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ZJ.- 



I 




/VcS- 



SITZUNGSBERICHTE 



DEK KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



PIIIL080PHISCII-HI8T0RISCHE CLASSE. 



SECHSUNDSIEBZIGSTER BAND. 



WIKN, 1874. 
IN COMMISSION MKI KARL GEROLD'S SOHN 

BtCHHANDLKK DKH KAlb. AKADEMti; DKK WISSENSCHAFTEN. 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



PHILOSOPHISCH-HISTORISCHEN CLASSE 



DER KÄISEKLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



,,oy 



4, 



SECHSUNOSIEBZIGSTER BAND. 



JAHRGANG 18 74. — HEFT I— m. 



WIEN, 1874. 



IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN 

BUCHHÄNDLER DEK KAIS. AKADEMIE DEK WISSENSCHAFTEN. 




As 

M.76 



I»ruck von Adolf Holzhniisen in AVien 

k. k. l'lnVL'r^itJil^-Ruclld^llckl-l*ci. 



INHALT. 



Seite 

I. Sitzuug vom 7. Jauuar 1874 3 

C n z e : Erster Bericht über die vorbereitenden Schritte zur Ge- 

sammtausgabe der griechischen Grabreliefs 5 

II. Sitzuiig^ vom 14. Jauuar 1874 •_'7 

III. Sitznuff vom til. Januar 1874 . 28 

IV. Sitzuuff vom 4. Februar 1874. . ... .81 

y. Sitzuugr vom 11. Februar 1874 ... 82 

Sacken: Ueber ein neues Militärdiplom von Kaiser Elagab.tlus 85 

VI. Sitzung vom 25. Februar 1874 47 

Haupt: Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker .51 

Pfizmaier: Die Geschichte der Mongolenangrifl'e auf Japan . 105 
Mussafia: Ueber die provenzalischen Liederhandschi-iften des 

Giovanni Maria Barbieri ... 201 
Rockinger; Berichte über die Untersuchung von Handschriften 

des sogenannten Schwabenspiegels. IV 2fi7 

Horawitz: Beiträge zu den Sammlungen von Brieten Philipp 

Melanchthons 299 

VII. Sitzung' vom 11. März 1874 327 

Hartel: Homerische Studien. H 329 

VIII. Sitzung vom 18. März 1874 377 

Mussafia: Cinque Sonetti antichi tratti da un codice della 

Palatiua di Vieuna 879 

IX. Sitzung vom 20. März 1874 389 

"Wolf: William Roye's Dialogue between a Christian Father 

and bis stubborn Son 391 

Rieger: Ueber eine Urkunde Ludwig des Deutschen für das 
Kloster Rheinau. Ein Beitrag zur Geschichte des Kanzlei- 
wesens im Mittelalter 477 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISKRLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE. 



LXXVI. BAND. I. HEFT. 



JAHRGANG 1874. — JANNER. 



Sitzungsber. d. phil.-hist. Ol. LXXVI. Bd. I. Hft. 



I. SITZUNG VOM 7. JANUAR. 



Der Secretär verliest ein Schreiben des Secretärs der 
historischen Classe der königl. bayrischen Akademie der Wissen- 
schaften in München betrefl'end die Fortführung- der Monumenta 
Gennaniae historica. 



Das w. M. Herr Professor Miklosich legt den zweiten 
Theil seiner Abhandlung ,über die slavischen Ortsnamen aus 
Appellativen' vor. 



Das w. M. Herr Professor Conze erstattet Bericht über 
die Vorarbeiten zur Herausgabe einer Sammlung der griechischen 
Grabreliefs. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Äccademia Pontificia de' nuovi Liiicei: Atti. Auno XXVI. Sessione 6*. 

Koma, 1873; 4». 
Akademie der Wissenscliaften, Königl. Preuss., zu Berlin: Monatsbericht. 

September und October 1873. Berlin; 8". 
American Journal of Science and Arts: IIP Series. Vol. V. Nrs. 25 — 30; 

Vol. VI. Nrs. 31—34. New Haven, 1873; 8". 
Breslau, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 

1872/73. 40 u. 80. 
Central-Commission, k. k. .statistische: Ausweise über den auswärtigen 

Handel der österr.-ung. Monarchie im Sonnenjahre 1871. XXXII. Jahrg. 

Wien, 1873; 4". 
Cosmos di Guido Cora. V. Torino, 1873; 4". 
Gesellschaft, k. k. geographische, in Wien: Mittheilungen. Band XVI. 

(neuer Folge VI.), Nr. 11. Wien, 1873; 8". 
Helsingfors, Universität: Akademische Gelegenheitssehriften aus dem 

Jahre 1872/73. 4" und 8«. 

1* 



Mittlieilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. 19. Band, 1873. 
Xn. Heft. Gotha; 4". 

Revista de Portugal e Brazil. Nr. 5. Deuembro de 1873. Lisboa; 4". 

,Revue politique et litteraire' et , Revue scientifique de la France et de 
l'etranger'. III*^^ Annee, '2" Serie, Nrs. 25—27. Paris, 1873 & 1874; 4". 

Schneiderwirth, J. Herrn., Die Parther oder das neupersische Reich 
unter den Arsaciden. Heiligenstadt, 1874; S". — Geschichte der Insel 
Rhodus. Heiligenstadt, 1868; 8". 

Society, The Asiatic, of Bengal: Journal. Part. I., Nr. 1. 1873; Part. IL, 
Nrs. 1—2. 1873. Calcutta; 8". — Proceedings. Nrs. ü.— IV. February— 
March, 1873. Calcutta; 8". — Bibliolheca Jndica. New Series. Nrs. 271, 
274—276, 278. Calcutta, 1873; 4" & 8». 

Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen: Mittheilungen. IX. Jahr- 
gang, Nr. 7—8; X. Jahrgang, Nr. 1—6; XI. Jahrgang, Nr. 1 — 6; 
xn. Jahrgang, Nr. 1—2. Prag, 1871/73; gr. 8«. — Beiträge zur Ge- 
schichte Böhmens. Abtheilung III. Geschichte der Stadt Leitmeritz. 
Von Jul. L ippert. Prag, 1871; 8". - IX. und X. Jahresbericht. 1870—1872. 
Prag, 1871 und 1872; 8". — Festschrift zur Erinnerung an die Feier des 
10. Gründungstages im Jahre 1871. Prag, 1871; gr. 8". — Das Sprach- 
gebiet der Lausitzer Wenden vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. 
Von Richard Andre e. Prag, 1873; 8". — Beiträge zur Geschichte von 
Aruau. Von Carl Leeder. Prag, 1872; 8". — Aus der Vergangenheit 
Joachimsthals von Gust. C. Laube. Prag, 1873; 8". — Mitglieder- Ver- 
zeichniss. 1873; 8". 



Conze. Ueber die Gesaniratansgabe der griechischen Grabreliefs. 



Erster Bericht über die vorbereitencleu Schritte zur 
Gesammtaus2:abe der griechischen Grabrehefs. 

Von 

A. Conze. 

Wir dürfen mit Jacob Grimm ^ den seine Auseinander- 
setzung über das Wesen der Akademie hierauf führt, von 
jedem wahrhaft wissenschaftlich Arbeitenden ein untrügliches 
Gefühl fordern für die Unterscheidung dessen, was abgethan 
und erledigt sei , von dem , was sich vorbereitet habe und in 
raschen Angriff genommen werden müsse, erwarten also auch, 
dass er erkenne, hier und nicht dort sei die Kraft einzusetzen. 

Ueber gewisse Aufgaben, welche auf dem Gebiete der 
klassischen Archäologie vorbereitet liegen und in Angriff ge- 
nommen werden müssen, hat heute nicht erst der Einzelne 
sich die Einsicht zu ei'arbeiten. Wegweisende Anfange sind 
bereits in der Archäologie selbst gemacht, vorbildlich oder 
doch sehr bestimmt anregend sind grossartige Unternehmungen 
in nahe benachbarten Disciplinen schon weit geführt, und es 
ist so zur gemeinsamen Ueberzeugung der heutigen Archäo- 
logen geworden, dass es, um grössere Fortschritte zu machen, 
unter Anderem der möglichst vollständigen Sammlung und der 
mit aller Sorgfalt im Einzelnen verbundenen, zusammenfassen- 
den Behandlung einzelner Klassen von Arbeiten des antiken 
Kunsthandwerks — und das ist zumal für uns gleich der an- 
tiken Kunst — bedarf. 

Ganz besonders gilt es solchen Klassen, welche sich nicht 
nur nach dem Merkmale gemeinsamer , an gleichem Materiale 
geübter Technik zusammenfinden, sondern welchen durch alle 



C n z e. 



Variationen der einzelnen Exemplare hindurch gewisse weit- 
verbreitete gleiche Absichten und Gedanken zu Grunde liegen, 
so dass nicht hinter jedem einzelnen, sondern erst hinter einer 
ganzen Reihe verwandter Werke der ursprüngliche Gedanke 
sich verbiro-t. Dessen können wir im Verständnisse erst dann 
Herr werden, wenn wir seine Ausdrucksformen möglichst voll- 
ständig überblicken und richtig zu gruppiren wissen. Wohl 
dient es zur Mehrung unseres Wissens, wenn fort und fort 
Monumenti inediti in bunter Fülle ans Licht gefördert und im 
Einzelnen mit so viel Flülfsmitteln, wie der Herausgeber jedes- 
mal herbeischaffen kann, erläutert werden, aber je mehr in 
dieser Riclitung seit langer Zeit geschah, je mehr hinzukommt 
und hinzukommen soll, desto erschwerter fast erscheint es über 
alle Melirung des Wissens zu dessen Klärung zu gelangen. 

Was dazu Noth thut, sah schon Eduard Gerhard, der 
mit dem Sammelwerke mannigfaltigsten Inhalts, seineu , an- 
tiken Bildwerken', begonnen hatte, zu grossen Serien wenig- 
stens gleichartiger Arbeiten, Avie die Vasengemälde, mit seinen 
Publicationen fortgeschritten war, und endlich den Plan zur 
vollständigen Herausgabe der etruskischen Sarkophagreliefs und 
dann der etruskischen Spiegel fasste, letzteren auch wirklich 
mit Hülfe der k. Akademie der Wissenschaften zu Berlin 
durchführte. Er bewies damit vollgültig die Berechtigung sei- 
nes paradoxen Ausspruchs, der sich ihm schon Angesichts der 
epochemachenden Vasenfunde von Vulci aufgedrängt hatte und 
den er einmal in meiner Gegenwart einem Autographensammler 
ins Album schrieb : ,Monumentum artis qui unum vidit, nul- 
lum vidit; qui millia vidit, unum vidit.' 

Solche Unternehmungen, wie Gerhards leider durch vie- 
lerlei absonderliche Irrungen in der Behandlungsweise getrübte, 
dennoch im Grundgedanken vorbildlich bleibende Publication 
der etruskischen Spiegel , konnte nach vielfach vorbereitenden 
Arbeiten älterer Antiquare erst unsere Zeit, namentlich auch 
mit Hülfe ihrer erleichterten Weltverbindunj;, ins Werk setzen. 
Erst heute ist es möglich geworden, die Vorräthe der grossen 
Museen Europas , wie den Inhalt der Fächerwerke eines ge- 
waltigem Sclirankes, einigermassen bis in alle Einzelheiten zu 
überblicken und so ziendich überall mit eigenen Augen zu sehen ; 
denn aucli liier inuss, bei noch so vielen vorhandenen Publi- 



Ueber die Gesaramtausgalie der griechischen Grahreliefs. 7 

cationen , zur Coiitrole derselben auf die Originale zurück- 
S'-egangen werden , damit wir hinter den Fortschritten, welche 
uns die Epigraphik gezeigt liat, nicht zurückbleiben. Günstig 
ist es wiederum , dass man heute kaum schon genöthigt ist, 
was bei der Wanderung der antiken Kunstüberreste nicht aus- 
bleiben wird, auch auf transatlantischen Besitz allzubedeutende 
Rücksicht zu nehmen. 

Was nun aber auch Gerhard nicht ulme die Hülfe der 
Akademie, der er angehörte, durchführen konnte, das wird in 
der Regel einzelnen Arbeitern unausführbar sein. Es sind nicht 
nur die Geldmittel, es sind auch die zahlreichen und mannig- 
fachen Hülfsleistungen, ohne die solche Sammelwerke nicht zu 
Stande kommen können , welche leichter einer zur selbstthäti- 
gen Pflege und Förderung der Wissenschaft fest gegründeten 
Corporation, als einem Einzelnen zur Verfügung stehen. Dem 
entsprechend hat namentlich das deutsche Institut für archäo- 
logische Correspondenz in Rom weitere Schritte auf der von 
Gerhard eröffneten Bahn möglich gemacht, indem es Heinrich 
Brunn zur Herausgabe der Reliefs etruskischer Aschenkisten, 
deren erster Band bereits vorliegt, in den Stand setzte und 
indem es jetzt auch die Arbeiten für ein Corpus der römischen 
Sarkophagreliefs . in die Hände von Friedrich Matz gelegt hat. 

In die Reihe dieser wissenschaftlich noth wendigen, die 
Kräfte Einzelner aber, so lange uns die Humboldte in der 
Archäologie fehlen, übersteigenden Unternehmungen gehört 
die Herstellung einer, so weit irgend möglich sein wird, voll- 
ständigen Sammlung der griechischen Grabreliefs. In ihr soll 
mit einer nach Darstellungen, Zeiten und Orten übersichtlich 
durchgeführten Ordnung an gewählten , bildlich zu reproduci- 
renden Beispielen und an möglichst vollständigen Verzeich- 
nissen gezeigt werden , zu welchen Bildformen die Griechen 
griffen, indem auch sie durch die Vergänglichkeit des Men- 
schen zum Bestreben angeregt wurden, ihm im Andenken 
eine bleibende Dauer zu sichern, bald auch sich schöner Hoff- 
nungen eines wirklichen Fortlebens nach dem Tode verge- 
wissert zu halten. Die aus diesem Streben hervorgegangenen 
Bildwerke der Denksteine auf den Gräbern zeigen eine stete 
Wiederkehr gewisser Hauptvorstellungen und -Formen, die 
aber doch einem allmäligen Wechsel unterworfen und immer 



g Conze. 

in iinerscliöpflicher Freiheit behandelt, etwa einem immer gleich 
und immer neu von Mund zu Mund getragenen Volksliede 
vergleichbar sind. 

In den einfachen Darstellungen, welche, fast nur wie 
eine lebendigere Form der Namensaufschrift auf das Grabmal, 
zur Erinnerung an den Lebenden dienen, eröffnet sich eine 
reiche Anschauung griechis«.-hen Lebens, sie sind merkwürdig 
unmittelbare Quellen für die sogenannten Privatalterthümer. 
Li den im Ganzen einer späteren Zeit angehörigen, nicht nur 
auf das abgelaufene Leben zurück-, sondern auch hoffnungs- 
voll zuversichtlich in ein Jenseits hinüberweisenden Bildwer- 
ken bietet sich der Zugang zu einem welthistorisch wichtigen 
Kapitel des religiösen Lebens im griechischen Alterthume. In 
ihrer formellen Fassung sind alle diese Vorstellungen, die man 
namentlich auch mit Hülfe der beigegebenen Inschriften der 
Zeit nach über Jahrhunderte vertheilen kann^ von erheblichem 
kunstgeschichtlichen Werthe, wenn wir auch in der Regel nur 
die Arbeiten von geringeren Künstlerhänden vor uns haben, 
Producte des niederen Gewerkes, aber des griechischen, mit 
welchem einen Worte viel von dem kürzest gesagt ist, wonach 
dieser Klasse von Bildwerken ein künstlerisch höherer Werth 
beigemessen werden kann, als den bisher zur Sammlung in 
Angriff genommenen etruskischen und römischen Arbeiten, die 
auch nicht über eine so lange Zeit hin sich vertheilen und 
daher in geringerem Maasse eine geschichtliche Wandelung 
aufweisen, Uebrigens kann selbst erwartet werden, dass, als 
etwas Unverächtliches neben dem allerdings an erster Stelle 
gesuchten wissenschaftlichen Gewinne, aus den griechischen 
Grabreliefs, wenn sie in ihrer Gesammtheit zugänglich gemacht 
werden, eine veredelnde Wirkung hervorgehen möge auf das 
Kunstschaffen der Gegenwart und Zukunft, so weit demselben 
mehr oder weniger verwandte Aufgaben gestellt sind. Endlich 
darf num wohl von einer im Sinne des Alterthums selbst recht 
eigentlich pietätvollen Seite unseres Unternehmens sprechen, 
wenn wir, dem Ruine entgegenarbeitend, die griechischen 
Todti-nmale nicht mehr um der meist gleichgültig gewordenen 
Einzelnen, denen sie galten, sondern um des ganzen, solcher 
Ehre werthen Volkes willen, das sie in tausendfacher Wieder- 



TJeber die Gesammtansgabe der griechischen Grahreliefs. 9 

liolung- sich errichtete, durch unsere Arbeit erneuen und 
festig-en. 

Der jetzige Beginn der Herausgabe sämmtlicher griechi- 
scher Grabreliefs steht im Zusammenhange mit einem Plane, 
den schon im Jahre 18G0 Adolf Michaelis beim Studium der 
zahlreichen, inzwischen allerdings vielleicht bereits verdoppel- 
ten Grabreliefs in Athen fasste, als wir zusammen und in voll- 
ster Arbeitsgemeinschaft dort verweilten. Die ersten damals in 
Athen zur genaueren Beobachtung und Sammlung gemachten 
Schritte, bei denen Karl Timler als Zeichner hülfreich war, 
setzte Michaelis nachher noch in andern Sammlungen, nament- 
lich in Paris und London, fort, bald aber stellten sich die dem 
Einzelnen unübersteiglichen Schwierigkeiten seinen Bemühungen, 
denen inzwischen sich auch andere Ziele boten, in den Weg 
und die Sache galt als aufgegeben. Dieser vor meinen Augen 
begonnene, in täglichem Verkehre besprochene, auch einiger- 
massen geförderte Versuch hat aber mir persönlich die Zweck- 
mässigkeit der Veranstaltung eines Corpus der griechischen 
Grabreliefs besonders nahe gelegt, hat meiner eigenen Auf- 
merksamkeit für alles in dieses Thema Einschlagende ver- 
stärkten Antrieb gegeben und somit schliesslich auch meinen 
am 3. März 1873 an die kaiserliche Akademie gerichteten 
Antrag zur Folge gehabt, nach dessen Annahme das Unter- 
nehmen nunmehr als fest gegründet gelten darf. Der vollen 
Zustimmung und ausgiebiger Mitwirkung von Michaelis Seite 
war ich dabei von Anfang an versichert. Es kommen dem 
Werke auf diese Weise von vorn herein mancherlei ältere 
Vorarbeiten zu Gute, welche Michaelis ohne Weiteres ganz 
und gar zur Verfügung stellte. Ueber die seitdem bereits wei- 
ter von Michaelis gewährte thatkräftige Unterstützung werde 
ich weiter unten seinen eigenen Bericht einschalten, indem ich 
zugleich aller andern Förderung gedenke, die in reichlichem 
Maasse an verschiedeneu Orten dem jungen Unternehmen be- 
reits zu Theil wurde. Nur durch so vielseitiges Zusammen- 
wirken war der Erfolg, welcher schon kaum in Jahresfrist 
aufgewiesen werden kann, möglicli, und nur wenn gleiche, ja 
noch erheblich gesteigerte Gunst und Mitarbeiterschaft in Zu- 
kunft gewährt bleibt , kann , worauf es zu allererst ankommt, 
die Beschafi'ung des weit verstreuten und sehr zahlreichen 



10 Conze. 

Materials in woniffstens annäliernder Vollständicjlteit erreicht 
werden. 

Am Schwierigsten wird es sein, derjenigen Grabreliefs 
in einer zur Benutzung- genügenden Form habhaft zu werden, 
die über die Ruinenplätze des hellenischen Wohngebietes selbst 
noch verstreut sind, dort aller möglichen ^^'illkür unterliegen, 
in der primitivsten Form der Antikensammlung, bei Neubau- 
ten, etwa zum Schmucke über der Hausthür, gern verwandt, 
namentlich aber an der Aussenseite von Kirchengebäuden mit 
andern antiken Fragmenten und allenfalls auch einigen bunt 
bemalten Porzellantellern vermischt, eingemauert zu finden 
sind. Zwar ist Vieles davon litterarisch verzeichnet, Manches 
auch in Abbildungen publicirt, dennoch muss immer noch die 
Bitte an alle in solchen Gegenden Lebende oder Reisende er- 
gehen. Alles, was ihnen von Grabreliefs dort zu Gesichte 
kommt, der kaiserlichen Akademie in genauen Beschreibungen 
und Messungen, wo es sein kann, ausserdem in Zeichnungen 
oder Photographien oder bei sehr flachen Reliefs in Papier- 
abdrücken, mitzutheilen, damit es, im Einzelnen meistens 
werthlos, im Ganzen seinen Platz ausfülle und vielleicht doch 
durch eine dann erst hervortretende Wiederholung auch sonst 
vorkommender Züge oder durch eine besondere Abweichung 
vom sonst Gewöhnlichen bedeutsam werde. 

Von besonderer Wichtigkeit sind die auf altgriechischem 
Boden selbst sich bildenden eigentlichen Sammlungen antiker 
Ueberreste, welche, entsprechend der gi-ossen Rolle der 
Sepulkralmonumente im ganzen Kunstschaffen des Alterthums, 
auch an Grabreliefs einen verhältnissmässig sehr starken Be- 
stand aufzuweisen haben. 

Obenan stehen hier die Sammlungen in Athen, deren 
Vorrath an Grabreliefs allein überreichlich an Zahl und Werth 
Alles aufwiegen dürfte, was sonst von diesen Werken noch 
existirt. Neben den athenischen ist — ausser der nahe dazu- 
zurechnenden im Piraeeus — im heutigen Königreiche Grie- 
chenland namentlich die Sammlung in der Schule zu Syra 
durch eine Reihe von Grabreliefs wichtig. 

Im ottomanischen Reiche weiss ich bis jetzt nur das 
nuihr Mars als den Musen gehörende Museum beim Zeughause 
in der ehemaligen Irtnienkirche in Stambul zu nennen, ferner 



Ueber die Gesammtausgabe der griechischen Grabrelip.fs. 11 

eine anständiger aufgestellte Sammlung in der griechischen 
Schule zu Mytilini, allenfalls endlich noch die Privatsammlung 
des Herrn Calvert in Tschanak-kale (Dardanellen). 

Bei dem schon erwähnten starken Vorherrschen der 
Sepulkralmonumente unter den uns gebliebenen' Resten antiker 
Kunst, von dem man sich am besten auf und nächst den 
Ruinonplätzen altgriechischer Städte selbst überzeugen kann, 
fehlen Grabreliefs kaum irgendwo, wo die Antikensammlungen 
echt griechische Bestandtheile besitzen. Begreiflicherweise sind 
unter den grossen Museen an ihnen am ärmsten die römischen. 
Doch fehlen sie auch da nicht ganz , sind sogar in einigen 
höchst merkwürdigen Stücken, wie z. B. dem lange verkann- 
ten sogenannten Leukothearelief in der Villa Albani, vertreten. 
Solche Stücke in Rom und Umgegend lassen zum Theil auf 
eine gelegentliche Beachtung und Fortführung von griechischen 
Grabreliefs nach Rom hin schon in der römischen Kaiserzeit 
schliessen, was vermuthlich nicht ohne Einwirkung auf das 
Nachleben der griechischen Kunst in Rom geblieben ist. 

Unter den übrigen italienischen Sammlungen gehören die 
sizilischen und unteritalischen mit ihrem nicht sehr er- 
heblichen, aber wiederum um einzelner Stücke Avillen wichtigen 
Bestände an griechischen Grabreliefs in den Kreis der auf alt- 
griechischem Boden gebildeten Sammlungen. Im Norden Ita- 
liens hat in moderner Zeit das früheste Sammeln von o-nechi- 
sehen Grabreliefs in grosser Zahl begonnen. In Folge der 
Schifffahrtsverbindungen der italienischen Seestädte mit dem 
Orient und des in Italien früh belebten antiquarischen In- 
teresses sind eine Menge von Grabreliefs, die man auf den 
griechischen Inseln und andern Küsten besonders leicht fand 
und transportiren konnte, herübergebracht worden. In Pisa 
fehlt es nicht ganz an solcher Spur, in Genua, das seinen in- 
zwischen wieder aufgegebenen Antheil von den Reliefs des 
Mausoleums zu lialikarnass genommen hatte, ist jetzt nichts 
mehr nachzuweisen. Am stärksten war der Import gi'iechischer 
Sculptur- und Inschriftsteine, darunter Grabreliefs, offenbar 
nach Venedig, von wo aus eine weitere Verbreitung über 
das oberitalienische Hinterland stattgefunden hat. Die verein- 
zelten Grabreliefs, welche sich in verschiedenen oberitalieui- 
schen Städten daher noch heute finden, sind hier nicht alle 



"12 C n z e. 

aiifzuzillilcn ; nirgends sind so viele, wie in der Maffeisclien 
Sammlung im Museo lapidario zu Verona. In Venedig ist, 
namentlich seitdem das Museo Nani verkauft wurde, wenig 
zurückgeblieben; das Museum der Marciana ist arm an Grab- 
reliefs. Dagegen ist eine auch in Bezug auf seine Grabreliefs 
bedeutendere venctianische Privatsammlung, die der Familie 
Obizzi, auf Schloss Catajo an den eugancischen Bergen erst 
durch die neuesten Schicksale der jetzigen Besitzer, der frü- 
heren Herzoge von Modcna, in seinem Bestände berührt. Auch 
Triest verdankt eine kleine Sammlung namentlich von Grab- 
reliefs seinen Schifffahrtsverbindungen und der Liebhaberei, die 
in Italien sogar Fälschungen hervorrief, von denen, ebenso 
wie von störenden Restaurationen, die Grabreliefs sonst freier 
geblieben sind. Allgemeiner unterlagen sie einer falschen Inter- 
pretation, welche ihnen theils berühmte historische, theils 
mythische Benennungen anhängte. 

Dem Ursprünge nach sind mit den oberitalienischen 
Sammlungen mit griechischen Grabreliefs einzelne gleiche in 
Südfrankreich zusammenzustellen, dessen Hauptvorrath von 
solchen Reliefs im Museum zu Avignon allerdings erst aus 
Ankäufen vom venetiauischen Museo Nani gebildet wurde. 
Unter seinem ansehnlichen Besitze gi'iechischer Sculpturen weist 
der Louvre zu Paris auch von Grabreliefs Bedeutendes auf. 

Noch mehr ist in England, seit es als die Königin der 
Meere die Ausbeutung der griechischen Fundstellen zu so 
grossem Gewinne der Alterthumswissenschaft sich angelegen 
sein Hess, zusammengekommen. Der bedeutendste ältere Besitz 
dieser Art auf englischem Boden dürfte sich in Oxford be- 
finden, über die Grabreliefs in einer ganzen Anzahl von Privat- 
sammlungen englischer Gutsbesitzer M'ird weiter unten in 
j\Iichaelis Berichte des Weiteren die Rede sein, auch von den 
alles dieses übertreflfenden Schätzen griechischer Grabreliefs 
im britischen Museum zu London, die sich in beständigem 
Zuwachse vermehren. 

Auch das erwähnt der Bericht von Michaelis, was den 
llullilndurn ihre maritimen Verbindungen und ihr durch die 
Blüthczeit holländischer Philologie gewecktes Interesse zumal 
in der Leydener Sammlung in sehr nach Zahl und Werth 
hervorragenden Exemplaren zu vereinigen möglich gemacht hat. 



Ueber die Gesammtausgabe der griecbigchen Grabreliefs. 13 

Nicht unbedeutend ist ferner trotz minder begünstigter 
Lage, aber bei um so höher gesteigertem Interesse am griechi- 
schen Alterthume der Besitz an griechischen Grabreliefs in 
den k. Museen zu Berlin, während andere deutsche Samm- 
lungen und so auch das kaiserliche Cabinet in Wien nur ver- 
einzelte Exemplare aufzuweisen haben. 

Unter den drei nordischen Hauptstädten ist allein Pe- 
tersburg durch seine Bezugsquellen aus den südlichen Pro- 
vinzen am schwarzen Meere zum Erwerbe einer grösseren 
Sammlung von Grabreliefs in der kais. Eremitage gelangt. 
Vieles ist aber in Kertsch zurückgeblieben, Anderes soll sich 
in Odessa befinden. Diese Plätze selbst reihen sich bereits 
wieder den ottomanischen Grenzländern an, in welchen z. B. 
auch Bukarest nach Benndorfs Mittheilungen Einiges bietet. 

Nach einzelnen als Vorläufern hinübergewanderten Grab- 
reliefs wird vielleicht auch jetzt bereits in amerikanischen 
Sammlungen Nachfrage zu halten sein. 

Wenn nun gleich von diesem ganzen Vorrathe griechi- 
scher Grabreliefs, dessen Vertheilung hiermit in den Haupt- 
zügen angegeben ist, sehr Vieles bereits publicirt, ja wieder- 
holt abgebildet und besprochen ist, so kann es doch nirgends 
von vornherein für überflüssig erklärt werden, auf die Origi- 
nale selbst zurückzugehen. Selbst die bestbeglaubigten Publi- 
cationen werden an ihnen noch einmal geprüft werden müssen. 
Um eine erste Grundlage hierfür zu gewinnen, wurde die 
Hülfe der Photographie in Anspruch genommen. 

Im Sommer 1873 bot eine im Auftrage des Ministeriums 
für Cultus und Unterricht gemeinsam mit Alois Hauser und 
Georgre Niemann von mir unternommene Reise nach Samo- 
thrake, auf der namentlich Konstantinopel und Athen berührt 
wurden, und im Herbste desselben Jahres eine Studienreise, 
welche Michaelis nach England machte, die günstige Gelegen- 
heit zur Einleitung der nothwendigen Arbeiten an so wichtigen 
Orten. 

Die Verabredungen in Athen haben zu den überraschend 
schnellsten Resultaten geführt, da der nicht nur als Numis- 
matiker durch Thätigkeit und höchste Akribie ausgezeichnete 
Alterthumsforscher Achilleus Postolakkas sich bereit fin- 
den Hess, die Leitung der Arbeiten in Athen und Umgegend 



14 Couze. 

ZU übernehmen. Seinen Bemühiint^en kam mit höchst bereit- 
willigen Genehmigungen das k. griechische Unterrichts- 
ministerium, so wie der zu allem Nützlichen seine Zustim- 
mung nicht versagende Vorsteher der Alterthümer Eustra- 
tiadis entgegen. Auf das Förderlichste betheiligten sich Otto 
Lüders und Emanuel Galanis, ganz besonders endlich 
durch aufopfernde Uebernahme der geschäftlichen Seite des 
Unternehmens mein Freund Karl Wilberg. Die photographi- 
schen Aufnahmen führte Herr Konstantin aus, Herr Marti- 
uelli war hülfreich zur Hand. Andern fehlte nur die Gelegen- 
heit ihre Gunst thätig zu beweisen. 

Die athenischen Grabreliefs, deren Photographien seither 
bereits in den Besitz der Akademie gelangt sind, vertheilen 
sich auf die einzelnen Sammlungen und Aufbewahrungsorte 
wie folgt: 
Sammlung der archäologischen Gesellschaft im 

Barbakeion 99 Stücke 

Neues Museum 93 „ 

,Thurm der Winde' 44 „ 

Im Garten des k. Schlosses 13 „ 

Bei der Agia Trias 68 „ 

Museum im Piraeeus 41 „ 

Auf dem königlichen Gute bei Tatoi (Dekeleia) 12 „ 

Im Ganzen 370 Stücke. 
Ausserdem sind bereits in Angriff genommen und grossen- 
theils schon in den Aufnahmen beendet : 

Auf der Akropolis . . . etwa 200 Stücke 
In der ,Hadriansstoa' . . „ 245 „ 

Im ,Theseion' „280 „ 

Im Barbakeion weitere ... 60 „ 

In Eleusis 2 „ 

Im Ganzen etwa 787 Stücke. 
Einzelne Reliefs, namentlich solche in Privatbesitz, wer- 
den noch hinzukommon. Der grösste Theil der Arbeit zur 
Beschaffung des wichtigen athenischen Materials in photo- 
graphischen Aufnahmen ist aber bereits als gethan anzusehen. 
Der Werth gerade dieser attischen Reliefs , denen ver- 
hilltnissmässig wenige aus andern Gegenden Griechenlands 
hergebrachte beigemischt sind, liegt in ihrer grossen Anzahl, 



üeber die Gesammtausgabe der griechibcheu GraVireliefs. 15 

der keine andere Gegend Gleiches geg;enüberzustellen hat, fer- 
ner in der Vertheihmg- der einzehien Exemphxre auf einen 
sehr langen Zeitraum, weiter in der Mannigfaltigkeit, mit wel- 
cher unter ihnen die überhaupt vorkommenden, Reliefs tra- 
genden Typen der Grabmäler vertreten sind: die Stelen mit 
einfachem Giebel oder mit reich ornamentirtem Akroterion, 
welche ausser der Inschrift bald nur gemalt, bald in Relief 
die Bilder der Verstorbenen tragen, Männer, darunter Krieger 
und Seeleute, Frauen, Kinder, bald einzeln, bald mit ihren 
Dienern oder in reichster Gestalt zu einfach rührenden Fami- 
liengruppen, später beim sogenannten Todtenmahle vereint. 
Statt der Stelen erscheint, als eine vorzugsweise, wenn, auch 
nicht ausschliesslich attische Form , sehr oft auch die Grab- 
vase als Reliefträgerin, während die bildlichen Beigaben zu 
der Namensinschrift auf der in der späteren Zeit gewöhnlich- 
sten Form der runden, gewöhnlich kurz sogenannten Cippi 
sehr zusammenschmelzen. Der Zeit der politischen Macht und 
des höchsten Geisteslebens Athens entsprechen als gleichzeitige 
Schöpfungen vielleicht die edelsten Grabzeichen, die je Ver- 
storbenen errichtet wurden. 

Eine Anzahl dieser attischen Reliefs erfreut sich bereits 
länger einer verdienten Berühmtheit, ohne dass sie alle vollständig 
ihrem Werthe entsprechend publicirt wären, namentlich eine 
Anzahl von erst neuerlich aufgefundenen, wie die bei der Agia 
Trias, sind zwar rasch bekannt geworden, in einzelnen Abgüssen 
verbreitet, aber so gut wie ganz ohne vollgenügende Veröffent- 
lichung geblieben. Weder was Zeitschriften in lithographirten 
Facsimiles der Photographien und ähnlicher Art gebracht haben, 
noch selbst die verdienstliche Aufnahme von Salinas und Se- 
veso, genügt ganz und gar. Es wird eine Aufgabe bei der 
endlichen Publication der Sammlung sein, solchen ausgewähl- 
ten Werken ihr volles Recht in der Art der bildlichen Wie- 
dergabe zu schaffen, während für die grosse Menge gewöhn- 
lichster Arbeiten eine summarischere Behandlungsweise wird 
genügen müssen. Das Ganze und das Einzelne kann dann erst 
im richtigen Lichte erscheinen. Hier Avill ich nur so viel einst- 
weilen nicht ganz unterlassen, den Zuwachs kurz hervorzu- 
heben, Avelcher zu dem Bestände bereits mehr oder weniger 
auch ausserhalb Athens bekannter Stücke durch die unter 



If) Cuuze. 

Püstolakkas Leitung ausgeführten Arbeiten hinzugethan sind. 
Ii'li Ijezeichnc nach den Nummern des der kais. Akademie 
gehörenden, einstweilen meinen Händen anvertrauten Apparats. 

Den neuesten Gewinn bieten die erst im Juni 1873 bei 
Tatüi, dem alten Dekeleia, ausgegrabenen Grabsteine, über 
welche gleich in der ersten Zeit nach Beginn der Funde Otto 
Lüders in der archcäologischen Zeitung (XXXI, S. 55 ff.) 
bericlitete. Ganz neu hinzugekommen ist seitdem (App. Tatoi 1) 
der (rrabstein eines Aiaac Tc^cärr^c, der Name vollständig und 
sein- deutlich geschrieben; das Keliefbild stellt ihn als einen 
Leichtbewaffneten in der Exomis, mit dem Pilos auf dem 
Kopfe und dem Schilde am Arme vorwärts eilend dar. Jetzt, 
wie es nach unsern Photographien scheint, in Tatoi befindlich, 
aber vielmehr unweit bei Spata gefunden ist (App. Tatoi' 4) 
das wiederum mit vollständiger und sehr deutlicher Inschrift, 
'Pjsli; XP^^"^ 'Ap})^e!r:paTr,c Onyar^p, versehene, nur zur obern 
Hälfte erhaltene Reliefbild eines Mädchens. Aus Dekeleia 
selbst ist dagegen wieder der (App. Tatoi 12) auch nur zum 
kleineren oberen Theile erhaltene Grabstein mit dem Relief- 
bilde einer Mvr;c'.cTpxTY;. Ein Grabaufsatz in Gestalt einer Marmor- 
vase mit Schlangenhenkeln (App. Tato'i 2. 3) ist unter diesen 
Funden von Dekeleia, wie schon Lüders betonte, an feiner 
Pracht und straffer Lebendigkeit der Ornamentik, namentlich 
in dem Akanthos am Halse des Gefässes, nicht leicht über- 
troffen. 

Das Museum im Piraeeus ist erst im Laufe der letz- 
ten Jahre neu entstanden. Gaedechens hat es dem Vernehmen 
nach handschriftlich katalogisirt und verspricht in seinem neu 
begonnenen Werke ,Unedirte antike Bildwerke^ (Jena, 1873) 
Einiges aus demselben zu veröffentlichen. Wir entnahmen der 
Sammlung im Ganzen 41 Grabreliefs, wozu der jetzt nach 
Athen versetzte Director des Gymnasiums und des Museu.ms 
im Piraeeus, Emanuel Galanis, früherer Zeiten an der Uni- 
versität Halle freundlich gedenkend, auf das Liebenswürdigste 
uns behülflich war. Auf der Stele eines 'ApiaTOisXY;?, ApicrTO[j.evoj; 
Ilepi'acYjOEv (App. Mus. Pir. 1. Kumanudis AxTr/.vj«; eTr'.ypaq/at 
iztrj|xß'.c'. n. lOlö) erscheint wiederum eine besonders reiche 
Vase , an welcher die Ausfüllung des Raumes zwischen dem 
Vasenhalse und dun Henkeln durch eine Jünglingsfigur sich 



Ueber die GesammtauKgabe der griechischen Grabreliefs. 17 

eben so zeigt, wie auf dem von Lüders (a. a. O. S. 56, 
Anm. 1) erwähnten Schmidt'sehen Grabsteine in Athen nnd 
wie abermals auf einem Exemplare des Neuen Museums in 
Athen (App. Neues Mus. Athen * 02). Ein Relief dieser Piraei- 
schen Sammlung (App. Mus. Pir. o), eine sitzende Frau, vor 
der eine Dienerin mit dem Schmuckkästchen steht^ gehört zu 
den besten , im Zustande glücklicher Erlialtung geretteten 
Werken etwa des ersten Anfangs des 4. Jahrhunderts v. Chr. 
Eigen thümlich ist in der Reihe der mit Gefässen in Relief 
geschmückten Stelen eine (App. Mus. Pir. 24), auf welcher 
drei Gefässe dargestellt sind, deren mittleres auf einer 
auch sonst aus attischen Monumenten bekannten in einen Kopf 
zusammenlaufenden Doppelsphinx ruht. Das Relief des Kna- 
ben mit dem Häschen auf der Hand (App. Mus. Pir. 33) 
stimmt der Darstellung nach mit Reliefs aus Rhodos und Ka- 
sos (Conze , Beiträge zur Gesch. der griech. Plastik ^ S. 32, 
Anm. 4) überein. Auch sonst bieten die Grabreliefs dieser 
Piraeischen Sammlung manches besonders Beachtenswerthe 
und Neue. 

Fast eben so wenig, wie die im piraeischen Museum siiid 
auch die im neuen Museum zu Athen untergebrachten Grab- 
reliefs bis jetzt ausser Athen bekannt. Ein Relief (App. Neues 
Mus. Athen *27) von ganz besonderer Lebendigkeit und 
Innigkeit veröffentlichte erst kürzlich Lüders in der archäo- 
logischen Zeitung (1873, Taf. 8), einigermassen verwandt, 
wenn auch von geringerer Ausführung, ist ein anderes (App. 
Neues Mus. Athen. *38. Kumanudis *3145), auf dem ein ält- 
licher, namenloser Mann sitzt, während die junge KyXMG-o\)Ayri 
der herankommenden Miy.a entgegeneilt und sie umfasst. Das 
Grabrelief (App. Neues Mus. Athen 40. Kumanudis 304(3) der 
beiden Knaben Kspv.wv und Fläix^tAo;, von denen der erste einen 
Vogel in der linken Hand hält, mit der Rechten ein Wägel- 
chen nach sich zieht, während der andere jüngere vor ihm am 
Boden hockt und die Hand nach dem Vogel ausstreckt, ist 
völlig gleichartig den gerade in Attika viel fabricirten und 
gefundenen kleinen Vasen mit spielenden Kindern. Da das 
Grabrelief nach der Schriftform dem Jahre 400 v. Chr. nahe 
gesetzt werden muss, bietet sich damit auch ein weiterer An- 
halt für die Zeitbestimmung der genannten Vasen (Heydemann 

Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. LXXVI. Bd. I. Hft. 2 



I 



ib Conze. , 

griech. Vaseubildur zu Taf. XII, Fig. lOj. Ziemlich reichhaltig 
ist das neue Museum aii solchen Grabsteinen, auf denen der 
neben einander bestehende Gebrauch der Bemalung und der 
Ausführung von Keliefdarstellungen, und unter denen mannig- 
fache Beispiele der verschiedenen Uebergangsformen von 
reiner Malerei bis zum Hochrelief recht augenfällig sind. 
Besonders häuhg sind die nur bemalten oder, wie man trotz 
ganz verschwundener Farbenspuren deutlich sieht, bemalt ge- 
wesenen Akroterien der Grabstelen. Der sonstige aufgemalte 
Zierrath, bis zu figürlichen Darstellungen, ist vielfach auch 
nach dem völligen Verschwinden der Farben aus der jetzt 
leer gewordenen Stelle noch sicher zu erkennen (so App. Neues 
Mus. Athen 18. *97. *110. *123. *124), mehrfach sind aber 
auch Farbenspuren noch vorhanden (App. Neues Mus. Athen * 94. 
* 103. * 145. * 147. * 151) ; das äUeste dieser Beispiele ist * 147, 
der Grabstein eines Antiphanes ('Av-icpavcu<;). Besonders deutlich 
ist auf einem Steine (App. Neues Mus. Athen * 146) noch 
die Malerei sichtbar, ein schwärzlich skizzirter Reiter auf leb- 
haft rothem Grunde. Diesen nur bemalten Grabsteinen stehen 
zunächst die, auf welchen die figürlichen Darstellungen nur 
mit vertieften Linien aufgezeichnet sind, wozu ursprünglich 
wahrscheinlich Farbe hinzugegeben wurde (App. Neues Mus. 
Athen *77. * 78. * 148) ; darauf folgen diejenigen Steine, auf 
welchen um solche in Umrissen auf die Fläche eingezeichneten 
Figuren eine Schicht des Grundes bis zu einer viereckigen, 
das ganze Bild umfassenden Linie herausgenommen ist 
(App. Neues Mus. Athen Iß. *42. *60. *66). Die so noch 
flach bleibenden Figuren wurden dann aber auch in verschie- 
denen Graden rundlich erhoben modellirt, wovon ein leiser 
Anfang auf einem Steine des neuen Museums (App. *65) sich 
zeigt. Darüber hinaus gehen die eigentlichen Hochreliefs. Zu 
solchen mit dem technischen Verfahren die stilistischen Eie-en- 
thümlichkeiten erklärenden Beobachtungen, wie sie R. Schöne 
(griechische Reliefs S. 21) noch kürzlich anstellte, werden die 
Grabreliefs ein überreiches Material bieten. Auch halbfertig 
gebliebene Grabsteine sind hierfür lehrreich. Einen solchen, 
noch dazu einen lapidaren Palimpsest, da er aus einem 
älteren Inschriftsteine, dessen Zeilen noch theilweisc sicht- 
bar sind, gemacht wurde, finden wir gleich unter den 



lieber die Gesamnitausgiibe der griechieclieu Gialireliefs. Ij) 

Grabreliefs ausserhalb des alten Dipylon bei der lieutig-en 
Kapelle der Ag-fa Trias (App. Ag. Trias. Athen 7. Kiima- 
nudis *305). Die Grabsteine bei der Agia Trias haben sich 
gleich nach ihrer Entdeckung durch den alten Zusammen- 
hang mit der Oertlichkeit, der so selten in dieser Weise 
bewahrt blieb, durch die grossentheils vortreffliche Erhal- 
tung , durch die Schönheit der Arbeit bei vielen , durch das 
Interesse einer bestimmten au einen der Grabsteine geknüpften 
historischen Thatsache, so sehr der allgemeinen Aufmerksam- 
keit empfohlen (s. C. Curtius in der archäologischen Zeitung 
1872, S. 12 ff., wo auch die übrige Litteratur nachgewiesen ist), 
dass hier ein Hinweis auf besondere Einzelheiten nicht am 
Platze scheint. 

Im Horologium des Andronicus Cyrrhestes, dem gewöhn- 
lich sogenannten Thurme der Winde, bleibt das wichtigste 
Stück unter den dort verwahrten Grabreliefs dasjenige Frag- 
ment (App. Windethurm 37. R. Schoene griech. Reliefs 122), 
welches sich seiner Art nach zu allernächst mit dem Grab- 
relief in der Villa Albani zu Rom, dem sogenannten Relief 
der Leukothea, verbindet. Auch das dem Fundorte nach 
seltene Grabreliefstück aus Abdera (App. Windeth. *30. 
R. Schoene griech. Reliefs 123) befindet sich jetzt im Thurme 
der Winde. Sonst ist eine reichst ornamentirte Grabvase dort 
besonders bemerkenswerth (App. Windeth. 25'^'"^). 

Besonders ausgezeichnet ist endlich noch die Reihe der 
Grabreliefs in der Sammlung der archäologischen Ge- 
sellschaft im Barbakeion. Man erkennt unschwer, wie für 
diese Sammlung unter besonders intelligenter Leitung man- 
ches ausgewählte Stück eigens gesucht und erworben wurde. 
An erster Stelle nenne ich das Stück einer Grabstele (App. 
Barbak. 1), welches in der Kunstgeschichte fortan viel genannt 
werden wird, nachdem es erst vor Kurzem aus der alten Stadt- 
mauer im Nordwesten Athens hervorgezogen, für das Berliner 
Museum geformt und nach dem Ausgusse von E. Curtius 
(Abhandl. der k. Ak. der Wiss. zu Berlin 1873, S. 153 ff.) 
publicirt wurde. Der Verstorbene war auf der schmalen Stele 
aufrecht stehend in l'rotilansicht, wie Aristokles, dargestellt; 
er hält in dei- link(Mi Hand geschultert einen Diskus. Es ist 

fast nur der Ko[»f und hinter demselben der gehobene Diskus 

2* 



20 Conze. 

erhalten. Von bester Erhaltung, bis auf die nicht wie am 
Grabbilde des Aristokles gebliebene Bemahmg, ist das Gesicht. 
Dessen besonders alterthümliche Bildung in den Augen, im 
Ohrlappen, im Munde, dazu die alterthümliche Haartracht, 
verbindet sich mit einer merkwürdigen Natürlichkeit und Le- 
bendigkeit des Umrisses und der Modelliruug. Noch zwei an- 
dere Fragmente, das eine das JVIittelstück, das andere die 
Beine einer männlichen Figur in Relief noch zeigend, gehören 
unter die Incunabeln der attischen Plastik (App. Barbak. 3. 4). 
Ein Reliefbild auf der Grabvase zweier Frauen Mvr.caYipa und 
tpaiosrrpar/; (App. Barbak. 14. Kumanudis 40) erinnert sehr an 
die Gruppe der Phaidra zwischen ihren Frauen, wie sie römi- 
sche Sarkophage offenbar als Ueberlieferung einer berühmten 
Compositiou uns erhalten haben. Aus bester Zeit, etwas nach 
400 V. Chr., und bis auf die verschwundene Bemalung von 
ausserordentlicher Frische der Erhaltung ist das Relief am 
Grabsteine des Ar,tj.o/.Xe{SY)<; ; A-r;ij.r,TpioL» , der auf einem Schüfe, 
Helm und Schild abgelegt neben sich, traurig dasitzt. Im mo- 
dellirten Relief sind nur die Figur und die Waffen ausgeführt, 
von allem Uebrigen ist nur der Umriss markirt, innerhalb 
dessen die glatte Fläche durch Malerei ausgefüllt gewesen sein 
muss; es ist ein sehr deutliches Beispiel der völligen Ungetreunt- 
heit malerischer und plastischer Darstellung. Als eine seltenere 
Darstellung ist das Relief, welches die Niederlegung der Leiche 
auf eine Kline zur Prothesis zeigt, zu erwähnen (App. Bar- 
bak. 92. Dumont Revue archeol. N. S. XXIV, 1872, S. 339. 
R. Schöne griechische Reliefs n. 120). 

Während in Athen mit bereitwilligster Förderung unseres 
Unternehmens alle Sammlungen zur freiesten Benutzung gestellt 
wurden, stiess unser Wunsch, die Grabreliefs im Museum 
der Irenenkirche photographiren zu lassen, in Koustanti- 
nopel auf einige Schwierigkeiten, dergleichen bisher noch ein 
Jeder, der diese deshalb auch noch sehi- wenig ihrer Bestim- 
mung gemäss wissenschaftlich verwerthete Sammlung zu be- 
nutzen wünschte, zu erfahren hatte (Dumont Revue archeol. 
N. S. XVIII, 1868, S. 237 ff.). Es gelang indessen den Be- 
mühungen dos Herrn von Kosjek, Legationsrathes bei der 
k. und k. Botschaft in Konstantinopel, in Uebereinstimmung 
mit dem Director des Museums, Herrn Dethier, die Hinder- 



Ueber die Gesammtausgabe der griechischen Gralireliefs 21 

nisse zu überwinden. Was Dank diesen Beinühung-en in den 
von den Gebrüdern Abdullah vortrefflich ausg-eführten Auf- 
nahmen der 47 Grabreliefs der Irenenkirche in unsere Hände 
gekommen ist, zeichnet sich zwar der Mehrzahl nach nicht 
durch hohen Kunstwerth aus, ist aber von eigenthümlicher 
Wichtig-heit, indem es die vorzugsweise thrakische Provinzial- 
weise aus später Zeit repräsentirt. Ganz vereinzelt bedeutend 
steht aber eines der ausgezeichnetsten Grabreliefs, die wir 
überhaupt kennen, unter den übrigen da. Es ist aus Thessa- 
lonike gekommen, der eigentliche Fundort scheint leider nicht 
feststellbar zu sein. Auf der Stele erscheint in wohlerhaltenem' 
Flachrelief die ganze Figur eines jungen Kriegers, mit Pilos, 
Chlamys, Schwert, Schild und Speer leicht bewegt dastehend. 
Das stilistische Interesse dieses Werkes ist zu gross, als dass 
wir die gebotene Gelegenheit zur Anfertigung einer Form 
hätten unbenutzt lassen können. Die Formerei der k. k. Aka- 
demie der bildenden Künste hat die Kosten getragen und es 
sind bereits verschiedene Museen mit Ausgüssen versehen 
worden. Die einzige bisher vorhandene, nicht einmal sehr ge- 
nügende Abbildung dieses Grabreliefs findet sich in einem 
wenig zugänglichen Buche, dem Catalogue explicatif, histori- 
que et scientifique d'un certain nombre d'objcts contenus dans 
le musee imperial de Constantinople (Constantinople 1S71) 
n. 125. Im Texte von E. Goold S. 4G ff. wird es für ein 
Bild des Askanios, des Sohnes des Aeneas, und für eine Ar- 
beit aus Augusteischer Zeit erklärt, noch weiter gehäufter 
gröblicher Irrthttmer ganz zu geschweigen. 

Ueber den Beistand, welchen Michaelis unserem Unter- 
nehmen auf einer Bereisung Hollands und Englands ge- 
leistet hat, berichtet er selbst, wie folgt. 

„Von den in England befindlichen griechischen Grabreliefs 
hatte ich im Jahre 1861 diejenigen, welche damals im briti- 
schen Museum vorhanden waren, genau beschrieben und ver- 
messen, diesen aber nur sehr wenige aus anderen Sammlungen 
hinzufügen können. Diesmal betrachtete ich es als meine Auf- 
gabe, theils die fi'üheren Aufzeichnungen zu revidiren und 
durch den neuen Zuwachs jenes Museums zu ergänzen, theils 
die übrigen englischen Sammlungen so weit wie möglich 
auf Grabreliefs hin zu untersuchen. Dies ist keine leichte 



'2^ Coiize. 



J 



\ufgabc, weil die Summlung-en weit über das Land zerstreut, 
theilweise recht abgelegen und auch nicht alle ohne Schwie- 
rigkeit zugänglich sind ; in London war es überdies unmöglich, 
über die meisten derselben einigerniassen genaue Angaben zu 
erhalten. Als werthvoUe Wegweiser sind namentlich die Reise- 
berichte von Conze und Matz in der archäologischen Zeitung 
(Bd. XXII und XXXI) hervorzuheben ; manchen weiteren 
Wink verdanke ich der Güte der Herren Franks, Murray, 
Newton und Scharf in London. 

Eine zweite Schwierigkeit bestand darin, von den so 
weit zerstreuten Reliefs zuverlässige Abbildungen zu erhalten. 
Einige hervorragende Stücke hatte Fr. Matz, welcher um 
Ostern d. J. das Land in verwan4ter Absicht durchreist und 
darauf einen Zeichner in einige der Hauptlocali täten geschickt 
hatte, durch diesen zeichnen lassen und stellte die Zeich- 
nungen gütigst zur Verfügung. Meistens aber galt es in den 
Städten oder in der Nähe der Landsitze, wo die Monumente 
sich befinden, einen Photographen ausfindig zu machen, dem 
die Arbeit aufgetragen werden konnte. Dies ist auch fast durch- 
weg gelungen ; wo es bisher noch nicht möglich gewesen ist, 
haben sich wenigstens gute Aussichten eröffnet. Mit besonderem 
Danke ist die Liberalität hervorzuheben, mit welcher sowohl die 
Vorstände der öffentlichen Museen, wie die Besitzer der Privat- 
samndungen meinen Bitten um Erlaubnis zum Photographiren 
willfuhrt haben. Manche der Herren haben sich überdies be- 
reit erklärt und diese Bereitschaft zum Theil schon bewährt, 
die Arbeit des Photographen zu überwachen ; ich nenne be- 
sonders die Herren A. S. IMurray in London, Fisher und 
Prof. Max Müller in Oxford, Prof. Sidney Colvin in 
Cambridge, Mawson in Lowther Castle, C. T. Gatty in 
Liverpool. 

Die Zahl der von mir aufgefundenen griechischen Grab- 
relicfs und ihre Vertheilung auf die einzelnen Sammlungen 
ergibt sich aus folgender Uebersicht: 

Oeffentliche Museen. 

London: britiseiics Museum 142 

„ Soutli-Kensington-Museuni 4 

Camh'f'tlge: Fitzwilliain-]\lnseum 12 



Ueljer die Gesammtansgabe der griechisehen Grabreliefs. 2o 

OefFeütliclie Museen. 

Cambridge: Trinity-CoUeg-e 5 

Oxford: Schools 16 

„ Ashmolean Museum 5 

„ University-Galleries 7 

Liverpool: Public Museum 2 

Privatsammlungen. 

Brockleshy Park, Earl of Yarboroug-h 12 

Ince-Blundell-Hall, Mr. Weld-Blundell 2 

London: Lansdownehouse. Marquis of Lansdowne . . 3 

Loiüther Castle, Earl ofLonsdale 8 

Marhury Hall, Mr. Smith Barry 2 

Richmond, Mr. Francis Cook, Visconde de Montserrat . 4 

Rokehy Hall, Mr. Morritt 5 

Wiltonhoicse, Earl of Pembroke . 5 

Woburn Abhey, Duke of Bedford ■ . • 1 

Summe 285 

Von diesen Reliefs sind bisher nur ein kleiner Theil der 
im britischen Museum befindlichen und diejenigen in Brockles- 
byhouse gut oder einigermassen genügend bekannt (aus den 
Ancient Marbles in the British Museum und dem Mu- 
seum Worsleianum); alle übrigen sind entweder ganz 
schlecht publicirt (so dfe meisten Stücke der Oxforder Samm- 
lung in Chandler's Marmora Oxoniensia) oder noch ganz 
unbekannt; zum Theil wusste man nicht einmal von ihrer 
Existenz. 

Weitaus der grösste Theil gehört der späteren Zeit an, 
und nicht wenige Stücke dürfen nur als neue Beispiele einer 
auch anderswo reiclilicli vertretenen Kunstart oder Darstellung 
betrachtet werden. Doch bringt selbst bei diesen vereinzelt 
fast werthlosen Stücken die Zusammenstellung vielfach neue 
Aufschlüsse; wie in einer lexikographischen oder grammati- 
schen Untersuchung erst die Menge und Art der Belegstellen 
über Fragen des Gebrauches und der genaueren Bedeutung 
einzelner Worte und Redeweisen eine sichere Entscheidung 
estattet. Ein ganz besonderes Interesse haben die englischen 



Sammlungen sogar vor den künstlerisch so viel hervorragen- 



24 Conze. 

dei-en Samnilungeu in Griechenland selbst voraus : die Mannig- 
faltigkeit der Fundorte. Attische Grabsteine in grösserer An- 
zahl sind namentlich im britischen Museum, in Brocklesbyhouse 
und in Cambridge vorhanden, dazu einzelne Stücke in Oxford, 
Lansdownehouse, Lowther Castle und Marbury Hall. Viel 
zahlreicher sind solche Grabsteine, wie sie hauptsächlich in 
Dolos, aber auch auf anderen Inseln des ägäischen Meeres 
sicli finden; sie bilden den Hauptstock der englischen Reliefs, 
zum Theil in ausgezeichneten oder höchst interessanten Exem- 
plaren, z. B. in Oxford, luce-Blundell-Hall, Lowther Castle, 
Kokeby Hall. Ein aus Faros stammendes Relief in Brocklesby 
Park überstrahlt diese ganze Masse weit durch seinen eigen- 
thümlichen Kunstwerth. Dazu kommen im britischen Musemn 
Stücke von seltenen Fundorten, wie Ejjhesos Mytilene Hali- 
karnass Rhodos Kyrene, und eine geschlossene Gruppe eigen- 
artiger provinzieller Reliefs, welche aus Pantikapäon stammen 
und während des orientalischen Krieges von Kertsch nach Lon- 
don gebracht worden sind. Wie uns diese in Gegenständen und 
Technik eine an die griechischen Muster nur noch schwach 
erinnernde späte Kunstart vorführen, so erkennt man in den 
ephesischen Reliefs den Einfluss attischer Kunst als so mass- 
gebend, dass nur die Qualität des Marmors und eine minder 
fein empfundene Durchführung den Unterschied zeigen. l>,etz- 
teres gilt auch von einem kyprischen Relief in Liverpool; 
einige smyrnäische im South-Kensington-Museum nähern sich 
mehr dem auf den Inseln üblichen Stil, welcher überdies eine 
Anzahl neuer, eben um ihres Fundortes willen höchst beach- 
tenswerther Vertreter aus Sicilien und Unteritalien in der 
Samndung Cook zu Richniond erhält. Endlich scheint ein 
Stein in Liverpool durch sein Material nach Megara zu 
weisen. 

Noch verdienen einige Stücke aus der ganzen Masse als 
besonders ausgezeichnet hervorgehoben zu werden. Vor allen 
das Mädchen mit den Tauben auf dem parischeu Grabstein 
der Worsley'schen Sammlung in Brocklesby Park, mit Recht 
seit lange als ein .Juwel der ganzen Kunstart betrachtet, ob- 
gleich die vorhandenen Abbildungen den Reiz des Originals 
nur schwach ahnen lassen. Hieran schliesst sich ein feines 
kleines Flachrelief in Woburu Abbey, unbekannten Fundortes: 



Ueber die Gesammtausgabe der griechischen Grabreliefs. 2ö 

ein ganz in sein Gewand g-eliülltes Mädchen von reizender 
Züchtigkeit; als schwächeres Seitenstück kann das Fragment 
einer Jünglingsgestalt in Richmond gelten. Von der entwickel- 
ten attischen Knnst schönsten Stils ist ein grandioses über- 
lebensgrosses Beispiel in Lowther Castle vorhanden, ein zwei- 
tes, leider nur noch ein Frauenkopf, aber ein prachtvoller, in 
Lansdownehouse ; beide Fragmente können es mit den besten 
in Griechenland vorhandenen Exemplaren aufnehmen und 
übertreffen die meisten. Auch das britische Museum besitzt 
ein paar ausgezeichnete Stücke, wie den sitzenden Xanthippos, 
einen schönen überlebensgrossen Epheben , welchem ein ähn- 
liches Stück aus späterer Zeit (Tryphon) zu interessantem 
Vergleiche dient; ferner eine recht bedeutende Anzahl mar- 
morner Reliefvasen, deren sich auch in Cambridge, Brocklesby 
Park und Marbury Hall finden. Als interessant lässt sich das 
sogenannte Homerrelief in Lansdownehouse hervorheben, mehr 
um des Gegenstandes als um des Stiles willen. Endlich sind 
unter den Grabreliefs gewöhnlicherer Art doch einige sowohl 
durch ihre vortreffliche Erhaltung, wie durch ihren verhältniss- 
mässig guten Stil bemerkenswerth; so zwei Reliefs in Oxford, 
zwei in Richmond, eines in Ince-Blundell-Hall, eines in Low- 
ther Castle; der Gegenstand verleiht auch einigen der Reliefs 
in Rokeby Hall ein besonderes Interesse. 

Weit einfacher als in England gestaltete sich die Auf- 
gabe in Holland. Abgesehen von einem einzigen Stück in 
Utrecht, welches ich nicht selbst gesehen habe, von dem mir 
aber eine Photographie in Aussicht gestellt worden ist, kommt 
nur Leiden in Betracht, wo das Museum van Oudheden 
eine verhältnissmässig reiche Sammlung einschlägiger Denk- 
mäler besitzt. Diese stammen meistens aus der in Griechenland 
und Kleinasien gebildeten Sammlung des Obersten Rottiers; 
die bedeutendsten sind in Janssens ,grieksche en rom ein- 
sehe Grafreliefs' (Leyden, 1851) gegenständlich getreu, aber 
stilistisch überaus traurig abgebildet. Dass sämmtliche Stücke 
von Neuem photographirt werden durften, wird der liberalen 
Erlaubniss des Vorstandes, Herrn Leemans verdankt, wo- 
neben ich auch dem Conservator Herrn Pleyte für freund- 
lichen Rath zum Danke verpflichtet bin. Unter den 38 Stücken 
sind zwei von hervorragendem Werth, die grosse wohlerhaltene 



26 Conze. Ueber die Gesammtausgabe der griechiBcben Grabreliefs. 

Giebelstole der Archestrate inid ein künstlerisch nocli höher 
stehendes Relief, welches einen Epheben mit einem Vögelcheu 
in der Hand darstellt, ein Werk von überaus feiner Relief- 
behandlung und zarter Empfindung, das daher auch als Muster 
dieser Gattung in den , Denkmälern der alten Kunst' (I, 29, 
127) Aufnahme gefunden hat. Aber auch sonst besitzt das 
Museum mehrere bald stilistisch, bald wegen des Gegenstandes, 
bald wegen der Erhaltung bemerkenswerthe Stücke, z. B. drei 
attische Marmorvasen mit Flachreliefs, zwei ansprechende 
Kindergrabsteine, von denen einer überdies wegen eines Herm- 
herakles im Felde Beachtung verdient, zwei sogenannte Todten- 
mahle, deren eines oberhalb der Hauptscene fünf flacher ge- 
haltene Nebenvorstellungen in fensterartigen Quadraten auf- 
weist, das andere durch seine Inschrift [Z-/]v]62o-:oc 'AvriaXx.Bou 
Trp'jTaveutov to Seutepov y.al o'. Tuapa-pjiavsi? Tr/taoY] Interesse erregt. 
Den Grabreliefs nahe verwandt ist endlich eine Grabplatte, 
auf welcher in leidlich erhaltenen Farben eine Abschiedscene 
gemalt ist, ganz in der Weise der entsprechenden Reliefs, 
jedoch mit einigen bemerkenswerthen Variationen , die eine 
ziemlich starke sachliche Aehnlichkeit mit dem sogenannten 
,Leukothea'- relief der Villa Albani bewirken. 

Die 39 Reliefs in Holland ergeben zusammen mit den 
235 in England eine Gesammtzahl von 274 Stück." 

So weit Michaelis. 

Schneller als man anfangs für ausführbar halten durfte, 
haben wir einen grossen Theil des ganzen vorhandenen Vor- 
rjiths von griechischen Grabreliefs in besonders verlässlicher 
Gestalt bereits in unsern Ililnden. Möge es auch für das 
Uebrige an willigen Helfern nicht fehlen , damit namentlich 
von den so vielfach vereinzelt zerstreuten Exemplaren uns 
nicht allzuviel und möglichst Nichts sehr Wichtiges entgehe. 
Alle, die mit Hand anlegen, Nachrichten, Beschreibungen, 
Zeichnungen, Photographien oder Papierabklatsche dei- Aka- 
demie einsenden wollen, werden nicht nur unsern Dank, son- 
dern das Verdienst und die Freude sich erwerben, zu einer 
Arbeit beigesteuert zu haben, die eine bisher noch nicht in 
recht vollem Strome ttiessende Quelle der Kenntniss griechi- 
scher Art und Kunst ganz eröffnen soll. 



IL SITZUNG VOM 14. JANUAR. 



Die Classe beschäftigt sich mit den Angelegenheiteu der 
Grillparzerpreisstiftung. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Academie Royale de Copenhague: Memoires, Classe des Lettres. Vol. IV. 

Nrs. 8— 9. Copenhague, 1872 & 1873; 40.; Classe des Sciences. Vol. IX. 

Nrs. 8— 9; Vol. X., Nrs. 1— 2. Copenliague, 1872 & 1873; 4«. — Oversigt. 

1872, Nr. 2. Kjebenhavn; 8^. — Snorre Sturlassöns Historieskrivning, 

en kritisk undersögelse, af Gustav Storni. Kjebenhavn, 1873; 8". 
Alpen-Verein, österr. : Jahrbuch. 6. Band. "Wien, 1870; 8". 
Institute, The Anthropological, of Great Britain and Ireland: Journal, 

Vol. III., Nr. 1. London, 1873; 80. 
Jahrbuch, Militär-statistisclies, für das Jahr 1871. I. Theil. Wien, 1873; 40. 
Lese- Verein, akademischer, an der k. k. Universität und steierm. 

landsch. technischen Hochschule in Graz: VI. Jahresbericht. Graz, 1873 ; 8^'. 
Oesterreicher, T. Ritter von, Die österreichische Küstenaufnahme im 

Adriatischen Meere. Triest, 1873; 80. 
Paus tenograp hikon. Zeitschrift für Kunde der stenograj)hischen Systeme 

aller Nationen. I. Band, 3. u. 4. Liferung. Nebst Beilage: Notae liemensen. 

Dresden, 1874; 80 und Folio. 
R/ijendraläla Mitra, Notices of Sanskrit Mss. Nr. VI. Vol. II., Part. 3. 

Calcutta, 1873; 80. 
,Revne politique et litteraire' et , Revue scientifique de la France et de 

Fetranger'. III« Annee, 2"'« Serie. Nr. 28. Paris, 1874; 4". 
Verein der fünf Orte Lucern, Uri, Schwyz, Unterwaiden und Zug: Der 

Geschichtsfreund. XXVIII. Band. Einsiedein, New-York und Cincinnati, 

1873; 80. 
Würzburg, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus den .lalircu 

1870—1873. 40 und 8«. 



28 



111. SITZUNG VOM 21. JANUAR. 



Der Vorstand der kais, Hofbibliothek Herr Hofrath 
Dr. Birk leg-t das druckfertige Manuscript des VH. Bandes 
der Tabulae codicuni manuscriptorum, welcher die Beschreibung 
der Handschriften Nr. 11501 — 14000 umfasst, vor und ersucht 
um die Bewilligung der Drucklegung. 



Dem w. M. Herrn Professor Miklosich wird eine Sub- 
vention bewilligt zur Herausgabe des IV. Bandes seiner ,Ver- 
gleichenden (jrammatik der slavischen Sprachen'. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Accademia Poiitificia de' Nuovi Lincei: Atti. Anno XXVI, Sess. 7». 

Roma, 1873; 4«. 
G ei! ellschaft, k. k. greographische, in Wien: Mittheiliuigen. Band XVI. 

(neuer Folge VI.), Nr. 12. Wien, 1873; 80. 
Giessen, Universität: Akademische Gelegenheitsscliriften ans dem .Jahre 

1873. 4" und 8". 
Kasan, Universität: Bulletin et Memoires. 1872; 1873, Nrs. 2—3. Kasan, 

1873; 80. 
Kiel, Universität: Schriften vom Jahre 1872. Band XIX. Kiel, 1873; 4». 
Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer An.stalt. 20. Band, 1874, 

I. Heft. Gotha; 4». 
Programm, XXIV., des k. k. Staats- Gymnasiums zu Innsbruck. 1873. 

Innsbruck; 4*^. 
Revista de Portugal e Brazil. Nr. 6. Lisboa, 1873; 4«. 
,Revue politique et litteraire' et ,Revue scientifique de la France et de 

l'etranger'. III« Annee, 2« Serie, Nr. 29. Paris, 1874; 40. 
Society, The Royal, of Victoria: Progress Reports and Final Report of the 

Exploration Cominittcc. Melbourne, 1863; 4''. 
Turkestanof f, Nicolas, Abgekürzter Kalender auf tausend Jahre. 900 — 1900. 

St. Petersburg, 1868; 4«. 
Verein, siebenbürgischer, für romanische Literatur und Cultur des romani- 
schen Volkes. Anulu VI, Nr. 23—24; Anulu VII, Nr. 1—2. Kronstadt, 

1873/74; V\ 
Weis, Odoardo, Meute e cuure. Organo per Tincremento dell' i.struzione 

poiK)lare. Anno I., Nr. 1. Trieste, 1874; 80. 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



PHILOSOPHISCH-HLSTOKISCHE CLASSE. 



LXXVI. BAND. II. HEFT. 



JAHRGANG 1874. — FEBRUAR. 



IV. SITZUNG VOM 4. FEBRUAR. 



Die Universität von Madrid sendet einige Bände der 
Revista de la Universidad de Madrid und ersucht um Schriften- 
tausch nnt der k. Akademie. 



Herr Regierungsrath p. von Wurzbach legt den im 
Druck vollendeten XX VI. Band des von ihm mit Unter- 
stützung der k. Akademie herausgegebenen ^biographischen 
Lexikons des Kaiserthums Oesterreich' vor. 



Der Referent der historischen Commission, Herr kais. 
Rath Fiedler, legt eine von dem \v. Mitgl. Herrn Professor 
Jaeger in Innsbruck eingesendete Abhandlung vor unter dem 
Titel : jDer Uebergang Tirols von dem Erzherzog Sigmund an 
den römischen König Maximilian (1478 — 1490)'. 



32 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin: Monatsbericht. 

November 1873. Berlin; 8«. 
— Königl. Bayer., zu München: Abhandlungen der historischen Classe. 

XII. Bandes 1. Abtlieilung; Abhandlungen der philos.-philolog. Classe. 

XIII. Bandes 1. Abtheilung; Abhandlungen der mathem.-physikal. Classe. 
XI. Bandes 2. Abtheilung, (Nebst den betreffenden Separatabdrücken.) 
München, 1873; 4». 

Ateneo Veneto: Atti, Serie II. Vol. XI, Punt. 1. Venezia, 1873; 8». 
Catalogus codicum manu scriptorum Bihliolhecae Eegiae Monacensis. Tomi /•"* 

Pars W" et IIl"" {1866); Tomi IJI'", Pars /'««, IF" et III'^" {1868, 

1871 & 1873); Tomi IV' Pars 7" {1874J ; Tomus V. (1866); Tomus VI. 

(1866); Tomus VII. (1858). Monachii; S". 
Gesellschaft der Wissenschaften, k. böhm., zu Prag: Sitzungsberichte. 

Nr. 7. 1873. Prag; 8". 
Institut National Genevois: Bulletin. Tome XVIII. Geneve, 1873; 8". 
Istituto, R., Veneto di Scienze, Lettere edArti: Atti. Tomo 11°, Serie IV», 

disp. 9*— 10»; Tomo 111°, Serie IV% disp. 1». Venezia, 1872/73 & 1873/74 ; 8". 
Jahresbericht des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht für 1873. 

Wien, 1874; 40. 
Madrid, Universität: Kevista. 2» Epoca. Tomo I. Nr. 1—4, 6; Tomo II., 

Nr. 1—2. Madrid, 1873; gr. 80. 
Revista de Portugal e Brazil. Nr. 8 Janero de 1874. Lisboa; 4". 
,Revue politique et litteraire' et ,Revue scientitique de la France et de 

l'etranger'. IIP Annee, 2"« Serie, Nrs. 30—31. Paris, 1874; 4". 
Society, The Royal Geographical: Proceedings. Vol. XVIII. Nr. 1. 

London, 1874; 8». 



V. SITZUNG VOM 11. FEBEUAK. 



Der Vicepräsident gedenkt des Ablebens des ausw. corr. 
Mitrrliedes der kais. Akademie, Professor Moriz Haupt in 
Berlin, welcher am 5. Februar d. J. starb. 

Die Mitglieder erheben sich zum Zeichen des Beileids 
von ihren Sitzen. 



33 

Der tSecretär leg't den von dem corr. Mitgl. Freilierni 
von Czoernig-, k. k. wirklichem Geheimenratlie, eingesendeten 
2. Band seines Werkes übei- Görz und Aquileia vor, und ver- 
liest das Begleitschreiben des Verfassers. 



Das w. Mitglied Freih. v. Sacken legt eine Abhandlung 
vor: über ein neues Militärdiplom von Kaiser Elagabalus. 



Herr Dr. A d. H o r a w i tz ersucht um Abdruck einer kleinen 
Sammlung ungedruckter Briefe und anderer Inedita Melanchthons 



in den Sitzungsbei'ichten. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Czoernip^, Carl Freilierr von, Die Stadt Görz zimäclist als klimatischer 

Curort. Wien, 1874; 8«. 
Gen oot. schaj), Bataviaasch, van Knnsten en Wetenscliappen: Tijdsclirift. 

Deel XX. (Zevende Serie. Deel I.) Aflev. 4—6. Hatavia, 's Hage, 1872 en 

187.3; 8". — Notnlen. Deel X. 1872, Nr. 4; Deel XI. 1873, Nr. 1. Batavia, 

1873; 80. — Alj)liabetisclie lijst van lanrl-, zee-, rivier-, wind-, storm- en 

andere kaarten. Batavia, 's Hage, 1873; 8". 
Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Neuere Zeit. X. Band. 

2. II. 3. Abthlg. Entwickelung der Chemie von Hermann Kopp. 2. u. 3. 

Ahthlg. München, 1873; 8". 
Gesellschaft, Schlesische, für vaterländi.sche Ciiltur: Abhandlungen der 

]ihilos.-liistor. Abtheilung. 1872/73; Abhandhuigen für Naturwissenschaften 

und Medicin. 1872/73. Breslau, 1873; 8". — L. Jahres-Bericht. Breslau, 

1873; 8«. 
— Deutsche Morgenländische: Zeitschrift. XXVII, Band, 4. Heft. Leipzig, 

1873; 80. 
Institiuit, koningl., voor de taal-, land- en volkenkunde van Nederlaiulsch- 

Indie: Bijdragen. III. Volgreeks. VIII. Deel. 2. Stuk. 'S (Jraveuhage, 

1873; 80. 

Sitzuagsber. d. phil.-List. Cl. LXXVF. l'.d. II. litt. 3 



34 

, Revue politique et litteraire' et ,Revue acientifique de la France et de 
l'etran^er'. III« Ann6e, 2« Serie, Nr. 32. Paris, 1874; 40. 

Verein, histor., für Niedersachsen: Zeitschrift. Jahrgang 1872. Hannover, 
1873; 80. 



Sackeu. Ueber eiu neues Militärdiplom vou Kaiser Elagabalus. OD 



t 



lieber ein neues Militärdiplom von Kaiser Elagabalus. 

(Mit '2 Zinkog-raphieu.) 
Von 

Dr. E. Freih. von Sacken, 

wirkl. Mitgliede der k. Akademie der Wissenschaften. 



Der Wiener Arzt Herr Dr. M. E. Weiser benützte seineu 
läng-eren Aufenthalt in Thracien zu einer genauen Untersuchung 
der zahlreich dort vorfindigen Tumuli, die sich als Gräber mit 
Skeletten erwiesen und eine erhebliche Anzahl, theils spät 
römischer Gegenstände (darunter Münzen aus dem IV. Jahr- 
hundert), theils einheimischer, barbarischer Erzeugnisse (dar- 
unter sehr roh gearbeitete Thonfiguren und Gefässe eigen- 
thümlicher Form) ergaben.' Nebstbei sammelte Dr. Weiser 
auch andere Alterthümer, die ausserhalb der Tumuli ausgegra- 
ben wurden. Unter den letzteren befand sich die eine Hälfte 
eines römischen Militärdiplomes, — glücklicherweise die Avich- 
tigere mit dem vollständigen Texte, — dessen Fundort genau 
bekannt ist, nämlich ein in seineu Trümmern noch ganz wohl 
erkennbares römisches Castell, an den ntirdlichen Ausläufern 
des Khodope-Gebirgszuges, zwischen den Dörfern Karatsch und 
Sarnitsch, drei Stunden südöstlich von Chaskioj gelegen, acht 
deutsche Meilen östlich von Philippopel. Die Anlage des Ga- 
stelles an dieser Stelle erklärt sich aus dem Schutze, den es 
dem Thale des Hebrus, das sich hier verengt, gewähren konnte. 
Die Bronzetafel soll in den Maueranwurf fest eingelassen ge- 
wesen sein und war vereinzelt ohne sonstige Gegenstände in 



1 Ein Theil der Fundobjccte befindet sicli als Gcsclienk des Finders im 
k. k. Antikencabiuete. 

3* 



36 



Sacken. 



nächster IJmg-ebung. Ihre Höhe beträgt 14 Cent, bei 11 Cent. 
Breite; die linke Ecke, welche den Namen des Kaisers ent- 

Fig. 1. 



\ 



tm?os \ 

iXTUlEfCÜuKdSiil-P-P. 

PRlMJS¥XDRIBV5frEriMSiP£ßE6Rmi 
O O 

IVHXE RIHT^P.ÖI KfDtllßÄ0S«TOLL/\HT 
AC S f IKDVD^ vSn Yf ß VBBßMhmS^^HkM 

C' YETTlO^G RfiTO^ FT^ ^ 

COH-lIII^PtANTONlNIANA-PV. 
f^££PTliAIO#F!LVLP'Miim(0 




^ 



liielt, wurde sichtlich sclion in alter Zeit mit einem scharfen 
Instrumente wogg-eschlagen , man erkennt deutlich die, wahr- 
scheinlich mit einer Axt, wiederholt und nicht sicher geführten 



lieber ein neues Militärdiplom von Kaiser Elagabalua. 



37 



Hiebe , <lie Brucilflilclien sind mit Patiuji überzogen. Der 
Sprung aber, welcher vua der ausgeschlagenen Ecke ausgehend, 
den oberen Tlieii der Tafel abtrennt, entstand erst in neuerer 
Zeit in t'ulge von Gussi'ehlern und luiganzen Stellen in der 
äletalltafel. Beide Seiten sind beschrieben und zwar, wie go- 



i; 













ri» ^ 






{\4\/ 



wohnlich, die eine der Breite der Tafel nach mit soi'i^faltig 
gravirtcn Buchstal)en, die andere nach ihrer Läng-e in tiüchtig 
eingehauener Schritt. Erstere erscheint sonach als die Aussen- 
seite der ersten Tafel des ganzen Diplomes, letztere als deren 
Innenseite. Unter Fig. 1 und 2 werden beide in Facsimilc 
gegeben. 



3g Sacken. 

Das fehlende Stück dei- Inschrift auf der Aiissenseite ist 
mit Zuhülfenahnie der Innenseite und nach verwandten Denk- 
mälern, die hier unbedenklich als Parallelen beizuziehen sind, 
zu ergänzen, wie Fig. o zeigt, wobei die feinen Buchstaben 
sich aus der flüchtig geschriebenen Innenseite ergeben , die 
punktirten auf Combination beruhen. 

Fig. 3. 
IM? CAES . DIVX ANTONINI . MAONI . PII AVG . FIL i 
DIVX . HE V ERI . ? 1 1 . NEPOS 2 

M . AVRELIVS . Al-ITONINVS . PIVS . FELIX . AVG' 3 

S A C E R D S . AM FIJSS1MV8 . DEI . IN VICTI . SOLIS 4 

ELAGABALl.PONT.MAX.TRIB.POT.IIII.COS.III.P.P 
N M I N A . M 1 L I T VM . Q VI MEITAVERVNT . IN CO e 

RORTIB V S PRÄETOEIS . ANTONINIANLS . DECEM 7 

I . II . III . IUI . V . VI . VII . VIII .Villi . X . PIIS . VINDICIBUS « 

etc. 

Somit ist der vollständige Inhalt des Diplomes folgender: 

Imperator Caesar Divi Antonini magni pii Augusti filius j| 
Di vi Severi pii nepos |j Marcus Aurelius Antoninus pius felix 
Augustus II sacerdos amplissimus Dei invicti Solls || Elagabali 
pontifex maximus tribunicia potestate IV, Consul III pater 
patriae |i nomina militum qui militaverunt in cohortibus prae- 
toriis antoninianis decem jj I. IL III. IV. V. VE. VII. VIII. 
IX. X. piis vindicibus H qui pie et fortiter militia functi sunt 
jus i| tribui connubii dumtaxat cum singulis et | primis uxoribus 
ut etiam si peregrini juris feminas in matrimonio suo jun- 
xerint proinde liberos tollant | ac si ex duobus civibus romanis 
natos I ante diem septimum idus januarias || Cajo Vettio Orato 
et II Marco Vitellio Seleuco consulibus [| Cohors quarta praetoria 
Antoniniana pia vindex || Marco Septimio Marci filio Ulpia 
Maetico Triraontio. 

Descriptum et recognitum ex tabula aerea quae fixa est [| 
Romae in muro post templum divi Augusti ad Miner || vam. 

Der Text der Innenseite zeigt von dem der äusseren 
Hauptseite einige kleine Abweichungen ; der mit dem Ein- 
schlagen desselben Betraute ging sehr flüchtig zu Werke und 
man sieht, dass ihm während der Arbeit immer mehr die Ge- 
duld ausging. Nobst einigen Schreibfehlern (Antonianis statt 
Antonini;niis. pis statt piis, juxerint statt junxerintj und Aus- 



Ueber ein ueues Militärdiplora von Kaiser Elagabalus. Öü 

lassungen (et fortiter, nach dumtaxat das Wort cum) passii-te 
es ilim, dass er statt qni — militia functi sunt oder wie er beab- 
sichtig-te quibus — militia fuuctis zu schreiben, statt des ersten 
Wortes noch einmal das früher vorkommende militaverunt 
wiederholte und functis beifüg-te, was natürlich keinen Sinn 
hat. Nach conub, worauf in allen prätorianischen Diplomen, 
wie auch hier auf der Aussenseite, dumtaxat folgt, steht ein 
längeres Wort, dessen Bedeutung zu entziffern mir nicht gelang ; 
es ist im Facsimile Fig. 2 ganz genau dem Originale nach- 
gebildet. 

Dass das Diplom von Elagabal ausgestellt sei, geht aus 
der nach der Innenseite ergänzten vierten und fünften Zeile 
hervor, in welcher sich der Kaiser Oberpriester des Sonnen- 
gottes Elagabalus nennt. Der berüchtigte Vetter Caracallas, 
Sohn von dessen Nichte Soaemias, Varius Avitus Bassianus, 
diente schon als Knabe in der syrischen, am Orontes gelegenen 
Stadt Emesa dem syrisch-phönizischen Sonnen- (der Etymologie 
nach Berg-) Gotte Elagabal als Priester. ^ Der Cult dieses 
Gottes, welcher auch als Schutzgott von Gabala, mit welchem 
Namen die Stadt Byblus im alten Testamente bezeichnet wird, 
verehrt wurde, -^ war mit Musik, Tänzen und Orgien verbunden, 
wobei auch Opfer von Menschen, besonders von Knaben, ge- 
bracht wurden. ■' Der Tempel war auf einem Berge gelegen. * 
Bassianus wurde als Oberpriester wegen seiner Schönheit und 
der Pracht des Aufzuges von den Soldaten abgöttisch verehrt 
und nachdem er von ihnen zum Kaiser ausgerufen worden war 
(218 n. Chr.), führte er den Cult seines Gottes im ganzen 
römischen Reiche ein. Er brachte dessen Bild nach Rom, wo 
es in einem auf dem Palatin erbauten Tempel mit der gröss- 
ten Pracht verehrt wurde imd den Mittelpunkt des gesammten 
religiösen Cultes bilden sollte. ^ Alljährlich zur Sonnenwende- 
zeit führte er es in feierlichem Festzuge in einen zweiten dem 
Gotte in Rom erbauten Tempel, was auf einer Goldmünze des 

' Herodianns, V, 3. 

2 Scaliger. Animadv. iu chronolog. Euseb. p. 231. 

3 Lampridius, Anton. Heliogab. S. Dio Caasius, LXXIX, 11. 

^ Salma.s. zu Vopiscus, Aurelianus, 25 citirt die betreffenden Verse 

des Avienns. 
^ Lamprid. 3. 



40 Sacken. 

Jahres 221 dargestellt erscheint mit der Umschrift: SANGT 
DEO SOLI RLAGABAL. Das Bild des Gottes bestand aber 
nach Herodian's Beschreibung- in einem grossen, schwarzen, 
angeblich vom Himmel (befallenen Steine von konischer Form ; 
der Pomp des Festzuges überbot alles Ahnliche, Den von Gold 
und Edelsteinen strotzenden Wagen, auf welchem der Meteorit 
lag, zogen sechs reich geschmückte, makellos weisse Pferde; 
der Kaiser schritt voran , aber nach rückwärts , das Gesicht 
unverwandt dem Gotte zugekehrt; damit er nicht falle, war 
der Weg mit goldigem Saude bestreut. Bei den Opfern flössen 
das Blut der Stierhekatomben und zahllosen Schafe und der 
ausgegossene Wein in Strömen. ' 

Nach diesem seinen Lieblingsgotte, dessen Dienst er sein 
ganzes Leben widmete, benannte sich der Kaiser; auf Münzen 
nennt er sich Invictus oder summus sacerdos Dei Solis Ela- 
gabali. Amplissimus Sacerdos kommt auf dem Bruchstücke 
eines von ihm mit seinem xVdoptivsohne Severus Alexander im 
Jahre 222 ausgestellten Militärdiplomes vor. - Kein anderer 
Kaiser legte sich diesen Titel bei und der von ihm mit sol- 
chem Eifer eingeführte Cult des Elagabal kam unter seinen 
Nachfolgern in Verfall, bis ihn Aurelianus wieder aufnahm, ^ 

In der ersten Zeile unseres Diplomes nennt sich Elaga- 
balus Sohn des grossen Antoninus, nämlich des Caracalla. Der 
Name Antoninus hatte noch von den glänzenden Zeiten des 
ersten Kaisers dieses Namens und von dem siegreichen Marc 
Aurel her einen überaus guten Klang, namentlich bei den Sol- 
daten ; auch Caracalla, der sich denselben beigelegt hatte, trug 
durch seine Popularität bei den Letzteren zum Ausehen dieses 
Namens bei. Man glaubte an ihn den Bestand des Reiches ge- 
knüpft und als Macrinus nach der Ermordung Caracallas mit 
seinem Sohne Diadumenus zum Kaiser ausgerufen wurde, sah 
er sich genöthigt, seinem Sohne eiligst diesen Namen beizu- 
legen und ihn also dem Heere vorzustellen. „lutelligo, deside- 
rium ingens Antonini nominis apud vos mauere"' sagte er in 



' Herodian., V, c. 6. 

2 liaucli flr Vesmc in dtii Atti dcll' accacl. delle scienze di Torino 18f59, 

Vnt. IV, 6-JO. Corpus iiiscr. lat. III, 2, p. 81)2. 
' Fl. VnpiacuH, Aurelianus 25, 35, .S9. 



Ueber ein neue^ Militärdiplum von Kaiser Kliigabahi». 41 

seiner Anrede und die ganze Versaninilung- jubelte seinem Soline 
zu: j.Antoninum habemus, omnia liabcmus; Antoniuuni nobis 
dii (Icderunt patrem; Antouinus dig-nus imperio". ' 

Aber bei Elagabal war der Name nicht wie beim Sohne 
des Septimius Scverus oder bei Diadumenus, bloss ein talsch- 
lich arrogirter, 2 sondern insoferue gerechtfertigter, als er ein 
Blutsverwandter des Antoninus benannten Bassianus Caracalla 
war. -^ Seine Grossnuitter, Julia Maesa, war die Schwester der 
Julia Domna, Mutter des Letztgenannten, er selbst ein Sohn 
der iVIuhme (Jaracallas Soaemias mit dem aus Apamea gebür- 
tigen Varius Marcellus. ■• Allein Maesa, die von Macrinus nach 
ihrer Heimath Emesa verbannt war, aber das Leben am römi- 
schen Hofe nicht vergessen konnte, und auf jede Art wieder 
zu Macht und Ansehen zu gelangen strebte, wusste das Gerücht 
zu verbreiten, ihr Enkel sei die Frucht eines Liebesverhält- 
nisses Caracallas mit dessen Mtdime Soaemias, ihrer Tochter. 
Durch Bestechung brachte sie die ohnehin durch des jugend- 
lichen Elagabal glänzende Erscheinung gewonnenen Soldaten 
dahin, dass er mit ihr in das Lager aufgenommen und zum 
Kaiser ausgerufen wurde; „sie begrüssten ihn/' sagt Herodi- 
anus, •' „als Antoninus uud bekleideten ihn mit dem Purpur". 
Sofort nahm der Knabe den Namen an und nachdem Macrinus 
durch den Verrath seiner eigenen Soldaten uud durch Feig- 
heit umgekommen war, nannte er sich in seinem Siegesberichte 
an den Senat ohne Scheu: Imperator, Caesar, Antonini filius, 
Severi nepos, pius felix Augustus, Proconsul, tribunus plcbis. '■ 

Der Titel pius felix Augustus erscheint unter den Militär- 
diplomen zuei'st auf dem Caracallas vom Jahre 216, ^ von da 
ab auf den späteren constant. 



' Laraprid. Antoii. Dijuluiuenu.s, 1. 

- Die Selbstadoptionen, durch genehm klingende Titel ausgedrückt, gingen 
oft etwas weit; so nannte sicli der Afrikaner Septimius Scverus: Divi 
Marci pii filius, Divi Commodi frater, Divi Antonini pii nepos, Divi lia- 
driani pronepos etc. Gruter CL. 5. Eckhcl, D. N. VII, 173. 

^ Lamprid., Heliogab., '6. 

^ Dio Cass. LXXVIII, 30. 

5 L. V, c. 4. 

'5 Dio LXXVIII, :iO, LXXIX, -2. Ilerod. V, 3. Vgl. die Act<i fratrum 
Arvalium, Marini, Atti I, p. C'LXIII; Orclli, 22GS. 

'• Mommsen im Corp. inscript. lat. HI, 2, p. 891 (XLIX). 



42 Sacken. 

Der Beiname Magnus für Caracalla kommt auf Münzen 
und Inschriften vor. ' So nennen sich Elag-abahis und Alexan- 
der Severus Söhne Antonin's des Grossen auf den beiden Meilen- 
steinen von Steinbach - und in ähnlicher Weise heisst Letzterer 
auf dem Neapolitaner Militärdiplome vom Jahre 230 Divi An- 
tonini magni filius. ^ 

Gerade nur der Name des Kaisers erscheint bei unserem 
Diplome mit Absicht gewaltsam weggeschlagen, nicht aber der 
ganze Obertheil der Tafel, so dass die Titulaturen stehen blie- 
ben. Es miiss diess seinen Grund gehabt haben und dieser ist 
ohne Zweifel darin zu suchen, dass nach der grässlichen Er- 
mordung des verhassten Elagabal, dessen Name durch Senats- 
beschluss ausgetilgt wurde, ■* was das Vernichten des Namens 
auf den öffentlichen Monumenten zur Folge hatte. So schlug 
auch der Besitzer des Militärdiplomes den Namen des verach- 
teten Kaisers mit scharfem Werkzeuge weg. Ein wahrschein- 
lich in ähnlicher Absicht abgebrochenes Stück ist das Frag- 
ment in Monza vom Jahre 222, welches so wie das von unserem 
fehlende nur den Namen Elagabal's und zum Theil auch den 
seines Adoptivsohnes Severus Alexander enthält. ^ Die innere 
Hauptseite lautet : 

IMP CAES DIV (i Antonini magni) 
FIL . DIVI . SEV feri nepos) 
M . AVRELIVS AN (toninus p. f. Aug. Sacer) 
DOS.AMPLISSI (mus Dei invicti Solis Elagaba) 
LI . PONTIF . MAX (tr. pot. V. Cos IV p. p. et) 
IMP . CAES . M. AV (relii Antonini f. Divi Antonini) 
MAGNI . NEP (os Divi Severi pronepos, M. Au) 
relius ALEX (ander) ... — — — 

Auch in der Grösse stimmt dieses Bruchstück mit dem 
herausgeschlagenen Stücke unseres Diplomes fast genau über- 



' Eckhel, D. N. VII, 219. Orelli, 948, 949. 
2 Hist. de l'acad. des inscript. XXI, 70, 71. 
' Avellino, Opuscoli diversi, III, 178. 
* Lampridiiis, Helio«;. 17, 18. 

'•> Baiidi de Vesme in den Atti dell' accaderaia delle scienze di Torino 
1869, IV, 620. M..mnison, p. 892, L. 



4ty 

ein. In den Inschriften von Palermo ' und Walwick Chester - 
scheint auch der Name absichtlich ausgetilgt zu sein ; dasselbe 
ist der Fall in der Mörtelinschrift der siebenten Wächtercohorte 
zu Rom. 3 

Die vierte tribunicische Gewalt Elagabals, welche unser 
Diplom anzeigt, fällt in das Jahr d. St, 974 = 221 n. Chr. 
Denn er nimmt gleich nach dem Siege über Macrinus am 
8. Juni 218 die tribunicia potestas an und da diese Würde 
seit Trajan, oder doch sicher seit Antoniuus pius immer am 
1. Januar erneuert, das erste Regierungsjahr aber als voll ge- 
rechnet wurde, ^ so beginnt die vierte tribunicia potestas Ela- 
gabals mit dem Jahre 221. Es stimmt diess auch mit der 
Angabe der Consuln Gratus und Seleucus überein, welche in 
dem genannten Jahre die Consulwürde bekleideten. Der Tag 
der Ausstellung des Diplomes ist also der 7. Januar 221. Das 
oben erwähnte Fragment von Monza gehörte aller Wahrschein- 
lichkeit nach zu einem Prätorianerdiplome, das, weil schon der 
Adoptivsohn Elagabals und zwar mit dem Titel Imperator mit 
aufgeführt erscheint, gerade ein Jahr später, fast genau zwei 
Monate vor der Ermordung Elagabals (4. oder 5. März 222) 
auso-estellt worden sein muss. 

Nach dem Kopfe der Urkunde, welcher die ganze Titu- 
latur des Kaisers enthält, folgt der Text, in der für Diplome, 
welche Prätorianern oder Soldaten der städtischen Gehörten 
verliehen wurden, charakteristischen Stylisirung. Für solche 
musste schon aus dem Grunde eine andere Fassung eintreten, 
als für die Diplome der Legionäre und Auxiliarsoldaten, weil 
die Prätorianer römische Bürger waren, daher die bei ersteren 
übliche Verleihung des Jus civitatis entfällt. Ferner wird diesen 
keine honesta missio ertheilt, denn es waren eben Veteranen, 
denen das Connubium ertheilt wurde; es wird sonach nur ihres 
braven und tapferen Dienens gedacht, ohne Angabe der voll- 
endeten Dienstjahre. Eine weitere Eigenthümlichkeit der Prä- 
torianer-Diplome besteht darin , dass die Anerkennung der 
gesetzlichen Ehe ausdrücklich auf die erste Frau (nämlich 



> Orelli, 948. 

2 Bull, deir inst. 1851, 75. 

3 Ib. 1867, 14. 

^ Mommsen, Rom. Staatsrecht II, 501. Eckhel, D N. VIII. 414. 



44 Saukuu. 

nach dem Abschiede) und das Bürgerrecht nur auf deren Kin- 
der beschränkt wird, aber auch in dem besonders hervorgeho- 
benen Falle, dass diese Frau pereg-rini juris war; die Kinder 
sollten auch dann so angesehen werden, als wenn beide Eltern 
römische Bürger wäi-en. Die Auxiliarsoldaten erhielten das 
Bürgerrecht für die Kinder der Frau, mit der sie eben in ma- 
trimonium oder, wie es später heisst, in „concessa consuetudine" 
lebten, ' wenn diese eine römische Bürgerin war, ja die Ledigen 
sogar für die einer zukünftigen Frau. Erst durch das jus con- 
nubii wurden die Kinder der bürgerlichen Stellung und staats- 
rechtlichen Anerkennung theilhaftig, justi liberi et heredes, 
während die in inatrimonio erzeugten der Mutter folgten. 

Was die eigentliche Stylisirung anbelangt, so unterschei- 
den sich die Prätorianer- und Stadtcohorten-Diplome von den 
übrigen dadurch, dass in jenen der Kaiser nach Art der Edicte 
in der ersten Person spricht, in diesen w'ie bei den Leges in 
der dritten Person. 

Selbstverständlich sind bei der geringen Anzahl der Garde- 
soldaten die solchen ertheilten Heiratsbewilligungen weit sel- 
tener. Unter den 58 bisher bekannten Militärdiplomen sind nur 
acht an Prätorianer verliehene, darunter zwei kleine Fragmente, 
von denen das eine, d, als Prätorianer-Diplom nicht ganz 
sicher ist. Das unserige ist sonach das neunte. Sie sind von 
folgenden Kaisern : 

a) Vespasianus v. J. 76 (Kenner in den Mittli. d. 
k. k. Central-Commission z. Erforsch, u. Erhalt, d. Baudenk- 
male, XIV, 125. Mommsen, p. 853, X.). Gefunden in Ku- 
stendje, jetzt im kais. Antikencabinete zu Wien. 

b) Marcus Aurelius und Lucius Verus (Cardinali, 
Dipl. mil. p. 231. Mommsen, p. 889, XLVIL). Gef. zu Chieti. 
Fragment. 

c) Septimius Severus und Caracalla, v. J. 208 (Car- 
dinali, p. 250. Mommsen, p. 800, XLVIIL). Gef. zu Mantua 
und noch daselbst. 

d) Elagabahis und Severus Alexander v. .1. 222 
^Baudi de Vesme, a. a. O. Mommsen, p. 892, L.). Zu Monza. 



l>i|tlorii<' VMii riiilipims iiinl Dcoiiis, Moniinsen. p. SOG, 898. 



Üeber ein neues Militärdiplom von Kaiser Elagabalns. 45 

e) Gordianus v. J. 243. (Cardinali, p. 271- Momm- 
sen, p. 894, LIL). Gef. zu Lyon. 

f) Philippus Vater und Sohn, v. J. 248 (Thiersch, 
1. Jaliresber. d. baier. Akad. d. Wiss. 1827, S. 24. Mommsen, 
p. 897, LIV.). Gef. zu Mautua, jetzt in München. 

g-) Diocletian und Mitregenten, v. J. 298 (Monimsen, 
p. 900, LVII.). Gef. zu Torre d'Agnazzo, jetzt in Neapel. 
Fragment. 

h) Dieselben v. 301—305 (Mommsen, p. 900, I.VIII.) 
Gef. zu Avellino. Kleines Bruchstück. 

Wegen der verwandten Stjlisirung ist noch das einem 
Soldaten der 10. städtischen Cohorte verliehene Diplom an- 
zuführen : 1 

i) Caracalla v. J. 216 (Mommsen, p. 891, XLIX.). Gef. 
zu Faenza, jetzt in Rom. 

Damit der Text einen richtigen Sinn gebe, sollte nach 
Nomina militum folgen : Subjeci, wie in a) und i) ; indess fehlt 
dieses Wort auch in c), e) und f); b) hat subjecimus. 

Prätorianer-Cohorten waren anfangs neun, ^ Vitellius ver- 
mehrte sie auf sechszehn, welche Einrichtung jedoch nur kurze 
Zeit bestand, denn Tinter Vespasian finden wir, wie das Diplom 
a bezeugt, neun Cohorten. Die Errichtung der zehnten fällt 
wahrscheinlich in die Zeit Trajans; sie bestand schon im Jahre 
112. Unter den Diplomen kommt diese Zahl zuerst auf dem 
Marc Aureis und L. Verus von 161 (b) und von da an con- 
stant vor (c, e, f). Die überflüssige Aufzählung der Nummern 
I — X ist den jüngeren Diplomen eigen thiimlich. Sie heissen 
nach dem Kaiser Antoninianae, wie auf unserer Tafel (so auch 
die IV cohortes urbanae auf i), Gordianae (e), -Philippianae (f), 
Maximianae (g) und immer piae vindices. Statt: qui-militia functi 
sunt heisst es im Diplom Vespasians (a) quibus militia functis, 
in dem für die Stadtcohorten von Caracalla (i) in militia 
functi sunt. 

Der 7. Januar scheint in der späteren Zeit der Tag für 
die Publication der Prätorianer-Diplome gewesen zu sein ; os 
haben ihn auch die des Gordianus, Philippus und Diocletian 
(e, f, g), sowie das städtische Cohorten-Diplom Caracallas (i), 

' Tacitus, Ann. IV. ö. 



46 Sarkfin tTober ein neues Militiiidiplom von Kaisor Klagabalus. 

dag-eg-en ist der Ausstellungstag des Diplomes von Vespasian (a) 
der 2. December, der des Diplomes von M. Aurel und L. Ve- 
rus (b) der G. Mai. 

Die Namen der beiden Consuln des Jahres 221 lernen 
wir aus unserer Tafel bestimmter kennen. Inschriften, Cassiodor, 
die Fasti Idatiani und das Chronicon Paschale haben nur Gratus 
und Seleucus. ' Dio Cassius fp. 991) nennt sie Gratus Sabinia- 
nus und Claudius Seleucus, auch in den kleinen Florentiner 
Fasten hat Gratus den Beinamen Sabinianus. 

Der Name des Soldaten der vierten Prätorianer-Cohorte, 
welcher das Diplom erhielt, ist Marcus Septimius Maeticus. 
Ein zu Philippopel gefundenes, jetzt in Paris befindliches Militär- 
diplom Trajans v. J, 99 - wurde einem Soldaten der Ala prima 
Asturum, Namens Meticus, ertheilt; es scheint also ein in Thra- 
cien üblich gewesener Name zu sein. 

Unser Prätorianer gehörte zur Tribus Ulpia, einer der 
sechs imaginären Militärtribus, '^ Sein Geburtsort war die acht 
Meilen vom Fundorte des Diplomes entfernte Stadt Philippopel. 
Diese, in alter Zeit Eumolpias oder auch Paneropolis genannte 
Stadt, erscheint zwar bei den meisten Schriftstellern unter dem 
Namen Philippopolis, den sie von ihrem Gründer, Philipp IL 
von Macedonien, erhielt, indess wurde sie in späterer Zeit auch 
von ihrer Lage auf einem dreigipfeligen Berge Trimontium 
genannt. ^ Eben wegen des benachbarten Fundortes, weil es doch 
wahrscheinlich ist, dass sich der ausgediente Prätorianer in 
seiner Heimath niederliess, werden wir hier diese thracische 
Stadt, nicht die gleichnamige Britanniens, anzunehmen haben. 

Als Auf bewahrungsort . der Originalurkunde, von welcher 
unsere Tafel eine beglaubig-te Abschrift ist, erscheint der nach 
der Mitte der Regierungszeit Domitians (seit 93) gewöhnliche, 
nämlich die Wand hinter dem Tempel des Augustus ad Miner- 
vam zu Rom. 



» Bullet. 1849, p. 133; 1851, p. 76; 1867, p. 14. OrcUi- H enzen, 5514, 

6058. 
2 Mommsen, ]>. 863, XX. 
^ Vgl. Grutcr, DXXXII, 9, CMXL, 0. Fabretti, 340, 513. Orclli, II. 

p. 18, 54. 
* IM in. IV, 11. l'tnUMii. 



I 



VI. SITZUNG VOM 25. FEBRUAR. 



Der Vicepräsident gedenkt des Ablebens des corr. Mitgl 
der kais. Akademie Herrn Prof. Dr. Franz Lott. 



Der Secretär legt das von C. Wiener eingesendete 
Werk , Essai sur les institutions politiques de l'empire des Incas' 
vor und verliest das Begleitschreiben des Verfassers. 



Ferner wird ein Schreiben von Prof. Bergan in Nürn- 
berg, auf ein griechisches Grabrelief bezüglich, mitgetheilt. 



Das w. M. Herr Prof. Conze überreicht eine ihm von 
Prof. Conestabile in Perugia übersendete Schrift desselben 
zur Geschichte der ältesten italischen Kunst. 



Das w. M. Herr Hofr. v. Arndts legt die ihm von der 
Akademie zu Madrid übersendeten litliugraphischen Abdrücke 
der die Stadtrechte von Malaca und Salpensa enthaltenden 
Tafeln vor. 



48 

Herr David Kaufmann in Breslau sendet eine ALliand- 
lun«- .Die Tlieuloaie des Bacliya il)n Pakuda' und ersucht um 
deren Aufnalime in die Sitzungsberichte. 



Herr Dr. H. Weyda ersucht, sein von ihm eingereichtes 
Manuscript ,Kegister und Ui-kunden der Karthausen Gaming, 
Mauerhach und Aggsbach' in die Schriften der historischen 
Commission aufzunehmen. 



Das corr. Mitgl. Herr Scriptor Haupt sendet füi- die 
Sitzungsberichte eine Abhandlung ,Büiträge zur Literatur der 
deutschen Mystiker. I. Neue Handschriften zum Hermann 
von Fritzlar^ 



Das w. M. Herr Dr. Pfizmaier legt eine für die Sitzungs- 
bei-ichte bestimmte Abhandlung, betitelt: ,Die Geschichte der 
Mongolenangriffe auf Japan', vor. 



Das w. M. Hci-r Prof. Mussafia legt eine Untersuchung 
,über die provenzalischen Liederhandschrifteu des Giovanni 
Maria Barbieri' vor. 



Das w. M. Herr Prof. Siegel legt die Fortsetzung der 
Berichte über Handschriften des sctgen. Sclnvabcnspiegels von 
Herrn Dr. Ludw. Rockingcr in München vor. 



Die Aufnahme der von Herrn Dr. Atlalb. Htirawitz einge- 
sendeten Abhandlung , Ungedruckte Briefe Melanchthons' u. s. w. 
in die Sitzungsberichte wird genehmigt. 



49 



An Druckschriften vtrurden vorgelegt: 

Accademia Pontificia de' Nuovi Liiicei: Atti. Tomo III. Anno III. (1849 — 50) 

Roma, 1873; 4". 
Akademie, Siidslavi,sche, der Wissen.schafteii und Künste: Rad. Knjiga 

XXV. U Zagrebu, 1873; 8". 
American Association for the Advancement of Science: Proceedings. XXP* 

Meeting, held at Dubnque, Iowa. August, 1872. Cambridge, 1873; 8". 
Aiinuario marittimo per Tanno 1874. Trieste; 8". 
Bulletin of the United States Geological and Geographica! Survey of the 

Territories. Nr. 1. Washington, 1874; 8". 
Clarke, Hyde, Memoir on the Comparative Grammar of Egyptian, Coptic, 

and Ude. London, 1873; 80. 
Commissione Archeologica Municipale : Bnllettino. Settembre-Ottobre 1873. 

Roma, 1874; gr. 8«. 
Cosmos di Guido Cora. VI. Torino, 1874; 4». 
Conestabile, Giancarlo, Sovra due dischi in Bronzo antico-italici nel 

Museo di Perugia e sovra Tarte ornamentale primitiva in Italia e in 

altre parti di Europa. Torino, 1874; 4". 
Ge.sellschaft, k. k. mähr.-schles., zur Beförderung des Ackerbaues, der 

Natur- und Landeskunde: Schriften der hist.-stat. Section. XX. Band. 

Brunn, 1870; 8». 

— k. k. geographische, in Wien : Mittheilungen. Band XVII. (neuer Folge 
VII), Nr. 1. Wien, 1874; 8". 

— Deutsche, für Natur- und Völkerkunde Ostasiens: Mittheilungen. 3. Heft. 
September 1873. Yokohama; 4". 

Institut Egyptien: Bulletin. Annee 1872-1873. Nr. 12. Alexandrie, 1873; 8«. 

Kurschat, Friedrich, Wörterbuch der Littauischen Sprache. I. Theil, 
II. Band, 1. und 2. Lieferung. Halle, 1873; 8». 

M ittheilungen der k. k. Central -Commission zur Erforschung und Er- 
haltung der Baudenkmale, XVIII. Jahrgang. November-Deccmber 1873, 
nebst Supplementband, Heft 1. Wien, 1873 und 1874; 4". 

— aus J. Perthe's geographischer Anstalt. 20. Band, 1S74. Heft II. Nebst 
Ergänzungsheft Nr. 35. Gotha; 4^. 

Museum- Verein, Siebenbürgischer: Erdelenyi Muzeum, 1874. 1. Sz. 

Klausenburg; 8". 
Revista de Portugal, e Brazil. Nr. 9. Lisboa, 1874; 4". 

Sitzungsber. d. phil.-hist Cl. LXXVI. Bd. II. Hft. 4 



50 

jRevue politique et litteraire' et ,Revue scientifiqae de la France et de 
r^tranger'. III« Annee, 2« Serie, Nrs. 33—34. Paris, 1874; 40, 

Sinithsoniau Institution: Anuual Report. For the Year 1871. Washington, 
1873; 8". — Smithsonian Miscellaneous CoUections. Vol. X. Washington, 
1873; 80. 

Verein, Siebenbürgischer, für romanische Literatur und Cultur des roma- 
nischen Volkes: Transilvani'a. Anulu VII, Nr. 2 — 4. Kronstadt, 1&74; 40. 

Wiener, Charles, Essai sur les institutions politique, religieuses, econo- 
miques et sociales de l'empire des Incas. Paris, 1874; 4". 



Haupt Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. Ol 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker 



Yon 



I 



Josef Haupt. 



Unter dieser al%emeinen Bezeichnung sollen verschie- 
dene Hss. der k. k. Hofbibliothek einer eingehenden Betrach- 
tung gewürdigt werden, die bisher zur Seite geschoben von 
niemanden eines prüfenden Blickes für werth geachtet worden 
sind. Es finden sich darunter solche, die u.ns bisher schwer 
vermisste Quellen und Zeugnisse für schon bekannte Werke 
bieten; auch bisher unbekannte, höchst werthvolle Schriften 
der deutschen Mystiker werden wir kenneu lernen und für 
verloren gehaltene werden aus den Winkeln, in denen sie ver- 
borgen waren, hervortauchen. 

I. 
Neue Handschriften zum Hermann von Fritzlar. ' 

1. 

Die k. k. Hofbibliothek verwahrt unter der Nummer 2845 
eine Hs., die aus 257 oder, wenn man das letzte noch Text 
enthaltende, jedoch dem hinteren Deckel aufgeklebte Blatt mit- 
zählt, aus 258 Blättern besteht. Diese Blätter sind, mit Aus- 
nahme der zweiten Seite des Blattes 258, mit je vier Spalten 
(oder mit je zwei auf der Seite) von 39 bis 40 Zeilen beschrie- 
ben in der zweiten Hälfte oder gegen das Ende des XIV. Jahr- 
hunderts, und zwar von vier deutlich und scharf unterschiede- 



1 Fr. Pfeiffer hat dieses Buch im ersten Hunde der deutschen Mystiker 
(Leipzicr, 1845. 8", S. 1 — 258) abdrucken lassen aus der Heidelberger 
Hs. li;5 und 114 in zwei Bänden. Was der Herausgeber über das Werk 
S. XUI— XXn sagt, hat bis heute als unantastbarer Canon gegolten. 

4* 



52 Haupt. 

nen Hcänden. Die vier Schreiber haben sich in die Arbeit 
folgender massen getheilt: 

1. Von l'' bis einschliesslich 14^ schrieb der erste. 

2. Von 14« bis einschliesslich 24"^ schrieb der zweite, der 
jedoch seine Arbeit nicht vollständig- durchgeführt hat; er bricht 
mit der Spalte d ab und für den Rest des Textes blieb 25"'' leer. 

3. Von 25'= bis einschliesslich 96*^ erscheint wieder die 
erste Hand. 

4. Von 97* bis einschliesslich 156'^ schreibt wieder der 

zweite. 

5. Von 157* bis einschliesslich 204"^ wird eine dritte Hand 
sichtbar. 

6. Von 205* bis einschliesslich 258 schreibt ein vierter, 
dessen Schrift aber jener des ersten Schreibers sehr nahe kommt. 

Die Hs. ist aus Papier und Pergament gemischt, wie so 
viele Hss. des XIV. Jahrhunderts, jedoch findet sich in dieser 
gemischten Hs. die merkwürdige Thatsache, dass nur die 
früheren Lagen, nämlich I — VHI, gemischt sind, die folgenden 
aber oder IX — XXVI nur aus Pergament bestehen. 

Die Schreiber haben nach Lagen gearbeitet, und zwar 
sind die Lagen : 

I — VHI (Bl. 1 — 96) von dem ersten und zweiten, 
IX— XIII (Bl. 97—156) von dem zweiten, 
XIV— XVII (Bl. 157—204) von dem dritten, 
XVIII— XXVI (Bl. 205—258) von dem vierten geschrieben. 
Die Lagen I— XVII bestehen aus je zAvölf Blättern oder 
sechs Doppelblättern, die Lagen XVIII — XXVI aber jede aus 
sechs Blättern oder drei Doppelblättern. 

Wie man sieht, haben die vier Schreiber nach einer Vor- 
lage und darum auch nach Lagen gearbeitet mit der ganz 
geringen Ausnahme von 14*= — 24'', wo der erste Schreiber nicht 
nur die erste Lage, sondern auch von der zweiten das erste 
Blatt ganz und die erste Hälfte des zweiten Blattes schrieb, 
und mit dem ersten Blatte der dritten Lage seine Arbeit wie- 
der aufnahm und mit dem letzten Blatte der achten Lage ab- 
schloss. Die zwei ersten Schreiber haben zwei Lücken zu ver- 
antworten, die erste schon erwähnte auf 25*'' und die zweite 
zwischen 156 und 157, da 157* eine neue Messe beginnt, wäh- 
rend doch das Ende der ölosa über die zwei Söhne aussteht. 



I 



Beiträge zur Literatur der ilentBcheu Mystiker. Oö 

Die dritte und vierte Hand lial)en sich eines andern Feh- 
lers schiddig gemacht ; die dritte g-riff näniHch in die Arbeit 
der vierten hinüber und so kommt es, dass der grösste Tlieil 
des Textes auf 204"' von der vierten auf" 205^'' wiederholt ist. 

Der Inhalt der Hs. ist ebenso aus verschiedenen Werken 
zusammengesetzt. 1* — 4'' vertheidigt sich ein Laie gegen die 
,hochgelerten Pfaöen', und rühmt sich, die Evangelien in's 
Deutsche übersetzt zu haben und dass er zu Trotz den Pfaffen 
mit einer neuen Arbeit hervortrete. Worin diese neue Arbeit 
bestanden habe, wird nicht gesagt. Diese Vertheidignng steht 
auch zu lesen in der ?Is. 3063 der k. k. Ilofbibliothek. In 
beiden Hss. folgt dann eine deutsche Uebersetzung des Plena- 
riums, die in beiden wesentlich dieselbe ist, sie weichen aber 
vollständig ab in der Glosa oder den Erklärungen und Pre- 
digten über die Evangelien und Episteln. 

Diese höchst merkwürdige und kühne Vertheidigung werde 
ich in einem der folgenden Beiträge mittheilen, in welchem ich 
nachweisen werde, dass die handschriftlichen deutschen Plenarien, 
deren eine so grosse Zahl vorhanden ist, eine und dieselbe 
Uebersetzung enthalten , die identisch ist mit der in den ge- 
druckten, von denen Auflage um Auflage im XV. und XVI. 
Jahrhunderte erschienen ist bis zur Reformation. Diese That- 
sache ist um so bedeutsamer, als die Glosa auch nicht in zwei 
Hss. dieselbe ist, nicht einmal in den zwei Hss. der k. k. Hof- 
bibliothek , in denen die Vertheidigung des wahrscheinlichen 
Uebersetzers uns aufbehalten ist. 

Hinter dieser Vertheidigung folgt dann die rothe Ueber- 
schrift : 

4*^ Hie hebet (!) sich an die anevenge der messe 
coUecten epist^n (!) vnd di ewang^lio dorch daz iar. 

Dieser Inhalt des Buches ist vertheilt und eingetheilt auf 
zwei ganz verschiedene Weisen : 

a) 4'^— 24*^ die deutschen Texte der Messen vom ersten 
Sonntag im Advent bis zu Mittwoch nach dem sechsten Sonn- 
tag ,als man daz alleluia legete Der Schluss fehlt, da der 
Schreiber 25^^ leer Hess, wie schon bemerkt worden ist. 

b) 25<=— 98^ die deutschen Erklärungen der bisher über- 
setzten Evangelien, Episteln und Lectionen. 



Ft^ ' Hau 1) t. 

c) 98*» — 258'^'' die deutschen Texte der Messen vom Sonn- 
tag- vor der Fastnacht bis einschliesslich Charsamstag. In dieser 
Abtheilung- stehen die Erklärungen stets unmittelbar hinter der 
Messe, zu deren Evang:elium oder Epistel sie gehören. 

2. 

Der für uns wichtigste Theil der Hs. ist enthalten auf 
25c — 97b. Sämmtliche hier versammelte Predigten behandeln 
das einzige Thema aller Mystiker, nämlich die Geburt Christi 
in der menschlichen Seele. Sie stehen auch nicht zufällig hier 
in einer Reihe hintereinander. Sie waren schon vor 1340 zu- 
sammengestellt. In unserer Hs. ist die ursprüngliche Sammlung 
nicht vollständig aufgenommen. In Hermanns von Fritzlar 
Blumenlese sind einzelne unserer Predigten enthalten, während 
andere wichtige fehlen. Hermanns Blumenlese wurde im März 
1343 begonnen und 1349 beendigt. Alle diese Predigten ge- 
hören nothwendig nach Styl, allgemeiner und besonderer An- 
sicht einer und derselben Zeit an. 

Ich schreite jetzt daran, Hermanns Blumenlese und unsere 
Sammlung zu vergleichen. In dieser Blumenlese finden sich 
Predigten, die zu keinem Heiligenleben gehören, wie die 
weihnächtlichen. Ich werde ausführlicher sein, als vielleicht 
manchem nothwendig scheint, aber ich hoflfe auch zu erreichen, 
dass mir solche zustimmen werden, wenn sie ersehen werden, 
welch einen namhaften Reichthum von Besserungen Hermanns 
Text aus unserer Hs. erhält, zu welchem bisher keine zweite 
oder dritte Hs. bekannt war. 

Hermann ed. Pfeiffer. S. 27. H. 2845. ' 

Di prophezie zu der ersten messen. 
Den kristäbent merket di leccien. 

Zum ersten, wan ich werde langte sa- (44<=) Isaias spricht: ,vmme Siün wil ich 

gende, sprichit Ysaias: ,)ime Syon niclit sweigen vnd vmme Jerusalem 

enwil ich nit swigen noch ume Je- wil ich nicht ruen.' Nu spricht Syön 

rusälem enwil ich nit ruwen.' Sjon also vil also eyn spigel ader eine 



' Alles, was aus dieser Hs. hier abgedruckt wird, folgt genau der Vorlage, 
nur die Abkürzungen bis auf notwendige Ausnamen wurden aufgelöst, die 
Längen bezeichnet und die nothwendigste luterpunction augebracht Nach 
ihrer Sprache ist die Hs. im nordrjstlichen Deutschland geschrieben worden, 
Denis glaubt den Schreiber einen ,Moravum aut Bohemum-, Vol. II.. 
c. 20Ü8, wahrsclieinlich aber sind sie in Preussen oder den Nachbarlanden 
zu suchen. 



Beiträge zur Iiiteratnr der ileutsehen Mystiker. 



55 



sprichit alse vil alse ein spigelunge, 
und meinet hiterkeit des Icbeus. Je- 
rusalem diitet alse vil alse ein scho- 
wuncre und meinet daz ewige leben. 
Dise zwei wil di sele durch brechen 
vnd wil in alleine haben den si lip 
hat. . . 



beschaiivnge vnd meynt louterkeit des 
lebens vnd Jerusalem meint also vil 
also eyne stat ader eyn gesiebte des 
frides vnd meint daz ewege leben, 
vnd dise zwey wil di sele beide dorch 
brechen vnd wil uuer den alleyne 
haben den dö lip bot . . . 



S. 2«. 

Nil neme ich daz ewangelium hüte: 
,dö MariÄ, Jesu muter, was gemälet 
Josepe.' Maria sprichit alse vil alse 
ein vrowe, und meinet die sele di 
ires selbes gewaldig ist. Joseph spri- 
chit alse vil alse einre der da wehset 
und zu nimet und meinet ein gemute 
daz da wehset und zu nimet und 
bluwet und grünet in gotlicher ubunge 
und an heiligen werken . . . 



(das ewangelio mathevs in dem ersten 
teile) roth. 

(45'= )Dö Maria Jhesu muter was getrewet 
Joseph. Nu spricht Maria also vil also 
eyn (...) vnd meint (vnd meinet) di 
sele di ir selber gewaldik ist. Nv 
spricht Joseph also vil also ejmer der 
dö wechset vnd zu nympt vnd hy bei 
mak man uemen eynes fromen men- 
schen gemute daz dö wachsende ist 
und bleibende vnd grünende ist in 
gotlicher ubunge vnd an beilegen 
werken . . . 



S. 29. 
Di andere messe. 

Di andere messe an dem kristage di 
sal man singen halp bi tage und halp 
bi nacht. Di nacht meinet di gotheit 
di nimant durchgrunden noch durch- 
sehen mag. Der tag meinet dimenscheit 
di offinbar wart allen löten. Also spri- 
chit Paulus: ,di gnade unses heilandes 
ist erschinen allen lüten.' Daz ewan- 
gelium saget daz di engele quämen 
zu den hirten und sprächen: ,wir kun- 
digen üch groze vroude.' Vroude ist 
ein zubereitunge des herzen vnd ein 
berurunge lustlicher dinge und beger- 
licher, und danne ist si gröz wan si 
innerlich ist und deme geiste aller 
nehest geborn wirt und si kein be- 
trupnisse verloschen mag. Dar umme 
hat si zwo swestere di alle zit mit ir 



(hie hebet sieh an di ander mese di 
glosa dor umme saget man hie Lucas) 
roth. 

(49*) Nu sult ir merken also ich vor 
habe gesprachen ' (!) so synget man 
di ander messe halp bei der nacht 
und halp bei dem tage. Nil ist hi bei 
der nacht bedoutet di verborgene got- 
heit di so vinster ist vor aller kunst 
daz di nymant dorch gründen noch 
dorch synnen mak. Aber der tak meint 
di menscheit vnsers herren di dö often- 
bär ist allen fromen cristenmenschen. 
Also .spricht .sant Paulus: ,Di genäde 
unsers heilandes ist erschynen allen 
menschen.' Nu saget das ewangelio 
daz di engel quömen zu den hirten 
\ind sprechen : ,wir künden euch grosse 
freude.' Nu merket freude ist eyne 
bereitunge des herzen vnd eyn (49'') 
begerunge lustlieher dinge vnd begir- 



' Er hat nämlich über die Bedeutung der drei weihnächtlichen Messen in 
der Einleitung zur Predigt über das erste Evangelium 46'' —46= gehandelt. 



56 



Haupt. 



sint daz ist vride und Sicherheit. Gaude 
daz sprichit vroude . . . 



S. 31. 
Di dritte messe. 

Di dritte messe di singet man am tage, 
und meinet di offenbärunge unses 
herren Jesu Kristi menscheit, di da 
offinbar wart alle der werlde. Iz spri- 
chit Johannes : ,in dem beginne was 
daz wort.' S. Augustinus sprichit daz 
dise wort swer sint zu vernemene, wan 
hete Johannes icht höher gedütiret, 
alle di werlt enkuude in nit verstan- 
den hän. ,In deme beginne äne begin 
in dem vatere.' Alleine der vater si 
ein Ursprung des sunes, her enist doch 
nit edler noch junger dan der sun, si 
sint gliche. ,Ewig was daz wort.' Daz 
meinet daz iz in dem vatere ewiclichen 
ist gewest an weselicher einikeit , . . 



S. 34. 

Sente StephAnus tag des heili- 
gen merterers. 

Der erste tag nach dem kristage 
ist sente Stejjhäns tag. Den beget man 
als her gemartert wart, alleinc her 
doch nu nit gemartert si sunder in 



Heber, wen si ist so gross wenne si 
ynner ist vnd dem geiste aller nesten 
wirt, das si kein betruppenysse nicht 
vorseren mak. vnd der vmme so hot 
si zwu swestern di alle zeit mit ir 
sein. Di erste das ist freude, di ander 
heistsicherlieit, wenne Gaudium spricht 
freude . . . 

(hie hebet sich an di drite messe di 
glosa vber das ewangelio Johannis im 
ersten teile) roth. 

(50*) Di dritte messe di synget man an 
schönem tage Das meint di offenbärunge 
der menscheit vnsers herreu Jhesu 
Christi Dy dö oflenbärt wart aller 
werlde. Nu sult ir merken das ewan- 
gelio also is be (50'' ) schreibet sant 
Johannes in dem ersten gesetze vnd 
spricht also: ,In dem begynne was 
eyn wort.' hir über redet sant Augu- 
stius (!) vnd spricht also : Dise wort 
sint swer zu vornemen' vfi spricht vnd 
bette Johannes icht höcher gedonert 
alle di werlt bette in nicht gemocht 
vornemen noch vorsteen. Nu sult ir 
merken wi her spricht: In deme be- 
gynne. Alleyne in deme almechtigen 
vater ist eyn orsprunk des sones, so 
ist dach der son uichtes nicht junger 
wen der vater, euch ist her nicht ei- 
der wen (der sun) sunder sint gleiche 
alt vn gleiche ewik vnd dor vmme 
spricht: in deme begynne waz das 
wort das ist sein son, der ist ewik- 
lich in dem vater gewesen noch der 
wesenlichkeit der eynekeit . . . 

(di predig an sente SteflFans tag also 
her gemartert wart vor Jerusalem, die 
epistel in den werken der zwelfpoten 
das evangelio Johannes in XXIII) roth. 

(52"=) Man begeet houte sant steffanes 
tak also er gemartert wart, alleine her 
nü also an disem tage nicht gemar- 
tert sei svnder is ist gesehen in dem 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. 



57 



dem oweste; aber umme eteliche sache 
so sint dise tasre geleget bi dem kristag. 
Wanne Kristus ein lioubit ist aller 
mertere, so hat man allerleige mer- 
terere bi in gesatzit. Sente Stephan 
der was ein merterer mit willen und 
mit werken. Aber sente Johannes was 
ein merterer mit willen und nit mit 
werken. Aber di kindeline wären mer- 
terer an den werken imd nit mit wil- 
len, WaR si noch keinen willen gehaben 
mochten . . . 



herbeste, aber vmme etliche sachen so 
sint dise tage geleget bei den crist- 
tag. wenne Christus ist eyn lioujjt 
aller marter, so hot man dreierleie 
merterer bei in gesalzt, wenne sant 
steftan was ein merterer mit dem 
willen vn mit den werken, aber sante 
Johannes was ouch eyn merterer mit 
dem willen vnd nicht mit den wer- 
ken, aber di liben kynderlein di wö- 
ren merterer mit den werken vn nicht 
mit dem willen, wenne sy noch nicht 
keinen wyllen mochten gehaben . . . 



S. 35. 

Nu kere ich mich zu deme ewangelio, 
daz Jesus sprach zu den scharen vnd 
zu den fursten der pristere : ,we üch 
wan ir gesteinet habet di j)ropheten 
und getotit habet di boten gotis! des 
muz über üch kommen alle di räche 
des blutis daz ie gegozzen wart üfle 
di erden von Abel dem gerechten wan 
üfte Zachariam.' Hi sint zwei zu mer- 
kenne. Daz eine ist: den gruwelichen 
vluch den Kristus gap den Juden, di 
dö schuldig wären an dem valschen 
gerichte daz über di merterere gesez- 
zen ist. Daz andere ist daz grüwe- 
liche urteil, daz vber di irgen sal di 
noch unschuldig blut gizen und di do 
steinen di propheten . . . 



(das ewangelio Johannes in XXIII) roth. 

(03*") Jhesus sprach zu den scliarn 
der Juden vnd zu den fursten der 
jirister: ,we euch wenne ir gesteynet 
habet di propheten vnd getottet habet 
di boten Christi! Des mus vber euch 
komen alle di räche des blutes das y 
auf di erde gegossen wart von Abel 
dem gerechten bis auf das blut Za- 
charian.- Hir sint zwei zu merken, 
das erste ist den groulichen fluch den 
got dö gap den Juden, di dö scholdik 
wören an dem valschen gerichte daz 
vber di merterer geton ist. Das ander 
das grouliche orteil, das vber di er- 
geen sal di dö noch vnscholdik Ijlut 
{öH'^) vorgissen vnd di dö steinen di 
propheten . . . 



S. 36. 
Sente Johannes tag ewangelisten. 

Man heget hüte sente Johannes tag des 
ewangelisten. Den nennet daz ewan- 
gelium den junger den Jesus lip hate. 
Dise libc wisete ime Jesus an drin 
dingen. Daz erste : her offenbarte ime 
heimeliche ding. Ein zeichen rechter 
libe ist: waz ich waiz daz daz nun 
frunt ouch wizze . . . 



(an sente Johannes tag des ewangelisten 
vn zwelf poten in ende) roth. 

(ö-i*) Es ist honte sant Johannes tak 
des, ewangelisten, vnd das ewangelio 
nennet in den jvngern den Jhesu lip 
hatte, vnde dise libe di beweiste vnser 
herre Christus kegen j'm an dreien 
dingen. Das erste in deme, wenne lier 
ym vil heymelicher dink offenbarte, 
wenne das ist eyn rechtes zeichen 
eyner wörhaften (54'') libe, was icli 
weis das das ouch meyu frünt weis . . • 



58 



H a u p t. 



