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Full text of "Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe"

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SITZUNGSBERICHTE 



DER KAISEBLfCHEN 



AKADEMIE DER WISSEmSCHAFTEN. 



PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE. 



FÜNFZIGSTER BAND. 



»^»0^§000— 



WIEN. 

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREL 

m COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN. BUrHIlÄNOLRR DER KAIS. AKADEMIE 
DER WISSENSCHAFTEN. 

186S. 



SITZIINGSBERIGHTE 



DER 



PHILOSOPHISCH-HISTORISCHEN CLASSE 



DER KAISERLICREN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



FÜNFZIGSTER BAND. 

.Jahrgang 1865. — Heft I bis IV 
(IKit 1 Caftl.) 



» • • ■',»•■ 



WIEN. 

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRICKRREI. 

IN COMMISSIOfl BEI KARL GEROLD'S SOHN. BCCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE 
DER mSSENSCHAFTEN. 

186S. 



S5i-T9«-; 



INHALT. 



Srit« 

Mizung vom 5. April 1865. 

Bergmann, Darlegung mehrerer bisheriger Systeme für Anordnung Ton 
Sammlangen mittelalterlicher und moderner Mäu- 
sen und Medaillen und Begründung einet wiaatnachafl- 
lichen Systems von Kaiser Karl dem Grossen bis auf unsere Ta{;e 3 
Pfizmüier, Die Beherrscher Japans in dem Sagenseitalter (II. Abth.) S 
Sitzung vom 19. April 1865. 

Siegei, Bericht der Weisthumer-Commission 64 

Silsung vom 26. April 1865. 

BeimUeh, Über den phonetischen Werth eines Hieroglyphenzeicheni • 73 
SiUung vom 10. Mai 1865. 

V. Kar^an, Bericht über die Thatigkeit der historischen Commission 
der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften wihrend der 
akademischen Verwaltungiyahre 1S62 auf 1863 und 1663 bis 
letxten December 1864, vorgetragen in der Cummissionssitzung 
vom 10. Mai 1865 und darnach in der Classensitiung desselben 
Tages durch den Berichterstatter derselben 93 

— Bericht über die Thitigkeit der Concilien-Commission wahrend 
der akademischen Verwaltung^'ahre 1862 auf 1863, und 1863 bis 
Ende 1864, vorgetragen in der Classensitxung vom tO. Mai 1865 
durch den Berichterstatter derselben 105 

»Umuug vom 17. Mai 1865. 

Halm, Verzeichniss der ilteren Handschriften lateinischer Kirchen- 

viter in den Bibliotheken der Schweiz 107 

— Zu Lactantius de mortibus persecutorum 161 

— Zu Minucius Felix . 168 

Verzeiehnist der eingegangenen Druckschriften April — Mai .... 173 



II 



Slitxuiig vom 14. Juni 1865. 

Pfitmaier, Die Auslegungen zu den Nachrichten von den Söhnen des 

Gottes I-za-nagi 179 

Silxunn^ vom 21. Juni 1865. 

Ernennung 265 

Vahlen, Beitrfige zu Aristoteles Poetik 1 — 

9Hmung vom 28. Juni 1865. 

Müller, Über den Ursprung der Schrift der malayischen Völker (Mit 1 

Tafel.) 318 

Verzeichniet der eingegangenen Druckschriften 327 

SUxung^ vom 12. Juli 1865. 

Binchoff, Beitrage zur Geschichte des Magdeburgerrechtes 333 

ZingerU, Eine Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert .... 371 
— Zu Pleier^s Garel 449 

RoetUr, Über die griechischen und türkischen Bestandtheile im 

Rominischen 559 

Sitzung vom 19. Juli 1865. 

Kvlcala, Beitrage zur Kritik und Erklining des Sophokles. III. ... 613 
Silzunn; vom 26. Juli 1865. 

Reiffertcheid, Die römischen Bibliotheken 737 

Verzeichniaa der eingegangenen Druckschriften 773 



SITZUNGSBERICHTE 



DRK 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



PIIII.OSOPIIISCII-IIISTORISCIIF. CLASSE. 



L. BAND. I. HRFT. 



JAHRGANG 1865. — APRIL. 



SITZUNG VOM 5. APRIL 186S. 



Der historischen Commission wird zur Aufnahme in ihr Archiv 
eingesandt : „Geschichte der Wiener Marktordnungen von den ältesten 
Zeiten bis zu Ende des 18. Jahrhunderts", von Herrn Alexander 
Gigl, BibliotheksofGcial im k. k. Staatsministerium. 



Herr k. Rath Bergmann legt eine Abhandlung tür die Denk- 
schriften vor: „Darlegung mehrerer bisheriger Systeme für Anordnung 
von Sammlungen mittelalterlicher und moderner Münzen 
und Medaillen und Begründung eine^ wissenschaftlichen Systems 
von Kaiser Karl dem Grossen bis auf unsere Tage". 

Seit etwa anderthalb Jahrhunderten wird nicht allein den an- 
tiken, sondern auch den mittelalterlichen und modernen Münzen und 
Medaillen eine mehr und mehr sich erweiternde Aufmerksamkeit 
und Pflege gewidmet. 

Durch universelle Sammlungen lernen wir die vielen wech- 
selnden Sorten des in verschiedenen Epochen in allen Ländern 
cursirenden Geldes kennen; vornehmlich aber verwahren und erhalten 
Medaillen uns werth volle Denkmale der Geschichte sowohl als der 
Kunst in kleinem Rahmen, indem sie manches historische Datum und 
so manches treue Biidniss hervorragender oder hochverehrter Per- 
sönlichkeiten späteren Geschlechtern überliefern und den jeweiligen 
Charakter, das Gepräge ihrer Zeit, einfach und klar an sich tragen. 

Dieser mehrfache Werth der Münzen und Medaillen, kurz der 
Numismatik, wird mit steigender Theilnahme allenthalben anerkannt 
und gewürdigt. 



4 J. ßergni»nn, Darlegung mehrerer Systeme 

Wir küiiiien die bisherigen Anordnungen, welche in universellen 
Sammlungen mittelalterlicher und moderner Münzen und Medaillen 
(diese seit etwa 14J>0) seit dritthalb Jahrhunderten in Deutschland 
eingeführt waren und zum Theile noch sind, füglich in dreierlei 
Systeme eintheilen, als: a) in das hierarchische oder kir- 
chenf ürstliche; b) m das lai enfürstl ich e, je nachdem die 
Münzen der Päbste und anderer geistlichen Fürsten oder die der 
Kaiser und Könige die Sammlung eröffnen, in welchen beiden Syste- 
men die geistlichen und weltlichen Münzherren nach ihren verschie- 
denen Rangstufen abwärts gegliedert und zersplittert worden sind; 
und r? in das geographische System, indem einige Numismatiker 

— nach EckheTs Vorgang in der antiken Numismatik — mit dem 
äussersten Westen Europa*s, mit Portugal ihr System beginnen, was 
die Portugiesen, wenn es ihnen so gefallt, zu thun belieben ; andere, 
wie Leitzmann, mit jenen Münzen des Orients, welche in die Zeit 
unseres Mittelalters fallen, von mo aus er nach dem Abendlande 
vorrückt; der russischkaiserliehe Staatsrath v. Reiche! macht in 
seiner reichen Thaler-Sammlung mit Russland den Anfang und steigt 
vom hohen Nordosten zu den anderen europäischen Staaten herab. So 
mögen französische Numismatiker in der Anordnung ihrer Cabinete 

— wie wir Deutsche — mit Charlemagne, oder noch früher mit den 
merowingischen oder gar keltischen Münzen mit vollem Rechte ihre 
Suiten eröffnen. 

Dem Referenten sind über ein Dutzend in Deutschland nach und 
nach eingeführte Systeme für Anordnung von Sammlungen mittel- 
alterlicher und moderner Münzen und Medaillen bekannt, denen es 
mehr oder minder an klarer, übersichtlicher Ordnung und an leichter 
Handhabung, zumal in einem reichen, vielbesuchten Cabinete gebricht. 

Die Schemata, die nach den oben genannten drei Haupt- 
systemen in dieser umfassenden Abhandlung dargelegt werden, sollen 
das Unzweckmässige und Unpraktische derselben darthun und be- 
gninden. 

I. Die erste Stelle für uns hat das römisch -deutsche 
Kaiserreich von Karl dem Grossen bis 1806. Da wir Deutsche 
diesem allgewaltigen Schöpfer der Ordnung im Abendlande unsere 
ersten Münzen verdanken, so können wir ohne Anmassung mit ihm 
die mittelalterliche Numismatik beginnen und mit seinen 
Nachfolgern im römisch-deutschen Reiche die Kaisersuite nach den 



von Saininluii^en mitfelalt. Münzen u. MedHilIen etc. O 

regierenden Dynastien chronologisch fortsetzen, zumal diese Herr- 
scher sich für die ersten Fürsten der Christenheit hielten und auch 
als solche galten, und kraft ihrer kaiserlichen oder königlichen 
MachtYollkommenheit erst geistlichen Würdenträgern, dann welt- 
lichen Fürsten, Grafen, Städten und Ständen des Reiches, in 
früherer Zeit, ja bis über die Mitte des XVIII. Jahrhunderts nicht nur 
in den deutschen, sondern auch in welschen Landen das 
Münzrecht verliehen haben. 

Durch Tolle dreihundert Jahre von 1440 bis 1740 sassen un- 
unterbrochen Fürsten aus habsburgischem, und nach Karl VII. von 
Bayern (von 1742 — 1748) seit 174S aus lothringischem Stamme auf 
dem Kaiserthrone bis auf Franz IL, der mit der Auflösung des 
tausendjährigen deutschen Reiches am 6. August 1806 die Kaiser- 
krone niederlegte. Ihre Landesmünzen, die kaiserliche Titel und 
Wappen etc. führen, bilden mit ihren Kaisermünzen vereint einen 
grossen, reichhaltigen Körper. 

II. Österreich, die deutschen Bundesstaaten und 
die antiquirten (geistlichen und weltlichen) Reichsstände. 
Mit demselben Kaiser Franz, der am 11. August 1804 als erster 
dieses Namens zum Erbkaiser von Österreich sich erklärt hat, erölTnen 
wir die Suite der österreichischen Kaisermünzen, denen die 
Münzen der einzelnen Reiche und Lande vor ihrer Vereinigung mit 
dem Herzlande Österreich, wie auch die der herzoglichen und seit 
1453 erzherzoglichen Nebenlinien angereiht sind. 

Mit Österreich sind die anderen Staaten des deutschen 
Bundes, der durch die Bundesacte ddto. Wien, 8. Juni 181 S 
errichtet wurde, als Souveräne, kleine wie grosse, gleichmässig 
münzberechtigt und sie alle werden daher statt nach der alther- 
gebrachten Einthcilung in ihre verschiedenen Rangeabstufungen zu 
unserem numismatischen Zwecke in eine leicht fassliche alphabe- 
tische Ordnung gebracht, nämlich von Anhalt bis Württemberg. 

Diesem lebenden, fortmünzenden Körper folgt das numismatisch 
antiquirte, abgelebte, nicht mehr münzende Deutschland in zwei 
Abtheilungen; es bilden nämlich: A. sämmtliche am 2S. Februar 
1803 secularisirte geistliche Reichsfürsten, als Kurfürsten, 
Erzbischöfe , Äbte und Äbtissinnen, die vom Kaiser und Reich ohne 
Unterschied ihres Ranges gleich münzberechtigt waren, promiscue in 
alphabetischer Ordnung den einen Theil » und den andern B. sämmt^ 



6 J. Bergmann, Darlegung mehrerer Systeme 

liehe weltliche, sowohl erloschene als auch bei der völligen 
Auflösung des Reiches im Jahre 1806 mediatisirte meist neufurst- 
liche, gräfliche und freiherrliche münzberechtigte Familien, ebenfalls 
promiscue alphabetisch. Grössere geordnete Massen, wie sie jeder 
dieser beiden alten Reichskörper bildet, sind leichter zu übersehen 
als getrennte, zerstückte, zersplitterte Glieder. 

III. Von Deutschland gehen wir natürlichen Ganges zur Schweiz 
über, zumal Bischöfe, Äbte, Dynasten und Städte dieses Landes von 
den deutschen Kaisern und Königen ihr Münzrecht erhalten hatten 
und die späteren Cantonsmünzen deutschen Charakter und Typus an 
sich tragen. 

IV. Aus der Schweiz steigen wir nach Italien hinal), das einst 
mit dem mächtigen deutschen Reiche in engerer Verbindung und 
Abhängigkeit war; zudem hatten viele weltliche Fürsten und Herren, 
Bischöfe und Städte von den Ottonen und Hohenstaufen etc. ihre 
Münzprivilegien erhalten. 

Bis zum Jahre 1859 war Italien in die seit dem Wiener Frieden 
1815 in dieser Halbinsel regierenden Souveräne und in ein lialia 
nnmiamatica antiquata nach unserem Systeme numismatisch ab- 
zutheilen. Nach der dermaligen Lage der Dinge sind factisch nur 
drei Souveräne in Italien, der Kirchenstaat, das sogenannte Königreich 
Italien (17. März 1861) und das lombardisch-venetianische Königreich, 
alles Andere fiele nunmehr der Italia numismatica antiquata zu, 
welche gleich dem antiquirten Deutschland aus zwei Abtheilungen 
besteht, nämlich: a) in vor Alters münzberechtigte geistliche 
Würdenträger und bj in weltliche sowohl erloschene als unter- 
thänig gewordene Republiken und Familien höheren und niederen 
Ranges, jede Abtheilung in einen Körper promiscue alphabetisch 
vereinigt. 

Von Italien setzen wir über das Mittelmeer nach der pyre- 
näischen Halbinsel und beginnen mit dem Westen. Es folgen: 

V. Portugal; VI. Spanien mit den früheren getheilten 
Königreichen; VII. Navarra, VIII. Frankreich nach allen seinen 
Phasen, ferner a) mit seinen geistlichen, vordem münzberech- 
tigten Würdenträgern, und b) weltlichen, vordem münzenden 
Dynasten; IX. Belgien mit den ehemaligen belgischen Provinzen; 
X. die N i e d e r 1 a n d e (Rata via) mit den ehemaligen sieben vereinigten 
Provinzen; XI. Grossbritannien, a) England, h) Schottland, ej 



von Sammlungen mittelalt. Münzen u. Medaillen etc. 4 

Irlands; XII. Dänemark; XIII. Schweden mit Norwegen; XIV- 
Russland, an das sieh XV. das alte Königreich Polen anreiht; 
XVI. die alten christlichen Reiche Bosnien, Bulgarien und 
Seryien, dann die neueren souzeränen Fürstenthümer Moldau, 
Wall ach ei und Servien in der europiiischen Türkei; XVII. das 
Königreich Griechenland; XVIII. die Münzen der in Griechenland 
und in der asiatischen Türkei zur Zeit der Kreuzzüge bestandenen 
Königreiche, Fürstenthümer und Grafschaften, kurz die Münzen der 
Kreuzfahrer. Die Münzen des osmanischen Reiches gehören in s 
Gebiet der orientalischen Numismatik. 

XIX. Die Münzen und Medaillen sämmlicher Städte, in alpha- 
betischer Ordnung. 

XX. Die Medaillen auf Personen yerschiedenen Ranges und 
Standes , mit Ausnahme jener , welche regierenden und münzberech- 
tigten Häusern angehören und diesen zugetheilt sind. 

XXI. Miscellanea, nämlich Medaillen biblischen, religiösen, 
moralischen, satirischen, chemischen etc. Inhaltes und unbestimmte 
Stücke. 

Den Schluss machen XXII. die aussereuropäischen 
Münzen in den vier Welttheilen Asien, Afrika, Amerika und 
Australien, nämlich die Münzen sowohl der colonisirenden euro- 
päischen Mutterlande mit romanischem und germanischem Charakter 
und solcher Schrift für ihre Colonien, als auch der aus denselben 
hervorgegangenen unabhängigen Staaten; die bilinguen 
Münzen sind ihren Münzherren zuzutheilen. 



Ür. Pfiiinaier 



Die Beherrscher Japans in dein Sagenzeilaller. 

Zweite Abtheilung. 

Von dem w. M. Dr. Aogost Pfii maier. 

(Vorgelegt In der Sitinng am 2. November 1864.) 

Die Söhne Fik«-f«-no iii-iii-gi-iio Hik^U^s. 

In der ersfen Urkunde, welche Nachrichten von den Söhnen 
Fo-no ni-ni-gi-no mikoto's bringt, werden folgende Angaben, denen 
zu Folge nur zwei Söhne waren, vorniisgeschickL 



^> 'j L l ^ * J i »] 7 ') P^ l t' "^^ L 1 1 ^ 

l .t> ^^^) ^ =» ^> 'Nt> 4- t ^ ^ ^ * ^ 
-j X 7 y i* ^ ^ iX^ 

Masa-ka a'katsu'katsi-faja'bi-ame-no osi-fo-mimi-no mikoto 
taka-mi-mumbi'HO mikoto-no mi-musu^me ame-jorodzu-taku-fata- 
tsi-fata-fime-wo mi-me-io si-tamai-te umi-maseru mi-ko-no mi-na- 
wa ame'tern-kuni'terU'fiko'fO'akari''no mikoto. Ko-tca wowari-no 



• , ^> 4- t /? 7 X * ' 



Die Beherrscher Japans in dem SageuiteltMlter. 9 

mura-zi-ra-ga towo-tm oja-nari. Tsugi-ni ame-nigm-kuni-nigiai 
ama-t^u fiko fo-no ni-ni-gi-no mikoto. Kono kamt owo-jama-tsumi" 
no kami-no musu-me ko-no fana-saku-ja'bime'-no mikoto-wo mi- 
me-to si'te umi-maseru mi-kth-tio mi-na-wa fo-maeri-uo mikoto^ 
tsugi-ni fiko-fo'f(^de-mi''no mikoto, 

Masa-ka a'kat8U'kai8i'faja''bi-ame-no osi-fo-mimi-no mikoto 
nahm Ame'jorodzu'taku''fata*tsi^fata''fime ^ die Tochter Taka-mi- 
musubi no mikoto'Sf zur Gemahlinn. Der Sohn, den diese gebar, führt 
deo Namen Ame-teru-kuni'teru-fikO'fO'akari'no mikoto. Derselbe 
ist der entfernte Stammvater der Geschlechtpr von Wowaru Der 
zweite Sohn ist Ame-nigisi'kuni^nigisi-ama'tsu fiko fo-no ni^ 
ni-gi-no mikoto. Dieser Gott nahm Eo-no fana-no saku-ja-bime» 
die Tochter des Gottes Owo-jama'tsumi^ zur Gemahlinn. Der Sohn, 
den diese gebar, führt den Namen Fo-imserino mikoto. Der zweite 
Sohn ist Fiko-fo-fode-mi-no mikoto. 

Ame-terU'kuni'terU'fiko fo-akari-no mikoto bedeutet: der in 
dem Himmel leuchtende, der in dem Lande leuchtende vornehme 
Sohn, der Geehrte des Glanzes des Feuers. 

Die dem Namen Fo-no ni-ni-gi-no mikoto' 8 vorgesetzte neue 
Verbindung Ame-nigi8i'kuni'mgi8i ist die Znsammenziehung von 
Äme'nigi''i8i'kuni-nigi'i8i und bf*deutet: die übermässigen Steine 
des Himmels, die fiberrnSssigen Steine des Reiches. 

Otro-Jama-^«umt bedeutet: der grosse Berggott. 

Die Erzählung beginnt mit den Worten : 

t ' i 7 i ? 5" l I- f i" -f ' ° 
7- ^ 7 t ^ -). ' ^ 7 t 5 ^ ^ 



12 



Dr. Pfixmaier 



Fiko-fo-fo-dti-mi-KO mikoto war sehr betrübt und webkl icte 
an dem Ufer des Metres. Um diese Zeit begegnete ihm der Greis 
der Salzerde. Der Greis fragte: Warum verweilst du hier und 
bist so traurig? — Er erzählte ihm in seiner Antwort wie die Sache 
sirh veriiielt. 

Siwo-hutsi-no wodzi „der Greis der Sal/erde" ist, einer Nach- 
richt zufolge, ein anderer Name des Gottes Koto-kaUu-kuni-katsu- 
naga-ea, ursprünglichen Beherrschers des Keicbes A-la. 



^^^i^^ s -^r ixl W h L ^ 

Odzi: wata iia-ure-masi-so, are na-gn mikoto-no mi-tame-ni 
kotO'fakari-seniU'io, mawosi-te ma'Uasi'kataU'nia'tco tsukuri-te fiko- 
fo-fo-de-mi-no mikoto-wo katsu-nia-uiUsi-ni ire-matauri-te umi-ni 
siäzumure-ba ono-dzukara-ni umasi-tco-fama ari, koko-ni kaisH- 
fna-wo Butete ide-maBi-si-ka-ba tatsl-matsi-ni wata-tsami-no mi- 
ja-ni itari-masi-Hu. Sono mi-ja-wa taka-gaki fime-gaki uruwasi- 
ku taka-dono ja-knzu teri'kagajaki-nu. 

Der Greis sprach: Betrübe dich ferner nicht, ich werde deinet- 
wegen, Gei'hrtcr, Ralh schaffen. — Er verfertigte einen Korb, der 
keine Zwischenräume hatte, setzte FiA*o-/b-/b-rf<?-wit-wo mikoto in die- 
sen Korb und versenkte ihn in das Meer, worauf sich von selbst ein 
liebliches Ufer zeigte. f)aselbst stiess Fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto den 
Korb von sich, stieg aus und gelangte plötzlich zu dem Palaste des 



Die Bebet rscber Japan* io dem SagenxeiUlter. J 3 

Meergottes. Dieser Palast hatte hohe Hauern, bergende Mauern 
von stattlichem Ansehen, Söller und Vordächer rerhreiteten leuch- 
tenden Glanz. 



^ ix 7 ij ^ y ^ ix ; 1) 1 V' 
h r ; ^ 7 t f h ; r? !' 

! I- ' r > r f , ,^ r ; 

Kiido-no moto-ni i ariy sono i-no uje-ni ju-tsu katmra ari 
jeda-wa sigereri. Toki-ni fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto sono ko-no 
moto-ni taiazumi-masu-ni simasi-ari-te kawo-joki woto-me kado-wo 
firnki'te ide-ki-te tama-moi-wo motsi-te midzu-kumamn-to si-te 
mi'fnaisuri'te odoroki-te kajeri-iri-te sono oja-tatsi-ni mawosi- 
keraku: kado-naru ko-no moto-ni medzurasi-ki fito i-masu-to, 
mawosi-tamai-ki. 

Unter dein Thore befand sieh ein Brunnen, Ober diesem Brunnen 
befand sich ein grosser Zinimthuum mit dichten Zweigen und 
Blättern. Fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto schritt unter diesem Baume 
auf und nieder. Nach längerer Zeit öffnete ein von Angesicht schönes 
Mädchen das Thor, trat heraus und wollte Wasser schöpfen. Als sie 
den Blick hinwandte, erschrack sie» ging in das Thor zurück und 
meldete ihren Eltern: Unter dem Baume an dem Thore beflndet sich 
oin wunderbarer Mensch. 



1 4 I)r. P f i « m ■ i e r 

t 7 7 * t 7'» ^ ^ ^ -^g :3 
1 i . ^ V f ^ 4-^ ^ 






f f f 1^ ' ^ 



Koko-ni wata-tsitmi-no kami ja-je-datami-wo siki-te i-te ire- 
matsnri'te simaraku ari-te ide'fnaseru'ju'e'wo toi-malmre-ba fiko- 
fo-fo-de-mi-no mikoto art^sama-wo tsubaraka-ni nori-tamai-kL 

Der Meergott breitete sofort einen achtfachen Teppich und 
liess, indem er vorausging, den Gast eintreten. Nach einer Weile 
fragte er ihn, aus welcher Ursache er hierher gekommen. Fiko-fo- 
fo^e-no mikoto erzählle ihm umständlich, was geschehen. 



'] 9 ;^ ^ ^. f 7 >M' 7 /. ^ ^ 



^-* j<^ i i f ^ ,- 7 ^ ^ ^ , 

Kare wata-tsumi-ni kamt fata-no firo-mono fatn-no sa-mono- 
wo atHumete seme-to-ni mina airazu-to mawosu^ tada aka-me kono- 
goro kutsi'WO jami-te ma-i-kozu. Ana-gatsi-ni mesi-te sono kutsi- 
wo saguri'si'ka-ba use-ni-si tsuri-bari ari-ki. 

Der Meorgott versammelte die Thiere mit breiten Flossen, die 
Thiere mit schmalen Flossen und verhörte sie. Alle antworteten, 
dass sie nichts wissen. Bios der Steinbrassen hatte um diese Zeit 
einen kranken Mund und erschien nicht bei der Versammlung. Man 
holte ihn mit Gewalt und untersuchte seinen Mund, da fand sich der 
verlorene Hamen. 



Die Beherrscher Japans in dem Sagenzeilalter. 1 5 



Kaku'te fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto waia-fsumi-no kami-no 
musu'me toja-tama-fime-wo mesi-te wata-taumi-no mi-ja-ni sumi- 
tamai'te mi-tose-ni nari-nu. So-ke-mo tanuai-ki tokoro nare-domo 
nawo kuni-wo omowosi-te wori-wori nageki-tamai-ki, Toja-tama- 
fime kikasi'le sono tsUsi-ni mawosi-tamawaku : ama-tau kami-no 
mi'ko uraburete siba-siba nageki-si-tamd-wa kuni-sinubi-tamö- 
naramu, 

Fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto nahm hierauf Tojo'tama-fimey die 
Tochter des Meergottes^ zur Gemuhlinn und wohnte in dem Palaste des 
Meergottes, wo er drei Jahre verbrachte. Obgleich dies ein erfreu- 
licher Aufenthaltsort war, sehnte er sich noch immer nach seinem 
Reiche und wehklagte von Zeit zu Zeit. Tojo'tama-fime , welche 
dies hörte, sprach zu ihrem Vater: Dass der Sohn der Gottheit des 
Himmels schmerzlich betrübt ist und so oft wehklagt, wird dess- 
wegen sein, weil er sein Reich leidenschaftlich liebt 



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Die Beherrscher Japans in dem Sagenxeitalter. 1 f 

Ferner überreichte er ihm den Edelstein des Eintrittes der 
Fluth sammt dem Edelsteine des Eintrittes der Ebbe und gab ihm die 
folgende Weisung : Wenn du den Edelstein des Eintrittes der Fluth 
eintauchst, wird die Fluth plötzlich ihre grösste Höhe erreichen. Auf 
diese Weise lasse, o Geehrter, deinen älteren Bruder versinken. 
Wenn es deinen älteren Bruder reut und er fleht, so tauche wieder 
in das Wasser den Edelstein des Eintrittes der Ebbe, die Fluth wird 
dann von selbst eintrocknen. Auf diese Weise komme ihm zu Hilfe. 
Wenn er sich in solcher Verlegenheit befindet, wird dein älterer 
Bn«der, o Geehrter, dir von selbst Gehorsam leisten. 






^ 



Kajeri-masamu-to suni toki-ni nari-te toja-tama-fime ama- 
isu kami-no mi-ko-ni mawosi-tauraku: Are farami-nu, umi-namu 
toki fisasi'karazi, Kaze-nami faja-karaniu fi-ni umi-beta-ni ma-i- 
de-namu, a-ga tame-ni ubu-ja-wo tsukuri-te matsi-tamaje-to, 
mawosi'tamai'ki 

Als die Zeit gekommen war» wo man heimkehren sollte, sprach 
Toja-tama-fime zu dem Sohne der Gottheit des Himmels : Ich bin 
schwanger. Die Zeit, wo ich gebären werde ^ kann nicht mehr lang 
sein. An einem Tage, wo Wind und Wetter schnell gehen werden, 
werde ich mich an das Ufer des Meeres begeben. Baue daselbst f&r 
mich ein Wochenhaus und warte. 



SiUb d. phil.-hist. Cl. L. Bd. 1. Hft. 



18 Dr. P f i s « a i e r 

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Sude-ni-site fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto mi-ja-ni kajeri-masi- 
te fitaburu-ni wata-taumi-no kami-no wostje-matsuri-si mani-mani 
si-tamai'kl. Irose fo-susori-no mikoto sude-ni tasinamerajete 
gitagai - matsuri ' te : ima -jori-notsi are-wa na-ga mikoto -no 
wazawoki-bito-to nari-namup inotsi-ike tamaje-to, im. Koko-ni 
sono mawo8U mani-mani tsui-ni jurusi-tamai-ki. Sono fo-suso- 
ri-no mikoto-wa a-ta-no kimi wo-fasi-ra-ga oja-nari. 

Als Fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto endlich in seinen Palast zurück- 
gekehrt war 9 befolgte er in allem die Weisung, welche ihm der 
Heergott ertheilt hatte. Sein älterer Bruder Fo-imsori-no mikoto» 
hierdurch in Verlegenheit gebracht, gehorchte ihm und sprach : Von 
nun an werde ich, o Geehrter, dein Gaukler sein, und mögest du mir 
das Leben schenken. — Diesen Worten gemäss handelte er« und 
jener verzieh ihm zuletzt. Fo-susori-no mikoto ist der Stammvater 
der Gebieter von A-ta, der Mitglieder des Geschlechtes Wo-fasi. 

Wo-fasi bedeutet : die kleine Brücke. 



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Die Beherrscher Japans io dem Sagenzeitalter. 1 9 

Notsi-ni tcjo-fama-fime saki-no tsigiri-no gotoku iroto tama- 
jori-'fime'WO i-te nami-kaze-wo sinugi-te umubeta-ni ma-i-ki-mcun- 
te mi'ko umi-tamawamu-to suru toki-ni nari-ie mawosi-tamawaku : 
a-ga mi-ko umamu-toki a-wo na-mi-tamai-so, Ama-tsu kami-no 
mi'ko modaje-arazu'te sinubi-ni ide-masi-te kaki-ma-mi-tamaje- 
ba t€JO'tama-fime mi-ko-umi-masu-toki-ni tatsti-ni nari-tamai-ki. 

Später setzte sieh Toja-tama-fime ihrer früheren Verabredung 
gemäss und indem sie ihrer jüngeren Schwester Tama-jori-fime 
voranging, dem Seesturme aus und begah sieh an dasJJfer des 
Meeres. Als die Zeit, wo sie gebären sollte, gekommen war, sprach 
sie: Wenn ich gebären werde, blicke nicht auf mich. — Der Sohn 
der Gottheit des Himmels nahm hierauf keine Rücksicht und trat 
heimlich hinzu. Als er verstohlen auf sie blickte, hatte sich 7o;o- 
iama-fime, die eben gebar, in einen Drachen verwandelt. 






Kare ito-fadzukasi-to omowosi-te: are-ni fadzi-mi-se-tama' 
ttaxaramasi'ka-ba umi-ga kunu-ga ai-kajoi-te toko-si-je-ni fedate- 
saramasi'wo , ima kaku fazi-mUse-tamaje-ba ika-de-ka-mo ni- 
mutsubimu'fo, i-i-te kaja-mote mi-ko-wo tmtmmUte umi-beta-ai 
suie-oki-fe umi-tsu-dzi-wo seki-te kajeri-iri-masi-ki Kare mi-ko- 
no mi -na- wo fiko'nagi'Sa'take'U'gaja'fuki-ajezU'no mikoto - to 
mawosu^ 

Diese glaubte, dass sie sehr beschämt worden und sprach: Wenn 
da mich nicht beschämt hättest, so wären das Meer und das feste 

2* 



20 Dr. Pfixniiiier 

L«nd in gegenseitiger Verbindung gestanden und dabei ewig von 
einander geschieden gewesen. Allein da du mich jetzt beschämt hast, 
wie sollten sie wohl an einander gebunden werden ? — Nachdem 
sie dies gesagt, wickelte sie ihren Sohn in Riedgras und setzte ihn 
an dem Ufer des Meeres aus. Sie verschloss hierauf den Weg des 
Meeres und kehrte in ihre Heimath zurück. Ihr Sohn erhielt jetzt 
den Namen Fik(h'nagi'Ba'taka''U'gaja*fuki'ajezU'no mikoto. 

Fiko''nagi'8a''take'nrgaja''fuki'aje%U'no mikoto bedeutet: der 
Yornehmta Sohn, der Geehrte des Verschlossenseins des Daches aus 
dem Riedgras des Tauchers, des Kriegsmuthes des Wellenrandes. 
Die nähere Erklärung dieses Namens ist in der weiter unten folgen- 
den Urkunde enthalten. 



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Noisi-ni fimBi-ku-aite fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto kamu-agari- 
maai-nu, fi-rnuka-no taka-ja-no jama-no fe-no mi-sa-zaki-ni wo- 
same-matsuri-ki. 

Lange Zeit nachher verschied Fiko^fo^fo-dc-mi-no mikoto 
göttlich und ward auf der vor dem Berge Taka-ja in Fi-tmtka 
befindlichen Anhöhe begraben. 

Taka-ja bedeutet: das bähe Haus. 

In einer anderen Urkunde wird Folgendes erzählt: 

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Die Beherrscher Japans io dem Sagenzeitalter. 21 

Irose fo-suseri-no mikoio-wa umi-aatai-masi, iroto fiko-fo-fo- 
dß-mi-no mikoto-wa jama-scUai-mctsi-ku Toki-ni ani-oto kcUa-mu 
nisaisi'WO kaje-iemu-io y i-i-te irose iroto-no satsi-jumi-wo motsi- 
ie jama^ni iri-te aisi-magu-ni süi-no karato-dani mijezu, Iroto 
irose-no satsi-bari-wo motsi-te umi-ni idete na-tsurasU'ni sara-ni 
je-tamawazu'te tsui-m sono fari'WO usinai-masi-ki. 

Der ältere Bruder Fo^suseri-no mikoio yerlegte sich auf die 
Ausbeutung des Meeres. Der jüngere Bruder Fiko-fo-fo-de-mi-no 
mikoto verlegte sieh auf die Ausbeutung der Berge. Die beiden 
BrQder sagten hierauf: Wir werden gegenseitig mit der Ausbeutung 
tausehen. — Der ältere Bruder nahm jetzt den ausbeutenden Bogen 
des jQngeren Bruders und ging in die Berge, um Wild zu suchen. 
Es erschien aber nirgends die trockene Spur des Wildes. Der 
jQngere Bruder nahm den ausbeutenden Hamen des älteren Bruders 
und ging an das Meer, um Fische zu angeln. Er fing aber ebenfalls 
nichts und verlor zuletzt seinen Hamen. 



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Koko-ni irose iroto-no jumi-wo kajesi'te ono-gafari-wo fatari- 
ki. Kare-iroto ureje-masi-te fakaseru tatai-wo jaburi-te fari-wo 
isnkuri'te fito-mi-ni mori-te irose-ni atttje-tamaje-domo torazu-te 
nawo moto-no fari-wo je'tnU'tO'ZO, iü-naru, Koko-ni fiko-fo-fo-de- 
mi'fi» mikoto semU'Snje siraxu samajoi-te umi-beta-ni ide-masi-te 
tatazumi'te Ttageki-masi-ki. 



22 Dr. P f i X m a i e r 

Der ältere Bruder gab jetd dem jüngeren Bruder den Bogen 
zurück und begehrte seinen Hamen. Der jQngere Bruder, hierüber 
betrübt, zerbrach das an seinem Gürtel hängende Schwert und Ter- 
fertigte daraus Hamen. Er schüttete diese in ein Sieb und gab sie 
dem älteren Bruder, doch dieser nahm sie nicht an und sagte: Ich 
will meinen Hamen wieder erhalten. — Fiko'fO''fo''de'fni'no mikoto. 
der nicht wusste^ M^as er noch thun solle, ging seufzend zu dem Ufer 
des Meeres» wo er auf und nieder schritt und wehklagte. 



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Toki-ni okina fitori tatsi-matai ki-te sitoo-tsutai-no wodzi-to 
na-nori-te: kimi-wa tare-zo, nani-no ju-e-ni koko-ni ureje-masu- 
to, mawoae-ba fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto »ono sama-wo nori- 
tamai-ki. 

Hierauf erschien plStzlich ein Greis. Derselbe nannte sich den 
Greis der Salserde und fragte: Wer bist du, o Gebieter? Aus 
welcher Ursache bSrinst du dich hier? — Fiko-fo-fo-de-mi-no 
mikoto ertShIte, was sich zugetragen. 




Die Beherrscher Japans in dem SagenzeiUUer. 23 

Wodzi sunawatsi fukuro-no naka-naru kusi-wo tori-idete 
tnUsi-ni nage-si-ka-ba i-wo-tau taka-mura-to nasi-nu. Kare sono 
take-wo tori-te owo-ma-ara-ko-wo tsukuri-te fo-fo-de-mi-no mikoto- 
wo kono naka-ni ire-matsuri-te umi-ni nage-ire-tsu. Aru-fumi-ni i- 
waku : ma-nasi-katsu-ma-wo uke-ki-ni aite foso-nawa-mote fo-fo- 
de-mi-no mikoio-^wo jui-tsukete sidzume-ki. 

Der Greis nahm hierauf einen in einem Sacke befindlichen 
Kamm hervor und warf ihn auf die Erde. Der Kamm verwandelte 
sich in fünfhundert Bambushaine. Der Greis nahm das Bambusrohr 
und verfertigte daraus einen grossäugigen groben Korb. Er brachte 
Fo-fo-de-^mi-no mikoto in diesen Korb und warf ihn in das Heer. 
In einem Buche wird gesagt: Er machte einen mit keinen Augen 
versehenen festen Korb zu einem Fahrzeuge, band an dasselbe Fo- 
fo-de-mi-no mikoto mit dQnnen Stricken und versenkte es. 



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Toki-ni waia-no soko-ni umaH wo-bama ari, fama-no mani- 
mani ide-mase-ba wata-tsumi-no tojo'tama-fiko'no mi-ja-ni itari' 
masi-nu. Sono mi-ja kaki-ja iakaku utena ura-guwasi, kadd-no 
to-ni i-arif i-no be-ni katsura ari. Sunawatsi sono ko-no moto-ni 
jori'iatsi'tamai'ki. 

Hierauf erschien auf dem Boden des Meeres ein liebliches 
kleines Ufer. Als Fo-fo^-de^mi-no mikoto diesem Ufer zuschiffte und 
ausstieg, gelangte er zu dem Palaste des Meergottes Tcjo-tama-fiko. 
Die Mauern und Warten dieses Palastes waren hoch, die Terrassen 



24 Dr. P f i I a 11 i e r 

im loneren zierlich. Vor dem Thore befand sich ein Bronnen und 
neben dem Brunnen ein Ziroratbaum. Fo-fo-de^mi^no mikoto stellte 
sich unter diesen Baum und lehnte sich an dessen Stamm. 

Ta)<Hiama--fiko bedeutet : der yornehme Sohn der reichen 
Edelsteine. 



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Jaja fistm-ku ari-^te üo-kawojoki woto^me ma-ka-tatai amata 
i'te utsi-jari ide-ki-te tama-moi-wo motsi-te miäzu-kumamu-to ai-te 
fo-fo-de-mi-no mikoto^wo dgi-mi-te odoroki-kajeri-te sono isitsi^ 
kami-ni mawesi-keraku: kado'Uo i-no be-naru ko-jio moto-ni tdioki 
marafito maseri, tada-bito-no sama^narazu, Most ame-jori kudare* 
ra-ba ame^uo furi aru-beku^ titUsi-jüri kiiarera-ba tatäri^tw furi 
ari^namu-wo» ma-küto^m ma^kuwasi sora-tau fiko'to iu mono» 

Nachdem eine geraume Zeit yergangen« trat ein von Angesiokt 
sehr schönes Mädchen an der Spitze einer Menge Dienerinnen aus 
dem Inneren und wollte mit einem aus einem Edelsteine terfertigten 
Gefasse Wasser schöpfen. Ais sie emporblickte und Fo-/bw/tf-mt-iio 
mikoto gewahrte , ging sie erschrocken zurück und meldete ihrem 
göttlichen Vater: Unter dem Baume, der neben dem Brunnen des 



Die Beherrscher Japans iü dem SagcnzeilHlicr. CO 

Thores, befindet sieh ein angesehener Gast, er ist nicht von der 
Gestalt der eigentlichen Mensehen. Ist er von dem Himmel herabge- 
stiegen, so sollte er das Aussehen des Himmels haben, ist er von der 
Erde gekommen, so wird er das Aussehen der Erde haben. Er aber 
ist wirklich, was man nennt, ein sehr zierlicher vornehmer Sohn 
des leeren Luftraumes. 



' f> ^ u^ ' I- 7^ •/ ^ ' 

Äru-fumi-ni iwaku : iojo-tama-fime-no ma-ka-tatsi tama-moi- 
wo motsi'te miäzu-wo kumu-ni mitsi-gataku-te i-no utsi-wo mire- 
ba fito-no emeru-kage saka-sama-ni läsureri. Ogi-mire-ba uruwan- 
ki kamt katsura-no ki-no uje-ni maseri. Fajeri-iri-te sono ktmi-ni 
mawosi'ki. 

In einem Buche wird gesagt: Eine Dienerinn Tojo-tame'fime*s 
schöpfte mit einem aus einem Edelsteine verfertigten Geflisse 
Wasser. Als das Geföss nicht voll ward, blickte sie in den Brunnen 
ond gewahrte, dass der lächelnde Schatten eines Menschen sich ver- 
kehrt abspiegelte. Als sie emporblickte, befand sich ein schöner 
Gott auf dem Zimmtbaume. Sie kehrte sofort zurück und meldete 
dies ihrem Gebieter. 



26 nr. P f i zro a i er 

l> - i-t^^5 1-7*1: h 

Koko-ni toja-tama-fiko fito-wo jari-te toi-keraku : mara-fito- 
tca tare-zo, tka-ni-site-ka koko-ni ki-maseru? Fo-fo-de-mi-no 
mikoio: are-wa ama-tsu kami-no mi-ko-nari-to^ nori-tamai-te ki- 
maaeru ju-e^wo tsuge-tamd. Toki-ni wcUa-no kamt rnukaje-wogami- 
te i'te ire-matsuri-ie ne-mo-koro-ni tsukaje-matsuri-te tojo-tama- 
fime-wo awase-matsuri-ki Kare wata-tsumi-no mi-ja-ni sumi- 
tamai'te mi-tose-ni nari-nu. 

Tojo-tama-fiko entsandte Leute und Hess fragen : Wer ist der 
Gast? Auf welche Weise ist er hierher gekommen? — Fo-fo-de- 
mi-no mikoio antwortete : Ich bin der Sohn der Gottheit des 
Himmels. — Zugleich meldete er, wesshalb er angekommen. Der 
Gott des Meeres ging ihm jetzt entgegen, bezeigte ihm seine Ehr- 
furcht und hiess ihn eintreten. Indem er ihm eifrig seine Dienste 
widmete, gab er ihm Tojo-iama-fime zur Gemahlinn. Fo-fo-de-mi-no 
mikoio wohnte jetzt in dem Palaste des Meergottes und verblieb 
daselbst drei Jahre. 






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Die Beherrscher Japans in dem Sag^ensaKalter. 27 

Kono notsi fo-fo-de-mi-no mikoto siba-siba nageki-tamai-ki, 
Tojo-tama'fime toi-matsuraku: ama-tsu kami-no mi-ko moto-tsu 
kuni-ni kajeramu-to omowosu-ka-mo? nori tamawaku: nka-nari, 
Tojo-tama'fime sunawatsi tsitsi-no kami-ni: koko-ni masi-masu 
uma-fito uwa-tsu kuni-ni kajeramu-to omowosu-to, mawoseri. 

Später ergüss sich Fo-fo^de-mi-no mikoto häufig in Klagen. 
Tojo^ama-fime fragte ihn : Wünscht der Sohn der Gottheit des 
Himmels in das eigene Reich zurückzukehren? — Er antwortete: So 
ist es. — Tojo'tama-fime sprach jetzt zu ihrem göttlichen Vater: 
Der hier wohnende Gast hat den Wunsch, in das äussere Reich 
zurückzukehren. 



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Koko-ni wata-no kami uwo-domo-wo jobi-atsumete sono tsuri- 
bari-wo magi-tö-ni am-uwo mawosaku : aka-me fisasi-ku kutsi- 
wojamerif kore-ga nomeru-naramu. Kare aka-me-wo mesi-te sono 
kutsi-wo mire-ba fari nawo-ari. 

Der Gott des Meeres rief hierauf die Fische zusammen und 
suchte jenen Hamen» indem er sie befragte. Ein Fi^ch mel iete 
ihm: Der Steinbrassen hat schon lange Zeit einen kranken Mund» 
er wird ihn wohl verschlungen haben. — Als man demnach den 
Steinbrassen herbeiholte und in dessen Mund sah, war daselbst der 
Hamen noch Torhanden. 









28 



Dr. P f i z m a i e r 



Sunawatsi tori-te fikO'fo-fO'de'ini'HO mikoto-ni tate-maisuri- 
te W09ije-mat$uri-kerakui tauri-bari-wo ima$i mikoto-tw irose-ni 
cUaje'tamawamu'toki-ni: madzi-no moto u-e-no fazime wabi-no 
ne-tOf iokoi-te notsi^ni aiaje-tamd-besL Mata imasi mikoto-no 
irose umi-wo waiaramu-toki-ni are-wa fajü'tsi taka-nami-wo 
tötete oborfm^tasiname-namu-tOf mawosi-ki. 

Der Heergott nahm hierauf den Hameo , Qberreichte ihn Fikth- 
fih'fo'de-'mi'no mikoto und ertheilte diesem die folgende Weisung: 
Wenn du» o Geehrter» deinem älteren Bruder den Hamen einhän- 
digen wirst» so sprich die Worte der Verwünschung: ^der Grund 
der Armuth, der Anfang des Hungers, die Wurzel des Elends*', dann 
erst magst du ihn ihm einhändigen. Wenn ferner dein älterer Bruder, 
Geehrter» das Heer befahren wird» werde ich» indem ich im 
Sturmwind die Wellen hoch aufthQrme» ihn untersinken und in 
Bedrängniss gerathen lassen. 



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Koko-ni fo-fo-de^mUno mikoto-wo wani-ni nose-matsuri-te 
mi-kuni-ni okuri-matsuri'kL Saki-ni wakare-tamawamu-to ae-si- 
toki toje-tama-fime omo-funi-ni mmoosi-te mawo8akn : are fajaku 
faramerL nami-kaze fafa-karamu fl-ni nmi-beta-ni ide-namu, a-ga 



Die Beherrscher Ja|ians in «lein SHgeiizi>italter. 29 

tame-ni ubu-ja-wo tiuiauri'te maisi-tamaje-to ^ tnateosi-ki Sono 
nofsi Uijo-tama-^me sono koio-no gotoku ma-i-te ki-te fö^o-de-mi" 
ne mkoto-ni: are ko-joi ko-umi-namu, na-mi-masi-so-to, mawosu. 
Fo'fO'de-mi'no mikoto je-sinubi-tamawazu-te knsi-mote fi-wo 
tomosüte mi-tamd-toki-ni tojo-tama-fime ja-firo-no owo-kuma-wanu 
ni nafi'te fai-mokofoi-ki. 

Hierauf setite er Fo-fo-de-mi-no mikoto auf ein Krokodil und 
gab ihm das Geleit zu seinem Reiche. Früher und zur Zeit, wo man 
im Begriffe war, sich zu trennen, hatte Tojo-tama'fime bei einer 
Gelegenheit gesagt : Ich bin ber<>it8 schwanger. An einem Tage, an 
welchem Wind und Welle schnell gehen werden, werde ich mich an 
das Ufer des Meeres begeben. Baue daselbst für mich ein Wochen- 
haus und warte. — Später traf Tofo^ama-fime , wie sie gesagt, an 
dem Orte ein und sprach zu Fo-fo-de-mi-no mikoto: Ich werde 
diese Nacht gebären, mögest du nicht zu mir hiublicken. — Fo-fo- 
de-mi-no mikoto, der sich nicht gi^duldeii konnte, zündete mit einem 
Kamme ein Feuer an. Als er hinbiickte, hatte sich Toß-tama-fime in 
ein acht Klafter messendes grosses Bärenkrokodil yerwandelt und 
kroch in Windutigen umher. 



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Tsui-ni fadu-mi-se-tamcgerti-wo nramesi-to omoi-te wata-vo 
kunl-ni kajeri-masi-ki Sono oto tama-jori-fime-too todomete mi- 
ko fifasi-matsurasi-mu. Mi-ko-no mi-na-wo fiko'nagi'Sa'take'U' 
kaja-fiiki-ajezu-no mikoto-to mawoan-ju-e-wa kano tuni-heta-no 



30 I)r. P fi s m a i e r 

ubu-ja mowara u-no fa-mote kaja-ni siie fuki-taru-ni imada 
awasenu'fodo-ni are-masi'keru-ju-e'ni sika na-dzuke-nuäsuri-kL 

ludem es ihr hasseiiswördig erschien, dass sie be>ehämt worden, 
kehrte sie sofort in das Reich des Meeres zurQck. Dabei hiess sie 
ihre jQnf^ere Schwester Tama-jori-fime zurückbleiben und das Kind 
aufziehen. Dass ihr Sohn den Namen Fiko^nagi-sa-take-ü^kaja'- 
fuM-ajezu-no mikoto (der vornehme Sohlt, der Geehrte des Unge- 
schlossenseins des Daches aus dem Riedgras des Tauchers, desKriegs- 
muthes des Wellenrandes) erhielt, geschah aus folgender Ursache. 
Jenes Wochenhaus an dem Ufer des Meeres war gänzlich mit Federn 
des Tauchers, welche man statt des Riedgrases verwendete, gedeckt 
und das Dach war noch nicht geschlossen, als dieser Sohn geboren 
ward. Zufolge diesem Umstände gab man ihm den Namen. 

In einer anderen Urkunde wird gesagt: 

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M * ' 1 * ' ' 

-^ J j ; V :i^ iy Ty 

Kado-no moto-ni si-midzu ari, sono si-midzu-no fe-ni momo- 
je-katsura ari. Kare fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto sono ki-no uje-ni 
wodori-agari'te taisi-masi-kl 

Vor dem Thore befand sich ein klarer Born. Über dem Born 
befand sich ein hundertäsliger Zimmtbaum. Fiko-fo-fo-de-mi-no 
mikoto sprang auf diesen Baum und stand daselbst aufrecht. 






Die Beherritclipr Japnns in dein Sagenzeitaller. 3 1 

Toki-ni waia-tsumi-no kami-no tnusu-me toja-tama-fime tama- 
moi-motsi-te midzu-kumamu-to si-te i-no utsi-ni fito kage-no am- 
wo mi'te dgi mi-te odoroki-te möi-wo otosi-te moi kudake-tsuru- 
wo-mo kajeri-mi-zu-te kajeri-iH-te oja-tatsi-ni mawosi-tamawaku : 
i-no be-no ki-no uje-ni fito masu, ito-kawo-joku sttgata-mo mifabi- 
te fotO'foto tada-bito 7iarazu-to, mawosi-tamai-ki. 

Um diese Zeit wollte TojO'tama-fime » die Tochter des Meer- 
gottes, mit einer aus einem Edelsteine verfertigten Schale Wasser 
schöpfen. Als sie sah, dass in dem Räume sich der Schatten eines 
Menschen zeigte, blickte sie empor und Hess erschrocken die 
Schale fallen. Ohne sich nach der zerbrochenen Schale umzusehen, 
kehrte sie zurQck und meldete ihren Eltern : Auf dem Baume zur 
Seite des Brunnens befindet sich ein Mensch. Er ist von Angesicht 
sehr schön, seine Gestalt leuchtet hervor, und es ist durchaus kein 
gewöhnlicher Mensch. 



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Toki-ni tsUsi-no kami kiki-te ajasimi-te ja-je-datami-wo 
tnakeie mukaje-ire-matsuri-te ide-masei'u-ju-e-wo toi-matsure-ba 
»ono ari-sama-wo tsubaraka-ni nori-tamai-ki. 

Als dies ihr göttlicher Vater hörte, verwunderte er sich. Er 
liess achtfache Matten legen, ging dem Gaste entgegen und hiess 
ihn eintreten. Als er ihn hierauf uro die Ursache der Ankunft fragte, 
erzählte der Gast in Kürze, wie sich die Sache verhielt. 



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Koko-ni wata-no kami üawasi-to omoi-te fata-no firo-mono 
fata-no sa'monO'WOJobi'atsMtneteseme'td-niminasirttzU'to fnawo8Ut 
tada aka-me kutsi-wo jami-te ma-i-kozu. Sunawatsi sumijaka-ni 
jobi'jüsete sono kutsi-wo saguri-si-ka-ba usmai-tamai-si tsuri-bari 
ari, Koko'Jii wata-taumi-no kami oki-te-te : ore kutsi-me ima-jori- 
notsije-wo na-nomi-sOf mata ama-tsu kami-Jio mi-ko-no mi-ke-ni 
na-adzukari'SO'iOf iü. Kutsi-me-wo ewo-mi-ke-ni fate-matsurazaru 
ju-e-wa kono josi-nari. 

Der Gott des Meeres erbarmte sieh seiner. Er berief die 
Thiere mit breiten Flossen, die Thiere mit schmalen Flossen zu 
einer Versammlung und verhörte sie. Alle sagten , dass sie nichts 
wüssten. Bios der Steinbrassen, der einen kranken Mund hatte, 
erschien nicht bei der Versammlung. Man rief ihn alsbald eilig 
herbei und als man seinen Mund untersuchte, fand sich daselbst der 
verlorene Hamen. Der Meergott erliess hierauf den folgenden 
Befehl : Da , o Steinbrassen , sollst von heute an keinen Köder ver- 
schlingen, du sollst auch nicht als Speise für den Sohn der Gottheit 
des Himmels bereitet werden. Dies ist der Grund, wesshaib der 
Sleinbrass^'n nicht als grosse Speise des Himmelssohnes gereicht 
wird. 

Der Steinbrassen, der sonst aka-me^ »das rothe Weib** genannt 
wird, heisst hier auch kntn-me „das Weib des Mundes**. Der 
gewöhnliche Name dieses Fisches ist ^ Jl tat. 



Die Beherrscher Jtpeiu i'd dem Sigeoseitalter. 33 



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Ftko'fo'fO'de'tni'no mikoto kajeri'tnasamu'to suru ioki-ni 
nari'te wata-tsumi-no kamt: ama-tau kami-no mi-ko kankoku 
wagari-ide-maseru jorokobi idzure-no fi-ka wasuremu-to , mawoti' 
te omoje'ba siwo-mitsu omojeba sitüo-firu tama-wo tsuri-bari-ni 
90jete tate-matsuri-te: ama-fau kami-no mi-ko ja-je-no kuma- 
dzi-iüo fedatsu'to ije-domo jori-jori ai-omowosi-te na-mte-tamai- 
90-to, mawosi'kL 

Als die Zeit kam, wo Fiko-fa-fo-de-mi-no mikoto heimkehren 
sollte, sprach der Meergott: Die Freude darüber, dass der Sohn 
der Gottheit des Himmels zu meinem Wohnsitz gekommen , an 
welchem Tage könnte ich sie vergessen? — Dabei fQgte er zu dem 
Hamen den Edelstein des willkürlichen Eintrittes der Fluth und 
den Edelstein des willkQrlichen Eintrittes der Ebbe, öberreichte 
ihm beides und sprach: Bist du, o Sohn der Gottheit des Himmels, 
durch die achtfachen Uferhöhen auch geschieden, mögest du zu 
Zeiten an mich denken und mich nicht zurücksetzen. 






SiUb. a. pbil.-hi8t. Cl. L. Bd. I. Hft. 3 





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iTffr^ woaije-matauri'keraku: kono fnri-wo imasi-no mikoto- 
no iroae-ni atoje-iamawamu-toki-ni : madzi-tsh forobi-tsL oforoje- 
dzi'to i'i'te siri-je-de-ni nage-ute atoje-tamaje, tnukai-te na-ataje- 
tamai'80. Mosi irose ikari-te sokonö-koto ara-ba siico-mitsu-tama- 
wo idasi-te oborase* Mosi najami-te megumi-tamaje-to kowa-ba 
siwo-firu-tama-wo idasi-te sukui-tamaje. Kaku senie-najamasa-ba 
ono-dzukara sitagm-namu-to^ woaije-matsuri-ki. 

Hierauf ertheilte er ihm die folgende Weisung: Wenn du diesen 
Hamen, o Geehrter, deinem älteren Bruder Qbergeben willst, so 
sprich die Worte: Armer Haken! verdorbener Haken! hinfälliger 
Haken! Gib dann den Hamen, indem du ihn nach rückwärts wirfst, 
gib ihn ja nicht mit zugewandtem Angesicht. Wenn der ältere 
Bruder zürnen und dir ein Leid zufügen sollte, so nimm den Edel- 
stein des Eintrittes der Fluth hervor und lasse den älteren Bruder 
versinken. Wenn er in Verlegenheit ist und dich bittet, Gnade zu 
üben, so nimm den^Edelstein des Eintrittes der Ebbe hervor und 
rette ihn. Wenn du ihn auf diese Weise quälst und in Verlegenheit 
bringst, wird er dir von selbst gehorchen. 







Die Beherrscher JapaDs in dem Sagenzeitalter. 3S 

Fiko-fO'fo-de^no mikoto sono tama-to tmiri-bari-to-wo ukete 
mi'ja-ni kajeri'ide'tnasi-kLMowara wata-tsumi-no kami-no wosije- 
ni mani^mani si-tamai-ki, M(idzu sojto fari-wo irose-ni ataje- 
tamö'ui ikari-te torazu, Kare oto-no mikoto stwo-mitsu-tama-wo 
idan-tamaje^ba siwo owoki-ni mitsi-ie irose obore-ki. Kare: are 
masi-ni tsukajete ja^tau^ko-to naru-besi, sukui-tnmaje^to im. Iroto- 
no mikoto siwo-firu-tama-wo idasi-tamaje-ba siwo ono-dzvkara 
f'te irose tairagi-nu. 

Fiko^fO'fo^de^mi'HO mikoto nahm diese Edelsteine sammt dem 
Hamen in Empfang und kehrte in seinen Palast zurück. Er befolgte 
io allem die Weisungen des Meergottes. Als er das erste Mal den 
Hamen dem filteren Bruder übergab, zürnte dieser und nahm ihn 
nicht an. Als jetzt der Geehrte, der jüngere Bruder den Edelstein 
des Eintrittes der Fluth hervornahm, stieg die Fluth zu einer gewal- 
tigen Höhe und der ältere Bruder versank. Dieser rief: Ich will dir 
dienen und dein Haussklave werden I Rette mich ! — Als jetzt der 
Geehrte, der jüngere Bruder den Edelstein des Eintrittes der Ebbe 
herrornahm, ging die Fluth zurück, und der ältere Bruder unter- 
warf sich. 



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Kakute irose saki-no koto-wo kajete: a-wa imasi-no irose 
naru-wo ika-de fito-no se-to ari-te oto-ni tsukaje-masi-to , tu. Oto* 
no mikoto mala aiwo-mitsu-tama-wo idaMi-tamd. Irose mi-te takaki 
jama^ni fasiri-nobore-ba siwo jama-wo iru, taka-ki-ni nobore-ba 
tiwo ki-wo iru. Irose sude-ni tasinami-te nu/e-inamu kata-nasi 
sunawatsi sitagai-tnatsuri-te mawosaku: are ajamatsi-keri, ima- 
jori-notsi-wa a-ga umi-no ko-no ja^so-tsudzuki imasi-mikoto-tio 
wazawoki-büo'to nari-namu (aru-fumi-ni iwaku inu-fitoj, jurusi- 
tamaje. 

Später jedoch nahm der ältere Bruder sein Wort zurQck und 
sprach: Ich bin dein älterer Bruder. Wie könnte ich aber, indess ich 
der ältere Bruder eines Menschen bin, dem jüngeren Bruder dienen ? 
— Der jüngere Bruder nahm wieder den Edelstein des Eintrittes der 
Fluth herTor. Als dies der ältere Bruder sah, lief er auf einen hohen 
Berg, allein die Fluth erreichte den Berg. Er stieg auf einen hoben 
Baum, allein die Fluth erreichte den Baum. Der ältere Bruder 
gerieth zuletzt in Bedrängniss und hatte keinen Ort, wohin er fliehen 
konnte. Er leistete Gehorsam und sprach: Ich habe mich geirrt. 
Von jetzt an sollen meine Söhne mit ihnen achtzig Reihenfolgen, 
Geehrter, deine Gaukler (in einem Buche heisst es: deine Hunde- 
menschen) sein. Mögest du mir dies erlauben. 












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Oto-no mikoto mata Biwo-firu-tama-wo idasi-tamaje-ba siwo 
ono'dzukara fi-nu. Koko-ni irose oto-no mikoto-no kusiki mi-itsu 



Die Beherrseber Japtas in den Sagen Zeitalter. 37 

arU'kotO'Wo scUori-ie tsui-ni sitogni^matsuri-ki. Koko-wo mote 
fo-smeri-no mikoio-no su-e moro-moro-no füja-fito-ra ima-mo 
sume-ra-mikoto-no mi-ja-kaki-no moto-wo fanarezu inu-ni kawari 
fojete tsukaje-mcttBuru-iiari. Jo-no fito use-taru fari-wo fatarazaru- 
wa kono josi-nari. 

Der Geehrte, der jüngere Bi'uder nahm wieder den Edelstein 
des Eintrittes der Ebbe hervor, worauf die Pluth ton selbst ein- 
trocknete. Der ältere Bruder erkannte jetzt, dass der Geehrte, der 
jOngere Bruder mit wunderbarer Kraft ausgerüstet sei und leistete 
ihm sofort Gehorsam. Aus diesem Grunde trennen sich die Nach- 
kommen Fa-Buserir-no tnikotos , die sämmtlichen Hitglieder des 
Geschlechtes Faja-fitOf noch heute nicht yon den Palastroauern des 
allgebietenden Geehrten und widmen ihm , indem sie anstatt der 
Hunde bellen, ihre Dienste. Dies ist auch die Ursache, wesshalb die 
Menschen des Zeitalters eine verlorene Nudel nicht begehren. 

In einer anderen Urkunde wird Folgendes gesagt: 



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Irose fo'sussri-no mikoto-wa umi-satsi-nari, kare umi-satai' 
fiko'io iu. Iroto fiko'fo'fo'de -mi-no mikoto-wa jama-satsi-ni masu, 
kare jama-satsi-fiko'io mawosu. Irose-wa ame-kaze-no wori-goto-ni 
saki-^oo je-zu. Iroto-wa ame-kaze -ni aje-domo aono sakitagawazv. 

Der ältere Bruder Fo^euseri-no mikoto hatte die Ausbeutung 
des Meeres, desswegen heisst er: der vornehme Sohn der Aus- 
beutung des Meeres. Der jüngere Bruder Fiko-fo-fo-de-mi-no 
mikoto hatte die Ausbeutung der Berge, desswegen heisst er: der 
vornehme Sohn der Ausbeutung der Berge. So oft Regenund Wind 
eintraten, erlangte der ältere Bruder nicht die Beute. Ob auch 
Regen und Wind eintraten, die Beute des jüngeren Bruders war dess- 
w^eo Dicht verschieden. 






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Toki-ni irose iroto-ni: are imasi-to satsi-wo kajete kokoror 
mimu'to iu. Oto-no mikoio ubenai-te kaje-tamai-kL Toki-ni irost" 
wa irose-no jumi-ja-wo motsi-te jama-^ni iri-te sisi-karu, iroto-wa 
irose-no tsuri-bari-wo matsi-te umi-ni ide-fe na^tsurasu-ni tomo-ni 
saki-naku muna-te-site kajeri-tamai' ki* 

Der filtere Bruder sprs^ch hierauf zu dem jüngeren: Lasst uns 
beide mit der Ausbeutung wechseln und auf diese Weise einen Ver-> 
such machen. -. — Der Geehrte, der jQngere Bruder fand dies ange-> 
messen und wechselte mit ihm. Der ältere Bruder nahm jelzt den 
Bogen und die Pfeile des jüngeren Bruders» ging in die Berge und 
jagte Wild. Der jüngere Bruder nahm den Hamen des filteren 
Bruders» ging an das Meer und angelte Fische. Allein beide hatten 
dabei keinen Nutzen und kehrten mit leeren Hfinden zurück« 






Kare irose iroto-no jumi-ja-wo kajesi-te ono-ga fari-wo faiaru 
toki'ui oto-no mikoto tsuri-bari-wo wata-no naka-ni usinai-ie 



Die Beherrscher Japans in dem Sagenzeitalter. 39 

magu'josi-nash kare koto-ni ni-i-fari amata tsukuri atitje-iamaje- 
domo torazU'te moto-no fari-wo fatnri-ki. 

Der ältere Bruder gab jetzt dem jüngeren Bruder den Bogen 
und diH Pfeile zurOck und begehrte seinen eigenen Hamen. Der 
Geehrte, der jQngere Bruder hatte um die Zeit den Hamen in der 
Hitte des Meeres verloren und wusste nicht, wo er ihn suchen 
solle. Er verfertigte daher zu dem Zwecke eine Menge neuer 
Hamen und gab sie dem älteren Bruder, allein dieser nahm sie nicht 
an und verlangte den ursprünglichen Hamen. 



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Koko'fii oto-no mikoto umi-beta-ni ide-masi-te urabure- 
iamajoi'tnasU'toki-ni kawa-gari-no wana-ni kakari-te kurusimu- 
wo mi'Sonawasi'te aware-to omowosi-te toki-te fancLtsi-jari-tamai- 
ti. Fodo-naku siwo-tsutsi-no wodzi ki-te jaga-te nia-nasi-kalsu-ma- 
no wo-fuife wo tsuktiri-te fo-fo-de-mi-iio mikoto-wo noHe-matsuri- 
te wata-no naka-ni osi-fancUe-ba ono-dzukara sidzumi-nu. 

Als hierauf der Geehrte, der jüngere Bruder zu dem Ufer des 
Heeres hinausging und leidvoll klagte, sah er eine Flussgans, welche 
an einer Schlinge hing und Qual erduldete. Von Mitleid bewegt, 
machte er sie los und Hess sie frei. In demselben Augenblicke 
erschien der Greis der Salzerde und verfertigte sofort das kleine 
Schiff des augenlosen Korbes. In dieses setzte er Fo-fo-de-mi-no 
mikoto und stiess es in die Mitte des Meeres, wo es versank. 



40 Dr. P f i 1 m • i e r 



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^ ( 7':p^^^;>::^^ -; 7 1) |,>*^ Ü ^ 

Tatsi'matsi umati-müsi ari, kare mitsi-no mani-mani ide- 
mase-ba wata-tsumi-Jio kami-no mi-ja-ni itari-tamai-tau. Koke-ni 
wata-tmmi-no kamt mi-dzukara mukajete i-te ire-matsuri-te müti- 
no kawa ja-je-tpo siki-makete sono uje-ni nuue-matturi-te mata 
momo-tori-no tauku-e siro-no tmmo-wo sonajete ija-ija-tiku aruzi- 
si-tamai-ki. 

Plötzlich zeigte sich ein lieblicher Weg. Fo-fo-de-mi-no mikoto 
ging längs diesem Wege fort und gelangte zu dem Palaste des Meer- 
gottes. Der Meergott zog ihm in Selbstheit entgegen und hiess ihn, 
indem er roranscbritt . eintreten. Er breitete einen achtfachen 
Teppich aus Fellen der Seeotter und hiess ihn daselbst seinen Sitz 
einnehmen. Ausserdem hielt er Speisen auf einer hundert Gegen- 
stande fassenden Tafel bereit und machte den Wirth auf ausnehmende 
Weise. 



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Die Beherrscher Japaot io dem SageoxeiUlter. 4 1 

Kaku'te omo-furu-ni toi'tnawosaku: ama-tsu kami-no mi-ke 
tiani-no ju-e-ni-ka kasikoku tde-masi-iauru. Aru-fumi-ni iwaku: 
Eono-goro a-ga ko ama-Uu kami-no mi-ko umi-beta-ni ureje- 
maseri-to, katare^domo ma-koto üsuwari-wo sirazv, mosi 8ikaiii' 
ka-to, mawosu. Fiko-fo^fo-de^mi-no mikoto tsudusa-ni ari^sama- 
wo nari-tamd^ kare todomete ikaiüaMe'maimri''kL Wata-tiumi-no 
kamijaga'te musu-me tojo-tama-fime'^o awase-mtUsuri-ki. T^ui- 
Ml muisumaka-ni uisukusi-mi-te mi-iose-to iü made sumi-tamai-ki. 

Dabei fragte er ihn im Laufe de« Gespräches: Aus welcher 
Ursache ist der Soho der Gottheit des Himmels mit seinem ehrwör- 
digeo Wesen hierhergekommen? (In einem Buche beisst es: Um 
diese Zeit hat mein Kind zu mir gesagt, dass der Sohn der Gottheit 
des Himmels an dem Ufer des Meeres bekümmert weilt, aber ich 
weiss nicht, ob es wahr oder falsch ist. Verhält sich die Sache so?) 
Fihhfo'fo'de-mi-no mikoto erzählte ausfQbrIicb, was sich zuge- 
tragen. — Der Meergott behielt ihn bei sieb und liess ihn der Ruhe 
pflegen. Sofort gab er ihm seine Tochter Tojo'tama'fime zur 
Gemahlinn. Der Gast hing an ihm mit inniger Liebe und Terbrachte bei 
ihm einen Zeitraum ?on drei Jahren. 



Kajeri'tamawamU'to nuru toki-ni nari-te waia-tsumi-nö 
kami tairwo jobi-te sono ktUsi-wo 8aguri-8i'4ca'ba tsuri-bari-ari. 
Koko-ni kono fori- wo fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto-ni taie-matsuri- 



42 Or. P f i B m a i er 

te wosije'tnatsuri'keraku : kono fari-wo imasi mikoto-no irose-ni 
ataje-tamawamU'toki'Hi no-tamawamu-wa obo-tsu susu-nomi^zu 
madzi-isi, uru-ke-dzi-to no-tamai-te i-i-woje-tamawa-ba siri-je-de- 
ni tamaje. 

Um die Zeit, als er heimkehren sollte» rief der Meergott den 
Steinbrassen. Als er dessen Hund untersuchte» fand sich daselbst 
der Hamen. Der Meergott aberreichte Fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto 
diesen Hamen und ertheilte ihm die folgende Weisung: Wenn do 
diesen Hamen, o Geehrter» deinem älteren Bruder Qbergeben wirst, 
80 rufe die Worte: Trauriger Haken! schwerfälliger Haken ! armer 
Haken! striemiger Haken! Wenn du diese Worte ausgesprochen 
haben wirst, strecke die Hand nach rückwärts und öbergib ihn. 



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Sude-ni'siie wani-wo jobi-atsumebe toi-keraku: ama-tsu 
kami-no mi-ko ima kajeri-masi-namu-to su, Ora ikn-ka-no fodo-ni 
idasi'tnatsuramu. Toki-ni wani-domo ono-ono mi-no naga-sa-no 
mani-mani fi-kazu-wo sadamuru-naka-ni fito - firo-wani-na-mo : 
fito fi-no vtsi-ni idasi-matsuramu-to, mawosi-ki. Kare fito-firo- 
wani'WO site okuri-matsurasi-me-ki. 

Hierauf rief er die Krokodile zusammen und fragte sie: Der 
Sohn der Gottheit des Himmels wird jetzt heimkehren. In wie viel 
Tagen werdet ihr ihn hinbringen? — Während die einzelnen 
Krokodile nach der Länge ihres Leibes die Zahl der Tage bestimm- 



Die Beherrscher Japans in dem Sag^enzeitnlter. 43 

teD, sprach ein eine Klafter messendes Krokodil: Ich werde ihn 

binnen einem Ta(^e hinbringen. — Somit Hess er ihm durch das 
eine Klafter messende Krokodil das Geleit geben. 






Mata sitro-mitsu-tama stwo-firu-tama futa-kusa-no takara- 
mojw-wo tatc-matauri sono tama-wo motsiüni'8amn''WO'mo wostje- 
matsuri'kL Mnta wosye-matsuri-kernkn: Iroae age-ta-wo tsukura- 
ha na-ga mikofo-wa kubo-ta-wo tstikuri-mase. Irose kubo-ta-wo 
tmhirn^ba na-ga mikoto-wa age-ta-too tsukuri-mase, Wata-tsumi- 
no kam! kaku ne-mo-koro-ni tasuke-matsuri-kL 

Ferner überreichte er ihm zweierlei kostbare Gegenstände: 
den Edelstein des Eintrittes der Fluth and den Edelstein des Ein- 
trittes der Ebbe. Dabei belehrte er ihn, wie er diese Edelsteine zu 
gebrauchen habe. Zugleich ertheilte er ihm die folgende Weisung: 
Wenn dein älterer Bruder hohe Felder anlegt, so mögest du, o Geehr- 
ter, niedrige Felder anlegen. Wenn dein älterer Bruder niedrige 
Felder anlegt, so mögest du, o Geehrter, hohe Felder anlegen. — 
Auf diese Weise leistete ihm der Meergott mit aller Sorgfalt Hilfe. 



Dr. P f i s m a i e r 



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mkO'fO'fo-de-mi'no mikoto kajeri-üte-masti-te mottara waia^ 
UHmi'M kami-no wosije-no mani- mani okoHai-tamai-kL Oio-no 
mikoto äiwO'fniisu-tama'%to idasi-tamaje-ba irose te-%co agete 
oborfi'kuruii'fneri. Mata Biwo-firu-tama-wo idasi-iamaje-ba taira- 
ill'HU, Sono notiü fo-sußeri-no mikoto fi'bi'Hi jatsurete: are ma- 
dzHMi'to, i'i'te vroto-no mikato-ni sitagai-Hu. 

nachdem FikO'fO'f(h-d&-mi'fio ^nikoto heimgekehrt war, bandelte 
er in allem der Weisung des Meergottes gemiss. Als der Geehrte, 
disr jüngere Bruder, den Edelstein des Eintrittes der Fluth bervor- 
nahm» erhob der ältere Bruder die Hinde, versank und gerieth in 
Bedrängniss. Als jener dann den Edelstein des Eintrittes der Ebbe 
bervornahm» unterwarf sich der iltere Bruder. Seit dieser Zeit 
ward Fo-suseri-HO mitoio mit jedem Tage ohnmächtiger und sprach : 
Ich bin hilflos. — Sofort leistete er dem Geehrten, dem jQngeren 
Bruder Gehorsam. 









V 




Die Beherrscher Japans in dem Sagenseitalter. 4S 

Kore-jori-scJci tcjo-tama-fime ama-tsu kami-no mi-ko-ni ma-- 
wosi'iamawaku: are farameri, ama-tsu kami-no mi-ka-wa una- 
wara^ni umi-fnai8uru''beki''ni arazu, kare mi'ko-umamU''tokir'ni- 
wa kimi-ga mi-moto-ni ma-iri-namUp a-ga tame^ni umi-beta-ni 
ubu-ja-wo tsukuri-te matsi-tamawa-ba uresi-karamasi-to, mawosi- 
iamai-ki. 

Vordem hatte Tofo-tama-fime zu dem Geehrten, dem Sohne 
der Gottheit des Himmels gesagt: Ich bin schwanger, der Sohn der 
Gottheit des Himmels darf nicht auf der Fläche des Meeres geboren 
werden. Desswegen werde ich zur Zeit, wo ich gebären soll, an 
dem Wohnsitz des Gebieters eintreffen. Wenn du fbr mich an dem 
Ufer des Meeres ein Wochenhaus erbaust und daselbst wartest, werde 
ich erfreut sein. 






9 * t t ? 9 7 : 7 9 ' * 



Kare fiko fo-fo-de-mi-no mUcoio kajeri-fnasi-te u-no fa-wo- 
moisi'ie ubu-ja-wo fuku-ni imada fuki-awasenu-ni tcjo-tama-fime 
owoki-maru kame-ni nori-te iroto tama-jori'fime'WO i-te umi-we 
terasi'te ma-i-ki^masi-nu. Toki-ni isuki mitsi-te ko-umu-beki ioki- 
ni nari-nu. Kare ftiki-atcam-wo matazu-ie iri-Utamai-ki. 

Fiko-fo-fo^e-mi-no mikoto kehrte jetzt zurQck und deckte das 
Woehenhaus mit Federn des Tauchers. Das Dach war noch nicht 
geschlossen, als Tojo^ama-fime , auf einer grossen Schildkröte 
reitend, indess sie ihrer jüngeren Schwester Tama-jari^fime den 



48 Dr. Pfii naier 

no tomo-no wo-wo sonaje-okonai-te /Uan-maisuri-ki. Toki-ni kari" 
ni adasi womina-wo moUi-i-te mi-ko-wo fiiasi'fnatsuri'ki. Köre 
jo-ni tsi'OmO'WO tori-te ko-tvo fitasu-koto-no moto-nari. 

Ferner wird gesagt: Fiko-fo-fo-^e-mi-no mikoto wählte ein 
Weib und machte sie zur Hilchamme, zur Bnlhamme» ferner zur 
SpeisenkSuerinn und zur Badewärterinii. Im Ganzen hielt ersämmtliche 
Genossenschaften bereit und hiess sie den Sohn ernähren. Hierauf 
yerwendete er vorläufig ein anderes Weib und Hess durch sie seinen 
Sohn ernähren. Dass man in dem Zeitalter Ammen nimmt und durch 
sie die Kinder ernähren lässt, hat hierin seinen Ursprung. 



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Kono notsi tojo-tama-fime sono mi-ko kira-kirasi-to kikasüe 
iio kanasi'tu omoi^te mata kajeri-fitasi-ma-isuramu-to omowose- 
domoaru-mazi'ki koio nare-ba iroto tama-jori-fime-wo fitasi- 
maUurasi-me-ku 

Als später Toja-tama-fime Ton ihrem Sohne sichere Kunde 
erhielt, dachte sie mit grossen Sehmerzen an ihn und hatte den 
Wunsch zuröckzukehren und ihn aufzuziehen. Da dies aber 
unmöglich war, gab sie ihrer jQngeren Schwester Tama-jori^fime 
den Auftrag, ihn zu ernähren. 



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Die Beherrscher Japuns in dem SagenzeiUlter. 49 

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Toki-ni toja-tama-fime^no mikoto tama-jori-fime - ni tstikete 
iate-maisuri^tamd mi-täa: aka-dama-no fikari-wa ari-to fito-wa 
ije-do kimi-ga josoi-si tötoku ari-keri, Subete ko7io futa-iäa-wo 
na-dzukeie age-uta-to tu. 

Hierauf Qberreichte die Geehrte Toja-iama-fime durch ihre 
jüngere Schwester Tama-jori-fime das folgende Lied: Dass der 
rothe Edelstein mit hellem Glanz begabt, sagen zwar die Menschen, 
allein die der Gebieter beut, die Gestalt ist so edel. — Diesen beiden 
Liedern gab man den Namen% Die emporgereichten Lieder. 

Aus einer anderen Urkunde werden folgende Stellen angefQhrt : 

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Irose fo'suseri-no mikoio-wa umi^satsi-masi , iro-to fo-wori- 
no tnikoto-wa jama-satsi-masi-ki Iroto ureje-samajoi-te umi-beta- 
ni masu-toki-ni stwo-tstäsu-no wodzi ajeri. Wodzi mawosaku: 
nani-no ju-e-^i kaku ureje-masu, Fo-wori-no mikoto nori-iamö. 

Der ältere Bruder Fo-suseri-no mikoto hatte die Ausbeutunp^ 
des Meeres, der jüngere Bruder Fo-wori-no mikoto hatte die Ausbeu- 
tung der Berge. Als der jüngere Bruder wehuiuthsvoll klagend an dem 

SiUb. d. phil. bist. Ol. XLIX. Bd. U. Hft. 4 







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50 Dr. Pfizroaier 

Ufer des Meeres weilte, begegnete ihm der Greis der Salzröhren. 
Der Greis fragte: Warum bist du so traurig? — Fo-wari-no mikato 
sagte es ihm. 

Der jüngere Bruder wird hier unter einem anderen Namen 
Fo'wori-no mikoto »der Geehrte des Brechens des Feuers** ange- 
führt. 

Der Greis der Salzerde heisst hier Sitco-tauisu-^fw wodzi »der 
Greis der Saizröhren^. 



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Wodzi: na-ureje'tafnai-soy are tabakari-namu-iOt mawosi-t^ 
fakari-te iwaku: wata^taumi-no kami^fio noru joki uma-wa ja^"^ 
firo-wani-nari. Sore fata-wo tötete tatsi-bana-no wo-do-ni warK- 
are kare-to tomo-ni fakaramu-to, i-i^te fo-wari-no mikoto-wo i-^e 
matsuri'te tomo-ni juki-te ajeri-ki. 

Der Greis sprach : Betrübe dich nicht, ich werde Rath schaffen. 
Nach einigem Erwägen setzte er hinzu: Das Pferd, welches der 
Gott des Meeres reitet, ist ein acht Klafter messendes Krokodil. 
Dieses weilt, seine Flossen aufrichtend , bei der kleinen Thüre des 
Citronenbaumes. Ich werde in Gemeinschaft mit ihm zu Rathe 
gehen. — Nachdem er dies gesagt, begab er sich, indem er Fo-worir 
no mikoto voranging, auf den Weg und besuchte es. 



Die Beherrscher Japan» in dem Sag^enzeitMlter. 5 1 




Kono toki wani fakari-te iwaku : Are ja-ka sugi-te ama-^tsu 
kami-no mi-ko-wo wata-tsumi-no mi-ja-ni itasi-matiuratnUy tada 
a-^a kimi-no joki muma fito-firo-wani-wa fito-fi-no utsi-ni itasi- 
matsuramu. Kare are kajeri-^te kare-wo ide-ki-si-memu, sore-ni 
nori-te umi-ni iri-tamaje. Vmi-ni iri-tamawamu-toki-mi wata-no 
naka^-ni ono-dzukara-ni umasi wo-bama aramu, sono fama-no 
mani-mani ide-masa-ba kanarazu a-ga kimi-no mi-ja-ni üari- 
masi-namu. JUi-kado-no i-no fe-ni ju-tsu kaisura aramu, sono ki- 
no fe-ni ube-jori-te i-maae-to^ mawosu-koto wowari-te umi-ni iri- 
ni-ki. 

Das Krokodil Qberlegte jetzt und sprach : Ich werde oach acht 
Tagen den Sohn der Gottheit des Himmels zu dem Palaste des 
Meergottes bringen, allein das gute Pferd meines Gebieters, das 
eine Klafter messende Krokodil wird ihn binnen einem einzigen 
Tage dorthin bringen. Ich werde daher zurückkehren und jenes 
hierherkommen heissen. Setze dich auf dasselbe und gehe in das 
Meer. Wenn du in das Meer gehen wirst, wird in der Mitte des 
Meeres ein liebliches kleines Ufer erscheinen. Wandelst du längs 
diesem Ufer, so gelangst du gewiss zu dem Palaste meines Gebie- 
ters. Über einem Baume vor seinem Thore wird sich ein grosser 
Zimmtbaum befinden. Auf diesen Baum mögest du steigen und 
daselbst Terwellen. — Nachdem es diese Worte ausgesprochen, 
begab es sich in das Meer. 



52 Dr. Pf i 1 n • i e r 



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Kare ama-tsu kami-no mi-ko wnni-no ijeru ma-ma-in todo- 
mari-te matsi-tamd-ni ja-ka-mo fe-nu. Fisasi-ku-sUe fito-firo tcani 
ki-^sHi kare nori^te umi-ui iri-masi-ki. Koto-guto-ni saki-no wani- 
no wosije-si mani^mam'si'tamd. 

Der Sohn der Gottheit des Himmels befolgte» was das Krokodil 
gesagt. Indem er an dem Orte sich aufhielt und wartete» vergingen 
acht Tage. Endlich erschien das eine Klafter messende Krokodil. Er 
setzte sich auf dieses und ging in das Meer. Dabei befolgte er alle 
Weisungen» welche das erste Krokodil ihm ertheilt. 



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Toki-ni tojo-tama-^me-no ma^-ka-tatsi tama-moi-wo motsUte 
i-nomidzU'WO kumn^ni mina-soko-ni fito-kage^wo mi-te je-kumazU" 
teama^tsukami-no mi-ko-wo ögi-mi-teiri-te sonokimi-nimawosaku: 
a-ga kimi-no misugurete uruwasi-to omojeru-ni ima mara^fito 
arU'WO mire-ba ijo-jo mata faruka-ni sugure tari. 



Die Beherrscher Japant in dem Sagenzeitalter. 63 

Um diese Zeit schöpfte die Dienerinn Toja-tama-fimes mit einer 
aus einem Edelsteine verfertigten Sehale das Wasser des Brunnens. 
Als sie auf dem Boden des Wassers den Schatten eines Menschen 
erblickte, sah sie, ohne noch geschöpft zu haben, empor und erblickte 
den Sohn der Gottheit des Himmels. Sie ging sofort ruröck und 
sprach zu ihrem Gebieter: Ich hatte immer geglaubt, dass unüer 
Gebieter ausnehmend schön von Gestalt ist. Seit ich aber gesehen, 
dass wir einen Gast haben» finde ich, dass dieser ihn noch bei weitem 
Qbertriflft. 



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Wata-tsumi~no kamt kore-wo kiki-te : kokoro-mimu-to, i-i-te 
mi-tsu-no toko-wo makete ire-mcUsuri-ki. Koko-ni ama-tsu kamt" 
no mi-ko fe-tsu toko-ni-site-wa mi-asi^wo nogoi^ naka-^tsu toko- 
ni-siie-wa mi-te-wo osu utsi-tsu toko-ni itari-te-wa ma-toko-d- 
fusuma^no uje-ni utsi^agumi-ni i-tamai-ki. Wata-tsumi-no kami 
kore-wo mi-te ko-wa ama-tsu kami-no mi-ko-ni masu-koto-wo siri- 
te-zo masu-masu ija-mai-tnatsuri-keru. 

Als der Gott des Meeres dies hörte, sprach er: Ich werde es 
versuchen. — Cr Hess drei Betten bereiten und hiess den Gast sich 
in diese begeben. Der Sohn der Gottheit des Himmels wischte an 
dem zur Seite beGndlicheu Bette seine Ftisse, an das mittlere Bett 
stiess er mit den Händen. Als er zu dem inneren Bette gelangte, 
setzte er sich gemächlich ober die verhüllende Decke des wahren 



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Fik(hfo-fO'de-mi'no mikoto kajeri-ide-masi-te mowara watü' 
tsumi-no kami-no wosije-no mani-mani okonai-tamai^ki, Oto-no 
mikoto sitüo-miisu-tama-wo idasi-tamaje-ba irose te-wo agete 
obore-kurusi^meri. Mata stwo-firu-iama-wo idasi-tamaje-ba taira- 
gi-nu. Sono notsi fo-mseri-no mikoto fi-bi-ni jatsurete: are ma- 
dzusi'to, i'i'te iroto-no mikoto^ni sitagai-nu. 

Nsichdem Fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto heimgekehrt war, handelte 
er in allem der Weisung des Meergottes gemSss. Als der Geehrte» 
der jüngere Bruder, den Edelstein des Eintrittes der Fluth hervor- 
nahm» erhob der ältere Bruder die HSnde, versank und gerieth in 
Bedrängniss. Als jener dann den Edelstein des Eintrittes der Ebbe 
bervornahm, unterwarf sieh der ältere Bruder. Seit dieser Zeit 
ward Fo-stiseri-no mikoto mit jedem Tage ohnmächtiger und sprach: 
Ich bin hilflos. — Sofort leistete er dem Geehrten, dem jQngeren 
Bruder Gehorsam. 



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Die Beherricher Japans in dem Sagenxeitalter. 4S 

Kore^jorisM tojo-tama-fime ama-isu kami-no mi-ko'fii ma' 
wosi'iamawaku : are farameriy ama-tau kami-^no mi'ko-wa una- 
wara-ni umi-matsuru^beki-ni arazu, kare mi'ko-ufnamU''toki-ni' 
wa kimi-ga mi-moto-ni tna-iri-namUf a-ga iame^ni umi-öeta-ni 
ubii-ja-wo tsukuri^te matsi-tamawa-ba uresi-karamasi-to, mawosi- 
tamai'ki. 

Vordem batte Tojo-tama-fime zu dem Geehrten, dem Sohne 
der Gottheit des Himmels gesagt: Ich bin schwanger, der Sohn der 
Gottheit des Himmels darf nicht auf der Fläche des Meeres geboren 
werden. Desswegen werde ich zur Zeit, wo ich gebären soll, an 
dem Wohnsitz des Gebieters eintreffen. Wenn du fbr mich an dem 
Ufer des Heeres ein Wochenhaus erbaust und daselbst wartest, werde 
ich erfreut sein. 



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Kare fiko fo-fo-de-mi-no mikoio kajeri-masi-te u-no fa-wo- 
motsi'te ubu-ja-wo fuku-ni imada ftiki-awasenu-ni tcjo-tama-fime 
awoki-naru kame-ni nori-te iroto iama-jori-fime-wo i-te umi-wo 
ierasi-te ma-i-ki-masi-nu. Toki-ni isuki mitsi-te kthumu-beki toki- 
ni nari-nu. Kare ftiki-awam-wo maiazu-te iri-i-tamai-ki. 

Fiko-fo-fo-de^mi-no mikoto kehrte jetzt zurQok und deckte das 
Woehenhaus mit Federn des Tauchers. Das Dach war noch nicht 
geschlossen, als Tojo-iama-fitne , auf einer grossen Schildkröte 
reitend, indess sie ihrer jüngeren Schwester Tama-jari-fime den 



46 Dr. Pf i X roa i er 

Weg zeigte und das Meer erleuchtete, herbeikam. Um die Zeit 
waren ihre Monde erfüllt, und die Zeit, wo sie gebären sollte, war 
gekommen. Ohne daher zu warten, bis das Dach geschlossen sein 
würde, trat sie in das Haus und wohnte daselbst. 



Sude-ni^sUe omo-furu-ni ama-tsu kami-no mi-ko-ni mawosi- 
tamawaku: are masa-kari-ni mi-ko-umamu-toki na-mi-masiso-to^ 
mawosi'tamai-ki Ama-tsu kamino mi-ko aono koto-wo ajasi-mi- 
masi'te kaki-ma-mi-tamaje-ba ja-firo-^vaui-ni narlki Koko-ni 
ama-tsu kami-no mi-ko-no kaki-ma'mi'si'tamö'koto'wo siri-te 
iiaku fadzi'Urami'tamai'ki. Sude-ni mi-ko are-masi-te notsi-ni 
ama-tsu kami-no mi-ko ide-masi-te mi-ko-no mi-na wa nani-to 
tsukete-ba je-kemu, fiko-tiagi'Sa'take'U-gaja-fuki'HJezU'UO mikoto- 
io mawüsu'besi-to, mawosi-tamö. Jaga-te umi-wo watari-te 
fnakari'HU. 

Hierauf sprach sie leichthin zu dem Sohne der Gottheit des 
Himmels: Ich werde jetzt eben ein Kind gebären, mögest du um die 
Zeit nicht auf mich blicken. — Der Sohn der Gottheit des Himmels 
verwunderte sich über diese Worte. Er beobachtete sie heimlich und 



Die Beherrscher Japant io dem Sageuzeitalter. 47 

sah» wie sie sich in ein acht Klafter messendes Krokodil verwandelte. 
Da sie wusste» dass der Sohn der Gottheit des Himmels sie heimlich 
beobachtet habe, erfüllten sie Scham und Unwillen. Nachdem ihr 
Sohn g<'boren worden, trat der Sohn der Gottheit des Himmels hinzu 
und fragte, welchen Namen man diesem Sohne eigentlich geben 
solle. Sie antwortete: Man kann ihn Fiko'nagi-sa'iake-U-gaja'faki' 
ajezu-no mikoto (den vornehmen Sohn, den Geehrten des Nicht- 
geschlossenseins des Daches aus dem Riedgras des Tauchers, des 
Kriegsmuthes des Wellenrandes} nennen. — Nachdem sie dies 
gesagt, stieg sie sofort in das Meer und verschwand. 



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Toki'fii fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto mi'tUa'jomi'si'tamawaku : 
Oki'tsu fori kamo-dzuku sima-ni wa-ga i-ne-si, imo-wa wasurazi 
jo-no koto-goto-mo. 

Fiko-fo-fb-de-mi-no mikoto sang hierauf das folgende Lied: 
Wo der Vogel in der Bucht, die Ente nahe kommt die Insel , auf ihr 
hab* ich geweilt: die Schwester sie vergess^ ich nicht, hätte die 
Welt ein Ende auch. 



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Mata iwaku: fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto womina-wo tori-te 
tsi'Omo ju'omo mata i-i-kami ju-e-to si-tamd. Subete moro-moro- 



48 Dr. Pfii maier 

no tomo-no wo-wo sonaje-okonai'te fttdn-matauri-ki. Toki-ni kari- 
ni adasi womina-wo motai-i-te mi-ko-wo fitasi-matauri-ki. Köre 
jo-ni tti-omo-wo tori-te ko-wo fitasu-koto-tio moto-nari. 

Ferner wird gesagt: Fiko-fo-fo-de-mi-no mikoto wShIte ein 
Weib und machte sie zur Hilchamme, zur Brilbamme, ferner zur 
SpeisenkSuerinnundzurBadewärterinii.Im Ganzen hielt ersämmlliche 
Genossenschaften bereit und hiess sie den Sohn ernähren. Hierauf 
verwendete er vorläufig ein anderes Weib und Hess durch sie seinen 
Sohn ernähren. Dass man in dem Zeitalter Ammen nimmt und durch 
sie die Kinder ernShren Itsst, hat hierin seinen Ursprung. 



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3 



Kono notsi iojo'tama-fime sono mi-ko kira-kirasi-to kikasite 
iio kanasi-tu omoi-te mata kajeri-fitasi-ma-isuramu-to omowose- 
damoaru'fnazi'ki koio nare-ba iroio tama-jori-fime-wo fitasi- 
matsurasi-^me-ki. 

Als später Tojo-tama-fime von ihrem Sohne sichere Kunde 
erhielt» dachte sie mit grossen Schmerzen an ihn und hatte den 
Wunsch zurückzukehren und ihn aufzuziehen. Da dies aber 
unmöglich war, gab sie ihrer jQngeren Schwester Tama-jori^fime 
den Auftrag, ihn zu ernähren. 



Die Beherrscher Japans in dem Sagenzeitalter. 40 

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Toki-ni tcjo-tama-fime-no mikoto tama-jori-fime - ni fsukete 
iate-matsuri-tamd mi-uta: nka-^ama-no fikari-wa ari-to ßo-wa 
ije-do kimUga josoi-si töioku ari-keri Subeie korio futa-uta-wo 
na-dzukete age-uta-to tu. 

Hierauf überreichte die Geehrte Tofo-tama-fime durch ihre 
jüngere Schwester Tama-jorh-fime das folgende Lied: Dass der 
rothe Edelstein mit hellem Glanz begabt, sagen zwar die Menschen, 
allein die der Gebieter beut, die Gpstalt ist so edel. — Diesen beiden 
Liedern gab man den Namen: Die emporgereichten Lieder. 

Aus einer anderen Urkunde werden folgende Stellen angeführt : 







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Irose fo-suseri-no mikoto-wa umi'satsi'Tnain , iro-to fo-wori- 
no mikoto-wa jama^satsi-masi-kL Iroio ureje-samajoi-te umi-beta- 
ni masu-toki-ni siwo-tstäau-no wodzi ajeri, Wodzi mawosaku: 
nani-no ju-e-ni kaku ureje-masu. Fo-wori-no mikoto nori-tamd. 

Der filtere Bruder Fo-suseri-no mikoio hatte die Ausbeutung 
des Meeres, der jüngere Bruder Fo-wori-no mikoto hatte die Ausbeu- 
tung der Berge. Als der jüngere Bruder wehuiuthsvoll klagend au dem 

Sitsb. d. phil. hiit. Gl. XLIX. Bd. If. Hft. 4 



so Dr. P f i z m a i e r 

Ufer des Heeres weilte» begegnete ihm der Greis der Salzröhren. 
Der Greis fragte: Warum bist du so traurig? — Fo-wori-no mikoto 
sagte es ihm. 

Der jüngere Bruder wird hier unter einem anderen Namen 
Fo'wori'fio mikoto »der Geehrte des Breehens des Feuers" ange- 
führt. 

Der Greis der Salzerde heisst hier Sitoo-tsutsa^no wodzi ^der 
Greis der Salzröhren^. 



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Wodzi: na-ureje-tamai'SOy are iabakari-namu-io, mawosi-^te 
fakari'te iwaku: wata-taumi-no kami-no noru joki uma-wa ja^ 
firO'Wani-nari, Sore fata-wo taieie tatsi-bana-no wo-do-ni tcorif 
are kare-to tomo-ni fäkaramu-to, i-i-te fo-^ori-no mikoto-wo i-te 
tnatsuri'te iomo-ni juki-ie ajeri-ki. 

Der Greis sprach : Betrübe dich nicht» ich werde Rath schaffen. 
Nach einigem Erwägen setzte er hinzu: Das Pferd, welches der 
Gott des Meeres reitet, ist ein acht Klafter messendes Krokodil. 
Dieses weilt, seine Flossen aufrichtend , bei der kleinen Thüre des 
Citronenbaumes. Ich werde in Gemeinschaft mit ihm zu Rathe 
gehen. — Nachdem er dies gesagt, begab er sich, indem er Fo-wori- 
no mikoto voranging, auf den Weg und besuchte es. 



Di« Beherrscher Japan» in dem Sa^enzeitMlter. 5 1 

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JTono ^oih' wani fakari-te iwaku : Jr« ja-ka mgi-te ama-tsu 
kami-no mi-ko-wo wata-tsumUno mi-ja-ni üasi-matsuramu^ iada 
a-ga kimi-no joki muma fito-firo-wani-wa fito-fi-no utai-ni iiasi' 
matguramu. Kare are kajeri-te kare-wo ide^ki-si-memu, sore-ni 
nori'te umi-ni iri-tamnje, Dmi-ni iri-tamawamu-toki-ni wata-no 
naka-ni ono-dzukara-ni umasi wo-bama aramu^ sono fama-no 
mani-mani ide-masa-ba kanarazu a-ga kimi-no mi-ja-ni iiari" 
masi-namu. Mi-kado-no i-no fe-niju^tau kaisura aramtiy sono ki- 
no fe-ni ube-jori-ie i-mase-to, mawosu-koto wowari-te umi-ni iri- 
ni-ki 

Das Krokodil überlegte jetzt und sprach : Ich werde nach acht 
Tagen den Sohn der Gottheit des Himmels zu dem Palaste des 
Meergotfes bringen, allein das gute Pferd meines Gebieters^ das 
eine Klafter messende Krokodil wird ihn binnen einem einzigen 
Tage dorthin bringen. Ich werde daher zurückkehren und jenes 
bierherkommen heissen. Setze dich auf dasselbe und gehe in das 
Meer. Wenn du in das Meer gehen wirst, wird in der Mitte des 
Meeres ein liebliches kleines Ufer erscheinen. Wandelst du längs 
diesem Ufer, so gelangst du gewiss zu dem Palaste meines Gebie- 
ters. Über einem Baume vor seinem Thore wird sich ein grosser 
Zimmtbaum befinden. Auf diesen Baum mögest du steigen und 
daselbst verweilen. — Nachdem es diese Worte ausgesprochen, 
begab es sich in das Heer. 



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MO MTOsije^ maMi-mami-si-iamd. 

Der Soho der Gottheit des Himmels befolgte, vas das Krokodil 
gesagt. lodern er an dem Orte sieh aufhielt und wartete, Tergiogeo 
aeht Tage. Endlich erschien das eine Kla/ter messende Krokodil. Cr 
setzte sich aof dieses und ging in das Meer. Dabei befolgte er alle 
Weisungen, welche das erste Krokodil ihm ertheilt. 



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a^ga kimi-no mi-stigurete uruwasi^to onwjeru-ni ima mara^to 
arU'WO mire^a ijo-jo maia faruka-ni sugure iari. 



Die Beherrscher Japant in dem Sagenzeitalter. 53 

Um diese Zeit schöpfte die Dienerinn Tojo'tama-fime's mit einer 
aus einem Edelsteine verfertigten Schale das Wasser des Brunnens. 
Als sie auf dem Boden des Wassers den Schatten eines Menschen 
erblickte, sah sie, ohne noch (geschöpft zu haben, empor und erblickte 
den Sohn der Gottheit des Himmels. Sie ging sofort rurück und 
sprach zu ihrem Gebieter: Ich hatte immer geglaubt, dass un^er 
Gebieter ausnehmend schön von Gestalt ist. Seit ich aber gesehen, 
dass wir einen Gast haben, finde ich, dass dieser ihn noch bei weitem 
Qbertrifft. 






Wata-tsumi-no kami kore-wu kiki-te: kokoro-mimu-io, i-i-te 
mi-^su-no toko-wo makete ire-matauri-ki. Koko-ni ama-tm kami- 
no mi'ko fe-tsu toko-ni-site-wa mi-asi^wo nogoi, naka-tsu toko- 
ni-site-wa mi-^te-wo osi, titsi-tsu toko-ni itari-te-wa ma-toko-ö- 
fusuma-no uje-ni utsi^agumini i-tamai-kL Waia-isumi-no kami 
kore-^o mi-te ko-wa ama-tsu kami-no mi-ko-ni masu^koto-wo siri- 
te-zo masu-maau ija-mai-matsuri-keru. 

Als der Gott des Meeres dies hörte, sprach er: Ich werde es 
versuchen. — Br Hess drei Betten bereiten und hiess den Gast sich 
in diese begeben. Der Sohn der Gottheit des Himmels wischte an 
dem zur Seite befindlichen Bette seine Fössc, an das mittlere Bett 
stiess er mit den Händen. Als er zu dem inneren Bette gelangte, 
setzte er sich gemächlich über die verhüllende Decke des wahren 



54 Dr. P r i s in a i e r 

Bettes. Als der Gott des Heeres dies sah , erkannte er • dass dieser 
der Sohn der Gottheit des Himmels sei und behandelte ihn mit noeh 
grösserer Auszeichnung. 

Es wird angenommen, dass der Heergott, als er die ebenmässi- 
gen Bewegungen seines Gastes sah» diesen fQr einen ungewöhnliehen 
Henschen gehalten und demnach in ihm den Sohn der Gottheit des 
Himmels erkannt habe. 



r ^ ^ j) :?• ^ ^ 7 ^ ^ l_ p 

Wafa-tsumi-no kami aka-me kutsi-me-wo jobi-te to. EtUsi-me 
ktUsi-jori isuri-bari-wo idasi-te tate-matsuri-ki. 

Der Gott des Heeres rief das rothe Weib sammt dem Hund- 
weib und befragte sie. Das Hundweib nahm aus ihrem Hunde den 
Hamen und Qberreichte ihn. 

Aka-me »das rothe Weib'' und Kutsi-me »das Hundweih* 
werden sonst fQr gleichbedeutend und für den Namen eines und 
desselben Fisches, des Steinbrassen, gehalten. Hier wird jedoch 
zwischen diesen beiden Namen ein Unterschied gemacht. 






Die Beherrfcber Japans io dem Sag^enzeitalter. 55 

Toki-ni waia-iswni-no kami fiko-fo-fo-de-mUno mikoto-ni 
isuri'bari'WO sadzuke-matsuri-te mawosakn: irose-ni fari-wo 
kajesi'tamawamU'toki'ni: imasi-ga umi-no ko ja-ao-isudzuki-made 
tnadzi'tsi sa-sa-matsi-dzi-to nori-tamaje^ i-i-wojete fni-tabi tsubaki- 
te atoje-tamaje, Mata iro-se umi-ni idete tsurisemu toki ama-tsu 
kami-no mi-ko umibeta-ni masite kaza-wogi-si-tamaje. Sikasi-ta- 
maje-ba are oki-tsu kaze fe-tsu kaze-wo okosi flaja^nami-wo 
atete ohor asamu. . 

Der Meergott Obergab hierauf Fiko-fo-fo^e-mi-no mikoio den 
Hamen und sprach: Wenn du deinem älteren Bruder den Hamen 
zurückgeben wirst, so sprich : Die Sohne, welche du erzeugen wirst, 
seien bis zu dem achtzigsten Geschlecht arme Haken, winzige 
Haken! Nachdem du dies gesagt, spucke dreimal aus und übergib 
ihn. Wenn ferner der ältere Bruder in das Heer gehen wird, um 
Fische zu angeln, so weile, o Sohn der Gottheit des Himmels, an 
dem Ufer des Heeres und pfeife. Sobald du dies thust, werde ich 
einen Wind von der Heerbucht, einen Wind von dem Ufer erregen, 
schnelle Wellen emporthürmen und ihn untersinken machen. 



J 7 I' t4 ^! i-f J^>^r^:P7' 
;i ^ i 7» s^' ^ t> n 7 :f j 5 ( ; ^ 

■6-1- t L ; A ff ^-f t -; ') 7* f 
Fo^wori'HO mikoto kajeri-ide-masl-^e tsubusa-ni wata-tsumi- 
no kami wosije-ü mani-mani'8i''tamd, Irose tnuri^suru fi-ni ?iari- 



56 Or. P f i s ■ a i e r 

te oio-no mikoto umi^eta-ni masi-ie uso^fkki'4amd^oki'9n fajor 
Ui tatii-maisi-ni okorir4e iro$e oboreie se-mu sube-maäi faruka^ 
ni ofa-no mikoto-ni koi^mawosaku : na-ga mikoto ßnui^u una- 
wara-ni masi-te joki waza aramu, sukui-tamaje. MoMt are-wo 
ikasi-^amawa-ba umi-no ko-no jaso tgudzuki na-^ga mikoia-no 
mi'4caki''moiO'WO fanarezu ttazawoki-^fUo^o nari-namu. Koko-ni 
oio-no mikoto U90~fuku-koto-teo jame^amaje^a kaze-mo mata 
jami^nu. 

Nachdem Fo^wori-no mikoto zurQckgekehi t war , befolgte er 
geoaa die Weisuugeo, welche der Meergott ihm ertheilt hatte. Ao 
dem Tage, ao weichem der ältere Bruder angehe, weilte der 
Geehrte, der jüngere Bruder ao dem Ufer des Meeres und pfiff. Da 
erhob sich plötzlich ein Sturm, der ältere Bruder yersaok und da er 
sich Dicht zu helfen wusste, flehte er aus der Ferne zu dem 
Geehrten, dem jQngeren Bruder und rief: Du» o Geehrter, befandest 
dich lange Zeit auf der FiSche des Meeres , du wirst eine grosse 
Fertigkeit besitzen: mögest du mich retten. Wenn du mich am 
Leben erhältst, so werden die achtzig Geschlechter der Sdhoe, 
welche ich erzeugen werde, sich von dem Fusse deiner Ringmauern» 
Geehrter, nicht trennen und Gaukler werdt»n. — Der Geehrte, 
der jüngere Bruder hörte jetzt zu pfeifen auf, und in demselben 
Augenblicke legte sieh auch der Sturm. 



Kare irose iroto-no mi-itsu-aru-koto-wo siri-te sitagni-namu' 
to omo-ni mi-kokoro tokezu-te mono-mo no-tamawaxu, Koko-ui 



Die Beherrscher Japans in dem Sagenzeitalter. ^^ 

irase ia-fusagi-wo tsuke sowo-ni-wo iana-ura-ni omote-ni nuri-te 
sono iroio-ni: are kaku mi^wo kegasi-isu^ ioko-si-je-ni na-ga 
mikot(h-no wazawoki-biio-to nari-namu-to , i-i-te asi-wo agete 
fumi-arukiUu-tsu, sono obore-si-ioki-no ari-sama-wo narai^ki. 

Der ältere Bruder erkannte jetzt, dass der jüngere Bruder mit 
Macht begabt sei» und war Willens ihm zu gehorchen. Allein dieser 
erweichte nicht seinen Sinn, und er sprach kein Wort. Der filtere 
Bruder legte hierauf den Badegürtel an, strich rothe Farbe auf seine 
Handflächen und sein Angesicht und sprach zu dem jüngeren Bruder: 
Ich habe mich auf diese Weise beschmutzt, ich werde auf ewig, 
Geehrter, dein Gaukler sein. — Nachdem er dies gesagt, erhob er 
den Füss und ging stampfend einher. Dabei suchte er darzustellen, 
wie er in dem Wasser versank. 

Indem der Sltere Bruder den Badegürtel anlegte, zeigte er sich 
nackt. Indem er sein Angesicht durch das Bestreichen mit rother 
Farbe verdeckte, zeigte er seine Erniedrigung. Er suchte hierauf 
zu zeigen, wie er in dem Wasser versank und erfand auf diese 
Weise den Tanz der Gaukler. 



^ ^ o h :u t .- v' 7 t^ t ^ 

A ^ fj t 4 - M] f ; ^^ ^ 

.^^ — ^ ;;{; 7^ 

M ^ >: - t i ^ '- - ^ - 

Fazime riwo asi-ni tsuku-toki-wa asi-ura-wo nasi, fiza-ni 
itaru'ioki'wa asi-wo age, momo-ni itaru-toki-wa fasiri-megurh 
kosi-ni iiaru-toki-wa^ kosi-wo modzije^ waki-ni itaru-ioki-wa te- 
tat mune-ni oki, kubi-ni itaru-toki-wa te-wo agete ia-birokasi-ki. 
Sore-jori ima-^ni itaru-made tajezu tsukaje-maisuru-nari. 



58 Dr. P f i X ■ a i « r 

AnfUngiich, als die Fluth die Fflsse erreichte, höhlte er die Fflsse. 
Als sie die Knie erreichte, .erhob er die Fasse. Als sie die Sehenkel 
erreichte, lief er umher. Als sie die Haften erreichte, schlag er die 
Hüften. Als sie die Armhöhlen erreichte, legte er die Hände aaf die 
Brust. Als sie den Hals erreichte, erhob er die Hände und drehte 
die Handflächen. Auf diese Weise währte die Dieustleistung bis zu 
dem heutigen Tage ohne Unterbrechung fort 






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Kore-jori'Saki tafo-tama-fime ide-ki-masi-fe mi-ko'UmamU'to 
8uru-toki mi-ma-no mikoto-ni mawositamajeri. Mi-ma-no mikoto 
kiki'tamawazu toja-toma-fime itakii nrami-te mawosaku: a-ga 
kotO'WO kiki'tamawazu'te are-ni fadzi'mi'Be'iamai'tsu. Kare 
ima-jori-notsi-wa a-ga ja-tsu-ko-domo kimi-no moto-ni jtiki-na-ba 
na-kajesi-tamai 80, kimi-no ja-tsiiko-'domo a-ga moto-ni ki-namU' 
wo-mo kajesnzi, Tsni - ni ma-toko-öfusuma mata kaja^wo moie 
nii'ko'Wo tstttsumi-te nngi-sa-ni oki-te sunawatsi kajeri-iri-masi 
ki: Kote iimiga kunn-ga ai'knjownzaru'kotO'no moto-nari 






Die Beherrtcher Japans in dem Sagenzeitaiter. 09 

Noch früher aU dies geschehen» war Toja-tama-fime ange- 
kofflmea und brachte zur Zeit, als sie gebäreo sollte, vor den 
Geehrten, den erhabenen Enkel eine Meldung. Der Geehrte, der 
erhabene Enkel gab ihren Worten kein Gehör. Tcjo-tama-fime 
wurde äusserst unwillig und sprach : Indem du meinen Worten kein 
Gehör gabst, liast du mich beschämt. Wenn also von heute ange- 
fangen meine Sklaven zu deinem Wohnsitz, o Gebieter, hinziehen, 
mögest du sie nicht zurückgeben. Wenn deine Sklaven, o Gebieter, 
au meinem Wohnsitze ankommen, werde ich sie ebenfalls nicht 
zurückgeben. — Sofort wickelte sie ihr Kind in die umhüllende 
Decke des wahren Bettes und in Riedgras, legte es an den Wellen- 
rand und kehrte hierauf in die Heimath zurück. Dies ist der Grund, 
wesshalb Heer und festes Land nicht mit einander verkehren. 






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^ 7^ I' l I- ^ :? V t t ; 7 t ; ':, t' 

ArU'fumi-ni iwaku : mi-ko-wo üagi-sa-ni oki-te-wa fi-ga koto- 
naru Toja-tama-fime-no mikoto mi-dzukara idaki-te i-man-ki, 
Fisasi'ku ari'te: ama-tsu kami-tio mi-ko-wo kono waia-no naka- 
ni oki-maisuru-be-karazu-to, i-i-ie tama-jori-fime-ni idakasi-mete 
okuri-idasi'Tnatsuri'ku Fazime tojo-tama-fime makaru-foki urami- 
kato fukasi, kare fo-wori-no mikoto mnta ö-mazi-ki koto-wo siri- 
masi-4e mi-uta-wo okuri-iamajeri. Sono mi-uta-wa kami-ni 
mi-je-iarL 

In einem Buche heisst es: Dass sie ihren Sohn an dem Wellen- 
rande niederlegte, ist unrichtig. Toja-tama-fime-no mikoto nahm ihn 
in Selbstheit in die Arme und entfernte sich. Nach längerer Zeit 



60 Dr. Pfi £ m ai er 

sagte sie: Ich darf den Sohn der Gottheit des Himmels in der Mitte 
des Heeres nicht niederlegen. — Sie gab ihn daher Tama-jori- 
fime in die Arme und Hess ihn durch sie herbeibringen. Als Toja- 
tama-fime schied, war ihr Unwille gross gewesen. Fo^-wori-no 
mikoto erkannte daher, dass sie nicht mehr mit ihm zusammentreffen 
werde, und er geleitete sie mit einem Liede. Dieses Lied ist oben 
vorgekommen. 

Fihih'nagi'Sa'take'U'gaja-fuki'ajezn'no mikoto mi-woba tama- 
jori-fime-wo mi-me-ni si-iamai-te fiko-itsu-ae-no mikoto-wo umi- 
maseriy tsugUni ina-i-no mikoto , tsugi-ni mi-ke-iri-nu-no mikoto, 
tsvgi-ni kamu-jamato-iware-biko-no mikoto, suhete jo-basira-no 
mi'ko are-masi-ki, Fisasi-ku-site fiko-nagi'Sa-take'U'gaja'fuki- 
ajezu-no mikoto taka-tsi-fo-no mi-Ja-^ii kamu-agari-masi-kL Kare 
fi-myka-no a-fira-no jama-no fe-no mi-sa-zaki-ni wosame-ma'- 
tsuri'ki. 

Fiko-nagi'^a'take'V'gaja'fuki'ajezu'no mikoto nahm seine 
Muhme Tama-jori-fime zur Gemahlinn und erzeugte Fiko-itsu-se-no 
mikoto. Sein nächster Sohn ist Ina-I-no mikoto , diesem zunächst 
folgte Mi-ke-iri-nu-no mikoto» \i\^v^\ii Kamu-jamuto-iware-biko^HO 
mikoto. Es waren im Ganzen vier Stammsöhiie. Nach langer Zeit 
verschied FikO'nagi^sa'take'U'gaja'fuki-ajezu'no mikoto göttlich 
in dem Palaste Taka-tsi-fo. Er wurde auf der Anhöhe in der Gegend 
des Berges A-fira in Fi-rnuka begraben. 



Die Beherrscher Japans in dem Sageiizeitalter. 6 1 

Fika-iisU'Se-no mikoto bedeutet: der Toroehme Soho» der 
Geehrte der fQnf StromschDellen. 

Ina-i-no mikoto bedeutet: der Geehrte der gekochten Speise 
ans der Reispflanze. 

Mi''ke-tri'nU''no mikoto bedeutet: der Geehrte des Feldes, in 
welches drei Haare gedrungen. 

Kamu-jamato bedeutet: das götth'ehe Jamato, wobei Jamato 
die Zusammenziehung Ton Jama-ato »die Spur der Berge*'. Die 
Bedeutung von Iware in der Verbindung Iware-biko-no mikoto ist 
nicht gewiss. In der angewendeten Wörterschrift gibt Iware-biko 
den Sinn: ^mein Yornehmer Sohn der Felsen*' und ist die Zusammen- 
ziehung Yon iwa^are-biko. Nach der Sylbenschrift kann jedoch iwa- 
are^iko auch ^der Tornehme Sohn der Öde der Felsen*' bedeuten. 

Taka-tsi-fo bedeutet: die hohen zehn Kornahren. 

Ä-fira bedeutet : meine Fläche. 

In einer anderen Urkunde wird gesagt : 




Madzu fiko-itsu-se-no mikoto are-masi-ki, tsugi-ni ina-i-no 
mikoto» tsugh-ni mi-ke^iri-nu-no mikoto, tmgi-ni sa-nu-no mikoto, 
kamu-jamata^iware-^O'fiO mikoto-to-mo mawosu. Sa-nu-to mawo- 
»eru-wa mi^tosi wakaku masi-masu-toki^no mi-na-nari. Notsi-ni 
ame-no sita-wo farai-mukete ja-sima-kutii-wo sirosi-mesi-ki. Kare 
mi-na-wo tatajete kamu-jamato iware^ko-no mikoto-to mawosu. 

Zuerst wurde Fiko-itsu-se^no mikoto geboren, hierauf Ina-I-no 
mikoto» zunächst Mi-ke-iri-nu-no mikoto, diesem zunächst Sa-nn-no 



-5 



02 I^r. P f i K a a i e r 

mikoio. Der letztere heiast auch EamH-jamaiQ^wmre'fitiHMo mikoto. 
Was den Namen 5a-ft« betrifll, so ist dies der Name, den er in 
seinem larten Alter f&hrte. Später beruhigte er dasjenige, was 
unter dem Himmel, and lenkte das Reich der acht Inseln. Indem man 
ihm hierauf einen QberflQssigen Namen gab, nannte man ihn Kamn- 
jamata-iware-flko-no mikoto- 

Sa-^U'-Ho mikoto bedeutet: der Geehrte des schmalen Feldes. 

In einer anderen Urkunde wird gesagt : 

* ' ? ' "^ T ¥ '■ ?' 

:7 3 Ix ; ^ ^ ; t l 

Madzu itsu'se-no mikoto are-masi-kif tiugi-ni mi-ke-nu-no 
mikoto, tsugi^ni ina-i-no mikoto^ tsugi-ni iware-biko-no mikoto^ 
mata kamu-jamato-iware-fiko'fo'fo'de'mi'no mikoto-to matcosu. 

Zuerst wurde Itsu-se-no mikoto geboren, diesem zunächst Mi-ke- 
nu-no mikoto^ hierauf /raa-Z-no mikoto und diesem zunächst Iware- 
biko-mo mikoto. Der letztere heisst auch Kamu-jamato-iware-fiko- 
fo-fo-^-mi-no mikoto. 

Die Verbindung Fo-fo-dfi-mi in dem zuletzt angeführten Namen 
bedeutet: das Henrortreten und Sichtbarwerden der vielen Flammen. 

In einer anderen Urkunde wird gesagt: 

Madzu fiko'itsU'Se-no mikoto are-masi-ki, tsugi-ni ina^i-no 
mikoto f tsugi-ni kamu-jamato-iware'fiko'fo-fo'de-mi-no mikoto, 
tsugi-ni waka-mi-ke-nu-no mikoto. 



Die Beherrscher Japaos io dem SegeoseiUlter. 63 

Zuerst vfurde Fiko'UsU'se-no mikoto geboren, hierauf /na-/- 
Mo mikotOf hierauf Kamu-jamatO'iware'fikO'fO'fo-de'mi'no mikoto 
und diesem zunSchst Waka-mi-ke-nu-no mikoto. 

Waka-mi-ke-nu-nö mikoto bedeutet: der Geehrte des Feldes 
der jungen drei Haare. 

In einer Urkunde wird noch gesagt: 

Madzu fiko-UsU'Se-no mikoto are-masi-ki, tsugi-ni iware-fiko- 
fo-fo-do-mi-no mikoto, tsugi-ni fiko ina-i-no mikoto, tsugi-ni mi-ke- 
tri-nu-no mikoto. 

Zuerst wurde Fiko-itsu-se-no mikoto geboren , hierauf Iware- 
fiko-fo-fo^e-mi-no mikoto 9 hierauf Fiko-ina-I-no mikoto, diesem 
zunächst JUi-ke-iri-nu-no mikoto. 



64 Siegel 



SITZUNG VOM 19. APRIL 1865. 



Bericht der Weisthümer-Commission. 
Erstattet von dem Referenten Prof. Dr. Siegel. 

Die Commission, weiche Ton der philosophisch -historischen 
Classe mit der Ausführung ihres Beschlusses, die österreichischen 
Weisthümer oder Panthaidinge zu sammeln und herauszugeben , im 
verflossenen Jahre betraut wurde, war sofort sich bewusst, dass es 
hier um ein Unternehmen sich handle, zu dessen glücklichem Gelingen 
Viele beitragen müssen. Sie begann daher ihre Thätigkeit mit einer 
Appellation an den Gemeinsinn derer, die im Besitze solcher Urkunden 
sich befänden und erbat sich zu diesem Zwecke die Mitwirkung und 
Unterstützung der Landesausschüsse der Königreiche und Länder. 

Indem nun heute der erste Bericht über das in Jahresfrist Ge- 
leistete erstattet wird, erfüllt die Commission eine angenehme Pflicht» 
wenn sie Tor Allem des freundlichen Entgegenkommens und der 
wirksamen Förderung gedenkt, welche wir von der Mehrzahl der 
Landesausschüsse erfahren haben. Sodann spricht die Commission 
den Dank allen denen aus, welche unsere Zwecke in irgend einer 
Weise förderten, sei es durch gehaltene Nachforschungen, durch 
gegebene Auskünfte und Nachweisungen, sowie durch Zusendung von 
Urbarien und Panthaidingsbüchern oder Mittheilung selbst gefertigter 
Abschriften. Solcher Thcilnahme und Unterstützung hatten wir uns 
namentlich zu erfreuen von dem Stifte Admont, von dem hochw. Abte 
Honorius des Stiftes Altenburg, von Sr. Durchlaucht dem Fürsten 
Philipp Batthyany, von Herrn Professor Dr. BischofT in Lemberg, von 
Herrn Brenner, Bürgermeister in Brück an der Leitha, von dem 



Bericht der WeUtbumer-Commission. 6S 

k. k. Bezirksamte Brixen, von Herrn Czepan, Gemeindebeamten in 
Zwittau, von dem k. k. Bezirksamte Eisenerz, von der Gemeinde- 
vorstehung der Stadt Enns, von dem Chorherrenstifte St. Florian, von 
dem hochw. P. Fries in Seitenstetten , von der Markt -Gemeinde- 
vorstehung Golling, von Herrn Haas, Bürgermeister von Braunau, von 
Herrn HafTerl, öffentlichem Agenten in Lambaeh, von dem k. L 
Bezirksamte Hall in Tirol, von dem k. k. Bezirksamte Hallein, von der 
gräflich Henkel von Donuersmark*schen Eisenwerks -Direction zu 
Wolfsberg, von Frau Hirsch, Gutsbesitzerinn zu Olbendorf in Schlesien, 
von Herrn Hocke, k. k. Notar in Linz, von Herrn Hoppe in Gumpolds- 
kirchen, von dem Marktmagistrate Imst , von der fürstbischöflichen 
Cameraldirection Johannisberg in Schlesien, von unserem wirk- 
lichen Mitgliede Herrn Kandier in Triest, von dem Stifte Klosterneu- 
burg, von dem hochw. P. Bieringer, Stiftsarchivar in Kremsmünster, 
von dem hochw. P. Schneider, Stiftsarchivar in Lambaeh, von dem 
Magistrate zu Lemberg, von dem hochw. Herrn Enengel, Rentmeister 
des Stiftes Lilienfeld, von dem Domcapitel zu Linz, vom k. k. 
Bezirksamte Lofer, von der fürstlich Auersperg*schen Gutsverwaltung 
zu Losensteinleiten , von dem hochw. Abt Ludwig des Stiftes Seiten- 
stetten, von dem Stiftsdecanate zu Mattsee, von dem k. k. Bezirks- 
amte St. Michael im Lungau, von dem Stifte Michaelbeuren, von dem 
k. k. Bezirksamte Neumarkt, von dem Stifte Nonberg, von dem 
Stifte St. Paul in Kärnten , von dem Stifte St. Peter in Salzburg, von 
dem Herrn Reitbök, Wundarzte in W^ien, von der Gesellschaft für 
Landeskunde in Salzburg, von der k. k. Landesregierung und dem 
k. k. Steueramte in Salzburg, von Herrn Dr. Schröder in Bonn am 
Rhein, von dem k. k. Bezirksamte Taxenbach, von Herrn Thaler, 
Pfarrer in Kuens, von dem fürstbischöflichen Ordinariate in Trient, 
von Herrn Tinkhauser, k. k. Conservator in Brixen, von dem Vereine 
für Geschichte der Deutschen in Böhmen, von dem hochw. Abte 
Vincenz des Stiftes Rein in Steiermark, von der Gemeindevorstehung 
Wagrani, von dem k. k. Bezirksamte Werfen, von dem Stifte 
Wilhering, von dem k. k. Bezirksamte Windisch-Matrei , von dem 
k. k. Bezirksamte Zell in Tirol, von dem Herrn Dr. Zelinka , Bürger- 
meister in Wien und von dem hochw. Canonicus Zwer^er in Trient. 
Erfolglos blieben angestellte Untersuchungen in dem Archive 
der Stadt Baden bei Wien, in der gräflich Seilenrschen Litschauer 
Amtskanzlei, in dem Amtsarchive der fürstlich Auersperg'schen Herr- 

SiUb. d. phU.-hUt Cl. L. Bd. I. Hft. 5 



66 Siegel 

Schaft Kaia und Niederfladnftz , in der Registratur des fürstlich 
Schwarzenberg'schen Gutes Neuwaldegg und in den Archiven der 
niederösterreichischen Herrschaften seiner Durchlaucht des souveränen 
Fürsten von und zu Liechtenstein. Die Anzeigen hiervon, erstattet 
an den niederösterreichischen Landesausschuss , sind uns durch 
letzteren zugemittelt worden und wir müssen hervorheben, wie will- 
kommen selbst Mittheilungen dieser Art sind, wodurch etwaige 
unnothige Schritte in Zukunft von vorne herein ausgeschlossen 
werden. 

Die zur Abschrift eingesendeten Panthaidingbücher und Urbare 
sind, letztere soweit sie auf das Unternehmen bezügliche Bestand- 
theile enthielten, sämmtlich bereits copiert, und zwar nach bestimmten 
orthographischen Regeln , welche von dem Commissions - Mitgliede 
Pfeiffer aufgestellt wurden. Bei der Noth wendigkeit, bisweilen ein 
Wort mit der Handschrift und ihren oft räthselhaften Zügen nochmals 
vergleichen zu müssen, haben wir bis jetzt mit der Rückstellung der 
Manuscripte gezögert. Ein eigener Schrank in der Kanzlei der 
kaiserlichen Akademie umschliesst das anvertraute Gut. 

Durch Übermittlung selbstgefertigter Abschriften haben sich 
einen Anspruch auf besonderen Dank erworben die Stifter Altenburg, 
St. Florian, Kremsmünster, Lambach, Seitenstetten und die Salz- 
burger Gesellschaft für Landeskunde. Ausserdem wurde der Commission 
zu Eigenthum überlassen der Grimmische Nachlass, soweit er sich 
auf Österreich bezog. Wir verdanken dieses Geschenk der Initiative 
des mit der Vollendung der Grimm*schen Sammlung betrauten Herrn 
Dr. Schröder in Bonn, dessen Antrag seitens der Erben des Verstor- 
benen und der historischen Commission bei der königliehen Akademie 
der Wissenschaften zu München bereitwillige Genehmigung fand. 
Der Nachlass enthält Abschriften uiederösteiTcichischerThaidinge, von 
welchen eine beträchtliche Zahl der Sammlung des k. k. Finanz- 
ministerial-Archives entnommen ist. Leider war letztere zur Zeit der 
Schenkung bereits im Auftrage der Commission copiert worden, so 
dass wir nun eine Reihe von Doubletten besitzen. 

Ausser dem früheren Hofkammer-, jetzigen Finanzministerial- 
Archive wurde von der Commission das niederösterreichische Lan- 
desarchiv untersucht, jedoch ohne Erfolg. Dagegen lieferte ein 
erfreuliches Ergebniss das gräflich Wurmbrand'sche Archiv zu 
Steiersberg, welches im Auftrage der Commission ausgebeutet wurde 



Bericht der Weitlhuner^CominiMion. 07 

durch Heim Rechenmacfaer, Realgymnasiallehrer in Baden, dem die 
Ordnung jenes Archives übertragen ist Gegenwärtig sind die Herren 
Dr. Lambl und Strobel mit der Copierung des Nachlasses von Kai- 
tenbaeck beschäftigt, den die k. k. Hofbibliothek erworben, und für 
dessen liberale Benützung wir sowohl der Direction als dem hohen 
k. k. Obersthofmeisteramte Dank schulden. 

Ziehen wir jetzt die Summe des Erwerbes im abgelaufenen ersten 
Jahre, so ergibt sich eine Sammlung druckbereiter, theilweise mit 
einem oder mehreren weiteren Codices collationirter Abschriften von 
106 grosstentheils sehr umfassenden und desshalb besonders werth- 
vollen Panthaidingen von 103 Gerichten, welche sich auf sieben 
verschiedene Kronländer vertheilen. Und zwar sind die Gerichte 
nach der Buchstabenreihe geordnet, folgende : 

Albrechtsberg in Niederösterreich, 

Allhaming „ Oberösterreich , 

Aiglsbrun „ Salzburg, 

Altenthan „ „ 

Brühl „ Niederösterreich, 

Böheimkirchen „ „ 

Dornbach „ Niederösterreich, 

Dresdorf „ „ 

Dümitz und Hainfeld in „ « 

Ebersdorf „ „ 

Erdberg s. Schiflsstrass, 

Etzdorf in Niederösterreich. 
Gablitz s. Purkersdorf, 

Gallen St. in Steiermark , 

Gaming » Niederösterreich, 

Garstenthal „ Oberösterreich, 

Ginseisdorf „ Niederösterreich, 

Glanegg „ Obcröslerreich, 

Gnadendorf „ Niederösterreich, 

Gobelsburg „ „ 

Göstling s. Holnstein, 

Golling in Salzburg, 

Grafenberg, Roseidorf, Witzleinsdorf, Hainfeld in Niederösterreich, 

bei Greizenstein in Niederösterreieh, 

Griesser Roth zu Hallein in Salzburg, 



68 Siegel 

Gschwendt in Niederösterreich, 
Gumpendorf ,, ^ 

Gumpoldskircheii in ^ 
Guttenstein „ „ 

Hainfeld s. Dürnitz und Grafenberg, 

Hailein s. Griesser Roth, 
Hanifthal in Niederosterreich, 
Hasbaeh „ „ 

Hausheim s. Neunhofen, 

Heiligenstadt s. Nussdorf, 
Hochenburg (zwei) in Niederosterreich, 
Höchfeld in Oberösterreich, 
Holnstein und Göstling in Niederösterreich, 
Huetenstein in Oberösterreich, 

Kaltenleutgeben s. Purkersdorf, 
Kessendorf in Salzburg, 
Kirchling (zwei) in Niederösterreich, 

Klamm s. Stuppach, 
Königwiesen in Niederösterreich, 
Köstendorf „ Salzburg, 
Kremsmünster in Oberösterreich, 
Laa „ Niederösterreich, 

Laab s. Purkersdorf, 
Lach in Niederösterreich, 
Lambach in Oberösterreich, 
Lebam-Langen in Niederösterreich, 



Lengberg 


„ Kärnten, 


Leobendorf 


„ Niederösterreich, 


Lichtenfels 


ft 99 


Lilienfeld 


n n 


Lofer 


„ Salzburg, 


Losensteinleiten „ Oberösterreich, 


Lostein 


n 99 


Lungau 


„ Salzburg, 


Markersdorf 


;, Niederösterreich, 


Matzles i 


8. Ulrichsschlag, 


Meiseidorf in 


Niederösterreich, 


Michael St. Markt in Salzburg, 



Bericht der Weistbfimer-Coniiuission. 69 

Neidharting in Oberösterreich, 

Neuhofen und Rohr in Niederösterreich, 

Neuhofen , Rohr und Hausheim in Niederösterreich, 

Neustadt an der Oder in Schlesien, 

Nodendorf in Niederösterreich, 

Nonberg „ Salzburg, 

Nussdorf und Heiligenstadt in Niederösterreich, 

Paasdorf in Niederösterreich, 

Patzmannsdorf in ^ 

Paul St. „ Kärnten, 

Perchtolsdort' „ Niederosterreich , 

Peter St. in der Au in „ 

Pisting „ „ 

Praitenau „ Oberösterreich, 

Purkersdorf „ Niederösterreich, 

Purkersdorf, Gablitz, Laab, Kaltenleutgeben in Niederösterreich, 

Rachsendorf in Niederösterreich, 

Radebrunn „ „ 

Rainblach „ „ 

Rannersdorf s. Thomassei, 
Rauris in Salzburg, 
Rein » Steiermark, 

Rohr s. Neuhofen, 

Roseidorf s. Grafenberg und Stretzing, 
Salzburger Pfleggericht in Salzburg, 
Schiffsstrass und Erdberg (zwei) in Niederösterreich , 
Schmidsberg in Niederösterreich, 
Solenau „ „ 

Stickelberg „ „ 

Stretzing 

Stretzing und Roseidorf in Niederösterreich, 
Stuppach und Klam „ „ 

Taxenbach in Salzburg, 

Thomassei, Ulrichskirchen, Rannersdorf in Niederösterreich, 
Ulrichsschlag und Matzles in Niederösterreich, 

Ulrichskirchen s. Thomassei, 
Vöklamarkt in Salzburg, 
Wachau-Thal „ Niederosterreich, 



70 Siegel 

Waidkofen in Niederösterreich, 

Wartenfels „ Salzburg, 

Wegseheid „ Niederösterreich, 

Weinzierl „ „ 

Welbling-Nieder in „ 

Werder unterhalb der Donau in Nieder österreie h. 

Werfen in Salzburg, 

Wieting „ Kärnthen, 

Wilhelmsburg in Niederösterreich, 

Wilhering „ Oberösterreich, 

Windhag (zwei) in „ ' 

Wolkersdorf-Hohen in Niederösterreich, 

Wolmuntsberg „ „ 

Zell im Zillerthal „ Tirol, 

Ziersdorf „ Niederösterreich, 

Zistersdorf „ „ 

Zwettl-Kurzen „ „ 

In der Vorrede zu seinen Rechtsalterthümern sagt Jakob Orimm : 
in allen deutschen Strichen, wo Slaven sitzen, gibt es durchaus 
keine (Weisthiimer) , namentlich nicht in Ober-Sachsen, Meissen» 
Brandenburg, Meklenburg, Pommern, Schlesien, Lausitz, Mähren, 
Steier, Kärnten. Noch bis zur Stunde ist diese Meinung fiir die 
ausserösterreichischen Länder mit gemischter Bevölkerung nicht 
widerlegt durch die Außindung derartiger Urkunden, während sie für 
Böhmen durch Rössler, für Mähren durch Chlumecky als unbegründet 
erwiesen wurde. Mit Befriedigung wird man wahrnehmen, dass 
unsere Sammlung durch eine Reihe bisher unbekannter Denkmäler 
auch für Steiennark, Kärnten und durch das freilich wenig umfang- 
reiche Stück einer Rügung selbst für Schlesien das Gegentheil 
erweist. Bei der eigentliümlichen weiteren Bedeutung, welche den 
Denkmälern in diesen Ländern zukommt, bei der nationalen Bedeutung 
für die Deutschen wie Slaven, für die Rechtsscheide und Sprach- 
grenzen in früheren Jahrhunderten ist es doppelt zu bedauern, dass 
bis jetzt weder die Zahl der im 17. Bande der Archivs aus Mähren 
mitgetheilten deutschen und slavischen Thaidinge sich vermehrt hat, 
noch der von Rössler veröffentlichten Tschernowitzer Rüge aus Böh- 
men andere sich zugesellt haben. Indessen geben wir die Hoffnung 
nicht auf. Berichtet doch Rössler in seinem 1847 erschienenen 



Bericht der Weisthfiroer-CommiMion. 71 

Schriftchen über die Bedeutung und Behandlung der Geschichte des 
Rechtes in Österreich S. XXX: schon den ersten Versuch, derlei 
Kechtsdenkmälem in Böhmen nachzuforschen, lohnte der Erfolg; 
eine bedeutende Anzahl von Aufzeichnungen dieser Art liegt uns 
bereits vor . . . Unter dem Namen Artikel kommen in Böhmen auch 
bei einzelnen Gemeinden des mittleren Landes ganz böhmische Weis- 
thumer vor. — Leider hat sich Nichts vorgefunden in dem Nachlasse 
Rössler*s, welcher an den Verein für die Geschichte der Deutschen in 
Böhmen gekommen, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war. 
Jedenfalls aber steht die Thatsache fest, dass solche Urkunden vor- 
handen waren, und da alle Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass 
auch jetzt noch solche existiren , so dürfen wir das Beste erwarten, 
nach dem nunmehr an der Stelle des Landesausschusses "der vorge- 
nannte Verein der Sache mit Wärme sich angenommen hat. Möge der 
zweite Bericht welcher von dem Beginne der Herausgabe der Thai- 
dinge eines rein deutschen Kronlandes bereits Mittheilung machen 
wird, auch aus diesen Ländern weitere Erfolge verzeichnen können ! 



72 



SITZUNG VOM 2«. APUIL I86Ö. 



Die historische Comiiiission erhielt zugesandt zur Aufnahme in 
ihre Publicationen von Herrn Dr. Gränhagen in Breslau: „Die 
Correspondenz der Stadt Breslau mit Karl IV. in den Jahren 1347 — 
13SS.« 



Dann wird der Classe vorgelegt ein von Herrn Dr. Mitter- 
rutzner in Brixen eingesandtes Manuscript: ^Die Dinka-Sprache 
in Central-Afrika. Kurze Grammatik, Text und Wörterhuch" ; — 
mit dem Ansuchen, fiir den Druck desselben eine Unterstützung von 
der Akademie zu erwirken. 



D. S. Reinisch, über den pbon. Wertb eines Hieroglyphenieichens. 73 



Über defi phoueiischen Werth eines Hieroglyphetixeichem. 
Von Dr. S. telnisck. 

Die Bedeutung des Zeichens ^ hat zum Theil bereits Cham- 
pol Hon ermittelt, dagegen blieb der phonetische Werth desselben 
noch bis gegenwärtig unbekannt. Über das Bild und die Bedeutung 
des Zeichens äussert sich Champollion folgender Massen: 
M ^, timage d*un sceau et de detuc fouets, insignes de la puis- 
sance royale; ce verbe symbolique est employe pour exprimer les 
iddes Stre soumis» Stre suhjuguS"* *)• 

Was das äussere Bild des angeführten Zeichens anbelangt , so 
stellt dasselbe nach Champollion einen Siegelring mit zwei Geis- 
sein dar*), ebenso triflft die Bedeutung des Zeichens ^, wie sie 
Champollion bestimmt hat, thatsächlich in einer grossen Anzahl 
Ton Fällen zu, in denen es in der hieroglyphischen Schrift angewendet 
erscheint, obgleich sich dieselbe nicht auf alle vorkommenden Fälle 
ausdehnen lässt. 

Aus einer Zusammenstellung von Beispielen, welche ich über 
den Gebrauch und die Phonetik des Zeichens ^ gesammelt habe, 
ergibt sich, dass demselben folgende Bedeutungen zukommen : 

1. AlsHauptbedeutung die Begriffe: vereinigen, verbinden, 
zusammenfugen. So heisst es im Todtenbuche vom Verstor- 
benen ») : 



i> ChüDipollion, Dirtiunnaire egypt. p«g. 305, nr. 351. Grammaire, pag. 360. 
^) Vereinigung der Sjrinbele fiir die legislative (Siegel) und executire (Geissei) Ge- 
walt des König«. 
5) Todlenb. Cap. U7, i?. 



74 Dr. S. Reiiisch 

naznutnaf^JAsarmo mä-y(uru, — .naf saK.uf^J 

es hilft ihm Osiris in der Rechtfertigung, er vereinigt seine Geheine, 

8aq.naf Ka.uf 

er fügt zusammen seine Glieder. 

In diesem angeführten Beispiel erscheint ^ als Synonymon 
vom Verbum 9w^, dessen Phonetik sa^ saBaq, sag und saruq ist. 
Die zuerst angegebene Phonetik erheilt aus folgenden Worten, 
welche der Todtengenius Qabahsanuf in einer Sarkophaginschrift 
in Sir S o a n e's Museum an den Verstorbenen richtet : ») 

nuka 8a,k ai.na un.na mo sa.uk . • . d.nak 

ich dein Sohn bin gekommen, dass ich sei zu deiner Stütze; ich ?ereinige dir 



Über die Phonetik von T vgl. "^^^T^^^HI natnuti (Lepsias, Dtnkm. II, 
140, h. 16) ; die Bedevtoag des Zeichens ist ans dem Epitheton des Horas in der 
Inschrift von Rosette: |^ ^ ^ *^ nüznut tuf,af =» 6 ^}ra{iLUVot( Xti^ metfi, 
adrolf bekannt. Aas der hieroglyphischen Legende : Hhtr naznut tuf,af ist nach 
Rottg<*s Vermuthang der ägyptisch - griechische Eigenname 'Apcvdonjc oder 
'Opevrtfnjc entstaaden (Rev. arch. 1861 H, pag. 210). 

') Die Phonetik des Zeichens J «o^u ist von Rouge ermittelt worden; vgl. Joamal 
asiat. 1858, tom. XI, psg. 526. Nach Roug^ kommt demselben unter andern dl« 
Bedeatang eadaver za ; aber aas einem Passus der Stele Mettemich ist au ersehen, 
dass das Zeichen J Kniegelenk und wegen des Parallelismns mit a and 

X I überhaupt Gelenk bedeute. In der erwähnten Stelle werden die Glieder 
der heiligen Sonnenkatze der Reihe nach aufgezählt ; zwischen den Bezeichnungen 
tJJJJJJ ^ J 1 und ^^^11 befindet sich der Ausdruck saHu in folgender Verbindung: 

mau tun aaHu.t saHu na Xunsu yuns 

(o du) Katze! deine Gelenke (sind) die Gelenke des Gottes Chunsu, (welcher) 
diese. durchwandert 

rata nab rd adH. 
alle Länder ewiglich. 
3) Sharp e, Egypt. luscr. pl. 63, B. 



über den phonetiacben Werth eine« Hieroglyphenzeichens. 79 

saHuk $a.nak ä.tuk ana.nak IiuH.k 

deine Gelenke» ieb füge tutammen deine Glieder, itfh bringe dir dein Heri 

ta.su Kur as.t.af mo yiat.ak 
(ond) lege es an seinen Ort in deinem Leibe. 

Derselbe Todtengenius sagt in einer Sarkophaginscbrifk de5 
britischen Museums zum Verstorbenen : ^ 

.... nak 8aH.uk nu^nak ä.tuk saBaq.na Kä.uk 

ich vereinige deine Gelenke, ich verbinde deine ich fUge deine Körper- 
Glieder, zusammen . theile. 

In gleicher Weise redet der Todtengenius Amsath in einer 
Sarginschrift des Berliner Museums den Verstorbenen an : «) 

i\^i ^ - ^- mz, m- 

oLna ununa mo $a.k .... d.a,nak sah.uk 

ich bin danii ich sei zu deiner Stütze » ich vereinige dir deine Gelenke, 
gekommen. 



saq.a.nak Ltuk an,a.nak KtäLk ta.na.nas Kur as.as 

ich fuge zusammen deine ich bringe dir dein Herz (und) lege es an seinen 
Glieder, Ort. 

Mit der Phonetik samq kommt das Zeichen 9w^ in folgender 

Stelle vor:«) 

.... nak saKu.k saruq.nak ä.t.uk 

ich vereinige dir deine Gelenke, ich fuge dir zusammen deine Glieder. 
Ebenso findet man das Zeichen ^ in Parallelismus mit andern 
Ausdrücken, welche die Begriffe verbinden, umfassen, ein- 
schliessen bezeichnen. So stigt in der angeführten Sarkophag- 
inschrift des britischen Museums der Todtengenius Amsath mit 
Beziehung auf den selig Abgeschiedenen : ^) 



Sharpe, I. c. pl. 74, 23. 
2) Lepsius, Denkm. ni, 276, b. 
^) Lepsios, «. a. O. UU 271. •!. 
♦) Sharpe, I.e. pl. 76, B. 1>. 



76 Dr. S. R eillisch 

saBaq.na af.ctf . . . na a,t,uf nu.na Kä.uf 

ich fSge sein Fleisch, ich vereinige seine Glieder, ich yerbinde seine Gelenke, 
zusammen 

In derselben Inschrift spricht zum Verstorbenen der Gott 
Anubis : <) 

sanad.a mun.uk fa8,na.nak aa.uk . . . na.nak saHu.k 

ich heile deine Gebrechen, ich richte deine Glieder, ich yereinige dir deine 

dir ein Gelenke. 

Ebendaselbst heisst es von der Gottinn Nephthys : *) 

fas.as tuj^.ak anaq.as.nak saKuk . . . a.a8.nak a.t.uk 

sie richtet auf dein sie führt dir deine Gelenke, sie vereinigt deine Glieder, 
Haupt, zusammen dir 

Alte -i^-~i f-> pT^p«:t-. 

tas.nak tu ru faiid.ak anayj.uk saruq.as^) aKuii.k 

sie spendet dir Athem in deine Nase, (dass) du sie haucht Athem in deine 

lebest, Kehle, 

anaq.nas.nak a.t.uk naß 
sie umschliesst dir*) deine Glieder alle. 



Sharp e, 1. c. pl. 76, D. 22. 
«) A. a. 0. pl. 77, 5. 

') Das Wort bedeutet eigenllieh Höhlung; dies erhellt aus der Stele Metiernich« in 
welcher dasselbe in folgender Verbindung angewendet ist : 

mau tun Huti.t Huti na Taud naS md.t 

(o du) diese dein Hers ist das Herz des Thot, des Herrn der Wahrheit, (welcher) 
Katxe, 



fit U:t- 

saruq aUuti.t 

die Höhlang deines Sehlunc 

*) Über das Verb anaq als Synonym von 8 /j\ h'upaf, vgl. die ägyptischen Denk- 



^1 ^^^ 

rtttd naf.t naf ru saruq aUuti.t 

gibt dir Hauch in die Höhlung deines Schlundes. 



roüler lu Miramar, S. 135. 



über den pbooetischen Wertb eioes Hieroglypheiueicheiis. 7 7 

In derselben Sarkophaginschrift wird dem Verstorbenen das 
Versprechen gemacht *) : 

fas.tunak iup.ak anuq.nak saKu.k saBaq.nak a.i.uk 

aufgerichtet wird dir dein vereinigt deine tusammengeffigt deine Glieder. 
Haupt, werden dir Gelenke, dir 

Aus der Bedeutung vereinigen Jemanden etwas , ent- 
wickelt sich: 

2. die abgeleitete: schenken, geben, verleihen. In dieser 
Bedeutung findet man den Ausdruck ^ in Paralleiismus mit A^ ta^ 
geben, verleihen und andern synonymen Bezeichnungen. So liest 
man in der Inschrift des Tempels zu Luqsor , dass der Gott Ammon 
dem König Amenophis IV <) : 

ta.nanaf KuK . . . d.nanaf zat ia.u naB.u 

er hat ge- fQr eine Ewigkeit, er hat gespen- für eine unend- Lfinder alle, 
geben ihm det ihm liebe Zeit 



anaiu naß dum gar tuBti.f 

Völker alle gefesselt unter seine Sandalen. 

In der Inschrift der Felsenstele zu Hamamät heisst es von Ammon 
mit Beziehung auf den König Ramses II >) : 

,„.d.af.naf j^adamu^) dumam mo X^f^-f 

er hat gegeben ihm die Barbaren gefesselt in seine Hand. 

In einer Inschrift zu Theben machen die Götter demselben König 
folgendes Versprechen *) : 



«) Sbarpe, 1. c. pl. 74, A. 

*) Lepsias, Denkm. IH, 75, b. 

3) Lepsias, a. a. 0. m, 223, c, 7. 

*> Vgl. über diese Phonetik Birch in der Her. arcb. 1863. Nouv. S^r. ann. IV 

tom. II. pg. 436. 
*) Bragscb, Recueii de roonamens, pl. LH, nr. 1. Bnigscb überseitt diesen Satz 

1. c. p. 63 : nou8 aommea venu» ver$ tot , not bras eharges d'offrandes choisies det 

mrilteurs produies, Nous t'offron$ toutes les ptaces , e.rceUenUa par taute »orte de 

productioH, 



78 Dr. 8. Ret Bisch 

ai.nanu /ur.ak ää,nu gar Ktäup.t apar 

wir sind gekommen zu dir, unsere Hände mit Gaben auserlesensten 
(sind verseben) 

^ U: %r ^ ^ :=; J ^ t 

mo qa,u ^ a^.u ...rf. nu. nak Ba noB nctfar 

von den Getreiden und Broden; wir spenden dir Orte alle gut 



mo rud naß 

durch Bäume jeglicber Art. 

Gleichfalls aus der Hauptbedeutung vereinigen entiivickeln sich : 
3. die adverbialen BegrifTe und, mit, zusammen, welche in 
den Texten dem Zeichen ^ zukommen. So findet man statt der stets 
wiederkehrenden Phrase X O S x ^^ "^^ fiuK Kuna zat, ewig und 
immerdar , wörtlich ewig mit (und) unendlich , häufig auch die Ver- 
bindung fol^"^ KuK ...d zcU 0- 

In der Bedeutung zusammen kommt das Zeichen in einer 
Inschrift auf Philä vor, worin gemeldet wird, dass der Kaiser Tiberius 
dem Tempel der Muttergöttinn Isis ein an den beiden Seiten des Nik 
gelegenes Ländergebiet zum Geschenke gemacht habe , welches um- 
fasste «) : 

u ,", ; ), iA ,", ♦ + .= 4} 

ar XII Kur amunt ar XII Kur aBt ru .... 

Ar 12 im Westen, Ar 12 im Osten, machend xusammeu 



1) j y — qa rgl. kopt. ^O plantare, nio'O, temen, planta, kommt in den Texten 
gewöhnlich mit lumaH» hiu^ vgl. kopt. 95, victtu, ^«-ifOtrqi , abundantim, 
fertilitat, annona bona, rerbunden vor ; vgl. Todtenb. 104, 2 : 11 /^ jA ^ZZ 

qa,u ru asa.t aru ru sa.zafa.u pat,u na nutur.u aati , ich komme auf Befehl des 
(iottes Ra mit Früchten und Getreide sur Stfitte, damit sie liefern Nahrung «nd 
Brode fiir die grossen Götter. 

S) Rosellini, Monum. Real. Uv. XXXIX, 2. 

S) Brugsch, Rec. de mon. pl. LXXIX, 1. 



ar 


n n 

IUI 
XXIV 


m 

zar 


Ar 


24 


von 



Über den phonetiscIieD Werth eineB Hieroglypbenteicheos. 79 

Takamsa rumun Sunnu 

Takompso bis Syene. 

Dieses Laiidgebiet von Tachompso (Ta^^c/xTf/eo) bis Syene, das 
Aü^otxdfTfOivo^ des Ptolemäos *), wurde bereits von Ptolemäos Philo- 
metor I dem genannten Tempel abgetreten; in dieser letzteren 
Schenkungsurkunde wird der Dodekaschoinos also bestimmt «) : 

na Takamm sä Sun na 
roD Tachompso bis Syeoe : 



't^ ,1 


\- 


ar XII 


amunti 


Ar 12 


im 
Westen, 


ar 


n n 

INI 

ixir 


Ar 


24. 



ar XII Kur d6t nati ar 

Ar 12 im Osten, welche ausmachen 

In diesem Beispiele ist das obige Zeichen ^ durch die Gruppe 
'****^-<»>*» welches ausmacht = zusammen, Summe um- 
schrieben. 

In dieser zuletzt angeführten Bedeutung kehrt da« Zeichen ^ 
bei Summirungen unzählig oft in den Textea vor; ich erinnere des 
Beispiels halber nur noch an die Aufzählung der Tribute in den 
Annalen Thutmosis III. 

4. In den Kriegs- und Siegesberichten der Pharaonen wird das 
Zeichen ^ auch in der Bedeutung unterwerfen, unterwürfig 
machen oder — sein gebraucht, welcher Ausdruck auf Länder und 
Volker angewendet wird, die von den Pharaonen dem ägyptischen 
Reiche einverleibt, mit demselben vereinigt wurden. 

So sagt z. B. der Gott Ammon in der Inschrift des Tempels in 
Redesieh zum König Seti P): 

ta.nanak rus ma maK.H gar tuBti.k 

ich gebe dir den Süden wie den Norden unterworfen unter deine Sandalen. 



«) Vgl. auch Herodot II, 29. 

2) Brugrsch, Geogr. Inschr. Bd. l. T^f. X, nr. :t!S6, b. 

3) LepsiuB, Denkm. III. 139, a. 



80 Dr. S. BeiBitch 

Id dieser aogegebeoen Bedeatoog steht ^ häufig in Pairallelis« 
mos mit Ausdrucken , welche besiegen, unterjochen bedeuten 
oder findet sieh an Stelle der emähnten Bezeichnungen. So heisst es 
Ton Ramses H in der Inschrift des Tempels zu Ibsambul *): 

sad . . > d mo nar/ui patpai 5aiaLu Mur-tup du.u,sat 

tr bat be- gebilligt oüt Madit, lerstreot die Barharea aaf ibrea Bergea. 
«egt, 

In der Inschrift des Grabes 18 zu Abd-el-Quma heisst es ron 
einem K5nig der XX Djmastie *) : 

= r:. a?^ Ä s. tt — "fti^: 

ta.u noB.u Ka.unaBM ... gar tuBlLk mun yusafJu aa.k 

Lfader alle, latel alle tiad oater- oater deiae Saa- aicht wird wider- deinen 
werfen dalen, standen Annen. 

Statt ^ findet man in der angegebenen Verbindung synonyme 
Ausdrücke gesetzt, als: ^ ^^ y(ur, schlagen, niederwerfen, 

^9ifi, yf«^pi» yf«^«^p» percuiere; # J^ 7^^» beugen, krummen, 




^»TcA, interficeret occidere ; ^^ rä^ werfen, kopt pe, facere; 
^""^ if ^^^^^* f e 8 s e 1 n, binden, kopt. ccon^, ligare; ^ JÜT «ftim, 
fesseln, kopt. tcom, conjungere u. s. w. 

So sagt in einer Inschrift auf Philä der Gott Horus zu Ptole- 
mftos IX*). 

ta.nak ]^adam.u y(ur gar tuBti.k 

ich gebe dir die Barbaren unterworfen unter deine Sandalen. 



^) Chanpollion, Monum. pl. XIII. 
') Lepsias, Denkm. III, 286, a. 
*) A. a. 0. IV, 35, c. 



über des phonetischen Werth eine« Hierogljphenzeicheni. 8 1 

Von Ramses 11 heisst es in einer Inschrift in Theben <) : 

ia.u naB.u anatu naS yat gar tuSti.f 
Lftnder »lle Völker alle beugen sich unter seinen Sandalen. 

In der Tempelinschrift za Redesieh sagt die Göttin Hathor zu 
Setil*)2 

ia.nanak qan.t ru rus nayut ru maKM padam.u 
i(h gebe dir Si^g Aber den Süden , Herrschaft fiber den Norden , die Barbaren 

-/atuB gar iuBti.k 
geknechtet unter deinen Sandalen. 

In der Inschrift des südliehen Propylon^s des Tempels in Kamak 
sagt der König Thutmosis I zu Ammon *) : 

ta.nanak na anatu naJS.t saiiB gar tuBtua 
du hast gegeben die Völker alle geknechtet unter meine Sandalen. 

In der Tempelinschrift zu Abusimbel sagt Ammon zu Ram- 
ses II ♦): 

I^ ein '!:z:f\ III ^> tt ^' 

ia,u naB.u rä.nasai gar tuBH.k 

Länder alle sind gegeben unter deine San- 
dalen. 

Im Tempel zu Esne heisst es vom Kaiser Trajanus &) : 

0720^11 naB sanaK gar tuBH na stUun-x^B . . . 

Völker alle sind ge- unter den San- des Herrschers 
bunden dalen (Trajanus). 



Bragsch, Rec. de moo. pl. 3S, 2. 
S) Lepsin 8,1. a. O. m, 141, c. 
») A. a. O. III, 18. 
♦) A. a. O. lU, 194,20. 
*) A. a. O. IV, 67, a. 
Sitxb. d. phil.-hist, Cl. L. Bd. I. Hft. 



82 Dr. S. R eiDiach 

Im Tempel zu Amada sagt Thoth zu Amenophis lY <) : 

iaM naß anat naß padam,u dum gar tuBti.k 

Lftoder alle, Völker alle (und) Bar- sind ge- unter deinen 

baren fesselt Sandalen. 

Eine andere Bedeutung, welche dem Zeichen £3: zukommt, ist 
8. gehen, wandern, welche von den Wandersternen ge- 
braucht wird , die den gleichen Weg am Himmel zurücklegen. So 
heisst es z. B. vom Verstorbenen in der Sarkophaginschrift des Pana- 
hum-Asa in der Wiener Sammlung : 

Kusaf.fa mo-mtä-af mo ta an niä-/uru mo-mtU sat.u 

er wird be- vor ihm in der Unterwelt, gerecht- vor den Todteo- 
willkommt fertigt richtern 

I- w y w «Ä m 

ä.t .... ma nan ioBas.u äna/.u 
grossen, er wandert wie die Decaiie lebenden. 

Diesem Satze entspricht im Todtenbuche folgende Stelle <) : 

Rusuf.tu mo-mut.af mo ta an.ti mä'Xuru.f mo 

er wird bewill- vor ihm in der Unterwelt, gerechlfer- vor 

kommt tigt 

sasnut'Su ä.t ma-^uru/ mo dwnu,t ma /aBus.u 

den Todten- gros- gerecht- in der Unter- wie die Decane. 
richtern sen, fertigt weit 

In diesem angegebenen Falle entspricht zwar das Zeichen ^ 
dem Ausdrucke mä-/urUf gerechtfertigt werden, beide 
Bezeichnungen sind aber in soferne mit einander sinnverwandt, als 
nach der religiösen Vorstellung der Ägypter nur den gerechtfer- 
tigten Seelen es gestattet war, am Himmel unter- und aufzugehen, 
wie die Decane ; das Wandeln gleich den Decanen ist eine Folge des 
Actes der Rechtfertigung im Todtengerichte. In den Texten decken 
sich daher die Ausdrücke: „gerechtfertigt werden im 

1) LepsiuB, a. a. O. III. 65. d. 

2) Cap. 127, 5—6. 



über den phonetischen Werth eines Hieroglyphenseichens. 83 

Amente*' «), und: „ein- und ausgehen im Amente** «). Das 
Wandeln gleich den Decanen wird ausdrucklich als Vollmacht der 
gerechtfertigten Seelen genani\|. So heisst es in einer Inschrift. bei 
Sharpe vom Verstorbenen »): 

7X^^'= *^ i un ^T. IS. 

äq.af par.af mo dwauJ ma /aBas.n mo /at nu 
erzieht erzieht aus der Unter- wie dieDecane am Bauche derNu.t. 
ein, aus weit. 

Ebenso heisst es vom Verstorbenen in einer Inschrift bei 
Brugsch O: 

qaq.af Kunä /abasM 
er wandelt mit den Decaoen. 
Desgleichen sagt das Todtenbuch von ihm aus &) : 

§ - ^ 21 IJP^ai ^ ^IPf PCA 

yabas.n gar qras.t sa.qadnu 

die Deeane, obgleich begraben wandert er 

Kur motunnu 

auf (seinem) Wege, 
d. i. : obschon sein Körper im Grabe ruht, wandelt doch seine Seele 
ihre Wege. Klarer tritt dieser Sinn zu Tage aus folgenden Worten, 
welche der Gott Chuns in der Inschrift des Grabes 6 zu Bab-el-Mo- 
luk an den Abgeschiedenen richtet «) : 

AA *^— <=> ^ ^^ - •„ 

ta.a ba.k ru pa.t /at.nk ru dwau.t 

ich bringe deine Seele in den Himmel, deinen Körper in dieTodtenstadt. 
6. Das Zeichen ^ findet sich im Todtenbuche aber auch in der 
Bedeutung von: herrschen, gebieten, befehlen; es verhält 



par 


ru pa.t 


ma 


er er- 


am Himmel, 


wie 


scheint 







1) Sharpe, Egypt. Inser. Ser. II. pl. 90. 
•) A. a. O. pl. 97, 11. 
») A. a. O. Ser. 1, pl. 74. 
*) Reo. de mon. pl. LXX, 2. 
*) Cap. 109, 8. 

*) Lepsios, Denkm. III, 234, a, vgl. »ueh Champollion, (iranim., pag. 453, 
Brugüeh, Reo. de hiod. pl. LXX. 

6^ 



84 Dr. 8. Bei Bisch 

sich diese Bedeutung zu der oben sub Nr. 4 entwickelten, wie I*^ 
der König zu Ji^ der Sciave*). 

So sagt in dem angegebenen Quche der Verstorbene von sieh 
aus «) : 

- T)* as^ = ui? tr - "i i: 

ia.kua . . . kua mo Bak nafar na nuB hip.af 

ich werde ich herrsche wie der Sperber schOne von Gold dessen 

gelcrönt Kopf 

-jr:?. Äi -?1 «-^^ IT.fbZ. 

mo Bannu äq ru Rh ru sam /urud.uf 

mit dem Phönix, eintretend zu Ra, um lu hSren die Worte desselben; 
d. i. ich werde gekrönt i ich herrsche, \vie der schöne Goldsperber, 
dessen Kopf der des Phönix ist , wenn er vor Ra tritt, um zu hören 
auf dessen Worte. 

Diese Eigenschaft des Bak-Horus als eines Herrschers ersieht 
man deutlich aus einer andern Stelle des Todtenbuches , in welcher 
über ihn Folgendes ausgesagt wird *) : 

Bak pa unn.af iup.u unn wä gar mat ky 

der Bak ist es, es sind ihm Köpfe es ist der mit der Wahr- der an- 

(mehrere) eine (Kopf) heit, dere 



n^ \\t::^^ 2c !K^5 



gar 


asaf.iu 


rtäa.naf asaf.i na 


ra.as mat na 


mit 


Obel; 


er thut Böses dem 


machend Wahr- dem 






jf^j.- 


es, heit 






ai gar.as 








kommend mit ihr 





d. i.: der Sperberhorus ist mehrköpfig, es ist das eine Haupt zur 
Wahrheit (zum Guten), das andere zum Übel; er thut Böses dem, 
der Böses thut, Gutes dem, der mit Gutem kommt. 



*) Vgl. kopl. ^n,jubfre und ^Hlt, familiari». 
8) Cap. 77, 3. 
«) Cap. 17, 54. 



über den phonetUehea Werth eines Hieroglyphenxeichens. 85 

Zur Bestimmung der Phonetik des Zeichens ^ findet sich nach 
meinem Dafürhalten ein Anhaltspunct in einer Grabinschrift bei 
Lepsius, worin folgende Stelle vorkommt i): 

sa.kad.nak Kuqa.u ]^n na sam sa Baknarunaf 
d« hast i^pendet Tugeoden diese dem Priester wQrdigen Bakenninaf; 

and in einer darauffolgenden Stelle heisst es: 

A!lm P¥r ~ IMi Z, ~ P5k 

saßntäM aa.kad na Kuka.u "pan na sam 

die TodteDriehier haben gespendet die Tugenden diese dem Priester etc. 

Da das Zeichen ^ in der Regel das phonetische Supplement 
•^iN nach sich , und im vorliegenden Falle die Lautzeichen sk vor 
sich hat, so dürfte daraus wohl der Schluss gezogen werden können, 
dass der Hieroglyphe ^ der Laut sakad zukomme. Doch glaube 
ich, dass das Wort sakad kein Stammwort, sondern in die Elemente 
sa (das causative Präfix) -{- kad (den Wortstamm) zu zerlegen sei, 
daher wir für das Zeichen ^ den Laut kad erhalten würden. Die- 
sen Stamme kad entspricht aller Wahrscheinlichkeit nach das kop- 
fische ne^T (im basmurischen), rot (im sahidischen und memphi- 
tischen Dialect), converiere, reverti, rt«, in orbem peragrare^ 
yvpott), RT«i, B.f circumdare, cingere, daher r^^t, corbis, rot, 
rata 9 dann mensura ittneris, parasanga, ^i-rot, Her suscipere, 
ahambfdare^ peramhulare. obsertare etc. 

