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Full text of "Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften"

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SITZUJSfGSBERlCH TE 



DEK 



PHlLOSOrHlSCll-lllSTOKlSCIlEN CLASSE 



DKU KAIi«EKLK'llEN 



AKADEMIE DEK WISSENSCHAFTEN. 



HUNDERTEILFTEK BAND. 



ÜMIT EINKR TAFKL.) 



WIEN, 1886. 



IN COMMISSION BEI CARL GEROLD'S SOHN 

BUCHUlMDLKR DKK EAItt. AKAUKIIIE UKK Wltt»KMHCIIAP-l'KK. 



Druck von Adolf Holzhauson, 
k. k. Hof- nad UaiT«i»it«u-BucU«Irack«r in Wi«a. 



INHALT. 



Seite 

XIX. Sitzung vom 7. October 1885 1 

Reinisch: Die 'Afar-Sprache. 1 5 

KahiSniacki: Die polnische Recension der Magdeburger 
Urtheile und die einschlägigen deutschen, lateinischen und 

czechischen Sammlungen 113 

Horawitz: Zur Geschichte des Humanismus in den Alpen- 

ländem. 1 331 

Busson: Beiträge zur Kritik der steyerischen Reimchronik 
und zur Reichsgeschichte im Xin. und XIV. Jahrhundert. 

I. Der falsche Friedrich 381 

XX. Sitzung vom 14. October 1885 412 

Y. Hartel: Bibliotheca patrum latinorum Uispaniensis. Nach 
den Aufzeichnungen Dr. Gustav Loowe's herausgegeben 

und bearbeitet 415 

Inama-Sternegg: Zur V erfassungsgeschichte der deutschen 

Salinen im Mittelalter 569 

Steffenhagen: Die Entwicklung der Landrechtsglosse des 
Sachsenspiegels. VI. Die Fuldaer Qlossenhandschrift . . . 603 

XXI. Sitzung vom 21. October 1885 643 

XXII. Sitzung vom 4. November 1885 645 

Pfizmaior: Der Prophet Jesaias grönländisch 647 

Werner: Zwei philosophische Zeitgenossen und Freunde 

G. B. Vico's. I. Paolo Mattia Doria 723 

XXIII. Sitzung vom 11. November 1885 797 

XXIT. Sitzung vom 18. November 1885 799 

Pfiz maier: Chinesische Begründungen der Taolehre . . 801 

XXY. Sitzung vom 2. December 1885 868 

XXYI. Sitzung vom 9. December 1885 870 

Leciejowski: Der Lautwerth der Nasal vocale im Alt- 
polnischen. Eine grammatische Studie 873 

XXYn. Sitzung vom 16. December 1885 1036 

Bühl er: lieber eine Inschrift des Königs Dharasena IV. von 
Valabhi. (Mit einer Tafel) 1037 



XIX. SITZUNG VOM 7. OCTOBER 1885. 



Der Präsident begrUsst die Classe bei ilirer Wieder- 
veiTiiiigung nach den Ferien und das neueingetretene Mitglied 
Ili^rrn Professor Bi'diler insbesondere. 

Forner tlieilt der Prilsident mit, dass er Sr. Excellenz 
(K'Ui Curator - Stollvertreter und Ehrenmitgliede der kais. Aka- 
demie Herrn Anton Ritter von Schmerling die GlUckwunsch- 
adresse dieser Kiirperschaft am 22. August in Aussee persönlicli 
üborreiclit habe und von dem Herrn Jubilar wiederholt er- 
sucht worden sei, seine wärmsten Danksagungen der Akademie 
darbringen zu wollen. 

Endlich gedenkt Se. Excellenz der Verluste, welche die 
(lasse seit ihrer letzten Sitzung erlitten hat, indem am 12. August 
das ausländische Ehrenmitglied Professor Dr. Georg Curtius in 
Leipzig und am 18. August das correspondirende Mitglied im 
Auslande Professor Dr. Ludwig Lange in Leipzig verstorben 
ist. Die Mitglieder erheben sich zum Zeichen des Beileides. 



Von Herrn Professor Dr. Franz Hofmann und von Herrn 
Professor Dr. E. Mühlbacher in Wien sind Dankschreiben illr 
ihre Wahl zu correspondirenden Mitgliedern der kais. Akademie 
eingelaufen. 

Der Präsident des Executiv-Comit<^s des dritten intx?r- 
nationalen GefUngniss-Congresses, welcher in Rom am IG. No- 
vember d. J. stattfinden wird, ladet zur Entsendung eines 
Delegirten ein. 

Sitxnnirsber. d. phil.-hist. Ol. CXI. Bd. I. Uft. 1 



Das k. u. k. Ministerium des Aeussern widmet der akade- 
miseben Bibliothek eines der Exemplare von dem Werke 
,Cbina and tlie Roman Orient^ welcbe der Verfasser, Dr. 
Friedrieb Ilirtb, kais. ebinesiseber Vice-ZoUdirector in Sbangbai, 
dem genannten Ministerium zur Verfügung gestellt bat. 

Ferner werden nachfolgende Druckwerke vorgelegt, welclie 
mit Zuschriften eingelangt sind: 

jBosquejo geogräfico e historical -natural del Arcbipelago 
Filipino' por Don Ramon Jordana y Morera, ein Geschenk 
des k. spanischen Ministeriums der Colonien, übermittelt von 
dem k. u. k. Ministerium des Aeussern; 

,Geschichte der Wissenschaften in Deutschland', 20. Band, 
enthaltend die Geschichte der deutschen Historiographie von 
F. X. von Wegele, eingesendet von der historischen Commission 
bei der k. Akademie der Wissenschaften in München; endlich 

eine Sammlung der Schulprogramme des Stiftes Ein- 
siedeln in der Schweiz. 

Das k. k. Ministerium für Cultus und ünteri'icht theilt 
den Reisebericht des k. k. Hauptmannes Herrn Heinrich 
Himmel über Palästina und Syrien zur Einsichtnahme mit. 



Das w. M. Herr Professor Dr. Leo Reinisch übersendet 
ftir die Sitzungsberichte eine Abhandlung, betitelt: ,Die *Afar- 
sprache V. 

Das c. M. Herr Prof. Dr. Adalbert Horawitz legt zur 
Aufnahme in die Sitzungsberichte eine Abhandlung unter dem 
Titel: ,Zur Geschichte des Humanismus in den Alpen- 
ländern L' vor. 

Von dem c. M. Herrn Professor Dr. Busson in Inns 
brück wird zur Veröffentlichung in den akademischen Schriften 
eine Abhandlung unter dem Titel: , Beiträge zur Kritik der 
steierischen Reimchronik und zur Reichsgeschichte im XIII. 
und XIV. Jahrhundert. I. Der falsche Friedrich' eingesendet, 
welche in den Sitzungsberichten Aufnahme linden wird. 



Herr Professor Dr. Gottfried Edmund Fries s in Seiten- 
stet ten übermittelt zwei Arbeiten: 

,Da8 Todtenbuch des Benedictiner-Nonnenstiftes St. Eren- 
trud auf dem Nonnberge in Salzburg' und 

,Die Todtenbücher der deutsch -österreichischen Alpen- 
länder mit Auszügen aus den bisher ungedruckten Nekrologien 
von Göttweig, Kremsmünster, Lambach, Traunkirchen, Ossiacli 
und Milstadt% mit dem Ersuchen um ihre Veröffentlichung in 
dem Archiv. 

Die Vorlagen werden der historischen Commission über- 
geben. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Aoademia Romana: Analele. Seria II, TomulCi VII, 1884 — 1885. Sectiunea. 
Bucuresci, 1885; 4^ 

— — Documente privitAre la Istoria R(»manilor Urmare la colectiunea 
lui Ludoxiu de Hnrmuzaki. Suplemeiit I, Volumiil II, 1781 — 1814. 
Bucaresci, 1885; Folio. 

— — Etymologicum magnum Romaniae. Dic^iouarul limbei istorice ^i 
poporane a Roraanilor de B. Petriceicu Hasden. Fasciora I. A — Acat. 
Bucuresci, 1885; 4«. 

Acad^mie royale des sciences, des lettres et des beaux-arts de Belgrique: 
Bulletin. 54* ann^e, S's^rie, tome 9, Nos. 6 et 6; tome X, No. 7. Bni- 
xelles, 1885; 8^ 

Ackerbau-Ministerium, k. k.: Statistisches Jahrbuch für 1884. 1. Heft: 
Production aus dem Pflanzenbau. 3. Heft: Der Bergwerksbetrieb Oester- 
reichs im Jahre 1884. 1. Lieferung. Wien, 1885; 8". 

Akademie der Wissenschaften, königl. preussische zu Berlin: Preussische 
Staatsschriften aus der Regierungszeit König Friedrichs II. II. Band. 
Berlin, 1885;. 8«. 

Association, the American philological: Transactions 1884. Vol. XV. Cam- 
bridge, 1885; 8". 

Central-Commission, k. k. statistische: Oesterreichische Statistik. IX. 
Band, 1. Heft: Statistik der Unterrichtsanstalten für das Jahr 1882 
bis 1883. Wien, 1885; gr. 4". — 2. Heft: Statistik der Banken für die 
Jahre 1882 und 1883. Wien, 1885; gr. 4". - 3. Heft: Statistik der 
Sparcassen für das Jahr 1883. Wien, 1885; gr. 4". — X. Band, 4. Heft: 
Waarendurchfuhr im Jahre 1884. Wien, 1885; gr. 4". - VI. Band, 
1. Heft: Die Srgebnisse der Civilrochtspflege im Jahre 1882. Wien, 
1885; gr. 4". 
Gesellschaft, k. k. geographische in W^ien: Mittheilungen. Band XXVIH, 
Nr. 4—9. Wien, 1885; 8". 

1» 



John HopkiiiK ITnivomty Circular». Vol. IV, No«. 40 et 41. Baltimore, 
1886; 4«. 

— The Amorican Journal of Philoloffy. Vol. VI, 2. Baltimore, 1885; 4^ 

— StudioH in historical and political iicience, 3. BerioR VIII. ,The Infiaence 
of tho Proprietor« in foumlin^ the 8tate of New Jersey. Baltimore, 
1885; 8". — 8. SerioH IX— X. American Constitution». Baltimore, 1885; S«. 

Mittheilungfon auH Jnntun Perthe»* g^ofj^raphischer Anstalt von Dr. A. 

Potei-mann. XXXI. Band, 1885. VIII., IX. und Ergänzungfsheft Nr. 79. 

Gotha, 1885; 4^ 
Society, the Asiatic of Bengal: Jonmal. N. S. Vol. XIV, part I, Nrs. 1 

et 2. Calcutta, 1885; 8». 

— Proceedings. Nrs. I— V. Calcutta, 1886; 8^. 

— Bibliotheca Indica. Collection of Oriental work». N. S. Nrs. 632, 638 
bis 640. Calcutta, 1886; 8". — Old 8. Nr. 250. Calcutta, 1883; 8^ 

— tho royal Asiatic: The Journal of the Bombay Branch. Extra Number. 
Vol. XVU, No XLIV. Bombay, 1884; 8". 

— the royal poographical : Proceodings and Monthly Record of Geography. 
Vol. VII, Nrs. 7—9. London, 1885; 8". 



Reinisch. Die *Afar-Sprftche. I. 



Die Afar-Sprache. I. 

Von 

Leo Beinisch, 

wirkl. Mitgliede der kais. ^Akademie der Wissenschaften. 



Während meines viermonatlichen Aufenthaltes in Massaua 
vom November 1875 bis Februar 1876 wurde mir eines Mor- 
gens der Besuch von Bilal-Nugliz, Königs der Buru-*Afar, ge- 
meldet. Bald trat derselbe, von einem Knaben geführt ein, 
ein blinder Mann von etwa vierzig Jahren, von reckenhafter 
Gestalt und stolzer Haltung. Nach der üblichen Begrüssung und 
Bewirthung motivirte er mir im Idiom der Tigrö den Zweck 
seines Besuches und sprach: Ich bin Bilal-Nugus. Fünfzehn 
Regenzeiten sind um, seit mir die Buru das Haupt eingehüllt 
und mich auf den Stein gesetzt haben. Niemand führte offene 
oder heimliche Klage über mich, denn ich that Jedem nach 
seinen Werken. Es gab keinen Hungernden; denn alle Buru 
trinken Milch von zahlreichen Kamelen, Kühen und Ziegen. 
Aber Allah ist der Starke und Mächtige und er erhöht imd er- 
niedrigt nach seinem Ermessen. Bilal berichtete nun weiter, 
dass vor einem Jahre sein linkes Auge erkrankt sei: an dem 
Augenlide habe sich ein Auswuchs gebildet, den ein abessinischer 
Arzt mit glühendem Eisen ausgebrannt, dadurch aber auch das 
Auge geblendet habe. Kurze Zeit darnach sei auch das rechte 
Auge trübe geworden und habe allmälig die ganze Sehkraft 
verloren. Da er als blinder Mann das Volk nicht anführen 
könne, so sei ihm sein jüngerer Bruder zum Wakil beigegeben 
worden, der nun die Buru führe. Nun habe er (Bilal) durch 
Schifferleute gehört, dass ein Frängi in Massaua weile und so 
sei er zu mir gekommen, ob ich ihm wohl wieder zu seinem 
Augenlichte verhelfen möge. Ich drückte ihm mein Bedauern 
aus, ihm nicht helfen zu können, weil ich kein Ai'zt sei, stellte 



Efti ftifeh. 



ihm aber in AiiHHicIit^ rla in kurzer Frist ein Pascha mit Sol- 
daten aus E^ypt<;n in MaMnaua erwartet werde, dass mit diesen 
sicherlich auch It<;pmentiiärztc anlangen würden, die dann sein 
Augenleiden untersuchen könnten. Ich machte ihm nun das 
Anerbieten, bei mir so lange zu bleiben, bis jene angemeldeten 
Truppen eingetroffen seien. ßilalNugus nahm diesen Antrag an 
und so kam ich in die erwünschte Lage^ von ihm mit Hilfe 
meines Saho - Dolmetsch Abdallah Dasamoyta die 'Afar- 
Sprachc zu erlernen. Die folgenden Texte sind Dictate von 
Bilal-Nugus, denen die gegenüberstehende Uebersetzung ins 
Öaho von Abdallah aus dem Stamme der Dasamo-Saho bei- 
gegeben ist. 

üeber die linguistische Stellung dieses Idioms verweise 
ich vorläufig auf die einschlägigen Untersuchungen und Aus- 
führungen von Friedrich Müller und Robert Cust. 



1. Zwiegespräch. 

Text in der 'Afar-Sprache. UoborHetzunp ins Saho. 

1. A. l\n}hiddP Nfujd Tiurfjal 

2. B. Mdhisa."^ Ma*d mähä iß. 

3. A. Bälo ma*At^ Bälö ndgä kifinlf 

4. B. Balö ma'ä, liayef Bald ma'Aj ähd! 

5. A. Balö ndgayf Bnlo ndya kinnif 

6. B. Bälö ndgay, haye! Bälo ndgä kinnl, ähd! 

7. A. Innl buld-k avidta, lliniii dik-ik avidta. 

8. B, Ifaye! iba-k iaindtat Ahtil hal6-l iaindtai bdd-al 
bäd-ak famdtaf tamdtaf 

i. A. Outen Morg^enl — 2. B. Outen Morgen! — 3. A. Ist das Befinden 
gut? — 4. Ä Oanz gut, ja wohl! — 5. A. Ist das Befinden gut? — 6. B. Ganz 
gut, ja wohl! — 7. A. Ich komme von meiner Heimat. — 8. B. 8o so! 
Kommst du zu Fuss oder zu Wasser? 



* Hast du den Morgen (gut) zugebracht? von nabada. 

2 Ich habe den Morgen (gut) zugebracht; mah Morgen, mafi-is den Morgen 

zubringen. 
2 Ist die Erde (das Land) gut (sicher)? 



Die 'Afkr-Spraehe. I. 



9. A. Bdd'ok amdta, bdd-ak 
döniki amata, döniki Ddsl yö 
bä/ta, Ddsl'k döniki amdta. 

10. B. Hayi! 

11. A, Dötiiki Mvsüw^a-l öba, 

12. B. Hayi! 

13. A. Musutc'al dlzä ka dlzä 
abld liyö. 

14. B. Hayi! 

15. A. Kambo Ydlll yö yay- 
durd'k inni büld addrü-tcd. 

16. Ä Haye! 

17.-4. Hdydod tä liyü-niaqa- 
däbii-wä, 

18. B, Hayi! 

19. A. Düyi, gabd-d luk-and- 
ml'k icili-m sdra-d hi-h an. 

20. B. Hayi! 

21. ^. Wili-m inni betd-h an, 

22. B, Hayi! 

23. A. Wili-m imbakö-d hi-h 



an. 



24. B. Hayi! 

25. A. Wili-m rüd-id hih an. 

26. B, Hayi! 

27. A. Wili-m daro-d hi-h an. 

28. B. Hayi! 

29. A. Wili-m barbari-d hi-h an. 



Anü bädal amdta, mlabd-d 
amdta, salabdd Ddsl-l amdta j 
Dhsl-kö ^idaJnid amdta. 

Ahii! 

bälabdd Miisuw'al amdta. ö 

Ahä! 

Musüw*al tUzä ka dlz* abld 
kald dna. 

Ahä! 

Yalli yi yadaba-n-kö hinni U) 
dik-il gahd~m fd^a. 

Ahä! 

Hajd liyö-m abitö fdla. 

Ahä! 15 

Mal gabd-d li-k ind-mi-k abld 
sdra-l ohöy dna. 
Ahä! 

Wüim anü hinni betd dna, 
Ahä! 20 

Wüim timbaköl ohöy dna. 

Ahä! 

Wüim riiz-ul ohöy dna, 

Ahä! 25 

Wilirn üduW'ol ohöy dna. 
Ahä! 

Wilim barbaril ohöy dna. 



9. A. Ich komme zu Wasser, zu Wasser mittelst Schilf, das Schiff 
brachte mich nach Deset und von da hieher. — 10. B. So, so! — 11. A. Zu 
Schiff kam ich nach Massaua. — 12. B. So, so! — 13. ^4. In Massaua bleibe ich 
einen und einen halben Monat. — 14. B. So, so! ja, ja! — 15. A. Und wenn 
mich Gott wieder heimführt, kehre ich in mein Dorf zurück. — 16. J?. Ja, 
ja! — 17. A. Die Geschäfte, welche ich habe, will ich zu Ende führen. — 
18. B. Ja, ja! — 19. A. Von dem Gelde, das ich in den Händen habe, lege 
ich einen Theil auf Kleidung aus. — 20. B. Ja, ja! — 21. A. Einen Theil 
verbrauche ich selbst. — 22. B. Ja, ja! — 23. A. Einen Theil lege ich auf 
Tabak ans. — 24. B. Ja, ja! — 25. A. Einen. Theil lege ich auf Reis aus. 
— 26. B. Ja, ja! — 27. A. Einen Theil auf Durra. - 28. B. Ja, ja! — 
29. A. Einen Theil auf Pfeffer. 



8 



Beinisch. 



30. B. Hatje! 

31.^. Wlli-m ha8('da-d lieh an . 

32. B. Haye! 

33. A, Wili-m doba'd-ytü-d 
5 hi'h an. 

34. B. Hayi! 

35. A, Wili-m harer-id h6-h an. 

36. B, Haye! 

37. ^. Wüi'in 8öknra-d he-h an. 
10 38. B. Haye! 

39. A. Düye (jabd-d be-mt-k 
tamd abd-h an. 

40. B. Haye! 



AhA! 

Wilim s(igurt-il ohöy dna. 

Ahä! 

Wtlivi miusuwdn-al ohdy dna. 

Ahä! 

Wilim karer-il ohöy dna, 
Ahä! 

Wilim 8ökär-al ohöy dna. 
Ahä! 

Mal gabd-d li-k ind-m amdy 
ak abd dna. 
Ahä! 



30. B. Ja, ja! — 31. A. Einen Theil geb' ich auf Zwiebeln aun. — 
32. B. Ja. ja! — 33. A. Einen Theil auf Indigo. — 34. B. Ja, ja! — 
35. A. Einen Theil auf Seide. — 36. B. Ja, ja! — 37. A. Einen Theil auf 
Zucker. — 38. B. Ja, ja! — 39. A. Mit dorn Gelde, da« ich habe, mach' ich 
es demnach slUo. - -10. B. Ja, ja. 



2. Frauen, welche um Polyandrie petitioniren. 



1. Agabi reddntn-l sakiydta 
15 ydla iyan, redanti : ,mahd fdl- 

4anV ydleha iyan, 

2. ^Fandla-m kö warisenü wäy- 
na' ydlehan iyan dgabt. 

3. ,Yö warsltä!* ydleha iyan 
20 reddntJ. 

4. yinki ba^cdi gira-k gdla 'eri 
ikä nö'd hä-m md-ll, bdHl nö 
o»ism namdta* ydlehan iyan. 



iSäyö rcddnföl yasknünd ya- 
ddyn yan, jAy falddnäP tdn-ak 
ya\elid yan rtdnntl. 

,Fdnda-m kö warUenü Ivn/ 
yalduin yan säyö. 

, Yö wariHä!* tdn-ak yalehä yan 
reddntl. 

Jnki bä'eli girn-kö ytuld tikd 
kinnl-nkd nö abd-vi md-la, bail 
nö Ö88Ö namdta* ak yalehän yan. 



1. Frauen kamen zum Häuptling, Beschwerde zu filhreu. ,Wa8 wollt 
ihr?* sprach zu ihnen der Häuptling. 

2. ,Was wir wünschen, wollen wir dir sagen,* sprachen die Frauen. 

3. ,Nun so redet!* sagte der Häuptling. 

4. Da sprachen die Frauen: ,Ein einziger Gatte ist fiir uns wie der 
Rauch, der vom Feuer geht und genügt uns nicht; wir kommen daher, dass 
da uns mehr Gatten gewährest.* 



Die *Afur •Sprache. I. 



9 



5. ,Marhabd-k, berä yö-l gdhäf* 
yäleha iyan. 

6. Agabi bälo maxtd toak eile 
yöhani iyan. 

7. ,Lähe kün, wadär liäUj gäU 
hau bdhä!^ ydlefia iyan reddntl, 
^idöhd 8ä*i hän yöl bdhäl* yd- 
leha iyan. 

8. Sidöhd 8ä*l hän tili bähani 
iyan. 

9. ,Esgellä!* ydieha iyan, ,8%- 
döhä hän, wadär Iiän, gäU hän, 
lähi hän, tä sidöhd hän iidda-d 
esgelläy kdnikf* ydleha iyan» 

10. Yasgalani iyan. ^ Sidöhd 
8(ti hän tä wak tidda-kbalissäy !^ 
ydleha iyan reddnti, 

11. Jnki adö Jiän, iidda-k nö 
md'balisima^ ydlehan iyan. 

12. ,Sinni bedisiind we-k sindm 
tlddak akd balissan ikä, mä' 
gaytdnl-k; inki tätet U *dri oröb- 
täy el/ihä!^ ydleha iyan. 

13. Agabi övoba iyan. tä yd- 
[elia iyan rtddnti. 



,Ma*d-k, berä yöl gdhä!' tdnak 
yalehd yan. 

Säyö bald mayjtd ged e-l gahdn 
yan. 

jLä-ti hän, aldh hän, gäli hän ö 
yöl bahitä!^ tdnak yalehd yan 
reddnti, ,adöhä säH hän yöl bä- 
hüä!^ tdnak yalehd yan. 

Adöhd 8äH hän Bl bahdn yan. 

10 

,Esg(illantd !* tdnak yalehd yan, 
yoldh hän, gäli hän, läti hän, tä 
adöhd hän sidda-d esgillä tdn-ik!' 
yalehd yan. 

Yasgalin xjan. j Adöhd 8äH hän 15 
kddö sidda-kö ifiliyä!* yalehd yan 
reddntl. 

,Inki ginä la adö hän, nö inh 
yamfüiya^ yalehdn yan. 

,Sinä amßliydwi-nkö heyö sinä 20 
mä-tamfiliyd-ki, umäntyd sinni- 
sinni 'dre . orobä eldhä!^ yalehd 
yan. 

Säyö orobdn yan. tdlie yalehd 
yan reddntl. -ö 



5. ,Gut/ sagte der Häuptling, ,konimt morgen zu mir!* 

0. Am folgenden Morgen kamen zu ihm die Frauen wieder. 

7. Da sprach der Häuptling: ^Bringt her Milch von Kühen, Ziegen 
und Kamelen, von diesen drei Thiergattungen bringt die Milch!* 

8. Sie brachten nun von diesen die Milch. 

9. Da sprach der Häuptling: ,Nuu mischet diese drei Milchsorten, die 
Ziegen-, Kamel- und Kuhmilch zusammen!* 

10. Sie mischten sie nun zusammen. Da sprach der Häuptling: ,Nun 
scheidet die Milcli dieser drei Thiergattungen wieder auseinander!* 

11. Da sagten die Frauen: ,Es ist ja alles weisse Milch, die kann man 
also nicht scheiden.* 

12. Da sprach der Häuptling: ,Wenn ihr diese nicht scheiden k^Jnnet, 
so kOnnt ihr auch unter den Männern nicht sondern; kehrt also heim, jede 
nach ihrem Hause!' 

13. Die Frauen kehrten also heim. Also entschied der Häuptling. 



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5/, yrfiiUiUf Wi*At'Mf. am Folyandrie petitioniren 



1, /tf/zi//// rfuLhUfi^l miluy4ifi 
\ti fidlu ifitm, mltiiUit fmaiiA fd^- 
ijanV /ffiltihu iyan, 

na' i/tiUltuft li/m tff/fiJn, 

•io nu/tlnff, 

4. Juki hk'ali (/li'n k t/dlu *irl 
Uca ni)-d Im m mak, hnUl no 
ohUhü namdia* i/dla/um iyan. 



Hdyo reddutül yii^hiunä ya- 
ddyn yan. ,Ay fal/jdnäP tdn-ak 
y^iidpi yan rtddntu 

^Fdrylarm kö icari^enü lino^ 
yaltJ/dn yan «ä#/ri. 

, Yö warUä!* tdn-ak yalehd yan 
rBddntl, 

Jnki bä'eli glrd-kö yadd tikä 
klnnhnkä nö ahd-vi mä-la, baU 
nö östtö namdta^ ak yalehdn yan. 



1. Frauon kainoti kuiii llüu|itlln)f, Bovchwenlo zu führen. ,Was wollt 
ilir?* sprach zu ihnen der IIHuiitllnK. 

2. ,Wa8 wir wünschen, wollen wir dir wigen/ sprachen die Frauen. 

3. ,Nun «o redet!* «ap^to der HHuptlinff. 

4. Da sprachen die Frauon: ,Kin <dn»l«:er Oatte ist für uns wie der 
^auch, der vom Feuer geht und jjenü^ft nun nicht; wir kommen daher, dass 
au uns mehr Gatten gewährest.* 



Die 'Afar-8prache. I. 



11 



7. Wo nüm küda iyan. dbbä 
b^la-l yamdta iyan. ,tcö küdd 
nüm mahd kndd numüP yäleha 
iyan dbbd m bdlak. 

8. Bali: ,icö küdd nüm atü 
okälö mala kö yubild wak büld 
wari^H küdd yan^ ydleka iyan. 

9. Abbä mahalü'll kay Idk-al 
gdla iyan, wo nüm yalebald iyan, 
wo niimüd mahdlü he iyan, wo 
nüm rdba iyan. 

10. Büld-mdri tö nümi hdne 
wo nüm *eydani iyan. wo aüki 
tö dba iyan. 



AmA heyöti küdd yan. dbbä 
bdlal yamatdyan. ,tä küdd heyöti 
ay küdd heyötöP yalehd yan (ibbä 
iäi bdlak. 

Bali: ,tä Iieyöti küdd-m atü 5 
h^rd'd mala kü yvbüd-ged diki 
wariiü küda ydna^ yalehd yan, 

Abbä mahalö'll ka ibal yaddy 
yany amd heyöti yandebald yan, 
amd heyötöP mahdlö hay yan, 10 
amd heyöti rabd yan. 

Dik'ti märi amd heyöti häne 
ka yigdifin yan. amd eiid* öki 
töy abd yan. 



7. Da lief jener Mann. Der Vater kam nun zum Knaben und fragte 
ihn: ,Warum lauft denn jener Mann?* 

8. Der Knabe antwortete: ,Er lauft hin, um im Dorfe es zu erzählen, 
weil er dich die Eselin beschlafen gesehen hat/ 

9. Da eilte ihm der Vater auf dem Fusse nach, holte ihn ein und 
warf seine Lanze nach dem Manne; dieser starb. 

10. Da tödteten diesen die Bewohner des Dorfes zur Sühno für jenen 
Mann. Solches vollbrachte jener Knabe. 



4. Die Mutter, welche ihr Kind von sich weist. 



1. Abagöytd ddlta iyan. daltd 
hdlä hinta iyan, sin am: ,ydUl kö 
ydmük! bälä mahd hentaV yd- 
lehan iyan. 

2. ,Tamd bdlähend anik wön- 
nä yök bdyäf^ tdlelui iyan. 



Nümd daltd yan. daltd dukä 15 
hentd yan. heyö: ,yalli ko yd- 
mo'k! dükä ay MntaV yalehda 
yan. 

,Tä bdlä hind and-k amidal 
yök bdyä.^ talelid yan. 20 



1. Eine Frau gebar. Das Kind aber, das sie geboren hatte, verab- 
scheute sie ,Gott verfluche dich!* sagten die Leute, ,weshalb vorabscheuest 
du dein Kind?* 

2. ,Ich verabscheue diesen Knaben, schafft ihn weg von mir!* erwi- 
derte sie. 



1 Vgl. Bilinsprache, Leipzig 1883. I, 93, Nr. U. 



12 



Reinisch. 



3. üifidin ahatd-m tdijama iyan. 
dbhak: ,k& bald bälä hinta* yd- 
{elian iyan, 

4. jFuifi dkä yomd abagöytd 
5 bälä mdnnä hmtdk, *a8*a8i ulü- 

Wily, hald'k takdrä!^ yäleha iyan 
dbbä, 

5. Yulmoani haldk hBnt iyan, 
jyi rdbä mä-tafarani, bald yd 

m^QgälUsani^ tdleha iyan, 

6. *A8*a8it *awülta iyan, 'awul- 
td wak haldk obisani iyan. si- 
ndm: ,mahd äbonüP ita, isinnl 
dkä (jalani iyan. 

ö 7. l)a*dnä yan nümüy büld-l 
»mja ydn-ik: /ibagöyid bnlä hin- 
tdk mahn äbonuP ydlehan iyan, 

8. ,Iidlä abaijoytak gdrü hdyä 
eheyd, hdlak amök tdüwä!^ yd- 

leha iyan. 

9. Eheyd bdlak amök ytdmoani 
iyan, fbälnl eheyd kök niddü wily- 
ta* ydliJian iyan. 



lle/yö ubdua-m söldn yan. ta 
dbbak: ,kü bald ü' dükä hentd' 
ak yalehdn yan. 

, Yalli ta yomd nümd bdlä ay 
gdyta hentdk irö sand tvlumini 
haldk takiirä!* yalehA yan dhbä. 

Yulutüini haldk hdyn yan, ,yi 
rdbä md-tantdna, dükä yi mä- 
habüssdna' talehd yan. 

Irö 8and-d *avouUd yan, *awfd' 
td-ged hald-kö obiSdnyan. heyö: 
,ay dbonü?* yani slnni ak ya- 
ddyn yan. 

Bdrä kin heyotök dik-il süga- 
yd'k: ,nümd dükä hentdk ah 
iSenilP ak yalehdn yan. 

,Bdlä nämd't agdga-l hä nia- 
lalidn, bali buka-l ak ulüwä!^ 
yalehd yan. 

Malahdn baU bükak yuluwin 
yan. ,bdlal malahdn kok rdddü 
W ak yalelidn yan. 



3. Die Leute wusston nicht, was lu machen und sprachen su ihrem 
Vater: «Deine Tochter verabscheut ihren Sohn/ 

4. ,Qott vertlaniuie dieses Weib, das abo das Kind verabscheut! Bindet 
der Frau die Arme auf den Rücken und hängt sie auf einen Baum!' erwi- 
derte ihr Vater. 

5. Man band sie nun und hängte sie auf einen Baum. Und sie 
sprach: ,Ihr k(tnnt mich wohl tödten, aber nicht vermögen, mein Kind su 
warten.* 

6. Bei der Aufbiudung wurde sie aber ohnmächtig und man Hess sie 
wieder herab. ,Was soll mau machen?* sagten sie und gingen von ihr. 

7. Zu einem grt>ist?n Manne, der im Dorfe war, sprachen sie: ,Was sollen 
wir mit einer Frau machen, die ihr Kind verabscheut?* 

8. Dieser erwiderte : ,llängt neben der Frau einen Mühlstein Aber dem 
Kinde auf!* 

9. Sie hingen denn einen Mühlstein über dem Knaben anf und sagten 
sur Fmu: »Der Mühlstein wird über deinen Knaben fallen.* 



Die 'Afar-8pnche. I. 



11 



7. Wo nüm kiidu iyan. cihhä 
bäia'l yamdta iyan, ,icö küdä 
nüm mahd küdä numüP yäleha 
iyan dbhä ist bdlak. 

8. Bali: ,wö küdd nüm atü 
okdlö mala kö yubild wak büld 
icarisü küdd yati^ ydleha iyan. 

9. Abbä malialu-ll kay Idk-al 
gdla iyan^ icö nüm yalebald iyan, 
wo nitmüd mahdlü he iyan, wo 
nüm rdba iyan, 

10. BüM-mdri fö nümi hdne 
ICÖ nüm 'eydani iyan, wo aCdd 
iö dba iyan. 



Amd heyöti küdd yan, diibä 
bälal yamatdyan, ,fä küdd heyöti 
ay küdd heyötöP yalehd yan dbbä 
iH bdlak. 

Bali: ,fä Iieyöfi küdd-m atu 5 
hBrd'd mala kü yubild'ged diki 
warl§ü küda ydna^ yalehd yan, 

Abbä mahalö'll ka ibal yaddy 
yan, amd heyöti yaiidebald yan, 
amd heyötöP mahdlö htiy yan, 10 
amd heyöti rabd yan. 

Dik'ti märi amd heyöti häne 
ka yigdifin yan. amd eii4* oki 
töy abd yan.. 



m 

7. Da lief jener Mann. Der Vater kam nun zum Knaben und fragte 
ihn: ,Warum lauft denn jener Mann?* 

8. Der Knabe antwortete: ,Er lauft hin, um im Dorfe es zu erzählen, 
weil er dich die Eselin beschlafen gesehen hat/ 

9. Da eilte ihm der Vater auf dem Fusse nach^ holte ihn ein und 
warf seine Lanze nach dem Manne; dieser starb. 

10. Da tödteten diesen die Bewohner des Dorfes zur 8ühno für jenen 
Mann. Solches vollbrachte jener Knabe. 



4. Die Mutter, welche ihr Kind von sich weist. 



1. Abagöytd ddlta iyan. daltd 
bdlä hinta iyan, sindm: ,ydlll kö 
ydmükl bdlä mahd hentaP yd- 
lehan iyan. 

2. , Tamd bdlä liend anik won- 
nä yök bdyä!^ idlelia iyan. 



Nümd daltd yan. daltd dukä 15 
hentd yan. heyö: ,yalli ko yd- 
mok! dukä ay MntaV yahhdn 
yan. 

,Tä bdlä hind and-k amidal 
yök bdyä.^ talehd yan. 20 



1. Eine Frau gebar. Das Kind aber, das sie geboren hatte, verab- 
scheute sie ,Gott verfluche dich!* sagten die Leute, ,woshalb verabscheuest 
du dein Kind?* 

2. Jch verabscheue diesen Knaben, schafft ihn weg von mir!* erwi- 
derte .*iie. 



» Vgl. Bilinsprache, Leipzig 1883. I, 93, Nr. U. 



14 



Reinffch. 



(). y ( )lülüd afara oddur sUgani /Oll'düd afarn lodkte kalnd 

imnä nini lüJi (jahdd ninö iiddä nandk Icüi gabdd llnök sidda 

waynd nduik mi tvarisey!^ yd' wfma naiidk nö wnri»!' ak ya- 

{sfian iyan yäh ydliga utimrik, [ehan yan wäni yaligd heyötök. 

6 7. Wo nrnn Süjnälita'k: ,atü Amä heyöfi Somälitak: jaiu 

nudid tu?* yd{eJia iyan. ,anü: ay taV yalehd yan, ,anü: görä! 



,görn! d(eha^ ydleha iyan. 
S. ^Arah nrimnk: ,a(t( maha 



al^ihd^ yaj^hd yan Sa^nälitl. 
*Arabtöy(aJc: yatü ay taf' ya- 



taP ydleha iyan. 'Arah nüm: l^hd yan, ,awti; ddhah! aleJid^ 

10 ,nnrt ddhah! dleJia' yd{(iha iyan, yalehd yan *Arabt6ytt. 

9. *Afdr nRmük: ,atü mahd Dankaldytak: ,atu ay taP ya- 

taV ydlelia iyan, ,anu: no ir- l^hdyan. yanünö urhüdä! aleJid^ 

hidä! dleha* ydleha iyan ^Afdr yalehd yan Dankaidyth 
nüm. 

ir> 10. ,Inki änkard kinnik: ir- yinkiqäl khinik: urhüdäl' ya- 

hidä!^ ydleha iyan. tö läh tu \cak lehd yan. fö adöhn heyöfi läJi 

yirhidan iyan. tö sldöhd nüm tö yurhudin yan, yurhudinlk sdrral 

läh yirhiddw icak waddimani ioaddimdn yan. tu märi amuy 

iyan. wö-märi ico ge iyan, 9^y^^ 2/^^'- 

ß. Zu dio80m nun «praohou sie: ,Vier Tage liunj^ern wir Bchon, ob- 
wohl wir eine Ziege beftitzen ; nun dolmetsche un.s!* 

7. Der Mann nun sprach »um Somali: ,Was sagtest du?* ,Ich sagte: 
gora!* erwiderte der Somali, 

8. ,Und was sagtest du?* fragte er den Araber. ,Ich sagte: abdah!* 
erwiderte dieser. 

9. ,Und was sagtest du?* fragte er den Dankali. Jrhida! sagte ich/ 
erwiderte dieser. 

10. fDas ist ja ein und dasselbe Wort, nämlich: ^schlachtet!* sagte der 
Mann. Nun schlachteten sie also jene Ziege und sättigten sich. Das ist jenen 
Männern passirt. 



6. Abu-nawwas. 

20 \, Ahü-nduiräs yan num ydna Ahf(nduwa.*i akdn heyöti yind 

iyan, Nüniil: ,gidöhd hol laqa'ok yan. Wiii heyöti: yntiyä adöhd 

ak ahdy nüm iya tß bdd-ad hol qurn§-kö ak ahdyfl tä bäd- 

ifina-mP ydhha iyan. ad 4n^d'tiV yalehd yan. 

1. Rs war ein Mann Namens Abunauwas. Einst äusserte Jemand: 
^dreihundert Thaler gebe ich dem Manne« der in diesem Flns8 die Nacht 
Bubringt.* 



Die 'Afftr-Sprache. I. 



13 



10. ,Yi bald yö bähä!' fdleha ,Yi bäjä yö bahä!^ talehd yan. 
iyan. Bald icö abdw tcak hab- bälä amdy abän-ged habuytd 
büyta iyan. yan. 

10. Da sprach die Frau: ,Bringt mir meinen Sohn!* Nachdem sie so 
an dem Knaben gethan, liebte sie ihn von da an. 



5. Der Araber, der Somali und der Dankali. 



1. Sidökä nüm safdrä tidda-ll 
gdl4a iyan. tl *Arabt6ytä, tl So- 
mältöj tl ^Afdrtö iyan, tl tiya-k 
yäb mä-ynbba iyan. 

2. Sidöhök gdl4a iyan, bär 
dabd^ta iyan, büld-l yimbidani 
iyan. 

3. Büld läh dkä tahe iyan. 
ama läh bdyta iyan, tl: ,görä!' 
ydleha iyan Sömäliti. ,Adhah!^ 
ydleha iyan *Arabtöyti. ,Nö irhi- 
dä!* ydleha iyan *Afdril. 

4. Bär-ü fardy, lo*ö fardy 
yäb iiddä tagama, *olülü'd tö 
gide sukta iyan. 

5. Fari han zdJcü 'Arab yd- 
Uga nüm, 'Afdr af ydliga nüm, 
Swnäli-h af ydliga nümül ya- 
m&tan iyan. 



Adöhä heyöti ardli sidda-ll 
yaddyn yan. tl 'Arabtöytäf U 
Sömälitä, tl Dankaldytä kl yinin 
yan, ti tl xcänl mä-yabini yan. 

Adöhök yaddyn yan, bär da- 
ba^dn yan, dÜc-ü mahdn yan. 



10 



Dik läh tdnä yohöyn yan. 
amä läh büttdn yan. tl: ,görä!* 
yalehd yan Sömäliti. ,Adhah!* 
yalehd yan 'Arabtöyti. ,Nö ur- 
hndä!^ yalehd yan Dankaldytl. 15 

Bär-ü afdry lele'-ti nfdr wnni 
siddak sölani 'olülüd ama ilä 
sügdn yan. 

Afdr yan lele* 'Arab yaligd 
heyötöl, Sömäli-t af yaligd hejfö- 20 
töl, Dankalayti af yaligd heyö- 
töl yamMin yan. 



1. Drei Männer machten zusammen eine Reise. Der eine war ein 
Araber, der andere ein Somali, der dritte ein Dankali, keiner aber verstand 
des andern Sprache. 

2. Zu dritt wanderten sie denn die Nacht über ohne zu essen; am 
Morgen kamen sie in ein Dorf. 

3. Das Dorf gab ihnen eine Ziege. Diese Ziege nnn nahmen sie und 
es sprach der Somali: »gora!* <Ier Araber aber sagte: ,adbah!* und der Dankali 
sagte: ,irhidal* 

4. Da sie einander nicht verstanden, so brachten sie vier Nächte und 
Tage hungernd zu. 

5. Am vierten Tage kamen sie zu einem Manne, der Arabisch, Dankali 
und Somali kannte. 



Iß 



Beiniich. 



8. Ahn-nduwnnal yamAfa iyav 
tä hahOyti, ,nüm düyi yö kfth'ta^ 
ydleha iyan. 

9. ^Dnyii mAcfideV yälelm iyan. 
f> fdiiyti sidöhä höl-vk tina^ iyan, 

^ftidölui bölvk Idhä tnnnä yö yo- 
h6y, nammA hol haharä tdfjan 
yö kMifa' iya iyan, 

10. fAm/t düy/i nkä tawe*d-kä 
10 anU dliga. sä^ä trehid!" iya iyan 

Ahündutcäs, 

11. ,S/i'ak nuigide arehddn?* 
ydleha iyan hahoytu 

12. ,Sd*ak lahdy irehid!* yd- 
15 {eha iyan; ,amd sd^i laJie tirhidd 

wak amd sA'l hadö alds!* ydjdia 
iyan,,kad() alasimü wdynak dmä!' 
ydlelia iyan Ahündutcäs, 

13. Sinam tamdta iyan, sinam 
20 tamatd wak distef like-l hün, 

hadö rikel hen iyan, 

14. Amä laqa'6 kälttd nfim 
amd-mära-t yamdta iyan, ,had6 
dtste-d md-liaytaniV iya iyan. 

25 15. ,Hadö nm/i keA issl nhiy- 
fn' ydlaha iyan Ahündutcäs, 



Ahrindtitcäsnl yamafd yan ay 
tcefiyä. ,fö heyöfi mal yi knlifu^ 
ak yalehd yan, 

,Mfd ä il/'i ydkaV ak ya{4thd 
yan Ahündtitcäs. ,mäl adöhü hol 
kl und, adöhä holko Idmmä fdnnd 
yö yoliöy, Mmmä hol haliar t/ynwn 
yi knlita* ya ny tvdyü. 

,Amä mfd dkä yawed-kä anü 
dliga, sä*ä urhüd!* ak yaleJid 
yan Ahündutcäs, 

,Sa'a-kö d ipt arhddöP ak ya- 
lehd yan icetiyä, 

,S(i'a-kö Uh urhtld! amä sä'i 
lih iarhudu geddä ha/l/ß ak alds!^ 
ak yalehd yan, ,hado altisnö linök 
amätcdniä!' funak yalehd yen 
Ahündutcäs, 

Heyö yamatin yan, heyö ta- 
matd geddä disied tcüü hayn, 
had6 tcilil luiyn yan. 

Amä mal kälifd heyöfi amä 
mhrali yamafd yan, ,had(> disfexl 
mh-haytdnäV yaJshd yan, 

flladö amä-l dnl ise nldyfa* 
yal^ehd yan Ahündtitcäs. 



8. Der Armo ping nun zn AbunauwAs nnd Rprach zu ihm: ,Dor Mann 
(enthält mir mein Geld vor.* 

9. ,Wio viel boträfii't es?* fragte ihn diener. »Dreihundert Thalor waren 
ob/ RapTto er, ,zwanzip pfab er mir und zweihnndortachtzig Rchuldet er mir noch.* 

10. Abun.iuwaR erwiderte ihm: »DieseR Gold weiRR ich schon herauR- 
zubekommen. Schlachte nur Rinder!* 

11. ,Wie viele roII ich schlachten?* frajjte der Arme. 

12. »Schlachte RechR Stück und koche dann da« Fleisch!* erwiderte 
Abnnauwas. Hierauf lud dieser die Leute ein, indem er Rprach: »Kommt, 
wir wollen Fleisch kochen!* , 

13. Die Leute kamen und als sie kamen» da stellte man die Brat- 
pfanne hieher» das Fleisch dorthin. 

14. Auch jener Mann» der daR Geld Rchuldete» kam mit den Leuten 
und Raffte: ,Ja, p^ebt ihr denn daR Fleisch nicht in die Pfanne?* 

15. »Nein» es kocht dort von selbst»* erwiderte Abunauwas. 



'Af..-Spn.Mi- I 



171 



IG, .Dittr-d gnhä vnijta ha.lü 
mtitaiä aliij/taf' yäfeha it/an omi 
la^a'6 källt« nüm. 

n.,Bädaäfallangirä bädalc 
addä-d t/an nfim männä Ut'hmi' 
yHthu iyan AbündiucöB. 

18. AmA hahöi/iak lagn'ö kü- 
lilü iHim amä wak dkä yaiidtf 
iytuu 

lU. Amd ike-k gal^ni iyan. 
rAlifmdiiwäa tälu yök ahä yan 
{mmOif kä ak abk-Uyu-m dllga' 
gtUtJin iyan ay däye la wim, 

30. Küy aidohä nä'cuü: .Alm- 
Nfräird« dambilid hny bäd-ad 
'liydä." yäfeha iyan. Abünduieä« 
diimliilid liin iyan. 

21. FJIrt nalam kfl bakäntani 
b<ViifddamdyJa,iläiirakan.AM- 
nduicü» dübuk haliani iyan. 

22. Ahunduwö» elia rä'a ikfl 
ai'al yan «um i-lla yamdta iyiiii. 
amä nüm käfdka iyan. .ah mulni 
Mda tan fite?' ydlefia iyan Ahii- 
nttaiPätak. 



Dlnic.d fiiiliä miha ciAe tu alily- 
In hndi'iP ya{ehÄ yaii ay mal kä- 
Villi livyi'ifi. 

,U<id nfnl fand gii-ä hädak 
nddd-d yand heyöto nh [Sia la'ii- 
üaf yal«hä yan Ahündwcä». 

Ay ivay Ittyotö amd ged likä 
yolwy yan ay mül kälitä hey6H. 

AmArke-kö yaddyn yan. ,Abü- 
nduwä» yök ahailya-k hl ak ahd- 
liyö-m dliga' yalehd yan ny mal 
Itt-tiyä. 

Jii adiihä tfamdak: ,Ähündu- 
wilH »akdn-ad haylam bdd-ad 
ilydfi!- tdnak yafdiü yan. Ahü- 
nduiCöH sakutuid hnyni hayn yan. 

E-l yaddyv irkül halö län-ad 
mayjä lay bnkarani ulä kü ka- 
huni AbfindtiwiU mif. slä-l ak 
arnkän yan. 

AbünduwiU ülä Sd rä'A rkel 
sä'i löyni Sl yamaiä yan. amd 
hfyöH tikäftikä yan. .«y tä rke-d 
dhlaV nk yalehd t/n-n AliTindii- 



4 



16. Jn wie soll denn dns Flntiicli kndien, wenn uiau m nicbt in 
Hralpfxiint.' llmt?' sagW jener Mann. 

17. Abunsnwu erwiderte: ,Jil, wie eru'9rnil ilenn ein Feuer um L 
Jemniiileu, der im Fluww »kIi l>eiindet?' 

18. Da aan guli jener Haoii dflin Artunii »ein (inlil, 

19. Die Leale gingeo anseinBuder. Jeiipr bpgUlerle Mann nbcr dnclite: 
.[>R mir AbnaauwiB das angethan bat, hii weien irh sclion, wn» ich ihm thun 

20. Und ex buM,\ seinon drei »klavent .Steckt Abunanwas in einen 
Knok lind werft ihn in!> Meer!' Sie Hteckteii diesen alao in einen Snck. 

'il. Auf dam We^ WQTden sie dnratig und als der Morgen aabrncb, 
liea8«ti «is AbimAawM iu der Steppe He)^n und ^ngen 211 einer Quelle, 

US. Wie nun AbtinHUwas no dalag, da kam ein Viehliirt tu ihm und I 
fragt« ihn: .Worum bist du denn ho hier?' 

Sitionptwr. i. riil.-hiil. n, l'SI. Bit, I. R«, 2 



18 



R«iBifefa. 



23. fAnii rerlü yöl hönä yö li-ll 
hahani ke^ ydleha iyan Abündu- 
was, 

24. ,Atü ridä da'üa num hl- 
ö nü6* ydleha iyan xoadAr nüm; 

,mangdr ko dbü-wä, yi toadnr be- 
tay tama ks yö höh!* tcaddr nüm 
ydleha iyan Abünduwäsak, 

25. Abünduwäs dambiUik yd- 
10 we'a iyan, xoaddr nüm edda gdha 

iyan. 

26. Abünduwäs waddr-rt gdla 
iyan. sidöhd nümü lay yaiani 
gdhan iyan, Abünduwäs ella ha- 

15 bani kel wadän nüm dambü-it 
rA*a'iyä yuqu*ani ben iyan, tcO 
nüm hürl't Mnl bdd-ad *dydan 
iyan. 

27. Ussün gähdxo tcak Abu- 
20 nduicäs wadärat stiga iyan. Abü- 
nduwäs: ,ndgä may^fmii^ ydleha 
iyan ö ke gdhdw loaJc. 

28. Kdyä: ,ke atü iyäP yd- 
lehan iyan. 

25 29. ,Ay yö Abünduwäs' ydhha 
iyan. 



,Anii ridä yö bähöna Sl yä 
habdn ikf/ ak yaiehd yan Abu- 
ndutcäs. 

jAtii ridä mär^i'eid^ ak ya- 
iehd yan aläl&ynl; ,mangdr kö 
ahfiy^ yi ald bifittd tama rke 
yöyä hahf' ak yalehA yan ald 
löyni Abünduwäsak. 

Abünduwäs sakdnkö yawe*d 
yan, ald löyni ed gahd yan sa- 
kdnad. 

Abünduwäs ald btSitd, ald-ll 
yaddy yan. adöhd heyöti lay ya- 
dayni yinhil'-yd gähdn yan, Abü- 
nduwäs ya ki-ll ald löynä zam- 
bil-id yäna-yd yiquani bayn yan, 
ayi Jieyötö jalabd-d hayni bädad 
ayddn yan. 

Ussün gähdn gSddä Abündu- 
wäs ald-d sügd yan, ,ndgä may- 
idnt ?* tdnak yaiehd yan tö rki- 
kö gähd-märäk. 

,Atü atiyäV ak ya^ehdn yan 
ay heyö. 

, Yoyä Abünduwäs klyö' tdnak 
yaiehd yan. 



2.3. Jener erwiderte: ,Um mich znm Häuptling zn machen, brachte 
man mich hieher/ 

24. Da entgegnete ihm der Hirt: ,Da taugRt ja nicht znm Häuptling; 
ich mache dir ein Geschenk, nimm da diefie Ziegen und lass' mich hier!* 

25. Abunanwas stieg nnn ans dem Sack und der Ziegenhirt kroch 
dafür in diesen hinein. 

26. Nun zog Abnnaiiwas fort mit den Ziegen. Als nun die drei Männer 
dahin, wo sie Abnnauwas verlassen hatten, zurückgekehrt waren, luden sie 
den Ziegenhirten, der im Sacke war, auf und brachten ihn in ein Schiffchen 
und warfen ihn dann in's Meer. 

^ 27. Auf dem Rückwege begegnete ihnen Abnnauwas mit den Ziegen 
und wünschte ihnen einen guten Morgen. 

28. ,Wer bist denn du?* fragten sie ihn. 

29. Er erwiderte: ,Ich bin Abnnauwas.* 



Die <Afar-Sprachc. 1. 



19 



30. ,Ke (xtü ardkek tamdta?'' 
ydlehan iyan, 

31. ,Anu hädak amdta' iya 
iyan, 

32. ,Bädak tamatd wak loadär 
anike gdytaf^ iyan, 

33. yLaqa^ö la bddad yö mä- 
^ayddani, dahdb la bädad yö mä- 
^ayddaniy wadär undühum la bd- 
dad yö *dyddan' ydleha iyan, 

34. Tamd-märi: ,kö'll haysi- 
tdnök dahdb la bddad ka laqa'ö 
la bddad na *id!^ ydlehan iyan 
Abünduwäsak, 

35. yMa*dk, gd^äy him ka 
nM 4ä yö bdhä!^ ydleha iyan 
fimndawäs, 

36. HüH galani bdhan, 4ä 
h hüri tidddt bdhan iyan, 

37. Kdnl sidöh ydkan bt, i8»i 
ka hart be, bddad be iyan Abü- 
namcüs. 

38. Kdnik: ,intü'ü bör hdyä!' 
iya iyan, nssün intitil bör heni 
iyan. 



,Atü aüla-kö tamdtaf ak ya- 
lehdn yan, 

,Anü bdd'kö amdta* tdnak 
yalekd yan, 

,Bddkö tamaid'dö ald düla-ko 6 
gdytaP ak yalehdn yan, 

,QürüS la bddad yi mi-eddinl- 
tinl, dahdb la bddad yi ml- 
^ddim-timj ald tegü-m la bddad 
yi ayddani' tdnak yalehd yan, 10 

Amä-märi: ,kö'll hadalindk 
qürüS, dahdb la bddad ka qürüä 
la bddad na ed!^ ak yalehdn 
yan Abündutväsak. 

,Ma'dky adüwä, jalabd't bald, 15 
nabd <}ä inkö siddad bdhä!^ td- 
nak yalehd yan, 

Ay jalabdt bald ka 4ä siddad 
yadayni bähdn yan. 

Ussün adöhyaläni-yd, i$B afär 20 
Bd ise ay jalabdt bahid gahani 
bddal yaddyn yan. 

Tan intitil baräwd tdnak yu- 
Imod yan, m^ün sini intitü ba- 
räwd yuluwin yan. 25 



30. ^a, woher kommst denn du?* fragten sie ihn. 

31. ,Au8 dem Meere,* erwiderte er. 

32. Da sprachen sie: ,Wenn du aus dem Meere kommst, wo bekamst 
^0 denn die Ziegen?* 

33. Er antwortete ihnen: , Warft ihr mich denn nicht ins Silber- und 
Coldmeer und wo es auch etwas Ziegen gibt?* 

34. Da sprachen sie zu ihm: ,Wir wollen dann mit dir theilen; wirf 
Äös doch in das Silber- und Goldmeer!* 

35. ,Gut,* sagte Abunauwas, ,so geht um ein Schiffchen und um einen 
grossen Stein!* 

36. Sie brachten ein Schiffchen und einen grossen Stein. 

37. Er nahm nun die drei Männer und brachte sie ans Meer. 

38. Da befahl er ihnen: ,Legt eine Binde an die Augen!* Sie ver- 
'^oden sich nun die Augen. 

2» 



ifl 



2-».:x ••tit. 



»ft- ^lsM# ^»i^t tuac "'Üüi'' 
rAiL Ut ttffUt vf/mt^ jtntt '^^tdmc 






^%9L ''bf-ui ""'»11 yi* tabln- 

ji#«»- Eßi^i-h fssi 'pifm ged ia- 
fiik %f 'n«i*ft •i»sn, jvnü raddk 
r>»^I> tmiyzk wdiska ^«m. ti^^ün 
r*»imik minzL «v j*Jilabät baläd 

Zn^ h^ <itit>4tt keyötö tö üä 
hß^/ad ayid üe ak gäkd yan. 



tflr.. Jrt «>rrf«»ft *r' ,'*'*tm. iÄ äiaetaapria^, so spring mir luch!^ Als 
n^ Antt^ «iit9>it xk. ist»» %APfr j^»icMUMm «ar«iu vairt er d«>ft Sietn kinein and 
«>>«f^H |^*H 41^ «t^^, «^jaigt^'^ Er 4Ä«r soet«!' b«i »ick : Jek entweiche nun 

^ IH »;»i^ AAßv^kOnifnim 4a^ 4r«i Sfanmer ins Meer: ads«> tkat er. 



7. Oattin und Gatte. 



K iPümmA tAhii Im iy^n, nü- 
if$U fUf/Jff/tff/i dhpißa iyan ; liddä 
9t4/ßain yUäuniifa if^an, 

2/ fA nü kfßk r/iHrk m/irdifpJßd-k, 
l// fUü yok rA'iO'k rn/i^dvpldnf yA- 
(4'Jm iyan vum, 

*i\, AtjtJfffyl/i: ^aitii lUpk rh'a-k 

///// truiihdkf ntü yok rd'iak m/p- 

m dJ/jibln!* ftllfika iyun, ,yOk $drä 

hff^/6 nhiUl vulytu yn dhoitV tu- 

(tiliu if/att. 



Airol -lä takd-m /nyan. Laha- 
hayti nümü mare^itd yan; man" 
gnm siddä y€ikhend»i yan, 

,Anü ko-kö rad'H'köy mä- 
mar'eiifd kl^ atu jffVibö ra'etd 
ged, md-mareiitinf' yalehd yan 
laJßdhdyil. 

Nünui: yOnii bö-kö radnkö, 
md'mar'eitmay ati yok rä*tdnköy 
md-mare^inf^ talekd yan, ;yö- 
yak sdral kaqö bettdnkö yö di- 
wUf ak tmldid yan. 



I KIfiNi Noil nU'U Kol^onde» zagetr^gen haben: Ein Mann heiratete 
<(MiM l'ViiM II 11(1 linidn Hobt«)!! Mich innig. 

U II ml tm n\irin:h th^r Ciatte: ,Ueberlebe ich dich, so werde ich nicht 
<tiii)j| bHiiiihui, (IbnrbibMl nbnr du mich, so verheirate auch du dich nicht 

«milii f' 

•'*. Amli ilJM (i/ittiii Hpnic.h: ,U«borlebe ich dich, so heirate ich doch 
' ' i"<'iii, OliMiInlml nlMir du mich, ho heirate auch nicht mehr; schwere 
' ' '""< «In iia,.|, |„j,. Iti.iiio /vvnil«^ Frau mehr heiratest!* 



Di« 'Alkr4pnck*. 



L'l 



I 



4. Bi'ali likä diidhi vjaii. 
tUföJcü trtfära 'idhi iijan, is8l 
Itiknu'aaa ii/an. ö lakttiuit rnlia- 

5. Qilrtbi l4-H drigatä hjan, 
kaf^H täfi lidhaiii it/uii. Tö la- 
kmat 'awiilta ii/toi, üw 'meultA 
wak ätfnbi anio-läkak wä'an ii/an. 

S. O wm'i ynkä woA nöm gid- 
i/(i gälak yamäfa iyan. ,a ta- 
kä-ut mahäV yä(«ha (i/«n nüm. 

7. ,Amn ngahiyiftä rabetd aga- 
hütfia tm'a-mdrä' yAlehan iyan. 
nowi itftm ütt t/äla iyan. 

S.Amäagaböylä'diUjskta'Uaa 
iyau. amänümü ellaga{4 ke-l amä 
agab&ylä t« bi.'eliäkägai'dyiyan. 

9. Amä agahüyid b&'dt: ,ba^ 
aut'äf yaleha iyttn. .B*!?^ mn'ä' 
ytileha iyan, kö agaböytd ril}>ftä 
ySk rä'ela' yd{fha iyan. 

10. Blt^i i»h agahoyUik w4'n 
iyan, ,ySk Ula ra'ttd-kel dUftha- 
Wtiytä yO ttiwissa' dkä yd[elta 
it/an, ,0 diirak abä-m äijünä dni' 
ydfsha iyan. 



ßä'<di likd ilixilä i/<ni. i'gtiik 
arnlf Hafarä yan, liSl lahöUA 
yan. amä lahd-d riiha-4al4ä yan 
nüma. 

Qdbre dktt fara'dn yan, mayj- 5 
nth 'Ikä bäkdn yan. amd InMd 
'awuüä yan, iiil 'awiiltä ged 
läyo bukdl ak wa'än yan. 

We'i dliik heyöti nrä},i adÜi 
yamatä yan, ,(a takd-m ay hin- lO 
niV yalehä yan keyotl. 

, 'Jo Mümd rabtä fa bukiU wa'a- 
mam klnon' ya{^Jtän yan. amä 
heyOti iie yaddy yan. 

Amd nümä 'diil-kö USA yan. 1<> 
amä heyöti el yaddy erke-U ay 
nümd bä'eli dkn gardy yan. 

Amdniimd bh'ali: ,bäl6 m4'a1' 
yalehd yan. ,bälö ma'd' yalehA 
yan, ^'i nümä rabtä, yök i-ä'etd 20 
iäna' ak ya^ehd yan. 

Bh'eli amä iSi nümä dkä ica'd 
yan. ,y6-kö el rä'eta-rke-l mur'tSi- 
tdnkö la yi ditciSsä find' ak ya- 
l^Jid yan, ,amä diwdk abd-m 36 
sfiMc dna' ya^thii yan. 



4. Der Gatte gelolita diu. Er ifing danu nuf Reisen, «e aber erkrankt« 
inmiauhen und war daran t,\\ sterben. 

6. Man grub ilir Ans Ürnb, bridite das Toclunklcid und en (rat boj 
der Krau die Agonie ein. Dn Klimmten die Weiber die TacUeiikU^e au. 

»0. WaUrend dieses Web gase hreies kam ein Mann dt-» Weges and 
trapte: ,Wa» geht denn lU vor?' 
1. Mao antwortete ibm: .Man beweint die und die Frau, welche so- 
■Imb imertwn ist.' Der Mann zog- weiter des Weges. 
rt 8. Die Krau aber erholte «ich aus der Agonie und genas. Joner Miinu 
1^ tai qdUar mit dem Galten dieser Frau zuianimen. 
9. Kachdnm rie sicli gegenaeitig begrUiat hatten, enühlte jener Mann 
d*m Gatten: ,Ich kam el>en dam, wie deine Frau ini Verscheiden nar.' 
1«. »etr Gatte beweinte seine Frau. Da berichtete er jenem Manne: 
^ie llaas mich also sobwCreii: Dberlebst du mich, sii wirst dn nicht mehr 
lieirBIOD: nun wcim ich nicht, was ich oli diuae.'i richwures machen voll,' 



k 



22 



Reinisck. 



11. ,Ditcd md'talahin!* yäleha 
iyan äkä gardy nüm. 

12. ,0 ma'd* iya, Ud büdde 
qfkä he iyan, lakmisak tdban ka 

o nammd sükö fisa iyan. 

13. Tölü üra iyd icak issi 
bald yamata iyan, is$i lakimdk 
kä dymk sügta iyan. ,ya aga- 
böytd yö ürta' ydleha iyan, käy 

10 agaböytd amd lakimdk iirta iyan. 

14. Sidöhd bär tidda-li 4inan 
iyan, fardy han bär kd-li ydbta 
iyan : ,atü labahaytifdlak yand-m 
mä'fdl4cif* tafeha iyan, ,anü kö 

16 agaböytd JüniyöV talehd iyan. 

15. ,Atü ya agaböytd kinitö, 
anu kü bd'elä kiniyo' ydleha iyan; 
,atü r/ibta yök iyaw wak inni 
bü44i irgVa^ ydleha iyan. 

20 1 6. , Yi gdrl-l mahd dbetak yö 
hab!^ tdleha iyan, ^nammd aga- 
böytd mdnakak yö habi^it!' td- 
f/iha iyan. 



,Ditcd md-talamin!* ak yalehd 
yan dkä gardy labahdytJ. 

,Tamäy ma*d-m' ya, üi da- 
gümä egrV isd yan. lahötak lam- 
mdn ka tdmman leleHyd käld yan. 

Amdrke üra ged iH cUk ya- 
mata yan, UH lahö-kö Uäd dkä 
süktd yan. ,yi nümd yö ürta' ya- 
lehd yan, kä rmmd amd lahö-kö 
ürtd yan. 

Adöhd bär tüdda-H 4^ndn yan, 
mäfari bär e-li wanüSd yan: 
,atü labahayti fald-m mä-fdl4^P 
ak talehd yan, ,anü kü nümd 
mä-kiyöV ak taiehd yan. 

,Atü yi nümd kitö, anü kü bd- 
'elä klyö' yalehd yan, ,atii rab- 
td yök-dn geddä hinni dagümä 
agrCd' yalehd yan. 

, Yi rigid-ü ä *äle dbtö ya hab- 
biHt!' ak talehd yan, ,lammd 
nümd mä-nakd-ki ya habbiiü!^ 
ak talehd yan. 



ii. ,Einen Eid darfst du nicht brechen!* erwiderte ihm jener Mann, 
der mit ihm zusammengetroffen war. 

12. ,Nun gut,' sagte der Gatte und schnitt sich das Glied ab; zwölf 
Tage blieb er krank von dem. 

13. Nach seiner Genesung kehrte er wieder in seine Heimat zurück. 
Da fand er seine Frau wieder gesund. ,0 meine Frau ist wieder gesund,' 
sagte er; sein Weib hatte sich auch von der Krankheit erholt. 

14. Drei Nächte schliefen sie nun beisammen; in der vierten Nacht 
aber sprach die Frau zu ihrem Gatten : , Verlangst du nicht darnach, wornach 
der Gatte begehrt? Bin ich denn nicht dein Weib?* 

15. Er aber erwiederte ihr: , Jawohl bist du mein Weib und ich bin 
dein Gatte; als man mir aber berichtete, du wärest gestorben, da schnitt ich 
mir das Glied ab.* 

16. Da .sprach sie: ,Was sollst du also bei mir? verlass' mich ! da wir 
nicht wie zwei Frauen sein können, so verlass' michl* 



Die 'Afftr-Sprache. I. 



23 



17. Ta-t häba iyan, isd gdla 
iyan. dal haiö gdla iyan, tä hä- 
in cUqiba iyan, qädi bald dbüa 
iyan, 

18. ,Innl sdngä kinl yö ustttir!* 
ydleha iyan, ,yi ba^eli birkl yök 
dndüa^ tdleha iyan bald dbbak, 

19. Dummä üssük kdba aga- 
böytd ^vlidta iyan, amd nümi 
Idkad gdl4^ iyan, uasükü iUa 
diqiba bälöl tamdta iyan. 

20. ,y dbbä nd'asü tanid kB 
yök gdla düyi-lV tdleha iyan, dö- 
Idt-al tistüdyd iyan, 

21. Döldt qddl farniö i*üba 
iyan. ,kü bald dbüd-yä nüm nd- 
'asü^ ydleha iyan. 

22. , Yi bald abiid-yä nüm nd- 
*a9ü hina, musulüntü kä^ ydleha 
iyan qddl, 

23. ,y' dbbä nd'am' tdleha 
iyan agaböytä, ,us8ükii sdngak 
sügd'tcek yi fälä ii*igd*ä!' tdle- 
ha iyan agaböytä. 



Ta hahd yan, iSi yaddy yan. 
dal b^l^ yaddy yan, aind bäiöl 
mar'eäitd yan, qädi bald bBtd 
yan, 

,Anü sdngä klyök y^ ustür!' ö 
yalehd yan, ,yi bcCeli hdqqe yök 
andiid' talehd yan is dbbak. 

UsBük häbd yind nümd *olid- 
td yan, amd heyoti ibad taddy 
yan, ussük ^ mar*e§itd bälöl ta- lo 
matdyan. 

,Y' dbba garud mäl-li tamd 
Wkel yök yaddy' talehd yan, dö- 
lätal tistikiyd yan, 

Döldt qädil lük yiUkd yan, iö 
,kü bald betd yand heyöti garüd 
kinV ya yan. 

,Yi bald betd yand-tl garüd 
md-kl, iHldmtü klninkd^ yalehd 
yan qädi, 20 

,Sdngä kinl, y* dbbä garüd 
ki yind* talehd yan ay nümd, 
,Ü88ük sdngak süga-wBnkö, fillä 
yök igraä!* talehd yan ayinümd. 



17. Er verliess sie also und zog von dannen in ein fernes Land; dort 
heiratete er und zwar die Tochter eines Qadi. 

18. Zu dieser sprach er: , Verrate mich nicht, dass ich ein Eunuch 
bin!^ Und wirklich sagte auch die Tochter des Qadi zu ihrem Vater: ,Mein 
Gatte hat mich beschlafen.* 

19. Die frühere Frau aber, die er verlassen hatte, geriet in Not, 
folgte der Spur ihres Mannes und kam in das Land, in welchem er sich 
verheiratet hatte. 

20. Da klagte sie beim Statthaitor und sprach : ,Meines Vaters Sklave 
ist mir hieher mit Geld durchgegangen.' 

21. Der Statthalter Hess den Qadi kommen und sprach zu ihm: ,Dein 
Tochtermann ist ein Sklave.' 

22. Der Qadi erwiderte: ,Mein Tochtermann ist kein Sklave, es ist ja 
ein Muslim.' 

23. Jenes Weib aber sagte: ,Er ist meines Vaters Sklave, und wenn 
er sich nicht als Eunuch erweist, so schneidet mir den Hals ab!' 



24 



Rei nisek. 



24. ,A tcak ayro neU aaicetd 
fdni, tä ddwat berä ähonoy!* yd- 
Uihan iyan, ,utsi döldt gdril (fin- 
töy, qddi Issi bdllä birä bähöy!' 

5 ydlehan iyan, 

25. Bär-ak agaböytd issi tm- 
mük: ,yi gdrlk gal kö iddnak 
sdngak!' tdleha iyan, 

26. ,Ma*d* iya, nahä qal<i'dtak 
amok rdda iyan. nüm dahb dkä 

he iyan, ,is8i rdbbi tatilimd^mi-k 
dykä kü biujxle!* ydlelia iyan nüm, 
bfuldi ardh-ad dkä sfJcta kä gdr/ta 
iyan. ,gal tä tcak, issi ViVi odur.^ 

6 ydleha iyan nüm, ,fdhä ge mä- 
lahindy , issi 'dri odür!^ ydleha 
iyan nüm. 

27. Issi 'an idüra iyan, iui 
agaböytdk: jbäb!* ydleha iyan, 

28. ,Iyä ä wak bäb yöd fdl- 
da-mP tdleha iyan. 

29. jAhe yöy ä wak kok gdUi 
ydleha iyan. 



,Kddö bälö nöd dümtd tandk 
tä kakald berä abenö!' yalehdn 
yan, ,is9l döldt rigidil 4intö, qd- 
di berä isi bdllö bdhö!* yalehan 
yan. 

,Adü bdrad, sdngak yi rigidil 
kü yagdafinik!' ak tdleha yan kä 
nümä, 

,Ma'd." ya, bdrad nahd ma- 
räba'ati bükd-kö radd yan, he- 
yöti dabb kä üd yan, ,üi ydliä 
tatäimd-n-kö tigrCd dcLgümä hin!' 
ak yalehd yan äy heyöti, ay da- 
gümi dkä mga-käj dkä gähd yan, 
jtadiyd ged is' dri gäh!*^ ak ya- 
lehd yan, ,täy ge md-lahenä, sik 
ta ii' dri gäh!' ak yalehd yan 
ay heyöti, 

Ui dre gähd yan, iii nümdk: 
,bäb!^ ak yaUhd yan, 

,Iyä kddö bäb yök ta-mP ta- 
hshd yan. 

,Ayi yöyä kddö kök ade-yä' 
ak yalelid yan. 



24. Da Kagteii sie: , Meute ist schon die Sonne im Hinabgehen, wir 
lassen diesen Handel auf morg^en. Die Frau bleibe im Stadthaus, morg:en 
aber bringe der Qadi seineu Schwiegersohn!' 

25. Nacht« sagte nun die Gattin zu ihrem Gatten: ,Jetzt entweiche 
von hier, da man dich als Eunuchen tödteu wird!^ 

20. ,Gut/ sagte der Mann, und stürzte sich von der hohen Zinne kOpf- 
lings hinab. Ein Mann fing ihn da auf und sprach zu ihm: ,Weil du deinem 
Gott gehorchtest, so nimm da dein Glied!* Und das Glied nahm seineu Weg 
und befand sich an seinem Platze. Und jener Mann sprach weiter: ,Geir 
jetzt und kehre in deiu Haus zurück, erzähle aber nicht, dass dir dies wieder- 
fahren ist!* 

27. Der Mann kehrte wieder zu seinem Hause zurück und verlangte 
bei seiner Frau Einlass. 

28. ,Wer will jetzt bei mir Einlass?* fragte sie. 

20. ,Ich bin es, der ich eben von dir ging,* erwiderte er. 



25 



I 



30. jAtU ijülä kölc ii(ekä tcak 
i tSLtit tudüraP tdf^ha iyan. 

31. Bäh tikäftikt«. iyan, tä-ll 
)»» iyan, (a-t »«ifa i'/an, thl- 
t-ti i&iiaui bälö mähüsa iyan. 

32. ,YC Aafti älita-m nd'asü' 
i t/4leha it/ati. qädl riüin ktl 
I iytin, kä ka qädl tidda-H 

[ ttölätal tlmbida iymi. 

33. ,Kü hdUük taro köl kä nh- 
jr Milk!* dölät yäleha iyan qädik. 

Zi. .Ltu/a'o »idöhä bei dk alidy 
mcak gö mAhtiifinä." ydlfiha iyan 
«Hin, Ja-t rübäy!' ydf^ha iyan. 

35. ,T4-t mahn rnbanak? ta-t 
düiye akahny, kanaräkälä-tik!' 
ififehau iyan niimük. 

36. Sard kMttni iyw, itasukä 
&M^e Itikuk si'iga iyan. 

37. Qddi: ,yi bala bd'etak siin- 
gn ita fänik agaboytdk fÜlü ir- 
^d." ydl«ha iyan. 



jAnit ada kök nlahädö ä libtö 
gäxta' ak talelid ya». 

Ifi dkä fciktd ya», tä-ll dinä 
yan, ^ mäld yan, sidda-li di- 
nani dnik bälö mäxtä yan. 5 

,yi balä betä-ti gai'üd&' ya- 
lehd yan qddi, heyotö ed färä 
i/an, ka ka qädi döldfal giddnli 
mühän yan. 

,Kü hdllük »aränä egli', ka nä- lO 
bulok." yal^hd yan dölät q/i- 
dik. 

iQiiruS tidöka böl ilkä akdwuk 
yi mäksafinä!' yaleliä yan he- 
yoli, ,täyä ^f^liyä." ya^ehä yan. 16 

jTäyä a 'äU «^«(/iiuA? ta Jiiäl 
dkä ahdy ka sardnä ayli'd-tik." 
ak yalehän yan. 

Stträiiä ak ylglfän yan, üs- 
»ük dnyuiiia-li süyd yan. 'M 

Qädl: ,yi bald b'i'alak sdn- 
gä ta tandk tä nwmdk fillä ak 
eyri'äl yalehä yan. 

eben van mir Eishen hieu, wesshslb 



n Qndi: 



■a ticliwiegimiibnoB Kleid 



31. Ke Offnutc ihm daii Thor und er schlief mit ihr uiid beschlief si 

Ibi* mum Margpu ai'hlit^fen sie beisamineii. 
Sä. Dpr Qndi «her spruclj: ,Myin Toditermann ein Sklave!' Und 
MktckI« nai^li ilim and er uud der Qadi kamen am frühen Murgen tu 



33. Dieser sprach nun eii 
dAmit wir ihn besichtigen! 
84. Dieser lerttere aber nagtet .Dreihiiniiert Thaler gcb' ii:h ihr, rteckt 
rJi Aber nicht nnf, sundsrn aehlcket das Weib fort!' 

.■(5. .Warum Folleu wir diu Frau fortschicken?" erwiderte mnn ihm; 
ilir das Guld und decke dich auf!' 
3G. Hau deckte ihn auf nnd da hatte er das Glied an seinem Ort. 
37. Da sprach der (jadi: ,Niiu schneidet der Frau den Bala ab, ihr, 
ds behauptet lul, mein Tochtermanu sei ein Eunuch!' 



i 



26 



R«inisch. 



38. Ftllä dkak yirge^ani iyan, Fillä ak yigreHn yan. nümd 

agaböytd ka näm töhä gdyta ka labahdytö tamdy gdyn yan, 
iyan, 

38. Man schnitt ihr also den Hals ab. Das nun ist einer Gattin und 
einem Gatten widerfahren. 



8. Ein Mann verkauft den Geliebten seiner Gattin.* 



1. Dummä tdka la iyan, aga- 
5 höyta dbitd iyan nüm. düyek ki- 

bö lukuk yandni iyan. amd düye 
kdnik timhila iyan. 

2, Agaböytd hardmü dhak tdna 
iyan, ha* eil dhviuk mhnand iyan. 

10 3. InM bd'eri dkä rd*a ydna 
iyan. amd bd*erl mahards dbak 
yd)ia iyan, amd ba*eli mahardsa 
gdla iyan. 

4. Ta-t mar kl ta-t hdgila iyan, 
lö ta-t mdla iyan, mälök am^ök ak 

yaye*d wak: ,hadö fald-h an* yd- 
leha iyan. 

5. ,Hadö fdldaJc hadö anü bä- 
ha-llyök, hdlä zifä 4am!* tdleha 

20 iyan. . 



Bossö takdm la yan. heyöti nü- 
md mare^üd yan, düye-kö mdn- 
güm ll yinin yan, amd düye td- 
nak bakitd yan. 

Nümd zind abd Und yan, bd- 
'ell dbili manand yan. 

Inki beeri tdnä rad yind yan. 
amd beBfä dkä aharvM yind yan. 
ay ta bd'dl mahrdsa yaddy yan. 

Ta kahantöll ta yahoLlafd yan, 
ed mala yan, malö-kö gabd kcUd 
geddä: yhadö fdlak and* yalehd 
yan. 

jHadö fal4dnkö hadö anü bd- 
haky hadöd hdyna qimdm 4^m!^ 
ak talehd yan. 



1. Was sich einst ereignet haben soll. Ein Mann heiratete eine Frau; 
sie waren sehr begütert, doch dieses ihr Vermögen wurde ihnen alle. 

2. Die Frau trieb nämlich Ehebruch, der Gatte aber merkte es nicht. 

3. Ein einziger Stier blieb ihnen noch übrig, womit der Gatte pflügte. 
Einst zog nun der Gatte aus um zu pflügen. 

4. Da kam der Geliebte der Frau und beschlief sie. Nach dem Bei- 
schlaf äusserte er: ,Ich habe Begehr nach Fleisch.* 

5. Die Frau erwiderte: ,Wenn du Fleisch wünschest, will ich es dir 
verschaffen; kaufe nur Gewürze!' 



* Vgl. Biliusprache. Leipzig 1883, I, 148, Nr. 37. 



Dit *Afiftr-Spr»c]ie. I. 



27 



6. Baeli mahardsa ga^a ytdura 
iyan : ,Musüical galahö Idhä tan- 
nä bdyta ydnik aür na 'id." bh- 
'ddk tdleha iyan. 

7. Aür Hda iyan. isd sakdy wo 
hadö-t gdla iyan, Musutcd yor 
mdta iyan, galabö haha iyan, 

8. Galahö bähd-wak: ,kamP yd- 
lehan iyan, ,ldbä tdnnä qdrH iya* 
ydleha iyan. 

9. yHämotd nüm yamdta gala- 
bö Idbä idnnä iya' ydiehan iyan. 

10. Kä'li yamdta-mdri: ,nanü 
qdrsi nahek, galabö qdrsi nia-ta- 
hcußP ak ydlehan iyan. 

11. jinki aür lükuk süga, gala» 
bö Idbä tdnnä Muauvoal bdyita 
iyaw icak irhida* iya iyan. 

12. MiLSuw'al nüm kd süga 
iyan. käy döbi gdlan, hssükü eUa 
rd'a iyan. nüm: ,galabö ma-li- 
möysittdP ydleha iyan. 



yAyi bäell mahardsayaddyyi- 
nd-yä gähd yan: ,Mumwcd wa- 
lahi Idmmä tdnnä qurüä-kö yakd 
yanik beerä urhud!* ak talehd 
yan üi baelak. 5 

Ayi beSrä yurf^udd, ayi hadö- 
kö sakdy biäitd, yaddy yan, Mu- 
süwal yamatd yan, waiahö bähd 
yan. 

Waiahö bähd-ged: ,ä iläV ak 10 
yalehdn yan. ,ldmmä tdnnä qdr^ 
H-yä kinV yalehd yan. 

, Yaibidd heyötö wdlaho Idmmä 
tdnnä yam' ak yalehdn yan. 

Kä'll yamatd -märi: ,walahö 15 
qdHe naJiäc, qdrSe mh-tahdy wd- 
lahöV ak yalehdn yan. 

,ln}d beBrä llk ind, Musiiw'al 
wälahi Idmmä tdnnä yakd yökdn 
geddä urhudd^ yalehd yan. 20 

Musüwal wüi heyöti dkä mgd 
yan. kä zöbi sine yaddy n, üssük 
ülä rad yan. heyöti: ,icälahö vid- 
ta'idigdP ak yalehd yan. 



6. Der Gatte kam vom Pflügen beim und da sprach su ihm die Frau: 
,Da in Massaua eine Haut zwanzig Thaler kosten soll, so schlachte uns den 
Süer!' 

7. Er schlachtete also den Stier, nahm von diesem als Wegzehrung 
Fleisch mit und brachte die Haut nach Massaua. 

8. Dort angelangt, fragte man ihn: ,Wie theuer?* Er entgegnete: 
»Zwanzig Thaler.^ 

9. Die Leute sagten: ,£in Narr ist da, der fUr eine Haut zwanzig 
Thaler begehrt.* 

10. Einige kamen und sagten: ,Wenn wir dir einen Thaler geben, 
wirst du die Haut nicht ablassen?' 

11. Er erwiderte: ,Ein einziger Stier blieb mir noch und da man mir 
sagte, die Haut bringt dir in Massaua zwanzig Thaler ein, so schlachtete ich 
denselben.* 

12. Ein Massauaner traf ihn, als seine Kameraden schon heimgingen 
und er allein noch zurückblieb. Dieser Mann fragte ihn: , Verkaufst du denn 
nicht die Haut?* 



2H 



ReiDiseh. 



13. fQdrsl anü hind-h dnl, Idbä 
tdnnä anti wd-h an' dkä ydleha 
iyan, 

14. Tähdy kü galabö qdrsi, tä- 
5 hfiy sakdy edda betta nammd qdr- 

slf Mtisuw*al sügd nüm ydleha 
iyan. 

15. Galabö bähd nüm issi büld 

m 

gdla iyan, büldk dA-ke madd wak 
10 büldk gdrll ta-m bühil 4ina iyan. 

16. Bär UH 'dri agaböytd rö- 
ba iyan: ,ya 'drit sindmä tani la 
egidäV üalisa iyan agahöytak. 

17. Wo agaböytd gdlda iyan, 
lö titdurd iyan: ,kö 'drit nüm id-dd 

yan' tdleha iyan amd nümük, 

18. ,Ya 'drit ydn-im md nü- 
müV ydleha iyan. ,äggidayti bali 
ed'da yan* tdleha iyan. 

20 19. Usmk riha agaböytd: ,qa- 
fot kök he-la-k qafö hon ma-hä- 
bin!' tdleha iyan. 

20. Bd'dl im 'dn yamdta iyan. 
25 yamatd-wak isd 'drit: ,sird-t ed- 
da hß!' ydleha iyan. 



yAnü qdrie hinak and, Idmmä 
tdnnä qaräiyd wäk and' ak ya- 
lehd yan, 

,Tä qarH kü icalahi qdrH, tä 
lammd qarsi kü sakdy yakö!^ ya, 
Musüic'al yand heyöti ak yalehd 
yan. 

Wcdahö bähd heyöti iH dik ya- 
ddy yan. dikik kabb yd-ged kä 
diki rigidil yand dikil ^nd yan, 

Bär üi 'ari ülal nümd yilikd 
yan: ,ya 'dred heyötü taniyddö 
obüU' ak yalehd yan ay nümdk. 

Amd nümd taddy yan, gär/td 
yan: ,kö 'äred labahayti ed ya- 
nd' ak taiehd yan amd heyötök. 

, Ya 'dred yand heyöti atiyäV 
yalehd yan. yhabbali belli ed ya- 
nd' ak taiehd yan. 

Ussük yilikd nümd: ,iH 'dre ta- 
diyd-ged heyötö qaföd kok hdytö 
kinly tamd qafö md-häbin!'^ ak 
taiehd yan. 

Bd'dl iH 'dred yameUd yan, 
yamaid-ged: ,qandel ed ifö!' ya- 
lehd yan. 



13. Er erwiderte ihm: ,£inen Thaler dafür wollte ich nicht und zwanzig 
bekomme ich nicht.* 

14. Da sprach jener zu ihm: ,Dahier den Thaler fQr deine Haut, und 
diese zwei Thaler als Zehrgeld für die Reise!* 

15. Der Mann, welcher die Haut gebracht hatte, kehrte nun heim. 
Als er in die Nähe seines Dorfes gekommen war, übernachtete er in einem 
benachbarten Orte. 

16. Nachts schickte er ein Weib nach seinem Hause und hiess sie 
ausspähen, ob etwa Männer in seinem Hause seien. 

17. Die Frau ging hin und kehrte mit der Nachricht zurück: ,£in 
Mann befindet sich in deinem Hause.* 

18. »Welcher Mann ist es?* fragte er. ,Der N. N. ist es,* sagte sie. 

19. Die Frau, die er geschickt hatte, bemerkte ihm noch: ,Da die 
Gattin ihn in das Kornfa.ss stecken wird, so habe darauf dein Augenmerk!* 

20. Der Gatte kehrte nun heim und befahl Licht zu machen. 



Die 'Afar-Spracbe. I. 



29 



21. yGalahö mdgtde kö hä-^aV 
agaböytd tdleha iyan bd*dak. 

22. ,Atu galabö Idbä tdnnä bd'/j- 
ta iyan yök itd-wak, galabö qdr- 
n yö hörfta; ä wak tä qafö li- 
möysü tßä* ydleha iyan. 

23. ,Anket limöyssüV tdieha 
iyan, 

24. ,Kdfa adagd arküuwä* yd- 
leha iyan. 

25. ,Atüfürdynü, anu baluwd 
l^ninök, asiqVdnök ma-liniöysin!^ 
tdleha iyan isd bd*elak. 

26. Sdkü yaytqud-mdrä dari- 
9a iyan, ö mdri tamdta iyan. jtä 
qafö adagd yö arkisä, kird sint 
ht-liyö-k!* ydleha iyan. 

21.Adagäfänäarküaniiyan. 
amä qafö ddda-d maritl yina 
iyan. 

28. Kä qaföt heni baydw wak 
agaböytd käy sä*öylä fän gdl4^ 
iyan : ^n sä* dl yöll sügd yi ba- 
'di yamatd wak qaföt he, yi bh^eli 
he* tdleha iyan; ,tä qafö limö bek 



, Walahi ä Ha-kö ydkaV ak ta- 
lehd yan nümä üi bd^elak. 

,Atü walahi Idmmä tdnnä yd- 
ka yök tdnkä wälahö qdrSe la 
ohöy; kddö tä qafö a^addgö liyö^ 6 
yalehd yan. 

,Arkü ta^addgöV ak talehd 
yan. 

yAnu kdfä adagd arkiSö liyö^ 
yalehd yan. 10 

,Atü güfä, anu dingil klnö, ed 
naSiqVd qafö nök mä-bahin!^ ak 
talehd yan. 

Dahine yayqu^d-^märä deHmd 
yan. amd' märt yamatin yan. lö 
,adagd yö arkUantä, sin ^dsbe 
sinä ahdyk.^ tdnak yahhd yan. 

Adagdl arkiSdn yan. amd qafö 
dddad nümd ta kahantöli yina 
yan. 20 

Kdyä qaföd hayni ben geddä 
ay nümd kä sd^vlfän taddy yan: 
,sin sä'dl yöll sügd, yi bd*ell ya- 
matd geddä qaföd kä hay, kddö 
yi bä'ell qaföd kä bay^ tdnak 25 



21. Nun fragte ihn seine Frau: ,Wie viel hat dir die Haut eingetragen?* 

22. Er erwiderte: ,Obzwar du mir sagtest: die Haut bringt zwanzig 
Thaler ein, so brachte sie mir nur einen Thaler; nun aber will ich das 
Komfass verkAufen/ 

23. ,Wo willst du es verkaufen?' fragte sie. 

24. Er erwiderte: ,Ich lasse es heute zu Markte bringen.' 

25. Da sagte sie zu ihrem Gatten: ,Du bist noch ein Jüngling und 
ich eine junge Frau; verkaufe das Fass doch nicht, da wir es benöthigen!* 

26. Er aber Hess am Morgen Träger kommen und sprach zu ihnen: 
^Bringt mir dieses Fass zu Markt, ich will euch schon dafür entlohnen!' 

27. Diese schafften das Fass zu Markt, im Fass aber befand sich der 
Geliebte A&t Fran. 

28. Als man nun das Fass zu Markte trug, ging die Frau zu den 
Brüdern ihres Geliebten und sprach zu ihnen: ,Euer Bruder war bei mir, 
ond da mein Gatte kam, so steckte ich jenen in das Fass. Der Gatte hat 



m> 



K«JoiBcli. 



lUtfikfalindnim dk aJihyUV iilLt- 
ha iyan, 

29. UuMiln adoiji arakant iyan, 
ti käy Mä'dylä atlag/i arakani iyan. 
atltujfi anikdu: wak: ,qaf6 magi- 
iM* y Aishan iyan, 

WO. ,SitlöliAböl(]drfl-hi'yä' yd- 
(tiha iyan, 
10 Jll. ^Saydij <jldd*a dhan qafo 
UUjitUnuinnAitikaPyd\dianiyan, 
As}. Uaii-mäfi, yamdian iyan^ 
titifd/t)lani iyan : ytidöhä hol qdr- 
«« tyn^ j/ii/rt/m iyan, 
lA A)). ,A nüm hamötd-yä mimfi' 
ya^^hatjani iyan, 

iU. Qi9fM yan niiml nä'AylA ilU 

\tA*fia iyan, Mid^kA hol kä yalioy' 

ni iyan, 

ti« Mh. SidöhA hol o'oqilrd wak: 

,1/(1/0 ddihil Mulm oid'n wä, qa- 

Jh Mm hdyii wn^ ydl^^ha iyan. 



talehdyan; 4ö qafo ya^addgöbay 
yan4k üssük tl faidm dkä ohä- 
VDä!^ ianak ialeha yan. 

Ussün adugdl arakdn jyoa, iä 
sd'ül adagdl arakdn yan. adagdl 
arakan-geddä: ,tä qafö ä iläf* ak 
yajehdn yan. 

jAdöhd hol qürUikD' tdnaJcya- 
[ehd ydn. 

fLä'ti gid/i-kö ahdn qafök zdn- 
kö iäy yaV ak yalehdn yan. 

Sard-märi yamattn yan^ qafö 
tafaldn yan : ^adöhä hol qariiyaf 
yalshd yan. 

,7a labahayti yaahidd laba- 
lidj/tö' yani ak yanebin yan. 

Qafok dddad yand heyöH sä" 
'fU el gähdn yan, adöhd bol dkä 
yohdyn yan. 

Akä yoh6yn adöhd hol f/utu- 
'uqurd sdral ,qafö dddad tandm 
aBftö^ qafo ninak ahdwö^ tdncJc 
yajehd yan. 



UUM lU« F»w fort|i*^Homnum ; jfebt ihm doch daher den Preis, weichen er 
»Int^ir l»H|[t4hrlJ* 

^\y hio TrHiper linmen nun ku Marlct und ebenso die Brüder des 6e- 
\M\\h\\\ dbr Prnu. Auf dfiii Mnrlct« iVii^en «io: ,Wa« liostet das Fass?^ 

ao ,Urt*ihu»dt*rt TJmlt^r/ HAjfte der Gatte. 

M. ,\Vit* MoW W\\\ Fanii aua Kiihdangrer geformt so theuer sein?* ent- 

Hil. Km Kaiut^u Hiioh amWi« und wollten das Fass haben. Er sagte: 
.Dr^ihiimWl Thal«^r k\»!«tt*t ««* 

JW. Slo laohUMi ttimr \\\\\ \\\\%\ «mifton: ,I>er Mann da ist verrückt ge- 
wordt»n.* 

54. Dio Hrndor d«vM Mhuiu'js dw \m Fasat^ st«H»kte, kamen wieder zu- 
rück and j?aU»n dorn Uäu,%u dit» di^UuuuU^rt Thaler. 

i5. Ihe^M^r sttvkt«» dan lJ«^^d oiu «nd üpraeh dann: Jch will nun das 
Paas aiule«»n?n und euch dann dan^^lh«« ^hou/ 



ip^rlT. I. 31 

iQfifo ka gaföt adddd tanäm 
siddad kök damnänkä qa/6 idä 
kokmä-laminin6'akyalekänyan. 

,Anii. atdigäta qafö kininkü, 
qaföt nddad tanäm mä-W tä- 
nak yalehd yan. 

jAtu tamäy fänkö adöhä hsl 
Sd kö tSsenä' nk yalehdn yan. 

,Ädökd hol mä'fdla, lehA bül la 
aka-tcinkö' tdnak ya(eltd yan. 

Utttük yaj^liä, l«hä hol äkü 
yohöyii yan. kü ind daylö kd»»ö 
kä arayHtän yan. 

U»sük la m<il-ll dikil orobd 1^ 
yan, nSmn d^ade kdha mahAyan. 
nümd ka hä'els tamd gayn yan. 



30. , Qaföf liyä kök mä-lamtm- 
iiA.qafo äddnd Uhiimkaqafokök 
damfuA-kä, ^afö liyä vui-Juväni- 
NÄ' yti{a^an iyan. 

37. Qafo adagdl Sl ahnnim, 
qa/6 äddad Idnim hinn' yäleha 
n/m. 

S8. ,Ätü tu itak sidöhü hol kö 
i-t lixmfl' yälehan iyan. 

39. .Siilölid hol mä'fdlu lalid 
bäl akd'KÖyia-k' yälelia iyan. 

40. t'nMit iy«, lakä hol dkä 
gahini iyan. käy ind 4dylö hd- 
rä kä ardsstt iyan. 

4:\ .Vwükiandüyi-tlirohäiyan. 
agahöyfA genna'ök hdbnk mdki- 
M iyan. agahöytd ka hd'ela tö 
gAytit iyan. 



A&. Si« erwiderlon ilim^ .Wir linbeii ja iiiclil il.t.« FnsN nllein, Bondoru 
«ach ilen lohnlt ileMe1l)6n gpkaiift.' 

äT. Er nlier sagte: ,0 nein, idi iinbr^ nur aa." K.i«s, nicht nl>er »iich 
«Pinea Inhalt verkauft.' 

SS, D* «praohen aia: .Wann du i's denn so uieinsl, sii wollen wir noch 
drrihnndert Tluüer «niegen.' 

30. Er aher erwiderte: ,1'tn dreihundert Thal<>r gebe ich den nicht, 
wenigen« nnr am Beuhdhundert.' 

40. So sprach er. Da gaden sie ihm die sechshundert Tlinler und nun 
hr.vhten die ßrüder ihren Brnder Abendx heim. 

41. Auch der Gatte kehrte mit Hninem Geldo heim und am folgenden 
Uorg«D entliewi er «eine Frau. Da» aliw ist einer Oattin und einem Qatten 
■ridivfaliren. 



9. Ein Blinder. 

Tinäm thtä lall iyan, intl mä-li Tinäm Und yan. inti mä-li ya- 

Uüi iyan. ,ynddrfry glddä yö obä- lehü-m la yan. J'aldka yadarn-ki j 
y^!'yäiiihaiyan.,ak'\tayiddhdlß yi häyä ardlt-al." yalelid yan; 

Breig^niu, das siuh xnp^etragen haben soll. Rh war einst ein BinKugi|;er 
Derselbe sprach also; .Lang' ist der Weg, tragt mich! aehlachtet mir auci 



32 



Keiniscli. 



yö *aydä!' ydleha iyan, ,limö yök 
fakäway dahdb yö ohoyä!* y^l-e- 
ha iyan. ,yö yammiay ma'd-md- 
ra-l yö hahä!' ydleha iyan, inti 
6 7nü-li ianxd ydleha iyan. 



faldkä abo yakäkl aydöytä bdlä 
yö urhudä!' yalehd yan; ,limö 
yök dagöna dalidh yo oMwäf ya- 
lehd yan; ,//ö yamonä madmä- 
ral yö hähä!* yalehd yan, inti 
mäli tamny yalehd yan. 



ein mageres Lamm! zum Lohne gebt mir auch etwas Gold! Da mich die 
Leute nicht gut traktiren, so bringt mich zu edlen Leuten!' Also sprach 
einst ein EinKugiger. 



10. Die drei Kinder und die Hyäne. 



1. Tindin find Inh iyan, ürri 
sidöh dübü'd »üga iyan, yangiäi 
ä-la yamdta iyan: ,{s8in lyin 

10 amänai kinitönV ydhha iyan. 

2. ,Anü yälll amdnat kinlyö' 
ydlefui iyan afikakil. 

3. Tl ürrükfi: ,bnlö amnnaf 
kiniyö* ydhha iyan. 

15 4. Urrükti: ,kö amdnat kiniyö' 
ydleha iyan yamjtilak. 

5. fYälh amänat Hniyö iya 
dükä ydlli yö abald la-kä mä- 
laga' ydleha iyan yangnli, 

20 6. ,ßä/ö amdnat kiniyö iya 
dilkä bäU yö (}agd la-kä md-la- 
ga' ydl4iha iyan yangidi. 



Tindm find yan. adöhd en4- 
oki dibö'd sfigdn yan. ytinguli 
tdn-al yamatd yan: ^dtln eji amä- 
nat kltiniV tdn-ak yalehd yan. 

,Anü ydlll amdnat klyiV ya- 
hhd yan wili ejjcjökl. 

"Irrö-kö icili-tl: jhrdö-t amdnat 
k/y(? yahhd yan. 

Irrö-kö-tl: ,kü amdnat klyö' 
yaUhd yan yangülak. 

j Ydlll amdnat ya endökä ydlll 
yi yabald-n-kä kü md-hga* ya- 
lelid yan ynnguli. 

,Bäl/ht amdnat klyO yö-k-a- 
tiyä kf% md'lnga bälö yi <Jaktd' 
n-k(V yahhd yan yangidi. 



1. Was sich ereignet haben soll. Drei Knaben befanden sich in der 
Wüste. Da kam zu ihnen eine Ilyftne und fragte sie: , Unter \re8sen Schutz 
steht ihr?* 

2. Einer von den Knaben sagte: ,Ich stehe unter dem Schutz Gottes/ 

3. Der andere sagte: Jch stehe unter dem Schutz des Landes/ 

4. Wieder ein anderer sagte: ,Ich stehe unter deinem Schutze.* 

6. Da sprach die Hyäne: ^Den, der da sagt: ich stehe unter Gottes 
Schutz, greife ich nicht an, da Gott mich sieht.* 

6. Wiederum sprach sie: ,Den, der da gesagt hat: ich stehe unter dem 
Landetschutz, greife ich nicht an, da das Land mich fuisen wird.* 



Die 'Afar-Sprache I. 



33 



l.yKöamanatTdniyö* iyaaükä ,Kü arndnat ktyö' akd en4(>- 

ybkomd iyan yangulL kä kä betd yan yangidi. 



7. Den, welcher sagte: unter deinem Schutz stehe ich, den frass die 



Hyäne. 



11. Ein unheilbringendes Weib. 



X.TjA.u nüm agahöytä mälak 
»iiga iyan. üssük agahöytä mä\ak 
lübäk ho ydlüha iyan. 

2. Wo agahöytä sönäwä tdka 
iyan, icö o^ahöytA 4älta iyan, 
dältd hälä bäyjta iyan, 

3. Bdrakat hä'eli: ,tä här to- 
bokd bäpi fatunä hä'dä akd-la' 
ta-t dhhak ydleha iyan, 

4. Issi baluwd tdka iyan, ta-t 
nabd mändaH mdri dhitn iyan, 
ö nüm yeisdfara iyan, 

5. JVö nüm safdr-at Tdhl säga 
iyan. dönikl nüm ta-t *ärt yamdta 
iyan. yanü haluwäläniyö-k genna*6 
yö-l luiysit!' fdieha iyan. 

6. Genna'ö ella Iie iyan. üssnk 
ya^dfara iyan, gari dönikl nüm 



T, t. y. Heyöti nümäd mala 
sngd yan. iisaük nümdd mdlitak 
lülßäk andahd yan, 5 

Amä nümd sönäwd takd yan, 
amä 7mmä ^cdtd yan, ^dltd halA 
(Jiältd yan, 

Bdrkat hä'eli: ,tä här tahokd 
halft fitnd hä^dd tdka* yalehd 10 
yan. 

IsSl dingä takd yan, tdkö nahä 
katamd halt httd yan, amä heyöti 
kalahd yan. 

Amä heyöti knldhed nidngüm 15 
8ügd yan, jalahd haeli ta äred 
yaniatd yan. ,anü hal/t kiyök 
dgade yöl ahit!' ak talehd yan, . 

A^ade el ahitd yan. üssük ka- 
lahd yan. aki jalahd wdnnä ya- 20 



1. Was sich einst ereignet haben soll. Ein Mann war im Beischlaf 
begriffen mit einem Weibe. Während er aber das Weib beschlief, brüllte 
ein Löwe. 

2. Das Weib ward schwanger und gebar. Das Kind, das sie gebar, war 
ein Mädchen. 

3. Ein Seher sprach dann zum Vater dieses Mädchens: ,Da8 Mädchen, 
das heute Nacht geboren worden ist, wird eine Urheberin von Zwietracht 
werden.* 

4. Das Mädchen erwuchs zur Jungfrau und ein vornehmer Städter 
heiratete sie. Dieser Mann aber verreiste dann. 

5. Lange Zeit blieb er auf der Reise. Da kam ein Schiflfsherr in ihr 
Hans und zu diesem sprach sie: ,Da ich noch eine Jungfrau bin, so hei- 
rate mich!' 

6. Er heiratete sie, verreiste aber dann. Da kam ein anderer Schirt's- 
Sitznngsbtr. d. phil.-hitt. Cl. CXI. Bd. I. Hft. 3 



34 



Reinisch. 



yamäta iyan tä-t 'ärJ, ,baluwd 
laniyök gennaöyöl-la hdysit!* td- 
leha iyan sldöhä numük, 

7. Genna*ö Üla hB iyan. ö nüm 
5 säfard iyan, fardy han nüm ta-t 

hagila iyan, ,baluwd Jciniyök gen- 
na'ö yöl'la hdysit!^ tdleha iyan. 

8. Gennaö td-til he iyan. ö nüm 
yasafard iyan. könöy han nüm 

10 dönikl nüm yamdta iyan. ,ann 
baluwd khiiyok yö ahit, gennaö 
yöl'la hdysit!^ tdleha iyan. 

9. Genna'ö td-til he iyan, wo 
nüm safard iyan. lahdy han nüm 

15 dänikl nüm fd-til yamdta iyan, 
,anü balutvd kiniyök gennao yöl- 
la hdynit!^ tdleha iyan, 

10. Tdtil genmCö häysitd iyan. 
ö nüm säfard iyan, malehin han 

20 nüm yamdta iyan, dönikl nüm 
yamdta iyan: ,anü baluwd Jäni- 
yök, yö abit!^ tdleha iyan. 

1 1 . Genna^ö tdtil häysitd iyan. 
ö nüm säfard iyan. 



matd yan ta äred. Jbala k^yök 
dgade yöl abit!' ak talehd yan 

m 

adöha heyötök. 

Agade el abita yan. amd ie- 
yöti kalahd yan. mafari heyöti 
ta yahalafd yan. ^bald ktyök 
dgade yöl abit!' ak talehd yan. 

Afjade el abitd yan, amd heyöti 
kalahd yan. könyä heyöti jalabd 
bä'eli yamatd yan. ,ann bald 
kiyök dgade yöl abit!' ak tafehd 
yan. 

A^ade el abitd yan. offid heyöti 
kalahd yan, Lihyä heyöH jalabd 
wdnnä el yamatd yan, ,anü bald 
klyök, dijade yöl abit!' ak talehd 
yan. 

Aßade tal abitd yan. amd heyöti 
kalahd yan . malehSnyä heyöti, ja- 
labd wdnnä el yamatd yan. yonü 
bald h.yök dgade yöl ahit!' ak 
talehd yan. 

A^ade tal abitd yan, amd heyöti 
kalahd yan. 



herr in ihr Haus und sie sprach zu diesem dritten Mann: ^Heirate mich, 
denn ich bin noch eine Jungfrau!* 

7. Er heiratete sie und verreiste dann wieder. Da kam ein vierter 
Mann zu ihr und auch zu ihm sagte sie: ,Da ich noch eine Jungfrau bin, 
so heirate mich!* 

8. Er heiratete sie und verreiste dann. Ein fünfter Mann, gleichfalls 
ein Schiifsherr, kam zu ihr und sie sprach zu ihm : ,Da icli noch eine Jung- 
frau bin, so heirate mich!* 

9. Er heiratete sie und verreiste dann. Da kam ein sechster Mann, 
ebenfalls ein Schiffsherr, zu ihr und sie sprach zu ihm: ,Da ich noch eine 
Jungfrau bin, so heirate mich!* 

10. Er heiratete sie und verreiste dann. Ein siebenter Mann kam dann 
zu ihr, ein Schitl'sherr, und sie sprach zu ihm: ,Du icli noch eine Jungfrau 
bin, so heirate mich!* 

11. Er heiratete sie und verreiste dann. 



Die 'Afar-FIpnche. I. 



35 



12. Malehenä hd^elä itiki sdkö 
yanidta iyan, tö mcUehen ttiki tat 
abUamyamuta iyan, nammä nüm 
tidda-la wak sügan iyan, gärak 
fardy yamdtu iyan. 

13. Inkl-ti: ,ya *drl kinl^ yd- 
l^sha ii/an. malehend nüm inkd 
agaböytd tönnä toysoina iyan. 
lahä nüm gile-li tidda-l gdla iyan, 
inki nüm sölak rd*a iyan. 

14. Ydlll keyö tö dnddh-al 
yanidtan iyan. lahd nüm ahdlä 
lukuk süga, malaJiin han nüm 
abdlä lukuk md-sügend iyan. 

15. Malahend nüm qddll galani 
iyan. qddi: ,fd-tl hdhä!* ydleha 
iyan. tat bähani iyan. 

1 6. , Tä-mdri tiddä köl wand 
yanintk kü bd'ell annl?^ ydleha 
iyan qddl. 

17. ,7o abdlä sinl nüm yi 
bd'ela* tdleJia iyan, ,aki-märi 
issinnt tiddä yöl tvän kanlkd yi 
bd'eli hinä* fdleha iyan. 



10 



Ay malehend bd'il inki dahine 
yamatin yan, amd malehin inko 
ta betdm klnön yan. lammd heyöti 
et angdH mgdn yan, sard-kö afdr 
yamatin yan. 

Inketi: ,ya dre kinV yalehd 
yan. malahend heyötö inki nümd 
tan ta^gagad yan. lehd heyöti 
8ötala-li siddal yaddyn yan, inki 
heyöti daiv ay ayk rä'd yan. 

Ydlll yuqluqd heyö tan andd- 
hal yamatin yan. lehd heyöti bilö 
ll sügan, maleh^nyä heyöti bilö 
ll md-süginä yan. 

Malahend heyöti qddll yaddyn 15 
yan. qddl: ,ta bähantd!* yalehd 
yan. ta bähdn yan. 

,Tä heyö'kü tä dhak angäi 
yanintk kü baeli dülä ydnaP ak 
yalehd yan qddl. 20 

,7a bilö hin heyöti yi bd'elä 
kinJ, tä bilö la lehd heyöti tib- 
ani yöl angd'i yänininkd yi bail 
md-klnönV talehd yan. 



12. Alle sieben Gatten, welche sie geheiratet hatten, kamen einst an 
ein und demselben Tage an. Zwoi Männor geriothen sogleich in Streit und 
in diesen traten dann vier andere ein. 

13. Der eine sagte: ,Das ist mein Haus.* Ein einzige« Weib liatte so 
sieben Männer in's Unglück gestürzt. Sechs Männer gingen mit dem Schwerte 
auf einander los, nur ein Mann blieb unversehrt. 

14. Auf dieses Geschrei kamen ehrsame Leute herbei und fanden da 
die sechs Männer im Blute, nur einer war unversehrt. 

lö. Die sieben Männer gingen nun zum Qadi und dieser befahl: ,liringt 
das Weib her!* Man brachte dasselbe. 

16. Und der Qadi fragte da.s Weib: ,Wer von diesen Männern, die mit 
einander in Streit geriethen, ist dein Gatte? 

17. Die Fran erwiderte: ,Der Mann ohne Blut ist mein Gatte, die 
übrigen, die mit einander stritten, sind es nicht.* 

3* 



36 



Reinisch. 



18. nümük: jtä kü aga- 
höytäV ydleha iyan qddl. 

19. fLhlmmäya agahöyfdk tand 
immäy, tä la*ö y^ agttböytd hinäj 

ö malahenä nüm tisgifa agaböytäy 
agaböytd hinä'ydfrehaiyan bd'ell, 

20. fAgaböytd mahd dkä tas- 
tdhalaV ydlehan iyan qddlk, 

21. ,Yi hhkumi kutd rikerike 
10 hdnam tastdhala' ydleha iyan 

qd(h. 

22. Kütd tat kiüfani iyan, 
tanid agaböytdy tamd dbtak tö 
(iban iyan. 

15 23. Abhä dnysä sagd dkä Hda 
iyan. amd sagdk galabö *drid 
hm iyan, amd galabö ärürük 
dddä dkak tamangd siikfa iyan, 

24. ,Amd galabö adagd yöh 
20 arkiasä^ dbbä ydhha iyan. adagd 

arkisani iyan, 

25. Adagd arkisdw-u-ak bälo 
ffbisan iyan, ö galabö dddad dnir 
8Üga iyan. 



Tö heyöfö: ,fä nümd kü nötnäJ' 
ak yalehd yan qddl, 

,ßo8sö yi nümd k^ tind, kadö 
yi nümd md-kl, malahend ia»- 
gidifdk sdral^ yalehd yan 6ö'«ft. 

,Tä nümd ay ta miaüä?* ak 
yalehin yan qddik. 

, Yifirde kard ya^araanikara 
yahiynim ta misild' yalehd yan 
qddl. 

Kard ta yagarain yan, amn 
nümd amdy ahtu tä dkaba ya- 
lehin yan. 

Ta dbbä sagd ddSä dkä yur- 
hodd yan, amd sagd icdlahö Ared 
hdyn yan. amdtcalahi adddärür- 
kö tamagd suktd yan. 

,Amd wdlahö adagd yö arU- 
8ä!* yalehd yan dbbä, adagd af- 
kisdn yan, 

Adagdl arkisdn-ged bälöl kä 
obtSdn yan. amd walahi dddad 
drör sügd yan. 



18. Da sprach der Qadi zu jenem Manne: Jst diese da deiue Fran?" 

19. Und er erwiderte: ^Früher war sie meine Gattin, jetzt aber, nach- 
dem sie- sieben Männer hinsclilacliten liess, ist sie es nicht mehr.* 

20. Da fragte man den Qadi: ,Was gebülirt nnn dieser Frau?* • 

21. Und der Qadi sprach: ,Nach meinem Spruche sollen die Hunde 
sie zerreissen! 

22. Da zerrissen sie die Hunde. Also that man dieser Frau, welche 
solches angerichtet hatte. 

23. Ihr Vater schlaclitete ihr nnn als Todtenopfer eine Kuh. Die Haut 
dieser Kuh bewahrte man im Hause auf. Diese Haut aber ward voll Ton 
Schlangen. 

24. Da sprach einst der Vater: ,Bringt diese Haut zu Markt!* Man 
brachte sie nun zu Markt. 

2r>. Als man dort angelangt war, legte man die Haut auf die Erde. 
Die Haut aber war voll von Schlangen. 



Die *Afar-Spraclie. I. 



37 



26. Wo ärür sindmad gdla 
iyan. ö sindm ^e-li tiddal gdhfa 
iyan. sindm tönnä tiddä hdka 
hdytu iyan. 

27. hikd agahöytd gdla 8di*ft 
tö dba iyan. 



Amd drür heydd yaddy yan. 
ayi heyö sbtala-li siddal yaddy n 
yan. heyo amd Uani siddä bakdn 
yan. 

InJd nümdkö yaddy sahdb tö ö 
abd yan. 



26. Diese Schlangen gingen nun auf die Leute los, diese aber stürzten 
mit ihren Schwertern aufeinander und machten sich den Garaus. 

27. Von einem einzigen Weibe ging so eine Verheerung aus. 



12. Wie ein Mann die Weiber hintergeht. 



1 . T. t. l, l. Nl bälöl nüm yan 
iyan. agdbvt büs görönisak yan 
iyan. bäsft gör&nü gdla if/an. 

2. Sari t/iban, laqa^ö tdban 
(jobdf be iyan. agaböytdl yamdta 
\yan. 

3. jA düye subdh adagd litöV 
islßia iyan agahöytd. ,Subdhä 
viiyü' ydleha iyan nüm. 

4. jAy mahd litöV tdleha iyan. 
jBmi liyö' ydleha iyan nüm. 

5. ,Bü8ü td-la-k btis ge Ittö' 
i^JeJia iyan agahöytd; ,hu^ fdl- 
idm nahaldk düyi mdgida litöV 
%ha iyan. 



T. t. y. Nl bälöl heyöti yind 
yan. säyöt hus fapi yind yan. 
hu8 fdlö yaddy yan. 

Sdra-kö tdman, quräSkö tdman lo 
gabdd ll yind yan. nümdl ya- 
mutd yan. 

,Tä med suhdh adagd litö?' ak 
talehd yan nnmd. ,Subdhä mh- 
liyö' yalehd yan heyöti. iö 

,A *aU litö tä mälP ak talehd 
yan. ,BiUü llyö' yalehd yan he- 
yöti. 

,Bu8u fa-ld-nkö büm gdyfa^ 
ak talehd yan nümd; ,hu8 falildf^i 20 
nabbdk ä ilä litö mdUköP ak 
talehd yan. 



1. Was sich einst ereignet hat. In unserem Lande war einst ein Mann; 
^er hatte Verlangen nacli Genitalien von Frauen und begab sich auf Sudie 
derselben. 

2. Zehn Kleider und zehn Thaler nahm er mit sich und kam damit 
ni einer Frau. 

3. Diese fragte ihn: »Hast du dieses Geld zum Butterkaufen?* ,Nein, 
ßntter brauche ich nicht*, erwiderte er. 

4. ,Zu was hast du es?* fragte sie dann. ,Für eine Vulva habe ich 
es*, erwiderte er. 

5. Da erwiderte sie : ,Wenn du eine Vulva begehrst, so kannst du die 
haben; wie viel Geld hast du dafür?* 



38 



Reiniseh. 



6. fSari fdhanäy laqa'ö fdhanä 
JiffO, imhakö iiannnd rdtell liyö^ 
ydleha iyan iiüm, 

7. ,Ma'dk, yö /dhla, yi bald 
r, fdida V tdle/ia iyan afjaböytd. 

H. ,Anü ilihiM kiniyo, yi mdlö 
vtähidytan* ydhha iyan näm. 

i^ Ayahöytd: Jdldak ale tik, 
fdltjak hald tik, fdltjak hald ddh 
10 tik!* tdleha iyan. 

10. Unsäku hfuldM kiiiian ka 
halögd il-la he haha iyan, ,mn- 
retd yö'hö hähä *dri hdlüwak!'' 
ydleha iyan nüm ayahöytak, 
15 11., Bald Ü-la sdta iyan, bnldt 
hns fdla iyan. Sari tdhnn, laqa*ö 
tdhan yahti iyan busti Itmö. ö 
dnye 'drld haysitani iyan. 

20 12. Bald kä rubta iyan, baldt 
biis fdla iyan. Bald bogd täl^ha 
iyany kenani tat miidda iyan. 
füibis kinlk kdyi-m kd ohöyä!* 
tdleha iyan bald. 



,Sära-kö tamariy qtwüSkö tn- 
man llyö, timbakö lamind rdteU 
liyö' yapihd yan heyötu 

yMa*dJc, yöyä fdl4<^, ,V* 6<4^ 
fdldaf' ak talehd yan nümi. 

,Anü lUMsö klyöy yi mälö mä- 
leaytdnä* ak yalehd yan heyöü. 

Nümd: ,fal4d'dö kömd tik, 
fal^U'dö hald tik, fal4ä-dö halA 
gomö<} tik!' ak talehd yan. 

U8»rJc dagitmal kenan ka hdlüb 
el yuluwd yand yan. ^kahaiitöU 
yö bdhäf dred ordbö Ilyök!* ya- 
lehd yan heyötl. 

Nümdt bald ed saytd yan, 
baldt bu8 wagiyd yan. Sära-kö 
t dm man, quriUkö tdmman yohöy 
yan busti Hmö. amd mal drei 
obsitdn yan. 

Bald ta tilikd yan, baldt bus 
wagiyd yan. bald annittd yan, 
keimn tad müddyan. jüibisökln- 
ik kä mal dkä ohäwä!' taJehd 
yan bald. 



6. Er antwortete: ,Zehn Kleider und zehn Thalor, dazu noch zwei 
Pfund Tabak.* 

7. ,Gut*, sagte die Frau, »willst du mich oder meine Tochter?* 

8. Er erwiderte: ,Ich bin ein wahrer Teufel, meinen Beischlaf kennt 
ihr nicht/ 

9. Die Frau aber sagte: ,Wenn du willst, so sei du ein Berg oder 
ein Baum oder Baumstrunk!* 

10. Er hatte aber sein Glied mit Dornen und Fetzen umwickelt. Da 
sprach er zur Frau: ,Bringt mir also die Tochter in's Gemach 1' 

11. Die Tochter ging hinein und er begehrte ihre Vulva. Die zehn 
Kleider und die zehn Thalor hatte er als Preis für dieselbe hingelegt; das 
nun verwahrten sie im Hanse. 

12. Die Mutter schickte ilim also ihre Tochter und er begehrte ihre 
Vulva. Die Tochter fing an zu weinen, denn die Dornen stachen sie: ,Gebt 

" «n seine Habe wieder, er ist ein Teufel !' rief sie. 



Die *Afar-Spntche. I. 



89 



13. ,Anü kü ind j/ö/* tdleha 
iyan ind; ,mahä tubüUJcf iss indl 
hübay!^ tdleha iyan, 

14. Bald tüdurd iyan, ind 
hkgiltd iyan, indt bus fdla iyan. 
kä tahdy iyan.kinan idda müdda 
iyan. 

15. Ind: ^ydllt kä yana^dlöy^ 
kdyi-m kä ohöyä!* tdleha iyan. 

16. Isiim bita iyan 7iüm, wo 
ke-k gdla iyan. gari agaböytdd 
yamdta iyan. 

n. ,A dnyemahd litö?^ tdleha 
Vfan agab^td. yAmd düyi büsü 
liyö' ydleha iyan nüm. 

18. ,Bü8uk td-la-k, bus anü 
liyö' tdleha iyan agaböytd; ydüyB 
migideP tdleha iyan. 

19. ,Sari tdban, laqa*ö tdban, 
\ä>ä tdnnä liyö' ydleha iyan nüm. 

20. ,Düyi yö bähitf tdleha 
iyan agaböytd. ,düye dykä näf 
yMeha iyan nüm. 



,Anü kü ind!' talehd yan ind; 
,ay tataldgaJcf yöyal habiSit iä' 
inikf talehd yan ind. 

Bald gäytd yan^ ind tahalafd 
yan. indt bus tcagiyd yan. dkä 6 
tohöy yan. kinan ta müdd yan. 

Ind: ,ydlli kä yana^dlö, *8ki, 
kdyim dkä ohäwäl' talehd yan. 

IHm biSitd yan, amd ^rke-kö 10 
yaddy yan, sard nümdl yamatd 
yan. 

,Tä mal ay lifo?' ak talehd 
yan nümd. ,tä mal büsü ahaü 
a\ehd liyö' yalehd yan heyöti. 16 

,Busü ta-ld-nkö bus anü liyö' 
ak talehd yan; ,mäl ä ilä litöP 
ak tahhd yan nümd. 

,Sari tdman ka qurüS taman, 
Idmmä tdnnä liyö' yalehd laba- 20 
hdytl. 

,Mäl bäh !' ak talshd yan n ümd. 
^mäl hinä!' yalehd yan heyöti. • 



13. Die Mutter aber sagte: ,Ich bin deine Mutter! Was hast denn du 
»chon erfahren! überläse* also die Sache mir, der Mutter!* 

14. Das Mädchen ging also heraus und es trat die Mutter ein. Er 
^>eg8hrte die Vulva der Mutter und diese gab sie ihm. Da stachen sie die 
Domen. 

15. Da schrie die Mutter: ,Gott verfluch' ihn; gebt ihm das Seine!' 

16. Der Manu nahm seine Sachen, ging von dannen und kam zu 
einer andern Frau. 

17. ,Zu was ha.st du da diese Werthsachen?' fragte sie ihn. ,Für eine 
Vnlva*, erwiderte er ihr. 

18. Da sagte sie: ,Wenn du eine Vulva begehrst, die habe ich; wie 
viel Geld hast du also?' 

19. Er erwiderte: ,Zehn Kleider und zehn Thaler, zusammen zwanzig 
Stück.* 

20. Da sagte die Frau: ,Nun so gieb es her!* ,Da hier nimm!* er- 
viderte er. 



40 



Rei niRch. 



21. Agaböyfd düye ma*a ke-t 
hdysittd iyan, kä-l tiidurd iyan, 

22. lh(-8 iidda faf-a iyan, hus kä 
tahay iyan. hüddel uhV he bäfta 

5 iyan nüm. mäJ4 tcnk tdiV busuk 
fiddad rä*a iyan. 

23. Ussük dind-icak issrl ka\i' 

m 

lo (jdhla iyan, Idy-k ka'dltü ifa 
saro 'idda hdyta iyan. 
10 24. Astandiyd nhifä ifa tjuhä 
icdgyä isstk hdyta iyan, ynhä 
uslk wa(f(/ifd-wak idiV isslk tuhi- 
la, hüaüd idtV tühila iyan. 

25. , Ydllt yö yomdk, tdü* yök 
15 dba^ tdkha iyan. viä-ka'dllnay 

wadirri tudüra iyan agahöyta, 
nümuk warissa iyan. 

26. Amd nümuk: ,agaböytdk 
uh'C öbak ddylä tü-tdligaP td- 

20 leha iyan. 

27. , Ddylä dliga' ydUha iyan 
nüm; jddylak sikd mägideP yd- 

• leha iyan. 



Nfond mal md*a *rke-d hay- 
sittd yan, nhmä el gäyjd yan. 

Bus ed wagiyd yan. bus dkd 
tohoy yan. dagümnl ulu el yw- 
{«76*« yand yan, dind-ged tdü* 
busuk dddad rcCd yan. 

Ussük dind^ged iSsi ka*alittö 
taddy yan. lay ka'alifö ta sarand 
^ayddd yan. 

Istinjd abifö ta ised annntd 
yan. Ued anüntd-go.ddä ulä' bd- 
sud isek tubild yan. 

,Ydlh yöl yosömdk, vliC yök 
dba* talehd yin. mä-ka'alitinä 
sdral gäytd yan, amd heyotö 
waHssd yan nümd. 

Amd heyotök: ^nümd-kö tdu 
ak obdk diwd tü-taligaf' ak ta- 
lehd yan. 

,Dtwd dliga' yalehd yan ; ,di- 
Wfik kird ä iläP yalehd yan he- 
yotl. 



21. Die Frau lefj^te <las an oincn guten Platz und kam dann zu ihm 
zurück. 

•22. Da bepehrto or von ihr die Vulva und nie gab sie ihm. Er aber 
hatte vorher sein Glied mit einem Darm umwickelt und dieser blieb nach 
dem Beischlaf in der Vulva zurück. 

23. Als or fnrtijj war, ging sie sich waschen; dabei legte sie ihre 
Kleider ab. 

24. Als sie sich anschickte sich zu waschen, sah sie hinab auf ihren 
Leib und erblickte jetzt den Darm in der Vulva. 

25. ,(rott hat mich gestraft, die Gedärme fallen mir herab*, sagte .sie 
und kehrte ohne sich zu waschen zum Manne zurück und erzählte ihm ihren 
Zustand. 

2ö. Und sie sprach zum Manne: ,WeisMt du ein Heilmittel dagegen, 
wiMui (unor Frau die Gedärme herabfallen?' 



27. Kr sagte: ,Ein s<dches Mittel kenne ich wohl; wie viel zahlst du 



dafür?* 



IHe 'Afar-Spreche. i. 



41 



28. ,Atü falinänlmi^ yälehan 
iyan nümuk. ,Sari tdban, laqaö 
tdban yö bähä!' ä nüm yäUha 
iyati, 

29. ,Madk' yan iyan, bakani 
iyan. tcö nüm: yta-t ka yö *dr%d 
hdbäf' ydleha iyan. 

30. *Ari häbani iyan aH-iuärt, 
nammäyak edda rcCan iyan *är%d, 

31 . Aniä ulu d'kü yay e'd iyan, 
,ahak sdrä wdytam mdntä* ydleha 
iycui. wo agahöytdk gdla iyan. 

32. Kay düyi dkä yaheni iyan. 
aniä nüm amd aha iyan. 



,Atü falindnlm' ak yalehdn 
yan ay heyötök. ^Saii tdman, 
quruS tdman yö ohäwä!' yalelid 
yan. 

,Ma*ak^ yalehdn yauj hähdn 5 
yan. amägtd: ,ta ka yoyä drtd 
nö haha!* yalehd yan. 

ArBt hähdn yan aki-märi, lam- 
vii Bd rä'dn yan dred. 

Amd idiV ak yayed yan, ,tayk U) 
sdral waytdm m/iltO* ynlvhd yan. 
amd nümdkö Ui' y^^ddy yan. 

Kä mal dkä yohöyn yan. amd 
heyöti tdhe aha yan. 



28. ,Was Immer du begehrst,* erwiderte man ihm. IXi sprach er: ,So 
bringt mir die zehn Kleider und die zehn Thaler !^ 

29. ,Gut*, sagten die Leute und brachten ihm das. Da sprach er: 
«Jetzt lasät sie und mich allein im Hause!* 

30. Die Uebrigen verliessen nun alle das Haus, nur die beiden blieben 
allein darin zurück. 

31. Nun zog er der Frau den Darm heraus und sagte zu ihr: ,Iu Zu- 
kunft wird dir das nicht wieder begegnen.* So ging er denn von ihr. 

32. Man gab ihm nun seine Werthsachen. Das also hat dieser Mann 
vollführt. 



13. Wie eine Frau ihren Mann überlistet. 



\.T. t. L l. nümü tnjiri yina 
iyan. ,nammd bus la ayabötjtd 
Sfirä md-diqibd* ydleha iyan. 

2. Nammd hus la agaböytd 



T. f. y. Tujdr-tl ywd yan. 15 
ylammd htis la nümdk sdral md- 
maresitd' yalshu yan. 

Lammd hus la uTimd waytimfd 
wayfinta iyan. ,nammd hus anü yan. jlammd hus anU liyo^ ta- 
liyö* tdleha iyan agaböytd, yha- lehd yan icUi nünid, ,hahard hol 20 
liard böl qdrsi'hiyä yö bidiöy!* qurüskö yö hdhöf* talehd yan. 
t4ileha iyan. 

1. Was sich einst zugetragen hat. Es war ein reicher Mann; dieser 
sagte: ,Ich heirate nicht, ausser eine Frau mit zwei Vulven.* 

2. Eine Frau die zwei Vulven hatte, fand man nun nicht. Da sprach 
eine Fraa: ,Zwei Vulven, die habe ja ich; der Mann bringe mir nur acht- 
kaudert Thaler (als Nackenpreis).* 

3** 



42 



Roi n i scb. 



3. fBaharä hol dylcä!^ tfdleha 
iyan nilm. diqihl (läsord abaiii 
ii/an, diqib ydka iyan. 

4. Aijaböytä-ll ha! eil dina iyan, 
5 bus edda fdht iyan, mala iyan. 

,bäli gari hus!^ ydleha iyan, 

5. ,Amd bus emjäy!^ tdleha 
iyan. mdlu iyan. ,bäh gari bus!* 
ydleha iyan, 

(5. yAmd bus engäy!* tdleha 

iyan, amd büsl migi ydfera iyan. 

^gari bus kö hdJiu-tcä engdy!* 

tdleha iyan. 

7. Amä büsü migl ydfera, issi 
r> rä*a iyan. amd agaböytd nümuk 

icö dheta iyan. 



,Bahard böl taykana!* ydUhd 
heyöfi, mareä qäsord ahdn yan, 
mare'd takd yan, 

Nümd-ll heyöH 4^nd yan, bw 
ed wagiyd yan, ed mälüd yan, 
,sard bus bäh!' yklehd yan. 

,Amd bus emeg!' ak tafehd 
yan ; mäUtd yan, ,mä-lammi bus 
bäh!^ ak yalehd yan, 

,2 amd bus emeg!* ak talehd 
yan. am/i bus yamdgö täud yan, 
^mälammi bus kö bähö tä bus 
em^g!* ak taleJia yan. 

Aind büsl mige tänd yan, iSi 
rad yan. amd nümä amdy aüM 
yan. 



3. ,Da liier die achthundert!' sprach der Mann und nun setzte man 
den Tennin der Hochzeit «an und die Verehelichung fand statt. 

4. Der Gatte schlief nun mit der Frau und hegehrto von ihr die Vulva. 
Er vrdlzog den Beischlaf und sprach dann: ,Gib mir jetzt die andere Vulva!* 

5. Die Frau erwiderte: .Fülle zuvor diese an!' Er beschlief sie noch 
einmal und sprach dann: ,Nun gib mir die andere Vulva!' 

G. ,So fülle nur zuvor diese an!' sagte die Frau. Er war aber nicht 
im Stande, diese vollzumachen. ,Fülle nur an, dann bring' ich dir die an- 
dere Vulva!' sagte sie. 

7. Er aber konnte diese Vulva nicht vollmachen und stand so von 
selbst ab. Das nun hat dieses Weib dem Manne gethan. 



14. Das kluge Mädchen. 
1 . T. t. l, t, NUm agaböytd T, t. y, Heyöti nümd betd yan. 



amd niimd daltd yan. (f^ltd-ged 
bald dältd yan. 

Amd bald artd yan, amd ba- 
ld artd mah ta dhbä dabri bü- 
kad hay yan, dabri hükad tu 
hdyim zind dkä mayUtd yan, 

1. Was sich einst ereignet hat. Ein Mann heiratete eine Frau und 
diese gebar ein Mädchen. 

2. Das Mädchen erwuchs und da gab es der Vater in das oberste Stock- 
werk, weil er Verführung besorgte. 



(ibitA iyan. icö agaböytd 4^lta 
iyan, wo agaböytd dältdwak ba- 
f> Id bdyta iyan. 

2. Wo bald drta iyan. tcö ba- 
ld drta sdkü dbbä qala*dt amö-d 
he iyan. qala'dt amöd hdya-wak 
hardmü mäysitd iyan. 



Oio *Äfar-äprachc. I. 



43 



3. Wo agnböytd ddlak tdna 
iyan. dälfä-tcak: ^tä däUujä via- 
iiijitd tähak sdrtV dlhök tdna iyan. 

4. Ay ind i'irta säkü hd^elak 
amöd körak tdna iyan mdlt. wo 
baldy qala^dt amöd heni-yä kau 
dbuluk tdna iyan. 

5. Ta-t dbbä tdjhnk ydua iyan» 
wo bälöl dölät ydna iyan. tcö 
Jöldt: ,tü-la-marä bdhä!' ydleha 
iyan, ,büläk sindmak yö-le eke- 
täf' ydleha iyan doldt. 

(5. Sindfn taketd iyan. ,anü 
dfeha sidöhd änqard, iUgäy /* yd- 
h'ha iyan dölät. ,mahäV ydlehan 
iy€Pi ifinäm. 

7. ,Ynlli iftira hi-ml-k amdl- 
lä inki thnani lliyäy !' ydleha 
iyan ; ,ydlli Ißira hemlk tämö 
tdy»im iUgäyf* ydleJiaiyan; ,ycüli 
iftira hemlk mabülü umam ili- 
gäy!* ydleha iyan, 

8. Yiüll säliadd tdgemu iyan. 
Ml tagemunik ainö sinik kald- 
llyo' ydleha iyan dölät. 



Amd nümä (lala tindyan. däl- 
td-ged: ,tä däld kambi md-ga- 
bdHta /' talehd yan. 

Ay inä nrtd malt bä'elak amöd 
mälö dwe'l find yan. ay bald 5 
dabri bükad hdyn-yä tan dbili 
tind yan. 

Ta dbbä tujär kl y'md yan, 
ämd bäl/jl döldt e-l ytnin yan, 
ay döldt: ,nmbakd heyö bdhä!^ 10 
yaleldn yan, ,dikil heyökö änindn- 
mnvak yöl eketä!^ yalehin yan. 

Heyö yaketin yan. ,ann äldid 
(idöhd (jäl ihgantd!* yalehd yan 
döldt. yUyP yalehin yan heyö dö- 15 
lät-ak. 

, Ydlll ylftird-ml-d siriya)a yö 
eligä!^ yalehin yan; ,ydlll yiftl' 
rdmld basdk tarn eljgä!* yalehin 
yan; ,ydlll yiftirdmld mdngum 20 
tabildm ellgäl* yalehin yan ayi 
döldt. 

Ydlti itiiläm nöldn yan. ,täy 
söldanin-kö amö sinak'dyda^ td- 
nak yalehin yan döldt. 25 



3. Die Frau gebar dann ein zweites Mal und während der Geburt 
sagrte sie: ,Nach dieser Entbindung: will ich nicht mehr entbinden.* 

•4. Die Mutter genas und am Tage ihrer Genesung spielte sie mit dem 
Gatten Beischlaf. Das Mädchen im obern Stockwerk sah ihnen zu. 

5. Der Vater des Mädchens war ein reicher Mann. In diesem Lande 
aber herrschte ein Fürst. Derselbe befahl einst: ,Ruft mir zusammen alle 
Männer! alle Bewohner der Stadt .sollen sich bei mir zusammentinden!' 

(5. Die Leute versammelten sich und der Fürst sprach zu ihnen: ,Drei 
Worte werde ich euch sagen, verstehet sie aber!* , Welche Worte?' fragten 
die Leute. 

7. Da .sprach der Fürst: ,lhr sollt mir angeben, welches von den Wesen, 
die Gott geschaffen hat, das stärkste ist! Ihr sollt dann angeben, was unter 
allem von Gott geschafteuen das süsseste ist; endlich welches von den von 
Gott geschaffenen Wesen das schärfste Auge hat!' 

8. Die guten Leute wussten das nicht. Da sprach der Fürst: ,\V^enn 
ihr mir das nicht anzugeben wisset, so schlage ich euch die KOpfe ab.* 



44 



Reinisch. 



9. ^Mälahenn s/tkl, mäJahSna 
här va hdh !\ydhhan iyan sinäm. 
mähüwmi mki-hl här kdni (vl>a 
iyan, 
o 10. ,Jo sidöhi'i änqard nage- 
mdk tä nam amö na kdlnwak, 
mdnnä dhunüf* ydlehan iyanydlll 
sdhadä. 

11. Umdn nüm issi hldd or- 
10 hani iyan. wCtkdk dhhä dcddt gü- 

hak ydna iyan, issi hüh'i örba 
iyan, 

1 2. Agnhöytd dirdr dkä tahdy 
iyan. wo dirdr hina iyan, yViahd 

tö gdytii?^ tdlitha iyan agnhöytd, 
l}].Wdllä hdrn amö sintk ar- 
ylUi-ltyd nak iya döldt^ yäleha 
iyan nfnn. 

14. ,}'' dhhä yo-la-ke dmay!* 
•20 td((iJia iyan qahCdtat tum bald 

iss' dhhak. 

15. Yamdtaiyan. ,kedhhä, ma- 
hd gdytaP tdMia iyan aükd. 



,Mälehend lel^, mcUehsnä bär 
qösörä no ohäwä!' yalehin yan 
heyo, Mälehend tele, mälehSftd 
bär qä^örä tdnä yohöyn yan. 

,Tä ndöha qäl swulak tä he- 
yöti hdngal nök 'äydö-la-k dhä 
ähonö?* yalehin yan ydlli yif^rd 
isüdm. 

Umdntl Ui dre orobd yan, ba- 
Idt dhhä döldt rigidil yind yan, 
iSi dlk orobd yan, 

Nümd dirdr dkä tohöy yan, 
amd dirdr hend yan, ^ay gat/taP 
ak talehd yan nümd, 

, Walldhl b6rä amö sinak 'ay- 
dendf nök yalehin yan döldt' ya- 
lehd yan heyöti üi nümdk, 

DahA bähid tand bal^u ,dJjbä 
yöl amd!* ak talehd yan iS* dh- 
hak, 

El yamafd yan. ,küe dbhä, ay 
gdytaV ak taleJui yan bald. 



\). Da Hpriichou <lio Louto: ,Gib uns sioboii Taf;^e und »iebon Nftchte 
Frist!* Der Fürst bowillij^to »io ihiioii. 

10. Nun Bprachon untor sich di« j^^uton Leute: ,WaM sollen wir an- 
fanpfen, wenn er uns den Koj)f abschlägt, sobald wir diese drei Worte uicht 
auflösen können!' 

11. .Tederuiann bo^ab sich heim. I>(>r Vater des Mädchens stand eben- 
falls unter dies(Mn Fürsten und gin^ heim in sein Dorf. 

l'J. Die Frau setzte ihm die Mahlzeit vor, er aber wies diese zurück. 
,Was ist dir denn?' frap^te sie ihn. 

13. Der Mann berichtete: ,Ach Gott, der Fürst sagte uns: Morgen 
si'hlago ich euch die- Köpft) ab.* 

11. Das Mädchen, welches im oborn Stockwerk sich befand, rief nun 
dem Vater zu und sagte: ,Komnf zu mir, mein Vater!* 



15. Der Vater ging zur Tochter und diese sprach zu ihm : ,Du Vater, 
was ist dir denn wi<lerfahren?' 



Die 'Af»r-Sp räche. I. 



45 



16. yWdllä yi haldy, herä dö- 
Mt amö sinlk argid llyö iya, anü 
d{eha sidöhä änqard tagemdnik^ 
ydleha iyan issi balcik; ^ydlll si- 
ndm dölät iya sidöhä änqard ta- 
yemd* iya iyan. 

17. yDöldt iya ta sidöhä än- 
qard yö isilig!^ tdleha iyan bald. 
t$s* dbbä dkä wärisd iyan. 

1 8. , Wo stdöhd änqard aligak 
anü kö warisd-liyö ; tä wak idi- 
rir!* tdleha iyan bald iss db- 
bak. 

19. , Wo änqard mä-tdliga^ yd- 
leha iyan dbbä. ^tama sidöhd än- 
qard anü kö wai*iifd-llyö, idirir!* 
tdleha iyan bald, 

20. Abbä yidirira iyan, baldl 
y)durd iyan, yidurd icak: ,ke 
dbbä, y^ obbdy!' tdleha iyan: 
,ydUl okulüqa hemtk ümamfard- 
sä' tdleha iyan; ,ydlll okulüqa 
hemlk tdmü tdysim bmü* tdleha 
iyan ; ,ydlll okulüqa Mmtk mabü- 
lu ümam düni* tdleha iyan bald. 



, WaJldhi yi bald-wö, berä dö- 
Idt amö »inak 'aydenä nök ya- 
lehdn, anü alehd adöhd qäl söl- 
ddninkö^ yd yan iH baldk; ,ydlll 
heyö döldt yalehin adöhd qäl so- 5 
Idn^ y alehd yan. 

yDöldt yalehin tä adöhd qäl 
yö i»ilig!' tahhd yan bald. iH 
dbbä dkä wari§d yan. 

,Amd adöhd qäl aUgd kl anu 10 
ku bald kö tcarisd, kddö idinr!^ 
ak talelid yan bald iä^ dbhak. 

yTamd qäl md-tdliga^ ak ya- 
lehd yan dhbä. ,amd adöhd qäl 15 
anib kö warisd, kddö idirir!^ ak 
tulehd yan bald, 

TafUjbäyidirirdyany bakil gä- 
hd yan, gähd-ged: ,küe dbbä, y* 
obbü* ak talehd yan: ,ydlli yu- 20 
knluqd-ml'd alrityä fards kinV 
talehd yan; ,ydlll yukiduqdmid 
basdk tarn bus kinl' talehd yan; 
,ydUl yukiduqdmid mabulö üviam 
düU kinV talehd yan. 25 



16. Der Vater erwiderte: ,0 meine Tochter, morgen, sagte der Fürst, 
werde ich euch den Kopf abschlagen, wenn ihr die drei Worte nicht angebt. 
Die Lente wissen diese aber nicht zu deuten.' 

17. Die Tochter sprach: ,Nonne mir diese drei Worte des Fürsten!' 
Der Vater gab sie ihr an. 

18. Da sprach sie zu ihm: ,Ich weiss diese drei Worte und werde sie 
dir sagen; jetzt aber gehe essen!' 

19. ,Du kannst diese drei Worte nicht wissen,' sagte der Vater. Die 
Tochter aber wiederholte die obige Rede. 

20. Der Vater ging nun zum Essen und kehrte dann zur Tochter zu- 
rück. Da sprach sie: ,Nun höre, mein Vater! unter allem was Gott geschaffen 
hat, ist das stärkste das Pferd; unter allem von Gott geschaffenen ist das 
süsseste die weibliche Scham; unter allem was Gott geschaffen hat, besitzt 
die Ameise das schärfste Auge.^ 



46 



Reinisch. 



21. Abhä tö yäb yohhd xoak 
gdlu iyan döldtal. ydlll saliadä 
döldtal tudurd iyan, 

22., Sidühä änqard bäyjdnl anü 
5 dnik dlsha-iyäP ydlelia iyan dö- 
Idt. 

23. fNinnl ndqcdavi hahend- 
nan' ydlehan iyan »indm, 

24. ,l8sinnl baytdnim ildhäy!* 
10 ydleha iyan döläL 

25. fNinnl bdhendm kö tvari- 
sinü tcdyna* ydlehan iyan; ,ydlll 
iftira hBmlk ümam fardsä' yd- 
lehan iyan; ,ydlll iftira h^mlk td- 

15 mä tdysim büsü* ydleJian iyan; 
,ydllt iftira hhnlk mabillü ümavi 
düne/ ydhthan iyan, 

26. ,7a sinnt warisahemdrä 
bdhä!^ ydleha iyan döldt, 

20 27. jlya nüm bähend' ydlehan 
iyan ydlll sindm. 

28. Abbä baldl yidiird iyan. 
^yi baldy, tä änqard iyak többaP 
ydleha iyan dbbä baldk. 



Abbä tö wäni yobbd-ged ya- 
ddy yan döldtal. ydlll i§üdm dö- 
ldtal gähdn yan. 

,Adöhd qöl bar/tam. anU dnak 
alehd ind-yäP yalehdn yan dö- 
ldt. 

NinnB nahesebdm bähnd nana' 
yalehdn yan heyö. 

, Sinne baytdnim eldhäf' tdnak 
yalehdn yan döldt. 

,Nanü bahendm kinam kö wa- 
ri§nö linö' yalehdn yan; ,yälli 
yifttrdmld nmam fards kini^ ya- 
lehdn yan; ^ydlll yiffirdmld ba- 
sdk tarn bus kinV yalehdn yan; 
,ydlll yiftirdmld mabuid ümam 
düU kinV yalehdn yan. 

, Tay sinä tcari§d-märä bähan- 
td!* yalehdn yan döldt. 

yYalehd heyötö bähend* yeiie- 
hdn yan ydlll heyö. 

Abbä isi büMl gähd yan. ,yi 
baldwö, tä wäni iyäk tobbaV 
ak y alehd yan dbbä iäi baldk. 



21. Als der Vater das gehört hatte, ging er zum Fürsten; auch die 
andern Leute kamen dahin. 

22. Der Fürst sprach: ,Bringt ihr mir also die drei Worte, die ich euch 
gesagt habe?* 

23. Sie erwiderten: ,Wir bringen, was wir uns ausgedacht haben.* 

24. ,So sagt an, was ihr bringt!* sagte der Fürst. 

25. Sie erwiderten : ,Wir werden dir ansagen, was wir bringen : unter 
allen Geschöpfen Gottes ist das Pferd am stärksten. Unter allem von Gott 
geschaffenen ist am süssesten die weibliche Scham. Unter allen Geschöpfen 
Gottes hat die Ameise das schärfste Auge!* 

26. Da gebot der Fürst: ,Bringt mir den, der euch das gesagt hat!* 

27. ,Wir werden ihn bringen,* sagten die Leute. 

28. Der Vater kehrte nun heim zu seiner Tochter und sprach zu ihr: 
■'^ine Tochter, von wem hast du diese Worte gehört?' 



Die 'Af»r-Spracho. I. 



47 



29. , Tä änqarä, y dbbaUy nü- 
mük mabbinufö , innl alegd-kä, 
numük maijbiniyi? tdleha iyan 
dbbak. 

30. Tä änqarn mdnnä tdle- 
ga, yi baläyV ydleha iyan dbbä 
ba\dk, 

31. ,y ind (}ältd wak kö 'ay- 
tintd ubiW tdleha iyan; ,<läld- 
yak amö tayed-tcak köt dukdu- 
kumd vbila; biistik tämök tdy- 
sam and-wdytam wöhul dlega^ 
taUha iyan bald. 

32. yDünek mabülü aysa-si- 
nim el übilam llyö^ tdleha iyan. 

33. ,Mahä-l tuhuluV ydleha 
iyan dbbä baldk. 

34. ,Atü yö bäyta fölö adda 
sokfa, icöhxd dhga' tdleha iyan 
bald. 

35. , Y'dlll oktdttqa hBmlk fa- 
rfw gibidi tibila ed dleham: tä 
*äri tdttab fards gdlak tamdta 
tä *ün yö'll yangdya töhul übi- 
la' tdleha iyan. 



jAbbä, anü tiyak mähbinlyö 
tä qäl, hinni alegdnkä* tul.ehd 
yan bald wi dbbak. 

,7a wäni isäd tdUga, yi ba- 5 
IdwOP ak yalehd yan dbbä isi 
baldk. 

,F' ind dältd-geddä köl ku- 
raytd-yä ubild* talehd yan; ,dä- 
Idkö satcöytd-geddä kabkdb köd 10 
tdy ubild; büskö basäk tarn ani- 
yd wäytdm amdykö alegd' ta- 
Uhd yan bald, 

yDfdi-kö mabulö taysdm ak 
ubildm llyö^ talehd yan, 15 

,Ay tiibilaV ak yalehd yan 
dbbä, 

,Atü yö bäytd fölö adddl ta 
ubild, amdykö ta dhga^ talehd 
yan, 20 

,Ydlh yokiduqdmid fards sl- 
riya alehdmy fards ar irökö ta- 
diyd-gMdä ärJ yöli yamniqiniqd 
yd ubila; amd ged fards striyä 
dlega^ talelid yan. 25 



29. Diese erwiderte ihm: ,Die8e Worte habe ich von Niemandem ge- 
hört, ich selbst habe sie mir ausgedacht/ 

30. ,Wie hast du dir diose Worte ausgodadit?* fragte der Vater. 

31. Da sprach die Tochter: ,Al8 meine Mutter in den Welieu war, da 
sah ich, wie sie dir zürnte. Als aber die Geburt überwunden war, sah ich 
dich sie betasten; daraus ersah ich, dass es nichts süsseres gebe, als die Vulva.* 

32. ,Und dass die Ameise das schärfste Auge habe, entdeckte ich ebenso,* 
sjigte sie. 

33. jWoran sahst du das, mein Kind?* fragte der Vater. 

34. »Das sah ich daran: sie befindet sich im Brode, das du mir bringst,* 
erwiderte sie.* 

35. ,Und dass unter allen Geschöpfen Gottes das Pferd das stärkste 
Wesen ist, ersah ich daraus: wenn es am Hause vorbei trabt, so erzittert 
das Haus.* 



* lieber den Sinn dieser Stelle vgl. das Wörterbuch s. v. bai sehen. 



48 



Roinisck. 



30. ,MiCd tä yö wart^fsam yi 
baldy^ ydhha iyan dhhä, dold- 
tal güha iyan : ,tä yö wavissam 
yi bald* ydleha iyan, 
ö 37. ,Kök mdnnä tarn halAP 
ydleha iyan döldt. 

38. ,Yi bald baluwd* ydleha 
iyan nüm. 

31). /Fat bdhä!* ydhfia iyan 
10 dölat 

40. Tat bäha)ii iyan, tat tssi 
diqiba iyan döldt. dbbä rüdd hü 
iyan. tö aukd tö tdleha iyan. 



,,Ma'd tä yö xoariisdm., yi 6a- 
Idictt!* yalehd yan äbbä, döldUd 
<jähd yan : ,tdy yök tarn yi bi4d 
kint' ak yalehd yan. 

,Kokö a*tlle la tamä kü baiäf' 
ak yalelidn yan döldt, 

,¥{ bald dingil kinV yafehd 
yan heyötl. 

, Ta bdhantdf' yalehdn yan dö- 
ldt. 

Ta bähdn i/aw, teyä isi mar^e- 
Sttd yan döldt. dbbä redisä ymi, 
ay bald täy abtd yan. 



30. ,(rHnz 8ch<)n ist daSf was du (^esa^rt hast, uiciu Kind/ sagte der 
Vater, ging zum Fürston und sprach zu ihm: , Meine Tochter ist'», die mir 
das gesagt hat.' 

37. ,\Vie alt ist deine Tochter?* fragte der Fürst. 

38. Der Vatfr erwiderte : ,Im heiratsfähigen Alter.* 

39. ,Bringt sie her!' befahl «ler Fürst. 

40. Man brachte sie und der Fürst heiratete sie; ihren Vater machte 
er zum Stanuneshäuptling. So h<it also jenes Mädchen gesprochen. 



15. Der Bräutigam und der weise Mann. 



1. T, t. 1, i. Dnmmä näm iifd 
'•'* bdlä diqibisa iyan. dbbä bnldl 

rd*a iyan, balld ijdfda iyan. 

2. Flllad masbahdt la dama- 
*dtl siuja iyan, gdlak rd*an iyan. 

3. Alpknra da süga iyan. gdlak 
-0 raan iyan. 



T. t. y. Bossd heyöH iH bdlä 
mar im yan. dltbä dikil rä*d yan, 
warddi eil yaddyn yan. 

Fillad moitbahdt la habubbi 
dkä sngd yan, ak tilabän yan. 

Ddy kömd awei sügd yan ; ak 
tilabdn yan. 



1. Was sich einst ereignet haben soll. Einst verheiratete ein Mann 
seinen Sohn. Der Vater blieb im Dorfc, nur die Freunde des BrKutigams 
zogen mit diesem aus. 

2. Ein Pavian mit einem Rosenkranz begegnete ihnen; sie sogen weiter. 

3. Zu einem Stein kamen sie, der bergauf rollte; sie zogen weiter. 



Die 'Afar-Spracbe. I. 



49 



4. Kammd daar öhak sxtga 
iyan tcei. icö nammä dä*ar yan- 
geld iyan, iiiki wdrrlfuak süga 
iyan. gdlak rd*an iyan. 

5. Nammä masdngalek haüta 
kufä dkä siikta iyan. gdlak raan 
iyan. 

6. Büld yamdtan iyan. ussön 
bdhan gagd dandn mala iyan. 

7. Ah tdkak sdrä: ,raa ä dt- 
qlbik" yäleha iyan nüin. käy hallÄ 
kä tinebd iyan. 

8. 'Aqil'li yan nüm: /yö-la-k 
(if»e.^ ydleha iyan. yamdta iyan. 

9. jKb yi hall mahd gdytaV 
ydleha iyan. 

10. ,Büldk daarimd'Wak ßl- 
l<ui masbalidte la damaati na 
Süga' ydleha iyan, ,gdlak rd'na' 
iya iyan. « 

1 1 . jAli köra da yo süga, gdlak 
rn'na^ ydleha iyan. 

12. fNammd dd^ar iiiki wdiii, 
fuak na süga; gdlak rana' yd- 
leha iyan. 



Lammd gadi wei ak öha aü- 
gd yan. amd lammd gdde yan- 
geld yan , inki arörd fua säk- 
fd yan. ak tilahdn yan. 

Lammd mmangaU-kö wüyta 5 
kdre, dkä säktd yan. ak tilahdn 
yan. 

Dikil yamatin yan. üssün hä- 
hdn sagdd dandn ed mälifd yan. 

Tay takd-k sdral: ,fä mare%i- lO 
kö ak rd'ö' yalehd yan heyötl. 
kä hdllit kä yinehin yan. 

"Aqil kin heyöti: ,yöl dmo!' 
ak yalehd yan. yamatd yan. 

,Kiii yi hdläy ay gdytaV ak ib 
yalehd yan. 

,DiJc-kö ogütd-ged fülad mas- 
hahdt la liahühhi yö sügd* ak ya- 
leJid yan, ,ak tilahend^ yalehd 
yan. 20 

,Pä kömdl awei nö sügd, ak 
i Habend^ ya yan. 

jLamnid gdde inki arOrdf aa 
nö süktdj ak tilahend* yaUhd yan 
heyöfl. 25 



4. Sie kamen zu einem Fluss, der aus zwei Bächen sich gebildet hatte; 
diese zwei Bäche vereinigten sich und hier soff diese eine einzige Schhmge 
aus; sie zogen weiter. 

5. Zu einer Hündin kamen sie, die aus den beiden Weichen heraus 
bellte; sie zogen weiter. 

G. Endlich kamen sie in's Dorf, da besprang ein Esel ihre Kuh, die 
sie mitgebracht hatten. 

7. Darnach sprach der Jüngling: ,Von dieser Heirat trete ich zurück.' 
Seine Schwäger zürnten ihm darüber. 

8. Ein weiser Mann sprach nun zu ihm: ,Komm her!' Er ging zu ilini. 

9. Da sprach jener: »Was hast du, mein 8ohn?' 

10. jDieser erwiderte: ,Al8 ich von der Heimat fortzog, trafen wir einen 
Pavian mit einem Rosenkranz; wir zogen vorüber.* 

11. ,Wir kamen zu einem Stein, der bergauf fiel; wir zogen vorüber.* 

12. ,Wir kamen zu einer Schlange, die zwei Bäche austrank; wir 
zogen vorüber.* 

Sitsungsber. d. phil.-hist. Cl. CXI. Bd. I. Uft. 4 



rn) 



Ke i n ittoh. 



1 ii. ,Nummd maHnutjahk hanta 
kittd ijö üäktH, tjalak ramV tfd- 
loha iffdu, 

14. flUihna satjtf danän mala* 
r» iifff ijian; Jö <jv. icfik (Iniihik rn'fi 

tnV ifdMu it/an \iqil'li yan uu- 
mak. 

15. , Wo üdtjH (UiU kö lic-liffo' 
i/dh'ha ii/an 'dti'd-ik tum nhm, 

1(). , \Vö ddtjft yö ohoy!^ ydla- 
ha iymi diqihik raa nüm, 

17. ,l)nmaati flUttd m<i»ha- 
hdt hjkuk t'ddfiMuiam warisn ir(V 
ydUha iyan *(f(/iUk yan imm. 

r» 18. yVö u'tn'is!* ydlvJta iyan 
hdiä, 

11). ,Mftifh(didf dummä hjknk 
ylm-mnr'i htwui, aki-mari fillad 
hdtca kö matdi'ta-m hinay* yd- 

laha iyan, 

20. ,pä ah' i'd fdrak sityam 
kö icdriait ml* ydleha iyan 'fiqi- 
lik yan nftm. ,//<> av/rw/' ydle/ia 
iyan ntiin. 



,Lammd masangaUkö icüyfa 
kdve nö sükfd, ak filabend' ya^e- 
ha yan. 

.ßtlhend aaydd danän mäUfa* 
yalt'hd yan; ,amdy yä/j-ged mä- 
re d hdhö alehdm* yalehd yan'dqil 
kin heyötök. 

yAmdy-hl wdrl and kö ahdy* 
ak yahha yan *nqU km AeyöA. 

jTamd icdrl yO ohäw." ak ya- 
Ivhd yan mar^d-kö liäbd lieyü^. 

,Tä hahrd)h'i fillad fnasbalidt- 
h kö süydm kö icari^tV ak ya- 
lehd yan 'dqil kln hey&fl, 

, Tamd icdrl yö ohdicl' ak ya- 
b'hd yan, 

,ßo8sö inashahdt hini yind'tnä-' 
rl mashahdt fiUad haüna kinl 
kuyä daktd md-kl' ak yalehd 
yan. 

Day kömdl awei yina-yd kö 
mirmt' (de yalehd. yan Wiqil kln 
heyoti. .//ö icarii!' ya yan hdlä. 



13. ,Zu eiiior Hündin kamen wir, dio aus ihren beiden Weichen bellte; 
wir zojjen vorüber.* 

14. J)ji buHpran^ ein Esel unsere Kuh, die wir initj^ebracht haben: 
nach solelien (ieschehnissen trete ich von der Heirtit zurück/ saj^to der Jüng- 
lin^r zum weisen Manne. 

15. Dieser aber sprach zu ihm: ,llievon will ich dir die Bedeutung 
angeben.* 

IG. ,<) gil> mir sie an!* erwiderte der «Jüngling, der nicht heiraten 
wollte. 

17. Und der Wei.so sprach: ,»So will ich dir reden vom Pavian mit 
dem K<>s»'nkranz.' 

18. ,So rede!* sagte der Jüngling. 

r.K Da sprach jent^r: «Dass solche die einst keinen Rosenkranz hatten, 
solchen nun am Halse tragen, das geht dich nichts an.* 

iy\. ,Nun will ich dir vom Stein reden, der bergauf rollt«,* sagte der 
Wei.se. ,iSo rede!' sprach der .Jüngling. 



Die 'Afar-Sprache. I. 



51 



21. ,Dummä naösä ylnt-Tnärl 
naom damüü wä s/tkü' ydleha 
iyan, 

22. jlnld tcdm nammä dd'ar 
fü'a id sngam kö icarlsü-wä^ yd- 
leha iyan. yyö war is!^ ydleha iyan 
nüm, 

23. ,Sindfn düyäc lam nö ha- 
hä ita makdwon tdwe'ü wäyta 
säkü* ydleha iyan, 

24. , Nammä niasdngalek hida 
kütä ddgü anu kö he-lvyö* ydle- 
ha iyan, 

25. ,Nammd masdngalek hüwa 
idda tabüam kö hinay, anü ydbü 
wä dbbak ya bali yabdkü wä ad- 
kü' ydleha iyan amä^ ^aqilAl yan 
nüm. 

26. fSagd ddgü kö hdwa* yd- 
leha iyan. ,yö ohöy /' ydhha iyan 
bfilä. 

27. fSagdd dandn mala tübi- 
lam dbbä balt agaböyfä mälü wä 
sdku' ydleha iyan; ,kö matdr- 
ta-m md-la* ydjeha iyan, ,1881 
diqih abit!' ydhha iyan. 



,Bo8SÖ garüdä kl yind-märt 
gainidä damitonä* faldn-ged ki- 
nV ak yalehd yan. 

yinki arörä lammd gdde fuä 
kö suktam kö warisö* ak yalahd ö 
yan, ,yö icariS!^ ak yalehd yan 
heyötl, 

,Hey6 mal bdhä ta nagd8fl td- 
we'ö td-ged ktnV yalehd yan 
*dqil kln heyöti, lo 

,Lammä ma^angalekö icüyta 
kdre wärt kö ahdy^ ak yalehd 
yan. 

,Lammd maaangalekö wüyta 
kdre bali yabnkd gkldä ia dbbak : \ 5 
ytibb eUJi, anü wanUö ya bali ya- 
bdkö la* ak yalehd yan *aqÜ-la 
heyöti. 

,Sagd wdre kö ahan liyö^ ak 
yalehd yan, ,yö ohö!' ak yalehd 20 
yan bdlä, 

,Sagdd dandn mala tübilam 
dbbä bali nümdd viälö kinV ak 
yalehd yan; ,köyä daktdm mä- 
kl^ yalehd yan; ,Ui mare^ä abvt!' 20 
ak yalehd yan. 



21. Da sprach jener: ,E8 kommt der Tag, au dem diejenigen, die einst 
Sklaven waren, Sklaven kaufen werden/ 

22. ,Nun will ich dir auch von der Schlange reden, die zwei Bäche 
austrank,* fuhr er fort. ,So rede !* sprach der Jüngling. 

23. Jener sprach: ,Es werden einst Herrscher kommen, die da sagen 
SU den Leuten: bringt uns euer Geld!' 

24. ,Nun will ich von der Hündin sprechen, die aus den beiden Weichen 
bellte.' 

25. Und er sprach : ,Es wird eine Zeit kommen, da der Sohn zum Vater 
spricht: schweig, ich werde reden.* 

26. fEndlich will ich dir die Auslegung hinsichtlich der Kuh geben.* 
,Gib mir diese!* entgegnete der Jüngling. 

27. Da sprach der Weise: ,Es wird eine Zeit kommen, da der Vator 
mit dem Weibe seines Sohnes schläft. Nun, alles das geht dich nichts an, 
heirate also nur!* 

4* 



52 



Rf^i D isch. 



28. Wö niim v:ö diqih ahitd 
ifjan, *fiqil-h yan nüm amä tfd- 
(fiha ijjan. 



Amä heijöii mar'eüitd yan, 'äqil 
kln het/öti amdhi yalehd yan. 



28. Da heiratet« «ler Jünf|rliiig>. Solches hat der weine Mann geredet. 



16. Die Geliebten. 



\.TA. l. i. Dtnnmä nüm maray- 

ö tä Ink ydna iyan. maraytdk dbhä 

rfVm iyan. vmrayti yamdfa iyan, 

188* dl>hä amol \a?nk 8ftkta iyan, 

marayii hü<!i]i* kidda iyan, 

2. ,I)err! tihhii akdk rdha yan 
aükä mnliA kiddaV ydhha iyan, 

3. ,l88l md-kasm-la-k yöl tat 
hähäy!* tdlehi iyan maraytd, 

4. Tat mala iyan marayti. Wo 
aukti uhhäy rahd ydna amol wo 

6 äbta iyan. 



T, t. y. Bo88ö heyöti kahant&la 
ll yind yan, kakantöla äbbä ak 
rahd yan, kahantöU yamatd yan, 
1881 dhhä bükdl tce'a süktd yan, 
kahantöU dagnmi lld yan. 

,A88d'f dhba ak rabd baldd 
ay ihlaP ak yalefiä yan, 

,U88fik ah hdmmi laki yoydl 
kä bdhä !* talehd yan kahantöUu 

Ed mäUtd yan kahantölu Ra- 
bd yand Ud dbbii bnknl amniAy 
abtd yan bald. 



1. Krzählun^i^. Ein Mann hatte einst eine (joliobto. Dieser nun starb 
der Vater. Da kam der Geliebte und traf sie weinend um den Vater. Es 
war aber das Glied des Geliebten erigirt. 