S. Sit. 
Der kiiidoliii t»g. 

Man begt't hüte den tiie du/, di sä- 
genden kint durch unses herren schulde 
irslagen wurden von dem kunige He- 
rode. Daz ge.«<chach nit alse hüte, vvan 
iz durcli daz gesat/.it ist alse hüte zu 
begene : wan des nit lanc enwas sider 
unser herre geborn wart daz si ge- 
slagen wurden und doch eines tages 
nicht geslagen wurden, so ist iz allez 
an disen tac geleit, daz man iz bege 
in siner geburte, wan si durch sine 
geburt irslagen wurden. Mine vil liben, 
der kunic Herodes was ein beiden, 
her inwas der Juden kunig nit. Sin 
vater hiz Antipater und was ein sche- 
chere . . . 

S. 45. 
Der achte tag des kristages. 

Man beget hüte den achten tag des 
kristages also unser herre besniten 
wart und zum aller ersten sin blut 
göz. Diz wer gnuc gewest vur alle 
der werlde sunde ob her iz dar zu 
geordent wolde haben, und iz was ein 
gröze demutikeit daz her sich wolde 
läzen besniden als ein sunder und nie 
sunde getet. Ime wart ouch der name 
gegeben als daz cwangelium saget 
hiite : ,dö di achte tage umme komen 
do wart daz kint besniten und hiz 
Jesus' . . . 



(an der lievligen kyndelyn tag di He- 
rodes lis toten do her vnsern herren 
lis svchen do vlöch Joseph vu Maria 
vor ader zoch lienwek niatheus in ij") 
roth. 

(5G'')Man beget houte der kyndelyn tak 
also di sougenden kyderlyn (!) ir blut 
vorgossen haben dorch der eren wil- 
len vnsers herren Christo Jhesu vn 
worden erslagen von dem konyge 
Herodes vnd das ist nicht g«scheen 
also houte an disem tage, wenne is 
ist doi'ch des willen gesatzt also houte 
zu begeene, wenne das lant was vn- 
sers herren gebort nicht, do sie er.sla- 
gen worden. Nu was der konik He- 
rödes eyn beide, wenne her was nicht 
der Juden konik vnd sein vater his 
Antipater vnd was eyn schecher . . . 

(ander besneydunge vnsers herren) roth. 

(öG**) Man beget houte den beilegen 
obersten tak an dem vnser herre Christus 
besnytteu wart vnd ist der achte tak 
noch dem Cristes tage, wen vnser herre 
bot an disem tage zu dem ersten möle 
sein blut vorgozzen dorch der men- 
schen willen vn were genvk gewesen 
zu erlosunge vor aller werlde svnde, 
ap her is dor zu geordent weide hän, 
^Tid sicherlich is was eyne gröse de- 
mutek (!) das her sich wolde lassen 
besneyden gleiche eynem sundigen 
menschen der in sunden enphangen, 
getragen vnd geboren wirt, wen her 
dach {]) ny keine sunde getet vnd do 
wart ym ouch der name gegeben also 
das ewangelio saget, wen der ewan- 
gelista spricht: ,dö der achte tak al 
vmrae quam do wart das kint besnyt- 
ten vnd wart geheissen Jhesus' . . . 



iS. 47. 
Der zwelfte äbent. 

Der zweU'te Abint. In anderen landen 
)ii'i/,i't i/ der oberste tag ume di grözen 



(an dem tag also di dri konyg zv vu- 
serm herren quomen) roth. 
(63i>) Ir sult wisse, das man houte 
begeet den tak also di drei konyge 



Beiträgp zur Literatur dor deutschen Mystiker. 



59 



diiii;- (li liüte g-eschehen .sin an den 
drin kiinigen: di suchten daz kint und 
funden iz also Imte. Daz bedütit, d;iz 
di drie krefte der sele stillen daz kint 
suchen. Vernunft sal in suchen ahsö 
alse her ein M'ärheit ist, und wille sal 
in suchen alse her ein gute ist, ge- 
hugnisse sal in suchen als her ein 
ewic lel)en ist . . . 

S. 49. 
Der zwelfte tag. 

Der zwelfte tag. Dar nach sprichit 
daz ewangelium : ,d6 Jesus geborn was 
in Bethleem Judä, äd quamen di drie 
kunige zu Jerusalem.' Daz ist: wan 
daz ewige wort geborn wirt in dem 
wesene der sele, so keren alle di uzern 
krefte von ii'dinschin dingen und en- 
haben keine behegelichkeit an in, und 
di obersten lu'efte keren alle in güt- 
liche beschowunge. ,Under Herödes.' 
Daz dute ich nu als eine geistliche 
gewalt. Textus. ,si vrägen, wo ist der 
geborn ist kunic der Juden?' Daz 
meinet di geburt gotis in der sele . . . 



S. 52. 
Der achtzcnde tag. 

Man beget hüte den achtzenden tag, 
und ist der achte tag des obersten 
tages, wan di liöchzit ist sA riche daz 
man alle dise achte tage do vone 
geiialden hat. Dar umme saget di lec- 
cie hüte : ,herre, ich sal eren und loben 
dinen nanien, wan du wirkest wun- 
derliche ding.' Daz meinet, daz wir 
got loben suUen uninie di grözen liücli- 
zit di gesatzit sint in dem järe, di in 
uns sullen wirken gröze innekeit, und 
in den wir uns sullen vernüwen und 
unser sunde lidig werden alse man 
liilte beget daz miser herre getouft 
wart ... 



svchten das kj'Ht vml funden is also 
honte. Das meinet dj drei crefte der 
sölc, di sullen ouch das kynt suchen. 
Zvm ersten s6 sal in vornunft suchen 
in rechter wörlieit. Zvm andern mole 
so sal in wille suchen also also her 
eyn oberstes gut ist. Zvm dritten mole 
so sal in ge (6o") declitenysse suchen 
also her eyn cweges leben ist . . . 

(also di dri konyg quomen di glosa 
das ewangelio matheus in ij teile) roth. 

((54"=) Das ewangelio spricht: ,d6 das kyn- 
delyn Jhesus wart geborn in der Juden 
lande in der stat zu Bethlehem, Do 
quomen di [(Si^) drei konyge zu Je- 
rusalem.' Das meint: wen das cwege 
wort geborn wirt in deme we.sen der 
sele so keren alle di oussern krefte 
des raensclien von oussern dyngen vnd 
von den irdischen dingen vnd haben 
vorbas me keine behegelichkeit dor 
an vnd di obersten crefte di keren 
aller sament in gotliche beschauvnge. 
Nu bedntitet Herodas (I) also vil also 
eyn geistlicher gewalt. Text. Nu vro- 
geten dise drei konige vnd sprechen : 
,w6 ist der der do geborn ist der Jvden 
konik?' Nil vornempt wen das meynet, 
das di gebort gotes in der seien . . . 

(also vnser herre getoufet wart das 
beget man hvte aber es ist eyne ader (!) 
zit gescheen) roth. 

(69"*) Nu sult ir merken das di lecze 
sprich (!) : , Herre, ich sal loben vnd 
öron dynen namen, wenne du wir- 
kest wunderliche werk.' Di glosa di 
spricht das dis meync, das wir alle 
got loben sullen vnd sunderlichen 
vmme di wunderlichen h6chzeit(;n di 
do gesatzt sint yn dem iär vnd di in 
vns wirken grosse ynnekeit vnd gnade 
vnd in den wir uns sullen vornewen 
vnd vnser sunden ledik werden, wonno 
man also houte begeet das amacht (i) 
also vnser herre getouft wart . . . 



ßO Haupt. 

Der Zusammenhang Hermanns von Fritzlar mit un- 
serer Sammlung ist zweifellos. Nun könnte aber Jemand den 
Einwand erheben, dass die Schreiber des Plenariums aus Her- 
mann unmittelbar geschupft haben, oder dieselben Quellen wie 
dieser in ihr Werk geleitet haben. Dass diess aber nicht der 
Fall ist, sondern dass Hermann und die Schreiber unserer Hs. 
aus einer grossen Sammlung Stücke ausgehoben haben, lässt 
sich streng erweisen. Ich muss dazu weiter ausholen und theile 
den Anfang der Erläutei-ungen mit. 
f. 20'= 

der erste svntagf in dem adevent ader in der zvkvft (!) vnsers herren Jhesv 
Cristi, wen ir sult wysseii das alleweg vyr svntag synt vor dem cristtag di 
bezeichen (roth). 

DO Jhesus nekente Jerusalem vrid quam zu Betpbai etc. E wen ich 
von den werten rede, sn nem ich daz wort, daz Sacliarias spricht: ,saget der 
tochter Syon, sich ! dein konik kompt gar senftniutik sitzende auf der eselynne 
vnd auf ireni iungen.* Nii merkt. Di tochter Syon, do meinte der herre mite 
Jerusalem vnd di ganze Judischeit, wenne Jerusalem was eyn houpt der 
Judischheit vnd di Juden his xpc seyn volk, vjid der vmme sprach er ,dein 
konik'. Aber das wort das er spricht ,er kompt' do meint er mite sam er 
Sprech: heis si sich bereiten mit togvntlichen werken vn mit aller demutikeit 
kegen irem konyge vnde obersten herren. Aber das er spricht ,der demutige' 
das meint sam er spreche: Er kompt nicht mit hochfart noch mit grosser 
menyge, mit vliermute nodi mit zorne also di werltlichen konyge komen, wen 
di zien vor di stet mit vnfride vil mit (25'') zorne, vnd wen si di stat gewi- 
nen vnd das volk vberwynden, so j)einegen si di leute vn nemen in was si 
haben, vnd also kompt nicht xpc, der wöre konik, sunder senftmutikllch vfi 
demvticlich, nicht zorn noch vnfride zu machen sunder den wören fride. Daz 
beweiste wol der engel, do der edele konik geborn wart, dö er sprach zu den 
hirten: ,Lop sei gote in der höe vnd fride den menschen auf der erden.' Er 
quam ouch nicht dor vmme, das er si peynegen ader in icht nemen weide, 
sunder dor vmme, das er si von der jämerigen pein erlosen wolde vn geben 
wolde das ewege leben. Text. ,auf der eselynne.' Das meint also ap er spre- 
che : er kompt nicht auf grossen rossen noch moulern hochferticliclien also di 
ander konyge sunder gar demuticlich auf eyner eselynne ouch (1. euch) zu 
eyncm bilde, daz ir mir noch volget in rechter demutekeit. Text. ,vnd auf 
irem jungen.' Das meint sam der herre spreche: ich kome nicht alleyne zu 
erlosen di Jvden snuder ouch di beiden, vn di wil ich l)eide brengen in eynen 
cristenen gelouben. vn du mite bezeichente er das, das er von (26») der 
alden eselynne sas auf den jvnden (I. jungen) rechte sam er spreche: Ich wil 
sein sam eyn eckestein, der dö zwu wende zusamene slousset, also wil ich 
di zwyne glouben in eynen slissen vn veste machen, vii also der verworfene 
stein den temi)el ganz und volkomen machte. Also machte xpc den tempe' 
der heilegen cristeniicit vnd sb)a in zu saraene mit eyne vesten glovl)en. Nu 
merkt, di aide eselynne hatte eynen satel vnd meint di Judischeit. Di iiatteu 



Beiträge znr Literatur der deutschen Mystiker. 61 

eyne E auf di sy mochten bowen, das meint di gesetze vnde di zeen gebot, 
di in got gegeben hatte, dor oflfo sie gewisslichen vii veste sitzen mochten, 
wen si dö mite äne zweifei des ewegen lebens sich erworen, ap si di gotes 
gebot vnd E bilden, vn des satteles hatte der iunge esel nicht, der dö meint 
di heidenschaft, wen di hatten weder di E noch der gebot gotes nicht. Ouch 
hatte di aide eselynne eynen zanm. Das ment, di Juden hatten den zauin 
der lere van den propheten, di sie lärten vii weisten si auf alle rechte wege, 
was si tvn vR lassen solde. vii des hatte ouch der iunge esel nicht, Das ist 
di lieiden. di beiden hatte des nicht vii dor vmme was des not, das (26*') 
der herre ouch auf den iungen esel sas vii satel vii zäum dor auf legete. 
Das meint das her eyne E vii di gebot gebe vii lerer, di sie weisten di rech- 
ten wege. Nu spricht sant Jerönymus, Das got ist komen in vierle (!) weise. 
Zvm ei'sten ist her komen wunderlich, wenne das were eyn gros wunder, das 
eyn grösser mechtiger konynk sich vorzige seiner grossen gewalt, richtum 
vn hireschaft, ere, wollest vii gemach vii seines guten gewandes, vii worde 
eyn armer dyner, vii muste grossen armut vii gebrechen leiden vn smöcheit, 
vii muste vii herter arbeit tun. Noch vii me ist das wunderlieli , das der 
almechtige konyk vii schepjjer hymels vii der erden vii aller dinge Ous 
seyner almechtigen hirschaft vii gewalt so gar mit eygynem guten willen 
zoch, vii gap sich also gar in manechveldik leiden also armut, vorsmenysse, 
vorspottunge , arbeit, iämerkeit vii manecherlei gebrechliclikeit, vfi lis seyne 
schone clärheit sich vorbergen in de groben sake der menscheit. Zum andern 
mole so quam her begirlich , Wenne nymant mak sprachen, das y keynes 
dynges mit grosserre begerunge (26"=) begert vii geheischen wart wen di der 
Zukunft xpi, vii des komen ouch nvczer vii nötdorftiger were, wen seiner 
liplichen zukunft allem menlichen gesiechte, vfi sunderlichen hatten di pro- 
pheten vii weissagen, di dö wören in dem vorborge der lielle, gros schreien 
vfi erlangen noch ym, vnd ouch was her sein sein (!) selben begirik zu vns zu 
komen. Zu dem dritten möle quam her gutiklich, Wen nymant mak ge- 
spreclien, das ymant gutiger gewesen sei wen xpc vnser herre, wen her bot 
gutiklichen geliden armut, vorsmenysse, vorspotten, lestern, hicze, huuger vn 
manecherlei gebrechen vn eynen schemelichen bittern tot, vn vor uns schalk- 
haftige seine widersachen, di dö also oftete widersten seynen wiUen, vn 
sunderlichen bot her in rechter gutekeit gebetten vor di, dy in so bitter- 
lichen peinegeten vii marterten. So wo ist y dervarn an keynem menschen 
so grosse vii manechveldege gutekeit, also der herre beweiset bot an vii 
cranker vn gebrechen menschen? So wer höt y dervarn so grosse deunite- 
keit loch von eyne armen menschen, also sich der herre aller herren, konk 
aller konyge, demutikliclien beweiset höt in alle seynen werken? Nu spricht 
sant Augusius, daz wir ym dor ynne volgen sullen vn sullen bereiten zu 
(26'') enphoen in dreierlei weise unser herze vn gemute rechte, also ein 
borger tut, so eyn grosser hörre wil komen in sein hous, so lest her sein 
lious gar reine kcren mit besemen, das dö kein vntlöt ynne bleibet; Ouch 
lest her is wol vfi schöne zircn mit vmmehengen vn mit schöne gefcsse; 
Ouch Schaft lier ym di beste speise vnd trank, dy Iier gehaben mak. Also 
sal nu der mensche tuen, der dö wil das discr erwirdige herre xjjc in seine 
hous kome. Der sal is zum ersten reine keren mit seynen besemen , vn di 



62 Haupt. 

beseme sullen dreierlei rutten haben. Di ersten sint: eyne wore rewe vn 
bitterkeit vinnie di sunde, Di andern: loutere beichte, Di dritten: volkomene 
busse vn willen hän der svnden nyinme zu tvne. Zum andern mole so sal 
her sein hous schone ziren mit manechveldigen togvndeu vii guten werken : 
Also mit schöner demutikeit, gedolt vn reinekeit etc. Zum dritten mole sal 
her dem herren bereiten eyne lostliche speise, Das ist eyne süsse andochte 
vn eyn ynueges gebete vii lypliche hymelische betrachtunge, dis sint alles 
gerichte, di gote gar lostlich sint. Also sulle wir vn.ser houser kegen ym 
bereiten, vn in bitten vn di konygyune Maria vmme geuäde zu reden un zu 
hören etc. 

Am ersten svntag im adefent (roth). 
Man begeet houte den ersten svntak in dem (27*) adefent. wen ir sult wissen 
das alle wege vir suntage sint vor dem cristes tage, vH di bezeichen vier 
zukunt'te unsers herren. Der erste suntak bezeichent di erste zukunft, das 
vnser herre quam vn geborn wart mensche in dise werlt von der konigynne, 
vn dor vmme tröget man, wor vmme der herre nicht wolde geborn werden in 
deme svmmer. Das ist dor vmme, das her vns eyn bilde gegeben höt, das 
her in leiden kernen sei in dise werlt, vn meint ouch, das man den armen 
menschen denne gutlichen tuen sulle, wen sie gemenlichen nymmer in dem 
iäre so nötik sint also vmme di zeit. Sante Bernhart spricht, das man das 
kint sulle heissen also: hercze libes kint, vn sol is heissen das libe kint das 
gotes son ist. Der ander suntak ist bezeichent dö bei, das got geistlich 
kompt in di ynnege seien. Also spricht sant Bernhart: ,liber herre, wi lostik 
ist denne (1. deine; zukunft der sele vn wi fridelich ist deyne vmmeföunge, 
vii wi peynlichen vfi iämerlichen ist dein abescheiden!' vnd dor vmme list 
man in der veter buche, das eyn altvater sas auf seinem bette in dem slöf- 
house, vfi begerte von ganzem herzen, das her dis libe kyndelyn seen 
mochte, das dö also nü zukunftik ist. Dö quam vnser libe frawe vnd bröchte 
ir libes kynt an irem arme vnd sprach zu ym: ,Nü nym das kynt, wenne 
du sein geuzliclien begert hüst, aber ich wil is dir nicht lange lassen.' Dö 
nam der (27*^; bruder das libe kyndelein an seine arme vnd halste is vnd 
koste is vn drukte is an sein herze vnd spracli : ,du herzen libes kint, das 
doreh meinen willen geborn ist worden in dise werlt!' vnd dor noch nicht 
lank, dö hisch vnse frawe ir kint wider, vnd der monech wolde is ir nicht 
gerne wider geben, vnd vnse frawe begreif ir kynt vnd zöch is zu ir, vii 
der monech zöch is ouch wider zu ym, vnd rif mit louter stymme seinen 
brudcrn vii sprach: , helft mir! helft mir! andres si nympt mir das kint.' Daz 
füren di bruder auf vnd warten, was ym were, vnd wöneten her were rösende 
worden. \nd dö funden si den moncchc sere betrübet vmme das her sein 
killt hatte vorliinn, Vnd dö .sagete her in, wi her is au seinem arme gehabt 
hette. Der dritte suntiik bezeichent, das xuiser herre selber komen 

wolde zu dem letzten ende unser Üben frawen, also sie von hynnen scheiden 
scheiden (I) solde, vnd noch kvmjit zu maneches fromen menschen ende, 
also flaut Augustius spricht von vnser frawen, das vnser herre mit seynen 
engel dö were, vnd spricht di schrift, das vnser herre were bei dem ende 
seyner liben wirtynne Marthan, dö di sterben solde, mit seinen liben apostelen 
vnd sprach zu ir: ,Mine libe wirtynne! kum nü ! wen du höst mich gar oÖ'te 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. DO 

geherberget in deinem house , vnd dor vninie so (21'^} kom! ich wil dich nv 
wider herbergen in der ewegen vi! unforgenkliclien selikeit'. Der vierde 

suntak bezeichent, wi got zu dem iungesten tage komen wil und orteilen sal alle 
menschen, wen hy von schreibet man in der veter buche , das eyn alt vater 
was, der truk seine rechte hant enpor virzik iar. dö vrögeten in seine 
bruder, was her dö mitte meynte, das her seine hant so stete enpor trvge, 
her esse ader tninke ader was her tet. Do sprach der bnider: ,d6 vorchte 
ich alles den zorn gotes vnd beite des iungesten tages'. Sante Jeronymus 
spricht: ,Ich esse ader trynke, Ich slOfe ader wache, so ist stete di stymme 
in meinen oren: stet auf ir toten vn kompt vor gotes gerichte'. vnd wen nü 
nicht bewegen di ersten drei zukunfte, di do gar lostlich sint, den sal di 
letzte, di gar grousam ist. vnd hir vmme so liabe ich eyn wort genomen, 
das stet in dem ewangelio daz man heute list, vfi spricht : ,geet ous ir tochter 
von Syön ! sich, deyn konik kompt'. Ysaias spricht: ,Seet, her brenget sein 
Ion mit ym'. Ouch spricht sant Augustius : ,Herre , du kumpst vii brengest 
alle deinen koufmanschaft. herre, Avas host du dach?' (sie) vnd her antwort 
in der persöne vnsern herren vnd spricht: ,ich habe reichtum das vberflossik 
ist'. , Herre, wi gibest du den?' Der herre spricht: ,ich gebe yn vmme 
armut, vnd ap des nymant wil, so habe ich (27'*) noch vil grosser freuden'. 
, herre, wi gibest du den?' spricht Augustius. der herre antwort: ,ich gebe 
si vmme beti'uppenysse?' Augustius spricht: ,herre, des wil nymant koufen'. 
,s6 habe ich noch vil eweger eren vii di gebe ich vmme vorsmenysse'. her 
sprach: , herre, is wil itzunt nymant kovfen wider dich'. Do sprach vnser 
herre : ,Ich habe noch eynen koufmanschaft, des alle creätüren begern in hymel 
vnd in erden, das ist leben'. Augustius spricht: , herre, wi gibest du das?' 
,Ich gebe is vmme eyn sterben'. Saut Paulus spriciit: ,alle tage werde wir 
getötet dorch xpiii wille'. Sant Bernhardus spricht: ,Wer dö fulen sal des 
eynsprechenes des ewegen wertes, der mus gestorben sein der nätüren'. Her 
spricht: ,Sage der tochter von Syön' Dö mite meint her die sele, di dö nv 
vornemen sullen di bögen wort von den bescliaulichen dyngen, wen di engele 
di sullen kundegen den menschen das ewege wort zukunftik, das dö also nü 
komen ist, vnd dor vmme stet geschriben in dem buche der libe: ,Gcct ous 
ir tochter von Jerusalem vnd seet den konik mit der cröne, dö mite in seine 
muter gecrönet höt'. Vnd ouch stet in dem selben buciie dö di mynnende 
sele spricht: ,Ich begere, das her ous gee vnd mych kvsse mit dem kosse 
des mvndes vii das her ous gee vnd souge di broste seiner mvter'. vii ouch 
spricht die sele: ,her kumpt spryngende also eyn recalp auf den bögen bergen'. 
Das sint di bögen ("28"; geiste, Aber di cleynen mocken das sint di menschen, 
di sich bekümmern mit werltlichen dingen vnd dö mite befangen scint. Vii 
dor vmme spricht her: ,sage der tochter von Syön der bögen worte der be- 
scbaunge, das ir konynk kommet'. Das ist: Got begert nicht mir (1. mer) 
von vns, wen das wir dy ougeu auf tuen vnsers gemerkes, vnd dor umrae 
sjjricht Ysaias: , Herre, weidest du den hymel reissen vnkomen (!) her nyder'. 
Ouch spricht her: ,das ertreiche tu sich auf vnd rawe den gerechten'. Eyn 
ander pröphete spricht: , Herre, kom vnd .säume nicht! wi lange wilt du 
säumen uii was tauk unser leben äne dich?' Eyn ander pröphete spricht: 
,Herre, is fuget dir das du kumest, wen du is höst gespracheu (l) und is 



Q^ Haupt. 

unser munt von dir gekündet hot, vnd dor vmme fuget sich das du is haldest'. 
Wen Isaias spricht: , Sehet den namen vnsers herren von verrens in elarheit, 
her feilet alles ortrich rait der kunft vnsers herren'. Ouch spricht saut Bern- 
hardus: ,Dis muge wir uns wol Schemen, das si s6 hitzik wören vnd wir 
sol (1. so) kalt sint, wenne der herre enkunipt nyrne hyn, wen do man sein 
hitziclichen begert vii wonet ouch nyndert wen in reinen herczen.' vnd dor 
vmme spricht her: ,eyn konyk' wen got ist eyn eygein (!j konik der sele, vn 
di scle eyne konygynne gotes, vnd dor vmme spricht her ,der konik' wen 
alle Winkel (28'') der seien suUen erfüllet werden, vnd dor vmme spricht 
man in dem buche der übe: ,Di libe hut vil heymelicher wege in irem 
garten'. Zum ersten senftmvtiUlich alle gebrechen zu vorgeben, demvtic- 
lychen Di togvnden alle zu üben. ,vnd reitende auf der eselynne'. Das be- 
zeiclient das wir den esel vnsers leichnames messiclichen halden sullen. sant 
Bernhart spricht : ,wer seynem leichnam gutlichen tut der sterket seinen vint'. 
Nu ist eine froge, Wi sich eyn mensche halden sulle in diser werlde, das 
is enphenklichen werden möge des ewegen Wortes. Sant Pavlus spricht in 
eyner epystelen: , Bruder ir sult auf steen von dem slöfe'. Do meint her 
myte dy buse gewonheit, di sal aller hyn geleget werden. Das ander spricht 
her : ,wert nicht geschawet', Das meint, das der mensche vil alleine des nachtes 
sal sein, wen alle creäturen sweigen vii ruwen. vnd dor vmme spricht sant 
Bernliardus: ,0 meyn herre, Ich frewe mich der langen nachte, das ich mich 
mit dir bekümmern .sal vn wol mit j'm erlosten'. Zum dritten mole so spricht: 
, nicht in legerbetten', Daz meint, daz man nicht trege sal sein. ,nicht in 
trunkenheit', Daz meint, daz man sol mesik (28'=) sein an der speise, an 
tränke vii allen dyngen vn sunderlich mit den werten, wen der mensche 
hyndert ofte gotes insprocht. also sal man ouch nicht foul sein in allen 
dingen, di dö gehören zu den eren gotes vnd zu der sele heil un sunderlich 
zu geistlicher vbunge, zu ynnekeit in dem gebete vii zu andächtigem be- 
trachten, wen dis ist eyne phorte dorch di got geet in di sele. Daz fünfte 
spriciit her ,nicht in schänden', Daz meynet, das dein (I. dhein) mensche sein herze 
vmme nicht ströfe zwischen ym vnd gote, vii das sein leben vnstrüf lieh sei vor den 
leuten. Das sechste spricht her ,vn nicht in crige', Daz meint, das der 
mensclie mit nymande sal crigen weder vor gerichte noch heymelichen, sun- 
der her sal steen an eyner ganzen vi! volkomen libe mit allen menschen. 
Zum sibenden möIe spricht her ,nicht yn hasse', Das meint her sal sein in 
eyner guten getrounge zu allen menschen , vnd sal sich wenen den aller 
snödesteu vnder allen menschen, vS sal sprechen: ,H6rre ihesu xpi. Ich vn- 
wirdiger armer sunder. Ich bitte dich, waz deinen aller libesten fründen vber 
bleibet, das du mir das gebest, vnd bitte mit Lasaro der brosemen, di do 
Valien von der reichen menschen tische'. Das sint die edesten (?) menschen, 
di di zeit geleisten mak , vnd di dö gote enphöen gar rieh (28'*) liehen. 
Kü ist eyne fröge, wi der lichnani sicli dor zu halde wen di sele das ewege 
wort en]>heet. Dis höt man eye figvrc in der alden ee. also di schrift 
8j)richt an dem dö vnser herre sprach zu Heliäs: ,Trit in di steinlncke, wen 
ich wil zu dir konien.' dö trat her in den stein vnd sach, wi eyn grosses 
fewer quam vii vorbrante alles daz dö was, vii der noch wart eyne ertby- 
dcmuuge, vii dor noch quam eyn rouschendes wasscr vnd fürte das alles hyn- 



Beiträge znr Literatur der deutschen Mystiker. 65 

wek. in disem allem was got nicht. Das erste was, das her in den stein 
trat, das meint eynen ewegen vnd vesten willen njnumer mir (1. mer) zu 
Sunden. Di ertbidemvnge die meint eyne stete vnd veste gotlich vorchte, 
di do geziret sei mit eyner getrounge zu gote. Daz fewer meint eyn gotrewe 
Übe zu gote vnd di dem leibe keine rüge lösse. Daz rouschende wasser 
meint di ynnegen zere, di der mensche weinet vmme seine sunde.. vnd in disen 
allen was got nicht, Das meinet di weile di sele mit disen toguuden vmme 
geet, so mak di sele nicht komen zu eyner stillen rue in ir selber. Aber 
dor noch d6 quam got in eynem wispelen, Das meynet in eyner vnsprech- 
lichen frevde des geistes vnd des leibes, wenne der mensche mus eyn gelassen 
sein ynnewenyk vn oussewendik in seine edelste (29'*) craft, vnd in di eyn- 
formekeit des wesens. Also spricht der prophete: ,dö alle creätüren hatten 
eyn sweigen, dö sprach got eyn stilles wort zu myner sele'. 

Das est di erste metwach in dem adevent di epystel schribet Jacobus 
im Y teile vnd spricht (roth). 

Sante Jacobus der leret vns, das wir gedoldik suUen sein zu diser 
lobelichen vnd seligen zukunft vnsers herren xpi, vnd meint das di zornygen 
vii di hessigen menschen di sint nicht enphelichen des ewegen lebens, vnd 
dor vmme so saget her vns, wi der ackerman gedoldiclichen vnd frölicheu 
beitet. Das meint, das wir vns sullen frewen zu diser erberlichen hoch zeit, 
wenne wer der were, der hir vor neme silber ader golt, der were nicht eyn 
rechter cristener mensche. Nu spricht her: ,reyneget ouch (1. üchj' Das 
meint, das sich di fromeu sich nii sullen reinegeu uon allen sunden vnd ge- 
brechen mit der beichte uö busse vn mit worer rewe vn mit guten vorsatze, 
di svnde me zu meyden so her meiste möge, wenne vor, do di cristenheit 
dennoch nev was, do enphyngen di menschen ; di dor eyn quämen, alle tage 
gotes leichnam; Aber do di menschen begunden zu kalden do nomen si in 
alle suntage. also tun noch sumeliche frome leute, di eyn seliges vii heileges 
leben füren vnd gote lip haben, vnd dor noch dö wart (29*') di cristenheit 
aber kalden me wen vor, do gebot man in zu enphoene drei stuut in dem 
iäre: zu Ostern, zu phyngesten vnde zu weynachten. Aber an dem suntage 
so gesegente man eyn bröt vnd gap is dem volke zu essen zu eynem ge- 
dechtenysse der dynge, di dö vor gescheen wören. Aber hi in disen landen 
wyet man das salt (?) vnd gibet daz dem volke in dem selben gedechtenysse. 
Aber wenne man in der messe gotes leichnam aufhebet, so sol man gedenken 
das vnser herre xpc auf gehangen wart au das beilege croutze, vnd wen man 
das salcz umme gibet, so sal man bedenken die bittern smerzen vnd peyne 
vnsers herren Jhesv xpi , vnd ouch , also ich vor gesprachen habe , sal man 
bedenken, daz di menschen zu allen messen nömen gotes leichnam, vnd dor 
noch, so man paczam (1. pacem) vmme gibet, vü das meint, das die leute 
sullen haben eynen sulichen fride vnder enander. , Sehet den richter an' 
Das meint, das sich di leute nicht under den ander sullen hassen in dem 
fride in diser zeit. Wer ken dem ander icht hasses bot der sal daz leuter- 
lich dorch got vorgeben, wenne der mensche liöt zweiorleie richter: Der eyne 
ist seyn eygyne gewissen, di in alle wege (29*^) in umme gibet, wenn her 
icht böses getut; Das ander ist getrevve gvte , das her alle dink sal orteileu 
an dem iungesten tage. ,das bilde der arbeit' Das meint, das uymmer kein 
Sitiuugbber. d pUil.-liist. Ul. LXXVl. Bd. II. Hfl. 5 



66 Haupt. 

guter mensche sal bogorii innssik zu sein, snnder man sal sich stete vben in 
vornunftigen werken vnd in heileger vbnnge vnd in betrachtunge. Aber 
leider, das ist alles war, das kalder vnd grober menschen iczunt mer ist wen 
ir y wart, vn des enwil ich dach (!) nicht anseen, suuder ich wil dach (!) 
eyne coUacio haben in dise adevent von acht ' vrogen : (1) Wy man sich nv 
bereiten sal, das man wirdiclJclien enphöe di gebort des ewegen Wortes, das 
der vater nv in nns sprechen wil in der wirdigen sele. (2) Di ander fröge 
ist, was gotes gespreche sei in der sele. (3) Dy dritte vröge ist, ap eyne 
sele sich so lonterliclien bereiten möge, daz got sein eweges wort in sei 
gesprechen möge. (4) Di virde vröge ist, in wel icher stat is in der sele 
ader in welicher craft is sei, do das ewege wort aller eygentlichst geborn 
werde. (5) Di fünfte froge ist, wi sich der geist dor zu halden möge. 
(6) Die sechste fröge ist, wi sich der leichnam dor zu halden suUe , wen 
das ewege wort nv gesprachen (!) wirt in den geist. (7) Di sybende fröge 
ist, ap key (29'') ne craft des leichnames ader der sele möge besteen in 
eren werken, wen das ewege wort gesprachen wirt in di sele. (8) Di achte 
vröge ist, weliches di göben sint ader di froiden, di denne der mensche enpheet. 
(9) Di nvende fröge ist, wo bei man di menschen erkennen sal, di dö steen 
in dem gotlichen eynsprechen, vn in den das ewege wort gesprachen wirt. 
Wenne alles das das man gesprechen mak zu diser höchzeit, Das ist alles 
begriffen in disen nven frögen vil dor vmme so habe ich si willen ous zu legen 
noch der beilegen glösen vn noch der lerer ouslegunge. 

Neun Frag-en stellt also der Verfasser auf, um sie in den 
Reden über den biblischen Text in den vier Wochen des Ad- 
ventes zu beantworten. Am Schlüsse der Predig-t zum ersten 
Adventsonntage gibt er auf die zweite der neun Fragen die 
Erklärung-, was die Geburt Gottes in der Seele sei, also: 
(30'') Nu neme ich eyne fröge von gotes gebort in der sele. nv ist nicht me 
wen eyn sunderlJch bemiren dö mite got di sele beruret in eyner heymelich- 
keit vnd in eyner sunderlichen weise, wenne got spiücht sein wort in allen 
creätiiren. aber keyne creatiire mak sein gewar werden wenne alleine vor- 
nunftige creatüren, vnd dor vmme so sal man des war nemen in dem vater also 
eyn wort, vnd bei deme vater (? sun) also eyne wesenliche persöne, vnd in dem 
beilegen geisre also eyn siezende zil irre ewegen selikeit, vn ist in der sele 
also ein widerblik ires vornunftigen bildes (31») vii in allen crefitüren also 
eyn enthalden ires wesens. Der sele gebot zu gote ist das si sich neiget 
auf got, vnd sjjorct dem ewegen worte noch ilon-li alle creatüren in das 
väterliche herze, so entdecket viul entplöset got seine gebort dt>r sele, vnd 
BÖ denne veilet di sele mit übe vnd in bckentenysse auf di gebort, di ir 
geej'noget ist. also treit der vater sein wort in di sele vnd treit di sele das 
wort wider in den vator, vnd das wir des Wortes in viiser sele gewar werden, 
des helfe vna das ewege wort. 



' Hier hat der Schreiber geirrt; es nuiss lieissen ,vi)n ninn vragen', wie 
man .'ins ilcni Ti'Xto i-rsieht. 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. Ol 

Am Schlüsse der Predigt über die Epistel des Mittwochs 
nach dem zweiten Adventsonntage beantwortet er die erste 

Frag-e also: 

(34-'') Nii nenie ich imsei' vrogen eyne, Dy du von spriclit, wi sicli der mensche 
bereiten suUe zu dem eweg-en worte. Zum ersten möle, s6 sal her alle 
creäturen in ym gesweiget haben , also das keine creäture ym zuspreche , uü 
das her oncli ir mite nichte zuspreche, wenne in (34'^) weliclier sele di 
creäturen sprechen, Do enniak der vater seyn woi't mit nichte in gesprechen 
auf das lovterste. Ich wil sprechen eyn grosses wort , das sullen wenynk 
leute vorsteen: Di weile di sele spreche er (1. ir) eygin woi-t, Di weile s6 
inmak der vater in ir nicht geberen auf das hogeste. Di ander bereitunge, 
di di sele nius haben. Das ist, das si sich selber lasse alzv mole, di llas 
ewege wort enphoen sal, daz muz io sein. Dis is* beweiset von sant Paulus 
uil an unser frawen, in den das ewege wort gesprachen wart, wen also 
Paulus spricht: ,herre, was wilt du das ich tue?' vnd unser frawe sprach: 
,mir geschee noch dynen worten' rechte also mus der mensche seynes selbes 
ous geen vnd ir selbes vorlouken vnd gotes eigen werden. Di dritte bereit- 
schaft ist, das der mensche sal syne vornunft auf heben vii sal seen. Also 
spricht das ewangeliö: ,Saget der tochter von Syon, das si sei das lustliche 
werk, das dise geleisten mak'. Sich, wi begirlich lier kompt, wen her spricht: 
,Dis ist meine freude, das ich wone mit den kyndern der leute'. Sich, wi 
snellichen her kompt, wen her kompt spryngende vber di berge also eyn rech- 
calp. sich, wi gewaldielich her kompt, vn (34'=) wen her kompt, so spricht her: 
,Icli habe geloufen also eyn rise mynen wek'. Das vierde, das man diser 
gebort groslich begern sal , wenne eyne gute begerunge ist eyne vs'ortzele 
aller togunde. Di vnd ander togunde gebe vns der almcchtige got. Amen. 

Die dritte Frage beantwortet er am Seh bisse der Predigt 
über das Evangelium desselben Mittwochs also: 
(35*) Nv neme ich aber unser frogen eyne vü di ist also: Ap der mensche 
sich also bereiten möge, das got sein eweges wort in di sele gesprechen möge. 
Ir sult wissen, das dö zwei (35'') erlei not in gote. Di eyne ist: dö sich got 
mite Übe vn mit pflichten vorstricket vnd vorlobet bot zu den creäturen, des 
enlesset got nymmor mir (1. mer), wen di sele bereit ist, her müsse sich ir 
geben von not vn dor vmme spricht xpc zu Zachario: ,Ich mus bleiben in 
deinem house.' Es ist eyn ander not: Also ein itzlich gut dink gemeynot 
alle dem, das seiu enplienklich ist, vnd dor vmme were is wider gotes gute, 
das her sich vns vorbilde, wen wir sein enplienklich weren. Di dritte not 
ist, hat nü eyn andere gewalt vnd eyner not sache un das enmak yn gote 
nicht gevallen. Dy meister spi-echen , das alle dyc' werk , di di sele wirket 
mit gote vn in der gnädeu, daä her den Ionen möge, aber nicht also lier 
wil, wen das werk der creäturen ist gemeyne vn in zeit vnd dor unnnc sint 
si zu cleyne vnd zu snöde, das in got von rechte Ionen dorfe. aber di werk, 
di got in vns wirket äne unser zutun vnser craft, vnd do di .sele ous geet 
irre eigynen werke, vn got mit seynem werke uberhant nyMiet dö geet di 
sele ous mit louterm leiden vnd got nympt loutere werk, vnd alle di werk 
di got also wirkeit (!) in der sele, den ist her scholdik zu Ionen von rechter 



68 Haupt. 

phlichtekeit. Wenne di werke sint (35«) so gotlich vnd so ewik vn so 
vmmessyk vnd so nuen in gotlicher ere, das in got nicht anders gelonen 
mak wen mit ym selben, wen dise sint di edelsten menschen, di dise zeit ge- 
leisten mak. Johanes sijricht: ,Selik sein dise töten di in dem herren sterben'. 
Di wcrlt ist in freuden tot vn sie sint in ein (1. in) selben tot. wen also 
weuynk also eyu töter mensche gestreiten mak weder eynen lebendyngeuj 
also wynynk mak der ousser mensche gestreiten wider den ynneren. Dis 
haben si dorchgangen mit grosser iibunge vn mit vil gebetes. wenne man 
vyndet vnder disen uewen beilegen,' di dö itzunt leben, das sie vngerne 
icht hetten vnd das sie keines gebrechens nicht enachten vnd di geselle- 
schaft der menschen nicht flien, vnd vor disen selben huttet euch ap ir selik 
weit werden. 

Am Schluss der Kede über die Lection des Mittwochs 

in der Quatember nach dem dritten Adventsonntag-e wird die 

vierte, fünfte und sechste Frage also beantwortet: 

(38") Nu ist eyne vröge, in welicher stat der sele wirt das ewege wort aller 
eigentlichest geborn. Di ersten sprechen in der vornunft, wen si gote aller 
gleichste ist. Di andern sprechen: Is werde geborn in dem willen, wen her 
eyne freie craft ist der sele. Di dritten sprechen : Is wei-de geboren in dem 
teile das dö hcisset eyn funke der sele, wenne her gote aller nesten ist. 
Di fierden spreclien: Is werde geborn in vor (38*^) borgenkeit des gemuttes, 
wenne also ofte also eyn mensche enphet eynen guten gedanken von der 
menscheit vnsers herreu Jhesu xpi ader von dem ewegen worte ader enphj'ndet 
einer newen lost ader vorsteet eyner newen wörheit, Also ofte also diser 
stucke keynes geschit in dorn menschen , also ofte wirt das ewege wort in 
der sele geborn. Di fünften sprechen vn mit den halde ich is allermeist: is 
werde geborn in dem aller ynnersten des wesenes, vnd des werden gewar 
alle crefte der sele. Nu ist eyne fröge: wi heldet sich di sele dor zu? Nv 
merket, si trit in eyn louter leiden vii lesset gote wirken noch alle seinem 
willen. Wi heldet denne der leichnam dor zu? Der ist in eyner stillen rue, 
also daz her keine bewegvnge nicht mak gehaben seiner gelider, wen di 
oberisten crefte iiaben denne dy nydersten eyn geholt vii steen alles in eyner 
stillen rue, vnd in den wirt das owego wort geboren gleich in dem geiste 
vnd in der libe. vnd dor vmme sulle wir gote mit tleisse bitten das her uns 
gebe , daz wir dis ewegen Wortes euch gesmecken vnd enphynden müssen, 
hy in eynem vorsmacke vnd dor noch dorte in dem ewegen leben sein ewic- 
lich gebrouchen mvssen. Amen. 

Was ist es nun mit den andern Fragen? Auf die achte 
und neunte Frage steht die Antwort bei Hermann und in 
der Hs, und zwar beidemale am Schluss der Predigt am acht- 
zehnten Tag nacli Weihnachten. 



' Wen versteht der Auetor unter den neuen Heiligen? Wie an anderen 
Steilen die ,Pfaflon'? 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. 



69 



Hermann S. 55. 

Nu neme icli di achte vräge: 
welicli di gj'ibe oder di fruchte sin 
di dem mensche gegeben werden in 
deme daz Owige wort gesprochen wirt. 
Daz erste ist: der mensclie wirt ver- 
einet mit gote. Daz ander: her wirt 
gotis sün von gntlden. Daz dritte: 
her wirt gotes erbe. Daz virde: alle 
kncchtliclikeit vellet ime abe. Diz 
sprichit sente Paulus und benimet 
dise voUekumenheit alle vire, da her 
sprichit: ,in Ki'isto enist weder Jude 
noch Kriche, noch wip noch man, 
noch knecht noch vrie: si süit alle 
ein in Kristo und sint gotis sune; 
und sint si sune so sint si erben von 
gote'. Unde dise vorgenanten stucke 
di zweite und dise vii-e de bewisen 
daz hoste leben daz dise zit geleisten 
mac. Welich mensche der stucke au 
irae nicht enliät und dar ane ver- 
sümit ist daz her ir nicht wil irkrigen, 
dise gebrechen nennit sente Augusti- 
nus geistliche sunde. Der ir aber nit 
enhat und di vorgenanten stucke ir 
volgit hat, zu deme mag der hime- 
lische vater sprechen : ,diz ist min 
Über sun in deme ich mir wolgevalle'. 



Nu neme ich di nunden vrage, wo 
bi man disen menschen irkennen sulle 
in deme daz ewige wort gespi'ochen 
were. Daz erste ist: dise lüte sint 
gestorben blute uiid vleische und alle 
irre begervnge. Also sprach sente 
Paulus: ,srder daz daz ewige wort in 
mir enteckit wart daz iz geborn wart, 
so engelebite ich nunimer mer blute 
noch vleische'. Daz andere stucke 
ist : daz lipliche vroude und alle zirde 
dirre werkle ist alse ein sur wint in 
irre sele. Dar umme spriciiit sanctus 
Gregorins : ,werltliche vi-oude und 
werltliche ere enist nicht mö danne 



Hs. 2845. 

(71<i) Nu neme ich die achte vrogc di 
icii nu lis, Di dö saget von den dyngen 
welich es di goben in der frögen sint 
ader di frochte di dem menschen 
gegeben werden in deme das ewege 
wort gesprach en wirt. Das erste ist 
das der mensche mit gote voreynet 
wirt. Das ander das her gotes son 
wirt von guädeu. Das dritte das her 
gotes erbe wirt. Das virde das ym 
deuae alle knechtlich keit abe vellet. 
Dis spricht sant Paulus und nennent (!) 
dise volkomenheit alle vire: , ju christo 
ist wede Jude noch criche, noch weip 
noch man, noch knecht nocli frei, 
wen sy sint alle gotes sone vii seint si 
sone so seint si onch erben von gote'. 
vnd dise vorgenanten stucke di zwelfe 
vud dise vire di beweisen daz högeste 
leben das dise zeit geleisten mak, 
vud Avelicher mensche diser dynge 
nicht enhot vnd dor an vorsaumet 
ist, also das her ir nicht ercrigen 
wil , vnd disen gebrechen nennet 
sante Augustius geistliche sunde. Der 
ir aber nicht enhette vnd dach di 
vorgenanten stucke derworbenh6t(7-J^) 
von den mak der vater von hymel- 
reiche wol sprechen: ,Dis ist mein 
Über son in deme ich mir wol gevalle'. 
Nii neme ich di nfiende froge, di 
ich ouslegete in der ersten mytte- 
wachen wi do ousgeleget wart, wo 
bei man eynen suliclien menschen 
erkennen sal in deme das ewege wort 
geboren wirt. Das erste dasder mensche 
gestorben sei blute vnd fleische vn 
alle irre begerunge. Also sprach sant 
Paulus: ,Syut das ewege wort in mir 
enttecket wart so lebete ich nymmer 
deme blutte noch deme fleische'. Das 
ander ist di leipliche freude , dy ist 
also eyn swert in der sele vnd iäch 
also eyn totlicher vynt, vn dor vmme 
spricht sante Gregorins: ,werltliche 



I 



70 



H au p t. 



uugerochene bosheit'. Daz andere ist : 
dise lute siiit näwe horchore in sich 
selber, waz got in si S])reche, als der 
prophete DÜA'id sprieliit: ,ich wil 
hören waz got in mir spreche'. Daz 
dritte: dise lüte sint unentsetzeliche, 
und nimant mac si erzornen noch 
betrüben. Also sprach Kristiis: ,in 
üwerre gedult sult ir besitzen üvvere 
sele'. Daz virde ist: dise lüte keren 
alle dinc zu dem besten. Dar umme 
mugen si nicht geergert werden von 
der bosheit alle dirre werlde, also 
sente Paulus sprichit: ,wir wizzen, 
daz den got minnenden alle dinc zu 
ffute komen'. Daz fünfte ist : si en- 
begeren über nimanden zu sine, sun- 
der si leben in dirre werlde alse ob 
nimant ensi danne si vnd got alleine. 
Dar um so gebirt der hinielsche vater 
in in sinen sun fine underlaz, vnd 
dise geburt ist gemeine allen men- 
schen di sich dar zu wollen keren. 
Dar umme nennet si got eine hlumen 
des veldes, wan di veltblume mac 
brechen wer da wil, wen si ist ge- 
meine, und si wesset gerne an dürren 
steten und hat einen harten stengel 
und hat fünf bletere uffe irme stamme. 
Diz läze ich allez legen. Bitet got 
daz wir dirre warheit also gelebeu, 
daz wir mit ime sin ewiclichen. amen. 



frende vnde werltliche ere di (en) en 
ist nicht me wen eyne vngerurekeit 
der bosheit. Das dritte ist das diser 
mensche alle zeit höret in ym selben 
was got in ym spriclit. also siiracli 
lier David: ,Ich wil hören was got 
in mir spricht'. Das virde ist das 
diser mensche ist unentsetzlichcn 
wene uymant mak si erzornen nocli 
betrüben, vn dor umme sprach Chri- 
stus zu sey (72'') neu lungern; ,in 
ewere gedolt wert ir besitzen ewer 
sele'. Das fünfte ist Das dise men- 
schen alle dink di koren si io zu 
dem besten vnd dor vmme so en- 
mogen sie mit nichte geergert werden. 
Also spricht sant Paulus ; ,wir wissen 
das wol das den fromen menschen 
alle dink komen zu gute'. Daz sechste 
das ist das si nymandes begern zu 
Seen, svnder sie leben in diser werlde 
rechte sam nymant sei wen nvr sie 
vnd got alleine, vn dor vmme so ge- 
biret der hymelische vater von hymel- 
reich in en (1. in) synen son äne 
vnderlös, vnd dise gebort ist gemeyne 
allen menschen di sich dnr zu keren 
wellen, vii dor vmme so nennet sich 
vnscr herre Christus eyn veltblume, 
wenne rechte sam di veltblumcn di 
mak aller lei menschen w(d nemen, 
wen sy sint gemeyne vnd frei, vnd si 
wechset ouch nyrn wen auf dorrem 
ertriche vii si bot ouch eyneu lierten 
Stengel vnd höt nver fvnf blettere. vnd 
was hy bei bedeutet ist, das wer zu 
lank nv ouz zu richten sunder wir 
suUen bitten gote vnsern üben vater 
daz her vns gebere zu dem [l'i") 
ewegen leben vnd des helfe vns got 
allen, amen. 



Hennaiiii hat also iiutli wendig- aus einer Saiiiniluiig- ge- 
schöpft, die mit dei- uiisern nahe verwandt war. Die Ant- 
worten auf die Fraji;en 1—7 kann er gar nicht enthalten, da 
er die Predigten über die Episteln und Evang^elien der Advent- 



Beiträge zur Literatur dor deutschen M3'stiker. l 1 

zeit in seine Auswahl nicht hinüber geuoninieu hat oder hin- 
über nehmen liess. 

Diese neun Fragen sammt den Antworten finden sieh als 
achter Tractat des Meisters Eckhart bei Pfeiffer abgedruckt 
H. 478 fF. Ich sehe von der grösseren Ausführlichkeit, die 
besonders den Antworten auf die Fragen 3—5 zu Theil geworden 
ist, ab. Wichtig aber ist, dass die Antworten auf Frage 2 — 9 
mit den Worten schliessen: ,des helf uns got, die (daz) geb 
uns got, zuo der wärheit helf uns got', d. h. mit den Worten, 
mit denen die Schlussreden der Predigten meist eingeleitet 
werden und auch in unserer Hs. damit schliessen, wie wir 
gesehen haben. Ferner kommt in Betracht, dass bei Pler- 
manu die Stelle des Evangeliums ,diz ist min über sun, in 
deme ich mir wol gevalle' erläutert wird, nämlich welche zwölf 
Stücke der Mensch besitzen müsse, um Gott wohl zu gefallen, 
dann wird erst die achte Frage' beantwortet, oder von den vier 
Gaben und Früchten geredet, die ein Mensch geniesst, in dem 
Gott wieder geboren wurde. 

Das Evangelium , die Erklärung , die achte Frage und 
Antwort alles fugt vortrefflich bei Hermann nicht so bei 
Eckhart. Er kommt erst nach der achten Frage auf diese 
Dinge zu reden und hebt an: ,Nu iiime ich daz wort: daz ist min 
lieber suu in deme ich mir wol gevalle' etc. Damit ist aber der ein- 
leitende Grundgedanke, der bei Hermann S. 54, Zeile o — 14 
der Erklärung voraufgeht, vollständig übersprungen, und die 
ganze Folge der Gedanken in Unordnung gebracht. 

Offenbar ist dieser Tractat aus den Werken Eckharts 
zu beseitigen ; er ist eben entstanden, indem ein Liebhaber sich 
die neun Fragen und die neun Antworten aus dem grossen 
Sammelwerke heraus las und zusammen schrieb. ' 

Bei Hermann von Fritzlar findet sich noch eine andere 
merkwürdige Thatsache. Er hat nän)lich noch eine oder 
mehrere Theorien vitn der Geburt Gottes in der menschlichen 
Seele an den Schlüssen seiner Legenden verarbeitet, aber nicht 



' Aus dem Quellenverzeiehnisse, das Fr. Pfeiffer S. VIII — X seinem 
Eck hart vorantjestellt hat, ist genau zu ersehen, woher er diesen 
sogenannten Tractat genommen hat; diese Hs. aber wäre gerade sehr 
wichtig zu kennen und /.war im einzelnen, es ist der S tu ttgar ter cod. 
theol. ö". Nr. IS. 



.72 Hdupt. 

an den Schlüssen aller, sondern nur derjenig-en, die in die Ad- 
vents- und Weihnachtszeit fallen . und zwar finden sich die 
Stücke 11. Barbara 4. Dec. Nicolaus <). Dec. Lucia 
13. Dec. Thomas apost. 21. Dec. Silvester 31. Dec. 
endlich am Tage Pauli P]remitae 10. Jänner resp. 15. Jänner 
,Wi man diz kint ctzen suUe vncle sougen . . . wi man dax kind wigen 
suUe viid singen.' Diese Stücke kommen in der Hs. 2845 nicht 
vor, da die Schreiber alle Heiligen grundsätzlich ausgeschlossen 
haben. In eben dieser Handschi'ift handeln aber alle Erklä- 
rungen vom ersten Sonntage im Advent bis zum Sonntag ,also 
man das alleluia leget' nur von der ewigen Geburt. 

Ist dies ein Zufall? Gewiss nicht! Her mann und die Wien er 
Hs. haben, wo nicht unmittelbar, so mittelbar, aus einer Vor- 
lage geschöpft, in welcher die Evangelien und Episteln auf die Tage 
der Heiligen sammtden Erklärungen nicht von den sonn- und werk- 
täglichen geschieden waren. Sie gehören alle zusammen, wenn 
diese Erklärungen auch von verschiedenen Verfassern herrühren. 

3. 

Von verschiedenen Verfassern w^erden dieselben ohne Zweifel 
herrühren, wie schon aus der Art und Weise, die Episteln und 
Evangelien zu erklären , kann gezeigt werden , auch der ver- 
schiedene Stvl gibt dafür Zeugnisse. Auszuscheiden sind vor 
anderen die Predigton über die neun Fragen mit ihren Ant- 
worten, die bestimmt nur einem in der Mystik vertieften Manne 
angehören. Die anderen gehen weit auseinander, besonders 
diejenigen, die nach den Weihnachtstagen fallen. Aber der- 
jenige , der zuerst diese Predigten in ein Buch versammelte, 
muss sie stark überarbeitet haben, wenn auch nicht alle in 
gleichem Masse. 

Zwei Eigenheiten des H ermann ischen Legeudenschrei- 
bers linden sich nämlich auch in diesen Predigten der Wiener 
Hs. Fr. Pfeiffer sagt von der einen S. XIX: , anziehend 
sind die da und dort eingestreuten Schilderungen von Sitten, 
Gebräuchen und (^ewohnheiten in Italien und Spanien, die, 
wenn auch nicht so häufig angebracht als zu wünschen wäre, 
doch nicht wenig dazu beitragen, der ganzen Darstellung Leben 
wnd Farbe zu geben*. 

Die zweite der Eigenheiten, die aber Fr. Pfeiffer, wer 
weiss aus welchen Oniudon, unterlassen hat hervorzuheben, 



Beiträge zur Literatur lier dcntschen Mystiker. 73 

besteht in den zahlreichen Ausfällen gegen die. Pfaffen; ja der 
Sammler lehnt sich geradezu wider dieselben auf, und es gehört 
gewiss ein ganz eigener Geist dazu, die Feinde Christi mit der 
geistlichen Gewalt und mit den Pfaffen nicht nur zu vergleichen, 
sondern beide als eins darzustellen. Aus dem gedruckten 
Texte bei Hermann werde ich unten eine kleine Blumenlese 
der Aussprüche des Verfassers in dieser Beziehung zusammen- 
stellen, denen sich dann einige aus der Hs. anschliessen sollen. 
Für die erste Eigenheit, fremde Sitten und Gebräuche 
zu schildern, wähle ich ein grösseres Stück statt aller übrigen 
aus, nämlich die Beschreibung des römischen Carnevals mit 
der geistlichen Bedeutung. Der Verfasser gibt dieses Stück 
als Glosa zu der Epistel Pauli ad Corinth, IX vom Sonn- 
tage ,also man das alleluia leget'. Die Stelle, auf die er sich 
zunächst bezieht, lautet in der Uebersetzung f. 24^: ,Brvder, 
euwist ir nicht, das dy in den wetelovfen des siges alle lovfen, aber eyner 
nymjjt das lön. lovffet also das ir begreitfet das liemelreiche' u. s. w. 

Beschreibung des römischen Carnevals. 

(SO*') Ejne glösae spricht das alle togvnde loufen, aber mynue di begreitfet 
alleine das zil. ouch spricht eyne andere glosa das alle crefte der sele louf- 
feu, aber vornunft begreiftet alleyne das zeil. Nu spricht Dyonysius, das der 
louf der sele sei anders nicht weue eyn abescheiden von allen vorgenklichen 
dyngen vfi eyn zufügen zu dem ewegen leben, wen ir sult wissen zu vor 
ous, wer ummc sant Paulus dise epistele schreibet, wenne das meynet das 
di Komer haben vier spil vor der vasnacht vor dem gemeynen volke. 

Das erste sjnl das liaben si zu Capitollien vor deme richtehouse, vnd 
do henget man an eynen bogen von eynem hirzeu vnd zweierlei wiltbrete 
von andern tiren vnd alle di besten louÖ'er, dy do zu Kome geseyn mögen 
vnd in allem romyschem lande vnd di steen verre ous vnd man geboutet in 
eyn zil vnd dor zu müssen si loufifen, vnd welicher denne der erste ist zu 
dem zile vnd das vleischc anruret, dem gibet man is vnd funfzik goldyne 
dor zu, vnd dennoch so bot her do von grosse ere vnd alle seyne frunde. 

Das ander spyl Das (Üd") ist auf sant Angenytttu platze, dö ire kirche 
steet vnd do sy in das böse hous gefurt wart. D6 hanget man eyn goldyn 
vyngerlein an eynen vadem vnd das wiget wol virzik goldyne, vnd wer denne 
dor dorch reitet mit seynem sper vnd füret is ous dcmc zile des ist das 
vyngerleyn. vnd dise renner di siut di aller besten renner dy du in allem 
romeschen lande sint viid di reuneu also blös vnd das volk daz wirft si 
mit steynen wer dö wil also, das Senatores di do ofte' flien von dem platze. 
Aber weme das vyngerleyn wirt, den heisset man eynen tewern helt des 
leibes vnd der eren dl ym dö von erboten wirt. 

Das dritte spil das ist auf sante Vabyanen berge, dor auf so .stecket 
man eynen newen Schaft auf ej'ne mermelsteynyne saule, di stet auf deme 



74 U a u p t. 

berfje, vnd au dfii schaft heiifjet man eynen neweii l)aldekoyn vnd den halde- 
kt'iii don stpekot man auf sein lious vnd [di] aller besten pliert, di du aller 
besten loutl'en, dy dö in aller Römer lande sint vn di siut alle aldo gesament, 
vnd alle di di dö auf den pferden sitzen sulleu, dis siut di besteu Römer, 
di dö in dem lande mögen sein, vnd dy (t^'''') haben ire Imupt zusamene ge- 
bvndeii mit tvcheren vü haben nicht mir (1. mer) au wenne blosse hemede 
vnd di sint korz, vnd dise halde verre von deuie zele vnd haldeu gleiche vnd 
macheu eyu zeichen al vnime zu ryuge, vnd wer denne den schaft zu dem 
ersten ruret ader daz baldekeiu vnd dem wirt is vnd dor zu funfzik goldyne. 
vml di spylluute di do sint dy machen ym grosse freude vnd erliche spil 
erden keu sy ym vnd beleiteu in in sein hous. vnde do von so höt her grosse 
ere vnd alle seine früude. vnd hir auf schreibet sant Paulus di epistele vnd 
spricht: ,loutfet alle bis das ir begriffet das zil'. vnd ouch beweiset sant 
Paulus das wir alle leiplichc diuk suUen keren in eynen geistlichen syn. 
Eyn itzlieher mensche der dö louti'en sal der entheldet sich von allen dyngeu 
dy in hyndern uuigeu, vnd das meynet das wir von vus wcrffeu sullen aller (!) 
vnd von uns legen sullen alles das uns gehyndern mak an dem wege , der 
dö weiset vnd geet zu gote. wen wir suleu dise anseen, sint si dis tven 
vmme eyue vorgenckliche cröne, mychels mir (1. mer) sulle wir dis tuen 
vmme eyne ewege vu (5)0") vorgenkliche cröne. Das meinet sam her spreche: 
siut dise menschen so grosse arbeit haben vmme leiplichc ere vnd vuim gut, 
das dach gar korze weile wert vnd vorgenklichen ist, ymd haben dur vmme 
grossen crik: Noch mir (1. mer) sulde wir crigen noch dem ewegen gute. 

Das vierde spil das ist an dem suntage vor der vasnacht. so nemen di 
Römer sechs karren, di dö also swer sint also eyu wagen in diseni lande, 
vnd dor vor spennet man zwelf ioeh ochsen, vnd auf disen karreu leget mau 
zwei wilde sweync vnd eynen woIf, vud füret si auf den berk , dö man ous 
geet zu der phorten sant Paulus, vnd dö höt sich denue das lautfolk alles 
ous der stat gesamcut vndene au deme berge, vnd etliche halden auf pherden 
vud dise siut wol gewöpant (!) vud haben spisse vn swerte, eysen vud liellem- 
barten. vud di zal dis volkes achtet man gros wol auf hundert tousuut man, 
wenne etliche komen nuert dor vmme dar das si das spil wellen beschaweu 
vnd steen gar verre. etliche andern di wellen ouch haben von dem wilt- 
brete von den ochsen vnd von den ^'.10'') sweynen. Aber di zeuatoris, das 
heissen di eldesten von Röme vnd komen mit grossen ereu mit den Röme- 
ren vud haldeu verre von dem vidke vn seen zu, so lesset man denne di 
karreu Inuffou von dem berge vnd so ist der karie gar swer vnd vellet vber 
di ochsen von der böge des berges, vil di ochsen sint stark vnd zubrechen 
denne ilen karen vn di seile eyn zwei (l. enzwei), vnd louffen vnd der wolf 
louffet, vnd (ii sweyu vud das v(dk loutlet vnd reittet vud sticht vnd sleet si 
iiyn wider, vnd weme denne des fleisches iciit werden mak den heisset man 
eynen kunneu helt des leibes vnd höt dö von grosse ere von den leuten. 
ader driuo des vlcisches icht wirt der ist zu möle eyn kouik vud eyu kempe. 
vnd ">ueii sint di oeiisen also stark vnd stösseu gar sere mit den hörnen das 
das geme^-ne volk flöget, alter di dö schissen vml rynnen mit den glefeueien 
vnd velieu di tier. aber is kompt ofte, wenn si is gevellen, so komet das 
gemeync vulk \iid wlrffot so srn- mit sti'vnen fW'^) vnd treiben di andern 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. 75 

lior alle, viid wer dor vuder ieht dnr zu Ironien innk, das her der tierc ichtcs 
abe gpsnciden niak ader gehawcu, ader eyii hör dor ous gezien niak ileiu 
wolfo ader ous der andern ticre e.yues (!), der nyiupt daz ouf sein houpt und 
kompt erberlichen kein Rome. vnd wenue dcnne di tiere aller gevellet sein 
vud geteilet sein, so lesset man den anderen karren lontlen, vnd also lesset 
man io eynen karren nöcli dem andern louffen. vnd wen denne di tierc gar 
gevellet werden vud dise dink aller gescheen sint vnd das dise habe aller 
vorrucket vnd geteilet wirt, so sint denne vll iungelynge, di sich geteilet 
iiaben vnd gecleidet und oueh ere (1. ire) pherde, di do zu disem spyle reiten, 
vnd di alle zien von in ire cleider vnd werfen sie von in vnder das gemeine 
volk, so si aller verrest mögen, vnd di bufen di reisscn dy cleider vnd di 
decken von den rossen, vnd weme der cleider eyn pflacke, werden mak, der 
hüt du von grosse ere. vnd uucli füren sy seydyne banyr in iren liendeu, 
di werfFen si ouch vnder daz volk. vud wen dis zu mole (90"^) also gesehen 
ist, so begyunen di alden Römer zu reiten in di stat, vnd das gemeine volk 
beginnet sich zu werÜen vuder enander mit steyneii. Aber die pilgeryni vnd 
di frawen, den tut man nicht, aber wer den andern worfFe dorch neides 
willen ader von hasse ader in sloge der hette leip vnd gut vorlorn, vnd den 
sulde man sleiffeu zu Röme dorch alle gassen. 

Die zweite Eig-eulieit des Verfassers ist sein Widerwille 
gegen die Pfaffen. Einige Stellen dafür finden sich auch in 
der Auswahl Hermanns: 

1. In der Rede über die h. Barbara S. 14, Z. 1: 

,al86 tun alle di di werltliche wise vnd werltliche bilde vnd werltliche 
wort und sorge der werlde füren in ein geistlich leben, und dise sint zumäle 
böse. Aber di da geistlichen schin tragen und ein geistlich herze, daz ist 
reht geistlich leben.' 

2. In der Rede über die dritte weihnachtliche Messe 
S. o3, Z. 37 redet er von ,ungelerten Pfaffen'. In derselben 
Rede S. 34, Z. 4 heisst es : 

,iz sint eteliche mutwillige lüte under pfaffen und under leigen , di 
al zu sere buwen üf iren eigenen sin." 

3. S. 49, Z. 11 erklärt er das Evangelium zum zwölften 
Tag und da schreibt er: „Under Herödes'. Daz dute ich nu als eine 
geistliche gewalt'. Wie er nun den König Herodes oder die .geist- 
liche gewalt' genonmien wissen will, sagt er in derselben Rede 
k>. OÜ, Li. '2o: ,daz Herödes dez kindes vient were gewest . . .• Z. 2< : 
,Herödes bete sorge das sich das kint verborgen hetc . . .• Z. L.): , Herödes 
was ein höchvertig man . . .* 

Diese Stelleu befinden sich mit Ausnahme der ersten alle 
auch an den treffenden Orten in der Hs. Das Evangelium der 
ersten weihnäclitlichen Messe bei Hermann ist: ,Dö Maria, Jesu 
muter was geniälet Jösepe'. Matth. I. l>>. In der Hs. 284Ö ist es 
aber: ,Eyn keyserlich gebot gynk ous von dem keiser Octauiano- Eucas 11. 1. 



76 iitiupt. 

Was Hermann i^ibt, ist liier in der Hs. das Evangelium in 
der Messe am Christabend. 

In der Predigt über das erste weihnäclitliclio Evangelium 
findet sicli in der Ils. Folgendes: 

t. 4(S''. Eyn meister spricht: vndcr diser decke wirt manecher valscher 
son peboni. zum crersten siut si schone (1. soiie) von dem blutte, wenne si 
di heüe<re schrift alzu nöen welhni reden vnd zu sero wellen twyngen zv 
vorstcene ... Di andern sint sclione (1. sone) von dem fleische wen si di 
beilege schrift zieu vnd helfen irre nätüren vii suchen di lere, di in dis 
beweren vn das predigen, vnd flien alle di dink di dö swer siut vnd di irre 
nlitüre wider sint. . . 

Wie man sieht ist diese Stelle aueli dem Ausdrucke nach 
verwandt mit der in der Predigt über das dritte Evangelium 
bei Hermann S. 33, Z. 33 fF. in der Hs. 52g— 52\ Auf der 
letzten Spalte hat einer, der Anstoss genommen hat, sogar zwei 
Zeilen ausgekratzt. 

Eine der stärksten Stellen oder vielmehr eine vollständige 
Rede gegen die Priester ist die folgende: 

f. 80*. Ir Salt wissen, das di getrewe lere vnd di gesunde itzunt 
wynvnk ist, weinie di lerer sint sich das meiste teil. Nu sult ir merken, 
das di natürlichen meister sprechen , das g-rösser sichtum kome von vber- 
flossikeit der speise vnde des trankes, vnd hir mite ist gemeinet, das alle 
di lerer, di do alle iren fleis vnd alle ire arbeit dor vmme tuen, vmme das sie erkrigen 
gut vnd werltliclie ere, vnd di sint tme zweifei alle geistlichen vngesunt, vnd 
ire lere di ist gar an manechem gar vngesunt. Nv kompt etliche svche do 
von, (80'') daz in dem menschen di leber vnd di lunge begynnet in zv fulen, 
vnd meynet dise lerer, di also gar vorgrobet sein in iren ynnern creften also an 
dem willen vnd vornunft vn erkentenysse, di si svlden üben in der wörheit. Aber 
leider di lerer di sint nv alle gekfirt zu Icipliclien dyngen, vnd dor vmme so 
hassen si ander menschen, di dö von der wörheit reden ader der wörheit 
leben. Ouch kompt etliche suche von uberiger hitze, vnd meinet di menschen, 
di do leibes gemach mit al zu grossem fleisse suchen . . . vnd dor vmme so 
ist itzunt gar selzen zu sprechen vnd zu leren gesvnde vnd worftege (!) lere, 
wen di wörheit ist itzunt gar sere gefelschet vnd di wöi'liaftigen lerer di 
torren itzunt nicht sprechen di wörhaftige lere . . . 

In dieser Weise fährt der Verfasser fort über die Unter- 
drückung der wahrhaftigen Lehre bis f. 81'^ Ich übergehe die 
Stellen gegen die Reichen und Gewaltigen dieser Welt ' f. 83^'^ 
und führe ])loss noch eine entscheidende an: 

' Mit den weltlichen Herren verfährt der Verfasser oder Sammler nicht 
säuborlidier als mit den geistlichen. Die Stellen dafür Hessen sich 
hänfen. Alan vergleiche das Bild, das er von den weltliehen Königen 
entwirft, oben in der ersten Predigt. 



Beiträge 7ur Literatur der deutschen Mystiker. 77 

f. oO*^. das di reichen leutc di armen st-re drocken vnd das eyn 
armer mensche itznnt nj'nder keyn recht hot weder vor geistlichem gerichte 
noeli vor -werltlichem gerichte ... I. 85'^. Ich weide in halden vor eynen 
guten prister, der do über beichte horte eynes armen menschen wenne eynes 
grossen vnd reichen menschen, vnd dem armen menschen ouch Über gotes 
iichnam gebe vn über vber in armen menschen gynge der dö sich were denne 
vber eynen reichen. Ach vnd öwe ! wi wenynk sulicher geistlicher prister 
sint, icli wil der werltlichen gesweigen. 

Alle diese Ausfälle finden sich aber nur in dem Theile 
unserer Hs., welcher die Predig-ten für die Zeit vom ersten 
Sonntag-e im Advent bis zu dem Sonntage enthält, ,also man 
das alleluia leget'. Sie erweisen sich auch dadurch als zu- 
sammen g-ehörend und überarbeitet. Die ursprüngliche Samm- 
lung- ist aber wie bei Hermann, so auch in unserer Hs. nur 
in ausgewählten Stücken erhalten. 



Bei so be wandten I'mständen erhebt sich die. Frage, ob 
nicht noch eine dritte Hs. irgendwo vorhanden ist, die uns 
über verschiedene dunkle Punkte das sehnlichst gewünschte 
Licht aufstecken möchte. 

Allerdings liegt noch eine derartige Hs. in der k. und 
Universitätsbibliothek zu Königsberg. In Bd. XHI. der Zeit- 
schrift f. d. Alterth. S. bol beschreibt Steffenhagen dieselbe 
also: 

XXI. no. 896, früher LH. 14, pap., XV. Jahrb., 155 Bl. 
kl. Folio (11 Vs" hoch und 8V2" breit). 

Bl. 1* . . . 155*^: Predigten zu Anfang und am Ende un- 
vollständig von der Adventszeit bis zu dem 24. Sonntage nach 
Pfingsten, nach der Ordnimg des Kirchenjahres, demnächst noch 
für verschiedene Tage. 

wirt in dem geyste. Dy sebinde vrage ist, ab keyne kraft des lichamis 
adir der sele möge besten in eren werken u. s. w. 

Der erste vrytak in dem advent schribet sanctus Jo. ewange- 
lista von Johanne baptista, das lier was predigen in der wustenunge 
u. s. w. 
So Steffenhagen. 

Diese Königsberger Hs. beginnt 'also mit dem Lude 
der Predigt über die Epistel Jacobi am ersten Miltwoch im 
Advent, wo am Schlüsse die neun Fragen aufgestellt wurden. 



78 Haupt. 

Diese neun Fragen sind in der Wiener Hs. aiif 29"*^ zu lesen 
und g-enau schliesst sich aucli hieran auf 29'' zuerst die rothe 
Ueberschrift: 

Das ewangelio mathevs in dem III teile vnde spricht 
(hinn beginnt die Predigt: 

Sant Johannes ewano-elista schrei})et von Johannes baptista wi der 
dynsthaftik waz in der wvstcnvnge u. s. w. 

Es ist also gewiss, dass in der Ivö n ig sb erger Hs. eine 
andere Abschrift unserer Predip-tcn vorhanden ist. Diese Hs. 
umfasst das ganze Kirchenjahr, während die Wiener Hs. nur 
bis zum Charsamstag reicht. 

Hermanns von Fritzlar Vorlage scheint ebenfalls das 
ganze Kirchenjahr umfasst zu haben, bestimmt war dieselbe 
ein sogenannter Wintertheil. 

S. 117 ,8ancte Georjen Tac' schreibt derselbe oder viel- 
mehr lässt er schreiben , wie Christus als ein getreuer Lese- 
meister uns sieben Lectionen an dem Kreuze gehalten habe, 
um uns zu lehren, wie wir die sieben Hauptsünden überwinden 

sollen. Hierauf fährt er fort S. 118, Z. 9 ff. : ,wiltu andene lec- 
cien sibene, di vnser lierre las an deme krüze, so suche iiö'e den guten fritac 
di siben wort di unser herre sprach an deme kruze'. 

Wir haben hier einen neuen Beweis, wie Hermanns 
Bluraenlese aus einem grossen Werke genommen ist. Der 
Verweis auf den guten Freitag, nämlich den Charfreitag, hat 
nur Sinn gehabt in dem Buche, wo derselbe auch enthalten 
war, bei Hermann kommt derselbe aber gar nicht vor! Man 
könnte nun allerdings meinen, dass es sich nur um die sieben 
Worte handle, die Christus am Kreuze gesprochen hat, aber 
Hermann fährt nach der Stelle unmittelbar fort: ,Diz buch der 
marter vnscs lierrcn sal der mensclie vlizeclichen ane sehen wan her zu gotis 
licham wil gen, wan das liden nnses herren ist ein schulde aller tuginde'. 

Der Leser wird mit den letzten Worten auf ein .buch 
der marter unses herren' gewiesen, das er fleissig ansehen soll, 
wenn er zum Tische des Herrn (zu gotis licham) gehen will. 
Nun kr»nnte man alh^i'dings nur die Leidensgeschichte darunter 
verstehen, aber in welchem Evangelium linden sich alle sieben 
Worte am Kreuze beisammen? In keinem. Wir stehen damit 
schon dem , buche dei" marter' näher, das der Verfasser meint. 
Nothwendig muss es nach seinen Ausdrücken eine Leidens- 
geschichte enthalten und die sieben Worte Christi am Kreuze 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. i 9 

erläutern. Ein solches Buch ist nun auch in der Wiener Hs. 
243*^ — 253*^ zu lesen. Die rothe Ueberschrift lautet: 

nv merket vlisiklichen von dem heiligen sweren grosen pytern 

leiden vnsers herren. 
Das Buch selbst beginnt : 

Nv welle wir sprechen von deme leidou vnsers lierren Jhesu Christi, 
vnde weliches die lente seyn, di sich dor ynne vbcn vri di sullet ir 
merken ... 

Die Leidensgeschichte ist auf die sieben Gezeiten ver- 
theilt d. h. in Einleitung und sieben ,ColIacien' und sind in 
der Hs. zu lesen : 

Die Mette 244^-247»^ 
Die Prime 247^-248'= 
Die Terzie 248^—249'= 
Die Sexte 249''— 250<= 
Die None 250=— 252^ 
Die Vesper 252^—253'^. 

Nach abgethaner Vesper schreibt der Verfasser: 
wiltü vorbas lesen von diser conplete, so suche do vor in diseni buche, 
do sich di passio anhebet. Hie sint vnderselieiden di siben gezelt (1. gezeit) 
vii waz eyn gut mensche sal betrachten auf eyne iczliche zeit, vnd alle weo;e 
gewisse glose habe ich avs geleit, ati auch die meynvnge der wort von der 
passio di habe ich aus geleget doi*ch der kurtze, vnd onliabe ich audi nicynes 
synnes nicht dor vmme gebrochen snnder nier di beilegen vnd di lerer gotes. 
bitet got vor mich, dez beger ich von alle den, di dis buch lesen vnd sjire- 
clif^u. amen. 

Wir haben also hier das ,buch der marter' und die Er- 
klärung der sieben Worte in der None, die ich hersetzen 
will, da dieses Buch dem ursprünglichen Sammler zugehört. 

200*^. Hie gehet avs die sexte. vfi dise collacic sal man halden von 
der .sexte zeit. 

Nv merket ir kynder gotes : hy hebet sich an dy none vnd merkt dy 
stucke di man dor zu betracliten sal vnd die sint gar ynnyk, weniie ich wil 
si sprechen noch essen, wenne si synt gar von geistlichen dingen di do ge- 
schögen. 

Dö Jhesus an dem cri'ize hynk, Czvm ersten merket di siben wurt di 
Jhesus an dem crüze sprach, etliche meister nemen siben slos ader silien 
slossel. Dy andern nemen siben bucher di nymant volleren kau. Die dritten 
nemen siben volko Ci-^O'') monheit, (!; wer di hehlet rechte der veret äne mittel 
in das ewige leben. 

(1) Das erste wort daz Jhesus an dem crüze sprach das ist: ,vater, 
Vfir(;-ip in, si enwissen nicht waz si tvn'. Das nicynet eyne grosse vid- 
komenheit das der mensche seyue vynde lip höt vnd mer vor si bitet wenne 



80 Haupt. 

vor spyne vrünt vnd entscholdiget sy alzo verre also her mit der worheit mak. 
Die meister sprechen von disem gebete, daz Christus tet, worden fvnf hvn- 
dert mensche bekärt. Di zvpyne schecher dy bey ym hyngen, der eyne 
spotte seyn vil mpr.ach : ,bi3tu es Christus gotes son, so erlose dich vnd auch 
vns.' Do sprach der ander zu der rechten Seiten vude stroftc disen: ,du bist 
in demselben tode dö her ynne ist, vorchtes du got nicht?- vnd sprach zu 
Jhfsn: ,lierre, gedenke an mich, weune du kommest in deyn reiche.' (2) Do 
sprach Jhesus daz ander wort, Marcus: ,vor wfire sage ich dir, du salt hevte 
mit mir seyn in deme paradiso'. Daz ist eyn wort hoger barmherzikeit, 
das got so leichticlichen vnde so snellichen disem bösen menschen vorgap alle seyne 
sunde, wenne di schrift spricht, daz her nykeyn gut werk hatte getan alle 
seyne tage, her strofte in nicht vmme seyne svnde, her vorgap ym zuhant 
alle seyne missetfit. vnd noch waz her der erste der y gestarp noch Cristo 
vn selik wart. Dis ist eyn grösser tröst allen svndern, di dö wider keren 
wellen von allen svndeu zu gote. Judas wart eyn son vnrechtes zweifeis, 
aber der schecher wart eyn son wörer hoffenunge. (3) Daz dritte wort das 
Christus sprach an dem cruze daz waz (251») waz eyn (1. in) wörer trewe, 
dö her sprach zu seyner Üben muter: ,weip, sieh deynen son'. Eyne glöse 
spricht, her meynte: ,weip, sich wi ich hange vnd wi ich leide smerzen vor 
den sunderen'. Das du nicht alzu torsticlichen vn zu brebellichen in weidest 
behalten, auch meynte mante her si des Zeichens des si begerten in der 
briitlvft, alz ap her weide sprechen: daz ich hie leide daz habe ich von dir 
aber daz ich wasser zu weyne machte in der brütlvft, daz habe ich von 
meynem vater. Man vröget wor vmme his Christus seyne Übe muter eyn 
wei]) vnd si dach (!) eyne reyne jvnkfrawe waz? Czvm ersten, man spricht; 
es enwere keyne erlicher name, waz vorsmeet vn vorbannen in der zeit. Di 
andern sprechen : es weren vil fremder Juden vmme daz erüze gewest, betten 
sy vnse vrowe erkannt, si hetten ir leyt getöu, dor vmme wolde her si 
nicht muter nennen, daz si si icht erkenten. Di dritten sprechen: hette her 
si muter geheisen, so hette her ir ire peyn genieret. Johannes spricht: ,sich 
deyne muter meyn jvnger.' Der bischof sante Olbrecht* der spricht: alzö 
Christus sprach an dem öbuntessen zu deme bröte daz ist meyn leichnam vnd 
es geschach, alzö wart Johannes eyn natürlicher son vnser frawen. Eyn 
ander meister spricht (den halde ich baz) .Johannes vii Lucas di in der gotes 
gnaden bliben mit disen worten zu gewunscheit 1,1. gewunschen) vnd gegeben 
sone vnser liber fraven wart. Do hilt si der junger vor .«eyne muter, daz 
ist, also frvntlichen vil gutlicHen alz y keyn mensche bewart vnd phlak 
seyner muter, alzö (251'') phlak Johannes vnser frawen bis an Iren den tot. 
(4) Daz vir de wort daz vnser hcrre an deme cruze sprach, daz ist zu vor- 
nenien daz botruppenysse vnd di bytterkeit des leidenes Christi. Matheus 
saget, daz Jhesus auf di nvnde stvnde ryf mit eyner grossen stymme: ,Meyn 
got Meyn got, wi höstu mich vorlassen!' sant Augustinus spricht, daz di beilege 



' Unter diesem ,bis<'hof sante Olbrecht' ist zweifellos der von den Mystikern 
so hocli verehrte und vielfach angeführte Bischof Albertus Magnus zu 
verstehen. 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. 81 

(Iroifoldikeit beweisto daz Christns wore nionsclieit an sieli p^enomen hatte 
vii wart eyn schutzoLretli gef<tösen zwisclieu di ohorsten crefto vnd di iiyder- 
steii , daz die g'otliche kegenwortikeit den gotlichen trost, der in den ober- 
sten ci'cfton waz, enmochte nicht körnen in die nydersten, wenne wer der 
gotliche trost dor yu Icomen, so were Cliristus vnleidenliclien worden, vnd 
aucli alle di marterer di dorcli Christo y marter geliden den gap her allen 
gotlichen trost, etlichen also vil daz si der marter wynyk gefnlten vnd dis 
wart (Christo enzogen noch den nyder.sten creften. Abellens (!) vii Arrons (!) 
di zwyne keczer di sprechen , daz man Christum sege leiden vnd lide in der 
worlieit nicht, vnd beweren daz Iiie mite, daz etliche merteror also vil frewde 
hatten, daz sy der peyn wynynk achten, vnd diz waz vil billecher Christo 
zu geben vii zu haben, daz dise zwyne gelästert vnd ir rede valseh waz vii 
auch ander leute, Dor vmnie sj^'ach Christus: ,vatpr, wi hast du mich vor- 
lössen', alz ap her suhle sjn-eclien: es geleit ny mensche also gar äne tröst 
noch so smelichen vnd auch so bitterlichen alz icli geliden vnd enwurt der 
mensche alzo touwer vnd also eyn gros (251'') dink, du enlissest mich nymmer 
alzö bitterlichen leiden. (5) Daz fünfte wort daz Christus spradi an deme 
crfize daz ist eyn wort rechter volkomenheit. Lucas spricht: ,Es ist volbröcht.' 
Das wort nam Arrens (!) der ketzer vnd wolde beweisen, daz Christus nicht 
erstanden were von deme tode. were her aber nicht erstanden , so were daz 
Wort wor gewest, daz hevte Augustinus .spricht, daz diser groslichen vnrecht 
saget, wenne Christus sprach dis wort noch volkomenheit seyner werk, wenne 
her gctet nykeyn werk so cleyne es were gröz gcnvk gewest aller menschen 
gesiechte zu selikeit, weide her is dor zu geordent haben, aucli wisset, alle 
di werk di got tvn wil in diser zeit, di sint in gote itzvnt gesehen, wenne 
nv got waz vii sterben wolde vii ersten wolde vnd her is wol mochte tvn an 
alle hyndernysse, dor um .sprach her: ,es ist alles volbröcht daz niyr nieyn 
vater gebot', Daz ist, ez waz in willen gesehen vii waz in seyner vornvnft 
bekant. vnd dor um schriben di propheten uon der marter vnsers lierren alz 
ap is itznnt gesehen were, vnd es sohle dacli (!) noch gesehen. Isaias sprach : 
.man hot in geslagen vninie vnser svnden vil her truk vnser vngerechtekeit 
auf seyuem halse', (tij Daz sechste wort daz vnser herre an deme crüze 
sprach daz meynt eyne rechte libe, di her zu vns hatte, do her sin-ach : ,mich 
dorstet'. Eyne glosa spricht daz Jhesuni leiplichcn dorste, wenne daz blut 
waz ym entgangen vnd lier liyiik in der svnnen. (2r>l''i Die andern sprechen, 
in dorste gei.stlichen noch allen .seien di her erlösen .sulde. Lucas spricht, 
si göben ym essik vn gallo gemyschet, dö lier daz vorsuchte dö enwolde her 
is nicht trynken. Die meister sprechen, daz her den essik vnd di galle trank 
Mir di scliolt daz Adam vii Eva den apel brach vii ässen in in dem paradiso. 
Di dritten sprechen, her trvnke si vor di svnde di der mensche tvt. Die 
virden sj)rechen, daz Christus vorwunt waz an alle seynen geliden, nvr di 
zvnge zunge waz noch ganz, dor um trank her den trank daz di zvnge auch 
vorseret worde. Man vroget, wer broditc den essik «lav vnd di galle? Dis 
beweiset, is waz eyne gemeyne gewonheit, wen man di leute uorterbete, so 
gap man in den essik, daz si dester e storlieii. (7| Daz sibeude wort daz 
Christus vnser herre sprach an deme crüze daz ist eyn wort rechter Sicherheit 
vnd Zuversicht zu gote. Mateus spricht: ,vatcr in deyne hende bcfele icli 
Sitzuugsber. d. phiL-liist. Cl. LXXVI. Bd. II. litt. 



82 Haupt. 

mcynen geist vn neyk daz liovpt vnd gap auf seynen geist'. etliche meister 
sjirochen : licr rif avs iiuturlicher craft di her noch belialden hatte in seynoni 
Icichnam. Di andern siircclion : licr rif aus geistlicher craft die seyne selige 
sele gap deme leichname. Di dritten sprechen: her rif aus gotlicher craft 
vnd beful alle die seien in di gewalt gotes di in cristeme (!i glouben sterben 
sulden. auch beweiste her vns weliclies di besten wort weren , wenne wir 
sterben suUen, so suUe wir si sprechen, .her neygete seyn hovpt', Daz nieynt 
das wir bekennen sullen daz her is dorch vnseren willen getäti hot vn ge- 
liden hot. (252*) wiltu mer lesen von der marter vnsers Iicrren, so suche in 
der predige an dem palnieutage. Nii merket di zeichen di dö gesehen sint 
dö Christus hynk an denie cruze. u. s. w. 

Sieben Vollkommenheiten hat uns also Christus durch 
die sieben Worte am Kreuze g-elehrt und darum wird auch 
von Hermann auf dieses Buch der Marter verwiesen, denn 
unmittelbar hinter dieser Verweisung werden dann ,fimf stucke 
der volkommen^ aufg-ezählt, so dass man recht deutlich sieht, 
warum auf dieses Buch der Marter verwiesen ward. 

Es ist deshalb nicht im geringsten zweifelhaft, dass unser 
Buch der Marter in der Vorlage des Hermannischen Schrei- 
bers enthalten war. 

An zwei Stellen wird in diesem Buche der Marter auf 

andere Predigten hingewiesen. Die erste findet sich (244^) am 

Schlüsse des Einganges zum Buche der Marter und lautet: 

,alz6 vnser herre seyn öbvntessen hatte mit seynen jvngern vnd in irc 
fusse twuk vnd in seynen leichnam gap vnd her si di süsse lere lärte di her 
ykeyn mensche gehlrte . . . das suche auf den grvnen donnerstak dö vj-ndestn 
is in disem buche.' 

Auf 235"= — 238<= ist nun allerdings eine Predigt zu lesen 
zu dem Evangelium vom grünen Donnerstage, ob dieselbe aber 
die vom Verfasser gemeinte sei, steht dahin. 

Die zweite Berufung steht am Ende der Erläuterung über 
die sieben Worte oben abgedruckt, es soll die Predigt auf den 
Palmentag mehr gute Lehren über die Marter unseres Herren 
enthalten. Diese Predigt auf 224'' — 228*^ enthält in ihrem ersten 
Theile die Erläuterung der , herlichen processio', nämlich des 
Umganges und der Weihe der Palmen, im zweiten Theile dann 
wird allei-dings das Leiden unseres Herrn betrachtet. Dieser 
Theil beginnt: 

Nv merket von der ieidnnge vnsers herren ^22(5^) daz seyne marter 
gar scre besweret höt vn do von santo (1. saite) er vns in der hevtigen 
predige. 



Beiträge znr Literatur der deatschen Mystiker. 83 

Fünfzehn ,beswernngen' werden dargestellt nach einer 
Predigt des h. Bernhard von Clairvaux und endlich im dritten 
Theile der geistliche ISinn geoffenbart. Diese Predigt dürfte 
ein Stück der ursprünglichen Sammlung sein. 

Zum Schlüsse will ich noch anführen, dass auch in dem 
Buche der Marter sich eine Stelle findet, die auf die genaue 
Kunde Wälschlands hinweist, welche dem Sammler des ur- 
sprünglichen Werkes in so reichem Mass inne gewohnt hat. 
Bei dem Begräbniss Christi, als er des neuen Grabes gedacht 
hat, bemerkt er für seine deutschen Leser: 

(253'^) Es waz eyne gewonheit vnder den Juden, alzo noch ist in weli- 
pchem lande, daz eyn reicher man der lis seyn grap berichten bey seyine 
lebenden leibe u. s. w. 

5. 

Als Ergebnisse stellen sich somit heraus die folgenden 
Sätze : 

1. Um das Jahr 1340 war eine grosse, das ganze Kirchen- 
jahr umfassende Sammlung von Erklärungen der Evangelien 
und Episteln veranstaltet worden von einem Laien, wie es 
scheint, der Süd-Europa, besonders aber Italien genau ge- 
kannt hat. 

2. Diese Erklärungen waren wesentlich aus den Werken 
der deutschen Mystiker genommen und zu einem, obzwar ver- 
liüllten, dennoch deutlich erkennbaren Ziele überarbeitet. Dieses 
Ziel bestand in nichts Geringerem, als einen vollständigen 
Kampf gegen ,die Pfaffen^ einzuleiten und durchzuführen. Die 
praktischen und äusserst schneidigen Spitzen gegen die Geist- 
lichen und die Kii'che sind wohl alle erst vom Sammler in die 
theoretischen Sätze der Mystiker verwebt worden. 

3. Von dieser Sammlung war bis jetzt nur die Auswahl 
bekannt, die Hermann von Fritzlar von 1343 an zusammen- 
schreiben Hess, und die bis jetzt als ein Hauptpfeiler für die 
Geschichte der deutschen Mystik gegolten und darum aucli 
einen breiten Raum in allen Literaturgeschichten eingenommen 
hat. Sie sinkt auf eine ziemlich zahme und magrere Chresto- 
mathie zusammen. 

4. Die Hs. 2845 der k. k. Hofbibliothek ist auch nur 
eine Auswahl und nur aus dem Wintertheile, sie enthält aber 
nach dem Zeugniss der Hermannischen Hs. eine ganze 

6* 



84 Hanpt. 

Reihe derjonig-en Stücke, d\v. in seiner Vorlage vorliamlen 
waren, er aber nicht aufgenommen hat. 

5. Solche echte Stücke sind auch in der Königsberger 
ITs. 80() enthalten, und es ist sogar mr»glich, dass diese Hs. das 
ursprüngliche Werk vollständig,' nämlich das ganze Kirchen- 
jahr darbietet. 

An die Forscher treten somit zwei Aufgaben heran, wenn 
man endlich dem vielfach ganz grundlosen Gerede über die 
deutschen Mystiker ein Ende machen will. Die eine Aufgabe 
bestellt darin, die ursprüngliche Sammlung in ihrer Ganzheit 
aufzufinden, wie dieselbe von dem mystischen Feinde der 
, Pfaffen^ war zu Stande gebracht worden, und die zweite 
schwierigere oder leichtere, je nachdem man es nimmt, ist 
dahin zu bestimmen, dass die einzelnen Stücke und Predigten 
in ihrer ursprünglichen Gestalt neben die überarbeiteten des 
Sammlers müssen gestellt werden. 

Man darf nicht glauben, dass damit eine unmögliche 
Arbeit gefordert wird. Unsere Sammlung war weit verbreitet, 
nicht nur am Rhein, wohin Hermanns Hs. weist, oder im nord- 
östlichen Deutschland, wohin die Königsberger und auch die 
Wiener Hs. gehören, sondern auch im südöstlichen Deutschland. 

Die k. k. Hof l)ibliothek verwahrt unter 3057 eine Pp. Hs. 
aus dem XV. Jahrhundert, die wieder das deutsche Plenarium 
enthält mit Predigten über die Evangelien und einige Episteln. 
Diese Handschrift umfasst das ganze Kirchenjahr und fällt 
für die Literatur der deutscheu Mystiker schwer in die Schale. 
Sie enthält das bisher verlorene Werk des weissen Bruders 
Friedrich über den Eingang des Evangeliums Johannis und 
eine Reihe von Predigten, die in der Hs, 2840 erscheinen. 
Diesem Plenarium und dem Bruder Friedrich soll der nächste 
dieser Beiträge gewidmet sein. Vorläufig bemerke ich nur, 
dass diese Hs. in der bairisch - österreichischen Mundart ge- 
schrieben ist und somit zu den so wenig zahlreichen Beweisen 
gehört, dass di(! d(!utsche Mystik auch hier zu Lande nicht 
unbekannt war. 

' lluflfontlicli winl (lirs(> Um. luiM .lomand untorsnchon. Eiitliiilt dioselbe 
(lin Tirsj)riiiislicli(' Siinimliiug, so i.st für die Ooscliiclitc der dnuts(!lioii 
Mystik dds wiclitipfsto Work !Uif<^fi"niidou, in dorn sio dii- Wciidiiiig 
otogen dio gcistliclion und weltlichen Gewillten erhalten hat. 



Beiträge zur Literatur der deutsclien Mystiker. öö 

Ich gebe nun die Anftini;(! der sümmtliclien in der Hs. 
2845 enthaltenen Stücke und füge gleich bei, welche sich in 
Hs. 3057 befindeil. Mit diesen Anfängen werden sich nicht 
nur einzelne Stücke, sondern vielleicht ganze Hss. auftiudeu 
lassen. Ich empfehle den Forschern besonders die deutsclieu 
hss. Plenarien in den xVugen zu behalten. 



Anfänge der Predigten in Hs. 2845.' 

1. DOM. I. ADV. Et cum appropinquasset Jerosolymis . . 

Matth. XXI. 1. 

Do Jhesus nekente ze Jerusalem vud quam zu Betphai etc. 
E wenn ich von den worten rede, so uem ich das wort das 
Sacharias spricht . . . 

Ist oben S. GO ff. vollständig abgedruckt. 

2. DOM. I. ADV. 

Man beget houte den ersten suntak iu dem (27") ade- 
feut, wen ir sult wissen, dass alle wege vir suntage sint uor 
dem cristes tage, vud di bezeicheü . . . 

Ist oben S. 62 ff. vollständig abgedruckt. 

o. FElüA. IV. Patientesigiturestotefratresusqueadadveutum ... 

Jac. V. 7. 

Sente, Jacobus der leret vns, das wir gedoldik sullen sein 
zu diser lobelichen vud seligen zukunft vnsers herreu Christi, 
vnd meint das di zornygen . . . 

2U'— 29". 

Ist oben S. 05 fl'. vollständig abgedruckt. 

' leli luibo in diesem Verzeichniss die kireli liehen Tage, auf welche die 
einzelnen Predigteu fallen, latc^inisch angegeben, erstens weil sie ge- 
läiitiger sind nnd zweitens weil in der Hs. die rotlien Uebersehriften tlieils 
unrichtig sind, theils, und das ist meist der Fall, ganz fehlen. Nach 
welchem Missale sich der Sammler gerichtet hat. möchte man gerne 
wissen. 80 wie die Predigteu in dieser Hs. vorliegen, lässt sich gar nichts 
bestimmen, da olfenliar zu den alten iu der Vorlage enthaltenen IJezeich- 
nungcn neue fremde gekiunmen siiul, wie aus den verwirrten und wider- 
sprechenden Angaben der Hs. einleuchtet. 



86 Hanpt. 

4. FEKIA VI. Fuit horao niissus a Deo, cui nomen erat 

Joannes . . . Joh. I. ß, 

Sant Johannes evangelista schreibet von Johannes bap- 
tista, wi der dynsthaftik waz in der wvstenvnge den Juden 
vn sprach zu den schain : ,ir natern g-eslechte ! vorchtet euch 
in dem propheten uor dem engestlichen richter'. Das meint, 
di do worheit lernen sulleu, di sullen nymandes schönen, wenne 
so si den menschen mit süssen Worten nicht gewynnen . . . 

29'*-31\ Der Schluss ist oben S. 66 gedruckt. 

5. DOM. II. ADV. Erunt signa in sole et luna . . . 

Luc. XX. 25. 
Den andern suntak in dem adefent begeet man houte, 
vnd dor vmme so schreibet sant Lucas in dem heutigen ewan- 
gelio, das vnser herre Christus sprach zu seinen jungern von 
dem iungesten tage, wy das zeichen sulden gescheen an der 
sunnen und an dem monden. Hy von spricht di gelose (!), das 
bei der sunnen bedout sei pristerliche wirdekeit vn gewalt . . . 

6. FERIA IV. Ecce! ego mitto angelum meum . . . 

Malach. III. 1. 
Di lecze spricht ,Sich, ich sende raeynen engel , der sal 
den wek bereiten vor dir' (SS**). Dis wort mochte wol sprechen 
di beilege dreifaldekeit, di den engel zu unser frawen sante. 
Ouch spricht eyne ander glosa, Das wcre sant Johannes bap- 
tista. Di dritten sprechen in welicher sele got geborn sulle wer- 
den, dö sende io got vor seynen engel hyn . . . 

33"— 34". Der Schluss ist oben S. 67 gedruckt. 

7. FEIUA. IV. Amen dico vobis: Non surrexit inter natos . . . 

Matth. XL 11. 
Johannes schreibet, das Christus sprach zu seinen lungern 
vnd zu den scharn der Jvden : ,Vuder den geborden der weibe 
so enist nicht grosserre auf gestanden wen Johannes baptista'. 
Daz sal man also vornemen. Ane unser herre Christus vnd 
Maria di mvter gotes so enwart sust ny heileger mensche 
goborn, wenne sant Johannes der taufer unsers herren . . . 

34' — 35". Der Schluss ist oben 8. ()7 ff. gedruckt. 



Beiträge zur Literatur iler deutschen Mystikir. 87 

8. DOM. ITT. ADV. Tu es qui venturus est an alium expec- 

tamus? . . . Matth. XI. 3. 

^Johannes lauk (1. lak) in den banden Herodes vnd sante 
zwyne seiner jungern zu Christo'. Nu merkt di gelosa. Johannes 
spricht also vil also eyn mensche in deme di gnade ist. Diser 
mensche hot sechsleie bant, weune her sich erheben wil zu 
anschawendem leben vnd di sal her entpynden , ap her zu 
desem anschawendem leben komen wil. (ias erste bant das ist 
ungebitikeit . . . 

35"— 37\ 

9. FERIA. IV. Et erit in novissimis diebus praeparatus mens . . . 

Isaias II. 2. 

Isaias spricht in der lecce ,In den lezten tagen so sal 
bekärt werden der berk ader das hous des herren vnd sal 
enthoget werden über den hymmeP. Dis ist gesprachen (!) von 
der menscheit vnsers herren Jhesu Christi, di das ewege wort 
an sich genomen hot vnd hot si gesazt über alle köre der 
hymmele. Aber das her spricht ,di lezte zeit' do mit meynet 
her . . . 

37*— 38^ Der Schluss ist oben S. HS gedruckt. 

10. FP^RIA. VI. Gaudete et (38*^) laudate simul deserta Jeru- 

salem . . . Isaias LH. 9. 

Isaias spricht houte in diser leccen: ,Di wustenunge sal 
sich frewen'. hie mite meinet her menschliches gesiechte, wenue 
menschliche natüre di was so gar verwüstet vnd 1er worden 
der gotlichen gnaden , das der wtl fünf tousent iär gar cleyne 
in ir was, wenne si was zu mole ous den holden gotes komen. 
Der wüste wek meint die begerunge der alden veter . . . 

38b_39^ 

11. FEUIA. VI. Exsurgens autem Maria in diebus Ulis . . . 

Lucas I. 39. 

,In den tagen stunt Maria auf vn gink hynwek in das 
gebirgc mit cilunge in di stat Juda.' Das meinet, do Maria 
das ewege wort enphynk vnd ir der engel sagete, das Elisabeth 
ire nyftele trüge eynen son, do gink si dar, das si ir helfen 
wolde'. ,als6 eilende' das meint, das si nicht gerne lauge an 



88 Hai.pt. 

der Strosse was. Ouch meint is das mau saelle sal sein zu 
guten werken . . . 
39" -39". 

12. DOM. IV. ADV. Et hoc est testimonium Joaunis quando 

miserunt . . . Joh. I. 19. 

Johannes spricht in dem ersten gesetze , das die Juden 
santen boten von Jerusalem zu Johannes prister vnd Lefiten, 
vmrae das si in frögeteu, ap her Christus were, vnd das geschach 
dor vmme, wen her von eynen edelern stamme noch werltlichen 
dyngen waz, wen Christus, wen her was von pristcrlichem 
gesleclite, aber Johannes wokle sich ous den eren zien, wen 
her woste wol . . . 

39'»- 41^ 

13. DOM. IV. ADV. Gaudete in Domino semper, iterum dico 

gaudete . . . Paul, ad Philip. IV. 4. 

Sante Paulus spricht ,f'rewet euch in dem herren alle zeit 
vnd ensorget (41") nicht mir (1. mer), wen der herre ist noen, 
vnd alle ewer gedanken di sint ym bekant si sein geistlich 
ader fleischlich'. Nu merkt her spricht ,frewet euch^ Nu 
spricht sant Jeronimus, daz nymant mak von gote freude noch 
kunst genemen, her sei denne eyn fromer mensche, wenne wer 
nicht gewandelt hot . . . 

41 •=-42". 

14. DOM. IV. ADV. Gaudete in Domino semper etc. ut supra. 

Sante Paulus spricht ,frevt euch alle wege in gote vnserm 
herren ! aber spreche ich, d^s ir euch frewet, wen . got ist euch 
noen'. Nu mochte man trogen, was ist dach frewen in gote? 
Di antwort spricht: vrevde in gote das ist eyn werk des bei- 
legen geistes. iSant Dyonysius spricht hi seche« stucke, dö mite 
di sele kumpt auf ire aller högestos . . . 

42''-44^ 

15. IN VIGILIA NATIVITATIS. Propter Sion non tacebo et 

propter Jerusalem . . . Isaias LXII. 1. 

Isaias spricht ,vmme Sion wil ich nicht sweigen vnd 

vmme Jerusalem wil ich nicht ruen'. Nu spricht Syon also 

vil also eyn spigel ader eyne beschauvnge, vnd raeynt lovter- 

keit des lebens vnd Jerusalem meint also vil also eyne stat 



I 



Beiträge ziu' Literatur der deutschen Mystiker. o9 

ader eyn gesichte des frides, vnd meint das ewege leben, vnd 
dise zwey wil di sele beide dorch brechen . . . 

« 

44" — 45". Herrn. 8. '21. Di pruph<jzie zu der ersten 
Messe. 

16. IN VIGILIA NATIVITATIS. Cum esset despontata mater 

eins Maria . . . Älatth. I. 18. 
,Dö Maria Jhesu mvter was getrewet Joseph.' Nv spricht 
Maria also vil also eyn (?), vnd meint (vnd meinet) di sele, 
ili ir selber gewaldik ist. Nu spricht Joseph also vil also eyner, 
der du wechset vnd zv uympt, vnd hi bei mak man ncmeu 
eynes fromen menschen gemute, das do wachsende ist vnd 
bleibende vnd grünende ist . . . 

45" — 46''. Herrn. S. 28. Nu neme ich das ewangelium 
hüte. 

17. FEST. NATIVITATIS. Cum esset desponsata etc. ut supra. 

Nu sult ir merken dise lobeliche hochzeit, wenn man be- 
geet houte den beilegen xpc tac, vnd ist gar eyae reiche vnd 
lobeliche hochzeit, vnd dor vmme so mak eyn itzlicher prister 
wol drei messe lessen ader syngen , vnd ilaz ist dur vmme, 
daz kein dorf noch keine kyrche sal hvte nicht äne messe 
bleiben . . . 

46"— 46". 

18. FEST. NATIVITATIS. Factum est autem in diebus illis . . . 

Luc. IL 1. 

Nu merket das ewangelio zu der ersten messe. Eyn 
keiserlich gebot gynk ous von (46'*) dem keiser Augusto, das 
her bis beschreiben alles das volk das in der werlde were, 
wenne her wolde wissen , wy manech mensche in der werlde 
were vnd dor zu gebot her das itzlicher mensche einen plien- 
nynk ... 

46"-49\ 

19. FEST. NATIVITATIS. Liber generationis Jesu Christi 

tilii David . . . Matth. I. 1. 

Nu sult ii merken, also ich vor habe gesprachen, so synget 
iiuin di ander messe halp bei der nacht vnd halp Ixi di'iu ta^^e. 
Nu ist hi bei der nacht bedeutet di verborgene gotheit di so 



90 Haupt. 

vinster ist vor allci- kvnst, daz di nymant dorch gründen noch 
dorch synnen niak. Aber der tak meint di mensclieit . . . 
49a_50\ Herrn S. 29. 

20. FEST. NATI VIT ATIS. In prineipio erat verbum . . . 

Job. I. 1. 

Di dritte messe di synget man an schönem tage, Das 
meint di offenbarunge der menscheit vnsers herren Jhesu 
Christi dy do offenbart wart aller werlde. Nu sult ir merken 
das ^wangelio, also is beschreibet sant Johannes in dem ersten 
gesetze, vnd spricht also ,In dem begynne was eyn wort . . / 

50a_52'=. Herrn. S. 31. 

21. FEST. S. STEPIIANI. Gloria et honore coronasti . . . 

Ps. vin. (). 

Man begeet honte sant Steffans tak also er gemartert 
wart, alleine her nü also an disem tage nicht gemartert sei, 
sunder is ist gesehen in dem herbeste, aber vmme etliche 
Sachen so sint dise tage geleget bei den cristtak, wenne xpc 
ist eyn houpt aller marter. so bot man dreierleie merterer . . . 

52'— 53'\ Herm. S. 34. 

22. FEST. S. STEPHANI. Ideo ecce, ego mitto ad vos pro- 

phetas . . . Matth. XXIII. 
Jhesus sprach zu den scharn der Juden vnd zu den fursten 
der prister ,we euch , wenne ir gesteynet habet di propheten, 
vnd getottet habet di boten xpi ! Des mus über euch komen 
alle die räche des blutes, das y out" di erde gegossen wart 
von Abel dem gerechten bis ouf das blut Zacharian^ . . . 

.03»— 54^ Herm. S. 35. 

23. FEST. S. JOIIANNIS EVANGELISTAE. Conversus Petrus 

vidit illum discipulum . . . Job. XXI. 20. 

Es ist houte sant Johanes tak des ewangelisten, vnd das 
cwangelio nennet in den jungern den Jhesu lip hatte , vndc 
dise Übe di beweiste vnser herre xpc kegen ym an dreien dingen. 
Das erste an deme, wenne her ym vil heymelicher dink offen- 
barte, wenne das ist eyn rechtes zeichen eyner worhatten (54'') 
libo . . . 

54"— 50*. Herm. S. 30. 



Beiträge zur Literatur (1er deutschen Mystiker. 91 

24. FEST. INNOCENTIVM. Qui oiun recessissent ecce! ungelus 

domini . . . Matth. II. 13. 

Man beget hovte der kyndelyn tak , also dy sougenden 
kynderlyn ir blut vergossen haben dorch der eren willen vnsers 
Herren xpo Jhesu, vii worden erslagen von dem konyge 
Herodes, vnd das ist nicht gescheen also honte an disem tage, 
wenne is ist dorch des willen gesatzt also honte zu be- 
geene . . . 

ÖCa—öT". Herjn. S. 39. 

25. FEST. CIRCVMCISIONIS. Et postquam consummati sunt 

dies octo . . . Luc. II. 21. 
Nu spricht das ewangelio das Maria vnd Joseph dy wun- 
derten sieh von dem kyndc, wen her Symyun (1. Simeon) hette 
is gebenadit. Nu sult ir merken. Maria das spricht also vil also 
eyne di do erlouchtet ist^ vnd ouch spricht is also vil also eyn (58*) 
merstern, vnd ouch spiicht is also vil also eyn bitter mer . . . 
■ br-b9\ 

'26. FEST. CIRCVMCISIONIS. Et postquam consummati etc. 

ut supra. 

Man beget honte den beilegen obersten tak, an dem uuser 
herre xpc besnytten ward , vnd ist der achte tak noch dem 
cristes tage, wen unser herre hot an disem tage zu dem ersten 
mole sein blut vergossen dorch der menschen willen, vnd were 
genuk gewesen zu e;"losunge voi* aller werlde sunde . . . 

5ge_60^ Herm. S. 45. 

27. DOM. POST CIRCVMCISIONEM. Defuncto autem Herode, 
ecce angelus Domini . . . Matth. II. 19. 

,D6 erschein der engel Josephe in Egipto vnd bis in zien 
wider heym in sein laut.' Das ewangelium list man an dem 
zwölften obunde. Nu sult ir merke, das bei Joseph ist vns 
auf genomen eyn mensche, der gerne heilik were, vnd den 
lieisset der engel das kynt ilochenen in Egiptum, wenne eyn 
itzliches volkomen werk ist eyn son des menschen . . . 

61''-63^ 
2H. FEST. EFIPHANIAE. Cum ergo natus esset Jesus in 
Betiilehem . . . Matth. IL 1. 

Ir sult wisse, das man honte begeet den tak, also dy 
drei konyge suchten das kynt vnd fvnden is also houte. das 



92 H ■' » p t- 

niciuet dy drei crefte der sele, di sullen ouch das kynt suchen 
Zum ersten so sal in vornvnft suchen in rechter worhcit. Zum 
andern niöle so sal in wille suchen also also her eyn oberstes 
gut ist . . . 

63^— 64^ Herrn. S. 47. 

29. FEST. EPIPHANIAS. Cum erg-o natus esset Jesus in 

Bethlehem . . . Matth. II. 1. 

Das evvangelio spricht, do das kyndelyn Jhesus wart ge- 
l)urn in der Juden lande in der stat zu Betldehem, do quämen 
di drei konyge zu Jerusalem. Das meint, wen das ewige wort 
geborn wirt in deme wesen der sele , so keren alle di oussern 
crefte des menschen von oussern dyngen vnd haben vorbas 
nie keine behegelichkeit . . . 

64*=— 67\ Herrn. S. 49. 

30. DOM. I. EPIPHANIAS. Cum factus esset Jesus annorum 

duodecim . . . Luc. II. 42. 

Nu sult ir merken , daz ewangelio saget , wi das Maria 
vnd Joseph gyngen kegen Jerusalem , und das sult ir geist- 
lichen also vorsteen, das eyn itzlicher fromer mensche sal geen 
in dy ober stat, das ist in das hymelische Jerusalem mit leib 
vn mit sele, das heisset di stat des ewegen frides, di dö ist 
bei gote . . . 

67"— 69^ 

31. FERIA. VI. Confitebor tibi domine qiioniam iratus es . . . 

Isaias XII. 1. 

Nu sult ir merken das di lecze sprich (!) ,heire, ich sal 
loben vnd eren dynen namen, wenne du wirkest wunderliche 
werk.' Di glosa di spricht, das dis meyne, das wir alle got 
loben sullen vnd sunderlichen vnime di wunderlichen hochzeiteu, 
di do gesatzt sint yn dem hir vhd di in vns wirken grosse 
ynnekeit . . . 

ß9d_72e. Herrn. S. 52. 

32. DOM. 11. KririlANlAE. Nuptiae factae sunt in Chana 

(lalileae . . . Job. 11. 1. 
,Ks was eync liAchzeit zu Cana (jralilee.' hy von sprechen 
etliche lörer das, .Maria Magdalena di sei di brout gewesen 
vnd sant Johannes der brovtegam, vnd dis bewcreu si hi mite. 



Beiträge zur Literatur der deutscken Mystiker. 93 

das vnsei- frawe do was vnd das sant Johannes was irre swester 
son, wen sie were sust nicht zu der hochzeit komen. Aber 
ander lerer sprechen . . . 

72-=— 74^ 

oo. FERIA. VI. Ecce ! nomen domini venit de longinquo . . . 

Isaias XXX. 27. 

jSich, der name vnsers herren der kiimpt von verren vnd 
seyne kegenwortikeit di ist eyne freude.' Dise wort sint ge- 
Sprachen von eynem rechten vreien gemiite^ das dö beitetende (!) 
ist eynes grossen gutes , das ist des ewegen wertes. Nu sult 
ii- merken das vier dink sint, dy do machen eyn frei gemvtte . . . 

74'>_77a. 

.'54. DOM. III. EPIPHANIAE. Cum autem descendisset Jesus 
de monte . . . Math. VIII. 1. 
,Do Jhesus nyder gink von dem berge.' Nu. sult ir merken, 
das der berk meint das ewege leben, wene auf denie berge 
entspryngen di süssen worzen, das meinet di üben beilegen 
vnd auf dem berge ist auch di sunne, das meint das gotliche 
antlitze. also spricht sant Johannes : üi stat di endarf keines 
lichtes nicht ... 

77"— 78*. 

35. ? 

Nu sullet ir mit ernste vnd' mit fleisse merken drei vrogen 
von der ewegen gebort. Di erste vroge ist, ap kein mensche 
sych so ordenlich eu bereiten möge, das der vater seyn eweges 
wort yn ym geberen möge. Nu merket, ir sullet wissen, das 
man twyngende not nicht in gote mak gesetzen, wenne so wir 
alles das getuen . . . 

78<i_3Qa^ 

3G. DOM. III. EPIPHANIAE. Non alta sapientes sed humi- 
libus . . . Paul, ad Rom. XII. ]•). 

Ir sult wissen, das di getrewe lere vnd di gesunde itzunt 
wynynk ist, wenne di lerer sint sich das meiste teil. Nu sult 
ir merken, das di natürlichen meister sprechen, das grosser 
sichtum kome von vberflossikeit der speise vnd des trankes, 



94 Hanpt. 

vnd hir mite ist gemeinet, das alle di lerer, di dö allen iren 
fleis vnd alle Ire arbeit , . . 

80"— 81". 

37. DO]\I. IV. EPIPH. Et ascendente eo (Jesu) in naviculam 

secuti sunt . . . Matth. VIII. 23. 

Das ^wang-elio von dem liütigen tage das saget vns , das 
vnser herre Jhesus xpc der steik in eyn scliifFelyn, das meynet 
eyne kleyne achtunge seynes selber. Das schiff ist vorne spitz 
vnd meynet eyne scharfe und vorsichtige vornunft, vnd ouch ist is 
hyndene spitz vnd das meynet betrubetes vnd bitters leiden . . . 

SV—83\ Hs. 3057, 109"- 109''. 

38. DOM. V. EPIPH. In illo tempore respondens Jesus dixit . . . 

Matth. XI. 25. 

Der ewangelista saget, wye unser hei're sprach ,Ich danke 
dir herrc vn Vater des hymeles vnd der erdenk Das danken 
sal man also vornemen , das vnser herre xpc der lis uns dein 
(!) obersten creften des aller obersten gutes vnd des gütlichen 
gutes das dor ynno was, dö von wart eyne freude in der 
natüren. aber sant Lucas spricht . . . 

83''— 84^ Hs. 3057, 110"— IIP. 

39. ? 

Nil sult ir merken, aller reichtum der were eyn grosser 
vnd gerichter wek zu gote, wenne man sein rechte gebrouchte. 
aber leider ist vil der menschen, di in machen zu eynem 
grossen hyndernysse, vnd dis kumpt alles zu von disen saclien, 
di hir noch volgen. Di erste sache ist, das si ire herzen zu 
sere dö mite bekümmern . . . 

84-^—86". 

40. DOM. VI. EPIPHANIAE. Ecce, exiit, qui seminat, Semi- 

nare . . . Matth. XIII. 3. 

Das ewangeliö spricht, das das hymelreiclie ist gleiche 
eynem manne, der weise seete in seynen acker. Di togvnt [?) 
spricht, das diser man bedovtet vnsern herren got, der dö alle 
dink geschuf und gut gemacht höt, vnd dö her si geschuf^ dö 
sach her si au vnd sprach, das sie gut weren. Eyne ander 
glöse spricht . . . 

86»— 87'. 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. 95 

41. DOM. VI. P]PIPITANIAE. Exivi a ratre et veni in muii- 

clum . . . Joh. XVI. 28. 

Nu sult ir mit fleisse merken , Wenne her spriclit Jcli 
bin g-egangen ous dem munde des aller obersten^ Dise wort 
di bot gesprochen das ewege wort, das do ous gegangen ist 
aus dem veterlichen herzen^ vnd bot an sich genomen di 
menscldiche nätüre in dem reyneu leibe Marien vuser frawen 
vnd von diser liplichen gebort . . . 

87"^— 89\ 

42. DOM. VI. EPIPIIANIAE. Sic currite ut comprehendatis . . . 

Paul. I. ad Cor. IX. 24. 

Eyne glosse spricht, das alle togvnde loufen, aber mynne 
di begreiffet alleine das zil. ouch spricht eyne andere glösa, 
das alle crefte der sele louffen, aber vornunft begreiffet alleyne 
das Zeil (!). Nu spricht Dyonysius, das der louf der sele sei 
anders nicht wene eyn abescheiden von allen vorgenklichen 
dyngen . . . 

89"— 90'\ Ein Stück daraus ist oben S. 73 ff. gedruckt. 

43. SEPTVAGESIMA. Simile est regnura coelorum homini . . . 

Matth. XX. 1. 

Nu sullet ir merken daz , das dis houtige ewangelio 
spricht, das das hymelreiche sei gleiche eynem manne, der do 
fru ous geet ader gink und mitte werkleute in seynen Wein- 
garten. Das meynet das vnser herre got von grösser macht 
so machte her Adame vnd P]fan, vnd macht si in grösser libe 
vn machte si enphenklichen . . . 

90i_94\ Hs. 3057, 111«=— 113^ 

44. SEXAGESIMA. Libenter enim suffertis insipientes . . , 

Paul. E. II. ad Cor. XL 19. 

,Bruder ir leidet gerne di tören.' Di- glösa spricht ,Man 
sal eynem tören gerne vil vorsweigen'. hir von spricht her 
Sälomön ,Der wart ny volkomen, der cynen vnvolkomen nicht 
geleidon mak'. Zu dem andern möle spricht her ,ir leidet 
ouch gerne, ap man euch nicht nympt, Daz meynet das eyn 
volkomen mensche sich nicht betrüben sal . . . 

94"— 96". Hs. 3057, 114"— 115=. 



96 Haupt. 

45. SEXAGPjSIMA. Exiit qui seminat Seminare . . . 

Lucas VIII. 5. 

Das ewangelio, daz man honte list, daz schreibet sant 
Lucas vnd saget vns, daz wir sullcn merken, wi vnser herre 
sprach von ym selber ,Her ist ous gegangen'. Das meynet den 
ousgank des sones von dem vater vornunfticlichen, also eyn 
wort vnd nätürliclien also eyn son. Text. ,der du geseet hot 
seynen somen' Das meynet . . . 

9G"_98^ 

4G. QVINQVAGESIMA. 8i Unguis hominum loquar et ange- 
loruni. . . I. Paul, ad Cor. XIII. 1. 

.Bruder , ap ich spreclx; mit den zungen der menschen 
und der engele ^ hab ich der libe nicht, so byn ich worden 
also eyn loutendes erz vnd also eyn loutende glocke . / 
Sent Panel straffet hi etliche leute, di mit grösen werten vmme 
gen vnd mit grosen kunsten vnd nicht togvntliche werk üben 
wellen, das meynt . . . 

98^—99'=. 

47. QVINQVAGESIMA. Assumpsit Jesus duodecim discipulos . . . 

Lucas XVIII. 31. 

Also heute list man in dem ewangelio , das unsir herre 
saite seynen lungern uon seyner marter. Nvi mochte man 
frögen : iiv sint dach nv tage , das mau sich frewen sal vnd 
wor vmme list man denne nv von der martir vnsirs herren? 
Nu merket. Daz ist dor vmme. Es sint nv dy tage des 
schaden . . . 

99"— lOf)". IIs. 3057, 120'^— 123-'. 

48. DIES CINERVM. Cum autem jejunatis nolite fieri . . . 

Matth. VI. IG. 

Wor vmme man asche out" das houpt nympt, di sache leit 
ous sant Bernhart in eyner predige vnd spiicht ,lyben bruder, 
is ist nv mogelichen an disem tage das wir nemen di asche 
Mui' unsir houpt, wen is ist nv di zeit, das nuxn sal treten zu 
der busse vnd /.u reve (!) vii dor zu gehöret . . . 

1U(V-1U9". 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. 97 

49. FERIA. V. In diebus illis aegrotavit Ezechias . . . 

Isaias. XXXVIII, 1. 

Man sal heute sag-en von dem gebete, dor vmme saget 
di lecze do von. ml merket. Ezechias sprach zu unsir herren 
^lierre, gedenk dor an, wi ich gewandert habe in deynen wegen^ 
Nv ist eyne froge, sint dem mole, das Ezechias stete gewest 
ist in dem wege gotes, wor vmme was denne got . . . 

110^— llO^ 

50. FERIA. V. Cum autem introisset Caphernaum accedit ad eum 

Centurio . . . Matth. VIII. 5. 

Das ewangelio schreibet Matheus vn spricht also ,D6 Jhesus 
gynk von dem berge vn quam zu Capharnavm, dö gynk zu 
ym eyn ritter, der was hundirt ritter herre'. das legen di lerer 
also ous. der keiser hatte in dem lande in gesatzt zu eynem 
houptmanne vber di hundirt ritter . . . 

110<=— 112\ 

.01. FERIA. VI. Audistis, quia dictum est: Diliges proximum 

tuum . . . Matth. V. 43. 

Also wir heute an der mettewachen lesen, wy man vasten 
sal, vn (an) dem donnerstage lesen , wy man beten sal , heute 
lese wir von dem almvsen, morne lese wir uon der busse, an 
dem sontage von der bekorvnge, an deme montage von dem 
lone, das vnsir herre sal sprechen, kompt ir gebenedeyten . . . 

113"— 114«=. 

52. DOM. I. QUADRAG. Tunc Jesus ductus est in desertum . . . 

Matth. IV. 1. 

, Jhesus ist gefurt in di wustenvnge von dem geiste.' In 
dem ewangelio synt vns drey dynk zu merken. Zvm ersten 
das der herre wart gefurt in di wustenvnge von dem geiste, 
vom dem hi wirt gesprochen ,Jesus ist gefurt'. Zvm andirn 
mole das yn der teufel bekorto in dreyen dingen vnd her ant- 
worte ym stetiklich . . . 

116"-117^ 

53. DOM. I. QVADRAG. Adjuvantes autem exhortamur ne 

in vacuum . . . Paul, ad Cor. II. c. VI. 1. 
Sant Paulus spi-icht in der epistel ,bruder, wir manen 
euch, das ir gotes genäden icht eitelichen enphäet, wen her 

Sitzungsber. d. phil.-hist. Ol. LXXVI. Bd. H. Hit. 7 



96 Haupt. 

sprach : zu der genemen zeit habe ich dich erhört', wenne aber 
dy geneme zeit sey , dö mm redet der lerer vn der heilige 
böbist Leo vnd spricht , wenne mak seyn eyne bequemer vnd 
heilsamer zeit . . . 

117d_ii8'. Hs. 3057, 124' -125*. 

54. DOM. I. QUADRAG. Tunc Jesus ductus est in desertum . . . 

Matth. IV. 1. 
Vnde spricht Jhesus wart gefurt in dy wustenvnge adir 
Lucas spricht ,her wart gesant in dy wüste', dor vf reden di 
lerer mancherley, wen sy sprechen ,wer dö gesaut wirt, das 
ist alnöen also ap is eyn gebot sey vn dor ous zien di lerer, 
das der almechtige got vater gesant habe seyuen eyngebornen 

son . . . 

118'^— 123^ Hs. 3057, 125''— 128\ 

55. FERIA. IV. Et accesserunt ad eum Pharisaei et Saddu- 

caei . . . Matth. XVI. 1. 

Man list heute eyne grosse disputatio, dy unsir herre 
hatte mit den Juden, wen dy Schreiber vn dy gleissenere 
gyngen zu ym vn sprechen ,meister, wir wellen eyn zeichen 
haben von deme hymele'. das bedeudet (!) di grosse frebel- 
keit di sy hatten. , wellen' das bedeudet dy grossen eygen- 
willikeit. ,Ein zeichen' das bedeut . . . 

126'=— 128". 

5G. FERIA. VI. Et post dies sex assumit Jesus Petrum . . . 

Matth. XVIL 1. 

Man list in dem ewangelio, das unsir herre Jhesus xpc 
auf den berk gynk vnd vorwandelte sich vnd weiste seyne ere 
vnd seyne Schönheit, her gynk auch her nyder , das meynt 
alle dy werk, dy vnsir herre Jhesus xpc geworcht hot, dy synt 
vns eyne lere, das her auf den berk gynk, do mite hot er vns 
beweist . . . 

132"— 137^ 

57. DO.AI. 11. QVADKAG. [REMINISCERE]. Egressus Jesus 

secessit in partes . . . Matth. XV. 

, Jhesus gynk ous in di gegenot Tyre und kSydonys'. In 

disem kegenwortigen ewangelio synt uns drei dynk zu merken. 

Zv dem ersten mole, das der herre gynk ous in di gegenot tire etc. 



Pieiträgf zur Literatur der deutschen Mystiker. 99 

von deme liy wirt g^esprachen , Jesus gynk ous etc. Zum andirn 
iiiole , das eyn heydenysch weip bat vmme dy gesvntheit irre 
tochter . . . 

ISS''— 145^ Hs. 3057, 128'— 129". 

58. FERIA. IV. Et ascendens Jesus Jerosolymam assumpsit 

duodecim . . . Matth. XX. 17. 

Vnsir herre nam seyn lungern heymelichen vnd sprach zu 
yn ,Seet, wir geen auf ken Jerusalem, das alles das volbrocht 
werde , das von des menschen sone geschriben ist etc.^ Dor 
vmme sagete her in das heymelich vnd nicht der menege, das 
seyn tot nicht gehyndert worde. das ander ist, vnde hette her 
is der menege gesaget . . . 

147'*— 149^ 

59. FERIA. IV. Simile est regnum coelorum homini patri 

familias , . . Matth. XXI. 1. 

Man lyst hovte, das vnsir herre hatte eyne rede mit 
seynen iungern vnd mit den Juden vnd sagete in eyn gleich- 
nysse vnd sprach ,Es was eyn houswirt vnd eyn vater des ( — ? — ) 
der pflentzte eynen weyngarten' das meynt den ewegen got, 
der do gemacht höt alle dyse werlt. Eyn andir glosa spricht 
der weyngarte were dy Judischeit . . . 

15^—153". 

00. FERIA. VI. Homo quidam habuit duos iilios . . . 

Luc. XV. 11. 

E wen ich von den woi'ten rede so nem ich eyn wort 
ous dem ewangeliö also der son sprach , vater, ich habe ge- 
svndet in dem hymel vnd vor dir', vber das wort spricht eyn 
lerer Wernyrus ,0 dv selige und heilige togent dy do heiset 
demutekeit, wen du bist eyne wedirbrengerynne alle der ge- 
brechen, dy do versäumet worden in andirn togenden , . .' 

155''— 150^ Mitte und Ende fehlt in 2845. 

01. DOM. IIL QV ADRAG. [OCVLI]. Et erat eiciens de- 

monium et illud . . . Luc. XI, 14. 

E wen ich kome zu den Worten dez ewangelii, so merket 

also ir vor gehört habit, wy vns der tufel stricke legit vnd vus 

ane lichtet gar in manchir ley wyse, vnd wy wir vns mit 

gotes hultfc wider in setzen sulleu vnd wy wir in wol in der 



100 Haupt. 

craft gotlicher hulffe widersten mog-en. vnd ouch habit ir ge- 
hört . . . 

157c_iG4". Hs. 3057., 134"— 140^ 

G2. FERIA. IV. Tunc accesserunt ad eum ab Jerosolyniis 
scribae . . . Matth. XV. 1. 

Dy glizsener vnd dy schriber daz sint dy gelärten pfaffen 
vnd kundegen, dy andir leute lernen solden. abir dy glizsener 
dy woren dy do sundirlichen scheyn trugen vnd wolden bezsir 
seyn, wenne andir leute. dy dritten woren dy Saducey, dy 
hatten etwas vno-elouben an vn. Dise suchten vnsirn herren 
vmme daz sy in begriffen . . . 

166''— 167^ 

63. FERIA. VI, Venit ergo in civitatem Samariae, quae dicitur 

Sichar . . . Johannes IV. 5. 

Jhesus gink in Samariam vor dy stat, dy do heiset Sieztor, 
do lak eyn vorewerk Jacobiz. do stunt ein burnne, den her 
hatte gegeben seynen sone Joseph vli Jhesus saz auf dem brunne. 
Nv ist eyne froge, wenne Johannes sagte houte, daz Jhesus 
waz mvde von dem wege vnd iz waz dy sechste stunde dez 
tagiz ... 

169"- 172\ 

64. FERIA. VI. Jesus autem perrexit in niontem Oliveti . . . 

Joh. VIII. 1. 