Ist diese Ermittlung richtig, so wird man die Hieroglyphe ^ 
mit der phonetischen Gruppe 1 . qad «) (causativ Ml m sa,qad) 
zusammenstellen müssen, da diese beiden Ausdrücke auch in der 
Bedeutung übereinstimmen. 

In den oben unter Nr. 1 angeführten Bedeutungen (ver- 
einigen, verbinden, zusammenfügen, bilden) von ^ 



Lepsius, Denkm. HI, 259. 

') Die Phonetik von 1 wäre nach diesem vereinzelten Falle ^ Ar; doeh steht in der 
Mehrheit der vorkommenden PiUe in den Hieniglyphen dem Zeichen 1 der Luut j4 
und in der hebräischen Schrift das p gegenüber; vgl. „Die Sgyptisrhon Denkmaler 
in Miramar", S. 314. 



86 Dr. 8. R e i n i s c h 

kommt z. B. ^-4»« in folgender Rede vor, in welcher es von Ram- 
ses 11 heisst «) : 

Xnum gad-naf- su mo iraif zaaaf 

Chnum bildet ihn mit Armen seinen eigenen. 

In der Bedeutung von ^ sub Nr. 2 finde ich auf den mir be- 
kannt gewordenen Inschriften das Wort ^"^»« nur in der causativen 
Form; so liest man auf Kanopeninschriften häufig folgende Stelle «): 

zaf an Saruq nuk sa-qad sa.a haru naB 
Rede der Selk: ich bringe Schutz meinen Tage alle. 

Zur Bedeutung Nr. 3 vergleiche man folgende Stelle der Felsen- 
tafel in Semneh aus der Zeit Amenophis III >) : 

sä mo munnu na Baki nafry.t ru munnu 

von der Station des Landes Baki bis zar Station des 

2. I M J-i ""^^J "'^ ^«> e Ä '--^ Pf» j A nnii 

Taray aru na aturu na sa.qad LH 

Landes Taray, aus- in Schoinen der Fahrt (^ su- 52. 

machend sammen) 

Die Bedeutung des Zeichens ^ sub Nr. 4 lässt sich für ^"^^ 
nicht erweisen, dagegen entspricht die sub Nr. 5 angeführte wieder 
vollkommen dem Worte i mtm^. So heisst es z. B. vom Verstorbenen 
im Todtenbuche *) : 

yinum,naf na ba.u mo Naturgar.ti sa.qat.af mo 

er vereinigt sich mit den Geistern in der Unterweit, er wandelt im 
III :*^ I *« i*w*^ ^^ -VAiv-. 

m^ IKiii I © 

sam Aanura 

Gefilde Anura. 



1) Lepsius. Denkmäler III, 177, a. 

'i) Journal asiat. 1858. XI, 525. Ägjpt. Denkm. in MiramHr, 8. 136. 

'') BruffArh, (ieogr. Inschr. Bd. II, S. 9. 

*) rap. 15, 21. 



Üb«r deo phonetiichen Werth elaes Hierog^lypheiueicheBS. 87 

Eine zweite Phonetik des Zeichens ^ ist O J /u9 und O |^>^ 
ZuBad oder 51 /tituB. So wird in einer Inschrift zu Esne der 
König Ptolemäos VII genannt der 9 > 

kuq mo Waza .... an.u mo 

Fönt in Aegypten, der Eintreiber der Tribute in 



iaia Munti 
dem Welttheile Asien. 

Der in dieser Verbindung vorkommenden Gruppe ^ f "^ ent- 
spricht in einer andern Legende bei Lepsius >) der Ausdruck • J f^ 
f ve /uB anuJf woraus zu ersehen ist, dass dem Zeichen ^ oder 
^ der Laut /uB zukommt. 

Wie hier /uB in seiner Bedeutung mit der oben sub Nr. 1 nach- 
gewiesenen übereinstimmt, so kommt dasselbe auch in der sub Nr. 4 
entwickelten Bedeutung vor. So heisst es z. B. von Ptolemäos IX in 
einer Inschrift auf Philä <) : 

padam.u /uB na ba,uk 

die Barbiiren beogen sich vor deinem Geiste. 

Ganz dieser Diction entspricht folgende Rede der Göttinn Hathor 
in einer Inschrift zu Edfu an Ptolemäos XI ^) : 

ana.tu naB /uB na ba.uk 

Völker alle beugen sich vor deinem Geiste. 



In der Ptolemäer- und Kaiserzeit wechselt ^ auch mit dem 
Zeichen Nk^ ab, dessen Phonetik bekanntlich ap, vielleicht auch 
tup (wegen der gleichen Verwendung der Zeichen Af und ^V^) 



Lepsius, Denkin. IV, 24. 
«) A. 1. O. IV, 60, 6. 
») A. 1. O. IV, 36, 6. 
♦) A. a. O. IV, 45. c. 



88 Dr. S. ReiDisch 

lautete , im rorliegenden Falle aber das Consonantengerfiste tnä zu 
reprasentiren scheint So heisst es in einer Inschrift zu Edfu von 
Ptolemäos XIUi): 

Kuz Hur yrium naü (tnä) 

die Krone Hui in Verbindung mit der Krone Nati sind vereinigt auf 

•' % n 

tup.af mo sa/unJ 
•einem Haupte als Pschent. 

Dieselbe Diction findet sich in einer Inschrift auf Philä, nur mit 
dem Unterschiede» dass für ^ das Zeichen ^v^ gesetzt erscheint* 
In der erwähnten Inschrift spricht der Gott Horus zum Kaiser Tibe- 
rius folgende Worte«) : 

Kuz nati {tmtj.sanu Hur tupa.k 

die Krone Hui und die Krone Nati sind vereinigt auf deinem Haupte 

= •}% 

mo 8a/un,t 

als Pschent»). 

Diesem obigen Zeichen ^v^ geht aber in einer Inschrift zu Edfu^ 
welche eine Ansprache des Königs Ptolemäos Philometor an den 
obersten Sonnengott enthält die phonetische Gruppe ^c: voran ^) : 



^) L e p 8 i u 8, Denkm. IV, 47, a. 

*) Chimpollion, Gramm, pag. 360. 

S) Dieselbe Phrase findet sich aach im Todtenbuche, nur mit dem Unterschiede, dass 
statt tmt ein synonymes Verbum mun^ befestigen, aufsetzen angewendet er^ 
scheint; daselbst heisst es nfimüch rom Sonnengotte (Gap. 15, 4): 

unnu.t mun mo tup,ak $a» has 

die UrSuskrone ist gesetzt auf dein Haupt ; die Krone von (und) die Krone von 

Oberagypten Unteragypten 



1 * >^- 



-^ I 

mun mo ap,ak 
ist befestigt auf deinem Kopfe. 
*) A. a. U. pa{r. 209; vgl. Lepsius, Denkm. IV, 89, c. 



über des phoDetuchea Werth einee HieroglyphenseieheM. 89 

^ Tu *T ^ «-> 

tpa hur tuj^.ak ia gar rutuh 

Der Himmel (ist) über deinem Haupte, die Erde unter deinen Füssen, 

padamu dumod gar tuBtük 

die NeuD-VöIker (sind) Tereinig^ unter deinen Sandalen. 
(=s unterworfen) 

In einer Inschrift zu Theben ebenfalls aus der Ptolemäerzeit 
wird ^ durch das Zeichen Ni^ determinirt; daselbst heisst es vom 
Gotte Munthi): 

ba dumod tno zataf 

seine Seele ist vereinigt mit seinem Körper. 

Diesem Satze entspricht der Titel des Capitels 89 des Todten- 
buches, welcher also lautet: 

T — yi-^ ■»!!■• — ^-^ 

ra na dumy ba.f ru X^-^f 

Capitel von der Vereinigung seiner Seele mit seinem Körper. 

Im Koptischen entspricht dem altagyptischen dumod, dumy der 

Ausdruck T6>jki.i, t6>m conjugere, claudere, adhaerere, convenire. 



Bragsch, Rec. de mon. pl. LXI, 4. 



»1 



SITZUNGSBERICHTE 



OBR 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



PHII.IlSOPIIISCIl.HI.STnRISCIlE CI.AS8E. 



L. BAND. II. BKFT. 



JAHRGANG 1865. - MAI. 



Th. V. KarOan. Bericht aber die TUilgkeit der bist. Commisaion etc. 



93 



SITZUNG VOM 10. MAI 1865. 



Beriehi über die Thätigkeit der historischen Commission der 
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften während der aka- 
demischen Verwaltungsjahre i862 auf 1863 und 1863 bis 
letzten December 1864, 

forgetragen in der Gommissionssitzimg Toin 10. M&i 1865 und darnach in der Glassen- 
siUiing desselben Tages durch den Berichterstatter derselben 

Dr. Tk. 6. T. iarajaa, 

derseil Tice-Prisideaten. 

Meine Herren! 

Als ich Sie voriges Jahr genau um diese Zeit im Namen Ihrer 
Commission um Erlass der Berichterstattung über das abgelaufene Jahr 
zu bitten genöthigt war, that ich dies mit einem wehmüthigen Ge- 
fühle, denn seit dem Jahre 1851, so lange bin ich Referent der Com- 
mission, war diese nie noch in die Lage gekommen, um Nachsicht bitten 
zu mfissen, sie war bis dahin gewissenhaft Jahr um Jahr ihrer Pflicht 
nachgekommen. Sie selbst aber, meine Herren, sahen ein, dass die 
Ruckstande des Druckes, ohne unsere Schuld, damals eine solche 
Hohe erreicht hatten, dass die Summe des Fertiggebrachten dem noch 
zu Leistenden gegenüber yerschwindend klein erschien, somit ein 
Bericht über die Leistungen der Commission von selbst zu einer 
Klagerede über das Nichtgeleistete werden musste. Sie genehmigten 
daher meinen Antrag, lieber heuer erst über zwei Jahre zusammen 
Bericht erstatten zu dürfen, und zwar in der Voraussetzung, dass es 
der Commission gelingen werde, innerhalb dieser Frist den Verpflich- 
tungen bei<ler Jahre gerecht zu werden. 



94 Th. ▼. K a r a j a n 

Mit grosser Anstrengung ist ihr dies auch wirklich gelungen, denn 
im Augenblicke sind bis auf ganz unbedeutende Druck- und Buchbin- 
derarbeiten nicht nur die Ruckstände des yorausgehenden Jahres, son- 
dern auch die Aufgabe des letzten rollendet und ich bin im Stande, 
heute Bericht zu erstatten, sowohl über die Leistungen des Jahres 
1862 auf 1863, wie über jene des Jahres 1863 bis Ende 1864. 

Zwei der in unserem Berichte als Leistung der letzten beiden 
Jahre mitaufgefuhrten Bände der Fontes, erscheinen allerdings schon 
im Berichte über 1861 auf 1862 als in Angriff genommen eingereiht 
und zwar als je einen Band der Fontes füllend. Doch geschah dies 
damals in gutem Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit der Druckerei, 
die durch ihre Schuld Verzögertes rasch nachzuliefern im Stande sein 
werde. Jetzt ist dies zu bereuen, denn beide Bände geriethen schon 
kurz nach der rerspäteten Inangriffnahme in die allgemeine Stockung 
und konnten erst nach Jahr und Tag wieder in Fluss kommen. Da 
zudem beide Bände mittlerweile durch wichtige Beigaben vermehrt 
wurden, welche an Umfang allein einen Band füllen würden, so können 
sie mit Fug und Recht von unserem Standpuncte aus, als Leistungen der 
letzten zwei Jahre mit aufgeführt werden und es wird wenig beirren, 
dass sie in der wissenschaftlichen Durchordnung des Gelieferten 
jetzt nochmals aufgeführt erscheinen. Es sind dies die beiden Urkun- 
denbücher Altenburgs und Hohenfurts mit ihren Anhängen, welche 
letztere bis jetzt noch gar nicht erwähnt waren. 

Für jedes dieser beiden Jahre sind nunmehr zwei Bände Fontes 
und zwei Bände des Archives fertig geworden. Von den Fontes der 
sechste der ersten, der einundzwanzigste, dreiundzwanzigste und vier- 
undzwanzigste der zweiten Abtheilung; vom Archive die Bände XXX, 
XXXI, XXXII und XXXIII. Erstere umfassen 161, letztere 108, zu- 
ammen also 269 Druckbogen. 

Die Gesammtmasse des in diesen Bänden zu Tage tretenden 
geschichtlichen Stoffes, wie gewöhnlich nach den Ländern gesondert, 
gibt folgendes Ergebniss. 

islerreieh noter der Edds. 

Für die Geschichte dieses Stammlandes des Kaiserreiches liegen 
nach zwei Richtungen hin namhafte Beiträge vor. Drei von ihnen 
betreffen die Kirchengeschichte desselben. 



Bericht über die ThStigkeit der historiBchen CommiMioD etc. 05 

Der dermalige Abt des Benedictiner-Stiftes zu Altenburg lieferte 
unter dem Titel; „Urkunden der Benedictiner-Abtei zum heiligen 
Lambert in Altenburg, Niederösterreich, K. 0. M. B., vom Jahre 1144 
bis 1522. Gesammelt ron Honorius Burger, Abt des Stiftes," in der 
II. Abtheilung der Fontes im Bde. XXI auf den Seiten 1 bis 440, 
nicht weniger als 472 Urkunden, grosstentheils ungedruckt und 
aus den Originalen des Stifts-Archives. Den Schluss der Arbeit bilden 
ausfuhrliche Register der Personen und Orte. 

In demselben Bande der Fontes auf den Seiten 44 t bis 753 folgt 
eine dem Stoffe nach verwandte Arbeit, nämlich: „Das Nekrologium 
des ehemaligen Augustiner-Chorherren- Stiftes St. Polten. Mitgetheilt 
von Dr. Theodor Wiedemann.** Es ist einer Pergament-Handschrift 
der Bibliothek des Clerical-Seminars zu St Polten entnommen. Die 
ältesten Eintragungen desselben reichen nach dem Herausgeber in*s 
zwölfte Jahrhundert, die jüngsten bis in*s sechzehnte herab. Im 
Ganzen will der Herausgeber in den Eintragungen fünfzehn ver- 
schiedene Hände erkannt haben. Ausführliche Register nach Namen 
und Ständen sind beigegeben. 

Als dritter Beitrag zur Kirchengeschichte des Landes, und zwar 
zur Geschichte der Besitzungen geistlicher Körperschaften in dem- 
selben, erscheinen vierzehn Urkunden aus den Jahren 1338 bis 1480, 
welche Güter des Augustiner-Chorherren-Stiftes Reichersberg im 
Innkreise Österreichs ob der Enns betreffien. Sie stehen im XXIII. 
Bande der II. Abtheilung der Fontes, und zwar im Anhange desselben 
auf Seite 393 bis 410 als Zugabe zum Urkundenbuche des Stiftes 
Hohenfurt, in dessen Archive die Originale verwahrt werden. 

Die Finanzgeschichte des Landes erhielt aus den Quellen 
des Finanz-Ministerial-Archives selbst folgende Bereicherung. Im 
Archive Bd. XXX. auf den Seiten 1 bis 89 befindet sich nämlich die 
Arbeit: „Die Finanzlage Niederösterreichs im sechzehnten Jahr- 
hundert. Nach handschriftlichen Quellen von Karl Oberleitner." Doch 
nicht blos das sechzehnte Jahrhundert ist in diesem Beitrag berück- 
sichtigt, es finden sich in ihm auch folgende Zusammenstellungen 
zur Finanzgeschichte des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts. 
So der „Ausweis über die Kirchenschätze und Weinvorrälhe der Klö- 
ster im Jahre 1703; die Übersicht der einpercentigen Rente der 
Abteien und Klöster in den Jahren 1542, 1635, 1701 und 1753; 
die Übersicht der Gülten inländischer und fremder geistlicher Orden 



96 Th. V. Rar« Jan. 

und Fürsten im Jahre ilSi;** endlich eine Zusammenstellung mit der 
Überschrift: „Die kaiserlichen Herrschaften und Pfandschaften in 
Niederosterreich im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert.^ 



(Österreich •h der Ems. 

Vorwiegend für die Geschichte des Städtewesens ron Be- 
deutung sind die Nachweisungen der folgenden Arbeit, welche aber 
auch in einem Viertheile ihrer Zahl der allgemeinen Landes- 
geschichte zugute kommen. Ich meine die „Regesten aus dem 
Archive von Freistadt in Österreich ob der Enns. Mitgetheüt von 
weiland Ferdinand Würmsberger**, im Archive Bd. XXXI, S. 273 — 
376. Diese Urkundenauszüge umfassen die Jahre 1337 bis 1514 und 
erreichen die Zahl von 440 Stücken. 

Wie schon oben erwähnt wurde, betrifft eine hauptsächlich der 
Geschichte Böhmens gewidmete Arbeit in ihrem urkundlichen Theile 
auch Personen und Orte des Mühlviertels wie Österreichs unter der 
Enns. Ich muss also dieselbe aus diesem Grunde sowohl hier ein- 
reihen, wie in der Rubrik 

Snheri«gthiiii isterreieh, 

und zwar hier als die allgemeine Landesgeschichte betreffend. 
Der Titel dieser Arbeil ist: „Urkundenbuch des Cistercienser-Stiftes 
B. Mariae V. zu Holienfurt in Böhmen, herausgegeben von Mathias 
Pangerl.** Sie steht in der zweiten Abtheilung der Fontes und füllt 
deren dreiundzwanzigsten Band. Von den 319 Urkunden dieser 
Sammlung aus den Jahren 1259 bis 1500 betreffen sehr viele Per- 
sonen und Orte des Mühlviertels wie verschiedener Theile Österreichs 
unter der Enns, was sich aus der der Grenze des Erzherzogthums 
nahen Lage dieses Stiftes erklärt. 

i&roteD 

ist im Ganzen mit zwei urkundlichen Forschungen bedacht. Die erste 
derselben betrifft die allgemeine Landesgeschichte und bildet 
die Fortsetzung früherer Mittheilungen eines nun verstorbenen Mit- 
gliedes unserer Akademie, nämlich der „Urkunden-Regesten zur 



Bericht aber die ThS%keit der historischen Commission etc. 7 

Geschichte Kärntens des Freiherrn Gottlieb von Ankershofen** und füllen 
im XXXII. Bde. des Archives die Seiten 1S7 bis 336. Sie umfassen 
diesmal die Jahre 1231 bis 1269 und 446 Urkunden, deren Origi- 
nale und Abschriften in den verschiedensten Archiven des Landes 
vem^ahrt werden. Vorausgeschickt sind dieser Lieferung vier Nach- 
trage aus Urkunden der Jahre 1226 bis 1230. Hoffentlich wird sich 
bald ein würdiger Fortsetzer dieser verdienstlichen Sammlung im 
Lande selbst finden lassen. 

Der zweite Beitrag betrifft die Geschichte des Adels in 
diesem Kronlaride. Sie führt den Titel : „Die Grafen von Ortenburg 
in Kärnten von Dr. Karlmann Tangl. Erste Abtheilung. ^ Diese um- 
fasst die Jahre 10S8 bis 12S6, und ist mit zwei Stammtafeln ver- 
sehen im XXX. Bande des Archives auf den Seiten 203 bis 3S2 ein- 
gereiht. Das Kronland 



Friail 

ist gleichfalls in zwei grösseren Allheiten vertreten. Die eine betriffl 
die allgemeine Landesgeschichte und ist abermals eine 
Fortsetzung einer in früheren Bänden begonnenen Reihe, nämlich der 
„Documenta historiae forojuliensis saeculi XIII. et XIV. ab anno 
1300 ad 1333, summatim regesta a P. Josepho Bianchi."" Sie 
steht im XXXI. Bande des Archives auf den Seiten 145 bis 192 und 
415 bis 562 und umfasst die Jahre 1300 bis 1307, dann 1307 
bis 1313. 

Die zweite Arbeit ist der Geschichte des Städtewesens ge- 
iiv-idmet, mit dem Titel: „Diplomatarium Portusnaonense. Series 
Documentorum ad historiam Portusnaonis spectantium, quo tem- 
pore (1276 — 1514) domus Austriacae imperio paruit, hinc inde 
lectorum, cura et opera Joseph! Valentinelli. Quaedam praemit- 
tuntur annorum 1029 — 1274.^ Diese Urkunden füllen den XXIV. 
Band der zweiten Abtheilung der Fontes , sind, 398 an der Zahl, 
mit den nothigen Anmerkungen und Registern versehen und gehören 
den Jahren 1029 bis 1521 an. 

Sitib. d. phU.-hist. Gl. L. Bd. H. HA. 7 



98 Th. T. Karajan 



Die Regeiitengeschiclite dieses Landes hat in der nach- 
folgenden Veröffentlichung unseres wirkl. Mitgliedes Jos. Fiedler 
einen Zuwachs erhalten, und zwar in der „Correspondenz des Pfalz- 
grafen Friedrich V. und seiner Gemahlinn Elisabeth mit Heinrieh 
Mathias von Thurn," im Archive, Bd. XXXI, auf den S. 377 bis 414- 
Es sind dies 40 Briefe aus den Originalen des k. k. geheimen Haus-, 
Hof- und Staats-Archivs mitgetheilt und den Jahren 1625 bis 1629 
angehörig. Sie bilden eine wichtige Ergänzung zu den durch Job. 
Christ. Freih. v. Aretin, in den Beiträgen zur Geschichte und Literatur 
7, 140 bis 209 und 260 bis 278, veröffentlichten 72 Briefen des 
Winterkönigs mit dessen Gemahlinn der englischen Prinzessinn Elisa- 
beth und einigen Personen seiner Verwandtschaft und Schwäger- 
schaft. Sie sind zugleich „der Ausdruck der intimsten Beziehungen 
und der innersten Ciedanken" eines Theiies der handelnden Personen 
während der ersten Hälfte des dreissigjährigen Krieges. 

Der K i r c h e n g e s c h i c h t e des Landes gewidmet ist vor Allem 
das schon erwähnte „Urkundenbuch des Cistercienser-Stiftes B. 
Mariae V. zu Hohenfurt in Böhmen, herausgegeben von Mathias 
Pangerl," in der zweiten Abtheilung der Fontes, Band XXHL Die 
ganze Sammlung mit dem Anhange entbält 319 Urkunden, dem Stifts- 
Archive entnommen. Sie entstammen den Jahren 12S9 bis 1500 und 
betreffen nicht blos das Stift, sondern das südliche Böhmen über- 
haupt, wie die südlieh und westlich angrenzenden Länder. 

Gleichfalls die Kirchengescliiehte bereichert ein dreiundfünfzig 
Bogen füllender Band, der sechste der zweiten Abtheilung der Fontes, 
herausgegeben von unserem correspondirenden Mitgliede Dr. C. Höfler, 
als zweiter Theil der „Geschichtsehreiber der Husitenbewegung in 
Böhmen.** Mit diesem Bande ist aber die ^Sammlung noch nicht ge- 
schlossen. Es folgt noch ein dritter Theil derselben, welcher eine aus- 
führliche Einleitung zum zweiten, dann zahlreiche Nachträge und Berich- 
tigungen, endlicli die nöthigen Register zu allen diesen bringen wird. 

Der vorliegende Band enthält ausser einer langen Reihe von 
Johannes Hus' eigenen Schriften eine Menge von Streitschriften seiner 
Zeitgenossen religiösen Inhaltes, ein paar Lebensbeschreibungen von 



BericM über die ThStigkeit der historischen Commission etc. 99 

Erzbischöfen Prags als Arnest's und Johann*s von Grenzenstein, ein 
reiches Chronicon Bogmiae, zusammengetragen aus einer Reihe zeit- 
genössischer Nachrichten und Gedichte, eine Sammlung von Schrif- 
ten über die Vertreibung der Deutschen von der Prager Hochschule, 
über den Geleitbrief Hus' nach Constanz, eine ähnliche gleichzeitiger 
Satiren , des Andreas von Regensburg Chronik des Zugs gegen die 
Hussiten, Thomas Prischuch's langes deutsches Gedicht auf die Vor- 
gänge zu Constanz, zum Schlüsse noch Johann's von Lukavecz und 
Nicolaus von Pelhrzimov's Chronica Taboritarum mit einem Anhange 
von noch acht Belegstücken. 

Der Adelsgeschichte des Landes gewidmet sind zwei Arbei- 
ten, die eine füllt einen Theil des XXIII. Bandes der zweiten Abthei- 
lung der Fontes, und zwar die Seiten 382 bis 391, behandelt die 
Geschichte eines der berühmtesten Geschlechter Böhmens und führt 
den Titel: „Nota fundatores monasterii Altiuadensis.^ Es ist dies 
eine schon im fünfzehnten Jahrhunderte verfasste Chronik des Ge- 
schlechtes der Rosenberge, eingetragen in ein Todtenregister des 
Cistercienserstiftes Hohenfurt, und als Anhang des Urkundenbuches 
desselben an der bezeichneten Stelle veröffentlicht durch Mathias 
Pangerl. 

Eines der berühmtesten Mitglieder aber des böhmischen Adels 
betrifft die zweite Arbeit, mit dem Titel : „ Waldstein*s Correspondenz. 
Eine Nachlese aus dem k. k. Kriegsarchive in Wien zu dem Werke : 
W^aldstein von seiner Erhebung bis zur abermaligen Übernahme des 
Armee-Ober-Commandos vom 13. August 1630 bis 13. April 1632, 
Wien, Gerold, 1888, 8o, XVI. und 495, SS. 8o. Mitgetheilt von 
Dr. Dudik, 0. S. B.«, im Archive Band XXXII, S. 337 bis 416. Die 
Sammlung umfasst im Ganzen 169 Stücke und soll noch eine Fort- 
setzung erhalten. Des Nachbarlandes 

■&hreD 

Städtegeschichte wird durch eine Arbeit auf anziehende Weise 
bereichert, deren Überschrift nichts weniger als solchen Inhalt erwar- 
ten lässt. Sie lautet: „Candela rhetoricae, eine Anleitung zum Brief- 
styl aus Iglau." Beschrieben von unserem correspondirenden Mit- 
glied e Prof. W. Wattenbach, steht sie im Archive Bd. XXX, S. 179 
bis 202. Die Handschrift dieses Briefstellers wird in der Bibliothek 



100 Th. T. Kar»jan 

des Schlosses Fulneck verwahrt. Sie gehört dem fünfzehnten Jahr- 
hunderte an, ist auf Papier geschrieben und enthält aus dem Anfange 
desselben Jahrhunderts eine Menge Einzelheiten über die damals sehr 
gewerbthatige Stadt Iglau. Dieser Briefsteller ist für Böhmen und 
Deutsche gesehrieben, und zwar von einem aus der Iglauer Schule 
verdrängten Lehrer, unter dem wir uns wahrscheinlich ürban von 
Pochyech werden zu denken haben. Neben einer Menge anderer Dinge 
findet sich hier eine Beschreibung von Iglau, ein Gedicht in lateini- 
schen gereimten Strophen auf diese Stadt , nicht ohne Frische und 
Anschaulichkeit (jetzt auch in einer Wiener Handschrift : Cod. bibl. 
palat. 4953 auf ßl. 197** aufgefunden), eine Zusammenstellung über 
symbolische Bilder, für mittelalterliche Archäologie beachtenswerth, 
und endlich ein glossirtes lateinisches Gedicht auf einen zu Prag 
studierenden Jüngling. 

Die Besitzverhältnisse des Landes betreffen mehrere 
Urkunden der Jahre 1447 und 1448, verwahrt im Archive des Stiftes 
Hohenfurt in Böhmen, und herausgegeben durch Mathias Pangerl im 
Anhange des Bandes XXIH. der Fontes auf S. 409 und 410. 

Hauptsächlich 



Schlesieas 

Städtewesen im vierzehnten Jahrhunderte erläutern: „Schle- 
sische Urkunden zur Geschichte der Juden im Mittelalter, von 
Dr. Ludwig Oelsner,« im Archive, Band XXXL auf S. 57 bis 144. Sie 
sind den Originalien des städtischen und Provincial-Archives zu 
Breslau entnommen und enthalten ausser Verzeichnissen über Besitz 
und Abgaben, dann gewaltsamen Confiscirungen von Gütern der 
Juden, auch eine Reihe landesfürstlicher Urkunden. So von König 
Johann von Böhmen, dessen Sohn Karl Markgraf von Mähren aus 
dem Jahre 1345, auch solche des Königs und Kaisers Karl IV. von 
1348, des Herzogs BoleslausH. von Schweidnitz, 1367, der Herzoginn 
Agnes von 1369 und 1370, neben einer Reihe von städtischen 
Schutzbriefen Breslaus zu Gunsten der Juden von 1351 bis 1364 
und dergleichen. Im Ganzen 40 Urkunden. 



Bericht über die Thfitigkeit der historischen Commission etc. 101 



fialiileo, irakai u. s. w. 

hat ebenfalls in Bezug auf Städtewesen in zwei Arbeiten Be- 
reicherung erhalten. Erstens durch eine Sammlung: „Urkunden 
zur Geschichte der Armenier in Lemberg. Herausgegeben von 
Dr. Ferdinand Bischoff- im Archive, Bd. XXXII, S. 1 bis 153, welche 
69 ungedruckte Urkunden enthält aus den Jahren 1377 bis 1736 
und demLemberger Stadt-Archive, um so \villkommener, „als derVor- 
rath an gedruckten Urkunden für die Geschichte der ostgalizischen 
Länder ungemein gering ist,** wie derHerausgeber mit Recht bemerkt. 
Zweitens: „Balthazaris Behem Codex picturatus anni ISOS, 
eontinens PriWlegia et Piebiscita urbis Cracoviae. Besprochen von 
Prof. Dr. U. Heyzmann aus Krakau ,** im Archive , Band XXXIII, auf 
den Seiten 163 bis 231. Die Arbeit enthält eine urkundlich belegte 
Darstellung des Stadtrechtes Krakau's, welche sich in einer reich ver- 
zierten Pergament-Handschrift der Jagellouischen Bibliothek daselbst 
erhalten hat. Sie Uefert einen schönen Beleg zur Beurtheilung des 
„wohlthätigen Einflusses des deutschen Elementes auf die Entwicke- 
lung der Künste und Gewerbe, auf die Hebung des Handels und der 
Rechtsbildung in den Städten.** Ja, es wird in den Ausführungen des 
Herausgebers geradezu gesagt : „dass es in Polen zum grossen Theile 
deutschen Colonisten bürgerlicher Abkunft vorbehalten war, die 
weite Kluft zwischen dem Adels- und Bauernstande ausgleichen zu 
helfen.« 



Vogen. 

Für das Städtewesen auch dieses Kronlandes ist eine ähn- 
liche Arbeit aufzuführen, unter dem Titel : „Zur ältesten Geschichte 
der oberungerischen Freistadt Kaschau. Eine Quellenstudie von 
Dr. Fr. Xav. Krones", und zwar abgedruckt im Archive, Bd. XXXI, 
S. 1 bis S6. Unter Anderem bringt diese Abhandlung auch Unter- 
suchungen über die ältesten Bürgernamen und über die erste Raths- 
ordnung der Stadt vom Jahre 1404, welche im Anhange aus dem 
Originale zum ersten Male veröffentlicht wird. 

Für die Geschichte der 



102 Th. T. Karajan 



■•narekie 

sind folgende Arbeiten geliefert worden. Vorerst zur Geschichte der 
ältesten und der Römerzeit die achte Fortsetzung der: 
„Beitrage zu einer Chronik der archäologischen Funde in der öster- 
reichischen Monarchie in den Jahren 1862 und 1863 von Dr. Fried- 
rich Kenner,« im Archive, Bd. XXXIII, S. 1 bis 162. Wie gewöhn- 
lich mit einer Reihe in den Text eingedruckter Abbildungen in Holz- 
schnitt. 

Die Regenten-Geschichte und mit ihr die allgemeine 
der Monarchie betrifft folgende Arbeit: „Auszug aus K. Maximi- 
lian's II. Copeybuch vom Jahre 1564. Nebst einem Verzeichnisse 
der in demselben vorkommenden Personen- und Ortsnamen von 
A. R. von Perger«, im Archive, Bd. XXX, Seite 193 bis 272. Aus 
dem bei einem Käseverkäufer Wiens geretteten Originale, das leider 
nicht mehr vollständig war, da an den verschiedensten Stellen des- 
selben nicht weniger als 210 Blätter bereits verbraucht waren. 
Es enthält ohne Auswahl alle möglichen vom Könige, nach dem 
25. Juli 1564 Kaiser, erlassenen Schreiben und Befehle, sowohl in 
Angelegenheiten seines Hofes und seiner Person, als in jenen ein- 
zelner Persönlichkeiten des In- und Auslandes, dann seiner Erb- 
länder sowohl, wie jener des deutschen Reiches, und zwar nach 
Innen, wie nach Aussen. 

Für die Geschichte der Familienglieder des Regentenhauses 
ist hier folgende urkundliche Mittheilung einzureihen: „Des Hoch- 
und Deutschmeisters Erzherzogs Maximilian I. Testament und Ver- 
lassenschaft vom Jahre 1619. Mitgetheilt von Dr. B. Dudik, 0. S. B.« 
im Archive Bd. XXXIII, S. 233 bis 352. Dieses Testament, dem 
Central-Archive des deutschen Ritterordens in Wien entnommen, 
legt rühmendes Zeugniss ab „ganz besonders von dem Kunstsinne 
und edlen Geschmacke des Erzherzogs*'. Es finden sich nämlich 
in demselben authentische Nachrichten über eine ganze Reihe 
von Gemälden der älteren Schulen, von Musikalien des sech- 
zehnten Jahrhunderts, von Goldgeschmeide, Edelsteinen, Kirchen- 
schmuck, Waffen u. s. w. , die dieses Actenstück, abgesehen 
von seinem Werthe für die Geschichte der Regentenfamilie, auch 



Bericht über die ThStIgkeit der historischen Commission etc. 103 

als eine lehrreiche Quelle für die Geschichte der Kunst erscheinen 
lassen. 

Zur Geschichte des Kriegswesens der Monarchie wurde 
eine Arbeit geliefert unseres verstorbenen correspondirenden Mit- 
gliedes Friedrich Firnhaber: „Zur Geschichte des österreichischen 
Militärweseus. Skizze der Entstehung des Hofkriegsrathes,*^ im 
Archive, Bd. XXX, auf den Seiten 91 bis' 178. Unter den Beilagen, 
21 an der Zahl, sind besonders hervorzuheben: Nr. IX. und X. 
Die Instruction Ferdinand's I. für den Hofkriegsrath vom 17. Novem- 
ber 1556 und deren Ergänzungs- Artikel ; Nr. XVII. Eine ähn- 
liche des K. Mathias vom 14. November 1618; Nr. XIX. jene K. 
Ferdinand III. vom 10. Februar 1650; endlich jenfe K. Leopold*s I. 
vom 6. April 1675. 

Nicht unerwähnt darf endlich hier bleiben eine schon oben 
en^'ähnte Arbeit , weil sie die Wirksamkeit eines der gi^össten Feld- 
herren der Monarchie betrifft, folglich für die Kriegsgeschichte 
derselben Bedeutung hat , ich meine: „Waldstein's Correspondenz. 
Eine Nachlese aus dem k. k. Kriegsarchive in Wien zu dem Werke : 
„Waldstein von seiner Erhebung bis zur abermaligen Übernahme des 
Armee-Ober-Commandos vom 13. August 1630 bis 13. April 1632. 
Wien, Gerold. 1858. 8«. XVI. u. 495. SS. 80**. Mitgetheilt von 
Dr. B. Dudik, 0. S. B. im Archive, Bd. XXXII, S. 337 bis 416. Im 
Ganzen 169 Stücke umfassend. 

Deatsehland. 

Für die allgemeine Geschichte des Reiches ist auch 
hier einzureihen die schon oben er^'ähnte urkundliche Mittheilung: 
„Auszug aus K. Maximilian*s II. Copeybuch vom Jahre 1564,** von 
A. R. von Perger, im Archive, Bd. XXXI, auf den Seiten 193 bis 272, 
denn sie betrifft theilweise auch Länder und Fürsten des Reiches. 



Aus der eben vollendeten wissenschaftlichen Durchordnung 
ist unschwer zu entnehmen, dass im Ganzen die Geschichte neun 
einzelner Kronländer und der Monarchie als solcher durch mehr als 
zwanzig, mitunter sehr umfangreiche Abhandlungen und Sammlungen 



104 Th.T. Karajtn 

von Quellen bereichert wurde, und zwar im rollen Sinne des Wor- 
tes, denn alles Gelieferte war bisher der Wissenschaft noch nicht 
zugeführt. Ihre Commission war im Laufe der beiden Jahre sorgsam 
bemüht, den ihr angebotenen Stoff sowohl für die schon erschiene- 
nen Bände zu prüfen und zu sichten, als für die künftigen vorzube- 
reiten. Sie hat dadurch jetzt schon Vorrath für mehrere Bände 
druckfertig. Sie hofft auf diese Weise die Zufriedenheit der ver- 
ehrten Classe mit ihrer Thätigkeit erwarten zu dürfen, um so eher, 
als in den letzten beiden Jahren die Einhaltung der versprochenen 
und erwarteten Leistungen ganz eigenthümliche Schwierigkeiten 
hatte, namentlich in der Nachholung der leidigen Rückstände des 
Druckes. 

Für die Fortsetzung der begonnenen Sammlungen wurde un- 
ausgesetzt Sorge getragen, und auf den Antrag Ihrer Commission 
hat die verehrte Classe für die Vollendung der Urkundensammlung 
zur Geschichte des Handels Venedigs mit dem Oriente schon am 
13. April vorigen Jahres 500 fl. österreichischer Währung als beson- 
deren Zuschuss bewilliget. Der bei' weitem grösste Theil dieses 
Materiales ist aber jetzt , wie Professor Thomas aus Venedig brief- 
lich meldet, bereits bewältigt und dürfte zusammen mit dem Stoffe 
des Wiener Haus-, Hof- und Staats-Archives, dann jenes der Archive 
von Paris und Brüssel noch drei ganze Bände füllen. 

Über die Vorarbeiten für die nächsten Bände unserer Sammlung 
der Monumenta habsburgica habe ich aber die Ehre Folgendes 
zu berichten. Dieselben wurden für die Regierungsperiode Kaiser 
Maximilian*s I. in den beiden letzten Jahren von unserem wirklichen 
Mitgliede Custos Birk ununterbrochen fortgesetzt. Nach dem fest- 
gestellten Plane waren es zunächst die in Wien befindlichen Archive 
der hohen Ministerien , die durchforscht werden sollten, indem sie 
den grössten und wichtigsten Theil der noch vorhandenen Docu- 
mente jener Zeit verwahren. Wir sind in der erfreulichen Lage 
mittheilen zu können , dass die Arbeiten in einem der umfangreich- 
sten Archive, dem des k. k. Finanzministeriums, nach mehrjähriger 
Dauer so weit vorgeschritten sind, dass in kurzer Zeit deren gänz- 
liche Beendigung zu erwarten steht. Die besonders reiche Aus- 
beute lohnt reichlich die darangewandte Zeit und Mühe. Der Kreis 
der Forschungen wurde überdies nach und nach auch auf die 



Berieht über die Thäti^keit der historischen Commission etc. 105 

Archive einzelner Kronländer ausgedehnt, und zwar für den genannten 
Zeitraum auf jene der k. ungerischen Finanz -Landes-Direction in 
Ofen und der Statthalterei in Innsbruck, von denen insbesondere das 
letztere werthvolle Bereicherung ergab und bei Fortsetzung der be- 
gonnenen Arbeiten noch weit mehr liefern wird. 

Die" im Ganzen bisher erzielten Resultate müssen in Anbetracht 
der dem Redacteur nur spärlich zugemessenen Zeit, als sehr ergiebig 
bezeichnet werden, indem das bereits gesammelte und bearbeitete 
Material für drei bis vier Bände der Monumenta ausreichen wurde. 
Indessen sind mehrere ergiebige Ausbeute versprechende Archive 
noch zu durchforschen, ehe die Sammlung zum Abschlüsse gebracht 
und der Druck begonnen werden kann. 

Schlüsslich erlaubt sich die Commission noch anzuzeigen , dass 
sie mit den ihr gewährten Geldmitteln der bezeichneten Periode das 
Auslangen gefunden habe. 



106 Bericht ober die Thitigkeit der Concilleo-CommiwioB etc. 



Bericht über die Thätigkeit der Concilien^Commission wäh" 

rend der akademischen Verwaltungsjahre i862 auf i863^ 

undi863 bis Ende i864, 

vorgetragen in der Classensitzung vom 10. Mai 1865 durch den Berichterstatter 

derselben 

Dr. Th. 6. T. KaraJaH, 

derieit Vice-Priaideaten. 

Meine Herren ! 

Die im letzten Jahresberichte erwähnten Verhandlungen, um 
die werthyolle Pergament-Handschrift der Geschichte des Basler 
Concils von Juan de Segovia auf der öiTentlichen Bibliothek zu Basel 
(Sign. A. III. 40 und 41) auf einige Zeit zur Benützung nach Wien 
zu erlangen, führte erst im abgelaufenen Jahre zu einem günstigen 
Ergebnisse. Der erste Band der Handschrift langte Ende Juli 1864 
in Wien an , wofür der loblichen Bibliotheks-Direction der verbind- 
lichste Dank gebührt. Die vollständige Vergleichung des umfang- 
reichen Manuscriptes wurde sogleich begonnen und wird ohne Unter- 
brechung zu Ende geführt werden. Die Herstellung des an manchen 
Stellen in den Wiener Handscliriften durch die Abschreiber ver- 
stümmelten Textes wird, nach den bis jetzt gemachten Erfah- 
rungen, in erfreulicher Weise durch diesen Nachvergleich gefordert 

Die Vorarbeiten für den dritten Band der Monumenta con- 
ciliorum wurden mit den verfügbaren sehr beschränkten Arbeits- 
kräften fortgesetzt und haben wesentliche Fortschritte gemacht. 

Mit den von der verehrten Classe bewilligten Geldmitteln waren 
die Kosten der verschiedenen Arbeiten hinlänglich bedeckt. 



Halm. Teneichnias der ilt^ren Handschriften lat. Rirchenvlter etc. 107 



SITZUNG VOM 17. MAI 1865. 

Der historischen Commission sind eingesandt worden : ^Berich- 
tigungen und Ergänzungen zu dem in den Fontes rerum austriacarum 
Vol. 21 abgedruckten Nekrologium des ehemaligen Chorhen'n-Stiftes 
St. Polten«, Yon Herrn Dr. Franz Dudik. 



Verzeichniss der älteren Handschriften lateinischer Kirchen- 
väter in den Bibliotheken der Schweiz. 

Von Dr. ft. lalm. 



VORREDE. 

Indem ich mich beehre der hohen kaiserl. Akademie die von 
mir angefertigten Verzeichnisse der älteren Handschriften lateinischer 
Kirchenyäter in den Bibliotheken der Schweiz yorzulegen, erlaube 
ich mir über die von mir untersuchten Bibliotheken folgenden kurzen 
Bericht zu erstatten. 

Zuerst besuchte ich die Stadtbibliothek von Bern, welche aus 
dem Nachlass von Peter Daniel und Bongarsius eine so bedeu- 
tende Zahl Yon Handschriften ersten Banges besitzt. Für die historische 
und classische Literatur ist sie wichtiger als für die pat ristische, 
aber auch für diese ist die Zahl von alten und werthvollen Hand- 
schriften eine nicht unbeträchtliche. Nachdem ich mir aus dem 
gedruckten Katalog von Sinn er, der für seine Zeit eine sehr lobens- 
werthe Arbeit ist, alle älteren Handschriften, in welchen sich Stücke 
von Kirchenvätern finden , aufgezeichnet hatte , ging ich die vorge- 
merkten Handschriften sämmtlich durch, um die bei Sinner oft 
nicht ausreichenden Notizen zu ergänzen. Bei dieser Nachlese ergab 
sieb, dass der Katalog von Sinner mancherlei Mängel hat Dat 



108 H 1 1 m. VerzeicbBiss der iltertn Htodschriflra latcintecbar 

Alter der Handschriften ist nicht immer richtig bestimmt und in der 
Regel zu hoch gegriffen, an Nachweisen, wo seltenere Schriften 
gedruckt stehen, fehlt es fast gänzlich ; auch vermisst man bei klei- 
neren Schriften, wie bei sermones und epistolae, die Angabe der in 
einer Handschrift vorkommenden Stücke, zu deren genaueren Be- 
schreibung der Umstand sehr störend und zeitraubend ist, dass nur 
wenige Handschriften foliirt sind. Abgesehen davon, dass es mir 
gelang durch Ausschreibung der Initien einige unbestimmte Schriften 
zuerst zu bestimmen, war ich so glücklich in einigen der ältesten 
Handschriften ein paar in dem gedruckten Katalog übergangene 
Schriften aufzufinden, so in dem Codex num. 376 sa^c. VUI die 
vita beati Hilarionis von Hieron>Tnus, und in der Capitalhandschrift 
n. 363 8aec. VHI, die den Horatius enthält, am Schlüsse mehrere, 
wie es scheint, sämmtlich unbekannte Gedichte von christlichen Dich- 
tern (s. im Verz. unter Carmina), die zu copieren ich aus dem Grunde 
unterliess, weil ein künftiger Herausgeber des corpus poetarum 
Christianorum wegen der wichtigen übrigen Handschriften (Nr. 264, 
3S8, 389, 394, 455 etc.) unter allen Umständen Bern besuchen 
muss. Durch die freundlichste Zuvorkommenheit der Bibliotheksver- 
waltung waren mir alle Handschriften, die ich ansehen wollte, leicht 
und bequem zugänglich. 

Von Bern begab ich mich nach Zürich, wo sich zwei öfTentliche 
Bibliotheken beOnden, die an gedruckten Werken reich ausgestattete 
Stadtbibliothek und die Cantonsbibliothek. Auf der ersteren fand ich 
nichts vor, was für meine Zwecke eine Aufzeichnung verlohnt hätte» 
um so mehr in der Cantonsbibliothek. 

Diese hat in der jüngsten Zeit einen selu* namhaften Zuwachs 
von Handschriften aus dem aufgehobenen Kloster von Rheinau er- 
halten, über welche ein besonderer sehr genauer Katalog aus zwei 
starken Foliobänden besteht, worin nicht blos alle Schriften mit den 
Anfangen genau verzeichnet, sondern auch durchgängig Nachweise 
gegeben sind, wo eine jede in einer Hauptausgabe gedruckt zu finden 
ist. Da man so freundlich war, mir den Katalog in den Gasthof anzu- 
vertrauen, so kam ich mit der Anfertigung der Auszüge in ein paar 
Tagen zu Ende und es bedurfte in der Bibliothek selbst nur noch der 
Einsicht der ältesten Nummern, um die Überzeugung zu gewinnen, 
ob die Handschriften nach dem Alter richtig bestimmt sind. Auch 
nach dieser Seite hin hat der Katalog seine durchgängige Verlässigkeit 



KirehenvSter id den Bibliotheken der Schweiz. 109 

auTs beste bewährt. Für die übi^igen schon früher vorhandenen 
Handschriften der Cantonsbibliothek, unter denen sich mehrere alte 
und sehr beachtenswerthe finden, existirt noch kein Katalog. Da 
jedoch der Bibliothekar, Herr Prof. Fritzsche, eine sehr genaue 
Kenntniss der seiner Obhut anvertrauten Schätze besitzt, so kann 
ich sicher dafür einstehen, dass mir nichts Bedeutendes entgangen 
ist. Wie in Bern, so wurde auch hier von einer Beschreibung jüngerer 
Handschriften bei Stücken, die sehr häufig abgeschrieben wurden^ 
gänzlich Umgang genommen. 

Mein letzter Besuch galt dem wichtigen St. Gallen. Neben der 
berühmten Stiftsbibliothek befindet sich daselbst noch eine zweite, 
die Cantonsbibliothek, in welche die für die helvetische und Refor- 
mationsgeschichte sehr bedeutende Vadianische Bibliothek einverleibt 
ist. Die in sehr schöner Räumlichkeit aufgestellte Cantonsbibliothek 
enthält auch einige Handschriften von Kirchenvätern, aber meist 
italienische Abschriften aus dem XV. Jahrhundert, von etwas älteren 
nur eine einzige, eine schöne Handschrift saec. XI des Dichters 
Arator. 

Um so reicher war die Ausbeute in der berühmten Stiftsbib- 
liothek, für deren Besuch ich mich durch vollständige Auszüge aus 
den in gedruckten Quellen vorliegenden Mittheilungen (bei Haenel 
und in der Geschichte der Bibliothek von Weidmann) tüchtig 
vorbereitet hatte. Aus diesen Quellen hatte sich bereits ein so reiches 
Material ergeben, dass ich gar nicht erwarten durfte, es werde meine - 
Zeit, indem ich meinen Aufenthalt in der Schweiz nicht über einen 
Monat ausdehnen konnte, zur Herstellung eines genaueren Verzeich- 
nisses, als bei Haenel vorliegt, hinreichen. Allein diese Befürchtung 
ist durch die Einsichtnahme der vorhandenen handschriftlichen Kata- 
loge völlig verschwunden. 

Es existieren solche mehrere, unter denen sich insbesondere 
der von dem Pater Kolb herrührende auszeichnet, einem gründlichen 
Gelehrten, der besonders in der theologischen Literatur sehr umfas- 
sende Kenntnisse gehabt hat. Aus den früheren Vorarbeiten hat einer 
der letzten Bibliothekare Weidmann einen neuen etwas bündiger 
gefassten, aber auch manche Berichtigung und Ergänzung gehenden 
Katalog in drei grossen und eng geschriebenen Foliobänden herge- 
stellt, der an Gründlichkeit dem von Rheinau würdig zur Seite steht 
und überall so genaue Notizen enthält, dass ich die mühseligen aus 



110 Halm. Veneichniss der filteren Handschriften lateinischer 

Haenel entnommenen Aufzeichnungen gänzlich cassieren konnte. 
Schon Weidmann gibt in seiner Geschichte der Bibliothek eine 
Anzahl von Berichtigungen zu Haenel; die anstrengende Dnrcli- 
arbeitung der drei Bande, die mir wie in Zürich in meiner Wohnung 
verstattet war, hat eine noch weit grossere Anzahl von Berichtigungen 
und Ergänzungen ergeben. Die verschiedenen Verfasser der Kataloge 
haben so gewissenhaft gearbeitet, das von jedem noch so kleinen 
Stuck Anfang und Ende angegeben und überall genau bemerkt ist, 
wo ein sermo oder ein Brief in den gedruckten Ausgaben nicht 
zu finden war. Die Initien dieser im Verhältniss wenigen Stücke 
habe ich alle verzeichnet und nur einige mit Hilfe der von der kais. 
Akademie gedruckten Initia bestimmen können ; von den übrigen muss 
man zur Zeit annehmen, dass es unedirte Stücke sind und dass auch 
nach der reichen Ausbeute, die B a 1 u z i u s und besonders C a n i s i u s in 
St. Gallen gemacht haben, noch eine kleine Nachlese von inediia zu 
gewinnen ist. Am meisten dürfte das in der poetischen christlichen 
Literatur der Fall sein, von der alle einzelnen Stücke aufzuzeichnen 
die Zeit nicht hinreichte. Um Wichtigeres nicht aus dem Auge zu 
lassen, liess ich diese Lücke, und zwar um so mehr, als einem künf- 
tigen Bearbeiter dieser Partie ein längerer Aufenthalt in St. Gallen 
eben so unerlässlich als in Bern ist. Manches Einschlägige wird man 
auch aus den prachtvollen liturgischen Handschriften, von denen 
zahlreiche sehr hohen Alters vorhanden sind , gewinnen können. Ein- 
zelnes aus den grossen Schätzen hervorzuheben würde zu weit 
führen; ein flüchtiger Blick in die Verzeichnisse lehrt, dass es wenige 
Bibliotheken der W^elt gibt, die was das Alter der Handschriften 
betrifft, mit der von St. Gallen wetteifern können. 

Das interessanteste Document für das hohe Alter der Handschrif- 
ten liegt in einem kurzen im neunten Jahrhundert abgefassten Kata- 
loge vor, in welchem der damalige Bestand der Bibliothek verzeichnet 
ist, von dem sich glücklicher Weise trotz der vielen Stürme und 
Unfälle, die über das Kloster ergangen sind, noch ein beträchtlicher 
Theil erhalten hat. Die älteste aller Handschriften ist ein Palimpsest 
des Lactantius, über dem jetzt die dialogi Gregorii stehen. Dass über 
diesen Palimpsest von Niebuhr irgendwo eine Bemerkung gegeben 
sei, ist mir nicht erinnerlich. Derselbe hat Versuche gemacht. Einiges 
von der alten Schrift zu entzifTern und eine der besseren Seiten fast 
ganz herausgebracht; die betreffenden Stellen liegen von seiner Hand 



KircheoTiter in den Bibliotheken der Schweiz. 111 

copiert der Handschrift bei , von denen ich eine Abschrift genommen 
habe. Auf eine Yollige Entzifferung wird man wegen der dunklen Gat- 
tung des Pergaments und der engen darüberstehenden Schrift verzich- 
ten müssen. — Die grosse Zahl von Handschriften aus dem neunten 
Jahrhundert und aus noch früherer Zeit lässt auch einen Riickschluss 
auf die geistige Thätigkeit des Klosters machen. Schon im zehnten 
Jahrhundert muss der Fleiss der Mönche im Abschreiben und der Eifer 
der Äbte im Sammeln von Handschriften bedeutend nachgelassen haben, 
noch mehr in den folgenden ; denn im Grossen betrachtet steht die Zahl 
von jüngeren Handschriften in keinem Verhältniss zu den ehrwürdigen 
alteren. Hätte der Eifer nur noch ein paar Jahrhunderte in gleichem 
Masse fortgedauert, so musste der Handschriftenschatz der Bibliothek 
geradezu ein unvergleichlicher geworden sein. In späterer Zeit ist nur 
noch eine sehr bedeutende Erwerbung gemacht worden, die Bibliothek 
des berühmten Geschichtschreibers Tschudi, die auch in der patri- 
stischen Literatur mehrere sehr werthvolle Sachen enthält Abgesehen 
von dem Alter haben die Handschriften von St. Gallen auch dadurch 
noch einen besonderen Werth, dass die Mehrzahl als völlig intact 
erscheint; durchcorrigierte und durch Rasuren aller Art entstellte 
Handschriften gehören in St. Gallen zu den Seltenheiten, während in 
anderen Bibliotheken der umgekehrte Fall die Regel ist. 

Bios das auf meiner Reise in der Schweiz gewonnene Material 
ist ein so reichhaltiges an werthvollen Handschriften ersten Ranges, 
dass man mit Bestimmtheit behaupten kann, dass sich aus denselben 
eine grosse Anzahl von Schriften der Kirchenväter in wesentlich be- 
richtigter Gestalt herstellen lässt. Wie es scheint, so ist die für diesen 
Zweck so ungemein wichtige Bibliothek von St. Gallen für die Patres, 
die längst in gedruckten Texten vorlagen, noch wenig oder gar nicht 
benutzt worden ; man hat dort nur nach inedita, von denen Manches 
auch ungedruckt hätte bleiben können, gespürt; für eine Textes- 
berichtigung der Hauptschriftsteller erscheint die so reiche Bibliothek 
noch als eine unerschöpfte Fundgrube. 

Da meine Zeit nicht hinreichte auch die Bibliotheken zu Basel, 
Einsiedeln und Schaffhausen zu besuchen, so unternahm Herr Prof. 
Wölfflin in Basel und Schaffliausen die Untersuchung der dortigen 
Handschriften. EinVerzeichniss der etwas über hundert Nummern um- 
fassenden Handschriftensammlung (fast sämmtlich auf Pergament) 
der St. Johannis oder Ministerialbibliothek zu Schaffhausen hat Hänel 



112 H a 1 m. Die Uteren IIan4«ehr. latein. KircheoTiter ia der Schweiz. 

m 6. Bande des Jahu'schen Archivs für Philologie mitgetheilt. Die 
Hoffnung jedoch, zu der eine Notiz bei Hänel berechtigte, es lägen 
hier Handschriiten vor, deren Hauptstock schon im neunten Jahr- 
hundert in die Bibliothek gekommen sei, hat sich als eine illusorische 
erwiesen, indem eine riehtigere Untersuchung ergab, dass die betref- 
fenden in*s neunte Jahrhundert gesetzten ilandschriften erst gegen 
Ende des XI. geschrieben und in die Bibliothek gekommen sind. 
Herr Prof. Wölfflin hat bei der Gelegenheit auch schätzbare Notizen 
über einige einschlägige elsässisehe Handschriften zu Colmar und 
Schlettstadt mitgetheilt, die man als ein Parergon dankbar aufnehmen 
wird. Um die Bibliothek von Einsiedeln nicht ganz zu übergehen, 
wiewohl sie in der patristischen Literatur wenige hervorragende 
Stücke zu besitzen scheint, habe ich dem Verzeichniss am Schlüsse 
eines jeden Autors die geringen Notizen einverleibt, die aus Morel's 
Mittheil ungien im Pertz*schen Archiv und aus den sehr kärglichen 
Hänel's bekannt geworden sind. 

Was die Form betrifft, in der ich das mit grosser Mühe herge- 
stellte Verzeichniss vorlege, so habe ich diejenige gewählt, zu der 
eine viele Zeit erheischende Nacharbeit nothwendig war, von der ich 
aber erwarte, dass sie für den praktischen Gebrauch des Repertoriums 
als die bequemste erscheinen werde. Ich habe nämlich die alphabe- 
tische Folge nach den Namen der Autoren gewählt, und zwar in der 
Weise, dass bei umfangreichen Autoren die Schriften in der Ordnung, 
in welcher sie in den gangbarsten Ausgaben stehen, aufgeführt sind, 
und von kleinen Schriften, wie z. B. von einzelnen Sermonen oder 
Briefen überall das Citat einer Hauptausgabe beigefügt ist. So ist die 
Möglichkeit gegeben, jede noch so kleine Schrift, von der Handschriften 
vorliegen, in kürzester Zeit aufzufinden, während andrerseits verhütet 
ist, dass eine vielleicht sehr werthvolle Handschrift eines kleinen 
Stückes nicht bei der künftigen Bearbeitung übersehen werde. 



Adamnam (vulgo Adamanni) de locis terrae sanctae ex rela- 
tione Arnulfi episcopi Galli libri III im cod. Rhein num. 73 s. IX 
(geschrieben von Reginbertus Rheinaun. f 847) und in Bern. 582 
8. IX fol. 1 — 46 (mit grosser Lücke in der Mitte). 



Adamnanua — Albinua. .113 

Adabinani vita Columbae. Cod. s. VIII in der Stadtbibl. zu Schaff- 
hausen. Vgl. Ferd. Keller Mitth. der ant. Ges. in Zürich VII, 61 und 
Ed. Reeve in der Dubliner Ausg. 1857, p. XIII sqq. *). 

Alblms (Alcuinus). Voll ed. Froh. Epistolae LXVI in Call. 271 
s. IX (sehr gute Handschrift). Ep. ad regem Karlum de saltu lunae 
(= p. 81) Bern. misc. 83 s. IX/X f. 73 sqq. 

Expositio breuis in psalmum CXVIII (= p. 361) Call. 267 
s. IX/X p. 120. 

Eiqpositio breuis Cautici graduum sive psalmorum gradualium 
(= p. 376) Gall. 267 s. IX/X p. 182. 

Commentarii in euang. Joannis libri VI. Praecedit epistola Gislae 
et Rotrudae filiarum Karoli M. cum Alcuini responsione (= p. 457). 
Gall. 275 s. IX, p. 1—296. Das VI. Buch (=p. 591) enthält Basil. 
0, II, 28, s. IX exeuntis. 

Homilia in natali S. Joannis ap. = Comment. in Ev. Joh. lib. VII. 
cap. 46 (p. 645 ed. Froh.) Gall. 275 s. IX, p. 297. 

De trinitate libri III adCarolum M. in Gall. 269 s.X, p. 264— 426. 
Gall. 272 s. IX p. 55 und Gall. 276 s. IX p. 1. Rhein. 102 s. XI 
f. 248—334. 

Quaestiones XXVIII des. trinitate ad Fredegisum discipulum suum 
(p. 739). Gall. 269 s. X p. 427. Gall. 276 s. IX p. 113. Gall. 272 s. 
iX p.203. Rhein. 102 s.XI. f. 98— 109. Basil. B, VI, 3 s. Xineuntis. 

Vol. II. Epistola ad Oduinum presb. de caerimoniis baptismi 
(= p. 127) in Gall. 446 s. X p. 145. 

De yirtutibus et vitiis ad Widonem (= p. 128) Rhein. 104 
s. IX. Gall. 146 s. X p. 120 (in demselben Cod. Alcuini epitaphium 
p. 17). Gall. 677 s. X. Gall. 269 s. X p. 482 — 561. Gall. 272 s. IX 
p. 1 (mit dem epitaphium). Ein Bniehstück daraus, lib. II. cap. 
6—14 enthält Basil. T, 11 s. X, 10 Folioblätter. 

Ep. ad pueros S. Martini de confessione peccatorum. Gall. 267 
s. IX/X p. 106. Basil. B, VI, 3 s. X ineunt. 

Homilia in natali ScT Martini (=p. 159). Schaf h. 58 s. IX/X. 
De ratione animae ad Eulaliam virginem sororem suam cum 
carmine elegiaco et adonio. Gall. 269 s. X p. 443 — 481. Gall. 
272 s. IX'p. 214. Gall. 276 s. IX p. 123. Basil. B, VI, 3 s. X ineunt. 



^) Auf die Mittheilung der ansfuhrlichen Beschreibung des Codex, die Herr Prof. 
Wölfflin gibt, miiMte Yersiektet werden, und zwar um so mehr, als die Ver- 
8iUb. d. phll.-hist. a. L. Bd. H. Hfl. 8 



114 If a I m. Die Siteri'n Hniid.^chr. lafi^in. KircbenvSter in der Sehweis. 

Grammatica. Gall. 268 s. IX. Der Anfang davon (nur 1 Blatt) 
unter dem Titel Disputatio de uera philosopliia Albini magistri in 
Gall. 878 s. XI/XH p. 322. 

Rhetoriea. Gall. G4 s. IX p. 321 : 273 s. X 144; 276 s. IX p. 
181; 885 s. IX p. 132. 

Dialectiea. Gall. 64 s. IX p. 271 ; 270 s. IX p. 1 ; 273 .s. X 
p. 57; 270 s. IX p. 220. Gall. 274 s. IX (in letzterem Cod. unter 
dem Titel: Aristotells categoriae cum Aicuini commentario). 

Conflictus ueris et hiemis (= Aleuini opp. II, 613). Gall. 397 
s. IX p. 83. 

Wir fügen noch bei, dass die in Ale. opp. 1,88 gedruckte 
epist. Karoli Magni ad Aleninum de septnagesima cur dieatur im cod. 
Gall. 124 p. 126 s. IX. Gall. 878 p. 335 s. IX und Gall. 899 p. 86 
s. IX vorkommt. 

Zu Einsiedeln befinden sich nach Morel im Pertz/ sehen Archiv 
VIII, 736 IT. folgende Handschriften des A. Quaestt. in genesim 
n. 60 s. IX. — De baptismate ad Otwinum. De fide et baptismate ad 
Tarolum Imp. n. 110 s. X. — Comment. in epistt. ad Timoth. ad 
Philem et ad Hebraeos n. 182 s. IX. Ausserdem noch (nach Haenel) 
Schriften im cod. 115 s. X. 

Alohelmus. De lande virginum. Gall. 263 s. X p. 62. 

Eins aenigmata. Lib. poeticus de virginitate. De VIII principa- 
libus vitiis in cod. Gall. 242 s. IX p. 21—166. 

Varia carmina in singulis foliis collecta Gall. 1394 s. IX 
p. 120 — 130 (in angelsächsischer Schrift). 

AiwBRosirs. Vol. I. ed. Paris 1686. Hexaemeron. Bern. 325 s. XI 
(XSinn.) f. 103—176. 

Liber de bono mortis. Gall. 187 s. IX p. 306—320 mit der 
Aufschrift: Sermo B. Ambrosii epTde bono mortis et de exitu huius 
miserrimae atque caducae uitae. Inc. a verbis cap. 7 'Si quidem 
et modulator modulis suis etc.' 

De fuga et eontemptu saeculi. Bern. misc. 702 s. XI — XIII (bei 
Sinn. III, :>50 sqq. zu hoch datiert); das betr. Stück s. XII/XIII. 

De Elia et ieimüo. Gall. 559 s. X p. 225. 



selchnung^ von vitae Snnctorum nasser von solchen Vei*fassern, die auch sonst vor- 
kommen, ^mndsitxUch ausgeschlossen war. 



Albinua — Arabrosius. 115 

Expositionis in Lucam libri IX. Call. 96 s. X mit der Aufschrift 
des lib. I.: Ambrosius de generatione Johannis baptiste ac de uita 
et niiraculis S. Job. B. (= p. 1262 ed. Paris., wo der Commentar 
in 10 Bücher eingetheilt ist). Gall. 99 s. IX (weicht vielfach von 
der ed. Par. ab). Auszug aus lib. V n. 2 (= p. 1355) Gall. 242 
s. IX p. 253—260. 

Eine Anzahl sermones bes. in evang. Lucae Rhein. 18 s. XII. 
Rhein. 19 s. XII. Rhein. 32 s. X (in circumcisione domini). Rhein. 41 
s. IX (sermo in hypapante). 

Vol. U. De officiis libri III. Gall. 97 s. IX. Rhein. 44. s. X (schöne 
Handschr.) Bern. 277 s. X f. 1^ — 97 (schöne und ganz rein geschrie- 
bene Handschrift von Bongarsius ex bibl. S. Benedicti Floriacensis). 

De saeramentis libri VI. Gall. 188 s. VII in Uncialen p. 345 — 
393. Bern. 612 s. XII f. 6—36. 

De fide ad Gratianum Imp. lib. I— IV. Gall. 95 s. IX (Buch V und 
einiges in den anderen Büchern fehlt). Lib. I et II. Bern. 278 s. XI 
(X Sinn.) f. 76^—106. Hierauf folgt f. 106—116: Inc. tertius 
beati ^^^^* de fide. So der alte Schreiber, dafür von neuerer Hand: 
Inc. unus beati Ambrosii de fide orthodoxa contra arrianos. Multas 

quidem et graues hereses • nee terminum. cui honor et gloria 

in secula seculorum. Expl. lib. III. de fide. (== Phoebadius de filii 
divinitate 20, 34 ed. M.) 

Libri Ires de spiritu sancto. Bern. 278 s. XI (X Sinn.) f. 1—60. 
Hieran schliesst sich als Miber quartus* bezeichnet die Schrift de 
incarnatione (= p. 703 ed. Paris.) an. Beide Schrilten in derselben 
Ordnung (die zweite mit der Aufschrift: contra Apollinaristas) auch 
in Gall. 98 s. IX p. 1—210. 

Epistolae. Ad Valentinianum Imp. (=^ class. I. ep. 24, II , 888 
ed Paris.). Gall. 94 s. IX. In demselben Cod. p. 91. Eiusdem ep. ad 
eundem Imp. (= ep. 17 p. 824); p. 99 Relatio Symmachi praefecti 
urbis Romae« (= loco cit. p. 828 — 832; im cod. nicht vollständig); 
p. 106 — 113 Ambrosii ep. ad Theodosium Imp. (= I. c. p. 
346—349). 

Hymnus in laudem sanctorum martyrum (= p. 1222 ed. Par.). 
Gall. 454 s. IX p. 27. 



*) = Symm. ep. X, 54. Wegen der Seltenheit alter Handschriften des Symmschus 
bemerken wir, dass eine ep. ad Ausoniam (das initium habe ich mir leider nicht 
notiert) im cod. Gall. 899 s. IX pag. 2 steht. 

8* 



116 H a I m. Die llteren Handsohr. latein. RirchesYlter in der Schwelt. 

Cominentariiis in S. Pauli epistolas, falso Ambrosio adseriptus 
(>=> ed. Par. II, 1690 in append.) Gall. 100 ii. 101 s. IX. Vgl. aueb 
unter Traetatus in ep. Pauli. 

De ieiuniis et eleemosynis (= Ambr. opp. app. p. 443). Call. 
347 s. X/XI p. 277. 

De eonflictu nitiorum et uirtutum, über falso Ambrosio adseriptus 
Vgl. unter Augustinus de eonflictu ete. zu Vol. VI. 

De resurrectione (« 16, 1315 ed. Migne) Sehaffh. 40 s. XI/XII. 

Ineerta sub nomine Ambrosii : Sermo in natali S. Agnetis uirg. 
Inc. *Immaeu]atus dns etc. Gall. 347 s. X/XI p. 258. <) — Liber 
sei Ambrosii epi contra hereticos. Ine. *I>auid uno lapidis ietu goliae 

frontem percutiens sed pater maior me est 6aII. 94 s. IX 

p. 1 — 30. — Liber a S. Ambrosio in laude scorum compositus. Alf. 
Pertinere nos dileet. fr. ad misericordiam dei ete. (= Victricii de 
laude sanctorum liber 20, 443 ed. Migne). Gall. 98 s. IX p. 211 und 
eine Abschriil dieses Cod. Gall. 102 s. X. — Versus de temarii Dumeri 
excellencia. Ine, * Omnia trina uigent sub maiestate tonantis. Gall. 
40 s. VIII p. 354. 

In Einsiedeln Handschr. des Ambrosius (obne nähere Bezeich- 
nung) in den Codd. n. 122. 133. 134. 139. 

Anacleti papae de sacerdotibus epistolae quaedam, in cod. Bern. 
451 s. IX. 

Anonymi Tomnient. in Johel et in Apocalypsim Bern. 51 s. X. Inc. 
liber Johel prophetae. Johel interpretatur incipiens. Iste ad iudeam et 
iei*usaleni uaticinium proferens.jn principio sui uoluminis post uolup- 
tuosa conuiuia ad luctum prouocat ierusalem etc. Vorhanden ist nur 
Lage I in 6 Blättern, dann fehlen 2 Lagen, die 4. enthält (^axifocXeg) 
einen Comment. zur Apocalypse. Liber III. Inc. Et uidi alium angelum 
fortem deseendentem de celo amictum nube etc. Am Schlüsse: ut 
agra inchoaret. et in gra terminum poneret. Expl. expositio in apocal. 

Anonvmis de tripliei vitae statu. Inc. * Tres sunt status totins 
uitae etc. Rhein. 102 s. XI f. 342. 



Sebriflen, welche weder in den CtUlogen der betreffenden BiblioUielieB als ediert 
eBtnommen sind ooch in deo g«dr«cliteii 'initia likrorum patma lal.* TorkosaitB. 
sind TOB QDs mit einem Stemehen beieichnet 



AoouyiDiu — Aagastinus. 117 

AiNo.NYMts de bunure parentum. Inc. *Qui kouörat patrem iocun- 
dabitur in filiis et die orationis suae exaudietur etc. Call. n. 89 (am 
Schiasse), n. 277 p. 243. n. S70 p. 193, sämmtlich saec. X. 

Ambrosius Ansbertus s. Autpertus. Libri X in Apocalj'psin. 
Call. 244 et 248 s. X. -^ Vgl. unter Augustinus de conflictu vitiorum 
et virtutum, zu Tom. VI. 

AxTOMNi Placentini Itincrarium (=72, 899 ed. Migne)GaH. 13S 
5. IX p. 602. Rhein. 73 s. IX p. 30 mit dem Titel : libellus de locis scis 
extramarinis quae infra uel circa Hierusalem sunt. Bern. 882 s. IX 
f. 77 sqq. (der Schluss fehlt). 

Aratoris uersus in acta apost in der Cantonsbibl. zu St. Gallen 
num. 336 s. XI (X Scherer). Vgl. Verzeichniss d. Manuscr. u. Inc. 
der Vadianischen Bibl. von Scherer S. 94. 

Augustinus. Vol. I. ed. Migne. Vita Augustini auctore Possidio 
Gall. 871 et 877 s. IX (praecedit index opp. Augustini). 

Retractationum libri II. GaU. 183 s. IX. 

Confessionum libri XIII. Bern. 328 s. XI. (X Sinn.) Sehr sauber 
geschriebene Handschrift. 

Soliloquiorum libri IL Schafh. 36 s. XI. 

De immortalitate et quantitate animae. Schafh. 40 s. XI/XII. 

Lib. de magistro ad Deodatum filium. Gall. 140 p. 181 s. X. 
Schafh. 30 s. XII. 

De libero arbitrio. Gall. 184 p. 198—196 s. X. Basil. B, VIII, 
9 s. X/XI. 

De moribus sanctae ecclesiae. Schafh. 38 s. XL 

Dialectica. Bern. 363 s. VUI. Bern. 848 s. XI (od. X?J cf. ed. 
Crecelii (Elberf. 1887) p. 13. 

Rhetoriea Bern. 363 s. VIII. cf. Rhetores lat. ed. Halm p. VHL 

Vol. IL Epistolae. 38 epistolae in Gall. 139 s. XL 41 ep. in Galh 
174 s. IX. Es sind fast die gleichen Briefe in beiden Handschr. und 
in der ersten Hälfte auch in derselben Ordnung. <) — 30 ep. in 
Schafh. 38 s. XL 

Einzelne Briefe in folgenden Handschriften : 



*) Die Briefe sind i« dem handschriftlichen Katalog ta St. Gallen alle nachgewiesen 
bii anf einen 'ad Macronium (i. e. Macrobiam) epiie. donatistam*, der in beiden 
HandechrifUn steht » ep. SS und einen Brief 'presb. Haniti (i. e. AuUI) papae 
PalcoBio* p. ist in cod. 174, der in Aug. opp. VII App. p. 801» ed. M. su Enden ist. 



118 H » I Dl. Die iltereo Haodsrhr. Ulf in. KircbeaTiter ia der Schweix. 

Ep. 111 ad Valeiitimim muiiaokiim (= n. 214—216) Call. 140 
,,. 1_24 s. X. 

Ep. iium. 121. 149. 102. 164 uiid 140 in Call. 148 p. 129— 
280 s. XI. 

7 ep. ad Hieronymum et Praesidium in Call. 159 s. X. 
ad rasuliiiuin de ieiuiiio sabhati (== II, p. 138 ed. M.) Bern. 
83 fol. 99 8. X. 

de orando den (= ep. 130 p. 494 M.) Schafh. 31 s. XI. 
6 epistolae ad Hieronymum (= n. 67. 74. 28. 40. 71) Rhein. 
41 s. IX, davon einer fol. HS. noch unbekannt. Inc, *Tur itaque 
conor contra tractum fluminis etc.' 

Ad Dardanum (ep. 187 p. 833 M.) Schafh. 40 s. XI/XIL 
Ad ßonifacium comitem. Schafh. 29 s. XL 
Zwei Frag^mente aus ep. ad inquisitiones Januarii (ep. S4 p. 200 
M.) und ad Sixtum (Xystum der cod.) Romanum (blos cap. 31 ff. p. 
874 M.) in Gall. 190 p. 353 sqq. s. VllI/IX. 

Vol. 111. De doctrina chrisliana. Gall. 147 et 776 s. IX. Rhein. 
69 s. XI. Schafh. 27 s. XI. 

De Vera religione. Bern. 540 s. X. Schöne und rein geschriebene 
Handschrift. Der Anfang fehlt, ///r. et corporis conditor a quo pax 
omnis est etc. 

De genesi lihri II c. Manichaeos. Gall. 143 s. IX. Schafh. 33 s.XI. 
De genesi ad litteram lihri XII. Gall. 161 s. IX. (lib. XH non 
est integer); Schafh. 39 s. XL 

Quaestionum in Hcptateuchum lihri VIL GalL 160 s. IX. cod. 
optimae notae. 

Speculum. Gall. 137 s. X. 

De consensu evangelistarum lihri IV. Gall. 170 s. IX. Schafh. 
22 s. XI/XIL Basil. B, VIL 7 s. X. unter dem Titel: De concordia 
evangeliorum. 

De sermone domini in monte habito Hbri IL Gall. 154 s. IX. 
Bern. 162. s. X (IX Sinn.) fol. 98 sqq. 

Homiliae X (s. tractatus) in epistolam I. S. Johannis. GalL 180 s. IX. 
Quaestiones de euang. sec. Matth. — Quaestiones de euang. 
sec. Lucani. Gall. 154 s. IX. 

Expositio quarundam propositionum ex epist. Pauli ad Romanos. 
Expositio in ep. ad Galatas. Gall. 137 s. X p. 305 sqq. Gall. 789 
8. XIIL GalL 151 s. X. 



Augustinus. 119 

Homiliae super evaiig. Johaunis CXXIV. Gall. i6S s. fX. Schatli. 
18 s. XL — Homiliae XVIII Gall. 241 s. IX p. 6S— i71. — Homiliae 
I— XLVHÜ Bern. 103 s. IX/X fol. 8—160. Prachtvolle Handschrift. 

— Homiliae I-LIV Gall. 169 s. IX. — Homiliae LXX s. tractatus in 
evang. Johannis s. de passione domiui, ut est inscriptio in cod. Gall. 
155 s. X. — Cod. Basil. B. III, 3 s. IX/X enthält ebenfalls LXX ser- 
mones, eine Auswahl aus den 124 homiliae super Ev. Joh. Inc. Intu- 
entes quomodo audivimus = Tract. I. in Ev. Joh. (III p. 1976 M); 
Schluss: Et iam ipse conpellerer meum terminare sermonem = 
Schluss von Tract. CXXIV (III p. 1976 M). 

Homiliae 19 in Apocalypsim. Gall. 181 s. IX. 

V 1. IV. Enarrationes in Psalmos. Schaf h. n. 1 5 — 1 7, 3 voll. s. XI. 

— In Psalmos I-CXVIil. Gall. 162-166, 5 voll. s. IX. 

Anonymi expositio psalmorum secundum Augustinum inde a 
I-LXXVI. Gall. 167 s. X. 

Principium in decadis XX «= Prologus super titulum psalmi I. 
(IV, 65 M) Gall. HO p. 307 s. IX. 

Vol. V. Sermones. 1. Sammlungen von Sermones. 

Gall. 227 p. 144 sqq. s. VIII. enthält 13 Sermones von Au- 
gustinus, Beda und Caesarius, von denen die nachgewiesenen unten 
einzeln aufgeführt sind. Nicht nachgewiesen sind: De uoto. Inc. 
*MuIti cupiunt conuolare ad gratiam. De amatoribus mundi. Inc. 
*Audite omnes qui estis in populo etc. De humilitate. hic. * Dominus 
euim ait : discite a me etc. (excerptum admodum breve). De pacientia. 
Inc. *Tribus modis uirtus pacientiae exerceri solet etc. De caritate. 
Inc. *Audite fratres apostolum dicentem Dens Caritas est (I Joann. 
4, 16) etc. 

Die Sermones de uocatioue Abraham, de Abraham et Isaac, 
de SCO Joseph etc. V. pag. 1741 — 1773 ed. Migne in Gall. 125 
p. 141 sqq. s. IX und Gall. 230 p. 351 s. IX (von Caesarius Are- 
tatensis?) 

Cod. Gall. 682 s. IX ineunt. enthält 8 Sermones von Augustinus 
und Caesarius, hiervon sind nicht nachgewiesen: p. 204 Inc. 
* Primum quidem decet nos audire iustitiam etc. (auch in Gall. misc. 
146 s. X p. 178 und Rhein. 140 s. VIU f. 16, aber hier als epis- 
tola S. Augustini bezeichnet) p. 231 Itic. * Fratres kim ad memoriain 
uestram reducimus etc. und p. 252 Inc. * Venite dilect. fratres 
monitiouem meam libeuter suscipitis etc. 



120 H a 1 m. Die älteren Haudschr. Utein. Kirchenväter in der Schweiz. 

Excerpta ex compluribus sermonibus in cod. Gall. 1S6 s. IX. 

Cod. Rhein. 140 in 12'' s. VIII. Uralte longobard. Handschriit 
enthält Schriften von Augustinus, Hieronymus, Gregorius und Faustus 
Rhegiensis, darunter folgende nicht nachgewiesene : f. 43 Inc. über 

de trinitate. * Quinque enim sunt omnia quae sunt haec unitos 

trinitas deitas. f. 63 — 73 Variae sententiae ex scriptura sacra et ex 
patribus. f. 75 De uia sanetorum et uia peccatorum hic. * Via sanc- 

torum Ödes catholica, uia peccatorum infidelitas praua quod 

amatur et semper habetur, f. 79 De saneta anima et eins uirtutibus. 
*Per auditum credit, qui desiderium querit, per sapientiam inuenit 

— — per charitatem dei perfecta, f. i70 Omelia sei Augustini epT 
pascalis. Ine, * fratres knii presentem diem uenerari debemus 

— — ibunt in uitam eternam. (auch in Gall. 213 s. IX p. 1S7 
bis 161) f. 211 Sermo sei Augustini de dies malos (sie) Inc. 
*Audi homo rapis aliena et gaudes, male operaris et letaris. (auch 
im Cod. von Schlettstadt num. 1073 s. IX/X auf Quaternio V» als 
Sermo sei Augustini de diebus mali bezeichnet) f. 214 Itenim sSi 
Augustini. "^Quicumque enim cum peccato uiuit, mortuus est deo 
(scheint ein Excerpt, ist auch in Gall. 907 s. VIII p. 297 bis 
303). fol. 219. De apostolo (sermo). *Orate iuquit sine ioter- 
missione et deus pacis erit uobiscum — — — — sicut angelos 
dei in celo. 

Cod. Basil. B, VI, 3 s. X enthält im ersten Theile'eine Sammlung 
von Sermones von Beda, Hieronyinus , Maximus , Leo, Johannes, dar- 
unter als von August. 4 unbekannte homiliae. Omelia die sabbati post 
pascha. Inc. *Cum esset ergo sero die illo una sabbatorum, 3 pagg. 
Omelia in natale SS. Philippi et Jacubi. Inc. *Erigenda est uobis 
fratres ad deum maior inteutio 10 pagg. Omelia in vigilia de ascensa 
diii. Inc. * Glorificatum a patre filium secundum formam serui, 9 pagg. 
Sermo in natale S. Pauli. Inc. *Amen inquit dico vobis, 2 pagg. — 
Ferner eine Expositio Augustini doiii. XVI. post pentecosten sec. Matth. 
Inc. *Ad hanc ipsam intencionem referendum est, S^/z pagg. Das 
vorletzte Stück des Cod. ist ein Sermo Augustini de fide. Inc. *Cre- 
diinus in unum uerum deum patrem et filium et spiritum sanctum, 
S pagg. 

Cod. Schafh. 23 s. XI enthält 64 Sermones de euangelicis dictis. 
Schaili. 24 s. XI Sermones de uerbis apostoli. Schafh. 25 s. XI 44 
homiliae. Schafh. 26 s. XII u. Schafh. 29 s. XI einzelne Homiliae. Einige 



Aogastinos. 121 

Sermones Augustiiii in einer Sammlung von ümiliae hyemales in cod. 
Basil. B, IV, 26 s. X; eine ähnliche Sammlung Sermones hiemales 
dirersorum patrum enthält cod. Basil. B, III, 2 s. X ineunt. darunter 
mehrere von Augustinus. 

Einzelne Sermones, nach der ed. Migne geordnet : 

V p. 7S de decem chordis Gall. 146 s. IX. Schafh. 36 s. XI. 

p. 192 super Psalm. 125. Gall. 347 s. X/XI p. 3S0. 

p. 295 de ovibus. Gall. 171 s. X. p. 36—62. 

p. 375 de yv. Qui dixerit fratri suo fatue etc. Bern. HO s. X^) 
f. 15 (von diesem sermo sind nur noch 3 Columnen vorhanden). 

p. 377 de oratione dominica. Bern. 162 s. X (IX Sinn.) 
f. 98—103. 

p. 409 de yy. Petite et dabitur etc. Bern. HO s. X f. 8. 

p. 414 de yy. de puero centurionis etc. ibid. f. 12. 

p. 606 de yy. Ev. Matth. XVUI, 15—18. Gall. 347 s. X/XI. 
p. 395. 

p. 616 super Ev. Lucae c. 10. Gall. 152 s. IX p. 278 (non 
adest nisi pars). 

p. 716 de uastatione urbis Romae. Gall. 397 p. 5 s. IX. 

p. 936 de yerbis apostoli I. Thessal. 4. Gall. 152 s. IX. 

p. 999. sermo in Gall. 426 p. 268 s. IX. 

p. 1015 in nativitate Christi. Gall. 221 s. VIII p. 37. 

p. 1060 Fragmenta 2 sermonum, seil, de symbolo (V, 1060 M) 
et initium alterius (V, 773 H) in cod. Gall. 1395 p. 411 s. VII in 
Uneialen. 

p. 1072 de symbolo. Bern. 162 s. X. (K Sinn.) f. 96—98. 

p. 1159 et 1161 Sermones duo de consolatione mortuorum. 
Gall. 144 s. X. 

p. 1946 de igne purgatorio. Gall. 227 s. VIU. Gall. 213 p. 151 
sqq. s. IX. Rhein. 140 s. VIII f. 185 litteris longobard. scriptus. (Mit 
Abweichungen sogleich am Anfang.) 

p. 1961 de yy. apostoli II» Cor. cap. V, 10 in Bern. 424 s. XI f. 61 
et Gall. 152 s. IX. 

p. 1963 de divitibus huius mundi. Rhein. 41 s. IX. f. 265. 



t) Sehr sekfioe oad reii geschriebene Handschrifl (fol. 1 Beda de compato tob 
•■derer Hemd)« enthiJt 6 Serniones von Aognstiiiat. 



122 H » I ui. Die älUreu Hnudsckr. latviu. Kirclieuviter in der Schtreb. 

p. 1075 de adventu doiniiii Giill. 3 p. 540 — 557 (weicht vom 
gedruckten Texte sehr ab). 

p. 2059 de resiirrectioiie doiiiiiii. Basil. F, f, III, 15* s. IX t W 
(angelsächsische Schritt). 

p. 2079 de ieiunio. Basil. B, VI, 3 s. X. 

p. 2098. de Saiilo. Rhein. 140 fol. 151 s. VIII (htt longobard.) 
Posterior pars sermonis nuiltun) discrepat a vulg. et prolixior est 

p. 2104 de annuntiatione doininica Call. 561 s. X p. 185 (da- 
selbst noch ein anderer Sernio Anonymi). 

p. 2113 de natale sei Johannis. Gall. 227 s. VIII. 

p. 2152 in natali SS. Innocentiuni. Gall. 347 s. X/Xl p. 243. 

p. 2171 in dedicatione ecclesiae. Gall. 347 s. X/XI p. 385. 

p. 2194 de fide catholica. Gall. 150 p. 281. 

p. 2196 de mysterio trinitatis. Gall. 347 s. X/XI p. 1. Gall. 
426 s. IX p. 262. ' 

p. 2210 de die iudicii. Rhein. 140 s. VIII (htt. longobard.) 
f. 181. Gall. 146 s. X p. 182. Gall. 213 s. IX p. 157. Gall. 682 s. IX. 
Gall. 916 s. VIII p. 159. Selestad. 1073 s. IX/X auf Quaternio V. 

p. 2240 quales sint Christian! boni in Gall. 682 s. IX. p. 219. 

p. 2244 de vv. Ev. Matth. Qui tecerit et sie docuerit etc. Bern. 
UOs. X fol. 5 extr. 

p. 2266 de reddendis decimis. Gall. 227 s. VIII. 

p. 2291 de castitate. Gall. 150 s. IX/X. Gall. 227 s. VIII. 

p. 2296 de castitate et munditia. Gall. 387 s. XI. 

p. 2297 de castitate coniugali. Bern. 424 s. XI fol. 96. 

p. 2303 de ebrietate. Gall. 227 s. VIII. 

p. 2340 de eleeniosyne danda. Gall. 194 s. VIII p. 220. 

Mai, Nova Patrum Bibl. I, 240 de decem talentis. Rhein. 140 
8. VIII f. 206. 

Einzelne nicht nachgewiesene Sermones. 

In commemoratione defunctorum. Inc. 'De resurrectione camis 
non sicut quidam reuixerunt etc. Gall. 152 s. IX p. 280 — 291. In dem- 
selben Cod. Item eiusdem de resurrectione mortuorum. Inc. * Non est 
igitur desperandum etiam corpus restitui p. 292 sq(|. und in uigilia 
defunctorum. Inc. *Nolumus uos ignorare fratres etc. ib. p. 31 1 — 323. 

Gall. 347 s. X/XI p. 261. Inc. *Exultent uirgines uirgo peperit 
Hiristum etc. (auch in Gall. 425 p. 114 s. X). p. 364 * Animaduertit 
quisquis delicias huius saeculi. p. 368 * Maueutes in Christo etc. 



Augustinus. 1 23 

Cod. Basil. B, III, 3 s. IX/X. Inc. *Cäutauiiiius cliTo Bea. . .bomo 
quaem tu erudie . . . diie , 9 Columneo. Schluss: Speraui in miseri- 
cordia dni non in incerto diuitiaruni. 

Auf den 3 letzten Blättern von Bern. mise. 171 saec. X eine 
Omelia Beati Augustini über In illo tempore dixit Jbesus Sic deus di- 
lexit niundum etc. Inc. *Quomodo qui intuebantur illuni serpentern 
non periebant morsibus serpentium confessio fit ad saluteni. 

Bern. HO s. X. f. 2 Senno sei augustini de uerbis diii in euan- 
gelio sec. matheum. Agite penitentiain etc. "^Euangelium audiuimus 
et in eo dominum eos arguentem etc. ibid. f. 4. Item eius de uerbis 
dni in euang. sec. Matbeum. Luceat lumen etc. * Solet multos mouere 
carissimi etc. 

G<'dl. 171 s. X p. 5 — 36 de pastoribus. Inc. *Q\x\ pastorum 
nomiua audire uolunt, pastorum officium implere noiunt etc. 

Zu den Sermones Augustini vgl. auch unten Faustus ßhegiensis. 

Vol. VI. Quaestiones diversae 82 in Gall. 187 s. IX. Schafli. 
32 s. XI. 

Responsio ad Dulcitium de VIII quaestionibus. Gall. 29 s. IX 
p. 120—159. 

De fide et operibus. Bern. 162 s. X (IX Sinn.) f. 16 — 33. 
Schafh. 35 s. XI. 

Enchiridion. Gall. 224 s. IX p. 83. Gall. 29 s. IX p. 180. Bern. 
699 s. X. Bern. 680 s. X. Schafh. 34 s, IX/X (die drei letzten 
Seiten s. X/XI). 

De agone christiano. Schafh. '31 s. XI exeunt. 

De bono coniugali. Bern. 162 s. X (IX Sinn.) f. 73 — 85. 
Schafli. 31 8. XI. 

De bono virginali. Bern. 162 s. X (IX Sinn.) f. 56—73. 
Schafh. 36 s. XI. 

De bono viduali. Bern. 162 s. X (IX Sinn.) f. 86—96. Schafh. 
31 s. XI. 

De mendacio ad Consentium. Contra mendacium. Schafh. 33 
s. XL 

De operibus monachorum. Bern. 162 s. X (IX Sinn.) f. 1 — 16. 
Schafh. 31 s. XI. 

De divinatione daemonum. Gall. 148 s. XI. Schafh. 29 s. XI. 

De sepultura mortuorum ad Paulinum. Schafh. 40 s. XI/Xll. 

De bono patientiae (vulgo de patientia). Gall. 150 s. IX/X p. 29. 



134 Halm. Die ilteren Haodschr. latein. KircbenTäter in der Schweiz. 

Üe disciplina christiaua. Gall. 141 s. X; 146 s. IX p. 45; 150 
s. IX/X p. 1 ; 184 s. X p. 189. Sehafh. 36 8. XI. Bern. 424 s. XI 
f. 97—104. 

Quaestionum 65 dialogus. Gall. 230 s. IX p. 270. 

De lide ad Petrum s. unter Fulgentius. 

Liber exhortationis ad quendam comitem carissimum sibi (vulgo 
de salutaribus documentis). Bern. 424 s. XL f. 64—96. Gall. 138 
s. X p. 1—166. Gall. 143 s. XV p. 185 sqq. (Haec epist auetorem 
habet Paulinum Aquileienseni). Rhein. 89 s. XI. 

De conflietu vitiorum et virtutum (von Ambrosius Autpertus ?) 
Gall. 141 p. 70 s. X. Rhein. 89 s. XI. Basil. F, f. 111. 15* s. IX f. 27 
(in hoc codice adscribitur Isidoro Hispal.) 

Sermo de pascha (VI, 1201 M). Gall. 250 s. XI p. 439. 

De bono diseiplinae (VI, 121 7 M) s. unter ValerianusCinieliensis. 

Sermones ad fratres in eremo. Sermo 40 in cod. Gall. 227 
s. VIII. — Sermo 49 Gall. 141 s. X p. 45 — 52. — Sermo 60 Gall. 
145 s. X p. 176. — Sermones 63, 64, 68 in Gall. 614 s. IX/X 
p. 18. 19. 42. 

Vol. VII. De civitate dei libri XXII. Bern. 12 et 13 s. XI. Bern. 
134 s. X (olim S. Benedicti Floriacensis). Gall. 179 s. XIV. 

üb. 1—14 Gall. 177 s. IX (sehr schön, älter als 178). 

Hb. 11—22 Gall. 178 s. IX (X?). 

Hb. 1—12 Schaili. 19 s. XL 

Hb. 19—22 Bern. 352 s. X (olim P. Danielis). 

VoL VIIL De utilitate credendi. Gall. 152 s. IX. 

Contra Faustum Manichaeum libri 33. Gall. 172 et 173 s. IX. 

De natura boni adversus Manichaeos. Gall. 148 s. XI p. 281. 
Call. 152 s. IX p. 77. 

Contra adversarium legis libri IL Gall. 157 s. IX p. 184. Sehafh. 
32 s. XL 

Contra Arrianos. Gall. 94 s. IX p. 31 — 43. Responsio Augustiui 
ad eundem (yulgo Augustinus contra sermonem Arianorum) ibid. 
p. 43 — 82 (usque ad cap. 19 'per quem facta sunt omnia*; reliqua 
desunt). 

De sancta trinitate libri XV. Gall. 175 s. IX. Sehafh. 20 s. XI. 

Liber adversus haereses V. Gall. 146 s. IX p. 67 Sehafh. 30 
s. XIL 

Altereatio ecclesiae ac gynagogae. Gall. 132 s. XL 



Au^ostinat. 1 25 

Altercatio cum Feliciano Arioinanita (est Vigilii Tapsensis epis- 
copi Cettensis» vulgo de fiele trinitatis). Call. 140 s. X p. 107. 

De ecciesiastieis dogmatibus s. unter Gennadius. 

Vol. IX. Contra Parmeniani epistolam libri III. Sehafh. 30 
s. XII. 

De baptismo contra Donatistas lihri YII. Call. 158 s. IX. Call. 
171 9. X p. 63 sqq. 

De iinico baptismo. Gall. 171 s. X p. 333. 

Ad Donatistas. Bern. 162 s. X (IX Sinn.) f. 33—56 mit der Auf- 
schrift: über Aug. contra partem Donati post gesta. 

Contra Fulgentium. Sehafh. 40 s. XI/XII. 

Vol. X. De baptismo parvulorum ad Marcellinum libri tres 
(vulgo de meritis et remissione peccatonim). Gall. 171 s. X p. 230 
sqq. Sehafh. 28 s. XI exeunt. 

De spiritu et littera (ad Marcellinum). Gall. 171 s. X p. 356 
(extrema desunt inde a cap. 36). Sehafh. 28 s. XII. 

De natura et gratia ad Timasium et Jacobum. Bern. 176 s. XI. 

De perfectione iustitiae libri II ad Paulum et Entropium. Bern. 
176 s. XI. Sehafh. 28 s. XI. 

De anima et eins origine ad Vincentium Victorem. Sehafh. 36 
s. XI exeunt 

De gratia et libero arbitrio. Gall. 140 s. X. p. 25. Bern. 176 
s. XL 

De correptione et gratia. Bern. 176 s. XI. 

De praedestinatione sanctorum I. II. (ad Prosperum et Hilarium). 
Bern. 176 s. XI. Sehafh. 29. 

De praedestinatione disputatio VI. ypoNOstichon (sie). Gall. 29 
s. IX p. 159 — 175. Inc. Addere etiam hoc quam maxime huie operi 
oportet etc. Am Schlüsse : Expl. ypognostichon üb. contra pelagianos 
seu celestianos hereticos. 

Vol. XI. Sermo de quadragesima (=» Suppl. ad opp. Aug. 
p. 1142 M.). Gall. 221 s. VIII p. 127. Rhein. 41 s. IX f. 518. 

Incerta sub nomine Augustini. 

Admonitio Augustini epi. Inc. *Canticum psalmorum animam de- 
corat etc. Gall. 110 s. IX p. 385. Gall. 27 s. IX p. 14 sq. 

Liber de difinitionibus orthodoxae fidei. Inc. *Definicio dogma- 
tom eius concilii. De trinitate qoae non est confusa in una persona 
etc. Rhein. 102 s. XL 



126 H H 1 m. Die ilteren Handnchr. I»teia. Kirchenviter in der Schweis. 

Tractatus de exitu animae. Ine, *Cunii egreditur anima de corpore 
etc. Call. 124 s. IX p. 306—309. 

Epist siTi Aug. de origine anime. *Anima inquit generaliter Spiri- 
tus uocatur na anima uiuificamur racione quod absit ut a nobis 

defendatur. Gall. 40 s. VIII p. 335 (etwas über 1 Seite lang). 



In Einsiedeln die libri de eivitate Dei in cod. 140 und 150, 
beide s. IX; die Bescbreibung der übrigen codd. mit Schriften des 
August, (circa 23) fehlt 

Alcimus AviTrs. Poematum libri VI. Gall. 197 s. X p. 125: Gall. 
198 s. X. 

Carmina nonnulla in Bern. 394 s. IX am Schlüsse. Vgl. Sinn. I, 
170—174. 

Epistola ad papam Palconium (v. Aug. opp. in Append. VII, 805 
ed. Migne) Gall. 280 s. IX p. 430—434. 



JjEDA. Vol. I. ed. Colon. Elenchus scriptorum Bedae, ab ipso, 
ut uidetur, confectus (diserepans ab eo in ed. Col. I, 1). Gall. 247 
s. IX/X. 

De arte metrica. Gall. 876 s. VIII/IX p. 208. Gall. 878 s. IX 
p. 91. Das Gedicht: Rex aeterne domine (= I, 41 ed. Col.) in Gall. 
3 s. VIII p. 558. 

Schemata s. figurae S. Script. Gall. 876 s. VIII/IX p. 257. Gall. 
278 s. IX p. 131. 

De orthographia. Gall. 249 s. VIII/IX. Bern. 338 s. IX. 

De computo vel loquela digitorum. Bern. 110 s. X f. 1 (1 Blatt); 
hierauf folgt de ratione unciarum. Basil. F. F. III, 15** fol. 21 sqq. s. IX. 

Computus. Gall. 248 s. IX p. 57 (difTert aliquantum ab edito in 
cd. Col.); Gall. 250 s. IX p. 71. Gall. 397 s. IX codex pretiosus, der 
auch die Schrift de sex aetatibus mundi enthält. Bern. 417 s. IX, 
wichtige Handschrift. 

Carmina. Gall. 250 s. IX p. 67 sq. 

De XII signis zodiaci (aus der Schrift de ratione computus I, 
434) Gall. 397 s. IX p. 68. 

Vol. II. De natura rerum. Gall. 248 s. IX p. 83. Gall. 280 s. 
XI p. 121. Gall. 251 s. IX p. 33. Gall. 397 s. IX p. 397 (mit dem 



Aaf^nfltinos — Bedn. 127 

Titel de iiaturis rerum). Bern. 610 s. IX (X Sinn.) fol. 81 sqq. Bern. 
285 s. XI. Sehafh. 61. Zürich (Cantonsbibl.) 176 s. IX/X. 

De natura rerum atque de tempore libri II. Gall. 878 s. IX p. 
242—276. 

De natura rerum et ratione temporum. Bern. 610 s. IX (X Sinn.) 
f. 81. (Nur die Praefatio und ein Theil der Capita noch vorhanden). 
Sehafh. 61 s. X. 

De temporum ratione i(ed. Col. II, 43). Gall. 248 s. IX p. 99. 
Gall. 2S0 s. XI p. 164. Gall. 2S1 s. IX p. 45. Gall. 459 s. X p. 143 
(continet cap. 1 — 63). Schafli. 61 s. X. Ein Gedicht daraus Inc. 
Respicis Apriles (= II, 68 ed. Col.) Gall. 397 s. IX p. 68 sq. 

De VI aetatibus mundi. Gall. 248 s. XI p. 184. Gall. 251 s. IX 
p. 26. Gewöhnlich auch mit dem üb. de computo verlnrnden • wie in 
Gall. 397 s. IX. 

De temporibus (ed. Col. II, 118). Gall. 248 s. IX p. 92 (als 
Lib. II von de natura rerum gezählt). Gall. 250 s. XI. Bern. 610 
s. IX (X Sinn.) fol. iT sqq. Bern. 285 s. XI. Zürich (Cantonsbibl.) 
176 s. IX/X. Sehafh. 61 s. X (in dieser Handschr. schliesst sich daran 
ohne Cberschrift fortsetzend eine Aufzählung der stellae, Helix, Fenix, 
Draco bis Anticanis. Anfang : Campester seribit cometas quinque esse. 
Schluss : eo quod contraria sit cani. Hierauf ein Excerptum de astro- 
logia. Duo sunt extremi vertices mundi , nebst pauca de temporibus 
et variis eorundem spatiis. Endlich : De saitu lunari. Si vis scire, 
unde saltus lunae etc.) 

Vol. III. Historia ecciesiastica gentis Anglorum. Gall. 247 s. 
IX/X (Praefatio ad Ceolwolfum regem in ed. Colon. 1688 Tom. 3 de- 
sideralur). Gall. 547 s. XIII p. 554. Sehafh. 66 s. XII. Bern. 49 
s. XI (Prachtvolle Handschrift in sehr grossen Lettern geschrieben ; 
auf dem letzten Blatte ein paar Excerpte aus Isidorus.) Ein sehr be- 
achtenswerthes Fragment der Bist. ecci. Anglorum steht auch in dem 
buchst werthvollen Bern. 363 s. VIII , der den Horatius enthält, auf 
fol. 188, 2*" Columne. Es ist der Anfang mit dem Prologus ^regi 
ceoiculfo**, geht nur 3 Blätter weit, die aber sehr enge geschrieben 
sind (fehlt bei Sinner). 

Vita metrica S. Cuthberti Lindisfarensis episcopi. Gall. 263 s. X. 
Gall. 265 s. X p. 98. 

Vita SCI Arnulfi. In oranipolentis dei nomine et Christi etc. uitam 
uel acta sanctissimi Arnulfi antistitis . . stilo elicere aggrediar 



128 H a I m. Di« älteren Handmehr. latein. RircbenvICer in der Scbweis. 

citius est subsecuta. Bern. misc. 171 s. X auf den 12 letzten bei- 
gebundenen Blättern (Anfang und Schluss stimmen nicht mit der 
ed. Col.). 

Martyrologium im cod. i 76 s. IX/X der Zürcher Cantonsbibl. 

Vol. IV. Hexameron libri II. Call. 255 s. IX (ed. Col. non habet 
nisi unum librum). 

In libros Regum quaestiones XXX. Call. 26G s. X p. 339. 

Comment. in librum Tobiae , in Esdram et in Nehemiam. Gall. 
253 s. IX. 

Eicpositio super Proverbia Salomonis. Gall. 130 s. IX p. 74 sqq. 
Bern. 305 s. XII (XI Sinn.) 

De tabernaculo et vasis eins ac vestibus sacerdotalibus libri III. 
Gall. 266 s. X. Bern. misc. 702 s. XII/XIII. 

Vol. V. Comment. (n Evang. Marci. Gall. 256 s. X et 257 s. IX. 

Comment. in Evang. Lucae. Gall. 85 s. IX. 

Comment. in Evang. loannis. Gall. 258. s. IX (non conspirat 
cum ed. Colon.). 

Comment. in Actus apost. Gall. 259 s. VIII/IX. Gall. 260 s. IX. 
Schafh. 63 s. XII. 

Comment. in VII epistolas canonicas. Gall. 252 s. IX. (Prologus 
desideratur in ed. Colon.) Gall. 261 s. IX et 262 s. X (in beiden in 
abgekürzter und von den Drucken stark abweichender Form). Vergl. 
auch unter Florus diaconus. 

Comment. in Apocalypsin. Gall. 259 s. VIII/IX p. 157. Gall. 
260 s. IX. 

Vol. VI. Defloratio ex litteris Augustini ad epistolas Pauli (cano- 
nicas). Schafh. 64 et 65 s. XII. 

Vol. VII. Homiliae. Gall. 425 s. X enthält 8 homiliae, Gall. 427 
s. XII 20 homiliae. Basil. B, VI, 3 s. X ineunt. enthält zu Anfang ver- 
schiedene sermones, darunter 20 von Beda» in der ed. Col. auf p. 1, 
9, 12, 16, 18, 22, 26, 33, 38, 51. 70, 72, 74, 91, 106, 110, 180, 
ferner folgende drei : dorn. II post pent. In c. * Factum est autem cum 
turbae inruerent, 6 Seiten; dom. V post nat. apostolorum. Inc. •Et 
ecce quidam legis peritus , 8 Seiten, dom. VI. post nat. apostolorum. 
Ine, *Dixit autem et ad quosdam, 4 Seiten. 

Eine grossere Anzahl Homiliae von Beda ist in einer Sammlung 
von Sermones a nativitate dm usque in octavam pentecostes in cod. 
Basil. B, IV, 26 s. X. und in einer ganz ähnlichen von Sermones hie- 



Beda. 129 

males diversorum patrum in cod. Basil. B» III, 2 1. X, z. B. sogleich die 
2** Predigt = VII, 290 ed. Colon. — Homilia VII, 365 ed. Col. in cod. 
Gall. 227 s. YIII (ex parte conspirat cum Augustini sermone 66 ad 
fratres in eremo) und Hom. VII, 149 ed. Col. (auch in Aug. opp. V, 
2135 ed. Migne) in cod. Gall. 614 s. IX/X p. 65—76 (idem sermo 
in cod. Gall. 561 adscribitur Walafrido Strabo Augiae abbati). 

Scintillae scripturarum, mit dem Titel : Xiber sententiarum de 
diuersis uoluminibus* in Gall. 124 s. IX p. 133 — 305. 

De muliere forti. Bern. 305 s. XII, auf den 8 letzten Blättern, 
jedoch nicht vollständig (fehlt bei Sinner). 

Dedivinis ofBciis. Gall. 246 s. XII. Der Prologus fehlt in der ed. Col. 

Vol. VIII. De templo Salomonis. Gall. 266. s. X p. 215. 

De remediis peccatorum. Cantonsbibl. von Zürich 176 s. IX/X. 
Gall. 682 s. IX ineuntis. 

Ein Comment in Isasiam in Gall. 254 s. IX unter Beda's Namen. 
Es ist, wie im geschriebenen Katalog richtig bemerkt ist, ein Auszug 
aus dem Comment des Hieronymus (fehlt in der ed. Colon.). 

Carmen de uirginitate Edildrudae reginae. Inc. Alma deus tri- 
nitas quae saecula cuncta gubernas etc. (s. Alcuini opp. ed. Frohen. II» 
548) in cod. Gall. 265 p. 122 s. X. In demselben Cod. p. 123 noch 
zwei kleine Gedichte von Beda de psalmo 41 (*Ceruus ut ad fontes 
sitiens etc.) u. de ps. 22 (*Laudate altithronum). 

Ein Gedicht unter Beda*s Namen de psalmo 122 in Gall. 869 
s. X p. 156 und 'de die iudicii' in Gall. 573 p. 398 s. IX. Inc. 
* Inter florigeras fecundi cespitis herbas etc. 

In dem schonen cod. der Stadtbibl. zu St Gallen n. 337 s. XI 
steht eine Tita S. Dunstani mit der Aufschrift : Perprudenti dno 
archonti uidelicet albrico omnium extimus sacerdotum B. uilisque saxo- 
num indigena etc., welches B. in Pertz Archiv mit Beda ergänzt ist 
Vgl Scherers Beschr. der Vad. Bibl. S. 94 f. 

Von älteren Handschr. des Beda befinden sich nach Morel und 
Pertz folgende in Einsiedeln : 

In actus apostolorum. Quaedam de computo cod. 174 s. X/XI. — 
De ordine temporum. De VI aetatibus mundi cod. 178 s. XI. — De 
gestis Anglorum cod. 256 s. XI. — De computo. Termini paschales 
cod. 263 s. X. 

Ausserdem führt Hänel noch 7 andere codd. auf ohne Bezeich- 
nung des Alters und der Schriften. 

fittsb. 4. pliiL-liul. a. L. Bd. U. Hft 9 



130 H a 1 m. Die filteren Handsehr. latein. Kirchenväter in der Schweii. 

BoETius. De consolatione philosophiae. Call. 844 s. IX/X. Gall. 
848 s. X (blos lib. I — IV, das IV nicht vollständig). Bern. 179 
8. IX/X (sehr schöne Handschr). Bern. 181 s. X/XI. Bern. 421 s. XI. 
Bern. 435 s. XI. 

De trinitate. Bern. 510 s*. X in. (sehr schöne Handschr). Bern. 
265 fol. 68 s. XI (fehlt bei Sinner). Bern. 618 s. XII. 

Libri logici : 

Aristotelis categoriae cum B. commentario. Arist. periermenias 
cum B. comm. Gall. 817 s. XI. 

Aristot perierm. cum B. comment. Gall. 820 s. X. 

Commentum in praedicamenta Aristot. Gall. 821 s. X. 

Commenti in perierm. secunda editio. in Cic. Topica. De topicis 
dilTerentiis. Liber diuisionis. Entychos i. e. communis speculatio de 
rhetoricae cognatione cum philos. Locorum rhetor. distinctio. <) De 
multifaria praedicatione potestatis et possibilitatis. Introductionis in 
categoricos uel praedicatiuos et hypotheticos syllogismos libri III. 
Gall. 830 s. XI. 

Comment. in Cic. Topica libri VI. In isagogen Porphyrii secun- 
dum translationem rhetoris Victorini. Gall. 831 s. XI. 

Comment. in Cic. Topica. Gall. 854 s. XI. 

Comment. in categorias Arist. libri III cdit. primae. Liber peri- 
ermenias. De syllogismis dialecticis. Bern. 265 fol. 1 — 40 s. XL 

Libri mathematici : 

Libri V artis geometricae et arithm. ab Euclide translati. Bern. 
299 s. X. (cf. Sinner I, 292 «). Bern. 87 s. XI. Gall. 830 p. 283 s. XL 

De arithmetica libri II. Das 1. Buch in 32 Capitel getheilt» deren 
letztes 'Demonstratio quemadmodum omnis inaequalitas ab aequalitate 
processerit', das 2. in 54, wovon das letzte 'De maxima et perfecta 
symphonia quae tribus distenditur interuallis'. Gall. 248 s. IX. 
Schöne und correcte , aber von verschiedenen Händen geschriebene 
Handschrift, ohne irgend welche Correcturen von späteren Händen. 

Institutionis arithmeticae lib. I extr. und lib. II cap. 1 — 25. (Inc. 

*Atque haec qnidem duplex sesqualtera summa producta est 

figura quae alternatim positis latitudinibus continetur\) Bern, miscell. 



über diese beiden TraeUte s. Rhein. Mus. f. Philol. XVIH, p. 463. 
') Die Handschrift enthalt auch noch groroatische Stücke; vergl. Blume in der Aas- 
gabe von L a c h m • n n II, 69. 



Boetius — Caestrius. 131 

21 9^ Sehr schönes Bruchsiück saec. X mit bemalten Figuren. Man 
hat in der Handschr. drei Fragmente zusammengebunden, ausser von 
Boet eines aus Isidorus de rerum nat. (s. u.) s. IX und von Galenus 
de febribus in üncialen s. VI/VII i)- 

De musiea libri III. Schafh. 106 s. XII. 

Handschriften des Boetius in Einsiedeln (nachHänel): Comment 
in Aristot (sie) n. 190 s. XI. De geometria et musiea n. 191 s. XL 
In isag. Porph. n. 197 et 200 s. XI. In Cic. Topica 214 s. X. De 
geom. et arithm. n. 216. In Aristot. perihermenias n. 301 s. X. 

Breviarivm s. apostolorum ex nomine uel locis ubi praedica- 
uerunt orti vel obitis (statt obitis = obiti sunt). Inc. Simon qui inter- 
pretatur oboediens petrus agnoscans etc. Schluss auf f. 129: Caralj 
Eutici Kalendio^ ROME Natale sei Clementis im cod. Bern. 289 s. IX. 
(Schöner und wichtiger Cod.) 



Oaesarius Arelatensis. Cod. Gall. 193 s. IX enthält 10 Homiliae 
(= num. 26—32, 18, 25, 36 in Bibl. PP. VIII p. 819 sqq.); ferner 
p. 104 sermo de X uirginibus (= 88, 1071 M u. Aug. opp. V, 2164 
ed. M.); p. 113 sermo de uirginibus (= 67, 1160 M) p. 127 sermo 
ad monachos (= Eucherii hom. 50, 836 M oder Fausti Rheg. hom. 
58, 883 M); p. 145. De reuerentia orationis sermo. Ine, *Tanta 
debet esse reuerentiae grauitas ac disciplina psallendi; p. 150 Sermo 
sie ine. *Multos fr] ki tangit ista suspicio etc.; p. 164 Homilia S. Au- 
gust, de lectione euahgelii (= Bibl. PP. VIII, 857 von Caesarius); 
p. 170 Homilia S. August, ad populum. *Gratias agimus deo quod 
de uobis audiuimus etc.; p. 196 Rogo uos fr. Si ut adtentius (cod. 
in totius) cogitetis etc. (= Aug. (?) sermo 265, t V, 2237 ed. M.) 
p. 214. Humilia August Sanctam et desiderabilem gloriosam ac sin- 
gularem sollemnitatem etc. (Max. Taur. (?) hom. append. p. 21 und 
Aug. (?) sermo 116, L V, 1975 ed. M.); p. 227 In natale diii sermo 
(= Aug. (?) sermo 234, t. V, 2177 ed. M.); p. 230. Dilectiss. fr. 
oportet nos humilitatem habere etc. (= Sermo 67 ad fratres in 



^) Fehlt bei Siaoer. Die ia der Haadschrift Teretaiftea Binekf tfieiie wmr6t% ent 
•piter soMUBinea^ereBdeB nd ia etaea Baade Tertiaift 

9* 



132 H a 1 m. Die alteren Handschr. latein. KirchenySter in der Schwell. 

eremo, Aug. VI, 1353 ed. M.): p. 266. De canoiie et rogationibus 
Inc. *Rogationes ante aseensionem dni. 

Cod. Gall. 194 s. VIII enthält die K» Homiliae und die 3 ser- 
mones de uirginibus u. de monaohis, wie Cod. 193 und in gleicher 
Folge : ebenso Gall. 579 s. IX (nur mit Ausnahme der homilia XVIII 
in BiW. PP.) und Gall. 558 s. IX. 

Sermo in natali uirginum (= 88, 1071 M. und Aug. (?) sermo 
228. t. V, 2164 ed. M.) Gall. 347 s. X/XI p. 379. 

Sermo de die iudicii (= 67, 1075 M). Gall. 227 s. VIII. 

Sermo de paenitentia (= 67, 1082 M). Gall. 682 s. IX p. 292 : in 
demselben Cod. p. 276 u. 283 noch 2 andere Sermones von Caesariüs. 

Sermo de Quadragesima (-- Aug. (?) sermo 142, t. V, 2022 
M). Gall. 614 s. IX/X p. 39. 

Homilia ad monaehos (= Euclierii hom. 50, 835 M) d. Hom. ad 
monaehos secunda (= Eucherii hom. 50, 836 M. oder Fausti Rheg. 
hom. 58, 883 M) in Gall. 226 s. VII. 

In die sancto pasohae sermo S. Elusebii Caesariensis epi de sacra- 
mentis (= 67, 1052 M. Hier. opp. ed. Vall. XI, 255; Isid. ed. Arcv. 
VII, 316. Faustus Rheg. 30, 271 M.) in Bern. 612 s. XII f. 44—48. 

In Einsiedeln : De paenitentia n. 47 s. XI. De differentia paeni- 
tentiae n. 49 s. VIII. 

Carmina POETARrM CHRisTiANORUM. Cod. Bem. 358 8. IX , in 
welchem die merkwürdigen tironischen Noten stehen, enthalt am 
Schluss verschiedene christliche Gedichte, als : De carminis institutione 
(?) Ine. * Auri stemmate nexas etc. 80 Verse. De nauigio et agricul- 
tura Inc. * Undis raucisonis uela tumentia etc. 60 Verse, aber 4 fehlen 
wegen Defects und 4 sind verstünmielt. De constructione domus dei 
secundum Hezechielem. Inc. * Alacris fides tropeis etc. 129 Verse, 
aber manche verstümmelt. De arithmetica. Inc. ^ Septem columnis 
intus eminet domus, 200 Verse, aber viele verstümmelt. De musica. 
Inc. * Rimans nexa poli culmina rectrix etc. Grossentheils verstummelt 
De astronomia, 28 sapphische Strophen, der Anfang fehlt wegen 
Defects im Cod. De geometria. Inc. * Artis praepositae breui notatu 
etc. Der Schluss fehlt. 

Eine Sammlung von (zum Theil unedierten) christlichen Gedich- 
ten enthält Bern. 455 s. IX/X f. 44 sqq. cf. Sinn. I, 138—162, der 
die Injtien genau angibt (sehr schöne und bedeutende Handschr.). 



Caesarius — Casfianui. 133 

In der Capitalhaiidschrift Bern. 363 8. VIII stehen am Ende 
f. 194 sqq. einige bei Siuner III, 562 nicht erwähnte christl. Gedichte, 
als f. 194 de pascha, sapphisches Gedicht. Inc. *Omnium regi 
referamus omnes etc. Dann: Inc. *Euocat ecce dies pascalibus alma 
triumphis etc. f. 195. Inc. *Accipe romanü dement! pectore Carmen 
mit einer praefatio Prisciani grammatici de laude Anastasii Imperatoris. 
f. 196 col. 3 Hlotharii uersus. Inc. *Rex pieate uigil nostros miserate 
labores etc. f. 196 col. 4. Versus sei Jobs baptistae (st. in scum 
Johannem?) Inc. *Ut queant laxis resonare (ibris etc. 13 sapphische 
Strophen, f. 197 col. 3. Inc. ^Desere corda dolor cum sint en gaudia 
nobis etc. Gedicht in Distichen. 

Cod. Bern. 584 s. X enthält am Ende geistliche Hymnen, zuerst 
ohne Titel : Inc. * Cursum mundi sol uergentis pariterque hominis etc. 
Dann folgt Completorius. Inc. "^Fluxit ille labor magnus . quem diur- 
num dicimus etc. Dann Mediae noctis ad nocturnos uidelicttt hymnos. 
Inc. *Galli cantu mediante. noctis iamcaliginem etc. Dann Rithmusma- 
tutinus. Inc. *Adest tempus matinum (sie) dulci gallicinium etc. Dann 
horae primae, tertiae, sextaeundnonae. Im Ganzen über 200 Verse. Am 
Schlüsse: De diebus aegiptiacis. Inc. *Si tenebrae egiptus graio 
sermone uocantur etc. (cf. Sinn. 1, 38 und III 432) im Ganzen 22 Verse. 

Hymnus de beata uirgine. Gali. 92 s. IX. 

Hymni cum notis musicis. Bern. 620 s. XI/XII. cf. die nähere 
Notiz bei Sinn. I, 96 sqq. 

Hymnus de Pelagio M. eiusque agone. Inc. * Felix mater Con- 
stantia etc. Gall. 218 s. X p. 1. 

Depersecutione Deciana Carmen. Inc. ^Tempore quo Decius Roma- 
nis iura tenebat etc. Bern. 389 s. XII gegen 400 Verse, cf. Sinn. 1, 58 sqq. 

Carmina varia. Gall. 197 misc. s. IX et X. Gall. 869 s. X. Gall. 
899 s. IX. 

JoANNis Cassiaxi dc iustitutis coenobiorum libri XII Gall. 183 
s. IX. Handschrift ersten Ranges, ausgezeichnet schön und sehr 
correct geschrieben, auch in den griechischen Worten. (Die letzten 
Capitel Ton lib. I. und die letzten 8 Cap. von lib. XII fehlen.) 

CoUationes patrum XXIV. Gall. 267 s. x. (mit der Aufschrift : 
Collectarium patrum). 

Collatio 1—9 in Gall. 574 s. IX. Coli. 13—16. Gall. 576 s. IX. 
Coli. 18—24. Schani. 67 s. X. Coli. 19—24. Gall. 575 s. IX. 



134 H • 1 m. Die ilterea Htodschr. latein. Rirchenrfiter in der Schweb. 

Cassiodorus. De anima in Gail. 1S9 p. 147 s. X. Bern. 22S 
s. XII. Cap. 1 — 4 auch im cod. der Vadianischen Bibl. zu St. Gallen 
(Stadtbibl.) n. 317 s. X f. 70—77. Vgl. Scherer's Verz. (St. Gallen 
1864) p. 86. 

Historia tripartita Gall. 561 p. 9S s. X. 

Institutionum rerum divinarum et hunnanarum libri im cod. Gall. 
199. s. X. Die institutt. rer. divin. allein Bern. 212 s. X und 225 s. XII. 
Litterarum saeeularium liber Gall. 855 p. 187 s. IX und unter dem 
Titel de artibus et discipliiiis Bern. 234 s. X in longobardischer SchrifL 
Davon einzeln: De musica Gall. 270 p. 39 s. IX. 

De orthographia Bern. 243 und 330, beide s. X. 

Expositio in Psalmos, vollständig Gall. n. 200—202 s. IX. In 
Psalmos I— L Schaf h. 77 s. IX (VIII?). in Ps. C— CL Bern. 99 und 
124, beide s. X. 

Variarum libri. Lib. III ep. 6 usque ad V, 12 et VII, 3— XII, 9 
in Bern. 26 s. XIII. Dass in dem cod. Gall. 159 epistolae des Cassiodor 
stehen sollen, wie Hänel angibt, ist unrichtig. 

Claudiam Mamerti de statu animae libri III ad Sidonium Apolli- 
narem. Gall. 846 s. X; vom Anfang fehlt ein Stück, der Schluss hat 
durch Feuchtigkeit gelitten. 

S. Clementis 1) recognitionum libri X cum epistola ad Jacobum. 
Gall. 86 s. IX. Rhein. 25 s. X (mit mehreren grösseren Lücken, da 
eine Anzahl Blätter ausgerissen ist). Bern. 66 s. XII. Bern. 164 s. 
XI, sehr schöne und rein geschriebene Handschrift (lib. III cap. 2 — 1 1 
fehlt). 

CoLUMBANüs. Carmen ad Hunaldum (= vol. 80, 285 ed. Migne), 
Carmen Ine, * Suscipe Sethe libens und Epistola (= 80, 291 M) in 
Gall. 273 s. X p. 38—49 u. Gall. 899 s. IX p. 109 sqq. 

Praecepta vivendi (= 80, 287 M) in Gall. 197 s. X p. 281 (im 
Cod. mit dem Beisatz: ut fertur Columbani), Gall. 198 s. X p. 141. 
Basil. F, f, III, 15" f. 50. 

Epistolae s. instructiones Columbani. Abschrift s. XVII einer 
Handschr. aus dem Kloster Bobbio im cod. Gall. n. 1346. 



9 Wurde beigefugt, weil so viele alte Handschriften der lateinischen ÖberteUiuig 
Torkommen. 



CaMiodonis — Dionysios Exig^iu. 1 3 O 

Cyprianus. De dominica oratione. De patientia. De opere et 
elimosinis. De XII abusiuis saeeuli. De mortalitate. De eeclesiae uni- 
tate in Gall. 89 s. IX; dieselben Schriften auch in Gall. 150 s. IX/X 
in gleicher Reihenfolge. Am Schlüsse der Schrift de XII abusiuis 
saeeuli «) heisst es in cod. 89 : Expl. sermo gregorii Nazanzeni epT. 

Ad Donatum (= epist. 1). De habitu uirginitatis. Ad demetrium 
(1. Demetrianum). De mortalitate. De opere et elemosina. De zelo et 
liuore. De patientia. De lapsis. De eeclesiae unitate. De dominica ora- 
tione. Ad Fortunatum. Ad Thibaritanos (= epist. 56). Quod ydola 
dei non sunt (= de idol. uanitate) in Bern. 235 s. XII. 

Epistolae ad Successum et ad clerum populum Cartbag. (=: num. 
82 u. 83) in Gall. n. 454 p. 341 s. IX. 

Die Schrift de XII abusiuis saeeuli auch in cod. Gall. 277 p. 
188 s. IX, Gall. 570 p. 164 s. IX, in cod. 176 der Zürcher Cantons- 
bibl. fol. 70—84 und in Bern. 425 s. X (IX Sinn.) f. 71—78. 

JJamasus PAPA. Epistolae. Gall. 159 s. X. 

Aliquot epist. Damasi et ad eundem. Gall. 670 s. X. 

Epist. Damasi et Hieron., item carmina eorum. Gall. 27 s. IX 
p. 10—14. 

Damasi ep. Inc. Dormientem te (= 13,371 M) Gall. 241 
s. IX p. 49. Ep. Ine, Commentaria cum legerem (= 13,371 M) 
Gall. 241 s. IX. Rhein. 41 s. IX f. 12. 

Vgl. auch Hieronymus zu vol. I und XI. 

Desiderh episc. Cadurcensis (= Tom. 87 ed. M.) epistolae ad 
diversos. Gall. 190 s. VIII/IX p. 278. In demselben Cod. p. 300 sqq. 
Epistolae diversorum pontificum ad Desiderium. Aus dem Cod. ediert 
in Canisii Lectiones ant. V, 2. 

DioNYsa^s Exiouus de pascha. Inc. Obseruantiae paschalis re- 
gulam etc. (= 67 p. 23 et 573 ed. M.) Bern. 610 s. IX f. 75 sqq. — 
In demselben Cod. Dionysius de ratione paschae. Inc. Paschalis festi 
rationem (= 67 p. 19 et 483 ed. M.). 

Argumenta de titulis paschalibus (= 67, 497 M.) Basil. F, F, 
Ol, 15»^ s. IX. 



S. Cypr. opp. append. ed. Paris. 1726 p. CCLXXV und August, opp. VI. 1079 
ed. Migiie. 



136 H a 1 in. Die ilUren Handschr. lateia. Rirchenviter in der Schweis. 

JbiOBERTi (Eeberti) episc. Eboracensis saec. \1II excerpta ex SS. 
Bibliis, Patribus et canonibus pro variis causis. Gall. 243 s. IX (der 
Anfang fehlt) und Gall. 677 s. X. 

Eligius episc. Noviomensis. Aliquot homiliae (= Tom. 87 M.) 
in Gall. 194 s. VIII p. 204. 

Libri senteiitiarum de aliis pluribiis libris quae sanetus Eligius 
eps de evaugelio exposuit. Inc, De caritate. 'Dominus dieit in euan- 
gelio. maiorem caritatem nemo habet, quam ut animam suam ponat 
quis pro amicis suis etc. Gall. 230 s. IX p. 443 — 497. 

Evangelium Nicodemi. Inc. Gesta saluatoris quae inuenit Theo- 
dosius Imperator etc. Bern. 582 s. IX f. 47 — 76. 

EucHERius episc. Lugduneiisis. Quaestiones et explanationes su- 
per psalmos. Gall. 110 s. IX p. 468 sqq. 

Tractatus de sollemnitatibus. Gall. 110 s. IX. 

Lib. de graecis nominibus uel hebraicis = Hb. formularum spi- 
ritalis intelligentiae. Gall. 230 s. IX p. 145. Gall. 110 s. IX. Gall. 
225 s. VIII (nicht vollständig). 

Quaestionum difTicilioruin uel instructionum V. ac N. Test über I. 
Gall. 189 s. VIII/IX. Gall. 225 s. VIII p. 249 (die letzte quaestio fehlt). 
Gall. 230 s. IX p. 203. — Liber II. Gall. 225 s. VIII p. 376—383 
(nur Caput I). Gall. 230 s. IX p. 183. Gall. 238 s. VIII p. 475. 

EuGippii abbatis cuiusdam in Africa excerpta ex operibus S. Au- 
gustini in 366 capita distributa (= tom. 62 M.) Gall. 176 s. IX. 

EuTROPu abbatis fragmentum ad Petrum papam (= vol. 80» 
1 M.) Gall. 124 s. IX p. 130. 

Jb ASTiDius s. unter Pelagius. 

Faustus Rhegiensis episc. 

Epistolae eins et aliorum (Graeci , Victurini, Turentii, Sedati, 
Eufrasii, Lucidi, Euanti) in Gall. 190 s. VIII/IX. 

Sermo (= 58, 887 M.) Gall. 213 s. IX p. 155. Derselbe sermo 
in Gall. 221 s. VIII p. 123 mit dem Anfang: Cogitemus modo fratres 
kar. und in Rhein. 140 s. VIII f. 22—31 mit der Aufschrift: Admo- 
nitio Sei Flausti (sie). 



Egberius — Fredeg«riu«. 137 

Ferrandi eccl. Carthag. diaconi saec. VI liber ad Reginum co- 
mitem, etiam paraenetieus dictus, de VII regulis innocentiae. Gall. 
195 8. IX. 

Flori diaconi excerpta ex Augustino. Ex libris sup. epist. Pauli 
ad Rom. Gall. 279 s. IX. Ex libris sup. ep. Pauli ad Thess. ad Tim. 
ad Tit. et ad Hebr. Gall. 280 s. IX p. 1—430. Ex libris sup. ep. 
ad Corinth. Gall. 281 s. IX. ßaluzius sehreibt diese Excerpta dem 
Beda Venerabilis zu. 

Venantius Fortunatus. Carmiuum libri XI. Gall. 196 s. X. 

De vita S. Martini libri IV cum praefat in laudem B. V. Mariae. 
Gall. 1>73 s. IX. 

Oratio ad XII apostolos pro peccatis suis. Gall. 869 s. X p. 254. 

Epistola nuncupatoria operum suorum ad Gregorium. Gall. 
670 s. IX. 

Expositio symboli Athanasiani im Cod. von Schlettstadt n. 1073 
s. IX/X auf Quaternio XVII. 

Carmen singulare. Inc. "^Frater amore dei. Gall. 184 s. X p. 245. 

De uirginitate S. Mariae. Inc. * Virginitas felix quae partu est 
digna tonantis. Rhein. 73 s. IX f. 28. 

De resurrectione dominL Inc. * Salue festa dies toto uenerabilis 
aeuo. Gall. 381 s. X/XI p. 35. 

Fredegaru Chronicon Bern. 318 s. IX (VIII S.) f. 40'' sqq. Inc. 
liber chronichorum ex dibus (sie) rerum creatarum. Deus formauit etc. 
Dann heisst es fol. 43\ Inc. capitula Chronici Hierouimi excarp- 
sum etc. Primus rex ninus regnauit annos L. Dann f. 94^ : Tantae 
uictoriae nominis gloriosus abuccileno uictus nomen uitaque amisit. 
Expl. liber IIL Dann die Capitula (f. 95) libri IV excarps. de cronica 
Greci'm (Gregorii neu corr.) episcopis toronaci bis f. 125. Nach 
neuerer Bezeichnung das Chron. Fredegarii. Dieser Cod. enthält aus- 
serdem noch: De ortu et obitu patrum ab Adam ad David. *Adam 
pater generis humani dei manibus etc. (nur 2 t'olia, vielleicht ein Com- 
pendium aus Isidorus). Dann folgt f. 1 — 5 Inc. uita sei Symeonis etc. 
*Sanctus Symeon ex utero matris electus est a domino etc. f. 5 — 6. Inc. 
de ortu et obitu patrum. "^Adam pater (s. o.) geht nur bisDauid rex filius 
iesse de tribu iuda natus. f. 7 — 22. Historia animalium quorundam mit 
merkwürdigen Gemälden. Inc. Est leo regalis omnium animalium etc. 



1 38 H a I B. Die ilterea Haa^sckr. lateim. Kirdboiritcr im 4er SckweU. 

(der bekannte Physiologus). f. 23 — 40. Ine. über generarionibus (sie), 
ediert t. Canisius Leet. ant II, 581 ed. Ingoist f. 125 ein tractatus 
von Eflfrem über eine Stelle aus Evang. Matthaei. f. 131 (jüngeres 
Blatt). De septem miraeulis mundi. Sehr bedeutende Handsehrift 

FcLGEvnus episc. Ruspensis. Liber de fide ad Petrum. Gall. 148. 
8. XL Gall. 269 s. X. Rhein. 102 fol. 1—97 s. XI. Schafh. 35 s. XL 

De praedestinatione et gratia. Rhein. 135 s. XII. 

Sermones. De eonfess. (= p. 248 ed. Ven. 1742) in Rhein. 18 
s. XU. de natura domini = p. 250 in Rhein. 50 s. X. in nat S. Ste- 
phan! (p. 252) in Rhein. 19 et 51 s. X. de epiphania domini (p. 253) 
Rhein. 32 s. X. Gall. 425 p. 38 s. X. — Inc. Si suptiliter a fideli- 
bus (= p. 302) Rhein. 41 fol. 407 s. IX, im Cod. als sermo Ambrosii 
Autperti bezeichnet — Sermo de natura domini. Inc. *Verax mise- 
ricordia etc. Rhein. 19 s. XIL «). 

(jTELASii Canon de recipiendis et non recipiendis libris (de libris 
canonicis et apocryphis). Gall. 140 s. X p. 386. Gall. 191 s. X p. 103. 
GalL 230 s. IX p. 543 mit der Aufschrift: de libris V. et N. Test 

Gennadius. De uiris illustribus. Gall. 191 s. X. Eins. 187 s. XL 

De ecclesiasticis dogmatibus (= Tom. 58 , 979 ed. M.) Gall. 

230 s. IX p. 498 — 510. Gall. 238 s. VIR p. 416 — 434. GalL 677 

s. X. Bern. 89 s. VIII (Prachthandschrift, die letzten 4 Capitel feh- 

len). Bern. 224 s. X. 

Gregorius. Vol. I. ed. Ven. Moralia in Job, vollständig in 6 
Bdcn Schafh. 50—55 s. XL Lib. 1—10. 23—35 in Galt 206—209 
s. IX. Lib. 32 — 35 Gall. 210 s. IX ineunt Lib. 1-33 Bern. 132 s. 
X. Lib. 1 — 5 Rhein. 87 s. XL Lib. 6 — 10. Inc. nee tamen diligit 
laudando exaggerat uiuendo conculcat (= VI cap. 5) Rhein. 38 s. IX. 



Ein philologisches Interesse bietet der alte cod. Gall. 397 s. IX, der pag. 40 sq. 
die bekannte Exposilio sermooum antiquorum Fulgeotii enthSlt, aber ohne die be- 
rüchtigten Citate. Inc. 'Sandapila feretnim mortuonim ignobilium atque damoato- 
nim dicitur — — Delenificns blandiloqaas\ So ohne die Citate steht die Schrift 
auch in dem in angelsachsischen Charakteren geschriebenen cod. Emmer. (nunc 
Monac.) E, HZ mit dem Titel: De lib. IUI Fabii Fulgentii Plaociadis ad Cticidiom 
grammaticum. 



Falgentitts — («regorias. 139 

Lib. 32—35 Rhein. 47 s. XI (hier pars VII genannt). Lib. 17—35 
Sehafh. 49 s. XII. 2 Fragmente aus lib. 31 cap. 10 u. 17 Rhein. 140 
s. VIII f. 73 u. 81. Ein Auszug von Odo Cluniensis Gall. 205 s. IX. 
Homiliae in Ezechielem 1—22 Gall. 211 s. IX. Sehafh. 45 u. 46 
in 2 voll. s. XII. Homiliae 13—22 Gall. 212 s. IX. 10 homiliae libri 
II. in Ezeeh. Rhein. 92 s. VIII/IX (zum Theil in confuser Ordnung). 
Sermo excerptus ex homilia XX. Rhein. 140 s. VIII (litt, longobard.). 
Homiliae in Evangelia 40 in Gall. 204 s. X. Rhein. 64 s. X (am 
Ende eine homilia auf die Worte des Evang. 'Homo quidam erat 
diues qui habebat uilicum' Inc. * Dominus ae redemptor noster ideo 
dignatus est de tanta maiestate ad hominum humilitatem descendere 
etc.) Gall. 214 s. VIU (nur 26 homiliae). Gall. 221 s. VIII (eben- 
falls nur 26). Gall. 427 s. XH (nur 18 hom.). Gall. 425 s. X 
(nur 4). 

Homilia p. 1436 ed. Ven. in Gall. 908 antiquissimo p. 55. 

p. 1450 Gall. 347 s. X/XI p. 360. Basil. B, HI, 2 s. Xineunt. 

p. 1460 Gall. 347 s. X/XI p. 232. 

p. 1472 ibid. p. 383. 

p. 1626 ibid. p. 376. 

Homilia 34 steht theilweise (sehr abweichend) in Rhein. 140 
s. VIH f. 31—43. 

Vol. II. Liber regulae pastoralis. Gall. 216 s. IX cod. insignis. 
Gall. 217 s. IX incip. Gall. 218 s. X (nicht vollständig), Gall. 219 
s. X. Gall. 220 s. X. Bern. 72 s. IX (sehr alte Handschr. vielleicht 
noch s. VIII). Bern. 283 s. X mit dem Zusatz ad Johannem Rauennae 
archiepiscopum. Basil. B, VII, 18 s. X. Rhein. 35 s. IX (fehlt ein 
Theil der Vorrede. Inc. loquendo propagetur etc. Am Schluss fehlen 
einige Blätter. Mit deutschen Glossen). 

Dialogorum libri IV. Gall. rescriptus 213 s. IX (vgl. unten Lac- 
tantius). Gall. 215 s. X. Gall. 214 s. VII/VIU») (nur Theile der 4 
Bücher in meroving. Schrift). Rhein. 40 s. X ineunt. (über 200 folia). 
Sehafh. 47 s. IX. Sehafh. 48 s. X (dabei noch vita Johannis Helei- 
monis episc. Alex.). 



^) Diese merkwürdige Handschrift besteht aus eiozeloen zusammeDgestfickten Bi8t- 
tem (42), die aus Deckeln und Vorsetzblättern abgelöst scheinen und theilweise 
nur mehr lor Hilfte oder V4 Torhanden sind. 



140 Halm. Die älteren Handschr. latein. Kirchenviter in der Schweis. 

Epistolae. Gall. 670 s. X (33 epistolae). Call. 675 s. IX (2 
epistolae). Gall. misc. 1398 s. XI et XII (viele Briefe oder Fragmente 
davon). 

Respousiones quas transmisit in Saxonia ad Augustinum. Gall. 
675 s. IX. Gall. 150 u. 682. 

Cod. Bern. 425 s. X (IX Sinn.) enthält fol. 66-68 die Briefe 
ad Januarium p. 921 ed. Yen., ad eundem p. 925, ad Desiderium p. 
1 1 39, ad Johannem p. 1 194, ad Marinianum p. 1294, ferner den nicht 
nachgewiesenen Brief 'Gregorius papa Brunigilde regine Francorum* 
Inc. * Sollicitudo christianitatis iiestrae etc. f. 65** und auf fol. öS** 
sqq. noch weitere 6 kleine Briefe von Gregorius. *) 

Lib. IX ep. 52 (= p. 964 ed. Yen.) Gall. 570 s. IX. 

Yol. III. Liber sacramentorum. Gall. 342 s. X p. 277 (scheint 
nicht das ächte; s. Kolb Catal. mss. S. G. I, p. 253). Rhein. 43 s. 
IX mit der Aufschrift 'Inc. liber sacramentorum de circulo anni ex- 
positus a SCO Gregorio papa Romano editus ex authentico libro bibUo- 
thecae cubiculi scriptus qualiter missa romana celebratur*. 

Antiphonarium. Gall. 359 s. IX (prachtvolle Handschr.). 

De beata Maria. Inc. * Ad sermonem nostrae laudis etc. Bern, 
misc. 702 s. XII/XIII. 

Zu Einsiedeln 63 epistolae in cod. n. 179 s. XI. — Gregorii 
uita per Johannem presb. n. 254 s. X. Ausserdem Schriften des Greg, 
noch in 14 codd. nach Hänel ohne nähere Angabe. 

Gregoru Turonensis liber miraculorum, de passione et uirtuti- 
bus S. Julian! martyris, de uirtutibus B. Martini, liber uitac patrum, 
liber in gloria confessoruni. Bern. 199 s. IX. Sehr schone und gut 
geschriebene Handschr. mit dem Titel : Incipit liber I Georgii Floren- 
tis Gregorii Turonici etc. In den Subscriptionen heisst es gewöhnlich 
Georgi Florenti Gregorii Turonici. 



Vorangeht eine grüüsere anonyme Schrift fol. 1 — 65 de uUlitate paenitentiae 
et quomodo eredendum sit de remissione peccatorum per paenitentiam. Die Vor^ 
rede beginnt mit den Worten : Excepto haptismatis munere quod contra peccatnm 
originale donatum est etc. Nach der langen Aufzfihlung der Capitel beginnt die 
Schrift fol. 13 also : Agnouimus enim paenitentiam morientibus denegari. Am Bade 
des lib. III heisst es: Expliciunt canones. Das letzte Capitel CLVUI enthilt: Bpis- 
tula formata Attici episcopi Constantinopolitani : Vgl. Sinner I, 46. 



Gregorins — Hieronymus. 1 4 1 

JuLalitgarii epi Cameracensis de uitiis et uirtutibus libri V ad 
Ebonem. Galt. 277 s. IX (aus diesem Cod. ediert von Canisius, Ant. 
Lect V, 2, 227). Call. 679 s. IX. Gall. 184 s. X p. 206 (nur lib. I.). 
Gall. S70 s. IX. Cantonsbibl. v. Zürich 176 s. IX/X f. 2 — 66 (nur 
lib. I — IV) — Eiusdem (?) über paenitentialis («»Caiiisii Ant. Lect. 
V, 2 p. 285). Gall. 227 s. IX p. 145. 

Hieronymus. Vol. I. ed. Vall. Epistolae. 

Cod. Rhein. 41 s. IX, sehr schöne Handschr., enthält ungefähr 
90 Briefe des H. nebst einigen von Augustinus, Damasus Papa und 
Fulgentius p. 302 ed. M. (mit der Aufschrift fol. 407: Sermo S. Am- 
brosii Autperti presb. Inc. Si suptiliter a fidelibus etc.). Von Stücken, 
die im XI. Bd. der Vall. Ausg. stehen, enthält der Cod. fol. 186—190 
ad Oceanum de uita cl^ricorum (= XI, 270) fol. 262. Lectio sei 
euangelii sec. Lucam cum explanatione Hier. (»XI, 259), 
fol. 380 — 384. Ad hominem penitentem = XI, 230. Bisher unbe- 
kannte Stücke 9 enthält der Cod. folgende: fol. 374: Inc. sacrae 
sententiae Theodori (?). *Perfectus homo est qui se ipsum cogno- 

uerit memores semper estote. fol. 376. De carnis superbia. 

*Ad te manum meam extendo et animam humilem exaltabit. 

ipsi gloria in saecula etc. fol. 384 — 388. Inc. capitulum de euangelio 
Lucae interpretatum * Quaestiunculam proposuisti qui sit uilieus 
iniquitatis 2) etc. 

Rhein. 49 s. IX und X, von verschiedenen Händen, 26 epistolae. 

Bern. 93 s. X. 56 epist. nebst einigen von August, ad Hieron. 
Aus vol. II, 387 ed. Vall. contra Vigilantium, vol. XI, 270 ad Oceanum 
de vita clericorum. 

Schaf h. 14 s. XI. 59 epistolae. 

Gall. 159 s. X. 42 epistolae. 

Bern. 179 s. XL Hier, epistolae diuersae et aliorum ad eundem, 
addita interpretatione hebraicorum nominum. 



<) Der in dem sehr genaneo handschriftlichen Katalog der Rhein. Codd. nicht nach- 
gewiesene Brief mit dem Anfang 'Propositio fnit de eadem apostoli epistula etc.* 
steht bei VaU. I, 297. 

') Der Sermo steht nebst drei anderen dem Hier, angeschriebenen anch im cod. Basil. 
B. VI, 3 s. X mit dem Anfang : Quis sit uilicns iniqnitaiis. 



142 H a I Dl. Die filteren Handsehr. laleiii. Kirchen viter in der Schweix. 

Einzelne Briefe. 

Epistolae mutuae Damasi Papae et Hieronoymi in cod. Gall. 241 
s. IX p. 49 sqq. und zwei noch unbekannte in Gall. 446 s. X p. 204 
sqq. mit dem Anfang : * Frater et eonpresbiter noster hieromine quid 
tibi uidetur de sancto dominico. Die resp. Hier, beginnt: * Domine et 
dulcissime pater tibi ueritas minime est obscura etc. 

ad Heliodorum hortatoria (I, p. 28) Bern. 424 s. XI. 

ad Eustochiam (I, p. 87) Rhein. 104 s. XI fol. 101. Bern. 314 
s. XI fol. 88—102. Bern. 586 s. X fol. 26—47. In letzterer Hand- 
scbrift geht voraus: Inc. Lib. Iuliani (?kaum leserlich) ad Demetria- 
dem. Die erste Seite fast gänzlich erloschen; der Schluss fol- 26: 
ponere orbem desertum et peccationes perdere ex eo. Expl. 

ad Marcellam de quibusdam nominibus hebraeis (I, p. 128). 
Gall. 298 s. IX p. 95. 

ad Marcellam (I, p. 130) Gall. 261 s. IX p. 143. 

ad Marcellam de elementis hebraeorum Gall. 299 s. IX p. 129 und 
(mit dem Titel de conexionibus litterarum) Gall. 261 s. IX p. 136. 

ad Pamachium (I, 209). Gall. 67S s. IX. 

ad Nepotianum de instituto clericorum (I, 252). Bern. 424 s. XI. 
Basil. B, VI, 3 s. X. 

ad Paulinam II de omnibus diuinae historiae libris. Bern. 58 
s. IX/X. 

ad Amandum de tribus quaestionibus (I, 293). Gall. 675 s. IX 
und Rhein. 140 s. VIII. In letzterem Cod. der Brief am Ende länger 
und überhaupt reichhaltiger. 

ad Paulinum (I, 316)Rhein. 140 s. VIII. Bern. 424 s. XI fol. 104. 

ad Euangelum (I, 438) Gall. 878 s. IX p. 308. 

ad Auicanum ») yspanum (I, 451) Rhein. 140 s. VIII. 

ad Fabiolam (I, 463) Gall. 255 s. IX p. 232. 

ad Sunniam et Fretelam (I, 635) Gall. 446 s. X p. 304. 

ad Rusticum monachum (I, 926) Bern. 424 s. XI. 

ad Ctesiphontem aduersus Pelagianos (I, 1019) Gall. 132 s. XI. 
Basil. A, IV, 17 s. X. 

ad S. Marcellam uiduam. Inc. * Quamquam sciam sacerdotalis 
familiae non nisi electas uerborum uictimas eflferendas etc. Gall. 190 
8. VIII/IX p. 55—66. 



1) Tnlgo : ad Abiganm. 



Hieronyinus. 143 

Vol. IL Vita sei Pauli heremitae. Bern. 199 s. IX. 
De uita Hilarionis (II, p. 13). Bern. 376 s. VIII in schöner 
longobard. Schrift; nicht vollständig (fehlt bei Sinner). Schafh. 102 

8. XI i). 

Liber Didymi Alexandrini de spiritu sancto (II, p. 105). Can- 
tonsb. Y. Zürich 131 s. IX/X. Prachtvolle Handschr. 

Aduersus Heluidium de scae Mariae perpetua uirginitate (II, 
p. 20S). Rhein. 41 s. IX fol. 424—448. 

Contra Jouinianum (II, p. 237). Bern. 396 s. XI. Bern. 251 s. XII. 

Contra Vigilantium (II, p. 387). Bern. 93 s. X. 

Contra Pelagianos libri III (II, p. 679). Call. 1 32 s. XI p. 33—209. 
Lib. I et II in Bas. A, IV, 17 s. X fol. 1 1 sqq., aus der Bibl. vonErycius 
Puteanus. 

De uiris illustribus (II, p. 807). De XII scriptoribus (II, p. 946). 
Bern. 225 (bei Sinner unrichtig 226) s. X et XI. Darauf folgen im 
Cod. Vitae paparum usque ad Liberium (=XI, 275 ed. Vall.) und 
nochmals die Schrift de uiris illustribus (ohne Titel). 

Catalogus scriptorum eccles. Einsidl. 131 s. X (nach Morel)«). 

Vol. III. Translatio Hieronimi de tractatu Origenis in epithala- 
micis (^Origenis hom. I in Cant. cant. III, p. 51 ed. Vall.). Bern. 58 
s. IX/X fol. 7—11. ibid. fol. 11 — 16 Inc. Omelia secunda (= III, 
p. 515). Auf Blatt 1 ein Stück der ep. 58 Hier. (lU, p. 324) 1«/, 
Seite lang. 

De situ et nominibus locorum hebraicorum et personarum S. Scr. 
(UI, 121). Gall. 130 s. IX p. 192 sqq. Gall. 133 s. IX. 

Quaestiones hebraicae in Genesin (QI, p. 301). Gall. 130 s.IX. 
Gall. 238 s. VIII p. 163 (nur 3 quaestt.); dieselben 3 in Gall. 230 
s. IX p. 332. Dass. Werk auch in Schafh. 13 s. XII, der ausserdem 
enthält: Explanatio X tentationum Israelitarum et cantici Deborae. 
Quaestt. hehr, de 3 libris Regum. Libri Paralipomenon et Habacuc. 
Chronica succincta. Liber prooemiorum in libros V. et N. Test. Liber 
de locis hehr, ex graeco Eusebii ab Hier, translatus. De nominibus. 



1) Vorher g^eht in beiden Handschriften: Vita S. Antonii ron Athanasius Alexandrinus 

(= 73, 125 ed M.) 
*) Faenel führt noch 14 Eins. Handschriften yon Hier. Schriften auf, ohne Beieich- 

BUBf ihres Inhalts. 



1 44 Halm. Die SItereo Handschr. latein. KircheoTiter in der Schweis. 

locorum in Actis apostol. Liber Eucherii de signis pleronimque nomi- 
num ab Hier, translatus. Ausserdem ein paar andere Schriften anderer 
Autoren (Genauere Beschreibung fehlt). 

Commentarius in Ecclesiasten (III, p. 381). Call. 110 8. IX 
p. 1—182. 

Vol. IV. Commentarius in Jesaiam Lib. I — V in Gall. 113 s. EK 
et Gall. 112 s. X — Lib. VI— XIII in Gall. 115 s. IX. — Lib. XIV bis 
XVIU in Gall. 111 s. IX et Gall. 114 (mit dem Titel: Pars HL) s. IX. 
— Libri XII in Bern. 20 s. XI. — Libri XBI in Schafh. 10 s. XU 

Explanationum in Hieremiam libri VI (IV p. 835). Gall. 116 
s. IX. Praecedit epistola ad Paulinum de studio scripturarum sanetarum. 
Inc. Hieremias uii^am nuceam et ollam etc. (ob bekannt?) 

Vol. V. Comment. in Ezechielem libri XIV. Gall. 117 et 118 
s. IX. — Lib. IX-XIV in Bern. 301 s. XI. 

Comment. in Danielem (V, 617). Gall. 120 s. IX et Gall. 189 
s. Vin/IX p. 322. Zwei Blätter auch in der Sammlung von Schrift- 
stücken Tom. V zu Basel aus cap. 7 et 1 1 s. IX/X. 

Vol. VI. Comment. in prophetas minores. Bern. 102 s. X fol. 
1 — 196 (von vorne defect), sehr schöne Handschr. Schafh. n. 11 et 
12 s. XIL 

In Oseam libri IH (VI, 1). Gall. 121 s. IX. 

Super loelem et Micham libri III (VI 166 et 431). Gall. 119 
s. IX. Stücke aus in Mich, auch zu Basel (Schriftstücke II, 9) s. IX/X. 
4 Folioseiten. 

In Amos libri IH (VI, 219). Gall. 122 s. IX. 

In Jonam (\1, 387). Gall. 123 s. IX. 

In Naum (VI, 533). Gall. 123 s. IX. Gall. 296 s. IX. 

In Sophoniam (VI, 571). Gall. 123 s. IX p. 152—246. 

In Aggaeum (VI, 735). Gall. 123 p. 247 sqq. 

Vol. VIL Comment. in euang. Matthaei libri IV. Gall. 40 s. Vm. 
p. 169 sqq. Gall. 126 s. IX (theils in longob., theils in angelsächs. 
Schrift). Gall. 127 s. IX. Gall. -»45 s. X. (Excerpte in Gall. 230 
s. IX p. 348 sqq. et p. 569 und in Gall. 125 s. IX p. 137 sqq.) Bern. 171 
s. IX mit der Unterschrift Expl. Eusebii Hieronimi commentariorum 
in Matth. plenariorum liber IV. Sehr gut geschriebener Codex. 

Comment. in epist. S. Pauli (VII, p. 367) und in ep. ad Galatas 
libri lU. Gall. 128 s. IX. — in ep. ad Ephesios 1. III, ad Titum» ad Vid- 



Hieronirmas. 145 

lemonem in Gall. i29 s. IX. — in ep. ad Philemonem (VII, p. 741). Bern. 
314 s. XI fol. 106—119 (von fol. 114 an über ep. ad Romanos). 

Sententiae epistolarum ß. Pauli apost. a seo Hieronimo exposi- 
tae et ex opusculis eins iuxta earundem epistolarum ordinem decerptae. 
Bern. 344 s. X. Die Stellen, woraus die Excerpte, sind überall ange- 
geben. Viele Stellen auch aus dem liber Moralium, lib. pastoralis etc. 
Der letzte Brief der ad Hebraeos. Vorausgehen als Capitel die erläu- 
terten Stellen. Schöne und grosse Handschrift. 

Breuiarium S. Hieronimi in psalterio. Ine. Proxime cum Origenis 
psalterium etc. (VII, App. 1). Gall. 107 s. IX. 

Dispositio sei Hieronimi super psalt. Inc. Psalterium ita est quasi 
magna domus (VII, App. p. 403). Gall. 108 s. VIII/IX p. 10 sqq. 
(in longob. Schrift), Gall. 109 s. VHI (der Commentar zu Ps. 119 
Ton der Ausgabe ganz verschieden). 

Hieronymi explanatio in librum psalmorum eata hebreos (VII, 
Append. p. 421). Gall. 110 s. IX p. 285. 

Vol. VIII. Eusebii chronicon Hieronymo interprete (VIII, p. 1 1). 
Bern. 219 s. VIII (geschrieben 702) in kleinen Uncialen. Vgl. jetzt 
über die Capitalhandschrift Schoene, Quaestt. Hieron. p. 10 sqq *). 

Vol. X. Hier, praefatio in librum psalmorum (X, p. 105). Gall. 
HO s. IX p. 300 und nochmals p. 376. 

Vol. XI. De assumptione B. Mariae uirginis (XI, 92). Gall. 152 
s. IX p. 225. Gall. 131 s. XII. Rhein. 103 s. X/XI. 

De Septem ordinibus ecciesiae (XI, p. 114). Gall. 216 s. IX 
p. 224 — 257 mit der Aufschrift ad Epim de gradibus sacerdotalibus. 

Ad Dardanum de diuersis generibus musicoruni. Ine. Cogora te 
etc. (XI, p. 202). Gall. 299 s. IX f. 122. 

Ad Oceanum (XI, p. 270) Gall. 675 s. IX. 

Die gewöhnlich dem Hieronymus beigelegten Vitae paparum ent- 
hält Bern. 408 s. X. Ine, Beatissimo papae Damaso Hieronimus. Glo- 
riam sanetitatis tuae nostra humilitas deprccatur (=XI, 275) und 
Bern. 225 (mit dem Anfang: Gloria sanetitatis tuae nostram humili- 
tatem deprecatur). Es sind Anastasii vitae pontificum Romanorum ; 



1) Ich habe mir auch notiert, data in einem cod. misc. Bern. s. IX und X fol. 85 — 88 
ein bei Sinner nicht Terzeichnetea Stück der Chronik steht , aber bei der alphube- 
tiachen Eintragung ana meinen Excerpten ist leider die Nummer des Cod. in der 
Feder geblieben. 

Sitzb. d. phU.-hist. Cl. L. Bd. II. Hft. 10 



14D Halm. Die Siteren Ilandsehr. latein. Kirchenväter in der Schweiz. 

der Cod. 408 schliesst mit der vita Stepliaiii (unter Pipiiius). Schone 
Handschr. aus der Bibl. Rongarsii. 

Damasi ep. ad. Hieron. et Hier, rescriptum. Ine, Dum multa 
Corpora librorum etc. (XI, p. 276). Call. 27 s. IX p. X. Call. ilO 
s. IX p. 311. In derselben Handscbr. p. 13 sq. und p. 382 — 385 
auch Versiculi Hieronymi et Damasi. Inc. Psallere qui docuit etc. cf. 
Opera Damasi, Paris. 1672, 8». p. 159. 

Chromati et Eliodori episcoporum ad Hieronimum. Inc, Cum 
reh'giosissimus Augustu^ Theodosius mediolanensium urbeni fuisset 
ingressus etc. (=Patrol. curs. ed. Migne vol. XX, 373). Rescriptum 
Hieronimi. Constat dominum etc. (XI, p. 473). Bern. 289 s. IX Ibl. 
52 sq. 

Expositio in hbrum Job (XI, p. 5«5). Gall. 106 s. IX. 
Expositio iV euangeliorum (XI, p. 733). Gall. 124 s. IX. Gall. 
125 s. IX (in longob. Schrift) und ohne (fingierten) Namen des H. 
mit demselben Titel in cod. Gall. 227 s. VIII p. 197 sqq. Dieselbe 
Breuis expositio auch im Rhein. 99* s. IX, aber nach dem Initium 
verschieden von der Ausgabe. Ein ahnlicher Commentar mit Hier. 
Namen auch in cod. Bern. 171 s. IX, aber mit nicht stimmenden 
Initium. Die Schritt füllt 14 Quaternionen, wovon jedoch 2 verloren 
und durch eine Hand saec. X ergänzt sind. — Die expos. in euang. 
S. Marci auch in Gall. 127 s. IX p. 381 mit einem Prologus, der in 
der Ausg. fehlt. 

(Expositio super Prouerbia Salomonis mit Hieron. Namen in Gall. 
130 s. IX p. 74, steht bei Beda IV, p. 634.) 



Prologus s. praefaliones H. in libros Vet. Test, in dem sehr alten 
cod. Gall. 238 s. VIII p. 176. 189 sqq. 451 sqq t). 

Psalterium iuxta Hebraeos Hieronymo interprete in Gall. 19 s. 
IX (sehr werthvoller Cod.); einige Psalmen auch in Gall. 75 s. IX. 

Ein über genealogicus (de generationibus V. et N. Test.) mit 
Hier. Namen in Gall. 133 s. IX p. 299. Inc. * linde homo si natus 
est habet genitorem etc. 



Auch die biblischen Handschrinen wegrn der llieronym. i'hpr$e(/ung zu verzeichnen 
erlüubie die Zeit nicht, weshalli nur diese und die folgende Nummer bemerkt sind. 



Rieronymus — Incerta. 147 

Excarpsum sei Hieroiiimi de euangelio. * Regina austri surget 
in iudieio cum generatione ista etc. Interpretatio. Quod sinipliciler 
futurum etc. Rhein. 140 s. VIII f. So. 

De Christo quod uere filius dei et uere filius hominis ex duohus 
et in duabus naturis inconfuse consistat, una in trinitate persima dem 
Hier, zugeschrieben in Rhein. 102 s. XI f. 119 sqq. Inc. * In Christo 
alia e^t natura deitatis secundum quam a patre etc. (wohl ein Excerpt). 

HiLARius. Cod. Bern. 100 s. Xll/Xlll enthält: De trinitate a libri 
V line usque ad lib. XII. Ad Constantium Imp. et hereticum epistolae 
II. Liher adv. Arrianos ad Auxentinum hereticum. De synodis. Ven. 
Fortunati prologus in vitam S. Hilarii. Sermo in eins nafinitate. bte, 
*Quandodnectissimi sanctorumsollempnitates digna memoria celebnire 
studemus etc. Hilarii hymnus = Mai, Nova Bibl. PP. I, 491. 

Hilarii vita auct. Ven. Fortunato. Gall. 577 s. IX. (Jall. liiil s. 
IX. Basil. T, 7 s. X. (nur 1 Folioblatt). 

Expositio psalmorum im Codex rescriptus Gall. s. VI. n. 722. Die 
nf uere Schrift enthält Breviarii Alariciani compendium s. IX. 

De fide i. e. de trinitate libri XII. Schafh. n. 44 s. XL 

Carmen. Inc. * Hymnum dicat turba fratrum. Gall. 2 s. VIII p. 
558. Gall. 577 s. IX. Gall. 567 s. IX (in den beiden letzteren Codd. 
geht vorher epistola ad Abram filiam). 

Carmen Hilarii pictauensis epT de euangelio. Ine, Christus hie 
fluidi decoris etc. Gall. 48 s. VHl (oder älter?) p. 1. 2. 8 u. 18. 
Diese paar Seiten sind facsimiliert herausg. in dem Werk : Antiquis- 
simus IV euangeliorum canonicorum cod. Sangall. Graeco-Latinus ed. 
Rettig. Turici 1836 4^ 

Vgl. auch unter Sermones diversi und Ambrosius, conunent. in 
S. Pauli epistolas. 

Jesse Ambianensis epi de ordine haptismi ad saeerdotes epistola. 
(= tom. 105 ed. M.) Gall. 124 s. IX p. 310. 

Incerta. Cod. Gall. 570 s. IX p. 194 de purgatorii poenis et 
inferni puteo. Inc. *Omnis arbor quae non facit fructum excidetur etc. 

Bern. 610 s. IX (X Sinn.) f. 69^ De paseha. Antiqnitus in eccle- 
sia pascba XIV luna cum iudaeis celebrabatur. f. 7P heisst es: Expl. 
epistola sei cyi*illi prima. Dann folgt ein durch Rasuren halb unleser- 

10* 



1 48 Halm. DiV alteren Handschr. latein. Kirchenväter in der Schveix. 

Mcher Anfang: Scripta iieiiera //// tionis urae mulla habeiitia quae- 
rimonia etc. 

Bern. 278 s. XI (X Sinn.) W 128»*— 131. In natale sei Nicolai 
epi. Lectio sei euan^elii sedm Lucam. In illo tempore dixit diis ihesus 
diseipulis suis parabola hane . . . Onielia eiusdeni. *Omnis sei euau- 
gelii t'rs kariss. textus usqiie ad iotani unum et unum apicein mystico 

e inuolutus enigmate dno sernire mereainur, qui cum patre et 

spiritu seo uiuit et regnat per omnia secuta seculorum. Schöne und 
gut geschriebene Hs. 

Rhein. 102 s. XI f. 111. De Christo quomodo fdius dei sit et 
filius hominis. Ine. * Christus Jesus dei filius est et deus et homo 
est quamlibet aetatem corporis gerant. 

Basil. F, F, III, lö^ s. VIII/IX in angelsächsischer Schrift ent- 
hält auf den letzten 16 Blättern Exposiliones über Texte von Evange- 
listen in Form von Predigten. 

Basil. F, F, IIL 15« s. VIII/IX in angelsächsischer Schrift f. 28 

bis 4^ *Audi filii (lili?) monitionem patris tui et inclina aurem 

totum corpus laborant. f. 42 * In sapientia Salomonis omnia idula na* 
tionuni aestimauerunt deos etc. (nur 1 Seite). 