*1. Da sprach dieser verweisend zu demselben: ,8till, was bist du eri- 
girt, da doch der Vater des Mädchens gestorben ist!' 

3. Die Geliebte aber sagte: ,\Vas versteht dieses Ding davon? g^b es 
nur mir!" 

4. Der Geliebte schlief nun mit ihr. Das that das Mädchen neben 
ihrem todten Vater. 



17. Arzenei der Vulva. 



1 . T. i.l.l, Bits lakimmi iyan: 
,anü lakiinisdh dniK awi yö bd- 
hä!^ ydleha iyan biis. 



T, t, y. Buh lahOtd yan. ,anu 
lahofak andk awi yö bcüiä!* ya- 
lehd yan bu8. 



1. Die weibliche Scham fühlte sich krank. Da sprach sie: ,Da ich 
krank bin, so bringt mir stärkende Kost!* 



Die 'Af^r-Spracbe t. 



53 



2. yAici baskd kö bhhanü wdy- 
mV ydlehan iyan, ,haskü viä- 

fiila^ yärleha iyan btis, 

3. ,Hän kö bhhanu wdynä^ yd- 
lehan iyan, ,hän mä-fdla* y^W 
ha iyan Ims, 

4. ySökdr kö bäJianü wdyna^ 
ydlehan iyan. ,8ökdr md-fdla* 
ydleha iyan btts. 

5. ,Subdh kö bähanü wdyna^ 
ydlehan iyan, ySiibdh md-fdla' 
ydJeha iyan btis. 

6. ,Tam{rä kö bhhanü wdyna' 
ydlehan iyan, ytamira md-fdla^ 
ydleha iyan bus. 

. 7. ,Halawd kö bhhanü wdyna^ 
ydieJian iyan. yhalawd nid-fdla' 
ydleha iyan bus. 

8. ,Bü4d& kö bhhanü xodyna* 
ydlehan iyan, J'dlak mä-sägxmyö 
immdy yö bdliä, yi ddylä kinüc* 
ydUha iyan biis. 



,AuÄ haskd kö bahanö^ ak ya- ' 
lehdn yan. ^ha^kd md-fdla* ya- 
lehd yan bus. 

,Hän kö bähanö^ ak yalehdn 
yan. ,hän md-fdlu^ yalehd yan 5 
bv^. 

fOökkdr kö bdhanö* ak yalehdn 
yan, ,$ökkdr mä-fdla^ yalelm yan 
bus, 

,Zubdh kö bdhanö* ak yalehdn lO 
yem. ,zubdl} md-fdla' yalehd yan 
bus. 

,Tamirä kö bohanö* ak yale- 
lidn yan. ,tamirä mä-fdla' ya- 
lehd yan bus. 15 

,Halawdt kö bdhanö' ak ya- 
lehdn yan. yhalawdt md-fdla^ ya- 
lehd yan bus, 

,Dagümä kö bdhanö^ ak ya- 
lehdn yan, -fdla mä^süginiyö dy- 20 
kl, kddö yö bdhä, yi diwd ki- 
mk* yalehd yan bus. 



2. Da sagte man : ,Wir wollen dir zur «Stärkung liouig bringen.* ,Nein, 
Honig will ich nicht/ erwiderte sie. 

3. ,So wollen wir dir Milch bringen,* sagte man zu ihr. ,Nein, Milch 
will ich nicht,* erwiderte sie. 

4. ,So wollen wir dir Zucker bringen,* sagte man zu ihr. ,Nein, Zucker 
will ich nicht,* erwiderte sie. 

5. ,Butter wollen wir dir bringen,* sagte man zu ihr. ,Butter will ich 
nicht,* erwiderte sie. 

6. ,Datteln wollen wir dir bringen,* sagte mau zu ihr. ,Datteln will 
ich nicht*, erwiderte sie. 

7. ,Leckerwerk wollen wir dir bringen,* sagte man zu ihr. ,Lecker- 
werk will ich nicht,* erwiderte sie. 

8. Das männliche Glied wollen wir dir bringen,* sagte man zu ihr. 
Da sprach sie: ,Da ich nach nichts Verlangen hatte, dieses da bringt mir, 
da 68 meine Arzenei ist!* 



M 



Kölnisch. 



18. lieber den Coitiis. 



1. Ahafföytä tdleha In iyan. 
lahahdl tavidfa iyan. lahalidk: 
finki äiiqnrd alhü-tcak , yö 6h- 
häy!* tdleha iyan. ,kök ndbba^ 

5 ydhhan iyan. 

2. fAgahi labahdytü-U dini ni- 
no iyam ahhd-dnik; labahd: yök 
köllf agähü'li ^iwi ninö itam. 
ahbd-dnik: mascdahdt lam sinl, 

10 nöV tdleha iyan. 

3. ,Agdbü ka labahdk Hddä 
gdyäy, yöl dmäy!^ Uileha iyan. 

4. Labahd: ,ma8alahdt lenö^ td- 
leha iyan. ,Iubahd hinüy^ agabi 

15 masalahdt lam nö* ydlehan iyan 
agabi. 

5. jNahdrak bdgud hciytani, 
sanäwd takani, gdrak 4<^ltani, 
lakmissani, dämssani: masala- 

20 hat nr/ tdleha iyan Mahd. 

(). fLahahd^ q(J}äl-la hadöytd 
yahatanik, tdmük mdgide blkuk 
raetaV ydlelian iyan agabi. 



Nümd tind yan. lahahS tama- 
td yan. labahdk: jiiüd qäl aWtö 
liyök, yö öbbä!^ talehä yan nii- 
mä. ykök nabbd' labahd ak ya- 
lehdn yan. 

,Säyö lahahd-ll 4^nnd-dö yä- 
na-yd abbdk; laibcthä: yök köli! 
säyö'li 4^nnd'dö yäna-yd abbdk: 
masalahdt lam sinä, nGyäV ta- 
lehd yan, 

fSäyö ka labahdk siddä gay- 
tani yöl amäwaf talehd yan. 

Labahd: ,ma8alahdt lam nöyä* 
yalehdn yan. ,lahahä mä-kly ma- 
saiaJidt lam nöyä' yaiehdn yan 
8äyö. 

yAxoalrlä gdrbad hdytan, sonö 
taklni, sarrdkö daltand, lahoi- 
fandy dä\d§§and: mnsalahdJt lam 
nöyä* yalehdn yan labahd. 

fLabahn, kvlus hadö yahatin- 
ged, ä ta'dmö ^nal ä il4ä rd'e- 
taV yahJidn yan säyö. 



1. Es war eino Fran. Diese kam einst za Männern und sprach zu 
ihnen: ,Ich will euch ein Wort sagen, höret mich anl* ,Wir hören auf dich/ 
erwiderten sie ihr. 

2. Da sprach sie: Jch hOrte Frauen reden, welche da ssigien: wir 
mochten mit Männern schlafen, dann wieder Männer, die da sagten : könnten 
wir doch mit Frauen schlafen! wer hat nun davon den eigentlichen Qenuss, 
ihr oder wir?* 

3. Sie sprach dann weiter: ,Frauen und Männer, kommt alle ins- 
gesammt zu mir!* 

4. Nun sagten die Männer: ,Den grösseren Genuss haben wir davon.* 
Die Frauen aber sagten: ,Nein, nicht die Männer, sondern wir.* 

5. Die Männer aber sprachen: ,Zuerst bekommt ihr^s in den Leib, ihr 
werdet dann schwanger, gebäret dann, ihr habt Schmerzen, ihr säuget dann; 
den GenusH haben doch nur wir.* 

G. Dio Frnuen aber sagten : ,Männor, wenn man ein fettes Stück Fleisch 
kaut, wie lango bb*ibt davon der (iescliuiaekV* 



Die 'Afar-Sprache. 1. 



55 



7. ,Tidd^ waynäk kon nodu- 
rdk, na balis!^ ydlehan it/an agd- 
hü ka labahd. 

8. Abagöyta kam balissa iyan : 
J^erd baskdd häü wak, amäferä 
nfrad hayu tcak, tämi ärrabdl 
m'rt, ferS gdlaV tdleha iyan 
abagöyta labahäk, 

9. ,Tämi aiirabdl rdW tähha 
iyan labahd. 

10. ,Wö-'nna-ld'k masalahdt 
la na* tdleha iyan agaböytd. 



fSiddä waynd köl gähandk, nä 
hadil!* ak yalehdn yan säyo ka 
labahd, 

Nümd tan hadiltd yan :, ferd 
baskdd häyniyä, anrdbal hdn- 5 
ged, ta'ami anrdbal rd^a, ferd-ll 
ydwe'aP talehd yan nümd laba^ 
luik. 

,Ta*ami anrdbal rd'a* y^l^- 
hin yan labahd. 10 

fAmdydö masalahdt lam nö- 
yä'' talehd yan nümd. 



7. Frauen und Männer wendeten sich nun insgosammt an jene Frau 
und sprachen: ,Da wir uns nicht einigen kOnnen, so kommen wir wieder zw 
dir, entscheide du uns!^ 

8. Da entschied jene Frau und sprach zu den Männern: ,\Venn man 
den Finger in Honig steckt und dann von da in den Mund, bleibt dann der 
süsse Geschmack auf der Zunge oder geht er mit. dem Finger weg?* 

9. Da erwiderten die Männer: ,Der süsse Geschmack bleibt an der 
Zange.' 

10. Da sprach die Frau: ,Wenn dem so ist, so ist der Genuss bei uns.* 



19. Höre nicht auf das Gerede der Leute! 



1. r. t, l, i. Niimü abagöytd 
dbita iyan, ,amä abagöytd habü 
\cä* ydleha iyan dbbak. 

2. , Yi bdlaü, abagöytd md-hd- 
bin* ydleha iyan dbbä ist bdlak, 

3. Bali: ,y* cihbaü, ta-t häbd 
ikä td'tlt md-dgita* ydleha iyan. 



T, t. y. Heyöti nümd betd yan, 
amd nümd hdbö liyö* ak yalehd 
yan is' dbbak, lö 

,Y{ bdlau, nünid md-häbin!* ak 
yalehd yan dbbä isi bdlak. 

,Abbä, ta häbdk sdral ed md- 
gaha* yalehd yan bau. 



1. Ein Mann hatte eine Frau genommen. Darnach sprach er einst zu 
seinem Vater: ,Ich will diese Frau Verstössen,' 

2. Der Vater aber redete seinem Sohne zu: ,Mein Sohn, Verstösse sie 
nicht!* 

3. Der Sohn erwiderte: ,Vater da ich einmal gesagt habe, icli Ver- 
stösse sie, so gehe ich nicht mehr zu ihr.* 



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J /V iffilnu , ruf !tnmit.»iitijH 

>ro trak fnrnn^tk nli^fä *}ha ofan^ 
hftij t^/IHa ffnha njan, niuam tjdrad 
ir, h/imJc fyti/f/t tywt. 



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timti-tjtifi fai'äjitkt'» 'jöh y«ii li&fc 
^>#i/i fik tjähti ^fUi, hn^o miral ^ 
link fjndin yan. 



,/->! /t*f*f,pmmt* kW* Vfin ai»*»r -MijrM mir. wai« «»irh in betreff ihrer 

.*». Ivf .^'»hn »JK^r ^nu^Xf.: ,Ni«'tit« iii^hr v.^ii liem, weil ich 



äe eben vcf 



»♦/,*•/• 



^* Villi *\trtt*'h H«r VHt<*r: .Urinjf uns ein Pferd und äattie e«!*" M» 

V Ivtr VhI't b"«ti«(f 'lan Pff*nl, #»r und der .Sihn gingen mit einander 
^'/fMtw. ihr«» f'»<*jfJ'Mt^r f'djft**« ihnen rflckwärtn nach. 

'< h» rW-hf^tTi /li'"<'' >*i'' mir Kedr>n an« und sprachen: ,Was ISsat der 
y^tt^f /Ih«< Pf«'rd fipr'hf 'l«Mri Mohne und hh-ibt nicht lieber zn Hause? Ja in 
K'-»ty*ifi//'l"/«'iih'-iNMi jf^'mnt «r ihm nicht«, da g-eht er nicht mit ihm.' 

'.9 hn *<|»rrt''h '1<?r Vafer /um Hohn: .Mein J^ohn, hurst du. wie sie onf 
rtii"ri''!it*-ri ^ 

H) l'-h )t''>r" '••«,' ««yt". der Hohn. f)a .*<tiP2- d«*r Vater vom Pferde und 
dftr Hohn H«-!/.t" 'i'-li ;iiif' <\:t*"**'\\f*' \>\*' I>^iUf» zojren hinter ihnen. 



Die 'Afar-Spniche. I. 



57 



11. Sindm kan hhmiid iyan: 
,dbhä ihä gdlaj halt fardsa gdla, 
aJbelu-icaynöy' yalefiani iyan. 

12. ,Fi bdlaii, nö hamitdmm 
tdhbaP ydleha iyan dbhä, 

13. ^Abbd'h dni* ydleha iyan 
hali^ fardsak öba iyan. fards ibä 
heni iyan. sinäm gdrak kdnik 
gdl4a iyan. 

14. Simim kan hämitd iyan: 
Jardsad iss'i mci-köray, bdlü mä- 
körisay, ibä bdya-m mä-lda ka- 
kdna fardsaV ydlehan iyan. 

15. ,Yi bnlaü, inki fä sdkü 
sidöhä wak nö yoysomdnlm tob- 
hat* ydleha iyan dbbä. 

16. fFardsad innl gähd-icäk 
kö yöt ydysoman, köfardsad he- 
\caky inni ibä gaM-icak: balifa- 
fardsfdra, dbbä ibä gdla abeld- 

iCf'tynöy lyani yö köt ydysoman. 
inki sdkü sidöhd wak tö nak 
dban^ ydleha iyan dbbä. 



Hey 6 tan hammifdn yan : ,dbbä 
ibä yadiyd bali-la fardsak ya- 
diyd, tä egidam nbeld-icäynö^ ya- 
lehdn yan. 

,Yi bdlaü, na hammitdnam 6 
tdbbaV yalehd yan dbbä. 

,Abbik and* yalehd yan baÜ, 
fardskö öbd yan. fards ibä bayn 
yan, heyö sardkö tdnak yaddyn 
yan. 10 

Heyö tan hamviitdn yan: , fa- 
rdsak ö isB ak mä-güha, ö isi bdlä 
aJc mü-hä fards, ibä äy tadiya? 
d ildö ta kahdna fards !^ y^l^- 
hdn yan. 15 

,Fi bdlaii, inki tä leU*i adohd 
geddä nl yin^ebinlm tdbbaV ak 
yalehd yan dbbä. 

fFardsak hinni gähd-ged, köyä 
yöyad yMebin, köyä fards ohoy- 20 
gedj ani'i hinni ibä addy-ged: 
bali fardsak köra, dbbä ibä ya- 
diyd, abeld-wdynök nök yahhdn, 
yöyä ko-ll yin^ebin, inki tele adö- 
hd ged töy nök abdn' yalehd yan 25 
dbbä. 



11. Da richteten diese sie aus und sagten: ,Der Vater geht zu Fuss, 
der Sohn aber reitet; so etwas möchten wir nicht wieder sehen.* 

12. Nun sprach der Vater: ,Mein Sohn, hörst du wie sie über uns reden?* 

13. Jch höre es,* sagte er und stieg vom Pferde. Die Leute zogen 
hinter ihnen daher. 

14. Da richteten diese sie aus und sprachen: ,Er selbst reitet niclit 
und lässt auch den Sohn nicht reiten*, wie muss er wohl in das Pferd ver- 
liebt sein!* 

15. Nun sagte der Vater zum Sohn: ,Mein Sohn, liast du nun gehört, 
wi« sie an diesem einen Tag uns schon dreimal schlecht gemacht haben?* 

16. ,Als ich das Pferd bestieg, da schimpften sie über mich deinet- 

halben; als ich dich auf das Pferd setzte, und ich selbst zu Fuss ging, da 

»Igten sie: der Sohn reitet und der Vater geht zu Fuss: so was sollte man 

doch nicht erleben und machten dich und mich schlecht. An einem einzigen 

Tag haben sie uns das dreimal angethan.* 

4»» 



58 



Rciniscb. 



17. ,Atü tanu'iy yäh tohbd ta- 
nik ahagöytu md-hähin!^ ydleha 
iyan. 

18. ,7a dtihan sindm fatenä 
5 mdngök fafenäd mä-lidhin! inni 

töhul kö fdysa^ ydleha iyan dhhä, 
issi bdluk wo ydlelia iyan. 



,Atü tä tcani tobhd tanititkj 
kddö nümd mä-höbin!^ ak ya{e- 
lid yan dbbcL 

^Ta zabänä heyö mungö ßtiti 
löniky fitendd mA-sayn! cmk ia- 
mäy kü fdyia' ak yafehd yan . 



dbbä iH bdlak. 

17. ,I)a du nun diese Reden gehört hast, so Verstösse dein Weib nidit!* 

18. «Heut zu Tage stiften die Menschen viel Zwietracht, laite dieb 
nicht ein in diese; das lege ich dir hiemit ans Herz.' Also sprach der Vater 
zu seinem »Sohne. 

20. Ein Mann heiratet seine Stiefmutter. 
1. T.t.l.l. Niimü ink'i lab bdlü T, t, y. Heyöti inki loh fcijö 



ll yind yan. amA bali inA mb- 
td find yan. dbbä sarrd-kö maft 
Htd yan. amä nümd ^Eä/a way- 
td yan, amd heyöti rahd yan tfl 
bd'di. 

Abbä rabd-ged bdfak: fi^^ 
yOl häf ak taleha yan* 

, Y* dbbä nümd takä-dö d^^ 
nh iSd köl haüV yaiehd yan. 

,Kö 'bbä nümd aka-do ä med^ 
Utöf dgede yöl abit!*. ak teieh^ 
yan. 

Hetjö na hammüa^ 9arand nö^ 
md'häbdnä, dgede köl fiia-hä^ al^ 
yaiehd yan. 

1. Ein Mann hatte als einziges Kind einen Knaben. Die Matter die- 
ses Knaben starb nun und der Vater heiratete wiederum. Diese Fran aber 
blieb kinderlos. Dann starb auch ihr Mann. 

2. Da M]>rach ^ie einst zu jenem Sohn nach seines Vaters Tode: ,Hei- 
rate mich!* 

3. Er aber erwiderte: ,Da du meines Vaters Gattin warst, wie sollte 
ich dich denn heiraten!* 

4. Sic aber sprach : ^Obschon ich deines Vaters Gattin war, kannst du 
mich doch heiraten.* 

5. Er orwidort«* : ,0 dio Louto würden über uns reden und an uns 
keiniMi jruten Faden lassen; ich heirate dich dalier nicht' 



lukuk ydna iyan. ö bali tnd i'ab- 
10 td tdna iyan. dbbä gari dlqib 
dba iyan. wo agaböytd md-dä- 
lina iyan. wo nüm rdba iyan 
tat bd^eli. 

2. Abbä rabd-wak bdlak: , gen- 
15 na'ö yöl hdysit!^ tdleha iyan. 

3. ,Y' dbbä agaböytd klnitö 
wak gennaö nidnnä köl lidyü!' 
ydleha iyan. 

4. ,Kö dfjbä agaböytd klniyö- 
20 w?7 genna'ö yöl hdysit!* tdjelia 

iyan. 

5. Sindm na hammitd la, sarö 
na-l md-häbaniy genna'ö köl md- 
hä' ydleha iyan. 



Die *Afar-Sp»che. I. 



59 



6. , Wo hdmmik dbtam anü kö 
tcarisd-liyö^ fdleha iyan dhhä 
agaböytd: ,galabö dkü kalahayta 
tan sagä asgudd-waytä tan sa- 
gdy ibä gdl(}a adaga arkia!* td- 
\eha iyan, 

7. Galabo dkak kald yan sagä 
adagd ibä gdlda adagd drkisa 
iyan adagim, 

8. ,Galabö sini sagä fä hagg 
dümmä mdbali-linö* adagdl süga- 
mdrl ydlehan iyan; ,ä sagä ma- 
hd bdyja galabö sini sagäP yd- 
lehan iyan. 

9. ,Sagä adagim bäha' ydle- 
ha iyan. galabö sini sagä addgä 
hinani iyan, sagd addgä wdyta, 
issi büld tudurd iyan. 

1 0. Abbä agaböytd büläl sük- 
ta: ,sagä ada^ä wdytaP tdleha 
iyan ; ,sagdk adagdl mahd kök 
iyanV akdk tdleha iyan nfimük. 

11. fGalabö sini sagä tanidta 
iyani yöl sinäm taketd' iya iyan; 
,inni sagd adagd dkä wdyü wak 



,Amd hammik abtdm anü kö 
warihV ak talehd yan abbd-n 
nümä: ,wdlahö ak kaltd sagd 
arhodd-nehetö sagd ibä tadiyd- 
yä adagd arkis!* ak talehd yan 5 
nümä. 

WcUahö ak kald sagd ibä ta- 
diyd-yä ya*adägö adagd arkiäd 
yan. 

fWdlahö hin sagä tdyk hossöl 10 
mäbalinö^ yaleJidn yan adagdl sü- 
gdn heyö; ,sagd ah is$ö bd/ta 
walahö hin sagäP ak yalehdn 
yan. 

ySagä a^addgö bäha' yalehd lö 
yan. walahö hin sagd a*ddag hi- 
nan yan. sagä a'ddag toaytd diki 
gäytd yan. 

Abbd-n nümä dikil süktd: ^sa- 
gd cüddag dkä wdytaV ak tale- 20 
hd yan; sagdk adagdt ay kök- 
aniP ak talehd yan heyötök. 

, Walahö hin sagä famatd ya- 
ni heyö yöl yaketin^ ak yaUhd 
yan; ,hinni sagä adagd dkä wayk 25 



6. Sie aber sprach: ,Wa8 dieses Gerede bedeutet, will ich dir sagen; 
ziehe da einer Kuh, ohne sie zu tödten, die Haut ab und treibe dann die 
Kuh zu Markt!' 

7. Er zog also einer Kuh die Haut ab und trieb sie dann zu Markt, 
um sie zu verkaufen. 

8. Die Leute auf dem Markte sprachen nun: ,Eine Kuh ohne Haut! 
so was hat man doch noch nicht gesehen; wozu brachtest du denn diese Kuh 
her ohne Haut?* 

9. ,Um sie zu verkaufen,* sagte er. Eine Kuh ohne Haut wollte aber 
Niemand kaufen und da also kein Handel für sie da war, so k<am die Kuh 
wieder heim. 

10. Die Stiefmutter wartete seiner daheim und sprach dann zum Sohn : 
jHast du fiir die Kuh keinen Handel gefunden? Was sagten also die Leute 
auf dem Markt zu dir?* 

11. Er erwiderte: ,Sie sagten: eine Kuh ohne Haut ist da und liefen 



m 



KeiDiteh. 



und HfKjä-li dvba* ydleha iyan 
dhbä lujahoytak. 

12. S(Ujä büldl dinisani iyan. 
ijari Hiikä dhhä mjahöyta: ySayd 

5 (ulayd hdyä!' \ikä tdleha iyan, 

lli. Buy iyan, adngd ärkisd 

iyan. limot saydk ydhtam md-la 

iyaVf tat tübilam md-la iyan. amd 

satjd hüld dvbisa iyan, 

10 14. Abbä ayaböytd büldl siik- 
ta: fkdfä inahd kök iyaiiP tdle- 
ha iyan. 

15. /latit ydbtam md-la, tut 
tul/ulam md-la, wadh^l tat gdhi- 

15 sa^ ydleha iyan abbdt agaböytak. 

16. ,Fir-ti sdkä tä mdnnä ham- 
mid nak nsd-lön, gari sdkü ha- 
walani utsini häbd-ldn ; genna^ö 
yOl haysit!^ tdleha iyan bä'eli 

20 bdl.ak. genna*6 tö wak tdtil hay 
iyan. 



sdrral hinni sagd-ll orobö a^eha' 
ük yalßhd yan abbdn nürnak. 

Saga dikil (llniSdn yan. aar- 
rd-m mah abbd-n nümd: ,8agd 
adagd bay!^ ak talehd yan. 

Bay yan, adagdl arkiSd yan. 
adagd mgdt tat icaniSdm niä-ld 
yan, tu tubildm mä-ld yan. amd 
sagd dikil orbiSd yan. 

Abbdn nümd süktd-yä: ,käf(JL 
ay kök-dniP ak talshd yan. 

,Tad waniSdm mä-ld, ta tubi' 
Idm mä-ld, sdrral ta adebbd' ak 
yalehd yan abbdn nümak. 

,Awwdl mah täy bdlll hammid 
nök asdn, sarrd mah hawalani 
sine habdn; kddö dgeds yöl Jiay- 
sit!* ak taUhd yan bä'eli bdlak. 
Amd ged dgede el häy yan. 



bei mir zusaiiimoii. Da ich abor für dio Kuh ketnou Haiulol fiudoii konnte, 
trieb ich nio wiu<lor hoiiii/ 

1*2. ISio lioHsoii dio Kuh dalioim über Nacht. Den folguuden Tag sprach 
dio Stiofuuittor zum Sohn: ^Bring diu Kuh wieder zu Markt!* 

13. Er trieb sie also daliin, Niemand aber fragte auch nur um den 
Proi» der Kuh oder Hah sie überhaupt an. tio trieb er denn die Kuh wieder 
lieim. 

11. Daheim fragte ihn die Stiefmutter: ,Nun was »agtcn dio Leute 
honte zu dirV* 

15. F4r antwortete: .Niemand redete von der Kuli, nocli sah man sie 
an; ich trieb sie also wieder heim.' 

IG. Da Hprach die Stiefmutter: ,Am ersten Tage werden »ie in solcher 
Weise auch über uns hmIöu; den foljrondon Tag sind sie dessen schon übor- 
drü.Msig und hOren dann davon selbst auf: dosshalb lieirate mich nur!* Da 
hriratt^te er seine Stiefmutter. 



Die 'Afar-Sprache. I. 



61 



21. Wie der Bastard Häuptling wurde. 



l.T, 1. 1. 1. Nüm (jläylökfardy 
^ala iyan. wo nüm rdba iyan, 
käy abagöytd fäded iyan, 4^td 
bald baita iyan. 

2. Wo nüm (89l rßddntük ylna 
iyan, käy i^ylöy fardy tdha, kä 
ak sdrrä käy abagöytd el taded 
bdlä könöü'h dnlm gafani iyan 
ridd. 

3. Döldt fdnä r^d galani 
iyan, döldt: ,redd sin ahe-Uyök, 
tcö 'drld gdhä!' ydleha iyan. 

4. Wo *drld Icönd ardt dkä he- 
ni iyan, wo ardtäl ttjkdnä idiyd 
wöyni iyan. 

5. Wo ind 4äylöy fardy tdka: 
,nanü gdndü wdynak, redd atü 
nö-hö bäh!' ydlehan iyan ind 61 
tade'd bdlak. 

6. Wo fardy gdla iyan. wo 
bali rd'a iyan. wo bdläl redd 
heni iyan. wo ba^i redd brbisd 
iyan,. 



T. t, y. Heyöti 4^yl6-kö afär 
4äld yan. amd heyöti rabd yan. 
kä nFund zonäwd takd yan, däl- 
td bdlä dälid yan. 

Amd heyöti rBddntö kl yind 5 
yan. kä däylö afdr yakinlyä, 
kä ak sdn'al kä nümd eZ zonä- 
witd bdlä üssük kön ed yam redd 
yaddyn yan. 

Döldt fdnä rBdd yaddyn yan. 10 
döldt: ,redd sinä ahdy-liyok, tö 
dred gdhä." tdnak yalehd yan. 

Amd dred könd ardt tdnä hayn 
yan, amd arötul tukdnä dafenä 
wdyn yan. lo 

Ay ind däylö afdr ya/änlyd: 
,nanü naddwö linökj redd atü 
nö bäh!' ak yalehdn yan ind el 
zonäwitd bdlak. 

Amd afdr yaddyn yan. amd 20 
bali rä^d yan. amd bdlai redd 
hayn yan, amd bali redd-li orobd • 
yan. 



1. Eiu Mauu zou^e vier SOhne; der Mauu starb dann. Seine Gattin 
ward darnach schwanger und gebar einen Sohn. 

2. Jener Mann aber war Häuptling gewesen. Da gingen einst seine 
vier Söhne und als fünfter jener, welchen die Mutter nach dessen Tode em- 
pfangen hatte, hin um die Häuptlingswürde. 

3. Sie gingen also zum Fürsten , und dieser sprach zu ihnen : ,Icli 
will euch die Häuptlingswürde geben, kehrt nur ein in jenes Haus!* 

4. Dort in jenem Hause stellte man ihnen fünf Angareb auf, sie fan- 
den aber darauf der Wanzen wegen keine Ruhe. 

5. Die vier Brüder sprachen nun zum Bastard: ,Wir werden gehen, 
bring du uns die Häuptlingswürde!' 

6. Die vier entfernten sich, nur jener Sohn blieb zurück. Da machte 
man ihn zum Häuptling und als solcher kehrte er heim. 



62 



Bciniscb. 



7. Indd dfujlit: ,i'P.dd na-h hah!^ 
tdlelui iyaii, ,Is8ln redd hintani 
(jdldan' ydleha it/an, 

8. ,Atü ilimöytä, n' dbbak sdr- 
5 rä tdhoka, reddt mahd eddu litoV 

täleha it/an indd ddylö, 

0. fhsln hintani, galdani, dö- 
Idt yO yahdy redä, sinnl nioluV 
ydMia iyan, 
10 10. ,0 IUI Id-k döldt fdnä adu- 
rdnö* ydlelmn iyan, yMad, adti- 
rdnö!* ydleha iyan. döldt fdnä yu- 
dnrani iyan, döldt- liyäfjani iyan. 

1 1 . ,Könä nüniük kö-n namd- 
15 tarn taliyaV ydhiian iyan. ,fÜi' 

ga^ yiileha iyan döldt. 

12. ,Redd iya tahdyP ydle- 
han iyan, yliedd dkä he nüm Jie^ 
ydleha iyan. 

20 13. Jndd däylö reddl tonnä 
tiddä wdyta iyan, redd ilimöyti 
ra'sitd iyan. 

14. Ina könä nnmük maarüf 
dkä dhak yanin iyan. ind gari 

25 bali gdrll tina iyan. 



Ay infid (laylo: ,redd bäh!* 
ak-dn yan. ,Atln redd hintani 
taddyn* yalehd yan. 

,Atü hardml bdlä, n* äbbä sär- 
ral yobokd'tiyä reddt ay Bl litöP 
ak yal-elian yan indd (jidylö, 

,Ati7i lüntani ak tadayn, redd 
döldt yö tohöy-yä sind mdhay^ 
tdnak yalehd yan. 

,Amaydö döldtal gähanA' ya- 
l^hdn yan. ,Ma'a, gäha-Unö!* ya- 
lehd yan. döldtal gähdn yan, dö- 
Uit-ll icanisdn yan. 

,Könd heyötök köl nanuUdtn 
taligaV ak yaleJidn yan. ,dUga* 
yalelia yan döldt, 

jHedä iyä tohöy* ak yalehdn 
yan. ,redd dkä ohöy heyötö ohöy' 
tdnak yalehd yan. 

Indd (fäylö reddl töhe yani 
siddä al wayn yan, redd hard- 
ml bali rasitd yan. 

Ina kötiä heyötök tBlo dkä dba 
yinin yan. ind srlrrä bali rigi- 
dil tind yan. 



7. Da »pracheu zu ihm seino Brüder: ,Nun gib uns die Häuptlings- 
würde!* Er aber «rwitterto: ,Ihr wolltot sie ja nicht und ginget fort.* 

8. Seine .Brüder sprachen nun zu ihm : ,Du bist ein Bastard und nach 
unsers Vaters Tod geboren; wie solltest du die lläuptlingswürdo behalten?' 

9. Er erwiderte: ,Ihr wolltet sie nicht und gienget wog; da gab mir 
der Fürst die lläuptlingswürdo und die gebe ich euch nicht mehr.* 

10. ,Nuu so gehen wir zum Fürsten,* sagten sie. ,Gut, gehen wir nur!* 
erwiderte er und sie kamen zum Fürsten und redeten mit ihm. 

1 1. Und sprachen: , Kennst du un.s fünf Männer, die wir bei dir waren?* 
,Ja wohl,' sagte der Fürst. 

12. Da fragten sie: ,\Vem gabst -du die lläuptlingswürdo?* Der Fürst 
erwiderte: ,Ich gab sie dem, dem ich sie eb(m gab.* 

13. So erlangten die Brüder jene Würde nicht un<l der Bastard be- 
hielt sie. 

14. Diese fünf Brüder hatten nun ihrer Mutter eine Pension ausgc- 
. Die Muttor aber lebte boi dem nachgeboronen Sohn. 



Di« 'Afar-Sprache. I. 



63 



15. Anid ind rdbta iyan, amä 
inä rabtd'Wak yb'orä iyan ili- 
möytä, amd 4^ylö ind räbä viä- 
'abbiiia iyan. 

16. Afard sdnatfdnä inä ta- 
ni lyani masrif riibak sAgan 
Ufan. amd ind rabtdm könöü-h 
an sdnat yöbban iyan, 

] 7. Amd masritf kalitani iyan. 
,yö rübak taninlm mahd yö rüba- 
wdytanP ydleha iyan gari bdli, 

18. ,A^lfia rubak sügundkä kö 
mdbak riibak süguna' tdleha iyan 
käy sd'öl. 

19. , y ind rabtankefdnä lahä 
dadd linö* ydleha iyan, 

20. ,Nind rübak sugunäkä, kö 
mdbak rübena* ydlehan iyan. 

2\. , Y' ind rabtdnkefdnä lahd 
dadd linö' ydleha iyan. 

22,, Kö md-nahä* ydlehan iyan. 
döldt fdnä galani iyan, döldt: 
yohduk süktdnlm kä ohäwä!' yd- 
leha iyan. 



Ay ind rabtd yan, ay ind rab- 
tdk särral rdbä ak su^tisd yan^ 
ay ind rabd 4^ylö mdbbinöiil 
yan. 

Afard egidä fdnä ind fand 5 
yani telö aliki sügdn yan. ay 
inä rdbä könyä egidä yobbin 
yan. 

Ay telö kalitdn yan, ^yö aliki 
taninlm ay yö alikd-waytänamV lO 
tdnak yahhd yan ay sarrd ball, 

Nlnd tBlö na aliki nindnkä 
köyä andd aliki sitgenaV ak ya- 
lehdn yan kä sd'ol. 

Y* ind rabtdnkö lUiä dadd' 15 
ydka' tdnak yaleJid yan. 

jNininä aliki eägendnkä agül 
köyä aliki sügend' ak yalehdn 
yan. 

,F' ind rabanlnkö tdhe lihd 20 
dadd' abend nana' tdnak yaleJid 
yan. 

,Köyä md-nakay' yalehdn yan. 
döldtal yaddyn yan. döldt: ,dkä 
ahdy -taninlm dkä ohäwä!' tdnak 25 
yaldid yan. 



16. Nun starb dieselbe. Der Bastard aber verheimlichte ihren Tod 
nnd seine Brüder erfahren nichts davon. 

16. Vier Jahre schickten sie sonach die Pension für die Mutter. Im 
fünften Jahre erfuhren sie ihren Tod. 

17. Nun stellten sie ihre Zahlung ein. Der nachgeborene Sohn aber 
stellte die Frage: ,Warum schickt ihr nicht mehr, was ihr bisher mir ge- 
schickt habt?' 

18. Seine Brüder erwiderten: ,Wir schickten das für die Mutter, nicht 
aber für dich.' 

19. Er aber sag^e: ,Seit der Mutter Tod haben wir bereits sechs Jahre.' 

20. Sie erwiderten: ,Für die Mutter und nicht für dich haben wir 
geschickt.' 

21. £r aber sagte: ,Seit der Mutter Tod haben wir schon sechs Jahre.' 

22. Sie erwiderten: ,Dir geben wir nichts.' Sie gingen nun zum 
Fürsten. Dieser aber sprach: ,Gebt, was ihr gegeben habt!' 



64 



Bei niseb. 



23. ,Ka liinü^ ydlehan iyan. ,Aka nnJidy* yalehdn yan, ha- 

ilimnyti indd daylök wo aha iyan. rävil hall i^f* ind^äylok fö abdyan. 

23. ,Nun wir wenlon os fachen/ spraclien sie. Da.s also hat der Bastard 
seinen Brüdern «angothan. 



22. Das Testament des Vaters. 



1 . T, t. l. t, Nkiu nainmd hdlä 

• 

ddlaiyan. dhhä rdha iyav. ^amd 
I \rrük-ti nagärdt md-yana!* yd- 
leha iyan, 

2. Kdbü-wä iya-icak: ,kü ddy- 
lok farrim!^ ydlehan iyan. 

3. , Yi ddyldk fdrrimi fdlam 
) md'll-k undd nümnk: kö dhhä 

gabä tdnnä hay Hdhä; kaldd nA- 
mvk: gabd idnnä liay ildhä! yd- 
leha iyan, 

4. Kay ddylök undd nüm yü- 
') durd iyan, safdrä gdla sf'iga yil- 

dura iyan. 

5. ,Y* aJ)hä rahdm dhala-h 
dnik fdrrimi mahd iyaV ydleha 
iyan hdU. 

ö 6, ,Kö dhhä nö mä-farrimina, 
yi ddylök undutiyak gabä tdnnä 
hay ijdhä nök iya' ydlelian iyan. 

1. Ein Mann hatte zwei SOhno. Der Mann starb. Einst hatte er ge- 
äussert: .Von diesen beiden Söhnen wird einer nicht erben.* 

2. Als er nun daran war zu sterben, sagte man zu ihm: ,Mac]f Te- 
stament für die Kinder!* 

3. Er erwiderte: ,Meine SOhne brauchen kein Testament; sagt nur 
dem jtingeron: Dein Vater hat mit der Hand so gemacht! und zum altem: 
Dein Vater hat mit der Hand so gemacht.* 

4. Von seinen Söhnen kehrte nun der jüngere heim, von einer Reise 
kam er zurück. 

6. Da sprach dieser: ,Ich sehe, dass mein Vater gestorben ist; was 
hat er bezüglich dos Testamentes geäussert?* 

6. Die, welche bei des Vaters Ende zugegen gewesen, sagten nun: 
,Dein Vator hat kein Testament gemacht; er sagte uns nur: Sagt dem jun- 
gem Sohn : Dein Vater hat mit der Hand so gemacht.* 



T. t. y. Heyöfi lammd hdlä 
däld yan. tan dhhä rahd yan. 
,amd irrö'kö tl warsdd mi-ydna' 
yalehd yan. 

Rdhö yd-ged: ,isi ^äylö far- 
rim!' ak yalehdn yan. 

,Yi däylö fdrrimi faldnam 
mA'la-k, m^atiyak: kö dbbä gabd 
täJi iM ak ejdhä; nahatiyak: 
gabd täh' iäd ak eldhä.^ yalehd 
yan. 

Kä däylökö en4fiti gähd yan, 
galö yaddy ytndnkö gähd yan. 

,Y' dhhä rahdm abeldJc far- 
rimtö dy yaP yalehd yan e^4^ 
bdli. 

,Kö *hbä nöl mä-farrimina, yi 
(jiäylök m^citiyak: gabä töh! ÜA 
ak eldhä ! nök ya' yalehdn yan. 



Die 'Afkr-Spnehe. I. 



65 



7. Abbd amöl süga-marak: ,y 
dhba fdrrim yö ahd yani yan' 
ydUha iyan halt; ,y' äbbä gaba 
idnnä dkä Mm: issi gide abit, 
märin gid^ inäbetak yök iya 
yan* ydleha iyan, 

8. Kalda bali safdrak yamata 
ifßanj is$i dbbä rdha dkä säga 
^y«w: ^ß* dbbä rabdm abald-h 
dnik, y' dbbäfdrrimi nuihd yaV 
ydleha iyan issi dbbä amöl sü- 
ga-märak, 

9. ,Kö äbbä nö mä-farrimina* 
ydlehan iyan, ^yi kaldd bdlak kö 
dbbä gaba tdnnä hay ildhä!* yd- 
lehan iyan dbbä amöl süga-märt. 

10. ,Y' dbbä yöfarrimd yan' 
ydfeha iyan kaldd bali. förrimi 
mahi kök iya yani yanP ydle- 
han iyan. 

11. yAnit sindm 8ä*i 'nnä da- 
gid su'usd-h dnik, dag^ hay si- 
ndm mä-ysaisin yök iya yan' 
ydleha iyan bdll. 



Abbat, amöl süga-marak: ,y' 
dbbä fdrrim farrimd ydna' fd- 
nak yalehd yan; ,y dbhä gabd 
tä iSdm mann gide md-abtdkim 
iäi gid4 abit yök ya' tdnak ya- 5 
lehd yan. 

Nabd bali galö-kö yamatd yan, 
dbbä rabd dkä sügd yan: ,y* db- 
bä rabdm dbdik andk y^ dbbä 
rabd-ged ay sinal fdrrimi yaV 10 
tdnfik yalehd yan abbat amöl 
sügd-marak. 

,Kö 'bbä nöl mä-farrimina' ak 
yalehdn yan; ,yi nabd bdpjik: ga- 
ba tä i$d ak eldhäf ya^ ak ya- lö 
hhdn yan dbbä bukdl sügd-mdH. 

,y' dbbä yö farrimd yand^ 
tdnak yalehd yan nabd ball, far- 
rimti ay kök-dV ak yalehdn yan 
heyö. 20 

,Anit heyö daggid sä'd bdlll 
suusd andk heyö md-aydagisin 
yök-d yand y dbbä' tdnak ya- 
lehd yan nabd bdli. 



7. Da erwiderte ihnen dieser Sohn : ,Mein Vater hat fUr mich teiBtirt. 
Wenn er mit der Haud so gemacht hat, so sagte er mir: Nimm dein Erbe 
an dich, fremdes Eigentam taste aber nicht an!' 

8. Nun kam der ältere Sohn von einer Reise zurück und fand den 
Vater verstorben. Da sprach er zu denen, die bei dem Tode des Vaters zu- 
gegen gewesen: ,Wie hat mein Vater testirt?* 

9. Sie erwiderten ihm: ,Dein Vater hat kein Testament gemacht; er 
insserte zn ans nnr: sagt meinem älteren Sohne: Dein Vater hat mit der 
Hand so gemacht/ 

10. Da sprach der ältere Sohn: ,Mein Vater hat mir schon seinen 
letzten Willen gesagt.* 

11. ,Er sagte nämlich so: da ich der Leute Vieh in meiner Seriba 
Tersteckte, so lass* den Leuten ihr Vieh nicht in ihre Seriben eintreiben !' 



Bitsangaber. d. phil.-liiit C). CX|. Bd. I. Hft. 



66 



Reinisch. 



23. Die Vorhersagung eines Vaters. 



l.T.t. 1. 1. Nüniü <}äylök mala- 
hin 4^xla iyan, ,yi 4^iylik lahäy 
diqibay, tl diqibd'icöy !^ ydleha 
iyan. 
5 2. ,Mahä, kan akäk 4ältä ke-k 
mä-dälinitöV ydlehan iyan si- 
näm, 

3; ,Kan akü 4<^ld-k^-k kä ^a- 
la, kahdnü kä Idfita ^ ydleha 
10 iyan dbbä. 

4. yKä lafittd-wak, kä md-di- 
qibüsina mahä itaP ydlehan iyan 
sindm, 

15. 5. ,Akä yobokd-ke dl'iga käy 
abüsi sindmal bähdlam dliga* yd- 
leha iyan dbbä, 

6. Sindm käy abüsi mahä bä- 
hd-laV ydlehan iyan. 

20 7. ,Käy abibsl aggifd-lön^ bay- 
sd-lön, gara'd-lönj wo dliga^ yd- 
leha iyan. ,umdm ahdnim berä 
hesäbe laj inni ydllak mayzitd, 



T, t. y, Heyöti 4äylö-kö mala- 
hin 4^ld yan. ^yi (fäylökö Iah 
mar^eHtÖnä, U mar^eäitd-tcö!' ya- 
leJid yan, 

,Ay, tdnä ak bäyjd 'rki-kö kä 
md-bähinitö?' ak yalehdn yan 
heyö. 

, Tdnä ak 4dld erke-kö, kä ^ä- 
Idy hayki kahdnö kdyä mdngum 
kahaniyö and, ayk and' yafehd 
yan. 

,Kä lafittd'dö, kä mä-mareti- 
na ay taP ak yalehdn yan heyö, 

,Akä yobokd-kä aligd kä ziri- 
ydt heydl bähdnam lön' ya^ehd 
yan dbbä. 

fHeyö kä ziriydt ay abcinäV 
ak yalehdn yan, 

,Kä ziriydt agdifd-lön, bayid- 
lön, gavad-lön, amdy kinlm dji' 
ga' yaUhd yan. ,umäm abänam 
birä asdb lam dliga, hinni ydlla- 



1. Ein Mann zeugte sieben Söhne. Einst sprach derselbe: ,Secb8 mei- 
ner Söhne sollen heiraten, der eine aber nicht!* 

2. Die Leute erwiderten ihm: ,Wie, hast du denn diesen nicht auch 
daher bekommen, woher du die andern Söhne hast?* 

3. Er aber sprach: ,Auch ihn habe ich gezeugt wie die andern und 
in Bezug der Zuneigung bevorzuge ich ihn sogar/ 

4. Da erwiderten sie ihm: ,Wenn du ihn bevorzugst, warum sagst du 
dann so und lässt ihn nicht heiraten?* 

5. Der Vater aber sprach: ,Seit seiner Geburt weiss ich, was seine 
Nachkommen den Menschen anthun werden.* 

6. ,Wa8 worden denn seine Nachkommen den Leuten anthun?* er- 
widerte man ihm. 

7. Der Vater aber sprach: ,Seine Nachkommen werden morden, rau- 
ben, stehlen, das weiss ich; wer aber schlecht handelt, muss es morgen 



Die *Afu-Spraohe. I. 



67 



ka ne^ebuk mdnamyöy äkä ale- 
hdm tcöhü' tcdnak yäleha iyan 
dbbä. 

8. Abbä rdha iyan. 4äylö la- 
hdy diqiba iyan, kä mä'diqibi- 
ginön iyan; isd illa mdrak yina 
iyan. rabi kä yamdta iyauj Ü8' 
tük räba iyan. 

9. Ussük rahd bü44i rabd-hin- 
ta iyan. ,nüm rahd bü44^ rdbä 
hintak mahd dbonüP tdleha iyan 
nndm. 

10. ^Qädi fän ga\d-waynak 
mcJiä äbcmäP ydlehan iyan, Qä- 
di fän yamatani iyan, qädi wa^ 
risani iyan: ,nüm rahd, btt44i 
rabd-hintdk mahd ähonüP ydle- 
han iyan. 

11. ,Daaynd tan abagöytd 
eUa dafdysä bü44^ amöl!^ yd 
iyan. 

12. Wo abagöytd bähani iyan, 
äla dafaysani iyan, abagöytd ka- 
lani iyan, büdde tö wak rdbta 
iyan. 



kö mayiitd; käyä ne*ebi mciiia- 
niyö tö dkä alehdm töy^ yalehd 
yan dbbä. 

Abbä rabd yan. däylö Iah ma- 
r*e§itdn yan, käyä mä-maresi- 6 
nöni yan; iSB mdrä yind yan. 
rabi ed tamatd yan, üamk rabd 
yan. 

Ussük rabd änik dagumi rdbä 
hind yan. ,heyöti rabd, dagumi 10 
rdbä hendk ah äbonöV yalehdn 
yan heyö. 

,Qädü naddicö kibä ay äbo- 
nöP yalehdn yan. qädil yamatin 
yan, qädi xoarüdn yan: ,heyöti 15 
rabd, dagumi rdbä hendk ah dbo- 
nöP yalehdn yan. 

,Bard kln nümd dagumi bu- 
kdl ak dafdysä!' tdnak yalehd 20 
yan. 

Amd nümd bähdn yan, el da- 
faySdn yan, nümd ak oguSdn 
yan. dagumi amd ged rabd yan. 



Tergelten. Weil ich also Gott fürchte sprach ich also und nicht aus per- 
sönlicher Abneigung gegen meinen Sohn/ 

8. Der Vater starb. Sechs seiner Söhne heirateten, den einen aber 
liess man nicht heiraten und er lebte so ftlr sich. Da ereilte ihn der Tod 
und er starb. 

9. Obschon er bereits todt war, wollte doch sein Glied nicht sterben. 
Nun sprachen die Leute: ,Der Mann ist todt, das Glied aber will nicht 
sterben; was sollen wir denn machen?* 

10. ,Ja was sollen wir sonst machen, als dass wir zum Qadi gehen?' 
sagten einige. Man ging also zum Qadi und erzählte ihm: ,Ein Mann ist 
gestorben, aber sein Glied will nicht sterben; was ist also zu thun?* 

11. Der Qadi sprach: ,Setzt ein altes Weib auf das Glied!* 

12. Man brachte also ein solches Weib, setzte es darauf und entfernte 
es dann wieder. Da starb denn das Glied. 

5* 



68 



ftei nisch. 



Kj. Wö (tbagöf/tä haluicd tdka, 
fadtd iyau. wö ahagöyta 4^Ua, 
bdlä bdyta iyau, wö bali ära 
iyau. 
5 14, To bali duriydt , dbbä 
dkä iyd'kä, sindm ylggifani, si- 
ndm baysani, sindm gara'ani 
iyan, 

15. Tö nüm tö ydleha iyan, 
10 käy dunydt tö dba iyan. 



Ayt niimd bald takd, sonäwit- 
fd yan. ayi nümd ^d/fa, bälä 
bäytd yan. ayi beifi arstmd yan. 

Ayi baji zunydt, dbbä dkä 
ya-kd, heyö yigdifin, heyo bay- 
ädn, heyö gat'e^itdn yan, 

Tö heyöti tö ye^ehd yan. kä 
zuriydt töy abdn yan. 



13. Jenes Weib verjüngte sich nan, ward schwanger, gebar und brachte 
einen Knaben zur Welt; der Knabe erwachs. 

14. Die Nachkommen dieses Knaben aber mordeten, raubten and 
stahlen, wie es der Vater gesagt hatte. 

ir>. Jener hat dies vorhergesagt, und die Nachkommen seines Sohnes 
thaten also. 



24. Zwei Freunde. 



1 . 71 1. 1. 1. Nammd nüm nam- 
md sdkebik Hna iyan. amd nam- 
md sdhebik tl bähitd iyan, amd- 
Ü aindmnd düye liqdhe gärönisa 

15 iyan, amd liqdhl wdya iyan. 

2. ,Anü tä xcak mah' dhü!' 
ydleha iyan. ,yi sdhebik: ,lahd 
böl yö ohäwä! alahü wä* ydhha 
iyan. 

20 3. Amdy iyak sdrrä Blla gdla 
iyan issi sdhebil, gald-vcak: ,ke 
yi sdhebö!* dkak ydhha iyan. 



T, L y. Lamind heyöti shkebd 
ka yinin yan. amd lammd sdhe- 
bik tl bahitd yan, amd^il heyiw- 
ad mal liqdhä wagiyd yan, amd 
liqdhä wäy yan. 

,Anu kddö ay dböP yalehd 
yan. ,hinni sdhebik: lahd hol yö 
ohö! ak liwä* yalehd yan. 

Amdy yak sdrral Bl yaddy 
yan iii sdMü, yadi-ged: ,hüi 
yi sdhebö!^ ak yalehd yan. 



1. Es waren einst zwei befreundete Männer. Von diesen zwei Freun- 
den verarmte der eine, suchte dann bei Leuten Geld auszuborgen, bekam 
aber keines. 

2. ,Was soll ich nun machen?* dachte er; ,ich will jetzt zu meinem 
Freunde sagen: gib mir sechshundert Thaler!* 

3. Er ging also zu seinem Freund und sprach zu ihm : ,Du, lieber 
Freund I' 



Die 'Afur-Sprache. I. 



69 



4. ÜMl sdhebik: flaqaö lahä 
hol yö oh6y!* yaitha iyan. käy 
sdheb: ,hiha böl fäydai isd-h 
hiiay , amö yöl gäliü!' ydleha 
iyan. 

5. ,Yi maraytl lahd böl yö-h 
yahi särrä li makitü tvä^ y^l^- 
ha iyan amd laqa*ö hUa-tl, ,gdl' 
4a dönikid ugulü wä' ydleha iyan, 

6. Furdä mada-umk amd la- 
qa'ö üuük de*imdtad körd-wak 
amd laqa'ö bälöl rädda rd'eta 
iyan, 

7. Amd aki sdheb nh*ad ya- 
mdfa iyan, amd laqa'ö amd nä- 
'asi jfkqu*d, isai dck fdna bay 
iyan. 

8. Sidi amd laqa*ö yalegd 
iyan: ,tä ku, tä laqa*ö yi ma- 
rdytä anü hay' ydleha iyan, san- 
düqud amd laqaö hay iyan, 

9. Amd nüm iad adhebil gd- 
ha iyan: ^yt mardytaü, laqa'ö 
yö ohöy.^ ydleha iyan. 



IH sdhebik: ,qürüs hthä böl 
yö ohö!' ak yalehd yan, kä sd- 
heb: flahd bölkö negidö-d iSe ak 
b6t, rä^asi mal yö baJi!^ »ak ya- 
lehd yan, 5 

, Yi sdheb lahd böl yö yohöyk 
sdrral kä atcUdmü' yalehd yan, 
tadiyd jalabd-d yadiydm fald 
yan. 

Furdd-l öbd-giddä, jalabdd 10 
körd'g4ddä ay quru$ bälöl rad- 
da rä'eta yan. 

Amd aki sahebi garüd Bl ya- 
matd yan, amd qüi'uä amA ga- 15 
rud yiqu^d, iSi müddra-l bay 
yan. 

Mädäri amd qürüä yalegd 
yan: ,ta kartaldj tä qürnS anü 
hinni sdhebik ohöy indm Idnl^ 20 
yalehd yan, sandüq-uk adddd 
hay yan amd qurui. 

Amd heyöti Ui sdhebil gähd 
yan: ,yi sdhebö, qüritS yö ohöf* 
ak yalehd yan. 25 



4. Und sprach weiter: ,Gib mir sechshundert Thaler!' Sein Freund 
erwiderte: ^Verwende also den Gewinn der sechshundert fUr dich, das Kapital 
aber stelle mir dann zurück!' 

6. Da dachte der andere : ,Mit den sechshundert Thalern, die mir mein 
Freund gegeben hat, entrinne ich und gehe auf ein Schiff das abfährt.* 

6. Als er zum Hafen gekommen war und ins Boot einstieg, fiel ihm 
das Geld zur Erde und blieb liegen. 

7. £Ui kam aber ein Sklave des andern Freundes eben dahin, hob das 
Geld auf und brachte es seinem Herrn. 

8. Dieser erkannte das Geld und sprach: , Diesen Beutel und dieses 
Geld gab ich ja meinem Freund,* und legte dann das Geld in seine Kiste. 



9. Der Mann aber kam zurück zu seinem Freund und sprach zu ihm : 
,Mein Freund, gib mir Geld!' 



70 



Beinisch. 



10. , Yi viardytnü, l(tqa*6k ynd- 
glde fdl4(i'l' ydlelui iyan, 

11. fSidöhd hol yö ohöy!^ yd- 
lelia iyan aind nüm düye gä- 



ö ronisd'tl. 



12. Kay sdJteb kä yahi iyan. 
fSidöhd hol tä düye-li maMta-U- 
yö^ ydleha iyan amd nüm. 

13. Ama düye-li gdla iyan, 
10 furdd öha iyan, deHvidt-ad kö- 

ra iyan, de*imdt dönik fdnä gdl- 
(}a iyan. 

14. DeHmdt döntk gnfta iyan, 
sindm dönikid körta iyan. 

15 15. Ussük dönikid körü ivä ya 
ihä dönikid hdya, hdya-wak si- 
döhd hol hdd-ad rddda iyan. 
kullunti la'aftö ya gu* aJidy iyan 
sidöhd hol. 

20 16. DüiyS yahi nümi na*ad 
ramdse la hdd-al gdla iyan, yi- 
ßlihd, kvllum *dyda iyan, sidö- 
hd hol ytmdu*d kullunti kuUu- 
mud 8üga iyan. 

2ö 17. Kvllum hüld brhisd iyan: 



,Yi s/ihehö, gürüS-kö ä H<ifd\- 
(laV ak yalehd yan. 

,Adöhd hol yö ohöf ak y«{e- 
hd yan ay heyöti mal wagiyd-ü. 

Kä sdheb dkä yohöy yan. ,aiö- 
ha hol kin mä-U a*aluwA Uy6^ 
yalehd yan ay heyöti. 

Amd mdl'll yaddy yan, für- 
dal öha yan, jalabdd körd yan, 
jalahd nahd jcUabd fän taddy 
yan. 

Jalahd nahd jalahd güftdyan, 
heyö nahd jalabdd kördn yan. 

Usmk körö ya lak nahd ja- 
labdd takdr üd-ged ay adöhi 
hol hddad raddd yan. cvsäyti 
e^^d azdytö yakeld undu iid 
yan adöhd hol. 

Mal yohöy heyöti garüd ra- 
mdS-ll hddal yaddy yan, ay ra- 
mdS azdl *aydd yan, adöhd hol 
yundu*d azäyti hdgü-d dkä 9ügd 
yan. 

Aza dikil orhiSd yan: ,yi mä- 



10 ,Wie viel wünscheBt du, mein Freund?' erwiderte ihm dieser. 
IL Jener sprach dann: ,Gib mir dreihundert Thaler!* 

12. Sein Freund gab sie ihm und jener dachte: ,Nnn entrinne ich 
mit diesen dreihundert Thalern.* 

13. Er entfernte sich also mit dem Gelde, kam zum Hafen und bestiege 
ein Boot, dieses fuhr hinaus zum Schiff. 

14. Als das Boot beim Schiff angelegt hatte, stiegen die Leute in die- 
ses ein. 

15. Wie nun jener Mann einstieg und eben seinen Fuss auf das Schiff 
gesetzt hatte, fielen ihm die dreihundert Thaler ins Meer; ein grosser Fisch, 
den Sack für einen Fisch haltend, verschluckte ihn. 

16. Ein Sklave jenes Mannes, der das Geld gegeben hatte , ging mit 
dem Netz ans Meer, warf es aus und fing den Fisch, der die dreihundert 
Thaler verschluckt hatte; sie fanden sich noch im Fische vor. 

17. Er brachte den Fisch heim und sprach zu seinem Herrn: ,Mein 



Die 'AfftT-Spntcha I. 



71 



j/i Mö! 9idöha hol hägü-d la 
hdluntä *dyda^ ydleha iyan. 

18. ,Ama laqd'ö bdhayf yd- 
leha iyan gidi. nh'asi laqa'ö im 
ddü yahay iyan. 

19. jA laqa*ö ann inni fdhe- 
hi hey* ydleha iyan ddl. 

20. Amd nüm galö aka md- 
köy isH Mdhebil gdha iyan: ,yi 
sähebö, afard hol yö ohöy!^ yd- 
leha iyan. 

21. ,MtMrhabd!* ydleha iyan; 
^foyrök lahd hol kö-ll yan, gd- 
rak sidökd hol kö-ll yan, tö tid- 
dad sagald hol kö-ll yan, (ä wak 
afard hol hit!* ydleha iyan, ^tid- 
dad dlß ka sidöhd hol kö-ll tan 
yi Bäheböf ydleha iyan, 

22. ,Yi sähebi düyi yö ruhtü 
ma-tcdytakj kä Sd afdiydm innl 
rä*esitdm ydlii yö yahaü^ ydle- 
ha iyan. 

23. Tökuk sdrrä düye hddal 
bay iyanj harr-il bay iyan, add- 



ddrä! adöhd hol gdrhad la azäy- 
tö igdifd* yalehd yan. 

,Amd qürüS hdhs!^ ak yalehd 
yan mäddrä. garüd qürü^ iH 
mäddral yohöy yan. 5 

,Tä qüräS anü hinni sdhehik 
ohöy indm^ yalehd yan. 

Amd heyöti mudum dkä mä- 
kind üi sdhehü gähd yan: ,yi 
sdhebö, afard hol yö ohö!* ak 10 
yalehd yan, 

,Mad!^ yalehd yan; ,awdUä 
Uhd hol köli yand, sdrrä adöhd 
hol köll yand, siddad sagald hol 
köli yand, kddö afard hol hiäit!^ 15 
ak yalehd yan, ^siddad ^h ka 
adohd hol köll yand, yi sdhehö.^ 
ak yaiehd yan. 

,Yi sahehi mal yi ^iliyö ma- 
la-ki, yi kdUqö, kdyä afdiydm 20 
yöyä raetdm yö ohö!^ yalehd 
yan. 

Amdyk sdrral mal hddal hay 
yan, hdiTÜ hay yan, ya'edigd 



Grebieter, ich habe einen Fisch gefangen, welcher dreihundert Thaler im 
Mag^n hatte.* 

18. ,Nun so bring dieses Geld!' erwiderte ihm sein Herr, und der 
Sklave brachte ihm dasselbe. 

19. Der Herr aber dachte sich: ,Das ist ja das Geld, das ich meinem 
Freund gegeben habe/ 

20. Jener Mann aber, der nunmehr nicht abreisen konnte, kehrte zu 
seinem Freund zurück und sprach zu ihm: ,Meiu Freund, gib mir vierhun- 
dert Thaler!* 

21. ,Gut mein Freund* sagte dieser, ,von Anbeginn hast du von mir 
sechshundert, dann kamen dazu dreihundert, also zusammen neunhundert 
und hier hast du die vierhundert Thaler, demnach in Summa tausend und 
dreihundert Thaler.* 

22. Da dachte jener: ,Das Geld meines Freundes lässt sich nicht ent- 
wenden; gebe also Gott, dass ich so viel gewinne um es ihm zurückzuzahlen!* 

23. Darnach hatte er das Geld bei sich zu See und zu Land, er trieb 



72 



Rainiteh. 



///«« iyfin, adfigiKfik mrrä akä 
iamencfd iyan, yidnrd iyaii isd 
8<thehlL 

24. ,Amä ifüye häd hay, hdrri 
ö hfiy , (id/i(fi8a, yö tamengd' yd- 

lehn iyan, ,yi nuirdytatl, fä wak 
k'O afdnü-WfV ydleJui iyan, dlfi 
ndöhn hol kä yahdy iyan. 

25. ,17 mardytndj düye tjdy- 
10 faV ydl^ihu iyan. ,dtlye (ji^k' yd- 

lüha iyan nfim. 

26. , Vi mar dy tau, inki dnqa- 
rä kö esirä ivä^ ydl^Jia iyan; 
,fä laqa*6 yök haytd-wnk bdtjü-d 

15 mahd hdyta?' ydleha iyan, 

27. ,Edda hay mdyü* ydleha 
iyan, ,Kö mä-na^ihd-k yö waris!^ 
ydleha iyan. ,Kö wärijtd' ydleha 
iyan. 

20 28. ,Inni hdhitu, düye haha, 

sindmal liqdhl eserd tvak yö kn- 

litani^ ydleha iyan; ,yi mardytä 

fdnä gdlü tcä dl^ha' iya iyan. 

29. ,Tö wak köl amdta, afü 



yan, ya'edujdk sdrral dkä ya- 
mengd yan, gähd yan M «lAe- 
hil. 

,Amd null häd hay, hdrri hay, 
aedigd, yö yamengd* yuleha 
yan, ,yi sdhehö! kö afdäicö liyö' 
yalehd yan, iih ka ndöhd hol 
dkä yohöy yan. 

,Yi sdltehö, niäl gaytaf* ak 
yalehd yan. ,mäl gay* ak yt^e- 
hd yan. 

jYi sdhehö, inki qäl kö eHlrö 
Jalak and' ak yalehd yan; ,tä 
qun'ii yök hayfd-ged, garbad ay 
hdyfal* ak yalehd yan. 

,Ed hdym mdyö* yalehd yan. 
,fiü mänaehdk yö ward!' ak 
yalehd yan. ,kü wariiö* ak y«- 
lejid yan. 

,Hinne hahitd, mal wäy, he- 
ynicad Widh es^rd ged yi kcditdn* 
yahhd yan; ,hinni sdhehil add- 
irö ale.hd^ yaiehd yan. 

^Qüj^i^ii amdged köl amaid, 



Handel und das Cfold mehrte sich ; er kehrte dann zu seinem Freand 
zurilck. 

'J4. Zu diosem sprach or: Jch nahm das Geld zu See und Land, trieb 
Handel und das Geld mehrto sich; nun zahle ich dir, mein F'reund, zurück' 
und gab ihm tausend dreihundert Thaler. 

25. ,So hast du dir also Geld gemacht/ bemerkte dieser. ,Ja wohl,* 
erwiderte jener. 

20. Da sprach dieser: , Freund, um eins machte ich dich fragen. Als 
du dieses Geld von mir empfingst, was dachtest du in deinem Herzen?* 

27. Jener erwiderte: Jch dachte an weiter nichts.* Dieser aber sprach: 
,sag' es mir nur, ich werde dir darob nicht bttse!* ,Xun so sage ich o« dir* 
sagte jener. 

28. Ich verarmte, verlor mein Geld, und als ich bei Leuten borgen 
wollte, gab man mir nichts. Da dachte ich, ich gehe zu meinem Freund.* 

29. .,Ich kam also zu dir und als du mir die sechshundert gabst, 



Die 'Afar-Sprache. 1. 



73 



l€Üia hui yö tahe-wcJc mdkitü wo. 
dUha. düyibfurdd öba-wak, had- 
€ul yök rdddaj bdta' ydleha iyan, 

30. yGdrak köd gäka-wak sd- 
döhd böl yö ohö! dleha, yö to- 
hoym taliga' ydleha iyan, 

31. ,Sidöka böl atü yö tohöy- 
wak inni kök gdla, wo ke-l ä 
sidöhd böl ataldmü icä, maJcitü 
wä dleha* ydleha iyan. 

32. ,Wö ksk gdlajfarda amd- 
ta, de'imdt-ad köra^ iya iyan; 
,w€ de'imdt döniJc fdnä gdl4a, 
trö de'imdt dönikil tamdta, sindm 
korfa* ydleha iyan, 

33. fAnü dönik-id ibä he- wak, 
bdd-ad yök rddda sidöhä böl kök 
bay hiyOf ydleha iyan. 

34. , Wo laqd'ö yök raddJc gd-- 
rak hol gdhd-wak: yi rabbäfi, kd- 
fä yö ahändnlm kä yö tnkt edda 
nadardröy! kä mä-UUmak dleha^ 
ydleha iyan, 

35. ,Köl gdha, afard böl yö 
oho kök alehd'Wakj yö tohöy-wak 



atü lihd böl yö tohöy-ged aald' 
wo dleha. m/d-ll furddl öbd-ged 
bddad yök raddd, yök taleyd* 
yalehd yan. 

,San*d-kö köd gäJid, adöhd böl 5 
yö ohö kök'd, yö tohöym taligd' 
yalehd yan. 

, Adöhd böl atü yö tohöy-ged 
hinni kök addy, el ed erkel tä 
adöhd böl ataldmü liyo alehd' 10 
yaleJui yan, 

,Amd 'rki-kö addy, furddl a- 
maid, jalabäd körd* yalehd yan; 
,amd jalabd nabdjalabdd t^uldy, 
amd jalabd nabd jalabdd tama- 15 
td, heyö köi'dn* yalelid yan. 

,Anü nabd jalabdd lak takdr 
iidk sdrräl ay adöhd böl kökö 
be-yä bddad yök raddd' ya yan, 

,Ay qürü§ yök raddk sdrral, 20 
köl gähd-ged: yi kdliqö, yi sdheb 
yö ahayndnvm kdyä bdrkad lani 
yö ka kdyä ed nadirirdm yö ab ! 
alehd* yaUhd yan. 

,Köl gähd, afard böl yö ohö 20 
kök alehd, yö tohöy, kök addy, 



dachte ich: Damit entrinne ich. Ich ging hinab zum Hafen, da fiel mir 
wohl das Geld ins Meer und war hin.* 

30. ,Ich kam dann wieder zu dir und sprach: Gib mir dreihundert! 
du weiset ja, wie du mir es gabst.* 

31. ,A]8 du mir die dreihundert gegeben hattest, ging ich von dir 
und dachte : Nun entrinne ich mit diesen dreihundert Thalern.* 

32. ,Ich ging dann, kam zum Hafen, bestieg ein Boot und dieses 
fahr hinaus zum Schiff. Als es da angelegt hatte, stiegen die Leute ein.* 

33. »Als ich nun den Fuss auf das Schiff setzte, fielen mir die drei- 
hundert Thaler, die ich von dir hatte, ins Moer.* 

34. ,Ich kehrte dann zu dir zurück und sprach boi mir nun : Mein 
Gott, gewähre mir, dass das Geld, welches mir mein Freund etwa gibt, Segen 
bringe, so dass ich und er davon lebe, ohne dass ich ihn Ubervortheile!* 

35 ,Ich kam also wieder zu dir, begehrte von dir vierhundert Thaler, 



72 



Reinisch. 



gisa iyan, ndagimk «drnl dlxä 
tamengd iyan^ yulurd iyan isH 
sithebll. 

24. ,Amä düyt häd hay, hiirri 
5 hay, ndfigisa, yö tame.ngd' yd- 

Idia iyan, ,i/i mardyUm, fä irak 
ko afddü'W(V ydleJut iyan, Sfi 
»idöhä hol kä yahdy iyan, 

25. , Yi mardytail, dUyi gdy- 
10 faf* ydl^.ha iyan, ,dttye gvk* yd- 

leha iyan nfim. 

26. ,}7 mardytaü, inki dnqa- 
rä kö esern tc(V ydleha iyan; 
,iä laqa'ö yök haytd-vnk bagd-d 

15 mahd hdytaP ydl^ha iyan, 

27. ,Edda h/iy mayü* ydlsha 
iyan, ,Kö mä-ua'U)d-k yö waris!' 
ydleha iyan, ,Kö warijtd' ydleha 
iyan, 

20 28. ,Inni hdhitu, düye. haha, 

sindmal liqdJil euiivd trak yö kn- 

litani^ ydleha iyan; ,yi mardytä 

fnnä gdlü tcä dlelia^ iya iyan, 

29. ,Tö wak köl amuta., atü 



yan, ya*edigäk adrnd dkä ya- 
mengd yan, gäha yan iH tAk- 
hil. 

,AmA mal häd bay, harrt hay^ 
a*edigd, yö yamenga' ynidta 
yan, ,yi sdhebö! kö afdäxö ligö' 
yalehd yan^ iih ka odökA hol 
dkä yohöy yan. 

,Yi sdJiebö, null giyiü.^ oi 
yalehd yan, ,mäl gay' ak Jfa{^ 
hd yan, 

yYi sdhebö, inki qäl kö eiirö 
fdlak and' ak yalehd yan; ß 
qüHiJi yök bayta-ged, garbid a} 
hdytaf ak yalehd yan, 

,Ed hdym mäyö* yalehd yoM* 
,Kü mänaehdk yö warÜl* A 
yal^d yan, ,kü wariSöi' ak jfft- 
Mtd yan, 

,Hinne hahitd, mal wdy, h^' 
ydicad liqah ej*erdged yi kalitdn' 
yalehd yan; ,hinni sAhebil add" 
ivö alehd* yalehd yan. 

,Qni^iäu amd-ged köl anuUAf 






Handel und das Geld mehrte sich ; er kehrte dann zu seinem Freund 
zurflck. 

24. Zu diesem sprach er: Jch nahm das Geld zu See und Land, trieb 
Handel und das Geld mehrte sich; nun zahle ich dir, mein Freund, surttck' 
und gab ihm tausend dreihundert Thaler. 

25. ,So hast du dir also Geld gemacht,' bemerkte dieser. ,Ja wohl,' 
erwiderte jener. 

26. Da sprach dieser: , Freund, um eins möchte ich dich fragen. Als 
du dieses Geld von mir empfingst, was dachtest du in deinem Herzen?* 

27. Jener erwiderte: Jch dachte an weiter nichts.* Dieser aber sprach: 
,sag' es mir nur, ich werde dir darob nicht bösel* ,Nun so sage ich es dir* 
sagte jener. 

28. Ich verarmte, verlor mein Geld, und als ich bei Leuten borgen 
wollte, gab man mir nichts. Da dachte ich, ich gehe zu meinem Freund.* 

29. .,Ich kam also zu dir und als du mir die sechshundert gabst. 



Die 'Afar-Sprftohe. 1. 



75 



3. Aid la nüm äld way iyan. 
habtl äld elld gaidd tan ibä yü- 
hila iyan. 

4. ,Tä äld dägdk ya äld Tnä- 
*(Un la tan, dokä'önö ya äld do- 
kä'önök tani md-tana' ydleha 
iyan. 

5. Gala äldt yirkidd büldl ya- 
mdta iyan: ,dägäk ya äld mä- 
*atd ubüa, gübdk y* äld, ffübdk 
d4ßcä*önö y* äld dokä*önö hinä; 
äld tcä'h anik tü-tuhilanlV yd- 
leha iyan. 

6. fMd'balinö* ydlehan iyan 
büld-märi. büldk dfal tan haldl 
nüm dkä sUga iyan. 

7. Aid yök bdta, wä-h anik 
rdmili yö lUuq!' ydleha iyan. 
rdmili yötoqa iyan. 

8. ,Kö äld rabtd tani anü amöl 
dkü an gälabö gid)ad tand tan^ 
ydleha ij/an. 



Gälayto wdnnä gälaytö wdy 
yan, gälaytö el taddy balöl da- 
rib gälaytö-t-yä yubild yan, 

jTä gälaytö agdna-kö yi gä- 
laytö daribi egidd, doldönä yi 
gälaytö doU/önd migida^ yaleha 
yan. 

Yaddy gälaytö yurhodd dikil 
yamatd yan: ,agdnakö hinni gä- 
laytö darib vbild, doWönd yi 
gälaytö dolo'önä nid-kl; gälaytö 
wä-k and-k gälaytö tü-ticbilinif 
yahhd yan. 

,Mä-balinö^ ak yalehdn yan 
dikti-märl. dikt^ dfal tand haldl 
lieyöti dkä sügd yan. 

,Gälaytö yök talayd tandk rd- 
mili yö 'ayd!^ ak yaleha yan 
ramdltök. rdmili dkä *aydd yan. 

,Kü gälaytö baddd tand anü 
bükdl ak and sidö rigidid tamV 
ak yaleha yan ramdltl. 



r> 



10 



15 



20 



3. Der Eigenthümer des Kamels verniisste uuu dasselbe, bemerkte 
aber auf dem Boden die Spur, wohiu es gegangen. 

4. Und er sagte : ,Das hier gleicht der Gangart meines Kamels, der 
Huf aber ist nicht der von meinem Kamel/ 

5. Er kam nun ins Dorf, wohin der Dieb das Kamel gebracht und 
dann geschlachtet hatte. Und er sprach dort zu den Leuten des Ortes: ,Ich 
sah die Spur meines Kamels, der Huf war aber nicht von meinem Kamel; 
habt ihr vielleicht mein verloren gegangenes Kamel gesehen?' 

6. ,Nein, wir sahen nichts,* erwiderten sie. Da traf er vor dem Dorfe 
nnter einem Baum einen Manu. 

7. Zu diesem nun sprach er: ,Ein Kamel kam mir abhanden, wirf 
mir doch SandkOmer!* Der Mann that es. 

8. Hierauf sprach dieser Wahrsager: ,Dein Kamel ist bereits todt 
and liegt unter der Haut, auf der ich sitze.* 



76 



Kc in ibch. 



li. Rdmili dt/i/a-h-itjii fjalahö 
kalaul if/fin, drdi fdkan iyan. 
äldk däU', ahiUä, laföfu icü (ja- 
lahn ijiihä mkfa ii/uji. 
r» 10. Wil yai/eani iyan, büld- 
viärä: jHöI eketä!^ ydle/ia iyan. 
11. Bald' märt takafd iyan: 
,(dd md'halinn yok itani* yd/a- 
ha iyan äld la nfun. 
l*> 12. ,Kok imC yd/ehati iyan. ,d 
Itiföf, ä (ibdlä, ä dn[e ä //' dlii 
Immäy* ydhha iyan. 

13. Jiidä- muri inabaUucmi: 
,ald nak fjffida i^rkit mdli-k naf- 

!•■> ddivi' ydliihan iyan. 

14. jAldt äld nahdwi* y^H*'- 
han iyan, cddt dld yaheni iyan 
numnk. 

15. Aid icc 7it()n äld hdyta 
-0 iyan, wo unin icu dba iyan. 



lii Icii hahi riffidil sätfd rd- 
milt 'aydd tiayotö yakini Mofa- 
kdn yan. ijälaytok dü^j bÜöy Id- 
fnf, ttidö rifjidid aägd yan. 

Anifty yayein yan. dikH-ma- 
rak: ,nOl ekefä!* yalehd yan. 

Dikfi-märi yaJcatin yan» yä- 
laytö icdnnä: /jälayfo ina-bali- 
no yök tan' yaUha yan. 

,Kök nalduC yal-didn yan. ,tä 
lafof, tä bilo, tä dwl yl gölay- 
iö-hi'VC yaleJid yan. 

Diktl-mävi datdn yan: ,y(day- 
t(j nök fdday 'rke mä-ld-ki dkä 
nafddwO* yaldidn yan. 

y (iidaytot ijälayto iuifdiivcö^ 
yal-ehdn yan. yälaytöt ycdaytö 
ylfdin yan, 

Gälayfo way heyöti gälayto yi- 
Jldiyd yan. ay heyöti töy abd yan. 



\). iSi(« lioboii nun die Haut, worauf der Walirsa^ur HasM, auf, grubou 
diu Krdo auf und fandun dann Kinf^owtudo, Blut und Knochen. 

10. Sio nalnuun d;i8 allu8 herauH und da sprach dur Kaiuelbecutzor su 
den LLMitun des Dorfes: ,Koninit her zu uns!* 

11. Diese ikun Yersjinnnelten sich und der Ei^euthUinor de» Kamel» 
sprach zu ihnen: ,Iln' sa^^tet zu mir, wir sahen nichts vom Kamel.* 

VI. Diese erwiderten: ,Ja, so sagten wir.' Jener aber »prach: ,Das 
aber sind dio Knochen, d;is iilut und die, Kin^eweide meines Kamels.* 

l.'{. Die Miinni'r des Di»rfes lieriethen sich nun und sprachen: ,Wir 
zahlen ihm das Kamel, obwohl es nicht zu uns {gekommen ist.* 

14. Tnd sie spraclien zum Manne: ,Für das Kamel geben wir dir 
ein anderes,* und sie j^alien ihm «.'ines. 

15. Der Mann, der das Kamel verloren hatte, nahm es in Empfang. 
2So that also dit^ser Mann. 



2(). Der c r p r o h t k\ W a h r t» a g e r. 

\.T.t,l,t, Xfon n/dbdfa iyan. T. t. //. Ilcyato-ko yälayf<i ta- 

(Üd ivay iyan, rdniili tfdintid nii- layd yan. ay gälayto we yan. 

1. Erzählung. Einem Mann ging eine Kameltttute verloren und er 
fand sie nicht. Er ging nun zu einem Wahi*sager und »prach zu ihui: ,Eliie 



Di« *AAur-8prftche. 1. 



77 



mül gdla iyan: ,äld yö-kü ha- 
tak guba-l gdla, däga-l gäla, 
gdia-w^k mdyü, äld wek rdmili 
yö otuq!^ ydleha iyan äld la 
Htm. 

2. RdnUU hh*di: ,rdvnii kö 
atuqd4it/ö' ydleha iyan, rdmili 
ybtaqd iyan. 

3. ,Kö äld dran-al md-tdnay, 
balol md'tdnay, fdnal tan, balol 
day tan* ydleha iyan. wo nüm 
gdla iywi rdmili fald nüm, 

4. Sindm-al yamdta iyan : ,rd' 
mili nümük rdmili yö utiiq dle- 
ka, rdmili yö yotoqd: kö äld 
drancU md-tdnay, balol md-tdnay, 
fdnal tdnl yök iya, wo rdmili 
innl md-läginiyö^ ydleha iyan älä 
la nüm, 

5. ,Ald halöl and-sin älä, dra- 
nal and-sin cdä, änkel tan?' yd- 
Uhan iyan; ,d nüm rdmili yaUgd 
mn-yana, twfi dirobi-la-kd' yale- 
han iyan. 



rdmili abd heyötöl yaddy yan: 
,anü gälaytö yök talaya, agdnal 
addy, giibal addy, adiyd-ice-rke 
mdyö, kädö gälaytö wek rdmili 
ya-h ah!* yaUhd yan gälaytö ö 
wdnnä. 

Rdmili wdnnä: ,rdmili kö dba* 
ak yalehd yan, rdmili dkä abd 
yan. 

jKü gälaytö dranad md-tana, lo 
balod md'tana, fdnal tdna, balö 
day tdna' yalehd yan ramäl-tl. 
ay rdmili fald heyöti yaddy yan. 

Hey dl yamatd yan: ,heyötök 
rdmili yah ab ak ahhd heyöti 15 
rdmili yö abd: kü gälaytö dra- 
nad md-tanay balöd md-tana, fd- 
nad tand, balö day tand yök 
yahhd, tä rdmelek abdm sola* 
ya, heydwä wariSd yan gälaytö 20 
cJc taldy heyöti. 

,Gälaytö balö-l-la delaltd-dö, 
dranad delaltd-dö, dülä taniya 
gäldytöV yahhdn yan heyö; ,iä 
heyöti rdmili yaligd heyötö md- 25 
kl, iSe dirdbi'la klninkä* yah- 
hdn yan. 



Kamelstute kam mir abhanden, ich ging deshalb zu Thal, ging zu Berg 
und da ich vergebliche Wege gemacht und die Stute nicht gefunden habe, 
so wahrsage mir nun!* 

2. Der Wahrsager sprach: ,lch will dir wahrsagen,' und warf dann 
den Sand. 

3. Dann sprach er: ,Deine Kamelstute ist nicht im Himmel, nicht 
auf Erden, dazwischen befindet sie sich nahe der Erde/ Der Mann ging nun 
seine Wege. 

4. Er kam zu Menschen und erzählte ihnen: ,lch Hess mir von einem 
Manne wahrsagen, und dieser sprach: Deine Kamelstute ist nicht im Him- 
mel, nicht auf Erden, sondern dazwischen. Diesen Sinn nun verstehe ich nicht.' 

5. Die Leute sagten: ,Wenn die Stute nicht auf Erden und nicht im 
Himmel ist, wo soll sie dann sein? Dieser Mann ist kein Wahrsager, suiiderii 
ein Schwindler.' 



78 



Koi nisch. 



6. Amd äldk ya^adirani iyan. 
loadär nüm dxC&r dägdk öbisa 
iyan. huld amöd äld, yangnlä 
nammäy yühila iyan, 
5 7. Wo nüm derb aha iyan. »i- 
ndm tamäta iyan: ,älä ä haldk 
mdnnä öhisenüP ydlehan iyan; 
,ä hald nabd hald tand tanik 
lyi körü tvä-k, nanjaü xcdynä^ 
10 ydlehan iyan. 

8. Wo hald yiriß^ani iyan, yan- 
gulä ka äld öbisani iyan. yan- 
guli rdba aüga iyan. äld yiv- 
hidani iyan, hadö büld öbisani 

15 iyan. 

9. Sindm ydbeta iyan: ,rdmili 
bä^eli dranal md - tdnay, balöl 
md-tana dkä iya-m tä akü inaV 
ydlehan iyan. 

•Jü 10. ,Dirdbi'la nid-yana; dra- 
nal and-sini, balöl and-»ini äld 
d-nke tddiya dkü ina nin d nüm 
rdmili numnid yaUgd yan* ydle- 
han iyan sindm. 



Amd gälaytö'kö ya'adirin yan. 
alalöyni ald gdde bükd-kö öbisd 
yan. haldt bükdd gälaytö, yan- 
gulä Idmml yvbüd yan. 

Amd heyöti derd yan. Aeyö 
yamatin yan: ytä gälaytö tä ha- 
Id-kö ah üend obiSenüP yalehän 
yan; ,tä hald nabd haiä egOak 
ta nagraöicd* yalehdn yan. 

Amd hald yigrCin yan, yojj- 
gulä ka gälaytö öbisan yan. yan- 
guli bad4 sügd yan, gälaytö uß- 
ll süktd yan. gälaytö yurhodin 
yan, Jiadö dik ak öbiädn yan, 

Heyö wani§dn yan: ,ramahi 
dranad md-tana, balöd md-tana 
dkä ya-m tdy-m dkä* yalehdn yan, 

yDirdbi'la mi-yana; dranad 
md-tana^ baUd md-tana yam, gä- 
laytö dülä taddy, tä ranialti di- 
rdbila ak nam wdrak rümmä yn- 
ligd rdmili* yalehdn yan. 



6. Die Kamelstute faud mau uicht. Da trieb eiust ein Mann Ziegeu 
zum Thal hiuab und bemerkte auf einem Baum eine Kamelstute nnd oiue 
Hyäne, beide Thiere sah er. 

7. Der Mann machte ein Geschrei und es kamen Leute herbeL ,Wie 
sollen wir das Kamel vom Baum herabholen?^ sagten sie. Einige sprachen: 
,Das ist ein grosser Baum, wer kann da hinaufsteigen, wir werden ihn also 
fallen!* 

8. Sie fällten den Baum und nahmen nun die Hyäne und die Stute 
herab. Die Hyäne war bereits todt, die Kamelstute aber lebte noch. Man 
schlachtete sie und brachte ihr Fleisch ins Dorf. 

\). Da s])rachen die Leute : ,Ist dem nicht so wie der Wahrsager gesagt 
hat: das Kamel ist nicht im Himmel und nicht auf Erden.^ 

10. , Der Mann ist daher kein Schwindler, sondern ein wirklicher Wahr- 
sager, obschon wir sagten: Wo sollte das Kamel hingekommen sein, wenn 
es sich nicht im Himmel und nicht auf P]rden betiudet.^ 



Dia 'Afar-Spraehe. I. 



79 



27. Zwei Zauberer. 



l.T,t. 1. 1, Nammä nüm nam- 
»i/i gdra'ak ytnani iyan. 

2. Iss nammä sälieHk tina 
iy«n; tt tiyä kamk md-yaUgä 
fyan. 

3. Tt nammd raküb lukuJc yi- 
na iyan. amä nammä rakubud 
id'dd (isa iyan. 

4. Lo*ö bülä örba iyan, gälä 
bald 6fal häba iyan. 

5. Gara'ak tani qada^äntü yd- 
ka, rakübü dagdd höla iyan. qa- 
daofiii dagdd dkö höld-tonk ra- 
kiih kuda iyan. 

6. Bülä: ,rak&b i-d-da küdam 
mahä tdkaf tdleha iyan. 

1. Sindm Idkal drdä hayni 
iyan, sinäm raküb matdiiü td- 
fera iyan. 

8. yFdris Id-märä derö dbä!^ 
ydlehan iyan. fdris la-märä de- 
rani iyan, fdris la-mdrl raküb 
matdrü yaferani iyan. 



T. t. y. Lammä heyöti lammä 
gare'dnä kl yinin yan. 

Ussun lammd saherd kl yinin 
yan; ti tiyak ml-yaligd yan. 



5 



Wüi'tl lammd gcUdytö ll yind 
yan. amä lammd gäldytöd ed 
a^d yan. 

Leld^ diki orobd yan, gälä 
dikC dfal häba yan. lO 

Tdn-kö wili garä'ani qa^addm- 
tö yakd gälayti *elöd say yan. 
qa*adamti 'Höd ak say gälayti 
küdd yan. 

Düc: ytä gälayti küddm ay td- 15 
kaV yalehin yan. 

Heyö ibal ak yardin yan, he- 
yö gäldytöt yaii4abalönä tänin 
yan. 

,FdnJf la-märat ddrä!* y^U- 20 
hdn yan. fdri^ la-märat dardn 
yan, fnri^ la-m.är% gäldytöt ka- 
tditnä tänin yan. 



1. E» waren einst zwei Männer. Diese zwei aber waren nun Diebe. 

2. Beide waren auch Zauberer, doch kannte der eine den andern nicht. 

3. Nun besasR der eine zwei Kamele, und bei diesen zwei brachte 
er seine Zeit zu. 

4. Eines Tages ging er ins Dorf und verlie.ss die Kamele vor dem 
Dorfe. 

5. Da verwandelte sich der eine Dieb in eine Schmeissfliege und kroch 
dem Kamel in den After. Da lief das Kamel davon. 

6. Die Leute sagften: ,Was ist denn geschehen, in Folge dessen das 
Kamel fortlief?* 

7. Man lief nun dem Kamel nach, konnte es aber nicht einholen. 

8. Da sprachen andere: ,Ruft doch Reiter!* Man rief also Reiter herbei 
nnd auch diese konnten das Kamel nicht einholen. 



80 



Ueiniseb. 



9. Rakuhe-ld nüm: ^yi raküb 
(ß-m aligd-h dm' ydleha iyan; 
rakiihe-ld nüvi dulaldytä ydka 
iyan. 
5 10. Didaldytä ydka nüm ra- 
küb mätard iyan, matard-wdk 
nahst wdgtta iyan, dagdd qada- 
'dntü ynhila iyan. 

1 1 . Qndadntüd didaldytä yd- 
10 ka lahö e-d-du hay iyan, qada- 

'anii wo Idhöd räba iyan. 

12. Rakübe-ld nüm didaldytä 
ydka yisudurd iyan. tcO-niärl wo 
gay iyan. 



GäJ-ayH wännä: ,yi galayü 
gern aligd' yalehd yan; gälayti 
wdnnä amd ged didaldytä yaka 
yan, 

Didaldytä yakd gälayti tcdn- 
nä gäldytöt katdy yan, kat4bf' 
ged ndbse ak yoqofnotd y0n,'ilöd 
qa'addmtö ak ytibüd yan. 

Qa*addmtöd didaldytä yakd 
heyöti hdnzl Bd käy yan^ qa'a- 
damti amd himed bädd yan. 

Gälayti wdnnä didaUh/tä ya- 
kd gäldytö yadebhd yan. tö-märx 
töy siddak gayHmdn yan. 



9. Der EigenthUmer des Kamels aber sagte: Jch weiss schon, wm 
dein Kamel passirt ist!* und er verwandelte sich in eine Biene. 

10. Nachdem er sich so verwandelt hatte, holte er das Kamel ein 
und unterRuchto es am f^anzen Körper. Da gewahrte er im After die Schmeiss- 
fliege. 

11. Da stach or alH ßiene die Schmeissfliege und daran verendete diese. 

12. Nun brachte der Eigenthümer des Kamels dasselbe Kurück. Solches 
hat sich also mit jenen Männern zugetragen. 



2H. Die drei letzten Worte eines Vaters an seinen 

Sohn. 

]5 1. 71 t. l, f. Nüm inki /a/> bdlä, lükuk yina iyan. äbbä rdba 

iyan. kä bdlak: ^yöd matdr!' ydj^iha iyan. bali mätard iyan. 

2. ,Yi hdlail, kö farimü wä!^ ydleha iyan; ,yi bdlaü, i§i 
ahagöyf/i mistir mäsabdlayn!' ydleha iyan; ,yi bdlaü, bäkUd, irä- 
ritd nümnk düyi liqähe mdbln! yi bdlaü ^ döldt askdrtvk dfiyi 
20 mangdr mcUaJidyin !* ydj^ha iyan. 

1. Erzählung. Ein Mann hatte einen einzigen Sohn. Der Mann nun starb; 
zuvor aber rief er seinem Sohne und sprach: ,Komm zu mir!' Der Sohn kam. 

2. Da sprach er zu ihm: ,Mein Sohn, ich will dir den letzten Wunsch 
kund thuii. Mein Sohn! Vertraue deinem Weibe kein Geheimniss an! Mein 
Sohn, vr»n einoni .irm gewesenen, dann reich gewordenen Mann nimm kein 
Darlehen! Mein Sohn, einem Soldaten gib kein Geschenk!' 



Die «Afkr-Spraeht I. 81 

3. ,F' dbbä yöd dba fdrim nummd kinlm ka dirab Mnlm 
abdlü xcöf y^^eha iyan. 

4. Abagöytdk: ,nüm gahdd yök rdba yani tä ardtl gubad 
hau wä^ ydleha iyan, 

5. Nümü iya gundi kafdn hay, dambüid yikiyyitu, nümü iya 5 
gabdd yök rdba iya arät gübad yVora iyan. 

6. Döldt askarttak mangdr hay iyan. bäkitd, irärifa nümük 
Kqdhi laqa'ök böl bay iyan. wo böl mcCa ked hay iyan. 

7. Abagöytd agahi yamdtan iyan, yäbani iyan. ,inni ddgü 
Hnnl tcarisitü wä* t&leha iyan wo nümi abagöytä, 10 

8. ,Na warisüdyl* ydjshan iyan agabi. ,i/i bä'eli nümü yig- 
gifd yani ardt gübad yök yitbkund, wo ntnn inki nüm yubilu 
md-yana rabd nüm^ tdleha iyan abagöytä. 

9. Agabi isini büld gdhan iyan: ,aggidaytö: yi hä'eli nüm 
'idd yan nök tdleha; wo nüm inJd nüm yübila md-yandy nök ita' 15 
ydlehan iyan. 

10. Döldt amd ddgü yöbba iyan. üssük mangdr dkä abd 
atkdrtü: Jkä bdhäl^ ydleha iyan döldt. 

11. ,AnÜ mangdrä laqa'ök köntöm kö ahduwü kin icaJc mahd 
döldt fdnä yö bdytaf' ydleha iyan nüm *idd iya nüm. 20 

3. Der Sohn dachte nun: Jch will doch sehen, ob meines Vaters letzter 
Wunsch auf Vernunft beruht oder nicht.' 

4. Und er sprach zu seinem Weibe: ,Ich werde einen Mann, den ich 
erschlagen habe, unter meinem Bett begraben/ 

5. Er wickelte nun ein Holzstück, das er als Mann bezeichnete, in ein 
Todtengewand, nähte es in einen Sack ein und vergrub es unter seinem Bett. 

6. Er gab dann einem Soldaten der Regierung ein Geschenk. Ferner 
lieh er von einem ehemals armen, dann reich gewordenen Mann hundert 
Thaler aus und verwahrte diese gut. 

7. Es kamen dann Frauen zur seinigen und sie plauderten. Da sagte 
sie zu diesen: ,Ich möchte euch ein Geheimniss von mir anvertrauen.' 

8. ,0 so erzähle uns dochl' erwiderten diese. Da erzählte die Frau: 
,Mein Gatte hat einen Mann erschlagen und diesen unter dem Bett vor- 
graben; kein Mensch hat etwas davon gesehen.' 

9. Die Frauen gingen dann heim und erzählten da: ,Die Frau so und 
so erzählte uns, ihr Mann habe einen Mann erschlagen, und kein Mensch 
hat etwas davon gesehen.' 

10. Der Gouverneur hörte von dem Gerücht und Hess den Mann durch 
den Soldaten, dem jener ein Geschenk gemacht hatte, holen. 

11. Da sagte der angebliche Mörder zum Soldaten : ,Ich habe dir doch 
f&nfzig Thaler geschenkt; warum bringst du mich also zum Gouverneur?* 

8itxuif«b«r. d. pUl.-hitt. Cl. CIL Bd. L Hfk. 6 



H2 K«initch. 



12. flJolfif furnio ko rüha wak anu dnket kö rKisü äqdiraV 
ydlelia ii/an, iloldt fdnä askarti kä hay iyan, 

];J. Lmja*o liq/dii dkü hay nnm fänad dkä gardya iyan. ,A 
nitm dnke. hdytaV ydleha iyan asknrUak. 

ti J4. Askariti: ,döldt tamd unm nnm *idd ydnlk yöl bähä yök 

iya iöhu hay-h an* ydleha iyan, 

If). haqaU'i la num: ^yi laqa*6 bäh!* ydleha iyan. ykü laqa'ö 
d irnk vih-ahuld, sdrrä kö ahay-liyo* ydleha iyan, ,yi laqa*6 tA 
wak in kfd hAha-wdytaJc, mn-gdl^ä* ydleha iyan, 

1(). Attk/trifi: ,wi laqa^ö hay sä amol yö ohö elähäy, bay$d 
ainöl n wak haym farmo dkä riiha nüm fdnal mA-yanifUbülak' 
y dir ha iyan. 

17. Laqa*ö la ntim ka nnm Udd iya nüm ka askaritä ndö- 
hök (loldt fdnä yamdtan iyan. 

jft IH. Doldf asknritak: ,nnm *idam mä ni'imüP ydleha iyan. 

,Nnm *idam tamd numn* ydleha iyan, 

U). ,Atu söltdn halöl h/lr sindm f^d *iddamP ydleha iyan, 
wo nnm: Jinysa, anu sinnm mä''id9my6" ydleha iyan. 

1«. DioHor orwidorto: ,Wie kiSnntt» ich dich freilassen, wenn der Gou- 
V(«rnoiir mioli nUa boonlort hat!' Kr eskortirto ihn also mm Gouverneur. 

\l\. Auf (ItMu Wo^o dahin kam ihntMi dor Mann unter, von dem jener 
da^ liold auii}rt^hor}rt hatto. Uor nun frajirte den Soldaten: ,Wohin führst da 
dit^^ou Mann?' 

14. Oor Soldat orwidt^rto: Joh brinpe ihn zum Gouverneur, weil er 
«»iu«>n Mann orschlairtMi hat.* 

ICV pH fuhr dor iiold^'hor don Mann an : .Gib mir grleich mein Geldl* 
Pi«*sit»r orwidorit*: »Ooiu Gold haho ich jetzt nicht, ich werde dir es spSter 
schon j^'bfu.' »l«>uor abor s^prach: ,Wenn du mir mein Geld nicht auf der 
Stelle s:il»*t» so j:r»hst du keinen Schritt weiter.* 

lö IVr Si>Idat al»er bemerkte ihm: ,Verlang:e dein Geld beim Pascha! 
denn deu Mauu via kannst du nicht auf dem We^ zum Pascha festnehmen, 
uacbdem ihn diett^r *u ihm £U brine^n befohlen hat.' 

IT l>er lield^^ber. dann der an^bUche MC^rder und der Soldat, alle 
dr^i ksiHteu tum £uni Pascha. 

15. l>a spracti diest^r «um S^ddaten: .Welcher ist der Mann, der einen 
Meu^'hn*u erschla^n hat?' Per Sv>ldat erwiderte: ,Dies<»r da ist es.* 

l^ l>a sprach «u ihm der Pascha: ,Auf dem Gebiet de« Sultan erschllgst 
du Leute l>^i Nacht?* Per Mauu ab^r erwiderte: «Bei Gott, ich habe nie- 
niAud^u erK'hla^u.* 



Di« 'Afiftr-Spraehe. I. 83 

20. ,Nüm 'idda ita kö abagöytdk, arat gübad tidfindm kök 
obba* ydleha iyan döldt. 

21. Nüm: Jkaysä^ nüm md'^ldiniyö, y* dbbä räbd-ioak yö 
färünd hdba, tö färim nummd kinl7i kd diräh kinlm äbalä dleha 
dbam akd tcdytak, nüm ma-ldXniyö* ydleha iyan, ö 

22. ,Kö dbbä färimi mahd kök iyaV ydleha iyan döldt 

23. ,Y' dbba sidökä dnqarä yök iya, tö sidöhd änqard tä 
tdkü nummd tdka^ ydleha iyan. 

24. yKö dbbä mä sidöhd dnqarä iyaP ydleha iyan döldt. 

25. yDöldt dfi askaritä mangdrä düye mä-tahdyin! yök iya. lo 
kö askdrtü mangdrä köntöm qdrsl hi-yä dkä hay.* 

26. ,Bähitd, iräritd nümük düye liqdhe nidbin!' yök iya. 
tamd nümük laqaök böl bay, tö laqa'ö käfä yö bähd-wdytak, yök 
iya, atü farmö yö rübta fdnal yibüld, tö yök dba.* 

27. ,l8* abagöytd mistir mäsabdlln! yö iya. Inni abagöytdk 15 
nüm iggifd, ardt gübad hay-h an dleha; tdtüc alehd-wak, mistir 
tdtik ydka gide dbalü dleha, nüm iggifd-h an hiyä ardt gübad kök 
hay-h ani dleha.* 

28. , Tb sidöham y^ dbbä iya fdHm nummd kinln-kd dirab 

20. Da sprach der Gourerneur : ,Da hast ja zu deinem Weibe gesagt : ich 
habe einen Mann erschlagen; dann hörte ich auch, dass du ihn unter 
deinem Bett vergraben hast.* 

21. Da erwiderte der Mann: ,Bei Leibe nicht, ich habe niemanden er- 
schlagen. Bloss mein Vater hat mir vor seinem Tode einen Wunsch geäussert 
und ich wollte sehen, ob derselbe verständig sei oder nicht; erschlagen aber 
habe ich niemanden.* 

22. Was für einen Wunsch hat dir dein Vater ausgedrückt?* fragte 
der Gouverneur. 

23. Der Mann erwiderte: ,Mein Vater sagte mir drei Worte und diese 
haben sich heute verwirklicht.* 

24. jWelche drei Worte sagte dir dein Vater?* fragte der Gouverneur. 

25. Der Mann erwiderte: ,Einem Soldaten mache kein Geldgeschenk! 
ich gab demnach deinem Soldaten fünfzig Thaler zum Geschenk.* 

26. ,Dann sagte mir der Vater: Von einem einst armen, dann reich ge- 
wordenen Mann nimm kein Darlehen! Ich borgte daher von dem da hundert 
Thaler. Nun packte mich der auf dem Wege heute an und sagte: Wenn du 
mii mein Geld nicht auf der Stelle gibst!* 

27. »Ferner sagte mir der Vater: Vertraue deinem Weibe kein Geheim- 
niss an! ich sagte also zu dem meinen: Ich habe einen Manu getOdtet und 
begrabe ihn unter meinem Bette. Ich wollte sehen, wie sie ein Geheimniss 
bewahrt; darum nur sagte ich so.* 

28. ,Ich dachte nun, ich will sehen, ob meines Vaters Wille verständig 

6* 



84 



Keinisch. 



kinJm nbalu alehd tö aha, tö y' abagöytd gübad o*ord aufm gun- 
dik tä icak wag Uta!* ijdldia h/an. 

29. Wagitani iyan, gündi gihidik siiga iyan. liqdhi laqa*6 
dkn bay ninnük: ,inni kö a'äyarii bäykä kü laqa*6 dykä-nd!* 
5 äkak ydleha iyan, 

»ei odor nicht, daher that ich so. Sucht jetzt nur nach, denn was ich vor 
ineinom Weibe als Mann begrub, ist nur ein Holzstrunk/ 

29. Man suchte also nach und fand den Holzstnink. Auch dem Manne, 
von dem er das (.«eld ausgeborgt hatte, gab er dasselbe zurück mit den 
Worten: ,Da, nimm du dein Geld!* 



29. Da88 man sich nicht über die Untreue der Frauen 

beklage. 



1. T, t, /. 1. Xüm dlä ma*d aga- 
böytd lukuk yina iyan, agaböy- 
td hardmü däremd iyaJi, 

2. Inki lab bdiä bjkuk yina- 
10 ni iyan, fUnü rabdk yi büdde 

yöli kok gald-Ia-k bdIä bütjltjled 
adagn kö hdyn icä* ydleha iyan; 
,u:ohük mahd itaV ydjeha iyan 
n ü m agabOytdk, 
15 3. ,Atu abindnhn ma'd* tdle- 
ha iyan agaböytd. 

4. ,Anu adagd drkn wak dükä 
yi Idk-al adagd arkta!*^ ydleha 
iffan agaböytak. 



T. t, y, Heyöfi dlä mad nümd 
ll yind yan. nüniA hardml tu 
hammitd yan. 

Inki lab bdlä ll yintn yan, 
,anü rabd-ged ?/t dagümi yöU 
kök yadiydk hdfä dagümal kö 
aaddgö Uyö* yalehd yan; ,tö'ik 
ay taf* tak yalehd yan labahayti 
nümdk, 

,Atu abindnlm mad^ tdleha 
yan nümd, 

,AnU adagd ardkö liyök y'fbad 
endokä adagdl arkU," yalehd yan 
iM nümdk. 



1. Ein Mann hatte eine schöne Frau. Diese aber hatte er im Verdaclit 
dor rntrt'uo. 

'J. i>io hatten nun zuMininion einen Knaben. Da sprach einst der Manu 
zu soinor Frau: ,WiMin ich st<»rho und dann mein Glied mit mir von dir 
peht. so will icli dir auf d<un Markt gegen den Knaben ein Glied eintauschen. 
Was mein.^t du ^\i»hl dazu?* 

3. Sit» orv>idorte: .Alles was du thust, ist gut.* 

4. Da >]irnch er zu ihr: .Ich gehe nun auf den Markt; bring abo du 
mir daiiin den Knaben nach!' 



Die 'Afar-Spnche. I. 



85 



5. Agaböytd bcHä bü44^ ta- 
hdyü adagä arküsa iyan. 

6. ,A sdkü adagä dkä nahe- 
lA mdnanak, ä la*ö wadirri bü- 
\a gihu!' yaieha iyan nüm aga- 
Usyiak. 

7. JSüjd örobani, büldl 4^nani 
iyan. sakü üssük adagä föyröl 
draka iyan. 

8. ,Bdlä adagä arkis!* yMe- 
ha iy€tn nüm agaböytdk. aga- 
böytd bdlä adagä arkisaa iyan 
Umö, 

9. Hdrrä: ,adagä dkä way- 
nik bdlä oydürf^ ydleha iyan 
bi*eli agaböytdk. agaböytä tüdu- 
rd iyan issi bäla-lL 

10. Eh^eli hdrrä adagdl ha- 
jdk sarö hay, adagä araketdmik: 
,yöl ekktäl' ydieha iyan, 

11. Yaketani iyan stnäm, ytn- 
ki dnqarä sinik dlahö wdk yö 
6bbäy!* ydleha iyan, ]kö nöbba^ 
ydlehan iyan. 



Nümä en^okä dagümal tahd- 
toö adagä arkiSäd yan. 

yKäfä adagä dkä dbili-mäna- 
nak, käfä sdrral diki ed^bbä!' 
ak yalehd yan labahayti nü- 5 
mdk, 

Diki örobani, dikä 4^ndn yan. ' 
sarrd-m mah üssük ba^söl ada- 
gä arakd yan, 

Nümdk: ,bdlä adagä arkU!* 10 
ak yalehd yan ba'eli. äy nümä 
üi bdlä adagä arkiäM yan a- 
dagä. 

Kdssö: ,adagä dkä wayndk 
bdlä ed4bbä!^ ak yalehd yan bä- 15 
*eli nümdk, nümä gäyrtd yan iäi 
bdla-li. 

Ba*eli kdssö höldk sardnä hdy 
yan, adagdl arakd-yand-märak: 
,yöl ekdttä!' yalehd yan, 20 

Heyö yaketin yan. ,inki qäl 
sinak öwä-liyök yö öbbäf^ tdnak 
yahhd yan, ,kü nabbd' yahhdn 
yan. 



5. Die Frau brachte also den Knaben zu Markt um ihn gegen ein 
Glied hinzugeben. 

6. Zur Zeit sprach dann der Mann zu seiner Frau: ^Da wir heute 
auf dem Markt nichts gefunden haben, so bring für heute den Knaben 
wieder heim!' 

7. Sie kehrten heim und übernachteten. Den folgenden Morgen ging 
er voraus auf den Markt. 

8. Er hatte aber zu seiner Frau gesagt: »Bring den Knaben zu Markt!' 
Sie brachte ihn also zum Verkauf dahin. 

9. Am Abend sprach der Gatte zu ihr: ,Da wir keinen Handel ge- 
fanden haben, so bring den Knaben wieder heim !' Die Frau kehrte also heim 
mit dem Knaben. 

10. Der Mann aber steckte am Abend eine Fahne auf eine Stange 
und sprach zu den Leuten auf dem Markt: , Versammelt euch bei mir!' 

11. Die Leute sammelten sich und er sprach zu ihnen: , Höret mich, 
ich habe euch ein Wort zu sagen!' ,Wir hören schon,' erwiderten sie. 



86 



Reiniseh. 



12. ,Yö ka agaböytd inki bd- 
lä ^dZa-nanf^ bdlä bv44^d kö 
ahdwü wak adagä arkis td-tik 
dleha, nummd it^, bdlä bü44^ 
5 hau adagd arkissa nammd sdkü' 
ydleha iyan. 

13., Tah -ak adrrä agdbül amdr 

wdynöy, Uddä S-ld agurd-wdy- 

nöy , Hddä^dd aggifd- wdynöy, 

10 agdbü gal4d-mä, amd-wdynöy* 

ydleha iyan. 

14. ,N6bba' ydlehan iyan. icö 
nüm wo ydleha iyan. 



, Yö ka yi nünid inki bdlä ^äl- 
nd-ndnay bdlä dagümal kö ahd- 
wo liyök adagd arklS taJe alehi, 
fnimmd talehd, bdlä dagümal 
ahdwö lammd lele* adagdl ar- 
küid* yalehd yan. 

,Täyk sdrral säyöl anga^d- 
wdynö, siddä il agurd - tvfiynö, 
siddä d agdifd-wdynö, säyöl ta- 
diyd-me amd- wdynö!' yalehd 
yan. 

,Nobbd' yalehin yan. fö he- 
tjöti töy abd yan. 



12. Da sprach er: ,Ich und meine Frau, wir haben ein einziges Kind, 
einen Knaben. Nun sagte ich zu ihr: Bring den Knaben zu Markt, damit 
ich ihn gegen ein Glied umtausche. Recht su, sagte sie und brachte ihn 
durch zwei Tage zu Markt, damit ich ihn gegen ein Glied hingebe.' 

13. ^Hiernach dürfen wir in Zukunft den Frauen nicht böse werden, 
sie nicht schlagen oder tödten, und wenn jemand zu den Frauen geht, dürfen 
wir darob uns nicht ereifern.^ 

14. ,Wir haben das vernommen/ erwiderten die Leute. Also hat jener 
Mann gesprochen. 



30. Der Volksstamm, der die Greise todt schlug. 



1. T, f. L l. Arno dkak *adöyi- T, t, y, Arno ak 'adöynantiyä 
15 ndn nüm *dyda mild tdna iyan. tagdifd ale Und yan. nugüz il 

nugüs yamdta iyan, 

2. ,Dagdk ham bdha aur bä- 



yamatd yan, 

,Ay0-kö han bdha be'erä bdr 



hä!* ydleha iyan; ,irö adddfd- hä!' tdnak yalehd yan; ,irö ad- 

na tägäre falayiä bahä!* ydleha da tagdr la dmtdä bdhäf' tdnak 

^0 iyan nugiis; ,tö bähaxcäytdnik yalehd yan ; ,täy bähd-wäytanl-n- 

amo sinlk kala-llyO* ydleha iyan kö amö sinak *dyda' tdnak ya- 

n agile. lehd yan nugüz, 

• 

1. Erzählung. £8 gab einst ein Volk, das jeden, dessen Haupt weiss 
wurde, zu tödten pflegte. Da kam der KOnig. 

2. Dieser nun sprach: , Bringt mir einen Stier, der aus dem After 
Milch gibt! bringt mir dann auch eine Ziegenhaut, die in- wie auswendig 
behaart ist! Wenn ihr das nicht bringt, so schlage ich euch die KOpfe ab.* 



Die 'Afar-Spntche. I. 



87 



3. ySidöhä säkl bär no häb!^ 
yUehan iyan, orohani iyan is- 
fiAf bald, 

4. Büld yamat&w wdk: ymaV 
biwnäV yäiehan iyan büld-mdri. 

5. IfM nüm dbbä dubüd yo- 
'ora iyan. wo nUmul bali yama- 
ia iyan: ,y^ abbdü! nugüs nam- 
md dnqarä nök iya* ydieha iyan, 

6. ,Td mahd namvid änqaräV 
yUeha iyan dbbä, 

7. ,Dagdk kam bdha dürü yö 
bdhä! irö adddfdnä tdgärefaU 
bihä nök iya nugüs' yäleha iyan 
bafi dbbak. 

8. , Wo an dliga, yi bdlaü, kö 
warisü voä* ydieha iyan dbbä, 
,yö warü!' ydieha iyan bali. 

9. ,Kö warisa' ydieha iyan 
dbbä; ,€Uydk ham bdha-iya du- 
r% dagdk ham bdha dürü rinntk 
iya I^ sidöhd bär akdtad hay, lay 
Üa mähdnäy, aynsö Ha mäJidnäy, 
ndöhd bar akdtad ^^nisadnl miir- 



,Adöhd lele'i bär qäsörä nö 
ohö!' yalehdn yan, stni dikil oro- 
bdn yan dikti-märl, 

Dikil orobdn-ged: ,äy abend?' 
yalehdn yan dikfi-mäH, 5 

Inki heyöti t^' dbbä diböd su- 
'üsd yan, äy heyötöl kä bali el 
yamatd yan: ,dbbäj nufjüz lam- 
md qdl nök ya' ak yalehd yan, 

,Tö lammd qäl d qälP ak ya- 10 
lehd yan dbbä, 

yAylökö hän bähd be'erä yö 
bdhä! irö ka addd tagdr la dna- 
da bdhä! nök ya nugüz' yalehd 
yan bali ü* dbbak, 15 

,Tamdy anü dliga, yi bdlawö, 
kö wariSd' ak yalehd dbbä, ,yö 
waris!' yalehd yan bali. 

,Kö wariM' ak yalehd yan 
dbbä. ,aylökö hän bähd be^erä 20 
bdhä sinak ya-yd adöhd leU* sä- 
röd haytani a§6 dkä md'hdynäy 
lay dkä md-hdynä, baytönä fal- 
(jtdn lele' müin^ä dkä ohäwä!' 



S. Die Leute sprachen: ,Gib uns drei Tage und Nächte Frist!' Sie 
kehrten dann heim. 

4. Zu Hause angelangt überlegten sie: ,Wa8 nun sollen wir thun?' 

5. Da hatte ein Mann seinen Vater in der Wüste versteckt. Zu diesem 
gin^ nun sein Sohn und sprach: ^Vater, der König hat uns zwei Worte 



6. ,Welche sind diese zwei Worte?' fragte der Vater. 

7. Und der Sohn erwiderte: ,Der König sprach zu uns: Bringt mir 
einen Stier, der aus dem After Milch gibt! bringt mir eine Ziegenhaut, die 
in- nnd auswendig behaart ist!' 

8. Da erwiderte der Vater: ,Ich weiss das, mein Sohn, und werde es 
dir tagen!' ,0 sag es!' sprach der Sohn. 

9. ,Ich will es dir sagen,' sprach der Vater. ,Bezüglich des Stieres, 
der aas dem After Milch geben soll, so legt denselben nur an einen Strick 



88 



Bei nitch. 



rak afarä dägüd kä ohöyä bsto- 
nä wdyfan sakü! töh dbä awti- 
ruk!* yUeha iyan dbbä, 

10. fFahytdk alaytö han ad- 
6 da baguk il-ä hay, tdgär Ü-ä 

hay, wöh dbä faUytdk!^ ydleha 
iyan amd *adö nüm. 

11. FaU ka awür beni iyan 
nugtis fdnä, bete wak nugüs yh- 

10 bild iyan awür ka fedL 

12. Yvhild wakä faU irö ka 
adda fdn tdgär lükuk siikta, 
awür dagdk kam bdha iyan; nw 
gi'is inki yubila iyan, 

15 13, ,To wakä talegani' ydle- 
ha iyan nugns, tö-märä tö wak 
haha iyan, 

14. lo nugüsuk fönnä kaw wa- 
dd'Wak tö wak büln ghhisdn iyan 

20 amd *adö nftm. ,amd *adö-mdrä 
tdhak sdrä 'aydd-wäynöy!^ yd- 
lehan iyan, amö 'adö-mdrl rAbä 
töhuk sdrä hähani iyan. 



yalehd yan äy heyöti iii bd- 
lak, 

fAnaddk adddd gdrbä la In- 
da artö hän bI haytani tngdr bI 
hä!' yalehd yan amd amö 'ad6 
heyöti, 

Amd aür ku änadä bsn yan 
nugitzul, ben-ged aür ka änadd 
yubild yan nugiiz, 

Tubild-ged äy nugüz änadd 
lammd gädakö tagdr aügusd, aür 
aylbkö hän bähd yan; nug'äz in- 
kö yubild yan, 

,Kddö talegin^ yalehd yan nu- 
güz; amä-mdrä amd-ged häbd 
yan, 

Amd nugiiz-kö nago9d-g4ddä 
dOcl oi'bifdn yan äy amö *adö 
labahdytö, ,amö *adöyndn-m/irä 
tdyk sdrnl agdifd-wdynö!* yale- 
hdn yan, amö 'adö-märl rdbä 
amdyk sdral häbdn yan. 



und lajist ihn drei Nächte ohne Wasser und Gras! am Tage aber, an dem 
ihr ihn zum König bringt, gebt ihm vier Kübeln Milch!' 

10. ,Die Ziogonhaut aber bestreicht inwendig mit Sykomorenmilch 
und gebt dann Haare darUber!* sag^e der grauköpfige Mann. 

11. Man brachte nun die Ziegenhaut und den Stier zum König und 
dieser besichtigte sie. 

12v Und er sah die Ziegenhaut in- und auswendig behaart und der 
Stier gab Milch aus dem After; von allem dem tiberzeugte sich der 
König. 

13. ,Das habt ihr verstanden/ sprach der König und entliess sie. 

14. Da führten sie den grauköpfigen Mann, da er sie vor dem König 
errPttet hatte, ins Dorf herein und sprachen : ,Von nun an tödten wir keinen 
Graukopf mehr!' Von da an Hessen sie grauköpfige Leute natürlichen Todes 
sterben. 



Die 'Afar-Spnche. I. 



89 



31. Herr und Sklave. 



l.T.t. l. i. Sidi ka nd'am dö- 
Idtal kürfa iyan, döldt nA'am 
aärlsd iyan, Hdi kä mä-sainsinä 
iyan, 

2. Döldtak öbani iyan, sindm 

kan tübila iyan: ,8idi sarisd-si- 

ni naasüi Idhä tanni qärsi dd- 

man sdrisam mahdV tAleha iyan 

mhm. 

3. fKü nä'am sarüd, kö e-d- 
da sarisd'We-m mahäV tdleha 
it/an sindm nütnük, 

4. fMad-märl sindm yaHyira, 
yö ya'ayirü yök abd-ml ikä; wo 
e^wd nüm hina, nahd nümu-kä* 
^sf^a iyan, 

5. yNabä nüm yakd-wak, nd- 
'«tt mä wak sarUak yinV tdle- 
bi iyQ,n sindm. 

6. Anu kdfCi ubäd nüm nahd 
mmikä, 'undd nüm Mnä läwd- 
»n yök dha-kd-kä^ ydleha iyan. 



T. f. y, Maddrä ka ganid dö- 
Idtal yoweHn yan. döldt gai^d 
saHsd yan, maddrä mä-sariHna 
yan. 

Döldtkö öhdn yan, heyö tan ö 
ytibilin yan: ,maddrä sarUa-na- 
heyd lammd tdnnä qärH-yd da- 
mimd garud sariM-höV yalehdn 
yan heyö, 

,Kü gar ad sariSd, köyä dkä 10 
saH^d-wem ayP heyö ak yale- 
hdn yan heyötök. 

Nabd-märi heyö yaqedn, kd- 
dö yi yaqdsö ya kibä; amdy so- 
la heyötö md'kV yalehd yan, 15 

,Nabd heyötö yakd-dö garud 
andd 8ari§a yinaV yalehdn yan 
heyö. 

,Anü kdfä ubild heyöti endd 20 
heyötö md'ki, nabd heyötö klnin- 
kä läwd-ml yök abdm kibä* ya- 
lehd yan. 



1. Ein Herr und sein Sklave ging^en liinein zum Statthalter. Dieser 
^lienkte den Sklaven mit einem Kleid, den Herrn aber nicht. 

2. Beide kamen dann herauH und die Leute bemerkten sie. Da sprachen 
'ie: ,Wie kommt es, dass er einen um zwanzig Thaler gekauften Sklaven 
mit einem Kleide beehrt, ohne ein solches seinem Herrn gegeben zu haben?* 

3. Und die Leute fragten den Mann: ,Warum hat er deinen Sklaven 
bekleidet, dich aber nicht?' 

4. Dieser erwiderte: ,Vomehme Leute stellen Menschen auf die Probe. 
Nor Qffl mich auf die Probe zu stellen, that er das ; er ist nicht ein Mann, 
der den Brauch nicht kennte, aber ein vornehmer Mann ist er.* 

5. Die Leute aber sagten : ,Wenn er ein grosser Mann ist, so wird 
er doch nicht einen Sklaven mit einem Kleide beehren.*- 

6. Der Mann aber erwiderte: ,Der Mann, den ich heute sah, ist ein 
großer und nicht etwa kleiner Mann; ich ersehe das eben aus dem, was er 
mir that.' 

6** 



90 



•Reinitch. 



7. Sldohd sfikä dscni iyan, dö- 
tat üssük yähd yäJ) ydbba iyan. 

8. ,Käk dmä!^ ydleha iyan, 
vssük yamdta iyan. nahä sdr- 

.0 tim dkä aha iyan, nahd ridä 
dkä yahdy iyan. 

9. ,Anit kü nä^a^u dkä sdri- 
sam yök fdlega^ ydleha iyan. 



Adöhä hie asdn yan. döldt 
U88ük wanüä wani yobhd yan. 

Arno ak 4yäl^ ya]ehd yan. u«- 
sük yamatd yan. nabd sdrtim 
kä sarüd yan, nabd redd dkä 
yohöy yan. 

,Anü kü garüd kä sarüm 
yök talegd' ak yalehd yan. 



7. Es verstrichen drei Tage. Der Statthalter aber erfahr, was jener 
gesprochen hatte. 

8. Und er befahl : ,Ruft mir den Mann !' Dieser kam and der Stattbaitor 
beschenkte ihn mit reichen Kleidern und verlieh ihm eine Häaptlingsstelle. 

9. Und er sprach zu ihm: ^Daran hast du mich kennen gelernt, dan 
ich deinem Sklaven ein Kleid gegeben habe/ 



32. Ein Mann macht eine Pilgerfahrt. 

1. 7\ 1. 1. 1. Näm haluu'd äbi- T.t.y. Heyöti bapl baytdyaf^- 

10 td iyan. baeli is^ abagöyta-t ind- bä*eli iSi nümd-t ind-ll hdji ys^' 

ll hdji gdla iyan. ,inä, yo mä- ddy yan. ^inä yi mä-häMn." t^" 

häbinä !' tdleha iyan is' inak ; lehd yan ü' inak; ,tcakü yö hak ^ 

,wakil yö hob!' tdleha iyan issi ak talehd yan üi bd'eUtk, 
bd'elak. 

15 2. hsl gal4d tdnlk xcakili qä- ISe yaddtcö yd-ged qddi xcaJdl^ 

dl dkä hdha iyan baell. issi sq- dkä habd yan. iSSi sanäwdk rÖt- 

näwdk rata iyan, *undü (}äylö 'et4 yan, eii^d irrö la yan. 
la iyan. 

3. Bä'eli ka m ind hdji gdl- Bä*eli is indll yaddy yan hdjL 

20 da iyan. abagöytd tat hagila iyan nünid ta yahaiafd yan qddü 
qddh 

1. Erzählung. Ein Mann heiratete ein Mädchen. Hierauf begab sich 
der Gatte mit seiner Schwiegermutter auf die Pilgerfahrt. Da sprach die 
Frau zu ihrer Mutter: , Mutter, verlasst mich nicht!' und zu ihrem Gatten 
sagte sie: ,Gib mir einen Schützer!* 

2. Vor der Abreise gab ihr der Gatte den Qadi zum Schützer. Die 
Frau aber war Hchwanger und trug ein Kind im Leibe. 

3. Der Gatte begab sich also mit ihrer Mutter auf die Pilgerfahrt und 
der Qadi besuchte dessen Frau. 



Die 'Afar-Sprache. 1. 



91 



4. ,Atü, (fäylö litöP ydleha iyan 
qddl abagöytdk. ,alhä7ndä lilldh! 
4äyl6 liyö^ tdleha iyan. 

5. ,Kü bä'eli bdgüt tan 4^ylö 
inti dkä dhaP ydleha iyan qä- 
dl. ,inti dkä mäbinä* tdleha iyan, 

6. ,Af dkä dhaV ydleha iyan 
qidi. yirfdkä mäbinä* tdleha iyan 
(J>agöytä. 

7. ,San dkä dbaV ydleha iyan 
qddl. ,8an dkä rnäbinä' tdleha 
Iyan abagöytd. 

8. fAytl dkä dbaP ydleha iyan 
(lÜl. fdytl dkä mäbinä' taleha 
x^m abagöytä. 

9. Tamd inki anü dkä abd- 
litfökf anfi bär dini kö-leke ama- 
tä-liyö' ydleha iyan qddi, 

10. Ma'd, yo-leke am, afä kö 
fakd'liyök dm!* tdleha iyan aba- 

1 1. Amd qddl bär yamdta iyan. 
akagöytd afä dkä fdkta iyan. 



,Atü (}äylö litöP tak yalehd 
yan qädl. ,alahdmde lilldh! ^äy- 
16 liyö* ak talehd yan nümä, 

yKü bä*eli gdrbad tand däylö 
intit dkä dbaP yalehd yan qddl, 5 
,intit dkä mäbinä* talelid yan, 

,Af dkä dbaV yahhd yan qd- 
dl, ,af dkä mäbinä' talehd yan 
nümd, 

,Sän dkä dbaV yalehd yan 10 
qddl, ,8an dkä mäbinä' talehd 
yan nümd, 

,Okak dkä dbaV yalehd yan 
qddl. qkak dkä mäbinä* talehd 
yan nümd, 15 

,Tamdy inkö anü dkä abdk 
bär kö-ll ijhiö amutö kiyö* tak 
yahhd yan qddl, 

,Ma'd, yöl amö, ife kö fakdk^ 
kak talehd yan nümd. 20 

,Qädi bär yamatd yan, nümd 
if4 dkä faktd yan. qädl toll dl- 



4. Der Qadi sprach nun zur Frau : ,Du bist gesegneten Leibes ?^ ^Gott 
l^b, ja wohl,* erwiderte sie ihm. 

5. Da sprach zu ihr der Qadi: ^Uat dein Gatte wohl dem Kinde, das 
duuDter dem Herzen trägst, auch Augen gemacht?' ,Nein, dixs that er nicht,* 
enriderte sie. 

6. ,Hat er ihm einen Mund gemacht?* fragte der Qadi weiter. ,Nein, 
<U.5 that er nicht,* erwiderte sie ihm. 

7. ,Hat er ihm eine Nase gemacht?' fragte er weiter. ,Nein,* erwiderte 
sie ihm. 

8. ,Hat er ihm Ohren gemacht,* fragte er weiter. ,Nein,* erwiderte sie. 

9. Nun sprach der Qadi: ,Alles das will ich ihm nun machen, daher 
komme ich heute Nacht zu dir, um zu sclilafen.* 

10. ,Gut!* erwiderte ihm die Frau, ,komm zu mir, ich will dir die 
Thöre aufthun.* 

1 1. Der Qadi kam nun bei Nacht und die Frau Öffnete ihm die Thüre. 



92 



Reinisch. 



qädl Ül 4^na iyan, mdlak dina 
iyan. ,kdbär inti dkä aha an 
ydleha iyan, 

12. Nammdy kam bär yamdta 
5 iyan. Hl dina iyan, tat mala 

iyan : ,kdbär san dkä abd-h an^ 
ydleha iyan qddl. 

13. Sidöh yam bär yamdta 
iyan, Hl 4ina iyan, tat mala 

10 iyan: ,käbär af dkä abd-h ani' 
ydleha iyan qädl, 

14. Fardy ham bär yamdta 
iyan qdd/i, ül ^ina iyan, ta ma- 
la iyan: ,kdbär dyti dkä abd-h 

15 an^ ydleha iyan, 

15. Badi ka ind hdjik gdyja 
iyan : ,8aldm!^ ydleha iyan, ,mar' 
habd!* tdleha iyan abagöytd, 

16. ,Mdnnä tdnln yök sdrralP 
20 ydleha iyan bd'di, 

17. ,Kök sdrrä ma^d-m nan, 
aiu nö abd-wdyta-m, nö abani, 
ma'A mmül yö hdbta, ma'a 'nnä 
süga' tdleha iyan abagöytd bd'e- 

25 lak. 



nd yan, malitd yan: ,kdbär in- 
tit dba-k dna^ tak yalehd yan 
qddl. 

Malammi bär yamatd yan, Üi 
4ind yan, ed malitd yan: ßcd- 
bär san dkü dba-k dna^ tak ya- 
lehd yan qddl. 

Madahi bär yamatd yan, ül 
(find yan, ed malitd yan: )cd- 
bär af dkä dba-k dna/ tak ya- 
lehd yan qddl. 

Mafari bär yamatd yan qd- 
dl, ül 4^nd yan, ed malitd yan: 
fkdbär qkak dkä dba-k dna^ tak 
yalehd yan, 

Bd*elä ka ind haji-kö gähdn 
yan: ,8aldm!' tak yalehd yan, 
,marhabd!' ak talehd yan nümd. 

,Ah egidi tinl yi sdrrcdP tak 
yalehd yan bd'elt. 

,Kü sdrral ma'ati ndna^ atü 
nö abi-nehetö-m iiö ahdn, mad 
heyötöl ya hdbta, ma*€Ut sügd^ 
talehd yan nümd iSt bä'elak. 



Der Qadi schlief mit ihr und bescblief sie. ,Heate Nacht mache ich ihm die 
Augeu/ sagte er. 

12. Die zweite Nacht kam zu ihr der Qadi, schlief mit ihr und sagte: 
f Heute mache ich ihm die Nase.* 

13. Ebenso kam er die dritte Nacht schlafen und sprach: ,Heute mache 
ich ihm den Mund.' 

14. In der vierten Nacht kam er mit ihr zu schlafen und sprach: 
»Heute mache ich ihm die Ohren.* 

15. Der Gatte und die Mutter kehrten nun von der Pilgerfahrt heim 
und Gatte und Gattin begrilssten sich. 

IG. ,Wie ging es dir nach meiner Abreise?' fragte sie der Gatte. 

17. ,8ehr gut ging es uns,' erwiderte sie ihm; ,was du mir nicht ge- 
macht, das machte er mir, bei einem guten Mann lie.ssest du mich zurück 
und da ging es mir gut.* 



Die *Afar-Sprmohe. 1. 



93 



18. ,Anu kö abä-xci'm\-k ma- 
hd kö dbaf^ yaleha iyan bä- 
'dl. 

19. jAtU yö abd'Waytd-ml-k 
holat inti yö hay, san yö hay, 
af yö i'd-da hay, dytl yö e-d-da 
hay, atXt abd-waytä-ml-k wo yö 
(iba^ tdleha iyan abagöytd isi 
bi'elak. Bä*eli tat maldm ydle- 
ga iyan, 

20.Qädl nüm ela say -sinnt mar 
lohend säy bald lükük yina iyan, 
kdnik amö dl4ci abagöytdk sdrrä 
nüm e-la hdlak mdnana iyan. 

21. Qddi nahard abagöytd a- 
kak mala nüm hdji gdla yina 
kiyä qddi ddylö amö dl4a aba- 
göytd böl laqaök dkä yahay 
mangdrä: ,qädi 4^ylöl yö sayi- 
$a!' y€L 

22. Abagöytd agab* innä ki- 
rdfe ibad dkö hdyta, agabi kis- 
icat idda hdyta, kdl-li talega kä 
hölussd iyan. 



,Anü kö abi-nehiyö-M'kö qd- 
di ay kö dbaP tak yalehd yan 
baell. 

,Atü yö abinehitöm bdlat inti 
yö hay y san yö hay, af ed yö 5 
hay, okä td yö hay, atü yö abi- 
nehetömkö töy yö dba* talehd yan 
nümd üi badak. ba'eli ed ma- 
Idm yalegd yan, 

10 
Qädi heyö d say-nehd mala- 
hend bald li yind yan, tdnä amö 
siraytd nümdk sdrral heyö d 
zä-mhnand yan. 

Qädi aicdl-lä nnmdd ak mala 15 
heyöti hdji yaddy yina-yd qädi-s 
säytö amö dla-tind nümd qw^i- 
kö mangdrä böl dkä yohöy yan: 
,qädi-s saytöl yi zayi§!' yalehd 
yan. 20 

Nümd säyö bdli qardqib ibad 
ak haytd, säyö sdrtim d haytd, 
tdnll wani abassd, saytöl kä zayS- 
Sd yan. 



18. ,Wa8 machte er denn dir, was ich nicht geinaclit haben sollte?' 
fragte sie der Gatte. 

19. Sie erwiderte ilim : ,Was du mir nicht gemacht hast, machte er: 
dem Kinde machte er die Augen, machte ihm die Nase, machte ihm den 
Mund, die Ohren, alles das machte er, was du nicht gemacht hast/ Der 
Gatte merkte nun, dass jener sie beschlafen hatte. 

2U. Nun besas der Qadi sieben Töchter, zu denen niemand Zutritt 
hatte ausser einer Friseurin. 

21. Der Mann aber, der auf der Pilgerfahrt gewesen war und dem 
der Qadi die Gattin verführt hatte, gab dem Weibe, welches die Töchter 
des Qadi zu frisiren hatte, hundert Thaler als Gesclienk und sprach: , Führe 
mich ein zu den TOchtern des Qadi.' 



22. Da gab ihm das Weib Frauenschuhe und Frauenkleider, vermit- 
telte ihm mit den TOchteru eine Unterredung und führte ihn zu diesen ein. 



94 



Rei niteb. 



23. Malahend baluwd mala- 
hend sdkü mala, malahend ha- 
luwd inki yade*ani iyan, 

24. Qddi ddylö mälahinud 
5 radda ita-wakytihila iyan : yida^d 

yi ddylöl yök särrä nüm B-la 
hala-sinne-wä'k dnkek yade^d- 
niP ydleha iyan, 

25. jDäylök yöl ekettäy!^ yd- 
10 leha iyan, ,tyi sinnü yamdtaP 

ydleha iyan. 

26. ,Y* dhhaü, lyi nöl yamd- 
ta tdqalaV ydlehan iyan ddylö, 

27. 'Unddtyä: ,y* äbhaü, nö 
15 daga-wdytü nö diwü!' täleha 

iyan, kdni dlwitd iyan. 

28. ,Nü7n haß gdht gdhak ya 
nüm köl abagöytd wakili hahd 
nüm kä ak sdrrä nüm nöl mä- 

20 matina* tdhha iyan. 

29. Wo nümüfarmö rüba iyan 
qddl. xoö nüm yamdta iyan, 

30. ,Yi ddylök mälethen inki 
atü dbit!^ yaleha iyan qddl, wo 

25 nüm: ,marhahd!* iya, dhita iyan. 



MälahSnd dingil mäloMjid h- 
W tan mala, mcUeJiSiid bald in- 
kö sonöytdn yan, 

Qädi mälaJiin gufdn-ged yu- 
bild yan: ,yi säytö sönöynö yö- 
yä hinntm keyö Sl zäy-wdn-dö 
ävla-kö sönöy tdnlV yalehd yan 
qddl, 

,Yi sdytök yöl ekitä!' yalehd 
yan, ,eyi sinnal yamatd yinaP 
yalehd yan, 

,Abbä, eyi nöl yamitdm takd- 
laV ak yalehin yan sdytö, 

En4aü bald: ,dbbä, ni dak- 
tdnkö nö diwit!' ak talehd yan 
i§* dbbak. tdnä diwitd yan. 

,Heyöti hdji yaddtj yina-yd 
nümd köyal wakili habd yind 
heyötö hdji'kö gähd-yä särral 
nöd zä tindm mä-ld' talehd yan, 

Amd heyötöd lük yüikd yan. 
amd heyöti yamaJtd yan. 

, Yi säytö mcUahinik inkö atü 
tan bei!' ak yalehd yan qädi, ayi 
heyöti: ,ma%' ya, tan betd yan. 



23. Da boschlief er in sieben Tagen die sieben Töchter und diese 
wurden so gleichzeitig schwanger. 

24. Als die Mädcheu au Umfang zunahmen, bemerkte das der Qadi 
und sprach bei sich: ,Meine Töchter sind ja schwanger; da zu ihnen aber 
kein Mann Zutritt hatte, von wem kOnnen sie denn schwanger sein?* 

25. Er befahl nun: ,Ruft mir die Töchter!* und zu diesen sprach er: 
,Wer ist zu euch gekommen?* 

26. Diese erwiderten ihm: ,Wer könnte denn zu uns gekommen sein?* 

27. Die jüngste Tochter aber sprach zum Vater : ,Vater, versprich uns, 
dass du uns nicht berühren wirst!* Er versprach es ihnen. 

28. Da sagte sie: ,Der Mann, der auf die Pilgerfahrt gegangen war 
und dich zum Schützer seiner Gattin gemaclit hatte, der kam nach der 
Pilgerfahrt zu uns, ausser ihm aber Niemand anderer.* 

29. Der Qadi schickte nun an jenen Mann einen Boten und der Mann kam. 

30. Da sprach zu diesem der Qadi: , Heirate du alle meine sieben 
Töchter!* ,Gut,' sagte dieser und heiratete sie. 



Die *Afar-Spr»ehe. I. 



95 



S\. Qädikanümtötiddä ftbta Qädi ka heyötö töhe siddak 

fy«M. ahitdn yan. 

31. So handelten sie zusammen^ der Qadi und jener Mann. 



33. Ein Mann verlobt seine einzige Tochter an fünf 

Freier. 



l.T.t. l. i. Nüm inki säy bald 
doLa iyan, inki säy halnl könä 
dlkum bdyta iyan, 

2. Inki sdkü könd halt digibi 
dkä rdda iyan. könd *ad 'ärl disa 
iyan. 

3. ^Arik tiyat issi baja hdy 
iyofiy *ärik tiyat kutd bald hay 
iyan^ 'drik tiyat okälö bald hay 
iyan, ^drik tiyat idd bald hay 
iyany ^drlk tiyat sagd bald hay 
iyan. 

4. Kutd bald »indm bald td- 
ka iyan^ okälö bald sindin bald 
tdka iyan, idd bald sindm bald 
tdka iyan, sagd bald sindm bald 
tdka iyan, 

ö. Issi bald yägemd iyan. kii- 
td bald dkä yahdy nümül yim- 



T. t.y, Hey Dil inki bal/i däld 
yan. inki baldl könd liSö baytd 
yan. 5 

Inki mah könd lisöyti mara*d 
el raddn yan. könd ddö äre si- 
rahd yan. 

Will dred iH bald hdy yan, 
tvili dred karB> bald hdy yan, 10 
will dred herd bald hdy yan, 
tcili dred aydöyid bald hdy yan, 
will dred sagd baM hdy yan. 

Kare bald heyö baUt takd yan, 15 
herd bald heyö bald takd yan, 
aydöytd bald heyö bald takd yan, 
sagd bald heyö bald takd yan. 

ISi bald söld yan. kare bald 20 
dkä yohoytiyal mahd ydn: ,sa' 



1. Erzählung. Ein Mann hatte eine einzige Tochter; für diese nahm 
er von ftlnf Männern das Brautgeschenk an. 

2. Da kamen an einem Tage die fünf Bräutigame zur Hochzeit und 
er bante ihnen fünf weisse Hütten. 

3. In die eine Hütte nun gab er seine Tocliter, in eine andere gab 
er eine Hündin, wieder in eine andere gab er eine Eselin, in eine andere 
gab er eine Ziege und wieder in eine andere gab er eine Kalbin. 

4. Die Hündin glich aber einer Tochter von Menschen, ebenso die 
Eselin, desgleichen die Ziege und die Kalbiu. 

5. Er selbst erkannte aber seine eigene Tochter nicht wieder." Den 



w? 



Reinisch. 



jnarhabn!' //«/«/*« iyan. 

G. Mdnnä innlni?* ydleha iyan, 

yinki dytid yök hai7 fdka mad- 
ö nä nan* yd(eha iyan. 

7. Okälö bald dka[yahäy nü- 

mül yamdta iyan: ,8aldm!* yd- 

{dta iyan; ,marhahd!' ydleha 

iyan. 
10 8. ,ifdnnä tdnln P ydleha iyan, 

,häyind tvak amöd hd yök tdka, 

ma'dnä nan' ydUha'Jiyan, 

9. Ida bald dkä yahdy nümTd 
15 yamdta iyan : ySaldm!' ydleha 

iyan; /inarhabd!' ydlehd iyan. 

10. fMdnnä tdnln V ydleha 
iyan. ,ma*dnä 7ian, inkifolo bi- 
tü wä fdka' yaleha iyan. 

20 11» Saga bald dkä yahdy nü- 

mül yamdta iyan: ,8aldm!* ydh- 

lia iyan ; ,marhabd!' ydleha iyan. 

12. yMännätdnln ?* ydhha iyan . 

,hayindw tcak 'dbi efer^Md ma- 

25 *dnä nan' ydlelia iyan. 



Idml' ak yaUhä yan. /marhabä!' 
ak yaleha yan. 

yAhe egidi tinlf^ ak yaleha 
yan. ,inki qkakad tcuh yök tan- 
kä, ma'ati nana' ak yaleha yan. 

Herd bald dkä yohoytiyal ya- 
matd yan: ,8aldm!' ak yalehd 
yan; ,marhahd!' ak yaleha yan. 

,Ahe egidi tinlP ak yalehA yan. 
,hay\ndn-ged bükdd hü hü Im 
yök tdnkä ndgad ndna' ak ya- 
leha yan. 

Aydöytd bald dkä yohoytiyal 
yamatd yan: ,saldm!' ak yalehd 
ydn. ,marhabd!' ak yalehd yan. 

,Ahe egidi tinlV ak yapihd 
yan. ,maati nana, inkifolo bi- 
tö tdnkä' yalehd yan. 

Saga hal/t dkä yohdy heyöt^l 
yamatd yan. ,saldm!' ak yal^^hd 
yan. ,marhabd!' ak yalehd yan. 

,Ahe t'gidi tinlf akyahhd yan. 
Jinyindn-ged ta grd täudnkä ma- 
'afi nana' ak yahJid yan. 



folpfenden Morgen kam or nun xnni Manno, doni or die Hündin gegeben 
hatte und sie begrUssten .nicb gegenseitig. 

6. ,Wie geht es euch?' fragte sie der Vater. Der Mann erwiderte: ,Ganx 
gut sonst, nur das« sie mir stets in die Ohren bellt.* 

7. Er kam nun zum Manne, dem er die Eselin gegeben hatte und 
sie begrüssten sich gegenseitig. 

8. ,Wie geht es?* fragte er diesen. ,Ganz gut sonst, nur dass sie stets 
wie ein Esel schreit,* erwiderte er. 

9. Er kam nun zum Manne, dem er die Ziege gegeben hatte und sie 
begrüssten sich gegenseitig. 

10. ,Wie geht es?' fragte er diesen. ,Ganz gut sonst, nur will sie 
unablässig essen,* erwiderte er. 

11. Er kam nun zum Manne, dem er die Kalbin gegeben hatte und 
sie begrüssten sich gegenseitig. 

12. ,Wio geht es?* fragte er diesen. ,Ganz gut sonst, nur dass sie stets 
mit dem Kopf stOsst,* erwiderte er. 



Die 'Afar-Sprache. I. 



97 



13. Issi bald äkä yahdy nü- 
mfil yamäta iyan, ySaldm!^ yd- 
\eha iyan; ,nuirhrtbQ !^ ydjehu 
lyun, 

14. ,Mdnnä tdninP yaleha 
hyan. ,elhdmdä lüldh, viadnä 
nan* ydieha iyan, 

15. IsH baldy yagemd mga 
tdnncU yd]ega iyan. wo nüm wo 
dba iyan. 



iSi bald äkä yohoytiyal ya- 
matd yan: ,8aMm!^ ak yahiha 
yan dbbä, ^marhabd!^ ak yaleha 
yan, 

,Ahe egidi tinlf* ak yaleha 5 
yan. ,alahdmdü lüldh maati na- 
na^ ak yalehd yan. 

I§i bald söld'»ilgd-yä amd ged 
yalegd yan. amd heyöti amdy 
abd yan. 10 



13. Er kam nuu zum Manne, dem er seine Tochter gegeben hatte 
and sie begrüssten sich gegenseitig. 

14. ,Wie geht es?* fragte er diesen. ^Gottlob, sehr gut!' erwiderte er. 

15. So erkannte er .seine Tochter, die er nicht mehr gekannt hatte. 
So that dieser Mann. 



34. Der Fuchs, die Hyäne, der Wolf, der Panter, der 

Löwe und die Schlange. 



1 . T.t. l, f. Wakari enik ileh, 
yangülä nammä Üehj dalehö si- 
dohö (Uh, qabei fardy tteh, lü- 
biik könOÜ Üeh, arärd lahdy üeh, 
tä Iah alt: ,\nki milä ndköy!^ 
ydlehan iyan, 

2. Wakari: ,anü müä, yanguli 
mein, dalehö mdä, qai)eH müä, 
lühäk meld, arih^d müä, tä laJid 
melak angcdd - wdynöy' ydlelia 
iyan. 



T. t. y, WakaH inik el-eh, yan- 
gülä lammd eUh, gälaködü adöh 
^l^h . qabe*itä afdr eMh, lübdk 
kön tileh, arörd llh eUh, tä lihd 
alüld: ,inki müä naköwä! yah- 10 
hdn yan. 

Wakari: ^anü milä, yanguli 
müä, gäla-kö'dü müä, qabe*etl 
müäj lübdk müä, arörd rnüä^ 
tä lihd müak angald-wäynöicd* 20 
talehd yan. 



1. Der Fuchs zum ersten, zweitens die Hyäne, drittens der Wolf, 
viertens der Panter, fünftens der Löwe, sechstens die Schlange, diese sechs 
Thiergattungen sprachen : ,Wir wollen eine Gattung ausniaclien !' 

2. Der Fuchs aber sagte: ,lch bilde eine Gattung, eine solche die 
Hyäne, ebenso der Wolf, desgleichen so der Panter, ebenso der Löwp, 
und ebenso die Schlange: da wir also sechs Gattungen sind, kOnnen wir 
ans nicht vereinigen. 

Sitznngsber. d. phil.-hist. Cl. CXI. Bd. I. Uft. 7 



98 



Kciaisek. 



3. Lübdk: ,issi atü rä'tü-tcäy- 
ta-kö, aki'Tnärak nudä ndkak, 
ydleha iyan. 

4,Wakari: ,inni rd'a* ydleha 
5 iyan. aki kön' all melä ydka 
iyan. 

5. yinki-märi im nd^eba-m, 
tiddä icarisenöy^ ydlehan iyan, 

6. Yanguli: ,mahali köd rd- 
10 döy yök malehenä!' ydleha iyan, 

,mahdlü anü mayntdk^ ydleha 
iyan. 

7. Dalehö: ,ic6ykä Uli yök ma- 
lehenä! Uli naebiyök^ ydleha 

15 iyan. 

8. Qabe*i: ,yö kinisdnim na- 
*ebiyök yö mä-kinüinä .'^ ydleha 
iyan. 

9. Lübdk: ,^ind'icak amöt yök 
20 mändahinä!* ydleha iyan. 

10. Arörd : yknntü-\cd tcak gü- 
det yök ma^ntinä!^ tdleha iyan. 



Lübdk: ,€ita üe ra*et6 litök, 
aki-mdrak mää ndkakf yalehd 
yan. 

Wakari: ykinne rä*a^ ialehd 
yan. aki kond äkdd mää yakin 
yan. 

, UrndnÜ ist'üi naebdm siddä 
wariieno^ yalehdn yan. 

Yemguli: ,mahali köd sdwök 
yök minä!' tdnak yalehd yan, 
fmahälö-kö anü mayHtdk^ yale- 
hd yan. 

Gälaködil: ,töykä aydö yök 
minä! aydö na^ebiyökf yalehd 
yan. 

Qabeeü: ,yöl Idnüdnam na- 
'ebiyök yöl mäkiniHnä!* yalehd 
yan. 

Lübdk: y4lnd'ged bnkdl yök 
mändahinä!^ yalehd yan. 

Arörd: ^antultüd-ged fdnad 
yök mä'atinäl^ talehd yan. 



3. Da sprach der L($we: ,Wenn du für dich bleiben willst, so werden 
wir übrigen uns vereinigen I* 

4. Der Fuchs sprach : , Ich bleibe für mich* ; es bildeten also die übrigen 
fünf zusammen eine Sipjve. 

5. Da sprachen sie: ,Wir wollen nun gemeinschaftlich ansreden, was 
jeder einzelne verabscheut/ 

6. Nun sprach die Hjräne: ^Sagt nur nie zu mir: die Lanze treffe 
dich, denn die Lanze scheue ich/ 

7. Der Wolf sprach : ,Sagt nur nie zu mir : dort sind Ziegen, denn 
mit den Zieg^en lebe ich in Feindschaft/ 

8. Der Panter sagte: ,Neckt mich nie, denn das vertrage ich nicht. 

9. Der LOwe sprach: ,Wenn ich schlafe, so macht keinen Lärm um 
mich herum!* 

10. Die Schlangle sprach: ,Tretet nur nicht auf mich, wenn ich gerin- 
gelt liege:* 



Die 'Afar-Sprache. I. 



99 



1 1 . Fdyrök halä ddlehö yamd- 
ta iyan, gdrak halä yangvli ya- 
mdta iyan, gdrak qabei yamd- 
ta iyan, gdrak lübdk yamdta 
iyan. gdrak arörä tamdta iyan 
ä haM-l'ä, 

12. Lübdk 4i^ia iyan. ddlehö 
ka yangida dbdlta iyan. 

13. YangvJi dalehök: ,ÜU öy- 
kä!* ydleha iyan. dalekö yangü- 
lak: ,mahali köd rddöy! hayd 
yan^ ydleha iyan. 

14. Tangvli dalehö amülyubil- 
}a iyan. dalehö rdha iyan. 

15. Yanguli qabeHk amöt rd- 
da iyan, qal)e'i yangülä amöl 
yikiild iyan, yanguli ä tcak rd- 
ha iyan. 

16. QaheH lühdkak amöt rd- 
da iyan, lübdk qabe*i amöl yU- 
hilld iyan, qabe'i rdba iyan, 

17. Lübdk arördk amöt rdda 
iyan, arörä lühdkak ihad hdyta 
iyan, lübdk arörä 'dyda iyan, 
arörä lübdk *dydda iyan. 

18. yinfd melä ndköy* iya kön 
dli ic(jnnä rdba iyan. 



Yoqomd gälakö^il hajdl ya- 
matd yan, sarrd-kö haldl yan- 
guli yamatd yan, sarxdkö qahe- 
*eti yameUd yan, sarxdkö lübdk 
yamatd yan, sarrdkö arorä ta- ö 
matd yan. 

Lübdk dlnd yan. gälakö(}il 
ka yangülä digirdn yan. 

Yanguli gälakö^^ik : ,aydö 
töykä!' yalehd yan. gälakö4^ 10 
yangülak: ,ma}iali köd saü hay^ 
td yani'höV yalehd yan. 

Yanguli gälakö^d amöt kä 
yübüld yan. gälakö^H bädd yan. 

Yanguli qabe'itak bukdd ra- iö 
dd yan, qabeeti yangiUä amöd 
kä yübilld yan, yanguli bädd 
yan. 

Qabe'Ui lübdk bukdd radd 
yan, lübdk qabe^tä amJöd yUAU- 20 
Id yan, qabe*eti bädd yan. 

Lübdk arördt bukdd radd yan. 
arörä lübdkak Idkak ak haytd 
yan. lübdk arorä yigdifd yan, 
arcrrä lübdk tigdifd yan. 

jinid milä ndköf yan ale töhe 
yani bakitdn yan. 



25 



11. Da kam einst zu einem Baum der Wolf, später kam dahin die 
Hyäne, dimn der Panier, hierauf der Löwe und dann die Schlang>e. 

12. Der Löwe legte sich schlafen, der Wolf aber und die Hyäne spielten. 

13. Da sagte die Hyäne zum Wolf: ,He, dort sind Ziegen!' Der Wolf 
aber sagte zur Hyäne : ,Die Lanze treffe dicli ! bist du wohl satt ?* 

14. Da packte die Hyäne den Wolf am Kopf und der Wolf starb. 

15. Die Hyäne fiel aber auf den Panter, dieser packte sie und die 
Hyäne starb. 

16. Der Panter fiel auf den Löwen, dieser packte den Panter und 
er starb. 

17. Der Löwe aber fiel auf die Schlange. Da erfasste sie den Löwen 
am Bein, er aber tödtete die Schlange, aber auch diese tödtete den Löwen. 

18. So starben alle diese fünf Sippen, die da gesagt hatten: ,Wir 
werden eine Gattung bilden.* 



7* 



UH) 



Keioisck 



:\i). ll(Mrutc kein lUsterneB Weib. 



1 . 7'. f. L i, A^iimtik \immi ba- 
l/'i tila ma'iik ttiia iifun, 

*Z. Jiuii 'dmiin halä innl ahi- 
fu ir.a* ifd(t'Jtn iyaii, 'dmmJl dt- 
f, ////// Jftla ii/UH. 

li. 'Ayiinn hii tlii/fh! ifufidy iyan, 
'timmi huli 'dmmi hala diqiba 
nfaii. 

4. 'Ainvn h/i(A hanhnü bm a- 
\it hdirnk tliiii iyaii. btVeli hdrrä 
ifäfu iyan. 

r*. Mnruyfi. tdtll ymndta iyan, 

inurdyia t^tiliuim dbta iyan, ma^ 

rdyta J'nln nltitiMu iyun, niaräy- 

ii, tu ha du diimta iyan, mardytä 

lutu hä'/ta iyan. 

i\. Maruyii Jnio bdyta bä*eli 
huln yittlurd iyan, marayü folö 
hdytak uinja iyan, 
•io 7. Marayii lth\4i yamata-wak 
indyntUt iyan. ba*v.li: jnä-may- 
äitin!' ydli'ha iyan ahnyöytd-m 
inardylak. 

H. Ahtnjnytd m marayti ydla 
"jih iyan, hafli o IIa i*d*a iyan, i»»i 
*dril dina iyan. 



T. t. y, Heyötök ahbä'tä'cä ha- 
lä dlä ma*d tind yan. 

,Hinni abbd'$ä*ali baja baytc^ 
yalehd yan. cMä sä'dlad mara*i 
fald yan. 

Abbd sä'dl dkä marüd ym, 
abbd 8ä*ali bali abbd Bä'ali ba- 
ld mar'e^d yan. 

Abbä $a*aU hold and du» 
ahdy tind yan, baeli kdsiö ya- 
ddy yan. 

Kahantöli talyamatd yan,ka' 
hantöla qahawd dkä abtd yan, 
kahantöla folö dkä alaySid ym, 
kahantöla hadö dkä damtd ymi, 
kahantöla hän dkä bä^td yan, 
' U88ük kahantöli fidö bdytak 
bstdi diki gähd yan, kahamffü 
folö bdytak mgd yan. 

Kahantöli bä'di yamaid-gei 
maysitd yan. bä'di: ^mä-mayU* 
tin!' yaldid yan amd iäi nümd-i 
sähebik. 

Nümd-8 sdheh yeiddy yan, hä- 
*di el rä'd yan, ü' dred ^nd 
yan. 



1. Kr»Hliluii)>:. l)or Olioim eines Maunes hatte eine schdne Tochter. 
*i. Da tlnohto iliosor Mann: Joh will meines Oheims Tochter heiraten* 
und v(^rlun);tn hiü vom Oheim Kur Ehe. 

.'). Dor Oheim ^ah sie ihm und der Neffe heiratete seine Nichte. 

4. Die Frau aber trieb Hurerei. Eines Abends verreiste der Gatte. 

5. Da kam zur Frau der Geliebte und sie bereitete ihm Kbü, buk 
ilim lirud, kaufte ihm Fleisch und brachte ihm Milch. 

0. Wie nun der Geliebte speiste, kam der Gatte xarflck and fand den 
Goliobton boim Essen. 

7. Dieser erschrak bei des Gatten Ankunft; er aber sprach nun 
Goliebten seine« Weibes: , Fürchte dich nicht!* 

8. Der Geliebte pinp nun von dannen und der Gatte blieb bei dem 
Weibe zurück und sehlief in seinem Hause. 



Die *Afar-Sprache I. 



101 



9. Sökü bald maytd-wak 'dm- 
«II farmö rnba iyan, 'dmml ya- 
m&ta iyan. 

10. jAniL kü bald genna'ök 
k<Adk ta yards dykä!* ydleha 
iyan dbbak. 

11. Abba yards ytlbilld iyan. 
wo nüm abagöytä xodnnak hdba 
iyan. 

12. Wo nüm tat habä-xcak ma- 
rayti tat diqiba iyan, marayti 
tat diqibd'Wak hardmü tat däre- 
md iyan. 

13. Hdrrä arräy iyan. bär 
nüm tdtä yamdta iyan. bär bä- 
eil gaha iyan. wo nüm tat ^ä^ll 
4inak süga iyan, 

14. Bd'eldy gdha-iyä icö nü- 
miy ifinak süga hiyak *üntit giU 
ylzgudd iyan. 

15. Wo nüm, nüm 'idd num 
küda iyan, stndm kä tibila iyan, 
sindm tdketa iyan. 



Dahine bald maytä-ged abbä 
8ä*dlad farimtö yilika yan, ab- 
ba sä^dl yamatä yan. 

,Anü kü bald ä^ede-kö habdk 
ta nahari tdykä!^ yalehd yan üi 5 
abbd 8ä*dlak. 

Abbd sä' dl ndhare yübüldyan. 
amd heyöti töykö nümd habd 
yan. 

Amd heyöti tat kabd-ged ka- 10 
hantöli tat baytd yan. sdheb ta 
mar'eäitd-yä zind ta hammitd 
yan. 

Kdssö arrdy yan. bär heyöti 
tat yamatd yan. bär ta bä^eli 15 
gäha yan. amd heyöti dr€d dina 
8ügd yan. 

Bä'eli gähd-yä amd heyöti ^i- 
na mgd-yä umüte'kö sötdlä kä 
yurhodd yan. 20 

Ay heyötö yigdifd heyöti kü- 
dd yan. heyö kä tibild yan. he- 
yö yaketin yan. 



9. Am folgenden Morgen «chickte er nach seinem Oheim und die- 
ser kam. 

10. Da sprach er »u diesem: ,Da ich deine Tochter aus dem Ehever- 
band entlasse, so nimm da ihre Mitgift!^ 

11. Der Vater nahm nun die Mitgift und so entliess also der Mann 
•eine Frau. 

12. Als er sie nun entlassen hatte, da heiratete sie ihr Geliebter. 
Nach der Heirat aber schöpfte er Verdacht wegen Untreue seiner Gattin, 
die er geehlicht hatte. 

13. £ine8 Abends verreiste er. Bei Nacht kam zu ihr ein Mann. In 
der Nacht aber kehrte auch der Gatte zurück und fand jenen Mann in ihrem 
Hause schlafen. 

14. Der Gatte nun, der zurückgekehrt war, schnitt jenem Manne, den 
«r da schlafiend fand, die Kehle ab. 

16. Hierauf ergriff er die Flucht, da er jenen Mann getödtet hatte; 
man fing ihn aber und band ihn und viel Volk sammelte sich an. 



10/ 



t* .4.«ti 



iithffih ti'iha nf^tn ^t*.*Ht*. fiiOt ffl' 
hti niOf^t OOfft. 'lO/^k ^/u/l»f »BtiJ^JkM. 



Jjlkü rtsdanii yamatd yan, rer 
danti icaniid yan: ,hsyöH ak 
njJA'itiärl heyotij yatdagimä^ya' 
UJm. ywt; JteyotO yujdifä IteyOtö 
H/x k^yo kä mar/ßüonä^ yalehAy€ai. 

/>i//y maytu yan, rabd heyö- 
% 'jo'Mfin yan. Jieyötö yigdifd 
A/<yV'; h^ihn!* y^ifefiin yan, 

Kd ftäu^, y*ydifin yan. amd 
hir„ffk/i htyOfi U) *Hla rabdn yan. 



I^# Mi»n ^Am »Xfir '/r*j<^nn.*% i.vi «srwta üvj' JH^f AoTerwandten des 
Kfmnrtif'jjm AfAlf.n ii^^^sr \^,'xtB*'.ii, dttt, M ir :*r *>^w «ju fol|^nden Morgan 

17 Arn f/.iy/'.ufifi'.Ti V('.fjf*n •vsrtr^'..'.*^-. :> '*>r«4JLi'äifrto den Ermordeten, 

!•• .Um*:xf% zur ♦rjh.'i* r.>:t^^ii ^i* ..'.r. ?«. xAJZfii zwei Münner ums 
I ««ihn II 



>i. K i n <: V^«; r w a n 4 : .• *: h a :': tir^i^ e. 



1 , Ko A:// Ah*lal.hüi naintiui unm 
naJcn, uitHiik inä dn'ayna la, ^noi 
intt da'aynn fiyo, niniu d.ayf. Min- 
ni miMaktiun ktniiuß tddd duß- 

l«** hinn.^ 

2. ,Afn dayn mnntn, ann dä- 
yti inäliin, man iani. ddylö fOya 
na mä-yahamk, milhä tt}ß4ßuit'V 
ehihd anu. 

20 3. Mal mnnuiu märt unst däy- 
lO nuinmd na mäyahän, mahn 
ähonUf ninni elld daft-wdynahV 
yök i£ Abdallah. 



Y'» kn A^AM^ih lamnui heyö- 
bf n^ika, »\iu»Kk iua bara la, anü 
Inf. /////-'< ^iyö, nanü düyi hin 
hn.hdn*lt kinnö, td martSinöt 

'1. f.\h* ttud Mfi'Utöj ann med 
innliyO, yan, tfinni myto rummd 
nöl nü'ynfnhdym, ah a-t^ dho- 
nfij' 'iUhd anu. 

3. ,.Mäl md'linO, muri sinni 
aayt'j nx/nnm nOl ml-yntahdynty 
ay dbonü, nind dafe-wayndnkoP 
yök yalehd Abd^Uldh. 



1. Ich und Abdallah wir rfiiid boide Männer. Er besitzt eine alte 
Mutter, ich doH|^b;ichon ; da wir beide rerinf^frenlo.*« und arm sind, wen sollen 
wir sonach heiraten? * 

2. Da fta^te ich : ,0u ha-st kein Geld, ich ebenfalls nicht. Da uns 
niemand uine Tochter umsonst flehen wird, waa »olleii wir nun machen?' 

3. ,Weil wir kein (ield haben und uns sicher niemand eine Tochter 
geben wird, was sollen wir machen, wenn wir nicht allein sitzen bleiben 
wollen?' sagte zu mir Abdallah. 



Die 'Afar-Spraehe. I. 



103 



4. yAbdnain an dliga^ elehd 
anü. 

5. ^ahd dbonüP iya üssük. 

6. ,Y' indl digihait, kü ind 
anü digibüituwä* alehd anü. 

7. y ind digibs^itd Abdallah, 
Abdaüdh ind digibsitd anü. 

8. y ind Abdallah bdlä bdyj- 
ta, Abdallah ind yO bdlä, bdyta, 

9. Kay ind y* ind märt ma- 
tt f y ind käy ind märe md-ll? 
ontt kü märe md-yüf üsmk yö 
märe md-ll? tö yobokd nammd 
iarri tiddä märe löni, össön md- 
teuf 

10. Tö ürri nammdy gaii ga- 
rulk dbbä sd'alä ydmata, gaH 
gdruk: ,ya *dmö!^ iyam kau mdre 
Ünön. 



Amd ged: ,abdnam anü dliga^ 
elehd anü, 

,Ay dbonüV ya üssük, 

,y ind mar' eilt, kü ind anü 
mar^eHiö^ aleliä anü. 5 

Y' ind 7nar*e§itd Abdallah, 
Abdalld't ind mar*eäitd anü, 

Y' ind Abdallah bald bd-fta, 
Abdalldt ind yöyä bdlä bdyta. 

Kä ind //' ind ahalinö md-laf 10 
y ind kä ind ahalinö md-la? 
anü kdyä ahalinö md-liyöf üs- 
sük yöyä ahalinö md-laf tö yo- 
bokd lammd en^olä siddä aha- 
linö lönl md-lönlf 15 

Tö ^aylökö lammd tl tiyak 
dbbä sd'elä yakd, wili wUtk: ,y' 
dbbä sadll* yam tan alialinö 
kinön, * 



4. ,Ich weiss, was wir machen werden/ sagte ich. 