Jhesus gink an den oleberg. Nv merket wor vmmc Jhesus 
gink an den olenberk, wenne her hatte vor gepredeget vnd 
dy Juden vnd dy fursten der prister santen zu ym ire dyner, daz 
sy in vingen vnd in gefangen brechte vor sy, vnd dö dy 
dynern horten seyne lipliche wort, do mochten sy in nicht be- 
trupen vnd der herre ... 

173e_i7gb_ 

65. DOM. IV. QVADRAü. [LAETAUE]. Post haec abiit 

Jesus trans mare Galileae . . . Juh. VI. 1. 

E wen ich kome zu den werten, so merket: also wir do 

hci- haben vornomen vnd gehört gar ströfliche rede, nv ist ouch 

not daz wir hdren etwaz trostlicher wort, der wir vns mögen 

trösten vnd dor vmme singet man hüte in allem gesange gar 



Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. 101 

froliche gesenge vnd sundirliche in dem anefange der messe, 
den Ysaias schribet . . . 

179-_185\ Hs. 3057, 140=-14ß^ 

Gß, FERIA. IV. Et praeteriens Jesus vidit hominem caecum . . . 

Joh. IX. 1. 

Nu merket. Jhesus gink vor, daz meynet Cristus hatte 
eynen grozsen erik myt den Juden wenne sy wolden in gesteynet 
haben, also man an dem nesten svntage lesen wirt, vnd Jhesus 
entwich in ous dem tempel vnd gynk vor seynen iungirn. 
Text, vnd sach eyn blyntgeborn menschen. Der Guldynne 
mvnt spricht ,her sach in an myt den ougen seyner barm- 
herczkeit . . . 

188"— 192<=. 

67. FERIA. VI. Erat autem quidam languens Lazarus a Bethania . . . 

Joh. XI. 1. 

Augustinus sprichet ,0 herre, gip daz wir heutte daz 
volk dirwecken, also daz wir myt in dirsteen von dem tode 
vnd also grosse furchte gewynnen vor dem geistlichen tode 
mer denne vor dem leiplichen, vnd euch serer vnd mer sten 
vud begern dez ewigen lebens, wenne hy dis vorgenklichen 
lebens'. vnd daz ist leyder in weynynk menschen . . . 

GS. DOM. V. QVADRAG. [JVDICA]. Quis ex vobis arguet 
nie de peccato , . . Joh. VIII. 46. 

E wen ich kome zu den worten des evangelis, so sult ir 
wissen das man hevte anhebit zu begen dez (!) gedechtnusse 
der marter vnsirs herren, vnd wy wol daz mogelich ist, daz 
eyn itzl icher fromer cristenlicher mensche daz leyden vnsirs 
herren stete in seynem gedechtnusse haben sal^ doch so ist 
das billich, daz man daz nv , . . 

20P— 206*. Hs. 3057, 147»— 15P. 

69. FERIA. IV. Facta sunt autem encaenia in Jerosolymis . . . 

Joh. X. 22. 

E wenne ich komme zu den worten des ewangeliis, so 

neme ich eyn wort, daz spricht sante Augustinus, vnd das laut 

alzo ,wir sullen die wort des erwirdigen sante Johannes des 

ewangelisten nicht alleyne nemen also dy myllich zu der jvch^ 



102 Haupt. 

alzo das herte strenge brot vnd ander grobe speise', her wirt 
alzo sprechen . . . 
207^—210". 

70. FERIA. IV. Collegcrunt ergo pontifices et pharisaei . . . 

Job. XI. 47. 

Johannes beschreibet, das di Juden hatten ejuen rot 
wider Jhesum vnd sprochen . was tv wir? diser mensche tvt 
vil zeichen, dis waz dor vmme. do vnser herre Lazarum 
hatte lassen ersteen von dem tode, vnd den blynt gebornen 
hatte geseende gemacht, do volgete das volk vnserni hcrren 
sere noch. Dis hasten dy prister . . . 

211''— 213'\ 

71. IN VIGILIA PALM AR VM. Haec locutus est Jesus . . . 

Job. XVII. 1. 

Jhesus hup auf seyne avgen etc. Nv merket von wannen 
dise wort komen. Der herre hatte den jvngern vor gesaget, 
wi er vil smocheit vn marter sulde leiden vnd sulde in be- 
nomen werden, vn wi er von in scheiden worde vnd man sie 
auch sere echten vn peynegen Avorde, vnd sagete in sulicher 
Sachen vil, dy sy noch ervolgen worden . . . 

214''— 220^ 

72. DOM. TALMARVM. Et cum appropinquasset Jeroso- 

lymis . . . Matth. XXI. 1. 

El wenne ich komo zu den werten des cwangeliis, so 
nemo ich eyn wort, das spricht sante Bernhart ,Es ist nicht 
äne Sache, das di selyge braut des herren also hevtc bot zu- 
samene gefuget dy herliche processio, dy man hevte begeet in 
der beilegen cristenheit, wenne in der man bezeichent di vn- 
messige grosse ere ... 

224"— 228*. Hs. 3057, 151^— 15H'. 

73. FERIA. IV. Appropinquabat autem dies festus Azymorum . . . 

Luc. xxn. 1. 

Dor noch alzo vnser herre dy Juden gelart vn gestraft 
hatte vmme ire bosheit, vnd dor vmme gyngen sy in eynen 
rot dy vorsten der prister vn dy edelsten der stat, vn der 
woren noch der lerer rede drey vn zweynczik, vnd bereyten 



Beiträge zur Literat\ir der deutschen Mystiker. 1 03 

sich; wy sy Jliesiim g-efyngen vil getoten vn Judas der gynk 
zu in vn vorkoufte . . . 
235"^— 238^ 

74. FEKIA. V. Ante dieni festum Paschae sciens Jesus quia 

veuit . . . Juli. XIII. 1. 

Der do g-etwagen ist, der darf nicht anders, wenne nver 
das seyne fusse getwagen werden. Do von spricht Johannes 
in dem XIII. teile. Di fusse sint dy begerunge der sele, dy 
do sullen gereyneget werden von dem staube der tegelichen 
sunden. Dor vmme so werden denne di fusse getwagen, wenne 
die begerunge . . . 

239*=— 241''. 

75. BVCH DER MARTER VNSERS HERREN. 

Nv welle wir sprechen von deme leiden vnsers herren 
Jhesu Christi vnd Aveliches di lente seyn , di sich dor ynne 
vben vii di snllet ir merken. Di ersten leute vben sich in 
leiden vnsers herren Jhesu Christi, wenne si nu vasten vii 
geen zu der kircheu vn beichten vn betrachten das leiden 
vnsers herren . . . 

243'^— 253^ 

Es sind also in diesem Wintertheile (pars hiemalis) 
74 Predigten imd das ,Buch der Marter unsers Herren^ ent- 
halten. Von diesen 74 Predigten hat Hermann von Fritzlar 
nur 12, nämlich die 15., IG., 19.— 24., 2ii., 28., 29. und 31. in 
seine Auswahl hinüber genommen. Andere 12 Predigten, näm- 
lich die 37., 38., 43., 44., 47., 53., 54., 57., Gl., G5., 6S. 
und 72. linden sich auch in der Handschrift 3057. Als cha- 
rakteristisch verdient schon jetzt hervorgehoben zu werden, 
dass dieselben mit ,e wen ich zu dem ewangelio chome^ oder 
,e wen ich zu den werten des ewangelii chome' beginnen. 
Diese Hs. enthält nur Erklärungen über die sonntäglichen 
Evangelien, ausgenommen die wenigen zu den P'esttagen in der 
Weihnachtszeit. Die ursprüngliche Sammlung muss aber auch 
Predigten über die Evangelien der Wochentage enthalten haben, 
wie man aus der GO. und G9. ersieht, die durchaus mit ,e wen' 
anheben und ganz den übrigen dieses Anfangs gleichen. Auch 
die erste als Einleitung zu den Adventspredigten hat dieses 



t- 



JQ4 Haupt. Beiträge zur Literatur der deutschen Mystiker. 

,e wen'. Uebrig:ens gehören sie alle der mystischen Schule 
an, wie ich im zweiten dieser Beiträg-e des ausführlichen zeigen 
werde, der dieser Hs. und ihrem sich über das ganze Kirchen- 
jahr erstreckenden Inhalte gewidmet sein wird, wie ich schon 
oben bemerkt habe. 



Pfizmaier. Die Geschiebte der MongolenungrifTe auf Japau. 105 



Die Gescliiclite der Mongolenau griffe auf Japan. 

Von 

Dr. Aug. Pfizmaier, 

wirkl. Mitglied der k. Akademie der Wissenschaften. 



Ijei der Bearbeitung der Geschichte der Angriffe der 
Mongolen auf Japan wurde von dem Verfasser dasselbe Werk, 
welches er für die Geschichte des Zeitraumes Bun-jei als 
Quelle benutzte, nämlich das in Japan erschienene Mözokki 
zu Grunde gelegt. 

Die Abhandlung enthält voi'erst ausführliche Nachrichten 
von der Landung und dem Siege der Mongolen auf den Inseln 
Tsusi-ma und Iki, dann von der Niederlage und der Flucht 
ihrer Streitkräfte in Ima-dzu^ einem Districte von Tsiku-zen. 

Das Nächstfolgende erzählt, neben einigen Ereignissen 
im Inneren, den im vierten Jahre des Zeitraumes K6-an (1281 
n. Chr.) im grössten Massstabe unternommenen allgemeinen 
Angriff und den Untergang des mongolischen Heeres. 

Die nach dem obenerwähnten Werke gelieferte Geschichte 
der ]Mongolenangriffe weicht von den in chinesischen Geschichts- 
schreibern vorkommenden Nachrichten sehr bedeutend und in 
wesentlichen Dingen ab. Der japanische Verfasser, auf das 
Unrichtige in den bereits bekannten gewöhnlichen Erzählungen 
hindeutend, hebt die Richtigkeit seiner Darstellung ausdrück- 
lich hervor. 

Besonders werthvoll sind "ferner die vielen in dem Werke 
gebrachten Einzelnheiten, die sich namentlicii auch auf han- 
delnde Personen, auf Charakter und Cultur beider Völker, so- 
wohl des japanischen als des mongolischen, beziehen. 



106 Pfiz maier. 

Die Rüstuugeii der Mongolen. 

Bxm-jei ziü-itsi-nen san-guatsü-ni fö-siü J^^ @^ 'ßH 

kei-riakn-si ^ ^ kin-fo ko-rai ^ ^ g im -min ^^ ^^ 
sö-kaii kö-sa-kiü rih-nin-ni mei-zite iicakii nippon-kokn-tco-Je si- 
sia-wo tsiikawasi oi-oi mbsi-satosi-tare-domo fen-kan-wo-mo 
sasagezü'site fanafada keo-go fu-son-mte hu~rei-no furnmai 
sukuna-karazu. Wnga tsioku-si-tco YS ^3 bu-bessi-te tori- 
atsiikh koto ff ^^ sin-boku-no gotosi. Kono uje-iva süte-oki- 
gatasi. Koto-gotoku seme-forobosi waga !^ ^ zoku-koku-to 
nasi-fatete mi-dzükara maneki-si fa-vietsii-no tsumi-wo ten-ni 
kawatte sirasimen. Madzv o-oki-ki tsi-isaki-no gun-kan kiL- 
fiakxL-jo-so gun-bib itsi-man go-sen-nin-wo tsünori sitsi-guatsü-ni- 
wa kono omote-wo siütsü-dzin-itasü-besi. Sono mune toku-to ai- 
kokoro-je kokoro-ico motsi-i-te tsutome-jo-to-zo mosi-keru. Kin-to 
kö-sa-kiü-wa ^^ •^ fai-fuku-dte ^ sei-si-no omoimiki 
kasikomari-tate-matsüri-nu. Nippon-no bu-rai ron-züru-ni amarl 
go-iki-dowori go-motto-mo-ni sorai-nu. Ziü-bun-ni gun-ba-no Jö- 
i-siteß arazü-site siütsü-dzin-si tatsi-dokoro-ni kano kuni-wo seme- 
jabun kuo-tei-no bu-toku-wo simesi-soroioan-to-zo kotaje-keru. 

Im dritten Monate des eilften Jahres des Zeitraumes 
Biin-jei (1274 n. Chr.) erging an den auf den Wegen streifen- 
den Abgesandten Hin-tu und an den dem Kriegsvolke von 
K6-rai vorgesetzten Hung-tscha-khieu der folgende Befehl: 
Obgleich ich an den König des Reiches Nippon einen Ge- 
sandten geschickt und zu verschiedenen Malen belehrt habe, 
hat er das Antwortschreiben nicht überreicht. Dieses ist sehr 
stolz, hochmüthig, unnachgiebig, und das unhöfliche Benehmen 
ist kein geringes. Man beleidigte meinen Gesandten und be- 
handelte ihn wie einen Diener und Knecht. Länger kann man 
es unmöglich so lassen. Ich werde Alles im Angriffe vernich- 
ten und es endlich zu meinem abhängigen Reiche machen. Ich 
werde das Verbrechen, das mit Vernichtung, der von ihnen 
selbst herbeige winkten, bestraft wird, an der Stelle des Him- 
mels zur Kenntniss bringen. Mali versammle gi'osse und kleine 
Kriegsschiffe über neunhundert, Krieger des Heeres fünfzehu- 
taiiseud und rücke im siebenten Monate an dieser Seite aus 
dem Lager. Beachtet diese Willensäusserung wohl und lasset 
CS euch von Grund der Seele angelegen sein. — Hin-tu und 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 107 

Hung--tsclia-kl)ieii verbeug-ten sich und antworteten: Wir leisten 
ehrfurchtsvoll Gehorsam dem höchstweisen Willen. Wenn wir 
die Unhöflichkeit Nippon's bedenken, so hat der Kaiser Recht, 
dass er überaus entrüstet ist. Wir \Aerden in hinreichender 
Weise die Bereitschaft der Kriegspferde bewerkstelligen, früher 
als in einem Tage aus dem Lager rücken, auf der Stelle jenes 
Reich im Ang-riffe zerstören und die Kriegstugend des Kaisers 
bekanntgeben. 

Safe viafa Jcb-rai-ni si-sia-wo tatefe mosi-tsükaicasi-te hoahn 
"^ ^in ki-kei-mo kanefe tsikara-ioo motsi-i jokii l^r jtt 
keudb-serariire-do nippon-koku-ivo ^ j(|^ ko-roku-ni site 
sara-ni ki-kua-snru kokoro-naku kafsii ivo-ici-ioo fabakarazü 
^a ^B betsü-zio-süru koto ki-kuai nari. Ima nan-süre-zo sasi- 
okan jotte fei-si itsi-man go-sen-nin-wo fassi sei-hassi-te sono 
tsümi-ico tadasan-to sü. Ki-kei-mo ka-sei-ioo itasü-besi-to-zo 
mosi-keru. Ko-rai-wo kotajete iioaku loo-mei sara-ni karo-karazü. 
Tsüssinde uke-tamawari-sorai-nu. Isof/i fen-fei-iao kudasaru-hesi. 
Waga kuni-mo jö-i-ivo itasn-hesi-tote ^ '^ 'ßB fo-toku-si 
-^ ~lj J^ kin-fo-kei-ioo m W fsm-gun-no tai-sib-to si 

tiM ^u 1^ sü-mitsii-ivin fukn-si -^ '0jq kin-sen-wo sa-gun- 
si-to si zib-sib-gun ■^>- aT )h^ kin-bun-ß-ivo ü-gun-si-to si 
sono sei fassen-jo-ki-ico mi-te-ni wakatsi-fe ^£ ^a san-jokn-no 
dzin-wo mbkete ka-sei-sü-beku-zo sonaje-taru. 

Hierauf schickte er auch einen Gesandten nach Ko-rai 
und Hess daselbst sagen: Obgleich der theure Reichsminister 
früher seine Kraft angestrengt und nach Möglichkeit den Weg 
gezeigt hat, bleibt der König des Reiches Nippon sich gleich 
und hat durchaus nicht die Absieht, den Verwandlungen sich 
zuzuwenden. Zudem ist es sonderbar, dass er die ]\[acht des 
Königs nicht scheut und sie für nichts achtet. Warum sollte 
ich es jetzt dabei bewenden lassen? Ich bin daher im Begriffe, 
fünfzehntausend Krieger auszusenden, Eroberung und Strafe 
zu verhängen und über sein Verbrechen Gericht zu halten. 
Der theure Reichsminister soll mir eine Hilfsmacht stellen. 
— Der König von Ko-rai antwortete: Der Befehl des Königs 
ist mir durchaus nicht gleichgiltig. Ich habe ihn ehrerbietig 
in Empfang genommen. Er möge schleunigst die Krieger des 
Himmels herabsteigen lassen. Mein Reich wird sich ebenfalls 
in Bereitschaft setzen. 



108 Pfimnaier. 

Er ernannte Kin-fang-khing, den Abg-esandten des Beauf- 
sichtigers der Hauptstadt^ zum grossen Autuhrer des mittleren 
Heeres, Kin-sien, den zugetheilten Gesandten des Palastes 
Tschü-nii, zum Abgesandten des Kriegsheeres zur Linken, den 
obei'en Heerführer Kiu-wen-pi zum zVl)gesandten des Kriegs- 
heeres zur Rechten. Er thcilte seine Kriegsmacht, achttausend 
Reiter, in drei Theile, schlug ein Lager der drei Flügel auf 
und traf die Vorbereitungen, dass sie als Hilfsmacht dienen 
könne. 

Sare-do kono ko-rai-wo tsioku-ioa kuo-kokit-ni teki-tai-site 
sen-so-sü-beki kokoro-nakn jamii koto-wo jezü an-nai-site sio-kan- 
wo-mo okuri-si-ga nawo-mo .& j^ fei-ba-ioo motsi-i-gataki 
koto-ioo sirasimen-tote fii-hen-ri-naru kai-ro-wo tsnre-aruki nami- 
kaze araki »^ se-wo toatari-te fi-kazü-ioo o-oku sügusi-kei-u-wo 
mo-ko-no I^ ^ koku-sin nippon tsü-zi ^ -^ 44- so-kai- 
siö-to iü mono kono koto-wo ibukari-te mo-ko-ico-ni mhsi-te iwaku 
ko-rai-jori-no an-nai-wa kokorojenu koto ito-o-oku sorb. Kano 
sio-fen-fo-jori siüppan-itasi kaze-no tsii-gb jorosi-ki setsü-iva 
fito-fi-wo sügnsazü-site nippon-je wataru-besi. Sikarii-ni itsü-nite- 
mo sü-zitsü-ico okiiri kai-ro-ni tsi-tai-itasu koto nippon-ni ka-tan- 
site fei-ba-wo motsi-i-gataki mune sirasfoni tame-ni sbrb-ka. Mosi 
go-nitsi tai-gun-ioo okosi utte-wo kudasi-tamb toki-ica kano 
kb-rai-je an-nai-ioa itasase-gatasi. Seo-sin kore-ga sen-db-ico 
fsükamatsüran-to-zo mbai-keru-ivo kb-rai-ivb notsi-ni kiki-tsüfajete 
o-oi-ni odoroki ima isasaka-nite-mo mo-ko-wb-no kokoro-ni fururu 
koto ara-ba kano sakan-naru ikiwoi-ni makasete me-zasii tokoro-no 
vippon-wo msi-oki madzii loaga kuni-ni utte-ico muken. Tatoi 
nippon-ni ^ Q gb-zoku-su-to-mo kai-guai-no koto nare-ba 



1=1 

en-fei-wa tanomi-gatasi. Sio-sen koku-ka-no an-ki-tco fakaru-ni 

tsikaki mo-ko-ni sitagai-fe toivoki nippon-ico utsu-ni sikazu-to 
kokoro-ßto-tsü-ni omoi- sadamete ka-sei-no sonaje-wo mbke-si- 
tari-kevi. 

Indessen hatte dieser TschT, König von Kö-rai, indem er 
sich dem erhabenen Reiche entgegenstellte, nicht die Absicht 
zu kämpfen. Dass er unaufhörlich den Führer machte und 
Briefe schickte, geschah um darzuthun, dass es noch immer 
unmöglich sei, Krieger und Pferde zu verwenden. Man fuhr 
mit den Gesandten auf unbequemen Seewegen, übersetzte 
Strömungen, wo Wind und Wellen tobten, und Hess viele Tage 



Die Geschichte der MongolenangrifFe auf Japan. 109 

verstreichen. Ein Mann, Namens Tsao-kiai-sching, Diener des 
Mongolenreiches und Dohnetscher für Nippon, wunderte sich 
liierüber und sagte zu dem Mongolenkönige: In der Führung von 
Seite Kö-rai's sind sehr viele unbegi-eifliche Dinge. Wenn man 
von der Bucht von Sung-pien absegelt, kann man bei ganz 
günstigem Winde in weniger als einem Tage nach Nippon 
übersetzen. Dass man dessenungeachtet immer einige Tage 
verbrachte, auf dem Seewege sich verspätete und langsam 
fuhr, ist vielleicht, weil man zu Nippon hält und zeigen will, 
dass die Verwendung von Kriegern und Pferden unmöglich 
ist. Wenn man in späteren Tagen ein grosses Kriegsheer aus- 
rüstet und eine Macht zum Angriffe herabsendet, ist es unmög- 
lich, jenem Kö-rai das Geschäft des Führers zu übertragen. 
Ich, der kleine Diener, werde ihren Führer machen. — Der 
König von Kö-rai, der dieses später erfuhr, war sehr er- 
schrocken. Wenn er jetzt nur im Geringsten gegen den Willen 
des ]\Iongolenkönigs verstiesse, so würde dieser, auf jene voll- 
kommene Macht sich verlassend, Nippon, auf das er sein Auge 
richtete, bei Seite lassen und früher gegen sein (des koreani- 
schen Königs) Reich den Angriff richten. Wenn er (der König 
von Kö-rai) sich auch mit Nippon verbünden wollte, er könnte 
sich, da dieses ausserhalb des Meeres gelegen, unmöglich auf 
eine Hilfsmacht verlassen. Indem er schliesslich Sicherheit uiul 
Gefahr des Reiches und Hauses bedachte, war es das Beste, 
den nahen Mongolen zu gehorchen und gegen das ferne Nippon 
loszuschlagen. So beschloss man einmüthig und betrieb die 
Ausrüstung der Hilfsmacht. 

Onazi-go-guatsü vi6-ko-koku-no so-tai-sib ^K to-gen-süi 
^, ^^ ^^^^(^^^ u-fuku gen-süi kö-sa-kiü sa-fuku gen-süi 
^J 'iM ^ riü-fuku-ko-ra sü-man-no sei-ico in-sossi-ie ko- 
rai-koku-ni siuttsio-site sio-fb-no sei-ico matsi-sorojete tomo- 
dzüna-ioo toki osi-watari tada fito-momi-ni momi otosan-to 
svsnmi-tassüru ari-sama-ioa isamasi-ku koso mije-ni-kere. 

In dem fünften Monate desselben Jahres stellten sich 
Hoe-tün, allgemeiner grosser Feldherr des Mongolenreiches 
und ursprünglicher Anführer der Hauptstadt, Hung-tscha-khieu, 
zugetheilter ursprünglicher Anführer zur Linken, und Licu-fö- 
hiang. zugetheilter urspi'ünglicher Anführer zur Rechten, an 
die Spitze einer Macht von mehreren Zchntauseuden, zogen 



110 l'fizmaier. 

lUK'li dem Reiche Ko-rai, erwarteten und ordneten die Kriegs- 
macht sämmtlicher Gegenden, lösten das Seil des Hintertheiles 
der Schiffe und schifften über. Dem Anscheine nach vorwärts 
dringend, als ob sie mit einem einzigen Handgriffe zum Falle 
bringen würden, mochten sie nur ein muthiges Aussehen ge- 
habt haben. 

Der Kampf in dem Reiche Tsusi-ma. 

Ko-tosi hivn-jei ziü-itsi-nen sib-guatsü kaiiie-jama-ten-wo 
mi-kurai-wo knh-tai-si-ni judzürase-famo. Onazi san-guatsü jo- 
ßto-sin-tob ama-tsu ß-tsügi-wo tsugase-tamai-keri. Köre sunaivatsi 
go-u-da-no ten-wo-to mosi-keru sei-siü-ni nan masi-masi-keru. 
Akuru tosi kai-gen ari-te ken-dzi guan-nen~to aratameraru. Säte 
hun-jei ziü-itsi-nen-no faru-no koro-jori fü-bun-site mö-ko ko-rai 
sono foka-no kuni-guni-jori ka-sei-site sü-fiaku-man-no gun-hio-wo 
totonoje tsika-tsika-ni waga kuni-ni osi-josü-besi-fo tare iü-to 
naku sa-ta-si-nu7'e-ha to-fi toino-ni odajaka-narazü kin-tei-jori-wa 
sio-sia sio-zi-je tsioku-si-wo kudasarete W. ^ i-zokti j^ 'j^ 
ko-hiiku-no go- TfTfr )|jS hi-to are-ha sen-to-jori-mo win-sen-wo 
kudasare tai-sia-tai-sia-ica mosü-ni ojobazü sio-zi ^K MJ ^*o- 
san-no ki-so kb-so ^A^ i^ fi-fb-wo Yj^ siu-si go-nia-ivo taki 
kb-hnku'SÜ-heku-zo go-sa-ta ari-kerxi. Kakare-ba ]|jft 'W^ sin- 
bufsu-no S. Bs mib-kan-mo ika-de orosoka-naru-beki-to 
tanomosi-kii koso oboje-kere. 

In diesem Jahre, im ersten Monate des eilften Jahres 
des Zeitraumes Bun-jei (1274 n. Chr.), trat Kaiser Kame-jama 
seine Würde an seinen kaiserlichen Sohn ab. Im dritten 
Monate desselben Jahres setzte der Kaisersohn Jo-iito die 
Sonnennachfolge des Himmels fort. Derselbe wird Kaiser 
Go-u-da genannt und war ein höchstweiser Gebieter. Im fol- 
genden Jahre fand die Veränderung des Namens des Zeit- 
raumes statt, und man nannte das Jahr das erste des Zeit- 
raumes Ken-dzi (1275 n, Chr.). Indess verlautete seit dem 
Frühlinge des eilften Jahres des Zeitraumes Bun-jei, dass die 
Mongolen, nachdem sie aus Ko-rai und anderen Reichen Ver- 
stärkungen erhalten, ein Heer von mehreren hunderttausend 
Kriegern in Bereitschaft gesetzt und in nächster Zeit gegen 
unser Reich andringen werden. Als dieses Gerücht — man 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 111 

wusste nicht durch wen — sich verbreitete, geriethen die 
Hauptstadt und die kleineren Städte in Unruhe, aus dem ver- 
schlossenen Vorhofe wurden an die Altäre und Tempel kaiser- 
liche Gesandte herabgeschickt, und als die Gebete um Nieder- 
werfung der fremden Räuber stattfanden, wurden auch aus der 
Tiefe der Unsterblichen (dem Palaste des zurückgetretenen 
Kaisers) Verkündungen des Palastes herabgeschickt. Die 
grossen Altäre übten die geheime Weise der theuren Bonzen 
und der hohen Bonzen der Tempel und Berge, die sich nicht 
nennen lassen. Man brannte Feueropfer und erhielt die Nach- 
richt, dass man die Niederwerfung bewerkstelligen kcinne. In- 
dessen glaubte man, dass der dunkle Spiegel der Götter und 
Fö's keineswegs träge sein könne, und man mochte nur voll 
Zuversicht sein. 

Sate-mo mo-ko-no gim-zei-wa itsi-man go-sen-nin so-no 

^^ -^ scm-to itsi-man-nin ko-rai-no gun-zei fassen-nin tsu-go 

sono sei san-man san-sen-nin kadzi-tori ka-ko roku-sen sifsi- 

ßaku-nin awasi-te san-man ku-sen sitsi-fiaku-nin sen-kan ku-fiakn 

jo-sh-ni ton-nori ziü-guatsn-ioo matte tomo-dzüna-ivo toki siüppan- 

loo-zo itasi-keru. Kaku-te ziü-guatsü itsü-ka-no aka-tsüki-ni 

tsüsi-ma-sima-jori mi-watase-ba oki-no ko-zima-to mije-nu-ioa 

kogi-narabe-tarti fime nari-keri. Aioa-to odoroku fodo-mo naku 

'^ Tj sa-sü-nra tsikaku jose-nure-ha suwa-ja. koto koso de-ki- 

ni-kere-tote ^ ^^ si-min itsi-zi-ni sawagi-tatte iije-ico sita- 

je-tn ßsimeki-keri. Dzi-to -=^ so u-ma-no zio ^^ [^ svke- 

kuni kanete SH go-si-taru koto nare-ha nani-ka-ioa sükosi-mo 

sawagu-beki sümijakn-ni g%m-zei-ioo osi-idasi-te kai-gan-ni sonaje- 

v:o täte fassen -Jo-ki-no gun-zei-no titsi A^ ja-tsugi-baja-no 

i-te-no sei-fei-wo jerami-odasi ma-saki-ni tafsi-narabasime ken- 

go-no sonaje-ioo moke-tsutsü. Si-sen-wo motte ^ -j^ teki- 

sen-je sono si-sai-too ^ Bfl kiü-mon-suru-ni fen-tb-ni-mo 

ojobazü-site mii-ni mu-zan-ni nori-jose-kere-ba mi-kata-wa nani-ka 

jü-jo-sü-beki ja-ziri-wo sorojete ßki-tsüme sasi-tsüme san-zan-ni 

i-sükume-kere-ha sono ja-ni atatte si-süru mono ikura-to iü kazü- 

100 sirazü. Sare-domo teki-wa ta-sei-nife ato-jori masü-masü kogi- 

josete faja ippo-iva zih-riku-sü mi-kata-ioa teki-too age-tate-zi-to 

Y^ "^ san-zan-ni tafakh-tari. Teki-no ja-gara-ioa mizikh site 

^ ^^ jun-zei-mo tsüjo-karane-do ja-no ne-ni doku-wo nnri- 

tari-keve-ba sükosi-nite-mo kizü tsüke-ba sono doku jagate ^M ^ 



112 Pfizmaier. 

so-sin-ni megiiri kusari-tadarete inotsi-wo nsino ito niknmu-heki 
si-icaza nari-keri. 

Ein Heer von fttnfzchntaiisend Mongolen, zehntausend 
übrigg-ebliebene Krieger von Sung, ein Heer von achttausend 
Menschen von K6-rai, zusammen ein Heer von drei und 
dreissigtausend Menschen, sechstausend siebenhundert Ruderer 
und Schiffsleute, im Ganzen neun und dreissigtausend sieben- 
hundert IMenschen, stiegen in mehr als neunhundert Kriegs- 
schiffe_, lösten, nachdem sie auf den zehnten Monat des Jahres 
gewartet, die Seile der Hintertheile der Schiffe und segelten 
ab. Am fünften Tage des zehnten Monats, als man bei Tages- 
anbruch von der Insel Tsusi-ma hiuüberblickte, waren das, 
was als die kleinen Inseln der Bucht erschienen war, rudernde 
und in Reihen gestellte Schiffe. Man erschrak heftig, und als 
mau sich sofort nahe an die Bucht von Sa-su drängte, mochte 
nur etwas Ueberraschendes geschehen sein. Die Kriegsmänner 
und das Volk geriethen daher zu gleicher Zeit in Aufregung 
und lärmten auf eine Weise, dass sie das Obere zum Unteren 
machten. Das Haupt des Bodens, der Gehilfe des Vorstehers 
der Pferde zur Rechten des Stammhauses, Suke-kuni, mochte, 
da man die Zeit vorausgesagt hatte, ein wenig bestürzt gewe- 
sen sein. Er liess schleunigst das Heer ausrücken und stellte 
an der Küste Vorposten auf. Unter dem Heere von acht- 
tausend Reitern wählte er auserlesene Krieger, welche beson- 
dei-s flinke Bogenschützen waren, stellte sie in Reihen und 
schickte sich zur Vertheidigung an. Man schickte ein Ge- 
sandtenschiff" zu den feindlichen Schiffen und fragte um die 
Ursache. Es kam zu keiner Antwort, und als sie durchein- 
ander heranschifften, durfte man auf unserer Seite gar nicht 
unschlüssig sein. Man richtete die Pfeilspitzen, und als man 
losdrückte und den Feind mit Pfeilen überschüttete, kannte 
man nicht die Zahl derjenigen, die, von den Pfeilen getroffen, 
todt blieben. Indess ruderte der Feind mit grosser Macht 
immer mehr nach, und schon stieg ein Flügel desselben an's 
Land. Die Unsrigeu, indem sie dem Feinde nicht ermöglich- 
ten, sich auszubreiten und aufzustellen, kämpften in zerstreuten 
Haufen. Die Pfeilschafte der Feinde waren kurz und die Kraft 
seiner Bogen nicht stark. Da sie aber die Spitze der Pfeile 
mit Gift bestrichen hatten, so zog, wenn sie auch eine kleine 



Die GescMchte der Mongoleuangriffe auf Japan. 113 

Verwundung- beibrachten, das Gift in dem ganzen Körper um- 
her, dieser ging in Verderbniss und man verlor das Leben, 
was eine sehr abscheuliche Sache war. 

Koto-ni mi-narenu ^. SS gun-ki ari. Tetsü-no tama-ni 
fi-wo ajadzüri-te nage-kake-kere-ha mi-kata-wa kore-ni utsi-zini 
o-oku fike-iro-ni-zo mije-tari-keru. Süke-kuni-uo musü-ko s6-u- 
ma-no zi-rb kore-wo mite dai-on agete ge-dzi~süraku fiku-na 
mono -domo siri-zoku-na koko-wo fiki-te idzüku-ni nogaren 
tsüdzüku dzi-kata-no aranu mono-wo tatakai-ica kaku koso nasü 
mono nare-to ni-ziaku-ni amaru o-o-naginata-ico furi-tate nagi- 
tafe teki-gun-je kake-iri-te ja-niwa-ni teki si-ki-ico kitte otosü. 
Kore-wo mite u-ma-no zi-ro-no jo-si onazi fatsi-rb kih-hu-no 
rb-do sahurb fib-e-dzi-rb j^ sib-da-rb bi-go-no fudzi-ioi-no i^ 
to-sahurb-ra-wo fazime-to site ku-kib-no jü-si-ra fissi-ni nari-te 
tatakai-tari. Sasvga-ni fa-ser-no zoku-to-ra-mo firaki-nahiki-te 
umi-bata-je osi-idasare umi-no naka-je otsi-iri-te si-süru mono 
mata kazü-wo sirazü. Sare-dorao ta-sei-no J^ ^B rio-gun 
nare-ha ara-te-ico ire-kaje-gaje seme-jose-tari. Koto-ni sen-nen 
o-tai-no toki dzi-to-no kotoba-no niku-kari-si-ivo kokoro-ni tsüi-ni 
wasürene-ba sono iki-doicori-wo »^ san-zen-to kisoi-kakatte serne- 
tafakaje-ba mi-kata-wa kaivaru sei-naku site ke-sa-joH-ni tatakai-ni 
fodo-fodo tmkarete zb-fib-ra iro-meki-tafte mife-ni-keri. 

Besonders war es ein Kriegsgeräthe, das man zu sehen 
nicht gewohnt war. Sie setzten an eisernen Kugeln Feuer in 
Bewegung. Wenn sie dieses warfen, wurden die Unsrigen zu 
Tode getroffen, und es hatte oft das Aussehen, als ob sie 
weichen wollten. Als der Sohn Suke-kuni's, Zi-ro von dem 
stammhaltenden Vorsteher der Pferde zur Rechten, dieses sah, 
erhob er die Stimme und befahl: Weichet nicht! Krieger, geht 
nicht zurück! Wenn ihr von hier weichet, ist nirgends weiter 
eine Stelle, wo ihr entkommen könntet. Im Kampfe nur könnet 
ihr etwas ausrichten. — Er schwang eine über zwei Schuh 
messende grosse Sense, sprengte gegen das feindliche IJeei- 
und hieb in einem Augenblicke vier feindliche Reiter nieder. 
Als man dieses sah, kämpften die vorzüglich tapferen Kriegs- 
männer, vor allen der Pflegesohn Zi-ro's von dem Vorsteher 
der Pferde zur Rechten, der an gleicher Stelle dienende 
P^atsi-ro, die Leibwächter der Abtheilung der Strafe Zi-rö und 
Sio-da-rö von der Leibwache der Krieger, und To-saburo von 

Sitzungf.l)er. .1. phil.-hist. Cl. LXXVI. Bd. II. Hft. 8 



J^]^4r Pfizmaier. 

Fudzi-wi in dem Reiche Bigo, mit Todesmutli. Endlich öflfneten 
sich die gewaltigen Scharen der Räuber, gaben nach und 
wurden an das Meerufer hinausgedrängt. Sie fielen in das 
Meer, und die Zahl der Todten ist ebenfalls nicht bekannt. 
Da es aber ein gewaltiges Mongolenheer w^ar, stellte es frische 
Streitkräfte und schritt fortwährend zu neuen Angriffen. Be- 
sonders da mau im Herzen nicht sofort vergass, wie unange- 
nehm im vorigen Jahre, zur Zeit der Zusammenkunft, die 
Worte der Häupter des Landes gewesen, griff man, um den 
Zorn auslassen zu können, wetteifernd an und kämpfte. Die 
Unsrigen, ohne Streitkräfte, die sie wechseln konnten, seit 
dem Morgen im Kampfe begriffen, waren in hohem Grade er- 
schöpft und die gemischten Streitkräfte standen auf dem 
Punkte, geschlagen zu werden. 

Süke-kuni sikiri-ni isami-tatte je-mo siranu zoku-to-ra-ni 
usiro-wo misete ika-ni sen te-awase-no tatakai-ni utsi-makete-ioa 
waga nippon-no tsi-zioku nari-to ma-saki-ni kake-idete atari-wo 
saiicai kiri-tatsüre-ha sl-gai-ioa tsünde rui-rui-to si sa-nagara 
fito-südzi-no J^ td-no kaiva-wo-zo nasi-tari-keru. Zoku-to-ioa 
kore-ni feki-jeki-site utsi-mono totte-iva kano-mazi midare-ja-ni 
i-te tore-to ame-no gotoku-ni i-kake-tare-ha sasüga-ni takeki jü- 
sib-mo muna-ita-wo ^ i-tsükerare uma-jon do-to otsi-kere-ha 
are utsi-tore-do kake-Joru zoku-ra-ivo u-ma-no dzi-rb faruka-ni 
mite o-oi-ni ikari-te massikura-ni kake-kitari zoku-ra-wo si-fo-ni 
ke-tate-tsütsu. Tsitsi-ga si-gai-wo tate-ni kakasete go-gun-je 
okurase nawo-mo süsunde tatako-tari. Sari-kere-domo mi-kata- 
ni-wa tai-sio-wo usinai-te jh-jaku okure-no kokoro-wo idake-domo 
kokoro-zasi aru mono-domo-toa ßto-asi-mo fiki-shizokazü. Me- 
zamasi-ki tatakai-site oi-oi-ni utsi-zini-sure-ha u-ma-no dzi-rh-mo 
go-dzüme-no mi-kata-no tanomi-naki kono ^ W^ zettb-wo 
tamotan-ja sine-ja-sine-ja-to nonosiri-te omoi-no mama-ni kake- 
jahuri fase-totvori-te tsüi-ni utsi-zini-nasi-keri. Rore-wo mite 
na-aru rb-db ziü-san-nin hakan onazi-makura-ni utsi-zini-seri. 
Zoku-gim kore-ni isami-tatsi zb-ßb-wü oi-tatete atari-no zin-ka-ni 
fi-wo kake-kere-ha sono ß tatsi-matsi 'j^Ä 0^ seo-bd-site -j^ Tj 
sa-sii-ura-iva toki-no ma-ni jj^ t^ Jai-zin-to-zo nari-ni-keru. 
Sate-mo zokn-to-ica te-awase-no tatakai-ni tai-sib-ico utsi-tori-te 
utsi-katsi-tavH kotn iiare-ba isami-isande jei-ki-tvo jasinai onazi 
ziü-gn-nrtsi i-ki-)i(> Iciinl-ni ofti-joKe-tari. 



Die Geschichte der Mongolenangriflfe anf Japan. 115 

Suke-kuni erhob sich fortwährend voll Muth, unfähig, 
den unbekannten Räuberscharen den Rücken zu zeigen. In 
dem Gedanken, dass es für unser Nippon eine Schande wäre, 
wenn er in dem Kampfe des Zusammentreffens besiegt würde, 
sprengte er gerade vorwärts, und als er das, was ihm gegen- 
überstand, zum Glück niederhieb^ lagen die Leichen in Haufen 
und das Blut der Menschenadern bildete eben einen Fluss. 
Die Räuberscharen prallten vor ihm zurück, und indem es 
ihnen nicht gelang, ihn mit Hiebwaffen zu tödten, gedachten 
sie, ihn durch wirres Pfeilschiessen zu tödten. Sie entsendeten 
Pfeile gleich einem Regen, und der kühne und muthige Anführer 
ward endlich von einem Pfeile in den Brusttheil des Panzers ge- 
troffen und stürzte von dem Pferde. Obgleich sie ihn getödtet 
hatten, sprengten die Räuber heran. Als der zu dem Vorsteher der 
Pferde zur Rechten gehörende Dzi-rö dieses von w^eitem sah, 
gerieth er in grossen Zorn, sprengte wäithend heran und w^arf 
die Räuber nach allen vier Gegenden. Er liess den Leichnam 
seines Vaters auf einen Schild heben, schickte ihn zu der 
Nachhut und drang noch immer vorwärts und kämpfte. Auf 
unserer Seite trug man sich, nachdem man den Heerführer 
verloren hatte, zwar mit dem Gedanken des Rückzuges, allein 
die Entschlossenen wichen nicht um einen Fussbreit zurück. 
Als sie, einen füi'chterlichen Kampf beginnend, nach und nach 
tielen, rief der zu dem Vorsteher der Pferde zur Rechten ge- 
hörende Dzi-rö scheltend: Werden die Unsrigen als Nachhut 
diese hilflose abgeschnittene Insel schützen? Werden sie ster- 
ben? — Indem er, wie es ihm gut dünkte, in schnellem Jagen 
die Reihen der Feinde bald sprengte, bald durchdrang, fiel er 
endlich in dem Kampfe. Dreizehn berühmte Leibwächter, welche 
dieses sahen, fielen, ihn vertheidigend, an derselben Stelle. 
Das Räuberheer, hierdurch ermuthigt, trieb die vermischten 
Streitkräfte zurück und legte an die in der Nähe befindlichen 
Häuser der Menschoi Feuer. Das Feuer -wirkte zerstörend und 
in einer Stunde war der Wohnplatz der Bucht von Sa-su in 
Asche gelegt. Da die Räuberscharen bei dem Zusammenstosse 
den Heerführer getödtet und den Sieg erfochten hatten, wurden 
sie kühn, thaten sich auf ihren Ruhm zu Gute und richteten 
an dem fünfzehnten Tage desselben Monats den Angriff gegen 
das Reich Iki. 



116 Pfizmaier. 

Der Kampf in dem Reiche Iki. 

Safe-mo i-ki-no kuni-no siil-go-dai 2ßl pq fei-nai sa-je- 
mon-zid ^^ ^ tsüne-taka-xoa saru itsü-ka mo-ko-no gun-sen 
tsüsi-via-no kuni-je osi-josete dzi-tu so-u-ma-no zio-wo fazime-to 
si na-aru hu-si amata utsi-totte — • l^jS itto-wo ran-bo-süru 
ari-sama-ico ici-sai-ni kiki-jete sassoku tsiku-zen-no kuni-no siü-go 
seo-ni saburb sa-je-mon-zio -M* "^ kagc-aüke-no kata-je si-sen- 
ico motte tsüge-sirase zoku-to sükoburu tai-gun-nite koto-ni te- 
awase-no tatakai-ni utsi-katsi ^^ "YS fo>-tsiku-no ikiv)oi-ni ai- 
kikoje-tari. Go-dzüme-no en-fei aran koto koi-negh tokoro nari- 
to-zo mosi-okuri-keru. Kaku-te Kh ^^ ho-gio-no W ^ gun- 
saku-wo megurasi-süru-ni jo-i-site ima-ja ososi-to matsi-kake-tari. 
Sikaru-ni ajasi-no ama-funa-wosa-ra tsüsi-ma-no ari-sama-wo 
kiki-tsutaje siu-go-no gun-hih utsi-make-na-ba zoku-to-no wo-giaku 
ran-bb-ni zai-fo-wo atsüme-torare gen-zoku-ra made uki-me-ja 
mimu josi. Sara-ba mi-kata-no go-sei-ni fase-kuwawan-te tatsi- 
motsü loaza-wa sirazare-ba tsübute-ico tobasi ufsi-tsükete zoku- 
to-ioo zib-7'iku-sase-mazi-to omoi-omoi-ni mhsi-aicasete ije-ije-ni 
tasinami-oki-taru sabi-gatana nado-ico tori-idasi tai-si-tsutsü. 
ISB pb dzin-tsiu-je ma-iri-kere-ba siit-go-dai kore-ico kiki-te 
o-oi-nl jorokobi kassen-no sio-fai-ioa J^ f(j^ ^j^ zin-sin-kua 
3K ^ fu-kva-no aida-ni ari. Kakaru ^ ^ sen-min 

i^ j^ (/io-.si'o-?-« made ittsi-se-si koso tire-si-kere. Soi-si ken- 
zokv-ivo ^^ li| zio-tsiü-ni kome-oki-te kokoro-jasnku sessen- 
se-jo. Kanete kiü-siü-je go-dzume-no ^k gi-ioo mhsi-tsukmcasi- 
oki-kere-ba kono sima-ni zoku-sen-no jose-kitari tntakai-fazimarn-to 
kiki-nara-ba fi arazü-sife en-fei-no gun-sen-no kitaran koto-wa 
fitdzib-taH. Nandzi-ra-ga tsikara-ni jotte kono ittb-ioo Joku 
tamotsi xoku-gun-wo oi-farawa-ba waga jorokobi-ioa lü-mo sara- 
nari kama-kura sib-gun-ke-je-no fsiil-setsü nari. Sono kun-kö-wo 
tatsüru mono-wa baku-tai-nn on-sib-wo afe-okcnawan. Tsvtnme- 
jo-ja-to-zo mbfii-keru. 

Der stellvertretende Schirmherr des Reiches Iki, der das 
Innere beruhigende Zugesellte des Thores der Leibwache zur 
Linken, Tsune-taka, hatte genaue Kunde erhalten, dass an dem 
vergangenen fünften Tage die Kriegsschiffe der Mongolen das 
Keich Tsusi-ma angegriffen, viele namhafte Krieger, vor allen 
das Haupt des Bodens, den Zugesellten des zu dem Stamm- 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 117 

hause gehörenden Vorstehers der Pferde zur Rechten getödtet 
und die g-anze Insel in Aufruhr gebracht. Er setzte unverzüg- 
lich den Schirmherrn des Reiches Tsiku-zen, den kleinen als 
Zweiter Zugesellten, dritten Leibwächter und Zugesellten des 
Thores der I^eibwache zur Linken, Kage-suke, durch ein Ge- 
sandteuschiff in Kenntniss, und es verlautete, dass die Räuber, 
ein ziemlich grosses Kriegsheer bildend, besonders in einem 
Zusammenstosse gesiegt hätten und eine verderbende Macht 
geworden seien. Man stellte in der Meldung die Bitte, dass 
eine als Rückhalt dienende Hilfsmacht vorhanden sein möge. 
Somit traf man Anstalten, die Kriegstafeln für die Vertheidi- 
gung herumgehen zu lassen und wartete mit Ungeduld, weil 
es jetzt spät war. Als jedoch die verwunderten Fischer und 
die Führer der Schiffe von den Ereignissen in Tsusi-ma hör- 
ten, überlegten sie, dass im Falle einer Niederlage der Streit- 
kräfte des Schirmherrn durch die Wildheit und Unordeutlich- 
keit der Räuberscharen die Güter und Kostbarkeiten zusam- 
mengeraö't und geraubt, die Familien selbst in Gefahr gerathen 
würden. Sie würden somit der Macht der Unsrigen in Eile 
sich anschliessen , da ihnen die Kunst der Handhabung der 
Schwerter unbekannt ist, Steine werfen und die Räuberscharen 
nicht landen lassen. So sagten sie in Gemeinschaft. Sie nahmen 
die in den Häusern zur Vorsicht niedergelegten verrosteten 
Schwerter und andere Gegenstände hervor und umgürteten 
sich damit. 

Als sie in dem Lager ankamen und der stellvertretende 
Schirmherr dieses hörte, war er überaus erfreut und sagte: 
Sieg oder Niederlage in dem Kampfe liegt in dem, ob die 
Herzen der Menschen einmüthig oder nicht einmüthig sind. 
Solche niedrige Menschen des Volkes, selbst Fischer und Kauf- 
leute, haben das Aeusserste gethan und sind voll Freude. 
Schliesset Weib und Kind, eure Familien in die Feste und 
ziehet mit ruhigem Herzen in den Kampf. Da ich vorher nach 
Kiü-siü die Sache des Rückhalts durch einen Boten gemeldet 
habe, so ist es gewiss, dass, sobald verlautet, dass die Räuber- 
schiffe bei dieser Insel angelangt sind und der Kampf begon- 
nen hat, ehe ein Tag vergeht, die Kriegsschiffe mit der Hilfs- 
macht ankommen werden. Wenn ich, auf eure Kraft gestützt, 
diese ganze Insel geschickt bewahre und das Räuberheer ver- 



113 Pfizniaier. 

jag^e, so ist es unnöthig, euch meine Frende zu sagen. Den- 
jenigen, die dieses glänzende Verdienst sich erwerben, werde 
ich eine Menge Gnaden und Belohnungen verwilligen. Lasset 
es euch angelegen sein! 

Mi-kata-no gun-zei kore-ni ^^ ki-xco jete bu-si naranu 
funa-hito ama-ni itaru made mosi saki-ico kakerare-na-ha iki-te 
men-hoku aran-ja-wa fajaku-mo zoku-to-no jose-jo-kasi me- 
zamasi-ki fataraki-site on-sio-ni adzükaran-to isavii-süsünde 
matsi-kake-tan. Kaku-te onazi-tsüki ziü-si-nitsi mo-ko-no zokkan 
ziün-fü-ni fo-ioo agete i-ki-no sima-wo sasi fase-kitari ;k{^ yji^ 
ita-gi-no ura-wa-ni kogi-josete ;^^ Bffl sen-dzin-wo siki-tari- 
ken. Matsi-moke-taru mi-kata-no gun-fio kai-gan-ni sonaje-wo 
tutete me-ni amaru zoku-sen-ioo mono-to-mo sezü tsika-jora-ba 
ik^ i-te toran-to ja-ziH-wo sorojete matsi-kake-tari. Zoku-to-mo 
sen-tai-no fune-tco süsümete ja-ikusa-vjo koso fazime-kere. Tagai-ni 
^^ 'i^ sassio-ari-keri-domo kaku-te-wa fatezi-to zoku-gun-ioa 
si-dai-si-dai-ni kogi-josete kano tetsü-no tama-tvo utsi-kakete 
ippb-ica zio-ziku-seri. Tsüsi-ma-no kuni-wo seme-tori-te fa-tsiku- 
no ikiicoi nari-kere-ha kire-domo ute-domo mono-to-mo sezü oi- 
oi-ni zih-riku-sü. Mi-kata-wa kore-ni fun-geki-site koko-wo 
-SR ^g sen-do-to tatako-tari. /j> ^i Seo-zei nare-domo sib- 
sotsü ittsi-ni siha-i-ico funde massiki-jori J^ fi idzüru made 
sessen-süre-ba sio-fai sara-ni mijezari-keri. 

Die Kriegsmacht der Unsrigen erlangte hierdurch einen 
Antrieb, und man sagte: Selbst die unkriegerischen Schiffs- 
leute und Fischer werden wohl, wenn das Vordertreffen ver- 
wendet werden sollte, im Leben Ruhm davontragen. Möchten 
die Räuberscharen nur schnell angreifen! Wir werden furcht- 
bare Thaten verrichten und Gnade und Belohuuno-en in Em- 
pfang nehmen. Mit diesen Gedanken schritten sie kühn vor- 
wärts und warteten mit Ungeduld. 

An dem vierzehnten Tage desselben Monats spannten die 
Räuberschiffe der Mongolen bei günstigem Winde die Segel 
auf und gelangten in schneller Fahrt zu der Insel Iki. Indem 
sie zu der Krümmung der Bucht von Ita-gi anruderten, stell- 
ten sie sich in Schlachtordnung. Unser Heer, welches sie er- 
wartet hatte und vorbereitet war, stellte an dem Ufer des 
Meeres Vorposten auf und achtete die unübersehbaren Räuber- 
schiffe für nichts. Um bei der Annäherung der Feinde durch 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 119 

Schiessen aufzuräumen^ richtete man die Pfeilspitzen und war- 
tete. Auch die Räuberscharen sandten die SchiflFe des Vorder- 
treffens vorwärts, und es beg-ann nur ein Kampf mit Pfeilen. 
Da es jedoch, obgleich es auf beiden Seiten Tödtungen und 
Verwundungen gab, auf diese Weise zu keinem Ende kam, 
ruderte das Räuberheer allmälig heran, warf jene eisernen 
Kugeln und stieg auf einer Seite an's Land. Da es das Reich 
Tsusi-ma durch Ueberfall erobert und eine verderbliche Kraft 
erlang-t hatte, achtete es Hiebe und Stiche für nichts und lan- 
dete nach und nach vollständig. Die ünsrigeu griffen heftig 
an und kämpften, als ob dieses ihr Alles wäre. Obgleich. sie 
eine kleine Kriegsmacht waren, betraten die Anführer mit 
äusserster Anstrengung den Schauplatz, und als sie fochten, 
bis aus den Schwertspitzen Feuer hervorkam , war Sieg oder 
Niederlage durchaus nicht ersichtlich. 

Fi-vio jü-Jcata-ni nari-kere-ba zokn-to-iva an-ni so-xoi-site 
omoi-anadori-si-ni kono ko-zei-to mono-ioakare-site sono fi-ioa 
ikusa-wo jame-tart-keri. Fei-nai sa-je-mon zio tsüne-taka-toa sio- 
gun-ico fome-tataje säte ge-dzi-site mosi-keru-wa kon-nitsi-no 
tatakai-ni fun-kotsü ^ß M^ sai-sin-nasi-si-ka-ha tai-gun-no 
zokn-ra-ni kake-jaburarezü siba-wi-tvo fnmajete koraje-tari. Utsi- 
toru zoku-to-mo o-o-kere-domo mi-kata-no utsi-zim-mo sükuna- 
karazü. Kmvaru ara-te-no fei-sotsü na-kere-ba ßra-ba-no kassen 
nan-gi nari sio-sen zio-tsiü-ni tate-komori fusegu-ni zi-zitsü-ivo 
utsiisu-besi-to i-i-kere-ba sio-si motto-mo-to kasikomari kukkib-no 
jü-si-wo jerami dngari-to nasi-te tsüki-no akaki-ico saiioai-ni 
1^ ^ffi. tai-go-wo totonoje sidzü-sidzü-to ziö-tsiit-ni-zo ßki-iri- 
kerii. Äkure-ba ziu-guatsü ziu-go-nitsi-no akatsuki-ni mo-ko-no 
zokn-gun toki-no ko-e-tvo agete seme-kakaru sono oto ten-tsi-ni 
sin-dö-si kiki-mo narawanu ko-e nare-ba si-sotsü-ra tamasi-i-ico 
tisinai-si-ga koko-ioo jaburete-ica kanaicazi-to tai-sib-no ge-dzi-ni 
fageviasare A^ ^ si-seki-wo tobasi~te Kh a^ bo-sen-su. 
Fei-ghoa-ni tori-tsüki-taru-wa naginata-nite kitte otosi ys^ ^^ 
fai-boku -^ ^ tai-seki-ioo nage-idasi ja-goro-wo fakari-te 
i-te-no sei-fei san-zan-ni i-tate-tare-ba zoku-to-no si-sih kazü 
sirezü. Sare-domo ara-te-too ire-kaje-gaje sara-ni si-sio-wo 
kajeri-mizü mi-kata-no si-gai-wo fumi-koje-goje nori-jaburan-to 
mondari-keri. Zio-fei joicaki-ni-wa arane-domo kino-no tatakai-ni 
tsükare-si uje-ni ke-sa tsütomete-jori-no tatakai-ni sioku-svru ßma- 



\ 20 P (' i z m a i e r. 

mo naki fodo-ni seme-tsükerare-taru Icoto nare-ha fotondo tsükare- 
fate-tsütsü-mo fi-ica jbjakri nisi-ni katahuki-te )\ '\^ y 

fase-tio-ura-va-no sira-nami-ni ^ jM. jo-ki -^, ^ kon- 
kon-to tadajö woii-kara wosi-ku ßto-tsü-no ki-do-wo jahurare-tari. 

Als es Abend g^eworden war, hielten die Räuberscharen, 
in ihrer Erwartung; getäuscht und in ihren Gedanken voll Ver- 
achtung, indem sie für diese kleine Heeresmacht eine Theilung 
bewerkstelligten, für diesen Tag Waffenruhe. Tsune-taka, der 
das Innere beruhigende Zugesellte des Thores der Leibwache 
zur Linken, belobte die Krieger des Heeres. Er erliess einen 
Befehl, indem er sagte: In dem Kampfe des heutigen Tages, 
als ihr die Knochen zu Pulver machtet, den Leib zermalmtet, 
wurdet ihr durch die Räuber, die ein grosses Heer sind, nicht 
zersprengt. Ihr betratet den Schauplatz und hieltet aus. Die 
Räuber, die ihr erlegtet, sind zwar viele, doch die Unsrigen, 
die fielen, sind auch nicht wenige. Da wir neue Streitkräfte 
zum Wechseln nicht haben, ist der Kampf im freien Felde 
unmöglich. Wir müssen uns endlich in die Feste einschliessen 
und mit der Vertheidigung Stunden und Tage verbringen. — 
Sämmtliche Kriegsmänner gaben ihm Recht und leisteten Ge- 
horsam. Er wählte die Stärksten unter den tapferen Kriegern 
und bildete aus ihnen die Nachhut. Man ordnete die Abthei- 
lungen glücklich bei dem Lichte des Mondes und zog in aller 
Stille in die Feste. 

Am folgenden Tage, beim Anbruche des fünfzehnten 
Tages des zehnten Monats, erhob das Räuberheer der Mon- 
golen ein Feldgeschrei und schritt zum Angriffe. Dieser Ton 
erschütterte Himmel und Erde, und da es ein dem Ohre un- 
gewohntes Geschrei war, verloren die Kriegsmänner die Fas- 
sung. Unfähig, sich hier schlagen zu lassen, machten sie, 
durch den Befehl des Heerführers angetrieben, Pfeile und 
Steine fliegen und führten einen Vertheidigungskampf. Was 
sich an der Gränze der Mauern festgehalten hatte, hieben sie 
mit den langen Messern zu Boden. Sie warfen grosse Bäume 
und grosse Steine heraus, die auserlesenen Bogenschützen, die 
Schussweite ermessend, schössen sehr oft und schnell, und die 
Zahl der getödteten und verwundeten Räuber ward nicht be- 
kannt. Indessen brachten die Räuber immer neue Streitkräfte 
und machten, ohne im Geringsten auf die Todten und Yer- 



i 



Die Geschichte der Mongoleuangriffe auf Japan. 121 

wundeten zu achten und indem sie fortwährend über unsere 
Todten setzten, grosse Anstrengungen, uns auseinander zu 
sprengen. Die Krieger in der Feste waren zwar nicht schwach, 
allein sie waren von dem Kampfe des gestrigen Tages ermüdet 
und hatten überdiess in dem seit dem Morgen währenden 
Kampfe nicht Zeit, Speise zu sich zu nehmen. Da man ihnen 
hierbei mit Angriffen nahte, waren sie beinahe erschöpft, und 
um die Zeit, wo die Sonne allmälig sich nach Westen neigte 
und auf den weissen Wellen der Fahrstrasse .der Bucht von 
Fase-no der noch übrige Lichtglanz im Abendschatten uraher- 
trieb, wurde bedauerlicher Weise ein Stadtthor eingebrochen, 

Zoku-to o-oi-ni isami-tatsl usnco-no waku-ga gotoku komi- 
iri nure-ba fei-nai sa-je-mon zib o-oi-ni ikari i-i-gai-naki jatsü- 
hara kana mo-faja ikusa-mo woicaran-to süru-ni ima koko-wo 
jabiirarete ikade-ka asü-made koro-heki ide oi-tsirasi-te kiiren- 
zü-to o-o-datsi makko-ni sasi-kazasi kake-idzüre-ba süwa tai-sib-to 
mije-faru-zo xoare utsi-toran-to kisoi-kakaru fissi-ico kiwame-si 
tai-sib-ni tsüdzuku zib-fei okuru-heki-ja-ica massikura-ni kake- 
tatsüre-ha zoku-to-ica ^ ^[> zib-guai-je oi-idasare-nu. Tsüne- 
taka sükasazu kake-tate-tate te-no mono-ivo kajeri-miru-m tai- 
fan-wa xdare-tare-ha isogi si-sotsü-ioo jodome-tsütsü fehajakn 
ki-do-ico sasi-katame-tari. Kaku ari-si fodo-ni ika-ga-wa si-ken. 
Figasi-naru ja-gura-no moto-jori kuro-kehuri fito-mura tatsi- 
nohoru-to niije-tsüru-ga tatsi-matsi *J^ -^ ka-kub ten-ivo tsüki 
y^ 2- jen-jen-to moje-agare-ha zio-fei aioate odoroki-te fi-wo 
süktwan-fo süru fodo-ni zoku-gnn kore-ni tsikara-ico jefe süica 
^^ 3JI sio-un-wa araicare-tari-to o-o-te-no ki-do-wo titsi-jahutte 
ran-niii-sen. 

Die Räuberscharen erhoben sich mit grosser Kühnheit 
und drangen gleich der überwallenden Meerfluth ein. Der das 
Innere beruhigende Zugesellte des Thores der Leibwache zur 
Linken ward sehr zornig und rief: Nichtswürdige Sclaven! Jetzt, 
da der Krieg schon zu Ende gehen will, werdet ihr hier geschla- 
gen! Wie werdet ihr bis morgen aushalten können? Wohlan! Ich 
werde sie vei-jagen und zerstreuen. — Als er ein grosses Schwert 
entgegenhielt und heraussprengte, rief man wetteifernd: Seht, 
es hat sich gezeigt, dass er der Heerführer ist! Wir werden 
die Feinde erlegen I — Die Krieger der Feste, dem Heerführer, 
der den äussersten Todesmuth bekundete, folgend, mussten ihn 



122 Pfizmaier. 

wohl begleiten. Als sie in wildem Laufe heransprengten, wur- 
den die Räuberscharen aus der Feste getrieben. Tsunetaka 
sprengte immer fort, ohne durchzudringen. Als er auf die 
Leute der Abtlieilung zurückblickte, war die grosse Hälfte 
getödtet. Er Hess die Krieger eiligst innehalten und befestigte 
mit schneller lland das Stadtthor. Während es so geschah, 
mochte er im Zweifel gewesen sein. Man sah, dass von dem 
Fusse des im Osten gelegenen Thurmes ein schwarzer Rauch 
aufstieg. PlÖti^lich stiess an den Himmel Feuerschein und 
helle Flammen erhoben sich. Die Kriee-ei" der Feste er- 
schraken heftig, und während sie das Feuer zu löschen such- 
ten, ermannte sich hierbei das ' Räuberheer. Mit dem Rufe: 
Siehe, das Siegesloos hat sich gezeigt! erbrachen sie das Stadt- 
thor der Vorderseite des Walles und drangen ungestüm herein. 
Tsüne-taka kokoro-iva fajare-domo süde-ni ßto-tsu füta- 
tsü-no ki-do-mo jaburare-tsü zoku-to-no fanatsi-kake-tari-si fi-wa 
oi-oi-ni ^£ 'jfÄ jen-seö-sü. Ima-ioa kb-jo-to kokoro-sidzüka-ni 
yk- ^^ rh-to-ioo johi-atsüme sai-go-no sake-ioo norai-kawasi ide 

J^ ^C '^o^^u-Uki-ico fitori-mo o-oku ntsi-tori-te siü-ra-no tsi- 
mata-no saki-ioo owasen-to fi-zo-no ^^ ^k mei-ha-ni utsi-notte 
smcagi-tatsüru feki-no ntsi-je kake-ire-ha on-ko-no ro-to ni-ziü-go 
i^ Ä'i kutsüioa-ioo narabe kake-iri-te ataru-too sanoai kiri- 
tatsüre-ha zoku-to-wa öjT s san-zan-ni kake-jaburare si-gai- 
wa ^& san-wo midasi-tsütsn sa-u-je batto firaki-tari. Kono 
fima-ni tsilne-taka-ica fon-maru-je sirizoki-te mono-no gu nugi- 
süte ^M fara itsi-mo-zi-ni kaki-kire-ba loaka-to kore-ico kai- 
siaku-site sasi-tsigaje-tsigoje fitori-mo nokorazn onazi-mäkura-ni 
fusi-tari-keri. Zokxi-gun o-oi-ni jorokobi-te siro-no nai-guai-ni mS 
dzin-wo tori-te ke-sa-jori-no tatakai-no tsükare-ioo-zo jasüme-keru. 
Moto-jori i-teki-wa ^& ^ zan-nin-ni site ai-zib-no kokoro usü- 
kere-ba wotoko-wo torajete-wa nedzi-korosi wonna-ioo karamete- 
wa te-no fira-ni ana-too ake fimo-ioo towosi-te — ■ ^^ issio-ni 
kukuri funa-bata-ni mtisübi-tsüke rb-niaku-no sia-betsü-mo naku 
ari-h mono-ica fitori-mo nokosazn ^ jpa satsü-riaku-se-si ari- 
sama-wa ^^ ^ bo-giaku mu-zan-no koto-domo nari. 

Tsune-taka war zwar entschlossenen Sinnes, allein es war 
bereits ein Stadtthor, dann ein zweites gebrochen, und das 
Feuer, welches die Räuberscharen angezündet hatten, nahm 
immer mehi- überhand. In Erwartung der Todesstunde rief 



Die Geschichte der Mongolenangriffs auf Japan. 123 

er ruhigen Herzens die alten Gefährten zusammen und trank 
den letzten Wein mit ihnen. Wohlan ! ich werde räuberische 
Feinde allein in Menge erlegen, damit sie die vorderste der 
Strassen der Hölle Siu-ra verfolgen! Mit diesen Worten be- 
stieg er das sorgfältig verwahrte edle Pferd und sprengte 
unter die in Unordnung sich erhellenden Feinde. Die seiner 
Gnade gedenkenden alten Gefährten, fünf und zwanzig Reiter, 
richteten die Pferdegebisse und sprengten in die Reihen. Als 
sie das, was ihnen im Wege stand, glücklich niederhieben, 
wurden die Räuberscharen gebrochen und öffneten sich, indess 
die Zahl der Todten in der Berechnung irre machte, nach 
rechts und links. Währenddessen zog sich Tsune-taka in das 
erste Rund der Feste zurück, zog die Rüstung aus, warf sie bei 
Seite und schnitt sich, um mit Einem Worte es zu sagen, den 
Bauch auf. Die jungen Gefährten waren ihm dabei behilflich 
und lagen dann auf verschiedene Weise, ohne dass ein Einziger 
übrig geblieben wäre, ftpdt) auf dem nämlichen Kissen. 

Das Räuberheer hatte grosse Freude. Es schlug in der 
Feste und ausserhalb derselben ein Lager auf und gönnte sich 
bei der Ermüdung von dem seit dem Morgen währenden 
Kampfe Ruhe. Da die Barbaren ursprünglich grausam sind 
und das Gefühl des Mitleids bei ihnen gering ist, so drehten 
sie die gefangenen Männer zu Tode. Den gefesselten Weibern 
durchbohrten sie die Handflächen, zogen ein Band hindurch 
und knüpften es, alle zusammbindend, an die Schiffsseiten. 
Ohne zwischen Alt und Jung einen Unterschied zu machen 
und ohne eine Einzige von denen, die eben da waren, übrig 
zu lassen, tödteten sie die Geraubten. Dieses sind in der That 
grausame und unmenschliche Dinge. 

Der Kampf in der Biiclit von Ima-dzu. 

Sate-mo kiü-siu-ni-ioa tsüsi-ma i-ki-no tsiü-sin-wo kiki-te 
en-fei-no sa-ta-ni ojohu tokoro zoku-to-ga foko-saki fanafada 
sürudoku fito-fi-no titsi-ni tsüsi-ma-too nuki süsünde i-ki-ico seme- 
otosi tai-sio-wo utsi-totte mh-wi-wo furu josi nare-ha ima-sara-ni 
en-fei-ni ojohazü kono miine kib kama-kura-je tsiü-sin-site idzüku- 
no ura-ni jose-kitaru-to-mo sima-zima-no kassen-to tsigai fei-kaku 
fib-rh-ni fu-soku nasi koto-gotoku ntsi-toran-to ^^ 'j^ jen-kai- 



1-4 Pf i 7 m aiPr. 

no siii-go dzi-to-iva kata-dzü-tvo nonde mafsi-kake-tari. Saru- 
fodo-ni ziü-guatsü ziü-ku-nitsi-no fi-mo tatsä nami-ni mije- 
kakure-süru wori-kara-ni fagesi-ki kaze-wo ziü-hun-ni maki-age- 
tani fo-ni faramasete fe-saki-wo soroje nami-ivo wari umi-mo 
fodoro-ni fase-kitari. Tsiku-zen-no kuni ima-dzü-no ura-no oki- 
ai-ni fiine-wo kake-tari-keri. 

Als man in Kiü-siü die Berichte von Tsusi-ma und Iki 
vernahm, gelangte es zur Kenntniss der Hilfsmacht, dass die 
Lanzenspitzen der Räuberscharen überaus scharf seien, dass 
sie in einem Tage Tsusi-ma entrissen, im Vorschreiten Iki an- 
gegriffen und zu Fall gebracht, den Heerführer im Kampfe 
erlegt und eine furchtbare Macht entfaltet hatten. Es sollte 
jetzt nicht wieder gegen die Hilfsmacht verlauten. Als man 
über diese Absicht nach der Hauptstadt Kama-kura berichtete, 
erhielt man die Weisung: Gegen welche Bucht immer der 
Feind andringe, es möge, im Gegensätze von den Kämpfen 
der Inseln, an Waffen und Muudvorräthen kein Mangel sein 
Man möge alle Feinde erlegen. Die Schirmherren und die 
Häupter des Bodens aus den Gegenden des Meeres waren 
ängstlich und warteten. 

Indessen, als die Sonne des neunzehnten Tages des zehn- 
ten Monats auf den steigenden W^ellen -bald sich zeigte, bald 
sich verbarg, Hessen die Feinde den heftigen Wind die 
voll aufgerollten Segel schwellen , stellten neben einander 
die Büge der Schiffe, theilten die Wellen und kamen bei 
dem Rollen des Meeres in schnellem Laufe heran. Sie legten 
die Schiffe in dem Reiche Tsiku-zen, in der Bucht von Ima-dzu, 
an der Stelle, wo die offene See sich verbindet, an. 

Kore-ioo mira-jori seo-ni kage-süke faja-unia-no si-sia-ivo 
motte rin-goku-no siil-go dzi-to-je tsüge-sirase-tare-ba ^ ^ 
aki-dzüki j^ ^ fara-da j^ y^ matstira M fb usü-ki 
to-nami ki-i-no üsi-zokti-ra-ioo fazime-to si atan-no go-ke-nin- 
ra-wa iü-ni ojohazü zin-sia hutsü-zi-no sin-sioku sijü-to ßaku-sih 
sih-ka-no mono-made-mo nippon-tstil-no kassen narazü mosi-mo 
mi-kata-ni okure-wo tori-na-ba si-kai-je tsi-zioku-wo arawasü nari 
tote ivare-mo-ware-mo-to oi-oi-ni fase-atsiimari umi-hata-ni sonaje- 
wo tatete ije-ije-no mon-dokoro uttaru kai-date te-date süki-ma- 
mo naku tsüki-narahe knkkib-no i-te-wo sen-tai-to site zoku-gun- 
100 mato-ni ml-kudasi koto-gotoku i-te toran~to ja-iaba-wo toi-te 



Die Geschichte der MougoleuaugrilTe auf Japan. 125 

isami-süsümi tokoro-dokoro-ni kagari-wo taki-tsürane akuru-wo 
ososi-to mafsi-kake-tari. Aknre-ha fatsü-ko-no asa-borake ß-wa 
imada kuro-saki atari-no jama-no fa-ni nohori-mo ajenu-ni mö- 
ko-no zoku-sen sen-dzin-wo siki-tsüranete itto-ni ßsi-hisi-to kogi- 
jose ai-dzü-no tai-ko-wo utsi-idase-ha sen-fo-no zoku-sen ippo-too 
tsüki-kakete akaki fata-wo sad-age rajypa-ico fuki-tate ^jf sib- 
100 narasi do-ra tai-ko-wo utsi-tatsüre-ha zoku-no so-gun kore-ni 
o-zite tUsi-tate-taru. Sono oto-ioa iisiwo-ni ßbiki-watari-te kon- 
dziku-mo kudzüruru-ga gotoku sin-dö-süre-ha kiki-mo naraivanu 
mi-kata-no iima-domo fane-agari odori-kurui-te ki-ha-no bu-si- 
domo atsükai-kane dzin-retsü san-zan-ni midare-tari. Zoku-to-no 
sen-fo kore-ni ^^ ki-wo je-ken süki-ma-mo naku zih-riku-sü. 

Sobald der kleine als Zweiter Zugesellte, Kag-e-suke, 
dieses sah, setzte er durch gutberittene Abgesandte die Schirm- 
herren und Häupter des Bodens in den benachbarten Reichen 
in Kenntniss. Die Gefährten von Aki-dzuki, Fara-da und 
Matsura, die Hausgenossen in der Nähe, von den Seiten- 
geschlechtern von Usu-ki, To-nami und Ki-i angefangen, eine 
unsägliche Menge von Genossen der göttlichen Aemter der 
göttlichen Altäre und der Tempel Buddhas, selbst die Kauf- 
leute der hundert Geschlechter meinten, es hiesse, den vier 
Meeren gegenüber seine Schande veröffentlichen, wenn sie, wo 
es sich nicht um einen Kampf in Nippon handelt, von der 
Seite der Unsrigeu weichen würden. Mit dem Rufe: Ich auch! 
ich auch! versammelten sie sich nach und nach in schnellem 
Laufe. Sie stellten an dem Ufer des Meeres Vorposten aus, 
ordneten die mit den Abzeichen der Häuser versehenen Mauer- 
schilde und Handschilde, ohne einen Zwischenraum zu lassen, 
reihenweise, und indem sie gewaltige Schützen zu Vorder- 
männern machten, blickten sie auf das Räuberheer wie auf ein 
Ziel herab. Um Alle mit Pfeilen zu erlegen, lösten sie die 
Pfeilbündel und schritten kühn vorwärts. Sie zündeten hier 
und dort Leuchtfeuer reihen \veise an und warteten auf den 
nach ihrer Meinung späten l^agesanbruch. 

Am nächsten Morgen, in der Morgendämmerung des 
zwanzigsten Tages, als die Sonne sich noch nicht getraute, die 
Berggränze zur Seite der schwarzen Vorgebirge zu ersteigen, 
dehnten die Räuberschiffe der Mongolen ihi-e Schlachtordnung 
aus, ruderten auf einmal ungestüm heran und schlugen die 



l^O Pfizmaier. 

zeichengebenden Trommeln. Die vordersten Räuberschiffe rückten 
nach einer Seite und hissten rothe Fahnen. Als sie die Trompeten 
bliesen, die Cymbeln ertönen Hessen, die kupfernen Becken 
und die Trommeln schlugen , gehorchte das gesammte Heer 
der Räuber und stellte sich auf. Als dieser Ton wiederhallend 
über die Meerfluth zog und erzitterte, als ob die Achsen der 
Erde zusammenbrächen, bäumten sich die hieran nicht ge- 
wöhnten Pferde der Unsrigen und sprangen wüthend umher. 
Die Krieger zu Pferde konnten nicht mit ihnen umgehen, und 
die Schlachtreihen geriethen in Unordnung. Die vordersten 
Spitzen der Räuberscharen mochten sich diesen Umstand zu 
Nutzen gemacht haben und stiegen unverweilt an's Land. 

8aru-lcara-ni isami-tattaru mi-kata-no gun-zei o-oi-ni ikan- 
iki-doicori nani-ka-wa jü-jo-wo itasü-heki i-te-no sen-dzin-mo 
ara-ba koso fajari-wo-no waka-mu-sia-domo tai-go sorowanu 
Nonaje-nagara arui-wa fito-te arui-wa futa-te omoi-omoi-ni tsüi-te 
kakare-ha zoku-to-wa dzin-wo '^^ ^ kaku-joku-ni sonaje rib- 
tan-wo mawasi-te ßto-te-fito-te-tvo fiki-tsütsümi morasazi-to koso 
tatakai-kere sihasi ma-wo fedatsüru toki-wa süki-ma-ivo naku 
doku-ja-wo i-kake katsü tetsä-guan-ni fi-tvo ajadzüri sora-tvo 
tobasi-te utsi-kakuru sono oto sora-ni mei-do-site ikadzütsi-no gotokti 
fibiki-watari kore-ni fure-taru tsüwa-mono-ioa ika-ni jü-mo-no 
mono nari-to-mo sono ba-ni inotsi-ioo otosi-keri. Waga kuni-ni- 
wa mi-mo siranu gun-ki-nite kakaru ki-ziütsü-no aru-besi-to-wa 
omoi-mo ajenu koto nare-ba si-sotsü kimo-ivo fijasi-tari. Kakari-d 
fodo-ni mi-kata-ni-ioa te-oi utsi-zini ito-o-oku so-ga naka-ni-mo 
aico-ja nanigasi-ioa san-si- ^ ki bakari-nite sonaje-tari-si-ga 
awo-ja-ga uma-no kutsi-koicaku site kurui-fasirn-ico sei-si-kane 
kokoro-narazü-mo uma-ni ßkarete teki-dzin-je iri-kere-ba sono 
te-no ije-no ko rh-tö-wa wäre otorazi-to kake-iri-te san-zan-ni 
tafakai-si-ga ta-sei-no feki-ni tori-komerarete nokori-zükuna-ni 
utsi-nasaru atco-ja-ga ß-zo-no nma bakari J^ t^l-ni somi-te 
mi-kata-no dzin-ni kajeri-kere-ba nusi-ioa fajaku ntare-ni-keri-to 
si.rare-tnri. 

Als dieses geschah, (itiipfandon die rauthigen Kriegsleute 
der Unsrigen grossen Zorn und Unwillen. In wie fern sollten 
sie unschlüssig sein ? War es auch das Vordertreffen der Boe-en- 
schützen, es bi-aciien die schnellen und kühnen jungen Krieger 
als Vorposten mit unvollständigen Abtheilungen, bald ein 



Die Geschichte der Mongolenaagriffe auf Japan. 127 

Körper, bald zwei Körper, wie es ihnen gut dünkte, hervor. 
Die Räuberscharen bildeten eine Schlachtordnung in der Ge- 
stalt von Storchflügeln, drehten beide Enden um und mochten 
kämpfen , indem sie einen Körper um den ' anderen ein- 
hüllten und nicht herauskommen Hessen. Nach einer Weile, 
als sie durch einen Zwischenraum getrennt waren , schössen 
sie ohne Unterlass giftige Pfeile. Zugleich setzten sie an 
eisernen Kugeln Feuer in Bewegung und warfen es, indem 
sie es in die Luft fliegen Hessen, herüber. Der Ton desselben 
rasselte in der Luft und wiedei'hallte gleich dem Donner. Die 
Krieger, die davon getroö'en wurden, wie kühn und muthig 
sie auch waren, verloren auf der Stelle das Leben. Es war 
ein Kriegsgeräthe, das man in unserem Reiche nicht gesehen 
hatte und auch nicht kannte, und da man es nicht einmal zu 
denken gewagt hatte, dass es eine so wunderbare Kunst geben 
könne, machte es die Herzen der Kriegsmänner erstarren. 
Somit waren auf Seite der Unsrigen Verwundete und Todte 
sehr viele. Unter diesen befand sich ein gewisser Awo-ja, der 
mit drei bis vier Reitern versehen war. Das Pferd Awo-ja's 
war hartmäulig, es lief rasend und er konnte es nicht zügeln. 
Er wurde wider seinen Willen von dem Pferde zwischen die 
feindlichen Schlachtreihen getragen. Die Leibwächter seiner 
Abtheilung, welche Söhne des Hauses waren, wollten ihm nicht 
nachstehen. Sie sprengten hinein und kämpften zerstreut. Sie 
wurden von den übermächtigen Feinden eingeschlossen und 
bis auf Wenige erschlagen. Das sorgfältig gehaltene Pferd 
Awo-ja's allein kehrte, mit Blut befleckt, zu dem Lager der 
Unsrigen zurück. Man wusste jetzt, dass sein Herr bereits 
erschlagen worden. 

Zoku-sib-ica ko-dahahl tokoro-nt ayari-ioi-te fata-wo motte 
si~sotsü-wo ijjg j^^ si-ki-sü. Si-sotsü-iüa te-karoki kattsiü-wo 
tsiaku-si tsi-isaki jurtd-ivo tadzüsaje-motsi ha-zih tassia-ni nori- 
maioari sin-tai kake-ßki tai-ko-wo utte sa-nagara te-asi-wo tsükb- 
ga gotoku joka ren-zinku-too nasi-tarl-keri. Katsü loaga kuni-no 
ikusa-no gotoku na-ioo wosi-mi ^fe gi-wo omohzi ai~tagai-ni na- 
nori-ai-te sio-hu-too kessüru koto-wa naku tada iitsi-toru-wo sen- 
itsi-to site kisoi-kakatte ^* -^-^ fun-bnsser/'. Sarn-ju-e-iii nii- 
kata-no gun-zei fazime-ni jei-ki-wo kudakarete tai-go soroi-si 
keM-dzIu-ni knke-vnjamnmre iro-meki-tatte mije-keru- 



128 Pfiimaier. 

WO seö-ni niü-dh «^ JB kahn-e o-oi-ni ikari tsüta-naki mi- 
kafa-no ari-sama kana sükosi-bakari-no ki-ziütsü-ni osorete ßke- 
iro-ni naru koto-ja aru tosi-oi-tare-domo niü-db-ga ikusa-sen 
jo-wo joku mi-jo-ja-to dai-on-ni nonosiri-te utsi-mono utsi-furi 
omote-mo furazü teki-tsiü-je kake-iri-te nagi-tate-tate sessen-sü. 
Sasüga-ni na-wo je-si y^ 4||f. rh-sib-7io si-si-hun-zin-no ikiwoi- 
wa fi-rui-naki furumai nare-ba ikan-zo zoku-to-wa teki-si-jen 
san-san-ni utsi-jahurare nadare-kakatte fai-so-si tada toico-ja- 
wo-zo i-tari-keru. 

Die Anführer der Räuber waren auf einen erhöhten Ort 
g-estiegen und winkten den Kriegern mit Fahnen. Die Krieger 
waren in leichte Panzer gekleidet, führten kleine Bogen und 
ritten geschickt auf den Pferden umher. Beim Vorrücken und 
beim Rückzuge rührten sie die Trommel und zeigten augen- 
scheinlich eine solche Uebung, als ob sie Hände und Füsse 
gebrauchten. Zudem waren sie gleich dem Kriegsheere unseres 
Reiches um den Namen besorgt und schätzten das Recht. Sie 
nannten einander den Namen und ohne etwas über Sieg oder 
Niederlage zu entscheiden, befassten sie sich ausschliess- 
lich mit dem Erlegen der Feinde und griffen im Wetteifer 
ungestüm an. Unter solchen Umständen wurde der Ruhm un- 
serer Kriegsmacht anfänglich zerstört, sie wurde von festen 
Schlachtordnungen, deren Körper vollständig waren, geängstigt, 
und es hatte das Aussehen, als ob sie geschlagen wäre. Der 
kleine als Zweiter Zugesellte, der ein Mönch gewordene Kaku-e, 
ward sehr zornig und rief mit lauter Stimme: Welch' eine 
ungeschickte Haltung der Unsrigen! Vor einem Bischen wunder- 
barer Kunst fürchtet ihr euch und bekommt das Aussehen, als 
()]> ihr euch zurückziehen wolltet. Ich bin zwar alt von Jahren, 
doch sehet, wie ich, der ich ein Mönch geworden bin, den 
Krieg führen kann ! — Nachdem er sie so gescholten, schwang 
er die Hiebwaffe, sprengte mit ruhigem Angesichte gegen den 
Feind und mengte sich, immerfort niedermähend, in den Kampf. 
Da in der That das furchtbare, löwenartige Auftreten des be- 
rühmten alten Anführers unvergleichlich war, wie hätten die 
Räuberscharen sich ihm entgegen stellen können? Sie wurden 
gebrochen, Hohen mit Ueber.stürzung und schössen nur noch 
Pfeile ans der Ferne. 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 129 

Sono ma-go san-ziü-zai nari-heru-ga ja-awase-no ko-habura- 
lüo i-Jcake-Jcere-ha zoku-to o-oi-ni ivarai-kere-domo ziaku-nen-no 
sono fataraki mi-kata-ioa kozotte kan-zi-ajeri sate-mo mi-kata- 
wa doku-ja ki-ziütsü-wo kajeri-mizü aki-dzüki to-nami matsura 
fara-da-no go-ke-nm dzi-to idzüre-mo jei-ki-ico ^* ^ fun- 
fassi fito-momi-ni movii-tsübiisan-to te-itaku koso-wa tatakai-kere 
naka-ni-mo matsüra-tb o-oku utare fara-da-no itsi-zoku-wa 
'^ BB fuka-ta-je otsi-iri fu-kaku-tvo-zo tori-ni-kerii. Fi-go-no 
kuni-no go-ke-nin kiku-tsi-zi-ro ^ -S take-fusa-ioa murasaki 
^ saka-omo-daka-no joroi-ico tsiaku-si asi-ge-no muma-no 
ftitoku fakumasi-ki-ni utsi-nori kurenai-no foro kakete aka-saka- 
no ko-matm-ga fara-ni dzin-ioo tori-te sasaje-tart-si-ga i-zoku 
tsika-dzüki-nu-to mi-mania-ni fiakki-hakari-ioo futa-te-ni wakete 
teki-dzin sasi-te kake-iri-tari. Zoku-to tmtsünde %itan-to süre-ha 
mi-kata-ica kitte jaburan-to sü. Sare-domo teki-wa o-o-zei nare- 
ba ro-do waka-to o-oku utasete ima-ica ko-jo-to mije-keru tokoro-ni 
take-fusa-wa sükosi-mo ßrumazü i-zokii-no dzin-ioo tate-joko-ni 
kake-jaburi-jabure-ba sono ikiwoi-ni feki-jeki-site fito-südzi-no 
tsi-mitsi-wo firaki-tari. Je-tari-ja 6-to take-fusa-wa sei-sin masü- 
masü fun-geki-si zoku-to-no kubi-wo te-dzükara futa-tsu ton-je- 
tari. Tatsi-to naginata-no saki-ni tsüranuki-te takaku sasage sijü- 
sia-ni motase sidzü-sidzu-to ßki-kajeseri. 

Sein Enkel, der dreizehn Jahre alt g-eworden, schoss einen 
an einen (gewöhnlichen) Pfeil gelegten tönenden Pfeil ab. Die 
Räuberscharen lachten gewaltig, allein die Unsrigen insgesamnit 
bewunderten diese That des Jünglings. Indem endlich die Unsri- 
gen auf die giftigen Pfeile und die wunderbare Kunst nicht 
achteten, zeigten die Hausgenossen von Aki-dzuki, To-nami, 
Matsura und Fara-da, sümmtliche Häupter des Bodens, ihren 
glänzenden Muth. Um mit einer einzigen Anstrengung zum 
Sturze zu bringen, mochten sie kämpfen, dass die Hände ihnen 
schmerzten. Unter ihnen verloren die Gefährten von Matsura 
viele Todte. Die Seitengeschlechter von Fara-da fielen in tiefe 
Aecker und erlitten eine Schlappe. 

Take-fusa, nächster Leibwächter von Kiku-tsi, der Haus- 
genosse des Reiches Figo, war in eine Rüstung von purpurner 
verkehrter Schlangen wurzel gekleidet, er ritt ein grün weisses, 
dickes und gewaltiges Pferd und war mit einem saffrangelben 
Baumwollpanzer behängt. Er hatte auf der Ebene der kleinen 

Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. LXXVI. Bd. II. Hft. 9 



X30 Pfizmaier. 

Fichten der rotheu Berg-treppe seine Aufstellung- genommen 
und versperrte den Weg. Indem er sah, dass die fremden 
Räuber sich genähert hatten, theilte er hundert Reiter in zwei 
Körper und sprengte gegen die feindliclie Schlachtordnung. Als 
die Räuberscharen ihn einschliessen und niederhauen wollten, 
waren die Unsrigen im Begriffe, einzuhauen und sie zu brechen. 
Da jedoch der Feind überlegen war, bewirkte man, dass viele 
Leibwächter und junge Gefährten erschlagen wurden, und es 
schien die Stunde des Todes gekommen. In diesem Augenblicke 
sprengte Take-fusa, ohne im Geringsten zu zagen, nach der 
Länge und Breite gegen die Reihen der fremden Räuber und 
durchbrach sie. Diese zerstoben vor seiner Gewalt und öffneten 
ihm einen blutigen Weg. Indem er verfolgte oder erreichte, 
stieg der Muth Take-fusa's immer höher. Er erbeutete von den 
Räuberscharen mit eigener Hand zwei Köpfe. Er steckte diese 
auf die Spitzen eines Schwertes und eines langen Messers, hob 
sie hoch empor und Hess seine Begleiter sie in Empfang nehmen. 
Hierauf führte er ganz ruhig seineLeute zurück. 

Jama-da soregasi-ga waka-mono-domo go-nin-hakari tatakai- 
tsükarete i-zoku-ni oi-taterare aka-saka-wo simo-je nige-nohi-keru- 
ga teki san-nin oi-semari-taru tokoro-wo itsi-asi idasi-te nige-sari- 
tsütsü. — • Kj* Itteo amari-mo fedatari-nure-ha oi-tsüme-si 
i-zoku-ra tsikara ojohazi-to omoi-ken siri-ico kaki-age konata-je 
nmkatte dotto waratte odori-keri. Jama-da-ga waka-mono kore- 
wo mite sate-mo kutsi-wosi-ki si-dai kana zoku~ra-ni kaku-made 
tö-ro-seraruru-ioa ioare~ra-ga ^f* 3JS hn-un-no tsüki-fate-taru- 
ka omoi-sirasete kuren-zü-to sono utsi-naru sei-fei-no jumi-ja te- 
hasami ja-goro-ico fakaru-ni ito-to-oku fedatari-nure-ha i-afsü~ 
hesi-to-wa omowarezü sono toki issin-ni ki-sei-site na-mu-ja fatsi- 
man dai-bo-satsü negaivaku-wa kono ja kataki-ni ate-sasete bu- 
dh-no tsi-zioku-wo sükuwase-taviaje-to nen-zi-tsütsü kuri-jari-ni 
jari-kere-ba sono ja ajamatazü '^ to-no teki-ni fassi-to i-tsükete 
tatsi-viatsi-ni sinde geri. Mi-kata-no sei-wa kore-wo mite ara- 
kokotsi-josi ki-mi-josi-totc itsi-do-ni dotto icarai-kere-ba i-zoku- 
wa jo-ni-mo akire-kan si-gai-wo tate-ni kaki gu-site fö-bö-ni nige- 
sari-ni(. 

Fünf Jünglinge von Jania-da waren vom Kampfe erschöpft 
imd wurden von den fremden Räubern fortwährend verfolgt 
Indem sie gegen Aka-saka abwärts längere Zeit geflohen und 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 131 

von drei Feinden hart verfolgt worden, entflohen sie schnellen 
Fusses. Nachdem sie um die Entfernung einer Strassenlänge ge- 
trennt waren, mochten die ihnen nachsetzenden fremden Räuber 
glauben, nicht Kraft genug zu besitzen. Sie erhoben den Hinter-- 
theil, kehrten sich nach diesseits und sprangen unter lautem Gre- 
lächter empor. Die Jünglinge von Jama-da sahen dieses und 
sprachen: Eine bedauernswerthe Lage! Indem wir bis zu einem 
solchen Grade von den Räubern verspottet werden, sollte da 
unser Kriegsglück zu Ende gegangen sein? Man wird dieses zu 
verstehen geben. — Hiermit erfassten sie die bei ihnen befind- 
lichen Bogen und Pfeile der auserlesenen Streitkräfte und 
massen die Schussweite des Pfeiles. Da sie sehr weit getrennt 
waren und es nicht denkbar war, dass sie treffen würden, 
beteten sie einmüthig: O Namu ! Fatsi-man, grosser Bosats! 
Mögest du uns mit diesen Pfeilen den Feind treffen lassen 
und uns von der bösen Schande erretten! — Als sie so bete- 
ten und losdrückten, verfehlten die Pfeile nicht das Ziel. Sie 
hatten sich an die gegenüber stehenden Feinde schwirrend 
geheftet und diese waren plötzlich todt. Als die Unsrigen 
dieses sahen, war bei ihnen neues Gefühl, neues Leben, und 
sie lachten mit einem Male laut. Die fremden Räuber mochten 
jedenfalls betroffen sein. Sie nahmen die Todten auf ihren 
Schilden mit sich und flohen nach allen Seiten. 

Seo-ni saburo sa-je-mon zio kage-süke narahi-ni ^M gen- 
si-ro nm-db ^ -^ te-hika ta-ro sa-je-mon-ra-ioo fazime-to 
Site toare-mo-ware-mo-to fun-kotsü-ioo tsükusi tatakai-si-ka-domo 
zoku-to-ioa sasuga-ni tai-go totonoi ßta-zeme-ni seme-iri-te ima- 
dzü sa-wara momo-mitsi aka-saka fen-made ran-niü-sü. Fazime 
i-koku-no zoku-sen~domo josi-ja oi-jose-kitaru-to-mo nani-fodo-no 
koto-ka aran-to aku-made anadori ju-dan-site sai-si ken-zoku 
nani-kure-to sono mama-ni site fiaku-sio-hara-made loare-mo-ware- 
mo-to mi-kata-no dzin-sio-je fase-atsuman-si-ni omoi-no foka 
zoku-gun itaku te-goivakit site tokoro-dokoro-ni zib-riku-si ije- 
ije-ni okasi-iri-te sai-si zai-fo-wo \ihai-tori rb-zeki-ni hb-ran-si 
so-ga naka-ni fi-wo fanatsi jaki-tatsüru-mo ari-keru-wa wb-giaku 
fti-db-no f^irumai-nite me-mo aterarenu si-dai nari-keri. 

Der kleine als Zweiter zugesellte dritte Leibwächter, der 
Gehilfe des Thores der Leibwache zur Linken, Kage-suke, mit 
ilira vor allen die Menschen des Thores der Leibwache zur 

9* 



132 Pfizmaier. 

Linken, der vierte Leibwächter von dem Gesclilechte Gen und 
der ein Möncli gewordene grosse Leibwächter von Te-bika, 
kämpften, indem sie, im Wetteifer sich vordrängend, ihr Aeusser- 
stes thaten, jedoch die Räuberscharen ordneten ihre Abthei- 
luügen, machten geraden Weges einen Einfall und drangen un- 
gestüm bis Sa-wara, Momo-mitsi und die Seite von Aka-saka 
in Ima-dzu. Anfänglich sagte man : Wenn die Räuberschiffe des 
fremden Reiches auch andringen sollten, was wird dieses zu be- 
deuten haben? — Indem man bis zum Ueberdrusse Verachtung 
und Sorglosigkeit zeigte, Gattinnen und Kinder in jeder Hin- 
sicht so blieben wie früher, liefen selbst die Geschlechter des 
gemeinen Volkes wetteifernd zu dem Lagerplatze der Unsrigen 
und sammelten sich daselbst an. Wider Vermuthen stieg das 
sehr gewaltige Räuberheer an verschiedenen Orten an's Land, 
drang in die Häuser^ raubte Gattinnen und Kinder, Kostbar- 
keiten; und hauste auf furchtbare Weise. Währenddessen legte 
es Feuer und verursachte Brände. Dieses war eine ausschrei- 
tende ruchlose Aufführung und ein Zustand, den man nicht in's 
Auge fassen konnte. 

Der kleine als Zweiter Zugesellte Kage-suke erscliiesst 

Lieu-fö-hiaug. 

■^ '^ Take-zaki go-rh-be-e ^& -^ sü-e-naga yj^ ^Q 
je-da mata ta-ro ^& ^^ fide-ije-iva seo-ni kage-suke-no mei- 
wo kbfutte siätsü-dzin-si tagai-ni aja-uki-wo tasüke mi-tsügu- 
beki josi jaku-soku-wo si-tari-kem. I-zoku süde-ni aka-saka-ni 
vtsi-iri-taric josi kikoje-tari-si-ni kage-süke-no moto-jori ^^ ^^ 
no-da-saburb zi-rb-wo si-sia-to site mbsi-okosi-keru-wa fito-tokoro- 
nite kassen-sü-bekii jakii-soku-ioa mbsi-si-ka-domo kano aka-saka-to 
mbsü-ioa tsi-n jorosi-karazü uma-no asi-datsi asi-karu-besi. Kono 
tokoro-ni sonaje-wo tatete soroje-ba kono tsi-ni jose-kitaramu-iüo 
matsi-tsükete oi-kndzusa-baja-to omö nari-to je-da ßde-ije-no 
mofo-je tsuke-kitare-ba kasikomari-soroi-nu tote si-sia-ioo kajesi- 
tsükawasi-nu. Säte take-zaki sü-e-naga i-i-keru-ica ima-no mei- 
rei sono ^|j ri-naki-ni si-mo arazare-domo tai-sib-wo matsi-te 
kassen-se-ba toki okurete kb-mib-si-gatasi. Iza icare ßtori-wa ß- 
go-no kuni-no saki-gake-sen tote sumi-josi-no tori-ioi-no maje-tco 
utsi-sugi-te aka-saka-no kata-ni fase-mukaje-ba zoku-gun-wa iro- 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 133 

ivo-no fata sasi-mono-ico tate-narahe keine -tai-ko- wo ^1 ^ 
ran-zio-ni iitsi-tatete siisümi-kitaru sü-e-naga nani-ka-ioa iü-jo- 
nasn-beki tori-kai-gata-no siivo-ja-no matsü-no moto-ni tmi-te 
iran-to kake-rmiko zoku-to-tca kano doku-ja-wo ame-no gotoku-ni 
i-kake-tari. 

Su-e-uag-a, t'üufter Leibwächter und bewaffnete Schutz- 
wache von Take-zaki, und der nochmals grosse Leibwächter 
Je-da von Fide-ije empfing-en einen Befehl des kleinen als 
Zweiter Zugesellten Kage-suke und traten aus dem Lager. 
Sie gaben sich das Versprechen, dass sie einander in der Ge- 
fahr zu Hilfe kommen und sich unterstützen würden. Als man 
hörte, dass die fremden Räuber in Aka-saka gedrungen, wur- 
den von Seite Kage-suke's der zweite und dritte Leibwächter 
von No-da zu Abgesandten ernannt und die folgende Botschaft 
geschickt: Ich bin zwar übereingekommen, dass man an einem 
Orte kämpfen müsse. Allein jenes Aka-saka ist kein günstiger 
Boden, es mag für die Aufstellung der Pferde schlecht sein. 
Als ich an diesem Orte Vorposten aufstellte, war es in der 
Meinung, man werde den Angriff auf diese Gegend erwarten 
und, wenn man den Feind findet, ihn verfolgen und nieder- 
werfen. — ■ Als die Abgesandten zu dem Aufenthaltsorte Je-da 
Fide-ije's gelangten, erklärte dieser, dass er gehorche und 
schickte die Abgesandten zurück. Indessen sagte Taka-zaki 
Su-e-naga: Der gegenwärtige Befehl ist zwar nicht unnütz, 
allein wenn wir auf den obersten Heerführer warten und dann 
kämpfen^, so bleiben wir in der Zeit zurück und es ist schwer, 
etwas Grosses zu verrichten. Wohlan! Ich werde allein der 
Vorkämpfer des Reiches Figo sein. — Er zog somit an der 
Vorderseite der Tempelumfassung von Sumi-josi vorüber und 
kehrte sich in schnellem Laufe nach der Seite von Aka-saka. 
Das Räuberheer stellte jetzt allerlei Fahnen und Flaggen in 
Reihen auf, Hess die ehernen Trommeln immerfort wirr ertönen 
und rückte heran. Wie konnte Su-e-naga unschlüssig sein ? 
Er sprengte nach vorwärts, um nach Siwo-ja-no matsu in 
Tori-kai-gata zu dringen. Die Räuberscharen begannen, ihn 
mit einem Regen jener giftigen Pfeile zu überschütten. 

Itsi-han-ni süsündaru fata-sasi-no nori-taru iima-wo 
i-tatvosarete fane-otosaru sare-domo kore-ni ßrumu koto-naku 
itsi-mon-zi-ni kake-iri-te san-zan-ni tatakai-tari. Sasüga-ni takeku 



] 34 P f 1 z ra a i e r. 

isame-domo /J> ^^ ko-zei-no koto nare-ba sii-e-naga-wo fazime-to 
Site tanomi-kiftaru ro-dö san-ki ita-te-ioo otte teki-tsiü-ni tori- 
komerare uma-ico saje irare-tare-ha imn-tca aja-uku mije-taru 
tokoro-ni ß-zen-no kuni-no go-ke-nin sira-hi-no roku-rb mitsi- 
jasü ta-sei-wo fiki gu-si ntte kakaru zoku-gun ara-te-ni kake- 
jaburare zo-fio amata utase-tsütsü süso-wara sasi-te fai-soku-sü. 
Sü-e-naga-wa sira-isi mitsi-jasü-ni omoi-gake-naku tasükerare 
[^ ^f. ban-si-ioo idefe — ■ ^^ issio-ivo tamotsi-nagara naico- 
mo firumoztl ikiwoi-takeku kataki-no vma-ivo bundori-site utsi- 
nori-tsütsu oi-sitai-te kui-tome-tari. Tsik%i-go-no kuni-no dziü-nin 
mitsü-tomo-no mafa zi-ro nagare-ja-ni atatte i-otosam okure- 
base-ni kake-kitari-si bu-zen bun-go-no sin-go o-o-tomo fib-go-no 
kamt ^& -^ jasü-naga-iüo fazime-to site mi-tsü wi-no saburo 
süke-naga i-jo-no kuni-no dziü-nin j^pT ®p ko-no-no rokn-ro 
mitsi-ari onazi tsiaku-si fatsi-rb mitsi-tada-ra icare-mo-icare-mo- 
to tatakai-te fun-geki tossen fima-mo naku makoto-ni fagesi-ki 
kassen nari-keri. 

Das zuerst vorwärts rennende Fahnenpferd , welches 
er ritt, bäumte sich, durch einen Pfeilschuss umgestürzt, und 
er ward zu Boden geworfen. Ohne desswegen verzagt zu sein, 
sprengte er geradezu unter die Feinde und kämpfte hier und 
dort. Da es eine in der That zwar kühne und muthige, aber 
kleine Kriegsmacht war, erhielten zuerst Su-e-naga, dann drei 
reitende Leibwächter, auf die er sich durchaus verlassen hatte, 
Wunden und wurden mitten in die Feinde eingeschlossen. Als 
selbst sein Pferd erschossen war und es jetzt gefährlich aus- 
sah, zog Mitsi-jasu, Hausgenosse des Reiches Fi-zen und 
sechster Leibwächter von Sira-isi, viele Streitkräfte herbei. 
Dieselben wurden von den neuen Streitkräften des mordend 
andringenden Räuberheeres gesprengt. Er verlor viele ver- 
mischte Krieger und floh geschlagen in der Richtung von 
Suso-wara. Su-e-naga, der von Sira-isi Mitsu-jasu unverhofft 
Beistand erhalten und in einer Lage, wo er in zehntausend- 
fachen Tod ging und ein einziges Leben festhielt, verzagte 
noch immer nicht. Kühn in seiner Stärke erbeutete er ein 
feindliches Pferd, bestieg es und that mit Mühe seiner Be- 
gierde zu verfolgen Einhalt. Ein Bewohner des Reiches 
Tsiku-go, der fernere zweite Leibwächter von Mitsu-tomo, 
ward von einem Pfeile getroffen und niedergeschossen. Die 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 135 

nachher schnell herbeigespreng-ten Männer, zuerst die Schirm- 
herren von Bu-zen und Bun-go, Jasu-naga, Bewahrer der Rüst- 
kammer von 0-o-tomo, dann Suke-naga, dritter Leibwächter 
von Mi-tsu wi, der Bewohner des Reiches I-jo, Mitsi-ari, 
sechster Leibwächter von Kö-no, sein Sohn in gerader Linie, 
der achte Leibwächter Mitsi-tada von dem nämlichen Ge- 
schlechte kämpften wetteifernd, sie brachen kämpfend hervor 
ohne Unterlass, es war in der That ein heftiger Kampf. 

Keo sd-tan-jom ja-aivase-site sassio tagai-ni o-o-kere-domo 
sio-hu-ioa wosa-toosa toakatane-ba mi-kata-no si-sotsü ki-iuo kitssi 
fi-mo iri-kata-ni nari-kere-ha sasajaki-te i-i-keru-ioa tai-go 
sorowanu jori-ai-zei oi-oi ara-te-wa kaware-domo en-ro-wo fase- 
kitari-si fsükare-ari. Omoi-omoi-no tatakai-site-ica tofe-mo katsu 
koto atb-mazi. Madzu ittan ßki-sirizoki midzu-ki-no siro-ni tate- 
komori fusegn-besi-to-zo i-i-ajern. So-mo-so-mo kono midzü-ki-no 
siro-to iü-ioa maje-wa ftika-ta-ni site jose-gataku tada ßto-südzi- 
no mttsi nomi-nite jtiki-kajo koto nan-gi nari. Usiro-ica no-bara- 
ni tsndzüki-tare-ba midzü-no te-ioa zi-iu-ni site mafa tsiku-boku- 
ni tomosi-karazü. Sa-u-wa jama-ai san-ziü-jo matsi-wo toivosi-te 
iaknku kibisi-ku isi-gaki-wo tsüki-age-tari. Ki-do-gutsi-wa ban- 
ziaku-mon-ico tatete geni-mo Ju-ju-si-ki zio-kuaku nari. Kakaru 
koto-wo i-i-idasi-kere-ba tatakai-tsukare-si gun-bio-ra icare saki- 
ni-to ßki-sirizoki siba-wi-wo funde tafakawan-to iu moiw na- 
kari-keri. 

Obgleich man heute seit dem frühen Morgen Pfeile an- 
gelegt hatte und gegenseitig viele Tödtungen und Verwundun- 
gen vorkamen, blieb der Sieg ziemlich unentschieden. Der 
Muth unserer Streiter war gebrochen, und gegen Sonnenunter- 
gang sagten sie zu einander flüsternd: Obgleich die gesammelte 
Streitmacht, deren Abtheilungen unvollständig sind, durch neue 
Körper abgewechselt wird, kommen diese auf weiten Wegen 
im Laufe daher und sind erschöpft. Wenn man den in Gfedanken 
gefassten Kampf führt, wird der Sieg durchaus unmöglich sein. 
Man muss vorerst eines Morgens sich zurückziehen, in der Feste 
von Midzu-ki sich einschliessen und diese vertheidigen. — Diese 
Feste von Midzu-ki hatte an der Vorderseite tiefe Aecker und 
war unangreifbar. Der Verkehr mit ihr, der auf einem einzigen 
Wege stattfand, war beschwerlich. Da die Rückseite unmittelbar 
an das freie Feld stiess, war der Wasserzufluss frei und auch an 



136 Pfizmaier. 

Bambus und Holz war kein Mangel. Die beiden Seiten befan- 
den sieh auf einer Strecke von dreissig Strassenlängen zwischen 
Bergen, und waren daselbst hohe und feste Steinmauern auf- 
geführt. An den Ausgängen waren Felsenthore errichtet und 
es war in der That eine stattliche Feste. Nachdem sie solche 
Worte gesprochen hatten, zogen sich die vom Kampfe er- 
schöpften Kriegsleute im Wetteifer zurück und Keiner sagte, 
dass man den Schauplatz betreten und kämpfen werde. 

Seo-ni saburh sa-je-mon ziö kage-süke-wa nii-ren-no furumai 
nari-to ikan-tsutsü fitari fumi-todomari-te ijeno ko ro-do-ivo 
isame-tate o-o-zei-no teki-wo ßki-ukete ß-bana-ivo tsirasi-te koko- 
wo sen-do-to tatakai-tari. Sare-domo tsüdzüku mi-kata na-kere-ba 
si-sotsü o-oku utsi-zini-site tsüi-ni zoku-to-ni jahurare-tsü. Kage- 
süke ha-zio-ni fase-mawari-te fodo-joku nin-zü-wo fiki-madomete 
singari-wo nasi fiki-sirizoku-wo sitsi-siaku hakari-no o-o-otoko-no 
ßge-wa fozo-no atari-made oi-sagari-taru-ga aivoki joroi-no sode- 
kaki-awase asi-ge-naru uma-ni madagari ziü-si-go-ki nori-tsurete 
fo-fei fatsi-ziü-nin-bakari-ioo in-sossi sikiri-ni kage-süke-ivo oi- 
kake-tari. Kage-süke-ioa kukkio-no uma-nori kikojiiru 2^ 3 
go-kiü-no zio-zü nare-ha nikuM zokii-to-no furumcd kana zokii- 
sib-to koso mije-ni-kere joki teki gozan-nare-to itsü~mono-no mei- 
ba-ni fito-mutsi atete fase-kajeri kitto mite kano tai-sio-to mije- 
tari-keru itsi-ban-m süsümi-kitaru o-o-otoko-ioo nevai-sümasi 
joppi-i-te fanatsü ja-ni muna-ita-no ma-naka i-towosi-te ma-saka- 
sama-ni-zo otosi-keru. Zoku-to o-oki-ni odoroki-sawagi si-gai-wo 
idaki-te ßsimeku magire-ni kage-süke-ica sidzü-sidzü-to zio-tsiü-je 
koso iri-ni-kere. Sono toki ko-gane-dzukuri-no kura-oki-taru asi- 
ge-no uma-no kutsi fanarete fase-kitaru-wo kake-todomete ike- 
dori-no zoku-to-ni tadzünure-ba ippb-no tai-sio riü-fuku-kb-ga 
uma nari-to ije-ba seo-ni- dono-no irare-si-ioa sono tai-sib-nite-zo 
ari-ni-keru-to ßtosi-ku fome-nonosiri-keri, Mata ike-dori-no i-i- 
keru-ni-wa nippon-no gnn-bib-no fata-no vje-ni fato-no kakette 
kuru-to mije-si-ga tatsi-matsi sib-gun-ni ja-no atan-si-ioa ajasi- 
kari-si-to kataii-keri. So-iva mi-kata-no mono-domo-mo tadasi-ku 
mi-te-si koto-ni site ja-fata-no o-o-gami-no go- -^ [w] jei-gb- 
nite sin-wi-no tsikara-wo kuwaje-tamb-to mina tanomosi-ku 
koso oboje-kere. 

Der kleine als Zweiter Zugesellte, dritter Leibwächter 
und Gehilfe des Thores der Leibwache zur Linken, Kage-suke 



Die Geschichte der Mongolenangriife auf Japan. Idi 

zürnte, weil dieses ein zuchtloses Benehmen war. Er hemmte 
allein seine Schritte und ermuthigte die Söhne des Hauses und 
die Leibwächter. Den gewaltigen Feiud auf sich nehmend, 
kämpfte er, dass er Funken umherstreute und als ob es hier 
Alles gälte. Da aber Keiner von den Unsrigen sich ihflfc an- 
schlösse fielen seine Streiter in Menge und er wurde zuletzt 
geschlagen. Kage-suke sprengte zu Pferde umher, sammelte, 
so gut es ging, seine Leute um sich und bildete eine Nach- 
hut.. Auf dem Rückzuge verfolgte ein grosser, sieben Fuss 
hoher Mann, dessen Bart bis zu der Nabelgegend herabreichte 
und der, die Aermel eines grünen Panzers zusammenlegend, 
auf einem grünweissen Pferde ritt, von vierzehn bis fünfzehn 
Reitern begleitet war und etwa achtzig Fussgänger führte, 
Kage-suke mit Heftigkeit. Da Kage-suke ein gewaltiger Reiter 
und berühmt durch seine Geschicklichkeit in der Handhabung 
des starken Bogens war, rief er : Ein abscheuliches Benehmen 
der Räuberscharen ! Es will scheinen, dass es ein Anführer der 
Räuber ist. Es mag ein vortrefflicher Gegner sein! — Ergab 
seinem schnellen Thiere, dem berühmten Pferde, die Sporen 
und sprengte zurück. Er blickte genau und zielte sicher nach 
jenem grossen Manne, der ihm der oberste Heerführer ge- 
schienen hatte und auf einmal herankam. Indem er weit aus- 
spannte, durchbohrte er ihm mit dem losgedrückten Pfeile das 
Brustbret und machte ihn kopfüber zu Boden fallen. Die 
Räuberscharen geriethen in grossen Schrecken und Verwir- 
rung. Während sie den Leichnam in die Arme nahmen und 
lärmend unter einander gemengt waren, mochte Kage-suke 
ruhig in die Feste ziehen. 

Um die Zeit riss ein grünweisses Pferd, das einen aus 
Gold verfertigten Sattel trug, sich los und lief herbei. Man 
sprengte hin und hielt es an. Als man die gefangenen 
Räuber fragte, sagten diese, es sei das Pferd Lieu-fö-hiang's, 
obersten Heerführers der einen Seite. Man rühmte es jetzt 
und schmähte zugleich darüber, dass derjenige, der von dem 
Gebieter, dem kleinen Zugesellten, erschossen worden, dieser 
oberste Heerführer gewesen. 

Nach der weiteren Aussage der Gefangenen hatte es das 
Aussehen, als ob über den Fahnen der Kriegsleute von Nippon 
Tauben flatterten und herbeikämen. Dass den Heerführer plötz- 



138 Pfi/.maier. 

lieh ein Pfeil g-etroften habe, sei wunderbar gewesen. Dieses 
ist etwas, das auch unsere Leute gerade gesehen haben. Alle 
mochten mit Zuversicht glauben, dass der grosse Gott der acht 
Fahnen, mit seinem Schatten zugewendet, die Kraft seiner 
göttlichen Herrlichkeit mittheile. 

Die Niederlage und Flucht des Mongolenlieeres. 

Sate-mo zoku-to-iva :j[[^ ^ foJcu-fen-no i-rui-ni site 
A ^ nin-men ^ 1^ ziü-sin-no mono-domo nare-ba sono 
fnrumai sara-ni fito-to-wa omoivarezü te-itakii tatakai-te isagi- 
joku utsi-zini-sürn mono are-ba arasoi-jori-te sono si-gai-wo vhai- 
tori fara-wo fatsi-saki fara-ioota-tvo idasi-te sono kimo-wo knrai- 
keri. Kakaru si-ioaza-no mono nare-ba iioan-ja giü-ba-ni itatte- 
wa kaku-betsü-no siokn-motsü nari-ken. Kasüme-tori utsi-koros-i-te 
sono tsi-wo süsüri sono niku-ivo sioku-si sio-mi-suru ari-sama- 
iva kegaraioasi nado iü-mo sara-nari. Ki-zin-mo kaku-ja-to 
omoware-keri. 

Da die Räuberscharen, als ein fremdes Geschlecht der 
nördlichen Gegenden, das Angesicht von Menschen, die Herzen 
wilder Thiere haben, so lässt sich ihr Benehmen durchaus nicht 
als dasjenige von Menschen denken. Wenn ein Mann so lange, 
bis die Arme ihn schmerzten, gekämpft, tadellos in dem 
Kampfe gefallen war, drängten sie sich, unter einander strei- 
tend, hinzu und raubten den Leichnam. Sie rissen ihm den 
Bauch auf, nahmen die Eingeweide heraus und assen die 
Leber. Da sie solche Thaten verübten, wie hätten Rinder und 
Pferde eine ausgeschlossene Speise sein sollen? Sie nahmen 
sie weg, erschlugen sie, schlürften ihr Blut und assen ihr 
Fleisch. Dass die Art, wie sie mit Speisen beschenkten, 
schmutzig ist, braucht nicht gesagt zu werden. Auch die 
Götter und Geister waren dieser Meinung. 

Zohi-gun pfa jM tsiü-tai-no tai-sib kin-fh-kei -^ j^ 
kin-kin ^ ^ ^ ri-kuh-ko ^ ^ ^ kin-fen-jen ^ 2^ 
sin-jeki-ra S/ -^ ,sin-mei-tco toosimazii S b|d jn-sen-si- 
kere-ba, sasi-te fu-kaku-wa forazari-keri. Sikare-domo so-tai-sio 
kottnn-vin mi-kafn-nn jot'-ki-nf feki-jeki-site kore-made sio-koku-no 
tatakni-n> kaknnt l'i ^ij mn-retm-narn. knto-wo sirazü waga 



i»i 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan 109 



kiini-no mono-domo-wa joku igfe J^ sen-zio-ni nare-nure-ba 
uisi-mono totte-no fataraki-wa ika-de-ka kore-ni ojobu-heki kanete 
-^r ^ hu-kokii-to-toa kiki-si-ka-do ka-fodo-made-ni-wa 
omoxoazari-si-to fukaku "^ Sr kio-tan-si-tan-keri. 

Da Kin-fang-khing, Kin-hin, Iji-kuang-kung, Kin-thien- 
yuen und Schin-yi, die Heerführer der mittleren Reihen des 
Räuberheeres, tapfer kämpften, erlitten sie keine beträchtlichen 
Verluste. Jedoch der allgemeine Heerführer Hoe-tün wich vor 
dem glänzenden Muthe der Unsrigen zurück. Er hatte bis 
jetzt in den Kämpfen der Reiche eine so wilde Kühnheit nicht 
gesehen. Da die Menschen unseres Reiches vollkommen an das 
Schlachtfeld gewöhnt waren, wie hätte die Arbeit det Träger 
von Hiebwaffen es erreichen können? Er hatte zwar gehört, 
dass es ein kriegerisches Reich sei, da er aber nicht gedacht 
hatte, dass es dieses in einem solchen Masse sei, gerieth er in 
grossen Schrecken und Verwunderung. 

Sono fi-ioa ^^ Q siu-zitsü tatakai-kurasi-te süde-ni 
tasogare-ni ojohi-nure-hn mppon-zei-to mono-wakare-site ono-ono 
dzin-sio-je fiki-totte ^^ Ai zijü-sotsu-wa tsükare-wo jasüme 
tai-sib-ra-wa fon-dzm-ni jon-atsümari ikusa ßb-dzio matsi-matsi 
nan. Kin-fh-kei süsümi-idefe s6-tai-sib kotton sa-kixi-ni tai-site 
Ute iwaku ivaga gun-zei-iva ^i -& kaku-fei-nite nori-kumi- 
watari-si nin-zü nomi sasi-te ta-zei-ni arazü-to ije-domo itsü-mo- 
itsu-mo sio-ri-ico je-si koto-ioa ßto-hito ^jr |gfe si-sen-ioo itasü-ga 
ju-e-nari. Iioajuru ^^ B^ mö-mei-ga fune-u'o jaki kuai-in-ga 
midzil-ni somuki-te dzin-ico fari-si-mo ^ "^ dö-saku-ntte 

^ :^ si-tsi-ni otsi-iri-si ju-e-ni kajette y^ ^* kuatsü- 
db-ico je-tari-keri. Kono jei-ki-no jnrumamt utsi-ni osi-tsümete 
sio-fai-ioo kessi teki-gun-xvo utsi-tsirasi süsimde km-siü-ico nori- 
totte asi-damari-to nasü toki-wa ikkio-ni kono knni-ioo kiri-toran 
koto jam-karu-hesi. Mosi kono go-wo usinb toki-wa futa-tabi 
utsü koto kata-karu-besi. Ikkoku-mo lü-jo-sii-beki zi-setsü narnzü-to. 

An diesem Tage kämpften sie den ganzen Tag bis zum 
Abend. Als es bereits gegen die Dämmerung war, trennten 
sie sich von der Streitmacht Nippon's, zogen sich einzeln in 
die Lagerplätze zurück und Hessen ihre ermatteten Krieger 
ruhen. Die Anführer der Abtheilungen versammelten sich in 
dem Hauptlager, und Berathungen und Beschlüsse waren mannig- 



1 40 P f i z in a i e r. 

fach. Kin-fang-khiiig trat hervor und äusserte sich geg-en den 
allgemeinen Heerführer Hoe-tün und gegen Tscha-khieu wie 
folgt: Unsere Kriegsmacht sind nur gastende Krieger, Leute, 
die mit uns herübergeschifft sind. Obgleich sie keine beson- 
ders grosse Macht sind, haben sie immerfort den Sieg erlangt. 
Es ist, ^\eil sie einen Kampf bis auf den Tod geführt haben. 
Weil sie die Schiffe von Meng-ming verbrannten, den Wassern 
von Hoai-yin den Rücken kehrten, das Lager ausdehnten, mit 
gemeinsamer Berathung in das Land des Todes versanken, 
haben sie im Gegentheil den Weg des Lebens erlangt. Wenn 
wir, so lange dieser glänzende Mutli nicht erschlafft, angreifen, 
den Sieg- entscheiden, das feindliche Heer zerstreuen und, vor- 
wärts schreitend, Kiü-siü im Ueberschiffen nehmen und es zu 
einem Stützpunkt machen, so wird es leicht sein, dieses Reich 
mit einer einzigen Kraftanstrengung zu zerstückeln und zu 
nehmen. Wenn man diese Zeit versäumt, wird es schwer sein, 
zum zweiten Male loszuschlagen. Es ist nicht die Zeit, in der 
man auch nur eine Viertelstunde unschlüssig sein darf. 

Iki-mai-te mbsi-kere-ba kotton kotajete iwaku mbsaru tokoro 
sono vi ari. Sikare-donio ko-go-ni nvazü-ja /Jn j^ seo-teki-no 
kataki-wa sünaivatsi tai-teki-no tori-ko nari-to. Ima kono mjyj^on- 
no gun-zei-wo fakari-miru-ni se6-tek{-to-tva i-i-nagara sono ken- 
go-naru koto ß-rui-nasi. ^& ^3 Gi-ki itsi-dzü-ni site ^ 
si-ioo kajeri-mizü sono foko-saki ataru-he-karazü kono tokoro-ni 
naga-ici-se-ha oi-oi ara-te-no go-dzume-mo kuioawari-tatakai nan- 
gi-ni ojoban-ka. Koto-sara ja-dane-mo nokon-sükunakii tatakb- 
heki te-date-mo usüsi. Fiku-beki toki-wa sumijaka-ni fiku-wo 
koso rib-sib-no ^ '^ zen-saku-to iü mono nare. Ima-no 
flap t^ zi-ki-wo kangbru-ni madzü kore-made-no siö-ri-wo ~^ 
kö-to si ittan kono tsi-ioo ßki-farb-hesi-to omo-nari-to. 

Nachdem er dieses athemlos gesprochen, antwortete Hoe- 
tün: Was gesagt worden, hat seine Berechtigung. Aber heisst 
es nicht in einem alten Spruche? Ist der kleine Gegner fest, 
80 ist er von dem grossen Gegner gefangen. Betrachtet man 
jetzt die Kriegsmacht dieses Nippon, so heisst sie zwar ein 
kleiner Gegner, doch ihre Festigkeit ist ohne Gleichen. Ihre 
Rechtlichkeit ist ein einziger Weg, sie achtet nicht auf den 
Tod, ihre Lanzenspitzen können nicht erreicht werden. Wenn 
wir lange Zeit an diesem Orte verweilen, wird nach und nach 



Die Geschichte der Mongolenaugriffe anf Japan. 141 

auch der neue Rückhalt hinzugefügt werden , kämpfen und 
vielleicht Unglück haben. Besonders sind Pfeile nur wenige 
übrig, und die Mittel für den Kampf sind gering. Wenn man 
sich zurückziehen muss, möge ein schleuniger Rückzug nur 
der gute Entwurf eines vortrefflichen Anführers heissen. In- 
dem ich die Umstände der Zeit erwäge, denke ich, man 
müsse sich früher den bisherigen Sieg zum Verdienste an- 
rechnen und dann eines Morgens dieses Land wegfegen. 

Mosi-kere-ha tatakai-tsükare-si zoku-sib-ra fai-sib kaku-no 
gotokii nare-ba idzüre-mo kono gi sikaru-hesi-to ßo-gi — > jdx 
ikketsü-se-si-kara-ni fidari-zonaje-no tai-sio riü-fukko-wa seo-ni 
kage-süke-no ja-ni atafte fuka-te-wo kofuH-tote-rtio iku-heku 
viijezare-ba zijü-sotsü-ra ita-ni kaki-nosete ,^B siju-ni saki-datsi 
toaga fune-ni nige-nori-kere-ha kore-tvo miru-jori zoku-gxm-ra 
wäre okurezi-to toki-no ma-ni onore-onore-ga fune-ni nori-itte 
kuga-dzi-ni nokoru mono-wa nasi. Me-sasü-mo siranu jami-no 
jo-no jaja sirami-juku sira-ki-no jama-no jama-no fa-ni ide- 
nuric tsüki-no kage-wo tsikara-ni mo-ko-no zoku-sen tomo-dzüna- 
lüo toki fe-kadzi-wo totoiioje sibaraku kisi-wo fanaruru woi^-si- 
mo — ■ ^ itten niwaka-ni kaki-kumori bb-fü fagesi-ku fuki- 
okori ja-ioo tsüku gotoki am,e saje soi-te kai-men are-ni are- 
kere-ba ko-ioa tada-naranu ^p |^ fen-sai kana kimo-ico 
kesi-fmtsü thro-taje-fate kadzi-jo fo-basira-jo-to i-i-mo jarazu 
fen-botsü S^ ^m ten-fuku sadamarazu gan-seki-ni tsüki-atatte- 
iva mi-dzin-ni ktidakete tsiru-mo ari. Fune-to fune-to-no süri- 
ai-ni funa-bata tomo fe-no sia-betsu-naku utsi-jabnre utsi- 
kudakete midzü-bune naric-mo ari-te sono sb-dö iü-mo sara-nari. 
Kakaru zin-ben-no aran-to-wa omoi-mo joranu koto nare-ba 
^^ ^A sib-sotsii-no ivakatsi-mo ara-ba koso tai-sib saje-mo 
iro-wo usinai aioate futameku sono magire-ni kb-rai-no -^ f^ 
kin-sen-ica fidari-zonaje-no B^ 'ßn gun-si-tari-si-ga umi-ni ofsi- 
iri sinde-keri. Sono foka oborefe si-süru mono-ioa iku sen-nin- 
to-mo sirarezari-keri. 

Nachdem er dieses gesagt, beschlossen die vom Kampfe ermü- 
deten Räuberanführer und die Anführer der Abtheilungen unter 
solchen Umständen insgesammt im Rathe, dass diese Sache so sein 
könne. Als es daher sich zeigte, dass der Heerführer der linken Auf- 
stellung, Lieu-fö-hiang, der, von dem Pfeile des kleinen als Zweiter 
Zugesellten, Kage-suke getroffen, eine tiefe Wunde erhalten hatte, 



^42 Pfizmaier. 

nicht leben könne, luden ihn die beg-leitenden Krieger auf ein 
Brett und stiegen fliehend Allen voran in ihre Schiffe. Sobald 
die Räuberheere dieses sahen, stiegen sie, um sich nicht zu 
verspäten, binnen einer Stunde in ihre Schiffe, und Niemand 
blieb auf dem Lande zurück. 

Während in einer Nacht voll undurchdringlicher Finster- 
niss der Tag etwas zu grauen begann, lösten die Räuberschiffe 
der Mongolen, das Licht des an der Berggränze der Berge von 
Sira-ki aufgegangenen Mondes sich zu Nutzen machend, das 
Tau des Hintertheiles der Schiffe, richteten Vordertheil und Ruder 
und trennten sich nach einer Weile von dem Ufer. In diesem Augen- 
blicke umwölkte sich plötzlich der ganze Himmel, ein Sturm- 
wind erhob sich mit Heftigkeit, ein Regen gleich anprallenden 
Pfeilen kam 'eben hinzu und die Meeresfläche gerieth in Auf- 
ruhr. Dieses waren ungewöhnliche Veränderungen und Unheil ! 
Sie erschütterten den Muth. In gänzlicher Verwirrung konnte 
man die Worte: Steuerruder! Mäste! nicht hervorbringen. Nach 
rechts und links sich werfend, überstürzend, ohne Bestimmung 
schlugen die Schiffe an Klippen und wurden zu Staub zer- 
malmt und verstreut. Während Schiff an Schiff sich rieb, ohne 
einen Unterschied zwischen Schiffsseite, Hintertheil und Vorder- 
theil, wurden sie zerbrochen, zertrümmert, es war, als ob sie 
Wasscreimer würden, und den Lärm zu beschreiben ist über- 
flüssig. Da man sich nicht vorgestellt hatte, dass solch' ein 
göttliches Wunder sich ereignen werde , so verloren, wenn es 
einen Unterschied zwischen Anführern und gemeinen Streitern 
gab, die Heerführer eben auch die Fassung und waren voll 
Entsetzen und Aufregung. 

Bei dieser Verwirrung fiel Kin-sieu aus Kö-rai, der ein 
Gesandter des Kriegsheeres der linken Aufstellung gewesen, 
in das Meer und fand den Tod. Wie viele Tausende es waren, 
die ausser ihm ertranken, wuirde nicht bekannt. 

Die Entiinuptiing der zurückgebliebenen Mongolen. 

Saru-fodo-ni mi-kata-no gun-zei-tva omol-mo joranu ame- 
kaze~ni jori nawo-sara jo-utsi-no jö-zin kibisi-ku itodo jei-ki-ico 
jasinai-tsütsü. Akvre-ha tsütomete i-zoku^ra~wo oi-farawan~zü-to 
tt-gusüne ß-i~te ^ ]^ tsiku-fun-si fono-hono-to ake-mo fanarenu 



Die Geschichte der Mougolenaugrifie auf Japan. 143 

nl-ziä-itsi nitsi-no aka-tsüM-ni osl-idasi-te oki-no hata-wo mi- 
loatase-ha jo-he made-wa awo-una-hara-nl kagin-mo sirezü 
kogi-narahe-taru i-zoku-no fune isso-rno nokori-naku juku-je-mo 
sirazü naku naH-ni-keri. Ko-wa nam-goto-ni ari-tsüran i-zoku- 
no ikiwoi sakan-ni site ono-ono ^^ ^^ gun-rio-ni omoi-ioo 
korasi jasüki kokoro-mo na-kari-si-ni an-ni tagai-te ßto-jo-no 
utsi-yii Wi ^^ fo-kage-mo mijezü nari-ni-si-wa jo-he fakarazaru 
bb-fu- j^ u-7ii teki-sen nokorazü -rr y¥ tai-jo-ni tadajoi- 
nagare-juki-ni-ken omowazari-ni-si jo-fa-no anie akasi o-o-kaze- 
wa kasikoku-mo fako-zaki ka-si-i-no o-o-mi-kami-no kan-ioaza-ni 
ari-ni-si-to-wa sate-mo totoki sin-mei-no kuo-koku ^jrM ^p jo- 
go-no go-wi-rioku-iva mosü-mo kajette oroka nari-to sio-gun 
fitosi-ku J^ ^ kan-tai-seri. Ima-wa utsü-beki teki naku site 
isami-tattaru mono-no fu-no men-men ran-niii-se-si i-zoku-wo-ha 
fitori-mo nokosazü fafuri-tsükusi-te sono ifrT tsi-ni kine-ico 
tadajoivasan mono-ioo-to omoi-mhke-si koto tagai-te midan-ni 
kujamu hakaH nari. Iza sara-ba bb-fü-u-wo nogare-si i-zoku-wo 
fan-saku-sen-to naioo kai-fen-wo tadzüne-meguru-ni zoku-sen isso 
si-ga-no sima-ni kakari-ioi-te nige-nokoreru-ioo mi-tsüke-tari. 