Basil. F, F, III, 15** s. IX, zu Ende: Ine, de saltu lunae. M)e 
saltu lunae pauca dicamus etc. Die letzten Blätter von jüngerer Hand, 
mit Tafeln, cursus lunae per duodecim signa. Das Ganze ist vielleicht 
nur der Schluss des vorangehenden Werkes, Dionysii argumenta de 
paschate. 

Cod. 1093 in Schlettstadt s. VII in Uncialen enthält gegen 
Ende: Inc. chronicam sei Gironinii prhl (chronica si*i llieronymi pres- 
byteri?) *Caeli et terrae creationis et omniuni firniamentum mundi 
mundus etc. 8*/,, Octavseiten. Dann: Inc. de psalmatione adam. 
*Ubi deus Adam psalmauit, uhi Christus natus est? 6 Seiten. Ferner: 
Inc. de Septem ponderihus unde factus es adam. * Fides pondus limis 
quia de limo factus est. Weiter folgen Fragen wie: Quis primus litte- 
ras gregas inuenit. Quis primus nauem fecit? etc. 

IxNocENTirs I. papa. Epistolae I — XXI in coil. Gall. 671 s. IX. 
Ep. I. ad Decentium Eugubinum epm. (= 2tK ool M.) Gall. 
349 s. IX in. p. 39. 

loHANMs Chrysostomi houiilia in natalem slti Pauli. (= Bedae 
opp. VI, 831 ed. Col.) Basil. B, VI, 3 s. X ineunt. In demselben 



Incertfi — Isidorus. 14:9 

Cod. de David ubi Goliat interfecit. Inc. * Dominus deus cum David 
regem populo deslinasset etc. und de Abessalon. Inc, * Perdidit Abes- 
salon scelestissimus mentem etc. 

[siDoRus. Etymologiarum s. Originum libri XX. Gall. 231 , 232 
und 237, sämmtlich s. IX (231 und 237 sehr schön und ohne Correc- 
turen im Text). Bern. 36, 101 et 224 s. X. — Lib. VI— XV in Gall. 
233 s. IX (die Bücher nicht ganz vollständig). Lib. XII— XX und I, 
c. 28 in Gall. 235 s. IX in. wohl die älteste der Handschriften der Ety- 
molog, zu St. Gallen , von gemischter longob. und merowing. Schrift, 
Lib. XI— XX Gall. 236 s. X. Lib. I— IX Schafh. 42 s. IX/X. Lib. 
XII— XX Schafh. 43 s. X. Lib. II— XIX Basil. F, III. 15 s. IX. 

Excerpta ex Etymol. libris. De accentibus (lib. I cap. 18) Gall. 
878 s. IX p. 315—320. — De vitiis (lib. L c. 34) Basil. F, f. III, \^^ 
s. VlII/IX in schottischer Schrift. — 47 capita aus lib. III de astro- 
nomia in Gall. 230 s. IX p. 81 ; lib. III cap. 23 bis zum Schluss des 
Buches auch in Bern. 610 s. IX f. 1—10. — Lib. V c. 1—27 und 
lib. IX c. 4—7 Bern. 263 s. VIII f. 1—14 mit der Aufschrift: Inc. 
quaedam excerpta ex libro ethimologiarum quibus ex causis in roma- 
nis legibus uocabula originem nomina acceperunt, in XVIII capita ein- 
getheilt. Cap. XII schliesst mit lib. V; cap. XIII beginnt mit: Ciues 
uocati qui in unum coeuntes uiuant etc. = lib. IX c. 4; fol. 14** folgt 
der codex Theodosianus. — Lib. VI c. 19 Gall. 230 s. IX p. 117. 
Lib. \1I ebendaselbst p. 93. Lib. VII c. 1—4 in Rhein. 102 s. XI 
f. 139—167. 1). 

Vol. V. ed. Arev. Lib. differentiarum (spiritualium). Gall. 189 
8. VIII/IX p. 126—321. Gall. 224 s. IX. Gall. 225 s. VIII (Lib. I. 
und Stucke von lib. II ; lib. I. weicht wesentlich von der Ausgabe ab). 
Bern. 224 s. X f. 174 sqq. i) — Liber II in Gall. 230 s. IX p. 49. 



1) Cod. GaU. 879 s. IX (sehr eorrect geschrieben) enthiit unter dem Namen Aurelia* 
DOS einen libelius de variornm nominum tarn sacrorum quam profanorum significa- 
tione\ Inc. Pondus dictum eo quod in statere libratnm peiideat etc. Von ?orne 
wahrscheinlich unvollständig* weil eine Capitelbezeichnung fehlt. Die ährigen 
Capitel sind : De legibus uel instrumentis iudicum. De instrumentis legalibus. De 
rebus. De criminibns in lege conscriptis. De penis in legibus constitutis. Am 
Schlüsse: 'Quid me niiras Aurelianus. Me {fort, miraris? Aurelianus me) fecit ora 
pro me peccatore\ Es sind sämmtlich Auszüge auslsidori Etymol. lib. XVI. cap. 
25 i. 3. lib. IV. cap. 1 and cap. 25^27. 



150 H • I m. Die ilt«rea Handsehr. latein. Rirchenriter ia der Schweix. 

Basil. F, f, III, 15* s. VIII/IX (angelsächsische Schrift), Bern. 2*4 
s. X f. 174—181. Call. 3 s. VIII (nur cap. 4—14). 

LÜM*!* allegoriarum utriusqiie Testameiiti , in einigen Codd. mit 
der AiifsrhriCt: Inc. de floratibus sei Isidori. Gall. 175 s. IX p. 235 
(nur Vet. Test.) Gall. 225 a. VI» p. 62. Gall. 230 s. IX (ebendas. 
p. 420 — 438 Prologus sei Hysidori de floratibus ad Honorium). GalL 
240 s. IX/X p. 77. Bern. 224 s. X f. 160. Bern. 249 s. X (nur Frag- 
inent). Bern. 466 s. XI. 

De vita vel obitu sanctorum qui in domino praeeesserunt. Gall. 
240 s. IX p. 31. Bern. 224 s. X f. 154. Ein Auszug daraus in Col- 
mar. num. 37 s. VIII/IX (der Anfang fehlt. //#r. quo seeundura isto- 
riam dicitur ab antiquis sapientibus). 

Liber prooemionim de libris V. et N. T. Gall. 240 s. IX. Bern. 
224 s. X f. 150. 

Commentarii in omnes libros V. Test. Gall. 135 s. XIII. Gall. 
239 s. IX p. 258. 

Expositio in libros historicos V. T. Schafh. 78 s. XII. 

Commentarius in Leviticum, cap. 13 (= p. 423) Gall. 230 s. IX. 
p. 548. 

Vol. VI. p. 1. De fide eatholica contra Judaeos .Gall. 255 s. IX. 
p. 114 mit der Aufschrift: de uita, morte, resurrectione, regne et 
iudicio Christi. 

De gentium vocatione Gall. 255 s. IX. 

Sententiarum s. de summo bono libri III. Gall. 227 s. VUI (die 
3 Bücher nicht vollständig, aber mehrere Capitel reichhaltiger als in 
der Ausgabe). Gall. 228 s. VIII (lib. III nicht vollständig). Gall. 229 
s. X (sehr schöne Handschrift). Gall. 230 s. IX lib. I. ib. p. 521 
lib. II. c. 11 et p. 524 lib. II. c. 29. — Gall. 238 s. VIII lib. I cap. 8 
p. 181 et lib. l c. 10 p. 185. — Rhein. 47 s. X. Bern. 107 s. X. 
Bern. 312 s. IX (VIII?), sehr alte und beachtenswerthe Handschrift. 
Bern. 378 s. XL Basil. B, IV, 12 s. IX/X (schöne Handschrift). Bas. 
P, F, III, 15*^ s. IX (nur lib. I. u. ü.). Rhein. 102 s. XI f. 173 nur lib. I. 
c. 1-14). 

De praedestinatione (= p. 198 ed. Arev.) Rhein. 140 s. VIII. — 
De conversis, i. e. de monachis qui ad conversioneni in monasterium 



(jull. 2a» s. VIU trn^t den f^leieheo Titel, ist Mber ein rerschiedenes Werk. 



Isidorus. 1 u 1 

venerunt (= p. 199) Call. 213 s. IX p. 161— I7S. — De brevitate 
vitae (= p. 3o9) in Gall. aiitiquissimo 908 i) p. 49 — 55. 

Orficiorum divinorum libri I et II (auch de ecelesiastieis onieiis 
genannt). Gall. 222 s. X. Gall. 227 s. VUI p. 124 (Lib. I. unvoll- 
standig). Gall. 240 s. IX p. 189 (mit der dedicatio ad Florentium 
epise.). Gall. 230 s. IX p. 119 lib. I und ebendas. p. 571 lib. I. eap. 
27. — Gall. 675 s. IX. Bern. 249 s. X. Basil. F, F, III, i&' s. VIII/IX, 
angelsächsisch geschrieben mit der dedicatio ad Orosium, welche zum 
Liber allegoriarum gehört. ^ 

Sermo de natali domini (= p. 392 ed. Arev.) Gall. 426 s. IX. 
Basil. B. m, 2 s. X. Basil. B. IV, 26 s. X.. 

Soliloquiorum vel Synonymorum libri II. Gall. 194 s. VIII (p. 
129 liber II. p. 179 liber I, aber nicht vollständig). Gall. 223 s. XII 
p. 19. Gall. 296 s. IX p. 192. Gall. 269 s. X. Schafh. 36 s. XI. 
Basil. F, F, III, 15*= s. VIII/IX (angelsächsisch). Gall. 226 s. VIII 
(MI?) enthält fragmenta s. potius compendium ex lib. II. c. 10 usque 
ad finem. Deest initium usque ad v. Si falsitas capitali poena conscri- 
bitur' etc. finis hie est: *etenim ita cor negligentis obturatur*. Weicht 
von der Ausgabe sehr ab. Basil. F, F, V, 37 s. X enthält f. 16' ein 
Excerptum de soliloquiis. 

Epistola ad Masonem (= p. 563) Gall. 570 s. IX. 

De ordine creaturarum. Basil. F. f, III, 15^' s. VIII/IX (schotti- 
sche Schrift). 

Vol. VII. De natura rerum. Zu den von Gust. Becker benützten 
Handschriften (Berol. 1857) Basil. F, F, III, 15' s. VIII/IX; III, 15^ 
s. IX; m, 15^ s. K. Bern. 249 s. X; 417 s. IX; 219« s. IX (nicht 
219** wie Becker hat) kommen noch: Bern. 610 s. X f. IP mit der 
Aufschrift: Inc. liber primus Bedae de cupoto. Bern. 224 s. X f. 164 
mit der Subscriptio Expl. de mundo. Gall. 238 s. VIII p. 312—383, 
sehr alte Handschrift mit dem Titel liber rotarum (i. e. de natura 
rerum). Gall. 240 s. IX p. 116. Ferner Fragmente im Gall. 225 s. 
VIII p. 114 sqq. (bes. p. 126 circulus s. orbis anni, IV mundi plagae 
etc. ex eap. 7). 

Chronicon. Bern. misc. 83 s. X f. 88—97. Gall. 133 s. IX mit 
der Aufschrift : Sex aetates mundi s. breuis genealogia temporum per 
generationes et regna. 



<) Samaelcodex tob reraebiedenen Fragmenten, meist von höchstem Alter. 



152 H a 1 m. Die filteren Handschr. latein. Rirchenvfiter in der Schireis. 

Laus Hispaniae provinciae (= p. 107 ed. Arev.) Bern. misc. 83 
s. X f. 98"— 99. 

Laus (iotboruui (= p. 109) ibid. f. 97^—98 und GalL 133 s. 
L\ p. Ö91. 

De viris ülustribus (= p. 142) Bern. 289 s. IX f. 19»*— 26, sehr 
beaehteuswerthe Ifandsehrift. 

De conflictu vitiorum atque virtutum (= p. 207) Basil. F, F, III, 
15*8. VIII/IX f. 27. Vgl. Augustinus de conflictu etc. 

Exhortatio penitentis (paenitendi)*= p. 346 in Gall. 223 s. XII 
p. 87. Gall. 269 s. X p. 120. 

Oratio pro correptione vitae et propter flenda peccata (= p. 358) 
Gall. 223 s. XII p. 106. Gall. 269 s. X p. 130. 

De numeris S. Scriptorae (= p. 397) Colmar. 37 s. VIII/IX f. 
61 (enthält mehr als die Ausgabe von Arevali, welche nur bis zum 
Absätze : Tres personae trinitatis geht). 

De ecciesiastieis dogmatibus. Bern. 224 s. X f. 186^ Basil. F, 
F, III, 15' s. VIII/IX f. 15. Vgl. auch Gennadius de eccl. dogni. 

De proprietate sermonum et rerum (=» p. 426). Bern. 224 s. 
X f. 182. Basil. F, F, III, 15" s. VIII/IX f. 24. Rhein. 102 s. XI f. 168. 

Incerta sub nomine Isidori: 

Sermo. Ine, *Fratres kmi spiritu sancto creditis qui loquitur 
in uobis etc. Gall. 108 s. VIII/IX. Alius Sermo. Inc. Timor domini 
expellit peccatum etc. Gall. 194 s. VIII p. 226. Nur der Anfang 
stimmt mit Sermo 62 ad fratres in eremo, das übrige ist ganz 
verschieden. 

De solestitio. Ine. *Solestitium cum sol restat. Bern. 224 s. X 
f. I8P. In derselben Handschritt f. 189^ Inc. glosae spitales iuxta 
euckeriu (Eucherium) epTn. Agricola ds. Ager mundus. f. 192** Inc. 
sinonema Ciceronis. Inanis uanus etc. f. 193^ Inc. glosae. Drei ver- 
schiedene Sanmilungen, die letzte sehr gross. Am Schlüsse f. 226 
Expl. glosae sacrae. 

Relatio de assumptione loannis apostoli. Gall. 190 s. MII/IX. 
Ine. adsumptio sei iohannis apostoli et euangelistae quae obseruatur 
sexto kal. ianuarias. Inc. *Ad iohannem nunc euangelistam flectamus 
articulum etc. Am Schlüsse p. 25 die kurze relatio de Johanne == V, 
183 ed. Arev. 

Cod. Basil. F. f, 15* s. IX/X enthält Excerpte. dem Isidorus im 
Katalog nach neuerer Bestimmung beigelegt, in folgender Ordnung: 



Isidorns — Lüctantins. 1 53 

f. 1 Inc. * Obsecro vos fratres dil. ut erga subditarum plebium pro- 

fectuni et emendationem vigilantissima cura laboretis claustris 

monasterii contineri. f. 10. Misterium euangelii quod ab homine noii 
accepit per reuelationem Jesu Christi didieit etc. fol. 16 de officio 

missae. Inc. *De sacramentis ut reor satis superius diximus 

plura relaturi. f. 19\ Incipit liber de ufficiis atque oratiombus cano- 
nicarum horarum. * Officium ergo missae quod in superiore libro con- 
texuimus et pulsanti aperiatur. 



In Einsiedeln: Etymol. und Chronicon in cod. 117 s. X. Etymol. 
169 s. XI (s. Pertz Arch. IV, 298). Ausserdem nach Haenel noch ver- 
schiedene Schriften in den codd. 4S, 47. 142, 1S3, 157, 180. 187 
s. XI— XIV. 

JuLiAxi episc. Toletani Prognosticorum libri III (= tom. 96 M.) 
Call. 264 s. X. Cantonsbibl. von Zürich 132 s. IX (sehr schöne Hand- 
schrift); Bern. 424 s. XI f. 2—61. 

JuNiLu episc. Africani libri II instructionum (vulgo de partibus 
divinae legis) Gall. 130 s. IX p. 137—191 und Call. 908 p. 313 
cod. rescriptus s. VI, nur 7 Blätter. 

Jusn episc. Urgelitani in cant. canticorum explan, praemissis 
duabus epistolis, una ad Sergium papam , altera ad Justum diaconum. 
Gall. 110 s. IX p. 183 sqq. 

JrvENCi historiae evangelicae libri W, Bern. S34 s. IX und Gall. 
197 s. X p. 330 sqq. mit der Aufschrift: libri IV^ euangeliorum Guetti 
Aquilini Juuenci ?£. presb. (eng , aber sehr schön und rein geschrie- 
bener Cod.). 

Ijactantius. Diuinae institutiones in dem cod. rescriptus Gall. 
213 s. V (?). Die neuere Schrift enthält die dialogi Gregorii Magni 
s. IX. Nach dem Umfang der Handschrift kann sie den Lactantius 
nicht ganz enthalten. Versuche, die alte Schrift bloszulegen, hat Nie- 
bohr gemacht, der eine ganze Seite und einige Stellen entzilTert hat, 
die von seiner Hand in Abschrift beiliegen. Ich habe eine Copie dieser 



154 Halm. Di> ilteren Handschr. latein. Rirchenviter in der Sdiwe». 

Stellen, die nur wenige erhebliche Varianten bieten, genommen. Eine 
Entzifferung der ganzen Handschrift wird wegen der dunklen Farbe 
des Pergaments und wegen der Enge der darüber stehenden Schrift 
unmöglich sein. 

Leo papa. Epistolae im Codex rescriptus Gall. 908 s. M p. 1 — 74 
und 297^349 in kleinen Uncialen. Derselbe Cod. enthalt die Ge- 
dichte des Merobaudes. 

Ep. ad Flauianum Constantinop. epTn. Gall. 191 s. X p. lOS. 

Paseasini ep. ad Leonem, vgl. unter Pascasinus. 

Aliquot sermones (= ed. Yen. 1748 I p. 60, 75, 82). Gall. 
347 s. X/XI p. 281, 31S, 322. 

Sermo de transfiguratione dfii (= ed. Yen. p. 94). Gall. 42S s. 
Xp. 162. 

Sermo (= ed. Yen. p. 16) Gall. 426 s. IX. 

iVlARrELLiM et Faustini libellus precum (= tom. 13, 83 M.) 
Gall. 190 s. YIII/IX p. 332 sqq. mit der Aufschrift: De eonfessione 
uerae fidei et ostentatione sacrae communis et persecutionis aduer- 
sante ueritatis. 

Martini episc. Turonensis liber de trinitate, s. unter Sulpicius 
Severus. 

Martinus papa. Inuectiva in Amalarii libros mit dem Titel : In- 
uectio canonica Martini papae in Amalarium ofOciographum. Inc. 
*Discipuli ueritatis interrogauerunt dilTn etc. Gall. 681 s. X. 

Dicta Martini epi ad Polemium epm. Inc. "^Cum fecisset ds in 
principio caelum et terram etc. Gall. I>i>8 s. IX p. 297 — 312. Gall. 
579 s. IX. 

Epistula praedicationis beati Martini epi ad polemium epm desti- 
nata. Inc. *Epistolam tuae sanctitatis accepi in qua scripsisti ad me 
ut pro castigatione etc. Bern. 289 s. IX f. 43** — 51 (sehr schöner 

und wichtiger Codex). 

• 

Martini Dumiensis formula honestae vitae (= 72, 22 M.) Bern. 
102 s. X (XI Sinn.) f. 196''. Yorziiglich schrme und correcte Hand- 
schrift mit der Aufschrift: Libellus de lY uirtntibus i. e. prudentia. 
fortitiidine. teinperantia at(]ue iustitia Martini epi ad miridonern regem. 



L^o — Pauliniis. 1 o5 

Maxihi episc. Taurinensis sermones XCI in Gall. 188 s. VII in 
nischen Uiieinlen. Ein Theil derselben zuerst aus diesem Cod. ediert, 
den Index in ed. Rom. 1784 p. CLXXXV. Derselbe Cod. enthalt 
393 sqq. Sermo anon}ini de ascensione diii Inc, "* Summa prae- 
itae sollemnitatis festis praesentibus continetur etc. p. 399 de pen- 
oste. Inc. *Cum et sollemnitas diei et eultns dei ete. p. 413. Sermo 
Miymi de lohanne Bapt. = ed. Rom. app. p. 37. 

Gall. 347 s. X/XI (18 sermones und vielleicht auch noch andere 
[»nyme sermones in demselben Codex). Gall. 425 s. X p. 102 und 
8 (2 sermones). 

In natali S. Michaelis (= ed. Rom. p. 28a) Gall. 427 s. XII. 

Vgl. auch unter Sermones diversi. 

Orosu historiae. Gall. 621 s. IX (codex scriptus sub abbatc 
rtmoto). Bern. 128 s. X. Bern. 160 s. XI (ex libris P. Danielis 
relii 1564') mit prachtvollen Initialen. Der Titel fehlt theilweise, 
il das fast ein halbes Blatt grosse Initial ausgeschnitten ist. Schafh. 
s. XII. Einsidl. 3äl s. X/XI. Ferner im cod. Bern. 169 s. IX die 
ipitulationes libri huius sancti Horosii' bis cap. CCCCXVII de Placi- 
1 et moribus eins auf 14 Blättern (die Angabe bei Sinner unrich- 
). Wegen der nomina propria wird es der Mühe werth sein, 
se ziemlich ausführlichen capitulationes zu vergleichen. 

Jl ASCASiNi episcopi epistola ad Leonem papam (= in Leonis opp. 
Rom. 17S3 H, 18) Bern. 610 s. IX (X Sinn.) f. 73^—75. 

Paterii super Genesin lib. I c. 1 — 53 Gall. 241 s. IX. 

Paulim Nolam carmina. Gall. 573 s. X. 

Carmen eucharisticum in cod. Bern. 317 s. IX nu't der Aufschrift • 
capictikoc deo sub aephemeridis meae testu. Inc. Enarrare parans 

lorum labsa meorum Tempora Corporis in quacumque tui 

parte futurum. Ausgezeichnet schöne und rein geschriebene Hand- 
irift auf 14 Blättern. Das Gedicht fehlt in den Ausgaben der Werke, 
erschien zuerst gedruckt in der Appendix Bibl. Patrum Parisiis 
S9 und sodann besonders von Chr. Daum, Lips. 1681 und von L. 
ipziger, Vratisl. 1858. 



156 Halm. Die älteren Hnndstrhr. latein. RircheoTüter in der Schweiz. 

Pelaoii haeretici über de vita christiana cum brevi prologo. Inc. 
Vi ego peocator et iiltimus (= Fastidius de vita christiana 50, 383 
ed. M. und in Aug. opp. VI, 1031 ed. M.) Gall. 132 s. XI. 

Philippi epist. de Pascha (= Synodus Caesariensis de paschate 
in Isid. opp. ed. Arev. IIl, 5iö und in Bedae opp. ed. Col. II, 232) in 
Gall. 251 s. IX p. 14—18. 

Phoebadius de filii diuinitate vgl. unter Ambrosius de fide. 

PoRPHYRii versus ad Constantinuin Imp. hic. *Constantine decus 
inundi, lux aurea saecli etc. in Gall. 397 s. IX p. 121 sqq. 

Prosper Aquitanus. Epist. ad Augustinum (de querella Gallorum) 
Bern. 170 s. XI. In demselben Cod. Hilarii (sie!) ep. ad S. Augu- 
stinum (=Prosperi opp. p. 13 u. in Aug. opp. epist. num. 226). 

Confessio. Gall. 570 s. IX. 

De vita eontemplatiua libri III. Gall. 186 s. IX. Gall. 187 s. IX 
p. 164. Bern. 107 s. X (schöne u. correcte Handschr.). Bern. 685 s. 
IX/X (schlecht erhalten; scheint nicht vollständig). 

De promissis et praedictis libri III. Gall. 185 s. IX ineuntis, 
wahrscheinlich noch s. VIII (sehr schöne Handschr.). 

Expositio psalmorum a C. usque ad CL. Gall. 184 s. X f. 1 — 188. 

Epigrammata cum carmine ad coniugem suam. Gall. 187 s. IX 
p. 261-304. 

Epigrammata super sententias D. Augustiiii. Bern. 475 s. XI. 

De gratia et libero arbitrio ad Rußnum. Gall. 29 s. IX. p. 45—63. 
In demselben Cod. p. 64 — 120 Responsiones ad capitula obiectionum 
Vincentianarum, Gallicarum et Genuensium. 

Ad versus Cassianum (vulgo contra collatorem). Gall. 148 s. XI. 

Prosperi epigrammata auch in den codd. Eins. 233. 174. 193 
8. X et XI. 

Prudentii carmina. Gall. 134 s. X (mit deutschen Glossen). 
Gall. 135 s. IX/X (der Anfang des Cod. und liber II in Symmachum 
fehlen). Gall. 136 s. IX. Gall. 134 enthält auch noch eine vita ab 
ipso composita (=ed. Arev. p. 1), welche in 135 u. 136 fehlt. Ein- 
sidl. 23 s. X. Bern. 264 s. IX (oder X?), Capitalhandschrilt mit vielen 
Gemälden; s. die genauere Beschreibung bei Sinner I, 167 — 170. 



PeUgius — Sedulius. 157 

Bern. 394 s. IX; am Schlüsse stehen ein paar Gedichte von Alcimus 
Avitus und etliche von unbekannten Verfassern s. Sinn. I, 170 — 174. 
Die Gedichte des Prudentius sind voll von Scholien und Glossen von 
last gleichzeitiger Hand. 

De Psalmis. Interrogationes et responsiones de psalmis (von 
einigen dem Augustinus zugeschrieben). Inc. Interr. de psalmis quare 
psalmi dienntur. Inc. * Int. Quare psalmi dicuntur. Rp. quia per 
psalterium canebantur etc. Gall. 188 s. VII p. 6 — 10 in Uncialen. 

XvuFiNvs. Eusebii bist. eccl. per Rufinum translatae libri IX. Gall. 
547 s. XIII p. 95. Schafh. 41 s. XII. Lib. I c. 1 - 10 in Bern. 128 s. X. 

Dieselbe Übersetzung wahrscheinlich in cod. Eins. 163 s. VIII 
und 221 s. XI. 

RuRicn episc. Lemoviensis epistolarum libri II. Gall. 190 s. 
Vin/IX p. 132—277. In demselben Cod. aliquot epist. ad Ruricium. 

Sedulius poeta. Operis paschalis libri V. Gall. 197 s. X/XI 
p. 369 (nur lib. I-llI.) Gall. 242 s. IX p. 168. Gall. 877 s. IX p. 
125—203. Gall. 1395 s. X p. 458 (nur Ende von lib. I. u. Auf. libri 
II). Basil. 0, IV, 17 s. IX f. 12 in angelsächsischer Schrift. Bern. 
286 s. X/XI (fehlt bei Sinner). Bern. 267 s. IX, vorzugliche Hand- 
schrift; die Schrift leider stark verblasst, doch das meiste noch lesbar; 
nur lib. I — IV, auch dei' Anfang u. der grösste Theil von lib. I. fehlen. 

Epistolae et carmina. Gall. 877 s. IX. Carmina Gall. 197 s. X 
(IX?). Gall. 242 s. XI. Versus Sedulii in Gall. 120 s. X. 

Elegia (= 19, 753 ed. M.) Gall. 197 s. X/XI p. 392 (nur 2 
Verse vorhanden). Gall. 242 s. IX p. 243—247. 

Carmen de miraculis Christi s. hymni. Gall. 877 s. IX. 

Libri V in quibus Sedulius Carmen suum prosa reddit. Rhein. 
77 s. X/XI. Am Schlüsse heisst es : Expl. lib. V Sedulii de opere 
paschali. Darauf die Bemerkung: Hoc opus Sedulius inter cartulas diui- 
sum reliquit : quod reeollectum adunatum atque ad omnem elegaiitiam 
diuulgatum est a Turtio Rufo Asterio ex cons. ordine atque patricio 
quod et sequentes eiusdem indicant uersus. Sume sacer meritis etc. 
(= ed. Arev. p. 392). 



1 58 B a 1 M. Die iHeren üjod^chr. laicin. Kirckforäler ia der Sebveii. 

Sermoxes Duersorlm. Codd. (jall. 430. 431, 432 u. 433 s.iX 
entha)t(Mi Homiliae sruniiii patriim per siiigulas festiiiitateii in aniio, 
bestinders von Augii.vtiniis, Hieronymus, Gregorius, Leo, Maiiiiius. 
Amhrosiiis, ßeda und Hilarins. 

Bern. 47 s. XI enthält Honnliae in lestis seoruin von Beda. Au- 
gus>tinu^i, Hierunymus, An)bro^ins, Gregorius papa, Maxiiuiis, Chry- 
.sostomns, Leo papa, Johannes epise. : eine gleiche Sammlung enthalt 
der grosse und sehr sehön gesehriebene Bern. 114 s. XI (X Sinn.). 

Basil. B. IV. 26 s. X enthalt eine Sammlung Sennones e iiatiui- 
tate dni usque in oetauam penteeostes, und Basil. B, III, 2 s. X in. 
eine ganz ähnliche Sannnlung Sennones hiemales dinersonim patrum, 
besonders viele von (iregorius. Basil. B, VI, 3 s. X in. enthält verschie- 
dene sennones von Maxinuis, Leo ete. 

Skrmoxes Ahtoui'm IxcKRTonrM: in psalmum 1(17. Inscr. De 
psalmo ubi ilieit da nobis auxiliuni de tribulatione. Inc. ^ In nos l'ratres 
impletur prophetieum dauid ehxpiiunMpiod dicit ete. Gall. (41 s. X 
p. 52 — 61. — Super ep. ad Cor. 3, 14 Si cuius opus manserit 
(= August. (?) sermo 104, t. V, 1046 M.) «all. 213 s. IX 
p. 1dl — I5Ö. — Senno. ///r. *Fs kf B. Hieroninius memorans dixit: 
In prineipio creauil deus eaelum et terram ete. (iail. 221 s. VIII 
p. ItM. — De eoneordia. Inc. *In niultis sacrarum scriptuninim 
loeis admonet nos spiritus ete. (lall. 3. s. VIII p. o3l--i>40. — 
Sermo. Inc. Wudistis duorum filioruni pai*ab(dani Irs (<le tilio prodigo). 
(lall. 614 s. X. p. 2; in demselben Coil. ntK'h mehrere sennones auc- 
tornm ineertorum. 

Cod. 1073 s. IX/X in Schlettstadt enthält auf quateniio VIII. 
3 sermoni s : I ) Sermo de natale seae inariae matris doim'ni n. .1. Chr. 
*Ades nobis dileetissimi optatus dies: 2) alia omelia de nat. s(.*ae 
mariae. *Fratres karissimi. eelebritas hodiernae diel admonet ete. 
3) Item aliomilia (= Max. Taur. (?) hom. app. p. 43. Hildel'onsi (?) 
sermo 96, 260 AI. ete.) 

Seieriam aliquot epistolae et sennones. Gall. 103 s. IX. 

Smoxn Apolliwris epistolae et panegyrici Bern. 28ö s. XII 
(XI Sinn.). Die llandsehr. scheint ziendich l'ehlerhaft; nach den 
panegyrici folgen noch 3 Blätter Briefe mit gleicher Schrift (vielleicht 
verbunden) und mit der suhscriptioExpliciunt epistole Sydomi feliciter. 



Seuerianus — Tertuliianus. 159 

SuLPicius Severus. Vita S. Martini, HI eptstolae, III dialogi in 
cod. Schalli. 58 s. IX/X. Rhein. 36 s. X. Gall. 105 und 557, beide 
s. IX. Bern. 74 s. XI/XII.; Dialogus III auch in Basil. (0) IV, 17 
s. IX in angels. Schrift. 

Im cod. Sehat'h. folgen noch andere auf S. Martinus bezügliche 
Stücke, als: Inscriptiones metricae in basilica S. Martini (zu Tours?)» 
über S. Martini de trinitate (= Tom. 18, 1 1 ed. M), ferner aus Grc- 
gorius Turonensis: uita S. Bricii, de obitu S. Martini, 2 Relationen 
de transitu S. Martini, dann Quando corpus eius translatum est, 
endlieh eine Omelia in natale S. Martini 'Albini magistri'. Inc. 
*Postquam dominus noster etc. Dieselben Stfieke (mit Ausnahme der 
homilia Albini), die sich in Handschriften häufig beisammen finden, 
auch in cod. Rhein. 36 und Gall. 105 u. 557. Hingegen folgt im 
Bern. 74 die uita Martini Gregorii Turon. in 4 Buchern. 

Symphosii aenigmata metrica. Gall. 196 s. X p. 374. Gall. 273 
s. X p. 13. Cf. Karl Schenkl: Zur Kritik späterer lat. Dichter S. 7 ff. 



X ERTULLiANUs. Dc paticutia , de vera carne domini, de carne 
Christi, de carnis resurrectione, adversus Valentinianos, adv. Judaeos, 
de prescriptione haereticorum , de haeresibus, adv. Hermogenem , vita 
s. Symeonis monachi in dem Cod. von Schlettstadt num. 449 s. XI/XII 
(von Beatus Rhenanus durchcorrigiert). 

Fragmentum apologiae contra gentiles. Inc. Proinde ne paulo 
lenius inter inlicitas factiones etc. (= cap. 38 und der grösste Theil 
von cap. 39 in ed. Bas. 1521) in Rhein. 95 s. X (IX?) f. 175—184. 

Tractatus in epistolas D. Pauli. Gall. 330 s. IX. Codex axitpoXog. 
Pag. 2 Tractatus in epistolam ad Galatas. Inc. Apostolum se non 
ab hominibus electum etc. (= Com. in ep. Pauli ad Galatas in Ambr. 
opp. app. p. 209) p. 265 Schluss : haec subscriptio apostoli est con- 
firmantis epistolam missam. Expl. epist. ad Philemonem. 

De trinitate. * Quid sit trina deitas atque trinitas sie sub bre- 
aitate ueraciter mea patenter probat pusillitas etc. Bern. 584 s. X cf. 
Sinner 111, 429. 



160 Halm. Die filteren Hundschr. lateüi. Kirchenväter in der Schveii. 

Valerii Cimeliensis episc. über de boiio diseiplinae (in P 
Chrysologi opp. p. 217 und in Aug. opp. VI, 1219 ed. M.) Gall. 
s. IX/X p. 16. Gall. 184 s. X p. 197. 

VkiILii Tapsensis contra Ariaiios dialogus (s= 62, 179 M.) ( 
90 s. IX mit der Anfsclirift: Afhanasii altercatio cum Arrio, Sab 
et fotino hereticis et Hieroniini cum Luciterinno. toi. 1 Altere 
Athanasii etc. f. 116 Seiitentia iudieis Probi. f. 131 i). Hieroi 
aduersus Lueiferianum bereticum epistola. Die Handschrift stimmt 
der von Cbifflet besorgten Ausgabe ; denn es gibt mehrere Recensif 
dieser Schrift. 

Dieselbe ist auch in der prachtvollen Handschrift 116 der ( 
tonsbibliothek von Zürich s. IX enthalten. 

W ALTRA3IMI carmiua. Gall. 197 s. X. Gall. 381 s. X/XI p. 
bis 151. 

Nachtrag. Aratoris historia apostolica steht auch im < 
Bern. 286 s. X/XI, welche Handschrift bei Sinner ganz übergangen 



Zu LaotMitio« de mortibus penecutorum. 161 



Zi Lactantiiis de mortibiis persecntomm. 

Von Dr. i. lalm. 

Da die Pariser Handschrift Nr. 2627, aus welcher Stephan 
Baluzius zuerst die Schrift des Lactantius de mortibus persecu- 
iorum herausgegeben hat, auch von anderen berühmten französischen 
Gelehrten, einem Le Nourry und Lenglet-Dufresnoy, benützt 
wordea ist, so Hess sich nicht erwarten, dass eine neue Vergleicliung 
des codex unicus irgend eine namhafte Ausbeute hefem werde. Be- 
finde sich die Handschrift in einer deutschen Bibliothek, so dürfte 
man überzeugt sein, dass bei ihrer Benützung auch nicht ein Apex 
übersehen worden wäre. Wenn ich dessen ungeachtet mir eine Ab- 
sehrifl des Codex habe besorgen lassen, so geschah es nicht in der 
Erwartung neue Lesarten zu erhalten, sondern es war mir um ein 
getreues Abbild der Handschrift zu thun, um bei der Bearbeitung der 
stark verderbten Schrift mit möglichster Unbefangenheit zu verfahren. 
Herr Andreas Laub mann, ein früheres Mitglied des hiesigen 
philologischen Seminars, der sich dieser Arbeit unterzogen, hat sieh 
durch seine musterhaft sorglaltige Copie der Handschrift, die alle 
Abkürzungen aufs genaueste wiedergibt, ein grosses Verdienst um die 
eben so schwierige als interessante Schrift erworben. Durch dieselbe 
Werden nicht blos manche Ungenauigkeiten und Unrichtigkeiten in 
den bisherigen Relationen berichtigt und einige Übersehen nachge- 
tragen, sondern sie gibt auch für die Verbesserung mehrerer 
schlimmer, besonders lückenhafter Stellen einige beachtenswerthe 
Fingerzeige. Um zuerst eim'ge Nachträge von nicht bemerkten Schreib- 
arten zu geben, so hat der Codex c. 19 reda (nicht rheda), 26 
oportunUaiem nanciif 29 recciderunt, 36 in ipso fretu, wie die 
besten Handschr. bei Cic. Verr. V. §. 196 und p. Seslio §. 18, 
C.48 constterant{9i,consueuerani), wie in demselben Capilel consu- 
eruntf was Lenglet-Dufresnoy allein angibt. Ein richtiges est wurde 

SiUb. d. phU.-1iist Cl. L. Bd. U. Hft. 11 



162 Halm 

an drei Stellen übersehen e. 18 cui nox pro die est et dies pro 
nocte, 48 exlr. hortatus est und 50 extr. praecipitata est. An den 
zwei letzteren Stellen steht es zwar im Texte, aber mit der aus- 
drücklichen Angabe von Lenglet, dass est im Cod. fehle, weil er die 
bekannte Abkürzung^, die sich an allen drei Stellen im Cod. findet, 
nicht verstanden hat. Hingegen hat sich ein falsches et eingeschwärzt 
c. 2 Petrum cruci adfiarit [et] Pauium interfecit, ebenso 27 vor 
Severi exitium metuens ; c. 5 schreibt Lenglet direpta (I. derepta) 
est ei cutis et exuta visceribus pellis est infecta rubra colore, und 
bemerkt über est vor infecta: 'est non legitur in MS., sed tantam adest 
virgula quaedam'; der Codex hat aber pellis! infecta, also blos ein 
Interpunctionszeichen nach pellis, das in gleicher Gestalt in der Hand- 
schrift unzahlige Male vorkommt. Cap. 26 sehreibt Lenglet: Severum 
arcessit et hortatus ad recipiendum imperium,mittU eum cum exer^ 
citu Maximiani ad expugnandum Maxentium, mit der Bemerkung: 
* arcessit et hortatus MS. Potest tarnen legi hortatus vel hartatur.* 
Aber der Cod. hat deutlich areessiit hartat'' (nicht hortat*}, so dass 
arcessit, hortatur zu lesen ist, wie auch im folgenden das Praesens 
historicum fortgeht. 

Hingegen wurde ein ^ c. 10 übersehen, wo man gewohnlieh 
liest: datisque ad praepositos literis etiam milites cogi adnefanda 
sacrißcia praecepit, ut qui non paruissent militia solverentur. 
Statt des unpassenden lä hat der Cod. richtig in loser Anknüpfung : 
et (sc. praecepit) qui non paruissent m, solverentur. 

Neue beachtens- oder wenigstens erwähnenswerthe Lesarten 
sind ferner folgende: c. 12 uicit sententiam Diocletianus, e. IS 
g. E. statimque perductus, was im Sinne von 'abgefOhrt' lu 
stehen scheint, wie c. 15 deducebantur, c. 21 non decuriones modo 
(in dieser Wortstellung), c. 24 lam propinqnauit Uli iudicium dei 
secutumque lempus est, quo res eius delabi (etwa im Sinne von 
'abnehmen, in Verfall gerathen'?) ac fluere coeperunt, c. 32 sese 
(statt se, sehr passend) priorem esse debere, c. 33 indueta tarn 
cicatrice scindit vulnus, woraus sich die sichere Verbesserung 
scinditur ergibt, c. 38 uicit officium linguae sceleris magnitudo 
c. 45 hos . . ui et oppugnatione terrere, ne tarnen quiquam {nicht 
nee t. quicquam) uis aut promissa ualuerunt , c. 49 ibi cttm iam 
terra murique premeretur, non (nee edd.) ullum speraret refu" 
gium, welche Lesart man bei der Vorliebe des Autors fQr zwei- 



Zu Lactantiut de mortibiu penecutorum. 163 

gliedrige Asyndeta nicht wird verschmähen dürfen. Cap. 23 Mendici 
super er ani soli^ a quibus nihil exigi posset, quos ab omni gener e 
iniuriae tuios miseria et infelicttas fecerai. atqui homo pius 
misertus est Ulis, ut non egerent. cangregari omnes inssit et ex^ 
portaios naviculis in mare mergi. So sind die Worte in den mir 
Torliegenden Ansgaben interpungiert Richtiger hat die Handschrift 
Interpunction nach misertus est illis, so dass ut non egereni zum 
folgenden Satz gezogen ist. 

Von unrichtigen Angaben oder falschen Lesungen sind zu 
bemerken c. 3, wo der Cod. deutlich inuisa dominationem hat, nicht 
imiustam, wie Lenglet meint dass man auch lesen könne; c. 21 hat 
der Codex trä (d. i. terram) nicht era^ 36 diuersas ripas armati 
(nicht armata) tenebant . c. 40 inqd (d. i. inqtnd für inquit), nicht 
in quodp 52 ganz deutlich seruet ^iam (etiamj , ohne Spur von 
etemam^ so dass man seruet iam 'dass er sofort (hinfüro) erhalten 
möge' wird schreiben müssen; c. 20 heisst es bei Lenglet unrichtig: 
sed eum Caesar em facere uoltiit, ne filium nominaret, vel ut por^ 
tea in Constantii locum nuncuparet August um atque fratrem^ 
mit der Bemerkung: 'post nominaret in Mscpt. est vacuum spatium 
duarum litterarum, quas credidi fuisse ul' etc. In der Handschrift 
ist aber keine Spur eines freien Raumes und jeder Zusatz gegen den 
Sinn der Stelle. Eine ähnliche unrichtige Angabe, die sich erst bei 
Lenglet findet, ist, dass c. 35 g. C. in den Worten idque cognitum 
Nicamediae ane mensis eiusdem vor mensis ein leerer Raum von 
zwei Buchstaben im Cod. zu sehen sei (s. dagegen die Ausg. von 
Ueoadnn}, was den Herausgeber bestimmte Id, einzusetzen. Die 
Handschrift hat aber nicomedie mensis ohne Spur einer Rasur oder 
eines freien Raumes vor mensis, so dass wohl so zu schreiben sein 
wird: idque cognitum Nicomediae ^^ die mensis eiusdem. Durch 
das überspringen von diae auf die ist auch der numerus des Tages 
ausgefallen. 

In der Schilderung der Schlacht auf dem campus Serenus c. 46 
las man früher sehr ungeschickt : Liciniani . . ad caelum manus 
tendunt praeeuntibus praepositisy et post imperatorem precem 
dicunip well man die Abkürzungszeichen für post und pro verwech- 
selt hat; ohne die Lesart der Handschrift p imperaiore zu kennen, 
hat der treffliche Heu mann, dessen schöne Emendationen man all- 
zu wenig gewürdigt hat, richtig pro imperaiore verbessert. In dem 

11' 



164 Halm 

Decret des Constantiniis und Liciniiis c. 48 las man früher: Atqui 
hoc insuper in persona Christlanorum stahiendum esse censumuSt 
quodf si eadem locn , ad quae antea convenire consnerani . . , pri- 
ore tempore aliqui vel a fisco nostro vel ab alio quoenmque videiH 
tur esse mercati, eadem Christianis sine pecunia.. resiiiuant 
Dafür schrieb Leiiglet restUuanfur mit der Bemerkung: 'Sic MS. 
Prisei editi habent restituanf. Lenglet*s Lesart ist in die späteren Aas- 
gaben übergegangen. Aber der Cod. hat keine Spur von einem Häk- 
chen nach restituanf; dass so Lact, geschrieben hat, zeigt auch die 
Übersetzung bei Euseb. bist, eecles. X, 5 : ev' et Tiveg . . (paivoivro 
iiyopaxGTeg TOVTOvg^ Tocg auTOcg yoi<jri(xvolg ävev dpyvploxj . . dnoxa^ 

Auch am Schlüsse des Capitels gibt Lenglet eine neue Lesart 
aus dem Codex: cum beatitudine nostra publica, ohne zu bemer- 
ken, dass der Schreiber nostra als Wiederholung des rorhergehen- 
den successibus nostris selbst gestrichen hat. Eine ähnliche nicht 
bemerkte Wiederholung eines noster findet sich in der Handschrift 
c. 48 g. E. ut huius nostrae beniuolentiae nostrae sanctio latere mm 
possit. Die Ausgaben haben benevolentiae nostrae ; dass aber das zweite 
nostrae zu streichen ist, zeigt die genau sich anschliessende Über- 
setzung des Edicts in Euseb. bist. eccl. X, S: raOrTj^ rr^q ^luripa^ 
xa'koxayci^iai; ri v&juic^sda. Auch cap. 49, wo es heissen muss 
*Tarsum postremo confugit. ibi cum inm terra marique pre- 
meretur^ etc. hat Lenglet Verwirrung durch eine falsche Relation 
aus dem Cod. angerichtet. Da nämlich das letzte Wort nur mehr 
zur Hälfte in der Handschrift sichtbar ist, meinte er eher peiereiur 
lesen zu müssen; allein in der Abschrift des H. L. steht ganz 
deutlich pmeretur, mit der Bemerkung, dass die untere Hälfte des 
Wortes und der entscheidende Strich über p noch sichtbar seien. 

Von Belang ist auch eine Anzahl von Varianten, die man als 
scheinbar nutzlose übergehen zu dürfen glaubte. Cap. 8 las man 
bisher: Quid frater eins Maximianus, qui est dictus Hercfdiusf 
non dissimilis ab eo : nee enim possent in amicitia tarn fideK 
cohaerere, nisi esset in utroque mens una. Hier hat man wohl 
bemerkt, dass der Cod. fidele hat, nicht aber, dass in ihm auch 
amicitia steht , so dass zu schreiben ist iti amicitiam tarn fidelem. 
Wollte man amicitia fideli corrigieren, so müsste auch noch i« ge- 
strichen werden. — c. 18 hat der Cod. nicht eomm sententia, son- 



Zu LacUntius de mortibus persecatorum. 165 

dem corwn «. was bei dem wiederholten Vorkommen yon co für quo 
in der Handschrift oder umgekehrt *) auf quorum senieniia hinweist. 
Diese Beobachtung führt auch auf die Verbesserung eines sprach- 
lichen Fehlers c. 18, wo man bisher las: Ai ille qui orbem totutn 
tarn ^pe invasetat (innenerat cod.), cum sibi aut nihil praeter 
nomen aut non mulhim videbat accedere, respondit. Aber die 
Handschrift hat nicht cm, wie sonst immer geschrieben ist, sondern 
^t (daher cum inde nach falscher Auflösung in den älteren Aus- 
gaben), in welcher Schreibung wohl nur qm d. i. quoniam zu er- 
kennen ist. — Als ein locus conclamatus galt bisher die Stelle c. 27: 
urbe munita et rebus coeptis inimicis diligenter instructis pro- 
ficiscitur in Gallium (Herculius) , ut Constantinum partibus suis 
eonciliaret etc. Je schwieriger die Verbesserung dieser Worte 
scheint, desto weniger durfte unbemerkt bleiben, dass die Handschrift 
eeptis inimi ^Hf eis hat und vor eis' die Sylbe ci ausradiert ist. Diese 
Spur scheint darauf zu fuhren, dass die Stelle so zu ordnen sei: urbe 
munita et rebus eoeptis inimicitiis (nach dem Ausbruch der Feind- 
seiigkeiten) diligenter instmcta, — c. 27 hat der Cod. in den 
Worten: 'ferebat iniquo animo senex^ quod non posset libere 
faeere quod vellet* nicht quos uellet, wie berichtet ist, sondern 
quo Hellet» was näher auf das richtige quae uellet fuhrt; vgl. c. 18 
ita fiel ut ego nonpossim faeere qnaevelim. Zu den Worten c. 31 : 
'qua vexatione generis humani exactio celebrata sit, maxime rei 
annonariaef ecquis enarrare digne potest?* ist bemerkt, dass der 
Cod. die Lesart et quis habe. Allerdings, aber so: rei annonaria 
Et quis, so dass vielmehr rei annonariae^ quh zu verbessern 
seheint Cap. 37 schrieb Lenglet: dono suis dabat, [prout'] quisque 
petierai aliena, unter Einsetzung von prout, ohne zu erwähnen, 
was schon ein Ungenannter richtig bemerkt hat, dass im Cod. steht 
dabatur (dabaf') quisque* woraus sich die Verbesserung dabat, ut 
quisque von selbst ergibt. Cap. 38 las man bisher ohne Anstand: 
nam fere nullus stipator in latere ei nisl ex gente eorum , qui a 
gothis tempore vicennalium terris suis piilsi Ma.ciminiano se tra- 
diderunt, malo generis humani , ut Uli barbaram servitutem fugi- 



<) So steht sweimal c. 3 u. 48 co ffir quo, eben so condam c. 15 u. 27 für fptontlam, 
c. 52 loeor f3r loquor; hingegen c. 7 quoaequare und c. 8 quohcrere für coacquare 
«od cokatrere, c. 37 quoquis statt coquis. 



166 llulm 

etUes in Romanos dmninarentur. Aber die Handschrift bat die k»- 
aehtenswerthe I^esart barbarü seruituie^ also wohl barbarorum *) 
aervUniemf was auch einen besseren Gegensatz zo tu Ramamai 
bildet. C. 47 pars auiem (exereitus) uel dedüa nel in fuga e uena 
e, woraus zu verbessern ist : in fuga cuersa est. Cap. 49, wo Leng- 
let sinnlos schreibt: cnius (veneni) vis, referto stomacho reptreussa^ 
valere nonpotuit in praesens, sed in languorem malum versM 
pesiilentiae similem, ut diutius protracto spirüu emeiamenia smh 
tiref ist die Angabc unrichtig, dass der Cod. die Lesart uerso hake; 
er hat vielmelir uerse, was man richtig in sed in languorem malum 
uersü e (est) pestilentiae similem bereits verbessert hat. 

Auch für die Ergänzung einiger Lucken, die in der Handschrift 
durch Verletzung des Pergaments entstanden sind, hat sich die neue 
Abschrift nutzbar erwiesen. In der Schilderung von den kannibali» 
sehen Ausschweifungen, die sich Maximinus anf seinen Zügen im 
Orient erlaubt hat, heisst es Cap. 38: postremo kunc tarn hukh 
xerat morem , ut nemo uxorem sine permissu eins duceret, wt ipse 
in Omnibus nuptiis praegustato^ esset, ingenuas virgines oervis 
suis donabat uxores. sed et comites eius sub tali principe imkor 
bantur . . . suorum cubilia impune violabant. Die Lücke gibt 
H. Laubmann genauer als man bisher wusste, so an: imiiabai^ 
sillllllHlHiillHilllll suorü; vor dem Riss sind noch zwei Buchstabe! 
si sichtbar, vor suorum noch der untere Rest eines u. Dass aber die 
an und für sich unpassende Ergfinzung ciuiü oder domeslicwi 
nicht richtig sein kann, zeigt ein herabreichender Strich drei oder 
vier Linien vor dem Reste des u, der auf einen Buchstaben /*, p oder 
q schliessen lässt. Wir vermutheten auf diese Angabe hin sogleich 
hospitum , und fanden dieses so ganz passende Wort bereits voa 
Heumann vorgesehlagen. Bei der weiteren Ergänzung, die nöthig 
ist, hat man übersehen , dass imitabantur ohne Object nicht stehen 
kann. Der Anfang des vermissten Wortes ist in den zwei Buchstabem 



*j Vielleicht jedoch ist barbanim geradezu niifxuoehmen. Dieselbe Genetivrann babca 
bei Nepos Milt. 2, 1 und Aicih. 7, 4 die zwei besten Handschriften, der cod. Par- 
censis und <!ueirerb., sn der ersteren Stelle auch der cod. P. Danielis. Andere Bei- 
8|tiele dieser mehr euphonischen Form werden sich bei weiterer Beobiicktosf 
eben so put h'nden, als die Form liberum (von liheri 'Kinder*) jetxt durch z«hl- 
reiclio Keispivic uun den besten Handwchriften des Cicero sicher beglaubigt ist. 



Za LacUntius de morUkus persecutorum. 167 

nach imitabaiur zu suchen, die, da ihr oberer Theil fehlt, eben so 
gut $i als gt gelesen werden können ; wir schreiben ohne Bedenken : 
imUabaniur stfupra et hospitum] suortim cubilia impune mola- 
baut, — Eine andere Lücke cap. 40 konnte nicht richtig ergänzt 
werden, weil ein dastehendes Wort von dem ersten Herausgeber 
falsch gelesen war und kein späterer Benutzer der Handschrift die 
seltsame Verwechslung berichtigt hat. In der Handschrift steht : 
inrogantur tormenta iudeo. - die que iussusiimillHlllIHlHHlloquerentur 
pugnis a tortorib ; coerceni^. Da man statt die, d. i. dicU, im Codex 
du gelesen hatte, mussten die Ergänzungsversuche schief ausfallen; 
ich selbst habe versucht : inrogantur tormenta Judaeo: dicU quae 
iu*9us erat (oder fuerat) : illae ne obloquerenlur pugnU atertoribus 
coercentur. — Auch 45 ist in den Worten zu Anfang des Capitels : 
' Constantinus rebus in urbe compositis hieme proxima Mediotar 
num eontendit' die Schreibung contendit nicht richtig, da die* Hand- 
schrift so hat: coillimit; vor it ist noch ein Buchstabenrest vorhan- 
den, der nicht einem dt sondern s angehört: es ist daher concessit 
zu sehreiben. 

Auch ohne diese* neuen Resultate bliebe der Werth der genauen 
Abschrift ein bedeutender, weil es bei manchen sich widersprechen- 
den Angaben und bei den Ungenauigkeiten in der Hauptausgabe von 
Lenglet-Dufresnoy schwierig wäre , überall mit Sicherheit den Be- 
fund der Überlieferung anzugeben. 



1 68 Halm 



Zn Hinncins Felix. 

Von Dr. i. lalm. 

Die schöne , aber wegen grosser Verderbnisse des Textes 
schwierige Schrift 'Octavius' des Minucius Felix hat sieh bekannt- 
lieh als achtes Buch des Arnobius erhalten. Man kennt Tom Arnobius 
und Minucius Felix nur zwei Handschriften, die Pariser und Brussler, 
welche letztere jedoch enfveislich nur eine Abschrift der Pariser ist, 
also für die Kritik nicht in Betracht kommen kann. Ob ausser diesen 
beiden noch eine dritte jetzt verschollene existiert habe , aus welcher 
die editio princeps Romana vom J. 1543 geflossen, ist streitig. Mich 
haben die Gründe, die Ed. de Muralto in seiner Ausgabe des Minucius 
Felix (Zürich 1836) p. X sqq. für Annahme einer dritten Hand- 
schrift beibringt, nicht im mindesten überzeugt; ich bin vielmehr der 
Ansicht, dass die editio princeps auf einer lüderlichen Abschrift des 
codex Parisinus beruhe und dass die wenigen Verbesserungen, die der 
schwer verderbte Text in ihr gefunden hat, solcher Art sind, dass sie 
von einem jeden mittelmässigen Kenner der lateinischen Sprache und 
alten Literatur leicht gemacht werden konnten. 

Indess , wie man auch darüber urtheilen möge , so sind jeden- 
falls alle Abweichungen der editio princeps in den vielen schlimmen 
Stellen der kleinen Schrift der Art, dass aus ihnen für die Ver- 
besserung des Textes nichts zu gewinnen ist; zu dessen Recension 
kann blos die Pariser Handschrift dienen. Sie ist zuerst durch Heraldus, 
genauer durch Rigaltius bekannt geworden, aber es waren nur einzelne 
Abweichungen, die man von der editio princeps erfuhr, eine vollstän- 
dige Collation des Codex ist bis auf Ed. de Muralto , einen Schüler 
Orelli's, nicht bekannt geworden. Wer dessen Ausgabe kennt, muss 
meinen , dass ein getreues Abbild des codex unicus vorliege ; denn 
Muralto hat eine Abschrift des Codex genommen und diese mit nur 
geringen, in den Noten mitgetheilten Abweichungen abdrucken lassen. 



Zu MiDucius Felix. 1 69 

Da der Text als solcher unbrauchbar ist, indem auch die offenbarsten 
Verderbnisse ohne Berichtigung geblieben sind und der Herausgeber 
zur Verbesserung des Textes auch nicht das mindeste beigetragen 
hat, so wäre es jedenfalls .besser gewesen, keinerlei Abänderung 
zu treffen und den Codex mit allen Fehlern abdrucken zu lassen, wie 
z. B. Orelli mit der Amerbachischen Abschrift des codex Murbacensis 
des Velleius Paterculus gethan hat. Dass jedoch auch an solchen 
Stellen, wo keine Variante in den Noten angegeben ist, kein völliger 
Verlass auf Muralto*s Abschrift zu hegen sei, Hess die von Hildebrand 
zum Arnobius p. 633 ff*, mitgetheilte Collation erkennen, wiewohl aus 
anderen Indicien sicher hervorgieng, dass sich in Hildebrand*s Mit- 
theilungen manche grobe Verstösse eingeschlichen haben. Bei solcher 
Sachlage schien eine nochmalige Vergleichung des als unicus zu be- 
trachtenden Codex als eine unerlässliche Arbeit, die Herr Laub- 
mann mit grösster Genauigkeit besorgt hat. Wiewohl die Handschrift 
sehr deutlich geschrieben ist und nur wenige Abkürzungen und 
Änderungen von spateren Händen enthält, hat die neue Collation doch 
mehrere sehr erwünschte Nachträge geliefert. Von älteren Schreib- 
arten hat Muralto viele übergangen, wahrscheinlich weil er sie als 
blosse Schreibfehler ansah, so umor 2, 3 und 34, 3, harena dreimal» 
farmidulosus 5, 6, exalare 5, 9, plebei hominis 7, 3, in contione 8, 
3, ingemescendum est 8, 3, tneter 9, 5, locuntur 9, 6, conüi 17, 1 
u. 26, 12, eonexus 17, 2, conuhium 31, 3, pilleatvs 24, 3, faci- 
nerosus 25, 2, penitere (st. puenitere^ ^wv^Xio poenitere) an drei 
Stellen, delüiscunt 27, 1, afluant 37, 7. Die interessanteste Variante 
der Art ist 28, 1 quam autem i nie um sit. Dieses inicum muss dem 
Herausgeber der ed. princ. als ein spanisches Dorf erschienen sein; 
er fälschte daher den Text durch die nutzlose Conjectur: Quantum 
autem uiiium sii. Die übrigen wichtigeren Varianten sind folgende : 
3, 3 steht das bedenkliche crispis torosisque . . erroribus (sc. un- 
darum) delectati nicht ganz so im Codex, sundern taro ^^ sisque^ 
wodurch die nothwendige Verbesserung ioriuosisque grössere Wahr- 
scheinlichkeit erhält. 4, 4 hat der Codex : de Mo integro mihi cum 
Octauio res est^ mit et von jüngerer Hand über toto. Die Conjectur 
ist schwerlich richtig, sondern vielmehr toto als Erklärung von integro 
zu streichen, von welcher Art von Glossemen mehrere ganz sichere 
Beispiele in der kleinen Schrift vorliegen, wie 3, 6: ut illud iaculum 
uel dorsum maris räderet [uel enatarell , dum leni impetu labitur. 



170 Hai. 

uel mmmis fluctibus tonsis emiearet [emergerei]^ wo Bursiflil suerst 
die Glosseme erkannt hat; 16, 3 proeul est ab eius [subtiUiaie] 
simplicUate subtüU urbanitas, 20, 4 fera» [homines]^ 21 , 4 Lege 
stoicorum scripta [uel scripta sapientiumi] , 27, 2 isii igitur impuri 
Spiritus [daemones'], 27, 5 plerique [pars^ uestrum etc. — 5, 14 
hat der Codex statt es timere in Einern Wort estimere; eine spatere 
Hand setzte unter es ein Häkchen {= aestimere^ * woraus die aln 
scheuliehe Lesart existimere der ed. prineeps entstanden ist. 7, 3 
hatte die Handschr. richtig ursprunglich mater idea (st. Idaea), aber 
I ist wegradiert, daher mater dea in der ed. princ. ; die Schreibart idea 
hat der Codex auch 20, 9. Cap. 8, 5 stand ursprünglich pro mira stul- 
titiatn et incredibilis audacia* was durch Rasur in pro mira stuliitiä 
et incredibili aud. geändert erscheint, weil ein Leser pro als Pfae-' 
Position ansah. Wenn der Vorschlag auch als etwas kühn erscheint, 
so hat es doch grosse Wahrscheinlichkeit, dass Minucius Felix nach 
gewöhnlichem Sprachgebrauch pro mira stultitiam et incredibite 
audaciä geschrieben hat. — Die Abkürzung er (für erunt) ist 
viermal falsch in ere aufgelöst wordeir (^profuerunt 21, 2, noc^ 
erunt 22, 1, tetigerunt 20, 7, nouerunt 33, 1); nur an einer 
dieser Stellen hat der Abschreiber des cod. Bruxell. richtig teti" 
gerunt gelesen. — 21, 9 hat der Codex nicht Cybelae diudyma 
pudet dicere, sondern cybele dyndima» wie auch in der ed. princ. 
steht, welche geringe Abweichung insofern von Bedeutung ist, als 
die wahrscheinlichste Verbesserung der corrupten Stelle noch immer 
die alte des treiflichen Gelenius de Cybele Dindymena erscheint — 
27, 6 gibt Muralto zwar richtig an, dass in den Worten 'ipsis testi- 
bus , esse eos daetnonas , de se uerum confitentibus eredUe* de se 
uerü confilentibus über der Zeile steht, yerschweigt aber, dass nach 
credite das Wort f'essis ausradiert ist. iMan wird also credite confessis 
zu lesen und die Worte de se uerwn confitetUibus als einen verun- 
glückten Emendationsversuch zu beseitigen haben. — c. 37, 9 lesen 
die neueren Ausgaben: Rex es? et tarn times quam timerisr et 
quamlibet sis multo comitatu stipatus^ ad periculum tarnen solus 
es. Diues es? sed fortunae male creditur etc. Wegen des Paral- 
lelismus diues es? sed hat Rigaltius richtig verbessert Rex es? sed 
tarn times, ohne zu bemerken, dass so wirklich in der Handschritt von 
erster Hand steht. Diese hat nemlich eet (i. e. esset) tarn (daher in der 
ed. princ. esse tarn), wofür eine jüngere Hand es tarn mit Ausradierung 



Zu Minuc'ius Felix. 171 

von gesetzt hat. — c. 38, 2 las man bisher: Snne quod caput 
non coronamus, ignoscite: auram boni floris naribus ducere, non 
oecipüio capillisue solemus haurire. Das seltsame Prädicat boni 
floris hat der Cod. nur durch Correctur; die Lesart der ersten Hand 
auram bona floris weist darauf hin, vielmehr auram bona floris zu 
schreiben. 

An allen Stellen, wo wegen abweichender bestimmter Angaben 
sich noch ein Bedenken über den Befund der Überlieferung erheben 
konnte, hat H. Laubmann die Güte gehabt die Handschrift nochmals 
einzusehen. 



TeraeichnU« der eingegangenen Druckschriften. WTo 



VKBZK1CBNI8S 

DER EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. 

(MAI 1865.) 

Academie Royale de Belgique: Bulletin. 34*- Annee, 2** S^pie, Tome 

19, Nr. 3. Bruxelles, 1865; So- 
Akademie der Wissenschaften, königl.-bayer. , zu Mönchen : Ab- 
handlungen der philos.-philog. Classe. X. Band« 2. Abthl. (Nebst 
den zugehörigen Separatabdrücken.) München, 1865; i^' — 
Plath, J. H., Chinesische Texte. Abthlg. II. Der Culus der alten 
Chinesen. (Abhdlgn. Bd. IX. Abth. 3.) München, 1864; 4o- 
— Thomas, G. M., Die Stellung Venedigs in der Weltge- 
schichte. Rede, gehalten am 2S. Juli 1864. München, 1864; 
4©. — Lieb ig, J. Freih. v., Induction und Deduction. Rede 
gehalten am 28. März 1865. München; 4o* — Döllinger, J. 
V., Konig Maximilian II. und die Wissenschatt. Rede, gehalten 
am 30. März 1864. München, 1864; 8^- 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. XII. Jahrg. 
Nr. 2 & 3. Nürnberg, 1865; 4« 

Domin-Petrushevecz, Alphons v. , Die Justizreformen in Öster- 
reich seit dem Regierungsantritt Maria Theresia's (Österr. 
Revue, 1865, III. Bd.). 8o. 

Gerhard, Eduard, Über den Bilderkreis von Eleusis. III. Abhandlung. 
(Abhdlgn der K. Pr. Ak.d. W. zu Berlin 1864.) Berlin, 1865; 4«. 

Gesellschaft, allgemeine geschichtforschende , der Schweiz : 
Archiv für Schweizerische Geschichte. XIV. Bd. Zürich, 1864; 
80- — Anzeiger. IX. Jahrg. 1863. Nr. 1—4; X. Jahrg. 1864. 
Nr. 1 — 4. Zürich; 8«* — Schweizerisches Urkundenregister. 
I. Bd., 2. Heft. Bern, 1865; 8«- 

Gomperz, Theod. , Philodemi Epicurei de ira liber. Lipsiae» 
MDCCCLIV; 8». — Herkulanische Studien. L Heft. Leipzig, 
1865: 8o- 



1 76 Verzeichniss der eingegangenen Drnc* Schriften. 

Hamelitz. V. Jahrg. Nr. 14—18. Odessa, 1865; 4o. 

Katalog der Bibliothek der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt 
Wien. (Nach dem Stande vom 31. December 1864.) Wien, 
1865; 8«. 

K r e i s-V e r e i n , historischer, im Regierungsbezirke von Schwaben 
und Neuburg: 27 & 28. combinirter Jahres-Bericht. Augsburg, 
1862; 8». — Mezger, M., Die römischen Steindenkmäler, In- 
schriften und Gefiissstempel im Maximilians-Museum zu Augs- 
burg. (Zum 27. Jahresberichte gehörig.) Augsburg, 1862; S\ 

Mittheilungen aus J. Perthe s' geographischer Anstalt. Jahrg. 
1865. 3. Heft, nebst Inhaltsverzeichniss für die Jahrgänge 1855 
—1864. Gotha: 4o. 

Palacky, Franz, Geschichte von Böhmen. I. Bd. Prag, 1864; 8».— 
Archiv Cesky cili star^ pfsemn^ pamätky ceske i morawske. 
Dil V., Swazek 21—25. W Praze, 1852—1864; 4«. 

Reader. Nr. 122—124, Vol. V. London, 1865; Folio. 

Stern, M. E., Tofet und Eden oder die Divina Commedia des Im- 
manuel ben Salomo aus Rom. Wien, 1865; 8^, 

Viaggio intorno al globo della fregata austriaca Novara negii anni 
1857, 1858, 1859. Tomo »I. Vienna, 1865; gr. 8«. 



VenciehBUt der eingegangen«» Druckschriften. 173 



VSUBICHNISS 

DER EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. 

(APRIL 1865.) 

Anibros, Aug. Wilh., Geschichte der Musik. I. & IL Bd. Breslau» 

1862 & 1864; 8: 
Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. N. F. X. Jahrg. Nr. 3. 

Nürnberg, 1865; 4*. 
Archives des missions scientifiques et litt^raires. IP. Serie. Tome l\. 

3*. Livraison. Paris, 1868; 8*. 
Ellero, Pietro, Giornale per Fabolizione deila pena die morte. 

XI. Bologna, 1865; 8: 
Gesellschaft, Schi. Holsi-Lauenb. , für vaterländische Geschichte 

& Alterthümer: Jahrbficher. Band VIB, Heft 2 & 3. Kiel, 1864; 

8o. _ 24. Bericht. Kiel, 1884; 8». 
Hahn, J. G. y.. Die Ausgrabungen auf der homerischen Pergamos. 

(Mit 4 Tafeln.) Leipzig, 1865; 8o. 
Hamelitz. IV. Jahrg. 1864/5, No. 45—51; V. Jahrg. 1865/6, 

Nr. 1—13. Odessa; 4«. 
•Jahresbericht (VII. & VIII.) des germanischen Nationalmuseums. 

Nürnberg, 1861—1862; 4o. 
K reis -Verein, historischer, im Regierungsbezirke von Schwaben 

und Neuburg: 29 & 30. combinirter Jahresbericht für 1863 & 

1864. Augsburg, 1865; 8«. 
"^iklosich. Fr., & Jos. Müller, Acta et diplomata graeea medii 

aem aacra etprofana, Volumen IlL Vindobonae, MDCCCLXV; 

«0. 



174 VeneichwM der eiBgegaB|^ca«i I^rackMltfifteB. 

M i k 1 s i c h , Fr. , Lexicon palaeoslovemco-graeco-laiinum emen- 

datum auchim. llndobonae^ 1862 — 1865; gr.-8*. 
Mittheilongen der L k. Central-Commission zur Erforschung and 

Erhaltung der Baudenkmale. X. Jahrg. März — April. Wien» 

1865; 4«. 
Pichle r, Georg Abdon: Salzburgs Landesgeschichte. I. Abtheilung. 

XI.— XIIL Heft. Salzburg, 1863 & 1864; 8». 
Steffenhagen, Emil, Die Bücher Magdeburger Rechtes oder die 

Distinctionen des Thomer Stadtschreibers Walther Ekhardi 

von Bunzlau. (Separat-Abdruck aus der Altpreuss. Monatsschriit) 

Königsberg, 1865; 8o. 
Übersicht der Waarcn-Ein- und Ausfuhr des allgemeinen osterr. 

Zollgebietes und Dalmatiens etc. im Sonnenjahre 1864. Wien, 

1865; 4o. 
Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen: Mittheilungen. 

in. Jahrg. 4. Heft Prag; 8«. 
— historischer, zu Bamberg; 27. Bericht. Bamberg, 1864; 8». 
W^eber.A., Die Räma-Tapanfja-Upanishad. (Abhdign. der Königl. 

Preuss. Akad. d. Wiss. zu Berlin 1864.) Berlin, 1864; 4«. 



177 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



PHILOSOPHISCH- HISTORISCHE CLASSE. 



L. BAND. III. lEFT. 



JAHRGANG 1865. — JUNI. 



12 



Dr. Pfiim. Die Ausl. z. d. Nachr. v. d. Söhnen des Gottes l-za-nagi. 179 



SITZUNG VOM 14. JUNI 1865. 



Der Classe werden die naehstehenden Werke vorgelegt, mit dem 
Ersuchen, zu deren Druck eine Unterstützung der Akademie zu 
en^'irken : 

a) „König Johann yon Böhmen in Italien** , von Herrn Dr. Ludwig 
Pöppelmann, Gymnasiallehrer in Siegburg. 

b) „Die Khevenhuller**, von Herrn Bernhard Czerwenka» evan- 
gelischer Pfarrer in Ramsau. 



Die Auslegungen zu den Nachrichten- von den Söhnen des 
Gottes I^za-nagi. 

Von dem w. M. Dr. A. Pflinialer. 
(Ytrgtlegt IB der Sitiong vtni IS. MAn 1800.) 

Dieser Theil der Auslegungen bezieht sich auf die Handlungen 
des Gottes I-za^-nagi nach dessen Austritte aus der Unterwelt. Hier- 
her gehört namentlich die Hervorbringung einer grossen Anzahl von 
Gottheiten bei der Gelegenheit, als er sich von dem Schmutze der 
Unterwelt reinigte. Besonders beachtet werden hier die Gottheiten 
der Sonne und des Mondes, welche einer für richtig gehaltenen 
Überlieferung zufolge ebenfalls bei dieser Gelegenheit entstanden. 
Ausserdem sind Gegenstände der Erläuterung einige abweichende 
Nachrichten von dem Feuergotte Kagu-tsuhi, von dem Ableben der 
Gottinn I-za-nami und den Dingen der Unterwelt, endlich die Er- 
zählung von dem die Speisen bewahrenden Gotte {Üke-motsi-no 
kamij. 

Von bedeutendem Werthe sind ferner die von dem japanischen 
Aasleger eingeschalteten philologischen Erklärungen. 

12 • 



180 Dr. PfiEiuBier, Die Auslegung eo s« den 

Mit der iiaelistebentlen Abhaiulhiiig schliessen diejenigen Aus- 
legungen, welchen der Inhalt der Abhandlung des Verfassers: „Die 
Theogonie der Japaner" zu Grunde liegt. 

Bei der Bearbeitung der Auslegungen Tatra- no Owo-fira's 
wurde an dem ersten Theile gleich an der Stelle begonnen, wo der 
japanische Text der Urkunde in Betracht gezogen wird. Es findet sieb 
jedoch in dem Buche noch ein aus wenigen Zeilen bestehender Ein- 
gang in rein chinesischer Sprache, der auch in der erwähnten Abhand- 
lung wiedergegeben wurde. Der Vollständigkeit willen werden die Be- 
merkungen Taira-no Owo-fircCs über diesen Eingang, so wie über den 
früheren Titel des Buches in dem Folgenden nachträglich geliefert. 



3" 



^^y i^ l^ k t '• ^ 

Mi'fumi'Ho fazune-no maki, kono na kara-kuni-wo mune-to 
si'taru gotoku kikojete mi-kuni-no fumi-no na-ni-wa ni-isukawasi- 
karanu'koto okabe-no okiiia mata moto-wori-no okina-no isiiba- 
raka-ni iware-tarn-ga gotosi 

„Das erste Capitel des erhabenen Buches". Dieser Theil klingt, 
als ob das chinesische Beich vorangestellt würde und ist nicht als 
etwas, das dem Namen eines Buches des erhabenen (japanischen) 
Reiches gliche, zu verwenden, wie dies von Seite Oka-be-no Okinas 
und Moto-wori-fio Okinas ausführlich gesagt worden. 



' b ^ } \y ^ ^ -, sr Z ^ 



Nachrichten von den Söhnen des Gottes I-za-niigL 181 

Kare sibaraku jamato-no futa-na-wo-ba oki-te tada-ni mi- 
fumi'to jomi'tsu. Subete kono fumi-no kara-bumi-burUwo tnane- 
bare-taru'koto madzu kono na-ni jamato-to iü tnon-zi okare^iaru- 
mote-mo siru-beki-nari. 

Es wurden daher ohne weiteres die zwei Zeichen des Wortes 
jamato (Japan) hinzugesetzt und blos (japanisch) mi-fumi (das er- 
habene Buch) ausgesprochen. Dass man im Aligemeinen bei diesem 
Buche sich nach der Form des chinesischen Buches richtete, iässt 
sich vor Allem aus dem Umstände erkennen» dass auf diesem Titel 
die (für die Wörterschrift zuerst in China gebrauchten) Zeichen 
jamato (Japan) gesetzt wurden. 

Zu der ursprünglichen Überschrift Jt + i A\ f IjjW 

kami'jono kami-tsti-maki „das erste Heft der Gottergeschlechter*« 
iiird bemerkt: 






\^ ^ 



^ 1, ^ f ^ ^ t 



>y 7 \' ^ 1 ¥ 



Fiko-nagi8a'take-U'gaja'fuki''ajezU'no mikoto-made-no kami- 
jo-no kotO'WO kami'Simo-no] futa-maki-to scrare-taru kami-tau 
mcki-nari. 

Von den zwei Heften, einem obenstehenden und einem nach- 
stehenden, in welche die Begebenheiten des Götterzeitalters bis 
Fiko-nagisa''take-ü'gaja-fuk%'ajezU''no mikoto vertheilt wurden, ist 
dies das obenstehende Heft. 

Zu den einleitenden Worten wird bemerkt : 



182 Dr. P f i s m B i e r, Die Auslegvo^eo tu dM 

^"^ -^^ ^^^ r^ f^ zX 'p - 

-\ l \ ^ \ :^ \ -\ \ \ \ 

Ko'Wa kara^bumi-ni Ijeru-koto-wo tori-te kakare-taru mono- 
to-wa fajaku jori-tare-mo ijere-do iniai-je^tautaje'to üaku tagajc' 
ru'koto-wo iwazarU'Wa tada ame-tsulsi-no fazime-wa idzuku-mo 
onazi'ku'ie kara-bumi-ni ijeru-goioku naru-mono-to omajeru-nor 
ru'besi, kown fnnn-no omote-no kazari-ni sojerare-farn-koto koso 
are. 

Die Dinge, welche liier aus dem cliiiiesiselieii Texte abgeschrie- 
ben wurden, sind bereits von Mehreren gesagt worden. Da aber in 
ihnen niclils gesagt wird, das von den alten Überlieferungen be- 
deutend verschieden wäre, muss man annehmen, dass der Ursprung 
des Himmels und der Erde überall derselbe ist und so wie in dem 
chinesischen Buche erzählt wird. Diese Worte mögen als äussere 
Ausschmückung des Buches hinzugefügt worden sein. 



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Nachrichten tod den Söhnen des Gottes I-sa-nii^i. 183 

Inisi'je-tsntaje'tO'wa itaku koto-naru mono-wo-ja si-ite ona- 
zi'ki sama-ni toki-nasi'iaru'Wa mina fi-ga koto-nari-to siru-besi. 

Es lässt sich als etwas Verwerfliches erkennen, dass Dinge, 
welche von den alten Überlieferungen bedeutend verschieden sind, 
gezwungen auf eine und dieselbe Weise erklärt werden. 



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Siibete kaku-aama-ni sojerare-iaru kara-bumi-goto-wa tada- 
ni kara-bumi'jomi'fii jorni-te-mo ari-nu-best, kare kono iagui isu- 
gi'tsugi-narti-mo mina jorni-wo fabuki-tsu. Si-ite inisi-je-koto-ba' 
mote jomu'toki'wa naka-naka-ni magirawasi-ku-ie uitnanabi- 
no amoi'ajamarU''koto aru-be-kere-ba-nari. 

Im Allgemeinen fand sich bei chinesischen Texten, welche in 
der Schreibweise hinzugefugt wurden, die Aussprache nur nach der 
Lesart des chinesischen Textes angegeben. Desshalb wurde der- 
gleichen (die japanische Aussprache) auch in den folgenden Fällen 
überall weggelassen. Wenn man es gezwungener Weise mit Hilfe 
alter Wörter lesen und erklären wollte, so würde in der That Ver- 
wirrung entstehen und die Anfanger müssten in ihren Gedanken irre 
gemacht werden. 

Zu den der ersten Urkunde vorgesetzten Zeichen j — | iA wird 
bemerkt: 



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184 Dr. P f i s m a i e r, Die Ansle^Bgen m deo 

% 

JTan? iwaku sika-sika , kare^to iü-koto-wa kami-wo ukete tu- 
koto-naru-ni koko-wa kami-wa kara-bumi-no funii^ stmo-tta inisi- 
je-tstUnje-nife Ho-kofo-nare-ba kare-to iu-koto odajaka-narazu ika- 
ga-nari, 

„Desswegen wird gesagt** u. s. f. Der Ausdruck „desswegen" 
bezeichnet, dass das Vorhergehende angenommen iiird. Da aber hier 
das V^orhergehende ein Text des chinesischen Buches, das Nachfol- 
gende die alte Überlieferung, beides also selir verschieden ist, so 
ist der Ausdruck „desswegen" nicht sicher und es fragt sich, wie so 
er hier steht. 



zu- 

Z3 

h 
f 

') 

Mosi kami-no kara-bumi - koio-wo ukete tadujojerU'mono-wa 
kano omoku nigoru-no katamari-gatasi-to aru-mono-to serare-ta- 
ru-ni'jn aramn.Sare-do so-tra imsi'je-tsutaje'to-tva Uakti ingajeru 
koto-nari, 

V^ielleicht ist es der Fall, dass man den Inhalt des oben ste- 
henden chinesischen Textes angenommen und den umhertreibenden 
Gegenstand für dasjenige gehalten hat, wovon es (in dem chine- 
sischen Texte) heisst, dass „das Schwere und Trübe sich nicht leicht 
befestigt.^ Indessen ist dies von der alten Überlieferung bedeutend 
verschieden. 



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') 


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7 



Nachrichten tod den Söhnen des Gottes I-za-nagi. 185 

Dies sind die Bemerkiingeu , welche in der Auslegung noch vor 
der Erklärung des in der ersten Urkunde vorkommenden Ausdruckes 
hini'tsntsi „Land und Erde*" enthalten sind. 



Die auf die Nachrichten von den Söhnen des Gottes I-za-nagi 
bezuglichen Auslegungen beginnen wie folgt: 

^ ^ r f" ^. r ^ p l r 
M ^ 5, ^, + 7 ^ ? ; 

^ ^ r ^ ^ r - ji l ^} 

L ^ L ^> /«- t t t 2j 

Sude-ni kajeri-tamai-te nka-sika, mi-imo-se-wo fukaku si- 
tai-tamö-mama-ni kUanaki kuni-naru-koto-wo-mo omoteosi-kake- 
xu-te jo-mi-made oi-ide-ma»i-ti-koto-wo kujami-tamo-nari. 

„Als er zurückgekehrt war" ii. s. f. Da der Gott sich nach sei- 
ner jüngeren Schwester überaus sehnte, hatte er sie, ohne zu beden- 
ken , dass dies ein unreines Reich sei , bis in die Unterwelt verfolgt, 
was ihn jetzt reute. 



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186 Dr. Pfismiiier, Die Auslegungen xo den 

Siko'Wa ijasi'ku mi-gurusi-ki kokoro-no inisi-je koto^a-na- 
ri. Inisi-je-iita-ni siko-fototogi'BUf siko-no maaura-wo nado jorne* 
ru'tno mina asiki sama-ni nonosiri-iü koto-ba-^narL Me-wa nä-no 
kokore-naramu-kn, meki-tca faru-meki nki-meki nado-ito meki-m 
onazi. 

Siko (hässlich) ist ein altes Wort mit dem Sinne von „geroeio 
und von Anblick widerlich.*' In den alten Liedern ist es in Ausdrücken 
wie siko'fototogi'SU (der liässliche Kuckuck,) siko-no masura-wo 
(der hässliche Kriegsmann) ein arges Schmähwort. Me (in der Ver- 
bindung siko'tne, hässlich) mag den Sinn von mi (sehen) haben. 
Meki (in der Verbindung siko-meki, hässlich aussehend) ist mit dem 
in Ausdrücken wie faru-meki (frühlingsartig aussehend), aki-rndd 
(herbstlich aussehend) vorkommenden meki gleichbedeutend. 






Wo-do-no iaisi'hann, inia-wa fi-mtika-no foka kokono-kuni- 
710 naka-ni-mo kono Isutsi-no na masasi-ku setsu- ni mi-jezu-to-zo, 
mre-do subete tsutsi-no katatsi jo-jo-wo furi-te-wa katcareru-to- 
kuro-mo otco-karu-beku mata notsini josi-aH-te na-no kawareru 
tabi-mo arwbeku mata onazi-na-mo owO'karti'be-kere'ba ima sono 
7ia ari'to-nio kanarazn so-ko-fo tadame-gataki-mo arti-be-kere-ha 



Nüchricbten von den Söhnen des Gottes l-za-nagi. 187 

9i'i'te iadzune'fnoiomu'beki'ni-mo arazn , mata ima nasi^tote so- 
no kami ari-si-koto wo utagd-beki-ni-mo arazu. 

„Der Citronenbaum der kleinen Thüre." Heut zu Tage ist der 
Name dieses Gebietes ausserhalb Fi-rnuka <) in den neun Reichen 
richtig vorhanden, doch in dem Reiche Setsu nicht zu finden. Inde^«}- 
sen mögen in der Gestalt aller Länder im Verlaufe der Zeiten viele 
Veränderungen eingetreten und auch später aus irgend einem Grunde 
Veränderungen der Namen zuweilen vorgekommen sein. Da es ferner 
viele übereinstimmende Namen gegeben haben muss und man in den 
Fällen, wo diese Namen jetzt vorhanden sind, unmöglich mit Gewiss- 
heit bestimmen kann, ob es die Orte seien, so soll man auch nicht 
gezwungener Weise suchen. Auch darf man aus dem Grunde, weil 
diese Namen jetzt nicht vorhanden sind, jene Dinge, die oben vor- 
gekommen sind, nicht bezweifeln. 



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Misogi-farai-sika-sika. Kore-zo misogi-farai-fio fazime-naru, 
so-wa madzu kegare-ni fure-taru mono-wo kami-no mi-kesi mi" 



9 Die Urknnde sagt, dass dieses Gebiet su Fi-rnttka gehöre. 



J 88 I>r. Pfismaier, Die AoslegmigeD su den 

obi-nadO'WO iiage-täe-tamö^gotoku tori-stUeie miäzu-ni kadzuki-te 
farai'kijemure-ba mono-no aka-tmki kegare-taru-wo miäzu-mote 
arai'kijomuru-gotoku me-ni mijenu toga-no kegare-mo nagori-na- 
ku kijomaru'koto koko-no mi-^mi-wo faro-mote sini-beki^nari 

„Ev reinigte sieh** u. s. f. Dies war der Anfang des Reinigens 
und Bannens. Da er hier, gleichwie er in dem Obigen sein Kleid, 
seinen Gürtel und anderes wegwirft, vorerst die mit dem Schmutie 
in Berührung gekommenen Gegenstände weggeworfen, in dem Was- 
ser gewaschen und gereinigt, so lässt sich aus dem Umstände , dass 
er hier seinen Leih reinigt, erkennen, dass^ gleichwie man die be- 
schmutzten Gegenstände mit Wasser wäscht und reinigt» auch der 
dem Auge unsichtbare Schmutz der Sünden vollkommen beseitigt 
wird. 



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Mata subete toga-kegare-to iü-^ca sono moio jo-mi-jori okimr 
koto-nare-ba moro-moro-no toga-wo misogi-jarai kijornuru-koto-^mo 
mina koko-no misogi-farai-ni onazi-ki koto moto-jori-no kat0' 
nari. 

Da überdies jeder Schmutz der Sünden ursprünglich aus der 
Unterwelt hervorkommt, so ist auch das Bannen sämmtlicher Sünden 
und das Reinigen von denselben überall mit dem hier ermähnten 
Reinigen gleich und davon herzuleiten. 



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Nuehriehteu vod deo Söhnen des Uottes l-xu-DMgi. 1 89 

Kami-im ne sika-sika. Se-fajaki tokaro-ni-wa soeogi-gcUaku 
mata jowaki tokorO'ni''te''Wa kijornari-gataku mijure-ba joki fo- 
do-no tokoro-ni soaogi'tamö'nani'besi. 

„Die obere Stromschnelle** u. s. f. Da es augenscheinlich war, 
dass an einem Orte, wo die Strömung stark ist, er sich nicht abspü- 
len konnte, hingegen an einem Orte, wo sie schwach ist, er nicht 
rein werden konnte, mag er sich an einem Orte, der die geignete 
Schnelle hatte, gereinigt haben. 



1/ J IrL^^^N Ifg/^^T 



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Ja-so-maga'tsu ß. Ja-so-wa kazu-?io owoki koto-ni-te jorodzu- 
no maga^wa fnina kono kami-no mi-kokoro'jori okiru-koto-nari. 
So-wa imajo-mi-no kegare-wo sosogi-tamö fazime-ni sono kegare- 
ntjori-te umi-maseru kami-ni masu-ju'e-'ni asiki koto-wo waza- 
t(Hwa konomi-iamö'nani''be8i. 

„Die Sonne des achtzigfachen Unrechts*' (in den Namen: der 
Gott der Sonne des achtzigfachen Unrechts). Achtzig bezeichnet die 
Grosse der Zahl, und die zehntausend unrechten Dinge gehen sämmt- 
lich aus dem Herzen dieses Gottes hervor. Weil dies der Gott ist, 
der gleich im Anfange, als jener den Schmutz der Unterwelt abwusch, 
aus diesem Schmutze entstand , mag er eine besondere Vorliebe für 
das Böse haben. 



1 90 Dr. Pfi A ■ a i «r. Die Aulcgaafva s« 4ca 

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5o;}o magn-wo nawosamu-to si-famd sika-sika. Maga-^a ke^ 
gare-nari, naitosu-wa kijornemu-to si-tamo-nari. Anki-wo joku 
si-iamawan-io siie-to iwamu-mo onazi, sare-ba kono futa-basirtt' 
no kami'wa kegare-no kijoku narti-^aida-ni umi-maiteru kami-nite 
moro-maro-HO asiki kotojoku nari-jiiku aida-ttomamori-tamokami- 
nari'to siru-besi. 

„Als er das Unrecht wieder gut machen wollte*^ u. s. f. DiS 
Unrecht ist der Schmutz, nieder gut machen ist : reinigen wollen. 
Dies ist so viel als ob man sagte : als er das Böse zum Guten um- 
gestalten wollte. Da jedoch diese beiden Gotter die Götter sind , die 
während der Zeit entstanden, als der Schmutz sich in Reinheit rer- 
wandelte, lässt sich erkennen, dass es die Götter sind, welche die 
Zeit, während welcher sämmtliche bösen Dinge sich eben in Gutes 
verwandeln, bewachen. 






Nachrichten von den Söhnen des üoUes f-xa-na|i^i. 191 

Säte maia kono futa-basira-no kami-no mi-na-no kamu owo- 
wa tomo-ni tameri-no taiajete mawoseru-nomi-no mi-na-ka^ mosi 
joki kata asikikata-wo wakete mawosern mi-na-ka. Mono-no nawo- 
rU'Wa asiki-kata'jori joki kaia-ni nari-juhi'nare-ha joki kata asiki 
kata ari-te madzu nari-maseru kamu-nawo-'bi'no kami-wa asiki ka- 
ta-rnjori-masi, notsi-ni umi-museru owo-nawo-bi-no kami-wa joki 
kata-mi jori-maseru-nite-mo aru-besi. 

Was endlich den Vorgang betriflPt, dass in den Namen dieser 
iwei Götter auch kami (Gott) und owo (gross) vorkommt <), so ist es 
angewiss, ob dies nur Namen sind, mit welchen man sie der Lobprei- 
sung willen benannt hat, oder ob es Namen sind, in welchen die 
gluckliche und die unglückliche Seite gesondert benannt wurden. Da 
die Wiederherstellung einer Sache die allmäliche Verwandlung der 
b5sen Seite in die gute ist, so mag es der Fall sein, dass der zuerst 
entstandene Gott, der Gott Kamu-nawo-bi, von der bösen Seite sei- 
nen Ausgang genommen, der später entstandene Gott, der Gott Owo- 
nawO'bi, von der guten Seite seinen Ausgang genommen. 

Zu dieser Stelle der Auslegung wird in einer Anmerkung folgen- 
des gesagt: 

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üje-da-no monw-ki iwaku: jorodzu-no asiki koto-wa mina 
kono ja-»o-maga-t»tt fi-no kami-no tni-tama-jori okiru-to ije-domo 



I) Sie heitm Kamu-nawo-bi-no kami (der Gott der göttlichen wiederherttellenden 
Sonne) und Owo-nawo-bi-no kami (der Gott der gro»en wiederheratellenden 



192 Dr. PfisBiiier, Die AMlegvageB m de« 

kono kamt umi-tamawanU'Saki'ni-mo a^iki koio naki-ni^si-mo ara- 
zu. jUadza futa-basira-no kami-no kuni-wo umi-masu-^eki firu^9 
awa-sima-no jokaranu mi-ko umare-masi, maia i-za-nami-no im- 
koto-710 kamu-sari'maBi'si'^wa moto-jori (unki kaio^nari. 

Uje-da-Ho momo^ki sagt : Obgleich man sagt, da»s die zehntau- 
send bösen Dinge sämmtlich von diesem Gotte der Sonne des achtzig- 
tachen Unrechts ausgehen, fehlte es schon früher, als dieser Gott noch 
nicht geboren war , auch nicht an bösen Dingen. Zur Zeit , als die 
beiden Stammgottheiten vorerst ein Reich hervorbringen wollten, 
wurden ihnen die untauglichen Söhne: der Blutigelsohn und die Insel 
Awa i) geboren. Es verschied ferner die GöttinnZ-xa-nomi. Dies waren 
im Grunde böse Dinge. 



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Kare omo-iii (une-tautsi-no fazime-ni tfüca-mi-musubUno mi- 
koto kami-musubi-fio tnikoto-to nnrabi-maserti kami-no mi-na-M 
kami'to mawosu-wa asiki koio-tro obi-tamajeru mi^na-ni-ja ara» 
mu. Sono saki-wa subete kami-nanigasi-to mawoau mi-na-wa an- 
ki koto-mo am-goioku omowarure'ba'nari'to ijeri. 

Man sollte daher glauben, dass, indem in den Namen der im 
Anfange des Himmels und der Erde paan^eise entstandenen Götter 
Taka-mi-musubi-no Mikoto und Kami-musubi-no Mikoio das Wort 



<> So in dem Teile der Anroerkanf?. Rt sollte jedoch Insel Aufü-dti heiaaea. 



Nachrichten von den Silhnen den Üottes l-za-uagi. 193 

mi (Gott ) vorkommt , dies Namen sind , welche das Böse an sieh 
^n. Denn man kann annehmen, dass alle früher vorkommenden 
nen, in weichen vor irgend einer Verbindung knmi (Gott) steht, 
viel als hose Dinge sind. So der Ausspruch. 



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Ma-koto-ni joki-to asiki-to kage-to ßnatn-to rnukajeru-toki- 
kage-wa asiki-no kaia''narU'be''kere'ba ima kono kamu-nawo- 
fwo-nawo-bi-no mi-na-ni tsuki-te momo-ki-no ijeru-koto-^o i- 
fte sirusi-nu. 

Da in der Tthat , wenn man als Gutes und Böses Schatten und 
menschein einander gegenüberstellt , der Schatten die böse Seite 
I muss, so wurde jetzt dasjenige , was Momo-ki von den Namen 
nu-nawo'bi und Otoo-nawo-bi gesagt, ausgesprochen und zur 
mtniss gebracht. 

Die Auslegung fahrt fort : 



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iA. d. phiL-hitt Cl. U Bd. Hl. Hft. |3 



194 Dr. P f i X m a i e r, Die Auslegungen lo deo 

Mata waln-no soko-ni sosogi-tamö sika^aika. Ustwo-no soko^ 
naka-ujeto mi-tokoro-ni soBogi-tamd-narL Kono mu-basirorno 
kami'wa sono tokoro-tokoro-ni nari-maseru kami-tatsi-uUe wwür 
wata-Jio naka-ni-te-mo sono nari-maseru fokoro-fokoro~wo fMtii- 
wnkete airi-masu kami-naru-besi. Kakwte notsi-^no jo-tnade-mo 
imUa-no midzu-ni sosogi mata sitco-niie mono^no kijotnarti-koto- 
wa mina kono kami-tatsi-no mi-tama-ni jorfi-koto naru-besi, 

„Er wusch sich auf dem Boden des Meeres" u. s. f. Er wusch 
sich an drei verschiedenen Orten : auf dem Boden, in der Mitte und 
auf der Oberfläche des Meeres. Diese sechs (in der Urkunde verzeich- 
neten) Götter mögen, da sie die an diesen verschiedenen Orten ent- 
standenen Götter sind und sich auch in einem und demselben Meere 
befinden, die Gölter sein, welche die verschiedenen Orte, an welchen 
sie entstanden , abgesondert beherrschen. Somit mag auch die That- 
sache, dass bis zu den späten Geschlechtsaltern Gegenstände durch 
«las Abspülen in Meerwasser so wie durch Salz rein werden, in dem 
Geiste dieser Götter begründet sein. 



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Säte mata kegare-ni karuki omoki are-ba farai-ni-mo karU' 
ki omoki aru-besi Ima-wa omoki mi-kegare-ni^site madzu tfuku' 
si-made-mo jnki'itari'te mi-wo soaogi-tamawan tokoro-teo moiO' 
me-tamai, mata midzu-no fajaki pwaki-wo-^mo jerabi-tamaiy wa* 
ta-no naka-nite-^mo soko-naka-uje-to tokoro-wo kajete-mo sosogi- 
famai'si'wa omoku ne-mo-koro-ni si-tamö-naru-besi. 



Nachrichten yob den Söhnen dee Gottee I-ia-nagi. 1 95 

Da es ferner bei dem Sehmutze Leichtes und Schweres gibt, 
muss es auch bei der Reinigung Leichtes und Schweres geben. Da 
jetzt der Gott mit seinem schweren Schmutze vorerst bis Tsuku-si 
geht, hierauf den Ort sucht, wo er sich reinigen will, ferner zwischen 
der schnellen und schwachen Strömung des Wassers wählt, selbst in 
dem Meere noch die Orte in der Tiefe, in der Mitte und auf der 
Oberfläche wechselt und sich wäscht, so muss er dies als etwas 
Schweres betrachtet und darauf Sorgfalt verwendet haben. 



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Maiajfh-mi'jari ktgeti-ide-moM-te kono mirsosogi-farai-made- 
HO aida ika^bakari-ka furi^iBuramu siru-be-karane-do tsuki-fi-wo 
fure-ba onodzukara kegare-no usuku nari-juku-ramu-koto kami- 
ni-mo ijeru-^a goiosi. Notsi^o jo-ni kimono-no kegare-wo imu- 
nado'ui karuku omoku fi^no kazu-wo sadamuru-kolo aru-mo sono 
fi-no kazu-wo sugi-ie sosogi-farai-suru-koto moto-jori sika-aru- 
beki koia-mi koio. 

Ferner kann man zwar nicht wissen, wie viele Zeit seit seiner 
Rückkehr aus der Unterwelt bis zu dem Augenblicke, wo er sich rei- 
nigte, verstrichen war, allein dass nach Verlauf von Monaten und 

13» 



l9b Hr. Pfiziiiiiier, IM«* Auslf^iini^en za den 

Tagrri der Scliimilz sicli verringert, ist etwas Älinliclies wie das oben 
(Jesagte. Dass man in dem späteren Zeitalter bei Dingen wie die Ver- 
meidung des Schmutzes der Kleider je nach der Leichte und Schwere 
die Zahl der Tage bestimmt und wenn die Zahl der Tage überschrit- 
ten ist, die Reinigung vornimmt, ist im Grunde nur etwas Angemes- 
senes. 



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KokonO'basivU'Uo kami-wa ja-ao-maga-tsu fi-no kami-jori 
mtatsutsu-no wo-no kami-made-nari. 

Die neun (iütter sind die von Ja-so-maga-tsu fi-no üramtbis 
Uwa-tstitsu-niß wo-no kamt verzeichneten. 



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Sumi-je-no owo-kami-wa nori-ni netsu-no kutii-no sumuje-no 
kowori sumi'je-ni masu kami-no jasiro jo-i-masi-dokoro , narabi- 
ni knmi'OwO'to na-dzyke-ki, Tsuki-nami ai-name ni'i'Home'io 
ari. 

„Die grossen Götter von Sumi-je'' (die Götter Soko-tsutsu-no 
wo, Naka-tsutsu-no wo und Uwa-tsutsufio wo), ^^ch der Vorschrift 
gibt es in dem Kreise Sumi-je, Reich Setsu, vier Altäre der in Sumi^ 
je weilenden Götter. Denselben wird die Benenung kami (Gott) und 
owo (gross) beigelegt. Allmonatlich findet das gemeinschaftliche Opfer 
des Getreides und das neue Opfer des Getreides statt. 



Nuchricbten von den Söhnen de» Gölte« l-zii-nn^i. 197 

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Adzumi-no mura-zira-ga itsuki-matsinit kami-wa. Tsiku- 
zen-no kuni kmu-ja-no kowori sika-no wata-tsumi-no kami-no ja- 
siro mi'i-masi'dokoro f narabi-ni kumi-owo-to na-dzuke-ki-to ari. 
Adzumi'UO tizi-tca uzi-no sirusu-ni wata-tsumi-no kami-no suje- 
nari-to ari. Kono kami-no suje-naru-hesL 

„Die Gotter, denen die Mitglieder des Geschlechtes Adzumi op- 
fern" (die Götter Soko-tsn wata-iaami, Naka-tsu wata-tsumi und 
Cwu'tau wata-tsmHi), In dem Kreise Kasu-ja, Reich Tsiku-zen, gibt 
es drei Altäre der Meergötter von Sika. Denselben wird die Benen- 
nung kami (Gott) und owo (gross) beigelegt. Das Geschlecht Adzumi 
gehört zufolge dem Verzeichnisse der Geschlechtsnamen zu den 
Nachkommen des Meergottes. Es mag die Nachkommenschaft dieser 
Götter sein. 

Zu dieser Stelle der AusJegungwird in ieiner Anmerkung folgen- 
des gesagt : 



198 Dr. Pfizmaier, Die Antlegiiiifeii su dra 

Oju-no kami'Wo omoku itsuki'matsfirU'koto ini9i''je'jori''no 
nori-nari. Säte kono jo-ni-mo mura-mura-ni uzi kami-io tu an- 
te fito-tosi-ni fitO'tahi-No itsuki-no ija^oa fito-mura-no matimri' 
nari. 

Die hohe Verehrung der göttlichen Stammväter stutzt sich auf 
eine Vorschrift der alten Zeit. Da es auch gegenwärtig in den ver- 
schiedenen Niederlassungen Geschlechter gibt, welche ihren Ursprung 
von den Göttern herleiten, so ist es Sitte, dass diesen in einem Jahre 
einmal in einer einzelnen Niederlassung geopfert ^vird. 



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5o/io tokoro-wo kusa-kiri-some-si fiio-no oja-no kami-naru- 
wo sono fitO'Ho suje-Jio nmawari-te filo-imira-to-mo narern-nare' 
ba fito-mura mina sono kami-no auje-nite sunawatsi fSio-mura-no 
uzi kami-nari. Ko-tto kami-umu ko-umn nado iii-wa notsi-no j<h 
no narawmi-nari Mata ima fito-mura-no naka-mo fito-uzi nara- 
zu adasi uzi-no mazivi-sumn-mo iiotsi-no jo-no koto-uari. 

Die Stammeltern i\^v Menschen, welche jene Gegenden urbar 
machten, waren (lötter und da auch die Na<*hkommen dieser Menschen, 
wie sie geboren wurden , eine Niederlassung bildeten, waren in einer 
Niederlassung lauter Nachkommen von (löttern und die Geschlechter 
einer Niederlassung leiteten sofort ihren Ursprung von den Göttern 
ab. Dies bezeichnete man durch Ausdrücke wie „Götter henrorbrin- 
gen. Söhne hervorbringen'* und war in den späteren Zeitaltern Sitte. 
Auch dass gegenwärtig in einer Niederlassung einzelne ganie 



Nachrichten ron deo Söhnen dea Gottes I-za-na§^i. t 90 

Geschlechter unter einander gemengt wohnen, ist eine Eigenthümlich- 
keit des späteren Zeitalters. 
Die Auslegung fahrt fort : 

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Fidari^no mi-me-wo arai-tamai-ai sika-sika. Mi-me-no kega- 
re-no nagori-nahi kijomari-fntete suga-sugasi-ki idzu-no mi-ta- 
ma-jori fi-no kamt tsuki-no kami umi-masi-si-nari. 

„Er wusch sein linkes Auge" u. s. f. Als der Schmutz seines 
Auges zuletzt vollständig der Reinheit gewichen war, entstanden aus 
dem ganz hellen edlen Geiste des Gottes die Gottheiten der Sonne 
und des Mondes. 



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Mi'fana-wo arai-tamai-si sika-sika. Mi-basira-no mi-ko-ui 
nori tanawaku sika-sHa. Owo-mi-kami-no ama-sirasi-tamo-koto' 
wa idzure-no tsutoje-mo iagawazu. Tsukti-jorni-no mikoto siku" 



200 Dr. F f i % m M i e r, Die Ausle^uugen tu des 

sika. Ima-tno naiwo-no mitsi-fi-uo tauki-m iitagö^koto nado amo- 
best. 

^Kr wusch seine Nase*' u. s. f. Er gab seinen drei Söhnen deu 
Aultrag mit den Worten" u. s. f. Dass die (den Himmel erleuchtende) 
grosse erhabene (jottheit den Himmel lenkt» ist von kehier Überlie- 
ferung verschieden. „Der Geehrte Tsuku-joini** (der Gott des Mon- 
des) u. s. f. Hier möge man sich unter anderem erinnern, dass auch 
heute die Ebbe und die Fluth des Meeres sich nach dem Moude 
richten. 






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Su'sano wo-no mikoto sika-sika. Kono mi-ko-ni ame-uo aita- 
wo josasi-tamo-kolo-mo foka-no Isutnje-in-wa mijezare-domo mi- 
va kaku'Ho gotoku naru-besi, 

^Su-aa-fio wo-no mikoto.'' Dass der (iott diesem seinem Sohne 
alles, was unter dem Himmel ist, übertrug, ist zwar in den übrigen 
Überlieferungen nicht zu linden, es wird sich jedoch alles so verhal- 
ten haben. 



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Nacbrickteo ron den Söhnen des (ioües l-zH-uagi. 201 

Mi-tosi tnke sikasika» Josasi-iamal-si ame-no sitn-wo-mo 
sirasi'tamawazu'te amata-losi-wo furi-tamai-kemu. Kore-ra-mote 
mo kami'jO'HO juwai-no ito-ito nagn-kuri-si-koto-wo siru-besi. 

^Er (der (Jott Su-sa-no wo) war schon bei .lahreii** u. s. f. Er 
Hess viele Jahre verstreichen, ohne sieh mit der Lenkung der ihm 
übertragenen Länder unter ilem Himmel zu befassen. Auch hieran lässt 
sieh erkennen, dass die Lebensdauer in dem Götterzeitalter überaus 
lang gewesen ist. 



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Ja-t8uka-wa ija-tsuka-niie ito-nagaki fige-wo iü. 
„Achtgriffig" ») bezeichnet einen mehrere (irilTe messenden sehr 
langen Bart. 



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Niiki'isatsu-wa tsi-isa-go-no waza naru-wo aude-ni tosi-take- 
tamai-te-mo nawo-ni ko-no gotoku naki'tamö'Uomi'WO waza-to-wa 
si-iamai-ai-nari. 

„Weinen und Wehklagen" ist die Sache eines kleinen Kindes. 
Da aber der Gott bereits in Jahren vorgerückt ist und noch immer 
gleich einem Kinde nur weint, so wird er dies absichtlich thun. 



1) In der Urkunde heissi es: Es war ihm ein «chtgriffiger Bart gewachsen. 



202 ür. Pfixmftier, Die Ausle^n^n zu den 

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Fawa-no kuni-tto ne-no kttni-ni makarumu-to otnoi aika-sika. 
Kono-mi-mi-no sosogi-wa sude-ni i-zanami-no mikoto-wa kamu-sa- 
ri-masi'te iiotai-no koto-naru-ni kakti no-tamo-wa ika-ni-to iu-ni 
kono toki umi-maaeru kanii-iatsi-wa mina kegare-to kijoki-to-m 
aida-ni umi-masere-ba sono kijoki kata-ni jori-te umi'maserU'to 
kegare-HO kata-nijori-te nari-maseru-to aru-wo. 

„Idi will in das Reich der Mutter, das Reich der Wurzeln l'orl- 
zieheu** u. s. I*. Indem der Gott seinen Leib erst reinigte, nachdem /-sa- 
nanii'iio mikoto verschieden war und es sich tragt, wie dieses Wort 
gesprochen werden konnte, so diene als Erklärung Folgendes. Da die 
um diese Zeit entstandenen Götter sämmllich Götter sind, welche zwi- 
schen Schmutz und Reinheit entstanden sind, so gibt es deren, wel- 
che von der reinen Seite hervorgehradit wurden, andere wieder, 
welche von der schmutzigen Seite entstanden. 






Nachrichteo von den Sdbnen des Gottes 1-za-nagi. 203 

Kami-no ja-so-maga-tiu fi-no kami-no kegare-no kala-ni jori" 
maseru-koto-wa aara-ni-mo iwnzu. Kono su-sa-no wo-no mikoio- 
mo nawo mi-fana-ni nokorem kegare-no nagori-ni jorite umi- 
maseru-narti'besu kare mono- wo sokoHai-tamo-koto-wo konomi- 
tamai, mata sofio mi'fawa-no masti ne-no ktun-wo sitai-tamö-narL 

Dass der oben vorkommende Gott Ja-so-maga -tsn-fi von der 
Seite des Schmutzes entstanden, wird hier nicht wieder besprochen. 
Su'Sa-no WO'HO mikoto maf^ aus dem überflüssigen Schmutze, der 
noch immer in der Nase des Gottes zurückgeblieben, entstanden 
sein. Desswegen ist er ein Gott, der es h'ebt, die Dinge zu beschä- 
digen, und er sehnt sich nach dem Wohnsitze seiner Mutter, dem 
Reiche der Wurzeln. 



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Simo-no nn-ykei-no ktidari-no monomane sikasika-to am- 
wo-mo omoi-awasH'hesi. Ima-wa mono-zane jo-mi-no kegare-na- 
re-ba mi-fatöa-ni tsuki-te aotio kuni-wo sUai-tamo-nari, Säte kono 
mi-basira-tfo mi-ko-no unit-maseru-koto mi-tokoro mi-tsu-no tsitta- 
je are-to kono aru-fumi-wo motsin-heki koto kami-ni-mo ijeni-ga 
goiosi. 

Auch kann man die in dem unten folgenden Abschnitte von den 
Eidschwüren vorkommende Stelle : In Wirklichkeit ^) u. s. f. hiermit 



'> An dieser SteUe sagt die Soonengottheit zu dem Gotte Sn-m-no wo: In Wirk- 
Hchkeit sind die finfhondert Schnure der Korallen der acht Bergtreppen ein mir 
angehdrender Gegenstand. 



204 Dr. Priznaier. Die Aaslegugea u dem 

in Gedanken vergleielien. Da jetzt in Wirklichkeit der Sclimutz der 
rntemelt vorhanden ist, schliesst sich dieser Gott an seine Mutter 
und sehnt sich nach deren Reiche. Übrigens gibt es in Bezug auf die 
Entstehung dieser drei Sühne an drei Orten drei verschiedene Über- 
lieferungen. Man kann sich dabei an diese Urkunde halten, wie auch 
oben gesagt wurde. 

An dieser Stelle der Auslegung findet sich die folgende Au- 
nierkung: 

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Fumi-istUaje'ui kono jo-mi-jori misogi-farai-made-no kudari- 
fujo-fio aida-fio jorodzu-910 koiowari koto-gotoku aonateareri sika- 
sikajoki'tca asiki-jori fazimari^ naru-wn tisuru-jori nesami koto- 
wari-nite fiio'fi-no joru-firut fito-tosi-no samusi alsusi-no gotosi 
JorodzU'to omoi'tcatasi'le kono kototcari-tco sutoru-besi-to ari. 

In den Überlieferungen zu der Geschichte heisst es : In dem Ab- 
schnitte von der l'nterwelt bis zw jenem von der Reinigung werden 
die in der Welt vorhandenen zehntausend Einrichtungen in ihrer 
Gesamnitheit dargelegt-* u. s. f. „Die Einrichtung, dass das Gute 
aus dem Bösen seinen Anfang nimmt , das Entstehen in dem Unter- 
gange Wurzeln treibt, ist zu vergleichen mit Tag und Nacht in einem 
einzigen Tage, mit Hitze und Kälte in einem einzigen Jahre. Indem 
man zehntausend Dinge zusammenstellt, kann man diese Einrichtung 
erkennen." 



Nachrichten von den Si'ihueii des Got(e8 r-za-na^i. 205 



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Kore-ni jori-te omö-ni kijoki-wa kegnre-jori fatimaru, kega- 
re-tea kijoki-ni ne-sasu-besi. Kare moto-jori kijoki-wa naka-naka- 
ai kijoki-no suje-nite kegare-ui taika-karu-besi, kegare-no kijoma- 
ri-taru-wa kijoki-no fazime-nite masa-ni aakari-Hari. 

Wenn man es demgemäss bedenkt , so hat das Reine seinen An- 
fang in dem Sehmutze, während der Schmutz in dem Reinen Wurzeln 
treiben kann. Somit kann das ursprünglich Reine in der That am 
Ende der Reinheit sich dem Schmutze nähern, und der Schmutz, 
wenn die Reinigung vorgenommen ist, wird als Anfang der Reinheit 
alsbald in Blüthe stehen. 






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best. Ima-no akiraka-ni-mo kegare^ni furenu, onodxukara-no ko- 
karo'jari kegare sugi-te misogi-si-taru toki-no akiraka-wa kijokn 
apnowaruru-mono-nari. 



206 Dr. P f i c m a i e r, Die Auslegungen u den 

Auf diese Weise mag der Gott damals die Gottheiten der Sonne 
und des Mondes hervorgebracht haben. In ihrem gegenwärtigen 
Glänze kommen diese auch mit dem Schmutze in keine Berührung, 
und der Glanz, den sie zur Zeit hatten, als von ihrer Seele der 
Schmutz verging und die Reinigung vollendet war, wird als rein 
gedacht. 



Mi-kida-ni kiri-tamai-im sika-sika. Mi-tsu-ni kiri-tamb-ga 
mi'basira-no kami-ni nareri-si-ftari. 

„Er zerhieb ihn (den Gott Kagu-imtsi) in drei Stücke** u. s. f. 
Aus den drei Stücken, in die er ihn zerhieb, entstanden drei Götter. 



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Ikadzutat'gami, tsugi-no aru^fumi-^ii-wa kusa-gusa-no ika- 
dzutai-gami-nw are-do ima-mo ikadzutsi fi-no mono-wo taku-koto 
arU'iva molo fi-no kami-no mi-mi-no 7iari'maserU'jU'e-nar%i'be9i. 

„Der Donnergott." In der nächstfolgenden Urkunde gibt es zwar 
verschiedene Donnergötter, da aber auch jetzt der Donner brennbare 
Gegenstände anzündet, so mag dies desswegen sein, weil er ur- 
sprünglich der Leib des Feuergottes war. 



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Nachrichten ron den Söhnen des Gottes I-XA-n«gi. 207 



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kami-wo sika-sika, jama-no kami-wo sika-aika umi-tamai-to are- 
ba umi'tamd näru-tco tsutaje-no kotonaru-nari. 

„Der Gott Owo-jama-tsumi** (der Gott der Berge.) Da es in 
einer obenstehenden Urkunde heisst: „Er erzeugte den Gott des 
Meeres" u. s. f. „den Gott der Berge** u. s. f. , so erzeugte er ihn 
und es ist hier (wo Otoo-jama-tsumi aus dem Leibe des Feuergottes 
entsteht) eine Abweichung in der Überlieferung. 



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Taka-okamUno kamit taka-wa jama-no takaki tokoro-wo iu- 
ni'ja aramu. Aru-fumuni-wa tsurugi-tio ta-kami-jori süadaru tal 
sika-sika kura-okami-no kami-io-mo aru onazi-kami-no tsutaje-no 
koionaru-besi. 

„Der Gott Taka-okami*^ Das Wort iaka (hoch) wird wohl die 
Hohen der Berge ausdrücken. In einer Urkunde ßndet sich auch: 



2 08 Dr. P r i z n a i e r. Die Avsle^ag ea x« des 

„das von dein Sticlihlatte des Sehwertes träufelnde Blut** u. s. f. 
^der Gott Kura-okami*^ (dieses Blut vemandelte sieh in einen Gott 
Xantens Kura-okami). Dies wird der nämliehe (iott und die Über- 
lieferung eine verschiedene sein. 



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Ame-no ja-80-NO kawa jasn-no kawa-to-tno aru, ko^e-wa ha- 
joje-ba onaxi'koto narn-besi. Nari-maseru kami-toa iwa-mura-ni 
tsuki-8i tai-ni jori-te kami-uo nari-de-maseru-nari ^ sono tsi-rä 
tada-ni kami-to nareru-ui-wa arazu 

„Die achtzig Flusse des Himmels." Hier (statt ja-so-no kawa, 
in der Wörterschrift durch „achtzig Fliisse** «) ausgedruckt) findet 
sich auch jasu-no kawa (der ruhige Fhiss). Da ein Übergang des 
Lautes stattfindet, wird es ein und dasselbe sein. „Der Gott, der 
entstand.'' Aus dem Blute, das an den Felsstücken klebte, entstand 
ein Gott. Es ist nicht der Fall , dass dieses Blut allein sich in einen 
Gott verwandelte. 



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f) Dtesem Sinne widerspricht übrigens schon die hier vorkommende Partikel J 
HO , welche den Zahlwörtern niemals unmittelbar angehingt wird. 



Nachrichten von den Söhnen des Gottes I-za-nagi. 209 

Jomi-toki fi-wa fi-nari sika-sika tiana-na mata ko-e Hki-tei- 
u nado-no tagui minn nofsi-no fito-no soba-toki-no magajeru-na- 
i-besi, minn nwtsijii-naki koto-nare-ia-iiari. 

Die bei der Erklärung der Aussprache vorkommenden sieben 
hinesisehen) Zeichen ; fi (Feuer) ist fi (Feuer) u. s. f. , ferner „Laut 
ki'tei zurückkehrend** (d. i. m, der chinesische Laut des Wortes 

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g 4g okami) und ähnliche Stellen mögen sämmtlich die aus 

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Ihum hierher gerathenen Randerklärungen Späterer sein und sind 
?ht zu verwenden. 



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Säte i-na-ti-ko-me-no »imo-ni »i-ko-me-uo mi-na toki-taru- 
mo naru-besi-to okina-no iware-iaru-ni »itagai-te oginaje-ttu. 
•te mata kono jomi-toki-wa mina maje-no aru-fumi-tio suje-ni 
u-besi-to aru-fito-mo ijeru-ga gotori. 

Nach dem Ausspruche Okina'g sollten die unter ina-siko-me 
igebührlich, hässlich) stehenden (wiederholten) drei Zeichen »iko- 
■ (hässlich) in der (japanischen) Erklärung gesetzt werden, dem zu 
Ige sie hier ergänzt wurden. Übrigens sollten sämmtliche hier vor- 
nmenden Erklärungen der Aussprache am Ende der vorhergehen- 
I Urkunde stehen , wie auch Einige gesagt haben. 



iUb. d. ph il.-hUt a L. Bd. III. Hft. ' ^ 



210 Dr. Pfizmaier, Die Aacle^angen bq den 



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lisu-kidfi sika-sika , kore-mo filo-isu-no tau^aje-fiari. Owo-ja- 
ma tstimi owo-to mawosu-wa jama-wo mhcte siri-masu kami-na- 
rU'besi. Naka-jama-wa ima-mo jama-no naka fara nado iu toko- 
ro, fn-wa fa-jama, mrisa-ka-wa ma-saka^ siki-jama-tca siki-jama- 
nUe 8ono tokoro-dokoro-wo wake-motsi-ie siri-masti-koto-no mi- 
na-naru'besi 

„In fünf Stücke" u. s. f. Auch dies (dass I-za-nagi den Feuer- 
gott in so viele Stücke zerhieb) ist eine einzelne Überlieferung. In- 
dem Owo-jama-tsumi mit dem Ausdrucke owo (gross) benannt winl, 
mag er der Gott sein, der die Berge in Gesammtheit beherrscht. 
Naka-jama (der mittlere Berg) ist der Ort, den man jetzt mit Na- 
men wie „die Mitte, der Bauch des Berges** belegt. Fa (Rand) ist 
der äusserste Berg. Masa-ka (in der Wörterschrift durch „richtig 
siegen" ausgedrückt) ist so viel als ma-saka (die wahre Bergtreppe). 
Siki'jama (in der Wörterschrift : der Waehtelberg) ist so viel als 
siki'jama (der mannigfaltige Berg). Dies werden Namen sein, wel- 
che ausdrücken, dass die Gottheiten diese verschiedenen Orte 
gesondert inne haben und beherrschen. 






Naehrichtea Ton den Söhnen des (iottes Nxa«nagi. 211 

Mata jama-ni fi-no aru-koto-wa fuzi asa-ma-no tagui-wa 
arawarete mije^ sono foka -mo ide-ju-no waki-iäzuru nado mina 
fi-no am kotosara-nari, mina fi-no kami-ni josi-aru-koto, kami-no 
ikadzuisi-gami-ni onazi. 

Dass ferner die Berge Feuer enthalten, sieht man deutlich an 
dem Fuzi, Asa-ma und anderen (feuerspeienden) Bergen. Ausserdem 
besitzen die hervorsprudelnden heissen Quellen und ähnliche Dinge 
Torzuglich die Eigenschaft des Feuers. Dies alles hat seinen Grund 
in dem Gotte des Feuers und verhält sich wie bei dem oben vorkom- 
menden Donnergotte. 



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Iwa-inura-ni tsuki-ki sika-sika, hi mata ki-jori fi-no idzuru- 
kotO'Wa sara-ni-mo iwazu. Fumi-ni me-no kara-wo kari-te fi-kiri- 
usH-ni tsukun * ko-mo-no kara-wo fi-kiri-gine-ni tsukuri-te nado- 
mo ari, 

„Es (das Blut) klebte an den Felsen'' u. s. f. Dass aus den 
Steinen und dem Holze Feuer hervorkommt, werde hier nicht wieder 
gesagt. Die alte Geschichte enthält Stellen wie: Er schnitt die 
Stengel der Färherflechte ab und verfertigte daraus Zunder. Aus den 
Stengeln des Heidekornes verfertigte er Zündhölzchen. 



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212 Dr. Pfixmaier, Die AiiBleg«i|r«n 10 den 

Toki-no jama-no asi fa-io iu-no jo-na-wa iamesi-no noisi-no 
fUo-no fude-narL 

Die in der Erklärung als Muster hingestellten vier (ehiuesischen) 
Wörter: „der Fuss des Berges heisst/a (Rand)« sind von Späteren 
geschrieben. 






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Mata ma-sa-ka-tsu-fio tm-mo amari-narü-besi, naki moto- 
mo are-ba-nari. 

Auch das tau in der Verbindung masa-katsu (die nach der 
früheren Erklärung wa -«a*fl „die wahre Bergtreppe** heissen soll) 
muss überflüssig stehen; denn es ist ein nicht vorhandener Text. 



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Aru-fumi-m iwaku sika-sika-no mu-na^mo ko-e u-kan-fan-no 
jo-na-mo mina notsi-no fito-no si-waza naru-besi, anbete eki-naki 
koto kami-ni-mo ijeru-ga gotosi. 

Auch die sechs (chinesischen) Wörter „in einem Buche heisst 
es** (in dem Texte der Urkunde stehen die Laute masa-katsu mit 
verschiedenen Zeichen) u. s. f., ferner die vier (chinesischen) 
Wörter ko-e u-kan-fan (Laut u-kan zurückkehrend, d. i. trau, die 
chinesische Aussprache des Wortes aiki „mannigfaltig") müssen das 



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Nachrichten von den Söhnen des Gottet I-sa-nagi. 213 

Werk Späterer sein. Es sind sämmtlich unnutze Dinge, ahnlich den- 
jenigen, von welchen oben die Rede war. 



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^ ':^ % ?< L 7 ') ^ !) ^ / 

Mi-agari, ko-wa kamu-sari-masi-te ßmur%'maisnru'aida''ni 
mi'si-kabane-wo oki-matsuru tokaro-wo iü- 

„Die Aufbahrung." Es ist hier der Ort gemeint, wo die Göttinn, 
als sie göttlich verschieden war und begraben werden sollte, hinge- 
legt worden war. 



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ütsusi-mi-mi-no goto. Mi-tama-no tUausi mi-mi-no gotokti 
nari'te ide-mukai-'tamai'Si'naru 

„So wie sie lebte.** Der Geist der Göttinn nahm die Gestalt 
ihres sichtbaren Leibes an und sie ging dem Kommenden entgegen. 



7 ^ I- r ,. t ^ t' ;^ -N ^ 1 7 I- 



Mi-kotO'kcUarai'iamai'ki. Koko-mo iki-kajeri-tamawamu-ko- 
to'wokatarai'tnmai'si'naru-be'kere'do sono koto naku-te kotO' 
tarazu* 



214 Dr. Pfizmaier, Die Aosle^ngeo zn den 

„Sie wechselte mit ihm Worte**. Obgleich die Gottinn daron 
sprechen mochte, dass sie ins Lehen zurückkehren wolle, wird dies 
doch nicht angesehen, und die Sache ist unvollständig. 






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Tatsi-matsi-ni mije-tamuwazu. Ide-katarai-tamai-si mi-ka- 
tntsi-no rntje-tamawanu-nari, 

„Sie wurde plötzlich unsichtbar.** Die Gestalt der Gottinn, in 
der sie gekommen war und Worte gewechselt hatte , wurde nicht 
gesehen. 







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koko-no soba-toki-no magire'tani'monO'nnri 

„Ein Licht** (in der Wörterschrift: Das Feuer eines Spanes). 
Da in der ohenstehenden Urkunde die (durch chinesische Zeichen 
ausgedrückten) Worte „ein Holzspan** u. s. f. vorkommen, so wurde 
diese Randerklärung durch V^ersehen hieher gesetzt. 



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Fare'tutaje-masi'to sika-sika, Jto mi-nikuki mi-ari-sama 
sirU'besi, 



Nachrichten von den Söhnen des Gottes l-za-nagi. 215 

^Sie war stark geschwollen** u. s. f. Es lässt sich erkennen, 
dass die Göttinn ein sehr hassliches Aussehen hatte. 



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IkadztUsi'domo mina tatsi-te sika-sika, i'^ca-nami-no mikoto- 
no owase-tamd-naru-ben. Säte kono fare-tatoje-masi^ie sika-si' 
ka-ica mi-agari-no fodo-ni ai-kabane-no kawari-juku-sama-wo tö- 
ni'ja aramu , mata mi-agari-no tokoro-jori tada-ni jo-mi-je oi- 
ide-masi-ie jo-mi-no koto-ni-ja aramu. 

nSämmliche Donner erhoben sich** u. s. f. I-za-nami-no Mikoto 
mag sie zur Verfolgung ausgeschickt haben. Es fragt sich übrigens, 
ob die Stelle: „sie war stark geschwollen** u. s. f. die Bedeutung 
hat , dass der Leichnam , indem er aufgebahrt war , in Verderbniss 
überging, oder ob der Gott von dem Orte der Aufbahrung blos in 
die Unterwelt nachfolgt und dies in der Unterwelt vorgeht. 






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216 Dr. Pfizmaier, Die Auslegungen ku den 

Ümd'7ii kono aru-fumi-wa koto-nant tsuiaje-iiite fare^cUaje- 
masi-te sika-sikn-tva mi-agari-no fodo-no si-kal/ane-no sama-ito 
iu-nite so-wa jo-mi-no mi-katatsi-no wi-nlkuki-to onazi-kere-ba 
magai'te pto-tsu sama-ni tsutoje-tarn-ni-ja aramu. Most sara-ba 
kono aru-fumUnite-wa ikadziitsi-no oi-si-mo momo-no ki sika-si- 
ka-mo mi-agari-no tokoro-jori kajei^i-tamö mitsi-no koto-naru-besi 

Nach unserer Meiiiunp^ ist diese Urkunde eine verschiedene 
Überlieferung und die Worte: „Sie y,av stark geschwollen" u. s. f. 
drücken den Zustand des Leichnams zur Zeit der Aufbahrung aus. 
Da dies mit der Hässlichkeit der der Unterwelt angehörenden Gestalt 
der (jüttinn gleichbedeutend ist, so wird dies wohl aus Irrthum auf 
eine und dieselbe Art überliefert worden sein. Wollte man noch wei- 
ter gehen, so mögen die in dieser Urkunde vorkommende Verfolgung 
durch die Donner und dasjenige, was in der Stelle: „Ein Pfirsich- 
baum'* u. s. f. erzählt wird, Dinge sein, die sich a\if dem Wege, auf 
welchem der Gott von dem Orte der Aufbahrung zurückkehrte, sich 
ereigneten. 



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Sare-do ko-wa arU'fumi'nomi»no koto-ni koso are, kanarazu- 
si-mo kore-ra-no kotonnru tsutaje-ni magai-te jo-mi-to iä-mo ma' 
kotO'Wa kono mi-agari-no tokoro-no knto-nari nado omoi-ajama- 
ru'koto na-kare. 

Übrigens ist dies nur in einer einzigen Urkunde enthalten, und 
man möge sich ja nicht durch solche abweichende Überlieferungen 
täuschen lassen und irrigen Gedanken, wie derjenige, dass das, was 
man Unterwelt nennt, in Wirklichkeit dieser Ort der Aufbahrung ist, 
Raum geben. 



Nachrichten Ton den Söhnen des Gottes l-za-nsgi. 217 

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Matu subete kono fumi-wa inisi'je'tsutaje'Wo fubu-kare-taru 
tokoro-mo owo-kare-ba mi-agari-no tokoro-no simo-ni jo-mi-made 
oi'ide-masi'Si koto-no ari-si^wo fabukare-taru-nite-mo nru-besi. 

Da ferner diese Urkunden auch viele Stellen enthalten, an welchen 
die alten Überlieferungen gekürzt wurden, so mag unterhalb der 
Stelle: „die Aufbahrung*' die Erzählung von dem Nachsetzen bis in 
die Unterwelt vorhanden gewesen aber weggelassen worden sein. 



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Mi'-tsU'e'fto nage'tamai sika-sika, Ko-wa farai-tamö-ni-wa 
arazu ikadzutsi-domo-wo saje-tamd mi-ai-waza-nite kami-no mi- 
na-mo sono koio naru-beat. Saie sono taii-e-wo jaga-te kami-to 
mawosu'to kikoje-tari. Sare-do fumi-ni-wa kore-mo nnge-tUauru 
mi-tsu-e-ni nari-maseru kami-no mi-iia-wa t8iiki'tai8ti'fu9ia''dO'fio 
kanä'to ari. 



218 Dr. Pfizmaier, Die Auslegungen so den 

^Er warf seinen Stab weg** u, s. f. Der Gott bewerkstelligt 
hier nicht die Reinigung. Er thut dies, um sich von den Donnern ab- 
zuschliessen, und der Name des (in der Urkunde genannten) Gottes 
(der Gott der Schiffthüren) wird auch diese Sache ausdrucken. Dabei 
findet man, dass der Stab ohne weiteres ein Gott genannt wird. In- 
dessen heisst es auch hier in der Geschichte : Aus seinem Stabe« den 
er wegwarf, entstand ein Gott, dessen Name Tsuki-tatm-funa-do-no 
kami (der plötzlich sich erhebende Gott der SchiiTlhuren). 



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KonomotO'nonndkn'Sika-no towo-na-wa notai-no fiio-no fude- 
fiaru-besi. Moto-no na-wo oki-te notsi-no na-wo iü-beku- mo arazu' 
to okina-mo iware-su 

„Sein ursprüngliche Name" u. s. f. Diese zehn (chinesischen) 
Wörter müssen von Spateren geschrieben sein «). Dass man nicht den 
ursprünglichen Namen setzen und ihn zugleich als späteren Namen 
anfuhren könne, hat auch Okina gesagt. 



Diese in dem Buche nur in chinesischer Schrill enthaltenen Wörter lauten japanisch 

.».gedruckt: 7 .f h l "^ ; ^ ^v' f f 7 f >' 1' =t 7 =» 

kono moto-no na funa-do-no oja-no kami-to iu. Sein nrsprOngUcher Name ist: 
der göttliche StamniTater der Schiffthüren. 



Nachrichten too den Söhnen des Gottes I-xa-nagi. 210 

^' l"! f ^1<J "r'^^ ff )^ 

Ja-kusa-no ikadzuisi-gami. Ima-no jo-ni-mo fi-no kami-nari 
midzu-no kami-nari nado-mo i-t, idzure-uo mUmaki-ni-ka iatUsi- 
ikadzuisi'to iu kot(Mno ari-si nawo kusa-gusa-no ikadzuisi am- 
best, Ima kami-nari naru-kami nado iu-nomi-ni-wa arazu, so-wa 
fumi'jii naru-ikadzutai'to ari, 

„Die acht Donnergötter.*' Auch in dem gegenwäiiigen Zeitalter 
gebraucht man Worte wie „Feuerdonner", „ Wasserdonner" , in ei- 
nigen erhabenen Büchern wird der „Erddonner*' genannt, und es muss 
noch mehrere verschiedene Donner geben. Heut zu Tage beschränkt 
man sich nicht auf Ausdrücke wie kami-nari (das Guttertönen, d. i. 
der Donner), naru-kami (der tönende Gott , d. i. der Donner). An 
dieser Stelle kommt in der alten Geschichte ein „tönender Donner** 
Tor 

Zu dem Texte der nächsten Urkunde wird vorerst in einer An- 
merkung folgendes gesagt : 

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220 Dr. Pfizmaier, Die Auslegaogen ii de« 

SuzU'ki'iio kasane-tosi iwaku: kohi-ki sika^zika-no towo- 
amari fito-na-wa iiotsi-no fUo-no soba-kaki-nado-no magire-iaru' 
ni'wa arazarn-ka-to i-i-te jorni-wo fabuki-taru-wa saru^koto nare- 
do uje-da-no momo-ki-ka ko-wa fuia-basira-no katni jo-nuhtm 
fira-saka-ni ai'arasownsi'si'toki-nari'to jotni-tam-wo sikaru-ben' 
to ije^^u-ni jori-te koko-ni kaki-sojeni-naru 

Suzu-ki'Ho kasane-tosi sngi: In der Voraussetzung, dass die 
eilf (chinesischen) Wörter: „zur Zeit, als er (der Gott I-za-nagt)" 
u. s. f. «) wohl nicht etwas wie die aus Versehen hierher gesetzte 
Randschrift Späterer sind und obgleicli die Auslassung der (japani- 
schen) Lesart etwas Abgeschlossenes ist, wurde diese zufolge dem 
Ausspruche Uje-da-no niomo-kVs , dass es angemessen sei (als Ei^ 
klärung) zu lesen: „Dies war die Zeit, wo die beiden Stammgotthei- 
ten an der flachen Treppe der Unterwelt mit einander stritten", hier 
hinzugeschrieben. 

Eine zweite Anmerkung am Schlüsse der Urkunde lautet: 



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1) ; ^ I- ^ - 1) ; f -f 

Natsu-me-no mika-mitsi iwaku: tomo-ni na-kajeri-masi-sth 
wa i-za-nami-no mikoio-no a-wa kono kuni-ni todomari^te na-^ä 
mikoto-to tomo-ni utsusi-kuni-ni-toa juku-mazi-ku koso omoje-U 
no-iamd-to nari, tomo-ni na-kajeri-masi-so-to jorni-tarti-wa fumi" 
no kokoro'tagajeri'to ijeri. 



<) Diese als eine Einschaltung betrachteten chinesischen Wörter geben den Siu: 
Zar Zeit alt er mit seiner jüngeren Schwester an der flacheo Treppe der Unter- 
welt stritt. 



Nacbrichton Ton den Söhoen des Gottet I-Kt-nagi. Hl 

Natsu-me-no Mika-müsi sagt: „Kehre nicht mit mir zurück" 
(als Erklärung der in der Urkunde enthaltenen chinesischen Zeichen 

^ iL p]* ;^ , deren eigentliche Bedeutung hier: Ich darf 

nicht mit dir fortziehen) soll so viel heissen als: „Sie sprach: Ich 
bleibe in diesem Reiche und ich glaube, dass ich mit dir, o Geehrter, 
in das sichtbare Reich nicht werde zurückkehren können". Die (ja- 
panische) Lesart: „Kehre nicht mit mir zurück" ist dem Sinne 
des Textes zuwider. 

Eine dritte Anmerkung an dieser Stelle lautet : 





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07iazi mika-miisi iwaku: na-ga mikoto a-ga kokoro-wo mi- 
tamai'tstire'ba are-mo na-ga mikoto-no mi-kokoro-wo mi-ki, köre- 
wa sei'WO ko-e-ni joma-ba joku kikafuru-wo kokoro-to jorni-te-wa 
ma-kotO'Hi kikcjenu fumi-nari, Jo-bumi-no asiki-ni-wa arazu 
jomi'fio tatai-taru-ju-e-ni kikojenu-nari. 

Derselbe Mika-miisi sskgi: „Da du, o Geehrter, mein Inneres 
durchblickt hast, so habe auch ich, o Geehrter, dein Inneres durch- 
blickt". Wenn man hier das Wort sei (Gemüthsart) nach dem (chine- 
sischen) Laute liest, so lässt sich dies gut hören. Wenn man es aber 
(mit dem japanischen Laute) kokoro liest, so ist dies in der Tliat ein 
Text, der sich nicht hören lässt. Der gewöhnliche (chinesische) 
Text ist nicht schlecht, weil aber die (japanische) Lesart abgeschnit- 
ten ist, lässt es sich nicht hören. 



222 Dr. Pfiimaier, Die AasJef^Bgea lo des 



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£0710 toki'Ho jomi-no tamesi-ni aitagai-te joma-ba are-nifadzi' 
mise-tamai'tHure-ba are-mo na-ga mikoto-ni fadzi-mine-matmiran- 
io mawosi-iamaje-ba-to jomu-besi^ A-ga kokoro-wo miru-to iu- 
koto kara-bumi-no kata-ni-ica fanasi jorni-jo-w^o je-zam-ju-e-ni 
kikojenu'fumi'tü nari-si-nari-to ijeri. 

Wenn man nach dem Beispiele der Lesart dieser Erklärung 
liest, so soll man lesen : ,,Sie sprach: Da dn mich beschämt hast, so 
werde ich auch dich, o Geehrter, beschämen**. Weil der Ausdruck 
„mein Inneres durchblicken" nach der Seite des chinesischen Textes 
lostrennt und dabei die Lesart nicht getrolTen wird, so ist dies ein 
Text geworden, der sich nicht hören lässt. 

Die Auslegung beginnt wieder: 

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I-za-nagi-no mikofo sika-sika. Koko-ni-mo jo-mi-je iri-masi- 
ki'io iu koto ari-si-ga tamesi no fabukare-faru-ku notsi-ni ioki- 
taru'ka naku-te-wa ika-ga nari. 



Ntehrichten von deo Söhnen des Gottes I-xa-nagL 223 

y^l-za-nagi-no mikolo** u. s. f. Auch hier muss die Stelle in der 
Vorlage, wo es heisst, dass der Gott in die Unterwelt getreten, ent- 
weder weggelassen oder später erklärt worden sein. Da die Sache 
nicht vorhanden ist, so fragt es sich, woher dies kommt. 



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ügara-wa ugara-jakara-no ttgara-ni onati-ku»itasimu koto-ba 
narti-besi. 

Das Wort ugara (Verwandtschaft) ist mit dem in ugara-jakara 
(die Leute der Verwandtschaft) vorkumnienden ugara gleichhedeu- 
tend und ma? ein Ausdruck der Vertraulichkeit sein. 






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Äre-wo na-mi-masi-so sika-sika, Nawo mi-iamai-ki, koko- 
ni-mo fi'wo iobosi'iamö'-koto'no ari-si-ka moto-jori isutaje-no 
kotonaru'ka. 

„Blicke nicht auf mich*" u. s. f. „Er blickte sie dessen ungeach- 
tet an**. Es fragt sich, ob es auch hier vorgekommen , dass der Gott 
ein Licht anzündete, oder ob die Überlieferung ursprünglich ver- 
schieden ist. 



224 Dr. Pfizma ier. Die Ausle^ogen ku den 



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A-ga kokoro'wo mi'tamai'tsure'ba: ko-wa mi-katatsi-tco mi- 
tamd-nam-wo kaku no-tamö-wa ika-naru-koto-ni-ka^ mosi sono 
mi'kntaUi'WO mi^tamö-icn na-mi-mcLsi-so-to no-tamai-si mi-kokora- 
wo mi'tamd-nari'to-ja iwamnai, Sare-do snrn mutsu-kasi-ki koto 
inisi-je-tsulaje-ni aru-beku-mo arazu-fian. 

„Da du mein Inneres durchblickt hast**. S» spricht sie, als er 
ihre Gestalt erblickt und es fragt sich, was dies bedeute. Vielleicht 
will sie sagen, dass, indem er ihre Gestalt erblickt, sie gesagt habe: 
„Blicke nicht auf mich**, und er (bei diesen Worten) ihr Innerei 
durchblickt habe. Indessen ist es nicht der Fall, dass die geschehene 
verdriessliche Sache die alte Überlieferung sein muss. 



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NadiriehteD Ton den Sölmeii des Gottes l-za-nagi. 



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Are-mo na^ga mikoto-no mi-kokoro-wo mi-ki, ko-mo mi-iamd' 
na^io mawosi'tamni'si'kotO'WO kiki-tamawazu-te mi-tamaje-ba 
utoki kokoro-no mife-tamd-io iü-koto naru-beki-ka, kare fadziikasi- 
to omowosu-ni-ja aramu obotsuka-nasi. 

„So habe auch ich, o Geehrter, dein Inneres dui'chbliekt". 
Dies mag ausdrücken, dass, als der Gott auf ihre Worte, mit denen 
sie ihm gebot, sie nicht anzublicken, nicht achtete und sie anblickte, 
seine Abneigung sich gezeigt habe. Ob sie dies etwa für schimpflich 
gehalten, lässt sich nicht ermitteln. 



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Kajeri-namu-to n-tamd, ko-wa mi-kafatsi-no muku-tauke-ki- 
toomi-odoroki-tamö-Homi-ni-iDa arazu sono mi-urami-koto-no sara- 
nartt-wo fadti-tamai-te naru-begi. 

JEr wollte zurückkehren". Dies ist nicht blos desswegen, weil 
er beim Anblick ihrer verwilderten Gestalt ersehrocken, es wird auch 
sein, dass er sich über ihre gewechselten Worte des Hasses schämte. 



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Sitsb. der pUl.-hist. Cl. L. Bd. III. Hft. 



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226 Dr. Pfismaier, Die Aof legvngea ii 4mi 

Tada-ni kajeri-tamawazu-te sika-sika, sumijaka'ni iatsi-ide- 
iamai'si'WO tatsi-kajeri-iamai-te ima-jorl nagaku imo-se-no mt- 
mutsubi'WO taisi'tamawamU'kotO'WO no-tamd-ni-zo aramu. 

„Er kehrte nicht unmittelbar zurück*' u. s. f. Indem er schleu- 
nigst fortging, wird er sofort wieder zurückgekehrt sein und ihr ge- 
sagt haben, dass von jetzt an für immer das Band zwischen jüngerer 
Schwester und ^ Bruder zerrissen sein solle. 



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ügara fanaremu sika-sika. kore-wa kami-no koto-do-no ukei- 
ni onazi'ku imo-se-no naka-wo tatsi-iamd mi-koto-ba naru'besi 

„Verwandte, wir werden uns trennen** u. s. f. Dies wird mit 
dem oben vorkommenden Schwüre hinsichtlich der getrennten Thüre 
gleichbedeutend und ein Wort sein, durch welches der Gott den 
Bund zwischen Mann und Weib zerreisst. 



7^-^fxi^MxJi 

Matn nori-masi'te sika-sika, ko-mo tada mi-sHasimi-wo tatsi- 
tamö mi'kotO'ba'tii'ja mata make-zi-wn knuo tsi-i-wo-fito umana- 
to no'tamai-si koto-ni-zo aramu. 



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Nachrichten TOD den Söhnen des Gotfes I-za-nagi. 227 

„Er sagte ferner** u. s. f. Auch dies ist wohl ein Wort, mit 
welchem er die Freundschaft kündigt. Dass er noch hinzusetzt : „Ich 
werde mein Wort nicht brechen**, wird auf jene Worte des Gottes: 
„Ich werde eintausend fünfhundert Menschen hervorbringen**, Bezug 
haben. 



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Tsubaki'Si-iamai-ki sika-sika. Jo-mi-no kitanaki-wö kirai- 
sake^iamd mi-ai-waza naru-besL Ima-no jo-ni-mo kiianaki mono- 
wo mitm-toki tsubakisu koio aru-wa sono mono-wo kirai-sakete 
sare-ni mazikorazi-to auru waza-nare-ba-nari. Säte koko-mo 
isubaki-si-tamai'kl, kore-ni jori-4e nari-maseni kami-no mi-na- 
wa sika-sika nndo arisi-wo wadzuka-no fabukare-taru mono- 
naru'besL 

„Er spuckte aus** u. s. f. Hiermit wird der Gott seinen Abscheu 
vor dem unreinen Zustande der Unterwelt zu erkennen gegeben 
haben. Auch in dem gegenwärtigen Zeitalter pflegt man , wenn man 
einen unreinen Gegenstand erblickt, auszuspucken, wodurch man zu 
erkennen gibt, dass man den Gegenstand verabscheuet und durch 
ihn nicht zu Schaden kommen will. Übrigens mögen sich auch hier 
(in dem zu Grunde liegenden chinesischen Texte) Stellen wie: „Er 
spuckte aus. Der Gott, der hierdurch entstand, führt den Namen** 
u. s. f. sich gefunden haben und dabei eine Kleinigkeit ausgelassen 
worden sein. 



15* 



228 Dr. Pfismaier, Die Aailegungen xa den 

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Farai'lamni'ki sika-stka-mo koto-bn tarazu kikoje-gata-kere- 
do farai'iamd mi-si-waza ari-te sono mi-ai-wazani jori-te kami" 
Jio nnri-maseiru naru-hesi. Mi-na-no ke-mo saka-to jorni-te-mo 
toke-to jorni-e-mo mi-sitasimi-wo toki-sake-tamd-koto-nari 

„Er reinigte sich" u. s. f. Auch hier sind die Wörter unvoll- 
ständig und geben schwer einen Sinn <)• Indessen ist die Handlung 
des Reinigens vorhanden, und durch diese Handlung wird ein Gott 
entstanden sein. Üas in dem Namen dieses Gottes (Jo-mo-tsu kota- 
sakd) vorkommende Zeichen ke wird sowohl saka (d. i. sake^ zerris- 
sen sein) als toke (aufgelöst sein) gelesen und bezeichnet, dass der 
Gott das Band der Freundschaft löst und zerreisst. 



— f" »' , t ! ' g- 7 «- 7 ^' i Jli?- 



In der Wörlerschrifl allein er§ribt sich an dieser SIellt* der Sinn: Der üoU. wel- 
chen er reiuig^te, heisst u. s. f. 



Nachrichten von den Söhnen des Gotte« I-u-nagi. 229 

Koku kijo mal sika-aika. Ko-wa owoku fumi-no otsi-iara-ka 
fumi'tstidzukazu kare omd-ni kono aru-fumi-wa subete kotonaru 
omomuki nare-ba koko-mo fira-saka-ni-te no-koto-ni-wa arazi-wo 
futa-basira-no kami-no mi-age-tsurai-wa mina fira-saka-ni-te no- 
kotO'to omoi-ie juhiri-naku notsi-no fito-no soba-kakaseru-ga ma- 
gire-taru-ni-wa arazaru-ka sibaraku kono towo amari fito na-wa 
jorni-wo fabuki'isu. 

„Als er mit seiner jüngeren Schwester" u. s. f. Hier ist wohl 
zum grossen Theile der Text weggefallen und dieser wird nicht fort- 
gesetzt. Nach unserer Meinung mochte man, da diese Urkunde von 
einem ganz anderen Inhalt und somit die Worte an der flachen Treppe 
hier nicht vorkommen, gedacht haben, dass sämmtliche Unterre- 
dungen zwischen den beiden Stammgöttern zu den Worten an der fla- 
chen Treppe gehören, und es fragt sich, ob nicht dasjenige, was 
Spätere an den Rand geschrieben haben, aus Versehen eingeschaltet 
wurde. Demnach wurde die (japanische) Lesung dieser eilf (chine- 
sischen) Wörter ohne Weiteres ausgelassen. 



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ügara - wo sika - sika, Nanimo - no mikoto - wo fitaburu-ni 
kanasimi'sitai'te jo-mi-made oi-ki-ai-koto ima omoje-ba a-ga 
kokoro-no isutanakari si-nari. 

„Die Verwandte" u. s. f. Dies ist so viel, als ob er sagte : Wenn 
ich jetzt bedenke, dass ich die Geehrte, die jüngere Schwester, fort- 
während bedauerte und mich nach ihr sehnte, dass ich ihr bis in die 
Unterwelt nachfolgte, so finde ich, dass mein Geist schwach war. 



230 Dr. Pfiimaier, Die Aoslegongen n den 



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Imu'Wa sumijaka-ni kajeri-tamaje-to no^amö-uari, so-wü 
kami-no aru-fumi fumi-no tsutoje-ni-tno fira-saka-made oi-todome- 
matsuri'si'koto kami-ni-mo ijeru-gotoku jo-mi-no saka-wo mm- 
maisuri-te-wa kajesi'tamö'kotO'ja sukarazu jo-mi-no kami-domo- 
no io - kaku todome - matsuru - ni tsuki - te kaku -toa no - tamo- 
fiarU'besL 

Jetzt sagt er, dass er schleunigst zurückkehren wolle. In der 
obensteheiidei) Urkunde und in den Überlieferungen zu der Geschichte 
findet hier, um ihn zurückzuhalten, die Verfolgung bis an die flache 
Treppe der Unterwelt statt, wie auch oben gesagt worden. Als er die 
Treppe der Unter» elt erblickte, hatte er wohl an der Rückkehr keine 
Freude, da ihn jedoch die Götter der Unterwelt durchaus zurückhal- 
ten wollten, mochte er in Folge dessen so gesprochen haben. 



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ima kajeri-tamatoamu'to si-tamö mitsi-rnjosi-aru kami nam-besu 



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Nuchrichten von den Söhnen des Gottes Nsa-nagi. 231 

„Der Huter des Weges" ist, wie die Worte ausdrücken, der 
Gott, der die Wege der Unterwelt hütete, und wird der Gott sein, 
der auf dem Wege, auf welchem jener zurückkehren wollte, etwas zu 
thun hatte. 



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Mawoai-tsuraku'wa simo-no mi-koto-ba-nüe i-za-'nami'no 
mikoto^no no-tamd-koto-wo tsirinori-ga mawosu-nari. 

„Er meldete". Mit den unten stehenden Worten meldet der Hü- 
ter des Weges, was I-za-nami-no mikoto gesagt. 






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Are^to mimaai'io sika-aika. Kuni-wo umi-ki-ni jorodzu-no 
numo-mo kamoru-besi. Säte tomo-ni kuni-wo umi-tsukuri-tamai- 
te jorodzu-no mono-wo umi-nasi-tamaje-ba ima-wa kajeri-te-mo 
mata nani-wo-ka umi-nasamu^ a-wa kono kuni-ni todomaru-besi. 
ügara-no mikoto-ni-mo iomo-ni todomari-te na'kajeri-masi'SO'to, 
no-tamd-naru-besL 

„Ich und du" u. s. f. In dem Worte „wir haben ein Reich her- 
Torgebracht" mögen auch die zehntausend Dinge eingeschlossen sein. 
Indessen mag die Gottinn hier so viel sagen als : Nachdem wir in Ge- 
meinschaft ein Reich hervorgebracht und aufgebaut, den zehntausend 
Dingen das Dasein gegeben, was sollte ich jetzt , wenn ich auch zu- 
rückkehrte, ferner hervorbringen? Ich muss in diesem Reiche ver- 



232 Dr. Pfizmaier, Die Auslegmigen sn den 

bleiben. Auch zu dem Geehrten, ihrem Verwandten sagt sie: Nimm 
hier mit mir deinen Aufenthalt und kehre nicht zurück «). 






Kukuri'fime nika-sika. Ko-wa nani-goto-wo mawoseru-m-ka 
aramn, i-za-nagi-no mikoto-no kiki-tamai-te josi-to no-iamai-si" 
nare-ba joki koto-too mawoseru-narn-hesi, so-wa jo-mi-no kamt" 
domO'to joki sama-ni age-tsurai-te snmijaka-ni utsusi-kuni-je 
kajeri'tamo'beki josi-wo mawoseni-nani-hesi Fumi-ni i-za-nami- 
no mikoto-no jo-mo-tsu kami-fo nge-tsurawamu-to no-tamai-si- 
koto'ino are-ba-nari, 

yyKuknri'fime'' u. s. f. Dieselbe soll irgend etwas gemeldet 
haben. Da I-za-nagi-no mikoto, nachdem er es gehört, ausrief: Es 
ist gut ! muss sie etwas Gutes gemeldet haben. Dies muss darin be- 
standen haben , dass sie , indem sie in ihren Berathungen mit den 
Göttern der Unterwelt gut zurecht gekommen, ihm die Mittel angab, 
wie er schleunigst in das sichtbare Reich zurückkehren könne. In der 
alten Geschichte kommt auch eine Stelle vor, wo I-za-nami-no mi- 
koto sagt, dass sie sich mit dem Gotte der Unterwelt berathen wolle. 



Hiermit ist die oben gebrachte Anmerkung Satm-me-no Mika-mitsV» xu verglei- 
chcn, der hinsichtlich dieses Wortes anderer Meinung: ist. 



Ifachrichteo von den Söhnen de« Gottes I-za-n«^. 233 



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Arake-masi-nu. Kukuri-fime-ga mawoseru koio-ni jon-te i-za- 
nagi-no mikoto so-ko-jori tada-ni kajefi-tamaje-ba tsi-mori kukuri- 
fime nado so-ko-ni tsudojeri-si jo-mi-no kami-domo-mo minn 
sari'si-nari. 

^Sie entschwanden plötzlich**. Als I-za-fiagi-no mikoto in Fol- 
ge der Worte, welche Kukuri-fime meldete, aus jenen Gegenden so- 
fort zurückkehrte, waren auch der Hüter des Weges, Kukuri-fime 
und die übrigen Gottheiten der Unterwelt, welche sich daselbst ver- 
sammelt hatten,' entschwunden. 






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Kono tsukaje-nite-wa kano tsl-fito-wo kubiri-korosamu nado- 
no mi-un'ami'koto-mo tiaku i-za-nagi-uo mikoto kukuri-fime-gn 
kolo-ha-wo josi'to site tada-ni kajeri-tamai-si-naru-besi, kotonaru 
tgutaje-nari. Sare-do kono aru-fiimi-wa koto-ni owoku koto-wo 
fabukare-iaru'ka mata notsi-ni otsi-ajamareru tokoro-mo aru-ni- 



234 Dr. Pf is mal er. Die Aiulegoogen so den 

ja ka-ni kaku-ni mutsu-kasi-hi kokoro -je - gataki koto-domo 
owoki-nari. 

In dieser Überlieferung ist jenes „ich werde tausend Mensehen er- 
würgen** so wie andere Worte des Hasses nicht enthalten, I-za-nagi- 
no mikoto heisst die Worte Kukuri-fimes gut und kann geraden 
Weges zurückkehren. Es ist eine abweichende Überlieferung. Übri- 
gens mögen wohl in dieser Urkunde häufig Stellen abgekürzt oder 
später aus Irrthum weggelassen worden sein. Jedenfalls finden sich 
in ihr viele schwierige und unverständliche Dinge. 



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Sikare-domo mi-dzukara, koko-mo sate-notsi-ni i-^za-nagi-M 
mikoto sika-aika nado aru-beki tokoro-nari. 

„Dessen ungeachtet** (war es unheilvoll gewesen, dass er) «in 
Selbstheit**. Hier soll die Stelle ungefähr lauten : „Endlich (wollte) 
I'Za-nagi-no mikoto'' u. s. f. 



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Awa-no to-wa awa-no kuni naru-besi. 

-Die Thüre von Awa*^ kann das Reich Awa sein. 



Füja-sui-na-do-wa bun-go-no kuni-ni ari-to-zo. 
Füja-mi-na-do befindet sich in dem Reiche Bun-go. 



Nacfarichteo von den Söhnen des Gottes I-sa-nagi. 235 

Tatsi-bana-no wo-do. Kami-no aru-fumi fumi-ni-mo onazi 
awagi-wara-ni'te kamt aimo naka-no se-wo jerabi-tamai-si-wo 
koko-wa fazime ftUa-tokoro-ni itari-masi-te jerabi-te tsui-ni koko- 
ni itari-masi-gi-nari. 

^Die kleine Thüre des Citronenbaumes^. In der obenstehenden 
Urkunde und in der Geschichte wählt der Gott in Awagi-wara (der 
Ebene des Baumes Awagt), welches eben derselbe Ort, zwischen der 
oberen, unteren und mittleren Stromschnelle. Hier trifil er anfanglich 
an zwei Orten ein und ist endlich, indem er wählt, zu dieser 
Stelle gelangt. 



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Midzu-ni iri-ie iwa-tsutsi-no mikoiO'tco fiiki-nasi-tamai sika- 
Hika. Iwa-isutsi-no mikoto-wa kami-no tautsu-no wo-no mikoto-ni 
(mazi'kti^ aoko-tsuigi-wa soko-imtm, owo-aja-tsu fi-wa owo-maga- 



236 l>r. Pfizinai«*r, Die Aiislegun^n sb den 

tifu fi, aka-tsutsi'ica tinka-tsuisu-ni onazi-kn mina koio-ba kajoi-te 
kami-uo aru-fumi-to onazi-kami-tatai-narL 

^Als er in das Wasser trat, brachte er durch sein Blasen den 
Geehrten Iwa-tsutsi hervor** u. s. f. Iwa-tsuisi-no mikoto ist mit dem 
oben vorkommenden Tsutsu-no wo-no mikoto <) gleichbedeutend. 
Soko'tsutsi^ ist mit Soko-iauisu , Owo-aja-isu-fi mit Owo-maga- 
tsn-fi-), Aka-tsutsi mit Naka-isiUst gleichbedeutend. Die Wörter 
gehen (hinsichtlich ihres Lautes) in einander über, und es sind 
dieselben Götter wie die in der oben enthaltenen Urkunde. 



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SlkarU'WO owo-aja-tsu-fi-no kami-no owo-nawo-bi-no kami-no 
notsi-ni nari-maseru-tca ika-ga-naru koio-naru magajeru-mowi 
naru'besi. 

Es fragt sich jedoch, wie es kommt, dass Gott Owa-aja-tm-f 
und Gott Owo-nawo-bi später entstehen. Es wird dies in Folge von 
Verwirrung sein. 



1) So in der Auslegung. In der obigen Urkunde werden jedoch drei Tenchie 
Götter : Soko'Uutm-no wo-no mikoto, Naka-uutsu-no wo-no mikoto ond Uwm-tiulm' 
no wo-no mikoto angeführt. Iwa-ttutsu-no %po-no mikoto^ dessen Name dem obigen 
eigentlich entsprechen sollte, ist einer der Gotter, der aus der Spitxe des Sollwer- 
tes, mit welchem l-zu-nagi-no mikoto den Fenergott lerhieb , entstanden. 

*) So die Auslegung. Der Name des Gottes lautet jedoch in der bezfigUchen 
Urkunde : Ja-so-maga-tsu-fi. 



Nachrichten von den Söhnen de« Gottes I-sa-nagi. 237 

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OwO'tsutsi una-wara-no moro-moro-no kamt. Ko-wa umi 
jama-no moro-moro-no kami-to twamu-ga goiosi. Sare-do kono 
tni'farai-no ioki jama-nu-no kami-^o umi-tamd-koto foka-ni-wa 
mijenedo fumi-ni mde-ni kuni-wo umi-wojete sara-ni kami-wo 
umi^masUi kare kami mi-na-wa owo-koto-osi-no wo-no kami-wo 
vfni-masi, tsugi-ni iwa-tstUBi'fikO'-no kami-wo umi-masu sika-sika- 
to ari'te t8tigi't8ugi''ni owoku-no kami-wo umi-tamd-naka-tU jama- 
no kami nu-no kami ki-no kami kusa-no kami nado ari. 

„Sämmtliche Götter der grossen Erde und der Meeresfläche**. 
Dies ist so riel als ob man sagte : Sämmtliehe Götter des Meeres 
und der Berge. Indessen ist sonst nirgends zu sehen, dass er zur Zeit 
als er sieh reinigte , die Götter der Berge und der Felder hervorge- 
bracht hätte. Allein in der Geschichte heisst es : „Nachdem er das 
Reich endlich hervorgebracht, brachte er wieder Götter hervor. Er 
brachte daher einen Gott hervor, dessen Name Owo-koto-osi-no wo- 
no kamt Diesem zunächst brachte er Iwa-tsuisi-fiko-no kami her- 
vor" u. s. f. Unter den zunächst folgenden vielen Göttern, welche er 
her^'orbringt, befinden sich auch die Gottheiten der Berge, der 
Felder, der Bäume, der Pflanzen und andere. 



238 Dr. PfisDaier, Die Ansle^ptogen sv den 

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magirete koko-tn ire-taru mono-nari-to fumi-no tsutoje-ni iftate- 
tarti'WO mite siru-besi. 

Dies ist eigentlich eine verschiedene Überlieferung des Ab- 
schnittes von der Reinigung und ist in Folge von Ven^'iming hier 
eingeschaltet worden. So wurde in den Überlieferungen zu der Ge- 
schichte gesagt, woselbst man nachsehen und sich überzeugen kann. 







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Toki-no zi-no na-wa zi-no kawasi-ajamari-naru-besu 
Das in der Erklärung (bei den Worten 0^ ^ -^ 7 ^ ^ 
ugara-make-zi ^Verwandte, ich werde mein Wort nicht brechen**) 
vorkommende (chinesische) Zeichen zi wird mit dem (ähnlichen chi- 
nesischen) Zeichen zi aus Versehen verwechselt worden sein. 

In einer Anmerkung zu dem Texte der folgenden Urkunde wird 
gesagt: 



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Nachrichten Ton den Söhnen des Gottes I-xa-niigi. 239 

Midzura-bana-no jama-kage-ni ama-terasu otco mi-kami ame- 
ni masi'tnasi'ie tsiiku-jo-mi-no mikoio-ni nori-tamawdku sika-sika 
imasi ide-mtm-te mi-tamaje-io aru-beki-wo tmku-jo-mi-no mikoto- 
to iu'koto-no aru-iokoro ika-ga-to ari. 

In dem Bergschatten von Midzura bana*) heisst es: Die (in 
dieser Urkunde vorkommende, auf den Gott des Mondes bezügliche) 
Stelle sollte lauten: »Die den Himmel erleuchtende grosse Gottheit 
hatte ihren Wohnsitz in dem Himmel und sprach zu dem Geehrten 
der nächtlichen Erscheinung des Mondes u. s. f. Ziehe hin und be- 
suche ihn". Dabei fragt es sich, wie hier das Wort „der Geehrte der 
nächtlichen Erscheinung des Mondes ** vorkommen kann >). 

Die Auslegung fahrt fort : 



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Mi'basira-no mi-ko-ni mi'kotO'josnsi-te sika-sika. Sa-sa-no 
wo-no mikotO'WO waia-no fara-wo sirase-wa fumi-mo onazL 

,,Er ertheilte seinen drei Söhnen den Auftrag** u. s. f. Die 
Worte: y^Su-sor-no wo-no Mikoto lenke die Fläche des Meeres" 
stinunen mit der alten Geschichte überein. 



<) So lautet der Titel eines nicht niher bekannten Werkes. 

^) In der Urkunde wird gesagt: Die den Himmel erleuchtende grosse Gottheit hatte 
ihren Wohnsitz in dem Himmel und sprach : Es verlautet, dass in dem Reiche 
inmitten der Schüfebenen der die Speisen bewahrende Gott sich befindet. Möge der 
Geehrte der nachtlichen Erscheinung des Mondes hinziehen und ihn besuchen, 



a!40 Dr. Pfizmaier, Die Aoslegungen sb den 



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SikarU'WO kami-no aru-fumi-ni-ica tsukn-jonii-no mikoto-tta 
una-toara-no siwo-Jio ja-wo-je-ico sirase-to aru 

Indessen heisst es in einer oben enthaltenen Urkunde: „Der 
Geehrte des Lesens des Mondes lenke das Aelkthundertfaehe der 
Salzfluth der Meereslläehe**. 