5. »Was denn?* erwiderte er. 

6. Ich sagte: ,Heirate du meine Mutter und ich werde deine Mutter 
heiraten.* 

7. Abdallah heiratete nun meine Mutter und ich nahm die Mutter 
Abdallah'». 

8. Meine Muttor gebar dem Abdallah einen Knaben und Abdallali's 
Mutter schenkte mir ebenfalls einen Knaben. 

9. Ist nun seine Mutter nicht verwandt mit meiner Mutter? und ist nicht 
meine Mutter mit seiner verwandt? bin ich nicht mit ihm verwandt und er 
mit mir? und sind die zwei Söhne mit einander verwandt oder nicht? 

10. Da von den zwei Knaben der eine des andern Oheim ist und 
einer ziu« andern Oheim sagt, so sind sie verwandt. 



37. Die Frau, die sich von ihrem Gatten trennen will. 

1. Nüm: ,anii digibü-iod' yd- Heyöti: ,anü mar*esüö liyö' 20 

leha iyan sa ölik. sä'öli: ,digib!* yalehdyansä'oluk. saül: ,mare- 
tdleha iyan. Ht!^ ak yalehin yan. 

I . Ein Mann sprach zu seinen Brüdern : ,Ich will heiraten.* ,So heirate 
Don!* erwiderten ihm diese. 



104 



Rtiniseh. 



2. yDawud bald yö aha!' yd- 
leha iyan. 

3. /mit <itlyl6 Dnictid fand 
galant iyan: ,ku bald iii sd'alä 

5 di(]tbi uö ohdy!^ yälehan iyan. 

4. Inni bald digibl sina hi- 
lf yö* ydleha iyan, 

5. Liuiao baUil akd yaheni 
iyan bald la mnuäk, s(Völi ind 

10 bald diyibi abayOyfdl düye kä 
yahini iyav, 

i\, Indd (idylök t't: ,y* hin bd- 
la(i, nfi'i bufftlv nabito, buijije mö- 
röföm hättul kök fdkak, manu 

15 bald 'uudd hdllü mald-wdytak, 

mibam md-maltUy tamd biuf^B 

ijaiabdl edda ha'-wdytak, tnki 

vdda mähan!* ydltha iyan. 

7. Ina bali: ,ma*d\tfd(eha iyan. 

•-»0 8. Wo nnm folok hdyak nuV 
nand iyan: käy dtrdi* tdban ko- 
nd kilä iyan, nuVno tdban kond 
kelä iyan, boddikond kela iyan; 
H'iinnd umdn sakü kd dirär, kd 

2b nuVüo, kd boddi kinl iyan. 



,Ddicud bald yö mare*üä.^ td- 
nak yalekd yan sd'oluk, 

findd 4^ylö Däwud fän ya- 
ddyn yan: ,kü bapi nl sä'dlä 
ware'd nö ohö!' ak yalekin yan, 

Hinni bald mared sind ahdy^ 
yalehd yan. 

Qorüä baldl dkä yohöyn yan 
bald icdnnak. 8d*ül sinni ini 
bald ist nümdl mal dkä yohiyn 
yan, 

Indd däylökö ti: ,y' ind bd- 
hul, atü nabd dagumd lltök, ma- 
rötöm huldf-yä yaJcd ku dagü- 
mi, kddö märin bald en4ati ta 
mala-wayta-nkö, nabati md-ma- 
hn, dagUmd abald ed hd Mbä, 
inkö ed md-kayn!^ ak yalekd yan. 

Ind bali: ,ydkö!^ yalekd yan. 

Amd keyöH folö-kö hayid mä- 
nand yan: kd dirdr kondn ka 
tdmman ^bssi-yd kini yan, mä- 
wo kondn ka tdmman 'bssi-yd 
klni yan, zafrd kali kondn ka 
tdmman 'hssiyd klni yan. 



2. ,Frt»iet luir Davids Tochtor!' sA^te er daun zu ihnen. 

i5. Dio Brüder giu>r^ii nun äu David und sprachen: ,Gib uns deine 
Tochter zur Ehe tllr unsorn Bruder!* 

4. Dieser erwiderte: Ja, ioli jrebo euch meine Tochter aur Ehe.* 

5. Die Brüder ^abeu nun dem Vater des Mädchens Geld und dem 
Bruder j^aben sie Geld t*ür seine zukünftige Frau. 

6. Nun sprach einer der Brüder £U diesem Bruder: , Bruder, du hast 
einen gn>ssen Penis, der vierzig Ellen beträgt ; daher darfst du eine Tochter 
von Menschen nur ganz beiuitsam und nicht zu gewaltig beschlafen, gib ihr 
nur einen Theil und nicht den ganzen Penis hinein!* 

7. ,ik'hon recht,* erwiderte der Bruder. 

t». Dieser Mann konnte sich auch nicht satt essen: seine Hauptmahl- 
zeit erfonlerte t'üntzehn Sohetfel Korn, sein Mittagsmahl ebenso fünfzehn 
Scheffel und diis Frühstück j^leichfalls lunfzehn 5>cheffel, 



Die 'Af«r-Sprache. 1. 



105 



9. Diffibl galant iyan, ind ha- 
2ä digibisani iyan, baüi im bald 
digibl yahdy iyan, 

10. Ahagöytd ka bd'elä ink* 
*irid orbisant iyan, dUä sügani 
ijfan. 

1 1 . Ahagdytd dbbä farmö rub- 
ta iyan: ,y' dbbaü, tä digibl yö 
dkä tahdy nümük yö habsissäm 
fald-han' idUha iyan bald. 

12. y Yi baldy, aar and waytd, 
magräf waytd, bilä waytä, mahd 
giyta yö idde habsis itamV yd- 
\eha iyan dbbä. 

13. ,Y^ dbbaü, buddi mörö- 
dm häsül dkä takd, dirdr td- 
hm ka kond kelä yakd, mä'üö 
tdban kond kilä takd, boddi ko- 
nd kila yakd, töhük e4eheli afe- 
rdj alaysö aferd, bär malö afe- 
rd, tihü yö habsis ahihd dm* td- 
Uha iyan bald. 

14. Abbä: ^malök da* 6 anü kö 
abd-liyö' yd\eha iyan, ,maüök 



Mare'd yaddyn yan, ind bd- 
lä mare'iSdn yan, balli i§i bald 
mared tdnä yohöy yan. 

Nümd ka bd'elä inki dred or- 
biSdn yan, dlzä inkö sügdn yan. 5 

Nümd iS* dbbad luk tilikd 
yan: /ibbä, ed yi toköy heyötö- 
kö yi tayfitehdm fdlak nne* tu- 
hhd yan bald. 10 

,Yi baMü, ay gdytaf sarittam 
wdytaf felittam wdytaf diffö wdy- 
taf ay gdyta yi ifitih yök tdh- 
hamV yahhd yan dbbä. 

,Abbä, kä dagümi marötöm 15 
hglüf-yä ak ydka, kä dirdr ko- 
ndn ka tdmman "bssi-yd ydka, 
kä mäwö kondn ka tdmman 'hssi- 
yd tdka, zafrd käli konan ka 
tdmman 'bssi-yd tdka, töy inkö 20 
alahdnö tdna, aldySö tdna, bär 
idai tdna, töykö yi ifitih kok ay- 
k dne* tdlehd yan bald, 

Abbä: ,ida'i da* 6 anü kö dba* 
yaUhd yan, ,mäxc6k ü6 taleha- 25 



9. Man ging nun zur Hochzeit und verheiratete den Bruder, der 
Schwiegervater gab sein Kind zur Ehe. 

10. Man führte die Gattin und den Gatten ins Haus ein und sie blieben 
einen Monat beisammen. 

11. Da schickte die Frau einen Boten zu ihrem Vater und sprach: 
,Vater, ich wünsche, daas du mich von dem Manne, dem du mich gegeben 
hast, scheiden lassest.* 

12. Der Vater erwiderte: , Meine Tochter, hast du nichts zum anziehen, 
fehlt es dir an Kost oder etwa an Geschmeiden? warum verlangst du die 
Scheidung?* 

13. Die Tochter antwortete: ,Vater, sein Penis beträgt vierzig Ellen 
seine Abendmahlzeit erfordert fünfzehn Scheffel, sein Mittagsmahl fünfzehn 
Scheffel, ebenso sein Frühstück ; das zu malen und zu kochen bin ich nicht 
im Stande, und bei Nacht ertrage ich nicht seinen Beischlaf/ 

14. Da sprach zu ihr der Vater: ,Bezüglich des Beischlafes will ich 
f^ dich beten, bezüglich der Nahrung aber, so wasche du wenn du Korn 



106 



Beinisch. 



ildu taleliala-vcak eheyd edde ka- 
'alis dagöni akamd-lak' ydleha 
ujan; ,mal6 (jiribid galila gdbä 
kö tdköy, yi hcCelä tdhak sdrrä 

ö yö hdbä alahd-liyO Tad-lehin!^ 
ydleha iyan dbhä. 

lö. Bald: ,marhahd* tdleha 
iyan, agabi malänimi bu44^d in- 
kim dka wce-sinnim tö nüm balti 

10 abd dä'ök sdn^ä iyan. wo nü- 
mük bald dbbä da* 6 dkä abak 
sdrra bu(}fl.Bd inkirn mä-wdnnä 
iyan. 



nd-ged agün bvkdd malahän Bd 
akalis, amd-ged ddgum bitak tekf 
yalelid yan; ,ida*i lakätdd sayti 
gabd kö tdkö, tdyk adrral yi bh- 
'ela-ko yi ifitihä yök min!* ak 
yalehd yan dbbä. 

Bald: yma'd^ talehd yan. sa- 
yö ida*ed inkim dkä wayfiahÄnlm 
dagümad amd heyöti tSf bapi 
diCö dkä abd-nkö sdrrcd kinni 
yan. amd heyotöd dbbä dä'ö dkä 
abdk sdrral inkim ed md-tßoynd 
yan. 



malst, den Mühlstein, damit der Mann weniger esse. Der Beischlaf wird dir 
so leicht werden, wie etwa eine Hand in einen grossen Schlauch fährt; darum 
sage fortan nicht wieder: Lat»' mich von meinem Gatten gehen!* 

15. ,Nun gut,* sagte die Tochter. Seit der Zeit finden die Frauen beim 
lieischlaf am Penis nichts zu beklagen, seit jener Mann für seine Tochter 
gebetet hatte. 



38. Der Strauss, der Elefant und der Schakal.^ 



1. 2\ t. L l. Gäryd ka dakdnö 
15 lä tasdgala tdna iyan. 

2. Dakani lä aürd bdha-k yiiui 
iyan, gäryd lä rugdge bdhak yi- 
7ia iyan. 

3. Dakani Id-Iil bdlä dnrä 
•jo idak yandni iyan, gäryd Id-hl 

bald arisak yandni iyan. 



T. t. y. Gärydytö ka dakdnö 
lä inkö ll yinin yan. 

Dakani lä Idbam ddla yind 
yan, gäryd lä 8äm ddla yind 
yan. 

Dakani Id-hl lab mgdge ar- 
kodi yinin yan, gäryd Id-hi say 
rugdge nriSa yinin yan. 



1. Erzählung. Der Strauss und der Elefant besasson gemeinschaftlich 
Rindor. 

'2. Die Kühe d(is Elefanten warfen nun männliche, die des Strausses 
aber weibliche Kälber. 

3. Die männlichen Kälber dos Elefanten schlachteten sie nun, dagegen 
zogoti sie die weiblichen Kälber des Strausses auf. 



» Vgl. Bilinsprache, Leipzig, 1883, I, 204, Zeile 6 flF. 



Die 'Afur-Sprache. 1. 



107 



4. Gäryä ka dakdnü lä-l tid- 
da wayta iyan, läL tiddä waytd 
vcak sindm kdnä yäbeta iyan. 

5. ,A lä na-h beiisä!' g^ryd 
idfeha iyan^ ,yi lä rugdge bdha-k 
ydna* tdleha iyan, ,kdy lä aürd 
hdhak ydna^ tdidia iyan, ,ä lä 
nah heUMä!' tdleha iyan, 

6. Dakani: ,ä lä yi lä, gäryä 
mahd ta-la yi Id-kaV ydleha 
iyan. 

7. Gäryä sindmak: ,nd'ti yd- 
bä! sindm maysitta, dakani umd 
aHahdk, gäryd umd alahdk tikä!' 
tdleha iyan. 

8. Tatab gdlak ivakari yanid- 
ta iyan, ,wakari, na-t engdlä!^ 
ydlehan iyan. 

9. Wakari: ,anü abadd sinit 
md-ngala' ydleha iyan. 

10. ,Mahd ndteda angald-wdy- 
taV ydltlian iyan. 



Gäryd ka dakdnö läl> yange'in 
yan, läl yangeHn geddd heyö td- 
nad waniSdn yan. 

,Tä lä nö hadilantä!' taleha 
yan gäryd, ,yi lä say rugdge (}ä- 5 
la yind, kä lä lab rugdge 4^a 
yind,^ taieha yan, ,tä lä nö ha- 
dilantä!' taleha yan. 

Dakani: ,gäryd tä lad ay ed 
la, tä lä yi lä klninkäf yalehd 10 
yan. 

Gäryd heydwak: ,nöd mä-wa- 
nüdnaP taleha yan. ay heyö 
mayütdn yan. ,dakani dgab bd'- 
elä ay ka gäryd dgab bd*elä mä- 15 
takini sik tdnamV 

Marörö adik wakari tamatd 
yan, ,wakari, nöd mä-tamitaP ' 
ak yalehin yan. 

Wakan: ,anu md-la, sinad 20 
mdmita* tdnak taleha yan. 

,Ay gdyta nöd amitd hentamP 
ak yalehen yan. 



4. Nun gerietou der Strauss und der Elefant wegen der Herden in 
Streit und wie sie so stritten, da fragten die Leute sie über den Anlass des 
Streites. 

5. Da sprach der Strauss: ,TheiIet mir diese Kühe zu, denn meine 
Kühe brachten weibliche Kälber, seine Kühe aber brachten männliche Kälber 
lur Welt ; sprecht mir also diese Kühe da zu !* 

6. Der Elefant aber sprach : ,Diese Kühe sind meine Kühe, was besitzt 
denn der Strauss .ausser meinen Kühen!' 

7. Der Strauss aber sagte zu den Leuten: »Sprecht euch aus über 
an«!* Die Leute aber fürchteten sich. Und er sprach: ,Redet doch, ob der 
Elefant die Unwahrheit spricht oder der Strauss!* 

8. Da kam der Schakal den Bergabhang heran und sie riefen ihm 
zu: jSchakal, geselle dich zu uns!* 

9. Der Schakal aber sagte: ,Nein, ich geselle mich nicht zu euch.* 

10. Und sie sprachen: ,Warum gesellst da dich uns nicht bei?* 



108 



Reiniscli. 



11. ,F dbbä yök däla-k rd'a, 
mö8ä gald'h dni' yäleha iyan 
tcakari, 

12. ,Akd-wayni kö-ll ydkük, 
ö kö dbbä md 'nnä 4^laP ydle- 

hau iyan. 

13. yAkd-wayni nnä ydkük: 
mdngö Id-tl mdngö bitöy, tdgum 
Id-tl tdgum bköy md-taniP kd- 

10 nik ita wakari. 



,T dbbä idlö Wc yikr^i 
yand, kädö mözü adik dmaf ti- 
nak tetlehd yan, 

,Say nabari köl ydkök, kö 'hbd 
ah iSd ged 4^laP ak yd^Mn 
yan, 

,Say nabafi Hnai ydkök: Hr 
gum Id-Hyak tdgum kugide U- 
ni ak mä-tand, mdngum kUijiak 
kugide kinl ak mä-tand sik td- 
namV tdnak ak talehd yan wa- 
kari. 



11. Da erwiderte der Schakal: Mein Vater liegt in Qebnrtswehen, nad 
ich gehe nach einem Rasiermesser.* 

12. Da sagten sie: ,Wa8 sich nirgends ereignet, sollte sich bei & 
ereignen; wie kann denn dein Vater gebären?' 

13. Und der Schakal erwiderte: ,Was sich nirgends ereignet, geschieht 
ja doch bei euch: wer viel hat, nimmt viel, wer wenig hat, nimmt wenig.' 



39. Zwei Zauberer. 



1 . T,t. 1. 1. Sinäm safdra gdhjta 
iyan. af fak asani iyan, bar 

15 daba*ani iyan. ,makd dbonüP 
ydlehan iyan. 

2. Nüm: ,anü raytd dkü-wa-k 
dabilat yo ohäwä!' ydleha iyan. 

3. Raytä ydka iyan nüm, da- 
20 belat kd yohöyni iyan, sindm da- 

büä ä-ll gdlda iyan. 



T. t. y. Heyö araJ^ yaddynytau 
dälak a^dn yan, bar daha^i^ 
yan. ,ay dbunüV yalehdn yan. 

Heyöti: ,anü läh dka-kiy da- 
bilal yö ohäwä. ^ yalehd yan. 

Läh yakd yan heyötly dabilal 
kä yohöyn yan^ heyö dabilä bi- 
Sitani e-Zi yaddyn yan. 



1. Erzählung. Leute waren auf einer Wanderung; ohne etwas zu essen 
zu haben, brachten sie einen Tag und eine Nacht zu. ,Wa8 sollen wir nun 
machen?* sagten sie. 

2. Da sprach ein Mann: ,Ich werde eine Ziege werden, gebt mich 
dann zum Bock!* 

3. Der Mann wurde eine Ziege und sie gaben ihn zu einem Bock, 
Leute scogen mit ihm zu einem Bock, 



Die *Afar-Spntehe. I. 



109 



4. Sä^i nüm rayid rd'esitd 
fyon. aimd raytd wakari tdka, 
k&ddd iyan. 

5. Amd sä'i nüm gumdytö yd- 
ka yaiabald iyan. 

6. Amd wakari ydka nüm sim- 
fiy ydka, hdlüa iyan, 

7. Ami gumdytö ydka nüm, 
merdf ydka iyan, simfäyak gü- 
hä gaha iyan. 

8. ^ nümü umä nümü^ yani 
yofi, Jcöy dahüä kä ohäwä!* yd- 
l^han iyan, Nammd nüm tamä 
Aa iyan. 



Aläh-löyni Iah rä'esitd yan, 
amd Iah wakari takd, küddd 
yan, 

Amd aläh'löyni gumdytö ya- 
kd yan4aba]d yan, 5 

Amd wakari ydka heyöti sum- 
fd yakd halitd yan. 

Amd gumdytö yakd heyöti sd- 
fö yakd yan, sumfdk gübä gä- 
hd yan. lO 

yTä heyöti umd heyötö ktnik, 
kä dabilä dkä ohäwä!' yalehdn 
yan. Lammd heyöti täy abdn 
yan. 



4. Der Ziegenbesitzer eignete sich aber die Ziege an. Da verwandelte 
seh die Ziege in einen Schakal und lief davon. 

5. Der Ziegenbesitzer wurde nun zu einem Adler und packte den 
Schakal. 

6. Da verwandelte sich der Mann, der zum Schakal geworden war, 
in ein Senfkorn und fiel zu Boden. 

7. Der Mann aber, der zum Adler geworden war, verwandelte sich 
in einen Korb und drang unter dem Senfkorn hindurch. 

8. Nun sprachen die Leute: ,Dieser Mann da ist der stärkere, gebt 
ihm seinen Bock!' Das vollführten jene zwei Männer. 



40. Die zwei Eheleute und der Teufel.* 

1. T,t, L I. Nüm ka dbagöytd nammdyak yinin iyan. bd'ell ga- 15 
ja ele gdhak yin iyan, dbagöytd *dr\l sugak tdna iyan, 

2. In bu9 la, dagd lykuk mänand iyan^ 7t89ük bü^de la, dagd 
Wcuk mhnand iyan, 

m 

1. Erzählung. Ein Mann und eine Frau lebten für sich zu zweit. Der 
Gatte ging und kam, die Frau aber blieb zu Hause. 

2. Sie hatte eine Vulva, aber keinen Hintern, er hatte einen Penis, 
aber keinen Hintern. 



» Vgl. Bilinsprache 1883, I, 73, Nr 5. 



110 Reinisch. 

3. Ussük gdla h/an isi madl-Iä, iss ile rd*efa iyan, 

4. llibis ele yamäta iyan ahagöytal: ,kn bä'eli kök kä abagöy- 
tä W ydleha iyan. 

5. ,Nanü tä halöl nammd nüm nakA, yi bd*elt ahagöyta md-l^^ 
5 tdleha iyan üibüik, 

6. ,Alä häy ku 'nnä la, bilä ku gidi la, 'im-In kü *nnä gdyta 
abagöytd W ydleha iyan iUbis. 

7. ,17 rdhbiy tä balöl kä yöyak sdrrä innl sinüm mi-aligdk yö 
uybulüy, nummd kök alehd-liyök!' fdjeha iyan. 

10 8. ,-4 atu ele ian drdik gubä tdnl ku bä'eli abagoytä, yö uy- 
bulüy itak kü aybulk'liyö' tdtik ydleha iyan ilibis. ,yö uybulüy!^ 
tdleha iyan. 

9. ,Kördd lay hay, bdliayf^ ydleha iyan. kördd lay hdyfa, bdj/iu, 
dykä!^ tdleJm iyan abagöytd. 

15 10. ,Amd lay kördd tan-hiyä baUd obis!^ yaleha iyan ilibis. 
abagöytd balöl lay obissa iyan. 

11. ,Amd layd bositf^ ydleha iyan ilibis abagöytdk. abagoytä 
layd bositta iyan. 

12. ,Amaykanä wagüay!' ydleha iyan, abagöytd layl issi äe 
20 tiibila iyan. 



3. Er ging also seinem Geschäfte nach, sie aber blieb daheim. 

4. Da kam der Teufel zu ihr und sprach : ,Dein Gatte hat ausser dir 
noch ein Weib.' 

5. Sie erwiderte dem Teufel: ,Wir sind in diesem Lande nur iw« 
Menschen, mein Gatte hat also kein Weib mehr.* 

6. Der Teufel aber sagte : ,Er hat ein Weib, das an Gesicht dir gleicht, 
dieselben Armspangen hat und dein Aussehen besitzt.' 

7. Sie erwiderte: ,Bei Gott, in diesem Land kenne ich ausser ihm 
und mir keinen Menschen; darum sag' ich dir: wenn du wahr redest, so 
zeige mir das Weib !* 

8. Er sprach nun: ,Da unter der Erde wo du stehst, befindet sidi 
das Weib deines Gatten; wenn du also sagst, zeig^ es mir, so zeige ich es 
dir.* ,Ja zeige es mir!* sagte sie. 

9. Da sprach er: ,Thue Wasser in ein Gefass und bring' es her.* Die 
Frau brachte solches und sprach: ,Da ist^s.* 

10. Nun sagte der Teufel: ,Stelle dieses Wasser im Gefäss auf die 
Erdel* Die Frau stellte es nieder. 

11. ,Nun schau ins Wasser!' sagte der Teufel zur Frau. Sie sah in 
das Wasser, 

12. ,Nim also, so .schau hin!' Die Frau erblickte im Wasser sich selbst. 



Die *Afar-Spnich«. I. 111 

13. llibis: ,abagöytä, tabald-tani?' yäleha iyan, ,abald-h an' 
taleha iyan. 

14. y^'hgi-hi ku 'nnä la, hilak kü gtdB la, dlä kü ^nnä la tan 
abagöytd tcAald-tant, yök dirdbi-la ita süktak' ydleha iyan aha- 
gcytak ilibü, 5 

15. yAhald'han, dirab md-ntü' tdleha iyan abagöytd. ilibis issl 
gdla iyan; abagöytd issi *dril räeta iyan. 

16. Abagöytdk bh'di yamdta iyan, ,afd yö fakl* ydhha iyan, 

17. ,Afd kö md'fdkak, isd abagöytd gal!' tdleJia iyan, 

18. ^nü abagöytd mä la*ö dbitaV ydleha iyan. 10 

19. , Abagöytd yök uurdd tdbula digibtam kök obbd, abagöytd 
kök vbüdk, us *dri ga]!* tdieha iyan, 

20. ,Kö ka yö ele nam balö nüm and sini, lä and sini, kö ka 
yö dübuk ndxcak abagöytd dnkel yö tübilaf* ydleha iyan bd'eli, 

21. Abagöytd: ,inti innl vhüä-wak yö tangdddaf tdleha iyan lo 
bi'eiak, 

22. Baeli: ,tä tcarissa abagöytd yö usbuhly!* ydleha iyan ?««' 
abagöytak. 

23. ,Kö asbala wak afd kö fdkü wa-k yöl say!' tdleha iyan. 

13. Da sprach der Teufel: ,Sieh8t du nun das Weib?, ,Ja*, ervi'iderte 
die Frau. 

14. Jetzt sprach der Teufel zur Frau: ,Einen Lügner nanntest du mich; 
siehst da aber nun das Weib, das dir an Aussehen gleicht, deine Spangen 
hat und dir an Gesicht gleicht?* 

15. ,Ich sehe es und du bist kein Lügner*, erwiderte die Frau. Der 
Teufel ging nun von hinnen, die Frau aber blieb daheim. 

16. Da kam ihr Gatte und sprach: ,Thue mir auf die Thüre!' 

17. Sie erwiderte: ,Ich thue dir die Thüre nicht auf, geh' nur zu 
deinem Weibe!* 

18. ,Wann nahm ich denn ein Weib?' fragte er. 

19. Sie aber erwiderte: ,Ich hörte, dass du vor mir geheim ein Weib 
nahmst und heiratetest, ich habe dasselbe auch gesehen ; geh' also nach ihrem 
Hause!* 

20. Der Gatte sprach nun : ,Das Land, in welchem du und ich leben, 
ist leer an Menschen und Vieh ; wo also sahst du hier ein Weib ?* 

21. Da erwiderte sie dem Gatten: ,Du leugnest mir noch ab, da ich 
das Weib mit eigenen Augen gesehen habe?* 

22. Nun sprach der Gatte zu seiner Frau: ,So zeig' mir doch das 
Weib, von dem du sprichst!* 

23. Sie erwiderte: ,Uni e.s dir zu zeigen, will ich dir die Thüre aufthun, 
tritt ein!* 



112 K^iftisek. Di« 'Atkr-Sfnck«. I. 

24. KOrdd lay hdkfta, b^ixta i^n. kördd lay hayfd bajim-m^k 
haelak: ,icagit!^ tdleha lywi, 

2b. ßä'eli wagita iyan, fObagiHfiä tabeld taniV tdfeha tytOL 

26. ^bagöytä abeld niana^ ydleha iyan, ,inm el abald «■' yi- 
ip l^ha iyan. 

27. yEh tabildm abagoytä, laba-kaytüf tdieha iyan. ,IahaUfi 
abald dni, abagöytd abald mäni^ ydleha iyan nüm, 

28. ^nü kö aybaldu wä dne' tdleha iyan, abagöytd kßrai Ud 
layd bogitta iyan, m Üe tübüa iyan. 

10 29. Bd'elak: ,wo abagöytd hinaP tdleha iyan. 

30. ,A abagöytd f kos mdntä, isH ele tabdd tan kü gädlä Si, 
mä dgabü tabeld tan' ydleha iyan. 

31. Abagöytd tö icak tdlega iyan. abagöytd ka bd'elä tö gitfn 
iyan, ilibis kan yoysöma iyan. 



24. Sie that nuu Wasser in ein Geflss und brachte es. Da 
zum Gatten: ,Schau hinein!' 

25. Der Gatte blickte hinein. ,Nun, siehst du das Weib?* fragte ml 

26. ,Ich sehe kein Weib, mich selbst sehe ich nur*, erwiderte er. 

27. Sie aber sprach : ,Ist das, was du darin siehst, ein Weib oder cit 
Mann ?* Er enviderte : ,Einen Mann sehe ich, aber kein Weib.* 

28. Da sagte sie: ,Ich will es dir zeigen,' sah in das Wasser oi 
erblickte darin sich selbst. 

29. Da sprach sie zum Gatten: ,Ist das denn kein Weib?' 

30. Er aber erwiderte: ,Dieses Weib da? du hast keinen Verstand; «» 
du darin siehst, ist ja dein Bild und nicht irgend ein anderes Wmb.* 

31. Nun merkte es die Frau; , solches begegnete also jener Frau n^ 
(Umu Gatten, der Teufel hat ihnen einen Streich gespielt. 



Kalainiaeki. Die polnisclie Recension der Migdebarger Urtheile. 113 



Die polnische Kecension der Magdeburger Urtheile 

und die einschlägigen deutschen^ lateinischen und 

czechischen Sammlungen. 

Von 

Emil Eahi&niacki, 

Professor an der k. k. Unirersit&t in Czemowitz. 



Einleitung. 

JNeben den deutschen, beziehungsweise lateinischen und 
czechischen Sammlungen der sogenannten ^Magdeburger Ur- 
theile^ besteht bekanntlich auch eine polnische Recension der- 
selben, die ungeachtet mehrerer daran sich knüpfender rechts- 
und literar-historischer Fragen, deren endgiltige Lösung für die 
Wissenschaft nicht unerwünscht wäre, erst in neuerer Zeit 
die Beachtung gefunden hat, die sie eigentlich schon längst 
verdient hätte. Wohl hat M. Wiszniewski in seiner für jene 
Zeit sehr brauchbaren und auch heute nicht ganz antiquirten 
Historya literatury polskiej, V, S. 153 — 165, diese Angelegen- 
heit schon vor mehr als vierzig Jahren angeregt, allein ich 
glaube nicht, dass er sie^ trotzdem ihm die einschlägigen Quellen 
grösstentheils zu Gebote standen, auch thatsächlich gefördert 
hat. Noch geringfligiger und unmassgeblicher sind aber die 
Resultate, zu denen der ebenso bekannte wie meist unzuver- 
lässige A. W. Maciejowski in seiner Historya prawodawstw 
stowiailiskich, VI, S. 19 — 20, gelangt. Da finden wir keine 
Forschung mehr, ja wir finden hier nicht einmal das Streben 
nach einer solchen, sondern es waltet da, wie der Verfasser 
theilweise selbst gösteht, das freie Spiel mit Hypothesen, die 
Einbildungskraft. Oder ist es etwas Anderes als die blosse 
Einbildungskraft, wenn der Verfasser aus den stereotypen und 

Sitenngsbtr. d. pliil.-hist. Gl. 0X1. Bd. I. Hfl 8 



114 Katainincki. 

dämm ganz belanglosen Eingangsformeln, wie sie in der 
Skalaer Abschrift der polnischen Recension der Magdeburger 
Urtheile vorkommen, Schlüsse auf den Ursprung und die engere 
Heimat dieser Urtheile zieht? oder wenn er, auf eine Anzahl 
von Dualfoimen gestützt, die bekanntlich auch noch in den 
polnischen Schriftdenkmälern des 16. und des 17. Jahrhundots 
keine Seltenheit waren ^ und im Volksmunde thatsächlich bis 
heute leben,^ sich die Idee zurechtlegt, dass die polnische Be- 
cension der Magdeburger Urtheile aus mehreren, zum Theile 
noch im 14. Jahrhundert entstandenen polnischen Sammlungen 
compilirt worden sei?^ 

Man mag daher die Leistungen der älteren Gelehrten 
noch so glimpflich beurtheilen , es wird sich kaum behaupten 
lassen, dass sie die mit der polnischen Kecension der Magde- 
burger Urtheile verknüpften rechts- und literar - hißtoriscbai 
Fragen irgendwie gefordert hätten. Erst M. Bobrzynski und 
A. Brückner dürfen das Verdienst in Anspruch nehmen, die 
Frage nach dem Ursprung und den verschiedenen Beziehungen 
der polnischen Kecension der Magdeburger Urtheile auf den 
richtigen Weg gewiesen, sie aus dem Bereiche der blossen 
Hypothesen auf den Boden der Wissenschaft: verpflanzt «a 



1 Vgl. diesboKÜglich F. Miklusich, Vorgleicheude Grammatik der slav. 
Sprachou, III, 2. Aufl., S. 403, 4U, 418, 427, 438, 442 und 446, sowie 
unter Andoron A. Kaiina, Historya jcjzyka pols., I, 8. 108 — 113, 141 — 
142, 201—203, 225—226, 245, 297—301, 331—333, 339, a65--366i 
432—433, 451—452 und 486—488. Vgl. auch Archiv fUr slav. Philo- 
logie, VIU, S. 301. 

2 Vgl. unter anderen die in meinen Kleineren altpoln. Texten, Sitzungsber. 
der phil.-hist. Cl. der kais. Akademie der WissentMsh., Bd. CI, 8. 307 
und 311, hervorgehobenen dialektologischen Schriften. 

3 Und dennoch, so ungerechtfertigt diese Idee auch sein mag, sie hat 
nicht verfelilt, in den diversen Compendien, die die polnische Literatur- 
geschichte behandeln, sich eine fast durchgreifende Geltang zu ver- 
schaffen. Selbst der viel bessere J. Bartoszewics hat, wie dies aus 
seiner Historya literatyry polskiej, 2. Aufl., I, S. 93 hervorgeht, kein 
Bedenken getragen, sich ihr vollinhaltlich anzuschliessen und in wei- 
terer Folge sogar die Behauptung aufzustellen, dass der im Epiloge an 
der Skalaer Abschrift genannte Adalbert Zurkowski schlechtweg der 
Mann gewesen ist, der die verschiedenen, zu verschiedenen Zeiten ins 
*" ^lmsche übertragenen kleineren Sammlungen der Magdeburger Ur- 

' BU einem Ganzen vereinigte. 



Die polnische Hec«nsion der Magdeburger Urthcilc. 1 15 

haben. Wenn man aber fragt, ob ihre Arbeiten auch schon 
das letzte Wort in dieser Angelegenheit enthalten, so kann die 
Frage nur zum Theile bejaht werden. Die kurze Einleitung, 
die M. BobrzyAski dem homographischen Abdruck ^ eines in 
einer Komiker Handschrift enthaltenen lateinischen Textes der 
Magdeburger Urtheile vorausschickt, ist eben viel zu summa- 
risch, als dass sie den Gegenstand erschöpfen könnte, während 
die in Betracht kommende und zweifeUos mit der grössten 
Gewissenhaftigkeit bewerkstelligte Abhandlung des Professors 
A. Brückner, die er im Archiv für slavische Philologie VI, 
S. 319—392 und VE, S. 525—574, veröffentlichte, vornehmlich 
aus dem Grunde nicht als eine vollkommen erschöpfende be- 
zeichnet werden kann, weil dem Verfasser derselben weder 
alle polnischen, noch alle lateinischen, noch auch die mass- 
gebenden deutschen Texte zu Gebote standen. Dazu kommt, 
dass Professor A. Brückner, ebenso wie sein nächster Vor- 
^Dger auf diesem Gebiete, die Beziehungen, in denen sich die 
pohlische Recension der Magdeburger Urtheile zu der einschlägi- 
gen czechischen Bearbeitung befindet, gar nicht in Erwägung 
gezogen hat^ was mir aus so manchem Beweggrunde ebenfalls 
mcht ganz richtig dünkt. Freilich muss im Interesse der Wahr- 
heit hinzugefügt werden, dass ftii* Professor Brückner nicht so 
sehr die rechts- und die literar - historische , als vielmehr die 
sprachliche Seite unseres Denkmals die Hauptsache war. 

In Erwägung aller dieser Umstände nun habe ich daher 
die Absicht gefasst, diesen Gegenstand, der für mich seit jeher 
eine ziemliche Anziehungskraft hatte, nunmehr noch einmal, 
und zwar in einer etwas eingehenderen und systematischeren 
Weise, als dies bis jetzt der Fall gewesen, in Untersuchung 
2u nehmen. Der Plan, den ich hiebei befolgte, ist durch die 
Natur der Sache selbst gegeben und lässt sich kurz durch 
folgende Capitelüberschriften andeuten : 

I. Capitel: Verzeichniss der Handschriften, die den polni- 
schen Text der Magdeburger Urtheile enthalten; 

n. Capitel: Verhältniss der bis jetzt entdeckten polnischen 
Texte zu und unter einander; 



^ Derselbe ist betitelt: Ortyle Magdeburskie. Przedmk homograficzny z 
kodeksu bibliotekiKöniickiej. Obja.«nil Dr. Micha): Bobrzynski. Poznan 1876. 

8* 



llß Kalniniacki. 

III. Capitel: Vcrhllltniss der polnischen Texte zu den ein- 
schlil^igcn deutschen ; 

IV. Capitel: Verhältniss der polnischen Texte zu den ein- 
schlilgigen lateinischen ; 

V. Capitel: Verliältniss der polnischen Texte zu den ein- 
schhlgigcn czeohischen ; 

VI. Capitel: Die Ergebnisse. 



Erstes Capitel. 

Verzeiohnias der Handschriften, die den polnisohen Text der 

Magdeburger XJrtheile enthalten. 

Man pflegt, wenn nach Handschriften gefragt wird, die 
den polnischen Text der Magdeburger Urtheile enthalten, in 
der Regel folgende zu nennen: 1. die Ossolinski'sche, aus der 
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, beschrieben zunächst von 
M. Wiszniewski in seiner Historya literatury polskiej, V, S. 165 
bis 168, dann von W. Kcjtrzyi^ski im Catalogus Codd. MS. 
bibliothecae Ossolinianac Leopoliensis, I, S. 37 — 38 und von 
A. Brückner im Archiv für slavischc Philologie, VI, S. 334 
bis 339;^ 2. die Skataer, angeblich aus dem Jahre 1500^^ 



1 Einig^eH auf diese HandMclirift Bozüglichos vgl. übrigens auch in meinen 
Kleinerou altpoln. Texten, o. s. c, S. 2(58 — 270. 

2 Ich Hage darum angeblich aus dem Jahre 1500, weil ich der Ansicht 
bin, dass diese Handschrift nicht ein Autograph dos im Epiloge g^e- 
nannten Adalburt Zurkowski, sondern ein spAteres Apograph ist, das 
mit dem Texte zugleich auch jenen Epilog roproducirte. Als Beweis 
dessen gilt mir aber insbesondere der Umstand, dass die »Skalaer Hand- 
schrift von Anfang bis zu Ende, d. i. bis zu den Worten: Corrige 
leclor, uhi erravit acriptor^ wie aus einem Guss erscheint, was wohl 
kaum möglich gewesen wäre, wenn Zurkowski selbst die Handschrift 
besorgt hätte. In diesem letzteren Falle würde das hinter dem Epiloge 
Stehende, als später hinzugekommen, sich denn doch von dem vor dem 
Epiloge Stehenden in irgend einer Weise unterscheiden müssen, und 
wäre es auch nur durch eine andere )Tinte oder durch irgendwelche, 
von denjenigen, die mit Handschriften zu thun haben, nicht misszu- 
verstehende Anzeichen. Freilich muss andererseits zugestanden werden, 
das« dieses Ajiograph, wie die Schrift lehrt, noch in dem ersten Viertel 




DI* polidH^ BMHion tat Mm^bai^n ViOieüt. 1 1 7 



bescbrieben and gegen alles Erwarten, woltlr wir jedoch Mucz 
kowski ZQ Dank vm'pflichtet sein müssen, fattt dnrchaua feliier- 
frci' abgedruckt von W. A. Maciejowiäki in seiner Historya 
prawodawHtw Htowiaäskich, VI, H, 20 — 145; 3, die Krakauer, 
ans dem Jalire 1501 , beschrieben und nicht ohne zahlreiche 
Fehler' herausge^^eben von M. Wifizniiiwski, o. s. c, V, S. 190 
bis 322; 4. die Stradomski'Bche, ans dem Jahre 1518, be- 
scbncben von M. BobrzynRki im Przcwodnik naukowy i literacki 
pro I87S, II, 8. 597 — tilJ(j; 5. die Muczkowski'sche, aus dem 
Jkhre 1583, beschricbon von J. H. 8. Kzesii^ski in der Einleitung 
MO dem von ihm herausgegebenen Processus juria civilis Craco- 
vienais, S. 12 — 14; fj. die WJIniier, aus der zweiten Hälfte des 
16. Jahrhunderts, bcschi-ieben von J. Lelowel, in den Ksi§gi 
tutaw pulskich i mazowieckicb, S. 1 78 - 180. Die OsBolinaki'scbe 
Ibuidschnft beHndet sich gegcnwftrti^; in der Bibliothek des 
Owolineams au Lemberg sub Nr. 50; die Skalacr im Besitze 
der Grafen Baworowski zu Lemberg;'' die Krakauer in der 



Abb 16. Jahrhiitiiterts entiitandeii iat, tiiemit Her Jnhnialil ICOti noch xietn- 
licli nnhe kommea dürfte. 

■ Ich bemerkte im MacieJowKki 'sehen Abdruuk boiiipielsweiHe nur folgende 
Vetseben: Im Art. ä, Antwurt, Zeile 9 vün üben, Ktehl the^igß «Mtt 
des hoodscbrifl liehen Ihedi/, indoiii ilus di/ß voui Scbreiber durcbstriubeu 
ift; im Art. 3, Fr^e, Zeile S von üben, pnyßyattety ly atAtt dea haod- 
■chfiMii^hen prrgfigafingai!/ li/-, im Art. 13, Frage, Zeile j von oben, ur 
nana statt des handschriftlichen lo nqfin; im Art. 35, Antwort, Zeile 3 
von ob»n, griyiegtn statt des handschriftlichen ^/M^o^in, indem auah liier 
ifrai/wyat dnrchstrichen and statt dessen loa der eigeneD Hand des 
&c\atä\ien ßetagmu gexeltA iat; im Art. Jtl, Antwort, Zeile 9 von oben, 
rayae drtteecty statt des handKliriftlichen raAs'jtcxhy; im Art. 39, t'ragp, 
Zeile a von oben, a praica statt des hnndecbriftlic^ben/ prava. 

' So hat schon Brückner, o, b. o.. ü. 343 darauf hitipewie><en, da«s, wann 
man den Text des Fncsitniie mit dem WUsniewski's vergleicht, es sich 
ergiebt, dass in den Iti Zeilen des WiBxuiewaki'acheu Abdmcks I3mal 
vom Text der Handsclirift abg^ewichen ist. Auch hat Wiasnieivski in 
den 16 Zeilen ein Wort aitflg«laasen und zwei hiniii^fügt. 

> Das Verdienst, sie hier entdeckt xn haben — denn eu Uaciejowshi's 
Zeit «rar sie jH liekanntlich noch im Besitae des Kaximir Strancxyriski 
in Warscliaii - gebührt dem Director der Omni. Bibliothek au Lem- 
berfr, doin ebenso ^lehrten wie freandlicheii Ilr, W, K-'lreynski. Durcli 
«in» gOtigie Zuvorkommenheit in den HUind fteaetit, sie aus Autopsie 
kennen su lernen, bemerke ich non, daas ilie Hkalaer Handschrift nicht 
diteet mit den Worten: Prsyaayflßhy poklim u. H. w. beginnt, sondern 



118 KaUiniacki. 

Bibliothek des röm.-kath. Domcapitels zu Krakau; die Stradom- 
Hki'Hcbe in der Universitätsbibliothek zu Krakau sub Nr. 1174; 
die Muczkowski'sche in einer Privatbibliothek zu Poremba. 
Was dagegen die Handsehrift anlangt^ die sich seinerzeit in 
d(jr Bibliothek des röm.-kath. Diöcesanseminariums zu Wilna 
befand und die ieh daher mit dem Namen der Wilnaer be- 
zeichnet habe (von Lelewel, Bobrzynski und Anderen wird 
sie auch St. Georgscodex genannt)^ so ist sie gegenwärtig ab 
verHchollen zu betrachten. Wir wissen zwar, dass sie noch 
im Jahre 1H21, als Lelewel an seiner Ausgabe der polnischen 
und der mazowischen Rechtsbücher arbeitete, leihweise in der 
Bibliothek der Fürsten Czartoryski zu Pulawy vorhanden ww, 
vermögen aber nicht mehr anzugeben, wo sie sich heutzutage 
b(^Hiid(^t und ob sie noch überhaupt erhalten ist.' Da jedoch 
dio Daten, welche Lelewel beibringt, fast ausser allen Zwdfcl 
HtcHon^ chiHs die in Rede stehende Wilnaer Handschrift sowohl 
in Bezug auf die in ihr enthaltenen Materien, als auch in Bezug 
auf die Vertheilung derselben auf das Genaueste mit der Stra- 
doniKki'Mohcii übereinstimmt, so werden wir wohl kaum irre 
gt'hon, wenn wir annehmen, dass auch die in jener Handschrift 
onthahenoi\ Magdeburger Urtheile sich genau an die Form an- 

(Um «Umu 'IVxto nU üolcheu lun&chst ein Register vorangeht, das in 
Fol)?«« A\i«fiUlsi oiiu^ mlor sweier Blätter zu Anfmng lackenhaft ist Auf 
lU« H«i)|fi»tor toljrt Aotlann, von derselben Hand wie dieses g^eschriebeu, 
(l««r \ukluUoli«« Toxt ilor Mapiobur^r Urtheile und reicht von Bl. 5 (im 
1\h1«^\ int di^«>« HUtt mit Fol. 1 bexeicbnet) bis Bl. 82 (im Codez mit 
I.W VII b«>«t^iohui>t^« Uauu fol^l abermals ein Re^rister, das jedoch von 
oint^r jUii|r«»r«^u Uaiul i:^^«\'bnebi^u i^t und auch nicht ans 16, wie Ha- 
ci«\i\«wAi aii^ibl» JKmderu bUvit ans i* Blättern bestehL Auf den noch 
lUtriis^^v « UUit^ni i»; da)r«>^u eine aus den enten 11 Artikeln der 
Mt^^lt^Kur^t^MT Vrth^il^ v^^^^ <^i^> H ^^^ ^1^^ die Fra^ da) bestehende 
Aba^^hri^ 4v« iiäniUoh^u ^«!^xl>NL ^nihalieu « an der jedoch nichts weiter 
WMrxAMTSMh^^biMi IM« aU ^tx^a nur die aaäfallende Fehlerhaftigkeit und 
Vl^E^^MkMVirk««t %WrN4b^u Aut deaft lotsten Blatte Teno sind überdies 
Ml^^ I^MM^h^W» vatt\''h F^^^^W«t' v\«rha»den. die jedoch entweder 
x«iaMiM«M4l ^nAm' %lHroha«« \Nhn^ IWcaa^ »cd. 
^ ^^T^NNllpiiNmis Kl^Ww UW \a>*h^Mr»chav^r<^a« dii^ ich durch die frenndliche 

^Im «^MHMchiM StaatsraiiMt« ÜT^rm Jacob Golova^kij, in 

fjh l uM^wc IV«v,'ji^at Wratits^^sx an anderen Orten, 

Mlk ^ft Wi'a^x, xi'cAt-ÄAlT«*. i:i k^tt-^m Resultate 



DI« f«li>>«lM üMiMrfida 4«r Macdabarfir Dnkdla. 



II» 



haben, wie wir ihr in der Stradomaki'auLeu be- 
Ja, es ist sogar die Mßgliohkeit nicht auEgemchloEBen, 
de Btch, wie diea meines Wissens Bobrzyäski zuerst be- 
leritte, zu der im Htradomaki'echen Codex enthaltenen Äb- 
der Magdeburger Urtheilo wie die C'opie zu ihrer Vor- 

'^'•Ausser diesen sechs wird zu den Handschriften, die den 
pohuschen Text der Magdeburger UrtheÜe enthalten, von einigen 
Gelehrten,' allenlings mit Restriiictionen, mitunter auch der 
Codex gerechnet, der seinerzeit der Bibliothek des Bischofs 
Zaiuekt angehörte,' und der gegenwärtig in der üfFentlichen 
Bibliothek zu Petersburg aub aigno II, F. N. 35 vorhanden 
iat. Eine eingehende, vom Verfasser der Abhandlung vor- 
'^nommene Vergleichung dieser Handschrift' Ijat jedoch er- 
wiesen, dasB jene Annahme keineswegs die richtige ist. Die 
ArtJukuly pi-awa Maydebnrßkyego albo nyemyeczkyego — wOrt- 
Kch aberaetzt: Artikel des Magdebui-ger oder dea deutschen 
Bechte* — die sich im besagten Codex auf Bl, 1 — 17 finden 

■ So TOn Ealiuji in den Eoipniw; i sprawoxdauia x posieclKeü wydzialu 

glola^. Akademii UnniejetnoJci w Krakowie, VH, S. 227—233. 
' Vgl. Juiocki, Specimen uatAlogi Cddd, MS. bililiothecae Zalnsi^iHiiae, S. 62, 
' Die in Betracht knmniaDdeii poIntKclien Beatandtiiaile deraellran sind 
fibrig«ns «neb von Kaliiin in daa Roiprnny i aprfiwnidanU etc., VII, 
S. 899—318 abgedruckt. 
' Zu diaser Ueljerschrift muBs ich bemorküU, tlaaa bei den Polen die Aus- 
drAeke: Hilfcdebtirger Recht, deutsches Recht, sächsiscbes Reckt als 
SyDunjine gelten, und Aais die Polen daruoter stet» dieses letstera vcr- 
«tehen. Auch dürfte ex fllr die Leser, die mit diesen VerkKItnisseu 
nicht bereits auf einem anderen Wege vertraut sind, von InteresM sein, 
nt erfahren, das« in Polen, wn (vgl. diesbezüglich Uobrayiiaki in den 
Ruxpranj i »prawoid. x posiedieii wy^tinia hist.-tiloaof. A. U. w Kra- 
kuwie. IV, S. täl f.) iUinlich wio in den Litndern der böhmischen Kr-ine 
(Tgl. diesbezüglich Palacky, Geschichte von Bühmen, 1, 1, ü. ISO nud 
r Anderen anch Tomaechek, Keoht und Verfassung der Markgraf- 
ItUfihren im lö. Jahrhundert, S. f<2), die auf ■äuhsiflchem Recht 
kllan DSrfer in Bezug auf Geriuhtsbarkeit mit genau denselben 
n ausgealaltet wareu wie die auf sächniochem Recht besiedelten 
, thatsSchlich nur da» «Achsischa Wuiabbildreubt uumitlelhare 
praktische Bedeutung hatte. Was dagegen das HUchaische Land- und 
Lehenrecht anlangt, so hatten dieselbeu nur iiubsidiHrinche , und nur 
imtor dtui VorBaasetaungen, wie aia ein Magdebnj^r Urlheil (vgl- 



120 KaUiniaoki. 

und auf die von den Vertretern jener Ansicht speciell Bezug 
genommen wird, sind eine Compilation^ die mit den Magde- 
burger Urtheilen als solchen absolut nichts zu schaffen hat, 
sondern sich mit Evidenz an das sächsische Weichbildrecht 
und den Sachsenspiegel im engeren Sinne anschliesst und den 
offenbaren Zweck verfolgt,* ihren Lesern ein gedrängtes ^ auf 
die gangbarsten RechtsfUlle beschränktes juristisches Vademe- 
cum zu liefern. Man wird daher gut thun, die in Rede stehende 
Zaiuski'sche, beziehungsweise Petersburger Handschrift hier gans 
aus dem Spiele zu lassen. 

An die Stelle dieser darf aber mit um so grösserem Rechte 
eine Handschrift treten, die sich gegenwärtig in der Bibliothek 
des gricch.-kath. Domcapitels zu PrzemySl sub signo XLVIH, 
G. 1 1 befindet und hier zum ersten Male genannt wird. Dieselbe 
ist auf Papier in Folio gewöhnlichen Formats, doppelspaltig, von 
verschiedenen Händen geschrieben und besteht in ihrer gegen- 
wärtigen Gestalt aus 258 beschriebenen und 61 leeren Blättern. 
Die Bestandtheile, die sie enthält, sind: 

El. 1—36 imd Bl. 171—205»: Eine juristische Com- 
pilation, die offenbar von einem Polen herrührt ^ und laut der 
eigenen Aussage des Verfassers den Zweck hatte, die wichtig- 
sten Vorschriften des deutschen, d. i. des sächsischen Stadt- 
rechtes durch eine lateinische Ucbersetzung auch denjenigen 
zugänglich zu machen, die wohl der lateinischen, nicht aber 
auch der deutschen Sprache mächtig waren. ^ Anfang: lus 

Magdeburger Fragen I, 3, 2) aiid Anlass einer speciellen Anfrage im 
Allgemeinen vorschreibt, rechtskräftige Geltung. 

^ Dies ist, abgesehen von dem Inhalte der Compilatiou, speciell auch 
aus dem Titel derselben ku ersehen, welcher Titel, ins Deutsche über- 
tragen, fulgendormassen lautet: Artikel des Magdeburger oder des deut- 
scheu Rechtes, ausgewählt aus den Proceduren verschiedener Magde- 
burger KechtsbUcher behufs eines rascheren Ausmasses der Gerechtig- 
keit. Polnisch: Arthikuly prawa Maydeburfikyego albo nyemyeexkyego, 
vyhrany f pojlhemfpjkow praw roßlycznych xang Maydeburßkycli ku 
lirerUhJ^femn vczynyenyv sprawyedlytoo/czy. 

3 Als Beweis dessen können speciell die Stellen angesehen werden, in 
denen, wie z. ß. in der Phrase: vertim t/nia conßtelfido regni noßri Po- 
Umie u. s. w., diroct auf Polen Bezug genommen wird. 

' Nachdem aber zu der Zeit, als der Verfasser seine Compilation schrieb, 
sowohl das sächsische Weichbildrecht als auch das sächsische Land- 
recht, das, wie bemerkt wurde, auch für die Städte eine subsidiarische 



121 



c triht», ünum /rilicet nomen ex tribiis failicct eleinmitis. 

tft lUerü. Ende: Ideo, em quo tarn faetua reas quei-dam, per 

eforem oontru ip»um factam, ßinpliriter negauit, tunc piopmquior 

J fuam innooeiitiam , tricto facramanto, earpiirgare, quam ipfum 

r kuiusmodi iitm leflibu» valeat ronvinceri'. 

Bl. 37—157«: Der polnische Text der Magdebiiiger 

tJrtboilti, der ans 202 Artikeln (Fragen und Antworten, oder 

i Anlworteo) bestellt und, ähnlich wie der Ossolinaki'sche 

Sßxt, direct mit den Worten: Przyaezelßkif poklon etc. beginnt. 

Me einzelnen Artikel dieses Textes sind weder nunimerirt noch 

Bit Rubriken versehen, jedoch Frage und Antwort stets durch 

blauen oder rothen Initialen kenntlich gemacht. Die 

khrift, welche achr sorgtlütig und deutlich ist, deutet auf den 

lüfaag dc8 16. Jahrhunderte. 



Geltiipg linttB, aclion längst ins l.HleiiiL«;lip ilbemelit worden waren, so 
kann joDe Mutirirtiug vio>il nur den Sinn bitbeii, dasB uu.iereiu Ver- 
Earaer nusser den eoeltea geuHnulan uu<l, au zu sageu, mos^gebeiulDii 
QueUen des iSctisiacheD Rechtes auch noch Quellen, richtiger Banr- 
(«UungeD aolcber «a Gebote standen, die weder in kteioischer noch in 
polnischer üebenotxung vorhanden waren. Und in der Thal, sehau wir 
tiDS die in Rede »teilende ConipiUtioa etwas näher an, so werden wir 
finden, dnaa unsere Vcrinuthung die riuhti^ ist. Der Verfügter lint uicht 
bloB das Bichsiacliu Weichbild und den SachsenKpiegel im engeren Sinne, 
oder daa ■tchsisuhe Landrecht, sondern er hat mit ebenso grosaem Fleiiise 
auuh du Rechtsbuch nach Distinctionen and den Kiuhtstei^ Landrechts 
— also Quallen henuixt, die wohl ins Franzniriiclie , besieh nngs weise 
ins Ciecbiscbe (nnsaer dun von llomeyer, Deutsche RsctitsbilcheT des 
Mittelalters, genannten, sind in neuerer Zeit, wie diess aus dam OBaepis 
l. H-, Un, S. 138 r. und S. 150 f., nud LIV, S. 642 f. xil ersehen ist. 
Doch fOnf weitere Handschriften mit dem uzeoliiHchen Text des Liber 
distinctioneni gefanden worden), jedoch iiin weder ins Lateinische noch 
ins Polnische übersetzt worden waren. Aber auch die Glosse, die unter 
Compilatur ziemlich uFt ciljrt. und die er ei^ntliilmlivher Weise einem 
venerabUis E<|nardus xunchreüit, dlirfte Ibm niubt in lateinischer, Bün- 
den! , wie ich dies bei anderer Gelegenheit vielleicht des Näheren 
darthun werde und wie dies bei der geringen Zabl der lateiniscben 
Uloswnhandsuhritteo (innerhalb der Qrenien des gewesenen polnischen 
Königreich» ist bis jetzt keine einzige entdeckt worden) aiicli soust sehr 
wahrwrhetnlicb ist, in dentwber Sprache vorgelegen haben. Rflukaichilicb 
des Kogiatrum qnodilam super libnini Caesar Otto et Spekulum Saxnnum, 
Au der Verfasser ebenfalls hie und da anfSbrl, vermag ich dagegen, da 
diase letstera Quelle auch sonst nicht bekannt ist, uicht eu sagen, ob 
1 Verfasser in deutscher oder in lateinischer Sprache vorl.lg. 




122 Katuiniaeki. 

Bl. 205»»— 208»: Eine handschriftlich öfter» 
Abschrift der Urkunde, mittelst derer Konig 
den Juden von Lemberg und von dem 
Polen gehörigen Theil Kusslands sämmtliche iha«» 
König Kazimir dem Grossen im Jahre 1367 
legien bestätigt. Die Abschrift ist betitelt: 
ludeorumj inftiiuta per serenUaimum principem ac 
Kazimirum, dei gratia regem Polonie privüegiJM fuh apfmfSt 
firmafa et corrohoraia. Wortlaut mit nur wenigen, Qbrifpea 
unwesentlichen Varianten mit dem Texte UbercinsanuMflidl, 
in dem als Beilage zur Gazeta Lwowska ersehemeadea 
wodnik naukowy i literacki, Jahrgang 1873, S. 717 £, 
gedruckt ist. 

Bl. 208«'— 208^: £inc Instruction über die Art, wie die 
Juden den Eid leisten sollen. Auch dieser Artikel koBUtt 
handschriftlich öfters vor und ist, wie man sich hievon kickt 
überzeugen kann, eine wörtliche Wiederholung des Jndeneidei^ 
wie er in der auf Conrad von Oppeln zurückgehenden Fora 
des sächsischen Woichbildrechtes ' vorkommt und als soldwr 
auch Hchon in J^aski's Ausgabe des sächsischen Weickbild- 
rechtes im (Jap. 118 abgedruckt ist. Ein neuerer Abdmek 

1 Boi (lioffor Gelef^oiiheit will ich bemerken, dai» die aaf Conrad Toa 
Oppolii Eurückf^ehende und nicht nur in mehreren deutschen, aondera 
auch in sAhlroicheUf Atif der UeberHetzung des Conrad Yon Saadomir 
beruhondun lateinischen Abschriften vorhandene Weichbildform in den 
verbreitetsten in Polen fi^ehnrto und noch im Jahre 1606 durch die Aus- 
gabe LaHki'H (vf^l. dessen Commune inditi Polonie regni Privilegium con- 
Ntitutionum etc., Fol. 176—197*) eine weitere Stütze erhielt. Seit dem 
KrHcheinen düH Jaskier'schen Juris municipaJis Über, vulg^ Weichbild 
nuncupAtuH, dowien ernte Aungabe im Jahre 1636, die zweite im Jahre 1603 
«lin ProHM» vi^rlioKH, int aber in Polen diese letztere Weichbildform in 
Umlauf ankommen und hat sich seitdem ständig auch in den spiteren 
Jahrhunderten erhalten. Horuht doch auch die von Paul Sscser^ 
bicx bewerkstelligte polnische Uebersetzung des sächsischen Weich- 
biblreclitos (1. Ausg., Lemberg 1681; 2. Ausg., ebendaselbst 1610) nicht 
auf d(*r vfin .Johannes l^aHki, sondern auf der von Nicolaus Jaskier her- 
ausgogitbcnen und neunrdings durch Daniels^ Kechtsdenkmäler des deut- 
schen Mittidnlters, I, S. 67 - 438, uns auch sonst näher gebrachten 
Weic.hbildforiii. Von den übrigen Weichbildformen, ho z. B. von der 
Utfenbactier, dor Nauniburgur , der Orlamünder u. a., ist dagegen in 
P(den nicht die geringste Spur vorhanden. 



Di« »olBiiSht SMMii«a du HagdsbOT 



des Judeneiiles ist im Przewodnik nuukowy i litemc. pro lüTd, 
l 8. c, voi'HaDdeo. 

Bl. 208'' — 217''; Sequitur eauj'a c&mmi/Jaria intei- prooidoa 
Mtllhiam Key et cunfuiat de Nmca Sambor per generofum Nico- 
laum Lencskorunßky tum famatog et prouido» con/utes: Leopolim- 
Jkm, Urohobieenfsm , Mofkicen/em et ffiyJnen/em , commiffizrioa, 
rtniffimum pi-indpum et dominum Sigiamundum, dei gralia 
^flonMf perfemii el cau/e dc.patntos, limüata et lerminata 
. Uicse Causa fand im Jahre lü07 statt und 
mit nachstelle ndeu Worten : Acta judiclj commiffurtj 
■gmero/i Nicol4ti Lenczkorunßky de Brzexye etc. Uie Schrift 
tnast auf die zweite HiÜfte des 16. Jahrhunderts. 

BI, 24'^ •— 24^ '' ; Ein proeessuaÜBchea Maniiale zur Be- 
lehning über den Procesa vor den geistUchen Gerichten mit 
lahireicheii eingeschobenen Formularien , in denen oft auf 
£rakau Bezug genommen wird. Diese« Manuale wurde, wie 
den im Texle vorkommenden Jahrzahlen hervorgeht, ganz 
gewiss in der zweiten Hälfte des 15. JabrliiindertH zusammen- 
gestcUt Die Przemys'ler Abschrift stammt spätestens aus dem 
Anfang des 16. Jahrhunderts. Beginn des Manuale: In nomine 
Domini amen. Quanmis pia mi/eradune rex pacificus dijpo/uit 
Jiii /ubdifos fore pwlicoa, pnäßco» et müde/tos, effrenata tarnen 
€»piditiUf pacta emula etc. 

Bl. 286' — 304'': Sequitur defen/orium juris, das man 
früher dem Johannes monachus zuachrieb, das aber, wie dies 
«US dem Eingange zu der Przemysler Abschrift dieses Trac- 
btts hervorgeht und übrigens auch durth Schulte's Geschichte 
der Quellen und der Literatur des canonischon Rechtes, Stutt- 
gart 1877, n, S. 314 des weiteren heslätigt wird, von dem 
bekannten Cistereicnsermünch üerardus verfasst wm-de und 
die fKinreden in 19 Titeln behundelt'. Anfang: Qiua hone rei 
tfiliuin prefenlin vtte fuhfidium 6( eterne remMneracionia 
premiitm ex-pactwe (XII, q. II, e) bune rei, jdeo ego Ghvrardu», 
Konaehu* de Hiuo, Ci/tercien/is ordinis etc. Die vou Schulte 
ftngefÜbrtfl Schluasstelle ist in der Przemysler Abschrift nicht 
enthalten, indem dieselbe schon mit den Worten endigt: Et 
Jie ptrit tti/lanäa iudifij. El hec, ßtfßctant cmtfa bi-euUatia. 

Bl. 304''— 308''; Ordo de ob/eruanone terminoruvi, worunter 
eine Anlfiitung zu verstehen ist, die den Leser mit der Auf- 



124 KalQiniaoki. 

einanderfolge der bei geistlichen Gerichten erster, zweiter und 
dritter Instanz zulässigen Termine bekannt machen soll. An- 
fang: Ot'do de obferuacione termnoi*um facri palaUü caufarum, 
et primum in privia inftancia. Ende: Qui vlfimo hcJmü caufaMf 
circa queni manfit caufa, vi procedatur in prindpcdi tdiimuB. JBt 
hec dicta fufficiant etc. 

BI. 308^ — 314^: Ein weiteres processualisches Manuale 
zur Belehrung tlber den Process vor geistlichen Gerichten, be- 
titelt : Procefßis judicij compendiofijfinm titulis in partSmi. An- 
fang: Antequam dicatur de pajfu judicij, notandum e/tj quodßi 
iudidum et quot funt fpecies iudicij et qtie funt persane, que debent 
confi/tere in iudicio. Die einzelnen Titel: De ordinacume iudi- 
cij; de cittacione; de ferijs; de contumacia et excomunicatione ; 
de excepciombua; de oblacione lihelli; ffomxa lihdU; de litis eon- 
teftacione; de iuramento ccdumnie; fforma iuramenti calumptde; 
de prohacionibus ; de teftibus; fforma iurandi teftium; de aUitJiar 
cionibus; de excepcionibus ; de inftmmentis ; de fentencia ex- 
comttnicacionüt ; fforma ßmtende; de appelladonibus ; fforma appd- 
ladonis. 

P^s ergibt sicli also, dass, soweit unsere gegenwärtigen 
Kenntnisse reichen, wir im Ganzen sieben Handschriften haben, 
die den polnischen Text der Madeburger Urtheile enthalten. 
Von diesen Handschriften standen mir die Ossolinski'sche, die 
Skalaer, ^ die Stradomski'sche und die Przemysler, dank der 
glUigen Liberalität der betreffenden Institute und ihrer Vor- 
stände, in originali, die Krakauer in der respectiven Ausgabe 
zu Gebote. In Betreff der Muczkowski'schen und der Wilnaer 
Handschrift war ich dagegen lediglich auf die Andeutungen 
angewiesen, die ich einerseits bei Rzesiuski und Wiszniewki, 
andererseits bei Leiewel vorfand. Zwar habe ich die Mtthe 
nicht gescheut und mir auch in Betreff der beiden zuletzt ge- 
nannten Handschriften sichere Informationen zu verschaffen 



> Dans da« StSdtchen Skala, von dem diese Handschrift ihren Namen hat, 
nicht Skala am Zbrucz, muidern das in der ehemaligen Wojwodschaft 
Krakau, jeUt {vgl. diesbezaglich J. Golovackij, Geograiiczeskij slovar* 
zapadnoslov. i jugoslav. zeniel* i prileiascich stran , Vil'na 1884, 
S. 287) im Gouvernement Kieice gelogeuc Skala ist, hat schon Brfickner, 
o. 8. c, S. 342, Anin. 3i bemerkt, und stimme ich ihm hierin voll- 
kommen bei. 




Di« polnische R«ceosion der Magdeburger ürthoile. 125 

Lchty allein vei^ebens. Die Wilnaer Handschrift ist eben als 
tollen zu betrachten, während die einstens Muczkowski- 
Handschrift von ihrem gegenwärtigen Besitzer, an den 

mich sowohl persönlich^ als auch durch einen Freund wen- 

i, gar nicht zu erbitten war. 

Ich werde den in der Ossolinski'schen Handschrift ent- 

len polnischen Text der Magdeburger Urtheile in der 

kurz durch 0, den in der Przemysler Handschrift ent- 

men durch P, den in der Skalaer durch S/c, den in der 

kuer durch Kix, den in der Stradomski'schen durch St, 

in der Muczkowski'schen durch M, den in der Wilnaer 

W bezeichnen. 

Auch bemerke ich, dass die Nummerirung der einzelnen 
Artikel in und P von mir selber, in Ka und St von den 
fiesbeztiglichen Schreibern, in Sk theils vom Schreiber des 
1^ Textes, theils von mir herrührt.* 




y. 



Zweites Capitel. 

Verb&ltniss der polnischen Texte zu und unter einander. 

Wiewohl das Verhältuiss, in dem die soeben namhaft ge- 
machten polnischen Texte der Magdeburger Urtheile zu und 
unter einander stehen, im Allgemeinen bekannt ist, und nur der 
Pnsemysler Text als ein solcher angesehen werden muss, über 
den bis jetzt absolut nichts verlautete, so glaube ich dennoch 
nichts Ueberflüssiges zu unternehmen, wenn ich dieses Ver- 
Idkniss, das systematisch bis jetzt noch von Niemandem be- 
baadelt wurde, einer etwas eingehenderen Prüfung imterwerfe. 
Zu diesem Behufe stelle ich mir zunächst folgende zwei Fragen: 

1. Wie sind die in Betracht kommenden polnischen Texte 
in Bezug auf ihre Artikelfolge, 

2. wie in Bezug auf ihren Wortlaut beschaffen? 

Ad L Was speciell die Artikelfolge anbetrifft, so wird 
feselbe am besten durch die hier folgende Tabelle verdeut- 
Hcht Zwar umfasst diese Tabelle aus Gründen, die im Cap. I 



^ Die in O vorhandene ältere Nnmmerimngr wt ungenau und fehlerliaft. 



126 



Kalniniaoki. 



dargelegt wurden, nur fünf Texte, allein sie kann, zumal M 
bis auf die durch Auslassung von vier Artikeln ' und eine An- 
zahl von Varianten herbeigeführte Abweichungen mit Ka, da- 
gegen W mit 8t "^ übereinstimmt, immerhin als ausreichend 
angesehen werden, um die etwaigen Unterschiede, die in der 
Artikelfolge der einzelnen Texte vorkommen, zur entsprechenden 
Anschauung zu bringen. Als die Grundlage der Vergleichnng 
wird hiebei selbstverständlich angenommen. 

Tabelle I. 






P 


Sk 


j 

Ka 1 

1 


St 





P 


8k 


1 

1 


1 


1 


1 


1 


26 


26 


26 


2 


2 


2 


2 


2 


27 / 

28 1 


27 f 


27 f 


3 


3 


3 


3 


3 


28 [ 


28 ' 


4 


4 


4 


4 


4 


29/ 


29 f 


29 


5 


5 


5 


5 


5 


30 \ 


30 1 


30 


6 


6 


6 


6 


6 


31 


31 


31 


7 


7 


7 


7 


7 


32 


32 


32 


8 


8 


8 


8 


8 


33 


33 


33 


9 


9 


9 


9 


9 


34 


34 


34 


10 


10 


10 


10 


10 


35 


35 


35 


11 


11 


11 


11 


11 


36 


36 


36 


12 


12 


12 


12 


12 


37 


37 


37 


13 


13 


13 


13 


13 


38 


38 


38 


14 


14 


14 


14 


14 


39 


39 


39 


15 


15 


15 


15 


15 


40 


40 


40 


16 


16 


16 


16 


16 


41 


41 


41 


17 


17 


17 


17 


17 


42 


42 


42 


18 


18 


18 


18 


18 


43 


43 


43 


19 


19 


19 


19 


19 


44 


44 


44 


20 


20 


20 


20 


20 


45 


45 


45 


21 


21 


21 


21 


21 


46 


46 


46 


22 


22 


22 


22 


22 


• 

47 

1 


47 


47 / 


23 


23 


23 


23 


23 


48 


24 


24 


24 


24 


24 


48 


48 


49 


25 


25 


25 


25 


25 


49 


; 49 


50 



8t 



45 

46 
47 



26 
27 

28 

29 
30 
31 
32 
33 
^4 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 
44 



{ 



{ 



26 

27 

28 

29 

30 

31 

32 

83 

34 

85 

36 

37 

38 

39 

40 

41 

42 

43 

44 

45 

46 

47 

48 



' Es sind dies nach WiBzoiewski die Artikel: 6, 42, 255 und 263. 
^^ hierübsr 8. 118—119 dieser Abhandlung. 



Di« polnische B«ceosion der Magdeburger Urtbeile. 1 25 

gesucht, allein vei^ebens. Die Wilnaer Handschrift ist eben als 
Terschollen zu betrachten, während die einstens Muczkowski- 
sehe Handschrift von ihrem gegenwärtigen Besitzer, an den 
ich mich sowohl persönlich^ als auch durch einen Freund wen- 
dete, gar nicht zu erbitten war. 

Ich werde den in der Ossolinski 'sehen Handschrift ent- 
haltenen polnischen Text der Magdeburger Urtheile in der 
Folge kurz durch 0, den in der Przemysler Handschrift ent- 
haltenen durch Py den in der Skalaer durch Sky den in der 
Krakaner durch Kix, den in der Stradomski'schen durch St, 
den in der Muczkowski'schen durch 3f, den in der Wilnaer 
dnrch W bezeichnen. 

Auch bemerke ich, dass die Nummeriining der einzelnen 
Artikel in und P von mir selber, in Ka und St von den 
diesbezüglichen Schreibern, in Sk theils vom Schreiber des 
Textes, theils von mir herrührt J 

Zweites Capitel. 

VerliUtniBS der polnischen Texte zu und unter einander. 

Wiewohl das Verhältniss, in dem die soeben namhaft ge- 
machten polnischen Texte der Magdeburger Urtheile zu und 
anter einander stehen, im Allgemeinen bekannt ist, und nur der 
Przemysler Text als ein solcher angesehen werden muss, über 
den bis jetzt absolut nichts verlautete, so glaube ich dennoch 
nichts Ueberflüssiges zu unternehmen, wenn ich dieses Ver- 
hältniss, das systematisch bis jetzt noch von Niemandem be- 
handelt wurde, einer etwas eingehenderen Prüfung unterwerfe. 
Zu diesem Behufe stelle ich mir zunächst folgende zwei Fragen: 

1. Wie sind die in Betracht kommenden polnischen Texte 
in Bezug auf ihre Artikelfolge, 

2. wie in Bezug auf ihren Wortlaut beschaflfen? 

Ad L Was speciell die Artikelfolge anbetrifft, so wird 
dieselbe am besten durch die hier folgende Tabelle verdeut- 
licht Zwar umfasst diese TabeUe aus Gründen, die im Cap. I 



^ Die in O vorhandene ältere Nnmmerimngf ist nngenan und fehlerhaft. 



126 



Katuiniaoki. 



dargelegt wurden, nur fünf Texte, allein sie kann, zumal M 
bis auf die durch Auslassung von vier Artikeln ' und eine An- 
zahl von Varianten herbeigeführte Abweichungen mit JSTcr, da- 
gegen W mit Sf^ übereinstimmt, immerhin als ausreichend 
angesehen werden, um die etwaigen Unterschiede, die in der 
Artikelfolge der einzelnen Texte vorkommen, zur entsprechenden 
Anschauung zu bringen. Als die Grundlage der Vergleichung 
wird hiebei selbstverständlich angenommen. 

Tabelle I. 




1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

U 

15 

16 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 



1 
2 

3 

4 

5 

() 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 



Sk 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

IG 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 



Ka 



St 



O 



Sk 



Ka 



8t 



1 


1 


26 


26 


26 


1 
26 


2 


2 


27 f 


27 f 


27 f 
28 


27 1 


3 


3 


28 ' 


28 [ 


4 


4 


29 ' 


29 


29 ' 


• 
28 


5 


5 


30 \ 


30 \ 


30 


6 


6 


31 


31 


31 


29 


7 


7 


32 


32 


32 


30 


8 


8 


33 


33 


33 


31 


9 


9 


34 


34 


34 


32 


10 


10 


35 


35 


35 


38 


11 


11 


36 


36 


36 


64 


12 


12 


37 


37 


37 


35 


13 


13 


38 


38 


38 


36 


14 


14 


39 


39 


39 


37 


15 


15 


40 


40 


40 


38 


16 


16 


41 


41 


41 


39 


17 


17 


42 


42 


42 


40 


18 


18 


43 


43 


43 


41 


19 


19 


44 


44 


44 


42 


20 


20 


45 


45 


45 


43 


21 


21 


46 


46 


46 


44 


22 
23 


22 
23 


47 


"{ 


47 [ 
48 


45 


24 


24 


48 


48 


49 


46 


25 


25 


49 


' 49 


50 


47 



{ 



26 

27 
28 
29 
30 
31 
32 
83 
34 
85 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
48 
44 
45 

46 

47 

48 



1 Es sind dies nach Wiszuiowski die Artikel : 6, 42, 265 und 263. 

2 Vgl. hierübsr S. 118^119 dieser Abhandlung. 



Die poloiscke Kecension der Magdeburger rrtbeilc. 



127 



o 



Sk 



Ktt 



St 



o 



Sk 



Ktt 



St 



49 
50 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 
59 
60 
61 
62 
[63] 
63* 
641 
64L 
65 



66 

67 
68 
69 
70 
71 
72 
73 
74 
75 
76 
77 
78 
79 
80 
81 
82 
83 
84 
85 
86 
87 
88 



{ 



{ 



1 

49 


• 

50 


47 


48 


50 


51 


48 


49 


51 


52 


49 


50 


52 


53 


50 


51 


53 


54 


51 


52 


54 


55 


52 


53 


55 


56 


53 


54 


56 


57 


54 


55 


67 


— 


55 


56 


58 


57 


56 


— 


59 


57» 


57 


57 


60 


58 


58 


58 


61 


59 


59 


59 


62 


60 


60 


60 


63 




61 


61 


65 


62 


63 


62A. 


66 


— 


64 




64 


61 


62 


62L 


67 


63 


65 


63 


68 1 


64 f 

65 \ 


66 


64 


69 


66 


67 


65 


70 


67 


68 


66 


71 


68 


69 


67 


72 


69 


70 


68 


73 


71 


71 


68» 


74 


72 


72 


69 


75 


73 


73 


70 


76 


74 


74 


71 


77 


75 


75 


72 


78 


76 


76 


73 


79 


77 


77 


74A. 


80 


78 


78 


74L 


81 


79 


79 


75 


82 


80 


80 


76 


83 


81 


81 


77 


84 


83 


83/ 


78 


85 


82 


82 \ 


86 


84 


84 


79 


87 


85 


85 


80 


88 


86 


86 


81 


89/ 
90 \ 


87 

• 


87 ( 

88 1 


82 



89 

90 

91 

92 

93 

94 

95 

96 

97 

98 

99 

100 

101 

102 

103 

104 

105 

106 

107 

108 

109 

110 

111 

112 
113 
114 
115 
116 
117 
118 
119 
120 
121 
122 
123 
124 
125 
126 
127 

128 

129 



{ 



{ 



91 

92 

93 

94 

95 

96 

97 

98 

99 

100 

101 

102 

103 

104 

105 

106 

107 

108 

109 

111 

110 

112 

113 

114 
115 
IIG 
117 
118 
110 
120 
121 
122 
123 
124 
125 
126 
127 
128 
129 

130 

131 



{ 



{ 



88 
89 
90 
91 
92 
93 
94 
95 
96 
97 
98 
99 
Ol 
02 
03 
04 

05 
06 
07 

08 

09/ 

lOl 

11 

12 

12» 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

28 



{ 



89 

90 

91 

92 

93 

94 

95 

96 

97 

98 

99 

100 

101 

102 

103 

104 

105 

106 

107 

108 



109 
11 



"{ 



111 
112 
113 
114 
115 
116 
117 
118 
119 
120 
121 
122 
123 
124 
125 
126 

127 

128 



{ 



83 
84 
86» 
86 
87 
88 
89 
90 
91 
92 
93 
94 
95 
96 
97 
98 
99 
100 
101 
102 



103 

104 
105 
106 
107 
108 
109 
110 
111 
112 
IIS 
114 
115 
116 
117 
118 
119 

120 

121 



130 Ka»niniacki. 

theils durch Suböummirung zweier oder mehrerer Artikel unter 
eine Nummer, theils durch Auflösung eines und desselben 
Artikels in zwei Artikel, theils durch unrichtige Nummeration, 
namentlich alxT durch Ueberspringen der Nummern * und 
stellenweise durch Wiederholung eines und desselben Artikels' 
entstanden sind, stimmen die hier vorliegenden und implicite 
wohl auch die beiden tibrigen polnischen Texte in Bezug auf 
Artikelfolge in c^iner so durchaus augenfkUigen Weise überein, 
dass die gegenseitige Verwandtschaft derselben , wenigstens 
nach di(»Her Seite hin, gar nicht in Frage kommen kann. 
Selbst die scheinbar viel bedeutenderen Abweichungen, wie 
beispielsw(»4so der Umstand, dass P von 202 ab um eine Reihe 
von Artikeln ilrmer ist als O, wie nicht minder der Umstand, 
dass ISk am Knde einen Artikel mehr hat als die übrigen 
polnischen Text(», hissen sich auf eine natürliche Weise er- 
klären und können an der Stichhaltigkeit jener Ansicht nichts 
lindern. Der Przcmysler Text ist um eine Reihe von Artikeln 
ärmer als die übrigen j)olnischen Texte, weil er aus Gründen, 
die uns nicht näher bekannt sind, von dem Schreiber desselben 
ganz einfach nicht zu Ende geführt wurde, während der Ska- 
laer Text um einen Artikel am Ende mehr hat als die übrigen, 
weil der Schreiber der diesem Texte zu Gnmde liegenden 
Vorlage** oder möglich auch ein späterer Besitzer derselben 
zu den Artikeln, die auch in den übrigen Texten vorkommen, 



von O, die Uiiistolluiiji:»Mi hiiipopen, die in O den Artikeln 193 — 193** 
entsprechen, .nuf Kechnunpf anderer Schreiber zu setzen sind. 
» So folf^t z. 15. in Sk auf Gi) jjleich 71, auf 99 pleich 101, auf 132 
gleich 134, auf 139 j,^lcich lU; in .SV auf 81 gleich 8G, auf 137 j^leich 
139, auf 190 pleirh 2()U u. s. w. 

2 Aeusserlich lässt sidi diose letztere Anjjabo allerdings nur an Ka 181 
constatiren, der als Wiiulorholunjir des Kk 175 in den tibrigen Texten 
nicht vorhanden ist. Thatsächlich kommen aber in der polnischen 
Recensioii der Magdeburger Urthcile noch zwei weitere Wiederholungen 
vor, .von denen die eine sich durch die Formel: 203 = 18, die 
andere durch die Formel : O 99 — O 45 ausdrücken lässt. Da jedoch 
die beiden letzteren Wiederholungen in allen polnischen Texten gleich- 
massig wiederkehren, so konnten sie auf die Artikelfolge derselben 
selbstverständlich keinen, wie man sagt, in die Augen fallenden Ein- 
■• haben. 

ß. 110, Anni. 2. 



IH" iHiInlKhii Itcconlnn in Miie<l.'hiir«,'r rrthrHr. 13j 

i einer uns gegenwiü-tig nicht luebr bekannten Quelle ' auch 
diesen Artikel hinzufügte. Auffallend und au Bedenken 
i gebend könnte aonach in der hier vorliegenden Tabelle 
iglicb nur der Umstand sein, dass Ka von Art. 207—222 
wesentlich andere Reihenfolge bietet ^ als die übrigen 
^nischen Texte. Wenn man aber bedenkt, dass sowohl die 
tchat vorangehenden 206, aU auch die nachfolgenden 43 Ar- 
tikel dieses Textes im vollen Einklänge mit den Artikeln der 
übrigen Texte sich befinden, ao glaube ich nicht, dass es 
sweckmääeig wäre, an diese letztere Erscheinung irgendwelche 
veitergehende Sehlussfolgerungen zu knüpfen. Es kann viel- 
mehr als sicher angenommen werden, daas die veränderte 
Reihenfolge, der wir in Ka von Art. 207 — 222 begegnen, ihren 
Gnind ausschlieaslich in dem Umstände hat, dass der Schreiber 
dieses Textes, beziehungsweise der Schreiher der diesem Texte 
EU Grunde liegenden Vorlage, die von ihm angefertigte polni- 
sche Abschrift an dieser Stelle nach einem correspondirenden 
dentscben Texte corrigirte. Dass aber deutsche Texte mit 
gennu derselben Artikelfolge, wie wir sie in Ka an jener Stelle 
finden, keine Seltenheit waren, wird das nächstfolgende Capitel 
bis zur vollen Evidenz erweisen. 

Ad 2. Um den Wortlaut der in Rede stehenden polni- 
schen Texte ins gehörige Licht zu stellen, wäre es eigentlich 

' Dem Register infolge würde nllprilings nach dieser Artikel, älintich wie 
die beiden nüuhst vorangehen den, von den .Schaffen zu Lemberg iier- 
rD1ir«u. Ob «ber diese Angabe auch auf Wahrheit berulit, muM vor- 
läufig dahingestelit bleiben. Im Texle «elbst finden sich diesbezüglich 
keine Andoiitniigon. 

' Da nach Wiszuiewaki, Hiat. lit. \hiU., V, S. Iö5, der sogenaunte Muci- 
kovrski'aclio Text ,oine getreue Abschrift von Ka ist. die sognr alle seine 
Felller wiederholt', »o würde daraus folgen, ilaes die veränderte Artikel- 
folge, von der ich soeben spreche, auch dem Mnczkowxki'suhen Texte 
e>g«n laL Leider bin ich in Folge von Umstiiaden, die auf tS. 1S& be- 
sprochen wurden, nicht in der Lage, die Richtigkeit jener Folgerung 
liewahrheilen ssu kfinneii. Ich kann hier nnr so viel liemerken, dass 
mir der Muczkowski'sche Te^t von Wisaniewaki nicht in jener Weise 
TS^lieben worden ko sein scheint, wie dies im luteresse der Oenanig- 
keit wansclienswcrth wäre. So theilt Wisaniewski, nni nur ein Beispiel 
■ninflihren, bei Ka 4ti keine Varianten mit, wührend dieser Artikel 
nach BsesiiUki, Processus juris civ. Crflcov., S. XIV, <lie Frage gana weg- 
ISbsI tind mvcli iu der Antwort mehrnve Vari.inteii bietet. 

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Die polnisohe Recension der Magdeburger Urthcilc. 



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235 


240 




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— 


— 





Ans dieser Tabelle erhellt, dass die hier vorliegenden 
Texte in Bezug auf Artikelfolge in der engsten Beziehung zu 
einander stehen. Mit Ausnahme von rein mechanischen Diffe- 
renzen, die theils durch Auslassung, theils durch Umstellung,^ 



1 Markantere Beispiele hievon finden sich namentlich bei O 63 — 64, bei 
O 107 — 109 und O 193 — 193*», wobei bemerkt werden mus8, dass die 
Umstellungen 63 — 64 und O 107 -109 auf Rechnung des Schreibers 

Sitaangsber. d. phiL-hist. a. CXI. Bd. I. llft. 9 



larjs^xi iTiH -iekanntj«! otifainicifaL T^xoe^. dürfen aber keines- 
"T-*^ **>» -t»)!«'!!»^ rm^T'^^^^i'^a ▼■»rien. viia '{»±1x131 man säi^en könnt e, 

M^m iarf •toä'^. ^r^niL ulizl AQet» ol AQem erwägt^ als 
tixa T.-iriäiiri^*^ Elt^ui-ax »to lm»kerör?iL UnDHSQcfcimg wohl nur 
^^m .Sitz ^af^urrüea. *Lu» «i^ b» jeot <aiDie«ktai polnischen 
T^rxc^ zvftr 2aui2 be^^tnnmt auf wer ^zfewiiart^«ft , von einer 
oiul d^T^Urn^n P*»rH>ii k^^rrohr^nd«! ReciabBoa bemlieny dass 
^i^ j*^6ch nur 4«*r all*^mf.gga AoänaluiLe »fe§ Wihiaer Textes, 
dftT, wi#i ?>enierki: wiirde. eine TznmitcenKire Copie de« Stradom- 
^ki'^^,h<^n 231 *em ^eherni. in keinem »iireeten Abstammungs- 
^^rhiiltiii.'«.^ rl'^h beenden. Aach schemt e:s ferner keinem 
Zw^M m unterließen, «iasd die mit *> und P bezeichneten 
Texte die nachweiäbar älteste F«jrm der polnischen Recen- 
jiion der Ma^debar^er Urtheile darstellen, während die übrigen 
anü Dorrb erhaltenen polnischen Texte sieh bereits mehreren, 
mehr o^ler minder erheblichen, jedoch stets nur nnwesentliehen 
yVAifif'^XtoiifzTi unterworfen haben. Zum Beweis dessen nnd 
nm zo^Jeieh Gele^^enheit za haben, die Uebereinstimmungen 
wie die Vff^i^fxAf^rhfziitii der in Betracht kommenden polnischen 
Text/j praktiiif'h zn illnstriren, Ähre ich die Artikel O 5, 48, 
52 find 121 nar:h der ihnen sowohl in diesem als auch in 
den übrigen f^Jnischen Texten eigenthümlichen Fassung in 
fünf nebeneinander stehenden Columnen wörtlich an. Bei Ar- 
tikel O 48 , der uns durch Rzesinski*s Vermittlung in seinem 
VrfH'j'.HHUh juHM civilis Cracoviensis , S. 14, auch noch in dem 
Wortlaut/; de» Muczkowski'schen Textes bekannt ist, ffege ich 
Hf'Ahnircfh'.nd noch eine sechste Columne bei.^ 

1 Diti T*txiff werden hier selbstverständlich mit der grössten Genauigkeit 
find ^/^ar mit H«;IaiMung aller ihrer Fehler abgedmckt. 



Die polnische Recension d<:r Magdeburger Urtlieile. lui) 






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\l\\ KataloUffki. 

tliiri^cn titiM l)(;kanntcn polnischen Text^j, dürfen aber keines- 
\\\^\3^H hIh Holc.lie angesehen werden, von denen man sagen könnte, 
diVHH HI«? einer aus dem andern geflossen seien. 

Man darf daher, wenn man Alles in Allem erwägt, als 
das vorläufige Resultat der bisherigen Untersuchung wohl nur 
den Satz aufstellen, dass die bis jetzt entileckten polnischen 
Texte zwar ganz bestimmt auf einer gleichartigen, von einer 
und derselben Person herrührenden Recension beruhen, dass 
sie jedoch mit der alleinigen Ausnahme des Wilnaer Textes, 
der, wie bemerkt wurde, eine unmittelbare Copie des Stradom- 
ski'schen zu sein scheint, in keinem directen Abstammungs- 
verhältniss sieh befinden. Auch seheint es ferner keinem 
Zweifel zu unterliegen , dass die mit O und P bezeichneten 
Texte die nachweisbar älteste Form der polnischen Recen- 
sion der Magdeburger IJrtheilc darstellen, während die übrigen 
uns noch erhaltenen polnischen Texte sich bereits mehreren, 
mehr oder minder erheblichen, jedoch stets nur unwesentlichen 
Modificationen unterworfen haben. Zum Beweis dessen und 
um zugleich Gelegenheit zu haben, die Ucbereinstimmungen 
wie die Besonderheiten der in Betracht kommenden polnischen 
Texte praktisch zu illustriren, ftihre ich die Artikel O 5, 48, 
52 und 121 nach der ihnen sowohl in diesem als auch in 
den übrigen ))olnischen Texten eigenthümlichen Fassung in 
ftinf nebeneinander stehenden Columnen wörtlich an. Bei Ar- 
tikel 48 , der uns durch Rzesinski's Vermittlung in seinem 
Processus juris civilis Cracoviensis, S. 14, auch noch in dem 
Wortlaute des Muczkowski'schen Textes bekannt ist, füge ich 
selbstredend noch eine sechste Columne bei.^ 

1 Die Textf) werden hier Helbstverständlich mit der grOsstcn Genauigkeit 
und mg&r mit Belastung aller ihrer Fehler abgedruckt. 



Die polnische Recenvion der Magdeburger Urthcile. loO 










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Mil Krledigung dieser zwei Flauptfragen, die fiir die Klar- 
Mfllung des VerhÜltDisaes , in dem sii-b die pohlischen Texte 
lu und unter einander befinden, allerdings das meiste Gewicht 
iiahen, iul aber dieses Capitel noch lange nicht als abgetban 

1 betracbten. Zu diesem letzteren Zweck ist ea nothwendig, 

■eil folgiende vier Fragen zu beantworten; 

a) Welche äussere Fonn haben die in der polnischen 
Kccension enthaltenen Schfiffenbriofe ? 

b) lit die Anordnung derselben eine systematische oder 
UDs^etematiBche V 

<■) üeber wessen Anfragen sind sie entstanden? 

d) Wo, wann und durch wessen Zuthun mag wohl die 
polnische Receneion der Magdeburger Urtbeile bewerkstelligt 
worden sein? 

Ad a). Als das charakteristische Merkmal der in der polni- 
M-hen Reconaion enthaltenen Schöffenbriefe ist in formaler Be- 
ziehung ohne Zweifel der Umwtand anzusehen, dass die meisten 
ron ihnen aus Frage und Antwort bestehen. Zwar ist die 
■mprOngliche . diesen Fragen wie diesen Antworten eigen ge- 
wesene Ausführlichkeit und Umständlichkeit ' durch Weglassung 
zahlreicher, sowohl stjlistischer als chronologischer, topographi- 
richer und historischer Aecessorieu in der polnischen Recensiun 
der Magdeburger Urtheile vielfach alterirf worden, allein die 
<_>estalt von Fragen und Antworten ist ihnen doch geblieben 
und darf, wie bereits bemerkt wurde, als ein Merkmal ange- 
sehen werden, das fiir die äussere Form der in der polnischen 
Recenaion enthaltenen Scbüffenbriefe jedenfalls das massgebendste 
i«t' Andererseits gibt es aber in der polnischen Recension 



* INe Sicherheit, mit der ich dies mmapreciie, beruht auf der Vi^rgleichnuf 
mil den mir toait bekannten diosheKtlglichen Ai^leDHtflckcii. die regel- 
nilMi); xiiiili^hiit i]ie Titnlntur, dann die tlhliche Eingangsfrirmel. sodann 
die 8aebe leltiiit und endlicli die SchlQRsformel nammt Datum and Unler- 
»elirifl, besiebunga weise dem Siegel enthalten. 

' n«d die« tun *o mehr. aU alle jene Artikel, die in O nnn Krage und 
Antwort bssteben, auch in den ilhrig«n polnischen Tozten regelmägiiig 
di« GmuU von Fragen nud Antworten haben. Ausnahmen hievoii von 
dor Art, wie etwa die bei Sk 1 17, 171) nnd 236, oder bei P 168 und lä9, 
oder bei it l-t «ind überhaupt bUcbst aelteu und können die Kichtig- 
keit nbi^r Behaoptung nicht aJteriren. Bei O 3.14 und bei Sa 239 kann 
man io^r noch p>ni genau den Weg angeben, wieso e« kam. da« 
kii.-kiii. a eil m I Bn. in 



140 Ealnioiarkf. 

der Jlagdeburger Urtheile allerdings auch solche Artikel, wo 
Frage und Antwort bereits zu einem Ganzen verschmolzen 
sind, sowie Artikel, wo von der Frage nichts^ von der Antwort 
blos der nackte Rechtssatz zurückgeblieben ist. Zum Glücke 
ist die Zahl der beiden letzteren Arten von Artikeln im Ver- 
gleich zu denen der ersteren Art keine belangreiche. 

Ad /*/. Ebenso einfach wie die erste, erledigt sich auch 
die nächstfolgende Frage. Es genügt einen Bhck auf den erst- 
besten der uns noch erhaltenen polnischen Texte zu werfen,* 
um sofort zur Ueberzeugimg zu gelangen, dass die Ordnung, 
in der diese Texte die in ihnen enthaltenen SchöflFenbriefe bieten, 
eine durchaus unsvstematische ist. Auf den Artikel von der 
Mitgift der Frauen folgt der Artikel von dem Vormunde der 
Kinder, auf den Artikel von dem Vormunde der Kinder der 
Artikel von denen, die wunde Leute beschauen sollen u. s. w. 

Ad c'. Da die polnische Recension die in ihr enthaltenen 
Schöffenbriefe nicht mehr in der ursprünglichen, ihr von Haus 
aus eigen gewesenen . sondern in einer Form bietet , die im 
Vergleich zu der ursprünglichen als eine blosse Bearbeitung 
erscheint , so ist mit Hilfe der Anhaltspunkte , wie wir sie in 
der polnischen Recension der Magdeburger Urtheile finden, 
t"ilr die Beantwortung der sub lit. o ersichtlich gemachten 
Frag^^ thats«^chlich eine verhültnissmSssig sehr geringe Au8- 
Wute zu erzielen. Aber auch das ist schon ein Gewinn, d«s8 
wir auf Grund der }K»lnischen Recension wenigstens in Betreff 
mehrerer in ihr enthaltener sogen.-innter Magdeburger Urtheile 
sagv*n können, dass sie ganz bestimmt durch Anfragen an» 
Krakau provoi*irt wunten, hiermit j>olnischen Ursprungs sind. 
Dahin gx^horon, wenn wir sjwioll der Xummenition des Osso- 
linski'soher* Textes tolo^n, • '. ' i^S, 121 und -52. Femer, auch 
die Anikel O 44 und 45 konr.or., indem o* ziemlich nahe liegt, 
antunehmon. da^ die Tropi^auer« von denen hierselbst die 
Re^ie ist, ihtx^ Ar.a^^le5C>t*nheit vor den Schöffen zu Krakau 
verfiandehon • hiermit die^e letzteren die anfirmgende Partei 



4»Mi^ ArtiK><^l in i5ov. Srire'erxi^r, Tcvi^r. <^ir^r «wa* kfineren Wortlaut 
IaKmk *J* i« ^i*« ÄSrijpif^i TcvT^-r.. V^: ilwi^^j^ach aaeh Briickner, 
- a. <s^ VI. ^ Äi* Uta -V<^ 

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Di« polnitehe R«c*tt8ion der Maf^deburfrer ürtheile. 147 

waren , als solche angesehen werden , von denen man sagen 
kann^ dass sie unzweifelhaft polnischer Provenienz sind. Und 
weil ein König und eine Königin zu gleicher Zeit dazumal 
auch nur in Polen regierten, so kann auf Grund dieser letz- 
teren Handhabe auch der Artikel 242 in die Kategorie von 
Magdeburger Urtheilen gezählt werden, die man mit Evidenz 
auf polnische Initiative zurückführen muss. Aehnliehes lässt 
sich übrigens auch von Artikel 52 (ich erinnere an den in 
polnischen Urkunden des 14. und des 15. Jahrhunderts sehr 
häufig vorkommenden Personennamen ,Warsz'), sowie von Ar- 
tikel O 141 und 264 (es ist daselbst von dem sich Ziehen an 
de« Königs Hof, worunter gemeiniglich das von Kazimir dem 
Grossen in Castro Cracoviensi gegründete jus supremum Tlieii- 
fumcale provinciah vice et loco juins Maydehurgensis gemeint 
wird, die Rede) behaupten. Etwas anders verhält es sich da- 
gegen mit den Artikeln 25 und 27, sowie mit den Artikeln 
O 267 und 268. Wohl sind auch diese Artikel polnischen Ur- 
sprungs, aber der wesentliche Unterschied, der zwischen diesen 
und den zuvor genannten Artikeln besteht, ist der, dass sie 
nicht blos in Bezug auf Anfragen, sondern auch in Bezug 
auf ihre Antworten nach Polen hinweisen. Heisst es doch in 
den diesbezüglichen Eingangsformeln ganz ausdrücklich, dass 
die Schöffen, die diese Antworten ertheiltcn, in den zwei 
crsteren Fällen ' die Schöffen von Krakau, in den zwei wei- 
teren Fällen die Schöffen von Lemberg waren. 

Ad d). Ueber diese, für die Geschichte der polnischen Re- 
cension der Magdeburger Urtheilc so wichtige Frage hat man bis 
vor Kurzem entweder gar keine, oder, was noch häufiger der 
Fall war, eine nur sehr willkürliche und unzuverlässige Auskunft 
gewusst. Erst im Jahre 1873 hat M. Bobrzynski bei Gelegenheit 
der Beschreibung des Stradomski* sehen Codex ^ die interessante 
Entdeckung gemacht, dass sich in diesem Codex unter anderen 
juristischen Materien auch eine Copie der polnischen Recension 

* Genaaigkeit halber muss ich aber allerdings bemerken, dass der Art. 
O 25 nnr in diesem Texte, der Art. O 27 ausser diesem Texte auch noch 
in Ä und in Ka als Urtheil der Sch(>ffen von Krakau bezeichnet wird; 
in P nnd M (vgl. Wiszniewski, o. s. c, Anm. 322) erscheinen dagegen 
beide Artikel als Ürtheile der Schöffen von Magdeburg. 

' Vgl. die weiter unten folgenden Excerpte. 

10* 



148 Kalniniaeki. 

fler Ma^dobur^cr Urthcile findet, die zu Ende nacbstemie ^odi 
hat: ExpUciunf acta acticata fhetUurucalia, alias orttlii, fuifm 
in re facta fxtnt et fentenciatu in Meydeburg; ei fumi troMßtk 
de thentunico ydiomate in tclgare ad peticionem ftrenui dmm 
NIcolaj Gologorski j fuhdapiferi Leopolien/is , fcripta uro per 
me Mathiavi Nicolai de Lypnicza^ et finita ipfo die afuMßKm 
Doimni l/ilS. Mit Hilfe dieser Notiz erfahren wir alio^ dMi» 
soweit eben die Kunde des Matthäus Mikolajewicz ans lipnbr 
des Schreibers eines Theils des Stradomskrschen Codex, rridte^ 
die uns hier beschäftigende polnische Recension der ÜMfj^ 
burger Urtlieile eine analoge deutsche Vorlage Tonusiet^ 
sowie, dass sie llber Verlangen oder über Auffordemng 1» 
Untertruchsess von Lemberg, eines gewissen Kicolans Gtih- 
gorski zu Stande kam. Nun wissen wir aber, und die ai- 
schlägigen Zeugnisse sind bei Brückner o. s. c, S. 330, Anm. 11, 
zusammcngCHtollt , dass dieser Nicolaus Gologörski das Aal 
eines Untertruchsess von Lemberg zwischen den Jahren 14w 
und 1460 bekleidete. Folglich kann auch die in Rede «tehenfc 
polnische Recension der Magdeburger Urtheile nicht Mks 
(oder wenigstens nicht viel früher) als im Jahre 1440 hdI 
nicht später als im Jahre 1460 entstanden sein. Was dagegen 
die Person des Uebcrsetzers, sowie den Ort der üebersctnwj 
anlangt, so wissen wir hierüber auch heute noch keine A«»- 
kunft. Es liegt zwar nahe genug, anzunehmen, dass die polni- 
sche Recension an einem Orte zu Stande kam, wo Nicobn» 
Golog()r8ki da» Amt eines Untertnichsess ausübte, aber sicher 
und über allen Zweifel erhaben ist dies keineswegs. Mit dem- 
selben Rechte, wie einem Lembergcr, hat ja Nicolaus Golo- 
görski die Aufgabe, eine polnische Uebersetzung der Mi^e- 
burger Urtheile zu veranstalten, auch einem Krakauer oder 
einem anderweiten, ihm persönlich bekannten oder ihm sonst- 
wie näher stehenden Rechtsgelehrten oder Baccalauren über 
tragen können. 



' Es ist hier offoiibnr die Lipiiica Mnrowaiia, oin Dorf im Krakauer Ge- 
biete, g-emoint. 



Di* *alBlHba B*Marioa tat MagdabBr) 



Drittes Capitel. 

Verh&ltmaa der polnischen Texte zu den einschlägigen 

deutschen. 

Es iftt vor Allem klar, dass von den bis jetzt bekannten 

lUclien SamnilungeD der Magdeburger Urtheile ' h!er nur 

E-jenigen in Betracht gezogen werden kOnnen , die , ilhnlicli 

die Boeben besprochenen polnischen Texte, ihrer Form 

■b auf eine vorausgegangene Bearbeitung und ihrem Inhalte 

■h, wenn nicht überwiegend, so zum Theil auf Polen, be- 

ODgsweise auf Scblesien hinweisen. Da jedoch die Samm- 

Igen, die diesen letzteren Bedingungen entsprechen würden, 

ncawegs homogen sind und bald mehr bald weniger mit 

lander zusammenhängen, so müssen wir, um für unsere Unter- 

icfaung eine etwas sicherere Grundlage zu ächaffen, an die in 

Betracht zu ziehenden deutschen Sammlungen noch folgende 

drei Bedingungen stellen: 1. dsss sie, ähnlich wie die betreiTen- 

polnischen Texte, blosse Schöffenbriefe und keine anderen 

lelleni enthalten; 2. dass sie die in ihnen enthaltenen Schüffen- 

iefe grässtentheüs in Form von Fragen und Antworten bieten; 

dass sie in Bezug auf Anordnung ihrer Materien durchaus 

wUlktlrlieh und unsystematisch verfahren. Auf diese Weise 

I schrumpft die Zahl der in Betracht zu ziehenden deutschen 
STexte ihatsächlieh auf nur folgende zusammen: l.den Pilznoer,^ 
beschrieben und auszugsweise mitgetheilt von W. Wislocki* 
B den Kozprawy i sjjrawozdaoia z posiedzeii wydzialu hist.- 
Bozof. Akadeinii ümiejetnoÄci w K.raküwie, II , S. 125 ^205 ; 
Lden Krakauer Nr, 1, beachrieben zunächst von W. Münnieh, 
r' "" 



drei ] 
L^eD ] 
BkeJI 

^^^. da 



^^ ftlr slav. 



Vgl. dieabexOglich G. Humeyer. Die deutauheii Rei:liteh<kber de« Mittel- 
atten nml ilire Hsudscbrirtuii, S. 171, und unter An iJereii such O, Stobbe, 
GMchidiie der deutschen Keciitaqueilun I, ti, -JTi l, und 4SI f. 

Aiimslime hievon mnchl nur iler Artikel, der von der BentottiLiig 

SelbsImSrders handelt, nnd der, wie bekanut tat, riiolit Ti>n den 

Schöffen von Magdeburg, sundern vim einem geinttichen OOicinl lierrflhrt. 

Sn benannt nach dem SUtiltiihen Pilxao iu ÜAlüien, wa er gefunden 

In Ktlrie int der PÜKuer Text übrigens auub von A. Brflckner im AruUiv 
flli slav. Philologie VI, S. 3aS, Anm. 8 bsBchriebon. 



150 Kalainiacki. 

dit'scr Hoscli IHM billig war, in Friedmann's und Seebode's Miscel- 
lunca t'.ritica, I, 4, Ö. 696—702, dann von M. Wiszniewßki, 
o. s. 0., V, S, 154 f., und endlich von F. Bischoff im Archiv 
für üstiMT. (lertchiohte, XXXVIII, S. 1—24; 3. den Dresdener, 
ln'si'hrichen und auszugöwcise mitgetheilt von K. A. Gottschalk 
in dou Analeeta cod. Dresdensis, Dresden 1824 , S. 1 f., von 
II. Wassorsciilcben in seiner Sammlung deutscher Rechtsquellen, 
( Jiossou IS(W), I, S. XI f. und S. 80—120, und von J. Fr. Behrend, 
tlio Magdrbiirgor Fragen, Einleitung, S. III und S. XIII f., Bei- 
lag«'iu S. iH)l> f.; • 4. den T hörn er, beschrieben zunächst von Pertz 
im Archiv Il\r illtore deutsche Geschichtskunde, XI, S. 685, jedoch 
viol oiiigrhondor und mit Excerpten versehen von J. Fr. Behrend, 
o. s. c, KiiihMtung, S. V und S. XIX f., Beilagen, S. 209 f.; 5. den 
n o r I i n o r . \ »osohriobon und auszugsweise mitgetheilt zunächst 
Yt»n II. Wassorschloben, o. s. c, 8. XIV f. und S. 121 — 124, 
dann von ,1. Kr. IWlirond, o. s. c, S. XXV f. und S. XXXIX f., 
>o\vio von A. UrUoknor im Archiv tllr slavische Philologie, VI 
S.:t*6 *»-7: I». dt'ii Dauzigor Xr. 1, beschrieben vonJ. Fr. Beb- 
roud, o, >. o., S. II und S. XXV f.: 7. den Konigsberger Nr.l, 
bosi'hrirbon von diMUsolben. el>cndaselb.<i, S. IV und S. XXV f. 
\Va> daict'iron «lio ubri^ron. mit ihrem Inhalte auf Polen, beoc- 
Iuinir>\vi'i>o am' Sohicsion iiinwoisiMulen deutschen iSammlungen 
a:ilan^!, .-u drn«'n ivh >pocirlI n«H'h die sogenannten Magdeburger 
Kra^o!!.- don f 'odo\ l»ri»::i'n:iis und den Krakauer Text Xr. 2,* 

K;v.\^« N ;4i;t' ,*;■ v. ;; l\ \: Ui ^;ii:Vici.r> v^;: :;..rii:t-u> kuch bei E. Th. Uaiil^t 
iVix .;::oM.-«^,:» . ;;:-Ti .;•.;.• HAy.Sv'.f K-.-x;::. HivsUu 1*26, S. 17«— 161, 
. 5 ;■ . i . ' ; l . A '. .^ V. '. . P,i > M A^r- ; * ": .: r,: - 1< i •, >! \ ' . • r > v >iein . Seh Mffenrecbt au« 

\ .^:; 1 I- l*!;.:-. ' :. Im:,;:. '.'<■'*.• 

n *■..,. ;s^v^. '>.:. X.'". U. :;... :;. .:•:■. l».j". ..a:.>.,.i:. HriirÄf^eu zur Unter- 
X,;»..;::;; »i*r >» ';,"i^'«' ^, h»-;; KiVt.Tt» ■;:. i i»^-x':.:c'r.:e V. S- sHi — 157. und in 
U . •. » .^ ,% ,; :" K i; ;>:<■.*■.; : .^ .■'. -.iTs* .:*. r. . -.• r.'^ : : :: z:^: i»e*pri>ohen auch vdu 

l.A.viv..^, .. % % . S ;.^ :\ %.:• \» >: : :n ::. .-.er /■r;i>ri:nrt :ür deutsches 
Kr\'..i. ! W U, S i :^ «;> '....; . . .-. ^if..:i.. -. 1"*.- Macdebnrper FrapCD, 
S \ U : 

XiU^piUlN^c» *»:.* UÄtr: \: :,^i *i.:V:.r:. .::.; ür«fx d*-n «ich einige, 
«iMh- ffite^KOM' N :: ■. . r N.: -> ... Mi^-iLu-r.. liexiehnugä- 

4L A. O ü:?.- t^ iV>--r.«a:T:* i* dem Iudex 
jv. :>:> .:. ju'.-^K^fCMsiss bei F. Bischoff 



IMo polnische B«c«n8ion der MAgdebnrger Urtheile. 151 

sowie die von J. Fr. Behrendt mit Rw, Rfi, Dh und Dß be- 
zeichneten Texte rechne, so können dieselben, zumal sie. 
den Bedingungen, die soeben aufgestellt wurden, nicht ent- 
sprechen, hier nicht berücksichtigt werden. Für den Fall 
aber, dass sich Jemand auch über das Verhältniss, in dem die 
|>olni8che Recension sich zu diesen letzteren Texten befindet, 
Auskunft verschaflFen wollte, kann er dies mit Hilfe der weiter 
unten folgenden und der bei Bischoff ^ und Behrendt vorhan- 
denen Tabellen ohne weitere Schwierigkeiten selbst thun. Ich 
fUr meinen Theil werde von den hier angeführten deutschen 
Sammlungen der Magdeburger Urtheile, wie gesagt, nur jene 
sieben Texte ^ in Betracht ziehen und zu eruiren trachten, ob 
sieh unter ihnen nicht eventuell auch solche finden, von denen 
man sagen könnte, dass sie aus einer Redaction geflossen sind, 
auf der in letzter Instanz auch die von Nicolaus Gologorski 
veranlasste polnische Uebersetzung beruht. 

Doch ehe ich die Aufgabe, die ich mir hiermit gestellt 
habe, in Angriff nehme, und ehe ich überhaupt im Stande sein 
Werde, diesbezüglich zu endgiltigen Resultaten zu gelangen, 
muss ich das Augenmerk meiner Leser auf noch zwei Um- 
stände lenken: 

1. darauf, dass auch jene sieben Texte ^ ungeachtet ihrer 
notorischen Verwandtschaft und Zusammengehörigkeit keines- 
wegs durchaus gleichartig sind; 

2. darauf, dass zu den deutschen Texten, die in Betracht 
gezogen werden müssen, ausser jenen sieben noch zwei weitere 
Texte gehören, die, obschon an allgemein zugänglichen Orten 

in den Sitzungsber. der phil.-hiKt. Cl. der knis. Akademie der Wisseiiäch.. 
B<1. L, S. 344, lit. i, und bei M. Bobrzynski, Ortylo Magdeburskie etc., 
Einleitung, S. 6, finden. 

t O. 8. c, S. II, S. IV und S. XXII— XXX. 

5 Archiv für österreichiache Ge«chichte, XXX VIII, S. 4 — 11. 

3 Magdeburger Fragen, S. XXXI— XXXVI. 

* Leichterer Orientirung wegen dürfte es niclit überttüsÄig sein, bei (Heser 
Gelegenheit auch noch die Bemerkung zu machen, dass der Krakauer 
Text Nr. 1 bei Homeyer mit Nr. 133, der Dresdner Toxt mit Nr. 172, 
der Berliner mit Nr. 60, der Danzigcr Nr. 1 mit Nr. 13«, der KOuigs- 
berger Nr. 1 mit Nr. 361 signirt ist, sowie, das» der Thoruer Text in 
der Bibliothek des Gymnasiums zu Thorn sub K. iV. S. aufbewahrt wird. 



152 KaUiniacki. 

vorhanden, bis nun zu noch von Niemandem weder geprüft 
noch besprochen wurden. 

Ad 1. Was zunächst den ersten Umstand anlangt, so ist 
die P>ledigung desselben ohne weitere Schwierigkeiten möglich. 
Man braucht nur die Thatsachen zu Hilfe zu nehmen, die sich 
bei Wasserschieben, Behrend, Bischoff und Brückner an den 
angegebenen Orten finden, und man wird sofort zur Ueber- 
zeugung gelangen, dass jene sieben Texte ganz entschieden in 
vier Redactionen zerfallen.^ Zur ersten Redaction gehören der 
Krakauer und der Pilznoer Text;* zur zweiten der Dresdner; 

1 Eino andere von der hier vorgetragenen verschiedene Eintheilung vgl. 
bei M. Bobrzyiiski, o. h. C, S. 4—6, und in deutscher Reproduction bei 
A. Brückner, Archiv für slav. Philologie VI, S. 324—329. 

3 Und wenn W. Wistocki im 2. Bande der Abhandlungen der pbil.>hiit 
Abtheilung der Krakauer Akademie der WisHenschaften , 8. 167 — 168, 
dafürhält, ^dass der in Rede stehende Pilznoer Text in Bezug auf Inhalt 
und Umfang jedes einzelnen Urtheils in recht vielen Fällen sowohl den 
Krakauer, als auch die übrigen Texte der Magdeburger Urtheile über- 
treffe, mit einer kleinen Ausnahme des Thorner* — so ist das eine An- 
sicht, die, wenn nicht in ihrer Gänze, so wenigstens rücksichtlich des 
Krakauer Textes ganz gewiss nicht richtig ist. Denn thatsächlich lässt 
Mich, wenn wir von den rein mechanischen Varianten (Auslassungen von 
ein/.eln<3n Worten und ganzen »Sätzen, Umstellungen von Artikeln u. s. w.) 
absehen, der ganze zwischen dem Pilznoer und dem Krakauer Text in 
Bezug auf ihren Wortlaut obwaltende Unterschied lediglich auf folgende 
Umstände zurückführen: 1. dass die Urkunde, welche im Pilznoer Text 
unter Artikel 240 ihrem ganzen Umfange nach reproducirt ist, im Kra- 
kauer Text blos im Auszug mitgetheilt wird; 2. dass im Artikel des 
Krakauer Textes 210 = Pilznoer 210—211 sowohl die Eingangsformel 
zu der Frage, als auch die Eingangsformel zu der Antwort, im Artikel 
des Krakauer Textes 219 = Pilznoer 219 die Eingangsformel zu der 
Frage und im Artikel des Krakauer Textes 230 — Pilznoer 230 die 
Schlussformel von der Frage als überflüssig fortgelassen sind; 3. dass 
die Artikel des Pilznoer Textes 60 und 145 im Krakauer, sowie umge- 
kehrt die Artikel dos Krakauer Textos 209, 211 und 302-311 im Pilxnoer 
nicht vorhanden sind. Im Uobrigen stimmen aber beide Texte so gut 
wie keine andern überein und haben, wie sich der verehrte Krakaner 
Bibliograph bei einer eingehenderen Vergleichung der beiden Texte 
hätte selbst überzeugen können, sogar notorische Fehler (wie z. B. muUr 
statt vfUir im Artikel des Pilznoer Textes 144 = Krakauer 145) und 
sonstige Einzelheiten (wie z. B. den Umstand, dass die Antworten zu 
den Artikeln 137 — 139 erst unter Artikel 139 vorkommen) in gleicher 
Weise gemein. Noch mehr, sogar die gewissen Schlussformeln, auf die 
Wislocki, trotzdem sie mit Ausnahme der im Artikel 296 und 299 



Dte ftlaifck* Baumln d*r lb|tebirg*r Urlbll«. 



153 



der Thomer; zur vierten der Berliner, der Danziger 
^Königsberger Text. Als das charakterietis ehe Merkmal 
itt ersten Redaction eracheint, abgesehen von dem Wortlaute, 
der als eine auch den Texten der zweiten und der dritten 
jjjMitlon zu Gute kommende Eigenthümlicbkeit von mir gar 
picht lur Sprache gebracht wird, vor Allem die Artikel folge, 
^, gleichförmig wie hier,' in keinem anderen Texte vorkommt 
ml sich unter anderen auch noch durch den Umstand kennt- 
et macht, dasä sie die Artikel 18 und 37 unter Artikel 196 

KrmkRDer 298 nnd 301) enthaltentin nichts ThatsScililtches bieten, 

S. 109 der obcitirtflii Publiotion aiii g»r ao grossea Gewicht legt, 
Wirklichkeit auni grDsHleti Theil mich in rieii betreffenden 
Artilteln <I«a Krakauer Texte» vor und kOnnen daliur gleicbfitlls kanm 
Als etWM Solche« beEeicbnet werden, was nur Bpuciell dem Pilxauer 
Texte aa Gute konimea würdo. Ja, eelbst die beknonte i-eyitla luri», 

lUfitlge ignorancia farti sxcwifitf xfA i^imraiKitt iutüi iton fxcuaoi, nnd 
die Wislocki ebenfalls als eine tpecielle EigenthÜTnlichkeit des ^Pijznoer 
Textes in Anspruch nimml, kommt thittaK erblich ancb itn Krakauer 
Text« vor, obBcboa in Folge von Umständen, die in der uSchstfoIgendeu 
Anmerkang dargelegt werde», freilich nicht an der Stelle, wo der Au' 
fang des lielrelfendeii Artikels steht, sondern erst auf ä. i'Ji. l>och der 
Terefarte Krakauer Bibliograph sog es vor (und bei einem BibHugrapheo 
Ul das gewiss eine sehr scliütienswertbe Eigenschaft), wie in mehrereo 
•lOderen, so auch in dein hier vorliegenden Falte, si[;h auf eine xufillig 
nicht ganx intreffende Noti» Hischoff's xa verlassen und in dar Anni. 28 
mit eiaor geradexu bewunderungswürdigen L'nbefangeuheit und ohne 
4i« (^ell^ aniiigebeu, die Bebauptuiig aufzustellen, dass der Artikel ä4ß 
[bei Bischoff und Wislocki -ii4l) im Krakauer Text liesciuidigt isl. Aui^h 
pMariit dem verehrten Krakauer Bililiographen das nir seine palüographi- 
Kennliiisse nur wenig schmeichelhafte Missgaschick , dass er bei 
TnuiBcribirung dt>r von ihm auf S. 113 -iOb der obcitirten Publicatiou 
iIgMheillen Artikel sich einer Ansahl von t'ehlern schuldig macht 
und uDier auderu, um nur diese wenigen Beispiele untoführen, auf 
S. 189, Zeile 3 von oben, Auiin slAtt des richtigen vnferin; Zeile 

i)b«n, tiey dine hiildin ulMt beifdinllnitbin; Zeile 19 von oben, 
dat statt äet: Zeile Sl von üben: unoini slutt vH/iriii ii. s. w. achreibt. 
Ueber die kleineu SlUningen , die im Krakauer Text, vergleiolis weise 
Pilanoer Text, bei Artikel IQG^ItO, sowie bei Artikel 272—392 
vorkommen, darf man sich aber nm so eher hinwegsetzen, als sie im 
«nierfln Falle uuEweifelhafl auf einer blossen Umstellung, im letzteren 
Falle hingegen auf dem Umstände beruhen, das» der Krakauer Text 
mit EvideuE aiu einer Vorlage ?tammt, die an dieser Stelle arg ver- 
haftet wxr, eventuell aus einer an dieser Stelle arg verhefteteu abge- 
■cfariobeu wurde. 



154 K»)uiaiacki. 

(^beziehungsweise 195) und 92 noch einmal wiederholt;* als 
das charakteristische Merkmal der zweiten Uedaetion vor Allem 
die Artikeltblge, die, trotzdem sie partienweise mit der Artikel- 
iblge der ersten Rcdaction übereinstimmt, im Allgemeinen doch 
eine andere ist als diese; als das charakteristische Merkmal 
der dritten Redaction die Artikelfolge, die in demselben Sinne 
wie die der zweiten Redaction eine ftlr sich bestehende ist; 
als das charakteristische Merkmal der vierten Redaction weniger 
die Artikeltblge als viehnehr der Wortlaut, der in Folge von 
offenbaren Kllrzungen, denen nicht blos zahlreiche Eingangs- 
formeln und sonstige, mehr oder minder erhebliche Bestand- 
theile, sondern auch ganze Fragen zum Opfer fielen, stellen- 
weise eine ganz andere Gestalt bietet'^ als in den Texten der 
ersten, zweiten und dritten Redaction. Von gewisser Bedeutung 
flir die Charakteristik der ersten Redaction ist übrigens auch 
der Umstand, dass sie selbst dann, wenn wir von den Artikeln, 
die nur dem Krakauer Text eignen,*^ beziehungsweise in ihm 
zweimal vorkommen, absehen würden, immer noch um 47 Ar- 
tikel reicher ist als die zweite, um 89 Artikel reicher als die 
dritte und um 100 Artikel reicher als die vierte; für die Charak- 
teristik der zweiten Redaction, dass sie um 45 Artikel reicher 
ist als die erste, um 81 Artikel reicher als die dritte imd um 
103 Artikel reicher als die vierte ; für die Charakteristik der 
dritten Redaction, dass sie um 12 Artikel reicher ist als die 
erste, um 12 Artikel reicher als die zweite und um 47 Artikel 
reicher als die vierte; für die (liarakteristik der vierten Redac- 
tion endlich, dass sie um 15 Artikel reicher ist als die erste, 
um 27 Artikel reicher als die zweite und um 34 Artikel reicher 
als die dritte. In Betreff der Eintheilung in zwei Bücher, der 
wir in den Texten der vierten Redaction (freilich nur im Ber- 
liner und im Königsberger) begegnen, haben dagegen schon 
Wasserschieben und Behrend die Bemerkung gemacht, dass 

^ Der verehrte Krakauer Bibliograpli '.ich meine selbstverstAndlich Wis- 
locki) weiss seiner gediegenen bib1iogra))hi8cheu Methode gemäss aach 
hier nur von der Wiederholung dos Artikels 37 zu berichten. 

3 Als Beweis dessen können die Artikel des Berliner Textes: I, 1; II, 
10; II, 20; II, 36 und viele andere angesehen werden. 

5 Zu diesen Artikeln gehören: 20y, ->U, 302, 303, 304, 3U5, 306, 307, 
309, 310 und 311. 






Die polnitcho Becensioo der Magdeburger Urtheile. lOO 

sie siA ^^ 1*6111 äusserliche Erscheinung bei der Classification 
dieser Texte nicht weiter in Frage zu kommen braucht. 

Ad 2. Nicht so leicht wie der erste erledigt sich der 
sab 2. erwälinte Umstand. Da müssen, um die Angelegenheit 
in Ordnung zu bringen, speciell folgende Fragen in Erwägung 
^ommen werden: 

a) Wo befinden sich jene bis jetzt noch unbekannten 
deatschen Texte der Magdeburger Urtheile und wie sind die 
einschlägigen Handschriften beschaffen? 

b) Welches sind die charakteristischen Ueberein Stimmun- 
gen dieser Texte imd welches ihre Dififerenzen? 

e) Welcher Art wohl das Verhältniss sein mag, in dem 
diese letzteren Texte sich zu den übrigen in Betracht zu ziehen- 
den deutschen Texten befinden? 

Ad a). Anlangend die Handschriften, bemerke ich, dass 
die eine von ihnen gegenwärtig in der Ossolinski'schen Biblio- 
thek zu Lemberg sub Nr. 1643, die andere im galizischcn 
Landesarchive zu Lemberg* sub Nr. 438 vorhanden ist. Bei 
dem absoluten Mangel an Anhaltspunkten, die wenn auch nicht 
die Provenienz, so doch die weiteren Schicksale dieser Hand- 
schriften bezeugen würden, müssen wir die erste von ihnen 
nach ihrem vorletzten Besitzer, dem armenischen Erzbischof 
Torosiewicz, mit dem Namen der Torosiewicz'schen, die andere 
in Anbetracht des Umstaudes, dass sie im galizischcn Landes- 
archiv den Acten von »Sanok zugetheilt ist, mit dem Namen 
der Sanoker bezeichnen. Beide Handscliriften sind in Folio, 
auf Papier, von verschiedenen Händen geschrieben und haben 
auch den Umstand gemein, dass sie in den Anfang des 16. Jahr- 
hunderts gehören, sowie, dass sie mit nur geringfügigen Aus- 
nahmen, die sich jedoch mehr auf die Torosiewicz'sche als auf 
die Sanoker Handschrift beziehen, lauter juristische Bestand- 
theile enthalten. A, Bestandtheile der Torosiewicz'schen 
Handschrift: Bl. 1 — 20: Die unter dem Namen der versio 
Vratißlavensis bekannte lateinische Uebersetzung des sächsi- 
schen Landrechts, die jedoch in Folge Ausfalls mehrerer Blätter 

1 Die oflicicllo Kenenuuug dieses Archivs, das, nebenbei sei es gesagt, im 
Kloster der Bernhardiner zu Lemberg untergebracht ist, lautet: Archi- 
wum krajowe akt6w grozdkich i ziemskich (Archivum provinciale acto< 
rum cAütrensiuni et terrestrium). 



156 Kalainiaeki. 

nur die Cap. 33 — 93 umfasst; Bl. 20^ — 24^: Eine lateinische 
Uebersetzung des Lübecker Rechtes, die, ähnlich wie die im 
Heinrichauer und im Krakauer Codex Nr. 169^ enthaltene, 
sich unmittelbar an die versio Vratislavensis anschliesst und 
zu Ende die bekannten lateinischen Gedächtnissverse de longi- 
iudine et latitudine mansus franconici bietet; Bl. 24^ — 27^: 
Eine juristische Compilation, welche Fragmente des alten Halli- 
schen Rechtes in der Fassung vom Jahre 1235 mit anderen, 
fast ausschliesslich aus sächsischen Quellen entlehnten Frag- 
menten verbindet; Bl. 28* — 30: Register zu der versio Vratis- 
lavensis und dem Lübecker Rechte; Bl. 30* — 30^: Drei lateini- 
sche SchöflFensprüche, von denen der eine gewiss, die anderen 
sehr wahrscheinlich von dem deutschen Oberhof zu Eo^au 
herrühren; Bl. 31*— 69*»: Register und Text mehrerer von den 
deutschen Oberhöfen zu Lemberg und zu Krakau herrührender 
Entscheidungen; Bl. 70*— 71^: Einige belanglose theologische 
Excerpte sammt einer lateinisch und polnisch abgefassten Rech- 
nung aus Anlass eines stattgehabten Begräbnisses; Bl. 81* — 85^ : 
Register zu dem unmittelbar darauf folgenden deutschen Texte 
der Magdeburger Urtheile, deren Zahl auf 303 angegeben wird ; 
Bl. 87»— 128^- Dieser Text selbst, der jedoch in Folge Aus- 
falls mehrerer Blätter vom Ende sich nur auf 221 Artikel beläuft. 
B. Bestandtheile der Sanoker Handschrift: S. 1 — 2, 
dann S. 17, S. 5 — 16 und S. 3 (erste Columne): Fragment 
einer lateinischen Uebersetzung des sächsischen Landrechts, 
die zwar ebenso wie die im Krakauer Codex Nr. 168 (bei 
Homeyer Nr. 134) enthaltene in 390 Artikel zerfkllt, sich 
jedoch, wie ich dies aus den in der 3. Ausgabe des sächsischen 
Landrechtes von Homeyer enthaltenen Varianten, sowie aus den 
in seinen Extravaganten des Sachsenspiegels, Abhandlung der 
königl. Akademie der Wissensch. zu Berlin pro 1861, auf S. 251 
bis 259, mitgetheilten Zusätzen des Krakauer Textes Nr. 168 
ersehen konnte, nicht ganz an diese, sondern an eine andere, 
mir vorläufig noch unbekannte deutsche Redaction anschliesst; 
S. 3 (zweite Columne), S. 4 und S. 19 — 44: Lateinischer Text 



2 Eine sehr fleissige, von F. Bischoff herrührende Beschreibung dieses 
Codex vgl. in den Sitzungsber. der phil.-hist. CI. der kais. Akademie, 
der Wissensch. XL VIII, S. 269—297. 



Dit iMtntMkt KcMBilaa dir KM4ebiii;«r V 



157 



^ «fichsm'hcn WeichWIdrechtes , weicher nach Wegiaasung 

üblichen Prologs direct mit den Worten: C'esnr Ot'o ruffun 

Itf^nnt und soDiit gleichfalls der Kategorie von Weichhild- 

Inten angehitrt. von denen auf S. 132 dieser Abhandlung. 

im. li tsingehender ' die Rede war; S. 44—83: Fragment einer 

eioiBcben Uebersetzung des Bächeisthen Lehenrechtes. welches, 

reit ea eben erhalten ist, sowohl in Bezug auf Wortlaut,^ 

Hisr «oll DIU noch bemerkt werileu, ilasB der In diesBin Codex enthAl- 
lanp laMinürhe Text de» HÜchn.ichen %Veichbi]c]rechteR *ich viel ^uaaer nn 
ieoen in Lueo'a Commune inclyti Polonie regni Privilegium ansphlieiisl, 
als etwa der Teit, den wir Sn dem von F. Biscboff in den Sitiungaber. 
dfTpbiI.-hist.Cl.derltaiB.AIiadeiniederWi8«enar)i,L, S.34I~34S besuhrie- 
benen Ossolinski'achen Codex Nr. 833 ßnden. Eb apriclit bieFUr nicht nur 
4er Wortlaut, aondem in gleicher Weise auch die Artikelfolge und vor 
Allem der Umatand, dais tielW «oUbe Artikel ftea J^naki'sohen Textea. 
die weder in dem Oasolinaki'acheu, noch in den uücliat Tdrwsndteu 
deatschen Texten Torkommcn, in dem in Rede stehenden Sanoker Texte 

leamoit, und xwar an derselben Stella, wie im f.nakiiicben Texte, 
rorhknden sind. Icli nehme daher keinen AualHnd, in Verfall etündigong 
der ron BiachofT I. s. e. gewonnenen Resultate bier die AnaiL-ht nn«. 
auaprechen. daaa Lanki, ähnlich vie an der lateiniachen Uebersetxung 
aicliaiachen Land- und Lehenrerhten, so such an der in seiner Saiiim. 
long enthaltenen lateiniafheii tTeberaetxiing dos aichsischen Weichbild. 
nchlas «elbst ta (rnt wie gar nicht» arlieilele. Vielmehr hat er eine 

!■ fertige Uebr>raetxung dieeea Rechtes, die mit der im ^anoker 
Texte enthaltenen dnrchiiiis analog wsr, ^anx einrach herüliergenoinnien 
-nnd aum Abilmck gvliracht. 

in dem Pmlog sind, da da<i Lebenrechl bei Lnaki niebt den tiber 
•eenndna. Mindern emt den Über tertiii» niianiiicht, «tatl der Worte de» 
Originllst Qtirminm in prima parte liiiiut lilielti provinfiale iiui Tlieii/oni- 

II armptltnl^ tmiufu/i in lalinam ete., die dieaer letzteren Dinpn- 
«lti«n mehr enlapreehenJen Worte: Qvonian in prefalailHnit äno/uia 
litrit hilUi* vnInmirMia riuile rt pmniarinle in» fmnpelen/tr trinuliUtivi 
In latlmrm etc. geaetut. Anatslt aber einen Schritt weiter in geben 
Dod analog dieaer aueli die weiter nnten folgende Pbntae : Vf iiirii 
■f IUI Hl 1111, prmiiuno/» grilieet ei fendalit, cognila veräatr etc. elwn durch: 

«miin IHmi generum iarü , eiuilii leilieel el provineialii tl feodalU, 
tagttOa vtrUale etc. CD ersetnen, lieas sie Lnaco unberflhrt stehen nnd 
bnd an der Ungenauigkfit, die dadurch verarsacht warde, keinen An- 

, Und hierin liegt wohl, waa librigena schon Biener ge^en Orupen 
bemerkt«, der beste Beweis fQr die Richtigkeit der Ansicht, wie wunig 

D mit der in »einer StHtiitenaammlung vorhandenen lateinischen 
UebanelxnDg der bauplaächl lehnten Bestandtbeile des sAclisiacbeu Rechtes 
•ich Qberbatipt in tliun gab. 



15^ KalufniacVi. 

als auch in Bezu^j^ auf Artikolfol<2:(.' • mit der bei LaBCO ent- 
haltenen in einer Weise übereinstimmt, die es ausser allen 
Zweifel stellt, dass beide sieh viel niihor stehen als die mit 
ihnen im Ganzen gleichfalls übereinHtimmenden und in letzter 
Instanz gewiss auf einer gemeinsamen Uebersetzung beruhenden 
lateinischen Texte, denen wir in der Krakauer Handschrift 
Nr. 169, dann in dem sogenannten Heinrichauer und dem 
üzialyAski'schen Codex begegnen :2 S. 84—223 und S. 248 
bis 271: Rechtsbuch nach Distinctionen in deutscher Sprache, 
welches bis auf die ganz selbstverstilndlichen Auslassungen, 
nebcnsHchlichen Zusätze u. s. w. sich im Uebrigen fast ganz 
an die hergebrachte, durch OrtlofF's Ausgabe, Jena 1836, uns 
näher gerückte Form dieses Rechtsbuches anlehnt, jedoch ans 
Gründen, die uns nicht näher bekannt sind, nur von Buch I 
bis Buch V, Cap. 29 reicht; S. 274—343, S. 224—247, 8. 368 
bis 369 und S. 390-402: Der weiter unten zu besprechende 
deutsche Text der Magdeburger ürtheile; S. 370—373, S. 382 
bis 389 und S. 344 — 367: Fragment der versio Sandomirensis 
des sächsischen Landrechtes, die, soweit sie erhalten ist,^ eben- 

* Wenn aber RchlicBslich in der ZRlilunp: der Artikel zwiitchen dorn ü^iiAki- 
Rclion lind dem Hanoker Texte sicli eine niclit unbedeutende Differenz 
KU GnuHten des letzteren lierauHstellt. so hat das nichts weiter zn be- 
deuten, alH nur, da^f« der Schreiber der dienoin Texte zu Grnndo lie- 
jfrndon Vorlage aurh die einzelnen Paragraphe eines jeden Capitcis mit 
l»e»ondoren Nummern versah und so »choinbar eine viel (rriisnere Artikel- 
Kahl KU Stande brachte als Lasko. In Wirklichkeit sind aber beide 
Texte, wie in allen anderen Heziehuii<;cn, so auch in Bezu^ auf Um- 
fauf^ und die Aufeinanderfolge der in ihnen enthaltenen Materien als 
durchaus übereinstimmend zu bezeichnen. Nur die drei Schlumartikel 
dos J^aski'schen Textes lassen sich im Sanoker nicht belef^^en, und 
zwar aus dem Grunde, weil der Sanokor Text in Folge Ausfalls einif^er 
HlKtter an dieser Stelle nicht complet ist. 

2 Eine sehr instructive Zusammenstellung^ sowohl der abweichenden als 
der ül>ereinstimmenden Stellen aus dem zuletzt genannten nnd dem 
Laski'schen Texte vgl. bei Homeyer , Sachsenspiegel II, Anhang V, 
8. 310 f. 

^ Zu den (erhaltenen Hestandtheilen gohOren, wenn wir die Ausgabe 
l^aski's zu Grunde legen, Artikel 1 — 29, dann Artikel 31 — 67, sowie 
Artikel HO — 242; fehlen sonach noch volle 1A2 Artikel, und zwar theils 
in Folge rein mechanischer Unachtsamkeit, wie z. B. Artikel 30, theils 
\\\ Folge Ausfalls der einschlägigen Blätter, wie die übrigen Artikel. 



Die polDiscbe Rec^nsion der Msf^deburger Urtheile. 159 

falls mit der bei Lasco enthaltenen übereinstimmt^ und ebenso 
wie diese relativ correcter ist als manche andere, namentlich 
aber als die im Ossolinski^schen Codex Nr. 832 enthaltene Ab- 
schrift; S. 374 — 381: Regisfrum iuris Maydeburgensis primi Uhri 
ef secundiy worunter speciell ein Index zu verstehen ist, den 
ein unbekannter Autor zu der versio Sandomirensis des sächsi- 
schen Land- und Weichbildrechtes verfasste, wovon jedoch in 
unserer Abschrift blos die Partie bis zu der Rubrik: De 
duobus gladiis, etfynodo, et festem etcUibus^ et linea confanguinei- 
tatis vorhanden ist. 

Ad b). Zur zweiten Frage übergehend, constatire ich, 
dass beide in diesen Handschriften enthaltenen deutschen Texte 
der Magdeburger Urtheile bis auf die gewöhnlichen und bei 
der gedankenlosen Art, mit der solche Texte gewöhnlich abge- 
schrieben wurden, fast unvermeidlichen Auslassungen, Umstel- 
lungen, nebensächlichen Zusätze ^ u. s. w., sich im Ganzen als 
durchaus identisch erweisen. Auch der Umstand, dass der in 
der Sanoker Handschrift enthaltene Text um volle 40 Artikel 
reicher erscheint als der andere, ist rein illusorisch und vermag 
die Richtigkeit jener Behauptung nicht zu alteriren. Denn in 
Wirklichkeit sind die meisten von diesen Artikeln, auf denen 
die numerische Ueberlegenheit des Sanoker Textes beruht und 
zu denen ich im Besonderen Artikel 1 — 37 und 302 rechne, 
in ihm unter Artikel 177 — 216 und 331 noch einmal vor- 
handen, können also keineswegs die Bedeutung in Anspruch 
nehmen, die man ihnen bei einer blos flüchtigen Betrachtung 
vielleicht zuschreiben möchte.^ Nur die Artikel 247 und 324 

' Ich habe im Ganzen nur zwei Differenzen constatirt: 1. das« die im 
Sanoker Text enthaltene im Vergleich zu der im Laski'schen Text ent- 
haltenen Uebersotzung auch noch die Namen des Uebersetzers, dos 
Veranlassers und dos Ortes Sandomir beibehält; 2. dass sie unter 
Nnmmer 108 einen Artikel bietet, der im Laski'schen Texte weder an 
dieser, noch an einer anderen Stelle vorkommt und folgendermassen 
lantet: De eo, gm manum avl vitam pecunia redimif, Qui vUam att^ ma- 
num rtdimerit, qttod ßhi iure ahiudicata ftierit, hie i^io iure eß pravatus. 

' Als einen solchen sehe ich unter anderen auch die Stelle an, welche 
sich im Sanoker Text zu Ende des Artikels 58 findet und also lautet: 
Somuek eyji man yrmeri dy clage^ dy claye fcX man wedir hoen nach 
nedem y darnach is de/ir bewaren kan. 

' Und wenn man nach dem Grunde fragt, warum die genannten Artikel 
im Sanoker Text zweimal vorkommen, so lässt sich wenigsten« in Be- 



ICO 



Kalnin iacicl. 



Bind alrt solche anzusehen , die im Vergleich zu dem Tvn- 
i»iewicz*8ehen Texte alä das specielle Eigenthum des St&okff 
Textes gelten können. Da jedoch zwei Artikel mehr ok 
weniger^ noch keine Differenz begründen , so glaube idi 
nicht, dasa ich etwa» Ungerechtfertigtes behaupten wai^ 
wenn ich. vorbehaltlich die bereits constatirten Abweicbimpi 
(Auslassungen^ Umstellungen^ nebensächliche Ziufttse n. & w.) 
die beiden in Rede stehenden Texte als durchaiu identid 
bezeichne. 

Ad c). Und wenn man fragt, in welchem Veifcltoi» 
wich die beiden zuletzt genannten Texte zu den flbrigen, Wi 
der Vergleichung mit der polnischen Reccnsion in Betradit ■ 
ziehenden deutschen Texten befinden, so antworte ich, im 
»io zweifellos der ersten Redaction angehören. HieftLr 8pri4l 
nicht nur der Inhalt und der Wortlaut der einzelnen Aitikd, 
nondern in gleicher Weise auch die Aufeinanderfolge und ia 

troir der Artikel 1—37 als »eher annehmen, da» sie hier laf fiM 
WoIho zum Vorsclieiu traten, dam der Schreiber dieses Textet «* 
Vorlaufe benutzte, der ein auH den Artikeln 177—216 bestehendes Fn^ 
niiMit vorpehoftot war; thatsäohlioh beginnt aber der SanokerTezt €rt 
mit Artikel 38. 
• In Hi'trotr dioHer Artikel muss ich Ubrifrons noch bemerken, dt» ^ 
xwnito vini ilinen (aiMO Art. 824) niclitfl weiter iHt als eine blot lodl 
iiiiprii^iiirto Paraphrase des Artikels 290 deitselben Textes, wfthrendto 
Artikel 2IH eine nur tlieilweise vervollstünditrte Wiederholnng des A^ 
tikoU •JI7 iMt, und zwar nicht gerade (;enau nach dem Wortlaute 4w 
HiiiHikor. hoziohuufTHweise de» Pilznoer oder des Krakauer, sondern asA 
d«Mii doH DroHdner Textes. Zum Beweis dessen führe ich den AnfifliJ 
dli'Mi's Artikels liier wörtlich an. Er lautet: L*i1hh frunde! Wir W« 
rtvt'h ifr/i'hrrfn'n vormalh, tip f'i/neni manne , der nicht ynheymin^ wercüf 
iliiiffpftirfitit/^ vor/ftrochin irfr j\i/n ;fut, wtf man da» mit rechte ^«»jfMff 
mti'hlr und up man den irh vorftotin /uUe. Jhntff' ha/tif ir «im ^jchrMn: 
Afiiit j'id den man nicht vorftoten von rechti* irejfin; ^curde aber jfmoMf^ 
drr nicht dintfpjiechtitj oder nicht yn'ici/minch were, vnd yni vntojf/yenÜit^i 
l'rtjn tful \u}r/ptt}chin vnd vorctntfit. der mochte czu /et/me gute wedir kome», 
ulxo dan her ßcerc, da» her jo verre au» dem lende getce»t ^cer, da» her 
j'rt/n tfut nicht voran/trorten mochte, ap der doczu kumpt hynne tor vnd ta$ 
iLtrmtch^ ah f/m dt/ cfafje uff /ei/n gut irjte wyffentlich wurde oder tpot 
ajub'r echtnot gehiiulirt hette ^ dj/ her denne auch f*etceg/te aJx redU t/t, 
dniiuH'h mnße der vm dy fchuJt anttnorten, No hite wir vnt vollen «wler- 
wei/üin, ap das an eirir genode gefeyn mag u. s. w., wie in den Magde- 
burjr,.r Frujceu 11, 1*. il". 



geMmmtG Tenor ' derselben. Auch die scheinbar ganz gering- 
ftgige, aber in hihliograpliischer Beziehung gewiss nicht un- 
«ich^^ Erscheinung, rlass die Artikel 18 und 37 in den Texten 
jn «Tsten Rediiction zweimal wiederholt werden, trifft in den 
ioM^ stehenden Texten ebenfalls zu und ist als ein Argument 
uioHlien, das eeteris paribus wohl t-twas werth ist, Anderer- 
leits iMsen sich aber zwischen den in Rede stehenden und 
ifti oben genannten Texten dieser Redaetion auch gewiaee 
Colcrschiede nicht verkennen. So ist der Artikel des Pilznoer 
Texte« 31 (im Krakauer Text gleichfalls 31) in den in Rede 
rtckmleö Texten um zwei, der Artikel des Pilznoer Textes 76 
(im Krakauer Text gleichfalls 76") um einen und der Artikel dea 
Pilujoer Textes 123 (im Krakauer Test gleichfalls 123i um zehn 
^kel vorgeschoben und der letztere nicht ohne gewisse Sach- 
kenntnias somit an eine Stelle gebracht, wo er aus sachlichen 
wie ftus historischen Beweggründen thatsächHch hingehört; so 
lind zweitens die Artikel des Pilznoer Textes 145 und 180 (im 
Irakiuer Test ist nur Artikel dos Pilznoer Textes 180 als Ar- 
tikel 179 vorhanden) in den in Rede stehenden Texten als 
(tiras Zusammengehöriges behandelt und biebei noch die Ein- 
riehiung getroffen, dass Artikel des Pilznoer Textes 180 voran- 
^lit, Artikel 145 nachfolgt; so sind drittens ausser den Wieder- 
Wungen. die bereits genannt wurden und die auch dein Pilznoer 
uiid dem Krakauer Text eignen, in den in Rede stehenden 
Texten noch viele andere Wiederholungen vorhanden,' für die 
ebenso, vrie für jene, kein genügender Erklüningsgrund vor- 
handen ist. Hinzukommt, dass der Torosiewiez'scbe gleichwie 
der Sanokcr Text thells um eine Reihe von Artikeln reicher, 
theils ärmer ist als die corrcspondirenden Texte der ersten 
Redaetion, eowio, dass sie die in H und Kji noch vielfach er- 
haltenen historischen Daten, insbesondere Ortsangaben, gröBSten- 
tbeils fortlassen. Es ergibt eich also, dasB zwischen den in 
tehenden und den beiden anderen Texten der ersten 



* AbweiebDugeu vod der irt, wie die weiter unten ang;efUbrtän , ädar 
wie die in TU, 16, IB, 3t, 43, 44, 49, 50, 70, TG. T8, 88, OS, 102, 133, 
141, ua, 13S, t73, 175, 1S9, £13, -2U, HS und 230* vorhandenen 
brauchen hiar aelbstreraläudÜch gut nicht in Botrauht %\i kammeu. 

' Sie lind iu der «eit«r unten folgenden Tabelle durch einen rorgesetxten 
Stein eniubtUcU gemacht. 

r. I. xkii.-h.ti. ci. eil üi. 1. an. Ii 



1 



162 RalainUcki. 

Redaction denn doch eine Grenzscheide besteht; die es mit 
sich bringt, dass ich sie in zwei besondere Nuancen trenne 
und dabei den Krakauer und den Pilzner Text als die erste, 
den Sanoker und den Torosiewicz'schen Text als die zweite 
Nuance der ersten Redaction bezeichne. Die erste Nuance ist 
zugleich die ältere, die zweite die jüngere Form derselben. 

Dies vorausgeschickt, gehe ich nun zu dem eigentlichen 
Gegenstande dieses Capitels, d. i. zur Klarstellung des Verhält- 
nisses über, in dem sich die polnische Recension der Magde- 
burger Urtheile zu jenen sieben und zu diesen zwei Texten 
befindet. Meiner Methode getreu, stelle ich mir selbstverständ- 
lich auch hier, ähnlich wie im Capitel 11 dieser Untersuchung, 
folgende zwei Hauptfragen : 

I. Wie verhält sich die polnische Recension der Magde- 
burger Urtheile zu den betreflfenden deutschen Texten in Bezog 
auf ihre Artikelfolge ? 

n. Wie in Bezug auf ihren Wortlaut? 

Ad I. Um zunächst die erste Frage zu beantworten, 
schicke ich eine Tabelle voran, die so eingerichtet ist, dass die 
polnische Recension in ihr durch den Ossolinski' sehen Text 
repräsentirt ist, während die in Betracht zu ziehenden deutschen 
Texte mit Ausnahme derer der vierten Redaction, die als 
weniger belangreich nur durch den Berliner Text repräsentirt 
werden, in ihr in ihrer Gesammtheit erscheinen. Auch ist in 
dieser Tabelle ferner die Einrichtung getrofi'en, dass der Obbo- 
linski'sche Text, der als Repräsentant der polnischen Recension 
zugleich die Grundlage der Vergleichung bildet, in ihr den 
ersten, der Pilznoer den zweiten, der Ea*akauer den dritten, der 
Torosiewicz'sche den vierten, der Sanoker den fünften, der 
Dresdner den sechsten, der Thorner den siebenten und der 
Berliner den achten Platz einnimmt. Den Ossolinski 'sehen 
wollen wir kurz durch O, den Pilznoer durch H, den betreffen- 
den Krakauer durch Kß, den Torosiewicz'schen durch T, den 
Sanoker durch Sa, den Thorner durch Th, den Berliner durch B 
bezeichnen. 0, Pi, Kß, T und Sa standen mir bei Verfassung 
dieser Tabelle in originali, Dr, Th und B in den einschlägigen 
Auszügen und Verweisungen von Gottschalk, Wasserschieben, 
Bohrend und Brückner zur Verfügung. 



Di« polniMbe Becension der Magdeburger Urtheile. 



163 



Tabelle H. 







1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

18 

14 

15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 

24 

25 
26 
27 

28 



29 

30 
31 
32 
33 



\ 



( 



( 



Pi 



Kß 



1 

2 

3 
4 
5 
6 

7 

8 

10 

9 

11 

12 

13 

14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 



\ 



-I 



_f 



\ 



23 
24 
25 



2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

10 

9 

11 

12 

13 

14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 



-I 



I 
-( 



23 
24 
25 




11^ 



164 



CUaiaUckL 



O 



I'i 



Sn 



Dl 



Th 



B 



34 




26 




i*6 


37 


62 


65 








1.10 


35 




27 




27 


38 


63 


66 








1.11 


36 




2> 




2> 


39 


64 


2 









— 


37 




31 




31 


40 


65 


5 








— 


3S 




29 




29 


41 


€6 


3 








— 


39 




3<» 




SO 


42 


67 


4 








— 


40 




32 




32 


43 


68 


6 








— ■ 


41 




33 




33 


44 


69 


7 









! 


43 




34 




34 


46 


70 


8 








— . 


43 




36 




35 


4« 


71 


9 








— 


44 


1 


36 


1 
1 


36 1 


"! 




162 


1 


152 
153 


r 


i 

1.12 ; 


45 




37 




37 


49 


73 


202 




197 




— 


4fi 




35 




3> 


49 


74 


191 




154 




1.13 ■ 

1 


47 
4S 


1 


39 

4\» 


1 
l 


39 1 

40 1 


50 f 

51 1 


75 1 

76 l 


196 


f 


166 




1 

1.14 j 


49 




41 




41 


52 

1 


77 


197 




167 


• 


1.15 


50 




42 




42 


53 


78 


166 




178 




1 


51 




43 




43 


54 


79 


167 




179 




1.16 , 


5f 




44 




44 


55 


80 


— 




181 




— 


53 




45 




45 


5« 


81 


168 




180 




1 


54 




46 




46 


57 


^^ 


165 




177 




1.17 


55 




47 




47 


59 


83 


114 




176 




1.18 


56 




4> 


1 
1 


4> j 


59 1 


84 ( 


10 
20 


1 


— 




— 


57 




49 




49 


60 


85 


19 








— 


5S 




50 




50 


61 


86 






— 




— 


5ii 




51 




51 


62 


86» 


21 








— 


60 
61 




52 


1 


52 1 


63 1 

64 ' 


87 1 


22 
23 


1 
1 






^^ 


6^ 




53 




53 


65 


89 


24 








"" 1 


|6,V 




54 




54 


66 


90 


25 










63* 




56 




56 


6> 


92 


271 




1 




— 


61 




5S 

55 


1 


5> j 
55 ' 


69Li 
67 ' 


93 1 
91 * 


2711 
26 i 


1 

1 




- i 


6,\ 




5: 




5: 


69L 


94 


271 


» 






1 


66 




59 




>*• 


7o 


95 


1 








— 


6; 




60 






:i 


96 


— 




1 




^■^"" 


6S 




61 




61 




97 


13 




1 _ 




— 


6;^ 




6V 




6o 


7> 


98 


13 




1 

1 




— 


;o 




6,-^ 




6;^ 


74 


99 


14 




1 




— 


;i 




»^1 




* 5 


15 


U>i> 


15 








— 


t« 




*^> 




6V 




101 


16 








— 



Di« polfliselie Recenaion der Magdebni^er Urtheile. 



165 



Kß 



113 
114 



104 
105 



8a 



64 
66 
68 
69 
70 
71 
72 
73 
74 
76 
75 
77 
78 
79 
80 
81 
82 
83 
84 
85 
86 
87 
88 
89 
90 
91 
92 
93 
94 
95 
96 
97 
98 
99 
100 



101 
102 
103 

104 

105 



Dr 



Th 



77 

7ö 

79 

80 

81 

82 

83 

84 

85 

86 

87 

88 

89 

90 

91 

92 

93 

94 

95 

96 

97 

98 

99 

100 

101 

102 

103 

104 

105 

106 

107 

108 

109 

110 

111 

112 



113 
114 
115 

116 

117 



102 
103 
104 
105 
106 
107 
108 
109 
110 
111 
112 
113 
114 
115 
116 
117 
118 
119 
120 
121 
122 
123 
124 
125 
126 
127 
128 
129 
130 
131 
132 
133 
134 
135 
136 
137 



138 
139 
140 

141 

142 



226 
232 
231 
233 
234 
235 

236 

119 
120 

121 
122 
123 
124 

245 
202 
108 
109 
142 
143 
144 
110 
111 



f 



197 
1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 



17 




18 


— 


28 




229 




230 


1 



) 



112 



97 
98* 



( 



10 
11 
12 
13 
14 
15 



I. 19 
I. 20 

I. 21 
L 22 
I. 22»» 
I. 23 
L 24 
I. 25 
T. 26 
I. 27 



I. 28 
I. 29 

I. 30 

I 

I I. 31 



I. 32 



166 



KaUiniaeki. 




Pi 



115 
116 
117 
118 
119 
120 
121 
122 
123 
124 
125 
126 
127 
128 
129 
130 
131 
132 
183 
134 
185 
136 

137 



152 



153 
154 



\ 



106 
107 
108 
109 

iio 

111 
112 
123 
113 
114 
115 
116 
117 
118 
119 
120 
121 
122 
124 
125 
126 
127 

128 



{ 



142 



Kß 

110 
106 
107 
108 
109 
111 
112 
123 
113 
114 
115 
116 
117 
118 
119 
120 
121 
122 
124 
125 
126 
127 



( 



118 
119 
120 
121 
122 
123 
124 
125 
126 
127 
128 
129 
130 
181 
132 
134 
133 
135 
136 
137 
138 
139 



Sa 

143 
1^4 
145 
146 
147 
148 
149 
150 
151 
152 
153 
154 
155 
156 
157 
158 
159 
160 
161 
162 
163 
164 



\ 




Dr 

98' 

99 

145 
179 
102 



991. 
100 
101 
180 
112L 
113 

244 
181 
182 
188 
184 
185 
186 

187 

188 
189 
190 
146 




32 



16 
17 
18 
19 
20 
25 
21 
88 
22 
28 
24 
26 
27 
28 
29 
80 
81 
82 
84 
85 
86 
87 
88 
89 
40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 

48 



{ 



{ 



Die polnische Beeenston dor Magdeburger Urtheile. 



167 



I 
I 



\ 



1 
I 

I 

( 



I 



Pf 

80 
45 
46 

47 



Kß 



51 



57 

58 
59 
60 
61 
62 
63 
64 
65 
66 

67 

68 
69 
70 
71 
74 
72 
73 
75 
76 
77 
78 
79 

181 



( 



) 



1 



I 



146 



147 



151 



157 



167 



176 



58 
59 



64 



180 



70 

71 
72 
73 
74 
75 
76 
77 
78 
79 

80 

81 
82 
83 
84 
87 
85 
86 
88 

89 

90 
91 

193 



I 



\ 



Sa 

183 
184 
185 

186 



I 



196 



206 



\ 



215 

216 
217 

219 



\ 



\ 



Dr 

96 
32 

33 
34 
35 

f 
36 \ 

37 

38 

39 

40 

41 
42 

43 

44 

45 

46 
47 



50 
51 
52 
53 
56 
54 
55 
57 

70 

71 
72 

60 



! 
I 



\ 



48 \ 



Th 

108 
71 
72 

73 

74 

52 

53 

54 

561 

571 

58 

59 

60 

61 

62 

75 

76 

77 

78 

79 

80 

81 

82 

83 

84 

85 

86 

87 

89 

90 

91 

92 

95 

93 

94 

96 

98 

99 
100 
106 
107 



) 



( 



( 
( 



\ 



\ 



L 90 
I. 60 



\ 



I. 61 

I. 62 
I. 63 
I. 64 

I. 65 

I. 66 
IL 94 
I. 67 
I. 68 
I. 69 

I. 70 

IL 95 
L 71 
L 72 
L 73 
L 74 
L 75 
L 76 
I. 77 
L 78 



L 79 
L 80 
L 81 
L 82 
L 85 
L 83 
L 84 
L 86 

L 87 

L 88 
L 89 

L 91 



168 



KalulDiaoki. 




210 
211 

212 
213 
214 
215 
216 



218 203 

219 f; 204 

220 ii 205 \ 

221 I 206 

222 207 

223 I 208 
209 

210 
211 



Die polnische Becenelon der Magdeburger Urthcile. 



169 



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212 
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[230] 

[231] { 

[232] 
[233] 



234 
235 
236 
237 
238 
239 



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258 

259 
260 
261 



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236 



[240] 

241 
242 



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252 


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278 


254 


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243 
244 
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247 
248 

249 
250 
251 



262 
263 
264 
265 
266 
267 

268 

269 
270 



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[252] I 



253 
254 
255 
256 
257 
258 
259 
260 
261 
262 
203 



271 
272 
273 
274 
275 
276 

277A. 
277E 
278 

279 

280 
281 
282 
283 
284 
285 
286 
287 
288 
289 
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163 
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222 
212 

194 
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196 



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202 
203 
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1.35 
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1.46 

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307 
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•1.77 




•302 


•196 


•194 


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295 


•322 


•80 


•136 


•11. 5 




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•228 


*228 


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•323 

324 
325 


•1921 


•157 


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Mit Hilfe dioBer Tabelle ersieht man nun, daea die polni- 
«be Recension aich ihrem Inhalte nach zwar in allen vier 
nir Vergleicliung herangezogenen deutschen Redactionen ßndet, 
lass jedoch nur die Texte der ersten Rcdaction als solche ange- 
sehen werden können, von denen man sagen darf, dass sie mit 
kr polnieehen Reeension auch in Bezug auf Artikelfolge über- 
einstimmen. Von den Texten der ersten Redaction, die, wie 



172 Katniniaeki. 

dargethan wurde/ in zwei Nuancen zerfallen ^ sind es aber 
wieder jene der zweiten Nuance, auf welche das von den 
Texten der ersten Redaction Gesagte sich mit viel grösserem 
Rechte anwenden lässt als auf die Texte der ersten Nuance. 
So sind, um nur die wichtigsten Belege hervorzuheben, die 
Artikel 23—30 und 108, die weder in den Texten der 
ersten Nuance, noch in denen der übrigen Redactionen vo^ 
kommen, in den Texten der ersten Redaction zweiter Nuance 
genau an derselben Stelle und genau in demselben Zusammen- 
hange vorhanden wie in der polnischen Reoension; so sind 
ferner auch die Artikel 37, 82 und 122, von denen der erste 
in den Texten der ersten Nuance um zwei, der andere um 
einen und der dritte um zehn Artikel später vorkommt, in den 
Texten der zweiten Nuance an einer Stelle vorhanden, wo sie 
sich auch in der polnischen Recension befinden; so ist endlich 
auch der Artikel 155, der in den Texten der ersten Nuance 
in zwei, durch 35 Artikel unterbrochene Hälften zer&Ut und 
die Ordnung umkehrt, in den Texten der zweiten Nuance ab 
etwas Zusammengehöriges behandelt und genau in der Auf- 
einanderfolge angeführt wie in der polnischen Recension. Es 
sind also, wie man sieht, Belege genug vorhanden, die es ausser 
allen Zweifel stellen, dass die polnische Recension mit den 
Texten der ersten Redaction zweiter Nuance in einer ebenso 
durchgreifenden wie eingehenden Uebereinstimmimg steht. Ja^ 
man könnte sogar noch einen Schritt weiter gehen und, auf die 
voranstehende Tabelle, wie nicht minder auf die soeben ange- 
führten Belege gestützt, sogar ganz bestimmt die Behauptung 
aussprechen, dass die polnische Recension aus einer Vorlage 
geflossen ist, die, soweit Inhalt und Artikelfolge in Betracht 
kommen, mit den Texten der ersten Redaction zweiter Nuance 
vollkommen identisch war. Bedenklich und mit der Behauptung, 
die soeben aufgestellt wurde, im gewissen Widerspruche stehend 
erscheinen nur folgende Abweichungen: 1. dass die polnische 
Recension einestheils um filnf Artikel reicher ,2 anderentheils 
um 28 Artikel ärmer ist^ als die entsprechenden deutschen 

1 Vgl. S. 161. 2 Es sind dies die Artikel: O 109, 157, 239, 267 und 268. 

3 Dahin gehören: Sa 247, 271, 299—313, 315—318, 325—330 und 332. 
Die Artikel: Sa 314, 319—324 und 331 sind dagegen blosse Wieder- 
holungen der nächst vorangehenden Bestandtheile. 



Text«-: 2. dasa sie die Artikel 183—185 uud 209—225 in 
einer etwas anderen Reihenfolge bietet' nia die i-orreepondiren- 
den deutschen Texte. Wenn man aber erwilgt, das« von den 
Artikeln, die die polnitscbe Reccnsion vor den Texten der ersten 
Redaetion zweiter Nuanee voraus bat , zwei ganz gewiss,'^ die 
»□deren siwei-' höebst wahraebeinlich erat von dem Veran- 
etalter der polniseben Uebersetzunp selbst binziigcfügt wurden, 
während die Artikel, um die die polnische ReconBion ärmer 
ist als die betreffenden dfiutscben Texte, in diesen letzteren 
insgcsamint am Endo stehen und somit in der polnischen Recen- 
fiion wobi nur in Folge des Umstandcs fehlen, weil die voraus- 
msetzendc deiU8uhe Vorlage an dieser Stelle nieht complet 
war, so wird man wenigstens den sub 1. erwähnten Abweichun- 
gen kein gar »o grosses Gewicht beimessen. Aber auch die 
sab 2. erwähnten Abweichungen sind keineswegs so beschaffen, 
d&Bft eß statthaft wflre, sie zur Grundlage weiterer, obiger Be- 
baoptung widersprechender Schlüsse zu machen. Im Gegen- 
tfaeil, wir werden, wenn wir diese Abweichungen etwas ein- 
gehender prüfen, vielmehr zugeben müssen, dasa sie, indem 
sie, älintich wie die in den pidnischeu Texten oder die in IK 
und K/i enthaltenen Artikelaltcrationcn, auf ganz gewöhnheben, 

P:ch UnRchtsanikeit des Abschreibers, beziehungsweise des 
bersetzers entstandt- nen Umstellungen , oder gar auf einer 
Bsen Verheftung^ beruhen, für die Frage nach der Identität 
ST Nichtidentität der verglichenen Texte so gut wie keine 
Wm riagegen die UmeiEillniigeu aalaiigl, denen wir bei S3 — 6Ö und 
bei O 193— I91J'' bogegnen, so boütb ich sie hier desbaltj nicbt, weil bis 
eben nur in O und nicht auch in den Utirigen polnischen Texten vor- 
kommen, wHhrend die Umatelhiug', der wir bei O 137 — 110 begegnen, 
ir dem TorasiewicK'Bokeu und niclit mucIi dem Sanoker Texte eignet. 
■ aind dies die Artikel: O 367-26»«. 
1 O 109 und 157. 