Die Unsrig-en waren vor einem nächtlichen Angriffe, der 
in Folge des unvermutheten Sturmes und Reg-ens noch leichter 
stattlinden konnte, sehr auf ihrer Hut und hielten ihren glän- 
zenden Muth aufrecht. Am nächsten Morgen führten sie, da 
sie die fremden Räuber mit Kraft vertreiben wollten^ Fichten- 
harz mit sich und nährten ihre Erbitterung. Als sie beim An- 
bruch des einundzwanzig'sten Tages des Monats, um die Zeit, 
wo die trübe Dämmerung nicht zertheilt war, hinausdrängten 
und die Gegend des Hafens überblickten, war von den frem- 
den Räuberschiffen, die bis zur Nacht auf der grünen Meeres- 
fläche in unbekannter Ausdehnung in Reihen gestanden waren, 
kein einziges mehr übrig. Ohue dass man gewusst hätte, wohin 
sie gegangen, waren sie verschwunden. In Ungewissheit, was 
hier geschehen sein mochte und in Betracht, dass die Gewalt 
der fremden Räuber eine vollkommene war, richteten sich die 
Gedanken Aller einzig auf eine Kriegslist, und man war im 
Herzen nicht beruhigt. Indem wider Vermuthen in einer Nacht 
selbst der Schatten eines Segels unsichtbar geworden, kam es 
ihnen nicht in den Sinn, dass bei dem am Abend nicht in 
Berechnung gezogenen Sturmwind und Regen die feindlichen 



J44 Pfizraaier. 

Schiffe ohne Ausnahme auf der hohen See umhertreiben und 
fortschwimmen mögen. Indess der mitternächtliche Regen bis 
zum Morgen fiel, der Sturmwind fürchterlich war, fand der 
Gottesdienst für den grossen erhabenen Gott von Ka-si-i in 
Fako-zaki statt. Dass dieses desshalb die das erhabene Reich 
des geehrten göttlichen Lichtes beschützende Stärke gewesen, 
dieses auszusprechen ist man zu unverständig, und sämmtliche 
Heere bewunderten es gleichmässig. Jetzt, da kein Feind 
war, den man schlagen konnte, verwandelte sich das, womit 
sich die muthigeu Krieger in Gedanken trugen, dass sie doch 
die fremden Räuber, die von allen Seiten ungestüm eingedrun- 
gen, ohne einen einzigen übrig zu lassen, vollständig nieder- 
machen, in ihrem Blute Schlägel umhertreiben lassen möchten, 
in übermässigen Verdruss. Indem sie also, um die dem Sturm- 
wind und Regen entronnenen fremden Räuber aufzufinden, an 
dem Ufer des Meeres suchend umherwandelten, entdeckten sie 
ein Räuberschiff, das, vor der Insel Si-ga liegend, auf der 
Flucht zurückgeblieben war." 

Iza osi-josete utsi-toramu-to kokoro-wa ja-take-ni fajare- 
domo umi-wo fedate-si sima nare-ha kare-kore iü-jo-suru fodo-ni 
zoku-to-wa tamari-kane-ni-ken ftma-bata-ni süsümi-ide te-ico osi- 
süri mi-kata-ni tai-site fai-süru sama nari. Sotio koto-zama-no 
ajasi-kere-do ijo-ijo mi-kata-ioa süsümi-jezü nawo sono sen jo-wo 
mi-ioi-taru-ni ^oku-to-ioa '^^ ^^ ziükkei fsüki-fatete kaku-made 
Hft -^ zio-mei-wo kö-to ije-domo kiki-iremi-wo ika-ni sen mi- 
siranu teki-ni ike-dorare tsi-zioku-wo i-kio-ni sarasam.u-jori tote- 
mo nogarenu inotsi nare-ha zi-messen-ni-wa sikazi-to-ja omoi- 
sadame-ken tai-sio-to ohosi-ki zoku-no midzükara umi-ni tobi- 
iri-te soko-ni. mo-kudzii-to nari-keri. Tanomi-tattaru tai-sio-no 
faka-naku zi-metsü-wo sunt nje-wa nokoreru zoku-to-ra tsikara- 
100 usinai jumi-wo süte kahnto-wo nugi-te konata-ni mukai-te 
fai-fitku-si gh-san-wo ko sama-no ima-wa idago-heku-mo arazare- 
ha ware-mo-ware-mo-to nori-jotte taka-de ko-de-ni imasimefe 
midzü-ki-no siro-ni gai-dzin-si ike-dori-no sib-sotsü so-zite fiaku- 
ni-ziü-jo-nin koto-gotokii ktibi-wo fane itto-ni kai-ka-wo age-taru-ioa 
ge-ni isamaai-ku jorokohasi kore-wo kiki-tsüke waga ikusa utsi- 
katsi-tari-to iü-ja fitosi-ku kakure-sinobi-si fu-dzio rh-niaku si- 
fb-jori jori-kitari ono-ga siukii-sio-Je iran-to snre-ba kore-wa 
ika-ni sen sumi-nare-si ije-ioa so-ko-to-mo siranu ß-no fi-ni jake- 



Die Geschichte der MongoIenangriiTe auf Japan. 14i3 

fatete tsüku-si-fo-wa Jcokoro-dzükusi-no na nari-to-mo sirade 
sümi-ni-si kanasisa-jo. Zoku-to-no jose-kitari-si sono xoori-wa 
inotsi-ni-wa kbni mono nasi-tote ko-gane takara-mo mi-süte-tsüisü 
nige-ide-si-ga inotsi nomi nagaraje-wi-te-mo ije saje-mo nakii- 
naku otsw-ji sira-tama-no namida-mo ima-ioa kurenai-no tsi-siwo- 
110 iro-ni furi-idete -g* ne-ni tate-nakanu mono-zo naki. 

In der Absicht, anzugreifen und zu tödten , enteilten sie 
kühn , da es aber eine durch das Meer getrennte Insel war, 
gingen sie hier und dort unschlüssig umher. Indessen traten 
die Räuber, die nicht im Stande sein mochten^ sich zu halten, 
an den Schiffsrand, rieben die Hände und verbeugten sich 
gegen die Unsrigen, Obgleich dieses Benehmen seltsam war, 
konnten die Unsrigen nicht weiter vorwärts gehen. Indess sie 
noch immer beobachteten, was Jene thun würden, erschöpften 
die Räuber ihre Kunst und baten auf diese Weise um ihr 
Leben, aber man erhörte sie nicht. Mit Bestimmtheit wohl 
denkend, dass es besser sei, sich zu tödten, da es ein Leben 
wäre, in welchem man, von unbekannten Feinden gefangen, 
die Schande an einer fremden Gränze aufzudecken in keinem 
Falle umhinkann, stürzte sich ein Räuber, den man für einen 
Anführer hielt, flugs in das Meer und wurde zu Abfällen des 
Hornblatts. Nachdem der Anführer, auf den sie sich verlassen, 
sich getödtet hatte, verloren die übrig gebliebenen Räuber ihre 
Stärke. Sie warfen die Bogen weg, legten die Helme ab und 
verbeugten sich gegen die Unsrigen. Da man jetzt nicht zweifeln 
konnte, dass sie sich zu ergeben wünschten, schifften die Unsrigen 
im Wetteifer hinzu, banden ihnen die Hände auf den Rücken, führ- 
ten sie im Triumph zu der Feste von Midzu-ki, schlugen allen gefan- 
genen Anführern und gemeinen Streitern, im Ganzen einhundert 
zwanzig Menschen, das Haupt ab und waren, mit einander einen 
Siegesgesang anstimmend, in der That voll Muth und Freude. 

Die Weiber und Mädchen, Alten vind Schwachen, welche 
sich insgesammt versteckt hatten, kamen, als sie dieses hörten, 
mit dem Rufe: Unser Heer hat gesiegt! von allen Seiten her- 
bei. Als sie ihre Wohnplätze betreten wollten, wie mochten 
diese sein? Die Häuser, an welche sie sich gewöhnt hatten, 
waren von Feuern, von welchen sie nicht wussten, dass sie 
dort ausgebrochen seien, verbrannt. Welch' eine Traurigkeit, 
in Unwissenheit darüber, dass Tsuku-si ein Name ist, der ,das 

Sitzuugsbor. d. phil.-hibt. Cl. L.\XVi. Bd. 11. Htt. 10 



146 Pfizmuier. 

ganze Herz daran häng-en' bedeutet, ' daselbst gewohnt zu 
haben! Zur Zeit, als die Räuber einfielen, glaubten sie nichts 
zu haben, das sie gegen das Leben vertauschen könnten. In- 
dem sie Gold und Kostbarkeiten unbeachtet liegen Hessen, 
entflohen sie und retteten bloss ihr Leben, Selbst die Hänser 
waren nicht vorhanden , und während die weissen Edelsteine 
ihrer fallenden Thränen jetzt mit der Farbe des saffraugelben 
Blutes zitterten, war Niemand, der nicht laut weinte, 

Sate-mo kono katsi-ikusa-no ari-sama-wo faja-uma-ivo tatete 
otsi-mo naku kama-kiira narahi-ni rohu-fa-ra-je tsiü-sin-wo-zo 
nasi-te-keru. Baku-fu-ni-ioa kore-ioo kikosi-mesare )|j^ "^ zin- 
hutsü-no ka-go miinasi-karazaru-too ^^ ^^ kei-zio-si-tamai 

mata kiü-siu-no siü-go dzi-to go-ke-nin-ra-no ^ ^ sin-mei- 
wo wosimazü-site fun-kotsü-wo tsükusi-si j^ ^ tsiü-jü-ico 
kan-zi sore-sore "ih ko-uo seM-zin-ni jotte on-sio-no ^ ^ 
ta-kua-wo-zo sa-ta-serare-keru. Kano zoku-to-ra-no ran-ho-se-si 
umi-he-no zin-min-no tatsi-jori-nn-beki ije-mo naku tanomi-si 
sin-seki itsi-zoku-ioa mina tsiri-tsiri-ni nari-fate-si fodo-fodo-wo 
kanasimi-tamai-te sono tokoro-dokoro-no siü-go dzi-tö-ni sa-ta 
ari-te teo-moku nado-ioo kudasi-tamai mina-mina moto-no süma- 
i-wo nasi-si-ka-ha naki-sakehi-ni-si ko-e-)u ßki-kaje kakaru 
megumi-no sigeki tsüju mi-ni amari-nu-to jorokohu ko-e-wa yjp '^ 
jh-jh-io Site nigkoai-keri. 

Ueber diesen Sieg berichtete man, indem man schnelle 
Pferde aufstellte, ohne etwas zu verschweigen, nach Kama-kura 
und zugleich nach Roku-fa-ra. In dem Sammelhause der Zelte 
hörte man dieses und erkannte ehrfurchtsvoll, flass der Schutz 
des göttlichen Buddha keine leere Sache sei. Ferner bewun- 
derte man die Redlichkeit und den Muth, womit die Schirm- 
herren, Häupter des Bodens und Hausgenossen von Kiü-siü, 
ihr Leben nicht schonend, das Aeusserste thaten, und liess 
ihnen je nach der Grösse des Verdienstes viele oder wenigere 
Belohnungen zukommen. Man bedauerte, dass dort, wo jene 
Räuberscharen gehaust, an dem Ufer des Meeres die Häuser, 
auf welche die Menschen des Volkes sich verlassen haben soll- 
ten, nicht vorhanden, die Verwandten und Seitengeschlechter, 

' Txühi-iii, (lor Niiiiic der Provinz, wird KieY iwii Icokoro-rhüloisi ,das ganze 
Mit/, all etw.-is liäiig'en' bezogen. 



Die Geschichte der Mongolenaugriffe auf Japan. 147 

auf welche sie hofften, zerstreut und zu Grunde gegangen 
waren. Nachdem in jenen Gegenden bei den Schirmherren und 
Häuptern des Bodens die Verständigung stattgefunden, Hess man 
Geld herabgelangen. Als sämmtliche Menschen ihre Wohnplätze 
eingenommen hatten, erschollen und lärmten als Austausch des 
Tones, mit welchem sie geweint und geschrieen, Töne der 
Freude darüber, dass der reiche Thau der Gnade ihnen im 
Ueberflusse zu Theil geworden. 

Die Enthauptung der ausspähenden Gesandten. 

Sate-vio mö-ko-no so-dai-sib kotton-ica araki fü-fa-no nan- 
wo nogare %itsi-morasare-si nin-zü-ioo in-sossi-te akuru tsuki-no 
zm-itsi-guatsü-no fazime-ni gappo-ni tsüki-te koko-nite iki-ioo-zo 
tsügi-ni-keru. So-mo kono tabi-no tatakai-iva ziü-ni sitsi-fatsi 
katsi-nnre-domo tai-sib hun-no utsi-zini o-oku hoan-ja si-sotsu- 
wa iu-ni ojobazu sio-sassüru mono ^¥ do-ni sügi-tari. Sika 
nomi narazü zin-ben-nite deki-si-se-si mono o-o-kan-kere-ha 
make-nu-to iü-mo arazari-kere-do mata katsi-nu-to-mo i-i-gatasi. 
»^ ^ Sen-si -^ ^ smoi-si-tvo ^w ^^ ken-jessuru-ni 
sühete itsi-man san-sen go-fiaku-jo-nin sono naka-ni-mo tanomi- 
kittaru mo-sio jü-si su-fiaku-nin-ni-zo ojohi-keru. Toivoku i-kib- 
no kuni-ni loakatfe mi-ioo ^^ ^i^ fo-teki-no aida-ni rb-si 
ffl, ||fe tsiü-sen-wo fagemu-to ije-domo ani gun-ko-to süru-ni 
taranm-ja. Kon-do sima-zima-nite ike-dori-je-taru do-nan do-nio 
ai-gassi-te ni-fiaku-jo-nin kore-ioo semefe-no kun-ko-ni site loaga 
fon-goku-ni-zo kajeri-keru. Jagate ike-dori-ioo fiki-gu-site lob-no 
maje-ni ide-kere-ba tob kore-ico ^g ^i^ i-rb-site ikusa-no si-dai 
ika-ni-to are-ba kotton tsutsüsindt kotajete iicaku i-ki tsüsi-ma-ni 
osi-josete te-awase-no ikusa-ni sio-ri-tco je siii-go dzi-to-to mbsü- 
narii tai-sib-wo fazime si-sotsü-ioo utsi-tori ike-dori-si mono sü- 
fiaku-nin sore-jori tsükn-si-no tHi-ni osi-watari ^P si-wo kessi-te 
^m H^ fun-sen-si ken-zib-wo ^^ ^ sio-fa-site ß-wo fanatte 
jaki-farb. Sio-fai-too ron-züru toki-wa o-oki-ni sio-ri-ioo u-to 
ije-domo kano nippon-ioa jü-retsü-no kuni-ni site utsi-zini-süru 
koto-tco itoicazü ta-zei-no naka-ni kiri-itta sükosi-mo firumii iro- 
nasi. ^a ^^ Nan-siu Jl\^ j^ foku-teki sio-fb-no kassen 

tabi-tabi »fe J^ sen-zib-ivo fumi-snroje-domo ka-fodo-no ^ 

ki-ken-naru-wa oboje-sorowazü kiki-si-ui masari-te ^g 

10* 



^48 rfizmaier. 

gi-ju tsüjoku ju-e-ni si-sotsü-no vtsi-zini sükuna-karazü naha-ni- 
mo tanomi-si riü-ftikkb-iva nagare-ja-ni atatfe fiika-te-wo oi 
katsü-ioa ja-dane-mo fsüki-fatete tatakai-tsükare ßki-siHzokan-fo 
se-si fodo-ni fatsü-ka-no ^ jo o-o-kaze-ni ai vmi ore fnne 
sakete obore-si-süru mono sükuna-karazü. Sikare-ba ittan ki- 
koku-itasi kono josi-wo s6-mon-si futa-tabi ^ |^ gvn-ki-tvo 
fakarai-te utsi-tairagen-to omoi-sadame ßto-madzü jj^ |p^ 
tai-dzin-itasi-niL-fo kotoba-wo kazatte mosi-tsütsü ni-fiaku-jo-nin- 
710 ike-dori-wo ko-ro-gaioo-ni ßki-sü-e-tari. 

Der mong-olische allgemeine Heerführer Hoe-tüü, der 
Gefahr des wilden Sturmes entkommen, stellte sich an die 
Spitze der durchgeschlüpften Menschen und gelangte im An- 
fange des nächsten Monates, des eilften des Jahres, nach Hö- 
pu. Er schöpfte daselbst Athem. Obgleich er in dem diess- 
maligen Kampfe von zehn Theilen sieben bis acht Theile Sieg 
davongetragen hatte, waren viele Anführer der Abtheilungen ge- 
fallen. Um so mehr waren es Kriegsmänner und gemeine Strei- 
ter. Dieses war unaussprechlich, und die Zahl der Getödteten 
und Verwundeten überstieg das Mass. Es war dieses nicht allein. 
Da die durch das göttliche Wunder Ertrunkenen viele waren, 
ist es zwar nicht der Fall, dass er besiegt woi'den, aber es ist 
auch unmöglich zu sagen, dass er gesiegt habe. Wenn man 
die Zahl der im Kampfe Gefallenen, der im Wasser Ertrun- 
kenen berechnet, so sind es zusammen über dreizehntausend 
fünfhundert Menschen. Unter diesen belief sich die Zahl der 
kühnen Anführer und muthigen Männer, auf die man zuver- 
sichtlich gebaut, auf mehrere hundert. Weit in einem Reiche 
der fremden Gränzen getrennt, wenn man auch zwischen den 
Spitzen der Lanzen und Pfeile sich abmühte, in dem Kampfe 
der Redlichkeit sich anstrengte, Avie würde dieses hinreichen, 
um Tliaten des Krieges zu verrichten? 

Er brachte die Knaben und Mädchen, die er diessnial 
auf den verschiedenen Inseln gefangen nehmen konnte, zusam- 
men. Es waren deren über zweihundert. Indem er wenigstens 
dieses sich zu einem vorzüglichen Verdienste rechnete, kehrte 
er in sein Heimatland zurück. Sogleich nahm er die Gefange- 
nen mit sich und erschien vor dem Könige. Der König tröstete 
und bewillkonmincte ihn. Auf die Frage: wie es um das 
Kriugsheer stehe, antwortete Hoe-tün ehrerbietig: Wir drangen 



Die Geschichte der MongolenangrifFe auf Japan. 149 

gegen Iki imd Tsusi-ma und trugen in dem Kampfe, der sich 
entspann, den Sieg davon. Die Leute, die wir tödteten oder 
gefangen nahmen, vor Allem Heerführer, die man Schirm- 
herren und Häupter des Bodens nennt, dann Kriegsmänner 
und gemeine Streiter waren mehrere hundert. Hierauf setzten 
wir zu dem Lande Tsuku-si über. Entschlossen zu sterben, 
kämpften wir begeistert; wir erstürmten die starke Feste, legten 
Feuer an und vei'brannten sie. Erörtert man Sieg und Niederlage, 
so trugen wir zwar einen grossen Sieg davon, doch jenes Nippon ist 
ein Reich tapferer Männer. Unbekümmert um den Tod in der 
Schlacht, drangen sie in grosse Heeresmengen und machten nicht 
im Geringsten Miene, zu weichen. Obgleich ich in Kämpfen gegen 
südliche Feinde, gegen nördliche Gegner, in den Kämpfen aller 
Länder oftmals den Kampfplatz betreten habe, erinnere ich mich 
nicht, dass eine solche Festigkeit des Geistes gewesen. Weil ihr 
Math gewaltiger war, als es verlautet hatte, sind die Kriegsmänner, 
die in dem Kampfe fielen, nicht wenige. Unter diesen wurde Lieu- 
fö-hiang, auf den wir unsere Hoffnung gesetzt hatten, von einem 
Pfeile getroffen und erhielt eine tiefe W^inde. Ueberdiess gingen 
uns die Pfeile aus. Als wir, von dem Kampfe erschöpft, uns 
zurückziehen wollten, erlebten wir in der Nacht des zwanzig- 
sten Tages einen grossen Sturm. Das Meer tobte, die Schiffe 
barsten, und die Menschen, welche ertranken, waren nicht 
wenige. Somit entschloss ich mich eines Morgens, in das 
Reich zurückzukehren, die Sache au dem Hofe zu melden, 
nach nochmaliger Entwerfung eines Kriegsplanes die Eroberung 
zu vollbringen, und zog vor allen Dingen das Heer zurück. 
— Nachdem er dieses mit verschönernden Worten gesagt, 
brachte er die zweihundert Gefangenen und stellte sie mit 
wichtiger Miene hin. 

Kaku mo-ko-ioo sio-sin-ivo johi-idasi hasanete-no gun-gi-wo 
nasi-tari-keri. Mei-wei si-rio-wo megurasi-tsütüü fib-ron foki-ioo 
utsüsi-si-ni u-zio-sio ^ ^j ^ a-si-kan süsümi-idete i-i-keru- 
wa sio-kio-no ron-dan sono ri ari-to ije-domo kono tabi-no issen- 
nite waga kuan-gun-no jü-retsü-naru-wo siri-fate-na-ba ika-ni 
hu-jü-no sürudo-narv nippon-to iü-tote-mo nado-ka kio-ku-no 
omoi-na-knran. Kare doku-riü-no ten-si nan-tote ^ ^ sei- 
a-no S ken-nife koku-nai-no tatakai-ni nomi nare-wi-taru 
silkosi-hakari-no ba-ju-ico tanomi-te sü-ka-do-no tsioku-si-wo oi- 



I^Q Pfizraaier. 

kajesi amassaja tsioku-to-mo sezaru kofo keö-man fu-son iü-mo 
sara-nari. Sari-nagara seo-teki-to mite, anadorazaru-wa mei-sio-no 
si-wazn nari-keri. Ima aratarnete hun-bu ken-hi-no mono-wo 
Jerahi-te on-tsioku-si-wo tsükawasare ^^ ki-ni h-zi ^^ fen-ni 
sitagai fodo-joku kare-wo mitsi-hiki-te ^j^i ^ fuku-zijü-se-si- 
muru mono nara-ba kanarazü wo-kua-ni sitago-besi. Fei-kaku-wo 
tsnnori-motome zin-mei-ivo ajo-ü-si gun-kan y^ -^ si-fo-wo 
^ ^ sei-zb-site kuni-no wadzürai-ico nasü-jori-tva sen-so-ni 
ojabazü-site tsükai-ioo motte fuku-zijü-sesimuru koto-ioa sai-zio-no 
fakari-goto naramu-to mbsi-nobe-tari-kere-ba mö-ko-ioo kore-wo 
p|* ka-to Site fp ^ tsiü-sü tai-fu rei-bu zi-ro ^i tft ;§» 
to-sei-tsiü-ioo mesi-idasi nippon-no tsükai-ioo mei-zi-tari. Jl: =||| 
Fü-kwi tai-fu fio-bu zi-ro ^ ^ ^ ka-bun-tsio ^ ^ 
kei-gi i^ ^ san-to 1^ ~f ro-tn-ioo fuku-si-to sadamete 

kb-rai-no wosa ^ ^ rio-db |^ ^ zio-san tll jC Jt i 
seo-ko-zib-sa-ra-wo sen-db-to site akuru tosi ken-dzi guan-nen ni- 
guatsil-ni kuni-moto-wo kado-de-site onazi si-guatsii ziü-go-nitsi-ni 
naga-to-no kuni miiro-dzü-no ura-ni tsüki-ni-keri. 

Der Mongolenkönig rief jetzt seine Diener herbei und 
hielt einen nochmaligen Ivriegsrath. Nachdem Jeder für sich 
seine Meinung mitgetheilt hatte und unter Berathungen die 
Zeit vergangen war, trat 0-thse-han, der Reichsgehilfe zur 
Rechten, hervor und sprach : Die Erörterungen sämmtlicher 
Reichsminister haben zwar eine Berechtigung, doch wenn man 
in dcmi diessmaligen Kampfe den kühnen Muth unseres obrig- 
keitlichen Heeres gänzlich erkannt hat, wie sollte da nicht selbst 
das von Kriegsmuth scharfe Nippon Gedanken der Bangigkeit 
hegen? Dass jener durch sich allein eingesetzte Himmelssohn, 
mit der Sehweite des Frosches in einem Brunnen, auf den 
geringen Kriegsmuth, der an Kämpfe innerhalb des Reiches 
nur gewöhnt ist, sich verlassend, die mehrmals angekommenen 
kaiserlichen Gesandten zurückgejagt, überdiess auf die kaiser- 
lichen Schreiben keine Antwort gegeben, eine solche An- 
massung und Halsstarrigkeit zu nennen, ist überflüssig. In- 
dessen : sehen , dass es ein kleiner Gegner ist und ihn 
nicht verachten, war die Handlungsweise berühmter Heer- 
führer. Wenn man jetzt von Neuem Männer, die in der 
Schritt und der Kriegskunst gleich bewandert sind, aus- 



Die Geschichte der MongolenangriflFe auf Japan. 151 

wählend, Gesandte mit der kaiserlichen Verkündung- schickt, 
den Umständen entsprechend, nach den Veränderungen sich 
richtend, ihn nach Kräften des Weges führt und zur Unter- 
werfung bewegt, so wird er gewiss in die königlichen Ver- 
wandlungen sich fügen. Ehe man Angriffswaffen und Leder- 
panzer zusammensucht, das Leben der Menschen gefährdet, 
Kriegsschiffe, Pfeile und Wurfgeschosse anfertigt und die 
Leiden des Reiches zu Wege bringt, wird, ohne dass es zum 
Kämpfen kommt, durch eine Gesandtschaft zur Unterwerfung 
bewegen, die höchste Berathung sein. 

Als er dieses mit Woi'ten dargelegt hatte, hielt es der 
Monij-olenkönig für thunlich. Er rief den Grossen des Noth- 
wendigen der Mitte, den aufwartenden Leibwächter von der 
Abtheilung der Gebräuche: Tu-schi-tschung, herbei und er- 
nannte ihn zum Gesandten für Nippon. Man bestimmte den 
die Belehrung bietenden Grossen, den aufwartenden Leib- 
\\'ächter von der Abtheilung der Waffen, Ho-wen-tschü, und 
den Angestellten der Berathungeu: Lu-ting von San-tu, zu 
hinzugesellten Gesandten. Den Dolmetscher von Kö-rai: Liang- 
tsiang-siü-tsan und den Rudermeister Shang-tso machte man 
zu Wegweisern. Dieselben traten im folgenden Jahre, im 
zweiten Monate des ersten Jahres des Zeitraumes Ken-dzi 
(1275 n. Chr.) von ihrem Heimatlande aus die Reise an und 
gelangten am fünfzehnten Tage des vierten Monates desselben 
Jahres zu der Bucht von Mura-dzu in dem Reiche Naga-to. 

hogi kama-kura-je tsiü-sin-si-kere-ba sono tokoro-nite kiü- 
mon-si ßki-icatase-to-no koto nare-ba ^ f|1 sen-tsiü-ni am 
mono-domo koto-gotoku aratamuru-ni fei-kakn Im-ki-ivo nosezare- 
ha gün-kan-nite-ioa na-kari-keri. Sare-domo ^ ^^ ki-kai-no 
sina~sina-wo moku-roku-ni kaki-sirnsi to-rai-no omomuki-wo 
tadzünure-ha kio-nen ziü-guatsü fih-sen-wo sasi-vmkete kan-gua- 
wo ugokasi-tamai-si-wa moto-jori wagci kuö-tei-no fon-i narazü 
saru-kara-ni kore-made-no ^^ ß-ioo aratamete j]^ sei-ni ^ 
ki-si moro-tomo-ni sin-boku-site ^ ^ kb-fai-sen-to ^ ^ 
ka-sin-no tarne soregasi-ra-ico Uioku-si-to sife sasi-kosare-tar!. 
Kama-kura-ni mesi-idasare wi-sai-wo gon-zib-itasi-taku-to-zo mbsi- 
keru. ßiü-go-dai sono kokoro-wo jete kamu-kura-no gen-mei nare- 
ba ^ ^ zijü-sia-wa sitagh koio-ico jurnsazü dai-zai-fn-ni 
todome-oki-te sei-si fuku-si go-nin-no mono-wo J^ ^^ gen- 



Jq2 Pfizmaier. 

dziü-ni utsi-kcikomi-te mesi-udo-no gotoku-ni site kama-kuva 
sasi-fe dn-fasseri. Kore-viade iahi-tahi si-sia-to na-nori-te tsi-n 
fii-to-wo xagurnsivie an-nai-xvo joku slri-te sika-u-site kio-nen-no 
/"J" ^ 3l^ sm-rai-se-si koto nare-ba kono tabi-xca sono 
kokoro-site kib-to-ni-ica irarezü jama-zaki-jori woka-ja dai-go-wo 
fete kuan-to-je omomukasimu tö-tsiü sara-ni ju-dan-naku waza-to 
mitsi-sügara-ni fi-wo kasanete onazi-ku fatsl-guatsü kavia-kura-no 
Im^ fu-ni tsüki-ni-keri. 

Nachdem man in Eile nach Kama-kura berichtet hatte, 
stellte mau an dem Orte Nachforschungen an und befahl, die 
Sachen abzuliefern. Da die in dem Schiffe befindlichen Men- 
schen;, wie sich bei allseitiger Durchsuchung herausstellte^ 
keine Angriffswaffen , Panzer und Kriegsgeräthe an Bord 
hatten, war es kein Kriegsschiff. Als man indessen ein Ver- 
zeichniss der verschiedenen Geräthe aufnahm und um die Ur- 
sache ihrer Herreise fragte, sagten sie: Dass mau im zehnten 
Monate des vorigen Jahres Kriegsschiffe entsandte und Schilde 
und Lanzen in Bewegung setzte, war eigentlich nicht der 
Wille unseres Kaisers. Weil dieses so geschehen, wurden wii- 
um der Annäherung willen, damit man das bisherige Unrecht 
wieder gut mache, zu dem Rechte zurückkehre und gegen- 
seitig Freundschaft schliesse, zu kaiserlichen Gesandten er- 
nannt und herüber geschickt.' Wir wollen in Kama-kura, wenn 
wir dorthin beschieden werden, das Nähere mündlich vortragen. 

Der stellvertretende Schirmherr verstand dieses, und da 
ein strenger Befehl aus Kama-kura vorhanden war, erlaubte 
er ihren Begleitern nicht, ihnen zu folgen. Er behielt sie in 
dem Sammelhause des grossen Vorgesetzten zurück, liess die 
fünf Gesandten, den richtigen und die zugetheilten , fest ein- 
schliessen und schickte sie gleich Gefangenen in der Richtung 
von Kama-kura fort. Da der Feind bisher öfters unter dem 
Vorgeben, dass er Gesandte schicke, das Land und den Boden 
ausforschen liess, und als er die Wege gut kannte, im Winter 
des vorigen Jahres zum Augriffe schritt, so war man diessmal 
darauf bedacht und liess sie, ohne dass sie die Hauptstadt 
betreten hätten, über vorragende Berghöhen, an Woka-ja und 
Dai-go vorüberziehen und nach dem Kuan-to sich begeben. 
Auf der Reise war man durchaus nicht fahrlässig; man ver- 
brachte absichtlich auf den Wegen Tage um Tage und 



Die Geschichte der Mongoleuangriffe auf Japan. lOO 

gelangte im achten Monate desselben Jahres zu dem Sammel- 
hause von Kama-kura. 

Sippei sagami-no kamt toki-mune saiisuku-)ii mesi-idasi si- 
sai-ioo tadzüne-foioarnru-ni mo-ko-koku hun-hu-krian-no amata-no 
nakct'jori hassüi-se-si sei-si nare-ha sasüga-ni bakii-fn-no J^ 

tvi-ni-mo ^^^ okic-sezü kiramekn ten-no fosi-no yofokri ^6 ^ 

sai-sei-to ivi-narandaru sio-si-uo maje-ivo-mo fabakarazn fS^ fi3^ 
wi-fü db-db-to atari-ico farai mo-ko-uo kib-tai kohu- ich -nn 
^ ^ si-zin -j-^ ^ fciku-m ^^ ^ zin-zio-no ^ ^t 

do-rib-ico nobete mzuro-ni ßto-ivo i^ ^i^ sin-süi-sase koku- 
ici-wo sara-ni usinaicazü mafa icaya kub-koku-ivo :Me ;^ fai- 
ßn-sezü joku kore-ivo ^r j^ tan-jb-site kokka-no an-ki zon- 
hb-no ri-gai-ico nobuvu ben-zefsü-no J^ wi atte koto-ni take- 
karazü. Ari-b ^3 ^ iü-si bu-gib-ra-wa ono-ono Z^ ^^[ 

je-mon-wo ßki-tsükuroi aware S" -^ kun-mei-wo ^k fo-zi- 
tsütsü on-tsukai-wo sen mono-wa kaku-mo ari-tasi-to bakari-ni 
kasira-wo katabuke itto-ni kan-tan-si-taru kokoro-no utsi-iva 
omote-ni sore-to araware-tari. Sikken sono kokoro-ivo ^' 4^ 
sattsi-site omo tokoro-ja ari-ken naka-naka-ni so-ga kotaje-iva 
naku Site Hfl j?^ jWr mon-tsiu-zio-ico kudarase-tsütsü sono 

fi-no Jl^ tsio-wa fate-ni-keri. 

Der Inhaber der Macht, Toki-mune, Statthalter von 
Sagami, rief sie unverzüglich hervor und fragte um ihr An- 
liegen. Da es ein unter den Obrigkeiten des Mongolonreiches, 
denen der Schrift und des Krieges, ausgewählter richtiger Ge- 
sandter war, ward dieser in der That von der Macht des 
Sammelhauses der Zelte nicht eingeschüchtert und zeigte auch 
vor den gleich den funkelnden Sternen des Himmels in Reihen 
stehenden vorzüglichen Männern keine Verlegenlieit. Er drängte 
mit grosser Würde die Menschen zu beiden Seiten weg, legte 
das Mass der äussersten Menschlichkeit, ausgebreiteter Liebe, 
Leutseligkeit und Güte des Königs des mächtigen ]\Iongolen- 
reiches dar und machte unwillkürlich die Herzen der Menschen 
trunken. Die Würde des eigenen Reiches durchaus nicht ausser 
Acht lassend, setzte er auch unser erhabenes Reich nicht bei 
Seite. Er beseufzte und verherrlichte dieses auf geschickte 
Weise und war bei der Macht der Beredtsamkeit, mit der er 
Nutzen und Schaden für die Sicherheit und Gefahr, den Fort- 



154 Pfiz inaier. 

bestand und den Untergang der Reiche und Häuser ausein- 
andersetzte, nicht besonders kühn. Die anwesenden Inhaber 
der Vorsteherämter und die Befehlshaber zupften ein Jeder an 
den Kleidern und dachten sich: O derjenige, der den Befehl 
des Gebieters empfangen hat und die Botschaft ausrichten will, 
möchte ebenfalls so sein! Sie neigten dabei die Häupter seit- 
wärts und bekundeten äusserlich, was in ihren Gedanken, in 
denen sie insgesammt ihn bewundert hatten, vorging. Der In- 
haber der Macht, die Bedeutung dessen erkennend, mochte 
wohl darüber nachzudenken haben. Er hatte keine Antwort 
darauf, und indem er von dem Orte der Fragestellung und Er- 
klärung herabstieg, war die Verhandlung dieses Tages zu Ende. 

Säte mata-no fi ^ ^ sio-si-no men-men jori-atsümari 
fib-gi-ni koso-wa ojohare-kere. Sikken fö-cleo scujami-no kamt 
toki-mune J^ seki-wo utte mbsare-keru-wa X^ "^ kb-zi-wo 
kazatte toku-to ije-domo "^ ^ gen-kb sb-ivi-no i-zoku nare-ha 
sara-ni kio-jo-wo nasu-be-karazü. Sügi-si bun-jei ziü-nen-ni fed- 
rib-ßtsu-to-ka iü mono-wo tsnkai-to gb-site kitarasime-si toki 
kuhi-wo fanu-heki jatsü nare-domo teö-tei-no kan-zin- (kuan-ztn-) 
ni jori koku-icb-ni tsuge-sasen-tote inotsi-wo tasükete kajesi-si 
nari. Sono toki mbsi-ioatase-si-ni-ica kono notsi si-sia-wo okosi- 
na-ba ßtori-mo ikete-wa kajesü-mazi-to kanete sa-ta-ni ojobi- 
oki-si-ni ima-sara toaga knni-tio mei-wo motsl-i-zü si-sia-to na- 
nori-te kitareru-ioa kiraren-tote-no kokoro naru-besi. Sümijaka-ni 
kiibi-too fanete loaga kub-koku-no mei-rei-no tagawazaru-wo 
sirasimemu-to. 

An einem anderen Tage versammelten sich sämmtliche 
Vorsteher und mochten sich nur auf die Berathung beschrän- 
ken. Der Inhaber der Macht, Toki-mune von dem Geschlechte 
F6-de6, Statthalter von Sagaini, schlug den Teppich und 
sprach: Sie schmücken ihre Rede zwar kunstvoll aus und er- 
klären die Sache; doch da es fremde Räuber sind, deren 
Worte und Handlungen einander widersprechen, darf man 
durchaus keine Zugeständnisse machen. Als man im zehnten 
Jahre des vergangenen Zeitraumes Bun-jei einen gewissen 
Tschao-liang-pe für einen Gesandten ausgab und hier ankom- 
men Hess, schenkte man ihm, obgleich es ein Sclave war, dessen 
Haupt man hätte abschlagen sollen, in Folge der Grossmuth 
und Menschlichkeit der Vorhalle des Hofes, um ihn dem 



l 



Die üoBchichte der Mongolenangriffe auf Japan. 155 

Könige seines Reiches die Meldung bringen zu lassen, das 
Leben und schickte ihn zurück. Um die Zeit gab man be- 
kannt: Wenn man von nun an Gesandte schickt, wird man 
keinen einzigen lebend zurückkehren lassen. Sie waren früher 
davon verstcändigt. Da jedoch jetzt wieder, ohne der Befehle 
unseres Reiches zu achten, vorgebliche Gesandte kommen, so 
werden sie Lust haben, sich enthaupten zu lassen. Man wird 
ihnen schnell das Haupt abschlagen und zu wissen thun, dass 
man den Befehlen unseres erhabenen Reiches nicht zuwider 
handelt. 

Mosare-kere-ha ka-fan rtmsasi-no kamt josi-masa-ioo fazime- 

to Site hu-gio to-nin fio-dzio-siü tare-ka-wa i-gi-ni ojobu-beki 

ri-no to-zen-wa iü made-mo arane-ba kono mune-wo sib-gun-ke-je 

fi-rö-site gen-dzi guan-nen kiü-guatsü nami-ka tsiü-sü tai-fu 

rei-bu zi-ro fo-sei-tsiü fo-kun ßb-bu zi-rb ka-bim-tsio kei-gi 

|EJ ^ ui-id san-to ro-tei sio-zib-kuan J^ Ä kun-ici-koku-no 

fito -S& kua kb-rai toosa 7-ib-sib zio-san-ra-no go-nin-ico tatsü- 

110 kutsi-ni ßki-idasi-te zan-zai-si ju-ioi-ga fama-ni kake tsüranete 

sü-zitsü-no aida sarasare-si-ioa Uagijo-kari-si koto-domo nari. 

Sate-mo da-zai-fn-ni fodome-okare-taru mö-ko-no si-setsü-no zijü- 

sotsü-wa sono tokoro-ni oi-te zan-zai-sü-beku kama-hira-jori ge- 

dzi ari-kere-ba otsi-mo naku mesi-tori-te nokarazu kitte süte-farl- 

keri. So-ga naka-ni ika-ga site kaknre-wi-tari-ken kb-rai-no seo-ko 

zib-sa-wo fazime-to site si-nin nomi fodo-fete fon-goku-je nige- 

kajeri-si-wa inotsi-mib-ga-no jatsü-bara nari-keri. 

Nachdem er dieses gesagt, gaben, von dem das Siegel 
aufdrückenden Josi-masa, Statthalter von Musasi, angefangen, 
die Befehlshaber und Häupter, die berathenden und entschei- 
denden Älänner, da Niemand etwas Gegründetes zu Gunsten 
einer verschiedenen Meinung aussprach, diesen Beschluss dem 
Feldherrnhause bekannt. Am siebenten Tage des neunten 
Monates des ersten Jahres des Zeitraumes Ken-dzi (1275 
n. Chr.) führte man fünf Menschen: den Grossen des Nothweu- 
digen der Mitte, den aufwartenden Leibwächter von der Abthei- 
lung der Gebräuche, Tu-schi-tschung; den die Belehrung bietenden 
aufwartenden Leibwärter von der Abtheihmgder Waffen, Ho-wen- 
tschü; den Angestellten der Berathungen, Lu-tiug von Hoei- 
hoei-san-tu; den Angestellten für die Briefe, Ko, der ein Mensch 
<les Reiches lliün-wei, und Liang-tsiang-siü-tsan, Dolmetscher 



\l){] Pfizmaier. 

von K6-rai, zu dem Munde des Drachen hinaus und enthaup- 
tete sie. Man hängte an dem Ufer Ju-wi Ihre Häupter reihen- 
weise an Bäume und stellte sie durch mehrere Tage zur vSchau. 
Dieses sind Dinge, die völlig klar geworden. 

Die in dem Sammelhause des grossen Vorgesetzten 
zurückbehaltenen Begleiter der mongolischen Gesandtschaft 
wurden an diesem Orte, da man aus Kama-kura die Weisung 
hatte, sie zu enthaupten, unverzüglich ergriffen und ohne Aus- 
nahme hingerichtet. Unter diesen retteten blos vier Menschen, 
voran der Rudermeister 8iao-kung-schaug-tso aus K6-rai, die, 
auf irgend welche Weise versteckt geblieben, nach einiger 
Zeit in ihr Heimatland zurückflohen, durch dunkle Hilfe ihr 
Leben. 

Es werdeu uoclimals Gesandte enthauptet. 

Sate-mo mo-ko-nite-ioa to-sei-tsiu-ra-no toaga kuni-nite 
kirare-si koto-ivo tsüju sirazü sono oto-dzüre-no naki koto-wo ito 
ajasi-mi-tsütsn. Tsiiki-fi-ivo oknri sei-zb ojoso roku-nen-wo fete 
ko-an nt-nen-ni nan-kere-ha sio-gun ^ ^ ka-ki >^g^ ^ j^ 
fan-hun-ko-ra ^ ^ kuai-gi-site iioaka saki-no tosi to-sei- 
tsiü-wo tsükai-to site nippon-je jukasimt-si-ni süde-nl roku-nen-no 
sei-zo-wo fe-tari ika-nare-ba sono oto-dzüre-no naki jaran koto-ni 
ajasi-ku omo narl. Mala seo-koku tote anadoru-he-karazü tai- 
koku tote tnnonm-be-karazü ikusa-no sto-fai-ioa gb-oku kua-fu- 
kua-no aida-ni ari-te kuni-no dai-seo-ni-wa joru-he-karazn. hna 
nifjpon-ico beö-san-süru-ni tai-koku-ni-wa arane-domo sono j^ ^ 
sei-sitsü gb-jü-ni site sika-mo J^ i^ nin-sin — • 5pD ikkua-seri. 
J^ ;g, so-kotHÜ-ni ^ Ig sb-to-ni ojohi-na-ha ^ ^ tai- 
fai-wo maneku-hesi. Ima itsi-do tsükai-ioo tatete sono jb-sü-xoo 
vkagmcasime to-sei-tsin-no an-pi-wo siri katsü fodo-joku ^ ^ 
ki-kua-sesimemu-ni-wa sikazii-to ßb-gi-site j^ jpg siü-fuku 
^^ 1^ "3fc ran-tsin-kuh-to ijeru ni-nin-no mono-wo si-sia-to 
site heisü-ni ^ ^ rei-kua-to iü ^ sö-wo sasi-sojete mata- 
rnaia teo-zib-wo motase-fmtsü fon-goku-ico sin-bassert. 

Bei den Mongolen wusste man nicht das Geringste, dass 
Tu-schi-tschung und die Anderen in unserem Reiche enthauptet 
wurden, und man wunderte sich sehr, dass man von ihnen 
nichts hörte. Mau gab das Geleite Monaten und Tagen, und 



Die Geschichte der Mongolenangritfe auf Japan. 15/ 

als man im Ganzen sechs Jahre Zeit verbracht hatte und es 
das zweite Jahr des Zeitraumes K6-an (1279 n. Chr.) gewor- 
den war, kamen die Heerführer Hia-kuei und Fan-wen-hu zu 
einer Berathung zusammen und sprachen: In einem früheren 
Jahre ernannte man Tu-schi-tschung' zum Gesandten und Hess 
ihn nach Nippon gehen. Seitdem hat man bereits sechs Jahre 
Zeit verbracht. Dass man keine Nachricht hat^ wie es um ihn 
steht, muss man für sehr sonderbar halten. Auch darf man 
ein kleines Reich nicht verachten, auf ein grosses Reich darf 
man sich nicht verlassen. Sieg oder Niederlage eines Heeres 
liegt zwischen Kraft oder Feigheit, Einmüthigkeit oder Nicht- 
einmüthigkeit, auf die Grösse oder Kleinheit des Reiches 
kommt es nicht an. Wenn man jetzt Nippon in den Kriegs- 
sachen zählt ^ so ist es zwar kein grosses Reich, doch sein 
Sinn ist stark und muthig, und es hat auch die Herzen der 
Menschen einmüthig gemacht. Wenn man auf rohe Weise sich 
in Kampf und Streit einlässt, kann man eine grosse Niederlage 
herbeiführen. Das Beste ist, dass man jetzt einmal einen Ge- 
sandten bestellt, die Verhältnisse beobachten lässt, über das 
Befinden Tu-schi-tschung's sich Gewissheit verschafft und einst- 
weilen so gut als möglich bewirkt, dass jenes Land sich den 
Verwandlungen zuwende. — Auf diesen Rath ernannte man 
zwei Männer, Namens Tscheu-fö und Luan-tschin-kuaug, zu 
Gesandten und gesellte zu ihnen einen Bonzen Namens Ling-ko. 
Man gab ihnen wiederholt Briefe mit und liess sie von ihrem 
Heimatlande aufbrechen. 

Säte kama-kura-ni-ioa mo-ko-no si-sia to-sei-tsiü-ra go- 
nin-no mona-wo zan-zai-site ten-ka-ni mei-rei-ico kudasarete 
iivaku si-sia-to gb-si idzuku-no ura minn-to-ni to-rai-sü-to-mo 
sHmijaka-ni ike-dori-te sono tokoro-ni tatte zan-zai keo-siü-sü- 
heki mune koto-sara-ni ^^ ^ jen-kai-no siü-go dzi-to-je nen- 
tüo iri-te sa-ta-si okare-si koto nare-ba kano si-sia-no funefakn- 
ta-no tsil-ni tsükii-to ßtosi-ku sono ^ -^ zi-ken-no ze-ß-ico 
toivazü 1^ nan-naku kore-tco ike-dori nokorazü zan-zai-si-tari- 
keri. Köre sünaivatsi ko-an ni-nen roku-guatsü ni-ziü-go-nitsi-no 
koto nari-keri. Ini-si-tosi-no ran-bh-jori nikumi-nikumi-si kiini- 
hito-ra kiki-tsutaje-tstitaje en-kin-ioo iwazü tsüdoi-k Hatte kore-ico 
miru mono ^ to-no gotoku ana-kokotsi-joki koto nari-to 
aikken-HO ge)i-mei-uo siö-bi-senu mono koso na-kari-kere. 



158 Pfizmaier. 

Nachdem man in Kama-kura fünf mongolische Gesandte, 
unter ihnen Tu-schi-tschung-, enthauptet hatte, Hess man in 
dem ganzen Keiche den Befehl herabgelangen: Wenn Menschen 
sich für Gesandte ausgeben und in welcher Bucht oder in 
welchem Hafen immer ankommen, möge uian sie schnell ge- 
fangen nehmen, an Ort und Stelle sogleich enthaupten und 
ihre Häupter auf Bäume hängen. Da dieser Beschluss vor- 
nehmlich den Schirmherren und Häuptern des Bodens an den 
Wasserstrassen des Meeres in Erinnerung gebracht und zur 
Kenntniss zurückgelassen wurde, nahm man, sobald das Schiff 
jener Gesandten in dem Fahrwasser von Faka-ta ankam, ohne 
zu fragen, ob die Sache recht oder unrecht, unbedenklich diese 
Menschen gefangen und enthauptete sie ohne Ausnahme. Dieses 
geschah am fünfundzwanzigsten Tage des sechsten Monates 
des zweiten Jahres des Zeitraumes K6-an (1279 n. Chr.). Die 
Menschen des Reiches, wegen des Unwesens der früheren 
Jahre stark erbittert, kamen, als dieses weiter verlautete, von 
nahe und fern in Scharen herbei und die Zuschauer waren 
gleich Ringmauern. Sie waren sehr darüber erfreut, hiessen es 
gut, und Niemand mochte sein, der nicht den strengen Befehl 
des Inhabers der Gewalt gepriesen hätte. 

Kaku-te akure-ha ko-an san-nen mo-ko-nite-ica to-sei-tsiü~ 
ivo fazime-to Site rih-do-no si-sia zijn-sofsü seo-ko nokorl-naku 
zan-zai-serare-si koto-no josi~ico fazlmete sore-to kiki-tsütajete 
kin-lo su-kiü-no rih-nin ^l ^ botsü-zen-to site ikatte hvaku 
sen-nen nippon-ivo seme-utsi-si foki i-ki tsmi-ona-wo fazime-to si 
sio-fb-no ikusa-ni taiakai-makete odzi-osore-taru koto-ivo ivasürete 
fosi-i-mama-ni icagci kuni-no tsioku-si-ioo kiri-si J<i-kuai-sa-jo. 
Bh-fu-u-no ivazcnoai-ni ai tctsi-nokosi-si koso ^ '|^ xoi-kan 
nare fnta-tahi ictte-ivo kbmura-ba kono kuni-ico sei-hassi sono 
keö-gb-tco omoi-sirase knh-tei-no i& t^S sen-sio-ico j^ fai-si 
kono ikari-wo scm-sü-hesi-to Ijjj^ ^ '^ sei-tö-si-ico-zo koi-ni- 
keiii. Mo-ko-xch kore-ico kiki-te o-oki-ni ikari ide sara-ha kono 
nje-tva nipjyon-tsm-rco utsi-sitagaje icaga zoku-koku-ni nasi-ten-to 
kokoro-ira fajarl-tattare-domo kio-nen si-gen ziü-roku-nen si- 
Jioku-jo-siii-uo ^ Mt^ to-gio-site itsi-ziü-fatsi-dai san-ßaku-ni- 
ziü-jo-nen-no fisaki-ivo tamotsi-taru so-tei fei-no ikusa-wo gai- 
san-ni ntsl-jahutte tei-too umi-ni oborasime so-no sia-sioku-wo 
sara-ni tatai itto-no ko-wo nasi-si-ka-ba kun-sin ßaku-sei kuan- 



^ Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. lo9 

ki-site fazimete an-dono omoi-ni ^^ isiu-si ije-ije-ni gjb ^^ 
ko-hu-süru ivori-ni ma-mo naku fei-kaku-wo okosi-te kai-kuai-no 
kuni-wo sei-bassen koto ika-ga aramu-to tamerai-te ß Juki fsüki 
kitari. 

Im nächsten Jahre, dem dritten des Zeitraumes K6-an 
(1280 n. Chr.) verlautete bei den Mong-olen zum ersten 
Male mit Gewissheit, dass beide Male die Gesandten, voran 
Tu-schi-tschung;, ohne dass man die Begleiter und den Ruder- 
meister verschont hätte, enthauptet wurden. Hin-tu und Tscha- 
khieu geriethen in Wuth uud riefen: O der Abscheulichkeit! 
Man hat vergessen, dass in früheren Jahren, zur Zeit, als Avir 
Nippon angriffen, man mit den Heeren sämmtlicher Gegenden, 
Iki und Tsusi-ma voran, in dem Kampfe besiegt, von banger 
Furcht befallen wurde und hat willküi-lich die kaiserlichen 
Gesandten unseres Reiches enthauptet! Es sei nur der hinter- 
lassene Groll, dass wir, von dem Unheil des Sturmwindes und 
Regens betroffen, sie bei dem Tödten übrig gelassen haben! 
Wenn wir ein zweites Mal den Auftrag für die Bezwing-uno; 
erhalten, werden wir jenes Reich erobern, seinen Hochmuth 
zur Kenntniss nehmen, den angemassten Kaisertitel abschaffen 
und diesen Zorn ausschütten. — Er bat um die Stelle eines 
Abgesandten für die Eroberungen im Osten. 

Als der Mongolenkönig dieses hörte, gerieth er in hefti- 
gen Zorn und rief: Wohlan! wenn es so ist, werde ich über- 
diess Nippon bis in sein Inneres unterwerfen und es zu meinem 
abhängigen Reiche machen ! — Sein Sinn brauste zwar auf, 
allein im vergangenen Jahre, dem sechzehnten des Zeitraumes 
Tschi-yuen, hatte er mehr als vierhundert Landstriche unter 
seiner Herrschaft, er hatte das Heer Ping's, Kaisers des durch 
achtzehn Geschlechtsalter und dreihundert zwanzig Jahre be- 
standenen Sung, an dem Berge Yai geschlagen, den Kaiser in 
dem Meere ertrinken lassen, die Landesgötter von Sung gänz- 
lich vernichtet und vollständige Verdienste zu Wege gebracht. 
Es waren dann Gebieter und Diener, die hundert Geschlechter 
voll Freude, sie weilten zum ersten Male bei dem Gedanken 
dei- Ruhe, in den Häusern trommelte man und tanzte. Wie 
hätte um diese Zeit allsogleich das Erheben von Angriffswaffen 
und Lederpanzern, die Eroberung eines Reiches jenseits der 



1 nO Pfiz maier, 

Meere bevorstehen sollen? Bei Unschlüssigkeit vergingen Tage, 
kamen Monde. 



Go-guatsü-ni-mo nari-kere-ba y& ja fsi-jn-no gim-sin-tco 
mesi-tsiidoje ßo-gi-wo-zo itasi-kern. Kann ^^ ^B fi-rui-narn 
so-no gotoku ^^ ^^ ziü-ziaku-naru nij)pon-ni arane-ba kono 
tabi-no ikxhsa-ni-ion joku-joku fakari-goto-wo megurasi-te ijA ^s 
fissib-iüo Jen koto-ico koko-ni gi-süru koso jokan-mere tote toki- 
toki-ni kiiai-gi-site sono tosi-mo faja m ^^ tsid-sm-no fatsi- 
guatsü nari-kere-ba mo-ko-ub kofßtsü-retsü sikiri-ni fara-datsi 
ini-si faru ni-guatsü-ni ko-rai-wo siün-ga longa ^ mijako-je 
nobori-kite so-mon-se-si koto-mo aru-ni tsi-tsi-se-ba vM oku- 
seri-to warawaren nippon-ioa ko-zima nari fatoi bu-jü-no kuni 
nari-to-mo nani-fodo-no koto-ga aru-beki-to u-zio-sib a-si-kan-tvo 
gen-süwi-to si u-zio fan-bun-ko-wo kore-ni soje kin-to ko-sa-kiü- 
lüo fuku-sib-to si sen-fo-tvo-zo mei-zi-keru. Si-nin-tva mei-wo 
iikete tsütsüsinde kasikomarl ^^ |ij- fai-sia-site maje-wo tatst 
madzu i^ j|^ sen-kan ^ ^^ sei-zb-ico isogasi-tate jrmii-ja 
ken-geki-KO jö-i-si gim-sotsü-wo fsünori-motomete jo-i-ni itoma- 
na-kari-keri. 

Als es im fünften Monate des Jahres war, versammelte 
er die verständigen und muthigen Diener und hielt eine Be- 
rathung. Da es nicht das gleich jenem schwindsüchtigen Sung 
gebrechliche und schwache Nippon war, Hess man für den 
diessmaligen Feldzug sorgfältig die Entwürfe umhergehen, und 
um hier gute Anordnungen für die Erlangung eines gewissen 
Sieges zu ti-effen, versammelte man sich von Zeit zu Zeit zur 
liJerathung. Als es bereits der achte Monat des Jahres um die 
Mitte des Herbstes geworden war, war der Mongolenkönig 
Koffitsrets fortwährend ärgerlich und sprach: Als in einem 
vergangenen Frühlinge, im zweiten Monate des Jahres, Schün, 
König von Ivo-rai, in meine Hauptstadt kam und etwas an dem 
Hofe zu melden hatte, wäre es, wenn ich zögerte, lächerlich 
gewesen zu sagen, dass ich mich fürchte. Nippon ist eine 
kleine Insel. Gesetzt, es ist ein kriegerisches Koich, von wel- 
chem Belange kann dieses sein? 

Er (irnaiinto den Reichsgehilfen zur Hechten, ()-thsi-han, 
zum ersten Anführer und gesellte den Gehilfen zur Rechten, 
Fau-wen-hu, ihm bei. Hin-tu und Ilung-tscha-khicu ernannte 



Die GeBchichte der MongolenangrifFa auf Japan. 161 

er zu zugetlieilten Anführern und befahl ihnen die Bildung 
der vordersten Spitzen. Die vier Männer empfingen den Befehl, 
gehorchten ehrerbietig und bedankten sich. Sie traten vor, be- 
trieben zuerst in Eile den Bau der Kriegsschiffe und setzten 
Bogen und Pfeile, Schwerter und Lanzen in Stand. Sie sam- 
melten die Krieger des Heeres und Hessen sich bei den Vor- 
bereitungen nicht Zeit. 

Die Mongolen rüsten ein grosses Kriegsheer aus. 

Kore-jori sahi him-jei ziü-itsi-nen-ni kbrai-wb tsioku sokkio- 
seri. Sono ko-ivo 'pi^ zin-to iü kurai-wo ai-tsüi-de koku-wo-ni-zo 
nari-keru. Zin notsi-ni Q^ siün-to na-ico aratame-keri. Sate- 
mo bun-jei san-nen-ni mo-ko-koku-no si-setsü fazimete ko-rai-ni 
kitari-si-jori kore-made mitsü-mitsü-ni ^^ ]^ tsü-sib-site 
r "T\ zib-ge-no tajori-no jo-kari-si-mo sono zi-ken-no mö-ko- 
wb-ni more-nan koto-wo indzi-ku osorete kihisi-ku sei-kin-sesime- 
tari. Kakuri-si fodo-ni sono notsi-wa nani-to naku sono nakarai- 
no uto-utosi-ku nari-kere-ha sai-koku-gata-no »-F B^ kan-min-ra 
tcori-wo je-tari-to mbsi-awasete kb-rai-no ^Mt j^ fen-kai-ni osi- 
watari min-oku-wo jaki -^ -^ si-zio-ico kasüme sai-fo-wo 
ubai nado-sü sono koto tahi-tahi-ni ojohi-keri. Saru ju-e-ni kb- 
rai-ivb siün fukaku kore-wo nikumi-ikari mo-ko-no tsikara-ioo 
kari-motsi-i sono gai-ico nogaren-to-ja omoi-ken ko-an san-nen 
ni-guatsü mö-ko-ni-zo itari-keru. Koffitsü-retsü-ni mijete iwaku 
tai-koku-no tsioku-si-wo-ba S. jf^ sai-o-made korosi-si-wa keo- 
man fi-gi iü-mo sara-nari nikumu-beki koto-ni sbrb. Kon-do tai- 
gun-wo okosi kore-wo sei-bassi-tamawa-ba kanete sono j^ tsi-wo 
^ii -^ ziüku-tsi-naru kin-to sa-kiü-no rib-sib-wo site gap'po- 
jori siüppan-nasasime u-zio fan-bun-kowo dai-gen-süi-to nasi- 
tamai-te kb-nan-jori sin-bassi ai-tomo-ni i-ki-no sima-ni kaai-gb- 
site sügu-ni süsiinde ptj ^ tsiü-to-ni seme-ira-ba kanarazü 
siö-ri-iüo u-beki näri kaku fakarai-tamaje-kasi'to S[ "^ gu7i- 
saku-wo nobe-kere-ba mö-ko-icb sio-daku-site sono kokoro-zasi-wo 
o-oki-ni jorokobi sono fakari-goto-ni sitagb-besi-tote sore-sore-ni 
^P iS kib-ö-site kajesi-keri. 

Vor diesem, im eilften Jahre des Zeitraumes Bun-jei 
(1274 n. Chr.), starb Tschi, König von Kö-rai. Sein Sohn Schin 
setzte die Rangstufe fort und wurde der König des Reiches. 

Sitzuugsber. d. phil.-hist. Cl. XXVI. Bd. II. Hft. 11 



162 , Pfizmaier. 

Nach Schin erneuerte Schün den Namen. Seit in dem dritten 
Jahre des Zeitraumes Bun-jei (1266 n. Chr.) zum ersten Male 
eine Gesandtschaft des Mongolenreiches nach K6-rai g-ekommen, 
war der Verkehr (mit Japan) durch Kaufleute, der bisher ge- 
heim gewesen, ein grosser Nutzen für Höhere und Niedere. 
Da man sehr befürchtete, dass diese Sache dem Mongolen- 
könige verrathen werden könne, Hess man ihn streng ver- 
bieten. Während dieses so war, trat später ohne Ursache an 
die Stelle dieser freundschaftlichen Beziehungen Entfremdung. 
Einige ruchlose Menschen der westlichen Reiche sagten unter 
einander, dass sie die rechte Zeit getroffen hätten. Sie schiff- 
ten zu den Küsten von K6-rai hinüber, verbrannten die Häuser 
des Volkes, führten Söhne und Töchter weg und raubten Kost- 
bai'keiten. Dieses geschah mehrere Male. Schün. König von 
K6-rai, entbrannte desshalb in tiefem Hass und Zorn und 
mochte glauben, dass er durch die Hilfe der Mongolen diesem 
Nachtheil entkommen werde. Im zweiten Monate des dritten 
Jahres des Zeitraumes K6-an (1280 n. Chr.) kam er bei den 
Mongolen an. Er erschien vor Koffitsrets und sprach: Dass 
man zweimal die kaiserlichen Gresandten des grossen Reiches 
getödtet hat, diesen Uebermuth und diese Ungerechtigkeit aus- 
zusprechen ist überflüssig. Es ist eine verabscheuungswürdige 
Sache. Wenn der Kaiser diessmal ein gi'osses Heer ausrüstet 
und dieses Reich erobert, möge er früher die beiden Anführer 
Hin-tu und Tscha-khieu, welche das Land genau kennen, von 
Hö-pu absegeln lassen. Möge er den Zugetheilten zur Rechten, 
Fan-wen-hu, zum grossen ersten Anführer ernennen und ihn 
von Kiang-nan hervorbrechen lassen. Wenn Alle zugleich sich 
bei der Insel Iki vereinigen, geraden Weges vorrücken und 
angreifend in die mittlere Hauptstadt dringen, werden sie 
gewiss den Sieg erlangen. Möchte der Kaiser es so einrichten! 

Mit diesen Worten reichte er den Kriegsplan hin. Der 
Mongolenkönig willigte ein und freute sich sehr über dieses 
Vorhaben. Er sagte, dass er diesen Plan befolgen werde. Er 
bewirthete die Gäste einzeln und Hess sie zurückkehren. 

Mata tsiiki-tüo fete kh-rai-jori sio-kan-ivo motte mö-ko-ni 
tsüge-okuri-si-wa seö-koku sude-ni fih-sen-wo sonaje ku-fiakxt-sd- 
wa zio-ziit-si-nu. Gun-zei itsi-man-nin seo-ko ka-ko itsi-man go- 
sen-nin jö-i siüttai-si-naru uje-wa isogi sen-fo-no fuku-sib-tatsi 



Die Geschichte der Mongoleuangriffe auf Japan. 163 

fajaku siutsü-dzin arare-nan rei-nen go-guafsü rokit-giiatsü koro- 
ni-wa naga-ame fnri-tsüdzüki-fe sike o-okii sükosi nisi-kaze fuki- 
nure-ha umi-dzi kiri kurb-süe watari-gatasi. Sono i-zen-ni 
;|p[ J^ kb-kai-sezü-wa asi-karu-hesi. Mata siütsü-dzin-wo mei- 
ze-si uje-nite siütsü-dzin tsi-tai-ni ojohi-te-ica ßb-rb-to-mo tari- 
gatasi. Idzüre-no mitsi-ni-mo ^ j^ tsi-knan-naku isogi sono 
kuni-ivo sin-hassi-tamawan koto ri-un aru-heku soroican-to-zo 
mbsi-keru. Sare-do sono tosi-mo kure-fatete akure-ha si-nen sei- 
guatsü-ni u-zio-sib a-si-kan u-zio fan-bun-ko ojohi kin-to sa-kiü- 
ra-ni sen-kan-to-no jo-i siMfai-si-na-ba fajaku siütsü-dzin-sü-hesi- 
to-zo mei-zi-keru. 

Es verging- noch ein Monat, als man aus Kö-rai ein 
Schreiben an die Mongolen schickte und Folgendes meldete : 
Das kleine Reich hat bereits die Kriegsschiffe in Stand gesetzt 
und deren neunhundert zusammengebracht. Die Ausrüstung 
von zehntausend Kriegsleuten, zehntausend fünfhundert Ruder- 
meistern und Schiffleuten ist vollendet, überdiess werden die 
zugetheilten Anführer der vordersten Spitzen in Eile bald aus 
dem Lager rücken. In gewöhnlichen Jahren fällt um die Zeit 
des fünften und sechsten Monats fortwährend lano-wierio-er 
Regen. Wenn bei vielem Erdregen ein wenig Westwind ge- 
weht hat, ist der Seeweg von Kebeln verfinstert und die Ueber- 
fahrt ist unmöglich. Wenn man nicht früher, als dieses geschieht, 
das Meer beschifft, wird es schlecht ausfallen. Wenn man 
ferner die Ausrückung aus dem Lager befohlen hat und die 
Ausrückung aus dem Lager eine Verzögerung erleidet, so 
können die Mundvorräthe nicht genügen. Es wird von Nutzen 
sein, dass der Kaiser, auf welchem Wege immer, ohne Zögern 
in Eile gegen dieses Reich vordringt. 

Indessen ging auch dieses Jahr seinem Ende zu. In dem 
folgenden, im ersten Monate des vierten Jahres desselben 
Zeitraumes (1281 n. Chr.), wurde dem Reichsgehilfen zur 
Rechten, 0-thse-han, dem Zugetheilten zur Rechten, Fan- 
wen-hu, sowie Hin-tu und Tscha-khieu befohlen, wenn die 
Ausrüstung der Schiffe vollendet sein würde, schnell aus dem 
Lager zu rücken. 

Kakari-si fodo-ni isogasi-fatete jö-i-ico nasi ni-guatsü-no 
naka-gnro-ni ijo-ijo siutsü-dzm-sü-bes-i tote itoma-goi-no tnme-to 
site ^ ^ san-den-site wb~ni ^ ^ fai-jessüre-ha kofßtsü- 

11* 



1 n4 Pfizmaier. 

retsü aratamete mei-zite iwaku fazime ivaga sio-ziö-ico niotasime 
si-setsü-wo tsulcmoasü-to ije-domo sara-ni itsi-gon-no i^ ^£ 
fh-sio-ioo ^ tei-sezü amassaje waga isulcai-wo kano tsi-ni 
todomete kojesi-vio jarazü korosi-si koto-domo nikumi-te-mo nawo 
nikumi-tsü-hesi. Ju-e-ni ima nandzira-ni g-^ takii-site sono 
^jK .^ fu-tei-ico /C\f sei-süru nari. Tsütsüsinde ö^ ^^ giin- 
jaku-ico tsütome-jo. Ko-zin-no ^' go-ni iicaku fito-no kokka- 
wo wm koto-wa fo-tsi zin-min-ico tomo-ni je-tsü-besi. Mosi zin- 
min-iüo korosi-tsukusa-ha itadzüra-ni to-tsi-ioo u-to-mo köre fu- 
j6-no -^ Mn tsib-butto ijeri nandzi-ra kono go-ioo wasürnru 
koto na-kare sono kuni-ivo seme-tori-te sono koku-siü-ico jakko- 
to nasü tote-mo sono fito-dane-wo tsükusi-te-tva sünawatsi fu- 
jö-no mono nare-ha to-tsi-to fito-to-wo tomo-ni jete tcaga zoku- 
koku-to sen koto-wo kokoro-ni kakete tsütomu-besi. Mala koko-ni 
itsi-dai-zi ari fukaku ivaga ure-uru-iva nandzi-ra jen-kai-no 
ikusa-ni utsi-katte sono ikiwoi fa-tsiku-no gotokn süsünde wo-no 
mijako-ni seme-iran-ni kare-jori iva-boku-ico ko koto ara-ba 
kanarazü kuai-gi-ni ojobu-besi. Sono toki ~n\ ko-wo arasoicazü 
kokoro-gokoro-ni narazii-site fitori-no kokoro-ni idzüru-ga gotoku 
kano kuni-bito-ni j]|| ^^ 6-tai-su-besi. Sono setsü nandzi-ra-ga 
gi-süm tokoro matsi-matsi-taran-ioa j^ ^^ koku-zioku-no dai- 
itsi-to i-i-tsü-besi. Kono rib-deo-wo jume wasüru-be-karazü gun- 
gi-ni itatte-wa sih-gun-ni makasü tsütome-jo-ja-to mei-zi-kere-ba 
a-si-kan-ra-wo fazime-to site itto-ni tsütsüsinde W] a^ tsioku-ju 
joku-joku -^ ^k rib-zib-tsükamatsüri-sbrai-nu ikan-zo bb- 
sissü-be-ken-ja. Jume-jame ^5 mi^ sei-rio-ioo rb-süru koto naku 
gai-dzin-no toki-wo matsi-tamaje-to kotaje-tsütsü wb-no maje- 
wo-zo ide-ni-keru. 

Unter solchen Umständen richteten sie in Eile her und 
trafen die Vorbereitungen. Um die Mitte des zweiten Monats 
sagten sie, dass sie aus dem Lager rücken könnten. Sie be- 
gaben sich, um Abschied zu nehmen, in die Vorhalle und 
verbeugten sich vor dem Könige. Koffitsrets ertheilte ihnen 
von Neuem den Befehl, indem er sprach: Dass, obgleich ich 
ein Schreiben mitgegeben und eine Gesandtschaft geschickt 
habe, man nicht einmal ein Antwortschreiben von einem ein- 
zigen Worte zum Vorschein brachte, überdiess meine Ge- 
sandten in jenem Lande zurückbehielt und, ohne sie zurück- 
zuschicken, sie tödtete, diese Dinge muss ich vei'abscheuen 



Die Geschichte der Mongolenangriflfe auf Japan. 1()Ö 

und abermals verabscheuen. Desswegen vertraue ich es euch 
jetzt an und strafe diese Ung-ereclitig-keit durch Eroberung. 
Achtet darauf und lasset euch den Kriegsdienst angelegen 
sein! In den Worten der Menschen des Alterthums heisst es: 
Um Reich und Haus der Menschen zu erlangen, inuss man 
Land und Boden und die Menschen des V^olkes zugleich er- 
langen. Wenn man die Menschen des Volkes insgesumnit 
tödtet, mag man eitler Weise Land und Boden erlangen, es 
sind diess unbrauchbare immerwährende Dinge. Vergesset 
diese Worte nicht. Ihr möget immerhin dieses Reich erobern, 
den Gebieter des Reiches zum Sclaven machen, da es, wenn 
ihr die Menschen gänzlich aufreibet, unbrauchbare Dinge sind, 
so müsset ihr euer Herz daran hängen, dass ihr Land und 
Boden und die Menschen zugleich erlanget, sie zu meinem ab- 
hängigen Reiche machet, und es euch angelegen sein lassen. 
Ferner gibt es hier etwas Wichtiges. Um was ich tief be- 
kümmert bin, ist dieses: Wenn ihr mit dem auf dem See- 
wege schiffenden Kriegsheere sieget, wenn diese Macht, als ob 
sie Bambusse zersplitterte, vorschreitet und angreifend in die 
Hauptstadt des Königs dringt, dann von Seite des Königs um 
Frieden gebeten wird, muss gewiss eine Zusammenkunft und 
Berathung stattfinden. Um die Zeit müsset ihr, ohne um die 
Verdienste zu streiten, nicht vielerlei Sinnes, sondern, als ob 
ihr von einem einzigen Gedanken ausginget, den Menschen 
jenes Reiches begegnen. Wo eure Meinungen auseinander gehen 
werd^, muss die Ehre des Reiches das erste genannt werden. 
Diese zwei Dinge dürfet ihr bei Leibe nicht vergessen. Was 
den Feldzugsplan betrifft, so überlasse ich ihn den Heer- 
führern. Lasset es euch angelegen sein ! 

Von 0-thsi-han angefangen, antworteten Alle ehrerbietig: 
Wir sind dem kaiserlichen Befehle sorgfältig nachgekommen, 
wie sollten wir ihn vergessen können? Ohne im Geringsten 
die höchstweisen Gedanken abzumühen, möge der Kaiser auf 
die Zeit des Triumphes warten. — Mit diesen Wortei'i ver- 
liessen sie den König. 

Süde-ni sin-hassen-to süru-ni nozonde san-gi ^e ^ ^^ 

ß-koku-sa-to iü mono sö-site iwakii saki-no fodo gun-gi-ioo tate-si 

toki kin-to m-kiü-wa kh-rai-no kin-siü-ni itari u-ziö fan-bun-ko- 

ra-ica kh-nan-jori siütsu-dzin-si i-ki-no sima-ni '^ ^ kuai- 



!()(> Pfizmaier. 

sm-si sore-jori sügu-ni kano kuni-no ^ :^ icb-to-ni seme- 
iru-beku qun-gi-toa snde-ni dzi-dzio-sbrai-si-ga kono san-guatsü 
HH M< nan-fü-ni ai tvaga kuni-ni \S ^ feo-tsiaku-se-si 
nlppon-zin-no ari-kere-ba nori-kumi-si ka-ko-no mono-ni fon- 
goku-no |^ dzü-wo kakasimete sono tsi-ri-ioo fakari-miru-ni 
dai-zai-fu-no nisi-ni atatte fira-do-sima-to iu sima ari-keri. Si-fo 
sübete ttmi-ni site koto-ni kisi-giwa fukaku site gun-kan-ico 
josuru-ni ^^ *^ hen-gi nari. Kono sima-nite ^b sei-ivo soroje 
osi-josen kata sikaru-hesi-to-zo mosi-tari-keru. Mö-ko-wo kore-ioo 
kiki-te ge-dzi-site iwakit rnppon sei-to-no -^^ so-gun-zei sin-tai 
kuan-kiü-no furumai-ni olte-ioa ima kono tokoro-nite fakaru- 
heki-ni arazü a-si-kan-m makase-tare-ba kare-ni ^£ gi-se-jo-to 
i-i-tari-keri. 

Als man im Begriffe war vorzurücken, machte der be- 
rathende Grosse Fei-kuö-tso an dem Hofe eine Meldung und 
sagte: Als man in früherer Zeit den Kriegsplan entwarf, 
wurde beschlossen, dass Hin-tu und Tscha-khieu nach Kin-tscheu 
in K6-rai gelangen, der Zugetheilte zur Rechten, Fan-wen-hu 
und die Uebrigen von Kiang-nan aus das Lager verlassen, bei 
der Insel Iki sich sammeln und von dort geraden Weges in 
die Königsstadt jenes Reiches im Angriffe dringen sollen. Da es 
in diesem dritten Monate des Jahres Menschen von Nippon* 
gab, welche von einem Sturme überfallen und in unser 
Reich verschlagen wurden,, so Hess man durch die mitfahren- 
den Schiff leute einen Grundriss ihres Reiches zeichnen. Als 
man die Länder überblickte, befand sich westlich von dem 
Sanimelhause des grossen Vorgesetzten eine Insel Namens 
Fira-do. Da von allen Seiten das Meer und besonders an 
den Uferbänken Tiefwasser ist, eignet sie sich zum Anker- 
platze der Kriegsschiffe. Diese Insel sollte die Stelle sein, wo 
man die Kriegsmacht aufstellt und hinschiebt. — Als der 
Mongolenkönig dieses hörte, gab er die folgende Weisung: 
Was das Vorwärtsschreiten und Zurückgehen, die langsame 
oder schnelle Bewegung der Kriegsmacht für die Eroberung 
Nippon's betrifft, so kann es jetzt an diesem Orte nicht erwo- 
gen werden. Da ich es 0-thse-han überlassen habe, so wende 
man sich mit dem Rath au diesen. 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 167 

Die Wache an dem Meerufer von Tsin-zei. 

Md-ko-lioku fei-sotsü-wo tsünori-motomete süde-ni ziü-man-ni 
ojohi ko-rai [^ ^ ui-ui-to-no sio-gun-wo kuwajete sono sei iku 
ziü-man-to-mo fakari-gatasi. Sü-man-no sen-kan-ico ukahete jose- 
kitaru josi sono uwasa jamazari-keri. Osoru-beki-wo osore osoru- 
mazi-ki-wo osorezaru mono-wa sükunaku site sawagu-mazi-ki 
koto-ni-mo saioagi-tatsü-ioa seo-nin-no narai-naru-wo masi-te 
kono mo-ko-no koto-ica saki-no tosi-no kassen-ni^ kiki-odzi-site 
sono sa-ta nomi fun-fim nari. Mata aru-mazi-ki '^^ Jq^ zia- 
soku-wo Wj: '^ fii-kucd-si kano kuni-ni-ioa ki-ziütsü ^"J ^ 
gen-fb ari-te kaze-ni ^ sio-zi nami-ni süml zin-dzu fu-si-gi-no 
fataraki are-ha jo-no fsüne-no kassen-nite-wa utsi-katsü koto-wa 
kano-he-karazü. Mata o-oki-naru tetsü-tama-no naka-ni fi-wo 
tsütsümi-irete ^ P^ kü-tsiü-ni tohasefe faziki-kakure-ha sono 
tama mei-do-site ^ -^ ran-raku-sü sükosi-nite-mo ataru-wa 

südzi föne kudakete PD ^ soku-si-süru koto ataka-mo 
ikadzütsi-ni utaru-ga gotosi. Tatst naganata-no tsikara-wo 
tsükusi kiri-musübu-to-mo kari-faro-to-mo ki-ziütsü-ni teki-tai-sü- 
he-karane-ha juku sü-e ika-ga nari-jukan-to i-i-odosü mono are-ba 
kiki-odzi-süru mono fata sükuna-karazü tanomi-gataki-ica simo- 
simo-no mono wakimajenu kokoro nari. Bu-si-no ije-ni aru 
mono-wa nani-ka-wa motte osoru-beki sai-koku-no ran-bb-wo 
nikuki si-icaza-to iki-doioori aioare to-goku-je-mo jose-jo kasi 
futa-tahi josüru koto ara-ba te-itaku atatte korasimen-to te- 
gusüne fi-i-te mafsi-wi-tari. 

Die Krieger, die das Mongolenreich zusammengezogen 
hatte, waren bereits hunderttausend. Man gesellte hierzu die 
Heere von Kö-rai und Hoei-hoei, und es lässt sich nicht er- 
messen, aus wie vielen Hunderttausenden diese Kriegsmacht 
bestand. Das Gerücht, dass mehrere zehntausend Kriegsschiffe 
angeschwommen kämen, verstummte nicht. Da wenige Men- 
schen sind, welche das, was zu furchten ist, fürchten, was 
nicht zu fürchten ist, nicht fürchten, ist es auch die Gewohn- 
heit kleiner Menschen, über Dinge, derentwegen man sich 
nicht zu beunruhigen braucht, sich zu beunruhigen. Noch mehr 
war dieses der Fall in Hinsicht auf die Mongolen. Man hatte 
von den Kämpfen der früheren Jahre mit Zittern gehört, und 



Ißg Pf iz maier. 

die Ncachrichten davon waren nur verwirrte. Ferner fügte man 
unmögliche Selilangenfüsse hinzu und sagte, in jenem Reiche 
irebe es wunderbare Künste und Zauberei. Jlan reite auf dem 
Winde, wohne auf den Wellen, und da Verkehr mit Geistern und 
unbegreifliche Verrichtungen stattfinden, könne mau es nicht 
dahinbringen, in einem Kampfe, wie er in der Welt gewöhn- 
lich ist, zu siegen. Ferner wickeln sie in grosse eiserne Kugeln 
Feuer und lassen es in die Luft fliegen. Wenn sie abschnellen, 
klängen diese Kugeln mit lautem Tone und fielen wirr her- 
nieder. Wer nur ein wenig getroffen werde, dessen Adern und 
Knochen würden zermalmt und er sterbe auf der Stelle, gerade 
als ob er vom Donner gerührt würde. Wollte man auch die 
Kraft der Schwerter und langen Messer erschöpfen, zusammen- 
stechen und weghauen, da man der wunderbaren Kunst nicht 
entgegentreten kann, wie werde es in der Zukunft werden? 
Da es Leute gab, welche mit solchen Worten schreckten, 
waren nicht Wenige, welche dieses mit Zittern hörten. Wo 
man nicht vertrauen kann, haben die gemeinsten Dinge einen 
unverständlichen Sinn. Die in den Häusern der Krieger sich 
befanden, hatten nichts zu fürchten. Sie zürnten über den 
Aufruhr der westlichen Reiche als ein verabscheuungswürdiges 
Treiben und meinten: Möchten sie nur gegen die östlichen 
Reiche andringen! Wenn zum zweiten Male ein Angriff statt- 
findet, werden wir bis zum Schmerzen der Hand sie züchtigen. 
Sie zogen Fichtenharz und warteten. 

Sate-mo kama-kura-ni-wa ken-dzi san-nen go-guatsü fo-deo 
miisasi-no kamt josi-masa sikken-no ren-sio-wo ^ ^ si-siokti- 
site sin-siü siwo-da-no go-ni kan-kio-seraru kakare-ha sagami-no 
kami toki-mune — • ^ij ippan-nite dai-seö-no koto-wo sa-ta- 
serare-keri. Ini-si ken-dzi guan-nen mo-ko-no tsükai-wo ju-wi-ga 
fama-ni zan-zai-site kua-sin-no jen-wo dan-zessi koto nara-ha 
waga kuni-jori kb-kai-site sei-tb-wo-mo nasü-hesi-to bu-rei-ico iki- 
dowori nikumare-kere-ha kano kuni-wo ikarase fara-tatarasete 
fiE ^ nui-ho-no ikusa-wo si-kake-sase matsi-tsütsü utte toran-to 
ncvL Sare-ba bun-jei-no kassen-wa fase-atsümari-si jori-ai-zei- 
nite gun-riaku -^ ^fl gb-kna-sezari-si-ga fatsüka itsi-nitsi-no 
tatakai-ni sib-sotsü-ra tai-kiissi koto-ni mi-narenii ikusa-ki-nite 
omoi-no foka-no jei-ki-wo kuzikare tatakai-fodo-fodo nan-gi-ni 
ojobi te-oi iifsi-zini o-o-kari-si koso i-i-ka-i-na-kere tote sono 



Die Geschichte der MongoleuangritTe auf Japan. 169 

tahi-wa itsi-zoku-naru fo-deo kadzusa-no süke ^m ^t sane- 
niasa-ni mei-zi fsin-zei-je ge-ko-sesime sai-koku-no go-ke-nm-ra 
kib-to-no o-o-han-ni sitago mono-domo-ico mina-niina sane-masa-nl 
sitagawasete tsüku-si-ni kudarasime to-goku-no go-ke-nin-tvo 
nobosete kib-to-no ato-wo oginawaru. Sane-masa tsin-zei-ni ge-kb- 
site gcd-kan-ioo ziün-ken-si tsl-ri-wo fakari-te sono tsi-tsi-tsi-no 
siu-go dzi-to-ni j^ ^S sib-gi-site. faka-ta fako-zaki-to-no umi- 
hata-ni |gj^ ^^ sü-ri-ga aida tsüi-dzi-ioo tsüki isi-gaki-ico kumi- 
age-tai'i. Itsi-zib amari-no kiri-kisi-ni site bib-bu-ico tate-taru 
gotoku nare-ba ika-naru ^^ S^ ka-riu-ni mutsi-utsü-to-mo 
nori-kojemi-beki jb-zo naki konata omote-ioa fei-kin-ni situ 
uma-ni nori-tsütsü kake-ßki-ico zi-jü-ni naru-beku kamaje-tari. 
Da in Kama-kura, im tauften Monate des dritten Jahres 
des Zeitraumes Ken-dzi (1277 n. Chr.), Josi-masa von dem 
Geschlechte F6-deö , Statthalter von Musasi , das Amt der 
Führung- der fortgesetzten Schriften des Inhabers der Gewalt 
niedergelegt hatte und in dem Districte Siwo-da in Sin-siü von 
den Geschäften zurückgezogen lebte, erstattete Toki-mune, 
Statthalter von Sagami , unter einem einzigen Siegel über 
grosse und kleine Angelegenheiten Bericht. Wenn man im 
ersten Jahre des vergangenen Zeitraumes Ken-dzi (1275 u. Chr.) 
die Gesandten der Mongolen an dem Ufer von Ju-\vi enthaup- 
tete und die Beziehungen der Freundschaft abbrach, so war 
es, um für den Fall, dass man, über die Verletzung der Ge- 
bräuche erbittert, sich zum Absegeln von dem eigenen Reiche 
und Verhängung von Strafe durch Eroberung entschliessen 
sollte, jenes Reich zum Zorne zu reizen, es einen unüberlegten 
Feldzug in's Werk setzen zu lassen und im Warten einen 
Schlag zu führen. Weil man jedoch in dem Kampfe des Zeit- 
raumes Bun-jei für die schnell zusammengezogene Kriegsmacht 
keinen einheitlichen Plan entworfen hatte, in dem Kampfe von 
kaum einem Tage Anführer und Streiter ermatteten, besonders 
durch die ungewohnten Kriegs Werkzeuge der unerwartete Muth 
gebrochen wurde, zur Zeit der Kämpfe Gefahr eintrat, zahl- 
reiche Verwundungen und Tödtuugen vorkamen und dieses zu 
sagen unnütz sein mochte, gab man diessmal dem zu einem 
Seitengeschlechte gehörenden Sane-masa, Gehilfen von Kadzusa, 
den Befehl, nach Tsin-zei herabzusteigen, Hess alle Haus- 
genossen der westlichen Reiche und alle der grossen Wache 



170 l'f iz iiiaier. 

der Hauptstadt sich anschliessenden Leute sich an Sane-masa 
schliessen und nach Tsuku-si herabsteigen. Man liess die 
Hausgenossen der östlichen Eeiche heraufkommen, wodurch 
die Abgänge in der Hauptstadt ersetzt wurden. Als Sane-masa 
nach Tsin-zei herabkam, umwandelte und besichtigte er das 
Meerufer, erwog die Vortheile des Bodens, und nachdem er 
sich mit den Schirmherren und Häuptern des Bodens dieser 
Gegenden berathen, erbaute er an der Seeküste von Faka-ta 
und Fako-zaki auf einer Strecke von mehreren Weglängen 
einen Erdwall und führte eine steinerne Mauer auf. Da es 
Uferbänke von mehr als einer Klafter Höhe und gleich auf- 
gestellten Windschirmen waren, konnte ein Reiter, welches 
edle Pferd er auch peitschte, sie auf keine Weise übersetzen. 
Diesseits war die Oberfläche eben und so hergestellt, dass 
man zu Pferde nach Willen vorwärts und zurücksprengen 
konnte. 

Jumi-ja fib-rb ma-kusa mnde nani-kure-to jo-i-site kai-gan- 
ni-wa sü-so-no gun-sen-ico tsünagi-tsütsü ima-ni-mo koko-ni jose- 
ki-na-ha kub-wi-wo i-zoku-ni simeaü-hesi. Kono tabi-no tatakai- 
ni-wa ikade-ka zokit-ra-ni usiro-wo misen aranu gim-ki-ni kokoro- 
madoi omoi-no foka-ni te-itaku-mo atarazan-si koto-no kiijasi- 
sa-jo. Ima-wa ^^ t^ gun-ki-wo mi-sükasi-tari. Nani fetsü- 
guan-no fi-wo osoren osi-jose-küaru fo-kage-wo mi-ha sümijaka-ni 
gun-sen-wo nori-idasi zoku-to-ga fune-ni nori-iri-te hun-don kb- 
mib-sen mono-to süsümi-süsünde matsi-kake-tari. Ban-goku-ni 
ß-rui-naku tsiü-jü-wo saki-to site gi-wo siri fadzi-wo ivasurezaru 
onodzükara-naru hu-koku-no ^ /?< koso ajjpare me-de-taki 
koto-ni-wa ari-kere. Sare-ha kono nen-getsü-ioa nani-to naku 
sawagasi-kari-si-ni kono fi-ni itari sono i^ setsü uso-narazü 
kikoje-kere-ha kin-tei-jori-mo on-tsükai-ioo taterare sio-sia sio- 
zi-no sin-hutsü-ni go-ki-guan-wo taterarete gb-bukii-sü-heku-zo 
inorase-tamb. 

Man hielt alles, Bogen imd Pfeile, Mundvorräthe, selbst 
Pferdefutter in Bereitschaft, und indem man an das Meerufer 
einige Kriegsschiffe band, konnte man den fremden Räubern, 
wenn sie jetzt hier ankämen, die erhabene Macht kund thun. 
Wie hätte man in dem diessmaligen Kampfe den Räubern den 
Rücken zeigen können? Welch ein Leid, dass man durch die 
Kriegswei'kzeuge, welche man nicht besass, im Herzen in 



Die Geschichte der Mougolenaugriffe auf Japan. 171 

Verwirrung gebracht wurde und wider Vermuthen nicht bis zum 
Schmerzen der Hand ihnen Stand gehalten hatte ! Jetzt hatte 
man die Triebwerke des Krieges durchblickt. Wozu brauchte 
man das Feuer der eisernen Kugeln zu fürchten? Wenn 
man den Schatten eines herannahenden Segels sehen würde, 
würde man sogleich die Kriegsschiffe auslaufen lassen, auf die 
Schiffe derRäuberscharen eindringen, sie erbeuten und sich hohen 
Ruhjn erwerben. Mit diesen Gedanken schritten Alle vorwärts 
und warteten mit Ungeduld. Ohne in den zehntausend Reichen 
ihres Gleichen zu haben, Redlichkeit und Muth zur Hauptsache 
machend, indem sie die Gerechtigkeit erkannten, die Schande 
nicht vergassen, welch' eine erfreuliche Sache mochte die von 
selbst entstandene Sitte des kriegerischen Reiches sein ! In- 
dessen waren die Monate dieses Jahres ohne irgend welchen 
Grund bis zu dem gegenwärtigen Tage unruhig gewesen. Als 
man vernahm , dass diese Reden keine eitlen seien , wurden 
auch von Seite des kaiserlichen Hofes Abgesandte ernannt. 
Man richtete an den Altären und in den Tempeln zu den 
Göttern und zu Buddha Gebete und Hess erflehen, dass man 
die Feinde bewältigen möge. 

Die Ankuuft des gesammten mongolischen Heeres. 

Ko-an si-nen go-guatsü ni-ziU-itsi-nitsi mö-ko-no sen-tai 
sei-to gen-süwi kin-to kd-sa-kiü-ra-no zoku-sen m-sen-s6 i-ki 
tsusi-raa-wo sast-te osi-jose-tari. Ma-saki-ni ko-rai-no ßb-sen go- 
fiaku-sö fe-saki-wo narahe fito-te-wa i-ki-ni tsiaku-gan-si fito-te- 
iva tsüsi-ma-ni zio-riku-sü. 0-o-zei kuga-dzi-ni agaru-ja ßtosi-ku 
sima-bito-ra-ico utsi-korosi sasi-korosi y^ i^ ro-jed-no kirai- 
nakn ide-o mono-v)0 S|| ^^ zan-geli-site sono i^ ^; ub-bo 
ataru-he-karazü. Kai-gan tsikaki ^E ^^ kio-min-ra-ioa nogare- 
idzü-heki ßma-naku site tai-fan i-zoku-ni utare-keri. Itoke-naki 
^ ko-wo ßki-tsürefe jama-no ko-kage fani-no soko-ni kakure- 
ßsonde nogarure-domo awafe-si oja-ni ßki-faterarefe ko-domo-ioa 
itsi-zi-ni naki-sakebu sono ko-e-wo kiki-tsükefe tadzüne-motomete 
korosi-keri. Sibasi-no inofsi wosi-kere-ba tote kaioajuki waga 
-^ ko-ioo icaga te-ni kakete sasi-korosi-tsütsü kakure-keri. -^ 
Ko-ico usinni-te oja bakari itsü-made ikin inotsi-nite kakaru 
aki-me-wo miru jaran-to nageki-kanasimu-zo aware-naru. Favaka- 



172 Pfizmaier. 

narii oki-ai-ni-wa iku-sen- jffl so-to-mo kazü sirarezü ^^ ^ 
sin-sin-to site tsiiranareru fib-sen tsnsi-ma-no kata-ni josuru-ka-fo 
vii-si-ga tsüsi-ma-ni-mo josezü-site muna-knta-no nmi-dzi-ni kakari 
fnko-zaki-no nisi-ni atareru y ZI noko-no sima si-ga-no sivia- 
ni-zo tsüki-ni-keru. Kono futa-tsü-no sima-wo asi-damari-ni site 
koko-nite so-zei-tco matsi-aicasefe ßto-te-ni nari-te osi-josen-to-no 
tarne naru-besi. Bti-ki ßb-ro-ica iü-ni ojohazu süki kuwa kama- 
wo fazime-to site no-geö-no do-gn-made su-sö-no fune-ni tsümi- 
konii-tari. Fitsü-dzio ikusä-ni titsi-katte sümi-tsukn-heku-ja omoi- 
ken issai-no zo-gu made nani fu-sok%i-naku takuioaje-keri. 

Am einundzwanzigsten Tage des fünften Monates des 
vierten Jahres des Zeitraumes K6-an (1281 n. Chr.) kamen 
mehrere tausend Räuberschiffe Hin-tu's und Hung-tscha-khieu's, 
der ersten Anführer der den Osten erobernden vordersten 
Reihen der Mongolen, in der Richtung der Insehi Iki und 
Tsusi-ma zum Angriffe heran. Ganz voran stellten fünfhundert 
Kriegsschiffe von K6-rai in Reihen ihre Büge. Der eine Flügel 
gelangte in Iki an das Ufer, der andere stieg- in Tsusi-ma an 
das Land. Die grosse Streitmacht, auf den Landwegen empor- 
steigend, erschlug und erstach gleichmässig die Inselbewohner. 
Ohne Abscheu vor Jung oder Alt machte sie nieder, was ihr 
begegnete, eine Grausamkeit, die keinen Erfolg haben konnte. 
Die nahe an dem Meerufer wohnenden Menschen des Volkes, 
denen zum Entkommen keine Zeit blieb, wurden zur grösseren 
Hälfte von den fremden Räubern getödtet. Einige, ihre zarten 
Kinder mit sich nehmend, verbargen sich in den Schatten der 
Waldbäume, in der Tiefe der Thäler und entkamen. Jedoch 
wenn sie hörten, dass die Kinder, von den erschrockenen 
Aeltern hingesetzt, einmal weinten und schrien, suchten sie 
sie auf und tödteten sie. Des kurzen Lebens willen legten sie 
an ihre armen Kinder die Hand, tödteten sie und verbargen 
sich. Nachdem sie ihre Kinder verloren, wie lange sollten die 
Aeltern leben? Lebendigen Leibes die bevorstehenden Leiden 
sehend, klagten sie und waren voll Trauer. 

Man sah, dass an der fernen Grenze der hohen See 
Kriegsschiffe — man kannte nicht deren Zahl — in dichten 
Reihen ungefiihr der Seite von Tsusi-ma sich näherten. Sie 
legten sich nicht an Tsusi-ma, sondern verfolgten den Seeweg 
von Muna-kata und gelaugten zu den westlich von Fako-zaki 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 17 



o 



liegenden Inseln Noko und Siga. Es mochte zu dem Zwecke 
sein, diese zwei Inseln zum Stützpunkte zu machen, daselbst 
auf die gesammte Kriegsmacht zu warten und^ nachdem man 
sich zu einer einzigen Masse vereinigt, heranzudringen. 8ie 
luden das, was zu Kriegswerkzeugen und Mundvorrath nicht 
taugte, von Spaten, Hauen und Sicheln angefangen bis zu den 
Geräthen des Ackerbaues, auf mehrere Schiffe. Wohl in dem 
Gedanken, dass sie in dem Feldzuge gewiss siegen würden 
und um sich ansässig machen zu können, häuften sie selbst 
alle vermischten Geräthschaften, ohne etwas mangeln zu lassen, 
zusammen. 

Sate-mo tsuku-si-no kat-gan-ni-wa narasi-narasi-si adzüsa- 
jnmi moto-jori SH go-si-taru koto nare-ha faruka-ni josüru 
zoku-sen-wo loi-nagara tnatan-ioa i-i-ga-i-nasi. Utte iden-to 
ßsimeki'fe isami-süsümeru ari-sama nare-ha me-ni amaru tai- 
gun-ni fajari-te kake-make-taran-ni-iva ko-jo-naki dai-zi-to 
kadzüsa-no suke sane-masa mei-rei-ivo kudasi-tsütsü jose-kitari- 
na-ba ja-ziri sagari-ni ite otosi utte tore-tote ^. fei-no utsi- 
ni-iva te-dare-no sei-fei-wo jerami-isütsü ki-do sasi-katamete jeo- 
gai kihisi-ku matsi-kake-tari. Zoku-wa sasuga-ni ken-go-naru 
waga sonaje-ni-ja m-jo-si-ken si-ga noko-no rib-tb-ni funa-gakari- 
site jose-mo kitarazü. Kure fate-nure-ha fei-no uje-ni kagari-hi 
amata taki-tsüdzuke faku-tsiü-no gotoku kagajakasi jo-zin ken- 
go-ni siu-ei-sen. 

Da aber für die Bogen von Hartriegel, die man an dem 
Meerufer von Tsuku-si immerfort ertönen Hess, eine Zeit be- 
stimmt worden, so ist es unnütz zu sagen, dass man, bei den 
in der Ferne herankommenden Räuberschiffen verweilend, ge- 
wartet haben wird. Da man thatsächlich in der Absicht hervorzu- 
brechen, lärmte und kühn vorwärts drängte, Hess Sane-masa, der 
Gehilfe von Kadzusa, in Betracht, dass es die ernsteste Sache 
wäre, Avenn man von dem unübersehbaren grossen Heere schnell 
angefallen und besiegt würde, die Befehle ergehen. Damit man 
den Feind, wenn er herankommen sollte, mit gesenkter Pfeilspitze 
herunterschiessen und erlegen könne, wählte man innerhalb der 
Mauer vorzügliche, im Pfoilschiessen geübte Krieger aus. Man 
verstärkte die Thore, verschanzte sich fest und wartete. Die 
Räuber mochten in der That, wohl unserer strengen Vorkeh- 
rungen wegen, unschlüssig sein. Sie ankerten mit ihren Schiffen 



1^74 Pfiz maier. 

vor den beiden Inseln Siga und Noko und kamen nicht heran. 
Als es vollständig Nacht geworden war^ zündete man auf der 
Mauer in Menge neben einander Leuchtfeuer an und machte 
Alles wie am hellen Tage erglänzen. Man hielt sorgfältig und 
streng Wache. 

Kakari-si fodo-ni ^ ^ kaja-no y'^ ^|5 dzi-ro ^[g -^ 

tsüne-naga-wa kono fi jose-kitari-si zoku-sen-ico loi-nagara koko-ni 

matsüra-gata tsüki-mo katahukn sin-ja-no jami jo-utsi koso kukkio 

nare fito sirezü ,sen-tö-si ?:oku-sib-no kuhi kitte tsi-matsuri-ni 

sonajete kuren-to te-zei-ioo sügutte fune-ni tori-nori me-zasü-mo 

siranu oki-naka-wo si-ga-no ura-ni kakari-taru teki-sen-no fi-wo 

me-ate-to si an-nai siri-taru umi-dzi nare-ba momi-ni mpnde 

kogi-tate-tari. Ai-sonaje-no mi-kata-no gun-sotsü sono jb-sü-ico 

ukagai-sin-te nani-ka-wa sükosi-mo iü-jo-sü-heki ika-de kaja- 

no-ni otorazi-to onazi-ku fune-wo osi-tatete ato-ico otte-zo kogase- 

keru. Kaku-te dzi-ro tsune-naga-iva fodo-joku teki-sen-ni kogi- 

josete toki-no ko-e-wo fassi nori-utsüri-ataru-wo sai-tvai kitte 

megure-ha zoku-to-ra-wa tai-gun-ico tanomi-nite jo-utsi-no jo-zin 

sara-ni naku okotari-fate-si wori-7iare-ha motte-no foka-ni gio- 

ten-si aicate-sawagi-te fusegi-tatako ^ ^t gi-sei-naku firaki- 

nahiki-te nige-meguru. Kokoro-kiki-taru mono atte te-hajaku 

jaki-kiisa-ico funatsi-kake-tari. Mi-kata-no gun-sen oi-oi-ni nori- 

jofse-ki-nure-ba ^ ^ an-ja-no koto-nite zoku-sen-jon-ica sei-no 

ta-seo-no fakararene-ba ono-ga fune-bune-wo jö-zin-site sawa- 

sawasi-kii-mo utte kakarazü. Saru-kara-ni dzi-rh tsune-naga 

omoi-no mama-ni utsi-kafte naioo-mo tajumazü kitte meguru-ni 

ja-gnra-ni fanatsi-si fi-no te maioari-te j^ s: jen-jen-to site 

moje-agari ma-tataku fima-ni ^^ j|^ man-sen fi-to nari-nure-ba 

te-zei-wo madomete icaga fune-ni ton-nottari. Kono sawagi-ni 

fomo-fune-wa ono-ga fune-ni fi-no utsüran-wo osore-tsütsü kogi- 

firakan-to süru fima-ni kogi-tate-kogi-tate mi-kata-no dzin-je 

kajeri-keri. Kiri-süte-tari-si-ica kazü sirezü utsi-toru kubi kazü 

ni-ziü-itsi tai-sib-no zikken-ni ire-tari-si-ioa me-zamasi-kari-kertt 

si-dai nam. 

Während unter solchen Umständen der ordnende Leib- 
wächter Tsune-naga von Kaja-no bei den an diesem Tage 
herangekommenen Räuberschilfen verweilte, mochte hier in 
der Finsterniss tiefer Nacht, in welcher an dem Strande von 
Matsura auch der Mond sich neigte, ein nächtlicher Ueberfall 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 17o 

eine ungebeugte Kraft bekunden. In der Absicht, unbemerkt 
der Erste den Boi-d zu ersteigen, Häupter der Anführer der 
Räuber abzuschlagen und zum Blutopfer darzureichen, wählte 
er eine Handvoll Leute und nahm sie in ein Schiff. Er setzte 
sich die Feuer der feindlichen Schiffe, die, nicht wissend, 
worauf sie achten sollten, in der Bucht der mitten in der 
hohen See liegenden Insel Siga angelegt hatten, als Ziel vor 
Augen, und da es ein ihm wohlbekannter Seeweg war, ruderte 
er mit beständiger Anstrengung weiter. Die Krieger unseres 
in Bereitschaft stehenden Heeres, welche dieses Beginnen er- 
spähten, konnten auf keine Weise nur im Geringsten un- 
schlüssig sein. In der Meinung, nicht schlechter als Kaja-no 
zu sein, stellten sie zu gleicher Zeit die Schiffe und ruderten 
ihm nach. Nachdem der ordnende Leibwächter Tsune-naga, 
so gut er konnte, zu den feindlichen Schiflfen herangerudert, 
erhob er ein Feldgeschrei und fuhr, diejenigen, die von einem 
Schiffe in das andere stiegen, glücklich niederhauend, umher. 
Da es um die Zeit war, wo die Räuberscharen, im Vertrauen 
auf ihr grosses Heer, vor einem nächtlichen Ueberfall gar 
nicht auf ihrer Hut und gänzlich sorglos waren, staunten diese 
ausserordentlich und, in Schrecken und Verwirrung zur Ver- 
theidigung machtlos, öffneten sie sich, gaben nach und schiff- 
ten fliehend umher. Ein geschickter Mann unter ihnen warf 
rasch einen Zündstoff zu. Da unsere Schiffe sich immer mehr 
hinzudrängten, wurde bei finsterer Nacht von Seite der Räuber- 
schiffe die Zahl der Streitkräfte nicht erwogen. Sie waren auf 
ihre Schiffe bedacht und in ihrer Verwirrung zum Tödten 
nicht bereit. Weil es sich so verhielt, schlug der ordnende 
Leibwächter Tsune-naga nach seinem Wunsche zu, siegte und 
fuhr, noch weniger lass, niederhauend umher. Da unterdessen 
die Flammen des in einen Schiffsthurm geworfenen Feuers 
rings umher aufloderten und in einem Augenblicke ein ganzes 
Schiff in Flammen stand, Hess er die Besatzung zusammen- 
treten und nahm sie in das eigene Schiff auf. Befürchtend, 
dass bei dieser Verwirrung das Feuer der begleitenden Schiffe 
sich seinem Schiffe mitth-^ilen könne, ruderte er, während jene 
auseinander rudern wollten, immerfort weiter und kehrte nach 
dem Lager der Unsi-igen zurück. Was diejenigen betrifft, die 
er niederhieb, so ist deren Zahl unbekannt. Dass einundzwanzig 



17G Pfizraaior. 

mitg-enommene Köpfe zum Behufe der Erkennung bei dem 
Heerführer eingebracht wurden, steht im Verhältniss zu seiner 
glorreichen That. 

Die Grossthat Mitsi-ari's. 

I-jo-no kuni-no dziü-nin jp^ ^ ko-no roku-rb ^ 7^ 
mitsi-ari-ioa kono fatsi-ka-nen i-zen-jori udzi-gami-no jasiro-ni 
ki-guan-site Iwaku mosi kono ziü-nen-no utsi-ni i-zoku kitara-ha 
rf^ H^ tsiü-sen-site utsi-toru-hesi. Mosi kitarazü-ha i-koku-je 
osi-watari gassen-site utsi-sitagajen kono rib-deo-ioo mamorase- 
tcnnaje kokoro-gaioari-wa itasu-mazi-to-zo sü ziü-mai sei-si-too 
sitatame mi-sima-no jasiro-no sin-zen-nite fi-ni jai-te fai-to nasi 
sono fai-wo nonde tsikai-keri. Sikaru-ni ima mo-ko-no tai-gun 
tsüku-si-no oki-ni josüru-to kiki-te tsikai-si kami-no megumi nari 
tote odori-agatte isami-tatsi fon-goku-wo sin-hassi-te tsiku-zen faka- 
ta-ni tsiakit-dzin-seri. Sono ura-ni itari-te mire-ba umi-giioa-ni 
tsüi-dzi-wo tsüki ran-gui-wo utsi saka-mo-gi-wo u-ete jeo-gai 
kihisi-ku kamaje-tari. Mitsi-ari-wa kono tei-wo mite kaku gen- 
go-ni katame-wi-na-ba teki-ioa osorete tsika-jorit-mazi ziH-bun-ni 
teki-wo ßki-uke7ie-ba ko-mih-wa nasi-gatasi. Ware-ioa ta-jasüku 
teki-wo fiki-ire kokoro-joku sessen-site sio-bii-ivo itsi-zi-ni kessü- 
besi. Jed-gai-ivo tanomu toki-ioa si-sotsü-no kokoro ittsi-sezü-site 
ßssi-no tsi-ni-wa itarazi-tote tsüi-dzi-ni somuki dzin-wo tori isi- 
gnki-wo usiro-ni atete umi-no omote-ni-wa ije-no mon tsüki-tanc 
^^ maku fito-je uttaru bakari nari. Kore-ioo fito-bito sib-bi-site 
kb-no-ga usiro tsüi-dzi-tote notsi-no jo-inade-mo sio-si keri. 

Mitsi-ari, sechster Leibwächter von Ko-no, ein Bewohner 
des Reiches Ijo, hatte acht Jahre früher vor dem Altare des 
Ilausgottes gebetet, und gesagt: Wenn während dieser zehn 
Jahre die fremden Räuber kommen , so werde ich redlich 
kämpfen und sie erlegen. Wenn sie nicht kommen, werde ich 
zu dem fremden Reiche hinübersetzen, mit ihm kämpfen und 
es unterwerfen. Bewahre diese zwei Sachen, ich werde meinen 
Sinn nicht ändern. — Er beschrieb mehrere zehn Stück Eid- 
papier, verbrannte sie vor dem Gotte des Altars der drei Inseln 
im Feuer zu Asche, verschluckte die Asche und schwor den 
Eid. Als er jetzt hörte, dass das grosse Mongolenheer auf der 
hohen See von Tsuku-si herankomme, glaubte er, dieses sei 
die Gnade des Gottes, dem er geschworen. Er sprang muthig 



Die Geschichte der Mongolenangrift'e auf Japan. 177 

auf, verHess sein Heimathlaud und erreichte zu Faka-ta in 
Tsiku-zeu das Lager. Als er zu der Bucht gelangte und hin- 
blickte, hatte man an dem Rande des Meeres einen Erdwall 
erbaut, Pfahlwerk eingeschlagen, Gestrüppe gepflanzt und einen 
starken festen Platz hergestellt. Als Mitsi-ari dieses sah, sagte 
er: Wenn man sich so stark befestigt, wird der Feind sich 
fürchten und nicht nahe kommen. Wenn man den Feind nicht 
völlig auf sich nimmt, lässt sich unmöglich Ruhm erwerben. 
Ich werde leicht den Feind hereinlocken , freudigen Muthes 
mit ihm kämpfen und zur selben Zeit über Sieg oder Nieder- 
lage entscheiden. Wenn man sich auf Befestigungen verlässt, 
ist der Sinn der Krieger nicht einmüthig, und sie gelangen 
nicht dazu, den Tod zu verachten. — Von dem Erdwall ab- 
gewendet, bezog er das Lager. An die Steinmauer mit der 
Rückseite stossend^ das Meer an der Vorderseite, war ein mit 
den Abzeichen des Hauses versehenes Zelt einfach aufgeschlagen. 
Dieses rühmten die Menschen und sagten bis zu den späteren 
Geschlechtsaltern: Der Erdwall hinter K6-no. 

Säte zoku-sen-no osi-kitaru-ioo ima-ja ososi-to matsi-wi-tare- 
domo sa-u-naku-mo josezare-ba saka-jose-ni-sen-to fajare-domo 
sü-man-no teki-sen ßsi-fisi-to kogi-tsürane tetsü-no kusari-wo motte 
tsünagi-awase ajumi-no ita-wo siki-narabe sa-nagara kuga-dzi-no 
gofoku Site sono iije-ni-wa isi-jumi-ico o-oku sonajete ito-mo ken- 
go-ni mije-nure-ha fatsüka-no te-zei hakari-nite tai-sib-no fata- 
moto made kitte tri loatari-awan-wa ohotsüka-nasi. Ika-ga-ioa 
sen-to omoi-wadzürai jjj||j ~^ dn-rioku narade-wa kanai-gatasi- 
to issm-ni nen-zi-keru-wa nippon koku-tsiü dai-seö-no zin-gi hessi- 
te-wa udzi-gami mi-sima ja-fata-no o-o-mi-kami siö-ri-wo je- 
sa$e-famaware-to kan-tan-wo kudaki-te inoru wori-si-mo oki-no 
kata-jori sagt itsifa tohi-kitatte ja-gura-ni oki-taru ja-no naka- 
nite karasü-fa-nite fagi-tai'u so-ja fUo-südzi kuioajete sora-ni mai- 
agari-si-ga jagate mata teki-sen sasi-te kakeri-juki o-oku-no 
fune-ivo sügi-juki-te fito-tsü-no o-o-bxne-no uje-ni otosi-keri. Tai- 
sib-no nottaru fune-to mijete J^ 'jj^ sei-ki tb. ^ fen-fen- 
to kaze-ni nahikasi kin-gin-wo süri-migaki kazari-tate taka-ja- 
gura ^^ ^ isio-tsio-to site kamaje-taru-wa jo-no tsüne-no fnne-ni- 
ica arazari-keri. 

Er erwartete die Ankunft der Räuberschiffe mit dem Ge- 
danken, dass es jetzt spät sei. Da sich aber nichts ereignete und 

Sitzungbber. d. phil.-lii^t. (1. lAXVI. IM II. Illt. 1-2 



178 Pfizmaier. 

sie nicht angriffen, war es Sitte, einen Gegenangriff zu machen. 
Mehrere zehntausend feindliche Schiffe setzten sich indessen in 
Ordnung. Man band sie mit eisernen Ketten zusammen, legte 
Reihen von Gehbrettern und stellte über diesen wie auf trocke- 
nem Boden zahlreiche Steinschleudern auf. Da dieses den An- 
blick grosser Festigkeit bot, war mit einer so winzigen ihm 
angehörenden Streitmacht bis zu den Kriegern unter der Fahne 
des Heerführers dringen, übersetzen und handgemein werden, 
etwas Ungewisses. Er quälte sich mit dem Gedanken, was 
er thun solle. Ueberzeugt, dass, wenn ihm nicht göttliche Hilfe 
wird, er es unmöglich ausführen könne, betete er, in sich ge- 
kehrt, dass die grossen und kleinen Götter in dem Reiche 
Nippon, insbesondere der Gott des Hauses und der grosse Gott 
der acht Fahnen der drei Inseln ihn den Sieg erlangen lassen 
möge. Während er mit Inbrunst betete, flog von der Seite der 
hohen See ein weisser Reiher herbei, nahm von den auf 
dem Thurme niedergelegten Pfeilen einen aus Rabenfedern 
verfertigten erobernden Pfeil in den Schnabel und erhob sich 
in die Luft. Sogleich nahm er auch den Flug gegen die feind- 
lichen Schiffe, zog an vielen Schiffen vorüber und Hess den 
Pfeil in ein grosses Schiff herabfallen. Dasselbe schien ein 
Schiff zu sein, in welchem ein Heerführer fuhr. Da Fahnen 
und Wimpeln im Winde umherflatterten, Zierathen von ge- 
glättetem Gold und Silber und hohe vielfache Thürme ange- 
bracht waren, so war es kein gewöhnliches Schiff. 

Mi-kata-no gun-bib kore-wo mite sono ari-sama-no ibukasi- 
kere-ba kata-dzü-ioo nonde wi-tari-si-ga mitsi-ari kitto omoi-keru- 
wa köre sünawatsi mt-sima ja-fata-no o-o-gami-no ka-go-ni site 
teki-no tai-siö-no nottaru fune-wo ware-ni wosije-tamh nari. Kono 
uje-wa nan-zo tsi-tsi-sü-beki isogi kogi-jose utsi-toran-tote wo-dzi 
fh-ki-no kamt |^ Qi mitsi-toki-to moro-tomo-ni ni-sö-no fune- 
wo kogi-tsürete teki-sen sasi-te susündari. Mi-kata-no ßto-bito 
kore-wo mite idzüre-mo odoroki ajasimi-kem. Kaku me-ni amaru 
tai-gun-ni fatsüka ni-so-no fune-nomi-nite fu-teki-ni-mo siisümi-si 
koto kann ika-ni kokoro-wa takeku-to-mo utaruru koto-wa fitsü- 
dzio-nite ika-de bxi-ko-no faterarn-beki mosi-wa kokoro-no kurui- 
si-kn arui-wa m.ono-no tsüki-si-ka-to sikiri-ni kore-wo ■^|J sei- 
süre-domo sora-uso-fuki-site kiki-mo irezü momi-ni monde kogi- 
tate-tari. Teki-sen-ni-iva kore-wo mite sü-man-uo dai-sen-wo mono- 



Die Geschichte di-r MongolenängrifFe auf Japan. 179 

to-mo sezü kogi-jose-Jcüaru-wa ko-san-no tsükai-ni-mo-ja-to omoi- 
kemu ja-no fito-südzi-wo-mo i-kakezü-site sono sen jo-wo mi-wi- 
taru savia nari je-tari kasikosi süsümu-hesi-to o-oku-no fune-wo 
nori-nukete kano ^ J^ gen-dziü-naru zoku-sen tsikaku nori- 
jose-tari. Sono sama kb-san-no Uükai-ni-mo arazare-ha zoku-to-ica 
fazimete gio-ten-si-ken isi-jumi doku-ja-wo fanatsi-kake jose-zi-to 
koso-iüa fusegi-kere. 

Da den Kriegern unseres Heeres, welche dieses sahen, 
die Umstände unbekannt waren, warteten sie gespannt. Mitsi- 
ari dachte sich mit Zuversicht: Dieses ist der Schutz des 
grossen Gottes der acht Fahnen der drei Inseln. Er zeigt mir, 
wo das Schiff, welches der feindliche Heerführer bestiegen hat, 
sich befindet. Warum sollte ich noch zögern ? Ich werde schnell 
heranrudern und ihn erlegen. — Er ruderte gemeinschaftlich 
mit seinem Oheim Mitsi-toki , Statthalter von Fö-ki, zwei 
Schiffe und drang in der Richtung der feindlichen Schiffe vor. 
Als unsere Leute dieses sahen, erschraken sie insgesammt 
und verwunderten sich. Sie sagten: Wie man gegen ein un- 
übersehbares grosses Kriegsheer mit kaum zwei Schiffen toll- 
kühn vorgedrungen ist! Wie tapferen Sinnes man auch sei, 
der Tod ist gewiss, und wie kann da kriegerisches Verdienst 
erworben werden? Vielleicht ist er im Geiste wahnsinnio- o-e- 
worden, oder es ist ein Dämon in ihn gefahren. — Sie hielten 
ihn fortwährend zurück. Er aber pfiff in die Lüfte und ruderte, 
auf sie nicht hörend , mit grosser Anstrengung weiter. Als 
man diesfes auf den feindlichen Schiffen sah, wird man gedacht 
haben, dass derjenige, der, mehrere zehntausend grosse Schiffe 
für nichts achtend, herangerudert kam, wohl ein die Unterwer- 
fung antragender Gesandter sei. Ohne auch nur einen einziger 
Pfeil gegen ihn abzuschiessen, sahen sie augenscheinlich seinei^ 
Beginnen zu. Denkend, er habe es erreicht, es sei verständig 
und er könne vorwärts dringen, schiffte er zwischen vielen 
Schiffen hindurch und nahe zu jenem stark befestigten Käuber- 
schiffe heran. Da dieses nicht die Weise eines die Unter- 
werfung antragenden Gesandten war, schössen die Räuber- 
scharen , die anfänglich erstaunt gewesen sein werden , aus 
Steinschleudern giftige Pfeile gegen ihn und mochten ihm das 
Herankommen wehren. 



1/* 



180 Pfizraaier. 

Mitsi-ari nani-ka-ioa tamerb-heki ma-saki-ni süsünde ja-wo 
fanate-ba zoku-to-mo si-fo-jori i-sükume-kere-ha ku-kib-no ro-to 
si-go-nin i-fnserare tanomu tokoro-no wodzi mitsi-toki-mo nsü-de 
oi loaga mi-mo isi-jumi-ni kata-ioo utare jumi-fiku koto-no nari- 
gata-kere-do sara-ni jei-ki-wo iisinawnzü masü-masü süsünde fo- 
hasira-wo teki-sen-ni utsi-kakete masira-no ko-zü-e-ico tsüto-ga 
gotoku itsi-han-ni nori-ntsüri soiw mama o-o-datsi nuki-kazasi 
sono tokoro-ni tattarn sono te-no [^ *^ tai-sio-to ohosi-ki-ico 
tada fito-tatsi-ni kiri-fuse-tari. Fiaku-jo-iiin-no yp- m^ ro-dh 
waka-to siü-zin-wo utasü-na-utasü-na-to süJcasazü fune-ni nori- 
itte omote-mo furazü kiri-tate-tari. Fb-ki-no kami mitsi-toki-ica 
kikojurn tai-kb-no tsüioa-ynono nare-ha o-o-naginata-wo midzü- 
k\iruina-ni mawasi ma-saki-ni süsünde nagi-tatsüru. Si-si-fun-zin- 
no ikiwoi-ni feki-jeki-site tsikadzuki-jezü san-zan-ni nige-mado. 
Mitsi-ari-wa tsikai-si gotoku tai-sib-ioo utsi-toran-to fita- giri-ni 
kiru tatsi-saki-ni mnkb zoku-to-ioa san-wo midasi-te kiri-fuse-tsü- 
to mire-ha saivajaka-ni ufsi-joroi tama-no kanfuri-ioo kbmuri- 
tsütsü appare-ni tai-sib-to mije-taru otoko-no haku-ja-no tsürugi 
täsi-futte mitsi-ari-wo me-gake ivatari-b mitsi-ari je-tan negb- 
tokoro-to sü-ziü-gb tatakai-si-ga sei-sin masü-masü !m ^m jei- 
fassi teki-no tsürugi-wo utsi-otosi narahe-tsü-to kumi-fuse nan-naku 
kore-wo ike-dottari. 

Mitsi-ari konnte nicht unschlüssig sein. Er drang- g-anz 
vorwärts und entsandte den Pfeil. Die Räuberscharen bedeckten 
ihn von allen Seiten mit Pfeilen und vier bis fünf muthig-e Ge- 
nossen wurden durch Pfeilschüsse zu Boden gestreckt. Der Oheim 
Mitsi-toki, auf den er sich verliess, erhielt eine leichte Wunde. 
Er selbst wurde durch eine Steinschleuder in der Schulter ver- 
wundet. Obgleich es ihm unmöglich wurde, den Bog'en zu 
spannen, verlor er durchaus nicht den Muth. Inimer weiter 
dringend, steckte er den Mast an das feindliche Schill" und 
stieg gleich einem AflFen, der an den Spitzen der Bäume hinau- 
klimmt, der Erste hinüber. Er zog unterdessen und hielt vor 
die Augen das grosse Schwert und hieb den an dem Oi"te 
Stehenden, den er für einen Aniuhrer der Abtheilung hielt, 
mit einem einzigen Streiche nieder. Hundert alte uiui junge 
Gefährten stiegen mit dem Rufe : Lasset den Gebieter nicht die 
Schläge führen! alsogleich in das Schiff und hieben mit un- 
bewegter Mii'i)'- wi-itcr y'\r\. Da Mitsi-toki, Stiitthalter von E6-ki, 



Die Geschichte der Mongolenangriife auf Japan. 181 

ein berühmter starker Krieger war, drehte er ein grosses langes 
Messer gleich einer Mühle, drang als der Erste vorwärts und 
begann, niederzuhauen. Die Feinde, vor der furchtbaren Macht 
seines LöwenangrifFes zurückprallend, konnten ihm nicht nahen 
und flohen in Verwirrung. Mitsi-ari wollte seinem Schwüre 
gemäss den Heerführer erlegen. Während er die seiner scharf 
einschneidenden Schwertspitze gegenüberstehenden Räuber in 
verwirrender Anzahl zu Boden streckte, kam, als er hinüber- 
blickte, ein prächtig gepanzerter, auf dem Haupte eine Edel- 
steinmütze tragender Mann, der ein Heerführer zu sein schien, 
das Schwert Mö-ye schwingend und Mitsi-ari aussuchend, herbei 
und wurde handgemein. Mitsi-ari hatte es erlangt, es war, was 
er wünschte. Nach etlichen zehn Gängen trat sein Äluth immer 
glänzender zu Tage. Er schlug das Schwert des Gegners zu 
Boden, warf ihn, mit ihm gleichgestellt, im Ringen nieder und 
nahm ihn ohne Mühe gefangen. 



Zokn-fo-no ||^ ^^ rni-sen kore-ioo mite ivare-mo-ioare-mo- 

to nori-utsüri sükui-toran-to süru loori-si-mo kanete fanatsi-si jaki- 

kifsa-no fonotüo jen-je7i-to moje-ngari kuro-kebim ten-wo oicoi-nure- 

ba ono-ga fnne-wo jakasezi-to ono-ono si-fb-je kogi-firaki-nu. 

Mifsi-ari ge-dzi-site fe-zei-wo rnadome ivaga fune-ni nori-utsüri 

katsi-doki agefe kogi-kajeru-wo sono hu-\vi-ni-ja osore-ken isi- 

jumi dani-mofanntsi-Jezü ajete 6 mono na-kari-d-ka-ha ito-sidzüku- 

sidzüku-to mi-kata-no dzin-sio-je nori-jose-tari. Fb-ki-no kami 

mitsi-toki-wa koto-ni f(igesi-ku tatakai-te dai-zi-ni fnka-de amata 

oi-tare-ha kajeru j|^ lil sen-tsiu-ni si-si-tarn-xoa osimu-ni 

amaru kofo nari-keri. Mitsi-ari sü-ka-sio-no te-kizü-wo sinobi-te 

tcaga ike-dori-si zoku-io-uo foka-ni san-nin-no ike-dori-to vtsi- 

toru kubi-iüo tai-sib-no kubi zikken-ni irc-kere-ba sono bii-jü-ioo 

fukaku ^ sib-si ike-dori-no mono-no kiü-mon-süru-ni viitsi- 

ari-no ike-dori-si ^^ ^^ gioku-ktian-wo ki-tari-si-wa zoku-to- 

no tai-sib san-nin-no atsi narti sono itsi-nin-to-zo mbsi-keru. 

Safe kore-iva kuhi-wo fanete -^ "fc" fisa-kata nf^^ ja-ta-rb 

BJy* 4^ nari-fosi-to iü ije-no ko-ni motasete toicoku klb-to-je 

nobose-keru-g<i notsi-ni ko-jo-vaki go-kan-sib-ivo kbfiiri-tari. Geni 

isagijoki bu-si-ni men-boku urnjamasi-ki-iva kono koto-ni koso. 

Als man auf den andern Räuberschiffen dieses sah, schifften 
diese wetteifernd herüber und wollten zu flilfe kommen. Um 
die Zeit stiegen die Flanmien eines vorher geschleuderten Brenn- 



\^2 Ptizraaier. 

Stoffes lodernd empor und schwarzer Rauch bedeckte dea 
Himmel. Um nicht die eigenen Schiffe in Brand gerathen zu 
lassen, ruderten sie, jedes einzeln, nach allen vier Gegenden 
und breiteten sich aus. Mitsi-ari gab der Mannschaft (des bren- 
nenden Scliiffes) die Weisung, sich zu sammeln und auf sein 
Schiff hinüberzusteigen. Er erhob ein Siegesgeschrei und ru- 
derte zurück. Da man, wohl vor seiner kriegerischen Gewalt 
in Furcht, nicht einmal dazu kam, Steinschleudern abzudrücken 
und Niemand war, der ihn zu verfolgen wagte, gelangte er, 
in grosser Ruhe schiffend, zu dem Lagerplatze der Unsrigen. 
Mitsi-toki, Statthalter von Fö-ki^, der besonders kühn gekämpft 
und viele sehr schwere Wunden davon getragen hatte, starb 
auf dem zurückkehrenden Schiffe, eine Sache, die überaus be- 
dauerlich war. 

Als Mitsi-ari, die an mehreren Stellen erhaltenen leichten 
Wunden verbergend, ausser den von ihm gefangenen Räubern 
die Gefangenen dreier Leute, die Häupter der im Kampfe 
getödteten Feinde und das Haupt des Heerführers zum Behufe 
der Erkennung hereinbrachte, belohnte man reichlich seinen 
kriegerischen Muth. Als man die Gefangenen befragte, sagten 
sie, der mit einer Edelsteinmütze bekleidete Mann, den Mitsi- 
ari gefangen genommen, sei einer der drei Heerführer der 
Räuberscharen gewesen. Nachdem man diesem das Haupt 
abgeschlagen, hiess er einen Sohn des Hauses, Namens Ja-taro 
Nari-tosi von Fisa-kata es nehmen und in die ferne Haupt- 
stadt reisen. Später ward ihm die höchste Bewunderung und 
Belohnung zu Theil. Wirklich ist an dem reinen Kriegsmann 
die Kühnheit in dieser Sache zu beneiden. 

Die vorderen Züge Ton Kö-rai warten auf den Nachzug 

der Schiffe. 

Sate-mo kamn-kura-jori nki-ta-zio dzi-rb mune-kage-wo 
fazime-fo site kawa-ta go-ro i^ ^^ fowo-tosi an-to sa-je-mon 
zi-rh ®^ ^^ sige-tsüna-ra gun-kan-to site ge-ko-serare-si koto 
nare-ha satsü-ma-nn kiini-no siü-go simo-tsüke-no kami y^ ^^ 
fisa-fsika onazi ^ -^ fisa-naga hu-zen bun-go-no siü-go o-o- 

tomo ßb-go-no kami ^&. -^ jasü-naga tsiku-zen-no siü-go seo- 
ni saburh sa-je-moa zio kage-suke-wo fazime-to site kiü-siü-no 



Die Geschichte der Mongoleuangriffe auf Japan, 183 



siü-go dzi-to go-ke-nin-ra idzüre-mo tsiü-jü-ivo saki-to si ^^ 
gt-sen-ico fagemi-tsütsü tetsu-guan-no fi-wo mono-to-mo sezü doku- 
ja-no ja-ziri-mo ima-wa osorezü fusegi-tatako mono ju-e-ni hun- 
jei-no tatakai-to-iva koto-kawari tsüi-dzi ßto-je-mo jahuri-jezü sü- 
sen-no fune-ico ^M 3^ ren-kuan-si tai-dzin-iro site loi-tciH-keri. 

Da aus Kama-kura zuerst Mune-kag-e, nächstfolgender 
Leibwächter der Feste von Aki-ta, dann Towo-tosi, fünfter 
Leibwächter von Kawa-ta, und Sige-tsuna, zweiter Leibwächter 
•des Thores der Leibwache zur Linken aus An-to, zu Beauf- 
sichtigern des Kriegsheeres ernannt, herabgekomraen waren, 
iStellten, von Fisa-tsika, Schirmherrn des Reiches Satsu-ma und 
Statthalter von Simo-tsuke , dem zu demselben Geschlechte 
gehörenden Fisa-naga von 0-o-tomo , Jasu-naga, Schirmherrn 
von Bu-zen und Bun-go, Haupte der Rüstkammer der Streit- 
kräfte, und dem Schirmherrn von Tsiku-zen, dem kleinen als 
Zweiter Zugestellten Kage-suke, dritten Leibwächter und Zuge- 
theilten des Thores der Leibwache zur Linken, angefangen^ 
die Schirmherren, Häupter des Bodens und Hausgenossen von 
Kiü-siü insgesammt den Muth der Redlichkeit voran und 
waren eifrig in dem gerechten Kampfe. Weil es Leute waren, 
die, das Feuer der eisernen Kugeln für nichts achtend und 
die Widerhaken der giftigen Pfeile jetzt nicht fürchtend, den 
Vertheidigungskampf führten, war es anders als in den Kämpfen 
des Zeitraumes Bun-jei. Der Feind konnte nicht einmal den ein- 
fachen Erdwall durchbrechen, er zog einen Ring um mehrere 
tausend Schiffe und schlug gegenüber das «Lager auf. 