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Mata aru-fumi-ni su-sa-no wo-no mikoto sika-aika imasi-wa 
towoki ne-no kuni-wo siru-besi-to aru-mo fumi-ni-wa tsuku-jorni- 
HO mikoto-ni: na-ga mikoto-wa joru-no wosu-kuni-wo sirase-to 
ari. Joru-no wosu-kuni-wa ne-no kuni-naru 

Ausserdem heisst es in einer Urkunde: ^Su-sa-no wo-no 
Mikoto** u. s. w. „Du kannst das ferne Reich der Wurzeln lenken". 
In einer anderen Urkunde heisst es: „Zu dem Geehrten des Lesens 
des Mondes (sagte er:) Du, o Geehrter, lenke das verzehrende Reich 
der Nacht.** Das verzehrende Reich der Nacht ist das Reich der 
Wurzeln. 



Nachrichten Ton den Söhnen des Gottes l-M-nngi. 241 

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ifa^a simo-no uke-moUi-no kami-wo korosi-tamd-koto-mo 
fumi-ni'wa su-sa-nö wo-no mikoto-no ame-jori kudari-tamd-toki-no 
kotO'to ari, nawo kono futa basira-no kami-wa onazi-ki koio owosi 
joH-aru koto-ni-zo aramu. Kono koto fumi-no tstitoje-ni hiwoM-ku 
iware-tarU'Wo utsi-mi-ie kangö-besL 

Auch die Todtung des unten vorkommenden, die Speisen bewah- 
renden Gottes» ist in der Geschichte das Werk Su-sa-na wo-no Mi- 
koio's und ereignete sich zur Zeit, als dieser vom Himmel herabstieg. 
Es gibt bei diesen beiden Göttern noch viele übereinstimmende Dinge, 
was seinen Grund haben wird. Diese Sache wurde in den Überliefe- 
rungen zu der Geschichte eingehend besprochen, wo man es nach- 
sehen und vergleichen kann. 



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Ame-ni man^moMi-te nori-tamawaku sika-sika. üke-motsUno 
kami-wa subete fito-no wosi-mono-wo siri-mam kami-nari. Fumi- 
ni-wa owo-ge-tm-fime-no kami-io ari, onazi-kami naru-besi, üke- 
no ke owo-ge-no ge onazi. 

Sitsb. d. phil.-bist. Cl. L. Bd. III. Hfl. 16 



242 Dr. Pfizmaier, Die Auslegungen xn den 

„Sie (die Gottheit der Suuue) hatte ihren Wobnsitx in dem 
Himmel und sprach*' u. s. f. Uke-motsi-no kamt (der die Speisen 
bewahrende Gott) ist die Gottheit» weiche im Allgemeinen den 
Lebensmitteln der Menschen vorgesetzt ist. In der alten Geschichte 
kommt die Gottinn Owo-ge-tsu-fime vor, was die nämliche Gottheit 
sein wird. Der Laut ke in ^ike (bewahrend) ist so viel als der Ijaut 
ge in owo-ge. 



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Kasira-wo megurasi-te sika-sika. Kuni-wa faia-im mom-n» 
ide-kuru tokoro-wo iü-nite i-i-wa ina-dane-wo tu naru-beau 

„Er drehte das Haupt« u. s. w. „Das Reich** bezeichnet den Ort, 
aus welchem die Gartengewächse kommen. „Gekochter Reis** wird 
die Reiskörner bezeichnen. 







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Fata-no firo-mono sika-sika owoki tsi-isa-no uwo-too iu inisi- 
je-koto-ba-narL 

„Wesen mit breiten Flossen** u. s. f. Dies (so wie das folgende 
„Wesen mit schmalen Flossen**) ist ein alter Ausdruck, der die 
grossen und kleinen Fische bezeichnet. 



Naclirtcbten rom den Söhnen dos Gottes l-u-n«gi. 243 

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JTiP-MO arn-mono sika-sika. Ko-wa ke-mono tori-ka iada owoki 
m-no ke-mono-niie iori-mo aono naka-ni komete iü inisi-je- 
'ba-niie-mo at^u-bem. Kakare-ba umi-jama-no uwo ke-mono- 
ubeie ku-beki-tame-no mono-ni-ja aramu. 

„Wesen mit rauhem Haare"" u. s. f. Dies (so wie das folgende 
>sen mit weichem Haare**) wird ein alter Ausdruck sein, der 
t Thiere und Vogel , eigenth'ch nur grosse und kleine behaarte 
sn (im Grunde ke-mono „behaarte oder befiederte Wesen**), zu 
hen auch die Vogel gehören, bezeichnet. Übrigens werden die 
le des Heeres und die wilden Thiere der Berge im Allgemeinen 
e sein, welche da sind, um gegessen zu werden. 






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Maio faia-no firo-mono Ma-sika, ke^no ara-mono sika-sika- 
uwo ke-mono-no naka-no kä-beki mono-bakari-wo iü inisi- 
fta-bä-niie-mo aru-besi. 

Auch mögen „Wesen mit breiten Flossen** u. s. f. „Wesen mit 
em Haare** u. s. f. alte Ausdrücke sein , welche nur die essbaren 
le und wilden Thiere bezeichnen. 



16* 



244 De* Pfizmaier, Die Auslegungen za den 

Sonaje-makete kutsi-jori ide-taru mono-wo kä-beku tsukuri- 
sonajete mi-aje-mono-ni taie-matsuru-nari. 

„Er bereitete und stellte auf**. Dies bedeutet , dass er die aus 
dem Munde genommenen Gegenstände geniessbar machte, sie her- 
richtete und dem Gotte als Speise anbot. 



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OwO'foderUaiie sika-sika sono si-waza-wo mi-iamai-te-nari 
„Er entbrannte in Zorn" u. s. f. Dies bedeutet, dass er (der 

Gott des Mondes) diese Handlung (des die Speisen bewahrenden 

Gottes) sah. 



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Kitanaki'ka'mo, ka-mo-no na aru-moto-ni jori-^te nawon-tsu. 

„Wie unrein!** Das hier stehende (in der Wörterschrift ge- 
brauchte) Zeichen ka-mo wurde nach einem Texte verbessert (wurde 
durch Ä- ersetzt). 



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Nüchrichten ?on den Söhnen des Gottes I>u-nagi. 24 O 

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Sate-nain »ika-Hka. üke-motsi-no kami-no ai-waza-wo-mo 
torosi'tamai'id'kotO'WO'tno fmibara-ni mawosi-tamd-nari. 

«Zuletzt'' u. s. f. Er meldete ausführlich , sowohl was der die 
Speisen bewahrende Gott gethan» als auch, dass er ihn getodtet 
habe. 



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Imasi'wa arabnrn kami-zo. Ko-wa ma-koto-ni asi-ki kami- 
ni'Wa aranU'WO kono tabi-no koto-nomi^ni tsiiki-te no-iamö-naru 

„Du bist ein grausamer Gott" Derselbe (der Gott des Mondes) 
ist in Wirklichkeit kein böser Gott, und sie (die Sonnengottheit) 
sagt dies nur in Folge dessen, was er diesmal gethan. 



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246 i^r. Pfisroaier, Die Ausleguag«» sn ileii 

FUo'fi fitO'jO'Wa firu'to joru-io-je nari-te gumi-^amb-nari, 
Fumi-ni tsugi-ni tsuku-jorni-no mikoto-ni nori-tamawaku: na-ga 
mikotO'Wa joru-no wosu-kuni-wo sirase-to koto^josasi^amai'ki't^ 
ari. Wom-kuni-wa aono sirasu kagiri-wo iü-koio fami-no tsutaje- 
ni kuwasi-ku ari. 

„Einen Tag und eine Nacht"*. Sie wohnte getrennt, bis der Tag 
zur Nacht wurde. In der Geschichte heisst es : „Hierauf ertheilte sie 
(die Gottheit der Sonne) dem Geehrten des Lesens des Mondes den 
Auftrag mit den Worten: Du, o Geehrter, lenke das verzehrende 
Reich der Nacht. ^ Dass das verzehrende Reich die Grenzen geniiuit 
werden, innerhalb welcher er die Lenkung führt, ist in den Überli»- 
ferungen zu der alten Geschichte genau angegeben. 



Säte kono tsuiaje-wa owo-mi-oja-no kami-no mi^koiO'nori-no 
mama-ni fi-no kami-ni narabi-masi-te ame-no koto wo sirosi-mesi- 
keru-wo kono tabi-no koto-ni jori-te joui-too kagiri-te airosi-mesU' 
kotO'tO'Wa nari'kemU'kasL 

Indessen führt er (der Gott des Mondes) in dieser Überliefe- 
rung nach dem Befehle seines göttlichen Vaters, indem er sich zu der 
Gottheit der Sonne gesellt, die Herrschaft über den Himmel. Allein 
in Folge der That, welche er diesmal verübt, dürfte ihm die Herr- 
schaft innerhalb der Grenzen der Nacht zugewiesen worden sein. 



NadiriehUu tob den Söhnen des Gottes l-xa-nagi. 247 

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Ame-kuma-no usi, fiimi-no t^utoje-ni fikare-taru-ni-wa ame- 
kuma-no usi'io ari^ ma-koto-ni koko-ni fito-io iü-beku-mo arane^ 
ba owo-no na fajaku otsi-iaru-mono nafn-beai. 

„Der Gebieter des Himmelsbaren*'. In den Überlieferungen zu 
der Geschichte steht an der bezuglichen Stelle ame-kvma'no U9i 
(das Wort uri durch die chinesischen Zeichen dai-zin „der grosse 
Mensch** ausgedrückt). Da man hier in der That fito (Mensch, durch 
das chinesische Zeichen zin ausgedrückt) nicht sagen kann, wird das 
Wort owo (gross , durch das chinesische Zeichen dai ausgedrückt) 
bereits weggefallen sein. 






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Säte mata simo kono katni-wo tsukawasi-tamö-wa kano kami- 
no kutsi-jori nd-aje-to naru-beki mono-no ide-taru-koto nado 
kikon-mesi-te ma-koto-ni uke-motai-auru kamt naru-koto-wo nrosi- 
me»i-te korotaje-tamai-n-koto-wo woaiku omowon-te naru-beai. 

Als sie (die Sonnengottheit) ferner, wie unten gesagt wird, die- 
sen Gott (den Gott des Mondes) als Gesandten schickte und sie 
hörte, dass aus dem Munde jenes Gottes die Gegenstände , die als 



248 Dr. Pfizmuier, Die Aaslegtmgfen xu den 

Speise gereicht werden sollten, und andere Dinge hervorkamen, 
mochte sie erkennen, dass dies wirklich der die Speisen bewahrende 
Gott sei und bedauern, dass er getödtet worden. 



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Sono kami-no eika-sika, kasira-no usi-uma-ni nareru-wa 
kano kagu-tstUsi-no mikoto-no kasira^no kami-ni nareru tagui'-nari 

(Der Scheitel) „dieses Gottes'' u. s. f. Dass sieh das Haupt in 
Rinder und Pferde verwandelte, ist etwas Ähnliches wie die Verwand- 
lung des Hauptes des Gottes Kagu-isutai in einen Gott. 



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Mi-fitai-ni awa, mi-maju-ni maju aika-sika-wa i-za-nami-no 
mikoto-no mi-mi-no uje-ni ikadzutsi-domo-no nareru gotoku 9ono 
tokoro'dokoro-ni sono mono ide-ki-ie ari-si-nari. 

„Auf seiner Stirne (entstand) Hirse, auf seinen Augenbrauen 
(entstanden) Seidengespinnste'' u. s. f. Gleichwie auf dem Leibe der 
Göttin I'za-nami die Donner entstanden, kamen an diesen verschie- 
denen Orten diese Gegenstände hervor. 



r^tdirichten von den Söhnen des Gottes I-z«-nag:i. 249 

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Sare-do kono kami-wa wosi-mono-no kami naru-ni kasira- 
no usi-uma-ni nari, maju-no uje-ni maju-no nareri-si-wa airi- 
gatari^ mosi ki-mono-wa mosi-mono-ni tsugUtaru mono, usi-uma- 
woawsi-mono'wo moisi-fakobu-mono naru'ju'e-ni'te kono kami-no 
mi-mi-ni sonawareru mono-ni-ja aramu. 

Da jedoch dieser Gott der Gott der Lebensmittel ist, lässt es 
sieh schwer hegreifen , wie sein Haupt sich in Rinder und Pferde 
verwandeln, auf seinen Augenbrauen Seidengespinnste entstehen 
konnten. Vielleicht ist es der Fall, dass, weil die Kleidungsstücke 
auf die Lebensmittel folgen, Rinder und Pferde die Lebensmittel 
fortschaffen, diese Gegenstände auf dem Leibe dieses Gottes bereit 
gehalten wurden. 






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250 Dr. Pfiznifiier, Die Ausle^ngen s« «iea 

Fumi-ni-wa usi-uma-no koia-wa nasi. Saie fazime ke^no 
ara-mono ke-no nigo-mono kutsi-jori idzuru-to ari-te so-wa mina 
mi-aje-mono-ni naru-beki mono-nari-si-wo tm-^ma-wa satw tagui- 
ßi arane-ba moto-jori ku^beki mono-ni arazaru-koto siru-beti. Si- 
karu'WO usi-wo suki kui-^mono-io suru kuni-domo-no ijasi-ki koto 
sirare-iaru 

In der alten Geschichte kommen Rinder und Pferde nicht vor. 
Im Anfange heisst es, dass Wesen mit rauhem Haare, Wesen mit 
weichem Haare aus dem Munde hervorgekommen, was lauter Dinge 
sind, die als Speise dargereicht werden können. Da jedoch Rinder 
und Pferde nicht zu dieser Gattung gehören, so lässt sich erkennen, 
dass es eigentlich keine essbaren Gegenstande gewesen. Indessen 
ist die Verworfenheit der Länder bekannt , in welchen Rinder ein 
beliebtes Nahrungsmittel sind. 



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Satekonoiike'motai'Hoknmi'no koto fazime-joriito-üo kususi" 
ki koto-ni omowarure-do ame-tsutsi-no fazime fiUa-basira-no kami- 
HO kuni'wo umi-tamai'si'jori kudari-gudari-no kami-jo-no kusiki 
koto'domo omoi-watasi-te utagd-be-karazu. 

Was sich auf den die Speisen bewahrenden Gott bezieht, wurde 
gleich im Anfange als etwas äusserst Wunderbares betrachtet. Wenn 
man aber die Gedanken auf die in den verschiedenen Abschnitten 
enthaltenen wunderbaren Dinge des Götterzeitalters richtet, welche 
sich seit der Zeit ereigneten, als die beiden Stammgötter das Reich 
hervorbrachten, so kann man nicht zweifeln. 



Nxdirichteu tob den Söhneu des tiottes l-za-ua^i. 251 

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Koto-goto-m tori-moisi kajeri-te, ame^ni motsi-juki^te owo- 
mi-kami-no mi-moto-ni tale-matsuru-nari. 

„Er nahm alles mit und kehrte zurück''. Er begab sieh mit 
diesen Gegenständen in den Himmel, wo er sie an dem Wohnsitze 
der grossen erhabenen Gottheit überreichte. 



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Kamo monO'domO'Wa sika-sika awa-fije sika-sika-uo mono- 
wo faiake midzu-ta-ni fazimeie u-e-ösi-iamai-si-naH. 

„Diese Gegenstände*' u. s. f. „Die Hirse» das Haidekorn** u. s. f. 
saete sie zuerst auf den hohen Feldern und auf den Wasserfeldern, 
damit sie wachsen. 






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Säte koko-ni faxbnete awo-fito-kusa-no wosi-mono ide-ki-tare- 
ba kore-jori saki-ni-wa wosi-mono-wa na-kari-si-ni-ja nado omd- 
wa fi-no kami-no umi-masazarti saki-wa toko-jami-nite ika-ga 
nado omA-ni onazi-ku ito-ofoka-naru kolo-nari. 



252 Dr. Pfixmaier, Die Aaale|piB|;en n den 

Wenn man fibrigens, da hier zum ersten Male die Nahrongs- 
mittel des Menschengeschlechtes zum Vorschein kamen, glanbea 
wollte, dass es vor dieser Zeit wohl keine Nahrungsmittel g^eben 
habe, so wäre dies so viel als etwa der Gedanke, wie zur Zeit, ab 
die Gottheit der Sonne noch nicht geboren war, die ewige FinsteN 
niss beschaffen sein mochte und wäre et«'as sehr Thörichtes. 






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Subeie nani-goto-mo ide-kite tajori-joku sore-ni narete-wa 
8ono saki-no koto-wa siru fito nakii-naH-juku mononari masi-te 
kami'jo-no koto aono saki-no koto-nado siru-beki-ni arazu aono 
maje-wa sono saki-no mama-nite arisi-naru-besu 

Wenn irgend etwas zum Vorschein kommt und die Sache Yon 
Nutzen ist, so gewöhnt man sieh an sie, während die Menschen, 
welche wissen, wie es früher gewesen, allmählich absterben. Somit 
lassen sich die Dinge, die vor den Dingen des Götterzeitalters vor- 
handen waren, nicht erkennen. Es wird der Fall sein, dass das Vor- 
hergegangene dem noch früheren Zustand gemäss war. 

Zu dieser Stdle der Auslegung wird in einer Anmerkung fol- 
gendes gesagt: 



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Naehriehten von den Söhnen des Gottes l-z«-nagi. 253 

Itna-no jo-no kokoro-nuwa kojami-to iü mono naku-ba tost- 
tsuki-no wakcUsi-mo inri-gcUa-karu-beku omoi, ko-gane siro-gane- 
io tu mono naku'ba ika^de kurasan-to omoi» ki-waia-to iü mono 
naku'ba, ijasi-ki mono-wa takara-wa sinogi-katagen'to omoje-do 
kono mono naki saki-mo koto kaku koto-wa na-kari-si-naru-besu 

Gemäss dem Geiste des gegenwärtigen Zeitalters glaubt man, 
dass, wenn es einen sogenannten Kalender nicht gäbe , die Einthei- 
lung des Jahres und der Monate sich nicht erkennen liesse. Man 
denkt sich, wie man, wenn es sogenanntes Gold und Silber nicht 
gäbe, das Leben verbringen könne. Man denkt sich , dass, wenn es 
sogenannte Leinwand nicht gäbe, man verachtete Gegenstande sowie 
Kostbarkeiten schimpflicher Weise als Kleider tragen würde. Aliein 
es mag der Fall sein, dass, als es diese Gegenstände noch nicht gab, 
die Dinge sich nicht so verhalten haben. 

Die Auslegung fahrt fort : 

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Ame-no mura-kwii-wa mure-no wosa-nUe ta-wo imkuru 
mono-no kasira-wo iü-besi, Sare-do kono toki mad^u kono wosa- 
wo Bodame-tamawan^koto isasaka ika-ga naru koto-nari. 

„Die Gebieter der Städte des Himmels«*. Hier werden die zu 
Ältesten der Scharen «) ernannten Häupter der die Felder bebauen- 
den Arbeiter gemeint sein. Indessen lässt sich einigermassen fragen, 
wie man um diese Zeit zuerst diese Ältesten bestimmen konnte. 



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1) Somit bitte nmra hier nicht die Bedentang »Stadt **, sondern „Schar*. In der 
Wdrterschrift gibt die Verbindung den Sinn : „Die Gebieter der Stfidte des Him- 
mels*. Nach dem Sinne, den der Ausleger rermuthet, wiren die Laute zu erkü- 
ren durch: „Die Gebieter der Scharen des Himmels." 



iu% Dr. Pfisnaier, l>i« Aotle^tisg^B sa «ien 

-sf 7 ? l r 7 / / ^ 

Sa-da-wa ma-da, naga-ta-wa naga-i-wo-aki nade-Ho naga- 
nite toku koto-ba-niie-mo aru-besL 

nDas schmale Feld« {ga-^da) mag so viel als das „wahre ^f'cW" 
(ma-da), das „lange Feld** (naga-ta) eines der Worter sein, in 
welchen „lang** wie in dem Ausdrucke, „die langen fünfhundert 
Herbste" erklärt wird. 



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Ja-tsuka-fo-wa tada nagaki fo-wo iu-naru-besi, Kaku-ie kam 
mono ija masu-maau-ni ide-ki-sakajete awo-fito-gusa jutaka-ni 
fiari-juku'wo mi-ma-no mikoto-no mi-amori-nn toki kono kuni-ni 
tsutoje-tamai-te ame-no sita amaneku minori'Sakaje'juku'kotO'iO' 
wa nareru-nari. 

„Eine acht Griffe messende Ähre" wird hlos eine lange Ähre 
hedeuten. Somit kamen diese Gegenstände im Übermasse hervor und 
blühten, während die grünen Menschenpflanzen reichlich zu erstehen 
anfingen. Als der Geehrte , der erhabene Enkel , von dem Himmel 
herabstieg, überlieferte er sie (die Kornähren) diesem Reiche, was 
zur Folge hatte, dass unter dem Himmel alles Früchte zu tragen und 
zu gedeihen anfing. 



*) Sowohl -^ mu (in der Wörterschrift „wahr") ah ^ *" ('" ^^^ Wörlerschrifl 
„schrnMl**) sind Ausdrücke der Verstürkung. 



Nacliriclkten vou den Söhnen ües (sottes l-xu-nagi. <cöd 

Zu dieser Stelle der Auslegung wird iu eiuer Anmerkung 
gesagt: 



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Fumi-ni mi-ma-no mikoto mi-amori-no saki-ni owo-tosi-no 
kami mi-tosi-no kami nado are-do so-wa mi-amori-kudari-no 
notsi'jori mawoseru mi-na naru-mo siru-be-karazu. Kono kami- 
tatst mi-amori-no notsi-made-mo masi-masu-be'kere'ba'narL 

In der alten Geschichte gibt es, ehe noch der Geehrte, der er- 
habene Enkel Yom Himmel steigt, Götter wie Owo-tosi-no kami (der 
Gott des grossen Jahres), Mi-toai-no kami (der Gott des erhabenen 
Jahres). Allein man kann nicht wissen, ob dies nicht Namen sind, 
die ihnen nach der Zeit, wo das Herabsteigen von dem Himmel 
stattgefunden, beigelegt wurden. Diese Gotter müssen bis zur Zeit 
nach dem Herabsteigen von dem Himmel vorhanden gewesen sein. 

Die Auslegung fahrt fort : 

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Maju--wo kutsi-ni fiikumi-te sika-sika. Kono mono-wo ito-tu 
nasu koto-mo kono toki madzu ame-ni fazimari-ai-naru-besi, 
Kutsi-ni fuhimi-ie mono-auru-koto-wa ima-no jo-ni-wa kikanu- 
koto nare-do inisi-je-tta sikasi-te ito-ni-^a nasi-kemu-kasi. 



256 Dr. P fix mal er. Die Aule^iuigmi si dm 

„Sie nahm die Seidengespinnste in den Mund** u. s. f. Es mag 
sein, dass die Verarbeitung dieser Gegenstände zu Seide damab 
zuerst in dem Himmel begonnen wurde. Dass man dies thut, indem 
man sie in den Mund nimmt, ist in der gegenwärtigen Zeit zwar 
etwas Unerhörtes, in der alten Zeit jedoch dürfte man auf diese 
Weise daraus Fäden verfertigt haben. 






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Sate koko-ni usi-utna-wo tsukd-koto-mo aru-beki-wo naki-ka 
koto-taraxu, sare-do kono mono-mo tomo-ni ame-je motti-kajeri- 
tamai-si-naru-beai. Simo-no futsi-go-ma'tio koto-mo are-ba-nari 

Endlich sollte hier noch die Verwendung der Rinder und Pferde 
angegeben sein. Da dies aber nicht der Fall ist, sind die Nach- 
richten unvollständig. Indessen mag jener (der Gebieter des Hirn- 
melsbären) mit diesen Gegenständen in den Himmel zurückgekehrt 
sein. Weiter unten findet sich auch die Erzählung von dem gestreif- 
ten Fallen. 

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Nachrichten voo dco SökneB des Gottes l-sa-nagi. 257 

Kano uke-motd-^no kami-wa kono kuni-no kamt naru-wo sono 
kand-no mi-nd-ni nareru mono-wa madzu mina ame-je age-tamai- 
ie naisi-ni muma-no mikoto-no muamari-no toki soje-matsuri-ie 
kono kuni'je kudasi-ta^nd-koto fi-no kami-wo ame-je age-matsuri- 
ie noM-ni mi-ma-no mikoto-wo ama'kudasi-masasi'me'tamd'koio 
ana-kasiko fukaki ju-e-aru koto-ni koso. 

Der die Speisen bewahrende Gott ist der Gott dieses Reiches» 
doch die auf dem Leibe dieses Gottes entstandenen Gegenstände 
wurden früher zu dem Himmel emporgehoben und später erst, als 
der Geehrte » der erhabene Enkel von dem Himmel herabstieg, mit- 
gegeben und in dieses Reich herniedergeschickt. Die Gottheit der 
Sonne wurde zu dem Himmel emporgehoben und später der Geehrte, 
der erhabene Enkel, von dem Himmel herniedergesendet Dies sind 
nur Dinge, welche einen sehr vernünftigen, bedeutungsvollen 
Grund haben. 



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Taku-ma-no fara-ni ma-i-dete sika-sika. Taka-ma-no fara- 
wa sunawatai ame-nite ama-ierasu owo-mi-kami-no airosi-meau 
ama-tsu mi-kuni-nari. 

„Auf der Ebene des hohen Himmels eintreffen" (Worte des 
Gottes Su-aa-no wo) u. s. f. Die Ebene des hohen Himmels ist der 
Himmel, das in dem Himmel befindliche erhabene Reich, welches 
die den Himmel erleuchtende grosse Gottheit beherrscht. 





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258 Dr* Pfizaaier, Die AnfleguBgea m 4mi 

Na-ne-no mikoto-wa na-mo ne-mo tdtonU'koio-ta-^iie iroie- 
no na-no jorni-ni-wa arazu. 

In na-ne-no mikoto (in der Wörterschrift: die Geehrte, die 
filtere Schwester) sind sowohl na als ne ehrenvolle Ausdrficke. Sie 
sind nicht die Aussprache des (hier in Worterschrift gesetzten) Woi^ 
tes irO'Se (ältere Schwester). 



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Kamii'koto aude-ni woje-tamd-wa futa-basira-no kami ma- 
guwai'si'tamai'ie owo-ja-aima-kuni-wo umi-tamai jo-no naka-no 
kotO'WO nasi-tcoje-tamd'fiarL 

„Er (I-za-nagi-no Mikoto J hatte seine göttlichen Werke 
Tollbracht''. Indem die heiden Stammgötter sich verbanden, erzeug- 
ten sie das Reich der grossen acht Inseln. Hierdurch hatten sie die 
Werke, die für sie in der Welt zu verrichten waren , zu Stande 
gebracht. 



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Nachri<*hten von den Söhnen des Gottes I-za-nag^. 259 

Sei-un gika-sika-no jo-na maia fsugi-no ziaku-nen nado-wa 
mina (amen-no fumi-no omote-no kazari-ni sojerare-taru na-niie 
»ukuntui-wa kono na-no koto-mo kamari-ie-wa aru-he-kere-do köre- 
ra-no na-wo koia-goto-ni jorni-te-wß naka-naka-ni sunawo-naru 
inui'je'isutaje'no koto-wo omoi-ajamaru-koto-mo aru-be-kere-ba 
k&no tagtä-no na-wa mina jomanu-zo jokemu. 

„Sein Geist zog umher** ^ u. s. f. Dies, so wie das folgende 
„einsam" ») und anderes sind Wörter, welche zur äusseren Aus- 
schmückung des als Muster dienenden Textes hinzugefügt wurden. 
Obgleich sie nur wenige sind und die Sache verdeckter Weise vor- 
kommt, konnte es, wenn man dergleichen Wörter sämmtlich (japa- 
nisch) läse, in der That geschehen, dass man sich von den regel- 
rechten alten Überlieferungen falsche Begriffe machte. Es wird daher 
gut sein, alle Wörter dieser Art nicht (japanisch) auszusprechen. 



MR'ja-iiukuri-masi'te sika-aika. Nori-ni awa-dzi-no kuni 
isuna-no kowori awa-dzi i-za-nagi-no kami'uo jasiro , kami owo- 
to na-dzuke-ki'to ari. Fumi-ni-wa d-mi-no ta-gu-ni-namo masi-ma- 
su-io ari. Tomo-ni notn-ni kami-no mi-tama-wo Umki-matsuru-ni 
tsvki-te ijerU'koto naru-ben. 



1) Die Urkunde enthUt hier in reiu chinesischer Sprache die Worte : Sein (des 6ot- 
tee I-t^-nagi) Geist log umher und war im BegjilTe lu übersiedeln. 

«) Dem Satse y V^ "^ )) "^ O^ %/ ndzumari-fnan-ki »er begab sich zur 
Ruhe" entsprechen hier in der Wörierschrift die Zeichen Huku-xen ttio-in-zia-U 
dereo Bedentong: Binaam in langer Verborgenheit sich befinden. 



260 Dr. Pfizmaier, Die Auslegangen »i des 

„Er baute das erhabene Haus** u. s. f. Nach der Vorschrift 
befindet sieh in dem Kreise Tsuna, Reich Awa-dzh der Altar des 
Gottes Uza-nagi von Awa-dzi, Es werden die Namen MGott** und 
„gross** beigelegt. In der Geschichte heisst es: „Er hat seinen 
Wohnsitz in Taga^ Reich ÖmL'* Dies wird in Folge des Umstandes 
gesagt werden, dass man später an diesen Orten gemeinschaftlieh 
den Geist des Gottes verehrte. 



^ ! ; * ' ^ 

^ T ^ T *; 

Maia iwaku sika-sika-no futa-tsu towo kokom-na ara-moto- 
nijori'te tsi-iaa-na-ni kaki-isu, 

„Ferner wird gesagt^ u. s. f. Diese neunundzwanzig (chine- 
sischen) Worter wurden nach einem Texte mit kleinen Buchstaben 
geschrieben. 



3 



T> l 



Mi'ikiwoi sika-sika jo-na-mo jomazu. 

Die vier (chinesischen) Wörter „sein Ansehen*« u. s. f. werden 
ebenfalls nicht (japanisch) gelesen «). 



In dem Buche fiadet sich dessen ungeachtet hier die Lesart: ^ y ^ L 
)j ^ T ^ yj" ^ t mi-ikiwoi'tno owoki-nari »sein Assehei 
war auch gross**. 



Nachriehiea tob den Söhnen 6ea Gottes l-za-nagi. 261 

t 1^ I- h ; S> 1^ 2- ^ ' 

ilm«-nt nobari'fnasi'ie nka-sika, kajeri-koto-mawon-tamai-ki 
nka-sika-to are-ba fazime ama-tsti kami-no mi-koto-nori ari-si- 
koto giru'beki'wo moto-bumi-ni-wa kore-mo fabukare-taru 
mono-nari. 

Da gesagt wird : „Er stieg in den Himmel*' u. s. f. „Er mel- 
dete die Vollziehung des Auftrages** u. s. w. , kann man wissen, 
dass anfanglieh ein Auftrag von Seite des Gottes des Himmels (für 
I^za-nagi-no Mikoto) vorhanden gewesen. Indessen ist sowohl das 
eine als das andere (jede dieser zwei Stellen) in dem ursprunglichen 
Texte weggelassen worden <). 



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Säte koHO ame-ni nobori-masi-te aika-sika-zo ma-koto-no 
tsttUaje-nite nagaku ame-ni todomari-masi-mam mi-ja-wo fi-no 
ttaka-mi-ja-io iü naru-beau 

Übrigens mögen die Worte : „Er stieg in den Himmel** u. s. f. 
die wahre Überlieferung sein und durch sie gesagt werden, dass der 



t) Es tteht daxselbst nur in kleiner Schrift «Is Anmerkung. 



262 i>r. Pfisnaier, Die Aiuleg«B|:Mi M d0« 

Palast, in welchem der Gott, als er für die Dauer in dem Himmel 
verblieb, seinen Wohnsitz nahm, der junge Palast der Souie 
heisst. 



^ 1 / ^ r ; ;? f . 

Fi-mo waka-mo iataje-iü koto-ba-fiari, inisi-je-uta-ni-mo ma- 
ki'saku fi-no mi-ja fi-no thi-kado nado otvoku jomeri. Waka-wü 
midzu-gaki mldzii-no mi-araka 7iado iü midzu-ni onazL 

Sowohl fi (Sonne) als waka (jung) sind Ausdrücke der Lobp 
preisung. Auch in den alten Liedern liest man häufig SteHen, wie: 
„Die wahren Bäume blühen vor dem Palast der Sonne, vor des 
Lebensbaumes Thor". Waka (jung) ist mit dem in Ausdrucken 
wie midzu-gaki (der kostbare Wall), midzu-mi-araka (die kostbare 
Halle) vorkommenden midzu *) gleichbedeutend. 

Zu dieser Stelle der Auslegung wird in einer Anmerkung Fol' 
gendes gesagt : 



Das Wort, das erklart werden soll, ist jedoch %oaka (jung)« was bemerkt xa r«^ 
den verdient. 



Nachrichten ron den Sabnen de« Gotte* l-u-niigi. 263 

OufO-mi-kami-no mi-fikari-wo fi-to mawo$u-kolo-mo tataje- 
matsuri-te-nari. Motu kono fi-ko fi-me nado-no fi-mo onazi, kono 
foka inin-je-kotO'ba mina fi-to iu tataje-goto-to kikojuru-Hari. Fi- 
wa ka-na-nari. 

Dass man den Glanz der (den Himmel erleuchtenden) grossen 
erhabenen Gottheit fi (Sonne) nennt, geschieht, weil man ihn lob- 
preist. Auch das fi in Wortern wie fi-ko (vornehmer Sohn, wört- 
lich: Sonnensohn), fi-me (vornehme Tochter, wörtlich: Sonnen- 
tochter) hat dieselbe Bedeutung. Ausserdem enthalten sämmtliche 
alten Wörter, welche eine Lobpreisung ausdrücken, den Laut fi 
(Sonne). Fi (Lebensbaum) ist ein geborgtes Zeichen <). 



Die Auslegung flihrt fort : 



; 






i^^^ 7 f ' ^ - ' "" ^ 









Maia i-za-nagi-no mikoto sika-sika-no koto-wa saki-no kudari- 
ni tsudzuku-beki-wo koko-ni ari-te-wa saki-notsi-no isudzuki 
odajaka-^aranu'kasi, uzu-no jama-kage-ni iware-taru-ga gotosi 

Ferner sollte die Stelle : nl-^a^nagi-no Mikoto*^ u. s. f. dem 
Torhergehenden Abschnitte angeschlossen sein. Da sie sich aber hier 
befindet, dürfte der Anschluss des Vorhergehenden an das Nachfol- 
gende nicht fest sein, wie dies in dem Werke „der Bergschatten 
des Eisenhutes*' gesagt wird. 



Hiermit scheint gesagrt lu werden, dass fi (Lebensbaam) von fi (Sonne) abzuleiten 
ist. Jedenfalls kommt es ror, dass fi (Lebensbaam) für fi (Sonne) als Wort der 
Lobpreisviig gebraucht wird. 



264 Dr. Pfism. Die Analeg. z. d. Nachr. r. d. SÖhseii des Gottes f*ia-Bafi. 

t 7" i i ; v^ /i- r i \^ i ; 7* 

ifa/a ioiht i-xa-nagi-no tnikoto-no kamu-agari'no koto-m 
sirusarete i-za-nanti-no mikoto-no kamu-agari-no koto-tco nnuart- 
taru-wa ika-ga-nari-to uje-da-no momo ki-no yeru-mo saru-kot»- 
nari. Jo-mi-no kudari-wa moto-bumi narane-ba-nari. 

Die Frage, wie es kommt, dass auf diese Weise das Ableben 
des Gottes I-ta-nagi verzeichnet wird, während das Ableben der 
Göttinu I-xa-nami nicht Terzeichnet steht, wurde schon längst rot 
Uje-da-no Momo-ki aufgeworfen. Denn der Abschnitt von der Unter- 
welt ist in dem ursprünglichen Texte nicht enthalten. 



V a h I e n , Beitrage xu Aristoteles Poetik. 265 



SITZUNG VOM 21. JUNI 1865. 



Es wird der Classe mitgetheilt, dass Sr. k. k. apost. Majestät 
mit AUerhochster EntscUiessung vom 11. Juni d. J. geruht haben, 
die Wahl des Capitularpriesters des Stiftes Reygern und mährisch- 
standischen Historiographen Dr. Beda D u d i k zum inländischen 
correspodirendem Mitgliede der philos.-histor. Classe zu genehmigen. 



Beiträge zu Aristoteles Poetik. 

I 

Von dem w. M. J. TaUeii. 

(▼orgelogt U der Bitnaf ▼om 10. Kai. Vfl. Akadem. Aaseig . V. XZXI.) 

Aristoteles eröffnet die Poetik mit einer dürren Aufzählung der 
Gegenstände seiner Untersuchung: einer Knappheit, mit der sich der 
Eingang der ersten Analytik und der Hermenie vergleichen lässt, 
während in anderen Schriften» wie der Ethik und Politik, das Ziel 
der Untersuchung und die Wege zu demselben analytisch entwickelt 
werden. 

Wir wollen reden, sagt er, von der Dichtung an sich und ihren 
Arten, wie man in jeder derselben die Sujets zu componieren habe, 
damit die Dichtung kunstgerecht sei, ferner aus wie vielen Theilen 
jede Dichtart bestehe und wie dieselben beschaffen sein müssen, und 
endlich von dem, was sonst noch zu dieser Untersuchung gehört. Er 
hat die fiijaraaiq juiO^ou, die in der Theorie der Tragödie als einer 
der sechs Theile erscheint, von den Theilen der Dichtung abgeson- 
dert und ihnen vorangestellt, wie man annimmt, um den \Kij5o<; gleich 



266 V « h 1 • n 

hier als den wichtigsten und vornehmsten der Theile herauszuheben, 
dem daher auch bei der Tragödie die eingehendste Betrachtung ge- 
widmet werde. Allein der iiO^og, der neben anderen Theiien des 
Gedichts, wie Sprache und Gedanken, das stoflfliche Element be- 
zeichne^ , ist doch auch das poetische Gebilde , wie es in der Seele 
des Dichters sich gestaltet , und als solches dem fertigen irolijfia, 
in welchem sich Theile unterscheiden lassen, vorausliegt. So 
gefasst, ist die hiesige Anordnung wohl begründet und bei der 
Beweglichkeit des Begriffes iiO^og verträgt sich damit ebensowohl, 
dass derselbe bei der Tragödie als einer und erster der Theile behan- 
delt wird, wie dass beim Epos (capp. 23 und 24) zuerst der fi&So; 
besprochen und dann erst von den Theiien und Arten der episeheo 
Dichtung geredet wird ^). 

Beginnen will Aristoteles naturgemäss mit dem, was das erste 
ist, d. h. mit der Untersuchung über die Dichtung an sieh und ihre 
Arten. Dieser Gegenstand wird erörtert in dem ersten allgemeinen 
Theile der Poetik, der Cap. 1—5 (p. 1447 a 13—1449 b 9) um- 
fasst und sich in zwei selbständige Untersuchungen sondert Erst* 
lieh entwickelt Aristoteles (von p. 1447 a 13 — 1448 b 3) wie auf 
dem Grunde des aller Poesie wesentlichen Begriffes der fxlfx)7ac^ die 
einzelnen Dichtarten sich von einander scheiden. Und zweitens beant- 
wortet er (von p. 1448 b 4 — 1449 b 9) die Frage, wie die Diehtung 
überhaupt und die besonderen Dichtungsarten aus der Naturanlage 
des Menschen hervorwachsen : eine Frage, die nicht genügend beant- 
wortet werden konnte, ohne dass der Grundbegriff ier Diehtmig und 
die Sonderung ihrer Arten vorher festgestellt war. 

Alle Dichtung also, damit eröffnet Aristoteles die erste jener 
beiden Erörterungen, hat gemeinschaftlich die iiiikvioig» d. i. die 
dichterische Umbildung und künstlerische Gestaltung eines gegebenea 
oder erfundenen Stoffes. Statt der Dichtung überhaupt werden bei- 
spielsweise epische und tragische Dichtung, femer Komödie und 
DithjTambendichtung, und Kitharistik und Auletik zum meisten Tlieile 
(r^^ aüX>3rcx*5^ *5 nXiifjrfi xai xi^aptartxrig) genannt. Dass den ge- 
nannten Dichtarten, welche nur den allgemeinen Begriff der Dichtug 
in ihren Hauptgattungen concret versinnlichen sollen, die beides 
musischen Künste angefügt sind , zu denen nachtraglich noeh die 
Orchestik hinzutritt, wird seine Erklärung und Rechtfertigung in dem 
weiteren Gange der Aristotelischen Untersuchung finden. Auf dem 



Beitri^« zu Ariatoteles Poetik. 267 

gemeinsamen Grunde der fiifiriaii; sondern sich diese poetijich-musi- 
clien Kfinste 1. nach den Mitteln, 2. dem Objeet und 3. der Art 
und Weise ihrer mimetischen Darstellung : nd<jai rx^yydvoxjatv olKjai 
fii/A^mc^ rd ^voXov. itocfiporjcft di aXkhX^v rpcdv * ^ yäp r^ iv tri- 
poc^ piijüicT<73'ac , ^ r$ inpet^ ^ rfi) hipoa^ xai fk'h rdv «üröv 
rpitt^v *). 

Was den ersten auf die Mittel gegründeten Unterschied anlangt, 
so TerhSlt es sieh mit der Dichtung und Musik, wie mit der bildenden 
Kunst, insbesondere der Malerei, die hier, wie oftmals in der Poetik, 
lediglich als verdeutlichende Parallele zur Dichtkunst herangezogen 
wird. Wie also bildende Kunst und Malerei in Farben und Figuren, 
so bewegen sich die genannten Künste in Rede, Tact und Harmonie, 
sei es in allen zugleich oder in einigen oder einem gesondert: oörta 
kAv rat^ slpripiivat^ riyiyect^ &na<jat fx^v rc^ioOvrai riiv uiiiinmv iv 
/fu^fi^ xal X^ytp xal dpfjioveqc, roOrotg i* ^ X'^P^^ ^ (itiuyiiivotg. 
Nimlich (ofov) in Harmonie und Rhjrthmos , die Auletik und Kithari- 
stik nebst dem äyringenspiel und was es sonst dem ahnliches gibt 
(näv fl Ttv€g irspat tvyj^dvou^tv •) oöarat TOiaOvai tt%v iOvaiiiv ofov 
4 rOfiß fjuplyjioiv}. Aristoteles reiht der im Eingang der Untersuchung 
genannten Kitharistik und Auletik hier noeh andere ähnliehe Künste 
m, wie er nachher in derselben Erörterung dem Dilhyramb den ver- 
wandten Nomes, der episehen Dichtung eine Reihe gleichartiger 
Dichtungen beigesellt, zom deutlichen Beweise , dass die nrsprüng- 
Keile Auftählung nur paradigmatiaeh gemeint war and jede der ge- 
nannten Kfinste eine der Hauptgattunge« vertreten sollte. 

Im Rhythmus allein bewegt sich 2. die Orehestik. Diese war 
in der orsprfingKehen Aufzfthlung fibergangen, auf die durch xdv 
Talg tipr^iUveug tijfyong ao bestimmt zurückverwiesen wird : und doch 
vertritt sie eine besondere Gattung und erscheint daher 1448 a 9 in 
der nüt der hiesigen parriielen Anordnung der Künste nach dem Ob- 
jecte gkfchfidlB neben Anletik und Kitharistik. Einen Grund , wess- 
halb Aristoteles neben den letzteren die Orchestik nicht gleich im 
Eingang der Erörterung aufgeführt, weiss ich nicht zu finden : und 
dennoch scheint der begründende Zusatz, mit dem sie an dieser 
SieHe eingeführt wird (xal yäp ouroe Sid ra^v ayriiiart^oixivfüv pu^- 
fiAv ftifxoOvrae Tiai ^^19 Ttal rd^ri xai npö^stg}^ ein Fingerzeig dafür 
IQ sein, dass die Orchestik in der That erst nachtraglich in den ihr 
von Anfang gebührenden Plata eingeführt worden. 



268 V t h 1 e Q 

Die Worte selbst» mit denen ihr der Rhythmus als das ihr eigea- 
thümliche Mittel zugewiesen wird, und die ich mit Daniel Heinsiu 
so schreibe aurq> ii t^ frjäik^i fACjüioilvrac x^P^( äp|xov£ac of^sroXXot) 
rojv dpx^'^cSv *), stellen die Orchestik in angemessene Parallele n 
der Kitharistik und Auletik» von welchen Aristoteles gleichfalls nur 
den grossten Theil (r^^ aCXinuxi^^ li nlslam) als mimetisch in An- 
spruch nahm. Piaton hat in den Gesetzen VII S. 79S e den mimeti- 
schen, der Dichtung sich zugesellenden Tanz von einem andern ge- 
sondert, den man den naturlichen nennen kann (r^q opx^^ccu^ i^ 

Xdrrovra^ a/xa xai iXtOJ^epov' dXXv} ii erjs^iaq ikafpoToröq rc cvna 
xae xaXkovg rcov roC ^couaro^ arhoO fxsXojv xac |xs/9cov xrX.}. Und fin- 
det nicht eine gleichartige Scheidung auch auf Kitharistik und Aaletik 
Anwendung? Für Aristoteles aber kam, wie sich weiterhin deutlicher 
zeigen wird , von der musischen und orchestischen Kunst nur die 
Seite in Betracht, die sie im Anschluss an die Dichtkunst zur mime- 
tischen macht. 

Im Worte endlich ohne Rhythmus und Harmonie, stellt dar eine 
ganze Classe dichterischer Erzeugnisse , die mit einem gemeinsamen 
Namen nicht zu bezeichnen ist: zu dieser gehört aber Tor allen die 
Epopoiie. Und mit diesem Namen, so nimmt man gemeinhin an, 
habe Aristoteles aus Mangel eines anderen jene Gruppe von Dichtun- 
gen zusammenfassend bezeichnet. Zu dieser Classe geboren 1. die 
prosaischen Mimen der Sophron und Xenarchos , und die gleichiallü 
prosaischen Sokratischen Dialoge; 2. Dichtungen in Trimetem, He- 
xametern, Distichen u. ähnl.; 3. Dichtungen in gemischtem Vers- 
maass. Diese drei Arten sind eingeschlossen in der Bezeichnung der 
Mittel, deren sieh diese Kunstgattung bedient (r6r^ Xö7oe( ^tkoXq l 
ToXg iiirpotg^ xat roOrot^ shi jjLeyvÖT« fJLer' aXXi^Xcüv, iO^ M rwi 
yivBi xpwfxevr/ rmv iiirp^av)^ und werden in der weiteren Erörterung 
näher bezeichnet. Dass es nun dem Aristoteles hiefur an einen 
zusammenfassenden Namen gebreche, spricht er deutlich aus: o^itt 
yäp av e/oijULfv dvofjia^a? xotvöv TO\jg Swypovo^ xrX. Es gibt kein 
Wort, welches Mimen und Sokratische Dialoge, 2. Dichtungen in 
Trimetern «der Distichen oder sonst einem stetig wiederkehrenden 
Maasse, und ebenso 3. Dichtungen in vermischtem Versmaass zusam- 
menfassend bezeichnete. Von dem Satze ovSiv yctp av ej^ocjxfv ovo- 
fjia^a' xo'.vöv sind in gleicher Art abhängig 1. rov^ S. x. S. [d^vjq 



BeitrSge zu Aristoteles Poetik. 269 

xac Tou^ 2. Xoyoug, 2. oud* fing iiä Tptiiirpoiv % iAsyeidjy ii twv 
oaXcüv revwv rd»v roeo6ra)v ;rotolro t72v fJi(fJiY}<7ev, und nach der einge- 
sehobenen Zwischenbemerkung, 3. öfAofojg ii x^v et reg dcTrdevra ra 
lUrpa ynyviffav iroioTro rriv fAcfiYsaiv: wie denn diese Zusammengehö- 
rigkeit ftir die beiden letzten Glieder die genaue Entsprechung von 
8tä rpifxirpoav xrX. und rä jxirpa fxcyvOeav, und noch mehr das beiden 
gemeinsame Prädieat noioXro rnv fniii-natv augenscheinlich macht. 
Die Worte xal noim^iv npoaayopixjriov sind daher zu tilgen als eine 
nicht richtige Ergänzung des vermeintlich nachsatzlosen Satzes 
öpiGlojg di x&u eX reg xrX. ^). 

Ist nun hienach der mit cvdiv ydp av l/ct/Afv beginnende be- 
gründende Satz in seiner Dreigliederigkeit klar und ohne Anstoss» so 
fehlt es doch an einem Object der Begründung und einer Beziehung 
des yäpy die dem Vorhergehenden nicht abgepresst werden kann. 
Vielmehr wird unbefangene Erwägung des Zusammenhanges die 
Nothwendigkeit der von Bernays getroffenen Ergänzung nicht ver- 
kennen : ^dveövufjLog) ruyj^dvoua« fx^^pt roO vöv oOSiv yäp «v iy^oifktv 
ovoiLdaou xGtvöv xrX. Allein trotz dieser einleuchtenden Ergänzung 
bleibt ein Bedenken übrig, das ich nicht zu heben weiss. Oder 
konnte Aristoteles, nachdem er im Eingang des Satzes, nach der ver- 
breiteten Annahme, inonotia in dem ungewöhnlich erweiterten Sinne 
von * Wortdichtung* ohne weiteres angewendet hatte, am Schluss 
desselben Satzes von derselben ^Troiroeta sagen avöjvufxog Tuyy^oLvorjaa? 
Dieses Prädieat konnte doch, wie ich meine, füglich nur an die nicht- 
benannte Dichtungsart in Prosa oder Versen, einfachen oder ge- 
mischten, sich anschliessen. Das will sagen, eine zweckmässige 
Form des Gedankens wäre etwa folgende gewesen: 'im Wort oder 
in Versen, sei es einfachen oder gemischten , stellt eine Dichtungsart 
(oder noch allgemeiner, eine mimetische Kunst) dar, für welche es 
bis jetzt keine Bezeichnung gibt'. Und ferner, ist es denn so ausge- 
macht, dass Aristoteles den für jeden Griechen mit festbegrenzter 
Bedeutung versehenen Ausdruck inonoiia in jener vorausgesetzten 
weiten Dehnung des Begriffes genommen habe? In der ganzen übri- 
gen Poetik bezeichnet i;roiroe(a , was es überhaupt im Griechischen 
bedeutet, die epische Dichtung: und an der einzigen Stelle, wo Ari- 
stoteles die nämliche Gruppe von Dichtungen zusammenfassend zu 
bezeichnen hat, gebraucht er diesen Ausdruck , der doch nach einer 
hier vorausgegangenen Erklärung keiner Missdeutung ausgesetzt war, 



270 VahIeD 

nicht» sondern bezeichnet dieselbe in Ermangelung eines besonderen 
Namens nach den Mitteln: 1448 all ircpt rovg Uyoug xai r^v ^lio- 
Ikirpiav , ein Ausdruck, der beiläufig gesagt, die Frage nahelegt, ob 
nicht auch an unserer, mit jener parallelen Stelle nicht rolg X&yotg 
^^iXot^ ^ ToXg (lirpoig^ sondern rotg )<6yoig ^ roi^ ^tXolj ikivpotg ge- 
schrieben gewesen. Im Übrigen aber wird man von dem sieben 
Ergebniss des eingesetzten ctvojvu/xo^ aus nach einer zweckmassigerea 
Gestaltung des ganzen Satzes suchen müssen, der» wie ich meine, 
mehr gelitten hat, als jenes Wort heilt •). 

Während nun die bisher aufgeführten Gattungen von den drei 
früher genannten Mitteln je eines oder zwei gebrauchen, Rhythmus 
und Harmonie die Auletik und Kitharistik , Rhythmus allein die Or* 
ehestik. Rede allein, sei es metrische oder prosaische Rede, ohne die 
beiden andern, die namenlose prosaisch-metrische fiijULi^^e^» so fiadett 
alle drei Mittel, nämlich (\iy(a St olov) Rhythmus, Harmonie, und 
(metrisches) Wort zu gleicher Zeit Anwendung in dem Dithyramb 
und Nomos, sowie in Tragödie und Komödie, nur mit dem Unter** 
schiede, dass jene und also die chorische Lyrik überhaupt durcdi die 
ganze Dichtung, diese, Tragödie und Komödie, nur in einzelnen 
Theilen, d. h. den für den Chor reservirten, jene drei Medien der 
Darstellung anwenden : diafipovat Si ort ai ixiv äfjia n&aat ai ii 
xaTÖL \kipog. Denn so, denke ich, ist zu schreiben, näaai^ nicht 
näaiVf da ja der Gegensatz nicht ist zwischen allen Mitteln und ein- 
zelnen, sondern zwischen den Dichtungen in ihrem ganzen Umfange 
und einzelnen Theilen der Dichtung ?). 

Von diesem Endpuncte der bisherigen Erörterung aus ISsst sieh 
nun eine Erklärung dafür finden, dass Aristoteles, während er augen- 
scheinlich nur die Dichtarten sondern will, in der anfänglichen Auf** 
Zählung derselben neben ihnen der Auletik und Kitharistik und nach- 
träglich auch der Orchestik einen Platz eingeräumt hat Aristoteles 
geht nämlich für den auf die Mittel der Darstellung gegründeten Un- 
terschied der Dichtgattungen von dem Factum der Aufführung aus: 
nicht das buehmässige Drama oder den litterärischen Dithyrtmb 
zieht er in Retracht , sondern die scenisch-musikalische P^duction 
derselben, die auf einem Zusanunenwirken verschiedener Künste 
beruht. Daher schloss die Frage nach den Medien der dramatisehen 
und chorischen Production die andere in sich, welches sind die spe- 
cifischen Medien der in diesem Dreiverein wiricenden Künste? Wie 



Beitrüge lo Aristoteles Poetik. 271 

der Dichtung als solcher die Rede (\6yog»iKiTpov) als ihr Medium 
angehört, so musste für die mit der Dichtung zusammenwirkende 
Musik und Orchestik gleichfalls das besondere Medium einer jeden 
aufgesucht werden. Daher waren sie, wegen ihrer Verbindung mit 
der dramatisch -chorischen Dichtung, in ihrer Selbständigkeit zu 
fassen und nach ihrem Darstellungsmittel zu beiragen. Hatte sich 
ergeben, dass die Musik in Rhj^hmus und Harmonie, die Orchestik 
im Rhythmus sich bewegt, so waren nun erst die Mittel der drama- 
tischen und chorischen Auffuhrung in Rede, Rhythmus und Harmonie 
gefunden. 

Die gleiche Reihe von Dichtarten nebst den zugehörigen Künsten 
der Musik und Orchestik wird der zweiten Sonderung nach dem 
Objecte der Darstellung, oder nach modernem Ausdruck dem Kunst- 
stile, zu Grunde gelegt. Da es nur auf nachahmende Darstellung 
handelnder Persönlichkeiten (nrpdrrovrc^) ankommt, so geht Aristo- 
teles Ton dem Grundunterschied aller Charaktere aus , die entweder 
würdige (^iroudaToc) oder niedrige (jpaÖXoi) sind. Auf diesen Gegen- 
satz, der auf der Grenzlinie zwischen ethischer und ästhetischer 
Würdigung liegt, lässt sich die ganze Mannigfaltigkeit der Charaktere 
schliesslich zurückführen (ro6roe^ dxolorjSeX iiovoig- cf. de part. anim. 
646 a 17 Metaph. 1042 b 4), und anderseits ergibt sich daraus, 
dass die, welche Handelnde darzustellen haben, sich entweder an 
das Maass der Wirklichkeit halten , oder über dieselbe in das Ideal 
hinauf-, oder unter dieselbe in die Carricatur hinabsteigen können : 
wie diese Unterschiede sich am deutlichsten bei den Malern heraus- 
gestellt haben. Sie müssen sich aber bei den genannten poetisch- 
musischen Künsten, die es alle mit der Darstellung von Handlungen 
und Handelnden zu thun haben, gleichfalls anwenden lassen, in 
der Musik und Orchestik, in der nach ihren Mitteln (Xöyoe-^^iXofjic- 
Tpia) benannten Gruppe von Dichtarten, in dem Dithyramb und 
Nomos, und endlich in der Tragödie und Komödie, die, während bei 
jenen innerhalb derselben Gattung die Gegensätze sich ausgebildet 
haben, in dem nämlichen Gegensatz als selbständige Gattungen 
auseinander getreten sind. 

Aristoteles wendet sich zu dem dritten der früher angekündigten 
Unterschiede der Dichtarten, der aus dem Wie der Nachahmung 
entspringt Hier ergibt sich zunächst eine zweifache Scheidung: 
man kann bei denselben Mitteln und in demselben Kunststile 



272 V.hIeD 

nachahmen entweder erzählend oder handelnd und agierend: nai 
fäp iv Totg ajTot^ xat rd aut« läiittaSat ifjriv ori fiiv dn:ayyOiX<a)fTa 
— ^ ndvra (bg npdTTOvrag xai ivepfoijVTa<; [toO^ f/ii|ULOujxlvou^]. Die 
letzten Worte nämlich halte ich für eine Interpolation» die durch den 
Wechsel im Numerus (^dKayyiXXovra — nparrovrag) veranlasst ward, 
auf den aber hier so wenig Gewicht zu legen als 1453 b 30, 35, 38. 
Dieser durchgreifende Gegensatz des dnccyyiXkuv und jrpdrrccy 
(= iv$pyeiv^ ipöoi) tritt sowohl sonst (vgl. 1459 a 15} als nament- 
lich in der Definition der Tragödie 1449 b 26 dpQjvreov xa2 oO ^c* 
dnayye^iag nachdrucklich hervor. In denjenigen Dichtungen aber, 
deren Darstellungsweise das Berichten (dnayyiXia) ist, stellt sich 
eine neue untergeordnete Scheidung heraus, je nach dem Verhiltniss, 
welches der Dichter einnimmt zu seiner Dichtung: entweder ver- 
schwindet der Dichter gänzlich hinter den von ihm als redend und 
berichtend eingefiihrten Personen, wie Homer es macht (a7ra77iA- 
Xgvt«, Ts inpov re yiyvoixevov uxjnep "O/xr^po^ noiel: welches als ein 
Vorzug dieses Dichters vor anderen Epikern auch 1460 a 9 hervorge- 
hoben wird), oder aber es ist der Dichter selbst, der in eigener Per- 
son redet und nicht eine fremde Maske ainiimmt (% (hg röv aOrdv xod 
ix^ /xcraßdXXovra). Es ist klar, dass das irepov rt yiyvoynvov und f»g 
röv auröv xac fiti juicraßdXXGvra nur Gegensätze sind auf dem gemein- 
schaftlichen Grunde des djtayyiWuv^ ohne welche Unterlage jene 
beiden völlig in der Luft schweben ^). 

Aristoteles hat es unterlassen, unter diese Unterschiede die 
Dichtarten speciell zu subsumiren. Scharf sondern sich in jener 
Aufstellung Epos als erzählende Gattung und das Drama, dessen Name 
das Element der Handlung ausdruckt. Allein diese Subsumption der 
Dichtarten weiter durchzuführen, ist nicht ohne Bedenken und 
mannigfache Schwierigkeit, und scheint, nach den Worten iv rol; 
a^jTotg xai rd OL'jrd zu schliessen , von Aristoteles gar nicht beab- 
sichtigt. 

Aus der Art dieses dritten Unterschiedes erklärt es sich denn, 
dass die musisch -orchestischen Künste hier nicht in Betracht 
gekommen. Auf der Mitwirkung der Musik und des Tanzes» die nicht 
allen Dichtgattungen und wiederum nicht allen Dichtgatturigen in 
gleichem Umfang gemeinsam ist, beruhte der erste auf die Mittel der 
Darstellung gegründete Unterschied, und ebenso konnten bei der 
Scheidung der Gattungen nach dem Kunslstil Orchestik und Musik 



Beitrüge zu Aristoteles Poetik. 273 

nicht Übergangen werden: denn sollten sie mit der chorisehen und 
dmuiatischen Dichtung ein organisches Ganze bilden, so mussten sie 
die Fähigkeit besitzen, sich dem Kunststile jener anzuschmiegen. Der 
dritte Unterschied dagegen beruht wesentlich auf dem Verhältnisse, 
welches der Dichter zu seiner Dichtung einnimmt, ob er es selbst ist, 
der in seiner Person spricht, oder ob es andere Personen sind, die er 
reden, oder die er alles in Handlung darstellen lässt. Bei diesem Un- 
terschied also, der in die Dichtung selbst hineingelegt ist, hatten 
Orchestik und Musik keinen Platz, und es genügte dem Aristoteles, 
durch h xolg axirolg darauf hinzudeuten, dass die Mitanwendung 
jener Künste und ihrer Mittel mit allen hier aufgestellten Darstel- 
lungsweisen sich verträgt. 

Hiernach begreift sich endlich auch, dass Aristoteles die 
Anwendung oder Nichtanwendung von Musik und Orchestik nicht 
hergeleitet hat aus der besonderen Art der Dichtungsweise, etwa so, 
dass das Epos, weil erzählender Natur, sich auf das metrische Wort 
beschränke, das Drama dagegen und die Chorlyrik, weil durch Hand- 
lung und Action darstellend , Musik und Orchestik zu ihren Darstel- 
lungen hinzunähmen. Eine derartige Herleitung ist durch nichts an- 
gedeutet, vielmehr nahm Aristoteles die Thatsache, dass einigen 
Dichtgattungen die musikalisch-orchestische Begleitung eigen war, 
anderen nicht, aus der Erfahrung, wie sie die griechische Dichtung 
darbot. 

Aristoteles fasst, wie abschliessend, das Resultat der bisherigen 
Erörterung zusammen (iv rpirsl Si^ raOraig diafopalg >5 iiiiiriaig 
imv xtX.), um eine aus den verschiedenen bisher dargelegten Ge- 
sichtspuncten resultirende Parallelisirung der Dichtarten anzuknüpfen : 
Epos und Tragödie treten neben einander nach der Gleichartigkeit 
des Kunststiles ((jiroudatov) , Tragödie und Komödie dagegen in der 
Darstellungsweise, die bei beiden die handelnde ist und in der 
für beide geltenden Bezeichnung dpä|xa ihren Ausdruck gefunden hat. 
Diese letztere Bemerkung gibt den Anlass zu einer Digression über 
die Ansprüche des dorischen Stammes auf die erste Erfindung beider 
dramatischen Gattungen : Ansprüche , welche zwar auch auf anderes, 
aber insbesondere auf den den Doriern eigenthümlichen Gebrauch 
des Wortes $päv gegründet werden. 

Und nun erst schliesst Aristoteles den ganzen ersten Abschnitt 
des ersten grundlegenden Theiles der Poetik ab: mpi [liv ovv rwv 

SiUb. d. phU.-hist. Cl. L. Bd. lU. Hfl. i8 



274 V « h 1 CD 

dioLfopw — Etpyj'j^oj raOra, und wendet sieh sofort zu der zweiten 
diesem allgemeiuen Theile angehörigeii Frage nach der Genesis der 
Dichtkunst und der Dichtarten, welche in Kapp. 4 und 5 bis p. 1449 
b 9 erörtert wird. 

Zwei in der Menschennatur liegende Gründe haben die Dichtung 
überhaupt hervorgebracht (ysvvf^^jae /jl€v oXco^ n^v Troivjrcxifev , dem 
1448 b 24 ouandfjJ^t öi entspricht): erstens der Nachahmungstrieb, 
welcher den Menschen vor allen andern Geschöpfen auszeichnet und 
ihm das Lernen und Wissen vermittelt: womit sich die Freude ao 
den Erzeugnissen der Nachahmung verbindet: rö re yäp luyitXaäai 
«jufxyurov rot^ dväf^6}7ZQtg ix jracdcjv iari, xal roOrci) diaf ipoum röv 
aXXeuv C4^ot)v, ort jxifjLr^rtxcoraröv iari xai rag jxa^asc^ KOielrat dtä 
liiliYi<je(i)g Tag ;rf wra^, xai rö yaipirj roXg ^tjuiTj^acje ndvrag. Letzte- 
res erhärtet Aristoteles durch die in der Erfahrung gegebene That- 
sachc, dass nicht bloss Nachahmungen schöner Gestalten (Politik 
1340 a 2li), sondern auch in Wirklichkeit widrige Erscheinungen in 
der Nachahmung uns Wohlgefallen erzeugen: arjfxccov öi toutöu rö 
(jujxßafvov €;r( rcov epywv xrX., und weist auch den Grund dafür in dem 
Triebe zu lernen nach, der nicht den Philosophen eigenthümlich, son- 
dern, wenn auch in geringerem Grade, allen Menschen gemeinsam ist 
(^ndvTsg äväpuinoi roij eiiivai opiyovrai yjcjee Metaph. 980 a 21. ^ de 
TCü ixav^dveiv rö eig rö xard yOcjev xa^ioraa^at Rhetor. 1371 a 33. 
TÖ '/ap fxav^dvsev fcididjg rioO ^Oan näaiv e^rv Rhetor. 1410 b 10). 
Das Schliessen aber aus dem getroffenen Bilde auf die Wirklichkeit 
ist ein Lernen, während, wo dieser Schluss nicht gestattet ist, das 
Werk der Nachahmung zwar auch, aber nur durch die Kunst der 
Ausführung erfreut (vgl. de part. anim. 645 a 11 fgg. rag fjiiv 
eixövag aürwv ^£WpoövT£g y^aipo[kzv ort ttt^v driixiovpyiiaaijav rejfvijv 
auv^£wpoö/JL£v, otov n%v ypafixiiv ri tyjv ;rXac7Tixy/v). Damit schliesst die 
Betrachtung der aiTiat, ab : denn in dem folgenden Satze xard y6aev 
01^ (wie doch wohl statt öi zu schreiben sein wird) ovrog ifiixXv tgö 
fxepL£t<7^ai xtX. zieht Aristoteles den Schluss aus der bisherigen Erör- 
terung und zeigt, auf welche Weise aus jenen Grundursachen die 
Dichtung erwachsen ist. 

Welches sind denn nun die zwei in der Natur begründeten 
Ursachen, welche Aristoteles ankündigte (atVtae dOo rivig). Gemein- 
hin nimmt man (auf Grund des gliedernden t6 ts iiiiieXtj^at — xai 
rö y^aipeiv) den Nachahmungstrieb und das Wohlgefallen an Nach- 



Beitrage zu Aristoteles Poetik. 275 

ahmuiigeu als die beiden airiai an. Allein gegen diese Auffassung 
spricht, dass das Wohlgefallen an Werken der Nachahmung nur die 
Kehrseite des Nachahmungstriebes ist: dieser nämlich äussert sich 
zweifach, productiv im Nachahmen, receptiv in der Freude an Nach- 
geahmtem; beides, das Nachahmen wie das Wohlgefallen an Werken 
der Nachahmung, wurzelt ja auch, wie Aristoteles deutlich gemacht 
hat, in dem einen Triebe zu wissen und zu lernen : rag ikaäiifjeig 
nouXrai deä yuyiYiae^g rag npdiTag^ und nachher: airiov (roxi yaipetv 
ToT^ fxe/xi^/xaatv) ori iiavSdveiv ov jxövov roXg fiXodOfoig ii$i<jrov ccXXä 
xac ToXg äXkotg dfAofco^ xrX. Und in demselben Sinne sagt Aristoteles 
in der Rhetorik I, 11 S. 1 37 1 b S , weil das Lernen dem Menschen 
angenehm (i^dO), darum gehörten zu den ifi$ia sowohl die nachah- 
menden Künste (also die nachahmende Thätigkeit) als auch die 
gelungenen Werke der Nachahmung: inei 8i rö fxav^dvctv rt >55u 
(xai TÖ «&av|üiaCe(v) , xai rä roidSe dvdyxTO i^Sia £ivat olov r6 re 
ficfxo6fxevov (atjnep ypafix^ xai dvdpiavronoüa xal nonnrixYi^ xai ndv 
av 6Ö fXEjxcjxyjfjiivov f, xov ij fiii liiSij avrd rd jX€jüi(jxy}|x^vov ot) yäp im 
roifrf^ yaipti^ dXkd (juXXoyeafxö^ ianv ort toöto ixstvo, wäre fxav^d- 
vsev n aviißaivei. 

Endlich ist dieser zwiefaltig sich äussernde Nachahmungstrieb 
die Grundursache für alle nachahmenden Künste; den Ursprung der 
Dichtkunst zu erklären, bedurfte es daher noch eines zweiten specifi- 
sehen Grundes, aus dem diese besondere Art der Nachahmung sich 
entwickelt habe. Diesen entnehmen wir dem abschliessenden Satze : 
xard (pOmv dii ovrog riiiXv roO imieXfj^ai xal riig dpfioviag xai roö 
pxf^IxoO (rä yäp [lirpa ort yLopia röv f u^-jülcov iari, yavcpöv) i^ «PX^^ 
nsfvxoreg xai a^ä ixäXtara xavd ixixpdv npodfovreg iyivvinaav riiv 
Koifiaiv kx TCüv auTocjj^eJeaejjULdrwv. Denn es ist einleuchtend, dass 
Aristoteles als die beiden airiai tpvatxai der Dichtkunst 1. den Nach- 
ahmungstrieb und 2. den gleichfalls uns angebornen Sinn für Tact 
und Harmonie (worin der Sinn für metrische Form eingeschlossen 
ist) ansah. (Probl. 920 b 31 — »21 a 6 $id rl ^u^/acü xai iiiUi . . 
yalpoxfai ndvrsg; ^ ort raXg xard yOcjiv xivriaeai yaipoyiey xarä (pOmv 
xrX. Politik 1340 b 17. Piaton Ges. 6S3 e, 654 a). Der Sinn für 
rhythmisch-metrische Form gab dem allgemeinen Nachahmungstriebe 
die Richtung auf diejenige Art der Nachahmung, welche wir Dichtung 
nennen. Von diesen beiden airiai hat Aristoteles nicht den einen 
aus dem anderen hergeleitet, sondern er stellt sie als zwei gesonderte 

18 • 



276 v.kle» 

Grondanlagen des Menschen neben einander: nur darf es auffallen, 
dass, während Eingangs zwei natürliche Ursachen der Dichtkunst 
(d6c airiai (piKjixai) angekündigt waren, die zweite nur beiläufig ii 
dem abschliessenden Satze (xard fjaiv oii xrX.) herzugeDommea 
wird, ohne dass ihrer vorher gedacht worden wäre. Man wurde 
geneigt sein, an eine Lücke des Textes zu glauben, wenn nicht der 
parenthetische Zusatz ra yäp [kirpa ort xrX. andeutete» dass von 
frj^iiog und dpiiovicL im vorhergehenden nicht die Rede gewesen. 

Auf dieser allgemeinen Grundlage für den Ursprung der Dich- 
tung erörtert Aristoteles 2. die Entstehung der einzehien Diehtarten 
1448 b 24 — 1449 a 6: dem yiwi^aai |X£v SXtag n^v 7roci}ruc^ 
(1448 b 4) entspricht ^itfjTra.'j^t 8i xaTocrä ocxcia f^ ii nfAr,fjiq 
(b 24). Hier findet die in dem ersten Abschnitte des allgemeinen Theiles 
(1448 a 1 ff.) aufgestellte Sonderung der DichtaKen nach ihrem 
Kunststile in würdige und niedrige ihre Anwendung. Und wie dort 
diese Scheidung beruhte auf dem Charakterunterschiede der darzu- 
stellenden Personen (dem cj/ro'joaeov undyaOXov iS^ogdcr irparrovr«^), 
so wird hier die Entwickelung der entgegengesetzten Diehtarten aus 
dem entsprechenden Gegensatz in den Charakteren der darstellenden 
Dichter abgeleitet. 

Es sonderte sich also die Dichtung nach den den Dichtem eigen- 
thümlichen Charakteren: ouandts^, xara xä oixeia ii^t (näml. rwv 
^(jULou/JiivGJv) Yi noirimg. Die Einen nämlich vermöge ihres auf das 
Hohe und Edle angelegten Charakters (oe acjuivörepoe) folgten den 
Nachahmungstrieb in der Darstellung des Hohen und Edlen: vag 
xaXag ijicfxoOvrc n p i^cig xoci rag rojv roeoOrcov: die andern, deren 
Charakter niedriger angelegt (ot £ÜT£/£<7r€poe), wendeten sieh der 
Darstellung des Niedrigen und Gemeinen zu (rag rcüv fpaOltav). Die 
Darstellungen jener ergaben Lob- und Preislieder (ujuivoixac cyxaifiia). 
Verherrlichungen edler Menschen und edler Handlungen: diejenigen 
der anderen Dichter Tadelgedirhte (^oyrji). Für die erste Gattung 
(ufxvoc und iyxtüiiia) führt Aristoteles keinen Beleg an: von ihrem 
Gegensatz, den ij/öyoc, habe es zwar schon vor Homer viele Beispiele 
gegeben , aber zu nennen weiss er doch nur ein Homerisches, den 
Margites und dem ähnliche : und der Margites selbst, obwohl er un- 
zweifelhaft auf diese Seite des Gegensatzes gehört, verdient doch 
nicht so sehr ilie Bezeichnung eines *^6yog als eines komischen 
Epos (b 37). 



Beitrige sa Aristoteles Poetik. 277 

In dieser zweiten, der Darstellung der faxika gewidmeten Gattung 
von Dichtungen kam dem Charakter der Dichtart entsprechend jam- 
bisches Maass auf» d. h. die 4^ö7oc wurden (a|üi|3oe,\und so traten, 
indem ganz parallel aus den O/xvoi und iyxdjixia sich das heroische 
Epos herausbildete, auf der zweiten Stufe der Entwickelung Jamben- 
dichter und Eposdichter einander gegenüber. 

Dieser Gedankenfortschritt wird in den Ausgaben durch unrich- 
tige Interpunction .verdunkelt, die vielmehr so herzustellen: oe iiiv 
yäp acfxvÖTcpot rag xaXoLg ijtxefxoövTO npd^en; xai rag rwv roeourwv, 
oc di eCreXioTtpoi rag roiv yaOXwv, /rpcorov ^6yovg noiovvTsg^ utanep 
drtpot vyivovg xat iyxtbiiia. rwv jüiev cuv npd 'Opir^poü oOJcvög iy(Oik€v 
iiiiBiV TGiovrov noiiniia^ eixdg $i sivat ;roWo6^, dno di 'Ofjnopou ap^a- 
ILivoig iariv^ olov ixiivov 6 Map7er>3^ xal rä TOtaöra. iv ocg xara rö 
dpfiörrov layißilov iSX^e \kirpoy (ßC 6 xat eapißefov xaXcirat vOv dre iv 
rw jxirpeü roOrw tapißtCov ölAXiiXoug), xai i7£vcvT0 tcov /raAceedtv o? 
ft.iv TiptüiKöJv Ol Si idyiß(t}v notrsrai. Nach ra rGiaOra nämlich ist 
Punctum (nicht Komma) zu setzen, so dass, nach einer dem Aristo- 
teles sehr geläufigen Redeweise, 6 Mapylmg xai- rd roiaOra (der 
Margites und die ähnlichen) für sich steht. Mit iv olg aber beginnt ein 
neuer Satz, mit welchem, über die Zwischenbemerkung vom Homer 
hinweg, an jtpCjrov ^öyorjg noiovvrsg dem Gedanken nach wieder 
angeknüpft wird. Anderseits gehören die Sätze iv olg — iaiißeXov 
^X«&€ fx^rpov und xac iyivovTO — cdjxßwv noiYtzai aufs engste zu- 
sammen: das Sätzehen d(' ö xae idiißeXov xrA. dagegen ist nur eine 
der Erläuterung des Namens 'jambisches Maass' dienende paren- 
thetische Bemerkung, die den Zusammenschi uss der Hauptsätze nicht 
stören darf. 'Sie dichteten anfänglich Tadelgedichte, wie von Homer 
det Margites und die ähnlichen. In diesen (den rj/dyce) kam ange- 
messener Weise jambisches Maass auf (das auch darum 'jambisch' 
heisst von der Anwendung in diesen Tadel- oder Spottgedichten), und 
so wurden von den alten Dichtern die einen Epos-, die andern Jam- 
bosdichter'. 

Bei dieser Gegenüberstellung der alten Dichter (rwv /raXaiöv) 
als Jamben- und Ependichter denkt Jedermann an Archilochus und 
Homer, welche in der Litteratur und Kunst oftmals als die beiden 
Ahnherren griechischer Dichtung verbunden erscheinen. Dass Aristo- 
teles ursprünglich den Archilochus ausdrücklich an dieser Stelle ge- 
nannt, und überhaupt dieser Abschnitt unter den Händen des 



278 Vahlen 

Excerptors gelitten habe, seheint mir eine unbegründete Annahme 
zu sein •). 

Homer aber , der in einer Person beide Gattungen » das vivo; 
<jnou$aXQv in Ilias und Odyssee » das yivo(; ^aOXov in dem Margites 
vertritt, bildet die Ueberleitung zu einer dritten Entwicklungsstufe 
der Dichtung, und zwar zu beiden Seiten des auch auf dieser ver- 
wirklichten Gegensatzes : indem er in seinen epischen Darstellungen, 
in Ilias und Odyssee sowohl, wie im Margites, dramatisch componierte, 
gab er das Vorbild für die eigentlich dramatischen Gattungen, und zwar 
in Ilias und Odyssee, ihrem hohen Stile entsprechend, für die Tragö- 
die, in dem Margites, gemäss dessen komischem Stil, für die Komödie: 
uidnsp 8i xac rd <jno\f$oua [xdlidTa noir^rrig "Ofxyjpög t!v (fxövo^ yäf 
oü;( OTc £ü dXkä Iß^i] xai ^(fXTj^jet^ dpaikartxag ^ffotij^jev), oötw xai 

Xoiov SpaiioLTonoi-hdag ' 6 yäp Mapytr-ng dvdXoyov ^/se, danep 'Utd^ 

xcd >5 *Odu(j<j€ta np6(; rd^ rpoLytaSiotg^ öütgj xai oxjzog np6g rag xw- 

Als aber nun Tragödie und Komödie zum Vorschein gekommen 
war, da warfen sich, ihrem eigenen Charakter entsprechend (xard 
Trt\f oUeiav y6<jcv) die einen statt auf Jamben auf Komödien, die an- 
dern statt auf Epen auf Tragödien , um so mehr, da zwar Jambus 
und Komödie, sowie Epos und Tragödie im Kunststil einander ent- 
sprechen, die letzteren aber (Komödie und Tragödie) bedeutender 
und ehrenvoller zu sein schienen. 

Damit schliesst der zweite Abschnitt in dieser Untersuchung 
über den Ursprung der Dichtung. Angemessen aber knüpft sich an 
die letzte Entwicklungsstufe der Dichtung, auf welcher Tragödie und 
Komödie erscheinen, eine Bezeichnung der Stadien, welche die Ent- 
faltung dieser beiden Gattungen vom Anfang bis zu ihrer YÖlligen 
Ausbildung durchlaufen hat. So werden denn von 1449 a 7 — 31 
die Wandelungen der Tragödie, von a 32— b 9 diejenigen der Ko- 
mödie durchgegangen. Ehe aber Aristoteles daran geht, die allmäliche 
Entwickelung der Tragödie an einigen Hanptphasen zu erläutern, 
lehnt er eine damit in Verbindung stehende Untersuchung ab: rd fiiv 
ouv ^;re<7xon'£rv, ap' iy^si i^Jyj >5 Tpaytaoia roXg ei$£fjiv ixavojg ^ ov, 
arjT6 T€ xa^ auTÖ (8) xpivcrae p vac] xai ;rpö^ rd äiavpa^ d}Xog 
X6yog <«). So nämlich . denke ich , ist die vielbesprochene Stelle zu 
schreiben : die Betrachtung, sagt Aristoteles, ob die Tragödie in ihren 



Beiträge xn Aristoteles Poetik. 279 

Formen schon hinreichend ausgebildet ist oder nicht, was sich sowohl 
an und für sich, ohne Rücksicht auf irgend welche äussere Bestim- 
mung derselben, als auch mit Rücksicht auf ihre Bestimmung für 
die Bühne beurtheilen lässt, gehört nicht an diesen Ort. Die Ableh- 
nung ist allgemein und schliesst nicht das Versprechen in sich, an 
einem [andern Orte in der Poetik selbst auf diese Frage zurückzu- 
kommen: daher daraus, dass sich keine hierauf bezügliche Bemer- 
kung weiter findet , nicht auf eine Lücke des Textes zu schliessen 
ist. Nun aber war zu dieser ablehnenden Bemerkung in dem Voran- 
gegangenen keinerlei Anlass gegeben : denn was Niemand von Rechts- 
wegen erwarten kann, braucht auch nicht ausdrücklich abgelehnt zu 
werden. Daher hat man die Worte von hier entfernt und an das 
Ende des Capitels nach ois^iivai xa5' ixaarov hinabgerückt. Den- 
noch ist leicht einzusehen, dass sie weder dort sich fest in den Zu- 
sammenhang einfügen, noch auch durch ihre Entfernung der Zusam- 
menhang an obiger Stelle besser oder nur erträglich wird. 

Der Anlass zu jener ablehnenden Bemerkung ist allerdings im 
Vorangegangenen nicht, wohl aber im Nächstfolgenden zu finden. 
Die Tragödie, sagt Aristoteles, und die Komödie, ausgegangen jene 
vom Dithyramb, diese von den phallischen Liedern, stieg allmälich 
in die Höhe, und nach mancherlei Veränderungen blieb die Tragödie 
stehen, in€i iaye rtv avTrig y6<jev, xat ro re tojv 6;roxf itojv jrirj^^o^ 
^4 ^ö^ eig Suo nptarog Ai(jy(yXo<; T^ya'^s xrX. Zunächst scheint klar, 
dass die von Aeschylos und Sophokles aufgebrachten Neuertmgen die 
letzten sind, durch welche die Tragödie, um den Aristotelischen 
Ausdruck beizubehalten, ifr/^s rf^v aurij^ f(j<jtv, so dass die Worte 
xal t6 TS Tcüv ünroxptrcüv — axr^voypafiav ScycxXrj^ als eine erläu- 
ternde Ausfuhrung zu jenen zu betrachten sind. Was aber Aristoteles 
mit jenen nicht immer richtig verstandenen Worten sagen wollte, lässt 
sich durch eine Stelle der Physik aufhellen: 193 a 30 rö yäp Svvdiksi 
aäft^ % oavoüv oöt' sjfct ttw tt^v fauroö fO^iv, nplv av Xaßrj ro d$og 
rd xarä r6v Xöyov, S opcCöfxevoi Xiyoiitv ri ian aäp^ ri c^jroöv, oure 
yuacc ifsriv. *Denn was bloss der Potenz nach Fleisch oder Knochen 
ist, hat noch nicht seine eigene Natur, ehe es die begriffliche Form 
erhalten hat, welche wir angeben, wenn wir definireii, was Fleisch 
oder was Knochen sei'. Diess auf die Tragödie angewendet, sagt 
also Aristoteles, dieselbe habe mancherlei Veränderungen durchlau- 
fen, die zwar auf dem Wege zur Tragödie lagen , aber noch nicht 



280 Vahlen 

Tragödie waren, bis sie diejenige Form erlangte, nach welcher der 
Begriff Tragödie bestimmt wird, die man also angibt, wenn man zu 
definiren hat, was Tragödie ist (xa5' t5v -nSri "kiysrcct T6Se ri. Psych. 
412 a 8) H)- 

Nachdem nun die Tragödie ihre eigene Natur erlangt hatte (^(T^^ 
rrjy aurrj^ yOgiv), und im vollen Sinne des Wortes Tragödie gewor- 
den war, blieb sie stehen (iTraO^aro). Diese Thatsache schloss die 
Möglichkeit einer weiteren Entfaltung nicht aus: und Aristoteles 
selbst scheint diese Möglichkeit in den ablehnenden Worten, von 
denen wir ausgingen, anzudeuten. Dennoch konnte jene rein thatsäch- 
liche Bemerkung leicht so gedeutet werden, als ob überhaupt eine noch 
weitere Entfaltung ausgeschlossen sei. Um aber diesem möglichen 
Missverständniss der Worte ind iaye tyjv aOr^^ fO<jtv ina(faaro vor- 
zubeugen, lehnt er es im Voraus ab, auf die Frage einzugehen, ob 
die Tragödie bereits in ihren Formen genügend entwickelt, oder 
eine weitere Entwickelung möglich oder wünschbar sei. Die Sätze 
TÖ jUL^v oOv knKTAOKeXv — äXlog loyo^; und yivoiiivr^ o' ovv «*) dn dp- 
y(9)(; xrX. sind daher im engsten Zusammenhange aufzufassen, den man 
in der Kürze so wiedergehen könnte: *Die Frage, ob die Tragödie 
bereits hinreichend entwickelt ist oder nicht, will ich hier nicht ent- 
scheiden : wie dem aber sei, nachdem sie vom Dith}Tamb ausgegan- 
gen, durch mannigfache Wandelungen hindurch bis zu dem ihr 
eigenen Wesen gelangt war, blieb sie in ihrer Entwickelung stehen'. 

An die kurzerwähnten Neuerungen des Aeschylos und Sophokles 
fügt Aristoteles mit in Si noch einige weitere Umwandelungen der 
Tragödie an, die sie auf dem Wege vom alten Satyrdithyramb zur 
eigentlichen Tragödie erfahren hat, Umwandelungen, welche mit 
jenen früher erwähnten parallel liefen, und zum Theil Consequenzen 
aus denselben waren: aus dem Umfange nach kleinen Mythen (rö 
Ikiys^og ist von juiixpwv abhängig) ") und spasshaftcr Diction er- 
langte sie allmälich die zu ihrem Wesen gehörige Würde («jcfivöv): 
statt des Tanzrhythmus des Tetrameters kam, je mehr der Dialog sich 
entwickelte, der eigentliche Sprechvers, der jambische Trimeterauf: 
die Zahl der Acte ward vermehrt: und das Übrige, fügt Aristoteles 
abschliessend hinzu, womit ein Jedes im Laufe der Zeit ausgerüstet 
worden, lasse man als gesagt gelten, denn alles einzeln durchzu- 
gehen, wäre für den hiesigen Zweck zu umständlich: xae ra dAka. 
ol<; ixocora xocj^xi'j^fyvae liyBTain iaroi y,^Xv sipiniiiva' noAv ydp äv 



Beitrige zu ArUioteles Poetik. 281 

i<j(t}g ipyov eir^ iu^tivai xaS' exaarov. Denn so lautet dieser Ab- 
sehluss in der Ueberlieferung. wälirend seit Aldus in den Ausgaben 
At^erar [nepl juiev oiv toütwv rofiaOroi] iorta xrX. gelesen wird. Nur 
der Umstand» dass dieses eine dem Aristoteles sehr geläufige Formel 
ist, kann es erklären, dass man die Zulässigkeit der Überlieferung, 
wie es scheint, nicht mehr geprüft hat. Man vergleiche übrigens mit 
jener Wendung xac ra aXXa-^ejroj y^jULtv eepyjjxiva 'und das übrige lasse 
man als gesagt gelten' Metaph. lOOS b 21 tlolI oaa aXXa npooSiopi" 
aaifXe^'' av, idzoi npo^oioptaixivot. 7tp6g ra^ ^oyixäg Svcyi^epeiag 
'und was man sonst noch hinzudefinieren konnte, nehme man als 
hinzudefinirt an.' Ibid. 27 u. and. 

In ähnlicher Art durchläuft Aristoteles die Wandeltmgen der 
Komödie (5 p. 1449 a 32 — b 9), deren Ursprung aus den Phallos- 
liedern er schon oben 1449 all mit demjenigen der Tragödie zu- 
sammengefasst hatte. Die Komödie aber, beginnt er, hat, wie früher 
bemerkt, zu ihrem Objecte rd yaüXörfjS«, aus welchem umfassenderen 
Begriffe das specifisch Komische (rö ysXGlov) als eine Unterart 
herausgeschält wird. 

So wichtig, zumal bei dem Verluste des Abschnittes über die 
Komödie, diese nähere (obwohl nicht abgeschlossene) Determinirung 
des Komischen ist, so ist doch unverkennbar, und ist auch von 
Mehreren anerkannt, dass diese Bemerkung ans dem Gange der 
hiesigen Erörterung völlig heraustritt. Der Gedanke, dass Aristoteles 
durch den wiederholten Hinweis auf das yaOXov als Objeet der Ko- 
mödie die gleich nachher erwähnte Zurücksetzung derselben hinter 
der Tragödie habe erklären oder begründen wollen , ist ebensobald 
gefasst als aufgegeben. Denn eine solche Beziehung des fraglichen 
Abschnittes zu dem folgenden ist in keiner Weise auch nur ange- 
deutet. Vielmehr schliesst Aristoteles, seiner sonstigen Weise ganz 
entsprechend, mit ac fiiv ouv Tfig Toaytj^Siag iieraßdfjcig xtX. die 
vorangegangene Erörterung über die stufenmässige Entwickelung der 
Tragödie ab, und leitet zu der entsprechenden Darlegung der Ent- 
wickelung der Komödie über. Zwischen diesem deutlich bezeichneten 
neuen Anfang und dem Abschluss der die Tragödie angehenden 
Erörterung (^«jtw >5|xtv eipriiiiva xtX.) war für jene Bemerkung 
über das Objeet der Komödie kein Raum. Fest fügen sich vielmehr 
an einander: xai rä «XX« olg ixaaroL xofJixriSYjvat "klyerai^ iaTta -^iiiv 
dprt\).iva' TToXO yap Äv latag ipyov tXri Su^iivai xa^' Exaarov. ai fxev 



282 V • h 1 e B 

di xcüjUKodea diä rö fjii^ <7;rouda^£9^ae €^ oLpfjriq fka^ev. Die übrig 
bleibende Frage, ob und wo sieh für jene Determinirung des yeXctov 
ein sehicklicher Platz in der Poetik finden lasse, kann erst später 
wieder aufgenommen werden. 

Die Enlwiekelungsstufen der Komödie macht Aristoteles knapper 
ab als die entsprechenden der Tragödie, darum, weil die Tradition 
ungleich weniger über diese in ihren Anfangen bei Seite gesetzte 
und unbeachtet gebliebene Gattung erhalten hat. Die Komödie hat 
nicht so bald wie die Tragödie staatliche Anerkennung gefunden, 
sondern entwickelte sich im Verborgenen als ein mehr der Prirat- 
liebhaberei uberlassenes Institut. Nur die allerdings überaus wich- 
tige Tradition über das jui0^o*j^ noulv und sein erstes Aufkommen in 
der Komödie hat sich erhalten tmd erscheint an bestimmte Dichter- 
namen geknüpft. 

Hiermit ist nun der ganze grundlegende allgemeine Theil der 
Poetik abgeschlossen: beide Abschnitte desselben, die Sonderung 
der Dichtarten nach den Mitteln, dem Kunststil und der Art und 
Weise der Darstellung, und zweitens die Untersuchung über den 
Ursprung der Dichtkunst und die Kntwickelung der Dichtarten sind 
folgerichtig und in übersichtlicher Gruppirung der Abschnitte dar- 
gelegt. 

Aristoteles schreitet daher (1449 b 9 i? jüiev ouv inonoüa) zur 
Specialbehandlung der einzelnen Dichtarten fort, von welcher uns 
nur die Theorie der Tragödie und der epischen Dichtung, und zwar in 
dieser Abfolge , erhalten ist. 

Bei dem Eintritte in die Specialuntersuchung drängte sich die 
Frage auf, in welcher Reihenfolge die einzelnen Dichtarten am 
zweckmässigsten zu erörtern seien. Es bot sich ein doppelter Weg 
dar: einerseits nämlich treten Tragödie und Komödie, in sofern 
beide dramatische Gattungen, aufs engste zusammen, während ihnen 
epische Dichtung (und die lyrischen Gattungen) als erzählende 
gegenüberstehen. Anderseits sind Tragödie und Epos durch die 
Gemeinsamkeit des Kunststiles (anrcudalov) verbunden, während 
von ihnen die Komödie als fxcfxr^ae^ ^auXcripoJv aus demselben Ge- 
sichtspunct sich absondert. Aristoteles hat selbst eap. 3. p. 1448 
a 25 ff. diese zwiefache Paarung der Dichtarten angedeutet, die sieh 
ergibt, je nachdem man von dem Kunststile, d. i. dem Objeete der 



BeitrSge za Ai-iitoteles Poetik. 283 

Darstellung ausgeht, oder den Nachdruck legt auf die Art und Weise 
der Darstellung. Beide Wege, entweder Tragödie und Komödie als 
dramatische, oder Tragödie und Epos als erhabene Gattungen zusam- 
menzufassen, haben für die Theorie ihre Vortheile, und konnten Wie- 
derholungen verhüten. Aristoteles hat, wie wir sehen, den zweiten 
Weg eingeschlagen, und indem er den Nachdruck auf die Gemeia- 
samkeit des Kunststiles legt, Tragödie und Epos als die beiden unter 
diesem Gesichtspunet zusammengehörigen Gattungen zusammen be- 
handelt, von ihnen aber die andere dramatische Gattung, die Komödie, 
weil sie einem andern Kunststile angehört und fatj'kdrepa zu ihrem 
Gegenstande macht, getrennt und auf einen besonderen Platz gestellt. 

Diese Anordnung begründet und rechtfertigt Aristoteles in dem 
der Specialbehandlung gleichsam als Einleitung vorangestellten Ab- 
schnitt von p. 1449 b 9 — 20. Tragödie und Epos kommen überein 
in der iiiyLrtaig fjJtouSaitav ^ unterscheiden sich aber darin, dass die 
epische Dichtung bloss Erzählung (^dTrayyelia) ist, bloss einfaches 
Metrum hat, und endlich insofern sie eine grössere Ausdehnung der 
Zeit umspannen kann. Im Übrigen aber hat das Epos dieselben 
Theile mit der Tragödie, mit Ausschluss der durch den dramatischen 
Charakter der letzteren bedingten (oipi^ und jxsXo/rotea, cf. p. 1459 
b 10), und so wird, wer die Theorie der Tragödie inne hat, auch das 
Epos richtig zu würdigen verstehen, da jene alles was dieses, nur 
noch etwas mehr hat. 

In diesem Abschnitte ist davon, dass die Komödie wegen ihres 
eigenen Kunststiles (ra (pav'XoTepoti^ von jenen beiden abgelöst und 
besonders behandelt werden solle, nicht die Rede. Und doch sagt 
Aristoteles Cap. 6 in. den hiesigen Abschnitt abschliessend und auf 
den folgenden hinüberleitend: nepi ouv rrig iv i^cciiirpOK; jmcfjir^Ttx^^ 
xai Tzepi xcofjiaidca^ varepov ipoCIjüicv, nipi ii rpaytj^Siag XiywjjLfiv xtX. 
Ton der epischen Dichtung also und von der Komödie wollen wir 
nach dem Gesagten später handeln, jetzt aber die Tragödie erörtern.' 
Darin ist, wie ich glaube, ein Fingerzeig gegeben, dass in dem vor- 
angegangenen Einleitungsabschnitt nicht bloss der durch das anrou- 
ialov gegebene Zusammenschluss von Epos und Tragödie, sondern 
auch die durch das (pavAov bedingte Lostrennung der Komödie aus- 
gesprochen und begründet war. Hier also schlössen sich die oben 
1449 a 32 nicht in den Zusammenhang einzufügenden Worte über 
das yaöXov und ycAocov der Komödie treffend an: ä fjifv yap inonoua 



284 V.hlen. 

iyiti^ dnapfZi t^ rpaytaiia^ ä 8i avrf^ ov ndvra iv rp inonoilq^ -h ii 

xaränäaav x»xiav^ dXXd roij aiayjpoOt o-j kari rö 7eXoi6v fxöpcov — olvvj 
odOvrig. Hierher gestellt , ergeben sie die erwünschte Grundlage für 
den nun folgenden Abschluss nspl ouv r^^ iv i£aiiirpoig fxtfiTjnxf/^ 
xat n€pi xw|uiwota^ öorepov ipoviiev, Ttepi oi rpocytaSiag Aiycüfjicv xtX., 
und zugleich lässt sich begreifen, warum Aristoteles eine vollständige 
Determinirung des yeXoXov (denn das Angegebene ist im Grunde nur 
eine negative Abgrenzung) nicht nöthig erachtete. Sowie die Gemein- 
samkeit von Epos und Tragödie auf der mit Nachdruck henorgeho- 
benen /AcjuiYsat^ anovSamv beruht, so genügte es für den hiesigen 
Zweck, von der Komödie zu sagen, sie sei fxe^vjae^ ^auXoripcüv , da 
unter diese Kategorie eben das Komische (das yeXoTov^ fallt f^). 

An die Spitze der mit Cap. 6 beginnenden Specialerörterung 
der Tragödie stellt Aristoteles die berühmte Definition derselben, und 
fügt ihr Erläuterungen einiger in derselben gebrauchten Ausdrücke 
an. Man darf glauben, dass diese den Wortverstand der Definition 
aufhellenden Erklärungen sich ursprünglich noch auf andere Begriffe 
derselben erstreckt haben werden, insbesondere auf den ohne 
Erklärung unverständlichen Ausdruck xd^ap<7ig rcov ff«3Yyfx«T«v. 
Schwerlich wird aber Aristoteles in der Erläuterung der Katharsis 
seiner eigenen später folgenden Theorie der Tragödie allzusehr vor- 
gegriffen haben. Es genügte festzustellen, welchen pathologischen 
Vorgang in den Gemüthern der Zuschauer er durch xdäapaig roiv 
/ra^fjidrcüv bezeichnet wissen wollte, wie aber die Tragödie selbst, 
um diesen herbeizuführen, geartet sein müsse, blieb der Theorie selbst 
vorbehalten. 

Als Grundlage für diese sucht Aristoteles von einem neuen Aus- 
gangspunct aus die Theile der Tragödie zu gewinnen, um an ihrer 
Abfolge die Gesetze der tragischen Dichtung darzulegen. Die Theile 
aber werden nicht aus der Definition abgeleitet, sondern zunächst durch 
äusserliche Betrachtung der tragischen Aufführung gewonnen und 
sodann nach ihrem Werthe für die Tragödie geordnet. 

Aus der Thatsache der scenischen Aufführung durch redende 
und singende Personen ergeben sich die drei äusserlichen Theile, 
Scenerie (ö;J/£c«)^ xö<j|ulo^), Rede (Ai^tq d. i. aurii >5 toüv övc/mccrcüv 
9uv.5£(7cg) und Gesang (fxcAo/rGcea). In ähnlicher Art werden die drei 
wesentlicheren Bestandtheile der Ti*agödie aufgesucht, Fabel (ßü^og). 



Beitrige ^u Aristoteles Poetik. 285 

Charakter (^^og)^ Gedanken (dedvci«). Allein die Art, wie Aristoteles 
diese deduciert, ist, wenn ich nicht irre, durch eine Verderbniss in 
der Überlieferung verdunkelt: 1449 b 36 inei Si npd^eu)^ ifjri [li- 
fi.n<Jt^, npdmTai oi Otto tcvcöv ;rpaTTÖvTwv, ou^ dvdfxri /rocoO^ rtvag 
iivat xarce re r6 i{^o^ x«c n^v SidvoiOLv (oid ydp toOtwv xai rdg npd^ 
^iig dvai fafisv notdg nva^), nriyuxev ahta SOo rwv npd^tuiv tlvai^ 
oidvoia xat li^o^, xat xard raOrag xai rxf'f/dvovai xac djroTuyj^avoudc 
;rdvT€^. föTc Ji r^^ jüiev npd^etag 6 [lO^og ^ jxijxis^«^' Xiyw 7 dp juiö^ov 
toOtov rnv oOv^cöcv rcov KpayiidTtav^ rd Si rä-^>3t xa^* d nrotoOs rivag 
eivai yajuiev roO^ yrpdTTOvrag, didvoeav de, iv o^oeg /£70VT£g d/ro- 
JctxvOacje tc % xac djtofaivovrai yvtaiiriv, dvdyxri ouv n:da>j^ rpayt^- 
Siag yiip^ cfvae £^, xa^' d nrocd reg iariv Yi rpay(^$ia. raöra J^cart 
xri. Dass die Worte nifxtxev acrta dOo — ^^og nicht können der 
Nachsatz sein zu dem mit inei 8i Ttpd^etag xrX. beginnenden Vorder- 
satz, begreift sieh leicht, und durch Bonitzens umfassende und gründ- 
liche Untersuchung der Aristotelischen Periodologie auf diese Eigen- 
heit einmal aufmerksam gemacht, überzeugt man sich bald, dass ein 
passender Nachsatz überhaupt nicht zu finden bis zu den Worten 
dvdyxn Oliv ndtmq xtX., wo ouv keinen andern Zweck hat, als nach 
den verschiedenen Zwischengliedern auf den Hauptsatz zurückzulei- 
ten. Der Vordersatz aber gliedert sich zweifach : 1. inei 5i npd^e^g 
ifjri ydikrioig, npdrrerai 8i vno rtvcSv ;rp «ttö vrcov, ovg dvdyxYi noioOg 
Tivag eivat xard re t6 ri^og xai r-hv didvoiav und 2. iari de rn^ juiiv 
npd^etog 6 iiOäog ifi ikiikinoig xrX. Der vermeintliche Nachsatz aber nifvxev 
aiTia 8O0 rcüv npd^etav eivai^ Sidvoia xai ^Sog kann für die Stelle über- 
haupt nicht bestimmt gewesen sein, an welcher ihn die Überlieferung 
gibt Denn genaue Erwägung des Zusammenhangs zeigt, dass die bei- 
den Sätze oid ydp toOtojv (näml. -n^og und oedvcca) xat rag npd^iig 
eival fayiev noidgrivag xai xard ravTag xaiTuy^^dvcuoc xat dnoTuy/d- 
vovai ndvTeg in dieser Verbindung und Abfolge gedacht und ursprüng- 
lich geschrieben waren: 'die handelnden Personen müssen nach Cha- 
rakter und Intelligenz (riJ^og und dtdvota) eine gewisse Qualität haben : 
denn durch diese (i^^o^ und dtdvota) bestimmt sich die Qualität der 
Handlungen und bestimmt sich der Erfolg der Handlungen, insofern 
die Handelnden je nach ihrem Charakter und ihrer Intelligenz in den 
Handlungen (xard raura^) Glück haben oder Unglück.' Die Worte 
dagegen, welche jene beiden zusammengehörigen Sätze bisher aus- 
einanderrissen , sind in dem zweiten Gliede des Vordersatzes einzu- 



286 V.kle. 

schalten: £jrt oi rfig jxev npdufag 6 [lO^og r, ikiiir^iigt Trifuxt S^atria 
iOo rcüv /rpdccwv £tvae, ^tav&cav xai Y,Sog. So iiämlieh werden der 
liiyiriaig riig npa^etüg, welche den yiOZog ergiht, passend gegenüber- 
gestellt die alrta rd»v jrodceojv, die Grundlagen der Handlungen, als 
welche sich ^^o^ und ocdvoea ergeben hatten. Die Wiederauf- 
nahme dieses Ergebnisses gibt zu gleicher Zeit für rfsg /ilv npa^itaq 
die bisher vermisste Entsprechung und für die erst in dieser zweiten 
Hälfte des Vordersatzes gegebenen Definitionen von ^^^og und Sidvoia 
die erwünschte Grundlage ab. Sonach gliedert sich denn der ganze 
Satz folgendermassen : inei $e npd^etag e^rc iiiyir^mgy Tzparrtrai ie 
ifKO revoüv fffarrövrwv, oOg dvdyyxt /roeov^ rivag sivat xarä t« rö 
r^^og xai r^v ^idvccav (otd yäp toOtwv xai rag npd^eig eivai faiuv 
noidg rivag xai xard rai/rag xai Tvyjrdvov^i xai dirorv^j^dvou^ 
ndvTtgy ifjTi oi riig i^iv Tzpd^io^g 6 ikO^og -h /xijxtj^t^, /riyuxs J'atn« 
ovo rwv Trpdfcwv thaij iidvoiav xai ^/^o^' \tfta ydo fxO^ov roOrov 
TTiv avv^6(7tv Tcov Kpayi>.dT(»}v, rd oi ij^ry, xa^' d notoOg rtvag eivai 
tpayiev rovg npdTTOvrag^ oidvoiav og, iv oiotg Xeyovre^ dizoittxvxta^i 
rt ^ xai dnofaivovTai yvfbiiriv • dvdyxr^ oyv Trd^jiQ^ rpaytüiiag pilfij 
ffvai 6|!, xa^' d ;roed rt^ ^arev r/ rpaywoea xrX. *'). 

An das Ergebniss dieser Erörterung, dass jede Tragödie noth- 
wendig sechs Theile haben müsse, schliesst Aristoteles eine Gliede- 
rung der Theile nach den Objecten {lxv^og, rj^og» oidvoia^t den 
Mitteln (ixdonoiia und li^ig) und der Art und Weise der Nachahmung 
(oTpe^), und leitet sodann zu einer neuen Betrachtung der Theile über 
mit den schwierigen und dunkeln Worten (1450 a 12) roirrot^ (ilv 
O'jv ovx oliyoi a-Jrwv (hg BineXv xt/^pr^vrai roXg ctöe^cv xat ydp B^ng 
iy^£i ndv xai r^J^og xai [lOJ^ov xai Aefev xat ixDsOg xai didvotav (afja(ntag. 
Die Erklärung hat, wie ich glaube, von rot^ eldemv auszugchen, ein 
Ausdruck, der hier miiixipri nicht identisch sein kann. Zwar hat Aristo- 
teles 1 449 a 8 von den d$ri der Tragödie geredet in dem Sinne von 
'Formen', die er b 3 bei dcrKomödie ayriiiara nennt (vgl. 1448b36). 
Im Uebrigen aber sind ihm ilSr^ im Unterschiede von [kipri die Arten 
der Tragödie (i45ö b 32 rpayt^Siag Si siorj si^ii Tiaaapa* röaovra 
ydp xai rd \kipri iliy^rj) wie des Epos (1459 b 8 rd ficJifj ra^kä 
See iX^tv tt}v inonoiiav rp rpayw^fa . . xai rd fx^p>3). Vergleicht man 
nun den Eingang des zwölften Capitels [kipr, oi rpay^j^iSiag^ olg p.bf 
(bg EXSs(jt Ssi yjjYia^ai , nportpov v.KO\kty, so scheint , wie es immer 
mit der Authenticität dieses Capitels sich verhalten mag, so viel 



Beitrage xu Aristoteles Poetik. 287 

gewiss, dass diese Worte mit deutlicher Rückbeziehung auf unsere 
Stelle geschriebeu sind. Dann aber ergibt sich daraus für letztere 
eine kleine, aber für das Verständniss des Ganzen nicht unwesent- 
liche Besserung: Aristoteles schrieb auch hier nicht rotg eldemv^ son- 
dern (bg eiSsatv, Von den sechs Tragödientheilen, sagt er, machen 
manche Dichter einen solchen Gebrauch, als ob sie ee jv}, Arten, seien. 
Das heisst, sie gehen nicht darauf aus, den sechs Theilen gleichmäs- 
sig in ihrer Dichtung gerecht zu werden, sondern mit Vorliebe je 
nach der individuellen Ki*aft und Begabung pflegen sie den einen und 
andern Theil so vorwiegend, dass so viele Arten der Tragödie zum 
Vorschein kommen, als es Theile derselben gibt. Mit den sogefass- 
ten Worten Toig ikipsai xeyjjtjvrae tbg ecJeatv lässt sich ausser anderem 
in gewissem Sinne vergleichen Metaphysik 998 b 10 (paivovrat Si 
Tev£^ xai rcijv Xcyövrwv OTOiyiXa twv ovrwv rö iv r^ tö 5v r, t6 ixiya 
xae TÖ fjLcxpöv (hg yivemv aOroXg -^r^a^oLi: d. h. auch diejenigen 
Philosophen, welche das Seiende und das Eins u. s. w. als Elemente 
der Dinge aufstellen, behandeln sie doch als Gattungen (oder Gat- 
tungsbegriffe). Für die Thatsache nun, dass manche Dichter in jener 
Weise einzelne Theile der Tragödie so bevorzugten, dass eine 
besondere Art von Tragödie sich ergab , lassen sich aus der Poetik 
selbst noch einige Spuren geltend machen: 14S6 a 3 fxaXcara \kiv 
o&v änayra deX mipäa^at ix^tv , si Si fjnf?, ra iJ^lytara xai TrXeeara, 
aXXcü^ T6 xai tag vöv avxoyavroö^c toO^ notr^rdg' ysyovoTtav ydp xa^ 
ixaarov iiipog dya^ojv ffoojTwv, ix&aTOv toO iSiov dyaäoO d^ioOai 
röv eva vnepßdlletv. Die tragischen Leistungen verlheilten sich also 
nach den Theilen der Tragödie , von denen so ziemlich ein jeder sei- 
nen Meister gefunden hatte, und man konnte dianoetische, melische, 
ethische, durch Bühneneffect wirkende und andere Arten von Tragö- 
die unterscheiden, etwa wie nach Varro die römischen Komiker Cae- 
cilius, Plautus, Terentius nach argumenta. sermoneSy ethe jeder sei- 
nen besonderen Vorzug hatte. Im Eingänge des 14. Cap. tadelt Ari- 
stoteles solche Tragiker, welche den ganzen Eflect der Tragödie auf 
den Bühnenapparat (o^ig) bauten, und aus dem 6. Cap. selbst geht 
hervor, dass die Tragödien der jüngeren Tragiker dri^tig waren, 
dagegen oiavo-nrixai: 14S0 a 25 und b 7 f^. Genug, es lässt sich 
wohl verstehen, wie Aristoteles sagen konnte, dass manche Tragiker 
die [Upri der Tragödie x^^y/vra« fhg etoeaev. Dennoch bleibt noch 
eine Schwierigkeit übrig: die Worte aOr&v 6)g dneXv^ welche mit 



288 V . h J 6 a 

ovx oXiyoi nicht verbunden werden können, Hessen sich zwar viel- 
leicht zu w^ £tdt(jiv ziehen» der Art, dass aJrwv = Tf aycoJceov von «^i- 
aiv abhängig gemacht würde und co^ sineXv dem allerdings nicht genau 
zutreffenden Ausdruck o[>; eioeoiv als Einschränkung und Milderung 
diente : 'diese Theile gebrauchen manche so zu sagen wie Arten der- 
selben (der Tragödien)/ Allein diese Verbindung, die bei übrigens 
ganz verschiedener Deutung schon ein alter Erklärer befolgte , wird 
bei unbefangener Erwägung, nicht bloss wegen der Wortstellung, den 
Eindruck des Gezwungenen machen. Daher bin ich geneigt, zu glau- 
ben, dass die Stelle noch an einem andern Puncte gelitten hat: denn 
genau betrachtet, wird zum vollen Ausdruck des bezeichneten Gedan- 
kens noch ein Moment vermisst. Diese Theile, will Aristoteles sagen, 
gebrauchen manche Dichter einzeln wie Arten. Schrieb er also roO- 
ro(^ fxiv O'jv ovx oXiyoi (xa^' £xa<7Tov) auT&v w^ ccTreiv xe^v;vrae 
dyg e(dc(7(v, so wäre der Gedanke nun erst abgeschlossen, und sowie 
tag tineXv im Anschluss an xa^* ixarjTov dem Sprachgebrauch des 
Aristoteles entsprechend seinen Platz gefunden hätte, so fehlte es 
auch für das von xa^' fxaarov abhängige «utwv (d. i. iiepu^v^ wenig- 
stens nicht an einer Rechtfertigung. 

Der hinzugefügte begründende oder erläuternde Satz xac yap 
6'^ttg iy^ii TTäv xai ri^og xat /jlO^ov xat [liAog xai Xiftv xai ocdvoeav 
d}*}a(jTOig muss, da er so, wie er da steht, nicht verständlich ist, seine 
Deutung und Berichtigung nach Massgabe des vorangegangenen fin- 
den. Denn dass Aristoteles, wie gemeinhin angenommen wird, sage: 
'jede Tragödie (;rav) hat r^ct^ u. s. w.\ scheint mir aus vielen Grün- 
den schon an sich eine unhaltbare Deutung, die überdiess zu dem 
aus den vorangegangenen Worten gewonnenen Gedanken schlecht 
genug passen würde. Ich denke, Aristoteles schrieb: xac ydp o^ng 
eytiv TiäVf xat r^J^og xat fxO^ov, xat Äc|tv xat fxiAö^, xai ocdvctav 
wiaOro)^ d. h. 'denn (nach der Meinung jener oux 0X1701, 
welche die ixipr^ einzeln wie Arten gebrauchen) habe und ver- 
möge jedes iiipog die 6'^ig, das rjJ^og wie der fxv^o^, die Xi^ig 
und das fxiXo^, und nicht minder die ^edvota, Alles. Bei dieser 
Fassung des Gedankens wird die Anordnung der iiip-n, die bei 
jeder andern Erklärung auffiillig bleibt, begreiflich: mit dem für 
das Wesen der Tragödie äusscriichsten und darum unkunstle- 
rischsten Theile, der r^t^, beginnt die Reihe, und ihr schliessen 
sich paarweise ^äog und jxO^o^, Ai^ig und fxeXc^ an, denen zum 



Bdtrl^e co Aristoteles Poetil. 289 

SeUuss mit dem nur hierauf bezüglichen d}(jaOrm^ die iidvota 
sich anreiht <•). 

So gewinnen wir denn endlich in diesen heiden Sätzen eine an- 
gemessene Überleitung von der empirischen Auffindung der sechs 
Theile zu der Erörterung des Werthes, den ein jeder derselben für 
die Tragödie hat. Jede Tragödie muss, nach der erfahrungsmässigen 
Betrachtung derselben, sechs Theile haben. Diese Theile haben 
manche Dichter so angewendet, dass sie in der Meinung, jeder der- 
selben habe alles in sich, ihnen einzeln je nach Begabung und Nei- 
gung ein artbestimmendes Übergewicht einräumten. Diese Auflas- 
sung, erweist Aristoteles im Folgenden, ist nicht richtig, indem sie h 
Yielmehr, an der Aufgabe der Tragödie gemessen, jene Theile nach 
ihrem Werthe und ihrer Bedeutung in einer bestimmten Rangfolge 
ordnen. Diese habe ich unlängst zum Gegenstande einer besonderen 
Erörterung gemacht, auf die ich hier verweise "). 

Nachdem Aristoteles in der zweiten Hälfte des sechsten Capitels 
die empirisch gefundenen sechs Theile der Tragödie auf vier in der 
Theorie der Tragödie besonders zu behandelnde reducirt hat (Fabel, 
Charakter, Gedanken, sprachlicher Ausdruck), geht er mit dem sie- 
benten Capitel in die Einzeluntersuchung dieser Theile ein. Mit deut- 
licher Abhebung dieses neuen Anfangs beginnt er mit dem wichtig- 
sten derselben, der Fabel und Composition 1450 b 21 Smpi(jixivu)v 
ii To6rci)v, Xeyojjxev ixsrä. ravra Koiav rivd Sei rriv aiJOroLaiy thoLt rdv 
npayiidrdiv^ ^ttscä^ toöto xai npSirov xal jxiycarov ttjc rpay(ü$iag 
Itniv. Die Untersuchung über den fxO^o^ erstreckt sich bis Cap. 1 5 
in. , wo gleichfalls mit scharf bezeichnetem Übergang zu dem zwei- 
ten Theil der Tragödie, dem ^^o^, fortgeschritten wird 1454 a 14 
nepi ixiv ouv rfj^ tcDv ffpayjx^Twv (jv^Tdaecüg^ xal noiovg Tiväg 
cfvat ieX rovg iiO^ovg, iiprirai ixavö^' nepi ii rä t5^ xtA. Und end- 
lich werden auch Cap. 19 in. die beiden noch übrigen Theile, die 
überhaupt behandelt werden sollten, mit klarer Abgrenzung des 
neuen Abschnittes eingeführt 1456 a 33 nepi iiiv o\jv twv «XXojv iiSvi 
elprirai^ Xccnröv ii nepi Xi^euyg xai Siavoiag eineXvt deren Behandlung 
bis Cap. 22 extr., dem Abschluss der ganzen Theorie der Tragödie 
reicht. Hiernach ist denn Aristoteles der im sechsten Capitel begrün- 
deten Disposition der Untersuchung in der Ausführung selbst treu 
geblieben: allein, obwohl die Gelenke, an denen die Glieder des 
Organismus sich in einander fügen, sichtbar sind , so sind doch im 

Sizb. d. plifl.-hist Gl. L. Bd. III. Bft. 19 



290 T • k 1 c ■ 

laaen der Uotemiehiiiig die G&eder hier wmA da m ikrer «rspriiig- 
lieheo Ordnung Terdonkeh. 

Die Erörtening des il^^^ sondert si^ in nrei seknrf geglie- 
derte HaUlen, deren erste (Cap. 7 in. 1450 b 21 — Cnp. 9 1452 a 1) 
die Frage beantwortet, wie moss die Fabel oad Composition in der 
Tragödie besekaffen sein, damit diese dramaliseb sei? 

Um dramatiseh zu sein, muss die Composition der Tragödie 
1. abgeseUossene Ganzheit, 2. Einheit, 2. poetische Wahrheit and 
AUgemeingiltigkeit haben« Diese drei Erfordernisse, die unter sieh 
im engsten Zusammenhange stehen, sind allgemeiner Art ond nicht 
auf die Tragödie besehrankt : sie finden Anwendung auf jede Dich- 
tung, welche Handlung und Composition hat, insbesondere also auch 
auf das komische Drama und die epische Dichtung, ron welcher letz- 
teren Aristoteles ausdrücklich verlangt, dass ihre Fabel und Compo- 
sition IQ dem angegebenen Sinne dramatisch sein soll 1459 a 17 
Ttepi de rf,^ Jtijyi^ftarun^ xai h fifirp« fu^nsrcx^^, ort itl tou^ ^ki^äo^jq 
xcL^OLKip h raig rpaycoocat^ Tjyefjzdycu dsaftarucv^, xai (seitt. 
explUaL = d. h.) ntoi iiiay Tzpä^y gatjv xai rcAeeov, iy(Grjoay «pj^^v 
xui iiiGOV xai riAog^ cv' dintf ^^oy hf oAov kov^ nftv ocxccov li^öv^v» 
ifikov xrA. Aus dieser AUgemeingiltigkeit der Forderung des Dramati- 
scben erklärt es sich denn auch, dass in den drei diesem Gesichts- 
puncte gewidmeten Abschnitten (Capp. 7, 8, 9) neben der Tragödie 
das Epos und die Dichtung überhaupt iu Betracht genommen wird. 

Mit der hier erst angemessenen Rückbeziehung auf die Bestim- 
mungen der Definition der Tragödie erörtert Aristoteles die erste 
Forderung des Dramatischen, das oaov xai riXstov, d. i. die abge- 
schlossene Ganzheit der Handlung. 

Diese Abgeschlossenheit liegt zunächst darin, dass die Tragödie 
(wie das Drama überhaupt) nicht beliebig anfangen und beliebig 
aufhören darf, sondern, dass ihr Anfang wirklich Anfang, d. h. nichts 
als nothwendig vorausgehend fordert, und ihr Ende wirklich Ende 
ist, d. h. nichts mehr nach demselben als nothwendig erheischt. 
Dieser Forderung Hess sich aber genügen bei ungemessener Ausdeh- 
nung, wie bei unverhältnissmässiger Kleinheit: beides wurde der Tra- 
gödie, die ein Kunstwerk sein soll, nicht entsprechen: daher war 
dem oXov xai riXetov als ergänzende Bestimmung ixiyi^og t/pv 
'Grösse habend' hinzuzufügen. Für die Grösse (den Umfang) ist 
nämlich die Tragödie an die allgemeinen Gesetze des Schönen ge- 



Beiirige su Arittoteles Poetik. 291 

banden, das auf Ganzheit und innerer Gliederung der Theile beruht. 
Wie also jegliches Schone weder allzuklein sein darf, damit die 
Gliederung der Theile wahrgenommen werden kann, noch allzugross, 
damit die Betrachtung der einheitlichen Ganzheit möglich bleibe , so 
muss auch die Tragödie (oder ihr iivJ^og)» wenn sie als Kunstwerk 
den Forderungen der Schönheit entsprechen soll, zwar eine gewisse 
Ausdehnung haben, welche die Gliederung der Theile zu betrachten 
ermöglicht, aber diese Ausdehnung darf ein solches Mass nicht 
erreichen, welches die Wahrnehmung der abgeschlossenen Ganzheit 
ausschliesst. Allein diese Bestimmungen der Grösse sind doch immer 
noch zu allgemeiner Art, und obwohl sie auf Kunstwerke jeder Gat- 
tung sich anwenden lassen, so gestatten doch verschiedene Kunst- 
werke, je nach ihrem eigenen Wesen, einen ganz verschiedenen 
Grad der Ausdehnung: zeigt sich diess doch selbst innerhalb der 
Dichtung bei dem Epos und der Tragödie, die, wie Aristoteles mehr- 
mals hervorgehoben hat, in Bezug auf Grösse ganz verschiedenen 
Bedingungen unterliegen. Die Frage bleibt also auch nach jenen 
allgemeinen Bestimmungen noch immer übrig, wie gross kann und 
wie gross darf die Tragödie sein: sie lässt sich nach äusseren 
Gesetzen und Gewohnheiten der Bühneneinrichtung entscheiden; 
aber dieser Gesichtspunct kann fQr die Theorie der Tragödie nicht 
bestimmend sein. Nach den Gesetzen des Kunstschönen betrach- 
tet, wird die grössere Tragödie, wofern sie übersichtlich bleibt, 
was den Umfang betriflt, die schönere sein, denn die Grösse über- 
haupt ist ein Requisit des Schönen , und je reicher die Tragödie ist, 
um so mehr kann die Gliederung der Theile sich entfalten. Allein 
die aus dem inneren Wesen und der Aufgabe der Tragödie ge- 
schöpfte Bestimmung ihrer Grösse ist doch erst die, dass die Tra- 
gödie einen solchen Umfang haben muss, um die volle Entfaltung 
einer Handlung, d. h. einer Situation, die nicht so bleiben kann, 
wie sie liegt, sondern einen Übergang in sich schliesst, entweder 
vom Glück zum Unglück oder vom Unglück zum Glück, zu ermög- 
lichen. Welcher Art der für die Tragödie angemessene Übergang 
sei, liegt hier, wo die Tragödie lediglich von ihrer dramatischen 
Seite gefasstwird, ausser dem Kreise der Betrachtung; es genügt 
für den hiesigen Zweck, die Forderung so zu stellen, dass der in 
der Handlung eingeschlossene Übergang in dem Umfang einer Tra- 
gödie sich voll und reich entfalten und vollständig ausklingen könne. 

19» 



292 y.hlen 

Mit dem bisherigen ist das oXov xal rileiov mehr äusserlich um- 
schrieben: denn es bleibt die Frage noch immer offen, wie gewinnt 
man (bei zweckmässigem Umfang) den richtigen Anfang und das 
richtige Ende, d. h. die Abgeschlossenheit nacli beiden Seiten. Die 
Antwort gibt das 8. Cap. : es ist die Einheitlichkeit des fxO^o^, die 
nicht in der Einheit der Person oder der Einheit der Zeit, sondern 
lediglich in der Einheit der Situation (npä^ig) gegeben ist Das» 
Aristoteles das oXov xai rilnov erst hiermit genügend bezeichnet an- 
sah, zeigt der Abschluss des achten Capitels (1451 a 30 jqö^ ouv 
xoLädntp xui iv raXg oiXXai<; /jitfxyjrtxat^ -f) lila (xfjXTjat^ Mg iartv^ ovrw 
xai t6v fJLö^ov, inei npd^euyg ixi}xioaig iari, iiiag rs elvat xai raOrog 
oXrj^, xat rd ixipri (J^veardvai tcSv npayiiartav oörco^ &aTe furan- 
^^ixivou Tivog \kipo\)q ^ dfaipo^jjxivov Siocfipea^at xal xlV€e^^al rd 
oXov S yäp Trpoadv ri jülto npoadv ynndtv noiel imdri'kov^ otjdiv (xöptov 
Toö öloit kariv) , welcher die enge Verknüpfung dieses Abschnittes 
mit dem vorangegangenen deutlich macht. Nicht ebenso sichtlich ist 
der Anfang des 8. Cap. an das Vorangegangene angefügt. In dem letz- 
ten Satze des 7. Cap. ist in der für den Umfang der Tragödie mass- 
gebenden [israßol^ (in Glück oder Unglück) die Forderung der 
Einheit der Handlung eingeschlossen. Denn wenn in einer nach den 
Gesetzen der Wahrscheinlichkeit oder Nothwendigkeit geordneten 
Abfolge von Begebenheiten ein Übergang von Glück zu Unglück oder 
umgekehrt erfolgt, so ist damit die hinreichende Begrenzung des 
Umfanges gegeben, und der Mythos ist in diesem Falle einheitlich. Die 
Worte ixOJ^og d' icjnv dg, mit denen man nicht angemessen ein neues 
Capitel eröffnet, sind daher jenem Satze enger anzuschliessen, und er- 
geben in diesem Zusammenhang eine positive Bestimmung der Einheit 
des iiv^og, auf welcher das 8. Cap. basiert, und insbesondere die 
Worte (28) Kspi fxfav npä^iv oiav XiyoixBv passend zurückweisen "). 

Die Frage nun, wie die Composition (fjLö.5o^) die richtige dra- 
matische Einheit erlange, wird unter Abweisung eines verkehrten 
Begriffes der Einheit, vorzugsweise an dem Beispiele des Homer 
erörtert; es findet aber das Gesagte auf den ixij^og der Tragödie 
nicht minder als den des Epos Anwendung. 

Aus der Forderung geschlossener Ganzheit und der darin ent- 
haltenen Einheit der Composition ergibt sich die weitere Forderung 
für den Dramatiker, nicht die historische Wirklichkeit, sondern die 
poetische Wahrheit darzustellen. 



Beiträge su Ariatoteles Poetik. 293 

Es ist vollkommen sachgemäss, wenn Aristoteles das 9. Capitel 
mit den Worten eröATnet: yavefdv di ix twv ctfrjjuiivcüv xrX. Denn 
diese weitere Forderung ist eine Consequenz aus jener früheren und 
in derselben eingeschlossen. Soll der Dichter eine einheitliche, nach 
beiden Seiten abgeschlossene Handlung von kunstgerechter Ausdeh- 
nung schafTen, so ist er von der Forderung historischer Treue zu 
entbinden. Sein Gesetz ist die Verknüpfung der Begebenheiten nach 
Wahrscheinlichkeit und Nothwendigkeit , welche allein die wahre 
Einheit der npä^tg ermöglicht. Dieses Gesetz erhebt die Dichtung 
über die individuelle Wirklichkeit hinaus zu der Tillgemeingiltigen 
Wahrheit, und zieht die Grenze zwischen der historischen Kunst und 
der Dichtkunst. 

Das Streben der Dichtkunst nach dem Allgemeingiltigen und 
der poetischen Wahrheit ist bereits augenföUig geworden bei der 
Komödie, welche in der nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit 
erfundenen Handlung Personen nicht mit individuell wirklichen, son- 
dern mit beliebig vom Dichter erfundenen Namen auftreten und han- 
deln lässt. Die Tragödie dagegen hält sich zwar zumeist an die von 
der Sage oder Geschichte dargebotenen Stoffe und hat darin den Vor- 
theil, dass der einzig von ihr bezweckte Glaube an die Möglichkeit 
und Wahrscheinlichkeit der Handlung getragen und unterstützt wird 
von dem Bewusstsein der Wirklichkeit derselben. Aber auch die 
Tragödie hält sich nicht immer und ausschliesslich an Überliefertes 
und hat doch auch, wo sie es nicht that, dieselbe Wirkung erzielt: 
was leicht begreiflich wird , da ja auch das historisch Gegebene 
selten dem ganzen Publicum als solches bekannt ist, und den- 
noch auf das ganze Publicum gleicherweise wirkt. Also die nach 
dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit und Nothwendigkeit vollzogene 
dichterische Umbildung (fxffxvjaeg) des gegebenen, von Sage oder 
Geschichte überlieferten Stoffes macht den dramatischen Dich- 
ter aus: und findet sich der Dichter in dem sehr seltenen Falle, 
dass die Überlieferung sich so darbietet, wie er sie für sein 
Kunstwerk gebraucht, so erfüllt er nichtsdestoweniger seine Auf- 
gabe als Bildner (fx(|xr/ rr}^), indem er den historischen Stoff für 
seine Dichtung nimmt, nicht weil er historisch ist, sondern weil 
er diejenigen Eigenschaften bereits besitzt, die ihm sonst der 
Dichter aus eigener Erfindung zu geben berechtigt und verpflich- 
tet wäre. 



294 V a h 1 e o 

In dieser ganzen Erörterung von Cap. 7 — 9 ist Alles in festem 
Zusammenschluss. Die Tragödie als Kunstwerk verlangt das oAcv xa^ 
TiXiiov, den Abschluss nach Aussen in einer dem Kunstwerk ent- 
sprechenden Ausdehnung (ixiyeäo<;) : beide Forderungen finden ihre 
Verwirklichung in der Einheit der Handlung (fxO^o^ £f^), und diese 
wieder führt zu der nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit und 
Nothwendigkeit vollzogenen dichterischen Umbildung (fxefx>3<jt^) des 
gegebenen Stoffes. Dieser Begriff der iilixinatg tritt kaum irgendwo 
so deutlich hervor als an dieser Stelle, und die nachdrückliche Be- 
tonung desselben (14S1 b 27 ff.) verleiht dem ganzen Abschnitte 
einen befriedigenden Abschluss. Die Forderung des Dramatischen ist 
damit erschöpft. 

Nach der Überlieferung schliesst sich hieran (1451 b 33 ff.) 
eine Bemerkung über eine unkünstlerische Art der einfachen Mythen : 
rSiv Si «jrXcDv fjL6.&cüv x«t npd^euiv ai ineiaoditßjSsig eiai •^dpiarai, 
},iyoi Ä' imiaoSidiSri fxu^ov, iv ^ töl in€ia6Sia fxgr' äXkriXa oör* 
eixdg OUT* dvdyxr) etvai. roiavTai di noioOvrai vno fxiv twv faOXmv 
TTOiriTOiV SC auroCg^ und Si rojv dyaäöiv did roitg xpcrdg. fl^cd- 
vlaiiara yäp /roeoOvre^, xae napä -Trjv dOvapiev napaTtlvovTig 
IJLV^ov noXXdxig Siaarpifiiv dvayxd^ovTai rö ifi^rig. Dass die 
Worte Aristotelisch sind, davon kann der metaphorische Gebrauch 
von iK£iaoSiu)Srig in der Metaphys. 1090 b 19 und 1076 a 1 
allein überzeugen; und auch sonst findet sich nichts in den Wor- 
ten, das nicht mit Aristoteles Gedanken in gutem Einklang wäre. 
Allein, dass sie für die hiesige Stelle ursprünglich bestimmt ge- 
wesen, davon kann ich mich auch nach der Vertheidigung von 
Spengel und der wiederholten von Susemihl nicht überzeugen. 
Allerdings war im Vorausgegangenen der Nachdruck gelegt auf 
die einheitliche Verknüpfung der Begebenheiten, und von dieser 
Forderung entfernen sich am meisten diejenigen von den einfachen 
Mythen, welche Aristoteles die episodischen nennt. Allein der Feh- 
ler mangelhafter Verknüpfung ist ein allgemeiner, nicht auf die 
einfachen Mythen beschränkter, sowie die entgegenstehende For- 
derung eine allgemeine ist (vgl. 14S2 a 19 ff.): ihn daher an den 
einfachen Mythen allein hervorzuheben war unzweckmässig, zumal 
die von Aristoteles vorgenommene Sonderung der Mythen in 
einfache und verflochtene einem späteren Platz vorbehalten ist 
Dass aber diese Abweisung der episodischen Mythen auch nicht als 



Beitrige zu Aristoteles Poetik. 295 

Überleitung zu dem folgenden neuen Abschnitt gelten kann, wird 
die Erörterung dieses ergeben. Für welche Stelle jene von hier 
zu entfernenden Worte (die 6. Hermann nicht gut hinter 14S2 a 16 
ixsrdßaaig yiverat einschalten wollte) ursprünglich bestimmt waren, 
darüber kann die Untersuchung erst später aufgenommen werden. 



ANMERKUNGEN. 

1. ikOäog — "koyog. 

(Zu S. 266.) 

Die Bedeutung des (jl03o; in der Poetik ist zwar im Allgemeinen klar, 
und doch ist es nicht leicht, die yerschiedenen Nuancen des Gebrauchs scharf 
zu sondern. Ganz abzusehen ist für die Poetik von dem inOBo^ , der die Sage 
im Unterschied von Xd70(, der geschichtlichen Wahrheit, bezeichnet. In der 
Poetik ist fiu5og zunftchst der Stoff, der dem epischen oder dramatischen Dich- 
ter vorliegt , es sind die irpa7fAara, deren künstlerische Verarbeitung seinen 
Vorwurf abgibt, gleichgUtig ob dieselben von der Sage oder der Geschichte 
dargeboten sind, oder aus des Dichters eigener Er6ndung stammen. 1451 b 24 
ruv Yrapa^e^op.^ei)v fiuJ^eiiv, jrepl ou^ ai Tpa^tadioti e^aiv, avrtf^sa^ai. 1453 a 18 
Touj Tuxovraj fiiu3ou^ airvjpOfjiouv. b 22 royj jrapeiX>3fAfiiivouf fAuJ^oug Xuetv. 
Hierher möchte ich auch die verderbte Stelle 1456 a 8 rechnen, für die ich 
eine sichere Verbesserung nicht weiss, doch genügt vielleicht die Einfügung 
von ofAoiov: dixaiov AI xal rpoc^tfidiaiv aXX>3v xal ttqv aOn^v X^etv oudiv tawj 
^ofAototv^ ry fiiu3ä)* roÖTo 6i, wv t{ aun^ ;rXoxT^ xal Xvai;, Wenigstens scheint 
der Sinn zu sein: 'von Rechtswegen kann man eine Tragödie, die einer andern 
im Stoffe vielleicht gar nicht ähnlich ist, doch als die nämliche bezeichnen; diess 
ist nimlich der Fall (roOro di ev rauraic iarlv, uv -f oLvi^ — ) bei denen, welche 
dieselbe Schürzung und Lösung, d. h. dieselbe Composition haben. — Aber it.OBog 
bezeichnet auch die vom Dichter bereits vollzogene Gestaltung des Stoffes, er 
ist, wie Aristoteles 1450 a 5 definirt, die aity^strn (auara^ig) rüv 7rpa7fiiarei>y, 
mit welchem Ausdruck (jlO^o; als synonymer Begriff verbunden wird. 1450 a 32 
^ouaa (rpat7(^^(a) fji05ov xat ffwaraatv frpa7fAara)v. 1454 a 14 jrepl riji rwv 
irpa7(Aara>v auoraaca); xal noiovi riva^ ervai dtX rou; it.vBovg (denn ich denke 
nicht, dass hier (jl05o; als Stoff im Unterschied von der Composition gefasst 
sein soll). Daher denn auch avaretai^ ruv ;7pa7fAara)v allein mit fAu^o; iden- 
tisch und mit demselben abwechselnd gebraucht wird. 1450 a 15 fx^i^rov dk 
rovrciiy (nSmIich von den sechs Theilen, fii03o(, ^-^oc u. s. w.) >$ raiv rpo^fia- 
rtov ffvorafftc» worauf a 22 mit ra rp Ji^fJLara xai 6 p.03o( tAoj r>;c vpoLftfiHioLg 
zuriekgewiesen wird; 1450 b 22 jro(av rtva dei n^v juaraatv ervai twv «:pa7- 
|taruv, iKit9ij Toöro xal irpörov xal fjie7iffTov r^c rpa7wdiac ^<XTtv. 1453 b 2 



296 r • k I e . 

ian (rd foßepdv xod Aei cvöv 7iy< jJ^ou) i^ ovr^; r^; 9*j9rdt9tc^ rwv Kpcpiftaxv». 
1450 a 37 izponpov duvavrai r$ X^ei xal roi; n^f^tv oxpißoOv 4 ra Kporyfuera 
Juviffrovau Gleichbedeutend mit a-jcraaig ran» ::poqyüit<a?f and ayviffroyot ri 
Tzparfinara ist ferner Jvjraaij rou fjtu^oy und avvtarovai (ovvtaraa^at) rdv fiö- 
5ov, d. i. das Sujet, den Stoff componieren , obwoU in diesem Falle saehliek 
wie sprachlich auch die Erklärung sulftssig ist, wonach ffvvtffrdcvflu rdv fiv3«f 
gleich auviardvai i^v ouffraatv gelte : eine strenge Scheidung Üsst sieh hierii 
nicht durchsetzen. Also 1452 a 18 raOra (nSml. avQe7va>|>i9i; and jrcpiirrnca) 
de? 7ive9'5ai i^ aur^; r^c tfu^dco'ccüc roO fAu3ou, rergl. mit 1453 b % (s.o.) 
und 1454 a 37 rac XOaeig ra>v (jL*j.^eoy ^$ aOroO ^ei roO fiuJ^ou ffvpißadvtn , ui4 
mit 1455 a 16 ^eXriOD} dcvoTvcüpio't; i) ^^ aurwv rwv TrporyfiaroAy. 1447 a 9 
juvijraff^ai rov; fAu5ov^ 1450 b 32 roi/c ^«/veorura; eu fi.u5ouc- 1451 b 13 
JuoDQaoevreg röv fAOJ^ov dia rüv cUoreov. 1452 b 29. 1455 a %Z. 1459 a IS. 
1460 a 34. Und hieraus erklärt sich dann weiter, dass ra KpA^yLora gleichbe- 
deutend mit (jlOJ^o^ mit dem letiteren entweder yerbunden oder abwechselnd 
gebraucht wird, wie an den schon angeführten Stellen 1450 a 22 und 145S 
a 16; ferner 1453 b 13 roOro ^y roK npa^yMaiv ^fjiTrocYsreov, yergl. mit 1454 
a 11 r6 roioOrov irapaoxeua^^iy iv roic fJiu5oi;. 1454 b 6 ^o^ov yiyjdh ffvoi h 
roic irpdc7fAaaiv, vergl. mit 1460 a 28. Vergl. noch 1453 b 4. 5. 1456 b 2. Dt 
hiernach ra npd*iiJLOLTa collectiy (wie re«) das Stoffliche der Dichtung beieicb- 
net (ähnlich wie 1451 b 22 ra nptk^pLOLTa opp. ra dvsfiara), so nehme ich auch 
keinen Anstoss weder an der Zusammenstellung h vaXg Keptistreicug xal h rot( 
itKXoXg npoL^ipMcnv (1456 a 19), d. i. in Peripetien und einfachen Stoffen, noch 
an 1451 a 32 ra pJpyi o'uveoravai ruv 7rpäC7fJidredv , d. h. die Theile des Sujeti 
müssen so und so zusammengefügt sein. An beiden Stellen kann ich wenige 
stens die von Susemihl yorgenommenen Änderungen und Athetesen nickt 
gutheissen. 

Der (jlO^o; bezeichnet also nach dem bisherigen sowohl den Stoff als die 
Composition des Stoffes, zwei Bedeutungen, die zuweilen in einander fiber- 
gehen und nicht immer streng zu scheiden sind. Vergl. noch fQr letzteres 
1451 b 34 i7:ei<Todi6)dri fiiO^oy, d. i. episodische Composition, die durch das 
irapar^ivciv rov (jL03o')^(b 38), das Auseinanderrenken des Sujets entsteht 
1460 a 33 rö X^siv ort avppKjro av 6 fxO^o; ^tXolov (dass die Composition zu- 
sammenbrechen würde); 1454 b 34 X^ei a ^ouXerai 6 nonoriig aXX' o^x ^ F^ 
5o; (d. i. die Anlage und Composition des Sujets). Ferner wenn der fkv^i 
Princip und Seele der Tragödie genannt wird (1450 a 38), und Peripetie and 
Anagnorisis die p.ipri roO p.</äov heissen (1450 a 34. 1452 b 9), so i«t nicht ai 
den Stoff so sehr als die Verknüpfung und Composition desselben gedacht 
Der Begriff des Stofflichen dagegen scheint mehr zu Tage zu treten 1452 a 10 
ava7X>3 roü; roiourouc <rvai xaXXiou; fAuJ^ou; u. d. folg. Vgl. noch 1456 a 12. 
1462 b 5. 1449 a 19. — Wie also (lO^og einerseits gleich 7rpa7fiara ist, so ent- 
spricht er anderseits der ffuara^ig, welche auch ohne Zusatz die Composition 
bezeichnet, und weil die Composition des Sujets den Körper des Gedichtes 
ausmacht, für das Gedicht selbst gesagt wird, auch darin dem |&05o; entspre- 
chend, 1453 a 37 &v oi ex^ioroi uaiv ^v rcjnnv^tfi. Tgl. mit 1460 aSO^. 



Beiträge zu Aristoteles Poetik. 297 

1456 a 28 rot; di Xoiiroi$ t6l ^doiuva vi fjiaXXov roO fxuJ^ou )J cDCkrji vpoqffi^iag. 
Ober 9V9raffi( yergl. 1453 a 3 rä fxiv 7ap ^tXav^paiTrov f^^^ ^"^ ^ roiaurvj ju- 
ffTotffi;. a 23 TfJ xaXXCanj rparftadia ix raunjj tt^s aüOTaacw^ ^^riv. 1459 b 17 
xflcra Tt T^( auavaaifag rd fx^xo;. b 21 ei ruv apx>^<*>'^ eXarrou; ai ffujrao'cig 
«&y. 1460 a 3 fiaixp&v jv^ra^iv (womit zu vergleichen, was 1451 a 5 über das 
f&i^o; ixl ruv fAuJ^uv gesagt ist). Hieber rechne ich auch die mit Unrecht an- 
getastete Stelle 1453 a 31 dcuWpa d' >i irpunf? Xe«yofAry>3 ;3n:ö nvuv ^orl ffuora- 
9ft^, Y^ diTrX-^ n^y ouffra^iv l^^^^^ « worin letzteres nicht verschieden ist von 
1$ dtitXiäq ffuveffTuffa (eine Composition, die zwiefältig componiert ist; vgl. rdv 
xaXa>( ^ovra fi05ov &}rXoOy ervat fiiaXXov vi diirXouv 1453 a 12), was so richtig 
gesagt ist, als, um von anderen ahnlichen Constructionen abzusehen, de coe). 
288 b 16 i) ffvffTaffi^ ruv ^cficov ^x roioureov ffuveanQxev. Da ferner von vifffrciaig 
Dicht rerschieden ist aO^Beaig (y%^* 1450 a 5 fiO^ov-n^v oruv^eaiv rojv rpa7fAa- 
Tuv; 1452 b 31 t^v ^uv^e^iv r^; xotWi^nig Tpaiftfi$ioLi ; 1453 a 19 ou xoX- 
XtOToi rpa7bt>d(a( juvT(5cvrai) , so muss auch 1459 a 22 die Verbesserung 
xfld yiii ofAOia; taropicag rag 7uv5eaci; (ffir 9'uvi^3ci;) ervai für richtig gelten. 
Und was wiederholt avaraaig (oder ovv^e^i^) genannt wird, nennt Aristoteles 
einmal avartiyia (wie er einmal 1460 a 29 yiväiityM statt fAuJ^o; sagt): fAi^ 
irocftv ^irojroiixdv ffvjriQfiia rpa7b>diav (1456 a 11), was man unglücklicher- 
waise durch System übersetzt und dadurch sofort an das trilogische System 
der Tragödie gedacht hat, was hier fern liegt. (Dass übrigens Aristoteles auch 
in anderer Beziehung zwischen ffu^n^fia und av<Tva7ii ohne merklichen Un- 
terschied wechselt, zeigt de gener. anim. 758 b 2. 8 u. s. f.) 

Es erübrigt noch eine andere Definition des fiOJ^o^, die denselben als 
(U|&i39i( npaJ^ifag bezeichnet: 1450 a4 r^; piv rpa^eoi; 6 fA03o^ >} fA(fAV}o-i;. 
1451 a 31 rdv fiit}3oy, intl Kpa^tuig yiiiLtjaii ianv; 1452 a 13: eine Definition, 
die mit der obigen {att^aai^ r&v }rpa7fAarci)v) in sofern übereinstimmt, als 
beide den fA05o( als den durch die Thätigkeit des Dichters hindurchgezogenen 
and als sein eigenes dichterisches Gebilde neu geschaffenen Stoff bezeichnen; 
dennoch ist in der Auffassung ein kleiner Unterschied : die <JV9T<xaii KpoLfiki- 
ratv vergegenwärtigt die Arbeit des Dichters, vermöge der er die Begebenhei- 
ten nach Ausscheidung des zur Einheit nicht Verknüpfbaren gruppiert und zu 
einem einheitlichen Ganzen verbindet. Das Besultat der avtructati ;7pa7fAaroi)v 
ist die irpa^i^, und diese, die nicht ein Gegebenes ist, sondern ein aus dem 
ombildenden Gedanken des Dichters Gewordenes, ist ein Pro du et der fiiifii>}ai;. 
Der {i05o( ist demnach die pfJLi(jLY;fJL6y>3 irpöc^i^ (sowie anderseits ra ffuvrfira7- 
fiiva >rpa7fiara), und die PrSdicate der irpoc^i; müssen auch die Pr&dicate des 
|ii>3o^ sein (vgl. besond. cap. 8, und 1452 a 12. 13. 37. 1451 b 33). Wie also 
die KpopfiLotra sich zur rrpä^i; gruppieren, so bezeichnet die ^uaraai; T:patrfyLd~ 
rosv den Weg, den die ii.iyLvjoi^ Kpa^itag einschlägt Und da ferner die fxifAifjffi; 
wesentlich darauf beruht, dass nicht die individuelle Wirklichkeit (ra 7svGfAeya 
— ra xoJ^* cxa^rov) sondern die allgemeingillige poetische Wahrheit (rö xa- 
^iXov) dargestellt werde, so reprfisentirt der fxO^o; als das Ergebniss der 
yl^aig im eigentlichen Sinne die Dichtung. Diese Bedeutung des fAuJ^o; er- 
gibt sich klar aus dem ganzen Znsammenhange des 9. Capitels: vgl. besonders 



298 Table. 

1451 b 27 ff. T^ TzoirtTviif fjiaXXov r&v fiu3<iiv u-voli dct iroiifTTi^ ^ r««v furp«M, 
ojo) TrotiTD^^ xora r^v ikifir^aiv iari , fiifuirai 6i raff ir^^o^i;. In dietrai SiiM 
tritt das fAvJ^ou; roictv in Gegensatz gegen die lamfii7cii idia (1449 b i ft)i 
da die loLyißoKotol Kepl rdv xa3* exaffrov iroioO^iv (1451 b 14). Daher ist fi03tc 
denn auch der jeder IndlFidualisierung noch bare Stoff in seiner naektaa Allge- 
meinheit (1455 b 2 u. 8), wie er dem au schaffenden Gedieht Tonrasliegt, oisr 
aus dem fertigen Dichtwerk als argumentum herausgehoben werden kaaa 
In dieser letzteren, sowie in mehreren anderen Beziehungen gebraaeht Arista- 
teles mit fii05o$ aynonjm den Ausdruck Xo^/o^: 1455 a 34 rou; rt X070VC xoi 
rou^ rap<iX>3fiif<ivou( dci xai auräv irotouvra ixri^taäou. xol^CXov (TgL 1451 bt4 

1453 b 22 napadtioikhoi — KopiikriinLivoi fiO^oi); 1455 b 17 r$( '0duff9f£a( 
fAixpd; 6 X670(, in gleichem Sinne wie 1455 b 8 (jlOJ^o;: vgl. 1456 a 13. Feratr 
1460 a 27 tou^ tc X^70u( [atq ^uviffraff^oi ^x fjiepwy aXo7WV — ei di ft^ I^m w 
fAuJ^eufiorro;, eine Stelle, deren ganzer Zusammenhang und Yergleiehmig mit 

1454 b 6 deutlich zeigt, dass ^0701 nicht yerschieden yon fii05ou Daher war 
es, wie neuerdings auch Susemihl eingesehen^ verkehrt 1449 b 8 in den Wor- 
ten xaJ^oAou froieiv X^7ou( xal fAuJ^ou; einen Unterschied zu statuieren darAr^ 
dass Krates die Stoffe seiner Komödie theils aus dem Mythus, theila aas de« 
Leben genommen; diess ist so unrichtig, als in dem vorausgehenden (b 6) 
(jLuJ^ou^ froieiv des Epicbarm die mythologische Komödie des Siciliers finden la 
wollen, wie beides noch neulich in dem verdienstlichen Buch über Epicharmei 
von Aug. 0. Fr. Lorenz S. 190 fg. geschehen ist. Vielmehr ist X^oi xoi fivJ^oi 
eine Combinierung synonymer Begriffe zur Bezeichnung zusammenhingeader 
Stoffe und Handlungen allgemeinar Art. Aehnlich verbindet Aristoteles» doch 
ohne an die Dichtung zu denken, Politik 1336 a 30 ntpl Xo^tav tuu i&u^qm 
TToiou; riva^ axoveiv dci, wo die Statuierung eines subtilen Unterschiedes so 
wenig als an der Stelle der Poetik am Platze wäre; es mfisste denn sein, data 
Aristoteles auch einen Unterschied andeuten wolle, wenn er Rhetor. 1393 a 30 
von X^7oi AhtaKuot redet, Meteorol. 356 b 11 aber von A^acüirou yJj^ou DafS 
aber Aristoteles Stil die Combinierung synonymer Ausdrucke nicht verachmiht» 
dafür sind einige Beispiele im Obigen gegeben« und es Hessen sich ihrer, aoek 
aus der Poetik, noch viel mehr zusammenstellen. 

2. rö auvoXov. 
(Zu S. 267.) 

Ober t6 vuvoXov scheint eine Bemerkung nicht übet flussig. Waits aar 
Hermen. 17 a 39 (Organ. I. 335) bemerkt, dass das Wort an unserer Stelle 
in demselben Sinne zu nehmen sei, wie 1455 b 33 1^ f&iv ?rs>rXs7fi.^i9 (rpa7^Mt) 
ig v6 oXov ^ari mpiKirtioL xal ava7voj^iai; und 1459 b 16 avac7ycüpt9i$ 7^^ 
dioXou. Danach würden die in unserer Stelle genannten Dichtarten ala aokhe 
bezeichnet, a>v v6 oXov fAifxiQffi^ ^^iv. Anders Susemihl in Fleekeisens Jahrbfl- 
chem 1862 S. 328 fg. : 'Das Ganze der Epopöe u. s. w. gehört zusammeogenonuaMi 
in das Gebiet der nachahmenden Darstellungen.' Das Erstere acheint mir aiekt 
richtig, das Zweite ist mir wenigstens nicht klar (vgl. äbrigens jetzt Suaemihl*i 



Beitrige zu Aristoteles Poetik. 299 

Cbersetxnng). Ein]eu<)|^tend ist, das« rö tuvoXov hier Dicht in dem sonst dem 
Aristoteles geläufigen metaphysischen Sinne gesagt ist, wonach es die concrete 
Totalitit, d. i. die unmittelbare Einheit yon Stoff und Form bezeichnet, worüber 
Booits au Metaph. 999 a 33 und Waitz a. a. 0. NSher kommt hier in Be- 
tracht der Gebrauch des Wortes, wonach es in Gegensatz zu ii.ipri und iLopia 
gestellt ist: de eoelo 298 a 31 rov rc 9uvoXov oupavöv xal ra fxopia auroO. 
Tgl. de gener. anim. 764 b 28. 29. Histor. anim. 491 a 28 rode rd>v yLtpStv tlg & 
diflupfirai rd vtäyM rd o^uvoXov. de part anim. p. 645 b 15. 16. ibid. b 36 
l&^pia de Xryw /Siva of^eikyLOv xal rd o^uvoXov frpoacoirov. Vgl. noch Topik 130 
a 12; 135 a 21. 22. 25. Aber ebenso tritt rö 9uvoXov in Gegensatz gegen die 
diaf opai desselben: Anal. post. 97 a 38 roO dk reXeuraiou fAV}xen tlvai diaf o- 
pdit, i xal cu5u( fura r^; reXcuraia^ dtafopig roO o^uvoXou p-rj dtaf ipnv cidci 
rovro. Und in ähnlicher Art, denke ich , ist auch an unserer Stelle rd auvoXov 
m Cuaen; das allen Künsten insgesammt Gemeinsame ist die. fACfir/ai; (ira^at 
TVTx^ov^^v ou^ai ficf&iQ9£i( rd ^voXov) ; auf diesem allen gemeinsamen Begriff 
der ikiiajaii heben sich die diafopcu ab. Vgl. noch Hist anim. 601 a 26 u^iciai 
roi^ ixipoii ixtpai xal rd o^uvoXov oux ^^ aural räaiv, wo man rö juvoXov mit 
iraviv verbinden könnte, wenn es nicht yielmehr in der auch sonst yorkom- 
menden Terailgemeinemden Bedeutung 'überhaupt' steht, wie Hist anim. 
626 b 30 iT^tov de xal Xeuxdrepov xal rd ^voXov xdXXiov iari rd ^apivdv rou 
ftsrojrwpcvou. 

3. xav e^ und seine Construction. 
(Zu S. 267 ) 

Kov tl rv7xaya>9iy steht in Bekker's Ausgaben und den meisten übrigen. 
Reii achrieb ruT^avou^iv , was Hermann beibehielt, und sowohl Bemhardy 
(Berlin. Jahrb. f. wiss. Kritik 1839 S. 907) als Spengel (Z. f. A. W. 1841. 
S. 1254) guthiessen. Dass aber auch der Conjunctiv zulfiasig sei, dafür citirt 
letzterer Politik 1260 b 31 xav et rtv£; rrcpat xv^x^v^cnv; an welcher Stelle 
Schneider den Indicatir zu setzen rieth, dem Bekker in seiner kleinen Aus- 
gabe der Politik vom J. 1855 gefolgt ist. Derselbe Bekker schreibt de part 
anim. 645 b 31 xSv et nve; Kpottpat . . ru7xavouaiv ouaai , obwohl ru^/a- 
voifftv cod. P, und Nie. Eth. 1150 a 15 xSv ti ^itcov^i fxaXXov ^pd; ra; x'^P^u;, 
wohl nach seinen Handschriften, wfthrend die Ausgaben , sowohl die filteren 
ala die ron Zell und Micbelet pintaai haben. Problem. 875 a 16 xäv ci nvc; ^Xoi 
rovro iro^ou Jiv. Etwas sicherern Anhalt werden, wie ich meine, solche Verbal- 
formen gewfthren, bei denen Indicativ und Conjuncti? so leicht nicht verwech- 
atlt werden konnten, ala an den angefahrten und etlichen anderen, wie de gen. 
et corr. 322 b 28 xSv et n froiei, rd 6i ira^xci nvpioi^, xal rourot; uaauru^ (rroi^ 
FHL, d. h. alle ausser £; fra^x^ H). Ibid. 326 a 6 aroTrov $k xScv tl raOra fjiv 
^atpX*^ (^aprxyi PHL) . . . ßxpdnfii 9i . . . pyj ^Käp^ti (v?rap^>3 L). Physik. 254 
a 28 x2ev tl ozi ith ourw^ doxci crvat dre d' hipta^, Meteorol. 343 b 33 o{ «/ap 
aaripti xSv (xod N) c^ (ti om. F) (xei^ou; x2h» (xal E N) Aärrou; ^aivcovrai 
(f o^vovrai N.), aXX* ofAoi^ adcoipcroi . . crvai doxoOo^iv. Politik 1279 b 22 op-oltag 



300 Vahlen 

^k iraXiv xSv tX ttou a\jy.ßaivTg rob^ airopoitg Aarrou^. fuh €?¥« rüiv eOropuv, 
wo Schneider vvyLßahoi, Bekker in d. Ausg. ?. 1855 vvyßahtt sehreibt, 
wie Sylburg gerathen. Ibid. 1323 a 2 xSv ei nva; Mpag ffv/ißacvet (ohM 
Var.) ToioLVTOLi •yiv^aJ^ai J^ecdpia;. Ibid. 1326 a 17 od [aIv aXXa xSv ci dit 
xpivciv. Vgl. ibid. 1327 a 9 in dk r^g nepl ^uXa uXi};, x&v ft rtv« dDlXijv ^pT«- 
ffiav >5 X^P* ru^xavot (TU7xav«t S*») xexnjfxivij rotaunTV. Topik 186 a 21 xSt 
d dk yiii roö av5peo;rou f aiv>3rai fxi^ TÄiov rd ^kit ^ejiov («2 om. f. — ^aivtroB D); 
a 27 xov ei de roO ^efiou ^aivvjrai tdiov rö ^>7v (s^ om. Df). In demselben Za- 
sammeDhange aber« und mit jenen ganz parallel 135 b 29 xSv d , . yi-ij iTrvßidm 
(xol elD); b 35 x$v et . . ^ariv idiov. 136 a 9 xSv §1 , , , iariv avrov idio* 
(^artv om. Df). a 17 xav d d\ , , yi-h iariv Idiov. a 24 xSv e{ ^2 • . . ^^m» idiov. 
a 31 x2ev e2 de . . . ^arcv idiov (wo l^iv, das A D u f q haben , in den übriges 
fehlt). Ibid. 129 a 26 x2ev 7af> e^ yi} uirapx'^ ^^^ '^ f*^ ;^;r^pSc x&v c{ fu^ 
^KOLp^ti, oux e^rai tdiov (zu welcher Stelle Waitz folgende Varianten inAhrt: 
vKOLpxv ABPcu, fort. pr. q, vinjp^e C — (tirapxti C — ^ndp^ig ABeaq). 
Wenn schon diese Stellen, namentlich die zuletzt angeföhrten der Topik mehr 
den Indicativ zu begünstigen scheinen, so sprechen folgende um so m^ 
dafür, weil eine Verwechselung der Modi durch die Verbalform selbst schwer 
gemacht oder ausgeschlossen war. De part. anim. 650 b 26 xSv c? ri mptv 
roioOrov itrciv, ibid. 653 b 33 xav et ri roiourov erepdv ^^riv (wo Bekk. soi, 
obwohl PSUZ, d. h. alle bis auf 2, xSv haben, was zu restituieren), ibid. 
655 b 18 x2cv el n roioOrov iari p.ipoi (Bekk. xal aus P., aber x&v ESUTZ). 
De gen. et corr. 327 b 5 röv ocuröv dk zpoKov x2(v d afi^oWpeav vwtX^ovToiv 
if^oipTOLi (xSv Bekk. aus EL, xal FH). Politik 1269 b 26 xSv et rtvt; tre|Mi 
^avepd); rerifA^xaffi. 1289 b 15 xSv ei ri^ oXXv? rerux>}xev. ibid. 1290 a 1 x&v et 
ri d^ rotourov erepov eipv^rai. ibid. 1340 a 37 x2cv c? r(( ^Xo; zw fpafkn^ 
r&y a7aXfiiaro;ro(a)v ^ffrlv iq^ixo^ 1341 a 19x2ev ei ri roioOrov rrepov ^0Tcv. Pkys. 
252 a 20 xSv et rig ere^o; ei^iQxev ouro)^ ^^t^* Ibid. 257 a 9 rd avrd jrouiv M 
xSv 6^ eO^u; f^>3. De incess. anim. 707 a 21 xSv ei ri r^rrapffi ariiuloi^ xcvtltf^« 
iri^uxc (JLovov (xal Bekk. aus SZ, xSv PUT). Bist. anim. 542 a 11 xSv s? n dDlXs 
roioOrov eVri (xal Bekk. ausPD*, xSv A*C*)* Psychol. 414 b 19 xod (xb 
X4») ein roioOrov erepo'v ifrzi. Ethic. Nicom. 1099 b 14 faivcrou dl x5v d 
(el xal V» x2(v 0^) p.ii Bi6itiy.Kr6g iaxiv. Hiernach kann ich es nicht billigii, 
dass Waitz Anal, prior. 30 b 14 das überlieferte oitra'jTtaq dk xocl d Kp6i t^ 
r re5^ rd arepigrixov in xSv ei — re3^ geändert hat: es war rielmehr xod d 
— r«56i>3 zu schreiben: ?g^ ibid. 33 a 12 oyoltag 6k xal c{ . . . rf3c{i9. 38 a 28. 
b 12 xov 6^ ;rp6; x<a T reJ^eiiQ, rd arc/siQrixov', waaOrci»;. 39 a 35 xal d npig rf 
BF re5ci>3 rö xa^oXou, (S>aaOroD( u. d. folg. p. 40 a 17. 49 a 23. 60 a 31. 
63 a 17. 24. 66 b 15 i}aa(tTtag 6k xal e^ fA>3dcv rc^ci>3. Anal, post 80 k 27. 
Topik p. 121 b 8 oyioitag $k xal d re5ei>3. Und endlich wird aneh Topik 
179 b 22 difAapravet, x3h/ (xal A)e2 fiupiaxi; ^ avXktXofiap.hog schwerlieh flir 
richtig gelten können: wo, wie ich vermuthe, c2 zu tilgen ist: xSv |&uptdbu( { 
9vXXc).o7i7fJLevo^, womit zu vgl. 180 b 24 x2cv ^ i^tvdia und and. Und ebeaü 
mochte d Bist anim. 636 b 29 oOd' hf d ixdva aixp^<rra ^ zu tilgen sein. Asf 
Grund des hier angeführten, wozu genauere Beobachter Tielleicht noch Msi* 



Beitrfge ra Aristoteles Poetik. 301 

che« hinzuzufugeD finden werden, erscheint der von x2(v tl abhängige Conjunc- 
tiv sehr bedenklieh ; 3cy gehört nicht zu dem hypothetischen Vordersatz, son- 
dern eigentlich zu einem dazu zu ergänzenden Nachsatz, ist aber mit xal zu 
einer Partikel zusammengewachsen (ähnlich wie xa^ajtipocvei, iiaitipayti u.a.), 
so das« auch, wo ein Nachsatz wirklich steht (wie in einigen der aus der Topik 
angeführten Stellen), das mit xal verbundene av keinen Einfluss darauf aus- 
übt Vgl. Waitz Organ. I. S. 515. Ideler Aristot. Meteorol. 1. 334. 

(Zu S. 268.) 