* Und tv»r »teile ich mir diese Verheftimg so vor, Antn in der dem 
poIiÜKhen Ueberietzer xnr Verfiigung geelaudenen deutschen Vorlage 
die Artikel, die in fia den Anikelu SÖ0-3ä7 entsprechen, ans ihrer 
fiberliererten Ordnung Ueranagehoben und x wischen Artikel gestellt 
wurden, die in ^a den Artikeln i'M und ii» entip rechen. Auf diese 
Weice niusslen sodann die Arlika], die in .^n den Artikelu 2-10-a4g 
entaprechen, zwischen Artikel Bii »leben kooimeu, die in Sa den Artikeln 
SG7 und ä58 mitsprechen. Im üebrit^en behielt aber jode von diesen 
■i Arlikf'lpnrtien Hie llbprli-fBrlo Onli.iinc. 



174 KaUiDiacki. 

Hodoutung litibon. Und dies umBomehr^ als sie selbst dann, 
woiiii sio, was jedoch dem Gesagten zufolge gar nicht zuge- 
geben wird, einen etwas tieferen Hintergrund hätten^ viel zu 
geringtllgig wilren,* um uns in BetreflFdes Verhältnisses, in dem 
»ieli die [>olnisehe Kecension zu den Texten der ersten Redac- 
tion zweiter Nuance betindet, eine andere Ueberzeugung beizu- 
bringen, als diejenige ist, die ich soeben ausgesprochen habe. 

Ich bin daher ganz entschieden der Ansicht, dass, soweit 
Inlialt und Artikelfolge in Betracht kommen, die über Veran- 
las(iui\g des Nicolaus Gologorski um die Mitte des 15. Jahr- 
hundvTts bewerkstelligte polnische Uebersetzung der Magde- 
burger rrtheile aus einer Vorlage geflossen ist, die bis aof 
die weuig\Mu soeben angetilhrten und grösstentheils belanglosen 
Abweichungen gtMiau mit den Texten übereinstimmte, die wir 
:ils die Texte der er;>ten Redaction zweiter Nuance kennen 
lernten. 

Ad IL \Veuig\'r klar als in Bezug auf Inhalt und Artikel- 
tolgx' »teilt sieh die {vlnische Kecension im Vergleiche zu den 
Texten der ersten Kcvlactivni zweiter Nuance in Bezug auf önen 
\V\»«laut dar. Pa gewahrvn wir neben den gewöhnlichen, selbrt 
in duivluius gleichartigen Texten nicht unzulässigen Umstd- 
luugxM\» uxeohütuscheu Auslassungen, nebensächlichen Zusätsen, 
Versohwibuv.gvn u, s. w, auch solche Modificationen, die etwtf 
autYalleudor sir.d a!s diese und von denen wir kaum sagen 
können, dciss >io in a;:rYhaus gloichanigen Texten besonders 
Ixiiutxg x\A\vn loh soluivle sie* behufs prftciserer DarstellnsS 
dei>*elbon xn uach^roher.xle Ka*egorien: 

' .Vw<* *ys^ Vs-.iko; t*A-vv. A* M :>«A»dk^^:c2} nur iO, oder, wenn man aucJ* 
,V,o X*; ,* *v< <^v ,;; ,: v. / ;?^5 -:?v.<» «?ic>.ü;oIi gemachten Umitellaog^^ 
ri^ixw/v.ov ^,'',:j>\ >..vvsr»'ri>i :^^ An:k«^I. ^* in der in den Texten dö' 
^^'^Mov, KtN^cuov. »^Kv.r^v 'S%x:r>«>j> M:iijutes«n Reihenfolge nicht gen^^ 

* l"^,o ,*.\x r..:v;v,K-v VvkV.-.cv-t. l.^rtwc xt.y>^r nbii^rent anch anf die b^* 
tiv^Ä^-^-.NVv. ^vv^n ? oo.^v "rr.T'-'T Kr*c^ij*c'*. AwhiTfÜr slaT. Philologie "V* 
S S^> s»V. v,v w ,^v/. '"^-^ -. Ä^?/v «••i^*i«*r f»*i anMchlieailich nur a**^ 
.':,'• n* r.Nvxv ;\\i S^'>.VrA S.'v .^fc i>.-.wö»clt^n Verwandtschaft dies^ 
V,^\ ,Nx r> .i . , . V,A .N- ,%-^v KAäJkTxi-ii xwelMr Nuance, im Atf" 

kV'-^ »■,.«■ .=:.s> ,' . ,.-■ N> xvi".«»5«s'':,->?rti BiVd Ton den Verschiedef 
>v ün'.n . .* i^ ^ >C'r .s.' 7v'.*.r.::j^-i»M: R^KSMon und den eiH' 

^> ^K.iL*.^ V, V. •.vvv.« .' "^Vrr.; *n: W.-»rü«ii bestehen. 



Die poloische Beeension der Magdeburger Urtbeile. 175 

A. in solche; die im Vergleich zu den Texten der ersten 
Redaction zweiter Nuance sich als deren Kürzungen; 

B. in solche, die im Vergleich zu den Texten der ersten 
Redaction zweiter Nuance sich als deren Erweiterungen; 

C. in solche, die im Vergleich zu den Texten der ersten 
Redaction zweiter Nuance sich als deren Umgestaltungen er- 
weisen. 

A. Kürzungen. Was zunächst die Kürzungen anlangt, 
80 lassen sich dieselben, strenge genommen, auf folgende 
Formeln zurückführen: 

a) Die mitunter noch ziemlich weitläufigen und stellen- 
weise auch in historischer Beziehung nicht unwichtigen Ein- 
gangsformeln, wie wir solchen in T und Sa, insbesondere aber 
in K, Kßy Dr und Th begegnen, wurden in der polnischen 
Receosion mit nur wenigen Ausnahmen gekürzt oder fortge- 
kssen.^ 

b) In ähnlicher Weise wurden auch die Schlussformeln, 
die in historischer Beziehung nicht selten auch von Belang 
and und in T und Sa ebenso wie in Pi, Kß, Dr und 7'A stellen- 
weiße noch den ausführlichen, an die ursprüngliche Gestalt 
der Schöffenbriefe erinnernden Wortlaut haben , in der polni- 
Bchen Recension ohne Ausnahme fortgelassen. 

c) Stellenweise wurden sogar ganze Fragen, wenn nicht 
gerade fortgelassen,^ so mit den darauf folgenden Antworten 
b einer Weise verknüpft, dass von der ursprünglichen, in T 



> Zq den fortgelassenen gehört unter anderen auch die Eingangsformel, 
die dem angeblich ersten, von Krakau zu Magdeburg geholten Urtheil 
vorangeht und die in den Texten der ersten Redaction zweiter Nuance 
folgendermassen lautet: DU iß (in Sa: was) der erße briff, der czu 
MeydenbuTff durch der Croki/chin (in Sa: Cracawfchen) ßat /chreyber ge- 
hoUt xcart, der achczin ßnt (in Sa: feyn) %md ßen ge/chrebin in dejhn 
ittc&e von gelde, dae noch egnie mannis tode Kant (in Sa ist das letzte 
Wort nicht vorhanden) in feiner were Kette. FrunÜickin grtts mit ftetim 
dmße czuvor, Er/ammen libin frunde vnd befundere gunner (in Sa ist 
nnr : libin /rundin), ir habit vma (in Sa folgt noch : no) noch deßm noch- 
^fckreben arÜckeln vm recht gefrogit in deßn wortin: Ap no eyn burger etc. 

^ Das Fehlen der Fragen in 167 und 218 ist eine Eigenthümlichkeit, 
die nur diesem letzteren und zum Theile (rUcksichtlich des Art. O 167) 
inch dem Przemj^ler Texte eigen ist. 



176 Katuiiiiacki. 

lind S(t iiücli crlialteiicu Zwoithcihinp; der betrcfFenden Artikel in 
der polnischen Reccnsion ho pit wie nichts zurückgeblieben ist.* 

d) Auch die in T und Sa entlialtcnen Urkunden wurden 
in der pohiischen Rocension entweder fortgelassen oder nur im 
Auszug niitg('theilt und die Jahrzahlen hiebei ganz eliminirt. 

e) Sehr lülufig wurden Kürzungen auch im Contexte vor- 
genommen, beschrUnken sich jedoch auf minder belangreiche 
Partien. 

B. Erweiterungen. Wie die Kürzungen, so lassen sich 
auch die in der polnischen Recension vorkommenden Erweite- 
rungen auf eine Anzahl von Formeln zurückführen, und zwar: 

a) Ausser den Glossen, die bereits von dem Veranstalter 
der einschlägigen deutschen Redaction, beziehungsweise von 
den Abschreibern derselben eingestreut wurden, sind in der 
polnischen Recension (so beispielsweise in 18, 110, 129, 147, 
149, 15(5, 1G8, 177 und 214) noch zahlreiche andere zu finden, 
die in jener nicht vorkommen. 

h) Gewisse Artikel,- die in den entsprechenden deutschen 
Texten nur aus blosser Antwort bestehen , sind in der polni- 
schen Recension in voller, aus P^-age und Antwort bestehender 
Gestalt vorhanden. 

r) Mehrere Fragen, beziehungsweise Antworten, die in T 
und S*t ebenso, wie in /V, A'/i?, Dr und T/i einen etwas knappe- 
ren Wortlaut haben, treten in der polnischen Recension in 
einer etwas ausführlicheren Gestalt zum Vorschein.^ 

d) Viele Fragen haben in d(a' polnischen Recension die 
in den entsprechenden deutschen Texten an diesen Stellen nicht 
enthaltene, freilich ganz unwesentliche Schlussphrase: albo czo 
o tho {H'Jth zu praico = oder was darum Recht sei. 

(y\ Umgestaltungen. Dieselben sind im Ganzen nicht 
gerade sehr zahlreich vertreten und äussern sich auf zweifache 
Weise : 

a) Sie verändern zwar den Wortlaut, nicht aber auch 
den Sinn der betreffenden Stellen; 

b) sie verändern mit dem Wortlaut auch den Sinn der 
betreffenden Stellen. 

^ AIh bcsoiiflot'H iiistructivoH Boinpiol v^l. niAii diesbeEUglicli O 171 -= 7173. 
2 Dahin gchöron: Art. O 00 und im g^owisMon iSinne mich Art. O 240. 
» So 7.. B. O 12, Ui (Antw.). -21 (Fr.), 74, 77, 194 (Fr.), 205 und 262. 



Die polniBcbe ReceoBion der Magdobur^or Urlhcile. 



177 



PolniÄiier Text.2 



a) Umgestaltungen der ersteren Art.^ 

Art. O 3, Antwort. 

Wörtliche neuüochd. Ueber- 
setzung. 

Aber In den Städten, 

wo Wundärzte sind, gibt 

man sie diesen letzteren 

auf ihren Eid zn schätzen 

und vor dem Gerichte 



ile w mjerczyech, 
fdie fa ranny lekarze, 
diTm to daya pod przy- 
ßsga (^aczovacz y przed 
inTem povyedacz, ya- 
kye bjly. 



Mittellioclul. Text. 



zu sagen, 
sie waren. 



welcher Art 



Abir in den fteten, do 
wunde orczte fint, dy 
leffet man off ere eyd 
dorczu fweren, das fe 
dy wunden recht kyfin 
uff eren eyd. 



6^ maß poymye zo- 
B, cxo ß nya pyrwey 
fnebjwal, nyßly ya 
fujü, a to geft yawno. 



Wey moße ly wyle- 
|»j«cz y gego dzye- 
oy ßjedxyecz w law^y- 
Vf albo w kthorem 
;Vi^, albo bycz w 
jttHem rzemyeßle albo 
vknotwye, yako mal- 
j Mf o y ladzye y dzye- 
|*Vi eiyly nye moga, 
[Ab c»> ony za prawo 
iilbo moga myecz 
W^ prawego prawa? 



Art. O 14, Frage. 

Wenn ein Mann eine 
Frau nimmt, mit der er 
früher, bevor er sie zur 
Frau nahm , Beischlaf 
gepflegt hatte, und dies 
wird offenbar. 

Art. 21, Frage. 

Ferner ob ein Unehe- 
licher und seine Kinder 
in der Bank oder in 
irgend welchem Amte 
sitzen, oder ob sie in 
irgend einer Handwerks- 
genossenschaft oder Bru- 
derschaft sein können, 
wie die ehelichen Leute 
und ihre Kinder, oder 
ob sie es nicht können, 
oder was sie sonst für 
ein Recht haben oder 
haben mögen nach rech- 
tem Hechte? 



Ap eyn man eyn weyp 
adir eyne mayt befliffe, 
vnddas wirt offenbar, vnd 
derfelbe man dornoch 
nympt dy befloffene fra- 
we adir mayt czu der ee. 

Fort, mir ap eynir, 
der vnelich geborn wirt, 
vnd feyne kinder, ap fe 
hol vnd wandil mögen 
gehaben glich elichin, 
dy do olich geborn fint, 
adir nicht, [adir] wuh 
reclit dorvmme fey von 
rechtis wegin. 






*1^ ieh sowohl hier als auch in den nachfolgenden Excerpten mich 

» 

■BT auf ^e wichtigsten Belege beschränke, braucht wohl nur erwälint 

n Verden. Die Umgestaltungen der ersten wie der zweiten Art , die 

•A in Art 19, 39, 71, 102 und 160 finden, mögen in den einschlä- 

PCm Excerpten, im Capitel lY, nachgesehen werden. 

^ pobufche Text ist hier selbstverständlich nach O, der mittelhocli - 

***t>^ nach T angeführt; nur bei notorisch fehlerhaften Stellen ist 

^ deD polnischen Text auch P, Sk, Ka und St, für den mittelhocli - 

^*>tKken aoch 8a herangezogen; die »Stellen der letzteren Art .sind 

*iifli beigefügten Sternen erkennbar. 

i »Ul.-hist. CL GH. Bd. I. Hft. 12 



178 



KaUiBiaeki 



Art. O 46, Frage. 



PoliÜ5c)Mr Text. { Wörtliche neobodid. Ueber- 

setznng. 

RieoiT, CIO fra trcx« Sachen, die die ehe- 

maUenfthwa kalSnT. liehe Gerichtsbarkeit be- 

treffen. 



Dalej CIO (>^ dare- 
oiY. oao Ca od gednefc^ 
ocioza r od ti^ner ma> 
exerie, vmree \r kthonr 
£« nrvh, e«v> p*» nTem 
tofUna« wTeßaaa yefo 
eiaAra« a dax^ear« cao 
ny« f gr<^d]MN^> ocacaa 
albo iredaeT 
^S«|^> caaucar nre 
ikE&a d«alv X oarsii dar^ 
oam^. ozo 6 itTwt od 
<i»diM^« ocacaa r od 



Art. O 72. 

Ferner die Kinder 
sind, die von einem 
Vater and Tx>n einer 
Silntter And. und das 
eine ron üuMn sterben 
solhe. 9o ne bai e n die, 
die nach ikai asrickfe- 
bUebe« «nd. sein TkciL 
nnd £e Kiader, £e niebt 
Ton eineaa Vaier nnd 
von einer Xvtter sind, 
nitbt 
Tbea Mit 
mt 



Mittdbodid. Text 

Sachin, dj fich cza 
der ee des echtis tretin, 
djis ifl elich rachin pein- 
lich. 



Vort mir dj kinder^ 
d V eynen rater han md 
Ton ejner mnter Hat, 
md ftirbit der kinder 
ernia. dj andern neaien 
ferne erbe vnd ^t, vnd 
nicht dj (im Texte : der) 
r, dr ratirs ha[l]bin 
Ton mnters halbin 
aDerne geTwiftem fe^n. 



Ton einer Xntter sibkL 



rtatser tei^ lMid:<e 1t 
kchorv iNTSTiküMi^k 
wß^th * ^vttY vrasd od 
rsfi^seca. motc^ k temT 
ppi>iliwolTvv, ^ttT pr»T> 
3auittTcaT. a th«.> co6t- 

aiTeT^ ^"^ ^ **J^ ***^ 
aaprsecaTw ^[jch prav- 
i}aadsn» a atTaitT ka 
cwMT T ka ▼^▼tfakTt. 



Gi^ Tjt ^:«mv ital ku 
pmwn« a Ott podhtij: pfft> 
i«a T m^&^np» tSkaann va 



Art. o loe. ^ 



:b. 

«in Scb^nie ron 
RnfebjBtäuuwni an 



andüMren 



dijä» 



:tu an 

■li<)«» siebt ^efpnt Umm 
Eüd und <I«r Stadt xttr 
Ehr« ruid an ^utse vsL 

Art. O UL Frag^. 



TertI 
TOOL den 



werdiB 



rstmannen g<ft- 



«ir Ccbeppin onen, das 
ist Qbin Tsd Tordmn der 
itsit eax. eren Tnd csn 
noics Tnd TTonaen rnde 
TttTchedelieb eren eiden, 
•ir r«a can Cebeppin bnn^ 
hau ^eCon. 



Dn ich ihm an SB>i:bte 


Sint dtmae. das ber 


d. L ^tn «cHWnrbM . stnnd 


en ttiebt diiinneil bat 


tind er mich nncb BBebt 


Tod pffiebti^ woifin ifl. 


Ttttd euerem iiniwfNnieb 




uicbt evittoert hnt. 





"Die polnische Recension der Magdebnrf^cr Urtheile. 



179 



FoiDi.«cher Text. 

Ale ßa ly J^tore dlupy 
[jpyenadje] pego eony 

ttpoiryed«*ny Uko, yß 
gOTV nre ßn wolny 
wßanw, *!*>« yß mv nye 
cheza albo nye maya 
dies, a 7A gego Kony 
lywothÄ gych nye do- 
bjndie ilbo* nye zy- 
ßc«» ftby ge mogl 
wßttc, gdyby chczal, a 
oye pnyß*}' g^fcze w 
gego obroDA, Ukye tho 
pyettwbe przyda 



Tedy maya napyrwey 
wyano oprawycz [yj 
lapUciyca nyßly gyny 
kthory dlug — 



Gedenczlowyek vmarl 
a lortawyl po ßobye 
male dijeczy ßi^cze y 
dro^e male nyedoroßle 
lath dzyeczynych. 



Jam nykomv nye 
vkradl they ßkory, 

gwaltovnye na ma 
ßyya wyazany y beßpra- 
wnye 



Art. O 148, Antwort. 

Wörtliche neuhochd. Ueber- 
setzang 

Aber sind irf^endwel- 
che Schulden und Gelder 
Reiner Fran so versperrt, 
dass es ihm nicht frei- 
steht, sie zu nehmen, 
oder wenn man sie ihm 
nicht geben will oder 
nicht geben kann, nnd 
er sie bei Lebzeiten 
seiner Frau nicht er- 
wirkt , beziehung^sweise 
nicht erlangt hat, dass 
er sie nehmen könnte, 
falls er dies wollte, und 
er sie auch in seiner 
Gewehre noch nicht hat, 
solche Gelder fallen 

Art. 155, Antwort. 

Alsdann soll man die 
Morgengabe früher ord- 
nen und zahlen als jede 
andere Schuld — 

Art. 187, Frage. 

Ein Mann* ist ge- 
storben und hat nacli 
sich kleine Kinder, die 
noch saugten, und andere 
kleine unerwachsene in 
Kindesjahren hinter- 
lassen. 

Art. 208, Frage. 

Ich habe Niemandem 
diese Haut gestohlen, 
die mir mit Gewalt und 
widerrechtlich auf den 
Hals gebunden wurde 



Mittelhochd. Text. 

Sint nw dy gefurder- 
ten fchulde vnd gelt 
czu lodelich vorfperret 
vnd in des mannis ge- 
walt vnd gewere bey 
feynir frawen leben nicht 
komen fvnt, no ift das 
gelt gevallen uff der 
frawen erbenamen etc. 



So Tai dy frawe dy 
morgengobe doran be- 
haldin von rechtis wegin. 



Eyn man ftirbit vnd 
le[s8]et iunge kinder, 
einis abir mir, dy jung 
feynt vnd bey erem foge 
noch fint adir [nach] 
erem foge. 



Wy das mau ym dy 
ledir mit gewalt uffge- 
bunden vnd mit vn- 
rechte etc. 



Jakoßmy waß pyrwey 
pytaly o tho, grdyby 
czlowyek zapowyedzal 



Art. 224, Frage. 

Wie wir euch früher 
gefragt .haben um das, 
wenn ein Mann einem 



Vort mir dis nefte 
obin gefclirebin capitel 
adir vroge, dy fich alzo 
12* 



180 



Katniniacki. 



Polnischer Text. 

czlowjekv gymyenye, 
czo by doma nye byl, 
a kako dlugo doma ßa 
prawowal, az bj go pra- 
wem dobyl, a gdy by 
ten czlowyek byl gofcz, 
czo to gymyenye dobyl, 
albo taky myerczanyn 
naß, yß by , nye byl 
pewny tako, yß, gdy by 
on czlowyek zayßy^ do 
domy przyßedl, yß by 
nye wyedzal, gdze by 
go nalaßl , czo gego 
gymyenye dobyl y wßal, 
gdy * on doma nye byl, 
boym ßye tego a pro- 
ßymy vaß navczczye 
naß: Maya ly onego 
nyepewnego zatwyr- 
dzycz poraka albo kto- 
rim gynym obyczagem, 
a kto tho m^ vczynycz 
a kako, albo czo o tho 
geft za prawo? 



Wörtliche neuhochd. Feber- 
setzung. 

Manne, der zu Haus nicht 
wäre, sein Gut ansprä- 
che und, 80 lange er 
zu Haus nicht wäre, 
Recht wider ihn suchen 
würde, bis er es mit 
Recht erlangen würde, 
und wenn jener Mann 
ein Gast wäre oder ein 
solcher Mitbürger, der 
nicht sicher wäre, in 
diesem Sinne , dass, 
wenn jener Mann nach 
Hause käme, er nicht 
wüsste, wo er ihn zu 
suchen hätte , diesen 
nämlich, der sein Gut 
erlangte und nahm, da 
er nicht zu Haus war, 
wir haben Sorge darum 
und bitten euch, be- 
lehret uns, hat man 
jenen Unsicheren durch 
einen Bürgen oder auf 
eine andere Weise ver- 
festen, und wer das thun 
soll und wie, oder was 
darum Recht sei? 



Mittelhochd. Text. 

anhebit : Auch , Hb 
frunde, wir haben eoc 
g^fchrebln vormoU, i 
eyme manne, der nicl 
inheymisch were ab 
nicht ding^hlichtigwen 
angefprochen wurde fey 
g^th. No habe wir es 
dem dritten mole ke 
Medeburg gefchrebi 
von wortin czu wortic 
als hy obin gefchrebi 
ftet bis off das lecit« 
das do ftet alzo: Dei 
ift dy fache der clag 
geendit von rechtifl w( 
gin. Domoch fo fchreb 
wir euch alzo : No bat 
wir ewer gnode vi 
entfliffen, wenne w 
beforgen vns des, dj 
euch mochte gefchei 
das eyn vngewis nw 
her fey gaft abir biirgc 
der nicht ftand er) 
noch so viel vamd 
habe bette, ap man n 
des och vorfte, das 
mit vnrechtir meynun 
uff eynes mannes ei 
vnd gut dagete, ( 
ausgeczogin were v 
vor der clage uff fe 
gut nicht wnfte n( 
och fich keynis befolg 
bette, vnd wenne i 
denne qweme wedir, 
mochte her denne ni 
wiffen, *wo* her < 
cleger mit dem g 
fuchin fnlde, das 
fich mit rechte wc 
dorczu czogin , ap 



•teht gym; ebenso in den übrigen Texten. 



Di« polnische Recension der Magdeburger ürtbeile. 



181 



Polniseher Text. 



Wörtliche neuhochd. Ueber- 
setzuog. 



Mittelbochd. Text. 

cleger das gut abir erbe 
*in dem gerichte mit 
ftandem erbe adir cugen* 
vorwiffen muffe, adir ap 
man das wedirfprechin 
möge, wy adir wer von 
rechtis wegin? 



b) Umgestaltungen der zweiten Art. 



Älbo gynego priy- 
rodzonego prziyaczela 
»Ibo opjekadlnyka — 



Anyevczynyl pocze- 
^ lyczba — 



A wikia ly gey teß 
c» ßwego yle ftoya- 
czegoyle nyeftoy^zego 
?jTnyenya przed gayo- 
nyni ß^ndem, to teß 
gej pnydze, y teß to 
wßythko ma ßobye 
▼ßancz, czo gey przy- 
DUfflo od gey rodzyny, a 
kv gynemv gymyenyv 
svego masa obrona nye 
na f prawa. 



Nye yefth ly kthori 

czlowyek, czo przyßedl 

^f) waßey zyemye, d<>- 

konan, aby byl wyle- 

ganyecz, czoß gemv tho 

wyniÄwyano, poko byl 

zyv, tedy moga gego 

przyaczyelye przyrodze- 

ny ßamoßyodmy nye f 



Art. 1, Frage. 

Oder einen anderen 
angeborenen Freund 
oder Vormund — 

Art. 9, Frage. 

Und hat nicht redliche 
Rechnung gethan — 

Art. 12, Antwort. 

Und gibt er ihr auch 
was von seiner stehen- 
den oder beweglichen 
Habe vor gehegtem Ge- 
richte, so gehört ihr dies 
auch, und hat sie auch 
Alles das zu nehmen, 
was ihr von ihrer Fa- 
milie angestorben ist, 
und rücksichtlich des an- 
deren Vermögens ihres 
Mannes hat sie keine 
Wehre vom Rechte. 

Art. 13, Antwort. 

Ist ein Mann, der in 
euer Land kam, nicht 
überwiesen worden, dass 
er unehelicher Geburt 
wäre, wie man ihm dies 
vorwarf, so lange er 
lebte , alsdann können 
seine angebomen Freun- 
de selbstsiebend mit un- 



Abir gekorn Vormund 



Hot nicht rechnunge 
jerlich gelon — 



Hat ir och der man 
was genantis gutis an 
feym erbe gegebin adir 
an varnder habe vor 
gerichte, das fal fe ouch 
behalden; andirs hot dy 
frowe an eres mannis 
gutis nicht. Were ouch 
der frawen icht ftand 
erbis adir eygins andir- 
ftorbyn von eren eidern, 
das behaldet fe mit 
rechte von rechtis wegin. 



Ist ein man komen 
in ewer lanth vnd ny 
vor gerichte vnelicher 
geburd obirwunden ift, 
dyweyle her lebte, be- 
fchuldiget ym ymant 
feyme geborth noch 
feyme tode, fo mögen 
feyme erben feyne ge- 



182 



Kaluiniacki. 



Pobis«her Text. 

podeftrzauymy ludzmy* 
prsyßaiTA vkazacz , yß 
^eft ß malzenftwa vro- 
dzou. 

Spy ly inaßczyzna ß 
iiyewyaftH albo ß dzye- 
wka, czo proßna geft 
albo ßobye wolna, a 
potem ya poymye w 
malßenftwo. 



A vczynyly radcze 
kthory wyelkyerz <> ta- 
kych rzeczach, a czy 
porjjcznyczy tego czlo- 
wyeka nye mug<} po- 
ftawycz, a ß radczczy 
fch^ *o tho nye zjre- 
dnaya*, tedy przepadly 
wyelkyerz, czoß na to 
vczyuyon, a tho f pra- 
wa prawego Maydbur- 
fkyego. 



I 



Alle geft ly ten fyn 
przed thyra ozalowan o 
takyeß rzeczy , ßlowye 
wyelkych, czo o nye teß 
ß ludzmy przyßagl. 



Gonicza geft rzecz, 
gdy kogo vfacza, a on 
kogo byge albo dobyya. 



Wörtliclie neuliocLd. Ueber- 
setzung. 

verdächtigen Leuten auf 

ihren Eid beweisen, dass 

er ehelich geboren sei. 

Art. O 14, Antwort. 

Schläft ein Mann mit 
einer Frau oder mit 
einem Mädchen , das 
ledig oder frei i^t, und 

I sie sodann zu der Ehe 

' nimmt. 

Art. 4ü, Antwort. 

I Und haben die Kath- 
i männer um solche Sa- 
chen eine Willkür ge- 
i macht, und diese Hurgen 
I diesen Mann nicht stel- 
len können und mit 
i den Kathmännern sich 
diesbezüglich nicht ver- 
• gleichen, alsdann sind 
I sie der Willkür ver- 
fallen, die darum ge- 
macht wurde, und dies 
ist vom rechten Magde- 
burgi.«»chen Rechte, 

Art. O 54, Antwort. 

Ist aber dieser Sohn 
vorher um solche, sozu- 
sagen , grosse Sachen 
angeklagt worden, um 

> die er auch mit Leuten 

, geschworen hat. 

Art. O 55, Antwort. 

Die handhaftige That 
ist, wenn Jemand er- 
griffen wird, da er Je- 
manden schlägt oder den 
letzten Schlajr gegen 
. ihn fuhrt. 



Mittelhoefad. 

! borth ralbfylK 
! vnvorfprochen 

beweyfen off 

ligen. 

Befleffit ejo 
weyp adir ejn 

i do ledig ift, ; 

I willen, vnd de 
dornoch czn 
nympt. 



Habin no dy 
fulche peynlid 
gemachot, vnd 
den man nicht 
mogin , fo ful 
mit * erin e; 
weyfin , das 
ane ere wifßni 
fundir crem* v 
worden fey, < 
nicht geftelle 
vnd fich denne : 
lichkeyt mit 
vm er g^lobd« 
ten von rechti« 

Ist abir der 
mir vm vngei 
clagit, abir fa] 
fweren mit g< 



Dy hanthai 
ift do, wenne 
gerichtia in de 



^ Das Wort ludxnuf ist aus Sk entlehnt. ^ Im Codex steht 6 



Di« polnisehe Kcctasion der Magdeburger Urtheile. 



183 



Folßi scher Text. 

Pneftapy ly kto prae- 
cijwko mczczam albo 
P^ciywko myefczkyey 

jf^gjgse wßandz wyna 
podlag mylofczy y vfally 
»yefökyey- 



p^ey pnef th^py ly » 
ktho myefczky wyel- 
\yen pUcÄjc* na then 
d^jen, iako xan ßlu- 

bjODO. 



Y tbo geft muye IS 
DJ» diDO, a droge mv- 
Crlem fordrowacz , a 
toczyem dzyerßal zwa 
SODA y myal f pokogem 
wyiciey nyßly rok y 
dsen — 



Tho moze dobrze fwey 
matczedacz albo gyne- 
mv fwemv przyrodzo- 
nemv , kyedy oii[o] 
chcte. 



Art. 56. 

Wörtliche neuhochd. Ueber- 
setzung. 

Scbreitet Jemand ge- 
gen die Rathmänner 
oder gegen die städti- 
sche Willkür ans, von 
dem können die Rath- 
männer Busse nehmen 
nach ihrer Gnade und 
nach der städtischen 
Willkür. 

Art. 59. 

Femer überschreitet 
Jemand die städtische 
Willkür, [der zufolge er 
verpflichtet wäre] zu 
zahlen an einem be- 
stimmten Tage, wie dies 
für ihn gelobt wurde. \ 

Art. 66, Frage. 

Und das ist mir mit i 
ihr gegeben worden, ; 
und das Andere musste | 
ich fordern, und dies 
besass ich mit meynem 
Weybe und hatte in 
Kühe mehr als Jahr 
und Tag. 



Mittelhochd. Text. 

Miffetuet eyn man 
kegen den ratmannen 
abir kegen der ftat bo- 
bin erer wilkor, dorvm- 
me fo mog^n dy rat- 
manne befferunge nemeu 
nach eren gnodon vnd 
willen. 



Vort mir gebricht eyn 
man kejgen der gobe 
wirkor, das man globit 
czu dem bobir dinge. 



Vnd ift [m]ir mit ir 
gegebin czu vordem 
vnd das han ich mit 
meyn weybe befeffen 
vnd gehabit in der were 
jar und tag on anfprocht. 



Art. 68. 



So 



kann es wohl 
seiner Mutter geben 
oder einem anderen An- 
verwandten , wann es 
will. 

Art. 75. 



Seynir mutir gebin 
adir eyme andim, weme 
is wil. 



Goracze rzeczy, czo | Eine handhaftige 

flußa na groczßkye pra- I That, die vor des Burg- 
wo, tho ma beß odwlo- ! grafen Gericht gehört, 



Eyn hanthaftige tat, 
dy do gefcheit wirt byn 
des burggroffin ge- 



I Aus Sk entlehnt; in O und P steht das sinnlose pyt(Unficzye. 



184 



Katniniacki. 



Polnischer Text, 

ky groczßky ßandz;} 
ßandzycz. 



Zaftanje \y ktbory 
czlowyek fwe rzeczy v 
ktotego zyda, *czo mv 
ßfj vkradzony att)o roß- 
bythe*,«* then zyd nye 
moze [ye] prawem od- 
bronycz. 



Zaluge ly ktho uayn, 
mog^ gego blyßy tbo 



Wörtliche neuhochd. lieber- ! 
setzang. 

die soll ohne Verzug 
der burggräf liehe Rich- 
ter richten. 

Art. 80. 

Trifft irgend ein Mann 
seine Sachen, die ihm 
gestohlen oder geraubt 
wurden, bei einem Ju- 
den, dieser Jude kann 
sie nicht mit Rechte 
vertheidigen. 

Art. 96. 

Verklagt ihn Jemand, 
so mögen seine Ver- 



odmowycz tako dlugo, | wandten dem so lange 
aß on ßye do domv < widersprechen, bis er 
wroczy. nicht nach Hause zu- 

rückkäme. 



Gofczye albo okoly- 
czny ludze, bandz ßwye- 
czchych albo duchow- 
nych, albo zydzy — 



Yß iiiy ortele woytho- 
wy myefczkyemv y lu- 

dzom prawe ortele 
iiaydcz chczemy. 



Yß nyßadnego przy- 

' ßaßnyka moga ßan- 

dzycz, gdy nye zawy- 



Art. 101, Antwort. 

Gäste oder Leute aus 
der Umgegend, mögen 
sie Laien oder Geist- 
lichen unterthan sein, 
od>Br Juden - 

Art. O 111, Antwort. 

Dass wir d«iii städti- 
schen Vogfp die Ur- 
theile und den Leuten 
rechte Urtheile finden 
wollen. 

Art. 13(), Frage. 

Dass man keinen 

Schöffen richten mag, 

wenn er nicht schuldig 
ist. 



Mitt«Ihochd. T« 

richte,' dy fal es 
des hofferichtors ^ 
richten. 



Anevangiteyn 
man bei dem an^ 
das ym aberab 
geftolin ist , c 
keyne Jude gew< 
vor gerichte. 



Clagit [man], 
möge das wol 
fprechen, *weni 
wedir czu lande 



Gefte abir v 
laut© , dy ley 
Juden — 



Das ir dem 
der ftat vnde de 
recht orteil vii 
vinden wellet. 



\Vy man 
fcheppin abe^ 
mogiu ane v 
fache. 



' In Pi lautet diese Stelle: d// do ifefrhyt hynne den Tof/eii, alz ü 

g reuen dink iß. mid yerycht.e. 
'^ In Pi: czu /tan/, des hurkf/rmen. 
^ In O lautet diese Stelle: fwe rzeczy irzyaUie yako vkrmlzone n 

zyda ktorego. 



Di« polnische R«c«D8ion der Miigdebiii|;er Urtheile. 



185 



polnii^jher Text. 

j^Ig pnyl^aße ly ku 
p^ßaflwu beß wyrz©- 
aojiep> c^a^Tv» ten nye 
DOse t>y^ ^^^ (Vandzycz 
pnei prtyßaftwa przeß 
f,rt (»befcxye. 



Tedy softal po them 
tho ToarlTiii dzeczaczv 
gedeo dorn, czo gy od- 
mnirl ni gego mathk^, 
ß kthorego domu gefcze 
bylo wjrnowatho pyacz 
gnywyen. 



Tedy raa przynyefcz 
lyfth tego od woytlia y 
pmßißnykow z gayne- 
go sandv f tego tlio 
myiTta, gdze ten czlo- 
wyek xatwyerdzon. 



Ztftawy ly kto koniv 
ktborekoly zaftawyone 
pned prawem gymye- 
nye. 



Pne to, yß ony mvra 
Cye troßkacz o tho, aby 
tiky ortel wydaly, ya- 
koby ßwey przyßadz«^ 
dofycz vczynyly. 



Art. 136, Antwort. 

Wörtliche neuhochd. Ueber- 
setzuDg. 

SchwOrt er aber zum 
Schtfffenamt ohne fest- 
gesetzte Zeit, ein solcher 
kann sich nicht selbst 
richten ohne den SchOf- 
fenstuhl wegen seines 
Unterhaltes. 

Art. 147, Frage. 

Alsdann ist nach 
diesem todten Kinde ein 
Haus zurückgeblieben, 
das von ihm auf seine 
Mutter angestorben war, 
von welchem Haus es 
noch schuldig war fünf 
Mark. 



Art. 177, Antwort. 

Alsdann hat er einen 
Brief zu bringen von 
dem Richter und den 
Schöffen des gehegten 
Gerichtes der Stadt, wo 
dieser Mann verfestet 
wurde. 

Art. O 180, Antwort. 

Versetzt Jemand Je- 
mandem was immer für 
eines vor dem Gerichte 
versetztes Gut. 

Art. O 186, Antwort. 

Deswegen , weil sie 
sich bekümmern müssen, 
dasH sie ein solches Ur- 
theil aussprechen, mit- 
telst dessen sie ihrem 
Eide genügen würden. 



Miitelhochd. Text. 

Sweret abyr ymant 
czu der fcheppen bang 
fundir czeyt, der mag 
sich felbir nicht abefe- 
czin vm feyner narunge 
willen. 



No was eyn haws 
blebin von demfelben 
toten manne, *desfelbin 
hawfis helfte von feyme* 
kinde an dy mutir ge- 
rtorbin was, von welches 
hawßs mawer man fchul- 
dig was vunif marc 
mynnir eyn firdung. 



So nnis her en au- 
fprechen mit dem richter 
vnd mit dem fcheppen 
von der ftat, in gerichte 
der vorueftet was, vnd 
dy vorueftunge mit en 
in das gerichte czugen. 



Wirt ymandin erbe 
vorracz[tJ vor gerichte 
der ftat. 



Dorch forgeueldigkeyt 
wille,dy fe habin muffin 
c/.u der künde uff das 
recht. 



186 



Polnischer Text. 

Ten ortel layal geden 
przyßaßnyk ßwym przy- 
rodzonym przyyaczelem, 
kogo tyka ta rzecz, 
*ktoryß* thu gyftne teß 
oczy wyfczye ftal y przy- 
ßedl podlug prawa na 
lawycza y rzekl: 



Yß nye moze a nye 
vmye twardych a tni- 
dnych rzeczy oprawycz. 



Dzecza tego vmarlego 
mowy, yß ma latha a 
chczalo by ßye ßamo 
opyekacz. 



Katuiniacki. 

Art. 194, Frage. 

AVortlicLe neuhocbd. Ueber- 
setzung. 

Dieses Urtheil strafte 
ein Geschworener mit 
seinem angeborenen 
Freunde, den die Sache 
anging, der hier per- 
sönlich und offenbar 
stund und der nach dem 
Bechte die Bank bestieg 
und sprach: 

Art. 205, Antwort 

- Dass er nicht vermag 
und nicht versteht, harte 
und schwierige Sachen 
zu verrichten. 

Art. 253, Frage. 

Das Kind dieses Tod- 
ten spricht, dass es die 
Jahre hat, und dass es 
sich selbst bevormunden 
möchte. 



3dittelhochd. T«iL 

Dis orteil wedirfpick 
eynir mit gefwomfligi' 
fippin, den dy Ii^ 
antrat, mit feynen Cm* 
den, dy do kegenimfr 
gen ftunden vnd won^ 
betende der bing lA 
her fprach: 



Vnd das her nidft 
kuune noch möge fB j 
redeliche fache voite 



No fprycht das kjt^ ■ 
is fye no wol cza feyoBt j 

1 

iaren komen, disiseü 
Vormunde habin wil| 
wen is wil.* 



Obschon es aber den hier dargelegten Momenten zufolp 
nicht dem geringsten Zweifel unterliegt, dass die polnische 
Recension im Vergleich zu den Texten der ersten Redactiot 
zweiter Nuance in Bezug auf Wortlaut DiflFerenzen bietet, dfe 
etwas weiter gehen, als dies bei notorisch gleichartig^ 
Texten in der Regel der Fall zu sein pflegt, so glaube leb 
nicht, dass es statthaft wäre, in Folge dessen sofort auch 3^ 
eine besondere, von den Texten der ersten Redaction zweite* 
Nuance verschiedene deutsche Vorlage zu denken. Mit gen»^ 
demselben Rechte, wie dieser oder jener Compilator, durfte jl 
auch der polnische Uebersetzer selbst mit der ihm zu Gebot* 
stehenden und, wie ich annehme, der ersten Redaction zweite] 
Nuance angehörigen deutschen Vorlage in Bezug auf Wortlaai 
Aenderungen vornehmen, die in letzter Consequenz zu den 



^ Diese ganze Stelle ist, weil T nur bis Art. 221 reicht, aus Sa entlehnt 



Di« polnisdie Recension der Maf debnrger Urtheile. 



187 



I>ifferenzen ftihrten, wie ich sie soeben skizzirt habe. Oder 
and etwa die Differenzen, wie ich sie soeben skizzirt habe,^ 
nicht von dieser Art, dass sie der polnische Uebersetzer selbst, 
jnch ohne Vermittlung einer besonders zu diesem Zwecke 
OTlparirten deutschen Vorlage, bewerkstelligt haben konnte? 
Uuss denn ein Uebersetzer, wenn er mit seiner Vorlage gewisse 
Aenderungen vornehmen will, sich dieselbe durchaus erst ent- 
sprechend präpariren lassen? 

Ausser diesen rein theoretischen Erwägungen gibt es 
»ber in der polnischen Uebersetzung noch eine Anzahl anderer, 
soiußagen thatsächlicher Belege, die beweisen, dass sie unge- 
achtet der auf S. 177 — 186 angeführten Differenzen aus einer 
Vorlage geflossen ist, die mit den Texten der ersten Redaction 
iweiter Nuance, wie in Bezug auf Inhalt und Artikelfolge, so 
aaeh in Bezug auf Wortlaut identisch war. Als solche thatsäch- 
liche Belege sehe ich aber insbesondere alle jene Stellen 
(Worte, Phrasen, Sätze und ganze Artikel) an, die in gleicher 
Weise wie in den Texten der ersten Redaction zweiter Nuance 
in Wirklichkeit nur noch in .der polnischen Recension vor- 
kommen. Ich fiihre sie hier, da sie mir auch sonst wichtig 
genug zu sein scheinen, vollständig an. 



Art. O 1, Frage. 



Polniscber Text. 

1 xoflhiwy po 
iiobye.-. bratha 
albo ßyostry ma- 
ßa. 



Neuhd. Ueber- 

StitZUDg. 

Und lässt nach 
sich den Bruder 
oder den Mann 
seiner Schwester 
zurück. 



Mittelhd. Text 
nach T. 

Vnd leffet ouch 

seyn brudir adir 

fwestirmoge. 



Mittelhd. Text 
nach Pi. 

Und lefit ey- 
uen brudir adir 
fwertmog. 



Gdy ten maß ! 
poj^ V malzen- 
ftwo swoya mam- 



Art. O 20, Antwort. 

Hat dieser Hot der man 

Mann seine Am- seyne amme czu 

me zu der Ehe der ee genommen, 
genommen. 



Hot dir man 
feyne amey czu 
der ee genomen. 



' Selbst die unter C, bj ersichtlich gemachten Differenzen machen hievon 
keine Ausnahme und lassen sich ebenso wie die übrigen grösstentheils 
auf Rechnung des polnischen Uebersetzer» selbst bringen. In Betreff 
der aus Art. O 12, 14, 54, 96, 101, 111 und 177 entlehnten Stellen kann 
man dies sogar mit apodiktischer Gewissheit behaupten. 



188 



Folniflcher Text. 

Starego dawne- 
go obyczay[a] na- 
fcliy woythowye 
albo ßandze * wy- 
byraly * * przy- 
ßyafnyky ku la- 
wyczy na prawye 
ßyedzyecz. 



Tho raczcze 
moga na nyem 
bracz nye pa- 

trzacz gynego 
prawa. 



Azaly my nye 
mamy podobnye 

tho gymyenye 
dzyerßecz y oßa- 
gnacz swymy bly- 
ßymy ß naßym 

prawem, nyßly 
by ktho nam ge 
mogl odwyefcz ? 



Daley teß czlo- 
wyek za fwego 
szywothfi moze 
ßwym dzyeczem 
wybracz albo po- 
ftawycz opyekal- 
nyka. 



Kaßdy czlo- 
wyek moße w 



Kalainiaeki. 



Art. 48, Frage. 



Neuhd. Ueber- 
setzuDg. 

Von alter Ge- 
wohnheit haben 
unsere Vögte oder 
Richter Schöffen 
gewählt zu der 
Bank zu sitzen 
zu Gerichte. 



Mittelhd. Text - 
nadi T. 

Von aldir ge- 

wonheyt habin 

vnser richter 

fcheppin irwelt 

vnd irkom czu 

I dinge uff dy bang. 



ICttdhd. Text 
ndi K 

Von aUir gl- 
wonheyt habii 
vnfer rothinfli 
fchepfHii inreÜt 
Ynd kekoni cn 
dingen nf ^f 
bank. 



Art. 59. 



Das können die 
Rathmänner von 
ihm fordern, nicht 
achtend auf ein 
anderes Recht. 



Dy rotmanne | Dy rotmaiM 
sulle an vordim | sulle an TOf&i 

vmderftatwegii 
vnd dorffin taf 
keynis *andirs* I nisandirsrichtfla 



von der stat we- 
gin vnd dorffin 



rechtes dorczu. 



Art. 66, Frage. 



Ob wir nicht 
billig dieses Gut 
halten und erlan- 
gen sollen mit un- 
seren Verwandten 
und mit unserem 
Rechte, als dass 
uns Jemand das- 
selbe entziehen 
möge? 



Ap wir nicht 
billichdasGutbe- 
halden füllen in 
der ftat gewere 
mit vnferem rech* 
tin mogin vnd 
vnferem rechte, 
wenne das vns 
ymant abgeczu- 
gin möge? 



darcsn. 



Ap wirichttö- 
eher das gut bs- 
haldin fallen Ji 
dir gewere bä 
vnfirm rechte vod 

dovor getrfltoi 
magin mitvn0fli 
rechte? 



Art. 67. 



Auch kann fer- 
ner ein Mann sei- 
nen Kindern bei 
seinen Lebzeiten 
einen Vormund 
erwählen oder be- 
stellen. 



Vort mir eyn 
man mag Vor- 
munde kysen sey- 
nen kindirn bey 
seyme leybe. 



Vort mir keyi 
man mag vor 
munde kyfinCoy 
nen kindera b0 
feyme lejbe. 



Art. 84. 



«leder Mann 
kann in gehegtem 



Eyn man mag 
im gehegetim 



Keyn man m. 
yn gehegetii 



' In steht wyhyeraya. 



Di« polniaehe Reeension der Magdeburger Urtheile. 



189 



Itjooem fandze 



Neulid. Ueber- 
setzang. 

Gerichte seine 

^a isloba od- j Klage vergeben. 

Art. 88. 



Mitt<^Uid. Text 
nach T. 



dinge feyne clage 
vorgebin. 



Xne bindze ly 
kthory cudjty 
olofTrek w gora- 
oeynecxywkto- 
lem 01eiD vczyn- 
ko wifeaon, then 
ninfij pned na- 
&yo rindxa t naß 
j [oinem] pra- 
weobjcipraw. 



Thtmo gyfte 
m diedzynye w 
gego woythow- 
ftwe. 



Kykth moze 

bna; aüuge ly 
ktbü n«yn — 



Miftrxowye,^ 
kthorty *vyedza 

y* poeywaya 
enofczj. 



Aby ßye ßwym 
ortelem zoftal al- 
bo *nyechal*. 



Aber wird ein 
fremder Mann in 
der handhaftigen 
Sache oder in 
einer bösen Tbat 
ergriffen , dieser 
muss vor unserem 
Richter bei uns 
und nach unserem 
Rechte sich recht- 
fertigen. 



Abir ritter und 
auch gebawern 
muffin antworten, 
ap fe vm vnge- 
richte uff frischer 
tat vnuornachter 
dinge uffgehaldin 
werdin, in vnfer 
ftatgerichte von 
rechtis wegin. 



Alt. O 92, Antwort. 



Dort wahrlich 
(persönlich) auf 
dem Hofe in des- 
sen Vogtei. 



In demfelbigen 
gerichte, das ozu 
deme foyte ge- 
horit. 



Art. O 96. 



Niemand mag 
sein Gut nehmen ; 
verklagt ihn Je- 
mand — 



So magnymant 
feyn gut noch 
erbe nemen; cla- 
git der man — 



Art. 112, Antwort. 



Die Meister, die 
wissen und ge- 
brauchen die Red- 
lichkeit (sie!). 



Dy miftir wif- 
fen vud gebrau- 
chen noch red- 
lichkeit. 



Art. 115, Antwort. 

Dass er mit sei- : Das her mit 
nom Urtheil fort- seyme orteil vor- 
fahre oder von ^ uaren adir mit 
ihm lasse. rechte lofe, ap her 

I valiig wirt von 

' rechtis wegin. 



Mittelhd. Text 
nach Fi. 

dinge seyne clage 
worgebin. 



Abir ritter vnde 
knechte vnd ge- 

bawni mussin 
antwortin vor vn- 
firm richter, ab 
se mit ym uffge- 
haldin werdin, 
yn vnfirm statge- 
richte von rechtis 
wegin. 



Vnd deme ge- 
richte , das czu 
des burggrewen 
amecht gehörte. 



So mak uym«ant 
feyn gut noch 
erbe beclagen — 



Dy meift wif- 
fen vnde gebru- 
chen noch rede- 
lichkeyt. 



Das her mit 
zeyme orteyle 
fortfare adir das 
nicht rechteloz. 



1 Dieses Beispiel ist besonders instructiv. 



190 


Kalnii 


liacki. 






Art. 118 


, Antwort. 




Polnischer Text. 


Neabd. Ueber- 


Mittelbd. Text 


K-aebil 




setzang. 


nadi T. 


»dA 


Y geden wo- 


Und ein Wachs- 


Und eyn wacbs- 


TaicfB« 


ßkowy koczjel. 


kessel. 


keffU. 


kenn. 




Art. 128, Frage. 




Then jako 


Wie der gestor- 


Her hot ge- 


Der kl 


rmarl, sofUla po 


ben war, ist nach 


loffin feyne toch- 


loOeaMM, 


njem gego zona 


ihm sein Weib 


ter vnd auch seyn 


tere tbI 


y dzewka. 


und Tochter zn- 
rückgeblieben. 


elich weyp. 


weyp. 

1 




Art. 13C 


>, Antwort. 




Szoltjftwa 7 


Die Schultheiss- 


SchultilTey a- 


Sckuha 


woythowftwa. 


eien und dieYog- 


mecht vnd foytey 


mecht va 


czo ß^ panßka 


teien, die der 


amechtfdydo hir- 


- te[y] am« 


yenfka v leßa 


Herren Lehen 


ren len synt vnd 


: herrenleh 


w marborßkjem 


sind und in Mag- 


im meydeburgi- 


lengut VI 


prawye , thy to 


deburgischem 


sehen rechte le- 


boren cx\ 


leß^jßlachaya w 


Rechte liegen, die 


gin, dy boren czu 


rechte 


Ijentkyfe] pra- 


liegen und ge- 


lenrecht. 




wo. 


hören zum Lehn- 
recht. 








Art. 134, Antwort. 




Then moze po- 


Dieser mag so- 


Der mog dor- 


Der mi 


themwßancz dzj- 


dann das Erbe 


noch erbe vnd gut ! 


noch erbe 


edsjczftwo po 


nach diesen sei- 


sey ner frunde wol > 


vnd irford 


thych przyrodzo- 


nen Verwandten 


nemen vnd das ir 


rechtis w« 


nrch ßwoprchJ 


nehmen. 


fordern von rech- 
tis wegin. 






Art. 14 


2, Frage. 




Ajaßaswojch 


Und ich mich 


Vnd ich mich 


Vnd ic 


dzeczj po gych 


von meinen Kin- 


mevner kinder 


me>Tier 


fmyerczy nygdy 


dern nach ihrem 


nach eres todis 


noch eris | 


odrzekla. 


Tode nie losge- 


ny vorczegen 


vorczegin 




sagt habe. 


habe. 


• 




Art. 16 


19, Frage. 




Ocxczowyyma- 


Des Vaters und 


Sevnes vatirs 


Seynes 


cxyentvny drye- 


der Mutter Kin- 


kinder und mut- 


brudir vnd 


c«y. 


der. 


irs kinder. 


brudir. 



* P lügt noch hinzu : yaJto pt/nt^ /cyerzjTcy podlcg praca. 



Pie polnische Rerension dpr Mairdebnrger rrtheile. 



191 



Art. 170. 



pblnisrf»« Text. 

pyewysft» obwy- 
^^ ktor^ 
^ necf , ßlo- 

aienTailbopycia 
jlboo «ga Älbo 
lokjw«» tho 
iiiij^ raczcze 
(ffnHiyci a nje 
woythpodlvgpra- 
«1 priwego. 



Tho gest ßlo- 



Gdj kto komv 
byene gego gy- 
1170176 7 gefcze 
k themv go wya- 
Ce gygra albo 
opnegygra. 



Neahd. Ueber- 
s«tznng. 

Wird ein Mann 
oder ein Weib um 
eine solche Sache, 
d.i. um das Speise- 
oder Trinkmass, 
oder am die Wage, 
oder um die Elle 
angeklagt, so ha- 
ben das die Rath- 
männer zu rich- 
ten und nicht der 
Vogt nach dem 
rechten Rechte. 



Mitteihd. Text 
nach T. 

Vort mirapeyn 
man adir weyp 
befchuldigt wirt 
vmme * folche * 
fache, dy do fpey- 
fekawff, rnrechte 
wogo vnd mofse 
*adir* elen ha- 
bin, das wedir der 
ftat faczunge ift 
vnd willkor, vnd 
das habin czu 
richtin dy rat- 
manne vnd nicht 
der richter von 
rechtis wegiu. 



Art. 17G. 



Das ist eine 
slovenische (^= 
windische) Marc. 



Des ift eyne 
windische marc. 



Art. 181, Frage. 



Wenn Jemand 
einem Andern 
seine Habe nimmt 
und ihn noch da- 
zu bindet um des 
Spieles oder des 
Verspielens wil- 
len. 



Ap oyn man 
dem andim feyn 
gewant adir andir 
gut nympt von 
des fpelis wegin 
vnd den dorczu 
bindet. 



I 



Mitteihd. Text 
nach PL 

Vort mer ap eyn 
man adir weyp bo- 
fchuldigit wurde 
vmme fache, dy 
do fpeysekauf, 
woge vnd moffe 
adir elyn ange- 
hören , ap dy 
Sache dy ratman- 
ne adyr der fchul- 
tis czu richtin 
habe? 

Hyruf spreche 
wir fcheppin czu 
Meydeburg eyn 
recht: Allen val- 
fchyn vnd vnred- 
lichin spysekouf, 
vnrechte wogin 
vnd moffe adyr 
elyn füllen rich- 
ten dy ratmanne 
vnd nicht der 
fchultis von rech - 
tis wegin. 



Das ist dry* 
wyndifche marc. 



Ap eyn man 
dem andim fyii 
gewant adir andir 
gut nymt von des 
spelis wegin adir 
bindet. 



> Aas Kß verbessert; Pi hat durch Versehen dy. 



lyij 


KaYuiniacki. 






Art. 192, Frage. 




Polnischer Text. 


Neuhochd. lieber- Mittelh. Text 


MittelhM4id.Teit. 




Setzung 


nach T. 


nachü 


Ludzye, ktho- 


Leute , die 


Lute , dy do 


Lnte, dy ebi»- 


rzy * ßa rowno 


diesem Todten in 


ewinburtig fint 


burtig fint ni^ 


blyßy przjrodze- 


gleichem Grade 


mit demfelbin to- 


demrelbin, Jer 


ny temv vmarle- 


ebenbürtig sind 


tin manne imd 


das gut Tod eAm 


mv f thym to^ 


mit jenem, der 


mit dem manne, 


ynne hat 


czo ßye w gego 


sich in nein Gut 


der <las gut und 




gymyenye wyazal 


band ^ und es 


erbe ynne hat. 




y dzyerßy ge. 


inne hat. 

Art. 193, Frage. 




Gdyß ga^ pyr- 


Zumal ich dieses 


Sint dem mole 


1 Sint dem moli 


wey zapowyedal 


todten Mannes 


das ich des totin 


das ich des mi- 


tego vmarlego 


Gut zuerst ange- 


mannis erbe vnd 


nis gut mytd« 


cslowyeka gymy- 


sprochen habe. 


gut myt dem er- 


erftinvorfprocheii 


enye. 




stin Torsprochen 


habe. 






habe. 






Art. 195, Frage. 




Albo moze ly 


Oder kann sie Ap se das mit 


Ap fy das mi) 


ona tho ßwa wola 


das mit ihrem 


willen beczugin 


weyben geczug« 


doßwyathczy cz ? 


Willen bezeugen? 


raogin? 


möge? 



In Erwägung aller dieser Umstände nun trage ich dahc 
kein Bedenken, die Behauptung, mit der ich die Besprechuni 
der Frage I beschlossen habe, dahin zu vervollstÄndigen, dai 
die von Nicolaus Gologörski um die Mitte des 15. J&hi 
hunderts veranlasste polnische Uebersetzung ans eine 
Vorlage geflossen ist, die mit den Texten der erste 
Redaction zweiter Nuance wie in Bezug auf Inha 
und Artikelfolge, so auch in Bezug auf Wortlaut idei 
tisch war. Was dagegen die Modificationen anlangt, de« 
ich auf S. 177 — 186 gedachte, so sind dieselben ganz einfai 
auf diese Weise entstanden, dass der von Nicolaus Gotogärs 
bestellte polnische Uebersetzer nach Art der anderen mitfc 
alterlichen Uebersetzer die von ihm benutzte und, wie gesaj 



> Die Texte bieten irrthumlich : / ktkorych. 
* Das heisst, der sein Gut in Beschlag nahm, es besetzte. 
Taxt© bieten minder richtig ye. 



I>ie polnische Kevension drr Magdclmr^nr ITrlhoile \uö 

^ Jen Texten der ersten Redaetion zweiter Nuance voll- 
.^jniaen tibereinstimmende deutsche Vorlage stellenweise etwas 
kflner wiedergab, stellenweise sie erweiterte, stellenweise in 
folge oflFenbaren Missverständnisses auch etwas umgestaltete, 
llchref® Differenzen, so namentlich die in Artikel Ol, 9, 13, 
!i9,66, 68, 75, 80, 147, 180, 186, 194, 205 und 253 enthal- 
tenen/ mögen übrigens auch schon in der von unserem Ueber- 
jp^er benutzten deutschen Vorlage vorhanden gewesen sein, 
mehrere dagegen (vgl. beispielsweise 234 und Ka 239) von 
Jen Schreibern der betreffenden polnischen Texte herrühren. 

Nach Erledigung dieser zwei Hauptfragen ist es aber 
iioth*endig — und wir nähern uns hiermit dem Schluss dieses 
Opitels — sich noch folgende zwei Nebenfragen zu stellen: 

1. Ob ausser den im Capitel I, auf S. 146 — 147, als Artikel 
pohiscben, beziehungsweise schlesischen Ursprungs erkannten 
gich in der polnischen Recension auf Grund ihrer Vergleichung 
mit den betreffenden deutschen Texten nicht noch welche andere 
Artikel dieser Art nachweisen lassen ? 

2. Was wir wohl von den Artikeln zu halten haben, die 
einer frftheren Bemerkung zufolge das spccielle Eigenthum der 
polnigchen Recension, beziehungsweise das der ersten Redaetion 
ureiter Nuance bilden? 

Ad 1. Auf die erste dieser Fragen lässt sich imter Hin- 
weis auf Behrend, Bischoff und Brückner, die diesem Gegen- 
winde eine eingehendere Aufmerksamkeit gewidmet haben,'^ 
kurz Folgendes erwidern : Ausser den Artikeln, die wir bereits 
«if Gnmd der blossen polnischen Recension als Artikel polni- 
schen, beziehungsweise schlesischen Ursprungs erkannt haben, 
lassen «ich auf Grund ihrer Vergleichung mit den betreffenden 
deutschen Texten noch zahlreiche andere nachweisen, von 
denen man sagen kann, dass sie theils polnischen (d.i. Krakauer), 
theils Bchlesischen (d. i. Breslauer) Ursprungs sind. Zu den 
Artikeln der ersteren Art gehören: 31—35, 120—122, 149 



> Die diesbezüglichen Excerpte sind sub Ht. C, fjj, auf S. 181 — 186 ab- 
gedruckt. 

2 Vgrl. übrigens auch die von Wislocki, o. s. c, S. 171—205, mitgetheilten 
Excerpte. 
t)itx«ngtb«r. d. phil.-hist. Gl. CXI. Rd. I. Hft. 18 



194 JfaHiniackl. 

bis IT)!, 1;V) Kiulo, 15()— lf)8, 215~2ir>, 22B, 224 Ende, 23 
bis 2.'>l und 240; zu den Artikeln der zweiten Art hingegen 
(>;5() 42, <;4 Anfan<,- und 00. Auch der Artikel 2r>8 dOrfi^ 
indem sehr Viek»s dafür spricht, dass diese Angelegenheit i 
I*oK;n vor sich j^C^^^^ ""^ durch die Schötl'en von KnkaQ 
denen sie vor«!;eK»;j:t wurde, nacli Ma«!;deburg dirigirt ward^ 
hieht^r zu ziehen sein. 

Ad 2. In ßetrefl' der Artikel, die das specielle EigentfaiiQ 
(U'r pühiisclujn Kecension, beziehungsweise das der ersten Reda^ 
tion zweiter Nuance bilden, habe ich bereits auf S. 140 — 147, 
di<\M'r Abband hing die Bemerkung gemacht, dass mehrere voi 
ilinen ohne Zweifel auch polnischen Ursprungs sind. Während 
aber die Artikel, die ich sub 1. angeführt habe, nur in Bew 
auf ihre Anfragen polniscli sind, mussten die Artikel der Idi- 
teren Art, indem sie Urtheilssprüchc theil» der Schöffen vn 
Krakau , theils (wie dies namentlich aus () 2()7 und 2<j8 hqu 
vorgeht) die der Schörten von Lemberg enthalten, auch in Beii|( 
auf ihre Antworten als Artikel polnischer Provenienz angesehca 
werden. Auf ürund der Vergleichung mit den betreffendes 
deutschen Texten treten nun zu den Artikeln dieser letztere! 
Art noch Artikel O 2S und 2U, howie Sa \V>A und ;].% hinsiL 
Knd da die Vermuthung nahe liegt, dass auch die übrigea, 
das specielle Eigenthum der polnischen Kecension, beziehungs- 
weise das der ersten Kedaction zweiter Nuance bildenden A^ 
tikel in die nämliche Kategorie gehören, so trage ich kein 
Bedenken, diese Artikel, die in der deutschen Literatur hii 
jetzt gar nicht, in der polnischen sehr mangelhaft bekannt 
sind, hier insgesammt, und zwar in nachstehender Ordnung 
mitzut heilen : 

n) Artikel, die sowohl in der polnischen RecenBion, all 
auch in den deutschen Texten der ersten Kedaction zweiter 
Xuance vorkommen ; 

hl Artikel, die nur in der polnischen Kecension vorluin 
den siml: 

f Artikel, die nur den deutschen Texten erster Kedactiui 
zweiter Nuance eitrnen: 



Dit polnische Recension der Magdeburger Urtheile. 



195 



g^ Artiksif lii® sowohl in der polnischen Recension, als auch in den deut 
lehes Texte« der ersten Redaction zweiter Nuance vorkommen. 



PiJiiiHlier Text.l 

fgtiio lua wßyacz 
iPirlego ßbroja, brath 
ij, aijewka ly V * ' 

fjtiijteaije naß o 
|nvo lymi »lowy : Gye- 
tepoaefiny czlowyek, 
^■jeTciaDyn, vmarl 
a litevyl *po ßobye* 
fvt pKV^ dzyewka y 
li^ rodxonego. Tho 
i99gjt przyßlo prssed 
mA w gtyuy ßiind i 
■Willy saß ktho ß iiych 
■I wßucB tego vmar- 
h|0 ibroy» y gego ge- 
■f pnykroyoiie odzye- 
ijft. A gdyby v thei 
Aqftvky byly dzyeczy, 
^|BOir]re, maya ly takye 
prawo ka prze- 
aey sbrogy y ku 
tigfwjT yako^ brath 
«go vmarlego, czy czo 
jtft pnwo? 



Art. 23. 

Wörtliche neulirtclid. T'eber- 

Wer die KUstuug des 
Todten zu nehmen hat, 
der Bruder oder die 
Tochter? 

Ihr habt uiia gefragt 
um Recht mit diesen 
Worten : Ein ehrbarer 
Mann, unser Hürger, ist 
gestorben und hat nach 
sich seine rechte Toch- 
ter und einon leiblichen 
Bruder zurückgelassen. 
Diese zwei sind vor uns 
in das gehegte Gericht 
gekommen und frugen 
uns, wer von ihnen die 
Rüstung dieses Todten 
zu nehmen hätte und 
die ihm zugcsclmittenen 
Kleider. Und wenn 
diese Tochter Kinder, 
I insbesondere] äöhne 
besässe , ob dieselben 
ein ebenso gutes Hecht 
auf diese Rüstung wie 
der Bruder des Ver- 



I 



MittellifHlid. Text. 

Von hergewote vnd 
was dorczu geliort *vom 
rechte* V 

Fruntschaft mit ftetim 
dinfte czuvor. Erfam- 
men libin frunde, ewer 
froge vmb recht ift al- 
zus: Eyn bedirman, 
*czu vns* eyn mete- 
burger, ift geftorben 
vnd hot geloffen eyne 
rechte Tochter vnd e^-n 
bruder. Dy czwe fynt 
komen vor vns in eyn 
gehegit ding vnd haben 
gefrogit rechtis, welcher 
vndir en des totin man- 
nis harnifch vnd feyne 
gefueten cleidir nemen 
zal. Vnd wenne wir des 
vnweyl'e fint, erbern 
hirren, ap ym das har- 
nifch vnd *dy* cleider 
deßfelbigen * totin * 
mannis feyne rechte 



* Aach hier ist der polnische Text nach O, der mittelhochdeutsche nach T 
wiedergegeben und nur dort, wo es n()thig war, beim polnischen auch 
noch Pf beziehungsweise Sk, Kß und St, beim mittelhochdeutschen 
aach noch Sa zu Rathe gezogen worden. Die Stellen dieser letzteren 
Art nind jedoch stets <lurch beigefügte Sterne und bei Ergänzungen, die 
nicht aus P und S<i herrühren, überdies durch besondere Bemerkuu«r«ii 
kenntlich gemacht. Die von mir selbst herrührenden Ergänzungen sind 
durch eckige Klammern angedeutet. 

' Suwuhl diese als auch die nächstfolgenden polnischen ArtikelUber- 
"(clirifteu sind insgesammt aus Sk entlehnt. 

• AuH P entlehnt; Sk hat ebenfalls j/ako; in <} ist «/»o; in K^ alho mit 
der jra»/. sinnlosen Variante: llieyo lannrfrqo 2>r.-///Wz<r/*^. 

13* 



poJnische Uccenaioii der Magdeburger Urtheile. 



197 



J- 



» 
» 



y- 
y- 

la- 



Wörtliche ueuhoolid. Ueber- 
setzung. 

wurcl«, für'« Hecht nicht 
aiiiiähniß. weil es ihm 
missfielo. 

Ihr habt uns gofraj^t: 
Wenn Jemandem ein 
Recht ausj^efolgt würde, 
das er nicht liebte nnd 
es auch nicht für's Recht 
halten will. 

[Wenn Jemandem ein 
Urtheil auspefolgt wür- 
de, das er nicht li'ebte 
nnd es auch nicht für's 
Recht halten will, als- 
dann hat er um eine 
Besprechung zu bitten], 
indem er sagt: Herr 
Vogt, erlaub, dass ich 
micli bespreche (wilrt- 
licli: gib mir auf Be- 
sprechung), l'nd wie er 
von der Bosprecliuiig 
zurückkouiint , spricht 
er: H^rr Vogt, ich nehme 
dies nicht für's Recht 
an und ich will dieses 
Roclit schelten nach 
Rechte ; ob ich dies auch 
thun darf? Alstlami ant- 
wortet man ihui: Du 
darfst es. Alsdann fragt 
er weiter: Darf ich so 
stehend das irrtheil 
srlioltcu V Man antwortet 
ihm: Du darfst sterbend. 
Alsdann rede stehend 
und merke wohl das 
l'rtheil, das du schiltst 
und sprifli : Dieses Ur- 
theil, das der Schtttfo 
gefunden hat , dieses 
schelte icli , und es ist 



Mittelbochd. Text. 

chen, das her nicht will 
otfnemen, wy das fich 
bot? 



Vort mir wenne eymu 
eyn orteil wirt ange- 
fprochen, das her nicht 
will uffnemen abir nicht 
libin wil, der fal betin 
eynis gefprechis fpre- 
chunde alzus : Her foyt, 
ich wil mich befprechen, 
ap ich das orteyl libin 
wil adir nicht. Vnd 
wenne her denne aus 
deme gefpreche kompt, 
zo fprecho her alzo : 
Her foyt, ich wil da« 
orteyl nicht libin vnd wil 
das ftroflfen dorch eyn 
recht, ap ich das tuen 
mag nach des rechti« 
aufweyfunge? So findet 
man: Yo. So froge vor- 
bas; ap du da« fuldeft 
ftendefch eidin? Dasviu- 
det man euch: Stendo 
fal man is tfin. So fprich 
an fteender ftat vn<l 
merke gar ebin das ur- 
teil vnd fprich: Das or- 
teil, diis mir der fcheppe 
vunden hat, d«as fcheldo 
ich, vnd ift vnrecht, vnd 
wil eyn rechtis vinden 
vnd bete der bang eyn 
beffir orteil czu vinden 



Sk hat (ebenfalls 70. 

it; iS7i\ /v'/i und 67 bab<*n ebenfalls ufn/ch; in O i»t a/ft/ß. 






198 



Kafviniacki. 



Polnischer Teit. 



*Moze \y ten^ czo Uko 
prawo layal, dokonacz 
:ego s prawa?* 

[Dalej pjtaliscie nas:] 
Stfoze \y ten, czo tako 
irawo lajal, dokonacz 
legro prawa]?* 

Na to my przyßaßnj- 
T%y z Maydburkv mo- 
»ymy prawo: [Kto chce 
irtel dalej lajac i do- 
JLonac tego z prawa, 
ten ma rzec tako: Pa- 
iiie %%-ojcie, racz zapytac 
swego prawa, c-zyli mögt; 
ialej ortel lajac? Tedy 
na 11 wrdadzsi : Mozeitz. 
Fedy' ' m(»ze tako rzecz: 
Panye woyrse, gdyßem 
na ten ortel f prawa 
layal, pytam moga ly 



! Wortliche neohochd. Ueber- 

ti*AZVLUg,. 

anrecht, und ich will 
ein rechtes finden und 
bitte die Bank, das« ich 
j ein bessres Urtheil aui$- 
■ sprechen kann, und bitte 
diesen Schöffen von der 
Bank aufzustehen. 

Art. O 24, Ende. 

Ob derjenige, der das 
Urtheil also gescholten 
hat, dies zu Ende fahren 
kann von Rechte? 

[Femer habt ihr nns 
gefragt : j Darf derjenige, 
der das Urtheil also ge- 
scholten hat, dies zu En- 
de führen von Rechte? 

Hierauf sprechen wir 
Schöffen von Magdeburg 
ein Recht: [Wer in der 
Scheltung des Urtheils 
fortfahren und dies zn 
Ende führen will von 
Rechte, der hat al.«o zu 
sprechen: Herr Vogt, 
geruhet in eurem Rechte 
zu fragen, ob ich in der 
Schelruug des Urtheils 
fortfahren darf"? Alsdann 
antwortet man ihm: Du 
darfst. Als4lannl^ kann 



LTi 



Ap ejB ■« 
fcheldmge *4m 
Tonraren magai 

Vort mir, ' 
man eyn orte 
ap der in der fc 
des ort^ls rorr 
adir nicht ?^ 

Des fprec-he, 
orteil fckilt, a 
foyt gemchet 
rechte czn vr 
ich in der frlieh 
orteils Toman 
So findet man 
vToge vorbas: 
(intdemmole, d 
orteil czu re< 
:<chulden habe, 
czu frogen, ap 
bang mag geei 
alhy !(ten \'ud g 



* Von mir selber richtig «reslellt; in O, I\ Sk steht: J/fcf It/ ten tat 
itufaez dokonacz / pntfca: K^i fügt noch nach / pro »m: 9fco^«y rzet 
' In Sa ist dieste ganze Stelle vun , Vi/rt nur — a*{ir lucht nicht vu 
^ Aus dieser und den übrigen mit eckigen Klammem versehener 
i:»t am )>etfteu zu ensehen, wie lückenhaft und fehlertiaft die 
VorUge war, auf der die v«»n N. G«di>gi>r»ki veranlasste polnisch 
>etzung l>eniht. Art. O i3 ist dag^^jreu »»hno Zweifel vom Ue 
selbst gekürzt worden, und ^bt uns dies^e Zu>amnieustelluug ü 
auch totut das beste Bild v«.tn der Methinle, die der p«>luischi 
bei der Handhabung seiner Vorlage befolsrte. 
voinuigehende Anmerkung. 



Dit polDitche Receniion <ler Ma((del>urgcr üriheila. 



199 



f^DtfrbcT T«xt. 

^yt w It^yowj, iakü 
tiW*'y ^hodwi? Y 
m6. i^7 fh**«e w lawy- 
-,^ jDt rxei'i: Panye 
,rtytxe, ß odpufczeiiyni, 
y6 ii gyd» w Inwycza, 

^vam nalefcB? Te- 
0-1 vynekna prxyßa- 
^ttij' Na tliem iiiye- 
^, gdie ualaßl pney- 
^^^jk teu, i'JEo thobye 
^wydal. Tedy (Uley 
g^nea: Pauye woy- 
^lodpufczenyin, yß' 

g^ Hko] rsecK: Tedy 
-g lako ßobyo wyne- 
|0 a prawo {»odlug^ 
Jiajdbiirkn prawa.^ 



*Kthore wyny inayn 
pnydx woythüwy?* 

Pjtaljrciye naß teß o 
wynj, cxü 8 prawa przy- 
chodtt woythüwy, yako 
wyel kye ßjj wyiiyV 



I 



Wörtliche ueubochd. Uelier- 

er fol^^eiidormaHHeii 
Bprei'heii: Herr Vog^t, 
da ich dieses Urtbeil 
nach Rechte gescholteu 
habe, so fra^e ich, ob 
ich in die Bank treten 
kann, wie ich hier stehe 
und ffeho? Und wie er 
schon in die Bank will, 
hat er zu sap^en: Herr 
Vojjft, mit Vergebung, 
das» ich in die Bank 
gehe, und geruhet zu 
fragen, wo ich das Ur- 
tbeil zu findon habe? 
Alsdann sprechen <lie 
Schtitlon : An diesem 
Orte, an dem der SchOiTo 
gefunden hat, der dir 
das Urtbeil ausgespro- 
chen hat. Alsdann hat 
er weiter zu sagen : Herr 
Vogt , mit Vergebung, 
dass ich mich setze. Und 
da er sich gesetzt hat, hat 
er also zu sagen : Alsdann 
spreche ich mir das für 
ein Uecht aus nach dem 
Hechte von Magdeburg. 



Art. 25. 

Was für Bussen (Wot- ' 
ten) dem Vogte kom- 
men sollen? 

Auch habt ihr uns in '■ 
Betreft' der Bussen gc- 

fnigt, die dem Vogte ' 

kommen von Hechte, . 

und wie gross diese I 

Bussen seien? ' 



Mittelhochd. Text. 

wenne du in dy bang 
wil[K]t gen, fo fprich: 
Her foyt, mit laube, das 
ich in dy bang gee, vnd 
geruchftt czu vrogin, wo 
ich das orteil finden zai? 
8o fpricht der fcheppe: 
An des ftat, «Icr is von- 
den hat. So fprich vor- 
bas: Her foyt, *so bete 
ich den scheppin heyfen 
uffczuften. Vnd fprich:* 
[Her foyt|, mit laube, 
das ich nedirücze. Vnd 
fprich denitu alzo: *HL'r 
foyt*, (bis fpreche ich mir 
vor eyn recht nr»ch Mey- 
deburgefchem rechte. 



Von buffen vn<l wot- 
tin, dy man dem foyte 
fchuldig ift von rechte. 

Vort mir |fo habit ir 
vns gefrogit] von bufftMi 
vnd gewütte, dy m;in 
dem foytü phlichtig ift 
czu tun |von| rechte. 



1 In ist ßayn. 

> Nach P verbessert; die übrigen polnischen Texte haben ebenfall.s te.di/ ; 

hat teß, 
^ In ist yvß, * In O steht prawo. 



200 



Kaluin iacki. 



rolniM-luT Text. 

Na to my przyßaliny- 
czy s Krakowa' iiiowy- 
iiiy |>ra\v») : Cidy woyth 
(ntMlzy na jjayiioiu Ijaii- 
ilzo allx) jryiHlzp ßyaii- 
«Iz«', kto^ pMiiv prae- 
padiiyi», fpii ina {ry<*nin 
pokupyi'z ortini ß[t'lla- 
jjiiw porpoliiych dn»b- 
iiyi'li * pydaczyi'h pya- 
uyadzy a iiycz wj-aczey. 
All» wt» trzvch wvikvch 
saiidzocli. jrdv l»v\vav;i 
irv«'<l«»ii na (jwvathejr'» 
lana v Pawla <lzv«»n, 
dnijrv ol^niv «Izvon no 

l>\vvatli«Mn Ma;zvvv, 
tr/.«*e/v na dzven üwva- 

• • V 

tln'v Ai'atljv. jrdv burtr- 
rabva üvimIzv na snidz»« 

* • • * 

a taki» <!lu;r«*. y^^y <'ii 
l:ve«lzv . yvoft wvna 
i»riMnilzyel'»atb üelajrow 

•iniKiiVfh i»v;inv;iilzv. 
AI«*. "^Iv wi'ianve" bar;:- 
ralivx, ttMv \%vna nve 

* • • « • 

;:»» f t u y ;j t li Oa. i t*«! n • im rt n» 
>zi.»lai:»»w iivt'nvadzv i* 
|ira\«a pra^***^'«!. 



\Vortli«-h«" inMilicM'lid. TelHT- 
Setzung. 

lliorauf »prerhnn wir 
Schöffen von Krakan 
ein Recht: Wonn der 
Vojjt im pehepten Ge- 
richte oder sonst wo 
sitzt, wer ihm verfallt, 
der soll ihm mit acht 

»Schillinjren ;r«m«Mner 
kleiner Münze, die da 
jran^har ist, hÜHscn und 
mit nichts mehr. Aber 
zu den drei Jörnen Ge- 
richten, von denen da» 
eine am St. Johannes- 
und PanluMta^, das an- 
dere am achten Tage 
nach dem hfili^en Mat- 
thäus . rla.s dritte am 
Tajre der heilifren Apa- 
the ^.»schiebt, da der 
Hurirtrraf zu (ierichte 
sitzt, und zv^ar so lautre, 
wie lanee er sitzt, b<- 
trätrt die Busse arbtzifr 
Scbillinpi* klein '-r Mün- 
ze. Aber wenn der Burg- 
prat aufftteht. «laun ist 
die ButtH; nicht srr'»:».<<er 
aU acht S«'bil liiere Mün- 
ze nach recbt'.'n; K'M:bte. 



I 



Mittelhodid. Text. 

DonifT fiireche -^ . 
fchep|>en der ftat C?/-*^ 
kaw ' eyii re<;ki: Wfenu 
der *foyt* rfMrhtiH ph/^. 
(;it in be^ftim diii^j^ 
adir fuft, alle, djr ym 
burrevellif; werdiu, Hy 
wettin yiii nicht weiuio 
viii rchiiliiifi^ heller, 
dy do f^eng'e fint. 8midir 
in den dreyen fsntCm. 
dingen, dy fint eynisaa 
Hinte JohanniH ta^ virf 
an fnite Pauliu* tai^, du 
andere ding da» ift uotk 
fintc Mathei»^ tag u 
dem achtin tage, 4m 
dritte ding an fnMi 
Agathen tag, fo der hotp 
grotTe da» ding fimt 
vnd alzo lange, alz her 
llczet. fo ift dy bofle 
XXX '• ff-billiugff •hdlir*. 
Wenne abir der borf- 
f^Tnffta uffgeftet, fo ilt 
dy biiffe nicht mir *deih 
ne* viii fi'billinge bel> 
1er. *dygeng« fynt*, von 
rechtis wegen. 



- P hat z Mttu*V»urhu : K •*; » pratra Maf/d/ßmrtk*/^^. 

' Sa hat ytof/*Vtnr»i. 

3 In '/ >tehi tktc. 

* Nach /* C'-rrijirt: Sk. Ki und .Sf halien eb*-ntall* drof*nifcft; O hat 

^ In Sa *teht Martin. 

In Sa *teht eben** wie in d«-r ]M.liii^b*':i \t*Ti-»'U^v*u a^hezig. Vergleicht 
man nun damit auci. di** iiKriir»rn auf > !'.•♦;. Anm. 'A, S. Ilf«. Aum, 2, 
S. i«."». Adui '1 h'.-rv..rj-ii ■'— u-ii Varian'»ri.. ■^« li**jrt d-^r Ge'lankc nahe, 
dania> d»-'n Schluss za zivii-n. •!*.»- -lie 'irr'i :»•:»•? V«^rla^e, 'lie der iKdni- 
dchen KedactiuD zu Gnnir celee^-n, izt, ::'>wri«**f:n Sinue doch näher 
xa .Sa al# zu T ^e*^and-^ :.*: Vj-I. di*^:•«^z^Jl^-rl anrit S. 2Mä. Anm. 4. 
' In O Meht *•" '"^tmuti* . 



Di« polnische Recension der Magdeburger ürtheile. 



201 



PolniA-ber Pext. 
*0 («»pl»cie za) wßel- 

flow?!*- 
Dtley pitalyft^ssyo naß 

wß/elkye wyiiy y o 

ispbtbaza ' kaßda rzecz, 

yleoniuy, oplowH, albo 

ffikolybandzo wynczey, 

j »pyrwey o glowa. 2 



K» to my prayßaßny- 

aj 8 Maydburku ^ mo- 

«■jprawo: Haudze ly 

dfowyek «abyth y geft 

l^pelnego prawa^ a iiye 

nft iy saraczoiiy czlo- 

wjek, te^ zaplatlm geft 

ofimoaczczye fuutow, ^ a 

kasdy fiint czyiiy dwa- 

ayfciya ßelagow ^ pye- 

Bidsj, a woythowy ofßm 

febgow pyenadzy gyda- 



Art. 26. 

Wurtliche ueiihochd. Ueber 
Sützung. 

Vom Wehr^eld für al- 
lerlei Vorgehen und vor 
Allem für Todtschlafi^. 

Ferner habt ihr uns 
l^efragt um allerlei Ver- 
ireheu und um <la« Wehr- 
gehl für jedwede Sache, 
für Wunden, für Todt- 
Hchlag und für was immer 
für eine Sache, vor Allem 
aber für Todtschlag. 

Hierauf sprechen wir 
Schöffen von Magdeburg 
ein Recht: Wird ein Mann 
todtgeschlagen und ist er 
vollkommenen Rechtes 
und ist er nicht ein ver- 
sprochener (d. i. verbürg- 
ter) Mann, das Wehr- 
geld desselben beträgt 
achtzehn Pfund, und je- 
des Pfund macht zwan- 
zig Scliillinge Münze,und 



Mittelhochd. Text. 



Von allirhende were- 



gelt. 



Vort mir fo habit ir 
vns gefrogit vme aller- 
hendeweregelt *vnd czu 
dem irften vme totflag 
weregelt.* 



Dornoch fpreche wir 
fcheppin eyn recht: Wirt 
eyn man totgeflagin, der 
dovnvorsprochen ift vnd 
ouch volkomeniftan fey- 
me rechte, des weregelt 
ift xviii phunt, vnd icz- 
lii'h phunt machet xx 
rchillinge heller, dy do 
genge fint von rechtis 
wegen alz recht ist. 



' Nach Sk corrigirt; in O steht 1/0; in P: y za. 

■ Die Worte: 7/ napyrwey o glowa kommen in den polnischen Texten erst 
in der Antwort nach mowyfiiy o prawo vor. Da sie jedoch in den deut- 
seben Texten in der Frage vorkommen und auch sonst besser hier als 
dort passen, so habe ich kein Bedenken getragen, sie aus der Antwort 
brevi manu in die Frage zu trausferiren. 

* In P ist * Maydfiurku nicht vorhanden. 

^ In den polnischen Texten lesen wir statt: y yeft ly pelnego prawa ein- 
stimmig : // praweni przeyda. Da aber die Worte : y praweni pi'zeyda 
keinen rechten Sinn geben und in der polnischen Recension offenbar 
nur auf diese Weise zum Vorschein kamen, weil die ihr zu Grunde 
liegende deutsche Vorlage statt der Lesart; der do unvor/prochen iß 
mid ouch volkonien iß an feynie rechte in Folge der Unachtsamkeit ihres 
Schreibers die Lesart: der do vorkamen iß an feyme rechte und ouch 
unvor/prochen iß bot, so habe ich auch hier kein Bedenken getragen 
statt der Worte: y prawern prj^eydq kurzweg die Worte: y geß ly pelneyo 
prawa zu setzen. 

* 8t hat pßmdow, pfund. 

* Nach P verbessert; O hat ßdugoirych. 



202 



KalsiBiackL 



pft- i'i« - m^ Tri* 
cxTch podlogr prawa a 



*0 laplath» za chn>- 
motha*. 

G«rc[ze|(krz7e uaC pj- 
tal j o zaplatha za chro- 
motha jako wrelka ma 
bjcz albo geft f prawa? * 

Na to mj przyGaCiij- 
czj 8 Krakowa^ prawo 
mowimjr: Bandzeljczlo- 
wjek czja6ko rranjon' 
albo ochromjon, geft \y 
njeKaraczonj czlowjek 
y ß doßkonalym prawem 
Cwjm czlowvek, tegt> za- 
plata geft dz jrewjacz fuD- 
tkow, a kaßdj fanth czj- 
ujdwadzjefcza Celagow. 
Jako %%7'ele chromoth 
*albo raii, tako wjelye 
tjch zaplatow,* a wov- 
thowy thyle krocz ofßm 
(>elagow pyeuadzy gy- 
daczych. * A to f prawa 
prawege macze. 



Czoyefthpokupii nye- 
zaracz[o]nema czlowye- 
kowy o krwawe raiiy, 
kthory yeftli i>eliiego 
prawa? 



I 



Wörtliche oeiüiaeikL U«i>K 
sKZEine. 

dem V*.»gte acht Schil- 
linge gangbarer Münze 
nach Rechte and nichts 
mehr. 

Art. 27. 

Von dem Wehrgelde 
för die Lähmni^. 

Noch habt ihr ans ge- 
fragt nm das Wehrgeld 
für die Lähmang wie 
gross dasselbe sein soll 
oder ist? 

Hierauf sprechen wir 
Schöffen von Krakau ein 
Recht: Wird ein Mann 
schwer verwandet oder 
lalim gemacht, falls er ein 
nnversprochener Mann 
ist und Tullkommen au 
seinem Rechte, betragt 
das Wehrgeld desselben 
nenn Pfund, und jedes 
Pfund macht zwanzig 
Schillinge. Wie viele 
Lähmungen oder Wun- 
den, so viele Wehrgelder 
und dem Vogte so vie- 
le Male acht Schillinge 
gangbarer Münze. Und 
das habt ihr vom rechten 
Rechte. 

Art. 28. 

Was i^t das Wehrgeld 
eines Mannes, der iin- 
versprochen und voll- 
kommeuen Rechtes ist, 
für blutige Wunden? 



Mitxohodtd. 



I 



Von lemde 

Vort mir t 
viisgefrogetvi 
weregelt. 



Hiruff spr 
fcheppin der f 
evn recht : Wi 
kamphin^-nnd 
lemdit, der 
eben ift vnd 
an sevme n 
weregelt ift ii 
iczlich phunt 
fchillin^ hei 
gen^ fint. * 
che lemde al 
weregelt* *\Tn 
[alzo monche] 
linge] heller ' 
wegin. 



Von lemde 
wunden were 



* Im Codex steht praxco. 
' P hat z Maydborku, 

^ St hat crosoii. 

* Auch diese Lesart bestätijrt die auf .S. :!uc>, Anm. 6 ausgesprochei 
^ St fügt noch hinzu: a nycz wyacx4y. 



Die polnische Becension der Magdeburger üriheile. 



203 



polnischer Text. 



Wörtliche neuhochd. Ueber- 
setzuiig. 



(idy czlüwyeka vra- 

Äjra' albo* vkrvvawy;j, 

CIO uye gest zaraczony 

i^Apeluego prawa, te- 

00 may;i za kaßda krwa- 



Wonn mau einen Mann 
verwundet oder bluten 
macht, der nicht ver- 
sprochen ist und voll- 
kommen ist an seinem 



Mittelhochd. Text. 

Vort mir * fo habit ir 
vns gefrogit vme kam- 
phirwunden weregelt. 

Hyruff fpreche wir 
fcbeppin der ftat Cr[o- 
c]aw' eyn recht: Wirt 
eyn man kamphirwuu- 
det,^ der volkomen ift 
vnd ouch vnvorfprochen 
ift an feyme rechte, noch 
iczlicher kamphirwun- 
den ift feyn weregelt 
ix pbunt, vnd iczlich 
phunt machet xx Schil- 
linge heller, dy do genge 
vnd gebe fynt, vnd dem 
foyte viii Schillinge hel- 
ler von rechte. 

*Von blutrunft wer- 
gelt vnd vugemanter 
weyber wergelt.* 

Vort mir fo habit ir vns 
gevrogit von blutrunst 
weregelt, was das ist? 

Hiruff fpreche wir 
scheppen der ftat Cro- 
kaw eyn recht : Alzo otFte, 
alz eyn vnvorfprochen 
man blutronftig wirt ge- 



• Dass diese ganze Stelle von Vort mir — von blvtrunfl weregelt was 
doM iß, in der polnischen Kecension nicht vorkommt, dürfte seinen 
Grund v<)rnelimHch in der Identität des grössteu Theils dieser Stelle 
iuit einem Theil des Art. O 27 haben. Der nicht gerade sehr umsichtige 
Schreiber der betreffenden deutschen Vorlage oder vielleicht auch der 
polnische Uebersetzer selbst wird sie daher für eine blosse Wieder- 
holung und folglich für überflüssig angesehen haben. 

~ Nach Ha corrigirt; T hat der ßcU Met/denburg. 

^ Ich muss hier ganz ausdrücklich bemerken, dass im Original, d. i. in T, 
in Folge eines offenbaren Versehens des Schreibers, das er aber später 
selbst bemerkte und durch eine Note ersichtlich machte, anstatt dieses 
VJrtheils, zunächst das weiter unten folgende geschrieben steht, während 
unter der Rubrik : Von Uutrunß wergelt das zur Rubrik : Von kamphir- 
tcnnden weregelt gehörende gesetzt ist. 

* Die Worte vranya albo sind aus Kß entlehnt. 



204 



Kalniniacki. 



Polm>cher Text. 

wa rana *pokvpycz* tray- 
dzyeßczy ßt»lagow pye- 
iiadzy a woythowy od * 
kaCdoy krwawey rany- 
ofGin ßelagow pyenadzy 
wyny. I teß wydacze, 
yß uyema(y«atline zouy, 
iako ßa dzewky y ka5da ^ 
nyewyeßka twarz, ktore 
ny ßßa zaraczoue, nycz 
wyjiczey pokupu gymay», 
gediio polowycza tego, 
czo ymaya uyezaraczo- 
iie^ iniifczyßny badz o 
glowa y*o* czyaßkye y 
krwawe rany f prawa. "^ 



Wortliche neuhochd. 
Setzung. 



Ueber- 



*Ma ly theß kvpny 
woyth przyßadz czyly 
nye?* 

Py talyfczye *teß* naß : 
Ma ly knpny albo dzye- 
dzycziiy woytb teß ku 
prawu j)rzyßancz a][bo 
nye]? 



Na to my prawo mowi- 
my: Kaßdy wo^'th,bandz 
kupny, [badz] dzyedzycz- 
ßky, yle kto nayal, ma 
ku prawo tako przyßancz, 
mowyacz: Taprzyfagam 



Rechte, dem soll man 
für jede blutende Wun- 
de .'»0 Scbillinore Münze 
zahlen und dem Vojrte 
acht Schillinge Heller als 
Busse. Auch wisset, dass 
unvcrheirathete Weiber, 
als da sind Jungfrauen, 
und jedes Weibsbild, das 
nicht versprochen ist, 
kein grösseres Wehrgeld 
haben, als die Hälfte 
dessen, was unverspro- 
ebene Männer haben, sei 
es für Todtschlag oder 
sei es für schwere und 
blutige Wunden. 

Art 29. 

Hat ein durch Kauf ge- 
wordener Vogt zu schwö- 
ren oder nicht? 

Auch habt ihr uns 
gefragt: Hat ein durch 
Kauf gewordener oder 
ein erblicher Vogt zu 
dem Rechte zu schwö- 
ren oder nicht? 



Hierauf sprechen wir 
ein Recht: Jeder Vogt, 
mag er seine Vogtei ge- 
kauft, geerbt, oder ge- 
miethet haben, hat zu 
dem Rechte also zu 



Mittelhochd. ' 

macht alz man 
fal man vm ii 
linge heller bu( 
dem fovt viii fr 
heller bufTin*' 
tin. Auch wifTel 
gemante • weyl 
iuucfraweu vnd 
bisbilde, dy vi 
chen flnt, nicl 
ha[l]b alzo vil 
haben füllen a 
fprochene mai 
fey denne totfla 
adir kamptirtig 
*adir*blutrfinf 
gleich. 



Ap eyn erbei 
fweren mfis. ^ 

Auch habit i 
frog^talzusindc 
ten: Ap eyn fo; 
eyn gerichte kc 
kawfft hat, [; 
erbefoyt], ouch 
rechte fweren 
nicht? 

Antwort dei 
pen]. Hyrufffp 
fcheppen der ftji 
eyn recht: Eyn 
richter, her fey 
abir *her* hab 



* In steht «. 

2 P hat za kaßde okrwatcyent/e. 

^ Auch von dieser Stelle gilt das auf 8. 200, Anm. G Gesagte. 

* Nach Sa verbessert; T hat vwjeiiaiUe. 
'^ In P folgt noch nyewyafta y, 

ß K^i und St haben nyezavzeczone^ beziehungsweise nyezarzeczotiy, 

^ In O steht prawo, 

** Sa hat dem recJit^ fwet^eii i'al. 



I>jc polnische Recension dor Magdchnrger ürtheile. 



205 



PolDwcher Text. 

bifl« y memv panv kro- 

)0vy y temu inyartha,yße 

fW» na mem vrzandze ' 

mrienbyez, kaßdemu 

ynwo^ «Tnyci, tako 

^logemT yako bogate- 

«f, obronyc« wdowy y 

^thy, gofczowy yako 

Ii0«adowy rowno ßan- 

Wf, a nye chczf} tlio 

^Wesycs any dla laß- 

w my <IU«alofczy,6 niiy 

liBTch mogj'ch Yrtli,"^ 

t|Bvadney rzeczy dla*^ 

Ulf liieko, yako mof^a 

gief^vmogich pvfjczy 

fMoß y gego wyelky 
illiJeeiny sand, czo na 
i^ynawßythek ßwyatli 
choe ßyedzyecz y ßaii- 
iiyci. 



Wörtliche neubochd. Ueber- 
setzung. 

schwören, sprechend : Ich 
schwöre Gott und mei- 
nem Herrn, dem Könige, 
und dieser Stadt, dass 
ich meinem Amte getreu 
sein will. Jedem sein 
Keclit thun, sowohl dem 
Armen, wie dem Reichen, 
die Wittwen und die 
Waisen schützen, dem 
Gaste wie dem Nachbar 
nach gleichem Massstab 
richten, und will das 
nicht lassen weder um 
der Gnade (Liebe) noch 
um des Mitleids willen, 
noch um meines eigenen 
Mundes (sic!)"^ willen, 
noch um irgend einer 
Sache willen insoferne, 
inwieferne ich das mit 
meinen fünf Sinnen er- 
kennen kann, so mirGott 



Mittelliochd. Text. 

rieht * gekowft, abir ge- 
my t, yo fo fal [her] *doch* 
eyn gefworener richter 
feyn vnd fal czu dem 
rechte eynen fulchen eyd 
tun * vnd ftabin : * Ich fwe- 
re got vnd meyn hirren, 
dem konige, vnd *der* 
stat, [das ich] an mey- 
nem gerichto getrawe wil 
feyn, glich recht geweren 
dem armen alz dem rei- 
chin, wettewin vnd wey- 
fon gleich czu bescha- 
czen vnd czu beschir- 
men den armen alz den 
roychen, ^ den gaft alz 
dem ingefeffen gliche 
richten wil, vnd wil das 
nicht lofen dorch leyp, ^^ 
noch durch leyt, noch 
durch meyuis felbis mfit- 
willen, noch durch key- 



* Ans Sa entlehnt; T hat erhe. 

* P, Sit und Kß haben na meni findze. 

' F und Kft haben ebenfalls prnijo, beziehungsw. prawo; Sk hat prawda. 

* Sa hat fioeren. 

* Der Absatz von: Ich fwere got etc, ist in beiden hiehergohörigen deut- 
schen Texten als besonderer Artikel aufgefasst und in T mit der in 
meiner Abschrift ausgelassenen Rubrik versehen: Von d&t foi/tis ef/d. 

* P hat mylofczfj. 

" Dass diese Lesjirt entschieden falsch ist, liegt auf der Hand. Auf die 
Frage, wie sie jedoch entstanden ist, gibt uns der beiliegende mittel- 
hochdeutsche Text einen ziemlich unzweideutigen Anhaltspunkt. Es 
ist offenbar, dass in der Vorlage, auf der die polnische Uebersetzung 
beruht, statt des richtigen: noch durcli niet/nis feUjis mntwillen durch 
Versehen des Schreibers: noch durch met/nin felbis viuntwUlen stand. Da 
nun muntj wenn man es mit Mund identißcirt, polnisch nsta heisst, so 
ist es begreiflich, dass statt des richtigen: ani dla samego niego widzi- 
mtie das sinnlose: ang ßamych inogych vßh dla zum Vorschein kam. 

* Nach P verbessert; in steht znaydcz. 

* Die Worte: den armen alz den reychtn sind in Sa nicht vorhanden. 
'« hl 5a: Up. 



208 



Kaliiy. n i ücki. 



PolniH.'her Text. 

kvpyl rola v Methwochowey ^ y za- 
dal albo zaplaczyl gey yvße dwe 
gfrzywiiye. Jako rok przyßodl drugym 
pyenadzom, prawyla [je] *tha pany*. 
Hamms rzekl: Nye mam p:ych. Dano 
grey f> prawa dwa przyßaßnyky, aby 
w gego eztyrzech kolyech ßnkala ' y 
wzaln, czo by za poy ftalo. *Poßla 
y nye nalaßla* [nycz]. Przydacz 
zaßyji przed sand, prawy *y fhcze* 
ßwycb pyeiiadzy za rola, czo prze- 
dala Hannvßowv. Y tako rzecze 
Hannvs: Nye mam gey zaplaczycz 
czym ; otho ma fwa rolya, nyechacz y:} 
zaßye weßmyo. Tody ona rzecze : Ny 
chcz.*} gey, a pytam prawa, gdyß[e]m 
ya ya przedala, a ßeßnaya to lythkv- 
pniczy,^ ma ly oii mnye ta rola podlug 
targv zaplaczycz, albo czo geft prawo? 
K themv ♦rzekl * Hanmif : Panyc woy- 
cze, gdym* y;i tako podvbozal, yß 
nye mam gey czym zaplaczycz y 
chcza gey rolya wroczicz y chcza 
ftraczycz vßytek zadathek, a nygdy 
ßyo gf*go vpomynacz y rola t;j wol- 
no wypvfczycz y zapyffacz, pytam 
prawa, moze ly mye na wyfclie pra- 
wo przywyefcz* a y ma[m] ly za to 
wyenczey ktore gaba nye czyrpyocz,'^ 
[czyli] a zaly ona yvßo tako w tboy 
myerze ma przyyacz zaßya fwa rolya 
albo czo goft o to za prawo? 



Neiihocfad. UffbenetznibL 

mit diesen Worten: Hau» luafte 
einen Acker bei der Pmu dn Mitl- 
wocb nnd gab dAranf bereit« (Ar 
zahlte zwei Mark. AI« nun dieFnt 
kam, das übrige Geld xa uUen, fl^ 
derte dasselbe diese Fraa geridiäkh. 
Hans sprach: Habe nicht Dt gA 
man ihr von Gerichte zwei SebSiai 
dass sie in seinen vier Pfihlen toAt 
und nehme, was für das Ihrige liifBi 
würde. Sie ging und fand nichts, ül 
tritt sie abermals vor das GmM 
und fordert und will ihr Geld 9t\ 
den Acker, den sie Hansen Teriaal 
liatto. Und es spricht Hans: Habeifcr 
nicht womit zu zahlen ; da bat A 
ihren Acker, möge sie ihn tv^ 
nehmen. Alsdann spricht sie: tt 
will ihn nicht und frage das Geriiti 
zumal ich ihn verkauft habe, i* 
die Leihkauf tri nker dies beki 
werden, ob er mir den Acker to» 
Uobereinkunft zahlen soll, oder 
Recht sei ? Darauf antwortete Ha* ; 
Herr Vogt, <la ich so arm gewoid»' 
bin, dass ich nicht habe ihr womit*; 
zahlen, und ich ihr den Acker » 
rückerstatten und auch alles Ang», 
vorlioron will und nie es wiedÄ 
zurückfordorn und auch den Aetal 
frei herauslassen und vorschreibeii 
so frage ich das Gericht, ob sie nnd 
vor das höhere Gericht fordern kaa 
und ich auch überhaupt noch meh 
Plackereien hiofür leiden soll, odi 
ob sie schon so in dieser Art ihic 



1 Sk hat Motlochtyicey ; Kfi: Mt/lhochoirct/ ; ich bin aber für die Lesi 
des O, weil sie mir das hier vorauszusetzende deutsche Mittwoch no 
am besten wiederzugeben scheint. 

* Nach Sk verbessert; O hat w gego rstgrzech koli/ecz ßvkano. 

* Sk hat a na tho Igthkupngky mam; K,i: a na tho ata It/thkupn^czjf. 

* Kß hat gdyzem. 

Hk hat przt/cej/fjinacz, 

? hat ktore ezxrrpyenye myecz. 



Di« polnische BaceDsion dor Magdeburger Urtheile. 



209 



Polnificber Text. 



*Kft to m. p. Bse Lwowa m[owy- 
sy] p[rtwo] : * Gdyß Methwochowa ^ 
I dnyomA pnyßaßnjkom^ f prawa 
^v)aU ▼ Hannnßowych cstliyrzech 
kohteh,' a nje nalaßla za ßwe *do- 
|u^» a ßmje ly Hannos ffam fwa 
m^ pnjiUncx, yß nye m^ czym 
t^M rolye doplaczycx, a chcze ly 
ftre DA wyeky wfchego^ za datkkv 
finita 7 rol§ ^y wolno wzdacz y 
taprCGM^ tedy Methwochowa mvfßy 
iiif5ja fwa rolya przyyacz, a Hannas 
ttkogey bandze praw y profßen, yako 
geft priwo. 



Neuhochd. Uebersetzung. 

Acker zurücknehmen soll, oder wa.s 
darum Recht sei? 

Hierauf sprechen wir Schöffen von 
Lemberg ein Recht: Da die Frau «les 
Mittwoch mit zwei Sclu'Jffen von Ge- 
richtswegen in Hans' vier Pfählen 
suchte und nicht für das Ihrige genug 
fand, alsdann muss, wenn Hans selbst 
mit seiner Hand zu schwören wagt, 
dass er nicht hat womit den Acker 
zu Ende zu zahlen, und wenn er in 
Ewigkeit auf alles Angeld verzichten 
und den Acker ihr frei übergeben 
und verschreiben will, die Frau des 
Mittwoch ihren Acker zurücknehmen, 
und Hans wird also gerechtfertigt 
und von ihr frei sein, wie's Recht 
ist. 



Art. 268. 



*0d7 kto komn bydl§ napadzy, yß 
Aje vraßy albo zabyye albo na kolye 
pnekolye.* 

•Ge/cze* teß przy mnye Krotho- 

fyn/cÄy ♦panowye* ßlaly po prawo 

^ Lirowa takymy szlowy : Grzegorz 

'i'owal na rußkyego popa,^ rzek§cz: 

^0 nayn zaluya, iß moy koyn wbyekl 

^ f^^o dwor othworzony , a thamo 

H^go ezelacz vgonyla mego konya 

'ttpl.oth, a moy koyn zkaczacz przeß 

plot&x , wßkoczyl na oftry kol gego 

plo*.Vfca. Tego koyn ya zaluya yako 

tny^zefczy * grzywyen na popa. Na 

to cxlpowyedzal pop, rzekacz: Moya 

cselstcz yechala f pola do domv f 

plta^em y ß konymy. Za thymy 

wi>^2al w moy dwor teß koyn gego. 



Wenn Jemand Jemandem sein Vieh 
in dieser Weise antreibt, dass es sich 
verwundet oder tödtet oder auf dem 
Pfahl sich durchbohrt. 

Auch haben forner zu meiner Zeit 
die Herren von Krotoszyn um Rocht 
geschickt nach Lemberg mit diesen 
Worten: Gregor hat über <len russi- 
schen Pfaften geklagt, sprechend: 
Ich klage ihn wegen dem an, dass 
mein Pferd sich in seinen offenen 
Hof verlaufen hat, und dort hat sein 
Gesinde mein Pferd auf den Zaun 
getrieben, und mein Pferd sprang, 
indem es über den Zaun setzte, auf 
einen scharfen Pfahl dieses Zaunes. 
Wegen dieses Pferdes klage ich den 
Pfaffen um den Betrag von dreissig 
Mark an. Darauf antwortete der Pfaff, 



^ 8k hat Mothlochotna, Kß: Methochawa. 
^ In O ist kolyecz. 
^ In O steht tochfego. 

^ 8k hat hatfthka. 

^ 8k hat trt€ch, Kß: tnty. 

Sitsnngsber. d. phil.-kitt. Cl. CXI. Bd. I. Hft. 



14 



210 



Katuin iacki. 



rolni^clior Toxt. 

A yako paropczy wyprzajraly moy 
koyn, tako ßye wyorwyo v po^anya- 
cz/j y rzuczyl ßyo od fwey fwyerzepy ' 
na gego koyn. A w tem koyn {^egfo 
ßkoczyl na kol y wrazyl ßye, a cze- 
ladz mova nve *moirla thomn nvcz 
rzei'z any* gonyla gego konya. Geßly 
ya thv czfo wynowath podlup prawa? * 



Na tho ni[yl p[rzyßaßnyczy] sze 
Lwowa ni[owyiny] p[ra\vo]: Umye 
ly' pop przyßancz fani fwa rfjka, yß 
gego czeladz *nyo gonyla* Grzegor- 
zowa knnva *anv ßwesfo konva* 
chczacz v]U'f("/yla , * tedy pop geft 
praw y ])roßon*"' od Grzegorza pod- 
lug prawa. 



Xeuhochd. UebenetzQog. 

sprechend: Mein Gennde fahr 
Felde nach Hanse mit Pflug nl 
Pferden. Ihnen nach lief anek «b 
Pferd in meinen Hof hinein. Uli 
wie meine Knechte mein Pferd n» 
spannten, riss es sich ans der Hol 
des Treibers los nnd warf lidi ii 
Folge seines UngestQms (seiner B» 
heit) auf sein Pferd. Da sprang m 
Pferd auf einen Pfahl und Terwo* 
dete sichf nnd mein Gesinde koaMl 
nichts dazn sagen und trieb niditirik 
Pferd. Ob ich also hier was NhnUH: 
bin nach Rechte? 

Hierauf sprechen wir Schöffen iw 
Leniberg ein Recht: Kann der Ftf ' 
mit seiner Hand schweren, dan 
Gesinde weder das Pferd Oreg« 
getrieben hat, noch auch mitWiUa 
das eigene Pferd losgelassen hat, dl- 
dann ist der Pfaff gerechtfertigt nl 
frei von Gregor nach Rechte. 



(i) Artikel, die nur in und P vorhanden sind. 

Art. 108. 



Gdyby woyt raczczo, przyßaßnyky 
y gynßy lud ßromoczyl nyefprawj-e- 
dlvwve.5 

Pytalyfczye naß o prawo tliymi 
ßlowy, zaluyncz na waßcgo^ woy- 
tha, kako goft raczcze, jirzyßaßnyky 
y gynßy lud ßromoczyl " nyefpra- 
wyedlywye i goft nyofprawyedlywy, 
drapyeßny,^ wßporny, ßo wßythkym 
pofpolftwem nyeßgodny , przetho 



Wenn der Vogt die RathmimMi^ 
die Schöffen und das fibrige Volk 
ungerecht verunglimpfen würde. 

Ihr habt uns um Recht gefragt it 
diesen Worten nnd euch beschwert 
über euren Vogt, dass er die Batth 
männer, die Schöffen nnd das übrigt 
Volk ungerecht verunglimpft hat uwk 
auch sonst ungerecht, ranbsOchtifi 
zänkisch und mit allem Volke 



* Sk hat ßwf/erzepi/rze, Kfi: 9icorzepi/cze. 

' Sk fCigt noch hinzu : aU*o czo t/eß o Uip za prawo, 
' Sk und Kji haben nzmye hf. 

* In O steht vpv/czify. 

^ Von mir seibor aus dem Wortlaut der Frage ergänzt. 

• P liat ßtoego. 

"^ P hat ßromoczt/. 

• In P lautet diese Stelle so: i/ rjef) drapt/eßytry, nye/praumif ele. 



IMe poinisdie tUcension der Magcleburger Ürtheile. 



207 



Polnischer Text. 

^tiyiiy ly koniv krsty wda, 

liAy ma ßye nayn zalo- 

usa przed saudza wy- 

(^yiD Dtd nym, ten io 

gig fe^ndaycz tako, *ya- 

\j^* yest prawo podlug 



Wörtliche neuhochd. üeber- 
setzuDg. 

■ 

Jemandem Unrecht za- 
ni|rt, alsdann hat man 
sich über ihn zu be- 
schweren vor dem hö- 
heren Richter, der über 
ihm ist und der das zu 
richten hat also, wie es 
Recht ist nach Rechte. 



Mittelhochd. Text. 

Nyrapt der richter von 
ymant czu vnrecht fejTi 
gewette, abir tuet her 
ymant vnrecht, fo fal * 
man en vor feynen obir- 
ften richter dorumme 
obir en clagen, vnd ' der 
fal das richtin von rech- 
ti« wegin alz recht ift. 



h) Artikel, die nur in der polnisolien Reoension vorlianden sind. 

^Artikel, die allen polnischen Texten gemein sind. 

Art. 267. 



PoInL<oher Text. 3 

«0 wroczenyu roley, gdy gey nye- 
aics^rm kto zaplaczycz.** 

Phy mnye *teß* krothoßynfczy 
•jMiowye* slaly y pyffaly du Lwowa 
■» prtwo *thymi ßlowy*: Hannu.sz 



Neuhochd. Uebersetzung. 

Von der Rückerstattung des Ackers, 
wenn Jemand nicht hat ihn womit zu 
bezahlen. 

Auch haben zu meiner Zeit die 
Krotoszyner^ Herren geschickt und 
geschrieben nach Lemberg um Recht 



1 iSa hat Jo mag. 
> Vnd fehlt in Sa. 

' Aüch hier ist der polnische Text nach O reproducirt; die durch blosse 
Sterne bezeichneten Ergänzungen rühren aus Sk her. 

* Diese Rubrik ist, da auch Sk an dieser Stelle keine Rubrik hat, aus 
Ki-i entlehnt. 

* Äd vocem ,Krotoszyn* muss bemerkt werden, dass darunter unmöglich die 
Stadt dieses Namens im ,Südosten des Posenschen^ wie dies speciell 
Brfickner, o. s. c, S. 331, Anm. 14 meint, verstanden werden kann, sondern 
ganz gewiss das Dorf dieses Namens, das im Lemberger Bezirke gelegen 
ist und als eine mit dem Magdeburger Recht ausgestattet gewesene Ort- 
schaft sich ganz gut bei den Schöffen von Lemberg Ratlis erholen 
konnte. Wollte man aber noch einen weiteren Beweis haben, dass hier 
dieses und nicht das andere Krotoszyn gemeint ist, so i.st er in dem 
Umstände vorhanden, dass in dem zweiten, von den Schöffen zu Kro- 
toszyn an die Schöffen von Lemberg geleiteten und in Art. O 268 des 
Näheren dargelegten Falle ganz ausdrücklich auch der dortige »russische 
Pfaff* genannt wird. Ein »russischer Pfaff* oder Ortsgeistliche ist aber 
Wohl in Krotoszyn bei Lemberg, keineswegs aber in dem Krotoszyn 
möglich gewesen, das im ,Südosten des Posenschen' liegt. 



212 



Kaluiniacki. 



Polnischer Text. 

ly gego mocz przedacz albo na nye 
kupczfi myecz, tedy tho woythowftwo 
dwa opcza czlowyeky maya gee oßg- 
czowacz, zacz by ftalo. Tedy ten pan 
podlug oßaczowanya ma gye zapla- 
czycz albo komv przyßwolycz. * Daley 
wyeczczye, geftly by woyth byl nye 
przyßaßny a przal by ßye tego, czo 
nayn zalowano, tedy moze ßwa nye- 
wynnofcz przyßaga vkazacz na krzyßv 
ßam albo ße ßwyathky. Tedy on 
ßoftanye ' przy ßwem prawye y woy- 
thowftwe podlug prawa *pravego*. 



Neohodid. XJebawtniog. 

der Zeit, bis zu welcher ihindiei' 
längert oder gewährt seiD iMib,^ 
kaafe. Und wird er sie niditm 
kaufen vermögen, beiiehi 
einen Käufer auf sie in habn, 
dann haben zwei fremde MiniMri 
Vogtei zu schätsen, fQr waseil 
würde. Alsdann hat dieser Bar 
der Schätzung gemäss zu ssUct 
Jemandem sie zu zahlen zu 
Forner wisset, dass, wenn der 
nicht beeidet wäre, underditil 
nen würde, worum man ihn 
hatte, alsdann kann er 
schuld durch einen Schwor tifi 
Kreuz mit seiner eigenen Hsud 
mit Zeugen beweisen. Alsdann 
er bei seinem Rechte nnd seiner Ti 
bleiben nach rechtem Rechte. 



Art. 157. 



Kyedy komv f prawa przyßaga 
ßkaza. 3 

Daley pytalyfczye naß o prawo: 
Kyedy komv f prawa przyßaga* ßka- 
za albo o dlug albo o layanye albo 
o czokoly bandz na dzen polosony, a 
theu, czoby myal nofycz przyßaga, 
nye byl by, albo toß ten, czoby myal 
bracz od fampyerza przyßaga; nye 
byl * by * teß na ten czaß, czo geft o 
to prawo? 



Na to my przyßaßnyczy z Mayd- 
borku prawo mowymy: Kyedy komv 
ßkaza przyßaga^ o dlug albo o layanye 
albo oczkolye bandz na dzen polosony, 
[a ten, czoby myal nofycz przyßaga, 



Wenn Jemandem vom Gerichte < 
Eid aufgetragen wird. 

Femer habt ihr uns um Recht |^j 
fragt: Wenn Jemandem vom Gerit 
der Eid aufgetragen wird um8e]inli| 
oder um Verunglimpfung (Scheltni^ 
oder um was immer fQr eine Sachs 
auf einen bestimmten Tag, and dfly 
der den Eid zu leisten (wOrtlich: IK 
bringen) hätte, nicht da wäre, o^ 
der, der den Eid zu übernehmen bÜi* 
vom Angeklagten, auch nicht da wlfB 
zu dieser Zeit, was darum Recht eat 

Hierauf sprechen wir Schöffen vi* 
Magdeburg ein Recht: Wenn Jeitf*' 
dem der Eid aufgetragen wird vtf 
Schuld oder um was immer für fli>^ 
Sache auf einen bestimmten Tag, *^ 



* Aus P entlehnt; O hat przyßwcly. 
' P hat oßanye. 

' Von mir selber aus der Frage ergänzt. 

* P hat przyfiyagy, 

* P hat auch hier p^'^yfiyajgy* 



Die polnische Recension der Magdeburger Urtheile. 



213 



Polnischer Text. 

nye byl by] albo zamyeßka na ten 
csaß, a powod by byl, chczacz przy- 
ßagy bracz od fampyerza, yako f pra- 
wa fkazano, tedy fampyerz ftraczyl 
ßwa rzecz, ocz nayn od powoda za- 
Iowano, y k temv przopadl woythowy 
ofßm ßelagow wyny, wyyawßy to, yß 
by myal kthora zawada albo nagabanye, 
kthoregoß by mogl doßwyatbczycz. A 
bylo ly by teß o layanye albo ocz- 
koly bandz gynego myal nofßycz przy- 
ßag^ tedy wßdy powodowy przepadl 
trzydzefczy ßelagow wargyelthv a 
woythowy wyn^. Takyeß nye bandze 
ly powod podlug ßkazany^ przyßggy 
przygladal, * tedy fampyerz geft pro- 
ßen y wolen od powoda, ocz myal 
prsyßagacz, y k themv powod woy- 
thowy wyna ma odlozycz y dacz, wy- 
yawßy teß, y ß by myal ny ektora zawada 
albo nagabanye, yako pyrwey. Podlug 
prawa prawe[go]. 



Neuhochd. Uebersetzung. 

derjenige, der den Eid zu leisten hätte, 
nicht da wäre, oder sich verspäten 
würde zu der Zeit, und der Kläger 
da wäre und die Eide übernehmen 
möchte vom Angeklagten, wie dies 
vom Gerichte verordnet wurde, als- 
dann hat der Angeklagte die Sache 
verloren, deren er vom Kläger be- 
schuldigt wurde, und ist überdies dem 
Yog^ acht Schillinge Busse verfallen, 
ausgenommen, dass er irgend ein Hin- 
derniss oder irgend ein Unglück hätte, 
das ihm widerfahren sein möchte. Und 
wäre es, dass er um Scheltung oder 
um was immer Anderes die Eide zu 
leisten hätte, alsdann ist er dem Klä- 
ger dreissig Schillinge Wehrgelds und 
dem Vog^ die Busse verfallen. Ebenso, 
wenn der Kläger die Eide laut Ver- 
ordnung nicht vorlegen würde, als- 
dann ist der Angeklagte ledig und 
frei von dem, worum er zu schwören 
hatte, und der Kläger hat noch dazu 
dem Vog^e die Busse zu legen und 
zu geben, ausgenommen auch, wenn 
er irgend ein Hindemiss oder ein 
Unglück hätte, wie oben. Von rech- 
tem Rechte. 



y) Artikel, die nur in Sk vorkommen. 

Art. Sk 269.2 



Oefthly by kto byl ßluga czyyego 
albo oblupyl telko o panßka wyna, 
thaky fprawnye ma dofycz vczynycz 
obyema. A yefthly przyß^jße, yß the- 
go nye vczynyl na ßkod^ panßka 
albo na ganyb?}, a tbo vynydzye ß 
gyednego pokvpv. A j)0thym, yefthly 



Wenn Jemand wessen Diener ge- 
schlagen oder beraubt hätte lediglich 
um die herrschaftliche Schuld, ein 
Solcher hat billigerweise beiden ge- 
nüge zu thun. Und wenn er schwört, 
dass er dies nicht zum Nachtheil der 
Herrschaft oder zu deren Schande 



* P hat przygladacz. 

^ Es dürfte wohl nicht überflüssig sein, zu bemerken, dass diese Num- 
meration von mir herrührt, während im Codex sich dieser Artikel ohne 
besondere Rubrik direct an den Artikel anschliesst, der von der Ver- 
wundung des Pferdes handelt. 



214 



Kaluiniackl. 



Tolnischer Text. 

byl byth (IIa laya nya [albo] ßlych 
ßlow, pau nye ma dacz ßlnßby ßlu- 
snczemu. Thody oii, ktory po byl, 
ma popeliiycz on nyedoftatek, yako 
myal ßluzaczy. A getithly [by byl] 
przeß przyczyny, a «n ßluga by od- 
ftal oTii^ ßlnßbn, ktor^ myal dacz 
pan on, ktory byl, ma y^ zaplaczycz. 
Krotliko a polipolycaye mowyacz, 
szluga, w potrzebyßnye panßkyey 
bythy, czyny albo ma ezynycz iSam 
o liya y o ßwo rany, pan owßelky o 
ßkoda y o franyba ßwa, a obyema 
ma bycz doßyc/vczynyenye ß pokv- 
pem. [To] yodno yeft.' Dru^e [yeft 
tako], yako w prawye nyemyeczkym 
yefl pyßano. Takyeß w prawye nye- 
myeczkym yeft pyßano w kapytulum 
we trzyßothnym y w czwarthym: 



O ßynai rang.^ 

I teß o ranii ßyna y uad^tha, 
gdzyo »znakv ßroniotliy nyo ezyny, 
na myoßczyv yawnyni, a gdzye ko- 
ßczy nye ßa ßthluczony albo ßkaßo- 
ny, any ßkora roßerwaua, XXX ßela- 
gow maya dacz za pokup, za wyn«;} 
ßad/yemii oßm ßelagow. 



Neubochd. UeberMetzung. 
gothan hat, so kommt er mit nur 
^iner Busse davon.' Und dann, wenn 
er um der Scheltung oder um dar 
bösen Worte willen geschlagen wor- 
den wäre, hat der Herr keinen Dienst 
zu geben dem Diener. Dann hat 
derjenige, der ihn geschlagen hat, 
den Mangel zu vervollstXndlgen, den 
der Diener hatte. Und wenn er ohne 
Grund geschlagen hätte, und jener 
Diener von jenem Dienste abstehen 
würde, den jener Herr, der g^eechlagen 
hat, zu geben hatte, hat er ihn (d. h. 
den Dienst) zu bezahlen. Kurz nnd 
gemeiniglich gesprochen , hat der 
Diener, der in der herrschaftlichen An- 
gelegenheitgeschlagen wurde, um sich 
und seine Wunden selbst su sorgen, 
der Herr dagegen um seine Schande, 
und beiden hat Genugthuung xn ge- 
schellen mit Wehrgeld. Das ist eins. 
Das zweite verhält sich so, wie es im 
deutschen Recht geschrieben ist. Eben- 
so ist im deutschen Recht geschrieben 
in dem dreihundertundvierten Capitel : 

Für eine blaue Wunde. 

Und auch f^ eine blaue und ge- 
schwollene Wunde an einem offenen 
Orte, w<i sie das Zeichen des Schim- 
pfes nicht bewirkt, und wenn die 
Knochen nicht zerschlagen oder be- 
schädigt sind und auch die Haut 
nicht zerrissen ist, hat man 30 Schil- 
linge als Wehrg^ld, acht Schillinge 
dem Vogte als Busse zu geben. 



1 Von den Worten : Wenn Jemand bis : mit ritir einer Busm€ davon ist dieser 
Artikel eine wörtliche Paraphrase des sächsischen Landrechts H, 34. 

2 Im Original ist diese Bemerkung weniger richtig vor Krofhko y pcfipo- 
lyczye tnoicyacz gesetzt; auch bemerke ich, dass sowohl diese als die 
nächstfolgende Bemerkung im Original roth unterstrichen ist. 

3 In der Ausgabe des sächsischen Landrechts von Jaskier, beziehungsweise 
in der von C. W. Gärtner würde diesem Artikel noch am meisten der 
Artikel HI, 45 entsprechen. Es ist aber viel wahrscheinlicher, dass wir 
hier mit einer Glosse dieses Artikels su thun haben. 



Die polnische Kecension der Magdeburger Urtheile. 



215 



Polnischer Text. 

O krwaw^ rana. 

I teß za rana krwawa, ktora uye 
yeft na oblyczv, ktora yeft profto 
krwawa, ktora teß nyo czyny ßnakv 
ßromothy, gdzye thelkv ßkora yefth 
roßdrapyona albo roßdzyelona, XXX 
ßelagow czyrpyaczemu maya dacz 
poßpolnych pyonyadzy, po polßku 
pokvp, woythowy oßm ßelagow wyny. 



O rana na oblyczv. 

ran^ na oblyczv vkrwawyonym 
albo na myeßczczyv yawnym, ktor^ 
przynoßy ßnak ßromothy, gdzye yeft 
ßkora ßdrapana albo czyalo roßdzye- 
lono ßmyertelnye, dzyewyadz funtow 
albo dzyewyacz wag poßpolytbych 
pyenyadzy, czo yefth w ßumye pul- 
py§thy grzy wny, onemu ranuemu albo 
czyrpyaczemu ma bycz dano za pokvp, 
ߧdzyemu za wyn^ oßm ßelagow. 

* Yeftf ly by kto byl barzo vrwan *. 

1 teß yeftly by kto byl barzo vrwan 
nyewymownye albo teß przeß ßna- 
myenythych ran byl by byth, za po- 
kvp XXX ßelagow onemii czyrpya- 
czemu maya bycz dany, ßadzyemu 
oßm. 



Neuhochd. Uebersetzung. 

Für eine blutige Wunde. 

Und auch für eine blutige Wunde, 
die nicht an einem offenen Orte ist, 
das ist am Gesichte, die einfach blutig 
ist, die auch das Zeichen der Schmach 
nicht bewirkt, falls nur die Haut 
zerkratzt oder zertheilt ist, hat man 
dem Leidenden 80 Schillinge ge- 
meiner Münze, was polnisch ,pokvp* 
{= Wehrgeld) heisst, dem Vogte acht 
Schillinge als Busse zu geben. 

Für eine Wunde im Antlitz. 

Für eine Wunde im blutenden 
Antlitz oder an einem offenen Orte, 
die das Zeichen der Schmach mit 
sich bringt, falls die Haut abgekratzt 
oder das Fleisch tödtlich zertheilt 
ist, hat man jenem Leidenden neun 
Pfund oder neun Gewichte gemeiner 
Münze, was zusammen viereinhalb 
Mark beträgt, als Wehrgold zu geben, 
dem Vogte als Busse acht Schillinge. 

Wenn Jemand sehr gerissen wäre. 

Und auch wenn Jemand gar sehr 
und unaussprechlich gerissen (gezo- 
gen, gerüttelt, gekneift) oder ohne 
vornehmere Wunden geschlagen wor- 
den wäre, alsdann hat man jenem 
Leidenden als Wehrgeld 30 Schil- 
linge, dem Vogte [als Busse] acht 
Schillinge zu geben. 



c) Artikel, die nur den deutsclien Texten erster Redaction zweiter Nuance 

eignen.* 

Art. Sa 302. 

Von morgengobe an geheget ding und andir gobo. 
Vorbas eyn man hat eyne juncfrawe czu der [ee] nemon vnd niargen- 
gobit ir Ixxx marg. Dornoch gebor her mit ir czwe kindir. Do ging her 
vor gehegit ding an der frawen willen und wiffen, noch fe dorvmme ny 

' Da jedoch der Torosiwicz'sche Text, wie bekannt ist, nur bis Art. 221 
= 8a 249 reicht, so kann ich die hieher gehörigen Artikel selbstver- 
ständlich nur nach lüa anführen. 



216 Kaluiniacki. 

gefrogete, vud frogete rechtis, ap her mit feynem derarbetem gute m&chi» 
tuen und loffin, wy her weide. No wart ym geteilt. Do gmp her der tcr* 
genanten frawen vor dy vorgenanten Ixxx marg vnd vor allis , daa ir sodi 
seyme tode folgin fulde, xxx marg. Vnd dy firawe war nicht keygenwoctig. 
Dornoch fo hatte her ober kindir mit der frawen vnd ftarp. Vnd dy fttwa 
vorderte ir morgegabe Ixxx marg. So fprachin des totin mannis frande, te 
fülle nicht mir habin, wen dy leczfte gäbe xxx marg dorvmme, das ir ma 
vor gehegetem dinge ir nicht mir gegebin hat, do her des mechtig was, vid 
fe de leczfte gäbe wol gewoft habe vnd dy ior vnd tag vnd vil len^^ ▼o^ 
fwegin habe. So fpricht dy frawe : Her hat mir dy erfte gobe gegebin n 
alle vndirfcheit vnd an allis awsnemen keynir macht, vnd bin do anoh mM 
keygenwertig geweft vor gehegetim [dinge], noch en habe en der erfte gib« 
ny vorloffin, vnd [her] mir dy leczfte gäbe hat gegebin, das ich kinder ndk 
ym gehabit, czu den Ixxx marken ; dovor hab ichs gehabit vnd wil ich habii| 
ap ichs mit rechte gehabin mag; no wenne is gnt und gelt antret, viidt 
nicht erbe, fo mochte ich mich nicht doran vorfweigin ; auch torlte ich miek 
nicht vor uorchte meynis mannis nochmolis vor gerichte dowedir nidt 
fprachin. No bete wer vndirweyfunge, ap der frawen ir irfte morgengob* 
volgin und bleibin fuldo adir von was fache fe der enparen fulde adir dy 
leczfte xxx marg nemen muffe, adir was recht dorumme fey? 

Doruff antwart: Hat der tote man der frawen dy morgengabe gegebin 
fundir vndirfcheit vnd keyne gewalt doran gehabit hatte yn gehegetim 
dinge, fo mogtu ir dy Ixxx marg volgin vnd bleibin vnd auch dy xxx margi 
dy her ir dornoch gap. Von rechtis weg^n. 

Art. Sa 324. 

Ap ymant yn gefongniffe queme vm vorwandelunge der rede?' 

Ffort mir wy das czu etlichin geczeitin ift gefcheen, das eyn gaft 
czu vns quam keygin Becz^ in gaftes weise. Der wart von deme bmgroae 
otfgehaldiu vndir der vorwandelunge feyuir rede vnd wart yn gefacxt voa 

1 Dom Inhalte und zum Theile auch dem Wortlaute nach identisch iit 
dieser Artikel mit dem Artikel desselben Textes 290, der seineraeitB 
wieder identisch ist mit dem Wortlaute, wie ihn dieser Fall in Kß, Br 
und Th hat. Andererseits sind aber auch so wichtige Differenzen vo^ 
banden, dass ich keinen Anstand nahm ihn hier vollständig abzudrucken. 
Ich mache namentlich auf den Anfang des Artikels aufmerksam. 

- Becz, poln. Bificz, ist ein Städtchen bei Sandec in Galizien, das in der 
Geschichte des deutschen Rechts in Polen auch noch diese Bedeutung 
hat, dass es eine Zeit lang für die umliegenden Ortschaften als deut- 
scher Oberhof fungirte. Als Beweis dessen vgl. insbesondere die Urkunde, 
die sich in den Akta grodzkie i ziemskio z czasöw rzeczypospolitej polskiej 
z archiwum tak zwanego Bernardynskiego etc., L , S. 8 befindet und die 
mit folgenden Worten anhebt: Nos Johannes, civis de Beycz, nee wm 
advocatus suprenii judidi juris provincialis terrae Beycxenais una cum. tepUm 
McaXfinU eiuadem iudicii mfraacripti etc. Die Urkunde ist vom Jahre 1383, 



Die polniscbo Recension der Hagdebnrger ürtheile. 217 

dem bargrouen yn der stat gefengnisse . . .^ welchis bekentniffe des gefeng- 
nirfe och vnfir bradir, dy do feyn czeigir adir weyfnr des keyginwertigen 
briflfes, wol werdin muntlichin offenbarin. Do traten vor^ ding vnd orteilten 
keygin den anderen, welche orteil in folchin wartin wardin. Da trat der 
burggroue vor recht mit feyme vorfprache vnd fprach: Her foyt vnd ir ge- 
trawin scheppin, wenn der man bofe vnd valfche briffe bracht hat von der 
ftat, als her Hch williclichin gewilkort hat, von Freybarg, no vorfuchit yn 
ewrim rechte, ap der icht darnmme leydin fülle adir was voruallin fey. Da 
trat der man mit feyme vorfpreche vor recht vnd antwarte vnd fprach : Her 
foyt vnd ir getrewin scheppin, wenne ich gefengniffe geledin habe von vn- 
fchnlt vnd ich dy briffe nicht gefart habe obir grenicz, fundir ich darnach 
gefant habe vnd fte alhy als eynir fchonir man , der do ny obirwundin ift 
in keynen fachin nach in keynen dingin, no vorfuchit yn ewrem rechte, ap 
ich nicht nehner (sie) fey meyuen hals zu beweren vnd meyn erbirkit vnd 
gut ee, wenne mich ymant obirczugin falle adir mag, adir was recht fey? 
Antwort: Vmb wandilrede fo fal man nymant foen noch an feynen 
leip fprechin, nochdemmole, wenne der gaft mit keynir hanthaftigir tat nye 
begriffen ift noch obirwundin ift vnd her den briff nicht felbir gehabit hat 
noch obir grenicz gefurt hat, vnd fo ift her feynis leybis, gutis vnd ere neher 
czu beweren, wenne das ym ymand abeczugin möge von rechtis wegin. 

Art. Sa 326. 

Von vorfweygunge orteils. 

Fort mir, libin befundiru frunde, vns haben Freuczel Hutter, ewir 
metscheppe, als her fprach, vnd Clemens, ewir statfchreibir, czeigir diffis 
briffis, eyn gelawsbrif vnd ewir ftatbriff von ewimtwegin geantwart, der von 
werten czu wortin alfo antwart vnd lawt: Willigin dinft fteticlichin czuuor. 
Libin herren vnd fröude vnd befnndir gvnnir, wir biten euch, das ir fundir- 
lich tuet alfo vnfir frunde vnd gernchit czu gelawbin allis des, das euch 
dy czeiger difis briffis muntlichin beten vnd fagin von vnfemtwegin rechte, 
als wir felbir keyginwertig weren, das ftet vns vmb euch czu verdinen. 
Domoch fo habin vns dy egenanten Frenczil Hutter vnd Clemens geantwart 
eyn awsgeschrift , als hy hernoch gefchrebin ftet yn fulchen worten, vnd 
babin vns gebetin yn fulchin wortin vmb recht: Libin herren vnd befundirn 
g&nnir, als wir euch betende vmb recht hatten gefchrebin, das da antrat 
vnfirn foyt vnd eynen vnfirn burger vnd des czu eyme beffir czuuor nemen, 
hatte wir dy gefchicht gancz gefchrebin, wy dy vorgenannten czu tedingin 
fmt komen, vnd das hatte ir vns orteil gefchrebin. Da wir dy nach ewrem 
briffe muntlichin awsgebin, do hiffe wir den foyt vnd feynen wydirfachin 
czu hören vnd fprachin czu demfelbin knechte, des foytis wydirfachin: Als 
das du czu deynir mutir geclagit haft, das haftu irlangit vnd vmb das, das 
du bekant haft, darumme dich der foyt beclagit hat, bistu em xxx Schillinge 
voruallin vnd dy falftu ym wetten czu haut. [Domoch da] is em der foyt 



* Hier ist offenbar eine ganze Stelle ausgelassen. 
^ Im Codex steht von. 



218 Katuiniacki. 

eyn recht' werdiii [und fragte]: seyutdemmole, das em das orteil cza fromen 
komcii wcre, ap yin foyn orteilgelt nicht fulde wedir werdin. Da teilte wir 
dem foyte feyn orteilgelt wodir czu werdin vnd feynim wodirfachin c«u uorloft. 
Her ley t das czu derfolbin czoit vnd rette koynis, fundir her fprach : Ir herren, 
den briff fullit ir haldin, ap ich feyn darffin werde czu der muttir meyti. 

Antwort: Habit ir vnfir orteil gar angefprachin, alfo wir euch noch 
ewir froge vndir vnferm jngefegil hin gefchrebin habin, so habit ir recht 
geton. Vnd hat yenir das orteil nicht wedirret czu hant, das ir em das 
orteil habit geteilt dem foyte feyn gewettegelt wedir czu g^bin, fo fal her 
vorbas fwoygin von rechtis wegin. 

Art. Sa 330. 

Von bekeutniffe vor den scheppin stat czu Krowckaw. 
Wir sciieppin der stat Crawko [tun] offenbarlich yn defem kegen- 
wertigin briffe, das dy erfamen sciieppin der stat Byecz^ habin keygin 
Hannus Smetbawch alle faczin fachin, wy dy bekant mochtin werdin also 
bawffin allen buffin, der her vorvallin ift kegin en von ftroffunge erer orteil 
von obilhandelunge vnd andirley fachin, dy zwifchin en bis uff dese eseit 
gowort habin, noch heyfchunge oynis rechtis vor vns gefordert yn g^hegetit 
ding vnd dirlangit. Dornoch habin dy ogenonten schoppin durch got vnd 
crbir lowto bete vnd an uffgenanten Hannos bete angefehen vnd han den- 
fülbin vorgonanton Hannos der uffgenanten fachin czumole vnd ebiglichin 
dor nymmir czu lawken uffcutlichin wedir globit vnd alzo falbift ewiglichin 
czu haldin froy vnd lodig golofßn. Dasfelbe hat auch der oegenanten 
Hannos des alczumole nymmir czu gedenken. Vnd dos habin fo yn beidin 
teilin boydirfoyt dofelbift, vor vns, yn dem uffgenanten gehegetim dinge 
ficli wiüentlichin dergebin vnd vor jowort czu tuen vnd czu haldin vefte, 
ftete, gancz vnd vnwedirfprachlich. Vnd vnfir schoppin jngefegil hir ange- 
hangin cym eynir ortkundo der ogonanten fachin. 

Art. 8a 332. 

Von dube twingin. 
Eyn man from hat gegobin vnd gofihawfft weis czu eyme melcze, do 
her folbir, der melczer, den floffil czutrot vnd hat. Vnd uff das quam der 
melczer czu dorn bnrgir vnd fprach, dor wois wer ym genamen vnde ge- 
ftolen. Do vrogoto en dor burgir: Wy vnd yn welchirloy weyfe? Do 
fprach der molczer : Dy toro woren awsgehabin. Do nam der burger den 
richter vnd dy scheppin vnd f&rto fe dorczu, das wir fchawen fuldin, ap 
das alzo wer. Do vant der richter, das dy tore nicht woren awsgehabin 
noch w^oren vorforit, vnd man mochte dy tor nicht awsgohebin. Dornoch 
fprach der molczor eyn andir rede: Man wero czu deme flagefenfter ynge- 
ftegin. Vnd das habe wir auch gefcliawet vnd fundin nicht noch feynir 



* Icli habo diese Stelle aus dem blossen Zusammenhange ergänzt, ohne 
selbstverständlich bchaui)tßn zu wollen , dass ich hiodurch auch schon 
das Richtige getroffen habe. 

2 Vgl. S. 2 IG, Anm. 2. 



Die polnitclie Becension der Magdeburger ürtheile. 219 

nk, wenne das doch auch gancz was vnd nichtif uicht vorferet. Vnd uff 
im broehte der burg^ den melczer yn das gefengniffe vnd aws dem ge- 
tepuwe yn gerichte adir vor g«richte vnd clagete czu ym, alzo czu feyme 
^rbe, wenne her ym den weis hatte gegebin czu getrawir haut yn feyne 
gewere, alzo eyme melczer, vnd her den flofni felbir czu dem melczhawfe 
lurtte, Tod yndes meyn weis mir felbir g^ftolen hat vnd genomen hat von 
Iriejr hawffinJ 

Viertes Capitel. 

VerhUtniss der polnischen Texte zu den einschlägigen 

lateinischen. 

Von den in Betracht kommenden lateinischen Texten 
werden von M. Bohrzy^ski, beziehungsweise von A. Brückner 
fixende angeftthrt: 1. der Opatow'sche Text Nr. 1, enthalten 
in der Handschrift der OssoUnski'schen Bibliothek Nr. 832, 
BL 110— 128; 2. der Opatow'sche Text Nr. 2, enthalten in 
der Handschrift der Komiker Bibliothek DV, BL 31—35; 3. der 
Lemberger Text, enthalten in der Handschrift der Ossolinski- 
icben Bibliothek Nr. 50, Bl. 106—155; 4. der Dzialynski- 
«che Text, enthalten in der Handschrift der K6miker Biblio- 
4ek Z)/, Bl. 331 — 342.^ Ausser diesen vier Texten sind aber, 
wviel ich bis jetzt eruiren konnte, noch zwei weitere lateini- 
Texte der Magdeburger Ürtheile vorhanden, die sich in 
Handschrift des PrzemySler Stadtarchives sub Nr. 284 
«ifBl. 63»— 68» und auf Bl. 70»— 74^ finden und hier zum 
«nten Male genannt werden. Bei der Klarstellung des Ver- 
Wtnisses, das zwischen der polnischen Recension und den ein- 
schlägigen lateinischen Texten besteht, sind also im Ganzen 
^hs lateinische Texte in Erwägung zu ziehen, die, obschon 
la Wirklichkeit auf nur zwei Redactionen beruhend, aus prakti- 
when Beweggründen jeder fUr sich besprochen werden müssen. 

' Das dieser Artikel nicht zu Ende geschrieben ist, liegt auf der Uand 
und braucht nicht erst besonders erwiesen zu werden. 

' Die Ossolinski'sche Handschrift Nr. 832 ist von F. Bischoflf in den Bei- 
trSfen zur Geschichte des Magdeburger Rechtes, Sitzungsber. der phiL- 
hiit. Cl. der kais. Akademie der W^issensch., Bd. L, S. 341 f.; die Kör- 
niger Handschrift D V von S. Helcel in den Starodawne prawa polskiego 
pomniki, I, S. LU, und die Komiker Handschrift DI von demselben, 
ebendaselbst, S. XXVIH— XXXVII beschrieben. In Betreff der Osso- 
lindu'schen Handschrift Nr. 50 vgl. dagegen das in dieser Abhandlung 
&uf S. 116 f. Gesagte. 



220 Kalniniacki. 

Ich schicke jedoch^ da die soeben erwähnte Przemyiler Hand- 
schrift bis jetzt 80 gut wie gar nicht bekannt ist,^ zunächst 
noch eine kurze Speciiicirung der in ihr enthaltenen Bestand- 
theile voraus. Es sind dies folgende: 

Bl. 1 — 12: Eine kurze Inhaltsangabe der in der Przemys- 
1er Handschrift vorhandenen ilaterien. 

IJl. 13' — 27*: Die versio Sandomircnsis des sächsischen 
Weichbihlrechtes ; die aus 113 Artikeln besteht und sich im 
Oanzen an die bei Johannes Laski vorhandene Form dieser versio 
anschliesst. Schluss: KxplicitUher mnnivipalisftrla quinta, proxima 
poft diem cinerum, anno naüvitatis domini nüllefimo cccclxxiii^, 

Bl. 27^ — Ol*: Die versio Sandomirensis des sächsischen 
LandrochteSy die in der PrzerayÄler Handschrift folgender- 
massen betitelt ist: Incipit juf provinciale in CHfti nomine, ei 
primo de duohus (jladij», quos denn dimifit fuper terram ad prote- 
(jimdam crl/tianitntem. Dann folgt eine Art Prolog, der mit 
den Worten beginnt : Nofa^ hy funt, qui legem duodecim ((dm- 
larum etc. Cap. I: De duohus (jladij s ; Cap. II: De quolihet 
criftiano, <pcod tenetur ter in anno synodo interej^e, cum ad annos 
jmhertatis pervenitj in dyoecesi, in qua manet etc. Die Zahl 
sämnitlichcr Artikel beträgt 2()(>. Schluss: Et fic eft finihu 
Über proviJicialis nuh anno nativitatia domini millefimo quadrin- 
(jentc/imo [/epfHa<ji'fimv/ quarto. 

Bl. 1)1* — ()2*: De reqularltatey de collateralibus feu affeffori- 
hu8 et de audiforibus, 

Bl. ()3* — 68*: Der lateinische Text der Magdeburger Ur- 
theilo, den ich als den Przemyslcr Text Nr. 1 bezeichne und 
der in unserem Codex folgendermassen liberschrieben ist: Ind- 
piunt tfentencie, decrete per scabinos /uppremi iui*is theutunid 
Maydbnrgenfis caftri Cracouienfis, per quemdam notarium ciui- 
tatis Ih'zemiflien/is de theutunico ydioinate tranJ2ate in laiinum, 

Bl. 68»— ()9^ und Bl. 76*— 102*: Ein systematisch ge- 
ordneter Auszug aus dein Sachsenspiegel unter Beigabo einiger 
römisch-rechtlichcr Bestimmungen^ der mit Rücksicht auf den 

1 Dio pAAr Notiion, die sich in Betreff dieser Handschrift in der Mono- 
(rmtiA uiiAstA PrzomyÄla von Leopold Häuser, Przemysl 1883, 8. 50 — 61 
finden, sind leider nicht darnach an^retlian, dass man aus ihnen einen 
wenn auch nur annähernd wahren Hegriif von dem Inhal tsreichthom 
dieser Handschrift erhalten könnte. 



Di* talBiKhi BauBiiMi der lbfflat>ai««c Ilrlliiilt. 



221 



i unmittelbar vomn gehenden lateinischen Text der Magdeburger 
; Urtheile von dem Schreiber des Codex irrthümlich als ,alia 
yortiUffia' bezeichnet wird. Die einzelnen Partien dieses Äua- 
F.zugs haben folgende Rubriken: De judice; de judicis officio et 
l.'de ordine cognicionig ; de foro competenti; de aitf:rionibut ; de 
»ferija; da fideiufforihu» ; de impedimento ad jv» non venientUnta ; 
Td« bonia litte occupatio; de teßantentia; debonis fuccejfore caran- 
riibua; de jure fifcali; de teflimonio et teflVitts; lex Jtnium regen- 
f darum /iue de metia agrai-um; lex Cornelia de paU-iddi»; de 
\^lwdone dehitorum; de Judeis; de penis et emendia; de dampno 
infecto; de fartis et arefti» et evicäonibua ; de pignoribua; 
a, que n iudice inßli/untur; de regimine eiuilafia, qtiomodo 
i debeat; di/tinclio de Jideiiiffbribus et caucionibus; alter pro- 
Vlogus juria; alter prologua jwri» (zwei verschiedene Rnbriken); 
\4mieaciale capitulum juria. 

Bl. 70" — 74'': Ein weiterer lateinischer Text der Magde- 
[ bui^er Urtheile, den iuli als den Przemyiler Text Nr. 2 be- 
zeichne und der ohne jedwede Titulatur oder Ueberschrift direct 
[ mit der Rubrik des ersten Capitcls beginnt. 

Bl. 102» — 103*': Eine zu Neumarkt in Schlesien Üewerk- 
L'Stelligte Umarbeitung des dieser Stadt vom Herzog Heinrich [. 
[im Jahre 1235 verliehenen alten Hallisehen Rechtes, betitelt: 
E Jmxt, qtte dicrunlur vichhilde. Die wesentliclisten Unterschiede, 
I die zwischen dieser Umarbeitung und dem besagten Hallischen 
I Rechte bestehen, sind : 1 , Es fehlen in ihr die Eingangs- und 
J die Schluaeformel , sowie alle jene Partien , denen im Halli- 
B>«cbea Rechte nach der Ausgabe von Qaupp die §§. 11, 15, 
^35, 36, 43, 45, 46 und 47 entsprechen; 2. in dem Absätze, 
\ welcher bei Oaupp dem §. 37 entspricht und von der Innung 
[ider Fischer handelt, aind statt der Worte: Hec invnge pinlorum 
in Hallo die Worte: Hec funt innunge pißorum äuium 
Win Noico Foro nvtiqtin gesetzt; 3. in den Partien, die von der 
vinnung der Fischer, aowie von der der Fleischer und der 
»Schneider handeln, kommen in der hier vorliegenden Umarbei- 
I tnng auch sonst ziemlieh einschneidende ModiGeationen vor,' 

' Ich tJieile, du eiue kurae SpeciHcirung derselbeti nicht so lakht thnnlicli 
ist, die iietrefleuden drei Stellen hier wOrtlicL mit: 

a) Dr. mnimge pißunm. Her /ttnt irmunge pißnnim riuium in \oiK> 
Foro antiqua: Sl o/imtu iMpu» tclt haben /oäetattm p^flmvm, quod in' 



I^yy 



iM^nu*?! ff/' rt ^t^'^iy. 4111" lii* Timiintfr'n jii-^r Tijwn«! '-irt^nÄaESWr 
-ur:t (/>/.:, u-n " »rxii^ ^'tii*-.n V U'.r <. *r i«** utKn. SBufifMcfafOL 

^*y^-i •iiv* «si^^Juttiijf. atir-r mr hnftn n .«.rmirr "^tiHft znnaiiniii!]!:-' 

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* **i.!Jm *>.^ifR 'ii'.v *>ip.n»<u«-.n.ftn I.jwif !*'=:»*. n"Vt^ «ftnunn 't«^iiL 

t^Ui- V^nf^iftKArrin^ ^«rffi/^fiS i%f. rfr*: zwi*r:h*:ri A^.m Adel und der 

\t*^it\f-^ Mh AfK'.KIrjj:*/: af* 'Iä* rorfii.»i#rli*: K^cLt. Kin^e:<chaitet sind: 
aj Ißiffi'.fi'tir.in ittfAf jrf^jKrhim i!i j/r^Jj^rrm : hj dst maff/uM focultaHSbns. 
tu. M/2* M/3*: Krklünin^ wi<:htij;^frrer im sMlchsischen 
l^jiM'i nufl i ,*'.U«:thn'J:\ti vorkoriJEn«:nd<:r technischer Aasdrücke, 
wo'/M kU*Mi'.uwt'/t>i('. HiurU d'u: polfilMchc Sprache rerwendet wird. 
ift^r Artlkt^i i»l \tttüUi\i: Vocrjßuln jurU jfrovincialis et ftodati». 

nutuff ditUurf j/it- fUJAt III htfli, et dun» pnritji ad eiuiiatem, vna para ad 
lii/Uttfn, Hl jdJUfr, htUtf.na innnwft;^ mufrUnr, fiUus Juu» daljU/olidum magißro 
jdltomm fl rtilrin UUua jd/UffU terwJdt e^ifnjdem innunge. Et pUtort» mdeni 
lUirti Itf In nnjut iiojtro iubupctiio XTI alltot pan^jt. 

\i) InnHUfff rnrnljirwn. Si alU/uiM wlt holpere innunge eamfficum, dahit 
Jfrltmtm, duf. puHr.» Jpfrtaffmtt ful eiuilaleni, vna ad camificeM. 8i eami/ex 
murituv, Jiliu* Hum dMf III fnlitlnHf rfliria eitut mnunge obUnebU, 

<*; Innnnfff /u/onnn. Si tUiquia wU kältere irmunge futorum, dahit 
mwllum fttrNmefti ; due jtartfM tut riuitaiem, vna pars ftdoribuM. 8i fulor 
muriiur, ßUuM Mua dahit J'otidum, reJicta onines eadeni itmunge ohUnebU. 



Die polDMche B«cension dor Magdeburger Urkheile. 



221 



iwnittelbar vorangehenden lateinischen Text der Magdeburger 
üitheile von dem Schreiber des Codex irrthümlich als ,alia 
wtikgia* bezeichnet wird. Die einzelnen Partien dieses Aus- 
ngg haben folgende Rubriken: De judice; de judicis officio et 
ii Ofdifie cognidonis; de foro competenti; de auccixmibus ; de 
feryi; de fideiuffbribus ; de tmpedimenf.o ad jus non venientihus ; 
i€ hom UUe occupaüs; de teßamentis; de bonis fuccejfore caren- 
Ulms; de jure ßfcaii; de te/timonio et teftiJ)U8; lex finium regen- 
ionm fiae de metis agrorum; lex Cornelia de patriddis; de 
Jokdone debäorum; de Judeis; de penis et emendis; de dampno 
iaioet infecto; de furtis et areftis et etdccionibvs ; de pignorAus; 
ii penis, que a ludice infliguntur; de regimine duitatiSy quomodo 
f9ji debeat ; diftinctio de fideiujforibus et caucionibus ; alter pro- 
hjiu juris; alfer prologus juris (zwei verschiedene Rubriken); 
fodmciale capitulum ju/ris. 

Bl. 70» — 74^: Ein weiterer lateinischer Text der Magde- 
Voger Urtheile, den ich als den PrzemySler Text Nr. 2 be- 
leichne und der ohne jedwede Titulatur oder Ueberschrift direct 
mit der Rubrik des ersten Capitels beginnt. 

Bl. 102» — 103^: Eine zu Neumarkt in Schlesien Bewerk- 
itdfigte Umarbeitung des dieser Stadt vom Herzog Heinrich I. 
in Jahre 1235 verliehenen alten Hallischen Rechtes, betitelt: 
Ära, que dicuntur vichbilde. Die wesentlichsten Unterschiede, 
£e zwischen dieser Umarbeitung und dem besagten Hallischen 
Rechte bestehen, sind: 1. Es fehlen in ihr die Eingangs- und 
die SchluBsformel , sowie alle jene Partien, denen im Halli- 
ichcn Rechte nach der Ausgabe von Gaupp die §§. 11, 15, 
3ö, 36, 43, 45, 46 und 47 entsprechen; 2. in dem Absätze, 
welcher bei Oaupp dem §. 37 entspricht und von der Innung 
der Fischer handelt, sind statt der Worte: Hec invnge pistorum 
««Mtm «4 Hallo die Worte: Hec funt innunge pißorum ciuium 
m Nowo Foro anttqua gesetzt; 3. in den Partien, die von der 
hmung der Fischer, sowie von der der Fleischer und der 
Schneider handeln, kommen in der hier vorliegenden Umarbei- 
tang auch sonst ziemlich einschneidende Modificationen vor,* 

* leb theile, da eine kurze Specificining derselben nicbt so leicht thunlich 
i«t, die betreffenden drei Stellen hier wörtlich mit: 

a) De nuumge pißorum. Ifec funt irmfinge pißorum ciuium in Nouh} 
Foro antiqua: 8i alienuM aiigui$ wU habere focietatem pißorum, quod in- 



224 Kaluiniacki. 

folgender, auf daH Ganze bezüglicher Prolog: Propt^r paterna- 
lern amorentj quem ad filios habuj rmos, o,ggreffus fum ex parvi- 
täte mei ingenij mulfis \n<jüiJ8 et lahm^ihua non parvis vnam /um- 
mam legum levemque et vfilem ftüo jüano componere, ut in ea /e 
e,rercemit, doiiec ad maiora perveniatur, jnvocans fpiritus fancti 
f/ratiam , ut- me adiuvet et complere faciat, fine quo nullum rite 
fujidatur e^ordtum et omnis finis caret jyroßcuo et honore. Unter 
den Artikeln des vierten Theiles ist als besonders bemerkens- 
werth der letzte, d. i. der 13. Artikel hervorzuheben, der de 
reprohacione pnrticidainim in fpeculo Saxonum überschrieben ist 
und thatsilchlich nicht nur die in Betracht kommenden 14 Be- 
stimmungen , sondern auch die einschlägigen Bullen * des 
Papstes Gregor XI. an den Erzbischof von Rugien und den 
Kaiser Karl IV., sowie jene famose Notiz enthält, welche von 
einer auf den Sachsenspiegel bezüglichen Extravagante des 
Papstes Gregor IX. zu berichten weiss ^ und, ähnlich wie die 
Bulle des Papstes Gregor XI. an den Kaiser Karl IV., bis jetzt nur 
aus Laski's Commune incl. Pol. regni Privilegium bekannt war.' 
Bl. 377^— 383*: Mehrere, durch keinen gemeinsamen Titel 
zusammengehaltene kirchenrechtliche und sonstige Materien^ 
die in der PrzemyMer Handschrift sich zwar noch an den Liber 

* I)io Bullen, wie die in Frapfo kommenden reprobirten Artikel sind bei 
IjHflki, der 8io bereits an einem linderen Orte abfi^edrackt hatte, an dieser 
Stelle selbstverstJlndlich nur durch entsprochende Verweisungen ersicht- 
lich gemacht. 

3 »Sie ist nach Laski auch von Homeyer in den Abhandlungen der kOnigl. 
Akademie der Wissonsch. zu Berlin pro 1856, S. 398 abgedruckt. 

' Und in diesem letzteren Umstände iHt der beHte Beweis fttr die von den 
deutschen Rechtshistorikern bis jetzt übersehene Thatsache zu finden, 
dass Johann Laski die auf den Sachsenspiegel beztiglichen Bullen und 
sonstige betreifenden Orts vorhandenen Einzelheiton nicht etwa direct 
aus einer inzwischen verloren gegangenen deutschrechtlichen Handschrift, 
sondern indirect aus dem Liber legum des angeblichen Raymundus Par- 
thenopeus entlehnte. Aus der Vergleichung des Ijaski'schen Textos mit 
dem Przemynler ergibt sich ausserdem, dass die Vorlage, nach der Ijaaki 
sowohl seine auf den Sachsenspiegel ■ bezüglichen Documente, als auch 
den Liber legum abdruckte, mit dem in der Przemysler Handschrift vor> 
handenen Texte identisch war. Auffallend ist nur, dass, während bei 
•fiaski beide Bullen die Jahrzahl 1373 (ponUßcatut noßrj anno tercioj 
tragen, im Pnemynler Text die Bulle an den Erzbischof von Rugien 
und seine Suffragane die Jahrzahl 1373, die an Kaiser Karl IV. die Jahr- 
zahl 1374 trügt. 



Di« poliiiseh« Becention der Hagdebnrger ürtbeile. 235 

1^^ anschüessen , mit aller Evidenz aber nicht dorthin ge- 

.krai. Diese Materien sind: a) Eine Bulle des Papstes Urban,^ 

: ■& von den Missbräuchen handelt^ welche mit der Erpressung 

Pwm Geschenken an EJöster und Kirchen getrieben wurden. 

f;il]t{uig: Ne in vinea domint no/tri etc. b) Bestimmung, wann 

'Affulnter fomicarius notorius abgesetzt werden soll. Anfang: 

Sdmbm, quod fecundum veriorem opinionem pref biter fomicairitbs 

mUmm, fi de eiua notorietute conftat, fufpenfiis eft quo ad/e et 

dfii ik etc. c) Brief einer geistlichen Person 2 an einen Fürsten 

^JhrdicZulässigkeit und Unzulässigkeit des Krieges; der Brief ist 

JB Jahre 1328 geschrieben, d) Die bereits oben auf Bl. 103* 

«tilmte Bestimmung, die den Unterschied zwischen den tempo- 

'/mHa und spirituudia auseinandersetzt, e) Wörtliche Wieder- 

Unig der ebenfalls bereits oben erwähnten Bestimmung , die 

Iiitm handelt, dass auch Taube und Stumme Verträge schlies- 
•)• and Zeugniss ablegen können, f) De officio iudicwm tarn 
jj^Uualttiin quam fecularium. Anfang: E/t et alium officium 
\ MUe pericidofum etc. g) De percuffione illidta et lidta, An- 
lug: Qttia tarnen omnis, qui odit fraJtrem fuum, homidda eft 
•Ic h) De hyftrionibus et officys mvtiUbua, Anfang: Preterea 
jnriiendum eft facerdotibus , ut inquirant a penifsnte, quod fit 
M officium etc. i) De officijs pugillum, Anfang : Est et alivd 
^ffemm quorundam, qui dicuntur puqüles vd dvsUiones etc. j) De 
•flfcib facerdotum curam animarum gerendum etc. k) De officio 
••totorum. Anfang: Aliud eft mercatorum officium , de quo 
iXjader eft in confeffione querendum etc. l) De accufadone 
infamati, Anfang: In gloffa in eodem titvlo et capitulo addudt 
90tabüe dictum Barcholdus etc. m) De re furtiua. Anfang: 
Snfurtiua in fe mciofa eft etc. n) Ueber die Unzulässigkeit 
der Bestechung von Zeugen. Anfang : Teftes non debent predo 
tOMenirij nee corrumpi muneribtis; 0) Dass die Zeugen von 
ihrer Zeugenschaft keinen Vortheil haben sollen. Anfang: Teftis 
9i fadendum teftimonium indv^tus, fiue plures inducti etc. 

Bl. 384* — 428^: Historia trium regum. Anfang: Cum vene- 
nMdifftmoirum trium magorum gloriojiffimorum vniuerfus rnundus 
ab wiu felis ufque ad occafum laudibus et meritis iamfit plenus etc. 

' Ist auch bei Laski, und zwar noch als Bestandtheil des Liber le^m ab- 
gedruckt 
^ Ist ebenfalls noch bei Laski 1. s. c, jedoch ohne Jahrzahl abgedruckt. 
SitnngiW. d. phil.-hist. Cl. CXI. Bd. I. Hft. 15 



Aiiian^ wie in aud<;reii Abfe^:)jriftr^ii. 

Jil. 4»-H*^ 408^: (Jroitif'a, yo« indial^iiur: Hove» femp^mtm. 
Au fall |<: Prh/M aOu duratU *MJb Adam ufiftof ad A'oe etc. Ende: 
l'lj'jßllcli t.nmuta^ y*^ infUulafur Flonnt fmnporufn, fujij anno domum 
m'dlüfimo rati r fpuirto in lAi/yi/ra (Ij in die rudecim milia vir* 
tjinnm, 

M, 4r>H'': VAna kh^ine liiHtori»>che Notiz, die die Ankunft 
Ai*M |>il|iHtli(!h(*n fi(fgat<in J^liilipp nach irngani und Polen be- 
Hcliritiht. 

Hl. 4r>H •'- -45*.! •' : Kin*; wc*it<fre (Jlironik, die Bpcciell nar 
von d(^n polnirtt'lien Königen tiand<'Jt und von Hcleslaus I. bk 
Ladinlaurt Jagidlo dorcfu acht rechnet. Mit LadislauB Jagiello, 
der eigcnthüuilicher Weine dux Johcl genannt wird , Bchlieast 
die bcHagte (.*hronik. 

Bl.40r>*- 489*: Htupiifur vifa Alexandri *it g^ffta. Anfang: 
Saplantiffimi naviquH /ujipcijj fci<*vfes mevfnram ferve atque vndii 
marin ilnminaiite,H tt ordintivi reit cotpio/rMtfes etc. 

Ich heni(?rke noch, daH8 (h*r in Rede Ktehende PrzemyÄler^ 
Codex mit AuHnahiue der l^lätter 1-12, <>P— ()2% 75, 150^ 
hirt ir)2% 192«* -27:^, 384*^-459 und 4(;r>-^-489^ von eine»- 
und (Itu'Hclbcn Hand gc.Hchriehen int, di(^ ihrem Schrifteharakter 
nach noch in (hiH Kndc den If). .lahrhundei*tH gehört. 

I. Der Opatow'80he Text Nr. I. 

In Hctroff dcH ( )patow*Hchcn Textes Nr. 1 liat schon 
F. HiHchofl* in «einen Beitrügen zur (JcHchichte des Magdeburger 
UechtcH, Sitzungsber. d(»r kais. Akademie der Wissenseh., phil.- 
liist. (1., L., S. im, i) die Ansicht geilusstTt, dass er ihn als 
eine lateinische Uebersetziuig von beililuHg der ersten Hälfto 
(l lOlM derjenigen Sammlung deutscher Schöffensprüche be- 
trAchte, welche der (\>dex 170' der Krakauer Universitilts-Biblio- 
thek (bei llomeyer, lib., Nr. \IV2) enthillt und welche hierin als 
Urtheile der SchöttV^n dos deutschen Oberhofes in Krakau be- 
zeichnet wenlon. Auf diese, in der Folge auch von BobrzyAski 

^ Nnoh WUlooki, (^Mtalo^riiü i'oiUl. Mm. bibliothecao nuiversitMU Jagiell. 
t-nii*ovimiAiii« (Vai*oviao 1877 - IHSt, Ut dio Handschritt jetzt mit 170^ 
btuimvhuot. 