Kanete fü-hun-se-si gotoku ^^ W go-gim-no itarn-ico 
matsi-tsükete ßto-te-ni nari-te semen-to-no koto naran sono zoku- 
gun-no sorowanu ma-ni tote o-o-tomo fib-go-no kami-no tsiaku-si 
to-ne-no kura-udo te-zei sügutte san-ziu-jo-ki-wo sü-snki-dzütai-ni 
osi-josete te-itaku sessen-si ~^ ^^ siü-kiü-wo amata foftari-keri. 
Simo-matsüra kami-matsura-xo mono-domo itadzüra-ni teki-wo 
matsü-to-mo faka-bakasi-ku jose-kone-ba iza-ja kore-joH osi-josete 
me-zamasi-ki issen-wo toge utsi-zini-se-baja-to i-i-tatte sono sei 
ojoso sen-nin bakari an-nai sittaru koto-ura-jori kogi-idasi-te jo- 
utsi-ni koso-wa si-kake-kere. Zoku-sen-wa fu-i-ico utarete odoroki- 
awatete ro-bai-süru koto o-o-kata narazü mi-kata-wa masü-masü 
jii-ki-wo masi-te ^|^ iff zijü-icb mu-zin-ni kiri-fusete kano ren- 
kuan-no kuga-dzi-wo-ba omo-mama-ni oi-makuri-makuri itodo 



184 Pf'i/. inaie r. 

fagesi-ku tatakai-te itsi-nin-goto-ni zoku-to-wo-ha si-go-nin-dzütsii 
utsi-totte kühi kazü san-sen-jo-ioo kiri-je-tari. Amari-ni süsünde 
fttka-iri-si tatakai-ni-wa utsi-kattare-domo utsi-zini-suru mono 
mala o-okxi nori-knjeru mono tote-wa fatsvka-ni su-ziü-nin-ni-wa 
suglzari-keri. 

W(jil, wie man als Gerücht gehört hatte, das Räuberheer 
auf die Ankunft des Nachzug-es warten, dann, zu einer einzigen 
Masse vereinigt, angreifen wollte und unterdessen nicht voll- 
zählig war, wählte ein zu der sechsten Rangstufe gehörender 
Mensch der Kammer, Sohn des Hauptes der Rüstkammer von 
0-o-tomo in erster Linie, eine Abtheilung Leute, griff dreissig 
Reiter längs der Flussinseln und des Vorgebirges an, kämpfte 
bis zum Schmerzen der Hand und erbeutete viele Köpfe. 

Die Leute des oberen und unteren Matsura warteten ver- 
geblich auf den Feind. Da dieser nicht zu ihrem Vortheil 
herankam, sagten sie : Wohlan ! Von nun an werden wir vor- 
dringen , einen fürchterlichen Kampf zu Wege bringen und 
fallen. — Ihre Streitmacht zählte im Ganzen tausend Menschen. 
Sie ruderten aus einer anderen Bucht, wo ihnen der Weg be- 
kannt war, heraus und mochten einen nächtlichen Ueberfall 
ins Werk setzen. Auf den Räuberschiffen war der Schrecken 
über diesen unvennutheten Angriff kein geringer. Die TInsrigen, 
deren Muth fortwährend wuchs, hieben nach allen Richtungen 
unaufhörlich nieder und rollten jenen umringenden Landweg 
nach Willkür immer weiter zurück. Indem sie äusserst heftig 
kämpften, erlegte jeder Einzelne von ihnen vier bis fünf Räuber 
und es gelang ihnen, über dreitausend Häupter abzuschlagen. 
Zu weit sich vorwärts wagend, wurden sie in dem Kampfe, 
bei welchem sie tief eindrangen, zwar besiegt, weil aber viele 
auch zurückschifften , betrug die Zahl der Gefallenen kaum 
mehr als einige Zehende. 

Kiü-siü si-koku-no tsuwa-mono-domo omoi-omoi-ni nnke-goke- 
si kitn-ko-too tate-kere-ba itsü-made koko-ni matsü tote-mo faka- 
hakasi-ki te-gara-wa nasi. Ide kuan-to hu-si-no te-nami-no fodo- 
wo misen-zü-to aki-ta-zib dzi-rh-no te-no mono-ni fnjari-ioo-no 
loakci-mu-sui-domo 4^ ^ ^fr sin-sa-kon ziü-ro ima-wi fiko- 
dzi-rb ^ -^ sai-he-kiü-rh-ra teki-sen-je osi-josefe ^ "^ 
si-sio-wo sara-ni kajeri-mizü fann-hannsi-ki jü-sen-site zokn-to 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan. 18ö 

amata utsi-torare-domo moto-jori tsüdzüku fei na-kere-ba ntsi- 
zini-nio mata snkuna-karazü. 

Als die Kriegsleute von Kiü-siü und Si-koku die nach 
der Meinung' Mehrerer gewaltsam angeeigneten hohen Verdienste 
begründet hatten, mochte man noch so lange hier warten, es 
gab keine kühne That. Um die Geschicklichkeit der Krieger 
von Kuan-to zu zeigen, drangen unter den Leuten der Abtheilung 
des nächstfolgenden Leibwächters der Feste von Aki-ta diehelden- 
müthigen jungen Krieger: der zehnte Leibwächter Sin-sa-kon, 
der nächstfolgende Leibwächter Ima-wi-fiko und der neunte 
Leibwächter Sai-be gegen die feindlichen Schiffe und kämpften, 
ohne auf Tod und Wunden irgend Rücksicht zu nehmen, ruhmvoll 
und kühn. Obgleich viele Räuber erlegt wurden, waren, weil 
es keine sich mit ihnen in Verbindung setzende Streitkräfte 
gab, die Gefallenen auch nicht wenige. 

Mö-ko-no fuku-sio kin-to kö-sa-kiu kb-rai-no tai-sib kin-fb- 
kei siü-tei hoku-km-ra tsü-gb roku-man go-sen-nin ni-sen amari- 
no gun-kan-nite jö-zin kihisi-ku sonnje-wi-nagara tahi-tahi-no 
ikusa-ni utsi-makete sono uje jo-utsi asa-gake-no fito-te-giri-no 
fataraki-m saje tai-sin-ioo ufsi-torare fai-seri-tco jahi-taterare si- 
sofsu-no utsi-zini ohitadasi-ku sika-nomi narazü ^^ ^ff jeki-hib 
j^ ^Pf 'i'i'f-kb-site mausen kozotte jami-tsüki-te si-süru mono 
mata o-osi. Kore-iüo urei-te zoku-sib-ra-ioa moto-bune-ni utsi- 
tsüdoi sib-gi-site iwaku kb-nan-no gun-hib-to i-ki-no sima-ni ai- 
kuai-site itsi-zl-ni lob-to-je seme-iran-to fakari-si sono SB go-ivo 
fagaje-tsutsü icare-ware nonii sü-ka-do-no "^ we tai-sen-si sono 
icori-wori-ni %\i vi arazu-site itadzüra-ni fi-ivo fetare-ha fib-rb 
fotondo fsuki-nan-to stt sikaru iije-ni jeki-hib riti-kn-sl jamai-ni 
okasaruru mono sükuna-karane-ha tatakb ^g ^^ gi-sei-wa 

tsüki-fate-mi. Tada kono uje-iva ikusa-tüo wosamete ^ |J^ /.t- 
dzin-sen-jori fokn nasi-to gun-gi ikkessen-to se-si-ni kin-fb-kei 
kasira-wo utsi-furi kio-daku-sezü-site iwaktL sio-sib-ra kub-tei- 
no mei-ioo iikete fariika-ni i-fb-no sei-batsü-ni sifagai fito-sima- 
wo dani jaburi-jezü munasi-kiL ki-dzin seraru-beki-ja kono gi 
fanafada sikaru-he-karazü-to araraka-ni tatsi-kere-ba sono fi-no 
fib-gi-wa Jani i- )i i-ke ri. 

Die zugetheilten Heerführer der .Mongolen : Hiii-tu und 
Ilung-tscha-khieu, ferner die Heerführer von Kö-rai : Kin-fang- 
king, Tscheu-ting und Po-kliieu hatten, im Ganzen über sechzig- 



186 Pfizmaier. 

tausend Menschen und mehr als zweitausend Kriegschiffe ge- 
bietend, mit grosser Sorgfalt Vorbereitungen getroffen. Jedoch 
bei mehrmaligen Unternehmungen besiegt , wurde überdiess 
bei den Anstrengungen zur Abwehr nächtlicher Ueberfälle und 
morgendlicher Angriffe ein Heerführer getödtet, grosse Schiffe 
wurden verbrannt und viele Krieger waren in dem Kampfe 
gefallen. Dieses war nicht alles. Eine pestartige Krankheit 
zog umher, ganze Schiflfe wurden völlig angesteckt und die 
Verstorbenen waren auch viele. Darüber bekümmert, versam- 
melten sich die Räuberanführer auf einem ihrer Schiffe, hielten 
Rath und sagten: Für den Entwurf, dass die Heeresmenge 
von Kiang-nan sich bei der Insel Iki sammeln und zu gleicher 
Zeit in die Hauptstadt des Königs dringen solle, haben wir 
die rechte Zeit versäumt. Wir haben bloss mehrere Male 
grosse Kämpfe bestanden und es war für uns bei all' diesen 
Grelegenheiten nicht von Vortheil. Da wir unnütz die Tage 
verbrachten, werden die Mundvorräthe bald zu Ende gegangen 
sein. Da zudem eine pestartige Krankheit umherzieht und die 
von der Krankheit Befallenen nicht wenige sind, ist die käm- 
pfende gerechte Kriegsmacht erschöpft. Es bleibt uns nicht» 
übrig, als das Heer ordnen und den Rückzug antreten. — Als 
man im Kriegsrathe diesen Beschluss fassen wollte, schüttelte 
Kin-fang-khing, hiermit nicht einverstanden, das Haupt und 
sagte: Sämmtliche Anführer haben den Befehl des Kaisers in 
Empfang genommen und haben ihm, um in der Ferne ein 
fremdes Reich zu erobern, gehorcht. Doch sie können nicht 
einmal eine Insel bezwingen. Kann man da unverrichteter 
Dinge den Rückzug antreten? Dieser Rath ist äusserst unan- 
gemessen. — Hiermit erhob er sich unwirsch, und die Be- 
rathung dieses Tages war zu Ende. 

Mala ziü-jo-zitsü-mo sügi-nure-ba futa-tabi kuai-gi-ioo 
mojowosi'nuru-ni fb-kei süsände i-i-keru-wa saki-ni-mo iü gotoku 
BP ^ sei-si-ni tagcd-te sirizoku toki-wa ika-ni site kimi-ni 
mamijen. Koto-ni mi-tsüki-no kate-wo motarasi-tare-ha ima fito- 
tsüki amari-wa sasaje-nu-hesi. Nan-gun SB go-ni-wa okuru-to- 
mo konoß akum fi-no fodo-ni-ioa itaru-hesi. Ai-kuai-site tatakaioa- 
haitsi-zi-ni Jfjj^ ll{^ ko-th-no seö-i-wo ntsi-tair eigen koto ^g ^ 
nb-so-wo toru-jori-mo jasü-karubesi-to ^eki-wo täte ri-gai-too toki- 
kere-ba zoku-sib-ra kore-ni ^| ki-wo jete ikusa-wo kajesü gi- 



Die Geschichte der Mongolenangriife anf Japan. 187 

loa jami-tare-do ima hono sei-nite tatakawa-ha mata kore-made- 
ni kaioaru koto-naku utsi-zini-süru mono o-oki nomi-nite iitsi- 
knfsi-nu-beki koto arazi go-gun-no itaru-wo matsi-uru made-wa 
tatakaicanu koso jo-ka-mere-fo faruka-no oki-ni sirizoki-te taka- 
no sivia-ni kakari-tsüfsü jo-idsi asa-gake-no jö-zin-wo kibisi-ku- 
zo sonaje-taru. Mi-kata-no sio-gun kore-wo mite nmoo-mo taka- 
no simu-ni osi-josete siö-bn-ivo itsi-zi-ni kessen-to kokoro-ioa ja- 
take-ni fajare-domo sasüga-ni gun-sen owo-karane-ha mii-nen-no 
fa-gami kctmi-si-taki m,unasi-ku fi-kazü-wo okuri-keri. 

Als man nach Verlauf von zehn Tagen zum zweiten Male 
eine Zusammenkunft veranstaltete, trat Fang-khing vor und 
sprach : Wie ich früher gesagt habe : Wenn wir dem höchst- 
weisen Willen zuwider handeln und uns zurückziehen, wie 
könnten wir dann vor dem Gebieter erscheinen? Da be- 
sonders für drei Monate Lebensmittel verabreicht wurden;, kann 
man sie jetzt länger als einen Monat versperrt haben. Das Südheer 
mag immerhin über die bestimmte Zeit ausbleiben, heute oder* 
um den morgigen Tag muss es ankommen. Wenn wir uns mit 
ihm vereinigen und kämpfen, wird den kleinen Barbarenstamm 
einer einsamen Insel zu gleicher Zeit unterwerfen, leichter sein 
als die in dem Sacke belindliche Ratte fangen. — Als er somit, 
auf den Teppich schlagend Nutzen und Schaden auseinander- 
setzte, erlangten die Räuberanführer hierdurch bequeme Zeit und 
das Vorhaben, das Heer zuiückzuführen, wurde aufgegeben. 
Jedoch wenn sie jetzt mit dieser Streitmacht gekämpft hätten, 
wäre es auch nicht anders als bisher gewesen. Es wären nur 
viele Leute in dem Kampfe gefallen, und die Möglichkeit des 
Sieges war nicht vorhanden. Indem es ihnen gut dünkte, bis 
zur Ankunft des erwarteten Nachzuges nicht zu kämpfen, zogen 
sie sich in die ferne hohe See zurück und legten sich an die 
Falkeninsel. Daselbst trafen sie sorgfältig Vorkehrungen gegen 
nächtliche Ueberfälle und morgendliche Angriffe. 

Unsere Kriegsleute, welche dieses sahen, drangen noch 
mehr gegen die Falkeninsel, und in der Absicht, Sieg und 
Niederlage mit Einem Male zur Entscheidung zu bringen, gingen 
sie mit grosser Kühnheit und Schnelligkeit zu Werke. Da aber 
in Wahrheit die Kriegsschiffe nicht viele an der Zahl waren, 
verbrachten sie mit dem Zähneknirschen g-etäuschter Hoffnung 
vergeblich die Tage. 



188 Pfi 7.111 aipr 

Saru-fodo-ni mo-ko-no so-tni-sio a-si-kan fan-bun-ko-wa 
kh-nan-jori sin-hassi-te tai-jb-wo osi-watari zen-tai-no gun-zei-to 
i-ki-no sima-ni kuai-gh-si fito-fe-ni nari-te lob-zib-je seme-iri- 
nan-to isigiri-faru koto nare-ha ima-ja siiitsit-dzin-sen-to süru-ni 
nozonde a-si-kan nitoaka-ni jamai-wo fassi-te i-reo fodo-fodo 
te-wo tsUkiise-do isasaka knai-ki-no tei-mo mijezü. Sintsü-dzin- 



sürn koto kanawazare-ha aratamefe j)p) ^ ^^ a-tb-kai-ni 
mei-zi sei-fo sib-gim-to site s6-tai-sib-ni kaioarasime-tari. A-tb- 
kai-wa niwaka-m wb-mei-wo kbfuri-taru koto nare-ha ikusa-no 
si-taku-wo mbken-to zi-koku-wo utsüsazü totonoje-si-ka-domo to-ja 
kaku-to go~ni okurete jb-jb roku-guatsü-no sü-e-tsü kata kb-nan-ni 
tomo-dzüna-wo toki fo-wo agete fasirase-tsütsü sitsi-giiatsü-no sü- 
e-no koro fira-do-zima-ni tsüki-ni-keri. Matsü-ni mattaru sen- 
tai-no gun-zei-ra fariika-ni kore-wo mi-idasi-te jorokohu koto 
kagiri-nasi. Go-gun-no zoku-sen-mo fira-do-zima-ni-ioa kakarazu- 
site kaze-tüo tsüki nami-ico sai-te taka-no sima sasi-te osi- 
'watari-nu. Sono ban-gun ojoso zm-man-jo-nin fib-sen san-sen-go- 
ßaku-jo-sb umi-mo todoro-ni kogi-kitaru-iva geni süsamazi-ku 
koso mije-m-kere. 

Es war verabredet worden , dass die allgemeinen Heer- 
führer der Mongolen : 0-thse-han und Fan-wen-hn aus Kiang- 
nan hervorrücken , über das grosse Meer setzen, mit der 
Kriegsmacht der vorderen Abtheilungen bei der Insel Iki 
zusammentreffen und^ nachdem sie sich zu einer einzigen 
Masse vereinigt, angreifen und in die Königsstadt dringen 
sollten. Als man jetzt im Begriffe war, aus dem Lager zu 
rücken, ward 0-thse-han plötzlich von einer Krankheit be- 
fallen. Obgleich man alle möglichen Heilmittel anwandte, 
zeigte sich diychaus keine Besserung. Da es nicht thunlich 
war, aus dem Lager zu rücken, ward 0-tä-hai durch einen 
erneuerten höchsten Befehl zu dein im Osten erobernden fleer- 
führer ernannt und an die «Stelle des allgemeinen Heerführers 
gesetzt. Als 0-tä-hai plötzlich den Befehl des Königs erhielt, 
machte er, ohne länger die Zeit zu verlieren, Anstalten für 
den Feldzng. Jedoch er verspätete sich jedenfalls und erst 
gegen das Ende des sechsten Monates des Jahres segelte er 
von Kiang-nan ab und gelangte am Ende des siebenten Mo- 
nates des Jahres zu der Insel Fira-d<>. Als die ihn mit Un- 
geduld erwartenden Kriegsleute der vorderen Abtheilungen 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf .Tiipan. 189 

ihn in der Ferne entdeckten, hatte die Freude keine Gränze. 
Auch die Räuberschiffe des Naclizug-es setzten, ohne sich an 
die Insel Fira-do zu legen, dem Winde folgend und die 
Wellen zertheilend, in der Richtung- der Falkeninsel hinüber. 
Das Heer der südlichen Barbaren zählte über hunderttausend 
Menschen. Dreitausend fünfhundert Kriegsschiffe ruderten bei 
dem rollenden Tone des Meeres heran, was in der Tliat ein 
furchtbarer Anblick gewesen sein mag-. 

Der Untergang des gesammteu mongolischen Heeres. 

Sate-mo kama-kura-ni-ioa tsuku-si-no faja-utsi oi-oi-ni th- 
rai-sitfi katsi-ikusa-no omomuki-wo tassi-nnre-domo go-gun-no 
zoku-sen imada itarazü sono sei ojoso ni-ziü-man-nin go-sen- 
amari-no sen-kan-ni tori-notte osi-josüru fu-hun-no tasika-ni 
sore-to kikoje-nure-ha u-tsu-no mija sa-je-mon zio ^ ^ 
sada-tsüna-ni san-man-jo-nin-no tsiü-goku zei-wo in-sossesime 
^ jj^ sane-masa-no en-fei-fo site sai-koku-je ge-kb-sesimerare 
mosi kono tije dai-zi-ni ojohu foki-wa 2fc I^ fon-icin (go- 
fuka-kusa-ten-wb) 0|- 1^ sin-win- (kmtie-jama-ten-wo) loa to- 
gokii-je mi-Jidci-nasi-fate-matsüri kama-kura-nite go-siit-go-ivo 
itasu-hesi. Kon-zib (go-u-da-no ten-icb) to-gü- (fusi-mi-ten-iob) 
loa baku-fu-jori gun-hib-ivo sasi-nohose go-siü-ei-wo tsükamatsüri 
rib roku-fa-ra-no gun-zei-wo sai-koku-je ge-kb-sesvme-ha nani- 
fodo-no koto ai'u-heki-to sono Q^, föf f<^i-dan-ivo sadamerare- 
tari. Sate-mo kin-tei fazime sen-to-jori-m.o tokoro-dokoro-no 
go-ki-tb o-ose-idasaru i-se iwa-si-midzü ka-mo kasü-ga fira-no 
niatsü-no wo atsü-ta-ico fazime ni-ziü-itsi nfj^ sia-no on-gami-ioa 
mbsü-ni ojobazü ijjfp i^ [jj^ sin-mib-tsib-ni nosüru tokoro-no 
san-sen sitsi-ßaku go-ziüjo-sia-je ^^ ^J^ ./"^-/'ß'' ki-guan-ico 
korasare-tsütsü sio-koku-no jama-jama tera-dera-no ki-s6 kb-so-ni 
o-osete tai-fb ß-fb-ivo jj^ siü-serare-keri. 

In Kania-kura wai-en wiederholt Eilboten aus Tsuku-si mit 
Siegesnaclirichten ang-ekommen. Doch als man mit Bestimmtheit 
hörte, dass die Räuberschiffe des Nachzuges noch nicht ein- 
getroffen seien, dass eint; Streitmacht von zweihunderttausend 
Menschen sich auf mehr als fünftausend Krieocsschiffen ein- 
geschifft habe und herainialie, liess man durch Sada-tsuna, den 
Gehilfen des Thures der linken Leibwache des Palastes U-tsu, 



190 Pfizmaier. 

die aus dreissig-tausend Menschen der mittleren Reiche be- 
stehende Krieg-smacht befehligen, machte daraus die Hilfsmacht 
Sane-masa's und liess sie nach den westlichen Reichen hinab- 
ziehen. Für den Fall, dass es überdiess zu einem grossen 
Ereig-nisse kommen sollte, wollte man die Abreise des ursprüng- 
lichen und des neuen Kaisers ' nach den östlichen Reichen 
veranlassen und sie in Kama-kura bewachen. Für den gegen- 
wärtigen Kaiser und dessen zur Nachfolge bestimmten Sohn 2 
schickte man aus dem Sammelhause der Zelte Kriegsleute 
herauf und bildete die Leibwache. Wenn man die Streitmacht 
der beiden Roku-fa-ra zu den westlichen Reichen herabschickte, 
so war, was auch immer sich ereignen mochte, eine getheilte 
Entscheidung beschlossen. Endlich wurden, von der ver- 
schlossenen Vorhalle angefangen , von Seite der Grotte der 
Unsterblichen (dem Palaste des abgetretenen Kaisers) und 
anderer Orte Gebete angeordnet. Von Ise, Iwa-si-midzu, Kamo, 
Kasu-ga, Fira-no, Matsu-no wo, Atsu-ta angefangen, waren es 
Götter von einundzwanzig Altären, man reichte vor dreitausend 
siebenhundert fünfzig Altären in berühmte göttliche Vorhänge 
gelegte Handopfer und verlegte sich ganz auf das Beten. In- 
dem man für die vornehmen Bonzen, die hohen Bonzen der 
Berge und Tempel sämmtlicher Reiche Anordnungen erliess, 
wurde die grosse Vorschrift, die geheime Vorschrift geübt. 

Kaku S^ 'ja jei-sin-wo katabukerarete natoo-mo se-zio-no 
odajaka-naran koto-wo fossi-tamai sin-win-wa ja-fata-je mi-juki 
nari-te mi-midzükara fd-fei-site go-ki-guan-ico asobasare mata 
kon-zib-ica sitsi-guatsü tsüi-tatsi zin-cji- g kuan-ni mi-juki- 
masi-masi i-se-no 0-0-miJa-ni naka-no mi-kado dai-na-gon 
/^M 'Ü tsüne-th-kio-wo tsioku-si-to site ^^ ^0 fakken-dtsobasare 
t>on.o toki-no go-ki-guan-ni-wa waga mi- 4^ jo-ni site kakaru 
rnidare okori-tsütsu viakoto-ni kono nippon-no sokonawaru-beku- 
wa on-inotsi-wo mesaru-besi-to on-te-dzükara kakase-taniai-tari- 
kei-i. 0-o-mija-no win {-^ \^ s^} kore-wo kikosi-mesi-te ito 
aru-mazi-ki on-koto nari-to isome-kikoje-sase-tamh-zo kotowciH-ni 
aware-naru negi-ga tsüdzümi-no oto titkaku fuje-dake-no ne-ni 



• Die Kaiser Go-fuka-kusa und Kanie-jaina. Beide hatten um die Zeit ab- 
gedankt. 
2 Der spätere Kaiser Fusi-mi. 



Die Geschichte der Mongolenangriffe auf Japan 191 

fihiki-ai utb otome-ga mai-no sode koto-naki mi-jo-ni kajesü-ran 
kakaru tokoro-ni sü-ioa-no midzu-umi-no uje-jori go-siki-no kumo 
nisi-ni tanabiki-te y^ ^'^ dai-zia-no katatsi-ni araware kasira 
wo-ica sadaka-narane-do nisi-ni mukai-fe tobu-to mije ja-fata- 
no go-fo-den-no to-hira _ ono-dzükara firakete fase-tsigb uma-no 
kutsuwa-no oto ko-ku-ni mitsi fi-josi-no jasiro-no mi-kagami mei- 
dö-si ko-mori-katsü-de-no jasiro-no kuro-gane-no täte ono-dzükara 
tatte teki-no kata-ni kaki-narandari. 

So wurde der höchst erleuchtete Grlaube seitAvärts geneigt 
und wünschte noch mehr die Sicherheit in der Welt. Der neue 
Kaiser reiste zu den acht Fahnen^ reichte eigenhändig das 
kostbare Handopfer und betete. Der gegenwärtige Kaiser 
begab sich am ersten Tage des siebenten Monates zu den 
Obrigkeiten der Götter. In dem grossen Palaste von Ise er- 
nannte er den Reichsminister Tsune-tö, grossen Rath des 
kaiserlichen Thores der Mitte, zum kaiserlichen Abgesandten 
und schickte ihn ab. Bei dem Gebete, das um diese Zeit ver- 
richtet wurde, schrieb er eigenhändig nieder, dass in seinem 
Zeitalter solche Wirren entstanden seien. Wenn dieses Nippou 
wirklich Schaden leiden sollte, könne man sein Leben fordern. 
Der Kaiser des grossen Palastes, der dieses hörte, hielt es für 
etwas sehr Unstatthaftes und brachte eine Vorstellung dagegen 
zu Ohren. Im Grunde sollte der laute Ton der Ti'omraelu der 
traurigen Priester, die Aermel des Tanzes der bei den wieder- 
hallenden Klängen des Flötenbambus singenden jungen Mäd- 
chen die Rückkehr zu dem friedlichen Zeitalter bewirken. 
Während dieses geschah, neigte sich über dem See von Su-wa 
eine fünffarbige Wolke nach Westen und zeigte sich in der 
Gestalt einer grossen Schlange. Kopf und Schw eif waren zwar 
nicht deutlich, doch man sah, wie sie gegen Westen flog. Die 
Thürflügel der kostbaren Vorhalle der acht Fahnen öffneten 
sich von selbst, und die Luft w^ard erfüllt von dem Ton der 
Gebisse irre laufender Pferde. Der Spiegel des Altares von 
Fi-josi erdröhnte. Die eisernen Schilde des Altares von Ko- 
mori-katsu-de stellten sich von selbst auf und waren reihen- 
weise nach der Seite des Feindes gehoben. 

Kaku rei-gen-no arata-nare-ha tanomosi-ku koso mije-ni- 
kere. Kaku-te tsüku-si-ni-wa mo-ko-no sö-gun-zei taka-no sima-ni 
kakari-nure-ba matsüra-no oki-wo ume-tateta kuga-dzi-to nasi 



192 Pfizmaier. 

sei-ki-no jama-wo isuki-tavu gotokn koto-ni ara-te-no ziu-man- jo- 
nin ^^ *^^ han-giin nare-ba satsü-hatsü mu-zan-no kid-zoku-ni 
Site ^Sf. ßp^ si-sib sirazü-no ij^ ^ kan-jü tsüjoku tatakai- 
tsükare-si sen-tai-wo fagemasi-kere-ha gun-hio o-oki-ni jei-ki-wo 
fassi kono ß-goro-no fai-hoku-no fen-fo-ico site kuren-zü-to gun- 
ki-ioo totonoje si-taku-site ko-odori-tvo site jorokondari. Zoku- 
sih-ioa moto-bune-ni jori-tsüdoi gun-gi-wo korasi ^ 7(^ si-ki- 
wo sadame akure-ha m-ü sitsi-guatsu tsüitatsi asa-madaki-ni 
fune-v)o osi-idasi sore-sore si-jose-no kai-gan-je ntsi-rnukai •fito-te 
kagiri-no sih-hu-wo motte itsi-zi-ni ^ i^ süwi-zio-wo fumi- 
jaburi ITA" ^ bo-gio-no }^ A^ ziu-sotsü-wo ke-isirasi-te 
sügu-ni süsünde wh-zih-ni seme-iran-to-zo gi-si-tari-keru. Kakare-ba 
sio-gun-je si-sen-wo motte migi-no omomuki tsü-dassüre-ba itsi- 
do-ni isami-tatsi akure-ba toku-toku osi-Josen-to isi-junii doku-ja 
kai-date te-date-no gun-ki ßb-rb sore-sore-ni si-taku-site akuru-wo 
ososi-to matsi-tvi-tari. 

Dil somit die geisterartige Bestätigung wundervoll war, 
mochte dieses nur hoffnungsvoll erschienen sein. Als jetzt in 
Tsuku-si die gesammte Heeresmacht der Mongolen sieh an die 
Falkeninsel gelegt hatte, war es, als ob man die hohe See 
von Matsura ausgefüllt und zu trockenem Boden gemacht, 
Berge von Fahnen und Wimpeln aufgebaut hätte. Als nament- 
lich die Verstärkung ein Heer von mehr als hunderttausend 
südlichen Barbaren war und die bei Tödten und Angriff er- 
barmungslosen unglückbringenden Räuber die von dem todes- 
muthig geführten heftigen Kampfe ermüdeten vorderen Reihen 
anti-ieben, zeigten die Krieger unseres Heeres grosse Kühn- 
heit. Um für die Niederlagen früherer Zeiten Vergeltung zu 
üben, stellten sie Kriegsgeräthe in Ordnung, hüpften und 
freuten sich. 

Die Räuberanführer versammelten sich auf einem ihrer 
Schiff(^, lüelten mit Bedacht Kriegsrath und bestimmten, welche 
Verfügungen zu 1 reffen seien. Ks wurde besclilossen, am näch- 
sten Morgen, am er.sten Tage des eingeschalteten siebenten 
Monates, noch vor Tagesanbruch die Schiffe auslaufen zu 
lassen, iu Gesanuntheit sich gegen das Meerufer, dem man 
nahte, zu kehren, mit einem einzigen entscheidenden Schlage 
zu gleicher Zeit die Wasserfeste zu zerstören, die Besatzung 
zu zertreten und, gerade vorschreitend, in die Köuigsfeste zu 



Die Geschichte der MongoleuaiigrifFe auf Japan. 193 

dringen. Nachdem man also sämmtlichen Kriegsteeren durch 
Gesandtenschiffe den obigen Beschluss mitgetheih, erhob man 
sich in Gemeinschaft kühn und hielt, um am nächsten Morgen 
schnell angreifen zu können, die Kriegsgeräthe der Stein- 
schleudern, giftigen Pfeile, Mauerschilde und Handschilde dazu 
Mundvorräthe in Bereitschaft. In dem Gedanken, dass es am 
morgenden Tage spät sei, wartete man mit Ungeduld. 

So7io fi-wa sitsi-guatsü tsugomori-nite Uten koto-ni fare- 
watari oM-tsu sira-nami jami-nagara fosi-no fikari-ni kagajaki- 
ai-te sasü-ja siwo-dzi-no sü-e mijete odajaka nari-si sora-no ke- 
siki nhoaka-ni ajasi-ku kaki-kurete ßto-mura-no kuro-kumo 
tatsi-otüö-to mije-si-ga kumo-no naka-jori mei-do-site fibiki- 
watareru ko-e ari-te i-wh-no niwoi sora-ni mitsüre-ha nani-goto 
jaran-to odorokii ma-mo naku hb-fu fagesi-ku fuki-otsi-te ikadzutsi 
narl-fatameki den-kub ?w %^ geki-fassi saka-nami tatsi-matsi 

ten-ni mmagiri ^^ ^j^ fatto ^1 \@ ran-tb-site ^^ |^ 
hb-zeo-süre-ba kon-dziku-mo kudzüre-fate ten-tsiü-mo tsi-ni otsi- 
nu-hesi. Sono ohitadasi-sa iwan kotoha-mo na-kari-keri. Bun- 
jei-no do-ni kori-si i-zoku-ra-no ima mata sore-ni ßaku-hai-site 
kakaru zin-ben-ni ide-ai-nure-ba zjB kon-wo -y^ sissi Ö^ 
faku-wo ubaware 0S ^ mei-gen ten-db-site rb-bai-suru-jori 
foka-zo naki sü-man-so-no gun-kan ßb-sen fo-hasira icorete-wa 
kadzi kudake funa-bata sakete-wa fe kudzüre mi-dzin-ni jaburete 
fan-fuku-süre-ba sükui-b-beki te-date-mo naku moto-jori nogaruru 
mitsi na-kereba ziü-si-go-man-no zoku-gun-ra koto-gotoku fa- 
tb-ni obore-ukabi-sidzümi-te kurusimi-si-ni-nu. Sa-bakari ßroki 
una-bara-wo si-gai-wo siki-te ume-tare-ba si-nin-no tije-wo fumi- 
narasi fune-ja ikada-wo motsi-i-zü-site katsi fadasi-nite i-koku- 
je-mo loatarare-nu-beku mije-ni-keri. 

An demselben Tage, dem letzten des siebenten Monates,' 
war der ganze Himmel besonders heiter. Die weissen Wellen 
der hohen See glänzten noch in der Dunkelheit zugleich mit dem 
Lichte der Sterne. Indess das Ende des Weges der hervor- 
brechenden Salzfluth sich zeigte, verdüsterte sich der ruhig 
gewordene Himmel plötzlich auf seltsame Weise, eine Schar 

1 Der letzte Tag des gemeinen siebenten Monates. Unmittelbar auf diesen 
Tag folgte der oben genannte erste Tag des eingeschalteten siebenten 
Monates. 
Sitzungsber. d. phU.-hist. Cl. LXXVI. Bd. IL lift. 13 



194 Pfizniaier. 

schwarzer Wulken schien ilin auf der Stelle zu bedecken. Aus 
den Wolken dröhnte es, herüberschalleude Töne erklangen 
und Schwefelg-eruch erfüllte die Luft. Ehe man noch Zeit 
hatte, erschrocken zu fragen, was es gäbe, fuhr ein Sturm- 
wind heftig wehend herab, der Donner wiederhallte und Blitze 
schössen zuckend hervor. Entgegengesetzte Wellen stiegen 
plötzlich zum Himmel. Indem sie kochend aufwallten, tobten 
und verwirrten, musste die Erdachse zusammenbrechen, die 
Himmelspfeiler zur Erde herabfallen. Diesen Ungestüm auszu- 
drücken, gab es keine Worte. Die in dem Zeiträume Buu-jei 
gezüchtigten Cl'emden Räuber, da sie jetzt in hundertfach 
grösserem Masse als damals solche göttliche Veränderungen 
trafen, verloren die lichte Seele, wurden der dunklen Seele 
beraubt. Schwindelnd, kopfüber stürzend, blieb ihnen nichts 
als Schrecken. Mehrere zehntausend Kriegsschiffe mit ge- 
brochenen Masten, die Ruder zertrümmert, mit geborstenen 
Schiffsseiten, die Vordertheile einstürzend, wurden zu Staub 
zermalmt und über einander geworfen. Da keine Kiinst ihnen 
zu Hilfe kommen konnte und ursprünglich kein Weg war, auf 
dem man entrinnen konnte, fanden die Räuberheere, einhun- 
dert vierzig- bis einhundert fünfzigtausend Menschen, in den 
wogenden Fluthen ertrinkend, schwimmend und untersinkend, 
insgesammt einen elenden Tod. Auf einer so breiten Meeres- 
fläche schien es, dass man, wenn man die Leichname aus- 
gebreitet und begraben hätte, auf die Todten tretend und sie 
gleichmachend, ohne von Schiffen oder Flössen Gebrauch zu 
machen, zu Fusse und barfuss zu dem fremden Reiche hätte 
übersetzen können. 

Makoto-ja Jcono tosi-goro nippon-koku-tsiü-wo ßfo-ume-ni 
sen-to fakari-si-ni aranu sb-kai-ioo time-taric sin-hatsü-no fodo 
omoi-sirii-hesi. Bun-jei-no do-no jjjft ^ sin-fü-mo i-zoku ittan 
nrizokan-tote kuga-wo fiki-farai motsi-fune-ni tori-noru-ja ina-ja 
umi are-idasi fune-wo kudaki-nu. Koto-ni mata kono tahi-wa 
mo-ko ^^ "j^ han-kan kb-rai-no zoku-gun so-tai-sih-mo tb- 
tsiaku-si litte idzü-heki jö-i-site soroi-ui soj'oi-si sono fi-wo matte 
kaku nokori-naku ten-fuku-sestvie-tamai-ni-si ama-tsü kamt kuni- 
tsii kami-no on-wi-tokn waga kuni- ^jrM ^^ jo-go-no $in-wi-riki 
ara-tbtosi-ja arata-nari ja kono sin-riki-no kasikosa-iva ima-sara 
iü-mo oroka nari-keri. 



Die Geschichte der Mongolenaugriife auf Japan. 19ö 

In Wahrheit ging man in diesen Jahren nicht zu Rathe, 
wie man das Innere des Reiches Nippon zur Grabstätte der 
Menschen machen werde. Es lässt sich das Mass der göttlichen 
Strafe, in dem grasgrünen Meere begraben zu sein, in Gedanken 
erkennen. Auch der göttliche Sturm in dem Zeiträume Bun-jei 
fegte, damit die fremden Räuber eines Morgens sich zurück- 
ziehen, das feste Land rein, liess, sie mochten die eigenen 
Schiffe besteigen oder nicht, das Meer wild hervorbrechen und 
zertrümmerte die Schiffe. Besonders auch dieses Mal! Die 
Räuberschiffe der Mongolen, von dem Han der südlichen Bar- 
baren und von K6-rai sammt dem allgemeinen Heerführer 
waren angekommen, alle Vorbereitungen, um angreifend aus- 
rücken zu können, waren getroffen. Die erhabene Macht der 
Götter des Himmels, der Götter der Erde, die, auf den Tag, 
wo dieses geschehen sollte, wartend, so vollständig den Um- 
sturz herbeifühi'ten , die unser Reich beschützende göttliche 
Kraft, wie äusserst edel, wie wunderthätig ist sie! Das Ehr- 
würdige dieser göttlichen Stärke weiss man jetzt nicht mehr 
auszudrücken. 



Die Erlaubuiss, den Altar des Windes einen Palast 

nennen zu dürfen. 

Kaku-te i-tehi-no fune-domo-wa nokori-naku utsi-kudakare- 
si-wo naka-ni-wa ke-u-ni site sima-zima-ni ntsi-agerare saiwai-ni 
Site inotsi-tasükari kudzüre-nokori-si fune-wo motomete san-man- 
nin bakari non-kumi-te madzü taka-no sima-ni ai-atsümari 
so-ko-nite fune-wo slü-fuku-site nige-kajeran-to fakari-keri. Tai- 
sib fan-hun-ko-ra midzükara ^ ^T ken~kh-no fune-wo jerande 
kore-ni utsi-nori si-sotsü-wo sütete nogare-ide-si-ga sono piku-je- 
wa sirezari-keri. Sate-mo mi-kata-wa taka-no sima-ni i-zoku- 
ra-ga jori-atsümari-si-to kiku-to fitosi-ku seo-ni saburo sa-je-mon 
ziö kage-süke-wo tai-sib-to site tsin-zei-no gun-bih-domo sü-fiakn-sb 
osi-jose-tari. Zoku-to-wa ß^ JEa ß tsio-man-ko-to iü jü-sib- 
wo tai-sib-to nasi fissi-wo kiwamete tatakai-keri. Fune ara-ba 
koso kuni-je kajerame ima-wa katsü-to-mo iki-nobi-gatasi-to 
i-zo]cu-ra-mo fissi-wo kiwame inotsi-wo kagiri-ni tatakai-nnre-ba 
mi-kata-mo ftükosi-wa utare-nure-do ika-ni site teki-si Jen san- 

13* 



196 Pfizmaier. 

zan-ni titsi-nasare sen-nin hakari-ni nari-ni-keri. Sasuga-ni 
inotsi-no wosi-kere-ba-ni-ja ßta-süra-ni kh-san-wo koi-nure-ba 
koto-gotoku ike-dori-te-zo ki-dzin-si-tari-keru. Nawo sima-zima-wo 
tan-saku-site kakure-fisomi-si zoku-to-ra-wo fitori-mo nokorazü 
utsi-tori-nu. Säte ike-dori-no zoku-to-7'a-wa tasuke-oku-to-mo mu- 
jeki nari-tote naka-gawa-hata-nite zan-zai-si aico-take jui-watasi 
sarasi-si-ga kuhi-kazü-no o-o-kere-ba jama-no gotoku-ni ntsi- 
tsümi-te sono mama-ni süte-oki-tari. 8ikaru-ni kb-rai-no gun-bib- 
wa ika-ni site nogare-ken ^ ^ ki-koku-se-si mono-mo ari-te 
utsi-zini ojoso sitsi-sen-jo-nin-ni ojobi-si-to-zo mo-ko-no zoku-gun 
ziü-man amari-wa mina-gorosi-ni-zo ai-ni-keru. Fon-goku mo- 
ko-je kajeri-si mono-wa -f-" ö kan-sio ^S pg baku-sei 
J^ ~Tj ^^ go-man-go-to iü mono san-nin nomi naH-keri. 

Somit wurden die Schiffe der fremden Feinde vollständig 
zertrümmert. Unter ihnen wm-den einige wie durch ein Wunder 
an die Inseln emporgehoben, und die Leute in ihnen retteten 
glücklich ihr Leben. Dieselben suchten die der Zerstörung 
entgangenen Schiffe. Dreissigtausend Menschen schifften ver- 
eint und sammelten sich zuerst auf der Falkeninsel. Daselbst 
beriethen sie, wie sie die Schiffe ausbessern und nach der 
Heimat entfliehen könnten, Fan-wen-hu und die anderen Heer- 
führer wählten für sich ein festes und gutes Schiff, bestiegen 
dieses und entkamen, ihre Kriegsleute im Stiche lassend, auf 
die hohe See. Wohin sie sich begeben hatten, wurde nicht 
bekannt. 

Weil die Unsrigen hörten, dass auf der Falkeninsel 
fremde Räuber versammelt seien, machten sie einmüthig den 
kleinen als Zweiter Zugesellten, Kage-suke, dritten Leibwächter 
und Gehilfen des Thores der Leibwache zur Linken, zum 
Heerführer, und kamen die Krieger des den Westen nieder- 
haltenden Kriegsheeres auf mehreren hundert Schiften heran. 
Die Räuberscharen machten einen muthigeii Anführer, Namens 
Tschang-wan-hu, zum Heerführer und kämpften mit äusserster 
Verzweiflung. Wenn sie Schiffe gehabt hätten, wären sie in 
ihr Reich zurückgekehrt. Jetzt mochten sie selbst siegen, die 
Fristung des Lebens war unmöglich. Als somit die fremden 
Räuber mit äusserster Verzweiflung und bis zur Gränze des 
Lebens kämpften, erlitten die Unsrigen zwar auch einige Ver- 



Die Geschichte der Mougolenangritfe auf Japan. Lvi 

luste, allein wie hätten Jene widerstehen können? Sie wurden 
gänzlich geschlagen und schmolzen zu etwa tausend Menschen 
zusammen. Als ihnen in der That das Leben kostbar ward 
und sie ernstlich die Unterwerfung antrugen , nahm man sie 
säramtlich gefiingen und kehrte in das Lager zurück. Man 
durchsuchte noch die Inseln und brachte die Räuber, die sich 
dort versteckt hatten, ohne einen Einzigen übrig zu lassen, 
um's Leben. Die gefangenen Räuber behielt man zwar am 
Leben, doch es war ihnen von keinem Nutzen. Man enthaup- 
tete sie an dem Flussufer des Naka-gawa, brachte zusammen- 
gebundenen Bambus herüber und stellte ihre Häupter zur 
Schau. Da die Häupter viele an der Zahl waren, häufte man 
sie zu Bergen und liess sie liegen, wie sie waren. 

Wie hätten unter solchen Umständen die Kriegsleute von 
Kö-rai entkommen können? Während es deren auch gab, die 
in das Reich zurückkehrten, betrug die Zahl der Gefallenen 
über siebentausend. Hierzu wurden über hunderttausend Men- 
schen des mongolischen Räuberheeres niedergemetzelt. Die in 
ihr Heimatland zu den Mongolen zui'ückkehrten, waren bloss 
drei Menschen, Namens Kan-tschang, Mö-tsing und U-wan-ngu. 

Makoto-ja sio-sia-no rei-Jcen arataka-ni site idzüre-wo 
idzüre-to-mo naki naka-ni-mo sina-no-no kuni sü-wa-no rai- 
jasiro-wa moto-jori ]^ |j|fi hu-zin-ni niasi-masi-kere-ha on- 
inori-mo fuka-kari-si-ni nanu-ka-ni Vj^ man-züru sono jo-ni 
atatte rio-no katatsi-wo gen-zi-tamai-si-wo i-zoku-domo loogami- 
tate-matsüri kio-fu katsü-gb-site ki-koku-no notsi sono koto-wo 
katari-tsütaje-ken zib-siü ß-sei-ken-to iü tokoro-ni nippon sü-wa 
dai-mih-zin-no jasiro-tote kan-dzih-si ima-ni itaru-made ken- 
dziü-ni sai-rei-wo itasu-to-ka-ja. Sate-mo u-tsü-no mija sa-je-mop, 
zio sada-tsuna-ioa sane-masa-no en-fei-to site tsiü-goku-zei san- 
man-jo-nin-wo in-sossi momi-ni monde osi-juki-si-ni hin-go-no 
kuni-ni itari-tsuki tsüku-si-no faja-uma-ni jiiki-ai-te koto-no 
jh-sü-wo toware-kere-ba zoku-gun koto-gotoku utare-nure-ha kih 
kama-kura-ni tsiü-sin-no tame-no tsukai nari-to-zo kotaje-keru. 
Sare-do osi-fe tsuku-si-ni ge-kb-site sane-masa-ni men-kuai-si 
sio-sib-si-no gun-rb-wo negirai nawo kai-gan-no kei-ei-wo ken~ 
go-ni nasü-beku sa-ta ojohare sika-site aki-ta-zib dzi-rb-ra-to 
onazi-ku kama-kura-je kajerare-keri. 



l9S Pfizmaier. 

Wirklich war die geisterhafte Bestätigung- der Altäre 
ofifenbar, sie war es bei allen ohne Ausnahme. Unter ihnen 
befand sich der Altar von Su-wa in dem Reiche Sina-no. Da 
sein Gott ursprünglich der kriegerische Gott war, war das 
Gebet zu ihm auch inständig. Gerade in der Nacht, in welcher 
sieben Tage voll wurden , zeigte sich der Gott in der Gestalt 
eines Drachen. Die fremden Räuber beteten ihn an, sie blick- 
ten zu ihm voll Fui'cht und Verlangen empor und werden 
dieses nach der Rückkehr in ihr Reich ' weiter erzählt haben. 
An einem Orte, welcher der District Fi-sei von Fi-tatsi ge- 
nannt wird, rechnete man sich zu den Altären des grossen 
glänzenden Gottes von Su-wa in Nippon. Bis zu dem heutigen 
Tage wird man daselbst wohl streng die Gebräuche des Gottes- 
dienstes beobachten. 

Sada-tsuna, Gehilfe des Thores der linken Leibwache des 
Palastes U-tsu, wurde Sane-masa zu Hilfe geschickt und stellte 
sich an die Spitze von dreissigtausend Kriegern der mittleren 
Reiche. Als er eifrig fortzog und in das Reich Bingo gelangte, 
begegnete er schnellen Pferden aus Tsuku-si. Er fragte, was 
es gebe, und man antwortete ihm: Da das Räuberheer voll- 
ständig aufgerieben worden, schicke man einen Abgesandten, 
damit er die Botschaft nach der Hauptstadt Kama-kura bringe. 
Er zog indessen mit Hast nach Täuku-si hinab, traf mit Sane- 
masa von Angesicht zusammen und bewirthete die Anführer 
und Krieger. Er gab Befehl, das Meerufer noch immer streng 
zu bewachen, und kehrte dann mit dem nächstfolgenden Leib- 
wächter der Feste von Aki-ta und den Anderen nach Kama- 
kura zurück. 

Safe sümera-o-o-mi-kami-ioo mija-no ne-gi ara-Jci-da fisa- 
masi tojuke o-o-mi-kami-no mija ne-gi watarai sada-ßsa-ra .ziü- 
ni-nin ki-sih-mon-tco ren-sio-sife kin-tei-ni so-mon-si-keru-wa 
P^ ^ ?'iö-^»t-wo massia kaze-no jasiro-no fo-den mei-do-süru 
koto jaja-ßsnsi mata sin-dfin-joi-i akaki kumo ßto-mnra tatsi- 
idete jjj j\\ san-sen-wo terasu sono ßkari-no nakn-jori ajasi-ki 
sügata-no mono araware-si-wa köre tada-goto-ni arazarn-hesi. 



Wie oben angegeben worden , kehrten nur Koreaner in ihre Heimat 
zurück. 



Die Geschichte der Mongnleiiangriffe auf Japan. 199 

Go-ki-nen sara-ni munasi-karazü |^ 'j^ kd-huJiii-no sin-ioi-wo 
gen-zi-tamaiva-bn to-n-goro koi-mbsti tokoro-no ^ ^^ kiü-go-ioo 
sen-ge-serare-tamaioan-to-zo so-mon-si-keru. Geni-mo kono mi- 
jasiro-no kami-no mi-i-tsü arafaka-ni site su-ziü-man-no i-ruwi- 
domo-ico toki-no ma-ni umi-no mo-kudzü-to nasi-fate-tamai-nuru 
koto-wo agame-tamai-te negai-no mani-niani kiü-go tsiokkio-no 
sen-zi-wo tamaioari-keri. Fisa-kata-no ama-tm mi-kami-no sirosi- 
mesü sümera-mi-kuni-wo kitnna-keki kono jakko-gn o-o-ke-nakii 
omoi-okosi-te iku-so-tahi loatari-kitari-nu-to-mo itsü-mo-itsü-mo 
kakn-zo aru-heki sika-ica are-do kano ^ß ^ siko-guni-no 
sire-mono-no sire-waza nare-ha mafa-mo josen koto-no aran-wo 
jose-ki-na-ha fakaru koto-gofo on-okite-ico kaku si mamora-ba 
ama-tsu mi-kami kuni-tsü mi-kami-mo mata kaku mamori- 
tamo-hesi. 

Ara-ki-da Fisa-masi, Priester des Palastes des allgebieten- 
den grossen Gottes, Watarai Sada-fisa, Priester des Palastes 
des grossen Gottes von Tojuke und Andere, im Ganzen zwölf 
Menschen, unterschrieben einen Vertrag und meldeten dem 
verschlossenen Vorhofe : Dass der letzte Altar der beiden 
Palcäste, die kostbare Vorhalle des Altars des Windes dröhnt, 
ist ziemlich lange. Ferner kommt aus der neuen Vorhalle eine 
Schar rother Wolken hervor und erleuchtet Berge und Flüsse. 
Dass aus diesem Lichte Gegenstände von wunderbarer Gestalt 
zum Vorschein kommen, kann keine gewöhnliche Sache sein. 
Das hohe Gebet ist keineswegs vergeblich. Wenn die zur 
Unterwerfung bringende göttliche Macht in die Erscheinung 
tritt, wird die Benennung Palast, um die wir durch Jahre 
bitten, nach unten verkündet werden. — Indem der Kaiser 
es in Ehrfurcht anerkannte, dass in der That die erhabene 
Macht des Gottes dieses Altares offenkundig gewesen, dass sie 
mehrere Hunderttausende fremder Geschlechter binnen einer 
Stunde gänzlich zu Abfällen des Hornblattes des Meeres ge- 
macht, erfolgte die Verkündung des Beschlusses, dass, der 
Bitte gemäss, zu der Benennung Palast die kaiserliche Zu- 
stimmung ertheilt worden. 

Das von den Göttern des lange währenden festen Him- 
mels gelenkte kaiserliche erhabene Reich haben diese schmutzi- 
gen Sclaven sich unmöglicher Weise in die Gedanken gebracht. 



200 Pfizmaier. Die Geschichte Jer Mongolenangriffe auf Japan. 

Ob sie auch etliche zehn Male herüber gekommen waren, es 
sollte immer und immer so bleiben. So ist es zwar, doch da 
es Thorheiten der thörichten Menschen jenes hässlichen Reiches 
sind, wird es geschehen, dass sie ferner auch zudringlich sind. 
Wenn sie herankommen sollten und man so das erhabene 
Gesetz bewahrt, werden die Götter des Himmels, die Götter 
des Reiches es ferner eben so bewahren. 



Verbesserung. 

S. 123 Z. 14 statt: um mit Einem Worte es zu sagen, zu lesen: nach 
der Länge (d. i. in Gestalt des Wortes ,Eins', welches ein Strich ist). 



Bemerkung. 

Der Verfasser dieser Abhandlung behält sich vor, die in dem Nippon- 
Archiv abgedruckte Arbeit seines geehrten Freundes Prof. Dr. J. J. Hoffmann 
in Leiden : , Japan's Bezüge mit der coreischen Halbinsel und mit China. 
Nach japanischen Quellen bearbeitet'., in welcher über den im Jahre 1281 
unternommenen Mongolenangriff auf Japan berichtet wird, in einer im Ent- 
stehen begriffenen Abhandlung über Geographie und andere Gegenstände 
Corea's eingehend zu besprechen. 



MuBsafia. lieber die prorenzalischen Liederhandschriften des G. M. Barbieri. JiM 



lieber die provenzalischen Liederhandseliriften 
des Giovanni Maria Barbieri. 

Eine Untersuchung 



Prof. Dr. Adolf Mussafia, 

wirklichem Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften. 



-Ln meiner Abhandlung ,del codice Estense di rime pro- 
venzali' ' hatte ich Gelegenheit des Giovanni Maria Barbieri 
zu gedenken. Dessen Sohn Lodovico schilderte sein Leben; 
die Schrift blieb unedirt, - bildete aber die Grundlage der 
Biographie Barbieiü's, welche Tiraboschi in seiner Biblioteca 
modenese I 158 veröffeutlichte. Giovanni Maria wurde im 
Jahre 1519 geboren; seine Eltern waren Bartolomeo, ein Ad- 
vocat im Dienste des Hauses Rangoni, und Lodovica Ballerini,^ 
welche, jedenfalls italienischer Abstammung, als Wiener Bür- 
gerin bezeichnet wird. Er genoss eine sorgfältige Erziehung, 
und brachte mehre Jahre seiner Jugend halb als Studien- 
genosse halb als Correpetitor bei Mitgliedern der verschwägerten 



1 Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kais. Akademie 
der Wissenschaften zu Wien, LV 339 ff. 

2 Eine nicht sehr correcte Abschrift des XVIII. Jahrh. findet sich auf 
fol. 81 — 87 der Hs. ßtSO der Wiener Hof-Bibliothek, welche, ebenso wie 
6381, einst der Familie Rangoni gehörig, eine grosse Anzahl Modenensia 
enthält. Vgl. Tabulae codicum IV 268 ff. 

3 In der Wiener Hs. : ,Lodovica llizini', und am Rande ,forse Bellin- 

zini'; dieser Name ist dann gestrichen und die weitere Conjectur ,Rizini' 
hinzugefügt worden. 



202 Muswafia 

Häuser Rangoni und Pico della Mirandola zu. Später in den 
Dienst des Grafen Ludwig- Pico getreten, begleitete er diesen 
nach Frankreich, wo Beide bei Hofe volle acht Jahre ' ver- 
weilten. Heimgekehrt, erhielt Barbieri das Amt eines Ge- 
meinde-Secretärs zu Modena; er brachte in dieser Eigenschaft 
das Gemeinde -Archiv in schönste Ordnung und wurde mit 
administrativen und literarischen Aufträgen vielfältig betraut. 
Am 9. März 1574 starb er. Aussei- lateinischen und italieni- 
schen Gedichten, einer Chronik von Modena sammt einer 
Sammlung von alten in Modena vorhandenen Inschriften, ' 
dann einer Vertheidigung Castelvetro's gegen Caro (^die meisten 
dieser Schriften sind unedirt) verfasste Barbieri unter dem 
Titel ,La guerra d'Attila'^ einen Auszug aus dem altfranzösi- 
schen Gedichte des Nicolo da Casola. Sein wichtigstes Werk, 
zu welchem er sich in reiferem Alter und nach weit ausholender 
Vorbereitung anschickte, blieb leider unvollendet. Die letzten 
Worte lauten : ,imporro fine al duodecimo capitolo, il quäle 
chiudera il primo libro dell' Arte del Rimare di me Giovanni 
Maria de' Barbieri^ Das Fragment blieb lange unedirt. Lodo- 
vico dachte schon im Jahre 1575 an eine Ausgabe; Giammaria 
Castelvetro (ein Bruder des berühmten Lodovico) billigte den 
Plan, meinte jedoch, die überaus zahlreichen provenzalischen 
Stellen müssten in's Italienische übersetzt werden, perche o 
pochissimi o forse niuno in Italia si truovi, ancorche studioso 
della volgar eloquenza, che sappia che cosa sia lingua proven- 
zale, non che la 'ntenda. Mit einem Briefe vom 18. Juli 1581 
schickte Lodovico an Corbinelli in Paris eine Abschrift aller 
provenzalischen Citate und berichtete zugleich über alles pro- 
venzalische Material, welches sein Vater hinterlassen hatte. 
Dann verlautet von der Ausgabe nichts mehr, und erst im 
Jahre 1790 entschloss sich Tiraboschi, das Werk seines ge- 
lehrten Landsmannes von der unverdienten Vergessenheit zu 



1 Dif Wiener Hs. spricht von der p:anz nnsjlanblichen Zahl von •2-2 Jahren. 

- Tiraboschi sajjt: ,Qualche raccolta ms. delle anflehe iscrizioni, che si con- 
servano in Modena, sussiste tuttora. Ma non e certo che sia quella dal 
Barhieri formata.' Die Wiener Hs. enthält, ebenfalls auf fol. 58 — 64 eine 
solche t^ammlunn;, mit der Bemerkung: ,attribnita a G. M. Barbieri'. 

3 Erscbien zu Ferrara 1568; eine zweite Ausgabe zu Parma, mit Vorreden 
von Pederzini und Galvani, führt D'Ancona in seinem Attila (Pisa 1864) an. 



Ueber die provenzalischeii Lieili rliandschriften des G. M. Barbieri. 203 

retten. Er benützte zwei einander ergänzende Hss., worin er 
Barbieri's Hand zu erkennen glaubte. Auch er sah die Noth- 
wendigkeit ein, die Stellen aus den Troubadourliedern mit einer 
Uebersetzung zu versehen, und nahm zu dem Zwecke die Hilfe 
des Ab. Gioachimo Pia ,il piü dotto e il piii profondo poHglotto 
per avventura che sia ora in Italia^ in Anspruch. Tiraboschi 
gab der Schrift den Titel: ,Deir origine della poesia riniata'; 
einen Titel, welcher für das erhaltene Fragment, das leicht als 
ein selbstständiges Ganzes angesehen werden kann, nicht un- 
passend ist. Im ersten Buche wird in der That ein Bild des 
Ursprunges und der Entwickelung der Poesie — und zwar 
fast ausschliesslich der Lyrik — bei den romanischen Völkern 
— hier wieder mit Beschränkung auf Provenzalen und Italiener, 
da der Abschnitt über die französischen Dichter von sehr ge- 
ringem Belange ist — entworfen. Dass aber das erste Buch 
nach Barbieri's Plane nur eine breit angelegte Einleitung war, ' 
während das eigentliche Werk eine Poetik hätte werden sollen, 
erhellt aus dem ersten Capitel, welches Vorwort und Widmung 



' Ich hebe aus Lodovico's Schrift folgende unedirte Stelle heraus. Er 
erzählt wie sein Vater, von einer schmerzensvollen Krankheit gepeinigt 
und sovvol mit häuslichen als mit amtlichen Arbeiten überhäuft, ,vide 
come il Castelvetro nel suo commento stampato sopra le rime del Petrarca 
lä nel Trionfo d' Amore, dove si fa mentione di Arnaldo Danielli, par- 
lando de' poeti provenzali e del loro valore ne i coraponimenti in rima, dice 
che ciö farä apparire Gio. Maria Barbieri. Per la quäl cosa egli, pen- 
sando piü a 1' onore proprio ed al giovar altrui che all' aggravio del male, 
si diede a componere un' opera, la quäle chiama Rimat-io, per esscre il 
soggetto d' essa la rima. E la intenzion sua era di partirla in due libri, 
e di trattare nel primo libru che cosa sia rima, e la derivazione di tal 
nome, d' ende al parer suo avesse principio tale trovato, e poi come 
passasse 1' uso d' esse a varie nazioni, e chi di ciascuna nazione fosse in 
essa piü famoso, e quali fiirono le cagioni d' innalzarla, e perche i Pro- 
venzali piü de gl' altri in questa s' avanzassero, e ne introducessero varie 
forme. Di qui il Barbieri prende occasione di raccontare le vite di molti 
poeti e trovatori di questa nazione, e le loro composizioni, ponendo solo 
perö i principi d' esse; nel quäle racconto e capi di canzoni consnma 
quasi un terzo del primo libro. E finitolo nel racconto de' poeti italiani, 
li quali sebbene da' Provenzali la ricevettero, nuUadimeno piü perfetta- 
mente di niun altro la hanno usata et aggradita, diede principio al 
secondo libro; ma aggravato dal male . . . mori . . . e lasci^ questa 
opera nella parte sua essenziale manchevole, e nell' accidentale seuza 
revisione; onde se ne sta come abbozzo e come frammento irreparabile.' 



204 MuKRjifia. 

an den Herzog Alphons IL enthält. Es beginnt: Se Dante 
Alighieri avesse cosi laseiato intiero come ci lasciö difettivo il 
suo libro della Volgare Eloquenza, certamente egli averebbe 
cosi ben chiarita la cosa delle rime, che nessimo dopo lui non 
averebbe avuta giusta cagione d'impiegarsi a scrivere libri in 
materia dell' arte del rimare .... S' egli ci avesse lasciati i 
quattro libri ch' egli intendeva di fare . . ., questa scienza del 
rimare sarebbe stata a' nostri tempi piü nota. Er erinnert dann 
an den Tractaten des Antonio da Tempo * und Ghidino da 
Sommacampagna, 2 lontani molto 1' uno e 1' altro dal giudicio 
e dalle facolta di Dante, i quali si occuparono in trattare cose 
di poco rilievo, tacendosi del tiitto, parlando come per in- 
cidente di quelle, che sarebbono state di utilita a sapere, e che 
allora si sapevano comunemente per tutti i rimatori. Unter 
den Provenzalen habe Raimon Vidal Las rasos de trobar ^ ver- 
fasst, nel quäle altro poi finalmente non insegna che il diritto 
uso della parlatura di Limosino, ch' era a quei tempi in pregio 
non meno che al presente appo noi la favella toscana. Es 
gebe wol ein sehr altes französisches Werkchen De speciebus 
seu coloribus rhetoricae Gallicanae.^ Dieses könne jedoch den 
Italienern wenig nützen, da es von Rotondelli, Cappelletti, 
Bergerette, Fratras, Refrains, Lai und Virlai handle, nomi 
poco ricevuti da gli sci'ittori Italiani fralle sue rime. Unter 
den Neueren habe Bembo sehr schöne aber bei weitem nicht 
genügende Bemerkungen zusammen gestellt; ein Vincenzo Cal- 
meta habe neun Bücher della volgar Poesia geschrieben; der 
Auszug davon, den er, Barbieri, gesehen habe, lasse jedoch 
das Werk als unbedeutend erkennen. Von noch geringerem 
Werthe sei Mario Equicola's Introdottorio al comporre in rima 
in lingua volgare, ein armseliger Auszug aus Antonio da Tempo. 
Die Schriften Trissino's, Minturno's, Danielli's seien voll classi- 
scher Gelehrsamkeit; was aber die Kunst in italienischer Sprache 
zu dichten betrifft, haben sie wenig Neues beigesteuert. Dies 

' Herausgegeben von G. Grion als 26. Band der Collezione di opere 

inedite etc. Bologna 1869. 
2 Herausgegeben von G. B. Giuliarl als lOö. Pnblication der Scclta di 

curiositi letterarie Bologna 1870. 
^ Vgl. unten lib. Mich. fol. 52. 
* Kennt man das Werk? Sehr alt war es jedenfalls nicht. Und war e.s, 

trotz des lateinischen Titels, In französischer Sprache abgefasst? 



Ueber die provenzalischen Liederhandschriften des G. M. Barbieri. 205 

Alles, meint Barbieri, sat;-e ich, nicht um das Verdienst aus- 
gezeichneter Männer zu schmälern, sondern um zu beweisen, 
che non essende ün qui stato detto abbastanza ne compita- 
mente dell' arte del rimare, io non senza giusta cagione mi sia 
raesso a volerne esporre quelle cli' io n' ho trovato e raccolto 
non solamente dagli uomini Italiani, ma da gli stz-aniein ancora 
di quelle nazioni, ch' ebbero fama di esserne stati i prirai tro- 
vatori. Wir haben Grund zu bedauern , dass Barbieri durch 
den vorzeitigen Tod verhindert worden ist, sein Werk zu 
vollenden. Dass wir daraus gewiss Manches gelernt hätten, dafür 
bürgt uns das erhaltene Fragment. Wir werden da durch die 
Gründlichkeit der Methode, durch die Besonnenheit der Unter- 
suchung, die sich stets auf gute Kenntniss der betreiFenden 
Denkmäler stützt, durch das fortwährende Hinweisen auf reiches 
handschriftliches Material in sehr angenehmer AVeise überrascht. 
Ja selbst in Aeusserlichkeiten zeigt sich die Genauigkeit des 
Verfassers. Bei den meisten Citaten werden die Quellen an- 
gegeben, und zwar sowol die Handschrift als die Foliozahl. 
Die Art des Mannes, welcher vor dreihundert Jahren gerade 
so arbeitete, wie wir es nun gewohnt sind, heimelt uns an; 
wir fühlen uns zu ihm, wie zu einem Studiengenossen, hin- 
gezogen. Am meisten interessiren uns jene Abschnitte des 
Werkes, welche von der Troubadourpoesie handeln. Denn 
Barbieri hatte die provenzalische Sprache und Literatur zum 
Gegenstande seiner eifrigsten Beschäftigung gemacht. Nach 
den Berichten seines Sohnes benützte er den langjährigen Auf- 
enthalt in Frankreich um unter der Leitung eines Secretärs 
der Königin, welcher Provenzalisch ausgezeichnet verstand, 
diese Sprache zu erlernen. Ferner gibt Lodovico in dem oben 
erwähnten Briefe an Corbinelli an, in den nachgelasseneu 
Schriften seines Vaters hätten sich vorgefunden: 1. sechs eigen- 
händig geschriebene Bände provenzalischer Gedichte ; 2. eine 
italienische Uebersetzung zahlreicher Lieder; o. eine italienische 
Uebersetzung der Biographien. Endlich habe er in Erfahrung 
gebracht, Mons. Carnasccca besitze eine provenzalische Gram- 
matik und ein Wörterbuch, die ebenfalls von seinem Vater 
herrührten. In Bezug auf die erste der letzteren Schriften 
sagt er dann in der Lebensbeschreibung, er habe in Padua, 
bei Herrn Giovanni V^incenzo Pinelli eine Uebersetzung einer 



206 Mu8safia. 

provenzaliscbeu Grammatik eing-eseheu und sogleich die Schrift 
seines Vaters erkannt. ' Barbieri selbst citirt nun in seinem 
Werke beständig vier Handschriften, die er Libro di Michele, 
Libro in Assicelle, ^ Libro slegato und Libro Siciliano nennt. 
So lange wir zu einer anderen Annahme nicht gezwungen sind, 
lassen sich darin am Leichtesten vier von den oben erwähnten 
sechs Handschriften erblicken. Diese Handschriften genauer 
kennen zu lernen, sie durch Zusammenstellung der Citate, so 
weit es möglich ist, zu reconstruiren und deren Verhältniss zu 
den anderen bekannten Handschriften zu ergründen, schien 
mir eine die Mühe lohnende Aufgabe. Ich theile in folgenden 
Blättern das ganze Material und die Ergebnisse, die sich mir 
darboten, mit; ersteres deshalb, weil jene Fachgenossen, welche 
über reiche handschriftliche Sammlungen verfügen, durch Ver- 
gleichung der Varianten leicht zu weiteren Resultaten gelangen 
könnten, welche die von mir gewonnenen bestätigen oder mo- 
dificiren. Ich beginne mit einer summarischen Darlegung des 
Inhaltes aller jener Abschnitte, in denen Provenzalisches zur 
Sprache kommt. 

Im IL Capitel ,che cosa sia Rima* wird bemerkt, dass 
Provenzalen und Italiener die Formel suono e inotto für rima 
gebraucht haben, und aus Ersteren die erste Strophe von Peire 
d' Alvernha's Cid hon vers agrad' auzlr (o. A.) ^ und die erste von 
Arnaut Daniel's Autet e has entrels prims fneills (o, A.) angeführt. 

Das V, CapiteH handelt ,della propagazion della poesia 
per mezzo degli amori de' poeti', und es werden da zwölf 



^ Die Hs. Pinelli ist nunmehr die Am])rosiauische D 465 inf. Dort stellen 
zwei Uebersetzung-en des Donatus provincialis. Man wäre geneig't in 
einer derselben Barbieri's Arbeit zu lerblicken, wenn aucli bei dem Um- 
stände, dass Dieser Las rasos de trobar kannte und wahrscheinlich be- 
sass, man bei einer von ihm verfertigten Uebersctzung einer provenzali- 
schen Grammatik eher an Vidars Werk denken würde. 

2 Die Abkürzung ist stets lih. Asc; Tiraboschi nennt die Hs. Lihro dalJe 
Assie; Lihro dalle Aste in meiner Abhandlung ist ein Druckfehler. Ich 
erkläre die Sigla als asuicelle = Deckbrettchen. 

^ D. h. ohne Angabc der Hs., welcher das Citat entnommen worden ist. 

^ Da die Rubriken fast aller Capitel angegeben sind, mögen hier noch die des 
III. und IV. stehen : Dell' origine c dcll' antichitä dellc rime — Propa- 
gazion della rima degli Arabi agli Spagnuoli e a' Provenzali. Letzterer 
Abschnitt ist wohl der sclnvächste des Werkes. 



Ueber die provenzalisclien Liederluiiidsi-hriften des (i. M. Barbieri. 207 

jDovelle' von Troubadouren erzählt, deren Lieder durch Liebes- 
abenteuer veranlasst wurden. Es sind theils wörtliche Ueber- 
setzungen der Biogi'aphien, theils Auszüge aus denselben. Die zur 
Sprache kommenden Dichter sind: Arnaldo Daniello/ Rambaldo 
di Vaqueiras (o. A.), Pietro Vidale (o. A,), Arnaldo de Marveill 
(o. A.), Gauselm Faidit (o. A.), Folchetto di Marsiglia, Guglielmo 
di Saint-Leidier o Saint-Didier, Guglielmo da Capestaing, 
Ramondo di Miraval, Pens de Capdueill, Guglielmo di Balaon, 
Jaufre Rudel di Blaia. Ueberall werden einzelne Strophen 
oder Verse aus den Liedern der betreffenden Dichter anoeführt. 

Im VI. Capitel ,deir avanzamento delle rime per gli amori 
de i nostri poeti d' Italia' ist die Rede von Selvaggia, die ge- 
wöhnlich (wegen Petrarca, Trionfi d'Amore IV 31) als Geliebte 
Cino's da Pistoja bezeichnet wird. Barbieri wagt nicht zu 
widersprechen, erlaubt sich jedoch einen Zweifel auszusprechen, 
da er eine berühmte Selvaggia auch bei den Troubadouren findet. 
Er führt zwei Stellen aus Amerigo di Belenuei und je eine von 
Ugo di Sansir und I^anfranco Cicala an. 

Im VII. Capitel ,per opera e favore di quali uomini 
grandi montassero le rime in pregio' werden die Estenser ge- 
rühmt und die bekannte Selbstbiographie von Maistre Ferari 
mitgetheilt. 

Im VIII. Capitel ,de i volgari che si hanno da avere in 
considerazione nel preseute trattato per conto delle rime' werden 
die provenzalischen Verse Dante's (Purg. XXVI ff. ; Anfang und 
Schluss der dreisprachigen Canzone) angeführt, dann der Vers, 
welcher in Petrarca's 2 Lied Lasso me u. s. w. Aufnahme fand. 

Im IX. Capitel ,de gli scrittori o rimatori fi'anceschi' wird 
jDerros' der Verfasser des Roman de Renart angeführt; del 
quäl libro non averei io qui fatta menzione, se in leggendo gli 
scrittori provenzali non vi avessi trovati cotali nomi e novelle, 
chenti pone e racconta il prenominato autore, come in un ser- 
ventese di Peire Cardenal : Las aviairitz u. s. w. 



In dieser luluiltsübersiclit gebe icli die von Barbieri an den betreöeudcn 
Stellen gebotenen Formen; in der Beschreibung des Iniialtes der Hss. 
gebrauche icli dagegen für die Namen der Dichter die von Bartsch an- 
gewandten Wortforraen. Auch folge ich diesem Gelehrten bei der Wahl 
der Siglen zur Bezeichnung der einzelnen Hss. 

Wenn Bartsch im Jahrb. XI 38 das Lied als Dante gehörig bezeichnet, so 
ist dies ein Lapsus calami, welchen er selbst Jahrb. XIII 2« berichtigt. 



208 Mussafia. 

Das X. Capitel fS. 95 — 138) handelt ,de i trovatori pro- 
venzali'. Nach einigen Bemerkungen über die Sprache, beginnt 
er mit der Aufzählung der Dichter. Zuerst spricht er, der be- 
kannten Stelle Petrarca's folgend, vom Aeltesten: Peire d' AI- 
vernhe, dann * Giraud de Borneill, ' und da Dante Diesem Arnaut 
Daniel vorzog, wird hier auch Dieser besprochen, und dessen 
Freundschaft init Bertran de Born erwähnt. Ein eigener Ab- 
schnitt ist dann Letzterem gewidmet. Wahrscheinlich durch die 
Erwähnung von Bertran in den Cento novelle antiche kommt 
Barbieri nun auf Rigaut de Berbezill zu sprechen, dessen Lied 
Atressi com l'olifans (o. A.) vollständig mitgetheilt wird. An 
Petrarca wieder anknüpfend wird Folquet de Marseilla erwähnt 
und das ganze Lied Tan m'ahelis (o. A.) gedruckt. Es folgen 
* Peire Vidal, Gauselmo Faidit. Als Petrarca von dem men famoso 
Arnaldo sprach, mag er *Arnaut de Marveill gemeint haben; 
da aber unter den Provenzalen andere Dichter dieses Namens 
vorkommen , so mögen sie erwähnt werden : Arnaut Plages, 
Arnaut Catalans, Arnaut Tintinhac. Als Petrarca sagte : l'uno 
et l'altro Paimbaldo, so verstand er unter dem Einen gewiss 
Raimbaut de Vaqueiras; unter dem Anderen kann man Raim- 
baut d' Aurenga oder Raimbaut Deira verstehen. Drei Ame- 
righi findet der Verfasser: Aimeric de Belenuei, Aimeric de 
Peguillan, Americ de Sarlat. Unter den Ughi gab es Uc de 
Samsir, Uc da Pena, *Uc Lo-brus, Uc de Bersie. Bei Letz- 
terem wird Folquet de Romans erwähnt, und bei dieser Ge- 
legenheit auch über Diesen berichtet. Zu den Ughi wiederkeh- 
rend, wird noch Uget de Mataplana angeführt, und einige Verse 
seines Liedes D\m serventes mitgetheilt. Bei dieser Gelegenheit 
wird auch der Streich berichtet, welcher Raimon de Miraval 
gespielt wurde und zu Uc's Serventes Veranlassung gab. Der 
Guglielmi gibt es Viele: *Guilem de Capestanh, *G. de Saint 
Leidier, *G. de Balaon, welche, da sie früher zur Sprache 
kamen, den Verfasser nicht mehr aufhalten dürfen. Dann 
G. de Berguedam, G. de Salanhac, G. Magret, *G. de Biais o 
de Biarn, *G. de Dur Fort, G. Montanago, G. de Saint Grigori, 
G. de la Tor, *G. Figera, über welchen Amerigo di Peguillan 
und Sordello je eine Cobla dichteten. Doch genug der Guglielmi 

' Ich bezeichne mit einem Sternchen die Namen jener Dichter, von denen 
an der bitrellenden Stolle keine Verse citirt werden. 



Ueber die provenzalinchen Liederhandschriften des G. M. Barbieri. 209 

e passiamo ad altri d' altri nomi diversi 1' uno dall' altro, secondo 
che mi si presenteranno dinanzi : Maistre Miquel de la Tor; 
Bertrams ancora della Torre, a cui mando il Delfino la seguente 
stanza: Mauret u. s.w.; Daude de Pradas; Bernard de Pradas 
(o. A.); *Gui, *Netbles e *Peire Elias (o. A.) tutti cognominati 
D'Uisel; * Bernart de Ventadorn; *Pons de Capduill; Lafranc 
Cigala; Raimon Vidal; *Perol d'Alvernia; Elias Cairel; Elias 
Fonsalada; Elias de Bariol; Peire Cardenal; *Marcabrus; Luquet 
Cataluze ; Girot lo Ros; Girant d'Esphanha; Cadenet; Gui de 
Cavaillon und Bertram Folcou, welche mit einander coblas 
wechselten; Pistoleta; Peire Raimon und Albertet de Sestaro, 
welche beide das Haus Malaspina hochpriesen; Alegret; *Ber- 
tran de I^amanö; le Monges de Ponsibot o de Poi Cibot; le 
Monge de Montaudou. Es folgt endlich eine Reihe von Dichtern, 
von denen nur der Name angegeben wird. Wir theilen später 
das Verzeichniss mit, — Es folgen die Frauen: Maria de Ven- 
tadorn; Coutessa de Dia; Lombarda; Alamanda; *Guiscarda, 
über die Beltram del Bornio eine Strophe dichtete; Na Tibors; 
Niseus de Cassion und Nalmucs da Castelnovo, welche mit 
einander coblas wechselten. 

Im XII. Capitel ,de' nostri rimatori d' Italia' ' werden die 
einzelnen bei Dante's de vulgari eloquio erwähnten Dichter 
besprochen, darunter Sordello, 



Schon aus diesem Auszuge lässt sich eine kleine That- 
sache erkennen; dass nämlich die sechs ersten Blätter von b 
(Barb. XLVI. 29), welche im vorigen Jahrhunderte geschrieben 
wurden, nichts Anderes als eine Sammlung der von Barbieri 
angeführten Stellen sind. Nur sind die Blätter verstellt und 
müssen nach folgender Concordanz in Ordnung gebracht werden: 
Das jetzige 5. soll das 1. werden; 



6. 




2. 


1. 





3. 


2. 




4. 


3. 




5. 


4. 




6. 



' Das XI. Capitel handelt ,clei tsiciliani'. 
Sitzuugsber. d. phil.-hist. Cl. LXXVI. Bd. IL Uft. 14 



210 I Mussafia. 

Die Sammlung reicht nur bis zum Citate aus Uc de Saint 
Circ Lonjamen ai atenduda (S. 114 des Druckes). Die bei- 
gegebene Uebersetzung- wird gewiss die nämliche sein, welche 
im Drucke erscheint, und so mag Pia, wenn nicht der Sclireiber, 
so wenigstens derjenige gewesen sein, welcher die Sammlung 
von Barbieri's Citaten, etwa als Vorarbeiten zum Drucke, veran- 
lasste. Einen kleinen Unterschied zwischen b und dem Drucke 
finden Mär darin, dass während Letzterer für den Gebrauch der 
Verbindung von so und moi nur zwei Beispiele anführt, b noch 
drei Belegstellen anführt. Es könnte allerdings möglich sein, 
dass dieser Zusatz von dem Sammler der Citate Barbieri's 
herrühre: weit natürlicher aber scheint mir die Annahme, Bar- 
bieri habe in sein Werk fünf Stellen aufgenommen, die Pia 
alle übersetzte; und der Herausgeber, Tiraboschi, habe dann 
deren zwei für genügend erachtet und die drei letzten unter- 
drückt. 

Die Verse, welche Bartsch Jahrb. XI 33 — 35 aus dem 
ersten Theile von b mittheilt. stimmen fast immer genau mit 
dem Drucke überein. Nur hie und da kleine Abweichungen. 
So hat der Druck in Petrarca's Liede die verderbte Lesart: 
Dreitz e raison es qu'ieu ciant d'amors,^ b dagegen die rich- 
tige em demori. Vgl. auch beim Citate aus Gaucelm Faidit, 
wo der Druck Chansos, vai tost e corren; bei Bartsch vai 
ten tost. 

Aus dem Gesagten erhellt, dass dieser erste Theil von b 
nicht eine Handschrift darstellt^ da sich hier Fragmente aus 
allen von Barbieri benützten Handschriften vereinigt finden. 
Daher dürften auch in Bartsch's Verzeichnisse alle Hinweise, 
welche auf diesen Theil von b sich beziehen, am besten weg- 
bleiben. 



' Ueber diese so weit verbreitete Variante vgl. Crescimbeni II 26. Man 
kann kaum l)egrcifcn, wie sich dieselbe gegenüber der den älteren Com- 
nientatoren wol bekannten demori behaupten konnte, da doch der Reim 
ßori das Richtige zeigte. Einige Ausgaben haben d' amoin-i, d'amori; 
dem Reime zu Liebe scheute man nicht den Hybridismus der Sprache. 
Harbieri entlehnte wol den Ver-s den Ausgaben Petrarca's; er scheint 
nicht das Lied in seinen Hss. gehabt zu haben. 



üeber die pi'oveDzaliscben LiederliandBuliriften des G. M. Barbieri. 2l.i. 

Es folgen nun Barbieri's Citate, nach den Handschriften 
geordnet, denen sie entnommen sind. 

A. Libro di Michele. 

Fol. 1. MIQUEL DE LA TOR, che raccolse al suo 
tempo in un libro molte rime d' altri trovatori, come eg-li dice 
nel principio di esso libro, con queste sue parole: 

Maistre Miquel de la Tor de Clarmon del Vernhesi 
escrius aquest libre estant eu Monpeslier etc. 

Sieh fol. 68. 

Fol. 2. 

Fol. 3. MARCABRUS, che tu scrittore di serventesi, ma 
con minor leggiadria e dignita (d. h. als Peire Cardinal, der 
unmittelbar vorher genannt wurde) e fu quasi come un Bur- 
chiello tra' Provenzali. 

Fol. 4. GUII.EM DE DURFORT da Caors, di cui si 
leggono due serventesi. In der That schreibt C diesem Dichter 
zwei Lieder zu; von denen eines — Quai- say petit ni met en 
razon larga — sich nur in dieser Hs. findet, das andere — En 
Raimon heus tenc a grat — nur von dieser Hs, dem Guillem 
de Durfort zugewiesen wird; R nennt den Dichter Raimon 
de Durfort; nach anderen Hss. gehört das Lied Türe Malec. 

Auf demselben Blatte fand sich noch: 

Fol. 4. FEIROL D'ALVERNHA. Barbieri gibt nur die 
Biographie, die er ein wenig abkürzt. Der Mann von Dona 
Saill heisst Bernard, statt Beraut. 

Fol. 5. 6. 

Fol. 7. SORDEL. Di sue rime in lingua-di si non ho 
io fin qui veduta cosa alcuna; ben n' ho vedute molte nel vol 
gare di lingua d' oc, e fralle altre una cauzone che comiucia : 

Aitan ses plus viu hom quan viu jauzens 
C'autre viure uos deu vid'appellar, 
Per so m'esfors de viur' e de renhar 
Ab joi per leis plus coratjozamens 



212 Mussal'ia. 

Servil-, qu'ieu am ; quar hom que viu smarritz 
Non pot de cor far bos faitz ni grazitz; 
Doncs es merce sim fai la plus grazida 
Viure jauzen, pos als nom ten a vida. 

Das Lied ist in CFIKMRde enthalten, die erste 
Strophe in D^ 

Fol. 9. GUILLEM DE SALANHAC che cantö per la 
contessa di Burlatz ligliuola del conte Raimondo di Tolosa, di 
cui dice nella chiusa di una sua canzone: 

Pros comtessa, sobrenom avetz ver 
Car gen burlatz ' e metetz vostr'aver 
E faitz tezaur de fin pretz benestan, 
C'autra dompna del mon non val aitan. 

Es muss das Lied A vos cui tenc per domn'e per seignor 
gemeint sein, welches in Ce unserem Dichter (C Salinhac, e 
-ank-), in R aber Gui d'üisel zugeschrieben wird. J hat nur 
die erste Strophe, und zwar anonym. Das Lied wurde von 
Raynouard HI 394 ^ abgedruckt. Den oben angeführten Versen 
entsprechen bei ihm folgende: 

Bella dompna, de vos puesc dir en ver 
Que de fin pretz, d'amicx e de poder 
Crejssetz totz jorns eus anatz melhuran, 
Qu'autra dompna del mon ges no val tan. 



Bedeutet wol ,verschwenden' oder mehr optimistisch ,freigebig vertheilen'. 
Es ist das perchh burli? von Inf. VII 30. Sind andere provenzalische 
Beispiele bekannt? 

Rayn. nennt den Dichter Girant de S.; wol aus Versehen, da keine Hs. 
diese An}>-abe bietet. — Es mög-e bei dieser Gelegenheit hier eine Be- 
merkung Platz finden. Ce enthalten ein anderes Lied Guillem's de S.: 
Per aolatz e per deport. Bartsch verzeichnet es unter Guiraut de S. und 
zwar nach R. Aber sowol Meyer in seiner Beschreibung von R als Bartsch 
selbst in der Chrest. geben an, in R finde sich nur der Anfangsbuchstabe 
O. und dann de. Solonhan. Wenn wir letzteren Namen nach C e richtig 
stellen, so müssen wir umsomehr diesen Hss. bei der Erklärung der Ini- 
tialis folgen. — Nach Bartsch findet sich dieses Lied in C wiederholt? 
und zwar dieses Mal dem Aimeric de Belenuei zugeschrieben. Aus dem 
Catal. des mss. etc. ersehen wir aber, dass es unter Raimon Jorda sich 
findet; da Aimeric unmittelbar vorangolit, so erklärt sich leicht das kleine 



üeber die provenzalisclien Liodorhandschrifteu des G. M. Barbieri. 'ZiO 

Raynouard dürfte seinen Text eher C als R entnommen 
haben. Wie liest letztere Hs.? In e lautet die Strophe wie 
bei Rayn., nur mit folg-enden Varianten : 1 Bell'amia et v. 
4 Cnr kom non pot far meills son henestan. ' 

In diesen Versionen fehlt demnach die Anspielung auf 
den Namen der Gräfin. Von dieser Dame wussten wir bisher 
nur, dass sie von Arnaut de Maroill besungen worden; da wir 
von Guillem's de Salinhac Leben sonst keine nähere Kunde 
haben, so fehlt uns das Mittel Barbieri's Angabe, welche viel- 
leicht nur den angeführten Versen entnommen ist, zu con- 
troliren. Wie verhält es sich mit diesen Versen? Ist die 
Raynouard'sche Version die ächte, und die Anspielung später 
hineingetragen worden? Oder wurde die ursprüngliche Ver- 
sion, welche LMich. bietet, durch Beseitigung der Anspielung 
modificirt? I^etzteres erscheint glaubwürdiger. Es verlohnte 
sich der Mühe, der Sache nachzugehen. 

Auf demselben Blatte auch: 

Fol. 9. GUILLEM DE BIARN di cui abbiamo una can- 
zone, che corre artificiosamente per tutte le stanze con le otto 
ultimo parole dei versi prese nella prima stanza. Dies passt 
genau zum Liede Si col maistre vai prendre C D R e. — Am 
Rande dieser Notiz findet sich ,lib. Mich. car. 9. 87.^ Da wir 
nun bloss dieses Lied Guillem's kennen, so nimmt uns die 
Angabe von zwei Stellen Wunder. Sollte das Lied im Lib. 



Versehen von Bartsch. In der That findet sich in B.'s Verzeichnisse 
unter Aimeric kein Hinweis auf dieses Lied, und unter Eaimon Jorda 
wird, als in C enthalten, ein Lied Per solatz e per dcporl verzeichnet. 
Das Bruchstück bei Raynouard zeigt überdies, dass dieses Lied von dem 
Guillem's de Salinhac ganz verschieden ist. Es folgt daraus, dass C nicht 
etwa das Lied Guillem's zwei Mal, sondern zwei Lieder mit gleichem An- 
fange enthält. Die Worte ,Aimeric de Belenoi C-' sind in Bartsch's Ver- 
zeichnisse 240,4 zu streichen. — Endlich sei bemerkt, dass die beständige 
Verwechslung zwischen Guillem und Guiraut de S. sich auch beim Lied 
Tot en aital esperansa wiederholt; nach Bartsch schreiben es sowol IJ als 
M dem Guiraut zu; was M betrifft, kann man daran zweifeln, denn die 
Abschrift g nennt den Dichter Guillem de Salenic (eine Variante von 
Salinhac). 
1 Ich verdanke die Mittheilung der Lesart von e der Güte meines Freundes 
E. Monaci in Kom. 



214r Mussafia. 

Mich, zwei Mal vorgekommen sein? Oder enthielt diese Hs. 
noch ein Lied, das von Guillera herrührte, oder ihm wenigstens 
zugeschrieben wurde? Oder beruht endlich die Zahlangabe auf 
einem Versehen? 

Fol. 10. aUILLEM MAGRET che fece la canzone che 

comincia: 

Aiga pueia contramon 

Ab fum, ab netbia et ab ven. 

Es sind die zwei ersten Verse eines Liedes, das in D E 
IKTe unserem Dichter zugewiesen wird; CR Guillem Ade- 
mar, W anonym. 

Fol. 11. 

Fol. 12. GUILLEM DE MONTAIGNAGOUT, poeta 
morale nelle sue canzoni, delle quali l'una comincia: 

Nuills hom no val ni deu esser prezatz 
S'aitan can pot en valor non enten. 

Das Lied findet sich in A C E F I K M R T d e f . 

Auf demselben Blatte : 

Fol. 12. GÜIRAUDOT LO ROS del tempo del Delfino 
d' Alvernia, che fu quegli che disse : 

Veus la dereira chanso 
Que Jamals auziretz de me. 

Es sind die ersten Verse eines in C D E R e enthaltenen 
Liedes. In C D lautet das erste Wort aujatz (auzatz), in R 
Vec vos, in E Deus, das auf Veus zurückführt, in e wie bei 
Barbieri. 

Fol. 13. AIMERIC DE BELENOI; eine kurze Bio- 
graphie, die bis auf kleine Weglassungen mit der bei Ray- 
nouard übereinstimmt. 

Vgl. noch Lib. in Asc. fol. 105. 

Fol. 14. JAÜFRE RUDEL. Die Biographie bei Ray- 
nouard niif geringfügigen Abweichungen. Bei den Citaten 
macht hier Barbieri eine Ausnahme und gibt auch die Zahl 
des betreffenden Liedes an. 



üeber die provenzalischen Liederhandschriften des G. M. Barbieri. ^15 

Ganz. 3, Str. 2. 

Amol" de terra londana, 
Per vos totz lo cors mi dol, 
E non puex trobar mecina 
Tro veng-al vostre reclam. 

Es sind die vier ersten yerse der zweiten Strophe von 
Quan lo i'ius de la fontana ABCDEIKMRSUe. Aus 
Stimming-'s Ausgabe ersieht man, dass die Lesung- des 4. Verses 
M e eigenthümlich ist , während die anderen Hss. si non vau, 
s'ieu non vau, si non al^ si nom val, seu non a val bieten. 

Ganz. 3. ^ 

Entre g-rec e tramontana 

Volgra esser ins el mar. 
Die ersten zwei Verse einer unächten Strophe, welche 
nur in e vorkommt. Nach Stimming liest e dins. 

Ganz. 4, Str. 2. 

Quel cor joi d'autr'amor non a 
Mai d'aisella que anc no vi. 

Sie gehören zu No sap chantar quil so no di, G E M R e e^. 
Im 2. Verse bieten GM und e^ starke Varianten^, ERe lesen 
wie Barbieri. Im 1. weicht auch R ab; nur Ee wie Barb. 

Ganz. 6, Str. 2. 

Ai! car mi fos lai pelegris, 

Si que mos futz e mos tapis 

Fos pels sieus bels hueills remiratz, 

Die drei letzteu Verse einer Strophe von Lanquan li jorn 
son lonc en mai ABGDEIKMRSe, dem Gaucelm Faidit 
in W zugeschrieben. Die Strophen folgen einander nicht überall 
in gleicher Ordnung; unsere Strophe ist die zweite nur in 
C W e. — Das ,libro di Michele' enthielt demnach alle sechs ^ 
Lieder Jaufre's, auch ßels m'es l'estius und Pro ai del chant, 
die nur in G e enthalten sind. 



1 Hier fehlt die Angabe der Strophe. 

2 Ce haben ein siebentes Lanquan lo temps renoveUa, von Bartsch nach der 
letzten Strophe Grimoartz zugeschrieben. Möglich dass das libro di 
Michele auch dieses Lied, uud zwar als Jaufre gehörig, enhalten hat. 



iilD MuBsafia. 

Fol. 15. LANFRANC CIGALA fu de' nostri d' Italia e 
Genovese, ina compose canzoni in Provenzale, come quella in 
lode della Vergine, che comiücia: 

En cliantan d'aquest setgle fals 
Ai raaint'obra perduda, 
Don cre aver pena (1. -as) mortals 
Si merses no m'aiuda; 
Perque mos chans si muda 
E vueil l'ofrir 
Lai don venir 
Mi pot complida aiuda, 
Sol no sia irascuda 
La Maire Den cui rnos chantar saluda. 

Nur in C I K d e. 

Auf demselben Blatte: 

Fol. 15. LUQUET CATALUZE, che fece un serventese 
della piigna del re Manfredi, di Carlo d'Angiö e di Corradino 
per lo reame di Cicilia^ il quäle comincia: 

Cora qu'ieu fos marritz e consiros 

Es folgen noch drei Verse. Das Lied findet sich nur in 
e, welche Hs. auch die gleiche Form des Namens des Dichters 
bietet. Aus e wurde das Lied durch Bartsch bei Schirrmacher, 
Die letzten Hohenstaufen (Göttingen 1871) abgedruckt; die 
vier ersten Verse stimmen buchstäblich mit Barbieri's Text 
überein. — Am Rande dieser Notiz über Luquet findet sich 
,lib. Mich. car. 15 e 51'; diese Hs. enthielt demnach wenigstens 
zwei Lieder dieses Dichters. Das andere mag die Tenzone mit 
Bonifacio Calvo gewesen sein, die in a enthalten war. 

Fol. 16. 

Fol. 17. AIMERIC DE PEGUILHAN citato da Dante 
in una canzone che dice: 

Si com l'albre que per sobrecargar 
Franh si mezeus e pert son fruit e se, 
Ai ieu perdut ma bella done (-n') e me 
E mos engenhs s'es fraitz per sobramar. 

In den meisten liss. enthalten. 



üeber die proveuzalischen Liederhiiiidscliriften des G. M. Barbieri. 217 

Fol. 17. 18. GAUCELM FAIDIT. Im V. Cap. wird als 
fünfte jNovelW die Geschichte der Liebe des Dichters zu 
Maria de Ventadorn erzählt, aber, wie schon oben bemerkt, 
0. A. der Quelle. Im X. Cap. ist wieder die Rede vom Dichter, 
und der erste Theil der Biographie (= Mahn VII) wird mit- 
getheilt. Als Beispiel der häutigen Erwähnung des Marquis 
von Monferrato in Gaucelm's Liedern werden angeführt : 

Chansos, vai [ten] tost e corren 
AI pros Marques, de cui es Monferratz; 
Dill que greu m' es, car lai non soi tornatz. 

Aus dem Geleite von S'om pogues partir son voler, einem 
Liede, das in den meisten Hss. Vorkommt. 

Fol. 19—24. 

Fol. 25. BERN ART DE VENTADORN; nur die Bio- 
graphie, welche der bei Raynouard abgedruckten entspricht. 

Fol. 26. 27. 

Fol. 28—32. ARNAUT DE MARUEIL. Nur wenige 
biographische Angaben: er war aus dem Bisthume Peiregors, 
schön, von armer Abkunft, dichtete gute Lieder^ sang gut und 
las gut Romane vor. Am Rande ,lib. Mich. 28 e 32', was wol 
besagt, dass dessen Lieder auch die mittleren Blätter füllten. 

Auf diesen Dichter folgte jedenfalls unmittelbar: 

Fol. 32. ARNAUT DANIEL. Unter den Novellen des 
V. Capitels betrifft die erste diesen Dichter. Es ist eigentlich 
nur eine kurze, der Biographie entnommene Notiz: gran maestro 
d'amore, il quäle amö un' alta donna di Guascogna d'Aguis- 
monte moglie di Guglielmo di Bouville, dalla quäle nondimeno 
,con tutto il suo cantare tanto esaltato dal Petrarca e da Dante' 
non fu creduto che mai ottenesse piacere alcuno per conto 
d' amore. Daran schliessen sich die drei Verse leu soi Ar- 
nautz u. s. w. in gleicher Lesung wie in der Biographie an ; 
während aber letztere nicht angibt, welchem Liede sie ange- 
hören, mag Barbieri sich die Mühe genommen haben, es hei-aus- 
zufinden; er bemerkt, sie seien aus dem Schlüsse von En cest 
sonet coind'e leri. Dann fährt Barbieri, von der Biographie 
unabhängig, fort: Ma pel contrario disse in un'altra canzone 



218 Mnssafia. 

Ans quel sim reston dels brancas 
See ni despoillat de fueilla 
Farai, e'amors m'o comanda, 
Breu chanso de razo lonja, 
Que g-en m'a duoit de las artz de sa escola; 
Tant sai quel cors fauc restar de Suberna 
E mos bou es plus correns que lebres. 

In zahlreichen Hss. enthalten. 

Fol. 33. Aus diesem Blatte werden dann im X. Capitel 
Arnaut's Verse angeführt: 

Arnautz tramet son chantar d'ongla e d'onche 

(1. oncle) 
Ab grat de leis que de sa verja l'arma 
An Dezi rat, c'ab pretz dim (1. dins) cambra intra. 

Die unrichtige Stellung im ersten Verse statt d'oncle e 
d'ongla auch in C. Die Sestine wird von Barbieri auch ander- 
wärts citirt. Bei Erwähnung von Guilem's de S. Gregori Sestine 
Ben gy^ans avoleza intra wird bemerkt, dass sie eine Nach- 
ahmung von Arnaut's Lo ferm voler quel cor misiira (sie!) sei; 
am Rande ,Mich. Car. '; den für die Ziffer leer gebliebenen 
Raum können wir nun mit 33 ausfüllen. Sonderbar ist der 
Fehler misura statt m'intra, da er gerade das in Frage stehende 
Verhältniss der zwei Lieder verwischt. 

Fol. 34. 

Fol. 35. FOLQUET DE MARSELHA. Aus der aus- 
führlicheren Biographie wird jene Stelle mitgetheilt, in welcher 
die Liebe des Dichters zu Azalais de Roca Martina erzählt 
wird; von der Gemalin Wilhelms von Montpellier ermahnt nicht 
zu verzweifeln, dichtete er folgendes Lied: 

Tant niou de cortesa razo 
Mos chantars che noi dei faillir, 
Enans hi dei meills avenir 
C'anc non fis; e diraus so 
Que l'amperairitz men somo, 
E plegram fort que men gequis 
S'ill m'o sufris, 
Mas car ill' es sim'e rais 



Ueber die proveazalischen Liederhaudschriften des G. 31. Barbieri. 219 

D'ensenhamen, 

Nos cove c'al sieu mandamen 
Sia mos sabers flacx ni lens, 
Ans tanh que doble mos engens. 
Fol. 36. 

Fol. 37. GülRAUT D'ESPANHA che fece canzoni in 
provenzale come quella che comincia: 

S'ieu an pastor non chantava 
e: 

Qui en pastor non chanta non par gais. 

Beide Lieder sind nur in C E enthalten. Pastor- ist selbstver- 
ständlich ein Versehen für pascor. Rührt es von dem libro di 
Michele her? Oder hat sich Barbieri, oder Pia verlesen? 

Fol. 38. 

Fol. 39. ELIAS CAIREL mostra che egli fosse innamo- 
rato in Grecia per gli sottoscritti versi: 

Vers, tost e corren ten passa 
Tot dreg' lai en terra grega; 
Madona, sill platz, t'enteuda 
C'autra res nom pot rebre. 
Eines der Geleite von Ära no vei poi ni comba A C D E 
G H I K N R. Vgl. über den Dichter Lib. Sicil. fol. 7. 

Fol. 40—42. RAIMBAUT DE VAQUEIRAS. Eine Er- 
zählung über ihn unter den Novellen des V. Capitels; siehe 
unten, E III. Im X. Capitel einige Daten aus dem Anfange der 
Biographie; fu messe in credito per Guglielmo del Baus prin- 
cipe d'Aurenga. Als Beispiel des Namens ,bel cavalier', womit 
Raimbaut Beatrice bezeichnete, wird aus fol. 41 angeführt: 
Bei cavalier, en vos ai m'esperansa, 
[E] car vos es del mon la plus prezans, 
E la plus pros, non mi deu esser dans, 
Car vos rai des conseill e fort fermansa. 

Erstes Geleit von Erara requier sa costnm'e son us. A C 
DD^EMPRTU, anonym in O. 

Als Zeugniss, welches der Dichter über die vum Mark- 
grafen Bonifaz erhaltenen Wohlthaten ablegt, wird aus fol. 42 
angeführt: 



220 Mussafia. 

Valeu marquos senhor de Monferrat, 
A Dieu grazisc, car vos a tant onrat 
Que mais aves raes e conques e dat 
C om ses Corona de la Crestianadat, 
5 E laus en Dieu, che tant m'a enansat 
Que bon senhor ai molt en vos trobat, 
Que m'aves g-en noirit et adobat 
E fait gran be e de bas aut poiat 
E de nien fait cavalier prezat, 
10 Grazit en cort e per donas lauzat. 

Der Beginn des ersten unter den drei Briefen des Dichters 
an den Markgraf. Findet sich in C E J R. Zuletzt von Stengel 
(Piiv. di fil. rora. I 32) abgedruckt; sein Text entspricht genau 
dem oben stehenden. Es möge daran erinnert werden, dass 
die Verse 8. 9 avoI bei R (und Raynouard), nicht aber in C E 
verstellt sind. 

Fol. 43. 

Fal. 44. CADENET, che si ben seppe celarsi in amore 
che si diceva ch' egli s'intendeva in un loco et amava in un 
altro, onde dice : 

Lauzengiers, grazidaus sia 
L'onor quem faitz ab mentir, 
Ca totz faitz cuidar e dir 
Qu'ieu am tal per drudaria, 
On anc Jörn non aic mon voler 
Et ab mentir cobretz lo ver. 

Letzte Strophe von Acom dona ric coratge. A B C D D' E 
FGIKNOPRSTUf. 

Fol. 45. 

Fol. 46. DAUDE DA PRADAS, che fece canzoni amo- 
rose ed un libretto intitolato Romans dels aiizels cassadors. Am 
Rande ,Mich. 46 e 98-; was wol so zu deuten ist, dass auf 
fol. 46 die Eieder. auf 98 das didactische Gedicht Daude's 
begannen. 

Fol. 47. 

Fol. 48. PISTOLETA, il qualc appare che fosse signore 
di castello per gli seguenti versi : 



Ueber die proveuzalischen Liederhandschriften des G. M. Barbieri. 2^21. 

Dompna, raon cor e mon castel vos re[n] 
E tot cant ai, car es bella e pros. 

Aus Ai' agues eu mil mars de ßn argen, diesem Dichter 
in C D I K T zugeschrieben, 

Fol. 49. 

Fol. 50. PEIRE RAIMON che molto si ritrasse alle ma- 
niere di Arnaldo Daniello e fu celebratore di casa Malaspina, 
come quando disse: 

Chanso, vai mi tost retrar [e comtar] 
Az Aura Mala e dim al bon marques 
Messer Colrat qu'en lui a tans de bes, 
Perc'om lo deu Sobretotz apelar. 

Das Greleite von Si com celui qua servit son seignor 
C D*" G I K a d ; auch in P e, wo das Lied dem Blacasset zu- 
geschrieben wird. 

Fol. 51. LUQUET CATALUZE. Siehe fol. 15. 

Fol. 52. RAIMON VI DAL de Bezaudu non solo fu tro- 
vatore, ma compose ancora il libro las rasos de trohar. E sue 
canzoni furono : 

Entrel Taur el doble signe 
e: 

Bei m'es can l'erba reverdis. 

Das erste Lied ist nur in C vorhanden; das zweite wird 
nur von C dem Raimon zugeschrieben; in einer anderen Hs., 
E, wird Arnaut de Tintignac als der Verfasser bezeichnet. 
Der Genauigkeit zn liebe wollen wir bemerken, dass die An- 
gabe ,Mich. Gär. 52' sich eigentlich am Rande der ersten 
Zeilen findet, wo von dem grammatischen Werke die Rede ist; 
es unterliegt dennoch keinem Zweifel, dass die Angabe sich 
auf die Lieder bezieht. Schwerlich hat Barbieri Vidal's Gram- 
matik ebenfalls in LMich. gehabt. 

Fol. 53 -56. 

Fol. 57. ARNAUT PLAGUES, del quäle fu una can- 
zone che comiucia: 

Ben es razos qu'ieu retraia 
Una chansoneta gaia. 



222 Mnssafia. 

Nur in E diesem Dichter zugeschrieben; CR nennen Arnaut 
Catalan, A Ü' I K Peire Bremon Ricas Novas als den Verfasser. 

Fol. 58. BERTRAN D'ALAMANO molto buon poeta 
cosi per canzoni come per serventesi. 

Fol. 59. 60. PEIRE CARDINAL. Im IX. Capitel bei 
Gelegenheit des Roman de Kenart werden aus fol. 59 angeführt : 

Las amairitz qui [e]ncolpar las vol 
Respondon be a la lei d'Isengri. 

Die zwei ersten Verse eines Liedes, welches in ACD*"! 
K M P R T V enthalten ist. C I M R weichen im 2. Verse ab. 

Im X. Capitel wird er unter den Troubadours aufge- 
zählt: lä dai tempi del secondo Federico, fu scrittore di ser- 
ventesi, ne' quali a modo di serraoni si biasima il male e loda 
il bene, come si fa in quello che incomincia: 

De sirventes faire nom meill, (1. tueillj 
E dirai vos razo perque; 
Car azir tort aisi com sueill 
Et am dreit si com iis ancse; 
E qui c'aia autre trezor, 
leu ai leialtat en mon cor, 
Tant que nemic men son li desleial, 
E si per so m'aziron, no men cal. 

Erste Strophe eines Serveutes in C D'' IJ K M R T d. 

Fol. 61. 62. 

Fol. 63. GÜILLEM DE SAINT-LEIDIER. Unter den 

Novellen wird der letzte Theil der grösseren Biographie mit- 

getheilt, d. h. die List, welche der Dichter anwandte, damit 

der eigene Mann der von ihm geliebten Frau um Gnade für 

ihn bitte. Della bene avventurata canzone la prima stanza fu 

questa : 

Dompna, ie[u] vos sui mesatgiers, 

Et el vers entendetz de cui, 

E salut vos de part selui, 

Cui vostre joi alegr'e pais, 

E die vos be deves lui mais 

Vostre mesatges vertadiers 

Serai del vers, qui quel vos chan. 



Ueber die provenzalischeii Liederhaurt^chriften des G. M. Barbieri. 223 

Die Angabe über die Hs. steht am Rande im Beginne 
der Erzählung-. Die Biographie selbst wird wol nur den An- 
fang der Strophe geboten haben; das ganze Lied könnte Bar- 
bieri auch aus anderen Hss. gekannt haben: wahrscheinlicher 
ist es, dass er es im libro di Michele gehabt habe. Es ist ent- 
halten in A B C D ai K M Q R V, anonym in O Rl 

Im X. Capitel noch eine kurze Notiz aus dem Beginne 
der Biographie: G. de S.-L., un ricco castellano di Vellaic' 
del vescovado del Puei Sancta Maria, uomo onorato per arme, 
per larghezza e per poesia. 

Fol. 64. 65. 

Fol. 66. UC DE SAINT CIRC ai tempi del conte 
Ramondo di Tolosa, che fece piü cauzoni e fra le altre questa 
seguente : 

Lonjamen ai atenduda 

Una razon avinen, 

Don fezes chanso plazen, 

Mas encor no m'es venguda, 

Doncx si vueil de la razon 

Que [ai] ^ far vera chanso, 

Ella sera megpartida, 

Chanso joios'e marida, 

Lauzan del ben c'ai agut 

E planhen car Tai perdut. 

In A B C D F I K R T. 

Fol. 67. UC DE PENA d' un castello cF e nel Geno- 
vese et essendo giocolare cantava le altrui canzoni e ne fece 
ancora delle sue come quella: 

Totz aitals mi soi com sueill 
Francx e fis e amoros. 



2 



Bei Rayii. us rics castellas de Noaillar, In B (nach Malin) de Veilfac, 
in A (nach Bartsch) Vellaic wie bei Barb. I K scheinen nach Bartsch's 
Darstellung' (Jahrb. XIII 20) wie Rayn. zu lesen. Was haben E R? 
Die Auslassung scheint ein Druckfehler zu sein, da die Uebersetzung 
lautet: ,della ragione che ho, far vera canzone'. 



224 " Mussafia. 

Die Notiz entspricht der kurzen Biographie bei Ray- 
nouard (aus A I K); nur heisst es hier, Uc wäre ,d'Agenes^ 
gewesen, was Barbieri ^ missverstanden hat, 

Fol. 68. MIQUEL DE LA TOR; serisse delle sue 
[rimej in soggetto del suo amore, di cui dice in una canzone: 

En Narbone era plantatz 
L'albre quem fara murir, 
Et en Montpeslier es cazatz 
En molt bon luec senes mentir. 

Am Rande ,Mich. Car. 1 e 68'; nun ist es mehr als 
wahrscheinlich, dass Miquel, der Compilator der Sammlung, 
nicht schon im Beginne ein eigenes Lied wird aufgenommen 
haben. Die erste Ziffer bezieht sich demnach wol auf die 
kleine (oben unter fol. 1) angeführte Einleitung; die zweite 
auf Miquel's sonst ganz unbekanntes Lied, von dem Barbieri 
uns ein Bruchstück gerettet hat. 

Auf demselben Blatte: 

Fol. 68. BEATRIZ DE DIA con una sua canzone in 

dolersi del suo vago, non men bella che la pistola di Saffo a 

Faone : 

A chantar m'es d'aco qu'ieu non volria, 

Tan mi rancur de lui, cui soi amia, 

Car ieu l'am mais de nuilla ren qua sia; 

Ves lui nom val merses ni cortezia 

Ni ma beutatz ui mos pretz ni mos sens, 

C'autresi sui euganad'e traia 

Com degr'esser, si fos desavinens. 

ABCDlKLRab, anonym in G N W, una donna de 
Tolosa M. Vgl. Lib. in Ass. Fol. 136. 
Fol. 69. 

Fol. 70. RAIMBAUT D' AUREN GA, che fu buon tro- 
vatore ed amo per amore la contessa di Urgel ligliuola del 
marchese di Busca, per rispetto della quäle disse nella fine 
d'una sua canzone : 



' So auch andere Italiener; vgl. Crescimbeni II 102, welcher den auch 
von ihm früher begangenen Irrtlnun berichtigt. 



üeber die proveiizalischen LiederhandscLril'ten des G. M. Barbieri. 225 

Er vueill preiar 

Vers ab ditz dar 

Que lai en Urg-el s'apresenta. 
Name und Abstammung' dieser von Raimbaut geliebten 
Dame finden sich in der Biog-raphie des Dichters, welche Vellu- 
tello in seinem Commentare zu Petrarca's Trionfi mittheilt. ' 
Hat Barbieri den Commentar (die erste Ausgabe erschien im 
Jahre 1525) benützt, oder fand er selbststäudig in irgend einer 
Quelle die Notiz? Ersteres ist wahrscheinlicher. Woher Vellu- 
tello diese uns in keiner Handschrift bewahrte Biographie 
Raimbaut's haben mag? Seine anderen Biographien folgen 
treu den provenzalischen Berichten ;2 es ist also, wie Bartsch 
richtig bemerkt, kaum anzunehmen, dass er diese einzelne 
erfunden habe. ' \A' elchem Liede Raimbaut's die drei oben an- 
geführten Verse gehören, gelang mir nicht zu entdecken. 

Foh 71. ARNAUT TINTINHAC, che disse: 
Lo joi comen[s] en un bei mes 
En la meillor sazo de l'an. 



Er war der Erste, so viel ich weiss, der es unternahm, die Stelle Pe- 
trarca's über provenzalische Dichter zu erklären. In dem sehr weit- 
läufigen Commentar des Bernardo lllicino, welcher vor Vellutello für die 
Trionfi fast ausschliesslich das Feld behauptete, findet sich nur folgende 
Stelle : Nachdem der Vf. über Dante, Cino etc. berichtet, nennt er noch 
Sennuccio und merkwürdiger Weise auch Piero d'Alvernia, de' quali estauno 
opere venute a noatra cognizione; degli altri confessaremo non avere piü 
expedita notizia, volendo piü presto a inscizia che a temeritä essere ascritti. 
Vellutcllo's Nachfolger (Gesualdo, Daniello etc.) schrieben ihn ab, gewöhn- 
lich abkürzend. 
■ Aus welcher Hs. stammen Vellutello's Biographien? Da er auch die von 
Uc de Peua mittheilt, so kommen nur AIK in Betracht; K gehörte 
Bembo an, von dem man weiss, dass er die Lebensbeschreibungen der 
Troubadours übersetzte. Vielleicht versah er Vellutello mit den betreflen- 
den Nachrichten. 

Dazu kommt, dass Mario Equicola's Libro di natura d' amore dasselbe 
berichtet: fii signore di Aruegna, amö lungamente Mad. Maria di Vertfoil, 
poi s' innamorö della buona contessa di Urguel lombarda. A costei mandö 
sue canzoni per uu joglars, detto Roscingiol. Die erste Ausgabe von 
Equicola's Werk erschien 1525 (mir liegt erst die von 1554 vor); eine 
gegenseitige Benützung zwischen Equicola's und Vellutello's Werken ist 
demnach unmöglich. Auch weichen die anderen Berichte Equicola's 
mehrfach von denen Vellutello's ab. Um so wichtiger ist die Ueberein- 
stimmung bezüglich ßaimbaut. 
SitzungBber. d. phil.-hist. Cl. LXXVI. Bd. JI. Uft. 15 



226 Mussafia. 

Die zwei ersten Verse eines Liedes, das in C E R c un- 
serem Dichter, in D I K aber Peire de Valeira zug-eschriebeu 
wird. E D c Zo ( c La) joi, C Lo vers, I Mon joi. 

Fol. 72. 

Fol. 73—75. RAIMON DE MIRAVAL. Unter den No- 
vellen des V, Capitels findet sich ein grosser Abschnitt aus 
der grösseren Biographie, vom Beginne bis zur Anführung des 
Liedes SHeu u. s. w. Im Laufe der Erzählung werden zwei 
der darin aufgenommenen Citate ebenfalls mitgetheilt; und 
zwar die zwei Verse Peire Vidal's und folgende vier von 
Raimon: 

Bona douna nos deu d'amar gequir, 

E pos tant fai c'az amor s'abandona 

No sen cug trop ni massa non o lir (1. tir), 

Que meins en val totz faitz quil dessanzona (1. -azona); 

beide Male jedoch unterbleibt die in der Biographie enthaltene 
Angabe des Liedes, dem die citirten Verse angehören. Der 
kleine Abschnitt der Biographie: que non a mais dos ans bis 
desobre me fehlt bei Barbieri, und somit sind auch die zwei 
Verse Passat so u. s. w. ausgefallen. Während dann am Schlüsse 
die Biographie, wenigstens nach Raynouard's Texte, nur die 
vier ersten Verse von S'ieu u. s. w. anführt, druckt Barbieri 
die ganze Strophe ab: 

S'ieu en chantar soven 
No m'atur ni m'aten, 
Non cuidetz que sabers 
Men failla ni razos 
Ni talans amoros, 
Quel plus de mos volers 
Es en joi et en chan, 
E de razon ai tan 
Que chantar en poiri' assatz, 
Mas tot can sai no vueill sapchatz, 

Li A B C D E I K N R b. Barbieri wird das Lied gewiss 
im LMich. gehabt haben. 

Die Frau, welche Raimon der Loba vorzog, wird von 
der bei Raynuuard und Rochegude gedruckten Biographie bloss 



üeber die provenzalischen Liederhandschriften des G. M. Barbieri. 227 

marqueza de Meuerba genannt, bei Barbieri heisst sie Gent 
Esquieu de Menerba. So nur F, welche Handschrift jedoch, 
allei- Wahrscheinlichkeit nach, von Barbieri nicht benutzt 
wurde. 

Im X. Capitel dann erzählt Barbieri mit wenig- Worten 
und ohne Namen zu nennen, wie Raimon sich von der dich- 
tenden Genialin trennte, um eine andere zu heiratlien, welche 
ihn aber im Stiche Hess; e cosi Miraval si rimase senza mofflie 
e senza amica, della quäl follia Ughetto lo ne castiga nel pre- 
detto sirventese (es ist das Sirventes im Libro slegato Gar. 67 
gemeint). Gegenüber dieser Notiz steht ,Mich. Gar. 75^ Die 
Biographie erstreckte sich also von fol. 73 bis wenigstens 75''; 
die Lieder des Dichters werden gewiss auch 

Fol. 76. 77. eigenommen haben. 

Fol. 78.' PEIRE D'ALVERNHA vogliono che fosse il 
primo buon trovatore; il quäle fu del vescovado di Clermon, 
avvenente uomo della persona, savio e letterato, e molto acca- 
rezzato dai signori e dalle donne di quei tempi. Ein kurzer 
Auszug aus der Biographie mit dem in derselben enthaltenen 
Citate : 

Peire d'Alvernhe a tal votz 

Que chanta de sobr'e de sotz, 

E sei so son dous e plazen 

E pueis es maistre de totz, 

Ab c'un pauc esclarzis los motz, 

C'apenas nuill hom los enten. 

Dies die Lesung der Biographie, während die Hand- 
schriften starke Abweichungen bieten; siehe Bartsch's Chrest. 
78, 9-14. 

Barbieri fährt dann weiter fort: nel fine della vita si diede 
a fare penitenza (Biographie : donet se en orde), nel quäl tempo 
fece una bella canzone della Vergine, che comincia: 



' Auf Bl. 78 müssen auch Lieder von Guiraut de Borneill gestanden sein, 
denn bei einer gcleo-entlichen Erwälinung dieses Dichters findet man 
die Angabe ,Mich. Car. 7S . . .'. Was die Punkte bedeuten ist nicht 
deutlich. 

15* 



228 Mussafia. 

Fol. 80.' 

Dompna dels ang-els reina, 

Esperansa dels crezens, 

Segon que man dal sens 

Chan de vos lenga romana; 

Car nuill hom just ui peccaire 

De vos lauzar nos deu taire, 

Car SOS sens meills l'appareilla, 

Romans o lenga latina. 

Dieses Lied nun wird in allen fünf Hss., die es ent- 
halten — C D 1 K R — dem Peire de Corbiac zugeschrieben. 
Bartsch (Grundriss 338, 1 und Jahrb. XIII) war aller- 
dings berechtigt zu sagen, b nenne Peire d'Alvernha als Ver- 
fasser; indessen jetzt wissen wir, dass der in Rede stehende 
Theil von b nur eine Abschrift von Barbieri's Citaten ist. 

Fol. 81—8 . . PONS DE CAPDUEILL. Im X. Capitel 
wird der erste Theil der bei Raynouard gedruckten grösseren 
Biographie (bis e lai moric) mitgetheilt. Im V. Capitel, unter 
den Novellen, kommt die Geschichte seiner Liebe zu Alazais 
de Mercuer vor, und zwar bis auf einige Abkürzungen wie im 
zweiten Theil der Biographie. Von den zwei Liedern, deren 
Anfänge die Biographie angibt, findet sich bei Barbieri die 
ganze erste Strophe: 

Aissi com sei c'a prou de valedors 
Eill faillon suit (1. tuit), ja tant non er amatz 
En la sazon qu'es desaventuratz, 
Me faill ma dompna, car conois c'amors 
Me fai per lieis murir a greu türmen, 
E s' ill pogues faire meill (1. nuill) faillimen, 
Ves mil feira, mas meins en val, so cre, 
Bars que dec lai (1. dechai) selui que vencut ve. 

lu den meisten Hss. enthalten, und fast überall lautet der 
erste Vers Si com celui u. s. w., während die Biographie bei 
Rayn. allerdings Barbieri's Lesung bietet. Letztere kommt auch 
in b vor, und zwar nicht bloss im ersten Theile, was sich von 
selbst versteht, sondern auch im zweiten. Ferner (so viel mir 



t Fol. 79 wird demnach ebenfalls Lieder Peire's d'Alvernha enthalten haben. 



Ueter die provbnzalischen Liederhandschrifteii des G. M. Barbieri. 2j?9 

bekannt ist) in MQ^ welche Hss. jedoch das Lied anderen 
Dichtern zuweisen. 

Qui per nessi cuidar 

Fai trop gran faillimen^ 

A dan li deu turnar; 

E s'a mi mal en pren, 

Ni ma donam dec lai (1. dechai), 

Bes tanh, que tal folia 

Ai fait, perqu'eu devria 

Morir d'ir'e d'esmai. 

In A C D I K R a b enthalten. 

Fol. 83—86. 

Fol. 87. GUILLEM DE BIARN. Siehe oben Fol. 9. 

Fol. 88—90. 

Fol. 91. GUILLEM DE LA TOR, che propose a Sor- 
dello una questione tale per maniera di tenzone: 

Uns amicx et un'amia, 
Sordel, aun si [un] voler 
Ca lur semblan non poiria 
L'uns ses l'autre joi aver, 
E si l'amiga moris 
Aisi que Tamicx o vis, 
Que no la pot oblidar, 
Cals seria meills a far 
Gres (1. ApresJ lieis vivre o murir? 
Digatz d'aiso vostr'albir. 
In A D D-^ E G I K N Q enthalten. 

Fol. 92-97. 

Fol. 98. DAUDE DE PRADAS; siehe oben .fol. 46. 

Fece un libretto intitolato Romans dels auzels cassadors che 

incomincia: 

Dode de Pradas non s'oblida, 

Pueisqu'e sens e razos l'en covida, 

Que non fassa un bon solatz 

Per si e per sels a cui platz. 

Dieses Gedicht ist nunmehr bloss in b enthalten. 



230 Mussafia. 

Fragen wir nun, in welcliom Verhältnisse das Libro di 
Michele zu bekannten Hss. steht, so ziehen vor Allem zwei 
der jüngeren Hss. unsere Aufmerksamkeit auf sich. Einmal 
der zweite Theil von b, der im XVI. Jahrhunderte geschrieben, 
einst dem Bischöfe G. B. Scannarola angehörte, jetzt in der 
Barberina XLVI, 29 (olim 2777) ' aufbewahrt wird. Diese Hs. 
ist verbunden, und dürfte nur ein Fragment einer grösseren 
Hs. sein. Sie besteht, wie es mir scheinen will. 1. aus einer 
Lage zu je acht Blättern, 2 mit der Biographie Pons de Cap- 
dueill und zehn Liedern dieses Dichters; 2. aus einer anderen 
Lage zu acht Blättern (21 — 28) mit Liedern von Raimon de 
Miraval; da das erste Lied aber in der Mitte beginnt, so muss 
die vorhergehende Lage, welche die Biographie Raimon's und 
wenigstens den Beginn des auf fol. 21 fortgesetzten Liedes 
enthielt, verloren gegangen sein; 3. aus vier Blättern, die theils 
je ein liied von Granet und der Gräfin de Dia enthalten, theils 
leer sind; 4. aus mehreren Lagen mit Daude's didactischem 
Gedichte über die Jagdvögel. Um nun Letzteres vor Allem zu 
erwähnen, so macht es die Uebereinstimmung der vier ersten 
Verse sehr wahrscheinlich, dass es sich hier nicht um zwei 
unabhängige Abschriften desselben Gedichtes handelt, sondern 
dass ein Zusammenhang zwischen LMich. und b besteht. Auch 
der übrige Inhalt von b spricht für einen solchen Zusammen- 
hang. Denn LMich. enthielt ebenfalls die ausführlichere Bio- 
graphie des Pons de Capdueill und den Liedern dieses Dichters 
ist es uns gestattet einen Raum, der von fol. 81 bis 86 sich 
erstreckt, zuzuweisen. Die Uebereinstimmung in der Lesung 
.Mssi com sei ist ebenfalls einigermassen bezeichnend. Auch der 
Lieder Raimon de Miraval mussten in LMich. nicht wenige 
gewesen sein; wir dürfen annehmen, dass fol. 72 bis 77 diesem 
Dichter gewidmet waren. Das Lied S'ieu en chnntar soven, 
das aus »LMich. angeführt wird, mag in der fehlenden Lage 
von b enthalten gewesen sein. Das nämliche Lied der Gräfin 



• Es sei mir gestattet bei dieser Gelegenheit den Druckfehler im Jahrb. XII 30 

,Ric.. 2777' zu ,Barb. 2777' zu corrigiren. 
2 Die Lage ist folgender Weise zusammengestellt: 

9. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 10. 



Ueher die provenzaliscUen Liederhandschrifteu des G. M. Barbieri. liol 

vou Dia iliidet sicli in Leiden Hss. Von Granet liat b ein 
Lied, das zutallig von Barb. nicht aug-eführt Avird. Indessen 
wurde dieser Dichter in das Namensverzeichuiss aufg-enommen; 
und wenn gleich Barb. ihn auch in seinen anderen Hss. ge- 
funden haben mochte, so lässt sich mit eben so grosser Wahr- 
scheinlichkeit annehmen, LMich. habe ihn mit diesem Dichter 
bekannt gemacht.- — Innigster Zusammenhang zwischen b und 
LMich. ist demnach unzweifelhaft. ' 

Nicht minder sicher ist die Abhängigkeit eines Theiles 
der Hs. e von LMich. Diese Hs. — Barb. XLV, 59 — ist am 
Ende des XVIII. oder Anfang des XIX. Jahrh. von G. Pia 
compilirt worden, Avelcher als seine Quellen ausser vier vati- 
canischen, dann Laurenzianischen und der Estensischen Hss. 
noch ,zwei der ihm gehörigen vorlängst erworbenen' anführt. 
Eine von diesen muss nun mit LMich. nahe verwandt gewesen 
sein. Die Form Salanhac, die Lesung des ersten Wortes beim 
Liede Guiraudot's, die vielfachen Uebereinstimmungen hinsicht- 
lich Jaufre Rudel's (Zusatzstrophe im dritten Liede, Stellung 
der Strophen im vierten, Anzahl der Lieder dieses Dichters); 
das Vorkommen des Sirventes von Luquet Cataluze und die 
Form dieses Namens; dies Alles zeigt deutlich genug, dass Pia 
vor sich entweder das LMich. selbst oder Bruchstücke des- 
selben gehabt hat. ^ Nur das Auseinandergehen in Bezug auf 



1 Sollte etwa 1) Barbieri gehört haben? Unwillkürlich denkt man bei der 
,sehr zierlichen Hand des XVI. Jahrhundertes' (wie Bartsch die Schrift 
charakterisirt) an den sympathischen Gelehrten, der so viele Bände pro- 
venzalischer Gedichte mit eigener Hand schrieb. Nur müsste man dann 
zugleich annehmen, >) sei ein Bruchstück des LMich. selbst gewesen ; 
denn Barbieri's LMich. ist wohl nicht die Originalhandschrift (wir haben 
wenigstens keine Kunde, dass er solche besessen habe), sondern die von 
ihm in Frankreich genommene Copie; dass er aber aus dem vollständigen 
LMich. ein Bruchstück wieder abgeschrieben habe, ist nicht leicht glaub- 
lich. Andererseits aber wollen die Verhältnisse in Bezug auf Blätter und 
Lagen in b und LMich. nicht gut zusammenstimmen. 

^ Wenn die in der vorangehenden Anmerkung ausgesprochene Vermuthung 
begründet wäre, so könnte eine der zwei Hss. Plä's jener Theil von 
LMich. sein, welcher nach Ausscheidung von b übrig geblieben wäre. — 
Dass diese zwei Hss. Plä's gänzlich verloren gegangen seien, ist kaum zu 
glauben, und fleissigem Nachsuchen wird es wohl gelingen sie heraus- 
zufinden. Vielleicht gibt uns Stengel im Verlaufe seiner Mittheilungen 
über unbekannte provenzalische Hss. in Italien Auskunft darüber. 



232 Mussafia 

die Lesung bei den vier Versen von Guillem de Salinhac 
(fol. 9) könnte uns schwankend machen: indessen lässt sich 
noch immer annehmen, dass Pia dieses Lied seiner zweiten uns 
unbekannten Hs. entnommen habe. 

Mit welcher unter den älteren Hss. mag LMich. verwandt 
gewesen sein? Die Uebereinstiramung der Angaben über Lieder 
von Guillem de Durfort, Jaufre Rudel und Raimon Vidal, dann 
über die Autorschaft von A vos cui tenc deuten an, dass LMich. 
und C derselben Familie angehören, Dass dies nicht Ab- 
weichungen in den Lesarten (z. B. bei Guiraudot) oder in dem 
Zuweisen einzelner Lieder dem einen oder dem anderen Dichter 
(siehe z. B. unter Gnillem Magret) ansschliesst, braucht kaum 
gesagt zu werden. 