An ersterer Stelle sind unterschiedliche Yrrsuche gemacht worden, den 
Fehler der Oberlieferung fufiiouvrai x***P'^ ipftoviag o( twv opx^orwv lu ver- 
bessern. In dem Pariser Codex 2036 und zwar in ihm allein ist luynivai x- ^- ^ 
rwy opx^^c^^v geschrieben, was Buhle und Hermann und n^^uerdings Bekker 
im dritten Textesabdruck aufgenommen haben. Auch Spengel (Z. f. A. W 
1841 S. 1254) billigt es, indem er öberdiess {xifjioOvrai als Glosse tilgt, die aber 
erst entstanden sein könnte, nachdem -i roüv o^x^ordiv in oi ra)v opx> verderbt 
war. Diese Fassung hüt darin allerdings etwas Bestechendes, dass Aristoteles 
im Vorhergehenden und im Nachfolgenden von den Künsten, nicht von den 
Künstlern redet; allein hätte diess Aristoteles auch hier gewollt, so lag doch 
4 opx'i^^*^ näher, welches der xi^apianxii und auXigrixi^ entsprechender war. 
leh fürchte, daher» man hat jene vereinzelte handschriftliche Lesung gegenüber 
der gemeinsamen Überlieferung aller übrigen überschätzt; ich kann darin nur 
einen Verbesserungsversuch des Schreibers erkennen, der zwar besser ist als 
Reis*s und Tyrwhitt's Vorschlag fitfioOvTai x« ^ olI (sc. zix^on) twv opx>jffTd>v, 
aber das Richtige nicht trifft. Diess finde ich vielmehr in Heinsius*, wie es 
•eheint, vergessenem Vorschlag fju^LOuvrai x* ol. oi {xroXXoi) ra>v opx^^^^* ^^^ 
iosserlieh an anderen aus gleichem Grund entstandenen Auslassungen in der 
Poetik einen Anhalt hat, wie 1447 a 25 ovaai ^roiaOrai) ri^v dOva/xiv. 1458 a 28 
r^ vSy» ^xvpioiv) dvofiarcuv, und, wenn anders meine im Rhein. Mus. XIX 309 
mitgetheilte Vermuthung das Richtige traf, 1458 b 16 rdiv (xupioav^ oyo{JLarc«)v : 
denen vielleicht noch 1454 a 10 hinzuzufügen ist dia 7a|3 roOro, orep rraXai 
iiptszai^ Ol) ntpX JcoXXd 7rfv>3 ai (xaXXiarai) vpaitfidioLi tlaiv: denn so erst ent- 
spricht sie dem Gedanken des Aristoteles und der ausdrücklich von ihm ange- 
zogenen Stelle 1453 a 19 vOv di ircpl oXi^a; oixia; at xaXXi^rai rporyoidiai (7uv- 
n^evrcu. — Einen mit Heinsius' Vorschlag verwandten hatte übrigens Bcm- 
hardy (Berlin. Jahrb. f. wissensch. Krit. 1839 S. 907) geäussert: o{ ra>v opx"^- 
97o»y ^axpoi^ oder ähnlich: *die Meister des Fachs'. Doch wird man diesem 
den des Heinsius leicht vorziehen, theils wegen der grösseren Einfachheit, 
theils und noch mehr^ weil so die hiesige Stelle in entsprechende Parallele 
tritt SU r^; avXririx^i ij nXtiffxri xal xi^apiffrix^^ (1447 a 15). Denn Sus'^niihls 
in Fleekeisens Jahrbuch. 1862 S. 318 angedeuteten und im Rhein. Mus. XVIII 
367 fg. ausgeführten Bedenken ge^sren diese Stelle, die ihn zu einer nicht 
gelinden Aenderung von li nXiianfi sowie zur Einschiebung von roiaurc» vor 



302 v.hi«. 

irocouvroi (1447 a 21) veranlasst haben, glaube ich durch die im Text gege- 
bene Darlegung des Zusammenhangs erledigt su haben. Es Hessen sich übri- 
gens gegen seine Yermuthung rrig auX'vjrix^; iyo}»^ «oitttixt^ xod xt^apionn;« 
auch positive Grunde geltend machen, wie denn, um nur diess Eine ansaf&hrei, 
nicht abzusehen ist, welche Dichtarten Aristoteles neben Komödie andTragöilie 
und dem die ganze Lyrik vertretenden Dithyramb durch die tob SnsemiU 
zurechtf;emachten Worte habe bezeichnen wollen; denn die Art wie SosemiM 
selbst diesen naheliegenden Einwand mehr umgeht als beseitigt« wird ihn bei 
nochmaliger Erwigung schwerlieh triftig erscheinen« — An r^; ac^Xnxvt^i i 
frXeiffn? (statt rö Tr^fiffrov) nimmt Kiemand Anstoss: eine genau zutreffende 
Parallele gibt de coel. 298 b 2 n^v irXeiffnTv r^; irfpl ^uacu; loropia;. 

5. xal novnrrtv npodayopsuriov (1447 b 23). 

(Zu S. 269.) 

Diese Stelle habe ich Z. Rrit Aristot Schriften S.5fg. besprochen: wen 
ich daselbst nach Abweisung anderer Verbesserungsversuche die in einigen Hand- 
schriften gebotene Schreibung xal ^roOrov) roivjn^ rpoo'flryopcvWov empfohlea 
habe, so war damit doch nur der GräcitSt Genfige gethan; denn wollte Aristo- 
teles sagen, dass, auch wenn Einer in gemischtem Yersmass fuftiTn^g «ei, mao 
auch einen solchen Dichter nennen musste, so konnte das Pronomen nicht weU 
entbehrt werden. Allein für den ganzen Zusammenhang der Stelle genigta 
diess nicht; man setzte den Salz oyLoitag xSv cI ri; %xX. zu der zuletzt voran- 
gegangenen Bemerkung über Homer und Empedokles in Beziehung", statt iber 
die Zwischenbemerkung rXi^v oi iv^praTzoi xrX. hinweg ihn da anzuknüpfen» 
wohin er offenbar gehört: oOdsv »/scp av fxoi^uv ovof&aaau xocvdv rti»( 
S. X. H. fJiifi.o*j^ — oO^* cT ri^ — oyLoitag $i x^ ei rt^ — . In diesem Zusammen- 
hang aber bedarf der Vordersatz ofiLoib»; ^£ xxv cI ng xrX. keines besondere! 
Nachsatzes; sollte aber einer, wie wegen des Ungern Zwischensatzes ni^ 
unangemessen war, hinzugefugt werden, so dürfte es dem Gedanken nach nr 
eine Wiederaufnahme der Worte oy^ev ov f^^if^v ivoiLwai xoivov sein. We« 
es gelinge einen diesen Worten entsprechenden Gedanken aus dem flberiieftr- 
ten xai ;roi'y;n^v rpoaaiopevriov herzustellen, würde jedes Bedenken beschwielh 
tigen; mir ist diess nicht gelungen und daher habe ich der Vermuthnng Rana 
gegeben, jene Worte seien Interpolation, die aus dem Bestreben den verm^t-*' 
lieh nachsalzlosen Satz zu ergänzen, und aus der unrichtigen AulTassung des 
Gedankenzusaminenhangs entsprungen. An die Tilgung dieser Worte hatte 
übrigens schon Bernhardy a. a. 0. 908 gedacht, dessen Erkl&rung jedoch, wsH 
ab von der meinigen , vielmehr auf der aus der Aldina stammenden ErginioBf 
oOx Tfdr, xolI TToiv^T. 77p. fusst. — Für die Anknüpfung des Satzes oftoCwc dl xS» 
cT ri; xrX. an den negativen ovdev ^äo 2tv exotfAtv ovoftQcaac xoivdv veifL 
Topik 106 a 32 rd>v lap aura>v rrZi et^ei 1} aui^ oiXa^ffii, rö dk Xci/x4y H ixi 
riii ywvT^; xal toO xP''*>P'«fö> oO ttJ «OtJ ala^ati x|}ivofi.ey, aXXa rd fiiv ^f ci, H 
dk axo^J. ofAOicü^ dk xai ro o^O xal r6 ayißXb iv X'^f^^^^ ^'^ ^ ^7x01; (seil, ev r^ 
avr-f a(9^9ci xpivofttv), aXXa rd f^iv kff^ rd dk ^tuati. 



Beitrige xn Aristoteles Poetik. 303 

6. -fi knonoda — dvc&)vufjLO^ Tvyydvoufja. 

(Zu S. 270.) 

Die fon Bernays (fiber Wirkung der Tragödie S. 186) herrfihrende 
Brginxttng yon avekyyufxog halte ich für xuverlftssig, trotz dem gewichtigen 
EiBspruch Spengels (xo^ap^i; rra^fiarcüv a. E.), dessen ErklSrung der 
Vulgate (mit geänderter Interpunction : xptay^ivrj^ rwv fi^rpcüv rvfX'xvouffa 
pixpc roö vOv) ich zu wiederholten Malen und, wie ich hoflTe, unbefangen geprüft 
habe, ohne mich von ihrer Richtigkeit überzeugen zu können. Spengel scheint 
Gewicht darauf zu legen , dass die Redensart avuvufjio; ririx^^^^^ V^^XP^ ^^^ 
vOv bei Aristoteles nicht nachweisbar sei. Die Beobachtung glaube ich bestäti- 
gen zu können; allein wenn solcher Nachdruck darauf gelegt wird, so furchte 
ich, dass der Einwurf sich nicht schSrfer gegen Bernays ' ErgSnzung als gegen 
Spengels Erklfirung wendet. Aristoteles gebraucht fAs'xpi roO vOv namentlich in 
den naturhistorischen Bfichern nicht selten in der Wendung, es sei etwas bis 
jetzt nicht beobachtet oder nicht hinreichend untersucht, um anzudeuten, man 
müsse von der Zukunft eine Ergänzung der bisherigen Kenntniss erwarten. 
Soll es unpassend sein zu sagen, dass die von Aristoteles aufgestellte Dicht- 
gattoDg (in Prosa oder in blossen Versen) bis jetzt keinen zusammenfassenden 
Mamen habe» so muss es nicht minder unpassend sein, zu schreiben, die epische 
Diehtong ahme in Prosa oder Versen nach, bis jetzt nur in letzteren. Dazu 
kommt, dass die den Vordersatz aufhebende Einschränkung roiv yihpuiv rv^x^' 
vov9a yJxpi roO vOv der iKOKoiia doch kein volles Genüge thul; denn nicht 
bloss die prosaische Dichtung ist von ihr ausgeschlossen, auch die übrigen von 
Aristoteles beispielsweise angef&hrten Dichtungen in jambischen und anderen 
Versen und in gemischten Massen sind unter inoKoUa. nicht zusammenzufassen. 
Sollte also die von Spengel angenommene Einschränkung der ^7ro;roi(a wirksam 
sein, so musste gesagt sein, dass sie bis jetzt nur in stetig wiederkehrenden 
heroischen Versen nachahme. Passend war es dagegen, die ganze vorange- 
stellte Gruppe als ein avaivufAov zu bezeichnen, in voller Cbereinstimmung mit 
dem begründenden Satze oudiv 7ap Sv'Ixo^F'^ ovofi.ao'ai xoivdv xrX. Aber in bei- 
den Fällen bringt die an die Spitze des Satzes uneingeschränkt gestellte ^tto- 
roua schwer zu beseitigende Schwierigkeiten. So wenig ich es angemessen 
finden kann, dass Aristoteles sage 'die Epopoeie ahmt in Prosa und, sei es ein- 
ficheOf sei es gemischten, Versen nach, bis jetzt nur in Versen', so wenig kann 
ieh die andere Fassung gutbeissen 'die Epopoeie ahmt in den genannten drei 
Formen nach, hat aber bis jetzt keinen Namen.* Bernays , dessen Aristoteles- 
übersetzungen allemal vorzüglich sind und Sehnsucht nach Mehr erwecken, hat 
in der Wiedergabe dieser Worte den Anstoss, den ich meine, verdeckt: 'die 
Wortdichtung ahmt bloss in prosaischen Worten oder in Versen nach, und zwar 
mischt sie entweder die verschiedenen Verse unter einander, oder beschränkt 
sieh auf Eine bestimmte Versgattung ; jedoch ist für diesen Umfang des Begriffs 
in der üblichen griechischen Sprache bis jetzt kein Wort vorhanden.' Ähnlich 
Susemihl in seiner Obersetzung. Wie sich Aristoteles würde ausgedrückt 



304 T t h I • B 

haWa, wtmm er wirkKek (was aoch tekr n kenreifela) dea Mia^el euer 
Bezeiehaoog far die Toa iha lofgestellte DiehtgattJag dareh nrorocic 
bitte eiaigemussea ergiasea woDea, xeigea Betspiele, wie Psyehol. 41S 
a i izti i* snvnrj'jiA^ arjz^ ^ dis^o&x, dtMAcTTsi de ripc «vtä» »n frcfMt ud 

ibid« 418 a 27 o^aröv d'e^l XP^^ ri xad 2 A57» \iJt» Ivzv cüriiv, i»fliT»v|i«» 
di TVTxawtt 5». d^A«» di frr« Z APyoftry rpo£A3ov9i {idui^rs. igL 419 a 4. 3t. 
426 a 12 — 15: »gxcp 7«^ i5 zoir.m xxl i ssi5i;9i; r» r^ zk'JXKm, ilX' au» b 
T^ rocoOvn , o-Jt» xol i{ rov aciaJäirrov hi^iia. xai ^ rw a293vrcxoO ^ ry 
aZ93i;nx^ i/.A' er' /»c«v fiiv eilrysf&sTrsf . wn ij j^ofig^; x« < flütowaic» i«l 
d' evictfv iyrinviiv» ^dtrepov • oastaig 7«© APier« if t^» $j^c«K e»e'p7R«, i{ W r»w 
Xp^fi^cro^ iy'SnviL^ji^ jlcu »/eOjtj >5 roy 7R/TriJtoi>, ij di roi> X^P^^ «Mifwifi»^. 
Meteorol. 341 b 15 spwTov fiiv 7«« vrd nr» «7xvxXiov fopdc» e'ffri rd J^ep|<^ i«i 
^Tfpiv, Z Xr^ofiev Jr3p (avwwyfiov 7*0 ri xoivdv ^ri rd^ioc t^g» xaunKÜdovff dtoatpi- 
aew;- c|i«i»( di dta tö fLaXiara .Tffvxivat ri roiovrov exxxcffJ^flu rÄv VMf&arMV 
ovrwj xvovxaiov Xi^^^J^ac roi^ övsfta^iv), vr^ de rawnsv tv» fintvt oiQp. Ibid. 
359 b 30 zfjxi 7ap dvo ecdij r^; avoJ^^ficaffeci»^ . wj ^«ftcv, ij f«*> V7pa ij di Sigp«. 
xoAeirai d' 1$ fxiv irfuj, ij de ri piv oaov ay(kivufi.o( , ry d' 6rl fiipovc «»«l*^ 
Xpwfiivovg xo^sXo'j rpo9a7opr>eiy xwriT» o*ov xairyov. Ibid. 379 b 15 /fftt d^ 

5ep|toy |iev rrf^tj, rf^ev»; de Tzirzenai^ * det d' uroXop^dcvecv (&i^ xv^'«K 

ravra X^eff^ai ri svcfiora rotj 3;pdc7fixaiy , iA/.' ov xeirsi xs5oXov rote ofioiw«, 
wäre ov raOra a/.Xa rotavTa det vo^tCeiv ervoi ra e2pi;f&rva eidig. (cf. 380 a 18; 
b 14. 30. 381 b 6. 15) Ibid. 387 b 1 fori d* >{ ftev ^vXwdov; (rwftsroc 5vfuoE9i( 
xojryej • y.evw dk xouL ootol xat rpixaj xäi irov rd rotoörov ^ rocvr^ • ow 7ap xeiroB 
^vofxa xoivsv, stXXd xar' ivot). 07107 ou.v>; ev ravr^ jravr' eoriv. — Pbys. 226 1 
27 ff. ^ fxev ouv xara rö iroiöv xtvijat» oaXoicüji^ eorco * toöto 7«^ ^jr^evxrot 

xocvöv ^vofxa i{ de xar« rö ffoffov, r6 yJh xoivdv dvcRtv vfi.ov , xo^' exorep«« 

d* ay^Tfjffi^ xol ^^tfftj . . . ^ di xara rorov xol rö xoivdv xou rd idiov dtvwvvfM;, 
eoTw di yopa xaXoufxevi; rö xoivcv • xairoc X^7CTai 7e raura ^cpea^oi fiov« xu^w$, 
oTflcv fwg £ff' awTotj ^ rö or^vac roig fiero^aXXoyfft röv tojtov. Ibid. 201 a 13. 
249 b 25. De part. snini. 642 b 15 rayrip fuv ouv rj ofAOidnjn Jpvij Sv^f&a xei- 
rat, ire'ija d* ^X-^v^ • dtXXat d* eifflv dvcüvvfxoi, ©rov rd evaifiov xol ti ^oufitv' 
if^ ixaripta ^oLp rourojv ou xstrai iv ovofxa. (644 b 5. 669 b 10. 678 a 8. 680 
a 15. 683 b 24.) Politik 1253 b 9 raöra d* iori deajronxi^ x«l 7e(fuxi9 (flt»«i»v- 
fxov 7a|» T$ 7uva(xö; xal aifdpdg au^eu^t^) xal rptrov TexvoiroinjTiXTQ ' xol 70^ ouni 
oux covöfMcffrai idtw ovoftan. eorcüjotv d* aurai rpetg &f etTrofAtv. 1275 a26i 
d' aoptffrog, oCov dtxaan^f xat ^xxX>;ffiaön^5. tax« fuv ouv av yaiiQ ni oud* 
i/»X^^^*J efvai roi/f rotovrou^, oydi fur^x*'^ ^'* raör' dpx^ • • • «XXd dtofc- 
piTta iLVi^iv. Tztpl ovofiaro; 78/» 6 X670?. dvwvüfAov 70/» rö xoivöv iicl drxaortw 
xal ^xxX>79iaffroO, rt det raOr' ap-^oa xaXciv. eorw d)^ diopifffi.oO x^P'^ aopifftK 
apxi^- Nicom. Elh. 1107 b 1. 7 fg. 30. 1108 a 5 axMv de dvcüvufAaiv «vro« 
auroiv röv fxe'ffov rpaov Xe70VTej n^v fAeffönjra rrpaonjra xaXsffO|Uv • rwv d'abtpw 
6 fiiv uffepßdXXwv op^iXof iaz<a xtX. a 16 eari fjiv o^v xol toutwv t« aXec*» 
dvcüvvfiia • Ktipocriov d^dantp xal ^jrl rwv dcXXeov aurouc ovo/iorron'oietv aaf igvct«; 
cvexev xal roO cuirapaxoXov^i^roy. 1115 b 25 fg. u. a. 



Beiträge zu Arisluleles Puetiki 305 

7. TiäijOLi — äoltöl jxif og. 

(Zu S. 270.) 

Dass afAce ira^tv nicht den hier erforderlichen Gegensatz zu xara iLs^og 
darbietet, haben Mehrere gesehen; Susemihl glaubte durch einen Zusatz 
xoL^iXov, ^loXou, $ia nocvrog zu helfen, von denen jedes so gut wie das andere 
ist, indem jedes den ganzen Umfang dor Dichtung bezeichnet, im Unterschied 
Ton einzelnen Theileu derselben (xara fx-'i^o^). Allein da die nachdruckliche 
Wiederholung des Ohjectes afxa rraatv nicht nothwendlg war, vielmehr das 
drei Zeilen voraufgehende riai roic ei/iifjfxevotj sich hier, wie das Verhum 
Xp&vrat, leicht von selbst ergänzte, so möchte ich glauben, in afxa itiaiv selbst 
stecke vielmehr das zu xara yiifiog vermisste Gegenstück, zumal iroiaai in NQ 
wirklich steht. Für den Gegensatz afiia ravai — xara fxepog vgl. Meteorol. 351 
a 28 fg. ttXi^v ixsivfjig fjtiv oO xara yii[tQg raOra aviußotivei jzd^x^^^* aXX* afxa rrav 
axfAa^Eiv xai ^i^ivsiv avor/xaiov. r§ $k 7Tp r&öro '/tverai xara fxe'poj dia tJ/'j?'"-' xal 
^spfjiorxjra. Ibid. 379 b 5 <5i^ xat >5 ^aXajaa xara yispog ^h diaiooufi.svY; ^«X^ ^* 
jrerot , airaffa d* ou. De part. anim. 641 a 28 ijroi jra^a >5 '^^X^ ^ fAep'JC ^i aOr^j 
Allerdings würde man an unserer Stelle afxa lieber entbehren, wenn es nicht 
vielleicht nur zur Verstärkung des Begriffes Tra^ai (die ganzen Dichtungen 
inagesaramt) dient, worüber Mätzner im Commentar zu Lykurgs Leokratea S. 93. 

8. Arten der dichterischen fjtefjir/ai?. 

(Zu S. 272.) 

Die von Vielen befolgte Auffassung dieser Stelle, wonach Aristoteles 
drei einander nebengeordnete Arten aufzähle: 1. ors piv ana'/'/sAXovra ^ sre- 
pöv ri 7t7v6fx£vov. 2. ^ w$ röv avrov xal fjLi^ fjLiraßaXXovra. 3. ^ iravra w? ^pdr- 
rovra^^ scheint mir sprachlich wie sachlich unhaltbar. Sprachlich würde das 
erste dieser drei Glieder erträglicher, wenn man es mit Zeller (Geschichte 
der griech. Philosophie II. 2. S. 618 a. 4) so umändern wollte: 4 6r£ fx^v aOrdv 
airoyjfAXovra ore dl erepov 7t7v6fxev&v. Allein erstlich würde in diesem Falle 
die Ergänzung von a;ra'/7£TA'^vra auch zu dem zweiten Gliede (ojg rov aOrcv 
xrX.) schwieriger sein, und anderseits ist zu bezweifeln, ob Aristoteles die 
Dicbtweise des Homer so bezeichnet haben würde, dass derselbe bald in eige- 
ner Person bald als ein anderer darstelle, womit doch wenig übereinstimmt 
da^ Übergewicht, welches Aristoteles 1460 a 10 auf das fAifXEc^irai d. i. erspov 
ri 7t7ycfxevov ara77£7.Xeiv in den homerischen Gedichten im Unterschied von 
anderen epischen Dichtern legt. Unserer Annahme, dass Aristoteles zunächst 
zwei Arten unterscheide, a;ra772XX£tv und ;r^>arr£iv, das erstere aber sich wie- 
der sondere, je nachdem der a7:a77£XXwv als hsfjo^ rij 7i7vcfjL£vo$ oder als o 
avröj xat yir} yaroißoLk'kftiv erzähle, steht sprachlich allerdings entgegen, dass 
dem ör£ f^iv nicht ein 6rl $£, sondern >5 entspricht. Nicht zu vergleichen 
iüt damit Anal. post. 82 b 30 6r£ fiiv £x roO ffjiwroy ^yriiiotzogy oxk ^ ix roO 
dsvri&ou >5 rpiroy, oder Topik 171 a 5 dio ^ £v rcjj 7vXXo7t<7fjLa) eiron t^ ainov 
Sitzb. d. phil.-hist. Cl. L. Bd. 111. Hft. W 



306 Vahlen 

' vj i^f T^ avn^dffei . . ore $k iv afiL^oiv. Die mangelhafte Entsprechung an sieh 
hatte ein Analogen an dem gleich« folgenden 1448 a 31 r^? [xiv «yap xtayLfadiag — 
34 xal Ttsg rpavwdtag, womit zu v ergl. de gener. et coit. 31S b 20 c^ piv «/i^i 
iavi ffu7xpt(Jt5 >3 •/evsfft^ — 22 stre fxi^ ^(Tti j'j7xpio'i^ t$ '/fveo'tj. Hist. anim. 
634 a 6. 8 etre . . . e^ d^ fxi^. Allein an unserer Stelle ist die Anknüpfung des 
zweiten Hauptgliedes durch rj (statt M de) darum um so aufßlliger, weil 
auch die beiden Unterordnungen des ersten Hauptgliedes durch 17 — ^ yer- 
bunden sind. Denn Klammern zu setzen bedeutet an sich nichts , wenn nicht 
die Fügung des Satzes selbst diejenige Verbindung der Worte ergiebt, welche 
die Parenthese nur für*s Auge deutlich macht. Und in der That dient auch 
hier der Abhebung des zweiten Hauptgliedes die an sich nicht nothwendige 
Wiederaufnahme des Objectes (vj Travra). Dass mehrere Kritiker das Neu- 
trum srcpov ri in riva geändert wissen wollen, nimmt mich Wunder; denn 
daraus, dass Piaton an der mit der unsrigen parallelen Stelle (Politeia 393 b) 
das Masculinum (oj^ 71^ oiklog ojv) geschrieben hat, folgt doch für Aristoteles 
nichts, und für das Neutrum will ich weniger Poetik 1460 a 9 sv5v( elaopfti 
av^pa ? «yyvatxa fl oXXo ri geltend machen, als z. B. Phys. 247 b IS IT. ©rav 
^x roO fAS^veiv ^ xa^su^siv ^ vo^stv eig ravavna iieraar^ n;, ou foiyLFt em- 

ffn^fxova 7C*/ov£vai rraXiv rw 7ap xa^iaTota^at rfjv ^i»x^^ ^* ^^ fif^itr^ 

rocpax^ig f>povtfi.6v rt 7tverai xal ^nrtorijfxov und 25S b 22 eu^u? 7ap ^supct 
zd cViar^fxov , av jjt.i^ ri xoiXuip vgl. mit 255 a 34. b 2. 

9. Margites — Jambus — Arehilochus. 

(Zu S. 278.) 

Dass Aristoteles, indem er von den alten Dichtern Jamben- und Epos- 
dichter einander gegenüberstellt, bei den erstem an Archilocbos denkt, ist 
unzweifelhaft; über seine Zusammenstellung mit Homer in der Kunst and 
Litteratur vgl. Bernhardy Griech. Lit. Gesch. 11, 1, 425. Welcker Alte Denkm. 
I, 473. V,40 fg. Dass über Archilocbos hier ursprünglich genannt gewesen und 
die Stelle überhaupt eine zerrüttete sei, wie Welcker (Klein. Sehr. lY, 31) 
annahm, dafür vermisse ich den zwingenden Grund. Aristoteles will seinem 
Plane gemäss nur die Entwickelungsstufen der Dichtung bezeichnen und 
darthun, wie der Hauptunterschied derselben in ernster und komischer 
Gattung, sowie er aus der Grundanlage des Menschen hervorgegangen, so 
auch auf jeder weitern Stufe sich von Neuem darstellt. Zu dem Ende war mehr 
historisches Detail als er wirklich giebt nicht erforderlich , und wollte man 
nach dem, was in diesem Zusammenhang hatte erwähnt werden können, den 
ursprünglichen Umfang der Aristotelischen Erörterung bemessen, so käme man 
leicht zu der Annahme eines so dürftigen Excerptes, wie ich nicht glaube, 
dass uns in der Poetik vorliegt. — Über die im Text vorgeschlagene Loslö- 
sung des Relativsatzes iv ofg xrX. von dem unmittelbar Voraufgehenden sei 
noch folgendes bemerkt. Die Weise, in der Aristoteles dem namentlich 
genannten Map7irv;^ die übrigen verwandten Dichtungen durch ein zusim- 
menfassendes ra roiaOra anfügt, hat viele Analogien. Hist. anim. 517 a 18 ff. 



BeitrSgre zu Aristoteles Poetik. 307 

rdiv fxfXdcvcüy av^pcüflrciiv, dantp ADioTrcov xal rwv roiovrwv. Nicom. Eth. 
1141 b 4 'Ava$a*y6|)av xal OaX^v xal roy^ rotoOrou^ ffoyoug /Jte'v, ^povi^Aou; 
$• oü ^«(jiv irvai u. 1140 b 8. Phys. 208 b 9 «{ yopal rwv yufftxwv jwfAarwv xal 
a;r>.wv, ©rov jrjpöj xal 7^^ xal rwv rotourwv. De gen. et corr. 332 a 5 v^wp 
x«i üi^ xal ra roiaöra. De gen. anim. 761 a 25 ^v fx^v r^ J^aXöcrrip xal rot^ 
roiouroc^, wo Wimmer auf Grand der durchweg in dieser Ausgabe zum Schaden 
des Textes überschätzten Handschrift Z flrorafAoi:; schrieb statt roiouroc^, das, 
wie die blosse Vergleichung von a 23 zeigt, Interpolation ist, wjewohl Aristoteles 
Hist. anim. 570 a 19 ^ r^ ^aXarnp xal ToXq rorafxot? schreibt. — Ob der 
Genitiv ^xctvou, wie er zu Ma/yyiry}^ augenscheinlich gehört, auch zu ra 
rotaura zu ziehen ist, wie Weicker a. a. 0. annimmt, wage icb nicht zu ent- 
scheiden. Mit ^v nU aber beginnt ein neuer Satz; dass der Homerische Mar- 
gites und die verwandten Gedichte zu dem Genus des Tpc'/o^ gehören, ist 
Nebensache, Hauptsache dagegen, dass in dieser zweiten Gruppe ursprüng- 
licher Dichtungen, den Tp6*/oi nämlich , dem Charakter der Dichtung entspre- 
chend, jambisches Maas sich eingestellt hat; denn darauf fusst die Aufstel- 
lung der zweiten Entwickelungsstufe , auf welcher Jambendichter und Epos- 
dicbter einander gegenüberstehen. Dass mit ^v 01^ ein neuer Satz beginnt, er- 
mangelt nicht der Beispiele. Politik 1312 a 33 ou \L^,')t aXX' Aax«7rot 7s rdv*api.^- 
^ov eJfftv Ol ^ta ravnfjv -n^v alrtav opfjiwvrE?' u^roxsia^ai 7ap ^tX rö roö dw^^vat 
fiijoiv ^povrt^fiiv, av \kii fjiEAX^ xaraj/i^ffeiv rr,^ Trpa^iv. aU äxoXou^siv ^v ^Et n^v 
Äiovo? u7r6Xr/|iv. Metaphys. 1046 b 32. Phys. 253 b 11.12. Endlich ist es grund- 
los das überlieferte xara r^ apfActrov (d. i. angemessener Weise) in xal rd 
^fAorrov SU ändern. Jenes, das der hergestellten Selbständigkeit des Satzes 
angemessener ist, hat seine Analogie an xara rö rpoT^xov (Rhetor. 1355 a22. 
1367 b 12), xara rö avaXo70v u. ähnl. — Es ist übrigens einleuchtend, dass 
auch bei dieser Fassung die Aristotelische Stelle der Annahme nicht ent- 
gegen ist, dass die Jamben im Mnrgitcs ursprünglich, nicht spätere Zuthat 
geschmackloser Künstelei seien. In dieser Controverse, die aus dem Aristo- 
teles allein nicht entschieden werden konnte, gestehe ich, dass meine Em- 
pfindung für Weicker ist. Eine neue Abhandlung über den Margites von 
Gdtiliog habe ich leider nicht zu Gesicht bekommen. 

10. rd /xiv oOv iTre^xoTretv ip iy^Ei xtX. 1449 a 7 fg. 
(Zu S. 278.) 

Statt %fi^ 5X^1 haben die Handschriften Karji-^ei , woraus schon in der 
Aldina si af>a «x^t hergestellt ist, wie Metaph. 995 b 27 fii^ fxovov ri sVrt 
rouroiv sxa^rov, aXXa xal ci apa £v Ivl svavrtov, wo übrigens Bekkcr mit 
EA*» apa statt et apa schreibt. liCtzteres, das im Sinne von si quidem 
häufiger ist (Topik 106 b 7 u. s.), erinnere ich sonst in der Frage oder 
Duppelfrage bei Aristoteles nicht gelesen zu haben. Und da ;rapsxei nicht 
leichter aus ü ^pt' v^it, als aus ap' ij^a verderbt werden konnte , so habe ich 
letzteres vorgezogen, zumal dadurch die hiesige Stelle eine ganz parallele 
Fassung erhält mit Physik 204 b 3 i^fxEt, 5' 57rt<rxo«:öOfjL£v n^pX rwv at^^^jrwv 

20* 



308 V « k 1 e n 

jmI jrepl wv Koio'jyit^a ttti* fi^Jo^ov, ap' eoriv ev ovroT^ ? owx cffri ffwf»* 
iureipov reoi r^v au$v;ffiv. Durch diese Parallele werden sieh denn aueh die 
Bedenken und Irrthfimer über ^nriTxorsiv, sowie über die Form der Doppel- 
frage SipoL — Y? ou bei Ty. Mommsen (De Aristotelis Poetieae Capp. I — U. 
Kil. 1842. S. 7 A.), Forchhammer (Quaest crit. cap. I. de Aristotelis arti« 
poetieae cap. 4 §. li. Kil. 1854 S. V) und Deusehle (Jahns Jahrbücher 
1855 S. 44 i) beseitigen. Man vergleiche überdies noch Phys. 210 a 25 
SiKopti^iU d' av Ttg, ipoL xal aurd re ^v lauru ivdix'^on ti^tat ^ ov^cv. Anal, 
post. 71 a 31 ipcL — ^ ol 89 b 38. 90 a 8. b 19. 93 a 2. 32. Topik 171 
a 36. Psychol. 431 b 17. Schwieriger ist es über die verderbt überlieferte 
Zwischenbemerkung aOro re xa3' a-M xpiverai ? vai xacl j:p6g ra ^iacrpa 
zu einem festen Urtheil zu gelangen. Was die Aldina daraus hergestellt hat, 
avrd re xa^' aurd xpivofjicvov xai jzpo; ra ^iarpa giebt im AlIgemeineD 
einen befriedigenden Gedanken. Denn auch Spengels (in Z. f. A. W. 1841, 
S. 1261 geltend gemachten) Anstoss an dem auf rftot^fy^ia. bezogenen Neu- 
trum, wofür er avn^ rs xa^" avn^v xpivofAsviQ wollte, Hesse sich Tielleieht, 
wenn es sich nur darum bandelte, bei der bekannten Vorliebe des Aristoteles 
für das Neutrum der Pronomina und Adjectiva, auch wo sie auf Nomina an- 
deren Geschlechtes sich beziehen, (worüber Bonits su Metaph. 1035 b 15 und 
Waitz z. Organ. 4 b 4) beseitigen : vgl. was unserer Stelle nSher liegt, Topik 
117 a 2 ou^ct^ '/ap rtfxa rov ffXoOrov ^i' iauriv aXXa dt' erspov, n%v tik fO.iwt 
xaJ^' ai^ro. Bhet. 1362 b 11. Nie. Eth. 1173 b 19 vergl. m. b 23. Wich- 
tiger ist, dass jenes in der Aldina zuerst geschriebene Participium xptv6fu- 
vov an der Überlieferung äusserst geringen Anhalt hat, und es war mebes 
Bedünkens ein richtiger Gedanke von Bursian (Fleckeisens Jahrbuch. 1859 
S. 753) das Verbum finitum xptverai festzuhalten und nach einer jetzt feh- 
lenden Einfügung desselben in die Construction zu suchen; sein (von Sose- 
mihl in den Text gesetzter) Vorschlag auro tlvi xa3' aur^ xpiverac tq xot 
irpög ra ^earpa ist jedoch nicht ohne Bedenken. Ein etre — >J xai erinnere 
ich nicht bei Arisioteles gelesen zu haben, und doch muss bei einem 
Schriftsteller wie dieser sein eigener Sprachgebrauch entscheiden. In der 
überwiegenden Zahl von Stellen schreibt Aristoteles in strenger Correlation 
cTre — eirg. Sehr vereinzelt steht dagegen etre — ? Hist. anim. 586 a ZI 
Etre ^woroxetrat ^ woroxetrat. Vgl. Topik. 171 a 19. 117 b 6 sTrs (o-J Cf. Bckk.) 
7ap T^ aitoßoXrj >5 rö £vavrt&v ^«yxrorepa, avro aifjiTÖiiTepov. Khetor. 1372 a 7 
etr£ äv Xa^etv ;r|ia^avrg^ ^ ily} ).a.jdvr£f p-ij «JoOvai dixvjv. Nie. Eth. 1160 a 17 
etr« xpTjfxarwv «Ire vtx>j? 19 («tfe L*») K6Xi(ai opr/ofAsvot. De gen. et corr. 317 
b 19. 20 etr* £x dwafiei Svrog ou^a Eir£ xai ttoi); oTXXcüg. Ibid. 314. b 29 
und 315 a 2 £Tr£ — xav ei. Psych. 429 all £tre x^fx^^^«^ 5vro^ ctrf xai 
(xai om. E) ytri x«**pt^^oy- Doch wollte man auch ein etre — ^ xai zu- 
geben^ das Hauplbedenken bleibt, dass xr^iverat auf rpav^dt« bezogen, 
nicht wohl passend scheint. Denn wollte Aristoteles sagen: 'Die Tragödie 
an und für sieh oder mit Rücksicht auf die Buhne betrachtet", so hätte er 
für diesen Gedanken wohl ein anderes Verbum (^xoretv, ^eeüpstv, Xainßivtiif) 
eher als xph-rj gewählt, welches 'beurlhoilen' hc'sst. Dieser Umstand bat 



Beitrfige zu Aristoteles Poetik. 309 

mich auf den im Text geSusserten Gedanken gebracht, zu xptvrrat sei nicht 
rparitadici, sondern UcotStg l^eiv r. rpv^. Suhject. Dadurch wird zur Anknüpfung 
des Satzes ein Relativum S verlangt, das am leichtesten hinter auro ausfiel, 
zumal die Wortstellung dieser Annahme eher günstig als entgegen ist: vgl. u. A. 
Polit. 1258 b 15 dci 'fotp Ifurcipov crvai, rp^c oXXitjXa re rourcav riva "kvaivsXi- 
9T0cxa., xal ;rota ^v Trotoi; r^;roi(. 1260 a 37 deiropi^ffcic d* av n;, rö vOv e2/:»;fisvov 
ei akvi^U, Sipo, xal xrX. Hiermit würde denn auch das Bedenkon wegen des Neu- 
trums des Pronomens verschwinden. Ober den Gebrauch von xpiverai aber 
in dem angegebenen Sinne (ob die Tragödie vollkommen ausgebildet ist, 
was sieb sowohl an und für sich als mit Rücksicht auf die Bühne beur- 
tbeilen ISsst) vgl. Phys. 254 a 31 rd y^h Ktpl rourou ^xoreiv . . . xaxdg xpiveiv 
c^rt vi /SAtiov xal x6 x^Xpov xal v6 Triff röv xal rö yi.rj niariv xal «px^^ **^ f**^ 
apyiF*' 219 b 4 r^ fxev »/ap frXcTov xat Aarrov xpivoficv api5|jLCü. Topik 163 b 16 
fj 7ap ^iXoOvrc^ xai fi.i9oOyrc; t6 ;rpofff)ep6fjLfvov ey xpivouffi t6 ^Ariorov. 
Rhetor. 1374 b 30 ori fiiv ^ii oGrco rö fLEt(ov, ori d' ^x roO ßfkaßoug xpiverat. 
PoliL 1281 b 40 ^G^eiev av roO auroO efvai rö xpivai rii op^dg 2drpeuxsv und 
1331 b 35. — Ob endlich in ^ vac eine mit avro re xx^' aurö parallel gehende 
nähere Bestimmung versteckt liegt , oder ob dasselbe vielmehr als eine zu- 
nächst für ^ oC bestimmte Interpolation (^ vai = doch wohl ja) zu betrachten 
sei, will ich nicht entscheiden. 

11. iy^eiv rijv auroö fOaiv. 

(Zu S. 280.) 

Über ix^iv, a;ro>.afJiJ3avciy n^v ^uatv vergleiche ausser dem im Texte 
Angeführten noch Politik 1252 b 32 yJ de t^vaii vD.og iariv oCov 7ap exa^rov 
iavt *r^i »/eve'ffewj reXeff3etff>j5 , ravnov ^ap-ev n^v yuatv etvai exdffrou. De 
somno 455 b 27 X^w d* e^ uffo3e jewf rrjv avd*/x>3v , ori e^ ^qiov effrat e^ov n^v 
avroO ^uffiv, c'§ dvd'/xij; rtv' u^rap^^iv avro) det. Rhetor. 1370 a 4 dvd^XKj 
ovv TJdy ewat ro re ei; rö xara fuaiv Uvou. oig stzI rö ;roXu, xal pLaXura orav a;rei- 
Xifs^^ra ^n^v ^auröiv ^vacv rd xor' aOri^v 7t7v6fiLeva. Phys. 261 a 18. Meteorol. 
372 b 21 ^dv fiiv 7dp fi-^^re xarafjiapav.^^ ikijTt diaairaff^^, dXX* ioL^^ r;^v 
^ufftv diroXofi/^dvciv n^v aur^;, udaro; eixoroi); o>3/iCiöv ^ffrtv. 

12. Ä* ÖUV — 70ÖV. 

(Zu S. 280.) 

Ich habe vevofievig d' ouv beibehalten. Denn Spengels (Z. f. A. W. 1841. 
S. 1262) Zweifel (den Susemihl in eine Negation umwandelt), ob d" ouv 
überhaupt Aristotelisch sei, beruht auf einem Irrthum. Vgl. n, jjiavr. 462 
b 26; Meteorol. 350 b 9. 351 b 32, wo der beste Cod. £ d' ouv hat, was 
Bekker aufgenommen, FHN ouv; ebenso 357 b 17. 374 b 18, wo N 70OV 
sUtt $' ouv der übrigen. De gener. anim. 723 a 26. Polit. 1254 b 3. Anal. 
prior. 42 a 6. Topik 121 b 34 und sonst. — Den im Texte dargelegton 
Gedankenzuaammenhang glaubt Susemihl durch '/oOv scharfer bezeichnet , das 



310 V a h 1 e n 

allerdings auf den ersten üiick sich wohl empfiehlt, aber bei genauerer 
Prüfung kaum bestehen möchte. Die Partikel '/oöv gebraucht Aristoteles 
nicht anders als sie auch sonst im Griechischen gebraucht wird, um näm« 
lieh eine ausgesprochene Behauptung durch Ein Argument oder ein blosses 
Indicium zu stützen, sei es, dass der Schreiber mehre nicht hat, oder nicht 
anführen will: z. B. Topik 118 a 10 eviors ra ßekrioi oO^i xal aipercürt/ja' ov 
7ap gl ßsXvio), ivoTfxoLirjv xai atperwrepa* tö «yo-jv ^OvOffoyeiv |3Ariov tou y^rr 
^an'^gff^ai, olW oOx atpcrwrepov ry MeiX. Metaph. 1083 b 18 ^xeivoi di 
rov apt^fiöv ra Svr« Xi'^ovaiv' ra 70ÖV ^scopi^fAara rpoffaTrrouffi rot^ o-<k»p,a9(v 
oj; ^^ ^xeivojv i^vroDv roiv ap(5fxoJv. Wenn also Aristoteles an unserer Stelle 
sagte 'die Tragödie ist wenigstens thatsächlich in ihrer Entwicke- 
lung stehen geblieben', so würde diess im Vorangegangenen den Gedanken 
erwarten lassen 'die Tragödie hat ihre Vollendung erreicht und eine fernere 
Entfaltung ist nicht zu erwarten/ woran folgerichtig jenes Wenigstens ist 
sie thatsächlich stehen geblieben* sich anschliessen würde. Allein in der 
vorangegangenen Ablehnung liegt, wie Bernays richtig herausgefühlt, viel- 
mehr der Gedanke an die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit einer ferneren 
Entwiekclung angedeutet. Daher scheint mir '/oOv nicht ganz passend. Was 
dagegen <^* ouv widerrathen könnte, wüsste ich nicht. Denn ist diess aoch 
nicht überliefert, so wird es doch aus dem handschriftlichen 7evofi^( ouv 
(worin der Nominativ vEvofxsviQ unbedingt nolhwendig) leicht und einfach 
gewonnen. Vgl. noch Nie. Eth. 1171 a 33 ei fiiv o'Jv 5t a raOra ? 5i' oXac u 
xoy'^{{ovT3(t, atyst^iro)* -TUfA^aivstv 5* oyv ^aiverat ro Xex^«v. 

13. TÖ ixi'^s^og ix. fxixpwv |[jl6.5wv xtA. 

(Zu S. 280.) 

An dieser Stelle hat man unterschiedliche Besserungs versuche, wie es 
mir vorkommt, verschwendet. S. Ty. Mommsen Z. f. A. W. 1845. Suppl. 
S. 221. Nilzsch Sagenpoesie S. 650 fg. Susemibl in Fleckeisens Jahrb. 1862, 
S. 319. Mir scheint zunächst unzweifelhaft, dass die Worte ^x fiixpuv {xu^cdv xai 
Xc^ews '/eXoi'aj a7r£jsp.vyv5>; zusammengehören; denn das j£/ivdv, das die Tragö- 
die allmälich erlangt hat, beruht auf dem {jl^s.^o^ und der anoitSaia'ki^ig, sowie 
anderseits beides, ixixpol fxu^oi und '/eXoca Xs^cc, in dem aarupix&v, aus wel- 
chem die Tragödie sich allmälich herausgearbeitet, neben einander vorhanden 
war. Hier also wird ein Auseinunderreisscn nach beiden Seiten sehr wider- 
rathen. Schwierigkeit macht lediglich das un die Spitze gestellte ro fiie7{^o;, 
das man meines Erachtens nur durch eine gekünstelte Erklärung zum Sub- 
jecte zu a;r£a£fAvuy5)3 machen kann, obwohl diese Erklärung immer noch um 
Vieles gerathcner wäre als alle neuerlichen Besserungsvorschläge. Dass man 
auf den Gedanken nicht kam, ro iii-ftäog als Accusativ abhängig su machen 
von fxixpwv (^x |jty5wv fxcxpwv rö (x/'/e^oj, aus Mythen von geringem Umfange, 
wie Aristoteles unzähligemal zu ^iiripög und fir/a; sein rö fji£7£5og hinzugefügt 
hat, voraus oder hinterher), verschuldet die Wortstellung, die allerdings 
gerechtfertigt werden muss, damit diese Erklärung nicht ohne Weiteres ab- 



Beitrüge zu Aristoteles Poetik. 311 

gewiesen werde. Vgl. de coelo 279 b 25 ei dk jr/aorepov i^ oXXw? £x<^'^^^^ 
avvsoTTQ 6 xoo'fto^ d. i. i§ ^Xtog ^ovrwv irporepov. Polit. i279 b 11 öet de 
fAtxp^ dia fi.axporepei>y c^Tieiv ri$ exaffnj xrX. Diese einfacbste der Erklärungen 
möchte ich daher so lange festhalten, bis ich eine bessere vorgebracht finden 
werde, und bin überhaupt der Meinung, dass iin Gebiete der Aristotelischen 
Wortstellung noch gar Manches zu beobachten sei, bevor man gewisse Er- 
scheinungen für unmöglich erklärt und durch Kritik zu beseitigen sucht. — 
Was Susemihl neuerdings in seiner Ausgabe zum Theil auf Useners 
Anrathcn nicht ohne Gewaltsamkeit durchgesetzt hat, scheint mir theils 
unnöthig^ theils unrichtig. Den Satz xal ro re twv uroxpirwv — SoyoxX^^ 
wird man als epexegetische Erklärung zu eVel eo-^e i^v auTvig ^u9iv mit diesem 
in Verbindung setzen müssen ; wenigstens wird man sonst leicht an xal einen 
Anstoss finden. Davon aber sind die mit eri dk und in einem neuen Satz an- 
geführten Bemerkungen zu trennen. Es sind weitere Veränderungen der Tra- 
gödie, die mit den im Vorausgehenden angeführten durchschlagenden Umge- 
staltungen parallel gehen oder Consequenzen aus denselben waren. Zuerst 
die Ausdehnung des Sujets und die Beseitigung der spasshaften Diction. 
Von der ersteren ist die Vermehrung der Acte und Sccnen (iKstaodiuyv 
frXr^3>3) doch noch unterschieden genug, um nicht beides nothwendig 
in Eins zusanunenfassen zu müssen, wie Susemihl gethan hat. Aber abgesehen 
von den vielen kleinen und doch nicht leichten Veränderungen, die durch 
die an sich nicht gerechtfertigte Umstellung veranlasst worden , der Satz 
xal ra oXXa oU exaara xofffAig^^vai Xe^erat effrw tJ^xTv tipri^iva. , den die Über- 
lieferung, wofern man ihn nur richtig erklärt, ganz unversehrt erhalten hat, 
wird nicht bloss vom Platze gerückt, sondern völlig zerrissen, indem das eine 
Stück desselben mehrere Zeilen hinauf, das andere viele Zeilen hinabgerückt 
wird, so dass es schwer wird, die zersprengten Stücke nur wieder zusam- 
menzulesen. — Für die im Text gegebene Erklärung der Worte e<rroi) 
iS/xiv eipvjfAsva werden die dort angeführten Belege ausreichen; es lassen 
sich aber noch andere hinzufügen wie Rhetor. 1404 b 1 ejroi) ovv 
^xecva re^eaipv^fiLeva 'lasset^ wir also jenes als abgemacht gelten' und de gen. 
et corr. 329 a 6. 

14. Kunststil der Komödie. 

(Zu S. 284.) 

Dass die das Object der Komödie determinirenden Worte 1449 a 32 — 37 
für die Stelle, wo sie die Oberlieferung giebt, von Aristoteles nicht bestimmt 
sein konnten, hat schon der scharfsinnige Castelvetro gesehen (vgl. s. Ausg. 
S. 91), und neuerdings denselben Gedanken Thurot geäussert observations 
phiiologiques sur la Poetique d*Aristote S. 5 fg. Allein weder Castelvetros Ge- 
danken, dass die fraglichen Worte 1449 a 2 hinter xcafxoiidiag einzuschalten seien, 
kann ich gut heissen (denn dort wäre eine Bezeichnung des Stoffes der Komö- 
die zwecklos und dea Zusammenhang störend) , noch Thurots von Susemihl 
gebilligten und im Text befolgten Comhinatiooen beistimmen , wonach die von 
ihrem Platz zu rückenden Worte 1449 b 9 vor >{ fxev ouv iKonoiioi. einzufüllen. 



312 Vahlen 

aber so dass sie von letzteren noch durch eine Lücke getrennt seien. Zur An- 
nahme einer Lücke ist kein Anlass; viel zu viel wird aus der im Eincraage des 
6. Cap. folgenden Definilion der Tragödie, insbesondere den Worten aroXot^J»- 
Tsg a'jTYjc ex rwv stpvjfjLsvwv rov '/tvofxsvov opov geschlossen. Nichts berechtig 
zu der Voraussetzung, dass alle Momente der Definition bereits im Voraufge- 
gangenen berührt oder gar erörtert seien. Die zur Begründung der befolgten 
Disposition angestellte Vergleichung der Tragödie und epischen Dichtung lisst 
an Yollstuiidigkeit nichts vermissen : und für die Komödie und deren Absonde- 
rung von beiden bedurfte es nichts weiter als eine Determiuierung ihres Stof- 
fes, wie sie in den 1449 b 20 hinter sv r^ srorotta einzufügenden Worten i ii 
xcofA03$ia — av£v od6y>;? uns vorliegt. Wenn Thurot meint, dass das Aristote- 
lische ouv immer Conclusivpartikel sei und daraus sowohl sonst in der Poetik 
auf Lückenhaftigkeit des Textes schliesst, als auch vor t^ fxiv ouv eirbirous 
1449 b 9 eine Lücke annehmen zu müssen glaubte, so hätte ihn jede beliebige 
Schrift des Aristoteles durch viele Beispiele überzeugen können, wie wenig 
begründet diese Annahme ist 

m. Empirische Feststellung der Tragodientheile. 

(Zu S. 2^6.) 

Dass der Nachsatz zu dem mit eVel $k jtp6L^e(ag 1449 b 36 beginnenden 
Vordersatze erst in ava*/x>3 o'jv Ki<jY^g rp. (1450 a 8) zu finden sei, hat aock 
Thurot a. a. 0. S. 9 eingesehen. Allein wenn derselbe die früher für den Nach- 
satz angesehenen Worte ffg^uxev airta $0o . . . "f^oc durch xal dem Vorange- 
gangenen anfügt und die Parenthese erst hinter dtroryyx^^^^^''' ^rdcvrsg schliesst, 
($(.0L '/ap rouTwv xal rag »rpa^sic efvai oafxev jrotas nva?, xal ni^vxsv atria i-j^ 
rwv rpa^ewv i Tvai , dtdvota xal if^oc, xal xara ravrac xai ru'/xavouo'i xal airo- 
rv*yx.^voufft Travrs^), so möchte damit kaum gründlich geholfen sein. Denn hätte 
Aristoteles wirklich diese Verbindung gewollt, f(0 hatte er in diesem Satxe 
schwerlich noch einmal die beiden Nomina diavoia x. -^^og gesetzt, die in dem 
unmittelbar voraufgehenden Satze genannt wareif und auf welche mit dta rov- 
Twv verwiesen wird: war doch für die Deutlichkeit genug gethan, wenn er 
schrieb: $ta ^ap rourwv (nüml «Jtdvoia u. if^o?) xal zag rpa^ei; efvai fofuv 
roia; rivag xal raOra izi^'jxsv ervat airia rotv rpa^ccüv. Aber auch der dritte 
von Thurot in die Parenthese geschobene Satz fügt sich dieser Verbindung 
nicht. Soll xara raura? auf ^5o; und didvoia gehen, so hat man Grund an dem 
Femininum des Pronomens Anstoss zu nehmen. Aristoteles, der auch auf 
gleichgeschlechtige Nomina das Neutrum des Pronomens bezieht (vgl. 
Waitz Organ. I. S. 291), würde in diesem Falle xara raOra geschrieben haben, 
wie einige Kritiker (G. Hermann u. A.) wirklich wollten. Allein xara rayr«^ ist 
richtig; denn es bezieht sich nicht auf ij^og und didvoia, sondern auf trpa^ci,': 
also xara ravrac ry/x^avoufft xal dTroruvxavouat ;rdvrc?, 'in diesen (deo Hand- 
lungen) haben alle Glück oder Unglück', wie 1450 a 20 xara 9i raj irpaC"» 
ev^aifAove? >3 rouvavrtov. Dann aber ist klar, dass ^la rovrwv (nfiml. dii»ota 
und i?5o?) auch zu diesem Satze nothwendig gehören mus», und der diese 



Beiträge zu Aristoteles Poetik. 313 

Verbindung und Beziehung störende Satz ffi^vxsv airta — -f^o? von hier zu 
entfernen ist. 

In dem zweiten Gliede des Vordersatzes ian de riig [».h rpa^scag xrX. hat 
man den in dem correlatlosen ftiv liegenden Anstoss nieht übersehen, aber 
nicht glficklich war der ron Reiz und Hermann herrührende , von Thurot und 
SusemihI gebilligte Vorsehlag dtavocav in dtavota zu Sndern. Auf diese Weise 
sollte für den Satz r^^ fxiv jzpa^stag xrX. in den Kommaten ra dk i^^ig xa5^ a 
xt).., ^lovoia 9( iv oaoij xrX. die entsprechenden Glieder gewonnen werden. 
Allein diese drei Satze savi dk r^f jxiv npi^tuig 6 fiO^o^ i^ |jt{fiiyjatc, — ra dh ^^>j 
xoJ^'SxtX., — dtsvoia $i iv offoij xrX. bilden keineswegs eine gleichartige 
Reihe, deren Glieder durch yuty und $s zusammengehalten würden. Wahrend 
nämlich in den beiden letzteren Sfitzen die ^J^v? und die diavoia definiert werden, 
enthält der erstere nicht etwa auch eine Definition des iiO^og, sondern umge- 
kehrt sucht hier Aristoteles aus der als Erforderniss der Tragödie gesetzten 
yiilLTfifJig r|!>a$ecij? den fiO^o^ als abgesondertes it-ifif^g derselben zu gewinnen : 
kurz nicht 6 fiO^o^, sondern t^ yiiiLYivig irpa^ccu^ ist Subject, welcher Annahme 
weder die etwas verschränkte Wortstellung noch der Artikel bei yLv^og ent- 
gegen ist (vgl. Metaph. 1092 b 14 ort 6 Xd'yog )$ ^ufjL^ojvia api^^fiojv u. 982 b 29 
:roA).ax? ^ f^^oig dovXvi twv av^pconrcov iffrtv u. and.). Dagegen ergiebt die 
Beibehaltung des überlieferten diavotav eine völlig gleichartige Reihe von De- 
finitionen: Xs^ci) 7ap fji.0.^ov xrX. — ra $k t^^yj xo^^'ä xrX. — diavoiav ^Vv ojot? 
xtX. — Auf diese Weise wird man fast mit Nothweudigkeit dahin geführt, das 
EU r^? fxsv npoL^tuig xrX. verraisste Correlut in dem im ersten Theile des 
Vordersatzes nicht unterzubringenden Satze izi^uxs d' airia duo rd>y rpde^sojv 
ervai, diavoiav xal i?3o^ zu finden. An der übrigens selbst in einer Handschrift 
gebotenen Änderung irs^uxs d* statt R'Sf^uxev wird Niemand Anstoss nehmen. 
Aber auch das handschriftlich bezeugte didvoiav ist nicht zu ändern, denn 
diese Construction von nifjxpj hat ihre Analogieu an Politik 1261 b 7 f^avepov 
Totvyv fx TouTwv ^)c oure xrc^vx« fAtov oyrco^ «rvat r>jv jroXtv. 1296 b 26 orou piv 
ovv wrfpg'xei TÖ Twv 0Lj:6p(i}v rcXii^og n^v sipyjftevYjv avaXo'/tav , evraO^a r^^uxev 
«rvott, ^TQfxoxpartav xtX. — Die Bedenken^ welche SusemihI (Fleckeisens 
Jahrb. 1864 S. 514: v^l. jetzt auch s. Ausir.) gegen die hiesigen Defi- 
nitionen von if-^og und diavoia geltend macht, kann ich nicht theilen. SusemihI 
glaubt einen Widerspruch darin zu fmdeu, dass Aristoteles, der vorher von 
den im Drama handelnd auftretenden Personen (npoLzzovxsg) verlangt hatte, 
dass sie nach t?5o? und Ätovota eine gewisse Beschaffenheit haben (ovf avd7x>3 
Koiovg riva^ etvat xard zs z6 ^n^og xal r^v dtavotav), nachher die r^^vi allein als 
dasjenige definieit, wonach wir die Qualität des Menschen bestimmten (rd :^3>;, 
xx^' ä, nicht o, noiovg nva? ervat ^afxsv zobg npoLZZovzotg). Der Widerspruch 
ist nur scheinbar. Denn roiog Tt^ kann und muss der im Drama Auftretende in 
verschiedener Rücksicht sein, fragt man aber nach der Koiozvig schlechtweg, 
so fragt man nach dem Charakter des Mannes. Der von SusemihI empfohlene 
Zusatz xa5' ä {^xard n^v Trpoatpefftv^ TzoioOg zivag thail yafjiEv ist daher vom 
Cberfluss: denn da die iroicrv;^ des Menschen auf seiner ;rpoa(psai; beruht, 
diese aber das r,bfig ergiebt, so konnte letztere» mit Überspringung des mit t- 



314 V a h le n 

leren Begriffs als dasjenige definieit werden, wonach die jroienjj des Mei- 
schen sich bestimmt. Nioom. Elh. 1H2 a 2 rw 7010 7r/»oaipst^3ai ro^o^a ? ri 
xaxa JToiot nvig sVfiev, roi dk do^a^eiv oy. Auf der rrpoaipcffig «her beruht dss 
;5^o^ Nicom. Eth. IUI b S r«pi ;r|ioaipeff£W^ £;rerai ^ifX^eiv • oUstsroroy ^sp 
efvat doxci r$ aper^ xai fxaAXov ra i?5ij xpivsiv roiv rrpa^ecdv. il63 a 23. H78 
a 3$. Vgl. m. Ahhdlg. von der Rangfolge der Tragödientbeile S. 172 ff. Mefapk. 
1020 b 23 itiXiava ds rd a^oJ^dv xat xaxov ^fAatvet rö jroiöv cVi rSiv eVJ^w» 
xai rourwv fxdXtffra ^rl rot* vfo-jai TzpooLipsai^, — Ebenso wenig «cheiDenBir 
Susemihrs Anstösse an der folgenden Definition der diavoia begründet tu sein: 
denn dass hier, nachdem |a0.^o; und r^Bog definiert sind, eine Definition der ^- 
voia folgen mosste, ist »o einleuchtend, dass die Annahme, eine wirklieb fiberlie- 
ferle Definition der diavoia sei Interpolation, kaum Eingang finden dürfte. Aberieh 
finde auch keinen Grund diese Definition für lückenhaft oder verderbt sa kal- 
ten: denn die logische Beweisführung und die allgemeine Sentenz «ind das 
Wesen der diavoia, und wenn Aristoteles nachher 1450 b 5 ff. den Begriffner 
diavGia noch weiter fasst, so ist ja daraus kein Schiusa zu ziehen auf die hie- 
sige Stelle, die einer von jener sehr verschiedenen Betrachtung angehört 

16. £toT; und fjigfr, der Tragödie. 
(Zu S. 289.) 

Die Stelle ist eine der schwierigsten und dunkelsten in der ganzen Poe- 
tik, bei deren Behandlung jeder Schritt gewagt erscheint. Ich bin nicht coafi- 
dent genug zu glauben, überall das Richtige gefunden und das RStbsd gelöst 
zu haben; dennoch habe ich meine Gedanken darlegen wollen, ob es vielleickt 
Jemand der Mühe werth findet, sie zu widerlegen, und uns dann auch das 
Wahre zu lehren. Bernays erklirte die Stelle (im Rhein. Mas. VIII. S. 583 
A 2) für eine zerrüttete, zu deren Erledigung an dem angeführten Orte er lei- 
der nicht Raum fand. Seiner wohlbegründeten Warnung den Anonym, de cmi* 
§. 7 nicht zur Restituierung derselben zu missbrauchen, bat man nenerdingi 
kein Gehör gegeben, aber eine dunkle Stelle durch eine verworrene anfhellea 
zu wollen, ist doch verschwendete Mühe. Der Vorschlag von Bnrsian o*jx «X(- 
*|oi xXXx i;acvri> o^> {tirsiv. sowie der sehr ihnliche von Härtung ovx eXryoi 
aXX' w> lijritv rzvri;. den Susemihl in den Text gesetzt bat, sind meines Da- 
fürhaltens unzureichend. Spengel (Z. f. A. W. 1841 S. 1265) fand den Inhalt 
der fraglichen Worte untadelhaft und ganz im Geiste des Aristoteles, der 
seine Deductionen aus der Sache auch durch die Wirklichkeit der Erscheinmg 
begründe: so wolle auch hier Aristoteles die Richtigkeit der a priori gegebe- 
nen sechs TragddienthcUc durch die crfahmngsmässige Allgemeinheit dersrl- 
ben in dem Dichtorgebrauch bestStigen. Dabei bleiben» wie Spengel anerkenat. 
die $chwicrigkei;en im EiQze!nen bestehon. Der Versuch, den J. Kleis in 
Bonner Gymnasialprogranim von l^o6 macht, die Worte, wie sie überliefert 
sind, mit Aristoteles* Denk- und Aus^lrucksweise in Einklang zu bringeai 
scheint mir aus vielen Gründen nissglückt. Die im Aristoteles beispiellose 
Verbindung avx cai^^« v> ti.TiCv Usst sich darch die von Klein beigebrachtea 



Beiträge zu Aristoteles Poetik. 315 

durehaus nicht gleichartigen Belege nicht rechtfertigen: jenes ist nach meinem 
Gefühl nicht minder nngeachickt als ein deutsches 'fast nicht wenige'. Diese 
oegatire Wendung statt der positiven 'viele", 'alle,' ist so viel bestimmter und 
Torsichtiger, dass sie einen einschränkenden Zusatz wie otg sireiv nicht ver- 
trigt Aber gäbe man auch dieses lo, wie fügt sich im folgenden Satze rav 
(wofür man eher rra^a erwartete) zu dem oux oXt*yoi des vorangegangenen? 
Und ferner bleibt aurdiv beziehungslos. Aber was die Hauptsache ist, ich kann 
auch mit Spengels Erklärung des Gedankens, die, wie es scheint, die 
meisten übrigen befolgen, nicht einverstanden sein: denn cT^e^iv kann 
hier nur die Arten bezeichnen (wozu sonst der Wechsel des Aus- 
druckes?), und dann ergiebt sich, dass statt rot^ vielmehr 6}g zu schrei- 
ben ist Ich bemerke gern, dass ich in dieser Auffassung des Gedankens mit 
DOntzer zusammengetroffen bin, der S. 41 der 'Rettung' schreibt: 'Dieser vcr- 
•chiedenen yJpri nun bedienen sich nicht wenige der Darstellenden so zu 
sagen als Arten: die Einen heben die äussern Mittel der Darstellung hervor, 
Aodere legen sich auf die ^.^>;, Andere auf das iiekog u. s. w. : denn leicht kann 
man eine jede Sache von dieser oder jener Seite besonders behandeln, dieses 
oder jenes hervortreten lassen, aber die Hauptsache bleibt der Mythos.' Vgl. 
dens. S. 136 A. 44. Düntzer sieht von jeder Änderung in den Worten ab, be- 
hält roc; eide^iv bei, und setzt aura>v 6)^ eiireiv in der im Text angegebenen 
Weise mit ctde^tv in Verbindung. Ob man bei dieser Verbindung sich beruhi- 
gen oder meiner Ergänzung (xa^^ exa^rov^ aura>v oj; Ei;;etv zustimmen, oder 
endlich eine andere Besserung finden wird, darüber wünsche ich das Urtheil 
anderer zu hören. Zur Rechtfertigung des nach voraufgegangenem rouroig zu 
xa5' exaorov überflüssig gesetzten Genetivs oeOr&iv sei auf die von Waitz zum 
Organ. 12 b 29 (1 313) zusammengestellten Beispiele verwiesen, die sich noch 
▼ermehren Hessen. Dass aber Aristoteles xa3' Fxaarov statt eines Casus des 
blossen exa^ro; gebraucht (wie hier xa3' Exaarov = sxaarot) aOra>v), zeigt 
E. B. Politik 1264 a 15 rorepov xal roij *js(tip'foU xoivag ewai dil raf xn^ffstc ? 
xsu xa^' exaffTov idta?. 1332 a 36 xal '/aii ei ravrac sv^s/erat ^TTöudai&y? «rvai, 
ya; xa3' «aarov $i rwv jroXirwv, outo); ai/isrwrspov xrX. Und hierfür sowie für 
die (nicht seltene) Verbindung von uyg tlTzeXv mit exaaro^ vergl. noch Histor. 
anim. 490 b 32 roO $e '/evoyg roO rwv r£rpa;rodwv ^cjioay xai ^w&roxwv tldri fA^v 
fOTi jToXXd, aveüvufia di' aXXa xa^' gxaoTOv ayrwv wj ecTretv, dfSKip a^^^ttijtrji 
cc/iisrai, Xecüv, D.ayöj, iKTzoq, xücüv xal tquXol toötov tov rporrov xrX. ~ Was den 
begründenden Satz xac '/d/:* l'^tic (oder ^{^iv) imlan^'U so ist mir die Auffassung 
Düntzers nicht ganz klar; was die meinige betrillt, so sei für den aus dem 
Gedanken des Vorigen abhängigen Infinitiv ex^iv auf Politik 1281 b 26 fg. ver- 
wiesen: TÖ fuv '/dp furexetv aOrov^ rwv dp^wv rwv fiL£7iarwv oOx aa^aXi^ (dtd xt 
7dp ddixtocv xal di' d^po9uv>;v rd fUv ddtxeiv dv rd d' d/üaprdvsiv aurou^), rd ^l 
(11^ fura^tdcvai ^oßspcv. Waitz Organ. I p. 342 t^. — Ob aber statt tx^i^ ^^^* 
Air das ich keinen Beleg habe, ^siv ri rdv, oder ^x^iv Trdvra zu schreiben sei, 
lasse ich dahingestellt. 



316 V.hl^n 

17. Rangfolge der Tragödientheile. 
(Zu S. 289.) 

S. 'AristoUles' Lehre von der 'Rangfolge der Tragödientheile' in 'Sya- 
bola philologorum BonneDsiuin in honorem Friderici RiUchelii collecta* (Lipi. 
1864) S. 153-184. Susemihl in seinem Sendschreiben an mich (Fleckeiten*i 
Jahrb. 1864 S. 505 — 520) hat sich mit mehreren Hauptergebnissen dieser Ui- 
tersuchong einverstanden erklärt. Von seinen abweichenden Meinungen hake 
ich das die ^lovoia Betreffende A. 15 S. 49 fg. berührt. Was aber die Cootrs* 
versc über Koi-h^ti oder oü ;:ot^9ei rd zr,^ r^or/otdia; Ijp^ov anlangt, so weist ick 
jetzt, dass eine in der Aristotelischen Kritik sehr angesehene Autorität gleiek- 
falls dio Entfernung der Negation für nothwendighält: meine entgegensteheade 
Ansieht, die ich bis jetzt für unwiderleg^ halte, will ich daher hier nicht tm 
Neuem darlegen und vertheidigen, bevor ich die Gründe jenes Gelehrten kea* 
nen gelernt und geprüft habe. Inzwischen stehe hier eine kritische Bemerkoag 
zum 6. Capitel. In der Stelle 1450 b 9 fg. e^ri ds 'f^og fuv t6 roioOrov B d^^Xot 
TT/V jrpoatpsffiv orota nj* [äv oU ovx «ort 5^Xov tq rpoaipeirai ^ yr>/ei3 di6«p 
oOx «x^^^''" 'f^og rwv a^7wv ev olq jA^jd' oktag e^rtv o vi (o rtc A'. oortj Q) 
rpöaipi trat i ^ev'/Et 6 A£70i)v pflegt man die eingeklammerten Worte als Ditto- 
graphie der folgenden zu tilgen. Mit Unrecht, wie ich glaube. Aristoteles oa- 
terscheidet zwei Arten von Xc'/oi, welche kein •f^og haben, solche, in deaei 
überhaupt nichts ist, was Einer erstreben oder meiden könnte, wie die ftoJ^fto- 
rtxol >>070t (Rhet. 1417 a 19 dia roOro ovx e/ouaiv oi fAa3Y3fJLarixol ).G<yoin^ 
ore ovdi n'poafpi ffiv * rö ^ap o*j svexa oux exo*j9iv. vgl. Metaph. 996 a 29 fg. 
1078 a 31), und solche, in welchen durch Schuld des Redners die srpoatpin; 
nicht zum Vorschein kommt. Die augenscheinlich vom Platz gerückten Worte 
sind daher nur an rechter Stelle einzufügen: dionep oux ix^''^^^'* f^^i ^^^ ^ 
•yiwv, ^v olg fx>3d* (iloig e^riv, o rig jrpoaipecrat ^ ^tufii, rj iv olg oyx Ibri ^^U» 
rt jrpoatpecrat ^ ^«u'/et 6 Xg^wv. 

18. Zum achten Capitel. 

(Zu S. 292.) 

Im Eingang des 8. Cap. halte ich an rcf) hi fest, glaube aber, dassia 
^y{b)y eine Vcrderbniss steckt, wofür vielleicht i^ ojv ^ navrojv ^ cvieov so 
schreiben. Vgl. Anal. pr. 57 a 37. Anal. post. 72 a 28. Topik 148 b 37. 169 
b 83. Politik 1283 a 23. Rhet. 1396 a 6. Im Übrigen sei noch bemerkt, dasi 
Svstmihl 1451 a 20 mit Unrecht von der handschriftlichen Oberliefening ab 
zur Alflmb Übergegangen ist. Denn das Asyndeton 'HpocxXiQida, 8i;9iQrda xsirs 
r^tsiwTec i:<iir,fMxa ist hier so richtig, wie Rhetor. 1388 b 33 opyi^v , cVi^jfuov 
ivOi) rit rotaOrou Metaph. 1030 a 20 exa^rov roiv xan;7opGU/A£vck)v, roo'dv, izoiw id 
$am iXXtt TotoOr« (vgl. 1034 b 10). De part. anim. 645 b 36 ^ivo, G^^^aXfAÖv xs 
t4 u^vftl^v ^f^^wn^i. Hist anim. 511 b 9. Ebenso ist in der Poetik auch 1457 a tS 
tia i Oll der AldiM bia auf Susemihl in den Ausgaben stehendes ^ mit den HiimI- 




Beitrage so Aristoteles Poetik. 317 

ien ZQ tilgen: xara zä t^jroxpinxo, orov xarVpwnQViv, imvoL^iv. Aristoteles 
it asyndetisch wie bei einer AufzShIung, die aber beim zweiten Gliede wie- 
bricht: Anal. post. 88 b 28 oiov api3fiid?, {A^/e^o^ Rhet. 1362 b 20.23. De 
mim. 644 a 25. Nie. Eth. Ii54b 8. — Wenn endlich Susemihl am Schluss 
Cap. schreibt, S fap jrpo^ov ^ i>.i] rpoa^v fx>3dev rrotet, imdriXov &f ov^^v jtioptov 
ou iaxh, so ist mit Bestimmtheit zu behaupten, dass dies unaristotelisch ist. 
teles, der unzahligemal d^Xov ort, oi^ schreibt, sagt niemals cVi^yjXov <u^. 
' fersuchte ich Z. Krit. Arist. Schriften S. 9 iir^f^h kouX rt, d^Xov &)^, in- 
eh gleichfalls auf das im Vatic. B' allein erhaltene ^g Gewicht legte, 

diese Handschrift auch sonst einigemal allein das Richtige erhalten 
etzt möchte ich lieber ikrfii ttouiv cVidvsXov zusammenfassen, 'was da- 
1 oder nicht daseiend keinen ersichtlichen Unterschied macht', wie de 
293 b 29 oOd£y ^ap ou^k vuv ;;oi£cy im$^oXo^t = 'es mache keinen bemerk- 

Unterschied'. 298 a 8 ou ^ap av ouro) ra^u ^irt^Xov inoUi und oft in 
her Verbindung. Soll nun das in B' erhaltene ^i nicht unberücksichtigt 
D, so ist dafür eine andere Besserung zu suchen, etwa Sionsp oOdiv fzopiov 
Wj i^xh. Vgl. Phys. 197 a 30 rd 7ap irapa fAixp^v toaKep oO^lv dcff^^etv 
Rhet 1363 a 9 u. 11 (uairep irayrs;. Mei.nph. 1010 a 30 aXX' oJro^' ou^iv 
•eiv fi(«ptov Toö jrovTO? ^ortv. 



318 ">«•• Fr. Müller 



SITZUNG VOM 28. JUNI 1865. 



Ueher den Ursprung der Seh riß der malayischen Volker 
von Dr. Friedrieb ■filier, 

Doceot der allgemeinen Sprachwisscnichaft an der Wiener Uairersitil. 

(Mit einer lithographirten Tafel.) 
Vorgelegt in der Sitzung vom 28. Jon! 1865. 

Unter den Völkern, welche die Inseln des indischen Archipela- 
gus bewohnen und bekanntlich dem grossen Volksstamme der Malayen 
angehören, finden wir mehrere Schriftsysteme im Gebrauche vor. 
Darunter bedienen sich die Malayen, der heutzutage in Literatur, Han- 
del und Industrie am weitesten vorgeschrittene Stamm, meistens der 
arabischen Schrift, welche mit der Einführung des IsIäm von densel- 
ben angenommen wurde. Ob sie vorher eine eigenthumliche Schrift 
besassen, ist eine Frage, welche von den meisten Autoritäten dieses 
Faches verneint wird (vgl. Robinson, Proeve tot opheldering van de 
gronden der nialeische spelling, uit het engelsch vertaald door E. Net- 
scher. Batavia. 18l>ö. S. 5 ff.), obwohl sich manche recht plausible 
Gründe dafür beibringen lassen (vgl. Marsden. A grammar of the 
Malayan language. London, 1812. pag. XXXVI). Doch können wir 
diese Frage hier füglich ganz übergehen, da sie ausserhalb des näch- 
sten Zweckes unserer Untersuchung gelegen ist. 

Die Javanen bedienen sich seit alter Zeit einer Schrift, welche 
m Form und Anlage, ganz oberflächlich betrachtet, den indischen 
Ursprung deutlich verräth. Sie besieht aus zwanzig, respective zwei- 
undzwanzig ßuchstal)en. welche das malayische Lautsystera «) voll- 



^) (iiiHurale: k. y, h. 
Pala title : /, rf, w. 

Di.'iitale : t, d, n (Cerehraie /, d, w). 
Lahiale : p, h, m. 

Liquiden und Hnlbvocale: y, r, /, w. 
Zischlaut und HHuehlaut: 9, h. — 



über den Ursprung der Schrift der malajischen Völker. 319 

kommen wiedergeben. Jeder der Buchstaben (ojinwn^in [huksurä] 
= altind. a^TT) involvirt , wie im altindischen Alphabet , ein kur- 
zes a, welches aber in offener Sylbe meistens die Aussprache ä an- 
genommen hat. Die Vocalisation geschieht wie im Attindischen, mit- 
telst eigenthümlicher Vocalzeichen , genannt aj]cmio(Klf| (Bandä- 

tlanj d. i. Bekleidungen. Dieselben kommen oberhalb, unterhalb oder 
an der SeUe des jeweiligen Consonannten zu stehen. Solcher San- 
ddtlan existiren neben ä fünf. Nämlich: ^ genannt P^pet (ein ober- 
halb des Buchstabens stehender, etwas in die Länge gezogener Halb- 
bogen, z. B. iKi we); i, genannt Wulu (ein oberhalb des Buchstabens 
stehender kleiner Halbbogen, z. B. ihi wi), w, genannt Suhl (ein ge- 
brochener Strich unterhalb des Buchstabens, z. B. m nu), ^, genannt 

Talia (das Zeichen an zur linken Seite des Buchstabens, z. B. mi\ 
ne) und 6 genannt Talin-tanifi (das Zeichen an zur linken und j zur 
rechten Seite des Buchstabens, z. B. q(Ki3 n6). 



Soll aber jeder Vocal dem Consonanten genommen und dieser an 
und für sich hingestellt werden, so wird er mit dem darauffolgenden 
Consonanten in eine Gruppe zusammengestellt, wie im Indischen, nur 
mit dem Unterschiede, dass, während dort das erste, den Vocal auf- 
gebende Zeichen abgekürzt und etwas modificirt wird, dies hier um- 
gekehrt mit dem zweiten stattfindet. Letzteres führt den Namen 
IJOJIO(K1|| (pasäfian) d. i. Anfügungsbuchstabe. 

Für r + ^ und l ■\- 6 bestehen im javanischen Alphabete beson- 
dere Zeichen, nämlich o und o, welche Pa-terek und Na-lelii 
genannt werden. — 

Nebst den angeführten zwanzig, resp. zweiundzwanzig Zeichen 
bestehen im Javanischen noch zehn andere, genannt cuinwn^in arwiiflo 

(haksärä gide) d. i. grosse Zeichen. Ihr Werth ist heutzutage n, f, 
i, ^, zweifaches «, p, n, g, b. Sie waren aber, wie aus der Verglei- 
chung der Formen mit den indischen und der Anwendung derselben 
im Alt-Javanischen (dem Kawi) hervorgeht, nichts anders als die alt- 
indischen Zeichen ITT, ^, Tl, ^, ?T, sj, TJT, ^, g, yf. 

Wir ersehen daraus, dass das alt-indische Consonantensystem 
in seinem vollen Umfange von den Javanen eingeführt wurde, was 



3'iO l>r. Kr. Müller 

man auch ganz natürlich fhulen winl, wenn man die gru!»se An2;ahl 
indischer Wnrtformon. welche im Alt-Javanischen Eingang fauden, 
in Anschlag hringt. 

Was nun die äussere Form der javanischen Sehndtzeiehen be- 
triflrt, so schliessen sich dieselhen an das Pali-Alphabet an. Der 
zwischen beiden ohwaitendernlerschied lässt sich leicht aus dem ver- 
schiedenen Schreihmateri.ale ableiten. Während die Pali-Sehrift aal 
festen trockenen, geglätteten Blättern mit einer eigenthumlichen im 
trockenen Zustande glänzenden Tinte in dicken StricheÄ aufgetragen 
wird, rilzt man die javanische Schrift auf frischen Blattern mit einem 
spitzen, nadellörmigen Instrumente nur einfach ein. — Daher kön- 
nen die festen dicken Pali-Zeichen im Javanischen nur in ihren Con- 
touren erscheinen, welche bei schnellerem Schreiben nm so eher etwas 
verrückt werden konnten, als sie nicht eine aus dem Volk selbst her- 
vorgegangene Krfindung waren, sondern demselben immer mehr oder 
weniger frenul entgegenstanden. — Ehe ich zur Untersuchung der ein- 
zelnen Zeichen schreite, erscheint es ntdhwendig folgende Satze vor- 
auszuschicken. 

1. Die einzelnen Zeichen ruhen auf einer idealen Grundlage, 
von welcher aus sie nach oben zu gezeichnet werden. 

2. Bei den einzelnen Zeichen sind vor allein die Schenkel fest- 
gehalten; ihre Richtung richtet sich nach dem vorigen Grundsatze. 

3. Die einzelnen Zeichen sind, so viel als möglieh, mit eiiieio 
einzigen Zuge gemacht. Dabei muss z. B. ein Rad geöffnet werdeu 

(© = 3> 

Ich will es nun versuchen, die einzelnen Zeichen genauer zu be- 
trachten und ihren indischen Ursprung nachzuweisen. 

wn ist Pali m; dabei erscheinen die drei Schenkel festgelwlteu 
(nach 2) und \on unten nach oben gerichtet (nach 1). 

an entspricht vollkommen Pali m. 

121 entsi»riclit Pali e , wobei aber der ol>ere Horizoiital- 
Schenkel abgebrochen und selbslständig gezeichnet erscheint. 

O ist Pali a. Die Richtung des oberen Theiles des rechtenSeben- 
kels nach links in der javanischen Form zeigt die ehemalige Verbiu- 
duiig des rechten Schenkels mit dem linken noch deutlich an (vgl. 3> 

0,; ist Pali e altindisches £• ^^i^^««*^ >'«*<^'» ^^^^^^ geneigt. H'* 
javanische Form mit dem eingeknickten rechten Schenkel nähert sich 
mtdir der allindischen als Pali-Fnnn. 



über den (Jrspniog der Schrift der malayischea Völker. 321 

osn ist schwer zu deuten, aber auch unzweifelhaft desselben 
(Jrsprungs wie die anderen Zeichen. 

o ist das Pali u. Die Form besteht eigentlich nur aus 
dem linken Schenkel, der rechte Strich scheint späterer Zusatz 
zu sein. 

O entspricht dem Pali i^. Die Form ist etwas nach links 
geneigt und der rechte Schenkel dem linken gleich gemacht. 

onm entspricht vollkommen dem Pali im, dabei sind die vier 
Grundstriche festgehalten (nach 2), aber alle von unten nach oben 
gefuhrt (nach 1). 

eh ist Pali m- Die ehemalige Verbindung des ersten und zweiten 
Schenkels ist aus der Form des letzteren noch zu ersehen (nach 3). 

0X1 und (Kl sind etwas schwieriger zu deuten, oiTenbar aber 
desselben Ursprungs. . 

o entspricht vollkommen dem Pali y. 

C3I ist das Pali o^ Die Form des Mittelstriches des java- 
nischen Zeichens weist auf eine ehemalige Verbindung desselben mit 
dem linken Schenkel hin (nach 3). 

(B entspricht vollkommen dem Pali y. Die Formation des 
linken Schenkels mit dem rechts befindlichen Dorn weist auf einen 
ehemaligen Verschluss des Zeichens in der Mitte hin (nach 3). 

uji gibt das Pali m wieder. Es erscheinen dabei die drei 
Grundstriche festgehalten (nach 2) und von unten nach oben gezo- 
gen (nach 1). 

nn entspricht Pali •. Der Kern des Buchstabens scheint in 
dem rechten Schenkel zu liegen und der einfache links befindliche 
Strich nur der Ansatz des Buchstabens zu sein. 

aoJl entspricht dem Pali in. Dabei erscheinen die drei Grund- 
striche festgehalten (nach 2) und von unten nach oben gezogen 
(nach 1). — Der Unterschied zwischen g, y, l und dem sogleich 
zu besprechenden h ergibt sich aus der grösseren oder geringeren 
Stärke der Schenkel und ihrer verschiedenen Stellung zu einander. 
O entspricht vollkommen Pali o. Die Neigung beider Schenkel 
gegen die Mitte zu lässt auf die ehemalige Verbindung derselben 
sehliessen. 

oji entspricht dem Pali n. In dem links befindlichen kleinen 
Ringe scheint eine Spur des an der altindischen Figur deutlich 
sichtbaren Hakens zu stecken. 

SiUb. d. phil..bi8t. Cl. L. Bd. ni. Hft. 21 



322 Dr. Fr. Muller 

(Uli entspricht dem Pali in. Dabei erseheinen die drei Grund- 
striche festgehalten (nach 2) und von unten nach oben gezogen 
(nach 1). 

Eine ganz andere Quelle verrathfen die anderen unter den malayi- 
schen Völkern gebrauchten Alphabete. Es sind dies die Schriften der 
Battak, Redan und Lampun auf Samätra, die Schriften der Makäsa- 
ren und Bugi*s auf Celebes und die Alphabete, welche ehemals unter 
den Tagala's und den andern damit verwandten Volkern auf den 
Philippinen im Gebrauche waren. <) 

Sie stimmen weniger mit der Palischrift als mit der altindischen. 
Wie die Verbreitung der altindischen Schrift unter diesen Völkern 
möglich war und wann sie stattgefunden habe, will ich hier nicht 
naher untersuchen; ich behalte mir diese und ähnliche Fragen iur 
eine grössere Arbeit vor, welche über die Geschichte und Entwick- 
lung der Schrift überhaupt handeln soll. «) 

Gehen wir zur Betrachtung dieser Alphabete über (vgl. die bei- 
gefügte Tafel), so lässt sich Folgendes als sicheres Resultat hinstellen: 

h Die Bugi-Makäsarsche Form und die Form des Tagala- 
Alphabetes sind offenbar demselben Grundtypus entsprossen, nur 



Die Battak-Schrift entnehme ich den Werken Neubronner van der Tunk*«: Orer 
Schrift enuitspraak der tobasche taal, und Batakseh-nederduitsch woordenboek, und eiaea 
Bambusrohr auf der kais. Hofbibliothek in Wien; die Schriften der Redaö ood Lampoi 
dem Werke Crawfurd's: History of the liidiau archipelago. Vol. II, Plate 17; die Ma* 
kdsarische Schrift den Arbeiten von Matthes: Makassaarsch-hollandsch woordenboek« 
und Makassaarsche spraakkunst ; die Tagala-Schrift den Werken von Andre« Carro, Voca- 
bulario de la lengua Ylocana. Manila. 1849. Fol. II v, und K. Frh. tod Hügel, Der 
stille Ocean und die spanischen Besitzungen im ostindischen Archipel. Wiei, 1860. 
(als Mauuscript gedruckt) S. 364, womit auch die Tabelle bei Jacquet, Consideratiois 
sur les alphabets des Philippines (Journ. asiat. 1831) übereinstimmt. 

2) Crawfurd (History of the Indian archipelago II. pag. 76) steUt einen Zosaai- 
menhang der malajiscben Schriftarten mit der indischen Schrift in Abrede. Seine Worte 
lauten: „Attempts have been made to trace the written charactera of the Indian ialandito 
a Hindu origin ; but of this hyputhesis roay be remarked, that while the portion of tke 
language of the Hindus, which is contained in those of the Indian ialanda, ia distincUj 
from one origin, and bears the most uniform marks of identity among the moat distait 
tribes, the five alphabets are not only themselres dissimilar, b«^ 
quite unlike to auy ancient or modern wri tten cha racter of Indii- 
Auch Matthes (Makassaarsche spraakkunst, pag. 2) neigt zu derselben Ansicht hin: »Het 
Makassaarsche letterschrift, zoowel het oude, als dat , hetwelk tegenwoordig in gebrtik 
is, heeft niet de minste overeenkomst in vorm met het DcTanagar' 
of Sanakritsche letterschrift." 



über d«n Ursprung; der Schrift der nialajischeu Völker. 323 

dass die letztere mehr nach rechts geneigt erscheint, wobei die beiden 
nun horizontal liegenden Linien durch einen senkrechten Strich ver- 
bunden v^urden. Wahrscheinlich ist auch die Redau-Form aus der- 
selben Quelle hervorgegangen ; der Strich, welcher bei der Tagala- 
Form in der Mitte erscheint, wurde seitwärts angebracht und nach 
unten zu verlängert. 

Allen diesen Formen liegt altindisches + + zu Grunde, so dass 
die Anfangs ein Kreuz bildenden Grundstriche auseinanderiielen und 
parallel hingezeichnet wurden. OfTenbar war daran das veränderte 
Schreibmateriale Schuld. (Aehnliches bei den nordischen Runen. 
Vei^l. darüber die Schrift Kirchhofs S. 3.) 

g, OfTenbar repräsentiren die Battak- und Redan-Form das- 
selbe Zeichen, welches im altindischen A seine Erklärung findet. 
Auch die Form der Philippinen dürfte damit zusammenhängen; die 
Einbiegung des linken Schenkels ist eben so wie bei ii, t, p etc. zu 
erklären. 

7i. Offenbar ist die Battak-Forni mit der Mäkäsarschen iden- 
tisch. Auch die Form der Philippinen scheint damit zusammenzuhän- 
gen; nur muss man sich dieselbe auf die rechte Seite gestellt und 
des Zierraths entblösst denken = -c^. Vielleicht ist auch die Redan- 
Form damit identisch und V der Kern derselben, die beiden Seiten- 
striche hingegen späterer Zusatz. 

Alle diese Formen finden ihre Erklärung im altindischen I^ , das 
nach und nach in einen Winkel zugespitzt und auf denselben gestellt 
ivurde. 

d. Das Battak bietet dafür die Form ^, an welche sich die 
ältere makäsarsche Form anschliesst. fö) ist offenbar umgedreht für 
CO), welches wieder nichts anderes ist als die Battak-Form, mit 
einem einzigen Striche ausgeführt. — Aus «y entstand die neuere 
Form "D durch Vergrössung des Bauches und Weglassung des nach 
rechts geführten Seitenstriches. 

Alle diese Formen stammen aus dem altindischen E , sofern 
man dasselbe auf die linke Seite gestellt denkt Ui; der zwischen 
demselben und der Battak-Form obwaltende Unterschied erklärt sieh 
aus der Verschiedenheit des beiderseitigen Schrei|)matcrials. 

H. Die Battak-Form T7 dürfte mit der alten makäsar 'scheu 
identisch sein, was man leicht einsieht, wenn man letztere nach links 
gewendet sich denkt. 



316 Vahlen 

i7. Rangfolge der Tragödienth'eile. 
(Zu S. 289.) 

S. 'Aristoteles' Lehre von der 'Rangfolge der Tragödientheile' in 'Syn- 
bola philologorum Bonnensium in honorem Friderlei Ritschelii collecta* (Lipi. 
1864) S. 153—184. Susemihl in seinem Sendschreiben an mich (Fleckeisea*! 
Jahrb. 1864 S. 505 — 520) hat sieh mit mehreren Hauptergebnissen dieser Un- 
tersuchung einverstanden erklfirt. Von seinen abweichenden Meinangen habe 
ich das die diavoia Betreffende A. 15 S. 49 fg. berührt. Was aber die Contre- 
versc über KotriOti oder ou KfAiiaei ro r^^ rpa7a>dcag Ip'yoy anlangt, 90 weiss ieh 
jetzt, dass eine in der Aristotelischen Kritik sehr angesehene Autorität gleieh- 
falls dio Entfernung der Negation Air nothwendighnit: meine entgegenstehende 
Ansieht, die ich bis jetzt für unwiderlegt halte, will ich daher hier nicht vn 
Neuem darlegen und vertheidigen, bevor ich die Gründe jenes Gelehrten kea- 
nen gelernt und geprüft habe. Inzwischen stehe hier eine kritische Bemerkoag 
zum 6. Capitel. In der Stelle 1450 b 9 fg. iiri dl ij^o; fuv rd roiovrov S d^Xoc 
n^v Trpoacpso'tv oroia rtc [«v otf ovx fi<7Tt d^Xov tq rpoaipeirai ^ fvj']fii] dtostp 
ovx sx^^oiv f^o^ rwv X6f(ßiv iv olg fA>3d' oXwj e^rtv 5 rt (o rt^ A'. oortf Q) 
rpöatpi trat vj ^ev'fH 6 X^70)v pflegt man die eingeklammerten Worte als Ditto- 
graphie der folgenden zu tilgen. Mit Unrecht, wie ich glaube. Aristoteles on- 
terscheidet zwei Arten von XC701, welche kein •f^og haben, solche, in deaei 
überhaupt nichts ist, was Einer erstreben oder meiden könnte, wie die ftoJ^fto- 
Ttxol >.^70t (Rhet. 1417 a 19 dia roOro oux l^®^^'^ ®' fxa^T^/iorixoi Xo^oiYt^ 
ort ouds n'poaipeo'iv * tö läp J svexa oOx exouffiv. vgl. Metaph. 996 a 29 fg. 
1078 a 31), und solche, in welchen durch Schuld des Redners die rpoaipcit; 
nicht zum Vorschein kommt. Die augenscheinlich vom Platz gerückten Worte 
sind daher nur an rechter Stelle einzufügen: dtoKsp oux ixovaiv f^og ruv Xo- 
70iv , ev occ ii.rid* oXw^ e jnv , Tis arpeaipecrat tq t^ivfu , rj iv olg oyx mti irikv* 
tI rpoatpsTrat ^ f^iv'fH 6 'kifOiv. 

18. Zum achten Capitel. 

(Zu S. 292.) 

Im Eingang des 8. Cap. halte ich an rcjj evi fest, glaube aber, das» in 
^viojv eine Verderbniss steckt, wofür vielleicht i^ oÜv ^ Travrcüv ^ ^viuv in 
schreiben. Vgl. Anal. pr. 57 a 37. Anal. post. 72 a 28. Topik 148 b 37. 169 
b 33. Politik 1283 a 23. Rhet. 1396 a 6. Im Übrigen sei noch bemerkt, dasi 
Susemihl 1451 a 20 mit Unrecht von der handschriftlichen Überlieferung *^ 
zur Aldina übergegangen ist. Denn das Asyndeton 'HpaxXiQida, ^jvji^a xsd rs 
rotaOra TrotT^fAara ist hier so richtig, wie Rhetor. 1388 b 33 op-piv, iKiJ^ypi«* 
xal ra roiaOra. Metaph. 1030 a 20 exajr&v rwv xan;7opoufA^Ck)v, roo'dv, roiövx«! 
o(7a £kXa roiaOra (vgl. 1034 b 10). De part. anim. 645 b 36 ptvo, oy^aXfAOVi» 
t6 ffuvoXov npoataKov. Hist. anim. 511 b 9. Ebenso ist in der Poetik auch 1457 a^ 
ein von der Aldina bis auf Susemihl in den Ausgaben stehendes ^ mit den Hao<l- 



Beiträge zu Aristoteles Poetik. 317 

Schriften zu tilgen: xara ra urroxpirixo, ©rov xar'^pwnjJiv, ^Trtra^tv. Aristoteles 
beginnt asyndetisch wie hei einer AufzShIung, die aher beim zweiten Gliede wie- 
der abbricht: Anal. post. 88 h 28 oFoy 0LpiBy.6g, {A^/e^o^ Rhet. 1362 b 20.23. De 
pari. anim. 644 a 25. Nie. Eth. 1154 b 8. — Wenn endlich Susemihl am Schluss 
des 8. Cap. schreibt, o fäp Tzposotf ^ fA^ Kpooov it-rj^kv roisi, inif^rjXov dg ov^sv piopiov 
ToO o^ou ijTiv, so ist mit Bestimmtheit zu behaupten, dass diesunaristoieliseb ist. 
Ariütoteles, der unznhiigemal d^Xov ort, o)^ schreibt, sagt niemals STri^YjXov dg. 
Dalijer versuchte ich Z. Krit. Arist. Schriften S. 9 iir,i^h Troist n, dfAov w?, in- 
dem ich gleichfalls auf das im Vatic. B' allein erhaltene dg Gewicht legte, 
zumal diese Handschrift auch sonst einigemal allein das Richtige erhalten 
hat Jetzt möchte ich lieber fA>;ds roiEiv stti^yjXov zusammenfassen, 'was da- 
seiend oder nicht daseiend keinen ersichtlichen Unterschied macht\ wie de 
coelo 293 b 29 ouÄev ^ap oödk vöv ;;oiery iitidrjXov = 'es mache keinen bemerk- 
baren Unterschied*. 298 a 8 ou ^ap av ovrw Tvyb iirc'öVjXov inoin und oft in 
ahnlicher Verbindung. Soll nun das in B' erhaltene dg nicht unberücksichtigt 
bleiben, so ist dafür eine andere Besserung zu suchen, etwa d<7Ksp o'jdh fAopiov 
ToO oXoy tffTiv. Vgl. Phys. 197 a 30 zd 7ap jrapa fAixpGV domp ouösv dcTrg'xstv 
doxet. Rhet. 1363 a 9 u. 11 dantp jravre?. Meinph. 1010 a 30 aXV ouro^ oO^lv 
dg «iretv y^ipiov roö Kootvog iaxvi. 



318 ">«•• Fr. Müller 



SITZUNG VOM 28. JUNI 1865. 



Ueher den Ursprung der Schrift der malayischen Völker 
von Dr. Friedrieb ■filier, 

Duc«ot der »lIg;emeineo Sprachwiasonichaft an der Wieoer UnireraiCaC. 

(Mit einer lithographirten Tafel.) 
Vorgelegt in der Sitzung vom 28. Juni 1865. 

Unter den Völkern, welche die Inseln des indischen Arehipela- 
gus bewohnen und bekanntlich dem grossen Volksstamme der Malayeo 
angehören, finden wir mehrere Schrittsysteme im Gebrauehe vor. 
Darunter bedienen sich dicMalayen, der heutzutage in Literatur, Han- 
del und Industrie am weitesten vorgeschrittene Stamm, meistens der 
arabischen Schrift, welche mit der Einführung des Islam von densel- 
ben angenommen wurde. Ob sie vorher eine eigenthümliche Schrift 
besassen, ist eine Frage, welche von den meisten Autoritäten dieses 
Faches verneint wird (vgl. Robinson, Proeve tot opheldering van de 
gronden der maleische vspelling, uit het engelsch vertaald door E. Net- 
sclier. Batavia. 18!)o. S. 5 ff.), obwohl sich manche recht plausible 
Grunde dafür beibringen lassen (vgl. Marsden. A grammar of thc 
Malayan language. London, 1812. pag. XXXVl). Doch können wir 
diese Frage hier füglich ganz übergehen, da sie ausserhalb des näch- 
sten Zweckes unserer Untersuchung gelegen ist. 

Die Javanen bedienen sich seit aller Zeit einer Schrift, welche 
in Form und Anlage, ganz oberflächlich betrachtet, den indischen 
Ursprung deutlich verräth. Sie besteht aus zwanzig, respective zwei- 
undzwanzig Buchstaben, welche das malayische Lautsystem «) voll- 

^) GiiHurale: kj y, h. 
Palatale : t^ d, n. 

Üt:iitale : t, d, n (Cerehrale /, (/, «). 
Labiale : py A, i/i. 

Liquiden und Ilalbvocale : ^, r, /, w, 
Zischlaut und Hauchlaut: 8, h. — 



über den Ursprung der Schrift der malajischen Völker. 319 

kommen wiedergeben. Jeder der Buchstaben ((uinwn^in [haksärä] 
= altind. a^TT) involvirt , wie im altindischen Alphabet , ein kur- 
zes «, welches aber in ofTener Sylbe meistens die Aussprache ä an- 
genommen hat. Die Vocalisation geschieht wie im AUindischen, mit- 
telst eigenthümlicher Vocalzeichen , genannt aj]cmio(Kl|| (sandd- 

nan) d. i. Bekleidungen. Dieselben kommen oberhalb, unterhalb oder 
an der Seüe des jeweiligen Consonannten zu stehen. Solcher San- 
däiiaii existiren neben a fünf. Nämlich: ^ genannt Pi^^gH (ein ober- 
halb des Buchstabens stehender, etwas in die Länge gezogener Halb- 
bogen, z. B. (Kl ni)\ t, genannt Wulu (ein oberhalb des Buchstabens 
stehender kleiner Halbbogen, z. B. (ki wi), ti, genannt Svku (ein ge- 
brochener Strich unterhalb des Buchstabens, z. B. (ki nw), ^, genannt 

Taliit (das Zeichen an zur linken Seite des Buchstabens, z. B. oniHi 

ne) und 6 genannt Talin-tarnii (das Zeichen an zur linken und 2 zur 

rechten Seite des Buchstabens, z. B. aq(Ki3 nS), 

Soll aber jeder Vocal dem Consonanten genommen und dieser an 
und für sich hingestellt werden, so wird er mit dem darauf folgenden 
Consonanten in eine Gruppe zusammengestellt, wie im Indischen, nur 
mit dem Unterschiede, dass, während dort das erste, den Vocal auf- 
gebende Zeichen abgekürzt und etwas modificirt wird, dies hier um- 
gekehrt mit dem zweiten stattfindet. Letzteres führt den Namen 
iiJI(}JlO(K)r| (pasääan) d. i. Anfügungsbuchstabe. 

Für r + ^ u»^d / + ^ bestehen im javanischen Alphabete beson- 
dere Zeichen, nämlich o und o , welche Pa-fSrik und Na-lelei 
genannt werden. — 

Nebst den angeführten zwanzig, resp. zweiundzwanzig Zeichen 
bestehen im Javanischen noch zehn andere, genannt cuinwn^Tn ofnano 

(haksärä gidS) d. i. grosse Zeichen. Ihr Werth ist heutzutage w, f, 
t, t, zweifaches «, p, n, g, b. Sie waren aber, wie aus der Verglei- 
ehung der Formen mit den indischen und der Anwendung derselben 
im Alt-Javanischen (dem Kawi) hervorgeht, nichts anders als die alt- 
indischen Zeichen irr, ^, JS> ^, ^, T, ^T, ^, ^, ^. 

Wir ersehen daraus, dass das alt-indische Consonantensystem 
in seinem vollen Umfange von den Javanen eingeführt wurde, was 



3*^0 l>r- Fr. Müller 

man auch ganz natürlich finden wird, wenn man die grosse Aniahl 
indischer Wortformen, welche im Alt-Javanischen Eingang fanden, 
in Anschlag bringt. 

Was nun die äussere Form der javanischen Sehriftzeichen be- 
triiTt, so schliessen sich dieselben an das Pali-AIphahet an. Der 
zwischen beiden obwallende Unterschied liisst sich leicht aus dem ver- 
schiedenen Schreibmateriale ableiten. Während die Pali-Schrift auf 
festen trockenen, geglätteten Blättern mit einer eigenthiimlichen im 
trockenen Zustande glänzenden Tinte in dicken Strichet aufgetragea 
wird, ritzt man die javanische Schrift auf frischen Blättern mit einem 
spitzen, nadellörmigen Instrumente nur einfach ein. — Daher kön- 
nen die festen dicken Pali-Zeichen im Javanischen nur in ihren Cun- 
touren erscheinen, welche bei schnellerem Schreiben um so eher etwas 
verrückt werden konnten, als sie nicht eine aus dem Volk selbst her- 
vorgegangene Erfindung waren, sondern demselben immer mehr oder 
weniger fremd entgegenstanden. — Ehe ich zur Untersuchung dereiü- 
zelnen Zeichen schreite, erscheint es nothwendig folgende Sätze vor- 
auszuschicken. 

1. Die einzelnen Zeichen ruhen auf einer idealen Grundlage, 
von welcher aus sie nach oben zu gezeichnet werden. 

2. Bei den einzelnen Zeichen sind vor allem die Sehenkel fest- 
gehalten; ihre Richtung richtet sich nach dem vorigen Grundsatze. 

3. Die einzelnen Zeichen sind, so viel als möglieh, mit einem 
einzigen Zuge gemacht. Dabei muss z. B. ein Rad geöffnet werden 

(©=3> 

Ich will es nun versuchen, die einzelnen Zeichen genauer zu be- 
trachten und ihren indischen Ursprung nachzuweisen. 

wn ist Pali m; dabei erschehien die drei Sehenkel festgehalten 
(nach 2) und von unten nach oben gerichtet (nach 1). 

<m entspricht vollkommen Pali m. 

121 entspricht Pali e , wobei aber der ol>ere Horizonlal- 
Schenkel abgebrochen und selbstständig gezeichnet erscheint. 

o ist Pali a. Die Richtung des oberen Theiles des rechten Schen- 
kels nach links in der javanischen Form zeigt die ehemalige Verbin- 
dung des rechten Schenkels mil dem linken noch deutlich an (vgl. 3} 

(k; ist Pali e altindisches E^ etwas nach links geneigt. D«« 
javanische Form mit dem eiiigcknicklen rechten Schenkel nähert sieb 
mehr der altindischen als Paii-Forni. 



über den Ursprung der Schrift der malayischen Völker. 321 

(cmn ist schwer zu deuten, aber auch unzweifelhaft desselben 
Ursprungs wie die anderen Zeichen. 

01^ ist das Pali •£. Die Form besteht eigentlich nur aus 
dem linken Schenkel, der reehte Strich scheint späterer Zusatz 
zu sein. 

O entspricht dem Pali i^. Die Form ist etwas nach links 
geneigt und der rechte Schenkel dem linken gleich gemacht. 

onm entspricht vollkommen dem Pali im, dabei sind die vier 
Grundstriche festgehalten (nach 2), aber alle von unten nach oben 
gefuhrt (nach 1). 

ösh ist Pali m. Die ehemalige Verbindung des ersten und zweiten 
Schenkels ist aus der Form des letzteren noch zu ersehen (nach 3). 

8X1 und (Kl sind etwas schwieriger zu deuten, oiTenbar aber 
desselben Ursprungs. . 

o entspricht vollkommen dem Pali y. 

C3I ist das Pali o^ Die Form des Mittelstriches des java- 
nischen Zeichens weist auf eine ehemalige Verbindung desselben mit 
dem linken Schenkel hin (nach 3). 

£il entspricht vollkommen dem Pali u. Die Formation des 
linken Schenkels mit dem rechts befindlichen Dorn weist auf einen 
ehemaligen Verschluss des Zeichens in der Mitte hin (nach 3). 

uji gibt das Pali m wieder. Es erscheinen dabei die drei 
Grundstriche festgehalten (nach 2) und von unten nach oben gezo- 
gen (nach 1). 

nn entspricht Pali #. Der Kern des Buchstabens scheint in 
dem rechten Schenkel zu liegen und der einfache links befindliche 
Strich nur der Ansatz des Buchstabens zu sein. 

ami entspricht dem Pali in. Dabei erscheinen die drei Grund- 
striche festgehalten (nach 2) und von unten nach oben gezogen 
(nach 1). — Der Unterschied zwischen g, y, / und dem sogleich 
zu besprechenden h ergibt sich aus der grösseren oder geringeren 
Stärke der Schenkel und ihrer verschiedenen Stellung zu einander. 
O entspricht vollkommen Pali o. Die Neigung beider Schenkel 
gegen die Mitte zu lässt auf die ehemalige Verbindung derselben 
schliessen. 

oji entspricht dem Pali n. In dem links befindlichen kleinen 
Ringe scheint eine Spur des an der altindischen Figur deutlich 
sichtbaren Hakens zu stecken. 

SiUb. d. phil.-hist. Gl. L. Bd. Hl. Hft. 21 



322 Dr. Fr. Muller 

am entspricht dem Pali in. Dabei erscheinen die drei Grund- 
ßtriche festgehalten (nach 2) und von unten nach oben gezogen 
(nach 1). 

Eine ganz andere Quelle verrathfen die anderen unter den malayi- 
schen Völkern gebrauchten Alphabete. Es sind dies die Schriften der 
ßattak, Redan und Lampun auf Samätra, die Schriften der Mak4sa- 
ren und Bugi's auf Celebes und die Alphabete, welche ehemals unter 
den Tagala's und den andern damit verwandten Volkern auf den 
Philippinen im Gebrauche waren. <) 

Sie stimmen weniger mit derPalischrift als mit der altindischen. 
Wie die Verbreitung der altindischen Schrift unter diesen Völkern 
möglich war und wann sie stattgefunden habe , will ich hier nicht 
naher untersuchen; ich behalte mir diese und ähnliche Fragen für 
eine grössere Arbeit vor, welche über die Geschichte und Entwick- 
lung der Schrift überhaupt handeln soll. «) 

Gehen wir zur Betrachtung dieser Alphabete über (vgl. die bei- 
gefügte Tafel), so lasst sich Folgendes als sicheres Resultat hinstellen: 

k. Die Bugi-Makäsarsche Form und die Form des Tagala- 
Alphabetes sind oflenbar demselben Grundtypus entsprossen, nur 



1) Die Baitak-Schrift entnehme ich den Werken Neubrooner van der Tank*« : Ovcr 
Schriften uilspraak dertobasche taal, und Batakseh-nederduitsch woordenboek, und eioea 
Bambusrohr auf der kais. Hofbibliothek in Wien; die Schriften der Redan ond Lampaä 
dem Werke Crawfurd's: History of the ludian archipelago, Vol. II, Plate 17; die Ma- 
käsarische Schrift den Arbeiten von Matthes: Makassaarsch-hollandsch woordenboek. 
und Makassaarsche spraakknnst ; die Tagala-Schrift den Werken von Andres Carro, Yoct- 
bulario de la lengna Ylocana. Manila. 1849. Fol. II v, und K. Frh. von Hfi^, Der 
stiUe Ocean und die spanischen Besitzungen im ostindischen Archipel. Wien, 1860. 
(als Manuscript gedruckt) 8. 364, womit auch die Tabelle bei Jacquet, Consid^tioof 
sur ies aiphabet) des Philippines (Journ. asiat. 1831) übereinstimmt. 

^) Crawfnrd (History of the Indian archipelago H. pag. 76) stellt einen Zosaa- 
menhang der malajischen Schriftarten mit der indischen Schrift in Abrede. Seine Woiic 
lauten: „Attempts have been made to trace the written characters of the Indian iilandito 
a Hindu origin ; but of this hyputhesis may be remarked, that wbile the portion of tbe 
language of the Hindus, which is contained in those of the Indian Islands, is disUnctij 
from one origin, and bears the most uniform marks of identity among the most distait 
tribes, the five alphabets are not only themselves dissimilar, bst 
qnite unlike to any ancient or modern wri tten cha racter of ladii.' 
Auch Matthes (Makassaarsche spraakkunst, pag. 2) neigt zu derselben Ansicht hin: «H<t 
Makassaarsche letterschrift, zoowel het oude, als dat , hetwelk tegenwoordig in gebrtik 
is, heeft niet de minste overeenkorost in vorm met het Devanagari 
of Sanskritsche letterschrift.'' 



über den Ursprun^;^ der Schrift der malayischen Völker. 3!23 

dass die letztere mehr nach rechts geneigt erscheint, wohei die beiden 
nun horizontal liegenden Linien durch einen senkrechten Strich ver- 
bunden virurden. Wahrscheinlich ist auch die Redan-Form aus der- 
selben Quelle hervorgegangen; der Strich, welcher bei der Tagala- 
Form in der Mitte erscheint, wurde seitwärts angebracht und nach 
unten zu verlängert. 

Allen diesen Formen liegt altindisches + + zu Grunde, so dass 
die Anfangs ein Kreuz bildenden Grundstriche auseinanderGelen und 
parallel hingezeichnet wurden. OiTenbar war daran das veränderte 
Schreibmateriale Schuld. (Aehnliches bei den nordischen Runen. 
Vergl. darüber die Schrift KirchhofTs S. 3.) 

g. Offenbar repräsentiren die Battak- und Redan-Form das- 
selbe Zeichen, welches im altindischen A seine Erklärung Gndet. 
Auch die Form der Philippinen dürfte damit zusammenhängen; die 
Einbiegung des linken Schenkels ist eben so wie bei fi, t, p etc. zu 
erklären. 

fk. Offenbar ist die Battak-Form mit der Makäsarschen iden- 
tisch. Auch die Form der Philippinen scheint damit zusammenzuhän- 
gen; nur muss man sich dieselbe auf die rechte Seite gestellt und 
des Zierraths entblösst denken = -c^. Vielleicht ist auch die Redan- 
Form damit identisch und V der Kern derselben» die beiden Seiten- 
striche hingegen späterer Zusatz. 

Alle diese Formen finden ihre Erklärung im altindischen I^ , das 
nach und nach in einen Winkel zugespitzt und auf denselben gestellt 
wurde. 

d. Das Battak bietet dafür die Form ^:=, an welche sich die 
ältere makäsarsche Form anschliesst. as) ist offenbar umgedreht für 
(SO, welches wieder nichts anderes ist als die Battak-Form, mit 
einem einzigen Striche ausgeführt. — Aus co) entstand die neuere 
Form "D durch Vergrössung des Bauches und Weglassung des nach 
rechts geführten Seitenstriches. 

Alle diese Formen stammen aus dem altindischen E , sofern 
man dasselbe auf die linke Seite gestellt denkt LU; der zwischen 
demselben und der Battak-Form obwaltende Unterschied erklärt sich 
aus der Verschiedenheit des beiderseitigen Schreibmaterials. 

H. Die Battak-Form t? dürfte mit der alten makäsar'schen 
identisch sein, was man leicht einsieht, wenn man letztere nach links 
gewendet sich denkt. 



^ 



324 Dr. Fr. M61ler 

Der Unterschied zwischen beiden Hegt offenbar darin, dass letztere 
in einem einzigen Zuge gemacht ist, während bei ersterer zwei Zuge 
erforderlieh sind. Ich halte beide aus dem altindischen "^ entstanden, 
wobei dasselbe umgedreht erscheint 4_ . — Eine allmähliche Abrun- 
dung des linken Striches ^ = U war eine naturliche Folge des 
veränderten Schreibmaterials. 

t. In offenbarem Zusammenhange stehen die altere makäsari- 
sche und Redan-Form, eben so die jüngere makjisarisehe ond die 
Form der Philippinen. Die zweite Form des Battak schliesst sieh an 
die beiden ersteren an, nur dass dabei die Schlinge nicht rechts 
sondern links wie bei der Pali-Form erscheint Die erste Form des 
Battak ^ gibt die altindische Form Y vollkommen wieder; letztere 
muss nothwendig in der Battak-Form erscheinen, sobald man sie mit 
einem einzigen Striche zu zeichnen sich anschickt. 

d. Verwandt erscheinen hier offenbar die ältere makäsariseke 
und Tagala-, vielleicht auch Lampun-Form ; eine Vermittlung jedoeh 
mit dem altindischen |3 ist ziemlich schwer durchzufuhren. Ist viel- 
leicht \j umgekehrt worden cj ^ 

n. Unzweifelhaft verwandt sind die beiden makäsarischen For- 
men und die Form der Philippinen. — Auch die Re^aA- und LampaA- 
Form dürfte vielleicht daran anzuschliessen sein. — Das Battak "^ 
schliesst sich an Pali f und altindisches 1 in umgekehrter Stel- 
lung. 

p. Battak ^-^ repräsentirt unzweifelhaft altindisches (j, mit Auf- 
geben des unteren Hakens, während derselbe in der mäkäsarischen 
und Tagala-Form — gleichwie im Pali — nach oben gezogen und 
dem linken Schenkel gleichgemacht erscheint. In der Tagala-Form 
scheint der nach rechts etwas weiter gezogene Strich nichts anderes 
als ein unwesentlicher Zierath zu sein (vgl. bei g), 

b. Die Identität der Battak- und Tagala-Form ist so in die 
Augen springend, dass sie keines näheren Beweises bedarf. Beide 
lehnen sich unmittelbar an altindisches O • Auch die ältere maki- 
sarische Form ist wohl nichts als die Battak-Form in umgekehrter 
Stellung, nur dass dabei der untere Strich nicht ausgezogen, sonden^ 
abgebrochen erscheint. 

m. Off*enbaren Zusammenhang verrathen die beiden Battak-^ 
Formen, die ältere makäsarische und Redan- und Lampuii-Form ^ 
wenn man letztere etwas gewendet sich vorstellt M A\. Sie schliei 



über den Unpniiig^ der Schrift der malayischen Völker. 325 

seil sich alle unmittelbar an die altindische Fonn an. Auch die 
Form der Philippinen scheint desselben Ursprunges zu sein (mit einer 
kleinen Neigung nach rechts), wobei der linke Schenkel verkürzt, der 
rechte dagegen, als die Form abschliessend, verlängert wurde. 

y. Darunter schliesst sich die RedaA- und Lampuik-Form am 
ersten an die altindische an. Dieselbe scheint auch in der neuen ma- 
kiisarischen , jedoch in umgekehrter Stellung = ^c. zu stecken. 
Vielleicht ist auch die Tagala-Form nichts anderes als eine Variation 
der beiden ersteren, mit Ziehung des rechten Strfches in einen Halb- 
bogen nach links ^ to* 

r. Dabei scheint altindisches r, um eine Verwechslung mit p zu 
vermeiden, mit einem zweiten Parallelstriche verbunden worden zu 
sein. Daraus lassen sich dann die Battak-Form und die beiden makä- 
sarischen leicht ableiten. 

/. Die Entwicklung dieses Buchstabens ist für mich ziemlich 
dunkel und ich vermag darüber nichts Näheres beizubringen. Da aber 
alle anderen Zeichen unzweifelhaft indischen Ursprunges sind, so 
kann dies auch füglich von dem vorliegenden behauptet werden. 

w. Die alte makäsarische und erste Battak-Form zeigen deut- 
lichen Zusammenhang, wobei man letztere sich umgekehrt denken 
muss ; sie mahnen beide an javanisches o. Die zweite Battak- und 
Tagala-Form schliessen sieh genau an die Pali- und altindische Form 
an, wobei ich in der nach rechts sich wendenden und über das Ohr 
hinausgehenden Krümmung einen Überrest des senkrechten Striches 
der altindischen Form erblicke. 

8, Die Battak-Form schliesst sich augenscheinlich unmittelbar 
an die altindische an; aus der Battak-Form lässt sich die alte makäsa- 
rische ableiten, wobei das Zeichen in einem einzigen Zuge gemacht 
erscheint. — Die neue makäsarische Form ist der älteren entnom- 
men; der nach oben führende Grundstrich ist dabei weggelassen und 
die Schlinge als charakteristisches Kennzeichen des Buchstabens 
festgehalten. 

h. Offenbaren Zusammenhang verrathen die Battak-Form und 
die makäsarische ; letztere ist mit einem einzigen Zuge gemacht und 
an den Ecken zugespitzt. Die Form der Philippinen und die damit 
identische Lampun-Form ist nichts anderes als eine etwas nachlässige 
Sehreibung der noch runden dem mäkäsarischen Zeichen zu Grunde 
liegenden Gestalt. 



326 



Mull er, Über den Ursprung der Schrift der mfttitfiacb4*A irallfi 



Denselben Zusammenhang mit den alündischen Schriftsysl« 
wie die Consonanten verrath auch die Vocalbezeiclinung hei 
Rede stehenden malayisehen Völkern. 

Jedes der Consonanten-Zeichen involvirt eiu kurzes a; dto] 
deren Vocale gelangen durch Puncte oder Striche, welche den 
sonanten angefügt werden, zum Ausdrucke. 

In Mäkäsarischen wird i durch einen Puni*t oberhalb, % 
einen Punct unterhalb des jeweiligen Consonanten bezeichneti 
rend ^ durch ein* dem javanischen Talin ähnlichej^ Zeichen, 
und 6 durch dasselbe Zeichen, rechts gesetzt, bezeichuer 
z. B. ^ J (pipO^ ^. '^ (bnbu). 

Dasselbe Vocalisationssystem finden wir in ileni Alpiiaitete 
Philippinen vor, wo aber 4 und 6 mit i und u zusamme »fallen, 
also t, S durch einen Punct oberhalb, u und 6 durch einen 
unterhalb des jeweiligen Consonanten ausgedrückt werden, x« 
(bh bi) cp (bu, böj. 

Die altindische Schrift bezeichnet bekanntlieh i durch 
kleinen senkrechten Strich oberhalb, u durcb denselben Slj 
unterhalb des jeweiligen Buchstabens. 




j.^: MA , nr^ , /VTJ , 7»^ 



BmOaA o . -— , > X * " 



fflfÄ^^ i X 



}Haii 



«ff n.St**tiirye*trii. 



326 



Müller, Über den Urspraug der Schrift der malayischea Yd 



Denselben Zusammenhang mit den altindischen Sehr 
wie die Consonanten verräth auch die Vocalbezeichnung b6i| 
Rede stehenden malayischen Völkern. 

Jedes der Consonanten-Zeichen involvirt ein kurzes a} 
deren Vocale gelangen durch Puncte oder Striche, welche 
sonanten angefügt werden, zum Ausdrucke. 

In Mäkäsarischen wird i durch einen Punct oberhalb» 
einen Punct unterhalb des jeweiligen Consonanten bezeichn 
rend ^ durch ein* dem javanischen Talin ähnliches Zeichea 
und ö durch dasselbe Zeichen , rechts gesetzt, bezeichnet ' 
z. B. ^ ^ Cp^pO' '^ '^ (bubuj. 

Dasselbe Vocalisationssystem Gnden wir in dem Alpb 
Philippinen vor, wo aber ^ und o mit i und u zusammenfal 
also i, S durch einen Punct oberhalb, u und 6 durch eiae 
unterhalb des jeweiligen Consonanten ausgedrückt werden, 
(bU bS) cp (bu, böj. 

Die altindische Schritt bezeichnet bekanntlich i dar 
kleinen senkrechten Strich oberhalb, u durch denselben ^ 
unterhalb des jeweiligen Buchstabens. ^i 



HoF u.SiMirsdruekerti 



j4UHm^: thon ^ nein ^ /uw , /yw// , nntKUix 



BmUaA 



•y , 



# 



Veneichniss der eing^egang^enen DrncluchrifleD. 327 



VERZEICHNISS 

DER EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. 

(JUNI 1865.) 

Acad^mie Imperiale des Sciences» Arts et Belles-Lettres de Dijon: 

Memoires, 2*. S^rie. Tome XI*. Ann^e 1863. Dijon & Paris, 

i864; So- 
Academia, Real, de Ciencias morales y politicas: Discursos pronun- 

ciados en la Recepcion publica del Seuor Don Santiago Diego 

Madrazo en 18 de Dicimbre de 1864. Madrid, 1864; 8«. — 

Almanach. Aüo de 1865. 12«* 
— di Scienze, Lettere ed Arti in Padova: Revista periodica. Vol. X. 

Nr. 21—22; Vol. XU. (?), Nr. 23—24. Vol. XIII. (?), Nr. 25— 

26. Padova, 1862— 1865; 8o- 
Accademia delle Scienze deir Istituto di Bologna: Memorie. 

Serie 2. Tomo IV, Fase. 1. Bologna, 1865; 4«' 
— Pontificia de* Nuovi Lineei: Atti. Tomo XVII, Anno XVII. (1863 

— 1864.) Sess. l'- — ?•• Roma, 1864; 4o- 
AI terth ums- Verein zu Wien: Berichte und Mittheilungen. Jahrg. 

1864, Band VIII, Abth. I; Jahrg. 1865, Band IX, Abth. I. Wien, 

1865; 4o- 
Ambrosoii, Francesco, Sopra alcuni opuscoH dei professori A. 

Mussafia e G. Wahlen. Milano, 1865; So- 
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. XII. Jahrg. Nr. 4. 

Nürnberg, 1865; 4o' 



Veneichniss der ein^^aDgenen DnicktchrifleD. 327 



VERZEICHNISS 

DER EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. 

(JUNI 1865.) 

;ad^mielmp^riale des Sciences» Arts et Belles-Lettres de Dijon : 
Memoires, 2*. Serie. Tome XI*. Ann^e 1863. Dijon & Paris, 
1864; 8o- 

ademia. Real, de Ciencias morales y politicas: Discursos pronun- 
ciados en la Recepcion publica del Senor Don Santiago Diego 
Madrazo en 18 de Dicimbre de 1864. Madrid, 1864; 8<^. — 
Almanach. Aiio de 1865. 12«' 

— di Scienze, Lettere ed Arti in Padova: Revista periodiea. Vol. X. 
Nr. 21—22; Vol. XII. (?), Nr. 23—24. Vol. XIII. (?), Nr. 25— 
26. Padova, 1862—1865; 8«- 

eeademia delle Scienze dell* Istituto di Bologna: Memorie. 
Serie 2. Tomo IV, Fase. 1. Bologna, 1865; 40' 

— Pontificia de* Nuovi Lincei: Atti. Tomo XVII, Anno XVII. (1863 
— 1864.) Sess. !•• — ?•• Roma, 1864; 4o- 

Iterthums-Verein zu Wien: Berichte und Mittheilungen. Jahrg. 

1864, Band VIII, Abth. I; Jahrg. 1865, Band IX, Abth. I. Wien, 

1865; 4o- 
mbrosoli, Francesco, Sopra alcuni opuscoli dei professori A. 

Mussafia e G. Wahlen. Milano, 1865; 8o- 
nzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. N. F. XII. Jahrg. Nr. 4. 

Nürnberg, 1865; 4«- 



328 VerseichmM der eingegaDgeaen Druckschriften. 

Ausweise über den auswärtigen Handel Österreichs im Sonnen- 
Jahre 1863. XXIV. Jahrgang. Wien, 1865; Folio. 

Baumgarten, Amand, Aus der volksmässigen Überlieferung der 
Heimat. Linz, 1864; 8o- 

Berlin, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem 
Jahre 1864. 4o- 

B ö h 1 1 i n g k, Otto, P ä n i n i's acht Bücher grammatischer Regeln. Band 
I&U. Bonn, 1839 & 1840; 8o- 

Bonn, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus den 
Jahren 1864—1865. 4o- & 8o- 

Cantii, Cesare, Storia della Letteratura latina. Firenze, 1864; 12** 
— Storia della Litteratura greca. Firenze, 1864; 12«- — Bcc- 
caria e il diritto penale. Volume unico. Firenze, 1862; 12** 

Compte-rendu de la Commission Imperiale Archöologique pour 
Fannie 1863. Avec un Atlas. St. Petersburg, 1864; 4** 
& Folio. 

Domin-Petrus hevecz, Alphons v.. Die Justizreformen in Öster- 
reich seit dem Regierungsantritt Maria Theresia's. Fortsetiung. 
(Österr. Revue. 4. Bd. 1865.) So- 
Elle ro, Pietro, Giornale per Tabolizione della pena di morte. XII. 
Bologna, 1865; 8o- 

Fenicia, Salvatore, Libro undecimo della politica. Napoli, 1865; 8«* 

Gerhard, Eduard, Über den Bilderkreis von Eleusis. UI. Abhand- 
lung. (Abhdlgn. der Königl.-Preuss. Akad. d. W. 1864.) Berlin, 
1865; 4o- 

Gesellschaft, gelehrte estnische, zu Dorpat: Sitzungsberichte 
1864; 8«- — Tobien, E. J., Die ältesten Gerichtsordnungen 
Russlands. I. Dorpat, 1846; 4«- — Körb er, Bernhard, Biostatik 
der im Dörptischen Kreise gelegenen Kirchspiele Ringen, Randen, 
Nüggen und Kawelecht in den Jahren 1834 — 1859. Dorpat, 
1864; 4o- 

— Geschichts- und Alterthumsforschende, des Osterlandes: Hit- 
theilungen. VI, Band, 2. Heft. Altenburg, 1864; 8o- 

— deutsche morgenländische : Zeitschrift. XIX. Band, 1 & 2 HefL 

Leipzig, 1865; 8®* — Abhandlungen für die Kunde des Mor- 
genlandes. III. Band. Nr. 1. Leipzig, 1864; S^- 
Göttingen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriflen aus den 
Jahren 1864—65. 4« & 8^- 



Veneichniis der eingegmogeBen Drucktchrifteo. 329 

Goldenthal, Jacob, Ausführliches Lehrbuch der türkischen Sprache 

Wien. 1865; 8»- 
Greifs wald, Unirersität: Akademische Gelegeoheitsschriflen aus 

dem Jahre 1864. 4« & 8o- 
Haidinger» Wilhelm Ritter von, Ritterstands-Diplom. Wien» 186S. 

go- — Bericht über die Haidinger-Feier am 5. Februar 1865. 

Wien,1865;8«— Karl Haidinger und Wilhelm Haidinger. 

Zwei Lebensskizzen von Dr. Constant v. Wurzbach. Wien» 

1864: 8«. 
Hamelitz. V. Jahrg. Nr. 16—21. Odessa, 1865; 4«- 
Ist i tut 0, Reale, Lombarde di Scienze e Lettere : Memorie. Classe 

di Lettere e Scienze morali e politiche: Vol. X. (I della Serie III.) 

Fase. 1. 4«- — Rendiconti. Cl. d. L. e. Sc. m. e. p. Vol. L, 

Fase. 8—10. 1864; Vol. H., Fase. 1—2. 1865. Milano; 8« — 

— J. R., Veneto di Scienze, Lettere ed Arti ; Atti. Tomo X«% Serie 
HL*-, Disp. 4'— 5*- Venezia, 1864—65; 8o- 

Katalog der Bibliothek des k. k. österr. Museums für Kunst und 

Industrie. Mai 1865. 8<^* 
Marburg, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem 

Jahre 1864. 4« & 8«- 
Mittheilungen der k. k. Central - Commission zur Erforschung 

und Erhaltung der Baudenkmale. X. Jahrgang. Mai — Juni. Wien» 

1865; 4«- 

— aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 1865. IV. Heft. 
Gotha; 4«- 

Reader. Nr, 125—130, Vol. V. London, 1865; Folio. 

Riva, Jos.» M^moires en refutation des ouvrages I. Degli edificj di 
Roma antica ec. par M'* le Ch'* Canina. IL De la description 
de Rome par Messieurs Erneste Platner, Charles Bunsen, 
Eduard Gerhard, Guillaume Rost eil. III. Du palimseste de la 
r^publique de Cic^ron publik par Son Em. le Cardinal Ange. 
Mai; 8«- 

Scolari, Filippo, Intomo alle prime quattro edizioni della divina 
Commedia. Venezia, 1865; kl. 8«- 

Society, The Royal, of London: Philosophical Transactions. Forthe 
year 1864; Vol. 154. Parts I & II. London, 1864; 4o- — Pro- 
ceedings. Vol. XIIL Nr. 68—69. London, 1864; 8^- 

Sitsb. d. pha.'hi8t. Cl. L. Bd. HI. Hfl. 21 ** 



328 VerseichaU« der eiDgegaDgeaen DrucLscbriften. 

Ausweise über den auswärtigen Handel Österreichs im SouneD- 
Jahre 1863. XXIV. Jahrgang. Wien, 1865; Folio. 

Baumgarten, Amand, Aus der volksmässigen Überlieferung der 
Heimat. Linz, 1864; 8<» 

Berlin, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem 
Jahre 1864. 4o- 

Böhtlingk, Otto, Pänini's acht Bücher grammatischer Regeln. Band 
I&U. Bonn, 1839 & 1840; 8o- 

Bonn, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus den 
Jahren 1864—1865. 4o- & 8o- 

Cantü, Cesare, Storia della Letteratura latina. Firenze, 1864; W' 
— Storia della Litteratura greca. Firenze, 1864; 12o- — Bcc- 
caria e il diritto penale. Volume unico. Firenze, 1862; 12»' 

Compte-rendu de la Commission Imperiale Archöologique pour 
rannte 1863. Avec un Atlas. St. Petersburg, 1864; 4«' 
& Folio. 

Domin-Petrushevecz, Alphons v.. Die Justizreformen in Öster- 
reich seit dem Regierungsantritt Maria Theresia*s. Fortsetzung. 
(Österr. Revue. 4. Bd. 1865.) So- 
EU ero, Pietro, Giornale per Tabolizione della pena di morte. XIL 
Bologna, 1865; So* 

Fenicia, Salvatore, Libro undecimo della politica. Napoli, 1865; 8«* 

Gerhard, Eduard, Über den Bilderkreis von Eleusis. UI. Abhand- 
lung. (Abhdlgn. der Königl.-Preuss. Akad. d. W. 1864.) BerKn, 
1865; 4o- 

Gesellschaft, gelehrte estnische, zu Dorpat: Sitzungsberichte 
1864; So- — Tobien, E. J., Die ältesten Gerichtsordnungen 
Russlands. I. Dorpat, 1846; 4o- — Körb er, Bernhard, Biostatik 
der im Dörptischen Kreise gelegenen Kirchspiele Ringen, Randen, 
Nüggen und Kawelecht in den Jahren 1834 — 1859. Dorpat, 
1864; 4o- 

— Geschichts- und Alterthumsforschende, des Osterlandes: Hit- 
theilungen. VI, Band, 2. Heft. Altenburg, 1864; So- 

— deutsche morgenländische : Zeitschrift. XIX. Band, 1 & 2 HefL 
Leipzig, 1865; So- — Abhandlungen für die Kunde des Mor- 
genlandes. III. Band. Nr. 1. Leipzig, 1864; S^' 

Göttingen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus den 
Jahren 1864—65. 4o & So- 



VeneicImiM der «ing^egaiigeBen DruckschrifteD. 329 

Goldenthal, Jacob, Ausführliches Lehrbuch der türkischen Sprache 

Wien, 1865; 8«- 
Greifs wald, Unirersität: Akademische Gelegenheitsschriflen aus 

dem Jahre 1864. 4« & 80- 
Haidinger, Wilhelm Ritter von, Ritterstands-Diplom. Wien« 1868. 

80' — Bericht über die Haidinger-Feier am 5. Februar 186S. 

Wien,1865;8<^— Karl Haidinger und Wilhelm Haidinger. 

Zwei Lebensskizzen von Dr. Constant v. Wurzbaeh. Wien, 

1864: 8«. 
Hamelitz. V. Jahrg. Nr. 16—21. Odessa, 186S; 4o- 
Istituto, Reale, Lombarde di Scienze e Lettere : Memorie. Classe 

di Lettere e Scienze morali e politiche: Vol. X. (I della Serie III.) 

Fase. 1. 4®- — Rendiconti. Cl, d. L. e. Sc. m. e. p. Vol. L, 

Fase. 8—10. 1864; Vol. H., Fase. 1—2. 1868. Milano; 8«' — 

— J. R., Veneto di Scienze, Lettere ed Arti: Atti. Tomo X«-, Serie 
m.*-. Disp. 4'— 5*- Venezia, 1864— 6S; 8«- 

Katalog der Bibliothek des k. k. österr. Museums für Kunst und 

Industrie. Mai 1868. 8<^- 
Marburg, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem 

Jahre 1864. 4« & 8«* 
Mittheilungen der k. k. Central -Commission zur Erforschung 

und Erhaltung der Baudenkmale. X. Jahrgang. Mai — Juni. Wien, 

1865; 4«- 

— aus J. Perthes* geographischer Anstalt. Jahrg. 1868. IV. Heft. 
Gotha; 40- 

Reader. Nr. 125—130, Vol. V. London, 1865; Folio. 

Riva, Jos., M^moires en refutation des ouvrages I. Degli edificj di 
Roma antica ec. par M'* le Ch'* Canina. II. De la description 
de Rome par Messieurs Erneste Platner, Charles Bunsen, 
Eduard Gerhard, Guillaume Rost eil. IIL Du palimseste de la 
r^publique de Cic^ron publik par Son Em. le Cardinal Ange. 
Mai; 8«- 

Scolari, Filippo, Intomo alle prime quattro edizioni della divina 
Commedia. Venezia, 1865; kl. 8<^* 

Society, The Royal, of London: Philosophical Transactions. For the 
year 1864; Vol. 154. Parts I & IL London, 1864; 4o- — Pro- 
ceedings. Vol. XIIL Nr. 68—69. London, 1864; 8^- 

Sitsb. d. pba.-hi8i. Cl. L. Bd. m. Hfl. 21 ** 



328 VerEeichniss «1er eingegnogenen Druducbriflen. 

Ausweise über den auswärtige» Handel Österreichs im Sonnen- 
Jahre 1863. XXIV. Jahrgang. Wien, 1865; Folio. 

Baumgarten, Amand, Aus der volksmässigen Überlieferung der 
Heimat. Linz, 1864; 8o- 

Berlin, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem 
Jahre 1864. 4o- 

Böhtlingk, Otto, Pänini's achtBücher grammatischer Regeln. Band 
IdsU. Bonn, 1839 & 1840; 8o- 

Bonn, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus den 
Jahren 1864—1865. 4o- & 8o- 

Cantu, Cesare, Storia della Letteratura latina. Firenze, 1864; 12** 
— Storia della Litteratura greca. Firenze, 1864; 12»- — Bec- 
caria e il diritto pönale. Volume unico. Firenze, 1862; 12»- 

Compte-rendu de la Commission Imperiale Arch^ologique pour 
rannte 1863. Avec un Atlas. St. Petersburg, 1864; 4«- 
& Folio. 

Domin-Petrus hevecz, Alphons v.. Die Justizreformen in Öster- 
reich seit dem Regierungsantritt Maria Theresia's. Fortsetiimg. 
(Österr. Revue. 4. Bd. 1865.) 8o- 

Ellero, Pietro, Giornale per Tabolizione della pena di morte. XIL 
Bologna, 1865; 8o- 

Fenicia, Salvatore, Libro undecimo della politica. Napoli, 1865; 8«* 

Gerhard, Eduard, Über den Bilderkreis von Eleusis. UI. Abhand- 
lung. (Abhdlgn. der Königl.-Preuss. Akad. d. W. 1864.) Berlin, 
1865; 4o- 

Gesellschaft, gelehrte estnische, zu Dorpat: Sitzungsberichte 
1864; 8®- — Tobien, E. J., Die ältesten Gerichtsordnungen 
Russlands. L Dorpat, 1846; 4o' — Körb er, Bernhard, Biostatik 
der im Dörptischen Kreise gelegenen Kirchspiele Ringen, Randen, 
Niiggen und Kawelecht in den Jahren 1834 — 1859. Dorpat, 
1864; 4o- 

— Geschichts- und Alterthumsforschende, des Osterlandes: Hit- 
theilungen. VI, Band, 2. Heft. Altenburg, 1864; S»* 

— deutsche morgenländische: Zeitschrift. XIX. Band, 1 & 2 Heft. 
Leipzig, 1865; 8<^* — Abhandlungen für die Kunde des Mor- 
genlandes, ni. Band. Nr. 1. Leipzig, 1864; 8^' 

Göttingen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus den 
Jahren 1864—65. 4» & 8o- 



V«n«iehiii«8 der eingegangenen Dnickachriften. 329 

GoldeathaU Jacob, Ausführliches Lehrbuch der türkischen Sprache 

Wien, 1865; S»- 
Greifswald, UniTersitat: Akademische Gelegenheitsschriflen aus 

dem Jahre 1864. i^ & 8^- 
Hai dinge r, Wilhelm Ritter von, Ritterstands-Diplom. Wien, 1865. 

go' — Bericht über die Haidinger-Feier am 5. Februar 1865. 

Wien, 1865; ««—Karl Haidinger und Wilhelm Haidinger. 

Zwei Lebensskizzen von Dr. Constant v. Wurzbach. Wien, 

1864: 8«. 
Hamelitz. V. Jahrg. Nr. 16—21. Odessa, 1865; 4«- 
Istituto, Reale, Lombardo di Scienze e Lettere: Memorie. Classe 

di Lettere e Scienze morali e politiche: Vol. X. (I della Serie HI.) 

Fase. 1. 4<>- — Rendiconti. Cl. d. L. e. Sc. m. e. p. Vol. L, 

Fase. 8—10. 1864; Vol. ü., Fase. 1—2. 1866. Milano; 8«- — 

— J. R., Veneto di Scienze, Lettere ed Arti: Atti. Tomo X«-, Serie 
UI.*-, Disp. 4*— 5*- Venezia, 1864—65; 8«- 

Katalog der Bibliothek des k. k. osterr. Museums für Kunst und 

ludustrie. Mai 1865. S^- 
Marburg, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem 

Jahre 1864. 4» & So- 
Mittheilungen der k. k. Central -Commission zur Erforschung 

und Erhaltung der Baudenkmale. X. Jahrgang. Mai — Juni. Wien, 

1865; 4«- 

— aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 1865. IV. Heft. 
Gotha; 40- 

Reader. Nr. 125—130, Vol. V. London, 1865; Folio. 

Riva, Jos., M^moires en refutation des ouvrages I. Degli edificj di 
Roma antica ec. par M'- le Ch'- Canina. U. De la description 
de Rome par Messieurs Erneste Platner, Charles Bunsen, 
Eduard Gerhard, Guillaume Hostel 1. HI. Du pallmseste de la 
r^publique de Cic^ron publik par Son Em. le Cardinal Ange. 
Mai; »•- 

Scolari, Filippo, Intomo alle prime quattro edizioni della divina 
Commedia. Venezia, 1865; kl. 8®- 

Society, The Royal, of London: Philosophical Transactions. For the 
year 1864; Vol. 154. Parts I & U. London, 1864; i^- — Pro- 
ceedings. Vol. XHL Nr. 68—69. London, 1864; 8o- 

Sitsb. d. phiL-kist. Cl. L. Bd. III. Hft. 21 ** 



330 Verzeichnlss der eing^egiiDg^neD Drocktchriflcn. 

Vau eher, L., In M. Tullii Ciceronis libros philosophicos curae 
criticae. Fasciculus IL Lausannae, 1865; 8®- 

Verein für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben: Ver- 
handlungen. XVI. Veröffentlichung. (Der grösseren Hefte, 
X. Folge.) Ulm, 1865; 4o- 
— historischer, für Steiermark: Mittheilungen. XIU. Heft. Gratx, 
1864; 8»' — Beitrage zur Kunde steierm. Geschichtsquellen. 
1. Jahrgang. Gratz, 1864; 8«- 



SITZUNGSBERICHTE 



DBR 



AISERLICHEN AKADEMIE DER WISSeKSCHAFTEN 



PHILOSOPHISCH- HISTORISCHE CLASSE. 



L. BAND. IT. HKFT. 



JAHHGANG 1868. — JULI. 



22 



SITZUNG VOM 12. JULI 1865. 



Beiträge zur Geschichte des Magdeburgerrechtes. 
Von Dr. F. Biseh^ff. 

I. 

Die nachstehenden Untersuchungen betreffen hauptsächlich jene 
Form des Magdeburger Schöffen- und Weichbildrechtes, worüber 
im 40. Bande dieser Schriften genauere Nachrichten veröffentlicht 
wurden. Als die Hauptergebnisse derselben mochte ich, — ab- 
gesehen yon der Bestätigung der a. a. 0. ausgesprochenen Ver- 
muthung, dass das in dem sog. Heinrichauer Codex enthaltene 
Weichbildrecht mit dem in^Rede stehenden wesentlich überein- 
stimmt, — hervorheben : 

aj dass von diesem Krakauer Weichbildrecht eine genau 
damit übereinstimmende, jedoch bereits durch Zusätze zum Texte 
und durch einen Anhang mehrerer eigenthümlicher Artikel erweiterte 
Fassung in dem Krakauer Codex 168 der dortigen Universitäts- 
bibliothek (134 bei Homeyer d. Reehtshandschriften) vorkommt, 
welche vermuthlich dem von K. Kasimir d. Gr. errichteten Ober- 
gerichtshofe nach deutschem Rechte auf dem Krakauer Schlosse zur 
Anwendung übergeben wurde; 

bj dass jenes Krakauer Weichbildrecht, mit Zusätzen ver- 
mehrt, die Grundlage einer lateinischen Übersetzung gewesen ist, 
welche in dem Codex 832 der Ossolinski'schen Bibliothek zu Lem- 
berg und vermuthlich noch öfter vorGndig ist; endlich 

cj dass diese lateinische Übersetzung, neuerdings durch Zu- 
sätze erweitert, in die von dem polnischen Reichskanzler Johannes 
deLasko zu Stande gebrachte und von dem König Alexander im Jahre 
150S bestätigte Sammlung von Gesetzen und Rechten des polnischen 
Reiches aufgenommen wurde. 

22 • 



334 Bischorr 

Sollten sich diese Ergebnisse, ii4e ich hoffe, als richtige 
bewähren dann wurde auch unzweifelhaft sein, dass die im Krakauer 
Codex 169 und im Heinrichauer enthaltene Form des Weichbfld- 
rechtes eine weit höhere Wichtigkeit in Anspruch nehmen darf, ab 
man nach dem, was bis jetzt darüber bekannt gewesen ist, derselben 
zugestehen mochte. 

II. 

Über das Weichbild im Heinrichauer Codex verdanke 
ich der Gefälligkeit des Herrn Prof. Dr. Paul Laband genauere 
Mittheilungen, welche ersehen lassen, dass jenes nicht nur im Inhalte 
mit dem des von mir a. a. 0. beschriebenen Krakauer Codex 169 
stimmt, sondern dass auch die Folge der Artikel in beiden dieselbe 
ist. Nur hat das Weichbildrecht im Heinrichauer Codex in seinem 
dem Art. 52 des Krakauer entsprechenden Artikel auch noch die 
vierte Schlussformel bei Böhme (Diplomat. Beitr. VI. 123, 4) 
und fasst zumeist mehrere Artikel, welche übrigens besondere Rubriken 
haben, unter einer gemeinsamen Nummer zusammen. Deren sind 52 
gezählt, in der Wirklichkeit aber nur 48 vorhanden, indem der 
Schreiber die Nummern 26 bis 28 und 40 übersah. So ist der 
ganze Inhalt des Krakauer Weichbildrechtes bis £um Art. 107 in 
40 Capitel oder Titel zusammengestellt, das Weitere aber von Art. 
108 bis 112 in acht Capiteln (Nummern) mit 16 rubricirten Artikeln. 
Aus den Mittheilungen Laband*s erhellt auch, dass der Krakauer 
Codex richtigere und ursprunglichere Lesarten hat als der Heinrich- 
auer, und wird wahrscheinlich, dass beide selbstständig von einander 
entstanden sein müssen, aber aus einer gemeinsamen Vorlage. 
Hiedurch findet die Annahme, dass der Krakauer Codex vom Originale 
Konrad*s abgeschrieben worden ist, neuerdings einen Anhaltspunct. 

ni. 

Mit dem Weichbild im Krakauer Codex vemandt erscheinen 
auch mehrere von Gaupp (Schles. Landr.) beschriebene Compfla- 
tionen des Magdeburgerrechtes, wie die a. a. 0. S. 233, 236, 291 
(Hom. Rh. 90. 210. 91.) bezeichneten und besonders das in einem 
Schweidnitzer Codex enthaltene Magd. SchöiTenrecht (Gaupp, a.a.O. 
219, flg. 319). Gaupp*s Mittheilungen sind aber zu dürftig, als 



BeiCrige sar Geschichte de« MagdeborgerrechtM. 335 

dass eine genauere Yergleichung moglieh wäre. Auffallend wäre 
übrigens, dass Gaupp die etwaige Verwandtschaft dieser Compila- 
tionen mit dem Weichbildrechte der Krakauer Handschrift, beziehungs- 
weise des Heinrichauer Codex, übersehen hatte und nicht hervorhob, 
da er doch letzteren Codex genauer untersucht hatte. Gewiss wurden 
bestimmtere und ausführlichere Nachrichten über die zahlreichen 
Magdeburger Schöffen- und Weichbildrechts-Sammlungen am Besten 
geeignet sein , die dunkle Geschichte der Gestaltung des sächsischen 
Weiehbildtextes aufzuhellen. 

Da die folgenden Erörterungen sich hauptsächlich auf zwei 
Rechtshandschriften stützen, so dürfte die Beschreibung dieser um 
so mehr hier am Platze sein , als die eine derselben meines Wissens 
bisher gar nicht, die andere nur ganz oberflächlich beschrieben 
wurde. 

IV. 

Der gut erhaltene Codex Nr. 168 der Krakauer Universi- 
tätsbibliothek, bei Homeyer d. Rechtshandschriften unter 
Nummer 134 aufgeführt, enthält neunzig Blätter hübschen Pergaments 
in mittelhohem Folioformat (32 Centim. hoch, 23 breit), von welchen 
das unbeschriebene erste und das darauffolgende Titelblatt vermuth- 
lich erst später den andern vorgesetzt wurden. Der gedruckte 
Titel lautet: Jus Saxonicum Magdeburgense per Sereniaaimum 
Canmirum Magnum Regem Poloniae Jurü Supremi Regalis 
Theutonici Provincialis Magdeburg ensü Castri Cracoviensis Fun- 
daiorem Magdeburgo adscUum Advocato et Scabinis eiusdem 
Subaellü collatum in thesauro Arcia Cracoviensis Originaliter 
Anno Domini i3S6 locatum atque per Serenissimos Succedaneos 
9U0S Reges Poloniae Serenissimamque Rempublicam Constitucione 
Generali Regni A. D. i677 non interruptim usque modernum 
Serenissimum Stanislaum Augustum Regem Poloniae et Magni 
Ducaius Lithuaniae fcliciter regnantem in Anno Domini 17 6S 
adprobatum. — Die folgenden Blätter — mit Ausnahme der ver- 
muthlich auch erst später hinzugefügten letzten zwei — bilden eilf 
Pergamentlagen, deren jede, ausser der siebenten aus sechs Blättern 
bestehenden, acht Blätter umfasst. Die erste Lage ist nicht numerirt, 
die anderen sind am untern Rande ihrer letzten Seiten mit fortlaufen- 
den Ziffern bezeichnet. 



336 Bischoff 

Auf dem ersten Blatte der ersten Lage steht fluchtig und klein 
gesehrieben das Casimir*sehe GrändungspriTilegium des deutschen 
Oberhofes zu Krakau mit dem Datum: Cracouie a. d. i3S6 in 
crastino S. Franeisci. Helcel hat hicTon den in seine kritische 
Sammlung alter polnischer Rechtsdenkmale (Starodawne prawa 
polskiego pomniki. Warsz. 1856 p. 207) aufgenommenen Text 
dieses wichtigen Privilegiums , welches nach seiner Behauptung in*s 
Jahr 136S zu setzen ist, hergenommen, in der Annahme, dass dieser 
vorliegende der älteste handschriftlich vorhandene Text sei, wonach 
K. Wladislaus Jagiello 1421 die Confirmationsurkunde des damals 
bereits nicht mehr vorhandenen Originales ausfertigen Hess. Die 
Schrift des vorliegenden Textes und der Umstand, dass nicht anch 
die Conßrmationsurkunde Wladislaw's beigefugt ist, sprechen dafür« 
dass diese Ausfertigung vor das Jahr 1421 fallt; die Annahme 
HelceTs aber, dass der König gerade diesen Text bei seiner 
Confirmation vor sich hatte, ^ird sehr wahrscheinlich durch das 
Vorhandensein dieses Textes in diesem Codex. Denn dieser Codex 
ist — wie sich gleich zeigen wird — höchst wahrscheinlich derselbe, 
auf welchem die Worte Casimir*s in seinem erwähnten Grundnngs* 
Privilegium zu beziehen sind: libros iuris Maydeburgensis ordi- 
navimus et in thesauro noatro Cracoviensi deposuimu» ; K. Wladis- 
laus erklärt aber in seinem Confirmatorium, das Privilegium Casimir*s 
nach den Originalcopien desselben in gewissen Codexen der Richter 
des Krakauer Oberhofes bestätigt zu haben. Beachtenswerth ist in 
dieser Beziehung der Umstand, dass das Blatt, worauf Casimir*s 
Privilegium geschrieben ist, nicht später hinzugefugt wurde ; denn 
es ist das erste Blatt der ersten Lage. 

Die nächstfolgenden sieben Blätter enthalten unter den rothen 
Überschriften : Incipit registrum iuris meideburgensis und hy begin- 
nit sich wichbilde recht die Register über die im Codex enthaltenen 
Texte, wie diese, doppelspaltig mit hübscher, wenig eckiger Minus- 
kel, durchaus von derselben Hand geschrieben. Im Texte sind die 
Rubriken, Paragraphe und Initialen roth, letztere abwechselnd auch 
blau ; auch finden sich einige unbedeutende geistliche Bilder und hie 
und da an den Seitenrändern rothe Verzierungen arabeskenartig 
gezeichnet, wie man sie oft in Pergamenthandschriften sieht. Die 
Schrift ist sehr gut lesbar, wenig und in ganz gewöhnlicher Weise 
abgekürzt. Am Anfang und in der Mitte der Worte wird der Buch- 



BMtrige zur GMchichte des Ma^debargerrechtet. 337 

Stabe 8 in der Regel lang gedehnt geschrieben, aber nicht über 
mehrere Zeilen hinaus, für u am Anfange immer v, für v in der Mitte 
der Worte u. Über dem i findet sich häufig ein Häkchen , öfter 
nichts, niemals aber der Punct. Dieser dient als Interpunctions- 
zeichen. Die Zeilen, deren durchschnittlich dreissig auf einer Seite 
stehen, und die Buchstaben, 20 bis 2S in einer Zeile, sind enger an 
einander geruckt als in dem Krakauer Codex 1 69, die Tinte mehr 
abgeblasst. Im Ganzen ist der Text sorgfältig geschrieben, doch 
kommen mitunter Schreibfehler, Auslassungen und offenbar vom 
Schreiber nicht verstandene und darum unrichtig geschriebene 
Worte vor. 

Nach den Registern beginnt der Text mit der Chronik: 
von der werlde beginne allirirsi, welche nur bis rfo gewah 
is saladin der heyde den cristen wedir an reicht und mit dem 
in Daniels und Gruben, Sachs. Weichbild S. 13 fg. Sp. 1 
abgedruckten Texte zumeist tibereinstimmt. 

Hierauf folgt ohne Unterbrechung: von dem riche wi is 
irst gestiftet ist, WoUii ir nu hören u. s. w. — die Artikel 6 
bis 15 des Sachs. Weichbildes. 

Danach wieder ohne Unterbrechung: Des meistirs vsce- 
lunge. Ich czymmir ah man satt u. s. w. die gereimte Vorrede zum 
Sachs. Landrechte bis vnd durch got czusamene bracht (Vers 260 bei 
Homeyer S. Sp. I, Seite 135). Sodann als cap, primum: Czu dem 
irsten hat man beschrebin das meistir ecke von repekou durch 
der herrin bete willen von valckinstein in duczir rede beschribin 
dis meideburgische recht hat. das kunc Karl in das laut brochte 
czu sachsin und keisir otte bestegete czu meideburc. mit der 
clugestin rat von deme lande. Got der gebe siner sele rat u. s. w. ; 
ferner der Prologus, der Textus prologi und als cap, 6 Czuei swert 
lis got u. s. w. das Sächsische Landrecht in 390 Capiteln, 
wovon aber die Capitel 323 bis 328 und 364 bis 390 dem Sachs. 
Landrechte fremd sind. Homeyer, der für seine Abhandlung über 
die Genealogie der Handschriften des Sachsenspiegels (1859) und 
für die dritte Auflage des Sachs. Landrechtes, auch diesen Text 
benützt hat, theilt in seiner Abhandlung über die Extravaganten des 
Sachsenspiegels (1861) die Capitel 364 bis 390 wörtlich mit, indem 
er sie zugleich auf ihre Quellen zurückführt und in gewohnter 
meisterhafter Weise erläutert, und weist die Capitel 323 bis 328 



338 Biieii«rr 

als dem Sachs. Lehnreehte angehorig nach (S. 236}. Den hkr 
aDgefuhrten Artikeln des Lehnreehtes ist noch, zwisehen Art. 62 $ 1 
and 68 % 7. 8, einzufügen Art. 6S % 7. 8. 12. — Bei der Eitra- 
Tagante Xr. 37 (a. a. 0. S. 253) feUt die Überschrift: vom dage 
Mr ein wip; bei Xr. 45 die von vaUehim kaufe; die Nr. 38 statt 
388 bei der Extravagante Xr. 54 beraht Termothlieh auf Uosse» 
Versehen; bei Xr. 51 darf Tielleicht noch auf das HaUische Reeht 
T. J. 1235 5 28 nnd 30 hingewiesen werden. — Von den 390 
Capiteln des Torii^enden Landrechtstextes entfallen die Capitd I 
bis 123 auf das erste, 124 bis 242 auf das zweite, und 243 bis 368 
auf das dritte Buch der gewöhnlichen Eintheilung. — Es war mir 
leider nur eine fluchtige Vergleichung dieses Textes mit dem tob 
Homeyer Tcröflentlichten möglich; dennoch sind die naebstehen- 
den Mittheilungen Ober die Ergebnisse derselben rielleicht nicht ganz 
überflüssig. Es fehlen danach in dem Torliegenden Texte Ton dem 
Homeyer's I 26; U 22 Ton: wende an; U 28 Ton: die viickere; 
n 34 § 2; 35 Ende, 48 § 4 bis 6 und 8 bis 12; lU. 8. 9 f 1 bis 3; 
ni 17 bis 19; 28 § 1 Ton: doch; lU 33 Anfang; 44; 58 % 2; 69 
65 § 1 ; 66 Mitte; 77 § 2; ron 82 der Epilog und ^ 2; 85 tod: 
tmvergoldin; 86 § 2; 88 § 1 bis 4. — Zusätze fielen mir anfror 
I 62 und 69 und zu UI 7; Abweichungen besonders im dritten 
Buche, z. B. bei Ol 21 § 2, 25 § 2, 42, 50, 52, 53, 56, 57, 64, 70 
bis 73; endlich Umstellungen der Capitel bei I 61 § 2 bis 4, 
U 4 § 3, U 21 § 4, 32, 33, 59, 70. — Zur DarsteUung der 
Geschichte der lateinischen Übersetzungen des Sachsenspiegels durfte 
eine genaue Beachtung des vorliegenden Textes kaum entbehriich 
sein. 

Nach Schluss des Landrechtstextes mit dem extraraganten 
Capitel 390 beginnt auf der Seite 136 der Text des Magdeburger 
Weichbildrechtes, über welches weiter unten insbesondere 
gesprochen werden wird. 

Nach einem unbeschriebenen Zwischenräume Ton drei Zeilen 
steht eine plump geschriebene lateinische Bemerkung des Andreoi 
Czamissa advocatus aummi iuris iheutonici castri Cracavienais in 
die S. Margarete a. d, 1398, laut welcher derselbe mehrere ihm 
angehurige Reliquien in der Marienkirche zur Aufbewahrung hinter- 
legt habe. Auf der anderen Spalte derselben Seite findet sich Ton 
anderer Hand flüchtig und cursiT geschrieben : Eginen. papa scribU 



Beifrige zur Geschichte des Magdebwr^errechtes . 339 

lucanensy Episcopo Sacerdotibtis et clericis (uis denuncies publice 
ne ministri laycarum fiant nee in rebus eorum procuratarea existant 
animadvertentes si postmodum hoc facere presumpserint et occa- 
sione ipsius administracionis propter peccuniariam causam depre- 
hendantur Indignum est eis ab ecclesia subveniri per quos Consta t 
in ecclesia scandalum generari. — Auf demselben Blatte steht 
weiter in kleiner eckiger Fractursehrift: Eyn yczlicher mag ynge^ 
segil vm yckliche zache dy vor gehegetem dinge nicht vor festet ist 
czu ym czyn mit seinis eynes hant vnde der zache dy do vndir 
beschrebin stet leuken a dir bekennen (vergl. Wasserschieben 
Rechtsqu. I, p. 87, cap. 63). Ist is auch ab ymant briue hat von 
gerichtis halben vmme schult vnd der beschuldigete sprichet her 
habe ym dy schult vorgulden her brichit den brif salbdritte Is 
ensey denne das dy zache alzo beschrebin zey dax man dy schult 
andirzvo nicht gelden sulde wen vor gerichte. — Auf dem letzten 
Blatte, welches so wie das erste Blatt der ersten Lage stark gebräunt 
ist, findet sich in kleiner stark vergilbter fluchtiger Schrift die lex 
12 § 1 cod. Vni. 18 de dote; darunter am untern Seitenrande Nota 
de latitudine mansi ffranconici per hos versus vlnis bisseptem etc. 
die in schlesischen Rechtshandschriften oft vorkommenden Gedächt- 
nissverse; auf der andern Seite auf achtzehn Zeilen der Anfang des 
Johannesevangeliumsund mehrere sehr fluchtig geschriebene SchöfTen- 
eidesformeln in polnischer und deutscher Sprache. Die deutsche 
lautet: Ich swere gote vnd meynem herre dem konige vnd dem 
gerichte do ich czu gekorn bin das ich dem Richter noch dem 
rechte gehorsam wil seyn vnd den lewten arm vnd reych in dem 
lande recht orteil fänden wil vnd den Scheppen Stuel noch dem 
deutcze rechte vorsten wil so ich rechte könne vnd wisse vnd des 
folge haben wurde vnd den durch keyne sache noch durch liebe 
adir gäbe lossen wil als mir got helfe vnd dy heyligen. — Endlich 
darf nicht übersehen werden, dass auf der innern Seite des vorderen 
Deckels des hübschen mit Gold verzierten schwarzen Ledereinbandes, 
welcher vermuthlich zugleich mit dem oben angegebenen gedruckten 
Titel angefertigt wurde, die Notiz befindlich ist : 12, Jan. 1826 ex 
munificentia ill. Presidis et ampL Senatus Reip. Crac. a. I82S 
donatus codex. 



340 Bise ho ff 

V. 

Im Torliegenden Codei findet sich weder über dessen Ent- 
stehungszeit, noch über dessen Schreiber eine Angabe, über letzteren 
fehlt es, wie mir scheint, auch an jedem genauer bezeichnenden 
Anhaltspunct. Nicht so über die Zeit der Entstehung. Die auf dein- 
selben Blatte, auf welchem das Weichbild schliesst, befindliche oben 
erwähnte Notiz des Andreas Czarnissa v. J. 1398 lässt nicht 
zweifeln, dass der Codex vor dem Ende des vierzehnten Jahrhundertes 
geschrieben war. Seine oben geschilderte äussere Beschaffenheit 
weist ihn unverkennbar auch in das XIV. Jahrhundert und ich 
möchte keinen Anstand nehmen, dessen Entstehung noch in die erste 
Hälfte dieses Jahrhunderts zu setzen. 

Dieselbe Notiz des Andreas Czarnissa, welcher sich darin 
selbst als Advocatus des deutschen Oberhofes auf dem Krakauer 
Schloss bezeichnet, bezeugt, dass der vorliegende Codex dem Vogte 
dieses Gerichtes bereits im XIV. Jahrhunderte zur Hand gewesen sein 
müsse und dieses Zeugniss zusammengehalten mit dem Titel des 
Codex und mit der Notiz am innern Einbanddeckel lässt kaum 
bezweifeln, dass man in dem vorliegenden Codex jenes Buch oder 
eines jener Bücher zu erkennen hat, worauf sich die oben angeführten 
Worte im Privilegium K. Casimir's beziehen. Demnach wäre dieser 
Codex von K. Casimir selbst für den Krakauer deutschen Oberhof 
bestimmt und im königlichen Schatze niedergelegt worden. Die 
Bestimmung desselben für ein polnisches Land bekräftigen auch 
die darin enthaltenen polnischen und deutschen Eidesformeln 
und erwägt man endlich, dass der Inhalt dieses Codex sich, 
wie weiter unten gezeigt werden wird, im Wesentlichen in der 
polnischen Rechtssammlung des Johannes de Lasko wiederfindet, so 
wird man noch mehr geneigt sein , die Richtigkeit obiger Annahme 
anzuerkennen. Nicht wenig bestärkt in meiner Annahme hat mich 
die mir erst später bekannt gewordene gleiche Vermuthung HeceTs, 
des gründlichen Kenners polnischer Rechtscodices (a. a. 0. S. 207. 
Note), obgleich hier keine VermuthungsgrOnde angegeben sind, etwa 
die Bemerkung ausgenommen , dass dieser Codex bis in die neueste 
Zeit wie ein Kleinod beim Krakauer Oberhof aufbewahrt worden 
sei. — Auch über den Entstehungsort fand ich im Codex keine Nach- 
richt. Im Titel wird gesagt, K. Casimir habe denselben, oder doch 
das in demselben enthaltene Recht, in Magdeburg erworben. Allein 



Beitrigen zur Geschichte des Magdeburgerrechtes. 341 

ainf diese erst in der zweiten Hälfte des XVlIl. Jahrhunderts nieder- 
geschriebene Angabe dürfte kaum viel Gewicht zu legen sein; der 
Umstand, dass Casimir gleichzeitig mit der Gründung des Krakauer 
Oberhofes den Rechtszug nach Magdeburg abschnitt und unter 
schwerer Strafe yerbot, spricht vielleicht gegen die Glaubwürdigkeit 
jener Angabe. Mit Rücksicht auf die Schreibweise und Sprache 
mochte eher an Schlesien zu denken sein, vielleicht an Breslau, da 
Krakau nach demselben Rechte locirt wurde, dessen sich Breslau 
bediente, freilich aber mit ausdrücklicher Hinweisung auf das 
geschriebene Recht der Stadt Magdeburg (s. m. öster. Stadtr. 56). 
Dem Inhalte nach könnte der Codex auch in Krakau selbst geschrieben 
worden sein, und dies ist wohl das wahrscheinlichste, wie weiter 
unten ersichtlich werden wird. (S. u. VIH). 

VI. 

Der 132 Blätter in klein Quartformat umfassende Papiercodex 
832 der gräflich Ossolinski*schen Bibliothek aus dem 
Ende des XV. Jahrhunderts in Lemberg enthält folgende Stücke, 
durchaus von derselben Hand höchst incorrect und nachlässig 
geschrieben : 

a) nach Ausfall der Blätter 1 bis S, auf Blatt 6 bis 1 6 als cap. 
51 bis 155 ein grosses Bruchstück einer lateinischen Übersetzung des 
M. Weichbildrechtes in der Fassung des Krakauer Codex 169; wor- 
über später besonders zu sprechen ist; 

b) als cap. 156 unter der Überschrift: Mansus quot virgas et 
quot iugera habet dicendum est die bereits früher erwähnten 
Gedächtnissverse ; 

c) unter der Überschrift : Secunda pars istius forme sequitur 
und dem Anfang: Secus viam edifico als cap, 157 bis 439 auf Blatt 
17 bis 57 die Versio Sandomiriensis des Sachs. Landrechtes bis zu 
§. 4, Art. 41, Buch III in der Homeyer sehen Ausgabe desselben, 
und weiters unter der Überschrift: Hie incipit tercia pars huius 
libri de creatione hominis als cap. 1 bis 59 auf Blatt 57 bis 68 
die Fortsetzung dieser lateinischen Übersetzung bis zum Sehluss : nee 
eciam licet sibi ponere aliquod ius vel mnndatum aut expedicionem 
vel seruicia super terrigenas nisi sit arbitrium terrigenarum et con- 
sensus. — Die Namen des Übersetzers , des Veranlassers , wie des 
Ortes Sandomir fehlen in der Vorrede ; auch befindet sich der textus 



342 Bi«rli«ff 

jfrolögi Dirht iDmitten, nie in den Handschriften 149 und 249 bei 
Home y er d. Hb., sondern nach der Vorrede (wie in diesen Hand- 
schriftenj und der Bitte um Xaehsieht folgt ^.158 Imr^eatU grmae 
Bpiriius sanetu e. 159 deuM diiigU iuMticiam ei 0b koc ipte dicUwr 
iu$. Deu9 ßoius iuM etc. e. 160 deuM est iudieium (1) ei fud$ 
omnium rerum deuM qui eai etc. and e. 161 duos gladioM ete. — 
Am wenigsten stimmt die rorliegende Cbersetznng mit Xr. 91 in 
Homeyerd. Rb., weicht aber auch Tielfaeh, doch unwesentlich, tob 
denen in Xr. 149 und 249 ab — eine Bemerkung, welche sich nv 
auf die Mittheilungen Home yer*s über diese Handschriften (a. a. 0. 
und im S. Sp.) stutzt , nicht auf eigene Einsieht derselben. Viele 
Abweichungen sind übrigens zweifellos der Unwissenheit and Xach- 
lässigkeit des Schreibers zuzuschreiben; z. B. c. 169. NuUas lieite 
facere debet constüuciones in prhna linea exüten». Ipsef!)eciam 
nuUas lieite facere debet constituciones quas iura provineiaiiü 
feodalia approbata et a sanctis patribua aauxita poBsunt viotare, 
(Hom. I. 3. 3 a. E.), oder c. 170 Neptini vel homicidä nee ta 
hereditate etc. (Hom. I. 4.) Nicht geringer ist der Unsinn in e. 284 
(Hom. I ult) und in vielen anderen Artikeln. — r. 375 (Hom. H 42 
§. 1) beginnt hier wörtlich wie in der versio Vratislav. — e. 222 
(Hom. I 36) beginnt : Mulier cum primum (!) duxerü mariittm ei 
ai puerum pariet ante debitum tempua etc. — Zu Art. H. 72 hei 
Hom. hat hier c. 426 den Zusatz : Nemo expelli debet a possearione 
et suis bonia que poasidet niai posaessio ab eo iniuate (?) ait acqidr 
aita und hierauf: Pro nulla alia noxa villania edificia etc. — I 63 
bei Hom. fehlt nicht in vorliegender Übersetzung, welche aber bei ID 
63 §. 1 auch den bei Homeyer S. Sp. S. 57 angeführten Einschab 
hat. — Wie der Text zeigt auch die Capitelzählung die grosste 
Unachtsamkeit des Schreibers , welcher um 43 Capiteln mehr zählt 
als die vorliegende Übersetzung wirklich hat, nämlich 301, während 
nach der Nummerirung der Capitel 344 vorhanden sein mussten. 
Eben so zeigt sich bei der Rubricirung die unüberlegteste Willkür. 

d) Ohne Capitelzahl folgt: de locis in quibua bedellua citare 
non debet. Nota in hiis locia etc. (Vgl. Verm. S. Sp. lU. 2 diät 
2—7). 

e) Als cap. 60 Sequitur de morticiniia cognatarum. Honeati 
viri in cauaa mulieria repetentia auppellectilia parafornaUa etc. 
und als cap. 61 Vtrum iurati et acabini acieniea aliquod iuramen- 



Beitri^e zur Geschichte des Mngdeburgerr echtes. 343 

tum falsum debeant admiUere — zwei Schoffenweis- 

thümer. 

f) Translacio iuris ex idiomaie theutunico in laiinum. Quarta 
pars libru Deus iudex iustus etc. bis apicibus enodare; cap, 63. 
In principio huius tractatus auctor posult de linea consangwinei- 
tatis. Lineam igitur bis patebit accessus; c. 64 Principium geiiea- 
logie pater et mater u. s. w. bis cap, 237 die versio Vratislaviensis 
des Sachs. Landrechtes bis III 46 nach Homeyer*s Ausgabe; hier 
auf BL 69 bis 104. — Homeyer's Mittheilungen über diese Version 
passen genau auch auf die vorliegende Handschrift derselben. Rubri- 
cirtc Capitel hat übrigens die vorliegende Version nur 78 und findet 
sieh auch bei ihr die schon gerügte Nachlässigkeit des Schreibers. 

g) Auf Bl. 105 Incipiunt iura seu statuta Iclavie civitatis, 
cap. 1 de gloriosorum principum gracia et benivolencia etc. und 
folgt nun bis Bl. 117 in 67 Capiteln das Iglauer Recht, im Wesent- 
lichen übereinstimmend mit der von Tomaschek, d. Recht in 
Österreich, S. 29 fg. und 305 fg. als Urkunde B bezeichneten 
Originalurkunde dieses Rechtes, bis zu den Worten : predicta men^ 
sura novi montis in mefis lanei civium sumat inicium et sie men^ 
suram obtinebit (a. a. 0. S. 323). Die vorliegende Handschrift 
weicht von dem bezeichneten Abdrucke oft ab, zumeist aber vermuth- 
lieh wegen Unachtsamkeit des Schreibers. Es finden sich Aus- 
lassungen, unrichtig geschriebene Worte, andere Rubriken, Ab- 
weichungen vom Texte. Nur einige, die vielleicht nicht der Eigen- 
mächtigkeit oder Liederlichkeit des Schreibers zuzuschreiben sind, 
mögen hier erwähnt werden. Statt wie a. a. 0. S. 305 Z. 14 v. u. 
ratum erii steht ratum ab omnibus suis amicis habeatur, statt de 
eonsilio aliquorum S. 314 a. E. de consilio juratorum et aliorum 
probarum virarum ut decet; im Capitel de adulterante alterius 
uxoris steht hier : si — victus fuerit sentencie papali subiacebit 
und weiter palam trucidentur (s. Tomaschek a. a. 0. 251 Note); 
der Zusatz sie videlicet bis testantur S. 309 Note 23 fehlt, ebenso 
die Worte vel amicum 315 a. E. — Bei den Worten nolens com" 
parere S. 317 steht der Zusatz si fideiussor voluerit proscribatur 
et de predictis etc. 

h) Hierauf folgt ein ungezähltes Capitel unter der Überschrift: 
Welkierz ciuüatis. de gladio evaginaio seu cuüello tres grossi lati 
consulibus ab omni homine pro pena de gladio sex grossi laii. de 



344 Bischoff • 

cuspide sex gr. L de simplici cambuha II gr. L de »agUta emitsg 
super alium VI gr. l. a vacua mensura cereusie ires gr. L qtd 
inchoat cereuisiam et eam dare non vuU ad civUaiem sed sertuä 
pro hospiiibus suis III gr. l. et bedello pro curso guaiwst 
denarios. 

i) Sodann beginnt auf Bl. 117 unter der Oberschrift Indfü 
breuüogus über de iure valde utilis cap. 68 Locutus est domhm 
ad moysen dicens hec sunt iudicia que propones populo meo. n 
emeris servum etc. cap. 69 de virgine nondum desponsaia. si du» 
xerit etc. bis qui imolat diis occidetur preter domino soli. c. 70 d$ 
pupillis et advensis. Advenam non tristaberis etc. c. 70 (!) Exod. 
XXIII de falso testimonio. non suscipias bis molestus non eris. 
Dieser mosaischen Gesetzgebung folgt v. c. 71 de subieccione iuris 
an von Blatt HO bis Bl. 128 eine durch Ausfall zweier Blätter 
lückenhafte Sammlung von beiläufig hundert und zwanzig Schoffeo- 
weisthömern in lateinischer Sprache. Dem Inhalte nach lässt sieh 
dieselbe m. E. zumeist in den bekannten Sammlungen der Magde- 
burger Schöffenweisthümer nachweisen. Ich betrachte diese ror- 
liegende Sammlung als eine lateinische Übersetzung von beiläufig 
der erstenHälfte (1 — 109) derjenigen Sammlung deutscher Schöffen- 
Sprüche, welche der Codex 170 der Krakauer Universitätsbibliothek 
(bei Hom. Rh. Nr. 132) enthält, und welche hierin als Urtheile der 
Schöffen des deutschen Oberhofes in Krakau bezeichnet werden. Es 
scheint diese Sammlung in Polen ziemlich verbreitet gewesen za 
sein. Ich finde vielleicht Gelegenheit über dieselbe auf Grundlage 
eines Ossolinski*schen Codex i), worin sie vollständig und be- 
trächtlich erweitert enthalten ist, genauere Nachricht zu geben. — 
An das letzte Weisthum (c. 190) der vorliegenden Sammlung 
schliesst sich unmittelbar und ohne besondere Rubrik der nach- 
stehende geringfügige Rechtsfall an, dessen Mittheilung hier gestattet 
sein dürfte, da m. W. noch kein Spruch derLemberger Schöffen 
veröffentlicht wurde. Quidam arestat siliginem apud quendam tu 
habitaculo suo cum scabinis, dicens esse suum frumefitum. Heus 
inculpatus remisit se ad suum intercessorem. Responsum iuris de 
leopoli. Ex quo inculpatus non est arreptus in manifesta accione 



^) S. über denselben Wissoiewski, Hystoria liter, pol. V. 165. 



Beltri^ zur Geschichte des Magdeburgerrechtes. 345 

furti ei non in fuga deientus est sed siligo est in habitaculo 
inventa et idem inculpatus remisit se ad intercessorem suum^ ex 
tunc ipse potest potiore iure devenire ad interceasorem suum 
quam querulans eutn per simplicem suatn assercionem in furticinio 
passet convincere, presertim ex eo quia una siligo alteri similis. 
iuris ord. med. 

kj Auf Bl. 128ft Sequitur de proposicionibus actoris et respon" 
sionibus rei, Beispiel einer Gerichtsverhandlung über Injurie und 
Friedensbruch. Am Ende steht: pro fine isto sit laus et gloria 
Christo, Expliciuni libri iuris Mendeburigensis et Saxonum con^ 
firmata ab Ottono Cezare. finita et scripta per manus cuiusdam 
Nicolai derlei Gneznensis diocesis notarii publici amolphiadis de 
Glawno anno domini MCCCCLXXXVIII» die veneris XV» mensis 
februarii (feria VI ante carnis priuium) in Appathaw ciuitate 
egregia percunctantis. 

l) Auf Bl. 129 i bis an das Ende der Handschrift Bl. 132 
stehen Lebensregeln für Edelleute, Bischöfe u. s. w. 

In der Handschrift kommen einzelne polnische Worte vor. 
Dies der Inhalt und die äussere Beschaffenheit des Codex lassen 
kaum bezweifeln, dass derselbe für eine polnische Stadtgemeinde, die 
nach deutschem Rechte lebte, bestimmt war. 

vn. 

Nun endlich komme ich zur näheren Betrachtung des im oben 
beschriebenen Krakauer Codex enthaltenen Weichbildrechtes. 
Ich lasse zuerst dessen Collation mit den nächstverwandten Quellen 
folgen, wobei das M. Breslauer Recht mit B, das M. Görlitzer 
T. 1304 mit C das Weichbild in der Ausgabe von Daniels 
und Gruben mit (F, das in Mühler*s d. Rechtshandsehritten mit 
iV, das von Wilda im rhein. Mus. VII.-34S fg. veröffentlichte mit 
K Böhme's dipl. Beiti*äge mit Böhme, das Weichbild im Krakauer 
Codex 169 mit Cr, das hier in Rede stehende mit C bezeichnet und 
jede erheblichere Abweichung von den verwandten gedruckten Texten 
angegeben werden wird. 

1. // beginnit sich wichbilde recht das keisir otte der rote 
czu medeburc bestetegte nach der clugistin vnd der wiczegistin 
rate von dem lande dvn spricht, (roth). 



346 Bisch off 

(^Initial fehlt) Eiser otto der rote der stifte den tum ezu 
meideburc. vnd gap den steterin wichbilde recht, noch irre VfUle- 
ktir vnd noch der wiczegisten rate* Do wrden si czu raie das n 
korin scheppin vnd ratman etc. 

B. (1) 2—4; vber Meynkoufn. a. fehlt. G. 1. Cr. 1. 

2. von den hokin ab si missetun. 

Di do etc. . . ettewas an der burc (t) der stai etc. stimmt 
im Wesentl. mit G 2 bis ane der Ratmann ürlob — Cr. 2. 

3. von eleinin masin 

G. 2. Ende : von Ob Scheffele etc. — Cr. 3. 

4. Von dem voit dinge. 

Der hoiste richier. der do czu meideburc gerichie netU da» 
ist der burcgreue der siczit etc. 

G. 3. n. 4 inü. — andirs nimant. — Cr. 4. 

5. vonnotyndlagevndheymsuche. 

G. 4 V. Not vnd läge und 5. Es fehlt aus G. : der Schuliheize 
gewette achte Shülinge. — Cr. 5. 

6. von des schultheisin dinge. 

. . . Zwelftin tage czu winachtin . . . vs Ugin. Des schult" 
heissin gewette sin acht Schillinge. Des schultheissin dinc enmae 
etc. . . . hanthafte tat. Der schultheisse sol auch habin den ban 
das ist di gewalt von des. 

G. 6. Cr. 6. 

7. von wnden. 

G. 8. bis also Recht ist. Dann kommt noch : Gewinnit ein man 
einen kamp vm eine wnde. vnde vichtit her sege. is get ieme an 
di hant vm einin totslac an den hals. — Cr. 7. 

8. von der not vnd strit. 

G. 10. bis nieman en sach. (Böhme, VI. 123) Cr. 8. 

9. von dem geriehte vnd von des gastis schult 

G. 7. hat mehr: dar bedarf man zweier Schepphen zu. Cr. 9. 

10. Von dem gewndetin manne des clagc vbcrnachtit 
G. 12. Cr. 10. 

11. wer do richtit vbir di heymsuehe vnd not 

Not vnd läge vnd heymsuehe richtit der burcgreue vnd andirs 
nimant. Tut ein man etc. 

G. 13 abweichend etwas: es fehlt in C: oder noteget bis 
Maget; dann nach schreiman hat C: selbsibende einer nakebure 



B«itrige s«r GMchiehte d^s Mag^debirg^errechUs. 347 

vnd mac her di tat bewUin ah reckt ist etc. — kaU. En üt do 
abir kein kanthafte tat di bewisit si etc. — Cr. 11. 

12. von dem der vil wndin hat. 

6. 14. in C fehlt: nuic her vorvesten und am Ende hat C: 
menUch selb aebinde. — Cr. 12. 

13. von dem yersaeztin gute. 
Uarseczt ein man kaufschacz etc. 
G. 73. vgl. 16 m. — Cr. 13. 

14. Yo^ dem manne der ein wip nimt. (Cursiv aber 
roth: von morgüigobe). 

G. 20 in C fehlt: Morgengabe behelt das Wip etc. — selbe 
sibende. Dagegen hat Cnach: rade: wolde man der vrotvin mor^ 
gingabe brechin si beheldit si mit manin vnd mit wibin di do czu 
kegen worte warin selb sebinde, hat der man adir das wip kinder 
swas etc. — Cr. 14. 

15. Von gevronetir gewer. 

G. 16 init. — C. hat gewer gefronü wirt mit rechtem vrteilin 
in gehegetim dinge binnen wichbilde etc. — Cr. 15. 

16. von vergebenim gute in gehegetim dinge. 

G. 15 bis enpfurin muge. G. 23, C. hat wol vorseczin mit den 
dincluten. Cr. 16. 

17. von dem vergebenim gute in sichbette. 
G. 24. Cr. 17. 

18. von verbrudertim erbe. 
B. 20. G. 26 f. Cr. 18 init. 

19. von dem rate, (sie) 
G. 26 in. B. 22. Cr. 18. cont. 

20. von gäbe in gehetim dinge. 
B. 23. Cr. 19. 

21. von clage vme schult. 

B. 24. 25. C hat mehr nach: sin hus: do Iwingit her in meie 
das he geide di schult vnd das gewette. vnd hat he der gewer 
nicht der richter tut in czu banne etc. Cr. 20. 

22. von betevart. 
B. 31. Cr. 21. init. 

23. von dem geczuge. 

B. 26. C hat: mac he kisen dri vircen nacht etc. Cr. 21 cont. 

24. von den beschuldenen scheppin. 

SiUb. d. pUl.-hift Cl. L. Bd. IV. Hft. 23 



348 Bischorr 

B. 32. 33. Cr. 22. 

25. Ton sune vnd oruede. 

B. 34. 35. 36. Cr. 23 init. et med. 

26. von sune vnd were brechin. 

B. 37. C hat hals statt houbit und am Ende : ab die wnde nagik 
tif isi vnd gledis lanc. (Tie ne mugj etc. fehlt in C.) hierauf: B. 38. 
C hat aber Gewinnit ein man etc. Cr. 23 eont. 

27. wi der vater den son vsezuit. 

6. 75. C beginnt: Eyn unbeacholdin man an sime reckte 
binnin wichbilde mac etc. und schliesst : des mus sich der vaür 
allir irst vnschuldigin, Cr. 24. init. 

28. von verdintim lone. 

6. 74 bis zu behaldene. Das E. fehlt in C. — Cr. 24. cont 

29. Von schult vmme tranc. 

G. 74 Schluss und dazu : do iener keine were an betoinn noek 
beczugin mac. Cr. 24 fin. 

30. von gäbe vor gehegetim dinge. 

G. 34; in der 2. Hälfte hat C eine, wie es scheint, bessere 
Satzfolge. Cr. 25. 

31. noch des mannis tode nemin dis sin erl^en. 

G. 38. Abweichgn. v. G. sie vas. waschkessil. erin tappe, 
und Zusatz nach erbe: nnd alle mastswin horin czu der musteile, 
do man mus gebit. vnd alle gehouele spise, di binnen dis mannis 
geweren sint. vnt alle kufin di ledic sint. di musteil nimt des 
mannis wip. vnd nicht ir neeste spinne. Cr. 26. 

32. von der vorclage einis gewndetin mannis. 

B. 53 nicht ganz genau. C fangt an: Wndit ein man den 
andern vf der vrien strase. an notwere sinis libis vnd etc. Cr. 27. 

33. von den di sich wndin. 

B. 54. Die letzten Worte in B nach wichbildes rechte fehlen 
in C. — Cr. 28. 

34. von der verminnetin sache. 
G. 79. Cr. 29. 

35. von wndin. 
G. 70 = 29. Cr. 31. 

36. von der vorclage. 

G. 30 ; in C fehlt oder dem vroneboten. Cr. 30. 

37. Wi man clagin sulle vbir einen geuangenen man. 



Beilrige zur Getchichte des Magdeborg^errechtes. 349 

üeii ein man den andern der im einen neesten getelinc ge- 
ngin hai adir in seibin geumdit hat in einir hanthaften tat vnd 
'engit her in vor gerickte mit get^uße. vf den sal di clage alstis 
ffn. Herre her richter ich clage gote vnd vch. das dirre selbe 
an den ich geuangin habe etc. Vgl. G. 9. Cr. 32. üfenb. 73. 

38. von wndin. 

N. 42. Cr. 33. In C fehlt vnd komen — gelobet. Am E. hat C 
!D Zusatz: wen das messir ein duplich mort ist. ab si beide in 
r hanihaßin tat mit gerufte vor gerickte bracht werdin. 
gl. G. 8.) 

39. TOD wndin. 
N. 43. Cr. 34. 

40. von gewndetin mannin. 
N. 44. Cr. 38. 

41. von wndin. 

N. 45; in C fehlt: das zweite: wan czu dem dinge und he in 
uze in denne kemplichen an. C hat in gehegtem ding einin 
nifirede in C fehlt imme di wunden und das da-gelobit worde. 
.36. 

42. von wnden do der man abestirbit. 

N. 46. G. 71. C weicht von beiden etwas ab und lautet am 
de: Enmac he siner geczuge nicht gehabin czu hant. her gc" 
imü is tac dri vircen nacht, dar undir mac her kisin vircen 
ehi »welche her wil. Cr. 37. 

43. von der gewerunge. 
N. 53. Cr. 38. 

44. Yon deme dibe. 

N. 54. In C steht nach des tagis: der vnbesprochin ist und 
\izit:dit. Cr. 39. 

45. von clage vm erbe adir aneual. 

G. 35. N. 50. . — C weicht von beiden etwas ab. Der Schluss 
tct: Wirt im abir bruch an den g ewerin ienir behelt sin eigent- 
k^ gewere an dem gute, wen iclich man beheldit sin erbe eigin 
r denne ein ander gekouft eigin adir gesaczcit eigin adir gegc" 
eigin adir cinsgut. — Am Anfang hat C . . . von sinem vatir 
i von siner mutir vnd von einim andern sinen voruar vnd das 
im ienir mit vnrecht vorhalde etc. Cr. 40. 

46. von erbe cinse einis gotis husis. 

23* 



SrtO Bischoff 

N. 49. Cr. 41. 

47. von geczuge ymme eigin adir ymme schult 

N. 51 bis luie su Dann hat C. noch: ab is vor gerichte nieU 
gesehen ist, wie G. 78. Cr. 42. 

48. von virgoldenir schult. 

N. Sl. Ende. C stimmt genau mit Cr. 43. 

49. von dem der eine witwe nimt 
Genau me Cr. 44. Vgl. N. 48. G. 77. 

50. von vergebenim gute in gehegetim dinge. 

G. 21 = 76. Gibt ein man sinem wibe. vnd sinen kindem gut 
in gehegetim dinge, adir der vrowin czu irme libe mit erbin geht» 
adir noch sweme her is gibt bi sime gesunden libe. mit erbin gelof. 
vnd wirt do ein recht vrede vbir geworcht, vnd gibt her damaA 
an dem gute ymande icht. Jenir dem di erste gäbe gegebin ist. 
der mac is wol wedir reden mit rechte ob her wü. vnd ab her is 
geczuc hat an dem richter vnd an den scheppin. das in di ersk 
gäbe gegebin si adir wrde vor dem richter vnd vor den scheppin 
mit erben gelop. binnin iar vnd tage so en mogin si is nicht ent' 
redin ab is iene geczuc han. Cr. 4S. Die Übereinstimmung mit Cr. 
ist offenbar genauer als mit G. 

51. von gäbe des mannis dem wibe. 

G. 22. (C weicht etwas ab.) § 2 beginnt: Ist is abir beide 
gebu vnd tmrcz des mannis eigin gewesin. so brichit is etc. Die 
Satzfolge ist anders. C schliesst mit: Hat ein man koufschacz oder 
varinde habe das he mit dem gute gekouftt habe, das in angeerbit 
is von sinem vatir das enmac he sinim wibe nicht gegebin. wen 
in gehegetim dinge, vor dem richter vnd vor den scheppin. Cr. 46. 

52. von dem lasse. 

N. S7 und dazu den § 3 etc. W. 49. — Cr. 47. 

53. von der vsgeradetin tochtir di ein kint treit 
Stirbit ein man ane erbin. vnd hat her eine tochtir vs geradit. 

bi sinem libe di einen sun hat der sun nimt billichir des eldiruatir 
erbe ab her im ebenburtic ist. denne das gerichte. das gerichte. 
nimt abir sin gewette (!). Vgl. Cr. 48. 

S4von geczuge vmme valsch vnd vmme wndin. 

N. S6 ; — C hat den Zusatz : vnd ab di hanthafte tat mit dem 
manne vorbracht wirt. Cr. 49. 

55. von der kindir Vormunde. 



Beitri^e zor Geschichte des Magdeborgerrechtes. 351 

G. 37. Genau Cr. 50. 

56. von geczuge vm vngerichte. 

Böhme VI. 122. Von clage allirhande ungerichte, 123 von 
vngeczuge in hanthaffter tat und 1. e. Von frawen notclage. — 
C weicht unwesentlich ab^ namentlich in der Satzordnung am Anfg. 
Cr. 51. 52. 

57. von derclagevfeiningeuangin man vor ge richte. 
Cr. 53. — C hat rede statt rede, heinman statt heinrich, nach 

wandil: vnd ab ich in an keinin dingin versume, ab her sich des 
ichi irholin muse mit mir adir mit einim andern. Swenne im das 
toandil etc. Am Schlüsse fehlt hier: man veruestit si. kumen abir 
si vor. 

58. von der clage vbir einin dip adir vbir einin 
roubir. 

Uffenb. 76. Hierauf: Alsus clagit man ouch vbir einin wege- 
lager. vnd sprichit. Hi stet cunrat vnd clagit vbir heinrich etc. 
Uff. 74. — V. Cr. 54. 

59. TOD der vrowin rade noch des mannis tode. 
wie in Cr. 55. 

60. Ton dem kemplichin gruse. 

B. 64 Anfg. bis sines vridebrechers. Hierauf steht (roth): 
hoc capitulum continetur in iure quod dicitur lant- 
recht Vgl. Cr. 56. 

61. von von burgeschafi 
B. 52 genau. Cr. 62. 

62. von dem der mit stebin geslogin wirt. 
B. 39. C hat brun werdin adir bla. Cr. 63. 

63. von dem verstorbin erbe. 
B. 41. Cr. 64. 

64. von gemordeten lutin. 
B. 42. Cr. 65. 

65. von dem der do swerin sal. 

B. 43 C: Ab ein man dem andern swerit vor gerichte. her 
mus wol of legin vnde abe nemin ane vrlop das her do mite nicht 
vorbusit. Cr. 66. 

66. vor der'ansprachunge. 

B. 44. Cr. 67. In C fehlt der letzte Satz von B : Unde swene etc. 

67. von dem der nicht clagen wil. 



352 Bischoff 

B. 46. Cr. 69 C steht am Schluss : clagene vbir sinin mUuL 

68. von des mannis gute der veruestint ist adir 
vertcrbit von geriehte. 

B. 47. Cr. 70. 

69. von ynuergebenem gute noch des mannis tode. 
B. 48. Cr. 71. 

* 70. Von Vormunde kisin einis kindis. 
B. 49. Cr. 72. 

71. von eiginschaft vnd vriheit 
B. 50. Cr. 73. 

72. von der clage vrome topil spil. 
B. 51. Cr. 74. 

73. von vs cien vs der veruestenunge einis mannis. 
Cr. 75. C ist mangelhaft, hat geiiangin ; fehlt he en mage — 

besweren. 

74. von virdintim lone des knechtis das he gewin- 
nit vf den herrin. 

B. 77. Cr. 76. 

75. von clage mit geezuge vmme gelt. 
B. 78. Cr. 77. 

76. von der gewer was di bedutit. 

B. 79 (C beginnt: Ist is das ein man etc. und zu Ende: vnd 
man auch dar vbir di clage nicht mer gebesaerin en mac, (Diesen 
Schluss hat auch G. 106.) Vgl. Cr. 78. 

77. von der clage vmme gelt in des burcgreuin 
dinge. 

B. 1895. 1. 2. Cr. 80. 

78. von dem richter vnd von sime gewette. 
3. 4. Cr. 81. 

79. von dem gevronetin gute. 

5. (C hat wisaenschaf vromir lute.) Cr. 82. 

80. von gut ansprechin adir pfert. 

6. 7. (aus 7 fehlt in C unde des Steverers — Heiligen.) 
Cr. 83. 

81. von clage nach totir hant vmipe gelt 

8. Cr. 84. 

82. von der vorclage einis gewndetin mannis. 

9. 10. C hat den Zusatz: wirt aber beide vatir rndeanbe* 



Beitrige sor Geschichte des Magdeburgerrechtes. 353 

clagü tm ein vngerichie. so mus sich der vatir allir erst erüschul- 
digin des vngerichtis. Cr. 85. 

83. von der begriffin vrowin in einir hanthaften tat. 

11. Cr. 86. 

84. von czweirleie kindir einis mannis. 

12. Cr. 87. 

85. von dem beseholdin scheppin. 

13. Cr. 88. 

86. von burgeschaft vmme totslae vnd vmme wndin. 

14. 15. Cr. 89. 

87. von dem strite der do gesehit tagis adir naehtis. 

16. Cr. 90. 

88. von vorsprechin czu betin. 

17. Cr. 91. 

89. von den schafin nach des mannis tode. 

18. Cr. 92. init. 

90. von eilende swerin. 

19. Cr. 92. contin. 

91. von eidin vor gerichte gelobit. 

20. Cr. 93. 

92. von den kinden di nicht Vormundes habin. 

21. Cr. 94. 

93. von erbe abe czunen adir abe buen. 

22. Cr. 95. 

94. von der burger rechte czu meideburc. 

23. Cr. 96. 

95. von der irrunge vor dem dinge. 

Anfang wie in Cr. 97. dann wie G. HO Mitte von: tut her das 
etc. bis: do hat der ricktir sin gewette an, C hat: voitding. Dieser 
Artikel stimmt mit Uffenb. Einleit. XI. 

96. von dem schultheissin ab her imande irrit. 
Uffenb. Einl. Xffl genau. — Cr. 98. 

97. von dem voite der nicht rechte richtit. 
Uffenb. Eid. XIII genau bis gevolget wirt. — (tnit rechten 

urteilen fehlt in C.) Cr. 99. 

98. von clage vmme notunge vnd läge. 
B. 40. genau. (UiT. 28 init.) Cr. 100. 

99. von der heimsuche naehtis adir tagis. 



354 Bischoff 

üffenb. 28 m. et f. genau. — Cr. 101. 

100. TOD der beriehtunge der elage. 

B. 45. TOD ünde gelobit etc. genau Cr. 102. 

101 Ton clage vmme schult vor sinin vatir. 

wie Cr. 103 genau. (G. 28 excL fine.} 

102. Ton einiro Ti das schadin tut 
B. 76. Cr. 104. 

103. von dem der stetere roubit 

genau wie Cr. lOS. C hat aber nach genötigt whrt: adir ge- 
noiigit in gewrü wirt. — U. 69. hat diesen Satz auch nicht — 
S. dasHall. R. T. 123S, § 11. 

104. Ton geczuge Tmme totslac adir Tmme wndin. 
Sal ein man gecztigin vf den andern vmme wndin adir vmme 

einin totslac in einir hanthaftin tat das mus her tun »elb$ebini€, 
nach vredis rechte dennoch ab di hanthafte tat mit dem 
vorbracht wirt. (W. 107.) Tgl. oben Art. 54. 

105. Ton der Teruestenunge Tnd Ton der achte. 
Sp. I. 66. § 3. hierauf Swenne e man einin veruestintin \ 

geuangin vor gerichte brengit den sal der clegir verwindin selbe- 
sebinde. Dann S. Sp. I. 69. mit dem Zusatz: als man vbir ienin 
solde ab her virwnden were. 

106. Ton gewndener dube. 

6. 82 aber abweichend. C lautet: In swelchis mannis hu$e 
adir houe der vnbesprochin ist an sime rechte man eine dube vinäit. 
der wirt der sal is ane schadin. (bleiben) vindit man abir eine 
dube in sime kastin adir in sime kehre, adir in sime kamgademe. 
adir irgen binnin siner beslossin were. den slussil treger sal man 
habin vor einin dip is en si denne also getane dube di man ciu 
eime venstir in gewerfin möge. (W. 89. Görl. Ldr. 35. 6.) 

107. Ton totslage. 

Swelch man den andern totslet vor siner gewer. vnd vhä 
wedir in di gewere. vnd volgit man im vor di gewere. vnd ver* 
burgit her sich bi der gewere vor czu komin czu dem nestin dinge» 
vnd enkumt her nicht sich czu entredin. man viruestit in al exu 
hant vnd verteilit di gewere czu glichir wie als man in oolde ab 
her gevangin were in der hanthaftin tat. man sal is vfhomn. 
(G. 53. B 1295. 14. — N. 75. Anf.) Vgl. Homeyer, ExtraT. 38. 
pag. 253. 



Beitrige %w Geschichte dea Magdeburgerrechtes. 355 

108. Ton Tscien ts der veruestenunge. 

Czui sich ein man vs der veruestenunge vnd lobit vnd seczit 
burgin vor czu kamin czu dem dinge als recht ist. vnd eukumt her 
nicht vor ah her gelobii hat. man tut in wedir in di veruestunge 
als czu dem erstin vnd irteilit of in dem richter das hoiste ge- 
wette. (W. 110. 2.) 

109. Ton Tsgeradeten kinderin. 

Stirbit ein man der kinder hat di vs geradit sin von sime 
gute vnd hat her einin son adir eine tochtir vnbestat. der bestorbin 
ist an sine gute adir eine vs geradete tochtir binnin des mannis 
gewerin. der mac wol sin gebude verkoufin mit der mutir willin 
ane der kinder gelop di vs geradit sin von sime gute. — 6. 80. 

110. von clage Tmme gelt. 

Nu horit vmme einin man. den man vmme gelt beclagit bin- 
nin wichbilde der vngesessin ist adir keinin bürgen gehabin mac 
vnd des geldis bekennii. den sal man ieme antwortin bi der hant. 
§ Ist ienir ein gast dem der schultman geantwortit wirt. her sal 
in mit im wrin ab her wil. adir behaldin in dem gerichte her mus 
burgin seczin das her in wedir antworte vnvirsterbit an sime libe 
vnd an sime gesunde, enhat her der burgin nicht, her sal in binnin 
wichbilde in des rieht eris huse behaldin mit also getaner hafte 
das her im nicht entlaufe, mit einir heldin mus her in wol span- 
nin andirs endarf her in nicht pingin. § Räuber vnd dibe di 
mit not in der vronm gewalt komin. di sal man pinigen vnd span- 
nin vnd in di vrone gewalt brengen. (W. 27 § 4 N. 77. G. 98. 
SSp. m. 39 % 1). 

111. von der clage ymme gelthafte schult. 
Sprichit ein gast den andim an vor gerichte vmme gelthafte 

schult der enkeii her im mit siner vnschult als recht ist mit sin 
einis hant. ienir der brenge denne sinin geczuc vf in. (G. 25 Ende. 
N. 88. W. 67.) 

112. Ton der Judin eit. 

Wasserschieben D. Rq. I 126 cap. 98. 99. In C steht nach 
gras: das do vor nicht enwas; statt himmelische: hellische ^ statt 
zalezstein: salczsule; nach tafelin: vnd das dich alle di schrift di 
gesehrebin ist in den wnf bucherin moysi u. s. w. bis sine gewal- 
tige gotheii amen. S. Cr. 106. 



356 Bitekoff 



vm. 



Die vorstehende Vergleichung zeigt unverkenobar die aufliad- 
lendste Übereinstimmung zwischen C und Cr. aber auch bedeutende 
Abweichungen und Eigenthümlichkeiten des Codex C. 

Ich bemerke zuerst die Abweichungen. Am meisten ßlltauf, 
dass C die Artikel 107 bis 112 Cr, den Art 6 bis IS des Sachs. 
Weichbildes entsprechend, nicht enthält und an deren Stelle acht 
eigenthumliche Artikel (104 bis 111) einschaltet, welche zwar 
sämmtlich dem sächsischen oder Magdeburgerrechte aogehören, abtf 
— mit Ausnahme des Art. 109, der in richtigerer Fassang den 
M. Gorlitzer Rechte v. 1304 eigenthümlich ist, — m. E. keiner 
der bekannten Weichbildrechtsformen entnommen sind. Das Tor- 
liegende Rechtsdenkmal gehört demnach eigentlich der Claase der 
Sammlungen des Magdeburger Schöffenrechtes an, währeoi 
das in Cr. enthaltene unstreitig der Classe der Weichbildrechte im ^ 
S. angehört; — eine Unterscheidung, die nach meiner Meinung (ir 
die Geschichte des Magdeburgerrechtes nicht jene Bedeutung hat, 
welche man ihr zumeist beizulegen scheint, da die Verbindung der 
doctrinellen Arbeit mit dem Schöflfenrechte oft eine ganz äusserliehe 
ist. — Eine zweite auffallende Eigenthiimlichkeit ist der Mangd 
anderer (7) Artikel von Cr. in C, nämlich der Art 57 bis 61, 68 und 
79. — Andererseits finden sich bei mehreren Artikeln in C eigen- 
thumliche Zusätze, wie bei Art. 53 : Stirbii ein man ane erben md 
hat her eine tochiir vsgeradü bi einem libe di einen sun hai der 
8un 7iimt etc. dessen Parallelartikel in Cr. nur sagt: Stirbii ein num 
ane eiben vnd hai he einer iochier sun der nimii etc. ; — bei Art 56, 
welcher eine Spruchformel mehr hat als die entsprechenden Art. 51, 
52 Cr; femer bei Art. 57 — wie B 74 — eingeschoben die Worte 
vnd ab ich in on keinen dingen versume etc. ; ferner bei Art 76 den 
Schluss wie ihn G hat, während Cr. genau mit B, worin dieser 
Schluss fehlt, stimmt; endlich im Art 103 die Worte adir genoiigii 
ingewrii wirt. — Eine weitere Verschiedenheit zeigen die Über- 
schriften , welche in C durchaus genauer und zum grossten Theile 
auch kurzer sind als in Cr. — Endlich ist zu bemerken, dass in C 
einige der in Cr. enthaltenen Artikel in mehrere aufgelöst sind, wie 
Art. 18, 21, 23, 24, 92 Cr; einmal aber, im Art 66 C. «ine 
Zusammenfassung zweier Artikel in einen vorkommt. Dass in C der 



Beitrage sur Geschichte des Magdeburgerrechle«. 357 

Art. 30 Cr dem Art. 3i nachsteht beruht vielleicht auf einem Ver- 
sehen des Schreibers. 

Bedeutender als die bezeichnete Verschiedenheit ist die Cber- 
einstimmung zwischen C und Cr; der Form und dem Inhalte 
nach. In Sprache und Wortschreibung zeigt sich die grosste Ähn- 
lichkeit, selbst die Artikelanzahl ist in beiden dieselbe. Der Inhalt 
von Cr. findet sich, bis auf den einzigen Artikel 68, vollständig, 
grösstentheils wörtlich und fast durchaus in derselben Ordnung in C 
wieder, soweit er nicht bereits an einer früheren Stelle im Codex C 
vorkommt So fehlen zwar wie oben bemerkt wurde, die Art. 57 bis 
61» sie finden sich aber in dem vorstehenden sächs. Landrecht und 
der Schreiber von C deutet dies ausdrücklich beim Art. 60 an. Der 
Art 79 Cr. fehlt eigentlich nur an der entsprechenden Stelle, denn 
er findet sich inhaltlich im Art 56 C bereits vor. Die Art. 107 bis 
112 Cr. stehen, wie dies bei der Beschreibung des Codex C 
angegeben wurde, gleich am Anfange desselben nach der Chronik 
Ton der Welt Beginn. Der Mangel von 13 Artikeln von Cr in C ver- 
liert durch diese Erkenntniss seiner Ursache die Bedeutung, welche 
man demselben sonst bei der Beurtheilung des Verhältnisses zwischen 
Cr und C beilegen müsste. Die in C enthaltenen Artikel von Cr 
stehen — mit Ausnahme der oben erwähnten Versetzung des Art. 
30 — genau in derselben Aufeinanderfolge \iie in Cr, nur dass der 
Judeneid in C den Schluss bildet, was aber gewissermassen auch nur 
eine Obereinstimmung mit Cr bezeichnet, da — nach Wegbleiben 
der doetrinellen Arbeit der Judeneid auch in Cr den Schluss macht. — 
Die in C enthaltenen Artikel von Cr finden sieh aber fast mit allen 
ihren wesentlichen Eigenthümlichkeiten in C wieder, wie z. B. die 
Art. 26, 27, 37, 43, 44, 45, 48, 50, 53, 55, 67, 75, 95, 103, 105. 
— Es besteht also unverkennbar die grösste Übereinstimmung, die 
nächste Verwandtschaft zwischen C und Cr. Dass diese zufällig ent- 
stand, etwa dadurch, dass verschiedene Verfasser dieselben Quellen 
verarbeitet haben, wird gewiss Niemand annehmen wollen. Ebenso 
wenig lässt sich annehmen , dass Cr. von C abgeschrieben worden. 
Gewiss hätte der Schreiber von Cr die kürzeren und genaueren 
Überschriften in C nicht mit längeren und schlechteren vertauscht; 
gewiss hätte er die in C weggelassenen Artikel in seinen Text nicht 
aufgenommen, da er ja ebenfalls auf das in seinem Codex enthaltene 
sächs. Landrecht verweisen konnte, worin sie standen. Und wie 



358 B lach o ff 

Hessen sich die Auslassungen erklären, die bei dieser Annahme im 
Texte von Cr. stattgefunden hätten? Die Überschriften, die Auflösung 
und Zusammenfassung yon Artikeln, die Zusätze im Text und die 
Anhänge rechtfertigen vollkommen die Vermuthung, dass C älter sei 
als Cr; die oben nachgewiesene Übereinstimmung zwischen beiden 
aber die Annahme, dass C mittelbar oder unmittelbar von Cr her- 
genommen sei, da das zufällige Entstehen dieser merkwürdigen 
Übereinstimmung geradezu wunderbar wäre. Es liegt nahe zu ver- 
muthen, dass C geradezu von Cr. abgeschrieben worden sei. Nack 
den Angaben des Schreibers ist der von mir a. a. 0. beschriebene 
Codex Cr zu Kr ak au für die Krakauer Bürger geschrieben. Im 
Jahre 1817 wurde derselbe vom Krakauer Magistrate der Uni- 
versitätsbibliothek geschenkt. Man wird kaum irren, wenn man 
annimmt, dieser Codex sei stets im Gebrauche des Schöffengerichtes 
der Stadt Krakau gewesen. Als K. Kasimir den Krakauer Oberhof 
errichtete und für denselben Magdeburger Rechtsbucher anordnete, 
da war es wohl das Natürlichste, solche Rechtsbücher vorzuschreiben, 
welche bisher im Krakauer Gebiete wirklich in Übung waren. Und 
wohin hätte um solche K. Kasimir sich besser wenden können als an 
den Krakauer Schöffenstuhl , dessen Codex sonach als Vorlage for 
den des Oberhofes diente? Bekräftigt wird diese Annahme aack 
durch die Wahrnehmung, dass die vom Reichskanzler Job. Lasko 
in seine Statutensammlung aufgenommenen lateinischen Texte des 
sächsischen und des Magdeburgerrechtes sämmtlich auf den Inhalt 
des Krakauer Codex als ihre Quelle hinweisen. (S. unten X). — In- 
dessen so annehmbar diese Vermuthung scheint, ein Bedenken steht 
ihr doch entgegen. Die oben bezeichneten Zusätze in C sind offenbar 
nicht vom Schreiber aus eigener Erfindung hinzugethan ; sie iBuden 
sich in andern magdeburger Rechtssammlungen. Der Schreiber 
könnte solche allerdings bei seiner Arbeit verglichen haben und der 
Codex bezeugt öfters eine sorgfaltige Achtsamkeit des Schreibers. ' 
Allein zu erweisen vermag ich dies nicht Leider war mir eine 
genauere Vergleichung der Terte des sächs. Landrechtes in beiden 
Handschriften, woraus diesfalls vielleicht neue Belege für obige 
Vermuthung zu gewinnen gewesen wären, nicht möglich. Beroer- 
kenswerth ist, dass die Chronik in C früher abbricht als in Cr, und C 
weder die versio Vratislavienais noch das sächs. Lehnrecht enthält 
— Hätte aber der Schreiber des vorliegenden Codex nicht nach Cr 



Beitrige siir Geachichto des Magdeburgerrecbtes. 359 

geschrieben» dann bliebe nur noch die Annahme, es habe ihm eine 
mit Cr. fast ganz und im Wesentlichen durchaus übereinstimmende 
Handschrift yorgelegen, dieselbe yielleicht woraus auch Cr abge- 
sehrieben wurde, also yielleicht der Originalcodex Konrad's yon 
Oppeln y. 1306, oder yielleicht eine durch Zusätze zum Text 
bereits yermehrte Abschrift yon Cr. — Welche yon diesen Ver- 
muthungen auch die richtige sein mag, so yiel steht nach den bis- 
herigen Erörterungen fest, dass — wie oben unter a gesagt wurde — 
das in dem yorliegenden, yermuthlich yom K. Kasimir dem Krakauer 
Oberhof zur Anwendung ubergebenen Codex enthaltene Weichbild- 
recht eine durch Zusätze zum Text und einen eigenthümlichen 
Anhang mehrerer Artikel erweiterte, sonst aber genau übereinstim- 
mende Fassung des yon mir a. a. 0. mitgetheilten Weichbildrechtes 
Cr ist 

IX. 

Die im Krakauer Codex 169 enthaltene Fassung des Weichbild- 
rechtes Cr, jedoch mit Zusätzen yermehrt, findet sich in lateinischer 
Obersetzung (bruchstückweise) in dem oben (VI) beschriebenen 
Codex der Ossolinskischen Bibliothek und wieder mit Zusätzen 
yermehrt im Commune inclUi regni Polonie Privilegium etc. yon 
Johannes de Lasko. Die nachstehende yergleichende Tabelle dürfte 
das Verhältniss der beiden Übersetzungen zu einander und zum 
deutschen Grundtext am deutlichsten anschaulich machen. Dabei 
wird der Abdruck in Lasko (L) als die reichste der zu yergleichen- 
den Formen yorangestellt, die im Ossolinskischen Codex befind- 
liche mit 0, die im Krakauer wieder mit Cr bezeichnet. Zusätze zu 
Cr in oder L werden mit einem Sternchen, Zusätze zu und Cr 
in L oder zu Cr und L in mit einem Kreuz bezeichnet. In fehlen 
wegen Ausfall der Blätter , worauf sie geschrieben waren , die Cap. 
1 — 50 und 87 — 91; 81 und 92 sind nur theilweise yorhanden; die 
in O yermuthlich nur desshalb nicht nachweisbaren Parallel- 
stellen werden daher, um sie yon den durch einen Querstrich bezeich- 
neten Oberhaupt in den betreffenden Texten nicht enthaltenen 
Artikeln zu unterscheiden, durch ein Fragezeichen angedeutet. In L 
sind die Artikel nicht gezählt, wohl aber rubricirt ; der Kürze halber 
habe ich hier die entsprechenden Zahlen hergesetzt. 



360 



Bischoff 



L 





Cr 




Prologus 




«_ 




i 




1 




2 




2 




3« 




S 




4 




4 




5 




5 




6* 




6 




?• 




7 




8 




8 




9* 




9 




10 




10 




11 




11 




12* 




12 




13* 




13 




14. 15* 




14 




16 




15 




17.18 




16 




19 




17 




20.21 




18 




22 




19 




23 




20 




24 




21 




25 




22 




26.27 




23 




28-30 




24 




31» 




25 




32* 




26 




33 




27 




34 




28 




35 




29 




36 


51? 


30 




37 




31 




38-1- 


52.53 


32 




39+ 


54* 


33 




40 




34 




41 


56 


35 




42 


57 


36 




43 + 


58* 


37 




44 


59 


38 




45 


96 


67 




46 


60 


39 





Beitrige lur Getcbielite des MagdeborgerrecUtet. 



361 



L 





Cr 


47 


61 


40 


48 


62 


41 


• 49» { 


63* 
64» 


42 
43 


60* 


65» 


44 


51* 


66'* j 
66*« \ 


45 


52« 


46 


53 


67 


47 


«4-1- 


68« 


48 


55 


69 


49 


56 


70 


50 


57« 


71~74* 


51 


58 


78 


52 


59 


75.76 


53 


60 


77 


54 


6i=:B. 74 


— 


— 


62 


80.81 


56 


63=SSp. I. 69 u. 49 


— 


— 


64iDit 


82 


57 


ODt.r=.B5hmeyi.l43.3.4. 


83 


— 


65 


84.85 


58 


66 


79 


55 


67* 
68* 


} 8ÖC?) { 


59 exe. fine. 
59fiD. 


69 


? 


60 


70 


? 


61 


71 


? 


62 


72 


92? 


63 


73 


93 


64 


74 


94 


65 


75* 


95 + 


66 


76 


97 


68 


77 


98 


69 


78 


99 


70 


79« 


iOO» 


71 


80« 


101 • 


72 


81* 


102« 


73 


82==SSp. III. 6 


— 


— 


8a==SSp. III. 5. 3—5. 


— 


— 


84« 


103* 


74 


85 


104 


75 



362 



Biaeheff 



L 





Cr 


86 


105 


76 


87 


106 


77 


88* 


107« 


78 


89 


108 


79^B6biDeYI.122.7 


90 


109 


80 


91 


110 


81 


92 


111 


82 


93 


112. 113* 


83 


94+ 


113^ 


84 


95.96+ 


114- 


85 


97+ 


UV 


86 


98 


115 


87 


99« 


116* 


88 


100 


117.118 


89 


101 


119 


90 


102 


120 


91 


103+ ) 
104 ) 


121 iait 


92 






105* 


121 CODt. 


— 


106* 


122. 123» 


93 


107 


124 


94 


108 


125 


95 


109 


126 


96 


HO 


127. 128 


97 


111 


129-131 


98 


112 


132 


99 


113 


133 


100 


114 


134 


101 


115 


135 


102 


116» 


136* 


103 


117 


137 


104 


118 


138 


105 


119 


139 


106 


120-133 


140-155 


107—112 



Aus der vorstehenden Tabelle erhellt, dass Cr seinem Inhalte 
nach vollständig in L sich wieder findet, und kaum wird Jemand 
bezweifeln , dass auch die im Ossolinskischen Codex nur zum Theile 



B«itrige mr Getchichte des Magdeburgerrechtes. 363 

Torhandene Version in ihrer Gänze den gesammten Inhalt von Cr 
wiedergibt. Auch die Folge der Artikel ist zum allergrossten Theile 
beibehalten, nur der Art. 67 Cr steht in L früher, der Art 66 später 
und die Spruehformeln finden sich in allen drei Handschriften in 
Terschiedener Ordnung. Der wichtigste Unterschied zwischen Cr 
und den Versionen besteht in den Zusätzen zum Text und in mehreren 
Einschoben oder ganzen Artikeln , welche Cr fremd sind, und dieser 
Unterschied besteht in grosserem Maasse zwischen Cr und L, als 
zwischen Cr und 0. Sonst unterscheiden sich alle drei Handschriften 
Ton einander durch die Überschriften und durch die Anzahl der 
Artikel, indem, abgesehen von den in Cr nicht enthaltenen Artikeln, 
die Versionen mehr Artikel zählen als Cr. Dies zeigt sich namentlich 
bei den letzten, den Art. 6 bis 16 des sächs. Weichbildes ent- 
sprechenden Artikeln (wie dies ähnlich auch im Heinrichauer Codex 
der Fall ist). 

Um das Verhältniss der drei Texte genauer anschaulich zu 
machen, setze ich einige nach der Yollständigen Vergleichung der- 
selben ausgewählte Artikel in ihrem Wortlaut her. Nebenbei findet 
hier auch die Frage über die Beziehungen der Versionen zu C ihre 
Erledigung. 

Der dem Art. 66 Cr (s. a. a. 0.) entsprechende Art. 79 lautet: 
De recepta suppelectile a mutiere ad quam pertineL 
Si mulier recipit auppelectilia ad quod spedant omnes ouea et 
modele et omnia eibaria domestica de quibus vir indiget ad vnius 
anni revolucianem que in sua possessione inveniuntur ad mulier em 
pertinet medietaa. Cum vxor moritur proxima vxoris cognata 
recipit auppelectilia t que debet viro decorare auum atratum vt 
atetU cum oxor aua vixit cum cuaino auum aedile, cum pulminari 
auum atratum cum lecto cuaainia et coldra, auam aedem cum aede- 
tectorio quod aingulia diebua deauper iacuit^ auam menaam cum 
mensali et manutergiOf hec mulier recipit pulmentarin. 

In L lautet der entsprechende Artikel (66) so: De auppel^ 
lectili que ad mulierea pertineant. Si mulier auppel^ 
leetilia (recipit fehlt) ad que apectant ouea: vaacula et capiateria: 
et omnia eibaria domeatica: de quibua vir indiget ad vniua anni 
revolutionem que in aua poaaeaaione inveniuntur : quorum cibario- 
rum medietaa ad mulierem pertinet. § Cum viro vxor aua moritur 
proxima aua cognata recipit auppelectilia: que debet pro viro 

8iUb. d. pkU.-liitt. CL L. Bd. IV. Hft. 24 



364 Bischoff 

8uum Stratum decorare, vt atetit cum vxor sua vixü cum leäo: 
cussinis lintiaminibus : culcUra et tectura sedem etiam suam am 
piäuinari: quod singulis diebus desuper iacuii. 9uam menaam cum 
mensali et manutergio. Hec eadem cognata nuUa recipit pul' 
mentaria. 

Offenbar ist der eine wie der andere Text eine wortliehe 
Übersetzung des dem Krakauer Weichbilde eigentbumlichen 
Artikels; die in L aber doch einigermassen besser als die in 0. 

Der dem Art. 33 Cr entsprechende Art 54 lautet : Quod n 
se duo vulneraoerunt mutuo cultello unus et alter gladio et n 
wlnera vtriusque monomachalia fuerint ille cum gladio 9obiä 
manum ille cum cultello Collum soluet. So weit ist O die Über- 
setzung von Cr. Nun heisst es aber weiter in 0: quia cuUeUu 
furtivam infert mortem. — L. Art. 39 stimmt bis hieher mit 
wörtlich, hat aber noch den weitern Zusatz: et hoc si amho m 
receiäi accione cum clamore ad iudicium fuerint deducti. — Es 
ist bemerkenswerth , dass beide diese Zusätze zu Cr sich in dem 
entsprechenden Art 38 des oben (VII) collationirten Weichbildtextes 
C auch finden wie auch noch andere in den Übersetzungen Tor- 
handene Zusätze zu Cr sich ebenfalls in C finden. So z. B. fugt der 
Art. 58 und mit einigen andern Worten auch Art 43 L zum 
Inhalt von Cr 37 noch hinzu : et si quis suos testes in coniinenti 
habere non poterit terminum ad sex ebdomadus acquirit ex kOi 
sibi eligat vnam quindeiiam quamcunque voluerit» — ein Zusats, 
der sich auch in C 42 findet Die Version L fügt dann noch hinzu: 
in qua facilius potest evadere homicidium methseptimus quam Uli 
cum testimonio ipsum vincere possit. So hat Art. 48 Cr in C 53 
eine weitere Fassung, wie in den lateinischen Texten. Diese haben 
aber dazu noch einen Zusatz, nämlich: Si eciam filiua duxerU 
vxorem tempore vite patris sui et premoriatur patri indivisus a 
sua hereditate ex tunc ipsius filii hereditatem avi recipiunt 
(equaliter cum suis patruis L.) et non filii filiarum. Si autem 
pater filium a se diuiserit pro tunc filii filiorum (in 0: et filiarum) 
in bonis sui aui equalem recipiant porcionem^ sed in hereditatibus 
avie filie filiorum et filiarum iuridice sunt eqnales. — Der Zusatz 
in C 82 zu Cr 85 findet sich nur in L, nicht auch in 0. Der Zusatz 
bei 3 L ist eine Übersetzung der von Homey er (Extravaganten) 
aus C mitgetheilten Extravagante 47 und lautet : Jus enim consulum 



Beltrige ivr Geschichte des Magdeborgerrecbtes. 365 

est cimtati sie prouidere quod Hngiile emdones et in iure mecha' 
nid ei pauper poptdus valeatä aufficere ac sustinere^ quod ipai 
nan efficianiur periuri. — Meine Meinung über das Verhältniss 
zwischen C zu und L ist, dass diese Übersetzungen, un- 
geachtet der bemerkten Gemeinsamkeit einiger Zusätze mit C, 
nicht auf Grund des in C enthaltenen Weichbildrechtes gemacht 
wurden und ich berufe mich zur Rechtfertigung dieser Meinung — 
abgesehen von der auffallenden Übereinstimmung des Wesentlichen 
in Cr, und L — auf dasjenige, was oben (VIII) gegen die Annahme, 
dass Cr aus C abzuleiten sei , geltend gemacht wurde. — Über das 
Verhältniss zwischen Cr zu und L aber scheint mir nach 
allem diesfalls Vorgebrachten kaum zu bezweifeln, dass den Über- 
setzungen, beziehungsweise der älteren, vielleicht nicht Cr unmittel- 
bar, aber doch jedenfalls eine, der in Cr enthaltenen im Wesent- 
lichen gleichlautende, yielleicht mit einzelnen Zusätzen vermehrte 
Fassung des Weichbildrechtes im Krakauer Codex i69 zum Grunde 
lag. Es ist bemerkenswerth , dass auch die übrigen von L a s k o in 
seine Statutensammlung aufgenommenen lateinischen Texte des 
siehsisehen Rechtes, nämlich die Version des Landrechtes und die 
des Lehnrechtes (wenigstens mittelbar) auf den Krakauer Codex 
169 hinweisen. (S. Homeyer S. Sp. L Seite 86 und IL (Lehnrecht) 
1. Seite 85 fg.) — Was endlich das Verhältniss der Ver- 
sionen zu einander betrifft, so erhellt aus obigen Mittheilungen 
einerseits, dass nicht aus L abzuleiten sein könne, man müsste 
denn den Text in für eine kaum erklärliche Verschlechterung des 
Textes in L halten, wozu aber gar kein Grund vorhanden ist; ander- 
seits dass, weil L zum grossen Theile wörtlich mit überein- 
stimmt, letztere Version auf der ersteren ruhen dürfte und demnach 
als eine verbesserte und vermehrte Redaction der im Ossolinskischen 
Codex enthaltenen Version zu betrachten wäre. Selbstverständlich meine 
ich nicht, dass dem Verfasser der Version in L gerade dieOssolinski- 
s che Handschrift vorgelegen haben musste. — Von wem die eine oder 
andere der vorliegenden Übersetzungen verfasst wurde und wann 
dies geschehen sei, lässt sich aus dem mir diesfalls vorliegendem 
Material nicht genauer bestimmen und dürfte eine eingehende Unter- 
suehung aller handschriftlich vorhandenen Versionen er- 
fordern. Homeyer d. Rh. 30 führt drei Handschriften an, welche eine 
lateinische Version der „selteneren** Weichbildrechtsform enthalten : 



366 Bisckorr 

eine Breslauer (91) aus dem IS. Jahrhundert, eine dem Grafen 
T. Dzialynski gehörige (149) ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert — 
Yon welcher Heleel a. a. 0. S. XXVIII fg. eine ausführlichere 
Besehreibung gibt, wonach die bei Homeyer S. 83 angegebeae 
Jahrzahl 143S in 1455 zu verändern ist — und eine Gnesener 
Pergamenthandschrift (249) vom J. 1 359, und bemerkt, dass diese 
(andere) Version des Weichbildrechtes vom Notar Konrad in San- 
domir gefertigt, gedruckt in Lasko*s commune pritnleghun als 
erstes Buch des ius Magdeburgenae vorkomme. Ich weiss nicht, ob 
sieh diese Bemerkung auf eine genauere Vergleichung jener drei 
Handschriften gründet. Auch die Beschreibung des Codex 149 
bei Heleel gewährt keine genauere Einsicht über das Verhaltniss 
dieser Handschrift zu L. Ich vermag daher auch nicht zu bestimmen, 
welche dieser Versionen zu dem Notar Konrad v. Sandomir io 
Beziehung steht. Ist Homeyer's Bemerkung richtig, dann mosste 
der Text in L längstens im J. 1359 fertig gewesen sein; der in 
also, wenn die Annahme, dass L auf ruhe, richtig ist, noeb 
früher. Aus dem Inhalt von L lässt sich, wie mir scheint, kein 
Grund gegen diese Ansicht hernehmen. Freilich fehlt es auch an 
andern positiven Beweisgründen derselben. Oder sollte es der Er- 
wähnung werth sein, das auch die Übersetzung in L „ar^tcii/i repro" 
bati" enthält und daher vielleicht schon vor der auch in Polen 
publicirten Bulle Gregorys verfasst worden sei? — Keinesfalls kann 
Johannes Lasko selbst der Verfasser der in L enthaltenen Über- 
setzung in dem Sinne gewesen sein , dass er den ganzen deutschen 
Text selbst, ohne Benützung einer lateinischen Version desselben, 
übersetzt hätte. Für seinen Antheil an den lateinischen Texten in 
seiner Statutensammlung sind nachstehende Stellen bezeichnend: 
In seinem Vorwort (vor dem ersten Register der Sammlung) sagt er 
selbst am Schlüsse: . . , et nonnullas pro aliis prouinciis eäiiai 
(ordinationes) vt sunt leges cinilis seu iuris Maijdemburgensis, 
quod quidem ius Maijdemburgense etsi imperiali maiestaie Ottonit 
ruffi Cesaris constitutum fuerit, tarnen quia ülud sereniswmiu 
olim Kazimirus Magnus fatetur ad vtilitatem et profectum regnir 
colarum Regis polonie acceptasse illudque reposuisse in the^ 
zauro regni communi vt de hoc privilegium iuris suprend cmMhi 
Crac. perstringitf cuius iuris ac legum ciuilium in opidis et viUis 
Regni polonie ius ciuile habentibus fit practica et obaeruatio^ 



Beitrige zur Geschichte des Magdeburgerrechtes. 367 

iccirco ümaia eiuadetn Serenissimi principis ac domini d. Ale- 
xandri regis glor, pietas* intelligens iura ipsa atque leges rei- 
publice quam communi ac priuaie cuiuslWet iusticie vtiles ei 
perneeessarias , decrueit eas ordine infrascripto c olligere. Das 
heisst doch nichts anderes, als dass der König die Sammlung 
der von K. Otto erlassenen, vom K. Kasimir aber für Polen angenom- 
menen, im königl. Schatze niedergelegten und yon den Ortschaften 
mit bürgerlichem Rechte geübten und beobachteten Gesetze des 
Magdeburgerrechtes rerordnet habe. In der Continuatio decreti regit 
in privilegio communi erklärt der König, dass so wie er unter die 
königlichen Privilegien auch päpstliche Bullen durch seinen Kanzler 
Lasko schreiben Hess, sie etiam constituiiones iuris civilis SaxO" 
niei Maydemburgensis, quarum ipse cancellarius ante prohemium 
privilegii communis meminii, quam vigilantissime de eorum 
Theuionici sHli originalibns libris per cum ipsum Cancellarium 
eagtigatas emendaias et nouis rubricis distincte titulatas inseri 
iusnmus; eas ipscLs siquidem iuris ciuüis constituiiones nusquam 
earrectas et in suis sentenciis integras, ymmo in toto earum tenore 
mciatas et a suis originalibus longe vagantes invenimus. Nirgends 
ist die Rede davon, dass Lasko selbst übersetzt habe. Seine Thätig- 
keit ist bezüglich der deutschen Rechte in seiner Sammlung höchstens 
eine rei^leichende und emendirende, bei welcher , wie von dem 
sächsischen Land- und Lehnrechte, so auch vom Weichbildrechte 
lateinische Texte bereits vorlagen. Dass der Verfasser der Über- 
setzung des Weichbildrechtes in L diejenige Übersetzung vor sich 
gehabt haben dürfte , welche bruchstückweise im Ossolinskischen 
Codex enthalten ist, wurde oben bereits dargethan. Ob aber die 
Übersetzung in L nicht ebenfalls bereits vorhanden war, als Lasko 
seine Sammlung veranstaltete, und ob sich seine Mühe nicht auf die 
blosse Aufnahme dieser Übersetzung in seine Sammlung beschränkte, 
Yermag ich nach den mir bekannten Handschriften nicht zu bestimmen. 
Fasst möchte ich dies vermuthen, da der Mangel der dem Weichbild 
im Codex 168 (C) angehängten Artikel in L — die oben 
behauptete Bedeutung dieses Codex als richtig angenommen — kaum 
zu erklären wäre, wenn Lasko bei seiner Sammlung die deutschen 
Originaltexte wirklieh zu Rathe gezogen hätte, obgleich einige nur in 
L vorkommende Zusätze zu Cr. auf eine Benützung von C, worin sie 
sich ebenfalls finden, hindeuten, z. B. bei L. 39. 96. — Die Bemer- 



368 Bischoff 

kungen HelceTs a. a. 0. S. XLIV über eine lateinische Version des 
Weichbildrechtes, welche ein von ihm beschriebener Papiercodex 
vom Jahre 1472 beiläufig, dem Grafen T. Dzialynski angehörig, 
enthält, sowie die a. a. 0. S. XLY über eine in einem Petersbürger 
Papiercodex v. 1463 enthaltene Version des Weichbildrechtes 
gewähren auch leine genauere Kenntniss von der Beschaffenheit 
dieser Übersetzungen , von ihrer Entstehung oder ihren Verfassern. 
— Das häufigere Vorkommen dieser lateinischen Weichbildrecht»- 
texte in Polen dürfte die Vermuthung rechtfertigen » dass die Ver- 
breitung dieser „selteneren** Form des Weichbild- 
rechtes in Polen vor und nach der Gründung des deutschen 
Oberhofes nicht gering war <) ; eine Vermuthung, die durch den 
Umstand, dass diese Weichbildrechtsform dem Krakauer Oberhofe 
vom K. Kasimir zur Anwendung übertragen wurde, nicht wenig 
bestärkt wird. Kaum hätte Kasimir diese Form acceptirt, wäre die- 
selbe nicht die gewöhnlich gebräuchliche gewesen; hatte er sie aber 
einmal dem Oberhof als Richtschnur vorgeschrieben, dann musste 
ihre Bedeutung und Verbreitung noch grösser werden. In der oben 
erwähnten Continuatio privilegü bestätigt K. Alexander ausdrücklich 
den gemeinen Gebrauch der in die Las kölsche Sammlung auf- 
genommenen Rechtsquellen. Diese Bedeutung ist aber um so hoher 
anzuschlagen als der Einfluss, und wohl auch die unmittelbare 
W^irksamkeit des Krakauer Oberhofes, ohne Zweifel weit 
über das Krakauer Gebiet sich erstreckte. K. Kasimir^s Privilegiuni 
bezieht sich zwar — wie es scheint — nur auf das Krakauer Gebiet, 
und nach demselben dürfte dem Krakauer Oberhof keine andere 
Stellung einzuräumen sein, als den andern in Polen bestandenen 
Oberhöfen (s. Röpell, Verbreit, des Magdeb. R. 286). Allein es 
trafen manche Umstände zusammen, um dem Krakauer vor allen 
andern Oberhöfen Ansehen zu verschaffen. Schon die königliche 
Anordnung geschriebener im königlichen Schatze niederzulegender 
Rechtsbücher für diesen Oberhof, die ich sonst für keinen andern zu 
erweisen vermag, mochte demselben ein natürliches Übergewicht 



^) Merkwürdig ist, dass bereits im J. 1535 rom K. Sigismund eine neue Uberteteuf 
der d. Rechtabficher veraosUltei wurde. 6. G. S. Bandtkie, Hiscel. Cne, boti 
1. »6. 



Beitrige xar Geschichte des Magdeburgerrechtes. 369 

geben. Das BedurfniSs des Rechtszuges von den Oberhofen an einen 
dritten Gerichtshof, worunter nicht nothwendig immer eine dritte 
Instanz zu denken ist , war sicher überall fühlbar. Dass ein solcher 
zulässig war, erhellt aus dem Privilegium Kasimir's und liegt auch in 
der Natur der Sache. Von dem Krakauer Oberhof sollte nach den 
Bestimmungen des Kasimir*schen Gründungsprivilegiums der Rechts- 
zug an den Konig selbst stattfinden, welcher zur Enderledigung der 
Sachen yermittelst Specialcommission zwölf von den appellirenden 
Parteien in gleicher Anzahl aus den sechs privilegirten Städten des 
Krakauer Gebietes benannte Consurn heranzieht. Ob auch für den 
Rechtszug von den übrigen Oberhöfen an den König in dieser oder 
anderer Weise vorgesehen war, ist bisher nicht sicher ermittelt. Ein 
Urtheilsspruch *) der im Jahre 14S0 von einem Obergericht in Posen 
gefallt wurde, lässt wenigstens vermuthen, dass jene Einrichtung, 
wie sie für Krakau bestand, auch anderwärts in ähnlicher Weise 
angewendet wurde. Bestand sie nicht, dann war der Anlass an den 
Krakauer Oberhof um Belehrung oder Entscheidung zu gehen noch 
grosser, und dass man es nun, nachdem ein ständiges ius supremum 
vom König selbst gegründet war, unter Umständen vorzog, sich an 
dieses zu wenden, anstatt, wie man vielleicht früher und nach 
Umstanden auch noch später gethan hat, die Urtheile in Magdeburg 
zu holen, dürfte selbst dann Niemandem auffallend erscheinen, wenn 
der Rechtszug nach Magdeburg auch nicht verboten gewesen wäre 2). 
Aber auch wenn jene Institution weitere Anwendung fand, was nicht 
unwahrscheinlich ist, wäre es nichts Außallendes, wenn die Parteien 
von den Oberhöfen lieber bei dem ständigen, obersten deutschen 



1) Röpell a. a. O. 267 fg. — In der schfitzbaren Zusammenstellung urkundlichen 
Materials für die Geschichte der Oberhöfe in Polen, welche sich hier findet, 
Termisse Ich eine scharfe Unterscheidang zwischen den gewöhnlichen Ober- 
höfen QBd der noch fiber denselben stehenden Instanz, dem tribunal et solium 
noMtre Mäieitatü, wie et im Rasimir^schen PriTÜegium heisst. — Von diesem, 
nicht aber T09 einem gewöhnlichen Oberhof in Posen, dessen Bestand ich übrigens 
nicht bezweifle, scheint mir die angeführte Urkunde Zeugniss zu geben. 

*) Die Stelle, welche Röpell a. a. 0. 265 Note aus einer in meinen Öster. Stadtr. 
77. mitgetheilten Urkunde t. 1510 als Beleg für die Annahme des Bestandes eines 
Obergertchtshofes als AppeUationsgericht in Lemberg anführt, scheint mir anzu- 
deuten, data aus dieser Stadt an ein höheres auswärtiges deutsches Gericht appel- 
llrt wnrde (appellatione» ad üt» teutonicum superius ad quod ex ipsa civitate 
appellare eontuetitj. 



370 Bischoff, Beiträge xar Geschichte de§ Mafdeb fg wree fc te». 

Gericht in Krakau die endgiltige Sentenz suchten, als bei einer tod 
Fall zu Fall durch königliches Specialmandat erst zu bildenden Com- 
mission. Diesen Rechtszug zu verbieten hatte der Konig kaum eiaea 
Anlass. Die Urtheile wurden im Reich geschöpft, die Urtheils- 
gebuhren kamen zur Hälfte in den Fiscus. Und hätte der König 
dennoch den Rechtszug verboten, das Recht um blosse Unterweisung 
und Belehrung beim Krakauer Oberhofe anzusuchen, hätte sich aui 
die Dauer gewiss nicht verbieten lassen. Ist es doch kaum zo 
bezweifeln, dass selbst vom Krakauer Oherhofe, ungeachtet des wie- 
derholten Verbotes, in Magdeburg Rechtsbelehrungen in grosser 
Anzahl eingeholt wurden. Hatte nun aber der Krakauer Oberhof 
einen so weit reichenden Wirkungskreis, wie hiernach zu vermutken 
ist, so erhellt die Wichtigkeit der von demselben gebrauchten ReehU- 
bücher. — Indessen auch wenn diese Vermuthungen weit von der 
Wahrheit entfernt wären, wenn der Wirkungskreis des Krakauer 
Oberhofes wirklich nur auf das Krakauer Gebiet beschränkt gewesen 
wäre, die Wichtigkeit der hier in Rede stehenden Rechtsquellen 
wäre immer noch bedeutend genug, um die Aufmerksamkeit des 
deutschen Rechtshistorikers anzuziehen. Denn wenigstens für die- 
jenigen Ortschaften, welche an diesen Oberhof gewiesen waren, 
musste diejenige Rechtsquelle, wonach der Oberhof seine Erkennt- 
nisse sprach, als Richtschnur und Grundlage der eigenen Rechtspflege 
gelten und die Anzahl dieser Ortschaften war nicht gering (Röpell 
a. a. 0. 246 fg.). Dazu kommt noch der besondere Reiz, den jede 
Untersuchung über das Schicksal eines deutschen Rechtsdenkmals im 
fremden Lande gewährt. Um die volle Bedeutung der Weichbildfonn 
in Cr zu würdigen, wäre übrigens jedenfalls auch noch die Unter- 
suchung darüber nöthig, ob und in wie weit dieselbe im deutschen 
Lande Geltung hatte; eine Untersuchung, für welche mir aber jetzt 
jede Grundlage, jedes Material fehlt, und welche, so wie die Beant- 
wortung mancher von den hier aufgeworfenen Fragen anderen in 
diesfalls günstigem Verhältnissen befindlichen Freunden rechts- 
geschichtlicher Forschung überlassen werden muss. 



Ziagerle, Eioe Geographie vu dem dreizehnten Jahrhvndert. 3 i 1 



Eine Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert. 
Herausgegeben von Dr. Igiai T. Iligerle. 

Professor Dr. Pfeiffer sagt in seiner Einleitung zu den zwei 
zneibüchem aus dem 12. und 13. Jahrhundert: 

«Wer immer Sinn und Empfangh'chkeit hat für das Werden und 
itstehen im Geistesleben der Menschheit, für die historische Ent- 
ckelung der Wissenschaften, wird die frühesten Spuren und Anfange 
rselben stets mit einem gewissen geheimnissvollen Reize betrachten» 
wird die Vergangenheit, ihre Anschauungen und Meinungen über 
»enschaftliche Dinge nicht mit dem Massstabe der heutigen Bildung 
d Gelehrsamkeit messen, sondern sie vom Standpuncte ihrer Zeit 
d im Zusammenhange mit anderen Erscheinungen auf geistigem 
biete als nothwendige Durchgangspuncte aufzufassen suchen**. 
MC Ansicht, der ich Töllig beipflichte, mag die Veroifentlichung 
gender Geographie rechtfertigen. Es ist für die Geschichte der 
twickelung dieser Wissenschaft, wie für die Kenntniss des Geistes- 
ens unserer Vorfahren gleich interessant und lehrreich, die geo- 
iphischen Ansichten derselben kennen zu lernen. Aus den höfischen 
rhtungen ersehen wir manches , was sich auf die geographischen 
ontnisse der damaligen Zeit bezieht. Die zerstreuten Mittheilungen 
d aber nur Fragmente, die mühsam zusammengesucht werden 
säen, und auch dann erst ein lückenhaftes Mosaikbild gewähren. 
I günstiger Zufall hat uns aber ein yollstandiges Compendium einer 
ographie aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Es findet sich in der 
istherrechronik nach der Erzählung vom Thurmbaue in Babel ein- 
lochten. Einzelne Stellen daraus sind bereits verofientlicht worden 
iutisca I, 48 — 69. — Altdeutsche Blätter I, 246 — 250), doch 
ines Wissens nie das Ganze. Ich gebe nachfolgend diesen Abschnitt 



372 Zingerle 

ToHstandig nach der Handschrift des Sentlinger«) und theile die 
Beschreibung der am Rheine gelegenen Städte,*) welche unserer 
Handschriit, wie den meisten der Cristherrechronik fehlt, unter den 
Anmerkungen nach GraiTs Abdrucke (Dintisca I, 62) zur Ergänzung 
mit. Was den Text betrifil, habe ich mich möglichst genau an die 
Handschrift gehalten» nur die jüngere Schreibweise und die Kurzungen 
Sentlinger's habe ich getilgt; die Abweichungen, die ich mir erlaubte, 
sind unter dem Striche zu ersehen. Vilmar schreibt (S. 33), dass die 
Quelle, woraus dieser geographische Abschnitt geschöpft sei, ihm 
verborgen sei. Als Hauptquelle derselben muss die historia naturalis 
des C. Plinius Secundus angesehen werden. Ich will jedoch damit am 
wenigsten behaupten, dass diese die unmittelbare Quelle unsers 
Dichters gewesen sei. Ich habe in den Anmerkungen häufig auf 
C. Plinius verwiesen, um das oftmalige Übereinstimmen unsers Geo- 
graphen mit dem römischen Naturhistoriker zu zeigen. Andererseits 
stimmt unser geographischer Abschnitt oft in so auffallender Weise 
zu Megenberg*s Buch der Natur, dass man glauben muss, dieser habe 
denselben gekannt und benutzt. Aus diesem Grunde habe ich in den 



^) Am Schlüsse der HS. heisst es : „such hat ditz pfich geschriben Tnd rolpracht Raintt 
Sentlinf^er von Mfinchen md ein tail gedichtet, vnd ist gar toI pnichi, do ma 
Salt Ton christes geburd taasent iar drew hundert iar vnd in dem yier md iiewst- 
sigsten iar an der Etsch auf dem Runckelstsin pei meinem herren Nidas dca 
Vintler in dem moned Junius an dem dreizehendem Tag. do was der tag S. Antoaii 
Confer de Padus." Die Handschrift, durchaus von derselben Hand sauber and schoi 
geschrieben, zihlt 305 Pergamentblstter in grösstem Folio. Jedes Blatt enthilt ii 
sechs Spalten 290 — 300 Verse. Die Initialen sind roth oder blau. Das erste Blatt, sowie 
das 215** enthalten Federzeichnungen. Ich habe das ^Bze HS. einer g-eaases 
Durchsicht unterzogen und dabei gefunden, dass es die Cristherrechronik ist ait 
den gewöhnlichen CompUationen, wie auch die Wolfenbüttler Handschrift derselbei 
Chronik Ton unserm Schreiber 1399 gefertigt worden ist: «geschriben an dem Lig 
pel Leippolden dem TinUer* der die weil zollner do waz* (S. Massmann^s Kaiser- 
chronik HI, 179). Die Zuthat des SenUinger fillt nicht in*s Gewicht, denn si« 
beschrinkt sich auf Einschlebung ron Übergingen, die sich gleich durch rohe 
Reime und regeUose Verse kenntlich machen. Wenn B. Weber ihn eines 
»Reimkinstler* nennt (Stadt Bösen S. 238) , so klingt dies, wie der bittersts 
Hohn. — 
') Sie findet sich in der Strsssburger, der Colmarer, der Ulmer und der Zeisbcr* 
gischen Handschrift. Vilmar« die Handschriftenfamilien der Weltchronik Rndolff 
Ton Ems 8. 32. 



Siae Geographie au dem dreizehnten Jahrhandeit. 373 

Anmerkungen auch Megenberg's Werk berücksichtigt. Manche Orts- 
und Volksnamen versuchte ich zu erklären, bei vielen unterliess ich 
dies Unternehmen, weil mir der Schlüssel zur Enträthselung ganz 
fehlte. Mochte ein Kundigerer, der namentlich mit der alten Geo- 
graphie vertraut ist, uns diese dunkeln, geheimniss vollen Namen 
beleuchten! — 



S74 Zimgmrf 



NA hin ich ^sagt» alt ich las, 

dax der geslehte xwei aad sibenxie was, 

dio den tnrn machen beganden 

an den selben standen. 
$. di Ton ieglichem gesiebte beleip 

sin sondrio spriehe« die es treip. 

also wart der spreche 

d6 nich gotes riebe 

xw6 nnd sibenxie in dem lant, 
10. als si noch hiate sint bekant 

ir eins Terstoont dax ander niht. 

an der getit and der geschiht 

wiren dio gesieht dd gar 

scbnldic nnd al die schar 
1 5. mit rii nnd tit algemein, 

wan der guot man Pdeek alein. 

dem beleip ebraischiu xang, 

wan Tor dem tum alt and jang 

die reten niht anders über al, 
20. dann ebriisch. wan si got xemal 

dem liat t erl^ch fon ^rste. 

sie was alein diu horste, 

wan sie xe sprechen began 

Adam Ton ^rst der ^rste man. 
2^. NA dix also was geschehen, 

als ich hie hin ferjehen, 

durch die wandelange, 

dax also manic xange 



1, sedleht. S. die. 5. ^sllcht 6. beiundrew sprach. 7. ward«! der spn 
8. räch. 11. de« andern sprach niht 12. nnd an der. 13. die. 15. r&ten nnd tili 
17. dem selben. 20 snnder mal. 21. erat. 22. die herat. 28. tod erst began. 
der erat. 27. die selben wandlnng. 28. snng. 



Bii« 6«ognp]iie am den dreisthnteo Jahrfaoiideri. 875 

dem Tolk aldd wart erkant» 
30. dl TOD wart der tum Babel g^enant. 

daz wort bediutet sehant. 

BabiUnje wart das laut 

geheiaen ? on der selben diet, 

mit Terirten sangen sie sich achiet. 
3^. wan ir keiner 66 femam 

des andern spriche. dar nich kam 

dio alt, daz sie sieh wolten 

scheiden, als sie sieh selten, 

wan dio gesieht mit Iren schäm 
40. in die lant nü wolten Tam, 

dio sie besitzen wolten. 

d6 sie sich scheiden selten, 

d6 fooren sie in den zften 

in die werlt ze drfn sften. 
4^. sie teilten al die werlt in drin, 

die drin teil nenn ich in. 

daz drste teil hiez Arid 

und daz ander Eurdpä^ 

Affrikä daz dritte hiez. 
50. daz kftnn von Sem sich nider liez 

mit sfnem g^esleht in Aeiä 

and Jiqfbedee kiinn in Europa 

und in Affrikä Cham, 

nd wil ich sagen ron dem stam, 
55. wie in den drin teilen alliu lant 

wiren und wurden genant, 

da sie sich in nider liezen 

und wie sie sider hiezen 

und wie sie nü ferk^ret sint 
60. und wie der gesiebte kindes kint 

sich in den landen märten 

und wie sich ? erkürten 



ai. bedSwiet 34. fieh Ton eis ander 85. do fehit. 37. die. 39. die. 41. die. 
ev. 46. ew. M. sieh !■ aioem n. 5S. sider oaeh in. 60. geaUekt 62. si aieli 



S76 Zia^«rl« 



liate, Bamea ande lant. 

des Back ieh Ib eia teil bekanf, 
65. und wie dia liat, lant and der kint 

gelegen aad genltAret sint 

dai wil ick kie kebeii an, 

DB koert, als ick gelesen kin. 

Von Sem daz kilnne siek sl 
70. nider lies in AM 

mit der diet ond sfner sckar, 

die stn könne brikte dar. 

sfn siben and sweiniie gesiebte was. 

der selben ieslfek an siek las 
75. die besandem inngen, die es spraek. 

dia lant man sie dd teilen sack 

den geslekten nick ir werde 

Af dem dritteil der erde. 

wie nd dia Sanderteiles lant 
80. mit namen worden di genant 

Ton in bf den selben tagen, 

daz wil ick iu kie ander sagen, 

als ans mit rekter wirkeit 

dia gesckrift mit wirkeit seit. 
85. . daz irdiscke paradts, 

daz nick des Wansckes pWs 

Ift, daz ist daz koekste lant, 

daz in dem teile ist genant. 

daz maoz, als ans diu sckrift seit, 
90. . anbAkaft al der mensckeit 

TOD gr6zem arkant stn. 

wan ez kit ein mdr finrfn, 

dia kdck Af durck die IGfte git. 

diu mür daz paradise kit 



63. md. 64. dat. 65. die 69. chfino. 70 in der groMen. 71. mit a 
•einer. 72. chSnn pmcht. 73. seines channes siben. 75. es do. 76. die | i 
77. werd. 78. dem selben. 84. die. 85. irdisch. 86. dem wonsdiet. 87. l 
k&ehest. 88. Uil lant. 90. aller der. 91. Trehnnt. 91. hat minr fewrein. 9a. li 
94. die eelbea | ptradie. 



Eioe Geographie aui dem dreiiehntea Jahrhundert« 377 

9i». ambslozien und umbTangen. 

dar dz kamt gegangen 

Ti^8 ande PMsdn 

Eufrätes unde G^dn. 

dia fier wazzer flieient 
100. df die erde und begiezent 

diu lant und machent mit ir kraft 

die erde fiuht und berehaft. 

zwischen dem paradfse lit 

manic lant und insel wit 
105. unbühaft und in bA erkant 

biz an die bAhaften lant. 

wan in der \iQest und under wegen 

ist fil der lande oed gelegen, 

dar in 86 yil gewQrmes Ift 
110. und tiere, daz ze keiner z^t 

nieman dar in mae genesen, 

noch mit deheinem bdwe wesen 

in den wuesten landen dH. 

daz nächste lant b^m pard2s di 
115. daz ist /n^f^ genant, 

als diu Schrift uns tuot bekant. 

der lande sint gewaltikHch 

driu der groesten kfinikHch, 

der ieman künde ie gewan. 
120. des landes marke hebt sich an 

bi dem gebirge CaucasM^ 

diu ander sundermarke was 

daz rdte mer. dar gSt sin strich 22 A 2. 

und scheidet in der marke sich, 
1 25. diu mit den zilen beiden 

hie ist underscheiden 



97. Tygria und Physon. 08. and. 99. waster die do. 102. erd. 103. para- 
106. lant HO. tier. 111. niemant. 112. chainem paw. 114. nllchst | pei 
•radia alda. 115. Yndia. 116. die. 117. der selben lant. 119. iemant chuon. 
ee aelben I nuireh. 121. gebirg in. 122. an der roareb. 123. dahin. 124.march. 
leo foat. 



378 ZImgtrU 

QQd Dich der wirheit erkant 
westerlialben ist dax lant 
mit eiDem mer betlozsen. 
130. di mit ist ei beg^ozien. 

das mer ist noch genant alsas 
OeeanuM indieuM^ 
als ei biz her an dise firist 
noch fon der schrift genennet ist 
13^. ein insel heizet Proban^. 
dia ift in dem selben s#. 
dia ist fon zehen steten gaot 
rfch and wol mit wer behoot. 
di ist nich wanderHcher gir 
140. samer in dem jire zwir 

in Winter, dl von zaller sft 
daz lant in grflener farwe Ift. 
ez grflenet als der grSene kl£. 
Agifrd and Agyri^ 
145. die zwd grdzen inseln rieh, 

die ligent oach dl wanniklfeh. 
si sint nIch alles wansches kraft 
ze allen zhen berehaft, 
dl naht and tag and alle firist 
150. daz lant angebAwen grQen ist» 
and der erden blQende fruht 
mit grdzer rflfcher genaht 
gebemt die insel allia zil. 
goldes unde silbers tiI, 
llili. des ist mit gr6zer rfcheit dl, 
yil ro^r, dann iender anderswi. 
Daz sint dia lant in Ejuiät 
Bedeliium oach dar inne stit. 



128. wtftorbalb. 133. an die. 134. mit der. 185. die haisi. 140. }0 
141. TBd wiator iwir daron te aUer seit. 148. herhaft. 149. da aelb. 181. I 
aelbea erden plAnden. 154. Tad. 156. indert. 157 lant das da bat. 188. «dir 
lant. 



Bise Geographie aas dem dreizehnten Jahrhondert. S79 

ain edel boam. des edelkeit 
160. ardmatt die fraht treit. 

in eines ölboams groeze gar 

ist er gestalt and gefar. 

6nichiiAs der stein di wirt, 

den oaeh diu art der erde gebirt. 
165. da ligent berge guldhi, 

die nich golde liebten sclifn 

mit wanniklfcbem schfne hUnt 

grffen und traken niemao Islnt 

daz selbe golt gewinnen di. 
1 70. bezzers ist ninder anderswä. 

des uns diu schriflt Urkunde gft. 

an dem selben berge lit 

und stdzet dran fil nihen bf 

die berge montes kaspi. 
175. daz ist oueh ein gebirge grdz. 

mit den und mit dem mer besidz 

Alexander der riebe 

sider fil gewaltikHche 

zwei geslähty daz ein was Gop, 
180. daz ander ist genant Magog, 

diu g^n der werlte endes zil 22 A 3. 

der erde f Cegent kumbers fil 

und w^taom mit herzeleit 

mit forbtikUeber arbeit, 
185. sd sie werdent fiz feriän 

und in daz tor wirt df geUn> 

da sie mit gutes kreften gr6z 

Alexander in fersldz^ 

als ich her nsich sag dsi fan, 
190. sd ich mit maeren kum dar an. 

fil gewaltikliche 

diu selben kunikrtche 



tS. auch perg. ittS. die greiffen | niemant. 170. pezzer gold | oinderL 
cbut. 173. daran | dapy. 177. reich. 178. gewaltikleich. 181. dieseUien. 
i&nt nit hertaem. 188. inn. 189. von. 191. gewaltikleich. 192. chGnikreich. 
. d. phU.-hi8i Cl. L. Bd. IV. Ha. 23 



380 Z i 1 ^ e r I e 

in Indtä habent ? ierzic lant 
fod fieria grdx and mit erkant, 

195. di diu liut and al dia kint 

in maniger lei geschepfet lint. 
Garmänen und Oresias 
die Tint man du and Tdka» 
mit ganzen landen witen 

200. der werlt an allen sften, 

die den höhen luft rQerent 
und diu himels seichen fuerent. 
üf den selben bergen sind, 
als ich ez geschriben find, 

205. boume> die sd hoch st^nt, 
daz sie an die wölken g^nt 
und besenget werdent dl fan. 
dar nich ich gelesen hint 
daz dl sint gesezzen bi 

210. die kleinen Pigmei, 

in kleinem Iibe s^re kranc 
und niht wan zweir dAmellen lanc 
ist daz liut ze aller zit 
urliug hit ez und manigen strit 

215. g^n den kranichen, der daz lant hit fil. 
über drier jire zil 
gebirt daz selbe liut sfn kint. 
als sie dann siben jir alt sint, 
s6 sint sie in ir alter komen 

220. und alliu kraft ist in benomen. 
b{ den der edel pfeiTer wirt. 
als in dan siniu fruht gebirt, 
sd hit er wizer Tarwe sehin. 
fil wilder wurme hCetet sfn. 



195. da selb die. 198. Taackas. 202. die. 209. do. 211. die Uot sia ia | «* 

8^r. 215. wan dat lant hat ir tU. 216. dax selb lewt auch über. 217. fekir« <* 

seinew chind. 218. alt werdent vnd sind. 221. auch wirt 223. Tarb. 224.«*'* 
hAttent. 



Biae Geographie aoa dem dreizehnten Jahrhundert 38 1 

225. bis daz er zitic wirt Brkant. 

80 daz geschiht, sd koment ze hant 

diu liot, als sie sint g^ewon 

und tribent sie mit fiar d4 Ton. 

die slangen grdz, die man di sibt, 
230. die l^ent sie beliben niht. 

di Ton wirt er Ton bitze gar 

gerumpfen ande swarz gefar. 

In der andern Indidy 

di ist ein gegent oaeb aldai, 
235. dar inne sint Hat erkant» 

die Macrohi sint genant, 

gr6z an ir Hb and nibt ze kranc, 

gewabsen zwelf eilen lanc. 

die sint for ndcb gotes gewalt 22 B i. 

340. rebt als ein leo gestalt 

and babent feder and nagel gar, 

alsam ein ar sint sie gefar, 

die TOD den grifen arebeit 

babent, den sie oach grdzez leit 
245. tuont mit manigem stWten. 

in disen landen wften 

nslcb ir landmarke anderbint 

Agrot im und oucb Parte sint. 

Der geloube ist also getdn, 
250. sie geloubent aine wain, 

s6 sie in ir alter komen 

und in diu jugent wirt genomen, 

daz in dann werd ein ander leben 

mit einer andern jugent gegeben, 
255. und rerbrennent sieb durcb daz 

in dem fiure, daz in baz 

naeb ir alter ninwe jugent 

koeme mit üfg^nder tugent, 



tt7. die selben lHai. 232. and. 236. die selben. 237. irem. 242. ala. 

ie selben. 245. streit. 247. lantmarch. 248. Parcz auch da. 250. an. 

ad das. 256. fewr. 257. irm 1 newe. 258. chdm. 

25 • 



382 ZiBgerle 

and ioetent sich durch solhen sily 

260. das sie gejanget werden mit 

und wider niuwe kraft erkant — 
di hi hahent diu selben laut 
ein liuty dax solich site hit, 
daz ir deheiner des niht lät» 

265. guoter und unguoter, 

sie slahen yater und muotery 

sd sie beginnent alten, 

in kreften wider walten. 

ein Wirtschaft machent sie in di mit 

270. swelher dsl Terbirt den sit, 
der dnnket sie gar nngereht 
diu gewonheit dnnket sie sd sieht, 
daz sie die für rermeinet hänt, 
die Täter und muoter leben llnt, 

27 S>. biz daz die selben sterbent 
Yon alter und yerderbent 
Til Hut ouch in den landen ist» 
diu ze spis se aller frist 
rdch fleisch und rdhe Tische h4nt. 

280. solher spfs sie sich begUnt 

und trinkent daz gesalzen mer. 
daz sich daz Hut also erner, 
daz sagt diu schrift der w^rheit, 
diu Ton den selben landen seit 

285. di hi sind ouch besunder 
egesUchiu merwunder. 
diu sint halp mensch» halp tier erkant 
b{ disen landen hslt ein laut 
ein Hut, daz ist tU wunderlich. 

290. dem sint die Tcrsen fQr sich 
gehöret sd sie fQr sich g^nt, 
die ffieze hinder sich in st^nt. 



259. f^lich. 260. ^Qgent werden! damit. 263. sit. 264. chainer. 116.^ 
in. 271. Til gtr. 272. die. 275. also die. 277. auch Ut. 279. ro«kei|r*^ 
Tiseb. 26S. die. 264. die. 266. eagelischew. 267. vnd halb. 2M. tUt.-^iBf^ 



BiD« Geographie aus dem dreizehnten JMhrhnndert. 383 

dfi iiDt sechzehen zlhen an. 

beidiu w!p unde many 
295. Täter, muoter und ir kint 

in soUcher geachefte aint, 

als ich hin geaprochen hie. 22 B 2. 

di bi aind ander liute, die 

oben hondes hoabet h4nt 
300. nihht anders sie gekleidet gint, 

wan mit der tiere hinten. 

diaen selben liuten 

ist menschlich rede nicht Terldn. 

man hoert sie hnndes stimme hin. 
305. ein ander Hut bt dem ouch ist, 

s6 daz wip kamt an die frist, 

daz sie geberen sol ir kint, 

diu kind an ir gebart di sint 

gri und werdent darnach gar 
310. nich griwer f arwe swarz gevar. 

sd sie beginnent elter sin, 

sd habent sie ie swerzern schfn. 

dar nach ir swerze bfschaft gii 

f on des alters ? oller zit, 
315. als uns gebent diu griwen hir. 

di bi ist ouch ein Hut furwir, 

daz iegHch wib ir kint gebirt, 

sd sie f&nf jir alt wirt. 

daz kint wirt dann elter niht, 
320. wan sd man ez gewahsen siht, 

an aht jär ez stirbet 

Ton alter und yerdirbet, 

wan im niht für baz ist gegeben 

alters zit» noch lebendez leben. 



293. eint dana. 294. and. 29$. der kind. 296. geschepff allew sind, 
ohea] aelbea. 302. den. 304. stimm. 307. sollen irew. 308. dann sind. 
grab. 310. graber rarb. 311. si werdent alt vnn elier seinen. 312. so 

awercser sebeioen. 313. ir jugent peschaft geit. 314. wet alten toI chomen 

SIS. TBrai I graben. 321. iar lehant. 



384 Z i B ^ • r I e 

325. als ich ror gesprochen hin. 

mit wirheit and In allen wIn 

sint gesezxen oach dl M 

die wilden Arimaspt 

und onch die Tinstern Gycopes. 
330. bi den sint oach Cenopedes. 

dax ist ein wildex liat, dax hit 

niar einen fuoz, darAf ex gii, 

der ist grdz and alsd breit» 

sd ex sich an den rficke leit 
335. and dax ez ein ungewiter siht, 

s6 mag ez im geschaden niht, 

sd ez den fuoz ob ime hlt, 

der im den regen niht schaden llt 

and oach der sannen hifze. 
340. mit also frömder witse 

daz selbe Hut im selben git 

schirm and schale zaller zft 

die selben liute onch sint 

snell and drite als der wint, 
345. sd in iemer ndt geschiht. — 

bi den ist, als dia wirheit giht, 

gelegen aber ein ander lant. 

die da lantlinte sint genant, 

die sint Ine honbet> 
350. des houptes gar beroubet 

den selben st^nt In lougen 

an der ahsel Tor dia ougen. 

für nas und munt hint sie zwei l(fchy 

Tor an der brast. darzno dannoch 
355. hInt sie yil wanderltchen schfn. 22 C^ 

als ein tier und als ein swfn 



32$. dana | ich ror. 327. so sint. 328. aDÜsinaspy. 329. ainstiin. 330. 
331. newr. 332. als also. 337. im. 339. rnd da pei | biti. 340. wiU. 341. i 
ber g^t. 342. achein | schad se. 345. so in sein not. 348. die di lantlUl dar 
aint. 349. gar an habt 350. und des. 353. für nasen fir Bind kal 
354. Torn. 355. habrat 



Eile Geographie aus dem dreitehnten Jahrhundert. 385 

sint sie, daz sagt dia schrift für yfivj 

wan bAch und brast ist rücb behir. 

di Phisdn fliazet durch daz iant> 
360. daz sd mit namen ist genant, 

di bf ein iiut wonent ist, 

daz lebet keiner genist 

ze sp(se and ze Hpnar. 

sfn spis und al sfn ezzen gar 
365. an eines apfels smake lit. 

ze welher stund, ze welher zft 

sie smeckent dran, sint sie genesen 

und mOezen ror hunger sieher wesen, 

wan sie di mite sieh bewamt. 
370. sd sie TOn dem lande famt 

und ir muot stalt iender hin, 

den apfel füerent sie mit in 

und smeckent dran fPir hungers n6t. 

sd sie siechent und ligent t6t, 
375. sd sint die epfel tdt zehant. 

so ein boeser smac in wirt erkant, 

sd wirt ir lebens ende si. — 

sd grdze wQrme sind ouch di, 

daz sie, sw^ sie die rindent, 
380. ganze birz ferslindent 

und anderr tiere f il in wer. 

die durch swimment di diu mer 

mit grdzer kraft her und hin. 

ez ist ouch, als ich bewfset bin, 
385. ein tier in dem land aldai 

daz ist genant eenocratä, 

daz ist kGen, frevel unde halt 

und reht als ein esel g estalt. 



SSS. \»i ranch gar. 360. also. 363. speis | leih. 364. al fehlt, gar] fOrwar. 
aak. 367. daran. 369. mit 370. lant. 372. si dann. 373. daran. 374. dann 
Ehent 378. sind anch. tot fehlt. 376. tot m, 377. end. 376. grou. 
■wo. 380. ganea hirss. 381. tier. 387. nnd. 



S8tf Z i > g e r t e 

balg ond hoapt ist als dn hin. 
390. alsd ist ex, g^eloabet mirs. 

leon brast ond bein ex bit, 

s6 sint sin föes, darüf ex gat, 

als rosses fuexe gar geiin. 

s{d mand, als icb gelesen bin, 
395. bix an din dren offen stit. 

für allia tier ein stimm ex bit» 

und ein grdx born, dax alle wege 

ist wabs ond snidet als ein sege. 

menseben rede bit uin mant, 
400. docb ist im menseben red unkunt, 

alsd dax nieman sie ferste. 

ein tier daz beizet iaie* 

ist in dem land oncb wonbafU 

nicb einem ros ist sin gescbaft 
405. gestalt und in der groexe wol, 

als ein ros gelicben sol. 

sin boubet und stn wangen 

al sin munt hii befangen. 

diu sind als einem bem erkant, 
410. binden als einem helfant 

ist mit w^rbeit sunder wan 

gestalt sin zagel und gefin. 

ex bit oueb xwei ? il webse born, 23 A 1 

diu sind gelicbet sd der zorn 
415. dax tier begrifet, s4 xebant 

tuot ex werlicben strit erkant 

und rucket in werlicber kiir 

xe wer dax eine bom ber für, 

dax ander legt ex binder sieb. 
420. sdx dann der slag oder der stieb 

gemacbet mued, sd blutet ex dar 

dax ander born fil werlicb gar. 



893. roM foest getan. 897. weg. 398. seg. 407. haobt 4oa «U | ftfM» 
410. ein. 413. wlcbsea. 417. rukt. 418. gen wer. 420. ao es. 481. f0 



Eile Geographie aus dem dreizehnten Jubchundert. 38 • 

alsd tuot ez mit dem hörne sin 

zwifaltic wer mit kreften schfn. 
425. dai kan nieman im erwem. 

Af erd, in wazzer oder in mern 

mag ez beidia tag and naht 

gelich wol wem sich mit mäht 

mit * orhticUchen siten gar. 
430. daz tier ist grdz und swan gefar. 

di sind oaeh wildiu rinder, 

diu beidiu for and hinder 

gebrustet sind and weithir. 

in zomiklieher vir 
435. ir maot g^n allen tieren stit 

der selben rinder iesUch hit 

bi witem mund ein houbet gröz. 

g^n wer Af grimikUchen 8t6z 

ez wehselt siniu beide hom, 
440. 8& ez begrifet rehter zom, 

and tuot fil grdzen schaden di mite. 

ril forhtiklich sint sfn site, 

wan ez fil selten zorn ? erbirt. 

gefuogt ez sich sd, daz ez wirt 
445. gefangen janc in halbes namen, 

sd mac ez nieman niht gezamen, 

and muoz doch stn wilde 

and in wildem bilde, 

daz ez f on nitAre hit. 
450. in dem selben land onch git 
ein tior, hit an dem antlutz sin 

menschen antlatzes schin. 
sin zende sind ouch drifalt, 
als ein leo ist ez gestalt 



423. honi. 425. niemaot. 428. geleich wol mit wernder chraft. 432. die| 

433. fiid weithart. 334. art. 439. wechselt auch. 440. begreiff der xom. 

M taot I mit 442. sit. 444. ob ex sich dann ffigt also das. 445. rnd in. 

fluis es ■iemant. 447. auch | wild. 44S. pild. 449. das selb es | natofr. 

■eaaebeo aitlnts schein. 454. ist sein. 



388 Z i ■ f • r I 



45 o. ei hit ooeh einen sehirfen lagel, 

dar an ein spÜx als ein nagel, 

di mite ei oft schaden tnot 

sfn Tarw ist rdt als ein blaot 

sfn stimme ab slangen wispeln ist. 
460. sin gedoen ist alle frist 

in menschlicher stimme hei. 

sfnin ongen sind im gel. 

ex lonft oach balder, denn mit finge 

dehein Togel gefliegen mnge. 
465. mit menschen fieische ex sich nert, 

dax im xe spfse ist beschert 

swi ex dax bejagen mac, 

dax ist sin bester bejac 

in disen selben landen gint 
470. oach rinder, diu dria hom hftnt 

and rosf&exe sinewel. 23 A 2. 

dia sind oach starc, in mixen snel, 

sd sie beginnent xGmen. 

di sind ooch einhumeny 
475. die in der werlde nieman 

mit mannes kraft betwingen kan. 

sd Stare ist ex and also halt 

sfn lip ist als ein ros gestalt, 

ein hirxes hoabet hit ex Tor, 
480. dax treit ex Tintlicb enbor. 

sin Site sind nnsQexe, 

ex hit helfandes ftiexe. 

ex ist gestalt als ein swin, 

oach hit ex an dem houbet sin 
485. ein hom lieht als ein glas. 

dax ist Tier faox lanc, als ich las. 



457. mit 460. allew. 461. ttimm. 463. dann | flog. 464. cludn | Bif- 
466. speiz. 467. swo. 469. auch gant 470. dria fehlt. 471. sinbd. 472. die | 
vnd anmaien. 473. xurn. 474. ainhurn. 475. dax in. 470. «ins lix»' 
460. enpor. 461. sit | vnsAxx. 462. als ein helffant hat ex fiiexB. 484. kankt. 



Eioe Geographie aus dem dreizebnteo Jahrhundert. 3o8 

Tor dem kan sich niht erwern, 

Doch in deheiner zH ernern, 

als Abel ist daz selbe tier, 
490. sd zorniCy starc und sd fier 

ist ez and sd anrerzag^ 

daz ez nieman, wan ein reinia mag^ 

geTahen mac. swie daz geschiht^ 

daz ez die maget Tor im siht 
49$. sitzen, so wirt shi milte grdz, 

shi houbet legt ez in ir schdz 

and ruowet bf ir schdne 

ir kioscheit ze Idne. 

dd rihet man ez üf ir Ifp. 
$00. ist aber, daz sie ist ein wfp 

nnd megde namen ir selber gibt, 

sd lat ez sie genesen niht 

and zeiget an ir grdzen zorn, 

darch sie stiebet ez daz hörn 
$0$. and rieht an ir die Talscheit, 

die sie Ton ir het geseit. 

Man findet oach in /itd&^, 

pantel nnd tigris sint alda. 

daz pantel lebt in solher art, 
b'lO. daz allia tier üf siner Tart 

werdent in tU kurzer stant 

Ton der reinekeit gesant, 

die sfn ädern ze aller zft 

in sfiezem smake sueze gft, 
$1$. wan ez keine spfse zert 

anders, wan daz ez sich nert 

mit den reinsten würzen gar, 

die diu erde ie gebar 



487, des ainhorna | sieb niemant. 488. chainer. 490. so stark also lesen wier. 
■ieaant. 493. wie. 494. so ez | magt. 495. milt 496. haubt. 497. ruet | 
u 498. irr | Ion. 499. daselb yecht | auf den. 501. magt. 503. groax. 
elieht. 507. rint 511. wemt. 512. rainikhalt 514. smak a^u. 515. chain 
517. reinester. 518. die di erd. 



390 Ziagcrlc 

iB dem lasd md aadenwa. 
520. in GoHjfes, des waner, da 

gi^nt grdze ael md aikt le knne, 

die wol bi driiie fieiCB läse 

Binij als ms dio wirkeit seit 

das selbe wazser slangea treit, 
525. die sint gr6x and egesbaere 

asd bint als krebesen sebaere 

sebs klafter lane md grdt arkant 23 A 3. 

es ist kein belfant 

s6 starc, sd grds, sie sieben in 
$30. SQO in in das wasser bin 

linder sinen dane in wer. 

diu selben indischen mer 

OQcb alsd g^rdze snecken bftnt, 

sd sie As iren biasem gint 
$35. and s6 dio belibent laere, 

s6 maebent, jebent dia maere, 

die liot darüz ir bds^macb. 

sie blnt büs and obedaeh 

in dem snecken büs genaoc, 
540. das Af im I der snecke traoc. 

oacb ist, als di geschriben st^t» 

in disem mer der magn^t 

als ein bdcb gebirge vrit 

der xiobt an sieb ze aller ift 
545. das fsen Aber des meres tnbi 

gewaerlicben in allen wftn. 

ez ist oocb di der adamas. 

der ist der art, als er ie was, 

das er dem agesteine 
550. benimt algemeine 

5tO. watter gent aach da. 521. gini fehlt. 523. sint si | uaa /Mi 
524. Mlb waxttr aach. 525. egel rar. 526. habent als die | schar. 827. ai ai) 
aach seebs. 8S2. die | irdischea. 534. irn. 535. die | Ur. 836. lehMt a 
die oiaer. 538. habeat | obdach. 539. In der. 540. sneck. 842. maagw 
843. hoehet gepirg ist er weit 544. der maagnet aewbt. 849. agilal 
880. algraali. 



Eine Geographie aus dem dreixehDten Jahrhondert. 391 

sfne tugent, swt er ist. 

ooch mag in xe keiner frist 

zerbrechen niht, wan bockes bluot. 

er ist xe manigeu dingen gaot, 
5$$. dia mir niht rehte sind erkant. 

OQch glt durch Indtä^ das lant, 

ein wazzer, daz heizet InduSf 

TOn dem geschriben st^t alsus 

and toot die wärheit uns gewis, 
2^60. daz Indus unde TigriSy 

dio zwei wazzer, ein lant scheident di, 

daz ist geheizen Parthid. 

in dem drfzic lande Ift 

mit sundern namen grdz und wft» 
2^6$. als daz lant Aretusd, 

daz lit in diser marc aldsi 

und manic andriu richiu lant, 

diu die schrift niht hat benant. 

ÄMBiriä ist ouch di gelegen, 
2^70. daz Assur, der riebe degen, 

stnes kiinnes ein richer man, 

stifte bt der zit und huob an, 

da sider eigenKche 

driu wite kiinikriche 
$7$. im dienten in dem land aldi. 

Per8td und Medtä 

ligent in den lantmarchen, 
^ di sider die monarchen 

inne wären sedelhaft. 
!»80. der selben gewaltes kraft 

ril nach al die erde 

in dienstlichem werde 



;i. eeiD. 553. pockspifit. 555. recht. 559. die. 560. rnd. 561. die. 563. 
Und I land. 564. beaundern. 566. march. 568. die di. 570. reich. 571. 
nui. 573. aigenleich. 574. chanikreich. 579. inn warn. 581. allew | erd, 
MwUeieber werd. 



392 Zingerle 

enhalben meres zinste sich. 

ein ander lantmarc ande strich 
SSn. Taihetan an Tigris, das g^t 23 B 1. 

bis an Eufrätes. dai h^t 

wfter k&nikHche ril, 

der ich ein teil nennen wil. 

zwischen den zwein wazzern di 
590. Ift Mesopotanää, 

dar in diu grdze Ninnivi^ 

Ton der ich han gesprochen L 

an dirre lantmarke Ift 

BahiUnje ze einer sft. 
595. in dem lande Kaldeäj 

und Ardhtä und Sahä^ 

daz stifte Sabä bi den tagen, 

Ton dem ir mich Tor hörtet sagen, 

daz er Ton Thus geboren wart 
600. dl rindet man nich reiner art 

noch daz w(ze wthrouch. 

an dise lantmarc stdzet ouch 

Or^b der berg und Sjnif. 

dd sint gesezzen nihen bf 
605. die frechen Moahiten 

Ydumei und Amoniten^ 

Sarrazin und Madianiten, 

die wilden Elamiten 

sitzent di ze einer sften, 
610. die bi' den selben zften ^ 

dl wiren niht. sie wurden sider 

und liezen sich mit bü dl nider. 

als noch iliuzet unde fldz 

Eufrätes, daz wazzer grdz^ 



5S4. rnd. 585. rächt. 590. Mesopotania. 591. inn die. 593. diier laatmarck. 
596. ynd das lant Saba. 597. stift. 599. der ron. SOO. in Saba tibL 60%. aa die 
8cn>eo. 606. md die Ydumeon rnd die. 607. Tnd die Saraxen md die. 608. Tsd 
dapei ze alner siteD. 609. siteend die wilden elamiten. 610. die dannoeh. 619. Tnd. 



Biae Geofp'aphie aus dem dreisehnten Jahrhundert. 393 

615. bis »n der mittein erde mer, 

sitzet mang er bände ber. 

das grdze kfinicrfcb wft 

Syriä oueb da enzwiseben Ift 

und Antiochid und Damas^ 
620. der ouch dannocb keinez was, 

dd sie sieb nider liezen di. 

FMx and Chamagend^ 

die stdzent dran, daz sint zwei lant 

rfcb, gT'dz und wft erkant. 
625. d^ Ht OQcb Tyrus und Tyras. 

Tyras, der Japhedes bam was« 

der Stift die zwd stete schön. 

ein 8Uii Syddnje stift Sffddn. 

Ton Chames san gemaebt sie wart 
630. an dirre selben üzrart. 

dar an Ih Sepid daz werc. 

oucb XU dran Ltbanus der berc, 

an des ort entspringen t 

zwte ursprinc, die bringent 
635. ze samene den Jordan. 

der einez beizet Ddu^ 

daz ander ist gebeizen Jor. 

swer Jor^ daz wort, nocb setzet Tor 

und dar nicb setzet Ddriy 
640. sd spricbt ez rebte Jorddn. 

bie an den Jorddn stdzt ein lant, 

Pdestind ist daz genant. 

oneb Ht Cananed nnd Judild. 24 B 2. 

in disen lantmarken. da 
645. ist oucb gelegen J&usale^my 

die der edel kunic SalAn 

stifte und Jehus^uSy 

Chananees sun. nA gibt alsus 



615. erd. 616. hant. 620. da waz. 623. daran. 626. der ron Japbet geporn. 
di« atifl. 629. der was Chames sun Ton dem si gemacht wart. 680. diser. 
dar ao. 635« se sammen. 640, recht. 646. die Sem der. 647. sttffl. 



394 Z i n (T e r 1 e 

din geschrift gewaerlfch, 
6^0. daz das chanan^isch Heb 

10 dirre lantniarc si gelegen, 

Samärües, der werde degen, 

Ckananees san, oaeh naot 

in PaleMtind^ dem lant, 
6^5. ein bare nich sfnem namen dl. 

diu was genant Samäriä. 

Gdiled ze einer sit 

in disem selben lande Ift, 

die icb genennet bin bie Tor. 
660. di liH oucb der bere Thahor. 

Tor NaxarA, Ai Ikitus Crüt 

menscbHcben too geboren ist, 

als ans diu wtrheit toot gewis. 

di Ift OQcb Penii^ü 
66$. ond Gomarre und Sodomd, 

die sider worden gebdwen di, 

die got in daz abgrOnde 

Tersancte doreb ir söode, 

als icb iu ooeb sageo wil, 
670. sd wir komeo an daz zil. 

di selb lit nü daz tdte mer. 

dl sizzet bf ein grdzez ber. 

daz sint die hmahe^ten, 

die an den jüngsten zHen 
67$. der werlte f&egent grdze ndt. 

dl ist ein diet^ heizt NabaiSt, 

die sft Ismahels sun gebar. 

der sint zwelf gesiebte sebar, 

die mit kreften sint fQr wir 
680. gewahsen nü tu manic jir. 

der was dö bf den zften nibt, 

dd sieb boop dio gesebibt, 

649. die. 651. in der selben. 652. werd. 655. ein Tettt. 658. hui 
659. genent. 661. Nauiret ron der got Jesus. 662. menschleicb pnrtig to«. 
66S. die. 664. PonUpolU. 666. gepawen. 667. die selben | abgrAnd. 668. vcr- 
nnkt I sind. 671. rot »er. 675. werlt | grossen. 67S. der selben. 682. die 



Kine Geo^Mpbie au« dem dreizehotea Juhrhuudert, 395 

daz sich zerteilten diu kint, 

diu von Noe g-eborn sint. 
68a. Die diet, die insel und diu laut, 

diu ich nü hie hdn genant, 

diu Yunt an an der sunnen Afganc. 

an diu lant stdzet niht lanc 

an der mitteln erde des meres zil 
690. mit mauiger diet und landen vil, 

diu doch hie sint genennet niht. 

an disiu lant man stdzen siht 

osterhalp Eyffpienhnt, 

daz was dannoch Mesratm genant 
695. nach Cham es sun Mesraim, 

der Stift ez dS und uantz nach im. 

dar n^ch hicz ez Canopitä 

nach irm abgot, den si da 

an baten, der hiez Cumptis. 
700. dann kam ein man Egiptus 

mit gewalte in daz lant, 23 B 3. 

nach des nameii wart ez do genant 

Egipto, als ez noch den namen hat. 

osterhalp sin marc angalt, 
705. an dem r6ten mer strekt ez sich, 

westerhalp einen verren strich 

tnot ez sin underscheit erkant 

biz an Libtam daz lant, 

als uns diu wärheit beschiet, 
710. vier und zweinzic leic diet 

hat Egytö daz lant. 

ez ist gar Test und guot erkant 

und mit grozer kraft behuot 

Yon hunderttüsent Testen guot. 



68S. die. «84. die. 685. die. 086. die. 687. die vahent. 688. die. 600. vnd 
iden. 691. die. 694. daz selb. 696. nant ez. 697. dar nach lank ward ez 
MB. 698. ab^nt. 700. dar nach cham ein man der hiez Ejriplus. 701. gewalt. 
let selben. 709. die. 710. zwaintziklai laut diel, 
b. J. phil.-bist. CI. L. Bd. iV. Hft. 26 



396 Z i n g e r I e 

7i^. die in dem lande sint gelegnen. 

da hin kunit weder sn^ noch regen, 

noch schale für der sunnen schin. 

ez (iuhtet mit dem fluzze sin 

NUuSy der dar durch fliuzet. 
720. er wahset und ergiuzet 

s6 s^re, daz er dan und dar 

daz lant ouch uberfliuzet gar 

und machet ez mit s^ner kraft 

s(^ fruhtic, guot und berehait, 
725. daz df der erde im ebenrich 

kein lant ist noch geHch. 

bezzer lant ist niht anderswil. 

ouch li't dar in TTiebaida 

und da bi Alexandncy 
730. die Tor zagheit der frie 

Alexander stifte sit 

über manges järes zit, 

als ich hernach iu sagen wii. 

in der lantmarke zil 
735. einhalp ist in daz lant gesät 

Babilonte, ein houbetstat, 

niht diu Babiidniäy 

diu da Ift in Kaldea, 

von der ich vor hau geseit. 
740, anderhalp ist ein underscheit 

von Caucasas und Cafpidj 

daz 6stcrhalp ist gelegen da. 

biz nähen an der marke zil, 

dsi lit enzwischen lande vil. 
745. Amazones, diu frechen wip^ 

diu mit kraft werlichen Hp 

hänt, diu sitzent drinne. 

mit stritli'chem sinne 

715. lant. 717. schat 723. macht. 724. »o fehlt | berhaft. 71«.' 
729. Alexandrei. 730. frei. 731. stifft. 732. maiiik. 733. iu fehit. 73$. h»«?** 
737. die. 738. die. 740. lucli ist ainlerhalb. 741. vnd von. 743. tH nkk** 
niarcb. 744. enUwiscben lant. 745. die. 747. babent | aucb dar ibd. 



Bioe Geographie aus dem dreixebnteu Jahrhundert. o91 

siH ir gemuet üf mannes wer. 
750. der land gebirge und daz mer 

besliuzet sie allenthalben. 

mit höhen vesten alben 

beslozzen sint die stolzen 

Sarmaten unde Goixen^ 
755. Mazxegeies und die SeVes, 

von den bin ich bewiset des, 

daz sie von 4rst mit wisheit 

begunden machen sidia kleit 

und swaz von siden ist bekant. 24 A 1. 

760. daz lant stelzet an dbiu lant. 

dar an st6zet Pairiä, 

daz lant, und Yrcanidy 

dar inne vogel fliegent, 

des uns diu buoch niht liegent, 
765. der gevider git so liebten schin, 

daz sie die naht niht mugen sin 

verborgen, w^ ez vinster ist. 

man siht sie seh inen alle frist 

rehte als ein lieht, daz vast 
770. schin gU und brinnenden glast. 

bi disen landen ze einer sit 

ligent zwei lant groz unt wit. 

der ist einez Cyttd genant, 

daz ander Uunniäy daz lant 
775. vier und zweinzic diet sie haut, 

die in dem lande sieh begänt. 

da sind ouch nahen gelegen bi 

die berge Joporei, 

da st6zet dan ze naliest an 
780. Albaniäy dd wip unt man 

sind in wizer varw gevar 

schoen, blanc upd wiz gar. 



rS4. Tod Goltzen. 756. ich pin. 758. seideio. 763. inn. 764. die. 
■ein. 767. wo. 768. aUew. 769. recht. 774. Huma. 770. nächst. 

3* 



398 Z i o g e r I • 

das laut bu an Armenie gat 

dar in die berge Arrarät 
785. ligent, dräf sieh diu arke 

her Soesj diu starke, 

nider lie, als ich £ las, 

dar in der rein Noe genas 

mit aller lebenden geschaft, 
790. als ez gebot diu gotes kraft. 

an dem berg liH Yherntd, 

daz lanty und Capadociä. 

dar in werdent geswinde 

tragent von dem winde 
79d. diu ros . sd daz geschiht, 

daz man daz fuln erwerben siht, 

sd lebt ez baz niht dan driu jar 

und stirbet dan zehant (ur war. 

Da stozt oueh an ein niichel laut, 
800. da ouch ein houptstat ist genant 

und vil liute dar inne sint. 

Til maniger bände liute kint 

hat daz selbe lant mit wer. 

ez ist gelegen in dem mer, 
805. daz Til nahen darumbe gat 

und cz mit wer beslozzen bat. 

diz ist diu minner Asiä'. 

in dem selben lande da 

Epheaus dia houptstat ist. 
810. dar in der groze ^wangelist, 

ich mein sand Johannes^ sider 

sich lic mit siner ruowe nider 

uns allen saelicliche. 

daz selbe kunicriche, 
815. daz in der selben Astd 

lit, daz heizt Bitiniä. 

785. diearcb. 7ȧ. die starch. 789. lehenliger. 790. die. 791. an die selb 
7i>3. gcswiud. 794. wind. 79ö. die. 799. stozzet. »Ol. IhiiI | inn. 80t. h 
lAut. 805. viob. 807. die. 808. haubtlHiid. 809. die »Ut. 812. ruo. 811. tSl 
leich. 814. reich. 



Eine Geographie ans dem dreizehnten Jahrhundert. 3il0 

Hericä daz ander hiez 24 A 2. 

und Migdonie. an daz stiez 

Mytkd onde Nie. 
820. Ton den zwein steten list man die 

an andern buechern anderswä, 

daz ril wunder ist geschehen da. 

an Biiintd g^elegpenh^ch 

Mi Frigid daz r(eh. 
825. daz ist gar höflich besät 

mit Smirnid der houbetstat. 

dirre stete hoabetlant 

ist diu m^rer Frigid genant. 

ouch Iit Calycid da bi. 
830. waz bt dem land nü m^re sf : 

diu minner Frigid da lU 

und Dardanid, da stt 

Trog, diu g^dze, wart tn geleit 

mit kreftech^cher wirdicheit, 
835. als ich wil sagen noch dsi Tan, 

s6 ich mit maeren kum dar an. 

Lycontd und Carid . 

da bf ouch ligent und Lydfa, 

diu iant, diu kunicriche grdz. 
840. dar an Tgranicd sich sldz. 

diu stat sliuzet sich dar in. 

zu disen kQnicHchen drin 

heftet sich mit gelegenheit 

hartd, als man noch seit 
845. und als diu schrift bescheiden kan. 

Cilicid daz stdzet dran, 

ein laut, daz ist genant alsns. 

Ammontd und Tharus, 

zwei gebirge h<ich erkant, 
850. diu seheident diu selben lant 

118. dtz aelb. 819. Nick. 823. leit g^elegrenleich. 824. liH fehlt. 825. als 
eb. 826. hanbtitat 827. diser stet hnubt. 828. daz ist die. 830. mer. 
le. 832. vnd daz lant. 833. die grozz. 835. von. 8.38. Lybia. 831). die | 
840. besloz. 841. die. 843. heftent. 845. die. 846. dar an. 



400 2 i n g e rl e 

und ir undennarc aldä. 
dar an s6 stdzet Lieid, 
Persidid und Pamphilid. 
Pontus ist ouch g^elegen da, 

8!)t>. ein lant, daz manig^er leie her 
hdt unde lant. du bt daz mer 
heizet mare paniicum. 
hie ist nA dz des landes drum, 
daz d^ Astd ist genant, 

860. von dem ich iu h4n t^n bekant. 
Eurqpd heizet der teil, 
der frQhtig nnd der marken seil, 
da sich Japhei in nider lie — 
daz wil ich in ouch nennen hie — 

86S. mit funfzehen kunnen sfner schar, 
diu er dar fn briihte gar. 
g^n norden ez sich rihtet, 
sin nnderscheit ez slihtet, 
d4 jeniu marc ein ende hit. 

870. da dirre driUe teil an gäf, 
den marken sint gelegen bi' 
die berge monies Rapht 
und Danaus, ein wazzer grdz, 
des flnz die marken undersldz, 

875. als ez noch bf dirre zi't 

in wGesten gr6zcn mosen Ift. 
Meotides paludes^ 
als uns diu schrift bewtset des, 
diu ist der marke da ein zil. 

880. daran st6zet lande tu 

in dem teile für und wider, 
da \l{ ouch Citid diu nider. 



850. die I die. 853. Pomphilia. 854. Pothns. 855. lai. 856. k4t ^ 
landes diipei das nächst mer. 857. noch hsist. 858. des landes tail. 862. lic^ 
marcb. 865. chilnn. 866. vi! gar. 868. seinen. 870. da selbnn dis« ^ 
874. die lantmarch. 875. diser. 877. plandes. 878. die warhait 87«. die|B<^ 
880. ttoiient lant. 782. die. 



Eise Geographie aas dem dreizehnten Jahrhundert 4rO 1 

daz ein houptlant Til lange hiez. 

der marke kreiz dar umbe stiez. 
885. des landes nam und rehter strich 

hebent sieh norden und endent sich 

an der Tuonouwe. 

in der lantmarke scbouwe 

ist oiich gelegen Almdnid 
890. und Domyd und Gothiä 

und lande tÜ, diu nach der ztt 

nach in genennet wurden si't. 

Ton der Tuonouwe^ als si gat 

und ir fluz den namen hat 
89S. biz an die höchsten albc hin, 

da ist, als ich bewiset bin, 

diu obere Germania gelegen, 24 B 1. 

diu den namen hat gewegen. 

nach dem sint alliu diuUche lant 
900. noch Germdnid genant, 

welhiu der undermarke sin. 

westerhalp scheidet ez der Rin, 

norden diu Alp, als sie noch gat, 

diu die marc nndcrscheiden hat 
90S. und ir gezilte marke git. 

in disem teile Swdben lit, 

daz Älemdnid hiez ^ 

nach Alemdriy dem Bodemse, 

der in dem obem Swaben swebi, 
910. durch den mit richem fluzze strebt 

der Rm, des fluz noch sfgct da in 

Ton dem lantgebirge hin, 

der Ton besunderm teile gut 

norden ze tal und den fluz hat 



884. march vmb chraiz dar ymb. 886. die hebenl. 887. Tunaw. 888. schaw 

Gotlia. 891. lant | die. 893. Tunaw. 894. irn. 895. alb. 897. die obir. 

. die. 899. nach allen den seit allew dautsche lant. 901. rndermarch nu. 903. vnd 

lea. 904. die di. 905. vnd gexiltew. 907. Almania. 908. Almania. 909. swub 

Bt. 



402 Z i n g « r 1 e 

91.1. biz an daz gröze nortmer. 
bi' dem Rine lit mit wer 
manic Teste wol bereit 
nach rfHcber wirdicheit, 
werlieli und vil rieh erkan(. 
920. onch stdzent dran wcrlichiu lant, 

die mit rieher genuht 
bringent manic sueze fruht. 

In Swdbenhnt entspringet 

diu Tuonottwe und bringet 
925 in mare pontieum mit kraft 

sehzic wazzer namehaft 

inz östermer, dar i'n sie gat. 

ir fluz, ir runs geteilt sieh hsit 

in siben grdze strängen, 
930. ^ daz ir fluz gegangen 

koem in daz mer, da sie sieh in 

mit irem fluzze richtet hin, 

als uns diu warheit tuot erkant. 

an Sweben st^zet Beierlant 
93o. ze tale sunder wanken, 

und dar nach Osterfranken. 

da enzwisehen und dem Rtne lit 

lUnfranken. zuo der westersU. 

diutscher lande g^t ein g^r 
940. über Rin. des teiles kcV 

g^t iensU an wclschiu lant, 

als Hoilant und Brabant 

und Sehnt da der selbe strich 

von welschen landen scheidet sich, 
94.^. an OsUr franken st(W.et da 

Duringen und dar nach sä 

ist mit kraft daran gcwahsen 

daz starke lant ze Sahsen, 

917. Test. 918. reichleicher. 922. «uzzew. 923. lant anch. 924. di« Ti 
die. 926. pontium. 926. namhart. 927. in daz. 933. die. 9S4. paii 
985. sunder sunder. 937. d« selb | vnd dem rein. 938. rein fraBken. 
939. dMoUchew lunt 940. ein feit. 945. stozxt sich auch d«. 948. tUrc 



Eine Geographie mis dem dreiiehnten Jahrhundert. 403 

und des h^rsehaft nach ir zal 
950. gdt bi der Elbe oueh ze tal. 

biz an daz ende sint diu lant 

diu nider Germania genant. 

in dirre lantmarke 

ist gelegen Tenemarke. 
955. in dem land ist insel ril, die gar 

eigenltch gehoerent dar, 

als ir habt rernomen L 

nordent über den wilden s^ 

daz gr6ze lant ze Sweden \ii 
960. und Norwegen j daz als wft 

ist, als man oft hi^t rernomen, 

daz im nieman mac ze ende komen 

von grdzer wilde, wan diu naht 

sd Til des landes ha^t bedaht 
965. mit Tinster truebe, daz kein man 

dem land ze ende komen kan. 

als rinster ist für sich daz lant. 

ein lant ist 3feW genant, 

dem ist vil lande undertan 
970. für war, als ich gelesen han. 

diu nidcre Panonid 

diu frumt ir nam und marc alda. 

daz sint windischiu riebe, 

diu heizent sicherHche 
975. Pananiä. diu teilent sich 

in witiu lant und rerren strich. 

dar in liH Bulgarte 

und daz lant Romante. 

dar an st6zet dan ein lant, 
980. daz ist Tracid genant. 



9S0. «Ib. 951. end | ie. 953. in der selben lantmiirch. 954. ist dann | Tenne- 
h. 960. Norweg. 96%. niemant ze end mag. 963. wild | die. 965. triib. 
esd. 967. das selb. 966. Messin. 971. daz | Pononia. 972. die | im nam Tnd 
ircb. 973. daz selb | reich. 97i. die | sicberleich. 978. Romonie. 960. Tarcia. 



404 Z i n g e r 1 e 

daz Stift an der Azrart Tyras, 
der oueh Japhedes sun was, 
als man sfn lant noch ninzet. 
durch disiu Hchc fliuzct 

985. der Naper, der durch Riuten gat. 
diu lantmarc niht cndes hit 
biz hin, da Constantinopd \\U 
daz Constantinus stifte stt, 
als ich noch sagen wil da Tan, 
990. s6 ich mit maeren kum daran, 
da selb sich Kriechen hebet an. 
d6 man Kriechen Ton &rsi began 
stiften, dd nante ez nsich im 
Japhedes sunes sun Cetim, 
995. der ez Se^im nalch im nant, 

dar n^ch wart Kriechen ez genant 
ril lant in Kriechen ist gelegen, 
dar inne man noch sihet pflegen 
mit gewalte sch6ne 

1000. die kQnic kunicHcher kr6ne. 

ouch sint dar ander gegende vil. 
in der Kriechen marke zil 
Dalmacid und Eptrua li% 
zwei lant gr6z unde wit. 

1005. an diu st6zent noch aldä 
Comiä und Molosid 
und Elboidä daz lant. 
ouch ist ein lant Achd genant, 
dar in mit Hoheit ist gesät 

1010. Athene^ ein ri'chiu houbetstat, 
und PeloponSs und A6nje 
und Dessdfid und Mdceddnje^ 



983. mtn seines gesltichet Iftnt noch newkzet. 986. die. 988. still. 9S^ ^ 
994. snn der d« hiez Cetim. 995. der selb. 996. ward ez seit. -999.>ewtlt »^ 
1000. chron. 1001. gegenl. 1004. lant in dem Itnt. 1005. die. 1010. ImmM' 
1011. Peloponens | Aonie. 



Eine Geographie ans dem dreizehnten Jahrhundert. 405 

und Salneck und Emdthiä. 24 B 3. 

in Achäy dem selben lande, da 
10 lo. ist gelegen ouch Olympus. 

ein berc ist genant alsus. 

der selb in solher hoehe stait, 

daz er üf biz an die wölken gat. 

da ligent eigenliche 
1020. Tier grdziu kunicriehe: 

Kormtus und Achaid 

Sicümje und Arkadiä. 

die selben kriechiseh lantmare h^t 

befangen, als ir nam gat 
1025. und hie Tor underscheiden 

ist mit den marken beiden, 

mit mer und mit den landen, 

die wir hie vor d nanden. 

an dise lantmarc st6zet da 
1030. diu obere Panonid, 

diu windiseher spräche laut 

tuont uns ir underscheit erkant, 

diu nach erkantlichen siten 

die lant habent undersuiten 
1035. und ir namen rehtiu zil 

mit landen und mit h^rschaft vil. 



lOli. land anch. lOiK. onch fehlt, 1017. hoch noch. 1019. da selb li^eot 
1025. Tnd mit dem mer vnd mit den. 

Nach 1028 folgen die wohl Sentlinger angehörenden Zeilen: 
als vnz ir vnderschaid ir friat 
genennet hat die recht schrift 
die noch farbar. vnz weiset hie 
beschaidenleich vnd recht wie 
sind rnd geschaiden vnd genant 
der peilahd haubtiant 
die alhie genent sind 
an diser lantmarch vnderpind 

1019. stoiiet iT't namen dA. 1031. die. 1032. tnot. 1035. nam. 



40d Z i n g e r I e 

der nam in dirre marke IK. 

disio lantmarke wft 

biz an daz gebirg^e g^at, 
1040. daz dintschin lant Bescheiden hat 

g^n dsten und walsohiu lant 

und windische mark tnot erkant. 

des selben gebirges strich 

beginnent g^n Marsilie sich 
1045. mit dem anvanc heben an 

und streckent ferre sich hin dan 

neben diutschen landen leiner sit, 

biz daz diu erd ein ende git 

und daz mer. mit im diu lant 
1050. tuont nach ir nnderscheit erkant. 

dar inne ligent wH da bf 

montes Apennin^. 

ein gebirg ist alsd genant. 

daz scheidet windischiu lant 
1055. Ton diutschen landen gar hin dan, 

die an Ungern hebent an. 

in der undem marke wÜ 

Til land und kunicHche liH 

und roaniger hande liute diet, 
1060. den ir besundriu sprach geriet, 

und sich dar in hant gemezzen. 

da b( die Ungern sint gesezzen. 

inwendig irer kldsen tor 25 A 1 

und in ir lantmarc da ror 
1065. lit windischer lande tu, 

innerhalp irer klüsen zil 

Kotier unde Kozel sint 

und manic fromdez muotcrkint 

in besundem sprachen. 
1070. die Falben und die Flächen 

1037. diser marcb. 1042. vnx tnot. 1046. sirecket. 1047. se ainer. IM 
dieerd | end. 1040. die. 1080. tnot. 1051. die dar. 1052. appeminei. 1054. d 
selb. 1057, maroh. 1089. hant 1060. «praoh dar inn. 1062. den. 1064. ii 
1067. vnd. 1069. in frömdeD beaundero. 



Eine Geographie ans dem dreiieboten Jahrhundert. 407 

iensÜ des Sneberges Mnt 

grdziii laut, iler sie sich begänt. 

inwcndic Ungern sint genant 

in dem selben lant 
1075. und innerhalp der kliisen tor. 

üzerhalp lU ouch da Tor 

Stir und Österriche. 

diu st6zent geliehe 

an Ungern, mit den beiden 
1 080. marken ist gescheidcn 

diutschez lant und windiseh lant. 

die meister, die al die erd erkant, 

die haut uns sus mit w&rh^it 

der lant gelegenheit geseit 
1085. sunder zwirellichen win. 

Beheim und P6idn 

und dai lant ze Riuxen 

und Meffenlant und Priuien 

in der windischen marke lit. 
1090. sunder Ht ouch zeiner sft 

Kemden. disin windische lant 

in latine sint genant 

diu obere Panonüi. 

dem underscheit der lande dk 
1095. istjdirre nam gegeben als6, * 

als ez geschriben stilt ald6. 

über appennische marc ouch Ht 

an der windischen marc zeiner sit 

Italid, daz mit dem mer 
1 1 00. und mit den bergen ist ze wer 

beslozzcn vesticUche. 

dar in daz roemisch riebe 



lOSl. d&utschew land | landen. 1082. die all die erd wol cbanden 1083. haben 
sAst 1085. an sunder. 1086. Pehani. 1090. besunder | da ze einer. 1091. Kfirn- 
. 1092. latein. 1093. die ober. 1094. diaer. 1098. xe einer. 1099. das lant 
lia. 1101. veatikleich. 1102. reich. 



408 Z i n 1^ e r I • 

den urhap s^nes namen hit, 

ich meine R6m, da der stuol stat, 
1 105. di man der cristenheit sol geben 

l^r und cristenlichez leben, 

die man ndch goies geböte wol 

geistlichen da finden sol. 

in lialici ligent Hchiu lant, 
1110. diu mit namen sint genant, 

Sicäje und diu lant tu gar, 

diu mit namen gehoerent dar, 

als ich ir nam gelesen han : 

Lamparten und Tuscdn 
1115. Rdmanie und Maritima 

Ankun und Spolit sint alda. 

mit gelegenheit sint nachgebür 

Caiabri, Pull und TerraMr 

und Capis und Principat. 
1 120. disit der houptstat ein berc stat 

Ton RAn, dem wir sfn undertan. 25 A t 

an Rdm st6zet dan Tuscdn. 

daz selbe lant ein ende hat, 

da daz Porten gebirg angibt. 
1 125. durch daz lant Romante g^t 

der Phdt, als er den fluz hat 

yerrer hin unz in daz mer. 

an rfcheit und mit grdzer wer 

YAi dirre lantmarke zil 
1130. Teste, guotes und Hute nl. 

in der marc lit fQr und wider 

daz ober Lamparten und daz nider. 

und swaz ich hie hdn genant 

der gegende und lant erkant, 



1104. maiu Roo do | inn sUi. 1105. inn sol. 1109. auch reichAw. lliO. ^ 
auch. 1111. die. 1112. die. 1115. Romonie. 1116. Antbun | siod auch, lii?*^^ 
dar nach. 1118. Cdabrie | Terraiabur. 1120. diseit alz der baubtstat perg. ^'^^ 
sein. 1123. selb | end dann. 1124. als daz | gat. 1125. Romonie. 1127.^ 
Terrer hin in. 1129. diter. 1181. mareh | lit fehlt 1134. gegent. 



Eine Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert. 409 

1 135. mit einem nam sint disiu lant 

vil gar Italiä genant, 

aber diu andern webchen rieh, 

diu nent man alliu gelich 

mit einem namen Gallid, 
1140. swie sich disiu hie and du 

teilent wH in alliu lant, 

ir lantmarke tuot erkant 

der teil und nam Gallia. 

die teilent sich in dri namen da. 
1145. der teile eines und der lant 

ist Gaüid Beilid genant. 

daz hebt sich an Montjoffen an 

und g^t Ton den bergen dan 

norden ze tal, als sie der Ein 
1 150. scheidet mit dem fluzze sin 

und rihtet der lantmarke strich, 

der an Britanje scheidet sich. 

in disem teile sint gelegen 

diu lant, der name ist gewegen 
1155. Burgunden und Lutringen 

und daz lant ze Kärlingen^ 

und al die gegend und diu lant, 

der nam da enzwischen ist erkant 

mit sundern namen in beiden vil. 
1160. des andern teiles marke zil 

daz ist Lugdunenais genant. 

daz appenisch gebirg erkant 

den urhap uns s6 gemezzen hat, 

daz sie von den gebirgcn gat 
1 165. ze tal den Roden g^n Lugdtm. 

den dritten teil h^t Narobim 

zil und der urhap underscheit 

nach sinem namen angeleit. 

1135. die selben. 1137. die. 1138. die nent. 1139. nam. 1140. die. 
. lutmarch. 1143. tail nam vnd. 1144. nam. 1145. Uil. 1146. sint 
. lutmarch. 1153. ist. 1154. nam dar ein. 1157. die. 1159. bsundem | 
»• 1160. Ladumensis Gallia. 1162. die appenisehen. 



410 Z i ng^erle 

den dritten teil nent man nü di 

1170. Nabonenaia Galliä. 

der teil biz EquUdnjd gat. 
da selb diu lantuiare ende hat. 
in siner marke zil hin dan 
da gfet daii Jspanje au. 

1175. in Ispanje lig-ent sibeu laut, 
diu wit sint und groz erkanL 
diu nennet uns diu schrift also : 
Traclionjd und LusUanid, 
Tigitanid und Bethtd, 25 A 3. 

1 1 80. Gaiacie und Korhd. 

wie disiu rieh und disiu laut 
in diutscher zung-e sint erkant, 
daz kan ich wol berihten niht. 
ich nenne sie, als diu schrift gibt. 

1185. da enzwischen und Frankrichcy 
da lit gelegen! iche 
Navem und Waseüm 
und daz lant Santküm^ 
Castef unde PorHgai. 

1190. disiu lant hat über al 

diu schrift Ispanid genant, 
wan Spanjd was daz «irste lant, 
daz nach der ersten üzTart 
erbouwen von den küngcn wart 

1195. üz Japhedes kunne, als ich las, 
daz in Kriechen wonent was. 
daz selbe sich zerteilte sider 
in diu lant für unde wider, 
an Spoikje stdzet gelegenlich 

1200. vil grözer kunicrich 



1171. bis an. 1172. die | end. 1173. march. 1176. die. 1177. die nent 
die. 1182. zuni^. 1184. nenn | die. 1185. Frankreich. 1186. gele^nleic 
1190. iMbent 1191. die. 1192. Yspaiiia | i^rat. 1194. erbawen. 1195. die t< 
Japhedes getUcht warn alt ich e las. 1197. tou dann sider. 1198. die | M 
1199. Yspanie stojuent. 



Eine Geogniphi« aus dem dreizehoten Jahrhundert. 411 

in lant suiuier marc erkant. 

daz ii»t Britanje und Knyelani. 

Cornewal und Wdleis^ 

yarmanie und NorgäleU 
120o. und Uiberniä ouch da Jit 

und OrchadeSj diu insel wit, 

dkl dri und drizie insel hat, 

da mit Auz daz niei* uuib gat. 

oueh li^ent in dem selben s^ 
1210. Thonatos und Chüc, 

die inseln g^roz und wit erkant. 

dar an stozt der Schotten lant. 

ein teil ouch in den inseln ist 

naht an allen sunderlist 
1215. sehs m^not, daz halbe jiir. 

daz ander teil ist tae für war 

über alliu dise lant. 

als uns diu schrift tuot erkant, 

»6 ist norden Ton des frostes kraft 
1220. alliu die erde unberhaft, 

wan nieman dar in kan genesen, 

noch vor grdzem froste wesen. 

des muoz da sin der bü verkorn. 

von frost ist ouch daz mer gefrorn. 
122d. da von heizt ez daz gefroren mer^ 

des diu geschrift ist min wer. 

wan daz lant ist alsd kalt 

von grözer kelten manicvalt, 

daz diu erde ze aller frist 
1230. muoz sin und ouch unberhaft ist. 

als6 ist diu gelegenheit 

gewesen und diu underscheit 



1203. Coruual | Baieis. 1204. Numieuie | Nagileis. 1205. daz auch. 1206. an 
gemerk isi | die. 1207. die. 1208. mit kesunderm. 1214. all Tnderlisl. 
ze eiid aber. 1218. die. 1220. erd. 1223. ercborn. 1226. die sebrifl. 
di<>. 1232. die. 
*b. J. phU.-hisl. LI. L. Bd. IV. Hft. 27 



412 Z i n g e r 1 e 

des andern dritteils der erde hie, 

d^ sieh Japhedes kfinne nider lie. 
123^. wan sie durch hd karten dar in, 

in Europa her unde hin 

zerteilten sieh diu liute s6. 2$ B 1 

sie Yon ^rst sieh liezen nider, 

ir kint und ir näehkomen sider 
1240. manten und hüten disiu lant, 

als ich sie hie hin genant 

in dem teil Europa, 

nd wil ich sagen Ton Affrikd^ 

di sich in nider lie der stam 
124S. und daz geslehte von CAom, 

des uudermarke zil nü stit 

6ster, als der Indus gät, 

biz wester, nach der buoche sag, 

durch den strich ze mittem tag, 
12!i0. da diu sunne ze aller z^t 

die heizesten hitze gi't. 

dar inne Ut vil lande w^t. 

zem Ersten in der lantmarc XÜ 

ein gr6z lant, heizt Libiä. 
1255. dar an m Tironaicä 

und PentapoliSf ein michel lant 

daz ist grdz und wU erkant, 

den besten landen ist ez geHch. 
ez hi^t fünf houbetstete rieh 



1133. drittals | erd. 1234. io dem sich ron Jophet dai geslacht. 1235. Barop« 
dem tail. 1237. Hut sust md so. 1239. irew chind. 1240. pawten. 1243. iMtifi 
folgen die Zeilen: 

dem dritten tail alhie 

da sich ron Cham inn nider lie 

daz chfinn in dem dritten tail 

daz merket hie an sunder mail. 

Von Affrica dem land 

wil ich ew tuon bechand 

1247. TOn oster. 1250. tann ir hitz ze. 1251. hitz. 1252. iam. 1253. M 
dem. 1254. Labia. 1258. ez da. 



Eime Geographie aa« dem dreitehuten Jabrbuodert. 4 1 «t 

1260. diu drste ist Perinie, 

A^ffone und Tyroni^ 

daz rierde ist Polmnaidä 

und diu fünft Appoiamä, 

der ieglichiu hiez nieh dem man, 
1265. der sie Ton drst stiften began. 

Tr^pd ist gelegnen ouch di bi\ 

daz hat ouch houbetstete dri» 

die ez s^re zierent da: 

Bereth und Oeasiä 
1270. und Leptis^ eine veste grdz, 

an g^oeze ir aller ubergen6z. 

dar an Ut ouch PisaUs\ 

ein lant, in dem lit Aromd, 

dar an lit Pisamicium, 
1275. da diz lant h^t endes drom, 

lit ouch Censidy daz lant, 

daz man als6 hat genant. 

dar inne lit KartagS^ 

die stifte diu frou ThydS. 
1280. dai ist Marroch diu houbetstat, 

da ist ein sidel in gesät 

dem höchsten houbetkOnige da, 25 ii 2 

dem alliu lant in Affrikä 

sint, als ich vernomen han, 
1285. gar eigenlichc undertän. 

bi Marroch lit Getuliä 

und Joppen und Nummidiä 



12S0. die erat. 1164. hiez do. 1266. ouch fehlt, 1266. «er. 1269. daz ain 
lereth daz ander Ocasio. 1270. die dritt ist Leptis | rest. 1274. leit dann. 
. daran leit. 1278. inn leit dann die stat. 

1279. die di fraw Thydo 
•tift nach den seilen da 
noch über manik jar dar na. 
1260. die haobtstat. 1262. den höchsten haubtchunigen da. 
1265. aigenleich. dann folgt: 
die mit grozzer reichait 
gestift wart md gelait. 1266. Petulia. 

27 • 



414 Z i o g e r 1 e 

und Moritaniä daz laut 

(laz ist von swerze als6 gcuant, 

1290. wan dar in inuoter unde kint 
von liiUe swarzer varwe sint 
vil nach in eines mören wis. 
an diu lant stozet StiphesU^ 
Tingwiiuniä und Cesaridy 

1295. Etiopid, dar nach Sahd, 

daz westerhalp ze einer sit 
in der m6ren lande lit. 
zwishen den landen beiden, 
di diu lant sint geseheiden, 

1300. da sitzet der Amüter her. 

da ist ein bruune hi dem mer, 
der ist alsus kalt den tac, 
daz in nieman getrinken mac, 
die naht man in s6 heiz dan siht, 

130o. daz sin nieman mac geniezen niht. 
an der lande ostcnsit 
da sitzent die Trogadit 
den ist mit sneilicheit bereit 
s6 gar grdziu sneilicheit, 

1310. daz in kein tier entwichen kan, 
daz sie mit jagen koment an. 
über dirre marke zii 
ist gr6zer winsterr lande vil, 
ouch ist diu erde unbühaft 

1315. ^on gr6zer hitze Qberkraft. 
iemer muezen sie alsus sin; 
wan da git hitze bernden seh in 
der sunnen glast, daz ane wer 
ze allen ziteu da daz mer 



iZSS. Maritima. 1290. ino vater muoter vod. 1291. in swartzer ^ 
1292. nacbeo. 1294. vnd Tiugwitania. 1295. Etpiopia. 1300. Aaai 
1301. daselb. 1302. als. 1304. in dann so. 1312. der march endes til. 1 
wintter. 1314. erd wüst vnd. 1316. ze allen Zeiten muzte | also. 1317. f«H 
hiU. 13tS. TBd der | aa. 1319. da selb «lai. 



Eine Geo{p*»phie «US den dreizehnten Jahrhundert. 4r 1 5 

1320. aiiidet unde wallet 

Ton hitze, din in rallet, 

reht als ein wallender hären tuot. 

da Ton ist daz alsd behuot, 

daz nieman kan beHben da. 
1325. ze üzcrst lit in Äffrik^ 

Gaudes, ein kreflie frubtigez lant. 

nilch dem ist daz mer genant 

mare GaudUanium, 

daz gr6ze mer Atlantieum 
1330. ist da gelegen und Atlas, 

d4 Adas Astronomie las. 

Nil hän ich iw gesaget bie, 25 ß 3. 

als Terre mich mfn tumpheit lie, 

Ton den drin teilen, dar in a1 lant 
1 335. bie öf der erde sint bekant. 

nü wil icb iu bescheiden bie 

mit wärbaften maeren, wie 

nnd in welher bände wegen 

dia lant der inseln sint gelegen. 
1340. dar inne oucb diu erde birt 

Yil Hebeit, diu dar inne wirt, 

die man in den drin teilen niht 

gelegen noeb dar inne sibt. 

wan die insel bant andriu lant, 
1345. diu nibt sind in den teilen benant, 

mit den al diu erde endriu 

geteilet ist. diz sag icb iu. 

TOn ^rst an dem mittein mer lit, 

als uns diu scbrift urkunt git^ 
1350. Ziper, ein rieb, besunderz lant, 

in suezer ricbeit guot erkant 

an lenge und oucb an wite. 

dar näcb lit dann Crtte 

3t0. rnd. 1321. dar ein. 1325. auszrest leit auch. 1329. Alantium- 
Athia«. 1331. daron erst in Athlas. 1332. hie geoeit. 1333. mich lie mein. 
»Dew. 1330. die. 1340. die erd. 1341. die | inn. 1343. inn. 1344. hahent 
rofl. 1348. hoch mer. 1351. vnd in. 1352. weit. 1353. Creit: 



416 ZiBgerJe 

mit hundert riehen festen g:uot, 
13^5. wol bewart und wol behuot, 

mit kreften und an rfcher wer. 

ein insel stdiet an daz mer, 

die man lAbta nant, 

als si noch hinte ist erkant. 
1360. Abnudes, eine insel wi% 

da bi in Elospandid lit 

einsit dort in EurApd, 

sd lit EdoB in Affrikä. 

dar an stdzet dann Cyelides^ 
1365. als uns diu warheit bewisef des. 

Tier und vierzic inseln gr6z, 26 A i 

die des meres fluz nmbflox, 

als er noch tuot ir underbint, 

g^n Astä gelegen sint. 
1370. der ist diu Irste Bodo». 

g^n dsten s6 ist Thonodot 

in den besundem teil gesät, 

diu heizet niich Acharie der stat. 

Tor Cidero dem berge da 
1375. lit Pörfens Citend. 

gSn Egipien lit Capado». 

ad lit diu insel Thehs 

in der Cicldden laut, 

die ich hie ror ^ genant. 
1380. da lit ouch Orthigiu, 

diu insel in Yrcama\ 

nach der daz mer ist da genant. 

an die inseln und an diu lant 

stdzet einsit iforiVm, 
1385. Stocä\ Meios und Paran, 

di der wizest marmel ist, 

den iender vindet mannes list. 



1354. Te«ie«ten. 1357. auch an. 1359. hewt t3M. inael. 1368. 
•i I mdenrint. 1370. die «nt 1378. Cielaoder. 1383. in | in die lant. 1381. r^ 
•toc« TBd. 1367. inderC. 



Eine Geogmphie aus dem dreizehnten Jahrhondert. H i 

in der selben insel oueh wirt 

ein edelstein, den sie gebirt. 
1390. der stein ist Sardias genant. 

an Paron lit Ci/dan daz lant. 

ouch seit diu schrift, ez werde 

an der selben erde 

mastix. wie man daz nieze sol 
1395. daz wizzent die wfsen ärzte wol, 

den phisiea ist erkant. 

an Cydon lit Samo9 daz lant, 

ein insel gr6z. Ton der was 

geboren Piiagoras 
1400. und ein Sibille, der bereit 

was kunste Til mit wfsheit^ 

als uns Ton sage ist erkant. 

Sicüiä^ daz riche lant, 

bit oucb diu scbrift mit warbeit 
1405. in der inseb zal geleit. 

daz hiez di Tor Trinacrid. 

ein brinnender berc, beizt Ethnd, 

in dem selben Und oueh lit. 

den sibt man brinnen zaller zU. 
1410. oucb 8t6zt an die ftaliseben lant, 

diu ich hie Tor bdn genant, 

ein insel tu Teste, 

diu Hebest und diu beste 

an rtcheit und an guote, 
1415. an we/ und h6bem muote, 

diu ie s6 kleine wart gesehen, 

als ich muoz Ton wärheit iehen. 

die ist gewaerHche 

Venedie diu rfche 
1420. ez ist daz enget hcrzogtuom, 

daz ie gewan hd.icn ruom 

1392. die. 1395. UrUt. 1397. Somos. 1401. chuust. 1402. ist Ton. 
reich. 1404. die. 1409. ze aller. 1410. israhelischen. 1412. vest. 
peet. 1414. guot. 141S. vnd an. 1416. die. 1418. die selb intel ist. 
die reich. 1421. ist auch. 



418 Z i n g e r 1 e 

und in als enger h^rschstft 

Ht ez als kreflieliche kraft 

als uns diu warheit tuot g^ewis. 26 A 5 

1425. stn Sicilie lit Karihdis 

und Cüld und Ehee 

und darzuo Wulcanie^ 

die inseln wU, da zalier frist 

vil wilder fiurc brinnent ist 
1430. öz der erd in nianigen wegen. 

ninn inseln sint da bi gelegen. 

die heizent Stekanes, der strich 

gen Marsüie strecket sich. 

dar inne ist gelegen ein lant, 
1435. daz ist Pardaniä genant. 

des strich an Numidian gat. 

daz Tolc gr6ze slangen hat. 

onch ist ein wurm dar inne 

geschaiTen als ein spinne. 
1440. der ist genant zolifiiga. 

vil liute erbi'zt der wurm da. 

ein Hut ouch in dem lande wirt, 

daz sin fruht also gebirt, 

swer sin selbes vergizzt als6, 
1445. der selben genist keiuez du» 

wan ez ze tod erlachet sich. 

diz ist ein dinc vil gämelich, 

daz ez in dem gelaehter stirb et sa. 

vil heizer brunnen ist ouch da, 
1450. in den die siechen zalier .stunt 

nach dem baden werdent gesunt. 

da von gesehiht du manigem liep. 

kumt abr durch baden dar ein diep, 

ze haut, als er des bades enphindet, 
1455. vil gabes er dar in erblindet. 



1413. chrefUkleichew. 1424. die. 1426. Ciila die insel. 1428. lAtel | dt 
1491 Intel. i4:)7. dna selb. 1438. inn. 1439. spinn. 1U7. gHmlich. 1449 pi 
ilnil. 



Eine Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert. 41" 

Curstca und Ehosus 

zwo inseln sint genant alsus. 

die ligent gen Yspanjä hin. 

da kein slang kumt nimmer in, 
1460. wan nicman siht deheinc da. 

da bi Ift ouch Calahrid^ 

die man vol gewurmes siht. 

da ligent, als die wärheit gibt, 

die insel Parchare's 
1465. und ouch daz lant Gorgordes. 

da bi Ht grdzer inseln me, 

die sint genant Espide*. 

hi den ein s^ gr6z insel lac, 

daz ste wüent ^ furwac 
1470. mit wH dem lande Asid 

und dem lande Europa^ 

^ si an des mcres grünt ersanc 

und mit liut und puot ertranc. 

daz seit und hat geschriben als6 
147i>. der buochmeister Philo, 

des kunst noch witen ist erkauf. 

einsU an der Moren lant 

ist noch gelegen m^ 

ein insel Yixi da in dem S(^, 
1480 da fliuzet der groz Nylus. 

dd ist ein bolz heizt Ebanus, 

dem man der art mit warheit gibt, 26 A 3. 

daz ez mug verbrinncn nibt. 

daz bolz gebirt daz selbe lant. 
1485. ein stat ist Snele genant, 

diu in dem selben lande lit, 

da sider über manige zit 

gemachet wart ein brunne, 

daz einer zU diu sunne 



1457 10861. 1460. niemaDt | chainew. 1462. die selben insel.» 1463. aaeh 
466. leit auch | insel. 1468. grozzew. 1470. land in. 1472. e das. 1474. vud 
1460. dt noch. 1467. manigpeo. 



420 Zia^erle 

1490. in dem jire schfnet dar in 

biz an den gront die slihte hin. 

der brunn ist sehzic klafter tief, 

dai mal als eben dar in lief, 

dax der schfn niht ab noch an 
149£». furbaz wenket dar noch dan, 

wan rihticlichen biz Af den ^unt 

toot ssich der schin mit rihte kuni. 

ein insel heizet Pertie^, 

diu ist sd goot, daz anderswa 
1 $00. an goot, an schoene nindert lant 

ist schoener noch baz erkant 

ia daz wirdige paradi's. 

daz ist noch schoener nich gotes wis. 

diu insel Pertied erkant, 
150$ diu ist in latfn genant 

diu verloren insel. wan daz ist wir, 

daz ze einer zii in dem jar 

daz lant aldä yerswindet, 

daz ez nieman rindet. 
iSIO. di Yon daz lant ist allen gar 

Tcrborgen Tor. wan nieman dar 

kamt, ez gescheh dan i on gcschiht 

anders rindet nieman niht, 

wa diu insel st gelegen. 
1515. iedoch der wunderlich gotes degen, 

der abbet sant Branden, 

der kam dar, als ich gelesen hin, 

und als sin buoch di ron seit, 

waz in Pertica schdnheit 
1£I20. ist unde genuhtsam. 

anders ich niht rernoroen han 

Ton der selben insel hie. 

nö beeret, wie ez nü ergie. 

Nd sint hie gar genant 
1£I25. alle insel und alliu lant. 
1492. tief erchaot. 1403. dar ein paDt. 1495. dar ab. 1498. haist aaclu 1501. bd- 
tcr noch achAiier. 1504. die. 1507wan ze. 1508. aldo. 1509. niemant 1510. allen lliffi 
1511. Biemant 1513. vint oiemant. 1514. wo die. 1517. dar ein. 1525. a«f drr «4 all 



Eise Geo^aphie tut dem dreizehnten Jahrhundert. 421 



ANMERKUNGEN. 

7. Zum sing. vgl. 2 und Gr. IV, 197. 

9. 72 Sprachen wurden meist angenommen. Die Vorauer Hand- 
schrift erzählt : Do Noe uure wart do hub sich michel hohuart. 
z>'ene unde sibenzeh uursten. si waren uile geturstic. si wol- 
den wurchen einen turn, daz waz deme schefphare zorn. — 
Do is got niht mere wolte. do zeuurte er ez mit sineme ge- 
walte, eines nahtes gescah. daz ir neheiner ne wesse waz der 
andere sprah. si gingen ron deme turne, mit micheleme zorne. 
ZTO unde sibenzec zungen gab er in do. inoh stat dev werlt so. 
Du bestunt dev ebreishe zunge. aineme vil gufmeme manne, 
der was geheizcn Eb^r 15, 10. Die Milst. Hs. sagt: 

Ez wolden haben gigant gemouret eine steinwant 

zir grozzem nnheile: ir spräche wart geteilet 

in zwo und subinzich zunge, geschendet wurden si darumbe 
Spätere Zeugnisse sind: [32, 10. 

sH zwno und sibenzec spräche sint, 

ez dunket mich der witzc ein kint, 

swer niht der zungen lat ir ls)nt> 

da Ton die spreche sint bekant. W. Willehalm 73, 7. 

zwuo und sibenzec sprilche, 

der man al der diete gibt, 

die enmohten gar volsprechen niht 

mi'niu flustebaeren s^r. Ebendort 101, 22. 

da zwd und sibenzic zungen 

mit vremden wandelungen 

Ton ^rste wurden Tundcn. Rudolfs Alexander 16, 180. 

zw6 und sibenzic spräche diu werlt hat. König Tirol MS H. 

daz zw6 und sibenzic xunge [1 6''. 

bullen in dem bistuome. Servatius 370. 

und zw6 und sibenzic zungen. HGrn. Sigfrid 54, 2. 

Johann Rothe erwähnt die 72 Sprachen beim babylonischen 
Thurme „darum so hatte cristus zwen und sibenzig jüngeren, 
die her zu predigen uz sante in die zwei und sibenzic lant.^'Der 
Zahl der Sprachen entspricht somit die Zahl der Länder. 



422 Zingerle 

zwei nnd sibenzic lant waren im knnt. Oswald E. 198. 
zwei und sibenzic lant sint mir wol koni Oswald E. 224. 
heisst es vom weisen Pilgrim Wannund, wie es auch das 
Tragemundslied sagt: 

no sage mir, meister Trougemunt, 

zwei und subenzig lant die sint dir kont. Uhland, Volks). I, 3. 
Auch im Grendel 2406 kommt dieselbe Ländenahlvor: wann 
min herre ist niergent gefangen in zwein und subenzig landen. 
Dieser Annahme entspricht, wenn im Pantheon» in dem die 
Götter aller Länder aufgesteUt waren, 72 Bildsäulen stunden, 
wie Hermann von Fritslar angibt: d6 verst6rcte der hiebest die 
apgote, der wären zw6ne undc sibenzic (cod. pal. 114, 
Bl. iid^). Nach Enenkel entspricht dieser Länderzahl auch Alt 
Zahl der Senatoren: 

die R6maer vunden einen site 
da sie ir ^re behielden mite : 
zw^n und sibenzic werde man 
waren ze den ziten üfgestau 

die zc Rdme ratgeben waren. Kaiserchr. M. III. 421. 
swelch lant man niht wolte letzen, 
daz muose gisel setzen 
den zw^n und sibenzic R6maern. Ebendort. 
sie iahen, ez waere ein wiscr sin: 
zw^n und sibenzic namens dz in, 
die ir rates pflagen 

dar nach bi' ir tagen. Ebendort 403. 
und die Zahl der Sprachen in Lateran : 
diu wart geheizen Lateran, 
dar inne so saz manic man 
und zw6 und sibenzic zungen gar 
die sazcn drinnc oflenbar. Kaiscrch. M. IH. 689. 
Wenn Enenkel von Nero erzählt: 
dar nach sanier drat 
in daz lant und in die stat 
nach meistern und nach arzat. 
der k6men zw^n und sibenzic drat. Ebendort 684. 
und 



Eine Geographie aus dem dreizehoteo Jahrhundert. 423 

er geh6i allen kfinegen dar, 

der kint da gisei wdren, 

die muosten zuo im Taren. 

sie waren nahen oder wit, 

sie muosten zuo der hdehzft. 

ienhalp der Tiver öf daz velt 

sluo^en sie schöne fr gezelt. 

zw^n und sibenzic oder mer 

kdmen der kfinige h^r. Ebendort 687. 

so stehen diese Zahlen mit der angenommenen Landerzahl in 

Beziehung. 
Die Zahl 72 kehrt noch oft wieder. Ich gebe hiefur die mir 

bekannten Belege : 

zwai unde siben zehec mangge wurden da gestalt. Diemer 
Vor. HS. 210, 10. 

bi ainer stund 

hebent sich zwen und sibcnzig wind. Haupt Zt. I, 123. 

zwen und sibenzec straeme an den himeln sint mit sternen 
breit. Wartburgkriegs. 154, 13. 

dar in worent gesessen 

zwen und sübenzig künige wol vermessen. Orendel 2538. 

zwen und sübenzig künige. Orendel 3256. 

mit zweien und sübenzig aptgot. Ebendort 3322. 

zwei und sibenzig houbet für die soldan giengen. J. Titurel 
820, 1. 

zwen und sibenzig ist unser schar. HGÄ. II, S. 514. 

im dient üf Garte tagelich zw^n und sibenzic dienstman. 
Ortnit 5, 4. 

du hast n{' discr bürge zwen und sibenzic man. Ebendort 30, 2. 

dir gebent üf diser bürge zwen und sibenzic man iegiich hun- 
dert ritter. Ebendort 33, 3. 

zwen und sibenzic este nam er an der linden war. Wolf- 
dietrich 568, 1. 

gefrumt in zwei und sibenzec fache. Laurin 470. 

daz rat, daz an der müien gät, 

zwo unt sibenzec kamben ez hat. König Tirol MSH. I, 6\ 

man schribet, daz kunic Davit 



424 Z i n g e r I e 

hette wol zwei und sibeiizic wtp. Altd. Wälder III, 166. 
zweue unde sibenzich kuiiiuge. Rother 7. 

Auch dem Priester Johannes waren 72 Konige unterthan: 
Inde sunt, quorum princeps est presbyter Joannes de Indiis, 
hujus poteslas et numerus excedit onines christianos. Nam ha- 
bet sub se septuaginta duos reges (Mirab. Romae 1513). Auf 
die Annahme von 72 als Völkerzahl mochte dieselbe Zahl der 
Jünger Christi von Eintluss gewesen sein. Da aber diese Zahl 
auch sonst so oft im Mittelalter wiederkehrt, wie 6, 12. 3Ü» 
so wurzelt sie im deutschen Duodecimalsystem (Germ. 1,217). 
Über das anderweitige Vorkommen dieser Zahl, s. Kaiser-» 
Chronik M. III, 403. 
V. 16. Du bestunt deu ebreishe zunge. aineme vil guteme manne, der 

was geheizen Eber. Vor. HS. 15, 24. 
V. 45. Vrgl. : diu weit in driu geteilet ist 
und aller kunicrfcho lant. 
ein teil Eurdpe wirt genant 
und daz ander Asia, 
geheizen ist Aflrica 

daz dritte, als ich gelas. Troj. Kr. 23962. 
V. 86. in des Wunsches paradfs. Rarlaam 52, 8. 
V. 97. Genesis II, 13, 14. 

wir gcwunnen G^dn 
ze helfe unde Fisön, 
Eufrätes unde Tigris, 
diu vier wazzer üzem pardis, 
s6 nähn hin zuo ir suezer smae, 
dennoch niht sin verrochen niac, 
ob kein würz dinne quacme, 
diu unser truren nacme. Parz 481, 18. 
Ein wazzer heizet Tigeris, 
daz vliuzet dz dem paradis HGA. I, 73. 
V. 109. si milsten mit den tiercn 
unde mit den wurmen 
in den woge stürmen. L. Alex. 686^. 
V. 121. Caucasus indicus, jetzt Hindu Husch. 
V. 123. Hier wohl das erythraeische Meer. 



Eise Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert. 425 

15. Taprobane , jetzt Ceylon. Vgl. darüber Alex. v. Humboldt 

krit. Untersuchungen I, 77. 
14. Wohl Argire, am aussersten Ostende der den Alten und 

Arabern bekannten Welt. S. Humboldt krit. Unters. I, 44. 
i7. Nomen uni Phison; ipse est, qui circumuit omnem terram 
Heyilath, ubi nascitur aurum et aurum terrae illius Optimum 
est, ibi invenitur bdellium, et lapis onyehinus. Genesis H, 
11. 12. Vgl. Kaiserchronik HI, UT. 1S3'\ 
^8. Vergl. mit golde er gebildet was, 
dai zer montHne an Kaukasas 
ab einem reise zarten 
grifen kld, dicz da bewarten 
und ez noch hiute aldä bewarent. Parz. 71, 17. 
Rabanus spricht, daz die greifen golt auzgraben und sich gar 
s^r fräuen, wenn si daz golt ansehen. Megenberg 190, 16. 
r4. Die Berge jenseits (nordöstlich) ^es kaspischen Meeres. 
n. Darüber berichtet unsere Chronik später (189 A 3). 
„h^rre, als ich ez selber sach, 
ein grdz gebirg ombgdt daz lant. 
Caspasis ist daz genant, 
daz hat Volkes vil Yerslozzen.** 
d6 sprach der unverdrozzen : 
„ist ir geverte dir bekant?^ 
„ii niht, wan der Juden sprich si hint 
hie vor vor manigem jär 
dd vie si Salmanasar, 
der kGnic in lud^a 
und sazt sie inz gebirg aldi, 
di nü ist ir beliben. 
ir zit mfiezcn si du vertrfben. 
niender kunnen sie Az komen, 
wan an einer stat, han ich vernomen, 
da gar ein enger wec üzg^t, 
den daz volc mit huot best^t. 
zweier lei liut sint sie erkant, 
Gog und Magog sint sie genant, 
der werlte tuont sie Schadens vi!, 
sd nd knmt daz jüngste zil 



i^Ütt Z i n g e r 1 e 



und daz bi der selben frist 

sol komen der Autercrjst» 

so tuont sie in der werlte schaden, 

daz sie von in wirt überladen 

mit wetuom und mit herzeleit.^ 

do nö dirrc also seit, 

d<^ sprach der eJcI kunic klar: 

„ei Werder helt, uu wis mich dar** 

„daz tuon ich willicliche^ 

sprach Candalus der riche. 

(16 I u diz g-eredet wart, 

do huop sich üf die vart 

g^n dem bergf Alexander. 

allez daz vander, 

daz im Candalus sagte. 

under allem her er fragte 

und bat im sagen maere, 

wer daz volc waere. 

do wart er berihtet reht, 

daz sie waern der zwelf gesieht 

und iren schepfer verlurn, 

unde ir 6 verkurn, 

als in die gap der sueze got, 

und betten an die abgot. 

YÜ unreinicheit 

wart im dO von in geseit, 

und daz sie slangen unde kroten 

aezen und die töten. 

nü hoeret, wie der werde fuor: 

ir beliben er alda swuor, 

er wolt vermachen in die kluns. 

nd ist also gesaget uns : 

dö er nü kam an die stat, 

got er do vil tiuwer bat. 

der edel fiirst gehöret 

sin gebet gen got er keret 

und sprach: „du aller höchster jrot, 

di'n gewalt und din gebot, 



Eise Geographie aus dem dreisehoten Jahrhundert. 42 T 

du aller ding* ein fundamint, 
\'d die tili fei lachen kint 
mit kreften hie besliezen, 
\i dich des iiiht Terdriezen, 
daz din yoIc iHf der erde 
von in iht gfeirret werde.** 
der sfieze got durch stn gebet 
Tor allem yoIc ein wunder tet. 
wand im an der selben stunt 
von himei tet ein stimme kunt, 
daz si'n beteHchiu wort 
unser herre biet erhört, 
daz Tolc solt s^n gevangen da. 
die berg begunden sich a^ 
vaste ze hiifen drucken 
und alsd ze samen smiicken, 
daz dar in die unsuezen 
üf die zit biten mfiezen^ 
biz daz die argen boesen 
der Antererist sol loosen, 
bi dem sie üf der erden 
gar gewaltic werden. 

97. Carmani, deren Plinius öfters erwähnt. — Bei Megenberg 
ist Wühl dasselbe Volk gemeint, wenn er sagt: ain pruiin 
ist pei den Garamanten. 483, 22. 

Wohl die Oretes. In Indiae genle Oretum. Plin. bist, 
nat. 2, 75. 

An den Namen Orestas erinnert das Oraste Gentesin des 
fram: starc rorine schefle drin 

Ton Oraste Gentesin 

dz einem heidenschen muor. Parz 33o, 21. 

dd l^rte Meljanzen piii 

Yon Oraste Gentesi'n. Pat*z 38.'), 5. 

von Orastegentesin der kfinec Th6aris. Parz 770, lo. 

ze Oraste Gentesin 

truoc er krdne W. Willehalm 22, 20. 

die von Oraste Gentesin. Ebendort. 341, 16. 
^b. d. pbil.-hist. Cl. L. Bd. IV. Hft. *^3 



428 Z i ■ ^c r I e 

der kfinie Nöapatris 
Ton Onste GeDtesiD. Ebd. 362, 20. 
V. 199. Eiu Daena nennt Ptolemeus in Hinter-Indien. 
V. 210. Schon Plinius emähnt der Pymaea in Indien: Indus statim 
a Prasionim gente, quonim in montanis P)'gmaei traduatur. 
VI, 22. Derselbe Schriftsteller erwähnt öfters dieser Zwerge: 
Gerania, ubi Pygmaeorum gens fuisse traditur IV, 18. Qui- 
dam et Pygnuieorum gentem prodiderunt inter paludes, ex 
quibus Nilus oriretur. VI, 35. Quidam ibi (Caria) Pygmaeos 
habitasse tradunt V, 29. 
V. 212. Über ihre Grosse schreibt Plinius: „ternas spithamas longi- 
tudine, hoc est, temos dodrantes non excedentes. VII, 2. — 
Megenberg gibt als ihre Grösse auch zwei Daumellen ao: 
Es sint auch klaineu läutel , die wonent auf ainem berg in 
India, die haizent pigm^i. diu sint zwaier daumellen laoch 
und streitent mit den kränichen. diu läutel kindeint in dem 
dritten jär und altent in dem ahten. 490, 35. Auch im Her- 
zog Ernst begegnen sie uns: 
dem herzogen saget man 
daz ein Tolg wire san, 
die hetten sunderlich ein lant 
nnd wdren Picmei genant, 
der Togel eier w^r ir iiar. 4035 
daz Tolg er durch wunder besach, 
als der herre sint verjach, 
daz er den nfrgent funde hie, 
der im ginge an sine knie. 4071. 
Vgl. Hagen d. Ged. d. MA. I, XIV. Anmk. 58. Gesta Rom. c. 175. 
V. 215. Den Kampf mit Kranichen berichtet schon Plinius VII, 2. 
X, 30. Auch Megenberg berührt ihn nochmals 192, 2. In 
Herzog Ernst werden nur Vögel genannt. 4055 und 4075. 
V. 222. Hae, priusquam dehiscant, decerptae, tostaeque sole faciunt 
quod vocatur piper iongum : paulatim vero dehiscentes matu- 
ritate, ostendunt candidum piper: quod deinde tostum solibus, 
colore rugisque mutatür. Plinius XII, 14. Rabanus spricht: der 
pfefferpaum hit weizew körnel, aber si werdent swarz mit 
der prunst an der stat, wenn man di« slangen scheuht 
Megenberg 373, 2. %< 




Eine Geographie aua dem dreizehnten Jahrhundert. 429 

. 236. Plinius nennt Macrobii in Äthiopien VI» 35. VII» 2. Vgl. 
Hagen, d. Ged. d. MA. I, XIV. Anmk. 59. 

279. Ander laut sint, die ezzent röeh visch und trinkent daz 
gesalzen merwazzer. Megenberg 489, 34. 

290. Super alios autem anthrophagos Seythas, in quadam con- 
valle magna Imai montis, regio e^st, quae vocatur Abarinon, 
in qua silvestres vivunt homines, aversis post crura planlis, 
eximiae velocitatis, passim cum feris vagaiites. Plinius VII, 
2. In monte, cui nomen est Nulo, homines esse aversis 
plantis, oetonos digitos in singulis habentes, auetor est 
Megastbenes. Fun. VII, 2. Ez sint auch laut, die habent die 
Versen an den füezcn her für gekört. Megenberg 490, 3. 

293. Plin VII, 2. — Auch sint laut, diu hinder sich gekert hend 
habent und an jedem tuoz aht zehen. Megenberg 490, 1. 

299. In multis autem montibus genus hominum capitibus caninis, 
ferarum pellibus vellari, pro voce latratum edere, unguibus 
armatum vcnatu et aucipio vesci. Plin. VII, 2. Jeronimus 
der hailig lerer sagt von läuten, die haizt er Cynocephalos, 
die habent hundeshaupt und scharpf krumm uegel an den 
lidern und sint rauch an dem leib und rcdent niht, si pellent 
sam die hund. Megenberg 490, 5. Vgl. Gesta Rom. c. 1 75. 

309. In quadam gente Indiae, teminas semel in vita parere, 
genitosque confestim senoscere. Plin. VII, 2. Ez sint auch 
weip, diu geperent ains mäls grä früht, und wenn die l'rülit 
lang lebent, so h irt ir här swarz in dem alter. Megenberg 
489. 29. 

317. In Calingis, ejusdem Indiae gente, quinquennes concipere 
i'eminas, octavum vitae annum non excedere. Plinius VII, 2. 
Auch sint frawen, die neur fünfstunt geperent und dar nach 
mugent si niht lenger geleben denn aht jär. Megenberg 
489, 32. 

328. Sed et juxta eos, qui sunt ad septentrionem versi, haud 
procul ab ipso Aquilonis exortu, specuque ejus dicto, quem 
locum Gescliton appellant, produutur Arimaspi, quos diximiis, 
uno oeulo in fronte media insignes. Plin. VII, 2. Auch VI, 
19 von Plinius genannt. Ez sint auch da selben ainäug laut, 
die haizent arimaspi und cyclopedes, und habent ain aug ze 
mittelst an der stirn. Megenberg 490, IS. 

28 • 



430 Z i g e r I e 

sie quameii an dem dritten tage 

in ein g-ar richez lant. 

Arismaspy ist ez genant. 

freuwen sie sich des begunden, 

wol erbuwet sie ez funden. 

daz Yolg ist wunderlich getan: 

nicht nier, wenn ein oug si han 

hoch uf gegen dem hirne 

oben an der stirne. 

Cycropides sint sie genant, 

glich gestirnet allensampt, 

ez si man oder wip, 

sie haben alle starken lip. Herzog Ernst 3666. 
Vergl. Hagen d. Ged. d. MA. I. XIV, Aiimk. 55. M. Kai- 
serehroiiik HI, 493. 
V. 330. Item hominum genus, qiii Monocoli vocsirentur, singulis 
cruribus, mirae pernicitatis ad saltum: eosdemque Sciapodas 
voeari, qnod in majori aestu humi jaeentes resupini, umbra 
se pedum protegant. Plin. VH, 2. Laut sint, die haben! iieur 
ainen fuoz und lautent gar sucll , und der fuoz ist so prait, 
daz er ainen grozen schaten gibt gegen der sunnen, uud 
ruoerit si under irm fuoz reht sam under aim obdach. 
Megenberg 490, 26. 
dem konige was nahen gesezzen 
ein volg, mit strit vormezzen 
iingestalt und unsüze, 
die hiezen Blatefdze ; 
die lieffen uff briüch und uff mos, 
dar komen mochte man noch ros. 
wenn ez wil unweter werden, 
so recken die onwerden 
die füze uf. daz ist ir sete 

und schirmten in vor dem weter da mete. Herzog Ernst 3823- 
Vergl. überdies Gesta Rom. c. I7B. Konig Rother 1871, 
Hagen d. Ged. d. MA. I, XV. Anmk. 56. M. Kaiserchronik Hl 
492 und 493. 
V. 352. Rursusque ab his occidentem versus, quosdam sine cerriw 
oculos in hnmeris habentes. Plin. VH, 2. Megasthenes geD* 



Eiie Geographie ans dem dreisehnien Jahrhundert. 431 

tem inter Nomadas Indos narium loco foramina tantum haben- 
tem, auguium modo loripedem , vocari Scyritas. Plin. VII, 2. 
Auch sint laut äa haupt, die habent ir äugen an den 
absein und babent für munt und für nasen zwai locber an 
der prust und sint über al rauch mit bertem bär, sam diu 
wilden tier. Megenberg 490, 22. 

360. Ad extremos fines Indiae ab oriente circa fontem Gangis, 
Astomorum gentem sine ore, corpore toto hirtam vestiri 
frondium lanugine, halitu tantum viventem et odore quem 
naribus trahant Nullum illis cibum, nullumque potum : tan- 
tum radicum florumque Tarios odores et silvestrium malorum, 
quae secum portant longiore itinere, ne desit olfactus: gra- 
viore paulo odore band difßculter exanimari. Ph'n. VII, 2. 
Ez sint auch laut, die anders nihts babent des si leben dan 
daz si an aim apfel smeckent, und wenn si verr wellent gen, 
s6 tragent si den apfel mit in, anders si stürben, wenn si 
ainen poesen smack smeckten. Megenberg 490, 26. Vergl. 
Gesta Rom. c. 17S. 

37S. Megasthenes scribit, in India serpentes in tantam magnitu- 
dinem adolescere , ut solidos bauriant cervos taurosque. 
Plinius Vin, 13. Plinius spricht von dem tier, das ez s6 
gr6z sei, daz ez hirz und rinder verslind. Megenberg 26S, 19 

386. Cyrogrates ist ain tier, daz menscbleieh stimm lernt. Megen- 
berg 132, 19. 

474. Vergl. Massmann d. Ged. I, 313. L. Alex. W. 8428. Parz, 
482, 24. Troj. Kr. 9566. Renner 19296. MSH. I, 202% II. 
3I1\ Frauenlob KL. 10. Gold. Schm. 287. Megenberg 
161, 19. Wartburgkrieg S. 178. — E puossi assimigliare 
la intemperanza al liocorno, ch*e una bestia che ha tanta 
dilettazione di stare con alcuna donzella vergine , che , com* 
egli ne vede alcuna, incontanente va da lei, e addormentasi 
nelle sue braccia; poi vengono gli cacciatori, e si lo pren- 
dono; che altrimenti non lo potrebbono pigllare, se non per 
la sua intemperanza. Fiore di virtu cap. 30. — 

609. Vergl. Ben. Wörterbuch II, 463. Pf. Germania VIII, 88. 
Megenberg 186, 33. 

820. Albertus spricht, daz in dem wazzer, daz Ganges beizt, ael 
g^n, die sein dreizic elnpogen lang. Megenberg 248, 4. 



432 Z i B ff e r I e 

V. 542. Vergl. Herzog Ernst 3180 ff. Vaterunser 1223. Wartburg- 
kriegs. 163, 166, 169. Letzterer Stelle zufolge liegt der 
Agetstein „zwelf ra^^len" von Palaker's entfernt. Megenberg 
481, 22. Hagen d. Ged. d. MA. I, XII. Anmerk. 49. 
V. 581. Der (Magnes) zeucht daz eisen an sich, wenn der adamas 

nicht gegenwärtich ist. Megenberg 451, 23. 
V. 552. ein ritter hete bockes bliiot 
genomen in ein langez glas: 
daz sliioger df den adamas: 

d6 wart er weicher danne ein swamp. Parz. 105, 18, 
Sieh lat doch brechen der herte adamas, 
suenne er vor begozzen wirt mit bockes blaote. Böwenbure 

MSH. n, 262\ 
der adamas ist gar hert, also daz man in weder mit eisen 
noch mit feur zerprechen mag, aber man zerpricht in mit 
vrischem pockspluot , daz allererst vergozzen ist und noch 
warm ist. Megenberg 433, 4. 
V. 565. Vergl. die Arethusii in Syrien. Plinius V, 19. 
V. 676. Nabathaei südöstlich von Palastina. 
V^ 736. Kairo. Auch in Parz. ist wahrscheinlich unter Babylon Kab 

zu verstehen. 
V. 745. Vergl. L. Alex. 6320. Herbort 14490 ff Megenberg 22, 12. 
492, 31. Unsere Chronik berichtet über den Ursprung der 
Amazonen 

Ouch huop sich bi den zften an 60 B 2 

diu zft, daz örst wahsen began 
ein Hut, daz mit menschlicher kraft 
s6 stiirk wart und s6 manhaft, 
5. daz nieman mit in gestriten 
mohte Sit in manigen ziten. 
als wcrKch was ir lip. 
die selben Hute warn niur wfp 
und wären Amaz6nes genant. 
10. nü wil ich iu tuon bekant; 
wie ir nam, ir kraft, ir wer 
sich anhuop und daz ir her 
des sites du bcgunden, 
daz sie strften künden. 



Eine Geographie aas dem dreiaebnten Jahrhundert. 433 

1$. da2 selbe ^ geschach da vor: 

ein kuDic was genant Vesor, 

der troog in l^gipten lant 

die krAne mit werHeher hant 

der reit dd hi den alten 
20. mit h^rschaft üf die CHen, 

ein Hot, dax man also nant. 

[n Cytts^ dem lant 

was dio selbe diet gebom. 

sie wären onch ds^ fGr erkom, 
2^. daz in mit werlfchen siten 

selten iht wart ab gestriten. 

sd werbaft wären sie erkant. 

den reit mit here in ir lant 

ton l^gipto kfinic Vesor, 
30. den leb nante ^ bie ror, 

nnd lae mit grAzem bere da. 

die Cyten samten sieb oucb si 

nnd sazten sieb g^n Vesor le wer 

mit sA werlfebem ber, 
35. daz sie mit im begonden strften. 

bt den selben ztten 

muost künie Vesor onderligen, 

den Cyten mobt er nibt an gesigen, 

wan si in mit gewalt an riten 
40. nnd oucb den sig an im ersiriten. 

dar zuo mit gewaltes bant 

gewonnen sie im an shi lant 

ond twongen in mit siegen, 

daz er muost sfn lant geben 
4d. und flöbtikltcb ron in entran, 

als ieb diz gelesen bän. 

Nu sdzen die Cyten sft 

nsicb dem selben strft 

TÜ gewaltikllcbe 
S^O. di in Vesores rtche 

in l^gipto und twungen da 

Til lint in Asfä, 



434 Z i n (T e r 1 e 



daz sie gewunnen landes tII. 

dar nach in kurzem zil, 
55. d6 sie in der kraU beliben, <'0 ^ ^ 

d6 wurden Ton Cyti'a doch yertribcn 

zw^u junge hei werhaft. 

die heten tu manliche kraft 

der selben hiez einer Plynius 
60. und der ander Scolopeius, 

und d6 die beide ellenthaft 

daz lant heten gerümet mit ir kraft, 

d6 twungen sie her wider sa 

Pontum und Capadoci'a 
65. und liezen sich dar inne nider. 

sie betwungen üf dem lande wider 

daz b{ gelegen lant gar^ 

daz mit urliug g^n in war. 

sie zugen die alda 
70. üz dem lant Capadoci^ 

in andriu lant mit grdzer wer. 

iedoch wurden sie und ir her 

ze jungst Ton Gbcrkraft erslagen. 

die von in ^ heten getragen 
75. kumber und manige nOt, 

von den lagen sie nü t6t 

und Til manic gröziu sehar, 

die sie mit in bnihten dar. 

D6 nü der wert Plynius 
80. und ouch Scolopeius 

gelagen also mit ir wer 

und mit in allez ir her 

gelaigen tot mit irem lip, 

d6 begunden diu wip 
85. in zwffel mit Torhten wesen, 

wie sie solten genesen 

und aine man gebären, 

der sie nü terweiset waren 

in dem eilende da. 
00. di ton gedihten sie in si; 



Eine Geo(|rraphie ans dem dreizehnten JaliHiundert. 43t) 

die man ?ertribent uns ml hie. 

da von ir dinc sich als6 an vie, 

sie gedahten in, daz in bezzer waer ze wer 

dann daz sie der vinte her 
9'^. gar betwunge mit kraft 

ze dienstlicher eigenschaft 

oder swie sie diuhte guot. 

da von wart in allen ze moot, 

daz sie mit wer erstürben, 
100. ^ daz si als6 verdürben. 

nieman wolt schönen irr wipheit. 

da von wurden sie ze wer bereit 

und üf strit als die man. 

mannes wapen legten si an 
105. und lerten s^r da mite 61 A 1 

striten nach manlichem site> 

als6 daz sie in kurzen stunden 

schier wol striten künden. 

mit dem bogen schuzzen si wol. 
1 1 0. schoeniu pfärt und schoeniu vnl 

riten diu selben wip. 

*n was vil starc und stolz der Ifp. 

ir gewant in ouch gic 

niht verrer, danne üf diu knie. 
Ho. d6 nA diu werden wtp hi^r 

gelierten also mit wer, 

daz nieman in den ziten 

moht mit in gestriten 

und do sie des wurden gewar, 
120. dd huobcn sie sich dar 

an die man, und do sie daz vernomen, 

daz diu wip waren komen, 

d6 huoben sie sich gen in 

üf daz velt hin 
125. und vahten mit in an der zit. 

die man verlurcn do den strit 

und wurden von in do erslagen, 

als ich die scbrift hocre sagen, 



4S6 ZimgtTl€ 



und liezen ir einen niht genesen. 
130. sie wollen firi sin gewesen 

Tor mannes meistersehaft 

und d6 sie erfanden an in die kraft, 

06 liexen sie sieh lehant 

nider in ein wftez lant, 
13S{. das mit dem mer beslozxen was 

and mit gebirge, als ich las 

an Alexanders booch, 

sie haeten Til Ideinen moch 

Af man. aber ns^eh dirre zft 
140. Ober etelichio jir Sit, 

d6 hegenden sie rorhte hs^n, 

ob sie beliben ine man, 

s6 muesfen si alle gar zergin. 

dl Ton nimen sie sich an, 
145. dax sie ton andern landen 

der man soo in besanden 

sd fil, daz ein ieglich wfp 

het d6 gewizzen mannes Hp, 

den sie gern haben wolte 
i ^0. und bf im kint tragen solte. 

noch sage ich ron in ml, 

daz sie nich der I 

die man nimen ze man. 

die muosten rerre stn hin dan 
155. in einem andern lant ron in, 

daz sie niht kaemen zuo in hin, 

dan zeinem mile in dem ih 61 A 

d6 santen dio wfp dar 

nach in in daz selbe lant, 
160. di in underscheit was erkant 

und opfriiten da iren goten, 

als in Ton orden was geboten 

und legten sich zeinander da. 

welhiu dann wart swanger si, 
165. als der man heim komen was, 

and sA sie dann des kindes genas, 



Eine Geographie aaa dem dreiiehnlen Jahrhandert. 43 i 

was ex ein sun, 86 sant si ex dem rater sfn. 
was aber ex ein meidelfn, 
sd behielt sie ex hi ir da 
1 70. and liex im abe snfden sa 

die xeswe brüst, dax ist angelogen, 

din sie irret xoo dem bogen 

und xno dem schirme und dem slag, 

swenn ex kaeme an die tag, 

dax ex sich dann möht gewem 

und mit schiexen sich emem. 

dl TOn hiexen sie Amaxdnes. 

für war bin ich bewfset des, 

in der selben Sprüche dan 

nennt man wfbes brüst Masdn, 

der dann dd f&r setxt ein i 

s6 spricht ex eine brüst sl. 

nrad gibt eine ganz ahnliche Erklärung des Namens. Troj. Kr. 

4223g AT. 
TS5. Mazzegetes. Plinius VI, 19. 

Seres. Plinius VI, 20. — Sfres öfters bei Wolfram: Parz, 

629, 18. Wilh. 26, 25. 341, 25. 363, 10. 
761. Hier ist wohl Partia gemeint. 

773. Wol Scythia. 

774. Hunnia in den Gegenden nordwärts yom kaspischen Meere. 
778. Wohl Hyperborei. Diese Stelle ist yermuthlich veranlasst 

durch Plinius, der im Capitel Seres sagt: sinus, et gens 
hominum Attacorum, apricis ab omni noxio adflatu seclusa 
collibus, eadem, qua Hyperborei degunt, temperie. VI, 20. 

780. Albania am ostlichen Kaukasus gegen das kaspische Meer, 
südwestlich an Armenien stossend. 

784. Vergl. öf den bergen Ararat. Anno 311. 

791. Wol Iberia n5rdlich Ton Armenien am Siidabhange des 
Kaukasus. 

817. Herica ist vielleicht Heraclea im östlichen Theile von 
Bithinien. 

819. Nick durfte die Stadt Nicaea sein. 

829. Vermuthlicb Galatia. 



438 Z i m g t T l e 

V. 837. Lycaonia. 

V. 844. Isauria. 

V. 848. Amanus das ostliche, Taunis das nurdliehe Grenzgebir 

von Cilicien. 
V. 872. Rhypaeen, ein Gebirgszug am äussersten Norden Eiirop 

gedacht. 
V. 873. Tanais (Don.) — 

V. 919. In der Strassburger HS (Diutisca I, 47 ff.) folgen nacl 
stehende Verse: 

Dio ^rste ist Costenz genant. 

die der edel dcgen guot, 

UHTerzag^ und hdehgerouof, 

ein roemiseher knnie rfche 

stifte werdecliche. 

er hiez ConstantTnus. 

nüch im nantc er si sus 

und tet ir namen s6 erkant, 

daz si ist Costenz genant 

dar nach bi des R^nes vlaot 

\ii ein vest unmäzen gnot 

B^sely diu Til werde, 

daz ninder üf der erde 

endarf bezzer Teste sin. 

si hat körn und guoten win, 

TollicHche grdze gnuht. 

ouch hat si den besten Inft, 

der in landen möhte wesen. 

daz Sprech ich, wan ich'z han gelesen. 

darzno ist sie gefestet 

gewehet und gegestet 

mit manger burc nl schiene, 

die si rehte als ein kröne 

ziercnt mit werlichcr kraft. 

in Basel siut ouch ellenthaft 

mit hüse gesezzen 

ze aller zit vermezzen 

ftjnfzic rittcr oder m^r, 

gcwetiU. die man niemer widerk^r 



Eise Geog^nipbie ans dem «ireizehnteu Jahrhundert. 



439 



sihet tuon ze kiaden 
ze frouwen noch ze sinden 
d, d daz sie gesiget hdnt 
oueh tuon ich iu noch m^r erkaiit. 
da ist guot alles guotes, 
da ist des heiligen bluotes, 
daz Yon gotes herzen fldz, 
daz er durch uns alle gdz 
an dem frönen criuze hdr, 
daran er hienc lerwundet s^r 
da ze Caharfä. 

des selben criuces ist ouch da 
ze Basel in der houbetstat. 
da ron si so tu lobes hat, 
daz si nieman Tolloben kan. 
L Die Strassb. HS. hat dann folgende Verse (Diutisca I, 63) 
Darnach hi dem Rinc hin 
so Ift, als ich bewfset bin, 
ein schoeniu, wunnecli'che stat. 
Strazburc si den namen hslt. 

si ist gezieret schöne, 

si ist des landes kröne. 

bi der stat yü nihen bf 

über kleiner raste drf 

ligent silberberge rieh. 

gröz, hoch und wuiuiecHch. 

daz Silber, daz di wirt gegraben, 

so ez wirt gebrant> so wirt ez erhaben 

und wirt gefueret in die stat 

ze Strslzburc. da von si ril sat 

ist Ton Silber unde h^r. 

da von nach der buoche l^r 

Strsizburc in lingua latfud 

heizet Argentftiü, 

in tiutsche ein silberstat genant 

durch daz. wan elliu diutschen laut 

beidiu hie, da unde dort 

den vil keiscrlichen bort 



440 Z i g e r 1 



antwurtent dar und sie waer baz 

ze R6me, da der keiser saz. 

uns kündet ouch diu rehte zai, 

daz bi dem Rine bin ze tal 

lil Spire wol gevestent')» 

da iiicnige kunige restent 

und da wartende sint, 

wanne kom der megede kint 

geleitende den strengen sent, 

dein si danne red erg^nt 

und vil gar ze rebte stant» 

wie sie sfn liut geribtet bint. 

oucb sult ir wol wizzen daz, 

da zwiscben Strazburc» als ieb las, 

und Spire lit drilic berc, 

als uns seit der w^rbeit were, 

da von er Drivels ist genant 

in allen landen wol erkant, 

wan da sint üfTe scbdne 

des riebes sper und krune, 

die da mit b6ber wirde sint. 

ez ist diu kröne, die daz kint, 

der megede kint, got J^sus Crist, 

der aller dinge schepher ist, 

der alliu dine in sinen gewalt 

besliuzet junc unde alt, 

bimel, erde, wazzer, stein 

und der belle kruft gemein 

beriebtet er mit siner kraft. 

sin gewalt bat elliu bebaut, 

der dise selbe krdne truoc. 

der warbeit weiz man vil und gnuoc. 

nicb Spjre bi dem Rine d^ 

liH ein stat Wormatiä. 

diu selbe stat, diu ist vil guot. 

dar naeb bi des Rines vluot 



<) givettit. 



Eise Geographie avt dem dreisehnten Jakrkvadert. 441 

lit Megenze tH Termeuen. 

ein enbischof ist di geseszeu. 

uns seit diu historii, 

dai nach dem Möun Moguncja 

si diu selbe stat genant 

sie ist TÜ wUen erkant. 

dar nach hi des R^nes fldz 

lit Colne ein stat. diu ist vil grdz 

und in hdlier schouwe gar. 

diu maere sagent uns fQr wir, 

diu stat si saeldenriche, 

wan di staetecHche 

restent grdzer heiligen tu, 

der ich ein teil hie nemnen wil. 

L 978. Vielleicht Mösia. 

f, 985. Wohl der Dniepr. 

'\ 1 006. Cornia wohl Aeariiania oder Coronea. 

f. 1008. Achä ist vermuthlich Attika. 

^. 1013. Salneek» das in der deutsehen Heldensage öfters genannt 

wird (Grimm HS. 230, 236. 212), ist Salonichi. — Ema- 

thiä ein Theil des alten Maeedonien. 
l. 1022. Sicionie, Landschaft des Peloponues. 
^ 10I>2. Apenninei liier auch auf die südlichen Alpen ausgedehnt. 
^ 1070. Falben, Cumanen. Flachen, Wlachen. 
^. 1118. Terra di lavoro, Landschaft des Königreiches Neapel. 

Vergl: sfn lant heizt Terre de Läbdr. Parz 6S6, 14. 
^ 1119. Vergl. Caps was sin houbetstat. Parz. 6S6, 19. 
^ 1120. Wohl der „Mendelberc« der Kaiserchronik 10596, 14591. 

Vergl. Grimm d. Mythologie 154 Aiimcrk. 
'. 1124. Unsere Apenninen. 
'. 1146. Bellica Gallil Kaiserchr. M. 399. 
r. 1147. Mons Jovis, der grosse St. Bernhart. S. Grimm deutsche 

Mythologie 154. 
f\ 1166. Gallia Narbonensis. 
f. 1178. Gallia Tarraconensis. 
L 1180. Korhd vermuthl. Cordova. 
V. 1187. Navern, Nayarra. — Wascilm, Vasconia (Gascogne). 



442 ZiB^erle 

V. 1188. Saiithum, Saintonge. 

V. 1189. Castel, Castilien. 

V. 1204. Xorgaleis. (Xord-Valois?) Norgäls bei Wolfrain: si truog 

üuch krön ze Norgals. Parz. 103, 9. Wäleis und XurgaU. 

Parz. 128, 7. 494, 23. 803, 5. Du bist oeb kfinec ze Xor- 

gäLs. Parz. 140, 29. üz Norgals gein Spane. \V. TiL 82, 1. 
daz ist Engellant und Waleis, 

Sehotenlant vnd Norgaleis. Rudolf ▼. Ems (Kaiser- 

cbronik 111, 495). 
V. 1255. Cyrenaiea. — 
V. 1260. Perinte, Berenice. 
V. 1261. Asyone, Arsinoe. — Tyrone, Cyrcne. 
V. 1262. Ptoleniais. 
V. 1266. Tripolis, die drei Städte, von denen es den Namen bat, sind 

Oeea, Sabrata, Leptis. 
V. 1272. Pisate, Byzacium. 
V. 1273. Aronie, Hadrumet. 
V. 1276. Dem Zusammenbange naeb ist Censiä die Landschaft 

Zeugitana. 
V. 1293. Mauritania war eingetbeilt in Sitifensis, Caesariensis und 

Tingitana. 
V. 1301. Vergl. : Ain prunn ist pei den Garamanten, der ist des lages 

so kalt, daz in niemant getrinken mag, und des naehtsso 

warm und baiz, daz in aber niemant getrinken mac. 

Megenbeig 483, 21. 
V. 1317. Die Trogodytae bei Plinius (XXXI, 15) ?— Wabrschein- 

lieber sind liier die Troglodyten am Westen des arabische« 

Meerbusens gemeint. (Plinius V, VIII.) 
W 1326. Wobl Gades, falscblieb naeb Afrika versetzt. 
\. 1331. Vergl.: der Astronomie sehar 

was nieister Albumasar^ 
Ptoloroeus vaner was 

und Torfebter Atlas. Wälscb. Gast. 8955. 
V. 1360. Abuudes wohl Abydus. 
V. 1361. Vermutblieb Hellespont. 
V. 1364. Cyelides, die Cycladen. 
V. 1371. VVoblTenedos.' 



Kitte Geographie aos dem dreisehaten Jahrhuttdert 443 

1372. Schon bei Homer die hundertstadtige genannt: 6i Kprirr^v 
cxarö/JLTToXev d/x)>£vefiovro. U. II, 649. 

1374. Cythera. 

1375. Cythera cum oppido, antea Porphyris appellata. Plinius 
IV, 19. - 

1376. Carpathos zwischen Rhodos und Kreta. 
1381. Icaria westlich Ton Samos. 
[38^hux>s. 

13&l-t^NNM nordwestlich von Faros. 

1427. Die Vulcanischen oder Aeolischen Inseln. 

[432. Wohl die Inseln Stoechades an der gallischen Küste, öst- 
lich Ton Marsilia. 

43S. Vermuthlich das Barpana bei Plinius III, 12. — 

1449. Vergl. : Ez sint etleich warmprunnen, die hailent die kranken 
äugen, aber si sträfent die dieb , wan welcher diep für ain 
diepstal swert, ist er mainaid, sd erplindet er von den 
wazzem, ist aber des niht, sd gesiht er paz dann vor. 
Megenberg 483, 3. — 

[456. Ebusus, das heutige Ivica an der Ostkuste Spaniens. 

1465. Vermuthlich die Gorgades des Plinius. VI, 30. 

1467. Espidd ist die Insel Atlantis. Über diese sieh A.v. Humboldt 
krit Untersuchungen I, 155 ff. 

1516. Über St Brandan s. Simrock^s Wartburgkrieg S. 342. 
Keller, altfranzosische Sagen II, 1 und Dr. 0. F. Peschels 
Aufsatz : ,»Ursprung und Verbreitung einiger geographi- 
schen Mythen im Mittelalter**. (Deutsche Vierteljahrsschrift 
1854, 2, 244.) 

1481. Vergl.: ein boum der heizet ebanos; 
des kraft sol man sus 
mit dem Urkunde erkennen, 

daz fiur mac sfn niht gebrennen. [321, 6. 

di von ist er erkant. Flore 2071 und Megenberg 

1498. Die sogenannte St. Brandans- Insel, mitten im atlantischen 
Ocean gedacht. 



xb. d. phiL-hUi Cl. L. Bd. IV. Hft 



444 



Z i ■ g r r I e 



!VaMei?erieifliii88« 



Abnudes 13(10. 

Achä 1008. 1014. 

Aehaiä 1021. 

Aebarje 1373. 

Adftm 24. 

AfTriU 49, S3,1243, 1283, 1325, 1363. 

Atfroltm 248, 

Ag7rftl44. 

Agyrd 144. 

Albaniä 780. 

Alemao 908. 

Alexander 177, 731. 

Alezandrfe 729. 

Almanift 889, 907. 

Amazdaes 745. 

AmmoDift 848. 

Amoniten 806. 

Amüter 1300. 

AnkoB 1116. 

AntiocbiA 619. 

Aonje 1011. 

Apenoinei 1052, 1162. 

AppolloDift 1263. 

ArabiA 596. 

AretusA 565. 

ArgeaUad Anm, 923. 

Arimaspi 328. 

ArkadiA 1022. 

ArmAnie 783. 

Arome 1273. 

ArrarÄt 784. 

Asta 47, 51, 70, 815, 859, 1369, 1470. 

AfliA minor 807. 



AsafriA 569. 
Asflur 570. 
Asyone 1261. 
AtbAoe 1010. 
Atlas 1330, 1331. 
Atlantienni mare 1829. 
Babel 30. 
Babil6nfi 737. 
Babil6nje 32. 594, 736. 
Basel Anm. 919. 
Beheim 1086. 
Beierlant 934. 
Bereth 1269. 
BeihU 1179. 
BitiniA 816, 823. 
Bodems^ 908. 
BrAbant 942. 
BrandAn 1516. 
Britanje 1152, 1202. 
Bulgane 977. 
Burgunden 1155. 
DalroaciA 1003. 
Danas 619. 
BXn (J36, 639. 
Danuui 873. 
Darda5ii\ 832. 
DessAliA 1012. 
DomiA 890. 
Drirels Anm. 923. 
Duringen 946. 
Ebed 1426. 
Ebosus 1456. 
Edos 1363. 



Ritte Geographie aus dem drciMliiilei Jahrhundert 445 



093, 1376. 


I8paniell74. 1175. 1191, 1458. 


r03. 711. 


lUliA 1099. 1109, 1136. 


700. 


laphet 52, 626. 863. 982, 1195, 1234, 


57. 


Jebttseua 647. 


i608. 


Jerusalem 645. 


). 


Johannes 811. 


1007. 


Joporei 778. 


m 1361. 


Joppen 1287. 


1013. 


Jor 637. 638. 


M202. 


JordAn 635. 640. 641. 


i809. 


JudeA 643. 


[003. 


Calabri 1118. 


ja 1171. 


Calabriä 1461. 


1467. 


KaldAA 595, 738. 


407. 


Calpiä 741. 


1295. 


CalvariA Anm. 919. 


B 98, 586, 614. 


CalyeiA 829. 


48,52,861.1236,1242,1362, 


Campus 699. 


. 


CananAA 643. 


1180. 


CanopitA 697. 


657. 


CapadociA 792. 


139, 1143, 1146. 


Capados 1376. 


520. 


CÄpis 1119. 


eo 197. 


CariA 837. 


1326. 


Karibdis 1425. 


inium roare 1328. 


KSilin^en 1156. 


B. 


Kartago 1278. 


lA 897, 900. 952. 


Kaspt. moDtes 174. 


9. 


Castel 1189. 


754. 


Caucasas 21. 741. 


«665. 


Cenopedes 330. 


des 1465. 


CensiA 1276. 


890. 


Kernden 1091. 


517. 


CesariA 1294. 


1 1205. 


Cetim 994. 


942. 


Cham 53, 629, 1245. 


774. 


ChamagenA 622. 


791. 


Chananeus 648, 653. 


606. 


ChilA 1210. 


15,193,233,507.556. 


Cider6 1374. 


57.560.1247. 


Ciciaden 1378. 


726, 1381. 


CiliciA 846. 


\U. 


CillA 1426. 


1677. 


Clycopos 329. 


liten 673. 


Colne Anm. 923. 




29» 



446 



£ i ■ ^ c r I c 



CoBttaatiii^pel 997. 

CoBtUBtlnut 98«, Ans. 919. 

K#rlii 1180. 

Konntut UM. 

Corni-wal 1203. 

Coraii 10-6. 

Cotteaz Anm. 919. 

KöEel 1067. 

Közler 1067. 

Kriechen 991, 992, 996» 997, 1002, 

1106. 
Crtte 1352. 
Curticä 1456. 
Cydou 1391, 1397. 
Cyclides 1364. 
CyliÄ 773. 

Lamparten 1114, H32. 
Leptia 1270. 
Libanoa 632. 
UhU 708, 1254. 1358. 
Licil 852. 
Lugdim 1165. 

Lugdunensis (Gallia) 1161. 
LusiUniä 1178. 
Lutringen 1155. 
Lydia 838. 
LjrcuDiä 837. 
Madianifen 707. 
Magog 180. 
Mdceddnje 1012. 
Macrobi 236. 
Marion 1384. 
Maritinialll5. 
Marroch 1280, 12H6. 
Marailie 1044, 1433. 
Maxzegetes 755. 
Mddii 576. 
Megenxe Anm. 923. 
Melos 1385. 
Meotides paludea 877. 
MesopotarofA 500. 
Mearaim 694, 695. 
MdaiA 968. 
MefTen 1088. 
Migdonie 818. 



Moabiten 605. 

Moganeii Ana. 923. 

Molosil 1006. 

Mootjoffen 1147. 

UdriUn'i 1288. 

Mdan Ans. 923. 

Mytkä 819. 

Nabaiot 676. 

Nabonenaia (Gallia) 1170. 

Naper 985. 

Narobim 1166. 

Narern 1187. 

Nazar^t 661. 

Nick. 819. 

Nilus 719, 1480. 

NinoiT« 591. 

N6^ 684, 786, 788. 

Norgäleia 1204. 

Normanre 1204. 

N<rr(m«r 915. 

K<ir«^l^enf^K 

Hamrdi^ 1287, 1436. 

Ocasii 1269. 

Olympus 1015. 

Oröb 603. 

Orestas 197. 

Orcbades 1206. 

OrthigiA 1380. 

Ostenner 927. 

6sterrfcb 1077. 

Österfranken 936, 045. 

Palech 16. 

PüLeatinil 642, 654. 

Pamphiliä 853. 

Panoniä 971, 075, 1030, 1093. 

Parchares 1464. 

PardaniA 1435. 

Paron 1385, 1391. 

Parthift 562. 

Parze 248. 

PatriA 761. 

Peloponea 1011. 

Pentapolis 664, 1256. 

Perinte 1260. 

Persiä 576. 



Eine Geographie au« dem dreixehnten Jahrhundert. 



447 



iä853. 




Sethim 995. 


ft 1498, 1501. 




Sihille 1400. 


M286. 




Siciliftim. 1103.1425. 


126. 




SicioDie 1022. 


D 97. 359. 




Smimil 826. 


rsio. 




Snöberc 1071. 


ieium 1274. 




Stiele 1485. 


1272. 




Sodomä 665. 


ras 1399. 




Spanjäll92, 1199. 


1475. 




Spfpr Anin. 923. 


1086 




Spolit 1116. 


aida 1262. 




Stekanes 1432. 


um, roare 857, 


925. 


Stiphesis 1293. 


i854. 




Stlr 1077. 


11124. 




Stoc4 1385. 


al 1189. 




Sträzburc Anm. 923. 


is 1375. 




Swäben 906. 909. 934. 


pat1119. 




Swdbeolant 923. 


m 1088. 




Swedeo 959. 


D^ 135. 




Syddn 628. 


118. 




Syddnje 628. 


, moDfea 872. 




Sypfti 603. 


02, 911. 916, 


937. 940, 1149, 


SyriA 618. 


1. 919 u. 923. 




Tdkas 198. 


nken 938. 




Tenemark 954. 


1 985, 1087. 




Terralbdrlll8. 


1165. 




Tbabor 660. 


1370. 




Tbarus 848. 


104. 1121, 1122, Anm. 923. 


Thebaidä 72a 


ite 978, 1115, 


1125. 


Thilos 1377. 


nier 123. — 




Thonatos 1210. 1371. 


^96, 597, 1295 




Tbus 599. 


948. 




Tliydd 1279. 


646. 




Tigitaniä 1179. 


•k 1013. 




TingwitaniA 1294. 


il 656. 




Tironaicä 1255. 


ites 652. 




Toackas 198. 


1 1397. 




Ti Aciä 980. 


am 1188. 




TrachoniÄ1178. 


ten 754. 




Trinaoriä 1406. 


tun 1212. 




Trippel 1266. 


943. 




Tro^adit 1307. 


iO, 69, 646. 




Troy 833. 


631. 




Tiionou«e887. 893. 924. 


755. 




iuscAn 1114, 1122. 



448 Z i B 9 r I e 

Tjgrh 97, 560, 58$. Fileben 1070. 

Tyranica 840. Franknch 1 1 85. 

Tyras 625, 626, 981. Frigi& 824, 828, 831. 

Tyrone 1261. W&leis 1203. 

Tyru8 625. Wascum 1187. 

Unger 1056, 1062, 1(^73, 1078. Wiudisch lant 1081, 1091, 1098. 

Falben 1070. Wormatil Anm. 923. 

Vdnedie 1419. Wuleanie 1427. 

Fdnix 622. Ziper 1350. 




Zu Heier"» UiireL 440 



Zu Fleiers Garet. 

Die Bruchstacke der Meraner Handschrift. 

Herausgegeben von Dr. Igiu T. Ziigerle. 

Beda Weber schreibt, dass man in Tirol ^»ausgedehnte Samm-p 
lungen von Minneliedern in der köstlichsten Reinschrift auf aller* 
feinstem Pergament in so grosser Fülle fand, dass man schon im 
XV. Jahrhundert die Gerichtsverhöre damit einzubinden anfing, wie 
das namentlich im Meraner Archive noch zu sehen ist.*" <) Dadurch 
neugierig gemacht, durchforschte ich schon im Sommer 18S1 das 
Stadtarchiv von Meran , fand mich aber in meinen Hoffnungen 
ganz getäuscht. Ich erfuhr dann später, dass sehr viele Acten an das 
dortige Gerichtsarchiv abgeliefert worden, doch auf nähere Erkundi- 
gungen hin ward mir gesagt, dass auch in diesem Archive nichts zu 
finden sei, denn die Acten reichten nicht weit zurück. Später berich- 
tete mir ein Beamter, dass es im Gerichtsgebäude noch ein altes 
Archiv gebe, welches beinahe ganz unbekannt sei. Dort Hesse sich 
vielleicht noch etwas finden, und dieses habe vermuthlich B. Weber 
gemeint, als er die vorstehenden Zeilen schrieb. Da veröffentlichte 
Alois Goldbacher 1863 einige Bruchstücke aus Garel, die er zu 
Meran gefunden hatte (Pfeiffers Germania VIII, 89—97). Es war 
nicht schwer, den Fundort dieser Fragmente zu vermuthen, und 
als ich im letzten Februar einige Tage in Meran verweilte und 
mir der Zutritt ins alte Archiv gestattet war, fand ich bald als Ein- 



y\ Laod Tirol, I, 172. 



450 ZiB^crlc 

bände von Geriehtsprotokollen and Verfachbüchern ans den Jahm 
1617 — 1641 sieben Bogen, die znr nimlichen Pergament -Hand- 
sefarift des Garel gehören. Die Blätter sind Folio, mit drei Coliim- 
nen auf einer 5$eKe. Die Schrift ist sehr rein ond deotlich «4 
gehört nach dem Urtheile eines gewiegten Kenners dem Ende des 
13. oder dem Anfange des 14. Jahrfannderts an. Da Pleier eher 
nach als vor 1260 gedichtet hat <) nnd Garel Ton seben Gedichtei 
Tcrmuthlich das späteste ist,* da es noch das beste scheint *), so 
reicht diese Handschrift, die jedenfalls besser nnd älter als die Linzer 
Handschrift ist, nahe an die Lebenszeit des Dichters zorück und ist 
um so beachtenswerthcr, als sie neben der genannten Linzer Hand- 
schrift die einzige ist, welche wir von diesem Gedichte noch besitzen. 
Was die Schreibweise betrifft, kann Folgendes bonerkt werden: 
Der Schreiber gebraacht durchweg langes s»), für A meist on^) (onf 
I, 24, 41, 165, 170, 247. H. 7, 14, 65, 85 ff. ouz I, 51, 227. IL 
118. V, 93 ouzen HI, 136 house II, 62, 115. M, 64. hous H, 72. 

V, 182. ouffe HI, 32, 62 trourens III, 192 choume IV, 39 lout V, 
80. VIH, 66 soumten V, 55 tousent V. 77 louten V, 83 klonse VI, 
6, 26, 63). Das I ist häufig im ei aufgelöst. Anstatt des ei steht in 
der Regel ai, und statt öu meist aeu (fraeuden I, 153 fraeude I, 
263). Au statt A begegnet selten: lauhte 1,16 klause 11,61. InBezag 
der Consonanteri finden wir: eh statt c (minnichlich I, 21, 25 maniehl, 
25, 26 gesellichlich I, 23 truch I, 52 klvch I, 53 lach l, 92 mach 
I, 113 twanch I, 134, 171 etc.) staU k: trinchen II, 17 chinden IL 
43 starchiv HI, 2 gedanche IV, 227, w für b (lobewaer U, IW. 

VI, 72. VIII, 33. IX, 143. XIl, 218 geher^erget V, 194 herwerge 
VH, 221. XIV, 57 heniergen iX, 185. X, 116. XIII, 229), b statt w 
(rube II, 94 geruobet XIV, 7). z ist nach laugen Vocalen meist 
verdoppelt: grozzen H, 167 erlazzen III, 267 verwazzen IV, 44 
sazzcn V, 29 etc. Ebenso ist in „ors** das s stets verdoppelt VI, 139, 
145, 194. Andere nur vereinzeinte Abweichungen zeigen sich in 
folgenden Fällen: sehof (sehoup) I, 29 heft II, 120 hefen XI, 267 



*) Melfrniiz., herHuftgt^geben von R. Bartseh 366, Geriiianu (1, 500. 

S) KbcBdort. 36). 

^) .Nur eiiiniHl h«*^(*gnei: valsehez Imz XIII, 254. 

^) Vergleicht» : (m imiu ilvum. I, S, 202. 



Zo Pleier*8 Garel. 451 

abentivre I, 121 gebriset I, 212 hobsch (höfsch) I, 31 , 272 
bezer III, 182. 

Ganz geiäofig ist unserm Schreiber iu statt iueh: I, HO, 166, 
844. II, 109, HO, 120, 165. IV, 65, 182. VII, 226. XI, 71. XII, 
115, 276. XIII, 140. Ebenso gebraucht er div statt die im acc. sing. 
fem.: IV, 157, 162. V, 2. VI, 2, 65. IX, 136. XI, 63, 274. XII, 
214. Xin, 8, 267. Statt den begegnet die Nebenform dien: XIII, 

170, und so ist auch statt dein V, 29 zu lesen. Einmal finden wir 
dere statt der V, 87. Minnechliv (I, 80) ist wohl nur ein Versehen 
les Schreibers. 

Ist unsere Handschrift im Ganzen gut und sorgfaltig gefertigt, 
so fehlt es dennoch nicht an manchen Verstössen. Ich verweise auf 
folgende: zins statt zin II, 224. iemen statt niemen II, HO. mir 
statt mtnerll, 184. von staU wanll, 190. def statt den II, 193. gewerch 
statt getwerch III, 67. einen statt feinen IV, 18. chVnege statt chüne 
[kfieue) IV, 23. XIV, 64 freilichen statt freislichenIV,27. slager statt 
slagenlV, 94. geschit statt geschiht IV, 103. wart für geschofet statt 
iras für gestapfet V, 37. solden statt soldeV, 76. swem statt swen VI, 

171. chvnegen statt chfnen (küenen) VI, 208. XIII, 88. wolten 
helfe statt wolten ze helfe VI, 212. daz statt der VII, 249. der lüte 
so vil so vil statt der lüte viel so vil VIII, 75. daz statt da VIII, 172. 
taet statt reit X, 52. der statt den X, 57. ein ein statt an ein X, 
147. daz statt baz X, 224. Nasseran statt von Nasserem X, 234. 
der statt den X, 258. sinen statt sine XI, 126. zit statt sit XII, 16. 
bei statt frei XII, 35. vnd mit statt vnd der mit XII, 66. si ist zu tilgen 
Xm, 31. in statt die in XIII, 57. sehehen statt sehen XIII, 72. zwelf 
statt het zwelf XIII, 160. der der statt der XIV, 25. 

Gehen wir zum Gedichte seihst über, so bemerkte schon Bartsch, 
dass Garel unter den drei Gedichten des Verfassers das beste sein 
möge. Da ich den Tandarias nicht kenne, so kann ich nur dies 
bestätigen, dass Garel bedeutend besser ist als Meleranz. Zeigt der 
Dichter auch in jenem wenig Erfindung.Hgftbe, so erzählt er darin 
doch meist mit Geschick und Lebendigkeit Die Darstellung ist 
viel gewandter, als in Meleranz, und glückt an besseren Stellen der- 
gestalt, dass sich Garel mit ähnlichen Artusromanen zweiten Ranges 
wohl messen kann. Dieser Fortschritt zeigt sich auch in Handhabung 
des Reimes. Die Bindung a : ä begegnet ausser vor r und n nur 
höchst selten: vor f (houptstat: lät Xll, 1 17), vor ch (nach: sach X, 59 



452 Zin^erle 

geschach: nach Germ. VIII, 91 b). n statt m im Reime: mao: um 
V, 178. In der Bindung: want: allesamt V, 25 ist alle sant zu lesen*). 
Die Bindung i : ie fiel mir zweimal auf (niht: lieht V, 56. lieht: niht 
Germ. III, 30). o:6 begegnet einmal: (porte: h^rte IV, 268). Von den. 
Bindungen u oder d : uo und 6 : uo, die inMeleranz oft Torkommeai), 
bemerkte ich nur die Falle : zuo : dd VI, 21 hurte : niorte Germ. VIII, 275. 
— Beachtenswerth ist der Reim geleit : wtt (Germ. III, 38), der nia 
zeigt, dass dem Dichter auch ei statt des gewohnlichen mhd. t zu- 
komme. Einmal nur begegnet, dass ein vocalisch auslautendes Wort 
mit auslautendem n gereimt wird (XI, 96), was sich auch Stricker 
einigemal erlaubt (Strickers Karl ed. Bartsch S. LIV). — Vergleicht 
man diese geringe Anzahl unechter Reime mit der viel bedeutende- 
ren in Meleranz *), so ergibt sich ein unläugbarer Fortsehritt des 
Dichters in dieser Beziehung. 

Besass Fleier auch kein hervorragendes poetisches Talent, $o 
zeigt er sich dagegen als einen der belesensten Dichter jener Zeit 
und gibt uns ein neues Zeugniss für die Bildung, die damals in 
Österreich herrschte. Er war, wie er selbst sagt (als ich an der 
liventiure las L. HS. Bl. S3 Meleranz 1 1420) des Lesens kundig. 
Er kennt, wie er gleich am Beginne des Garel zeigt, Hartinaon*8 
Iwein : 

Nu hoeret ein fremdes maere. 

Hartman der Ouwaere 

hat uns ^ wol geseit 

für eine rehte warheit 

an einem buoche, deist wol bekant, 

deist der riter mit dem lewen genant» 

daz Artds was sin wfp genomen 

und wie ez dar zuo was komen. L. HS» Bl. 1 b. 

Dass Fleier im Verlaufe des Gedichtes an Iwein öfters anklingt, 
habe ich schon früher nachgewiesen (Germ. HI, 26). — Dievonrmr 
ebendort mitgetheilte Stelle über Tristan und das hundelJn PelttcrM 



<) Ver^;. Uelbliug 8, 1161. 

8) Meleranz 8. 367. 

^) Khendort S. 366 und 367. 



Zo P]eier*s Garel. 453 

beweist, dass unser Dichter «uch Gottfrieds Tristan kannte «)• Auf 
die Bekanntschaft Pleier's mit Wolfram's Parzival hat K. Bartsch 
schon hingewiesen (Meleranx S. 381). Ich fuge noch die Stellen bei: 
ein rfcher pfelle von Triant I, 50 (der tiure pfellel von Triant W. 
Willehalm 444, 13) und 

von pfelle, den ein knnstic man 
worht in der stat ze Tasm^ XIII, 251. 

iMan vergleiche damit Parz. 629, 736, 808. 

Dass Pleier auch den uns verlorenen Umhang Bligger's von 
Steinach gekannt habe, machte K. Bartsch wahrscheinlich <). Dass 
er manchmal an Wigalois zu mahnen scheint, habe ich schon 
früher vermuthet (Germ. lU, 27). Ich gebe einige Stellen, die dafür 
sprechen: 

als mir diu «rentiure gibt. L. HS. l^ 2% 4t'. 63S 67\ 88^ 
92S 106* 

als ont die Iventiore giht. Wig. 178, 37. 232, 5. 

als uns die Iventiure seit. Garel L. BS. 73^ 102N 113% 
159', Wigal. 24, 2. 203, 13. 266, 15. 

naich der Kventiure sage. Garel L. HS. l5^ 111^ 115^ 165% 
166Mlelerani 327. 1324. 1604. 4957. 12522. Wig. 250, 14. 

innen des, dd er az Garel L. HS. l*" 

vnd innen des, dd er az. Wig. 48, 1 5 

er sprach: „daz ist der tiurest man, 

der ritters namen ie gewan. Meleranz 11101 

ez ist ein der tiurste man» 

der rfters namen ie gewan. Wig. 103, 17. 

aller fraeuden si verpflac G. lY, 229. Wig. 228, 15. 

Walganus erinnert an den Wurm Pfetän in Wigalois (130, 
20 IT.). Ein paar Verse mahnen an Mai und Beaflor: 
der sfiezen, valsches frien. G. IV, 180 
die sueze, falsches frie. Mai 12, 40 
siH ez 86 sorelichen stat G. IV, 175 
min dinc mir sorelichen stat. Mai 32, 25. 



<) Man vergleiche damit Tristan H. 1S7D4-1ÜZ»7. 
2) Meleranz S. 36ö. 



454 Z i n £^e r I e 

Die Verse: 

wan mit klage nieman kan 
stn not überwinden G. XII, 2 

klingen an folgende an: 

die wi'sen hoere ich alle iehen, 

daz trAren harte w^nic tuge 

und nieman überwinden muge 

mit clage sfnen smerzen. Trj. Kr. 23484. 

Diese Stelle wäre für die Zeit der Abfassung des Garcl bedca- 
tungsYoll, wenn nicht beide Dichter ein älteres bekanntes Sprich- 
wort im Auge gehabt hätten. Allein nicht nur mit hofischen Dichtern 
scheint Pleier vertraut gewesen zu sein, sondern auch mit der deut- 
schen Heldensage. Die Namen Albewfn, Helferich, Fidegarte (ähn- 
lich der Vodelgarte im Eckenliede), Ammildt haben echt deutschen 
Klang und mahnen an Gestalten der Heldensage. Die Stellen von der 
Tarnkappe und ihrem Besitzer, von den waffenschmiedenden Zwe^ 
gen und den von Riesen bedrängten wilden Fräulein geboren der 
deutschen Sage an. Dies eben scheint mir ein Verdienst unser» 
Dichters zu sein, dass er nicht einseitig dem fremden Vorbilde folgt, 
sondern volksthümliche, einheimische Stoffe auch herbeizieht und 
in das Gedicht verwebt. Derartige Züge behandelt er gewandter und 
mit grösserem Behagen, denn er scheint sich hier freier, ohne den 
Zwang der äventiure, bewegen zu können. Die so oftmalige, beinahe 
ängstliche Berufung auf seine Quelle maskirt wohl manchmal nur 
das freiere Sichgehenlassen. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass 
Pleier, wenn auch kein poetisches Talent, doch einer jener Dichter 
war, der die damalige Literatur in umfassender Weise kannte, kurt 
ein Mann, der mit der damaligen Literatur Schritt hielt. Dass seine 
Gedichte einst mehr Anerkennung und Verbreitung fanden, W 
uns, dass die Landesfürstinn von Tirol ihre Becher-Inschritt, diewoW 
ihr Wahlspruch sein mochte: 

^Langer liebes mangel 
ist iiieinoi» herzen aiigel" 



Zu Pleier's Garel. 455 

einer Stelle des Meleranz entlehnte i), und dass am Ende des 
14. Jahrhunderts das Schloss Runkelstein bei Bozen mit Fresken zu 
^Garel** geschmückt wurde. Es ist bezeichnend, dass der kunstsin- 
nige Nikolaus Vintler neben Tristan Garel wählte, als ob das 
letztere Gedicht eine Perle der höfischen Dichtung sei und desshalb 
eine Verherrlichung durch die Malerkunst wohl verdiene. Püterich 
von Reicherzhausen, der Garel nach Wigalois nennt »), bestätigt 
uns, dass unser Gedicht noch um die Mitte des IS. Jahrhunderts in 
Ansehen stand. 

Es mag durch das Gesagte eine YeröfTentlichung der gefunde- 
nen Fragmente um so mehr gerechtfertigt sein, als das Gedicht noch 
nie vollständig erschienen ist. Eine Inhaltsangabe desselben habe 
ich bereits in den „Fresken des Schlosses Runkelstein*' (Innsbruck, 
1856) gegeben. Ich theile hier mit Verweisung auf dieselbe die 
Bruchstücke diplomatisch genau mit und lasse zum Schlüsse ein 
kleines Verzeichniss jener Wörter folgen, die im mhd. Wörterbuche 
nur sparsam belegt sind. 



1) Mannes langer uangel 

das ist des herzen angel 689. 
2} Zeitscbria für das Altert hum VI, 50. 



456 Z i n gr « r I «. 



L (R. P. 7^.) 

von pfelle, d* gab liehten schein, 

Reich!? kleider leil er an. 

(1o gie der hoch gelopte man, 

Da er sine gette Tant 
5 die heten beide alzehant 

Den hamasch ram von in getan 

TD heten richi? kleider an. 

Sie Sprüngen dar. das was im leit. 

der wde stolze wirt gemeit, 
10 Do er den werden Garel sach» 

in sine^ herzen er des jach, 

Er gesaehe nie so schAne" man, 

der also saelichlich getan 

An allen dingen mohte sin. 
15 sines antluties schin 

Lauhte frr den maien. 

sin art ?on der reien 

Mohte man an sine^ leibe sehen. 

swer in sach, der mvst iehen, 
20 Sin leip war saeldenreieh. 

der wirt in minnichlich 

Bei siner klarn hende ne, 

gesellichlich er mit im gie 

Ouf den schonen palas, 
25 da manich w'^der ritter was 

Vnd manich frowe minnechlich. 

der wirt was gantz* zuhte rieh. 

Do si chom" hintz der tur, 

mit der hende schof er für 
30 Garelen rn Gylan. 

der wirt als ein hobsch" man 

Wolte si des niht erlan. 



Zu Pleiers (lareh 457 

si miisten Tor im gan 

Ouf den schönen ptlas w^. 
35 her tii dar in aller tft 

Lagen semftW plrmeit 

Yn manieh schön gulter wit, 

Da die ritter solten sitien. 

mit zvhticbliciien witzen 
40 Was des wirtes swester chom , 

auf de^ palas» sts han ich 'rnonT, 

Mit funfzich iTnchfrowe% 

die man g^em moht sehowen. 

Si warn ze sehen minnechlich, 
4i> ir aller kleider warn reich. 

Dar ynder saz diT schön magt, (b.) 

Ton der ich er han gesagt. 

Di? het reichiT kleider an, 

als ich daz yemomen han. 
50 Ein reicher pfelle to" Triant 

vre ouz der heidensehtft gesät 

Ir rok Tn mantel trfich. 

si was hGbsch Tn'' klöch. 

Mit gantzer sahte reiche. 
55 Di? maget minnechlieh 

Hiez TroT flordiane. 

ir leip was ralschez ane. 

Der wirt zf siner swester gie, 

bi der hende er si gerie 
60 Tft sprach : ,yVil liebiv swest^ min, 

la dine tagende werden schin, 

Erbivt ez minen gesten wol** 

si sprach : „swaz ich t^n sol 

Durch dine willen, brfider min, 
65 des solt do fil gewis sfn, 

Daz t^n ich williehliche" gw,^ 

Da bat er di? magt klar 

ChTssen dise zwene man. 

di? magt spch: „daz si getan ^ 
70 Mit ZThte' si hin naher gie, 



458 Ziof^erle 

die rltter si mit chrss enpfie, 
Als ir brvder gebot, 
ir niTt waz so rosenrot, 
Daz Garel vn Gylan, 

7^ die zwen hoch gelopte ma\ 
In ir h'czen niTSten iehen, 
sine hete^ da Tor nie gesehen 
So minneehlieh antlutzes sehin» 
noch ein so rotez mfindeHn^ 

80 Noch ein so minnechlichi? magt 
mit zvhte'y so wart mir gesagt, 
Nigen al dir iTnchfrswelin. 
der wirt beralch der swest' sin 
Hern Garein bi der hant 

85 do fvrte si de^ weigant 
Mit zfhtichiichen witzen, 
da si solden sitzzen 
Almiten Tnder der frowe" schar. 
Diy ifnchfrowe lieht gerar 

90 Sazte in an ir Seiten. 

wes mohte ut langer biten? (c) 
Der wirt wolt ouch nicht lang, 
Gylam de" fursten Tvrt er dan 
Ze ende an des sales want, 

95 da er ein gesidel rant 
Da gesazen si z^ anander. 
Floris Tnt Alexander 
Empfiengen wol ir &hjum wert, 
der het ouch lange des gegert, 
100 Dai er sin neven solte sehen« 

im chunde lieber niht geschehen, 
Vn dai si warn wol gesfnt 
mit ivhten an der selben stfnt 
St^nt er Yon dem gesidel san, 
105 sinen neven bat er i^ im gan. 
Mit Trloube dai geschach. 
or chtste sine neren Tnt sprach : 
«Mich hat diY saelde wol gewert 



Zu Pleier*8 Gansl. 459 



an iv reht, als min wille gert, 

1 10 Dax ich i? lebende han gesehen, 
mir chfnde lieber niht geschehen. 
Wan iwer leit mir nahen lach, 
mit warheit ich wol spreche* mach : 
ulwer chintlichiv chraft> 

115 Div ist ze herter ritterschaft 
Noch ze chranch rn iwer lip. 
sagt an, gebivten ir daz wip, 
Daz ir dem wirte hie stritet mit 
daz was an iv ein irmber sit, 

1 20 Daz ir in Streites wertet 
f n der abentirre geriet. 
Wan er hat sin blvm" so gewert, 
daz manigem von im ist beschert 
Daz laster jiT im hoher pr^s.» 

125 Do sprach der i?nge F(oreis: 

«Herre, ich wil i? der warheit iehen. 
swaz mir laides ist geschehen, 
Da sint div wip Tnschuldich ^^' 
mir geriet min chintlicher wan, 

130 Daz ich hie Streites gerte, 
des mich til wol gewerte 
Eskylabon. der weigant 
mit sin' ellenthaften hant 
Twanch mich fmb Sicherheit. 

135 durch mfne" brvder ich hie streit. 
Den het er e getange". (d) 
ich want, ich möht erlangen 
Den pris dirre afentivr hie. 
der wan ouch mir niht wol ergie. 

140 Ich wart ge?angen als ouch er. 
min brvder der chom to'^ mir her. 
Ich waen, durch atentivr geriten. 
swaz wir hie ern haben erstrite", 
Des wil ich vngerumet sin. 



) 128 «niht** über Ynschuldig g^eschrieben. 
d. phii.-hJ8t. Cl. L. Bd. IV. Hfl. 30 



460 Ziogerle 

145 wan ez ist noch hivt schin 
An Tns di? schTDipfentin*.» 
Eskylabon der gchlrre 
Die zyien ritter an der stat 
ZV ir öhaim sitzen bat. 

150 Jetwederr do des nlht enliez^ 
er tet, als in der wirt hiez, 
Vnt sazen zt im beide 
mit fraeuden sunder leide. 
Si warn ze sehen an ander Tro. 

155 Alexander fragte do 
Sinen ohaim der maer, 
wie er dar chomen waer 
In des edeln fursten lant. 
do sprach der dege" wert crchant: 

160 «Mir chom ze Galys maer, 
wie ez iv ergangen waer 
Hie in disem lande, 
min trirwe mich des mande, 
Daz ich durch aventiTr her 

165 reit vnt ouch ouf Streites ger, 
Vnd woit iv hie erledeget han. 
do wider reit mir der w"de ma'^, 
Der hie den pris hat beiagt 
manlich vnt mverzagt 

170 Bestuont er mich ouf der beide preit 
yn twanch mich vmb Sicherheit. 
Ais er min Sicherheit enpfie, 
der helt do des niht enlie, 
Er fragte mich der maer, 

175 wannen min raise waer. 

Do sagt ich im tu rehte gar 
von disen lichte" blvm^ chlar. 
Wie die warn hehrt 
ich sagt im rehte minen mvt, 

180 Daz ich wolde streites pflegen 

durch iy. des het ich mich bewegen. 
Do lie mich der helt gemeit (e) 



Zu Pieier*8 Garel. 461 

ledich miner Sicherheit 

Vnt lopte mir geselliehaft. 
185 Dir hat mit staete" t'wen chraft 

Minhalp al die weil ich lebe. 

got im saelde rn ere gebe 

Imm", swar er chere ! 

an im leit tagent rn ere 
190 Vnt rehter manlicher mH> 

dar nach bat mich der helt gf t, 

Daz ich in fürte mit mir her. 

daz was ouch mhies hrzen ger, 

Daz er hie wolte Streites pflege*^. 
195 alsus praht ich den werde^ degen 

durch ayentin* in ditz lant. 

ny hat sin ellenthaftiT hant 

Yil hohe werdicheit beiagt. 

reht, als ich dir han gesagt, 
200 Si wir beide chomen her 

durch der aTentin* ger. 

Garel ist der helt genant, 

d'^ mit ellenthafter hant 

Die aTcntirr hat er erstrite" 
205 mit ynyerzagtlichen siten. 

Als ir alle wol habt gesehen, 

myz im gyter dinge iehen. 

Er ist ynwandelbaere. » 

elliy disiy maer, 
210 Die sagt er offenlich. 

do wart der lobes reich 

Garel gebriset sere« 

man gab im lobes mer, 

Dann ich iy gesagen chan. 
215 beidiy wip yfi man, 

Die sprachen alle geleich, 

sin leip waer ern reich. 

Der wirt zv Gylame'*' sp'ch : 

„ich waiz wol, daz ich nie gesach 
220 Deheinen helt so lobelich. 

30* 



462 Zin^erle 

sin leip ist chlar td minnechlich. 
Dar ZV hat er zfhte tu. 
DT wizzet, daz ich imm" wil 
Im des höhste* prises iehen 

225 für alle, die ich hao gesehen. 
Div saelde hat zv im geswom. 
ZV sine" eilen ooz erchorn 
Wil ich niht geliehen. (Q 
sit er so ritterlichen 

230 Min aventiTT erstrite" hat, 
sin lop Til dester hoher stat 
Vn ist mhi lop y" swnden. 
mine" meister han ich fände* 
An im, der mir hat an gesigt. 

235 sin pris für all prise wigt.» 

Der wirt spch: «des wil ich iehen, 
swaz mir ist von im geschehe". 
Des wil ich dehein last" han, 
sit er iy hat gesiget an. 

240 Herre min, her Gylam, 

min" tschvmtivr ich mich niht schäm, 
Sit iy vo" im misse lanch 
yn iy vmb Sicherheit betwnch, 
Wan ich erchenne iy lange wol. 

245 swaz ei" ritter tön sol 
Ze ritterlicher manheit, 
dar ouf ist iwer Ifp bereit. 
Daz hat man ofite an iv gesehe", 
yfi wil ich iy der warheit iehe", 

250 De ir d" peste" einer seit, 
der indert lepte bi dirr zit. 
Als ich von iy yor vernom han. 
hie svle wir dise rede lan. " 
Garel, der degc" valschez laz, 

255 mit zvhte" bi d" frowe" saz. 
Die chyrzten im die stvnde. 
der wirt im .des wol gynde, 
Swaz im ze em wart getan. 



Zu Pleier*0 Garel. 463 



des wirtes swesC Flordian, 
260 Der plich gap tu liehte" schin. 

si Tn ir iunchfrswelin. 

Die beten svzen gelimpf. 

si machte" im fraeude vn schimpf, 

Daz im dir weile waer 
265 ehvrtz td ane swaer. 

D" rede si n? hie genöch. 

vf de" palas man tröch 

Beidi? tischlach" td" brot. 

d" wirt mit zvhte" gebot, 
270 Man riht die tische vber al 

aWmb ouf de" weite" sal. 

Der wirt als ei" höbsch ma" 

spch ZT de" fvrsten Gylan. — 

n. (R p. 7^ 

Daz in niht möhten zwelf man 
Ton der stat getragen han. 
Oach was der stain Tor der tur 
sieht vnd preit her fVr 
5 Vnt so hoch Ton der erde, 
daz Garel der werde 
Dar oaf niht chom" mohte. 
wan niem" daz tobte, 
Der die tar biet oaf getan, 

10 wan daz vbel wip oder ir ma". 
Der was so lanch vn so groz, 
daz er de" rigel danne" schoz, 
swenn er wolte mit ein" hant 
der cbinde ouf der stain want 

1 £> Pflach man ofte niht ze wol, 
als man frowen pflegen sol. 
Mit trinchen vnt mit ezzen 
ir wart olfte vergezzen. 
Man sach in zv vil trage. 

20 ir vater vnt ir mag". 



464 ZiD^erle 

Den warn si ze Terre chome". 
daz wip het in den lip benom% 
Wan daz man si da mit m^s nern, 
der Tater m^st de" Risen swern« 
25 Daz er im dar sande 
Ton seinem freien lande 
Sinen zins elli? iar, 
daz er den ianchfrawen chlar 
Iht benaeme daz leben. 
30 sns den chinden was gegeben 
Ein leben harte sorksam. 
niem" sich daz an nam. 
Der in ch6me ze tröste 
Tnt si Ton der not erloste. 
35 Wan der Rise was also manhaft 
rn het also g^roze ehraft, 
Daz in nieme" getorste bestan. 
sines weibes sit was so geta% 
Swer Ton dem Risen waer genese^ 
40 der muste Ton ir des todes wese". 
Da Ton getorste niem chome** 
zf in. sus han ich Tcmome". 
Den chinden was tu ofte we. 
swie wol in was gewese'* e 
45 Da haim bi ir magen, 
die ir vil schone pflagen, 
Daz was in allez tiTre hie. 
ouz de" gadem man si niht enlie (b) 
Chom" durch dehein ir not. 
50 si wnschten ofte, daz si der tot 
Schiede Ton der swaer. 
Garel der degen maer 
StTnt Tor dem staine Tn spch 
wider sich selben, do er sah 
55 Die tfr Tersperret sere: 
**mich wndert imm" mer, 
War Tmb man ditze gadem hat 
so Taste Terslozzen, daz hie stat 



Zu Pleier*s Garel. 465 



Ouf der herten stainwant.^ 
60 TÜ manlich der weigant 

Gie söchen in der klause, 

ob er in dem house 

Inder lute fände. 

nT cbom er an der stunde 
65 Onf des Risen palas, 

der hoch Tnt weit was. 

Da durch so gie daz pargetor, 

Da er sl5ch den Risen Tor. 

Da Tant er niem^ inne. 
70 er gedaht in sinem sinne: 

„Mich wndert, waz dai meine, 

daz ditz hous aleine 

Ist so gar an löte 

oder waz daz bedaente, 
75 Daz ich hie niem^ rinden cha", 

weder wip noch man. 

Daz ist ein saeltsaenez dinch.** 

nf gedahte der ivngelinch: 

„ Wa mfge" dise lüte sin" ? 
80 nv sach er ein rensterlin 

Ze ende an des sales want. 

da gegen gie der weiga't. 

Daz venster was verslozze". 

Garel, der Tn?erdrozzen, 
85 Brach ez ouf sazehant. 

da durch sa der weiga't 

Sitzen einen iunge" man. 

eine' swaem boyen het er an 

Vn zwai eisen an de" arm". 
90 daz begnide de" helt erbarm". 

Im lach Ton eisen ein swaerez ba"t 

ymb den hals, in die want 

Was er yersmidet sere. 

siner ruhe was niht mcr, 
d5 Wan daz er leinte an der want. (c) 

in de" gemache er in yant, 



46ft Z I Dge rl e 

Des niem'* g^ter wnschen sol. 
ich g^ getriwen IGten wol, 
Daz si got TOD de" gemache bewar. 
100 bain Tot arme warn im bar. 
Er saz in swacher waete. 
Garel, der degen staete. 
Fragte in durch daz yensterlin, 
wa Ton er so Tcrslozen müst sin, 
105 Daz er in der prisvne lach. 
Ton der frage sere ersrach, 
Do er di en ritter sach. 
TÜ getrivlich er sprach: 
„Owe, herre, waz praht iy her? 
110 hat iy icmen gesehen mer,^ 

Wan ich alein, des bin ich yro.^ 

Garel sprach zt im do : 

„Friynty des wil ich dir yeriehen : 

mich hat niemen gesehen 
1 15 In disem house mer.** 
»weit ir denn lip ynt ere 

Behalte^ herre, so yolget mir. 

ich rat i? ouf min t^we, daz ir 

Von hinnen gäbet balde 
120 ynt heft iy ouz dem walde, 

E man iwer werde gewar. 

herre, ich rede ez ane yar, 

Vnt wirt man iwer innen» 

so chomt ir mVlich hinnen 
125 Vor dem, der dirre straze pfligt. 

sin hant hat hie an gesigt 

Vil manige" ritter lo belieb. 

siner yngvte ist niht geli^ch. 

Swem er Vber windet, 
130 dehein togent d* an im yindet, 

Dem benimt er de* leip. 

er hat ein yngehiyr wip. 

Diy ist noch wirser, denn d" man. 

si habent mordes yil getan 



Zu Pleier's Garel. 467 

i3o Hie an manigem ritter gyt, 

de" TÜ hohe stvnt sin mvt. 

Herre, weit ir genesen, 

80 svlt ir hie nihl lang" wesen. ** 

Do sprach Garel, der helt gemeit : 
140 „si tvnt DT niem" m" ehei" leit 

Ich han si bediy samt erslagen, 
. . du solt mir fCrbaz sagen (d) 

Tn geben mir di" 1er, ist hie iem" mer, 

Vf den ich sol angest han ? 
145 Daz solt du mich wizzen lan.^ 

Do sprach der gevangen man: 

„waer ez it so saelichlich ergan, 

Daz ir si beidi? biet erslagen, 

für war ich i? daz wolte sagen, 
150 So betet ir hohen pris beiagt. 

ey edel ritter Ynverzagt, 

Sagt mir dir maer an triegen.** 

er sprach: „ich chan niht liegen. 

Ir bochvart solte niht lenger wese", 
155 ir ist einez niht genesen, 

Vnt wellent si wider ouf stan, 

so muzen si ane houbet gan. 

Daz slucb ich ab mit min" hanf 

do disiY maer reht ervant 
1 60 Der gevangen man, do wart er Tro. 

(Zv) hern Garel sp"ch er do : 

„Ey uz erweiter degen halt, 

waz ir ern habt bezalt, 

Sit hie gesigt hat iwer hant ! 
165 got hat iv her ze tröste gesant 

Mir vnd ouch tÜ ma"ge" man, 

den grozzen schaden hat geta" 

Der Rise vn ouch sin vbel wip. 

des wirt gepriset iwer leip 
170 Von maniger klaren frowen. 

lat mich iwer helfe schowen, 

Vnt helfet ouz den banden mir, 



468 Z i D cer I e 

dar inne ich lige. so hapt ir 
Vil saelichlich an mir g'etan.*' 

175 also sprach derge?angen mao. 
,Ich helfe dir g'eni.DT sag mir, 
wa chrm ich in daz Gade" z? dir?** 
Do sprach der geTangen man: 
„herre, ir sult für de" palas gan 

180 Ynt get her ymb bi der want, 
da Tindet ir die tvr zehant, 
Vnt beseht, herre, ob ir 
her ein chome^ mtgt zv mir 
Ynt helfen mir tod min not 

185 ich waer sicherlichen tot 
Vil schier in discn banden, 
wol irren lieben banden, 
Die mich ? on sterben habe'^t erlost 
Ir seit min herre rn min trost. (e) 

190 Von sol ich dirre not genesen, 
daz mfz an irre^ genade" wese".** 
Garel des niht enlie, 
für des palas er gie 
Vn söht die tur, vntz er si rant. 

195 do enmohte der weigant 

Dar in niht chom" datz der tGr. 
da was ein groz'^ rigel für 
Gcschozen. der was swaer. 
Garel, der lobewaer, 

200 Moht in ninder erwegen. 
n? gedahte der degen 
Mit allen sinen sinnen, 
wie er mohte gewinne" 
Den swaern rigel her dan. 

205 ze iyngist er sich des t" san, 
Daz er nach de" swerte gie, 
daz er bf de" Risen lie. 
Daz het er dannoch ymb sich. 
Garel gedaht: „ich wil dich 

210 Versuche^ ob du wil sneiden 



Zu Pleier's Garel. 469 



de" rigel vn niht vermeiden. 
Da mit der man beslozzen ist. 
waz ob du leibte so gut bist, 
Daz da niht sparst daz eisen, 

1 15 so vfW ich din gfite prisen.^ 
Er zoch ez vz tu trug ez dan 
für daz gadem, da der gefange" man 
Inne saz gebunden. 
Garel an den stunden 

220 Daz swert ze beiden bände" nam. 
ez sluch der degen lobesam 
Ouf den Rigel. der was eisenei". 
daz swert mit de" eke" sfn 
Sneit daz eisen als ei" zins. 

225 sus haw er den rigel hin, 
Vntz er die tur ouf gewan. 
ny zeigt im der gerange" ma" 
In eine' venster an der want, 
da er inne ligen rant 

230 Die slu/.el Ton den banden, 
er lost im Ton den bände" 
Arm eisen Tnt daz halspant, 
da er in inne ligende vant. 
Garel mit de" swert sin 

235 die nagel ton de" ringerli" 
Sneit er, als si waern bli. (f) 
er machte in von de" bände" fri. 
Als er wart ledich vo" der not. 
Garein er sich ze fuze" bot, 

240 Vn ergab sich in sin gebot, 
er genadet im vnt got, 
Daz er im chom ze tröste 
vn in von der not erlost. 
Garel hiez in ouf stan. 

245 nv was der chindische man 
Verdorben in den banden, 
Daz im sere wart enblande", 
Do er von stete solde gan. 



470 Zingerle 

Garel färt in mit im dan 

250 Ouz ze der kemenaten tQr, 
in de" palas her für, 
Vn' saze" in ei" renster an d'want 
Garel fragte in zehant, 
Wie er dar chome" waer. 

255 do sagt er im ze maer, 

Wie im der Rise het erslage" 
sine" vat" in in dan getrage" 
Gewalt! chliehen da her. 
„in sinen banden hat er 

260 Mich gehabt wol zehen iar. 

daz gelonbet, h're, wa'd" ist war, 
De er mich \z dise" gadem nie 
noch TZ sine" banden y^ie, 
Vn mfst doch ellir iar mi" lebe" 

265 16sen. man mvst im her gebe" 
Den zins to" m(nes Täter lant. 
anders het mich sin hant 
Von de" leibe genomen. 
nv seit ir mir ze tröste komen. 

270 H're, da von ist min reht, 
daz ich iwer eigen kneht 
Immer mer heizen sol. 
daz habt ir ▼erdien"t wol. 
Wan ich waer in den bände" tot, 

275 Tn het ir mich niht yo" d" not 
Gescheide", lieber herre. 
min lant daz ist niht rerre, 
Man rite wol eines tages dar. 
min Tat" der hiez Elimar, 

280 der herzöge Ton Arigentin. 
min mTter hiez Chlarein, 
Claris bin ich genant. 



Zu Pleier*8 Garel. 471 



m. (R. p. 8*«.) 

Daz haßt vor g^ten frit. 
er mAste haben starchif lit, 
Der de" rigel dannen trug, 
er ist so Yngefuge.** 

5 Daz getwercb im do sagt: 
„da leit gerange" ein magt 
Mit zwelf meiden inne. 
Fidegart, div ralantinne, 
Nam si gewaltichlicb 

10 irem Tater reich. 

Des sint wol siben iar oder m", 
daz man si praht geTange" her. 
Seit hat si fraeTde gar Termite" 
vnd babent groze not erliten 

15 Ouf der herten stain want^ 
daz erbarmet de" weigant 
Garele, der ie triwen pflaeh. 
er sprach: „dest war, ob ich mach, 
Ich sol in helfen Ton der not.** 

20 wan im sin tagende daz gebot, 
Daz im der frowen Tngemach 
tet we. ZV de" gewge er sp'ch: 
,,Her Tn lieber friTnt min, 
hat iwer tagende werde" schei" 

25 An mir vn helfet mir dar zv, 
wie ich dar Tmb getö, 
Daz die frowen werden erlost 
ich han zv iwerre helfe trost, 
Daz ich von iiirem sinne 

30 ab de" staine gewinne 
Disiv eilenden chint, 
div dar ouffe mit groze" iam"8i"t.** 
Daz getwercb spch: „lieb' her" ml") 
swaz ir gebietet, de sol sin, 



472 Zingerle 



3S Wan ich si wol gewinen chan.'' 
do gebot der wenige man 
Den getwerge", daz si Saide 
eilten TOn dem walde 
Ynt daz ein laiter wir^e bereit, 
40 vn den frowen reichi? Ueit. 
Daz was schiere geschehen, 
daz getwerch spch: „ich wil besehen» 

Ob ich iht behalten han, 

daz vns ny mf g ze state" gesta". " 
45 Zeine" getwerge spch er : 

„var enwech yn brinch bald* her 

Min vingerlin Tn min swert. 

des ist wol dirre dege" wert. 

Daz ist daz beste, herre mfn, 
SO daz ieman getrAch. de sol sin (^bj 

Iwer, Tn allez, daz ich han, 

daz sol i? wesen ^ndertan.^ 

Garel sp'ch: „din triwe ist gdt. 

ich han de" willen m de" mft, 
55 Daz ich din triwe verdiene" sol. 

ich gan dir aller eren wol.^ 

Daz getwerch spch srnder spot : 

„herre, daz yergelt i? gotl** 

Der böte für vil balde dan. 
60 Garel tn der chleine man 

Giengen zf dem staine, 

dar ouffe die meide reine 

Warn gefangen. 

wie ez da was ergangen, 
65 Daz was in dennoch tu Tnchf'^t. 

dar nach in vil churtzer stunt, 

Do prahlen div gewerch zehant 

die laiter zv der stainwant. 

DiT wart gel einet dar an. 
70 euch kom de" wenige" man 

Siniu kleinöde, da er sante nach. 

dJT gab er Garein Tn sprach : 



Zu Fleier'« Otrel. 473 

„Disi? gäbe habt Ton mir 

TD wizzet, hrr, daz ir 
75 Si mygi gerne behalten. 

ir mvzet saelden walten 

Von disem edelen steine, 

des tagent ist so reine, 

Daz in müz wol gelinge*^ 
80 an allen irren dingen. 

Er git i? zwelf manne chraft. 

ir mvzet wde" sigehaft 

An swem ir weit, des sit gewis. 

bei de" wazzer Eafratts 
85 Wart genom" dirre stein. 

ich het einen ohein. 

Der chunde liste wnnder. 

er het oueh besunder 

Von nigramaneie gelernet til 
90 mit listen zouberlichiT zil. 

Der chunde er mer denn gendch. 

swaz erde oder wazz" tnSch, 

Des gewan er, swaz er wolte. 

den stain er yerre holte. 
95 Dar z^ behaltet ditz sweri 

diz ist yil manig'*' march" w"t. 

Daz worht er mit sin selbes hant. 

nr wizzet, chvner weigant, 

Daz vor de" swert nicht gestat. 
100 swaz (d)er man an im hat, (^c) 

Daz chan im niht gehelfen yÜ, 

ob man im gern schade" wil.^ 

Des g(nade)t im der weigant. 

d" swert nam er in die hant 
105 Yü mach (te ez) der scheide bar. 

ez was (laoter) Spiegel var, 

Div (valtze eben y)nt sieht, 

ze beide(n ecken) was ez gereht. 

Garel n(ie bezzer) swert gesach, 
11 er stiez (ez in die scheide ynt) sprach : 



474 Zingerle 

„Dise gäbe (ich di)ene* sol, 
mir geTiel (nie eine) also wol.« 
Daz Tingerl (staht er) an die hant. 
ouf den stain gie der weigant, 

115 Den rigel nam er f on d" tvr dan. 
de" enmohten zwelf man 
Von der stat niht erwegen. 
Til rinchlich in der degen 
Warf Ton der stain want, 

120 die tur tet ouf der weigant. 
DiT chint erschraehen sere. 
Garel, der gar Tnhere, 
Niht in die kemenaden gie. 
vmb anders niht er daz lie, 

125 Er Torht ez waer de" frowe" leit, 
ob er ersaehe ir dür(kel) kleit, 
Daz si des immer schämte" (sich), 
ez tvt Til we, des dunchet (mich). 
Sw" grozer em ist ge(won), 

130 daz man in schaidet da Ton 
Vn in dar nach swache hat^ 
ich waen, de" schäm tu nah" gat 
Daz bedahte der wolgezogen man 
an disen frowen wol getan. 

1 35 In daz gadem er nicht ensach, 
er stvnt hie puze" yfi sprach: 
„Ir fr5wen, niht enfQrhtet mich 
Tnt wizzet sicherlich, daz ich 
Bin durch g^t her zv i? chom". 

1 40 gehabt it wol, iv wirt benom" 
Elli? iwer swaer.** 
von disem liebe" maer 
Wurde" si do alle Tro. 
div irnchfrowe dir hicz do 

145 Eine magt ouf stan. 

daz peste, daz si mohte han, 
Von gewande, daz gaben si ir an 
Tn sanden si zv de" ritter dan, 



Zn Pleier's Garel. 47S 

Dai si dif maer eifure baz. 
1I»0 OT tet dir ifnfrowe daz^ 

Jdoch si dar mit schäme gie. (d) 

den helt si zuhtichlich (fmb) fie 

Von ir frowen, als si ir (ge)bot. 

swie si doch iamer (rnd) not 
1 5£» Heten allertaegelicky 

doch was dir (maget) mineklich, 

Daz si disen wer(den m)an 

vil sere erba(rmen be)gany 

Do er ir sch6(ne) ersach. 
160 di? maget (zy dem rit)ter sprach: 

^Herre, mi(n frowe drfii bat mich 

her zf (iv chomen), daz ich 

Ivch sol (genaden) ? on ir. 

hVe» n? entbietet mir 
16£» Durch iwer tugent dir maer. 

min frSwe selbe waer 

Yil gern her zf i? gegan. 

si (hat) ez dwrch hoch? art niht la". 

daz si, hrr, an dirre frist 
170 niht her zy iY gegange" ist, 

Daz machet groz arroft, 

diY Yns diche we tut. 

Wir haben grozen Ynrat 

an de" leibe Ynt an der wat 
175 Wir haben ein chYmberlichez lebe", 

Yns wart noch nie dehei" trost gebe" 

Wol iner siben iarn, 

Ynd seit wir da haime war". 

Wann Ynser leit haet ende ! 
180 in disem eilende 

Hab wir erliten groze not. 

bezer waer yus der tot. 

Dann daz leben, daz wir han. 

Yns wirt gemaches niht geta". 
18S Wir sin aller fraeude" eine 

ouf disem dOrren steine.^ 

I». d. phi|.-hist. Ol. L. Bd. IV. Hft. 31 




470 Zingerle 

Der ritter zv der meide spcli : 

^frowe, iwer Togpemach 

Ist mir innechlichen leit 
1 90 nT get hin wider td seit 

Den fro^wen, daz si fraenden pflege^ 

¥n alles troure's si bewegen. 

Ein ende hat iwer not. (e) 

si sint benam" beidiT tot« 
19$ Die iv leides habent tu geta", 

daz Tbel wip fnt ir man. 

Dar ZV salt ir die frowe" bite", 

de si mit zvhtige" siten 

hine belibe^Tntz de chom gewagt. 
200 de bringet man ir alle^ samt^. 

Des genadet si de" ritter do. 

dir magt gie wider Tn was vro. 

FVr ir frowe" si do kniete 

Tn bat ir geben miete 
20£» Vü bat ir geben böte" broi 

,,ei" ende hat vnser not: 

Purdan Tn sfn vbel wip 

habent y'loren ir lip. 

Si sint baidir erslage"^ 
210 dif frowe sprach: „da solt mir sage% 

W" ist, d" de hat geta"?** 

si sprach : de ist der schönste ma% 

De'*' ich mit oage'* han gesehe'*. 

des wii ich im mit warheit iehe**. 
215 Sin leip ist zvhte reich. 

er hiez ms zvhtichlich 

In de" gademe beiten. 

er wil Tns wohl bereite" 

Mit gy'i^m gewande 
220 Yn wil vns haim ze la"de 

Mit grte" em bringen. 

got laz im wol gelinge'*'!* 

Garel Ton de" steine gie. 

die frowe" er dar H lie 



Zu Pleier*f Otrel. 477 

22£» AI die naht fntz an de^ tach. 

wie wol man ir des nahtes pflaeh 

Mit giC betewaete 

Tn mit anderm gperaete ! 

Man gab in Wirtschaft Tollicklich. 
230 Garelsy des degen eile's rieh. 

Mit speis wart wol gepflege". 

dar ZV lach samft d^ dege". 

Des morgens, do der tach yf gie, 
• do chom" von de* wald' hie 
235 Der getwerg ei* michel schar, ffj 

si prahte* all ir frowe* dar 

Mit der chvneginne. 

wol hundert getwergine 

chom" herlich geriten. 
240 mit vil zuhtichliche* site* 

Si de* helt enpfienge*. 

oaf den stai* si gienge* 

Da die ivnchfrowe* läge* 

vn noch gemaches pflage*. 
245 Si warn da vor lang gewesen, 

de in so wol niht was gewese*. 

Do dise kleine frowen 

die meide begunde schowe* 

Vn ir not befanden, 
250 vor iamer si beganden 

Wainen durch ir wipheit. 

nv wrde* die frdwe* gekleit 

In vil reihlich gewant. 

ab de* steine si zehant 
255 Giengen alle geleiche. 

de* degen ellens reiche 

Wart vil lobes da gegebe*. 

vn gepreiset sin w*dez lebe*. 

Die erloste* frowen giengen, 
260 da si den helt enpfienge'^. 

Nach de* selben gräzze, 

do bot sich im ze fäzze 

81 • 



k. 



478 Zingerle 

Froo Duxabel, dir sch&ne magt. 
Garel, der ritter myerzagt, 

26^ Häp 81 ouf Yil schone 

er spch : „frSwe, de ir got Ion ! 
Das sQlt ir erlazzen mieh 
Tn wizzet sicherlich^ daz ich 
Iy immer gern diene" wil. 

270 der ern waer mir ze ?il. 

Iwers föz Valleys ich ger" enbir. 
daz siilt ir gelouben mir: 
Ich han d" ern gern rat, 
dir mir niht ze lobe staf 

271» Dir magt spracht j^lieb" h"re rov^ 
iwer tagest ist word" schi* 
An mir yü eilender magt^ 

IV. (R. P. 80. 

Furwar ich ir daz sag, 
waer er im niht yz de" slag 
EntDvichen, ez het in erslage". 
diY getwerch begYnde" klage"» 
5 DiY sahen disen streit an^ 
do si de" yü werden man 
Mohte" niht ze State chomen, 
als ich daz maer han Y'nom" 
Daz merwund" was ergremt. 

10 sYrie ez der ritter het erlemt. 
Mit der eine" hant ez Yaht 
mit so chrefiichlicher mäht. 
Als ob ez ninder waer Yrnt 
der ritt" an der selbe" sta"t 

15 SlAch im aber einen slach, 
da Yon ez hr«ie sere erschrak. 
In den arm, daz im d" cholb enpfiel. 
do tet ez ouf eine" giel 
Vnt schrai ein strch stimme 

20 pitler rn so grimme. 



Zu Pleier*8 Garel. 470 

Dax der loft rn daz m*^ erdoz. 

sin chraft was ane maze groz. 

Ny wante der chvnege man, 

er solle nr gesiget han, 
2^ Do er ez ane hende sach. 

de" ritter was eP tail ze gach. 

Er lief ez freilichen an. 

ez warf sich Tmb rn sluch de*^ ma^ 

Mit den hinder" fÜzen nider. 
30 des erholt er sich wider. 

Er spranch onf yü lief ez an. 

e ez Ton de" ritter dan 

Entwiche, do slilch er im ab 

die haehsen, daz des tierels knab 
35 Von der stat nlht moht chom". 

Su8 wart im der lip benom". 

Daz hoabet er im ab slöch. 

daz was so groz, daz ez getrök 

Vil chonme zwe" ma" to" d" stat 
40 „da bist gelege", swie ez ergat," 

Spch der ritter mverzeit, 

„du tiist nv niem" mer chein leit. 

Du hast din vbel lazen. 

dein lip der si verwazzen! 
4o Du het mich praht in groze not. (b) 

so wol mich des, daz do bist tot, 

Des mvze got imm" geeret sin ! 

du hetc mir nach daz lebe" min 

Benom",** spch der weigant. 
50 nv chom" dir getwerch zehant 

Zv de" beide gegangen. 

si beten im gevangen 

Sin ors . daz prahte" si im gezogen. 

Garel, der ellens vnbetrogen, 
55 Sach d^n chvnech Albewin 

vil gern vn die geverten sin. 

Er grutzte si minnechlich. 

Albewfn, der chrnech rieh, 



480 



Zingerle 




Sprach: »h**"!^, mich hat got gew>t 
60 reht, als min heriz an ir gert, 
Sit ir hie genesen seit 
ir habt gestriten eine" sreit, 
Dax mich imm" wunder hat, 
wie ez iwer leip erst^t. 
6^ Wol mich, daz ich ir han gesont 
funde" hie an dirre stant» 
Da mir liebe an geschehen, 
des wil ich mir der warheit iehe".** 
Garel spch : »lieb" frirnt mfn, 
70 wir mirzen Tngeschaiden sin. 
Die wil vn ich min leben han. 
du hast mir eren vil getan. 
Ich chfnde hie nimm"^ sin genese", 
vn" waer din triwe niht gewese". 
75 Du hast an mir so wol geta% 
daz ich dar ymb sorge han. 
Wie ich yerdiene die triwe din.** 
do spch der chvnech Albewin : 
„Herre, ir sult die rede lan. 
80 swaz ich ir gedienet han, 
Daz habt ir rerdienet wol. 
ich dien i? gern, swaz ich sol.^ 
Garel spch : „ny sagt mir, 
ril lieber frivnt, wa habt ir 
Getan daz houbet fraissam? 
de" bin ich hirt riT imwT gra". 
Von welhem tivfel ist iz chom"? 
daz het ich gerne vernome". 

tiyfel hett praht (^cj 
es was im gedaht 
der werde man 
weit ertötet han 
. dirre tivfel ynrein». 
er slagen 
• Tnde gesagen 
. spch der dege" 



sn 



Zu Pleier*8 Garel. 48 t 

daz sin (der tierel m)Yze pflege" 

Ich geTorht . . . ere 

in streite . • 
100 Des leibes . . . .in. 

do sprach der (chvnich Al)bewin: 

„Herre, ich chan wizzen niht, 

Ton welher wander geschit 

Im daz houbet zt si chom". 
105 ein dinch han ich vor Ternom% 

Daz dirre tivfei . .t alsos 

der vbel wlganns. 

Der da hie erslagen leit. 

herre min, ez ist an der zi% 
110 Wir svln benam" hie niht sin.** 

Garel spch zv Albewin: 

„Mich wnder imm" waz er an 

hat getrage", den ich han 

Erslagen, daz in min swert y*meit, 
115 daz ez sin anders wa niht sneit, 

Wan in die arme rn in dir bai". 

ez ist noch herter denn eP stei", 

Daz er hat an de" leibe sin.** 

Garel Tnt Albewin 
120 Vnd div getwerch gienge" dar 

▼n nam" dirre hvte war. 

Ny was dir hAt weitin 

so herte, daz mit de" sw'te sin 

Garel moht versneiden niht, 
125 als mir dir aventiTr giht. 

An der hvt daz har gab schin 

in so liehter rarwe weitein, 

Lazure daz ist niht so pla. 

ouch sach man hie tii da 
130 Dar abe luhten liehtiv mal 

an der hüte Vber al, 

Gelich alsam die sterne. 

Garel sach ez gerne, (d) 

Do sprach der chrnich Albewin: 



482 Zingerle 

i35 „herre dir hyt sol . . in 
dir wil ich Yon ir . .an 
do spch der tnge(nt reiche ma)n 
Daz wolte got h . . • 
daz si so gut • . . 

140 Daz si rergnl . . . 
daz ir si de . . hant 
Gemchtet ... ich tto 
daz ge . . . also 
Got lo . . after man 

145 (dir hrt sol hie) nihthestan. 
diY (ist harte) veste, 
(ein) chrrsit daz peste 
Wil ich dar onz machen 
mit listechlichen Sachen 

150 Vnd einen (he)hn rn eine^ schilt 
daz (wizzet) w'der dege" milt, 
Daz niem** (m)ach rersneide'* 
vnt elliy wafien mvze" meide" 
(Di)? hüt, div ie wurde" gesmit. 

155 daz erziyge ich wol da mit, 
Daz ir daz swert niht ensneit. 
UY wizzet für di? warheit : 
Ez ist das peste, daz ie man 
ze Streites noten ie gewan. 

160 De merwnnder war entwape't gar 
von der hvte waitvar. 
Div namen div getwergelin. 
do sprach der chunech Albewin: 
„Herre, seit ez so ist chome", 

165 daz ir den sich habt genom", 
So nemt daz in iyren mft, 
war man daz vbel houbt tut, 
Daz iem" da Ton chom in not. 
swer ez gesiht, der ist tot." 

170 Garel sprach: „daz rate mir, — 
ich getriYwe niem" baz defi dir, — 
Wie ich die lute bewar. 



Zo Pl0ier*8 Garel. 483 



daz ich rehte gerar 

Da mit, des such ich (di)ne" rat, 
175 Sit ez so sorkiichen stat 

Vmb d" houpty als ich han ynovoT. 

Ton weihe" tirfel ist iz chom'*'?" 

Do sprach der chvnech Albewin: 

„nr reitet z? der chVoegin^ 
180 Der schönen laudamien 

der sfzen, ralsches frien. ^ej 

DiT siht ir gern, daz waiz ich wol. 

ir herze ist reiner togende yoI. 

Der sTit ir di? maere sagen. 
185 hintz naht wil ich nach dir dar trage" 

Daz houbet für das pvrgetor. 

da wil ichz vber ge" vor. 

So solta dann suchen rat 

datz den, den ez geschadet hat 
190 An friTuden vnt an magen, 

des lat ir niht betragen ! 

Wie man mit de" honbt tu. 

da bedürfet ir wol rates zf . 

Ich chym ir schier, nr sult ir, 
195 herre,Trloup geben mir.* 

Garel sprach: „friTut min, 

sagt mir, wa weit ir heint si"?** 

Albewin, der chynech rieh, 

spch : „ich sag ir waerlich, 
200 Ich wil noch heint mtne" gewi" 

bringe", da ich herre bin. 

Ez ist vmb mich also gewant, 

swar ich wil tarn in div la"t, 

Daz ist schier getan, 
205 so ich min tarn kappe han. 

Ich chtm morge", herre min, 

des svlt ir ril gewis sin." 

Do bevalch in got der weiga"t. 

ouf sin ors saz er zehant. 
210 Albewin, der kleine man. 



484 Ziogerle 

der leite sin tarnkappe" an. 
Do sach sin Garel niht mer. 
in einer weil praht er 
Vnt siniY getwerch 
2i5 hin baim ditze spaehe w"ch 
Vnd beyalch ez de luten sin. 
do für der chuneeh Aibewi" 
Mit sine" geselle" wider dan, 
da er den ritter bete lan. 
220 Garel der reit gen Miintragi". 
nv was div gvte cbunegin 
In ein renster gesezzen 
vnt bet vil gar rergezze", 
Swaz ir ze liebe ie gescbacb. 
225 si klagte des ritters vngemaeh. 
Si wante, daz er waer tot. 
des fugten ir gedanebe not. 
Wan er ir an dem b'rze" lach, 
aller fraeuden si verpflacb. (f) 
230 Vnt waer der belt erstorben, 
ir baet sin tot erworben 
Jam" TU bertzen not, 
si waere Yor leide naeb i" tot. 
Der tacb was an ei" ende kom , 
235 do ei" ende bet genomen 
der streit yf der beide preit. 
der ritter gen der burcb reit. 
Als in div cbQnegin ersacb, 
ZV ir ivcbnfrowe si spcb: 
240 „Dort sibe icb reite" gen vns ber 
an scbilt vnt an sper 
Eine" ritter Vbcr die beide preit. 
der bivte morge" von vns reit, 
DenT reitet er geleich gar." 
2l5 die frowc" eiltf^n alle dar 
Vnt warte", ob erz möht sin. 
frowe Laiidamie div kunegin 
Nam der zimierde wan 



Zu Pl0ier*8 Garel. 485 

sin wappenroch was lieht gerar 
250 Von weizien seiden chostlich. 

Ton swarzze^ zobel zwai pantel rieh 

Warn dar in gesniten. 

do er so nahen cho" geriten, 

Daz in dir chrnegi" reht ersach, 
25S do wart si Yro vnt spch: 

„Swie ez halt si ergan, 

ez ist benanT der man, 

Der hivte morge" Ton rns reit" 

dir chmegin het ir leit 
260 Mit liebe Tber wunden, 

do si in saeh gesvnden. 

Di? ebunegP yz de" renst" trat, 

diT brngge si nider laze" bat 

Vnd hiez in balde lazen in. 
26«^ si wolde ouch selb da hi sin, 

Da im daz tor wart rf geta". 

beidiv wip vn^ man 

Eilte" gen der porte, 

da man den ritter horte. 
270 Daz tor wart balde tf getan 

Tnt dl? pruke nider lan. 

Gare], der stolze helt gemeit, 

in die borch vf de" hof reit 

Vn" erbeizte ouf de" palas, 
275 da der linde" schate was. 

Daz gesinde al geleiehe 

V. (R. F. 9^) 

beralch er zThtiklich 
dir ch?negine reiche» 
Daz si ir pflaegen mit t"wen wol. 
»daz dien ich immer, als ich sol, 
5 Vmb iv all,** spch der chvnech reich, 
do lopten si alle geleich, 
Si leisten gern sin gebot. 



486 Zin^erle 

da mit beyalch er si got. 
Mit rrloabe er Yon ir schiet 

10 der chunegi^ ir triwe riet, 
Dax si den helt rmh vie 
Tii in frirntlichen lie 
Mit ir ehiisse von ir rarn. 
si speh : „got mvze wol bewar" 

15 lYwer ere vn* irren leip!" 
daz TÜ minnechliche ¥np 
Vil sere wainen began. 
Yon dem palas gie er dan 
Onf den hof, da er sin örss rant. 

20 dar ouf saz er zehant 

Vnt reit hin nid er oaf den plan, 
da er rant roanige" Wde man. 
Dir chynegine reich 
saz TÜ senliche 

25 In ein renst" an der want 
Tn" ir frowen allesamt. 
Vnt der ehvneeh Albewein, 
Melivn tii dir getwaergeli^ 
Sazzen bi dein frowen. 

30 si wolten gern schoTwen, 
So die f&rsten mit ir seharn 
alda Ton d" stete wolte* rar". 
Dannoeh was ez harte frö, 
sneHichlich si griffen zv. 

35 Dir gezelt wurde" elli? nider gelan. 
Eskylabon, der w^de man, 
Wart fvr geschafet mit sin" schar, 
in des Tanen swebt ein ar. 
Der vane was weiz alsam ei* sne, 

40 ein roter sameit von Ninire, 

Dar onz was in de" vane" gesnite" 
ein are mit ehostechlichen site". 
Der vane was lanch Tn preit. 
der erzeigte groze reieheit. 

45 Dem warte wo! zehcn tousent ma". 



Zu Pleier's Giirel. 487 

manich zimierde wol getan 

Moht man wol schowen. (b) 

Yon der bvrch die frSwen 

Sahen sich d^z her ouf machen. 
50 man horte yil loot erchrachen 

Yil manige bvsinen. 

Heskylabon mit den sinen 

Warn alle nr bereit. 

vier hrndert Ritter rnTcrzeit 
55 Die soumte^ sich an prise niht 

▼nter einer panier, dir was lieht 

Die chom'^ yerre vor der schar, 

die fürten all ein waifen gar 

Ouf schilt ?n ouf wappe" kleit: 
60 gvldin poyen, so man seit. 

Dir selbe werde Ritterschaft 

het mit manlicher chraft 

Yil manige" hohen pris beiagt 

si warn beide ^nrerzagt. 
65 Von Belamvnt Eskylabon 

het sieh durch prisliche" Ion 

Mit den sinen für genomen. 

die Yon Merkanie sach msT chom". 

Die zogten nach ouf sin sla. 
70 der ranen was weiz vn pla. 

Ouz de" plaben taile gap liebte" schi" 

ein liebarte weiz haermin, 

In de" weizen teile ein liebart pla. 

der yane der was anderswa 
7$ GepIAmet mit rotem golde. 

dem Tanen warten solden 

Zehen tousent man yH werlich. 

manich zimierde reich 

Brahtens ouf die beide breit. 
80 manich schar mit chrache reit. 

Der herzöge von Pgalt. 

hei waz pTSoune" wart erschalt 

Vor im ! die gaben loute" doz. 



488 Z i n g e r 1 e 

den edeln Ritter niht rerdroz. 
85 Beidir er selb rn al shi her 

warn Ritterlich se wer. 

Dere Tane was ein sameit 

gesnite* lanch Tnt weit. 

Der was reht sne weiz. 
90 dar an lach kostlicher fleiz. 

In de" yanen was gesniten, 

de" was reichi? chost niht Tniite", 

Ouz (einem swartzen sameit reich) (^c) 

ein ainhirne (maisterlich) 
95 Reht in der ge(bare), 

alsam ez lem(tich waere). 

Ny warn der s 

fvr die bnrch 

Sach man 
100 die fürt . . e 

Des hertz . . w 

der het ou 

Daz was Gy(lan der chme). 

der Yane was (rehte grrne), 
1 05 Dar inne (ein leb Yon golde), 

reht als er lebe(n solde). 

Vor dem yanen 

prsoune" daz de" 

Ir zimier warn 
110 ich waen ir yo" 

Wurde praht yil 

zehent tonsent 

Ffirte der werde 

Ynder sine" Ya(nen) 
115 Nach dem für (chomen) 

der lantgraYe 

Von Turtase Am(urat) 

diy aYctore y 

Er förte man 
120 gen den Yeinde" 

Des ?ane was s(wartzy alsam ein ehol) 



Zu Pleier*8 Garel. 489 

dar ouz sach ma(n Terren wol) 

Einen sne weizien swanen. 

zehent tousent man (dem ranen) 
125 Warten ritterliehe, 

nach dem fdr mi 

Der helt von RiY(elantz Gerhart), 

des leip vor 8Ch(ande was bewart) 

Vnt ouch YOr aller 
130 Gerhart der stoltz 

Fürte wol zehen tou(sent man) 

ynder sine" ranen (an). 

Der vane der was (reiche) 

geteilt gar geleich(e) 
135 En vieriy rot rn w(eiz). 

Gerhart legrt alle" (rleiz) 

An manheit vn an (milte), 

der choste in niht (bevilte) 

("dj ist theils fortgeschniUeD, theils so «bgeniitst, dass aur wenige Worte 
gelesen werden können. 

. . . was . . . (^e) 
140 Vor im gab mit ehrache doz 

y\\ pTsonne'^ . dar zv was tiI groz 

Floytieren Tn tampoare schal. 

Der gal wider ein ander hal, 

Daz al daz reit erchrachte, 
145 do sich von stete machte 

Der ellens reiche Garel. 

gezimiert manich ritt" snel 

Vnter sine" rane" reit, 

als ms dir ayentivre seit. 
1 50 Der yane der was sne weiz, 

dar an lach chostpaerr fleiz. 

Von swarze" sameit reich 

was TÜ meisterlich 

Ein pantel in de" rane'" gesnite" 
155 mit anrerzagtlichen siten. 

Mit Garel mit im 



490 ZiDgerle 

maoigen Tnrerzagien man, 

Der wol getorste Streites pflege". 

TÜ manieh ellcns reicher (degen) 
160 In sin helfe w(a8) geriten. 

mit unverzagtlichen sitcn 

Färt er manigen weigant 

ze Cbanadich in daz lant. 

Des enweiz ich niht, wie lang er für. 
16^ die ÄTcntiTre mir des swur, 

Daz er choeme in daz lant 

dir chTniginne wert erchant, 

DW sfizze Laudameie, 

Yor yalsche dir freie, 
170 Vil sere troure" began 

Ymb ir hertzcn lieben ma", 

Daz er ir was gevarn. 

si bat^ in r(rao)che got be(warn), 

Daz er behalte sinen leip. 
175 daz Til tri wen reiche wip 

Was in grozen (sorgen) 

den abcnt rnt den morgen 

ymb ir hertzen lieben man. 

si tet, als ir triwen zam. 
180 Div chvnegin an triwen reich 

beleip vil zvchtichliche 

Ouf dem haus ze mvntrogin. 

meliTn vnt Albewin 

Namen ir mit triwe" war. 
185 nr svlt ir höre", wie si var. 

Die Spalte (f) ist derart abgerieben, dass ich nur folgendes lesen konnte : 

chom 
ze helf de" chvnige 
ze chanadich an 
Da mit 
190 dir was (des landes) sloz 
dar was 



Zu Pleier*« Giirel. 491 

Ouf ein sieht 
1 95 leit sicli daz her 

Far einen wunnencliehen wali 
Garel der stolze degen (halt). 

Do nv geherwerget (was) 

für den walt (als ich las) 
200 Zv eine" wazzer 

de^ w'de degen niht t 

An all der ffirsten ring 

der edel ritter ge 

Bat si alle geleieh 
20» die edel rit 

Mit YÜ 

daz si 

Vnt sich des liezen 

er wolt ... da 
210 Ir rat er hete wol Yer(nomen) 

daz er so nahen dy 

Z^ der Yeinde 

die . . Y . ste was 
. . all . . . 
211» Garel der stoltze 

Het aldo der 

als in 

Wan im was gesagt, 

daz der rise 
220 Von in 

. . er waer 
• . Chanadich 

er sprach . nY rat 

Wie ge 
225 wir in an ge 

Die kloQse da 

Daz lant Yn" 

Da mein 

als ich daz 
230 DiY klonse 

lant Yon Chan 
. d. phil.-bi8t. ci. L. Bd. IV. Hfl. 32 



492 Zingerle 

Bechant wie 
m5hte choni 
oder was t. 



VI (R. F. 9^.) 

Garel spch: „daz mach wol sin. 

ich gib dir des dir triwe mto, 

Als er sich ir roder windet, 

daz er den vindet 
^ Sicherlicheil von mir streit, 

ob er mir nicht die klouse geit, 

Vnt lobe des Ynsern herren Christ, 

daz er niht eine c . . en ist 
.... mei. nn ich 

10 mich 

. . • • . sin, 

Des warte ouf die triwe min." 

Galvan, der ellens riebe, 

chom rermezzenliche 
1^ Geriten zt de" risen. 

Tor der klouse ouf den siebte" wisen 

Bei den habte her Garel. 

Galvan, der degen snel, 

Voderot daz ouf sin hant. 
20 Malseron, der weigant. 

Sprach: „n? sehet iy der z^. ** 

Galran vnder want sich do 

Der klouse. als daz geschach 

Malseron, der degen, sprach : 
2^ ich hinne" Tarn, 

ir sult die klouse wol bewarn." 

Dise rier starche man 

(hie)lten für die klouse dan. 

Si weiten da niht langer sfn. 
30 do sprach der Rise Charabfn: 

„Hie mach wol werde" ein hert" streit 

ouf de" griine" anger weit 



Za Fleier*« Garel. 493 

Von dem Grayen Galran 

Yn" Yon de" hochgelopte" man, 
35 Den wir da bei im liezen. 

wolt ir des niht yerdriezzen, 

So solt ir hier daz gern sehen, 

(waz) in beiden sol geschehen. 

wir " 

40 Si cherfen wider (dr)ate, 

Si wolten schowen disen streit 

ouf de" grrnen anger weit. 

Er g . . . Ton den beiden snel. 

Galran Tnt Garel 
45 Die hielten noch hie beide 

gen an ander ouf der beide 

Vnder ir paniem lieht. 

(Galran der) Trage soumte niht^ 

Er fragte Garein maere, 
50 waz er wolte oder wer er (waere), (b) 

Von wanne" er ch6me in daz lant. 

„tvt mir iwer rart bechant" 

Spch der Grare Galran 

zr Garein, de" werden man. 
55 Garel lachte rn" sprach: 

„ich frrht, iz werde ir mgemach, 

Ob ich ir sagte maere, 

war ich wil oder wer ich waer. 

Doch wil ich ir niht rerdagen, 
60 ich wil ir min gererte sagen, ^ 

Sprach der edel weigant, 

,,ich bin drrch arentirre gesant 

Her zr dirre klouse, 

Da die Risen warn mit honse. 
65 Dir wil ich behalten 

rnt wil der kloase walte", 

Yntz mir chomt min herre 

der chvnech ron Anferre." 

So sprach der degen mrerzeit. 

70 „swem daz ist liep oder leit, 

32* 



494 Ziagerle 

Dax ist mir gar mniaerey'' 
sprach der helt lobewaere. 
Er geparte dem geleiehe 
Garel, der ellens reiche, 

75 Als ob er waer des chvneges ma". 
do sprach der Grare Galran: 
«Hie sol nimer fride sin ! 
iwer herre Tnt der mio 
Sint an ander reint genvch.** 

80 Galran der degen kluch 
Gahte zt den sinen dan. 
er sprach: „ir herre% gedenchet daran» 
Daz ms min herre hat gesant, 
das wir sin ere mt daz lant 

8d Sfln wem rnt behalten, 
ob wir triwen walten, 
So srle wir daz niht gern sehen, 
swa mine" herren sol geschehe" 
Laster mt schände 

90 hie haime in sinem lande. 

Ir beide, ich wil 'vr des rerieben: 
die wir dort gen ms halde" sehe" 
Bei der kluse ouf dem plan, 
daz sint die reinde sunder wa". 

95 Die hat her in ditze lant 

der chmech von Anferre gesant, 
Daz si ms die klnse nemen. 
ir beide, n? lat ir des gezeme", 
Daz wir wem mser ere 
100 wir CO 

Vemaeme wir die schände, 
daz si ms in dem lande 
Srchent gewaltichlich. 
ir beide ellensreich, 
105 Gedenchet an iwer werdicheit 
rn rechet laster mt leit 
An den reinde", die ms haben Tor. 
e si chom" ror daz klusen tor. 



Zu Pleier'8 Garel. 

Si mVzeii tds ze pfände geben 
HO beidiT leip ynt leben. '^ 

Si beten sich gesvndert. 

Garel het zwai hrndert 

Wol gewapent siner man. 

do het der Grare Galwan 
1 1 ^ Der sinen ouz gestndert 

wol gewapent vier hviidert. 

Die iahen alle geleiche, 

si wolten sicher! iche 

Daz laster nimer vber sehen^ 
120 daz in waere geschehen, 

Daz in so nahen waern (ge)riten 

die veinde . mit zornlichen (siten) 

Stapfens vber den anger h(er). 

Gahan mit ouf geworfem (sper) 
125 Vermezenlich vor den (sinen reit). 

Garel» der degen ynyerzeit, 

Mante die sinen sere. 

„gedenchet an iwer ere,^ 

Sprach der degen weis, 
1 30 „wir srln ere ynt pris 

Noch hirte hie erwerben. 

ein man mach gern(er sterben) 

Mit em, denn mit laster leben. 

ich wil iv des min triwe geben, 
135 Daz wir hie yil wol gesigen. 

si mvzen sigelos geligen 

Von vns.^ sprach der chrne man. 

do nam der Grave Galvan 

Sin örss zen Seiten mit de" spor". 
140 Garel, der degen hoch gebom, 

Chom hyrtichlich gen im gevar". 

die sine" chanden sich niht spar", 

Si Tolgten schon ir herre" nach. 

Garel den Graven Galyan stach 
145 Hinderz orss wol speres lanch. 

ob im hvb sich groz gedranch 



493 



der sine wart ob im erslagen. 
1^5 Mer deDn funfzich man. 

idoch hülfen si im Ton dan, 

Daz er chom ouf ein kastelan. 

*do der Grare Galran 

Den schaden an den sinen saeh, 
160 daz wort er zornliehen sprach: 

„Owe des schaden, des ich haa 

genomen an minen werde" man. 

Der ist mir al ze n\ erslagen. 

ich mvz die iamer brrde trage" 
165 Nach mine" helden'^, spch der chnie ma", 

„ich gereche daz mir ist getan. ^ 

Garel, der ouz erweite degen, 

brach mit reintlichen siegen 

Mit den sine" durch die schar. 
170 des wurden helme blnt rar. 

Swem er erreichte, der was tot 

„owe dirre grozen not,** 

Sprach der Grate Galran, 

^sol Tns dirre eine man 
175 Hirt allen an gesigen? 

ich mvz tot von im geligen, 

Oder ich riebe daz mir ist geta".** 



Zu Fleiers Garel. 497 



185 Ranten zorneklichen. 

Garein, den ellens reichen^ 
Wolte der Grare Galvan 
da TÜ gern erslagen han. 
Des wert er sich mit heldes hant. 
1 90 Garel, der chvne weigant, 
Vaht so degenliche, 
manigen ritter ellens reiche 
Valte al da sin werdir hant 
hinderz örss ouf daz lant. 
195 Da wart sere gedrungen, 

diy swert ril loute erchlunge" 
Beidenthalp von ir man. (^e} 
der starche Grave Galvan 
Sluch so chreftichliche 
200 ouf Garein, den ellens reichen, 
Reht, als ez waer ein doners slak. 
er sprach: „dest war, ob ich mach. 
Ich geriche an dir mine man, 
die ich ron dir verlorn han." 
205 Sine siege warn chreftichlich. 
Garel, der degen ellens reich, 
Warf vmb daz swert in der hant^ 
Galvan, de" chvnegen weigant» 
Chlaup er daz houpt vn" de" heim 
210 vn" warf in toten ouf de" melm. 
Do daz die sine sahen, 
si weiten helfe gahen. 
Ir helfe mohte im niht gefrum", 
si warn im ze spate chomen. 
215 Do der Grave Galvan 

was tot gevallen ouf de" plan, 
Des erschrachen alle die sine", 
doch liezen si wol scheinen, 
Daz si warn vnverzag^. 
220 si werten, so mau sagt, 
Sieh als chvne weigande. 
Garel die sine mande, 



408 ZiBgerle 

Daz si gedachten an ir ere. 
do wart gestriten sere. 

225 Do der Grare wart erslagen, 
man sach noch werliche" trage" 
Die sine panier. 
Garel sluch yü schiere 
Den ritter, der die panier trvch. 

230 des schaden des waer gar genveh 
An de" Graren Gahan gewesen, 
der tot lie einen niht genesen. 
Er nam die sinen zr im gar. 
des graren Galranes schar 

235 Was ny worden sigelos. 

swer da fluht ffr sterbe" kos. 
Dem was daz nt daz peste. 
Ton Anferre die geste 
Behabten ritterlich daz wal. 

240 Yon fluht häp sich grozer schal. 
Swaz der Grare Galran 
ritter prahte ouf den plan, 
Die warn erslage" Tntz an zwelf man. 
Garel ooch schade do gewan. (f) 

245 Der rerlos wol Tier rn zwazik man. 
die zwelfe fluhen balde dan 
Vnt sagten ir herre" maer, 
wie ez ergangen waere, 
Daz d" Grave Galran waer erslage". 

250 de hört man de" chrnech klagen 
Harte klaegeliche. 
EkmaTer der reiche, 
Der edel chVnech wol geborn, 
fragte, ob di? kluse waer ylom. 

255 Ein des Grayen ritter sprach: 

„ia hre, ich sage ir, wan ichz sach, 
Daz Ton Anferre des krneges man 
ms die kluse erstriten an, 
Vnt daz min herre lach da tot 

260 Tnt al die sine, daA ist ein not. 



Za Fleier*« Garel. 499 



Wan ich eine chom mit nöte" dan 
in ainlef mines herren man. 
Die andern sint gar ersiagen.^ 
daz horte man den kvnech klage" 

265 Harte klaegeleichen. 
armen rnt reichen 
Hiez er disir maere 
klagen ynt sine swaere. 
Si iahen alle geleiche, 

270 si raechen williehliche 

Sincn eliTmber rn" sinir leit. 
den fursten allen wart geseit^ 
Daz 81 ze hofe solten ehomen. 
do si daz heten yernomen, 

275 Si ehomen williehliche 
frr den chfnech reiche. 
Der klagte in sinen rngemach, 
ZV den fvrsten er do sprach: 
„Fritnt m lanthern mhi, 

280 lat ix min leit geklaget sin! 
Mir sint erslagen mine man 
rnt der Grare Galran, 
Der mir nl gedient hat. 
ny such ich helf vn" rat 

285 An iy, wan ich getnrwe iy wol, 
wan ich daz imm" dienen sol, 
Daz ir rechet mine" yngemach.^ 
der chynech yon Riyeianz spch: 
„Her chynch, ich wil iy rate" daz, 

290 sw" bezzers waiz, d" rate baz." 

vn. (R. F. 9^) 

oof daz gras 
Saz (Garel, der) chynech reich, 
yil ge(zo)genlich 
Ouf einer wol geblümte" wise". 
5 yor im (sa)zen die risen« 



500 Zin{?erle 

Die waren cboro" alle dar. 

Garel, der vier degen chlar, 

Hicz si wüleehomen sin 

Malseron rn" Charabin. 
10 Zirdos vn" Zirigon. 

durch riches prises Ion 

Empfieng er die fursten in daz lant. 

(do) in (sin) grTz wart bechant, 

Do nigcn im zThtiehliehe 
15 die edeln fvrsten reicbe. 

Alle geliche iahen, 

daz si nie g^sahen 

Vier man so miehel rn so groz, 

ez lept ninder ir genoz 
20 An sterehe rnt an manheit, 

noch an lenge, so man seit. 

Si wurden gesehowet genilch. 

Garet, der stoltze degen chlilch, 

Bat die fvrsten sitzen 
25 mit zuhtichlichen witzen 

Zv im nider ouf daz gras. 

vn" sin" rotte meist" was 

Die wile dar besant. 

si 8az(en nide)r an daz lant 
30 Fvr den (chvne)ch ern reich. 

der sprach gezogenlich: 

„Ich ha(n) dar nach iv gesant, 

wir m(uzen in) der veinde lant 

Nv werbet (mit) rate vmb rnser vart. 
35 div wirt nibt langer vf gespart. 

Wir svln gen den veinden varn 

vu" ouch svl wir daz her bewar", 

Daz wir von schaden sicher sin. 

ich nim daz ouf die triwe mi'n, 
40 Daz ich iv gern vor schade" bewar 

vn" gein nach ivre" rate var. 

Ich getrivwe iv allen wol, 

wan ich ez gern dienen sol» 



Zu P]eier*8 Garel. 501 



Daz ir mich iwerre helfe wert. 
AS swes iwer wille an mich gert, 

Daz ist allez getan, 

swa ich mach oder chan. 

Des han ich fil g&t reht zv. (^bj 

got helf mir, daz ich noch getv 
50 It den dienst, als ich ger. 

des bin ich gern iwer wer 

Mit triwen willichlich.^ 

so sprach der chrnech rieh. 

Der herzöge Yon Pergalt 
55 sprach: „ez ist so manichyalt 

Iwer ere vnt iwer pris, 

daz wir gern in aller wis 

Iwer ere SYln werben 

vnt des niht lan yerderben. 
60 Ich wil ir sagen waz man tv : 

als ms ehom der morgen frü, 

So sei bereit ein ieslich man. 

ich vnt min swager Gylan 

Vnt von Riviers Gerhart der degen, 
65 der getar wol ritterschefte pflege". 

Wir drei svln heint daz her bewarn. 

so sol Eskilabon varn 

Morgen fvr mit siner schar, 

der getar wol veinde nem" war, 
70 Vnt Tyoffabir der freie, 

der helt von Merkaneye. 

Nach de" var der Margrave reich 

von Turtüse, der vil loblich 

Hat vil manige" hohen pris beiagt, 
75 vn" Chlaris, der degen vnverzagt. 

Von Argente der reich. 

so svlt ir sicherlich 

Dar nach rite" mit ivre" zwai" schar. 

so svl ich vn" Gylam bewarn 
80 Vnt der degen Gerhart 

daz her hin nach ouf der rart, 



502 Zingerle 

Vnt besetzet iwer kloiise. 
wir haben zv diseni hoose 
G^ten trost viT wizzet daz, 

85 wir gevarn all destcr baz, 
Ob wir dise reste 
behalten . wir sin geste. 
Daz ist vus gvt", spch der wise ma", 
„ir stH hie iwerr Irte lan, 

90 Die iY daz hoos behalten. 
wir svln sinne walten. 
Mvge wir niht gestreiten, 
so svle wir hie beiten 
Hie ze dirre klous, 

9ö (rntz daz der chvneeh Artus) (c) 
ehrmt mit her in ditze lant. 
daz rat ich**, sprach der weigant 
Der rat geriel in allen wol. 
,,nv ratet, wen ich hie lazen sol.^ 
1 00 Do spch der fvrste Gylan : 

„lat hie Tier Ynt zwainzich man. 
Die behaltent wol mit leihter wer 
das hous Tor aller chvnege her.** 
Garel sprach: „daz si getan." 
105 vier vnt zwainzich siner man 

Hiez der chvneeh für sich chomen, 
als ich daz maer han remomen. 
Die swfirn im des eide, 
daz sich drrch liep noch leide 
110 Niem* gaebe die kloiis> 
wan im oder Artus. 
Do spch der ctnech lobelicb : 
„Malseron, der ellens reich, 
Zirdos, Zirion yn" Charabin 
115 ir Tier stU oucb hie sin. 

fr helfet niem^ in disem streit, 
ist, daz mir got geluko geit, 
Ich wil iT immer reichen, 
daz wizzet sicherlichen. 



Zu PleieKs Garel. 503 



120 Gesi^ aber mir der chVnech an, 

so SYÜ ir dennoch niht gestan 

Ouf Artus den getriwen. 

des chrmber soltc riTwe" 

Alle, die sieh so rersinnent, 
125 daz si triwe minnent.^ 

Daz lopten do die vier man. 

die fursten mit vrloube dan 

Riten zv ir ringen weit. 

ny was oueh des tu grt zeit, 
130 Daz man solt ezzen gen der naht. 

mit yil fürstenl icher mäht 

Manich fürst an sine" ringe saz. 

do nr der chvne hete gaz, 

Gylam, der werde degen, 
135 der des heres solde pflegen, 

Vnt der herzöge Ton Fgalt 

Ynt Gerhart, der degen halt, 

Die warn schone bereit 

Tn" chomen in irir wapen kleit 
140 Wol mit dreizich tousent man. 

mit den zogten si dan 

Ze velde mit grozem schalle, (d) 

die andern beten alle 

Beidir rö Tnt gemach. 
145 dise hüten so, daz man des iach, 

Des heres waere wol gepflegen. 

die naht si beten sich bewegen, 

Daz si in rier enden rmb daz her 

hvten mit yil grozer wer. 
150 Des morgens, do der tach ouf brach, 

daz man vor de" tage sach 

Den morge^ stern ouf sleichen, 

(do) wurden gemeinlichen 

(mit r)ate des die fursten her, 
155 (da)z si da niht langer mer 

Weiten wesen. daz wart wol schin. 

Eskilabon ynt alle die sfn 



604 Z i o g e r 1 e 

Warn schier bereit 

td" Tyoffebir, der roYeneit. 
1 60 (Verno)nien wart do groz" schal, 

(Ma)n begynde sich Tber al 

Ouf machen, dise lo^n für 

mit also ritterlicher chrr, 

Daz die Risen mrste" iehen, 
165 si hete" da ror nie gesehen 

Ein her so wunnechlich. 

Eskylabon der reich 

Het sich mit den sine" fvr genom" 

si warn so ze Yelde chomen 
170 Ze WTnsehe rnt schone genvch 

TyoiTabir, der degen kluch. 

Er vnt al die sine. 

Yon ir zimierde scheine 

Wart gezieret wol daz velt. 
175 Ouch gap de" glaste wider gelt 

Eskilabon mit siner schar. 

manich zimierde klar 

Brahtens onf den grYnen plan. 

mit zwainzich tousent manne" dan 
180 Zogten dise beide 

ritterlich vber die beide. 

Si wolden gen den Ycinden dan. 

Amorat, der werde man. 

Von Turtuse der lantgrave reich, 
185 was ze Yelde chomen ritterlich, 

Vnt der herzöge Yon Argentin. 

Chlaris Ynt alle die sin 

Soumten sich an prise niht. (^e) 

manige zimierde lieht 
190 Sach man ynder ir beider her. 

si warn ritterlich ze wer. 

Die zogten ouf Eskylabons sla. 

yII bYSounen bort man da 

Vor ir her chrachen. 
195 man sach ze Yelde sich mach«" 



Zu Pleier's Garel. o05 



Von Anferre des chvneges man. 

die zogten Ritterlichen dan. 

Si warn schone bereit. 

ir schilt rn" irir wapen chleit 
200 Gaben gen dem morgen schein. 

dri chrone guldin 

Glesten ouz einem vanen weit 

Yori eine" plaben sameit 

Die chrone warn gezieret 
20S mit chost, dar in rerwieret 

Vil der cdebi steine 

groze vnt chleine. 

Die gaben werde" liebten schein. 

nv was mit al den rittern sfn 
210 Garel ouch ze Yelde chomen. 

da wart vrloup genonien 

Von den Risen vn^ Yon sinen man, 

die bei der klouse solte" bestan. 

Sin schar was wol gezieret 
215 Ynt so gezimieret^ 

Daz man in grozer eheste iach. 

Malseron ze de" chvnege spch: 

„H're, Yart nach rate! 

ir syU heizzen drate, 
220 Daz vorder her gaben 

vnt herwerge vaben 

An daz wazzer, daz hie dvrh d. lant 

rinnet, mir ist niht beehant, 

Daz inder fvrt, wan einer, 
22«! dar vber ge deheincr. 

An den fvrt svlt ir iv legen," 

also spch Malseron der degen, 

„So seit ir sicher bei der naht 
ob des den veinde" waer gedaht, 
230 Daz si iv schaden wolten, 
als si von rehte solten, 
Ist denn der fvrt wol bewart, 
So mvz ir zorn sin gespart. 



506 Zingerle 

Enmite" in de" furte stet ein lewe, (f) 

235 der gint weite mit siner chewe. 
Dero stechet le aller stTnde 
ein panier in dem mrnde, 
Vnt ist ouz ere gegozzen dar 
mit listen, des sylt ir ncme" war. 

240 Swem des gelrstet yn" gezimt, 
daz er die panier nimt 
Dem lewen ouz de" mmde, 
so chrmt im an der strnde 
Onz dem halse ein s(o!i)ch doz, 

245 der ist so michel in (so) groz, 
Daz man in hört wol raste preit. 
herre, daz si ir geseit: 
Swer da bei ist nnhen, 
daz mvz yil balde gaben 

250 Da Ton oder er hat den leip y'lom 
yon dem doze. degen onzerchom. 
Da yon behytet iwer her, 
daz ir iht sterbet ane wer.** 
Gare! spch: „yil werder degen, 

255 Got myze diner em pflegen ! 
Dy bist getriy ynt m(an)lich^ 
einen boten sant der chyneeh reich 
Eskilabon, dem degen chlar, 
daz er naeme des lewen war, 

260 Vnt enbot im diy m(aere), 
wie ez gewant (waere) 
Vmb den lewen (ynt ymb) die panier, 
der bot chom yil (schier) 
Mit sporn gahes g(erant), 

265 da er den werde" (ritter) yant. 
Dem sagt er diy maere, 
wie ez gewant waere 
Vmb den lewe~ yn^ ymb die panier, 
do spch der werde degen yier 

270 Zy dem böte" alzehant, 
der ooz erwelte weigant : 




ZnPleier*tGarel. 507 

„Ich 8ol Tor schaden tds bewarn, 
ich wil aine des endes Tarn 
Gen dem fVrte, da d" lewe stat. 
27 D wai ob man angest gen Tns hat, 
Dax der fyrt ist beh^t,"* 
alsos sprach der degen grt, 
„Die entsitzent mich yil kleine, 
so si mich sehent al eine.** 

Vm. (R F. 9\) 

.... er mit dem ranen 

Chom gedrange" durch die schar. 

des wurden helme plutrar 

Von Stichen Tnd von starche" siegen. 
5 da wart manich werder degen 

Vil sere y'^^schrote^. 

d. reit begrnde rote**^ 

Mit plut Ton dem streit. 

Nt chom ouch an der zeit 
10 von Rirelantze Ardan. 

sinem Tanen rolgte dan 

Manich ritter TUTcrzeit. 

nr was der stolze helt gemeit 

Garel Streites noch erlan. 
1 S Yon Rivelantze Ardan 

Brahte manige" ritter snel. 

er cherte, da daz pantel 

Gleste ouz hem Gareis ranen. 

er getorste wol die sine mane", 
20 Er was ein degen srnder wan. 

der edel chynech Ardan 

Gezimiert vor den sinen reit 

Tnder sinem tanen preit 

Für Til manich werder degen. 
25 si heten Streites sich bewegen. 

Nt chom ouch her Garel, 

der ellens reiche degen snel, 
^bil.-hist. Cl. L. Bd. IV. Hft 33 



508 Zin^erle 

Mit wol geflorierten schäm 
ritterlich her gerarn. 
30 Vil pusinen Tor im erhal, 
floytiern rn tampoure" schal. 
Als ez der doner waer. 
Garely der lobewaere, 
Manlich ror den sinen reit 
35 sin schilt rnt sinir wapenkleit 
Warn tivre rnt lieht gerar. 
Ardan cherte ron siner schar 
Gegen Garel, de" degcn ouz erchorn. 
dir örss si nam" mit den sporn. 

40 Ein reichiY tirste da geschach. 
ietwederr sin sper rerstach 
Ze stuchen gar hintz an die hant. 
ietwederr in der scheide rant 
Ein gvt swert, daz serc sneit. 

45 Garely der degen TUTcrzeit, 
Sluch de^ chvnege eine^ slach 
durch den heim, daz er sere erschrak. 
Vn daz in des bedcuhte, 
wie im vor den ougcn louhtc 

50 Ein fiwer groser, denn ein schoup. 
vnTersvne" vnt toup (b) 
Lag er vber dem satelbogen. 
Garel, der ellens rnbetrogen, 
Valt in von dem orsse wunt. 

55 do chom ze helfe im and" stT^t 
Die sinen lobelich. 
Ardan, dem chvnech reich. 
Wart geholfen von der not 
in hiet der helt erslage" tot, 

60 Waem im die sine niht schier kom". 
da wart manich loater chrach v'nom" 
Von spern, do ir beider her 
mit vil manlicher wer 
Mit hurte zesamen chom" gevar". 

65 man horte von ir beider schar" 



Za Plder's Gtfd. 500 

Manich hart tU lout erklinge" 

TDt fiwer dar ouz helme springe" 

Von Til neitieiehen siegen. 

da wart ril manich werd" dege" 
70 Toter ouf daz wal gevalt 

»»Nantes**, loute wart erschalt, 

Artuses des chvneges chreie. 

Garel, der falsches rreie, 

Hiwe ein luken drrch daz wal. 
75 der liite so tu so tu ze tal 

Von im tot Tnt wunt, 

daz er in tu chTrtzer stfnt 

Daz her durch brach mit starke" siege". 

swar der ellens reiche degen 
80 In dem streite cherte» 

daz Tolch er nider rerte, 

Alsam den hanif tvt der schower. 

der streit was bedenthalbe~ sow 

Den sinen Tnt der ritterschaft 
85 Ton RiTcIäntze, die mit chraft 

Beiagten manige" hohen pris. 

die werte'^ sich in manige" wis, 

Als gvte riter solten. 

den sich si gern wolten 
90 Beiagen, des mohte niht ergan. 

Garel vnt sine man, 

Swa die hin cherten, 

der Tcinde schaden si merten 

In dem hcrten streit 
95 nT chom ouch ander zeit 

Der hertzoge Ammilot, 

der die lichten rosen rot 

In sinem Tanen ffirte. 

gen dem streit er rurte 
100 Wol mitwa (c) 

die TO . . n sine 

Gen dem streite d 

die rosen rot als 

33 • 



510 Zlngtrlt 

Sach man Terre 

105 Ammilot mit d 
Cherte darch pri 
da der wilde 
Vnt Tyofabir mit 
wol Yaht gen d 

110 Mit Tnrerzag 
was der heide 
Mit hurte an alle 
man sach man 
Die den poyen tr 

115 waz die der her 
In dem streite ritt 
wol iaht der lo 
Eskilabon Tnt Ty 
da wart manich 

120 TotgereUet ouf d 
ir herzeichen lo 
Si begTnden rufen 
der heiden ander 
Was wol dir drir 

125 tot si heten sieh 
Des siges man sa 
nT chom in ritt 
Der hertzoge A 
den ranen mit d 

130 Sach man hurtich 
da wart manich 
Von hurte an der 
do der lane ch 
Ammilot ynt sin 

135 swaz den leides 
Daz wolten si n 
mit slahen ynt 
An Eskilabon Tnt 
die Tant man 

140 Da w . . r lichte 
Tyofabir der w 




Za PIeier'8 Garel. 81 1 

Wol iaht Ynt onch 
Eskilabon mit he 
Hiw Ymb sich 
1 45 laza naher rnk 
Was scharpfer sw 
da wart storie 
In dem herten str 

^ende Spalte (d) ist zur Hilfle weggeschnitten und das Beigelassene so abge- 
schliffen, dass wir dieselbe übergehen. 

Sich alrcst myste wem, (e)y 
150 ob er sich selbe wolte nem 

Vor schaden vnt Tor laster groz. 

man horte da manige" doz 

Von hurte rnt ouch Tor swertes siegen. 

da TCrlos tu manich werder dege*^' 
155 In de" streit sinen leip^ 

den da haime weinte*^ w'^diy wip, 

Do Ekanayer mit hers chraft 

sich stachte in dir heidenschaft. 

Da wart sere gedrungen, 
160 da wart yü lout erklungen 

Diy swert, onch heim Tn harnasch. 

TÜ lichter zimierde erlasch 

Von plute. die e warn chlar, 

die wurden almeistich rot gevar. 
165 Nv hört ouch, wie Garel, 

der ellen&riche degen snel. 

Die sinen tröste in dem streit. 

vil lout: „Nantes** wart geschreit. 

Daz wart durch choYcrunge getan. 
170 Ekunayer, der werde man, 

Chom mit so grozer hers chraft, 

daz hern Gareis ritterschaft 

Mit den von Rivelantze strite". 

mit Turerzagtlichen siten 
175 Chom EkunaTcr ander zeit 

mit sine" vanen in den streit 



512 Ziag^erl e 

Er want beiagen da den sich, 
al die sinen „Chanadich^ 
Begynden rufen an der stunt 

180 Garel ¥rart da chrmber chTnt. 
Er Ynt sine w^de man 
wurden hinder sieh getan. 
Von Rirelantze der werde helt, 
Ar^lan, der degen ouz erweit, 

185 Der het e g^ozen schade^ genom. 
waer im niht ze helfe chomen 
EkunaYer der rieh, 
er het sicherlieh 
Alle sin ere verlorn. 

190 Ardan, der chrnech wolgebom, 
Wart manlich errettet 
den orssen wart gepettet 
Mit manige^ edeln toten, 
die sere wurden yerschroten, 

195 Der lach so yü auf dem plan, 
swa diT mYden kastelan 
In de* streit räbe wolte" pflege 
• ••••• ...^ ot 

Da wart ir lutzel niht. 

200 swelich örss Yon den wunde , 
Daz wolt Yf de'' edeln tote ligen, 
so si in de" streit nider sigen. 
Garel Ynt die sinen, 
die liezzen daz wol scheinen, 

205 Daz si warn Yn verzagt. 

si werten sich, so man sagt. 
Mit Yil manlichen streit, 
doch wurde^s hinder sich geleit 
Mit hurte, daz ir alP schar 

210 chom zf anander gar. 
Ekunaver der reiche 
chom so chreftichliche 
Mit vollen povndiers hvrte, 
daz er frivnde vn v ein de 



Zu Pleler*8 Garel. 518 



215 Mit harie %e same" prahte. 

so sneliich er gahte 

Mit siner grozen heres chraft. 

da Ton ir beider rittersehaft 

Gar zesame" warn ehomen. 
220 von sincm poYnder 

Mohte wol aldas Telt. 

Nt hört von de" streit sa, 

Wie da wart geTohten, 

in einander geflöhten 
225 Die Yeinde in der friynde schar. 

die saeh man bi an ander gar 

Mit grozen noten ringen, 

harten Ynt dringen, 

Slahen Ynt stechen. 
230 EkunaYer wolte rechen, 

Daz man in gestehet het 

Da haime. der streit all 

Einen plum" Tarben plan. 

da wart yü manich w'der man 
23 S Von de" orsse tot gevait. 

si waern ivnch oder alt, 

Die rangen da mit noten groz. 

daz plut de" grane" cie (begoz), 

daz Yon iuten Yn Ton örssen ran. 
240 Garei Tnt sine man, 

Die leideten sich so sere 

in de" streite, daz ir ere 

In niem" mohte gewinnen an. 

ouz Gaiis der furste Gylan 
245 Vnt der hertzoge yo" Pergalt. 

IX. (EL F. 9ef.) 

DYrch choYcrYnge BelamYnt. 
nY chom ze helfe in an der stYnt 
AmYrat mit beides chraft. 
Ammilotes ritterschaft 



514 ZiBgerU 

5 Enpfiengen schaden da genfch. 
der Ammilotes ranen tr&ch 
In dem stmne degenlich, 
den sl&ch der Margraye rieh 
Amrrat mit siner hant, 

10 daz der chYne weigant 
Verhowen Yiel ouf den kle. 
Yon wunden wart tu manige" we. 
Ouch wart geralt tu maniger tot 
do der Tane mit der rosen rot 

1^ In dem streite wart gCTalt, 
Eskylabon, der degen halt, 
Mit Tnrerzagte" streit. 
Ton Chalde der Tane preit 
Dannoch hohe swebte. 

20 Eskylabon dar strebte 
Mit tU ungefTgen siegen. 
OygeoneSy der werde degen. 
Der die panier mit de" poye" f&rt, 
wacheriichen rärte 

25 Die hende Tnt sin geselleschaft. 
die howen mit gewaltes chraft 
Ein luken Tnder der beide" Tane". 
Eskylabon begrnde manen 
Di sinen tu cherten dan, 

30 d(a Sal)atrias, der werde man, 
(Ta)ht gen der Christenheit. 
Eskylabon mit hTrte reit 
Gen dem chTnege reich 
Ton Chalde, der tu ritterlich 
Het Til manige" pris beiagt. 

35 manlich mt Tnyerzagt 
Kanten si an ander an, 
die zwen mötes reiche man. 
Von BeiamTnt Eskylabon, 
der manige" prislichen Ion 

40 Het beiagt mit siner hant, 
der ouz erweite weigant, 



Zu neier*8 Garel. 515 



Sluch den chunech Salatrias, 
Daz er Yiel nider ouf daz gras. 
Do daz die sinen sahen, 
45 si begnnden dar gaben 

Vnt wolte'' im geholfen han. (b) 
do wart tu manich werder ma" 
Ob de" chunege Salatrias 
tot gevellet ouf daz gras. 
oO Der edel ebTnecb Yon Chalde> 
des tot tet manige" herze we. 
An im lach manheit yn ifgent, 
triwe Tnt rehte tugent, 
Chaeusehe, zvht Ynd milte. 
5!> sin hertze nie beTilte 
Ritterlicher werdicheit. 
sin hant ril manige" pris erstreit. 
Sin leip was wol geklagen. 
ich het iT yü ze sagen, 
60 Waz der wol gelopte man 
hoher ern gewan, 
Wan daz ich Yor Ynmze mach, 
do der werde chVnech gelach 
Von Eskylabon de'' beide tot, 
65 Da Yon sich iamer Ynt not 
Hvp da baim in sine" lande, 
die chYnen weigande 
Vabten hie an zageheit. 
Oygeones, der YnYerzeit, 
70 Benemyas Yn" Alexander, 

Flores Ynt Lyander 

Vnt ander ir geselleschaft 

chom" mit manlicber chraft 

Vnder der beide" Yanen gedrY^ge", 
75 Da swert ouf si erchlYngen. 

Alrest gie der streit entwer. 

ir werder got Jvpiter, 

Der in der beiden Yanen lach. 

ein ritter, der des vane" pflach, 



ol6 Zing^erle 

80 Den slöch der degen Benemyas, 
Daz er liel toter ouf daz ^s. 
Do der Yane wart geralt, 
ir herzeichen wart ersehalt. 
Si begvnden rufen : „Belamy't". 

85 Do mvst entweichen an der stTnt 
Der hertzoge Ammilot. 
beidir wunt vnt tot 
Was im der sinen worden yü. 
ditze herte neitspil 

90 Was noch vnYcrendet gar. 
Des chYneges Ekmavers schar 

...... CO 

mit Garel, de" degen ellens rieh. 
Ekunaver> der degen her, 
95 mante die sinen ser. 

Er sprach: „ir helde YnYerzeit» 

ir rechet laster Ynt leit 

Mit TiJ willichlicher hant 

an den, die vns in disem lant, 

100 Grozez laster hant getan, 
miner mag Ynt miner man, 
Der ist mir yü gelegen tot. 
nY helfet mir die selbe" not 
An de" Ycinden rechen 

105 mit slahen vnt mit stechen.^ 
AIsus spch der chvnech rieh. 
EkunaYcr, der ritterlich, 
Mit siegen durch die poynd" prach. 
vil grozzer schade Yon im geschach, 

110 Wan er mit siner werden hant 
manigen chYnen weigant 
In dem streite Yalte. 
sns rait er mit gewalte, 
Daz im niem" Yollen streit 

115 mohte gegeben bi der zeit. 
Ny het ouch her Garel, 
der ellens reiche degen snel> 



Zu Pleier'8 Garel. 517 



Ze beiden selten gCYalt 

Ymb sieh des Tolches Yngezait 

i20 Mit de" grien swerte sin, 
daz im der chmeeh Albewin 
Gap. swa er daz hin slöch, 
swaz der man an im träeh, 
Daz frrmt im harte klein. 

125 hörn, stal, eisen, pein 
Sneit daz swert al geieich, 
daz der degen ellens reich, 
Garel, der edel reche, tröch. 
hei, waz er tiefer wunden slöch 

130 Mit dem gvten swerte! 
swar er daz eke cherte. 
Da mohte niht Tor gestan. 
Ekunaver den chynech Ardan 
Het in dem streite fanden 

135 mit einer tiefen wunden, 
DiT im min her Garel släch. 
er hct schaden ouch genvch 
(getan) sinen werden man (d) 
(Ekuna)Yer den chvnech Ardan 

140 Wolte rechen an der stvnt. 
do er in sach so sere wvnt, 
Daz was im harte swaere. 
EkunaYer, der lobewaere. 
Sprach hintz im: „du solt mir sage, 

145 iffer dir die wunde habe geslage". 
Daz wil ich rechen sicherlich^ 
also sprach der chvnech rieh. 
Do Ardan Ekunavern sach 
ze de* chvnige er do sprach: 

150 »Der mir den schaden hat getan, 
der ist für war der chVnste ma". 
Den ich noch ie han gesehen, 
des wil ich im mit warheit iehen. 
Ich prüfte wol sin wapenkleit, 

155 do ich ze der tyost gen im reit. 




518 Zingrerle 

Sin zimierde^ dir ist reiche, 
sin heim ist meisteriieh 
Geziert mit einer chrone. 
nach werdechlichen lone 

1 60 Chan der helt wol werben, 
solt ich TOn im sterben^ 
Ich wolt im doch der warheit iehen : 
so chTner helt wart nie gesehe". 
Er ist, der mir die wunde sluch. 

1 6^ sin schilt ist pla, den er trücli, 
Dar ouf ein weizez pantel. 
daz wapen treit der degen snel. 
Sin heim, sin charsit ist al pla, 
Ton fiwer roter larbe alda 

170 Ze nihtet dar ouz stem. 
man moht in sehen gern. 
Da man niht angest solde han 
ouf den selben werden man. 
Vnt weit ir niht erwinden^ 

17^ ir weit den degen vinde". 
So wartet eines vanen weit, 
daz ist ein planchcr sameit. 
Dar inne ron zobel ein pantel. 
da Yindet ir den degen snel.^ 

180 Der chrnech Ekunaver spch: 
„swaz mir leides ie geschach, 
(Daz) chrmt ron de" schulde" sin. 
ez ist Garel der Teint (min).** 
Den wunten chvnech Ardan (e) 

185 hiez er zen herwergen gan, 
An sinen gemach reiten, 
man hört an allen selten 
DiY swert yil lout erklingen 
Tud fiwer tz heime" springen 

190 Von vil vngefugen siegen. 
Ekunaver, der w"de degen, 
Suchende in dem streit" reit, 
war er den werde" helt gemeit» 



Zo Pleier*8 Garel. 

Garel den degen, TTnde. 

195 in TÜ cIiTrtzer strnde 

Sach er den vanen gen im ehom » 
als ich daz maere han yernome , 
Mit dem reichen pantel. 
der ellens reiche Garel 

200 Verrc YOr den sinen streit, 
swaz im der Teinde wid'reit, 
Die Taiter nider ouf daz lant 
mit siner ellenthaften hant. 
Als in Ekunayer ersach, 

205 er rant in an Ynt sprach: 

„Ir arnet al min hertzen leit. 
▼il manige" ritter ynyerzeit 
Hat mir erslagen iwer hant. 
danrmb myzt ir mir %e pfant 

210 Geben, daz U riwen mach, 
oder ich wii für disen tach 
Nimmer mer werden wert." 
mit eilen hvp er oaf daz swert 
Vnt sluch mit chreften rf de" helt« 

215 Garel der degen ouz erweit 

Zu dem werde" chvnech sprach : 
,ySwaz iv Ton miner hant geschach, 
Daz ist allez ein niht 
da wider, daz It noch geschiht, 

220 E ich Yon hinnen chere. 
ir mvzet ArtoTS sin ere 
Lazen, mag ich irchs erpiten." 
mit vnTerzagtlichen siten 
Jetwederr ouf den ander" drank. 

225 da Ton was groz swertes klanch, 
Do die zwene houpt man 
mit streite chom" an ander an. 
Ekunarern den reichen 
sach man ritterlichen 

230 Oaf Garein slahen manige" slach, ff) 
den er doch harte ringe wach. 



610 



520 Zingerle 

Er mohte sb niht yersneiden. 

elliT wapen mTsten meiden 

Den helm^ den schilt, das ehurseit. 

235 Garel ein wunden weit 

Dem chTnege Ekunavere slueh 
durch den heim, den er truch, 
Daz in daz plöt gar begoz. 
Gareis chraft was so groz, 

240 Der het wol zwelf manne chraft. 
des wart er diche sigehafIL 
Des (halQ im daz Tingerlin^ 
daz im gap Albewin. 
Dar ZV half im wol daz swert, 

245 des ekke warn also wert. 
Da Yor moht niht bestan. 
dar ZY het der degen 
Ein harnasch, daz nie swert y sneit. 
ouch was der degen YnYcrzeit 

250 Ein Ritter gYt in Streites not. 
des lach Yon sinen banden tot 
Yil mancher chYuer weigant. 
do des grozen schade" enpfant 
EkunaYer, daz er was wunt, 

255 do wart der degen an der stYnt 
Vor zorn grimeklich gemY". 
ouf Garein släch der helt gH 
So manige" slach so chreftichiich, 
Yii waer Garel, der ellens rieh, 

260 So wol gewapent niht gewesen, 
er moht Ynsamfte sin genesen 
Von des werde" chuneges hant. 
do EkunaYer, der weigant. 
Wart inne", daz sin gYt swert niht sneit 

265 hem Gareis wapenkleit, 
Daz wart im harte swaere. 
ny gedahte der degen maere : 
„Ich wil Ycrsöchen, ob ich chan, 
ob ich disen ch&nen man 



Zv Pleier's Garel. 521 



270 Von de" orsse mohte bringen. 

ich wii mit ringen 

An in min heil Yersuehen baz. 

ich han wol erfunden, daz 

In min (swert) niht (gewinnen) kan. 
275 mit (hrrte) rant (er an den man). 



X. (R. P. 10*). 

Waere, daz er an im truch, 

daz in des schaden dauht genuch, 

Den er da het gewunen. 

moht er im sin entronnen, 
5 Daz het gerne getan. 

Garel, der vil chvne man, 

Den chunech mit zwai^ wunden rienk. 

nv höret, wie ez do ergiench. 

Helpherich vnt Rubert, 
10 vnt Ammilot, der degen wert, 

Die mvsten im entweichen, 

Tnt doch Yniasterlichen 

Si cherten diche werlich. 

Ton Nasseran Helpherich, 
lo Des lop vor schände^ was bewart, 

den ergahte Ton Riviers Gerhart 

Oof der rivM. ander stont 

was, daz der edel chvnech was wnt 

So het er sich des wol erwert, 
20 daz im der pris waer iht beschert, 

Daz er in Wench mit gewalt. 

nr het der maere degen halt 

Sich erplutet vnt erstriten, 

idoch mit manlicben siten 
25 Slfich er daz swert vil vngespart 

dem werde* degen Gerhart 

Durch den heim an de" stunden, 

daz im von der wunden 



S22 Zingerle 

Ein pach floz mt daz der heit 

30 Gerhart, der degen ouz erweit, 
Til serc zirmen began. 
Helpherich TOn Nasseran« 
Den Tiench Gerhart ander stunt 
si warn beide sere want 

35 Do Helpherichy der chrne man, 
Yon den sinen wart gefuret dan, 
Sie waem im gern ze helfe chom". 
des wart tu manige" da benom'' 
Daz leben tU in chyrtzer zeit 

40 mit schaden endete sieh der streit 
Eskiiabon Ynt Gylan 
ifnt Tyofabir, der werde man, 
Vnt der hertzoge Ton Pergalt, 
die cherten rmb mit gewalt 

45 Hubert, der chrnech ron Gandin, 
er mt alle die sin 

Mvsten fliehen, des twaneh si not (b) 
den hertzogen Ammilot 
Charis, der fürst onz Argentin, 

50 rmb cherte Tnt alle die stn. 
Da wart dir schYmpfentirr preit. 
den Yeinde" aller naehst taet 
Der ouz erweite Garel. 
den Tanen mit dem pantel 

55 Saeh man lagen schone 
den Tanen mit der chrone. 
Der forsten Ton Anferren, 
den saeh man bei ir herren 
Aller naehst den Tcinden nach. 

60 Eskylabones Tanen man saeh 
Die Teinde snellechlich lagen. 
Til Tngeleich einem zagen 
Jagte der forste Gylan 
Tnt Ton Pergalt der w"de ma" 

65 Vnt der lantgrare reich 
Ton Turluse. der manlich 



Zu Fleiers Garel. 523 

Chlaris iagt ouch der vert 

vnt von RiTiers Gerhart 

Vnt der degen Tyofabir. 
70 ir sült daz gelouben mir, 

Da waer pfandes tU bestan. 

waem iriv chastelan 

Niht so mvde gewesen, 

so waer da pfandes fz gelesen 
75 Vil, wan daz div ors niht mer 

moehte^. do der chTDch her, 

Garel, den sich het erstriten 

vn in die veinde warn entrite", 

Die da entrinnen mohten, 
80 Vnt die niht mer entohten 

DiT ors Ton der arbeit, 

als ms diT aventivr seit, 

Garel der degen ander stat 

die vanen wider ehern bat. 
85 Da wart niht v'rer nach geiagt. 

si zogtcn wider, so ma" sagt. 

Eskilabon, der hoch geborn, 

der plies sigelich sin hörn, 

Also daz ez vber al daz her erhal. 
90 vber daz wazzer ouf daz wal 

Chertens alle gemeine. 

etliches Troude was chleine. 

Der sin friynde het verlorn, (c) 

so het ouch maniger fraeude erkor"» 
95 Dem da was woi gelungen. 

mit iamer was betwangen 

Yil nach daz her vber al. 

si riten suchen ouf daz wal. 

So vant der sinen brvder da^ 
100 der sinen vater anderswa. 

Der vant sinen sun da bei, 

des hertze wart vor fraeude^ frei. 

So Tant der man sinen herren, 

de" mvst ouch fraeude Tcrren. 

l. phU-hitt. CL L. Bd. IV. Hft. 84 



ti22 Zingerle 

Ein pach floz Tnt daz der helt 
30 Gerhart, der degen oui enneli, 
vil sere zVrnen began. 
Helpherich von Nasseran, 
Den Tiench Gerhart ander stunt. 
si warn beide sere want 
35 Do Helpherich, der chfne man, 
Ton den sinen wart gefuret dan, 
Sie waern im gern ze helfe chom". 
des wart vil manige" da benom" 
Daz leben yil in chYrtzer zeit. 
40 mit schaden endete sich der streit. 
Eskilabon vnt Gylan 
>nt Tyofabir, der werde man, 
Vnt der hertzoge von Pergalt, 
die cherten vmb mit gewalt 
AH Rubert, der chvnech von Gandin^ 
er vnt alle die stn 

Mvsten fliehen, des twanch si not. (TfJ 
den hertzogen Ammilot 
Charis, der fürst onz Argentin, 
l»0 vmb cherte vnt alle die stn. 
Da wart div schvmpfentivr preit. 
den veinde" aller nächst taet 
Der oQz erweite Garel. 
den vanen mit dem pantel 
55 Sach man lagen schone 
den vanen mit der chrone. 
Der forsten von Anferren, 
den sach man bei ir herren 
Aller nächst den veinden nach. 
60 Eskylabones vanen man sach 
Die veinde snellechlich iagen. 
vil vngelcich einem zagen 
Jagte der forste Gylan 
vnt von Pergalt der w"dc ma" 
65 Vnt der lantgravc reich 
von Turtuse. der manlich 



Zu Fleiers Garel. 523 

Chlaris iagt ouch der vert 

Tut Ton Rifiers Gerhart 

Vnt der degen Tyofabir. 
70 ir sGlt daz gelouben mir, 

Da waer pfandes tu bestan. 

waern iriv ehastelan 

Niht so EDYde gewesen, 

80 waer da pfandes iz gelesen 
75 Vil, wan daz div ors niht mer 

mochte", do der ehvnch her, 

Garel, den sich het erstriten 

Tn in die veinde warn entrite", 

Die da entrinnen mohten, 
80 Vnt die niht mer entohten 

Div örs von der arbeit, 

als Tns div aventivr seit, 

Garel der degen ander stat 

die Yanen wider ehern bat. 
85 Da wart niht v'rer nach geiagt. 

si zogten wider, so ma" sagt. 

Eskilabon, der hoch geborn, 

der plies sigelich sin hörn, 

Also daz ez vber al daz her erhal. 
90 vber daz wazzer ouf daz wal 

Chertens alle gemeine. 

etliches Troude was chleine. 

Der sin friynde het verlorn, {cj 

so het ouch maniger fraeude erkor% 
95 Dem da was wol gelungen. 

mit iamer was betwungen 

Vil nach daz her vber al. 

si riten suchen ouf daz wal. 

So vant der sinen brvder da^ 
100 der sinen vater anderswa. 

Der vant sinen sun da bei, 

des hertze wart vor fraeude^ frei. 

So vant der man sinen herren, 

de" mvst ouch fraeude verren. 

pha.-hi0t. Gl. L. Bd. IV. Hft. 84 



•>22 Zingerle 

Ein pach floz Ynt daz der helt 

30 Gerhart, der degen oui enneli, 
YÜ scre zVmen began. 
Helpherich von Nasseran, 
Den yiench Gcrhart ander stunt 
81 warn beide sere want. 

35 Do Helpherich, der chfne man, 
Yon den sinen wart gefuret dan, 
Sie waern im gern ze helfe chonr. 
des wart tu manige" da benom" 
Daz leben yil in chTrtzer zeit. 

40 mit schaden endete sich der streit. 
Eskilabon vnt Gylan 
>nt Tyofabir, der werde man, 
Vnt der hertzoge von Pergalt, 
die cherten Tmb mit gewalt 

AH Rubert, d(*r chvnech von Gandin^ 
er vnt alle die stn 

Mvsten fliehen, des twanch si not. (^bj 
den hertzogen Ammilot 
Charis, der fürst onz Argentin, 

£»0 rmb cherte vnt alle die stn. 
Da wart dir schvmpfentiTr preit. 
den veinde" aller nächst taet 
Der ouz erweite Garel. 
den vanen mit dem pantel 

l»5 Sach man iagen schone 
den vanen mit der chrone. 
Der forsten von Anferren, 
den sach man bei ir herren 
Aller nächst den veinden nach. 

60 Eskylabones vanen man sach 
Die veinde snellechlich lagen. 
vil vngeleich einem zagen 
Jagte der forste Gylan 
vnt von Pergalt der w'^dc ma*^ 

61» Vnt der lantgravc reich 
von Turluse. der manlich 



Zu Pleier's Garel. 523 

Chlaris lagt ouch der yert 

Tnt Ton Riviers Gerhart 

Vnt der degen Tyofabir. 
70 ir sült daz gelouben mir, 

Da waer pfandes tu bestan. 

waem iriv chastelan 

Niht so mVde gewesen, 

so waer da pfandes fi gelesen 
75 Vil, wan daz dir ors niht mer 

mochte", do der chvnch her, 

Garel, den sich het erstriten 

vn in die veinde warn entrite'^, 

Die da entrinnen mohten, 
80 Vnt die niht mer entohten 

Dir 5rs von der arbeit, 

als ms diT aventivr seit, 

Garel der degen ander stat 

die vanen wider ehern bat. 
83 Da wart niht v'rer nach geiagt. 

si zogten wider, so ma" sagt. 

Eskilabon, der hoch geborn, 

der plies sigelich sin hörn. 

Also daz ez Tber al daz her erhal. 
90 Tber daz wazzer ouf daz wal 

Chertens alle gemeine. 

etliches Troude was chleine. 

Der sin friynde het verlorn, (c) 

so het ouch maniger fraeude erkort 
93 Dem da was wol gelungen. 

mit iamer was betwungen 

Vil nach daz her vber al. 

si riten suchen ouf daz wal. 

So Yant der sinen brvder da^ 
100 der sinen vater anderswa. 

Der vant sinen sun da bei, 

des hertze wart vor fraeude" frei. 

So Tant der man sinen herren, 

de" m^st ouch fraeude Ycrren. 

d. p1iU.-hl0t. Ol. L. Bd. IV. Hft. 84 



k 



524 Zing9r\t 

10^ So rant der herre sine" man, 
der nioht ouch iamer niht T^lan. 
Suchtens alle geleiche 
arme Tn reiche 
Ir man, ir mag, ir chynne, 

110 da was swachir wunne 
In dem her fber al. 
ir frifnde trugens vber (d*w)al, 
Die si heten Tcrlom. 
YÜ manich ritter oaxerchom, 

115 Die in dem streite warn erslage", 
die hiez der werde chunech trage" 
Zy an ander mit gebot dar zr, 
daz man si des morgens fru 
Schone solte begraben. 

1 20 die edeln wurde" ouf gehabe". 
Die si wolten fArn dan. 
der chVnech Ynt alle sine ma'^ 
Wurden des ze rate, 
wan ez was nu so spate, 

1 2£» Daz si niht mohten furbaz chom". 
da wart herberge genomen 
Ouf das plutYarbe wal. 
da lach mit chrancher fraeude" schal 
Daz her die naht Yntz an de" tach. 

130 YÜ manige" reichen beiach 
Nam" die daz selten nemen. 
die neme"s wolte gezemen, 
Die funden groze reicheit. 
do sich daz her nider geleit, 

1 35 Die naht si schufen ir gemach, 
des morge"s, do der tach vf brach, 
Gare], der pris erchande, 
nach al den fursten sande , (dj 
Die da mit chreften lagen 

1 40 Ynt der rote pflagen. 

Die chom" für den weigant. 
mit den beriet er da zehant, 



Zu Fleiers Garel. 5 25 

Daz er hemaergte anderswar. 
daz Telt was mit tote" gar 
14^ Bestraeut Tn oach toq plute naz. 
si mvsten herwaerge" für baz 
Von dem wal ein ein" schöne stat. 
Garel im gewinnen bat 
Einen boten, den er sande dan 
150 hinfz der klouse, da er hett lan 
Malseron'vnt Charabin 
Ynt Zirdios vn den vettern sin. 
Den (bot er) sinen dienst dar, 
daz (in tri)wc in war 
155 An in dient er immer mer. 

im (waer) manich (degen her) 
Wunt (worden) in dem streit 

churtzer zeit 

(ze) chomen hiez er si biten 
160 (mit) ZYhtichlichen siten 

Ynt (in) triwe" an im gedaehte", 
die salbe mit in praehten. 
Im waer irre genaden not, 
im waer want vnt tot 
165 (in) d'streite manich w" der man. 
de" (boten) er balde gaben bat. 
Der böte straich danne". do daz geschach» 
daz her balde ouf brach 
Ynt fum an ein schone stat. 
170 Garel die wände" furn bat. 
Die toten hiez er barn, 
die des wert warn, 
Daz siz ze lande furn wolte". 
waz si iamers mit in dolten 
175 Von klaegelichem leide! 
Yber die preite beide 
Zogten mvzichlichen dan 
Garel Ynt sine man. 
Si mvsten samfte reiten. 
180 ez wart bei nieme's Zeiten ' 

34* 



526 ZiDg«rle 



Kein streit gestriten so herte mcr. 

si fürten manigen degen her. 

Der (yü) was Terschroten, 

(rnt Til inan)]gen toten. 
1 8^ Si mvsten dester samfter ram. (^e) 

Garel bat daz her bewam 

Den hertzogen von Argentfn, 

daz er vnt alle die sin 

Sieher waem ouf den wegen. 
1 90 Chlaris, der tÜ werde degen, 

Pflach der nachh?te rn sine man". 

ouf einem plume'^ Yarben plan 

Was nY herwaerge genomen. 

do SI warn ze gemache chomen 
195 Vnt sich daz her gelegte nider, 

Garel hiez im bringen sider 

Die fQrsten alle gcleiche. 

die chomen zYhtichlich, 

Da si den chYnech funden. 
200 der pat si an den stunden 

Zy im sitzen. 

er spch mit witze": 

„Ich han durch daz nach iY gesant: 

wir habe" erstriten daz lant 
205 Vnt den chVnech gCYangen. 

daz ist also ergangen, 

Daz Yns hat got geeret 

Yn vnsem pris gemeret. 

Ir solt mir geben iYw" rat, 
210 seit ez so dar Ymb stat, 

Wie ich nY werbe oder Yar. 

daz stet an lYre" rate gar. 

Mir chVnde diY ere niht sin geschehe", 

wan YOn iwer helf. des m^ ich iehe". 
%\U \t habt so wol an mir getan, 

daz ich yU gYten willen han, 

Daz ich immer diene^ sol. 

ich getfiwe i? noch genade" wol, 




Zu Plei«r*a Gare). 527 



Daz ir mir ratet min er. 
220 iwers rates vn iwer lere 

Volgte ich gern sicherlich. 

Yon Pergalt der furste reich 

Spch: „h"re, ich wil iv rate^ daz — 

swer bezzers waiz, d" rate It daz, — 
22Ö Ir habt dvrch ArtAse not erliten 

Ynt disen streit dvrch in gestriti'". 

Dem anfWfrt" in sin gewalt 

EkTnaver, den degen halt, 

des chrneges Sicherheit 
230 vnt lazet in swem eine" eit, 

(daz er) niht ir dannen rar, 

Yn fürt ouch mit Iy dar (f) 

Von RiYclantze den ehvnch Ardan 

Yn Helpherich, de" chYnech Nasseran. 
23Ö den Yiench Yon RiYlers Berhart 

ouf der fluchtichliche" Yart 

Enhalp des Yrazers, da yU Yrerlich 

hielt der werde chunech reich. 

Bitet Gerharte", dz er Iy den man 
240 Antwurte. daz ist grt getan. 

Vnt pitet die fursten reiche 

alle gemeinliche, 

Daz si mit Iy Yarn da hin. 

daz Ynrt an pris iwer gewi". " 
24i> Der rat gCYiel dem chYneg wol. 

er spch: „yü gern ich diene" sol 

Iwern getrivlichen rat.** 

Eskilabon, den helt, er bat 

Vnt Gylam, den weigant, 
2i>0 daz si in triwe" waeren gemant, 

Yn mit im gen Pritanic rite", 

Ynt im die fursten hülfen pitc", 

Daz si mit im fTir" dar. 

do lopten im die werde" ga", 
2i>ö Si fiirn, swar er wolde Yarn, 

mit ir streit roYden schäm. 



528 Ziugtrle 

Des fraevic sich her Garel. 
£kunaTer, der degen snel, 
Hiex er bringen ze hant 

260 fn TOD RiTelantz de" weiganU 
Ardan, den chmech reich. 
Ton Nasseran Heepherich. 
Gerhart der degen halt 
in hem Gareis gewalt 

26£i Antworte durch sin bei 
Garel, der ie daz peste tet, 
Hiez die chrnege bringe" dar. 
EkunaTcr, der degen chlar. 
Wart fSr den chrnech praht 

270 si pat der chmech wol geslaht 
Zr im sitzen . daz geschach. 
min her Garel do sprach : 
„EkTnaver, chrnech reich, 
ir hapt gelept so w" dichlich 

27 £i Mit ern her iwer zeit. 

des i? div warheit Yolge gft, 
Iwer lop Til hohe cham 



XL (R. P. lO»). 

„ist rrei Tor lasterlicher schäm. 
Iwer pris vil weiten ist bechant. 
nv bin ich her in iwer lant 
Mit minen frirnden geriten, 
^ vnt han hie mit iv gestrite". 
Daz ist also ergangen, 
daz ir hie seit gevangen 
Vnt den sich hapt verlorn, 
Til edel ritter otz erchorn. 
10 Nt wil ich iv des niht erlan, 
ir muzet Artuse ze pvze stan. 
Daz ir im so fraeoellich, 
wider bvtet in sinem rieh. 



Zu Pleier*t Garel. 529 



Daz mvte den chTnech vil scr. 

1 £» im geschach so laide Die mer. 
So daz ir in ziget Talscheit. 
ez was ooch mer Ton hertze" leit, 
Wan Artus gantze tVe hat. 
er geriet nie deheine" valsche" rat, 

20 Als er yod iv wart gezigen. 
het ir die selben rede fswige", 
Daz waer iv m ze state" chom". 
YOn iTrem böte" wart f'nom" 
Der botschaft al ze fraeTellich. 

2^ des mTzet ir den chTnech rieh 
Da haime gesehen Tn mvzet sin 
stn gevange" onf die triwe mi". 
Des wil ich von iv niht enber".** 
der chvnech spch: „ich mh gewer" 

30 Jy, swes ir gebietet mir. 

doch getrawe ich It wol» daz ir 
An mir höhet irren pris.^ 
also spch der degen weis. 
„Daz ich tvn gem. swaz ir mich 

35 haizet tvn, des mvz ich 
It Tolgen an minen danch. 
ich bin an hohem mvte kranch 
Worde" vn an fraeude" gar. 
swaz ich noch leben miniv iar 

40 Sol^ SV mvz ich traure's pflege", 
mir ist so manich w'der dege" 
Im de" streite gelegen tot, 
den ir triwe daz gebot^ 
Daz si mir dienten willic blich. 

45 nie dehein chvnech wart so rieh, 
Het er so manige" werde" man 
verlorn, als ich verlorn han, {bj 
Er mvse freude" sich bewege" 
vn immer hetzen chumbers pflege • 

50 Dar ZV ist min maistiv not, 
ich furhte, daz vor leide si tot 



830 Zing^erle 

Glaudite diT chmiginne, 

diT ich Ton hertzen minne 

Für elÜT wip, die weil ich lebe. 

$£» got mir daz gelache gebe, 
Daz 81 Tor laide iht sterbe 
oder daz ir iht erwerbe 
DiT klage, daz si Tcrliese de" sin. 
ez waer mir an fraeade^ ef gewin, 

60 Der ir seite, daz ich noch waer gesunt. 
daz tvt ir laider niem"" chfnt. 
Da Ton furht ich, daz reine wip 
Tcrliesen. zwir sol mir der Ifp? 
Owe daz geschit^ nr enwelle got! 

65 ich han doch laster fji spot 
Vn hertze'*' chumbers genöch." 
Garel, der stoltze degen klöch, 
Der spch zv dem chrneg rieh : 
„her chvnech, weit ir getriflich 

70 Mir geben iwer Sicherheit, 
so wil ich ir ouf irren eit 
Lazen reiten^ daz ir nach ir rart, 
vn iwer zvht dar an bewart 
In daz Artuses lant^ 

75 dar vmb bot er sine hant, 
Beidir sin triwe vji sine" eit, 
daz er der verte waer bereit. 
Er wolte mit im reiten 
rnt wolt niht langer heile", 

80 Swenn er gesaehe dir chvnegfn. 
daz lopt er bei de^ triwe" sin. 
Ardan rnt Helphereich, 
die gaben beide willichlioh 
Ir ritterlich Sicherheit, 

8S daz si der rerte waern bereit. 
So si ir her gesanden 
haim zv ir landen, 
So chumen in chrrtzen stviido , 
so si reht erfunden, 



Za Pleier'a Garel. 531 

90 Waz 81 IQte heten Terlorn. 

Garely der degcn hoch geborn, 

Nam des ir triwe. do das gfeschach, 

fGr dax gezelt man chomen sach (c) 

Malseron td Charabin, 
95 zirdos vil den Tetero sin. 

De" chvnege sagt man maere, 

daz da chonT waere" 

Die Risen. do er daz Temam, 

do gie der degen lobesam 
100 Gen in Tn enpfiench tH minnechlich 

die Tier Risen. der ehrnech reich 

Tet in sinen chrmber chvnt. 

er spch : „mir ist hie worde" wnnt 

Miner manne Tn min frifnde vii. 
105 gern ich Tmb iv dienen wi], 

Daz ir mir die machet gesirt.** 

Malseron spch an der strnt 

Zv Garel, dem ellens reich : 

„wir trn tu willichlich, 
110 Swaz ir gebietet Tn weit.** 

des danchte im der werde helt 

M^t Worten fleizichlich. 

Garel, der ellens reich, 

Sagte den risen an der stvnt> 
115 waz im der fursten was da wu"t. 

Gylam, der degen wert erchant, 

wart gebTude" sa ze hant 

Vil schone Tnt wol bewart^ 

Tn Ton RiTiers Gerhart. 
1 20 Die wurden schier gesvnt 

TOn der salben chraft in churtx^ sty't. 

Garel zt den Risen sprach: 

„ez hat Ton wunden TUgemach 

EkunaTcr, der chTnech rieh.** 
\%o er bat si zVhtichlich, 

Daz si im sinen wunden 

durch sinen willen bunden, 



532 ZiBgerle 

Vnt xwain andern chVnege" rfch. 
Ardan fnt Helpherich, 

130 Die waern beide sere want. 
die Risen fragten an der stmt : 
„Ist ez also ergangen, 
ist EkunaTer geva^gen 
Vnt Helpherich Ton Naseran 

i 32S Tnt der chrnech Ardan, 

So hapt ir hohir pfant beiagt, 
iT ist der saelden tacb betagt 
Iwer degenheit ist worden schfn.» 
»lat mieb den lieben herre" min (jl) 

140 Heiln**, so spcb Malseron, 

„durcb iwerir werdicheite Ion." 
Garel sprach: „mir ist niht leit 
durch sine hohe werdicheit, 
Ob er schier wirt gesont.'' 

14£» Ekunafer wart an der stfnt 

Gebanden schon von Helpherich 
Tnt Ardan, der chvnech reich 
Von Rifelantze der milte, 
den tugende nie bcTilte. 

1£»0 Man bant si schone, do dai geschach, 
Zirdos if EkunaTer sprach : 
„Nt wiizet, herre, mir ist leit 
iwer vanknTsse durch iwer w'dicheit 
Vn durch iwer tugende manichTalf 

1£»^ Charibin, der degen halt, 

Vn Malseran, der starche helt^ 
vn Zirigon, der dege" ouz erweit, 
klagten des chvneges tu gemach. 
Ekunaver, der chvnech, sprach: 

160 „Got Ion iv, daz iv min vngeroach 
ist leit. ob iv von mir geschach, 
daz beswarte ivren mvt, 
ich pit iv, maereu beide gft. 
Die weil ir bei mir gervchet sin» 

1 6S Daz sQlt ir durch den wille" min 



Za Pleier*8 Garel. 533 



Vnt durch iwer zuht v'gezze" gar, 
luterlich an allen Tar.** 
Die Risen danchten im gen'ch. 
EkunaYer, der degen chlüch, 

170 Von hern Garel rrlonp nam. 
Helpherich tet alsam 
Vnt der chvnech Ardan. 
si wolten ir mage vn ir man 
Suchen oaf der wal stat. 

i7£» Garel Ekunarern bat, 
Daz er die werden toten, 
die sere waeren rerschroten, 
Hieze begraben alle geleich. 
Daz lopte im der chrnech rieh. 

180 Vrlonp wart al da genomen. 

er bat si schier her wider chom". 
Daz lopten im die werde* man. 
alsns riten si von dan 
Vnt cherte" rehtc gen de" wal. 

185 chranch was ir fraeuden schal. (^e) 
Da der streit was geschehen, 
da mohte~ si ir frirnde sehen 
Vil manige" sere Tcrschroten. 
si sachten Tnder den toten, 

190 Ob si iht der werde" he(ten) ylorn. 
Ekunaver, der hoch geborn, 
Sach Tor im ligen einen schilt 
der togende reiche degen milt 
Erchande wol di? wapen dran. 

195 er spch: „owe, daz ich ie gewan 
Den lip ! wa ist der werde dege", 
der des schiltes solte pflegen? 
Dises schilt truch der chvnech her 
von Chalde. sin got Jupiter, 

200 Der ist hie reichlichen an.^ 
nv sahen si dort ligen de" man. 
Dem was daz hoiipt abe geslage". 
alrest begvnden si klagen 



534 Z i n gerl e 

Von hertzen klaegelich. 
205 Ekunarer, der triwen reich, 

Hup in ODZ dem pläte 

mit ril traurigem mvte. 

Erspch: „owe, Salatrias! 

waz tugende an dine" leibe was, 
2 1 Dir ist mit dir erstorbe" gar. 

betest du genom" des taufes war. 

So waer din tot ril klaegelich. 

din leip was gantzer tugende rieb. 

Din tot geit mir bertzen leit, 
215 dr waer ein degen fnierzeit, 

Getri? Tn milte. 

din b^tze nie berilte 

Ritterlicber werdiebeit. 

da Ton ist mir din sterbe" leit.^ 
220 sus trugen si den werde" man 

To" dem wal ouf den grüne" pla*. 

Den werden degen milte, 

▼u dacbten in mit dem scbilte, 

Den tiyren degen bere. 
225 si riten sueben mer. 

Helpbericb der weigant 

den ebrnecb Ton Iserterre lant 

Ligen in de'^ plAte erslagen. 

ob dem bup sieb grozez klage". 
230 Ekunavers fraeudc was rerzert. 

er spch: „mieb bat der tot rerberl 

Aller miner fraeuden gar. (h) 

ey, ouz erweiter degen klar, 

Vil Werder cbvnicb (Angen)i8 1 
235 wer so nv dinen boben pris 

Er den seit, dv bist erslagen. 

icb macb dicb wol fon scbuMen klage" 

Du waer ?on hob" art mi" macb. 

owe, daz icb nibt tot gelacb 
240 Für dicb! daz si got gecbleit! 

din pris» din bobiv werdecbeit 



Zu Pleier's Garel. 53 S 



Was 80 hoch, so lanch, so weit 

ich waen niht bi dirre zeit 

In allen chunechreichen 
24S dir iem" mohte geleichen 

An milte fn an manheit. 

din tot hat mir mat geseit 

An fraeuden immer mer. 

getriwer degen here, 
2S0 Zv wem stI ich n? habe" trost? 

ich bin immer inerlost 

Von klagelichem sere. 

ich Tberwinde nimmer mer 

Dinen tot sicherlich.'' 
255 do spch der chvnech Helpherich : 

„Her chfnch, ir 8?lt ze maze" klage" 

wir wolte" gern mit i? trage*^ 

Iwer chrmberlichir swaer, 

ob daz also waer, 
260 Daz ez in iht mdht from^ 

nr mach in niht ze state'^ chom", 

Swaz wir ob im waine^s pflege'^. 

wir srln disen w^den degen 

Trage" ouf de" gruene" plan 
26S ZV Salatrias, de" werde" man, 

Vnt gaben hin sa ze hant 

Tnt hefen disen weigant 

Oaz de" plute^, spch der degen, 

„Tn" lazen got der sele pflege". 
270 Vart haim, gebt irre" lüte" trost. 

die sint traures vnerlost. 

Die waene"t, de ir verderbe^ seit, 

vn tröstet oach, dest ander zit, 

Dir chunegin triwe reich. 
275 ich waiz wol, daz di? h^tzenlich 

klage ymb ir. di? gTte, 

nemt si ron vmmvte.** 



536 Zingerle 

XU (B. R lO*). 

„Daz haiz ich weislich getan, 
wan mit klage niemen chan 
Sin not rberwindeo. 
Allrest sol man ?inden 
^ An ir, ob ir seit ein man. 
lat iwcr klage, dest gAt geta^ 
Wir mrgen mit klage niht wid" kora" 
der flusty die wir haben genom^ 
Ir solt genendichlichen 

10 die armen ?nt die reichen 
Trösten nach ir leide, 
die iaemerlichen ongen weide 
An ir frirnden mrzen sehen, 
ich wil des mit der warheit iehen, 

1£> Daz hie gestriten ist ein streit, 
daz her zit Adames zeit. 
So herter streit nie geschach. 
wir haben leit ind ingeroach 
Beidenthalp enpfangen. 

20 nr ist ez so ergangen, 

Daz wir niht mTge" wid^chom" 
der flust, der wir habe" genom". 
Da Ton ist daz als gvt, 
daz ir hapt grten mvt." 

25 EknnaTcr do spch : 

„min gvt mvt, mi" fraevd", mi" gemach 
Hat Til gar ein ende genom^ 
wan ich mach nimm" wid" chom" 
Der grozen flust. daz ist war. 

30 da Ton mvz ich mini? iar 
Immer mer traurich sin. 
ez ist wol an mir worden schin, 
Daz min got niht gerfiche wil. 
mines leides ist so tH, 

3I> Daz ich bin aller fracuden bei, 
wan mir wont hetzen chumb" bi 



Zu Pltier^s Oarel. 537 

Vnt ist mir fraeude lerre. 

Angenis Ton Yserterre 

Hat min fraeude mit im hin. 
40 nach im ich immer traurich bi". 

Dar ZV ich Terlom han 

hohe mage in werde man» 

Die ich niht wol rerklage" mach, 

wan al min fraeude an in lach. 
45 Mit wem sol ich n? fraeude" pflege", 

seit ich so manigtT werde" degen 

An dem streite han Tcrlom, fb) 

die ich mir ze fraeuden het erkom? — 

Da Ton sol niem" grter mir 
50 wizen, ob ich fraetden enbir, 

Wan al min fraeude ist mit in tot 

daz ich si klage, des get mir nof 

Von Riielantze Ardan 

spch: „man sol den piderbe" man 
55 Da bei erchennen» ob er sin leit 

reht Tn redelichen treit 

Da Ton wirt er gepriset. 

swer ivch rehte weiset. 

Her chvnech, de" stU ir Tolgen nach. 
60 lat vf mit klage niht sin ze gach. 

Wir haben doch hcrtzen leides tU. 

für war ich ir daz sagen wil : 

Swer if siht so sere klagen, 

da Ton mrz manich man ?"zagen9 
65 Den ouch chumber twinget 

Yn mit n&ten ringet. 

Den mage rnt frivnde hie sint tot, 

den sult ir klaegeliche not 

Beneme" vnt ir Tngehabe, 
70 Tnt tvt ivch selber klage abe. 

Ob ir wislich tvt, 

so tröstet die lüte. daz ist gvt*' 

EkunaTcr sprach do: 

„seit mir min dinch ist chom^ so, 



538 Z i n g e r I e 

75 Daz ich schaden int leit 

han gewDDe^ ?Dt mir ist preit 
Immer wemdir riwc, 
so mf z ich dTrch min triwe 
Mich durch die IQte gehabe" wol, 

80 doch mvz ich iamerklichi? dol 
An mine" hertien leiden, 
wie möht ich daz fermeiden, 
Swenne ich gedenche, daz ich han ?"lor 
so manige'^ ritter hoch gebom. 

85 Doch stI ivir hie niht lang" wese", 
wir svln, die da sint genesen. 
Trösten nach ir leide. ** 
Ton dem wal oaf die heide 
Den chflnech Ton Yserterre 

90 si danne" trögen lerre. 
Mit iamer an daz grfne gras 
zu dem chifnege Salatrias 
Da legten si den chfnech milt, (c) 
rn dachten fber in sinen schilt 

95 Sds liezen si die toten da. 
nach der plut ?arben sla 
Riten si do balde dan 
gen dem f&rte» die drei man. 
Ekanaier, der weigant, 
100 bei dem fürte an dem stade Tant 
Sines folches yngezalt erslage". 
daz hört man den chrnech klage" 
Vil harte klaegelich. 
der dege" ellens rieh 
105 Vber den fürt cherte, 
da sich iamer merte. 
Da Tant er onf dem gmnen plan 
siner mage int siner man 
So Til erslagen, daz d" grAne gras 
HO mit toten gar bestroat was. 

Die klagte der chrnech wol gebor" 
er spch: „ich han . . . lerlom 



Zu Plrier's Garel. 839 

Ein flust, div mir nahen leit 

an dem hertzen zailer zeit. 
115 Ich mvz IT klagen immer mer.^ 

der getriwe degen niht ze her 

Cherte gen Bortelamint der h onptstat. 

di? arenÜTr ons wizzen lat: 

Robert, der chrnig' Ton Gandin, 
120 Tn diT gHe chrnegin 

Ynt Ammiloty der werde dege'^, 

die heten sich des niht erwegen, 

Daz si niht weiten bften, 

si weiten sfichen reiten 
125 Den chrnech, war er waere ehom". 

die chTnegin het des niht i'nom", 

Wie ez ?mb in waere ergangen, 

ob er waere gefangen 

Oder ob er waer gelegen tot. 
130 ir iamer vnt ir hertzen not 

Was groz int iaemerlich. 

sQs was dif chvnegin reich 

Ynt dise zwene werde man 

geriten TOn der bOrge dan 
135 Mer denn einer meile preit. 

onf dem lelde in wider reit 

Ekunarer, der chunich rieh, 

Ardan mt Helpherich. 

Do si dort gen in sahen 
1 40 dort vber lelt gaben (^dj 

Dil chVnegin in die zwen man, 

do sprach der chrnech Ardan 

Zu EkunaTer: „ir mrgt wol iehe", 

die wir dort gen ms reiten sehen, 
145 Daz ez die chmegine sei. 

ich waen, ir hertz iht iamers frei 

Sei Ton grozer swaerc. 

si wil dir rehten maere 

Selbe wize% wie ez si Ymb ir kom", 
150 ich wae, sin habt Ternom" 
d. phil.-hUl. Gl. L. Bd. IV. Hft. 35 



540 Z i ■ g e r 1 e 

Ob ir seit lebende oder tot. 
der hertzoge Ammilot, ^ 
Der ist mit ir oof der Tart, 
der sieh streite" nie gespart 

155 Ruberty den eh?ne(5h Ton Gandiii, 
den sieh ieh bei der chvnegin 
Dort gen fns her gaben, 
ich waen, in nie so nahen 
Lait an hertien nie gelaeh.*^ 

160 „swax ieh sorgen ie gepflaeh» 
Der ist ?ergezzen an dirre stunt. 
sit ieh die ehrnegin gesnnt 
Mit minen han gesehen, 
mir ehrnde lieber niht geschehen,^ 

165 Spch Eknnaier, der chTneeh wert. 
Ton Gandein der chTneeh Rubert 
Bechande wol die dri man. 
der edel ritter do began 
Den sinen tr&sten iren mdt 

170 er spch: »Ekanaver» der ie was beh^t 
Vor schänden sicherliehy 
▼nt Ton Nasseran Helpherich 
Vnt Ton Rifclantz Ardan, 
die drei hoch gelopte man, 

175 Sihe ich dort gen vns kom".^ 
do das diT frowe het T'nom", 
So reht liebe ir nie geschach. 
mit hertzen si des iach, 
Got het genade an ir g^tan, 

180 daz er ir vil lieben man 

Het ernert des fraeute sich ir mvt 
Tor liebe wart dir frowe gvt 
Bei dir bleich int rot. 
ir wipiich triwe ir daz gebot, 

185 Daz si alles des Terpflach, 

swaz leides ir an dem herzen lach. 
Des was Tergezzen anderstunt {e) 
dos ir herre" sach gesont. 



Zu Pleier's Garel. 54 t 

So reht liep ir nie gesohach. 
190 ein ende het ir mgemacli. 

Di? lieb si so sere begreif, 

daz si TOTersonne" sleif 

Von dem pfaerde ouf daz gras. 

EkunaTer obomen was. 
195 Der erpeizie vn die geselle" sin. 

die getriwe k?ncgin 

Hup er ouf Tn traohts an st^brasty 

liepücb er si cbost 

Vnt bat si, gntts mites pflege". 
200 si spoh: f,ii\ ellens reicker dtge", 

Wis mir Tat got williehomeD. 

din chunft hat mir gar beaom" 

Minen grozen yngemach, 

swaz mir ze leide ie gesehaeb, 
205 Des han ick gar lergezzen. 

min kertze was besezsen 

mit senlicker swaere. 

geloubet mir ein raaer> 

Waert ir niht her wid" ekom% 
210 ich het den tot nach It genom". 

Ich lob ez msem kerren ohrist, 

daz iz also ergangen ist, 

Daz ir bekalten hapt daz lebe". 

dif genade bat mir got gegebe% 
215 Dem ich immer dienen sol. 

ich getmwe des sin«r gAte wol, 

er ergetz ?ns Tnserre swaer.^ 

dir frowe lobewaere 

Helpherich raH ckasse enpfie. 
220 Ardane" si niht erli^ 

Si chast in wainende rn spch : 

„iwer flnst Tnt iwer mgemaeh 

Mich riwet alle die weil ieh lebe. 

got ms daz gel5ke gebe, 
225 Daz wir der flust wider chom" 

Tn" des schaden, des wir habe genom" . .** 

35« 



S42 ZiBgerle 

Div chTDegin fragte maer, 
wie ez ergangen waer. 
Do sagten si S frowen gU, 
230 das si der degen hoch gemvt 
Garel het getangen 
ynt wie ez was ergangen 
(vnt wie si hieten) Sicherheit 
geben, daz waz der frowen leit. (fj 
235 Do dif frowe wolgetan 
vemamy daz ir lieber man 
Gen Pritanie solte Tarn 
?n" die Tart icht lenger sparn, 
Daz was ir hertze' yngemach. 
240 Til haizze wainende si sprach : 
»N? si got allez ynser leit 
oaf sin genade gekleit ! 
Der mag vns ergetze" wol. 
owe des chTmbers, de" ich dol 
245 Vmb dine reise, herre min ! 
la mich din gererte sin 
In pritanischiv riebe. 
Daz wil ich sicherliche 
Immer dienen Tmb dich. 
250 ich getrifwe Artdse, de er mich 
Laze" genieze" der groze" not, 
die ich lait ?mb muT swesC tot. 
Der Elinotes tot erwarp, 
daz si Tor laide nach im starp. 
255 Daz was Artases werder san. 
herre> du mäht ez gern tTn, 
Daz du mich lazest Tarn mit dir. 
. . dT mTst daz wol gelouben mir, 
Sol ich hinder dir bestan, 
260 ez myz mir an daz leben gan 
Vor laide Tmb dinen leip.** 
also spch daz getriwe wip. 



t58 «mvst*' iat ron «piterer Hand darüber gefcbrieben. 



Zu Pleier'8 Garel. 543 

Ekunarer do sprach: 

»ich furhte, daz ir vngemach 
265 Gewinnet ouf der ?erte. 

diT raise ist al ze herte 

Frowe^, Tn ooch ze Terre." 

si spch : „TÜ lieber herre, 

Ez Wirt mir ei" ringe rart. 
270 min raise dir ist Tngespart. 

Mag ez an iuren hnldcT sin, 

hetzen lieber herre mfn, 

Lat mich niht bind" it bestan. 

geloubefy tugenthaft" man, 
275 Daz ich mTz nach dir sterbe".^ 

„ich laze ir niht Terderben^ 

Spch Ekuna?er. „frowe min, 

ir sult der bete gewert sfn. ^ 

Des fraeute sich dir gfte. 
280 si was in ir mite, 

xm (R. p. 10*.) 

Daz si solde dan 

Tarn mit ir lieben man. 

Des fraeate sich di? chvnegfn. 

Rubert, der ch?nech ?on Gandin, 
5 Höp dif chfnegine wert 

STnder schände" ouf ir pfaert. 

Si riten mit an ander dan. 

EcknnaTcr do began 

Ruberten sagen maer, 
10 daz erslagen wacr 

Salatrias int Angenis, 

die werde'^ chrnege, die manige^ pris 

Eriagten bei ir zeiten 

in manige" herten streiten. 
15 Daz klagte hertzenlich 

dir chvnegin triwen reich 

Vnd der chmech Rubert. 



S44 Zingerlt 

(liv chvnegin vn der ritter wert 
ChonT in vii chvrUor stfot 

20 in die stat ae borterarnrnt. 
Da was dir klagte manik«alt, 
daz si 80 manige^ degen halt 
In dem streite beten Terlom 
▼n" Tmb den cbTnecb boeb gebor , 

2^ Daz si nibt weste", war d" was konT 
?il scbier beten si Temomen, 
Daz der edel cbfnech r^ich 
vn' Yon Nasseran Heipberich, 
Von Rirelanfze Ardan 

30 warn cbonT. der dreier man 
Gcwnnen si da von fraeuden tu. 
für war ieb i? daz sagen wil, 
Si wurden wol enpfangen. 
do daz was ergangen, 

35 Helpherieb fnt Ardan» 
ietwederr für, da sine man 
(l)agen iaemcrliche. 
die worden fraeaden riebe, 
Do si ir herren saben. 

40 man sacb si gen in gaben 
Vn enpfiengen ir berre" alle 
mit ebrancber fraeade" seballe. 
sus fürten sis an ir gemacb, 
da man in flust vil veriacb. 

45 An frerde was so tiI gelege^. 
(der) toten mrsten sieb bewegen 
Die werden cb?nege rieb, (b) 
do wart ril klaegelieb 
Ir mage vn oueb ir man geklagt 

50 TÜ manige^ ritter TnT"zagt 
Hetens in dem streit verlorn, 
die edeln ebvnege bo^b geborn 
Cblagten sere ir frimde tot 
Ekunarer der cbvnech gebot 

55 Den Iflten von dem lande. 



Zu Plei«r*8 Garet. 54S 

Jie kinen weigande, 

In de" streite waern erslag^en, 

daz mati- die solte zesanT trag:e". 

Er gebot, daz man ^er al 
60 die werden sahte ouf de" wal. 

Die des wert warn, 

die hiez er sehone bam. 

Die hobett wurde" ouf erbabe"> 

die andern schone begraben. 
6«^ Swaz fr da erslagen was 

A^genis vnd Salatrias, 

Die edeln chvnege wert erehant, 

die wurden tote haime gesant 

Vnt mit in manich flQrste reich, 
70 die man klagte klaegelich. 

Da was ein schaedelich streit geschehe". 

man moht da groxe" iam" sehehe*, 

Da man die toten prahte. 

Ekunafer des gedahte, 
75 Daz er der fdrsten wunden 

in Til chvrtzen stunden 

Hiez balsem". do daz wart getan, 

dar nach sant er mit iam" dan 

Die toten haim tÜ werdichlich. 
80 do daz geschach, der chrnech rieh 

Bereite sieh zt siner Tart. 

div wart niht langer ff gespart. 

Helpherich rnt Ardan, 

die baten ir mag vft ir man 
85 Von in haim ze lande Tarn 

tu" ir ere wol bewam 

Da haime in ir lande. 

die chrnegen weigande 

Vrloup Ton ir magen do 
90 namen. ir hertze was Tnrro, 

Daz si TOn in mf sten vam 

vn bäte" got, ir leip bewam, 

Dax er sie praehte wider gestni ^e) 



846 Zingerle 

jetwederr der chuste an den mint 
95 Ir mage Tn ir werden man. 

sas mosten si mit iamer dan 

Von ir he'^rn haim ze lande tarn. 

mit yil trurigen scharn 

F&r ir volch Ton in dan. 
100 si heten hinder in lerlan 

Ir mage ynt ir fri?nde ril. 

der rede ieh ni gesweige^ wil. 

EkunaTer, der chmech rich^ 

lie fil minneehlich 
105 Robert, den chTnech von (Gan)dein» 

in ynt al die sin. 

Von im haim ze lande. 

er bat, si got tjI wol (be)war" 

Vnt daneht in ?mb ir arbeit. 
1 1 im was h'tzenlichen leit 

Ir flust ynt ir hertzen (ser). 

da wart niht gebiten (mer)» 

Vrloop nam" die forsten 

zer chonegine yn" . . 
115 Sos forn dan die geste. 

der chVneeh sine y(este) 

Vn" ooeh Chanadieb (daz lant) 

antworte in die hant 

Ammilotes, daz er der . . pflegen. 
120 do lopte im der werde degen 

Ammilot, der triwe reich, 

daz er yil willicbHch 

Im diente nach dem willen sin. 

er spch : »yil lieber yeter min, 
125 Ich beyilhe dir lote yu lanc 

oof din triwe in dine hant 

Din leip chan triwen walte". 

do solt mir schone behalten 

Daz lant dorch die triwe din, 
130 ynt la dir wol beyolhen sin 

MiB Ute mt all min (er). 




Za Pleier^s GareL 547 



ich han niht sorgen mer 

Her wider haim vmb daz lanf 

Ammilot, der weigant, 
13^ Spch: „got las h wol getam! 

ich sol hie haime Til wol bewam 

Alle iwer ere sicherlich. 

Dest war, daz ist pillich. 

Wo ich i? triwe laisten sol. (d) 
140 got laz if wider chome^ wol 

Nach ifrem willen, dest min bet.^ 

yrloup nam er ander stet, 

Do dir chmegin wert erchant 

was chom" in ir reisgewant 
145 Mit rier in zwainzich irnchfirowe", 

die man gern mohte schowen. 

Die selten mit der frowen Tarn. 

Ekunaver chTnde wol bewam, 

Daz di? chirnegin reine 
150 di? rart f&r niht alein 

Oach fört der hoch gelopt man 

Tier Tnt zwainzich knape^ mit im da" 

Tnt zwelf iTncherrelin. 

die gaben Ton art liebten schfn. 
155 Helphcrich Tn Ardan 

ietwederr zwelf knapen dan 

Mit im fürte ouf die Tart 

yu sehs chint Ton hoher art, 

EkTnaTcr der maere, 
160 Zwelf starke sanmaer. 

Die warn geladen al bereit, 

die trägen groze reicheit 

Silber, golt, gesteines tU. 

ich waen mid onch gelouben wil, 
165 Sameit Tnt pfelle preit, 

sin hamasch Tn" reichlT kleit, 

Daz forte man mit im dan. 

Helpherich Tnt Ardan, 

Die zwene chmege Talsches frf, 



S48 Zimg€rlm 




170 dieo fieag» swelf sauiBer bei. 
Die M^ea m Artasct Int 
Silber, foh rwi nkk gewint, 
Ir banueb rwT ir wspea kleit 
ras beten si sieb oa bereit 

175 Si emnobtea da aibt laaf * sia. 
der ebTneeb fi div kiaegf , 
Heipberieb ml Ardaa 
die fura mit ir gcioge dm. 
Anuailaly der beit geaeit, 

180 mit den edebi diTaegen reit 
Hints der kloase, da aiaa vant 
Garein, dea difaen weigant. 
Mit 8ia«n her oaf d«a pba. 
sine frivat rn sine w^de man« 

185 Die in de" streite wmrde^ wnnt, 
die warn alle wol fesnnt (^ej 
Von der g^te" salben ehraft 
Tnt Ton der Risen meistersebaft 
Ez wart nie man so sere WQnt» 

190 so msn di? salben dreistmt 
Dar an straich, er waere beil 
rn' Ton der salbe" ebrefte geil 
Su8 beten die Risen nanige" ma' 
mit der salben oof den plan 

1 95 Gescheiden ron n\ grosser not, 
der Ton den wonde" waer tot, 
Wan daz si wilUehiichen bant 
Malseron, der weigant, 
Zirdos Ynt Chambin 

200 Ynt Zirigon, der bräder sin. 
Die Risen all vier 
die machte" da ril schier 
Manige' ritter sere wimt 
wol flurat nk wol gesnnt. 

205 Das her Mtk schon oof de" plan. 
EkansTer, der werde man, , 
Ynt sia wip dir ehfaegin 



Zm Pleier*8 Giirel. 540 



vn" ouoh die gesellen sin 
chonT geriten an der strnt. 

2i0 daz tet man hern Garel chvnt. 
Dem helde ebomen maer", 
dai dar ehomen waer" 
EknnaTer der rieh 
m div Yil minileklicliy 

215 Sin wip, diT ehmegine« 
dir ralseUiehe sinne 
Bei ir seiien nie geWan. 
dir wolle mit ir iie'iA man 
In daz Artases lant, 

220 Tn" zwcn chtnege wert erchan% 
Von Rirelanti Ardan 
Tn" Helpherieh Ton Nasseran, 
Die warn beide in ehomen. 
als er dai maer het Temome", 

225 Des wart er rro. aehant er bat 
im zeigen herwaergea stat 
Svnder ouf den gnrnen plan, 
dureh ir gemach wart daa geta", 
Daz er si sonder herwaerge" hiez» 

230 Garel do des niht enliea. 
Er hiez an der selben strnt 
den Fürsten allen maehe" chunt (f) 
disir niwen maere, 
daz chom" waer 

235 Ekunaver rn" daz wip sin, 
Kloudit, dir edel chrnegin, 
Vn" Ton Rirelanta Ardan 
rn" Helpherieh yoo Nasseran 
Vn" Aramilot der wilde 

240 von den plame" ouz der wilde. 
Er hiez si all srnder biten, 
daz si mit im da hin riten. 
Ob si dir chrnegin wolde" sehen, 
des wart im volge reriehen. 

245 Die frrsten warn schier bereit. 



550 Zingerle 

Die heten sich in reidiiv kleit 
Gekleidet wnimecUich. 
Garel, der ellens reich, 
Het oaeh reichir kleider an 

250 Ton pfelle, den ein chrnsiieh man 
Worht in der stat xe Tasme. 
ich han gehört selten e, 
Daz ie man wurde gekleidet baz. 
Garel, der dege" TaUehei laz, 

25$ Mit rier gesellen was bereit 
die trugen all richir kleit. 
Die fursten riten über Telt 
in hem Gareis gezelt. 
Die dif cbrnegin wolte* sehen, 

260 des wil ich mit der warheit iehe', 
Die trägen all richiv kleit 
Garel, der stoltze helt gemeit, 
Enbot Ekonarer, de" chmege Heb, 
ril gezogenlich, 

265 Waer ez im niht swaer, 
ob ez stn wille waer, 
Er wolt diT ehmegf gesehe", 
möht ez mit Trloobe geschehe". 
Der böte zft de" chmege sprach : 

270 »haet min frowe für yngemach, 
Ob si minen Ifren siht, 
so chrmt min h"rr for si niht^ 
Ekanater der reich 
sprach gezogenlich : 
275 „Ich bin des itrers h"m wer* 
wil er gern zt ms her, 
Daz in min frowe ger" siht, 
ms" zom waer gen im wiht 



Zo Pleier's Garel. KK 1 



XIV. (R. F. 10* ) 

• tes rafaer andersimt 
. her taten ehTnt 

nte*^ sich dar st 

• wolt des morgens fr& 
lande reiten. 

. moht er langer beiten 
an er het morgens ger&bet da. 

des andern morgens saeh ma" sa 

gezelt nider lazen. 
1 Ez zogte onf der strazen 

Gen Artuses lande. 

Garel het an alle schände 

Den pris da errangen 

Tnt euch den chvnech betwnnge 9 
15 Daz er ... . möse yam. 

si zogten dan mit manige^ schäm 
. . .die klouse durch den wali 

Garel der . . . r . . degen halt 
. . . Ekunarer sande 
20 ... er Ton dem lande 

wolde dan 

werde man 

Chom geriten alzehant, 

da er Garein yani 
25 Als in der der werde Garel sach, 

zf im er zvhtentikliche'^ spch: 

„Ekunarer, degen halt, 

nemt hin wider in iw" gwalt 

Irres landes kldse. 
30 zieht ir zt irrem house»^ 

Spch der werde degen, 

„ich wil der kluse niht leng* pflege"." 

Ekunarer, der wert erchant, 

antworte sa zehant 
35 Daz hous, daz daz lant besloz. 



SK2 Zin^erle 

Ammiloten, den nie y'^drozy 

Er taet ie gern das peste. 

der zoeh sich z^ der Teste 

Vn hiei dti kons til wel bewar". 
40 Ekunarer der mVste Ttm 

Mit Garel in Ariases laot 

do 81 nT dan warn gemwai 

Von Eknnayers land« 

(die degen an«) 8cliande> 
4$ Die ehTnen beiden rnTenagl C^J 

helen ern rii beiagt. 

Ich enwaiz, wie lange si f8nm da"» 

Garel vnt shie man 

Vnt sine helfaere, 
HO e daz die beide roaere 

Chome'^ in ArCAsaa lant 

dir aal ist mir mbechao^ 

Wie Terre da enzwisehe" waer. 

Garel) der lobewaere, 
$5 Die fQrsten Tfi ir w'de^roan 

ebomen <Hif eine" werde^ pla". 

Da wart herwaerge genom". 

do si ze gemache warn kom" 

Vn daz her tu schone lach, 
60 Garel, der Ie manheit pflach, 

Der was mit fhienden vber la^e". 

het er genom" debetoe' sebade" 

In de" streite, der was nach T^klagt. 

der chmege dege" niTersagt 
6$ Was Ton rehte" scholden tto» 

daz im sin dinch was chom" so 

rehte saeliklich. 

Garel» d"elle"i rieh 

Beriet sich mit de" fBrste" da, 
70 das er einen boten sa 

Haim gen sinem lande 

der chvnegn sande, 

Daz er far sagte maer, 



Zu Pltier*8 Garel. 953 



wie ez ergangen waer» 
75 Daz man ir daz taete chmt» 
YD 8wer in de"^ streite want 
Waer werde", daz d'oueh dar rite 
Tn da mit gäte" gemaohe pit 
Bei der ehmegin fnts an di sta% 
80 daz er wurde wol geaimt« 
Daz was wol der forsten rat. 
Garel eine" Grafen bat. 
Der was Girier genant, 
des lop ril weite was ercha^t 
85 Vnt sin grozzi? manheit, 
daz der degen mrerzeit 
Sin böte waer. der lopte daz. 
er spch: „herre, an allen haz 
Wirp ich mit triwen willioUieh 
90 iwer botsehaft, ehTnech rieh, (e) 
Nt enbietet bi mir, swaz ir weit* 
Garel sprach : «tu werder helt, 
Des Ion ich dir ?il wilHchlich. 
Tar haim, der chmegifie reich, 
95 Der sfzen Laudameyen, 
Tor Talseheit der freien, 
Der soltu mine" dienst sagen 
Tji, daz ich in ?il chrrtie" tage" 
Selbe welle si gesehen. 
100 du solt ouch rehte des reriehen, 
Daz du mich lieze wol gesunt. 
du solt ir rehte machen chmt, 
Wie mir mtn dineh ergange" ist 
nr soume dich niht lange" frist 
105 Sag Jmilot, dem getriwen nMin, 
daz ich im aller eren gan. 
Sihst du den chVnech Albewin, 
de" sag ouch de" dienst (min) 
Mit triwen ane wan . . , 
1 1 Tn ouch al den frow 

Soltu mine" dienst sagen, 



554 Z i ng^e rle 

daz si sich fraeTn rnt niht klage'* 
Vmb Tns. wir leben mit freade^ gar. 
fQre miner frawe^ mit dir dar 

115 Disen prief m daz Tingerlin. 
so waiz wol dir frowe min» 
So si daz vingerlin an siht, 
daz mir laides wirret niht. 
Si geloubet wol dem ringerlin. 

120 daz gap mir dir frowe min, 
Do ich iungest Ton ir reit 
si waiz wol für die warheit. 
So si daz ringerlin an siht, 
daz si der böte trirget niht. 

125 Swer in de" stieite si worde*** wn^t, 
die haiz mit dir an dirre strnt 
Gen Anferre reiten 
Tnt daz si min da beiten, 
Vntz ich chom nach in dar. 

130 haiz ir schone nemen war, 
So daz si haben 'gft gemach. ** 
der GraTC zf dem chrnegc spch : 
nHerre, ich wirbe iwer potschaft. 
mser herre (sol) mit siner chraft (^dj 

135 Ze iT leip rnt ere bewarn. 

gepietet mir tu lat mich Tarn.** 
Garel sprach: „ril werder degen» 
got mTze diner em pflegen!^ 
Von danne schiet der weigant. 

140 swaz man wunter ritter rant. 
Die an den selben zeiten 
niht wol mohte gerften 
Dehein hove reise, die sant man 
gen Anferre mit de" werde" man. 

145 Der wart da harte wol gepflege". 
do nr Olivier, der werde degen, 
Chom ze Anferre in daz lant, 
da er die chvnegine rant 
Ouf ir hons ze Hnntrogin» 



Zu Fleier*« Garel. 

1 SO nr wart der grien chrnegin 

Gesagt disiT maer, d. chonT waer 
OliTier, der gr^LYe, an der stvnt, 
Tnt mit im manich ritter wnt. 
Do erschrach dir minnechlich. ^ 

15$ dir chTnegine reiche 

(Hie)z balde nach im springen 
rnt in ze hoTe bringen, 
Daz er in sagte maer, 
wie ez ergangen waer, 

160 Wan si in grozen sorge" was. 
onf der chvnegin palas 
chom OÜTier gegange*^. 
der wart wol empfangen 
Von der g^en chrnegin 

i 6S Ynt Yon dem chTnege Albewi", — 
Den Tant er bei d. frowe'^ chlar, — 
m" ooch Ton ander frowe'^ schar, 
Vnt d^ fOrst Imilot. 
swaz Garel her enbot, 

1 70 Daz seit er zvhtichlich 
der chYnegine riebe. 
Er sprach: „^i\ liebir frowe min, 
ir svlt des gar an angest sin, 
Min herre ist fraeuden reich, 

17!» daz wizet sicherliche. 
Frowe, ditz vingerlin 
sol ein gezirch der warheit ain, 
Daz ir gelonbet dester baz, 
daz ich iT sag, Tnt wizet daz^ 

i 80 Daz ich ir die werheit (^ej 
sage. diT chfnegin gemeit 
Daz Tingerlin erchande wol. 
ir hertze, daz wart fraende" toI, 
Do ir roter mrnt gelas, 

1 85 daz an de^ prief geschriben was. 
Den ir der chynich het gesant. 
si enpfie in ir weizzir bant 
Ur pliU.-lii«t. Cl. L. Bd. IV. Hfl. Z6 



S5S 



o66 Z i B g^ • r 1 e. 

Den prief Tn ouck dax Tingrerir. 
81 spch: „wol mich, der h^re min, 

190 Der ist vro jü woi gesunt. 
daz tvt mir dirre prief chrDt."^ 
Den prach si ouf. do si gelas, 
daz dar an geschriben was, 
Do wart dir minnechlich 

195 gantzer fraeuden reich. 

An de" priefe stviit mineklick gröz. 
diY sehrift spchf^frowe mi", ich mvz 
Mit triwen ane weuken 
diner werdicheit gedenehen 

200 Vn an dine" mineklichen leip. 
dr bist mir liep für elliT wip. 
Swa ich in der werkle bin 
beidiu niin hertz rn ai mi^ sin 
Hat din minne mir benomen. 

205 min gedanche" mach ron dir niht (chom"). 
Min hertze, daz geloube mir, 
ich getrawe niem" baz dann dir, 
Der mir behalte daz hertze min. 
iz wil bei niem" anders sin. 

210 Frowe min, geloube daz. 

nT gan onch ich des niem" baz, 
DiT mines hertzen frowe si. 
Tor gedanche" werd ich nim" fri 
BeidiY tach yö naht. 

215 mich hat din werdiY mine pcht 
Dar zö, daz ich gedenche" möz 
an dine'^ minnechlichen gröz 
Vn an dinen w'den leip. 
saelich frowe, saelich wip, 

220 Du bist Yor allen frowe" mir 
liep. wan ich getrawe dir, 
Dy seist mir holt für all man. 
swaz ich dir gediene" chan, 
Daz tfn ich willichliche" gar. 

225 swar ich in der werlde var. 



Zu Pleier^s Garel. 58 T 



Belage ich da pris (f) 

frowe, daz si dir ge(wis), 

daz chYmt tod din . . 

wan ich nach dine . . 
230 Immer diene. 

beidiT mit ernst vn . . 

An de" . . si niht mer. 

daz Tingerlin so reich 

Mit fraeude .... 
23^ di? chvnegin .... 

Wie sich die forsten reich 

gehabten alle geleich . . 

Ob si waeren wol gesunt. 

der Grare der sprach ze stv't: 
240 „Frowe, gelonbet, daz si war, 

si lebent al mit fraeoden gar, 

Wan Ekunaver der ist -erslagen. 

de" hört (icb) die fri(Ynde cla)gen 

sin tot was . . . . ^ 
245' diT edel 

Zv de" vTAt grav . . . 

h . . . V var an . . . 



. . wil dir 

250 .. . tousent 

. . dir niht rersmahen, 

die heiz Ton mir enpfahen 

Deinen k(ameraer). 

du hast mir richiy maer 
255 Braht Ton de" lieben iCvt min. 

du solt des ril gewis sfn, 

Daz ich dich drymbe reich. 

daz wizze sicherlich.** 

Der grave wart yo" schulde" yro. 
260 „genade, frowe**, spch er do, 

„Iwer gäbe ist so reich, 

daz ich sicherliche 

36 • 



K58 Zingerl«, Zu Pleier*s tiarel. 

U vn dem lieben herren min 
imm" 8ol bereit sin 
26$ Mit dienste, swa ich imm" chan.** 
mit rrlonbe schiet er dan 
Von de"chvnegi"y d* w^de dege", 
Tn schuf, daz tU wol gepflege^ 
Wart de" wu^te ritter do. 
die edel chmegin was rro. 



Tenelchilss eiliger se Iteier Wirter. 

arne swv. IX, 206. 

enblande stv. U, 247. 

erbluote swt. X, 23. 

genendicHchen adv. XII. 9. 

gezoc stn. XIII, 178. 

hanif. stm. VIII, 82. 

harnaschr^m. stm. I, 6. 

kindisch adj. II, 24$. 

koTerunge stf. VIII, 169. IX, 1. 

künstle adj. XIII, 250. 

mache swt. sich ouf m. V, 49. VII, 162. sich ron stete m. Y, US. 

ze relde sich m. VII, 195. 
nitlfch adj. VIR, 68. 
nitspil stn. IX, 89. 
reisegewant stn. XIII, 144. 
rinclich adj. m, 118. 
sigeHch adj. X, 88. 
sorcsam adj. II, 31. 
strftmuede. X, 256. 
Tnhir adj. III, 122. 
Tcrphlige stT. IV, 229. 
wackerHchen adr. IX, 24. 
wer swm. XIII, 275. 
winic adj. III, 36, 70. 



Dr. E. R. R e • I e r. Die griecb. u. turk. Bestandtheile im Rnmiinischen. 559 



Die griechischen und türkischen Beatandtheile im Romanischen 
Ton Dr. I. labert ■•esler. 

Allgemeines. 

Die romanische oder walachische Sprache, die östlichste des 
grossen Familienkreises der romanischen Sprachen, der den schönsten 
Theil Europa's erfüllt, hat sich entsprechend ihrer isolirten Lage 
sehr abweichend von ihren anderen Schwestern entwickelt. Originell 
wie sie sich zeigt, steht sie ihnen an Reiz nach und erreicht sie 
lange nicht in Cultur und Geltung in der Welt. 

Bis in die neueste Zeit sind Forscher selten an sie heran- 
getreten, sie blieb ein Stiefkind der gelehrten Thätigkeit. Aber man 
erinnerte sich des Versäumten. Nachdem man die Lautverhältnisse 
des Romanischen und seine Stellung zum Latein festgestellt hatte, 
ging man an die dornige Untersuchung seiner vielialtigen Bestand- 
theile, welche diese Sprache für den ersten Blick so seitsam erschei- 
nen lassen und ihr ein so charakteristisches Gepräge leihen. Hierbei 
ist Anlass zu einigen allgemeinen Beobachtungen. 

Während alle romanischen Sprachen in höherem oder niederem 
Grade altgermanische Elemente in sich aufgenommen und zu ihrem 
Eigenthum umgeformt haben, entbehrt allein die romanische in über- 
raschender Weise jene Denkmäler aus der Periode germanischer 
Völkerwanderung , denn die deutschen Worte , die ihr gegenwärtig 
angehören, sind durciiaus moderne Entlehnungen, und wie sie zum 
Theil aus den sächsischen Dialekten Siebenbürgens sich ableiten, 
bleiben sie auch auf einzelne Dialektgebiete beschränkt *)• 



1) Diese wichtige ThnUache vermutkete zuerst F. Diez CRoinanische Graminat. I, 
65,93), bestimmter wurde sie aungesprochen von Fr. Miklosich (Die sluTischcn 
Elemente im Rumnnischen, p. 11) und wir sind nur in der Lage, diese Beobachtung 
zu bestüfigen. Im geraden (iogensalze zu diesem hat K. Schuller die unhaltbare 



560 Dr. E. Robert Roesler 

Mit der spanischen Sprache, jenem westlichen Aste des grossen 
romanischen Völkerbaumes hat die romanische Sprache gemeinsam 
manche treuere Erhaltung des lateinischen Consonantismus und die 
Vorliebe für dunklere Lautfarben des Vocalismus, aber sie theilt auch 
mit ihr die Erscheinung, dass fremde Bestandtheile noch lange Zeil 
in sie eindrangen , als die Einwirkung des Fremden auf die übrigen 
romanischen Sprachen ihr Ende erreicht hatte. 

Das Romanische unterscheidet sich von allen romanischen 
Sprachzweigen durch die massenhafte Reception slayischer Wort- 
schätze; das Lateinische hat dadurch starke Einbusse erfahren, ja 
die romanische Volkssprache , an welcher der moderne Purificirungs- 
drang, der jetzt die Literatur beherrscht, noch machtlos geblieben 
ist, zeigt in den unzerstörbar festen Linien der romanischen Gram- 
matik eine völlige Herrschaft des Slavischen. Die walachisehe Sprache 
mahnt so an die englische, in der auf den Grundlagen des germani- 
schen Sprachbaues reiche Klangmassen des Romanischen sich erhe- 
ben. Eine Linie von den Marken Hochschottlands bis zur Pnitmundnng 
bezeichnet überhaupt die Susserste Grenze der Herrschaft romani- 
scher und romanisirender Sprachen gegen den germanisch-slavischen 
Nordosten Europa's. 

Ein Idiom , dessen Sprecher von hundert wilden Wogen der 
stürmenden Völkerwanderungen unsanft geschüttelt wurden, trägt die 
walachisehe Sprache, wie zu erwarten, viele Spuren dieser fremden, 
oft unwohlthätigen Berührungen ; ihr Wörterbuch mit seinem bunten, 
so schwer vertilgbaren Inhalt spricht beredter als die dürftigen leicht 
zerstörbaren Berichte der Geschichte. An der unteren Donau und in 
der südwärts fortziehenden Halbinsel war die Völkerbewegung dauern- 
der, vielfacher und wechselvoller als irgendwo in Europa. Die Loire 
und die Tiber, ja die Themse und der Tajo waren schon lange 
beruhigt, als die untere Donau und der Hebrus noch immer den linn 
neuer Stämme vernahmen. So wurde die romanische Sprache die 



Ansicht i^^eiiassert (Eotwiekelung der wichtigsten GmndsStze für die Erforsekiif 
der rumunischen oder walachischen Sprache. Siebenbürg. Vereins-Archiv, 1S4S)« 
dass ein bedeutendes Bruchtbeil germanischen, speciell gothischen Eigens i* 
Romanischen sich finde, eine Ansicht, die vergeblich auch vonCiparin {de l^' 
einitate Unguae valachicae) gestutit wird. Verzeichnisse solcher Gennanis0<" 
sehe man bei Diez Rom. Gr. I, 54 und Arthur und Albert Schott Walacbi«'^' 
Mfirchen. Riattgart 1845, S. 25. 



Die griechischen und ifirkiMshen Bestaadtheile im Romanischen. S6'1 

gemischteste «iller romanischen, sie aliein enthält eine weitaus grossere 
Zahl fremder Worte, als alle romanischen sasammen. In dieser Be- 
schaffenheit spiegelt sie auf das treueste die unruhigen Verhältnisse 
der Hämushalbinsel wieder, deren Kind sie ist In ihren slayischen, 
albanesischen , griechischen, türkischen, magyarischen und andern 
Elementen bietet sie ein treues Abbild der Ruhelosigkeit der mittel- 
altrigen Geschichte in den Bezirken ihrer Entstehung und Entfallung. 
Ein ausgezeichneter Gelehrter hat es unternommen , die slavi- 
sehen Bestandtheile des Romanischen aus dem bunten Museum her- 
auszuheben , zu sichten und zu ordnen. Vor seiner Leistung Ter-» 
sehwinden frühere mehr minder unmethodische Versuche; es bleibt 
durch sie eine feste Grundlage'für künftige Arbeiten gewonnen <). Im 
Nachfolgenden wird der Versuch gemacht, die griechischen und tür« 
kischen Bestandtheile in derselben Art auszuscheiden und den Sprach- 
kreisen, deren Sprösslinge sie sind, zuzuweisen. Beide kommen darin 
fiberein , dass sie nur kleinere Bruchtheile der Wortmatse bilden uiid 
als blosse Bereicherungen des Lexikologischen, ohne EinfluM auf die 
Grammatik bleiben. Dennoch wird ihre Ermittelung künftigo Studien 
auf diesem reichen (Gebiete einigermassen zu fördern vermögen. 



Die grIeehiseheB BesUadthelle. 

Das Volk der Walachen bekennt sich zur griechischen Kirche, 
von Byzanz aus ist es dem Christenthum zugewendet worden. Man wird 
darum einen Vorrath kirchlicher Bezeichnungen aus der griechischen 
Sprache hier eben so erwarten, als bei den Völkern , welche lateini- 
schem Ritus anhängen , für kirchliche Gegenstände und Begriffe rö- 
mische Ausdrücke zahlreich sind. Abei' die griechische Kirche ver- 
hielt sich zu aller Zeit gegen die Nationalsprachen ihrer Bekenner 
nicht so abwehrend als die römische, und so war auch bei den Vk^a- 
lachen neben dem griechischen Ritus die Kirchensprache niemals 
griechisch, aber bis in das 16. Jahrhundert auch nicht romanisch, 
sondern slavisch. Aus diesem Grunde ist so mancher kirchliche Aus- 
druck nicht griechischen, sondern slavischen Herkommens. 

Die lange Herrschaft von Hospodaren griechischen Blutes in den 
Donaufürstenthümern und das Zuströmen von fanariotischenGriechen^ 



Fr. IM i kl o sich in: Die slavischen Elemente im Rumänischen. Wien 1861. 



562 Dr. E. Robert Roesler 

welche daselbst bald zur Cr^me der Nation gehörten , trog Tiel dm 
bei, Gräcismen in die romanische Sprache einzubürgern. Noch gegen- 
wärtig ist ja dieConversationssprache so mancher Bojarencirkel eben so 
häufig griechisch als franzosisch und das Romanische dort eben so wenig 
salonmächtig, als es in Deutschland im 1 7. Jahrhundert das Deutsche war. 

Ob aber nicht viele griechische Worte aus anderen Quellen 
fliessen? Es ist dies bestimmt zu yermuthen für die siebenbürgischeo 
Gegenden, die unter der Herrschaft jener Hospodaren nicht standen; 
hier ist älterer Bestand anzunehmen. Doch ist schwer zu sagen, ob 
er sich blos in das Mittelalter, oder sogar schon in die römische 
Zeit hinaufleitet. Älterer Ursprung ist auch nicht zu bezweifeln bei 
dem reicheren hellenischen Wortschatze der macedoromänischen 
Sprache. Dieser stammt aus dem jahrhundertelangen Verkehre 
mit den Griechen Thessaliens und Macedoniens, von welchen jenes 
kleine isolirte Völkchen der sogenannten Zinzaren oder Kutzowlachen 
ganz umschlossen wohnt. 

Wir führen im folgenden alle jene griechischen Bestandtheilet 
die im Macedowlachischen allein nachzuweisen waren, getrennt tod 
denjenigen auf, welche in der dacoromänischen oder der Norddonau- 
sprache eingebürgert erscheinen. Nur ist anzunehmen, dass die Menge 
solcher Graecismen im Macedoromänischen viel bedeutender sei, als 
sie unsere dürftigen Hilfsmittel bisher zeigen. Künftige Dialektfor- 
schungen auf dem romanischen Sprachgebiete werden diesen Umstand 
wie andere ausser Zweifel zu setzen vermögen. Selbst für das Daco- 
romänische sind wir nicht im Stande an Vollständigkeit der Samm- 
lung zu denken. Die Lexikographie blieb bis jetzt allzu sehr hinter 
wissenschaftlichen Ansprüchen zurück. 



Die Lautverhältnisse der aus dem Griechischen herstammenden 
Elemente des Romanischen stehen auf der Stufe des Mittel- und Neo- 
griechischen , wie auch die Terminologie wesentlich dem Neugrie- 
chischen sich anschliesst. Erscheinungen , die dieser Wahrnehrnuag 
widerstreben und altgriechischen Lauten und Bedeutungen sich an* 
schliessen, dürften aus der Zeit römischer Ansiedelung in Daeien 
stammen, als das Griechische, wie die gefundenen Wachstafeln 
beweisen, im Lande lebendig war. 

Begreiflich sind Ausdrücke der Wissenschaft und Culturwörter, 
die einen europäischen Curs erlangt haben , aus diesem Verzeichnis^ 



Dit griecbitchen und türkischen Bestnndibeile im RoniSnischcn. 563 

ausgeschlossen worden, da sie sowohl jüngeren Datums sind» als 
auch die walachische Sprache eben so wenig charakterisiren , als 
eine andere der europäischen Sprachen. Die Unterscheidung war 
selten schwierig» weil die griechischen Culturworte Europa*s sämmt- 
lich der lateinischen Aussprache folgen , während bei den älteren, alt- 
einheinüschen» wie schon erwähnt, der Itacismus massgebend auftritt. 

Griechische SufBxe haben im . Romanischen nur sehr geringen 
Boden gewonnen, die lateinischen und slavischen fiberwuchern alles. 
Das griechische -({;<*> erscheint als si, -isi in: e^urisif dfopl^ta; laga- 
rin^ Xayapi^u); periorisi, «rcpwpc^w; sfeterisif ofereptifa u. s. w. 
Es findet das Sufßx üi auch Verwendung, wo griechisch -tCci> nicht 
auftritt und verbindet sich auch wohl mit dem Stamme eines abge- 
leiteten nometi verbale ^ z. B. gongisi von yoyyvGig, inf. yoyy\j^(ti\ 
litrosi von Xurpoxre^, inf. Xurpet)va); lipai von Xd^(^, inf. /ecTra); 
kaiafronisif xara^pcvdi; katairecksh xararpiyfii; koHgorisif xarv;- 
yopÄ; mprturiaif {iiaprupdi; prokopsh npoxonru) u. s. w. 

Bei dem Umstände , als die Transcription des Romanischen bei 
den Walachen selbst sehr im Argen liegt und durch die willkürliche 
Mischung phonetischer und etymologischer Principien eine unabseh- 
liehe Verwirrung herrscht, ist es mir ungemein angenehm, von anderer 
Seite her wissenschaftliche Grundlinien der Umschreibung benützen 
zu können. Das Transcriptionssystem in Lepsius* ausgezeichnetem 
Standard-Alphabet entspricht auch für das Romanische allen An- 
sprüchen, und wir haben uns hier wie im Türkischen demselben 
bereitwillig angeschlossen *)• Doch wird man die originalen Lettern 
in der jüngeren Form dabei nicht vermissen. 

A. Die griecUschen Blenente im Dac^r^mkniseheii. 

AbIc» abiSf Abgrund, äß^iGog» lat. c^yssus, it. abissOf sp. abisnio* 

fr. abtme id.; vgl. Diez WB. I, 3. 
arairie, agamie, Geschlechtlosigkeit, aya^kia^ Cälibat. • 
ariaciTB, agiasm^f aiasm^, Vk^eihwasser, ayiaa\kaL id. 
aroHi, agonp, Angst, Noth, Kampf, aycov, dycovea/üia id., agonui, 

erwerben, a7ojv({;ofjia(, kämpfen, sich anstrengen. 



SUndard Alphabet for reducing unwritten languages and foreign graphic »yttrmt t o 
a uniform ortography in European lettrr» by C, R. Lepsin». Second Edition, 
London ffißS. 



S64 l>r. E. Robert Rocal er 

arpinnie, agripnie, Schlaflosigkeit, Wachsamkeit, dypvTrvia id. 
azim, azim, ungesäuert, dzim^, ungesäuertes Brot, ä^vyLog adj. id., 

fr. azyme, it. azzimo, sp. dzimo, 
aRM'B, akme, Gipfel, dxiiri id. 
aKYM, akutn, jetzt, nun, gleich, axöjUL,, öcxcfx«, noch. 
aJinacTpv, albastrUf blau, «Aaßacyrpov, Alabaster; nach der Farbe 

des Gesteins; so im ngr. ya^dCto^, nach der Milch benannt. 
ajii«ie, aliße, Salbe, dXoifh id., dXeiftay salben. 
aA^afiiTa, alfavUa f. Alphabet, dX^dß-nrov n. id. 
aMBOH, amvon, Kanzel, Bühne, ajüijSeciv id. 
aMiH, amifiy Amen, djuii^v id. 

anano^a, anapoda (Fabian Bob), umgekehrt, verkehrt, avd;roÄaid. 
aHacoH, anason, Anis, dvy^^ov id., daraus das ar. t. 0^1 antsun. 
ana^opa, anafora, Bericht, Meldung, dvafopd id. 
anat^opi, anafore, nafurg, geweihtes Brot, dvdfopa, in der griech. 

Kirche das heilige Brot zu Ostern ; mrom. nafura^ alb. nafore, 

bulg. nafora. 
aH^pe, andre, indre-le, December, Lex. Bud. Nach dem Festtag des 

heiligen Andreas benannt, der auf den 30. November ßUt. 
apraT, argnt, Knecht, dpydvng, ipydr-fig^ agticola. 
apini, aripe, Flügel, agr. piTiri id. 
apoMi, aromU einschläfern, gr. dpwfjia, Geruch. Daraus entwickelte 

sich wohl erst die Bedeutung : betäuben. 
apToe, artos, Weihbrot, (dycog) dproq id. 
apxiepev, ar hiereu, Erzpriester. 
apxiMaH^piT, arhimandrit, Abt, dpyjLikcnv^pir^g id., ixdvdpa, Hecrde, 

ar. JU»jX>Sj\ arkimendrit, 

apxoHTOJioiuie, arhontolojie , Adelsbuch, Adelsverzeichniss, «f- 

y^ovToAoyid id. 
apxoHT'Bpie, arhonterie, Speisesaal, mgr, dpyovTeg, tnagnates et pro- 

ceres aülce Constantinopolitanae , ngr. dpyovTag, Edelmann, 

dpj^ovrapgtov, aedea quae Palatii locutn prasstaU vel ipsum Po' 

laiium, dp'/^ovTiK-h rd^ig, baronagium. 
aciii^'b, aapide, Schild, d^rcig id. 
aTCY, ateu, gottlos, d^eog id. 
a<»iepoiiieH, afieromen. geweiht, gewidmet. Kog. 235, dyicow/xivs? 

id., dycepoivci), weihen. 



Die griechischen und türiijsehen Bestandtheile iin RomSnischen. 565 

a<frja» a/Za, finden, rstorom. afflar id. ; nicht vom gr. oCkipoi, dXf'aivcü, 
dXfaoew, wie Sehuller meint, sondern vom lat afflare, an- 
wehen. Die Vermittelung der beiden Bedeutungen sehe man bei 
Diez, WB. II, 8i. 

a^ypici, afurisi, verfluchen, excommuniciren, afurüänie, afurisire, 
Verfluchung, Excommunication , dfoplCto, vb. id., d^opiaiiög^ 
dyöpi^fxa subat. excommunicaiio. Eben so daraus t. ^^^ \ aforos, 

BajiTi /*., See, Teich, mgr. ^dlrrt /:, ngr. jSdXro^ m. Sumpf, ßaX- 
rojdY;^, sumpfig. Mi kl. p. 15 stellt es zu slav. bläto^ Koth. Viel- 
leicht findet nur zufällige Berührung statt. 

sajiaYp, balaur, Drache- Schuller leitet es vom agr. n-eAcüfjov, 
her (?), Lex. Bud. vom lat. bellua. Das Wort ist dunkel. 

Biaer, vinet vinft, blau, grau; abgel. vineceale, Bläue, vineceU bläu- 
lich; ßivsro^, venetus color^ caeruleus. 

ßicepiK'B, biserikff Kirche, aus dem spätlat. basilica, vom griech. 
ßaaihxYi, rätorom. baselgia, baseilgia. Wie die anlautende 
Labialmedia zeigt, ist das Wort unmittelbar aus dem Latein 
aufgenommen worden, während dem Griechischen selbst seine 
jüngere Bedeutung fremd blieb. Basilica in der Bedeutung 
Kirche finden wir schon bei Isidorus H., 1. 15, c. 4, sect. 11 : 
BasiliccLe prius vocabaniur Regum habüacula, unda et nomen 
habent . . . Nunc auiem ideo divina templa Basilicae nomi- 
nalur^ quia ibi Regt omniumDeo cultua et aacrificia offeruntur. 
Dagegen ist der Taufname Wasilie (Basilius) aus dem Grie- 
chischen entlehnt worden. 

BJiecTeM, biestern^ Fluch, Verwünschung, blesteniure id. ; blestemd, 
vb. fluchen, blestemfcief Nichtswürdigkeit, v. /SAd^yyjfxov, adj., 
ßAadfr^iieXv vb. , verleumden, schmähen, ßlccafr^iiicK^ sbst. Vgl. 
über dieses in den romanischen Sprachen reich vertretene Wort 
Diez WB. I, 6S. 

BOCKOHi, boskonif zaubern. Lex. Bud., ßa^xoccvo) id., ßa^xavca, fasci- 
natio. 

BanrB, vam^, Mauth, o^muh Zoll erheben, v^mniale, vemuire, Zoll- 
einhebung ; ßdjULfxa, Zoll, mag. vdm id. 

Barpi, vatrg, Herd, nicht von ßdäpov, Basis (Diez WB. 746) oder 
a^ritfm(Stier A. M. Comminiatia); es ist alb. ßarpe von gl. Bed. 

RCCTiapix. vestiariu, Finanzminister (alt). Kog. 228; entnommen aus 
der byzantinischen Ämterhierarchie ; vgl. Du C. /, 1 93 : Beandptog, 



566 Dr. E. Robert Roesler 

Bi^^aiM, viflaim, Krippe zu Weihnachten (W. Schmidt, Österr. 

Revue, 186S) v. Byj^Xss/x. 
B^'BCTap, vl^star, lestar, Sprosse, Schössling, ßXccTcdpaxt id., ßia- 
ardcvco, keimen, sprossen. 

B'Biicea, vepseüy Farbe, v^su färben, ]3a;rrw id. ; abgel. vvepsire, epsi- 
^iirf, Färbung, rf/>iVor, Färber. Dagegen sind die Ableitungen aus 
ßaTTTtCw, taufen: batSz, Taufe, a boteza yh.^botezetor: baptuta, 
erst in magyarischer Umlautung in das Romanische eingedrungen. 

/^a, da, ja, dd, in der That, sicherlich. 

^acR'B.i, dask^h Lehrer, von St$d(Tx<xXog id. mit Abfall des unbetonten 
Anlautes. 

Aa<»iH, ddfiUf Lorbeerbaum, dafing Lorbeere, Sdfvn, Lorbeer, oV 
yvyjvo^ adj., t. Ali^ defn^ laurus, JJ^li^ defnelik, Lorbeerholi. 

^eapiiTB dearm^. Haut, ($ip/xa id. 

^ia^ox, diadoch, Thronfolger, Siddoyog id. 

^iarb, i/ta^^, Testament, von (Jca.&>jxyj, Jtdra id. 

/^iKic, dikis, das Nöthige, Zugehör, Ordnung; abgel. rftiKji vb., mit 
dem Nöthigen versehen, dikisire, Versorgung. Jfxatog zeigt nur 
die Bedeutung: gerecht, billig, aber ^cxaea, iura qua quis habet 
in rem aliquam, possesaiones, prcedia, facuUates. Du C Hat 
sich der Sinn des romanischen Wortes daraus abgeleitet? 

^icK, disk, Teller, Sitjxog, Becken. 

^icKOJiie, diskolie, Schwierigkeit, agr. <JO<jxoXog, mürrisch, n^r 
schwer , it. sp. discolo id. ; 5u(Jxo/ca , Schwierigkeit. 

^ixoHie, dikonie, Zwist, Zwiespalt, ^tj^övoca id. 

ApvM, drum. Weg, Spoiiog id., drumar, Reisender. 

^YKi, duk^, Herzog, aus dem lat. dux durch das byzant. $o(jxa; ver- 
mittelt, nach Diez WB. I, 160. 

A'hKT», deke, Zorn, nach Diez Gr. I, 92 v. 8Uri (?). 

EajiaBie, evlaoie, Andacht, evlavios, fromm, andächtig, euAdj3£(2« 
Andacht, euXaß^j^ adj. 

ervMCH, egumen, igumen, Abt, r/voOjuLcvo^ id. egumenie, Abtei, läy'^'J- 
jULcvclov id. 

eKCopie, eksarie, esorie, Exil, Landesverweisung, i^opia, relegatio. 
i^(apia^ü<;^ ^Coptaröc, relegntus, extorris. 

ejiCMOcin'B, elemosin^, Almosen, ihriiioaOvio id., it. Iim6sina,^t- 
limosna, fr. aumöne, eech. almuznn, 

e^euJTev, elesteu, Teich, v. ngr. sXo^ (?), Sumpf. 



Die griechiftcbeD und türkischen Bendindllieile im RoDiSnischen. 567 

e.iiH, elin, Grieche, elinescu, griechisch, elineSte adv., elinie, grie- 
chische Sprache, eXAr^v, ^/Xr/vtxög, iXXr^vf^w. 

CMBaTiK, embatik, Erbpacht; ^juißarixöv Sixaiov. seu ius, apud VI- 
pianum in /. 3, §. 3. D. de Reb. eor. qui sub tui. idem esse 
quod i/üi^urcunxöv, cui ibidem subituigitur^ existimat Salma- 
rius de Modo üsurar^ p, 878. Du C. 

enapxie, eparchie, Kirchenspreugel, eparchik adj., zum Kirchen- 
spreiigel gehörig, inapyla, dioecesis, ünra/^^o^, dioeeesanus. 

eilicnaT, epistatf Aufseher, iniardTr^g id. 

eniTpon, epitropf Wonannd, inirponog id,fepiirdapf9\oTmündmnii, 
iniT(t6nif3aoL id., epitropie, Vormundschaft, htiTponvi id., epHro- 
picesky vormundschaftlieh. 

epcMY, eremu, ermu, m. Einode, iprtikog f. Über dieses in den roma- 
nischen und germanischen Sprachen weit verbreitete Wort 
vgl. Diez WB. I, 164, Gr. 88. 

epecv, erestiy m. Ketzerei, aXpioig f. id. 

eTcpie^ eterief Gesellschaft, iraipia. 

eTxapicTie, euharistie, h. Abendmahl, vj-fapiarioL id., eucharisiia. 

Zapz'bp, zarzpr, Aprikosenbaum, zarz^rf, die Frucht, ^apraloO^ 
CapJaXoO id., durch Wechsel der liquida aus letzterem; dieses 
aber aus p. j^\^jj zerd-dlü, prima flava. 

zeaiifb, zeam^f Saft, Brühe, zemoSf saftig, zemosescn, saftig werden, 
agr. ngr. C^f^«? Absud, jus neben Cw/xög, Brühe, ngr. C^fxareCw, 
sieden, C^^^^^» warm, ^iov, aqua calida. 

zej, zel, Eifer, Trieb, Fleiss, zelös, adj. unmittelbar vom spätlat. 
zelus aus gi*. C"^Ao^. Daher nicht zil, wie sonst erwartet werden 
müsste. it. sp. pg. zelo, fr. zile, Eifer; aber das adj. it. sp. ze- 
losOf ii geloso, fr. jaloux bedeutet zumeist eifersüchtig, eine 
Bedeutung, die dem Romanischen fremd ist und wofür zule sbst, 
zuliar adj. erscheint. 

zo^ie» zödie^ Sternbild, Co^decv id. 

zvrpaB, zügraVf Maler, C^ypd^o^ id. ^(^ypctfi^o), malen, Ccoypa- 
(ptgrog, malerisch; zugr^vie, zugr^vfale, Malerei, 2;tf4/rfri, malen. 

la^, tarf, Hölle, slav. adü von a^-ng gl. Bed. 

iremoinROH, igemonikon, Ton, Anständigkeit, Herrlichkeit, T^/ye/xovcxöc 
adj. de bonne mine, de belle apparence. Vent. 

irpacie, igrasie^ Feuchtigkeit, igrasios, feucht, (typog id., itypirng, 
rä ifypä, Feuchtigkeit. 



568 Dr. E. Robert Roesler 

i^ioT, idiot, blödsinnig, Wtwryj^ id., IV. idiot, dasselbe. 

iepapx, ierarch, Erzpriester, Prälat, ispdpyrig id., treiierarsii^hm- 
königsfest. 

ieo^iiH, iV/Jfiw, mrom. evtin, wohlfeil, von eursvög, vilis. Diez Gr. 1, 
92 leitet es von svrcXr}^ her. Ableitungen iefimu den Preis 
herablassen, ieftinetatey Billigkeit, ieftin^mg id., ieftior, ziem- 
lich wohlfeil. 

iKOHOM, ikonom, haushälterisch, ikonomie, Haushaltung, ccxövcjuic^', 
o^xovofjLta id. ; die andern romanischen Zweige entnahmen das 
Wort dem Lat., daher it. sp. ecönomo, econömico, pg. econo- 
micoy fr. econome. 

iKoaH'b, ikoane^ Bild, agr. sexcov, ngr. e^xöva id., Ikonostas, Bilder- 
gestell, £cxovo(7ra<7cov, Beliquiarium, Bilderrahmen. 

iKOcap, ikosar^ Zwanziger (Münze), iixoai, zwanzig, eUoaapi, uh 
mngt, 

inoKijiieH, ipokimen, sing., Person, vKoxsiixsva plur. id. 

inoncie, ipopsie, Verdacht, ipopt» verdächtig, itno^ia, Verdacht, 
OnoKTYii;, verdächtig, argwöhnisch. 

inoTecic, ipotesis, a o face — viel Wesen von etwas machen. Pol. 
vTTÖ^^eae^, Sache, Gegenstand, wegen der häufigen Anwendung 
dieses Wortes; ipotesiar, Processführer. Diese Bedeutung er- 
scheint im Griechischen nicht. 

incoM'B, ipsom^, Weihbrot, ötpwjUL«, Emporhebung, Segnung, ö^wfftf 
Toxj (jraupoO, Kreuzerhöhung. 

incoc, ipsosy mrom. ips, Gips, yOipog id. Abfall des anlautenden Con- 
sonanten, wie sonst häufig in diesem Sprachgebiete, z. B. tVx 
(fimusj, in (linum). 

ipoY, iVoM, erou, Held, i?pw^ id.; it. eroe^ pg. heroe, fr. hSros, ^^' 
h^roe, sämmtlich lat. Vocalisation folgend. 

Icvc, licYC, hus. Usus, Jesus, '\r,(joOg, 

KaK'b<t>p]K'b, kakefrike, Memme, Feigling, von xaxog (oder cacaref) 
und ypf(7(7w, schaudern, fpi^tg, Schauder. 

Ka.iano^ kalapod, Stiefelleiste, xaXa7rö<Jt id. 

KdM'bT'b, kamete, Zins, xdjuLaro^, Arbeit, mgr. xajixarov, mannpre- 
tium, Aaikartpogy arbeitsam. 

KaM<i>op, kamfor, Kampher, xdiifopa id., it. sp. canfora, fr. eamphre 
vom arab. pers. jy^kafur; vgl. Diez WB.; mit slav. Suffix 
kamfornik, Kaffee-, Theemaschine. 



Die griechischeo uod turkiscben Bvstaodtbeile im Rominischen. 569 

KaHÖH, kanon, Kirchenbusse, Strafe, xavcov id. 

Eauanea, kanapea, kanapeth Ruhebett, fr. sp. canapä, it. canope, 

oach Dies WB. I, 109 von xcovounrelov, conopeum, Mückennetz, 

ein mit einem solchen Netz versehenes Ruhebett. 
RapoH<»ia, karonfih Nelke, agr. xajsuö^uXXov, ngr. xap^ofOh id., it. 

garöfano^ sp. girofle, girofre^ fr. girofle, t. J-^^i^ qaranfil. 

Vgl. über dieses interessante Wort Roediger's und Pott's 

Kurdische Studien: in Zeitschrift för Kunde des Morgenlandes, 

Vn, 92. 
sapTB, kartf. Buch, x^P'^h yio^prdxi id., kartofor, Kartenspieler, 

kartoforie^ Kartenspiel, yjxprofipog, Kartenspieler. 
Rap^iMi, karßcf, Stecknadel, xapfi^ Nagel, xapycrCa, Stecknadel, 

xapfuivta^ nageln. 
EacKon, kaskotf, Gähnen, kask^-gurf uni gur^-kaskf , Maulaffe, 

}^aoxcü , den Mund aufthun, gähnen , j^dwojv m. celui qui lan- 

teme. Vent. Vgl. fr. bägueule, Zierpuppe, gueiUe bSe, offene 

Mündung; b^er, gaffen, gueuie auch sprachl. gleich rom. gtirp. 
KaTarpa«ie, katagraße, Verzeichniss, xaraypafr, id. 
RdTapr, katarg, Mast (malus), mgr. xardprcov, ngr. xardpri id. 
EaTacTi«», kaiastif, Handlungsbuch, xardduxov, Register rationale Du C. 
KaTaTpexMOC, kaiatrechmos , Verfolgung, xararpcxf^d^ id., kata- 

trechsi, xararpi-^ta id. 
EaTa^poHici, katafronisi, verachten, katafronisire, katafronisial^, 

Verachtung, katafronisitor , verachtend, xaxafpovd vb. id. 

xara^poviiiq sbst. id., xarafpovnrfiq adj. id. 
KaTiropie, katigorie, katigorire, Verleumdung, katigorisU verleum- 
den, xcLT-ioyopia^ Anklage, Verleumdung, xar-ny opS^j anklagen, 

verleumden. 
KaTi4»ea, katifea, Sammt, katifelucf, Sammtfaden, xaTr,(fi^ id. a. t. 

AitL» gatifCf plur. oiL» und cjüUa» vetis externa incisia fimbriia 

instructa. Freitag lex. arab. 
xe^pY, kedru, Cederbaum, xiipog^ cedrus neben cedru. 
KCH, ken, Saum, Borte, mroro. kintisi, sticken, xsvrw id., xcvttj/jl«, 

Stickerei, xfvryjrr?^. Sticker. 
KiBOT, kivot, Kasten, Schrein, xißojrog id. 
Ei.iie, kilie, Zelle, xsXeXov id., xeXXc, kiliidar^, dem. 
EijioJOiMaH, kiloloiman, Lärm, xocXa^co, zwitschern, xoeXdd((7fxa, 

Gezwitscher. 



570 nr. E. Robert R o etler 

RiMioH, kimioti, kimin^ kirnen, Kummet, agr. xOjuievov, ngr. x6{i(vo;, 
iat. cuminum, fr. cumin; kimioniü. kümmelfarben. Die rom. 
Form scheint durch das t. o^^^ibm Jon vermittelt worden zu sein. 

RiHoeap, kinavar, Zinnober, xtvdßapt id. davon Iat. dnnabarü, iL 
cinabro, sp. pg. cinabrio^ fr. cinabre; p. j^ ginbar. 

RiHOBiv, ktnomüf kinov, neben cinoviUf Kloster, y. xoivoßtov, laL 
coenobinm, it. sp. cenobio. 

RiHorpeneuiTe, kinogreceite ^ gemeingriechisch, xcevö^, gemein, 
gemeinsam, vox hybrida. 

Kinapoc, kiparos, Cypresse, xvnaplaai^ Iat. cupressuSf it. cipreuo. 

xip, kir, Herr, xi/pio^^ xvp id. 

Rix, itV, Wallfisch, xijro^ id., Iat. cetus, it. sp. ceto, 

K^ia^epi, kladerf, Haufen, xXa^ca, ramures» Anondes. Vent. 

KJiicYp'B, klisurf. Enge, Stromenge, Einschnürung (z. B. der Donau 
am eisernen Thor)» xXetaoOpa id. xXseoj, schliessen.einschh'essen. 

KJiipoHOM, klironom. Erbe, Nachfolger, xA>?pov6jio^ id., klironomU, 
xX-npovoixia id. klironomUi vb. erben, xXi9povo/üicü id. 

Koajn, koale. Bogen (Papier), xöXXa, Leim, als etwas geleimtes, 
ähnlich wie n-pojröxoXXov, das „^orgeleimte Blatt". 

KOJiiB'B, kolib^y mrom. kalib^^ Hütte, gr. xaX6ßi9, xaXOßc. Das grieeh. 
Wort ist in alle Sprachen der Balkanhalbinsel übergegangen: 
iisl. koliba, goliba, bulg. kolibf, serb. ROJHsa, alb. koljuhe, 
xalOiißs^ t. aJl5 qaliba. Auch im magy. kalyiba^ cech. chalupa. 
Der o-Laut des dacorom. Wortes verrath slavische Einwirkung. 
Miklos. p. 25. 

KOJiBO, kolibOf frumentum coctunif xoXvßo'if id., kolibf f., pul* 
granea. Miklos. 

HOMic, komis, Stallmeister. Marele Comisu, le grand Eeuyer, in- 
spectant les Scuries de la cour et accompagnaU toujourt ä 
cheval le prince. K o g. 229. Aus den byzant. Hofamtern ent- 
lehnt: xöfx>?^ TOü fjräxtXoxj, Du C. H, 107. 

ROH^eiY, kondeiuy Feder, xovJoXt id., alb. xovreXx. 

Hocirop, kocitor, Zinn, aus gr. xaaairepog id., vom skr. kastira abgL. 
koBtorU verzinnen. Das Wort zeigt in dem o-Laut einen Einfluss 
des Slavischen an. Miklos. Selbst u begegnet: kusiarii, 

KpiH, krin, Lilie, xpevov n. id. 



t>ie griechischen nnd tSrkiseKen Bestandthrile im RornSnischen. 671 

Rpinrb, kripie, Grufl, xpvnrog adj., verborgen, 1. crypta, Keller, 

altit. grupta; vgl. Diez WB. I, 227. 
KTipe, kiire^ Bau, Gründung, xn'Cw. bauen; ktiior, Stifter, Gründer, 

xri^rwp id. , ktiricesk adj. 
RYRTBae, ktikuvae f., Naebteule, xovxovßdyia id., xouxoußaxt'Cw, weh- 
klagen, vgl. t. ^^Jbli baiqusYon gl. Bed. 
KYKYiY, kukuiUf Beule, Auswuchs, kukuta, anschwellen, kukuiat. 

beulenvoll, xouxoOJi, pustula. 
Ripma, kurma, abbrechen, endigen, kurmehi, Abschnitt, kurm^turg, 

Unterbrechung v. xoupa^w, ermüden, matt werden (?). 
RYTeza, kuteza, wagen, sich erdreisten, kutezare, Kühnheit, kute- 

zeior, dreist, xcroD, die Kühnheit haben. 
K'b.ivr'bp, kelugp\ Mönch, ^iccloyrjpog id. Nach Diez (Gramm. I, 92) 

aus xalog yiprav entstanden ; alb. calojer, 
R'BMiji, kemiU Tau, agr. xa/jieXo^ id. 
R'BUfi.i'B, kemile^ Kameel, xa/xf//c, xajULn^Xaid. Die anderen romanischen 

Sprachen halten den lateinischen Vocal fest, it. cameU, sp. camello, 
R'Bp'BMi^'L, kerpnid^, Ziegel, agr. xipaixog^ ngr. xipaixiSi id., t. ^^^-^, 

keremit, ar. Ju^. 
RHbYTa, keuta^ suchen, trachten, xoeraC^ id., it. guntare, nach Diez 

WB. I, 233 von ahd..traA/^n, Wache halten; abgl. keutare, 

keufeture, Nachforschung. 
Jarapici, klären, läutern, Ingarisire, lagaris^nle, Läuterung, layoL" 

pil^ta vb. id., laydpKJixa sbst. id. Xayapi'jrrig^ Raffinator. 
4ear&H, lengen , Wiege , legena. wiegen, ligean, Becken, Xfxavi^, 

Kufe, Bassin, Xayiva, Krug, Kanne. 
^exYCB, hhise, Wöchnerinn, Xfi^Göa« id.: mrom. likoan^ von Xe- 

yißivof, id. 
^iea^'b, Hvad^, pl. livade. Wiese, von hßdSi^ alb. Ijumdhu bulg. 

livade, serb. .iHsa^a. 
jiiHiea, f., Fleck, lexiig^ n., Fleck, Makel. 

jiRii, liket. lecken, likeu, Schmarotzer, "kiiyjiv vb. id. Diez I, 247. 
jiiMaH, Uman. Hafen, agr. Xcjuirjy, ngr. hixivoLg. Das t. oUJ //ma« 

scheint darauf nicht ohne Einfluss geblieben zu sein. 
JiiH, lin, Kelter, 'krjv6g id. 
jiiiiCB, lipse, Mangel, llpstf bedürfen, Xer^t^, Dlsi^tg^ Mangel, Be- 

dürfniss, Xst'jrw. mangeln. 

Sitxb. d. phil.-hi8t CK L. Bd. IV. Hfl. 37 



572 Dr. E. Robert Roe sie r 

jiixie, liiie, Procession, hrii id. 

JiiTpoci, Utrosi, lösen, erlösen, Xurpwvw id., Utrosirey Xurf wjj^, Er- 
lösung. 

jioro^i, logodi, verloben, logodire, logodne, Verlobung, logodit, ver- 
loben, Xöyo^, iusiurandum. Du C. oioo) \6yov^ versprechen. 

•loro^frtT, logofet, Schreiber, Kanzler, mgr. loyo^irr^g id., Rationum 
descriptovy Du C. 821, Marele logofet^ Vel logofetf Gross- 
kanzler, t. JU5yJ logofet. 

JIYRCO, lukaa adj., schief, 'ko^6<; id., loksie, Kreuzschnabel, lo^idq id. 

Ji'&Mvpi, lemuri vb. klären, läutern, abgl. lemurire; leniuriU deut- 
lich, klar, XajULTrfö?, XafXTrpjvw. 

Marvj'b, mdgul^ f.. Backe, fjLayouXov, Wange, /layouAdxt dem. p- 
7ouXag, grosswangig. 

iiaKapa, makara f., Flaschenzug, Rolle, iiaxapäg id. 

MajaKie, malnkie, masiurbaiio, iiaXuxia id., /üiaXaxfCco vb. 

MdMoe, mamoa m., Geburtshelfer, fjia/xy?, Hebamme, ixaiieOta^ assisier 
wie accoucheuse, 

Mauraji, mangal, m. Kohlenbecken, ixayxdh id., t. JUl« manqdl 

Maprioj, margiol adj., scherzhaft ; schlau, subst. Spassvogel, mar- 
giolie, Scherz, Schlauheit, ixapyi6Xog, verschlagen, /üiap7io'A(a. 
Schlauheit. 

MapTie, JUartie, März, iidpTtog. An der unveränderten dentalen 
Tenuis im Gegensatz zu den anderen romanischen Sprachen 
(it. sp. marzo, pg. mar^o, fr. mars) und den Lautgesetzen des 
Romanischen selbst ist der griechische Einfluss unverkennbar. 

mapTYp, martur, Zeuge, agr. ixdprvg^ ngr. ixdprvpag id., merturie, 
Zeugniss, ixaprvpia^ rnefiuriaU iJ.o:pTrjpeev, Es ist in der Bedeu- 
tung Glaubensheld (Blutzeuge), in der es die Sprachen Europas 
kennen, nicht gebräuchlich. Vgl. D i e z WB. I, 267. 

MeTOK, metok, mitok. Absteigequartier (eines Bischofs), mgr. jiro- 
/tov, ngr. ixeToy^L, cella monastica a majori monasterio depen- 
dena; vicus. Du C. 

MiK, mik adj., klein, kurz, /xexpcc id. 

Mip, mir, Salböl, geweihtes Oel, ixvpov id., dytov juiOpov, Chrisam, 
mirtii, firmen, /lupwvw id., mirurle, fjLOpwjULa, mrom. mint* 
Salbe. 

Mipar, mirag, Theil, Antheil, i^ipog. 



Die griecliischen iin<1 ffirkischen ResUndlheile im RomSnisdien. öT3 

Mipoc^ miroSy amiros, wtr««iwf, Geruch, Wohlgenich, mtroW, riechen, 
ixvpi^ta id., iivpcaSid, Geruch. 

MORCb, tnokse, f. Rotz, fji6^a, f. id. lat. mucus m. sp. moco, it. abgel. 
mucositäf mucilaggine, 

MOHO^rajM, monoftalm, einäugig, |ULOvö^^aX/xo<^ id. 

MYK, muh Docht, Lichtschnuppe, /xöxog id., vgl. Diez WB. 11, 46. 

■rrpr, murg m., Dämmerung, adj. schwarzgrau, v. jutöpexo^, dunkel, 
düster. Synkope des c durch die Macht des Accentes. Aehnlich 
bildete sich sp. pardo, grau, aus \2X, pallidus. Schuller denkt 
hiebei an engl, merh 

irrpy, muru, Brombeerstrauch, mure, Brombeere, lat. moruSj Maul- 
beerbaum, ngr. ij.ovpid, 

mp, iwfT, Apfel, fjLijXov id. ; i wurde zu e unter Einwirkung der fol- 
genden Liquida, it. melo, Apfelbaum; nach Diez von malus, 

irbTace, fn^tase, matase, Seide, jutcra^t, juifrd^a id., alb. medafie, it. 
iiia/a«j?a, sp. madeja, Strähne, Flechte von Wolle, Seide u.s.w. 

BrbiuiYR'b, meciuke^ Keule, /laT^oöxa, altpg. masstica, fr. massue; 
abgel. aus lat. matea, it. mazza nach Diez WB. U, 270. 

M«|wHie, minie, Ärger, Zorn, jmavfa, id., abgel. miniea, erzürnen, 
miniare. Erzürnung. 

Ni, wi, intj. weg! -hvi id., magyar. ni, sicil. anu Diez Gr. II, 437. 

HVH, nun m. , Trauungszeuge, nune f., vouva, Pathin, vouvöc, Pathe. 

Op<»aH, orfan adj. sbst., verwaist, Waise, 6pfav6g, lat. orphanus, 
it. orfano, fr. orphelin, mrom. oarfen. arm. 

OHea, oii^o, Esel, ovo^ id. 

ocTCHi, o«f^nt vb., ermüden, anstrengen, ostenü, müde» 6i(j^£vog adj. 
krank, müde, schwach, a(7.&£VGj, schwach sein. 

IlajiTiH, paltint Ahorn ; Umstellung aus TrXaravc^, platanus. 

nanaKi^'B, pannkide, Schreibtafel, mvaxiSa^ jrcvaxtot, Abecedarium, 
nlvay.ocg^ Index, Register. 

nanapoan'b, paparoane^ Kornblume, nojzapoijvoL^ Mohn. 

nanap'b^ papare, Brei, Brotsuppe, 7ra;ra id. 

nanYpi, papure, Schilf, (Pumnul) ndnvpog^ Papierstaude, Binse. 

naparpa<»ie, paragrafie, Verjährung, Kapdypaixixa, FalsiGcat, nrapa- 
ypayov, Paragraph. Der Zusammenhang ist dunkel. 

napaKJiic, paraklis. Gebet, Bethaus, Kctpaxxlrifji sbst. Bethaus, KOLpd- 
xX>3(je^, öflenl liehe Gebete, abg. paraklisier, Küster. 

napacRiea, Pnruskim, Venus; nocpaaxevii ^ Freitag, dies Veneris, 

37* 



!)74 br. E. Robert Roesler 

rom. Vinere, Metonjinisch e Übertragung vom Namen des Tag« 

auf das Gestirn. 
napiiMie, parimie, Sprichwort, nocpoiiiia id. 
napin, paripf Handpferd, agr. ndpiKKo^ id., ngr. napim^ equtu pn- 

blid curaus, serb. pdrip. 
nacK'b, paske, Osterbrot, n&Tfa, Ostern, darüber s. Diez WB. 1; 

paskalie, Kalender, Traerj^aAta, Ostertag, Jahresanfang der 

älteren Zeit, naayijxkiov^ n. cyclus paschalis. In paschalibm 

istis cyclis non modo paschaiis diem, sed et annos vel munä 

vel Diocletiani aliaqtie festa praecipua et ieiunia describe- 

bant.Dn C. I. 1i27. 
iiaTpaxip, patrahir n., Stola der Priester, imTpayijrikiov id. 
ne^eancb, pedeapse, Strafe, pedepsi vb., strafen, züchtigen, mroni. 

pidipsi, TzaiSiOca id., naidevaig, naiSe^i^, Strafe, Züchtigung. 
nciiH, pelifiy subst. Wermuth, vin pelin* Bitterwein, njXfvo^ 

subst., mit Kräutern gewürzter Wein. 
neHTiRocTap, pentikostar, Kirchenbuch, ;r£VTr3xo(7TÖ^ m. fünfzigste, 

TTgvTTjxodrapcov, liber ecclesiasticua Graecomm continens Ofß- 

cium ab ipso Paschatü die usque ad Octavam Pentecostes. 

Du C. I, 1147. 
nepiopici, periorisi vb., beschränken, neptopi^^a id. 
nipoH, piron, Nagel, pironi, anheften, ;ref ovt, Schnalle, Spange, r£- 

povvi^ Gabel, it. sp. pemo, Haspe, sp. perniOf eisernes Band an 

Thüren und Fenstern. Diez WB. I, 314. 
nicnrB, piam^^ piamuirey Neid, Groll, 7:dfjiJ.a, Arger, Verdruss, pi- 

mo8, pismaSf neidisch, pismui vb., beneiden. 
iiiTiKY, piiikuy Zwerg, nr^^yjxo^, xovTOjrt^yjxo^, Knirps, Zwerg. 
luacnrB, plasme, Geschöpf, Gebilde, Tria^j/xa id.; plastograf, IV- 

kundenfölscher, Tzlaarog, erfunden, falsch; abgl. plfmui 

bilden, erfinden, TrXdrTw id., ples^nuire, Schöpfung, Gestaltung. 
noJiiRan^pY, polikandm. Luster, no'kvxavdrjXov» Candelaber. 
njiiRcic, pliksis, Langweile, /rXijftg id., nlriTTta vb. ; abgl- pUktiko»^ 

gelangweilt, TzhiXTtxog id. pliktisi vb., langweilen. 
npicoCf prisoSf presoSf m. pr^sosince. Fülle, Überfluss, presosi^^* 

abundOf nept^aög^ adj. reichlich. Vgl. Ci/iflrtii delat. ling.vaiS- 
npoBonci, prokopsif Fortschritte machen, Trpoxöjrrw, gewinnen, foH- 

scliivilrTs, TrpoxoTrt, Fortschritt, 
iiiic, prunic, Vorsehung, npovota id. 




Die griechischen und türkischen Bestandtheile im Romioischen. 575 

npocKOMe^ie, proskomddie , Opfergesang, npocjxoiiiSrj^ Offertorium, 

7rpo<7xö|UL>3<7«^, adoratio. 
npoTimicic, protimisia, protimisire, Vorzug, proHmisi vb., vorziehen, 

TzporiixT^atg^ Vorzug, /rporc^cS vb. 
npoTononi, proiopope, Erzpriester, Tzpfaronanäg id., popf, Priester, 

Kanäg^ sl. popf. Vgl. Miklos. 38. 
ncajT, psalt, Kirehensänger, rltdlrrig^ Sänger; paalükiCf Kirchen- 
gesang, ^aknyfM^ Musikbueh in der Kirche. 
iiYHrb, punge, Beutel, Tasche, Kovyyi id. ; pungui, stehlen, rauben, 

ven. ponga, Kropf der Vögel, goth. puggs, Beutel; der Ursprung 

ist dunkel. Vgl. Diez WB. II. S3. 
HYpi, pure, Wuth, nupd, Hitze, n-uf «Cw, perlurbare^ Du C. 
whJi^yi^^vi^pelemariu, Seil, Tau, jraXa/xapt id., t. j\^% palamar id. 
PeBCHT, revent n., Rhabarber, feßivn id., p. Juj^l^ rävend it. rabar- 

baro, sp. pg. riiibarbo, fr. rhubarbe aus rha barbarum. Diez 

VVB. 338. Roediger und Pott V, 68. 
pe<i»eHea, refenea, Beitrag, Antheil, f£(p£vig^ Zeche, t. ^* \^ iarfane, 
piPB, rige neben rege vom mgr. prjyag, aus lat. reji\ 
po^iY, rodiu, Granatapfel, poloi id., rododafin, Rosenlorbeer, podo- 

SdfVYij Oleander, rodozahar, fooo^dy^api^ Rosenconfect. 
pieaui, rfvas. Briefchen, Billct, paßdfji id. 
ciHopi, «Wort vb., Grenzen setzen, beschränken, (juvoptCw id., «twörta«, 

Grenzbewohner, (juvop(T>3^, Nachbar, t. j^ sinor, Grenze 

((Tjvopa). 
cKa«», «Äa/f, Wagschale, Trinkgeschirr, skaf, Schiflsgerippe, axayyj, 

Wanne, it. scafa, Boot. 
cKiM'b, skime, Geberde, ayfiiia^ Figur, Geste, skimonosu entstellen, 

(75^>5/jLart^Gj, formen, Gestalt geben. 
CKinTpv, skipiruy Scepter, aus gr. jxf^rrr^oov, lat. sceptrum, von dem 

die andern Sprachen sich ableiten, fr. sceptre, it. scettro etc. 
cKon, skop, m. Absicht, axö/ro^ id.; abg. skoposi, beabsichtigen. 
CKY^'b, skule, Kleinod, Kostbarkeit, jxouXaf txt, Ohrgehänge. 
CK'bO'BTa, sk^peta, untersinken, untergehen; vgl. axaTzen^d), fliehen, 

aus rom. scappare, worüber nachzusehen Diez Wß. I, 367. 
CMCY, smeu, Himbeerstrauch, smeur^, Himbeere, smiuriu, himbeer- 
farben, <7/jL£0'j(OGv, Himbeere. 
cnerM'b, spegnie, Bindfaden, (jnrdyogid., it. apago. Diez WB. II, 66. 



57 6 Dr. E. Uobert Roesler 

ciHHaKY, spenaky Spinat, it. spinace^ sp. espinaca, fr. äpinard^ ngr. 
(7;ravdx(; das romän. Wort scheint unmittelbar von dem griech. 
herzukommen, welches selbst in dem lat spinaeeus, spitng» 
gezackt, sein eiymon hat. Diez WB. 1,392, p. ^llL^ t ^.liUJ 

cniTsp, 8petai\ Feldherr, K o g. 228, (jTrd Ja, grosser, zweischneidiger 
Degen, lat. spafa, it. spada^ sp. espada^ fr. Spie; fmaid^j-n;^ 
8patariu8f Reichsfeldherr am byzantinischen Hofe. Das ein- 
fache spate ist ausser im unverlässlichen Lex. Bud. nicht 
nachgewiesen, aber erkenntlich in der Ableitung speteaze, 
Schwertlilie. 

CTa<i»iA'b, stafide, sirafide, Rosine, arafiSa id., vb. stafida, abtrock- 
nen, arafiStdl^tf)^ se sicher comme du raisin sec Veni. 

cTeMi, stem^, Wappen, (jT£jui|ULa, Krone, Kranz. 

CTirMi, stigmf, Narbe, ariyixa id. 

cTix, siichf Vers, Gedicht, anyog id.; abg. stihurfiu^ Dichter, sti- 
hurjie, Verskunst, Versification. 

CTixap, stihar^ Priesterkleid, OTiydpt^ Alba des Priesters. 

CTixie, stihie, Element, aTOiy^sXov id. 

CTOJ, ä/o/. Schwärm, Flotte, agr. cjtöAo^, Feldzug, Flotte, it shiolo, 
altsp. estol, Mannschaft, Begleitung, Gefolge. Siehe darüber 
Diez WB. 1,402. 

CTpi^ie, sMdie, Auster, odTpidi id., t- L jajL»\ istridid^ lai ostrea, 
sp. ostray it. ostrica. 

CTv<i», stuf^ Schilf, stufosj adj. schilfreich, agr. ruyij, eine Pflanze, 
die zum Ausstopfen von Polstern diente. Unorganischer «-Anlaut 
findet sich auch sonst, wie in stürz: txirdus; siimperpmni: 
temperamentum; er deutet auf slavischen Einfluss. 

cvjiTb, sulite, Spiess, ooOßXa^ <joO/3Xc, (jovß\dxi id., aov^liit^ 
spiessen, sul^, Ahle. 

ctitepi, sfere, Kugel, afocipa id., sfere de geografie, Globus. 

c<>eTepici, sfeterisu entwenden, sfeierisire sbsi Entwendung, (ips- 
TBpiaiia^ (jfBT£pi(7ii.6g id., afsrepi^ta^ sich zueignen. 

c<i>oap'B, sfoarpf Bindfaden, rjfopa id. 

ciruap, segnarf Saumpferd, samar, Saumsattel, von (jdyika, spätlat 
sagma^ woraus unter Übergang von ^ in / it. sp. sabna, fr- 
somme, Last, wurde; ahd. säum. 

cipM'b, serme, Faden, Draht, nach Diez WB. 11, von syrma, TJff-fh 
Schleppe. Alb. sirm^, Seide. 



Die g^riecbischen und türkischen Bestandtheile im Romfiniichen. 577 

TeaR'b, Teake, Scheide, ^>xtj, boite, dtuu 
TeaM'b, teamp, Sorge, Furcht, nicht von (Jec/x«. Vgl it. iema. 
TexparoH, tetragon, V'iereck, rsTpdyojvog adj., viereckig. 
TeTpaeBaHye.1 , tetraevanjel , die vier Evangelien, nTpavdyyeXov^ 

livre qui cotUieni les qtiatre dvangölistes. 
TCTpaMecTpv, tetramestru, vier Monate, nach Analogie von semestru 

gebildet mit rtzpa, 
Ti^M^ tifle, Blindheit, ru^Xä id. 
TOKCiK, toksikf Gift, agr. to^ixöv id. 
Tonviu, iopus\ Keule, besonders des Hospodars; ronoO^t^ Keule, 

Commandostab, t. J>^ topuz, Keule. 
TpaH^aniip, trandafir^ mrom. trandafiU Rose, TpavrayuXXov, rpia^' 

rayvXXov id., alb. xpiv5af<j\i, rosa centifolittf agr. jJöda ixa- 

Tpv^ie, ^ni/?^, Hochmuth. Diez Gr. I, 92 vergleicht dazu Tpuyyj, doch 
dessen Bedeutung Vergnügen, Wollust passt wenig zu dem 
romanischen Worte. Eher stellte sich rpvyia^ Hefe, lie hiezu, 
wenn vnr es metaphorisch nehmen (it tronfio aufgeblasen, hoch- 
müthig). Vgl. Diez WB. II, 72. 

Ti»M»^ie, temiie, mrom. timiame, Weihrauch, ^vfjica/jLa id. 

xemeiv, temeiu, iemelie, mrom. temelliu, Grundlage, äeiiiXiov id. 

riniK, tipik, Vorschrift, Tvmxov subst., ritueL 

Tcxpaiio^, tetrapod, vierfüssiges Gerüste für die Kirchensänger, 
Terpdno^ovy subst. Chorpult. 

Tponoc, tropos, Art und Weise, ku tropos^ höflich, rponog^ manüre, 
fagoti. 

T.i^Mn.i'b, timpi^, Scheidewand zwischen Altar und Kirche (in der 
gi'iechischen Kirche), r^/x/rXov id. 

SpaHicT, uranist^ Traghimmel, o^tpoLvog^ Himmel. 

vp^ie, urjie^ Grimm, Wuth, urßsi^ verwünschen, urjisire, Verwün- 
schung, Verabscheuung, opyri, Zorn, öpyl^o), in Zorn setzen. 

Ypufb, urme f., Spur, Fussspur, von oafxiry, Geruch, Witterung, Diez 
Gr.I, 58, WB.I, 297. m/iw«, Mnw^Ä:«, wittern, spüren, gr. öajma- 
aäat id. 

vcie, usie, Wesen, Kraft, ouaia id. 

<Pa.iOH, Falon, Messgewand, ysXwviov id. 

<i>epMeK, fermek, Zauhev , f er meka , behexen, fermek^ior, Zauberer, 
farmeke, Zaubcrmittel, ngr. ydp/xaxov, yaf/xaxt, Gift. Das rom. 



578 l>r. E. Robert Uoesler 

Wort bedeutet üie „Gift". So scheint dieses Wort eines tod 

denen zu sein, welche aus der altern griechischen Spracbperiode 

iliren Ursprung herleiten. 
«pimK, finik, Pahne, ^oevcxc, Dattel, ^civcxta, Dattelpalme, 
«frieexpv, fisetru^ iseiru, Pottfisch, Stör, altgr. fvfmrrip id., ngr.? 
«»jiaMYp'b, flamur^ f. Fahne, f\diinovpG)ff n. Banner. 
fpAt^fii^fleur^, Plaudertasche, agr. und ngr. (pXOapog, adj. und sbst. 

geschwätzig. Fasler, yXuapta, Geschwätz. 
«.i'bK'biaH^pY, fl^keiandruy Jüngling, fiXoxochdvSpag , qui atme la 

beautd. 
«POKi», fok^f Robbe, ywxta id. 
«oaoc, foloSj foloaire, Nutzen, fblosi, nützen, oycXog, wyÄ«a, 

Nutzen, a>^£?.Gj vb. 
«i»OTO<i>OB, fotofob, lichtscheu, fojvofoßog id. 
«ppiK'b, ^n'A:^, Angst, Furcht, infrikom, erschrecken, infrikoiare. 

Angstigung, agr. yptx>3, Schauder, Fieberfrost, yptjdw, 

schaudern. 
«tvcTb, fusi^f Unterrock, youdravt id., it. fusiagno, sp. fustan, 

fr. futaine, Baumwollstoff, Barchent, der nach dem Fabrications- 

orte Foatat benannt wurde (Diez WB. I, 194). Die Bezeichnung 

des Kleidungsstückes nach dem Stoffe ist nicht selten. Das p. t. 

,Ji^ fisiaUf jupon, könnte auch auf eine andere Vermuthung 

leiten. 
«i»'b<i>'B.ivrB, /f/^^w^^f, possierliche Figur, yayXard^, babUi^rd. 
<i»wi,/f/i, prahlen, stolz sein, felire, sbst fale, Stolz, Prahlerei, 

ysXcS, valoir. 
«i>^p<iia.i'b, ffrfal^, Possenreisser, yapyaf dg, hableur^ vantard. 
<t>.^C'Bi^ ffsei, pfeifen, fiseire. Sausen, yuddw, yjaw, blas en. 
Xap , Har, Geschenk, yijxpig id. ; ker^zi, mrom. herzi vb., schenken, 

y^oLfi^sa^at id. 
xa^iY, haietif Netz (?). Nach Diez 1, 92 von dXc£'j£tv, fischen, ngr. 

ist Jcxrva, Netz, ^apdg, Fischer. 
xapaK, harakf Lineal, ngr. yjxpdKi; harakosi, liniren, x^paC«»* 

'^apixa6i\Kü^ ritzeiu liniren, haraksi, scarificiren, ritzen, x*' 
[füiffia^ Einschnitt, t. a. J^U- qui fend. 
p%iii, chrrpu entrc issen, cArfpt>ir^, Entreissung, Baub, apna^uirapio- 
tim% knme, l\mu Lf^hm, x^V-^-i ^^^^* ^- humus. 
Lop'b^ fwret lleihcatiinz» Tanzlied, x^P^^i Tanz. 



Die griechischen und türkischen Bestaudtheile im Romanischen. 579 

xipoTOHie, hirotonie, Priesterweihe, j^ctpoTovta id. 

xipoHOiirie, hironomie, Handbewegung, y^sipovoiiia id. 

xpicoB, chrisov^ Urkunde, )y>u(7Öj3uXXov, aurea bulla. 

IJ^e^iH'B, jelin^, f. Eppich, (jiknvov n., id. vgl. fr. cderU it. sedano. 

Mea^i, ceafe, Nacken, Genick. Nach Diez Gr. I, 92, von xcyaXVj. 

HiOKip^aH, ciokerlan, Lerche, vgl. gr. T^ouTCcuXtavög id. Doch wo- 
her ist das Wort im Griechischen? 

qipiiii, ciripi, zirpen, zwitschern , agr. Teperi^o) id.; ciripii shst 
Gezwitscher. 

•fH^pecHi, indremi, wagen, sich erkühnen, indr^snealf, indr^s 
nire, Unerschrockenheit, indr^snec adj., kühn, keck, ^pa- 
(7*j^, kühn, äpaavTYig^ Kühnheit, mrom. terfsesku, hoffen, tarrUf 
Vertrauen, J^apfC) vb., vertrauen, ädppog^ ädpptrj[ka^ Muth, 
Zuversicht, ahd. turran, mhd. tunken, den Muth haben. 

IfiMBef^ jimber, Ingwer, neben cinciveru. Erstere Form weist auf 
xtxtjULTTptv, letztere auf xl^ixl^intp^ welche neben zahlreichen 
anderen im mgr. und ngr. begegnen. Sämmtlich gehen sie, wie 
in anderen Sprachen (fr. gingembre, sp. jinjivret it. zenzero, 
zenzevero, engl, ginger) auf p. J«*-^^ zenjibü zurück, dem 
sanskr. gringav^ra zum Grunde liegt, benannt nach der horn- 
artigen Beschaffenheit der Wurzeln. Roediger und Pott. 
Kurd. Stud. VII, 127. 

Vivp, jiur^ Kreis, imprezur praep., um, herum, imprezura, umge- 
ben, fmprezurare. Umstand, v. yOpog^ Kreis. Diez Gr. II, 440. 

I. Die grieehisehen Elemente im ■aeed«r«mänl8ehen. 

Der karge Vorrath, aus dem wir schöpfen konnten, beschränkte 
sich im Wesentlichen auf drei unzureichende Werke: Thnnmann, 
Untersuchungen über die Völker des östlichen Europa, Leipzig 1774, 
p. 180—240; Bojadschi, Romanische oder macedonowlachische 
Sprachlehre, Wien 1813; William Martin Leake, Researches in 
Greece, London 1814, Pentagloss Exercices, p. 382 — 402. 
Adeie^ vacatio, licentia, aocta <). 
agoge, habitationis merces, d^Gy'^i. 



A) Die Worte ohne beigesetzte Quellenuiigabe sind aus Thunmann J. 161 — 23S, der 
auch der Gewährsmann für die Richtigkeit der Bedeutungen ist 



580 Dr.E.RobertRo«tl«r 

agorid^9 aciiius, dyo'jpioa. 

agru, ferus, äypiog. 

aksiu, dignus, ä^tog, 

alitchey veritas, oLkri^ncL. 

alekseakuj vestes muto, aXAdaaeo. 

amdlome, Gold, fxaXafxa aus iidlayiia von /xaXd^^w, mollio; was at 
first used for gold which had beeii wrought in the fire» in Oppo- 
sition to djrvpov or virgin gold, and was afterwards applied to 
gold in general. Leake. 

amarlie^ peccatum, diJ.apTia, ameriipsi, pecco. 

ananke, necessitas, dvdyxYi, 

anurzu riechen, ikupi^u). Leake. 

apukrisi, antworten, dnoxpiv(t). 

arada, linea, series, dpdda, vgl. sp. raya, fr. raie. 

aresesku, plaeo, dpiaxc»}. 

arkism^f principium, (ap)^«j/xa) dpx^* 

amisesku, nego, dpvoviiai. 

asimUf argentum, daiiii von dpyOpio)/ drrnp-ov^ ungepragtes Silber, im 
im Gegensatze zu a. Iniainiiov^ dem geprägten, daher das p. t. 
^ sim, Silber. 

asitze, so, er^v?. Leake. 

aiichUf gracilis, aruj^o^, mager. 

acalu9 turpis, luridus durch Umstellung aus dcjKcclog incultus. 

bagu stihm^, wette, ßd^o) arlfi^a id. 

br^h^sesku, raucesco, ßpayyidf^oi. 

chriaözmff aurum, yjp^aog, vb. yjutaojva), 

did^ksesku, concionor, Stod-^yo). 

dokimie, experientia, doxc/xr;. 

doks^, gloria, do^a. 

echtrevseskii, odi, iy^^peOoikai. 

eirine, pax, eiprivn» 

eksafne, plötzlich, lfatyv>3^. 

elevteru adj., liber, iXiu^epog. 

epüideiUf aptus, iniriiQBiog, 

äimih paratus, iroiikog. 

ainere, laterna, yavapt, it. fanale, fr. fanal. 

fise, natura, (jfOatg. 

foniko, homicidium, fövog m., yovcxöv n. 



Die griocbischen and torkitchea BetUndtheile im Rominischen. 581 

frönimu, prudeiis, fpoviyiog. 

fuif^ sudarium, tersorium, fourdg. 

gerfkitie^ accipiter, yepdxt. 

gongiseskti, murmuro, 70776CW. 

hasku^ hisco, ^^acTxo). 

hflice^ caementum, x^Xfxt, 1. calic 

hpriseskUf laetor, yrctipo^ai. 

hoare, pagus, oppidum, x^P^) yo^piov. 

honte, urceus, x^vf. 

honoatff foctor, yyoTog. 

horgia, seorsim, y(6}pyia, 

ieartiep dies festus, ioprii, iurtusi» ioprd^siv, to feast Leake. 

imerti, mansuetus, Y^fxepo^. 

katepn, unus quisque, xaJ^ivag. 

kaühüi, unterrichten, xarrj^eiv. 

katöge, inferior pars domus» xartaye. 

kavürtu Cancer, xdßoupag, 

kfmakti, tridens, xaikdxi. 

kpiiU^f amphora, xavdra. 

k^niskth honorarium, xavioxt. 

kfsidf, porrlgo, xaaaiioL. 

k^gknie, caligo, nebulo, xaTa)(yia. 

kivure^ tumba, xYißoOpi. 

kilich Tapeten, xtXixioL. 

klinisi neben klina, Neigung haben, und abgeleitet könnte gegenüber 
lat. inklina auf die Vermuthung fuhren, dass gr. xlfvw hier Ein- 
fluss nahm, da dem Latein ein einfaches clinare nicht angehört 
Dennoch ist dem nicht so. Griechische Ableitung würde klUi- 
esku zeigen. Es ist Abfall der praep. in. 

kliroSf drom. kleroSf kler, Clerus, xXr^po^. 

kloce, calcitratus, xXorC^a. 

koniarUf hasta, verutum, xovrdpi. 

kopie, grex, xondSt. 

kopelf, ancilla, xonO^cc. 

koposm labor, xonoq. 

kopr^ßy stercus, xonpia. 

ksenu, peregrinus, ^ivog. 

ksudisi, ausgeben, i^ooevoj. 



582^ Dr. B. Robert Roetler 

kukuvias, noctua, xouxovßdyia, vgl. kukuvae drom. 

kucurUf truncus, xour^ög. 

htmerke, commercium, xou/x^px(. 

kumpuref pharetra, xGvyLTtoOpt. 

kupf, crater, xoOna^ lat. cupa, s. Diez WB. I» 139. 

kurduvane, corduanius, xovpioußdvt, 

laspe, coenum, Xa^/nj. 

laiusUf aberratio» IdJ^og. 

lekoanf, puerpera, leyiuiva. 

leveniu, heros, XeßivTing. 

magipsU bezaubern, st. magievsi v. ij,ayte0o). 

matUcUth pessulum, fxdvraXo^. 

mantUy vates, (xdvrt^. 

ma-toru, opifex, ikdaropag. 

melane, atramentum, /xcXdve. 

mfraUiUy foeniculum, (xdpa^pov. 

tn^atrfpf, supellex pretiosa, [kaarpandg^ drom. mastrapasUk, Ver- 
schacheruDg, Verkauf. 

müirie, panis excavatus, iiuarpL 

molib^f plumbum, [koküßi. 

monochUi eunuchus, /xouvoOj^og. 

mulare^ mula, /xouXdpe. 

namisa, Mitte, dvd(xe(7a. Leake. Abfall des unbetonten An- 
lautes. 

/i^» ja, vaL Boj. 

nipkiu, infans, vi^nreov. 

nikisire, victoria, vfxij. 

/joniti, lex, vö/JLo^. 

nöaiimUf iucundus, vöarefxo^. 

/lo/j^» humor, vorfa. 

omitf, similis, cfxoco^. 

oreksesku» appeto, 6ptfo\Lai. 

palakarsia, herbeirufen, napaxoLXa. K o p i t a r. 

pappup avus, nannog. 

paravulia, Gleichniss, napaßolii. 

pedevseskUf punio, KatotOu). 

pelekrasif beten, napaxcOsCi. Leake. 

penigiru, uundiuae, celebritas, navrijOpt, 



Die griechischen nnd toriiischen Bestandtbeile im Rominischen. 583 

penagie^ the bread blessed for any particular person and not for the 

congregation in generale t. navdytogj sanctissimus. 
perdosesku^ implico, /xTrcp^aevcü. 
pfgtoseskUf sale condio, ;ra(7reOveü. 
petale^ solea equi» niTalov. 
piknosu, densus, 7njxv6g. 
pise^ pix, 7:i(j(ja. 
piste, fides, martg. 
pitf^ placenta, nira. 
planu, error, TrXavyj. 
plea, schon, nliov. Boj. 
pleiecu^ creo, TrXaaao). 

pleteskUf flecto, nUxc»), lat. plecto; vgl. Miklos. 38. 
plitare^ later, nliädpi. 
prassiu, porrum, npdoov, 
prepsiaiief decet, npinet. 
proiciet dos» npoXxa, 
protu^ proate, primus, np^rog. 
psuliseaku, psallo, TpdcXAcü. 
psusesku, pereo, ^o(fQ. 
roxuy nodus arboris, pol^oq. 
selian^f apium, aihvov, drom, teline. 
sfeniuke, arca, a&vS60xi. 
sfine, cuneus, ay^va. 
skapiri, blitzen, aarpa;rrcü. 
8ite/f , passus, gradus, axih. 
sklavUf servus, axXdßog^ it. sehiaTo, fr. esclave. 
sklirOf durus, (txAyjoö^. 
skoUe, sehola, o^oXcTov. 
akorpiseskUf dissipo, axopni^d}. 
skotide, tcnebrae, crepusculum, dxordJc, axorlSt. 
spdrganUf fascia, (jndpyavov. 
spastre^ inundities, andfsrpa, 
spileef spelunca, oKYiXaiov. 
spline, lien, (jnrX^va. 
spudie, Studium, aKovS-h. 
9iamney urna, (jra/jivyj. 
stereosihi. solidus, firmus, fjripsög. 



i)74 br. B. Robert Roesl er 

rom. Vinere. Metonymisch e Übertragung vom Namen des Tages 
auf das Gestirn. 

napiMie, parimie, Sprichwort, napoiiiia id. 

napin, parip, Handpferd, agr. ndpinnog id., ngr. napim^ equm pu- 
blid cursus, serb. pdrip. 

nacKi, paake, Osterbrot, nÖLTfOLy Ostern, darüber s. Diez WB. I; 
paskalie, Kalender, naTfjxkicL^ Ostertag, Jahresanfang der 
älteren Zeit, Tzaayakiov^ n. cyctus paschalis. In paschalibui 
istis cyclis non modo paschatis diem^ sed et annos vel nntndi 
vel Diocletiani aliaque festa praecipua et ieiunia deBcribe- 
banL Du C. I, 1127. 

naTpaxip, patrahir n., Stola der Priester, emTpayiTikiov id. 

ne/^eancb, pedeapse, Strafe, pedepsi vb., strafen, züchtigen, mroin. 
pidipsi, naiSeOtt) id., KaiSeumg, KalSi^K;, Strafe, Züchtigung. 

nejiH, pelin^ subst. Wermuth, vin pelin-» Bitterwein, «ijXfvo^ 
subst., mit Kräutern gewürzter Wein. 

neHTiRocTap, pentikostar, Kirchenbuch, KsvTYixofjrog. m. fünfzigste, 
Trcvryjxo^jrapeov, liber ecclesiasticus Graecorum cotUinens Offi- 
cium ab ipso Paschaiis die usque ad Ociavam Penteco8te$. 
Du C. I, 1147. 

nepiopici, periorisi vb., beschränken, nspiopiZ^*^ id. 

nipoH, piron, Nagel, pironi, anheften, nepovi^ Schnalle, Spange, r^t- 
poOvij Gabel, it sp. pemo, Haspe, sp. pernio, eisernes Band an 
Thüren und Fenstern. Diez WB. I, 314. 

niciirB, pism^, pismuire, Neid, Groll, ndoiia, Ärger, Verdruss, pU- 
mos, pismaSf neidisch, pismui vb., beneiden. 

iiiTiKV, piiiku, Zwerg, ni^tixog^ xovTo;rt^>3xo^, Knirps, Zwerg. 

iMacM%, plasm^y Geschöpf, Gebilde, ;rXa<j/xa id.; plastograf, l)r- 
kundeufälscher, n^aatog, erfunden, falsch; abgl. plfstnui 
bilden, erfinden, nlarTO) id., plesmuire, Schöpfung, Gestaltung. 

nojiiKan^pY, polikandm. Luster, nolvxdvdrilov, Candelaber. 

lUiKcic, pliksis, Langweile, nkfi^iq id., ;rX>;rTCü vb. ; abgl. pliktikoi^ 
gelangweilt, nlrixrixog id. pliktisi vb., langweilen. 

%\f\coe^ prisosy presos, m. presosince. Fülle, Uberfluss, presosi^^f 
abtmdo, nspiaaög^ adj. reichlich. Vgl. Ciparm de lai, ling.vaiS. 

iipoKonci, prokopsi, Fortschritte machen, ;rpoxö;r7w, gewinnen, fort- 
schreiten, «rpGxoTrrj, Fortschritt. 

nponic, prönic, Vorsehung, npovoia, id. 



Die griechischeo und türkischen BesUndtheile im Rominiechen. 575 

npocKOne/^ie, proakonufdie , Opfergesang, Trpoerxo/xcdyj, Offertorium, 

7rpo(Tx6/x>j(jt^, adoratio, 
npoTiiiicic, protimisis, proiimisire, Vorzug, protimisi yh., vorziehen, 

nporiiirsaig^ Vorzug, nporiiiu) vb. 
npoTononi, protopope, Erzpriester, npoizonanäi; id., popf, Priester, 

nanägj sl. popf. Vgl. Miklos. 38. 
ncajiT, psalt, Kirchensänger, ^aXryjg, Sänger; psaltikie, Kirchen- 
gesang, TpaXrtxy;, Musikbuch in der Kirche. 
riYurB, punge, Beutel, Tasche, nouyyi id. ; pungui, stehlen, rauben, 

ven. ponga, Kropf der Vogel, goth. puggs, Beutel; der Ursprung 

ist dunkel. Vgl. Diez WB. IL 83. 
iiYp'b, pure, Wuth, /ruf«, Hitze, KrjpdZ^»), perturbare. Du C. 
H'b.i'bMapiY, ;>f /^martti. Seil, Tau, nalaiidpi id., t jl»% palamar id. 
PeBeHT, revent n., Rhabarber, fsßivri id., p. X^\j rdvend it. rabar- 

baro, sp. pg. rtiibarbo, fr. rhtibarbe aus rha barbarum. Diez 

\YB. 338. Roediger und Pott V, 68. 
pe4»eHea, refenea» Beitrag, Antheil, feftvig^ Zeche, t. AJ U^ iatfane. 
pirb, rtge neben rege vom ragr. priyag, aus lat. rex. 
po^iv, rodiu, Granatapfel, polot id., rododafin, Rosenlorbeer, pooo- 

Sdfvrij Oleander, rodozahar, foSo^dy^apt^ Rosenconfect. 
pisaui, revaSf Briefchen, Billet, paßdoi id. 
ciHOpi,MWortvb., Grenzen setzen, beschränken, auvopt'C^ id., sinorias, 

Grenzbewohner, (7vvoptr>3^, Nachbar, t. jJL» sinor, Grenze 

((juvopa). 
CKa«», skafe, Wagschale, Trinkgeschirr, skaf, Schiffsgerippe, axdfYi^ 

Wanne, it. scafa, Boot. 
chiM'b, skim^, Geberde, T/rt[kO(.^ Figur, Geste, skimonosi, entstellen, 

(jyYjiiari^ct), formen, Gestalt geben. 
CKinTpv, skiptru, Scepter, aus gr. axYinTpov, lat. sceptrum, von dem 

die andern Sprachen sich ableiten, fr. sceptre, it. scettro etc. 
cKon, skop, m. Absicht, <7xö;rc^ id.; abg. skoposi, beabsichtigen. 
CKY^'B, sktile, Kleinod, Kostbarkeit, axov'kapixi^ Ohrgehänge. 
CK'bn'BTa, sk^peta, untersinken, untergehen; vgl. (jxajrertijw, fliehen, 

aus rom. scappare, worüber nachzusehen Diez WB. I, 367. 
CMCY, smeu, Himbeerstrauch, ameure, Himbeere, smiuriü, himbeer- 
farben, (jiiiovpGv, Himbeere. 
cnerM'b, apegnie, Bindfaden, (jKdyog id., it. spago. Diez WB. II, 66. 



57 6 Dr. E. Robert Roesler 

ciiiHaKY, spenak, Spinat, it. apinace^ sp. espinacUf fr. ^pinard, ngr. 
(77ravdxe ; das roinän. Wort scheint unmittelbar Yon dem griech. 
herzukommen, welches selbst in dem Jat spinaceus, spitzig, 
gezackt, sein. <?/j/wio/i hat. Diez WB.I,392, p. ^UL-» t ^LU-»! 

cniTap, sp^tar, Feldherr, Kog.228, and^a^ grosser, zweischneidiger 
Degen, lat. spata^ it. apada^ sp. espada^ fr. ip^e; anaoapvi^^ 
spainrim^ Reichsfeldherr am byzantinischen Hofe. Das ein- 
fache spate ist ausser im unverlässlichen Lex. Bud. nicbt 
nachgewiesen, aber erkenntlich in der Ableitung spdeaze, 
Schwertlilie. 

CTa4»i^'b, atafide, atrafide^ Rosine, (jraytJa id., vb. ataßda^ abtrock- 
nen, orafiStdiltjj^ ae adcher comme du raiain aec* Vent. 

cTCSTB, »ienif, Wappen, arijuifxa, Krone, Kranz. 

CTirMi, atigm^j Narbe, artyiia id. 

cTix, atich, Vers, Gedicht, <77iy(og id.; abg. atihurßu^ Dichter, iti- 
hurjiey Verskunst, Versification. 

CTixap, atihavy Priesterkleid, oriydpi^ Alba des Priesters. 

CTixie, atilile^ Element, (jroiyiXov id. 

CTOJi, Ä^o/, Schwärm, Flotte, agr. orokog^ Feldzug, Flotte, it sUuAo, 
altsp. ealol, Mannschaft, Begleitung, Gefolge. Siehe darüber 
Diez WB. 1,402. 

CTpi^ie, airtdie, Auster, oarpioi id., t- L jjjLt\ iatridid, lat ostrea, 
sp. oatra, it. oalrica, 

CTY4», atufy Schilf, atufoa^ adj. schilfreich, agr. rOyig, eine Pflanze, 
die zum Ausstopfen von Polstern diente. Unorganischer »-Anlaut 
findet sich auch sonst, wie in attirz: iurdua; atimppremini: 
temperamenlum ; er deutet auf slavischen Einfluss. 

cvjiTTb, aülUe, Spiess, ooOßXa^ aoOßXc, aovß'Xdxi id., <yoü^Xi{w, 
spiessen, aul^, Ahle. 

c^tepi, afei'ef Kugel, atfaipa id., afer^ de geografie, Globus. 

c^eTepici, afeteriaU entwenden, afeteriaire sbst Entwendung, ffff- 
TipKjyia^ (jfeT£ptGik6g id., aycTcpt^cü, sich zueignen. 

c^oapi, afoar^^ Bindfaden, a^öpa id. 

cbruap, aegnar, Saumpferd, samar, Saumsattel, von ddyixoi, spätlat 
aagma^ woraus unter Übergang von ^ in / it. sp. aalma, fr- 
aomme, Last, wurde; ahd. aaum. 

cipMi, aerme, Faden, Draht, nach Diez WB. H, von ayrma, TJf^^ 
Schleppe. Alb. airm^, Seide. 



Die griechUchen und turkiacben BesUadtheile im Romänitchen. 577 

TeaKi, Teake, Scheide, ^tjxyj, boite, ÜuL 
TeanfB, team^, Sorge, Furcht, nicht von SeXiia, Vgl. it. tenm. 
TexparoH, tetragon, Viereck, Tfrpaywvo^ adj., viereckig. 
TeTpaeBaH^e^ , teiraevanjel , die vier EvangeUen, nzpaxxk'^'^tkov^ 

livre qui contient les quatre dvangdtistes, 
TCTpaMecTpv, tetramestru, vier Monate, nach Analogie von semestru 

gebildet mit rerpa. 
Ti4».i'K, tifle, Blindheit, rwyXa id. 
TOKciK, toksik, Gift, agr. ro^ixov id. 
TOHYiu, iopu8\ Keule, besonders des Hospodars; TOTroO^t, Keule, 

Commandostab, t. y^ ioptiz, Keule. 
TpaH^a^frip, trandafir, mrom. trandafiU Rose, rpfzvxd^uXkov^ rpiav^ 

rayjAXov id., alb. rpgvöaj^OAt, rosa centifolia, agr. foSa hia- 

TOvrdyuXA«. 
Tfrme^trufie, Hochmuth. Diez Gr. I, 92 vergleicht dazu rprjfYi, doch 

dessen Bedeutung Vergnügen, Wollust passt wenig zu dem 

romanischen Worte. Eher stellte sich Tpvyio^^ Hefe, lie hiezu, 

wenn wir es metaphorisch nehmen (it tronfio aufgeblasen, hoch- 

müthig). Vgl. Diez WB. 11, 72. 
TBM«j^ie, lemiiey mrom. timiame, Weihrauch, ä\>^kia[kOL id. 
TCMciv, temeiu, temelie, mrom. temelliup Grundlage, ^eikihov id. 
tIiük, tipik, Vorschrift, TvmTcov subst., ritueL 
xerpaiio^, tetrapod^ vierfüssiges Gerüste für die Kirchensänger, 

TiTpdnoQov, subst. Chorpult. 
rponoe, tropos, Art und Weise, ku tropos, höflich, rponog^ maniire, 

fagon. 
Tj^MUA'h^ timple, Scheidewand zwischen Altar und Kirche (in der 

griechischen Kirche), rijUL/rAov id. 
SpauicT, uranisi, Traghimmel, oüf avö^, Himmel. 
Yp^ie, urjie, Grimm, Wuth, urßsi, verwünschen, urjisire, Verwün- 
schung, Verabscheuung, opY^j, Zorn, opyi^tay in Zorn setzen. 
Ypiui, urme f., Spur, Fussspur, von öcyjULyj, Geruch, Witterung, Diez 

Gr. I, 58, WB.I, 297. ulma^ Mrwi^Aa, wittern, spüren, gr. Gaikä- 

(j^ai id. 
Ycie, usie, Wesen, Kraft, ovaia id. 
(paJOH, Falofi, Messgewand, ysXwvtov id. 
4>epMeK, fermek, Zauber, fermeka, behexen, fermek^tor, Zauberer, 

farmeke, Zaubermittel, ngr. fdpikocxov, yaf/jidxj, Gift. Das rom. 



578 Dr. E. Kubert Roesler 

Wort bedeutet »ie „Gift**. So scheint dieses Wort eines tob 

denen zu sein, welche aus der altern griechischen Sprachperiode 

ihren Ursprung herleiten. 
<t>iiiiK, finikt Pahne, ^Gevexe, Dattel, ^ccvtxea, Dattelpalme. 
4»iceTpv, fisetru, isetru^ Pottfisch, Stör, altgr. (pv<mrrip id., ngr.? 
4».iaMYp'B, flamur^ f. Fahne, yXd^jroupov, n. Banner. 
4».ieYp'L,/7<?wrf, Plaudertasche, agr. und ngr. (plOapog, adj. und sbst. 

geschwätzig, Fasler, yXua^ta, Geschwätz. 
4>.i'bK'biaH^pv, fl^keiandrUf Jüngling, ftkoxahdvSpag , quiaimela 

beatä^. 
«frOKi, foke, Robbe, ywxta id. 
<t»o^oc, fbloSf folosire, Nutzen, folosi^ nützen, o^tkog^ (i)fiAeia, 

Nutzen, w^sAw vb. 
4>0T0<i>0B, fotofob, lichtscheu, ftjjvofoßog id. 
<t»piK'B, ^riA:^, Angst, Furcht, infrikosa, erschrecken, infrikoiare. 

Ängstigung, agr. fpUYi, Schauder, Fieberfrost, yptjffw, 

schaudern. 
4»YCT*, fust^f Unterrock, youardvt id., it. fustagno, sp. fustan, 

fr. futainCy Baumwollstoff, Barchent, der nach dem Fabrications- 

orte Fostat benannt wurde (Diez WB. I, 194). Die Bezeichnung 

des Kleidungsstückes nach dem Stoffe ist nicht selten. Das p. t. 

^Ji^ fistauy jupoUi könnte auch auf eine andere Vermuthung 

leiten. 
<i>'b<i>'i>.iYrB, ff;felug^y possierliche Figur, yayXara^, babiU^rd. 
^fhAi ^f^liy prahlen, stolz sein, f^lircy shst fal^, Stolz, Prahlerei, 

yfXoj, valoir, 
«t».^p<»aa'B, firfale, Possenreisser, (papfapäg^ hableur^ vantard. 
4>.f^ci»i^ flsei, pfeifen, flseirc. Sausen, yuadw, yjaw, blas en. 
Xap , Har, Geschenk, ydpi<; id. ; hp'ezi, mrom. herzt vb., scheuken, 

•^afi^sa^ai id. 
xa.i'BY, haf^u, Netz (?). Nach Diez I, 92 von dluOsiv, fischen, ngr. 

ist SixT^a^ Netz, ^apäg^ Fischer. 
xapaK, harak, Lineal, ngr. j^apdxe; harakosi, liniren, )^apafw. 

j^apaxwvw, ritzen, liniren, haraksiy scarificiren, ritzen, yi- 

payii.»^ Einschnitt, t. a. Jj\^ qui fend. 
xpini, chr^pi, entreissen, chrepisire, Entrcissung, Raub, oLpnd^ojrap'iO- 
XYM'B, hum^, Thon, Lehm, x^l^^5 Erde, 1. humtis, 
xofby hör ^9 Reihen tanz, Tanzlied, yopog^ Tanz. 



Die griechischen und türkischen Bestaudtheile im RomSnischen. 579 

xipoTOHie, hirotonie^ Priesterweihe, j^ctporovta id. 

xipoHOMie, hironomie, Handbewegung, ^etpovcjuiea id. 

xpicoB, ehrisQVy Urkunde, )y>u(7Öj3uXXov, aurea bulla. 

IJ^e^iH'B, jelin^^ f. Eppich, (jsAiqvov n., id. vgl. fr. cälerif it. sedano. 

Mea«!»*, ceafe, Nacken, Genick. Nach Diez Gr. I, 92, von xcyaXVj. 

HiOK'bpjiaH, ciokerlüHt Lerche, vgl. gr. rCourCouXcavög id. Doch wo- 
her ist das Wort im Griechischen ? 

qipirii, ciripi, zirpen, zwitschern , agr. reperiZo) id.; cu*iptV sbst. 
Gezwitscher. 

•fH^pecHi, hidremif wagen, sich erkühnen, indrfsnial^, indrfs 
nire, Unerschrockenheit, Indr^snec adj., kühn, keck, .&pa- 
(j'jg, kühn, ^paaOrvjg, Kühnheit, mrom. terfseaku, hoffen, tarru^ 
Vertrauen, ^ocpfC) vb., vertrauen, .&dpf5o^, ädp(,i\>\ka^ Muth, 
Zuversicht, ahd. turran, mhd. turren, den Muth haben. 

JJiMBef^ ßmber, Ingwer, neben cinciveru. Erstere Form weist auf 
xtxijULTrptv, letztere auf r^dTCtjrgp, welche neben zahlreichen 
anderen im mgr. und ngr. begegnen. SämmtJich gehen sie, wie 
in anderen Sprachen (fr. gingembre^ sp. jinjivref it. zenzero, 
zenzeveroy engl, ginger) auf p. S^j zenjibil zurück, dem 
sanskr. gringav^ra zum Grunde liegt, benannt nach der horn- 
artigen Beschaffenheit der Wurzeln. Roediger und Pott. 
Kurd. Stud. VII, 127. 

Vivp, ßur, Kreis, imprezur praep., um, herum, imprezura, umge- 
ben, imprezurare* Umstand, v. yOpog^ Kreis. Diez Gr. II, 440. 

I. Die grieehisehen Elemente im ■aeed^r^mänisehen. 

Der karge Vorrath, aus dem wir schöpfen konnten, beschränkte 
sieb im Wesentlichen auf drei unzureichende Werke: Thnnmann, 
Untersuchungen über die Völker des östlichen Europa, Leipzig 1774, 
p. 180—240; Bojadschi, Romanische oder macedonowlachische 
Sprachlehre, Wien 1813; William Martin Leake, Researches in 
Greece, London 1814, Pentagloss Exercices, p. 382 — 402. 
Adeie, vacatio, licentia, aoeia <). 
agoge^ habitationis merces, dyQ'^i. 



A) Die Worle ohne beigeseUte Quelleutiugabe sind aus Thunmann J. 161 — 238, der 
auch der Gewährsmann für die Richtigkeit der Bedeutungen ist. 



580 Dr. E.RobertR Ostler 

agorid^9 acinus, dyo'jpi$a. 

agrti, ferus, äypiog. 

aksiu, dignus, ä^iog, 

alitche, veritas, aXrj^gta. 

alekseaku, vestes muto, aXXdejaw. 

amdlome, Gold, fxaXafxa aus ixakayiia von fxaXda^cü, mollio; was at 
(irst used for gold whieh had been wrought in the fire, in Oppo- 
sition to än^jpov or virgin gold, and was afterwards applied to 
gold in general. Leake. 

amarlie^ peccatum, d/xaprta, amertipsi, pecco. 

ananke, necessitas, dvdyxvj. 

anurzU riechen, (xupe^ai. Leake. 

apukrisif antworten, dffoxpdvw. 

arada, linea, series, dpdSa, vgl. sp. raya, fr. raie. 

aresesku, placo, dpiaxtjj. 

arkism^, principium, (dpfi<s[kOL) dpy/i. 

arnisesku^ nego, dpvovikai. 

asimu, argen! um, dalyn von dpyOpiov drnjfxov, ungepragtes Silber, im 
im Gegensatze zu a. kKi<mikov, dem geprägten, daher das p. t 
^ sim, Silber. 

asitze, so, £tC>3. Leake. 

aiichu, graeilis, drvy^og, mager. 

acalUf turpis, luridus durch Umstellung aus doKocXog incultus. 

bagu sHhtn^f wette, ßd^w artj^djULa id. 

br^h^sesku, raucesco, ßpayvid^tß}. 

chrisözmff aurum, j^puaö^, vb. xpiKJwva). 

did^kseaku^ concionor, dtSdyyo). 

dokimie, experientia, doxefXT}. 

doks^t gloria, döf«. 

echtrevseskUf odi, iy^pcOoikai, 

eirifie, pax, slp-hvYi. 

eksafne^ plötzlich, k^aifving, 

elevteru adj.. Über, ili^^epog, 

epitideiu^ aptus, imtrionog. 

ilimUf paratus, ixoi\kog. 

ainerCf laterna, tfavdpi, it. fanale, fr. fanal. 

fisßj natura, ^Oae^. 

fonikOf homieidium, tpovog m., ^ovcxöv n. 



Die griochischen and iiirkischea BetUndtheile im Romanischen. 581 

frönimu, prudens, ypövcfxof . 

/Wf, sudarium, tersorium, fourd^, 

gerekin^, accipiter, yepdxi. 

gongiseskUf murmuro, 70776CW. 

hasku, hisco, -/daxu). 

hflicp, caementum, x^Xfxt, I. calx. 

h(risesku9 laetor, yalpoiiat. 

hoare^ psigus, oppidum, x^P^^ y(j:»>piov. 

hanief urceus, j^covf. 

honoai^9 foetor, ^vöro^. 

hörgiOf seorsim, ydiypyia, 

ieatiie, dies festus, ioprh, iurtusi, ioprd^uv, to feast Leake. 

imeru» mansuetus, r,iLepog, 

kaiepi^ unus quisque, xaähag. 

katihisif unterrichten, xarri^eXv, 

katöge^ inferior pars domus» xarä)7€. 

kamirtip Cancer, xdßovpa^, 

kpnaku, tridens, xafxaxe. 

kpi(U^9 amphora, xavdTa. 

kpiiskUf honorarium, xaviaxi. 

kfsid^, porrfgo, xaoaiia. 

k^gknie, caligo, nebulo, xara^vta. 

kivure^ tumba, xYißoOpt. 

kilicU Tapeten, xikixia. 

klinisi neben klina^ Neigung haben, und abgeleitet könnte gegenüber 
lat. inklina auf die Vermuthung fuhren, dass gr. xXfve«) hier Ein- 
fluss nahm, da dem Latein ein einfaches clinare nicht angehört 
Dennoch ist dem nicht so. Griechische Ableitung wurde kliBi- 
esku zeigen. Es ist Abfall der praep. in. 

kliros, drom. kleroSy kler» Clerus, xXr^po^. 

kloce, calcitratus, xXorC^a. 

kontaru, hasta, verutum, xovrdpi. 

kopie, grex, xoTrd^c. 

kopel^9 ancilla, xoniXa. 

koposth labor, xono^, 

kopr^e, stercus, xonpia. 

ksenu, peregrinus, ^ivog. 

ksudisi, ausgeben, i^oosOo). 



582- Dr. B. Robert Roetler 

kukuvias, noctua» xo^jxorjßdyia, vgl. kukuvae drom. 

kucuru^ truncus, xo^j-l^og, 

himerke, commercium, xcu/xejsxe. 

kumpure» pharetra, xGu/xTroOpe. 

kupe, crater, xcOtt«, lat. cupa, s. Diez WB. I, 139. 

kurduvane, corduanius, xovpSovßdvL. 

laspe, coenum» Xda/nj. 

latusus aberratio» Xdäog. 

lekoanf, puerpera, \tyfiya. 

levetäUi heros, XcjScvttj^. 

magipsh bezaubern, st magievsi y. [ka'^uxjta, 

manicUUf pessulum, /xavraXo^. 

mantu, vates, ikchrig, 

ma-toru, opifex, ikdtjropag. 

melane, atramentum, /xeXdvc. 

mfralliUf foenlculum, ii.dpa^pov. 

mfstr^pff supellex pretiosa, /xacrrpaffd^, drom. mastrapaslik, Vcr- 
schacherung, Verkauf. 

misirie, panis excavatus, (xuarpf. 

molib^9 plumbum, ikoXOßt, 

monochu, eunuchus, p,orjvoijyog, 

mulare, mula, (xouXdpc. 

namisa, Mitte, dvdyLeaa. Leake. Abfall des unbetonten An- 
lautes. 

ne^ ja, vae. B o j. 

nipkiuy infans, vhmov, 

nikisire, victoria, vlx-n. 

nomu, lex, vöjuio^. 

fiöaiimu, iucundus, vö(7r(/xog. 

notie, humor, vorta. 

omiu, similis, c/xoco^. 

oreksesku, appeto, opiyoixau 

palakarsia, herbeirufen, TrapaxaAoü. Kopitar. 

pappuy avus, ndnnog, 

paravulia, Gleichniss, Kocpocßol-h. 

pedevseskUf punio, natoevo). 

pelekrash beten, Tra/^axaAoj. Leake. 

penigiru, nundinae, celebritas, navioyOpi. 



Die griechischen nnd türkischen Bestandtbeile im Rominischen. 583 

penagiey the bread blessed for any particular person and not for the 

congregation in generale t. nava'^iog^ sanctissimus. 
perdoaesku, implico, /xTrcpdatvcü. 
pf9to8esku, sale condio, ;ra(7re0veü. 
petale, solea equi, niraXov. 
piknosu, densus, Kvxv6g, 
pis(, pix, niaaoL. 
piste* fides, niarig, 
püe^ placenta» nka. 
planUf error, nXdvri. 
pleot schon, nliov. Boj. 
plesecu^ creo, rrXadcjcü. 

pleteskUf flecto, /rXixo), lat. plecto; vgl. Miklos. 38. 
plitare, later, nh^dpi. 
prassiUf pornim, npdtjov. 
prepsiaäef decet, npinet. 
proicie, dos, npoXxa. 
protu, proatf, primus, npCürog. 
psulisesku, psallo, TpaXAco. 
psusesku, pereo, ^oyw. 
rozu^ nodus arboris, fo^og. 
9elian^9 apium, acXtvov, irom^ telin^. 
sfentuke^ arca, aevö'ööxe. 
9fines cuneus, ay^va. 
skapiri, blitzen, darpanTca. 
skele» passus, gradus, (jxilt. 
sklavUf serrus, (jxkdßog^ it. schiaTO, fr. esclave. 
sklirOf durus, (txXyjoö^. 
skoUe, schola, (r/o\£Xov, 
skorpisesku, dissipo, axopni^d). 
skotide, tcnebrae, erepuseulum, axoradt, (jxoTffJc. 
spdrganUf fascia, (jndpyavov. 
9pa8tre, mundities, andrjrpa.. 
9pilee9 spelunca, <77rv;Xaeov. 
9plinf9 lien, (jnXriva, 
spudie^ Studium, onovS-h, 
9iamn^9 urna, (jra/jivTj. 
BtereosUu, solidus, firmus, (jxtpibg. 



584 Dr. B.l«tertl«etlcr 

siikime^ sponsio coin pignore, Triyr.iLOL. 

gfip$e^ alamen, ^i^j^ adb. siipg. 

siipseskm, deünqiio, peceo? 

siolidf^ oniamentiiiii« aroAtdi. 

siuru^ eolmnnau (rrjlog. 

sufrenciaoa^ Aagenbraae, asv^peovoi, ronzeln, agr. (Tjvo^ppvoa, cyp6;, 

f., Aagenbraae. 
sunckusesku^ tarbau ovy/v^w, — (pjyyymg, confusio. 
iarrut confidentiau ^difcg. 
iaxide^ expeditio bellica, naTigatio, raliii, 
tegisetku^ cibo, roYi/otK, zai^ta, 
fekseskUf promitto, räfjutü, 
iiche^ fortuna, rirfri. 
tigdne^ sartago, ri^ydvc. 
tinnie^ honor, rcfi^. 
tora^ nunc, rcjoa. 
tutiputa^ etwas. Habe, aas tö rinore, niie Kopitarwill. Wiener 

Jahrbücher d. Lit 1829, Bd. 46. 
iuvle, later eoctilis, roOpXov. 
zige^ iugum, ^uyi, ^jjyöv. 
ziUiu^ inyidia, f^ftXog. 
zizane^ Zwist, C'C^vtov. Boj. 
zuru9 fatuus, t,\jfk6g. 

C. Ble tifkischei BesUidAefle. 

Eine zum Theile jüngere Beimischung als die griechische 
gab dem Romanischen das Türkische. Die politische Abhängigkeit 
der romanischen Donauländer von der hohen Pforte bereitete 
ihm den Eingang in dieselben. Ihr Beginn fallt in das Ende des 
1 5. Jahrhunderts. Da aber niemals türkische Colonien in den Donau- 
furstenthumern errichtet wurden, und diese eine grosse Selbst- 
ständigkeit in allen inneren Angelegenheiten bewahren darfleo, so 
beschränkte sich der Einfluss der türkischen Sprache auf den Hof 
der Forsten, und den HandelsTerkehr in den grösseren Orten. 
nami.*ntJ[rl) den regen Austausch in den bulgarischen Donaustadtefi. 
Darum wurde das neue Element niemals so mächtig, dass es in der 
[Physiognomie der romanischen Sprache bedeutend herTortreten 
konnte. Die romanische Sprache hat — und dies entspricht TÖlüg 




Die griechischen and türkischen Besiandtheile im RomSnischen 585 

den politischen Verhältnissen — weniger Türkisches in sich ein- 
dringen lassen als die neugriechische, und ungleich weniger als die 
serbische, deren türkisches Contingent man auf ein Fünftel des ganzen 
Wörtervorraths geschätzt hat. Durchaus keinen Einfluss nahmen auf 
das Romanische jene älteren ausgestorbenen türkischen Sprachen, 
deren Herrschaft in den Donauländern lange genug währte, das Cha- 
sarische und Komanische. Namentlich in Beziehung auf letzteres lässt 
sich an der Hand jenes Wörterbuches, das eine seltene Gunst des 
Zufalls uns erhalten hat, diese Behauptung auf das überzeugendste 
emeisen. i) 

Wie aber in der türkischen oder besser osmanischen Sprache 
die heterogenen Sprachkreise des Semitischen, Arischen und Altai- 
sehen zu einer seltsamen Mischung zusammengeflossen sind , deren 
Bestandtheile Arabisch, Persisch und Türkisch ein interessantes 
Abbild politischer, religiöser und literarischer Bewegungen bieten, 
so ist auch der türkische Beisatz im Romanischen aus den drei 
Faetoren des Osmanischen gebildet. Auch im Romanischen, dem 
östlichsten romanischen Idiom, erscheinen die Klänge Arabiens wie 
in dem westlichen Sprachzweige, im Spanischen. So deuten auch 
die Sprachen wieder auf jene grosse südliche Curve hin, mit 
welcher der arabische Islam Europas Glieder umspannte. Nur ist 
im Spanischen die Aufnahme des Arabischen eine reichere gewe- 
sen und sie geschah dort unmittelbar; im Romanischen vollzieht 
sie sich nur durch das Medium des türkischen Mundes, also gemäss 
türkischer Aussprache und mannigfacher Umprägung der Bedeutung. 
Wenn wir aber auf die Quantität arabischer Lehnworte Bedacht 
nehmen, so stellt sich das Romanische zwischen das Spanische mit 
dem reichsten und das italienische mit dem geringsten Antheil 
unter den romanischen Sprachen. 

Bei diesem Übergänge türkischer Wortformen auf das roma- 
nische Sprachgebiet sind keine durchgreifenden Lautumwandlungen 
wahrnehmbar; nur jene leichten Abänderungen, die man das Mund- 
gerechtmachen nennt, und die in dem gegenseitigen Austausch frem- 
der Sprachen immer mitspielen, treten hie und da auf. So behandelt 
das Romanische die «-Laute des Arabischen noch nachlässiger als das 
Türkische; schon dem Türken verfliessen die Unterschiedevon * , 



*) Voeabulaire Latin, peraan et roman de la hihliotheque de Francetco Petrarca in 
Kltt^oth. Memoire» relatift a l'Asie 111, Ud—Zifi, 



586 Dr. E.Robert Ro es i er 

jj*»» O^ •&» ^. « ZU einem «, und die von i, j, ^^ i^ J, 2, z, Jio 
dem einen %, Der Romane vermischt nun auch noch s und «; z. B. in 
»arfl/* für sarrafy zambile für sambüe^ zarzavat für sehzetd 
u. s. w. 

Eine Sprache, wie die romanische, welche mit den romanischen 
Sprachen Oberhaupt die Abneigung gegen ch (h) theilt und dies nur 
vorConsonanten noch erhalten hat, vorVocalen zu h abschwächt, kann 
naturlich mit den Hauchlauten des Türkischen (^^, >», t) nicht geogg 
verfahren. So wird oLÄs^ yiefif zu afiff ^^ R(^gi zu agi, ^j^ aXmaq 
zu akmaky ?r'y** X'^9^ ^^ ogea. 

Der romanischen Grammatik ist das Türkische so fem geblie- 
ben, als das Griechische, nur