« Die polnisehe Reeension der Magdeburger Urtheüe. 227 

und Brückner acceptirte AnBicht musß ich nun Folgendes be- 
merken: Wiewohl ich nicht bestreite, dass zwischen dem Opa- 
^. -tow'schen und dem soeben gedachten Krakauer Text, den ich 
EfSun Unterschiede von dem in der Krakauer Handschrift Nr. 399 
imtbaltenen deutschen Text als den Krakauer Nr. 2 bezeichne, 
[••eine offeDbare Verwandtschaft besteht, so glaube ich doch nicht, 
daas es zweckmässig wäre, aus dieser offenbaren Verwandtschaft 
auch schon den Schluss zu ziehen, dass die Sammlung, auf der 
die im Opatowschen Text Nr. 1 enthaltene lateinische Ueber- 
[: setning beruht, mit der Sammlung, der wir im Krakauer Text 
jKr. 2 begegnen, identisch gewesen. Gegen eine solche Auf fas- 
würde nicht nur der Umstand streiten, dass der Opatow'sche 
PextNr. 1 eine Reihe von Artikeln enthält, die der Krakauer Text 
r.2 nicht hat und umgekehrt, sondern es würde sich dieser Auf- 
ig auch die Thatsache widersetzen, dass sogar jene Artikel, 
K& beiden Texten gemeinsam sind, in Bezug auf Wortlaut und 
l^dkoweise auch in Bezug auf Artikelfolge (vgl. Tabelle III) 
bDifereiizen bieten, die etwas weiter gehen, als dies bei angeb- 
Pfch «0 gleichartigen Texten doch gewiss der Fall sein müsste. 
|h Erwägung dieser Umstände bin ich daher der Ansicht, dass 
Opatow'sche Text Nr. 1 aus einer Vorlage geflossen ist, 
p& mit der im Krakauer Text Nr. 2 enthaltenen Sammlung 
fiwar nahe verwandt war, die jedoch andererseits des Unter- 
•driedlichen noch so viel bot^ dass man sie im Vergleich zu 
«^ Krakauer Text Nr. 2 als eine besondere Redaction be- 
^ Jöehnen muss. Freilich ist von dieser für den Opatow'schen 
Teit vorauszusetzenden deutschen Vorlage nunmehr keine ein- 
ige Abschrift erhalten. 

Doch so wichtig die Fixirung dieses Unterschiedes an 
und für sich auch sein mag, für die kritische Ausgabe der 
polnischen Recension könnte sie erst dann von einer gewissen 
Bedeutung sein, wenn es sich nachweisen Hesse, dass die beiden 
»eben namhaft gemachten Texte wie unter sich, so auch mit der 
in der polnischen Recension der Magdeburger Urtheile enthal- 
tenen Sammlung verwandt seien. Zu diesem Behufe und um 
sogleich die Beziehungen, die zwischen dem in Rede stehenden 
Opatow'schen und d^m Bj-akauer Texte Nr. 2 obwalten, um 
80 klarer hervortreten zu lassen , schicke ich , ähnlich wie in 

den früheren Capiteln, so auch hier eine TabeUe voraus, in 

15* 



der der in Rede stehende Opatow'sche Text den erstei 
in Rede Btebende Krakauer Text den zweiten, der in der 
Bchrift des Ossolinski' sehen Instituts enthaltene polnisch 
als der Repräsentant der polnischen Redaction, den 
Platz einnimmt. Der Opatow'sche Text Nr, 1 wird in 
Tabelle kurz durch Op /, der Krakauer Text Nr. 2 dn 
der Ossohnski'Bche Text wie bisher durch bezeichne 



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Tum friiritokt BaetiBsiOB der llagd«biirfer ürtheüe. 



229 




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61 
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65 

66 
67 
69 
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718. 

72 

73 

74 

75 

76 

771 

78 

79 

80 

81 

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83 

84 

85 

86 

87 

89 

90 

91 

92 

93 

94 

95 

96 

96» 




II 



I 



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183 

185 

4 

5 

6 

8 

13 

22 

31 

32 
33 
34 
35 
41 
44 

165 

50 

53 

54 

55 

60 

62 

63* 

66 

69 

71 

72 

73 

74 

75 
140 

80 

81 

83 

84 

86 

88 

91 

93 
120 
121 



76 
77 
78 
79 
80 
81 
82 
83 
84 
85 
86 
87 
88 
89 
90 
91 

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92 
93 

[94] 

95 
96 
97 
98 



99 
100 

101 

102 
103 
104 
105 

105» 

106 
107 
108 

109 



( 



1 



I 
I 



98 



35 

36 
37 
38 
39 
40 
41 

50 

62 
64 

68 
88 

1021. 

102 L 

103 

104 

105 

106 

107 



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I 



131 

142 
[144] 
152 
178 
187 
189 
190 
191 
195 
198 
218 
219 
220 



I "!! 



1 
2 
11 
12 
14 
15 
16 
46 
18 
160A. 



201 

160 L 

188 

3 

9 

70 

94 

95 

96 
100 
101 
104 
106 
107 



•-• 






145 
146 
147 
148 
149 
150 
151 
152 
153 






nen wagrecliteii Ktriclt and i 
iten Artikel» ist der, dnaa, wihia 
in keinem der uiik tiekannleii t» 



' Uer CiiterHchied zwischen den durch e 
durch drei Punkte eraivhtliuh gemavht 
die ersteren sich auHser O aiicli 
iiiHohe», dentstheii , [«teiniseheo iiMit oKfrlii-i-lii'n Tfxlo nnchwei» 
laiweii, die anderen in Rjt, d. i. im Kmkauer Codes Nr. 399, ihre gl 
sichere Vertretung hahoii. ITnd awiir ist Ky 132 = K,-S 311 (bei Biocb 
3U6), liiä ^ 30a(iU7). HilJ ^:SU7 {30-21, 173 = aii? (263), 174 = 298(2» 
176 = 2ti,-i (2.VJ), Wi = 2M» (2(14), IM;! = 301 (296), 184 = 308 (303) 



Die polnische Recensioa der SCafdeburger ürtheile. 



231 



Op I 


Ky 




1 


Op I 


Ky 









167 


1 




177 








168 A. 


237 




178 


254 




168E. 
169 






179 { 


255 
259 




• 


170 


265 




180 


260 






171 


261 




181 


264 • 






172 






182 


■ ■ • 






173 


• • • 




183 


• • • 






174 


• • • 




184 


fl • » 






175 






185 








176 


■ • • 




186 







Aus dieser Tabelle erhellt, dass der Opatow'sche Text 
Nr. 1 und in gleicher Weise auch der Krakauer Text Nr. 2 
sich ihrem Inhalte nach in der polnischen Recension der Magde- 
burger Ürtheile fast ganz wiederfinden. Mit Ausnahme der 
wenigen, in der Rubrik theils durch einen wagrechten Strich, 
theils durch drei Punkte ersichtlich gemachten Artikel sind 
die übrigen, in diesen zwei Texten nachweisbaren SchöflFen- 
sprüche auch in der polnischen Recension nachweisbar. An- 
dererseits lässt sich aber auf Grund dieser Tabelle auch die 
Thatsaehe nicht in Abrede stellen, dass erstens die Zahl der 
Artikel, die sowohl dem in Rede stehenden Opatow^schen und 
Krakauer Texte, als auch der durch den Ossolinski' sehen Text 
repräsentirten polnischen Recension gemein sind, im Vergleich 
zu den übrigen, in der polnischen Recension enthaltenen Ar- 
tikeln etwas zu gering ist, und dass zweitens selbst diese wenigen 
Artikel in Op I und Ky eine etwas andere Reihenfolge haben 
als in der polnischen Recension. Dies beweist uns also, dass 
der Opatow'sche Text Nr. 1 und im gleichen Sinne auch der 
Krakauer Text Nr. 2 mit der in der polnischen Recension ent- 
haltenen Sammlung wohl verwandt sind, dass jedoch diese 
Verwandtschaft weder eine vollständige, noch eine unmittel- 
bare ist. 

Zu diesem einen gesellt sich aber ein zweites, fast noch 
wichtigeres Bedenken. Während nämlich die polnische Recen- 
sion ungeachtet der ihr anhaftenden, im Capitel III des Näheren 



4 « 









232 



KAlainiftcki. 



dargelegten Kürzungen , ZuBammenziehungen , Auslassungen 
u. 8. w. immer noch in die Abtheilung von Texten gehört^ 
die man mit dem Namen der ausführlichen bezeichnet, müssen 
der in Rede stehende Opatow'sche, wie nicht minder der in 
Rede stehende Krakauer Text, da diese Auslassungen, Kür- 
zungen und Zusanmienziehungen in ihnen noch weiter gediehen 
sind als in der polnischen Recension, in die Kategorie von 
Texten gerechnet werden, die man mit dem Namen der ge- 
kürzten bezeichnet. Zum Beweis dessen mögen folgende, auch 
den Torosiewicz'schen Text, als den Repräsentanten der ersten 
Redaction zweiter Nuance, umfassende Excerpte dienen: 



Nach Op I. 

Quamdiu bo- 
na ab inteftato 
relicta fuerint 
fine berede et 
ipfias institu- 
cione legata 
coram judicio 
bannito non 
legitime refi- 
gnata fiue do- 
nata et dona- 
cio non pre- 

fcribatur 
anno et die 
expletis, tarn- 
diu nee fuc- 
ceffor nee ju- 
dex nee do- 
minus tempo- 
ralis ipfis pri- 
uari debent, 
nee ignorancia 
ip forum pati- 
tur preferip- 
cionem, quia 



Nach Ky. 

Ap gut ftor- 
be an dy bir- 
febaft an eren 
wiffen, ap ficb 
das gut vor- 
fweiginmoge? 

Dyweile das 
g^t vor ge- 
ricbte nicht 
vorgebiu ift 
vnd dy gobe 
jor vnd tag 
beftee, dy- 
weile vorfwei- 
git (leb daz 
gut nicht ken 
dem richter 
vnd kegin hir- 
fchaft von 
rechte. 



Art. Op 728. 

NachO.« 

Ferner wenn der 
Herrschaft ein Gut 
anstürbe und sie nicht 
davon wüssten, ob 
sieb die Herrschaft 
Jahr und Tag ver- 
schweigen mag, oder 
ob sie sich überhaupt 
verschweigen mag, 
oder was Recht ist? 
Hierauf sprechen 
wir Schöffen vonMag- 
deburg ein Recht: 
Der Richter oder die 

Herrschaft mögen 
sich an ilirem aner- 
storbenen Gute nicht 
verschweigen, so lan- 
ge das Gut nicht über- 
geben ist vor Ge- 
richte ; doch wird die 
Gabe bestätigt und 
hat durch Jahr und 
Tag Niemand Ein- 
sprache erhoben, 



Nach T. 

Fort mir ftorbe gut 
an ir birfchaft, das fe 
nicht woften, ap fich 
dy hirfehaft vorfw^- 
gen möge ior und tag 
abir nicht, abir waa 
recht dorvmme fey 
von rechtis wegin. 
bete wir vns vndir- 
weyfen, 

Hyruff sprecbe vni 
fcheppin der ftat M&y- 
denburg eyn recht: 
Der richter vnd dy 
hirfehaft mag sich an 
erem dirftorbin gute 
nicht vorfweigin, dy- 
weyle das g^t vor 
geriehte nicht vor- 
geben wirt vnd dy 
gobe ior vnd tag be- 
ftat an rechte wedir- 
spreche, von rechtis 
wegin. 



' Ich gebe den polnischen Text sofort in einer möglichst wortgetreuen 
deutschen Uebersetzung, weil die Anführung auch des polnischen Wort- 
lautes nur das Volumen vergrössem, die Sache selber aber in keiner 
Weise fördern würde. 






Die polnische Recension der Magdeburger üriheile. 



233 



Nach Op I. 

non firmatur 
tractn tempo- 
ris^quod de ju- 
re ab initio 

non rubnrtit. 



Nach K^ 



Qui de vfura 
recepta con- 
vinctus fuerit 
fiue confeffus 
fiierit, vforam 
reftituat et ci- 
^tati XXXVI 
Tolidos com- 
ponat. 



Wer do wu- 
chir nympt 
offinbar , der 
zal daz vor- 

buffin mit 
xxxvi fchillin- 
ge alzo ofte, 
alz her daz 
bekennyt, vnd 
zal daswuchir 
wedirgebin. 



NachO. 

dann haben der Rich- 
ter und die Herr- 
schaft nichts zu die- 
sem Gute nach rech- 
tem Rechte. 



Art. Op 729 

Auch habt ihr uns 
gefragt, was für ein 
Recht auf den ist, 
der Wucher nimmt? 



Hierauf sprechen 
wir Schöffen vonMag- 
deburg ein Recht: 
Wer wissentlich Wu- 
cher nimmt, den darf 
man vor Gericht be- 
schuldigen. Leugnet 
er dies, so kann er 
unschuldig sein auf 
dem Kreuze ; beken- 
net er es, so muss er 
der Stadt 36 Schil- 
linge büssen^also oft, 
als er dies gethan 
hat, und er hat die- 
sen Wucher demje- 
nigen zurückzustel- 
len, dem er ihn ge- 
nommen hat. Und 
dies ist vom Rechte. 



Nach T. 



Art. Op 732 Anfang. 



Ein Mann, der vor 
den Rathmännern ge- 



Fort mir fo habit 
ir vns gefchrebin dy 
dritte fache, das her 
Wucher genomen bet- 
te wifTintlichen vnd 
uffenbarlichin. 

Hyiruff fpreche wir 
fcheppin eyn recht 
von Meydenburg: 
Das her wiffintlichin 
Wucher genomen bot, 
do mag man en omme 
befchuldigen vor ge- 
richte. Vorfachet her 
is, fo mag her un- 
fchuldig feyn uff den 
heiligen alz recht ist; 
bekennet her is, fo 
mus her der ftat buf- 
fin bey der ftatkore, 
das fint iii wyndische 
marg abir sechs xxx 
fchillinge,alzo dicke, 
alz her das geton hat, 
vnd fal das wucher 
wedirgebin, demeher 
is abegenomen hat. 
Von rechtis wegin. 



Wir fcheppin von 
Meydenburg beken- 
nen das in defim 
bryffe, das wir recht 
gefrogit fint in defin 
nochgefchrebin wor- 
then: Eyn man, der 
do fweret off den hei- 






'.^ : 



234 



Kfttainiacki. 



Nach Op I. 



Nach A' 



Niich 0. 

schworen hat, dass er 
sein Gut f^ehörig ver- 
steuert hat, als dies 
bei uns Recht und 
Gewohnheit ist, und 
wenn dieser Mann 
stirbt und man nach 
ihm mehr Gutes fin- 
det ausserhalb seiner 
Gewehre, als er ver- 
steuert hat, unter 
seinem Eide, und 
zwar mehr als ein- 
mal, ob dieses ver- 
leugnete und abgo- 
schworene Gut nach 
ihm die Kathmänner 
zum Nutzen der Stadt 
zu nehmen haben, 
oder seine nächsten 

AngelWtrigen, das 
heisst seine Tochter, 
wobei bemerkt wer- 
den muss, dass der 
Mann dieser Tochter 
dieses Gut zweimal 
verleugnet hat, von 
sich aus und von sei- 
ner Frau aus, aus 
dem Grunde, weil die 
Kathmänner von ihm 
die Zahlung dieser 
schuldigen »Steuern 
verlangton,und erhat 
sich von diesem ver- 
leugneten Gute los- 
gesagt fUr immer. 
Was darum Hecht 
sei? 

Hierauf sprechen 
wir Schöffen vonMag- 
deburg ein Recht: 
Nehmen die Rath- 
männer irgend oines 
Mannes Geld und Kid, 



Nach T. 

ligen vor den roi- 
mannen, da« her recht 
gefchofret habe you 
feyme gute, alz recht 
vnd czu vns gewohn- 
heit ift, vnd der man 
[rtirbit],vndmir ^tii 
wirt funden in feynir 
gewere fundir dy her 
lis noch feyme tode, 
vnd wenne her vor- 
fchuffet hatte mit 
feyme eyde, noch 
feyme tode mir wen- 
ne cynis, ap dasfelbe 
vorlaukente vnd vor- 
fworn gut dy rat- 
manne nemen mögen 
abir desf eibin totin 
mannis erbeling, feyn 
genante tochter, wen- 
ne derfolbin tochter 
man vor fich vnd vor 
feyn weyp des gntis 
uffenbarl ichin czuuor 

vorvorlaukent vor 
den ratmanne das- 
felbige vorlaukente 
gut nymmir czu vor- 
dem vm das, das fe 
ym von demfelbe gel- 
de, das vorlaukent 
was, fulde geldin und 
aberichtin vorfchufte 
fchult, dy ym nicht 

vorgoldin mochte 
werdin. Was hirvm- 
me recht fev von rech- 
tis wegin? 

Hyruff fpreche wir 
fcheppin der ftat 

Meydenburg eyn 
recht: Nemen dy rat- 
manne evnis mannis 

* 

eyd, das her feyn gut 






Die polnischo Roccnsion der Magdeburger Urtheile. 



235 



Niu^h (>p L 



Nach Ky. 



Si poft mor- 
tem vnius plus 
facultatis in- 
ventum fuerit, 
quam 8ua (le- 
rn onstrat ex- 
accio, omiiia i 
bonafua, mor- I 

te relicta, 
fpectant ad j 
fucceffores et | 
non ad ciuita- 
tem. 



Wirt mergu- 
tis fundin noch 
eynis mannis 
tode, wonne 
her vorfchuft 
hat vnd ge- 
fworn hat, daz 
gut ift feyuir 
neftin. 



Njwh 0. 

dass er die zu leisten- 
de Steuer nach der 
Gewohnheit dieser 
StAdt richtig ange- 
geben hat, und wird 
nach seinem Tode 
mehr Gutes gefun- 
den, als er versteuert 
hat, so werden dies 
nicht die Rathmän- 
ner zu nehmen haben , 
sondern es werden 
dies seine Angehöri- 
gen zu nehmen ha- 
ben. Hat aber dieser 
Tochter Mann sich 
mit ihrem Willen von 
diesem verleugneten 
Gute losgesagt, als- 
dann muss dieses Gut 
bei denKathmännern 
bleiben zum Nutzen 
der Stadt nachRechte. 



I Nachr. 

noch der Ttat gewon- 
I heyt vnd wilkor ge- 
I fchuffet habe, vnd 
I Wirt deme noch sey- 
! me tode mir gutis 
fnndin, wen her vor- 
fchuffet hatte, das gut 
fnllen dy ratmanne 
nicht nemen, mir das 
füllen feyne erben 
nemen vnd behaldin. 
Hot abir der tochter 
man mitdesfelbis fey- 
nis willen weybis vor 
gerichte abir vor eym 
ficzenden rote des 
vorlaukent geldis abe 
icht gethon, fo mus 
das alzo bleybin den 
ratmannen czu der 
statnuczealz dasvor- 
wilkort ift. Von rech- 
tis wegin alz recht ift. 



5Si autem 

^^i"CÄ vitam 

lUis fuam fo- 

■Uerit exÄCciu- 

*^em et *reper- 

tUs faerit plu.s 

babere in fa- 

cultate, quam 

exaccio* exi- 



Art. Op 732 Ende. 

Wenn verleugne- 
tes und abgeschwo- 
renes Gut bei einem 
Manne noch zu sei- 
nen Lebzeiten gefun- 
den wäre, wie man 
damit thun soll, oder 
was darum Recht sei V 



Findit man 
icht vn evnis 
were, do her 
wifrintlioh ge- 
fworn hat, der 
ift nu'vneydis 

obirwundin 
vnd hat fcvu 
birniol vorlorn 



I Wird bei eines Man- 
nes Leben in seinem 
Gute gefunden, dass 
er mehr besitzt, als 
er versteuert hat un- 
I ter dem Eide, und be- 
\ kennt er das, dass 
; dies sein Gut wäre, 
I alsdann ist dieser 



' Fort mir ap vor- 
fworn gut vondin 
wurde bei eyme man- 
ne, dyweyle her le- 
bete, wy man das hal- 
din fulde abir nicht 
von rechtis wegin? 

Hyruff fproflio wir 
fcheppin der ftat Mey- 
I deuburg eyn recht: 
i Wirt bey eynis man- 
nis Lebin vuder ym 
[mir] gut vunden, 
wenne her bey feym 
[ eyde vorfchuffte hat- 
te, vnd bekennet her, 
das d«as is feyn gut 
fey, fo ift der man 
meyneydig vnd hot 






236 



K»}iiiniAoki. 



Nach Op I. 

git,i t&lis est 
periurns et 
jufl fuvm ami- 
nt , Ted non 
bona. 



Nach Ky. 

vnd ift rech- 
teloz. Auch ift 
daz gut nicht 
der ftat, ap das 
fundin wurde 
bey des man- 
njs lebin, zun- 

dir her ift 
meyneydig. 



Nach 0. 

Mann ein Meineidi- 
ger und hat sein 
Recht und Ehre ver- 
loren und hat kein 
Recht nach Rechte. 



Art. Op 751. 



Ihr habt uns um 
Recht gefragt in die- 
sen Worten : Wenn 
ein Bürger, der öfters 
Rathmann wäre und 
zu Gericht geschwo- 
ren hätte, oder ein 
gemeiner Bürger, der 
nie zu Gericht ge- 
schworen hätte, in das 
Haus des Vogtes oder 
eines anderen Bür- 
gers käme und dort 
zwei oder mehrere 
Rathmänner fände, 
die dazumal Rath- 
männer wären und 
vor dem Fürsten und 
den Herren das Wohl 



Nach T. 

teyn birmal vorlom 
vnd fal rechtlos feyn 
anerechtis. Von rech- 
tis wegin. 



Disiftderirftebriff, 
der czu Meydenburg 
durch der crokifchin 
ftatfchreyber geholit 
wart, der achczin fint 
vnd ften gefchrebin 
in defim buche von 
golde, das noch eynis 
mannis tode haut in 
feyner were hette. 
Fruntlichin grus mit 
ftetim dinfte czuvor. 
Ir habit vns noch de- 
fin nochgefchreben 
artikeln vm recht ge- 
frogit in defin wor- 
tin: Ap no eyn bur- 
ger, der do eyn ge- 
fworn ratmanne uffte 
geweft were, abir ey- 
ner gemeyner bur- 
ger, der czu gerichte 
amecht ny gefworen 
hette, vnd der qweme 
an eyne ftat, do her 
funde czwene rat- 
manne abir mir, in 
dem hawfe des foytis 
der ftat, vnd der dy 
czeyt ouch ratmann 
was vnd vor furllen 



1 Die zwischen den Sternen befindliche Stolle ist, da in Op I eine offen- 
bare Lücke vorliegt, aus Op II ergänzt. 



• 4 
• 






: •...* • 



DK polifieh« Hecmilon der HigdeborRer Drthail«. 



Nach 0. 
der Stadt oder ihr 
eigenes oder diu sll- 
gemeine Wohl be- 
aoi^n würden, nnd 
dieser Mann, niclit 
jicIilHud.iufapnFilr- 
iten und die Herren, 
die von dem KSnig 

werden, um des städ- 
tischen Wohles wil- 
len, nicht achtend 
anch auf 4in lluth- 

sittliche und schimpf- 
liche Worte spräche 
und schmKhen wür- 
de, nnd seine Diener, 
die mit ihm wSren, 
gegen die Rathmän- 
ner ihre Schwerter 
nnd MpH.ier iiigen, 
nnd Bodann aus die- 
sem Hause davon- 
laufm-l, hidx- Hau« 
seines Freundes kS- 

nen Freunden nnd 
mit Fremden, die er 

haben koimln, gegen 
die Rütlim-iiiiinr »iuP 
bewaffnete Zusam- 
menrottung (mit Bar' 
nisch ond mit Waffen) 
anstiften wflrde, und 
di(^ Rathmänner sich 
int RalhhaiisbegHben 
und. iiflch dem sie ihre 
Freunde um sich Ter- 
Hau)mfllthätten,iDiler 
ganzen Stadt Aosni- 
fenliesseu.dassjeder 
wer dem König, den 

KatiiTiiilnnem nnd 
ilor Biädtiachen Ge- 
meine treu wäre, auf 



Nwl. T. 



vnd vor hirren fn- 
chende nncz vnd eres 
eyner gemejner der 
ftat, vnd fürte do- 
felbrt vngefnge rede 
mit fcheltworten vnd 
nicht sehende (fllr : 
schonende) was der 
furstin noch der hir- 
ren, vnd der eyne 
neroel ich von dem ko- 
nige gefant was, vme 
des landis vnd vme 
der ftat befEens ceu 

handeln vnd ceu 
fchicken, vnd ocli 
nicht fchonde was der 
andere hirren vnd ro t- 
mannen vnd dor- 
imi^lidflnfBlhigou rat- 
manen eynen knmp 
anebot voreuelicli An 
derfelhigen ftat vud 
indes re;n[e] diner 
vndnochvalger fwerl 
vnd meffer ciogen 
iiir r|v r;itm,iiuio,vnd 
WEIS aus dem hawfe 
loffende In eyn andir 
hans feynis frundis 
rieh wart fam ende mit 
frundenvndmit frem- 
den, dj her gehabin 
mochte, mithamifch 
vnd mit were wedir 
dj- ratmaiiiio, dy do 
wichin vnd woren 
famende lieh mit eren 
hvmpan uff das rath- 

haws vnd lifTen 
Bchreyen cza hant 
obir alle dy ttat, wer 
getrewe dem konige 
were vnd dem rate 
vnd der ftat gebor- 
famen, das der q wema 



238 



Katnlni ncki. 



Nach Op I. 



Naoli K 



Si conful aut 
feabinuR in 
negocio ciui- 
tatis exifteus 
fiiie lefione 
per aliquem 
porturberetur 
moleftia, ver- 
bi» vel faetis, 
et fi fuper hoc 
confules cum 
fenioribuH ali- 
quem arbitra- 

lem penam 
ftatuerunt, ea- 
dem pena mo- 
leftator con- 
fulis aut fea- 
bini mulcte- 
tur. Si antem 

fuper hoc* 
nullum arbi- 
trium eft fta- 
tutum , tunc 
in voluntate 
eft confulum, 
quid de facto 

huiusmodi 

funt facturi. 



Ap eyn rot- 
mann adiroyn 
gefwom man 
yn der ftat 
gewerbe be- 
trewbit wurde 
mit wortin adir 
mit werken, 
habin ze dor- 
obir evne wil- 
lekor, dy mo- 
gin ze richten 
yn ficzczen- 

dem Mtule ; 
habin ze abir 

keyne wil- 
koer, zo mo- 
gin ze das mit 
demo fache 
waldin haldin, 
wy fo wellin. 
Wirt abir dy 

zache von 
deme richter 
vorburgit, be- 
kennet her 
dafl , zo mu8 
her das buffin 
mit XXX fchil- 



Nncl» O. 

dafl Rathhaufl kom- 
men und Gehorsam 
halten solle, — fra- 
gen wir euch, was 
dieser Mann für Alles 
das und für Jeden, 
der hinter ihm ge- 
standen ist, leiden 
solle und was er ver- 
fallen ist von Rechte? 

Hierauf sprechen 
wir »Schöffen vonMag- 
deburg ein Recht : 
Wenn die Rathmän- 
ner irgendwo in städ- 
tischer Angelegen- 
heit sind, wer sie be- 
schimpfen oder schel- 
ten oder das Schwert 
oder das Messer oder 
eine andere Waffe 
gegen sie ziehen wür- 
de, der soll jodem 
Rathmann .SO Schil- 
lingeverbüflson. Auch 
den anderen Rath- 
männern, falls sie ihn 
beflchuldigen, das er 
ihnen das zur Schan- 
de gethan hat, und 
er dies bekennt, soll 
er jedem 30 Schil- 
lingo bttsAen und ist 
auch dem Vogte nach 
jeder Busse 8 Schil- 
lingo verfallen. Be- 
kennet er dies aber 
nicht, so kann er dem 
nach Rechte entge- 
hen als Recht ist. 
Auch wenn die Rath- 
männer ein gemeines 



Narh T. 

czu dem rathhawfe 
gehorfam czu haldin, 
— no froge wir, wa* 
derfelbige man abir 
evn fulcher vme alle 
dy gefehlt vnd vme 
eyn iczlichin an sey- 
neu nochvalger ley- 
den fülle abir beftan- 
den fpv von rechti« 
wegin ? 

Ilyniff spreche wir 
fcheppon der statMey- 
denburg eyn recht: 
Miffehandilt ymant 
ratmanne mit fchelt- 
worten adir kämpf 
anbaÄ't adir fwert abir 
meffer uff fe czuhet 
adir andir wofün, fo 
fp in dor ftatgewerbe 
gefant feynt, der fal 
eyn das vorbuffin ey- 
me iczlichin mit xxx 
fchillinge, ap fe den- 
ne vor gerichte be- 
fchuldegenvnd ienir, 
der befchuldiget wirt, 
des vor gerichte ken- 
net. Auch so mogin 
dy anderen, dy in 
den czeytin ratman- 
ne feyn,dorvmmebe- 
fchuldigen, das her 
en das in fmeheit 
habegeton. Bekennet 
her is donne, fo fai 
her iczlichem rat- 
manno, dy on befchul- 
digen,ouch xxx Schil- 
linge czu buffe gebin 
vnd dem richter fo 
manch gewette, alz 



* Ist aus Op II ergänzt. 









Die polnische Reconsion der Magdeburger Urtheile. 



239 



Nach Op I. 

Si autem mo- 
leftator fpon- 
te confeffas 
fuerit, tunc 
pro moleftia 
lefo XXX foli- 
do8 componat. 
Eciam confu- 
les poffunt 
moleftatorem 
convenirejure 
pro eo, quod 
moleftauit ip- 
fonim confra- 
trem ipfis in 
dedecus et in 
contumeliam. 
Et fi raolesta- 
tor confitebi- 
tur, tunc cui- 
libetconfuhim 
per XXX foli- 
do8 folnat et 
jndici tot pe- 
VLKB, qiiot fol- 
uit emendas. 



Nach Ky. 

fingen hellirn 

g^emeynir 
monczo. Vnd 
dv and im rot- 
manne mogin 
en dorumme 
befchuldigen , 
daz her das 
on czu fmocb- 
heit getan ha- 
be. Bekennyt 
her des , so 
mus her icz- 
1 ich im bnffin 
XXX fchillingo 
vndderaerich- 
ter also man- 
clio wette. Tftt 
eyn man zni't 
icht wedir der 
ftat zaczunge, 
das vorbnffit 
hermitiiiwin- 
difchin mar- 
kin, daz fvnt 
xxxvi fchil- 
linge. Auch 
trete eyn rot- 
man bey fey- 
nen frunt vnd 
ftnnde wedir 
den rot mit vn- 
rochtir zam- 
meminge, der 
buffit xxxvi 
fchi Hinge vnd 

ift nvmme 
wirdigdes ftu- 
lis. 



Nach 0. 

Gebot erlassen, dass 
bei einer solchen Ver- 
anlassung Jeder auf 
das Rathhaus kom- 
men soll, wer es ver- 
säumen würde, der ist 
die städtische Will- 
kür verfallen, das 
sind drei slovenische 
Marken oder 36 Schil- 
linge, oder wie die 
betreffende Willkür 
sonst lauten mag, 
die von den Rath- 
männern mit Rath 
und mit Erlaubniss 
der besseren Bür- 
ger festgesetzt und 
öffentlich ausgerufen 
ist. Auch wenn Je- 
mand eine Zusam- 
menrottung verur- 
.sacht mit Harnisch 
und andern Waffen 
gegen die Rathmän- 
ner, der soll auch die 
städtische Willkür 
verbüssen laut der 
vorgenannten Fest- 
setzung vom rechten 
Rechte. 



Nach T. 

her manche baffe ge- 
bit. Bekennt her das 
abir nicht, fo mag her 
vnfchuldigwerdenalz 
recht ist. Vnd gebite 
denne dy ratmanne 
vme fulche gefchicht 
eyn gemeyne gebot, 
das idermann czu dem 
rathawfe kommen fül- 
le, vnd vorficzet den- 
ne das gebot ymant, 
der fal der ftat das 
vorbuffen mit der ge- 
meyne ftatkor , das 
fy nt iii windifche mar- 
cen abir vi vnd xxx 
fchillinge, js en fey 
denne, das dy rat- 
manne mit ir wicze- 
geften bruder abir 
burgerrate ander wil- 
kore vnd woren dor- 
obir gefaczt vnd uf- 

fenbar gekundiget 
haben. Machet euch 

ymant vngerechte 
fammenunge wedir 
den rat mit harnifch 
adir mit gewere, der 
fal *da8** vorbuffin 
bey fulcher were abir 
faczunge, [als doruff 
gefaczt ist. Ist abir 
by] groffer buffe [das] 
nicht vorbotin, fo fal 
man dy vngerechte 
fammenunge vorbuf- 
fen mit der gemeynen 
ftatkore, als is - obin 
gefchrebin ftet. Von 
rechte. 



' Alle zwischen den Sternen stehende Stellen sind aus Sa ergänzt. 
* Nach Sa verbessert; in T steht: allis. 



240 



KAtuinUckl. 



Art. Op 7105». 



Nach Op I. 

Si debitor 
pluribuR de- 
bitis involutns 
fugam ab Om- 
nibus fuis ac- 
ceporit et cre- 
ditores bona 
profugi are- 
ftauerunt pre- 
petendo cam 

auctoritate 
judicis, 



judex tenetur 
primoarertare, 
dem um alijs 
iurticie mini- 
ftrare comple- 
mentuni tam- 
diu, quantum 
de bonis pro- 
fugi rupereffe 
poterit. 

Et talia bo- 
na in arefto 
ftabunt anno 
et die, ante- 
quam valeant 
venum dari. 



Nach Ky 

Entrynnet 
eyn man von 
fchult wegin, 
zo mag der 
richter dy 
fchuldiger yn 
feyn gut woi- 
iln vnd das 
ze gewaldigen 
vor dy fchult, 



vnd wer der 
erfte ift, der 
volfordirt fey- 
ne fchulde do 

alczumole, 
dornoch dy 
andirn. 



• Nach 0. 

Hat ein Mann 
Schulden und er ent- 
rinnet aus der Stadt 
auf das Land, d. h. 
aus diesem Gerichte, 
in dem er sitzt, weg- 
kommt, und man ihn 
nicht zu Hause treffe 
in seinem Gerichte, 
alsdann kann sein 
Gut oder seine Sa- 
chen der Kläger er- 
langen, der ihn ver- 
klagt hat, und be- 
setzen wegen seiner 
Schuld und verfesten 
mit Rechte nach 
Rechte. 

Fährt oder ent- 
rinnt ein Mann aus 
der Stadt, wer zuerst 
durch Klage und An- 
meldung sein Gut 
rechtmässig belangt, 
der nimmt zuerst, 
was auf seine Schuld 
entfällt, dann der 
zweite, wenn er noch 
was vorfindet, dann 
der dritte und so je- 
der nach der Reihen- 
folge der Anmeldung, 
so weit dessen Ver- 
mögen reicht, nach 
Rechte. 



Nach T. 

Fort mir ift eyn 
man fchuldig vnd 
veret aus der ftat uff 
das lant vor fchult 
vnd flut fchult in 
das andere gerichte 
dorch des, das man 
en icht ynheymiTch 
vonde in der ftat 
gerichte, fo mag feyn 
eygin vnd feyn erbe 
der cleger beficsin 
vor dy fchult vnd 
irueftigin dorvor. Von 
rechtis wegin. 



Fort mir vert eyn 
man vs der Hat, wer 
feyn gut vnd feyn 
erbe czu dem erften 
vmme feyne fchult 
beclagit hat, der fal 
feyne fchult alczu- 
mole voraws habin 
vnd dornoch dy an- 
dern, alz das ir ia 
eczlicher befaczt vnd 
beclagit hatte vmme 
fchult, dy feyne was, 
alz recht ift von 
rechte. 



Es ergibt sich also, dass Op I und Ky mit der polni- 
schen Recension der Magdeburger Urtheile wie in Bezug auf 
Inhalt und Artikelfolge, so auch in Bezug auf Wortlaut in der 
That nur mittelbar verwandt sind, und dass in Folge dessen 
auch die Ausbeute, die sie für eine kritische Ausgabe der polni- 
schen Recension gewähren, eine verhältnissmässig sehr geringe 



.• • 



• • 



•"• • • 
• • • • 



:•.' 



t* faloUeba B«wuiaB it tbfSAargn QnkdlB. 



ist. Doch so schwach und unaDsehnlicIi diese Ausbeute auch 
sein mag, so meine ich nicht, doss cb ratheam wäre, aie bei 
einer demnächst zu veranstaltenden kritischen Ausgabe jener 
Recensiun ß:anz aus dem Spiele zu lassen. Dies liiesse im 
vorhinein auf Hilfsmittel verzichten , die bei der notorischen 
Fehlerhaftigkeit der in Betracht kommenden polnischen und 
deutsch«n Texte hie und da doch von einigem Nutzen sein 
könnte. Schon die hier vorliegenden Excerpte (vgl. insbeson- 
dere Op I 28 und 105') beweisen dies in einer ziemlich augen- 
Bcheinlichen Weise. 

Die Bedeutung der in Rede stehenden gekürzten Texte 
lltsst sich aber, wenn wir ihr Verhültniss zu der polnischen 
Recension bei Seite lassen und sie nur an und für sieh be- 
trachten, auch noch dadurch begründen , dass beide eine An- 
Eahl von Schüffen Sprüchen enthalten, die ohne Zweifel von 
dem deutschen Oberhofe zu Krakau herrühren. Als Beweis 
desaen erscheinen speciell folgende zwei Momente: 1. es wird 
die in Op /, beziehungsweise die in Ky vorhandene Sammlung 
in diesem letzteren Text ak .sewfimc«, ducmle per Hcalnnos jwris 
tiieictunici M[agile.hur^enfia^ caftri Ci-acouien/is' declarirt, was 
wohl nur unter der Voraussetzung einen gewiesen Sinn haben 
kann, dass dem Schreiber der Sammlung nicht blos einige 
wenige, sondern eine grössere Anzahl der hierselbst enthaltenen 
Schöffen Sprüche als Urtheile der Schaffen von Krakau bekannt 
waren ; 2. es hat sich bei einigen von den ans Oft I und Kf 
in der polnischen Recension und auch sonst nicht nachweis- 
liaren Schöffensprüchon in Ky noch ganz ausdrücklich die 
Pormel erhalten: Hyruf spreche wir scheppm non Cracaw eyn 
nekt,^ Die in Rede stehenden gekürzten Texte nehmen also, 
brotzdem sie für die kritische Ausgabe der polnischeu Recension 
Bur einen «ehr beechrftnkten Werth haben, vom historischen 
Standpunkte doch ein etwas grösseres Interesse in Anspruch 
und sind namentlich die in ihnen enthaltenen Krakauer Schüffen- 

' Uebrigens nucli jene Artikel von Ky, die in der Rubrik der Tabelle tu 
ilvch drei Punkte tnarkirt aitid, werden in Kfi, wo sie viel roltständiger 
erlialten siml, ^rasutentheiln (vgl. diefliezilglich den von lÜBcbotT im 
Arebiv für Oaterr. Gesuliichte, heransg. von der ksia. Akademie iler 
Wiuenach., Bd. 3U, S. 11 — 19, veröffentlichten Abdruck) al» Urtheile der 
K<^Cffen von Krakau beiieii'.linEit. 

SitllDKibti. i. phil.-hiil. CL. l.'II. M. i Hfl. 1(1 



242 



Katuin iaoki. 



sprllclio als ein l^cispid (1(t Anwendung dos BücliBiRolion Rechte 
auf polnisclie Zustilndo wichtig genug, um bekannt zu werden. 
Ich hoffe sogar, dass ich (hin Guten nicht zu viel thun werde, 
wenn ich diese Schr»ff(;nRprrich(» , die l)is j(ttzt durch Druck 
noch nicht veröffentlicht wurden, hier ganz niitthcilc: 

n) Krakauer Seh offen sprll che, di«^ sowohl in (>// /, als 

auch in Ky vorhanden sind. 



Art. Oj) I 1 . 



Do suiH'Uoctilc ciniuiii villanornin (^t 
oii])i(1;iiioruiiiJ 

Oniiios eines ojiidani (>t villjiiii. 
juri fiibjocti M<\vd<?l)urioiifi »l:int ai 
r(H-i)iiaut. vnaiii <»t (>:iii(I(>in ru]K»llpr.ti- 
lf»ni.- Eciaiii fujM»llnx fjxH'tat. a<l jmi- 
xiiiiniu apfiiataiii matriK fiuo toiiiiiu« 
ot iion ad ^ladiuiii. 



NiiWi h'y. 



X'oii j:«d)a\vir ^oradi« vml |mrjror. 

Allo j,'"«dia\vir vml piirj^or, so zicz- 
c/Aw vn rti'tiu adir vii dui'f(>ru vii 
iiH>d(diur<;isc.iiiiii nM'ljt»«, dy ;ro])iii viid 
nniiH'ii allo i»viiorlov «rorado. Ocli 
^^olir»rit ily ^'orailo an dy iHil'to Hpille 
und iiiclit au das orlir adir fwort. 



Art. Op I 2. 



Do. brafcatnrilms. 



Qnidain iiicn1])atus hrafrator <lo 
tritici diinimu'iotio , coraiti Hcahin'iH 
idoni l»raf<yitor roi'opiumit. nu-opiffft 
(lo eodniii tritico diios o.horoH. INinton 
Actor iion crodidit t'intuiii dun«! o.lio- 
roH rofoptii.H fui.s8o do fui» tritico. 
Tpfo nefi^anto jus d(«tulit iurauinuto 
ter propria manu ovadcro. 



lUim ap oyu mau ovuo fadio bowovfte 

mit ii sitliopjdn, wy yni dor audir 

dnrobir majj «roriolitiii. 

Ersamou lihiu tVuiido, owir fri»jre 
halio wir wnl voruoniou, wy daz 
scli(>ppiu frosiut liat yu das molcxliaws, 
dy bozohou hau, daz woyze ^oflrowit 
was, viid jouor v(»rmutfi .Mich iif Ja- 
ouß. Dnruf S])ra('h Jacuß: uoyu vud 
bükauto lior wodir Vdi- don fchoppiu, 
lior hetto fifnnomon ii knrczo. Dor- 
ui)(')i liat hör lieh mit ym vorricht 
vm dy ii korczo, doniuch hat her on 
auf^oclait , lior wohh^ ou uicht vor- 
wiffin, Iior hott« doK woizi.s mn (i^o- 
uonitm rioülit. Do fpricht ynuor: iioyii. 
Ilyruf Hprorhü wir Bvhc]>piu von Cra- 



1 Im Codex steht statt dieser die dor Bache minder ontHprechoudo liubrik : 
Db JkUeaeUme juriw. 
''-'Im Codex fbl^ noch eine nichtAsagondo Homorkunfif , die fol{rnndor- 
Ihmnen lautet: Qiie tnUen ß^n^, <P^ /pedant ml fvpeUtxtiJ^ (und noch oiiz 
vnkMrllGhes Wort). 



Die polnische Recension der Magdeburger Uriheil«. 



243 



Nach Op I. 



Nach Ky. 

caw eyn recht: Sintdemmole her en 
nicht vorwilTen will, her hette des 
weyHs me g'enomen, zo ift her neher 
dovor za richtin mit feynis eynis 
h&nt uf den heiligin. 



Art. Op / 3. 



De augmentacione et conminacione 
querele. 

Homo quilibet, antequam fatis da- 
cionem coram judicio bannito non 
fecerit, poteft fuam querelam augere 
uel minuere. Eciam totum caufe Tue 
debet negocium in tribns querelis 
concludere actor. 



Item wy vil clage eyn man getan 
mag vor gehegetin dinge? 

Eyn man, ee her dy gewere getan 
hat, zo mag her wol feyne clage 
ho^n adir nedirn vnd zal alle feyne 
zache yn drey clage beniffin, von 
rechtis wegin. 



Art. Qp I 4. 



De probacione actoris querelam poft 
manum mortuam. 

Actore probante querelam poft ma- 
nnm mortuam intentatam rens tene- 
bitur pro debito refpondere in querela 
expreffe. 



Qnando rens invenitur de aliqua 
canTa, et idem reus allegat excepcio- 
nem rei judicate, et hanc teftimonio 
indicij banniti approbauerit pro eadem 
eanla, de cetero nullibi tenebitur 
xefpondere. 



8i qnißpiam hominum domicilium 
ftmm de villa in ciuitatem mutauerit 
flkni nel profuge, et in eadem ciui- 
JQM ciuile acquifierit, et heres 
lel quicunque eundem hominem 
infecutus fuerit ad trahen- 
; ^[wam profugpim ad jurifdicionem 
.Mf^ prefatus profugus in jure ciuili 
4"^ "^^^ querulanti tenebitur re- 



\ 




Von ynnerunge. 



Tut ejm man dy ynnerunge noch 
toter hant, zo mus ym yener ant- 
wortin. 

Von beweyfange eyner fache. 

Brengit eyn man beweyfunge aws 
gehegtim dinge, daz her eyner zache 
frey geteilit ist, dorumme darf her 
nyndirt antwortin. 



Item von burgerrecht. 

Ap eyn man uf eynis hern czinzo 
ficzczit yn eyme creczim vnd von 
danne entwiche yn eyne stat vnd 
metepurger werde, vnd her angelan- 
git wurde, daz her in polnischim 
rechte feyner hirschaft antwortin 
sulde, vnd her yn sta.trecht vorburgit 
wurde, der zal nyndirt wen yn dem 
statrecht antWortin. 

16* 



244 



Kaluiniacki. 



Art. Op I 5. 



Nach Op I. 
Caucio fidelufforia. 



Si aliquis a fuo aduerfario caucio- 
nem fideiufroriain rocepit et poftea 
iteram alios fideiuffores pro eadem 
caufa prius fideiufforibus irrequifitis 
reeipiet, fi vellot ftare in caucione 
cum fecuiidis iideiufroribus, ipfo fact4) 
primi fideiuffores a caucione fnnt ab- 
foluti. 



Nach Ky. 
Von bürge awsczyunge. 

Ap eyn man vor eyne zache bürge 
neme vnd obir daz andir burg-en och 
neme wiffintlich den irfteu bürgen 
adir nicht, wordin ze nicht gefrogit 
bey deme namen, ap ze unten wei- 
din ften yn der burgfchaft vnd mete 
globtin ze feyn ledig von rechtis 
wegin. 



Art. Op / 6. 



De citacione capitane[i] ad jurif- 
dicionem. 

Si quis ciuium [per] literam aut 
figillum capita.nei ad iurifdicionem 
ciuitatis de parendo juri citatus fuerit 
et non pareat citacioni capitanei, et 
actor fteterit contra citatum tribus 
judicijs, vtrum citatus non parens ob 
contumaciam fit convictu»? Refpon- 
l'um: Si talis non citatur odicto ad- 
vocati uel fui pedanei, parcre do jure 
non tenetur. 



Von ladunge des howbmannis. 

Ap eyn mau mit des howpmannis 
jngefegil yn das f tatding geladin wur- 
de vnd der cleger uf eynon irftunde 
den longifton tag, ap her dem clegir 
der fachen vorfallin zey? Antwort: 
Ift der man mit des ffoytis czeicliin 
adir mit deme fronebotin nicht vor- 
geladin, zo bleibit her ane wandil, 
zundir, wenne her kumpt vor recht, 
zo mu8 her antwortin. 



Art. 0/; 7 7. 



De contencione duorum. 



Duobus aduerfarijs coram judicio 
verbauter contendentibus , dominus 
capit'ineus et advocatus ipfis conten- 
dentibus corara judicio bannito pa- 
cem ßrmaverunt cum pena vallata x 
marcarum partibus non contradi- 
centibufl. Demum altera parcium 
aliam invafit vi armata. Queritur, 
vtrum in pena vallata debeat fucum- 
bere? Refpondetur: Pacis indicte 
violator cum fuis conplicibus in pena 
vallata ipfo facto funt conuicti. 



Von fredebrechern eyns gehegtin 
dinges. 

Erfamon libin frunde, alzo ir viu 
fchreibit, wy das eyner den andern 
flecht angeklagit hat, und der ant- 
werter yn frede komen ift, den der 
richter nnd der houpman gebotin hat 
noch des rechtes lowfe, was dy vor* 
fallen zint, dy den frede gebrochen 
han vor ewirm gehegtim dinge mit 
enblofungo erys wofins. Antwort: Der 
den frede gebrochen hat vnd alle 
feyne nochvolliger dy fynt alle Tor- 
fallin alzo hoch, alzo der richter und 
der howpman frede gebotin han ans 
gehegtim dinge. Von rechtis wegin. 



Die polnische RecensioQ der Magdeburger Urtbeile. 



245 



Art. Op 18, 

Nach Op I. 
De non credicione vnus alteri. 



Si coram judicio bannito vnas 
diceret alteri: iioii credo tibi nee 
credere volo, vtrum talis fermo fit 
contumeliofus et vtmm pro . huius- 
modi fermone prolato debetur parti 
emenda et judici pona? Refpondetur: 
Nee non parti nee judici, quia non 
dicitur eontumelia. 



Nach Ky. 
Was fmeunge fey. 



Spricht eyn man czu ejnem andern 
manne: ich globe dir nicht und wil 
dir nicht glowbin, donimme darf her 
ym keyne buze noch gewette gebin 
dem richter. 



Art. Op 7 9. 



Decrotum feutoncie iniufte Icabi- 
norum. 

Scabini iniuftam deeeruentes fen- 
tenciam, arbitrantes ipfam iuftam, 
demum eadcm fentencia juridice 
reprobetur ' et per jus fupromum 
retrahetur , vtruin fcabiiü pro tali 
fentencia judici aut parti lefe tene- 
antur? Refpondetur: Non, quia melius 
deceruere nefciuerunt. 



Ap eyn feheppe vnbeftendig orteil 
awßfpreche. 

Auch libiu frunde, alz ir uns ge- 
frogit yn ewirm scheppinbrife vm 
eyn orteil, das der seheppe awßge- 
fprochin hat, das ift euch wedirteylit 
durch vnfer orteil, dorvmme durffit 
ir nicht von Petir Blunkem vnd von 
feynem wedirfachin keyne not leydin, 
von rechtis wegin. 



Art. Op 1 10. 



Ffemina arestauH hominem in con- 

claui fuo pecuuiani ipfius afpor[tare 

voientem]. 

Quedam femiiia fuperveuit quen- 
dam homineiu corrupte intencionis 
in conclaui fuo, qui furtiue pecuniam 
femiue afportare conabatur. Et eadem 
femina, vifo füre, proclamauit. Ad 
cuius clamorem fiui^uli vicini prefa- 
tom furem profuguin funt infecuti. 
Ipfo eciam clamaute, toneatur für 
fugiens. Domuni eadem femina pro- 
pofuit fine clamoris fuffragio fimpli- 
ceter^ dicens: Propono, quod ipfe 
für corripuit michi pecuniam de meo 
conclaui et, dum ipfum pro dam af fem. 



Von eydin tun vor dewbe uf fluch- 
tigen fusse. 

Erfamen libin frunde, ewern brif 
habe wir wol vornomen, wy daz eyne 
vrawe goclayt hat, das der antworter 
yn er vir pfelen begriffen were, und 
ze befchregin vnd nochgefolgit hette 
uf fluchtigem fuze, und her dy fchey- 
bar lat aws der haut geworfin, ap 
dy lewte nicht czeugin füllen, was 
ze gezeon han? Antwort: Ich be- 
kenne, das ich zu dem czetirgefchrey 
gelüffin ben, alz eyn andir nockebar 
obenwenig und nedirwenig, vnd ze 
mir das tut in vngunft, vnd ich alhy 



* Im Codex steht : demum eandern /enteitciam jurifdice reprobelnr. 

* Im Codex steht: fuppUciter, • 



246 



Kalainiaeki. 



Nach Op L 

prefatus für » f e proyecit pecuniam. 
Reus refpoudit: Ego ifte nichil fe- 
mine fateor, et fuper teftes eins 
me noD remitto, et fto coram judicio 
flcut iufius homOf nullam fi^om 
furti habeiis, [et] requiram in jure, 
vtrura propior Tum evadere obiectnm 
michi motum? Refponrum: Si reus 
metterciiis de innocencia eft aufns 
evadere, tacto facramento faam inno- 
cenciam expurgabit. 



Nach Ky. 

(le alzo eyn fchone man, das mir be- 
kennyt der fcheppe, vnd ich mich 
an eren geczeug nicht kere, and 
auch keyne deube, kleyne noch gros, 
ny benampt ift. Hyruf fpreche wir 
fcheppin zu Cracaw eyn recht: Be- 
weifit .der man zalbdritte, das her 
vnfchuldig fey, was ym dy vrawe 
fchulde gibt, uf den heyligin, so 
bleybit her ane fchadin. 



Art. Op 711. 



De contractu empcionis coram judicio. 

Contractus empcionis , aDtequam 
coram bannito judicio non confirme- 
tur, vigorem non habet, quia emptor 
prupior eft empcionem fuam evadere 
iuramento, et hoc ideo, quia vendicio 
nee empcio debent fieri in locis an- 
gulofis et opacis, Ted fubrie et clare, 
die luco coram fide dignis eft cele- 
branda fori contractus. 



Von kaoffin. 



In man ift nehir eynis ka^'fis ge- 
recht KU werdin, wen yenir af en 
czu breng^n mit geczeuge, alzo fere, 
ap der kauf nicht ufgereycht ift vor 
gehegtir bang, wen eyn kauf sal 
nicht gesehen yn eynem wynkil nach 
bey nacht undir trunkin leutin. 



Art. Op 1 12. 



De tidoiuffore ad ftatuendum prin- 
cipaliter. 

8i quispiam fuerit tideiuffor ad fta- 
tuendum tideiufforem coram judicio 
bannito, hunc ftatuere debet, nifi 
legale impediret impedimentum. Si 
autem non coram hannit<i judicio 
ftatuere debuerit, fed coram judiee 
ad cortum diem, hunc ftatuere debet 
a felis ortu ad occafum et expoctare 
actorem ; et fi actor non paruerit, ex- 
tunc fideiulTor liber erit legali cef- 
fante impedimento. 



Von gefteltniffe. 



Wo man eynen man globit czu 
geftellin uf eynen tag, do hen xal 
man en geftellin. Auch ift yenir nicht 
do, deme man defin geftellen zülde, 
zo fjmt dy burgin frey, ys beneme 
em denne echte not. Auch wird eyn 
man bürge vor eynen vor recht nf 
eynen nemelichen tag zu geftellin, 
und benumen nicht gehegit ding und 
geftellin en uf den tag vor den foyt 
und tun das deme forderer czu wiffin, 
wil her nicht dorczu komen, zo fynt 
dy bürgen frey. Auch fullin dy bür- 
gen des furderers eynen ganczin tag 
czu deme foyte beydin. 



Die polnische Recension der Magdeburger ürtheile. 



247 



Nach Op I. 
Reuocacio Teutencie jurati per ipfuni. 

Si scabiiuis fentenciam, quam de- 
creuit, reuocauerit agnito errore, in 
hoc non delinquit noc huiufmodi 
reuocacio derogat fuo honori. , 



Art. Of 1 13. 

Nach Ky. 
Von wedirruffunge orteils. 

Wedirruffit eyn scheppe eyn orteil, 
daz her vor vnbeftendig hat awsge- 
fprochiu, das tut her mit rechte and 
iltot ym [das] nicht czuvor. 



Art. Op 7 14. 



Quum quis derogauerit femine uel 

virgini. 

Si quis virgini uel femine verbis 
derogauerit contumelioßs et per hoc 
convictus fuerit fiue fponte fatetur, 
in XV folidis moneto vfualis con- 
dempnatur et in penam. 



Von juncfrawen wergelde vnd buzze.^ 

Auch gibit man eynem weybisbilde 
XV fchillinge hellir vor obilhande- 
lunge adir fchaltwort. 



Art. Op 7 15. 



Qum quis derogat confulibus et 
scabinis. 

Qiiociens quis confulibus et sca- 
bini.s derogauerit, quod iniuftas fen- 
tencias decreuerint, tocions quilibet 
ipforum in XXX fulidis conderanetur 
et judici tot penas, quot perfonas 
infamauerat. 



Von beredunge der scheppin. 

Auch alzo ufte, alzo eyn man dy 
scheppin adir rotmanne berette, daz 
ze vnrecht teyltin, alzo ufte mus her 
yczlichim xxx fchillinge gebin vnd 
deme richter alzo manch gewette. 



Art. Op 7 16. 



Qum quis fimplici querola arripitur. 

Vbi quifpiam fimplici querela fue- 
rit inventus, ibi rous tenehitur re- 
rpondere nee poterit actorem ad 
aliqnam probacionem caufe compcl- 
lere. 



Ap man dy yunerungo tun zal? 

Clayt eyn man f lecht, zo zal yenir 
flocht antwortin und der clegir darf 
yemo keyne ynnerunge tun von rech- 
tis wogin. 



Diese und die nächst vorangehende Rubrik bilden, da den Artikeln Op IIS 
und 14 in Ky ein Artikel entspricht, in originali eine einzige durch 
ein ,und* verknüpfte Rubrik; ich habe sie aber, um die Vergleichung 
mit Op I besser bewerkstelligen zu können, in zwei besondere Kubriken 
geü'ennt. 



248 



Kalniniacki. 



Art Op in. 



Nach Of, I. 



Actor contra ream proponit tres 
qaereljM. 

Qaidam ncUft prcyponit contra ream 
ite» qnereliu, qae reqaantnr. Prima 
qn#^ela talis eft : Domine judex, ego 
pr'^ypono, qnod mens adnerrarias con- 
to meliofe derofrando mihi dicit: Ma- 
kes c/^rnfaltinom coUoqnium, qui[a] 
te ad hoe iaciendam ardna ftringit 
neeeffitas. Hoc actor exiftimat ad 
X marcaa. Secanda querela: ITtad 
jns pofTet in Tilla Talere, Ted non in 
ciaitate. Hanc jnioriam exiftimat ad 
XV marcas. Tercia qnerela: Tu por- 
tas ortilepa fub palio. Hoc exiftimat 
ad XXX marcas. Demum plürs aduer- 
fa recojn^ouit premifTa dixiffe. Actor 
petit ipfum in extimatis condemnare. 
Refpondetur:* Premiffa non fuiit con- 
tumeliofa, ideo actori nihil tenebitur. 



Nach Ky. 



Von rede, dy nicht fmeunge mag 
gefeyn. 

Eyn man clait czum andim drei 
clagen. Dy errte: Bekoft euch gar 
wol, ys tut euch dy not. Das achte 
her uf X marc. Secunda: Das recht 
mochte dausse yn dorffem wol tog^n, 
adir hynne nicht. Das achte her uf 
XV marc. 3»: Ir tragit orteil vndir 
deme mantil und aws ewim hutten, 
donindir ir ftet. Das achte her uf 
XXX marc. Der dreyer clage bekante 
der autworter. Dornoch claite her 
andir feyne rede. Do fprach der ant- 
worter: Ich bekenne feyn dorum, 
das her geton hat; donimme mufte 
her mir vnd meyner vrawen bufTin 
und deme ffoyte wettin YÜi fchil- 
liuge hellir. 



Art. Op / 18. 

Quomodo quis anuncitat de parendo 

■ • 



Von vorclage. 



juri. 

Qui aliuni per ciuittatis minifteria- 
lem fiuo bodellum citauerit de pa- 
rendo juri, ille primam aquirit quere- 
lam, nifi para altera uffot lefa, quod 
non potuiffot pedaneum fiue judicem 
accedore. 



Wer den andern mit fronebotin ee 
vorgeladiu hat, der boheldit dy vor- 
clage, zundir ap yenir fcheynbar tad 
beweyft hat. 



Art. Op 719. 



Do obligaciono ortilegij. 

QuAiido ortilogiuin de voluntato 
fiMfciiiui ad Judicium oblatum fuerit, 
qnod IpfiM n jure fu|>rom«> eft porta- 
tiifii, lioo pnr» neutra poterit ropro- 
tiarn, nifi lioc fub condiciono aliqua 
fiJirlplatur. 



Von gekauftin ort«yln. 

Wenne man orteil holin leyt mit 
w^illiti beydirhalbin , dy orteil kan 
mit rechte koynir nicht gefcheldin, 
ys gefclio denue yn vndirfcheit. 



' litt ('odox xtoht: rt/pondeo oti. 



Die polnische Becension der Magdeburger Urtheile. 



249 



Art. Op 1 20. 



Nach Op I. 



Nach Ky. 



Probacio caufe ex querela. 

Si quifpiam iu fua querola ad pro- 
bacionem Tue caufe fe aftrinxerit, hoc 
debet probare iuterim, quod iudicium 
exerceatur. 

Art. Op 

Quando quis qiieriilatur cum teftibus. 

Si querulatur qais cum teftibus et 
reus (impliciter narrata uegat ^ et ac- 
tor detulit juramento rei, tunc reus 
euadet iuramento. 8i autem actor 
non detulerit reo, fed wlt cum tefti- 
bus eonviiicero, tuuc reus iurare folus 
non poteft, Ted cum hominibus fibi 
iunctis, et hoc intelligitur in accione 
ciuili. 



Von vonnerßn der geczeuge. 

Welch clegir fich yn feynir clage 
adir fache geczeuge vormiffit, der 
zal ze gestellin, dyweile ding wert. 

721. 

Von clage mit geczeuge. 

Clait eyn man mit geczeuge und 
yenir fpricht flecht: neyn, let der 
clegir yeme den czog, zo entget her 
ym mit feynis eynis hant. Spricht 
her abir, her welle uf en beweifin 
noch deme rechte, ab her des nicht 
neher were czu tun, zo bricht her 
yeme den eyt. 



Art. Op 1 22. 



De aftrinccione obiecti. 

Si quis aftrinxerit fe pro aliquo 
obiecto ad certum diem et hoc non 
fecerit, extunc poteft fibi uegociacio 
ciuilis^ prohibori, sed ad fimplicem 
alicuius delacionem nou poteft quis 
honore priuari. 



Von entfchuldigunge eyner fache. 

Vorpflicht eyn man eyner fachin 
czu entfchuldigin vor eyme rote adir 
vor geheg^m dinge uf eyuen genan- 
ten tag, tut her das nicht, zo mag 
man ym seyn hantwerc nedirlegin 
mit rechte; adir noch eynis mannis 
beredunge kan man keynen gewerfin 
von feynen eren, her ift des neher 
czu entgen. 



Art. Op 7 24. 



Qum quis de incendio convincitur 
teftibus. 

Quidam liomo iudicialiter convictus 
cum teftibus, reus querulata negauit, 
jus detulit reo jurare metfeptimo, 
reus oxpurgauit fc iuramento, actor 
aftringit fe roum conuincere de per- 
iurio, queritur,an poffit? Kefpondetur: 



Ap man eynen meyneydis mag obir- 
winden? 

Eyn man fwur dem andirn falbfe- 
binde vor eynen brant vnd vor dre- 
unge, do her gefwur. Do ftunt yenir 
mit geczeuge und fprach offiuberlich, 
her hette meyneyde gefworn. Doruf 
vrogitte der befchuldigte man den 



^ Nach DI verbessert-, Op I hat: ilicü, 

2 Auch diese Stelle ist nach D I corrigirt; Op 1 hat: negodo ciuili. 



250 



Kaluini Acki. 



Nach Op 1. 

Ex quo jus decreuit* reo euadere, 
prout evafit jnramentis, [extunc] ac- 
tor reum de periurio coiivincoro non ^ 
poteft, quia ezemcionem rei iudlcato 
pro fe habet. De hoc habetur in pen- 
ultimo folio in acticatis. 



Nach Ky. 

foyt, wy her en gefangen hette czn 
eyme bawir obir tyfche effende und 
kerte ßch an keyuen geczeug, ap 
hör nicht neher bey demo rechte were 
czu bleibin, wonne keyne scheynbar 
tat uf fluchtigim fuze bey ym be- 
griffin were? Hiruf eyn recht: Sint- 
demmole der man yn hanthaftiger tad 
nicht begriffin ift vnd ym der czog 
mit erhaftigon leuten czu entgen ge- 
toilit ift vnd her gerecht wordin ift, 
zo kau en der clegir in fulchir fchicht 
meyneydis nicht obirkoraen. 



Art. Op 7 25. 



Qum caufidicus caufam non promifit 
procurare. 

Quidam caufidiius promifit coram 
judicio bannito caufam non procurare 
contra quandam feminam. Domum, 
promin oblitus, onus procuratorij con- 
tra feminam fufcopit. Ffemina racio- 
nem promifit. Queritur in jure, vtrum 
facere poffet contra promiffum, coram 
bannito judicio ewlgatum ? Rofpon- 
detur: Non poteft, et debet femine 
foluere emendam et judici penam. 



Von globde vor gehettir bang, ap man 
das halden zai? 

Hat der man der vrawen globit 
vor gehegtir bang wodir ze nicht zu 
redin, das zal her haldin vnd dorum- 
me, das her hat wedir ze geredit, 
zal her buffin vnd dem richter wettin. 



Art. Ol) 7 26. 



De mancipacione alicuius per judi- 

cem. 

Si judex aliquem propter excoffum 
incipauerit perpetratum et confui oun- 
dem detentum emiferit de cippo, con- 
ful ipfo facto in pena judici Condom- 
natur et hoc paciatur, quod ipfo emif- 
fus fuit paffurus. Si autem scabini 
teftificantur, quod judex oum iniufte 
incipauit, tunc conful nuUam penam 
tenetur, sed tamen consul dobot emif- 
fum coram judico ftatuoro. 



Was der rotman beftandin were, der 
eynen awsliffe ane lobe des foytis? 

Leßt der rotman eynen aus, den 
der ffoyt mit rechte yn hat gesaczt, 
zo wettit her dem richter viii fchil- 
Hnge hoUir vnd ift des vorfallin, das 
yenir fuldo leydin. Adir dirkonnen 
dy scheppin, das her czu vnrechte 
foy yn gesaczt, so zal her en geftellin, 
zo bleibit her ane wandil vnd ift dem 
hern nichfiiicht Vorfall in. 



* Nach D I corrigirt ; Op I hat : quod jus decreuerü. 
2 Aus D I ergänzt. 



Di« polnische Becension der Magdeburger Urtbeile. 



251 



Art. Op 127. 



Nach O^y I. 



Quando ex contencione vnus alium 
interficit. 



Orta * contencione vnus alterum in- 
terficit et in continenti, ne manci- 
paretur, auffugit. Poteftas ciuilis occi- 
forem ad parendum juri ter citare 
fecit. Quo non comparente, per Ten- 
tenciam juris eft profcriptus, quia fe 
per fugam idem homicida ipfo £Eu^to 
fecit reum. Dominus temporalis re- 
quirit in jure, vtrum fuccederit bonis 
homicide profugi relictis ? Refpon- 
detur*. Non; ex quo profcripcionem 
patitur, quam incurrit ipfo facto, do- 
minus temporalis nichil habet in bonis 
homicide, et profcripcionem tamdia 
pati debet , quoufque cum amicis 
interfecti componantur. 



Nach Ky. 

Von mordern, ap dy von erem g^te 

entwichin, was der erbhirre czu deme 

gute habe? 

Rotleute czur Landifhute frunt- 
fchaft czuuor. Erfamen libin hem, 
eyn mort ift gefchen in der ftat vnd 
der morder ift entwichen und ift ge- 
echt von feyme gpite vnd hat geladn 
weip und kint. No frogit vnfer herre, 
ap her nicht czu dem g^te, do her 
von entwichin ITt, recht czu habe. 
Do böte wir vnTem hem, das her vns 
liffe bey dem rechte. No wiffe wir 
nicht, was unferm herrn dovon gefol- 
gin möge, bitte wir vns czu vndir- 
weifin. 

Aduocatus et jurati caftri Craco- 
vienßs. Erfamen libin frunde, uf ewir 
froge fpreche wir czu eynem rechte: 
Sintderczeit der firedebrecher uf fluch- 
tigim fuze yn firifcher tad ift vnd hat 
och dy ochte dorumme geledin, dor- 
umme ift her feynem hem an feyme 
erbe vnd an feyme gute nichfnicht 
vorfallin, zundir dy ochte mus her 
leidin noch ewir ftatrecht alzo lange, 
bys das hers mit des frunde vorrichte 
vnd der ftat vnd gerichte genug tut, 
vnd der erbhirre hat czu feynen gut- 
tirn nichfnicht. 



h) Krakauer Schöffensprüche, die nur in Op / vor- 
kommen. 

Art. Op 723. 

Qum quis obligat fe teftibus probare. 

Qui fe obligat ad aliquid per teftes probare infra fex feptimanas, hoc 
faciat ftatim, n wlt. 



> Nach dem Lemberger Text verbessert; Op / hat: Si a. 



252 Kaluiniacki. 

Art. Of I 77. 

Si quis querulatur xxx marcas uel bona mobilia poft mortuam manum. 

Si qaispiam querulatur aduerfus alium xxx marcas uel aliqua bona 
mobilia poft mortuam manum, reo firapliciter uegante, volens evadere iuxta 
iurif formam , super quo talis datur diffinitiua : Ex quo actor fimpliciter 
querulatur poft mortuam manum, teftes non nominando, extunc reos pro 
qualibet querela metterciuB juramentis debet evadere. Hoc de forma inriT 
fcripti Maydburgenfis caftri Cracouienfis. 

Art. Op7 91.« 

Scabinus dicit sentencias decemere fecundum propoHcionem allegata[m] 
et non fecundum confcienciam. Eciam litere fentenciarum non alibi debent 
apportare, quam coram judicio banito. Eciam legittima refignacio fieri debet 
coram judicio ciuile et citra dies. 

Art. Op 7 92.2 

Quidam rendidit domum pro certa peccunia et eam coram banito 
judicio emptori non refignauit. Tandem eadem domus ig^is voragine extiüt 
incinerata. Queritur: Cuius dampnum fit, an venditoris aut emptoris? Re- 
fpondetur, quod venditoris, quia ipfe domum habuit in fua pofefTione, quamdiu 
[i]pfum non refignauit. 

Art. Op I 93. 

Ab ortis humulatis [et] brafcatorijs tenetur exactionari, nifi alicui ali- 
quo cenfui fiue tributo premiffa subiaceant. 

c) Krakauer Schöffensprüche, die nur in Ky vor- 
handen sind. 

Art. Ky 4. 

Von frejunge erbis. 

Eyn vorkevfir e3mi8 erbis zal eyn erbe frejen jor und tag; ap her 
das tut, zo ift ym yenir schuldig seyn gelt, wy hör das mit ym abegeredit hat. 



1 Ich muss hiebei ganz ausdriicklich bemerken, dass ich zwar sowohl diesen, 
wie die nächstfolgenden zwei Artikel mit Op I bezeichne, dass ich sie 
jedoch, da Op I an dieser Stelle lückenhaft ist, aus L (1) entlehnt habe. 

' So Manches scheint freilich dafür zu sprechen, dass dieser Artikel mög- 
licherweise eine bloose Umarbeitung des Art. Kß 267 (b. Bisch. 262) ist. 



Die polnische Reeension der Magdeburger Urtbeile. 253 

Art. Ky 9. 

Von fordeninge morgengobe. 

Fordirt eyn man morgengobe adir andir fchult, vnd fpricht: is ift 
befchrebin yn der scbeppin regifter, das yenir fchuldig were, ynd der cleger 
lipte keynen geczewg, vnd der antworter fpricht: ich habe is vorricht, das 
wü ich beweyfin mit den richtlevtin, welcher no nehir ift, das za behaldin ? 
Hy[r]nf eyn r[echt] : Der antwortir zal is beweifin uf den heiiigin zalbdritte 
mit feynen vorrichtlevtin. 

Art. Ky \\, 

Von vorczyunge der eyde. 

Ap eynem manne eyde geteylt werdin , vnd her nicht eynen vor- 
fprechin bette ^ der ym hülfe von den eydin, der mag wol habin dy vrift 
xiii tage von r[ echte]. 

Art. Ky 12. 

Von meyueydir, ap dy andirweit gefwerin mogin ? 

Wirt eyn meyneyder flecht beclait vnd her fpricht flechter: neyn, 
dovor mag her gerecht werdin, ap her tarvor gotes vurchte. 

Art. Ky 17. 

Von wergelde kanipferti<rftr wundin, dy do lemden brengin eynis 

ganczin armis. 

Foyt und scbeppin des obirften rechtes czu Crocaw af dem hawze.^ 
Libin frunde, ewir froge habe wir wol vornomen vm wergelt, waz daz fey 
adir wy vil daz mache. Hyruf fpreche wir eyn recht, das dy bürgen deme 
manne vor feyne lembde fallin gebin eyn halb wergelt, daz feynt v marg 
gemeyner moncze, dy do genge vnd gebe ift ym lande, vnd deme richter 
feyn hochftis gewette, daz do folgit noch deme wergelde, daz feynt xxx fchil- 
linge gemeyner moncze, vnd dy bürgen fynt domete frey. 

Art. Ky 18. 

Von morgengobe. 

Clayt eyn weip morgengobe noch totir hant, dy mag ze behaldin 
zalbfebinde adir mit erys eynis hant mer, wen yenir dovor möge gerichten. 
Morgengabe zal man beczalin aws des mannys gute alzo ferre, alzo das 
gut wendit. 



^ Ich mache auf diese Formel noch ganz besonders aufmerksam. 



254 Ka}n2niac1ci 

Art. Ky 33. 

Von der gerade, was dorczn gehoryt vnd wy man ze czeugin zal 

von rechte? 

Fojt und scheppin des obirsten dencyin rechtes czu Cracaw nf deme 
hawfe.i Libin frunde, uf ewir vroge gebe wir euch eyn recht: Sintderczeit 
wir dem manne gefprochin habin dy gerade vnd dj her mit leuten bewjsy-- 
fit hat ane eyde, vnd der wedirsacher ze nicht nedirlegin wil ane eyde, ap 
her vn» vnd euch vnd deme clegir nicht buffin fülle? Auch frogit ir, was 
dy gerade fey? So fpreche wir czum rechte, das der clegir fweren zal uf 
den heiligin mit czwen erbarn mannen, dy nicht feyne broteiXin feyn, was 
der gerade do geweft ift, vnd fullin ze benennen, vnd was her denne nicht 
gebit, so wirt her bussewirdig. Zo gehorit yn dy gerade :' Silberinne 
tryncvas, loffil vnd alle fchaf, bette, pfol, leilaehin, koffin, fperlach, 
banclach, vorhenge, tyschlach, tepte, kultern, deckin vnd alle weipliche 
cleidir, tockin, gebende, schreyn vnd caftin, do dy vrawen ere gerete ynne 
befliffon, becken, hantfas, leuchtgarn, flachs, brewphannen, dy man awa 
dem hawze vermitit, buchir, dy czu gotes dinfte gehören vnd frawen 
phlegin zu ledn, vnd ein waschkemi, Tpygil, scheren vnd dergleich man- 
chirley, des dy vrawen phlegin czu gebruchin. Von rechtis weg^n. 

Art. Ky 111. 
Von ofgobe der gerade, ap dy bunt habe vor gehegtim dinge? 

Qebit eyne vrawe ere gerade wog adir andir gut vor gehegtim dinge 
mit aurnomunge, das ze des eyne vrawe wil feyn, dyweilo zo lebe, reichit 
ze des gutis icht aus ere gowere, do bleibit alzo; zuft gofchit das nicht, zo 
ift dy ofgobe machtelos, js were denne der orbegelob wille. 

Art. Ky 115. 

Do perfonis, in ciuitatibus manliiones habentibus.' 

Notandum, tantum tria funt genera perfonarum manfiones in ciuitati- 
bus habencia, quod libore federe dinofcuntur: primo, horedes; 2*^ doctores 
in modicinis; Z^ notarij ciuitatis, et hoc inter seculares. 



» Vgl. S. 258, Anm. 1. 

^ Die ganze nachfolgende Stelle ist allerdings auch in O und den übrigen 
mit O nächstverwandten Texten enthalten, aber nicht in diesem Zu- 
sammenhange. 

3 Die Rubrik ist von mir selber aus dem Sinne des Artikels hinzugefügt. 



Die polnische Recension der Mafdebnrger Urtbeile. 255 

Art Ky 133. 

Von ynnerunge, ap man dy tan zal? 

Czu ynnemnge mag man nymande getwingen, wen yn Ailchir weyfe, 
ap eyn clegir clayt gelt vor gerichte, das ys ym feyn vatir adir frunt, des 
erbe her genomen hat, fchuldig blebin ift vnd tote hant yn der clage be- 
numpt, der mus en ynnern falbfebinde uf den heiligin von ftadin m. i. in 
eodem jndicio. Wil abir der fchuldiger dovor richten, das tut her falbfe- 
binde vnd hat dorczu den lengiften lag. 

Art. Ky 139. 

Ap man von x marc eynejerigis czinfis mag genemen?^ 

Cenfum emere uel vendere fub condicione reemendi credimas tunc 
effe licitum, quando habentur ifte condiciones: primo, quod emitur fub re, 
que poteft conmnniri vfu tarn vtUi, ficut cenfus datur, verbi gratia: fub 
agro, domo, orto, ciuitate ucl villa, aliquando tamen prefumitnr de fraude, 
quod vendantnr et ementur; secundo, T\ per illam empcionem onera acci- 
piuntur, ins accipiendi talem cenfum (folgen einige schwer lesbare Worte); 
tercio, fi pro tanto precio emitur, quanto communi eftimacione uel vfu 
faominum cenfus huiufmodi valere prefumitnr; quarto, fi emens fofcipit in 
fe per nullum rei ficque quod valeat dampnum, (i unus inde proueniet vel 
reftauret, fi res deftructa fuerit uel in toto uel fecundum ratum; quinto, fi 
hiiiusmodi contractus bona fide factus fuerit et fine fraude uel dolo. 

Art. Ky 156. 

Von morgengobe brechunge. 

Hat eyn man dy morgengobe feynem weihe vor gehegtim dinge 
nicht gegcbin, zo mogin dy kinder dovor fweren mit erys eynis haut, adir, 
zal dy vrawe dy morgengobe behaldin, das tut ze mit eryr eynis hant. 

Art. Ky 159. 

Ap man brife brechen mögen? 

Der richter vnd dy scheppin, dy den brif han gegebin, füllen wel- 
lin , dy fweren uf den heyligen, das ze des brifis nicht gegebin 

habin, zo ift her machtlos; ndir fprechin ze, ze gedechtin des briffis nicht, 
adir dy zachen weren nicht alzo, zo mogin ze den brif nicht gebrechin. 

1 Auch diese Rubrik ist von mir selber nach der Rubrik eines analogen 
Artikels hinzugefügt, während im Codex blos: iUna de eodem steht. 



2r>l> Kilainiirki. 

Art. A'y 160. 

Von blutrunfto yn uotwcre. 

GoKohit hhitrunfte yii iiotwere vudankiH, zo bleibit her ane fchadin, 
Ap lif'r dAfl cieiiirit rAlbrehiiHlfn. 

Art. Ky 167. 

Von anofertiger wäre. 

Wirt vmant «lomete begriffen, den [kaii| mau wol von dem roarcte 
trt^rbin: adir hat her ymaude vor g^te war globit, dan zal her haldin adir 
r«>rMichin vnd vorfellit mit dorne ni(;ht me, J8 were denne vorbotin bey der 
llat wilkor. 

Art. Ky 168. Ende.i 

Von anefproche eyne« pherdi». 

. . . Auch fpricht her, her habe j% gekauft uf deme freyen markte 
mit wifTe leutko6fl<mte da« csu beweifin vnd her wiffe feynen werman nicht, 
wo CSU fachin, so vorleinfit her feyn gelt vnd der clegir nympt das phert, 
ap her fich dorcau cxy mit rechte. 

Art. Ky 169. 

Item de eodem.* 

Wirt eyn man nfgehahlin mit pfenlin, kompt ym ymant noch per 3' 
dien, so zal man on czu bürgen gebin; geftet her dorikoch czu dreyn dingen 
ane anfproche, xo ift her vrey vnd feyne bürgen vnd darf nicht fejrnen wer- 
man geftellin. Auch nymant mag feynen fchuldiger ufhaldin adir pfendin 
ane de» richters adir des vnmebotis hülfe. 

Art. Ky 172. 

Ap eynir fe\nie clage mit deme eyde beweifin fülle? 

Olait eyn m.in flechte fchaltwort adir glnWe, zo mos ym der antwortir 
ya adir neyn fprechin vnd darf dy clage nicht mit deme eyde bewem. 



Der Anfang dieses Artikeln ist bekanntlich (vgl. diejtbezflglich Tab. III) 
mit O 2.^7 übereinstimmend, wurde daher nicht zum Abdruck gebracht. 
• Vgl die^ibezüglich auch ^,{ :^5 (hei RiM^hotr :!<Ni. 



Di* rslniieh* RmhuIub in lf(|J<liiirf«i nrtk*ll4. 207 

Art. A> 175. 

Von »nefklle. 

Slorba ejn man vnd \iCS« kinder e;ni* adir dref, vnd der kinder eynii 
rtorbe Darb deme vatir tdiI UfTe anch kinder, dyfelbin kinder vortretin Jr 
eldir Rat, vnd nemen gleich teil mit den erftin, ap ere eldirn vor nicht 
weren ab^fnndirt. 

Art. Ky 177. 

Von n%obe. 

Gibt eyn woip erem wIrte Tor gehegtim dinfe ir gut uf vnd kenft 
en CEU eyme vormunde mit aalnemnnge, ap her ir rtorbe. dai is wedir an 
ze kamen zulde. vnd entphet der man alio d; gäbe, co mag daa njmant 

wedirrprechin noch Tejine tode. 

Art. Ky 185. 
Von aneOil vnd teylnnge.' 

Stirbt eyn man an erbenamen vnd hat eynen lochtirion, *der nympt 
billicher des eldirvatir erbe, wen der richter, ap her ym ebinbortig ift, adir 
der richter njmpt fejn hergewete. — Hat auch der lon eyn weyp genomen 
bey des vatirs lebin vnd ftirbit her TngeteJlit von Tejoii vatira gute, so 
nemen desfelbin zonis kinder erja eldir vatira gut, vnd nicht der tochter 
kinder. Hat abir der eldir vMir reynen zon abageteilit , zo Tynt des zonis 
kinder vnd der tochter kinder gleich noe des eldirvatira erbe vnd gut czu 
nemen. Czq der eldirmatir erbe fynt des lonia kinder vnd tochtir kinder 
gleich czn nemen. — LilTe eyne vrawe eynen zon, eyne rechte fweftir vnd 
eja tochterkint, der zon nymp[t] das erbe, der vrawen Tneftir dy gerade 
vnd ir tochtirkint nichfnichL — Ap eyn man ftorbe vnd liTTe eynen eldir- 
vatir [vnd] eldirmntir, ya fej von valirhalbe adir von mutirhalbe, vnd lilTe 
och reynes vattr brudir vnd mutir bmdir , dy nemen alle gleich des totin 
■nannya erbe. 

Art. Ky 186. 
Von folleyft.' 

Wo folleirt gerchit vnd doch nicht Tchade, daz mudln dy folleirtir 
d«m clegir bvrfm icilicher xii fchilUnge vnd deme richter feyn gewette; 

< Unter dieser Rubrik sind offenbar, wie dies aus dem Wortlaute des 
betreffenden Artikels hervorgeht, die SchluassXtze mehrerer, dem Inhalte 
nach verwandter Seh Offen briefe zu einem Oaozan verbunden. 

* Auch von diesem Artikel scheint duaelbe in gelten, was ich vom 
Art. Kj- 186 gesagt habe. 

r. 4. pUI.-hiaL Cl. CIL M. I. HtL IT 



258 



KatnSniacki. 



leuknit her des, das ftet czu erer eynis hant. Gesohlt abir kampirfchade 
adir totflag kampirwanden, das ift halbdritte. Tete abir eine mwe adir 
mayt totflag kampirwunde adir lemde, ze en[t]get mit erys eynis hant afirj 
halbdritte mit mannen. 

Von einer gewissen Bedeutung flii' die Geschichte 
Schöffensprüche und ihrer Sammlungen sind in dem 
bezogenen Texte übrigens auch die Zusätze zu den eil 
Artikeln, die in dieser Weise wie hier weder in der 
nischen Recension, noch in den anderen nächst verwand 
Sammlungen vorkommen und daher ebenfalls verdienen, 
getheilt zu werden. Es sind dies folgende: 

Im Art. Ky 35 (Mitte). 

. . . Auch gibt der Vormunde icht weg von der kinder wegia 
jowort, und se das vorfweigin jor vnd tag, so mogin se her noch 
gewerdin. 

Im Art. Ky 58 (Ende). 

. . . Auch mag man ys (d. i. das versetzte Gut) ufibiten czu 
dingen und ym firden vorkeufin. 



Im Art. Ky 98 (Ende). 

. . . Vr)rfachit her, fo mag her unfchuldig werdin. Von rechte. 

Im Art. Ky 109 (Ende). 

. . . Ap dy folge der andern fchepin nicht dorczu komen ift, 
stadman zal eynir orteil fcheldin; fweigit her abir das, zo mag hers 
uochmols nicht wedirfprechin. Auch legit der fcheldir feyn orteilg^t 
bynnen firczen tagen, zo wirt her fellig alvmme vnd vmme. Geschit 
yn des hofrichters ding, zo bvffit her och xxx fchillinge vnd deme bttif" 
refin iii pf&nt. 

Im Art. Ky 148 (Ende). 

. . . Auch zal man orteilbriffe nicht andirs ufbrechin, wen yn g* 
hegtim dinge. 

Im Art. Ky 154 (Ende). 

. . . Worde dornoch der man begriffen yn der echte, zo mu« ^' 
clegir dy ochte beczeugin vnd och dy tat falbfebinde. 



Di« polnitcbft Recension der Magdeburger ürtheile. 



259 



2. Der Opatow'sohe Text Nr. 2. 

as Verhältniss , das zwischen dem Opatow*schen Texte 
md Op I besteht 7 lässt sich am besten durch die hier 
e Tabelle veranschaulichen: 

Tabelle IV. 




Mit Hilfe dieser Tabelle ersieht man also, dass zwischen 
i und Op /, soweit eben Inhalt und Artikelfolge in Be- 
t kommen, thatsächlich nur folgende Unterschiede bestehen : 



17 



260 Kalniniacirl. 

1. Ist dasjenige, was in Op I einen Artikel ausmacht, in 
Op II stellenweise in zwei, auch drei Artikel aufgelöst und um- 
gekehrt; 2. ist der Artikel Op I 23 m Op II ganz fortge- 
lassen: 3. ist der Artikel Op I 81 in Op II um sieben Artikel 
vorgeschoben, so dass er in Op II nicht als Artikel 89, sondern 
als Artikel 82 erscheint. Noch geringfügiger sind aber die 
Unterschiede, die zwischen Op II und Op I in Bezug auf den 
Wortlaut bestehen. Da haben wir weder irgendwelche Extra- 
vaganten, noch irgendwelche Kürzungen oder grössere Aus- 
lassungen, sondern einzig und allein Varianten zu verzeichnen, 
die sich theils aus der Incorrectheit der einschlägigen Vorlage, 
theils aus der Unwissenheit des Abschreibers erklären und als 
solche auf die Zugehörigkeit des fraglichen Textes absolut 
keinen Einfluss haben. Man kann daher, wie dies ja im All- 
gemeinen auch schon von Anderen gethan wurde, den Opatow- 
schen Text Nr. 2 als eine Abschrift derselben Sammlung be- 
zeichnen, welcher wir in Op I begegnen, nur dass sie um einen 
Artikel ärmer und in Bezug auf den Wortlaut etwas fehler- 
hafter ist als diese. Und hiedurch ist zugleich auch das Ver- 
hältniss gekennzeichnet, in dem sich Op II zu der polnischen 
Keccnsion befindet. 

3. Der Dziatyriski'sche Text. 

Der Dzialynski'sche Text enthält, strenge genommen, drei 
Bestandtheile : a) ein Stück einer lateinischen üebersetzung 
eines ausführlichen Textes der Magdeburger Urtheile; h) ein 
aus 23 Artikeln bestehendes Fragment des uns bereits aus 
Op I und Op II bekannten kürzeren Textes dieser Urtheile; 
c) ein aus 10 Artikeln bestehendes Fragment des Lübecker 
Rechtes. Dass diese Vereinigung dreier, ziemlich lose zu- 
sammenhängender Bestandtheile eine rein zufällige ist, braucht 
wohl nur erwähnt zu werden. Dem Schreiber des Textes lag 
offenbar eine Handschrift zur Verfolgung, in der aus uns weiter 
nicht bekannten Beweggründen von den soeben bezeichneten 
drei Bestandthcilen lauter Bruchstücke vorhanden waren, die 
von dem Schreiber so, wie er sie vorfand, auch abgeschrieben 
wurden. Auf diese Weise ist ein Text zu Stande gekommen, 
der eigentlich gar nichts Einheitliches bietet und, um besprochen 



[ 



I 



Dil polniuhi BwHil«a Ui ll*«4«tiirt«i Ditkill«. 2t)l 

BU werden, wieder in seine Bestanätheile getrennt werden inusa. 
Ich beginne mit dem ersten Bestandtheil. 

Kücksiclitlich des sub a) erwähnten Bestandtheilcs liegt 
uns bis jetzt nur eine einzige Anäicht vor. Dieselbe ist von 
M. Bobi'zyiiski in der Einleitnng zu dem von ihm besorgten 
homographischen Abdmuk diese» Textes geäussert und lautet 
dahin , dass das in diesem Texte als erstes Stück enthaltene 
Fragment eine Uebersetzung sei, welche die ersten 26 Artikel 
der in Kß (nach Bobrzyiiaki Cr t) entlmltenen deutschen Re- 
daction der Magdeburger Urtheile, wie nicht minder die Artikel 
33, HS, 119' und Vä'i derselben Redaction lateinisch repro- 
ducire. Freilich kann BobrzyÄski nicht umhin, bei dieser Ge- 
legenheit die Bemerkung zu machen, dass diese Reproduction 
eigenthümlicher Weise auch solche historische Daten biete, die 
in den einschlägigen deutschen Texten nicht vorhanden sind. 
Und an einer andern Stelle sagt er: .Diese 30 Artikel sind 
das Bruchstück einer lateinischen Uebersetzung der ersten 
Redaction , wie wir einer solchen (er meint hier die üeber- 
setzung) in keinem anderen Codex begegnen.' 

Ich muss niui gestehen, dass mir diese Aeusserungen des 
verehrten Gelehrten ziemlich unfassbar vorkommen. .So wdt 
ich die Literatur der mittelalterlichen Uebersetzungen kenne, 
weiss ich wohl, dase es im Mittelalter auch solche Ueber- 
setEungen gab, die in Bezug auf Stil und sonstige Aeusserlich- 
Leiten eicli gegen ihre Vorlagen mitunter auch etwas freier 
verhielten: aber Uebersetzungen, die positive, in ihren Vorlagen 
nicht vorhandene hislorische Daten böten, oder die den Wort- 
laut ihrer Vorlagen in einer Weise verliesscn, wie es in dem 
hier vorliegenden Texte vergleichsweise zu den Texten der 
ersten Redaction thatsächlich der Fall ist, sind mir bis jetzt 
nicht vorgekommen, wftren auch keine Uebersetzungen, sondern 
förmliche Umarbeitungen oder, was dasselbe ist, besondere Re- 
dactionen. Aus diesem Grunde meine ich denn auch, dass 
jUrir es hier nicht mit einer mehr oder minder freien Ueber- 
,Dg der von Bobrzyi^ski, Brückner und mir als die erste 

' Hiemil aei Idi kuraon W^e «ugleicb aiiuli ein kleiner Fehler beriubligt, 
dessen sicli sowuhl BolirK^iUki aU auch BrQckTier t,\\ Sohuldea kommen 
lamen, iniUm ne stnltt K? \\% und ItS = Ku IST und lä8 irrthUm^ 
lieher Weiiifi: K? 119 nnci r20 = Ka 128 nnd l^'J aetieii, 



262 



K»lainiacki. 



Rcdaction bezeichneten Sammlung der Magdeburger Urtheile 
zu thun haben^ sondern dass der in D I als erstes Stück ent- 
haltene lateinische Text eine Vorlage (es war selbstverständ- 
lich eine deutsche) voraussetzt, die im Vergleich zu den Texten 
der ersten, wie nicht minder zu denen der übrigen uns be- 
kannton Redactionen als eine besondere Redaction angesehen 
werden muss. Als die charakteristischen Merkmale dieser be- 
sonderen Redaction erscheinen aber, wenn wir Alles in Allem 
zusammenfassen, speciell folgende Momente: 1. der Wortlaut; 
2. die in Art. 1, 14 und zum Theile auch in Art. 26 dieses 
Textes vorhandenen historischen Daten; 3. der Art. 5 dieses 
Textes. Wohl könnte man zu den charakteristischen Merk- 
malen des in Rede stehenden Textes auch noch den Umstand 
rechnen, dass die Artikel 2 — 4 dieses Textes in den Texten 
der ersten Redaction erat viel später vorkommen, allein ich 
will diesem letzteren Umstände ebenso, wie der ziemlich eigen- 
thümlichen Zusammenziehung des Artikels 1 dieses Textes, um 
nicht gar zu haarspalterisch zu erscheinen, kein weiteres Ge- 
wicht beilegen. Anstatt dessen möchte ich aber, um die Rich- 
tigkeit meiner Behauptung um so einleuchtender zu machen, 
die Artikel 1, 6, 26 und 30 des in J5 / als erstes Stück ent- 
haltenen lateinischen Textes sammt den ihnen correspondiren- 
den Artikeln der polnischen Redaction und des Torosiewicz- 
öclien Textes, als des mir im Augenblick zu Gebote stehenden 
Repräsentanten der ersten Redaction, hier wörtlich mittheilen. 
Den polnischen Text ersetzt selbstverständlich auch hier eine 
möglichst wortgetreue neuhochdeutsche Reproduction. 



Nach D I. 

Quidani cunciuis ciui- 
tatis Cracouienfis animo 
delyberato vxori ^ fue 
arngnauit coram amicis 
et iion coram bannito 
judicio C marcas monete 
Pragenfi« nomine dotis 
poft mortem fuam in 
Omnibus bonis fuis et 



Art. Dil. 

Nach 0. 

Freundlichen Gruss 
zuvor. Liebe Freunde, 
ilir habt uns um Recht 
gefragt in diesen Wor- 
ten: Wenn ein Mann 
eine Frau nimmt und 
dieser seiner Frau auf 
seiner fahrenden Habe 
100 Mark mehr oder 



Nach T. 

Frfintlichen grus mit 
ftetim dinfte czuvor. 
Erfamen Üben berren 
vnd bfundere gunnere. 
Ir babit vns govroget 
rechtis in defin worten: 
Wenne eyn man ift, der 
de nympt eyn elichweyp 
czu der ee Tnd der an 



Im homographischen Abdruck steht: vxore. 



^^^^^^^^^^Di^!ln5rt^Ie«IlI^lMr35fcB5i 


S^ i'ö3 


H Siu-h D I- 


NwiO, 


N«:L I. 


fignsDler in banii mu- 


minder aunerlialb das 


feyme vamde gute mor- 


bilibtw. Quo faclo, pre- 


Gerichtes als Morgen- 




fatna cunciui» , relicto 


gabe verroacbt, und die- 


mynnir adir mir, fiindir 


fr&tre loa getmano fiue 


ser Mann »Eirbt und 


gerichto, viid der man 


electo tulore, spiriHi vi- 


Schulden nach sich lüsst 


rtirpt vnd leffet ouch 


Uli aft eiDtue, relicta 


audKinder, die nicht die 


fchult noch jm, dy lier 


vxore Ol pneris fuis et- 


Jahre haben, und einen 


gemacht bot, vnd lefret 


cBt. jn 6t4te puerali,' 


Bruder oder Schwager 


ouch feyn elich weyp 


Relicta prefata, fpreto 


oder einen anderen An- 


vnd vnmnndige kynder 


fwtu Aio viduali. se- 


gehörigen oder Vrirm und. 


mit ir vnd leffet onch 


cnniio marito eititit ma- 


und dieses todteu Man- 


feyn brudir adir fiveftir 


trimonialiter copulala. 


nes Frau eineu anderen 


möge abir gekorn vor- 


Et idem marilua nomi- 


Mann nimmt , dieser 


mnnde, vnd des totin 


ne Txoris repetit dotem 


Mann von diesem Vor- 


mannU weyp njmpt 


Tiorifl a tutore orpba- 


mund ihre MorgODgsbe 


eynen andern man czu 


namm, Hie a^alo Hue 


fordert, die il.r der todte 


der ee, der man vordert 


electo, coram bniiiiito 


Mann vermacht hat und 


an feyn er frawen ftat 


jiidicio. Tutor autem ad 


schuldig geblieben ist, 


von der kynder Vor- 


obiectB dicit^ Domine 


dieser Vormund spricht: 


munde der frawen m(.r- 


judei. conftal mihi, tu- 


icb weiss von dieser 


geugobe, dy ir de lote 


tori, qiind domine date 


Frau Morgengftbe und 


man fchuldig blebin ift, 


funt C maree racione 


*on dieser Sohuld und 


der Vormunde fpricht; 


dutU in bnnU mortui 


bekenne es vorGerichte, 


mir ift wol wiffentlich 


mol'ilibDs; eciam milii 


wie sich dies verhält. 


von der frawen morgen- 


conftal de inultia eredi- 


aber ich weies nicht, ob 


gobe und ouch von der 


tis, qae debent Miii de 


ich von rechtswegen 


fchult, des bekenne ich 


banii mortui retictin. 


diese Macht habe, ihr 


vor gerichte abir wo ich 


■od dubito, ex i[tio dos 




zai, abir ich weys uiclit. 


Ki^ conm indieio ban- 


Iten von der Habe dieser 


ap ich macht habe von 


^Hio Don extitit roburata 


Kinder, xumal ihr die 


•rächte*, dy morgen- 


^Hinftnipta, vtrum de- 


Morgengabe nicht vor 


gobe c«n goben von der 


^HLm ipfam dotem fol- 


Gericht überreicht wur- 


kynder gute, fynl da« 


^Bm, cum pneris Ibb 


de und auch die Kinder 


fe vor gerichte nicht ge- 


^^&ret ipforniD iiira- 


das Urtheil haben, dass 


gobit ift vnd ouch dy 


^^^nio enadere fuluciii- 


sie niÜier sind, da«u eu 


kynder daa orteil haben, 


^Ki dotii, c)ue coram 


kommen, wenu nie mit 


das fe nehir dorou dor- 


^Hkoin tiou eß facU [et] 


ihrer einer Hand schwu- 




^Hu«(tiita; ei^iam puuri 


ren, doss ihr Vater ihrer 


myt»eris*eyniabanl,dfta 


^K [habeiitj etatem ad' 


Mutter keine Moi^en- 


ir fatir eren muter nicht 


^^■ilfilenda iiel neganda 


gabe gegeben hat, und 




^Htoniadebita: reqoira- 


auch die Kinder nicht 


ouch dy kinder nicht 


^Hb- in inr8,domine inJei, 


die Jahre haben, die 


mundig fynt eres valirs 


Ttrom Hp),tiitor,iIebeBm 


Schuld ihres Vaters lu 


fchult CSU bekennen adir 
/ hat. puirU. 


1 Nacb dem Priemy«!« 


^_ 1 Im liomograpliLflclien 


Abdruck steht irrlhUmlicb 


: ei. 









264 



K»}aiiii»cki. 



Nach DL 

nomine orphanornm fol- 
uere dotem prefcrip- 
tam fine contradiccione 
puerorum. 



Kos scabini de Meyd- 
borg taliter refponde- 
mos: Quando tntor pu- 
pillaris, Hue ßt agnatus 
ßue electus, officium tu- 
tele juridice fuerit adep- 
tas in bonis orphanornm, 
tnnc plenam habet facul- 
tatem credita mortui re- 
petere et debita foluere 
nomine pupillari. De 
quibus autem debiÜB 
ipfi non conftat tutori, 
poteft negatine euadere 
uel contra fe probacio- 
nem admitere legitimam. 
Et ex quo tutori conftat 
de dote, ipfi femine data 
et facta, tunc debet eam 
foluere cum bonis mo- 
bilibus , hereditate or- 
phanorum intacta, folu- 
tisprius Omnibus debitis. 



Nach 0. 

bekennen oder zu leug- 
nen, — ob nun der Vor- 
mund die Macht und 
die Pflicht hat, diese 
Morgengabe an der Kin- 
der Statt zu geben nach 
Rechte? 

Hierauf sprechen wir 
Schöffen von Magdeburg 
ein Recht: Wenn der 
Vormund sich von Rech- 
te der Kinder annimmt, 
die nicht die Jahre 
haben, alsdann hat er 
die Macht, die Schulden 
zu fordern und zu zahlen 
in aller Weise, als die 
Kinder thun konnten, 
wenn sie die Jahre hät- 
ten. Deshalb kann der 
Vormund die Schulden 
zahlen, von denen er 
weiss , aus der Habe 
dieser Kinder, und von 
denen er nicht weiss, 
kann er sich erinnern 
lassen oder ihretwegen 
einen Eid thun nach 
Rechte. Ist nun von 
dieser Schuld dem Vor- 
munde bekannt , und 
wird er in Betreff ihrer 
erinnert , so muss er 
diese Schuld zahlen und 
dieser Frau die Morgen- 
gabe an der beweglichen 
Habe, falls sie so weit 
reicht, als ihr jener an 
Morgengabe vermacht 
hat. 



Ferner habt ihr uns 
noch gefragt um Recht: 
Falls diese bewegliche 
Habe nicht ausreichte, 






Nidi 7. 

Torfaehin, — apnolvi 
kinder Yonnande' 
habe, czn gebin 
nicht dy mor^ngobei 
der kinder ftat? 



Hyroff fo fprech«) 

scheppen der (tat 

denburg ejn 

Wenne eyn vormi 

fich nach rechte 

mu[n]diger kindsr 

dirwindet, zo bot 

macht czu vordem 

czu geldin fchuM 

allir weyfe, alzdyl 

tuhen mochten glc 

ap fe mundig 

Hirvmme fo mag 

gebin vnd fchuld 

dy her wys, von 

kinder gute , dy 

[abir] nicht wis, 

mag her fich lofTen 

nern noch deme 

adir mag dorvor 

t&n. Ift no dem 

munde wiffentlich, 

der kinder vater fc 

dig blebin ift vnd donoR 

me gemanet wirt, 4) 

fchulde mus her geldfli 

vnd der frawen ere mof 

gengobe von dem vanli 

gute gebin, ap is fo ti 

ift noch dem mole, dai i 

dem Vormunden wiffen) 

lieh ift, daz fe ir ntf 

dorau gegobit hatte. Yc 

rechtis wegen. 

Fort mir fo habit [ 
rechtis gevrogit in dei 
Worten: Ap dy varn 
habe zo verre noch 



Die polnische Kecension der Magdeburger Urtheil«. 



266 



Nach D 1. 



Item propter doteni 
femine hereditas puero- , 
rum non debet vendi, ' 
sed, fi iDortuus contraxit ! 
aliqua debita et nun 
habenturvndefolui, tunc 
legitimus agnacione tu- 
tor poteft vendere here- 
ditaria bona et foluere 
debita. 8i autem tutor 
eft electu.s et non ag- 
natus, tunc non poteft 
faereditaria bona ven- 
dere , nili de confenfu 
amicorum, et tunc bu- 
lufmodi folucio poffet 
defenj afque ad etatem 
puerorum orphanorum 
legitimam. 



Nach 0. 

ob der Vormand die 
stehende Habe dieser 
Kinder verkaufen kann, 
obschon sie dagegen 
sprechen würden, um da- 
von diese Morgeng^be zu 
zahlen und die übrigen 
Schulden. Auch ob der 
Vormund die Schuldner 
des Todten mit Recht 
n()thigen kann, dass sie 
ihm vor Gericht antwor- 
ten und die Schulden 
zahlen an der Statt der 
Kinder, deren Vormund 
er ist, und ob sie dem 
Vormunde Eide leisten 
sollen, oder ob sich Alles 
das verziehen mag so 
lange, bis die Kinder 
zu den Jahren gekom- 
men sind, oder wa» Recht 
ist? 

Hierauf sprechen wir 
Schöffen von Magdeburg 
einKeclit: Der Vormund 
darf und kann nicht 
wegen der Morgengabe, 
die ihr jeuer auf der 
bewegliclien Habe ver- 
machte, die unbeweg- 
liche Habe der Kinder 
verkaufen. Ist aber der 
Vater dieser Kinder ge- 
wisse Schulden schuldig 
geblieben , von denen 
der Vormund weiss, oder 
in Betreff derer er ge- 
richtlich erinnert wird, 
alsdann kann er, falls 
keine näheren Angehöri- 
gen sind als er, wegen 
dieser Schulden diese 
Habe verkaufen. Sind 
aber nähere Angehörige, 



Nach T. 

lange nicht werte do, 
ap der Vormunde der 

• 

kinder erbe dorvmme 
vorkawffen möge an 
wedirfprocht vnd ap der 
Vormunde dy fchuldiger, 
dy dem toten manne 
fchuldig blebin fynt, czu 
antwort getwyngen möge 
an der kinder ftat, dy 
fchuld czu gelden, adir 
ap fe dem Vormunde 
douor eyde leyften [fol- 
len] adir muffen an der 
kinder ftat, adir ap fich 
das allis vorczyen möge 
fo lange, bis dy kynder 
mundig werden, adir was 
recht fey? 



Hyruff fpreche wir 
scheppen der stat Mey- 
deburg eyn recht: Dorch 
der morgengobe wille, 
dyerirau feyme rornde 
Gute gegebin hatte, darff 
der kynder Vormunde 
ftanderbe nicht vorkowf- 
hn. Ift abir anders der 
kinder vatir redeliche 
fchuld fchuldig blebin, 
dy der Vormunde weys 
adir nach deme rechte 
geynnert [wirt] dorvm- 
me , fo mag her der 
kindererbe *vQrkawfen 
vnd gelden, ap her der 
kinder* nefte erbename 
ift. Sint do abir neher 
erbenamen, das ift erbe- 
gelopp, fo mag her an 
der kinder wille ftand 



266 



Kalniniacki. 



Nach D I. 



Quidam ciuitatis no- 
ftre conincola extitit in 
litte et congreffa wlne- 
ratus a quodam fuo vi- 
cino, et idem affeniit 
wlnus effe inflictum mo- 
nomachale. Pars autem 
aduerfa non voluit ac- 
tori afrentiri wlnus effe 
duellare. Modo queritur, 
ad quem fpectant, ut 
ipfaconfpiciantur, utrum 
judex uel fcabini? 

Judex tenetur wlnera 
confpicere et exiftimare ; 
vbi autem funt in ciui- 
[tatijbus cinirgici jurati, 
tales aftringuntur ad wl- 
nera confpicienda et exi- 
rtimanda , utrum funt 
mortalia , mutilatoriu, 
monomachalia uel cru- 
enta. 



Nach O. 

alsdann kann er die ste- 
hende Habe ohne der 
Kinder Willen nicht 
verkaufen und sodann 
mag sich die Sache ver- 
ziehen bis zu den Jah- 
ren dieser Kinder. Von 
Rechte. 

Art. D I&. 

Ferner habt ihr uns 
gefragt , wer wunde 
Leute beschauen soll, 
der Richter, die Schöffen 
oder der Arzt, den Ver- 
wundeten zur Bekennt- 
niss , ob die Wunden 
schwer seien oder dem 
Tode nahe, oder nicht? 



Hierauf sprechen wir 
Schöffen von Magdebur^j 
ein Recht: Der Richter 
soll sie beschauen, diese 
Wunden, und vor Ge- 
richte sie schätzen, wie 
sie waren ; aber in Städ- 
ten, wo Wundärzte sind, 
gibt man sie diesen auf 
ihren Eid zu schätzen 
und vor dem Gerichte 
zu sagen , wie diese 
Wunden waren ; auch 
kann sie der Richter 
laut Beschau richten 
und Urthoil fragen nach 
Rechte. 



Art. D 1 26. 



Nach T, 

erbe nicht vorkawffin 
vnd fo mochte fich dy 
fache vorczyen von rech- 
tis wegen vnd anders 
nicht. 



Vort mir zo habit ir 
vns rechtis gefrogit vnd 
euch vnderweyfit defer 
vroge, wer wunde laute 
befehin fülle adir be- 
fchawen, der richter adir 
fcheppin adir der arczt, 
dem wunden manne czu 
bekenteniffe, ap is kam- 
phir wunden feyn adir 
nicht? 



Hyruff fpreche wir 
fcheppin der ftat Mey- 
denburg eyn recht: Der 
richter fal dy wundin 
vnd tot fleger (!) kysen 
vnd befehin ; abir in den 
fteten, do wunde erczte 
fint, dy leffet man off 
ere[n] eyd dorczu f weren, 
das fe dy wunden recht 
kyfin uff eren eyd ; auch 
befehin mochte deme 
der richter, auch richten 
vnd orteil *frogin* do- 
robir. Von rechtis wegen. 



Nach D I. 



Quidam nofter conciuis quofdam noftros 
dominos confules, qui erant miffi in lega- 



Nach 0. 

Vgl. das ein- 
schlägige 



Nach r. 

Vgl. oben- 
daselbst. 



Di« polnitche Reecntion det Magdeburger Urtheile. 



Nach 1) 1. 

blice, grauiter verbali contnmelia 
et pertarbauit coram poteftate 
t fignanter coram dignitarijs re- 
», et ibi impedit ipforam conci- 
tius ciuitatis negotium. Et hys 
ins, ipfos dominos confales ad 
ncitanit ac fua rebellione com- 
icorum contra confules congre- 
mata. Tunc ipH confales litti 
id pretorium funt ingrem cum 
lliarijs ciuitatis et publica con- 

concitauerunt omnes, qui effent 
lino regi et fenioribus ciuitatis, 
ra ad pretorium fe prefentarent 
m juris et jufticie injuriam et 
n confulum reluctari. Queritur, 
conciuis in premiffis et quolibet 
1 pati debeat, cum fe contra deum 

ipfis confulibus rebelliter oppo- 
LTta fuit prima queftio, que fuit 
*acouia Meydburgenfibus. 
tauit quis confules veftros verbis 
is, vel ad confiliandum incitauit, 
ita invafit, dum ipfi confules in 
runt miffi legacione, si hoc fecisse 
vel de premiffis jnre convincatur, 
cuilibet confulum foluere emen- 
:)lidorum. Eeiam poffunt eundem 
ij confales pro buiufmodi illata 
ufamia, quod ipfis omnibu« fecit 
tum. Si hoc fateatur, teiiebitur 
X folidos emenda et judici tot 
t emendas ipfis confulibus re- 
item premiffa negauerit, fe jure 

expurgare tenebitur. Item, [si]^ 
ines ciues couuocacione publica 
m vocari fecenint in fubfidium 
cunque tunc non venit ad ipfo- 
ta, XXXVI solidos confulibus re- 

omnes complices adverfarij, qui 
i contra confules confiderauerunt, 
ilibet XXXVI folidos componat. 



Nach 0. 

Excerpt auf 
S. 124—127 
dieser Ab- 
handlung. 



267 

Nach T. 



iiö Przemysler Text Nr. 2 ergänzt. 



268 



Ka^niniacki. 



Nach D I. 

Quidam nofter cooci- 
uis excedit contra con- 
tuXes , ipforum famam 
laadabilem dehoneftan- 
do, et pro hoc facto, non 
Valens fe iuftiiicare, de- 
dit fe confulibus et ci- 
uitati in graciam. Que- 
ritnr, quod fit cum tali 
afzrendum, uel qnod fit 
proinde pafTnrus? 



Quando fe aliquis con- 
fulibus (lue ciuitati dat 
pro aliquo exceffu in 
graciam, talis g^acia eft 
in confulum voluntate 
et poffunt eam augere 
uel minuere. Et fi eadem 
gracia reus confules eva- 
fit et illis ea boc dixif- 
fe nogauerit, poteft fuam 
expurgare inuocenciam 
[teftibus] uel fecundum 
jurif formam. 



Art. D 130, 

Nadi O. 

Ihr habt uns um Recht 
gefragt: Wenn sich ein 
Mann vor dem sitzen- 
den Rathe der Stadt auf 
Gnade übergeben hätte, 
was der verfallen sei, 
oder wie wir ihn rich- 
ten sollen? 



Nach T. 

Vort mir habit ir vns 
gefrogit rechtis alias der 
vorgefchrebin fachin in 
fulchin wortin : Eyn man 
hat fich in eyme sy- 
czende rate ♦ der ftat • 
in ere g^ode gegebin^ 
No bete wir euch^ das ir 
vns rechtis dorvmme vn- 
dirweyft vnd vorfchrey- 
bit, was eynir vm ful- 
che fache leyden folde, 
abir wy wir richtin fül- 
len in fulchen fachen, 
von rechtis wegin bethe 
wir vns entrichten. 

Hyruff fpreche wir 
fcheppiu der ftatMey den- 
burg eyn [recht] : Alle dy 
vorgenanten fachin adir 
ftucken mogit ir richten, 
alz fe vorgefchrebin feyn. 
Vnd bekennet her, das 
her Heb dem rate vnd der 
stat in gnode gegeben 
bot, dy gnede ftet an 
euch vnd ir mogit dy 
fachiu nymmiru abir 
mirn vnd des fo habit 
ir macht; bekennet her 
is nicht vnd ift her vor 
euch komeu, fo mag her 
is vnfchuldig werdin ufi 
den heyligin, als recht 
ift. Von rechtis wegin. 

Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich also, dass der 
in D I als erstes Stück vorhandene lateinische Text der Magde- 
burger Urtheile in der That keinesfalls eine blosse Ueber- 
Setzung der einschlägigen Stellen der ersten Kedaction dieser 
Urtheile ist, sondern dass er sich mit Evidenz auf eine deutsche 
Vorlage stützt, die im Vergleich zu den Texten der ersten 
Redaction und mittelbar auch im Vergleich zu den anderen uns 



Hierauf sprechen wir 
Sch()tfen von Magdeburg 
ein Recht: Bekennt Je- 
mand, dass er sich der 
Stadt auf Gnade Über- 
geben hat, dem kOnnt 
ihr die Busse vermin- 
dern oder erhohen, wie 
euer Wille ist; aber 
leugnet Jemand , dass 
er euer Büssling wäre, 
der kann unschuldig 
werden auf dem Kreuze 
nach Rechte. 



Die polnische Recension der MagdebnrKer ürthtile. 



269 



bekannten Redactionen als eine besondere Bearbeitung ange- 
sehen werden muss. Auf die Frage, ob nun diese von mir 
vorausgesetzte besondere Bearbeitung, beziehungsweise die dieser 
Bearbeitung entsprechende lateinische Uebersetzung etwas reich- 
haltiger gewesen ist, oder ob sie sich lediglich auf die m D I 
enthaltenen 30 Artikel beschränkte, vermag ich leider nichts 
Bestimmtes zu sagen. Zwar wäre, da auch zwei weitere Ab- 
schriften der lateinischen Reproduction dieses Textes nur jene 
30 Artikel enthalten, diese letztere Möglichkeit die wahrschein- 
Uchere, allein ich will dies vorläufig mit Sicherheit weder be- 
haupten noch verneinen. Freilich ist andererseits auch die 
Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass selbst dann, wenn sich 
die lateinische Reproduction in der That nur auf jene 30 Ar- 
tikel beschränkt hätte, die vorauszusetzende deutsche Vorlage, 
von der bis jetzt nicht die geringste Spur entdeckt wurde, 
eine viel grössere Anzahl von Artikeln enthalten hat. 

In Betreff des in D I als zweites Stück enthaltenen lateini- 
schen Textes wurde schon oben bemerkt, dass es nichts weiter 
ist als ein aus 23 Artikeln bestehendes Fragment des uns 
bereits aus Op I und Op II bekannten kürzeren Textes der 
Magdeburger Urtheile. Das gegenseitige Verhältniss dieser 
Abschriften zeigt folgende Tabelle: 

Tabelle V. 



DI(2) 




Op I 




OpII 


DI(2) 




OpI 




OpII 


1 




11 




13 


12 




24 




24 


2 




12 




14 


13 




25 




25 


3 


1 


13 


l 


15 


14 




26 




26 


14 


\ 


16 


15 




27 




27 


4 


1 


15 


1 


17 


16 




28 




28 


5 


16 


17 




29 




29 


6 




17 




18 


18 




30 




30 


7 




18 




19 


19 




31 




31 


8 
9 




19 
20 




20 
21 


20 
21 


{ 


32 


■ 


32 


10 
11 




21 
22 




22 
23 


22 
23 


f 
\ 


33 


1 


33 


^"^ 




23 














'*^~" 



270 Katniniacki. 

Das in D I als drittes Stück enthaltene Fragment des 
Lübecker Rechtes schliesst sich genau an diejenige Redaction 
an, wie wir ihr als dem regelmässigen Bestandtheil der versio 
Vratislavensis in dem sogenannten Heinrichauer Codex, dann in 
den Handschriften der Krakauer Universitäts-Bibliothek Nr. 169 
und Nr. 170*,* sowie im Ossolinski'schen Codex Nr. 1643 be- 



^ Ueber diesen in der deutschen Literatur noch unbekannten und von 
Wislocki in seinem Catalogus Codd. Mss. höchst unkritisch beschrie- 
benen Codex will ich bemerkeu, dass er im 14., spätestens im 15. Jahr- 
hundert entstanden ist. Erhalten sind leider nur 158 Blätter in Folio, 
die sich folgendermassen vertheilen: Bl. 1* — 5^*: Register zu den 
darauffolgenden lateinischen Texten des sächsischen Land- and Lehen- 
rechtes. Bl. 6* — 53*: Die versio Vratislavensis des sächsischen Land- 
rechtes sammt dem Lübecker Rechte, das zwar auf Bl. 48** durch: 
Ilec enim funt iura de Lubek angezeigt wird, jedoch in fortlaufender 
Zählung als Art. 93 — 174 des sächsischen Landrechts fungirt. Bl. 54* 
bis 77^: Die uns aus Job. Laski bekannte und mit ihr fast ganz 
genau übereinstimmende lateinische Uebersetzung des sächsischen Lehen- 
rechtes. Bl. 80 — 87*: Ein die Capitel 6 ~ 18 umfassendes Bruch- 
stück des sächsischen Weichbildrechtes von der Form , wie es bei Da- 
niels vorkommt, im Vergleich zu dem es jedoch recht zahlreiche und 
stellenweise auch sehr auffallende Unterschiede bietet. Bl. 87* — 114*: 
Ein aus 166 Artikeln bestehender deutscher Text des sächsischen Land- 
rochts, der jedoch durch Ausfall zahlreicher Blätter lückenhaft ist 
Erhalten sind: aj die ersten neun Strophen des gereimten Prolog^ der 
sich ziemlich genau an die bei Daniels abgedruckte Form anschliesst; 
bj die Artikel 5 (Ende) — 52 (Anfang) und 139 (Ende) — 166. Bl. 114* 
bis 114^: ,Hy Ut von der werUe beginne bia an dife iarczal, do toir inme 
ßnt/ Mit dem bei Daniels abgedruckten Text verglichen, bietet diese 
Weltchronik sehr bedeutende und durchgreifende Varianten und reicht 
überhaupt nur bis Kaiser Otto. Bl. 114^ — 115»: Register zum ersten 
Thoil des auf Conrad von Oppeln zurUckgelienden Weichbildrechtes. 
Bl. 115*— 126*: Dieser erste Theil selbst, der aus 69 Artikeln besteht 
und im Vergleich zu den einschlägigen Stellen im Codex der Krakauer 
Universitätsbibliothek Nr. 168 und 169 sehr zahlreiche Abweichungen 
bietet, auch eine ganz andere Artikelfolge hat. Bl. 126*— 133*>: Register 
und Text des zweiten Theiles dieses Weichbildrechtes, welcher aus 
42 Artikeln besteht und im Vorgleich zu den einschlägigen Stellen in 
den soeben namhaft gemachten Handschriften ebenfalls sehr wesentliche 
Unterschiede bietet. Bl. 133''— 158'>: Register und Text des sächsischen 
Lehenrechtes, das ursprünglich aus 81 Artikeln bestand, von denen je- 
doch, da eine Anzahl von Blättern verloren gegangen sind, nur die 
Art. 1 — 51 (bei Homeyer = Art. 1—57 und Art. 80) und Art. 68 Ende 
bis 81 Anfang (bei Homeyer = Art. 69, §. 15 bis Art. 78, §. 3) erhalten 



Die polnische Beceosion der Magdeburger Urtheile. 



271 



gignen. Die Vergleicbung mit der im Krakauer Codex Nr. 170' 
voriumdenen Abschrift ergab folgende Tabelle: 

Tabelle VI. 



l>i(i) 


Kr 


DliS) 


Kr 


DI(S) 


Kr 


D/(3) 


Kr 


1 


112 


4 


115 


7 


118 


10 


124 


2 


113 


6 


116 


8 


120 




— 


;■« 


114 


6 


117 

1 


9 


123 




1 



^ 4. Der Lemberger Text. 

9 

4 Wie im DzialyAski'schen , so sind auch im Lemberger 

fhü drei verschiedene Bestandtheile enthalten^ und zwar: 

l)f d«r uns bereits bekannte gekürzte Text der Magdeburger 

ftfteile; b) bunt durcheinander Entscheidungen der Schöffen und 

ivConsuhi von Lemberg^ der Consuhi von Sandomir undLublin 

M der Schöffen des jus supremum theutunicale zu Krakau ; 

t) Bruchstücke des uns aus D/ bekannten ausführlichen Textes 

itt Magdeburger Urtheile sammt noch einigen Materien. 

Ueber den ersten dieser Bestandtheile ist eigentlich nicht 

vAvi sagen. Am nächsten mit Op I übereinstimmend, unter- 

Mkeidet er sich von diesem, wenn wir von den durch Unwissen- 

te des Abschreibers hervorgerufenen Entstellungen des Wort- 

Itttes absehen^ nui' in folgenden Punkten: 1. ist dasjenige, 

*1« in Op I einen Artikel ausmacht , im Lemberger Text in 

Wci, drei und selbst in vier Artikel aufgelöst, während der 

Wttgekehrte Fall viel seltener ist; 2. sind die Artikel, die in 

Op/aJs Artikel 55 imd 56 fungiren, in L verstellt, so dass 

icr Artikel, der in Op I dem Artikel 56 entspricht, vorangeht, 

te Artikel, der in Op / dem Artikel 55 entspricht, nachfolgt; 

3. and die Artikel Op I 11 und 78 in L nicht vorhanden ; 

i. werden unter 81 und 82, sowie unter 104 und 105 in L 

Artikel angeführt, die weder in Op I, noch in den übrigen 

nrir bekannten Abschriften des gekürzten Textes , noch sonst 

wo vorkommen und allem Anscheine nach Entscheidungen 



>ind. Die bei Homeyer cursiv gedruckten Stellen sind im Krakauer 
Codex Nr. 170* gprOsstentheUs nicht vorhanden. 



.272 KaUiniacki. 

eines in Polen fungirenden deutschen Oberhofes sind. Ich 
theile sie hier aus diesem Grunde vollinhaltlich mit: 

Art. L 81. 

Quomodo in noftri prefenciam , banito judicio refidentibus , veniena 
actor, tamqaam tutor, propofuit in qaerela, dicens: Domine advocAt« et 
domini scabini, ego conqaeror fuper raeum adverfarium , quia ipfe, nnllo 
jure fecluso neque convicto, violenter fe intromidt in bona hereditaria, 
ortam et alia, que funt niichi in tutoriam coUata et infcripta per evictorem, 
aliaß przeß gyfcza, cuius bona fant. Et jpfe, intromittens fe in predicta 
bona, ibidem tria arbora pomorum excidit [et alia, quae ibi fuerant] robora. 
Igitur pro talibus per ipfum factis, similiter et damnis, fuper ipfam con- 
queror in jure, quid michi decreverit. Adverfa pars, ftans, ad obiecta 
refpondit, dicens: Quia ego in bonis alienis nichil quitquam feci, sed in 
meis bonis paternitatis, que funt michi propinquitate admortua poft mortem 
patris mei et fratris mei germani patrvelis, jn et fuper [hoc] meas pono 
pecunias ad librum ciuilem juris [scripti] Maydburgends, vtrum ego fnm 
propinquior predicta bona paternitatis mee [simul et fraternitatis mee] obti* 
nere et poffidere quam actor, vel quid jus eft? 

Sentencia fuper materiam: Ex quo adverfa pars dicit, fe propinqni- 
tatem habere ad predicta bona, tunc debet metfeptimus docere hominiboi 
bonis et intraneis, hoc eft incolis, vbi ipfa hereditas fita eft moram trahenti- 
bu8, et fic bona eadem poffidebit. Ceterum, si actor dicit, poffefforem effe 
vivum, per quem ifta bona funt fibi in tutoriam collata, extunc habet 
jnducias per ter duas feptimanas, hoc eft ad fex feptimanas, pro teftimonio 
monftrando ac apportando ex parte illius poffefforis, qui fibi bona in tuto- 
riam contulit. Extunc actor ab eadem tutoria non fecludetur vfque ad 
adventum poffefforis, et hoc juramento, acfi ipfum perfonalem non fentiret. 

Art. L 82. 

Quomodo in noftri prefenciam, banito judicio rofidentibus , veniens 
actor, predicebat fe contra adverfam partem, conquerulari volens. Tandem 
adverfa pars ftans refpondit dicens : Domine advocate et domini scabini, 
quitquid actor contra me wlt conquerulari, ego fuper hoc teftimonium ban- 
niti judicij habeo, qui[a] de iftis fibi juftificatus [sum] et me metfolum iufti- 
ficam. Stans actor refpondit ad hec dicens : Domine advocate et domini 
scabini, ex quo ego teftes habeo, poft scapulas meas ftantes, nonne ego fum 
proprior conquerulari cum eorum teftimonio pro debito contra adverfam 
partem? Et non dimitto me fuper nullas litteras, quas afferit fe habere ex 
parte baniti judicij contra me, sed iftas literas ego honoro. Stans enim ad- 
verfa pars ad hec dixit: Domine advocate et domini scabini, ex quo ego 
habeo teftimonium baniti judicij de caufa, pro qua fum per actorem impnl- 
fatus, vtrum meum teftimonium baniti judicij, hoc eft litera, primitua debet 
perlegi , vel quid ins dictaverit ? Et fuper hoc pono meas peccimiaa ad 
librum ciuilem juris fcripti. 



Oi« polnische Receosion der Magdeburger ürtheile. 273 

Sentencia boins rei: Quitquid teftatiir Judicium banitum, hoc vadit 
liiper omnia teftimonia et habet progrefruni eo, quod non eft maius tefti- 
«omam, nifi baniti jadicij et sefll confulatus super alia teftimonia in jure 
'. Hftjdbnrgenri. Juris ordine. 

Art. L 104. 

De obli^acione per fideiuTforem in debito. 

Quomodo quidam homo, exiftens fideiuffor pro alio homine, fua bona 
.'Wnditaria, qne habuit, actori in debito pro decem marcis^ obligauit coram 
^Jifieio bannito, et in regeftrum scabinale funt infcripta et confirmata pofri- 
^Itodttm ob non folucionem dicti debiti ad terminum deputatum et iam elap- 
■ hm. Que^ bona actor iuxta infcripcionem cum omnibus et fingulis vtili- 
^tams et prorentibas [et] cenfibus fupradictorum bonorum pofndebatnr annum 
^ik^em et vltra eadem, non aftillendo neque exhibeudo juri qnatuor judicijs 
^ft foqaentibus. Tandem is homo, pro quo fideiurfum fuit fupradictum de- 

1, citauit actorem ad jurisdicionem , cui bona per fideiufforem obligata 

it] in debito, [et] comparens coram jure requifiuit dicens: Domine advo- 

[ttte et domini scabini, ecce ego meis bonis hereditarijs, que^ funt pociora 

Jtinetiora, quam fupra dictum debitum fe habet, delibero ac evinco meum 

tteiarforem et bona ipHus, ob quibus obligauit et deduxit in meo debito, 

it reqairo de iure, vtrum actor eadem bona mea debet fufcipere in fuo de- 

(liio et bona fideiufforis mei libere facere et de eifdem condefcendere , vel 

ins eft? Stans actor coram iure ad hec refpondit : Domine advocate 
domini scabini, nonne ego propior fum illa bona teuere, que funt michi 
'<Uigata et infcripta per fideiufforem in meo debito, et penitus nolo de eifdem 
ttndefcendere, quoufque michi fupradictum debitum, decem marcas, parata 
pttuua reponetur ac perfoluetur per fideiufforem, vel quid [ius] dictauerit. 
Seütencia huius: Ex quo bona hereditaria licet coram bauito judicio 
ftf Bdeiufforem funt obligata actori in debito , cum tarnen ifte homo , pro 
foo fideiuffum eft debitum x marcarum, wlt fuis bonis hereditarijs, que funt 
Beliora, quam debitum fe habet et exteudit, [se] obligare [et] fideiufforem 
foam et bona ipfius, per ipfum obligata actori in debito, de caucione fidei- 
iflbrii deliberare, tunc actor eadem bona debet fufcipere in fuo debito tali 
cm eondicione, fub juramento, quod ei non habet paratas peccunias dare 
id folnendum dictum debitum. Et tunc pro eifdem bonis obligatis idcm 
■<mäo ftctorera a qualibet perfona habet tueri et defendere fe infcribendo 
•d fideiaffores ponendo hys, qui habent fua bona in eodem jure ciuili, vbi 
Wda fant invadiata, pro tegendo ad annum et diem, fi aliquod impedimen- 
tem kabaerit pro predictis bonis, et idem actor quatuor judicia vnum poft 
«Und fuper prefata bona, fibi obligata, debet aftillaro fiue aftare. Expirato 
■WM> et die, tunc ei de jure debet decerni vendicio dictorum bonorum in 
«0 debito. Quod plus fuperfuerit, reftituere tenetiir ; fi auteni * folucio de- 
■**nt- debiti, in eodem homine, qui ei bona obligauit, refiduitatem jure re- 
P«*«re debet Et hoc juris ordo. 

'«ü Codex steht: in debito decem marcas. * Im Codex: qnia. 

^ Im Codex: qua. * Im Codex steht: et fi. 
SitnapW. d. phil.-hist. Cl. CIL Bd. I. Hft. 18 



274 



Kalniniaeki. 



Art. L 105. 

De debito poft manam mortnam. 

Qaomodo in noftri prefenciam banito jndicio reHdentibiu Temoi 
actor propofuit fiia bona in querela poft mortoam mannm pro peccaiujsd»> 
biti faper adverfam partera. Stans adversa pars dedit czok (= ezog = Z^^ 
actori, id queren« de jure*: Ex quo de juire repetit poft mortoam mioni 
fuper hoc, quomodo hoc probare debet? 

Sentencia hoius : Ex quo adverfa pars portolat ab actore probtcioaMi 
debiti poft manum mortuam de jore, extnnc in conünenti fea in eodM 
jndicio metfeptimus jurare et bonis hominibns, in fuo jore perfSectis, deM 
docere ac brobare, si cupit habere de jure, pro qno quemlatns eft in j^ 
poßcione; alias, ß hoc non fecerit, extnnc actor foam caufam perdetä, 
ammittet. 

Auch füge ich , um dasjenige^ was ich über das Verhtit- 
niss der in L enthaltenen zu der in Op I enthaltenen Abschrift 
des gekürzten Textes oben nur angedeutet habe , noch meb 
zu veranschaulichen , eine tabellarische Zusammenstellung der 
Artikel dieser Texte bei. 

Tabelle VII. 



OpI 


> (1) , 


; OpI 

1 


1 


1 


19 


2 


2 


20 


3 


3 


21 


f 


4 


22 


^ 


5 


23 


1 


6 


24 


5 


7 


25 


6 


8 


26 


7 


9 


27 ( 


8 


10 


28 \ 


9 


11 


29 


10 


12 


30 


11 


13 


31 


12 
13 


14 
15 


32 1 


14 
15 


16 
17 


33 { 


16 
17 


18 
19 


m{ 


18 


20 


35 



L(l) 




i(l) 



21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 

29 

30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 
37 
38 
39 



36 

37 

38 

39 

40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 
48 
49 
50 
51 
52 
53 



( 



40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 
48 
49 
50 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 
59 



54 
55 
56 

57 

58 

59 

60 

61 

62 

63 

64 

65 

66 

67 

68 

69 

"701 

71 

72 



I 



{ 



60 

62 

61 

63 

64 

65 

66 

67 

68 

69 

70 

71 

n 

78 
74 
75 
76 

77 

78 



IN* rolBlKh« BkiuIob in Ki«d*1nirf*r Urlhafla. 





0,1 


1' (1) 


Opl 


L (1) 


Opl 


Hl) 


Opl 






[73] { 


79 1 


83 


90 


[94] 


103 


108 




80 


83 


91 




104 


104 


117 







81 


84 


92 





105 


105 


HR 







82 


85 


93 


[0=]{ 


lOG 


105* 


119 




[741 


83 


se{ 


94 


107 


106 


120 




[75] 


84 


95 


[96] 


108 


107 


121 




[76j{ 


86 


87 


96 


97 


109 


108 1 


122 




66 


88 


97 


98] 


110 


123 




[771 


— 


89 




98 


99 


111 


109 


124 




78 


— 


90 


1 99 


100 


112 


110 


125 




79 


87 


91 




100 


"■{ 


113 


,„| 


126 




80 


88 


92 




101 


114 


127 




Sl 


89 


93 




102 


102 


115 




— 



In BetreflF des zweiten BeBtandtheiles, der, nebenbei ge- 
sagt, in der betreffenden Handschrift die Blätter US'— 150'' 
einnimmt, kann ich hier nur so viel constatiren, daas er für 
die Geschichte des deutschen Rechts, wie der deutschen Rechte- 
pflege in Polen von unzweifelhafter Bedeutung ist. Da jedoch 
die Zahl der in dieser Sammlung enthaltenen Entscheidungen 
eine etwas grüssere ist (ich fand ihrer 91), so will ich von 
der Mittheilung derselben hier vorläufig abseben. Vielleicht 
dasR es mir vergönnt sein wird, sie bei einer anderen Gelegen- 
heit zur öffentlichen Kenntniss zu bringen. 

Die in der Lembcrger Handschrift als drittes Stück ent- 
haltene Abschrift des ausführlichen Textes unterscheidet sieh, 
wie ich das schon oben bemerkt, habe, von der in D I (1) ent- 
haltenen vornehmlich dadurch, dass sie um einige Artikel reicher 
gewesen zu sein scheint, als diese. Als Beweis dcsBcn kann 
insbesondere der Umstand angesehen werden, dass dieser Theil 
der Handschrift, wie wir dies aus den noch vorhandenen Blatt- 
resten und der ganzen Einrichtung des Codex entnehmen 
können, räumlieh sich viel weiter erstreckte, als er gebraucht 
htttte, falls er sich thatsächlich nur auf jene 30 Artikel be- 
schränkt hätte. Kann aber hieraus auch schon der Schluss 
gezogen werden, dass die Artikel, um die die Lemberger Ab- 
schrift reicher gewesen zu sein scheint, eine Portsetzung der 



276 Kalniniacli. 

m D I als ersteji Stück vorhandenen lateinischen Uebersetzung 
bildeten? An und fiir sich würde dieser letzteren Annahm« 
nun allerdings kaum etwas im Wege stehen. Unterzieht mm 
aber die besagten Blattreste einer etwas eingehenderen Prüfimg 
so zeigt es sich, dass diese Schlussfolgerung keineswegs die 
richtige wäre. Wenigstens passt dasjenige, was wir auf BI. 157 
und 158 von dieser Abschrift noch lesen können, zu keines 
der uns bis jetzt bekannten, die sogenannten Magdeburger 
Urtheile enthaltenden und inhaltlich mit der polnischen Recen- 
sion zusammenhängenden Texte. Und aus diesem Gmode 
meine ich denn auch, dass die Artikel, am die die Lemberger 
Abschrift reicher gewesen sein mochte, als die m D I (1) ent- 
haltene, nicht aus einer mit der polnischen Recension nickit 
verwandten und zu Z) / (1) als ihre Fortsetzung sich verhalten- 
den lateinischen Vorlage geflossen sind, sondern dass sie gani 
einfach versprengte Reste derjenigen Sammlung sind, die wir 
als den zweiten Theil des Lemberger Textes kennen gelernt 
haben und die lediglich Urtheile der in Polen bestandenen 
deutsehen Oberhöfe bietet. Von den mit der polnischen Re- 
cension thatsächlich verwandten Artikeln dürfte dagegen auck 
die Lemberger Abschrift wohl kaum mehr, als blos jene 30, 
beziehungsweise jene 29 enthalten haben. 

Ausser diesem einen haftet aber der in L (3) vorhandenen ' 
Abschrift noch ein weiteres, womöglich viel wichtigeres Unter- 
scheidungsmerkmal an. Während nämlich die In D I (1) ent- 
haltene Abschrift sich mit Ausnahme der Artikel 2 — 4 und 
des extravaganten Artikels ftinf genau an die Artikelfolge der 
Texte der ersten Redaction anschliesst, bietet die in L ent- 
haltene Abschrift noch zahlreiche andere Abweichungen v<ä» 
dieser Ordnung, die um so auffallender sind, als dieselbe» 
sich auch son^t unter keine feste Gesichtspunkte bringen laweo. 
Zur besseren Veranschaulichung dieser Abweichungen mög* 
die folgende, sowohl die betreifenden Stellen von Z> 7 (1) und 
L {S\ als auch die betreifenden Stellen der durch O repriteen- 
tirten polnischen Recension anzeigende Tabelle dienen: 



Die polnische Recension der Magdeburger Urtheile. 



277 



Tabelle VH!. 



DI(1) 



L (3) 







DI(1) 



L (3) 



O 



2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 



( 



6 

8 
9 



17 
10 
11 
18 
12 
13 
14 
15 
21 
22 



1 

2 

128 

129 

205 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 



16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 



23 
24 
25 

• 

16 

20 



19 
1 
2 
3 
4 
5 



13 

14 

15 

16 

17 

18 

19* 

20 

21 

22 

31 

32 

33 

34 

41 



Aus dieser Tabelle ergibt sich also, dass die hergebrachte 
und auch in historischer Beziehung nicht unwichtige Artikel- 
folge, wie wir ihr in 2)7(1) begegnen, in der Lemberger 
Abschrift in der That sehr verschoben ist. Da jedoch die 
beiden Abschriften in Bezug auf Wortlaut identisch sind, wir 
sonach hier nur von einer und nicht von zwei verschiedenen 
Uebersetzungen dieses Textes sprechen können, so muss sich 
uns von selbst die Frage entgegenstellen, ob die in D I (l) 
oder die in L [ß) enthaltene Artikelfolge die ursprünglichere, 
d. i. der von mir vorausgesetzten besonderen deutschen Vor- 
lage conformere ist? Auf diese Frage kann ich leider nichts 
Bestimmtes antworten. Denn so wie für die grössere Ursprüng- 
lichkeit der in L (3) enthaltenen Artikelfolge sich insbesondere 
der Umstand anführen Hesse, dass der Artikel, der in den 
Texten der ersten Redaction und auch in Z> / (1) einstimmig 
als der erste, von Krakau in Magdeburg geholte Brief be- 
zeichnet wird, in L (3) thatsächlich den ersten Platz einnimmt, 
80 Hesse sich auch für die grössere Ursprünglichkeit der in 
D I (V) enthaltenen Abschrift der Umstand geltend machen, 
dass eine in einer andern Beziehung sehr wichtige Zusammen- 



278 Kaluiniacki. 

gehörigkeit, wie die der Artikel Dl{\) 1 und DI{\) 6 — 13, in 
ihr viel treuer hcwahrt ist als in L (3). Und so wie sich femer 
ftlr den Fall, wenn man der ersteren Eventualität den Vorzug 
geben wollte, die veränderte Artikelfolge, wie wir ihr in J97 (1) 
begegnen, ganz gut auf diese Weise erklären liesse, dass man an- 
nähme, dass der Abschreiber . der dieser Abschrift zu Gnmde 
liegenden Vorlage sie in Bezug auf Artikelfolge nach einem Texte 
der ersten Redaction verbesserte, so liesse sich andererseits auch 
die besondere Artikelfolge der Lemberger Abschrift vergleichs- 
weise zu der in DI{\) enthaltenen ohne Zwang durch Annahme 
einer blossen Verheftung erklären. Mit einem Wort, es kann die 
eine Alternative ebenso plausibel gemacht werden, wie die an- 
dere, und wird sich vollkommene Klarheit in diese Angelegenheit 
erst dann l)ringen lassen, wenn es gelingen wird, eine Abschrift 
der von mir vorausgesetzten deutschen Vorlage zu finden. 

Dass beide Abschriften, bis auf die ganz selbstverständ- 
lichen V%irianten, in Bezug auf den Wortlaut identisch sind, 
ist schon bemerkt worden. 

5. Der Przemyiler Text Nr. I. 

Der PrzemvSler Text Nr. 1 ist eine weitere Abschrift 
derselben Sammlung, wie wir sie aus Op I und den übrigen 
hicher gehörigen Texten kennen, nur dass er in Bezug auf 
Wortlaut viel correcter ist als diese. Auch das ist übrigens 
eine EigenthUnilichkeit des Przemysler Textes Nr. 1, dass er 
zu Knde des Artikels H6 vergleichsweise zu L (1) (denn Op 1 
ist an dieser Stelle lückenhaft und Op II stand mir dazumal 
nicht mehr zu (ujbotc) eine Extravagante enthält, die folgender- 
massen lautet: Ittnn jutit\r nun dehet n (ptorunque ]>fua^ **Jcigerey 
ni}(etpt(im ptn' sviifrnrlam fcahhutrum cns le<pfime acqnifierit. \Vas 
jedoch dem in Hede stehenden Przemysler Text in literar- 
historischer Beziehung ein ganz besonderes Gewicht gibt, ist 
jene ol^en anget'ilhrte Feberschrift,^ aus der hervorgeht, dass die 
in Hy) / und implicite also auch in den tibrigen Texten dieser 
Art vorhandenr lateinische Sammlung der ^fagdeburger Urtheile 
in Wirklichkeit a\if einer correspondirendcn deutschen Vorlage 
beruht . sowie drt.ss der Mann, der diese Vorlage ins Lateinische 

> Vgl. S. 2'iO dieser Abhaudlung. 



Di* polaiach« RaMntion dtr H^debncgtr Ucthtil* 



279 



benetzte, ein Notar der Stadt Przemyäl war. Leider iet der 
bou dieses Notars nicht angegeben und kann wegen Mangels 
B geeigneten Anhaltspimkten auch sonst nicht eruirt werden, 
t' Das Verhältniss, das zwischen dem Przemysler Text Nr. 1 
illd den übrigen Texten dieser Kategorie in Bezug auf Är- 
Ikclfblge besteht, erhellt am besten aus folgender, selbstredend 
|pB mf Oj) / und P I beschränkter Tabelle : 



? 






Tabe 


le K. 












Opl 


PI 


c, 


PI 


1 o,i 


PI 


Opl 


PI 


' 


1 , 


1 


., , 




59 1 56 


88 


84 




* 1 


2 


30 { 


29 


60 1 57 


89 




85 






3 


31 1 




61 1 58 


90 




86 






1 


32 


30 


62 


59 


9 




87 




4( 


5 


83 


31 


63 


60 


92 




88 




* 1 


6 


34 


32 


64 


61 


93 




89 




s! 


7 


35 


33 


65 


62 


94 




901. 




^ 1 


8 
9 


36 f 

37 i 


34 


66 
67 


63 
64 


[95] 1 


901. 
91 






10 


38 


35 


68 ( „ 


96 


92 






11 


39 


36 


{69 


\ "" 


97 


93 






12 


40 


37 


70 


r 


66 


96 


94 






13 


41 


38 


71 


1 


,,{ 


95 






U 


42 


39 


72 




67 


96 






15 


43 


40 


[73J[ 


69 


100 


97 




13 ( 


16 


44 


41 


68 


101 


98 




U ) 


45 


42 L 


[74] 


70 


102 


99 1 




17 


«i 


42 t 


[75J 


71 


103 


100 




lg 


43 


f7Kl 1 


72 


104 


101 1 




19 


47 


44 


l'M 1 


73 


106 


102 1 




20 


48 


45 


[771 ' 74 


106 


lü3 ■ 




21 


49 


4B 


U\ 


75 


106» 


104 




20 ( 


22 


50 


47 


79 


76 


107 


105 




21 l 


51 


48 


80 


77 


108 } 


106 






23 


52 


49 


81 


78 


107 









53 


50 


82 


79 


109 


108 






24 


54 


51 


83 


80 


110 


109 




25 


25 


55 


52 


84 


81 


111 


110 




36 


2G 


56 


53 


85 ■ 


82 








27 


27 


57 


54 


86 


83 








28 


28 


58 


55 


87 




83- 











280 



Ealainiacki. 



6. Der Przemyiler Text Nr. 2. 

Aehnlich wie der PrzemyÄler Text Nr. 1 eine Abschrift 
des gekürzten, ist der PrzemyÄler Text Nr. 2 eine Abschrift 
der in Z> / (1) und L (3) enthaltenen ausführlichen Redaction. 
Weil aber diese letztere Redaction, wie wir gesehen haben, 
in zwei verschiedene Nuancen zerfUllt, so müssen wir, um die 
durch den Przemy^ler Text Nr. 2 repräsentirte, Abschrift etwas 
genauer zu bestimmen, noch hinzufügen, dass sie sich in Bezug 
auf Artikelfolge mehr an L (3) als slu D I (1) anschliesst. 
Zum Beweis dessen die hier folgende Tabelle. 

Tabelle X. 



DI(l) 


L(S) 


PH 

1 


D/(l) 


L(S) 


1 


7 


i 


16 


23 


2 


6 


6 


17 


24 


3 


8 


8 


18 


25 


4 


9 





19 


1 


5 


• 


IB 


20 


16 


6 


17 


17 


21 


20 


7 


10 


10 


22 


• 


8 


11 


11 


23 


1 


9 


18 


18 


24 


• 


10 


12 


12 


25 


19 


11 


13 


13 


2f5 


1 


12 


14 


14 


27 


2 


13 


15 


1.0 


28 


3 


14 


21 


21 


29 


4 


1 


22 


22 


30 


5 



23 
24 

25 

26 

27 

20 

28 

29 

30 

19 

1 

2 

3 

4 

5 



Diese Tabelle beweist uns also, dass P II bis auf den 
Artikel IJ I (1) 20, der in V II eine andere Ordnung aufweist 
als in L (3), sowie des Artikels D I (1) 5, der in Folge dieses 
letzteren Unistandes in /* II ebenfalls eine andere Ordnung 
gehabt haben musste, als in L (3), im Uebrigen mit diesem 
letzteren Texte in einer Weise übereinstimmt, die eine durch- 
greifende ist. Auch ersehen wir ferner aus dieser Tabelle, 
dass die Zahl 30, die wir als das charakteristische Merkmal 
der in 1)1 (Ij enthaltenen Abschrift kennen gelernt haben, 



Die polnische Recension der Magdeburger Urtheile. 281 

sich trotz der veränderten Artikelfolge auch in P II wieder- 
findet und so eine Eigenthümlichkeit auch dieses Textes ist. 
Und weil der Schreiber dieses Textes zu Ende desselben noch 
ganz ausdrücklich die Worte: ,Non plus^ hinzufügt, so geht 
daraus hervor, dass auch die dem Przemysler Text Nr. 2 zu 
Grunde gelegene Vorlage ebenfalls nur jene 30 Artikel umfasste. 
In Bezug auf Wortlaut bemerkte ich in P II vergleichs- 
weise zu DI (l) und L (3) nur ganz gewöhnliche Varianten. 



Halten wir nun Rückschau, so werden wir constatiren 
müssen, dass die uns bis jetzt bekannten und hier des Näheren 
besprochenen lateinischen Texte lediglich in zwei Redactionen 
zerfallen, von denen die eine als ein blosser Auszug eines mit 
der polnischen Recension nur mittelbar verwandten Textes für 
die kritische Ausgabe dieser letzteren nur eine seht massige 
Ausbeute bietet, die andere hingegen mit der polnischen Re- 
cension zwar etwas mehr Berührungspunkte aufweist, jedoch 
an dem Uebelstande leidet, dass sie nur aus 30, beziehungs- 
weise aus 29 hieher gehörigen Artikeln besteht. Wenn ich 
aber ungeachtet dessen dieser letzteren Redaction eine ungleich 
grössere Bedeutung zuerkenne, so geschieht dies vornehmlich 
darum ^ weil sie, wie ich dies schon oben ganz ausdrücklich 
hervorgehoben habe, auch solche historische Daten enthält, 
die in anderen Texten nicht vorkommen und die, im richtigen 
Zusammenhange erfasst, für die Feststellung der äusseren Be- 
ziehungen einer ganzen Anzahl von auch in der polnischen 
Recension vorhandenen Schöffensprüchen von ziemlichen Werthe 
sind. So haben wir, um diese Ansicht ins Einzelne auszuführen, 
wohl auch früher schon gewusst, dass die Urtheilssprüche, die 
in der polnischen Recension mit 1 — 10 bezeichnet sind, von 
Magdeburg in einem Briefe gebracht wurden und in diesem 
Sinne also ein historisch unzertrennliches Ganzes bilden; dass 
sie aber über Anfragen der Schöffen von Krakau erflossen 
waren, ist eine Thatsache, die wir erst aus der in Z) / (1), 
L (3) und P II enthaltenen lateinischen Redaction erfahren, in- 
dem nur in dieser Redaction der erste dieser Artikel mit den 
Worten beginnt: Qitidam conciuis Cracouiensis etc. In ähnlicher 



28w Kaluiniacki. 

Weise , wie mit dicöcii zehn , verhält es sich aber auch mit 
D I (1) 14 = IIJ Auch in Betreff dieses Artikels erfahren 
wir erst aus der in Rede stehenden lateinischen Redaction, 
dass er durch eine Anfraji^e der Schöffen von Krakau provocirt 
wurde, hiermit ebenfalls polnischen Ursprungs ist. Zu den 
bereits oben im Cap. II und III dieser Abhandlung constatirtcn 
treten also auf Grund der in Rede stehenden lateinischen Re- 
daction als Artikel polnischen Ursprungs noch weitere eilf 
hinzu, so dass die Zahl sUmmtlicher durch Anfragen aus Krakau, 
beziehungsweise aus Breslau in Magdeburg erfragten und als 
solche noch eruirbaren Artikel sich in der polnischen Recension 
auf volle 4(} beläuft. Von den übrigen, von uns als polnisch 
erkannten und auch in der polnisehen Recension vorhandenen 
Artikeln rühren die meisten von dem deutschen Oberhofe in 
Krakau ; zwei (diese letzteren jedoch nur in der polnischen 
Recension vorhanden) von dem deutschen Überhofe in Lembcrg. 



Fünftes Capitel. 

Verbältniss der polnischen Texte zu den einschlägigen 

ezechischen. 

Zu den Texten, die die sogenannten Magdeburger Urthoilc 
in czeehischer Sprache enthalten , gehören speciell folgende : 
1. der im böhmischen Museum sub signo 23, (i. \); 2. der in 
der Wiener Ilofliibliothek sub Nr. 13.14o befindliche^ Meinem 

' Nach Brilcknor, o. s. c, VI., S. .'MO, wiirou ansHor O 11 auch noch die 
weitoren 11 Artikol, «1. i. O 1*2 — '22, hiehtT /u ziehen, wM ich zwar nicht 
direct beHtroitoii will, iininorhin ahor ln-incrkou niüchte, das« die Zu- 
i«ainniinifrohöri{;:kcit, auf wi'lchc sich Hrückner beruft, wohl (vgl. Ta- 
hello II) für O 12-2*2, kaum ahor für Oll— 22 wahrscheinlich ist. 
Oll ist i'hifu ein Fall ;,'owcson, der in Mapdehurg besonders erfragt 
wurde. 

' Da dio oinschlägipre Handschrift bis jetzt noch von Niemandem be- 
schrieben worden ist, so will ich in BetretV ihrer kurz Fol^endo^ be- 
merken: Sie ist mit Ausnahm«» zweite Hlätter, die auf Ter^i^amont ge- 
schrieben sind und die «dVenbar als der ursprünt^liche Umschlag dienten, 
auf Papier, in l'^ min. f., von verschiedon«Mi Händen jreschrieben. Die 
Schrift der ältesten Hand deutet auf die Mitte des 16., die der anderen 
Hände theiU auf dio zweite Hälfte des 10., thoiln auf den Anfang des 



Dia twlniMk* K»eu*i*n Im XtgttlmrftT Drthril*. 



Gründsatze gemäss war ich bestrebt, beide Texte in originali 
zu benutzen. Dies gelang mir aber nur rUckaicbtlicb des an 



IT. .lahrhundert Die Einrichtung der Hanil«uhrift ist folgenila: Es 
^ehen lunüchat 31 loero BlXtier voraus, di« nicht nlgnirt sind. Dann 
folgl das eigentliche Titelblatt (auf Pergament), das neben mehreren, 
gani bedeutuu(;sli>Hen t'ederprobeu und Sprllvhen auch Kwei auf den 
Itilialt der HilndschrLft bezÜKliche Iiiflchriften enthalt, und zv&r: nj Na- 
leiuwee a prawa mieatn L^thnmiersicie; lij Ortole pozanmeoane , kiere 
na naaozenj x Maj'dburgka przichazei^, letha etc. XLIU. Beide In- 
ichriflen summen von einer und dorHelben Hand ab. Dftnn fol^t wieder 
ein leeres Blatt und liieraiif auf IS BISttern, die von einer moderneu 
Band aU fol. ä^l9 bezeiuhnet sind, ein aljihabetisehes Rsgtater der in 
der Handschrift enthaltenen Ortilegien. Mehrere Inbaltsangabsn dieaea 
Reg-iaters rühren Ton einer jünperan Hand her nnd beliehen sich auf 
die jflngeren Bestandtheile den Codex. Dann folgen abermals drei leere, 
nicht ü^irie Blätter, worauf auf Bl. 30— 37< der handBcfariftlich Öfter» 
vorkommende und auch von Palacky im Arcbiv jeak^, du tfeti, 6, tiS 
bis 121, unter dem Strich abgedruckte ciecliische Aaszng au^ der Ma- 
jesta« Cnrolina, betitelt: Rsad a vftawenie ciefke koniny, cxiefarxem 
Karlem potwerzenie etc. Der in der Wiener Handscbrift enthaltene 
Text nnterscheidet sich von dem Palacky'achen nur dadurch, dara er 
die Vorrede nicht am Anfang', sondern erat im Cap. 5 bietet, sowie daas 
er lu Ende noch xwei Capilel ontbült, und «war: a) Kteraku opatmnfti 
fe pohon gymn poloiiti (entsprechend der Hnbrih CXX der Majestas 
Carolina); lij Fforma prziCahy «a krole Wacalawa TriotJho, nedawno 
nalenena fkrze panj> (entsprechend, nicht adSquat der Kubrik CXXI der 
Maj. Carol.). Auch in der Rubrik vr>n den Städten (Maj Carol, VIII), 
suirie in der Knbrik von den Ehren hexe ngu ngen , die die Städte dem 
neuen KUni^ schuldig sind (Maj. Carol. X), kommen einige Varianten 
vor, die jedoch nicht einentionell sind. Auf den Riad folgen sodann 
einig« kleinere Artikel, nl» da: a) nuf BL 27'' pIu Cragment des aus- 
fObrUahen Teites der Majestaa Carolina, dem im Palacky'schen Texte die 
Capital: G6, 67, E», 09. 70 und 71 entsprechen; hj auf Bl. 2d-— SQ'' 
Au8£Ug ans den Privileirien der Stadt Pra|f (vuran gehen die sogenannten 
Sobieslaw'scben Redtle), betiteil: Tiln knfowe wybrani fn g liftnow a 
c praw micnrkycli, kteremizlii lyfty a prawy nJeftfkymy knieiata a 
kralowe darowali nelike mieCto Prazfke; c) auf Bl. 3Ö*— S7'< die be- 
kannt« Htem riindacioniB beemics noue civitatis PragenG». Dann folgen 
nieder soch» leere, nirhl signirto Blätter nnd hierauf auf Bl. 89' — 46'' 
folgende Artikel: aj die auch iu der Handschrift de« böhmischen Mu- 
seums 33. G. 9. vorhandenen Beslimmungeu, die den Richter angehen, 
betileli: Tylo dolepfane wiecsi na rychtarse flutfegy » pr*«ra Litho- 
miertiCkeho (das letste Wort ist im Wiener Text von einer jüngeren 
Rand b inzn gefügt) ; 6) eine ebenfalls in 33. G. 9 vorhandene Verfügung 
KarU IV„ des Inhalt«, das* die Richter vor Meineid «arnen sollen — 



284 Kaluiniacki. 

zweiter Stelle genannten, während die dem böhmischen Muse 
angehörige Sammlung, zumal sie laut einer Mittheilung des ^ 
waltungsaussehusses dieses Museums sehr stark von einhei 
sehen Gelehrten in Anspruch genommen ist, mir vorläufig rai 
gänglich blieb. Zum Glück ist dieser letztere Umstand wie 
den eigentlichen Zweck, so für die eigentlichen Resultate di« 
Untersuchung ohne weiteren Nachtheil gewesen. Aus der 
Schreibung, die Jaromir Celakovsky im Casopis ä. M.,LrV, S.i 
bis 556, von dieser Sammlung gibt, ^ ist nämlich zu ersehen, c 
dieselbe bis auf einige wenige, übrigens mehr die Artikelfol 

• 

ze lychtarzi magi oftrzehati przed krziwu moczy; cj 21 Belehnu 
der Stadt Leitmeritz an Nim bürg, die sich von eben solchen Belehnu 
der Handschrift 23. G. 9 (vgl. Öelakovsk/, ßasopis 5. M. pro 1880, 8. 
nur insoferne unterscheiden, dass die Belehrung über das fremde 
erst nach dem Epiloge gesetzt ist; dj einige Auszüge ans einer lat 
sehen Uebersetzung des säclisisclien Weichbildrechtes, betitelt: 
Theu[tu]nicorum, hoc eft Maitburgenfium. Anfang: Dicitur, qnc 
iudicem eligendus non debet effe periurus, nee eciam debet effe 
fcriptus etc. Dann folgen noch einmal drei leere, nicht signirte Bl 
und hierauf auf Bl. 47* — 319 der neuen Numeration (= Bl. 1- 
der alten Numeration) der C7.echii?che Text der Magdeburger UrtI 
der jedoch ausser den Magdeburger Urtheilen im eigentlichen i 
auch zahlreiche Urtheile der Schöflfen zu Leitmeritz und dre 
Schöffen zu Leipzig enthält. Schliesslich bemerke ich noch, du 
Bl. 256 der neuen Numeration nicht hier , sondern zwischen Bl 
und 262 der neuen Numeration stehen sollte, sowie, dass die B 
233 — 237 der neuen Numeration von dem Bewerkstelliger der 
Numeration als ein Blatt angesehen wurden. Die Blätter der 
Numeration 37,38, 85 86, 96 97 und 109 110 sind gegenwärtig 
mehr vorhanden. 

^ Ich muss jedoch ganz ausdrücklich bemerken, dass die Ausführu 
die sich in der Celakovsky'schen Beschreibung, o. s. c. S. 550, finden 
die dahin gehen, dass die Urtheile der Schöffen von Magdeburg, d 
die czechischen Städte bestimmt waren, im 15. Jahrhundert eve: 
auch (skute^nÖ tez) Öechisch ausgestellt wurden, sowie, dass der g 
Theil des dem böhmischen Museum angehörigon Textes der Magdeb 
Urtheile von der Hand des Jacob Kozenv herrühre, meinen Beifall 
haben. Aus den Argumenten, die Celakovsky beibringt, folgt dies ä1 
gar nicht. Die erstere Annahme ist übrigens auch schon an un 
sich unwahrscheinlich. 

2 Aber auch die Artikolfolge ist nur mechanisch und nicht auch essent 
verschieden. Aus den Excerpten, die Celakovsky anführt, ist nS 
zu ersehen, dass der ganze Unterschied, der zwischen dorn Wienei 
dem Prager Text in Bezug auf Artikelfolgo besteht, auf diese Wei 



Die polnische Roconsion der Mi^debnrger Urfheile. 285 

als den Wortlaut ' tangircnde Abweichungen mit der Wiener 
Sammlung in einer Weise übereinstimmt, die an Vollständigkeit 
nichts zu wünschen übrig lässt. Es haben also alle jene 
Resultate, zu denen wir auf Grund der blossen Wiener Samm- 
lung gelangen werden, mutatis mutandis auch auf die dem 
böhmischen Museum angehörige Sammlung ihre Anwendung, 
sowie umgekehrt alle jene Resultate, zu denen Jemand auf 
Grund der blossen Prager Sammlung gelangen würde, sich 
mutatis mutandis auch auf den Wiener Text übertragen Hessen. 
Um jedoch zu den Resultaten, die uns über das Verhält- 
niss, das zwischen der polnischen Recension und dem in Rede 
stehenden czechischen Texte vorhanden ist, auch wirklich ge- 
langen zu können, ist es nothwendig, vor Allem seine Artikel- 
folge in Betracht zu ziehen. Zu diesem Behufe muss also 
auch hier, ähnlich wie in den nächstvorangehenden Capiteln, 
eine Tabelle vorausgeschickt werden, die so eingerichtet ist, 
dass der Ossolinski^sche Text, als der Repräsentant der polni- 
schen Recension, in ihr den ersten, der in Rede stehende czechi- 
sche Text hingegen die zweite Rubrik einnimmt. Bezüglich 
dieser zweiten Rubrik muss jedoch bemerkt werden, dass sie 
in zwei Spalten zerfällt, von denen die erstere die Artikel des 
Wiener Textes nach meiner, die andere die Artikel desselben 
Textes nach der Bezeichnung des Schreibers dieses Textes 



Stande kam, dass die Artikel, denen im Wiener Text ungefähr die Ar- 
tikel 320 — 540 entsprechen, durch Verheftung (ob des Prager Textes 
oder seiner Vorlage, kann ich selbstverständlich nicht entscheiden) aus 
ihrer überlieferten Ordnung herausgehoben und als Ganzes ungefähr 
zwischen die Artikel 110 und 120 des Wiener Textes gestellt wurden. 
Im Uebrigen scheint aber, wie gesagt, die Artikelfolge in beiden Texten 
dieselbe zu sein. 
* In Bezug auf Wortlaut bemerkte ich z. B., soweit dies eben auf Grund 
der Oelakovsky "sehen Excerpte möglich war, nur folgende, etwas mehr 
in die Wagschale fallenden Unterschiede: aj dass die Artikel des Wiener 
Textes 50 und 79 viel ausführlicher sind als die einschlägigen Capitel 
des Prager Textes, wo sie mit III D und IV H bezeichnet sind; fjj dass 
der Artikel des Wiener Textes 144 ausser der Rubrik und dem Urtheils- 
sprnch noch folgende im Prager Text unter XVII L nicht vorhandene 
oder möglicherweise nur von Öelakovsk^ ausgelassene Frage hat : Geßü 
ze miefta a mießeczka neb przifediczy wfjy, kteryz jrod Mayfmrfkym pra- 
wem lezie, ßrafowane neh neßrafowane ortete fwoly panaio yichz, ten bud 
ßcieUky neb duchowni, v nas praißo brati mohu U, czi czo prawo geßf 



286 



KatninlAcki. 



bietet. Und zwar bedeutet in dieser letzteren Spalte die Ziffer 
das Folium nach der ursprünglichen, vom Schreiber des Textes 
durchgeflthrten Numeration, der beigefügte Buchstabe hingegen 
die Stelle des Foliums, an der der betreffende Artikel zu 
finden ist. 







Tabel 


lle XI. 








1 


W 





W 


1 


1 


195 


42, il 


35 


38 


8,0 




2 


196 


42 


^B 


36 


25 


1.A 




3 


197 


42, 


, C 


37 


28 


lyD 1 


4 


198 


43, 


,D 


38 


26 


7,B 




5 


199 


43 


fE 


39 


27 


7, C 




6 


200 


43 


,F 


40 


29 


1,E 




7 


201 


43, 


. 


41 


30 


8, F 


8 


202 


43, 


H 


42 


31 


8, G 


9 


203 


44 


,1 


43 








10 


204 


44, 


>K 


44 


205 


44, /. 




11 


248 


57, 


, G 


45 








12 


117 


23, 


, V 


46 


223 


52, G 




13 


118 


23. 