Die zwei Lieder des Guiraut d'Espanha und die Stellung 
der Verse 8. 9. im Briefe von Raimbaut de Vaqueiras hatte 
LMich. mit C E gemein, welche zwei Hss. nach Bartsch u. A. 
,in vieler Beziehung unter sich verwandt sind^ 

Mit E speciell hat LMich. die Schreibung ill für mouillirtes 
l, und wenigstens ein Mal im Drucke (siehe oben Sordel) die 
Formel aun statt an gemein. ' 

Einen anderen Berührungspunkt des LMich. mit E bilden 
die ausführlicheren Biographien. - Nur mit dem Unterschiede, 
dass dieselben in E einen eigenen Abschnitt der Hs. bilden, 
während sie in LMich. vor den Liedern der betreffenden Dichter 
stehen. Letztere Einrichtung ist nach Bartsch ein Merkmal 
der älteren Hss. 

Das bisher Gesagte trifft mit einigen der Bemerkungen 
Bartsch's über b- und e zusammen. Auch er findet es wahr^ 
scheinlich, dass diese beiden Hss. theilweise Copien einer und 



' Bartsch hat für das Verhältniss der ganzen Hs. b zu E den Umstand 
hervorgehoben, dass beide Can si cargol ram demselben Dichter zu- 
schreiben; es handelt sich aber um den ersten Theil von b, der viele 
Hss. darstellt; das in Rede stehende Citat betrifft nicht LMich., sondern 
LAss. 

2 Ausführlichere Biographien kommen auch in P vor: doch i.st Benüt;5ung 
dieser Hs. von Seite Barbieri's kaum anzunehmen. Denn erstens fehlen 
in P manche der in LMich. enthaltenen Biographien (z. B. A. Daniel, 
Folquet de Marseilla); dann weicht die Lesung der innerhalb der Bio- 
graphien in P vollständig mitgetheilten Strophen vielfach von den Texten 
Barbieri's ab. 



Ueber die provenzaliecheu Liederhandschrifteri des G M. Barbieri. 233 

derselben Hs. seien, welche die Quelle (oder, wollen wir 
hinzufügen, ein Ausfluss aus der Quelle) von E war, und 
wiederum sagt er in Beziehung* auf e, eine der zwei Hss. von 
Pia müsse mit C E nahe verwandt gewesen sein. 

Das LlMich. stellt uns demnach wenigstens einen Theil 
einer Hs. dar, welche von Miquel de la Tor zusammengestellt, 
als ein älteres Glied jener Familie sich erkennen lässt, zu 
welcher C E gezählt werden dürfen. Der Vei'lust dieser Hs. 
ist um so mehr zu beklagen, als auch Barbieri's Abschrift uns 
nicht mehr vorliegt. 

Für einen Zusammenhans^ zwischen LMich. und Nostra- 
damus' Quellen sprechen einigermassen die Angaben über die 
Autorschaft des Marienliedes. Ferner zwischen a, einem Aus- 
flusse von einer Quelle Nostradamus', und LMich. findet man 
darin eine Beziehung, dass beide zwei Gedichte von Luquet 
Gatelus kennen. Sowol b^ (aller Wahrscheinlichkeit nach eine 
Abschrift oder ein Bruchstück von LMich.) als a schreiben 
Si ai perdut mon saher dem Pons de Capdueill zu. Weitere Be- 
ziehungen von a, wenn auch nicht bestimmt zu LMich., so doch 
zu Barbieri'schem Material, finden wir darin, dass nur a den 
von Barb. angeführten Titel des grammatischen Werkes von 
Raimon Vidal kennt. Im Namensverzeichnisse führt Barbieri 
Jordan Borneil de Cofolenc an, worin Jordan Bonel und Jordan 
de Cofolen sich vereinigt finden und a kennt einen Jordan Bonel 
de Cofemet. 

Bei dieser Gelegenheit sei noch ein Umstand erwähnt. 
Von Alegret wird aus LAss. fol. 86 das Sirventes Ära pareisson, 
dann aber auch ein Brief angeführt, dessen zwei erste Verse: 

Dompna c'avetz la senhoria 
De joven e de cortesia 

lauten. Es fehlt die Angabe der Hs., und dass es in LAss. 
kaum enthalten war, werden wir später sehen. Barbieri muss 
es in irgend einer anderen seiner Hss. gehabt haben. Nun 
kommt dieser Brief anonym nur noch in N vor, ' einer Hs., 



' Und zwar sinrl beide Verse in N mit den hei Barbieri gleichlautend. 
Ich weiss dies aus einer Mittheilung von Dr. Hermann Suchier, welcher 
zugleich die Güte hatte, mir sein Verzeichniss von N zur F'.insicht zuzu- 
senden. 



234 Mnssafiii. 

welche bei manchen bekannten Stücken den Namen des Ver- 
fassers verschweigt. Eine Barbieri'sche Hs. war demnach mit 
N verwandt; dass aber N mit einej- der Quellen von a in 
innigem Zusammenhange steht, wird sich aus Suchicr's Publi- 
cation, der ich nicht vorgreifen darf, ergeben. 



iJ. Libro in Assicelle. 

Fol. 1—35. 

Fol. 36. ELIAS DE BARJOLS fu molto miglior poeta 
(als der vorhergeuannte Elias de Fonsalada), come appare dalle 
sue canzoni, delle quali 1' una coraincia : 

Ben deu hom son bon seinhor 
Amar e servir 
Et onrar et obezir 
A tota s'onor. 

In D E H M P R S f, Peire Bremen C. 

Fol. 37—66. 

Fol. 67.1 GAUCELM FAIDIT. Als zweites Beispiel 
(siehe oben Libro di Michele fol. 17. 18) der Art, wie der 
Dichter des Markgrafen von Monferrato in seinen Liedern ge- 
denkt, wird angeführt : 

Chansos, vai ten dreit per Mon Elian 
En Monferrat, e dim al pro marques 
Qu'en breu verai lui el conte de Bles, 
Car tut lor fach son de bella semblansa 
5 E digatz llen leialmen ses duplansa 
Que mos conortz mi reten sai tan gen 
Per qu'ieu essauc (1. est.) qu'ieu nols vei plus soven. 

Geleite von Anc nom parti de solatz ni de chan A C D E 
M R a. — M stimmt genau überein; nur 5 digas lim, dann 
duptansa. 

Fol. 68—72. 

Fol. 73. AlMERIC DE PEGUILHAN sopra tutti lodö 
ed esaltö Donna Beatrice d' Este, quella che fu ligliuola del 

' Das Citat lautet liior ,lih. in Asc. Carin. 6'7". 



Ueber die provenzalischen Liedoiluindschriften des G. M. Barbieri. 2öö 

niarcliese AldoLranclino e maritata in Andrea re d' Ungheria 
r anno 1235, della quäle dice in un loco : 

Na Biatritz d'Est, anc uo vi plus bei flor 
Ni de vostre tenips non trobei lueillor, 
Tant es bona com plus lauzar vos vueill, 
Ades i trob plus de ben que non sueill. 

Eines der Geleite von Lonjamen m'a trehaillat e malmes 
A C D I K M N R f, Blacasset P. In M (bei Malm 991) lautet 
der erste Vers: Na B. d'E. anc plus ßor; sonst lesen die mir 
bekannten Texte (A D N P) : Na B. cVEst (P Valenz B.) anc 
plus bella flor De (A Del) v. f. n. ir. nl m. mit dem gewöhn- 
lichen Genus von flor. Dazu in M an orthographischen 
Varianten: mouill. / durch ////, an phonetischen: trneh. 

Fol. 74—85. 

Fol. 'f^Q. ALEGRET, che fece quell' aspro serventese: 

Ära pai-aisson llaubre sec 
E brunisson li alemen. 

Kommt nur in C M vor; da aber in C die erste Strophe 
fehlt, so finden sich nunmehr die zwei angeführten Verse nur 
in M. M (bei Rochegude) und die Abschrift g: pareisson; 
dann M elemen. 

Barbieri fährt fort: E della sua donna piü versi di rime 
accoppiate a due a due come : 

Dompna c'avetz la senhoria 
De joven e de cortesia. 

Die Hs. ist nicht angegeben. IMan wäre geneigt zu ver- 
muthen, auch dieses Gedicht sei in LAsc. enthalten gewesen; 
dies ist aber, da LAsc, wie wir gleich sehen werden, mit ]\I 
innigst zusammenhängt, kaum möglich. Vgl. das oben Gesagte. 

Fol. 87-89. 

Fol. 90. ALBERTET DE SESTARO celebratore della 
casa Malaspina, dicendo: 

S'om per onratz faitz ufaniers 
Ni per esser bos cavalliers 
Deu estar entrels pros cabals, 
Guilems Malaspina es aitals. 



^36 Mussafia 

Letzte Strophe von Ah joi comensi ma chanso A A" C E F 
GIKMOR. Auch in D, wu aber diese Strophe fehlt. —Der 
Text von M ist inii- nicht bekannt. 

Fol. 91—102. 

Fol. 103. MONGE DE lAIONTAUDON il quäle ebbe 
ardimento di censurare i trovatori del suo tempo con un ser- 
ventese che comincia: 

Pos Peire d'Alvernh' a chantat 
Del[s] trobadors que son passat, 
Chantcrai eu mon escien 
D'aquels que pueis si son levat, 
E non m'aion ges cor irat 
Si en (S'ieu) lor cors (1. crois) mestier lor repren. 

Das Serventes kommt in A C D I K L M R d vor, — Die 
Lesung von M ist mir unbekannt. 

Fol. 104. 

Fol. 105. AIMERIC DE BELENUEI citato da Dante 
in una canzone che comincia: 

Nuls hom non pot complir adreitamen 
So c'a en cor. 

In den meisten Hss. vorhanden. — g weicht in der Ortho- 
graphie ab : Nulls h. nom p. c. adreichamen. 

Fol. 106-111. 

Fol. 112. SORDEL. Am Rande der Strophe Aitan ses 
plus u. s. w. wird angegeben ,Lib. Mich. Gart. 7. Lib. in Ap.^ 
car. 122'. In beiden Hss. fand also Barbieri das Lied, welches 
(wir wiederholen es) in C F I K M R d e enthalten ist. 

Fol. 113-126. 

Fol. 127. ARNAIJT CATALAN che disse per la prima 
stanza d' una sua canzone : 



So wdl als Druckfehler für Asc. 



Üeber die proveiizalischeii Liederhandschriften des G. M. Barbieri. 2ol 

L'an can ' vinc en Lombardia 
Una bella dona pros 
Me dis per sa cortesia 
Mainz bells plazers amoros, 
Et aissi rizeii jogan 
Dels bells semblanz quem fazia, 
leu com fols traissim enan 
Alques plus que nom tanliia. 

Nur in M bei Mahn 986 abg-edruckt.^ 

Fol. 128-131. 

Fol. 132, AIMERIC DE SARLAT, di cui sono le can- 

zoni che cominciano : 

Fins e lejals, donna, ses tot enjan 

e: 

Can si cargal (1. -g-ol) ram de vert fueill 

e: 

Eissamen mas chansos 

Com la lauzeta fai. 

Die Angabe der Hs., welche am Rande der ersten Zeile 
steht, gilt wol für alle drei Lieder. Das erste in vielen Hss. 
A B D E F I K M R T, Aimeric de Belenoi L S U c, Peirol N. 
Fast überall lautet der erste Vers F. e l. e senes tot enjan; 
in g, und daher gewiss auch in M, wie oben. Das zweite 
bloss in E M. Desgleichen das dritte; sie lesen Äissi mueu 
(M moii) mas eh. 

Fol. 133—135. 

Fol. 136. BEATRTTZ DE DIA. Am Rande von A chan- 
tar m'es ,Mich. Car. 68 e Lib. in Asc. Car. 136^; also das Lied 
war in beiden Hss. Wie oben gesagt, in A B C D I K L R a, 
una donna de Tolosa M, anonym G N W. 

' Bartsch im Verzeichnisse des Grundrisses druckt Lancan. Vgl. jedoch 

in den übrigen Strophen: An tan qan van lei venia; Gran dan ai ;je?' 

ma follia u. s. w. 
2 Im zweiten Verse Ma Le/Ia, wol kaum in der Hs.; Metrum und Sinn 

fordern Una h. Sonst stimmen die zwei Texte, bis auf kleine ortho- 

graphiache Varianten, überein. 



238 Mnssafia. 

Fol. 137—154. 

Fol. 155. BERTRAN DE BORN canto le arnii coii alto 
Stile SU questa maniera: 

No puesc mudar c'un chantar non esparja, 
Pueis oc e non ha raes fuec e trach sanc. 

In ACDFIKMRTUV. — g mit Formvarianten: pvosc 
qun nom. 

Fol. 15ß. Enthielt wol Lieder desselben, da vorher sich 
diese Stelle findet: 

Fol. 157. Ebbe ardimento di vantarsi eh' egli avea piü 
senno che niuno altro . , . come appare per lo principio d' una 
canzone, dove dice : 

Ar es ben dretz que vailla mos chantars 
E mos bos sons e mos sotilz trobars. 

Es ist mir nicht gelungen das Lied zu finden, dem diese 
zwei Verse entnommen sind. 



Die Bestimmung der Zugehörigkeit dieser Hs. ist überaus 
leicht. Der Umstand, dass alle citirten Lieder in M enthalten 
sind, dass zwei nur noch in E, und eines ausschliesslich in M 
vorkommt, macht es schon von vornherein überaus wahrschein- 
lich, dass das LAsc. mit M innig zusammenhängt. Das Lieder- 
verzeichniss von M ist nicht gedruckt worden, wol aber jenes 
von g, das nach den Angaben von Raynouard, Bartsch, Meyer 
eine Abschrift von M ist. Grützmacher, welcher g beschrieb, ^ 
meint, die Hs. gehöre ,wohl dem Anfange des XVIL, vielleicht 
noch dem XVL Jahrh.' an, also jedenfalls eher der zweiten als 
der ersten Hälfte des letzteren. Dies würde allerdings eine 
Beziehung zwischen g und Barbieri (f 1571) nicht unbedingt 
ausschliessen, sie dennoch etwas unwahrscheinlich machen. In- 
dessen mag Grützmacher, welcher bei der Altersbestimmung 
der Hss. nicht immer genau verfahren zu sein scheint, - sich 

' Archiv .3ü, 85 f. (im Gnmilnss S. Mi, Aiiin. S'J, durch VcrschcMi .•.!« f.'). 
2 Vgl. z. B. Bartsch im .liilirb. XI -JvJ. 



üeber die provenzalischen Liederhandscliriften des G. M. Barbieri. 2o9 

geirrt haben. Nicht bloss ist die Reihenfolge der Lieder in 
LAsc. und g genau dieselbe, sondern auch die Blätterzahlen 
decken sich, wie nachstehende Concordanz zeigt, ziemlich genau. 



LAsc. 


g 


36 


= 24 


67 


= 54 


73 


= 60 


86 


- 74 


90 


= 78 


103 


= 91 


105 


— 93 



LAsc. 


g 


112 =z 


101 


127 — 


116 


132 — 


132 


136 — 


137 


155 — 


160 


157 — 


? 



In den ersten neun Stellen findet fast genaue Ueber- 
einstimmung statt, nur dass LAsc. um zwölf Blattei- voraus ist. 
Dies könnte auf den Gedanken führen, dass LAsc. im Beginne 
reichhaltiger als g war; das Zusammentreffen bei 132 zeigt 
aber, dass entweder in der einen oder in der anderen Hs. eine 
Verstellung stattfand; die Abweichung in Bezug auf 155 = 160 
könnte auf gleiche Art erklärt werden. Sollten vielleicht LAsc. 
und g identisch sein, so dass Letzteres verbunden wäre ? Grütz- 
macher spricht von ,der Sorgfalt der Ausführung' von g, was 
einigerraassen an die , zierliche Schrift^ von b erinnern könnte. ' 
Dennoch will mir diese Muthmassung wegen der Zahlen 67=54, 
73 = 60, 127 =: 116, die nicht genau den Abstand von 12 auf- 
weisen, nicht vollständig zusagen. Wie dem auch sei, zweifellos 
bleibt es, dass M, LAsc. und g (mögen darunter drei oder 
bloss zwei Hs. zu verstehen sein) im Grunde nur eine Hs. dar- 
stellen. 2 — Eine Schwierigkeit bleibt mir noch. Keines der in 
g, und folglich in M enthaltenen Lieder des Bertrand de Born 



1 Freilich sagt Grützraacher: ,i.st trotz der Sorgfalt ilirer Ausführung, wie 
alle Schrift jener Zeit, schwer zu cntziflern'; indessen mag letztere Aus- 
sage etwas subjectiv sein. 

- Es gibt bekanntlich noch eine verbundene und defecte, einst aber viel- 
leicht vollständige Absclirift von M in der Universitätsbibliothek zu Bo- 
logna, über deren Alter die Angaben zwischen dem XV. und XVIII. .Talirh. 
schwanken. Griitzmacher sagt ein Mal XV., das andere Mal XVI. ; Car- 
ducci XVI.-, l'.artsch XVII. wenn nicht XVIII.; P. Lacroix XVIII. Unter 
diesen Verliältnissen ist selbst eine Muthmassung, ob die Hs. in irgend 
einer Beziehung zu Barbieri stehe, unmöglich. 



"o"- 



240 Mussafia. 

bietet die von Barbieri unter fol. 157 angeführte Stelle. — End- 
lich möchte man die. Frag-e aufwerfen: Wo mag Barbieri M 
gesehen haben? Bevor diese Hs. in die Pariser grosse Biblio- 
thek gelangte, war sie in der Vaticana; zu welcher Zeit kam 
sie aber dorthin? ^ 



C Libro slegato. 



Fol. 1—4. 



Fol. 5. FERRARI. Die Autobiographie ^ una prosa di 
lingua provenzale posta dinanzi ad uu libretto di stanze scelte 
ch' essi chiamano Coblas triadas. Bekanntlich nur in D*"; der 
Text stimmt, bis auf kleine Varianten, mit dem von Cavedoni 
und Anderen herausgegebenen. 

Fol. 6—15. 

Fol. 16. GAUSBERT DE POICIBOT, molto leggiadro 
rimatore in far canzoni di versi corti, come la seguente stanza: 

Merces es e chausimens 
D'umil sorzer et ausar 
E l'orgoill sobrier baissar. 
Dont faill, amor, vostre sens; 
5 Car me cui trobatz vencut 
Umil e de bona fe 
Decazets ancse, 
E leis, que vira l'escut 
Vas vos e vas me 
10 E nous vol nius blan, 
No voletz destrenher tan 
Que l'orgoill baisses 
E vas vos s'umilies. 

In ACDEGHIKRTU, die erste Strophe auch in V, 
Folquet de Marseilla P, Peirol Q. 

Fol. 17—29. 



Ueber die piüvpiizalischen Liederhandschriften des G. M. Barbieri. 241 

Fol. 30-32. ELIAS FONSALADA. Die kurze Bio- 
graphie bei Raynouard u. A., welche in A I K enthalten ist. 
Barbieri liest Bariarac statt Bargairac. Assai loda il re d' Ara- 
gon, come quando dice : 

Del rei d'Arag-om ve talans, 

Qii'el veza que sos pretz es graas. 

Die zwei letzten Verse von De hon loc movon mas chansos 
CDHIKR, anonym W. Ich kenne D H, welche bis auf 
orthographische Varianten mit Barbieri übereinstimmen. 

Fol. 32. RICHART DE BERBEZILL, bei Barbieri Ri- 
(jatif; vgl. in Hss. Ricaut, Rigalt. Es wird an die Erzählung- 
im Novellino erinnert; um die Gewohnheit des Dichters zu be- 
legen, seine Geliebte meills de donijma und sich selbst mais 
d'amic zu nennen, wii-d auf ,lib. sieg. 32' verwiesen. Es folgt 
das ganze Lied Äutressi com l'orifans del modo appunto che 
r ho trovata scritta fra le altre sue canzoni. Barbieri gibt die 
Hs. nicht an, der er seinen Text entnimmt; es könnte aller- 
dings obige Angabe gelten, da der Dichter in diesem Liede 
sich des Ausdruckes meills de dompna bediente; es ist aber 
durchaus nicht nöthig dies anzunehmen; Barbieri wird das in 
die meisten Sammlungen aufgenommene Lied in mehr als einer 
der ihm zu Gebote stehenden Hss. gefunden haben. Dieser 
Unsicherheit über die Quelle und der Länge des Gedichtes 
wegen halte ich es für überflüssig es abzudrucken und be- 
gnüge mich die Variante bei Str. IV, 4 le Magus statt De- 
d.alus hervorzuheben. Die Geleite fehlen. 

Fol. 33—37. 

Fol. 38. BEMTRAN DE BORN. Unter den Frauen, 
welche bei den Provenzalen Berühmtheit erlangten, wird Gui- 
scarda erwähnt: fu di Borgogna, sorella di Guiscard de Beljoc, 
il quäle la marito in Lemosino nel visconte di Combron (sie), 
e perciö ch' ella era donna di gran pregio e di gran beltä, 
molto se ne rallegrarono tutti i valoiti nomini del paese, e fra 
gli altri B. del B. ne fece la seguente stanza: 

Sitiiuugsher. d. phil.-hist Ol. LXXVl. Hd. )l. Hft. IG 



242 Mussafia. 

Ai Lemozins franca terra cortesa, 
Mout mi saup bo, car tals honors ve creis 
Enseiguamens, cortesia e larguesa, 
Valors e pretz, solatz, dons e dompneis 
E qui pros es e de proesas feis 
Mal essara (1. est.) si ara non pareis, 
Pueis Na Guiscarda uos est sai tramesa. 

Die zwei Strophen bei Rajuouard V 78 finden sich hier 
in eine zusammengezogen. Das kleine Gedicht ist nach Bartsch 
nur in FIK enthalten; Raynouard wird jedenfalls eine der 
zwei (innigst verwandten) Pariser Hss. benutzt haben; und 
mit ihnen stimmt bis auf einzelne Formvarianten F. ' 

Fol. 39—41. 

Fol. 42. 43. AIMERIC DE BELENOI. Bei Erwähnung 
von Selvaggia, welche als Geliebte Cino's da Pistoja gilt, wer- 
den folgende zwei Verse augeführt: 

Si Salvaia es tan pros d'Aura Mala 
dann: 

No son fillas d'en Corrat lo seignor. 

Es sind die V. 1 und (5 der fünften Strophe von Tant es 
d'amor howatz sos seignoratges ABCDHIKd. 

Fol. 44. 

Fol. 45. GÜIRAUT DE BORNEILL. In dem Abschnitte 
über die Frauen liest man : Alamanda fu tale che G. de B. non 
sdegno di chiederle consiglio in certo suo caso d' amore con 
una sua stanza, che comineia: 

S'ieus quier conseill, bell' amig' Alamanda, 
Per Dieu loni datz, c'om coitatz lous demanda 

ABCDGHIKNQR Va. Im ersten Verse nur IK 
ConseUl vos qnier; im zweiten A C V Nol 'mi vedatz (-etz), 
D No lom V., H wie Barbieri, nur mit kleinen orthographi- 
schen Varianten. 

Fol. 40—50. 
' Laut gütiger Mittheilung Monaci's. 



Ueber die provenzalischen Liederhandschriften des G. M. Barbieri. !24ö 

Fol. 51. GUILLEÄI DE S. GRIGORI che fece una 
sestina ad imitazione di quella d' Arnaldo Daiiiello . , . ser- 
vendosi della sorte dei versi e delle medesirae parole finali, 
come : 

Ben grant avolesa intra. 

Nur in D H. D grans -eza. Der Beginn ist in H ab- 
g-erissen. 

Fol. 52. Gegen das Ende, wo nur Dicbternanien ver- 
zeichnet werden, heisst es: D' uomini di chiesa si trovano 
stanze e canzoni, come del Prebost de Valenza, del Prebost de 
Koaillac, del Vescovo de Clermon. Am Rande: ,lib. sieg. 
Gar. 52. 61. 81', wo man vermuthen sollte, die erste Ziflfer be- 
ziehe sich auf den Ersten, die zweite auf den Zweiten u. s. w. 
Da indessen dies nicht sicher ist (so würde, wie wir später 
sehen werden, dem Bischof von Clermont eher die erste Stelle 
zuzuweisen sein), so ziehe ich es vor, die drei Genannten zu- 
sammen zu halten. 

PREBOST DE VALENSA. Man kennt von ihm nur 
eine Tenzone mit Savaric in A C D G I K N R T. Das Register 
zu C legt ihm noch drei Lieder bei, welche aber im Text 
anderen Dichtern zugewiesen werden. 

PREBOST DE NOAILLAC; ist mir ganz unbekannt. 

BISCHOF VON CLERMONT, che fece una canzone cor- 
rente tutta sotto una rima e di sei stanze, was nur auf Peire 
de MaensaCj ges lo reis no seria passt; in D H. 

Fol. 53-54. 

Fol. 55. SORDEL. Fu Sordello . . . dei Visconti di 
Goito, il che si conferma dai libi-i Provenzali, nei quali si 
cognomina Sordello di Goi. In H begegnen wir in der Tliat 
dieser Form auf Bl. 43", während bei den anderen Liedern 
bloss Sordeh, Sordel vorkommt. Raynouard Hess sich mit Un- 
recht bestimmen, zwei Dichter, Sordel und Sordel de Goi, an- 
zunehmen. 

Fol. 56. 

16* 



544 Mus>afia 

Fol. 57. BERNART ARNAUT D'ARMAGNAC und 
LOMBARDA. Die kleine Biographie der Dichterin, welche 
bloss in H enthalten ist, ist bei Barbieri etwas verschieden. 
Donna Lombarda fu di Tolosa, gentile e bella e di buone 
maniere; la quäle seppe trovare di belle stanze ainorose. Del 
cui valore avendo udito rag-ionare Bernard n'Arnautz fratello 
del conte d'Armignac, venne a Tolosa per vederla, e vedutala, 
senza dirle altro, montö a cavallo per tornarsene in suo paese, 
lasciando che date le fossero alcune sue stanze, delle quali il 
principio si e: 

Lombard volgr'eu esser per Na Lombarda 
Qu'Alamanda nom platz tan ni Guiscarda. 

Alle quali stanze ella rispose dicendo: 

Non volgr'aver per Bernard na Bernarda 
E per nArnautz nArnauda appellada; 
E gran merses, seignor, car vos agrada 
C'ab tal[s] doas domnas m'avetz nominada. 

Die Biographie der Lombarda ist nur in H vorhanden, 
bei Rayn. V 249 abgedruckt. Nach den Worten: e ven s'en a 
Tolosa per la veser, liest man: el estet con ella de grant de- 
mestegessa et enqueret la d'amor e fo molt son amic e fetz 
aquestas coblas d'ela et mandet las ades al seu alberg, e pois 
moutet a caval ses la veser e si s'en anet en sua terra; eine 
wenig deutliche, sich selbst widersprechende Erzählung. Ob 
Barbieri einen anderen Text gehabt, oder die Erzählung zu 
ihrem Vortheile modificirt habe, ist schwer zusagen; ich neige 
mich zur zweiten Ansicht. Es ist indessen noch etwas zu be- 
merken. Raynouard theilt an der angegebenen Stelle Bernard's 
Coblas nicht mit; eben so wenig führt er in seinem Verzeich- 
nisse den Dichter Bernart Arnaut auf. Dagegen findet sich 
V 239 unter Jordan nur eine Cobla: Lombards u. s. w., deren 
zwei erste Verse mit den oben angeführten übereinstimmen. 
Nicht anders bei Mahn, welcher unter 648 dieselbe Strophe 
mittheilt, Joi-dan als den Verfasser nennt und H als Quelle 
angibt. ' Bartsch hat beide Namen, ohne von dem einen auf 



' Grützmachcr (Archiv .34, 389) verweist auf Malin's Gedichte II, S. '232, 17.5. 
Die tr.ste Zahl stimmt zu Nr. 648, die zweite ist irrig. 



üeber die jiroven/.iiiischeii Liederhauilscliriüeu lies ü. M. Barbieri. ^4ö 

den anderen zu verweisen; sowol unter Bernart Arnaut als 
unter Jorda verzeichnet er Lomhartz u. s. w. und verweist beim 
Ersten auf Rayn. Y 231) und Ged. 648, * beim Zweiten bloss auf 
Raynouard. Woher dieser Name Jordan hervorgetreten sein 
mag? Eine genauere Prüfung von H thäte da Noth. Möglich 
dass sowol Raynouard als Mahn nur die Pariser Abschi-it't von 
H benutzt haben, und dass in diese irgend eine Verwirrung 
sich eingeschlichen habe. 

Fol. 58—59. 

Fol. 60. ISEUT DE CASSIO und ALMUC DE CA- 
8TELN0U. Avendo un Gigo di Tornenquera'^ fatto gran fallo 
contra Madonna uAlmucs da Castelnovo, di cui era stato cava- 
liere ed amico lungamente, e non osando di andargliene a 
dimandare perdono, niseus de Cassion la pregö per lui con la 
seguente stanza, dicendo: 

Dompna nAlmucs, si ous plagues, 
Beus volgra prejar d'aitan 
Que l'ira el mal talan 
Vos fezes fenir merces 
De lui que sospir e planh, 
E muor lang-uen es complanh 
E quier perdon humilmen, 
Queus fatz per lui sagrameu 
Si tot li voletz fenir, 
Qu'el si gart meills de faillir. 

E donna nAlmucs, che voleva bene a Gigo, et a cui rin- 

cresceva ch'egli venisse a dimandarle perdono, rispose cosi per 

le rime : 

Dompna niseus, s'ieu sabes 

Qu'el se pentis de l'engan 

Qu'el a fait ves mi tan gran, 

Ben fora dreitz qu'ieu n' agues 



' Bartsch hat nocli ein anderes Versehen. Für na Lombarda .Vow v.ohp-'over 
verweist er wieder auf Gedichte 648, das nur Lomhnrds- etc. bietet. 

2 Ein kleines Verseilen von ßarbieri; der provenzalische Text liest Giijo 
de Torntn qu'era sos cavaliers. 



24ß Mussafia. 

Merces; mas a mi nos tanh, 
Pos que del tort no s'afranh 
Nis pentis del faillimen, 
Que n'aia mais chausimen; 
Mas si vos faitz lui pentir, 
Leu podetz mi convertir. 

Nur bei H und daraus (oder vielmehr aus der Pariser 
Abschrift von H) bei Raynouard V 18. 

Fol. 61. Vg-1. oben fol. 52. 

Auf demselben Blatte stand auch: 

Fol. 61. UC DE BERSIE, che in certe sue stanze 
mostra di essersi crucciato (d. h. crociato) per andare oltra 
mare con lo imperadore Federico, al quäl passag-g-io invita il 
marchese di Monferrato e Folquet de Romans. Es wird kein 
Vers angeführt; aber es handelt sich ohne Zweifel um das 
französische, nur in den Formen provenzalisirte I^ied, Bernart di 
moi Fauquet qem tint por sage, das nur in D H enthalten ist. 

Fol. 62. 

Fol. 63. DALFI D'ALVERNHA und BERTRAM DE 

LA TOR. B. della Torre suddito del delhno d'Alvernia, a cui 

mandö il Delfino la seguente stanza per un suo giullare detto 

Mauret : 

Mauret, Bertran a laissada 

Manens e ricx es asatz 

Valor, don fo mout onratz, 

E l'anar d'autr'encontrada 

E sojorna a la Tor 

E tien faucou e austor 

E cre far pasqua o nadal, 

Quant son vint dins son ostal. 

E Beltramo gli rispose cosi per Ic rime: 

Mauret, ab (sie) Daufin agrada 
Quem digatz qu'eu son malvatz, 
El reprovier es vertatz : 
Be cal seig-nor, tal maisnada; 



Ueber die tn'ovenzalisclieu LiedorhaudBclirit'ten des G. 51. Barbieri i&4:7 

Qu'eu flu bons tant quant aic bon seig-nor 
E que a liii plac ni so tenc ad onor; 
Aras^ Mauret, pos el uo val 
S'ieu era bons, tenria so a mal. 

Nur iu H, gedruckt bei Rayuouard V 104, aber mit 
manchen Variauten. 

Fol. 64—66. 

Fol. 67. UC DE MATAPLANA, valente barone di Ca- 
talogna e parimente buon trovatore, di cui abbiamo un serven- 
tese a Ramondo de Miraval, che comincia: 

D'un serventes m'es pres talens, 
Que razos m'o mostra e m'o di, 
E cant er faitz teural cami 
Dot (1. Tot) dreit a Miraval correns. 

In ADH, Peire Durau R. Der Abdruck bei Mila 322, 
welcher nach H sein soll, zeigt manche Formvai-ianten. Viel- 
leicht hat Milk Einiges modificirt. 

Fol. GS. GUI DE CAVAILLON. Die kleine Biographie 
in H, abgedruckt Archiv XXXIV 406. Barbieri macht folgenden 
Zusatz, den er wol den augefülirten Coblas entnahm. Trovan- 
dosi assediato in Castelnovo a servizio del conte Ramondo di 
Tolosa guerreggiato dalla Chiesa come fautore degli cretici 
Albigesi, scrisse fuora due stanze dicendo : 

Doas cotblas farai en aquest son 
Qu'eu trametrai aX Bertram d'Avignon. 

A cui Beltramo detto Bertram Folcon risposc per le rime 
cominciando cosi : 

la non creirai d'en Gui de Cavaillon 
Qu'entrels Franceis empogna son leon. 

Nur in H, vollständig abgedruckt zuerst bei Rayuouard 
IV 207. 209, dann im Arch. a. a. O. Kleine Varianten: cohlas 
aqesf qeii no er. en penga. 

Fol. 6<». 70. 

Fol. 71. Vgl. unten fol. «0. 

Fol. 72-75. 



248 Mussafia. 

Fol. 76. UC DE SAINT CIRG. Im VI. Capitel, wo von 
Cino's Selvaggia die Rede ist, wird angeführt: 

Na Salvaja, d'aitan siatz certaina, 
Que l'onramens de vos nie fai plazer 
Lombardia e la Marcha e Toscaina. 

Die drei letzten Verse von Si ma domna nAlais de Vidal- 
Inna, das nur in H enthalten ist. Abgedruckt im Arch. XXXIV 
411. Formvarianten: Salvaga Qe. Grützmacher druckt lonia- 
menz; i ist wol Lese- oder Druckfehler für r. 

Fol. 77-79. 

Fol. 80. Bei Erwähnung von Guillem Figera wird von 
ihm kein Gedicht angeführt; es heisst da nur: fu dottore, 
scrittore di serventesi e maldicente, onde ne rilevö sul viso un 
fregio come gli rimproverano 

AIMERIC DE PEGUILHAN con questa stanza: 

Anc tan bella espazada 
No cuit c' om vis 
Com det nAuzers sus el vis 
A-n Guillem gautasegnada, 
5 Qu'el vis lo feri tan fort 
C'un petit n'a Tun oill tort 
El cill que sol aver negret a blanc. 
El cais plus ros de scarlat'e de sanc. 
Nur bei H, abgedruckt im Arch. XXXIV 408. Varianten : 
2 qe hom 5 Qel 6 oü 7 oill qe negrer (beide sind wahr- 
scheinlich Lesefehler von Grützmacher) 8 scerlatrce d. s. 

6 SORDEL con quest' altra : 

Si tot m'essail de serventes Figera 
Ab sa lengua falsa e mensongiera, 
SoflFrir lom tanh; tal paor ai nom feira 
Ab l'espada ab quel feri nAuziers, 
5 Car no Hin valc capiros ni viseira 
Que de la galta no llen fazes cartiers, 
E pois n'ac patz ferma d'aital maueira 
C'anc noill costet metzinar dos deniers. 

Nur in H, abgedruckt im Arch. XXXIV 413. Varianten: 
ma saill 21 lenya menssongieira 3 taing 6 Qu fezes 8 mezinar. 



Ueber die proveuzaliscluii LieiU-ihiinilscliriftHu de« G. AI. Barbieri. 249 

Fol. 81. Vgl. oben fol. 51. 

Fol. 82. 83. 

Fol. 84. LANFRANC CIGALA (compose una canzone) 
in lode di Madonna nAlais de Vidallana, che dice: 

Tan franc cor de donipna ai trobat 
A Villa Franca e tan plazen, 
Que m'acuilli tan francamen 
Que de franc m'a sos sers tornat. 

Der Beginn eines Liedes, das nur in F H vorkommt; 
ein Bruchstück in D". Aus H abgedruckt Arch. XXXIV 
416; im ersten Verse cors. 

Fol. 85. 

Fol. 86. DERSELBE. Bei Erwähnung von Cino's Sel- 
vaggia werden angeführt: 

Que vos es tant enamoratz 
De na Salvaja la valen. 

Dritter und vierter Vers der ersten Strophe von nEnric 
no m'agrada nim platz; nur in H, gedruckt Arch. XXXIV 
416; wie gewöhnlich qe, dann tan. 

Fol. 87—90. 

Fol. 91. GUILLEM DE BERGUEDA. Es wird die 
Erzählung aus dem Novellino angeführt; worauf: ne fu guari 
piü modesto in vantarsi in canzoni, come quando disse : 

Gen li pauzei los cornz el capiron, 

Erster Vers der vierten Strophe von Trop ai estat sotz 
coa de mouton, in A D H I K. 



Bei Ferrari 's Biographie denkt man allsogleich an D. 
So auch Tiraboschi, welcher nur Anstoss an dem Worte Uhretto 
nahm, da der Cod. Est. so umfangreich sei. Doch, meint er, 
da Barbieri eine ,porzione staccata' von dieser Hs. kannte, 
welche altfranz, Lieder enthielt, so mochte er auch Ferrari's 



250 ^' " - •■' " ' ' '■■ 

Bluiuenlese als yelbstständiges, noch nicht mit dem älteren 
Theil des Estensis vereinig-tes Büchlein benutzt haben. Die 
Parallele ist nicht richtig; wo Barbieri von dem altfranzösischen 
Liederbuche spricht, sagt er: Mi ricorda di avere gia veduto 
in un g-ran libro provenzale cinquanta canzoni con questo 
titolo sopra: iitce aimf cantiones francigencn n. L. La Molne 
d'Arras; il quäl libro di presente si trova nella libreria ducale 
di Ferrara. Barbieri kannte also das altfranz. Heft als einen 
Bestandtheil von D. Aber auch, dass er jenes Exemplar der 
Ferrari'schen Blumenlese, welches sich nur in D findet, als 
eigenes selbststcändiges Heft benützt habe ist kaum zu glauben. 
Ferrari's Biographie fängt auf der Versoseite eines Blattes an, 
dessen Rectoseite von dem Ende einer durch eilf Blätter gehen- 
den Sammlung von Sirventesen Peire Cardenal's in Anspruch 
genommen wird. Und gegen die Vermuthung, dass vielleicht 
Cardinal's Gedichte und Ferrari's Anthologie ein selbstständiges 
Büchlein, Barbieri's libro slegato, gebildet haben, spricht die 
Angabe des Blattes für Ferrari's Biographie; nicht auf fol. 5, 
sondern auf fol. 12 hätte sie gestanden. Kurz, es ist kein 
Grund vorhanden daran zu zweifeln, dass längst vor Barbieri 
der jüngere Pergamenttheil von D mit dem älteren schon ver- 
einigt war, und entschieden muss man die übrigens von Tira- 
boschi selbst nur mit Päickhalt ausgesprochene Vermuthvmg 
über die Identität zwischen D' und Lsleg. zurückweisen. Das 
Lsleg. repräsentirt nicht eine verlorene (wie LMich.) oder be- 
kannte Hs. (wie LAsc), sondern ist eher eine von Barbieri zu 
eigenem Gebrauche gemachte Sammlung. Er hatte in Ferrara 
D gesehen und wenigstens D'' benutzt. Manche der Lieder 
des Lsleg. sind auch in D enthalten, einige davon nur noch 
in H; keines aber gehört ausschliesslich D an. Dass D"'' be- 
nützt worden sei, wird durch die nicht seltenen Textvai'ianten 
unwahrscheinlich. Die eigentliche Quelle für Lsleg. ist H. 
I^is auf einen Dichternamen (Prebost de Noaiilac) und eine 
kurze Biographie (E. Fonsalada) findet sich Alles, was, Bar- 
bieri aus Lsleg. anführt, wieder in H; einige Lieder nur 
noch in einer oder zwei Hss.; nicht weniger als eilf Gedichte, 
meist einzelne Strophen , sind nur in H enthalten. Die 
Texte entsprechen sich vollständig; die Formvarianten sind 
unbedeutend und leicht auf Rechnung von Barbieri oder 



Ueber die provenzalisclion Lipflerhamlscliiiften des Ct. M. Bartieri. 



251 



Pia zu setzen. Selbst die Reihenfolge der Lieder ist fast 
immer gleich: 



Lsleg. H 
15 ^ IG" 


Lsleg. 
61 


H 

^ 46" 


30-32 = 29"" 


63 


— 46" 


32 = 30" 


67 


= 20"! 


42—43 = 35" 


68 


= 51" 


45 = 37" 


76 


= 54" 


51 — 42" 


80 


- 52" 


52(?) = 40" 
55 — 43" 


? 

84 86 


- 54" 

— 57"" 


57 = 43" 


91 


— 60" 


GO - 45" 







Lsleg. ist also zunächst ein Auszug von H. — Was Bei'- 
tran de Born's Strophe AI Lemozis (fol. 38) betrifft, so wäre ich 
geneigt, ebenfalls anzunehmen, dass sie zu Barbieri's Zeit in H 
enthalten war. "^ In dieser Hs. sind an mehreren Stellen Blätter 
ausgefallen,-^ und dass gerade zwischen 30" — 35" = 32 — 43 
etwas verloren gegangen sei, kann man mit ziemlicher Sicher- 
heit annehmen. Denn wenn auch Lsleg. entweder des kleineren 
Formates oder der grösseren Schrift halber mehr Raum in 
Anspruch nahm als H, so ist das Steigen des Missverhältnisses 
ein allmäliges und nirgends braucht Lsleg. zehn Blätter um 
den Inhalt von fünf Blättern von H wiederzugeben. 



* Der einzige Fall von grossem Auseinandergehen der zwei Hss. in der 
Reihenfolge der Gedichte. Sollte nicht in Barbieri's Angabe des Folio 
ein Versehen unterlaufen sein? 

2 Die Hs. gehörte Fulvio Orsini an, der T600 starb. Wol erst nach seinem 
Tode wird diese so wie viele andere Hss. seiner reiclien Bibliothek (viel- 
leicht die ganze?) in den Vatican gelangt sein. Wo mag Barbieri die 
Hs. benutzt haben? 

^ Dies sagt schon Grützmacher ausdrücklich ; er verdiente demnach nicht 
den Vorwurf Bartsch's Jahrb. XI 23 — 24. 



^2Ö2 ''^' " s 8 ii r i a. 



D. Libro Hiciliauo. 

Fol. 1. GUILLEM DE CABEÖTANH. Biographie in 
jener der zwei Versionen, welche Hüffer mit b bezeichnet und 
welche sich in H findet. Barbieri druckt innerhalb der Biographie 
die ganze erste Strophe von Li dous cossire ab: 

Li dous cossire 

Quem don'amor soven, 

Donam fan dire 

De vos maintz vers plazen ; 
5 Pensan remire 

Vostre cors car e gen, 

Cui ieu dezire 

Mais que non fauc parven; 

E si tost mi deslei 
10 Per vos, ges nous abnei 

C'ades ves uvs (1. vus o. vos) soplei 

Ab francha benvolensa, 

Dompna, en cui beutaz g-ensa 

Maintas vetz oblit mei 
15 Que lau vos e mersei. ' 

In fast allen Hss. enthalten. H theilt innerhalb der Bio- 
graphie nur zwei Verse mit; die ganze Strophe wird Barbieri 
selbst ergänzt haben. Nach welcher Hs.? Keine der von Hüffer 
benützten Hss. — BDHRU — zu denen die von Bartsch 
(Chr. 69) verglichenen — C E I — hinzukommen, stimmt genau 
mit unserem Texte überein. 

Fol. 1. GUILLEM DE BAL AON. Die XL Novelle des 
V. Capitels theilt die Biographie des Dichters mit, welche bei 
Rayn. V 180 abgedruckt ist. Bei Barbieri weicht die Erzählung 
in einem nicht unwichtigen Punkte ab. Der provenzalische 
Text erzählt, dass, nachdem Guillem den Boten seiner Dame 
abgewiesen hatte, diese tiefe Verachtung für ihn fasste (elal 
mes en soau del tot). Nach einer Weile fängt Guillem an nach- 

' Pia bemerkt dazu: Nel niio ms. vi e qualche Variante. Es ist wol c ge- 
meint, tul. 124. 



Ueber dip provenzalischen LiederhandfchriftPn iles 6. M. Barbieri. 253 

zudenken, wie er durch den tollen Vorsatz, seine Geliebte 
auf die Probe zu stellen, sich grosser Freude beraubt und 
geht nach Javiac, indem er, wol um seinen Zweck zu ver- 
bergen, das Gerücht verbreiten lässt, er sei auf einer Pilg-er- 
fahrt begriffen. Die Frau nun besucht ihn, kniet nieder, Avird 
aber wieder schmählich abgewiesen. Dies ist nun psychologisch 
ganz richtig-. Die erzürnte Frau vermag nicht, als sie den 
Geliebten in ihrer Nähe weiss, dem Drange zu widerstehen, 
noch einen Versuch zu machen; der trotzige Mann, welcher 
selbst eine Versöhnung herbeiwünscht, lässt sich, im Aue-en- 
blicke als er die Flehende zu seinen Füssen sieht, von seinem 
Uebermuthe berücken und stösst sie fort; der Rückschlag der 
Gefühle folgt aber auch unmittelbar: la domna sen anet . . .ab 
cor que mais nol vis nil parles . . et el romas iratz car avia 
fach tal folor. Die Rollen sind nunmehr gCAvechselt. — Bei Bar- 
bieri ist der Verlauf der Geschichte dadurch einfacher, wenn 
auch vielleicht etwas matter, dass die Sätze über den ersten 
Aerger der Frau und die erste Reue Guillem's fehlen. Die 
Frau schickt früher Briefe, dann einen Boten, dann besucht 
sie den wiedergekehrten Guillem; als alle drei Versuche fehl- 
schlagen, wendet sie sich von ihm gänzlich ab. Guillem aber 
bereut die ihr zugefügte Unbill und begibt sich zu ihr, um 
Verzeihung zu erflehen. Von hier an gehen wieder beide Er- 
zählungen zusammen. Die Biographie ist in H R enthalten. 
Ob Raynouard bloss R folgte, ob die Abweichung bei Bar- 
bieri sich auch in H findet, kann ich nicht angeben; sehr 
wahrscheinlich ist es, dass Barbieri, der gerne abkürzt, es auch 
hier gethan hat, in diesem speciellen Falle zugleich mit 
der Absicht, die Erzählung weniger künstlich zu gestalten. 
Er führt seiner Gewohnheit nach die ganze erste Strophe des 
Liedes, mit welchem Guillem um Verzeihung bittet, an: 

Lo vers mou merseian ves vos, 
Dona, no per tal qu'ieu entenda 
Que de mi merse vos prenda, 
Taat es lo forfaitz cabalos. 



' Im X. Capitel noch die kurze Notiz: G. de B. gentil uomo nella con- 
trada di Mompellier, uomo costumato e buon trovatore. 



254 Mussafia. 

5 Car ges perdos no si atanh; 
Mas pos rai mezeis ai perdut 
E vos, quem faitz plus esperdut, 
Sim pert mas paraulas, nom tanh. 

Gedruckt bei Mahn 689 nach CI(K)R, leider ohne An- 
gabe der Hss., denen die einzelnen Varianten entnommen sind. 
Dann nach H im Arch. XXXIV 393. Im ersten Verse lesen 
einzelne Hss. Mon. 2 D H und bei Mahn No i^er so, domna, 
gu' entenda; sonst stimmen D H mit Barbieri überein. Bei Mahn 
dagegen: 3 wie Barbieri und als Variante Qxie ja merce de 
mens prenda. Ohne Varianten bei Mahn, also in allen von ihm 
benutzten Hss.: 4 Per qii ieu si bem destrui nom planh; 
8 bes tanh. Der Text Barbieri's weicht demnach von allen 
bekannten älteren Hss. ab. 

Fol. 2. MARIA DE VENTADOR. Die Biographie bei 
Rayu. V 257 mit einigen Abkürzungen. Sie ist nur in H ent- 
halten. Die erste Strophe ihrer Tenzone lautet bei Barbieri : 

Gui d'Uisel, bem pesa de vos, 
Car vos es laisatz de chantar, 
Ancar vos gi volgra tornar, 
E car sabetz d'aitals razos, 
5 Ieu vos deman, si den far engalmen 
Dona per drut, can loi quer franchamen, 
Com el per lieis tot can tanh az amor, 
Segon lo droit qu'entendon amador. 

In ACDEHRT; in P die erste Strophe. Im dritten 
Verse D und Rayn. E car (quar), P lässt die zwei ersten 
Sylben weg; Rocheg. E volgraus i enquer t. — P]ine andere 
wichtige Variante ist 5 DP Rayn. Voill quem digatz. — 8 DP 
Rayn. Roch. qti>e tenon. 

Wir bemerken noch, dass Uc le Brun, der Geliebte 
Marias, von Barbieri conte della Mancoa statt de la Marcha 
genannt wird, und dass derselbe Name mit einer kleinen Variante, 
ebenfalls mit Hinweis auf ,lib. Sic. Car. 2' unter den Dichtern 
Numcns W' vorkommt: Uc Lo-brus cunti; della Manoha i^he 



Ueber die provenzalisclien Liederlumdscliriften des G. M. Barbieri. . 255 

tu cavaliere di Madonna Maria da Ventadorno, di cui si leg- 
g-ono alquante cauzoni nei libri provenzali. Der Ausdruck di 
cvi ist zweideutig, da es sich eben so gut auf Uc als auf Maria 
beziehen kann. Auch ist der Pkiral alquante canzoni zu be- 
merken. Wir kennen kein Gedicht von Uc, ' und von Marie 
nur die Tenzone mit Gui d'üisel. Dass Barbieri über Material 
verfügte, das uns nicht bewahrt wurde^ ist nicht unmöglich; 
indessen können w^ir auch sagen : di cui bezieht sich auf Marie, 
und der Ausdruck über deren dichterische Production ist etwas 
vage gehalten. 

Fol. 3—6. 

Fol. 7. ELIAS CAIREL. Die belobende Biographie bei 
Rayn. V 141, und die aus A stammen dürfte, da die tadelnde 
(Mahn 42) in I und folglich auch in K sich findet. Zu be- 
merken ist, dass während die erste über Elias' Heimath nichts 
sagt, Barbieri doch bemerkt: E. C. fu de Peiragors; vgl. in I: 
si fo de Sarlat d'un bore de Peirea-orc. 

Fol. 8-37. 

Fol. 38. BERTRAN DE BORN. Ein Auszug aus der 
kurzen Biogi-aphie bei Mahn 34, welche dem Anfange der 
grossen Biographie bei Rayn. V 76 entspricht.'-^ Daran 
schliessen sich die bei LAsc. fol. 157 angeführten Worte. 

Fol. 38. RAIMBAUT D'EIRA, clie s'intese in donna 
Sancha d'Aragon, la quäle essende per andarsene in Catalogna 
con Mad. nAudiarz, che ritornava a casa depo la morte del 
signor di jMarsiglia suo uiarito, Raimbaldo prego nella sotto- 
scritta stanza il conte di Provenza, che la riteuese in sua 
Corte, cosi: 



' Sollte Barbieri Uc Brunet für Maria's Vereliror gehalten haben? 

- Es hcisst da: senipre ebbe gnerra coi suoi vicini, ne mai lasciö stare in 
pacc il re di Frajicia col re d' Inghilterra, nö il conte de Poitou con il 
conte di Lemoges, ne il conte di Peire<;-or.s. Ein kleines Missvcrständ- 
niss. Man wird es eher Barbieri als einem provcnzalischeu Texte zu- 
schreiben. 



256 Mu8safia. 

Coms Proensal, si sen vai dopna Sancha, 
Nous teurem mais per g'aillart ni per pro 
Tan com farem, si sai ab nos s'estancha 
Nil faitz laissar per Proensa Arago 
5 Queill dompna es bella e cortesa e francha 
E gensera tota nostra maiso 
Ben aia l'albres, don nais tan bella brancha 
C'aital com tanli ad avinen saiso 
Es de beutat briina vermeilla e blancha. 

Ist uur in H, aber wie Bartsch bei Besprechung des 
ersten Theiles von b (d. h. der Barbieri' sehen Citate) schon 
bemerkt, stimmen die zwei Texte nicht mit einander. So liest 
H, von kleineren Varianten abgesehen: 2 No vos tenrem tan 
valen ni tan pro 3 Com. fariam. 4 Ellz 5 coinda plaisenz e 
fr. 6 re^o 8 faiso. 



Die Bestimmung der Verhältnisse dieser Hs. ist einiger- 
massen schwierig. Dass H in Betracht kommt, ist wegen der 
Biographien von Guillem de Balaon und Maria de Ventadorn 
sehr wahrscheinlich. Benützung von A dürfte aus der Bio- 
graphie von Elias Cairel erschlossen werden; nur bliebe es 
auffallend, dass Barbiei'i, wenn er diese reichhaltige Hs. ge- 
kannt hätte, sie nicht öfters benützt haben sollte. Die Fassung 
der Strophe Raimbaut's d'Eira weist endlich auf eine bisher 
unbekannte Hs. hin. ' 



' Wir wollen nicht unerwähnt lassen, dass auch im XI. Capitel, wo von 
sicilianischen Dichtern die Re4e ist, ein Libro Siciliano und zwar fol. 2, 
4, 10, -22 erwähnt wird. Es ist wol nicht anzunelimen, dass Barbieri 
provenzalische und sicilianische Gedichte untermischt haben wird; eher 
lässt sieh verrauthen, er habe zwei Heften die gleiche Bezeichnung 
gegeben, wenn es auch sciiwer zu erklären ist, wie eine provenzalische 
Sammlung zum Schlagworte ,Lib. Sicil.' kam. 



Ueber die provenzalischen Liederhandscliriften des G. M. Barbieri. 257 



E, Ohne Allgabe der Hjiiidsehrift. 



I. PEIRE D'ALVERNHA. Als Beleg für son und mot: 

Cui bon vers ag-rad'auzir 
De mi conseill be qu' el escout 
Aquest qu'era comens' a dir, 
Que pos li er sos cors asis 
Den (De? Eo?) ben entendrel son eis mots, 
Ja non dira qu'el aia avizis 
Meiliors mots trobats luenh ni prop. 

In C E R T V a. Gedruckt aus C und V mit zahlreichen 
Variauten. 



IL ARNAUT DANIEL. Zu «leichem Zwecke wird an- 



&* 



g-eführt: 



Autet e bas entrels prims fueills 
Sun neu de flors eis rams li renc, 
E noi te mut bec ni gola 
Nuills auzels, ans brai e cauta 
5 Cadaus en son us 

Per joi c'ai d'els e del tems, 
Chan mas amors mi acausa (1. asauta) 
E vils (I. quels) mots ab lo son acorda. 

ACDEHIKN. — CDE bieten nur ganz unwesent- 
liche Varianten. 

III. RAMBAUT DE VAQUEIRAS. Unter den No- 
vellen des V. Capitels wird die Art erzählt, wie er der Beatritz 
seine Liebe gestand. Es wird die erste Strophe des in der 
Biographie erwähnten Liedes mitgetheilt. 

Eram requer sa costum e son us 
Amor, per cui plane e sospir e veill, 
Ca la gensor del mon ai quist conseill 
Em ditz qu'ieu am tan aut com puesqu'en sus 

Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. LXXVI. Bd. II. Hft. 17 



258 Mnssafia. 

La meillor dompna em met en sa fizansa, 
C'onor e pi-etK m'er e pros e non dans ; 
E car ill es del mon la plus prezans 
Ai mes en leis mon cor e m'esperansa. 

Wir sahen oben das Geleit dieses Liedes aus LMieh. 
fol. 40—42 und werden desshalb annehmen, dass Barbieri 
auch diese Strophe derselben Hs. entnahm. 

IV. PEIRE VIDAL. Zweimal ist von ihm die Rede: 
im V. und im X. Capitel. An letzterer Stelle werden drei 
närrische Handlungen von ihm angeführt: der Wahn, Kaiser 
zu sein; die Trauer um den Grafen Raimon; die Verkleidung 
als Wolf. ' Letztere Episode ist nur in E P R enthalten. Im 
V. Capitel steht die Erzählung von dem geraubten Kusse. Die 
Lösung wird folgendermassen erzählt: Imberral (= En Barrals), 
che tanto 1' amava e tanto si dilettava di lui che non ne 
poteva Star senza, fece e disse tanto con la moglie che 
gl' impetrö pace e perdono e gli fece mandar grazia di tornare 
in Provenza. Pietro Vidale, avuta la grazia, se ne tornö con 
grande allegrezza, e giunto al cospetto di mad. nAlazais le si 
inginocchio diuanzi e la prego a volergli concedere in dono 
il bascio, ch' egli le aveva imbolato, soggiugnendo che quando 
nol volesse fare, egli era tutto pi-esto di renderglielo. Per 
lo quäl detto essendo ogni cosa rivolta in festa ed in solazzo, 
la donna gli fece dono del bascio, ch' egli si aveva preso di 
furto. Im proveuzalischen Texte bittet Barral die Frau so, 
qu'ela li perdonet lo fait del baizar e loi autreget en do. Erst 
dann schickt Barral zu Peire; dieser kehrt wieder und wird 
von Barral und Azalais mit grosser Freude empfangen (nur E 
fügt noch hinzu: et autreget li lo baisar en do qu'el li avia 
emblatj. Ist die dramatischere, mit einer witzigen Pointe aus- 
gestattete Darstellung nur eine Amplification von Barbieri 
oder entnahm er sie einem provenzalischen Texte? Wir wissen, 
dass e die ausführliche Biographie Vidal's enthält; Bartsch 
aber lehrt uns, dass dieser Text , ziemlich genau' mit E über- 
einstimmt; wir werden also wol annehmen müssen, dass Bar- 
bieri gegen sein sonstiges Verfahren sich hier eine kleine 



' Statt la Loba de Pueinaulier liest Barb. P. Nausier. 



Ueber die provenzalischen Liederhandschriften des G M. Barbieri. 259 

Ausschmückung erlaubt hat. Welcher seiner Hss. hat Barbieri 
die Biographie entnommen? Die Beziehung zu e lässt uns an 
LMich. denken; nur stossen wir hier auf eine äussere Schwie- 
rigkeit. Denn wenn es auch unzweifelhaft ist, dass Pia seine 
Vidal - Sammlung aus mehreren Hss. zusammengestellt hat 
(Bartsch wies nach, dass der grösste Theil der Lieder aus g 
sein muss, welche Hs. doch keine Biographien enthält), so 
findet sich dennoch in LMich. zum Unterbringen der umfang- 
reichen Biographie und wenigstens einiger Lieder kein ge- 
nügender Raum. Der Text der angeführten Strophe lautet: 

Pueis tornatz sui en Proensa 
Et a ma dona sap bo, 
Ben dei far bona chanso 
Sivals per reconoisenza, 
5 C'ap servir et ab onrar 
Conquer hom de bon senhor 
Don e benfait et honor, 
Qui bei sap tener en car 
Per qu'ieu men vueill esforzar. 

In fast allen Hss. Zu unserem Zwecke bemerken wir, 
dass die Lesart 3 bona (sonst gaja) auch in C, die Lesart 
9 vueill (sonst dei) auch in E vorkommt. 

V. ARNAUT DE MAROILL. Im V. Capitel wird 
über dessen Liebe zur Gräfin von Burlatz berichtet; König 
Alfons bewirkt, dass sie ihm den Abschied gibt^ worauf der 
verzweifelte Dichter folgendes Lied dichtet: 

Molt eron dous mei consir 
E ses tot marrimen, 
Can la bella ab lo cors gen, 
Humil franqu'e debonaire 
Me dis de s'amor estraire, 
Don ieu nom puesc partir, 
E car ill nom rete 
Ni laus clamar merse, 
Pos de lieis jois mi sofranh, 
Tug solas mi son estranh. 

In ABCDEFGIKMNRSc, Raimont Q. 

17* 



260 Mussafia. 

VI. GAUCELM FAIDIT. Wird im V. und X. Ca- 
pitel erwähnt. An erster Stelle der Beginn der grösseren Bio- 
graphie, welche der kürzeren entspricht. An zweiter Stelle 
die Fortsetzung der Biographie, welche über die Liebe des 
Dichters zu Maria von Ventadorn und die List der Dame 
Audiartz berichtet. Die erste Strophe beider angeführten Lieder 
wird mitgetheilt. 

Wol ohne Zweifel aus LMich. 

VJL FOLQUET DE MARSELHA. Der Beginn und 
der Schluss der grösseren Biographie, der kleinen entsprechend. 
Perche Monsignor Bembo parla di lui nelle sue prose come di 
dolcissimo poeta, non sarä se non bene gustare la sottoscritta 
sua canzone per un saggio della dolcezza delle sue rime. Es 
wird das Lied Tau m'abelis etc. vollständig mitgetheilt. Wir 
wollen es auch, den Vergleich mit anderen Hss. zu erleichtern 
(das Lied findet sich fast in allen), hieher setzen. 

Tan m'abelis l'amoros pensamens, 
Que s'es vengutz en mon tin cor asire, 
Que no i pot nuills autre pens caber 
Ni mais negus no m'es dous ni plazens; 
C'adoucx viu sas can m'ausizal sospire 
E fin'amors m'aleuja mon martire 
Quem promet joi, mas trop lom dona len 
C'ap bei semblan m'a trainat lonjamen. 

Ben sai que tot can fauc es dreit niens, 
leu qu'en puesc als s'amor me vol ausire? 
C'az essien m'a donat tal voler 
Que ja non er vencutz ni el no vens. 
Vencutz si er, qu'aucir m'an le consire 
Tot soavet, car de leis cui dezire 
Non ai secors, ni d'autra no Taten, 
Ni d'autr'amor no puesc aver talen. 

Per so, dona, nous am saviamens, 
Car V08 soi fis et a mon ops traire, 
E vos tem perdre e mi non puesc aver, 
Eus eng nozer e soi a mi nozens. 



üeber die provenzalischen Liederhandschriften des G. U. Barbieri. 261 

Per so mon mal nous aus mostrar ni dire. 



'; 



Mas a V esg-art podetz mon cor devire ; 
Quieiis cug dir, mas eras men repeu 
E port eis hueills vergonha et ardimeu. 

Bona dona, sius platz, siatz sufrens 
Del be qu'ieus viieill, qu'ieu soi del mal sufrire; 
E pueis lo mals nom poira dan tener, 
Ans er semblan quel partem engalmens; 
E s'a vos platz qu'en antra part me vire, 
Partes de vos la beautat el dous rire 
El dous parlar que m'enfolis mon sen; 
Pueis partir m'ai de vos mon essien. 

Ca totz Jörns m'es plus bell'e plus plazens, 
Per son vueill mal als hueills ab queus remire, 
Car no volgra jaus poguesson vezer, 
Ca mon dan vezon trop sotilmens; 
Mas dans non m'er, car sivals nom u'azire, 
Ans es mos pros, dona, perqu'ieu m'albire, 
Si m'ausizets, que nous essara (1. est.) gen 
Car lo mieu dan vostre er eissamen. 

Trop vos am mais, dona, qu'ieu non sai dire 
E si anc jorn aic d'autr'amor dezire 
No m'en penat; car aus am per un sen, 
Car ai proat autrui captenemen. 

Ves Nemze vai, chansos, qui qes n'azire, 
Que gaug n'auran per lo mieu essien 
Las tres donas, a cui ieu te prezen. 

VIII. AIMERIC DE PEGUILHAN; tu di Tolosa, onde 
partito per tema di nemicizie particolari et andatosene in Cata- 
logna si introdusse in corte del re d' Aragon col favorc di 
Guglielmo di Berguedan. Ultimamente se ne venne in Lom- 
bardia ricettato da Guglielmo Malaspina marchese, di cui disse 
in una canzone : 

Lo pros Guillem Malaspina soste 
Joi e domnei cortezia e me. 



262 Mussafia. 

Alts Per solatz d'autriii chan soven. Von den mir be- 
kannten Texten haben B C D Don e d., M aber Joi. 

Daran schliesst Barbieri die bei LAsc. fol. 73 ange- 
führte Stelle an. 

IX. BERNART DE PRADAS, che cominciö iina sua 
canzone: 

Sitot m'ai pres un pauc de dan, 
Per tan no serai recrezens 
Qu'ieu no m'alegra e no chan 
Malgrat des janglos maldizeiis. 

Nur in C, wo es aber Daude de Pradas zugeschrieben 
wird; nur das Register nennt den Dichter Bernart. Das Lied 
ist meines Wissens ungedi'uckt. Der erste Vers, wie ihn der 
Catalogue und Bartsch angeben, lautet in C: mais pretz. Wird 
gewiss im LMich. gestanden sein, dessen Verwandtschaft mit 
C wir constatirt haben. 

X. GUI, EBLE e PEIRE, ELIAS loro cugino tutti 
cognominati D'ÜISEIj da un loro castello , che avevano 
in Lemosino, tutti e quattro trovatori, che Guido faceva le 
buone canzoni u. s. w. nach der Biographie bei Rayn. V 175, 
welche in ABEIKPRa enthalten ist. Barbieri mag sie 
im LMich. gehabt haben. 

Daran schliesst sich die Notiz über Elias, der seine Gäste 
mit Gedichten bewirthet, worüber GAUCELM FAIDIT die 
Cobla dichtete : 

Ben auria obs pans e vis 
A Casluz, tant es ses umor, 
Merce del paubre trobador 
Qu'es manens de gabs e de ris, 
Que sei solatz son gran copas d'argen, 
Eill sirventes segalas e formen, 
E sas cansons es vestir vert ab var 
A lui sen an qui vol ben sojornar. 

Nur in D H. ' Ungedruckt.- D bietet mehrere Varianten. 



> Nach Bartseh; denn in Grützmacher's Verzeichnisse steht es nicht. 
2 Hartsch pibt in seinem Verzeichnisse ,R. 5, 143' an; bei Raynouard findet 
sich aber nur der erste Vers. Dagegen wird Elias' Antwort als unge- 



Ueber die provenzalischen Liederhandschriften des 6. M. Barbieri. zbo 

XI. NA TIBORS fu una donna di Provenza d' un castello 
detto Sarenom ^ che seppe dire in rima, e fece la seguente 
stanza che mando al suo amante : 

Bels dous amics, ben vos puex en ver dir 
Que anc non fo, qu'ieu esses ses desir, 
Pos vos conuc nius pris per fin amaire, 
Ni anc no fui, qu'ieu non agues talan, 
Bels dous amics, qu'ieu soven nous vezes, 
Ni anc no fo sasos que men pentis, 
Ni anc no fo, si vos n'anes iratz, 
Qu'ieu agues joi tro que fosetz tornatz. 

Nur in H; daraus, oder vielmehr aus der Pariser Ab- 
schrift, bei Rayn. V 447 und Mahn 647. Der Text bei Bar- 
bieri ist derselbe, aber correcter. Im dritten Vers haben Rayn. 
und Mahn : Pos vos conven e . . . per fin aman. Da die Hälfte 
des Blattes abgeschnitten ist, hält Rayn. die Strophe für das 
Fragment eines Liedes. Barbieri dagegen ist der Meinung, es 
handle sich nur um eine Cobla. Wir haben dem Gedichtchen 
eine Stelle im Lsleg., und zwar zwischen fol. 80 und 84, 
zugewiesen. 

F. DichteriiJiineu. 

Trovansi molti trovatori nobilisti, per cosi dire, come 

Re Riccart d' Inghilterra ADIKNPSRf. 
Jaufre Rudel conte di Blaia; vgl. oben LMich. 
Visconte di Saint Antonin ; siehe unten Raimon Jordan. 
Albert Marques A D I K M N R. 
Dalfin d'Alvernhe; vgl. oben Lsleg. 
Conte de Rodes A D H. 



druckt bezeichnet, während diese an der angegebenen Stelle R. ö, 143 
gedruckt ist. — Bei dieser Gelegenheit berichtige ich meine Darstellung 
in der Abhandlung über den Cod. Est., wo ich diese Cobla als erste 
Strophe eines Streitliedes bezeichnete. Auch meinte ich dort, Barbieri 
müsse das Gedicht im LMich. gefunden haben; eine Vermuthung, die 
sich jetzt als irrig erweist. 
1 Der Herausgeber, Tiraboschi oder Pia, setzt zwischen Klammern ,/. Seranon^ 
hinzu. 



2(34 Mussafia. 

Conte de Blandra. So in H, nach Bartsch Graf von 
Flandern. 

Conte de Provensa C D H I K N O T d. 

Conte de Tolosa C D G H. 

En Blacatz un gran Signore de Provenza. In vielen Hss. 

De' quali tutti si leggono versi in rima, che si tralasciano 
per brevita, siccome ancora per la medesima cagione porremo 
nudamente questi altri senza ricordamento d' altra cosa che dei 
loro nomi o cognomi : 

Ramberti de Bovalel A C D, je ein Lied auch in O S. 

Girant del Luc A D I K. 

Augier de Vianes. Die Angabe der Heimath des Dichters 
findet sich in der Biographie, welche nur in I K enthalten ist. 
Vor den Liedern scheint nach Bartsch nur in F ein Mal Ugiers 
de Viena vorzukommen. 

Bernart Marti, nur in CE; also wol in LMich. 

Raimon Jordan ist Eins mit dem oben angeführten Vis- 
conte di Saint Antonin, dessen Lieder am häufigsten in A B C 
DIK vorkommen. 

Rostanh Damergues C H. 

Granet C F M H P R. 

Jordan de Borneil de Cofolenc. Es gibt einen Jordan de 
Bonel oder de Borneil Creg. D E I K U einen Jordan de Co- 
folen CE.' Dass eine Verbindiuig dieser zwei Namen (be- 
zeichnen sie wirklich zwei Dichter?) auch in a vorkommt, ist 
schon oben bemerkt worden. 

Peire de Casals (Guillem). Fast ausschliesslich in C, doch 
eine Tenzone mit dem unmittelbar folgenden 

Bernart de la Barta in C D E H M. 

Perdigo. In sehr zahlreichen Hss. 

Peire Guillem. Es gibt einen von Luzerna DFHIK 
und einen von Tolosa E M N O. 

Rainaut de Ron. wol R. de Pons, von dem eine Tenzone 
in A D G I K L M Q. 



' Bartsch führt einen dritten Dichter Jordan de Born an, mit Hinweis auf 
428, 1, Unter dieser Nummer aber heisst es, ein Lied Rostanh's de Mergas 
werde vom Register von C dem .Jordan Bonel zugeschrieben. 



Ueber die provenzalischen Liederhandschriften des G. M. Barbieri. ^OÖ 

nAzemar de Peiteus. Bartsch führt ihn an unter A. lo P. 
und setzt hinzu: ,wol de Peiteus'. Eis gibt von ihm eine Ten- 
zone mit Raimbaut de Vaqueiras CDEGIKMQR. D nennt 
ihn de P. 

Faidit de Belostar (1. -estar) HT und Register von C. 

Turcs Valeis, wol T. Malec A D H I K. 

Peire Pelissier G H. 

Joannetz d' Albuisson U H. Die Deminutivform in H. 

Carn et Ongla. Eine Tenzone zwischen dem Graten von 
Provence und seinem Pferde in H. 

Marques Lanza D H. 

Nicolet de Torrin H. 

Savaris de Mauleo. Zwei Tenzonen von ihm in vielen 
Hss. ; Ein Lied in H (ein zweites wird ihm in R zugesprochen). 

Berengiers de Palajol A C D E I K R ; ein Lied auch in H. 

Berengiers de Pois Ronges. Bloss in H, welches jedoch 
Peizrenger schreibt. 

Berengiers de Puivent. Bloss in H, welches Poiuuent 
schreibt. 

Aulivier de la Mar H, 

Bonifaci de Castellana C M. 

Duran sartre de Paernas M. 

En Ozils de Cadais CD MR. 

Fabres d" Uxel = Pons Fahre d' Uzes. In gleicher Form 
wie bei Barbieri in M. 

Gui Figera. Ist der schon oben erwähnte Guillem Figuera. 
Die hier vorliegende Form in M. 

Lantelmet de Aguillon M. 

Montans Sartre M. 

Peire Bremot Ricas novas. In vielen Hss., worunter M. 

Peire Milo I K M N a d. 

Peire de Blai M. 

Peire Roger. In vielen Hss., worunter M. 

Raimon de Tors de Marseilla M. 

Le Trobaire de Villa Arnaut M. 

Auch in diesem Verzeichnisse der nicht adeligen Dichter 
lassen sich wenigstens zwei der benützten Hss., H und M, 
deutlieh erkennen. Von Faidit de Belestar bis Aulivier de la 



266 Mussafia üeber die provenzalischeii Liederhandschriften des G. M. Barbieri. 

Mar entnahm Barbieri seine Namen der Hs. H, und zwar ver- 
zeichnete er sie genau in der Ordnung, in welcher sie in seiner 
Vorlage (abgesehen natürlich von den dazwischen liegenden 
bekannteren und von ihm schon besprochenen Dichtern) vor- 
fand. Von Bonifaci de Castellana an fängt eine Reihe von 
Namen an, für die M die Quelle war; die aus dieser Hs. ge- 
sammelten Namen verzeichnete dieses Mal Barbieri in alpha- 
betischer Ordnung. 



Zu D, Fol. 7. Nach freundlicher Mittheilung Bartsch's 
stimmt A in der Biographie von Elias Cairel mit IK überein. 
Meine Vermuthung über die Quelle der lobenden Biographie, 
die sich auf die Angabe des Grundrisses stützte;, dass eine 
Lebensbeschreibung von Elias nur in AIK sich finde, war 
demnach irrig. Welcher Hs. hat nun Rayn. die lobenden, 
auch bei Barbieri vorkommenden Angaben entnommen? 



Bockinge r. Berichte über Handschriften des sog. Schwabenspiegels. 267 



Berichte über die Untersuchung von Handschriften 
des sogenannten Schwabenspiegels. 

Von 

Dr. Ludwig Roekinger. 
IV. 



Aus der verhältnissmässig nur geringen Zahl von Hand- 
schriften des sogenannten Schwabenspiegels, welche entschieden 
nachweisbar in diesem und jenem bestimmten Bezirke oder in 
diesem und jenem bestimmten Orte in wirklichem Gebrauche 
bei Gericht gestanden, beziehungsweise welche für einen ganz 
bestimmten Bezirk oder für einen ganz bestimmten Ort abge- 
fasst sind, habe ich seinerzeit ' von einer aus dem Rheingaue 
Kunde gegeben. Weitere Bedeutung beansprucht nach der be- 
merkten Seite hin in ganz besonderem Grade der ,Land- 
richter^ von Witzenhausen, das heisst die dortselbst in 
amtlicher Geltung gestandene Handschrift des berührten Rechts- 
buches. Ich darf ihr daher wohl nachstehende Besprechung 
widmen. 

Die erste Nachricht über sie verdanken wir Karl Philipp 
Kopp. Er gedenkt ihrer im ersten Theile seiner verdienstvollen 
, ausführlichen Nachricht von der altern und neuem Verfassung 
der geistlichen und Civil-Gerichte in den Fürstlich-Hessen- 
Casselischen Landen' vom Jahre 1769 bei Gelegenheit der 
Erörterung über den fränkischen Theil - von Hessen, den Pagus 



1 In der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Band XXIV, S. 224 
bis 249. 

2 A. a. O. 1. §. 7-30, S. 16-59. 



2ßo R o c k i n g e r. 

Hassiae franconicus, in welchem fränkisches Recht ' galt, und 
von den Rechtsbüchern des Mittelalters namentlich der soge- 
nannte Sclnvabenspiegel wie das kleine Kaiserrecht Anwen- 
dung bei Gericht gefunden haben. Was den ersteren anlangt, 
weist er dieses — abgesehen nach §. 25 und §. 2H von 
Kassel — in den §§. 27, 28, 30 für Frankenberg, Alsfeld und 
Eschwege nach, in §. 29 für Witzenhausen. Hier spricht er 
denn auch ^ in Kürze von der Handschrift, welche in Frage 
steht, die nach seiner Beschreibung auswendig auf dem Ein- 
bände die Aufschrift: ,Landt-Richter, Bürger- und Stadt-Buch'' 
führt, und welche er in das Ende des 15. Jahrhunderts setzt. 
Am Schlüsse seiner Mittheilung erklärt er noch ausdrücklich, 
dass er sich vorbehalte, umständliche Nachricht über ihren ge- 
sammteu Inhalt zu einer anderen Zeit zu geben. Ob und wann 
und wo dieses geschehen sein mag, ist mir nicht bekannt. 

Insoferne mir übrigens die Handschrift selbst zum Behufe 
eingehenderer Untersuchung in zuvorkommendster Weise über- 
mittelt worden ist, bin ich in der Lage, mich folgendermassen 
über sie zu äussern. 

I. 

Was zunächst ihre äussere Erscheinung wie ihren 
Gesammtinhalt betrifft, mögen nachstehende Bemerkungen 
hier eine Stelle linden. 

Sie ist auf Papier in gewöhnlichem Folioformate 
gefertigt, in Holzdeckel gebunden, welche mit gepresstem, ur- 
sprünglich wohl rothem oder bräunlichem, jetzt durch ihren 
vielfachen Gebrauch etwas stark abgenütztem Leder überzogen 
sind, und es gehören ihre älteren Bestandtheile der ersten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts an, vielleicht genauer dem 
zweiten Viertel desselben, während die späteren der Haupt- 

• Nach einem Ausspiiu-he v. Koth's \md v. Meibom's in ihrem knihessi- 
schen Privatrechte I S. 32 — xg\. die Note 2 dortselbst noch hiezu — 
kann die Grenze zwischen dem fränkischen und sächsischen Hessengaue 
für die spätere Zeit durch eine von Battenfeld (bei Battenberg im Gross- 
herzogthnme Hessen) zwischen Frankenberg und Sachsenberg über 
Zusehen (im Fürstenthume Waldeck) und Balhorn (im kurhessischen 
Amte Naumburg) bis Wolt'sangcr (bei Kassel) gezogene Linie ungefähr 
bezeichnet werden. 



Berichte über Handschriften des sog. Schwaben spiegele. 269 

masse nach in die zweite Hälfte des IG. Jahrhunderts 
fallen, und über dieses hinaus noch bis in die Mitte des 
ersten Viertels des 17. reichen. 

Auf dem Vorderdeckel steht, wovon bereits vorhin aus 
Kopp's Nachricht die Rede g-ewesen, noch ziemlich lesbar die 
technische Bezeichnung- des Buches: ,Landt Richter' mit 
nachgesetztem Punkte schwarz, und darunter sodann roth: und 
Stadt-Buch. 

Die ganze Handschrift besteht, wenn man so will, aus 
zwei Theilen, dem Landrechte des sogenannten Schwaben- 
spiegels mit vorangehendem alphabetischen Inhaltsverzeichnisse, 
und dann dem eigeutliclien Stadt- und Bürgerbuche. 

Was den ersten Theil anlangt, geht dem Landrechte des 
sogenannten Schwabenspiegels selbst ein Quintern voraus, auf 
dessen erstem Bhitte sich, abgesehen von Anderem, was hier- 
her nicht einschlägt, die auf den Schluss der Vorrede unseres 
Rechtsbuches ' sich beziehende Bemerkung findet: Der Landt- 
richter wirdt disz buch genantt, während von dem zweiten 
Blatte an bis zum siebenten einschliesslich ein, wie bereits an- 
gegeben, alphabetisch eingerichtetes Inhaltsverzeich- 
niss mit jedesmaliger Anführung der betreffenden Folien des 
Textes folgt, die übrigen Blätter leer sind. Das Land recht 
des sogenannten Schwabenspiegels selbst sodann um- 
fasst 90 von der ursprünglichen Hand oben je in der Mitte 
der ersten Seite eines Blattes schwarz bezeichnete Folien in 
Lagen von abwechselnd 5 und G Bogen. 

Hieran schliesst sich auf einer neuen Lage von Papier 
mit demselben fast das ganze Buch bis an das Ende durch- 
laufenden Wasserzeichen das eigentliche Stadt- und Bür- 
gerbuch, von verschiedenen Händen mit Einträgen bis zum 
Jahre 1G12, abgesehen von solchen über die-MünzAverthe zu 
Witzenhausen, wie hier und dort eingestreuten geschichtlichen 
Aufzeichnungen, meist die Rechts- und Gemeindeverhältnisse 
dortselbst betreffend. Als der erste begegnet uns hievon ,ge- 
mayner bruch zuhegeu vnd zuhalden das halsgerichte nach 



' V}^1. hierüber unten III. 



270 Rockinger. 

dusser Stadt gewonheit vnd alt herkomen' von derselben Hand, 
welche das Landrecht des sogenannten Schwabenspiegels ge- 
fertigt, auf vier Blättern und der ersten Hälfte der folgenden 
Seite des fünften. Wieder von dieser Hand, aber theilweise 
mit späteren Bemerkungen versehen, folgt auf dem sechsten 
Blatte und der ersten Seite des siebenten eine Zusammenstel- 
lung ,was do sein nach altem herkomeu die broche szo me 
nach dusser statt gewonheit bisz her erkant hatt'. Auf der 
zweiten Seite dieses Blattes und dem ganzen folgenden findet 
sich von anderer Hand die Feuerordnung vom 15. November 
1590. Nach drei leeren Blättern stossen wir abermals von der 
ursprünglichen Hand auf ^gemeiner stadt ordenunge' mit ver- 
schiedenen darauf bezüglichen Satzungen, insbesondere wieder 
mit Rücksicht auf Feuersgefahr, auf sechs Blättern und der 
ersten Seite des folgenden. Von dem übrigen Inhalte sei hier 
nur in Kürze berührt, dass den grössteii Theil ein Verbriefungs- 
protokoU über Käufe und Verkäufe von Liegenschaften bildet, 
wie insbesondere in nicht weniger als 685 Nummern ' vom 
6. Jänner 1573 bis 1. November 1597, woran sich noch eine 
Reihe von ungezählten bis in das Jahr 1603 anschliesst, wie 
Verzeichnungen über die Bürgeraufnahmen von 1572 — 1612. 



n. 

Wende ich mich nunmehr zu dem eigentlichen Gegen- 
stande der Besprechung, zu dem Landrechte des soge- 
nannten Schwabenspiegels, so dürfte die nachfolgende 
Zusammenstellung seiner Artikel gegenüber der Ausgabe des 
Freiherrn v. Lassberg das gegenseitige Verhältniss in der wün- 
schenswerthen Uebersichtlichkeit vor Augen führen. 



' Sie begiimeu unter der Hauptüberschrift: Anno dominj 1Ö73 seind diesse 
nachbeneuteu gewehret worden wie volget. 

Am Schlüsse der einzelnen heisst es gewöhnlich, dass der Ver- 
käufer dem Käufer hierüber nach dem Stadtrechte ,sein bekenniger herr 
vnd wher — oder where — vor aller anspräche sein' wolle. 



Berichte über Handschrifteu des sog. Schwabenspiegels. 



271 



L 


w 


L 


W 


L 


W 


Vorw. a 




2 


S* 


9 


11 


b 




3 


45 


10 


12 


— c 

— d 


Vorw, ' 


4 
5a 


5 

6« 


11 
12 


13 
14 


— e 




ob 


7 


13 


151« 


f 




5c 


8" 


14 


16" 


h 


V 


6 

7 


j 9« 


15 

16 


1712 

18 


1 


23 


8 


KP 


17 


19 



' Von der eigenthümlichen Fassung gegenüber L Vorw. c bis f handle ich 
nachher in III. 

2 Dieses Capitel theile ich unten in IV vollständig mit. 

3 Den Theil, welcher L 1 b entspricht, theile ich ebendaselbst ganz mit. 

^ Der Schluss dieses Artikels lautet hier gegenüber L 2: edder nicht, den 
sebinden herschilt hat ein iglich mhan der nicht eygen ist vnd ein ehe- 
kint ist. lenrecht gibbet men deme nicht der frey vor deme sehende her- 
schilde ist. wan es aber die herre eyme geleyet, der hait alzo gudt recht 
dor anne alze der in deme sesten herschilde ferth. doch zweyet sieh sein 
lenrecht szo diesz buch hernach saget. 

^ Dieses Capitel findet unten in IV seinem ganzen Wortlaute nach 
eine Stelle. 

•^ Gegenüber L 5 a S. 8, Sp. 2 : Haben die kinder eynen broder der ein 
patie ist, vnd hat he phorre edder probende do von he sich behelffen 
magk, u. s. w. 

" Dieser Artikel beginnt : Toppelspel, raubgudt, vnd wuchergudt, des i.st 
niemant u. s. w. 

^ Der Schluss lautet hier gegenüber L 7 S. 9, Sp. 2: gelden des borge he 
gewest ist, he habe den das vor vsz gesprochen mit vnderscheyde alzo : 
ich werde kegen vch borge, doch — ab ich sterbe — das myne erbin 
des ledig sein, vnd nicht gelden. 

9 Dieser Artikel schliesst : des ersten mannes schult, dan alzo ville alze en 
godt beyden in obre vornunfft vnd wictze gibbet. 

'" Dieses Capitel theile ich unten in IV vollständig mit. 

•' Dieser Artikel fügt nach dem Schlüsse von L 14 noch an: vnd dor von 
den luden gelden. das ist dar von das es die bruder erbet hatt. jst wer 
broder noch swester dar, szo nemen jo die negesten erben, ein iglich 
mensche ist sines mages gudes erbe bisz es gereichen mag au die seb- 
benden gesippe, alze duesz buch hie vor clerlich vszgedrucht hatt. 

'2 Dieses Capitel theile ich unten in IV vollständig mit. 



272 



L 


W 


18 


20' 


19 
20 


} 212 


21 


22 


22 


233 


23 


24 


24 


25 


25 


26 



Kockinger. 


L 


W 


26 


27^ 


27 


28'^ 


28 


29 


29 


30 


30 


31 


31 


32 


32 


336 


33 


34' 



L W 

34 — 

35 35 

36 36 

37 378 

38 38*^ 

39 39 

40 40'" 

41 41 '1 



' Gegenüber L 18 8. 1:2, Sp. 2: sze sal es abir den erbin anbeden ze- 
lossende nach fromer lüde erkentnisse. was sze die heissen geben, das 
sal sze nhenien. vnd hatt die mbau nicht erbin den alleyne deme das 
ertrii-lie horret, an denie thue he das selbige, so gibbet der frey- 
lierre u. s. w. 

- Dieser Artikel unter der ITeberschrift ,Vün libgedinge' beginnt: Eigen, 
des gibbet ein mhan wol sineiu eygen wibe zu morgengabe mit siner 
erben willen, ob u. s. w. 

3 Dieses Capitel findet unten in IV seine Stelle. 

* Gegenüber L '26: Nach der totdt libe sal die frauwe nhemen die mor- 
gengabe vnd alles zu deme varende gnde gehorret. das sein schaffe 
ziegen swyne rinder kobe gensze honner, kästen die nicht angenegelt 
sin, vnd garn, bette ilie sze brachte, alle lilachen becken luchtere, vnd 
alle wibliche cleydere, vingerlin, arnigolt, schaffei, salter vnd alle bucher 
die zu goddes dinste gehorren, szedeln vnd laden, teppechen vnd rucke- 
laken, vmmehenge vnd alles das z>i frauwen farende gude gehorret. 
vnd noch ist mancher hande dinck das die frauwen angehorret, virsni- 
dende lachen zu deiden. ist dar selbige golt silber vugeworcht, das 
horret u. s. w. 

^ Gegenüber L 27 S. 17, Sp. 2, Z. 8: szo salnien die knaben mit dussin 
dingen obbir zeugen, nie sal jme griffen obin an die mundt vnder der 
nassen, vindet mhen dor deine hSr. nie sal jme auch griffen obin an 
das gemechte. vindet mhan dor auch deine bar, das ist das ander ge- 
zeuge. me sal jme andi griffen oben an das vsszen. vindet men dor 
deine här, das ist das drette gezeug. do medt ist he behalden das die 
knabe xiiij jor alt ist edder eider. die junfrauwen u. s. w. 

•^ Dieses Capitd findet luiten in IV seine Stelle. 

' Desgleichen. 

* Der Schluss dieses Artikels lautet: szo keren sze yme keynen schadin. 
' Dieser Artikel schliesst: wan den i>rister der es begraben hatt. wer es 

auch zu der kerchen todt hatt sehen tragen, der ist auch or ein wor 

gezeuge. 
•" Dieses Capitel theile ich unten in IV vollständig mit. 
*i Desgleichen. 



L 


W 


42 

43 


1 42. 


44 


43 


45 


442 


46 


46 


47 


47 


48 


45^ 


49 


48 


50 
51 


J4. 



L 


W 


52 


50' 


53 


51 


54 


52 


55 


53 


56 


54 


57 


55 


58 


56 


59 

60 


j 57^ 



Berichte ü>ier Handschriften des sog. Schwabenspiegels. 273 



L W 

61 I 

62 l 58 

63 I 

64 59" 

65 60 

66 61 

67 62 
68a 63 
68b j 

68c I ^4^ 



' Gegenüber L 42 S. 24, Sp. 1: An pilgerin die do stab vnd seckke von 
orem pherncr han genhomen, edder in die kerchen gben! 

- Die lateinische Stelle am Schlüsse endigt hier schon mit: pro lege tenen- 
dnni esset etc. 

^ Dieser Artikel, welcher die Ueberschrift ,Heissze isszen wer vnd wor- 
vmbe me das tregt' hat, lantet gegen den Schlnss : me sal en die drey koer 
vorteillen alze hie vorgesprochen ist, das heissze issen, eder das wasser 
ortel, edder in eynen szedenden kessel zu griffen, edder sich mit eyme 
kamfte zu werren. ich meyne den rechten Strossen raub. 

* Dieses Capitel findet unten in IV seine Stelle. 

^ Der Anfang dieses Artikels mit der Ueberschrift ,Wer Vormunde mag 
sein' ist folgendermassen gekürzt : 

Es mag nymant Vormunde gesein, he sy dan funff vnd zwentzig 
jor alt. der kinder vormunt den nentme etzwo pleger, etzwo fogede 
edder behelde. die alle sollen getruwe lüde sin. es mag niemant pleger 
gesin dan he sy xxv jar alt. vnd ist eyner nicht wictzig, vnd hat nicht 
gude sinne, wie alt die ist, szo mag he der keins gesin, wedder voget 
noch vormunt, wie mhan sie nennet, vnde me sal jme gebin eynen an- 
deren vonnunden. vnd das salme thun vor derae lantrichter, ab es 
vff u. s. w. 

G Gegenüber L 64 8. .30, Sp. 2: was die thun mit oren plegeren, das sal 
nicht stede sin, dan die kinder sin noch nicht so wictzig das sze sich 
bewarren können, dor vmbe mosz es an der pleger truwe sthen. jn was 
gewalt u. s. w. 

Der Schluss lautet hier: mit allen luden die or recht nicht verlorn 
habin. vnd di'r worschafft ubbirzeuget me sze wol mit allen luden. 

" Gegenüber L GS c : Niemant mag eygen lüde gehaben wan goddeshussere 
forsten vnd freygen. alle dinstman u. s. w. 
Sitzungtiber. d. phiL-hist. Cl. LXXVI. Bd. 11. Uft. 18 



274 



L W 



69 



\ 



65' 



70a j 

70b 662 



71 



l 



673 



72 j 
73a 68 
73b 69 



74 



1 



75 i 



70^ 



Rock 


uger. 


L 


w 


77 


725 


78 


73 


79 


74 


80 


75 


81 


76 


82 


77 


83 


78 


84 


79 


85 


806 



L 


W 


86 


81^ 


87 


82 


88 


83 


89 


84 


90 


85 


91 


86 


92 


878 


93 
94 


} 889 



76 71 



' Die Fassung des Theiles, welcher L 70a entspricht, ist hier folgende: 
Die forsten ampte sin forsten vnd mit anderen dingen gestifftet. vnd 
gibbet ein frie herre sinen eygen luden an ein forsten anipt, die sin frie. 

2 Der Anfang ist hier gekürzt: Es ist niemant frie seinjjer den der des 
vatter vnd mutter semper frie woren. 

3 Der Schluss lautet hier gegenüber L 7'2 S. ;^4, Sp. 1 : Tliun sze es aber 
vor dussin joren, Junkern edder junfrauwen, se mögen wol szo sze zu 
jren tagen kommen sint edder zu dussim jore ore lüde wedderforderen, 
vnd sze sin or eygen mett rechte: dan die kinder die nicht vornunfft 
hain die mögen es dor nacli nicht gethun one ore plegere. 

* Der Scliluss hat hier folgende Fassung: die Vormunde sal auch gewer 
vor sze loben, vnd sine vormundeschafft wert nicht lenger dan das jr 
mhau wedder heim kommet, sze nimmet auch wol vff ein iglich gerichte 
einen Vormunden, vnd lesset den anderen farren. 

•'' Diesen Artikel theile ich unten in IV vollständig mit. 

^ Der Anfang dieses Artikels lautet: Ein jglich man mag wol phenden 
vmme sine zunsze die mlian yme von sime gude gibbet, pliemiige edder 
ander gulde, ohne des richters orloff. werthme yme aber das phant, u. s. w. 

^ Dieses Ca[)itel mit der Ueberschrift ,Wie ein herre synen luden eynen 
richter sectzen sal ])eginnt: Kein lierre sal den luden eynen richter 
geben wan den sze nicht enwoUen. an deme sal dusser dinge kein 
sin u. s, w. 

® Dieses Capitel mit der Ueberschrift ,Wie me richter nemhen .sal' be- 
ginnt: Worme richter nhemen sah do salme nhemen nach der lüde koer. 
wer des bannes u. s. w. 

^ Der Scliluss dieses Artikels = L 94 lautet: 

Vnd gibbet ein richter eynen stammenden vorsprechen, das ist 
wedder reclit. vnd vorspricht he sich, des nymraet he keinen schaden des 
wort he spricht. 

Ein iglich nihiin sol vnd mag vorspreche sin in dudischem lande 
vor allen gerichten den mhan an sinem rechten nicht scheiden kan vt 
dictum est. 



Bericlite über Handschriften des sog. Schwabenspiegels. 275 



L 


W 


L 


W 


L 


W 


95 


89' 


102 


976 


109 


105 


96 


902 


103a 


98 


110 


106 


97 


91 


103b 


99 


111 


107 


98a 


92 


104 


100 


112 


1089 


98b 


933 


105 


lor 


113 


109'" 


99 


94^ 


106 


102 


114 


llO't 


100 


95 


107 


1038 


115 


111 


101 


965 


108 


104 


116 


112 



1 Die.sen Artikel tlieile ich unten in IV vollständig mit. 

2 Desgleichen. 

3 Dieser Artikel mit der Ueberschrift ,Von ansproche wunden' beginnt: 
Vnd spi-icht ein mhan den anderen an vmb wunden die he von yme 
habe, vnd wert jenner des vnschuldig, dusse ist deme richter dor vmme 
nicht schuldig, he enhabe en u. s. w. 

Der Schluss lautet: Wir sprechen: worme wedder duesz buch rich- 
tet, das me wedder gott thut vnd wedder das recht. 

•• Der Schluss lautet hier: das selbige magme thun vmme eyn gemein eidt. 

5 Dieses Capitel mit der Ueberschrift ,Eynen zur achte thun' beginnt: Ab 
ein mhan den anderen vorachten wil der vor gerichte beclagt wert, jst 
he dor nicht, me sal en vorheischen zum ersten anderen vnd dretten. 
das ist der leygen recht, vnd kommet he nicht voer, me vorvnrechtet en 
nicht, vmme keine clage salme den man vorachten den vmme die yme 
an den lip ghett edder an die hant. das me niemandes edder obbir nie- 
niande ortel gebin sal, jme werde dan vorgebodin, das salme be- 
wereu u. s. w. 

Der Schluss tritt schon mit L 101 S. 52, Sp. 2, bei den Worten 
des Nicodemus ein: wir haben in der ehe, das niemant sal den anderen 
vorachten edder vorthomen, me habe den ohn zuuor gehört vnd vorge- 
bodden etc. 

" Der Schluss dieses Artikels lautet: me sal es jennem weddergebeu des 
das phant ist gewest. aber gebriclit dor anne, nie sal en forth penden, es 
sy dan das en ehehafftige nott belectze. 

■^ Diesen Artikel tlieile ich unten in IV vollständig mit. 

>* Der Scliluss dieses Artikels lautet: das he do nicht enwere, da.s sal he 
en selb drette obberzeugen die en dor gesehen haben. 

8 Dieser Artikel findet unten in IV seine Stelle. 

'" Der Schluss lautot hier: ab der kneclitt edder bodde tott ist, edder siner 
änderst nicht gehabin mag, des sal die herre swerreu das den knecht 
elicharttige nott errette do he komen solde. vnd ist das he siner nicht 
lialien mag, me sal es handeln alze hie vor gesprochen ist. 

" Diesen Artikel thcilc ich unten in IV vollständig mit. 

18* 



276 



6 




Rock 


i iige r. 






L 


W 


L 




w 


L 


W 


117 


113' 


130a 


■ 




137b 


134 


118 


114 


130b 


126' 


137c 


135 


119 


115 


130c 




138 


136" 


120 


1162 


130d 


1 




139 




121 


117 


131 


i 


127-^ 


140 




122 


118^5 


132 




128 


141 


— 


123 


119 


133 




129 


142 




124 


120 


134 




130 


143a 


137 


125 
126 


121 
122 


135a 
135b 


1 
i 


131 


143b 
144a 


1388 
139 


127 


123 


135c 




132« 


144b 


140 


128 
129 


124 
125 


136 
137a 


i 


133 


145 
146 


141" 
142 



' Dieser Artikel unter der Ueberschrift ,Von wislieit der Sassen vnd 
Swobin' beginnt: Nacli oreu seden vorwerffet der Swobe des Sassen vr- 
teil, vnd der Sasse des Swobins. alzo thiie ein iglich mhan deine anderen. 

- Der Schluss dieses Artikels lautet : do wolde Julius nicht nilier das 
konnige weren obbir alle romesche riclie wan he alleyne. 

3 Dieser Artikel unter der Ueberschrift ,Wie die konnigk deme riche 
swert' beginnt sogleich: Der konnigk moesz vehir dinge nhemen: eins 
das he das recht u. s. w. 

* Die vierte weltliche Kurstimme führt hier: der hertzoge von Beygeren, 
des riches schenke, vnd sal deme konnige den ersten becher tragen. 

Der Anfang von L 130b hat liier folgende Fassung: Die forsten sollen 
zu der kor sweren, die zuthune wedder durch gifft noch durch leidt, 
besnnderen nach jrem besten vorstände zu kissen. vnd wer do wedder 
thudt, der bricht den eydt, vnd vorlusset die koer. duesz sal gesehen do 
der konnig hob heldet. dor salme u. s. w. 

^ In diesem Artikel findet sich die auch sonst erscheinende gegenüber L KU 
erweiterte Fassung. 

*• Dieser Artilvel schliesst schon mit: kommet aber der richtcr nicht, szo 
wert niemant boiszhafftigk. 

■^ Diesen gegenüber L i;^8 ausserordentlich gekürzten Artikel theile ich 
unten in IV vollständig mit. 

* Dieser Artikel findet unten in IV vuUatäudig seine Stelle. 

^ Gegenüber L 14ö: der richter vnd die scheppen die sollen keine hüben 
noch hoede noch kogelu vtie hain, noch hensche noch kappen anne hain, 
die meutel sollen sze vflf den schulderen hain. ohne wopen u. s. w. 



Berichte über Handschriften des sog. Schwabenspiegels. 



277 



L 


W 


L 


W 


L 


147 1 

148 1 


143 


154 
155a 




162 

163 


149 


1441 


155b 


149^ 


164 


150 


145 


156 




165 


151a 


146 


157 


150^ 


166 


151b 




158 


151 


167 


151c 


147 


159 


152^ 


168a 


152 




160 


153-^ 


168b 


153 


148 


161 


154 





w 



, 155'' 



• Dieses Capitel fügt nach dem Schlüsse von L 149 noch an: Wan sich 
eyn iglicher zins ergangen habe, das seit duesz buch wol. 

- Gegenüber L 155h: edder sines goddeshuesz des lie ist. vnd ist he frey, 
so ist sze des fronebodden. vnd hadt he ander gudt, u. s. w. 

3 Dieser Artikel scliliesst: vnd ist es vmme gudt gewest, he sal sein recht 
allenthalben verloren hain. 

'' Gegenüber L 159: der conuente, der pi'elateu, vnd capittel ingesegel sint 
ancli recht, vnd wo die ingesegel obbir ander Sache alze jre eygen ge- 
geben, szo liabe sze die selben crafft alze zu jrer eygen sache. der 
herren ingesegel u. s. w. — wedder orer lierren willen, szo haben sze 
keine cratft dan \nnme ore eygen gescheffte. ander u. s. w. 

^ Den Schluss dieses Capitels = L 160 S. 76, Sp. 1 und 2 theile ich 
unten in IV vollständig mit. 

6 Dieses Capitel mit der Ueberschrift , Alles von erbteyle' hat durch kleine 
Zwischenräume im Texte gewissermassen Abschnitte angedeutet, welclie 
den Capiteln L in folgender Weise entsprechen: 161, 162, 163 und 164, 
165, 166 bis 16Sa. 

Gegenüber L 162: es sy dan szoferne das der kinder ein eider 
were alze das ander: deme mag he mher gebin das do junger ist. vnd 
der zele oren teil. — szo gibbet he wol met reclite demc eynen mhee, 
dem andern weniger, alze he mag eyme Zwillinge alzo vele gebin alze 
deme anderen, vnd dor obbir nicht. — vnd hat he kein kint vszgegebin, 
deme gibbet he sines farendes edder ligendes. die kor stett an yme. 

Gegenüber L 164: was he farendes gudes hat, das mag he sinem 
wibe alle geben, ab he wil. das thut he mit rechte, vnd der zele oren 
teil, sze sein dan mit vorredin vormotschartt vnd zu hausse gekomen: 
die vormotschar sol stede sin, es en sy dan n. s. w. 

Der Theil, welcher L 166 entspricht, schliesst hier schon mit: vnd 
he sal der solc das verde teil gebin. 

Der Schluss von L 168a endlich lautet: Alle hartiisz vnd fedder- 
gewant vnd geschuctze das wullen die lüde lüuli gewonheit auch crbe- 
gudt sie. 



[ 



278 




K c k i n g e r. 






L 


W 


L 


W 


L 


W 


189 


156' 


181 


166- 


193 


174"' 


170 


1 .--1 


182 


167 


194 


175 


171 


j 1572 


183 


168 


195 


176 


172 


1583 


184 




196 


177»' 


173 


159 


185 




197 




174 


160 


186 


169 


198 


178'2 


175 




187 


1708 


199 


179 


176 


161 


188 




200 


180'^' 


177 


162' 


189 




201a 


) 


178 


163-^ 


190 


171 


bis 


i 181 


179 


164 


191 


172 


201 u 


1 


180 


165'- 


192 


173^ 


201 V 





1 Dieses gegenüber L 169 bedeutend gekürzte Capitel tlieilc ich unten in 
IV vollständig mit. 

2 Gegenüber L 170: Wir fynden auch in der heymelichen vffinborunge, 
das sanctus Johannes sach eynen engel swerren. 

Die Fassung, welche L 170b, 170c, 171 entsimclit, theile ich unten 
in IV ihrem ganzen Wortlaute nach mit. 

3 Dieses Capitel findet unten in IV seine Stelle. 

* Gegenüber L 177: vnd hat he yme nicht gudt vszgegeben, der vatter 

sal von synem eygen gude boisszeu. 
^ Der Schlusssatz von L lT8b fehlt hier. 
'5 Dieses Capitel schliesst: vnd gebudetme dar eynem herre mit zen ritte- 

ren, vnd komen nicht, die entgeltnisse sal der herre dar alleyne gclden. 

■J Dieses Capitel beginnt sogleich: AVer borne edder groben grebet u. s. w. 

Gegenüber L 181: vnd sal sze nicht forbas in die stroszen sectzen. 

ein iglich wagen strossze u. s. w. 

8 Der Schluss dieses Artikels lautet: der mhan habe es sinem wibe zu 
morgengabe gegeben adder nicht. 

9 Gegenüber L 192: es ghet yme an die haut, he hole dan sinen wer- 
mhan. vnd dennoch moisz he u. s. w. — es ghet yme an die haut, he 
habe dan sinen wermhan. felschet ein muntzer u. s. w. 

'» Gegenüber L 193c: vnd alle or gesinde vnd or gudt, die suUen zol freyg 

sein, wo die mhan nicht bedarff brücken noch schefe. wer ymant u. s. w. 
" Dieser Artikel schliesst: fischet he me wen drey stunde dor jnne, edder 

hauwet fruchtbarre beume abe, edder grebet he malsteine vsz die ge- 

sast sein. 
12 Gegenüber L 198: hat he des clagers gudt jnne, jst es dor vorfarren, 

me sal es yme u. s. w. 
'3 Gegenüber L aoo: vmbe eins andern mhans gudt, vnd iiat den noch 

nicht bezalt, vnd das gudt ist dor noch vnd vnui>rwandelt, me sal 

yme u. «. w. 



Berichte über Handschriften des sog. Schwabetispiegels. 279 

w 



L 


W 


L 


W. 


L 


202 


182' 


216 




231 


203 


183 


217 


192 


232 


204 


1842 


218 


— 


233 


205 


185 


219 




234 


206 




220 




235 


207a 


1863 


221 


1937 


236 


207b 




222 


1948 


237 


208 


187 


223 


— 


238 


209 


188 


224 


195 


239 


210 


— 


225 


— 


240 


211 


189^ 


226 




241 


212 


1905 


227 




242 


213 


191'' 


228 




243 


214 




229 


— 


244 


215 


-— 


230 




245 



196« 



' Diesen gegenüber L 202 bedentend gekürzten Artikel theile ich unten 
in IV vollstäiulig mit. 

- Dieser Artikel beginnt: Vrsus lieisset ein berre. deme salme jerlichen 
die zene abe sniden edder sagin. wer das nicht tuddet, sal gel den was 
he zu schaden tudt. wes hunt berre edder liercz edder ander wilt das 
me u. s. w. 

Der Schluss lautet: alze ab he eine wunden selben geslagen hette. 
tudt das vilie den todsclag, he moiss bossen alzc ab he das seihest ge- 
tliau hette, alzc plege zugeben deme cleger vnd richter. 

^ Dieses Capitel findet unten in IV seine Stelle. 

■* Gegenüber L 2 1 1 : Wer das lant buwet vnd seget er den das he zur 
clage kommet, der vorlusset sein gudt vnd sine erbeit. vnd salme dor 
zins von geben edder gulde, das sal he auch geben wenie das angehört. 

■'' Dieser Artikel schliesst: beredden selb drette edder luit siner eygenhant. 

6 Dieser Artikel ist unter der Uebcrschrift ,Wie me fihe recht plegen 
gal' am Anfange gegen L 213 folgendermassen gekürzt: Das vihe sabne 
vor den hertte triben, vnd sal lie wcdder antwortten. schuldigetme en 
dorunnne, he habe das nicht wedder bracht, mag he u. s. w. - - Gegen- 
über L 2i;5 S. 101, Sp. I: edder he gibbct jennem eyn ander do vor, 
vnd yme blibet doch das ors. 

^ Dieser Artikel mit der Uebcrschrift ,Wie witt des koninges strosse sein 
sal' beginnt sogleich: Die lantstrosse sal alzo breitt sein das ein 
wage u. s. w. 

'' Diesen Artikel theile ich initen in IV vollständig mit. 

^ Der Wortlaut dieses Artikels findet unten in IV seine Stelle. 



>80 




Ro ck in 


g <• r. 






L 


W 


L 


w 


L 


W 


246 


— 


269 


— 


290 




247 


197 


270 


— 


291 


— 


248 


— 


271 




292 




249 


198 


272 


— 


293 




250 




273 


— 


294 




251 




274 




295 




252 


— 


275 


200-' 


296 




253 




276a 


2()0-^ 


297 




254 


199' 


276b 


— 


298 




255 


— 


276c 




299 




256 




277 


— 


300 




257 




278 




301 


202 


258 




279 


2002 


302 


203^ 


259 




280 


20P 


303 


204» 


260 




281 




304 




261 




282 




305 


— 


262 




283 




306 




263 




284 




307 




264 




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308 




265 




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309 




266 




287 




310 




267 




288 




311 




268 


— 


289 


— 


312 


205 



• Gegenüber L 254 S. 115, Sp. 1: me sal alles das todten das in denie 
husse was, vehie, catzen, hunde, vnd alles das drinne ist gewest. vnd 
ist sze ein magt gewest, das me selp drette ertzeugen kan, szo salme 
den die das getlion hatt lebendig graben, vnd das liuesz sahne abbrechen, 
vnd bckonrune eu, me sal en ohne richter fahcn. Hier schliesst der 
Artikel. 

2 Der dem Artikel L 276a entsprechende Theil lautet hier: 

Der richter sal niemande vsz siner gewere wissen, sze werde yme 
dan mit rechte genhomen. me clage vflf den die das gut jnne hatt. vnd 
me sal yme vorgebeden alze recht ist. 

^ Dieser Artikel schliesst bereits mit den Worten: szo moisz ho in besse- 
ren, vnd auch deme richter 

* Zu L 302b: Was der mliaii in rechter gewer jnr vnd tag nicht enhatt 
dor sal ho vmme n. s. w. 

'•' Dieser Artikel findet unten in IV seine Stelle. 



Berichte über Hanilschrifteii iles sug. Schwabenspiegels. 281 

w 



L 


W 


L 


313 




335 


314 




336 


315 




337 


316 




338 


317 




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321 




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206' 


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207 


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— 


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— 


352 


331 


— 


353 


332 




354 


333 




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334 




356 



L 


W 


357 




358 




359 


209 


360 


208'^ 


361 




362 




363 




364 




365 




366 


— 


367 




368 


— 


369 




370 




371 




372 




373 




374 




375 




376 




377 





III. 

Schon hieraus wird eine Gestalt unseres ,Landrich- 
ters' ersichtlich, welche von der gewöhnlichen des sog-enanuten 
Sciiwabenspiegels mehr oder minder bedeutend abweicht, ins- 
besondere gleich was den Umfang- des Land rechtes des- 
selben anlangt, wie weiter was den Mangel des Lehen- 
rechtes betriflft, das für die städtischen Bedürfnisse von Witzeu- 
hausen nicht erforderlich war. 



1 Dieser Artikel schliesst: szo erbet das die vatter was es von der muttcr 

geerbet hatt. 
- Dieser Artikel beiriimt : Alzü gebaut keisser Jvjirnhis : wer einen «jozcuj^cn 

lideii wil, szo sal en der ricliter vnd besitzer sundcren ucnien, vnd sal 

en fragen alleiue. alzo sal lic u. s. w. 



2K2 K c k i II g e r. 

Auch in den einzelnen Artikeln selbst treten hier und 
dort, ganz abgesehen von der Gesammtfassung ihres Tex- 
tes, Ausdrücke besonderer Art entgegen, welche den 
regelmässigen Gestalten unseres Reclitsbuches fremd sind. Ich 
erinnere hier beispielsweise nur gegenüber L 1(54 aus Artikel 155 
an verraotscharen, oder gegenüber L 192 S. 8i) 8p. 2 Zeile 19 
und der Schlusszeile 40 anstatt Schub an Wermann. 

Aus L 164: Aus Art. 155: 

si sin danne mit gedinge ze- sze sein dan mit vorredin 

samene kvmen: daz gedinge vormotschartt ' vnd zu hausse 
sol stete siU;, es si danne u. s.w. gekomen: die vormotschar sal 

stede sin, es en sy dan u. s. w. 

Aus L 192: Aus Art. 173: 

ez gat im an die haut, er es ghet yme an die hant, he 

habe ir danne sinen schvp. hole dan sinen wermhan.'- 

ez gat im an die hant, er es ghet yme an die hant, he 

muge ir danne schvp han. habe dan sinen wermhan. 

' Im kleineu Kaiserrechte ist dieser Ausdruck nicht ungewöhnlich. So hei- 
spiolsweise bei Lehen in III 11. V2. 24. Ich theile die betreffenden 
Stellen hier aus der ältesten Handschrift von 1341) auf der akademischen 
Pauliner-Bibliothek zu Münster mit: 

Art. 181. Van leen gaide to deilen. War erneu sint dey leeu heb- 
bent mit eyn ander, wil id dey eyne deylen vnd mutsciiaron, vnd dey 
ander nicht, so sal dey id gerne niutscharte dey sal id orwynuen mit 
des keisers gebode, dat is inwendicli voirtej'udage, dat hey mutscharen 
moit. deit ho.y is nicht, dey keiser sal eme den nuit antwoi'den bit an 
dey tyt dat hey vil gerne mutscharet, verseget u. s. w. 

Art. 182. Van leen guet to verwarene. Eyn itlich man dey sal weten 
dey gemeyne leen heuet mit anderen luden eder mit synen gebornen 
maghen: mutschart hey sey mit dos keisers gebode, wo danne id u. s. w. 
Art. H>4. Van leu gudc to geuene. Eyn itlich man sal weten, dat 
hey syn gemutgescharte leen mach geuen mit rechte syme gaueruen aeu 
des keisers hant. seit in des rykes u. s. w. 
2 Vgl. oben S. 270 die Note 1 zu dem dort berührten Verbriefuugs- 
protokolle. 

Der SchUiss eines Eintrages daselbst vom IS. Mai lö75 lautet: Zu 
vrkundt ist diso vorgleichuug vff beyderseits begeren in das Stadt wehr 
buch intitulirt worden. 

Am Schlüsse eines Verkanfseintrages vom ll.Decomber läiH) heisst 
es: will jhn derowegcn liiomit nach disziii ibligem Stadt brauch gowohret 
haben, vnd sein bekenuiger lierr vndt weiirsman drüber sein. 



Berichte üher Haiiiisehrilten des sog. Schwabenspiegels. 2b3 

Ganz auffallend indessen tritt das Bestreben der Verar- 
beitung- für einen besonderen Behuf g-leich in der Ein- 
leitung- unseres Werkes hervor, namentlich an deren 
Schluss. Es lautet nämlich dieselbe e-eo-enüber der Vorrede 
L c bis f einschliesslich, oder wenn man will g-egenüber der 
Vorrede L c bis g-, welch' letzter Absatz hier gar nicht berück- 
sichtigt ist, folg-endermassen. 

Godt schutf zum ersten hemmel vnd erden, vnd dornach 
den menschen, den saste hee in das paradisz. dor jnne brach 
he denn gehorsam vns allen zum schaden, darummb gingen 
wir erre alze die hertlossen schaffe das wir in das himelriche 
nicht kommenn künden bisz das vns godt den wegk wissede 
mit siner martel. vnd dor vmmb sollen wir nhu danken loben 
prissen ehern vnd beleben von gantz vnserm hertzen vnd zele, 
das er vns den wegk alzo zum riebe goddes ausz lautter gna- 
den bereidt hatt. 

Vnd wer nhu nicht alzo jn deme wege goddes wandert 
vnd lebet, jn den gebodden goddes nicht hergeht vnd sich nach 
deme eusserlichem regemente heldet, deme selbigen sint nach 
ordenunge goddes zur straffe zwey swerde gegeben, das eyne 
sanct Petter an goddes statt, das ist wer nicht nach deme 
wortte goddes vnd deme heiigen euangelio sin leben richten 
vnd bessert, da jst die axs deme bawme an die wortzeln ge- 
legt, die wortzeln do mit abzuhauwen vnd den bawm jus fuher 
zu werffen. das ist alle vngleubige dar durch in die ewige 
verdampnis vorvrteilt werden, etc. das ander swert heisset das 
werltliche swert, das zur stroffe vnd röche der bossen vnd zu 
erhaltunge der guthen, auch besserunge eusserliches [regemen- 
tes] ' keysser konigen forsten liern grauen etc. dor mit zu 
straffen vnd die fromen zuuorthedingen beuoUen, wie dan auch 
gescreben sthett: die gewalt tregt das swert nicht vorgeb- 
lich etc. 

Dor vmme sint - auch dusse nachfolgende artikcl zu nutzen 
vnd besten vsz alle gemeynen rechten — do mit sze dan con- 
cordiren — allen gemeynen richtern zu gude zu sammen 
bracht. 



' Wii.s ich in Klaminorii .setze felilt in dor Iluiidschritt. 
- In der llandsclirifl .steht: nicht. 



284 Rockiuger. 

Viid wiit der lialben duesz biichlin genant ,der lant- 
richter' der orsache ' das es ausz allen rechten gezogen vnd 
in allen landen gebrancht wol niagk werden. 

Vnd sint die artikel wie volget. vnd sint durch sanct 
Silnester habest vnd konigk Constautinum, sanct Helenen soen, 
alzo vorordenet etc. 

IV. 

Ich halte es nunmehr nicht für ungerechtfertigt, zur ge- 
naueren Würdigung des Ganzen eine Reihe von mehr oder 
weniger gegenüber dem gewöhnlichen Texte unseres 
Rechtsbuches abweichenden Artikeln ^ entweder ihrem 
vollständigen Wortlaute nach oder wenigstens in grösseren 
Stücken, als das oben unter II in den Noten geschehen ist, 
mitzutheilen. 

1. Von den frygen luden, der erste artikel. 

Hie sahne horren von frygen luden was recht die haben. 

Es heissen etliche semper frygen. das sint die frieu her- 
ren vnd forsten. 

Die anderen mittelfreygen. das sint die der hoichen frey- 
gen mhan sint. 

Die dretten sint gebuere dy da frey sint. das heissen 
freyge lantsassen. 

Der haben etzliche or sundere recht, alze wir her nach 
wollen sagen. 

Aus 2 := L Ib. 

Sint godt den menschen in szo hoicher wirdigkeit geschaf- 
fen hait, alze hie vor gescrebin ist, szo hadt he auch deme 
menschen gcgebenn do medt he zu deme hemmelriche kommen 
sal, zu der ewigen wirdigkeit, den eyuigen Cristum, zur ewigen 
erhaltunge etc. da zu dan auch ville gebodde, wy mhan lesset 
in deme Moysze, do medt die sinen zu schaflfen hetten vnd in 

' Zuerst war peseh rieben: der lialben. 

- Irh behalte die Schreibweise des Codex mit der cinzip^en Ausnahme bei, 
dass anstatt des äusserst häufig erscheinenden zc immer nur z gesetzt 
ist, alsi) boisiiielsweise pfleich in Art. t zal anstatt zcal, bezeichen an- 
statt bozceiciiL'u, zweyunge anstatt zcwoyunge, zwcnc und zwo anstatt 
zcwene und zcwo, zwischen anstatt zcwischen u. s. w. 



Berichte über Handschriften des sog. Schwahenspiegels. 280 

synen gesetten wandelten alze vff denie berge Synaj. vnd ville 
g-ebodde mer, weiche g-ebodde woren nicht änderst dan das 
Moyses dor vsz nheme wy hee eyne igliche sacho richten solde. 

Vnd nach den selbig-en g-ebodden haben sich alle kuning-e 
vnd richter gehalden die nach godde richten wolden bis in die 
nuwen ehe. do sasten aber der pauwest vnd koninge or ge- 
richte nach den selben gebodden. 

So stett auch in dussim buche keinerley lantrecht oder 
lenrecht, auch keinerley vrteil, wan alze es mit rechte von 
romischer paffheit vnd von Karolus rechte herkommen ist, vnd 
alze die pauweste vnd keissere in consilien gesatzt zuhalten 
haben, vnd der geistlichen recht nymmet mhan vsz jrem decret 
vnd decretal. 

Aber duesz buch saget von wertlichem rechte vnd ge- 
richte. dor vmbe heisset es das lantrechtbuch. wan alle rechte 
die hir jnne gescreben sten die sint obbir alle lantrecht, vnd 
gewogen nacb bescrebin rechtin, ohne an etlichen enden nach 
gewonheit: wan die forsten vnd stede die haben mancherley 
gewonheit besunderen von keisseren vnnd konningen erworbin. 

Hir nach saget duesz buch von guder gewonheit, szo du 
vornemen wirdest. 

4. Von der gesibthen ader fruntschafft zall. 

Nu merke von der fruntschafft zal wo sich die anhebet 
vnd wu sze ein ende nymmet. 

Jn deme heubte ist bescheyden mhan vnd wip die recht 
vnd redelich zu der ehe kommen sint. do ist nicht zweyunge 
anne : wan das ist ein lip. die wile das heubt das obbirste 
stucke ist an deme liebe, das ist ein mhan vnd ein ehefrauwe 
bezheichen an deme heubte. 

Vnd die kindcr die von orer beyde libe kommen sint 
auch bezeichent an deme nechsten gelede by deme heubte, 
das ist do die arme stossen an die schulderen, vnd die selbi- 
gen gelede heissen die axsseln, ab die kinder ohne zwey- 
unge sint. 

Jst aber zweyunge, vnd nicht von eynem vatter vnd von 
eyner mutter geboren sint, vnder den kinderen, szo mögen 
sze nicht an eynem gelede besthen, vn<.l stossen an eyn an- 
der gelctt. 



28G Rockinger. 

Nemen auch zwene gebruder zwo geswister, vnd nymmet 
ein anders fromedes wieb, ore kinder sint gliche nhae besibbet 
vndernander, vnd nhemen auch gliche nhae erbe, ab sze jme 
ebeubortigk ist. vnd so haben geswisterde vnd gebrodere die 
ersten sibbe zal die men möge rechen, das wider ville lüde 
ist. vnd moisz doch wer vor den rechten meisteren. 

So habin geswister kinde die anderen sibbe, vnd sten an 
deme anderen lede von deme heubede hier ab her gezalt: das 
geledt heisset die elleboge. 

So haben geswester hindere kinde die dretteu sibbe. das 
ist auch an deme dretten gelede. das ist das geledt dar die 
haut an den arm stosset. 

Vnnd dor nach der kinder kint haben die verden sibbe. 
vnd die sthen auch an deme Verden lede, das ist das geledt 
dor die mitteliin2:er an die haut stosset. 

Die funft'ten kinde sthen an deme fuuffteu lede. das ist 
das ander geledt des mittein hngers. 

Die sechsten kinder stein an deme sesten gelede. das ist 
das drette geledt des mitteliingers. 

Die sobenden kinder die sthen ferne an deme nagele des 
mitteln üngers, vnd heissen nagel magen. 

Vnd welche kinde zwischen deme heubethe vnd deme 
nagel sich glichen, die mögen auch szo an glicher statt szo 
erbe nehemen. 

Vnd so die mhan jo necher ist an der sibden zal szo he 
auch basz erbet. 

Ein iglich man 'die au die sobenden sibbe ist kommen 
die mögen sich zu der ehe nehemen. doch hat de pobest er- 
leubet wib zunhemen in der funtften sibbe, so mag doch der 
pobest kein recht sectzen dar mede hee duesz lantrecht erge- 
ren möge. 

Von gezeugen die man vorlegen mag edder nicht, xv artikel. 

Wir sullen auch wissen wer nicht gezeuge mag sein, die 
kinder die nicht vertzen jor alt sein, vnd ein frauwe, alleyne 
vmme eheliche sache, szo wir her nacli nennen, vnd boeben, 
vnd die szo gethau sein das en ore frunde ore eygen gudt vor 
gerichte ane winnen die ore Vormunden sein, vnd es mit orer 
tlunnheit dor zu bieugen, vnd auch die vnsinnich sint. blinden 



Berichte ü1)pr Handschriften des sog. Schwabenspiegels. 28 i 

vnd thorren, tauben vnd stummen, vnd die dor jn dorne banne 
sint, kectzer, vnd die vneclite sint, vnd meynnedige lüde, vnd 
sze des vor gericlite obbir zeuget sin. die alle mögen keine 
gezeugen sein. 

17. Wie ein kint vatter vnd mutter g-udt vorwerket. 

Ein kint mag sein vetterliche erbe voi'vverken mit vertzen 
dingen. 

Das erste [ist, abe] ein soen by sines vatter wibe frunt- 
lichen mit wissende lidt, die des soens stiffmutter ist, die sin 
vatter lediglichen edder eliglichen gehat hat edder noch hette. 
dor mit hat he vorwerket alle das erbe das he von sinem 
vatter wartende were. das bezeugen wir mit Dauid in der kon- 
ningebuche: do die schone Absolon by sines vatters frundinne 
iagk fruntlich mit wissende, dor mit vorwerkede hee sines 
vatters erbe vnd hulde, dar vmme hee sines vatter libes dicke 
wortede wie hee en ersloge. do halff jme godt doch dor von. 

Das ander ist, abe ein [soen] sinen vatter fenget vnd ohn 
in scloscze sectzit wedder reqht. vnd sterbet hee in deme ge- 
fengnisse, der son hat auch sin erbe vorlorren. 

Das drette ist, ob ein soen sinen vatter anspricht vmme 
szo gethan dingk vnd von deme vatter roget die jme an den 
lip ghen, es sy dan ein sache dor von ein laut mochte vor- 
terbet werden dor sze beyde jnne wonen, edder dor die mochte 
von vorterbet werden des das lant were. 

Mit dussen dren dingen vorwerket der vatter sich auch 
kegen sinen soen, das he sich von sinem gude scheyden moess, 
vnd werket den soen an sines vatters statt, vnd he sal deme 
vatter sine nottorfft gebin, vnd sal die yme medt eheren gebiu 
vnd nachdeme he gelobet hatt. 

Das verde ist aber, das ein soen sinen vatter geslagen 
hatt. wan godt selber spricht in den zehen gebodden : ehere 
vatter vnd mutter, szo lengestu din leben vfF erden, sint das nhu 
ein kint sein lange lebin dor mede vorwerket,' ab es den vatter 
vneret, szo hat he dor mede sin erbe vorwerket. 

[Das fuiifFte ist], wer vatter vnd mutter schilt edder 
schlett. 

Das seste ist, ob ein soen vff sinen vatter claget, he habe 
szo gethan ding gethan die deme vatter grossen schaden ge- 



288 Rockinger. 

thim mochten an eheren g-ude eddor libe, vnd hee en des nicht 
obbirzeugen magk. 

Das sobende jst, ob der soen ein dip wert, edder ein 
ander bossewiclit mit szo gethan lebende dor mit eyn iglich 
mhan sin recht vorlusset, edder das he wissentlich mit den 
wonet die das lebin hain. 

Das achtede ist, ab ein soen sinen vatter an sinera ge- 
scheffede behindert hatt. alze ein vatter an sinem tode lidt 
vnd gerne siner sele ding schofFe, edder ab he sust kranck 
lege vnd des forttet das he sterbe, vnd sclusset der soen die 
thor zu, vnd lesset die pi-ister noch die broder noch änderst 
niemant zu yme ghen dor he siner zele dingk mit schaffen 
solde dorch. siner zele heil, der hatt dor mede sin erbe vor- 
werket, das gebudet der keisser Justinianus etc. 

Das neunde ist, ab eyn son zu eynem spelman wert 
\v edder des vatters willen, das he gudt vor ehere nymmet, vnd 
ab der vatter ein eheren man gewest ist das hee kein gudt 
vor ebere genhomen hatt edder noch huede nicht ennimmet. 

Das zende ist, ab ein soen sines vatter borge nicht wer- 
den wil, vnd vsz gefengnisse nicht losszen. 

Das zwelffte ist, ab ein [vatter] vnsinnig wert von sich- 
tumb edder von welliclien dingen das kommet, vnd das en der 
soen der vnsinnicheit nicht vorwart. 

Das dreytzende ist, ab ein sone sinem vatter sin gut mher 
wen halp vorthut mit vnfure. 

Das vertzende ist, ab ein tochter vnerlich wert, das sze 
man lesset zu sich ghen ohne ores vatter willen die wyle sze 
vuder funff vnd zwentzig joren ist. aber kommet sze dor en- 
poben die xxv jor, szo vorlusset sze obre ehere wol, aber ohr 
gudt mag sze nicht vorlessen. 

Wo ein mhan sinen frunden gudt gibbet vnd schaffet, der 

xxiij artikel. 

Vnd ist es das ein mhan sinen frunden gudt thun wil 
nach sinem tode, wel he en das gewisz machen, szo sal he en 
breue dor obbirgebin nach sinem toyde, eyn hantveste, vnd 
dor au eynes bischoffes jugesegel, edder eynes leben forsten, 



Berichte über Handschriften des sog. Schwabenepiegels. 289 

edder eynes closterS; edder eyner stadt jngesegel, edder des 
lantriehters. ' 

Edder he sal vor sine bereu varreii, edder den richter, 
vnd sal en zu gezeng-en zilieu, vud ander die dor bey sein. 

Wil be ynie das gar stede macben, so sectze he yme 
eynen zins dor vfF. dor mit hat he die were dor anne, vnd 
mag des mit rechte nit vorlesszen. 

Hat he abir erben, die wedder spreben es, ab sze wullen. 
aber sze mögen sieb vorsumen. 

Vnd ist das den mban ebebafftige nott angbett der dusse 
gäbe batt getban, der sal sein glitt angriffen, vnd sal sine ebe- 
bafftige nott dor mede schaffen, vnd wil jme eyner werren, 
szo sal he faren vor sinen herren edder vor den richter, vnd 
sal sine ehebafi'tige nott beredden. das ist hunger, koinmer, 
frost, vnd dorst, gefengnisse ohne sine schulde, ab he das ge- 
tudt, szo sal die richter jennem gebeden das he en dor anne 
nicbt en erre. szo wert he sines gudes mit rechte wol mecb- 
tigk. vnd wer es dor nach gewinnet, der batt es mit rechte, 
vnd batt recht dor zu. 

Es mag auch die mban deme die gäbe gegeben wirt Vor- 
werken wedder den die sze yme gegeben batt das sze yme 
slechtes ledig wert, alze duess buch hie vor saget: wy ein 
soen sin erbe vorwerket, szo vorwerket jenner auch sine gäbe. 

Die gäbe beisset stede die vor deme richter geschutt. 
die beisset auch stede die mit der scrifft geschutt. die beisset 
abir allerstedest die mit der gewerre geschutt. 

Wer sich an synem rechten nicht vorsumen mag. der 

xxxiij artikel. 
Das liehe vnd die Swobe die mögen sich nicht vorsumen 
an orem erbe die wyle sze ertzugen mögen. 

Duesz recht gab en konnig Kai-bis do der hertzoge Ber- 
tolt mit deme Karolo ju Koine vill vnd das erobertt etc. 

Wo ein eyn recht anfeidt, do sal be auch recht nbemen. 

der xxxiiij artikel. 
Ein iglicb mban der vsz einem lande ist vnd kommet in 
das ander, vnd wel be do gerichte recht nbemen vmb ein gudt 

' Am li.inde ist liier von der ursprünglichen Hand die Bemerkung: Von 

obbirgalie sue den gantzeu artikel. 
Sitiuugsber. d. phil.-hi8t. Cl. LXXVl. Bd. II. Uft. 19 



290 Rockinger. 

das in derac lande ist vnd lidt, he moss nemen recht nach des 
landes rechte vnd gewonheit. 

Von vnzidigen kinderen ab die in der ehe geboren werden. 

xl artikel. 

Wan ein mhan ersten ein wip nymmet, gewinnet sze ein 
kint vor erer rechten zeit, me mag das kint bescheiden an 
sinem rechten, gewinnet ein wip kinder nach yres mannes 
tode, me mag es auch bescheidin an sinem rechten, wen es zu 
spede ist kommen. 

Die zweyger schlachte kinder, die sze rechtfertigen wil, sint 
sze gedegen kinder, szo salme ore zal rechen ein vnd vertzig 
Wochen, die eyne woche ist zu gnaden dor zu gesactzt. der 
meyde kinder ohne eyne wochiu vertzigk. ditz gerichte sol 
vor der phaffheit geschein. 

Vnd magnien die kinder obbii- kommen das sze zu spede 
edder zu froe kommen sint, sze enerben oi'es vatter gudt nicht, 
sze enerben auch or mutter gudt nicht, den es erben je die 
nächsten erben. 

Von rechtelosszen luden, xlj artikel. 

Wer eines mannes ehewip behorret, edder maget edder 
wip notzoget, nymmet he sze dor nach zu der ehe, ehekinde 
gewinnen sze uummer met eynander. vnd das sagen wir vch 
hernacher basz von der ehe. 

Kempen vnd oi'e kinder,' vnd alle die jennen die vn- 
ehelich geboren sint, edder die dipheit edder die rechten Stros- 
sen raub zu gelden bezwungen sint, edder hudt edder hoer 
gelediget hain vor gerichte, die sint alle rechtloesz. 

Die vnelich geboren sint die gewinnen ore [recht] wed- 
der, ob sze elichen heuratt thun. sze erben aber kein gudt von 
jren frunden. aber ore kinder erben wol von oren frunden ore 
erbgudt. 

Wie lange eyn mhan hueszere haben magk. der 1 artikel. 

Kin mhan mag hueszere hain szo lange alze he magk 
sich mit eyme swerde gortten vflF die siden, vnd mit eyme 
Schilde vnd sper vff eime phert sictzen mag, vnd ma sectzet 
yme eynen steg zu deme rosse der oyner eilen hoch ist, vnd 

' In iliT I (.-iiKlsi-lirilY stellt: rpclitein vnd oroii kinden. 



Berichte über Handschriften des sog. Schwabenspiegels. * 291 

me sal yme den steg"k reifFen halden, vnd ab he eyiie inile 
geriden magk. he mag thun vud lasszen die wile mit syme 
gude alze ab he vertzig jor alt were. 

Den ndie keine Vormunden geben sal. der Ixxij artikel. 

Alle die zu der ehe nicht gegreffen habin vnd vnehelich 
geboren sint, vnd die sich eheloisz vnd rechtloys gemacht hain 
mit vnthaden orer rechte, den salme keine Vormunden geben, 
wan dennoch gebricht en noch manniches rechten das die hain 
die ehelich geboren sint. 

Do ein recht annymmet sal he auch wortten.' Ixxxix. 

Wir sprechen: wor ein mhan recht fordert, dor sal he 
auch recht nhemen. 

Ohne geistliche lüde: die clagen wol an wertlichem ge- 
richte, vud me mosz sze beclagen an geistlichem gerichte, wan 
vmme eyne sache. vnd ist es das eiii geistlich mhan eynen 
wertlichenn beclaget vmme gelde, die richter sal yme zu haut 
richten, vnd wil he jme sine phenninge zu haut geben, edder 
gude phande, die sal he nhemen. v^nd die geistliche man claget 
wol obir den wertlichen szo. 

Vnd die leyge die claget wol obbir den geistlichen vor 
geistlichem gerichte. vnd der richtei- sal yme richten obbir den 
geistlichen, vnd nicht dan vmme gulde. 

Von vorstandt vnd burgeschafft zum rechten.- der Ixxxx artikel. 

Wer vor gerichte geschuldiget wert, edder die do die 
clage tudt, vnd wilme es haben, sze mosszen borge vmme die 
clage sectzen, ab sze nicht gudt jmme gei-ichte habin. 

Wer nicht borgen hat, den sal die fronebodde belialdin. 

When der mhan zu vorsprechen nymmet, der sal sin vor- 
spreche sin. 

Von antwortten des he angelanget mochte werden, der ci artikel. 

Vmme alle sache darme eynen mhan vmme belanget vnd 
flar ist zuentkcgen, dor sal he vmme antwortten. 



' Am Rande steht von der nr.spriniglichen Hjind : Wo ein reelit fordert, 

aal he auch recht nemen. 
- Am Rinde i.st von der nr.sprüno^liclien Hand bemerkt: Borgen zum 

recliten. 

19* 



292 - Bockinger. 

Ane sin ejgen: dar sal ]ie nicht vmme antwortten alze 
diss buch hie vor spricht, vnd vnime lehin: dor sal ein mban 
vmme antwortten vor sinem herren. 

Das i'echt saste Constantinus vnd sanct Siluester. 

Borgen sectzen sine clage zu forren vnd der ' ander dor vff 
zu antwortten.- der cviij artikel. 

Jst es das zwene mhan vor gerichte ghen vnd clagen 
vmme gulde — das ist schult — or eyner den andern an, 
edder vmme ander vngei'ichte, die sollen borgen sectzen: der 
eyne das he sine clage tollen f"on-e, der ander das he zu der 
clage antwortte alze recht ist. 

Haben aber sze gudt in deme gerichte das der clage wert 
ist, szo endorfFen sze keine borgen sectzen. 

Von vrteil zu scheiden, der ex artikel, 

Jst es das ein mhan ein vrteil wedderruffet, das salme 
zchehen an den richter hoicher herren, vnd zu lesten au den 
konnigk. 

Dor sal die richter sinen bodden zu geben, vnd geschutt 
duesz in eyner graueschafft edder marcke, do sollen die bodden 
[sin] frie lantsassen. gesehnt es aber in eyner statt, so sollen 
die bodden sin welcher hande lüde me wel, die an oren [rechten] 
volkomen sein. 

Die sal die richter beköstigen.^ me sal jo zwen gebin 
zwene becher vol wins vnd brott. der herren sollen zcwene 
sein, vnd sechs knechte, me sal den herren veliir gerichte 
geben, vnd den knechten zcwey. vnd iglichem pherde vehir 
moisz haberen zu tage vnd nacht, vnd hauwes genugk. me 
sal die pherde vorne besclan, vnd binden nicht, der ])lierde 
sollen achte sein, vnd der manne achte. 

Vnd ist das vrteil wedder worflfen vfF schwebischer erden, 
szo der konnigk dor kommet zu Schwabin, dor sollen die 
bodden henkommen. vnd sollen der vrteil zu ende kommen 
von deme tage obbir sessz wochen. 



' In der Handschrift steht anstatt vnd der: vndor. 

2 Am Rande finden sich liier die zwei Benierknnj^en : Bor^^en zn sectzen 

sine clage vsz zn forren. Borgen zu .sectzen znr clage zn antwnrtten. 
^ In «kr Handschrift .steht: bekrerttigen. 



Berichte über Haudschrift^D des sog. Schwabeuspiegels. 293 

Vnd alze das vrteil deine richter wedder geg'obcii wert 
vor deine es wedder raffen wert, der die vrteil wedder warffen, 
liat he sze nicht tbllenfiirth vor deme kunnige, he sal denie 
richter gelden sine kost die he g-cthau hatt mit sinen bod- 
den etc. 

Von welcher hoichen hant das gerichte ist, dor magme 
wol ein vrteil anzchchen. 

Die erste hant des gerichtes das ist der konniugk. die 
ander hant ist deme es de konnigk liget. die drette hant mag 
nunimer vorbas gerichte vorligen dor es den luden an oren 
lip ghet edder or l)lut zuuergissen. wer es aber do obbir thut, 
der tudt wedder godt, vnd wert schuldig an alle den luden do 
die verde hant obbir richtet. 

136, Wie der konnig hob gebeden sal. 

Wan der konuig hob wel gebedin, ober sechs woclien, 
szo sal he den forsten vnd anderen herreu solchs vorkundigen 
mit vorsegelten briffen. 

Die sollen olin suchen in dudischen landen, wider 
nicht etc. 

138. Veste zubuwende. 

Ohne des lantrichters orlob magmau wol grabin in die 
erden alzo tiff alze eyn mhan mit eyner scluipjjcn vszgeschissen 
mag ohne schemel. 

Me mag wul biiwen dryer fadem hoich mit holtze edder 
steinen obbir der erden, ohne zinnen vnd ohne erkener, vnd 
ohne alle gewer. 

Me mag auch eynen hob an ebener erden vmmefangen 
ohne syneu orlob mit eyner murren die szo hoich ist, wan eyn 
mlian sictzet vff eynem pherde, das he mit eyner hant obin 
dor vff gereichen magk, ohne zinnen, vnd uluic brustwere, vnd 
oline allerl(!y werre vnd vestenunge. 

Aus 153 =- L KJOb von der Mitte weg.' 

Wo abir in evncr stat vftinberliciie Wucherer sein, vnd 
cristen sein wollen, dor vmme hat ohne der here des die stat 



' Am Kaiide steht vuii der ursprünglkheu Hand: Von wuclier straffe. 
Hiczu liat eine andere bemerkt: so sehr hartt, aber recht i.st. 



2U4 Eockinger. 

ist edder sein richter zu straffen, des glichen den auch der den 
Wucherer vorthedinget. 

Vnd me sal den Wucherer mhannen, das he nicht mher 
wucheret, vnd das he den wedder gebe, dor zu salme jn drey 
stunde vormhaneu. vnd ist he dor nach nicht gehorsam, szo 
sollen sze die geistlichen richter dor zu swingen mit dem 
banne, vnd hilftet das nicht, szo sollen die wertliche richter 
sze werften vssz der stat. 

Vnd die richter sollen or gudt nhemen, vnd sollen do 
von den wuchcr wedder geben, vnd ist do icht obberig, das 
sal die richter nhemen. 

Der geistliche richter sal yne sine hai- yme lassen abe 
scherren. vnd sal yme hudt vnd har abe schradin. das ist der 
Wucherer boisse die cristen sein. 

Me sal den Wucherer obbirzeugen mit den die den wucher 
gegeben habin edder mit anderen luden die dor vmme wissen 
mit dren gezeugen. 

15G. Von der statmurreu. 

Wer obbir die stat murren stigt, vnd nicht zu deme 
thore enninhen ghet, der hadt das heubt vorlorren, wy Remulo 
geschach. 

Doch sal dusse busse niemant liden, sze werde ohme den 
von den forsten vögelegt. 

Aus 157 = L 170b und c. 

Me sal alle eyde swerren by godde vnd den heiigen. 

Wert ein man gefangen, vnd kau nicht loesz werden^ 
he engebe den hundert phunt edder mher, edder swerre etwas 
änderst zu geben, sagen etliche he sy den eidt nicht zu halden 
schuldig, es meynen auch etliche, he solle den eidt halden, vnd 
das gudt geben, vnd dor nach das deme richter clagen : vnd 
der sal dor obbir richten alze ab he kegenwertig clagte, vnd 
jme sin gudt wedder forderen. 

Wer aber eynen meineidt swert, edder wer eynen den zu 
tliune zwinget, die sin bcyde sehukügk. vnd me sal sze beyde 
glich busszen. vnd wer des selp obir wiszet wert, das [he| eynen 
meineidt gethan, den mag der geistliche richter vorbannen, 
vnd der werltliche richter sal jme xl adder mhe siege sclan. 



Berichte fiber Handschriften des sog. Schwabenspiegels. 295 

wert he aber drey stunde obir recht der schulde, me sal jme 
die hant abe schxn. 

158. Von den zwelff scheppen. 

Es ist g-ewonheit, das me zwelff scheppen nyminet die 
deme [richter] sollen helffen richten, vnd heisszen scheppen. 

Die sollen wiesze lüde sin, vnd vor g-erichte vmb eyne 
igliche Sache vrteil fynden. so sal das minste deme meisten 
folgen. 

Sze zchehe auch wol or vrteil an den hoen richter, das 
sollen sze thim alze hie vor gesprochen ist. 

Vmnie ein vorworffen vrteil das tbrder dor sal die rich- 
ter nicht niher vmnie fregen. deme das vrteil gefunden 
wirt etc. 

182. Wer körn stelt des uachtes, 

der ist des galgen schuldig. 

Es- sal niemauts des nachtes futteren, wer aber das tudt, 
vnd ist es eynes penninges wert, es ghet yme an die hant. jst 
[es] eines schilliuges wert, es ghet jm an den lip, das me 
sal en henken. 

Vnd ist es das ymant in der kerchen stelt_, me zudt 
en mit rechte heruss, tudt he es des nachtes. tudt he es des 
tages, sz(j galt das penuig wert den rehtern dunien, vnd das 
;>cliillig wert edder mher die rechten hant. tudt he die tott 
zum andern mal, me sclett yme den andern dumen abe. tudt 
he es zum drettenmal, me sclett yme die hant abe etc. 

18ß. 

So zwene zu gliche vff ein gudt clageu, vnd sprechen es 
liabe en ein herrc edder ein ander man zu eygeu gegeben, 
edder zu leheu geleygen, edder vorsactzt, vnd kommen beyde 
vor gerichte, vnd der eyne zudt an eyne g-ewerre, des glichen 
der ander, vnd sprechen beyde sze haben den besictz, vnd ist 
es eygen phandunge eddir farende gudt vnd lidt im gerichte 
dor es beclagt ist, en sal der richter einen tag- geben, das sze 
beyde oren besictz erwissen. 

Der sinen bewissz vnd besictz bybrenget, der hadt be- 
halden. der sinen nicht brongt, der hatt vorlorren. brengea sze 
bevde, szo behelt der beste bewisz etc. 



296 Kockinger. 

194. So eyner deine anderen sein phert lii??;et. 

Liget [eyner deme anderen] ein phert an eyne ' stat, vnd 
benent ynie die stat, vnd liget es yme vmb sust, vnd gesehnt 
yme an die stat icht, he bosset yme der vmme nicht, ab he 
es ridet rechte reisse vnd vor die stat die he yme nante. 

Gesehnt yme dor obbir icht, he moiss es yme gelden. 

Nymmet es aber die gemeyne todt hen, he en gilt nicht. 

Wirt es vorstollen, he moisz es gelden. 

196. Von tuben vnd pagen. 
Hat ein mhan tuben edder pogen die heimelich edder 
gewont sein, vnd sze liegen von dannen vnd her wedder, die 
wile sze das thiin seint sze sein, vnd wo sze hen flogen vnd 
nicht her wedder in vehir tagen, wer sze dor nach fehet, des 
seint sze. wo he sze aber in den tagen fehet, szo ist es dip- 
heit. vnd kompt es vor den richter, he sal sze wedder geben. 

204. So ein frauwe swanger ghet nach ores mannes tod.e. 
Tregt ein frauwe ein kint, vnd ur mhan sterbet, das wip 
sahne nicht wissen vs ores mannes gude, sze sie dan genesszen 
des kindes. 

V. 

Ans diesen Proben ergibt sich mehrfach, dass der Text 
des , Landrichters' von Witzenhauseu an Verstössen leidet, 
welche zum Theile ihren Grund ganz ersichtlich darin Hnden, 
dass der Schreiber desselben dieses und jenes in seiner Vor- 
lage nicht lesen konnte oder nicht verstand. 

Welches diese Vorlage gewesen, ist zur Zeit unbekannt. 
Möglich aljcr bleibt es immerhin, dass sie gleichfalls einem 
früheren Stadtbuche, und zwar wohl von Witzenhausen selbst, 
einverleibt gewesen. Von einem solchen ist auch sogar aus- 
drücklich im ,Landi'ichter* selbst die Rede. Ganz am Ende, auf 
dem Schlussblatte desselben, ist nämlich von junger Hand be- 
merkt, dass ihm noch ein Stadtbuch voranging, welches nach 
dem grossen Brande bis zu diMu jetzt in Kode stehenden .ge- 



schrieben und geführet worden' ist. 



' In der Handschrift steht: syne. 



Berichte über Handschriften des sog. Schwabenspiegels. 297 

Unter diesem grossen Brande ist wohl jener zu verstehen, 
welcher am 4. October 1479 ausbrach, und welcher der Stadt 
\Vitzenhausen ,alle ore statbucher registra priuilegia segel vnd 
breue vnd wesz so npp orem raithuse by dem rade gewesen 
ist' vernichtete. Wie man genauer weiss, bewog dieser Verlust 
alsbald den Bürgermeister und Rath, einmal sich um eine Ei- 
neuerung der Stadtfreiheiten zu bekümmern, welche sie auch 
von dem Landgrafen Heinrich als Vormund der jungen Fürsten 
^Villu•lm I. und AVilhelm II. unterm oO. Jänner 1480 erlang- 
ten: insbesondere aber haben sie sich — wie Kopp a. a. O. I 
§. 11, S. 19, bemerkt — einige Zeit hernach, da die Sache 
gleichwohl noch im frischen Andenken war, nämlich den 4. Fe- 
bruar 1482 zusammengesetzt, und vor einem Notario und Zeugen 
den Inhalt ihrer Privilegien und Statuten, so wie ihnen derselbe 
aus deren öftcrn und vielfältigen Verlesung noch gar wohl 
erinnerlich war, auf ihren geleisteten Eid und Pflichten aus- 
gesagt und niederschreiben lassen. Kopp theilt auch die hier- 
über gefertigte Urkunde unter den Beilagen zum ersten Bande 
seines bekannten Werkes Nr. 3, S. 5—12, vollständig nach dem 
Originale im Rathhause von Witzeuhausen mit. 

Wie sich aus ihr ergibt, ist bei dem erwähnten Brande 
die gesammte Stadtregistratur, beziehungsweise das gesammte 
Stadtarchiv ein Raub der Flammen geworden, also auch, abge- 
sehen von einer etwa besonders daselbst vorhanden "ewesenen 
Handschrift des sogenannten Schwabenspiegels, die dort be- 
findlich gewesenen Stadtbücher. Es erübrio:te demnach, was 
namentlich die letzteren angeht, nichts anderes, als dass man 
ein neues anlegte. Das dürfte nun Avohl jenes gewesen sein, 
worauf die vorhin angeführte Nachricht aus unserem ,Land- 
richter' geht. 

Erwägt man hiebei, was ich bereits oben S. 2(j8 berührt 
habe, dass Kopp bei der Beschreibung des Stadtbuches von 
Witzenhausen, von welchem er a. a. O. I § 2!» handelt, aus- 
drücklich bemerkt, es sei aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, 
so möchte man einen Augenblick versucht sein, auf den Ge- 
danken zu gcrathen, er habe vielleicht dieses nach dem er- 
wähnten grossen Brande vom Jahre 1479 augelegte und bis zu 
unserem .Landrichter' fortgeführte Stadtbuch vor Augen oder 
im Sinne gehabt. Die ganze Beschreibung indessen, welche er 



^9b Kockinger. Berichte über Haiuischrit'teii des sog. Schwabenspiegels. 

gibt, passt so genau ' auf unseren , Landrichter* selbst, dass 
man zu der anderen Annahme nur unter dem Schlüsse berech- 
tiget wäre, dass dieser auch äusserlich — wenigstens so weit 
es sich um den sogenannten Schwabonspieg^l handelt — nur 
eine ganz und gar ängstlicli treue Copie des vermeintlichen 
früheren Stadtbuches sei. Wahrscheinlicher bleibt unter solchen 
Umständen am Ende doch wohl, dass Kopp nur bei der Alters- 
bestimmung, welche er für unseren , Landrichter* angegeben, 
etwas zu weit rückwärts gegriffen. 

Beruhige ich mich vor der Hand hiebci, so weiss ich 
allerdings bezüglich des Stadtbuches von Witzenhausen, welches 
nach dem grossen Brande vom Jahre 1479 begonnen und bis 
zu dem jetzt noch vorliegenden fortgeführt wurde, nicht, ob 
es gegenwärtig noch vorhanden sein mag oder nicht. Ob es 
an seiner Spitze auch das Landrecht des sogenannten Schwa- 
beuspiegels gehabt (xler nicht, ob weiter im erstoren Falle 
selbes die Vorlage für unseren , Landrichter* geworden oder 
nicht, ist mir ebensowenig bekannt. 

Gleichviel indessen, ob sich die Sache so oder so ver- 
hält, gerade er bleibt fort und fort ein eben so interessanter 
als wichtiger Beleg dafür, wie — zweifelsohne schon früher, 
entschieden nachweisbar aber noch — im' 1(5. und 17. Jahr- 
hunderte das Landrecht des sogenannten Schwaben- 
spiegels in besonderer Gestalt, wie sie nunmehr Jeder- 
mann ersichtlich ist, mit dem im tagtäglichen Gebrauche 
befindlich gewesenen amtlichen Stadt- und Bürger- 
buche von Witzeuhausen in der engsten Verbindung 
gestanden. 



t5 



' Wciiu Kopp .als Aufschrift ;iuf dem Vurderdeckol des Eiubaudes ,Laudt- 
Kichtcr, J>iirgci'- und Stadt-Buch' bemerkt, und nach meiner Darstellunn' 
oben S. "iO'J nur die tecliuisclio liozeichnung' ,Landt-Kichtor' scliwaiz und 
weiter niclits mein- als in zwei Zoiiin ,und Stadt-Buch' zu entdecken 
ist, SU ändert das wuhl an der Saelie sidb(>r nichts, indem eben seither 
im Laufe von mehr als einem Jahrliunderte das walirscheiidieh auch 
roth ii'eseiirieben <>"ewesene , Bürger' als erste Zeile der ganzen drei 
Zeilen umfassenden Bezeichnung , Bürger- und Stadt-Bueh' sich von dem 
theilweise ganz und gar abgeriebenen Lederüberzuge äusserst leicht weg- 
gewetzt iiaben kann. 



Horawitz. Beiträge zu deu Sammlungen von Biiel'eu I'h. Melanchthons. 200 



Beiträge zu den Sammln ugeu von Briefen 
Philipp Melanclitlions. 



Von 

Adalbert Horawitz. 



Ijei meinen Vorarbeiten zur Herausgabe der ungemein 
reichhaltigen und für die literarischen Veihältnisse des Reibrma- 
tionszeitaltcrs sehr instructiven Correspondenz des Kaspar von 
Niedbruck Avurdc ich auf mehrere Briefe Melanchthons 
g-eführt, die in den Codicibus 9737 i. und k. der Wiener 
k. k. Hofbibliuthek (Caps. Koll. II, III, XIII und XVII) ent- 
halten sind. Ausserdem fand ich noch einige andere P]i)isteln 
und Schriftstücke Melanchthons in dem Codex 0737 h. (Caps. 
Koll. II — IV) derselben Bibliothek. Von der Ueberzeugung 
ausgehend, dass auch keine Zeile des trefFlicheu „Praeceptor 
Germaniae" geringgeschätzt und der Vergessenheit überlassen 
werden dürfe, übergebe ich im Folgenden diese selbst Bret- 
schneider (Corpus Reformatorum) unbekannten Documcnte der 
Oeffentlichkcit. Ich thue dies trotzdem, dass vier derselben 
in dem soeben erschienenen werthvollen Supplemente zum Corpus 
Reformatorum (Philipi)i Melanchthonis Kpistohie, ludicia, Con- 
silia Testimonia Aliorumque Ad Eum Epistolae Quac In 
Corpore Reformatorum Desiderantur disposuit Henricus Erne- 
stus Bind seil etc. llallis Saxonum G. Schwetschke 1>^74) edirt 
wurden. Denn diese Edition ward nach Chmels schätzbarem 
Verzeichnisse der Wiener k. k. Hofbibliothek II. Bd. S. 235 f. 
veranstaltet, an welchem Orte — an flem man allerdings der- 
gleichen nicht suchen wird — jene Briefe, nicht nach den 
Originalen, sondern nach einer späteren Abschrift (in Cod. 



oOO Hoiinvitz. 

10«'J()4) niitgethijilt wurden. Diess ergab über luehrfaclie Varianten ; 
bei nr. V und VI meiner Sannnlung- konnte ausserdem noch 
die bei (Jhmel a. u. O. fehlende Datii'ung beigebracht werden. 
An sie sciiliesse ich drei in Codex 5J737 i. k. befindliche un- 
edirte Briefe des Joachinius I. Camerarius an. Wenn die 
letztere Mittheilung auch gegen die herrlichen Schätze der 
Camei'ariussammlung in München gehalten ' unbedeutend er- 
scheinen mag, so richten sich diese Briefe des geistesverwand- 
ten Strebegeuossen — die ich aus von Niedbrucks Correspon- 
denz heraushob — wohl am besten an die des grossen Freundes 
an. Ihnen folgt ein für die Charakteristik Niedbrucks wichtiges 
Schreiben desselben an Flacius Illyricus. Bevor ich den Text 
der Briefe — mit möglichster Schonung der Orthographie — 
mittheile, soll vor Allem über die Person des Adressaten Einiges 
beigebracht werden, das allerdings bei der Veröffentlichung der 
Correspondenz von Niedbrucks noch manche Erweiterung und 
Vervollständigung erfahren dürfte. 

Kaspar von Niedbruck, wie es scheint in Metz geboren,^ 
gehörte einer angesehenen lothringischen Familie an.-' Schon 
um das Jahr 1429 wird ein Grosse Hannes de Nidebrucken 
erwähnt, welcher der Stadt Metz abgesagt und mit ihr in Fehde 
gerieth. Durch die zwei Söhne eines N. von Nidbruch , über 
den ich weiter nichts weiss, theilt sich das Geschlecht in zwei 
Linien; die eine mit dem Doctor der Medicin Johann Bruno 
beginnend, ward 1541 in den Adelstand des römisch- deutschen 
Reichs erhoben, die andere begründete Hans Marschall von N., 
aus dessen Ehe mit Marie de Sulon Kaspar und Nicolaus 
(lebte noch um 1563, nicht mehr um 1574) entstammten.^ 

' Ihre Kenntniss luit uns lv;ul Halms nie rastende Thätigkcit in jüngster 
Zeit erschlossen. Vgl. Halm, Ueber die handschriftliche Sammlnng der 
Camcrarii und ihre Scliicksalo. Münclien , ak.-idcmischc Biiclidnickerei 
1873, luid Vcrzeifhniss der handsi-lirit'tliclion Sammlung der ('amerarii in 
der Staatsbibliothek zu München, verfasst von K. Halm. München 1874. 

- Dicss lässt sich aus der Aiifschrift eines bisher noch iniedirten Briefes 
Martin Bucers an Nidbrmk scliliessen, der ihn um 1546 .Mettensis' 
nennt. Vgl. auch den Brief des Kasp. Brusch an Niedbruck in Hora- 
witz Kasp. Bruschius 1874. S. 225. 

3 Darauf deutet schon der Name hin ; ,Tu nobilitatem clarissimis jiarentibus 
adeptus' schreibt Gessncr in der Dedication. 

* Cf. J. Siebmachor, Wap]ionbuch. Nürnberg 1870. p. 51. Dort auch 
t. 33. das Wappen der Niedbrucks. 



Beiträge zu ilon Samnilunpren von Briefen Pli. MelanclithonE. 301 

Kaspar envuclis in Inunanistischen und juridischen Studien, 
pflegte dieselben 1547 in Italien, ' aber auch in Wittenberg, 
wo er bei Flacius lllyricus Vor]esung(in über Aristoteles' 
Politik luirte.^ Sowohl mit lllyricus, als auch mit dem Witten- 
berger Kreise, vornehmlich mit Melanchthon, Camerarius, 
Paul El)er, Kaspai- Pcucer, Hubert Languetus u. A. blieb 
er fortan in Verbindimg. Was von seiner Anstellung als 
Director der TTol'bibliothek gefabelt wird, entbelirt aller Be- 
gründung;-' nachweislich ist nur, dass er im Januar 1553 Hofrath 
bei König Ferdinand geworden , dass er für Erzherzog Maxi- 
milian, zu dessen Partei ihn seine evangelische Ueberzeugung 
führte , literarische Aufträge besorgt , dass er u. A. für die 
Verbindung zwischen Maximilian und Melanchthou thätig war. ^ 
Am Hofe vertritt er die freiere Richtung, er ist es ii. A., der 
für die böhmischen Brüder intervenirte/"' Am 26. September 1557 
starb er zu Brüssel" wahrscheinlich auf einer Gesandtschafts- 
reise, deren er im Auftrage des Königs Ariele zu unternehmen 
hatte. V. Niedbrucks Ansehen in den gelehrten Kreisen war gross, 
seine ungemeine Gefälligkeit in der Unterstützung wissenschaft- 
licher Strebungen erwarb ihm überall Freunde und Lobredner, ^ 



' Brief von Niedl)nicks an Sigismund Gelens, 2. März 1533 (Ms.): Cum 
anno 47 Patauii studiurum causa csspui , memini me tum ibi te 
videre, veriim quia non diu ibi mansi, Bfiminiaui concedens non potui 
tecum familiariter contrahere studiurnni coinmunicationem. Nach Gessner 
soll er auch geläufiof italieniscli und spaniscli 5>;es]iruchen hahcu. 

^ Cf. Flacii Illyrici Refutatio Invectivae Bruni. 

•' Was Lambecius (Comment von I. 38) Mosel und ihnen nach Alle er/.älilen, 
dass V. Niedbruck der Nachfolg^er Cuspinians o;ewe.sen sei , ist schon 
dannn ein nonsense, weil Cuspinian 1520 starb, v. Niedbruck noch um 
1546 jnuenis (von Bvicer) g-enannt wird, 1547 a])er iu Italien studii't. 
Uebrigens ist ja erst Hugo Hlotius der erste wirkliclie Hot'bibliothekar. 

'' Sein Gehalt betrug — ausser dem, was er aus dem Hofstaate des Kiiuigs 
von Böhmen bezog — monatlich 10 Gulden. Siehe Fi ruh aber, Hof- 
staat Ferdinands I. (Archiv XXVI. S. 14). — Am Ki.Juli 1555 bestätigte 
ihm Herzog Karl von Lothringen seinen Adel. 

s Cf. A.Gindel.y, Gesehielitederbiibmisehen Brüder. Prag 1857.1. S. 428. 429. 

6 Seinen Tod beklagt Melandi tlnui (Opera IX. 360), auch Blahoslav hört 
davon (cf. Gindely I. 430). 

" Beweise dafür gibt seine Correspondenz in reicher Fülle, u. A. aber auch 
die Zonarasausgabe von Hieronyums Wolf um 1556. 



302 Horawitz. 

u. A. widnuite ilim K. Gessner in den schmeichelhaftesten 
Ausdrücken den Anhang seiner Bibliotheca universalis (1555). 
Niedbrucks lebendiges Interesse gehörte der Kircheugeschichte 
an, und zwar ist es die genetische Entwickelung des christ- 
lichen Lehrbegriftes und die Kritik an den durch , Menschen 
geschaffenen^ Einrichtungen, was ihn besonders anmuthet. Diese 
Studien begründeten sein klares Verständniss und den brennen- 
den Eifer für die Sache der Kirchenverbesserung, wie die un- 
ermüdete Hingabe an die Arbeiten des Flacius Illyricus und 
seiner Genossen. Hier ist er nicht bloss Vermittler, sondern 
auch Ratligeber geworden; so hat er zum ,Catalogus testium 
veritatis' angeregt, fortwährend für das grosse Werk der ,Cen- 
turiatoren*^ Winke und Material geboten , nicht minder aber 
Vermittelung und thatkräftige Unterstützung. ^ In seiner Biblio- 
thek sammelte Marcus Wagner d. J. ein halbes Jahr für 
die Kirchengeschichte der Centuriatoren. Niedbruck ver- 
schaffte demselben auch Empfehlungsbriefe an hohe Gönner, 
sorgte für seinen Unterhalt und gewährte ihm die Reisekosten. 
Und weiters war es Niedbruck, der mit allem Eifer daran ar- 
beitete, Melanchthon und Flacius zu versöhnen, ^ wie er denn 
überhaupt eine milde und irenische Natur gewesen zu sein 
scheint. — 80 bedeutend er aber unter den Gelehrten seiner 
Tage dastand, dennoch wurde — so viel ich wenigstens weiss 
— keines seiner Werke zum Drucke befördert; Gessner gibt 
a. a. (). als Werke Niedbrucks an : 

1. Catalogus singularuin lectionum quotidianarum IG ms. 

2. Quaestiones in I et II partitionem dialecticarum. 
'->. Quaestiones dialectices in 1(). 

4. Expositiones variarum dictionum graecarum et latinarum. 
Die k. k. Hofbibliotlick zu Wien aber verwahrt unter 
ihren Manuscripten folgende Schriften Niedbrucks: 

1. Leges ordine Alpha et Beta collectae cum indicatione 
praecipuorum authorum, qui in eas scripserunt nr. lO.'UJG. 

2. Adversaria iuridica nr. 1().'}54. 

o. Dictata ab eo in Academia Aurelianensi excerpta et 
scripta nr. lOoTl. 



' Vgl. ilaiüber W. P reg- er, M. PMacius Illyricus und seine Zeit. Erlangen 

IS;'.;» uiul 1H(>1. II. 41S (V. 
2 Preger a. a. II. LS tV. e. -Jo. n. 



Beiträge zu den Sammlungen von Briefen Ph. Melanchtbons. 303 

4. Commentan'olns ex lectione TTomori, Demosthenis, Cice- 
ronis nr. 1)703. 

5. Collectio sententiarum g^raecarum nr, 1)005, 

0. Sylloge varianim vocum et sententiarum i2:raecarum cuni 
interpretatione latiua nr. 970(J. Aus dem Jahre 154 1. 

7, Adversaria ex variis auctoribus nr. 1J701, 
Am besten wird man Niedbrucks Sinnesart, Wissen und 
Beg-abung aber wohl aus der aus Hunderten von Briefen be- 
stehenden Correspondenz ersehen können ; sie zeigt ihn im 
Verkehr mit Greorg- Aigmaier, Arnold Arlenius, Caspar Brusch, 
Martin Bucer, Johannes Calvin, Joachim I. (Jamerarius, Georg 
Cassander, Matthäus Collinus, Elias Corvinus, Jacob Debilleu, 
M, Flacius lilyricus, Nicolaus Gallus , Johannes und Konrad 
Gessner, Justinus Gobier, Cornelius Gualther, Sebastian Gross, 
Thaddäus Hagek, Job. Bapt, Heintzel, Sigismund von Hei'ber- 
stein , Johannes Herold, Johannes Hoppius, Daniel Hornung, 
Michael Hospitalis, Conrad Hubert, Andreas Hjperius, Erh. 
von Kunheim, Hubert Languetus, Peter Lottichius, Johannes 
Mathesius, Daniel Mauch, Ph, Melanchthon, Thomas Mitis, 
Franciscus Moschenius, Martinus Mylius, Johannes Oporinus, 
Valentinus Pacaeus, Hieronymus Pesolt (Besold), Heinrich Petri, 
Casp. Peucer, Val. Poullain, Petrus a Rotis, Sim, Sartius, Johann 
Segger, Johannes Sturm, Georgius Tanner, P, Vergerius, Caspar 
Vogel, Johannes Wigand, Wolfgang Wissenburgius, Hieronymus 
Wolf und Andere, Es soll meine nächste Sorge sein , diesen 
Briefwechsel in rascher Folge der allgemeinen Benützung zu- 
gänglich zu machen. 

Was nun hier gegeben wird, bietet — so gering es auch 
sein mag — Beiträge zur Chai'akteristik nicht bloss Niedbrucks, 
sondern selbst Ph. Melanchtbons. Denn auch in diesen kleinen 
Briefen und Fragmenten spiegeln sich die rastlose Bewegung, 
die tiefe Ergriffenheit, das felsenfeste Gottvertrauen des wunder- 
samen Mannes wieder. Man fühlt doch die gewaltige Erregung 
der Zeiten, den schwer lastenden Druck der Verhältnisse mit, 
unter deren Einflüsse Melanchthon schreibt. Auch hiei- bilden 
die liebevolle Besorgniss des treuen Hirten um seine Heerde, 
die Angst vor den Schicksalen, welche der Kirche bevorstehen, 
die Kränkung lilxir den Abfall der alten FreuncU;, der Kummer 
über d'iv. Verwirrungen, welche Fl.icianer iiiid andere Secten 



304 Horawitü. 

der Einheit der Kirche bereiten , sowie die Fnrclit über die 
Verfolgunj>'en , denen die Protestanten in allen Ländern aus- 
gesetzt sind, ' den Hauptinhalt der niitgetheilten Briefe. Dazu 
kamen noch die Türkennoth und die schlimmen Prophezeiungen 
der Astrologie, der ja Melanchthon — wie bekannt zu Luthers 
Aergei-niss — sehr ergeben war, um in der Seele des grossen 
Theologen Weltüberdruss und Sehnsucht nach dem Tode zu 
erwecken. Merkwürdig, dass nun auch er zu Luthers Ansicht 
bekehrt ward und das Weltende, wie den jüngsten Tag er- 
wartete. 2 

In eine heiterere und frohere Stimmung des grossen 
Reformators führt uns dagegen nr. XIL der Sammlung ein. 
Der Brief an Silberborn ist offenbar auf dem Reichstage zu 
Augsburg um L530 geschrieben und ist ein Seitenstück zu der 
freundlichen Auffassung, welche Karl dem V. im Geiste der 
Reformation zu Theil ward. •' 

Der Brief Niedbrucks (ur. XXII) an Flacius lUyricus, 
dessen Form den Einfluss der Melanciithouischen Phraseologie 
zeigt, ist seines Inhaltes wegen wichtig, er zeigt den regen 
Eifer, die Sachkenntniss und Umsicht Niedbrucks, und gewährt 
einen Einblick in die Vorarbeiten zum Centuriatorenwerke. 



s. 1. I. 23. September 1553. 

Melanchthon an Kaspar von Niedbruok. ^) 

S. D. Clarissime vir et amice carissime. 
Etiam de tua integritate cogito, recordans versum dulcissi- 
mum, quem ex Sophocle citat Clemens Alexandrinus, ^ 
'Aiuav xb ypT,c~y/ t/;v Tc/jv iyzi o^üaiv 



' Cf. .xncli Corp. Ref. VIII. 740 f., 747, 753. 

^ Diese Ansicht wurd übrigens ziemlich allgemein; vgl. darüber meinen 

Caspar IJruschiua, Wien und Prag 1874. In Commission bei F. A. 

Brockliaus in Leipzig. 
3 Eine lateinische Fassung dieser Epistel findet sich allerdings bei Bret- 

schneider Corj). Ref. II. 430. Dennoch glaubte ich, die treuherzige deutsche 

Form derselben ni(tlit vorenthalten zu sollen. S. übrigens Bindheil b. c. Cl. 
* Cod. Pal. Vieun. 9737 i. 
'•> Str.im. 6. j). 741 aus Alcad. 108. 2. Cf. Opera Melanthonis VIII. 185 und 

IX. 43ß. 



Beitrag« zu den Sammlungen von Briefen Ph. Melaiichthous. 305 

scio te uirum Optimum ' cum in omni officio, tum vero in 
amicitia tueri constantiam. Quod autcm ad te non scripsi, 
partim tribues occupationibus, partim 2 dubitationi meae, quia^ 
quo literas mittam, ignoro. ' Pontanus misit mihi tuam Episto- 
]am ante octiduum. Nunc proliciscenti ad uos Regis Danici 
leg-ato, doctori Bernhardo Frisio viro praestanti ingenio et 
virtute dedi hanc cpistolam subito, quem de pace harum 
regionum ageutem quaeso, ut amanter excipias et adiuues.-^ 
Scio tibi magnae voluptati fore eins congressum, propter 
ingenii excellentiam , eruditionem et prudentiam ipsius. Oro 
autem filium dei Dominum nostrum Jesum Christum, ut 
restituat Germaniae pacem, Bene et feliciter vale. 
Die aequinoctii autumualis. 1553. 

Philipp US. 

Clarissimo viro, nobilitate generis, eruditione et virtute 
praestanti D. Casparo a Nidbruk Consiliario Regio, Amico suo 
carissimo. 

R(ecepi) 14. Octob. 1553. 



s. 1. II. 23. December 1553. 

Melanehthon an Kaspar von Niedbruck. '' 

S. D. Clarissime vir et amice carissime. 

Vtrumque praedixit vox diuina in hac delira mundi 
senecta" et futuras esse maiores confusiones generis humani, 
quam fuerunt antea, et tarnen filium dei etiam inter imperiorum 
ruinam collecturum esse aeternam Ecclesiam voce Euangelii. 
Hac nos vera consolatione sustentemus et speremus aliqua 
futura esse Ecclesise hospitia. Doleo, Germanicos principes 
patriam dilacerare et non coniungere vires ad reprimendum 

' in ist gestrichen 

^ scheint ein et gestrichen zu sein. 

^ ubi gestrichen. 

■• Nunc cum in aulam [?] gestrichen. 

* Ueber die dänische Gesandtschaft 1. c. VIII. 149, 150, 15.S, die Succes- 

sionsangelegenheit F. B. Buciiholz, Geschichte Ferdinand des Ersten, 

Wien 1836 VII. 555 S. 
6 Cod. Pal. Vienn. 9737 i. 
T Cf. Opera Melauthouis VUI. 185, 790. 
Sitzungbber. d. pliil.-lüb». Cl. LXXVI. Bd. II. Hit. 2U 



306 Horawitz. 

communem hostem Turcicura tyrannum. Sed hoc qiioque fatale 
est, causas accersere fati. Jubet autem Filius dei petere miti- 
gationem calamitatum vera inuocatione dei. Id facio nee erunt 
irrita piorura vota. Scriberem tibi de sig-nificationibus astrorum, 
quae huic anno minitantur atrociter , nisi Viennae scirem esse 
doctos artifices. Sed profectae dirae significationes sunt et 
nondum finis est germanicorum bellorum. Mitto tibi pagellas, 
quarum lectionem tibi non insuauem fore arbitror. Bene vale. 

Die 23. Decembr. 1553. Philip pus. 

Adresse : Clarissimo viro nobilitate generis et virtute 
praestanti Casparo a Nidbruck, Consiliario Regio, fratri suo 
carissimo. 



s. 1. III. 25. Januar 1556. 

Melaiich,th.on an Kaspar von Niedbruck. ^ 

S. D. Clarissinie et integerrime vir. 

Et debeo et habeo - tibi gi-atiam, quod et beneuolentiam 
erga me tuam non sinis extingui et saepe eam literis declaras. 
Ego quia tabellarios ad-' te certos non saepe habeo scribo rarius. 
Sed memoriam virtutis tuae et amorem erga te meum nulla tera- 
poruin diuturnitas aut fortunae ^ mutatio extinguet. Semper eniiu 
virtus diligitur. Mitto tibi exiguum libellum, qui et studia nostra 
et voluntateni erga Ecclesiam ostendit. Ac dei beneficio mediocris 
est ecclesiarum in his vicinis regionibus tranquillitas et studia 
doctrinarum in his ^ vicinis Academiis mediocria sunt, quae ut 
filius dei kz'(z: aeterni '• patris gubernet et adversus turcicani ' 
tyraiiidem et contra aliorum barbarorum furores protegat, toto 
pectore eum oro. Quia profecto Ecclesia dei non seruatur 



' Cod. Pal. Vienn. 0737 i. Dieser Brief ist bei Cliinel II. 2.35 nach Cod. 
Pal. V. 1()8()-1: lind danach in Hindseil 1. c. p. 382 abgedruckt, jedoch 
nicht nach dem Originalbriefe. — Cf. Opera Melanthonis VIII. (»(jt) f. 

2 q gestrichen. 

' V gestrichen. 

* iniuria gestrichen. 

s Bei Bind.ieil fehlt ,his'. 

•"' Chmel liest : aeternua. 

■^ Chmel liest: Turciam. 



Beiträge zu den Sammlungen von Briefen Pli. Melanchtlions. 307 

humanis praesidiis, etsi deus praecipit imperiis, ut eam tegant, * 
sicut scriptum est: Reges erunt nutritores tui. ^ 

Bene vale, vir optime. 

Die conuersionis (Petri gestrichen) Pauli 1556. 

P h i 1 i p p u s. 

Adresse: Clarissimo viro generis nobilitate, eruditione et 
virtute praestanti domino Casparo a Nidbruck, Doctori juris 
Inclyti Regis Romanorum, Hungariae et Bohemiae Consiliario, 
patrono suo colendo. 



IV. 22. März 1556. 

s. 1. 

Melanchttion an Erzherzog Maximilian. 3 

S. D. Incljte Rex et Domine clementissirae. 

Ut Daniel inter leones sedet et tres viri Israelitae sunt 
in mediis flammis in Clialdaea, sie in maximis periculis est 
Regia Maiestas vestra, quae non humanis consiliis regi possunt. 
Sed cum certissiraum sit, homines non solum ad huius vitae mortalis 
aerumuas et ad exitium conditos esse, Sed Filium dei Dominum 
nostrum Jhesum Christum crucifixum pro nobis et resuscitatum 
colligere aeternam Ecclesiam voce Euangelii et non aliter, et 
velle suam doctrinam andiri et custodem esse sui coetus, sicut 
cernitur adesse in ipsis flammis apud tres vires et ipse inquit 
omnes capilli capitis vestri numerati sunt^, oro eum toto pectore, 
ut seruet, Gubernet et protegat Regiam Maiestatem vestram et 
faciat eam vas misericordiae et Organum salutare suae animae 
et Ecclesiae et multis populis. Idem ut multi alii quoque 
precentur, hortator ero. Reuerenter etiam commendo Regiae 
Maiestati vestrae hunc nunciuin Doctorem Johannem Richter 
virum integrum et referentem cousilia ad ornandam gloriam dei 
et ad Germaniae tranquillitatem, ac spero industriam et fideli- 
tatem eins Regiae Maiestati vestrae usui et gratam fore. Domi- 



' Bindseil: regant. Ausserdem sind liiir und bei den andern Briefen will- 
kürlich viele grosse Anfangsl)Uclistaben fresetzt und die Adressen, sowie 
die Bemerkungen auf der Ausseuseite (z.B. über das Datum des Empfanges), 
weggelassen. 

2 Corpus Ref. ^TII. 750, 77:^. 

3 Cod. Pal. Vind. 97:^7 h. 
* Mattli. 10—30. 

20* 



o08 Horawitz. 

nus Jhesus Christus seruet incolumes Regiam Maiestatem vestram 
et inclytam Reginam ac Filios et Filias. Amen. Datae Anno 
1556 Die 22 Martii, qui fuit dies natalis Max. Aemyliani Impe- 
ratoris sapientis et iusti proaui Regiae Maiestatis vestrae. 

Regiae Majestatis vestrae 

seruus Philippus Melanthon. 

Adresse : Tnclyto Regi ac Domino Domino Max. Aemyliano 
Regi Bohemiae Archiduci Austriae et Domino suo clemen- 
tissimo. 

praesentatae 10 May anno 56. 

s. 1. V. 22. März 1556. 

Melanchthon' an Kaspar von Niedbruck. 2 

8. D. Etsi in his regionibus domestica bella metuimus, 
tamen profecto magis augor animo, intueus vestros conuentus, 
certamina, pericula publica et priuata, et scandala et confusio- 
nes imperiorum, quam cogitans de me et de mea familia. Ac 
filium dei dominum nostrum Jhesum Cliristum, custodem Ec- 
clesiae suae, oro toto pectore, ut a'os gubernet et protegat. O 
Fili dei Jhesu Christe, qui vere missus es, ut colligas aeternam 
Ecclesiam , qui pro nobis in cruce victima factus es et resur- 
rexisti et caput es ecclesiae verae, te oro, ut ostendas praesen- 
tiam tuam inter nos, qui nunc in summis periculis te inuoca- 
mus; propter tuam gloriam prohibe scandala. Tanto in dolore 
eram, ut nee alia nee plura scribere possem. Bene uale. 

Die natali Max. Aemyliani imperatoris sapientis et iusti. 

Adresse: Clarissimo viro nobilitate generis prudentia et 
virtute praestanti Casparo a Nidbruk , patrono suo carissimo 
In inclyta Vienna. 

R. 9. Älaii 1556. 



' Untersclirift fehlt zwar, aber aus Schrift und Stil ist Melanchthon leicht 

zu erkennen. 
2 Zuerst bei Chmel 1. c. II. 234. abf»'edruckt , doch fehlt die Datiruug. 

Bindseil nahm wohl desahalb den IJrief nicht in seine Sammlung auf, ich 

gebe ihn nach Cod. 9737 i. 



Beiträge zu den Sammhingen von Briefen Pli. Melanchtlions. 309 

s. 1. VI. 1(). April 1556. 

Melanchthon an Kaspar von Niedbruck. ' 

S. D. Clarissime vir et patrone colende. 

Etsi recens scripsi, tarnen huic nuncio- ciui nostro, dedi 
hanc epistolam , ut a te literas ^ peteret. In Saxonia nunc qui- 
dem nihil noui audimiis, nisi fontis historiam , qui non procul 
abest a Brunswig-a, qui mirandam vini habet in sanandis mem- 
bris lang-uefactis paralysi et in ^ sanandis veteribus ulceribus. 
Scaturig'o est in terra metallica, in qua multum est w/.p^?, cuius 
et in emplastris usus est. Si ad vos fama peruenit, credo 
niulta adfing'i. Sed haee quae scribo, vera sunt. Magna vis 
est haec^ etiamsi sola esset, sanare membra lang'uefacta TrapaAujc'.. ■'' 
]\Iultorum fontium iniracula leguntur, sed hie fons antecellit. '^ 
Bene et feliciter vale et rescribe. ^ 

Die 16. Aprilis, quo adhuc ante tres horas vidi flagrantem 
cometam, qui * altero mense ardet. Deus seruet Ecclesiam 
suani et nos in ea. 

P h i 1 i p p u s. 

Adresse: Clarissimo viro, nobilitate generis, prudentia 
eruditione et virtute praestanti Casparo a Nidbruck Doctori 
juris, patrono suo colendo. 

R. 6. Maii 1556. 

Leipzig. VII. 14. Juni 1556. 

Melanchthon an Kaspar von Niedbruck. ^ 

S. D. Clarissime et integerrime vir. 

Pluriraum omnino refert habere consiliorum rectorem, 
ut scis illud 7jv -£ o'jc ip/syivo). '" pjtsi igitur non seiebam 

' Zuerst, jedoch ohne Datirung bei Chmel 1. c. II. 234. Fehlt bei Bindseil. 
Ich theile den Brief nach Cod. 9737 i. mit. 

2 dedi gestrichen. 

3 filii [?] gestrichen. 

* curandi gestrichen. 

* Chmel: -apa/.ja'.. 

6 Cf. Melamhthons Opera VIII 731, 732, 7.35, 761, 763, 944. 
■ Ibid. VIII. 695, 731, 743. 

* Chmel : iam. 

9 Bindseil 392, nach Chmel 1. c. II. 233. 
'0 Bindseil: ipyo^ivwv. Ilias X. 224. 



310 Horawitz. 

an ' esses Belgici itineris conies, tarnen hanc ^ breuissimam 
epistolam subito dedi viro illustri, excellenti noLilitate et virtute, 
Andreae ' Ungnaden, ut si ad te veniret, te alloqueretur. Hor- 
tatus sum, ut tuam araicitiam expetat et tecum familiariter luqua- 
tur. GU[;,ßouAYj '.spbv, ^ Ideo te orp, ut eum conipleetaris et consiliis, 
ubi poteris iuues. Oro autem filium dei dominum nostrum 
Jhesum Christum }.6yov xal eixova^ aioi'cu Tcatpb?, c magni consilii 
angelum, ut te et omnes inuocantes ipsum regat et protegat. 
Bene vale; die 14. Junii 56. Lipsiae subito. 

Adresse: Clarissimo viro nobilitate generis et virtute 
praestanti D. Casparo a Nidbruck Consiliario inclyti regis 
Max. Aemiliani etc. amico suo carissimo. 

R. 22. Juli 1556. 



s_ [. VIII. 30. Juni 1556. 

Melanehth.on an Kaspar Peucer. ' 

S. D. Carissime fili. Si Caspar a Nidbruk '^ ad vos iutra 
triduum venerit, dicas, ut recta ad nos Lipsiam accedat, 
meque in aedibus Camerarii quserat, ubi etiam, si interero 
examini, tamen indicari ei poterit, ubi quserendus sim. Si 
veniet die Jouis, istic me expectet. Nam hoc biduo/-* deo 
iuuante, has operas absoluemus. Mitto vobis nuces Myristicas, 
ut iussistis. Dens vos et nos protegat. Dominus Wolfgangus astabat 
haec scribenti et flagitat tuum promissum r^epl a-fy^iz^q Idem 
flagitabat filius Joachimus. Nam patcr Cygneam '» prolectus 



1 Bindseil: scribam cum. 

2 bren gestrichen. 

3 Biudseil: A.ndiae. (hier ist ein Buchstabe durchstrichen.) 
* Bindseil: aupßouX^ 'hpou. 

5 ein kleines unleserliches Wort durchstrichen. 

6 Melaiithonis Opera \'III. 779. 788. 

1 Bei Bindseil 1. c. 304 nach Chmcl 1. c. II. 233. 

8 Bindseil: Nydbruck. 

9 Bindseil: triduo. 
'0 Zwickau. 



Beiträge zu den Sammlungen von Briefen Ph. Melanchthons. ol 1 

est. Eius reditus hodie expectatur. Bene vale. Pridie Cal. 
Julii Zinstag- 50. 

Philipp US. 
Adresse: Clarissimo viro cruditione et virtute praestanti 
D. Casparo Peucero g-enero suo carissimo. 

s. 1. IX. 5. Juli 1556. 

Melanchthon an Erzherzog Maximilian. ' 

S. D. Inelyte et serenissime Rex. 

Domine clementissime. 

Mirabiliter et colligit et seruat Filius dei Dominus uoster 
Jhesus Christus Ecclesiam seternam inter Imperia horribiliter 
tumultuantia in hac vita. Et interdum addit Ecclesiae salutares 
Reges et principes , ut (melius) ^ propagatio doctrinae magis 
fieri possit. Tales t'uerunt Dauid, Salomon, Josaphat, Ezechias, 
Josias, Cyrus, 3 Constantinus, Theodosius et alii quidam. Huie 
coetui , qui et deo carus est in tota aeternitate , et salutaris 
fuit Ecclesiae, ut et Regiam Maiestatera vestram adiungat 
filius dei, toto eum pectore oro. Sic in psalmo concionatur deus 
Regibus. ,Et nunc Reges intelligite. Aperite portas principes 
vestras.' • Omnino iam opus est Europae Domino, qui in tantis 
tenebris pontilicum de ecclesiae salute cogitet, Et multorum 
mentes intueatur. '' Oro autem ipsum filium dei dominum 
nostrum Jhesum Christum crucilixum pro nobis et resuscitatum 
custodem Ecclesiae suae, ut Maiestatem vestram semper gubernet 
et protegat, et faciat, ut Regia *> Maiestas vestra sit oi'ganum dei '' 
salutare universae Ecclesiae ad posteritatem. Idem veris gemi- 
tibus et precibus petere multos pios homines nou dubito. Bene 
et feliciter valeat Celsitudo vestra. Die quinto ^ Julii 1556. 
Regiae Maiestati vestrae 

addictus 

Phillippus Melanthon. 

' Nach Chmel II. '.235, bei Biud.seil ;U)4. 

- Ge.striclieii. 

3 Melanthonis Opoia VIII. 726. 

* Psalm. 2—10, 117 — 19. 
^ Hitidseil hat : intiicntur. 
6 Fehlt bei Biud.seil. 

"^ Dei fehlt bei Biudseil. 

* Bindseil: 4. 



312 Horavvitz. 

Adresse: Inclyto et Serenissimo principi ac domino domino 
Maximo Aemyliano Reg-i Boiemiae, archiduci Austriae^ etc. domino 
suo clementissimo. 

De dato 5 Julii anno 56. <T>. M. 



ß. 1. X. 1. Januar 1557. 

Melanclithon an Sebastian Gros. ' 

S. D. pax optima rerum, 

Quas homini nouisse datum est, pax una triiimphis innume- 
ris potior, inquit ille. Ac scio honestissimum senatum vestrum 
maxime uoluisse et velle, ut et pax esset in Germania et flo- 
rerent Respublicae iustitia et disciplina, et Deum quotidie oro, 
ut urbem uestram protegat. Cum autem et initio necessariae 
defensionis causa iusta arma sumseritis, scimus nos et post 
bellum non uelle populum ex iustis possessionibus excuti', sed 
uelle finem belli esse pacem, et supplicum conseruationem ut 
vetus oraculum praecipit: Non violentur (?) supplices. Debetur 
autem annua pensio, ut scitis, iusta emptione constituta, uiro 
clarissimo Vito Ortel ^ Wiussemensi Doctori artis medicae, 
quae numeranda erat in praefectura, quamtenuit Marchio Albertus. 
Haec pensio iam annos quinque propter bellum non uumera 
est. Orat igitur doctor Vitus, ut amplissimi senatus auctoritate 
uestri adiuuetur, ut rursus sibi debita pensio numeretur. 
Ea in re ego quoque uos ualde oro^ ut ei opem feratis. 
Alit viduam matreni et utiliter seruit studiis doctrinarum. 
Tales in causis iustis tueri, pietas est Deo grata. Oro autem 
et ego Deum aeternum patrem domini nostri Jhesu Christi, ut 
vos et vestros seruet incolumes. Bene et feliciter valete. Cal. 



» Cod. Pal. Viiul. 0737 h. Schlecht leserliche Copic. S. Gross, Rathsherr 
von Nürnberg, ein so frommer Mann, dass er äusserte, lieber die ganze 
Welt beleidigen zu wollen, als einen guten Priester, starb als Pfleger der 
Reichsveste am 14. Mai 1558. Cf. Noppitsch Suj)plcment zu WiU's 
Nürnberger Gelehrten-Le.xicon I. S. 424. Mit .seinem Sohne Seba.stian, 
der in der Donau ertrank (Will, Münzbelustigungen II, 348, 352) stirbt 
das alte Geschlecht aus. 

2 Ueber Mtnn Oertol, Professor der griechischen Sprache in Wittenberg 
cf. Melanthonis Opera, cf. auch seine Oratio in fuuere Melanth. ibid. 
X. 187. 



Beiträge zu den Sammlungen von Briefen Ph. llelanchthons. olo 

Januarii Aimi 1557, qiii ut sit faustus et felix ecclesiis et 
earum hospitiis et nobis et nubis faciat filiiis Dei dominus 
noster Jliesus Christus crucifixus pro nobis et resuscitatus Eccle- 
siae suae custos. Amen. 

Philippus Melantlion. 

Clarissimo viro sapientia et virtute praestanti domino 
Sebastiane Gros Seuatori inclytae urbis Norinbergae , patrono 
suo coleudo. 



s. 1. XI. 8. April s. a. 

Melanchthon an Wolfgang Tallinger. ' 

S. D. Clarissime vir et amice colende. S^epe recito uersum 
in quo numeri sunt graeci poetae Theocriti, sententia uero 
multo ante diuinitus tradita est. E'jcrsßecov Tuaiosaai ~b. XwVa, cucaa- 
ßscov o' 0U.2 Idem n. vox diuina in psalmo inquit: Generi rec- 
torum benedicetur. ^ Cum igitur deo pie et utiliter seruias in eru 
dienda iuuentute, spero et tuam sobolem deo curae esse. Et ut 
te et tuos gubernet ac seruet incolumes , eum oro. In filio 
tuo Casparo indoles idonea est ad virtutem, et doctrinae capax. 
Nam ipse eum audiui et Nicolai fidem in eo regendo probe, 
qui et erudito viro eum commendauit exercendum cum aliis 
auditoribus, quorum consuetudo filio tuo prodesse potest. et 
filii studia inspiciam. In tantis imperiorum tumultibus oro 
filium dei, ut suara cymbam, ecclesiam videlicet et in ea doctrinae 
lucem et disciplinam conseruet, quarum optimarum rerum cura 
utinam principes sie adficerentur, ut salutaria remedia, non 
uiolenta vulneribus Ecclesiae qusererent et imitari mallent Samari- 
tanum illum, qui viatori saucio medetur longo aliter, quam qui 
ferro aut igni membra corporis integra corrumpunt, sed spere- 
mus et expectemus auxilium a filio Dei. Bene vale, die 
8. Aprilis. 

Philippus Me lauthon. 



1 Cod. Pal. Viiid. 9737 h. Nicht von Molanthons Hand. 

2 Cf. Melanthons Opera X. 487. Theocnt 26, 32. 

3 Psalm. 111 — 2. 



314 Horawitz. 



XII. 

Philippus Melanchthon Sagtt Dem Johann Silberborn seinen 

grus. ' 

Deynen brieff dariun du mier der Franczosenn Studiern 
lobest hab ich mit g-rossem last gelesenn. ünnd freuet mich 
laicht weniger mit den künsten selbst, dann mit den Frantzosen, 
das In diesem Elenden Unfriedt Welisch vnnd deutsch Landes 
die Künste Irgendt ein fridlich ortt und gleich eynn gewysse 
Wonung vberkomenn habenn. Das du aber von mier begerst, 
dier etwas von dem Augspurgischenn Reichstage zu schreiben, 
Wiewol mier dieselbigenn sachen gedechnus gar nicht lustig 
ist , Jedoch damit ich nicht die fromsten man vndienstbar 
gesehenn werde, wil ich Deinen Willen wiltarenn vnd wie der 
poet spricht: der anfangk soll seinn vom Jupiter, also wollenn 
wier anfangen vom Kayser, dan in dieser Versamlung habe 
ich nichts loblichers erkendt, dan die Historia des Keisers. 
Es hatt ohn Zweifel bey euch gros Verwunderung sein stete 
glückselikeit, dis ist aber noch weidt wunderlicher vnd eher- 
licher (?), das ehr In so grossen glück vnd Wolfartt, so Ihm 
alle dingk nach seinem Willen vergehen, solche messikeitt des 
gemütlis behaltett, das man an Ihm nicht spüren magk in eiiii- 
chen Wort oder werck, das ehr ein wenig stoltzer wehre. Wel- 
chenn Kaiser oder Kunnig kanstu aus den Historien antzeigen, 
den glückliche dingk nicht verwandelt habenn? In diesem 
einigen hatt des glucks gunst nicht mögen das gemuth vonn 
seiner StandhafFtikeit abwerfenn, kein begier, kein zeichen der 
hoffart, oder der grausamkeitt mag an Ihm gemergkt Werdenn. 
Den Das Ich andere Dingk sehauenn lass Ihn dieser sach des 
glaubens , darin er widder uns von den Widdersachern mit 
wunderlichen listen Wirdt angetzundt Iladt ehr bisher die 
vnsernn freuntlich gehört. Aber sein Innerlich (?) leben ist 
vol aller «"rlichsten Exempeln, der Keusclieit, messekeidt vnnd 
Sparsamkeit. Die Haustzucht, welche vortzeiten bey deudschen 
Fürsten Gantz ernstlich Wass, wirt itzt allein vnther des Kay- 
sers liofl'gesindt gehalten, darumb kau kein Vnfromer sich 



3 Cod. Tal. Vind. 9737 h. 



Beiträge zn den Samminngen von Briefen Ph. Melanchthons. 315 

einineng-en Inn seinen dienst, zu Freunden g-ebrauclit ehr alleinn 
fürtrefFlicher männer, Welche ehr selbst vmb der tugent Willen 
mit erkentnuss erwehlet vnnd wie man sagt, das Kaiser Ale- 
xander sonderliche gefallen gehabt hab am beywonen Vlpiani, 
Des Juristen also hör ich, das vnserem Kaiser der aller ge- 
haimste gewest der fromste vnd weiseste man vnd gantz ein 
ander Ulpianus, ' daraus magstu nhu abnehmen vom wyllen 
vnd sitten des Kaisers. Dan es ist ein Her dermassen ge- 
sittet, wie die Jenigen, mit denen ehr vmbgehet. Darumb als 
ich den Kaiser habe angesehenn, gedaucht mich, Ich sehe einen 
aus den lobligsten Heldenn vnnd Halbgotternn, die Vortzeitten 
vnter den menschen, als wier glauben gewont habenn, vnd habe 
geachtet, das viel wahrhafftiger Im Gebüere, das Oracius vom 
Kaiser Augusto geschrieben hatt, Dan demselbigen, Wie fast 
ehr ist ein from vnnd löblich fürst gewesen, Nemlich also 
,das gestirn vnd die fromen gottern haben dem erdtreich nichts 
grosser noch bessers gegebenn , dann diesenn. 2 Vnd Werdens 
auch nicht gebenn, obgleich die alten güldenen zeitten widder 
kemcn'. Diese dingk habe ich vom Kaiser zu schreibenn ge- 
habt, die mir zu gedencken lustig wahren. Vnnd achtet, sie 
wurdenn dier auch lustig Averden. Den wehr solt nicht lust 
habenn an diesem zusamstymmen vnd Vereinigung der aller- 
schonsten thugenden, Zuvoraus in einem so grossen fürsten. 
Die ander Historia des reichstags Hatt ein lange Tragoedia. '^ . . . 



Pragmenta epistolarum Ph. Melanchthonis. ' 

XIII. 

S. D. Locutus sum cum Pontano de illu uegocio, de quo 
consuluisti cum. Js respondit se nihil dubitare quin Cancel- 

' Es ist der Kanzler Mercurinus gemeint. 

2 Der lateinische Text Inutet: 

Hoc nihil maius meliusve terris 
Fata donanere, bonique Divi 
Nee dabiint, quamvis redeant in auruni 
Tempora priscum. 

3 Die Fortsetzung des hier abbrechenden Briefes bei Bretsciineider 1. c. 
II. 481 in lateinischer Sprache. 

■• Alle Fragmeuta sind dem Cod. Pal. Vind. 9737 h. ontnoninicn. 



316 Hoiiiwitz. 

lai'ius Christannns eaflem de re rescriberet, quare nihil opus 
esset, ipsum .... 

XIV. 

S. D. Vestram historiam vidi et non solum placuit mihi 
diligencia vestra, sed eciam opus ipsum, quod meo iudicio hoc 
nomine gratum erit lectoribus doctis et indoctis, quia ordinem 
temporum et res maxiraas tanta breuitate complectetur. 8i . . . . 
excudetur, si mihi permiseritis, interdum quiedam. 

XV. 

S. D. Ut in Republica multa sunt inextricabilia negocia, 
quae ut sanet deus aeternus ; pater domini nostri Jesu Christi, 
oremus, ita priuatorum hominum furores sibi ipsis sepe negocia. 

XVI. 

S, D. Etiamsi non semper colloqui licet, tarnen honesto- 
rum et doctorura virorum , praisertim eorum, cum quibus et 
amicitia et societate sanctissimi muneris docendi coniunctus 
suni, memoriam ex animo effluere non sino. de eo uero sepe 
cogito , quia Ingenium tuum et grauitatem constantiamque in 
onmi officio semper amaui. Et gaudeo, reliquos esse doctrinae 
et virtutis cultores, etiamsi nos .... 

XVII. 

S. D. Cariss. Christophore. Nuper cum in oppido nostro 
essem, literas ad te daturus eram, si ad me terapestive nuntius 
venisset, sed ita eram occupatus, ut postea .... 

XVIII. ' 

S. D. Gratias ago vobiscum deo aeterno, Patri domini 
nostri Jesu Christi, conditori Ecclesiae suae una cum tilio suo 
domino nostro Jesu Christo et cum spiritu sancto suo , quod 
repressit hactenus diaboli furores grassantes adversus Ecclesias, 
in quibus vocem Euangelii sonamus, et incitantes impios reges 
et principes contra nos; quodque nunc armauit dextram Elec- 
toris Saxonici Johannis Friderici et clementer adiuuit ac victo- 
ria ornauit. Nuper mihi quidam scripsit, unum ex ducibus 



' Nach Luthers Tode geschrieben. 



Beiträge zu Jen Sanimlungen von Piiefeii Pli. l[eIaiifbthons. ol7 

Cuppadocis dixisse effossuros se esse Lutheri corpus et obiecturos 
canibus; nominatiin etiaui de d. Pastore et me trucidandis 
dixerunt. (Haec et videt et et curat dominus.) ' 

XIX. 

Gedicht Melanchthons.'-' 

Pauperibus praeg-uans ego sum niedicina sakisque 
Diuitibus splendor, Pontifi(;umque decus. 

Encomion Musicae. 

Musica, tu placidis mulces concentibus aurem 
Moestaque mirando mimere corda leuas. 
Unica tristiciam vario blandissima cantu 
Vincis et excellis voce sonante Deum ; 
Sanctaque diuinis stimulat qui pectora flammis 
Spiritus hac iungit saucia corda sibi. 
nie dedit moestae iucundaque cantica meuti, 
Jussit et hie auimos iubila ferre pios. 
Cantica non igitur cessato pangere, nam sie 
Conuinces summum Candida Musa Deum. 
Atque Deo grates ardenti pectore canta 
Accendens variis anxia corda modis. 



Anhang. 

s. 1. XX. 30. Sept. 1.55G. 

Joachim Camerarius an K. v. Niedbruck. ^ 

S. D. Cog-noui uos a Belgico in Austriam esse reuersos, 
miseram autem literas filii niei Johannis, scriptas ad tuam 
praestantiam (quemadmodum conuenerat), in illa loca, in quibus 



' Ausgewisclit. 

2 Cod. Pal. Vind. 9737 h. Der Zettel, auf dem es geschrieben, ist stark 

verbunden. 
••» Cod. Pal. Vind. 9737 k. 



318 Horawitz. 

te posse reperiri arbitrabar. Sed de tempore eamfacio coniecturam, 

ut literas illas ad te non peruenisse existimem. Ne igitur nobis 

ipse uideremus defuisse, alteras ad tuam Praestantiam literas 

exarare iussi filium meum, eas his inclusi et misi ad Cl. V. D. 

franciscum Crameruin (?) summum nostruni, cuius opera facile 

ad te peruenturas esse scirem. Quod restat, cum uoluntas tua 

mihi perspecta sit, oecasio scilicet est expectanda, quo Studium 

declaretur. De quo oro filium Dei id eueniat, quod primum 

ad ipsius honorem pertineat, deinde pro aliis et nobis prosit. 

Tuam praestantiam quam felicissime uiuere opto. Vale. pridie 

cal. Vllbr 56. 

Joachimus C. 

Adresse : Amplissimo domino genere virtute et sapientia 
praestanti Caspari a Nidbruck, Serenissimae Regiae Rom. Maie- 
statis Consiliario .... domino suo obseruando. 

R. 12. Octob. 56. 

s. 1. XXI. 7. Mcärz sine anno. 

Joachim Camerarius an K. v. Niedbruck. ' 

S. D. Mens filius nuper ascripsit mihi salutera a prae- 
stantia tua et mirari illam significauit, quod ad literas ipsius 
nihil respondissem : Ego vero a T. Pr. unas nuper accepi cum 
indice quorundam librorum, de quibus statim meos percontari 
iussi. Atque expectaui hactenus, ut ostenderes, quid dein- 
ceps tieri uelles. Sum autem paratus pro mea virili inseruire 
praestantiae Tuae, quam bene ualere et beneuolentiam erga 
me suam retinere cupio. Tuaeque praestantiae me et meos com- 
mendo. Vale. Non. Martii 

T. pr. deditissimus 

Joachim. Camerarius. 

Adresse: Amplissimo domino nobilitatc virtute et digni- 
tate praestanti Caspari a Nidbruck et Viro praestantissimo D. 
S. obseruando. 



• Cod. Pal. Vind. 9737 k. 



Beiträge zn den Sammlnngen von Bripfeii Pli, Melanohtlions. ol9 

1. September (1550?) 
s. 1. XXII. 

Joachim Camerarius an K. v. Niedbruck. ' 

S. D. Queniadmodum cum nuper adesses inter nos con- 
uenit, ita curatum est, ut mens filius aliquid literarum ad te 
exararet. poterit igitur huraanitas tua cog-noscere in utraque 
ling-ua scripturam manus ipsius. Caetera Deo et benignitatis 
tuae studio committo. Vale. cal. Septembr. 

Tuae dignitati addictissimus 

Joach. Camerarius. 

Wien? XXIIL 1. März 1553. 

Kaspar von Wiedbruck an Flacius Illyricus.- 

P. S. Quas nona Novembris anno superiori ad me dederas^ 
vir in domino charissime, heri primum accepi, inclusam quoque 
schedulam, quae instituti tui rationem continebat. Deo maximas 
gratias ago et nobis congratulor, quod pios Doctores adeo 
benigne nobis largiatur et conseruet hisce ultimis et periculo- 
sissimis sane temporibus. Non dubito, quin hoc opus et quod 
instituistis, Ecclesiae ac piis sit magno usui futurum et praeci- 
pue eam ob causam, quam ipse refers ad refellendos errores, 
quos isti vetustate temporis palliare conantur. Agnosco, me 
hoc debere et Deo et Ecclesiae, ut ad rerum verarum pro- 
pagationem pro talento conferam nieos labores et Deum precor 
in dies, ut faciat me vas misericordiae et salutare mihi et aliis 
piis. Poterit, quod coepit, perficere pro sua voluntate. Ego 
nullam occasionem praetermittam faciendi officium, Deus det 
succursum. Hactcnus a biennio maximopere delectatus sum 
visitatione et perlustratione bibliothecarum. Inveni quaedam, 
quae tuo instituto forte deseruirent ea collegi et mecum habeo, 
non denego vobis, scribite saltem, cui et qua ratione tute trans- 



' Cod. Pal. Vienu. 9737 k. 

2 Cod. Pal. Vind. 9737 i. Allerdings fehlt dem Briete die Aufsclirift, jedoch 

der Inhalt, sowie der beiliegende Zettel an Gallus beweisen, da.ss der 

Brief au M. Flacius lllyricus gerichtet ist. 



320 Horiiwitz. 

mittantur, qui etiam manixs sint admoturi^ cum scribas, te 
tantuin materiain colligere, alteri scriptionem mandaturus ; non 
unius erit labor meo iudicio et forte necesse, ut multi sint, 
qui ventilatis paleis g-rana colligant. Habuerunt enim et illi 
viri boni, qui scripserunt, humanae ofFuscationis quaedam ' neque 
tarn serena illuxerat superiori aetate veritas, attamen lignum 
fumigans minime sufFocandmn et apium more non venenum, 
quod aranea, sed rorem exsugere oportebit. Qua in re opus 
erit iudicio et delectu, ut liberaliter institutus in doctrina rel- 
ligionis et ueras sententias teneat ad resecandum ea, quae 
parum veritati consentanea videbuntur aut quae infirmos pos- 
sent remorari. Idoneus autem esset, quantum ego existimo, 
Dominus Magister Nicolaus Gallus;^ placent enim mihi scripta 
ipsius etiam hoc nomine, quod multa paucis methodice complec- 
tatur. Ordinem, quem ^ sequitur, ego quoque in Cathalogo tuo, 
saluo uestro et meliori iudicio, probarem. Quod vero ad maius 
illud opus attinet, crediderim secundum materias distinguendum, 
ut primum secundum capita . . . ^ errores circa doctrinam ab anti- 
quis taxati recenseantur, deinde circa ceremonias et ritus, tertio 
aduersus statum ac mores Praelatorum atque Ecclesiasticorum 
a capite ad calcem. nihilominus adiici poterit, quo tempore, 
per quem et ubi scriptum quodque sit.^ Campus erit latissimus 
et miris coloribus depingi pro merito ppterunt. Nam huc refe- 
renda, quae in conciliis a viris piis in medium producta ; articuli 
etiam saniores inserendi, diuersi ritus ecclesiae Grsecorum 
Orientalium atque Occidentalium, quomodo cumulati, quid quis- 
que addiderit de suo, id ex historiis addi possent, et nounulli 
nostra aetate quaedam ediderunt, ut D. Georgius Maior circa 
Missam et alii alia, quae tamen utpote ex historiis antiquis 
desumpta ut antiqua inter vetermu scripta numeranda essent. 

1 Früher stand: eo quod, wurde aber ausgestrichen. 

2 Ueber ihn u. A. P reger, M. Flacius Illyricus (passim) und Melanthonis 
Opera VH. 972, VIU. 102, 915. IX. 519. Gallus, geboren zu Cöthen 
a. 1516, stiub als Pfarrer zu Kegensburg 1570. 

2 Hierauf stand ,in cathologo' was N. später strich, darüber schi'ieb er 

dagegen: sec. tempotum seriem. 
* Von hier an sind die letzten Silben der Zeilen nicht mehr oder nur 

sehr schwer zu lesen, da die Blätter arg verbunden sind. 
•■* Oberhalb des Textes steht von Tengnagels Hand geschrieben: Methodus 

Historiae Ecclesiae. 



Beiträge zu den Sammlungen von Briefen Ph. Melanchthons. 321 

Habet ille quoque, quem noui ; scripta Chronica varia, ubi de 
Pontificum vitis et institutione ceremoniarum hinc inde aliquid, 
Item missam diui Chrysostomi ' verum Venetiis excusa est typis 
g-raece et latine cum versione Pelargi, de hoc tarnen libro vobis 
relinquo iudicium. Tertia pars traetatus cresceret in immensum, 
quia mores dissohitissimos, auaritiam inexplicabilem et nullum 
non pene genus flagitii- superior quoque aetas detestata est, 
quod uaria scripta non tam theolog-icorum, quam et poetai'um 
aliorumque omnium uationum grauamina, querelae, protestatio- 
nes legatorum in conciliis et talia scripta manifestum faciunt. 
Item, quae diversi ordines contra se invicem scriptitarunt, quae 
multi adversus Beghardos, Templarios et eius farinae homines. 
Hie ortus, origo^ tempora fundationis, progressus, exitus, plaga 
diuina in exterminatis iucundum argumentum praeberet, qualis 
nempe nonnullorum fuisset vitae innocentia et quam mortui 
mundae doctrinae ac vita immundi fuerint, ex cujusque ordinis 
regulis, quas tenaciter multi sacris literis praeponunt, recenseri 
quaedam possent, cum breui oppositione ex patrum atque con- 
ciliorum pronunciatis. In hoc opere tripartito (quod ad minimum 
tribus viris doctis sat negotii praeberet) quantum ad primum 
locum attin^t, qui basis esset et fundamentum, possent articuli 
controuersi et a quibusdam Magistris nostris condemnati, post 
unam atque alteram ex sacris literis corroborationem, deinceps 
ex patribus Augustino et aliis piis viris, qui se mendaciis 
opposuerunt, prolixe et sufticienter comprobari, ut videant, 
quid Catholica obseruarit Ecclesia et num recenter (?) sint 
omnia ambitiöse excogitat? . ^ Aliquot doctis' et piis adulescen- 
tibus vel potius illis, qui in disputationibiis versati essent, tales 
doctores perlegendi committautur , cuique saus autor. In quo 
perlegendo quicquid ad praenotatos per vos articulos contro- 
versos spectare existimaret, excerptum vobis disponendum 
traderet. Tentarunt id nonnulli aetate etiam nostra et recenter, 
sed^ minus pleno, nam saniores Doctores Ecclesiae^ legendi 

' Tengnagel schrieb ad marginem : , Chrysostomi Missa', habet ille f|iioqixe 

ist gestrichen. 
- Oberhalb des Textes stehen die Worte : quo in quali (?) semper otiosi 

illi saginati. Wahrscheinlich: sues. 
^ Die Worte: .possot Ililiicanus Pellicanus iitpote versatissimus a multis 

annis in patribus' sind ausgestrichen. 
^ Hier stand früher , multi'. 
Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl. LXXVI. Bd. II. Hft. 21 



322 Horawitz. 

essent, hoc per literas quoque hinc inde apud minus occupatos 
ministros confici posset. Pellicanus ' forte non detractaret ad 
certos articulos ab aliquo illi perscriptos et de quibus con- 
venit inter vos . prolixam ex patribus annotationem. Audio 
enim iu patribus esse versatissimum. Omnium opera ad opus 
tarn varium esset utendum. Quae ille- vir colleg^it, de quo 
uuper scripsi, pauca ■■ sunt , nee potest * hoc tempore ut vellet 
prouidere, nam aliis diuexatus negotiis et temporum perturba- 
tione praepeditus, mauult etiam scriptionem idoneis et exerci- 
tatis iu ea professione commendare. Nihil tarnen remittit de 
officio boni ac pii viri etiam apud alios cum fructu neg-otiandi, 
iu quo precatur quotidie(se) confirmari, id quod et uos per 
Chinstum a Domino rogabitis. -^ Posteaquam autem miseris 
cathahogimi tuum , non desistet per omnes christiani nominis 
regiones tales autores per amicos suos perquirere et collectos*' 
vobis transmittere , si modo certior reddatm*, quod tali operi 
manus serio admovere cupiatis et inceperitis. Habet ille ' 
quoque multa et colligit quotidie, quod potest, in negotio rel- 
ligiouis, quocunque idiomate scriptum a tempore repurgatae "^ 
doctrinae et utriusque partis varia, ea tarnen seruat in aliura 
fiuem, Maximo etiam desyderio tenetur (?) omnemque occa- 
sionem aucupabitur vobiscum ea de re aliquando conferendi. 
Mittit tibi hie responsi loco, quae ipse habet, ea non detrectat, 
si opportune mittere possit, prius tarnen per literas vestras 
certioratus, cui tuto, quomodo tradat, quid, qua ratione trac- 
tandum constitueritis. Quae nondum habet, item quae in Catha- 
logo tuo conscripta vobis deerunt et quae in Scheda scripsisti 



' Tengnagel schrieb ad marginem: Pellicanus. 

- .boiius Paceus' ist ausgestrichen. 

3 Früher stand: perexigua. 

^ ,ut vellet et' ward später gestrichen. 

•' Marginalnote : ut posset, quod proposituni habet, perfcere in domino, con- 
firmetur vera agnitio in cordibus nostris, bisce postremis temporibus , iu 
quibus etiam electi, si possibile esset, a pseuduprophetis decipiantur. — 
,Et ut deus perticiat in uobis quod coepit' ist ausgestrichen. Ich bemerke, 
dass hier überhaupt durch das viele Ausstreichen und Darüberschreiben 
die Schrift schwer leserlich wurde. 

** Früher stand: ,tibi-. 

' Kein Zweifel, da.ss Niedbnick unter diesem ille sich selbst versteht. 

^ Früher stand: restauratae. 



Beiträge zu den Sammlaiigen von Briefen Fh. Melauchthons. 323 

te desyderai-e, non desistet omni studio perquirere, nullis sump- 
tibus, quantum pro exig"uis suis facultatibus suppeditare poterit, 
in hoc tarn pio negotio parceus. 

Vidit etiam indicem librorum, quos Lazius ^ habere dicitur 
et inter omnes forte hoc usui - vobis fore coniicit : Albuini, 
Caroli Magni praeeeptoris, commentarii in Genesim et de 
luysterio sacrilicii Missae aliorumque Ecclesiae rituum expli- 
cationes ad Carohiin Imperatoreni Maguum, Ceeilii Cypriani 
Carthaginensis Episcopi de abusiuis Ecclesiae, Historia 
8aDctorum Joannis Baptiste, Marci, Lucae, Clementis Irenaei, 
Polycarpi, ApoUouicas , Hippoliti , et Cecili Cypriani Cartha- 
ginensis ex archivis Notariorum primae Ecclesiae, Chro- 
nicon universale Pontificum Romanorum et Caesarum, Martini 
Presbyteri ad Innocentium papam, quae desinit in Ottonibus, 
Epistolae Historiales Summorum Pontificum ad Reges Germa- 
norum, Epistolae et fundationes variorum Germaniae cum epi- 
scopatuum tum coenobiorum. Codex (ut in iudice erat) anti- 
quus et utilissimus. -^ De sacrosancta cruce et contra Idolatriam 
incertus autor bono elegiaco. Sperat ille successu temporis 
tales libros, quauis arte, bona tamen et honesta^ se habiturum 
esse. Quicquid taudeni de suo talento conferre poterit, faciet 
ut debet lubens. Q.uod ad ipsum voles '" tradas Domino 
M. Nicoiao Gallo atque ita ex ordine ad ipsum etiam sine ulla 
inscriptione perterreutur commode. Dens aeternus pater Domini 
nostri Jesu Christi gubernet omnia consilia et conventus nostros 
provocatione cujusque ad nominis sui gloriam et rerum vestra- 
rum propagationem et custodiat reliquias per Jesum Christum 
filium suum unigenitum, tcv |j.£7(r/;v xat tx£Tr,v nostrum. Amen. 
Valete in Domino. Raptim ex Musaeo nostro. 1^- Martii 1553. 

Tuus ex animo N. quondam etiam in illa urbe, ubi nunc 
es, probe tibi notus, nunc vero ävövu|j,o;, tui autem omnium piorum 
non minus Studiosus. 



' Tengnagel schrieb an den Kand: Lazii libri alii. 
- ,Apti' gestrichen. 

3 Hier mai-hte Niedbruck ein * als Zeichen des besonderen Werthes. 
^ Früher schrieb er: ,recta'. 

^ Die Worte: ,Mittas Domino Mathesio, hie deinde ad euiu, a quo hasce 
literas accipiet' sind gestrichen. 

21» 



o2-4 Horawitz. Beiträge zu den Sammlungen von Briefen Ph. llelanchthons. 

XXIV. 

Kaspar von Niedbx'uck an Nicolaus Gallus. ' 

(Beiblatt zum vorigen Briefe.) 

Domino Magistro Nicoiao Gallo. 

Doctissime vir et in Domino charissime. Rogo, ut hasce 
ad manus Illyrici - ipse redclas et quod respondere volet tum 
inuolue et obsignatum mittas per certum tabellarium Witten- 
bergam ad dominum M. Paulum Eberum facta super literis 
vestris hac inscriptione : Domino Leopoldo Schwibermair red- 
dantur. Satis erit, si ita inscribas , hie postea tuto curabit 
perferri. 



1 Cod. Pal. Vind. 9737. i. 

- Tenguagel schreibt dazu: Flacius. 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE ÜEK WISSENSCHAFTEN 



PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE CLASSE. 



LXXVI. BAND. III. HEFT. 



JAHRGANG 1874 - MÄRZ. 



SitzuHgsber. d. phil.-hist. Cl. LXXVI. Bd. III. litt. "22 

r 



VII. SITZUNG VOM 11. MÄßZ. 



Der Secretär legt das von dem Herrn Ministerialrath und 
Vorstande des k. statistischen Bureaus Mayr in München an 
die k. Akademie g-esendete Exemplar seiner Statistik des 
bayerischen Unterrichtswesens vor und verliest das Begleit- 
schreiben des Verfassers. 



Sodann legt der Secretär eingesendete Manuscripte vor: 

von Herrn Dr. Carl Rieger ,über eine Urkunde Ludwig 
des Deutschen für das Kloster Rheinau. Ein Beitrag zur 
Geschichte des Kanzleiwesens im IMittelalter', 

von Herrn Adolf Wolf, Custos an der k. k. Hofbibliothek, 
.William Roye's Dialogue between a Christian Father and bis 
Stubborn Son', 

um deren Aufnahme in die Sitzungsberichte die Ein- 
sender ersuchen. 



Vorgelegt wird ferner von dem corr. Mitgl. Herrn Prof. 
Hartel die Fortsetzung seiner ^homerischen Studien^ 



An Druckscliriften wurden vorgelegt: 

Accademia Poutiticia de' nuovi Lincei: Atti. Anuo XXVII, Sess. 1". Roma. 

1874; 40. 
Akademie der Wissenschafteu, Kgl. Pieuss., zu Berlin: Monatsbericht. 

December 187.3. Berlin, 1874; 80. 
Ameriian Academy of Art« and Sciences: Memoir.s. N. S. Vol. IX., Part 2. 

Cambridge, 1873: 4». — Proceedint,'s. Vol. VIII. Sign. 52— (i.S. 8». 

California .\cademy of Sciences: Proceedings. Vol. V. Part. 1. 1873. San 

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90* 



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buch für das Jahr 1872. I. und IX. Heft. Wien, 1874; kl. 4«. 

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Mayr, Georg, Statistik des Unterrichts im Königreiche Bayern, für die Jahre 
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Wisconsin Academy of Sciences, Arts, and Letters: Trausactions. 1870 — 2. 
Madison, Wis. 1872; 8". 



Hartel. Hoinoriscbe Studien. 329 



Homerische Studien. 

II. 

Von 

Professor Dr. W. Hartel, 

conesp. Mitglied der k. Akiideinie der Wissenschaften. 



hjs scheint ebenso umständlich wie unergiebig- zu sein, 
nach den von C. A. J. Hoffmann in den Quaestiones Homericae 
mit so grosser Gewissenhaftigkeit angestellten und jüngst von 
Knös ' mit so viel Fleiss wiederholten und zum Theil erweiter- 
ten Untersuchungen neuei'dings die Erscheinungen des Hiatus 
und Verwandtes nach den Bedingungen ihres Vorkommens zu 
prüfen. Aber es ist nach meinem Dafürhalten unerlässlich, 
wenn man diese Erscheinungen neben den im ersten Heft der 
Studien besprochenen mit beruhigender Sicherheit zur Recon- 
struction eines älteren Sprachzustandes, als die Ueberlieferung 
uns erhalten hat, verwerthen will. Auch werden wir der Ein- 
sicht in die lautlichen Vorgänge und damit einer lebendigeren 
Erkenntniss der Form dieser ältesten Dichtungen des grie- 
chischen Volkes näher rücken, wenn es gelingt, manche falsche 
oder verwirrende Vorstellung zu erschüttern oder aus dem 
Wege zu räumen. 

Bei den weit auseinanderliegenden Definitionen des Hiatus, 
welchen die Einen als das Zusammentreffen vocalischen Aus- 
lautes mit vocalischem Anlaut (Hoffmann S. 53), Andere als 
das Zusammentreffen auslautender kuizer und nicht elisions- 
fähiger Vocale mit vocalischem Anlaut (Knös S. 35) erklären. 



' De flijjammo Homerico Quaestiones. scripsit 1 a n s V i 1 o 1 m n .<» Knös. 
Upsiila universitets Arsskrift 187'2. Ilpsaliap 1872 — 187;-!, 



330 Hartel 

wollen wir nicht erst verweilen. Sie sind rein äusserlieh und 
streifen das Wesen der Sache kaum. Die Beg-egnung zweier 
Vocale in den Versen i^^opa [j.oi evvs-e oder ■K'kdyyjyq z~e<. ist nicht 
mit Verschlussbildung des Organs verbunden, es ist nicht eine 
Trennung, sondern eine Verschmelzung zwischen oi und £, vj 
und £ wahrnehmbar. Hingegen wurde der Zusammenstoss des 
elisionsfähiffen e mit z in dem Verse 



"ö" 



auiap eywv 'TOaxr^vos £A£uao[j.ai, ö^pa oi ui6v 

an dieser Stelle wohl ertragen und zählt zu den allergewöhn- 
lichsten Erscheinungen. Man sieht, die Beantwortung der Frage, 
der Zusammenstoss welcher Vocale und an welcher Versstelle 
mit Rücksicht auf die Homerischen Gedichte als ein unleid- 
licher zu betrachten sei, ist von mannigfachen Vorfragen ab- 
hängig und wird nach dem Ausfall dieser verschieden lauten. 
Indem wir uns mit diesen Vorfragen beschäftigen, sei zunächst 
bemerkt, dass wir aus methodischen Erwägungen hier jene Fälle 
zum Theil vorläufig ausscheiden, wo vocalischer Auslaut mit voca- 
lischem Anlaut solcher Wörter zusammentrifft, die nachweisbar 
oder wahrscheinlich einen Consonanten eingebüsst haben. Dass 
ich in dieser Hinsicht mit den verbreiteten Ansichten nicht 
durchaus übereinstimme, soll hier gleich erwähnt sein und wird 
im Laufe dieser Untersuchungen seine Rechtfertigung finden. 
Der mit vocalischem Anlaut zusammentreffende Auslaut 
kann eine prosodische Länge oder Kürze darstellen und 
als Länge in die Thesis (Senkung) oder in die Arsis 
(Hebung) zu stehen kommen. Der erste Fall, dass ein langer Vocal 
oder Diphthong in der Thesis vor vocalischem Anlaut erscheint, 
ist ein so ungemein häufiger, dass eine sorgfältige Beobachtung 
dieser Erscheinung durch die vier ersten Bücher der Ilias und 
Odyssee^ wie sie von mir angestellt wurde, über die Bedin- 
gungen derselben hinreichenden Aufschluss zu bieten schien. 
Wo es zweckdienlich war, sind ausser den bezeichneten acht 
Büchern die anderen nicht unberücksichtigt geblieben. In der 
überwiegenden Anzahl der Fälle schrumpft die prosodische 
Länge unter dem Einfluss des vocalischen Anlautes zur Kürze 
zusammen (ä'vcpa ij.oi £ wctts - ttz-ocy/O"/) £X£t), nur in einigen wenigen 
Fällen, die an anderer Stelle verzeichnet und untersucht werden 
müssen, erhält sich die Länge. An diesen Verkürzungen parti- 



llomerische Studien. 331 

cipiren die Ausgänge y) y; w w et £u oi ou ai, die wegen ihrer 
Häufigkeit allein in Rechnung kommen können, nicht in gleicher 
Weise, sondern es bestehen gewaltige Unterschiede zwischen 
denselben. In den genannten Büchern findet sich 

ai vor vocalischem Anlaut kurz 705 mal 



Ol 


■>■> 




J1 




361 


11 


ou 


n 


V 


J1 




93 


11 


£1 


?7 


V 


11 




81 


11 


V 


V 


r 


11 




65 


n 


fl 


',J 


)? 


11 




41 


n 


ü) 


V 


11 


11 


11 


30 


11 


n 


V 


„ 


11 


11 


19 


11 


c'J 


^1 


•1 


11 


.-, 


10 


n 



Die Verkürzungen dieser Ausgänge stehen auch nicht 
durchweg im Elinklang mit ihrer Häufigkeit. Darnach geordnet 
tritt allerdings obenan der Ausgang 

at in runder Zahl auf 100 Verse 42 mal, 
dann o: 



^' n 


11 


11 


11 


11 


11 


27 


11 


•^ ,1 


11 


11 


11 


11 


11 


27 


11 


"" ,1 


11 


11 


11 


11 


11 


15 


n 


£t ., 


11 


11 


11 


11 


n 


14 


11 


°'^ 11 


11 


11 


11 


11 


11 


10 


11 


n 11 


n 


11 


11 


J1 


11 


9 


11 


<P :i 


n 


n 


11 


11 


11 


8 


11 


-■^ ., 


11 


11 


ji 


11 


'1 


2 


«1 



Von den fast gleich oft vorkommenden Endungen oi und 
r„ O'J und r„ m und zi findet sich ii 8 mal so häufig als r,, cu 
5 mal so häufig als y), £•. fast 3 mal so häufig als to vor dem 
Anlaut des folgenden Wortes als Kürze verwendet. 

Man sieht also schon daraus, dass allerdings die Häufig- 
keit der Ausgänge bei der Ziffer ihrer Verkürzungen mit in 
Anschhig zu bringen ist, dass es daneben aber wesentlich auf 
die Qualität des Diphthonges oder Vocales ankommt; a-. c. 
£1 O'J haben weit weniger Festigkeit als y; r, (o to. Dieser Unter- 
schied tritt noch bedeutsamer hervor, wenn wir auf die diesen 
Kürzungen entgegengesetzte Erscheinung, die Behauptung der 
prosodischen Länge vor vocalischem Anlaut und zwar in der 
Arsis, also auf Fälle wie ävTiOsw OSuij^'., t.o'k'/S: "cav einen Blick 



332 



Hartel. 



werfen. Aus der folgenden Tabelle ist ersichtlich, wie oft die 
verschiedenen Ausgänge in den Hebungen des Verses vor fol- 
gendem Vocal sich als Längen behaupten. 





(l) 


^ 


?] 


ou 


0) 


ai 


Ol 

i 


£1 


cU 


A 


10 


11 


10 


3 


4 


3 


4 


1 


1 


B 


16 


13 


15 


10 


7 


5 


3 






r 


13 


9 


4 


2 


3 


3 


2 




2 


A 


9 


2 


5 


4 


3 




7 


1 




E 


20 


7 


10 


4 


6 


4 


1 


3 


— 


Z 


9 


16 


9 


4 




1 


1 


1 


3 


H 


6 


8 


7 


1 


1 






2 


1 





9 


7 


4 


4 


7 


4 


3 


1 




I 


10 


6 


18 


4 


14 


4 


4 


4 


1 


K 


7 


14 


4 


2 


1 




3 


2 


1 


A 


15 


9 


12 


2 


8 


4 


6 


1 




M 


9 


3 


4 


5 


4 


1 


2 


1 




N 


21 


13 


18 


2 


3 


6 


2 


2 




H- 


13 


6 


8 


1 


3 




2 


2 


— 





9 


14 


16 


3 


o 
O 


2 


2 


1 


1 


11 


23 


13 


12 


5 


3 


2 


5 




1 


p 


16 


11 


10 


5 


4 


4 


1 


2 




V 


13 


10 


3 


4 


4 


4 


3 




1 


T 


10 


2 


6 


— 


3 


2 


1 




2 


r 


5 


5 


10 


5 


3 


4 


2 


1 


l 


'i> 


10 


7 


9 


5 


2 


4 


4 


1 


1 


X 


6 


14 


7 


6 


2 


7 


2 

1 


3 


1 


w 


19 


8 


6 


8 


8 


2 


4 


3 


2 


ü 


14 


13 


13 


7 


4 


6 


1 4 


6 


2 




292 


221 


220 


96 


100 


72 


68 


38 


21 



Homerische Studien. 



333 



(p 


^ 


n 


Oü 


ü) 


a-. 


0-. 


et 


cU 


a 


10 


8 


4 


4 




1 


1 


1 




ß 


9 


5 


2 


1 










*> 

o 


T 


3 


4 


6 


5 


2 


1 


4 


1 







17 


18 


8 


6 


8 


6 


1 






£ 


8 


3 


4 


5 


2 


1 


2 


o 
O 


1 


!; 


11 


7 


4 


2 


1 


2 


— 


2 




•0 


8 


2 


4 


3 


1 


5 


1 


1 




6 


11 


(3 


6 


2 


4 


5 


1 


1 


1 


r 


4 


1 


5 


5 


4 


2 


6 


2 


1 


X 


9 


5 


7 


3 


3 


5 


3 


1 




A 


10 


11 


9 


4 


5 


5 


3 


1 




V' 


12 


12 


12 


4 


4 


5 


7 


1 


-- 


V 


9 


7 


8 


1 


3 


4 


2 


4 


1 


■^ 


13 


9 


5 


2 


2 


6 


3 


1 




^ 


15 


5 


10 


3 


2 


1 


1 


1 


1 


Tw 


11 


6 


4 


— 


2 


4 


3 


2 




P 


10 


12 


5 


5 


3 


3 


2 


2 


2 


!J 


3 


6 


3 


3 


3 


3 


3 


3 


1 


- 


9 


13 


6 


4 


10 


() 


4 


2 


1 


■J 


6 


4 


2 


2 




2 


1 






2) 

1 


4 


4 


3 


7 


2 


3 






— 


z 


9 


6 


6 


3 


o 


3 


1 


3 


1 


6 


9 


7 


3 


2 


2 






1 


2 


(I) 


9 


20 


11 


fi 


1 


1 


— 


2 


o 

-^ 




219 


181 


139 


82 


69 


74 


49 


35 


lii 


s. 


511 

i 


402 


359 


178 


169 


146 

• 


117 


73 


37 



Wir g-laiiben aber nicht bloss das dürre Resultat unserer 
Sammlungen, sondern die g^esamraten Stellen anführen und was 
die Ausgänge a- o-. i'. betrifft, die Stellen selbst ausschreiben 



334 Hartel. 

ZU sollen, einmal weil bei wiederholter Durchsieht und Berich- 
tigung- derselben die möglichste Genauigkeit und V^oilständig- 
keit angestrebt wurde, und weil es, wie die folgenden Unter- 
suchungen zeigen werden , darauf ankommt , das gesammte 
Material zu kennen, um die aufgestellten Behauptungen an 
demselben, insoweit es nicht hier geschieht, prüfen zu können. 
Die eingeklammerte Zahl bezeichnet die Nummer der Hebung, 
unter welcher der Ausgang sich befindet. 

(p: \ 30 (2), 132 (2), 162 (1), 310 (2), 345 (4), 363 (4), 
441 (2), 447 (4), 578 (2), 593 (3); B 109 (1), 199 (2), 202 (3), 
245 (4), 323 (2), 351 (2), 473 (2), 515 (3), 549 (4), 661 (5), 
723 (4), 743 (2), 782 (2), 793 (3), 812 (2), 861 (2) ; r 28 (4), 
122 (3), 125 (3), 133 (2), 174 (2), 189 (2), 201 (3), 233 (3), 
344 (5), 382 (3), 387 (2), 419 (4), 429 (3); A 87 (2), 87 (5), 
145 (4), 161 (5), 175 (5), 258 (3), 258 (5), 413 (3), 531 (1); 
£ 5 (3), 64 (2), 88 (2), 172 (2), 198 (2), 210 (2)?, 325 (3), 386 
(5), 400 (3), 448 (2), 448 (3), 462 (4), 479 (4), 582 (2), 598 (4), 
650 (4), 829 = 841 (4), 856 (3), 861 (3); Z 15 (4), 40 (4), 
102 (5), 159 (5), 336 (3), 345 (3), 372 (5), 500 (5), 524 (3); 
H 66 (2), 127 (5), 142 (4), 143 (2), 143 (3), 473 (3); 199 (3), 
215 (4), 284 (5), 365 (1), 475 (2), 490 (4), 491 (2), 496 (1), 
514 (3); I 30 (2), 53 (4), 144 = 286 (5), 204 (4), 205 (4), 
253 (2), 439 (2), 620 (3), 695 (2); K 61 (3), 98 = 471 (3)?, 
199 (2), 277 (2), 312 = 399 (4)?; A 47 (4), 140 (5), 273 (5), 
371 (5), 399 (5), 433 (2), 480 (3), 614 (1), 616 (4), 639 (3), 
749 (4), 766 (2), 774 (3), 830 = 846 (3); M 15 (5), 84 (4), 
13S (5), 168 (4), 212 (3), 250 (2), 279 (3), 422 (5), 423 (2); 
N 109 (2), 162 (2), 176 (3), 193 (4), 295 (4), 328 (4), 335 (2), 
376 (3), 382 (2), 460 (4), 465 (3), 496 (3), 526 (3), 528 (4), 
577 (3), 582 (4), 611 (3), 618 (3), (544 (4), 797 (3), 823 (3); 
H 55 (5), 111 (4), 141 (2), 149 (3), 219 (4), 220 (2), 223 (4), 
250 (2), 350 (1), 393 (5), 483 (2), 499 (3), 504 (2); 10 (3), 
76 (2), 142 (4), 238 (2), 525 (2), 551 (3), 567 (3), 698 (3), 
741 (1); n 19 (4), 109 (3), 115 (3), 150 (3), 150(4), 176(2), 
203 (4), 2()1 (4), 295 (3), 320 (2), 385 (3), 402 (5), 451 (5), 
516 (3), 572 (3), 701 (2), 708 (1), 725 = 732 (3), 749 (3), 
784 (4), 848 (4), 861 (2) ; P 54 (3), 72 (4), 137 (4), 141 (4), 
196 (2), 231 (2), 322 (4), 380 (3), 400 (4), 401 (2), 466 (5), 
471 (5), 489 (1), 53(i (4), 699 (2), 706 (4); :i: 53 (4), 85 (2), 



Homerische Studien. 335 

92 (2), 99 (2), 106 (2), 136 (5), 149 (2), 171 (2). 263 (3), 
504 (5), 521 (2), 591 (5), 592 (5) ; T 58 (2), 60 =^ 98 (2), 
81 (3), 89 (2), 99 (5), 107 (5), 250 {4), 291 (2), 324 (5); V 
128 (2), 128 (4), 173 (5), 346 (2), 459 (4); <^ 5 (3), 77 (2), 
193 (1), 256 (5), 281 (4) 282 (4), 389 (3), 445 (3), 599 (4), 610 (3) ; 
X 127 (1), 351 (4)?, 359 (2), 394 (4), 471 (2), 483 (4); W 61 (2), 
87 (2), 151 (2), 187 (2), 265 (2), 267 (3), 335 (5), 416 (2), 
425 (5), 435 (4), 461 (3), 507 (2), 556 (3), 559 (2), 563 (4), 
567 (2), 609 (3), 747 (2), 894 (3); Ö 39 (2), 40 (1), 112 (5), 
210 (2), 210 (3), 271 (5), 279 (3), 291 (2), 347 (3), 487 (4), 
491 (3), 530 (3), 594 (2), 615 (2). — a 21 (2), 136 (4), 186 (3), 
191 (3), 296 (3), 386 = 395 = 401 (3), 411 (4), 426 (5); 
ß 5 (4), 17 (5), 114 (1), 133 (2), 175 (5), 240 (2), 293 (3), 
366 (5), 414 (5) ; y 300 (2), 349 (1), 391 (5) ; S 4 (5), 52 (4), 

106 (2), 136 (3), 162 (1), 166 (3), 272 (3), 310 (4), 335 (3), 
354 (5), 497 (2), 603 (2), 627 (3), 664 (2), 671 {2), 691 (2), 
761 (4); £ 51 (4), 57 (5), 127 (3), 132 (4), 153 (3), 270 (3), 
309 (2), 312 (4); C 2 (3), 4 (5), 15 (5), 46 (1), 67 (2), 75 (5); 
187 (3), 204 (5), 210 (3), 309 (1), 331 (2); v; 123 (5), 124 (3), 
144 {2), 172 (4), 198 (4), 230 (3), 250 (4), 326 (2); 78 (2), 

107 (3), 124 (3), 210 (3), 262 (2), 397 (2), 403 (5), 453 = 
467 (4), 483 (3), 530 (3) ; -. 191 (3), 333 (3), 383 (2), 478 (5) ; 
7. 71 (2), 127 (1), 211 = 253 (5), 235 (3), 359 (4), 368 (4), 
489 (4), 553 (3); a 120 (3), 136 (3), 256 (5), 279 (1), 289 (1), 
415 (2), 459 (3), 490 (3), 537 (3), 577 (3); [j. 15 (4), 80 (3), 
133 = 346 = 374 (3), 161 (3), 251 (3), 281 (3)?, 305 (4), 
388 (4), 429 (5), 452 (4); v 80 (4), 97 (2), 114 (2), 119 (3), 
126 (5), 222 (4), 223 (2), 342 ,(3), 429 (4) ; l 5 (3), 6 (5), 
66 (5), 100 (3), 201 (3), 253 = 299 (4), 275 (3), 298 (1), 
345 (5), 358 (4), 414 (5), 445 (3); o 29 (2), 70 (3), 93 (3), 
135 (4), 149 (3), 181 (4), 200 (5), 22(\ (4), 30() (3), 359 (3), 
372 (5), 444 (3), 466 (3), 520 (3), 534 (2); - 18 (5), 111 (5), 
138 (3), 172 (4), 197 (1), 197 (3), 209 (3), 273 (3), 347 (2), 
419 (2), 442 (2); p 91 (4), 126 (3), 161 (5), 169 (3), 202 = 
337 (3), 236 (4), 297 (3), 327 (5), 506 (3); g 156 (2), 193 (2), 
316 (3); T 1 = 51 (3), 14 (4), 115 (5), 172 (4), 188 (3), 277 (5), 
341 (5), 367 (2); j 1 (3), 19 (2), 130 (3), 171 (3), 205 (2), 
227 (3); ? 27 (5), 54 (3), 252 (2), ^07 (2): / 8 (3), 108 (4), 
117 (5), 126 (5), 169 (5), 200 (5), 291 (2), 393 (4), 462 (4); 



336 



Hurtel. 



tl 57 (5), 153 (5), 185 (3), 219 (3), 223 (4), 252 (2), 259 (1), 
283 (3), 3ß2 (5); o) 34 (4), 86 (2), 148 (3), 157 (3), 263 (3), 
5), 386 (3), 395 (3), 463 (5). 

r^: A 40 (1), 62 (5), 117 (5), 133 (1), 138 (2), 138 (5)/ 
(1), 190 (1), 203 (1), 515 (1), 561 (2); ß 95 (3), 
3), 204 (4), 229 (1), 253 (1), 300 (1), 313 = 327 (4), 
1), 514 (3), 728 (3), 860 = 874 (2); T 24 (2), 42 (1), 
2), 120 (3), 141 (5), 143 (2), 239 (1), 409 (2), 409 (5); 
(2), 441 (5); E 288 (4), 333 (3), 392 (2), 415 (2), 673 (1), 
3), 800 (1); Z 149 (3), 175 (3), 293 (3), 305 (3), 306 (2), 
3), 341 (1), 347 (2), 368 (1), 379 (1), 388 (5), 390 (3), 
3), 457 (5), 460 (3), 509 (4); H 26 (1), 71 (2), 72 (1), 
2), 180 (1), 340 = 439 (5), 469 (3); 31 (4), 139 (2), 
1), 164 (3), 190 (1), 459 (3), 514 (2); 12 (2), 230 (5), 
2), 534 (2), 675 (1), 698 (1); K 39 (2), 235 = 242(2), 
= 397 (1), 374 (3), 404 (2), 425 (2), 432 (2), 486 (2), 
1), 506 (1), 534 (2), 536 (2); A 162 (5), 171 (2), 220 (2), 
3)?, 467 (2), 690 (4), 821 (1); M 35 (4), 216(1), 305 (2); 
8 (6), 308 (1), 308 (5), 309 (1), 319 (4), 389 (5), 426 (1), 
2), 543 (4), 589 (5), 633 (2), 754 (3), 815 (3) ; S 78 (2), 
2), 175 (5), 248 (4), 249 (4), 498 (4); 25 (3), 105 (1), 
1), 266 (4), 271 (2), 373 (2), 502 (5), 506 (1), 510 (1), 
2), 543 (3), 605 (5), 614 (3), 626 (3); n 12 (5), 30 (1), 
3), 341 (4), 43S (1), 438 (2), 482 (5), 545 (1), 590 (5), 
3), 648 (1), 651 (1), 856 (4); P 5 (3), 24 (3), 78 (2), 
4), 227 (5), 445 (1), 528 (3), 543 (5), 591 (4), 632 (2), 
4); 1 19 (4), 22 (4), 47 (3), 54 (3), 180 (2), 219 (4), 
;2), 287 (1), 405 (4), 429 (2); T 56 (2), 91 (4); T 139 (1), 
2), 251 (2), 474 = 480 (3); ^ 62 (1), 81 (3), 106 (4), 
2), 113 (1), 137 (3), 156 (3); X 80 (3), 109(2), 164 (3), 
3), 234 (3), 244 (3), 2m (4), 276 (3), 301 (2), 362 (4), 
2), 405 (4), 430 (3), 481 (4); W 79 (3), 83 (1), 136 (4), 
3), 445 (1), 542 (4), 591 (4), 598 (2); ö 53 (1), 139 (2), 
1), 221 (5), 241 (1), 383 (1), 408 (1), 584 (1), 602 (4), 
5), 747 (3), 761 (4), 785 (3). — a 45 = 81 (4), 74 (2), 
1), 167 (2), 331 (2), 383(4), 409(1)?; ß 26(3), 268 = 
401 (3), 273 = 318 (3) ; y 82 (3), 234 (1), 251 (1), 293 (3) ; S 29 (1), 
31 (5), 184 (3)?, 283 (1), 314 (2), 338 (2), 444 (2), 643 (5)?, 
641 = 660 (4), 710 (1), 713 (3), 744 (1), 764 (2), 790 (1), 



145 

144 

368 

102 

A189 

740 

311 

412 

179 

140 

409 

310 

504 

298 

N 17 

446 

107 

132 

511 

339 

612 

112 

686 

268 

173 

111 

224 

374 

228 

221 

732 

165 



Homerische Studien. oSi 

821 (1), 821 (5), 834 (1); s 279 (4), 334 (2), 392 (3); Z 103 (5), 
107 (4), 110 (2), 132 (5), 141 (3), 143 (1), 183 (1); v) 18 (2), 
2G8 (4); 6 148 (1), 188 (1), 203 (5), 491 (2), 509 (1), 571 (3); 
i 274 (5); y. 29 (3), 52 (1), 137 (3), 228 (3), 275 (2); X 51 (3), 

175 (1), 179 (1), 332 (1), 348 (3), 387 (3), 415 (2), 493 (1), 
495 (1), 540 (2), 548 (2); [x 18 (3), 27 (1), 27 (2), 91 (3), 110 (5), 
118 (3), 154 (3), 17C) (3), 209 (5), 235 (3), 326 (4), 378 (2); 
V 235 (3), 243.(3), 247 (2), 275 (1), 383 (3), 418 (1); ^ 37 (2), 
59 (3), 70 (3), 215 (4), 223 (3), 255 (3), 287 (2), 384 (5), 
398 (2); 106 (3)?, 350 (1), 441 (5), 511 (1), 547 (4); t. 74 (1), 
76 (1), 76 (2), 148 (3), 363 (4), 384 (1), 424 (1), 463 (2), 
p 37 (3), 129 (2), 157 (4), 158 (2), 237 (4), 279 (2), 309 (1), 
313 (3), 378 (1), 477 (4), 478 (5), 531 (1); g 42 (4), 91 (1),, 
207 (2), 257 (2), 269 (2), 284 (4), 333 = 393 (1); x 46 (3), 
54 (3), 72 (1), 84 (1), 168 (2), 192 (3), 267 (1), 270 (2), 522 (3), 
528 (1), 528 (2), 601 (2); 'j 12 (1), 169 (2), 270 (4), 340 (5); 
? 53 (3), 140 = 256 (4), 194 (1), 197 (5), 284 (1); / 45 (2), 
97 (5), 159 (1), 206 (3), 246 (2), 251 (2), 334 (1); 'b 86 (2), 

101 = 169 (3), 136 (1), 186 (5), 218 (3)?, 220 (2); to 20 (3), 49 (2), 

102 (3), 109 (1), 193 (1), 245 = 249 (4), 246 (3), 264 (1), 
291 (5), 299 (4), 315 (4), 328 (2), 389 (3), 404 (1), 462 (1), 
473 (4), 503 = 548 (3), 545 (3). 

Xi : A 24 = 378 (3), 155 (3), 203 (3), 351 (3), 418 (3), 
430 (2), 460 (5), 572 (2), 585 (2); B 4 (2), 6 = 254 (3), 
111 (4), 162 =: 173 (2), 395 (3), 423 (5), 471 (3), 658 (4), 
700 (5), 708 (3), 722 (3), 765 (4), 787 (5); V 192 (3), 244 (4), 
349 (3), 445 (3); A 64 (5), 175 (3), 400 (4), 462 (5), 483 (3); 
E 97 (3), 207 (4), 209 (2), 209 (3), 240 (4), 446 (3), 543 (5), 
686 (3), 712 (5), 781 (4); Z 13 (5), 87 (3), 124 (4), 210 (2), 
210 (5), 225 (3), 315 (3), 377 (1), 516 (4); H 18 (5), 113 (4), 

176 (3), 198 (3), 221 (4), 335 (2), 383 (3); 6 229 (1), 237 (2), 
355 (3), 448 (4); I 18 (4), 143 = 285 (5), 148 = 290 (4), 
172 (3), 187 (3), 226 (3), 319 (3), 332 (2), 389 (3), 472 (4), 
491 (5), 555 (3), 556 (3), 565 (1), (113 (2), 618 (3); K 367 (2), 
374 (2), 568 (3), 570 (3); A 90 (2), 158 (3), 174 (3), 222 (3), 
297 (3), 370 (2), 409 (4), 468 (5), 574 (2), 614 (3), 640 (3), 
672 (3); M 252 (3), 438 (2), 452 (3), 463 (2); N 40 = 80 (3), 
121 (3), 242 (3), 314 (2), 314 (5), 408 (1), 433 (5), 442 (5), 
449 (2), 450 (5), 4^3 (4), 522 (5), 684 (4). 713 (:{), 728 (3), 



338 



Hiirtel. 



812 (4), 834 (3); S 67 (1), 105 (2), 261 (4), 272 (2), 273 (2), 
290 (3), 365 (2), 387 (3); 18 (2), 26 (3), 32 (2), 46 (1), 
106 (3), 111 (4), 186 (4), 283 (3), 295 (5), 317 (2), 392 (3), 
597 (2), 624 (4), 631 (3), 640 (4), 695 (3); n 147 (4), 264 (2), 
413 (3), 451 (5), 461 (3), 567 (5), 579 (3), 643 (3), 648 (5), 
650 (3), 751 (4), 788 (5); P 45 (3), 105 (2), 266 (4), 267 (4), 
324 (3), 394 (5), 430 (4), 583 (3), 641 (2), 701 (2); S 117 (3), 
330 (3), 497 (3); T 50 (3), 50 (4), 52 (5), 180 (2), 249 (3), 
282 (5); T 162 (4), 168 (2), 188 (2), 245 (3), 312 = 322 (2), 
378 (3), 391 (2), 395 (3), 496 (5); O 71 (2), 72 (2), 77 (5), 
207 (5), 390 (2), 392 (5), 396 (2), 557 (2); X 58 (2), 152 (3), 
176 (2), 247 (4), 404 (4), 470 (5), 477 (4); W 165 (2), 210 (5), 
289 (5), 542 (4), 857 (4), 893 (4); 21 (2), 76 (4), 86 (3), 

116 (4), 125 (5), 272 (3), 280 (5), 300 (5), 391 (4), 438 (4), 
699 (5), 774 (5), 787 (2). — a 50 (3), 137 (3), 432 (3), 442 (2); 
ß 37 (2), 99 (2); y 106 (4), 156 = 164 (3), 291 (5), 399 (5), 
457 (5); 53 (3), 130 (3), 251 (5), 342 (5), 343 (4), 605 (2), 
646 (2), 844 (4)5 e 32 (3), 337 (4), 485 (3), 488 (4); ^ 70 (5), 
76 (3), 79 = 215 (3); •/] 173 (3), 216 (3), 277 (2), 345 (5); 
6 80 (3), 156 (3), 206 (3), 337 = 342 (5), 420 (3); i 83 (5), 
505 = 531 (4), 509 (5), 552 (4); x 24 {2), 24 (5), 79 (3), 

117 (4), 369 (3), 408 (4), 465 (3); X 43 (3), 159 (4), 410 (3), 
417 (5), 460 (5), 499 (5), 583 (3), 614 (4), 633 (3); [j. 26 (5), 
51 (3), 162 = 179 (3), 189 (5), 211 (3), 288 (4), 349 (2), 
360 (5), 411 (5), 452 (3); v 10 (5), 25 (4), 134 (4), 135 (3), 
256 = 260 (5), 408 (3), 408 (5); ^ 253 = 299 (3), 329 (3), 
497 (3), 533 (3); 93 (2), 127 (1), 136 (3), 157 (5)?, 206 (3), 
231 (2), 301 (3), 321 (2), 365 (1), 385 (1), 443 (3), 482 (2); 
r. 1 (3), 50 (4), 138 (3), 229 (4); p 37 (5), 92 (3), 133 (5), 
134 (4), 443 (3); a 53 = 81 (3), 367 (3); x 54 (5), 84 (3), 
92 (5), 144 (2), 184 (3), 259 (2); u 176 == 189 (5); ? 552 (3), 
366 (5), 390 (3); x 73 (3), 183 (1), 244 (4), 301 (3), 429 (2), 
469 (5); d> 186 (4), 186 (5), 239 (2); co 104 (4), 115 (2), 134 (2), 
193 (3), 193 (4), 226 (5), 231 (4), 266 (4), 286 (2), 286 (3), 
314 (3). 

00 : A 114 (3), 381 (2), 496 (2); B 134 (5), 229 (3), 268 (3), 
621 (3), 659 (4), ()90 (3), 706 (2), 803 (5), 839 (4), 877 (4); 
r 100 (5), 428 (3); A 376 (4), 382 (5), 421 (2), 423 (4); 
E 178 (5), 322 (3), 545 [2), 612 (4); / 8 (3), 160 (3), 355 (5), 



Homerische Studien. 339 

480 (2); H 210 (2); 368 (5), 473 (3), 538 (2), 549 (3); 
I 64 (2), 106 (2), 107 (2), 219 (2); K 138 (2), 519 (5); A 323 (5), 
752 (2); M 97 (4), 129 (3), 182 (3), 335 (5), 392 (5); N 284 (2), 
419 (4); S 246 (2); 383 (2), 531 (4), 705 (3); n 581 (5), 
605 (2), 699 (2), 700 (5), 724 (4); P 21 (3), 228 (5), 372 (2), 
596 (4), 627 (4); Z 210 (3), 316 (4), 390 (3), 499 (3); 

Y 181 (3), 207 (5), 279 (5), 300 (5), 327 (4); $ 69 (5), 476 (2), 
526 (5), 553 (5), 598 (4); X 91 (3), 135 (3), 135 (5), 430 (4), 
500 (4), 505 (4) ; W 17 (4), 379 (3), 391 (3), 424 (2), 472 (3), 

481 (2), 748 (5), 796 (5); Q 4 (2), 28 (5), 214 {2), 322 (4), 
416 (4), 598 (2), 747 (4). — a 24 (3), 69 (5), 162 (3), 253 (5) ; 
ß 53 (2); Y 393 (1), 420 (4), 431 (2), 432 (2), 485 (4); o 45 (3), 
160 (4), 189 (1), 537 (3), 714 (2), 839 (5); s 320 (4), 326 (5), 
350 (3), 393 (4), 399 (5); 'C 20 (2), 326 (2); y] 21 (3), 23 (2), 
84 (3); 6 404 (5), 565 (2); i 275 (5), 312 (3), 411 (5), 503 (2), 
516 (2)5 y, 81 (4), 315 (3), 367 (3); X 109 (2), 238 (2), 289 (2), 
414 (3); [x 220 (3), 261 (4), 323 (2), 358 (5); v 173 (2); 
? 202 (3), 359 (3); o 55 (3), 193 (4), 496 (2); xO; p 160 (5), 
339 (3), 339 (4), 371 (3), 602 (5); a 156 (2), 191 (3), 196 (5); 
T 179 (5), 243 (5), 489 (2), 564 (5); u 295 (3), 369 (5); 
9 108 (2), 211 (2), 216 (2), 244 (5), 254 (2), 262 (5), 313 (S), 
375 (2); X 140 {2), 236 (4), 335 (2); <]/'90 (2), 90 (3); w 42 (3), 
97 (2), 195 (3), 408 (5), 425 (1), 531 (3). 

(o: A 1 = 322 (5), 74 (1), 119 (4), 574 (2); B 34 (2), 
185 (3), 231 (4), 250 (1), 382 (4), 679 (3), 822 (4); r 177 (3), 
218 (3), 415 (3); A 41 (2), 305 (3), 307 (3); E 60 (2), 153 (3), 
244 (3), 464 (1), 534 (2), 554 (4); H 433 (3); 6 13 (3), 
16 (3), 286 (3), 290 (3), 332 (4), 429 (4), 483 (3); I 103 (3), 
105 (3), 120 (2), 149 = 291 (3), 158 (2), 160 (3), 166 (4), 
192 (3), 199 (4), 314 (3), 345 (3), 388 (3), 391 (3); K 55 (3)5 
A 180 (2), 231 (3), 389 (2), 430 (1), 461 (3), 618 (5), 651 (2), 
796 (3)5 M 73 (3), 99 (4), 205 (3), 215 (3)5 N 201 (4), 421 (4), 
735 (3)5 E 126 (1), 377 (3), 395 (5)5 31 (3), 64 (2), 519 (2)5 
n 269 (5), 631 (1), 653 (5); I' 17 (2), 108 (3), 195 (2), 228 (3)5 
1 93 (5), 163 (4), 387 (3), 388 (4)5 T 49 (3), 138 (2), 187 (3)5 
r 85 (2), 97 (1), 122 (2)5 <I> 125 (4), 399 (3)5 X 91 (3), 
467 (3)5 «J- 7 (2), 405 (2), 434 (2), 490 (3), 543 (1), 667 (2), 
692 (4), 727 (3)5 Q 406 (5), 431 = 448 (5), 509 (3). — 

Y 137 (3), ISl (2)5 a 36 (4), 61 (3), 186 (5), 376 (3), 



340 



n a r t e 1. 



410 (3), 536 (3), 555 (3); t 91 (3), 484 (3); E; 286 (3)-, 
■n 243 (3); 75 (5), 229 (3), 375 (3), 542 (3); t 263 (3), 
505 = 531 (3), 430 (2); y. 289 (3), 387 (4), 512 (3); X 52 (2), 
363 (1), 467 (5), 478 (1), 596 (2); |.. 17 (2), 25 (4), 26 (2), 
378 (5); V 304 (3), 344 (3), 372 (3); ^ 510 (1), 533 (5); o 
402 (3.), 475 (1); r. 104 (5), 236 (2); p 23 (4), 152 (5), 390 (2); 
G 24 (5), 95 (3), 265 (1); t 115 (1), 134 (1), 165 = 262 = 
336 = 582 (5), 167 (3), 171 (3), 224 (3), 336 (5), 376 (3); 
? 262 (5), 319 (3); -/ 167 (3), 168 (3), 185 (2), 325 (1), 339 (5); 
<]/ 91 (2), 130 (3); 0) 15 (5). 



at 



A 151 
230 

239 



B 13b 
451 
554 
590 
809 

r 40 

119 
120 

E 54 
483 
486 
833 

Z 510 

e 40 
58 
229 
261 
64 
341 
402 
487 

A 415 
525 



-A. i..rr 



I 



£A6£.a£va'. -I^ (3) 598 

a':;oatp£'ÜaOai, öq (3) 758 

sipuaiai- Se toi (3) N 319 

£y.Ti£pca'. £U (3) 356 

t£va'.- ev Ik cOivoc (3) 369 

xoqxv^ca'. T-ttoj; (2) 464 

-icxzdx: 'EXirqq (2)? 559 

■miXai, h. S' i'aouTO (4) 585 

£[x£vai aYajjLO? (4) 267 

livai, -/jo' (4) 290 

oia£[j.£var o r ap' (2) U 328 

£/.f(ß3X(ai, ^aiv (3) 359 

[j,ay-^3acr9a'.- a-ap (3) P 28 

a[A!JV£!i,£V3t'. üptGC. (5)? 112 

p.a/v5C£76a'., aiip (3) 433 

aicciv-«'.- o' (3) 657 

|ji.u0£oij.ai- iOdXto (3) S 47 

Z'jXai, £X S' £(JTJTO (4) 53 

£UXO)Xat, CT£ (3) 116 

ATp£Toai, Ayaijiixvwv (3) 465 

£pa-ai £-•$•/; [xi'sj (3) T 129 

ATp£Toai; £-£( (2) 183 

exT^cOai, t\) (3) V 171 

i£va'. cy-' (3) 222 

c£ja)VTai- o' (2) 225 

cpivcvTa'. £t:i[jl{; (3) 253 



Bpöiffat, ^Y°'' (2) 
y.£xX-riTa'., cÖ£v (2) 

£Vf;:pv;7a'., 3t£ (3) 

äX£^£JJ.£Vat aX££tV£ (5) 

3a)7£jj.£vai- ö §£ (2) 
a[XJV£;ji,£va'., £l' 7r£p (3) 
ay,ovp!(jGa'., T,i (3) 
axovTi'tjaat, S B' (3) 
ai(j(jOv-a'.- (d) 
xat eaawaev (5) 
ay.ovTt(jTat Afi-iawoapcj (3) 
ay.ov-((j(ja'.- ö Si (3) 
zhfpfjvai cikoyz^t (2) 
xa)^vouTat, aixwv (2) 
levai ou- (3) 
i£vat w? -'.; (2) 
xal 'lävaaaa (5) 
axo'joycai, oa' (3) 
xeXisai r^'' (3) 
a-oxp'j'|a'., 5t£ (3) 
£X£'Jc:£crOai Atyjv (3) 
äzapicaaffBai, ot£ (3) 
;xacTi£Tat, ££ o auTOv (2) r 
aYaXXö[JL£vai ataXyjci (5) 
\i~o-A!j(ji\}.vtoL\. i'ey.o-'t (3) 
XoXa)(ja(ji.£vat £pioo^ (3) 



Homerische Studien 



341 



335 T/xy(j)pr,ay.'.. c-z (3) 
<I> 397 2'j-ä[xcva'., od)-r, (2) 

411 £[j,£va'., o-i (3) 

442 [xs[ji,vY;a'., c(7a (2) 

501 S'JxscOat £|j.£ (2) 
X 114 i)T.cc'^(ii[i.X'. 'EA£vy;v (3)? 

118 a-oBaaccCÖat, c^a (3) 

127 :api!^£|j.£vai, a-£ (3) 

184 i):Moij.ol:- EÖiAo) (3) 

200 O'jvaTa'. 'j-ooe'jya.iv (3) 

206 t£.a£va'. £7:1 (3) 

366 T£A£aa'. y^o' (3) 
q-520 oüpaTa-.- c oi (2) 

720 CGV-Aa-. cüssi (4) 
Q 60 y.ai aT-r/iXa (2) 

167 [j.'.|j-vr;cy.c;j.£va'., ot $•/] (3) 
199 Uva-. £X': (2) 

369 aza;j,uvaaöa'., ote (3) 

570 "/.at air^v (1) 

646 £v6£[j.£va'. o'jAac (3). 
a 83 voTT^sai X)o'JG-^a (2) 
Y 283 y.u,3£pv^sa'., b-ö-.e (3) 
c 38 7Z£58a'. koi TJ-C,) (5)? 

283 £;£AO£p,£vat •/) (3) 

299 £vO£p.£va' ouAac (3) = r, 338 

608 7.£y.A':aTai- IMv.r, (3) 

636 0"<^A£'a'., jzi (3) 

779 'ivai £7:( (2) 

£ 277 -CVT07:0p£'J£(J.£Va'. £-' (3) 
i, OO £V-UV£a'., £-£'. (2) 

168 Y'Jvat, aYa[^.a'. (2) 
r, 36 a)/.£Tat w; £-. (3) 

126 ä5'.£Tf7X'., £-:£pa'. (3) 

129 y.p-^va-., •/; [jisv (3) 

164 £z'./,p'^7a'., Vva (3) 

6 12 Uvai, cc^pa (3) 

139 cj^f/rjai, £t (3) 

180 !j.jO£Ta'., xü: (3) 

263 -pwÖYjßai isTavTO (2) 



525 xa; wp£7a'.v (7£/.££S7' Var.)(2) 
i 110 vcpi0al V]3' (3) 

274 x£X£at r, (3) 
y. 22 -a'j£[ji,£vai i^o' (3) 

192 avv£i;-ai- äXX' (3) 

208 i£vai, äixa (2) 

295 E'irai^a'. w; te (3) 

407 ?£vai ird (2) 
A 113 y.at £Tapc'.c (2) 

114 veTai, oAEaai; (3) 

161 xat £-ap=i; (2) 

432 £X£65£s6a'- T, o' (3) 

456 y.aT'.(;y£[A£vai- £t:£i (3) • 

542 axvj[;.£vai, d'povTO (3) 

[X 63 XiW/;ai £Tapo'Jc (3) 

140 xal Ixapoic (2) 

163 Xi'ijffioy.ai 'jixiocq (3) 

349 oXIaai, £-•; (3) 

367 i£vat e-Ki (2) 

V 65 Y)Y£'tcOai £7cl (2) 

112 isip/ovtai, aAA' (3) 

129 £aO[J.it, CT£ (3) 

327 aYop£'j£[j.£va'., i'v' (3) 
z 117 oOi-Oa'. 'AYa[;.£[j.v:voc (3) 
152 v£T-at 'Oojj£'j; (2) 
195 oaivjcOai a-iovx' (2) 
384 £A£67£rOa'. -J^ £? (3) 
397 ?£vai, c6'. (3) 
424 vs7TY;7a' "Goüs^a (2) 
522 £vvu70a'., c~£ (2) 

463 U7:i7/0[J.£Va'.- O C£ (3) 

T 24 ctj'£70a'. ECiajji,r,v (2) 

72 d7:a[j/jvac0ai, ö'i (3) 

287 TcapoajOa-., ctt (2) 

290 y.a-rj/.'.cTai, cggov (3) 

p 42 56£c0ai £5aiJ/r;v (2) 

227 £7:jix£c0a'., aAAä (3) 

378 övosat, cTi (2) 

c 39 \j.xyriijoi.cf)xi- aAAa (3) 



SitzuDgpber. d. phil.-hist. Cl. LXXVI. Bd. lll. Htt. 



342 



Hartel. 



94 sAacai, c'va (2) 

272 saxai, ÖT£ (2) 

363 sTtO'i/ecöai, ^aa' (3) 

6 zapo-acOai, ct£ (2) 

9 /.aTTjy.iaTa'., cgcov (3) 

81 Y'jva-., «7:6 (4) 

168 v/c\).!xv f, väp (3) 

302 0(.7:eaGEi~c(.i- 'dixT^r^q (3) 

562 7:uÄat a[j,£vr(Vwv (3) 

123 äYp6[j.£vai av£[jLaiov (2) 



239 voaTYJcai 'Ooua^a (2) 

f 23 6y;A£ia'., uttö (3) 

133 a-ai^üvacOai, c~£ (3) 

204 voGTr^GX'. 'Oouc-?)a (2) 

■/ 116 a(i,'jv£sÖai £!jav (5) 

289 £7:i-p£'}ai, i-Kzi (3) 

372 xai £o-awtJ£v (5) 

425 Tioucai out' (3) 

M 58 xoijpat «Atoto (4) 



Ot 



A 42 

64 

443 

563 

B 492 

542 

776 
r 278 

299 
A 63 

67 

242 

471 

E 37 

Z 421 

18 
177 
270 

1 245 



405 
501 

K 291 
420 
505 

A 72 



Aavaol i\i.(i (3) 


75 


s'lTöOl, OTl (2) 


91 


cot aY£[J.£v (2) 


395 


£[j.ol £a£at (2) 


699 


0301 u-o (4) 


801 


OOOI, 2X'.0£V (4) 


M 138 


£p£-T6[i.£V0t £A£Ö6p£T:T0V (3) 


141 


Ol U7:£V£pO£V (4) 


N292 


TUpÖTcpO'. UTiäp (3) 


710 


£[J.Ol- £-{ (3) 


H291 


TrpÖTspot 'JTzip (3) 


479 


72. 235. 271 


277 


ApY£Tot löfj.wpoi (2) 


710 


)sU/.oi w? (6) 


n 35 


Aavaot- £A£ (4)? 


43 


y.acrf/yjToi £cav (4) 


47 


6£o(, hx (1) 


156 


Ol apa (2) 


382 


ߣßAVAOl, ö IX£V (2) 


P 276 


ÖEOi, r,aTv (3) 


2 201 


oT £,a£vai (1) 


276 


riuOoT EVI (4) 


567 


AlSCO[J.£VOt, 0T£ (2) 


T 57 


IJ.y. iOiXouca (2) 


r 74 


•KOA'jy.Ar/Toi ETCaoupo'. (5) 


244 


S^Ep'JOl ■/] (3) 


a>204 


Ajy.o'. lo; (6) 


360 



(zXAOI OU (79 IV (2) 
X£y,X0[JI.£V0l £Tapoi3tv (2) 
cpc-avr/.o'.- o 0£ (o) 
äÖAo^cpot T--01 (3) 
TEip6[j,£voi" oai'yy; (2) 
ava7XÖ[ji.£voi EXiov (3) 
•q 10'. £1(1)? (2) 

VYjXUXtOl WC (6) 

ETapoi, Ol Ol (3) 
ÖEOi, ä'vcpE; (4) 
'ApY^ioi i6[Atopoi (2) 
Aavaoi, £io)? (2) 
icrra[X£voi, iva (4) 

T^AlßaTOl, ÖTl (3) 

T£ipi[/.£voi* oXiyr^ (2) 
oi auTW (1) 
X'jxoi £>; (6) 

l£[J.£VOl' £t:i (3) 

'J7:£p0'j[j.oi £Aov (3) ? 

-£ipÖ[X£VOl" oki'rq (2) 
£'j:;e7T01 £;,£UYIJ|--''^- K,-^) 
rßiOK x-xkx (4) 

£[J.Ol, Ot£ (o) 
Oeoi, äv$p£C (4) 
VT(-U-lOt O)? (6) 

ipeTTTÖfXEvoi i-ivEspi'oiov (3) 
Ti |j.oi £pico; (4) 



Homerische Studien. 



343 





459 


•j-£pot'aXo'. azöXwv-ai (5) 




486 




519 


}(w6(J,£V0l, O'l 0£ (3) 


X 


103 


X 


12 


ot Z-fi -Ol de (2) 




227 




154 


Xaivsot, cOi (3) 




339 


^ 


• 6 


e[;,ol ept'rjpe; (4) 


V- 


24 




13G 


~v.pb\j.vtov o-iÖEv (2) 




57 




276 


£;/3!. apsT^ (3) 




73 




641 


oio'j[Aoi, 3 [xiv (3) 




199 


Q 


328 


h\ofjpö\}.vn<. w; (3) 




257 




590 


etapo». -/js'.pav (2) 




402 




654 


s^siTiOi 'AYa[j.£[ji.vovi (3) 


V 


101 




716 


[J.01 0'jp£uat (2). 




343 


OL 


176 


■jToXXot Iffav (3) 


s 

^ 


171 


T 


126 


•^ -rot £twc (2) 




249 




325 


£[XOl, oT TOI (3) 




460 




471 


£Cö,y.£vor ETCi (3) 





435 




475 


£[xot, d'Ys (2) 




475 





520 Osoi oSpov (2) 


Tl 


248 


£ 


72 


p.aXaxot l'ou (4) ? 




366 




80 


aöävaTOt, ouo' (2) 




390 


f] 


89 


apY'Jpsoi £v (3) 


P 


157 





410 Oeol dTAoxsv (2) 


(J 


252 


l 


77 


Q-r^Qi\).v)0'. avä (3) 




303 




172 


£|j,ol £pv/3p£? (4) 




372 




261 


i£[;.£vo'., aXXrjv (3) 


T 


125 




374 


avopo|j-£or o o (o) 




317 




534 


£AÖO'., cA£aac (3) 




460 




545 


o3ups(ji.£vo'., r,[i.£ac (3) 




464 


7. 


425 


i\i.o\ «[xa (4) 


U 


65 




436 


•^[J.ST£pOt £TapO'. (2) 


X 


252 



oSup6[J,£VOlj 0T£ (3) 

ol \i\o'i ^iXov (3) 
a)v05(ot l'cav (4) 

£7C£'.YÖ[J--V0l a7:0-£|A-£T£ (3) 

Trav^jj.£p'.o'.- 7.[/a (3) 
TO'. bböq (3) 

Q^ÖTzikO'.^ [;.£V (3) 

397 i\).o'. £p{-rip£? (4) 
£[;.ot opiYOVTi;; (2) 
cr^ca[j.£vot ava (3) 
£uaa£X(ji,0'., ot' (3) 

Ol UIOV (3) 

Tl TOt OpXOV (2) 

i\}.o\ epir,ptq (4) 
Ol e/,o6; (2) 

£1 [XOt £0£XOIT£ (4) 

avaßr(7a[7.£voi" £7r{ (3) 

/,£-/,p'.[X£VO'., £^ (3) 

£TCa<J5UT£pof äp.a (3) 
a-'(zip6[).e'>o<., äXX' (3) 

^ TO'. '()0J7£j; (2) 

aöavaxoi, ot£ (3) 
aii^iizoko'. £'(»£pov (3) 
[j,£Y2'"^0'7 ä'[;-sio (3) 
aOavatoi, ot£ (3) 
a[7-<p(TCoXo'. azov{(|iaT£ (3) 
'.y;c:7.[j,£vo'. -^o (o) 
TraOo'.- o' ä'pa (3) 
ßäXo'. ätj^oppöo'j (3) 
Ol rq (2) 



et 



A 44(; xiO£i, o£ (4) 

iiti £iycp£t £p'J[J.a (,>) 
E 104 £1 £T£ÖV Y£ (5) 

= H 423, M 217, N 153, 
375, S 125 

499 <pop££i i£pä; (4) 

717 £1 OÜKO (1) 



Z 126 0ap(j£i, C-' (2) 
H 282, 293 t£X£6£i ^YaOsv (3) 
I 56 ipizv y.--j.p (3) 
62 a-:i|xv^C£t, 0'jO£ (3) 
237 acTpa-Tc'.* "Ky.Kop (2) 
386 -£t'(j£i 'AYaiji|j.vtov (5) 
K 105 £XT£X££i, aacf. (2) 

23* 



344 



Hartel. 



529 
A702 
1 412 
()35 
P 133 

752 

V 102 
tp263 

112 

431 

X 36 

142 
299 

W565. 
850 

Q 154 
156. 
289 
296 

a 404 

Y 122 
£ 112 

364 
398 



A541 

r 206 
351 

Z 409 
411 
454 

H 438 

I 426 
K 438 
ü 213 

II 233 



Ti'ösi, iT.z?,r,zz-o (4) 
a(pi£'. ay,a5(/j[j.£vov (4) 
ßiß/vv'jy.si uTC£p (3) 
c[ioz~'.yßZ'., C£ (3) 

£!;tY]/,£t (O; TIC (2) 

a?£l Aiav-£ (2) 

V'.y.V^(7£'., ouo' (2) 

ai£t 'Ax'A-^a (2) 

'Apk'. £/, O'jjxsv ('Apr^ Var.) 

(4) 

'Ap£i izi'xo'jpoi; ("ApYj Var.) 

(2) 

£7-'lQy.£'., a[J.OTCV (2) 

£';:aia-a£i, £X££'.v (3) ? 

T£r/£'., £[J.£ (3) 

624. 797 t{0£'.- ö 3£ (4) 
TiOci lir^Ta (4)? 

183 ä;£'., £!;0K (2) 
185 X-£V££'. OITZO (3) 
OTpUV£l CTl (2) 

owsci iov (3)? 
a-opaisE'., 'lör/.r^c (3) 
et £-:£6v Y^ (5) 
rjV(0Y£'. a'::o'::£[j.7:£iJL£v (3) 

£-£l S-J (2) 

''Oo'j(;£T xs-aoTÖv (2) 



i; 64 

77 

y; 52 

ö 585 

4 

529 



/. 326 

X 176 

|x 242 

V 35 

164 

219 

328 

^ 164 

130 

p 111 

359 

G 135 

344 

353 

- 95 

356 

X 258, 

460 



xh\ iOEAOJij'.v (2) 

T':0£'., £V (4) 
-£X£0£t, V. (3) 

i-izel cu [/,£V T'. (2) 
vai'öi aTravEuOi (4) 

£'. £T£6v Y* (1) 

t: 300, 320, - 216. ', 

36, w 259. 352 
£X£t, «; (2) 

£X£l, £p,£ (3) 
ߣßp6X£'., 67:£V£pe£ (3) 
'Oouo-eT acTraTTOv (2) 
y.aTa':tpr,v£T iXoLGOiq (3) 
zöesf 3 o' (3) 
£• exeov (2) 
aTiy.xi^£i a).o/ov (3) 

T':e£i, ö o' (4) 

£^IA£'., üq (3) 
B£5£i7:v/',y.£'., 3 o' (3) 
osps'. a£y.XL6ij.£vo;; (2) 
£!:Tr,y.£i £C (2) 
aOsEt o§' (2) 
■i:3c7£'. £rp£G6a'. (2) 
vidici oXiY'')''^-^^20vTa (3) 
. 275 ߣßX-/^x£i, dTAAoc; (2) 
GTSlVet, c6£v (3) 



£ü 



£[jL£\j azö (4) 

C£U £V£y.' (1) 

Zeu äva (1) 

c£u Icojj.a'. (1) 

G£u «oaixap-ojSY; ( 1 ) 

C7£Ü, Ö-£ (2) 

£j apapjTat (5) 

£;x£!j ä7:o[j.r,v((7av:G; (4) 

cO Yj'7y.r,'X'. (5) 

av£j £i;.£e£v (2) 

Z£j äva (1) 



Z 77 C7£U £7C[0£'J0(Jl,£V0'J; (1) 

T (j2 £[jl£j ä-0[ji.r(ViGavTOc (4) 

273 £ij.£iJ äixov-o; (2) 

V 349 ii>.e^ ET'. (4) 

a> 398 £(^.£j (i)ca; (2) 

\ 432 G£ü a-OTEÖvr^Öj-o; (1) 

W14'd £u y-crAr;cav (5) 

789 £(X£D cXiYOJ (2) 

Ü 37 1 Cr£U ä-OAE^Y^GX'.jJ.'. ( 1 ) 

503 'AxiXeij, aÜTcv (4) 
ß 25. 161. 229 iJ.£j 'lea/.Y-c'.oi (3) 



Homerische Studien. 345 

£ 236 £j hxpT,poz (5) 43 i[).zx> iev.T,x'. (2) 

e 462 £!i.cü, 5t'. (2) a 269 i[isx, iziviccp'.v (4) 

'. 517 'Oojcr£0, -va (3) t 460 £u ir/ffX[j,£VO'. (1) 

V 4 'Oouacü, £-£•; (2) X 128 ei» ipapuTat (5) = '} 42 

c 19 c£ii i£%Y3Ti (2) CO 443 (jLcj 'I6ay.7;s'.='. (3) = 454 

p 22 £pxeu, £i.i (2) 

Gegenüber diesen diphthongischen Lcängen ist verschwin- 
dend klein die Zahl der Fälle, wo a ä und mittelzeitiges t in der He- 
bung des Verses vor vocalischem Anlaut lang gemessen erscheinen. 
Cf. : A 187 bpä 'Avaixip/yova (3) v 391 T^sxva ösä, ct£ (3) 

L 276 Naucixäa inctai (3) /. 235 npa[j.v£i(;) £y,'jza- av£[j.'.- 

7.: A 401 ösä, jTUEAJaao (4) (7'{s (4) 

K 290 oTa öea, ctc (3) x 263 v-'wvsa a'jr/^v (3) 

W 770 xXü6' eeä, aYaÖ-/^ (2) 'l 386 cpa £T'. (3) 

t 366 svc|j,a- OijTiv (3) und •/, 322 er^-qizoi., wcte, sowie die 13 Fälle 
mit dativischeni i sind in den früheren Untersuchungen ange- 
führt und besprochen (Hom. Stud. I, 2. Aufl. Berlin 1873. 56 ff.). 

Vergleicht man die Ziffer, welche bei den einzelnen Aus- 
gängen die Erhaltung ihrer prosodischen Länge in den Hebun- 
gen des Verses bezeichnet, mit jener Ziffer, welche ihre Ver- 
kürzung in den Senkungen darstellt, ' so lindet man dass yj 

' Auf je 100 Verse findet sich 
ai in der Senkung kurz 16-96, in der Hebung vor vocal. Anlaut lang 0-536 

0'. - n 7-68, 

ci ,. „ 1-72, 

ou „ „ 1-98, 

£u „ . 0-21, 

tu „ „ 0-64, 

0) „ „ 1.38, 

T) „ ,, 0-87, 

n . r, 0-40, 

Mit diesen Ergebnissen stimmen Hoffmann's Sammlungen, so weit ich 
sehe, genau. Hoffmann zählt S. 58 zwar in der ganzen Ilias, also in 
15.693 Versen nur 38 Verkürzungen des r,, das gäbe auf 100 0-24:-2, aKso 
die Hälfte unserer Ziffer. Aber er hat an dieser Stelle bloss die Nomi- 
nalendung 7j im Auge. S. 69 finden sich zum Theil die übrigen Stellen. 
Für u) zählt Hoffmann in den ersten 12 Büchern der Ilias, also in 7619 
Versen, luö Verkürzungen; das gibt auf 100 138 in genauer Uoberein- 
stimmung mit un.serer Tabelle. Diese Ergebnisse werden nit-ht alterii-t 
durch Ausdehnung der Beobachtung über die gesammte Ilias und Odys- 
see. In ihren '27.803 Versen werden fo 328 mal, r) 236 mal, to 165 mal, 
7) 158 mal verkürzt. 



ü 


n 


„ 


0-438 


•7 


n 


*i 


0-255 


n 


,, 


n 


0-604 


^ 


•n 




0-133 


n 


n 


n 


0-608 


r 


1^ 


„ 


1-8-24 


I) 


V 


n 


1-475 


n 


n 


« 


1-651 



346 Hartel. 

viermal, ■^^ nahezu zweimal so oft lang' als kurz erscheinen, 
hingegen a-. 31 mal, oi 17 mal, v. 7 mal, oj 8 mal so oft in 
den »Senkungen des Verses Kürzung erleiden, als in den 
Hebungen ihre prosodischen Werthe zu erhalten vermögen, w 
und (0 haben die gleiche Neigung wie yj und r,, und zwar, wie 
aus dieser Vergleichung zunächst nicht hervorgeht, aber später 
sich zeigen wird, in gleich hohem Grade. Nach ihrer Festig- 
keit stufen sich, soweit diese Indicien einen Massstab abgeben, 
unsere Ausgänge in folgender Reihe ab: r, r^ (o w vj yj z<. c a-.. 
Diese Reihe würde sich wesentlich alteriren, wenn wir 
nach Hoffmann's Vorgang die Zahl der Fälle mit in Rechnung 
zögen, wo diese Ausgänge in den Senkungen des Verses sich 
als Längen erhalten. Es mögen dieselben, deren genauere 
Sichtung einer späteren Stelle vorbehalten bleibt, noch mit etwas 
Spreu gemengt, hier vorgeführt werden: 

Ti- 

B 209 rr/r,, o)c '6~E (1) U 734 sy.a-.^ £7/0; (1) 

A 410 6[j.oiY) svOso (4) p 562 xoüpr) l/.ap'S'.o (1) == er 

412 c-.<.)-^ ~r,Go (2) 159," 188, 2, w 195 

A 21 ri uc-spov (3) 536 [xr, ouKoq (2) 

145 r, 'loqxcvcü; (2) X 135 aiOcijivcj f; -^eXiou aviövtoc 

151 -5^ ävopaa-.v (3) (3) 

B 231 aviYW y) aXXoc (4) 152 <h'jy^^% y) e^ (3) 

397 -0 £v6a (4) M" 382 f, ai^Gv-p-cr-ov (3) 

r 24 -q y-p'.o; (4) X 162 -^-öipoy, yJ s-.v (3) 

378 r, s-va-ipwv (3)? = Ü 769 207 et o-); s; ajtoTc (1) 

(:) 209 "Hp-o a--0£T:£c (1) 282 r) öjaav (4) 

514 'M ■?, hr/v. (3) 296 25Xo) -^^ iij.^aciv (3) z=^ X 

T 399 r, ol>x (2) 120 

K 505 p;j.oj £;£pjo'. v) ixcepo- (.')) 329 -/.ojpT/Iy.apio'.o (1) = 3 840, 

82 -Ji £vOa (2) X 446, -435, a 245, 285, 

161 = 177 75 £'!? äXa (4) t 375, u 388, <? 321 

271 •?, avptov (4) ß 29 v; o'; ::poY£V£CT£po'. (3) 

:: 193 V. [xr; Wav-oc (1) 21(5 v) casav (4) 

511 v^ hlv/x (3) 317 v; xjt;j (3) 

T 5(J ATp£ior„ ^ ip T'. (2) S 283 ij i^EXOqxr/a- yj evooO£v (3) 

<l> 111 c £•:/./, J; [X£C75v (4) T, 122 aXo)-/; sppi'CoKat (4) 



Homerische Studien. 



347 



491 7- iVAoj (4) 

•/. 0/4 '.ooiTO y; £vO r, v/f)x (4) 

X 172 v;j7CCj -^ "\pT£IA'.C (4) 

415 ipTfu) fi elXaTcivY] (.']) 
459 "Opxcixevo), >^ ev (3) 

H 330 1^ a.[j.<faoö'f (3) ::^ - 299 
384 iXsucrecea-. v^ iq Oipoc y) s; (3) 

306 (r:aO|X(T), -^ oTpOvets (3) 

- 35(5 •;■ sl'j'.oov (4) 



E 215 ^as'.vw £v r.jpi (4) 

A 484 aiGctov (0 £Y7,-- (-) 

I' 40 DavOo) iv /EipsTS'. (1) 

444 6vr,Tw, uixsT^; (1) 

X 199 ovsipo) o'j cjvaTa'. (2) 

286 or, !;.'.v C7(T) £v /poi (3) 



357 ^£Tv\ -^ äp y; iOeAc; (1) 
T 192 ov/.y.-rr, f, £V0£/,äTYj (3) 
j 130 GiTO), ■^ auTO)c (3) 

166 qsTv', ^ ä'p t{ (7£ (1) 

340 ■»] £50'.Ta'. r, x/Skt^-x'. (3) 
5 51 ßr/ £vea (4) 

'i^ 136 r^ o'i Tzzpv/ocie-do-jav/ (3) 
CO 300 r, 'i[j-opoq (3) 
405 ^ ävvsAcv (3) 



0) 
t 



a 134 OEITT^W aOY]7£'.£V (1) 

X 188 öcYpw, o'jO£ (1) 

273 ^(r,\).xiJ.v/T, u) 'j'.j- c c' (2) 

TU 438 (7(0 jUt (3) 

)^ 386 iroXjwTTor oT c£ t£ (4) 

149 XP'^'^-':^ ^''' S^~*' (1) Var. 



B 262 xlzC) xij.c'.y.x'kjtz'v. (4) 
14<) Ze'jc csw £ic "Io-r;v (1) 
P 734 -pccco) a'!;a; (1) 



co: 



Y 344 ä'[X5to '.£c:Or,v (1) 
r, 25 TW oj T'.va (4) 
7 176 "^ipw aOxvaTCts'. (1) 



S'j: 



A 39 ilX'.V0£J, £l' -0T£ (1) n 191 £0 £Tp£90V (3) 

B 253 f, £J f,£ -AT/Mq (1) Q 269 C[J.9aX6£V, s'j C?7^X£7G'.V (3) 

£ 162 £J ivTÜvaaav £ aÜTV^v (3) - 194 £u £;£{v'.7aa (4) = (o 271 



O'J 



B 145 zcvTSu 'I-/.ap{;'.2 (1) 

198 CY^[j.oj ävopa (2) 

332 xj-oO, £'.; : y.£v (1) 

E 666 irr;pou £^£py7a' (1) 

120 Gr.ßa-oj, 'Hv'.s-^a (4) 

1 405 4>jißoj A-6XX(ovo: (1) 

1 5(50 

K 505 p'j;j.O'j £^£pjO'. r, (1) 

23 ß-^Xsu, C9p' (4) 

522 ilr/Oov j'iv (2) 



n 
p 
w 

o 



226 ajTOu al'Oo-a (4) 

9 riavOoj u'ic (2) = 23, 59 
431 oiTAOj oJpa (2) 
441 cpy.oj olaY] (4) 

122 oO u'io? (3) 
578 cicpou £l(jav (2) 

123 y.S'vou £y.Yovoq (1) 
140 Tou £t7£y,a (3) 
718 oüBoCi Tue (2) 
164 j'^oj, tö; T£ (1) 



348 



Hüitel. 



Y) 70 
425 
p 115 



auToO 'AAx'.vioio (4) 
-oX'jyaAy.oj £'J70[j-ai (4) 
'^woü ouod (1) 



254 a'jToO rfz-a (4) 
272 i^o)Cu- auxäp (1) 



E 899 avü)Y£t(v) iT^aacrOa-. (4) Ü 
Z 46 CwYpsi, 'Atpsoc (1) = A 131 

A 554 T£ Tp£i' £acü[j-£VO!; (4) = P 663 

M 46 Tapߣ' o'jci (1) = <t> 575 <;. 

H 240 T£6^£i aT/.-r,aaq (1) ^ 

16 et auT£ (2) t^ 

<1>362 Cs^ £vSov (2) • T 



Ol: 



A 505 Ti'ixYjaöv (Aot u'.ov (2) 
E 270 TO)v Ol 'il 

484 
A 35 
W578 



A/aiol -J^ x£v (4) 

)v£'JX0{, £V 0£ (1) 
tTTTCOl, aUTSC (1) 



oll: 



E 685 xeTffOai, aXX' (1) 

N 316 V.OU £1 [j-aXa (3) 

641 xat atöOTCa (4) 

ß 230 vtal v^Tuio? (4) = £ 8 

232 Y.oa aiauXa (4) = £ 10 

X 110 y.al oictv avauaoi (4) 



52 £AX£f CU [J-Y^V (1) 

61 nriXeT, 0? 7j£p': (1)? 

468 ai£'. T,\l^T7. (1) 

75 £po)£T, ouSs (4) 

67 £1 auToO' (4) 
195 Ul^v., o^pa (1)? 
546 öapjci, '[-/.apiou (1) 

360 aTäp Ol aoTi; (2)? 
337 coi r^Kiov (4) 
252 £Yw Tot £i.ai (2) 
166 'Axaioi £i(7opöa)ffiv (4) 



41 "^[Aai, a)vAoiaiv (1) 

91 ixvac6ai cuB£ (1) 

174 xat £vv(^y.ovTa (3) 

109 äVAai £uoov (2) 

326 [J.V{OVTai, 0U0£ (1) 



T 201 £ia TaTac70ai (1) 
383 w Ypr)u, o'jTto (1) 



Z 199 oafJLvä aOavocTOJ? (1) 
<t> 459 7:£ipa, &q X£ (1) 
<p 400 vo)iJ.a £v8a (1) 

Es scheint gerathen, von den angeführten Fällen bei 
Bestimmung der Festigkeit der einzelnen Ausgänge ganz ab- 
zusehen. Einmal ist die Zahl derselben gegenüber den Längen 
unter den Hebungen des Verses zu gering, um nicht durch 
zufällige Einilüsse aller Art beeinflusst zu sein, dann hat es 
mit den Partikeln f, r,, welche wie bekannt selbst bei Dichtern, 
von denen der Hiatus ängstlich gemieden wird, eine privi- 
legirte Stellung sich bewahrt, sein eigenes Bewandtniss und 



Homerische Studien. 



349 



wäre von ihnen aus, die in der Senkung des dritten Fusses 
26 mal Hiatus bilden, wo diess allen anderen Wörtern zu- 
sammen nur einige Mal gestattet war, ein Schluss auf die 
Qualität oder die Festigkeit des r, überhaupt sehr bedenklich. 
Endlich sind, wenn man von r, r, absieht, die übrigen Fälle 
so fest an zwei Stellen im Verse gebunden, nämlich die Thesis 
des ersten und vierten Fusses, dass nothwendig zunächst in 
der Natur dieser, nicht aber in der Natur der Ausgänge der 
Grund für Erhaltung der Länge gesucht werden muss. Also 
nur von jenen zahlreichen Längen in der Hebung des Verses 
kann die Untersuchung ausgehen , wenn sie die wirklichen 
Bedingungen dieser Erscheinungen erfahren will. 

Dass in der That die Arsis oder etwas an der Arsis Haften- 
des die wesentlichste Bedingung für Erhaltung der Länge sei, 
ergibt die grosse Anzahl solcher Fälle (2000) gegenüber den 
wenigen eben angeführten Versen, wo diese Ausgänge in der 
Senkung ihre Quantität behaupten (1(>7, nach Abrechnung der 
Wiederholungen 142). Aber ob dabei die einzelnen Hebungen 
eine gleiche oder verschiedene Kraft entwickeln, ist streitig. Eine 
Prüfung der gesammten Fälle wird die Frage kaum unentschie- 
den lassen. Wir finden als Länge vor vocalischem Anlaut in der 



1. Ärsia 


2. Arsis 


3. Arsis 


4. Arsis 


5. Arsis 


(3. Arsis 


r< « 


mal 


69 mal 


139 mal 


69 mal 


73 mal 




r, 108 


J7 


98 „ 


103 „ 


49 „ 


42 „ 


1 mal 


(,) 25 


n 


126 „ 


166 „ 


106 „ 


85 „ 




0) 15 


» 


33 „ 


76 „ 


21 „ 


24 „ 




£J 9 


n 


10 „ 


6 . 


6 „ 


6 „ 





O'J 3 


Tl 


52 „ 


48 „ 


33 „ 


42 „ 




V. 8 


" 


23 „ 


22 „ 


12 „ 


« n 


— 


c. 2 


11 


31 „ 


56 „ 


19 „ 


2 „ 


5 mal 


ai 1 


•• 


45 


«9 ,. 


7 .. 


8 ,1 


— 


170 


mal 


487 mal 


705 mal 


322 mal 


290 mal 


6 mal 



Wenn hinter den einzelnen Hebungen gleich häufig Ein- 
schnitte getroffen würden, wäre man nach diesen Zahlen vielleicht 



350 Hurtel. 

bercchti«-t zu sagen, dass die 4. Arsis die doppelte, die 2. Arsis 
die dreifache, die o. Arsis die vierfache Kraft der ersten zur Anf- 
rech terhaltung- der Quantität jener Endungen besitze. Aber die 
Häufigkeit der Einschnitte nach den einzelnen Arsen ist eine 
ungleiche, steht aber bis auf eine Ausnahme in ziemlich ent- 
sprechendem Verhältniss zu der Zahl der Längen, die sich in 
ihnen als solche behaupten. Denn wir linden in ß auf 434 Verse 
168 mal Einschnitt nach der ersten Arsis, in y auf 497 Verse 
196 mal, in e auf 493 Verse 195 mal, also auf Je 100 Verse 
40 mal; in A auf 611 Verse Einschnitt nach der zweiten Arsis 
374 mal, in N auf 837 Verse 498 mal, in y auf 497 Verse 
257 mal, in s auf 493 Verse 298 mal, also auf j e 100 Verse 
64 mal; in A auf 544 Verse Einschnitt nach der vierten 
Arsis 305 mal, in N ß y £ auf 837, 434, 497, 493 Verse 
443 mal, 198 mal, 220 mal, 213 mal, also auf je 100 Verse 
49 mal; in n ß y auf 867, 434, 479 Verse Einschnitt nach 
der fünften Arsis 216 mal, 137 mal, 156 mal, also auf je 
100 Verse 22 mal. Aber wir zählen Einschnitt nach der 
dritten Arsis in A B T A E ß v £ auf 611, 877, 461, 544, 
909, 434, 497,, 493 Verse 298 mal, 450 mal, 231 mal, 262 mal, 
454 mal, 184 mal, 199 mal, 232 mal, also auf 100 Verse nur 
48 mal, das ist nicht häufiger als die Hephthemimeres, und 
doch finden sich unter ihr noch einmal so viel Erhaltungen 
(705) als unter der vierten Hebung (322). 

Nur eine Arsis scheint ganz unvermögend die Länge des 
vocalischen Ausganges zu erhalten, nämlich die sechste. Wir 
fanden nur 6 Verse: A 471 Auy.c. w; = A 721, U 156, N 292 
vr^TTj-ric. WC := T 244, N 178 \j.e/J.r, wc; und diese zählen so 
wenig wie M 320 v.'A ic, A 668 iiJ.r, V; und \x 175 \).z-(£kr, ";; denn 
das nachgestellte w; lässt in diesen formelhaften Verbindungen 
seinen ursprünglichen consonantischen Anlaut eben so sicher 
erkennen, wie in den besprochenen ßoe? wc, Osbv &q u. s. w. 
(llom. Stud. I- 113). Aber daraus auf eine besondere Schwäche 
dieser Arsis zu schliessen, wäre doch bedenklich; denn es 
bleibt zu erwägen, dass der Hexameter nur selten mit einem 
einsilbigen Worte abschliesst, z. B. in den 6667 Versen der 
Bücher A W \' A K Z L> x ß v (,> nur 138 mal, d. i. durch- 
schnittlich in 100 Versen 2 mal, dass die Hälfte dieser ein- 
silbigen Wörter (67) consoriantisch anlautende Enklitica wie 



Homerisclie Studien. 



351 



T£ (cAiYov Tc (p{Xov -z) ys. Tzep [j-O'. sind, die andere Hälfte aber zum 
grossen Theil einsilbige Substantiva, von denen überhaupt nur 
einige wenige vocalisch anlauten, wie Zsüc A 147, ß 197. o24. 
741, A 30, E 265. 888, a (J2. 63, ß 146, y ^^^, ^ 477. 544; 
■/.r,p a 310. 341, y 420, B 852, A 272. 326; 2w a 167. 392, 
ß 262; 7:5p E 4, 598. 731, S 225, <I> 13. 341, W 52, u 123, 
« 181. Das also, was die Länge eines Vocales oder Diphthonges 
im Verse erhält, liegt in den Hebungen und wie es scheint Jiur. 
in der dritten Arsis in etwas höherem Grade als in den anderen. 
Allein bei näherer Betrachtung kann die dritte Arsis selbst 
diesen kleinen Vorzug kaum behaupten. Die grössere Anzahl 
von Erhaltungen in derselben ist etwas Zufälliges, etwas durch 
eine secundäre die Längung begleitende und unterstützende 
Erscheinung Bedingtes. In den 1987 Fällen nämlich, wo die 
Ausgänge y; -q m co £j ou ci c<. xi vor folgendem Vocale sich lang 
erhalten, tritt nicht weniger als 584 mal Interpunction da- 
zwischen, und zwar nach der 





2. 


Arsis 


3. Arsis 


4. Arsis 


5. Arsis 


Zusammeu 


bei 


(•) 


56 mal 


77 mal 


12 mal 




145 mal 


>7 


Ti 


24 „ 


55 „ 


7 „ 




^6 . 


V 


•1 


24 „ 


46 „ 


21 „ 


1 mal 


92 „ 


n 


to 


13 „ 


42 „ 


^ „ 




58 „ 


V 


0-J 


21 „ 


26 „ 


1 „ 




48 „ 


^^ 


y.'. 


1'^ „ 


Di „ 


3 :, 




7H „ 


n 


y. 


10 „ 


27 „ 


6 . 




43 „ 


'• 


-■ 


« „ 


13 „ 


7 „ 




28 „ 


n 


£'J 


4 „ 


1 . 


1 . 


— 


6 „ 






178 mal 


344 mal 


61 mal 


1 mal 


584 mal 



Wenn man in der Interpunction ein die P^rhaltung der 
Länge unterstützendes Moment erblickt, so muss die überaus 
grosse Zahl v<»n Sinnespausen nach der Penthemimeres eher 
warnen, ihr eine besonders erhaltende Kraft zuzusprechen, da 
sie ja mehr als alle anderen Hebungen dieser Unterstützung 



352 HarteL 

bedarf. Dass nun aber in dem bei der Sinnespause eintretenden 
Absetzen der Stimme, welches die quantitative Entfaltung- der 
Laute eben so sehr begünstigt, wie sie das Zusammensprechen 
oder Verschmelzen des Aus- und Anlautes an anderen Stellen 
hemmt, ein solch unterstützender Einfluss Hege, wird Nie- 
mand verkennen, der sich den physiologischen Hergang der 
Sache klar macht. Interpunction stellt sich aber gewiss nicht 
.desshalb in solchen Fällen so häufig nach der dritten Arsis 
ein, weil diese ohne Interpunction den vocalischen Ausgang 
nicht in ihrer Quantität zu erhalten vermöchte, sondern weil 
hier, wie wir früher (Hom. Stud. 1- S. 97 ff.) nachgewiesen, 
der gewohnte Sitz der Interpunction ist. Indem so der Hiatus 
die Interpunction sucht, welche etwa jede dritte Längung 
unterstützt, der Sinnesabschnitt sich aber am liebsten mit dem 
Versabschnitt im dritten Fusse verbindet, kann die Häutig- 
keit des Hiatus an dieser Stelle nicht auf eine geheime Kraft 
dieser Hebung zurückgeführt werden. 

Wenn nun in der Interpunction ein wenn auch nicht 
wesentliches, so doch unterstützendes Moment der Längen- 
erhaltung mit Recht erblickt wird, so müssen die einzelnen 
Endungen nach dem verschiedenen Grade ihrer Festigkeit von 
dieser Hilfe Gebrauch machen, die leichtere mehr als die 
schwere, und es muss sich nach den gewonnenen Zahlen eine 
mit der früher aufgestellten Festigkeitsscala übereinstimmende 
ergeben, wenn anders jene aus richtig angestellten Beobach- 
tungen hervorgegangen ist. Das ist in der That der Fall und 
zwar in einer Weise, wie man bei dem Umstände, dass die 
einzelnen Endungen doch nicht gleich häufig am Schlüsse 
von Sätzen oder Satztheilen sich finden, nicht erwarten möchte. 
Das in der Hebung lang gemessene 

a-. hat unter 100 Fällen 54 mal Interpunction, 
Ol „ „ „ „ 38 „ „ 

^' V jt r » ^" >i " 

W ri r n ii *^'* '' " 

V r n r n ^^ v v 

o'j' '>7 

OJ ,, „ .. .. - 1 „ ,, 

■r 24 

f, .. •« M .. ^*..' *% «« 



zJ 



1(3 



Homerische Studien. o53 

Die Stellung der Endung su in dieser Scala findet eine 
einleuchtende Erklärung an den Wörtern, welchen sie zumeist 
angehört, wie den Genitiven der Pronomina und dem Adverbium 
cu, welche eine Interpunction hinter sich nicht vertragen. Der 
gleiche Umstand fallt bei der Endvmg oj in's Gewicht. Bezeich- 
nend bleibt die übrige Bangfolge und jeden Zufall schliesst 
der Umstand aus, dass jene Endungen, welche am häufigsten 
in der Hebung des Verses als Längen sich behaupten und da- 
durch ihre Festigkeit manifestiren (•/) •/; w (o), am seltensten 
der unterstützenden Hilfe der Interpunction bedürfen und so 
ai fast 3 mal, o» st fast 2 mal so häufig als y] und v; davon 
Gebrauch machen. 

Indem wir somit der Interpunction einen Ideinen, wenn 
auch neben der Kraft der Vershebung nicht wesentlichen Ein- 
fluss einräumen, müssen wir im Widerspruch mit Hoffmann 
in Abrede stellen, dass es auch auf die grammatische Function 
der einzelnen Endungen ankomme, dass diese Function ihre 
Widerstandskraft gegen Verkürzung bestimme. Der von ihm 
aufgestellte Satz: interest utrum idtima syllaba sit nominum an 
particularum an verborum (S. 54), nach welchem er die ein- 
zelnen Längungeu sondert und ihre Bedeutung abmisst, lässt 
sich aus der Zahl und Art der Fälle nicht begründen. Wie 
aus den mitgetheilten Stellen ersichtlich, gehört die Mehrzahl 
der langen Ausgänge auf ai dem Verbum, der Ausgänge auf 
0'. dem Nomen, weil eben die Verbalendungen auf a-. und die 
Nominalendungen auf c. um so viel häufiger sind als die andern. 
Eine nähere Untersuchung erheischt die Verlängerung der Par- 
tikeln ol TO'. TW Tcu eizei -/.ai, quae (productio), wie Hoffmanu 
sagt S. 70, aut certa quidem egeat excusatione aut videatur 
esse mala et longius recedere a consuetudine Homerica, quam 
qua non moveatur suspicio, schon um der Folgerungen willen, 
welche Hoffmann und Andere daraus ziehen: quae cum ita sint, 
patet ex productione harum vocum : 21, tc, -w, tsj, kr.ti^ -/.v. de 
digamma posse concludi (S. 76). 

Was zunächst das Pronomen o-. betrifft, so scheidet Hoff- 
manu zwei Fälle aus I 30G 

0'. 'i\).viy.\ Xx/yMyf^ o'j; ivOäoe v^c.; ävaty.av 



354 Hartel. 

und n 47 

o\ auTW Oavaxöv ie y.ay.bv x,al •/.•^pa XiTscjOai, 
an welchen ot schon weg-en seiner Stelhmg- im Versanfang als 
nicht enklitisch sich erweise. ,Ig'itur firmius est hoc loco 
pronpmen et pertinet haec productio ad productionem diph- 
thongi c, quam quavis arsi produci posse, demonstravinius 
§. 50, 4'. Allein ich finde keinen erheblichen Unterschied der 
Bedeutung und gleichen Nachdruck in drei anderen Fällen: 

1 103 = V 343 

oü yäp 010) 

}vi(^a£tv evvoai'Yaiov, o toi xötov svOexo 6'jjj.w, 
/a)6[j,£vo;;, '6x'. o \ uVov cOvOV l^aAawaa; 
und ^ 460 

TOT<; O' 'Oo'JdSU? (ASTiitZ£ G'jßwTiü) TiS'.pr^TlLWV 

r, Tiw; t r/wob? yXotX'ixv •äopo'. 

von denen Hoffmann v 343 für unecht hält, indem er auf X 103 
vergisst und in ; 400 die Wortstellung nicht eben gefällig 
ändert: rj iz^q oi -/AaTvav sy.ou;. Es finden sich mithin fünf gleich- 
artige Belege für die Verlängerung des oi, gleichartig auch in 
der nachdrücklichen Hervorhebung des Pronomens. Viel auf- 
fälliger, sollte es erscheinen, dass der so häufige Artikel ot nur 
einmal lang erscheint •/ 252 

aXX' ä'YcO' o\ £^ Tcpöixov axovxiaax' 

und diess eine Mal vor 'i% welches vielleicht damals noch mit 
consonantischem Anlaut gehört wurde, nur zweimal das rela- 
tive oi: 

r 278 Ol u-evspOs /.afjLOvxa; und 

8 177 vY^-'.o'., oi äpa Sv; xaBs. 

Die Verlängerung von xot anerkennt Hoffmann nur in 
einem Beispiel [j. 57 oTC-oxepr) ov^ -ot ooi; (3), wo er zudem in 
der ausgesprochen pronominalen Bedeutung eine Entschul- 
digung sucht. Allein X 12 di ot, xot v.q i'axj, welches er mit 
Spitzner in o' r,-.o'. ändert, ist ein weiterer Beleg und nach 
meiner Meinung gehören hieher: 

B 813 r/iv ■}, -Ol ävope; (2) 
\ 237 xwv -^ xoi aüxwv (2) 



Homerische Studien. öÖD 

529 a/X ri TOt k-l vux-i (2) 

M 141 o'i 3' r, TOI stw? (2) 

Y 12G i'vO' r, TO'. stojc (2) 

^ 171 aAA' '^ TO'. :p7,ov [xso (2) 

p 157 ioq Tt -Ol 'Oouas'j; (2). 

Wenn die Seltenheit der Fälle für die kSchwüche dieser 
Endung- an diesen Wörtern zeug-t, dann scheint mir noch be- 
zeichnender, dass zoi nur einmal A 44o -atoa t£ 70i or(i[).B'f (2), 
I^oi nur 4 mal K 291 w; vDv \).oi eöiXojsa (2), tt> 360 t( [xoi sp'.co; 
y.al apwY^j? (4), Q 716 sl'^ate [j.o-. oüpsOcji (2), o 435 ei [i.o<. iOeXotis 
(4) lang- erscheinen, die doch wegen des ihnen zukommenden 
Satzaccentes so oft in die Hebung des Verses zu stehen kommen. 
Ebensowenig kann ich beistimmen, wenn man die zwei Fälle 
mit gelängtem iizd: 

£ 364 v*/5;o[;,', ItzzI gu [j-sv ti (2) 
6 585 eaOAÖc; etts'. ou [;iv xi (2), 

oder die sieben Fälle mit gelängtem /,«(: 

290 ipucaxo y.at scawssv (5) = / 372 

Ü 60 Opi'^a TS v,xl aTir^Aa (2) 

ö 570 "/.at iy.£T-/;v 7:£p iövTa (1) 

X 113 vr,i T£ y.al kapot; (2) = 161, [x 140, 

wozu vielleicht noch zu rechnen ist: 

12 47 'Tavsipa T£ y.al '\d'/xazx (5), nicht aber 
M 320 aXX' ä'pa y.al X: (6), 

in willkürlicher Weise abzuändern bestrebt ist. 

Diese Partikeltheorie Hoffmann's und seiner Anhänger 
stützt sich nur auf die Seltenheit der Längungen derselben 
und wäre dann berechtigt, wenn durch diese Seltenheit die be- 
treffenden Würtchen allein sich auszeichneten und dieselbe auf 
einem anderen Wege nicht aufgeklärt wijrdeu könnte. Aber 
eben so selten wie die betreffenden Partikeln sind einsilbig-e 
Wörtchen üb(jrhaupt in der Arsis lang erhalten und diese 
Längung findet sich zumeist oder ausschliesslich an snlchen 
Versstellen, welche jenen Partikeln nicht leicht zugänglich sind. 



356 



Ilartel. 



Wir 


zähl 


en L 


änguno- einsilbii 


j-er Wörter auf 








V 


•/) 


(1) 


T) 


eu 


O'J 


£1 


Ol 


ai 


Summa 


1. Arsis 


23 


8 


16 


10 


9 


3 


9 


2 


1 


81 


2. „ 


35 


21 


3 


4 


2 


4 


3 


14 


4 


90 


3. „ 


2 


3 


1 




5 




— 


3 




14 


4. „ 




6 


— 


1? 








2 




8 


5. „ 

6. . 


20 




" 


1 


6 


1 


6 




3 


37 


Summa 


80 


38 


20 


16 


22 


8 


18 


21 

1 


9 





Also mehr als ein Drittel der Stellen ist an die erste 
Arsis gebunden, in welche die betreffenden Wörter gestellt .zu 
werden pflegen, unter den fraglichen Partikeln aber nur y.ai 
und in exceptioneller Weise ol (1 306, II 47) gestellt werden 
können. Andere Längungen sind in bestimmten Formeln an 
festen Stellen des Verses heimisch, wie in r^ijax'. xw überall bis 
auf P 401 mit folgendem ct£, welches sich 22 mal (B 351. 743, 
r 189, e 475, I 253. 439, A 766, N 335, S 250, 76, P 401, 
Z 85, T 60. 89. 98, <I> 77, X 359. 471, W 87, e 309, u 19, 
d> 252) mit xw in der zweiten Hebung, nur einmal Z 345 
w; \}' Cf£A' -/^jj-axi xw, cx£ p-s •irpaixov x£/.£ p.-/^xr,p 

mit xw in der dritten findet, oder in der häufigen Clause! w 
h\ oVxo) (Z 500, H 127, 6 284, 3 4, o 100, ? 27, x 117, <]/ 57. 
153, w 365). Und man begreift, dass diese Häufigkeit neue Bil- 
dungen wie etwa -J^fJ^axi xw £XiixY)v, oxc (E 210), w bn (S 220, 3 503, 
;; 15), 0) £-'. (A 162, 6 '403), aö) £vl oaio (-. 478, x 115, x IG^). 
xö) £vt (S 350, £ 57, i; 46), ^ vn (W 210, o 385), fi £-i (H 67) 
und somit Längungen in steigender Zahl hervorrufen konnte. 
x(ö ou (ouy., o-Jx£) beginnt den Vers (B 250, E 126, II 631, V 97, 
^ 510, c 265, X 134, X 325), daneben an derselben Stelle ver- 
einzelt 741 xw £v yj.^<j\ 9Öw; und x 115 xw i\).i v5v. 

Bezeichnend ist es, dass xw, wo es sonst vor Vocalen 
seine Länge behauptet, nie in der abgeschwächten Bedeutung 
des Artikels, sondern in seiner ursprünglichen demonstrativen 



TToraerische Studien. 357 

Bedeutung als stark betontes Wort erscheint. So heisst es B 110, 
nachdem der Dichter erwähnt hatte 100 ava os xpsiotv \\-^(a\)Ä\j/fi»y/ i 
hvr, a7.T~po^/ e'^^wv und in den folgenden Versen Urspining und 
Vererbung des königlichen Scepters angegeben worden war, 

To) y' £pctcä[;-£voi; £7:e' 'Apvcioic. [j.£-r/Joa 

und die gleiche Bedeutung hat tw: A 531 (1), 3G5 (1), 496 (1), 
525 (2), n 701 (2), P 231 (2), T 346 (2), <J> 193 (1), X 127 
(1), ß 114 (1), S 162 (1), C 309 (1), -0 326 (2), e 107 (3), 
X 127 (1), ^ 298 (1), T 367 (2). Davon macht A 614 Maxacvi 
zav-a Eoaev [ -rw 'Ac7.Xr,-iäSY] eine wirkliche, K 277 /aTpe ok tw 
cpviO' 'OBuaeuc eine scheinbare Ausnahme ; denn die Worte be- 
deuten, wie der Zusammenhang zeigt, 'er freute sich über 
dieses Zeichen'. 

Diese Observation bestätigen aufs schönste die Fälle mit 
T-^: I 565 (1), N 408 (1), 46 (1), o 365 (1), ^ 239 (2) bis 
auf die Verbindung t^ stipv] : 1 272 (2), * 71 (2), / 183 (1), 
mit Tou: I 106, Y 393 (1)^ § 189 (1), w 425 (1) bis auf xou 
hipou (o'.o) I 219 {2), Q 598 (2), ü/ 90 (2) ; denn auch hier überall 
hat -o'j und tt] seine ursprüngliche demonstrative Bedeutung. 

Man wird es nun begreifen, dass es neben der Festig- 
keit des Vocales die Betonungsfähigkeit in erster Linie gewesen 
ist, welche den einsilbigen Wörtchen c-/^ und \j:fj [ir, : A 189, 
Z 306, K 235 = 242. 536, A 171, N 633, a 74, !; 110, •/] 18, 
■/. 275, iJ. 378, ^ 287, c 257, u 169, -/ 45, w 328, mit Ausnahme 
von X 348 (3), v 383 (3) immer in der zweiten Hebung, wo 
es ansässig ist — .r/, : I 698 (1), K 39 (2), M 216 (1), N 319 (4), 
i 248 (4), n 30 (1). 545 (1), P 6S6 (4), :S 19 (4), X 481 (4), 
o 53 (1). 584 (1), A 548 (2), ix 326 (4), k 398 (2), x 251 (2), 
(.) 462 (1)] so überaus häufig zu so bevorzugter Stellung ver- 
helfen hat, und vielleicht zugeben, dass, wenn auch nicht 
überall bei allen einsilbigen Wörtchen, die bis jetzt unerwähnt 
blieben, so wenigstens in den bei der folgenden Aufzählung 
durchschossen gesetzten Versen die bessere Betonung, die ihnen 
im Satze zukam, gefühlt wird. Bei o) finden wir noch Längung 
in w: E 172 (2j, 1 .55 (5), T 291* (2), 40 (1), v 349 (1 ), 
A 279 (1), l m (5) = 372 (5), - 197 (1) und sw: T 1 74 (2), 
11 708 (1), P 489 (1) .-= 6 251, Li 112 (5). Bei w in dem 
vocativischen w: A 74, E 464, A 430, M' 543, a 363. 478 (nicht 

Sitzuii-sber. d. pliiL-liist. Cl. LXXTI. Bd. III. Hft. 24 



358 Hartftl. 

p 375) immer in der ersten Hebung-, in vw: o 475 (1), csw: A 574 (2) 
und -0): H 433 (3), W 7 (2), a 52 (2); bei y; in T.fi': Z 37 7 (1), 
e 229 (1), zy. 1 27 (1), x 429 (2), ^©9^: A 90 (2), ^: o 93 (2); 
bei y; in ■/p'/, : [j. 154 (3) ; bei ou in ou : W 748 (5) ; bei eu in 
der Formel 

•/.r/./.'jTS cy; vüv [j.s'j 'IOay.r,c'.ot, otti y.Ev sl'zo) 

ß 25. 161. 229, 0) 443. 454, in ceii: T 206 (1), Z 409 (1), 411 (1), 
454 (2), 2 7 7 (1), X 432 (1), Q 371 (1), in eu: H 43 8 (5), 
K 438 (5), W 743 (5), e 236 (5), - 460 (1), y. 128 (5), 
? 42 (5) und ZeÜ: T 351 (1), U 233 (1). Und so glaube ich 
auch, dass das in der Formel v. s-ssv y^ stark betonte £'. an 
consonantischen Anlaut des stscv zu denken verbietet; £'. in £•. 
£t£Öv findet sich 6 mal in fünfter: E 104, 423, M 217, N 153, 
E 125, Y 122, 8 mal in erster: N 375, i 529, - 300. 320, - 216, 
d/ 36, (D 259. 352, 1 mal in zweiter Hebung: v 328; singulär ist 
d ou-w: E 717 (1). 

Stark betonte einsilbige Wörtchen also sind es, die wegen 
ihres Nachdrucks, den sie im Satz bereits geniessen, oder 
genauer um der Verstärkung dieses Nachdrucks willen, gerne 
so in die Hebung des Verses gesetzt werden, dass sie vor 
vocalischera Anlaut den Kampf um ihren quantitativen Besitz 
zu führen haben. Es ist eine Folge des physiologischen Her- 
ganges bei dieser Begegnung zweier Vocale, die sonst das 
Organ zu verschleifen gewohnt ist, von denen aber nun der 
erste seine volle Zeit tönen und durch ein Absetzen der Stimme 
gegen den zweiten scharf abgegränzt werden muss, dass der 
Schlussvocal des vorausgehenden Wortes und damit das Wort 
selbst mit einem Nachdruck sich geltend macht, der an dem- 
selben in seiner gewöhnlichen Stellung in der Senkung nie, 
in der Hebung aber vor consonantischem Anlaut nicht in dem 
Masse gefühlt wird. 

Eine stärkere Hervorhebung wird aber nicht etwa bloss 
den einsilbigen Worten auf diesem Wege zu Theil, sondern 
auch mehrsilbigen, und die Dichter haben diese früher vielleicht 
noch ausgedehntere Eigenthümlichkeit des epischen Verses, 
welche später verwöhnteren , aber darum nicht gesünderen 
Ohren als eine durch die Versnoth abgerungene Licenz er- 
scheinen solltf, vielfach in sinnvoller Weise ausgenützt, um dem 



Homerisclie Studien. 359 

schwersten Worte des Satzes ein Gewichtchen beizuleo-en und 
lautlich abzugränren, was dem Gedanken nach im Geg-ensatz 
zu einander steht. Eine ausnahmslose Ausnutzung in diesem 
Sinne wird man nicht erwarten, da nicht angenommen werden 
kann, dass dieser Vocal-Zusammenstoss von jeher solchem 
Zwecke diente, oder dass das feine Gefühl dafür bei allen 
Dichtern und immer lebendig sein musste. Allein man wird 
es nicht in Abrede stellen wollen, dass die Häufigkeit dieser 
Erscheinung bei disjunctivem v] darin begründet ist, dass die 
scharfe Scheidung der durch das Oder getrennten Begriffe in 
der durch eine wenn auch noch so kleine Pause bewirkten 
Abgränzung der Töne ihren passendsten sinnlichen Ausdruck 
empfängt. Hiebei zeigt sich aber nicht bloss Hervorhebung des 
■q und des damit eingeleiteten Satztheiles, indem es sich vor 
folgenden Vocal lang erhält, sondern zugleich Hervorhebung 
eines der disjunctiven Begriffe, also des am meisten betonten, 
in der Regel mehrsilbigen Wortes. Wir sehen diess in folgenden 
Fällen, die das gemeinsam haben, dass der erste Theil der 
Disjunction gegen den zweiten durch Hiatus ebenso abgegränzt, 
wie die den zweiten Theil einleitende Partikel r, durch Hiatus 
hervorgehoben wird ; zugleich ist es das betonteste Wort des 
Satzes, dessen letzte Silbe vor r, in der Arsis lang bleibt: 

A 1 50 •?( CGOv £ A £ [j. £ V a '. r, ä v c p ä s >. v b'. p,ä/£70a'. 

514 ßAr,;j.£vo^ r^ uo r^ iy/,^' ^^'^3£vti 

K o05 pjiJ.cij £C£p6c'. r^ iv.oipo'. O'J/is' av.py:: 

X 135 ff Tvjpbc a{0o[X£VO'j Y^ -qe'/J.zj aviovTOC 

\ 152 -q y^\ö'n 'Vj/^p-^, 'q i^ 'joa-oc /.puctaAAw 

x 1()2 7.s'![j.£v' £7:' •^■;:£i'pcu, v; £'.v iW 7.j;j.a 7.'ja(vC£'. 

y. 2i)<) ^^ A 120 y,T£'!v7]c r,k oÖAo) v; xy.oot.oiT ouoi -.'. gz ypr, 

c 2-'^3 V- ici.'/J)i[i.z.w(x<. ■?! i'vooOiV ai'V i>7:xY..o\jzM 

/. 41;)}; '(i[J.(<) •?, ipy. v «o f, £ lA a t: ( v r, T£Oa Auir; 

A 451) y; zyj iv 'C)p/_s;j, £V(o, ■?) £v IfuAw •qiJ.xfiivni 

i 3-S4 7.x\ oxz i'utii'ztz^XK -J^ £c Oips; v) ic OTCwp'/iv 

T 11)2 T(.) V'rfj-q osy-atr, f^ £vc£-/.aT-/; -£"a£v -«^ok 

■j 340 ';; -vj -f,'/.^ 'IO:</.r,; r, 'io()\-.x'. f, xi.i't.q-.y.'.. 

In folgenden !> Fälloii (indet sich nur das l)otonto Wort 
im 1 1 iaiiis vor r, : 

24* 



360 Hartel. 

T 378 [Av^ xo)? <j' TTJe ßa/vY) -^e (syioo^t äopi t'jcIy) 
Q 438 £vojx£ü); ev vr;! Ooy] y) izz'Qoq c[j.apTewv 

714 xa-pb? iou 7^ vsctov, y^ ovriva 7:ct[j.ov e^scäsv 

£ 484 07G0V t' Tfi QUO) */^ £ Tp£Tc ävOp£? cp'JsOat 

6 20Ü 7^ Tub^ r^s -jcAy] -J^j /.al xo7{v, ouv. tj.£Yatp(o 
• 274 5; ]j.t O£0'jc y.eX£at y^ B£'.o'![A£v v^ aXsacjÖai 
p 37 'ApT£[Jl/St txiXY] IQS xp'J^^Tfl 'Afpoot'-Y] =: t 54 
a 316 Yj[j.£va'. £v [j. SY^'p<!> ^h ^'■'p^'^ x£a£T£ /epui'v. 
In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle (93 in Ilias 
und Odyssee) wird nur das eine oder andere der disjunetiven 
Glieder durch in Hiatus g-estelltes -/^ schärfer markirt, hie und 
da beide, wie : 

A 138 Y( Tcbv Y5 Al'avTOc 'iov Y£pai; y^ 'Ocuc^o;; 
r 24 £i)p(i)V y) iXacov xspabv y] «ypiov a'.ya 

4Uy £1? X£ C Y) (XkO'/O^) TiO'.TjCSTa'., "/^ VE 00'JAY]V 

H 71 £1«; X£v y) u[).z'.q Tpo{-/;v cü-'jpvov £A-/;t£, 
Y] aijTol Tcapa VY;uat oa[i.£{cTc zovTO-öpotij'.v 

H 179 Z£u TcaxEp, y^ Aiav-ra Aa-/£Tv, y^ Tuodoc; uiov 
T, aÜTOV ßaa'.A'^a 7:oAU}(puco'.o Muxy^v/jc 

271 Ol o' u)c t' y^ sAai/iv y^epay^ f, avptov alya (vergl. F 24) 

Q 221 ^ Ol [xavTt£<; £?7'. Ouocxco'. ri t£p"^£;; 

3 821 Y^ C Y^ "<^V £vl §Y^[X(0, l'v' Ol')rSTa'., Y] £Vt XOVTW 

6 491 co; T£ TCOu y) aüxbi; xapswv y^ ä).Xou ax.o6c7ac 
X 331 £'jo£iv, Y^ £-1 v^a Oor,v iXOivr' £<; Ixatpou? 

Y] aUTOD" -0[JI.-Y] 0£ OiOtc 6[J.tV T£ [J,£XY^a£l 

p. 27 y) aXbi; y) etcI y^? ak^(r,GZ':^ izf^iix -aöovTSC 

6 136 Y^ av' oBbv (jT£''/t>)v, y^ oi -cptva'.cTaoujt, 
weit häufiger aber das zweite (nämlich 47 mal) wie: 

I 230 £v OQ'.fi 0£ ca(i)crc[X£v y; a-oXdaÖai 
(und A 40. 62. 515, Z 341. 347. 457, H 180, l 230, K 486, 
i\ 389. 426. 589,' 373. 605, n 352. 482. 590, P 632, V 139. 
173, IAA. 7()4, l 103. 132, 203. 509, X 415, v 275, ^ 384, 
t: 384, p 158. 279. 478. 531, a 268, x 84. 267, u 340, o) 291), 
wozu wir die 21 Fälle mit comparativem •};, wie: 

A 117 ßcuXo;/' £YCü Xabv awv £{ji,[j,£vai y^ axoXäfföai 
(und r 42, K 288, (-) 190, K 404, A 162, 502. 510, P 78, 
\ 109. 2m. 374, y 445, a 165, y 234, l 183, 148. 185, 
u. 110. 209, T 168) stellen, als das erste (in 24 Versen) wie: 

M 30.5 aXX 5 y" ^?' ^t ■»5pxa;£ \i.iTi\\).zvzz, -/^l y.at 'aüxbc 



Homerische Studien. 361 

(und A 145, ß 253, r 239, 514, A 220, O 511, P 227, <P 111. 
113, Q 732, S 283, o 441, x ^7). 

Der Umstand, dass in den 93 Fällen nur 24 mal das 
erste -q, 69 mal aber das zweite g-elängt wird, könnte leicht 
als Zufall erscheinen. Allein wir finden, dass auch das iu der 
Thesis lang erhaltene v^, welches in dieser Stellung-, wenn ich 
recht beobachtet habe, niemals comparativisch ist, 31 mal das 
ri des zweiten Gliedes, nur 5 mal (X 310, ^ 230 = t 300, ^ 384, 
j 340) das des ersten Gliedes ist. Vollends wird durch folgende 
Beobachtung der Zufall beschränkt oder aufgehoben : beim ri — r, 
der Doppelfrage ist es wieder das rj des zweiten Gliedes, 
welches (34 mal) noch einmal so oft als das des ersten Gliedes 
(17 mal) in der Hebung des Verses Hiatus bildet. Es finden 
sich beide Partikeln v] — r, zugleich nur selten im Hiatus, wie: 

K 503 ocutap ö [j.£p[j/«^piu£ pivojv jTi 7,'jvTaTOv 'ipoc. 

9i ö Y £ ot'opov £Acov, oOi -sixiAa izüyj.'' IxstTO, 

(und ähnHch n 648 — 651, t: 74-76, to 403. 404), wie auch 
sogar einmal drei aufeinander folgende Partikeln: 

N 307 A£U7.x/.io"^, zy; t' ä'p |j.cjj(.ova? xaiaSüvai 5[jliXov} 

r^ irA ozzkzov) Tuavxoc cJTpatoO, r^ iva jj-ictrou;;, 
Ti £::' apiTTcpi^tv; 

Man scheint aber bei grosser Nähe der beiden Glieder der 
Frage diess fast gemieden zu haben, wie z. B. zeigt 

A 820 -q p' £Ti -O'j T/Y^fjouat TusXwp'.ov "ExTop' Axaioi, 
•^ Y^Sr^ a;0{ffov-a'. üz' aüioü Ssupl oa[J.£VT£?, 

während sonst -J; £ti, r^ 'iv. und disjunctives r, £Tt nicht irgend 
wie gemiedene Verbindungen sind (ü 408, X 175. 495 — FI 651, 
k 463, B 229, 105 — 203, a 268) und pa nur ganz aus- 
nahmsweise zur Tilgung des Hiatus verwendet wird, z. B. A 1,5 
■J^ p' au-i;. Ausser den genannten Versen findet sich y] in der 
Hebung lang vor Vocal : A 190, B 253. 300, 4) 62, 408, 
A 175. 493. 495, n 91, / 334, -> 86, co 403; -^ : B 368, 
E 673, Z 368. 379, I 67.5, K 310. 397. 425. 506. 534, A 821, 
11 12. 438, Q 383, a 409, B 29. 314. 790. 834, C 143, x 52, 
A 179, 350, - 463, p 309, t 528, u 12, f 197. 284, •/ 159, 



362 Hartel. 

10 264. Und in vollei- Uebereinstimmung- damit ist wieder das 
in der Thesis lang bleibende q immer das fi des zweiten Gliedes : 
X 172, 2 306, j 130, 0) 405. Herodian und mit ihm andere 
Grammatiker haben die -^ der Doppeltrage mit verschiedenen 
Accenten ausg-ezeichnet y) ('f^s) - -^ (f,i.), ohne diese ihnen oflfen- 
bar bekannte und überlieferte Betonung- zu begründen. Lehrs, 
welcher in den Quaestiones epicae die Zeugnisse für diese Be- 
tonung gesammelt, macht dabei eine Beobachtung, die vielleicht 
die Verschiedenheit der Accente nicht ausi'eichend erklären 
mag (vergl. Bäumlein Gr. Part. S. 131), die aber au sich un- 
anfechtbar sein dürfte und die eben entwickelten Thatsaehen 
trefflich unterstützt: Scilicet in eiusmodi enuntiationibus ad 
alteram particulam quodammodo languescere sen- 
tinius priorem; unde factum fortasse ut in priore membro 
deesse possit: in altero quasi maiore quadam vi incidit, 
tanquam priore omnis dubitatio nondum satis expressa et de- 
clarata sit (p. 52). Es stimmt merkwürdig dazu, dass das q 
der einfachen Frage, wo es im Hiatus steht, in der Regel ent- 
sprechend dem lateinischen an eine Frage einleitet, die im 
Zusammenhange eigentlich das zweite Glied einer Doppelfrage 
darstellt, zu welcher das erste Glied sich leicht ergänzt, wie: 

A 131 \).ri 0-1] ouTO)?, ayxOoq -sp äwv, Oeos'ixsX' 'Ay^iWt^, 

ri söeXsi«;, c^p' ccj-zoc £/•/)? yipaq. 
A 202 tittt' aux' oi.b('.ii-/^cio \{bq ii.7,cq dX-qkojf)aq-^ 
y\ tva ußpiv I'Sy) 'A--{0(.\i.iiMOvoQ AxpEioao, 

und 21 mal (B 229, H 26, 6 140, 105. i:{2. 506, 1' 445, 
Z 287, Ü 241, Y 251, B 343. 643. 710, v 418, o 511, t: 424, p 378, 
a 333 = 393, T 72, <? 191, Ü 109). Das Gleiche gilt von dem 
ri in der Thesis: T 339, w 300. Zu \ 131 erklärt Nägclsbacli 
das -^ richtig durch an hoc agis at, in welcher l'artikol die 
Grammatiker ein verwandtes Ethos, welches durch die Ver- 
einigung der adversativen und disjunctiven Bedeutung ,oder 
aber' bewirkt wird, nicht verkannt haben (vergl. Kühner A. 
G. G.2 §. 587, 20 und Hand Turs. I. 143 ff.). Die einfache 
Frage beginnt r, in der Verbindung r, y.p/x 3 mal : N 44(5, ii 429, 
to 193, ebenso häufig, wenn es in die Thesis zu stehen kommt 
in der Verbindung r, xp Tt: T 56 Aipeior,, r, ä'p tu a 357, j 166. 



Homerische Studien. ODO 

Das betheuernde r, steht im Hiatus nur in der Hebung des 
Verses: E 801, ^ 37 in der Verbindung r, oAi'yov und jedesmal 
zu Anfang einer Rede. Endlich K 432, Y 251, 4> 106 die Ver- 
bindung dcAAa t{ -q. 

Um unsere frühere Tabelle (S. 356) zu ergänzen, mögen 
hier noch die Hebungen verzeichnet werden, in welchen r^ und 
r, vor folgendem Vocal ihre Quantität behaupten. 

1., 2., 5. Arsis 

•^ der einfachen Frage steht in: 23 mal 2 mal 1 mal 

r, im ersten Gliede der Doppelfrage: 16 „ 1 „ — 

r, im zweiten Gliede der Doppelfrage: 27 ,, 4 „ 3 „ 

y; disjunctiv im ersten Gliede : 10 „ 10 „ 4 ., 

•/; disjunctiv im zweiten Gliede: 15 „ 13 „ 20 „ 

■f] comparativisch : 9 „ 5 „ 5 „ 

T, betheuernd: ^ ?i ^75 



102 mal 37 mal 33 mal 



Die dritte und sechste Hebung ist gänzlich ausgeschlossen, 
die vierte steht 3 mal im Hiatus: E 288, \ 266 Tuptv v' -q und 
<[> 106 äAAoc Ti r,. Der Ausschluss der sechsten ist früher erklärt 
worden. Die vierte vermag r^ nicht aufzunehmen wegen des nach 
dem dritten Fuss verpönten Einschnittes, welcher zusammen- 
fallend mit einem Gedankenabschnitt nur um so unleidlicher 
hätte werden müssen; wir sehen diesen Uebelstand in den 
zwei sicheren Fällen durch das enklitische -(z gemildert, t( r, 
wird besser zusammengeschrieben. Was die dritte Hebung 
betrifft, so haben wir schon früher bemerkt, dass einsilbige 
Wörter nur 14 mal unter ihr Hiatus zeigen; davon gehören 
zwei der Ilias Z 345 (vergl. über diesen Vers S. 356) und H 433, 
die andern der Odyssee: ß 25 = 161 = 229 = w 443. 454, 
107, A 103 = V 343, A 348, [x 57. 154, v 383. Denn es ist 
Regel, dass auf den Einschnitt nach dem zweiten Fuss eine 
trochäische, oder wenn die Hauptcäsur in den vierten Fuss fällt, 
eine molossische oder choriambische Wortform folge. Die starke 
Vertretung der ersten Hebung erklärt sich theils dadurch, dass 
Vers- und Satzbeginn in der Regel zusammenfallen, und, indem 
wir uns der anderen einsilbigen, meist hoch betonten Wörtchen 
erinnern, von denen, wie wir sahen (8. 356), ein Drittel diesen 
Platz behauptet, dass Vers- und Satzaccent sich gegenseitig 



364 Hartel. 

anzuziehen pflegen. Die betontesten Wörter occupiren die erste 
Hebung des Verses. 

Ein Hauptargument, welches Hoffmann für seine Auf- 
fassung der Unzulässigkeit des Hiatus bei den genannten 
Partikeln vorbringt, ist die Seltenheit der Fälle, in welchen diese 
Wörtchen (ol -oi £Tt£( xaQ vor dem Vocal des folgenden Wortes 
ihre Quantität behaupten. Diese Seltenheit erkläi't sich nur 
zum Theil aus der Leichtigkeit der Vocale £-. ot ai, die aber an 
ihnen nicht etwa leichter sind als an anderen Wörtern verbaler 
oder nominaler Natur. Verbal- und Nominalformen auf oi ai si 
werden in demselben Verhältniss sparsamer im Hiatus beobachtet 
gegenüber den Formen auf w f) w •/], wie oi xoi i-Kei '/.olI gegenüber 
To) w X7^ av) ^ 07^ [i^-q u. dgl. Am allerwenigsten darf aber die Selten- 
heit der Längung bei y.ai auffallen, worauf Hoffmann ein grosses 
Gewicht zu legen scheint (S. 73) ; denn an Stelle eines so zu 
verwendenden /,ai stand dem Dichter in der Regel t,o' zu Gebote 
und so finden wir laupwv rjO^ a'-YwVj Tpaoev i^S' eyevovTO, i^o' ht. owasi, 
nicht xat aiYwv, y.xl syevovTO, /.at ext 5 ja wir finden sogar dxo'' i^c' 
"rA-/;v, e1.xöv 75S' AI'yiov (B 500. 504. 539. 574. 634) und nicht xal 
"Dv-fjV, xal Alytov, wodurch der Dichter also der immerhin unge- 
wöhnlichen Länge des ov vor dem Hiatus den Vorzug gab. Wo 
trotzdem /.ai im Hiatus steht, ist leicht einzusehen, dass y}o' 
eine Verwendung nicht finden konnte, oder empfindlichere 
Unannehmlichkeit als der Hiatus mit xai bewirkt hätte. So 
290 = X '^^2 ep'JGOLTO y.at ecritocrev, ^ 47 'lavsipa te /.xl 'lävaaca, 
Q 60 Ope4'a "^^ '^-y-- axixr)Aa, woraus zu entnehmen, dass xai im 
Hiatus der Hebung noch lieber ertragen wurde als selbst Hiatus 
nach der zweiten Kürze des vierten (sp'jaaxo -qo' ejxwssv, xs -qo' 
'lavacaa) und des ersten (xe -qt' axixv^Aa) Fusses. In der Thesis 
Hess man sich hie und da v.ai auch dann gefallen, wenn die 
Einsetzung von T,oi mit keiner Schwierigkeit verbunden war, 
wie: Ü 641 /.at cIto'j r^a'jiii.-q'i /.ai al'SoTra, wo xai — r^os nicht un- 
gewöhnlicher als das überlieferte xai — x.ai wäre; ß 232 eir; 
y.al ai'auXa, während zwei Verse früher avavb; xai y;-ioc in ayavb; 
tqB' -ä^^iio; umwandeln eine prosodische Seltenheit mit einer 
andern vertauschen hiesse, ferner x 110 ßaaiXe'j; xat oiffiv und 
X 174 OLTzv-piaio'. Y.7.'. svvY;xovTa. Nur N 316 "Exxopa np[a[j.(oY;v, xai 
t' |j.äXa xapxspöi; eoxiv in einem in den besten Quellen fehlen- 



Homerische Studien. 365 

den Verse ist y]S' st so unmög-Iich, wie Hoffmann's st xat (vei'gl. 
•^ai öi: V 292, - 98. IIH). 

Immerhin aber werden g-egenüber der Hcäutigkeit eines 
Wortes wie xat diese paar Beispiele Manchem wie ausznmer 
zende »Singularitäten erscheinen. Allein nicht auf die Häufig- 
keit des xai und der anderen in Frage stehenden Partikeln an 
sich kommt es an, sondern auf die Häufigkeit derselben in der 
Hebung des Verses, Die xai in der Hebung des Verses sind 
ein kleiner Bruchtheil von den xat in der Senkung, Leider fehlt 
es uns darüber an einer eingehenden Untersuchung; dass eine 
solche nicht resultatlos wäre, versprechen einige gemachte oder 
leicht zu machende Bemerkungen, Dass stv nur in der Arsis 
steht, ist längst beobachtet (Hermann Orph. p, 7o4), w; in der 
Verbindung xat üq, oho' w;, in welcher es öii^q gleichkommt 
uud nach der Theorie der Alten den Circumflex trägt (Lehrs 
QE, 60, Ariöt,'- 086), notirte ich 35 mal in der Arsis (A 116, 
r 159, A 322 = A 720, E 482, H 263 = A 255, e 56, I 351, 
386. 391, 587, A 841, n 80, 363, <P 133. 555, X 352, a 6, 
ß 23, 3 484, £ 219, 324, 379, 6 184, t 2.58, x 291, X 88, 104, 
p 364, a 76, 155, 324, - 224?, x i^S), nui- 2 mal in der Thesis 
24 , . , £[-».£ 0' ouo' üc 6u[j.cv avtet uud © 246 . , , aX/vOc ;j,tv cüo' 
w? I evTavjjat ojvaTo, Von w; := outw; bestätigt die gleiche Er- 
scheinung Schnorr von Carolsfeld (S, 50 seiner Dissert, Ver- 
borum collocatio Hom. Berlin 1864) : fere in arsi coUocari solet, 
ut enim in enuntiati prima sede posita thesin teneat, in duobus 
tantummodo eiusdem libri locis accidit % 28. 64. Nur wo stOs 
voran tritt, hat dieses den stärkeren Ton : H 157, A 670, ^' 629, 
; 468. Wie 9 247 steht &c am Ende des Verses: 538, 156, 
To) y' OK ßouXeuffavTs oiiziJ.oLyv^ findet sich A 531, v 439, Ebenso 
wie WC treten die Partikeln or, [jx, v^? weit häufiger unter die 
Hebung als in die Senkung des Verses, 

Also nicht der verschiedene Lautwerth der grammatisch 
verschieden fungirenden Endungen unterstützt nach unserer 
Meinung die vocalisch auslautenden Silben in der Erhaltung 
ihi*er Quantität, indem dieser nur insofern in Betracht kommt, 
als den einzelnen Diphthongen grössere oder geringere Festig- 
keit zukommt, die wir früher abzumessen bemüht waren, son- 
dern die Fülle der Betonung, welche die Wörter vermöge ihrer 
Bedeutung stets besitzen, oder im Zusammenhang der Rede 



366 Kartei. 

vorübergehend erhalten, hestimmt die Menge der Fälle, wo die 
Länge des Auslautes sich vor vocalischera Anlaut behauptet. 
Die Kraft der Arsis vermag jeden vocalisch langen Auslaut, 
ob dieser der Auslaut eines Nomens, Verbums oder einer Par- 
tikel ist, in seiner Quantität zu erhalten, indem sie das 
Zusanimensprechen mit dem nächsten Vocal — die Bedingung 
der in der Thesis stattfindenden Verkürzung — hemmt. 

Das Wesen der Arsis ist Tonverstärkung, bewirkt durch 
Verstärkung des Ausathmungsdruckes. Der verstärkte Ton 
wirkt durch die für das Aussprechen einer Länge erforderliche 
Zeit. Folgt ein Consonant auf diese vocalische Länge, so be- 
gränzt dieser die aufgewandte Kraft, indem das Maximum des 
Ausathmungsdruckes während der zu seiner Articulation erfoi'- 
derlichen Bildung der Enge oder des Verschlusses eintritt. 
Folgt kein Consonant, so liegt der Höhepunkt der Arsis im 
Verlaufe des langen Vocales, der gegen den folgenden voca- 
lischen Anlaut durch Verschlussbildung abgegränzt wird, indem 
,wir vor jedem anlautenden Vocale den Kehlkopf verschliessen, 
so dass unter der grösseren Spannung der Ausathmungsluft, 
welche hiedurch bedingt wird, die Stimmbänder prompt an- 
lauten^ (Brücke, Physiol. Grundl. der nhd. Verskunst S. 54). 
Das ist Hiatus in bester Form; aber kein Hiatus, den das 
griechische Ohr der epischen Sänger bei dem langsamen, ab- 
gemessenen Gang des griechischen Hexameters irgend unan- 
genehm empfand. Jedem Diphthong und jedem Vocal selbst, 
der auf dem Wege der Verwitterung seiner Quantität noch 
nicht zum Normalmass der Kürze herabgesunken, ist der Zu- 
tritt zu solchen Hebungen gestattet. Die schwächsten Längen, 
z. B. dativisches •. und die leichtesten Diphthonge, wie o- at, 
fallen, durch die hinzutretende Tonverstärkung der Arsis unter- 
stützt, vollgewichtig ins Ohr. Zumeist aber sind es die 
schwersten Diphthonge, wie w und r,, die kräftigsten Vocale, wie 
0) und r,, welche, nicht gedrückt durch das Gewicht nachfol- 
gender Consonanten, hier zur vollsten Entfaltung ihi'es Ton- 
gehaltes gelangen. 

Die Arsis verweigert also keinem der langen Vocale und 
Diphthonge ihren Schutz, allein sie nimmt nicht alle Träger 
derselben, alle Wörter gleich gerne auf. Natürlich. Der Satz- 
accent ist Tonverstärkung wie der Versictus. Die Besitzer des 



Homerische Studien. 367 

ersteren müssen nach Möglichkeit Besitzer des letzteren zu 
werden suchen, wenn der Accent der Rede nicht den Accent 
des Verses, der Accent des Verses nicht den der Rede ver- 
nichten soll. Der Wortaccent, in Tonerhöluing- bestehend, läuft 
daneben einher. Hierin liegt der Grund, dass einzelne Wörter 
überaus hcäutig- unter der Hebung- in Hiatus stehen, manche nur 
durch eine individuellere Wendung und Fügung des Gedankens 
ausnahmsweise solche Begünstigung erfahren. 

Und insofern vermag allerdings regelmässig oder häutig 
eintretende Längung solcher Partikeln vor demselben Stamme 
oder demselben Worte den gegründeten Verdacht erregen, dass 
dasselbe in Homerischer Zeit mit consonantischem Anlaut gehört 
wurde. Wenn so -/.a-' in der ersten Hebung 25 mal vor :-. steht, 
so lassen sich daraus, abgesehen von allen anderen damit zu- 
sammenstimmenden prosodischen und etymologischen That- 
sachen, sichere Schlüsse ziehen. Aber zu denselben Schlüssen 
wären wir berechtigt, wenn nicht xai, sondern tw, xj-m oder 
epeM vor si den langen Auslaut so überaus häufig erhielte wie /.xi. 
Die Häufigkeit des Hiatus vor demselben Anlaut, das Formelhafte 
ist das Auffällige, das Bedeutsame. Solche Häutigkeit wird vor 
Wörtern, deren vocalischer Anlaut unbezweifelt ist, selten be- 
merkt. Xun freilicli wird mau für die Unbestimmtheit dieser 
Folgerungen nicht gerne jene beruhigende Sicherheit der Hoff- 
mann'schen Theorie hingeben wollen und fragen, wie häufig solcher 
Hiatus eintreten muss, um etwas zu beweisen. Die Frage ist 
unpraktisch, Hesse sich indessen leicht durch eine Zusammen- 
stellung der Fälle, welche bei anderer Gelegenheit gegeben 
werden soll, erledigen. Bei Wörtern, welche nur in seltenen 
Fällen Erscheinungen der Art zeigen, darf aus diesen für 
ihren ursprünglichen Anlaut nichts gefolgert werden. Für den 
Augenblick kann uns diess negative Resultat genügen. 

Der Aufwand an Argumenten wäre kaum gerechtfertigt, 
wenn durch sie nur die Hoffmann'sche Theorie, deren praktische 
Consequenzen Manchem als unbedeutend erscheinen mögen, 
luitte erschüttert werden sollen. Ich meine indess, dass die 
eingehende Betrachtung der einsilbigen Wörter uns eine 
Einsicht erschlossen, welche die gesammten Erscheinungen des 
Hiatus nicht zu ihrem Nachtheil in etwas anderem Lichte zeigen 
dürfte. Bei den einsilbigen Wörtern, welche wir im Vorigen 



368 Haitel 

betrachteten, war die Durcht'ührung des Satzes, dass der Nach- 
druck, die Stärke der Intonation, welche ihnen zukommt, die 
Verbindung- mit dem gleichartigen Versictus suche und in 
dieser Stellung das volle Austönen der vocalischen Länge den 
Nachdruck fördere, leicht zu ei-weisen. Die Einsilbigkeit lässt 
keinen Zweifel über den Sitz der Intonation. Bei zwei- und 
inehrsilbigen Wörtern aber, für welche unsere Behauptung nicht 
minder wie für die einsilbigen gelten muss, wenn sie richtig 
sein will, ist die Sache weit schwieriger; denn welche Silbe ist 
dann Trägerin der grösseren Tonstärke? Dass es diejenige oft- 
mals nicht ist, welche w ir damit, gemäss dem Charakter unserer 
Sprache, auszuzeichnen pflegen, nämlich die Besitzerin des 
höheren Tones, die accentnirte, geht schon aus der Beweglich- 
keit dieses musikalischen Elementes hervor, welches bald auf 
der Stammsilbe, bald vor, bald hinter derselben sich zeigt (auw, 
£A'jov, £A'j6[j//;v) , indem wir für die stärkste Intonation einen 
bestimmten Platz bei einem und demselben Worte annehmen 
und nur vielleicht Nebenicten, die mit der veränderten Form 
des Wortes sich leicht einstellen oder verschwinden, einen 
fi'eieren Spielraum zugestehen müssen. Nur an sich hat es alle 
Wahrscheinlichkeit, dass die stärkeren Icten mit den längeren 
Vocalen oder Silben, die schwächeren mit den kürzeren sich 
verbanden. Diess angenommen erschiene es nicht als ein Zufall, 
dass jene vollgewichtigen Diphthonge v; y; m to um so viel 
häufiger als die leichteren oi ai si unter die Hebung des 
Verses vor vocalischen Anlaut treten, indem auch hier die 
ihnen zukommende grösste oder mittlere Tonstärke die Ver- 
einigung mit dem Versictus anstrebt. Die griechische Sprache 
hätte in der Setzung der Icten eine Aehnlichkeit mit der fran- 
zösischen und das eigenthümliche Betonungsgesetz derselben, 
nach welchem der höhere Ton nie über die vorletzte Silbe zu- 
rücktreten darf, wenn die letzte lang ist, würde sich durch 
den Einfluss dieser an der Länge haftenden kräftigeren In- 
tonation am einfachsten erklären lassen. 

Indessen wie es auch mit dem Sitze der stärkeren Töne im 
mehrsilbigen Worte bestellt gewesen sein mag, und wie Wenige 
das vielleicht werden zugeben wollen , dass der Grieche beim 
gewöhnlichen Sprechen längere und kürzere, höhere und tiefere, 
stärker und schwächer intonirte Silben, also Quantität, Accent 



Homerische Studien. 369 

und Ictus in demselben Wortkörper neben einander zum Aus- 
druck gebracht habe, was uns nur theilweise nachzuahmen 
nicht ohne die grösste Anstreng-ung gelingen mag, es wird 
keinem Widerspruch begegnen, wenn wir behaupten, dass das 
stärker betonte mehr- wie einsilbige Wort im Satze vernehm- 
bar abgetrennt von seiner Umgebung gesprochen wurde, während 
dasselbe unbetont mit dem nächst folgenden fast in eins zu- 
sammenschoss. Im Griechischen muss, worauf viele Erschei- 
nungen führen, das Zusammensprechen ein noch weit engeres 
gewesen sein wie in unserer Sprache, vergleichbar dem Ver- 
schleifen französischer Wörter, nur noch in viel grösserem 
Umfang als in dieser Sprache, und nicht bloss im Vers, sondern, 
wie die übliche scriptura continua und der Einfluss der Arti- 
culationsstelle anlautender Consonanten auf auslautende Nasale 
klärlich zeigen, auch in der gewöhnlichen Rede. Eine auch nur 
kleine Abtrennung ward desto kräftiger empfunden, ja so 
kräftig, dass, wie wir in unserer früheren Untersuchung sahen, 
kleinere Interpunctionspausen auf die Quantitätsverhältuisse 
nicht ohne entscheidendmi Einfluss blieben. Und in der That, 
die überwiegende Mehrzahl jener zwei- oder mehrsilbigen 
Wörter, deren vocalischer Auslaut seine Länge vor folgendem 
vocalischen Anlaut behauptet, hat berechtigten Anspruch auf 
eine bessere Betonung als die nächste Umgebung. Da es nicht 
wohl angeht, diess an allen einzelnen Fällen, die früher auf- 
gezählt wurden und leicht darauf hin besehen werden können, 
nachzuweisen, seien nur die Beispiele aus dem ersten Buche 
der Odyssee mit einigen Bemerkungen angeführt, indem hiebei 
die einsilbigen Wörter (74, 165, 4U4) und die Fälle mit hinzu- 
tretender Interpunction (45, 81, 50, 167, 191, 331, 383, 4()4, 
442) übergangen werden. Ueber erstere haben wir ausführlich 
gehandelt, die Interpunction trennt dem Auge deutlich die 
Worte ab, hat also denselben Effect wie der Satzaccent. 
Wir finden also V. 21 : 

avT'. Oew \)oj<7y;'. izipo: y;v 'fxXx'/ vss^Oa'. 
und ähnliche Verbindungen: 

386 [J:r, zi 'f iv ä;j,9'. aXw 'lOzy.y; ßaG'A?;^ Kpoviwv 

zoi'/jCö'.sv (vergl. 395, 4()1) 
432 lux oi ;j.'v 7. sovy; aXd/o) -iv/ iv [j.i-^ipo'.z'y. 



370 Hartel. 

Das Ej)itheton hat, wie sehr es auch von seiner ursprünja^lichen 
Frische verloren haben mag, einen besseren Ton ahs das Siibstan- 
tivum nncl g-ewiss einen besseren, wenn es von diesem, durch 
andere Worte getrennt, vor oder nach gesetzt wird, wie: 

426 Jtj/Y; Xbc oi.oi).r,-o Tuspia/, sztw sv; "/(opo) 
137 yip\!^3. ap-st'-sAoc r^^oyöiid irÄyt-jt ^Epoucra 
•/.aA^ y^p'jffSiY] ÜTrep ap^upscc Xsßr^Toc. 

Der Hiatus beim Epitheton lindet sich auch meistens bei solcher 
Stellung desselben, womit zu vergleichen w bn oVy.w und andere 
ähnliche Verbindungen, die wir früher (S. 356) besprochen. So, 
um nur die Fälle aus den ersten 12 Büchern der Odyssee zu 
nennen, ß 366. 414, o 53. 342. 354, s 132, l 75. 79. 204. 215, 
r, 123. 173. 250, -/. 117. 127. 211. 253. 315. 367. 369. 489, 
A 614, \j. 40'S. Fühlbarer wird der Nachdruck im Gegensatz: 

24 o'i \).b) 'j G s [;. £ V 'j 'VTrspisvsc, z'i g' äv'.ivto;. 
296 /.TSiv-fj? r^i BcAw Y^ ajxoaoov. 

Ein Ictus wird auch in Fällen bemerkt werden, wie: 

69 K'jy.Atozo; -/.s/sAWTa'., 'dv o2;0a'A[xoij ä/.äcocsv 

82 V. \).V) GY] VJV TCUTO (flAGV |J.2-/.äp£5(j'. OsoTct, 

vccT^aai 'OSur^a "JucAÜiBpova cvgs og;j,gvo£ 
176 ^£Tvo;, £-£l -gaagI hx) a^/ipt:; r,iJ.ixzpo'/ ow 

186 £V A[;j.£Vl 'PctOpO) U-b N-/;{(;) 'JAY^£VT'. 

253 w 7:d-G', -^ cy; ttoAAov a-Gr/_oi^.£VO'j 'ÜG'Jcr^G; 

G£6r„ c ■/.£ ij.v/;(7T^p!jtv avaiG£7i X^^P*? ^?^''''i 
411 O'j |j.£v väp T'. -/.ay. 0) £•; loza icoy.E'. 

und dass selbst V. 137: r.poyöu) erAyz'jz sipouca das Wort -pG/5(.) 
einen auszeichnenden Ton hatte, deuten die Epitheta des 
nächsten Verses y.aX^ /p'-^^-'-Tl sattsam an. Ausnahmen davon 
werden nicht in Abrede gestellt. Die Hebung genügte, den 
Auslaut eines nicht oder wenig betonten Wortes lang zu er- 
halten, indem sie durch kraftvollere Intonation die unter sie 
gestellte Silbe von ihrer Umgebung abhob. Aber der Dichter 
war beflissen, jene Worte in solche Lage zu bringen, deren 
nachdrucksvolle Hervorhebung im Interesse des Gedankens lag. 
Hinaeo-en hat auch bei zwei- und mehrsilbigen Wörtern 

O CT '^ 

die grammatische Function der Endung keinen erkennbaren 
Einfluss auf die Erhaltung der Länge, was wir vorauszusetzen 



Homerische Studien. 371 

sehr geneigt wären. Denn wenn wir die lebendigen Laute der 
griechischen Sprache vernehmen und ihren quantitativen Werth 
messen könnten, Avürden wir hier nicht minder, wie ja sogar 
in modernen Sprachen, quantitative Unterschiede zwischen den 
als Längen geltenden Vocalen finden, wir würden erfahren, 
dass nicht alle co und y;, w und T) die gleiche Dauer besitzen, 
dass zwischen einem optativischen o-. und x: und den Nominal- 
endungen c. und 7.: Längenunterschiede bestehen. Die zu beob- 
achtenden prosodischen Erscheinungen geben entweder keinen, 
oder einen unsere Voraussetzungen Aviderlegenden Aufschluss, 
wie ein Blick auf die (S. 340 if.) mitgetheilten Fälle zeigt. Wir 
kthmen diese Unterschiede ruhig ununtersucht lassen, wenn 
diejenigen c. und a<. z. B., welche uns nach anderweitigen Indi- 
cien mit Recht als die leichtesten und flüchtigsten gelten, sich 
als genug gehaltreich erweisen, um in so zahlreichen Fällen 
als volle Längen vor anlautendem Vocal zu erscheinen. 

Der Versictus ist also nach unserer Untersuchung der 
wichtigste Factor bei der Erhaltung langer Ausgänge vor voca- 
lischem Anlaut und übt seinen Einfluss aus theils durch die 
ihm eigene Tonstärke, indem dabei der gemessene Vortrag des 
griechischen Hexameter nach jeder Hebung ein Absetzen der 
Stimme gestattete. Daneben kommt es allerdings noch auf die 
Qualität der Ausgänge an und die Festigkeit derselben wird 
theils durch die bessere Q.uantität, z. B. des •/; r, w oj gegenüber 
ZI y.: 0'., theils durch die mit dieser besseren Quantität meist 
verbundene bessere Tonstärke bewirkt. Sobald die langen Vo- 
cale und Diphthonge, in die Senkung des Verses gestellt, der 
mächtigen Stütze des Ictus entbehren, schrumpfen sie zu Kürzen 
zusammen, offenbar in Folge des schnellen Zusammensprecheus 
mit dem nächsten vocalischen Anlaut. Die durch das Ver- 
schmelzen des Aus- und Anlautes bewirkte ens;e Verbindung 
verlangt der kunstvoll verschlungene Bau des Verses, der in 
seine eintönigen Glieder zerfiele, wenn die Stimme ebenso häufig 
nach der Senkung wie nach ili r Hebung anhielte. Dass in dei- 
That eine so enge und rasche Verbindung der Worte die 
Kürzung bewirkt, ersieht man daraus, dass, sobald dieselbe auf 
irgend eine Art gelockert und der Flu.s.s des Verses unter- 
brochen wird, sei es durch eine (Jäsurpause, sei es indem ein 
einzelnes Wort dnrcli einen kräftit^en Ictus von seiner Um- 



372 nartel. 

üjebung abg-ehoben wird, die ursprüng-liche Länge des Auslautes 
g-ewahrt bleibt. Man ersieht es ferner daraus, dass in Versen, 
deren Rhythmus die rasche Verbindung zweier die aufgelöste 
Arsis bildender Silben fordert, dieselbe Verkürzung des voca- 
lischen Auslautes eintritt, wie in der Thesis des Hexameters, 
z. B. Pindar Ol. 3, 14 — uu "laipou a-6. Andere Beispiele hat 
J. H. Heinrich Schmidt, G. M. S. 129, gesammelt, um daraus 
den Schluss zu ziehen, dass der Ictus keinerlei Einfluss auf 
Erhaltung der Länge übe. ,Nach allem was früher und so noch 
in neuester Zeit über die 'Kraft des Ictus' philosophirt worden 
ist, sollte man denken, dass dieser durchaus die Länge vor der 
Verkürzung bewahren raüsste. Doch diess ist nicht im ge- 
ringsten der FalF. Wir entnehmen aus diesen, übrigens noch 
sehr einer näheren Untersuchung bedürftigen Stellen, dass in 
manchen, nicht sehr zahh-eichen Fällen die Kraft des Ictus 
einem stärkeren Zwange gegenüber, der das absatzlose Zu- 
sammensprechen zweier Silben erheischt, nichts vermochte, 
und halten, gestützt auf die überwältigende Zahl von Fällen 
und ihre nun wohl deutlicher gewordene Beschaffenheit, den 
Glauben für unanfechtbar, dass im Hexameter die Kraft des 
Ictus es ist, welche die Länge erhält, weil dieser Ictus das 
zu ihrer Entfaltung erforderliche Absetzen der Stimme ver- 
langt und erleichtert, das in der Senkung des Verses nicht 
überall und überhaupt nur ausnahmsweise gestattet ist. 

Wir haben früher 166 Fälle verzeichnet, wo der lange 
Vocal seine Quantität in der Senkung behauptet. Wenn man 
dieselbe roh nach den einzelneu Thesen ordnet, erscheinen 
schon die erste und die vierte als besondere Sitze dieser Er- 
scheinung; denn auf die des ersten Fusses entfallen 64, auf 
die des zweiten 24, auf die des dritten 35, auf die des vierten 
43 Fälle. Das springt vollends in die Augen, wenn wir die 
bereits in dieser ihrer Eigenthümlichkeit erkannten Partikeln 
Yj und r, aussondern. Dann fallen auf die erste Thesis 62, auf 
die zweite 19, auf die dritte 9, auf die vierte 32 Fälle. Nach 
der ersten und vierten Thesis also liebt der Vers ein Absetzen 
der Stimme, wie bekannt, und diess lässt die ursprüngliche 
Quantität in ihre Rechte treten. Dabei darf nicht auffallen, 
dass diess nur halb so oft in der vierten als in der ersten der 
Fall ist, denn doi-t ist der Daktylus gesucht und bevorzugt. 



Homerischp Stmlieii OiO 

Jjie Interpunction, diu überhaupt selten zwischen die Vei'sfüsse 
tritt (Hom. Stud. I'^ 84^ 94 ff,), spielt dabei eine immerhin be- 
merkenswerthe Rolle. AVir verweisen hier vorläufio; nur auf 
jene Verse — wir observirten 38, das formelhafte v.oupr, ('/.oipr,) 
'fy.apio'.o einmal gezählt — in denen eine spondeische Wortfoi-m 
in der ersten Senktmg- Hiatus bildet. Wenn diese Thesis an 
sich genügt, die auslautende Länge zu erhalten, so scheint es 
doch recht bezeichnend, dass in zwei Dritteln der Fälle Inter- 
punction hinzutritt, und bezeichnender noch und zugleich die 
früher über die Tonstärke mehrsilbiger Wörter aufgestellte 
Ansicht bestätigend, dass man mit ausgesprochener Neigung 
(24 mal in den 38 Fällen) kraftvoll einen Satz abschliessende, 
stark betonte Wörter in so hervorhebende Stellung brachte 
wie z. B. 

di o' aYopr,voe 

B 210 'qxfi', w? 0T£ vjj[j.a xoXuipXoiaßoto OaXaac/)? . 

atyiaXw [Xf^d/M ßpsjj.£-at, üixüLpayv. oi xt xivro? 

(und B ,332, E 685, A 35, P 444, <1> 459, W 578, 52. 61, e 164, 
^ 41, T 272), ferner Imperative und Vocative (t 546, Z 46, A 131 — 
A 39, 209, T 383) oder durch ouos dirimirte Begriffe (X 188, 
9 326, M 46, * 575, ^ 91, p 115). Wir begnügen uns auf 
diese ganz augenscheinlich für die aufgestellte Behauptung 
sprechenden Fälle zu verweisen und können es unterlassen die 
in den übrigen 15 der Interpunction entbehi-enden Versen ver- 
einzelt wenigstens wohl fühlbare bessere Betonung des längern 
darzuthun. 

Wo die für das Hörbarwerden der Länge erforderliche 
Bedingung nicht durch die Gliederung des Verses geboten 
wird, wird sie um so mehr in der Natur des Wortes, seiner 
eigenen gegen den Druck der Thesis ankämpfenden Intona- 
tionskraft gesuclit werden. Diess ist augenscheinlich bei •}; 
und ri der Fall, welche Partikel in der ersten Senkung 2 mal, 
in der zweiten 5 mal, in der vierten 11 mal, in der dritten hin- 
gegen, welche sich so überaus empfindlich gegen einen nach 
ihr fallenden Einschnitt zeigt, 26 mal als iJinge misst. Es ist 
bereits früher bemerkt worden , dass dann hilufig (in den 
26 Versen 13 mal) auch das vorausgehende; Woit vocaliscii 
schliesst, wie: oo'/m ■?! aj^axosv, löj -i^ ^T/J-^ a'!Oc;;j.£vo'j -J^ r,i/J.oj ävivro; 

Sitzuiifjsl.or. .1 pliil.-liist. (1. T,XXVI. B.l III. Illt 25 



374 Hartel. 

u. s, w., als ob dadurch das r^ nach beiden Seiten hin o-leich 
stark abg-etrennt und hervorgehoben und so die Halbirung- des 
Verses minder fühlbar gemacht werden sollte. Mit -J^ in andern 
Thesen verbindet sich ein zweiter Hiatus in demselben Fusse 
nicht bis auf eine Ausnahme: B 231 aY^Y*^ ''/ ^jaao? 'A^aiäiv (4). 
Ausser •/; behaupten folgende Wörter ihre ursprüngliche Quan- 
tität in der dritten Thesis: cw X 286, x 438, ou in oO \i'.ioq Q 122, 
■zyj in Toj zb)vm y 140, £u £ 162, H 191, Q 269 und y,y.i N 316, 
~ 174, deren stärkere Betonung nicht zweifelhaft ist und bereits 
(S. 356) erkannt wurde, freilich von y.ai' abgesehen, das aber 
doch in dem übrigens unechten Verse: N 316 y.al t\ [xäXa xap- 
Tcpoq ecTtv eine bessere Bedeutung hat. Was die Thesis des 
zweiten Fusses betrifft, so sind es höchstens 3 Fälle, wo 
Wörtchen mit besserem Ictus begegnen: \J:r^ <I> 536, w A 484, 
A 273. In 8 Fällen finden wir Genitive. Ja wir finden selbst 
die schwächsten Diphthonge: zl auts 16, c,v. s'vBov «l» 362, [^.oi 
•j'.cv A 505, Ol t 160, Tci A 252 und aXXai sucov j 109, doch 
immer als vereinzelte Erscheinungen und, wie ich meine, zum 
Theil als Uebertragungen aus anderen Stellen des Verses, wie 
wir Aehnliches bereits (Hom.Stud. 12 88) zu beobachten Gelegen- 
heit hatten. Die Freiheit, welclie der Dichter in massvoller 
Weise für den zweiten Fuss in Anspruch nimmt, ist gänzlich 
ausgeschlossen von dem fünften Fuss. Die rasch dahinfliessende 
Hexameterhälfte nach der Hauptcäsur verträgt ein Innehalten, 
sowie manches Andere nicht, was in der ersten Hälfte anstand- 
los tolerii-t wird. 

Hier gilt es nun die näheren Bedingungen zu untersuchen, 
unter welchen die Vei-küi'zung laugen Auslautes in der Senkung 
vor sich geht, unter welchen Verhältnissen und wie wir uns 
jenes vocalverkürzende Zusammensprechen zu denken haben. 
Wir haben früher bereits (S. 331) die Resultate unserer Unter- 
suchung, welche sich auf die ersten vier Bücher der Ilias und 
Odyssee bezog, kurz mitgetheilt und gesehen, dass die Aus- 
gänge ai z'. £'. cj ungemein häufig, die Ausgänge y] t, (o m sj höchst 
sparsam Kürzung erfahren. Die Thesis und ob die Kürzung 
die erste oder zweite Thcsissilbo betrifft, erscheint fast gleich- 
giltig, wenn man erfährt, dass in den durchsuchten Büchern die 
Kürzungen sich auf die einzelnen Stellen nach folgender Ta- 
belle vertheilen: 



Homerische Studien. 



375 



— 


^— ._ 




^_ 


^^ 




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A 


26 1 21 




5 


16 




26 


29 




3 


47 




14 


28 


1'. 


28 25 

1 




8 


10 




32 


51 




4 


53 




17 


30 


r 


17 17 




3 


4 




35 


14 




2 


21 




10 


13 


A 


11 24 




9 


7 




31 


21 




1 


25 




11 


13 


a 


20 22 




6 


5 




11 


28 




1 


40 




10 


27 


ß 


12 25 




5 


10 




25 


18 




3 


45 




12 


24 


T 


11 16 




7 


4 




16 


28 




3 


26 




18 


16 





28 35 




11 


6 




39 


43 




4 


69 




10 


32 




153 185 

[ 




54 


52 




?15 


232 




21 


320 


] 


02 


183 



Nur der Umstand, dass die zweite Kürze der Thesis an 
einzelnen Stellen um so viel häufiger durch einen lang-en Aus- 
laut gebildet wird, zeugt für das Streben, die letzte Kürze der 
Senkung mit der nächsten Länge, also die Versfüsse in engsten 
Contact zu bringen. Aber in Wahrheit ist die Stelle des Verses 
den einzelnen Ausgängen nicht ganz gleichgiltig. Diejenigen 
Endungen nämlich, welche wir als die schwersten und festesten 
erkannt haben und die so überaus selten Kürzung dulden, r, r, 
w (!) SU, erleiden diese Einbusse an Quantität zumeist im ersten 
Fuss. und zwar in diesem 92 mal, im dritten 29 mal, im vierten 
25 mal, im zweiten 13 mal, im fünften 10 mal und es ist 
zumeist der erste Tacttheil der Thesis, unter welchen der lange 
Vocal zu stehen kommt, im ersten Fusse 6(5 mal, im zweiten 
7 mal, im dritten 19 mal, im vierten niemals, im fünften 2 mal, 
während sonst doch die zweite Kürze der Thesis nach unserer 
Zusammenstellung eine solche Behandlung des langen Auslautes 
begünstigt. Diese Zahlen stimmen zu anderen, im l^aufe dieser 
Untersuchungen beobachteten Erscheinungen und unseren Er- 
kläi-ungsversuchen derselben. Die freiere Gestalt des ersten 
Fusses, dessen Senkung so oft vocalische Länge vor vocalischem 
Anlaut bewahrt und sich nicht selten an mittelzeitiger Lilnge 
genügen und am häutigsten einen kurzen Vocal vor leichten 
Consonantengruppen zur Länge werden lässt (Hom. Stud. 1- 
S5 ff.), und dessen beide Kürzen doch vor denselben Kürzen 
bleiben (lloni. Stud. I- Sl)^ der nach der Länge und jeder der 



370 Ilartel. Homerische Studien. 

beiden Kürzen Interpunctionspansen vci"tr;ig;t, berulit auf jener 
Luxheit des Sprechens, der g-emäss jene Theile bald in raschem 
Flusse zusammenwachsen, bald sich wieder vernehmbar abge- 
setzt trennen, eine Spielweite, die der zweiten Hälfte des Hexa- 
meters, vor allem dem fünften Fusse fremd ist. Es ist in diesem 
dieselbe Eigenthümlichkeit des Rhythmus, welche so überaus 
häufig Vernachlässigung der Positionswirkung leichter Conso- 
nantengruppen bewirkt (278 mal), in Fällen wie -Tspisv-a -pC(;Y;uSa, 
und so selten Verkürzung festeren vocalischen Auslautes vor 
vocalischem Anlaut gestattet, nämlich die kleine Pause nach 
der ersten Thesis dieses Fusses, wo fast ebenso häufig als nach 
der ersten Thesis des dritten Fusses, d. i. in jedem zweiten 
Vers, ein Einschnitt bemerkt wird (Hom. Stud. I^ 83), und 
das Streben hier den Tact des Verses durch das sprachliche 
Material zum reinsten Ausdruck zu bringen, indem man ent- 
schiedene Kürzen verwendet und dieselben vor Consouanten- 
gruppen durch Hinüberziehen dieser zur nächsten Silbe intact 
erhält. Wenn dennoch die leichteren Ausgänge o'. at si oj an 
dieser empfindlichsten Stelle des Verses so häufig (102 mal) 
Aufnahme finden und Kürzung erleiden, kann man nicht umhin, 
nach einer diesen Process erleichternden Eigenthümlichkeit in 
ihnen selbst zu suchen. Dazu berechtigen die Ziffern der (S. 331, 
345) mitgetheilten Tabelle, die unverhältnissmässige Häufigkeit 
ihrer Verkürzungen neben der Seltenheit der anderen. Ich zweifle 
nicht, dass das die Kürzung Unterstützende der zweite Bestand- 
theil dieser Diphthonge, das t und u war, welche im Flusse 
der Rede sich unwillkürlich jenen labialen und palatalen Rei- 
bungsgeräuschen näherten oder in sie umsetzten, welche die 
homerischen Gedichte uns noch in grossem Umfang als leben- 
dige und dem Munde der Sänger geläufige Töne zeigen. Den 
Beweis dafür wird die weitere Untersuchung zu geben trachten. 



Till. SITZUNG VOM 18. MÄRZ. 



Das wirkl. Mitgl. Herr Hofrath Dr. Bi rk legt den im Druck 
vollendeten zweiten Band der Monumenta conciliorum vor. 



Das w. M. Herr Prof. Mussafia spricht über fünf neue 
in einer Handschrift der Wiener Hofbibliothek aufgefundene 
altitalieuische Sonette. 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

IJibliotlieque de l'Ecole dos Chartes. XXXIV. Anuee 1073, 5*= & 6^^ Livriüsoria. 
Paris; 8". 

Erlangen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriftcn aus dem Jalire 
1878; 4« lind 8». 

Gesellschaft, k. k. geographische, in Wien: Mittheilungen. Band XVII. 
(neuer Folge VIT.), Nr. 2. Wien, 1874; 8". 

Maschek, Luigi, Manuale del Regno di Dalmazia, per l'anno 1874. Anno 
IV. Zara, 1S74; 8«. 

North Church and Society: The first Centenary of tlie — in Salem, Mas- 
sachusetts. Salem, 187.H; 8". 

Rovue politique et litteraire' et ,Revue scientifique de la France et de 
1 etranger'. JIP Ann^e, 2"= Serie, Nr. ;-}7. Paris, is74; 4". 



378 

Societe litteraire, scientifique et artistique cVApt: Mi'moires. N. S. faisant 

suite aux Annales. Tome !•='■ Nr. 1. Apt, 1874; 8". 
Verein, für niecklenbnrgisclie (reschichte und Altertliumskuiide: Jalirhüclier 

und Jahresbericht. XXXVIII. Jahrgang. Schwerin, 1873; 8". 



MusBafia. Ciiique Sonetti iintichi. Oiu 



Cinque 8onetti ajitielii 

tratti da uu codice della Palatiua di Vieuna 

da 

Adolfo Mussafia, 

membro eifettivo dell" Irap. Accademia delle scienze. 



vJr ha alcuni anni la Biblioteca Palatina di Vienna 
acquisto un codice membranaceo del XIV.° secolo — ora 
segnato cul numero 14389 — contenente la Margarita Decre- 
talium di Fra Martino delF Ordine dei Predicatori. Nella mem- 
brana appiccicata alla parte interna dell' assicella anteriore, 
che serve di coperta, ' leg'g-onsi sei sonetti italiani, che in vero 
sono cinque soltanto, giacche il primo ricorre due volte. Queste 
due copie del medesimo componimento sono della stessa mano, 
la quäle spetta del pari al XIV.° secolo. Contemporanea quasi 
e sebbene meno accurata, pure forse - della stessa mano che 
i primi due sonetti, e la scrittura deg-li altri quattro; e questa 
e sbiadita tanto, che per leggerla fu uopo ricorrere ad un 
reagente chimico. 

Sono inediti questi componimenti? Credo di poterlo affer- 
mare, giacche a lunghe indagini fatte da me e da altri non 
riusci di trovarli in nessuna delle molte publicazioni concernenti 
r antica lirica italiana. Ed altrettanto vane riuscirono hn ora 
le ricei-che fatte per iscoprire se si contenessero in alcun altro 

i Suir assicella posteriore e ultra membrana, ove sono iscritti molti nomi 
(li studenti di diritto, e v' e indicato quando vennero a studio, quando se 
ne andarono, e quäl somma pagarono. Molti i nomi d' Italiani; ma ce 
n" t- anche di stranieri. 

2 Dico .forse', perche la possibilita che due sieno stati o^li scrivani non e 
assolutamente esclusa. 



380 Mussafia. 

manoscritto. Ora, poiche questi sonetti non sono privi d' un 
certo merito poetico ed hanno alcuna importanza per la sioria 
letteraria, stimo opportuno il publicarli. 

I. 

Nella prima copia del primo sonetto erano stati ominessi 
il sesto ed il settimo verso; il copista aggiimse poi iu cima 
alla pagina il sesto. E probabilmente per desiderio d' avere 
un testo completo egli si diede a scrivere ancor una volta il 
sonetto intero. E singulare che fra le due eopie sieno leggiere 
varianti. 

Rispetto alla forma metrica noteremo che, dal primo e 
quinto (cioe primo della prima quartina e primo della seconda i 
e nono i^cioe primo verso delle terzine) in fuori, tutti gli altri 
rimano al mezzo col verso antecedente. ' In questa struttura 
puo forse vedersi una prova della congettura da me altra volta 
espressa, ^ che il sonetto altro non sia in vero se non una strofa 
tripartita: le due quartine sono i due Piedi; le due terzine 
sono strettamente collegate fra loro e formano un tutto: la 
Sirima. 

Nella rimalmezzo troviamo ia che rima con ea ; a volerle 
ridurre ad una forma sola, preferiremmo ia, che conviene a 
tutte le voci. 



^ La formola e quindi la seguente: 

A, aB, bA. aE I A, a B, bA, aB j] C, c D, d E, e C, c D, d E. 

Si puö notare anche un altro studio di simmetria. Nella ])rima quartina, 
dei tre versi rimanti al mezzo, il primo ed il terzo lianno la rima alla 
4.* e 5.* sillaba; il secondo la ha alla 6.» e 7.». E nelle terzine i due 
primi e i diio ultimi alla 4.» c 5 ", quelle che sta di mezzo alle due 
coppie alla 6." e 7.". Puö essere un caso fortuito; raa non lo credo. 
Altri csempii di sonetti colla rimalmezzo, ma di struttura alquanto diversi 
dal uostro vedi nella raccolta del Truechi I 129. 16H. 182. 
2 Borghini, giornale di filologia e di lettere italiane, compilato da Pietro 
Fanfani. Firenze 1863—1865. 8". Vol. II, pag. 211. 



Cinque Sonetti antichi. 381 

Ed tante peine un langor me tenea 
Ch' e' non credea in niun niodo campire, 
Quand' eo vidi venire ad me una dea 
4 Che 'n cortesia preise inver me dire : 

,Come ti sentit dolce anima mea 
Che m' a' 'n bailia sempre al tiio disire?' 

E basciomi [ire] .... una vea 

8 Co maiestria tanta fuor fallire, 

Che mante donne ch' erano presente 
Lealemente nessuna s' accorse, 
11 Quando mi porse el dardo de 1' amore, 

Che mi passö lo core imniantenente; 
A la plagente non avea sen forse 
14 Quando mi morse parlatondolcore. 

Note. 

1. Nella prima copia (che per brevita indicherö con A) 
non e chiaro se debba leg-gersi im od e; la seconda (B) ha un. 

4. A cortesia; cosi anche B, poi corretto dalla medesima 
mano cortesea. 

6. A bailia; B prima cosi, poi corretto -ea. Badisi che 11 
codice ha chemabailia. lo intendo : che m hai in h. 

7. Fra basciomi ed una v' ha in B un buco nella mem- 
brana; in A^ come fu detto, raanca il verso. Poiche la rimal- 
mezzo porta sulla sesta e settima sillaba, non puo dinanzi a 
una vea mancare che una voce (o un nesso come a me nel 
terzo verso) che comincia e finisce con vocale o tutt' al piii 
(colla sillaba sovrabbondante che la rimalmezzo consente) un 
monosillabo cominciante da consonante, forse sol. 

8. A fanto für, che non diremo senza piü errori del 
copista, il quäle poi, trascrivendo di nuovo, si sia corretto. Tanto 
potrebbe considerarsi come Variante sintattica^, 1' avverbio di 
quantita in luogo dell' aggettivo; für puo essere Variante fone- 
tica di fuor. Non avendo argomenti validi per giudicare quäle 
sia la lezione primitiva, misi nel testo quella di B, come piü 
chiara. 

lo. B avcr. 



382 MussLitiii. 

14. Stampo in corsivu il nesso tale qiuil e in ambedue 
le copie. Che signitica? Peusai a yer lato del core; ma core 
e giä nella riaialmezzo clel verso 12."; a pur la toa dolzore; 
ina a clii si rifcrisce toa':! Propongo, non seuza esitazione per 
tanto dolzore {V originale avra forse avuto ptätod.). 

I primi dodici versi sono cliiarissirai. I due ultimi forse 
signiticano : ,Ahi! la donna cortese era per avventura fuori di 
senno, non sapeva ehe si facesse, quando mi rese schiavo 
d' amore.^ 

Noteremo le due voci campire ,campare' e vea ö via 
jVolta'. II dittongo ei di peine, preise ricorre anche negli altri 
sonetti. 



II. 



Ad una fiata in imo giardino entrai, 
Ked era fatto per gran maiestria, 
Ke flori e rose et arboscelli assai 
4 Cum dolgi pomi tuttor vi floria. 

Et una dea terrena vi trovai, 
Ke del giardino tenea la signoria; 
Inkinando enver ella sahitai, 
8 Saluto a me rendeo en cortesia. 

E puoi me disse: ,Vien fra lo giardino, 
D' ongn' altra gioja prende al tu' plascere, 
11 Scetto ke la kirlanda di 1' amore.' 

Et eo ne preisi a tutto '1 mio diminio, 
Ma non me valse pur mer9e kereire 
14 K' eo di quella impiesse lo mio core. 



Note. 

1. Leggi ?//?. E nota la consuetudine degli antichi copisti 
di scrivere intere le voci, che per ragioni metriche sottostanno 
all' apocope. Cosi al verso 6 leggi giitrdin. 






Cinque Sonetti anticlii. 383 

2. Le due lettere c e t essendo nel codici similissime di 
forma, potrebbe leggersi anche facto. 

o. In luogu di et il codice ha qui, (iiiul uiiico cseiupio, 
(ft. Probabilmeute avra comiuciato a surivere arb., poi avve- 
dutosi deir errore, corresse a in e. Per il motivo addotto uella 
nota che precede, potrebbe leggersi anche arhosteUi. 

12. Giova alla rima leggere dimino. 

14. Era prima nel codice qnella men impiesse; poi men fu 
cancellato. 



m. 

Dollioso mi partio e foi racordato 
D' Adamo ke fue posto en paradiso, 
Ke preise quello ke vi fo vietato 
4 liaonde perdeo lo ben la V era misoj 

E 'nfin a tanto ke fue amendato 
In foco et in tormento fue asiso. 
Mad CO ke certo non v' 6 trapassato 
8 Nullo comandamento, cio m' c viso, 

Patisco peine a torto c a gran travallia 
Puoi ke madonna non mi .... isdire 
11 8ua voluntii nc suo comandamento. 

Merye kero ad ella ke m' a e ballia 
Ke la kirlanda me deia largire, 
14 Ke d' ainor tene tutto complimento. 

Note. 

1. II cod. jpHo. Potevo leggere pari' io; [)rcferii conser- 
vare il passato riraoto. 

3. Forse e da emendare li fo v. 

4. Laonde va qui prouunciato corae voce bissillaba. 

7. II cod. ha Madeo. II cod. nuo, e a non c cosi chiaro 
che non possa leggersi anche nno; in quest' ultimo caso avremmo 
nonn ö, c la dizione correrebbe piü spedita. 



ö84: Mussafia. 

9. H secondo a e scritto sopra la linea fra ^ (= e) e gran. 
Essendo della stessa mano che il limanente, dovetti accoglierlo 
nel testo; ma ad omiiietterlo, la lezione si vantaggerebbe. 

10. Le lettere prima di isdire non si possono leggere 
con certezza; sembrano utd, che sarebbe non mi vidi sdire e 
potrebbe interpretarsi : ,poiche noii vedo che madonna si decida 
a revocare il divieto/ 

11. O hallia e verbo, ed e congiimzione; o hallia e sostan- 
tivO; ed e equivale a en. 

13. Ei'a prima degia; ma g fii cancellato mediante un 
pimto sottoscritto. 



IV. 

Rosa novella ke 1' amare falsate, 
Inkerove da pai-te de 1' Amore, 
Voi de qui al terzo die innanzi lui siate 
4 Ad intendere un vostro servidore. 

Ked a preposto ke voi li donate 
Peine e tormenti e dollie a ttutte 1' ore; 
Sed e veiro questo, da me sacciate 
8 K' i' non vorrei essar vostro avogadore. 

Et dice ke 1' attreri a uno giardino 
Vi trovo Stare con altre donne assai, 
HE kavaleri e doncelli v' avea. 

Dicesteli : ,0i misero taupino, 

Perke non te ne vai? 

14 E non venire giammai la du' eo sea.' 

Note. 

1. Leggi amar, e cosi 10 star, 14 venii'. 

7. Mancano al verso gli accenti voluti dal mctro. 

8. Vorrei essar non formano che tre sillabe. 

13. Anche qui c' c un buco nella membrana e i margini 
sono rosi dalla ruggiiie. Pare che dopo ke vi sia co e innanzi 
non un e. 



Cinqne Sonetti anticlii. o8o 

V. 

Oi dolce amore, gran cosa mo pare 
Ke niesso me mandaste de presente. — 
— Voi intendeite e dirü vo' 1' afare : 
4 Perciö ke seite donna scaunoscente. 

Questo homo ke v' ama nol degnate araare 
Et argollio nienateli soente; 
Non vo' fallio ned ebbe in cor di fare; 
8 Dunque perke de' essare perdente? 

Eo do per lode e per deritta sententia, 
Kel deiate restituire de le speise 
HE poi Stare per sua diritta aman9a. 

S' a voi non piace fare esta obedenca, 
Eo vo' dispongo d' ogn' omo corteise 
14 K' aver non doviate maio loro usan^a. 

Note. 

3. E difficile assai il decidere se il codice abbia dirovo 
ditovo. Ho preferito la priraa lezione, perche il senso esige 
imperiosamente il fiituro: ,state ad udire, e vi diro il motivo : 
perche ecc/. La forma vo' = vi ricorre altre due volte in 
questo sonetto; v. 7 e 13. 

5. Leggi hom. Dinanzi }iol vedesi un pallido tratto di 
penna simile all' asta orizzoutale di ^ ; e possibile che V autore 
abbia detto ke v' ama e nol degnate amare, che sarebbe esciupio 
del frequente passaggio della costruzione col pronome relativo 
a quella col pronome dimostrativo. In questo caso il punto e 
virgola alla fine del G." verso dovrebbesi mutare in virgola 
semplice. 

6. Prima era menali; la sillaba te venne aggiunta sopra 
la linea. 

9. Leggi dritta. 

10. II mezzo piu ovvio d' avere 1' accento almeno sul- 
r ottava sillaba parrebbc leggere restitidr d'le spe.ie, ma la con- 
trazionc d'/e yniu ispiraro gravi dubbii. A leggere d.iuate di 



38() Mnssafia. 

due sillabe, abbiamo del pari una toniia aflattu iiisollta, od il 
verso non ha verun acconto nella sede dovuta. 

12. Era prima de fare; poi de venne cancellato mediante 
due pnuti sottoscritti. 

14. Anche questo verso zoppica, ed anehe qui c' e dovuite. 
II correg-gere Ke non doviate aver mai loro tisanza sarebbe pro- 
cedimento commodo assai; nia appunto per cio niolto sospetto. 
Accetteremo K' aver non diatef E la forma maio = otiagis ]a 
tollereremo o supporremo mai la lorof 



I sonetti II— V sono fra loro strettamente colleg-ati e for- 
mano una narrazione seg-uita. E un Giudizio d' Amore, da 
confrontarsi colle altre allegorie di questo g-enere in cui Amore 
pronuncia sentenza a favore de' suoi seguaci, di cui abbiamo 
esempio in tutte le letterature medievali. Nei primi due sonetti 
parla 1' amante; narra il divieto fattog'li; si duole che, non 
ostante la sua obbedienza, la donna gli nieghi pieta. Nel terzo 
sonetto un messo viene alla donna e le intima di presentarsi 
fra tre giorni al tribunale d' Amore, esponendole il motivo, per 
il quäle viene citata a giudizio. Nei primi due versi del quarto 
sonetto la donna si presenta ad Amore, e mostra alcun risenti- 
mento di tale citazione. Si chiude il breve dramraa col dis- 
corso del quarto interlocutore, d' Amore. II quäle rinfaccia 
alla ritrosa la sua crudelta, e sentenzia ch' ella debba aderire 
ai voti deir amante. Ne maneano le altre forme legali: la con- 
danna nelle spese del processo, e la coniminatoria nel caso di 
rifiutata obbedienza. Forse m' inganna la solita indulgenza degli 
editori per le cose da loro publicate; ma a me pare che il 
pensiero, non nuovo al tutto, sia esposto con una certa criginalita 
e leggiadria. Non a tutte e non a molte delle poesie liriche 
antiche puc) darsi lode eguale di perspicuita. 

Una particolarita fonetica ricorre in tutti e cinque i so- 
netti : r uso di fit per o Inngo e 1' equivalente dittongo latino 
ne: corteJsa V 13 (suftisso -ensis "^esis), preist Uli? preise I 4, III 3 
C^prehensi * preesi) , spnse V 10 (ex-pensae '^pesae); veiro IV 7, 
kereiro 11 1.3 in rinia citn plascere , che potrebb' essere pla- 



Cinque Soiietti antidü, 3ft7 

sceire (* qtiaerere in luog-o di quaerere) ; desinenzu verbale -l^tis 
in intendeUe V ?>, satte V 4; ph'ne I 1, III 9, IV G. II dittong-o 
franco-ladino ei per e e proprio di piu dialetti gallo-italici; oltre 
che nel pieniontese e genovese, negli emiliaui. Altri procedi- 
menti fonetici, ma di minor importanza, sarebbero i seguenti. 
In scannoscenza troviamo o ätono mutato in au, ^espausione che 
in esempii diversi ci e offerta . . . dall' antica poesia italiana'; 
Ascoli, Studii ladini 505. Taupino e del pari frequente nei 
lirici antichi. Essare ricorda il sanese. Sc per c fra vocali, in 
plascere II 10, e toscano; per xc = cc in scetto II 11 (excep- 
tus) ; ascietto nei Bandi lucchesi , la forma coli' aferesi nei 
sanesi. La c iniziale per g in cliirlanda non e rara affatto : 
covernatore nei Ricordi pratesi, cahella in documenti sanesi. 
OmmissJone di l innanzi a ^, o (se si voglia) assimilazione in 
attreri IV 9 = altr ieri; del che numerose parlate ofFrono 
esempii. 

Quäle adunque la patria dei sonetti? Ci costa fatica 
il supporla altrove che in Toscana, e la notazione ei per e 
vorremmo attribuirla al copista emiliano, che sara forse stato 
uno studente (e perche no un professore?) dell' imiversita di 
Bologna. ' Giova poi notare im fatto interessante. Fra Salim- 
bene Parmigiano nella sua Cronaca (Monunicnta historica ad 
provinciam Parmensem et Placentinam pertinentia III, 1, 12o), 
toccando del peccato della superbia, aggiugne : Item qui- 
dam dixit : 

O lasso me ! ke fu' temptato 
Com fo Adam nel paradliiso, 
Ki volse plu ke no i fo dato; 
Perde lo ben o' cra miso; 

ed alti'i tro ver.si, che non giova riporlaro. Si cdniVüntino ora 
i versi citati colla prima quartina del terzo sonctto, e si tro- 
vera singohire corrispondenza. Pu»') esserc iiu ruiiiciite fortuita, 



' Si noti clif sntt() i sonotti v' ('■ nii fi-.'iniiiicntn di u])ora gfinridicii : r clio 
1.1 iiH'tnln-.ina ;itt,;ici'at;i, all' .issici'lla ili cniiorta sarä stata fuj^lio di ciistudia 
dt'l iiiaiiuscritto prima cli' oi vciiissp Icifatii. 



öHS Mussafia. Cinque Sonetti antichi. 

derivata dall" idcntita dell' argomento; iiia pure la coiucidenza, 
specialraente delF ultimo verso m ciascuna delle due quartine, 
e si grande da perniettere il dubbio che fra il componiniento 
noto al cronista Parniigiano e quello che il giurisperita Bolo- 
gnese conservo suUa coperta d' uno dei suoi libri di studio 
ei sia pure qualche attinenza. Ora, se iraitazione v' ha, quäl e 
r originale? La poesia mezzo letteraria mezzo popolare, dalla 
lingua che vacilla fra il toscano ed il dialetto, o il sonetto che 
forma parte d' un piccolo ciclo, con forma prettamente lette- 
raria ^ artistica? Tutto cio che sappiamo delle evoluzioni della 
Urica italiana ci condurrebbe ad attribuire il primato di tempo 
al sonetto; il che avrebbe per conseguenza che le poesie che 
qui publichiamo per la prima volta risalgono piii alto che non 
parrebbe a prima vista, e vogliono ascriversi al decimo terzo 
secolo. Noi non ci arrischiamo ad affermarlo ; proponiamo 
perö il dubbio alle ulteriori ricerche dei diligenti investigatori 
deir antica lirica italiana. 



389 



IX. SITZUNG VOM 2(5. MÄßZ. 



Der Vicepräsident beg-rüsst das neu eingetretene Mit- 
glied Herrn Prof. Adam Wolf aus Graz. 



Sodann hält Herr Eduard Wert he im er aus Wien einen 
Vortrag" über eine Sammlung von Depeschen der Botsehafter 
Venedigs über Oesterreich und Deutschland 1541 — 1571, um 
deren Aufnahme in die Fontes rerum Austriacarum derselbe 
ersucht. 

Ferner legt der Secretär vor: 

eine von Herrn Adolf Wolf in Wien eingesendete 
Sammlung von , Briefen von Hoff mann von Fallersleben 
und Moriz Haupt an Ferdinand Wolf^, um deren Auf- 
nahme in die Sitzungsberichte der Herr Einsender ersucht; 

und die von dem Herrn Pfarrer Russ egg er in Neu- 
markt bei Salzburg eingesendeten beiden letzten Bände der 
von dem verstorbenen Prof. A. Huber bearbeiteten Chri- 
stianisirungsgeschichte von Südostdeutschland. 



Der Abdruck der von Herrn Adolf Wolf eingesendeten 
Schrift , William Roye's Dialogue between a Christian Father 
and his stubborn Son^ in den Sitzungsberichten wird genehmigt. 

Ebenso wird die Aufnahme der Abhandlung von Herrn 
Dr. (.'arl Rieger ,über eine Urkunde Ludwig des Deutschen 
für das Kloster Rheinau' in die Sitzungsberichte beschlossen. 



SitiUMgsber. d. phil.-bist. Cl. LXXVI. Bd. Hl. Hit. 26 



390 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 



Academie Imperiale des Scieuces de St.-P^tersbourg: Meuioires in 8". Tome 
XXII., S"'« Livraison. St.-Petersbours;, 1873. (Eussiscli.) 

Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin: Abhandlungen 
aus dem Jahre 1872. Berlin, 1873; 4". — Monatsbericht. Januar 1874. 
Berlin; 8". — Corpus inscriptionum latinavHm. Vol. VII. Berolini, 1873; 
in folio. 

Commission Imperiale Archcologique de St.-Petersbourg: Recueil d"Anti- 
quitds de la Scythie. Livraison II. Avec un Atlas. St.-Petersbourg, 1873; 
40 & folio. 

Gesellschaft der Wissenschaften, Kgl., zu Göttingen: Abhandlungen. 
XVIII. Band. Vom Jahre 1873. Göttingen; 4«. — Gelehrte Anzeigen. 1873. 
Band' I. u. 11. Göttingen; 8^. — Nachrichten aus dem Jahre 1873. Göt- 
tingen ; 8'^. — Das Buch der Jubiläen oder die kleine Genesis etc. Heraus- 
gegeben von Hermann Kons eh. Leipzig, 1874; 8^*. 

Greifswald, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 
1873/74. 40 u. 80. 

Mittheilungen aus J. Perthes' geograpliischer Anstalt. 20. Band, 1874. 
III. Heft. Gotha; 4«. 

,Revue politique et litteraire' et ,Revue scientifique de la France et de 
l'etranger. III« Annee. 2"« