (vgl. die Prae- 
fatio meiner Ausgabe S. XLV). Verschiedene Behigstellen 
aus anderen Kirchenschriftstellern giebt Paucker, spici- 
legium addendorum lexicis latinis S. 133 und De latinitate 
Hieronymi S. 25. 



in. Kritischo und exegetisclio Bemerkungen. 

In diesem Abschnitte sollen in zwangloser Reihenfolge 
gramraatisch-lexikalische Fragen behandelt werden , die ent- 
Aveder nur für Glaudiaii in Betracht kommen oder doch von 
dessen Sprachgebrauch dircct oder indirect ihren Ausgangs- 
puidct nehmen. 

1. Accidere und accedere, Perieot accessi. 

Eine lehrreiche Stelle für die (an gewisse Bedingungen 
gebundene) Verwechslung von accidere und accedere ist Glaud. 
Mam. 28, 9 22: quod auteni philosophornm fesfimonio iniseri- 
cordiam atque iustitiam et istius modi bona adfectiones passihilis 
dicit esse creaturne easdemqne in deo essentiallter , non acces- 
sihilile.r, haud intendit animo sihi semet aduersa proferre, qma 
{idfectio accessio est. non autem aliquid deo accidit: igitur 
adfectioni non suhiacet. nam quidqnid adficitur contrariis con- 
gruentihusque pariter ohnoxium amhifariae subditur passioni. quo- 
circa si summa dininifas sensit conpatienfis adfectu, etiam malae 
passionis snbiacet stimulo. sensit dicis: idique sentire accidens 

33* 



508 tngolbrcc h t. 

eins est, qnl aiifn non sensit, neternitati autem, quia ■passionem 
Christi sempiterne sciuit, iitpote quam ipsa disposuit, p>assionis 
tempore noui nihil, quod nosset, ne dicam quod sentiret, accessit. 
Hier ist accessibiliter Adverb zu accidens (ebenso 27, 13 und 
35, 2, wo es als Gegensatz zu suhstantialiter steht), sowie (tc- 
cessio für accidentia steht (vom Schriftsteller diesem vermuth- 
lich wegen des gleichen Ausganges mit adfectio vorgezogen). 
Z. 14 haben accidit nur die besten Handschriften CG M (acce- 
dit die übrigen), es ist jedoch ebenso richtig, als Z. 18 accidens 
(accedens codd. dett.J. Endlich accessit ist offenbar Perfect zu 
accidit. Wenn man die weiteren Stellen bei Claudian durch- 
mustert, so kann man bemerken, dass die Handschriften eine 
besondere Vorliebe für den £'-Laut im Präsens des Wortes 
bezeugen : nur gerade die besten bieten die richtige Form mit 
i, vgl. ausser der obigen Stelle 49, 5 aer quibusUbet uasadis 
includi . . potest, cum hoc prorsus igni non accidat(E'^G M, ac- 
cedat reib), 54, 17 cui quamlibet illud accidat (CGM, accedat 
reib), quod scriptura testatur^ 52, 20 quod eo tibi accidit, quia 
. . posuisti (nicht Perfect, accedit ABDEFPR), 63, 21 quod 
idcirco Uli accidit, quia partibus constat (accedit ÄBCH). Ferner 
kommt accidere noch an mehreren Stellen im Epilogus ohne 
Variante vor, da jener nur durch die einzige Leipziger Hand- 
schrift M überliefert ist: 191, 6 hinc accidit quod, 193, 18 cor- 
pus substantia est, non accidens. accidentia autem in sub- 
stantia sxmt, non substantiae, accidit ergo corpori quantitas et 
qualitas , 194, 20 accidunt animo disciplinae, accidit iustitia. 
Endhch steht accidens 86, 7 und zwar in allen Handschriften, 
sowie 2Q, 19 res accidentes in dem Citate aus Faustus, der 
aber selbst accedentes schrieb, wenn anders man der einzigen 
Handschrift saec. IX Glauben schenken darf. Das Substantiv 
accidentia, ae findet sich 27, 6. 86, 11; 27, 3. 4. 5. 29, 22, an 
den letzten vier Stellen im Plural. 

Betrachten wir nun die Stellen, an Avelchen bei Claudianus 
Mamertus accedere vorkommt, so ist zu erwähnen, dass der 
Schriftsteller das Verb gewöhnhch mit ad cum acc: 22, 6 acce- 
dit ad hoc Jiuoris intentio {accidit M), 95, 2 (uerhum) sie ad 
illum, cui loqueris, accedit, quod a te utiqne non recedit, 155, 23 
ad hunc locum non rudis accedet, vgl. 113, 7. 154, 13. 204, 14^ 
oder mit dem blossen Accusativ verbindet: 24, 14 accessi reli- 



Untersuchungen über die J^pi-ach« dos Cl:nidianus Mamcrtus. öOU 

quum lectioins, 180, 5 aniniKti non accedit infe.rna, vgl. 119, 5. 
170, 11 ; nur einmal rindet es sicli mit dem Dativ 96, 25 accede 
formatrici formae, denn 73, 1 7 ist nee localiter ahscedere a cor- 
pore . . nee loealiter corpus decedere zu lesen. Eine Stelle bleibt 
noch zu besprechen übrig 75, 20: corpori adimitur serniendi 
possihllitas et animo dominandl accidi'f difficulfas; hier würde 
accedit als Gegensatz zu adimitur dem Sinne nach wohl passen, 
da jedoch auch der dabei stehende Dativ uns dagegen ein- 
nehmen muss, so werden die besten TIand.schriften (CG]\I) 
wohl richtig accidit bieten. 

Um nun aus diesen Stellen, die nach der besten Ueber- 
lieferung angeführt sind , das Facit zu ziehen , so darf man 
nicht kurzweg sagen, dass Claudianus accidere und accedere 
promiscue gebrauchte, sowie Hartel dies für Ennodius nachwies 
(vgl. Wiener Studien II, 228 f.), sondern es ist nur zuzugeben, 
dass das Pcrfcct zu accidere mit dem von accedere zusammen- 
fiel. Es ist auch nicht abzusehen, warum die schon durch ihre 
Betonung hinlänglich scharf getrennten Verba in ihren präsen- 
tischen Formen hätten ohneweiteres verwechselt werden sollen: 
sehr, leicht aber erklärt es sich, dass das Perfect accidit wegen 
seines Gleichklanges mit dem Präsens frühzeitig imtcrging oder 
doch nur spärlich verwendet wurde und durch accessit (davon 
abgeleitet accessio und aceessihiUter) umso eher ersetzt werden 
konnte, als sich ja thatsächlich beide Worte in ihrer Bedeu- 
tung nicht selten berühren. 

AVic hält es nun in dieser Sache Claudians Zeitgenosse 
und Landsmann Sidonius? Hier zeigen die von Lütjohann 
benützten Handschriften eine ganz merkwürdige Uebereinstim- 
mung in Ueberlieferung dieser oder jener Form, so dass wir 
bei Sidonius noch viel weniger als bei Claudian über die Schreib- 
weise des Autors selbst in Zweifel kommen können. Wie schon 
an mid für sich zu vermuthen ist, dass beide Schriftsteller in 
Anwendung der beiden in Frage stehenden Worte sich gleichen, 
so wird die Vorführung sämmtlicher hiehergehöriger Stellen 
des Sidonius diese Vermuthung vollkommen bestätigen. 

Dass das Perfect accessit mit accidit ganz gleichbedeutend 
war, zeigt zur Evidenz folgendes interessante Beispiel aus 
Sidonius epist. VII, 1 , S. 104, 17 quae omnia sciens populus 
iste ViennensHms fuis et accidisse prius et non aceessisse 



510 Engel brecht. 

posterius, wo beide Perfecte nebeneinander in gleichem Sinne 
verwendet Averden. Weiters zeigt epist. VIII, 3, S. 128, 23 
fors fuat an fliilosophi ultae scrlptor aequalis maiorum tempovl- 
bus accesserit, cerfe par saeculo meo per te lector ohuenif, dass 
auch hier accesserit wegen des Gegensatzes ohnenit einem acci- 
derit gleichsteht. Nicht anders kann auch VIII, 6, S. 130, 15 
quod mild quoque similiter accessit gedeutet Averden. 

Wie Avir schon aus dem ersten Beispiele ersahen , dass 
das Perfect accidit sich neben accessit noch behauptete, so 
bcAveisen dies noch folgende Fälle: epist. I, 11, S. 16, 25 accidit 
casu , ut Cdtidlinus illo ueniret, IV, 6, S. 58, 8 si quid secus 
itiantihus accidisset^ ^H? 2, S. 105, 25 fot'te accidit, ut deiiersorio 
qiiaedam femina ^dcinaretur. Das Präsens von accidere steht 
epist. IX, 14, S. 166, 9 si accidat {(iccedat M^), ut nee intra 
ujium conclaue decuvibant. 

Dagegen avo A^om Präsensstamm gebildete Formen A^on 
accedere sich bei Sidonius linden , haben sie regelmässig die 
Bedeutung des Compositums von cedere , nie die von accidere. 
Hieher gehören folgende Stellen: epist. I, 7, S. 10, 3 cumulus 
accedit laiidibus iiniperatoris, III, 12, S. 48, 8 quasi nil tibi quo- 
que hiudis aut gloriae accedat, V, 16, S. 88, 23 Ecdicio honor 
patriciiis accedit, VII, 5, S. 108, 9 Jus accedit quod . . fecerunt, 
VII, 10, S. 117, 27 cui, precor , quod in uohis opis est intidtu 
paginae prae-scntis accedat, VII, 14, S. 122, 14 ut aliqua de te 
recens mihi laetitia potius quam senfentia accedat, III, 5, S. 43, 17 
satis ahundeque sufficeret fides uestra commodis suis , etsi nullusin- 
tercessor accederef. Ausserdem linden sich folgende Perfectformen 
zu accedere: VIII, 14, S. 145, 27 quae loquor falsa censete, nisi 
professioni meae competens adstipulator accesserit, IV, 1, S. 52, 7 
secundus uohis anivwrtmi nexus accessit de studiortwi parilitate, 
IV, 16, S. 67, 22 quod tuo accessit usui, decessit hoc nostrae 
proprietati. An sämmtlichen dieser Stellen lässt sich accedere 
zAvanglos als Compositum A^on cedere auffassen, ohne dass man 
eine VerAvechshmg mit accidere annehmen müsste ; besonders 
lehrreich ist hiefür das letzterAAi-ähnte Beispiel AA^egen des Gegen- 
satzes decessit. Der Vollständigkeit halber führe ich noch die 
übrigen Stellen, an denen sich accedere bei Sidonius findet, A^or, 
obAA^ohl an diesen über die Bedeutung des Wortes kein ZAA^eifel 
aufkommen kann: VI, 7, S. 99, 1 ego ad apostolatus tui noti- 



Untersuchungen über die Sprache dos Cluudiauus Mamertus. ol L 

üaiii plenioreni accedo, NW, 17, S. 124, 8 exi<jit fe rogavi, iif tuo 
ipse snh magisteno monasterii magister accedat, II, 10, 8. 33, 16 
quae (ecclestaj studio ■papae Patientls stimmum coepti opevls ac- 
cess'it, III, 3, S. 42, 12 eo condicionU acccsseras, V, 3, S. 80, 1, 
VI, 1, 8. 95, 15, VI, 4, S. 97, 18. 

Wir sehen somit, dass die von nns bei Claudian gemachte 
Bcobaclitung auch für Sidonius ihre Giltigkeit behält: die prä- 
sentisclicn Formen von decedere und accidere werden nicht ver- 
wecliselt, wolil aber werden die Perfecta accessit und nccidit 
promiscue gebraucht; dass in dem gegenseitigen Kampfe dieser 
beiden Formen bereits accesslt die Oberhand erlangt hatte, be- 
weist der Umstand, dass sich accidit nur mehr in den typischen 
Wendungen forte accidit, casu accidit, seciis accidit bei Sido- 
nius und bei Claudian — möglicherweise nur aus Zufall — 
gar nicht ündet. 

Für mich ist es höchst wahrscheinlich, dass auch für 
Ennodius dasselbe Gesetz zu gelten habe. Während nämlich 
accessit für accidit, welche Form nach Vogel (s. den Index seiner 
Ausgabe) Ennodius nirgends hat, in Ilarters Index durch eine 
ganze Reihe von Stellen belegt ist, werden nur zwei Stellen bei- 
gebracht, wo jene Verwechslung in präsentischen Formen statt- 
fand: 137, 22 quia dinina gradih^is (= gradatim) semper accedunt 
et <iuihus hona conferunt meliora pollicentiir, carm. I, 7, 32 accedunt 
cnlpis munera ucstra meis ; dazu kommt noch das in obiger 
Abhandlung von Hartel citirte Beispiel 144, 22 liinc caele.stis 
cura iiepti meae procum iussit accedere. Wenn man sich ver- 
gegenwärtigt, Avie sich accidere und accedere in ihrer Bedeutung 
oft enge berühren, so sind diese Beispiele nicht mehr auffällig, 
als die ciceronianische Phrase alicui aninms accedit: im ersten 
Falle zeigt sclion gradihns ■= gradatim an, dass accedere mit 
Bedacht gesetzt ist, und an den beiden übrigen Stellen Utsst 
sich accedere ohne Zwanc; als Gcc'ciitheil von diacedere auf- 
fassen. Allerdings wird man zugeben dürfen, dass die Be- 
deutunc:sdifferenz von accidere und accedere bei Ch\u(lian noch 
eine grössere ist, als bei Ennodius. 

Das reelle Ergebniss dieser Auseinandersetzung kann 
demnacli nur folgendes sein: Wenn die Handschriften zu 
späteren Schriftstellern zwischen accidere und accedere 
in den vom Präsens abgeleiteten Formen schwanken, 



512 Engclbrccht. 

SO wird man daö letztere nur dann aufnehmen, wenn 
es besser beglaubigt ist und sielt halbwegs zwanglos 
als Compositum des Verbums cedere auffassen lässt; 
unmittelbar statt accidere darf es ausser als Perfect- 
form nieht zugelassen werden. 

2. Flagrare, fraglare, fragrare. 

lieber fraglare für ßiigrare und fidgiuire ist schon öfters 
gehandelt worden, ohne dass man dabei zu einem endgiltigen 
Resultate üclanert wäre. Wir wollen vorerst von allen diesen 
Untersuchungen absehen und die Frage nur für Claudian er- 
örtern. Das fragliche Wort findet sich bei ihm an folgenden 
Stellen: 43, 23 perpetuo odoraremur, sl fraglai'et (EFH'^L 
M S'^, ßagraret rell.) olf actus ; 76, 21 inlocaliter Uli frag lat 
(DEFM, flagrat rell.J aeqiiitas, foefet iniquifas; 205, 13 tliyma 
fraglantia (E, in welcher Handschrift allein der diese Worte 
enthaltende Brief Claudians erhalten ist). Hiezu kommen 
4(3, 17 gustu fraglantia (DE FR- MS, ßagrantia rell.J non 
accipitur; 68, 11 per exiguum narium memhrrnn sentit tota fva- 
glantias (DEF'-MS-, flagranfias rell.j; 76, 17 (num illic) euane- 
scentis fraglantiae (D E F MS-, flagrantiae rell.J suauitas hüat. 
An allen diesen Stellen steht fraglare (fraglantia.) für das sonst 
gebräuchliche fragrare (fragrantia), stets bewahrt von E und 
M und meistens von DFS^ (H-L). Auch der anderen Hand- 
schriften Vorlagen haben sicher dieselbe Lesart gehabt, da ihr 
ßagrare (ßagrantia) sich aus der irrthümlichen Metathese der 
Liquiden — zumal da ßagrare den Schreibern geläufiger gc- 
Avesen zu sein scheint als fraglare, denn sonst hätten sie auch 
fraglare hie und da inv ßagrare geschrieben, was aber nirgends 
bei Claudian der Fall ist — von selbst erklärt. Demnach 
kann man behaupten, dass die handschriftliche Ueberlieferung 
einstimmig für fraglare (nicht fragrare) spricht, weshalb ich 
dies auch stets in den Text aufnahm gegenüber den früheren 
Herausgebern, die fragrare edirten. Dagegen lässt sich fra- 
glare für ßagrare aus den Handschriften Claudians nicht be- 
legen, sondern ist in der Bedeutung , brennen^ stets ßagrare 
überliefert, vgl. 56, 18. 87, 6. 101, 6. 120, 23. 

Hieraus ergibt sich für Claudianus die Schlussfolgerung, 
dass fraglare bei ihm stets nur für fragrare gebraucht ist, 



Untersucliiingen über die Sprache des Claiidianus Mainoitus. 515 

uiul d;i letztere Form bei ilmi nie vorkommt, so dürfte die 
Behauptung niebt zu gewagt sein, dass man zu seiner Zeit 
(zum mindesten in GalHen) für fraf/ruve fraglaie spracli und 
sclirieb. Offenbar ist aueli bei Öid. VIII, 14, S. 140, 10 cai-l- 
taiis castiiatisqne flagraniissimum. inc&nsiim turihdln cordia ado- 
letis (so die Handsebriften) nicht mit den Herausgebern, denen 
sieh Lütjohann angeschlossen hat, fragraniissimuni zu sclireiben, 
soncbn-n fraglantissimnni^ obwohl sich auch das liandscliriftlichc 
flttgnuitisswmm sehr gut in der Bedeutung ,helllodernd' lialten 
lässt, da ja incent^um hier nur ,Opfer^, nicht , Weihrauch' be- 
deuten kann (vgl. den Gegensatz niliil, ut audio, ojfertis ignis 
(dieul)-^ man vergleiche zu dem Gedanken Chiudian 56, 18 
flagrantia castae caritatis und 87, 6 caelesti caritate 
fl(.i gr a VC. 

Im Anschkisse an diese Aviseinandersetzung sei es ge- 
stattet, die bekannte Noniusstelle (438, 17 M), über die zuletzt 
d. M. Stowasser in dem Freistädier Gymnasialprogramm von 
1883 84, S. 14 gehandelt hat, zu besprechen. Stowasser schreibt: 
,Cod. Ilarl.: /lag rare [fraglare man. 2] et ignesccra ifa discer- 
aitur, qaod igiiescere incendl et nrdere, ßagrare [fraglare man. 2] 
uero olere. Auch diese Stelle ist noch nicht recht plausibel 
emendirt. Dass Nonius zwischen fragrare und ßagrare unter- 
scheiden will, sahen alle Herausgeber ein, ebenso auch, dass 
das erste ignescere ein ungeschicktes Glossem ist. Hat man 
dies aber erkannt, dann wird keine andere Lesart möglich 
sein als: ßagrare et fragrare ita discernitur, quod ignescere, 
incendl et ardere ßagrare (est, fragrare) uero olere. Dies 
scheint mir die leichteste Lösung der Schwierigkeit.' Obige 
Stelle ist ein evidenter Beweis, dass für Nonius dasselbe Ge- 
setz galt, welches wir oben für Claudian bindend erkannten, 
■ledcnfalls hat man für fragrare zu schreiben fraglare, denn 
nur in dieser Form war eine Verwechslung mit ßagrare — 
eine solche hat ja die Stelle des Nonius zur Voraussetzung — 
raöglifli. Der Sinn der Glosse selbst ist klar: Jiagrare heisst 
brennen, fraglare riechen'. Nimmt man die Lesart der zweiten 
Hand lies Harleianus in den Text auf, so gibt die Glosse einen 
vollständigen Sinn: fraglare et ignescere ita, discernittir, qitod 
ignescere incendi et ardere (e) , fraglare nero olere. Jedoch ist 
es nicht wahrscheiidich, dass das Wort ßagrare als causa 



514 Engel In-ocht. 

moueiis für die Verwechslung der Bedeutung von fraglare mit 
der von Verben, die ^brennen^ bedeuten, gefehlt habe. Um 
es kurz zu sagen: ignescere ist an beiden Stellen Glossem 
(dies erkannte schon Mercier richtig) und dafür flagrare 
zu schreiben, so dass also nach meiner Ansicht die Stelle 
lauten muss: fraglare et ßagrare ifa discernitur, qiiod flcKjj-fire 
inceiidi et ardere {est) , fraglare uero olere. Dass die Schreiber 
an der Stelle durch Vertauschung der Liquiden eine arge 
Verwirrung angerichtet haben werden, lässt sich aus dem ähn- 
lichen Verhalten der Claudianhandschriften leicht erschliessen. 
Der Ignorant, dem wir die beiden ignescere verdanken, las 
wahrscheinlich an unserer Stelle nur (viermal) ßagrare und 
setzte zweimal dafür das Synonymum ignescere. 

Ganz dasselbe lehrt die Appendix Probi IV, S. 201;, 19 K: 
inter fragrat et flagrat hoc interest, qiiod fragrat odorem signi- 
ficat, flagrat uero splendorem demonstrat. So edirt Keil nach 
dem Cod. Montepessulanus 306, saec. IX 5 jedoch scheint mit 
Zuhilfenahme der Lesarten des älteren Cod. Bobiensis (jetzt 
Vindobonensis 17) saec. VIII IX vielmehr zu schreiben sein: 
inter flagrat et fraglat (so Bob.) hoc interest, quod fraglat (so 
Bob.) odorem signiflcat, flagrat uero splendorem demonstrat. Es 
ist einleuchtend, dass der Cod. Montepess. hier der Corruptel 
fragrat im flagrat zu Liebe ganz durchcorrigirt ist, während 
der Bobiensis