X 


47 








14 


119 


23, 


, Y 


48 


233 


52, Ä 




15 


102 


19, 


E 


49 


234 


53, S 




IG 


120 


23, 


Z 


50 


209 


45, P 




17 


121 


23, 


K 


51 


210 


45, Q 




18 


112 


22, 


P 


52 


— 


— 




19 


122 


24, 


A 


53 


— 


— 




20 


123 


24, 


B 


54 


208 


45, 




21 


124 


24, 


C 


55 


153 


30, isr 




22 


103 


20, 


F 


56 








23 




— 


57 


46» 


10, z 




24 






58 


47 


10, Ä- 




25 






59 


48 


10,5 




26 






60 


49 


11, il 




27 


— 




61 


50 


11, B 




28 






62 


51 


11, c 




29 
30 
31 


41 


9, Ä 


[63] 
63» 


52A. 
52R. 


(11, 2> 

In 




32 


39 


9,/> 


64A. 


54 


11,^ 




33 


95 


17, A' 


64K. 




— 




34 


20 


5, 


U 


65 


53 


11, is: 





Die polnische Becension der Magdeburger ürthefle. 



287 








W 





W 




6f? 


24 


6,/? 


108 


148 


29, -E 




67 






109 








68 


34 


8, ä: 


110 


149 


29, F 




69 


35 


8, /. 


111 


150 


29, G 




70 1 


36 \ 


8,i«f 


112 


42 


9,5 




37 \ 


8, N 


113 


8 


%H 




71 


43 


9, T 


114 


5 


2jE 




72 


44 


10, V 


115 


4 


hD 




73 


45 


10, X 


116 


6 


2, F 




74 


46 


10, Y 


117 


9 


3,/ 




75 


55 


11, G 


118 


187 


38, Q 




76 




— 


119 


249 


57, H 




77 






120 


137 


26, Q 




78 


287 


70, D 


121 








79 


288 


70, jr; 


122 








80 






123 


134 


26,2V 




81 


284 


70, il 


124 


135 


26, 




82 


290 


70, i^ 


125 


136 


26, P 




83 


289 


70, G 


126 


251 


58, Ä' 




84 


291 


70, jy 


127 


151 


29, fr 




85 


292 


71,^ 


128 


152 


30,/ 




86 


293 


71, iT 


129 








87 






130 


279 


68,^ 




88 






131 


214 


47, V 




89 






132 


215 


47, X 




90 


161 


32, S 


133 


250 


57, / 




91 


162 


32, T 


134 


216 


47, Y 




92 






135 


217 


48,^ 




93 


163 


32, V 


136 


218 


48, ß 




94 


164 


32, X 


137 


219 


48, C 




95 r 

96 t 


165 1 


32, Y 


138 
139 


220 
221 


49, i> 
49,^ 




97 






140 


222 


49, F 




98 


280 


68,5 


141 


188 


38, Ä 




99 






142 








100 


142 


28, X 


143 


189 


39, S 




101 


143 


28, Y 


144 


190 


39, T 




102 






145 


191 . 


39, V 




103 




— 


146 r 








104 






147 l 


192 


40, X 




105 


144 


29, il 


148 ( 








106 


145 


29, B 


149 


57 


11,/ 




107 


146 


29, C 


150 


58 


11, ÜT 



288 



Kalniniaclci. 






ir 





W 


151 


59 


11, /. 


192 


106 


20, / 


152 


60 


11, A/ 


193 


100 


18, C 


153 
154 


61 
69 


12, N 

13, X ! 


193M 
193M 


107 


20, A 


155*jl'' 


70 


13, Y 


194 
195 


10 
91 


3, A 
17, T 


155M. 


133 


26, Af 


196 


96 


11, q 


156 


71 


13,-^ 


197 


108 


21, L 


157 






198 


109 


21,ilf 


158 


72 


13, a: 


199 


21 


5, X 


159 


73 


14, A 


200 


12 


3, 3f 


160 


74 


14, B 


201 


110 


21, N 


161 


75 


14, C 


202 


111 


21, 


162 


76 


14, Z> 


203 


112 


22, P 


163 


77 


14, E 


204 


113 


22, Q 


164 


78 


14, F 


205 


114 


22, R 


165 


79 


15, G 


206 


115 


22, S 


166 


80 


16, H 


207 


116 


22, T 


167 


81 


15, 1 


208 


104 


20, G 


168 


82 


15, A 


209 


193 


41. Y 


169 


83 


15, /. 


210 


194 


41,2 


170 


84 


16,3/ 


211 


129 


2b, H 


171 


85 


16, N 


212 


130 


25, / 


172 


86 


16, 


213 


131 


26, a: 


173 


87 


16, P 


214 


132 


26, L 


174 




—— 


215 


226 


50, Ä- 


175 


11 


3, A 


216 


155 


30, AT 


176 


88 


16, Q 


217 


125 


24, D 


177 


89 


16. i? 


218 


126 


24, E 


178 


62 


12, 


219 


127 


2b, F 


179 


64 


12, Q 


220 


128 


25, G 


180 
181 


65 
66 


12, n 

1 3, S 


221 1 

222 J 


541 1 


28, V 


182 


67 


13, T \ 


223 






183 


68 


13, V 1 


224 


154 


30, L 


184 


90 


16, *S 


225 


63 


12, P 


185 


19 


5, T 


226 


156 


30,^ 


186 


13 


n,N 


227 


157 


30, 


187 


97 


18, il 


228 


— 


— 


188 


98 


18, ß 


229 


232 


52, Q 


189 


99 


18, C 


230 


207 


44, 2^ 


190 


18 


4, S 


231 


206 


44, Äf 


191 


105 


20, H 

1 


232A. 


224 


50, H 



Die polnische Becension der Magdeburger Urtheile. 



280 








1 

i 



251 


W 




232L 






281 


69, T 




233 


225 


50,1 


j 252 


239 


54, Z 




234 


236 


53, V 


253 


240 


54, A' 




235 


237 


53, X 


254 


166 


32, -^ 




236 


238 


bA,Z 


255 


167 


33, /iC 




237 


158 


31, P 


256 

1 


7 


2, G 




238 






257 




— 




239 


273 


65, ir 


258 


212 


46, S 




240 






259 


244 


55, C 




241 


278 


68, Q 


: 260 


245 


56, D 




242 


159 


31, Q 


261 


168 


33,9 




243 






262 


169 


33,./l 




244 


247 


56, -F 


263 


242 


55, i4 




245 




— 


264 


243 


55, U 




246 


178 


36, G 


265 


170 


33,9 




247 


179 


36,// 


266 








248 






267 


— 






249 


282 


69, V 


268 








250 


— 






• 





Mit Hilfe dieser Tabelle ersieht man also, dass die polni- 
sche Recension in Bezug auf Artikelfolge mit der czechischen 
zwar nicht übereinstimmt, dass sie jedoch andererseits nur 
wenige Bestandtheile in sich fasst, die nicht zugleich auch in 
czechischer Bearbeitung vorkommen würden. Auf 268, oder 
präciser auf 271 ^ Artikel, die der polnischen Recension eigen 
sind, fehlen in der czechischen Bearbeitung thatsächlich nur 
45, und zwar: 23—30, 43, 47, 52—53, 56, 64 Ende, 67, 
76—77, 80, 87—89, 92, 97, 99, 102—104, 109, 121—122, 
129, 142, 157, 174, 232 Ende, 238, 240, 243, 245, 248, 250, 
257 und 266—268. Von denselben sind O 109, 157 und 267 
bis 268 auch in den übrigen in Betracht gezogenen deut- 
schen und lateinischen Sammlungen nicht vorhanden, 23 
bis 30, sowie 108 hingegen wohl in. den deutschen Texten 
der ersten Redaction zweiter Nuance, keineswegs aber auch 
in den übrigen Texten nachweisbar. 67 kommt ausser den 



1 Ich rechne so mit Rücksicht auf Art. O 63* und Art. O 193* + »>. 
Sitoangsber. d. phil.-hist. Ol. CXI. Bd. I. Hft. 19 



200 KAluinUeki. 

Trxtoii clor orKton Rodnotion zweiter Nuance, wie bekannt,* 
nur nocli in IH vor. 

Wonnfifloicli (^s nl)or vorstehender Zusammenstellung zu- 
foljic** knint^ni Zwoifol unterlioji^t, dass die polnische Recension 
Hioh ihrem Inhalte nach fast p^anz in der czechischen wieder- 
lindot und somit zu ihr in ofTenbarer Verwandtschaft steht, so 
int damit noch lan^o nicht Alles entschieden. Um von der 
im WitMior , Ix^ziohunjijH weise im Prager Texte enthaltenen 
ozcohischon Hoarboitung der Magdeburger Urtheile behaupten 
XU ktlnnon ^ dass sie für die polnische Recension eine actuelle 
Hodoutung habe, mUsstc von ihr zuerst noch nachgewiesen 
wordon, dass sie mit der letzteren auch in Bezug auf ihren 
Wortlaut llbenMnstinuuo. Es gereicht mir nun zur ßefriedigmig, 
oonstatiivn zu ki^nnon, «lass es dem in der That so ist. Mit Aus- 
nahme der Umgestaltungen und der Lesarten (grösstcntheils 
l'Vhlor\ die das speeielle Kigenthum der polnischen, wie zum 
Theil der ersten Redaetion zweiter Nuance bilden imd von mir 
im (\ipitel III des Näheren dargelegt wurden: mit Ausnahme 
ferner auch der Artikel O 11, 21, 31, 48, iU, M Anfang, 83, 
UM, llVi, i;U), KU lf>o Mitte, li>2, 163, 1G6, liu, 173, 170, 

i8t?. n>:>. pjs, iw, ÄU, 205, 207, 211, 221, 229, 230, 231, 

237, 23l>, 241, 242, 249, 2r)l, 252, 2t>l und 2i>5, die in W 
thoils etwas ausi'tlhrlioher, theils etwas kürzer, tlieils sonst modi- 
tioirt sind , stimmen die ilbrigen , in beiden Bearbeitungen in 
gleioluMU Masse vorkommenden Artikel auch in Bezug auf den 
Wortlaut in einer Weise übeivin, die in der vollen Bedeutung 
dieses Wortes* eine durchgriMfende ist. Zum Beweis dessen 
filhrt^ ich mehrert^ von ihnen hier wörtlich an und fiige, um 
die Benuuung dieser Zusammenstellung auch den des Polni- 
sohon und des Ozei^hisohen Unkundigen zu enuögHohen, jcnlem 
dieser Texte eine wörtliche neuhochdeutsche Tebersotzung bei. 

• V»M*. «ion »x»i« wivljÄ«is**htM> t^lor Jon t!*.'.roh t!on Gois: der di«>sbe«üp- 



Die polnische ReceoRion der MafdeVnrger Urtheile. 



291 



Art. 15. 



Polnischer Text. » 

Gdyby geden 
czlowyek zatw- 
yerdzon w naßem 
prawye rok y 
dzen o glowa albo 
o rany albo o czo- 
kolwye takyego, 
a w them czaßye 
nye przyßedl ku 
oprawye ,' moße 

ly g^go zona 
albo przyrodzo- 
ny oßyefcz albo 
przedacz yego f to- 
yacze gymyenye. 
a moze ' ly teß 
on ßwe gyd§cze 
gymyenye w gy ne 
prawo bracz y wy- 
wyefcz, albo czo 
iny zaprawo ma- 
my k them v po- 
dlug pravego pra- 
wa? 

Na to my przy- 
ßaßnyczy ß Mayd- 
burkv mowymy 
prawo; Tego dla, 
gyß * czlowyek 
badze zatwyer- 
dzon kn prawu o 
przerzeczone rze- 
ezy / nye mog;} 
ßyapanowye pod- 



Uebersetzung dieses 
Textes. 

Wenn ein Mann 
verfestet wäre in 
unserem Gerichte 
Jahr und Tag um 
Todtschlag oder 
um Wunden oder 
um was immer 
Derartiges und 
binnen der Zeit 
nicht zur Berich- 
tigung käme, ob 
seine Frau oder 
seine Anverwand- 
ten sein stehen- 
des Erbe besetzen 
oder verkaufen 
mögen, oder ob 
er sein bewegli- 
ches Gut in ein 
anderes Gericht 
nehmen und weg- 
führen könne, 
oder was für ein 
Recht wir dazu ha- 
ben nach Rechte? 
Hierauf spre- 
chen wir Schöffen 
von Magdeburg 
ein Recht : Da- 
rum , weil ein 
Mann um die vor- 
genannten Sa- 
chen zu Gerichte 
verfestet wurde, 
können sich die 



Czechlsoher Text. 

Geftlizebyczlo- 
wiek geden w ry- 
chtie naffie byl 
zatwrzen rok a 
den pro wrazdu 
anebo o ranu ane- 
bo o nietczo ta- 
koweho, azeby w 
tom czaffu ne 
bylo frownano, 
moz li zena gehe 
nebo gehe die- 
diczowe prodati 
nebo wyfaditi to 
zbozie, aneb mo- 
ze li on fwoy 
ftatek mowity do 
gine rychty wne- 
fti, anebo czo w 
tom prawa geft, 
neb mieli li bych- 
mo my w tom czo 
wedle praweho 
prawa? 

Na to prawo 
prawime my kme- 
the z Meidburka : 
Budye ly geden 
zatwrzen o mord 
neb wrazdu neb 
o ranu , proto 
ne mohu ty pani 
toho diediczftwie 
a zbozie prawem 



üebersetaung dieses 
Textes 

Wenn ein Mann 
in unserem Ge- 
richte verfestet 
wäre Jahr und Tag 

um Ungerichte 
oder um Wunde 
oder um was im- 
mer Derartiges 
und dies binnen 
der Zeit nicht be- 
glichen (berich- 
tigt)sein würde,ob 
seine Frau oder 
seineErben dieses 

Gut verkaufen 

oder besetzen 
mögen, oder ob er 
sein bewegliches 
Gut in ein anderes 
Gericht bringen 
könne, oder was 
darum Recht sei, 
oder ob wir was 
dazu hätten nach 
rechtem Rechte? 
Hierauf spre- 
chen wir Schöffen 
von Magdeburg 
ein Recht: Wird 
Jemand verfestet 
um Mord oder 
Ungerichte oder 
um Wunde , so 
können die Herrn 
de.ssen Erbe und 



' In Betreff des polnischen Textes gilt das auf S. 177, Anm. 2, und S. 195, 

Amn. 1 Gesagte. 
' Nach P verbessert; 8k hat ebenfalls oprawye: Kcc: wyprawye; O : prawye. 
' Im Codex steht: mozefa. 
* Nach P verbessert; in O steht: efs. 
■' Im Codex folgt noch ein überflüssiges a. 



292 



KttYuintAcIci. 



Polnischer Teit. 

y§cz tego 1 gy- 
myenyn, ale tlio 
ma gyogo zona 
albo przyrodzony 
albo on , komv 
*on* tego przy- 
y^ye, oßyefcz; y 
teß ßwe gydacze 
gymyenye moze 
wywyefcz y dacz 
ßoby e przy wyefcz 
w gyne prawo, 
gdze chczo; alo 
ftoyacze gyrnye- 
iiye, yako dzye- 
dzyna, nye moßo 
wßdacz, alyß ßam 
oczy wyfczye ban- 
dze podlugprawa. 



Gdyby raczczo 
yaly przyßyaßny- 
ka, czoßrzeczmo- 
wyl gynych przy- 
ßaßnykow, a tben 
przyßaßnyk ß gy- 
nymy wßy tbkymy 
prayßaßnyky wo- 
laly ßa ku prawu, 
rzekacz : Myly pa- 
nowye, proßymy 
waß, abyfcze na- 
ßego thowarzyßa 
y naß zoftawyly 
podleprawa, geft- 
]y2 on czo na- 



Uebersetzung dieses 
Text€«s. 

Herrn dieses Gu- 
tes nicht unter- 
winden , sondern 
es hat dies die 
Frau oder die An- 
verwandten oder 
der, dem er dies 
zueignet, in Be- 
sitz zu nehmen; 
und sein beweg- 
liches Gut kann 

er wegführen 
oder sich weg- 
führen lassen in 
ein anderes Ge- 
riebt, wo er will; 
aber sein stehen- 
des Gut, als da ist 
Erbe , kann er 
nicht aufreichen, 
bis dass er selber 
gegenwärtig sein 
wird nach Rechte. 



Czechischer Text 

fe zmoczniti ani 
fe w nie vwazati, 
ale gelio zena a 
diediczowe magy 
to obfefti aneb 
niekto giny, ko- 
muz by on toho 
przal ; a ftatek 
fwoy mowity moz 
on wneftydo g^ne 
rychty neb kamz 
on chcze ; ale fto- 
iateho a lezateho 
zbozie ne moz on 
wynefti aniz gehe 
fpuftiti a otewz- 
dati, lecz by fam 
byl , wedle pra- 
weho prawa. 



Art. 49. 



Wenn die Rath- 
männer einen 
Schliffen fiengen, 
der das Wort 
anderer Schöffen 
spräche, und die- 
ser Schöffe sich 
mit allen ande- 
ren Schöffen zu 
Gerichte riefe, 
sprechend: Liebe 
Herrn, wir bitten 
euch , dass ihr 
unseren Genossen 
und uns bei Rech- 
te lasset , [and] 



Dale geftli by 
conflele gednolio 
kmethagiali, kte- 
ry by od ginycli 
flowo mluwil, a 
tben kmeth s gi- 
nymi kmethy fe 
ku prawu odwo- 
lal, rzkucze: Mily 
pani , profyme 
was, abyfte na- 
ffieho towaryffie 
y nas przy prawa 
zuostawily, geft- 
lize geft czo proti 
prawu Yczinil, to 



Ueb«!netnmg dieaa 
Textes. 

Gut mit IlMkt 
weder anspredMa 
noch sichindtf- 
selbe binden, Nft- 
dem seine Fm 
und Erben habe« 
dies zu besetnft 
oder Jemand st- 
derer, dem er £ei 
zueignete iml 
sein beweglidiif 
Gut kann er ib 
ein anderes Ge- 
richt bringen oder 
wohin er wd; 
aber sein stehen- 
des Gut klBB 
er weder wegfBk- 
ren, noch du- 
selbe überlisMB 
und anfreichflif 
Ausser dass erid- 
ber da wäre, nieli 
rechtem Recht». 



Femer wen» 
die Rathmianer - 
einen SchSiBV 
fiengen, der to» 
den anderen dn» 

Wort spriU^ 
und dieser SchOfe 
mit den anderei 
Schöffen sich n 

Gerichte riefe, 
sprechend : liebt 
Herrn, wir bittM 
euch , dass ihr 
unseren GenosMa 
und uns bei Rech- 
te lasset, lallser 



* P hat: gego. 

2 Aus Sk vervollständigt; O und P haben blos: geß. 



Die polnische Rccension der Magdeburger Uriheile. 



293 



Polnischer Text. 

przeczyw warn 
mowyl albo prze- 
padl, tho chcze- 
my warn pokupem 
polepßycz,' — a 
ony ^ wßdy na 
to w yaczthwo 
wßadzyly,^ maya 
ly gryny przyßaß- 
nyczy daley othy- 
chmyafth ßye- 
dzecz na prawye, 
albo kako ly ßy^ 
tho ma dokonacz 
podlug prawa? 



Na tho my przy- 
ßaßnyczy prawo 
mowymy s May- 
borku : Geft ly 
tych przyßaßny- 
kow trzy albo 
wyaczey,tedy mo- 
ga ony dobrze na 
prawye ßy edzyecz, 

potrzebuge ly 
[gych] *o tho* 
woyth albo szan- 
dz^ y kaße , a nye 
trzeb^ gym tego 
myßkacz prze tho, 

acz thowarzyß 
ßyedzy w gyn czth- 
wye. Teß gdyby 
przyßaßnyk prze- 
czyw ko raezczam 
nycz gynego prze- 
ftapyl, gedno tho, 
czo mowyl waßa 
rzecz , a wy byß- 



Uebersetzung dieses 
Textes. 

falls er was gegen 
euch gesprochen 
und verbrochen 
hat, so wollen wir 
euch das mit Bus- 
se bessern, — und 
sie ihn dennoch 
darüber ins Ge- 
fängniss stiessen, 
ob die anderen 
Schöffen seitdem 
auch ferner noch 
zu Gerichte sitzen 
sollen, oder wie 
dies zu Ende ge- 
führt werden solle 
nach Rechte? 

Hierauf spre- 
chen wir Schöf- 
fen von Magde- 
burg ein Recht: 
Sind der Schöffen 
drei oder . mehr, 
alsdann mögen sie 
wohl zu Gerichte 
sitzen, wenn sie 
der Vogt oder 
der Richter dazu 

benöthigt und 
heischt, und sie 
dürfen dies nicht 

darum versäu- 
men, weil ihr Ge- 
nosse im Gefäng- 
niss sitzt. Auch 
wenn der Schöffe 
gegen die Rath- 
männer nichts An- 
deres übertreten 
hätte, als nur das, 
dass er euer Wort 



Czechischer Text. 

my chczeme we- 
dle prawa oprawi- 
ty, — a oni by 
^Qy przefto wfa- 
dily V wiezenie, 
magi li pak giny 
kmethe faud fe- 
dieti anebo nicz, 
anebo kterak to 
ku konczy przi- 
gity ma? 



Na to prawo 
prawime kmethe 
w Maydburcze : 
Geft li kmetow 
trzie anebo wie- 
cze, tehdy mohn 
a magi fand fe- 
dieti , geftlize 
rychtarz gicb k 
tomr prziwola, a 
pro to ne mohu 
toho opuftiti, ze 
gich geden towa- 
ryß v wiezeni. 
A take, geftlize 
czo gineho ten 
kmeth^ ne vczi- 
nil, nez ze geft 
flowo waflie k 
conffelom mlu- 
wil, a profite, aby 
was przi prawu 
nechali, y ne mye- 
li by oni geho 



Uebersetzong dieses 
Textes. 

aber was gegen 
euch gethan hat, 
so wollen wir 
euch das nach 
Rechte berichti- 
gen, — und sie 
ihn ungeachtet 
dessen ins Ge- 
fängniss stiessen, 
ob die anderen 
Schöffen alsdann 
zu Gerichte sit- 
zen sollen oder 
nicht , oder wie 
dies zu Ende 
kommen solle? 

Hierauf spre- 
chen wir Schöf- 
fen von Magde- 
burg ein Recht: 
Sind der Schöffen 
I drei oder mehr, 
alsdann können 
und sollen sie zu 
Gerichte sitzen, 
wenn der Richter 
sie dazu heischt, 
und sie dürfen 
dies darum nicht 
versäumen , weil, 
einer ihrer Genos- 
sen im Gefängniss 
ist. Auch, wenn 
dieser Schöffe 
nichts Anderes 
gethan hätte, als 
nur dass er euer 
WortzudenRath- 
männern sprach, 
und ihr bittet. 



' Nach /* verbessert; O und Kk haben: polozycz; Sk: pokupycz y poflapycz. 
^ Nach P verbessert; Ka hat ebenfalls W8zadzy1y; Sk: oßadzyfy] 0:wßaly. 
^ Im Codex steht: neh kmethe. 



294 



Ka }u2iiiack i. 



I'olniwrlmr Tt'xi. 

ciyo proliyly to, 
yß by wali pr»y 
prawyo HZoftM- 
wyono, top) dla 
nyo iiiyoly by jfo 
wl^adxics w yacK- 
thwo, podlu^pra- 
wa. 



Daley pnBymrze I 
ly djtecjcnciv py- 
mvonve od ßwe- 
po Oi*£0Ka, a prEV- 
iMo Iv tho dsve- 
o«;i ku ßwvm 

• 

lathonu tho p»*ft 
dalev dwaiiaeiTo 
lath» tinW to py- 
mvonreono moie 
d\»br«e fwev mat- 

m 

oio daox albo 
srvn^mv iVomv 
prryrxHi«ouemv. 
koniu ' ouo ohcn', 
' I»« y 3w v'kleny ik 
ir.aiky. S prawA 



Textes 

8prach , und ihr 
peboton hättet, 
da8H (iio euch bei 
Rechte la«Men, so 
Hollteu sie ihn 
wepon dem nicht 
ins Gefanpniss 
setzen , nach 
Rechte. 



('z<s'hi8cher Text. 

pro to do wiese- 
nie wfadity wedle 
praweho prawa. 



Art. G8. 



Ferner wenn 
einem Kinde von 
seinem Vater ein 
Ciutanstärbe, und 
dieses Kind zu 

seinen Jahren 
käme, d. i. über 
Ew((lf Jahre, als- 
ilann kann es die- 
ses liut seiner 
Mutter wohl ge- 
ben t>der einem 
anderen seiner 
Anverwandten, 
^em et» «ill. mit 
Hrlaubniss «einer 
Muner Vomr^vb- 
:en Ke^'Lte. 



Geftlize pedno- 
mu dietieti ftatek 
odvmrzel po g^ho 
otcxy, a geftli to 
dietie przyfflo k 
fwym letom, przef 

dwanafte leth. 
tehda moz dobrze 
ftatek fwov dati 
materzv fwe aue- 
ho pednomn gine- 
mn , 'komuz bv 
chtielo , a \k* i 
woly materze rw«r. 
uebo ge«t prawa 
die«diczka vca a 
prxir.'Z«-x:a. 



Uel>ersetrong di«Me 

daas sie euch bei 
Rechte lassen, so 
sollten sie ihn 
wegen dem nicht 

ins GefÜngnisB 
setzen, nachrech- 
.tem Rechte. 



Wenn einem 
Kinde ein Gnt 
angestorben ist 
nach seinem Va- 
ter , und wenn 
dieses Kind za 
seinen Jahren ge- 
kommen ist, über 
zwQlf Jahre, als- 
dann kann es wohl 
sein Gut seiner 
Matter geben 
•.•d«T einem An- 
deres . wem et 
wolhe. und dies 
mit Winen «noer 
M^*vtrT. denn sie 



An. " KC^. 






3»f V*'.i>T\. t ^1.' 



* * • 




Zcülai ••tkKT 






Die polnische KecensioD der Magdeburger ürtheile. 



295 



Polnischer Text. 

lenym gycb dze- 
dzynnego pana, 
baudcz on ducbo- 
wny albo ßwyecz- 
ky, az on gym od- 
pufczy, az maya 
V naß ortel bracz, 
albo yß mog^ po 
ortel do naß cbo- 
dzycz, czyly czo 
gef t prawo v waß ? 



Myafta , targy 
albo *wffy,* czo 
leß^ pod waßym 
prawem, tho geft 
pod waßym po- 
ßlußenTtwem albo 
panftwem , czy 
moga do waß po 
prawo chodzycz; 
chczal ly by teß ^ 
ktory pan, bandz 
ducbowny albo 
ßwyeczky , ßvo- 
ym poddanczom 

przyßvoly[cz], 
*aby mogly* wa- 
ßego prawa pozy- 
wacz,^thym moze- 
cze *tbeß* waße- 
go prawa myefcz- 
kyego nadzelycz 
albo wyrzecz, po- 
dlug prawa. 



üebersetznng dieses 
Textes. 

Erlaubnis« ihres 
Erbherren, er sei 

geistlich oder 
weltlich, falls or 
ihnen dies frei 
Hesse, dass sie bei 
uns ein Urtheil 
nehmen sollen, 
oder dass sie zu 
uns um Urtheil 
kommen mögen, 
[sollte noch fol- 
gen: nun es bei 
uns holen dürfen], 
oder was sonst bei 
euch Recht ist? 
Städte, Märkte 
oder Dörfer, die 
unter eurem Ge- 
richte liegen, das 
ist unter eurer 

Obedienz und 
Herrschaft , die 
mögen zu euch 
ums Recht kom- 
men. Wollte auch 
irgend ein Herr, 
er sei geistlich 
oder weltlich, sei- 
nen Unterthauen 
erlauben, dass sie 
euer Recht ge- 
brauchen möch- 
ten, denen könnt 
ihr wohl euer 
Stadtrecht 'aus- 
folgen oder aus- 
sprechen , nach 
Rechte. 



Czechischer Text. 

now gichz , ten 
bud fwietfky neb 
duchowni, v nas 
prawo brati mohu 
li, czi czo prawo 
geft? 



Na to prawo 
prawime my kme- 
the w Maydbur- 
cze : Miefta a 
miefteczka nebo 
wffy, kterziz pod 
waffy rychtu le- 
zie nebo fu, ty 
mohu V was pra- 
wo braty Pak 
li by niektery 
pan, fwietfky neb 
ducbowny, fwym 
poddanym odpu- 
ftiti chtiel tak, 
aby oni prawa 
wafßeho miefta 
pozywali , tehda 
wy mozete take 
gim wafHeho mie- 
ftczfkeho prawa 
vdielity , wedle 
praweho prawa. 



üebersetzung dieses 
Textes. 

theile mit Willen 
ihrer Herrn, der- 
selbe sei weltlich 
oder geistlich, 
bei uns das Recht 
nehmen mögen, 
oder was sonst 
Recht ist. 



Hierauf spre- 
chen wii* Schöffen 
zu Magdeburg ein 
Recht -.Städte und 
Märkte oder Dör- 
fer, die unter eu- 
rem Gerichte lie- 
gen oder sind, die 
können bei euch 
das Recht neh- 
men. Wollte auch 
irgend ein Herr, 

weltlich oder 
geistlich, seinen 
Unterthauen er- 
lauben also, dass 
sie das Recht euer 
Stadt gebrauchen, 
alsdann könnt ihr 
ihnen wohl euer 
Stadtrecht aus- 
folgen , nach 
rechtem Rechte. 



* Im Codex steht: chcza ly teß Ijy; O hat: chcza ly teß by; P: chczq ly Inf 

U/s. 
- Nach P corrigirt; Ka hat ebenfalls: pozywacz; 0: poßyczacz. 



296 



KaYuiniacki. 



Art. 176. 



rolni:^«.*her Text. 

Kyedv czlo- 
wyek |>oddA* ßyo 
prze<i burgrabja 
ulbo przed fnn- 
dem albo przed 
raozczaniy pod 
wylSe prawo <>cz- 
kolv bandz , a 
thept» iiye dzyer- 
ßv, czo teil o to 
czlowyek prze- 
patU, albo czo o 
tho iiiaya czyiiycz 
podliig prawa, al- 
bo czo *o tho* 
geft *prawü*? 

Podda \y ßye 
kto przt*d burgra- 
bya pod wyßhe 

prawü oczkoly 
baiidz , a nye 
dzyerßy togo albo 
nyo Ipeliiy, ten 
przepadl ßefcz- 
dzyer>antli ßela- 
gow ; podda ly 
ßyo tako przed 
ßyedzacz.M rada, 
tedy przei>adiiyo 
ßhefcz y trzy- 
dzyefbczy ßela- 
pow, tho geft 8zlo* 
wyeiißkji grzyw- 
11»; a rtaiiye ly 
liye tho przed 
woytheni , tedy 
mv przydze za 
to ofßin ßelagow, 
f prawa prawego 
Mayd borßky ogo. 



Uebersetzung dit?s«s 
Text«. 

Weun sich ein 
Mann vor dem 
Burggrafen oder 
vor dem Geriehto 
oder vor den Kath- 
mäiineru, es sei 
um was es sei, 
unter das höchste 

Gericht begibt 
und das nicht hält, 
was dieser Mann 
darum verfallen 
ist, oder was man 
darum thun soll 
nach Rechte oder 
was darum Kecht 
sei? 

Begibt sich Je- 
mand vor dem 
! Burggrafen unter 
I das höchste Kecht, 
I es sei um was es 
sei, und er dies 
■ nicht hält oder 
nicht vollfilhret, 
so ist derselbe 
sechzig Schillinge 
verfallen; begibt 
er sich in gleicher 
Weise vor dem 
sitzenden Käthe, 
alsdann verfällt 
er sechsunddreis- 
sig ^^chi}lingc, das 
I ist eine sloveni- 
sche Mark ; und 
geschieht dies vor 
dem Vogte, als- 
dann folgen dem- 
selben acht Schil- 
linge, vom rech- 



(.'zeohisober Text. 

Geftlize byge- 
den czlowiek 
przed purkabo- 
wym faudem ane- 
bo przed radu pod- 
wolil fo pro nie- 
kteru wiecz pod 
naywyffim pra- 
wera, a on toho 
ne zdrzy, czo on 
pro to powinon 
bude purkabi, ra- 
die neb rychtarzi 
z prawa? 



N. t. p. p. m. 
k. w M: Podwoli 
li fo kto przed 
purkaby pod nay- 
wyffim prawem a 
on toho ne zdrzy, 

tehda geft «ui 
propadl fetTtdefat 
ffylink; pak li fe 
tt) ftano przi>d fe- 
diczy radu, tehda 
tu naywyfie pra- 
wo geft ffeft a 
trzidczat rfylink 
wedle obecznieho 
mieftczfkeho fwo- 
lenie ; pak li fe 
t<» ftano przed 
rvchtarzem, teh- 

dy geft geho 

wettunk viii 

i.ofm) ffylink, acz 

by fe to ftah» z 

profte przyczyiiy. 



Ueb«r!«tzung dieses 
Tvzte«. 

Wenn ein Mann 
sich vor dem 

bnrggriflichen 
Gerichte oder vor 
dem Rathe um 

irgend welche 
Sache unter das 
höchste Recht be- 
gäbe, und er dies 
nicht hielte, was 
er darum dem 
Burggrafen, dem 
Rathe oder dem 
Richter schuldig 
wäre nach Rech- 
te ? 

H. s. w. Seh. 

i z. M. e. R: Be- 
gibt sich Jemand 
vor dem Burg- 

I grafen unter das 
höchste Recht 
und er dies nicht 

. hält, alsdann ist 
er sechiig Schil- 
linge verfallen; 
geschieht dies vor 
dem sitae nden 
Käthe, alsdann ist 
das höchste Kecht 
sechsunddreissig 
Schillinge laut 
der gemeinen 
städtischen Will- 
ktthr ; geschieht 
dies aber vor dem 
Richter, alsdann 
ist sein Gewette 
viii (acht) Schil- 
linge , falls dies 



' Im Codex steht minder richtig: podda ly ßye. 



Die polnische Recension der Magdeburger Uriheito. 



297 



Polnischer Text. 



PjrUilyfczye naß 
o prawo thymy 
ßlowy : Gdy by 
czego w naßem 
myerczkyein* pra- 
wye Dye naleßyo- 
no , a ta rzecz 
nalezona by w 
ßyemßkyem pra- 
vye 2 py ffanym, 
mozem ly tho 
*gyfczye* ßyem- 
ßkye prawo vy- 
rzecz ' za nye- 
myeczßkye pra- 
wo, albo czo o 
th6 geft prawo? 



Wßythk^ py- 
ßuia *ßij* ludzom 
ßoftawyoiiy y da- 
ny na wyedzenye 
y na nauk».^ Prze 
tho ktho geft przy- 

ßaßnykyem y 
przyßagl kv pra- 
wu, teu moze 
podlug lepßego 
ßwego roßvma 
pyßma naycz or- 



UebersetziiDg dieses 
Textes. 

ten Magdeburgi- 
schen Rechte. 



Czecbiächer Text. 



wedle 
prawa. 



praweho 



Art. O200. 



Ihr habt uns 
um Recht gefragt 
mit diesen Wor- 
ten: Wenn man 
etwas in unserem 
Weichbildrechte 
nicht fände, und 
dieses gefunden 
wäre im geschrie- 
benen Landrech- 
te, ob wir dieses 
Landrecht für das 
deutsche Recht ' 
aussprechen kön- 
nen , oder was 
darum Recht sei ? 



Alle Schriften 
sind den Men- 
schen überlassen 
und gegeben zum 
Wissen und zur 
Belehrung. Da- 
rum wer Schöffe 
ist und zu dem 
Rechte geschwo- 
ren hat, der kann 
nach seinem be- 
sten Schriftver- 



Dale geftli by 
fe komu aneb 
niekomu w mie- 
ftie prawa ne do- 
ftalo, to geft zeby 
ortele nalezti ne 
vmiely, a na to 
zeby byl ortel 
nalezen w zem- 
fkem anebo li w 
manf kem prawie, 
moz li to przi- 
giato byti za pra- 
wo wy[k]pildfke, 
cziczo za prawo? 



N. t. p. p. m. 
k. w M.: Wffecz- 
ka a wffelika pi- 
fma gfu wydana 
k wiedieni a k 
nauczeni lidem. 
Pro toz, kteryz 
geft kmeth a ma 
przifahu ku pra- 
wu , ten muoz 
wedle fweho v- 
rzadu a iakz nay- 



UebersetzuDg dieses 
Textes. 

aus einer gemei- 
nen Ursache ge- 
schehen wäre, 
nach rechtem 
Rechte. 



Ferner wenn 
dieser oder jener 
in der Stadt das 
Urtheil nicht be- 
kommen könnte, 
das ist, dass man 
das Urtheil nicht 
zu finden wüsste, 
und dieses Ur- 
theil hiefttr ge- 
funden wäre im 
Land- oder im 
Lehenrechte, ob 
dieses für das 
Weichbildrecht 

angenommen 
werden könne, 
oder was Rech- 
tens? 

H. s. w. Seh. z. 
M. e. R.: Alle und 
allerlei Schriften 
sind den Leuten 
zum Wissen und 
zur Belehrung 
gegeben. Darum 
wer Schöffe ist 
und zu dem Rech- 
te geschworen 
hat , der kann 
seinem Amte ge- 



* l* hat: nyemyeczfkym; ebenso Ku; Sk: myefikym. 
' Nach P verbessert; in steht: praweni, 

> Ebenfalls nach P verbessert; in steht: wyersycz. 

* Diese Stelle ist nach P, zum Theile nach Sk und Ka rectificirt; in O 
lautet sie folgendermassen : Wfiythh^ pyßma y nauka ludzom ßo/tawyony 
y dany, Prze tho etc. 



298 



Kftlain iacki. 



PoI-üii*r Text. 

tel T «TTzecz ua 
fiwa pnyGaira. A 
pTzymsL \y py 
prxeD prz yganjr * 
za prawo, tedj ten 
ortel ma mTecz 
mocz. Ale lajra 
ly gy, tedy mvCa 
1» nym do vryGe^> 
praw;|, jr^l^ye to 
obyczaynye ' Cla 
po prawo. A kto- 
rego «fitela jrefr«/ 
dopafcza z wyüe- 
go prawA albo 
poczwyrdza . tbo 
maya przyyacz za 
prawo. 



T»-xt*-«. 

• standniflü da« Vr- 
theil finden and 

. an^sprcchen auf 
seinen Eid. Und 
wenn man es 

' ohne .Scheltung 
f8r Kecht an- 
nimmt, dann s<j11 
dienes irrtheil 
Kraft haben. 
Wenn en aber 
geflch'dten wird, 
<lann muM» mit 

, ihm an da« höch- 
ste Gericht ge- 

. schickt werden, 

. w«i man gewöhn- 

I 

lieh um Kecht 
I ischickt Und wel- 

• che« Unheil vom 
höchsten Gericht 
zugelaaAen oder 
bestätigt wird, 
diesifoll fürKfHrht 

angenommen 
werden. 



Czrthiwli« Teil. 

lepe rozomieti 
moz, ten ortel 
nalezty p'xl fwn 
przifahu. Geftlize 
pak tomu orteli 
bude folkowano 
bez ot]xjni, tehdy 
ten ortel mocz 
ma. Pak li by ten 
ortel ftrafowan 
byl, tehda ma fe 
f nym odwolati 
k wyfTemu prawu. 
A czoz potom V 
wyfTiebo prawa 
bude nalezeno za 
prawo , to ma 
drzano bvti. Z 
praweho prawa. 



T>berv!t2iiii|r dicw» 
Text««. 

mäs« and wie er 
dies jun besten 
verstehen tuMg^ 

dieses Uitheil 
finden auf seinen 
Eid. Wenn so- 
nach diesem IJr- 
theil Folge gege- 
ben wird ohne 

Widosetzlich- 
keit, alsiUnn hat 

dieses Urtheil 
Kraft WOrde aber 
diese» Urtheil ge- 
straft werden, als- 
dann moss man 
sich mit ihm in 
das höhere Ge- 
richt ziehen. Und 
was hieniaf im 
höheren Gericht 
als Recht frefiin- 
den werden wird, 
da» soll gehalten 

>♦ erden. Vom 
rechten Rechte. 



Art. O 21t). 



I'vtaivfrze naD 
o praw'i telj. iakr> 
wyele przylJaCny- 
kow ma bvcz na- 
mnyey kii gAyo- 
nemv fandowy 
o Ijwelka "* rz'^cz, 
aby mngl woyth 
fadzycz podliic 
prawa V 



Auch habet ihr 
uns gefragt um 
Re«.'ht. wie viele 

.Schöfft-n zum 
minde.sten Mein 
sollen zum geheg- 
ten Gericht** um 
jeglirhe Sache, 
damit der Vogt 

richten möge 
nach Rechte? 



Knietow k fau- 
du hageny kolik 
ma byti uayme- 
ni<r, s kteryniiz 
bv wa5 rvchtarz 
ni'ihl fand zaha- 
giti? 



Der Schöffen 
zum Hegen des 

Gerichtes wie 
viele zam min- 
derten sein miL«(- 
sen« mit welchen 
euer Richter das 

Gericht hegen 
könnte? 



' In O steht: prz^ß frzyjMtjy aOto przfffi prz^fiagy aU/*» prz^ß P^^ys^ny; in 

Sk blos: f*eß przyfiyngy ; in /' und Ka: ie h^.ß prztjitany. 
' Aus Hk vervollständigt. 
' Sk hat: o trßeika; Kr.: o irje/ka. 



Die polnische Kecension der Magdebui^er Urlheile. 



299 



Poloischer Text. 

Przyßaßnykow 
mabycz namnyey 
trzy: geden, czo 
ortel ma wyrzecz, 
a dwa, czo k temu 
maya przyßwo- 
lycz. S tymi mo- 
ze woyth fand 
gaycz y fandzycz, 
czo trzeba, nye 
ma ly albo nye 
moze ly gycb 
wyaczey myecz, 
a to geft prawo 
podlug prawa. 



Gdy kto zaluge 
na nyewyafta 
ßwyathky o gey 
dlug albo o ßlu- 
byenye , * a ona 
chczala by ßama 
ßye odprzyßancz,' 
ktho thv geft bly- 
ßy, ona ly blyßa 
ßya odprzyßancz 
famn, czyly blyßy 
powod nayn ßwya- 
thky dokonacz, 
albo czo o to 
geft prawo? 



Zaluge ly kto 
na nyewyafta o 



Uebersetzung dieses 
Textes. 

Der Schöffen 
sollen mindestens 
dreie sein: einer, 
der das Urtheil 

auszusprechen 
hat , und zwei, 
die dem zu will- 
fahren haben. Mit 
diesen kann der 
Vogt das Gericht 
hegen und rich- 
ten , was noth- 
wendig ist, falls 
er ihrer mehr 
nicht hat oder 
nicht haben kann, 
und dies ist Recht 
nach Rechte. 



Czechiscber Text. 

N. t. p. p. m. 
k. w. M.: Kme- 
t^w ma naymenie 
byti trzie k faudu 
hageny: geden k 
ortelom nalezeny, 
a dwa, geff to tomu 
folkugy. [S tymi 
moz rychtarz fand 
hagity y faudity], 
geftlize gich wie- 
cze ne ma aniz 
moz mieti, wedle 
praweho prawa. 



Art. 247. 



Wenn Jemand 
eine Frau mit 
Zeugen beklagt 
um Schuld oder 
um Gelübde, und 
sie möchte selbst 
sich abschwören, 
wer da näher ist, 
ob sie näher ist, 
sich selbst abzu- 
schwören , oder 
ob der Kläger 
näher ist, sie mit 
Zeugen zu über- 
führen, oder was 
darum Recht ist? 



Beklagt Je- 
mand eine Frau 



Dale kdyby 
gedna zena obza- 
lowana byla fe 
fwiedky o dluh 
neb o flib, a zeby 
ona chtiela fama 
fwu ruku odgity, 
geft li onablizffy ^ 
fama fwu ruku 
gednu odgity, czi- 
li zalobnik blizffy 
bude gy prze- 
fwiedczity fwymi 
wyffimi pomocz- 
nymi lidmi, neb 
czo w tom prawo 
geft? 



N. t. p. p. m. 
k. w. M.: Bude 



üebersetzung dieses 
Textes. 

H. s. w. Seh. 
z. M. e. R.: Der 
Schöffen sollen 
mindesten dreie 
sein zum Hegen 
des Gerichtes : 
einer , der die 
Urtheile findet, 
und zwei, die dem 
Folge geben. [Mit 
diesen kann der 
Richter das Ge- 
richt hegen und 
richten], falls er 
ihrer mehr nicht 
hat oder nicht 
haben kann, nach 
rechtem Rechte. 



Ferner wenn 
eine Frau an- 
geklagt worden 
wäre mit Zeugen 
um Schuld oder 
um Gelübde, und 
sie selbst mit 
eigener Hand ent- 
gehen möchte, 
ob sie näher ist, 
selbst mit eigener 
Hand zu ent- 
ge)ien, oder ob 
der Kläger näher 
sein wird, sie mit 
seinen Eideshel- 
fern zu überzeu- 
gen , oder was 
darum Recht ist? 

H. s. w. Seh. 
z. M. e. R. : Wird 



' Nach Sk rectificirt; in O steht wohl durch Verschreibung : o filuhne, 
3 Sk hat statt dessen : a ona chczyala hy tego ßama odhycz, 
^ Im Codex folgt noch ein überflüssiges: odgity. 



300 



K»lu2n iacki. 



roluisvher Text. 

dliip albo o ßlu- 
bttwaiiyo pey, to 
gefi oiia blyßya 
cMlydcz * rama fwa 
rankn, uyßly by 
kto na nya niogl 
dokonacz, a tho 
geft podlug pra- 
wa jirawego. 



Textt?!. 

um Schuld oder 
um ihr Gelübde, 
so ist 810 näher 
selbst mit eigener 
Hand zu ent- 
gehen , als da88 
sie Jemand über- 
führen könnte, 
und dies ist nach 
rechtem Hechte. 



Cze^histher Text. 

li gedna zena ob- 

I zalowana o dluh 

I nebo pro flib 

fwoy, toho geft 

' ona blizffy odgity 

fama fwu ruku, 

a no moz prze- 

fwie^lczena byti 

kromio faudu ha- 

goneho wedle pra- 

weho prawa. 



Utfber(«taning dieses 
Textes. 

eine Frau beklagt 
um Schuld oder 
um GelQbde, so 
ist sie nSher, dem 
selbst mit eigener 
Hand lu ent- 
gehen , und sie 
kann nicht über- 
führt werden 
ausserhalb des ge- 
hegten Gerichtes, 
nach rechtem 
Rechte. 



Aber auch jene Artikel, von denen ich sagte, dass sie 
im Vergleich zu den betreffenden Artikehi der polnischen Re- 
cension rilcksichtlich ihres Wortlautes etwas weiter gehende 
Differenzen bieten, stimmen mit ihnen im Uebrigen in einer 
Weise überein, die eine ziemlich llberraschende ist. Ich ftlbre 
beispielshalber (selbstverständlich mit entsprechender deutscher 
Uebersetzung) folgende an: 



Art. 11. 



Pytalyfcze naß 
o prawo thymi 
slowy: Przylila 
gedua nyewyafta 

przed gayony 
ßand • y * yeft 
fwe pyinyeuyo y 
ßwa rzccz wßdnla 
y vftanowyla, y 
ti» zapyßano, y 
vczynyla ßwopo 
bratha opyekadl- 
nykyem ' kv do- 
konanyv gey 
wßdanyv,' iako 
rtogy zapyßano od 



Ihr habt uns 
um Kocht gefragt 
in diesen Worten : 
Es ist eine Frau 
gekoninion vur 
(las gehegte Ge- 
richt und hat 
ihre Habe und 
ihro »Sache ge- 
geben und be- 
stellt, und d(is ist 
eingeschrieben, 
und hat ihren 
Bruder zum Vor- 
munde gemacht 
zurVollstreckung 



Dalie walTie 
otazka «) prawo, 
ze przed l'aud ha- 

' geny przilTla geft 
pani gcdna a rzie- 

: dila y odewzdala 
geft fwe zbozie, 

\ iakoz podopfano 
ftogy, a zpuosob 
vczinila dietem 
fwym a poruczni- 

\ ka, aby to ode- 
wzdanio a /rzieze- 
uiu naplnil. A tak 
flowo od flowa w 
liftu kmctfkem 



Ferner ist euro 
Frage um Recht» 
dass vor das ge» 

hegte Gericht 
eine Frau ge- 
kommen ist, und 
sie hat ihre Habe 
bestellt und auf- 
gereicht, wie un- 
ten geschrieben 
steht, und ihren 
Kindern einen 
Lebensunterhalt 
gesichert hat und 
einen Vormund, 
damit er diese 



^ tik hat wiftt/cz; Kit: ndycz. 

2 P hat: opyekadlnyka, 

3 Sk hat: doniit; Kie: ilatcanyv; /': lUiiiyv, 



Die polnische Rcccnsion der Ma(i;debur(;cr Uribeile. 



301 



Polnisdier Text. 

ßlowa do ßlowa 
w przyßyaßnym * 
reyftrze. A gdy 
yvßetha nyewya- 
rta vczynyla tlio 
danye, poßla za 
maß y vmarla. 
Potliem przyßedl 
gey m^ß przed 
gayny ßand y py- 
tal ortela thymy 

ßlowy : Gdy- 
czyem ya ßyedzal 
ßwa zon?} w gyey 
gymyenyv pel- 

nym prawem, 
mam ly ßwey ze- 
nye prawo odzyer- 
ßecz y doßagn^cz 

gyd^czego gy- 
myenya y nyegy- 
daczego gey gy- 
myenya , czyly ^ 
czo prawo *gef t* ? 

They vmarley 
nyewyafty brath 
rzekl naprzeczyw 
themu: Pytham 
prawa , mam ly 
lepße prawo k 
them V gy my eny V, 
gdyß ona mnye 

przed gaynym 
(andern ß pelnym 
prawem gey gy- 
myenye wßdala 
*y fpufczyla* pyr- 
wey, nyßly gego 
sona ßoftala; a 

*o* tho ßye 
byersado reyftra 



TIebersetzung dit«*».«; 
Textes. 

ibror Gabe, wie 
dies gescbrieben 
Rtebt von Worte 
zu Worte im 
Scböflfenrogister. 
Und wie diese 
Frau diese Gabe 
schon getban hat, 
nahm sie einen 
Mann und starb. 
Alsdann kam ihr 
Mann vor das ge- 
hegte Gericht und 
fragte Urtheils 
mit diesen Wor- 
ten: Nachdem ich 
mit meiner Frau 
in ihrer Habe mit 
vollem Rechte 
gesessen bin, ob 
ich das Recht 
meiner Frau zu 
übernehmen und 
ilir bewegliches 

und unbovveg- 
liches Gut zu er- 
langen habe, oder 
was Recht .sei? 
Dem entgegen , 

sprach dieser 
todten Frau Bru- 
der : Ich frage 
das Gericht, ob 
ich ein besseres 
Recht auf dieses 
Gut habe, zumal 
.sie mir ihr Gut 
vor dem gehegten 
Gerichte mit vol- 
lem Rechte tiber- 
reicht und über- 



Czechificber Text. 

rtogi: Coram qui- 
bus veniens ho- 
nefta matrona etc. 
A kdyz ta na- 
przed pfana pani 
to wzdanie vczi- 
nila , y pogiala 
fobie muze y vm- 
rzela. A potom 
prziffel geft ten 
muz przed fand 
hageny a tazal 
fe z prawa, ponie- 
wadz on przeby- 
wal geft 8 man- 
zelku f wu w zbozy 
gegiem f plnym 
prawem a w tom 
zamrzel geft w 
wffem prawie, acz 
by on miel prawo 
te panie odrzeti, 
aneb czo by toho 
prawo bylo na 
mowitem ftatku a 
na fwerffcziech 
toho zbozie ? Pro- 
ti tomu odpieral 
geft te vmarle 
zeny bratr a rzekl : 
Ya fe tiezy z pra- 

weho prawa, 
geftli to zbozie 
wietffim prawem 

na mnie geft 
odvmrzelo, ponie- 
wadz mi ona pra- 
wie a rozomnie 
przed faudcm ha- 
genym fe wffim 

poruczenftwim 



Uebersetzuog dieses 
Textes. 

Gabe und diese 
Bestellung voll- 
strecke. Und es 
steht im SchOffen- 
brief von Worte 
zu Worte also : 
Coram quibus 
veniens honefta 
matrona etc. Und 
wie diese vorge- 
nannte Frau diese 
Gabe gethan hat, 
nahm sie einen 
Mann und starb. 
Da kam dieser 
Mann vor das ge- 
hegte Gericht und 
fragte Rechtens, 
ob er, da er mit 
seiner Frau in 
ihrer Habe mit 

voHem Rechte 
verblieben und 
auch darinnen be- 
storben wäre mit 
allem Rechte, das 
Recht dieser Frau 
zu übernehmen 
hätte , oder was 

sonst dessen 
Recht wäre auf 
das bewegliche 
Gut und auf die 
Gesammtheit die- 
ser Habe? Dem 
entgegen antwor- 
tete der Bruder 
der todten Frau 
und sprach: Ich 
frage Rechtens, 

ob mir dieses Gut 



^ Nach 8k, beziehungsweise nach Ka rectificirt; O und P hshen: pi/ßanem. 
2 Nach P rectificirt; O hat: eyltf ly. 



302 



KalninUekl. 



Polnischer Text 

przyßyaDnycsego 
C»o s prawa* gefth 
myedsy th3rma 
dwjema. 



Na to my przy- 
ßaßnyczy z Maid- 
borkv mowyemy 
pravvo : Czokoly 
maß gydaczego 
gymyenya ßwey 
zeuye, poky by- 
la zywa, k xobye 

wßal, myal y 
dzyerzal, to ma 
my ecz y dzerßecz ; 
ale rtogyaczo gy- 
myenye y gyne 
nyeftoyacze, kto- 
re maß ♦they* 
nye dzerßal za 

zywotha zony 
fwey, tho przydze 
gey brathu 8 pra- 
wego prawa, yako 



üebersetnmg dieses 
Textes. 

lassen hatte, be- 
vor sie noch seine 
Frau wurde; und 
ich ziehe mich in 
Betreff dessen an 
das Schöffenre- 
gister. Was nun 
Rechtens ist zwi- 
schen diesen bei- 
den? 



Hierauf spre- 
chen wir Schöffen 
von Magdeburg 
ein Recht: Was 
immer der Mann 
an beweglicher 
Habe seiner Frau, 
so lange sie lebte, 
zu sich nalmi, 
hatte und hielt, 
das hat er zu 
haben und zu 
halten; aber ste- 
hende Habe und 
andere nicht ste- 
hende, die der 
Mann zu Leb- 
zeiten seiner Frau 
nicht hielt , die 
folgt ihrem Bru- 



Csediisdier Tezi 

podaU y otewada- 

la prwe, nezli 
gehe manzelku 
byla; a toho fe 
tahnu ne kmet- 
fky list. Protoz 
proßme was z 
prawa , czo by 
mezy obiema ftra- 
nami prawobylo? 



Na to prawo 
prawime my kme- 
the w Maydbur- 
cze: Czoz by ten 
czlowiek ftatku 

mowiteho fwe 
manzelky , do- 
kudz ona zywa 
byla, w fwe obra- 
nie miel, przigal 
a wzal, to on ma 
fobie * miety a 

obdrzeti krom 
toho, czo z ku 
grodu przifflu- 
flie; ale ftoiate 
zbozie wlaftnie a 
gine zbozie, kte- 
rez geft odrm- 
rzeno wnie obra- 



üebeiwfaEnsg dioii 
Textes. 

mit mehrSB 
Rechte ang«to^ 
ben sei, mmtl 
sie mir danetbe 
redlich und rer 
ständig vor den 

gehegten Ge- 
richte mit aller 

Vormundschaft 
früher übergeben 
und überreiehi 
hatte, bevor «e 
noch seine Frau 
ward; und in Be- 
treff dessen sehe 
ich mich an dsa 
Schöffenbriet Ds 
bitten wir wdi 
vom Rechte, was 
zwischen beidas 
Parteien Reckt 
wäre? 

Hierauf i[MPe- 
chen wir Schöftn 
zuMagdeburgä« 
Recht: Was diMer 

Mann an bewe^ 
lieber Habe seiner 

Frau, so lange »• 
lebte, in seiner 
Wehre hatte, ao' 

nahm und in 
eigen behaaptel»^ 
das soll er habet*- 
und behaupte« 

mit Ausnahme 
dessen, was tnr 
Gerade gehSrt; 
aber stehende ei- 
gene und andere 
Habe, die anaeer- 
halb der Wehre 



* P, Sk und Ka haben: za pratco. 

' Im Originale folgt noch ein überflüssiges: nia. 



Di« polnische Rceennion der Magrdebnrger Urtheile. 



303 



Polnischer Text. 

^mv *gego* ßyo- 
rtra wßdala y ßa- 
pyfala. 



Daley ' moze 
c7.1owyek fwa 
rzecz albo gjmje- 
nye w dludze za- 
ftawycz, ocz ban- 
dze najm zalo- 
wano,^ a tho ma 
Tczynycz przed 
thym sandza albo 
prawom , g-dze 
ßlucha ku prawn 
podlug prawa pra- 
wej^o. 



Daley pytalyf- 
czye naß o pra- 
wo: Gdyby ktho 

TC2ynyl nagla 
necK nad syroth§ 

albo nad go- 
fczjem, albo nad 
takym, czo by thu 

prsEyrodzonych 



Uebersetzung dieses 
Textes. 

der Yom rechten 
Rechte , wie sie 
ihm seine Schwe- 
ster aufgereicht 
nnd yerschrieben 
hat. 



Czechisdier Text. 

ny toho muze, to 
przlTlurne dietem 
te panie w te 
mierze a tak, ia- 
koz geft przed 

rychtarzem a 
kmethy zpofobila 
a dala wedle pra- 
weho prawa. 



Art. 82. 



Ferner ein 
Mann mag seine 
Sache oder sein 
Gut flir Schuld, 
um die er ver- 
klagt würde, wohl 
versetzen, nur hat 
dies zu thun vor 
dem Richter oder 
dem Gerichte, zu 
welchem er ge- 
hört nach rech- 
tem Rechte. 



Na to prawo 
prawime my kme- 
the V Maydbur- 
cze: Ne moz za- 
dny czlowiek pro 

dluh zartawiti 
zbozie fweho, o 
kterez geft on 
obzalowan,kterez 
w te rychtio ne 
zalezy tu , kdez 
geft on obzalo- 
wan, lecz on to 
vcziny w te rych- 
tie, tu kdez to za- 
lezy wedle pra- 
weho prawa. 



Art. 124. 



Femer habt ihr 
uns um Recht 
gefragt : Wenn 
Jemand eine ge- 
waltsame That an 
einer Waise oder 
an einem Gaste, 
oder an einem 
Solchen verübte. 



Dale moz li 
rychtarz doby wati 
bezprawie fyrot- 
czieho aneb zena 
aneb niekto giny 
pro pana boha az 
do przietele przi- 
buzneho, a take 
w tom postihani 



üebersetzong dieses 
Textes. 

dieses Mannes 
abgestorben ist, 
die gehört den 
Kindern dieser 
Frau in dieser 
Weise und also, 
wie sie dies vor 
dem Richter und 
den Schöffen ver- 
ordnet und ge- 
geben hat, nach 
rechtem Rechte. 



Hierauf spre- 
chen wir Schöffen 

zu Magdeburg 
ein Recht: Kein 
Mann mag für 
Schuld versetzen 
sein Gut, um das 
er verklagt ist 
und das nicht im 
Gerichte liegt, wo 
er verklagt ist, 
sondern er thut 
dies in diesem 
Gerichte, wo das 
hingehört nach 
rechtem Rechte. 



Ferner ob der 
Richter oder eine 
Frau oder Je- 
mand Anderer bis 

zum nächsten 
Freund das einer 
Waise zugefügte 
Unrecht fordern 
kann durch Gott 



1 In Sk folgt noch: teß, 

^ P hat : cxo hqdxe na nyt xedowano; Ka und Sk: czo bandze nany zahtvaiw. 



304 



Kaliizniaicki. 



Tolni'H'lier Teit, 

nje myal, moze 
\y wojrth ftlbo ßa- 
dx^ fordrowacz 
albo gyny czlo- 
wjek ax do ge^ 

prxvrodxonjch 
priTfcxya prxe 
bog, albo moxe 
Iv w them for- 

« 

drowaiiyv tego 

teD zaracxycz 
albo xacxwyr- 
dzycz az do przy- 
fczya gego przy- 
nMlzonycb, czyly 
czo geft f prawa 
prawego Mayd- 
[burelcvego]? 



Wovth albo 
Dandza moze ßv- 
rothnych ludzy, 
ßlowye, czo przy- 
rodzonycb thu 
nye maya,* nagle 
foldrowacz rze- 
czy,' yako przy- 

rodzeny gych, 
♦gdy» by «thv* 
byly,' a tho geft 
f prawa prawego. 



I 



l'elH'iX'tzun^ diHse> 
TfXtcfs. 

der bior keine 

Anven«*aiidten 
bütte, ob der Vogt 
oder der Kicbter 
oder ein anderer 
Mann die» fordern 
darf bis znr An- 
kunft Reiner An- 
verwandten durcb 
Gott, odor ob er 
in dieser Forder- 
ung denselbigen 
verbürgen oder 
verfesten mag biv<« 
zur Ankunft sei- 
ner Anverwand- 
ten , oder was 
Kecbt pei vom 
recbten Magde- 
burgiscben Kerb- 
te? 

Der Vogt <»der 
der Kicbter kann 
die (lewalttbätig- 
keiten, die ver- 
waisten Leuten, 
d. i. solcben, die 
bier keine Ange- 
börigen baben, 
zugefügt wären, 
wie ibre Ange- 
biirigen fordern, 

falls sie bier 
wHren, von rocb- 
tem Recbte. 



< VeehiM'lH'r Texl. 

tobo gifteho mos 
li zatwrditi ax do 

przitonniofti 
przietele prziroxe- 
nebo, czi czo pra- 
wo geft? 



N. t. p. p. m. 
k. w. M. : Kvcb- 
tarz moze dobrze 
bezprawie, kterez 
fe diege lidem 
fvrvni , zalowati 
tak dobrze, iako 

przietel pome- 
czy (! ) , kdy by 
przitomen byl, 
wedle prawebo 
prawa. 



rebersetsong dieMc 
Textes. 

und ob er in 
dieser Fordeniii| 
den Betreffmidm 
verfesten kann 
bis znr Anweten* 
heit eines aiifs- 
borenen Freon- 
des , oder 
Recht ist? 



II. 8. w. 8ch. 
z. M. e. R.: Der 

Rtcbter kann 
wobl das Unrecht, 
das ven^-aisten 
Lenten geschieht, 
eben so gut kU- 
gen , wie der 

angel>orene(?) 
Freund, wenn er 
anwesend wire, 

nach rechtem 
Rechte. 



Art. O 162. 

Gdy czlowyeka ! Wird ein Mann Oeftlize by 

ozaluya o glowa um Todtscblag niektery czlo- 

albo o czyaßkye oder um schwere wiek byl obxalo- 



Wenn ein Mani 
angeklagt wordeir-aa 
wäre am Hilfe 



* Im Codex folgt noch ein Übertiüssiges und in P nicht vorhandenes: 

' Sk hat : ntufl^t/ rzeezy /ordrmcacs, 

3 Im Codex steht ein sinnloses: «r btfltf. 



Die polnUcfae R«censioD der Ma|;deburger Urthntlc. 



305 



fext. 

^y po- 

»»yeal- 

^rtaw-y, 

poran- 

rpyecz ' 

ipicz, a 

le thych 

, czfo 

S ofßm- 

yda za 

oß cze- 

,ko teil 

praw 

gdyby 

bo by 

nye- 

albo 

:eft za 

^odlng- 



y kto 
^y oza- 
glowa 
r'aßkye 
I pofta- 
cu pra- 
en po- 
in zayn 
war- 
* ßa o 
ßmiiaf- 



low, a 



üebersetzung dieses 
Textes. 

Wunden ange- 
klagt und dieser 
Mann einen Bür- 
gen zu Gerichte 
stellt, und wenn 
er sich dann nicht 
stellt oder nicht 
gestellt wird, was 
der Bürge dafür . 
zu leiden oder zu 
zahlen hat, und 
wie viele dieser 
Heller, derer bei 
uns 18 für einen 
böhmischen Gro- 
sclien gehen, und 
wie dieser Ange- 
klagte gerecht- 
fertigt sein soll, 
wenn er meinen 
oder sagen würde, 
dass er unschul- 
dig sei, oder was 
darum Recht ist? 



Bürgt Jemand 
für einen , den 
man um Todt- 
schlag oder um 
schwere Wunden 
verklagt hat, und 
ihn nicht vor das 
Gericht stellt, als- 
dann hat dieser 
Bürge für ihn das 
Wehrgeld zu zah- 
len, das sind für 



CÄechlscher Text. 

wan o pomocz o 
mord, anebo o 
ranu, a ten czlo- 
wiek bude wyru- 
czen ku prawu, 
aby ftal, a potom 
neftane ku pra- 
wu, czo by rukoy- 
mie geho za to 
trpieti niiel, ane- 
bo miel li by czo 
za to rychtarzi 
daty peniez, kte- 
rychz-to peniez 
V nas za geden 
czefky grofs ffeft- 
naczt peniez, ne- 
bo kterak ten 
gifty pomocznik 
toho mordu miel 
by prazden byti, 
geftli ze te geft 
przed prawem k 
newinie poddal, 
neb czo toho pra- 
wo geft? 



N. t. p. p. m. 
k. w. M.: Wyru- 
czy li geden czlo- 
wiek druheho o 
pomocz z mordu, 
a ne poftawy ge- 
ho, tehda ma ten 
rukoymie dati za- 
lobnikowi wer- 
gelth , to geft 
ofmnafte ffuntow, 
a rychtarzy geho 



Tlebersetzung dieses 
Textes. 

leistung bei einem 
Morde oder um 
eine Wunde, und 
dieser Mann ver- 
bürgt wäre bei 
dem Rechte, dass 
er erscheinen 
würde, und dann 
nicht erschiene 
vor dem Gerichte, 
was sein Bürge 
hiefür zu leiden 
hätte, oder ob er 
dem Richter hie- 
für was Geldes 
zu geben hätte, 
welches Geldes 
bei uns für einen 
böhmischen Gro- 
schen 16 Heller 
gelten, oder wel- 
cher Art der 
besagte Helfer 
dieses Mordes 
sich entledigen 
könnte, falls er 
sich vor dem 
Rechte auf seine 
Unschuld berufen 
hat , oder was 
darum Recht ist? 
H. s w. Seh. 
z. M. e. R.: Bürgt 
ein Mann für 
einen anderen um 
Hilfeleistung bei 
dem Morde und 
ihn nicht stellt, 
dann hat dieser 
Bürge dem Klä- 
ger das Wehrgeld 
zu geben, d. i. 
18 Pfund, und 



anstatt dessen : czo n tho mvffij porqczni/k cxifrpyecx. 
I>er. d pbil -bist. Cl. ('XI. Md. I. Hfl. 20 



300 



Ka>n<niacki. 



PoliuHcher Text. 

woythowy wynn 

ofßm ßßlagow 
pyenftdzy; ale o 
rany, acz o czyaß- 
kyo, poracxnyk 
ma zaplaczyczf o- 
lowyczn wargel- 
thv,* to peft (Izyc- 
wyacz funthow, a 
woytliowy ßyodm 
ßolagovv wyiiy; a 
myony ly ktho 
*teß* ßwn nyo- 

wyiinofcz , ten 
moze ßam odycz 
ß\v;} ranka alho 
ßamotrzecz, oza* 
luya ly po^ ß 
ßwyatliky » pra- 
wa. 



TelxTSfetzunp dieses 
Text«*. 

den Todtschlag 
18 Pfund und 
dem Vogte acht 
Schillinge Heller 
als Buaso ; aber 
fUrWundon, wenn 
auch fllr schwere, 
hat der Bürge die 
Hälfte desWohr- 
geldcH zu zahlen 
und dem Vogt 
Hieben Schillinge 
Busse; und wenn 
Jemand seine Un- 
schuld behauptet, 
der kann allein 
mit seiner Hand 
entgehen oder 
selbstdritt , falls 
er mit Zeugen 
augeklagt wird, 
vom Rechte. 



'Vechischer Toxt. 

wottnnk ofm ffy- 
link , a kazdy 
ffunt czini dwa- 
czeti rCylink , a 
kazdy ITylink czy- 
ni dwanafte hale- 
rzuw tiech poniez. 
Goftli pak gePt o 
rann , tehdy da 
ten ruk(»ymi puol 
wergeltu, to geft 
dewiet ffuntow, a 
rychtarzy gehe 
wettunk ofm ffy- 
link takowych 
peniez , iakoz w 
te rychtie gdu a 
beru. Pak li ge- 
deu poda fe k 
newinie z to po- 
nioczy, ten moz 
odgiti fwu fa nie- 
ho gednu rukn. 

A geftlize se 
fwicdky obzalo- 
wan, tehdy odey- 
de famtrzeti we- 
dle praweho pra- 
wa. 



Art. O 1G5. 



('«hersetniiig diem 
Text««. 

dem Richter seine 
Wette acht Schil- 
linge, und jedes 

Pfund macht 
zwanzig Schillin- 
ge , and jeder 
Schilling iwOlf 

Heller dieser 
Münze. Wenn es 
sich aber um eine 
Wunde handelt, 
dann gibt dieser 
Bürge das halbe 
Wehrgeld, d. i. 
neun Pfand, und 
dem Richter seine 
Wette acht Schil- 
linge solcher 
Münze, wie lie 
in diesem Ge- 
richte gellt und 
genommen wird. 
Wenn sich aber 
Jemand in Betrefif 
dieser Hilfeleist- 
ung für unschul- 
dig erklKren wür- 
de, der kann mit 
der einen Hand 
seiner selbst ent- 
gehen. Ist er aber 
mit Zeugen an- 
geklagt worden, 
dann entgeht er 
selbstdritt nach 
rechtem Rechte. 



Moga ly przy- 



Oh die Schöffen ' Dale mohu li 
ßaßnyczy alho i oder der Richter i rychtarzakmethe 
woyth ortel od- ein Urtheil ver- . s ortelem prodle- 



Ferner ob der 
Richter und die 
Schöffen ein Ur-< 



* Im Codex steht fälschlich: wargeUho. 

' Nach P verbessert; in O steht fälschlich: rasD. 



Die polnische Recension der Maf^deburgor ürtbeile. 



307 



Polnischer Text. 

wloczycz albo od- 
lozycz beß woley 
ftroiiy, a gdyhj 
gedn^ ftrona tho * 
cbczala a dru^a 
nye chcÄla, a ka- 
ko wyele krocz 
moze bycz albo 
nye moze podhig 
prawa pravego? 



Natbomyprzy- 
ßaßnyczy z Mayd- 
borku mowymy 
prawo : Nyewyo- 
dza ly albo nye 
moga ly przy- 
ßaßnyczy ktorego 
ortelv naydz, ßlo- 
wye wyrzecz, tedy 
moga to odlozycz 
do dmgyego y do 
trzeczyego ßandv; 
tedy ony maya 
ten ortel wydacz 
albo mayfi poyn 
poßlacz do wyße- 
go prawa, gdzye 
obyczay nye ' po 
prawo ßla, a nye 
maya dluzey tego 
odwloczycz po- 
dlng prava. 



Uebersetznng dieses 
TexU'is. 

ziehen oder ver- 
legen mögen ohne 
den Willen der 

Parthei , oder 
wenn die eine 
Parthei dies woll- 
te und die andere 
nicht wollte, und 
wie oft dies sein 
kann oder nicht 
sein kann nach 
rechtem Rechte? 



Hierauf spre- 
chen wir Schöf- 
fen von Magde- 
burg ein Recht: 
Wissen die Schöf- 
fen ein Urtheil 
nicht oder können 
es nicht finden, 
d.h. aussprechen, 
dann mögen sie 
dies bis zum zwei- 
ten oder b^s zum 
dritten Gerichte 
verlegen, wo sie 
sodann verpflich- 
tet sind dieses 
Urtheil auszufol- 
gen, oder um das- 
selbe an das hö- 
here Gericht zu 
schicken, wo sie 
gewöhnlich ums 



Czechiseher Text. 

waty a odkladati 
od gednoho faudu 
do drnheho bez 
wuole zalobnika 
anebo toho, koho 
fe doticze, anebo 
zebygedne ftrany 
wuole byla a dru- 
he nicz , kterak 
dluho moz fe to 
ftati , anebo ma 
li to byti wedle 
prawa, racz te nas 
navcziti. 



N. t. p. p. m. 
k. z M: Geftlize 
kmethe ne vmie- 
gy ortele aneb fe 
w tom ne mohu 
frownati , tehda 
oni mohu ten or- 
tel odlozitik dru- 
hemu faudu ane- 
bo k trzetiemu 
faudu ; pak oni 
magy ten ortel 
wynefti a zdielati 
nebo odeflati k 
wyffiemu prawu, 
geftli by toho ne 

mohli nalezty; 
dolffieho oni w 
tom ne magy pro- 
dlewanie vcziniti 
wedle praweho 
prawa. 



Uebersetznng dieses 
Textes. 

theil verziehen 
oder verlegen mö- 
gen von einem 
Gerichtstag zum 
anderen ohne den 
Willen des Klä- 
gers oder dessen, 
den dies anbe- 
trifft, oder dass 
dies der Wille 
von nur einer 
Parthei wäre und 
von der andern 
nicht , oder wie 
lange dies gesche- 
hen kann, oder ob 
dies nach Rechte 
wäre, geruhet uns 
zu unterweisen. 

H. s. w. Seh. 
V. M. e. R: Wenn 
die Schöffen ein 
Urtheil nicht ken- 
nen oder sich 
hierin nicht ver- 
gleichen können, 
aLsdann mögen 
sie dieses Urtheil 
bis zum zweiten 
oder bis zum drit- 
ten Gerichte ver- 
legen ; hierauf 
haben sie aber 
dieses Urtheil aus- 
zutragen und zu 
machen oder an 
das höhere Ge- 
richt zu schicken, 
falls sie dasselbe 
nicht finden könn- 
ten; eine weitere 



' Im Codex steht irrthümlich : fJia. 

' Nach P rectificirt; O hat: gdzye ohyczaii ßla; Sk : gdzye ohyez€iy geft szlacz 
podlug prawa; Ka wie P. 

20* 



3tJ« 


K»toii 


siacki. 




Polnischer Text. 


' TelKTsetzang dieses 


Czechischer Text. 


rebf>ne(smg d 




Textes. 




Texte. 




Recht schicken, 




Dilation bi 




nnd sie haben 




sie diesbetOj 




dies nicht länger 




nicht SQ 




zu verziehen nach 




nach rech 

1 




Rechte. > 


1 Rechte. 




Art. 215. 




Jako a ktorimi 


Wie und mit 


Sandhagitikte- 


Wie soll 


ßlowy maja fand 


welchen Worten 


rak magy wedle 


des Gericht' 


gaycz, aby gayon 


man das Gericht 


prawa?' 


nach Recht 


[byl] podlug ' 


hegen soll , auf 






Maydborßkyego 


dass es gehegt sei 






prawa , a kako 


nach Magdebur- 






wyele mayabycz 


gischom Rechte, 






przyßaßnykow na 


und wie viele 






nyem,' acz gych 


Schöffen hiebei 






nye wyaczey 


sein müssen, ob 






trzeb§ kv wßel- 


ihrer nicht weni- 






kyey rzeczy, czy- 


ger und nicht 






ly gych k gedney 


mehr sein müssen 






wyaczey trzeba 


zu einer jeden 






nyßly ku drugey, 


Sache , oder ob 






a kako wyele 


ihrer bei einer 






wyaczey trzeba,' 


Sache mehr sein 






a gdy przydze 


müssen als bei 






dzen prawu pra- 


einer anderen und 






wy wylozony, kto- 


um wieviel mehr, 






ra godzyna a ka- 


und wenn der 






ko dlngo przy- 


rechte ausgelegte 






ßaßnyczy powyn- 


Tag des Gerichtes 






ny ßa ßyedzecz 


kommt , welche 


• 




woythowyk fadu 


Zeit undwie lange 






podlug prawa? 


die Schöffen dem 

Richter sitzen 

sollen zu Gerichte 








nach Rechte? 






Gdy przydze 


Wenn der fest- 


N. t. p. p. m. 


H. 8. w 


polozony* dzen^ ; 


gesetzte Tag des 


k. w. M : Kdy 


z. M. e. R: 



' Die Worte von maga bis podlug fehlen in Sk. 

2 In den übrigen Texten steht: k themit, das gleich nach wj/ele folj 

' Dieses Wort ist aus »Sk hinzugefügt. 

* In Sk und Kct folgen noch: czaß cUbo. 

* In Sk folgt noch: ßadu albo. 

^ Es ist dies eigentlich mehr Rubrik als Frage. 



Di« polnische Recension der Magdeburger Urtheile. 



309 



:ezt. 


Uebersetzung dieses 




Textes. 


f po- 


Gerichtes kommt, 


bor&- 


alsdann hat nach 


olecz 


Magdeburgi- 


rth f 


schem Rechte der 


f na 


Vogt sich auf den 


apy- 


Stuhl zu setzen 


pray- 


mit den Schöffen 


Serth 


in den Bänken 


lycz? 


und soll der Vogt 


ßnyk 


die Schöffen fra- 


ortel, 


gen, ob es Zeit 


czaß. 


sei, das Gericht 


1 raa 


zu hegen. Da hat 


przy- 


der Schöffe das 


»dru- 


Urtheil zu finden. 


ly, a 


dass as Zeit sei. 


|rcz?2 


Alsdann hat der 


ßnyk 


Vogt denselben 


moze 


oder einen ande- 


. geft 


ren Schöffen zu 


Tedy 


fragen, ob er das 


zecz: 


Gericht hegen 


fpra- 


mag und soll. Da 


rono, 


findet der Schöffe, 


^utha 


dass er es wohl 


sapo- 


mag, weil er Vogt 


zoß ' 


ist. Alsdann hat 


sapo- ! 


der Vogt zu sa- 


n,3y 


gen: Sowie es mir 


kaz- 


vom Rechte ge- 


rawo 


funden worden 


i ze 


ist, 80 he'ge ich 


owye 


hier das Gericht 


acz,* 


und verbiete, was 


iwa. 


ich von rechts- 


1 ga- 


wegen zu ver- 


woy- 


bieten habe^ und 


ma 


erlaube Jeder- 



Czechischer Text. 

gyz przide den 
faudny, tehda ma 
rychtarz s kmety 
w gitrinem czaf- 
fie pofadity fe na 
lawicziech a ma 
fe gednoho kme- 
tha otazati, geftli 
czas faudity. Teh- 
da ma kmeth or- 
telem naleznuti, 
ze geft czas fau- 
du. Tehda taze 
fe rychtarz dale 
kmetha, mage li 
on fand zahagity. 

Tehdy nalozne 
kmeth, ze on to 
moz dobrze vczi- 
niti , poniewadz 
geft rychtarzem. 
A opiet dale tieze 
fe, czo on ma zapo- 
wiedieti. [Tehdy 
nalezne kmeth] : 

Mocz , kwalth, 
bezprawie a mrz- 
koft. Tehda ma 
rychtarz rzeczy : 
Tak iakozmi geft 
od prawa nale- 
zeno , tehdy ia 
hagimten-to fand 

a zapowiedam, 
czoz mam z pra- 
wa zapowiediety, 
a przipowiedam, 
aby kazdy czlo- 



Uebersetzung dieses 
Textes. 

schon der gericht- 
liche Tag kommt, 
alsdann soll der 
Richter mit den 
Schöffen zur Mor- 
genzeit sich auf 
die Bänke setzen 
und einen von 
den Schöffen fra- 
gen, ob es Zeit 
sei zu richten. 
Dahat der Schöffe 
durch ein Urtheil 
zu finden , dass 
die Zeit des Ge- 
richtes da sei. 
Alsdann fragt der 
Richter weiter 
den Schöffen, ob 
er das Gericht 
hegen soll. Da 
findet der Schöffe, 
dass er dies wohl 
thun könne, weil 
er Richter sei. 
Und wieder fragt 
er weiter, was er 
zu verbieten habe. 
[Da findet der 
Schöffe]: Macht, 
Gewalt, Unrecht 
und Schande. Als- 
dann hat der Rich- 
ter zu sagen: so- 
wie mir vom 
Rechte gefunden 
worden ist , so 
hege ich dieses 



Nahurßka; Ka: poiUiig Maydburakyego prawa. 
ize Stelle von: Tedj woyth bis gaycz ist in Sh nicht vorhanden. 
ie Stelle: czofi fprawnye zapmoyedacz inam ist in Sk nicht vor- 



ebenfalls nicht vorhanden. 



310 



Katntniiftcki. 



Tolnihcher Text. 

ludzoni opowyo- . 
daez,* yß inaya ' 
jjayoiiy liacl, a y 
foldrowac/i, koniv 
prawa jKjtrzoba, 
Hinz« thu vczy- 
iiyrz lie czczya 
podluf? prawa. ^ I 



Text»?*. 

mann sein Hecht 
zu fordern mit 

Ehrerbietung, 
d. h. recht thu- 
end, nach Hechte. 
80 iflt das Ge- 
richt bereit» ge- 
hoget. AUdann 
hat des Vogtes 
Bote den Leuten 

zu verkünden, 
dass sie das ge- 
hegte Gericht ha- 
ben und dass^ wer 
Hecht braucht, er 
dieH fordern kann 
mit Kbrerbietun^r 
nach Hechte. 



<.'zec}ii»clier Text. 

wiek prawa fweho 
dobywal ie czty 
a r kazny wedle 
fluffnofti wedle 
toho prawa. Tak 
geft l'aud zahage- 
ny. A pak rych- 
tarzow pofrel ma 
to lidem oznaroi- 
ty , ze rychtarz 
s fwymi kmethy 
fwoy faud geft 
zahagil , tak ze 
kazdy czlowiek 
fweho prawa do- 
bywati moz fe 
czty a r kazni 
wedle praweho 
prawa. 



reberBeCaamg dicMi 
Text««. 

Gerieht und ver- 
biete, was ich tob 
rechtswegen tu 
verbieten habe, 
und erlaube, di» 
Jedermann sein 
Recht fordre mit 
Ehrerbietung nnd 
Furcht nach Bil- 
ligkeit und naeli 
diesem Rechte. 
So ist das Ge- 
richt geheget. Di 
hat des Richten 
Bote dies den 
Leuten su w- 
kttuden, dass der 
Richter mit sei- 
nen 8chüffen sein 
Gericht geheget 
hat, sodassJeder^ 
mann seiu Recht 
fordern mag mit 
Ehrerbietung und 
Peinlichkeit nach 
rechtem Rechte. 



Art. O 252. 



Przydaczgeden 
czlowyok przed 
prawo,rzokl:.Jam 
inyal inojjey zony 
w(>yczko gydacze 

ffyiuyeiiyo w 
f>[w|oy3 obroiiyo 
y inogyv rakv y 
kiipczy](Mn gyni 
du Jtvffy i f^dzein 



Ein Mann i»t 
vor da» Hecht ge- 
kommen und 
»prach: Ich 'hatte 
meiner Frau ge- 
Hamuites beweg- 
liches Gut in 
meiner Wehre 
und in meiner 
Hand und trieb 



I>ale o przy- 
czynach, kterych- 
zTme wa» ])rwe 
fprawili, pfalifte 
nam, ze ten muz 
to vmrle zeny pra- 
wy, kterak by on 
ten ftatek mowy- 
I ty w fwe obranie 
' miel, dokudz ta 



Ferner über die 
dachen, in Betreff 
derer wir euch 
früher informirt 
hatten, habt ihr 
uns geschrieben, 
dass der l£aun 
dieser todten 
Frau spricht, wie 
er dieses bcweg- 



' Im (7(>(I()x geht nocli alf*o voran, das jedoch überflÜHsig ist und zu dem 

durchHtrichenen odpoiryedticz gehört. 
' Sk und Kct bieten hier andere Lesarten. 
3 Im Codex »teht irrthümlich: w ßey. 



Die polnische Kecension der Magdeburger Urtheile. 



311 



Polnischer Text. 

chczal,acz ^ moya 
zona beß mey vo- 
ley y wyedzenya ^ 
klucze^ komv po- 
dala, a zaly by 
thym kto mnye 
mogl moya obra- 
na tego gymye- 

nya ßkazycz ? 
Przecyw themv 
rzekl brath tey 

vmarley zony: 
Gdyß to gymye- 
nye gefcze za zy- 
wotha mnye mo- 
ya ßyoftr^ zapo- 
leczyla przed ga- 
yonym Tandem y 
fama k fwemv 
gydaczemv gy- 
myenyv klvcze 
nofryla a od * fwey 
obrony nygdy go 
pofczyla any dala 
w obrona fwemv 
mazowy thv, gdze 
by tho mocz mya- 
lo, a mey zenye 
w me gymya, gdy 
mnye nye bylo, 

trzeczy dzen 
przed gey ßmyer- 
cza klvcze daln 
za dobrey pamya- 
czy y odvmarla 
go w nyebronye ^ 
gey maza, any 
gefcze geft w ge- 
go obronye any 



Ueber»etzung dieses 
Textes. 

damit Handel 
in Hu.ssland und 
wo ich w^ollte, 
falls nun meine 
Frau ohne mei- 
nen Willen und 
Wissen Jeman- 
dem die Schlüssel 
übergeben hat, 
ob mir hiedurch 

Jemand meine 
Wehre dieses Ver- 
mögens verletzen 
könnte? Dagegen 
sprach der Bruder 

dieser todten 
Frau : Da mir 
meine Schwester 
dieses Vermögen 
noch zu ihren 
Lebzeiten anem- 
pfohlen hat vor 
dem gehegten Ge- 
richte und selbst 
zu ihrem beweg- 
lichen Vermögen 
die Schlüssel ge- 
tragen hat und 
aus ihrer Wehre 
es nie weder aus- 
gelassen noch in 
die Wehre ihres 
Mannes gegeben 
hat dort, wo es 
Kraft hätte, und 
meiner Frau auf 
meinen Namen, 
da ich nicht zu- 
gegen war, am 



Czechischer Text 

pani zywa byla, 
y taze fe on, po- 
niewadz on weff- 
ken ftatek mo- 
wity fwe man- 
zelfke zeny tielo 
y zbozie w fwe po- 
ruczenftwie przi- 
gial geft a plnu 
mocz na fuknie, 
na zlatie, na pe- 
niezich a na gi- 
nem na wffem 
mowitem ftatku 
miel geft y od 
toho klicze nofil 
geft a do Ruß a 
doKrakowa ftiem 
kupczil geft , a 
geftli by ty klicze 
pani geho nieko- 
mu proti geho 
wuoly [y] wiedo- 
mie dala, mohla 
ly tiem geho mocz 

zruffena byti, 
nebo geft dwiema 
kmethom wiedo- 
mo, ze to bylo 

ftaweno wedle 
prawa , pak geft 
li on to plne mo- 
czy blizffy do- 
kazati a to pro- 
weffty, nezli by 
gemu kto te mo- 
czy mohl poruffi- 
ti? Proti tomu 
odpieral geft bratr 



UebersetzuDg dieses 
Textes. 

liehe Vermögen 
in seiner Wehre 
gehabt hat, so 
lange diese Frau 
lebte, und er fragt, 
dieweil er das 
gesamnite beweg- 
liche Vermögen 
seiner Ehefrau, 
Leib und Gut, in 
seine Vormund- 
schaft übernom- 
men hat und die 
volle Macht am 

Gewände , an 
Gold, an Geld 
und an dem an- 
deren gesammten 
beweglichen Gu- 
te gehabt hat und 
davon die Schlüs- 
sel getragen hat 
und nach Russ- 
land und nach 

Krakau damit 
Handel trieb, und 
falls seine Frau 
diese Schlüssel 
Jemandem gegen 
seinen Willen und 
sein Wissen ge- 
geben hätte, ob 

hiedurch seine 
Gewalt erschüt- 
tert werden könn- 
te (denn es sei 
zweien Schöffen 
bekannt, dass Al- 
les dies nach 



* Nach Sk und Ka rectificirt; O hat: a. 
2 Im Codex steht: wyedenya. 

^ Im Codex steht durch Versehen des Schreibers: klr<icze. 

* Aus Sk ergänzt. 

^ Sk hat: nye w obronye j Ka ebenfalls. 



l 



>1«*^ 



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Die polnische Ueccnsion der Mag46burger Urtheile. 



313 



Polnist'hor Text. 



Uebersetzung dieses 
Text4». 



Czechischer Text. 



Czokoly by th;» 
pany oddala, czo 
pyrwey by przed 
gayoiiym fandcm 
oddala, tbo nye 
moze myecz po- 
dliig prawa mo- 
czy, iakogeft pra- 
wo. Alo gdyß bratl) 
they panyey mo- 
wy, iß gego fyo- 
ftra fwego gy- 
myenya od ßye- 
bye fwemv inazo- 
wy w obroiia 
uygdy nye oddala 
thv, gdze by tho ' 
mocz inyalo, a 
tho gyinyenye nia 
w ßwey obronye, 
tedy geft on bly- 
ßy dokazacz obro- 



Was immer 
diese Frau weg 
gäbe , was sie 
früher vor dem 
gehegteuGerichte 
überreicht hätte, 
das kann nach 

Rechte keine 
Kraft haben, so- 
wie es Kocht ist. 
Da aber der Bru- 
der dieser Frau 
spricht, dass seine 

Schwester ihr 
Vermögen , von 
sii'.h aus, ihrem 
Manne nie tiber- 
geben habe dort, 
wo dies Kraft 
hätte , und er 
dieses Vermögen 
in seiner Wehre 



N. t. p. p. m. 
k. w. M : Geftlize 
ta zeua czo ho- 

toweho mienie 
anebo mbwiteho 
ftatku od febe 
prycz dala a z 
mocze niuze fwe- 
ho wyneffla, to 
wedle prawa ne 
ma byti moczne. 
Pak li prawy 
bratr te vmrle 
zeny, kteryz ten 
mowity ftatek w 
fwe moczy a o- 
branie nia , zeby 
to zbozie neb ten 
ftatek za ziwota 
feftry geho w 
mocz muze gie- 
gie nikda ne 



Uebersetzung dieses 
Textes. 

von ftlr ihre Seele 
gebe und Alles 
vollziehe, und das 
besagte Vermö- 
gen dieser Frau 
Kinder 2 noch in 
ihrer Macht hal- 
ten und verschlos- 
sen haben, ob er 
näher sei, zu die- 
sem beweglichen 
Gute [die Wehre] 
zu beweisen und 
es zu erhalten, 
als dass ihm Je- 
mand diese Ange- 
legenheit erschüt- 
tern könnte nach 
Rechte, oder was 
darum Recht sei ? 
H. 8. w. Seh. 
z. M. e. R: Wenn 
diese Frau etwas 

bereiter Habe 
oder bewegliches 
Gutes von sich 
weggeben oder 
aus der Wehre 
ihres Mannes 
hinausgetragen 
hat, das soll nach 
Rechte nicht gil- 
tig sein. Spricht 
aber der Bruder 
dieser Frau, dass 
dieses Vermögen 
oder dieses Gut 
zu Lebzeiten sei- 
ner Schwester in 
die Wehre ihres 
Mannes nie ge- 
kommen ist, als- 



• Im Codex folgt noch ein überflüssiges 'Jijmijenye. 
'^ Vgl. S. 312, Anm. 2. 



314 



Kaluiniackl. 



Polnischer Twct. 

na tego gy myonya 
y myecz, nyüly 
gey maß podlug 
prawa. 



Pytalyfczye teß 
naß o prawo thy- 
iny ßlowy: Zaio- 
wal godon na 
drugogo o ding, 
czo rav gy wyno- 
watli * nyeprze 
wloczuye. Ten 
dlußnyk wyßual 
&ye, a tako ^ pra- 
wo naßlo, yß ma 
zaplaczycz nye- 
prze wlocznye. 
Powod rzekl: Ja 
zadam, aby od- 
tand nye pofedl,' 
alyß* my zapla- 
czy. Tedy rzekl 
dlußnyk: Ja mv 
flubvya pod ino- 
ya roh}, czoß lep- 
ßa geft, nyßly 
ton dlug, yß mv 
chcza Ka])laczycz, 
yakü prawo na- 



Uebt*i>*!Uuug dieses 
Texlfs. 

hat, alsdann ist 

er näher die 
Wehre diesesVer- 
mögens zu be- 
weisen und zu 
haben als ihr 
Mann nach Hech- 
te. 



! CzwLischür Text. 

przifflo, tehdy on 
geft blizy fwu 
przifahuto zbozie 
po tom otewzda- 
ni obdrzeti, nezli 
by ten muz mohl 
gelio od tüho od- 

tifknuti wedle 
praweho prawa. 



Art. 261. 



Auch habt ihr 
uns um liecht 
gefragt mit die- 
sen Worten: Es 
klagte einer auf 
den anderen um 
Schuld, die er 
ihm schuldig war 

unverzüglich. 
Dieser Schuldner 
bekannte sich da- 
zu, und so hat 
das Uecht gefun- 
den, dass er un- 
verzüglich zu 
zahlen hat. Der 
Kläger sprach : 
Ich f ordre, dass 
er von hier nicht 
fortgehe, bis er 
mir gezahlt hat. 
Da sprach der 
»Schuldner : Ich 
gelobo ihm auf 
meinen Acker, 



Geden czlowiek 
obzalowan geft o 
dluh, w kterymz 
fe geft feznal, a 
kmeth ortelem 
diolil , aby bez 
prodlenie zapla- 
czeno bylo. A 
dluznik podal fe k 
zaplatie. Y rzekl 
zalobnik: Zadam 
ia, atby mi ou ne 
odffel, od faudu, 
lecz by mi zapla- 
til. Y odpowiediel 
dluznik. Ja fli- 
bugy diediczft- 
wim fwym, kterez 
geft lepffio nezli 
ten dluh, ze chczi 
plntiti, iakoz die- 
leno geft. Pak ma 
li zalobnik na tom 
dofti mioti , czi 
czo prawa geftV 



Uebeixitzung ditMes 
Textes. 

dann ist er näher, 
durch seinen Eid 
dieses Vermögen 
nach dieser Gabe 
zu erhalten, als 
dass ihn dieser 
Mann von dem- 
selben verdrän- 
gen könnte, nach 
rechtem Kechte. 



Ein Mann ist be- 
klagt um Schuld, 
zu der er sich be- 
kannt hatte, und 
der Schöffe theilte 
durch Urtheil, 
dass dies ohne 
Verzug bezahlt 

werde. Der 
Schuldner gab 
sich bereit zu 

zahlen. Der 
Kläger sprach : 
Ich fordre, dass 
er mir vom Ge- 
richte nicht fort- 
gehe, sondern 
dass er mich be- 
zahle. Und der 
Schuldner ant- 
wortete: Ich ge- 
lobe auf mein 
Erbe, das besser 
ist als diese 
Schuld, dass ich 



1 Anstatt dieser ganzen Stelle von: czo mv gi/ wyiiowath bis: alyfi my zaplaaiy 
hat K(i blos die Worte: czo mu hyf (sie!) wi/nywalh, a nye mycU czyni 
zajy^arzycz. 

2 A tako aus Sk ergänzt. 

3 Sk hat: nyf. odchodxyl. 
< ISk hat: afi. 



Die polni&che Uccensiun der Magdeburger Urtheile. 



315 



Polnischer Text. 

laßlo. Mvßy by 
powod w them 
doßycz myecz, 
czyly nye, albo 
czo o tho * gefth 
za prawo? 



Geft \y tha rola 
tako dobra, yako 
tby pyenadzye, 
czo ge dluzen y 
wyßnal, a chcze 
\y ya zaftawycz 
thako, yß chcze 
na ten czaß za- 
placzycz , iako 

prawo nalaßlo, 
w thyni ravfchy 

myocz doßycz 
podlug pravva. 



Uebersetzung diese« 
Textes. 

der besser ist als 
dieses Geld, dass 
ich ihm zahlen 
will , sowie das 
Kecht gefunden 
hat. Muss nun 
der Kläger darin 
genug haben oder 
nicht, oder was 
darum Kecht sei? 
Ist dieser Acker 
so gut wie dieses 
Geld, das er schul- 
dig ist und be- 
kannt hat, und 
will er ihn so 
versetzen, dass er 
in der Zeit be- 
zahlen will, wie 
das Kecht gefun- 
den hat, so muss 
er darin genug ha- 
ben nach Kochte. 



CzecLisclier Text. 



N. t. p. p. m. 
k. w; M : Geftlize 
to diediczftwie 
tak dobre geft, 
iako ten dluh 
fezualy, a chcze 
to zaftawiti tak, 
ze chcze na den 
dieleny a rozka- 
zany plniti , na 
tom on muffy 
jirzeftaty wedle 
praweho prawa. 



UebersetzuDg dieses 
Textes. 

bezahlen will, wie 
getheilt wurde. 
Soll nun der Klä- 
ger damit genug 
haben, oder was 
Rechtens ist? 



H. s. w. Seh. 
z. M. e. R. : Wenn 
dieses Erbe so gut 
ist, wie diese be- 
kannte Schuld, 
und will er es so 
versetzen, dass er 
am getheiltenund 
gebotenen Tage 
vollbringen will, 
so muss er damit 
genug haben nach 
rechtem Rechte. 



Und dennoch, so augensclieinlich und für die eventuelle 
kritische Ausgabe der polnischen Recension von Nutzen diese 
Uebereinstimmung auch sein mag, ich würde nicht wagen, aus 
ihr den Schluss zu ziehen, dass das Verwandtschaftsverhältniss, 
das zwischen der polnischen und der in Rede stehenden czechi- 
sehen Bearbeitung besteht, ein unmittelbares ist. Es würde 
dieser Auffassung nicht blos die bereits bemerkte Verschieden- 
heit in der Artikelfolgc, wie nicht minder die Erwägung wider- 
sprechen, dass die czechische Bearbeitung selbst schon in ihrem 
älteren, etwa bis Artikel 300 reichenden Theile einerseits um 
eine Anzahl von Artikeln reicher,'-^ andererseits um eine An- 



' O Iho aus Sk ergänzt. 

5 Dahin gehören: IKl, 2, 3, 14, 15, 16, 17, 22, 23, 40, 56, 92, 92a, 93, 94, 
101, 102, 138—140, 147, 160, 171—177, 180—183, 211, 213, 227—231, 
235, 241,246, 252—272, 274— 277 a, 283, 285, 286, 294 und 295. Art. 184— 
186 sind, da das einschlägige Blatt fehlt, ungewiss. Art« 17 ist ganz 
gewiss czechischen Ursprungs. 



316 Katuiniacki. 

zahl von Artikeln ärmer ' ist, als die polnische Recensiot 
sondern es würde ge^en die Zulässigkeit dieser Äuffassuni 
auch der Umstand sprechen, dass bei aller Uebereinstimmung 
die zwischen der polnischen und der czechischen Bearbeitung 
in Bezug auf ihren Wortlaut herrscht, in dieser letzteren Hin- 
sicht auch zahlreiche, keineswegs blos auf mechanischem Wege 
entstandene Modiiicationen bestehen. Man muss daher, falb 
man der Wahrheit nahe kommen will , sich vielmehr zu der 
Ansicht bekennen, dass die offenbare Verwandtschaft, diö 
zwischen der polnischen und dem älteren Theil der czechischen 
Bearbeitung vorhanden ist^ nur eine mittelbare ist, die so zu 
Stande kam, dass der czechische Uebersetzer fUr den älteren 
Theil seiner Arbeit eine Vorlage (es war ohne Zweifel eine 
deutsche) benutzte, die grösstentheils aus demselben Material 
geflossen ist, wie die Vorlage, die der polnischen Recension lü 
Grunde lag. 

Wenn man aber fragt, ob jene Vorlage, beziehungsweise 
eine Abschrift jener Vorlage, aus der die czechische Bearbei- 
tung geflossen ist, sich vielleicht noch eniiren lasse, so mus» 
die Frage (wenigstens vorläuflg) verneint werden. Wohl kann 
man nicht in Abrede stellen , dass die meisten , zwischen der 
polnischen Recension und der czechischen Bearbeitung be- 
siehenden Unterschiede sich aus dem Dresdner Texte ableiten 
lassen,'^ sowie denn dieser Text auch sonst zu der czechischen 
Bearbeitung in einer viel intimeren Beziehung steht, als die 
übrigen uns bekannten deutschen und lateinischen Texte, allein 
ich glaube nicht, dass man darauf hin das Recht hätte zv 
sagen, dass die czechische Bearbeitung (ob direct oder indirect 
ist nebensächlich) aus dem Dresdner Texte geflossen wäre 
Gegen eine solche Annahme würden insbesondere folgende drei 
Momente sprechen: 1. ist die Artikelfolge (vgl. diesbezüglich 
Tabelle II und XI) in der czechischen Bearbeitung parthien- 
weise doch eine andere, als in dem Dresdner Text, was bei den 
Umstände, als eine blos mechanische Alteration derselben nich 



J Vgl. Tabelle XI. 

2 Man vgl. beispielsweise die .auf S. 300 — 315 angeführten, sowie namen 
lieh jene Artikel des czechischen Textes, die in O den Art. 31, 46, 4 
8S, 84, 98, 155 Mitte, 103, 173, 176, 195, 221, 230, 241, 249, 251, 25 
261 und 265 entsprechen. Vgl. übrigens auch viele andere Artikel. 



Die polnische RoccnMon der Ma},'debnrger ürtheile. 317 

80 leicht denkbar ist, um so mehr ins Gewicht ftlllt; 2. stimmt 
der Wortlaut der Artikel PF 63, 77 Antwort, 113 Antwort, 248, 
250 und 279, insbesondere aber derjenige der Artikel H^ 154 
und 251 zu dem Wortlaut der betreffenden Stellen des Dresdner 
Textes keineswegs in einer solchen Weise, dass man die Modi- 
ficationen, die in den soeben genannten Artikeln vorkommen, 
ohne weiters aus diesen letzteren erklären könnte ; 3. hat die 
czechische Bearbeitung theils um eine Reihe von Artikeln 
mehr, theils um eine Reihe von Artikeln weniger als der 
: Dresdner Text. Da jedoch andererseits, wie bemerkt wurde, 
«wischen der czechischen Bearbeitung und dem Dresdner Texte 
. auch ebenso durchgreifende, wie sofort in die Augen springende 
" üebereinstimmungen bestehen, so glaube ich so ziemlich das 
Richtige zu treffen, wenn ich Angesichts dessen die Ansicht 
ausspreche, dass neben der durch den Dresdner Text reprä- 
1 «entirten ersten Nuance der zweiten Redaction noch eine zweite 
I Nuance derselben Redaction bestanden hat, die der czechischen 
Bearbeitung zur Vorlage diente und gegenwärtig allerdings 
nur durch diese letztere repräsentirt ist. Oder mit anderen 
Worten gesagt, es hat sich, ähnlich wie die erste Redaction, 
»0 auch die zweite Redaction der Magdeburger Ürtheile in 
iwei Nuancen gespalten, von denen die erste durch den 
Dresdner Text, die zweite durch die auf einer verloren ge- 
gangenen oder vielleicht nur noch nicht entdeckten deutschen 
Vorlage benihende czechische Bearbeitung vertreten ist. 



Sechstes Capitel. 
Die Ergebnisse. 






llit der Klarstellung des Verhältnisses, in dem sich die 
polnische Recension zu der czechischen befindet, bin ich eigent- 
lich bei dem Punkte angelangt, wo ich abbrechen sollte. Allein 
ich glaube, dass ich der Sache, die ich bis jetzt vertreten habe, 
nur einen Dienst erweise, wenn ich zu den voranstehenden 
fiinf noch dieses sechste Capitel hinzufüge, ihm speciell die 
Aufgabe zuweisend, die Ergebnisse, zu denen mich meine 
Untersuchung führte, noch einmal im Zusammenhange vorzu- 
/iihren. Diese Ergebnisse sind : 



Hin KaJnf.niarki. 

1. Die bis jetzt bekannten polnischen Texte der Magde- 
burger Urtheile bilden unj^eachtet zahlreicher, mehr oder minder 
erheblicher Varianten, insbesondere aber Verachreibungen, zu- 
fillliger oder absichtlicher Kürzungen, Erweiterungen, Umstel- 
hmgen u. s. w., eine einheitliche, in Bezug auf Inhalt, Artikel- 
folge und Wortlaut durchaus gleichartige Recension. 

2. Diese Recension ist llber Veranlassung des Unter- 
truchsess von Lemberg, Nicolaus Gologorski, zwischen 1440 
und 1460 entstanden. 

3. Sie beruht auf einer deutschen Vorlage, zu der sie 
sich wie die Uebersetzung zu ihrem Original verhält. 

4. Die für die polnische Recension vorauszusetzende deut- 
sche Vorlage ist ohne Zweifel mit den Texten der ersten 
Redaction zweiter Nuance identisch gewesen , und sind die 
Modificationen , denen wir in der polnischen Recension ver- 
gleichsweise zu den Texten der ersten Redaction zweiter Nuance 
begegnen , fast insgesammt dem polnischen Uebersetzer selbst 
zuzuschreiben. 

5. Die der polnischen Recension, beziehungsweise der ein- 
schlUgigen deutschen Vorlage zu Grunde liegenden Schöffen- 
briefe, als deren characteristisches Merkmal wir den Umstand 
kennen gelernt haben, dass ein grosser Theil derselben über 
Anfragen aus Krakau, beziehungsweise aus Breslau entstanden 
ist, bilden den Kern auch noch einer Reihe anderer, sowohl 
deutscher, als lateinischer und czechischer Bearbeitungen und 
können als eines jener Rechtsdenkmäler angesehen werden, 
welche auf dem Gebiete des sächsischen Rechts neben dem 
Sachsenspiegel jedenfalls die meiste Verbreitung hÄtten. 

6. Ausser den bereits bekannten , in dieser Unter- 
suchung mehr oder minder eingehend besprochenen deutschen 
Bearbeitungen der Magdeburger Urtheile haben mit Evidenz 
noch einige weitere (vgl. insbesondere Capitel IV), auf dem- 
selben Materiale fussende, theils ausführliche, theils gekürzte 
Compilationen bestanden, die im Laufe der Zeit entweder ver- 
loren gegangen sind, oder vielleicht nur eines glücklichen 
Finders harren. 

7. Bei der kritischen Ausgabe der polnischen Recension 
müssen in erster Linie die deutschen Texte der ersten und 
der zweiten Redaction sammt der czechischen Nuance, in 



Die polnische Keccn}<ion der Magdeburger Urtheilo. 319 

weiterer Linie aber, und namentlich bei zweifelhaften Stellen, 

auch die übrigen, deutschen und lateinischen Sammlungen zu 

Käthe gezogen werden. 

8. Die soeben erwähnte czechische Nuance ist ftlr die 
polnische Recension auch sonst sowohl wegen der Verwandt- 
schaft der Sprache, als auch wegen der ihr eigenen grösseren 
Con^ctheit und Präcision von nicht genug zu würdigender 
Bedeutimg. 

Ausser diesen acht kann ich aber mit vollem Recht als 
das weitere, d. h. als das neunte Ergebniss dieser Untersuchimg 
auch noch die Einsicht bezeichnen, die es mir gestattet, für 
die Texte der Magdeburger Urtheile , die mit der polnischen 
Recension in irgend einer Beziehung stehen, eine Classification 
äu beantragen, die wesentlich anders ist, als diejenige, welche 
M. Bobrzyriski in der Einleitung zu dem homographischen Ab- 
druck des Dzialyriski'schen Textes (D 7), S. 4 — 6, aufstellte 
und welche Brückner im Archiv für slavische Philologie, VI, 
S. 324 — 329 zu der seinigen machte. 

Geht man nämlich die mit der polnischen Recension 
nächst verwandten deutschen, lateinischen und czechischen 
Texte nach den in dieser Untersuchung des Näheren darge- 

: legten Anhaltspunkten etwas aufmerksamer durch, so wird 
man sofort inne, dass sie insgesammt in zwei Kategorien zer- 
fiülen: 1. in solche, die bei der Anordnung der in ihnen ent- 
haltenen Materien ohne alles System verfahren, mithin unsyste- 
matisch sind; 2. in solche, die die in ihnen enthaltenen Materien 
nach einem gewissen Systeme ordnen, mithin systematisch 
«ind. Zu den Texten der ersten Kategorie gehören sUmmtliche im 
Lanfe dieser Untersuchung genannten deutschen, lateinischen, 
polnischen und czechischen Sammlungen mit der alleinigen 
Ausnahme der sogenannten Magdeburger Fragen und der Pöl- 
man'schen Distinctionen; zur zweiten Kategorie hingegen die 
beiden zuletzt genannten Bearbeitungen. Während aber . die 
Texte der zweiten Kategorie, abgesehen von den durch die 
^atur der Sache beginindcten Zweitheilung in Magdeburger 
Fragen und Pölman'sche Distinctionen, keiner weiteren Son- 
derung fähig sind, stellen sich die Texte der ersten Kategorie 
*« eine Gruppe dar, der eine ziemlich manigfaltige und in 
ihren Endresultaten auch ziemlich bedeutsame Gliederung eigen 



820 KuJulniarVi, 

ist. So lasBcn sieh , um concrct zu sj)rcclicn , die Texte der 
ersten Kategorie zunilehst in drei Classen cintheilen, und zwar: 
1. in solche, welche blos Schöffen briefe und keine andern 
Quellen ' enthalten, und die überdies die Eigenheit haben, dass 
sie die in ihnen enthaltenen Schöflfen briefe in der überwiegen- 
den Mehrzahl der Fälle in Form von Fragen und Antworten, 
jedenfalls aber ziemhch ausführlich bieten; 2. in solche, welche 
gleichfalls blos Schöffenbriefe enthalten, dieselben jedoch, mit 
nur wenigen Ausnahmen, in Form von nackten, stellenweise 
sogar noch bedeutend gekürzten Rechtssätzen vorführen; l], in 
solche, welche ausser den Schöffen])riefen im eigentlichen 
Sinne auch noch andere Quellen enthalten, und die überdies 
die in ihnen enthaltenen Schöffenbriefe theils in ausführlicher, 
theils in gekürzter Gestalt reproduciren. Zu den Texten der 
ersten Classe gehören : /V, Kß, T, tia, Dr, Th, B, Da und 
Ät,^ ferner sämmtliche polnische und czechische Texte, sowie 
D I {\)y L Q]) und PIl; zu den Texten der zweiten Classe: 
AV, Oj) /, Op II, /. (1), DI (2) und P I; zu den Texten der 
dritten Classe: der (Jodex Bregensis. Ich möchte die Texte 
der ersten Classe schlechtweg auch als die ausführlichen; die 
Texte der zweiten Classe als die gekürzten; die Texte der 
dritten Classe als die gemischten bezeichnen. Die Texte der 
ersten und der zweiten Classe lassen sich aber noch weiter 
gliedern und zerfallen (die characteristischen Merkmale dieser 
Gliederung sind bereits oben im Capitel III, IV und V ange- 
geben) die ersten in fllnf, die anderen in zwei Redactionen. 
Zu den Texten der ersten Redaction erster Classe gehören: 
IH, Kß, T, Sa und die polnische Recension; zu den Texten 
der zweiten Redaction erster Classe: Dr und die czechische 
Bearbeitung; zu den Texten der dritten Redaction erster Classe: 
Th; zu den Texten der vierten Redaction erster Classe: jÖ, Da 
und Rb ; zu den Texten der fünften Redaction erster Classe : 
D T {\), L {S) und PIL Ebenso gehören zu den Texten der 
ersten Redaction zweiter Classe: Oy> /, Ojy II, L {\), D I (2) 

' l)or bekannte Heschoid dos Ofticialon über die Art, wie die Solbstmnrder 
begraben \vor<len sollen, ist eine eben p^anz vereinzelt dastehende Ans- 
nahnie. 

2 Unter Da vorstehe ich die Danziger, nnter Hh die Ktinigfsberjj^er Ab- 
schrift der Magdebnrprer Urtheile. 



Die polnische Recension der Magdebur^^er Urtbeile. 321 

imd PI; zu den Texten der zweiten Redaction zweiter Classe: 
Kl Aus dem, was im Capitel III und V dieser Abhandlung 
gesagt wurde, ist jedoch zu ersehen, dass auch diese Gliederung 
die Classification der in Rede stehenden Texte nicht erschöpft, 
and dass man, um genau zu sein, bei den Texten der ersten 
und der zweiten Redaction erster Classe noch je zwei Sub- 
redactionen oder Nuancen unterscheiden muss, die sich folgen- 
dennassen vertheilen: Pi und Kß — erste Redaction erste 
Nuance; T, Sa und die polnische Recension — erste Redaction 
«weite Nuance; Dr — zweite Redaction erste Nuance; die 
czechische Bearbeitung — zweite Redaction zweite Nuance. 

Oder in Form eines Schema gekleidet, würde die von 
mir beantragte Classification sich folgendermassen darstellen : 

I. Kategorie 
Unsystematische Bearbeitungen 



ü^'^««. 



1 Ciuse 2. Classe 3. Classe 

iirfUhrliche Texte Gekürzte Texte Gemischte Texte 







1. Redaction 


2. Redaction 


,— i^V 

Codex BreymutU 




OpI OpII Z(l) DI(2) PI 


Ky 





jl. Redaetion 2. Redaction 3. Redaction 4. Redaction ö. Redaction 

' I.Nuance 2. Nuance Th B Da Rh DI[i) L(^) PII 

Dr Czechische Bearbeitung . 

1. Knince 2. Nuance 



^ ^ T Sa und die poinUehe 

Receiwion 



II. Kategorie 
Systematische Bearbeitungen 



1. Redaction 2. Redaction 



Die Magdeburger Die PöhnaiiHcheii 

Fragen Diftf inet innen. 



^^^m\>tt. d. phil.-hiiU Ol. CXI. Bd. 1. Hft. 21 



322 



Kahi2niHrki. 



Allhang A. 

Vergleichende Tabelle der Artikel des Krakauer Textes Nr. 11 
nach der bei Bischoff und nach der bei mir enthaltenen 

Numerati on. 



Bei 
Bischoff 

1-136 

137 

13« 
139 
140 
141 
142 
143 
144 
145 
146 
147 
148 
149 
150 
151 
152 
153 
154 
155 
156 
157 
158 
159 
160 



Bei mir 


1 Bei 
BUchoff 

161 


Bei mir 
163 


Bei 

Bischoff 

1 


Bei mir 


Bei 
Bisch off 


Bei mir 


1-136 


188 


190 


215 


217 


137 


162 


164 


189 


191 


216 


; 218 


13K 


163 


165 


190 


192 


217 \ 


219 


139 


164 


166 


191 


193 


220 


140 


165 


167 


192 


194 


1 


221 


141 
142 


166 
167 


16H 
169 


193 
194 


195 
196 


\ 218 1 


' 222 
, 223 


143 


168 


170 


195 


197 


219 


1 224 


144 


169 , 


171 


196 


198 


220 


225 


145 


170 


172 


197 


199 


221 


220 


146 


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198 


200 


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227 


147 


172 


174 


199 


201 


223 


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148 


173 , 


175 


200 


202 


224 


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149 


174 


176 


201 


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225 


230 


150 


175 


177 


202 


204 


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231 


151 


176 


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152 


177 


179 


204 


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228 


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178 , 


180 


205 


207 


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154 


179 


181 


206 


208 


230 


235 


155 


180 


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207 


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231 


236 


156 


181 


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208 


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237 


157 


182 


184 


209 


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238 1 


158 


183 ; 


185 


210 


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234 


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159 


184 ' 


186 


211 


213 


235 


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160 


185 


187 


212 


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236 


241 


161 


186 ; 


188 


213 


215 1 


237 


242 


162 ii 


187 


189 


214 


216 , 


238 


243 



Die polnische Kccension der Hagdeburgor l'rtheilf 



323 



Bei 
BUchofl 


Bei mir ' 

1 ; 

i 1 


Bei 
Bischoff 


Bei mir 


1 Bei 

Biflchoff 


Bei mir 


Bei 
Bischoff 


' Bei mir 




239 


244 


256 


261 


273 


278 


290 


295 




, 240 


245 


257 


262 


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291 


296 




241 


246 


258 


263 


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292 


297 




242 


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259 


264 


276 


281 


: 293 


298 




243 

1 


248 


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265 


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282 


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249 


261 


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278 


283 


295 


300 


245 


250 


: 262 


267 


279 


284 


296 


301 


24G 


251 ! 


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285 


297 


302 1 


247 


252 


264 


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j 281 


286 


298 


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265 


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1 


287 


299 


304 1 


249 : 


254 


266 


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283 


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300 


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250 


255 


267 


272 


284 


289 


301 


306 ' 


251 


256 


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273 


1 285 


290 


802 


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257 1 


269 


274 


j 286 


291 


; 303 


308 




253 . 


258 1 


270 


275 


287 

1 


292 


1 304 


309 




254 1 

1 


259 


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276 


288 


293 


305 


310 




255 1 


260 


! 272 t 


277 


289 


294 


306 


311 





21* 



324 KalQiniaeki. 



Anhang B. 

Inhalt der polnisohen Becension nach den im Beffiater z\x 

enthaltenen lateinischen BubrikenJ 

1. De dotalicio vxoris. 

2. De tutore pueronim. 

3. De confpeccione wlnorum. 

4. De recenti judicio. 

5. De immobilibus bonis. 

6. De querulacione whieriim aut pro capito. 

7. De patriraonio vxoris. 

8. Do fufcepcione rerum alienarum aut caufaruiii coram judicio. 
0. De couiuni bedallo. 

10. Do bonis per fudorem acquifitiH. 

11. De conftituciono tutorum. 

12. Do ftatu fpurioni.s. 

13. De homine, fuper quem ruinor invalefcit, quod effot fpurio. 

14. Do marito et vxoro, cum qua (ii>fo] antea fiuo matrimonio co- 
municavit vel coniacuit. 

15. De roboracione in iudicio pro capite. 

16. De fpurione et fpurioniffa. 

17. De filijs aut prolo fpurionis. 

18. Do vendicione bonorum immobilium fpurionis. 

19. De bonis admortuis fifco feu domino. 

20. De carnali actu viri cum vxore alia fiue dormicione. 

21. De fpurione, vtrum poteft federe in loco fcabinali. 

22. De ]>robacione wlnerati vel interfecti hominis. 

23. ^De rebus mortui viri, que hergewette nuncupantur. 

24. De refutacione iuris feu fentencie. 

• 

1 Ich nmss jedoch ganz ausdrücklich bemerken, dass ich, um diese Ru- 
briken so brauchbar als m()glich zu machen, sie strenge dem Texte 
anpasste und daher einerseits die überflüssigen fortgelassen, die im 
Original register nicht ersichtlich gemachten oder die unklar stylisirten 
durch eigene ersetzt habe. Die Rubriken der beiden letzteren Arten 
sind jedoch stets durch einen vorgesetzten Stern kenntlich gemacht. 



Die polnische Kocension der Magdeburger Urtheile. 325 

25. De pena advocati. 

26. De mercede Ten folucione penarum pro qualibet re 

27. De emenda claudicione. 

28. De cruentacione hominis. 

29. De afCidiia preftitucione iiiramenti coiifulis. 

30. De juramento advocati. 

.31. Vtrum debent confiiles advocato iurare. 

32. De iuramento confulis et de cafu eius amici. 

33. De adulacione ciirie. 

34. De obloqiicione confulis coram domino hereditario. 

35. De oculto confilio confulum. 

36. De antiqnis confuliH. 

37. De feno accepto in prato. 

38. De incnipato occafione periiirij per confales. 

39. De vfurario, qui vfnram accepit. 

40. De falfario invento. 

41. De illo, qui fe confert ad ^^aciam ciuitati. 

42. De eodem, qui fe contulit ad graciam confulibus et ciuitati. 

43. *De inftitucione plebifciti. 

44. *Sub quo sigillo testimonium scabinorum effe debet. 

45. De ediccione fentencie per iuratum in iure. 

46. De querulacione vxoris fuper fuum maritum. 

47. De eleccione iuratonim. 

48. *De eleccione in sedem fcabinalem. 

49. De tencione iiirati per confales cinitatis. 

50. De interdictione equi. 

51. De arrogancia bedalli. 

52. Do querulacione fuarum pecuniarum. 

53. De expulfione de domo ante tempas peremptorium. 

54. De propoficiono capitis aut wlneris monomachalis. 

55. Que res debet nominari recens et qualiter debet cognofcy. 

56. De tranfgreffione contra confales et contra landacionom concioni». 

57. Do preuifo aut infignito confnle et iurato. 

58. De pena confulum, dum quis tranfgredit contra eos aliquid. 

59. De tranfgreffione laudate pene, alias wyelkrzv. 

60. De vendiciono panis in platea ciuitatis. 

61. Do iuramento noui confulatus, cum eliguntur. 

62. De exluminacione oxtra ciuitAtem. 

63. De recognicione antiqui confulatus. 
63». De teftimohio feffi confulatus. 

64. De eodem, cum quis aftruxit fe coram confulibus, quid foluet. 

65. Do feffione iure ciuili carentis domus. 

66. De adventu duarum fororam ad prefeutiam baniti iudicij. 

67. De couftituctono tutoris per aliquem puerls fuis. 

68. De bonls admortuis puero. 

69. De patrimonio et roaternitate femino, qae paeros non habet. 



326 Kalniniacki. 

70. De donacione alionim puerorum patrimonij. 

71. Pater tenetnr feruare pneros matris mortue. 
7*2. Si morietur aliquis puer. 

73. *De expedicione liberonim per patrem. 

74. De tideiufßone. 

7d. De recenti re, que fpectat ad ius cal'trenfe. 

76. *De fpatio iuramenti scabinalis. 

77. De mercimoni&li camera. 

78. De empta camera. 

79. De donacione mulieris a viro. 

80. De areftacione renim apud Judeum. 

81. De vendicione comeftibilium in caftri foro carius qaam < 

82. De invadiacione cuiuscunque rei. 

83. De invadiacione bonorum. 

84. De remifione querele. 

85. De quenilacione pro depredacione et combufcione. 

86. De advocato hereditario. 

87. De dacione ad iudicinm bauitum. 

88. De fideiufnone vicinorum. 

89. De certificacione bonorum incertorum. 

90. De claudicacione. 

91. De querulacione hofpitis luper hofpitem. 

92. De querulacione principis uel domini heredis. 

93. De capitali pecunia uel forifacione. 

94. De homine, qui propter debitum receffit de ciuitate. 

95. De perfugo a ciuitate. 

96. De arrepcione itineris caufa meruandi. 

97. De banito iudicio. 

98. De duobus clericis in l'eruicio exiftentibus. 

99. De ediccione fentencie de banito iudicio perdurate. 

100. De interfeccione alicuius in iure ciuili uel aliud. 

101. De refponfione hofpitis, qui affectat habere iu8. 

102. De electione iurati. 

103. De vendicione bonorum per tutorem. 

104. *Vtrum iuratus debet venire ad iudicium. 

105. De vituperacione fentencie. 

106. De iudicandis fimplicibus rebus. 

107. De advocato incompofito cum comunitate. 

108. De penis advocati. 

109. De accepcione pene iuiufte per advocatum. 

110. De iudicacione advocati. 

111. De iuramento iurati. 

112. Quales debent effe iurati. 

113. De rogacione feutencie, alias: o pr/ygauyeuyv. 

114. * Vituperaverit quis fenteuciam, qui non ad scabiuos 

115. ** Vituperacio fentencie quibus verbis effe debet. 



Die polnische Kecension der Magdeburger Urtheile. 327 

llß. * Quam penam aolvere debet, qui sentenciam scabiuorum iniubte 
^ituperaveri^. 

117. '"' Qnomodo ad ius suppremum se trahi debet 

118. XI>e mnliere et marito venientibns ad banitum iudicium. 

119. XZ>« perafferualibus et rupellectilibus, hoc eft: de gyerade. 

120. ]I>^ obferuacione pecuniarnm vel aliarum rerum. 

121. H>« refponfione hofpitis. 

122. IZ^« citacione ad advocatuin. 

123. H>« wineribus mortalibus. 

124. JO« fabitanea re fnper orphano facta. 

125. XI>« orbato filio per obitum patris. 

126. H>« advocacia hereditaria. 
127- '^ De eodem agitnr. 

128. H^< fcnltecia empta et Uta in iure Maydeburgeufe. 

129. XZ>« importacione pecuniarnm. 

130. H^c advocacia Ten fcnltecia hereditaria. 

131. SI>« bonis mobilibus. 

132. SI>e refignacione bonorum. 

133. H^< directione* pro sentencia ad ius fuppremum. 

134. De monachis, qui mendicant aut non mendicaut. 

135. XZ>e recentibus rebus. 

136. •■•- X)e abdicacione^ iurati. 
^^^- -t->e hereditate mulieris. 

138. -■•- i^nla post matrem propior est accipere rem mulierem. 
*39. Xl>e fratre a patre, fed non a matre. 
^*^- X>e teftamento. 

*^- ^^« querulacione per manum mortuam. 

*••• ^i->e reßgnacione bonorum poft mortem alicuius. 

^^- Xl>e adducüone detenti feu captiui. 
*• ^^e graui wlneracione vel interfectione. 

i*o. Xl>e interfectione hominis. 

*"»^. X->e pueris alicuius per mortem relictis. 

• t>e vxore et pueris relictis per mortem. 

• -»-^e accepcione bonorum in tutelam fuam. 
1*9. X>e exactione, alias: schofowanyv. 

' XDe negacione bonorum. 
_ ■ ^^ualiter fuper quem debent docere de periurio. 
^ • X>e pueris, de genere pari relictis poft mortem. 
^^^» Xxi quot^ annis pueros iudicare poffunt. 

"*• XDe compulßone puerum, ut venderent hereditatem. 
100. ♦Dq repeticione hereditatis et de interdictione debiti. 
lOb. Vtrum poteft vir vxori dare de bonis mobilibus, quod wlt. 
^öl. j^Q iuramento fentenciato ex iure. 

Codex steht, entsprechend dem Wortlaute des polnischen Textes, 
«1« au ^eser Stelle, wie bekannt, fehlerhaft ist, — ituik<tcion<}. 
'^ Codex steht: ^. 



328 Kalniniackl. 

108. * Do jurameuto feiitenciato ex iure in peremptorio tempore, alyas: 
w wyaßany czaß. 

150. De imporicioiie vadij hofpes hofpiti, alyas: o danyv. 

160. De tradicioue hominis per manum. 

161. De comuni re. 

162. Pro capite et wlnerum grauium dum quis erit querulatus. 

163. Vtrum porfunt pro mercede alicui^ tcftimonium prebere. 

164. De pari diuifione. 

165. De prolongacione fentencie. 

166. De querulacione pro juramento per aliquem homiuem. 

167. De incredulaciune iuramenti. 

168. De repercione feu invencione in adulterio. 

169. De mortuo marito uel mnliere, habentibus lilium. 

170. De menfura comeftibilium five potus uel alicuius liquoris. 

171. De abiudicacione bonorum. 

172. ^De solucione comestibilium, quae confessa sunt coram iudicis. 

173. *De iudicacione hominis per regem vel per dominum cum here- 
ditarium, tum alium aliquem. 

174. *Si bomo capitis damnatus veniam impetraverit, quomodo talis 
ae^timaudus est. 

175. De vituperacione regalis fentencie per aliquem. 

176. De fubmifione fub iure fupremo. 

177. Dum aliquem homiuem vinculo fideiurforie concludant. 

178. De abmortua muliere et fuis pueris non relictis. 
170. Do littera teftimouiali. 

180. De invadiato agro. 

181. Dum quis alicui recipit bona propter amiffionem in ludo taxillorum. 

182. De munito pariete. 

183. De laudis pena ]>er confules et totam comuni tatem. 

184. De aqua curronte canali. 

185. De teftificacione capitis uel pro debito uel pro alio. 

186. Do vondicione fentencie. 

187. De pueris abmortuis exiftentibu.s adhuc parvis. 

188. De refignacione agri. 

180. De uaciono pueri poft obitum fui patris. 

100. De coactione ad juramentum pro debito. 

101. De puerili patrimonio. 

102. De agnatis et cognatis m<»rtui de partibus alienis. 

103. De interdictione debitorum. 

103*. De repeticione bonorum abmortuorum. 

104. *De ponis pro iniusta vituperacione ortilegii. 

105. De solucione debiti. 

10(). De donaciono immobilium bonorum. 
107. Do mutacione pecuniarum fuper pignus. 
198. De emptore bonorum. 



1 Im Codex steht: aliqtii. 



Die polnische Recension der Magdeburger Urtheüe. 329 

199. De adductione debitorum ad advocatum non citatorum. 

200. Si rem aliquam in jure ciuili invenire non pofrent. 

201. De tradicione debitoris ex jure. 

202. De martirifacione captiui. 

203. De spurionibus et aliis hominibus, qui jure privat! funt. 

204. De repeticiono bonorum fuper puero. 

205. De renunciacione tutoris vltra nolentis tutelam fovere. 

206. De repeticione volentiA debiti faper orphano Ten relicto. 

207. De interdictione or})hanij ipfius bonorum. 

208. De adductione hominis ad Judicium cum tribus cultibus. 

209. *De matrimonio commatris et compatris. 

210. De dotalicio. 

211. De querulacione pro capite. 

212. De hofpite, qui fideiuffores non potest habere, cum nolunt sibi. 

213. *De iudicacione iniuriarum. 

214. Vtrum poffunt iure procede[re] pro pignoribus tempore peremptorio. 

215. De banicione iudicii. 

216. Quot jurati debent intereffo penes banitum Judicium. 

217. De refignaciorfe medietatis bonorum Aiorum. 

218. *De interdictione bonorum cum bedallo. 

219. *Si alicui bona eins interdicta fnissent et ipfe fugam coepisset. 

220. De arreftacione bonorum abfente prefide eorundem. 

221. De obfefrione vie cum armis afperis iniufte. 

222. De donaciono bonorum compos adhuc in vita exiftens. 

223. De querulacione fimplici et refignacione eciam fimplici. 

224. De interdictione bonorum. 

225. *Qnod testimonium iudicii banniti omnibus testimoniis antecedit. 

226. De reffione ad iudicium iuratorum feu refidencia. 

227. Vtrum hofpes, accipiens pignu.s pro recognito debito, prefto- 
» tenetur. 

228. De.pena laudi», alias: o wyelkrzv ciuitatis. 

229. De invenciono ortilegij. 

230. *De notario ciuitatis et eins honorario. 

231. *De debito pro miffiono iuris. 

232. *De honiino orphano grauiter per aliquem lefo, respective de 
ilpacione advocati jurati per dominum suum coram iure et de caufidico. 

. 233. *Quomodo advocatus iniurias, quae homines orphanos spectant, 
icare debet. 

234. *De capitis et grauiuni wlnorum pernoctatione. 

235. De muro sui vicini. 

236. De homine, qui ex adhibicione fidei in tutorem eligit cogna- 
1 fnum. 

237. Dum quis equni aput aliquem detinerit. 

238. De fnmptibus juratorum. 

239. Quid pro ortilegio dare debent. 

240. De solitario notario. 



33ü 



KaliiiDiaeki. Die polnüclie UcccnaM« d«r Ma^U^mrg» Urlkeilc. 



241. De fafpenso homine. 

242. De interfecta muliere, hoc est: propria vxore. 

243. De repofito tennino. 

244. *De homine inuoluto fideiunbrie et de adductione ipfios ad 
Judicium. 

245. De iniufta re. 

246. De jununento poft mortujun manum. 

247. De queruUcione pro debito fuper femiuam. 

248. De dotalicio. 

249. De interdictione equi. 

250. De relignacione bonorum. 

251. *De redgnacione medietatis bonorum. 

252. De mobili bono. 

253. De remanlione puerorum poft manum mortuam. 

254. De examinacione tefcium. 

255. Dum aliquis juratus, ut conTul, advocatns, aliquid videret. 

256. De vituperacione ortilegij et conftitucione fideiufTorifi. 

257. De domo abmortuo poft maritum vel admortuo. 

258. *De hofpite veniente in ciuitatem et detento per burgrabium' 

259. De profugo cum censu. 

260. De homine per alium in truncum dnctum, de trunco ad jadidmS' 

261. De querulacione pro debito. 

262. De folucione debiti fuper peremtorinm vel certum diem. 

263. De bonis mobilibus et immobilibus. 

264. De vituperacione Judeo. 

265. Dum aliquis coram domino accufatur meudaciter. 

266. De treugis pacis. 

267. De deftinacione pro jure, cum quis emit agrum et non habe! 
quo perfoluere ad finem. 

268. De querulacione pro equo. 



Corrigenda. 



1. Auf S. 170 sollen die Zeilen 37 — 40 von oben folgende Gestalt haben 



284 
285 
286 

287 



264 
265 
266 
267 



297 




325 




1 


299 


327 — 


1 


300 


328 






301 




329 


— 





2. Auf S. 171 sind die Zeilen 29—31, sowie die Zeile 27 von obe 
zu streichen. 



Rorawits. Zur Geschichte des Humanismus in den Alpenl&ndorn. I. 331 



Zur (jescliichte des Humanismus in deu Alpen- 

ländern. L 

Von 

Prof. Dr. Adalbert Horawitz, 

correcp. Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften. 



I §. 1. £iiileitang. 

in meiner Schrift ,Der Humanismus in Wien'^ warf ich 
die Frage auf, welche humanistischen Anregungen von Wien 
aus auf die anderen Provinzen des habsburgischen Regenten- 
geschlechtes ausgeübt wurden. 

Seitdem schien es mir geboten, diesen Beziehungen nach- 
zugehen, wobei ich aber bald zur Ueberzeugung kam, dass 
L Wien nicht als einziges Centrum dieser Geistesströmung zu 
betrachten sei, sondern dass auch an manchen Orten spontan 
oder durch anderweitige nicht mehr nachweisbare Anregungen 
ach jene neue Richtung der schönen Wissenschaften Durch- 
bruch verschaffte. 

Es war dabei ein leidiger Umstand für meine Forschung, 
dass durch die rücksichtslosen Confiscationen und Autodafes 
der Gegenreformation, wie durch scharf zu tadelnden Indifferen- 
tismus gegen Denkmale der Vergangenheit, das Material — bis- 
ber wenigstens — als ein äusserst geringes sich erwies. 

Am meisten noch bieten die Klöster, welche, vielfach durch 
vernünftige Archivare und Bibliothekare gefordert, dergleichen 
Ueberresten die Sorge der Bewahrung zu Theil werden Hessen ;2 
leider sind die Codices epistolares äusserst selten und scheint, 

^ ^paratabdruck aus dem Historischen Taschenbuch, Sechste Folge, II 

^prig, F. A. Brockbans. 
• Besonder» Wilhering, Lambach, St. Florian, Mondsee. 



332 Horawitz. 

die Gleichgiltigkeit gegen solche Reliquien im Allgemeinen 
eine grosse gewesen zu sein. Dass aber gerade die Kloster 
in unseren Alpenländern die Stätten waren, in denen aoci 
diese geistige Richtung zu Tage trat, begreift sich unschwer 
aus der Continuität der classischen Studien, die ja in den 
Klöstern das ganze Mittelalter hindurch — freilich in ziemlich 
äusserlicher Weise — gepflegt wurden. Denn nichts ist unbe- 
gründeter als der Wahn, die classischen Studien seien iu"plötzlich 
wieder in die Welt gekommen, und längst verpönt ist jene rohe 
Auffassung des Mittelalters, die von der ,Nacht der Barbarei^ 
und wie alle die gedankenlos nachgebeteten Phrasen lauten, 
declamirte. Im Gegentheile, wie unter Anderen v. Stein^ 
und V. Liliencron^ gezeigt haben, ist die Fülle des Wissens, 
welches die Schule und Gelehrsamkeit des Mittelalters kannten, 
eine sehr bedeutende; anders freilich steht es mit der Frage 
nach der Verarbeitung, Anwendung und Popularisirung 
Wissensstoffes. 

§. 2. Oberosterreich and Salzburg. 

In diesen Alpenländern erscheinen vornehmlich Krem»- 
münster, St. Florian und St. Peter in Salzburg den classischoi 
Studien zugewandt.*^ 

Auffallend ist die Thatsache, dass schon so frühe sich 
Beziehungen zum italienischen Humanismus zeigen. Um 1474 
z. B. lässt der Pfarrer von Ried, Johannes Urkauf, die Werke 
Petrarca's abschreiben, 1482 wurden in Kremsmünster die . 
Facetien des Poggio erworben.* Unter den Handschriften von 
Wilhering, Mondsee, Lambach und Schlögl finden sich schon 



* In »einem vortrefflichen »Bilclungswosen*. Stuttg-art, Cotta, 1884 fF, 

^ In den Studien über das Spoculum universale von Vincenz von Bea»* 
vais. (In den Schriften der k. Akademie der Wissenschaften zu München) 

3 Besonders reichliches Detail liefern die höchst verdienstlichen PubU' 
cationen des rastlosen Forschors Albin Czerny, vor Allem sein Hau«' 
Schriftenkatalog von St. Florian u. A. Auf die Darstellung der das»* 
sehen Studien im Mittelalter braucht hier um so weniger eingogang^ 
zu werden, als wenigstens für die oberösterreichischen KliSster vcf 
berufener Seite eine eingehende Schilderung zu erwarten steht. 

* Hagen, Das Wirken der Henodictiner-Abtei Kremsmünster etc. Lini 
1848. S. 33, N. 129. 



Znr Geschieht« des Humaniümus in don Alpenl&ndern. I. 333 

18 dem Ende des 15. Jahrhunderts viele libri latini classici, 
^ra rhetorica, Codices grammatici.^ Pröll (Geschichte von 
kililögl) gibt S. 80 einige Disticha als Grabschrift des Abtes 
lohann 11., die gar nicht schlecht sind 5 vgl. dort S. 99, N. 1. 

Auch in St. Florian war kein Mangel an Classikern. Die 
Erwerbung von vielen davon geht auf das Mittelalter zurück.^ 
Man findet neben ihnen auch Schriften von Humanisten, z. B. 
die Werke von Angelo Poliziano in der Venediger Ausgabe 
Ton Aldo Manuzio in Folio 1498. '^ Auch die von Czerny in 
aelir dankenswerther Weise verzeichneten Einschreibungen in 
die Codices zeigen zahlreiche humanistische Reminiscenzen.^ In 
der Klosterschule von St. Florian lernte man im 15. Jahrhundert 
neben dem unentbehrlichen Doctrinale des Alexander de villa 
Dei, neben Donat, Mammotrectus und des Gaufredus ,poetria 
nova de arte dictandi^ aus Priscian's Grammatik, las Terenz, 
tttsgewählte Briefe Cicero's, Boethius de consolatione phil.*^ 
Von überraschendem Werthe sind aber die Briefe aus den 
Jahren 1462—1478 aus dem ,Codex epistolaris' der Pröbste 
Johann und Caspar und dem ,Codex epistolaris' des ChorheiTn 
Auer von St. Florian. *• Der erste Brief vom Jahre 1462 ist 
ein citatenreicher Bettelbrief der Studenten von Steyr an den 
Abt Berthold IV. des Benedictinerklosters zu Garsten. Er 
wimmelt von Entlehnungen aus den lateinischen Dichtern (be- 
sonders Virgil und Horaz); den Verfassen! aber gehört der 
unzerstörbare Humor als ihr Eigen an. Sie gehören, wie es 
»cheint, zum grossen Orden der Vaganten, nennen sich selbst 
scherzhaft ,Coetu8 Wursalium " de vacua pcra' und sind , wie 
num aus Allem ersieht, eine Art Nachtrab der Goliarden. 
Schon in der Arenga spassen sie; sie schreiben: deditiftsimam 

* Kach freundlicher Mittheiluug des Herrn Bibliothekars von St. Florian 
A. Czerny. 

' Vgl. unter Anderem den Bestand der Dombibliothek in Passau unter 
Bischof Otto von Lonstorf 1254. 

* Cserny, Bibliothek von St. Florian, S. 166. 

* Vgl. ebenda S. 199 ff. 

* Cierny, Die Klosterschule von St. Florian. Linz, 1873. S. 34 f. 

Auch diese werthvolle Publication (abgedruckt in der ,Klosterschule 
▼on 8t. Florian*, S. 88 ff.) dankt man der fruchtbaren Thätigkeit und 

^em Kennerblicke A. Czerny's. 

' Aelpleri«che Aussprache fUr Bnrsales (Czerny). 



3H4 lloravilz. 

suam oliationem et paritcipium cum inferjectione gaudn 
fntemi^. Nach einem Panegyricus auf den Probst kommen m 
auf die Hauptdache : yincrepuit*, sagen sie, fiellicus hostimm moän^ 
rum acerrimoi'um sitts atque inediae fumuUus lahiaqnt D&m 
canentium in Sion claudere satagabat*. Der weitere WortU 
des Briefes verläuft in grammatischen Spielereien J die aoK^ 
sollen, dass nur Einer helfen könne : der Eine aber ist to 
Abt Berthoid — sein Prior und sein Convent. Diese mm niki 
sie von der Belagerung des Hungers und Durstes befreien mi 
ihnen — auf das geht Alles hinaus — die Martinsgins ;m 
ifine Bacho^ verleihen. Schliesslich folgt ein nettes Gedidit ii 
Hexametern, in dem die Schüler dem Kloster alles Gute wto- 
sehen. Die Datirung ist wieder sehr komiseh, z. B. Jbora wtm i 
rel quasi ^ parvulis nostris euntibus coquinatum^ . ' 

Elmsteren Strebungen begegnet man, wenn man den Bmf' ; 
Wechsel des Florianer Chorherm Mathias Steinhehler von Beichoi' 
bei^ vornimmt.* Da empfiehlt er z. B. einen jungen Mensckt 
dem Vorstand der Domschule zu St. Stephan Paul von Stocken! 
ium 1466 1. den er seinen Lehrer nennt, 1467 bittet er dieN% 
Bücher für das Kloster anzukaufen: andere Briefe betreAi 
nicht wissenschafdiclie Angelegenheiten. Ulrich Eberliardi v» 
Klostemeuburg schreibt hinwiederum (1466^ an .seinen Lehifi' 
Mathias Steinhehler im Tone der Humanisten: überschwängU 
ist das Lob. iibersehwänglich das Werben lun die Freiiit 
Si-haft des Gefeierten. ,Xnm mm tu\ schreibt er da etwa, ,■»«• 
bus *ti}timif pnie*Htiis jti> et iviri'iniwj ni'fium munert abunÜB 
cumuhitisfime* etc. Auch sonst folgen zahlreiche Phrasen, wii 
sie der Hnmanismus allüberall liebte, z. B. ^dum spirithi • 
atiibus «TiV. !ti f*fta nitnitent' u. s. w. Schliesslich entschuldigt ff 
natürlich seinen Stil: Ju »ffniqur in^rti ^f*"'«» meo et puerili vetdtB 
dat»^, Wim rhettkrirae mitjsne pnueepfore egen penitn^. Eli 

' . . . u.v'«!-»!.'*' M*i»/ü>* NrtÄ'/v« t*»-(Vy.;t-i/i*»/'j in «vf*-» J**j/ilo parftMm CN «/•!■■ 
i up^rio rnv^ro m'»/<!^*^a. uf*' f*»i «»v «i^-mimi rici^aleg, gnarum 
uifniHn rx ininiit'it nc^ri* »pf^.-acirnHJ <r' li^ nurni tminüimi, qmi 
»R«. Ctmi cero f'« »fic'w u-Wj-m rfyriü *riri\'t.*i''Hsqn^ rnrntü no^fri »nopeti 
»iiMfico deHci^itirt r^y^rinrntHr, in tufHMifiro yror»'* ptvruw attipiuHt; idip 
^iinH* ifuvV.'tv r»frftu.itihi ^M>^iiriA«^N*. nifi in a^^atir»? auteriina 9pofia dtmM 
i^^'iCtfA »'.■••' ifi oKtiSionif .•»*/** «litKU ••'"»".■t:*!?^* rW^ni^-^cantn hoco tiimiinii^ 
i>frri:i'i .:.«'. »r-»M- i'\^wf-''i:i -.i < w K.' rTlijk. a A. O. S. >V*. 



Znr Geschichte des Hnmanismas in den Alpenl&ndern. I. 33!> 

(Seriker aus St. Polten, Andreas, schreibt in ähnlicher Phra- 

leologie an Steinhehler (1468). Er citirt auch Horaz und Cicero, 

ifid zwar merkt man, dass er des Latein ziemlich mächtig 

kk, in geschickter Weise wehrt er die Anwendung der Plurale 

k der Ansprache ab und weiss in ungezwungenem Humor 

IQ scherzen. 

Aus Lambach schreibt der Convcntuale Friedrich um 
1475, der in demselben Jahre als Abt nach Niederaltaich po- 
lAolirt war, ebenfalls an Steinhehler. Er dankt fUr die dem 
Lambacher Petrus erwiesene Güte, sendet ihm, ,8einem Lehrer', 
m Becept gegen sein fortdauerndes Magenübel und bemerkt 
Schlüsse: ,Et utinam Petrus ultra • neccessarium Studium 
etiam applicetur ad discendum cantum et fari artißcialtter 
htinum', Steinhehler's Briefe an Paul Wann ,artium ac. sacrae 
joginae doctori eximio Pataviae iwaedicatori^^ von 1467 und 
1469 zeigen ebenfalls Kenntniss der Classiker, viele Uebung, 
■cbere Anwendung beliebter stehender Phrasen, aber auch eine 
gewiase Neigung für ermüdend lange Sätze. Es ist eine ganz 
gvte Bemerkung, wenn gesagt wird, Stil und Sprache würden 
Nigfilltiger, je höher die angeredete Person ist.^ Er, der 
wwohl Scholasticus als auch Cellerarius des Klosters war, hatte 
eme zahlreiche Schülerschaft, mit der er in Verbindung blieb, 
wie die Briefe zeigen. Schon dass man sich schreibt, ist ein 
beachtenswerthes culturgeschichtliches Factum, das der Pfarrer 
Qeorg Sparsguet von Mattighofen mit den Worten motivirt: 
firaia florufii amoenücis humore prirafa aresck, sie socißtafis 
^fäigritas a longi temparis distantia tepescere discernitur nisi ali- 
fvarunt litterarum alloquio fuerif stahlUta^. Steinhehler, der 
«ne reiche Thätigkeit entwickelte, erhält auch in einem Schrift- 
■Äcke des Abtes Johannes von St. Florian das Lob: ,Qttea 
Matthias de Keichersperg nrtium. haccalaureus almae universitatis 
ä ittidii Viennensis . . . aliquot annorum spatiis apud nos com- 
'morando in regimine scholae nostrae fideliter utHiterque lahoravif*. 
Wie er nun seine Schüler unterrichtete, daftlr habe ich wenig- 
ftens keine Daten; allzuweit wird es wohl kaum vom Richtigen 



^ V^I. Prnll, Geschichte von Schlögl, 97. 

' Czerny, Au« dem geistigen 6e8chHft4ileben in Oberösterreich im 15. Jahr- 
hundert. Linz, 1882. S. G. 



336 Hftrawitx. 

entfernt sein, wenn man annimmt, dass die Dictate in jenem 
Codex, welche unter den Titeln Arengac laufen, unter seiner 
Anleitung entstanden sind. Das eine hat die Aufschrift ^Arenga 
discipitlorum ad Rhetoricam' und besteht nur aus zwei Sätzen^ 
deren zweiter von unförmlicher Länge ist. Das andere heisit 
,Arenga Rhetoricae ad discipulos^ und drückt sich über dieie 
Kunst sehr artig aus: ,quae docet ornafum ac venustum loguenä, 
salutem et optat pertingere effectum et desiderabilem adipisd facd' 
taten}'. Kühn spricht sie es aus: yOmnia enim sunt scibäiak 
via rationis, apud potentiam dari intellectus nihil est impossibäi, 
Sie mahnt die Studenten, sich die Geheimnisse der Wissen- 
schaft zu eröffnen^ knüpft aber daran den freilich prosaischea 
Satz: ySine enim his difficile vel forte impossibile est pertingert 
gradum cujusdam facultatis^ u. s. w. 

Uebrigens er&hrt man aus den Briefen, dass die Schnlei 
zu St. Florian und Enns in gutem Rufe standen. 

Der Humanismus des ausgehenden lö. Jahrhunderts dürfte 
in Oberösterreich und Salzburg hauptsächlich nur darin be- 
standen haben, dass man die libri neotericorum, d. i. Weile 
italienischer Humanisten, Aldinen u. dgl. für die Bibliotheken 
— meist wohl nur Privatbibliotheken Einzelner — anschaffte 
oder dass man diese Schätze entlieh. Für das 16. Jahrhondeft 
ist eine nähere Beziehung zur Wiener Hochschule und dei 
daselbst befindlichen Trägern des Humanismus unverkennbar. 
In den Decennien der in Öesterreich kräftig hindurchbrechendea 
Reformation ward gewiss so mancher Ansatz zerstört, dagegea 
erblühten durch Einwanderung deutscher Magister oder duitk 
Söhne der schönen Alpenheimat, die nach Wittenbei^ gc* 
pilgert waren, ganz gewiss in den Schulen humanistische Stre* 
bungen und Anregungen. Auch die Wiener Universität zählte 
in ihrer lebendigsten Zeit gar manchen Oberösterreicher, arf 
den sein Vaterland mit Genugthuung blicken konnte. Vn^ 
Namen des Johannes von Gmunden. Georg von Peurbach, Jo' 
hannes Tichtl aus Grein J Stabius und Josef Grünbeck ai^ 
Steyr,- Wolfgang Mosnauer aus Wels, Marcus RustinimicO' 



* Vgl. Horawitz. JobAuues Tiohtl, ein Arzt des 15. Jahrhunderts (ii 
den Berichten des Wiener Alterthumsvereins). 

* Ueber ihn steht eine Arbeit r*n\ A. Czeruv zu erwarten. 



Zar GMchichtr des HnmanismiiR in den Alpcnl&iidern. I. 337 

• 

Ä Mondsce^ Polymnius (Wilhelm Puclinger) aus Wirting und 
ndere sind dem Forscher bekannt,' an einem anderen Orte 
oU ihrer, Bowie der Strebungen der oberösterreichischen Klöster 
kUBführlicher gedacht werden. Hier sei nur angeführt, dass 
tlondsee das erste moderne Gymnasium im Lande ob der £nns 
in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte. ^ Der gründ- 
fiehe Forscher in oberösterreichischer Geschichte, der Bibliothe- 
kar von St. Florian Albin Czerny, dem ich wesentliche und 
ledeutende Förderung auf diesem Gebiete danke, macht mich 
nffflerksam, dass ihm dagegen über die literarische Thätigkeit 
der lateinischen Schulmeister der oberösterreichischen Städte, 
welche alle schon im 15. Jahrhundert neben den deutschen 
ihre lateinischen Schulen hatten, nichts bekannt sei. Erst in 
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in welcher Linz und 
Steyr bedeutende Schulen und Gelehrte haben, fliessen die 
Kachrichten über die humanistischen Strebungen der Stadt- 
Kholen reichlicher. 

§. 3. Salzburger Handschriften. 

Bei dieser grossen Dürftigkeit der Quellen musste mich 
der Fund zweier Handschriften in Salzburg ausserordentlich 
erfreuen und fördern. Die erste fand ich in der Salzburger 
Stadienbibliothek, sie ist daselbst unter dem Titel Hs. V. 1. 
H. 130: Scrinioli, Georg Commentarii in Jonani et Ecclesiasten 
catalogisirt. Es ist eine Papierhandschrift aus der ersten 
Mfte des 16. Jahrhunderts, klein Folio, 275^™ hoch, 21'^'° 
breit, 45 Blätter zählend, ist in braunes gepresstes Kalbleder 
gebunden und stammt aus der ehemahgen salzburgischen Hof- 
Ubliothek. Der Inhalt ist nach der Eintragung des Schreibers 
arf der Innenseite des Vorderdeckels angegeben. 

jQue in hoc libello contlnentur, index iste docei et indicat, 
id Reuerendissimum Salisburgen, Archiepiscopum et Principem 
^fiMa, Ad eundem Princlpem et Archipresidem Epigramma in 
^ libeUi, Ad nobiles et magnificos viros et dovxino8 de Lam- 

' Vgl. darüber die bekannten Werke von Kink und Asch b ach. 

^8. Bruschius Supplementum , P. Otto Schmied in den Studien und 
Mittbeiluugen aus dem Benedictiner- und Cistercienser-Orden, III. Jahr- 
gang (1882), S. 292ff. und V. Staufer im Melker Gymnasialprogramm 
▼om Jahre 1864 und 1865. 
SitangsW. d. pWl.-liist. Ol. CXI Bd. I. Hft. 22 



338 Ilorawitx. 

• 

berg epistola. Ad Reverendum pafrem et dominum Doctorem 
Joannem Fabn Praepostfum Budensem epintola. Paraphrasls in 
Jonah vatem eximium aufhöre Georgia Scriniolo Stiro, Para- 
phrasls in EcclesiaMen eodem authore, Epigrammn authoris ad 
libellum/ 

Die Handschrift wird durch ein Gedicht des G. Scri- 
niolus eröiFnet ,ad lihellum, ut praeter timorem principis domum 
adeat^. Darauf folgt die Dcdicationsepistel desselben an Matthäus 
Lang, datirt Gurk, 13. Mai 1530. Er feiert darin Lang^ der 
fUr die Wissenschaft der Patristik stets Sinn habe (antistetf 
cui in sobHa cura ac amore habentur litterae post continuas aulae 
tuae strepitus in his quam maxime delectaris ac grata sunt tän 
onmia, quae ex litteraria officina cum modestia in vulgum ctidunfur 
ac prodeunt et ea sempei* quae redoUnt Chri^tianam religionem 
devote amplecteris, amas et observas) und widmet ihm seine 
Uebersetzung des Propheten Jonas aus dem Hebräischen; er 
erwähnt fenicrs der Gebrüder Lamberg, an welche sodann die 
Präfatio folgt. Auch an Balthasar, den Vorstand der Metro- 
politankirche von Salzburg, und an Ambros, den Canonicus 
und Official derselben, seine Patrone, ist dieselbe gerichtet. Er 
klagt darin über die Zeit und spricht von seiner Uebersetzung 
des Jonas^ von seinen Paraphrasen zum Ecclesiastes. Antonius 
von Salamanca, Bischof von Gurk, sein Hen', habe seinen ,Pro- 
pheten' bisher gesehen, sie möchten ihn nun lesen ,ut et docH 
hunc videant, communicate illum doctis, quos Saliaburge in 
magna habetis copia'. Vor Allem aber wUnsche er, dass 
sein Werk emendirt zu Lang komme, dessen scharfe Augen 
Alles durchdringen. Selbstverständlich spendet er diesem 
grösste Lob. Sie aber möchten seine Promotoren sein, der— 
ganzen Familie Lamberg ist es von Natur eingeboren ; di^ 
Armen zu unterstutzen ; übrigens sei er ja auch durch Brief(^ 
Kaiser Ferdinands und anderer Fürsten vor einem Jahre aim 
Lang empfohlen worden. Der Schluss ist in der Form der 
humanistischen Bettelbriefe gehalten. 

Das nächste Schreiben richtet sich an Faber selbst, es 
ist aus dem Jahre 1524 (vom 11. August datirt). Er benach- 
richtigt ihn, er habe Matthäus Lang seinen Ecclesiastes, den 
er aus dem Hebräischen paraphrastice übertragen, ,adjutv$ 
auxilio doc4orum , qui in Ecclesiasten enarraverint' gegeben, 



Zur Geschichte des Humanisninfi in den Alpenl&ndern. I. 339 

diesen und Anderes, was er ihm überreichte, habe Lang ent- 
gegengenommen, behalten und gelehrten Männern in Salz- 
burg zur Prüfung übertragen. ,Placuit labor noster Antistiü 
doctisstmo . . , et jusait, ut libellos msos quam citissime ad te 
mitterem, uti hos videres et iudicares, ac tand^m si quispiam 
laudis e tuo iudicio (quod sane apud catholicos viros in magno 
habetur honore) hi coruequerentur curare velit -princeps dignissi- 
mus , ut calcographis demandarentur/ Er bittet Faber, an 
Matthäus Lang zu schreiben, ob der ,Ecclesiastes' druckfertig 
sei, jSi vero minus y igni aut aquae adjudicetur'. Doch wisse er, 
dass er ehrlichen Fleiss daran gewendet, ,wec tempus, tessera, 
vino, Vener e, somno coTisumpserim , quo hunc meum lHjellum so- 
hrius purus et mgil aedidi^. Er hätte auch die anderen zwei 
Bücher geschickt, aber die Eilfertigkeit des Boten hätte ihn 
daran gehindert, so dass er kaum dieses habe emondiren 
können. Scriniolus erinnert Faber aber auch an ein anderes 
Verdienst. Als Faber nämlich mit Ferdinand in Karaten, und 
zwar in St. Veit gewesen sei und im Namen des Königs für 
ihn beim Erzbischof gebeten habe, habe Scriniolus ihm o2 Ar- 
tikel fContra haereticos Austriae^ gezeigt, die er geschrieben, 
aber unter dem Lärm der Hofhaltung habe Faber kaum einen 
Artikel lesen können: doch bald würden die Artikel zu ihm 
kommen, er möchte nur früher sein Urtheil über den Eccle- 
siastes wissen. ,Si adversa salutabunt Ecx^lesiasten meum, in 
angults et sub scabellis manebunt alii duo libelli/ Er spricht so- 
dann wieder von seinem ,Jonah', den er vorbereite und den er 
vor acht Tagen begonnen, nennt Faber seinen Lehrer und 
erinnert ihn, dass er schon zweimal in seinen Schreiben ihm 
v-ersprochen, für ihn zu sorgen. Er möchte ihn doch Lang em- 
pfehlen, dann werde sein Name bei ihm stets fortleben. 

In dem nächstfolgenden Gedichte erbittet Scriniolus von 
Matthäus Lang die Erlaubniss, in die Heimat zurückkehren 
^u dürfen. Der Dichter nennt sein Carmen Epigramma, es 
ist ziemlich zudringlich, aber nicht schlecht phrasirt und ganz 
nach Art der üblichen Gelegenheitsgedichte in Reminisccnzen 
«in die classischen Poeten gehalten. Er bittet unter Anderem: 

,Nec tedium quaeso pariat dignissime praesul 
Si non docta mihi Musa Maroniß ad est/ 

22* 



iJcr zwi.-it*; Furifl wiirdf in dem Archive des berühmten 
.Stift«\s St. Pf.-ter in SalzhurL' durch Vermittlung des stet« 
^'efällijrf-n l^irerrtorä P. WillihaM Hauthaler gremacht. Das 
Archivstück CLsta LXXII. 1. enthält zwei Fa&cikel des Abtes 
Chilian: der eine Fascikel be>teht ans lateinischen, der andere 
aii.H deiit.sehen Stücken. Beide sind Papierhandsehriften in 
Folio und sind je in einem Perpinientilcrkel eingeheftet. Der 
eine hat die äussere IJeberschrit't : J^fttine r'fitiimes Kiliani% der 
andere : , Th^.nionire, litterfj. Beide Fascikel sind von Abt 
Chilian an<:ele^t, und zwar zur Aufnaimie aller Concepte und 
der (Jopien aller wichti^^eren em|)iangenen Schriftstücke. Man 
könnte sie daher etwa Concept- und CopeibUcher des Abtet 
Chilian nennen. In die einzelnen (^uaternionen dieser Fascikel 
wurden aber eine bunte Men^c* <JripnaI- Schriftstücke und 
Copien, soweit solche derselben Zeit angehören, einverleibt, sie 
sind theils fix eingeklebt , tiieils lose eingelegt. Den Haupt- 
inhalt bilden theils des Abtes (.'hilian eigene Concepte, theik 
Stücke geschäftlicher Natur oder freundschaftlichen Inhaltes, 
theils von Chilian angefertigte Co]Men ähnlichen mannigfaltigen 
Inhaltes und endlich viele nachträglicii einverleibte Original- 
briefe und Urkunden. 

Die Handschrift wurde im 17. oder 18. Jahrhunderte mit 
Bleistift foliirt, wobei schon fast alle späteren Einlagen mit- 
gezählt wurden: im October 1880 wurde der gesaiuiute Inhalt 
von P. Willibald llauthaler^ registrirt und bei dieser Ge- 
legenlhMt die sämmtlichen Stücke mit Bleistift nummerirt. Der 
Inhalt des lateinischen Fnscikels umfasst 238 Stücke und der 
deut»<rlie. die Nummern 2vV.) — 347. 

Die Conceptstücke der sj)äteren Zeit sind oft »U8Ber- 
onb'ntlich viel corrigirt, durchstrichen und sehr flüchtig nieder- 
geschi'ie})en , so dass der zusammenhängende Text oft sehr 
schwer aus der Masse der (^)rrecturen herauszulesen ist. 

Lei<ler sind wir üb<*r Abt (!)hilian nicht gar zu treiTlich 
unterrichtet; doch gelang es wenigstens Einiges zusammenzu- 
bringen. '^ Chilianus Pfitricher war geboren zu Waidhofen in 

1 Iliin vßrrlniiko icli aucli dio HAschroibunfi: der Handschriften. 
^ Auch hifthei fiihio k*Ii midi Herrn P. Willibahl Hanthaler dankbar vtf- 
ptlirhtet. 



Zur GsKliicdlt« im BsinalHi» In 4ui «IptnUndeiii. 



341 



•berbaiem, ' atudirte an der Wiener UniverBität , wodurcb or 
mit Männern wie Watt, Johann Auerbach, Georg Suhuster, 
Fabian Niger u. A. bekannt wurde, machte am 21. September 
1Ö07 ProfcHB, feierte am 3. Mai 1511 seine Primia, wurde 
bald Siibprior, als welcher er von 1515 — 1518 erscheint, von 
1518 — 1522 ist er Prior, hierauf CeJlerarius oder Oekonom 
unter Abt Johann Staupitz und 1525 — 1535 dessen Nachfolger 
als Abt; am i. Januar 15^5 wurde er gewühlt. Er war auch 
als Schriftsteller thätig und schrieb 151 1 das Büchlein ,De 
mensuris syllabarum'. Vom Jahre 1519 — 1521 kämpfte er als 
Prior und bestellter Procurator bei der päpstlichen Curie in 
Kora fttr die Rechte des Klosters. Von der pnpstlichen Pöni- 
tcntiarie erhielt er mit Urkunde vom 13, MSrz 1522 auf sieben 
Jahre das Privileg: ,ut in qtutamtque Univeraifate seil loco, ubi 
gtudium ijtnevale seu competen» in eisdein littei'ia »tudendo seu 
^^M^ncio . . . peTrtmnere'. 

^^K Bei Gelegenheit der Besichtigung der stiftlichen Wein- 
^fnter in Untci-steier bei Leibnitz ertrank Abt Chilian in den 
Flulhen der Siilm in Folge eines Schiffbruches am 12. Fe- 
bruar 1535. 

Abt Kiliau nannte sieb in seinen Briefen häu6g Usaeius 
ItlociiploB. Kr erweist sieb als wohlwollend, eifrig und huma- 
nistischen Strebungen hold. In seinen Briefen, sowie in denen 
seiner Correspondenten fehlt ee ebenfalls weder an Schwillst 
noch an Rückfall in die mittelalterliche Latinität — es zeigen 
sieb grosse Germanismen — aber sie öind doch voll Leben 
und erwecken unser Interesse so sehr, dass man um so mehr 
bedauern muss, über die Schreiber derselben so wenig sagen 
zu kfinnen. Die Achtung für jene wcrthvollen Güter der Ver- 
gangenheit, wie sie die Handschriften sind, scheint einerseits 
in den AIpenlHudern gering gewesen zu sein, andererseits 
dürften Gegenreformation, Bauernkriege und banausische Biblio- 
theksverwalter mit den Handschriften furchtbar aufgeräumt 
haben. So viel lässt sich doch aus dem unten Mitgetheilten 
ersehen, der Humanismus war im Salzbnrgiscben in dem ersten 



• Auf Baieni ilenWii 



iirch die lin^fe I 



342 Ilorawitz. 

Dcceniiiiim des 16. Jahrhunderts schon zu einem gewissen Ger 
deihcn pjclangt. Die Namen der Schreiber sind stark latinisirt, 
z. B. Pometianus, Taxvillanus, Sericanius, Delphinus, Buschius. 
Es erscheinen M. Johannes Neph als jhumanarum lüerarum 
moderator*, Martin Rechinger als jlit, disciplinae nioderator' in 
Keichenhall, ein ,lit. discipl. moderatar* Sebastian Chaczhammer 
datirt: jin taberna Uhraria Jacobi Molossii^, M. Vrbanus Braun 
Petrensis (St. Peter in Salzburg) ylitteratoriae palaesti'ae prcie- 
fectuH^ (um 1521) bittet um Erhöhung seines Gehaltes. Ernen- 
nungen und Weggang von Schulmeistern, Honorarfragen ' bilden 
hilutig den Gegenstand der Correspondenz , ebenso drollige, 
übrigens bei den Neophyten des Humanismus häufige Erör- 
terungen grammatischer Fragen; auch gar Manches, was mit 
dem Humanismus nichts zu thun hat, hier aber doch Auf- 
nahme fand, weil es culturgeschichtliches Interesse gewährt 
und in humanistische Formen eingekleidet ist. Die Corre- 
8})oiidenten dieser 50 Stück betragenden Briefsammlung sind 
ausser Abt Chilian der von ihm hochgeehrte und als Autorität 
betrachtete Johannes Taxvillanus, Cristanus Sericanius 
,Poetii^ in Salzburg, der Baccalaureus artium Johannes Praun- 
.sang, der Professor artium et pontificii iuris Andreas Chien- 
perger, der moderator latini sermonis Annibal Delphinus, der 
Kaufmann Johannes Coronarius aus Augsburg, der Erzpriester 
von Freisach Joliannes Favianus, Paulus Spcratus, der nach- 
malige Reformator, der Philolog Jacob Bedrotus aus Bludenz, 
der Professcleriker II. Achatius de WoUsperg, der Passauer 
Seifridus Cingulator, der Weltpriester Martin Sin in Abtcnau, 
der Student Christoph Westner, der vorerwähnte Baccalaureus 
Sebastian Chaczhammer, Joachim Watt (Vadianus), der 
Wiener Baccalaureus Moser, M. Vrbanus Braun, M. Geor- 
gius Sayler aus Wien, der Student Leopold Diether aus 



' Da8H in manclion Klöstern, wio z. B. in Benedictbeuern um 1489 der 
L(?lircrstand durch dio geringe Höhe des Qehaltos herabgewürdigt wurde, 
liat zuc^rst Viorthaler in seiner leider unvollendet gebliebeneu Ge- 
schiclito dos Scliulwosens und der Cultur in Salzburg, Salzburg, 1804, 
S. 117 gozeigt, wo auch bemerkt wird, dass der Schullehrer in den 
Klosterrochnungen in einer Rcilie mit dem Küchenjungen und dem 
KIoHterknechte stoht, und dass der Oberkoch an Qehalt weit über Ihn 
emporrage. 



Zur Geschichte des Humanismus in den Alpenl&ndern. I. 343 



• 



Ingolstadt, der Abt von Melk, Georg Fucrer aus Augsburg, 
Abt Johann Staupitz, der Beichtvater in Nonnberg Fr. Vi- 
tal is Rubre vallensis, M. Johannes Stopher, F. Jacobus Cu- 
spinianus.i 

Die Anordnung ist nach der Reihenfolge des Codex; auf 
die genaue Datirung musste bei der höchst eigenthümlichen 
Datii'ungs weise Chilians verzichtet werden. Der Inhalt der 
Briefe erweist sich, wie schon gesagt, als ein sehr mannigfaltiger; 
möge er in aller Kürze angedeutet werden. In Nr. VI sendet 
Chilianus an den Johannes TaxviUanus die ,primitiae' seines 
Dichtens, erwähnt dabei Reuchlin's Fpistolia und legt der 
Kritik des geehrten Gönners die unter Nr. VII abgedruckte 
Elegie ,de varitu(Une(!) raundi et varietate fati arckipresulum 
nostrae tempestcUis^ vor, die als prosodische Stilübung wohl 
antike Formen, aber wenig Inhalt bietet. Näher lernen wir 
den TaxviUanus durch Nr. VIII kennen^ in der ihn Chilian 
um 1515 als einen Mann ,optime indolis* Ipbt, ,cwi par inter 
nostrates vix habeatur^ tum ingenii vivadtate tum praestantissiina 
memortae integritate*. Weiters spricht Chilian von seiner eigenen 
unablässigen Thätigkeit imd fordert den TaxviUanus auf: ,tor- 
pentem excUes Minervam^ u. s. w. Die unter Nr. IX beige- 
gebenen Verse sind schwach. Cristanus Sericanius spricht 
um 1514 (Nr. X) seine Freude über des Chilianus Liebens- 
würdigkeit aus, erzählt von seinem Stillleben in Berchtcsgaden, 
der Provinz der Musen, in der er ganz der wissenschaftlichen 
Afusse lebe. Er schickt ihm, den er als ^egregium literaturae 
politioris sititorem^ kennt, einen Historiker ,uno excepto T. Livio 
jfacile excMentissiviuvi* y später nennt er denselben ,totius orhis 
^estorum saiptarem praestanttssimum^ . In Nr. XI erblicken wir 
weder ein Gedicht des fruchtbaren Frater Chilian, das ,Ogda- 
Mican(f) de vestltutione Uhri'. Gleichzeitig bittet der Dichter 
den Sericanius ,poetam argutissimum^ sein Buch ,de mensuris 
^llabarum (das er 1511 geschrieben) quem ex vamis auctoribiis 
^ pene infinitis accuratissime commanipulavi , tuo praestantissimo 
ingenio et doctrina approhare et carmine communire digneins^. 



* Vorerst kaun über die meisten der hier Genannten nichts Bio- oder 
Bibliographisches beigebracht werden; hoffentlich gelingt dies im 
II. Stücke dieser Sammlung. 



In Xr. XII gibt f.TiiliAn einem Juni:linir»\ Johannes Praansjuig^ 
mit dessen I>?hrer Johannen Sti«pheriu* er sich besprochen^ 
^te lehren, klagt über die bösen Sitten der Zeit, warnt ihn, 
die ,riro9 fque^n's rd altt^rius oniinis' zu reizen ^Jant namk0pu 
Utteratorihtis sem^tr iiuidms tend^f^re*. Schlie*sKch macht er ihm 
AiK^icht, an die Stelle eines Baccalaiirens kommen zu können. 
Nr. XIII enthält ein Schreiben Chilians an den Proiedcsor des 
päpstlichen Rechtes Andreas Chienberger, das einen Beitrag 
znr Geschichte der Studien in Salzburg gewährt, fiir den wir 
nur dankbar sein können. Chienbei^r hat die Uebersetzung 
der griechischen Fabeln des Valla von ihm erbeten, wa« er 
ihm auch gerne gewährt hätte*, aber er besässe jene Ueber- 
äctziing nicht. Damit er aber nicht ganz und grar sein An- 
liefen vernachlässige, schicke er ihm die neue Ausgabe der 
.Philosophie des Aristoteles* durch Favre des Estaples ,riri ex 
itmni ero doctisiimi et incomptirahtli*^ hie e*im iiimio situ squa- 
hntt^m et guo riduatam fplendore ita Ulwttrant, nt Htrmciao 
Barbara et Argifroptfo Byzantio optimu philtisophiae interpretier 
torihus pUt» mea :tententia nitoris attu^ent\ Der weitere Inhalt 
des Briefes zeugt fiir den lebendigen Eifer und die schönen 
Stu<licii fies Mannes und giebt Urtheile eines zeitgenössischen 
Lesers, die um so willkommener sind, als sie so ziemlich Durch- 
schnittsurtheiie sein dürften. 

Ein besonders gefeierter Poet scheint Hannibal^H Delphi- 
nus gewesen zu sein, an den Chilian lolo i^Xr. XI Vi in be- 
wundernden Worten schreibt. Leider konnte ich die Gedichte, 
von denen Chilian spricht und die er sehr rühmt, nicht 
erlangen. Für Chilian ist Delphinus ein Orakel, er bittet ihn 
unter Anderem ihm den Unterschied zwischen ingenuus. Über- 
fhiug, manciphim klarzumachen, fragt ihn um Manches, ihn, den 
er als .unicum perfiujium et asylum . . . in amhiguitatibus' rühmt, 
auch bezüglich Lorenzo Valla's Delphinus, das singulare decns 
htthu(a(U\ den er (^Nr. XV) /yrtiatissimus latini sermonis mode- 
rn for* nennt, soll ihm bezüglich eines Streites, den er mit einem 
Mitliruder ( Achatius), der sich sogar auf Heinrich Bebel stützt, 
über <len (rebrauch des Plurals bei der Anrede hatte, ein ent- 
scheidendes Wort sagen. Chilian tritt mit Quintilian für den 
Singular ein, behauptet, dass es falsch sei, wie Jener zu sagen: 
jVos esfis doctl grammafici^ und liotl't, dass durch die Belehrung 



Zor Geschichte des Hitmanismas in den Alpenländern. I. 345 

des erfahrenen Delphinus das Richtige erwiesen und jener 
Hartnäckige von seinem Starrsinne werde abgebracht werden. 
Rasch und kurz antwortet darauf Delphinus, jenen Sprach- 
gebrauch habe er nie gehört, er finde die Sache vieler Worte 
unwürdig (Nr. XVI). Der Brief kam offenbar erst an, nach- 
dem Chilian ein drängendes Schreiben (Nr. XVII) an sein 
Orakel gerichtet hatte. Denn er klagt in diesem über das 
lange Stillschweigen des Delphinus, der vielleicht durch seine 
Geschäfte und Anderes abgehalten werde, und fragt um dieselben 
Dinge. Er will von ihm Aufklärung: fliterm-um monxivientum ex te 
Meam, quo tut memaria jyerpettio mecum reviviscat et adversarium 

mum convincam*, Delphinus weist ihn, wie es scheint 

(Nr. XVIII), ärgerlich zurück, da er ihm nochmals mit dieser 
Geschichte komme. ,Maior mihi temporis Minerveque meae par- 
iimmiae est qiuim tarn ridicule et infrugifere anxietatis questiuncule 
tue regponderem/ Er will aber auch nicht anstossen und Je- 
manden aus Chilians Orden (quoa omnes promiscue amo) ärgern, 
doch regt ihn das Thema zu eifriger Behandlung an; mit einem 
gewissen Ingrimm sehliesst er: yVale ac itiepciis üliusmodi movere 
^äm posthac parce obsecro/ Und wie ein literarischer Mentor 
fägt er die Worte hinzu: jAltioribus lubentissims nercos infendam 
weo*, tu qiioque dignioribus admirationibiis totus incumbas/ Datirt 
ist der Brief ,ex edibiis doctoris Pachamer* . 

Der Zweifler und Anreger des ganzen Streites war offenbar 
<lcr Frater Achat ins, an den Nr. XIX gerichtet war. Es ist 
vielleicht der interessanteste Brief — wenngleich seine chrono - 
'<^?che Einordnung manche Zweifel erregt — denn er führt 
wis zu einem Symposion von Wiener Humanisten in Dornbach, 
hei dem Joachim Vadian, Joannes Auerbachius, Fabianus Niger, 
Wide oratores pontificii juris, und der M. artium liberalium 
Georg Schaufler ,inter featndos calicm* Aristotelico more dis- 
pntirten. Dort ward über die obenerwähnte Streitfrage ge- 
brochen, worauf Vadian die Worte äusserte: ,Quid bone pater 
«tw alhicinationibus multis nunquit res düjna disputataP Kurz 
-~ Alle weisen dieses Gespräch zurück, in Folge dessen auch 
Oiilian dem Frater Aohatius zuruft: jMiror autem te tanta 
^«»«rüate hanc insolitam ndiculam et plane hfricgiferam rem ita 
F^ui de qua doctos piget facere sermonem/ Sehr interessant 
i^t eine Stelle über Reuchlin ,uiri ex omni evo incoviparabilis 



346 Uoi'Awitz. 

cui prascipue nostra tetnpesfate alium elo(pientie dignUate compa- 
raH nee avsim iiec possim^. Er sendet auch zwei von den für 
die Ötudirendcn der lateinischen Sprache so nützlichen Briefen 
aus der Epistelsammlung Reuchlin's (den er übrigens stets 
Capnio nennt), den des Franciscus S. £ustachii diaconus Car- 
dinalis ^ und den des Herzogs Reinher von Lothringen/ auf die 
er Achatius verweist, damit er ,inauditiim atqiie insolenteni «ei*- 
mo)iem^ vermeide. Nr. XX enthält einen Trostbrief Chilians 
an einen jungen Kaufmann aus Augsburg, Johannes Coronarius^ 
wegen des Hinscheidens seines Vaters; es sind die gewöhn- 
lichen Phrasen, die als Trostgründe verwendet werden. Nr. XXI 
ist ein sehr merkwürdiger Brief Chilians an den Archipresbyter 
von Friesach Johannes Favianus, der an die ,Epütolae ohacvr 
vor um virorum* gemahnt. — Aber in einen ganz anderen Kreis 
werden wir eingeführt, wenn uns ein Brief Chilians (Nr. XXII) 
an Paulus Speratus an des Letzteren Predigtamt erinnert. 
Speratus wollte den Thomas von Aquino (sup. sententias) zum 
Behufe von Predigten entlehnen. Chilian schreibt, er könne 
ihm das erste Buch nicht leihen, da er es selbst brauche. 
Dagegen erklärt er seine Bereitwilligkeit, ihm die anderen 
drei Bücher und was er sonst aus der Bibliothek zu entlehnen 
wünsche, zu schicken, doch bittet er, ihm das erste Buch, das 
er so nöthig habe, da er sich gerade mit Thomas so eingehend 
beschäftige, nicht zu entziehen. Paulus »Speratus sandte denn 
den gewünschten Codex sofort zurück. Charakteristisch sind 
die Benennungen beider in den Titelinschriften; Speratus wird 
,artium macjister* und ,came8 palatinus* genannt, er schreibt an 
Chilian: amicoruin suo praecipuo. Auch zu einem andern nicht 
zu vergessenden ^ Humanisten, dem Gräcisten und Mathematiker 
Jacob Bedrottus aus Bludenz fContichernü Haidenham conveiüoH* 
stand Chilian in Beziehung, wie Nr. XXHI zeigt. Er erhebt 
grosse Lobsprüche über die an Abt und Convent gesandten 
literarischen Gaben des Bedrottus, der doch noch so jung sei; 



* Abgedruckt in Johann Reuchlin'H Briefwechsel, gesammelt und her- 
ausgegeben von Ludwig Geiger. Stuttgart, Literarisclier Vorein, 1876. 

2 In dor Allgemeinen deutschen Biographie ward er ebenfalls übersehen; 
vgl. dagegen Schreiber, Geschichte der Universität Freiburg*, s. v. 
Bedrottus« 



2iir Ooehiobte du 



- I. 



347 



gevrisH, man liiLtte sich gliicklicb gepriesen, wenn man einen 
Mann von seiner Art znni Studienleiter bekommen bittte. Aber 
leider ward die Freude über seinen Brief in Trauer ver- 
wandelt, denn die Stelle, die er gerne erlangt hätte, habe 
lon der ,Ludimagi8ter' von Villach, der Verwandte des 
lerstcn IIoforganiHten des Kaisers, M. Paul erhalten. In 
XXIV schreibt Chilian ,Seifrido Cin/pilatormo (GürtlorV) 
liodvm copiosiasimo i'an» Pttlatie laeHs lUerarU7H preceplori 
iroftmmo', er möge ihm Plinius' Natnralia Hiatoria zurück- 
licken, wenn er sie saltsam ausgenützt; habe er dies noch 
icht gethan, so werde er Sorge tragen, dass sie seinerzeit 
ieder an ihn zuiiick komme. In Nr. XXV bogllickwünscht 
Chilian den Martin Sin ,diHitiortim Operator' in Abtenau zur 
Erlangung eines Seelsorgebemfes. Jetzt habe er endlich Alles, 
was er wolle, jetzt solle er aber auch für seinen inneren 
Menschen sorgen (hominem hüenorem tacrM-um splendore litte- 
rarum illwmines). Freund 8 chafti leb warnt er ihn vor der Bo- 
gierlichkeit des Fleisches, der Trunkenheit, und mnhnt ihn 
sodann aufs Entschiedenste von dem Uebe räch reiten des Masses 
beim Weintrinken ab. In ähnlicher Weise tritt Chilianns als 
Oewisgcnsrath flir den Seholasticus Christoph Westner. contu- 
hemii Aqiiliienslg, tncole civitatis Vienna (1519, Nr. XXYIl ein. 
(tiFcnbar hat der Jüngling einen Fehltritt begangen, der die 
Ermahn ungsepistel an ihn veranlasste. Chilian hat mit seinem 
'Vater verhandelt, der grössere Sorge anf die Studien verwendet 
issen will. Der iiatbgeber ist nicht sparsam mit guten Lehren, 
BoUe sieh die Vorstände der Schule gewinnen und sieh auf's 
icalaurcat vorbereiten, nach dem Rath des heiligen Hierony- 
das Buch nicht aus den Händen lassen und nicht die 
lohte der väterlichen Anstrengungen Vfiiere, commetsaliuiii' 
et i^rietutihus verschlemmcn. In Nr. XXVII begegnen 
einem Corrospondcntcn Chilian's, Hebastian Chaczhamer, 
diesen durch den Titel ehrt: ,Saere rnUiticut incon-uplisiiimo 
wiUU frtUn C'hümno auo muiori semper observando.' Auch dieser 
Brief spricht fUr das lebhafte Interesse, das Chilianus an den 
humanistischen Htrebungen nahm, von Chaczhamer erbittet er 
nämlich Werke neuerer Schriftsteller ( iienterti'orum opera Ut 
putfl luniani vi Diomadia), wa» wobl so viel als die Ausgaben 
Claaaikern bedeutet, alle, die or etwa habe. Auch dieser 



t 



J 



348 Horawitz. 

hat sich diese Schriften nur ausgeliehen, erwähnt aber eines 
fCharfiludium quo tum loica (Logik) tum graniatica memorie com- 
mendantur', das er ihm bereitwilligst zur Verfügung stellen 
wolle. Ebenso schliefen die Episteln des Plinius Secundus, 
yOmnium neotencorum nostre etatis primus' Valerius Maximus^ 
Virgilius ,in litera Aldi Manucii' in seinem Kasten (archa); 
wenn Chilian darnach Sehnsucht trage, werde er sie ihm 
schicken. Auch am Schlüsse erweist er sich artig und redet 
Chilian mit den Worten an: yVale litterarie rei et manastice 
decus et oniamentuin non postremiasimum/ Leider ist die Dati- 
rung allzu unbestimmt, wenn auch nicht uninteressant: ,D(Uum 
propere et tumtdtuarie in tnhei*na lihraria lacohi Molossii^y weil 
sie auf eine damals übliche sociale Erscheinung hinweist 
Chilian antwortet auf den verbindlichen Brief in ebenso ver- 
bindlichen Humanistenphrasen und sendet ihm ein Buch zurück 
(Nr. XXVIII). In die Wiener Zeit fHUt der ,ex Spineto', d. i. 
Dornbach bei Wien datirte Brief Chilian's (Nr. XXIX) an 
Watt, dessen Ankunft er sehnsüchtig erwartet, nach dem er 
sich verzehrt, nach dessen Antwort er ungeduldig verlangt. 
Er empfiehlt ihm gleichzeitig einen gewissen Petrus. Ein ganz 
interessantes Stück der Sammlung bildet wohl Nr. XXX, 
das ebenfalls eine der Humanistenzeit eigenthümliche literari* 
sehe Erscheinung, einen gelehrten Bettelbrief des Wiener Bacca- 
laureus Moser enthält. Sehr geschickt erklärt der Bittsteller* 
seine ,pauperies^ und bittet um irgend eine Dienerstellung 
(fatmditium); sollte diese aber nicht zu haben sein, so beschwöre 
er den — nicht angegebenen — Adressaten (wohl der Abt?) 
beim Namen Jesu Christi, iiun wenigstens ein kleines Viaticum 
zu bescheeren, mit dem er sich (sano honore g. t.) Schuhe 
kaufen könne. Nr. XXXI ist ein Schreiben Chilian*s an einen 
Ungenannten, den er von Wien aus kennt, in dem er diesen 
auf das Wärmste bittet, nach Salzburg zu kommen, da er dort 
Ludimagister werden könne. Der Abt habe das Honorar ver- 
mehrt ,ut tibi de manu eiusdem nunc cederent annuatim 8 floreni^ 
de manu custodis (der Güster = Pfarrer) totidem, alias eciam 
duo, hii faciunt 18 ßorinos, exclusis quae de schola^ticorum pen- 
sionibus emAirserint'. Johannes Stopherius habe berechnet, es 
seien ihm 48 Gulden eingegangen, dazu käme die ^menisa 
epuhttorin et judicüi et cancellani conceditur portio quaque trium 



Zur Geschichte des Humanismus in den Alponländern. I. 349 

partium mensure vim per diem ex vase, quo et rdiqui familiäres 
potantur^. Er bcrecbnet ihm Alles in Allem 76 Gulden, Ucbrigens 
könne er auch Geistlicher werden. Chilian möchte den Freund 
80 gerne in der palaestra literaria als Begleiter und Mitkämpfer 
haben. Wenn er es nicht annehme, so solle er einen Andern 
namhaft machen , dem dasselbe Honorar ausbezahlt werden 
wird. Er solle entweder zu Georgi oder zu Ostern oder zu 
Pfingsten kommen. Nr. XXXII ist ein Brief von M. Urbanus 
Braun, der sich Petrensis litteratoriae palestrae praefecttis nennt ; 
wie es scheint an den Prälaten gerichtet, indem der Schreiber 
von der Gründung des Gymnasiums zu Salzburg spricht ,quod 
domicüium esset doctrinaimm et honarum litterarum asylum*. Ganz 
humanistisch fährt er fort : ,Notissimi fuerunt apud eos Platoms, 
ßocrads, Apollonii^ Pythagorae et aliomim lahores*, ergeht sich 
in der Erzählung von Euklides, dem Sokratiker, von dem 
Aulus Gellius (N. A.) berichtet. Man habe viel für diese 
Anstalt verwendet, so dass — wie aus dem trojanischen Pferde 
(der oft abgehetzte Vergleich) — complures non solum dociissimi, 
4ied eüam praecipua vener atione mri evaserint. Nach einem 
Elogium auf den Prälaten , dessen Freigebigkeit er rühmt, 
schildert er seine Finanzlage und stellt die Bitte, ihm so viel 
zu gewähren, als seine Vorgänger hatten. Braun zählt dann 
umständlich seine Einnahmen auf, eine für die Lohnstatistik 
nicht unwichtige Angabe.' Man entnimmt aus ihr, dass der 
Ludimagister wohl in seiner musikalischen Eigenschaft auch 
bei kirchlichen Functionen verwendet wurde, dass er einen 
Gehilfen zahlen musste und durch die Pest in seinen Ein- 
nahmen verkürzt wurde. Er erzählt, dass der Rector von 
St. Rupert vom Cardinal Matthäus Lang während der Pest 
ySingulis nnganis* zwei Goldstücke bekam, die Capitularen 
hätten ihm auch Erlaubniss gegeben, wegen der Pest wegzu- 
gehen, ohne dass ihm der Lohn entzogen worden wäre. Das- 
selbe habe er oft erbeten, aber ohne Erfolg, er bittet nun ihn, 
seinen Mäcen, er möge ihn für all' diese ausgestandenen Müh- 
seligkeiten mit einem Hofkleide beschenken (ein oft geäusserter 



* lieber den Oehalt nnd die Einkünfte der Lehrer siehe Viert hal er, Ge- 
schichte des Schulwesens und der Cultur in Salzburg. Salzburg, 1804, 
114 ff. 



350 Horawitz. 

Wunsch von Lehrern und Humanisten!), er verspricht daftr 
ewige Dankbarkeit. 

Die übrigen nicht uninteressanten Briefe sollen in einer 
späteren Abhandlung ihre Besprechung finden.* 

Epigrama Georgij Scrinioli Stirt ad ItbeUum, ut praeter fnnore* 

principis domum adeat. 

I faustis auibus liber et dominum inde salnta, 
Stemate qui claro nomen ubiqne sunm 
Inter reges atque duces fert candidus atqne 
Commenda auctorem, qui tibi scripta dedit 
Et si tu erras quo princeps sit nomine, praesul 
Salezburge is uiuit, iiir pius atque bonus. 
Kec metuas queso, si plebs te aduersa salutat 
Si tantum domino tu modo gratus eris. 
Graculus est auium contemptor carmine dnro 
Impius hoc lacerat quicquid honestus amat. 
Magnifici ecce uiri a Lamberg tibi uerba loquentnr 
L^tior ut uenies principis ad faciem. 
Perge modo felix, cum uero principis aulam 
Pulsas, sis supplex, saluus ubi ipse precor. 

Es fol^rt dann die Dedicationsepistel an Ifatthäos Lang nnd die Coa* 
raentarii paraphrastici in lonah prophetam. 

Mannscript der k. k. Stndienbibliothek in Salzburg. 

Ad Fol. 1*. 
Altenmarkt. II. 13. Mai 163». 

Reuerendissimo in Christo patri ac domino D, Matthaeo Änhr 
praestdi et Principi Salishurgensi clarissimo et patrono i^ 
iutegerrimo atque gratiosissimo, Georgine Scriniolne StiruSy «a&rf«» 

ac dMtam humüitatem. 

Si tuam celsitudinem, clarissime princeps, meis bis labori- 
bus molestarem minime, quos habeo in prophetis enarrandiB, 

* Die folgenden Briefe werden vorsatxlich mit allen Fehlem g^egen Qtutr 
matik und Orthopraphie abgedruckt. Emendationen des häufig gans tat 
rnpten Textes und der luterpnnction seien den Philologren überlassen; ei» 
durchgreifende Aenderunp des Textes, «u dem offenbare Sinnlosigkeitei 
Abv<chreibefehler und Auslassungen oft genug aufforderten^ hätten das BO 
dieser Latinitat xu selu- verwischt, nnd dieses sollte gegeben werden. 

• Nachbildiuig: Ovid's. 



Zm (InohtotU iH HiMUtflUta In den AlponUDdan. t. 351 

I ad te prophetam tmum post aliiim mitterem, sed mihi liaec 

F enra radicitiis ab animo est eueilenda, nam noui qnod tua 

I BeucreDdieeimn domioatio ueliiti boniie ac iiigil antistcg, cui in 

I Bobria cura ac amorc habentur litterae post continuos anlae 

1 tuse etrepitiiR in hiB quam maximc delectaris, ac grata sunt 

f tibi amnia, quae ox litteraria officina cum modeatia in iiulgura 

r oudnntur ac prodeunt, et ca semper quac redoleiit Cbristianam 

religionem deuote amplecteriB, amas, et obBcnias. Transtuli 

lonah prophetam ex Hebreo, et haue meam paraphrasin, pru- 

dcnlissime antistes, dum lima acerrima dootisaimoruiu uironuu 

LaLamberg ad tuae celsitudinis manus Oastigata uenerit, fronte 

llBctA snscipe et lege quaeso. Sunt mihi pauca, quae hodie ad 

ttaam amplitucUnem scribo, eunt uero compluria, quae huma- 

1 lliesimi mei praeceptores ac uiri nobilee a Lamberg tuam incli- 

rtem amplitudinom de me docebunt. Hie ergo, candidlaaime 

■iprinceps, aurem factlem et bcntgnam adrige et prebe, et quod 

temiase peto, id consequi ac tjuaeBo ualeam. Hoc tarnen 

inuni de me inteilige, doctissime antistcs, qnod uix clamore 

»sabo, nisi semel clamorcm mctim exaudiea uec te dimittam, 

Kto quod tuae gratiac mihi aurora adparuit, niei et mihi 

eelicitet benedixeris. Age ergo mecum, quod in filio pater. 

[fet in Beruulo IiumiJlirao agit clarissimus princeps. Bene ualeat 

■ dignissima tua patcrnitas, atque diu in pacc, quam optimus 

fdeiis tuae celsitudini donauerit couditionem eonBcruet oro. Ex 

teteri foro vallis Gurcensia, die tredecima Maij. Anno ete, itO. 

Manuscripl der k. k. Rtndienbtbliothek, 

Ad Ful, 1\ 



iurkl, III. 13, Mai 1530, 

Bfoffmßcis uiriti a Lamherg, fratribu» fjermani» Uullhaseliari me- 
troptditaaae eedesiae SaUaburgmitig I\nep'mto ttigiiissimo elr. et 
^v}bro»io eiufdfm eccfesitie Caiutttico «' Offtciali etc. patronm mii» 
: dominia gratiotü et obteruavdU Gxorgius Sefiniolus Stirue. 

Sahitem. ileroica uestra conditio, quac innumcri» apud 
tnncs splendet uirtulibus, humaniseimi domini et patroni, huc 
: traxit ac co^git, ut labomm meorum uos amboB tanquam 
nidiosorum pioB Mecenates hie participes roddo. Edidi ante 



352 llurawit/. 

paucos dies paraphrasin in lonah proplictam, qni ut multa est 

perpessus^ cum a deo ad maris scopulos est iactitatus, tum et 

in c(;ti uentrc ])raetcr iilterioriä iiitac spem ad dies aliquot de- 

lituerit, itaque miiltis, qui kuiiis luundi calamitatibns uexantur^ 

erigit spem et salutem graphice dcpingit, ut de liis semel 

liberabiintur, si salteiu in dcum hi rcfugium corum posuerinty 

qiiod i>ane altissimum est, ad quod et lualuiu nee adcedit uUum, 

ueluti hie habuerit ac fecerit. Qucrinius ouines in Hiob patien- 

tiani, si aduersa nos salutant, queramus et nos in propfaeta 

nostro, si liuius so^culi miseriis adtieimur rcqiiiem et omnium 

nostrarum adHictionum solamen, is enini prestat, si sobrie legis, 

quod hodie denuntio. At liacc suo loco in iiate apertius uide- 

buntiir. Hane ergo nostrani paraphrasin ad Keuerendas domina- 

tiones uestras ut ad iudices cündidos et sclectos luitto, qui 

iudieabunt^ si is mens propheta, quem pure ex litteris He- 

braicis, uti facere potuerim^ trastuli aptus esset, clarissimi 

mei priueipis adire uiiltum, quem (ut nostis) prius quoque 

lionoraui meis paraphrasibus, quas in Keelesiasten edidi, cum 

aliis libellis. Nee hunc meum prophetam quispiam adhuc \iidit 

ac legit alius quam Reucrendus episeopus Gurcensis Antoninus 

a »Salamanca etc. antistes sane dootus et prudens, qui satisfacit 

morihus et ingenio officio suo et mundo, est quod homo uiuit 

iuuenis. nee is uiuendo annum uicesiiuum tertium attigcrit. 

Benc ergo consulite rei nostrac, doctissimi uiri, et sobrie iudicate 

hunc uieum lonah, et quo se ordinc cum uulgari illius pro- 

plietae editione quadrat legite. Is etsi nihil mendae ac iiieij 

in sc habcbit, dignus(|ue iudicabitur a uestris Ueuerendis do- 

minationibus^ ut et docti hunc uideant, communicate illnm 

doctis, quüs SaHsburge in magna habetis coi)ia. Imprimis uero 

ilhid hie domisse uiri candissimi quaeso, ut nouissimus omnium 

sit lector Reuerendissimus noster Archipraesul et princeps ela- 

rissinius. Habet enim oculos linceos sua Reuerendissima ampli- 

tudo, pcnes (juos nee ista si errauerit minima celari (jueat. Ita 

enim oculatus est princeps rebus in omnibus^ ut nee ego solum, 

sed totus ferme mundus in sua prudentia admiratur. At iibi 

satis erit emendatus et ferula uestra percussus^ dum et latam 

io elarissimo nostro principe agnoscitis horam, felice omine 

hunc meum prophetam suae dignissima: celsitudini olFerte, nie 

una eum libello isto, principi elarissimo tanquam humillimum 



\e itt HDDUDiniiu In dui AlpfoUsdini. I 



353 



icerdotem commendantes. Caetemm quid tic precor ' a Reiie- 
rendlasimo noetro antistlte et principe, cui iam pridem notiis ex 
litteris et fiermone uiuo, sch§dula hiiic epi»to)ae adlixa loqtiaciua 
id doccl>it. In negotio autem meo enixe rogo, ut dominationeB 
uestrae promotoree pioB se agant et faciant, ot quod a elariesimo 
meo principe peto, hoc diligenter mihi adsequi studete. Quam 
rem si f^cerint dominationes uestrae, uti non diffido, cum enim 
toti familiae a Lamberg innatum est adiuuare pauperes, habe- 
bitis semper, optimi lüri, ad ofticia quaecunque me deuinctum. 
Nee dubito in principe meo humanissimo, rem non consequi, 
quam ego precor, raemor enim erit literarum ^ christianissimi 
noatri Ferdinand! repis et ac aliomm illustrium nirorum, quibus 
ante annum auae Iteuerendissiraac celaitudini aum commeudatus. 
Et tu doctiB^ime Ofticialis nosti, quam spem mihi dederis in 
clarissimo nostro principe et is quid mihi promtserit, quod ot 
tu digitis propriia mc pneaente ex principis iuBsu adaignasti, 
quam Bchedam ad noatri quoque" principis manus proprias prae- 
sentasti. Rem modo nostram pie agite humaniseimi domini et 
a,|wtroni rogo, aolum a deo adcepturi mercedera, nam pauper 
, et Lodie ad stiuam et in uomere pnnem quiero, quod ego 
Umö, necesaitaa urget. Valeto. Ex Veten foro uallis Gurcenais 
) tredecima Maii. Anno etc. triceaimo. 
K. k. Stadietibiblintliek. 
Ad Fol. 12-— 13v 

IV. 11. AHgiidt 1534. 

irendo in CftrUfo p'itr! ac uiro inngnifiao Doctori loanni 
Wohri, PfepoKilo Budeti^i ac Magiii Ferdinandi regig Boemiae ac 
pngariae etc. conailiario Candida domino et patrono »uo quam 
iniegerrimo etc. Georgius Sci'iniolus Stirus. 
Salutem. Magnifice patrone, obtuli undecimo lunii, Reue- 
rendissimo in Christo patri et domino, domino Matlhaeo archi- 
presuli etc. principi Saüaburgenai et domino meo semper obaer- 
lundiasimo, Ecciesiastcn hunc meum, quem hie ad manum habes 
et quem ego ex Hebrea phrasi, adiutus auxilio doctoram, qui 



L 



1 don Hnnd <1@r n 



354 Horawitx. 

in Ecclesiasten enarraverint paraphrastice transtnli^ ut ingenimn 
meum post litterarum Hebraeamm Studium et agnitionem aptim 
fieret atque redderetur. Libellum hunc oblatum e manibos prin- 
ceps prudentissimus sumpsit^ iadhuc et duos quos una Rea^ 
rendissimAe suae amplitudini Salipoli obtuli, hos et uidit et legi^ 
secum et ad certos dies retinuit^ postea et aliis uiris dodu^ 
quos Salipoli secum habet pro iudiciis monstrauit Placoit labor j 
noster Antistiti doctissimo, suscepit et illum animo gratissimo, 
et iussit ut libellos meos quam citissimo ad te mitterem, vA 
hos uideres et iudicares, ac tandem si quippiam laudis e roo 
iudicio (quod sane apud catholicos uiros in magno habetur 
honore) hi consequerentur, curare uelit princeps dignissimu, 
ut calcographis demandarentur. Quam ob rem^ clarissime doctor^ 
de libellis meis solum hie unum habes, at hunc de me aeloti 
de tuo subditissimo seruulo ironte laeta suscipe uide lege et 
iudica, et is si dignus est; ut posteris credatur, hoc iadicium 
dignissimo nostro principi per tuam Reuerentiam clare significe- 
tur quaeso. Si uero minus, igni aut aquae adiudicetur. Nua 
hie nihil perdo praeter laborem, qui sane nihilominus adbue 
erit post libellum perditum, mihi didcis et gratus, eo qnod 
honestum Studium attigi, nee tempus tessera, uino, Veneie 
somno consumpserim, quo hunc meum libellum sobrius pon* 
et uigil aedidi. Misissem, Reuerende pater, et alios duos libellos 
at in causa fuit nuntius, qui celer ita obiit, ut uix himc emen- 
dare parum et excribere potuerim. At uidisti ab isto et alteriuB 
mei libelli principium. Nam dum in Carinthia eras cum sere- 
nissimo ac christianissimo nostro rege et principe Ferdinanda 
etc. in oppido Sancti Viti cum et ea tempestate preces regias aJ 
Reuerendissimum archiepiscopum Salisburgensum etc. pro m© 
curabis dandos, monstrabam tibi commentarios duodetriginta 
articulorum contra haereticos Austriae scriptorum. Ita eDim* 
libellus noster inscriptus est. Porro aulae strepitus sie erit 
magnus ut uix forte unum articulum legere potuisti. Sed optima 
patrone breuiter ad te ibunt nostri articuli. Expectabimus tarnen 
prius nostri Ecclesiastis a te iudicium. Si aduersa salutabiiB^ 
Ecclesiasten meum, in angulis et sub scabellis manebunt alU 
duo libelli. Est et Jonah propheta sub incude et officina ro^ 
litteraria, nam abhinc ante dies octo paraphrastice uertere illun^ 
ecoepi, qui et rudis, ut hie noster Ecclesiastes, ad ludiciuiC*^ 



Zur Gescliiclite des Humaoismns in den Alpenlindern. I. 355 

tuuni; si aderit deus feliciter ingenio meo, ibit et preceptoris 
sui limam expectabit. Reu^rende pater si potes me promouere, 
ut saepius te rogauerim et tu bis in scriptis tuis mihi es pol- 
licitus^ pro tuo Stiro uiuas soUicitus quaeso. Et inprimis tuam 
reuerentiam praeter quod uelis per epistolam, quam et cum 
praesenti nuncio mittes oro^ me habere commendatum apud 
dignissimum antistitem et prineipem prudentissimum Salisburgen- 
sem etc. Quam rem si feceris, nomen mei Fabri apud me 
uiuet et manebit semper. Haec hodie ad tuam magnificentiam 
scribere uoluimus, ne te negotiis regiis occupatissimum obruamus, 
si quod tamen datur tempus uacuum, hisce nostris lucubrationi- 
bus cognoscendis. Bene uale uir et doctor eximie. Ex Solio^ 
XI. Augusti anno etc. 24. 

Folgen Commentarii paraphrastici in Ecclesiasten. 
Ad Fol. 14*— 14«». K. k. Studienbibliothek. 

V. 

Ad Reuerendissimum et dignissimum Archipraesulem et prineipem 

Salisburgensem etc. dominum et patronum integerrimum et gratio- 

sissimum Georgii Scrinioli Stiri epigrama tibi post lihdlos ohlatos 

a principe a Salipoli copiam abeundi ad patriam petit, 

Tempus adest princeps patrios uisitare Corynthos, 

Et ueteres suadet tempus adire lares. 

Interea tibi me commendo, candide princeps, 

Quaeso fac uiuam praesulis in gremio. 

Nostros hinc docto tu legisti ore libellos 

Hierum hinc iudex doctus et albus eras. 

!^dis sacratae in suggesta uerba loquentem 

Me audisti, totus notus ego ipse tibi. 

Magnus Ferdinandus ex uirtutis amore 

Scriptis commendat me tibi deinde suis. 

Rem struit ipe Fabri doctor uenerandus in orbe, 

Sacrae qui nutrit relligionis opus. 

Demisse atque rogant pro me a tellure Corynthi 

Ecce uiri, quorum stsemata clara manent. 

Nosti quid pecii, id solum fortuna uidetur, 

Nunc differre mihi, at clarior hora dabit. 

23* 



356 Horawitx. 

Nobilis a Lamberg uir Candidas Officialis 
Pro me ciirabit, quicquid erit studii. 
Nee tedium quaeso pariat, dignissime praesul, 
Si non doeta mihi Musa Maronis adcBt. 
Cantent et docti (non cura) carmine laudes 
Suscipe tu letu8, quicquid Apollo dedit. 
At memor esto tui, Stiri doctissime praesul, 
Qui tibi se crasdit tempus in omne. Vale. 

Ad Fol. 45^. K. k. Stndienbibliothek. 



VI. 

Fr, Cküianus iUocuples loanni TaxutUllano pcUri suo et imperdim, 

Bene agere et semper proficere. Do ad te pater omninm 
facile mihi iunctissime carminum meorum ' primitias, que tametsi 
indocta minusque mihi egregia videantur, tamen ut tibi cordi 
fuerint rescribas etiam atque etiam rogito. Nee parum mihi in 
eo gratificabere, quippe qui paiilo superioribus diebus litertt 
detritas et communes unica dumtaxat sententia meas incie- 
pueras potissimum ob geminationem ^sese* cum et ornatissimuift 
et uenustissimum fuerit^ uti probatissimum facile ex Reichlin' 
epistoliis dixerim, quas si conspicari optaueris; iam tum coniA 
tibi constituam. Verum id genus increpationis non ab infido ac 
parum amicitia deiuncto^ sed ex fideli longeque in fatanun 
prospitiente animo prodisse plane accipio. Itaque rem gratis^- 
mam exhibiturus^ quicquid barbari incomptique in eis inuenieSi 
amici honori consules. Nam quiuis propriis ut plurimum; alienis 
uero nunquam circumueniri solet auspiciis. Vale tarn mei memor 
quam ego tui. 

Aus dem Archive von St. Peter in Salzburg. Cist LXXH. I. 
Nr. 11, Fol. 3. 

VII. 

Elegia fratris Chiliani lüocupletis Benedictini ad fratrem looBt 
nem TaxuuUlanum de xianitudine mundi et uarietate fcUi arch 

prqsulum no8tr§ tempestutü. 

Qui modo summus erat gaudens de nomine pr^sul 
Tristis et abiectus iam sua fata gemit. 

* Handsclirift : mearuni. ^ Natürlich Johannes Reachlin. 



Zur Geschichte des Hnmftnisniiis in den Alpenl&ndeni I. 357 

Excelsus solio princeps uersatur in altO; 

Vertice de summo ilicis ipse * cadet. 

Stare diu nee uis nee honor nee forma nee aetas 

SufBcit: in mundo plus tarnen ista placent. 

Heu homines cepit quam multos blanda uoluptas; 

Quis pretium dat, cum perdere dire nimis. 

Mors properat: fuga nulla, pater^ mortale tributum 

Solue nature lege tenetur iners. 

Casus inest ripe et grauis et persepe ruine 

Litora sunt rapidi proximiora uadi. 

Et rota fortunae uersatilis indice prodit 

Qnod tibi uita breuis: poena perennis erit. 

At aetemum regnare altitonantis in aula 

Horridaque infemi conciliare tibi 

Qui anhelas: uitam superi dent moribus altam 

Relligione patrum; nullum ubi deuium iter: 

Poplite succiduo eres: profectusque diuinos? 

Sera tibi uita est crastina, uiue bodie. 

Aus dem Archive von St. Peter in Salzbarg. 
Ciat. LXXII. I. Nr. 12, Fol. 4. 

Ex monte Lucano. VIII. 2. April lölö. 

Idem Frater Chüianvs lllocuplea ad loannem Taxutullanum. 

Salue amicorum humanissime. Plürimum mouet tua in me 
obseruantia ad te aliquantisper literas et mei monumenta labo- 
ris conscribere, quibus et diuinum ingenium et egregiam tue 
nobilitatis conditionem ut plürimum detestabili inertia subduetam 
bis pauculis ostensam percipisceres. Nescio profecto (ut cupe- 
rem) quenam illa tua Minerua, que non aliud preter otium 
desidiam bonarum torporem litterarum et audacissimam gladia- 
torie artis conditionem persuadet cui uel maxime astipulari 
soles^ cum sis optime indolis; cui par inter nostrates uix habea- 
tuT; tum ingenii uiuacitate tum prestantissima memoriae inte- 
gritate. Vtinam mihi tantisper illa ipsa, dum uitam agerem, 
obsecundare concederetur. Ego per me hercle posthabitis 
cunctis studio litterario excolerem torpentemque Mineruam ex- 

^ Auf Rasur. 



I 



358 Horawits. 

cuterem adeo solerter atque prospicienter, ut cunctis facile et 
honori esset et iucunditati^ immo ut omnis admiraretor posteri- 
tas. Nosti quomodo sedentario labori interdia noctuque haut 
medioeriter indulgeo ad ultimam uel usque fatigationem com 
in eonseruanda confessione tum ut ludo litterario quaromlibet 
facultatum prima saltem capesserem rudimenta, que etsi nix 
consequor^ tamen tum facile factu mihi persuadeam, com omnem 
operam ut cepi deineeps perpetuo adhibituruB aum. Ita com- 
monefactum te uelim peregregium munus a deo optimo maximo 
tibi creditum in sinum ne subfodias, quin potius usure hero 
centuplicatum ad domini mensam restituas. Torpentem excitei 
Mineruam scoria uiuacissimam memoriam delinies et diuinam 
ingeniolum disciplinarum^ condecentia pro uirili parte adomare 
studeas quod deineeps et sapientiam spiret et elegantie aenu- 
statem. Vale uir obseruandissime et me tuis orationibus com- 
mendatum habe. Ex monte lucano postridie Kalend. Aprili 1515. 

Nr. 13, Fol. 4. 

IX. 

Inuocatio ad Christum resurgentem ut incipienti quamcunqu^ 
facvltafeni profiteri det optatum fiuem, 

Aethera nunc igitur solito quem lucidiora 
Cultaque laudat humus^ Christe redemptor ades. 
Sydere foelici da soluere in aequora nauim^ 
Optatique soli dexteritate frui. 
Vota resurgenti meam quo fundere Christo 
Vestrum quemque peto, munere coepta iuuet. 
Firma quo stygii rupit Jiumina ditis, 
Lumine me erudiat^ detque diserta loqui. 

Nr. U, Fol. 5. 

Salzburg. X. 22. November lö^^ 

Cristannua Sericanius Viro multiiuga eruditione omatissimo ^ 
diutni ctdtwi seruantissimo Chiliano Illocupleti cofiiunetissi^ 

amico suo, 

m 

S. d. aeternam. Singularis tua erga me beneuolea''^ 
frater eruditissime, quam mihi elapsa breuissima dierum int^ 
"^apedine affatim ostendisti, incredibili ineffabUique me affe^ 



Zur Qesehielike dM Hamanismas in den Älpenl&ndern. I. 359 

gaadio cui et ago Bt habeo gratias ingentes atque amplissimas. 

E(t te certiorem reddo me luuauiensis urbis excelsis moenibus 

fTopediem digressumm meque recepturum in locum altissimis 

montibus septom^ cui nomen est Petersgaduni; ubi^ tanquam in 

piouintiam Musanim cultoris optimi atque negotio conficiunda- 

nun epistolarum emancipatus dedam me otio litterario suauis- 

umo. Et quoniam te egi*egium litterature politioris sititorem 

agnoficO; misi ad te bistoricum uno excepto T. Liuio facile 

excellentissimum. In cuius opere aureo quantum artis fidei 

eraditionisque sit^ a fronte libri clare prospities, quem si ue^tri 

Thesauri cbartacei praefectus bibliotece dicare * uelit^ esset 

aenalis tribus com dimidiato aureis. Eum ad te destinaui^ ut 

eemeres totios orbis gestorum scriptorem prestantissimum, quo 

eam ad 8atu[ri]tatem usus fueris unacum ceteris libris absque 

maiori cunctatione postliminio redire eures. Diseedere enim 

necesse habeo. Vale. Et Cumeae uatis annos eu fortunate uiue. 

Confratrem tuum^ qui se itidem beneuolum erga me praebuit, 

nomine meo pluriuaria salute impertias. Iteiiim uale. Ex 

aedibns Preiss. luuauie ad deeimum Kalendas Decemb. 1514.^ 

Nr. 25. 



Salzburg. XI. 1511. 

frater Chilianus Illocuples Benedictinus ad poetam argutissimum 
Christannum Sericanium sui amantissimum, 

Ogdasticon de restitutione libri. 

I liber ad domini penetralia docta uerendi, 

Cui uerba hacc presto pauea timore refer. 

Succenses fortasse mihi, quod tempore tanto 

Hospitio abfueram lentior ipso tuo. 

Non ego causa fui, uerum illocuples Chilianus, 

Qui solide tete semper amore fouet. 

Isti igitur ueniamque dabis culpamquc remittes, 

Sic tua deuincet pectora dulcis amor. 



Handschrift hatte zuerst uoluerit, das dann gestrichen ward. 
Corrigirt für das ursprüngliche 1516. 



360 HorAwiti. 



TeXoc. 



Ad me hestemo uesperc tuum delatum epistolium Mu- 
sarum cultissime interpres mutue consuetudinis paromper in- 
staiirate; haut sine ingenti turbatione dissoluit animum, quo et 
in dies altiori te copula mihi colligare meditabar. Sed quid 
abiturus, amplioris beneficii munere te communire optaueris 
Pieridum patrocinio, quas tum christiana eruditione steriles 
dixerim (sit uenia dictum *) non inuideo , quin potias vehe- 
menter gratulor et congratulabor te semper seeunda fortanae 
acfcessione saluum uiuere^ ut Musarum suauissimis lusibus 
uaeans eciam me tuis scriptis Castalio de latice aquas potare 
melliäuas aliquando satagas. Quum autem a te velim, dam 
adhue mihi praesentaneus existis uidelicet libellum de mensuris 
syllabarum quem ex uariis auetoribus et pene infinitis aecura- 
tissime commanipulaui; tuo praestantissimo ingenio et doctrina 
approbare et carmine communire digneris. Nam tibi penitos 
dicatum uolo; qui mei praeter ceteros amantissimus inueniris, 
fac non ignorem tuos successus in laribus alienis identidem 
ego facturus. Vale foelix. Raptim luuauie in cenobio S. Petri 
ad decimum Kalendas Novembrias löll. 

Nr. 27, Fol. 7.. 

Salzburg. XII. 1613. 

StudiogiSifimo latini sermanis exploratari loanni Praunsang artium 
bacccUaureo, sibi plurimum amando frater Chilianus. 

S. p. Noueris, amicissime iili^ paulo me retroactis diebus 
habuisse sermonem tue promotionis causa ad ludimagistrum 
loannem Stopherium, qui se beneuohim immo spontaneum mei 
intuitu exhibuit conspicata tum inprimis et honestate et con- 
suetudine morum tuorum. Videbis itaque diligentem et assiduam 
muneris tui curam scholasticis adhibeas nee indecenter uerberes, 
a ludimagistro que exercere debeas edoctus aut pro excessiuis 
indisciplinosisque actibus invectus, non ad insolentes stomachatos 
(ut tibi moris est) prorumpas. Est enim uir omnium discipli- 
narum genere et honestissima morum conuersatione poUens, 



> durchstrichen. 



Zur 0««eliidrt« des Hnmanismns in den Alpenl&ndern. I. 361 

jaocom et scientia et modestia ditior euadere potes. Denique 
Bocta torpissimis libidinum lusibus (quod prob pudor nostro 

000 plorimam inualuit) eius domicilium non infitias atque in- 
konestes. Neque eodem tempore seculi rumoribus uiros eque- 
rtrisnel alterius ordinis lacesses. Solent namque litteratoribus 
nmper insidias tendere. Unum iam anDo id genus hominem 
Siiparem baccalareum ^ undecunque doctissimuin miserabiliter 
Bztinxerant. Ploscula id genuB exortamenta tibi coram exponet, 
pdbiifl ut te praemoderari potueris ad eum quantotios concedens 
lemone collatino propensins ceiüorem constituas. Itaque^ ut 
rem ego teneo baccalaiireum (ut uulgo loqoar) amoturus est; 
60108 ordine te substituat, habiturus dono precii per annum 

1 florenoS; cibariorum necessaria (ut nosti) adiuncto aquarum 
litice porissinfo que ut tibi cordi fuerint premeditatus tandem 
^icito omnia; ne quasi uagus et delirus post triduum recedas. 
Vale. Raptim luuauie ad tertium Idus Septembrias Anno 13 
Boper sesquimillesimum. 

Nr. 29, Fol. 8. 

Siliburg. XIII. 28. November 1514. 

NobOi ac praeatantissimo ingenuarum artium et pontißcü iuris 
ffofesiori Andreas Cfdenberger domino et amico sua primario 

Frater Chilianus lUocuples. 

Quod translationem fabularum grecanicarum Valle a ine 
petU libentissime tibi pro meo in te amore operam nauarem^ 
niodo translatio illa apud me esset. Ne tum omnino me tuum 
toderium neglexisse existimes^ mitto tibi nouam philosopbie 
dditionem Stapulensis^ uiri ex omni euo doctissimi et inconpa- 
n^UIis, hie eam nimio situ squalentem et suo uiduatam splen- 
tee ita illustrauit, ut Hermolao Barbaro et Argyropilo Byzantio 
optunis Philosophie interpretatoribus plus mea sententia nitoris 
^ttolerit. Sie enim preter latinitate donatum paraphrasten The- 
ndBtmm et Dioseoridem adhuc a quibusdam suppressum parum 
?W)d qoidem editum sit elucubrauit. Alter totam Aristotelis 
pb3o8ophiam in latinum e greco uertit; sed nudam nullisque 

^ Am Rande ergänzt. 

^ Heber den Aristoteliker Favre von Estaples; vgl. Grafs Schrift. 



362 Horawifcs. 

illustratam commentariis, quo legentium mentes obscm «■ 
philosophi sensa facilius intelligatur , hie uero peripatetiGfli 
doctrinam ita reddit peritam, ut neque magistro neque ductal 
aliquo iam sit opus^ quemadmodum clarius quod scribo l^edl 
intelliges. Ad haec clarissime uir; si qua alia in re meati 
erga me beneuolentie opus fuerit opera^ ne me l&teat olMea%j 
nullam profecto rem neque tarn magnam neque tarn 
puteni; que mihi aut difficilis aut parum me digna iiideitat| 
Quippe omnia que in tuis rebus agam non laboriosa mihi nij 
honesta uidebuntur. Vale. Datum Silispone ad SanctomPetnimii 
Kalendas decembres anno 14. 

Nr. 30. 

Salzburg. XIV. * 1. Il*il51i 

Frater Chüianus lUocupIes N. Ddphino undecumque dodiiM 
Mmarum delictis ctc suo Mecoenati humanissimo. 

S. D. Etsi parum tibi cognitus sum^ disertissime uffi 
nee ulla extant merita, propter quae iure quicquam a te fAr] 
gitare possim^ non tamen temperabo mihi^ quin audacterw 
eruditionis iuditium requiram animatus uel hoc uno, q» 
sciam te legum poetices omniumque Hberalium disciplinanBl 
cultorem accuratissimum, unde tanquam ex fönte uberrimo WMt\ 
suetudinem ceterasque uirtutes et inprimis humanitatem 
nare sapient^s prodiderunt^ humanius autem nihil antiquil^ 
ducit, quam bene mereri de hominibus, id quod non prodÄlj 
et significare uidetur. Dcnique carmina tua ad nos edita ph* 
rimum me oblectarunt * eorum omatu et condeeentia, que vi] 
exhibent magnam quandam componentis industriam et de3tti0f^' 
tatem ad rem poeticam atque aliam scientiarum uniuerMü' 
suppellectilem. Itaque ob singularem doctrinam tuam genWh 
sam facundiam infatigabile Studium et humanitatem, quaA 
audio te plurimum etiam incognitum amplector admiror predioi 
et prae ceteris unicum perfugium et asylum meum in ambign* 
tatibus perquiro. Obsecro igitur certiorem me facias, quid' 
discant in legibus ingenuus libertinus mancipium et an maln 

' (pnaetor ceteros) ist ausgestrichon. 
^ Die Handschrift hat Quod. 



Zur Geschichte des HumsoisBus in den Älpenltodeia. I. 363 

libera patre uero seruo ingenuus nasci possit. Plura id genus; 
quum ad me concesseris^ tecum coUaturus sum. Deinde quid 
tua sententia tenendum putes, an (quilibet) uelis esse s]giii[fi]* 
cantie an non. Ego sane id dixerim uulgata omnium dialectico- 
rum opinione; quod et Ovidius * in epistolis sentit: Sustinuit positos 
quelibet herba duos. At contra Laurentius Valla cunctis suam 
praeferre opinionem nititur^ quid tibi horum uerius uideatur, ne 
me lateat. Vale singulare decus latinitatis et me amicorum 
tuorum contubernio ascriptitium facere memineris. Iterum 
vale. £x edibus Coenobialibus S. p. Salipolis Kalendis maus 
anno 15. 

Nr. 31, Fol. 8—9. 

Salzburg. XV. lölö. 

Frater Chilianus Chmatissimo latini sermmxis moderatori N, Dd- 
phino suo iunctissimo et amicissimo amico. 

S. P. D. Optime uir pro tua in me iamdudum parta 
amicitia et humanitate rem uel puerilem risu potius atque ser- 
mone dignam ad te discutiendam non possum non deferre, 
utputa an homines pluratiuo conueniat alloqui sermone. Aduer- 
satur mihi plurimum quidam nee parum superstitiosis argu- 
mentationibus instat, hominem quemque unum pluratiue allo- 
quendum in hunc modum: ^Vos estis docti grammatici poetc 
laureati^ uos estis patres mei uenerandi^ et ita similiter id 
quod Bebelium tradidisse nedum dicere non ueretur sed etiam 
fortissime approbasse taxata aliter loquentium opinione hinc 
idem quibuscunque potest^ noua documenta (uerius dixerim 
deliramenta) literis demandat^ hortatur et persuadere nititur id 
genus sermonem ut probatum et politiori congruitate ornatum^ 
deinceps assummant et loquantur. Quam ego opinionem ut 
inconuenientem inconcinnam ita inusitatam incongruam atque 
ineptissimam manibusque pedibusque contendi Quintiliani (ut 
imum de multis excipiam) ductus auctoritate, qui omnem plu- 
ratiuam loquutionem ad unum damnat 1 institutionum. Itaque 
loquendum aiebam: ;Uos estis doctus grammaticus^ poeta 
laureatus, Vos estis pater meus.^ Que oratio etsi perinde ut 



1 Handschrift hat Qvid. ^ pt^. 



36i. ■•ravifts. 

jdtem meoDgrva ot, tarnen apiior comiementior ooncinnior 
imino apad doctknoiOB quoeque piobatm et wlala mnaenItaBteii 
ambigoHate sappositonim non plnräs caph qnatemis saperior. 
Ar^rumenta in ntramqae partem bremtatu eanaa transeo. Quid 
iptnr homm semandnm exisdttes apndqne emdhiM l^eris et 
andinero. qni indabie mohomm doctis ftin io nu n eontabenio 
inteiitiusti, obwcro caosa pacis cdiaieraa. Potnh adnenarios uk 
rationis indido percipiscere« se sna finsnari opinione, nem 
nee iDo nee alio eedit: ad te indieem rem dare conslitn i y ^ 
temeriiatem pemieaeernqne insoloitiaiii vd scnteotia eztnM 
bac tarnen in re exploradssimi sakem enm compescerem, de 
eeteio ab id genas iermone deasseret. Rem ^itor n<Mi po^ 
fimctorie diseadas. quo legend adnersana neiitas innotesci^ 
abieonqne operun meam dbi nicissadm naoare potnero niU 
dib^nda premiuani. De angnlari kqanuone, qua <hiim 
com maioies tum minores allaqu teneamur (tametsi modo 
pene absoleaerit', caUmnm qaiescere sinas. nibil enim dabo 
apod nas nersator. Vale. Sentendam Kttens obagnatin ad 
nLums meas aalnis traiij»nicBas aeiim. Ex cenobio princ^ 
apostolonuDL ädklipoEs terdo idns Maias Anno 15 nper M- 
qaimilkäimom. 

Xr. «. roL ^, 

XYI. 

D^lfkana fratri Chäiamt «b bom» liitm» opiim4 mktrito did 



Patri SdUpoH. Cdnobttn. (otico mo 






Credu» tbrte multe ertxdidoniss oir opdme, Bebeümn te 
o^Eendiääe« qui ladne lin^ue caksdniooie censorem me del^;utL 
locus est quiequid :>it« quos dbi äuiuersos dicis^ mibi sunt ad1M^ 
sissimi nee uidz uel legrisäe uel audisse me unqoam menus 
id g:enus seruionem. Bebelius minime asdpolatnr, si leell 
eonsideratur. Malo i^tur cum bis. quos hzstrasse poloi, Mi 
contemnende auctoritads auetoribus errare ^j» tale« 
dixerint) quam cum hüs beneesendre. Aüas profixina, 
indi^piaju multorum uerborum rem iudicarem de boc ad te aciv 
baoL Vale. 



ZoT QuoklBliU d» lluiuBiMiii* In den AlpnLiDduu. I 



ffcfer Cküiamts Illocuples Sfudio»issimo polütorü litterature ex- 
phratori Ann3jali Delphtno amiätnmo imo anäto. 



Miror satis in desiderio et expectatione iamdiu 
meum auspendia et nihil liorum, que nuper rae petente pollici- 
his CS, reacribis homini tui amantissiuio atque obsenuntiBsimo. 
Ärbitroi' ego cauHam dilatjouis tumultuarias rerum et Familie 
tiiG onuBtissime occupationes, aiit puram desidiam uel bi mauis 
minorem et laDguescentem in me beneuolentiam et huinanitateni 
tuam. Quod si adulterina loquor, obeecro naues operam breui 
saltem adbuc epistolio reit ad me diacuRsa presenti tabellario, 
utcunque fieri potest, perferatur, tam ut tuie acriptis Attico 
inelle conditis certior sim, quid doctiorcs aentiant quomodo 
oos loqiii aadiueriB et legeris, an ad luuim hominem ,uoa estis 
artiuiu magistri et pocte laureati' an potiua ,uob eatie artiutn 
magiBti:r et poeta laurcatus' tum doraura ut literarum monu- 
mentum ex t« liabeam, quo tui memoria poppetuo mccum reui- 
uiacat et aduei-uarium uieiim literis bominis ilHiis, qui a cuna- 
bulia doctiorum contuboinio intcrfuit remque explomtissimam 
tenet, conuincam, quippe qui alioqui nemini fidem habet. De 
singulari loquutione nihil opua eat literis demandare, non enim 
dubii aumua, qui omneH ita alioqui doceat (tametsi absoleuerit). 
Vale mcmor piümiaBi. Actum 4. nonanim luniaa. 
■, 34, Fol, a". 



XVIII. I. Juli ]51ß(?), 

Annibal Delphinus euo Chüiano IlloeupUtü^ 



l.. ....._ 

^^Uam anxie) reapondeam. Maior mihi temporia Mjnerueque mea 
parsimonia est, quam (niai iamdudum tuia tuorumque omnium 
dcdititius factua eesemj tam ridicule et infrugifero anKietatia 
queatiuni^ule tue reapoiiderem, Quippe de qua neminem, qui 
literaa ucl primia, ut aiunt, labi-is deguatauerit dubitare puto, 
Ceterum quia ita uia me iucptire pracmiaaa aolenni protcatatione 
1 meia literia neminem ueatri ordinia, quoa ontnea promiacue 




J 



366 Horawiti. 

amo , aliqua ex parte lacessere quin potius solum qnod i 
nee surdis testimoniis snbfustus stipatusque sentio, citra ca 
uis ineuriam uel calumniam ac ueluti coactus in medium 
dneere nelle. Constanter et liquido asserere ausim apud nu 
receptum auctorem linguagio latino durante hniosmodi in li 
tatis sinceritatem heresim obuiam non unios passtu lec 
meae faotam nee Bebelium unquam asserere memini, 
tarnen ne apex quidem in publicum prodiit eum pellegi. 
tratur (ut ipse ais) aduersarius tuus sufFragari sibi; qnod 
in commentariis de re epistolari posuit. Si unum alloq 
plurali numero uis (ut eisdem uerbis utar) et congme ut ; 
uolunt, dicas: ^patres estote memores mei' uel ^ualete 
Auscultet aut e di[uerso] . . . quid subiungat^ ut autem sie 
alium alloquamur non est lectum existimO; ad unum 
loquendo ,estote memores mei' incongrua est, non quoad i 
sed quoad rem quod eque uitiat latinitatem quibus uult < 
que de se, non autem ad alium pluraliter loqui posse. 
idibi Contra Pentium * neminem unum ^inquit' numero m^ 
dinis alloqui debemus. Nosmetipsos autem iam singular 
plurali etiam in una oratione appellabimus. Identidem 
contra loannem Boridam^ etsi ad unum loqueris, inquit ii 
rali, quod uix, latine fieri puto. Attamen si ita loqui uis, 
supposita et nomina ad istud uerbum pertinentia et relal 
nenda sunt in plurali. Adiunget mox attamen ad alia 
loqui uix permittitur, bene uix, immo nusquam. Hiis i] 
non superstitiosa temeritate monetär, quam optime perc 
Bebelium de re literaria optime meritum sibi minime suflB 
tamen demum quod in uno consuluisse uidetur in altero 
bere dignoscitur. Este cum pestilentium dicendi modui 
ceperit approbauerit quisquis hie aliusque esset minimum 
uel abiectissimum ne dicam maximum quemque auctore 
nouitatis testem adduxerit, bonarum literarum quam adi 
rem, iugulatorem, subuersoremque melius dixerim. Quare 
quo hiis te arduae contemplationis rebus citius absoluas 
tuas consulas. Clausule eum ipsum illiusmodi deliramei 



* Wohl Pontius magister, der Verfasser einer 1486 geschriebenen ,RJi 

2 Johannes Buridan, Rector der Pariser Universität im 14. Jahr 

seine Werke erschienen noch in Auflagen des 16. und 17. Jahrl 



Sir GMcMclitB lu HBiMaimni In iea MpBiUadani. L 



367 



faum, idiotam demum et infantem consule. Üi usque hac a 
|ot ineignibuB ladne lingue castimonie tiindicatoribus traditnin 
lOn esse impoteus argumentum duxcris quitcjuid contra ab eo 
"»iggestum fuerit. Caligare in soIe noscitnr. Proinde scias sin- 
gularitatem nouuni unuiu ipstim sequentiiim nnllam inccrtitudi- 
nem (perinde in hÜB deliramentis ut ,uoä eetis diuites uiri' 
oritur) reddere posac unum conuenientiorem certiorem euin 
u>dum recte probaueria. Vale ac incpciis illiusmodi mouere 
«lern poBthac parce obsecro. Altioribus lubentisaime neruos 
mtendam raeoa, tu quoq\ie dignioribus aduairationibus totus incnm- 
. Itenun Vale. Ex cdibus doctoris Pachamer kalendia Iiiliae. 
Nr. 88, Fol. 10. 

XIX. S. Decembpr. 

Fraler ChUianus ad suum amicisslmum Fratrem Achatium. 

Habes hie frater amiciBsimc sentcntiam uiri rei litterarie 
ipolitissimi , qui inter doctisaimoB quosque neminem unquam 
loq[u]iitum teBtatur, quoruni tarnen contubcmio semper a 
leris (ut aiunt) educatus fuit. Nee rairuni quum pluralis 

[nutio duorum aut pliirium numero letetur exinde 

imper ambignilatem parturiret quod ne eucnmt melius dixeris 
,uos estia pater meu3' quam ,uo8 eetis patres mei'. 
linde periculum inter doctissimoB Vienensis gimnasii adeti- 
AOTBB subii utpote loacbimuro Vadiannia, poetam eloquentie 
pracBlantissimum loannem Auerbachium, Fabianum Ni- 
ambos oratores pontificü iuris alumnoB cooBultisaimos, 
■rginm Schaufler artium hberahura magiatrum, qui omncs 
ineperato in edes Dornpach ad me coneeeserant, ubi deinde 
inter fecnndos calices multa Ariatotelioo more in utramque 
partcm diBseruiraue, inter qnae et id genua eermoncm (Voa 
poetc laureati ad unum) proposni, ai apte et congrue 
,(?) nti liceret quemadmodum Bebcliua docniase uidetur 
laereretur. Ait Vadianua: Quid bone pater hiis allucina- 
tionibus uultis, nunquit res digna diaputatuV an uobis in dubio 
ueraatm*? Ceteri quoque nemo unquam ab euo seculi huiuamodi 
protulit aermonem dicebaiit.' Inatabam certo uiiltu contra, 
poetam Bebelium ceteraque multa in medium probationia cauBa 
deferens. RcBpondit: missa Bint haec, agamua pingui Minerua 



■^tia 



I 



diceUant i^HHlrichen. 



J 



pi»iittii#ieifct ;fc}/«i)iu!; «uErUfiTun ex^rroplo fMXum^ et aaetoritmiey 
'itt/yntcü ttt.« 'ir.i[u qni'i^nii rep^riretar. N«rap^ aHogoin miahft 
i^>ii|o.!ttxu «:«t. ^jae If/n^r«^ laditu» silentio tninj^:*^««t. PloJcnJa biis 
UAtix u;m mfßn*:r^ non aa«UK aii alia diuerti. Ta aero ex lifis 
«^ix nfttf^rqu^i; isla irÄUrlligere delx;» eam rem ab faiL» doctia- 
UKoi» uiri* ibdiifDatii Mmnone, ut a D^lphioo meo exiathnarL 
Miror aat/fm te tanta t<;iü<^ritaU; lianc iiutolitam ridicnlam el 
\Amah ififmfnhram n:m ita pn>ii<^;qui de qua doctos piget fiicere 
«bemMwent Xec e««e aiunt uel nunimum literatnre aitHorem^ 
quem id ^enua «ermonia lateret incptifwimnm frinolnm et pene 
reproliuro. Quare ut eidem renunties aliquaa ex epistoliia lo- 
auuiti CapriioniJi ^ uiri ex omni cuo incomparabili» (cui praeeipue 
wmlrH tempeHtate alium eloquentie dignitate comparari nee 
aujtim riec poMMimj tul Ut eonKcribere statui uulgato sermone 
depnimtaii^^ quo eciam ab eruditisHimi» uiri» usitatum genna 
iMfrmoruH celebratum uidca» demum(V) imitcris, temeritatem 
»upereilioHam^ ut uir dco dedituH poftt tcrgiim habeaa et dein- 
cep« ditioribuM Htudii» tfiluH incumbas. Vale mei memor ut ego toL 
Actum oetauo iduH Dccembrcs. Anno etc. 14(?). 

Am Kaudo de« voratobondon Briefes Nr. 37 stoht: 

,Non CHt praoBcntata adhuc/ 

Kolfft: Ex cpiMtoliH loanhi» Capnionis quo8(!) uario tem- 
porum eucntu ad mo misKOM in unum redcgit omnibusque poli- 
tloriH ItttinitatiH Htudiosis utiloB iucundos et pemecessarios ap- 
probauit et diuulgauit. 

FoIkoii Hriofo doN Franc. 8. EuNtachü, Diaconus Cardin. (Nr. 88, 
Fol. 10)» und ItelclioruM dux Lotharingio (Nr. 89, Fol. 11).« 
Dann als SchluMbomorkun^^ (Nr. 40, Fol. 11): 

Hoc 8unt ctiarisBinie frater, quas inter cetcras eruditissimi 
Capnionis opiHtolas insporato obuiam habui pluratiuo numero 
tx sentontia dopromtas, quao quatenus ad tue temeritatis ces- 
Mtionem conducunt, oatenus to celaro non potui, hortor atque 
id| quod a C ÜORarc excollontis ingcnii ac prudentie oiro in 
poiitiono de analogia scriptum*^ est habeas semper in me- 

* Jobamioa Uouolilin. ' opistolas gestriohen. 
' Abftdruokt in Qoi(rer*B Briefwechsel, 8. 55. 

* Abgedraokt in Geiflror a. a. O., 8. SO. 
^ Im Codex wiederholt. 



Zur OMohiclito des Hnnanisinns in den Alpenl&ndern. I. 369 

moria atque in pectore ut tanquam scopulum sie fugias 
inauditum atque msolentem Bermonem. Vale. 

Nr. 87, Fol. 10'. 

XX. 4. November 1615. 

Frokr Chilianus lUocwples suo iunctüsimo amico loanni Coro- 
Mrio inngnii Ciuitatia Auguste Conciui Mercature studiosissimo, 

S. P. Quid est, quod tantopere tristaris obsecro amicorum 
«nice in parentis tui tarn foelicissima morte, numquid (sie!) 
qoam semper i]li optabas felicitatem iamiam subripere cona- 
hm et eum a superis reuoeari tuis laerimis existimas, nunc 
mente tibi repetendum est uirum eerte dignum fuisse uita, sed 
qüoniam idcirco deus in celum reuocauit; quoniam est con- 
nementias multo ut fiiturus esset in superis sedibus quam inter 
mortales. Nam etsi erat hie utilissimus suis omnibus, quoniam 
ineredibili ualebat uirtute, fecit tarnen et pietas et relligio et 
fidei, at merita fuerit ad superos delatus, ubi potius uiuere et 
vere quidem ac beate uiuere quam diem obiisse nihil hesites, 
qua quidem in sede poterit nobis prodesse magis, quam si 
CMet in terris, modo tu bene uale, qui patris tenes simulachrum 
nee feras iniquo mente^^ cum mortali uita natus esset , ad im- 
mortalem esse sublatum. At potius precare deum, at tu quoque 
iOo perferaris. Itaque lugendum tibi minime existimo , uerum 
potius ridendum letandum exultandumque uehementius, quam 
exhiis terrenis tenebrarum latebris in eterne claritatis splen- 
dorem peruectus nobis est futurus apud deum Optimum maxi- 
nmm perpetuus procurator. Vale consolatus hiis in domino. 
Actom pridie nonarum nouembrias. Anno 15 a natali Christiane. 

Nr. 41, Fol. 12. 

Vieting. XXI. 11. October 1617. 

Rater Chüianus lllacuples. Retierendo patri domino loanni 
fottumo presjpiterorum benemerenti ac curiostssimo prefecto seu 
Arcklprespitero Frisacensi domino suo primario et semper 

obseruandissimx). 

S. D. Accepi te propedlem hinc abiturum tuo cum pro- 
thomysta atque nostro et quam me tibi alitcr fauisse quam 
alterum tui Woifgangum expertus sis, nunquam miror, quur 

SitamgBber. d. phil.-hi»t. Cl. CXI. Bd. I. Hft. 24 



370 Horftwiis. 

nihil de tuis facultatibus conseruandum reposuenB apud me, 

presertim ducalium et aliorum aureorum nummorum aal eure 

mihi quicquam non commiseris^ haud enim secus te dicunt auri 

peculium aggregare atqiie formicam stipulas. Sed nee inuideo, 

quod neque mirarer, si ageres^ nisi te (aut fallor) non liberomm 

cauBa educandorum mammoni operam dare crederem. Namqae 

fatebor^ audio nonnunquam ne dicam uideo, nescio, qaibaraam 

adeo familiär! ter te comitem iunetum personis^ ut uel cam eis 

camis tue portionem communem habere excipiaris aut ipsae 

tecum. Sed quid moror circumloquorque diutius rem^ scis 

Helsule diem imprecari faustum diligentiusque ego calamo ex- 

plicare, quis tandem non cetera etiam suspicetur? Hec inquam 

Helsula tuis rubiginem abigit aureis^ sententiam tenes. Qua in 

re de te quid aliud sentiam, nisi quod nee tu ultimus deprehendi 

contendis^ ubi adolescentiores fugantur. Aureorum inquam tuo- 

rum quam ceterarum potius deligerem curam mihi eustodiam- 

que rerum. Nam suppellectili illi, que cunis excipitur conser- 

uande non est penes me locus nee item psalteriis illis que in 

plumaceis noctu uoluuntur puIpitis^ sed de Ins hactenus eures 

omnem rem tuam ex sententia dei^ ut nosti et rationem salutis 

tue cum hie tum in futuro habebis. Vehementer cupio reditum 

tuum^ quem ut Deus maturet opto. Multa enim sunt^ que 

cupio tecum coram commentari. Vale ex oppido Vieting^ 

quinto Idus Octobres Anno etc. 17. 

Nr. 60, Fol. 14. 

SalBburg. XXII. 13. Soptember. 

Probatünmo divino)'um operatori Paulo Sperato'^ artium magistro 
et Musarum alumno spectattssimo cortütiqae palatino domino semper 
amico suo praecipuo omni euo colendo, frater Küianus Illacuples, 

Spectabilis vir. Accepi te nudiustertius divi Thome Aqui- 
natis super sententias scripta postulasse pro contionibus hoc 
tempore populo disseminandis. Nosti Studium et conversationem 
nostram assiduam in eiusdem doctoris via ob id primus eiusdem 

^ Propstei in Kärnten, sl. Hflttenberfi^. 
3 Handschrift: Sparato. 



Znr Oeflchichte des Humftnismas in den Alpenländern. I. 371 

Bcripti liber nobis iam summe necessarius longeque accom- 
modissimos est^ nee contionibus admodum utilis inserendus. 
Tue dominationi reliquos tres vel quoseunqiie optaueris libros 
denostra bibliotheca eommodatu dabimus saltem tunc primum 
non aofferas iterum atque iterum petimus. Certiores scripto 
008 facere^ quid herum velis non tardes. Vale ex eenobio 
diui Petri idibus Septembribus. 

Nr. 64, Fol. 16'. 

Patdus Speratus suo Küiano amicorum pra^dpno. 

Fratrum uota non cassare mihi satius quam ex animi mei 
warn qoidpiam vel optare duxerim. En desideratus redit codex 
coins usuram quamdiu libebit usque capiatis. Vale fratrum 
unice Kiliane. 

Nr. 66, Fol. 16/ 
Silibnrg. XXIII. 29. Juli 1617 (?). 

Frater Küianus lUocuples Benedictinus Doctissimo atque integer- 
fino uiro Ingenuarwm artium magistro lacobo Bedrot Pludentino 
Canttibemii Haidenham ConuentoH uigilantissimo, 

S. D. p. Quas ad dominum Abbatem ipsiusque conuen- 

tom uenerabilis ac integerrime uir dedistis solute ac pedestris 

oationis reddite sunt littere, quibus lectis uberem immature 

etatis ingeniique admirati sunt plurimum intelligentiam seque 

fiwatiori arbitrati intuitos sidere, si talem et tantum rei litte- 

nuie haberent presidem, quo non solum optima morum instituta^ 

lunun id sciencie genus^ quod pauci admodum eallent^ te 

doctore erudiendi capesserent. At uolubili prius subducti fortuna 

conceptam tristes quidem ex litteris uestris compulsi sunt 

innrntare animi letitiam eo quod Villacensium ludimagister ma- 

gistri Pauli cesaree maiestatis supremi in organis modulatoris 

cognatus prior prece pulsans munus illud scholasticum obtinue- 

nt quod hoc epistolio tue dignitati pandere uoluimus, parati 

<d alia pinguioris conditionis offitia^ quibus tuam ^ dingnitatem 

Dtconque honorare et apud nos commorari uellemus. Vale ex 

septis Cenobii S. Petri Salisburge quarta Kalendarum Augusti. 

Nr. 66, Fol. 16.' 

* Da« nrHprilngliche ,ae8tram^ ausgestrichen und darunter ,tuam* geschrieben. 

24* 



372 Horftwilx. 

Salzbürg. XXIV. 

Spectate eruditumts uiro Seifrido CingtUatorino rapsodum copio- 
sissimo tarn Patauie lactis Utterarum frecepiori axxuraJ&mm 

Kilianus lUocuples. 

Quem modo longiusculo tempore Caii Plinii naturafi! 
historie libmm tecum hospitaris; uelim hiis diebus absqne aliqua 
eunctatione postliminio ad nos redire eures, si ad sacietatem 
usque usus es. Sin minus, faciam suo tempore ad te redeat 
Vale ac me tibi deditissimum scias. Ex illustri Ciuitate Sali- 
poli ad octauum Rls. Maias. 

Nr. 68, Fol. 16. 
Salzburg. XXV. 1617. 

Honorahüt uiro domino Marfino Sin Diuinorum operatori prAor 
tissimo in Ahtnau, Amico suo primario omni euo colendo 

Kilianus Illocuples, 

S. p. et bene agere. Gratulor tue felicitati^ propenßhn 
atque inprimis gratias deo ago, quod te iam diu siticolosum 
pastoralis honoris uel, ut melius dixerim, oneris prouintia donaie 
dignatus est, ut amodo tue infructuose uite quidpiam culpe 
inpingere possis nemini, sententiam meam satis tenes. Sed qnü 
nunc restat; ditatus es, munificentissime honoratus non minitf 
quam oneratus, reliquum erit ad gratitudinis offitium te totam 
exponas, hominem interiorem saerarum splendore litteraram 
illumines, exteriorem habitu et gestu haut secus institoas ac 
angelos Dei in terram promissionis instar archiducis Moysi 
dueturus semper et uerbo et exemplo pascere et de credito 
tibi talento rationem ponere scias. Dixi totius hominis et inte« 
rionis et exterioris te habere rationem diligentissimam, no& 
puto in desideriis carnis non in crapula et ebrietate. Siqmdem 
rumor apud me increbruit, quod uix semel in hebdomada uinmn 
gustare soles, at ubi gustaueris ita Baccho frena laxaris, rt 
egregii ferme potatoris mensuras excedas, quid istud scandaE 
in subpcdancos tuos quid dcnique tue ipsius anime pericuB 
pariat, quis est qui pensitnrc non norit? Sane domino plebeiano 

H.indschrift : foHoati. 



Zur GMchichte des Hnniftnisinas in den Alpenl&ndern. I. 373 

re uerba fecissem^ nisi plura et maiora mihi obiici 
Hiis itaque paucis (ne me latere putes) te com- 
iterum atque iterum vite tue rationem habeas diligen- 
ec aliud requiro. Quod si feceris meum in te amorem 
,m nuUa neque fortuna neque temporum miitabilitas 
it. Vale ex monasterio Salispolitano undeeimo Kalen- 

Anno uirginei partus 17. 

J, Fol. 17'. 

XXVI. 1619. 

litterarum admodum studioso scholastico Christophoro 
niubendi Aqaüewnns ^ iiicole ciuitatü Viennensis amico 
8U0 plurimum amando Küianus Illocuples. 

Que mihi paulo superioribus Christophore amieis- 
patre tuo agenda commisisti et quidem eo libentius 
IS suseepi, quo et tibi et patri propensius gratificari 
Etbam. Dum itaque euneta quae tibi conducere poterant 
n, quod sue sententiae erat subiunxit et tibi quantotius 
( scriptis uoluit, curam habeas maiorem studii litte- 

quoad genitor alio te concedere fatiat^ ad id tem- 
moneri cupit minime neque ego super hane senten- 
lo te alio reeipias, peccasti quam grauissime peniteat 
m instituto meliori tam studio litterarum quam morum 
)rofitias^ sis castus modestus^ sobrius in omnibus 
im presides gymnasii amplissime tibi eoncilies tem- 
radu Baccalaurei prestitutum te complere iubet at 
mmere, nee ne maturiori reseruat ipse deliberationi 
tiorem redditurus. Oeiosus nunquam apparcas et diuo 

hortante liber e manibus nunquam discedat, nosti 
Ute cum contubernalibus tuis luseris Venere com- 
•us et ebrietatibus paternos disperdendo sudores. 
s ad patris aures usque deuoluatur, tu hiis periculis 
10 factus cura opera diligentia prouideto deinceps 
Studiosi offitium agas. Vale date Salispoli quinto 
anii Anno 19 supra sesquimillesimum. 

, Fol. 17'— 18. 



374 HorftwUs. 

XXVII. 21. Juni 1618. 

Sacre militie incorimptissimo müiti fratn Chiliano 8U0 mawri 
temper ohsei'uando Sebastianua Chaczhamer tuua deditüriymu. 

Vir dignissime tuis ex familiaribus scriptis accepi tuam 
patemitatem aliqua neotericorum opera, ut puta luniani et Dio- 
medis^ concapiscere, et ut alios (si ex recentioribus mihi essent) 
per tabellarium presentem ad te mitterem, quod lubens fecis- 
seniy nisi idem non ita confestim suam abitionem maturadBet 
Nihilominus per latorem presentium rogatos ex me libros accipito 
et sine contagione suo tempore fac ad me redeant. Enimuero 
commodato aeeepi preterea non me ^git inter disserendum, 
quum Buperioribus diebus apud patemitatem tuam agerem de 
chartiludio; quo tum loica tum grammatica memorie commen- 
dantur^ uerba fecissem, quod si apud me latitaret, iam profecto 
in lucem prodiret; ut saltem hoc unico tibi; cui plurimum 
debeo morem gererem. Spero tamen propediem apud biblio- 
polam fore, tandem eopia eius contemplandi per me tibi prae- 
stabitur. Et mihi Plinius Secundus in epistolis uel omnium 
neotericorum nostre etati» primus Valerius Maximus^ Virgilius 
in litera Aldi Manucii in archa dormiunt^ quorum desiderium 
se te capit quantotiu» expergefatiam, ut oculos tuos subeant. 
Vale litterarie rei et monastice deeus et omamentum non 
postremissimum. Datum propere et tumultuarie in tabema li- 
braria lacobi Molossii vigesima prima die mensis lunii Anno 
super millenario quingentesimo 6. 

Nr. 78, Fol. 18. 

XXVIII. 

Frafer Chilianus Illocuples Studiosimmo literarie discipline mode- 
ratori Sebastiano Chaczhamer artium baccalaureo sibi amicissimo. 

Legi et pellegi proximis diebus tuas elegantissimas ad me 
literas, quibus mirificc delectatus tuum erga me amorem et 
obseruantiam ingentem, quam dudum celasti iam primum con- 
templatus sum. Uerum (unde) aut quo de te benemeritus sim, 
(quod tantopere) me amaris non memini. Sed ut tibi deinceps 
occasionem offeram totum me tibi deuoueo et quicquid apud 



Zur Geschichte des Humanismus in den Alpenl&ndern. I. 375 

me delitescere noueris id prorsus tuo commodo et necessitati 
peculiarius conciliabiS; fatiam dei^ique me tibi talem sotium 
fore, qualem te mihi perpetuo glutine connexuque consecrauisti. 
Velim crebrius me tuis amenissimis literis oblectes. Enimuero 
quantum eis delecter^ non faciie memorie prodiderim. Identidem 
me facturum scias, quo alter alterius et industria et doctrina 
preaertim politioris et foecundioris dicacitatis profectior reddatur. 
Codicem tuum uno quaternione defectuosum^ quem rei singu- 
laris dono mihi prestiteraS; presente nuntio resume, quod si 
huie simile cupieris, certiorem me reddas. Vale. 

Nr. 79, Fol. 28. 
Dornbacb. XXIX. 16. November 1515. 

Magnifico Viennensis achademie astipulatori loachimo Vadiano 

artium et medidne doctori poeteque laureato et oratori exceüen- 

tissime facundo praeceptori et amico mo unico et semper obseruando. 

Frater Chiliamis Illocuples Benedictinvs Coenobüa ad S, P, 

Salispone. 

Non parum animi angor, Vadiane doctissimorum ornatis- 
sime, expeetatione illa longiuscula immo que mihi longissima 
est, qua te interea temporis aut tuum responsum, cum a me 
discessisti cupide atque inhianter expecto indicsque magis ac 
magis emaceror, quo constitutum tempus spe diutius prorogatur, 
nee auspicari ualeo, quoquo me uertero, quid te prohibeat. 
Nosti me in omnibus tui studiosum fore que Interesse tua aut 
etiam te uelle existimem, ubi adsit facultas, quineciam nullum 
in te offitium sine maxima culpa posse preterire. Fac igitur 
obsecro et si mei oblitus fueris iam altera petione latius ani- 
mum meum non suspendas, si altioribus negociis prepediris 
quod te coram habere non possim, saltem scripto certiorem me 
facere quam primum operam adhibeas. Peti'um tuum uel eciam 
meum aut si malis utriusque nostrum tibi unice commendo, 
quem sua et uirtus et probitas commendare non cessat, ego 
tametsi taceam. Vale. Ex Spineto prope Viennam 16. Kalen- 
darum Decembrias anno 14. 

Nr. 84, Fol. 30'. 



376 H^rAvit] 



Fauor et pax dei patris per lesom Christiim amen. Hmad 
dabito gradonsnine r# Xpcn* pater quin g. t. ad ongaem (nt 
est in adagiO' intelligat, quam ardna et diflScilis sit miseroram 
(qoiboa nee domi nee rori quieqnam proprii pecolii est) semo- 
mm conditio. Com ego itaqne iam sim ad tempos liber et nollo 
adscriptos domino omnia, qne oHm fidelibos et improbis serui- 
tiia adqoisiniy conBompserim, nt modo neHm noiim cogor stipem 
petere, in tantnm me premit extrema panperies. Veni idcirco 
ad fores g. t. qaae sint utinam laxe, ut 81 aliqnid in aola g. t. 
uacnom foret famolitium me in semum snscipiat g. t. rogo. 

Sin uero minus quod uidelicet g. t. seruis non indigeat 

sitqne famolis omnino pronisa, iterum atque itenim obsecro 

gratiam tuam eximie uir uel saltem ob nomen lesn Yj^imz\i opx^ 

pastoris in Israel^ cnios toa g. oices gerit me misellom aliqno 

pancolo uiatico condonare, quo mihi caiceos (sano honore g. t.) 

emere possim. 

G. T. 

6 Moser baccalaureus 

Viennensis. 

Nr. 117, Ful. 41 (ein eingefU^er OriginÄl-Brief>. 



XXXI. 

Tanta mihi tecum est consuetudo ac amititia iam olim 
litteraria de certamine inter nos parta, ut uirtus ipsa uetet te 
non laudare omniumque benefitiorum munere prosequi^ quem 
tum morum elegantia tum ingenii tirmitudo et uite modestia 
satis superque inclitum^ nedum ego sciam^ et omnes predicant. 
Id est quod ad seribendum me mouit communem unius 
fatum Vienne^ ut fortuna tibi propius faueat^ pedem te hinc 
mouere consulo Salisburgum concedas^ ubi cognitus et plurimum 
tum amore tum honore pro8eq[u]utus es istin c propediem quod 
diu speras indubie consequeris. Ludi litterarii sedes iam apnd 
nos uacat te preter ceteros elegi uttut tibi cordi fuerit scripto 
certiores nos facito. Adauxit dominus Abbas salarium quatuor 
florinis . . . ac canonici^ ut tibi de manu eiusdem nunc cederent 



m ii d« ilptnUadm. L 



377 



annuatim 8 floreni, de maou cuBtodis totidem, alias eciam duo, 
)ni faciunt 1^ äorinoa exclusis qiiae de Bcholasticorum pen- 
sionibus emerserint. Accuratissima inagister loannbes Stopherius ' 
iam saline plebeiantiB pensilulatione haec cuncta übrans et 
certo certiores noB reddidit tibi remansiBse super soütam col- 
laborantium pensioncm anniialim 44 uel 6 ucl 8 duo de quin- 
quiiginta äorinis. Ad liacu mensa cpulatoria ut iudieis ot caa- 
cellarii concaditur portio quoque trium partium mensure uini 
per diem ex uaee, quo et reliqui familiarea potantur. Haec 
minoris quam 26 Üorinomm facere eommuni supputatione uemo 
poterit sumere(?), ilaque coltigo 76 florinos pro anno eom- 
muni ludimagistro accidere posBC. Tu super baec in album 
conBcriberis, puta ut sacria initiari poEsiB acceptatisdmus.^ 
Siquidem et quocunque tempore tum sacris initiari cupieris 
prouiaionie titulum eperare qnibis, qui alubi uequam daretur. 
Et ut tui condidonem exploratam habeo, si usque modo non 
in ftiturum talem to exhibuerie de mea sententia et iatic 
tibi fortuna fauebit^ quamquam proraitterc ausim nibil, tarnen 
ut temporum conditio adniittet, spem polliceor quo iucundius 
alque tractuosius tibi optaverira nihil. Fac (igitur) consüio 
acquieseas saniori, ut <;t te comitem litteraria in palestra eol- 
luetatoremque coram habeam. Identidem eris ceteriü maior 
tibi bumanitae et beniuolentia ac alio accumulabitur. Quod si 
haee aGsumere recusaueria pro mea in te amititia et t'ratrum 
cimctorum nuetri cenobü alium inquirito eciam atque eciam 
pelimus , cni et salarium predietum innoteacere bortamuv. 
Gratiseima rea eaaet, ut ad diem S. Georgii munus id sehola- 
sticum acceptui-us sese buc receperit nel si tieri posset in 
paschalibus diebus, quibus se alter transferre atatuit, at si ia 
temporibus obtemperare posset, minime ucrum ad penthecosten . 
Id preaenti nuntio certius singnificare studeat. 

Fr. Kilianue. 




378 Horftwifcs. 



XXXII. 

Maiores istius famosissimi ac celeberrimi maoMSuA it 
uercnde in Christo pater) quiim uiderent bona ammi copdi 
bonis longo esse praeferenda, solerdssime «c pnid< 
decreuerunt, ut Gymnasium construeretur, quod düiMiiJM 
esset doctrinarum et bonarum litterarum asylum, in qw ■ 
qnispiam eruditus simiil et sapiens ingenoas profiteretnr diifr 
plinas^ sepius illud Zenonis ruminatum stodioeom littenm « 
bonis artibus deditum in foelicitatem collocatamm irL X 
fuerunt apud eos Platonis^ Socratis, ApoUonii, PjibMgantili 
aliorum labores. Cantatissima erat eis illa Euclidis 
diligentia, qoi muliebri indutus tunica ad Socratem noctn 
bat atque sub luce millia passuum Megaris redibat, ot (Aihi) } 
Gellius refert in splendidissimis Atticis Noctibos. Quare er j 
datissimi isti fundatores annuum Gymnasiarcham esse oobB- 
runt, qui ordini scholasticorum honestissimo praeficeretnr, fi ; 
cnneta ad scolasticos pertinentia auctoritate regeret, jtt 
dentia pensitaret dexteritate moderetur, quoniam citia mdl^] 
rem cuncta labascunt atque vacillant, cuius mnneris prasi' 
tiam ego licet indignus nunc habeo. Hoc preterea Petroneil 
Gymnasium, quod longo excellentissimum est, maximis dirt^ ! 
runt beneAtiis. Xempe uictu satis largo atqoe alÜA plmiht j 
liberalitatis oftitiis in hunc usque diem in dies magis obMitfr i 
tis, quo tit ut ex hac Petronea palestra litteraria (ceu ex efi | 
Troiano I complures non solum doetissimi sed etiam preopü ; 
uenerationo uiri euaserint. Hoc Qgregium maiomm institotiB , 
Reuerenda tua Paternitas et eolit et in dies magis nugiMp* 
obseruari curat, adeo ut pulcherrimo illo Apolegö digi* 
sit eloquio. Existit enim Tua Paternität inter doctos ook- 
lissimus, inter nobiles doctissimus inter utrosque optimos ^ir 
iiciendum inter omnes modestissimus , ut taceam etiam *t^ 
Patemitatis nutiuam humunitatem , quam conctis fiftcile tSr 
ploratissimum habeo. Quid de genuina etiam liberalitalB 
dicam? Quam pauperes quottidie sentiunt, pro qua re (dl* 
bio proeul^ praestantis^im:i -Tiuie Pateniitati simulac toto coa 
uentui sunt apu«l deum proposit^i premia illa videlicet, qaa€ 
*^*^c oculus uidit neo auris audiit, uec in cor hominis ascen- 



Zur GMoUehto dM Hnmanitmiis in dmi Alpenlftndern. I. 379 

denmt^ ntpote etema felicitas. Elidem annuo docendi mu- 

ii«ri ego pnefectos non indignom fore pntaui; eodem me 

gmdere salario quo praedecessores mei gaudebant. Proinde 

oameniens esse duxi^ si mea conditio Tuae Patemitati innote- 

aeeretiir. Accepi ego a D. Cellerario uti dicitur singulis tribus 

ügariis imicam solommodo aureum. Duabus uero sequenti- 

bu talentis duobus me remunerauit. Deinde Custos sacrarii 

de singulis vigilüs una cum pompis funebribus consuetis 20 

Bummos mihi solet preberc. Et hoc si huiusmodi mortuorum 

y cse^'ae annuo peragendi munere non sunt confirmate: De 

V 5i enim secus quia nihil omnino pecuniarum expectare licet. 

Smiliter 16 solidi ex sacrifitiis, quae ipse Püchler singulis 

•eptimanis cantari curauerat amputati. Idcirco Tua Paternitas 

\ &eilliinam poterit facere coniecturam ^ quid mihi ex ea re 

h qperare liceat. 

{ Qnare a Tua Paternitate miram in modum exposco maiori 

y me salario remuneratum iri, presertim cum Tuae Paternitati 
I ndnime sit ignotum^ quam magnus et quasi infinitus ludi 
1 fitteramm labor existat uel Apuleio teste. Atqui fortasse Tua 
Pktemitas cupit etiam certior fieri, quidnam emolumenti ex 
\ aeolasticis consequar, quod certc exiguum est uel nullum. 
Singalis enim quattuor temporum diebus uix decem et octo 
üdidos extorquere possum. De quibus cogor satisfacere succen- 
tori 12 solides y altero uero consorti 8 solidos, et mihi; cui 
totum fere incumbit negotium, quid restabit? Ceterum offici- 
Qie litterariae ad D. Rudbcrtum rector singulis angai*iis (quo 
tempore morbus pestilentialis hie incrudesceret cum etiam 
fitteraram Musaea forent occlusa) duobus aureis a Reuerendis- 
im Cardinale ^ in hoc usque tempus donatus est. 

Similiter Domini de Capitulo'' ibidem eidem Rectori 
Eberam abeundi concessere facultatem, solito tamen semper 
ulario exhibito. Itidem et ego sepicole conquestus petii, nihil 
tarnen effeci. Et adhuc coram Tua Paternitate tanquam stu- 
fioBonun Moecenate conqueror et efflagito. Tua Paternitas 
dignetnr me pro tantis meis incommodis perpcssis aliqua 



* et 1 Cor. 2, 9. 
' (Matthlns Lang). 
' DomctpiteL 



380 HorftwUs. Zw OMekiekt« des H 

honesta donare veste^ qnemadmodam ceteris anlicis con- 
tigit. Quod si Tna Paternitas effectam iri curabit, me non 
Bolum memorem benefitioram fore pollicear, Teram etiam ita 
adnisurum^ ut et praesens et fBjtora omnis aetas me etiui 
gratissimum omnibus erga Patemitatem Tnam offitiis agno«cat 
et landet. R. T. P. qnam optime valeat boniqne id qoidqmd 
est consnlat velim. 

Benerendae Tuae Patemitatis hnmile mancipiom M. 0^ 
banns Braun Petrensis litteratoriae palestrae praefectns. 

Nr. 118, Fol. 42—43 (Antograph des Sapplicanten). 






Rasson. Beitr&ge zur Kritik der steyerischen Beimehroiiik. 381 



Beiträge zur Kritik der steyerischen Reimchronik 
und zur Reichsgeschichte im XIIL und XIV. Jahr- 
hundert. 



Von 



Dr. Arnold Busson, 

corresp. Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften. 



I. Der falsche Friedrich. 

Der steyerische Reimchronist berichtet Cap. 321 — 326 
recht ausführlich über den Betrüger, der 1284 in den Rhein- 
landen als Kaiser Friedrich aufgetreten ist.^ Die betreffende 
Erzählung Meister Ottokars mit ihrem reichen Detail; mit Zügen 
wie z. B. dem Auftreten der geheimnissvollen Mohrenkämmerer, 
die dem Pseudokaiser reiche Schätze brinjgen Cap. 321 — 322, 
die durchaus den Charakter der Volkssage an sich tragen, 
dürfte wohl jedem zunächst den Eindruck machen, dass der 
Dichter sich für dieselbe wesentlich auf mündliche Ueberlieferung 
stützt, etwa die Geschichten wiedergibt, die in Oesterreich über 
diese Vorgänge in den fernen Rheinlanden wohl sicher um- 
liefen.2 

Eine genauere Prüfung des Berichtes zeigt aber, dass 
keineswegs mündliche Ueberlieferung als Hauptquelle demselben 

1 Pez Scr. Rer. Austr. lU, 287 ff, zu dessen Text mir die Collation der 
Wiener Handschrift durch Schottky und Goldhann zur Verfügung steht. 

2 Cont. Vindob. M. Q. Scr. IX, 172 : 1284. Eodem tempore mazimi inso- 
nuerunt rtimores fere per totam Alemanniam de adventu quondam Fri- 
derici imperatoris, et cum fere omnes Renens'es ad se attraxisset, ita 
quod pro vero habebatur, tandem a Rudolphe rege combustus est. Cont. 
Claustroneob. VI* M. G. Scr. IX, 746: Quidam fasciniator se Fridericum 
imperatorem simulans, magnam partem Alemannie in errorem duxit; 



382 



Bi 



ZU Grunde liegt^ sondern dass der Reimchronist auch hier, wie 
in so vielen andern FäUen, eine schrifUiche Quelle benutzt hat 
Seine Hauptquelle ist hier Elllenhards Chronik^ von der er audi, 
wie ich bei Gelegenheit darthun werde, fiir andere Dinge Ge- 
brauch gemacht hat. Eine Reihe wörtlicher Anklänge in dem 
Bericht der Reimchronik an den Text Ellenhards, die ich hier 
zunächst zusammenstellen will, lässt daran nach meiner Meimmg 
keinen ZweifeL 



Ellenhard M. G. Scr. XVn, 126, aL 9. 

Cum antem rumor validns aariboB 
dominl Radolfi regis insonoiBset de 
premissis, assemit hoc esse absonum 
et non fore congrnam rationi 
et repatavit eum fatnam et i n sa- 
nn m. Tandem post multas Tersntias 
nefandissimi hominis intantnm qnod 
commnniter a maiore parte popnli 
Alemanie dnbitabatnr, quem ipsorum 
pro domino habere vellent 



Ellenhard 8. 125, al. 39. 

assemit se esse Fridericum 
quondam imperatorem. 

Ellenhard 8. 125, al. 42. 

licet tarnen per aliquos dominos 
Theutunie in odium domini Rudolfi 
regis fuerit sustentatus. Statuitque 



Reimchronik Cap. 321. 
Chnnig Rodolf chomen mer 

Cap. 322. 

Wieviel man sein do g^wog 
Dax het der kanig für ainspot 

Durch seiner sucht g^limph 
Zoch es der kunig in ainem schimph 
Er hets dafür nicht 
Das die tumpe geschieht 
So verr mocht chom 

Cap. 326. 

Daz in für chaiser Friedreich 
Dew merer meng het 

Reimchronik Cap. 321. 

Er jach auch offenleich 

Er wers chaiser Friedreich 

Der weylen des Reichs phlag. 

Reimchronik Cap. 323. 

Nu hört wie sich fugt das 

Ettl eiche haimlichen has * 

Chunig Ruedolfen trugen 

Die pegunden lugen 

Trachten und spehen 

Wie daz möcht geschehen 

tandem comperÜH prestigiis per Rudolfum regem Romanomm crematar. 
Die Notiz ging gleichlautend über in Cont. Florianensis ib. 8. 749 JoA 
findet sich ebenso in Ann. 8. Nicolai Pataviensis M. G. Scr. XXIV, 61 
und im Chron. minor auctore minorita Erphord. Cont. V. M. G. Scr. 
XXIV, 213. Vergl. weiter die Angaben in Ann. S. Rudberti Salish 
M. G. Scr. IX, 809. 



Boitrige zar Kritik der steyerischen Keimchroiiik. 



383 



sibi mansionem in Nuisen, in opido 
domini archiepiscopi Coloniensis super 
fluvium Reni ibique factu» fuit con- 
cursns magnus a nobilibus Ale- 
manie et civibus diversarum civita- 
tatum, ad quos fama repleia malis 
evolavit 



Daz dem kunig Budolfen 
Ains widertail wUrd geholfen 
Der sich da offent der mer 
Daz ers chaiser Friedreich wer 
Der wart also gesterkcht 
So daz man daz wol merkcht 
Und daz die pnrger erchaunden 
Daz ir poten dar sanden^ 
Ettleich Herren 
Nahen und verren 
Ze jungst wart 
So gross zu im die yart 
Daz sein der weisen verdroz 



Ellenhard S. 126, al. 12. 

hoc animadvertentes fideles impe- 
rii et amici domini Rudolfi regis, 
videlicet comes Fridericns de Linin- 
gen senior et comes Eberhardus de 
Kaczenellenbogen festinanter vene- 
mnt ad dominum regem . . . dicen- 
tes eidem: nisi subito praecluderet 
viam Uli homini perverso, quod tota 
regio Alemanie se mandatis et prae- 
ceptis nefandissimi submittere y eilet 
pro constanti. 



Und die pey den iarn 
Des kunigs rat warn. 
Zwen poten furwar 
An ainem tag chomen dar 
Der chom ainer gestrichen 
Von Purkgraf Fridrichen 
Den man von Numberig nant 
Den andern dar' sant 
Der von Chaczenellenpogen 
Si enputen unbetrogen 
Dem chunig daz er anfsech 
Daz im nicht g^schech 
Dauon er in mue chem 
Daz er im die muß nem 
Und diesen aeffer charkch 
Verderbt, er würd ze starkch 
Daz wer ir rat gemain. 



Ellenhard S. 126, al. 29. 

Indignatns rex valde et ad iram 
incitatus venit ad opidum Wetflar 
festinanter. Cum autem cives op- 
pidi praedicti audissent, quod domi- 
nus Rudolfus contra eos incitatus 
esset ad iram, et cum iara ipsius ob- 
sidionem sibi viderent immi- 
nere 



Reimchronik Cap. 323. 

Mit zorn wart er behaft 
Für die stat er gacht 
Mit aller seiner macht 



Do dew purger sahen daz 
Daz sew der kunig also besaz 



^ So statt ,der]angden' der Ausgabe zu lesen. 
' So zu lesen statt ,tag* der Ausgabe. 



384 ßuBBon. 

Die hier aufgezeigten wörtlichen Anklänge der Reim- 
chronik an den Bericht Ellenhards sind meiner Ansicht nach 
doch 80 bedeutend; das» an blossen Zufall zur Erklärung der- 
selben nicht gedacht werden kann, vielmehr nur die Annahme 
übrig bleibt, dass Reminiscenzen an den dem Dichter bekannt 
gewordenen Chronisten vorliegen. Dafür dass Ottokar Ellen- 
hard benützt hat, spricht auch die sachliche Uebereinstimmang 
— trotz der vorhandenen Abweichungen im Einzelnen — dass 
Rudolf erst durch Mahnung von befreundeter Seite veranlasst 
wird; die bisher von ihm gering geachtete Angelegenheit ernster 
zu nehmen. Dazu kommt weiter, dass auch die falsche Zeit- 
angabe der Reimchronik Cap. 326 

Do diz Orgie und geschach 

Daz waz do man spurt 

Nach Christ gepurd 

Tawsent und zway hundert iar 

Und sechs und sibenzkch furwar 

sich aufs beste aus einer Benützung Ellenhards erklärt. EUen- 
hard S. 125, al. 34 erzählt unmittelbar vor der Geschichte des 
falschen Friedrich die Belagerung von Peterlingen durch Rudolf, 
und zwar zu dem falschen Jahr 1285 statt 1283. Von der Be- 
lagerung Pcterlingens berichtet die Reimchronik Cap. 319, und 
zwar mit einem auffallenden Anklang an eine von Ellenhard 
etwas früher gethane Aeusserung: 

Ellenliard S. 123, al. 50. Reimchronik Cap. 319. 

et ipso facto fama per partes mundi Waz man im da vor sagt 
Yolavit, quod non esset belli- Dest wost er zehenstund mer 
cosior eo. Im pedorfft Niemant dhain 1er 

Auf Urleug geben 
Man acht bey seinem leben 
Daz man zu den stunden 
Nynndert het gefunden 
So guten urleugs man. 

Der Reimchronist hat offenbar bei der von Ellenhard fllr 
die Belagerung Peterlingens gegebenen falschen Jahreszahl sich 
um eine X versehen, statt MCCLXXXV gelesen MCCLXXV, 
und wurde dann unter dieser Voraussetzung durch Ellenhards 
Bemerkung: Et permansit (der falsche Friedrich) in dicto 
oppido predicto duobns annis Air die Katastrophe des Pseudo- 



B«itrAge lur Kritik der steyerischen Reimchronik. 385 

kaisers auf sein falsches Jahr 1276 geführt, da EUenhard das 
Aoftreten desselben mit den Worten: lila expeditione cum 
hnde peracta anno domini ut supra quidam spiritu seductus 
reprobo, fEilcem suam mittere volens in messem alienam, asseruit 
le esse Fridericum quondam imperatorem ausdrücklich in das- 
selbe Jahr setzt wie die Belagerung von Peterlingen. 

Was nim die Art und Weise der Benützung Ellenhards 
dnrch den Reimchronisten angeht, so wird man wol zunächst 
bestimmt in Abrede stellen dürfen, dass dem Dichter bei Aus- 
arbeitung der eigenen Erzählung über den falschen Friedrich 
der Text Ellenhards vollständig vorgelegen hat. Hätte Meister 
Ottokar diesen vor sich gehabt, so würde seine eigene Dar- 
stellung ganz anders, jedenfalls viel richtiger sein. Es genügt, 
um das klar zu machen, irgend einen Abschnitt der Reim- 
chronik ins Auge zu fassen, für den der Dichter eine ihm 
leicht zugängliche Quelle z. B. die Annales S. Rudberti Salis- 
burgenses benutzt hat, etwa die .Cap. 45 Mitte bis 48 Ende, 
in denen der Bericht der Reimchronik im Wesentlichen Para- 
phrase, ja zum Theil blosse Uebersetzung der Annales S. Rud- 
berti ist.^ 

Eine andere Möglichkeit, das zwischen der Reimchronik 
'nid EUenhard hier vorhandene Verwandtschaftsverhältniss zu 
«klären, ergäbe sieh mit der Annahme, dass der Dichter aus 
einer blossen Lektüre Ellenhards Reminiscenzen im Gedächtniss 
behalten habe, und diese sich dann in seine eigene Darstellung 
gleichsam ihm selbst unbewusst eingeschlichen hätten. Es 
väre das ein Erklärungsversuch, der in manchem andern Falle 
ÄHsreicht, in dem gewiss thatsächlich der Reimchronist so ge- 
arbeitet hat. Aber hier speciell wird man mit demselben 
Absolut nicht ausreichen, sondern wird ihm einen andern sub- 
>titiiiren müssen, den nämlich, dass der Dichter Ellenhards 
Chronik in dem Abschnitt über den falschen Friedrich gelesen 
nnd bei der Lektüre sich Notizen gemacht hat. Bei der Aus- 
trbeitung seiner eigenen Erzählung hat der Dichter dann nur 
diese Notizen, nicht aber den vollständigen Text seines Strass- 

Andere Beispiele der ArbeitsweiMe des Dichters nach ihm vorliegenden 
Quellen finden sich in meinen Aufsätzen über den Krieg von 1278 und 
»8*l*bnrg und Böhmen^ sowie bei Huber, die steirische Reimchronik 
und das Osterreichische Interregnum, Mittheilungen des Instituts IV, 64. 
8»*niB|iW. d. phil.-hiBt. Cl. CXI. Bd. I. Hft. 26 



O^t ) n n 8 N o 

burger Cjowälirriinannes vor sich gehabt. Durch diese AnnibM 
finden alle einzelnen Züge in Ottokars DarsteUung, nimen&k 
auch die von ihm begangenen Irrthümer ebenso befnedigenlB 
Erklärung, als uueh die oben aufgezeigten Wortankl&nge \m 
derselben verstUndlieh sind. 

Ottokar fand also in seinen aus EUenhard gemtdlB ; 
Notizen, dass der falsche Friedrich in Neuss und Wetzltr wA j 
aufgehalten habe — es kommen da zunächst in Betracht ft : 
Worte EUenhards S. 125^ al. 43: Statuitque sibi mansionemii i 
Nuisen und 8. 120, al. 4: et se transtulit ad oppidum impoi 
Wetzlar. Bei dieser Annahme sind, meine ich, alle IrrthtM 
begreiflich, in die der Dichter in Betreff der beiden Stidu 
gerät. Er denkt sie sich in nächster Nachbarschaft gelegn 

— was er natürlich nie hätte thun können, wenn ihm bei 1er 
Ausarbeitung EUenhards Chronik selbst zur Hand gcwe« 
wäre — und lässt nun den Pseudofriedrich bald in der dl», 
bald in der andern seinen Aufenthalt nehmen: 

Und wenn er denn genug lug 

So mit er vndorweilen 

Hincz Nowczon durch churzweilen. 

Durch die Dürftigkeit und Flüchtigkeit seiner Notii« 
wird er dann Cap. 32.*> zu dem weitem Irrthum verfährt, & 
Katastrophe des Betrügers in Neuss, statt wie es thatsäcbliek 
der Fall war, in Wetzlar eintreten zu lassen. 

Ebenso erklärlich erscheint bei dieser Annahme die 8ad^ 
liehe Abweichung Ottokars von EUenhard im Cap. 323. Hb»- 
hard erzählt, dass Oraf Friedrich der Aeltere von Leining« 
und Graf Eberhard von Katzencllenbogen persönlich zu Rud» 
gekommen seien, um ihn zu schleunigem Vorgehen gegen !• 
falschen Kaiser zu veranlassen. Dagegen berichtet Meirts 
Ottokar Cap. 323, dass zu Rudolf zwei Boten an einem Tip 
gekommen seien, der eine geschickt von Burggraf Friedlid 
von Nilrnberg, der andere von dem von KatzencUenboga 

— der Vorname des Letzteren, Eberhard, wird Cap. 324 p 
nanht — um Rudolf rasches Eingreifen anzurathen. IE« 
dürfte der Dichter in seinen aus EUenhard gemachten Notiz« 
sich kurz eine I^otsehaft des Grafen Friedrich — den Familiet 
namen desselben nicht mit aufzeichnend — und des Graft 



Beitr&ge zar Kritik der steyeriscben Beimchronik. 387 

von Katzenelleiibogen an Rudolf zu dem angegebenen Zweck 
angemerkt haben. Bei Benützung der Notiz in seiner eigenen 
Darstellung läset er nun nicht die Beiden persönlich zu Rudolf 
kommen, sondern Boten schicken, und macht zugleich aus 
dem Grafen Friedrich, dessen Familiennamen er nicht in der 
Notiz fand, seinen so oft und vielfach bevorzugten Lieblings- 
helden Friedrich von Nüi-nberg. Dazu konnte der Dichter 
hier um so eher sich veranlasst fühlen, als Friedrich von 
Nürnberg bei einer andern Gelegenheit in dieser Sache 
mithandelnd aufgetreten ist, was dem Reimchronisten ander- 
weitig bekannt gewesen sein dürfte, und es ihm nahelegen 
konnte, bei dem Friedrich, den er in seinen Notizen fand, an 
den Burggrafen zu denken. 

Jedenfalls ist Ottokar bei seiner Erzählung von dem 
falschen Friedrich nicht auf seine aus Ellenhard gemachten 
Notizen beschränkt gewesen. Seine so vielfach benützte Quelle, 
die Annales S. Rudberti Salisburgenses bot in ihrem kurzen 
Bericht nichts Brauchbares. Aber angesehen hat er sie auch 
hier, wie ein auffallender wörtlicher Anklang anzudeuten scheint. 

Ann. S. Rudberti S. 809. 

1284 . . . Oritur etiam hoc anno 
tniplia mirabllis. Nam quidam ex- 
perti nigromantiam in diversas partes 
miindi se transfenint, etiam per fa- 
scinationes ociilos intuentlnm deti- 
Tient, similitudinem quoruinvis prin- 
cipum Hibi asHumentes. E quibns unus 
circa Coloniam s% recepit, et presti- 
giis se imperatorem Fridericwm simn- 
lans, mag'nam partem Alemannie in 
«rrorem duxit, sumptibus sibi accre- 
scentibus nescitur quibus modis; nisi 
cum cives de Neu.sia diffiderent sibi 

restitui, que sibi commodaverant, 

..... ,. Reimchronik Cap. 321. 

monstravit eis multa vasa aurea *^ 

et arg'entea gemmis ornata, quibus Von silber und von gold 

eoB ad mutuationem ampliorem al- Warn alle dew vaz 

lexit. Daraws er trankch oder az 

Die Wundermähre von den drei Mohrenkämmerem, die 
dem angeblichen Kaiser seine Schätze bringen, mit denen er 
den um die Zalihmg der aufgelaufenen Zeche besorgten Wirtü 

25* 



388 Btisson. 

beruhigt Cap. 321, 322, könnten ja ein Zug aoB volksthttm- 
licfaer Ueberlieferung sein. Aber ich gestehe, dass ich m^ 
soweit ich Meister Ottokars Weise kenne, des Verdachtes nidt 
entschlagen kann, er möchte am Ende diese Mohren, die dem 
Leser ein so schönes Gruseln erwecken konnten, frei erfimdeD 
haben nach Anregungen, welche ihm die Annales S. Radbeiti 
geben. Die Stelle der Annalen: sumptibus sibi accrescentibn 
nescitur quibus modis erscheint in der Reimchronik Cap. 321 
in der Modification, dass Rudolf sich nach den Quellen im 
Reichthums jenes Menschen erkundigt 

Der kunig pegimd fragen 
Do man im pegnnd so sagen 
Wo er daz gut nem 
Oder von wan ez im chem 
Da es also von zert? 

Die Antwort auf diese Frage und auf das nescitur der Annalei 
S. Rudberti weiss dann der Dichter durch seine Mohren la 
geben ; an die Stelle der um ihr Darlehen bangen Neusser tritt 
der um die Zeche besorgte Wirth. 

Der Erklärung in hohem Grade bedürftig ist in Ottoktfi 
Darstellung der sonderbare Irrthum Cap. 323 

Dannoch waz der knnig sain 

Unz daz von Mainz der Pischolf 

Enpot dem kunig Kuedolf 

In bet der kaiser Friedreich 

Geladen gar fleissichleich 

Mit haimleicher potschaft 

Daz er durch seiner trewen chraft 

Zu im hincz Wephlem chem 

Und da von im vemem 

Was er mit im het ze reden 

Und daz daz zwischen in peden 

Belibo gar verholen 

ITnd dem kunig vor verstolen. * 

Die Genesis desselben erscheint schwer verständlich. 
Einen Erzbischof von Mainz hat es damals bekanntlich gar 
nicht gegeben, da der durch den Tod Werners von Mainz am 
2. April 1284 erledigte Erzstuhl erst am 25. Mai 1286 durch 
Ernennung Heinrichs von Basel wieder besetzt wurde. So un- 

* Die Reiinworte dürften wol zu versetzen sein. 



Tiedenklifli icb oben dem Dichter mit den drei Mobren ebe 
freie Erfindung in Betreff der Comparserie imputirt habe, ihm 
Gleiches auch für einen Hauptactem- zuzumuthen, halte ich 
raicli nicht fUr befugt. An« inlindlichcr UeberJieferimg kann 
der Dichter den unmügb'cben Erzbischof von Mainz anch nicht 
haben. Ellenhard bietet auch nichts Reclitcs zur Erklärung, 
Nach der Stelle S. 126. al. 17: medio antera tempore perfidua 
homo ille miserat ad dominum Rudolfum regem ut die ad hoc 
statuta veniret ad conspectum ttuum, feoda sua et regnum, 
tamcjuam a vero iraperatore recepturus, Indignatus res valde 
et ad iram incitatus, cum sie se viderot illusiini, rehcto exer- 
cilii resumpsit alium exercitum et venit ad opidnm Wetflar 
festinanter ist es die von dem Betrüger an Rudolf erlassene 
Ladung, die den König aus seiner bisherigen Ruhe bringt und 
ihn zum Einschreiten gegen denselben veranlasst. Auch bei 
meiner Annahme, dass der Reimchronist nach aus Ellenhard 
gemachten Notizen arbeitet, vermag ich zwischen dieser An- 
gabe und der betreifenden Stelle des Dichters keinerlei Zu- 
sammenbang herzustellen. Unter diesen Umständen bleibt als 
Ausweg wohl nur die Vermuthung Übrig, daae der unmögliche 
Ei'zbischof von Mainz irgend einem Missvcrständnisa, einer 
Verwechselung von Seiten des Dichters seinen Ursprung ver- 
dankt. Nahe läge es, an den Erzbischof von Cöln zu denken, 
als denjenigen Erzbischof, dem Ottokar irrthümlich den Mainzer 
substituirt habe. Aber hei dieser Annahme ergibt sich sofort 
wieder eine neue Schwierigkeit. Der Erzbiscbof von Cßln hat 
dem falschen Friedrich gegenüber eine prononcirt feindliche 
Stellung eingenommen — es ist in hohem Grade unwahrschein- 
lich, dasH der Pseudokaiser ihn zu geheimen Verhandlungen 
eingeladen haben soll. Ich werde in anderm Zusammenhang 
auf diese Schwierigkeiten zurückkommen. 

In seiner weiteren Darstellung Cap. 32Ü — 326 weicht 
«Icnn Ottokar sehr bedeutend von Ellenhard ah. Nach Ellenhard 
senden die Bürger von Wetzlar auf die Kunde von Rudolfs Zorn, 
und in Furcht vor der von ihnen voraus gesehenen Belagerung 
Boten an denselben ab, und erklären sich bereit den falschen 
Friedrich auszuliefern. Nach der Reimchronik Cap. 323 ver- 
weigern dagegen die Büi-ger — von Neuss natürlich — auf 
1 Rudolfs Aufforderung in schroffer Weise die Auslieferung, ja selbst 



m Auaoits A 



390 Bnsson. 

als sich Rudolf mit Heeresmacht vor die Stadt legt, und nach 
Cap. 324 einige fVir die Auälieferung des angeblichen Kaisers 
sind, ist ,der povel und die gemain^ noch entschieden dagegen. 
Hier schiene mir nun allerdings die Möglichkeit noch nicht 
ausgeschlossen zu sein, dass Ottokar sich bloss kräftigerem 
Effekt zuliebe die Dinge so zurecht gelegt hätte, vielleicht 
nach einer Andeutung, die er über eine innerhalb der Bürger- 
schaft herrschende Meinungsverschiedenheit bei EUenhard ge- 
funden zu haben glauben konnte in den Worten S. 126, al. 27: 
Subito miserunt potior es civitatis obviam domino Ruodolfo 
regi, misericordiam petentes, promittentes ad manum ipsius 
regis, quod seductorem illum pernitiosum tortoribus et ministris 
regis ipsius exigente malitia vellent committere trucidandum, et 
se submittere per omnia gratie regis. Aber selbst wenn das 
der Fall wirklich sein sollte, immerhin wird man doch annehmen 
müssen, dass dem Dichter hier neben seinen aus E^lenhand 
gezogenen Notizen noch anderes zur Verfügung gestanden hat, 
besonders nach der Angabe Cap. 324: 

Dor taiding sich vuderwuniidon 

Zwen herron weiß 

Die warn charkch und greiz 

Von Niirnberig Purkgraf Friedreich 

Der dem kunig fleissichluieh 

Pey gestund alle vart 

Und der Graf Eberhart 

Von Chaczenellenpogen 

Die sach man in dew stat zogen. 

Hier wird man als Quelle des Dichtens eine ihm gewor- 
dene mündliche Ueberlieferung annehmen müssen. Verhand- 
lungen Rudolfs mit Wetzlar durch Bevollmächtigte sind urkund- 
lich verbürgt, sie wurden gefuhrt durch Gerlach von Breuberg 
und den Grafen Eberhard von Katzenellenbogen.* Ottokar hat 
sich also wieder in der Person des einen Abgesanden geirrt, 
und dem Gerlach von Breuberg ebenso wieder den Burggrafen 
von Nürnberg substituirt, wie früher dem Grafen von Leiuigen. 
Die Darstellung, die Ottokar dann von dem weiteren Verlauf 
der Ereignisse gibt, kann auf besondere Glaubwürdigkeit keinen 
Anspruch erheben. Er erzählt Cap. 324, 325 dass die Abge- 



1 Böhmer, Reg. Rudolfs nach nro. 829. 



B«itr&ge zur Kritik der sfceyerischen Keimchronik. 391 

sandten Rudolfs sich zunächst in persönlichem Verkehr die 
Uebcrzeugung verschaflFten, dass sie es nicht mit dem wirklichen 
Elaiser Friedrich zu thun hätten, und darauf von den Bürgern 
begehrten : 

Daz si nicht verpern 
Bey des reichs hulden 
Ob si nicht wolden dulden 
Dez kunigs haz und zorn 
Ob daz |2fepot wurd verlorn 
Daz man in nicht zuhaut 
Den man heraws sant 

Die Bürger widerstreben dem, fordern dann aber den falschen 
Kaiser auf 

Wellt ir nu ew und uns pewarn 
So sullt ir an diesen zeiten 
Hinaus zum kunig reiten 
Vnd haisst in dez piten 
Daz er phleg guter siten 
Dunkcht im unrecht ewr leben 
Daz er ew den goruch ze geben 
Für die fiirsten ainn tag* 
Swez man ew da mag 
Mit warhait vberwinden 
Waz darüber recht sey. 

Ungern geht dieser darauf ein, da ihm das Geleit verweigert 
wird: ,Ewcr gelait sol daz recht wesen^ Er zieht mit Rudolfs 
zwei Boten hinaus zum König, indem er seine Anhänger anweist, 
sich nach Frankfurt zu begeben und ihn dort zu erwarten: 

Ir sullt dez gewiz sein 
Was halt mir der kunig tu 
Ich chum zu ew morigen fru. 

Auf alle Fragen, die man an ihn richtet, weiss er so gut 
zu antworten, dass die Meisten ihn wirklich für den Kaiser 
Friedrich halten. Aber Rudolf stellt an die Fürsten die An- 
frage, was mit dem Betrüger zu geschehen habe, und nach 
dem Spruch derselben wird er verbrannt. Noch auf dem Gang 
zum Scheiterhaufen tröstet er seine Diener und verspricht am 
nächsten Tag nach Frankfiurt zu kommen. 



1 So statt: Für disew Fürsten ain rat der Ausgabe. 



392 B.tfB. 

Zum Schluss überlässt es der Reimchromt in Cif. 3B : 
seinem Leser^ sich über den falschen Friedridi, dem er 
Tjrmann ^ Holczschuch nennt, mit einem Nameiif dem li 
etwas abweichender Form Ellenhards Annalen M. 6. Scr. 
103 boten Cuius (Rudolfs) tempore exostua est TIieodflnai| 
Holzschuoc qui finxit se esse cesarem, und dessen 
zur Kaiserrolle ein Urtheil zu bilden. Er nennt Qm ,dei 
knecht' und lässt es dahin gestellt 

Ob jm chain stewr 
Tet sein Zawber list 
Zu des leibs genist 
Daz ist mir vnchnnd. 

Nach der Hinrichtung des Pseudokaisers habe der 
der Meinungen noch fortgedauert: 

Da man in verbrant 
An hab sich zehant 
Ein grozz chrieg vberal 
Ettleich jähen zu dem mal 
Er wer ain aeffer gewesen 
Und biet die pnch gelesen 
Von nigramanczej 



Do jähen aber diz 

Er wer ez gewiz 

Der recht chaiser Fridreich 

Und sie bieten fleisleich 

Erlesen und erwaschen 

Die choller auf dem aschen 

^ 91 pest chunnden 

Und beten nvnndert funden 

Darinne dhain pain 

Als ain baue chlain 

Ez wer von gots chraft 

Daz er leiphaft 

Scholde noch peleiben 

Und dew pbaffen vertreiben 

Weihs aber war sev 

m 

Der gewissen pin ich frey 
Wann ich den kaiser nie gesach. 

Manches in diesen Theilen seines Berichtes möchte < 
Dichter wohl der Volksüberlieferung nacherzählt haben. 

' So die Handschritt statt »diser Mann* der Ausgrabe. 



Mtrtgei 



Ganzcii genonimeD aber stellt siuh also der Bericht der Reim- 
L-Iironik aiitli für diese Dinge als sehr geringwerthig heraus. 
Wir wären übel daron, wenn wir für die Gescbichte des 
falschen Friedrich auf lim allein angewiesen wären. Johann 
von Victring aber bat auch hier wieder wie sonst oft seinen 
richtigen historiacbcn Sinn bewiesen, Indem er von einer Be- 
nutzung der Reimchronik fUr die Geschiebte des falschen 
Friedrichs ganz absieht, und nach anderen Behelfen viel 
Richtigeres und Besseres erzählt, als die Reimcbronik ihm 
hätte bieten können.' 

Zum Glück haben wir ja anderweitige Nachrichten in 
nicht geringer Zahl, nach denen die Geschichte der Episode 
des falschen Friedrich gesehrieben werden kann.' Einiges wird 
sich freilich in derselben nicht bis zu voller Klarheit sicher 
stellen lassen — in anderen Punkten scheint mir die bisherige 
Auffassung kaum das Richtige getroffen zu haben. Ich glaube 
tlalier, dasa es nicht überflüssig sein dürfte, im Anschluss an 
die im vorigen gegebenen, qu eile nkritis eben Erörterungen auch 
auf die Geschichte des Paeudokaisers hier in Kürze zurück- 
Icommen. 

Der Betrüger, der es unternahm, mehr als ein Menschen- 
alter nach dem Tode des grossen Kaisers Friedrich II. dessen 
Rolle in Deutschland zu spielen, war zu derselben in erster 
Linie belUhigt durch eine auffallende Aehnlichkeit mit dem 
verstorbenen Kaiser.'' Ob der alte Mann aus eigenem Antrieb 
sein gefährliches Spiel begonnen bat, oder ob er von anderer 
Weite zu demselben veranlasst worden ist, wird sieh mit dem 
nrhandeneii Quellenmaterial nicht entscheiden lassen.' Jeden- 

» Foatee I, 314. 

> Das tbaC Kuletzt Victor Meyer, Tile Kolup (der falsche Friedriulj) aud die 
Wiederkunft einen echten Friedrich, Knieers der Dentscbou, Wetzlar 1868, 
der cIhk Material sehr fleiasig gessinmelt, ntier nicht überall mit der 
nOthigen Kritik benütst lint, 

' Diese Aehnlichkeit wird auBdriltklich hervorgehuben von Jolisunes Vito- 
P duranns ed. Vi'yss S. 19: qilidani faher per omnia similis Friderico itn- 

> peratori. Maithia» Kueweiibtirgeusis, Foiitea IV, 16,'i: quidain quondiun 
imperatori Frideriua siinillitnua. 

* Jdhannes Vitodurauus eil. Wjsb H, I!) enülblt: Quidnm vt^re aiuni, quod 

' indicio meo credibilins et verisimiliuB est, fabram iam dictum gimiletn 

imperatori t'riderico diu ante defuneto et aepalto totis soia »iriboB reni- 



i\\)A Kuh tili II. 

lalls hat er, sclbnl woiin die Anre^un^ zu der UoIIc, die er 
j::ospii»lt hat, ihm von anderer Seite gekommen ist, mit Bewusst- 
sein als l$etrü^er dieselbe weiter gespielt' Aufgetreten ist der 
Betrüger zuerst in CN'iln, aber hier ohne jeden Erfolg. Nachdem 
man ihn, der standhaft sich als Kaiser Friedrich gab, eine 
Zeit lang gefangen gehalten hatte, stellte man ihn schliesslich 
auf dem Markte zur Schau aus mit einer Krone, einen halben 
Pfennig werth, auf dem Kopfe, und jagte ihn, nachdem 
man ihm in rohester Weise allen möglichen Spott und Höhn 
angethan hatte, mit Schimpf und Schande zur Stadt hinaus.' 
Leider fehlt für dieses, in den (Quellen mcnst zum Jahre 1284 

tontcin pronominAtiH honoribus applirntuni; mnluisset oniiu operi officio 
et artificio 8iio cum iixore ot liboris suim in domo ot ct>modo suo vacftsse 
ot iiivi^ilasso, <(unm t'also vi contra iu!«ticiam honoris apiuem ot calmOD 
(li^nitatis, do 4110 non orat dignus, tivlitor usurj>aro. Cum autem diu re- 
luctabatur suo glorio ind(>bito ot ad domum suam rodiro anhelaret, ex- 
audi moruit ot ad propria rediit. Dio Nachricht, in ihrem letzten Theil 
handf;roifIich falsch, steht auch sonst mit allem was sich Über die An- 
jrelejrenheit orj^rilndün lässt, in Widerspruch. 

* .lohannos Victoriensis, Fontes I, 'Mit, bemerkt ausdrücklich, dass er vor 
seinem Ende seino jietrüf^ercion eingestanden habe: et sie fassus füsci- 
nationem so calopidarum est professus. 

• Am aust'ührlichsten berichten über die Schicksale des Pscudofriodrich in 
C\'iln die Gesta Henrici archiepiscopi Trevereiisis M. O. Scr. XXIV, 462: 
Ulis etiam temporibus apparnit quidam rusticus, asserens se esito Fride- 
ricuni imperatorem ma^^nuiii, (pii ante nnilta tempora fuerat dcfunctu». 
Triino clandestine visus o>t C\>lonie, deind«« j»alam universis. Qui tandem 
captus est et vinculo mancipatus, nun([uam verbum mutans quin di- 
ceret: ,Ept) sum rex Fridericus*. Tandem emancipatus a carcero in foro 
rorum venalium Coloniensi alte positus in scala, ut ab omnibus videri 
posset, dyatlemate valore unius oboli super caput eins pi>sito, dopilata 
barl>a ilhisiones (>t i>b])rol)ria maxiiua sustinuit; tanien sempcr clamaro 
non desiit : Kex moriar Kridericus. I-Itimo ]iost hec depositus de scala, 
tamtpiam vosanus eiectus de civitate, venittpio Nussiam ibi((ue dcnuo 
cepit d<»minari. Damit beriilirt sich wesentlich .lohannes Victorieusi«, 
F«)nt. I, .'(11: Hoc anno surrexit ipiidam in inforioribus partibus Ki- 
baurie circa (?«>KMiiam et Nu/./.iam, qui so imperatorem diceret Frido- 
ricum, qui veteranis militil)us de<Iit indicia manifesta, Judeoruni maxime 
sutlrapio inq>erialiter curias celebravit. in Colonia maximam cuntumo- 
liam ]»ertulit, et abrasione crinium in cloacam mittitur stercoralem. 
Kur/. \>ird «las erste verunglückte Auftreten und dio Vertreibung des 
Pseudotriedrich aus ('"dn erwähnt in »SitVidi de Halnhusiu Compendium 
historiarum M. (t. Scr. XXV, 7lu. Dass er in Cülu und in Neuss auf- 



Beiir&ge zur Kritik der stejrerischen Keirochronik. ö95 

angemerkte erste Auftreten des falschen Kaisers jede genauere 
Zeitangabe. Im Allgemeinen wird man sich gewiss die Zeit, 
während welcher der Betrüger seine Rolle spielen konnte, als 
nicht gar zu lang denken dürfen. ^ Von Cöln begab sich der 
so schwer beschimpfte Mann nach Neuss. Hier fand er Auf- 
nahme und ein vorzügliches Feld für sein Thun. Vermuthen 
lässt sich wol, dass es vielleicht irgend ein nicht näher be- 
kanntes Zerwürfniss der Stadt Neuss mit dem Erzbischof Sieg- 
fried von Cöln gewesen ist,*^ das dem falschen Friedrich hier 
die gute Aufnahme verschafft hat. Dass ein Streit zwischen 
der Stadt und dem Erzbischof bestanden hat, erscheint wahr- 
scheinhch, da die Stadt, nachdem der Betrüger sie verlassen, 
doch in der Opposition gegen den Erzbischof verharrt. 

Mit Geldmitteln, die ihm nach der Angabe eines Späteren 
besonders die Juden zur Verfügung gestellt hätten,*^ zu denen 
aber jedenfalls die Bürger von Neuss viel beigesteuert haben,^ 
reichlich versehen, hielt er in Neuss in glänzender Weise Hof, 
und spielte seine Rolle allem Anschein nach mit grossem Ge- 
schick. Es heisst, dass er alten Kriegern Friedrichs H. un- 
zweideutige Proben gegeben habe, dass er wirklich der Kaiser 

getreten, berichten ohne weitere Details das Chronicon imperatorum et 
pontificnm Bavaricura M. G. Scr. XXIV, 225, Annales Moguntiui M. G. 
Scr. XVII, 2. 

' Das hat mit Recht betont Lenfers, De Sifrido II. archiepiscopo et prin- 
cipe Coloniensi, Monasterii 1857, S. 55, §. 2, Anm. 1. Er verrauthet, 
dass der Pseudokaiser Ende 1284 nach Neuss gekommen sei, und dass, 
weil er thatsächlich also 1284 und auch noch 1885 daselbst war, Ellen- 
hard und Johann von Victring (der das aber gar nicht behauptet) zu 
dem Irrthum geführt seien, dass er zwei Jahre in Neuss gewesen. 

- Dass es deren gegeben, lehrt der Ausspruch des Reichsgerichtes, den 
Neuss veranlasst hatte, dass kein Bürger einer vollfreien Stadt von dem 
Landesherrn vor ein auswärtiges Gericht gezogen werden dürfe, so lange 
dieser nicht im besonderen Falle durch richterlichen Spruch dazu er- 
mächtigt worden, vom 4. December 1282: Lacomblet II, 451, nro. 772. 

^ Johannes Victoriensis, Font. I, 315. 

* Gesta Henrici archiepiscopi Treverensis M. G. Scr. XXIV, 462: Oppi- 
dani autem loci illius receperunt eum benigne, ei largas expensas ad- 
ministrantes. Auch aus der Angabe der Annales S. Rudberti Salisbur- 
genses M. G. Scr. IX, 808, die im Allgemeinen zwar bemerken: sump- 
tibus sibi accrescentibus nescitur quibus modis, geht die Betheiligung 
der Neusser hervor, da es heisst: nisi cum cives de Nussia diffiderent 
sibi restitui que sibi commodaverant. 



396 Raison. 

»ei. Durch ZHuberkünatc habe er das fertig gebracht,* nament- 
lich auch Vornehme^ die zu ihm kamcn^ sofort mit ihrem 
Namen begrUsst.^ Gegen alle zeigte er sich sehr freigebig 
durch glänzende Bewirthung und durch Geschenke.-^ Ein 
grosser Zulauf fand zu ihm statt, und zwar nicht nur von dem 
niederen Volk, sondern auch von Vornehmen und Grossen.* 
Sogar aus Italien, wohin das Gerücht gelangt war, in Deutsch- 
land sei der alte Kaiser Friedrich erschienen, kamen Gesandte, 
die der Markgraf von Este und verschiedene lombardische 
Städte geschickt hatten, um sich von der Wahrheit der Kunde 
zu vergewissern.'* Man sprach auch davon, dass der Mann ein 
von Gegnern des Königs Rudolf benutztes Werkzeug gewesen 



' Johannes VictorionsiH Font. I, 316: ... voteraniH inilitibuH dedit indicia 
manifcHta. Aehnlich heisHt es in Martini continuatio imperatoniin 8i- 
xonica M. G. 8cr. XXIV, 2ö2: Ille voro se fuisse imperatorem argn- 
mento visibili comprobavit, narrans, quomodo per supradicta tempora 
iacuisset in habitii poro^rino, agens punitontinm per consilium patrit 
patnim und in den Gosta Honrici archioj)iscopi Treverensis M. G. Scr. 
XXIV, 462: Nam opinio fuit multoriim, iit per artom magicam co^o- 
scerot illa quo niilitibus quondam sub Fridorico impcratore militantibns 
clam vül palam acciderant, et bec suis litteris inseroro consuevit, cognito 
intersigno. 

' Chron. Sanpetrinuin ed. Stübol S. 119: nd quem nobiles confluebant, 
quos oinnes per nigromanciain propriis noniinibus suscipiebat. 

' Chron. Sanpetrinuin a. a. O. : Multi etiam ex variis provinciis illuc ad- 
venientes, ab eo benigne suscepti sunt, et Iionesto in cibo et potu trac- 
tati; nee solum Iiis, scd et verbis et factis et variis donariia. Vgl. auch 
die Angabo Salimboncs unten Amn. 5. 

* Ausser der oben Anm. 2 angeführten Stelle des Chron. Sanpetrinam 
betont das auch Elleuhard M. G. Scr. XVII, 125: ibique fuit concursoB 
magnus a nobilibus Alemanio et civibus diversarum civitatum, ad quos 
fama repleta malis evolavit. 

^ Salimbene Chron. Mon. ad bist. Parm. et Piacent, spectantia 8. 307: 
Item nüllesimo supraposito (1284) insonuenint rumores, quod Fridericus 
secundus, qui quondam fuerat Imperator, iu Alemauia viveret, quem se- 
quebatur Thcotonicorum maxinia multitudo, quibus larga manu faciebat 
expensas. Et adeo invaluerunt ot divulgati fuerunt isti rumorea, quod 
plures civitatOH Lombardie misorunt speciales nuntios ad videudum et 
cognoscendum, utrum ita es.set nee ne: etiam marchio Hostensis miait 
nuntium specialem . . Sed uihil fuit; processu enim temi>oris reportum 
est, quod quidani barator et trufator erat, qui talia simulabat ad lu- 
crum; et sie tarn ipse quam sui sequaces ad nihilum suut rodacti. 



Ic[n*g« [Bt Kritik dfr ^ll^)'ni!('h^n Htfmrtroi 



397 



iin Rudolf zu stürzen, oder wenigstens dass einige Fürsten 
aus Haas gegen Rudolf ihn unterstützt hätten.' 

In Deutschland, auch in den vom Schanplatz des Äuf- 
Ireiena dos Pseudok aisers entfernteren Gegenden, hat die Sache 
emcbtiich grossen Lärm gcmatht; mau hat das Treiben in 
Neuss überall besprochen, und gewiss wird es Leute genug 
gegeben haben, die den Mann von Neuss wirklich für den 
alten Kaiser gehalten haben. Die Aufregung, welche die 
Episode erregte, hat ihren Eindruck in den Werken der zeit- 
genössischen und späteren Chronisten zurückgelassen, die sich 
zum Thcil in starken Ausdrucken bewegen. Da beisst es, die 
Mehrzahl des deutschen Volkes habe gezweifelt, ob sie den 
Kaiser zu Neuss oder Rudolf als Herrn anerkennen nillssc. 
In Oesterreich weiss man, dass der falsche Friedrich ,fast alle 
Kheinhlnder auf seine Seite gezogen habe' — Spätere erzählen 
gar, dass er von vielen Grossen und von dem gemeinen Volke 
als Kaiser Friedrich angesehen und geehrt wäre.' 

Auch die neueren Darstellungen der Geschichte des 
fiüschen Friedrich stehen durchaus unter dem Eindruck dieser 



1 per aliquoB dominus Theu 



" Elleiihftrd M. G. Scr. XVU. 125: licet tamei 
i in odium du mini Kudolli regia fiierit 

MotiHchug FUratenfBldensis Font. I, 14: qiiidam dicebanl euni 

im fuisBe ab nmaliB regia ad de«tmctionem ipsins fortune temp- 

Mndsm, fä posset forte iii cesnrem pramoYeri, quo facto moi regia auc- 

>ritas eipirntet, 

* Ich stelle die betreffenden CtuelleDberichte hier ziiaaiumen: Elleahord 

M. G. Bcr. XVn, 136: Tandem post niultaa versutia« nefandisHimi ho- 

( in tanmm quod communiter a maiore parte popali Alemannie du- 

bitjibatur, quem ipaorum pro dutniuo habere vellent. 

ContiDDatio ViadoboneaBia M. G. Scr. IX. 710: . . Bodem tem- 
pore maximi insoDiiemnt rumores fere per totam Alemauniaiii de ad- 
ventn quoiidnm Friderici imperatoris et cum fere onines Renemea iid 
itraxiwet, ila quod pro rero babebatiir , , . 
CoDtinualio ClauatroiieoburgemiB VI-, M. G. 8cr. IX, 746: Qui- 
dam fascioiator se Fridericuni iinperatorcim simulaus, magnam partem 
Alamannie in errorem duzit, 

Oestn Henrici nrcbiepisuopi Trevereusis M. G. Scr. XXIV, .162; 
tnutuDi ibidem oialtaluB est, ut uuuiiiilli nnbilea et liarune» lerre, 
quibus ipee litieras suas, aao sigillo facto ad instar si^lÜ Friderici im- 
peratoris aigillatas, destinavit, beHitandu piitarnnt, eum esse veraciter 
Friderioum, luide miilti declinavcrtint od eum et venerabiiDtar eum 
lamquam refcooi Friderii'iim, 



398 buijf.ü. 

Aeusaerungen der Chruni:*ten, und heliandeln die £piäO<ie alt 
einr äcliwerf- ^.iefalir für Künig und Keieh. Oe^en diesM; In.'vher 
giltige Auffassung: er^rehen »ich mir aln^r .-jc-hwere Bfrdeiiken. 
Mir scheint dem grossen Aufsehen, welche» da-» Auftreten de« 
falschen Friedrich ^emaclit hat. und naturgemä»^ machen miij»«te, 
das ftich uns anschaulich in den Aeusi!»erungen der diroDiaten 
wiederspiegelt, die wirkliche Bedeutung des Betrüger» keine»- 
we«rs entsproclien zu haben. Ich glaube im Gegenisatz zu der 
herrschenden Ansicht die Behauptung aufstellen zu dfiufen, 
das», wenigstens so lange der Betrüger sich zu Neus« aufhielt, 
die r^rdnung des Reiches durch ihn nicht ernstlich gefährdet, 
geschweige denn Rudolfs Stellung durch ihn irgendwie bedroht 
worden ist. Die Aeusserungen der Chronisten, ganz allgemein 
gehalten, begreiflich und verständlich als Ausdruck der herr- 
schenden Aufregung, müssen mit vorsichtiger Zurückhaltung 
aufgenommen werden. Prüft man genauer, in wiefern die- 
selben begründet erscheinen, .so stellt .»»ich bald heraus, wie 
sehr sie übertreiben. Vergebens sieht man sich um nach 
dem starken Anhang, den der falsche Friedrich gewonnen 
haben soll. Richtig ist. dass er Briefe, gesiegelt mit einem 
Siegel, das dem Kaiser Friedrichs nachgeahmt war,^ ausgehen 
lies.«. Zwei dieser Briefe sind in Abschrift auf uns ;:ekommen. 
Der eine ist gerichtet an den Herzog von Brabant und den 
Grafen von Holland^ die eingeladen werden, den Kaiser in 
Neuss zu besuchen, in durchaus verbindlicher Sprache abge- 
fasst.^ Erhalten hat sich uns, ebenfalls in Abschrift, ein Brief, 

Johannes Vitofluranus od. Wy^s S. U*: qui a multiH baronibos et 
ma^atibn« dicti re^i^ nee non a piebeia tiirma imperatur Kridericus 
eHtiinabatur et valde honorilice et gloriose trartabatur. 

Monachuff Fnr>>tenfeldensi<« Font. I, 14: .Srvl ipgf; deceptus decepit 
mn]tr»ft, mnlti enim pro eo. ijnod iji^e e.«Ket, vadimonia |>oi«uenint. 

Matthiait Nuewenbur^rcn*'!'» Font. IV, IG'^: qiiidamque quondam 

Friderico simillimns in inf(frioribll^ Kheni ]>artibn8 »e i|»sum Fridericum 

fingena ac barone« et civitates t<ibi a^^rresrans iisque Wepselar veninset. 

' Berichtet von den Gesta Uenrici archiepiMropi TroverenKin in der *S. 397, 

Anm. 2 angeführten Stelle. 
< DieMf bisher unbekannt^^ Brief jetzt ntit;;<'theilt M. (i. Scr. XXIV. 402, 
Anm. 8. Nach den ganz .illgeincin ^eliaheucn Wendunfren: Ilinc ont, 
qaod reatram amiciciani, de f{iia plene conlidimus, Rindio ro^anms dili- 
g«ntit quatinnn in civitat4.' Nii^Hioiini. tibi nnnr f>nniUH, noMrani prenen- 



Beiträge zur Kritik der stoycrischcn KoimchroDik. 399 

dessen Absender in einer Handschrift Johann von Brabant 
1 Florenz von Holland, ' in einer anderen Handschrift Florenz 
»Holland allein genannt werden.^ Ob dieser ,inopinato fan- 
■uiti Frederico pro Romanorum imperatore similatorie se 
■mti' geschriebene Brief so wie er uns vorliegt, authentisch 
t* könnte fraglich erscheinen. Aber die Thatsache, dass das 
■reiben des Pseudokaisers eine schroff ablehnende Antwort, 
H Kwar wol speciell von Florenz von Holland erfahren hat, 
icint gesichert durch den Umstand, dass ein zweites 
iben des falschen Friedrich sich ebenfalls mit dem Grafen 
Holland beschäftigt. Dasselbe ist adressirt an den Bischof 
Utrecht, und beauftragt diesen, den Grafen von Holland 
^rinahnen, von seinen Uebergriffen gegen die Friesen ab- 
'beii, widrigenfalls er gegen den Grafen dem Gesetze ge- 
▼orgehen würde. Falls der Graf behaupte; dass ihm aus 
fiepen von Kaisem oder Königen irgend ein Recht gegen 
fteien Friesen zustehe, solle der Bischof ihn vorladen, 
^^n sechs Wochen zu Neuss zu erscheinen, um diese 
ilegien vorzuweisen.^ Dieser Brief bezeichnet gegenüber 
ersten Schreiben einen entschiedenen Umschwung in der 
des falschen Friedrich, der seine gute Erklärung 
let in der schnöden Abfertigung, welche das erste Schrift- 
des Betrügers von dem Grafen von Holland erfahren 



CÜUD tali modo visitetis, nt in posterum, cnm vires et noBtri corporis 
▼irtntes plenarie de faucibus terro progrcssum resümpsenint, de vestra 
pronotione cogitare teneamiir, scituri, qtiod, si vestra fidelitas aliquam 
cvialitatem nobis fecerit, cum exhibicio operis probacio sit dilecoioniH, 
pQr nofl seqnetur procul dubio retribncio copiosa: könnte man ver- 
nnthen, dass derselbe Bettelbrief wol auch an andere Fürsten gerichtet 
worden ist. 

' So in dem Cod. Cantabr. dem Waitz den oben erwähnten Brief entnahm. 
So in dem Herborner Codex, aus dem Losbach den Brief edirte. Vgl. 
Meyer Tile Kolnp S. 30. 

'Mir ist der von- Losbach edirte lateinische Text nicht zugänglich, und 
ich bin auf die von Meyer S. 31 mitgetheilte deutsche Uebersetzung 
*>««chriinkt. 

* Der Brief, «fter gedruckt, bei Meyer Tile Kolup S. 70, uro. 6. 
Gegenüber dem neuerdings bekannt gewordenen Briefe des Pseudo- 
firipdrich an Florenz von Holland und Joliann \on Brabant zerfällt von 
«"Ibst die Vormuthung. die Lorenz, Doutsche Geschichte II, H96 über 



400 BuBson. 

Es ist möglich, dass der Betrüger auch noch an andere 
Fürsten Briefe gerichtet hat — spätere Quellen machen die 
Landgrafen von Thüringen und die Herzoge von Braunschweig 
als Empfänger solcher namhaft ^ — ebenso möglich, dass, ebenso 
wie es der Markgraf von Este gethan, der eine oder der andere 
Gesandte nach Neuss geschickt hat, um sich über die Sache 
näher zu informiren.^ Aber nur ein einziger Fall lässt sich 
nachweisen, in dem eine fürstliche Persönlichkeit wirklich sich 
durch Beziehungen zu dem Pseudokaiser in Neuss compro- 
mittirt hat. Der Erzbischof Siegfried von Cöln erhebt später 
gegen seine Feindin, die Aebtissin Bertha von Essen, unter 
anderen Anklagen auch die, dass sie sich von dem Betrüger 
verschiedene falsche Urkunden und Bestätigungen habe aus- 
stellen lassen, von denen sie wissentlich Gebrauch gemacht 
habe, Gebrauch mache, und noch Gebrauch zu machen beab- 
sichtige.3 Obwohl nur der Gegner der Aebtissin der Gewährs- 
mann ist, wird man der Angabe doch wol Glauben schenken, 
und annehmen dürfen, dass sich die Aebtissin des Pseudo- 
kaisers in der erzählten Weise in ihren Streitigkeiten mit dem 



Beziehangen dos falschen Friedrich zn den Friesen aufgestellt hatte, 
die aber ohnedies wenig wahrscheinlich war, da das Einschreiten des 
Betrügers zu Gunsten der Friesen sich einfacher und plausibler aas 
irgend einer von friesischer Seite ausgegangenen Anregung erklärt. 

1 Des Briefes an die Thüringer gedenkt Johannes Rothe bei Meyer Tile 
Kolup S. 93, nro. 3 und Caspar Hedion ibid. S. 97, nro. 7, die Herzoge 
von Braunschweig neben den Thüringern erwähnt Spangenberg ibid. 
S. 100, nro. 9, die Gulichsche Chronik ibid. S. 100, nro. 10 nennt neben 
den Thüringern den Herzog Heinrich von Braunschweig. 

2 Einige der eben angeführten Autoren wissen zu berichten, dass die be- 
treffenden Fürsten dem falschen Kaiser Geschenke zugesandt hätten. 
Fugger, Spiegel der Ehren, bei Moyer S. 98, nro. 8 erzählt, dass wenig 
gefehlt ,der Landgraf in Thüringen hätte ihm als Kayser Friedrichen 
(dessen Tochtormaun er gewesen) aufs neue püicht geleistete 

3 Die Stelle aus der Anklageschrift des Erzbischofs gegen die Aebtissin 
von Essen vom 12. October 1289 ist gedruckt bei Meyer Tile Kolup 
S. 70: Nonus est (articulus) quod dicta Bertha abbatissa ab illo falsario 
qui se impenitorem tingebat Nussyo et qui propter suam falsitatem et 
temeritatem dampnatus et cromatus est tamquam falsarius, obtinuit 
plures litteras et confirmationes falsas, quibus ipsa abbatissa scienter 
est usa, utitur et uti intendit et quod de hoc est et iam dudum fhit 
npud bonos et graves graviter infamata. 



Erzbiscilof bedient liabc. Ob sie dae, wie der Erzbiscbof be- 
hauptet, Diala tidc gütban, muss dabin gestellt bleiben. 

Auth uacb andern UuiBtUnden, die den Betrüger und 
sein Treiben in Neuss als eine ernste Gefabr flir König Kudolf 
erseheiuen lieHsen, balten wir vergeblich Umschau, und müssen 
es daher ganz begreiflich linden, daas der KOnig dem ganzen. 
durch das Auftreten des angeblichen Kaiser Friedrich veran 
lassten Lärm gegenüber seine Ruhe bewahrte. Es wird aus- 
drtkcklieh Überliefert, Kudolf habe dati Ganze als I^aiTenposBeu 
bezeichnet, ' 

Nicht für den Künig und das Keich, wol aber filr den 
Erzbischof Siegfried von Cöln war das Auftreten des falschen 
Kaisers unbequem, ja bedrohUch. In seiner Stadt Neuss hauste 
der Betrüger, die Stadt stand gegen den Erzbischof in trotziger 
Opposition, die sie auch nach dem Weggang des Pseudokaisers 
nicht aufgab, Seine Gegnerin, die Aebtiasin von Essen, hatte 
sieh in Verbindungen mit demselben eingelassen.^ Es erscheint 
daher ganz begreiflich, dass der Erzbischof sich entsehloss, 
dem Unfug in seinem Gebiet ein Ende zu machen. Siegfried 
zog gegen Neuss, Die Sladt aber schloss ihm die Thore, 
verweigerte dem Erzbischof den Einlass, und verhinderte ihn 
so, im Wege Kechtens gegen den falschen Friedrich vorzu- 

I EUenlinrd M, G. Bur. XVU, ISG: nsseruil iioa esse al)iiuuuin et uoa lore 

»congTuum ratioiii et reputavit ernii fstnum et iurauuiii. Dnss die 
gchitderaog', welche die Gesta Wenrioi iirchiepisoopi Trevereiieis M. G, 
. Sur. XXIV, 4 GS von der augeblicli überaus resigiiirteu Haltuiif; des 
Köuiga geben; Diclus paciÖouH rei reepoudisae ureditar; .Doniine Ueu», 
rex cell et terre, fiat vnliiula« tua; hi bune regnare velis, in cmnibus 
parore uupi» tue volitotati; noii eliam tibi reaistere valeo iu ictu ocuü 
aut tuam iuatitiani traugmutare durchaus fergriffen iat, zeigt da» ebenso 
kluge wie raw:he Eiiuclireiten Kadolfs in dem HomeDt, ala et Bulclien 
für noth wendig hielt 
> Die Vermathimg von Lureuz, Dentcube Gesubichle II, Sää, da« der 
Embiacbof von CDIu den Scbwindel zu Neuss Enei Jabre laug sieb habe 
eolwickeln laBsen in der wohl d uro bdacli tan AbaiuLt, die Bürger von 
Neuss mSglichst zu uompromittirea, andererseits aus Geliüssjgkeit oder 
Oleicfagiltigkeit gegen die kOuigliche Gewalt Kudoir», für welche es 
doch «m Krgerlichsten war, dass der gespenstige Name eines todteo 
KaiiterB so viel Volk von dem lebendigen KOnig abwendig niaoben 
konnte, die sieb Heyer, Tile Kolup, S. 36 xum Tbeil wenigsten» ange- 
eignet hat, scheint mir durchaus unbegründet in sein. 

igibtr. d. phii.-hiil CL. CXI. Bd. I. Bfl. 'iii 



402 BiiRnon. 

gehend Der Betrüger aber muss sieh bei dem Vorgehen des Elrz- 
bischofs gegen Neuss in der Stadt nicht mehr sicher gefehlt 
haben; er verliess dieselbe und zog nach Wetzlar.^ 

So verständlich nach der ganzen Situation das Vorgehen 
des Erzbischofs bis hieher ist, so aufTallend und der Elrklärnng 
bedürftig erscheint seine weitere Action. Anstatt, wie man doch 
erwarten sollte, zunächst zu versuchen, die widerspänstige 
Stadt Neuss zum Gehorsam zu zwingen, zieht der Erzbischof 
mit starker bewaffneter Macht dem falschen Kaiser nach 
gegen Wetzlar,** nachdem er den Neussem einen Tag angesetzt 
hatte, um sich wegen ihrer Haltung zu verantworten.^ 

Dies Vorgehen des Erzbischofs gegen eine ausserhalb 
seines Machtgebietes gelegene Reichsstadt ist doch etwas so 
ungewöhnliches und auffallendes, dass man nach einer Er- 
klärung daftlr suchen muss. 

Versuchen will ich es, eine solche zu geben — aber über 
eine blosse Vcrmuthung hinaus vermag ich nicht zu kommen. 

In spätem Geschichtswerken wird hervorgehoben, dass 
der Erzbischof von Cöln an König Rudolf einen Brief gerichtet 
habe, um ihn vor der von dem falschen Friedrich drohenden 
Gefahr zu warnen.'' Auch in der schon oben besprochenen 

1 In der Hpätor noch anzuziehenden Urkunde Rudolf» vom 7. Juli 1285 
heisst es: qui (die Bürger von Neuss) ipsum ndmittero et intromittere 
clausis portis et ianuis renuenint, ne de viro illo, qui se imperatorem 
finxit dum viveret . . iudicium et iustitiam exorceret. Lacomblet 11, 478, 
Nr. 808. 

2 Chron. Sanpetrinuni ed. »Stilbel, 8. HO: Quod postquam aliquo tempore 
duravit tandem a doniino archiepiscopo et ah eadem civitate fugatus, 
vonit in aliani civitiitem, quo dicitur Wetzlaria . . . 

Johannes Victorionsis Fontes I, 315: Deinde auffagit, nee tarnen 
cessavit, venionsque in Wetflariam. 

^ Gosta Honrici arcliiepiscopi Troverensis M. G. Scr. XXIV, 463: Quem 
Syfridus archiopiscopus Colonionsis pcrsocutus est armata manu prepo- 
tenti U8(iuo Wotttair. Loidor ist es nicht möglich, genauere Zeitbestim- 
mungen für da.s Vorgehen des Rrzbischofs von Cöln gegen den falschen 
Friedricli zu troüen. Lonfers a. a. 0., S. 19 und 8. ö7, N. 16 mOchte 
den Zug des Erzhischofw gegen Neuss auf Anfang Juni 1285 ansetzen. 

* Die unten anzuführende Urkunde Rudolfs vom 28. Juni 1285. 

^ Sehaten, Annales Paderhornenses z. J. 1285, gedruckt bei Meyer Tile 
Kolup, 8. 101, N. 11: der Erzbischof zieht vor Neuss, das ihm dio 
Thoro schliesst: Quare literis Rndolphnm caesarem de periculo admonet. 



Beiträge zur Kritik der steyerischen R«iinchronik. 403 

s der Reimchronik von einer Sendung des damals gar 
. existirenden Erzbischofs von Mainz an Rudolf dürfte wol 
ä^eim die Thatsache einer Sendung des Erzbischofs von 
an Rudolf zu suchen sein, nur schwerlich, wie bemerkt, 
[nlialtes, wie ihn die Reimchronik angibt. 

XcIl möchte auf diese Anhaltspunkte gestützt die Ver- 

ximg wagen, dass der Erzbischf von Cöln in der That in 

len des falschen Friedrich sich an Rudolf gewendet hat, 

sipvar mit einer Aufforderung, von Reichswegen gegen den 

ftchst dem Erzbischof unbequemen falschen Friedrich einzu- 

mten. Rudolf wird sich am allerwenigsten durch des Erz- 

leihofs Siegfried, der bekanntlich sein Freund nicht war, Auf- 

tderung aus seiner passiven Stellung dem Pseudokaiser gegen- 

*r haben herausbringen lassen. Man wird dem König viel- 

iKht nicht gross Unrecht thun mit der Annahme, dass er 

|bbl Eaiserspiel in Neuss, das sich Siegfried unbequem machte, 

iSk einem gewissen Behagen zugesehen habe. Im Zorn über 

^pW» Gleichgültigkeit des Königs hätte sich dann schliesslich 

!• Erzbischof von Cöln zum Vertreter des Reichsinteresses 

■■Bwht, und als solcher den Zug nach Wetzlar unternommen, 

P* selbst zu vollführen, was nach seiner Ansicht eigentlich 

P» Königs Pflicht gewesen wäre. Ich würde alle diese Ver- 

Wknngen gar nicht wagen, wenn nicht auch in den wei- 

^ttn Ereignissen einiges hervorträte, was auf einen Gegensatz 

Auch bei Fugger, Spiegel der Ehren, bei Meyer, 8. 98, N. 8 
Kheint eine ähnliche Notiz der Mittheilung zu Grunde zu liegen, in 
^ es heisst: ,K. Rudolphus hatte ihm dazumal wieder etliche, ho des 
Reiches Gflter an sich gezogen, (daran aucli der Erzbischof von Cöln 
Bieht unschuldig wäre) einen Zug vorgenommen, und als ihm das Ge- 
*krey von diesem betrieger erstlich vor Ohren gekommen, lachte er 
^Ai^ber, und hielte es für eine fantasey eines thörichten Menschen, 
^hdem ihm aber von Cöln und andern Orten zugeschrieben wurde, 
^ dais diese Kaiserlarve allbereit Keichsversammlungen anzustellen 
Kennen .... Hierzu kam noch dieses, dass der unverschämte Tropf 
*^ Euentbieten Hesse, er solle Krön und Scepter ablegen, zu ihm 
uch Neuss kommen, und von ihme als ordentlichen Kaiser die Lehen 
v&pfimgen. Hierüber erzürnte sich allererst KOnig Rudolphus, und 
*>Ite mit einem mächtigen Zeug auf Cöln^ In dieser zum Theil nach 
^bt erkennbaren Quellen gemachten confusen Ausführuug erscheint mir 
besonders beachtenswerth der darin hervortretende Gegensatz zwischen 
Rodolf und dem Erzbischof von Cöln. 

20* 



404 Bnsfion. 

zwischen Rudolf und dem Erzbischof in der ganzen Ange- 
legenheit hindeutet. 

Für Rudolfs Haltung dem Pseudofriedrich gegenüber musste 
aus verschiedenen Gründen die mit dem Auftreten desselben 
sich in Wetzlar ergebende Wendung entscheidend werden. Eb 
heisst zwar, dass die Keckheit des Betrügers, der an Rudolf 
ein Schreiben gerichtet habe mit der Aufforderung, ihn als 
Kaiser anzuerkennen/ den König aus seiner bisher beobachteten 
Gleichgiltigkeit herausgebracht und zum Zuge gegen Wetzlar 
bewogen habe.^ ThatsächHch sind für Rudolf wol andere Ge- 
sichtspunkte massgebend gewesen, die ihn zum Einschreiten 
bestimmt haben. Einmal wol der nicht angenehme Gegensatz, 
in den die bisherige Unthätigkeit des Königs zu dem Eifer des 
Erzbischofs von Cöln gebracht wurde, der auf eigene Faust 
auszog gegen den Beleidiger der königlichen Majestät.' Dann 
aber ganz sicher die unverkennbare Gefahr, die sich ftür Rudolf 
aus der Thatsache ergab, dass der falsche Kaiser seine Thätig- 
keit vom Niederrhein nach der Wetterau verlegte. Der Be- 
trüger seinerseits dürfte sich ohne Zweifel diesen neuen Schau- 
platz mit bewusstester Absichtlichkeit ausgesucht haben auf 
Grund seiner Bekanntschaft mit den hier obwaltenden Ver- 
hältnissen, die ihm ein erspricssliches F^eld für seine weitere 
Thätigkeit versprechen konnten. 

Zwischen Rudolf und verschiedenen Städten der Wetterau 
und des Elsass war ein ernster Zwist ausgebrochen. Anlass 
zu demselben hatten die finanziellen Forderungen, mit denen 
König Rudolf an die Städte herantrat, besonders die von ihm 
verlangte Zahlung des ,dreissigsten Pfennings' gegeben.^ Am 
9. Mai 1285 hatten die Städte Frankfurt, Wetzlar und Fried- 

> Die Thatsache berichten auch die Qesta Henrici archiepiscopi Treye- 
rensis M. G. Scr. XXIV, 462: Cum autem iste rumor validus nnllnm 
orbiH ang^ulum lateret , et in tantum elevatns esset, nt quodammodo in 
eo rogalis maiestas appareret, misit litteras suas Rodolpho Romanomm 
regij ut ipsum tamquam dominum suum recognoscant tali intenigno, 
et quod rex quondam snb ipso militasset. 

> EUenhard, an der oben 8. 389 angeführten Stelle. 

' Dafür darf ja darauf hingewiesen werden, dass es nach Reimchronik, 
Cap. 323 ja der Brief des Erzbischofs (von Mains) gewesen ist, der den 
König zum Vorgehen gegen den Afterkaiser bewogen hat. 

* Kopp, Keichsgeschichte I, 743. 



Mkiife tur Kritik d«r steyerischeu Reimchronik. 405 

berg ein Bündniss auf zehn Jahre geBchlossen zu gegenseitiger 
Bilfaleistung — ^solche Vorsorge zur Selbsthilfe, als gäbe es 
kein Reich und keinen König mehr^ ^ Um Pfingsten hatten 
lie Bürger von Hagenau den Neffen Rudolfs, Otto von Ochsen- 
itein, Landvogt des Eisass, aus der königlichen Pfalz daselbst 
rertrieben^ und Rudolf den Gehorsam aufgesagt.'^ Ebenso wider- 
legte sich Colmar dem König, verweigerte die Zahlung des 
Ireissigsten Pfennings und schloss dem König die Thore. 
HTetdar wollte gleichfalls die Abgabe nicht entrichten. ^ Rudolf 
ntichloss sich, diese Opposition der Städte zu brechen, und 
Mgmn zunächst am 15. Juni die Belagerung von Colmar.^ 

Das Eintreffen des falschen Friedrich in diesen Gegenden, 
10 sich ohnedies schon so vielfache Opposition gegen den 
iJBnäg regtßf gab nun allerdings der Sache eine andere und 
Üfar den König gewiss nicht unbedenkliche Wendung. In ihrer 
ippositionellen Stellung zu Rudolf nahm die Stadt Wetzlar den 
BeMger auf, doch, wie es heisst, nicht ohne Furcht. Frank- 
hrt) Friedberg, Gelnhausen sollen auf seine Seite geneigt haben."' 
Der Pseudokaiser soll die Absicht gehabt haben, nach Frank- 
fait za gehen, um dort einen Reichstag zu halten und sich 
faieifich in die Herrschaft wieder einsetzen zu lassen.^ 

Mochten nun auch solche Pläne von der Verwirklichung 
noch weit entfernt sein, dürften namentlich auch für den beab- 
ochtigten Tag zu Frankfurt wol sicher die Fürsten gefehlt 

* Kopp, Reichflgeschichte I, 739. 

' Ann. Colmarien868 M. G. Scr. XVII, 212. Kopp, a. a. O. I, 740. 

* Kopp a. a. O. r, 744. 

* Ann. Colmarienfles M. G. XVII, 212 Rudolfus rex obsedit Columba- 
riftnaes decimo octavo Kai. Julii, Helysaei prophetae — in Böhmers 
Anigibe Font. II, 21 mit den weiteren Worten am Schluss: quinque 
diebnt. 

* Kllenhard M. G. Scr. XVH, 126. 

* Geita Hearici archiepiscopi Treverensis M. G. Scr. XXIV, 462: Diimque 
pn&tos rasticus ad tantam vesaniam devenisset, ut extra sensum raptus 
in lernet ipso rex putaretur, sui immemor et oblitus, adire festinavit 
cum suis adherentibuB Vrankinvort, ut ibidem, principibus Alimanie 
conyocatis generale concilinm celebraret et in pristinum honorem resti- 
teeretnr. Dass der Betrüger die Absicht, einen solchen Tag in Frank- 
fort zu halten, geäussert hat, erscheint um so glaublicher, als auch 
dBm steyerischen Reimchronisten nach Cap. 326 Aehnliches bekannt 
geworden ist. 



40f) Bu*tOD. 

haben, da» Auftreten des Betrügers hier in dem Moment, da 
eine Reihe von Städten mit Rudolf bis zu offener Widersetz- 
liehkeit verfeindet waren, mosste Rudolf bedenklich machen. 
Eine Verbindung dieser Städte mit ihm konnte ihm wirklich 
die Bedeutung geben, die ihm^ wie ich meine, bisher durchaus 
gefehlt hatte, und ihn nun auch Rudolf selbst gefährlich er- 
scheinen lassen. Dazu kommt dann noch, dass Rudolf wol 
auch Kunde erhalten haben wird von jenem merkwürdigen 
Exekutionszug, den der Erzbischof von Cöln gegen den Pseudo- 
kaiser unternommen hat, der die Passivität des Königs gegen- 
über dem für die beleidigte Ehre des Reiches und der könig- 
lichen Majestät eifernden KirchenfUrsten in ein sehr schiefes 
Licht setzte. Bei alledem ist es ja durchaus möglich, dass 
wirklich die Grafen von Leiningen und Katzenellenbogen Rudolf 
auf die ihm aus der geänderten Situation erwachsenden G^ 
fahren aufmerksam gemacht und ihn zum Eingreifen gedrängt 
haben. Rudolf trat aus seiner bisherigen Passivität heraus, 
und cntschloss sich zum Einschreiten. Er handelte mit ge- 
wohnter Umsicht und Klugheit. Um freie Hand zu bekommen, 
liess er am 18. Juni durch den Burggrafen Friedrich von Nürn- 
berg' mit der Stadt Colmar eine Sühne vereinbaren.^ Dann 
brach er unverzüglich mit Heeresmacht rheinabwärts auf — am 
20. Juni ist er bereits zu Mainz. ^ Das Verfahren, das Rudolf 
dann Wetzlar gegenüber einschlägt, deutet meiner Meinung 
nach auf die Absicht des Königs liin, dem Erzbischof von 
Cüln und seinem Vorgehen gegen Wetzlar das Praevenire zu 



* Dieso Thätigkeit, von clor der Koimchronist gewisH ahm mündlichen Mit- 
theilungon ungenaue Kenntnins hatte, des Burggrafen .hat dem Dichter 
ohno Zweifel den AnlnsH gegeben, den Burggrafen irrthtimlich, so wie 
OH oben dargelegt wurde, an anderer Stelle einzuführen. 

2 Kopi» a. a. C). I, 746, der auch bereits S. 74G den Irrthum des Chron. 
Colmar. M. G. Scr. XVII, 254 und Ellenhards ibid., 8. 126 gerügt hat, 
dass Kudolf die Belagerung von Colmar nur unterbrochen und später 
wieder aufgenommen, oder bei seinem Weggang einen Theil seiner 
Streitkräfte vor der Stadt zurückgelassen habe. Richtig sagt in Uebor- 
einstinnnuug mit der Urkunde Mathias Nuewenburgensis Font. IV, 163: 
rex pertiniiscons, admissa cum Colmariensibns concordia, cum genta 
descendens — dass Kud<»lf sich dabei den Anschein gegeben habe, er 
wolle den Pseudofriedrich als Kaiser ehren, erscheint nicht glaubwürdig. 

3 Koj.p a. a. O. I, 747, N. 4. ö. G. 



Beiir&ge zur Kritik dor stejrerischcn Roimchronik. 407 

^eD. Während Rudolf mit seinen Streitkräften rheinabwärts 
Mg, schickte er den Grafen Eberhard von Katzenellenbogen 
ifid Herrn Gerlach von Breuberg als seine Abgesandten nach 
Wetzlar voraus.^ Bereits am 22. Juni kam zwischen der Stadt 
Wetzlar und diesen Abgesandten Rudolfs unter Vermittlung 
der Städte Speier, Worms und Mainz ein Abkommen zu 
Stande, nach welchem sich Wetzlar zur Zahlung des dreissigsten 
Pfennings bereit erklärte.'^ Dies zwischen Rudolf und Wetzlar 
abgeflchlossene Abkommen^ in welchem des falschen Friedrich 
mit keinem Worte Erwähnung geschieht^ lässt den Erzbischof 
nm Cöln mit seiner Action gegen die Stadt einigermassen als 
Dflpirten erscheinen. Der Erzbischof dürfte mit seiner Mann- 
lehaft wol nicht vor dem Abschluss dieses Vertrages vor 
Wetzlar eingetroffen sein. Aber in den letzten Tagen des Juni 
rnnss er bereits dagewesen sein. Am 28. Juni schliesst die 
Stadt Wetzlar mit den Burgmannen auf der benachbarten 
Reichsburg Calsmunt einen Vertrag, durch den die Burgmannen 
derselben sich verpflichteten, keinen der Stadt Widerwärtigen 
bei sich aufzunehmen^ den römischen König ausgenommen, 
wenn dieser selbst komme. ^ Offenbar richtet dieser Vertrag 
«eine Spitze direct gegen den Erzbischof, * der also um diese 
Zdt nahe bei Wetzlar gewesen sein dürfte. 

Der Erzbischof von Cöln ist übrigens während seines 
Zuges gegen Wetzlar mit Rudolf in Verhandlungen getreten. 
Das ergibt sich aus einer Urkunde, die Rudolf am 28. Juni 
zu Mainz erlassen hat. Der Erzbiscliof von Cöln hatte vor 
Rudolf und dem Reichsgericht die Anfrage thun lassen,'^ ob 

» Nach EHenhard M. G. Scr. XVII, 126 hätten auf die Kunde von Rudolfs 
Vorgehen die potiores Wetzlars an Rudolf eine Botschaft gesendet mise- 
ricordiam petentes. 

' Kopp a. a. O. I, 747. 

3 Kopp I. 748 und Anin. 1. 

* So schon Lenfers a. a. O., S. 59, Anni. *21. Den übrifren Ausführungen 
öesMlben kann ich mich aber nicht durchwegs anschliesson. 

öx parte vencrabilis Sifridi Coloniensis archiepiscopi , principis nostri 
'eyereiidissirai, qiiesitum extitit coram nobis, quod cum ipso diei, quam 
civibug Nussiensibns prefixerat, propter iropedimenta legitima nostra et 
imperii, cpiibus ad presens utiliter occupatur, non valoat personalitor 
Interesse, si alium substituere valeat loco sui. 



408 BnssoD. 

es ihm gestattet sei, zu dem von ihm den Bürgern von Neuss 
angesetzton Tag, dem er persönlich nicht anwohnen könne 
wegen Verhinderung im Interesse des Königs und Reiches^ 
einen Stellvertreter zu schicken. Nach dem von Rudolf durch 
diese Urkunde* bestätigten Spruch des Fürstengerichts wurde 
dem Erzbischof diese Ermächtigung ertheilt. Nach der Art 
und Weise, wie Rudolf hier die Thätigkeit des Erzbischofs 
selbst als in seinem und des Reiches Interesse entfaltet be- 
zeichnet, dürfen wir annehmen, dass wenn wirklich, wie ich 
bisher vermuthete, eine Spannung Platz gegriffen hat zwischen 
Rudolf und dem Erzbischof wegen der Passivität des Königs 
gegenüber dem Pseudokaiser in Neuss, dieselbe jetzt aus dem 
Wege geräumt war. Rudolf konnte jetzt, da er mit dem Ver- 
trag vom 22. Juni seine Angelegenheit mit Wetzlar ins Reine 
gebracht, die Zahlung des anfänglich von der Stadt ihm ver- 
weigerten dreissigsten Pfenning sich gesichert hatte, dem Erz- 
bischof entgegenkommen. Er konnte das um so eher, als die 
Position des Erzbischofs, dem Wetzlar und Calsmunt den Ein- 
lass verwehrten, keineswegs beneidenswerth war. Rudolf hat 
dann weiter dem Erzbischof noch recht deutlich gemacht, wie 
sehr das königliche Ansehen über das seinige emporrage. Er 
selbst zog nun vor Wetzlar. Gewiss wol hat nun der König 
an die Stadt die Forderung gestellt, sie solle den angeblichen 
Kaiser Friedrich ausliefern, was wahrscheinlich dem Erzbischof 
verweigert worden war. Das nun vom König gestellte Be- 
gehren wird kaum einem ernsten Widerstand begegnet sein, 
da ja die zwischen ihm und der Stadt bestandenen Zwistig- 
keiten durch den Vertrag vom 22. Juni beseitigt waren, und 
die Stadt sich den Pseudokaiser nur wegen ihres Zwistes mit 
Rudolf hatte gefallen lassen. Höchstens mögen sich bei dieser 
Gelegenheit einige Sympathien für den Betrüger in den Kreisen 
des niederen Volkes geregt haben.- Der Marschall von Pappen- 
heim führte den Pscudofriedricli angebunden an den Steigbügel- 
riemen seines Pferdes aus der Stadt in das L.ager des Königs 
vor Wetzlar.'^ Am 7. Juli 1285 endete der falsche Friedrich 



> Lacomblot II, 476, N. 80f>. 

^ Vpl. (lio oben S. 890 orOrtortti Anj^abo EIIonbaniR. 

* JohannoH Victoriensw Fontes I, 31ö, 



Beitrige zur Kritik der steyerischen Reimchronik. 409 

auf dem Scheiterhaufen vor den Thoren Wetzlars — zum 
Feuertode verurtheilt ,de falsitate convictus et heresi^* Nach 
der Angabe einer Quelle wäre ein Mitschuldiger mit ihm ver- 
brannt worden.^ Von andern Anhängern verlautet nichts. 
Einige Quellen nennen ausdrücklich den Bischof von Cöln 
als denjenigen, der den falschen Friedrich habe hinrichten 
lassen.^ Diese bestimmte Angabe dürfte als schwerlich aus 
der Luft gegriflFen besondere Beachtung verdienen.^ 

Zur Erklärung des Verfahrens gegen den Pseudokaiser 
müssen wir das gegen Neuss eingeschlagene, über das wir 
genauer unterrichtet sind, ins Auge fassen. Auf Begehren des 
Erzbischofs von Cöln entschied das Fürstengericht die Frage, 
mit welcher Strafe die Bürger von Neuss zu belegen seien 
dafür, dass sie dem Erzbischof die Thore geschlossen und 
den Eintritt verweigert hätten, damit er an den Mann, der 
sich fälschlich fUr den Kaiser ausgegeben habe und dafür mit 
dem Feuertode bestraft sei, nicht Recht und Gerechtigkeit 



J Urkunde Rudolfs vom 7. Juli 1285: Lacomblet II, 478, N. 808. 

2 Ellenhard M. G. Scr. XVII, 126. Dass die gegen Heinricus dictus Berne 
gefällte Strafsentenz, Reg. Rudolfs N. 831, diesen als Anbänger des 
falschen Friedrich getroffen, nimmt Meyer, Tile Kolup, 8. 58 ohne jeden 
Grund an. Es handelt sich dabei offenbar um einen Spruch, gefällt auf 
Grund einer Klage Gotfrieds von Eppenstein. 

3 Gesta Henrici archiepiscopi Treverensis M. G. Scr. XXIV, 363: Quem 
Syfridus archiepiscopus persecutus est armata manu prepotenti usque 
Wetflair, illumqne ibidem in campo extra oppidum, ligatis manibus et 
pedibus, in curru fecerat horribiliter concremari. Martini Continuatio 
Brabantina M. G. Scr. XXIV, 163: Quem postea Ziverdus archiepiscopus 
Coloniensis comburi fecit. In ähnlichem Sinne beachtenswerth erscheint 
auch die Notiz der Annales Halesbrunnenses M. G. Scr. XXIV, 45 : 
A. D. 1285: Quidam nigpromanticus, qui se Fridericum imperatorem 
esse publice affirmabat, in Wepflern in presentia regis Rudolfi est 
combustus. 

* Dass daneben von andern, zumal den Ereignissen ferner stehenden 
Geschichtschreibern Rudolf als derjenige genannt wird, der das Todes- 
urtheil vollstrecken liess, kann nicht auffallen und jene andere Angabe 
nicht widerlegen. Vgl. Cont. Vindobonensis M. G. Scr. IX, 712: tandem 
a Rodolpho rege combustus est. Cont. Claustroneob. VI» ibid. S. 746: 
per Rudolphum rejjem Romanorum crematur. Chron. Sanpetrinnm ed. 
Stübel. S. 119: tandem a domino rege Rudolpho miserabiliter igne cre* 
matus est. 



410 BnsBon. 

übe, dahin, dass die Bürger der gleichen Strafe verfallen 
seien wie jener, und dass sie der Gnade des Erzbischofs sich 
zu unterwerfen hätten, ob dieser ihnen ihre Rechte, Freiheiten 
und Gnaden nehmen oder belassen wolle. Dieser Spruch 
wurde von Rudolf bestätigt.^ 

Man wird wol annehmen dürfen, dass in analoger Weise 
gegen den Pseudofriedrich vorgegangen worden ist. Rudolf 
dürfte dem Erzbischof, als denjenigen, gegen den das Auf- 
treten des Betrügers bisher in erster Linie gerichtet gewesen, 
es überlassen haben, gegen denselben als Ankläger vorzugehen, 
das Fürstengericht dann über den Pseudofriedrich den Spruch 
gefällt haben, der ihn dem Erzbischof zur Bestrafung mit dem 
Feuertode überantwortete. 

Dieser Hergang entspricht am besten der Haltung, die 
Rudolf vom Anfang an in der ganzen Angelegenheit des Pseudo- 
kaisers eingenommen hat. Rudolf hatte den Mann ignorirt, 
so lange er in Neuss sein Wesen trieb, und sich besonders 
dem Rudolf nichts weniger als sympathischen Erzbischof un- 
bequem machte. Rudolf hatte seine Zurückhaltung aufgeben 
müssen, als mit dem Erscheinen des falschen Kaisers in Wetzlar 
durch die drohende Verbindung desselben mit den opposi- 
tionellen Städten die Angelegenheit eine für ihn selbst gefähr- 
liche Wendung zu nehmen drohte, als ausserdem der Erzbischof 
von Cöln sich derselben in einer Weise bemächtigte, die Rudolf 
schwerlich angenehm gewesen ist. Nachdem er seine eigene 
Sache mit Wetzlar vorweg ins Reine gebracht, hat er den 
Erzbischof zunächst vor den Mauern Wetzlars sich die Lehre 
holen lassen, dass ohne den König nichts zu erreichen sei, 
und dann seinerseits die Auslieferung des Betrügers von der 
Stadt erwirkt, die der Erzbischof nicht hatte erzwingen können. 
Dann aber lag es entschieden in Rudolfs Interesse, die ganze 
Angelegenheit wieder dem Erzbischof zuzuschieben, der sich 
derselben ja zuerst bemächtigt hatte. Für Rudolf erwuchs 
daraus, dass er den Afterkaiser weiterhin so viel als möglich 
ignorirtc, wie auf der Hand liegt der grosse Voilheil, mm 

' Durch die oben S. IUI), Ainii. l niijiföführto UrkiiinU». Neuss dürfte «ich 
in Folge des Spniclios dem Erzbischof rasch unterworfen haben. Vgl. 
die Urkunde vom 5. Februar 1286 bei Lacomblot II, 488, N. 823. 



Beitrtge snr Kritik der steyerischen Reimchronik. 411 

aach das compromittirende Verhalten mancher Stadt demselben 
gegenüber unbeachtet lassen zu können. Er konnte, nur auf 
die Verweigerung der verlangten Steuer des dreissigsten 
Pfennigs Rücksicht nehmend, die Städte milder behandeln, 
und 80 natürlich viel leichter zur Regelung der streitigen finan- 
xieilen Angelegenheiten nach seinem Wunsche gelangen.^ 



I Schon Kopp hat I, 749, Anm. 1 die Haltung Rudolfs wesentlich so be- 
Qrtheilt. 



XX. SITZUNG VOM 14. OCTOBER 1885. 



Das k. k. militär- geographische Institut übermittelt die 
30. Lieferung der neuen Specialkarte der österreichisch-ungari- 
schen Monarchie. 

Von Druckwerken sind folgende mit Zuschriften ein- 
gelangt : 

,Das wirthschaftliche Leben der Völker^ eingesendet von 
dem Verfasser Herrn Dr. v. Scherzer, k. und k. Ministerialrath 
und Generalconsul in Genua, 

,Archaeologisch-epigraphische Mittheilungen aus Oester- 
reich - Ungarn', IX. Jahrgang, 1. Heft, überreicht von der 
Direction des archaeologisch-epigraphischen Seminars der Wiener 
Universität. 

Die Savigny-Commission legt zur Aufnahme in die Sitzungs- 
berichte die sechste Abhandlung des Herrn Oberbibliothekar 
Dr. Emil Steffenhagen in Kiel über ,Die Entwicklung der 
Landrechtsglosse des Sachsenspiegels', welche die Fuldaer 
Glossenhandschrift zum Gegenstande hat, vor. 



Das w. M. Herr Professor Dr. Wilh. von H a r t e 1 legt 
zur Veröffentlichung in den Sitzungsberichten die von ihm nach 
den Aufzeichnungen Dr. G. Loewe's herausgegebene und bear- 
beitete ,Bibliotheca patrum latinorum Hispaniensis. I. Escorial 
(Real biblioteca de San Lorenzo)' vor. 



413 

Von dem c. M. Herrn Hofrath Dr. K. Th. von Inama- 
Stern egg wird eine fiir die Sitzungsberichte bestimmte Ab- 
handlung überreicht, welche den Titel führt: ,Zur Verfassungs- 
geschichte der deutschen Salinen im Mittelalter^ 



Herr Professor Eduard Wertheim er in Klausenburg 
tibereendet eine Abhandlung: ,Erzherzog Carl und die zweite 
Coalition bis zum Frieden von Lun^ville (1798 — 1801)', mit 
dem Ersuchen um ihre Aufnahme in die Schriften der kaiser- 
lichen Akademie der Wissenschaften. 

Die Abhandlung beruht auf ungedruckten Briefen und 
Acten des Privat-Archives Sr. k. und k. Hoheit des durch- 
lauchtigsten Herrn Erzherzogs Albrecht. 

Dieselbe wird der historischen Commission übergeben. 



An Druoksohriften wurden vorgelegt: 

Acaddmie royale des scienceSf des lettres et des beauz-arts de Belgique: 
Bulletin. 54« ann^e, 3« s^rie, tome X, No. 8. Braxelles, 1885; 8°. 

— Compte rendu des s^ances de la Commission royale d'histoire ou Recueil 
de ses Bulletins. 4« s^rie, tome XI, 3« k 6« Bulletins. Bruxelle, 1883 ä 
1884; 8«. — Tome Xn, !•' i 3« bulletins. Bruxelles, 1884; 8". 

— Biographie nationale. Tome VIII, 1««^ et 2« fasciciiles. Braxelles, 1883 k 
1884; 8«. 

— M^moires couronn^s et autres M^moires. Collection in 8^, tome XXXVI. 
Bruxelles, 1884; 8^. 

— M^moires couronn^s et Memoires des Savants ^trangers. Tomes XLV et 
XLVI. Bruxelles, 1883—1884; 4«. 

— Memoires. Bruxelles, 1884; 4^ 

Akademie der Wissenschaften, königl. preussische sn Berlin: Abhandlungen 
aus dem Jahre 1884. Berlin, 1885; 4». 

Amari, Michele: La guerra del Vespro Siciliano. Nona edizione. Vol. I — III. 
Milano, Napoli, Pisa, 1886; S^ 

Fridrich, F.: Populäre Anleitung, auf mnemonischem Weg^ binnen drei 
Tagen die Kenntniss der Lantbedeutung sämmtlicher hebräischer Qua- 
drat-, jüdisch-deutscher Druck- und jüdisch-deutscher Current-Buchstaben 
sich anzueignen. Prag, 1885; 8^ 

Institute, the Anthropological of Great Britain and Ireland; The Journal. 
Vol. XV, Nr. 1. London, 1885; 8«. 



414 

Instituto di Corrispondenza archeologica: Annali. Vol. LVL Borna, Ber- 
lino, 1884; 8°. 

— Bullettino per Tanno 1884. Roma, Berlino, 1884; 8^ 

Reife nkugol, Karl Dr.: Die Bukowinaer Landesbibliothek nnd die Lk. Uni- 
versitätsbibliothek in Czemowitz. Geschichte nnd Statistik. Czernowiti, 
1885; 8". 

Society, the royal Asiatic: The Journal of the Bombay Brauch. Vol. XVÜ, 
Nr. XLIV. Extra Number. Bombay, 1884; 8«. 

— the Asiatic of Bengal: Proceedings. Nrs. 1 — 10. Calcutta, 1884; 8'. 

— Journal. Vol. LIII, Part 1, Nos 2—4. Calcutta, 1883; 8«. — VolLffl, 
Part 1, Nr. 1. Calcutta, 1884; 8". 

— Bibliotheca Indica. Old Series. Nrs. 247, 248, 494, 495, 516. Cilcotti, 
1883; 8". New Seriös. Nrs. 496—610, 512—615 and 517. CalcntU, 188^ 
bis 1884; S^ 

— Notices of Sanskrit Manuscrits: Vol. VI, Part 2, Nr. 17. CalcutU, I88i; 
80. _ Vol. VII, Parts 1—2, Nrs. 18 and 19. Calcutto, 1883-1884; 8«. 

Survey, the Archaeological of India: Report of a Tour in the Gonkhpor 

District in 1876—1876 and 1876—1877. Vol. XVIII. Calcutta, 1883; 8». 

— Vol. XVII. Report of a Tour in the Central Provinces and low« 

gangetic Doab in 1881 — 1882. Calcutta, 1884; 8«. 
Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen: Mittheilungen. XX^I.Jsll^ 

gang, Nr. 1—4. Prag, 1884—1885; 8«. — Die Chroniken derSttdtEg« 

von Heinrich Gradl. Prag, 1884; 8". 
Wissenschaftlicher Club in Wien: Monatsblätter. VI. Jahrgang, Kr. 19 

bis 12 und Ausserordentliche Beilage Nr. VII. Wien, 1885; 4^ 



V. Harte!. Bibliotheca patmin latinornin Hispaniensis. 41 Ö 



Bibliotlieca patrum latinorum Hispaniensis. 

Nach den Aufzeichnungen Dr. Gustav Loewe's herausgegeben 

und bearbeitet 

Ton 

Wilhelm von Hartel, 

wirkl. Mitgliede der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. 



Im Sommer 1878 traf die akademische Commissi on, 
welcher die Herausgabe des Corpus scriptorum ecclesiasticorum 
obliegt, mit Herrn Dr. Gustav Loewe das Uebereinkommen, 
dass er während seiner in Aussicht genommenen spanischen 
Reise die in den dortigen Bibliotheken befindlichen patristi- 
schen Handschriften für ihre Zwecke verzeichne, beschreibe 
und nach dem Muster des Reifferscheid'schen Werkes eine 
Publication für die Schriften der Akademie in möglichst kurzer 
Zeit vorbereite. Eine Durchforschung Spaniens schien be- 
sonders angezeigt, weil anderswo verhältnissmässig ausreichende 
Kataloge theils vorhanden sind, thcils in Aussicht stehen, 
während dort für längere Zeit wqnig Hoffnung auf dergleichen 
Arbeiten zu sein schien, die vorhandenen Publicationen bis 
auf wenige Ausnahmen der erforderlichen Genauigkeit und 
Verlässlich keit ermangeln und bei dem gegenwärtigen Zu- 
stande des spanischen Verlagshandels durchweg schwer er- 
reichbar sind. Von der Menge der in Spanien aufgespeicherten 
Schätze hatten wir eine unzureichende Vorstellung und glaubten 
mit Loewe, dass zu ihrer Aufarbeitung die Zeit von sechs 
Monaten genügen könnte, zumal auf eine detaillirtere Beschrei- 
bung jüngerer Codices von vornherein verzichtet werden sollte. 
Wir wurden bald eines anderen belehrt, und Loewe brauchte 
fast die doppelte Zeit, ohne das Material vollständig bewältigen 
zu können. Am 20. October 1878 verliess er Rom und ging 



416 ▼• Hartel. 

direct nach Madrid , wo er zunächst die grosste Zeit der 
Kationalbibliothek widmete, in welcher die aus Tdedo 
stammenden, meist westgothisch geschriebenen Codices irf 
bewahrt werden. Daneben arbeitete er in der PrivatbibBoÜiA 
König Alfonso's, wozu ihm der k. k. Gesandte Se. Excelkw ! 
Graf Ludolf, welcher ihn in jeder Weise mit grosser Zuvif- 
kommenheit während seines Aufenthaltes in Spanien nnt»- 
stützte, den Zutritt eröffnete. Der Beginn der Weihnadto' 
vacanzen bestimmte ihn, am 15. December nach Escoriil n 
übersiedeln, wo ihm die grosse Liberalität des Bibliothekin 
Don Felix Rozänski bis zum 14. Februar ununterbrochen n 
arbeiten ermöglichte, ohne dass er die reichen Schätze is 
dortigen Bibliothek zu erschöpfen vermochte. Nach einem kun» 
Ausflug vom 14. — 19. Februar nach Valladolid und Salamanci, 
wo sich geringe Ausbeute fand, kehrte er nach Madrid zor&a 
und setzte seine unterbrochenen Arbeiten daselbst fort, indes 
er ausser den Handschriften der Nationalbibliothek die in dcB 
Staatsarchiv altbewährten Codices der Kathedrale von Arkf 
die Handschriften von S. Millan de la CogoUa und S. Fedif 
de Cardena, welche nun die Academia de la historia besHi^ 
imd anderer kleinerer Sammlungen, wie die des HoMi 
arqueolögico und der Universitätsbibliothek, untersuchte. Nid 
Vollendung dieser Arbeiten trat er eine grössere Reise a, 
welche ihn in die Bibliotheken von Toledo, Cordoba, Sevilk 
Granada, Cadiz, Mäla^ca brachte, über deren Ausbeute nur 
ein kurzer Berieht vom 29. Juni 1879 und dürftige Au&dck- 
nungen vorliegen. 

Als Loewe aus Spanien in die Heimat zurückgekdbrt 
war, beschäftigten ihn seine eigenen Arbeiten und die Pflichtet 
seiner neuen Stellungen , zuerst am russischen Seminar 9 
Leipzig, dann an der Bibliothek in Göttingen, bald so, dt> 
er seinen wiederholten Versprechungen, demnächst das fertigi 
Manuscript der Bibliotheca Hispaniensis vorzulegen, nicht nich 
zukommen vermochte. So schrieb er im Februar 1881 ai 
Herrn Hofrath Sehen kl: ,Da ich seit meiner Rückkehr vo 
Spanien mich in zwei ganz verschiedene Stellungen einarbeite 
musste, so ist es mir leider bisher noch nicht möglich gewesci 
an eine eigentliche Ausarbeitung der B. L. H. zu gehen. I< 
gedenke ihr aber mit Beginn des Sommersemesters alle vc 



Bibliotkdc» pfttrom Utinornin HispaniensiB. 417 

m 
• 

igbare Zeit zu widmen und hoffe dann bald einen beträcht- 
dien Theil des Manuscripts einliefern zu können. Einen 
grossen y ortheil hat diese Verzögerung insofern mit sich gebracht, 
ib erst in diesen Tagen der zu einem Buche ausgewachsene 
Beisebericht meines Reisegefährten Ewald ^ erschien, worin ich 
Bme Menge Vorarbeiten für meine in gewissem Sinne parallele 
/bbeit finden werde. Auch die manches Nützliche fUr mich 
abwerfende grosse Publication von Charles Graux^ ist erst 
pns kürzlich herausgekommen.' Ein letztes Schreiben vom 
3. März 1883, an den Obmann der Commission gerichtet, ver- 
ipicht, dass er ,zunächst, und zwar in einigen Monaten , den 
£e wichtigste Bibliothek, den Escorial, betreffenden Theil ein- 
mtden werde ^ dass man aber davon absehen wolle, einen 
bestimmteh Termin der Einlieferung zu verlangen, da die ab- 
leUiessende Bearbeitung der verschiedenen Handschriften einen 
pnz verschiedenen Aufwand an Zeit in Anspruch nimmt^ Ein 
jllier Tod schnitt diese Aussichten ab und versagte dem mit 
dem Aufvrand langer, mühsamer Arbeit und grossem Fleisise 
vorbereiteten Werke jene tadellose Vollendung, welche nur 
I^we ihm zu geben vermocht hätte. In unsere Hände ge- 
kngten nach Loewe's Ableben durch die gefilllige Vermitte- 
hfig seines Freundes Dr. G. Goetz, Professors an der Univer- 
>it&t Jena, die in mehreren Heften und auf zahlreichen Zetteln 
ait Bleistift und Tinte niedergelegten Aufzeichnungen unver- 
bdert, wie sich Loewe dieselben in Spanien gemacht hatte, 
leh stand lange rathlos vor dieser Masse, bis ich mich entschloss, 
ui die Redaction und Bearbeitung derselben zu gehen. Es 
iiftngte dazu die Ueberzcugung, dass eine wenn auch noch 
10 ungenügende Publication unserem Unternehmen zum Nutzen 
gereichen und auch weitere Kreise interessiren könne. Auch 
versprach Ewald's inzwischen erschienener trefflicher Reise- 
meht willkommene Unterstützung, und eine mit so erheblichen 
tehwierigkeiten verbundene redactionelle Thätigkeit liess auf 
ine billige Beurtheilung zählen. 

' fieise nach Spanien im Winter von 1878 auf 1879 von P. Ewald im 
Neaen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, 
VL Band, S. 217—398. Hannover, 1881. — ' Essai sur les origines du 
fonds grec de TEscurial. Paris, 1880 (Biblioth^ue de T^cole des hautes 
Stades, 46« £Rac.). 

8itewi^b«r. d. phU.-lii«t. Cl. CXI. Bd. I. HA. 27 



418 ▼• HftrtdL 

• 

Meine Arbeit nmfasste bei Beschreibungen der einxeliieii 
Handschriften Ordnung und stilistische Verbindung der mm 
Theil zusammenhanglosen Notizen, Hinzuftigung von Venr^sen 
auf andere Beschreibungen^ Nach weisung der gedruckten Stücke, 
wo dies möglich oder nützlich schien. An dem Inhak wurde 
selbstverständlich nichts geändert, nur dass die allxagroase 
Ausführlichkeit hie und da eine Beschränkung erfahr. Man 
wird vielleicht finden, dass dies hätte öfter geschehen 8<dlen, 
denn Loewe hat bei der Untersuchung der Handschriften nicht 
blos unsere nächsten Bedürfnisse berücksichtigen woUen , wie 
er selbst in seinem ersten Bericht vom 29. December 1878 des 
näheren ausfuhrt: ,Bei meinen Arbeiten habe ich mich bemüht, 
möglichst erschöpfend zu verfahren. Da es nicht wahrscheinlich 
ist, dass Spanien sobald einmal wieder für die Pathes dorch- 
forscht wird, so glaubte ich auch verhältnissmässig junge Hand- 
schriften nicht ganz ausser Acht lassen zu dürfen. Da femer 
die meisten in Betracht kommenden Handschriften auch anders 
geartete Bestandtheile enthalten, bislang aber meist gänzlich 
unbekannt sind, so glaubte ich der Bibliothek einen besonderen 
Werth durch kurze Angabc auch dieser Partien zu verleihen. 
Ausfuhrliche Indiccs, die in der trefflichen Reiiferscheid'schen 
Bibliotheca noch mangeln, sollen dann auch diese Theile bequem 
nutzbar machen. Mit Reiffcrscheid verglichen ergiebt sich so 
ein Plus von Arbeit, das ich auf andere Weise zu paralysiren 
bemüht bin. Es scheint mir nämlich in dem genannten Werke 
darin etwas zu weit gegangen zu sein, dass bei zusammen- 
hängenden grösseren Werken genau die AnfUnge und Schlüsse 
der einzelnen Bücher zugleich mit der Seitenzahl des Codex 
verzeichnet werden. Diese zeitraubende Arbeit halte ich des- 
halb für wenig nutzbringend, weil, wenn einmal später die 
Handschrift wirklich verglichen wird, diese mehr äusserlichen 
Notizen sich von selbst ergeben, vorher aber bei einheitlichen 
Werken von weiter keinem Interesse sind. Ganz anders liegt 
die Sache natürlich bei Briefsammlungen und ähnlichen Hand- 
schriften: da ist eine Beschreibung ohne genaue Angabe der 
einzelnen Stücke mit Anfang und Ende fast nutzlos.^ Diese 
angestrebte Kürze machte sich bei der Verarbeitung des Loewe- 
schen Materials durch manche Unklarheit und Unsicherheit 
fühlbar, wird sich aber dadurch in ihren nachtheiligen Folgen 



Bibliotheca patrnin latiDornm Hispaniensis. 419 

zum Theil beheben^ dass einer unserer jungen Philologen, 
Dr. R. Beer, der noch in diesem Jahre fUr das Corpus in 
Spanien beschäftigt werden soll, erwünschte Ergänzungen zu 
liefern in der Lage sein wird. Zugleich habe ich jene Titel und 
Adressen der Briefe, welche Loewe nicht wörtlich mittheilen 
wollte, sondern in gekürzter Form oder auch in deutscher 
Fassung gab, cursiv drucken lassen. Bei Bestimmung einzelner 
Stücke, die gar oft mit Hilfe unserer Initia nicht gelingen 
wollte, besonders den mittelalterlichen, unterstützten mich Herr 
Professor Dr. J. Huemer und Dr. Ooldmann auf das zuvor- 
kommendste mit ihrer Kenntniss dieser Literatur und ihren 
Sammlungen. 

Endlich gestattet die verspätete Publication, bei der Be- 
schreibung mehrerer Handschriften auch auf die inzwischen er- 
schienene verdienstvolle Arbeit Ewald's und Loewe's, Exempla 
scripturae Visigoticae (Heidelbergae apud G. Koester 1883) sich 
zu beziehen. Ausser diesem und den früher genannten Werken 
ist selbstverständlich Knust's ' Reisebericht ,H. F. Knust 's Reise 
nach Frankreich und Spanien in den Jahren 1839 — 1841* im 
Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichte VHI, 
S. 102-252 und S. 786—822 benützt worden. Auf andere 
wird gelegentlich Bezug zu nehmen sein. 

Die gedruckten Texte, auf welche verwiesen wird, sind, 
wenn nicht eine andere Quelle ausdrücklich namhaft gemacht 
wird, die den Initia patrum latinorum (Vind. 1865) zugrunde 
liegenden. Die aus den Handschriften mitgetheilten Stücke 
geben genau den Text und, so weit dies möglich, auch die 
Abbreviaturen wieder, wenn auch ersteres nicht überall durch 
ein (sie) ausdrücklich versichert wird. 

I. 

EscoriaL 

Real biblioteca de San Lorenzo. 

Den Zutritt zu der im Monasterio befindlichen Bibliothek 

eröffnete Loewe die österreichische Gesandtschaft durch die 

Litendancia general de la real casa y patrimonio, und derselbe 

27* 



420 V. ttartel. 

fand zuvorkommende Unterstützung bei dem Herrn Bibliothekar 
Presbyter Don Fölix Rozdnski, dessen umfangreich angelegten 
und nach Gegenständen geordneten Handschriftenkatalog der 
Bibliothek Ewald lobt (Archiv a. a. O., S. 225). Die Acten 
der Bibliothek zur Zeit Philipps H. vereinigt zum Theil der 
von Ewald beschriebene Codex chart. k IL 16 n. XVI, so wie 
das Memorial an Philipp H. von Juan Paez und die Berichte des 
Ambrosio de Morales über seine Reisen im Auftrage des Königs. 
Ferner ist der Anfang eines Katalogs, den D. Francisco Perez 
Bayer angelegt hatte, auszugsweise von Knust mit Zusätzen 
im Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 
Vni, S. 809 ff., dann, aber nicht über den Buchstaben b hinaus, 
in der Revista de archivos' bibliotecas y museos H, 218 — 237 
publicirt, sowie die Commission, welche die Akademie der Ge- 
schichte 1761 zur Erforschung der gothischen Chronologie aus- 
gesandt hatte, in dem 2. Bande der Memorias de la real Aea- 
demia de la bist. p. 492, 554 ff. einige Handschriften beschreibt. 
Diese Kataloge, welche nach dem grossen Brande im Escorial 
von 1071 zu Stande kamen, nennt Ewald. Ausser diesen be- 
nützte und excerpirte Loewe eine Handschrift der Brera in 
Mailand, signirt AE. XIII. 38, 2« chart. saec. XVHI ut uid. 
463 pagg., in welcher sich ein Catalogus manuscriptorum regiae 
bibliothecae Scorialensis in Hispania in monasterio S^^ Laurentii 
befindet, welcher zuerst die griechischen Handschriften oder 
vielmehr einen alphabetischen Index der Autoren mit zuge- 
hörigem Inhalt bietet ohne Signatiu*en und sonstige Angaben 
über die Handschriften. Pag. 221 ff. folgen die lateinischen 
Handschriften, und zwar zuerst in alphabetischer Reihe die 
Autoren mit ihren Werken, indem jede Handschrift signirt ist 
(z. B. II D 23, d. i. II. armarium, D sectio, 23 codicum seriös 
a dextris enumeranda), dann p. 339 ff. die anonyma nach ihrem 
Inhalt geordnet. Bei den lateinischen Handschriften finden sich 
häufig die Angaben membr. antiq. litteris gothicis u. dgl. Diese 
Bezeichnung der Codices mit Buchstaben ist heute noch in 
Geltung. Man braucht dabei fUr a bis h die kleinen, von H 
bis Z die grossen Zeichen, so dass H doppelt verwendet wird 
(h H). Zwischen H und I ist das Zeichen für et = &. 



Bibliotheea pfttram Ifttinonim Hispaniensis. 421 

Cod. ohne Nummer in dem ,Camarin de las reliquias'. 

U, 179 foll. mit 4 Yorsetzbl. s. VU 

Die QwUemionenbezeichnung steht am Ende des Quaternio, 
ikerttef. 8% die letzte f. 168'>, 

f. 1' m. saec. XlVroth: Et pertinet sancto martino in span- 
kejm <i mutatus pro alio. Darüber mit sdiw. Tinte s. XV in.: 
Siacti angUBtini epi libri de baptismo | Quos manu fertur 
ieripfli88e propria. | In eis^ libris quos aducrsus epistulam par-l 
afiniani quam dedit ad tychonium | scribsimus promisimus nos 
dfligentina (so weit drei Zeilen roth) | quaestionem baptismi 
tnetatoros quod — f. 172^ eis aedificamur in petra | amen | 
e^ libri de baptismo | numero septem | do gratian | qui legis 
an pro me. 

Vor dem ersten El. des eigentl. Codex, auf dem letzten 

cum 

VmäAlatte steht in westg. Cursive: rogamus uos ut si uobis est 

•Eqnifl liber de mora]ia iob idest ^ pars tertia siue quarta 

in qninta nobis prestetis ad transcribendum nam prima et 

neimda et sexta pars iam aput nos sunt. Dann m. s. X / XI: 

\ •& ragustini epi de babtismo. Dazu von ders. Hd., die f. 1 ** 

Ärar Rd. das Schwarze schiel) (dieselbe schrieb f. P unterer 

U,: Hunc codicem sanctus augustinus manu propria scripsit) : 

ÄMm eius scriptum accepimus. Vor rogamus uos ut in Halb- 

■iftafe: ferunt ob iocum fexum cimbe per liquet und Federproben, 

<nc& em Alphabet derselben Tinte, nicht wohl derselben Hd. Von 

itndhen Tinte darüber: huum (sie) scripsit seruus dei. Vorher 

fit em Stück in westg. Cursive, beg, mit: nam cum. VorsetzbL 

1 1' (wohl etwas spätere Unciale) enthält Superiore ^ epistola. — 

£3' unten non uidetur quona.^ Dann folgt f. 3^ in westg. Cur- 

919$: Quam mirabilis.^ — (Ende des 4. VorsetzbL ^) et uirgines 

finepotuerunt. | f. 4^ beginnt mit: Nam cum. Am Rande der Hs. 

tlAen paläographisch interessante, wohl gleichzeitige Schölten, deren 

Schreiber am Ende dei* Hs, bemefrkt : Contuli ut potui dö gratias, 

wnd weiter unten: contuli quantum mihi dominus opitulatus est. 

' Yg^l. das Nähere über die Schicksale der Plandschrift in den Exempla 
Üb. I— m. — » Aug. de bapt. c. Don. IX, 107. — 3 Tertullian (?) de 
aera circumcisione (Hier. opp. XI, 159). — * Vgl. Exompla tab. II. — 
^ Eine rhythmische lionedictio cerei, die Knust abschrieb (s. Knust a. a. O. 
S. 187 und 8*20) und die Exempla mittheilen (Ubb. II, III). 



422 ▼. Hftrt«l. 



-v 



all 

(I B li So nuuc. m. bip. paf. 175 f»U. s. XUL 

f. P m. s. XIV XV: ncio xixiiii fco*, Awia cieUil: 

ron dursdhen IUI. : Los cpistres de i Jeroisme | comcoch a 1|: 
tbuillet ap*s I laeable ante jniuria (sie). 

Epistolae Hieronymi, f. l^a Index von 134 (som^ ^^^l 
Brief tili, f. 2' (r.) Incipit liber epl'ara beati ieroniim 
Die erste an Eliodorus monachus. Quanto studio et amore^ AJ 
Die letzte (13ö auch im Contexte, wie im Index « J an Maredk] 
^ilagnam- faumiiitati nre fiduciam etc. f. 172^b folgen 
des Ilieronipnua (diese sind von späterer Hd. in den iubxai 
(jetragen), f. 172^b de natale domini | Hodie' ueras lol 
est mundo — f. 173^a de epiphania | Dies^ epiphanionm 
noie — f. ITS'^b de quadragesima | Quomodo^ miles semp 
cctur — f. 173^a de parasceue | Hodie* fre kmi popb U^ 
uere homo uidens din — f. 174'b de die dnico pasche | Kt 
fr*8 knii que nite Dcepi ore j>ferre sermonem — f. lli'b 
])salmo centesimo 6cptimo decimo j In omi ^ psalterio dS S\ 
xpc ^pphatur — f. 175*"b auf dem nach SMusm des 
Uergebliehenen Räume hat eine Hd. s. XIV geschrieben: ( 
et trib; in xpo lazaro durbonesi priori et ceteris in 
heremo d'o famulantibusc^ cartusic prior uocatns gnigo p| 
adno (nie) saliitem. Int' eet'a catholieonim uirorum q ad eine 
tidelium elaborauerimt — f. 175^a suo uideantur numero 
nute, has nre paruitatis iieteras mearum principio coli« 
ualete orate j> nobis. Ganz unten f. 175' stand itti die 
notiz, die ausgeschnitten wurde. 

a I 2 

^I B 3) 2o max. m. bip. pag. 3;U foll. s. XIV. 

Augustinus in Ps. 1 — ÖO. 

f. 335 ^b am Ende roth : Finito libro sit laus et gPia xpi 
Auf dem unteren Ed. steht mit kleineren, aber mit der Hs. tid- 



» Quanto amore et studio Hier. ep. I, 28. — ' Hier. opp. XI, 31 = «pt 

l»aiiliiü Nol. p. 721. — 3 Hier. XI, 208 = Maximi Taur. hom. p. 411 

— * Mnxiini Taur. lioni. p. 4*21 — Augrustini sernio 137 (V, 2015). — 

' Hier. opi». XI, ilO -= Leoiiis serino I, 338. — «i Hier. opp. XI, äl2- 

• Ib. XI, 210. — > Hior. Explan. ps. 117 i»pp. XI, 200. 



Bibliothecft patrnin latinoruni Hitpftnientia. 423 

leitht noch gleichzeitigen schwer lesbaren Btichstahen : die sexta 
mensis iunii anno a natl dm k cccc primo Reuerendns in xpo 
pater et dns dSs (sie) firater barth' miseraton dia einen eps 
dedit et donaeionem fecit eccie bte eulalie einen de uolumine 
isto mdio instro p iohanes sales not^; cfö aucre dei Reu dm epi 
notj ts frat* p* iusu (?iußti?) magr in sacra pagina ordis bte 
marie de earmelo viU perpiniani dns p^ garrigUa Dducen eccie 
einen fran oUarii et thomas de casagalda. 

a I 6 

So m. bip. pag. 140 foU. taec. XIV.* 

f. 1 — 4, nicht von alter Hand numerirt, beginnen mit der 
Vita sancti Gregorii magni ppe huius nominis primi. Gregorius ^ 
urbe roma a patre gordiano editus | schliesst im Epitaphium 
beati Gregorii : nam mercedem operum iam sine fine tenes | 
Laus deo | Dann folgen 3 leere Blätter, 

f. l"" alter Numerirung beginnen die Gregorbriefe mit den 
Ordinationsjdhren in den Ueberschriften. (r,) in noie dni incipiunt 
eple ex registro bti Gregorii pape Mense septimo indictione 
nona • sc J . ordinationis sue anno . i ® . GB^ Vniuersis epis p si- 
ciliam constitutis.^ ^ssa Valde necessarium und retcAen bis f. 120^ a 
ExpHcit über registri b. grego . Dieselben gehören nach Ewald 
im Wesentlichen der Glosse der ,Completirten R^ an (vergl. Neues 
Archiv 111,497). Es folgen f. 120^ b — 138''b von anderer, aber, 
wie Loewe meint, wohl gleichzeitiger Hd. etwa 212 nicht numerirte 
andere Biiefe, aus Beda und den Sammlungen C und P entnommen, 
darunter Wiederholungen bereits gegebener Briefe und Apocrypha 
nebst zwei Documenten des IL Jahrhunderts, Näheres darüber 
bietet Ewald a. a. 0, 226, 

a I 10 

(I B 8 I I 10) 2o m. bip. pag. 878 foll. s. XV. 

Schöne ital. Handschrift mit Florentiner (f) Initialen. {, V 
mit Miniatur umrahmt. Das Wappen unten ist ausgetilgt, Augu- 
stini epistola£. Vorn kein Index. Nach später beigesetzten Zahlen 



^ Vgl. Ewald a. a. O., S. 226 ff. — ' Gregorii uita auctore Paulo diacono 
(opp. Greg. IV 1, 1). — ^ Greg. ep. U, 485. 



424 T. Hartel. 

Sind es 273 Stück. Der erste an Volusianus. De siiiite * tat q^ 
et. Der letzte an Caecilianus. Querela ' de mc apad te — 

a I 18 

M. 201 foll.. 1—172 bip. pag. f. 1—187 a. 912; f. 188—204 Thcil« «Mr Mim II hlL^ 

Wcstg. Schrift, meist AosschanpwfMBtBt.* 

f. 1' am unterefi Rd. s. XVL es de la yglesia de 
y esta la primera hoja del suelta dentro del libro. JBr 
skh viele cursive Stückchen, das grösste f. 202^ äuMSsnr 
16 natürlich sehr schmale Zeilen, die stark beschniäm; £ 
westg. Min. mit cursiven Elementen, wohl rUekl vid sfükr 
die leere Stelle von 10 Zeilen geschrieben, f. 188^ imtanr 

westg. Rdbemerkung : Notitia depou adcras galoido aba 

et teoare faue | no? leogodinco faace | xpofonmi faaee 
fauce I face 1 seruo di | f. 195' unterer RL 

bleicher Tinte, westg.: pelagioii^ pelagio medio saape u 

t 

medio uelite dame (a oder o ca; u?) bec semina iiiiUa 
* ui min*. 

f. l^a Et 3 Bcdm ^ditum apstolo« * regnla mc 
siculi sca patrum precedentium sancscit auctoritas — f. 2^i 
macola nos offeras am. h^c sunt nomina qai maniis snas 
scriptione ul signum in hoc pactum fecerunt. Es fdgsk 
eigenhändigen Unterschriften der Klosterinsassen, welche siA 
Abt Sabaricus ganz und gar in die Hand geben und A» 
alle Uebertretung der KlostoTegel etc. die strengsten Strafen 
räumen. Paläographisch ist diese Subscr. höchst interessanfy 
historisch der Namenskatalog. Einzelne Namen sind cursiv ol0 
haben wenigstens cursive Elemente. 

f. 3 '' a (r. Maj.) prefatio huius regule dmni redicti (sie) ab 
batis. I Rcgiilam alTm h^c conscripsimus ut hune obserbantes ii 
monasterio aliquatenus ul honestatem — f. 3'b (r. Maj.) aba 
h^c sunt q' ut obserbetis ac — f. 4^b concupiscentiam non bi 
bcatis ,7 / //. I Danach 6^/\ Zeilen ausradirt. Dann folgen ve 



* Aug. ep. 132. — ' Aug. ep. 151. 

» Vjrl. Ewald a. a. O., S. 226, Exempla tab. XV bieten ein Facmmi 
von f. ^s^ — J Wie Loowo meinte (Ewald, S. 227), ein Rocept, — > D 
jranzon Vortrair theilt Ewald a. a. O. mit. 



Bihll«ili*u pmtriB latkHran Hitpuinnti 



425 



Bchir-dvirn oi-aliones (Titel der »rsten: r. Maj.) it or de abbn qui 
in eenobio ehdoraada ingreditur. t Adiutorium nobis quesu- 
mMsetc. Die vierte und letzte xchliesst f. Ö'b: ad inte liegen dum 
soUiciorem reddat. ani. (r. Maj.) it prologua d regula sei patris 
un bonedicti abbatis. | Abacalta ' o filii precepta magistri * in- 
clina aurem eordis tui a admonitionem — f. 6'b consortea -am- | 
(r. und gr. Maj.) it kapitule eiusdem regiilo donini benedicti 
abbati primus \r \ Es fohjt ein Index con 77 Gipp. 1'. 7 ' a I De 
generibus monacbo«. Monacbomm quatuor esse genera mani- 
festum est. pi'imum — f. 33'a recipiendus est in monasterio 
Explicit regnla patria nri domni benedieti abbati: | du gratlau | 
(r. Maj.) incipit regula domni fnictuosi.'' ] Post dilcctionem di 
et proximi quod est slimma — temporibus | Es folgt ein Index voti 
21 Capp. Das Werk heg.: I De orationib' | Prime höre obaerbanda 
mensura etc. Es bridtt f. 40' b im XX. Cap. eieq' mensam ponetur 
uta6. f. 41'"a (r. Maj.) incipit recula sei patris | (grün) ysidory 
abbatis instituta. | plura^ sunt precepta uel inatituta maiorum 
que aacia — f. 52' b quomodo animo ad salutem jiueniant [ 
(r. Maj.) inne dni incipit uita sei pacomnii aibe et recula eius- 
dem. I Quoniam" deaiderio desiderati (sie) aemper audire que 
BCa sunt — f. ÜO'b eat honor et gia in scla aclo% am. | {Maj.) 
item pacomiuB | Quamuis ^ agutus gladiua et leuigatus aaaidui — 
f. Öl-a congregationia studia delectarint .f. Finit | (r. Maj.) 
p. Jntititutio [ dicendum est de prestinariia Quando" — f.63'a 
egit in omib'que ei credita aunt.'" f. G3'^b Plenitudo" eiua 
legis caritaa ecientibus tempna quod iam — f. 64' menstiram 
operis 8ui ''^ f. Ö5'a domnum eiuadem monastprii transibi- 
mus '^ — f. (i6''a requis in futuro abere possitis. | (r. Maj.) 
itö icapitula supradicte aepale | t ©■ conlatione (24 Capitel). 
Dag Werk heg.: Ad andieadum in conlatione patrem tribua — 
f. 71* b bnmilitas uero bis indicüa conprobatur. | Explicit re- 
gula patris nri pagomii dd gratias kpT. 

(r. und gr. Maj^ inne dni nei itu xpi incipit regnla 
dumoi agustini ppi scis nirginibua spi in monasterio couaisten- 



' Benedicti reg. 68, -216 M. — ' Fructiiotsi regula 87, 1099 M. — ■ leidori 
rep. moniiiilioriim VI, 534. — ' ViW b. Postliumii 7;i, 420 M. — * Hier, 
priief. in repalam P»chomii II, hü. — » Ib. II, 70V — '" Ib. II, 76, — 
" Ib, 11, 77. - " IL, H, HO. — 1' Ib. II. 89. 



426 ▼. Hftrtcl. 

tibuB: l d regula puellarü | Inprimis ^^ monasterium u^sm min 
conclabis diligentiam habeat ut firmitate — f. 7ö'b ne in- 
ducatur; explicit regula beati agustini . dö grfta. f. 75 'b 
(r. Maj.) epistola beati iheronimi ad eubstocia (sie) uirgine 
directa | Audi ^^ filia et uide et inclina aurem tuam et obli- 
uiscerepplm tuum * domQ — f. 92 ^a dns ms audibit demonium 
abes modo audi. f. 93 ^ a (r. und achte. Maj.) sub xpo dö 
leäder ipsius msda eps in xpo filie ac sororis.'florentiiie salutö | 
Perqoirenti^^ mici soror et sorori m^^ karissima florentina. 
.1' Quibus te — f. 98^b mulier timens dm ipsa laudaoitur. 
f. 98 ^b (r. Maj.) J ut uitentur laycae mulieres de institu- 
tione recula. | Precor te soror ut femine que tecum — f. 108 ^b 
usq^ in finem salba eris l expllCiT. | (r.' Maj.) de uiduis^^j 
Uiduarum multa exempla sunt quarum prima in scripturis 
legitur — f. 109^a emendatione ser/// //bus (6—7 Buchst. 
unUabar). \ (r. Maj.) de purificatione | Deutissim^ hieronim^ dum 
de purificationib^ interrogaretur — f. 109 ^b cum gra« actione 
II Jin I Eine andere Hd. hat mit kleinen Budistahen den da- 
nach freigebliebenen Raum durch: Ulut aum quid signiiicet quod 
dns ad moysen — iides et Caritas abscondit \ ausgefüllt, 
(r. und gr. Maj,) inne dui incipit uita sce constantine | 
f. llO'^a I Constantine ^'^ uirginis sacratissime gesta mirabilia que 
longo sermone uix — f. 125 '^a uibit et regnat in scla scton 
am. explicit über tertius de uita sce constantine uirginis am. 
f. 125^a (r. und schw. Maj,) incipit uita sce melanie senatricis 
rome. | Benedictus^*-* dns qui su^citabit tet pretiosum caput. sacer- 
dos di — f. 145^a diligentibus se cui est gla in scla sclorum. { 
Amen J expl. f. 145^ b (überschrieben von junger Hd.: S Paul^ 
Vita) Si cuncta '^® mi corporiis (sie) membra uert^rentur in linguas 
etoms — schUesst f. 158^ b mit den Epitapiden der Paula diebus 
uiginti uno explicit.^ | Inter^^ oins materias quas ab adulesccntia 
usque ad hanc etatem ul mea ul notario« scripsi manu nicil pre- 
senti — f. 168^b immitatio forma uirtutis est | (r. Maj.) b Incipit 
iheronimi ad principiam uirgin6 explanatio psalmi ^^ lui. | 

*• Ifiid. regula monachorum VI, ö2ö. — ** Hier. ep. I, 87 (^ Ambros. 
app. p. 865). — ** Leandri ref^ula 72, 874 M. — " Aussüge aus Hiero- 
nymus, wie es scheint. — w ? — i» ? — 20 Uier. ep. I, 684. — 21 ib. 
I. 969. 



Bibliothecft patrum latinornm Hitpftnicntit. 427 

Scio^^ me principia in xpo filia a plerisque — f. 169^a sensu 
pacificus apellatur | f. ITO'^a (r, Maj,) epistola beati iheronimi 
ad furiam | Obsecratis ^^ litteris et suppliciter deprecaris ut tibi 
— f. 175^ nubtiis cogitabis | (V. Maj.) epla hieronimi ad salui- 
nam | Uereor*-^^ ne officium putetur ambitio et quod — f. 180' | 
legentium ptimesco X bxplicit .\ pS \ (r. Maj,) epla hyeronimi 
quomodo uiuere debeat uidua quae sine liberis derelicta est | 
Hoc idem ^* et in euangelio legis doctor interrogat — f. 181 ^ | 
scripsimus etplenius die exputamus | f. 181^ (r, Maj,) hieronimus 
ad rusticum monacum de intitutione (sie) monacorum | Nicil est ^^ 
xpiano felicius "cui promittuntur — f. 186^ difficile .^et magna 
sunt premia am explicit. Darunter in drei zum Theil cursiven 
Zeilen die Subscnptton : O uos olns qui legeritis hunc codicem. 
mementote //////// (2 — 3 B,) clientula * exigua leodegundie qui 
hunc scripsi in monasterio bobatelle regnante adefonso principe 

o 

in era dccccL quisquis pro alium orauerit semetipsum dm con- 
mendat. Darunter von BibL Hd. 8, XVI: nota scriptum librum 
era dccccl sed legendum dcccl^^ | f. 187' steht noch von gleicher 
Hd,: Milites ergo xpi.'' sie tales deuent suos conponere sensos 
caritatem in sc — ul qui per cellulas consistunt. f. \%1'' ganz 
gebräunt, enthält in der Mitte 10 Zeilen in icestg, Schrift mit 
cursiven Elementen. 

Der Theil des Codex, der nun folgt, ist eine andere Hs. 
und später geschrieben (etwa X ex,). Die Blätter sind sehr in 
Verwin^ng gerathen. Was man ohne grössere Mühe sieht, ist, 
dass f. 204 vor 192 stehen miisste. Die Titel und Anfänge der 
Seiten sind f. 188' (r. Maj.) incipiunt prologi psalmorum ßditi 
a beato iheronimo presbitero ^"^ | ///////////// (13 B. unleserlich 
omnem psalmorum ?J prophetiam ad xpm referendam non du- 
bium est — | f. 188^ diuina ac singularis uirtute — | f. 189' 
////////// uo gradu ait ideo quod no . . . cxxvii — | f. 189 ^ qui 
habundant deliciis | (r. Maj.) de psalm (^c) primo. | Initium 
psalmi huius — f. 190' ///////////bus hominibus | (r. Maj.) It 



" Ib. 1, 371. — 23 Ib. I, 280. — 2« Ib. I, 493. — 25 y — 26 ib. I, 926. — 
2" Dazu bemerkt Ewald : ,Dies scheint in der * That richtig zu sein. 
Alfons III. stirbt era 948, Alfons IV. kommt era 963 auf den Thron. 
Auf Alfons II. el Casto würde era 850 (a. Chr. 812) gut passen. Auch 
das Alter der Schrift widerspricht dem nicht.* — 28 y 



428 V. Hartel. 

prologus beati iheronimi in libro psalmorum. | Omnis '® gcribtora 
diuinitus — | f . 190^ tatem pro austeritatem — | f . 191' ne- 
cessaria doctrina — | nuncupantur. Finiunt p^ numero c /^ 
(r. Maj.) It prologus iheronimi in libro psalmorum — f. 191» 
Anfang unleserlich, diese Seite schliesst: scribtum diligentissime | 
f. 192"^ '/////V sanguinis lxxviii uox sacerdotum. | f. 192^ geht 
bis Gxxv und schliesst: mensuri j>petua | f. 193'" /////// dnicai 
sollemnis. Ideo — | f. 193^ schliesst: quotiens in titulos psalm^j 
f. 194' (ivtJie Titel) de hymno | de alleluia | de laudatione 
psalmorum uel castigatione | f. 194'' it prologus iheronimi ad 
paulum de alfabeto ///////// | Nudius ^^ tertius cxviii psalmum — 
f. 195'^a (hip. pag. und andere Hd.) HH/l/i/i ul exercituum 
(es folgen 8 Zeilen) \ SAÖÖAN Mst robustum | (r, Maj.) indpit 
prologus beati ysidori in canticis | Plura^^ nobimus cantica uaiiis 
uatum carminibus — f. 195''a salubriter adipiscüt. explicitj 
(r. Maj.) Incipit kaput opusculo« | (blau) quinquagenis nume 
(roth) ris psalmorum | Uelut quidam arentis teiT austeritatem — 
h^c eum placabit breuiari | (r, und hl, Maj,) incipit d primo 
quinquageno numero psalmorum | Quisquis ille est qui p opus 
iustum — f. 195» b ex omnibus tribulationibus liberabit eum. | 
f. 196'" (nicht bip. pag,): /////////////// ipsum ebraicum eontinet 
— schliesst Sunt oms psalmi cl | f. 196» Pro turcularibus — 
hystoriamque continetur | f. 197'* //// / /bro regnonim cente- 
simus XLiii aduersus — pr<^dicauit hominibus | f. 197» (r. Maj,) 
incipit consideratio psalmorum . in causis diuersis ita con- 
uenienter abtatur . in oratione uero hiis ut prenotati xvi | exaudi 
ds lusti Lxvi exsurgat — (geht dreigetheilt bis) f. 198»c dno 
dicant explicit | In finem scribturarum hebrei amen pro robo- 
ratione scribebant — de decem nominibus quibus ebrei dm 
nücupant ^'^ Primü et idst — bricht ab mit IUI Quartum 
il Hill IUI I f- 199^' (nicM getheilt) abrupt wie es scheint: ////// 
constare sicuti et — significet | (r. Titel) incipit de litteras 
hebreas Aleph doctrina — Tau signa | f. 199» /cwf ganz ver- 
löscht beginnt Post interpretationem elementoriim — f. 200' 
Hill II IUI anticum psalmus — f. 200» tunc et credentibus dm 
aperitur | (r, und bl, Maj,) it epistola damasi urbis rome aepiscopi 

'^ Basilius in Üb. Psalmonim interpr. Kufino (Aug. opp. IV 1, 63). — 
»" Hier. ep. I, 144. — 3i Vgl. Mai SVNC. III 2, 256. — »^ Cf. Hier. op. 
III, 729. 



Bibliotheca pfttrnm Utinoram Hispftniensia. 429 

ad iberonimum presbiterum directam | Dum'^^ multa corporali 
librorum (»ic) — prsbtrm ibcrosolima | (r. und hl, Maj.) rescribtio 
ad papam damasum sedis apostolicam urbis rom^ ^piscopum 
iberonimum supplex | Litteras ^^ apostolatus usi accepi at scdm 
simplicitatem (bricht damit ab), \ f. 201"^ ! Hl HUI canentes psal- 
mographum me interpretare — dicitur Pr^fatio Dauit^* filius 
iesse — f. 201* uicibus cordarum. | f. 202' beg.: 1/1/ citfaaris u} 
tabarum — hoc est semper (r, Maj,) it prologus hieronimi 
Liber psalmorum — f. 202* et uoluit | (r. Maj,) it prologus 
iheronimi prsbtri in libro psalmo« | Psalterium rom^ dudum^^ 
in ea ab utraque — f. 203' cum qu^ inpressimuB sciat in lxx 
— fönte potari ] (r, Maj.) inter psalmum et canticum hoc in- 
terest | Psalmus a psalterio appellatur — f. 203* habeat in 
se doctrinae scientiam | (r. Maj,) d diabsalma | Diapsalma 
hebreus sermo — | De amen | Amen uere fideliter (es folgen 
vier Zeilen) | f. 204' Hl 11/////// et sol fluctibus — uelociter | 
(r. Maj.) incipiunt breues psalmorum | Primus psahnus ad xpi 
pertinet — . Die rothen Zahlen gehen bis LXXV, f. 192 schlieast 
hier. f. 204* fast ganz abgescheuert. 

ans 

S o m. bip. pag. 157 foll. a. X «x. in weatg. Schrift. 

Die Schrift ist westg. mit vielen cursiven Stückchen zu An- 
fang der nächsten Quaternionen und in Ueberschriften, Die 

Q^mtemionen gehen von 1 — XVII. f. 1' Diole Don Jorge de 

t 

Beteta a su mg' Anno 1578 | f. 1* und 2'a steht derselbe Index 
wie in * I 4 (saec, XII ex.), f. l*a (r, schw. gr. Maj.) Inme dni 
nsi ihu xpi incipit liber cpistolarum sei iheronimi sei agustini 
siue etiam aliorum doctorum | Incipiunt capitula. | i Epstla 
iheronimi de substantia patris ac filii et sps sei — f. 2'a 
Lxviui Jheronimo agustinus | (V. und gr. Maj,) incipit eptla 
beati iheromi de substantia patris ac filii et spiritus sei | f. 2''b 
Soleo frs soleo ut ipsi — Die weiteren 30 Briefe folgen in derselben 
Ordnung wie in der genannten Handschrift. Die folgenden Briefe, 
welche in dem Index von a II 14 nur genannt sind, finden sidi in 



33 Damasas de psalmorum emendatione (Hier. opp. XI, 276). — ^ Ib. 
XI, 277. — " Ib. XI, 278. — »« Hier, praef. in libr. Psalm. X, 106. 



430 V. Hartel. 

dieser Hs. icirklich, und zwar mit folgenden Tüeln und AnfänfK 
f. 66 ""b Theuphili epi alaxandrie (sie) pascalis epstla^ | x^iuii 
dnm gle ffs kini rursü consona — f. 75^ b epstlm ealo^ wl; 
ceri ^pi ad theuphilum ^pipm^ | Nosti dne cuncta ludifail 
pater et ante nsas — | f. 75 ^a Dionisi ad thc'philum* | W: 
ds när qui in cöciliis scö* — f. 75 ^b H. ad tenfoniem 1| 

libro arbitrio * \ Non audacter ut falso pataa sed — | f. 8Mk 
scripta*'^ lammot hesifonte ^pstla in qua ad interrogata responlij 
Crebra frm expostulatio fiiit quur — | f. 83^b H. ad in»; 
quillum^ | Maiora sps uincula esse — | f. 84'b expodM 
origenis de psalmo nonagesimo primo | Psalterium^ gen^ orffd 
musici est quod — | f. 85''b ^psla beati iheronimi de 01» 
sionibus filiorum shrl quadraginta duobus | In*^ sep 
septimo psalmo quem iuxta — | f. 97 'b H. an MareeUai 
Magnis nos prouocas testimoniis et torpens otio — | f . 96 
H. an VifcUis^^ \ Zenon nauclerus (nur Adr. u. zwei Ztäm^ 
am Rde: supra quere) | f. 97^a ^. an Danatus \ Scriptum est^ 
multa flagella peceatorum qu^ — f. 99' a Ä an (xutricia«MMj^\ 
SS filius meus heraelius dciis mihi — f. 99 'b Paule et emM 
cium ad marcellam cxortatoria de scis locis.^^ | Mem 
Caritas non habet — j f. 103^ b H. an AugustinA* \ Quam 

SCO fre nso sollite quercrem — | f. 104' a A. an Ä *•'* | lam 
dem tue caritati prolixam — | f. 112'a ^. an HA^ \ Dm 
qui nos uocabit in suum rcgnum et gläm et — | f . 119'b 
an H,^' \ Quod ad te scripsi honorande mihi in xpo — f. 1 
H, an A,^'^ \ Uirum honorabilem fratre inm filium dignati< 
tu^ horosiimi — . f. 124^ b H. an A.^^ \ Omi quidem tem; 
beatitudine tuä eo quod — | f. 125'a H. an Prindpia^^ | 
me principia in xpo filia a plerisq' — | f. 130' a ist ganz 
radivt \ f. 132^ b H. ad quosdam de resurrectione.** In ^ 

> Ep. Theophili Alex, interpr. Hier. (^Hier. I, 5S5). — ' Responsnm 
solyraiUnae »ynodi (Hier. I, 549). — ' Ep. Dionjsii interpr. Hier. 
I, 551). - * Hier. ep. I, 1019. — » Scripta iam ad Cteripl 
(Hier, dialo^s ada. Pelag. H, 679). — • Ib. I, 349. — t y _ • 
ep. I, 463. — » Ib. I, 325. — »'^ Ib. I, 433. — " ? — n Hi«. 
I, 406. — «5 Ep. Paulae et Eustochü (Hier. opp. I, 197). — » 
ep. L 754. — »* Aup. ep. i>2. — »* Aup. ep. 166. — «^ Ang ep. 
= Eugippü abbatb Thesaunis ^62, 561 M.). — " Hier. ep. I, 10S6 - 
«• Ib. L 1059. — Ä' Ib. I. 371. — J» Ib. I, 793. 



Bibliothecft patram latinorum HispanienBis. 431 



iam ^fectionis articulo sei fris nsi sisinni — | f. 140' (als Nr. LH) 
incipit apologeticum rufini prsbtri contra hieronimü prsbrm 
Relegi^^ scripta que ab amico et fratre bono de Oriente ad — 

scheint f. 153^b mit uthsommissis illa tenet /////////////// ^w 
schliessen. f. 154'"a (andere Hd,) Audiui boces anglo« milia milium 
imnum dicentium — f. 157 'b et alios in peccatis bxplicit 1 
Die mici in quo trono sedet dns ns ihs xps. RS. In septimo 
trono — f. 157^a flores emittant (an unt?) bxplicit. 

a n 4 

20 m. bip. pag. 875 foU. •. XIV. 

Auf Augustinus de civitate dei folgt ein ausführlicher alphab, 
Sackindex zu demselben Buche, dann ein Capitelindex zu de civi- 
tate dei und de trinitate, f. 275' einiges italienisch von anderer 
Hand über Regierungszeit der römischen Könige u, dergl. 

ans 

(II I 6 n 8) 20 m. 203 foll. •'. XII. 

Fol. 1. 2. 199—202 sind im 14. Jahrh, ergänzt. 

{. V (r.) incipit Über beati ambrosii mediolanensis archi- 
epi de misteriis siue de sacramentis.^ | De moralibus cotidianum 
sermonem — f. ö' | regenerationis operetur | (r, und bl. Maj.) 
explicit tractat^ de mysteriis*,* | (r., bl. und gr. Maj.) incipit sermo 
primus de sacramentis.^ | De sacramentis qu^ accepistis ser- 
mone — f. 6^ explicit sermo primus incipit secundus In 
diluuio quoque /////// figuram baptismatis pr^cessisse. hesterno 
coepimus etc. Das 3. Buch beg. f. 8"* Hesterno de fönte 

diputauimus cuius, das 4. f. 9^ In ueteri testamento sacer- 
dotes inprimum tabernaculum, das 6. f. 11' Hesterno sermo 
nr atq; tractatus, das 6. f. 13 Sicut uerus est dei filius dns 
nr ihs xps n queadmodü — f. 15' & semper k in omia scla 
sclo* AMHN ; (r.) explicit sacramto* Über. Sermo isidori epi 
de corpore et sanguine xp'i in pascha^ | Magnitudo c^lestium 
beneficio« angustias — f. 16^ in scla sclo* AfDCN | (Maj.) 



23 Rufini apol. 21, 541 M. 

* Ambrosias de myst. II, 325. — ' Ambr. de sacr. II, 349. — ^ Fausti 
Rheg. bom. 30, 271 M.; Caesarü hom. 67, 1052 M.; Hier. opp. XI, 255 
et Isid. YII, 316. 



432 ^. Hariel. 

incipit Über beati ieronimi prbi contra ioiumanaiii hereticum.^ | 
Pauci admodum dies sunt quod sei ex, doB 2. JB. beg, f. 40^ — 
f. 57 ■* epicuri luxuriam susceperunt. (Maj.) explicit Über beati 
ieronimi prbi contra iouinianum hereticum; incipit liber mpolo- 
geticus beati ieronimi pr'bi ad pammachium.^ | Quod ad te hoc 
usque non scripsi causa fuit silentium tunm — f. 64^ sequi 
uel diuitg. | (r ) Explicit liber apologeticus beati ieronimi prbi. 

Incipit ei'dem liber cont heluidium de ppetua nirginitate scf 
mari^.*' I Nuper rogatus a fribus ut aduersus libcllum — f 72'| 
pariter /,' / experiatur k mater | (r.) Explicit liber beati 
ieronimi prb'i aduersus heluidium de perpetua uirginitate scf 
mari^; Incipit eiusdem liber ad eustochium uirginem de uii^- 
nitate. ^ | f. 72^ Audi iilia et uide et inclina aurem toam — 
f. 84^ ä flumina non opient eam | (r.) \ EIxplicit liber beati 
ieronimi prb'i de uirginitate ad eustochium uirginem. | f. 85' | 
Incipit liber primus omeliarü beati gregorii pap^ urbis romf | 
in primam partcm ezechielis prophet^ qu^ sunt numero -xn- | 
Gregor an Marimann^: Omclias^ quo in beatum — 1. Homäk 
heg,: Dei oiTüpotentis aspiratione, der erste Theü echl, f. 147* 
(vor der Doxtylogie) : etiä sup sp's qui s't sine came robo- 
rare | (Maj.j explicit liber primus omeliamm beati gregori 
pap9 urbis rom^ super primam partem ezechielis pro- 

phete. incipit eiusdem sccundus in extremam partem eiusdem 
prophet^. qu^ sunt numero decem. | Die erste heg,: Quoniam 
multis cuns prementibus ezechielis prophetf. Die Hs, sdL 
f. 203^ in unitate sp's sei d's p omia scla sdo« amen. | (r,) 
Explicit liber secundus omeliarum beati gregorii pap^ urbis 
rom^ super extremam partem ezechielis proph^ | Es folgt m. i; 
Hie hebetata tuü michi cordi pennula cursum 
Paulisper retine longumque quiescere speme 
Nee creilas proprium xp'i pietate tributum 
Qui tibi restantes concedat pergere calles. 
Dass vor dem Utzt*!n Bl. einige BL s. XIV ergänzt^ wurde 
i>^'cJi gt;fagt. Da die letzte Seite sehr ahgehlättert , so hat mum 
ghich bis zum Schlu^ss ergänzt^ so dass also der bdialt der letzUn 



* Hier. «du. louiuianum U. :237. — ^ Hier. ep. I, ä09. — • Hier, ad 
Heluidium II, ii>5. — * Hier. ep. I, d7 = Ambr. app. p. S65. — 
* Gregorii hom. iu Exech. I, 1174. 



Bibliotheca patrutn latinoniin Hispanieosis. 



433 



Seite zweimal vorhandtn ist. Doch schliesst {. 202 '^ (^ ist her) ein- 
fach: in unitate sps sancti deus p omnia secula seculo«. amen. 

ans 

(n D9 II H 19) r m. bip. pag. 28J foU. 8. XIII XIV. 

Einband von grünem gepressten Leder. In der Mitte auf 
der Aussenseite des vorderen Deckels ein Wappen mit Lilien um- 
geben, f. 1 — 283^ Augustinus de cimtate dei. f. 284 "^a Thomas 
von Aquino an Ambaldus. Ke4 opifex d^s solo Bue bonitatis etc.^ 
wohl Eiideitung zu einer Glosse Hier ein Bibelbuch, das dann 
beg.: ()icut scriptum est in ysaia, von reichlichen Glossen 
umgeben, aber über ö Col. nicht weiter geschrieben ist; am Ende 
7»! ; ego petrus baionensis. 

a n 9 

2* m. bip. pag. 111 füll. a. 934. westg Scbhft mit bunten Initialen.* 

f. 2*^ m, s. XVI: D Ildefonsi de virginitate B. Mariae et vit^ 
multarum sanetarum sine nomine autoris^ videls s. Constantin^ 
Helie^ Melanie Castissim^ Egeri^ Pelagi^ Mariae aegipti^ et vita 
sancti Aemiliani. autore Braulione . codex scriptus (992) Dioleal 
Rey Don Jorge de Beteta. 

f. l"^ füllt: 



pax 


lux 


A 


Q 


lex 


rex 


muniens 


agmina 







f. 2 '^ a (r. und gr. Maj,) : it prologum in laudem dmni ilde- 
fonsi a beato iuliano ^piscopo editum deo gratias | Ildefonsus^ 
memoria sui temporis clarus « insignis (sie) eloq'nti^ äuminib' exor- 
nans — f. 3^b claritatis aiii. f. 4'^a (r. und gr. Maj.) in nme 
dni nsi itnx xpi . incipit Über de uirginitate sc^ marie opuscu- 
lum pr^fationis in quo exprimitur humilis deuotio atque pia con- 
fessio. dogras. | Die Zeilen im Anfang abgerissen. Ds qui das 
sapi [ . . . I paruulis insipient [ . . . | f. 6^a uiuiturum am. 
f. 6^b (r. und gr. Maj.) libellus d uirginitate sce mari^ 

> Vgl. Ewald a. a. O. 229; Exempl. tab. XXIII bieten ein Facsimile von 
f. 6* Ildeplionsus de perpetua uirginitate Marie (96, ö7 M.). — • Isid. 
opp. VII, 1173. 

SiUungsber. d. pbil.-hist. Cl. CIL Bd. I. Hfl. 2Ö 



434 V. Hart«!. 

antitriapistos idst contra tres infideles 
ecriptus do gratias ^ , f. 7''a Dna mea dmnatrix met dfiuM 
mater dni mci ancilla filii tui — f. 58^b ^tiam ab tngefii 
nunc et ^p oina scla sclo« am. 

Der Falz eines ausgeschnittenen Blatte9 ist siMar, i 
folgt f. 59 bis Schluss eine andere Hd,, Ideinert BuduiAm, 
Zeilen auf der Seite^ enthallend Heiligenleben, f. 59'a Ug. 
im 1. Buche der uita sc^ Constantinac nirgna et oomitaa 
(es fehlt wohl nur das ausgeschnittene Blaitj, Ta ^ nt mdM 
disponis tempore uigilandi uigilare — (die Vita sdJkd 
3. Buche j f. 72 ^a in scla sclo« am. Vita 8c<^ H^li^ ■& 
f. 72 'a Ueterum-^ mos fuerat, — f. 72 'a (Beginn der «ij 
Vüaj Seculi mercatores in hoc sc putant ^moloinenti 
fschliesst mit dem 3, Buche) f. 93 '^a salutem animi 
f. 93 '^b Laus eiusdcm uirginis. | Uirgo xpi sum oimmaciR 
quia paradisum — äquales am. | f. 93' b Vita sc^ mdmi^ 
tricis romp | Benedictus^ ds qui suscitauit te pretiosa capit- 
f. 112'^b qu<;' proparauit ds diligentib^ se. | f. 112^a UHi 
castissim«^ uir^nis | Fuit in" ciuitate alexandria nir 
— in eiusdem monastcrii oratorio. | f. 116''a üita 
uirginis | Erat quedam uirgo qui (sie) ualde proficerat in timonl 
et interrogauit — scheint zu schliessen f. Il7'a confbrmes 
poris glp tu<^ am. fr.) Semper ds in hoc sclo uolnerat — f. IH 
quod didicisti ^pceptione aih. | f. 117''b (r. und schw. Mqj.) 
pit uita et opistola beatissim(^ eiherie laude conscripta 
bergendensium a ualerio conlata "" | Queso ut intento corde 
setis scis et do placentis fi^. quanta sit — f. 119'a scdmopeni 
FiNiT. f. 119''b uita sanct^ pelagi^^ | Magnas dno gras lei 
deuemus qui non uult perire — f. 123 ^a ^ infinita sda 
am explicit uita sco pelagi^ qui antea uocata est margsiil^] 
f. 120'a . uita domn<^ marip egipti^ translata de greco in latinnmn 
f. 124'' a Fuit quidam senex in palestin^ monasteriis — f. 13!^ 
et replere desiderium. f. 132^ (r. und schw, Maj^) in 3i 
xpi nomine explicitus est codix iste a notario iobannea indignc 



^ IldephoDso« do perpetua uirg. Marüio 96,54M. (^= Patr. Toletan. I, p.10 
_4-p__o-p_6?>_7 Vita 8. Euphrosynae 73, 643 M. =r A. SS. fii 
2. Febr. 537 (vgl. Catal. bibl. Casin. Cod. CX, III. tom. p. SO). 
» 87, 421 M. — 9 73, 663 M. — »'^ 73, 671 M. 



Biblioihec« patrnn Utinornm Hispaniensis. 435 

2 esa Dcccc et nona gesima scda | viii Ids mf tius regnante rex 
pilonio in legione comitem uero fredenando gundesalbiz in 
^* deo gratias. 
f. 133'a (von anderer Hd,y r. und schw, Maj,) dei uiro dom- 
[ne meo et germano fronimiano prsbro braulio ^piscopis in- 
K I Tempora ^^ pie recordationis dni mi a germani maioris 
— f. 133^b dignetur amen. f. 134'" a explicit prologus 
gratias. incipiunt capitula de uita uel mirabilibns sei ac 
limi emiliani sacedotis (sie) uel confessoris xpi edita a beato 
lione. cesaragustane sedis a^piscopus Dei eins eonuersionis 
etc. Der Index von 31 Camtdn schliesst: resuscita. in di 
incipit uita vi mirabilibus sei ac beatissimi emiliani prsbri 
eonfessoris. | f. 134^a Insignia miraculo« apostolici purgatis- 
pe uiri emiliani — f. 141 ^b testium sunt prolata (Wicht 
tu 30. Cap.). f. 140^ zu c. 24 eine Malerei in griln, gelb, 
wozu m. 1 den Baum freigdassen hat. 

a n 10 

(HI B 1) 20 m. bip. pag. 255 foll. s. XII. 

f. 1 ' a (r,) Incip epla sei augHini ad scm ieronimum. | 

Eouenerando et desiderantissimo ß^et comprcsbitcro ieronimo! 

»tinus in diio salutcm. Quanuis^ cxistime antequam istas 

leres. — f. 1 ^a reddas | Incipiunt capitula cpistolainim iero- 

li 'l* Epla damasi pap<> ad etc. Es werden 227 Briefe ver- 

let, das Verzeichms schliesst f. 2*^b doctoris. (V. imd hl. Maj^ 

»Hciant capitula. incipit über eplarum beati ieronimi prbi 

leemit^ | (bl. Min.) Incip epla damasi pap^ ad ieronimum.^ | 

2'a Dormientem te et longo iam tempore — | b Hier, an D. 

TU uindictis cain).^ Postquam epistolam tuo — f. G»" a //. an D,^ 

Jnes cum in ceteris libris — Omelia prima ciusdem de can- 

canticorum * Tractatus. | Quomodo didicimus p moysen — 

f£ 10 'a omelia. n.® Oms anim^ motiones uniuersitatis — | f. 14^b 



" Vgl. die Sabscriptio Sanctionis presbytcri aus dem Jahre 960, publicirt 
Ton Heine im Serap. VII (1846) S. 196. — ^^ Braulionis uite S. Aemi- 
liani (80, 699 M.). 

* AngutL epiBt 73. — 2 Damasi ep. 13, 371 M. — ' Hier. ep. I, 158. — 
* Praef. Hier, in hom. Orig. in Cant. Cant. m, 499. — ^ Origenis hom. 
in Cant. Cant (Hier. opp. III, 501). — ^ Origenes in Cant. C. interpr. 
Hier. (III, 616). 

28* 



436 V. Harte). 

//. an TranrjuUlinus.'^ Maiora spS uincla Se — | f. 15*^ a -D. an fl.^ 
Comentaria cum legerem greco — | ib. H, an D^ Multi super 
hoc sermone — | lö'^b desgl,^^ Quoniam uetusto oriens inter se 
pplo« furore — f. 17''b desgl,^^ Importuna in euangHo mulier - 
f. 17 ""a desgU^ Septuaginta: et missum est — | f. 18^b H. 

more ozi^ regis.^' Et factum est in anno quo — | f. 22'a 
H. an DA* Beatitudinis tu^ introgatio disputatio — | f. 2Tb 
Augustin an Ä.'^ Audiui peruenisse in manus — | f. 28'» 
Antwort. ^^ In ipso profectionis articulo sei filii — I f. 28^a ff. 
an A.^"^ Anno praeterito p frem — | Ebd. A, an PraesidiusA^ Siciil 
praesens rogaui — | f. 28^b -4. on H^^ Quamuis existimem 
malü — I f. 30'^b desgl,^^ Numquam ^qu^ quisquam tarn — | 
f. 31 ^a H. an -4.2» Crebras ad me ^plas dirigis — | f. 32'b 
A. an H/^ Habeo gram quod subscripta — | f. 33^b d«^!.^ 
Ex quo c^pi ad te scribe aut tua — | f. 34^ a H. an 4.'* Tre« 
simul eplas immo — | f. 40*"a A. an H.'^^ lam pridem tu^ cari- 
tati — I f. 46 ""b Hieronymus marcellino et anapsichi^.** Tandem 
ex africa Sr^ — | f. 47'^a -4. aw H,'^"^ de origine anim?. 

Deum nrm qui nos — | f. 51^b desgl^^ Quam ad /// {corr. al 
m.) scripsi honorande — | f. 55' a H. an A,^^ Uirum uenen- 
bilem frem meum — | f. 55 ^a desgl.^^ Omni quidem tempore 
beatitudinem — | Ebd, desgL^^ Multi utroque claudicant — | Ek, 
H. an Alipius und Aug,^^ Sei innocentius prbr — | f. 56'ä Ä 
an A.^'"^ Credimus in dm patrem omnipotentem cunctoruB 
uisibilium — | f. 57*^a Ä. an Hdiodorus.^* Quanto amore et 
studio contenderim — | f. 59' b Ä. an Nepotianus.^^ Petis ame 
ncpotiane — | f. 63'a H. an PauUnus^^ Bonus homo de bono 
thesauro — | f. 65 'b desgL^"^ Frater ambrosius tua mihi — | f.68^b 
H. an Amandus,^"^ Breuis ^pla longus explanare — | f. 70'a 



^ Hier. ep. I, 349. - ^ Damasi ep. 13, 371 M. — » Hier. ep. I, 63. - 
»•> Ib. I, 37. — » Ib. I, 40. — « Ib. I, 67. — » Ib. I, 44. — " !»>. 
I, 68. — »i Aug. ep. 67. — »« Hier. ep. I, 793. — " ib. i, 628. - 
»9 Aug. ep. 74. — »» Aug. ep. 73. — 20 Aug. ep. 10. — ^i Hier. ep. I, 63« 

— 'J Aug. ep. 260. — " Aug. ep. 71. — 2« Hier. ep. I, 730. — *» Ang 
ep. 82. — '• Hier. ep. I, 942. — 27 Aug. ep. 166. — » Aug. ep. 167 

— 2» ffier. ep. I, 1036. — so ib. i, 1069. — 3» Ib. I, 1060. — " Hi« 
ep. I, 1060. — '* Pelagü haer. symboli explanatio (Hier. opp. XI, 146; 
3* Hier. ep. I, 28. — 3* Ib. I, 262. — »6 Ib. I, 316. — ^ Ib. I, 268. - 
" Ib. I, 293. 



Bibliothecft pairnm latinoran HiipanienBit. 437 

ohne Ueberschr. ( )aulu8 ^^ apls psente agrippa rege de crimini- 
bu8 — I f. 73^a Pammarhitis und Oceanus an H.*^ Sanctus ali- 
quis ex Mb; — | Ebd. Antw.*^ Scedule quas misistis — | f. 76'b 
ff. an Oceanus.*^ Deprecatus es ut tibi breuiter — | f. 78^a 
desgl.*^ Numquam fili oceane fore — | f. 81 ^b Ä an Eiyelius.** 
Legimus in ysaia fatus — | f. 82^a desgl.*^ Misisti mihi uolumen 
anonimona (sie) — | f. 83 ^ b Ä an Marcus.*^ Decreueram quidem 
utendü — ^ | f. 84'b ff, an Auitus.*'^ Ante annos circiter — | 
f. 88 ' a Diffinitio fidei simbolique niceni concilii *^ \ Credimus 
in — f. 90 ' a hereditatione non ambigua sunt sortiti. | f. 90 ' a 

ff. an Extiperantius.*^ Inter omnia qu^ m — | f. 90' b /f. an 
Rusticus.^^ Quod ignotus ad ignotum — | f . 93 'a ff. an Desi- 
derius.^^ Lecto scrmone (corr. ex lectus sermo) dignationis tu^ — | 
f. 93 ' b H. de tribus uirtutibus.^^ Tres quodam modo — | f. 95 ** b 
ff. an Dardanus.^^ Queris dardane xpiano« — | f . 97 ^a Blpi- 
phanius an Johannes.^^ Oportebat nos dilectissime — | f. 100 ^b 
ff. an Lucinus Beticus.^^ Nee opinanti mihi subito — j f. 101 ^b 
ff. ad ffeluidium.^^ Nuper rogatus a fribus — | f. 107 ^a ff. ad- 
uersus Vigäantium.^'' lustum quidem fu erat — | f. 108 ^a ff. ad 
Riparium.^"^ Acceptis primum litteris — | f. 109 'b ff. adv. Ä.*® 
Multa in orbe monstra — | f. l\2^h ff. ad Magnum.^^ Sebesium 
nrm tuis — | f . 113''b ff.ad Rupkinum.^^ Multum in utramque 
partem — | f. 1 14 ^ b Ä ad Vitalem. ^^ Zenon nauclerus p que — | 
f. 115^b ff. ad Florentinum.^^ Quantus beatitudinis tu^ — | 
f. llß'^a desgl.^* In ea mihi parte heremi — | f. 116^ a -ff. ad 
Abigaum.^^ Quanquam (n eo? m corr,) mihi multorü — | f. 116 ^b 
ff. ad Castricianum.^^' Sei fili* ms eracli* diaeon* — | f. 117 'b 
Ä ad Sabianum.^''^ Samuel quondam lugebat — | f. 120' a -ff. 
ad lulianum,^'^ Antiquus (q ex c) sermo est — | f. 120 'b 



39 Ib. I, 303. — *^ Pammachi et Oceani ep. (Hier. I, 617). — " Hier. ep. 
I, 518. — " De uita clericorum (Hier. XI, 270). — « Hier. ep. I, 409. 
— «« Ib. I, 1074. — " Ib. I, 438. — *ß Ib. I, 42. — «^ ib. I, 910. — 
*8 Ib. XI, 146. — *9 Ib. I, 1073. — 5« Ib. I, 884. — »^ Ib. I, 208. — 
« Hier. De tribus uirt. hom. XI, 87. — ^ Ib. I, 960. — *< Ep. Epiphaoii 
ab Hier. lat. redd. ib I, 239. — " Ib. I, 428. — *« Hier, ad Hein, 
n, 205. — " Hier. ep. I, 346. — *» Ib. I, 719. — «• Hier, contra 
Vigilantium (II, 387). — »o Hier. ep. I, 423. — «» Hier. ep. I, 445. — 
« Ib. I, 433. — «3 Ib. I, 13. — M Ib. I, 14. — •» Ib. I, 451. -^ " Ib. 
I, 406. — 67 Ib. I, 1078. -^ M Ib. I, 16. 



438 ▼. Hartel. 

H. ad Niceam,^^ Turpilius comicus — | f. 120 ▼a /f. od Kttfti- 
cum,''^ Nichil e xpiano felicius — | f. 124 ^a H. ad Patdun}^ 
Humane uit^ breuitas — | f. 125 'a H, ad Cromadum hmior 
num et Eusebium.'^^ Non debet carta diuidere — | f. 125 '1) 
H, ad AntoninumJ^ Dni nr humilitatis — [ f. 126 *'a H. od 
Theodosium et ceteros aiiacJioretaaJ* Quam uellem nonc uro 
inter /// esse (s eras,) — | f. 126'^b H. ad MineruumJ^ If» 
lam j)fectionis articulo sei frs nn — | f. 131 ' b ff. Cipriaino.'^ 
Frater kme cipriane scito — | f. 132 'b H. ad PammackimP 
Quod ad te huc usque n scripsi — | f. 139 ""a desgV^ Xpani 
intdum pudoris e — | f. 139^ a ff. od Pammacbium ei Uxh 
cdlumJ'^ Rursum orientalibus — | f. 140 "^b ff. ad Donniatiafu^ 
Litter^ tu^ & amore — f. 141^a n possunt uxores ducere (fai 
die ganze Seite leer), f. 141 'a (r.) Explic ad uirgines hemo- 
nenses.^i luliani cuiusdam epla ad demetriadem ui]^;mem.^| 
Si summo ingenio parique — 152 ^b quo gla ^tnitatis sAfpt 
ritur. I f. 152^ leer. f. 153 'a ff. an Eustochius.^^ Audi filii 
et uide — | f . 163 ^a ff. an Osella.^^ Si tibi putem a me -| 
f. 164 ^a ff. ad uirgines Hemonenses.^^ Cartae exiguitas -| 
f. 164^b ff. ad Demetriadem.^^ Inter oms materias — | f. 171 '• 
ff. ad Aletatn.^'' Apostolus paulus scribens — | f. 174'a Äfl^ 
Fahiolam.^^ Usque hodie in lectione — | f. 179 ^a ff. adma^t^ 

et filiam.^'^ Retulit m quidä fr — | f. 181 ^b H. ad Castorinam.^ 
Johannes idem apls & — | f . 182 ^a ff. ad Foriam.^^ Obsecni j 
litteris & suppliciter — | f . 185 ^ b ff. ad Saluinam.^'^ Vereor iw 
officium putetur — | f. 189 "^a ff. ad Aggeruchiam.^^ In uetere 
uia /// nouä — | f . 193^b ff. ad Edihiam.^^ Ignota uultu fifi 

i 

m — I f. 202 ^a ff. ad Algastam,^^ (mit vorhergehendem Capitd- 
index). Filius meus apodemius — | f . 211 ^a ff. ad Mar- 
cellam.^*'* Magnis nos j>uoca8 — | f. 212 'b desgl.^"^ Medici quo« 



«• Ib. I, 20. — "JO Ib. I, 926. — 71 Ib. I, 22. — 72 ib. I, 17. — 7» n» 
I, 26. — 74 Ib. I, 8. — 75 Ib. I, 126. — 76 ib. I, 1042. — '' Ib. I, 209 
— "8 Ib. I, 232. — 7a Ib. I, 675. — so ib. I, 234. — 8i Vgl. ib. I, 24. - 
82 Aug. ep. spuria (app. 17) = Ep. Pelagii ad Demetriüdem (Hier, opf 
XI, 1). — 93 Hier. ep. I, 87 (Ambr. app. p. 365). — 84 Hier. ep. I, 192 
8* Ib. I, 24. — S6 Ib. I, 969. — 87 Ib. I, 671. - «« Ib. I, 352. — » n 
I, 776. - 9" Ib. I, 27. — ö» Hier. ep. I, 280. — 9» Ib. I, 493. - 
^3 Ib. I, 891. — ^* Ib. I, 812. — 95 Ib. I, 844. — «« Ib. I, 325. - 
9' Ib. I, 184. 



Bil)liotheca patrnm latinornm Hispaniensis. 439 

Qocaat — I f. 212 ^b desgl,^^ Nup c pariter essemus — | f. 213 'a 
its^,^^ Nonage^imum psalmum legens — | f. 213 ^b desglJ^^ 
Testimonia de io^is ^ euangHo congregata — | f. 213 ^b desgU^^ 
Breuis questiuncula qua — | f. 214 "^b desglA^'^ Post priorem 
ephuQ in qua — | f. 214 ^a desgU^^ Vt absentiam corpo^ — | 
t214^a desgV^* Ambrosius q3f cartas süpt^ — | f. 215 ^'b 
dagU^^ Abraham temptatur in filio — | f. 216 *^a desgU^^ Eplare 
officium est de re — | f. 217'b desgU^' Beatus pamphilus mar- 
tyr - I f. 218 'a desgV^^ Ut tarn paruam eplam — | f. 218 ^b 
(fcijI.JOö Nudius tercius cum — | f. 219''a desgV^^ Qu^ accepis 
reddenda — | f. 219 'b Ä an Heliodoiiis,^^^ Grandos materias 
ingenia //// parua — | f. 222 ^ b H. ad Tyrastum {im, 2 ex vut 

»i corr.y^\ Caritatis tu^ scripta pcepi. — in qb; — | f . 223 ^b 
J7. ad luUanum.^^^ Filius meus fr tuus ausonius — | f. 225 ^a 
Kod Pavlam.^^^ Quis dabit capiti meo aquam — | f. 228 ^a 
tfikfh, Pavlf,^^^ Si cuncta mei corporis — | f. 235 'a Ä ad 
TkodoramA^^ Lugubri nuntio - | f. 235 ^b ohne Titel. Plures^^^ 
wmi sunt quo^ sup — | f. 238 'a H, ad Marceüam.^^^ Cum, ora 
tercia — | f. 238 '^ b desgU^^ Nemo reprehendat qd — | f. 238 " h 
Ä ad InnocentiumA^^ Sepe ame innocenti — | f. 239 ^a H. ad 
Pnndpiam.^^^ Sepe multum flagitas — | f. 241^b Ä ad Pam- 
•aciuim.*22 Sanato uulnere — | f. 242 ^b H. adfiliam MauritüA'^^ 
Qoantam in celestib; — | f. 244 ^ a H. ad quendam amicum suum 
(n, s, XV, mpra acripsit: Crisogonum monachum aquilegie). 
(^ circa ^^^ te affectus meus sit — | f. 244 'b H, ad Dar- 
iamm.^^^ Qu^ris dardane — | f. 246 ""a (i\) incipit prologus in 
uita captiui monachi nomine malchi *26 j Q^j nauali plio — | 

u 

IXt Vita selbst beg.: Maronias • xxx • ferme milibus — | 
f. 247^ uita sei pauli primi heremite.^^^ ProL: Inter multos 
«epe dubitatü est — Sub decio et ualeriano — | f. 249 "^a Vita 



« Ib. I, 130. — w Ib. I, 128. — 100 Ib. I, 185. — »o» Ib. I, 188. — 
1« Ib. I, 131. — 103 Ib. I, 192. — 104 Ib. I, 190. — »os ib. I, 171. — 
1« Ib. I, 137. — 107 Ib. I, 162. — 108 Ib. I, 150. — loo Ib. I, 144. — 
"0 Ib. I, 133. — 111 Ib. I, 329. — i« Cypriani ep. (p. 168). — i» Hier. 
ep. I, 785. — 11* Ib. I, 174. — "* Ib. I, 684. = 'i« Ib. I, 447. — 
1" Ib. I, 453. — 118 Ib. I, 124. — 1'» Ib. I, 126. — «o Ib. I, 1. — 
«1 Ib. I, 944. — 1" Ib. I, 391. — »»^ Anonymi exh. nd sponsam Christi 
(18, 77 M. = Hier. opp. XI, 127). — "« Hier. ep. I, 21. — i« Ib. 
I, 960. — 126 Ib. H, 41. — «7 Hier, uita S. Pauli H, 1. 



440 T. H«rt*I. 

sei hylarionis hcremite. *:' Scripttiras nitam beati - HyUrö» 

i 

ig ortus uico — | f. 251 »^a /f. ad Eustochium.^^^ Paruasepc 
sed caritate — I f. 251 'b (r.) Incipit uita actasque 1 obitOBid 
ieronimi pbJ^** | Ilieronimus Sr in oppido stridonis — f. 252'b 
st mensib; sex. [ (Maj,) explicit uita sei iheronmi (sie) presbiteril 
(r,) Item de eodem scissimo ieronimo. | Plerosque *^* iBius trinm 
iiiro^ n ambigo — | f. 254 ^b inchoantar neque finientnr in 

scla solo* AMHN | f. 255 ""a (Maj.) explicit vita sei ieronmi 
presbiteri egregiique doctoris et miracalum de mirabili acta 
ciiiusdam le//'/oni8 (cti eras.). Eticas spätere Hd. (^r. j de ded- 
mis dandis monachis j Beatissimo pp dama. leronimus p^rfli 
dSo sal. Inter alia ^^^ q scripsistis — f. 255 'b qcqd ecA 
paupum est. | (r.) Item de deeimis et oblationibas | Syridv 
pp ad theodonim cordubensem epm. Litteris ^'^ a tua frnitate 

a 

— sed sola fidei cantas. | (r), It q monachi ni dent decinuis ex 
decretis gregorii vii. | Statuimus * priorem difHnitionem — ate 
fili kme patiantur. 

f. 255 ^a (auch noch s. XII) Isti sunt libri quos dns bte 
raemorie ^ cclestinus eccle sei floridi j> redeptione anime soe 
tribuit. Scilicet genesin. Exodü. Leuitieü. Numerü. Deuto- 
nomiü. Librü iosue. Judieü. Ruth. Libru regü. Ysaiä. Jeremü 
cü lamtatioib:. Jecechiele. Danielem cü expositioe eius. PsaltS 
Librü ^pübio*. Ecclasten et eius expositione. Cantica canticoi 
(a eius expositione al. m. add.), Librum sapientie. Librum fiK 
sirach. Librü paralipomenon. Job. Tobiä. & iudith. ester. EßdnL 
Expositionem machabeo*. Mat'fes. Marcü. Luca. Jots. Actü aplo%* 
Eplas canonicas. Aplcalipsin. Eplas pauIi. (aL m.) : Eplas iS 
Candelä. hystoriä ecclasticä. Eplas cypriani. Registrum gregoriL 
Augustinü de adulterinis coniugiis. Origenem (em ex is m;) 
supcantica. Pastorale. Augustinum de pfectione iustitie. Augusti- 
num ad bonifatiü comite; bedam sup act' aplo^i. Sic et noBu 
Aug^ de oeto questionib\ Ag' de fide et opiV. Rhetoricä. Senc- 
cam. Psaltium scdm in ebraycam ueritate. Ordinem romanum. 
Theologiä cum libro retractationum. Sententias sup eptas. Closai 
continuas. sup eplas. Titulü psalt'ii. Eplas decretare (sie) in duo 



'2S Hier, uita S. Hilarionis II, 13. — "« Hier. ep. I, 148. — »»• Hier, nifc 
(Hier. opp. XI, 1, 241-250). — '5' Ib. XI, 267—280. — »2 ? — i» 



Ribliotheca patrom latinorain Hispaniensis. 441 

bus uoluminibus. Excerpta luonis. Augustinus de ui uerborum 
cum boetio de trinitate. Liber digestorum et codicuin. Homelias 
origenis. Testus eugHo% omniü. Librü sacramento^. Hos omnes 
in uoluminibus quinquaginta . vi. Dann werden tceiter Gewänder 
und Gefässe verzeichnet 

a n 15 

2« m. bip. pag. 168 foU. s. XIII/XIV. 

Augustini Sermones, in drei Bücher getheilt. Von allen drei 
fehlt viel in der Handschrift, wie sich aus dem Index f. l^a— 2'^b 
ergibt. Nach diesem hat Buch 1: 58 Serm.; B, 2: 41; B, 3: 166 ; 
aber f. 71^ schliesst im 46, Sermo des ersten^ f. 72 ist ein abruptes 
Blatt des 47. Sermo, gleichfalls des ersten Busches, f. 73*' beg. 
mitten im 8. Sermo des zweiten, die Handschrift schliesst im 134. 
des dritten Buches, f. 168 enthält einen Index, wo aber die Zahlen 
der Folien hinter fo nicht eingesetzt. Der 1. Sermo f. 2^a Sermo 

i 

sancti augustini de cantico nouo. Omnis ^ qui baptismum x de- 
siderat uitam nouam. — 

a n 16 

*•. m. saec. XIV." 

Enthält unter anderen Briefe Cassiodors und Peters von 
Blois. Die Cassiodor gehörigen Stücke verzeichnet Ewald S. 230. 
Vergl. Knust S. 809. 

a ni 4 

2° min. m. 165 foll. sacc. XU. 

Am Anfange und Ende verstümmelt: Evangelienabschnitte 
fürs kirchliche Jahr (also Sonn-, Heiligentage und auch für andere 
Gelegenheiten, wie Blitz etc.). 

f. 1"^ *trogate diligent de puero et cum inueneritis — 

f. 165^ (r.) Contra epos male agentes sec mat'hm | In illt dixit 
i%s discipulis suis. 

a ni 5 

8« mai. 211 foll. f. 1—135. m. saec. XI in westg. Schrift. 

Enthält ein Psalterium. f. 1^ (r, Maj.) in nme dni nsi 
ihu xpi ineipit liber pslmo* dauid regis isr'&l propheta de ihu 
xpo siue d fructu iusto* et de interitu impiorü: psalm^ iste 



^ Augustinus de cantico nouo VI, 677. 
' Von Loewe nicht beschrieben. 



442 ▼• Hartel. 

quü gencraliter de omib^ scis eit specialiter de iosep dicit qui 
corp^ dni sepellibit: it pslm^ iste primus ad xpi pertinet Bacra- 
mentü ipse est enim perfectus uir qui non habiit in consiliü 
impiorum (I add, m. rec.) psalmus prophetia iusti | Beatas uir 

qui non habiit — 135^ (r, Maj.) explicit psalmus numero ci 

hie psalmus proprie seriptus dauid extra numerü quü pugnasset 
eum goliam. | Pusillus eram inter — f. 135^ a filiis israhel. | 
135^ (r. Maj,) incipiunt orationes conpleturias d primo psfano 
usq^ l"" per ordine digesta. | Beatitica dne peccatricem (torem 

corr. m. 2) me — f. 135^ confirma me. | (r. Maj.) it aliaor 
a l"* usque ad centesimü. | Miserere mei ds scdm magnam 
mscdam tuam et spm scm tuü — f. 138^ elegi abiectus esse in 
domü tuä magis (abntpter Schltiss). 

f. 136 — 211 eh. saec. XV in. 

f. 136»* Ecce descripsi eam tibi triplicite prouerb'. xxn. 
scd*5 q' d'r i pricipio — f. 211^ schliesst i omj loco assistSs 
eis. Deo gras Amen, ein Commentar zu den Sprüchen Salomonü 
und später zum hohen Liede. f. 136'^ am unteren Rande ttekt 

von eiJier Hd.s.XVjXVI P. Di^ de m1 (= P. Di^ de Mendozat) 

I f. 211^ (am Schiusa) hie Über est pet' leono iohanide, dock 
ist diese Zeile von einer Hd. s. XV durchstrichen. 

a IV 13 

saec. XIII.* 

Enthält Boethius de aritmetica. Vgl. Knust, S. 810. 

b I 4 

So m. 8. XI in westg. Schrift. 

Vorher ein Passionarium,'^ dann VUae sanctorum. 

b I 9 

Chart, fol. saec. XV. 

Enthält Lucas Tudensis, der im Anfang Stücke aus Isidor 
bietet, sowie die Hs. f. I 18, saec. XV.^ 

1 Von Loewo nicht beschrieben. 

2 Nach Knust (S. 810) Passionalo S. Petri de Cardeüa. 

3 Nähere Beschreibung bei Ewald S. 232 und 247. 



Bibliothec» p&tram Utinorum Hispaniensis. 44d 

b I 10 

(111 A3 HD 10) m. bip. pag. 90. foU. s. Xlll. 

An die Correspondenz Isidoi'^s und Bravlio's reiht sich der 
Index dsr Etymologien hidors. Dann B. 1, B. 6 schliesst f. 25*"a 
normal: xpiani efficiuntur. Residuum sexte etatis temp' soli deo 
cognitum est. Colligitur ergo omne temp^ ab exordio mundi usqs 
i psentem • s • annationem gPosissiini recessuuhui (reeesnsuti 
Cod. & 13) prineipis anno x<* • qui e era • de. lxvi. anni simul 
vdccccLvn. — f. 90 '^b ardore siccetur. (r.J Explicit ysedorus 

ethimologiarum i libris . xx • mirabiliter elaboratus. Grecum 
alphabeta A bis o) hie liber est scriptus qui scripsit sit bene- 
dictus. In scl'a scPorum. Amen. 

bin 

(II D 12 y H. 4). 2o m. bip. pag. 189 foU. s. XIV. 

Hinten auf dem Nachsatzblatt m. s. XIV/XV einige Zeilen 

deren Anfang ausradirt und die zu Ende beschnitten 

Dnis Anthonio oliueris camerario flfran*^** rubej infirmario pauIo 

pmjol priore claustrali lohane segur suceentore u, s, w» Papier- 
Vorsetzblatt, 2 Hde. s. XVI: Este libro uino entre otros de Roma 
que trajo el Embajador Vieh mi aguelo : — und darüber: Codex 
Isidori missus ad Ant. Augustinum Archiepm Tarraconensem 
ab epo Maioricensi. Enthält Isidor's Etymologien, f. l'a Auf die 
Brauliobriefe (Omni desiderio — , O pie — , Quia te — , Solet 
repleri — , Tue icitatis — , En tibi — ) folgen die Capitel von 
B, Ij dann dieses selbst. B. 6 ist nicht erweitert {nur colligitur . . 
nsque in presentem anno gl'osi recesef principes qui est 
eracli • dcxcvi anni • am v • d • ccc • ixxu). f. 189 ^b schliesst oib? 
legentibus et scribentibus in xpo. Amen. Explicit liber ethimo- 
logia^ • XX • sancti ysidori yspanensis episcopi. 

b I 12 

(H V 10. D II 18). 2o m. 216 foll. s. XIV. 

Enthält Isidor^s Etymologien, f. Pr Capitelindex der Bücher , 
der f. ß^'a, mit dem zwanzigsten schliesst. Dem eigentlichen Werk 
geht die Correspondenz Bravlio's und Isidor's voraus. Der Ab- 
schnitt de notis iudicis seu iuridicis f. 15' ist durch einen No- 
tarum laterculus erweitert, beginnend: Au* agustinus, aa agusta^ 



444 



T. Hartel. 



aü aiirelium, ag agit, a actio — f. 17^ zdir zadnar. zis z^ 
Auch sonst scheinen Erweitertmgen darin zu «etn, so am Esk 
des ö. B. f. 67^ ein kleiner Zusatz. B. 20 scU, f. 216' ipk 
ardore siccetur | (r.) Explicit codex ethimologianiin sS vaM 
spalensis episcopi deo gras am. 

b I 13 

2« eh. 224 fdll. 8. XIV Castilianiscli. 

Enthält Isidori Origines bis zum glossographisekm Bsi^] 
das hier das 11. ist. VorsetzbL m. «. XVI: Presento le & m 

m* El Rey Don Phelipe EI obipo de Cuenca Don R^ de ctthl 
y el eabildo de la jglesia para que este en la libreria Bai 
de San loreneo en hencro de 1580 Anos. 

b I 15 

(III C 9 III I 15/ 2« m. bip. paf. 201 foll. •. XJY io sckv. Le4«rteai. 

f. l'a (r.) leronim* »"de (in m. 2) libro de niri« It, 
stribus ita scribit de lactantio | Firmianus^ qoi et 
amobii diseipnlus — Qui postea a pre interfectus est 
nach ^ 2 CoL Spat. Cr.) Lactantius de falsa Religione 
primus. f. l^b ganz oben, zur Hälfte ahgeschniiien, m. 1: 
tius de falsa religione. | Magno - et excellenti ingenio uiri 
se doetrine penitus dedissent quicquid. — f. 16' b sie 
accesserit ' r. y Explicit liber de falsa religione ■. Incipit über 
origine enroris " Quamquam' primo libro — f. 29*' a de 
sapiontia, f. 44 ^a de uera sapientia. f. 60^ b de 
f. 7t>*'b de uero cultiu f. i^o'a de uita beata« f. 113'a 
consequamur. Fimiiani lactancii institutionum diuinamm 
uersus gentes über septimiis de uita beata explicit. Ai 

nns in h'bro • ii • de eiuitate dei. | Xullas ^ nel negat 
dnbitat per xpm ih'm tale quäle — f. 113 'b Ordine esse 
iura • r. Incipit über lactantii de ira dei | animadaerti 
donate plimos — y{. 122'b find Lacken g^lassen)^ f. 125^ 
boam^ et nüquam uereamur iratum • Explicit lib^ fii 
lacrantii de ira dei r. Incipit über eiusdem de opificio dei 
fomiatioiie hois Quam minime sim quietus etiam in — f. 137'*! 
ad iter Celeste direxerit Explicii tirmianus lactantius. [ f. 138 lair- 

» Hiw. a<^ uir. i:i. o. S'>. - 2 La*:, inst. I. — » Ib. II. — • Anp. de afi 



Bibliotheca patrum latinorum Hispaniensis. 445 

f. 139' folgt eine andere Hd, und Hs. ohne Ueberschr, 
Ueniam^ ad te in caligine nubis. Exo. 19 ocFb debilis et in- 
finnus — sohl, f. 185^a p negligen®* («/c^. Nach Bibliothekarver- 
merk im Anf, der Hs. eine Interpretatio in exodum. 

f. 186' wieder andere Hd. und wohl auch Ha, f. 186 'a (r,) 
Incipit opus magistri richardi de sancto uictore super apoca- 
lipsim beati iohannis apostoli. Incipit prologus sentenciarum 
tocius libri eiusdem | Aecipe** kirne frater — darauf noch ein 
Prolog (de sancto Johanne apostolo)^ Capüelindex der sieben 
Bücher y von B. 1, Prolog zu diesem^ dann (r,) De tytulo capi- 
tulum primüm | Apocalipsis ihn xpi. — f. 201 ' b electo^ eius 
mutacionem uos (nicht weiter geschrieben), 

b m 2 

(IV B 3) 4» altioris m. 817 foll. s. Xll.^ 

Die aus Deutschland stammende, etwa dem 12. Jahrhundert 
angehörende Hs. zeigt einen eigenthümlichen Schriftcharakter. 
Nicht selten sind fast gleichzeitige Glossen,'^ für welche Glossare 
benützt scheinen, wie f. 106^ Jacinctus herba est florem habens 
purpureum dicta a puero nobili qui inter purpureos flores 
intfectus repertus est. — Leno ppositus meretricum lena me- 
retrix lenocinium uxoris meretricatio — Baibus qui duplicem 
habet linguam 1 qui uerba frangit aut non explicat — ebenda 

am&rum 

im Texte: rancidulum — f. 17' Vafer agrestis durus superbus 
callidus astutus artificiosus fictus uarius. Auf den Vorsatzblättern 
von Papier steht ein modemer Index. 

f . 1 ' in grossen Majuskeln nur sieben Zeilen (abwechselnd 
roth und schwarz) auf dieser Seite: incipit Über | sancti iero- 
nimi | prespiteri con|tra heluidium | hereticum de 8an|cte 
marie uirgini | täte perpetua. | f . 1 ^ Nuper ^ rogatus a ffib. ut 
aduersus libellum cuiusdam eluidii — f. 12' experiatur et 
mater. | Gratuletur^ omnis caro nato christp domino qui pro 



^ Elxod. 19, 9. — ^ Richardi de s. Victore saper apocalypsin 196, 683 M. 

> Vgl. KnuBt a. a. O. 810; Ewald a. a. O. 233. — ^ Darunter auch 
deutsche, von denen Loewe eine Abschrift an Prof. Sievers sandte; 
sie sind ,schon edirt in den Hessischen Beiträgen für Qelehrsamkeit 
und Kunst 1875* (Ewald). — ^ Hier, ad Heluidium II, 205. — * Ein 
Weihnachtshymnus, aus einer Kölner Handschrift von Jaff^- Wattenbach 
Eccles. Col. Codices man. p. 105 edirt. 



446 ^' Hartel. 

culpa protoplasti carnem nostram induit — f. 12^ permaneal 
que integer, utraque natura deus cum spo scu. 

Dann folgen Hieronymushriefe, deren Adressen und Anfäi 
Loewe zum Theil nach dem Index des Vorsetzblattes mü 
f. 12^ H. ad quendam ignotum facie."' Quod ignotos 
ignotum — | f. ]?'* H. contra monachum qui eum nuptus 
traxisse culpauit.^ Littero tu^ et amorem sonant — | f. 1' 
Hicronymi epistola.' Quod dispensatione dei — | Zeno nauclec^^ 
per quem — f. 21 »^ Epla b. Jer. Temporibus apostolorum — | Il„e- 
gimus** in esaya fatuus fatua — | f. 22"" Epla s. Jer. rescriptxnQ 
ad 80 Bcribenti.^ Lccto sermone dignationis — | f. 22' H. cm 
TJieodosiusA^ Quam uellem Sc uro — | f. 22^ H. an LucinusJi 
H^c opinanti mihi subito — | f . 25'" Ut solutus ab uxore — | 
Interim omnia qu(^ mihi sei — | f. 25^ Quomodo origenes legen- 
dus sit. Maiora^^ Spiritus uincula — f. 26'" Quod'^ boni sepe — | 
Sanctus filius mens eraclius — | f. 27^ H, an Dardanus.^^ Queris 
dardane xpianorum — | f. 3P ad eum qui uirginem corrapit 
— nobilissime . . Samuhel i' quondam lugebat — j f. 35^ Ä 
an Efpiphanius,^^ Epistola tua hereditatis — f. 39^' H. an Thm- 
philusA'* Nouit beatitudo tua — | f. 40"" desgL*^ Nuper a te beati- 
tudinis — | f. 40'' H. an PaiUus.'^^ Humane^ uitc? breuitas — | 
f. 41 ^ H, ad Lucinii nxorem.^'^ Lugubri nuntio constematus — | 
f. 42^ De duabus meretricibus.^"* Multum in utramque — | 
f. 44^ ad uirginem quo lapsa — | Puto^* leuius esse crimen — | 
f. 49^ ad quandam matronam. Magnam^'» humilitati nf^ — | 
f. r)2'' quomodo cducanda sit — | Apostolus^" Paulus scribens 
ad — I f. 57^ de conuersationc & uita — Si^' cuncta corporis 
mei — f. 72^ //. an EustocJiius.'^'^ Audi filia et uide et — | 
f. 89^* ad uirginem quo sibi muncra — | Parua^® specie sed 
caritate magna — f. 90*^ Item ad eandem.^^ Scio principia me 



^ Hier. ep. I, 884. — « Ib. I, 234. — ^ Ib. I, 433. — « Ib. I, 1074. — • Ib. 
I, 208. - i" Ib. I, 8. — " Ib. I, 428. — " Ib. I, 1073. — "Ib. I, 349. 
— 1« Ib. I, 406. — » Ib. I, 960. — '0 Ib. I, 960. — " Ib. I, 1078 — 
^*^ Ib. I, 508. — »9 Ib. I, 361. — 20 Ib. I, 621. — " Ib. I, 22. — « Ib. 
I, 447. — '5 Ib. I, 446. — ** A<1 Sussannam lapsam (Niceae episc. 
Rom.) Hier. opp. XI, 180. — w Paulini Nol. ep. p. 721 (= Ep. ad Mar- 
cellam Hier. opp. XI, 31). — » Hier. ep. I, 671. — " Ib. I, 684. — 
M Ib. I, 87 (= Ambr. append. p. 366). — 20 Hier. ep. I, 148. — 3*» Ib. 
I, 871. 



Bibliothoca p&trnm latinoram Hispaniensis. 447 

in — I f. 91 ' Ad filiam que noloit cum matre — | Retulit ^^ 
mihi quidam — f. 95*^ H, ad Pacatidam,^^ Causa difficilis par- 
uul^ — I f. 97^ -ff. an Pammachius.^^ Sanato uulneri et in — | 
f. 102'' ad questiones ab apodemio — . FiKus^^ mens apo- 
demius — | f. 102^ de perfectione et — . Ignota^*^ uultu fidei 
ardore — | f. 105^ quod qui odit fratrem — Johannes ^ß idem 
apls — I f. 105^ H. an Furia,^"^ Obsecras litteris et suppliciter — | 
f. 111*" de Nebridio — . Vereor^** ne officium — | f. 116'' J?. an 
3farc^ia. 3^ Abraham temptatur in filio — | f. 117' J?. anPavla,^^ 
Quis dabit capiti — | f. 122'' de transitu sc^ le^ — . Cum^^ hora 
ferme tercia — | f. 122^ de laude asell^ uirginis. Nemo*^ repre- 
hendat qd in epKs — | f. 123^ H, an MarceUa, Post*' priorem 
eplam in qua — | f. 124^' H, gegen Faustus. Medici** quos gci 
uoeant cyrargycos — | f. 125' H. an Asella.*^ Si tibi putem a me 
greis — I f. 126^ de decem noib; dei. Nonagesimum *^ psalmum 
legens — | f. 127' ad dona sibi transmissa. Ut*' absentiam 
corpo* sps — I f. 127' quid sit amen & alleluia. Nuper** cum 
pariter essemus — | f. 127^ de origene quod nüquä cibum — . 
Ambrosius*^ quo cartas — | f . 129' de quinque questionibus. 
Magnis^ö nos j)uoca8 — | f. 130^ H. gegen Montanus,^^ Testi- 
monia de iotis euglio — | f. 131 '^ ff. gegen Nouatiantis.^^ Breuis 
ad questiunculam — | f. 132' de ephot et pontificalibus indu- 
mentis. Epistolare "^^ officium est — | f. 134^ qd sit panis do- 
loris — . Beatus '^ Pamphihis martyr — | f. 136^ ohne Ueberschrift 
oder Adresse, Ut*»'* tarn breuem eplam scriberem — | f. 136^ de 
sacerdotalibus indumentis. Usque ^^ hodie in lectione ueteris — 
f. 144^ H. an Oceanus.^'^ Flures anni sunt qd sup — | f. 149 
H. gegen Vigüantius^^ Acceptis litteris tuis primitus non — 
f. 151' de origene. Utile ^^ quidem fiierat nequaquam — 
f. 152^ ff. gegen Vigüantius.^^ Multa in orbe monstra — | 
f. 159' ohne Ueberschrift und Adresse. Sanctus®^ aliqids e fribus 



« Ib. I, 776. — 32 Ib. I, 956. — 33 Hier. ep. I, 391. — 3* n,. I, 844. — 
35 Ib. I, 812. — 36 Ib. I, 27. — 37 Ib. I, 280. — 39 Ib. I, 493. — 39 Ib. 
I, 171. — *o Ib. I, 174. — " Ib. I, 124. — « Ib. I, 126. — " ib. I, 131. 

- « Ib. I, 184. — « Ib. I, 193. — <e Ib. I, 128. — «^ Ib. I, 192. — 
*8 Ib. I, 130. — «9 Ib. I, 190. — ^ Ib. I, 326. — »i Ib. I, 186. — »^ Ib. 
I, 188. — " Ib. I, 137. — 5* Ib. I, 162. — " Ib. I, 160. — ^ Ib. I, 362. 

— " Ib. I, 463. — M Ib. I, 719. — 59 Ib. I, 346. — ^ Hier, contra 
Vigilantium II, 387. — 6» Pammachi et Oceani ep. (Hier. I, 617). 



448 



V. Hartel. 



sccdulas — I f. 159 "^ de Origenis heresibus. Scedul^*- qiw 
miöistis — | f. 164*^ qiiod commendans uirginitatem — . Quod** 
ad te hucusque — | f. 175' ad eundem.*** Xpiani interdum ji- 
doriö est — \ (. 116^ H, an Julianus.^'^ Filius meus firatertm 
ausoiiius — I f. 179^ //. an OceanusJ'^ Deprecatus es ut tW 
breuiter — | f. 182' f/. an Oceanus.^' Kumquam fili oceane— | 
f. 188^' H. an Heliodotiis.^'* • (^nanto amore et studio — |f. 192' 
ohne Ueheradirift oder Adresse, Nihil**® xpiano felicius cm— | 
f. 199' H. an Nepoüanus."'^ Petis nepotiane karissime — | f. 205' 
IL an Florentius,'^ Quantus beatitudinis tu<^ rumor — | f. 2(B' 
H, an Florentius.'- In ea mihi parte heremi — | f. 206 '^ H. li 
Abigaum spanum.'* Quamquam mihi multorum sim — | f. 20? 
H, an Antonius.'^ Dominus noster humilitatis magister —j 
f. 207 ^ de duob; filiis frugi — . Omnium '* quidem de sc» 
pturis — . f. 210 ' Epistolas. lohannis Crisostomi quam in exifia 
portandus traetauit. Multi "^ quidem fluctus et und^ — | f. 2lP 
Epistola Gregorii septimi pp ad Herimannum Metensem epi. 
Quod '' ad perferendos labores ac — f. 217' * ^temitatis tri» 
ibunt. 

b m 4 

80 mai. m. 170 foll. s. XV. 

5. A'TV; ()ruxose del Archiuo de simancas. f. 1' 
primo% (sie) ysidori.^ De libro% noui ac — f. 9' uite dnm 
(sie) xpm. I f. 9' ortus et uita ul obitus s(S>% qui i dno pi*;| 
cesserunt | Quo^dam*-^ scu* — f. 23' defunctus | f. 23' Ysidor«] 
ad orosium | Quedam-^ notissima nomina — | Adam figuram 
f. 33' saturabuntur | Synonyma uel über soliloqo« (beid^ 
stehen da) \ Uenit^ nuper — Anima*'* iha i angustiis — f. 
exortatione. | Disciplina^ xpiana ipa — paccatamque uil 
f. 41' Augustinus de retractatione mit Index der zwei 



^2 Hier. ep. I, 518. — 63 Ib. I, 209. — 6< Ib. I, 232. — w 15, j^ 786. -* 
6" De uita clericorum (Hier. XI, 270). — «" Hier. ep. 1, 409. ~ • Ifcs, 
I, 28. — 61» Ib. I, 926. — •« Ib. I, 252. — " Ib. I, 13. — 7i Ib. I, vL 
— "3 Ib. I, 451. — '* Ib. I, 26. — "* De duobus filüs (Hier. opp. J^ 
235). - -6 ? — " Gregorii Reg. Ed. Jaff^ WH, 21. 

* Isid. in libros v. ac n. test. proi^emia V, 190. — ^ Is. de orta et obiti 
patrum V, 152. — ^ j^, Allegoriae ». scripturae V, 115. — * Is. synony' 
morum prol. alter VI, 473. - '• Ib. VI, 474. — 6 V 



Bibliotbeca patrani latinornm Hispaniensis. 449 

f. 89' Augustini dialogi ad Orosium. Licet' multi doctis- 
simi ft — I f. 105^ Augustinus de inferis ad Eubodium | Questio® 
quam michi — f. 111^ ad Paulinum de eura pro mortuis | Diu 
scitati^ tue coepe — | f. 124' jrpomnesticon contra pelagianos 
* celestianos hereticos. Aduersarii *^ catholice — | f. 165 de pre- 
destinatione disputationum contra eosdem. Licet^^ lacius de gra — 
f. 170^ prerogare | (r,) Explicit Über de predestinatione dispu- 
tatonis sei augustini contra pelagianos * celestianos hereticos. 

b m 5 

8. XV.' 

,Hieronymi opuscula, Alcuinus de uirtutibus et uitiis ad 
Guidonem comitem/ (Knust Ä 811,) 

b m 10 

(V A 8 Y H 9) 80 m. 103 feil. saec. Xni in. 

Theile verschiedener Bihelcommentare fast gleichzeitiger Co- 
dices, f. 2' beg. mit der Einleitung eines Commentars zur Apor 
kalypse: Causa q beatum ioim scribere — f. 2^ doctrina scrU' 
tetur I f. 3' beg. die Apokalypse mit Commentar auf den sehr breiten, 
frei gelassenen Rändern. Der Commentar beg.: Merito legendus 
est iste lib — f. 34' & quali affectione sponsus ecclam. | 
f. 35 — 42 etwas schmaleres Forrfiatj beg. und schl. abrupt dicam 
sacramentum mulieris & besti^ quam portat — f. 42 schl, im Be- 
ginne von Commentar und Text des Hohen Liedes, 

f. 43' — 63^ bip. pag. Commentar oder Compendium (so von 
Bibl. Hd. benannt) der Bücher Leviticus bis Maccabäer, f. 64 — 
Schluss auch bip. pag, f. 64' Glossen beg, : Vidi ciuitatem -i- col- 
lectionem sco*. uidi ecclesiam — f. 64^a (r, Maj.) Prologus 
apocalypsis. | lohannes apls in pathmos insula — f. 65 'b (r.) 
Incipit über apocalipsis io'his. | Merito legendus est liber — '- 
f. 102 'a omni gne preciosarü uirtutum. | Fundamentum primum 
est iaspidis. laspis lapis uiridis — f. 103 'a ad illam que j)ximo 
procedit. | Hos xii- lapides • i • supra dictas uirtutes — f. 103^ 
ad nouum et lumine so}. 



' Aug. dialogiis quaestionum 66 (VI, 733). — ^ Aug. ep. 164. — * Aug. 
op. X, 591. — ^0 ^ug. (?) Hypomn. praef. X, 1611. — " Aug. Hypomn. 
1. 6 (X, 1657). 

* Von Loewe nicht verzeichnet. 
SitzungBber. d. phil.-bist. Cl. CXI. Bd. I. Hffc. 29 



450 ▼. Hartel. 

b in u 

40 min. m. 159 foll. saee. Xu tz. 

f. 159^ w. saec, XIII in verzierter Maj.: Liber iste ert 
sancti salvatoris. Am oberen Rand ders. Seite, wie es icknt 
von anderer Hd. saec. XIII: Magister egidiuB (dies Wort k BtL 
m. 2 saec. XIII) acomodauit nb* hunc librum. Von der flu, & 
egidius in Rasur schrieb und nobis tilgte, zum TheHe nkr^ 

blichen : fri Mucio (in ras.) jo^s conposdno (no oder iwf).* 

f. 1' Gregor an Reccaredue.^ Exutere^ uerbis exceHenÄ- 
sime vir — f. 3^ atque dignitati debebamuB. | f. 3^ Oregorm 
Leander.* Scitatis tu^ suscepi eplam — f. 5' custodiat leaeW' 
tissime frater. | f. ö"" Hieronymus an Innocenüus.^ Sepeameiü- 
centi km^ — f. 8^ redderet Hbertati. | f. 8^ Hieronytmd 
Eliodorum.^ Quanto amore et studio — f. 14' cui nunc Wm 
durus est. | f. 14'' H. an Nepotianus.'^ Petis ame nepotiaiic- 
f. 23^ quod talis est confiteatur. | f. 23^ H. an PauLhtm^ Bor» 
homo de bono — f. 29^ salutari uolo. amen. f. 29' E • 
Amandus.^ Breui ^pla longas — f. 33' seuit ut misereatar.) 
f. 33' Item eplaris responsio ad quem supra.^® Proposicio fii 
de eadem apK — f. 34' et sit xps totus in cunctis. f. 34' «(^ 
taphium nepotiani ad eliodorum epmJ^ Grandes materiaB il* 
genia — f. 45' nunquam desinamus. | f. 45' H. an AfUmm»^ 
Dominus noster humilitatis — f. 45' uale in domino. | f. 46' 
H. an Rusticus.^^ Nichil xpiano felicius — f. 55' magna fxA 
premia. | f. 55^ H. ad Tirasium.^* Benedicto hac dilectissimo - 
f. 58' adducet cum illo. | f. 59' H, ad JuHanum.^^ Filius Ä 
fr tuus ausonius — f. 64' tanti dux femina facti. | f. 64' K • 
VigilantitLS.^^' lustum quidem fuerat — f. 66^ et sie loquaiii*! 
f. 66' H, adversus Vigilantium,^'^ Multa in orbem — arbitraiit*| 
indignos. | f. 75' H. etc. an Oceanus.^^ Deprecatos es uttibi-^ 

1 Ewald liest a. a. O. 233 sancti lohannis Compostell. — > Die AdreflH 
sind hier wie sonst nach Loewe's Kürzangen gegeben. In der Suk 
Schrift stehen kurze Titel in Roth meist mit karzer Inhaltsangabe. -* 
» Gregorii epist. IX, 122 {U, 1026). — * Ib. IX, 121. — » Hier. ep. I, 1 

— « Ib. I, 28. — TJh.l, 252. — 8 Ib. I, 316. — • Ib. I, 293. — !• II 
Schluss des vorhergehenden Briefes; vgl. Reifferscheid B. P. Li,LI,T 

— ^» Ib. I, 329. — 1» Ib. I, 26. — « Ib. I, 926. — »« Cypriani e 
(App. 274 Ha.). — i» Hier. I, 785. — " Ib. I, 345. — " Ib. U, S« 

- « Ib. I, 270. 



BibIioth«ca patrarn latinornm Hispaniensis. 461 

Ato confirmetur affectu« (m deL), | f. 79' H, an Oceanvs.^^ 
omquam fili oceane — non concesBum est. | f. 88^ H. an Ri- 
irutf.^" Acceptis litteris tuis primitus — et in ignem mittetur. | 
il^ H. ad Furiam,^^ Obsecras litteris et — nuptiis cogitabis. | 
99' H. ad Saluinam.^^ Vereor ne officium — legeneium per- 
meaco. | f. 106' H. ad MarceHamJ^^ Abraham temptatur in 

i 

Bo — rit b^elzebub. | f. 108' H. ad Paidam,^* Quis dabit capiti 

MO— cum sorore cum matre. | f. 114' Ä ad Marcellam.*^^ 

lenio reprehendat — suscipiant sacerdotes. | f. 116' H. ad 

kunwn.^^ Plures anni sunt — qui plus amat. | f. 122' H. ad 

äam^ (m cd. m. in ras.). Apis paulus scribens ad corinthios — 

^btibuB offerendam. | f . 128^ Commemorac' iheronimi de 

BStochio et paula.^* Si cuncta mei corpis — insib* • vin • dieb* 
> • 

n- 1- I f. 147 ^ H. ad uirginem Etutockium.^^ Audi filia et uide 
- f. 159^ glam ab hominibus accipientes. 

b m 12 

(Y A 10 lY 1 11) 80 m. bip. pag. 114 foll. s. XIY. 

h schwarzem Leder, vom Wappen ^ hinten Lorenzo mit 

koise: ad sidera ex flammis. Die Hs. enthält Augustini libri 

L bV s^one dm i monte, eiusdem sermones x in epla bti 

juumis. 

b m 14 

Cbart io saec. XVI.' 

Enthält eine grosse Reihe Copien älterer Hs. mit genauer 
ingabe der Voi'lagen. So aus dem westgothischen Ovetensis qui 
oncapatur decreta canonum presulum romanorum Hieronymus 
t fide catholica u, a. — Dann allerlei Schriften von und über 
^iior. — f. 104 flf. ex uetustissimo foliorum membranaceorum 
odice literis gothicis conscriptorum qui in bibliotheca ecclesiae 
Kietensis asseruatur 21 Briefe,'^ — Coripp in laudem lustini 
11271—307, 317— 398.^ — Hinter den Briefen stehen aus alten 

» Ib. I, 409. — M Ib. I, 719. — ai Ib. I, 280. — " jb. i, 493. — a» Ib. 
I, 171. — a* Ib. I, 174. — M Hier. I, 126. — « ib. i, 463. — »^ ib. 
I, 671. — w Ib. I, 684. — a» Ib. I, 87 (= Ambros. append. p. 365). 

* Von LfOewe nicht beschrieben. — a Darunter Isidorus ad Elladium 
epiBcopam Toletanum (Is. opp. VI, 666) ; die Anordnung der Briefe wie 
in der Handschrift F 68 der Nationalbibliothek in Madrid. — ^ Ygl. 
Coripp. ed. Partsch praef. p. LVI. 

29» 



452 ^* Hftrttl. 

westgoikiMchen Handschriften aus Salamanca Isidors SoMoguien, 
der Dialogus inter rationem et appedtam u. o.' Ewald, S. 234. 

b m 17 

(IT L i Y B 5) 40 M. 171 foU. ncc. X «s. 

Enthält Johannes Chrysosiamus. f. 1' (Maj.) incipit m 
nomine di summi sermo primuB iohannis constantinopolitani epi 
(daneben m. s, XVI: Chrisostomus sup ep}a$ ad hebreos). | Multi- 
fariam multisque modis olim di locutus est patribos — Hoc Aiam 
hie in ipso ex /ordio scribens ad hebreos tstc. Es folgen 35 Ser- 
monen, der letzte beginnt f. 163': Obseero autem uos — 
f. 165' sclorü: ACnersi. Darauf folgt in r. und schw, Majus- 
keln: * explicit eommentariom iohannis epi constantinopolitani 
in epistola (pauli add. al. m.) ad haebreos ex notis aeditü post 
eins obitu a con8tan(8 6r.)tio presbitero antiocheno etraslatom 
de greco in latinum a muciano scolastico uerso • dcc • (Hin.) haec 
pauea inueni semotim super epistola pauli ad haebreos. | Multi- 
fariae usque dieit locutus est nobis per multos inquit prophiuts 
— f. 166^ ac remittuntur. (r, und schw, Maj.) explicit feliciter 
incipit sermo sei iohannis epi eonstantinop de muliere mala. 

heu me quid agam unde sermonis exordium famam quid dicam 
uel quid taceam non enim ego tan tum | f. 167' (Min.) in stu- 
pore mcntis factus — f. 171^ sclorum. (Maj,) amen explicit 
sei iohannis episcopi constantinopolitani de muliere mala. 

b IV 17 

40 min. m. 136 foll. 8ft«c. X. 

Nicht tcestg., aber mit häufigen j nicht sehr viel [späteren 
Randbemerkungen und ganzen auf den Rand geschriebenen Partien, 
wie Gebeten u, dgl, in tcestg, Schrift. Viel^ Pergamentstreifen 
sind von den Rändern herausgeschnitten. Die Quaternionen- 
bezeichnung in rothen Zahlen steht auf der ersten Seite des Q. in 
der Mitte des unteren Randes und ist bis xvi zu verfolgen, 
obicohl meist weggeschnitten, f. 1' am oberen Rande steht ////,//■/// 
liloquiorum von älterer Hd,, doch ausradirt und von einer Hd. 
s. XIV egisip* daraufgesetzt; dies von einer Hd, s. XVI aus- 
gestrichen und ysidorus daneben geschneben, 

f. 1' (r. Maj.) in nomine trini sSm^ trinitatis incipit lib 
soliloquiorü sei isidori spalensis epi urbis quem sinonima nun- 



Bibliothec« patrnm latinornm HispaDiaiisit. 453 

cupant. I (desgL) in nomine dni öri ihü xpi incipit prologus 
eiusdem libri expositus a beato predicto hysidoro epo. | In 
subsequenti ^ hoc libro qui — f. l ^ (V. Maj.) Hysidoms lectori 
sal. I Uenit nuper ad manus meas — f. 2^ (schw. Maj.) explicit 
prologus incip Hb pr^fat; | Homo anima mca in angustüs — 
f. 40^ per te cunctis uiuendi regula datur | (r. Cap.) explicit 
Hb • u • soliloquiorum sei hisidori. oratio. | fiant nunc orationes — 
* omib; scis | (r. Maj.) Hunc^ cecinit salomon mira dulcedine 
librum — Neben dem 7. und 8, Verse: Hec tibi uera canunt uit^ 
phennis | Aurib; ille tui male fribula falsa sonabit stehen rechts 
UOX SYMAQOqe | öox SYMAQoqe (r. Maj.) Osculetur ' me 
osculo oris sui. | Tangat me dulcedin^ pr^senti^ su^ quem 
sepius a j)pheti8 promissü audiui — f. 61^ me consolari me- 
mento | (r. Maj.) finit dö gracias am. | (r. Maj.) incip'unt que- 
stiones orosii (ro ex ri m. 2) et responsiones sei agustini epi. 
Cap 1 I Licet ^ multi et j)bati8simi uiri diuerso quidem stilo sed 
non — f. ST"" desiderat non jidesse. (r. Maj.) incipiunt (exp. 

m. 1) ExpHciunt interrogationes orisii et responsiones agustini 
epi I incipit lamentatio originis. In afflictione •** et dolore anime 
mee incipio loqui — f. 93^' in sda sclorum am. | (V. Maj,) 
explicit (expHc m. 2 in ras.) lamentatio originis. | incipiunt ca- 
pitula libri primi. de genesi. Abraham. Loth. Jacob® etc. 
Dann folgt ein Index von vier Büchern, der schliesst f. 94' 
credulus. (r. Maj.) expliciunt cap. Incipit liber primus de 
laude di et de confessione orationibusqu^ scorum Abraham, 
dne' si inueni gram (sie) in oculis tuis — schliesst mit dem 
vierten Buche f. ISO"" principia est et erit in aetema scloru 
scla. dö gratias. dö gras. Dö gras, glä tibi dne. FmiT. 
f. ISO"" Credo in unum dm. id est patrem & filium a spum 

in ^ A maiestat« 

scm Et is tribus psonis unam inconfusam ditatem & gloriä 
Patrem omnipotentem factorem caeli & terrae Non tres ornpten- 
tes nee factores sä imumditatem omnipotentem factorem Uisi- 
biHum — f. 136^ ex patre filio p';//// (8—10 litt.) ide quia 

o //// (3 l.) a I 



* Isidori Synonyma VI, 472. — ^ Carmen praefixam Alcuini compendio 
in Cant. Cant. (Ale. opp. I, 392). — ^ Ale. in Cant. Cant. I, 392. — 
* Augu.stinu8 dialog. quaestionum 65 (VI, 733). — s ? — « ? — 7 ? 



454 T. Hartel. 

9 n 13 

(lU I li II E 19) 20 ID. bip. et trip. pag. 96 ML %. 



Liber Hiob cum amplis commentariis (vi^ 
ex d. Grego. Bibliothekar ähd, 8. XVI f. V). f. V Amm.L 
Ißte liber est sei Barthi de trisulco (trisulto noA «BMra 
Beschreibung Loewe^s) Cartusien onus. 

9 n 21 

Chart, fol. saee. Xyn.> 

Enthält die canonische Sammlung der ältestem Bf 
die sogenannte Avellana, Die Hs. ist offenbar eine Abmi 
Vaticanus 4961.^ (Ewald S. 235.) 

9 m 18 

(Caxon 23, nam. 18) 40 min. m. et eh. 251 foll. s. XIT. 

Hat durch Wasser sehr gelitten. Enthält eine üng 
fomieln^ u. dergL f. 124^ epi sub romano pontifice c 
qui non sunt alterius provincie. f. 10 ^ Isti sunt reges c 
f. 11' enthält Spanisches. Ausserdem stehen f. 48 «. -i 
liehe Verse j ohne irgend welches Interesse u. f. 50' 
et tituli regum xpiano^. 

9 IV 23 

80 m. 107 foll. 8. XY. 

VorsetzbL ^ m. s. XVI: "es del Monesti (^c) de ni 
de giiadalupe. VorsetzbL ^ gleichzeitiger Index: In hoc 
uolumine sub ordine et numero reperies sequenti. F 
nitur etc. 

f. 1 ' (r.) Isidor de ortu uita et obitu 855* qi 
mino precesserunt ^ mit Vorrede und Capitelindex. \ f. i 
protboplaustus et colonus — f. IS"" atque sepuItuB. 
tias (r.) Finito libro. laus sit et gloria xpo. Didac\ 
(r.) secundum opus additionis eiusdem beatissimi j 
ortu soSrum uirorum infra scriptorum. quonun sup: 



' Von Loewe nicht beschrieben. — 2 Vgl. v. Sybel. Histor. Zeit 
N. F. IV, S. löö. 

« Vgl. Ewald, S. «35. 

> Ind. de ort« et obitu pat. V, lö3. 



BIUialhMi ftnm UUnaraa Bl>iiwi«a>li. 



ortuiii ut äcpiiltiire locum. Darm Index yB&y& iis zachaiia. [ 
f. 19 • lysayaa fuit ex — f. 27' tamtumodo. Hierauf folgt ein Brief 
Aruelma an Valenanua neriburgejisis. Gaudeo* et gratias ago 
deo quia sicut — f. 29'' quandam epistolam. Deo gratias. | 
Dann der Capiielindeae zw Isidor'g Eti/vwl. En ' tibi sicut ^ f. 30 ' 
de instrumentia rusticis et ortorum siue equorum. f. 31—34 
eind ausgetchnitten. f. 35'' In nomino domini iiri i6u xpi. In- 
cipit liber genoria et originiß oflicio^ bcatiasimi ysidori jspaloii 
archiepl. | Vorrede an Fulg.: Qucris * a me originem offiüionim — | 
Capilelindex. Das erste Buch beg. f. 35 ' Ea que in officÜM, 
das zweite Buch f. 59 '. Das Werk srMiestt {. 96 ' ut scrmo 
iir patcrnis sentenciis firmaretiU'. Es folgt De affinitatibiia 
et gradibiis. j Heredia ^ nonien iuiposuit — f. 96 " De agnatia 
et cogiiatis. Agnat! " dicti eo quod — f. .97 ' De predietia 
affinitatibuH ) Auetor' mei generis — and Weiteres üher Ver- 
tcandtechaftsuerhältnissii. f. 99' De üoniugiis uiris et feminia. | 
Uir * sexum significat — f. 100 ' anctoritate reprimi. Dazu nm 
Rd. : Explieit l' (sie) über beati ysidori de clericis et regiilia cle- 
ricomm '■' | utüis exortatio. Antiquis temporibus — f. 101 ■■ ad 
celcBtem putriani | (r.) obtima epl'a eontinens doeumentö fidei et 
quedam alia ainglaria (nie) dicta pro mentis illustrutione | Hee 
epl'a qnam legimus caritati iifc est directa ad gcotes. Et quia 
U08 — f. lOti' nitam uenturi seeuü. Explieit epl'a Explieit huiua 
uoluminis tractatus ultimua. cuius primum IJbrum scripsit dida- 
CUB de astigia tii[u ms familiaris domesticus nunc ü Ir ordis sei] 
(dan Eingeklammerte auf Ranur) ieronimi cuius aacre religionis 
Buscepit habiluni die sabbati - iü ■ inensis apriüs die u'o octa- 
uarum beatiasinii ysidori anno' dni . u . cccc . lxvii - in monasterio 
beatiaaimc uirginis eancle marie de guadalupe aliot u'o tracta- 
tuuin diuersi fuerunt Bcriptorea. hoc pffactum uolumen aupra- 
dictua didacus et eeteri acripBaerunt (sie) ex mandato dni iobannis 
alffonasi de logrono in decretia bachalarii ecele yapalefi uano- 



1 opp. ed. M&ar. p, 139 (vgl. £w(iH S. 236). — > Isid. EtTin. 

' cm, 1) = BmuI. ep. (80, B54 M.). — « Ind. de orig. offiu. VI, 363. — 

' » Auraüpe aus Iridor Etym. IX, e. 6 (III, 438). — » Ib. lU, 443. — 

^ Ib. in, 446. ~ ^ Ib. III, 152. — " D&rnnch suheint such la. de oS. 

' ecclOB. U, u. SO (VI, 15'2 sq.), wo derselbe Stoff behandelt wird, beuÜUt 




456 ▼. HarteL 

nici ad honorem et gPiam sanctissime trinitatiB et beatissime 
uirginis marie et ad laudem et memoriam beatiBsimi ysidori 
yspaleil archiepi patris sui deuoctissimi (sie), laudetur ihs nitoi 
de uirgine xps eiusque trinus et unus in etemum g^orificetv 

sempiternus honor. Amen. Ibique deo j>picio feria -t-xiidi- 
die marcii anni inmediate sequentis in aigilia anaciatioH 
Anitis uesperis eiindem ordinem fuit solenniter profesmu etii| 

f. 107 ^ feste sei stcphani jithomns die uero lune • nn • dfr 

cembris anno eiusde dni • v • cccc • lxix - ad ordinem sacer 
dotalem stitit rite promotus atque die dnica proxima seqnenti 
in feste circuncisionis primam missam ibidem solenniter cek- 
brauit. quem altissimus sua gfa muniat protegat atqne defendil 
et in eadem sca religione laudabiliter perseuerare saxmpi^ 
dies in pace iuste et sce finire concedat. Amen. 

9 IV 24 

40 min. ck. lU foU. *. XY. 

Flores Hieronymi mit Angabe der Quellen am Btmk 
V Rubricae flo% gloriosissi hieronymi de obedientia. £ P 
Fratros ' earissimi non queo qaem mente coneepi — f. 61' 
iit Hieronimi peccoris memineris Explicit doctrina bti Hieromv 
ex suis opibns egregie dineroata ■» cnm gratia dei. Deo gnA^ 
Amen. [ f. 61^ (r.) Incipiüt rubrice testamenti beati Hieronimll 
De Pace : ' r. ) Incipit Testamentum beati Hieronimi — f. 62' 
Reuerendissimo patri Damaso Portuensi epo ac Theodore senir 
tori urbis Rome elaris^imo. Eusebius- olim Hieronimi duci- 
piilus pium äetiim et gaudium. Dens omnipotens coi" mia fA 
ante fatiom — f. 02^ < r. De pace. | Hortor* nos carissioi 
mei — f. 84' nie reoomendes Gra dei. Explicit testametitt 
bti Hieronimi deo gratias. Am folg. Bl. Ui leer. f. 86' a 90» 
hier ab zHYiif^tkeilt r.. Ex libris omnimode hiatorie a di« 
lon>nimo editis sumariohim osoriptü felicit* icip* | ("Jolent* 
a*suoti uiatv^rvs adductis secum — f. ll-t'^a tande amaros 

et cortice* ot li^ sicca cv'^modebat. 



* K^aruU ttxoixAchoruK yHior o^jv XL o7l . — - Eu^ebios de morte Hi« 
.Hwr oi»jv XI. es>^ - » Ib 0. :^ XL iv5 . — • ? 



Bibliotheca painun Utinoram HispaoieDsis. 457 

9 IV 25 

(V D 11 IV Dai) m. 80 270 foll. s. XIV. 

f. 2r — f. 50^ Hieronymus de mris illustrUma, f. 51 ' Gregorü 
dialogi. Am Ende der langen Indices f. 56^ zwei orationea und: 
Angre q^ ms es custos pietate supema. Me tibi comissum salua 
defende gubema. f. 57' Quadam^ die — f. 270^ ipi fuerimus. 
Explicit dialogo^ deo gras amen. 

d I 1 

Hembr. fol. bip. pag. anni 992. in irestg. Miniukel.' 

Ist der berühmte Codex Emilianvs, den die Herausgeber der 
spanischen Concilien und des Fuero benützten, aus San Millan de 
la Qogolla stammend. Die folgenden Angaben sind der genauen 
Beschreibung Ewald's (S. 237) entnommen. Die Hs. enthält von 
f. 20 ab die Hispana. Auf die Concüienbeschlilsse folgen mit 
alleiniger Unterbrechung durch einen jüngeren Quaternio (f. 230 
bis 235) die Papstbriefe der Hispana,^ Dann folgt Isidor de 
generibus officiorum und andere Schriften desseJbefi bis de fide 
catholica aduersus iudeos, f. 341—^345. Dann de uiris illustribus 
und der ordo de celebrato concilio. In dem jüngeren Quaternio 
f. 230 — 235 findet sich unter anderen f. 230 uita uel gesta sancti 
Ildefonsi a Cixiliani episcopo edita, f. 231 epistola Eugenii ad 
Protasium, f. 232 de uisione habita Taioni episcopi in Romana 
^cclesia und Briefe Gregor L 

d I 2 

Membr. fol. bip. pag. anni 976 in schöner irestg. Minnskel.* 

Es ist der berühmte Codex Albddensis oder VigHanus, den 
Vigila mit seinem Genossen Sarradnus und seinem Schiller Garsea 
im Kloster Sancti Martini zu Albelda geschrieben und mit reichen 
Miniaturen ausgestattet. Die folgenden Angaben des vielbehandelten 
Codex sind Ewald (S. 238) entnommen, der die älteren Beschrei- 



» Greg. dial. 1. I (opp. II, 149). 

^ Von Loewe nicht beschrieben; doch vgl. Praef. der Tab. XXVII B, 
Ewald S. 236, Maassen, Geschichte der Quellen u. d. L. des can. Rechts I, 
p. 668 und Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch., LVl. Bd., S. 157. 
— ' Genaueres sagt Ewald über die Gregorbriefe, S. 287. 

1 Von Loewe nicht beschrieben. 



458 V- BftrteL 

bungen verzeichnet. Umere dem Codex Emilianus (d 1 1) nädut 

verwandte U$, bietet tcie jener von f. 20 oft — f. 238 die canonüche 

Sammlung^ f. 242 — f. 247 die Schrifien Iddor*8 bis de fide catho- 

lica contra iudeos; an die historia de Mahmeth seudoprophete 

f. 247 reiht sich der zweite Theil der Colleetio hiapanicay die /%p8^ 

briefe, dann f. 341 ff. de airis illustribua von Iddor, Ildefoiu, 

Julian und Felix. 

d m U 

(III C 12 IV I 7) m. 80 mtd. bip. fmg. 21 foU. s. IUI in. 

Auf dem Vorsetzblatt m. saec. XVI: alius liber : historia 
partium orientis in 4*^. guterius. 

f. 1 ^a itinerarium lerosolimonim. In nomine domini incipit 
liber qui appellatur itinerarium lerosolimorum (am Rande m. 
s. XV etwa: anno dni ()099). f. 19^ Ricardus di' grä rex 
AngF abbi de Claraualle.^ | Post laerimabilem et in commune etc. 
Grosser Brief, nachträgl, s. XIII eingetragen, f. 20''a (r, und 
gr.) : incipit prologus domni bemardi abbatis clareuallensis in 
uita sancti malachie episcopi^ | ()emper quidem opere pre- 
cium fuit illustres ico* describere uitas ut sint — f. 21 'b 
sunt uobis | Malachias noster ortus hibernia de popio barbaro 
— f. 21^a ad modü oib; graciosus Drei Viertelseiten blieben leer. 
Darauf zwei Indices s. XIV des Inhalts der Hs., als sie noch 
vollständig war: Hec continentur in hoc uolumine | lo'bes cri- 
sostimus de rcparatione lapsi. Vita sancti siluestri • Vita sancti 
hilarii miracula eiusdem. Vita sancti egidii. Vita sancti iobannis . | 
Passio 8 grisogoni sotiorumque eius. | Vita PS | oZ. m. : libr 

conteti | loies csost* de reparacione lapsi. Vita sancti siluestri . 
Vita sancti hilarii cum miraculis • Vita sti egidii • Passio sti 
grisogoni sotio^que eius . Vita beati leronimi . Vita sti alexis . 
Itinerarium ierosolimo^ . Vita beati malachie epi nonconplet | 
f. 2V s. XIV: Iste liber constat eccMe Barlynges.^ 

d m 21 

40 m. bip. pag. 228 foll. s. XIV. 

f. 1^ Casslodori Variarum libri 1 — 7. f. 98 ^a beginnt newe 
Zählung der folgenden ö Bücher (also zusammen 12) — f. 167 ^a, 

1 Von Richard von England an den Abt von Clairvaux über die Ein- 
nähme von Accon. Ewald, S. 243. — ^ Vit. SS. ed. Surius, 3. Nov., 
p. 27 (182, 1073 M.). — » ,Barling8 in der Grafechaft Lincoln?* Ewald. 



Bibliathwu putru IUI»»» Uapulannt. 459 

a als O.foi^t: Oassiodorjis de oniina. Am Sdilu^ae dieses 1'. 182'b 
coDusaciono tctare: ' Laus tibi eit xpe q'm liV cxpliuit iste. Nach 
einem iS^jafim«; Explicit expliceat ludere Bcriptor eat. f. 182' 
und ISS' von imderer Hd. a. XIV/XV: Paup dum non tet 
quod offerat non solum — qm te dcbeat condempnare. f. 184'a 
folgt wieder wi, (ivn modenier Hd. libe}-gchneben : De amicida et 
dilectione dei et proxirai tractatus). Quoniam diminute ' sunt 
ueritates a filiis hominum et refrigescente caritato — f. 222 'a 
gl'ie plenitudo deo gras, ommb; omnia non mea aompnia. 
f. 222'b Sprttckverse des Puhlilius Syriis. Alien« 5 omne quic- 
quid optando evenit Ab alio eicpecteB alteri quod feceris — 
f. 222''b Cum inimico nemo in gfä tuto reddit. f. 223' leer. 
f. 223' folgen Briefe von verschiedenen Händen s. XIV, aus 
denea Ewald S. 244 MittkeUungen macht. 

^d m 22 
*> bip. pag. m. IS9 tull. »iK. Sin in. 
f. i38''b am loUeren Rd. m. s. XIV: Lib sei Stcphani tosse 
DOuc Ylcbs que dedit d' p' tussus.' f . 1 ' am oberen Rd. zmei Zeilen 
in. XIII, von denen die erste zur Hälfte abgeschnitten : au epe. 
t'uj' aia reqescal in paee amen Quicüq ; Iiue librü furat' fuerit. 
1 eelau'it 1 titulü biic deleu'it. ait ppetuü anathema. f. 1^66 
Ennodii opera Briefe, Gedichte, Reden it. s. w. in derselben Ord- 
nung, in welcher sie die interpolirte Handschriftendaase bietet.^ 

Von anderer gleichzeitiger Hd. folgen f. 67—138'' luonis 
cpistolae (Decretum D. luonis camotensis epi von Bibliothekarshd. 
genannt) mit vorausgeschicktem Index, f. 138''b est consecratus 
Val; Trecente eple continentur in hoc uolumine ■ nn • ex- 
ceptis.' f. 138' und 139 ' andere Briefe von gleichzeitigen Handelt. 
f. 138'a Amieo kiiio et iiitimo ■ e ■ ir bern glam q' ab int' -S- 
7 g'ram q' desup uen'.^ Homo d'i no t'pides exuere Lomine — 
f. 138'b AmantisBJmo patri et d'no d'i gVa su^o ponlifici 

> Ousit>a. 70, 1308 M. — ' Cwsiodur ? V 

' ,Qaem dedit Daimpertas (?) . . . episcopus (?)■ lieat EwalJ a. a. O. 346, 
— ^ Vgl. Ennodii Opera ed. Hartel praef, jj, \TI and XV, — = Es sind 
nach Ewnld 27S, m Ueberachrifteu und Keilieufotge aicli an die Vulgata 
MUchlieHieud (163 M.). — ' Dieser und die fulgenden Kwei Briefe Bam- 
hwds vou Clairraux Nr. Äüö, 338, 377 ©d. Manr. 



460 ▼. Hftrtttl. 

• e • B clarevaü uocat^ abBs. modic^ id d -S' Auditu* -v intri 

nr*a 7 celebri — f. 139'a kmo pat 7 dSo 8-21 gS fidionirij 
abbi (r\ b. clareualt uocat^ abb. s^pm consilii ^ consolationk 

Visis qb;dam litis u^ris qs ad d tnroo' - 

d IV 9 

(TI C 17 V D 4) ISO m. S70 foU. 8. XV. 

In Italien geschrieben, enthält ausser Anderem (bes. Bosär 

Ventura): f. 1 '^ff. Flores sei ieronimi eccKe doctoris eximii «umpti 

ex ueris dets et uerbis originalibus eiasdem | Fratres cariaani 

non queo * quem mente concepi — . Auf Vor- und NachsädM 

ausser Recepten unter Anderem ein ital. Gedicht von (oder anf) 

ff 
Jacoponus de tuderto f. 269' Segniore mio p cortexia miisM 

la malsania etc. 

d IV 16 

120 misc. 131 foU. 

Enthält ausser Anderem m. s. XV: Auctoritates bti ysidori. 

d IV 22 

120 m. 48 foU. s. XV. 

Auszüge aus Augustin. 

e I 13 

S m. trip. pag. 1S5 foll. smc. X^XI. In westf. Scbiift. 

Auf dem Vorsetzblatt Fue de Jorge de Beteta und f. 1' 

Diolc a SU mag Don lorge de Beteta. Am Anfang vm 
Ende verstümmelt. Zahlreiche Pergamentstreifen herausgeschnitten 
f, 22 trägt die erste Quaternionenbezeichnung xvn q; die /* I 
heren sind wohl weggeschnitten, 2^ ^ QucU, gehen jetzt noch dat 
17. voraus, ohne sichtbare Bezeichnung. Die Hs. schliesst mit d^ 
Quatemio 34 : xxxiiii q. Die ersten Worte des nächsten QuaterA 
sind unten cursic (wie immer in diesem Codex) neben die Qiiater' 
nionenbezeichnung geschrieben : gaudio celestium. 

Die Hs. enthält Concilieu, und zwar die Hispana,^ f. 1'» 
abrupt beginnend: peccauerint nee cibum suum sumat. Die Con- 

* Hier. Sermo opp. XI, 215. 

* Vgl. Momorias de la real Aeademia de la historia II, 566 fT., 682 iL 
Ewald. S. J47; Maassen, Geschichte der Qaellen I, S. 670, N. 13 rat 



Bibliotbeca pafcmm Uünornm Hispaniensis. 461 

cilia Toletana reichen bis zu dem 17. y f. 82'c sinodus bracaren- 
sis prima, dann noch zwei bracar., concilium spalense, c. emere- 
tense;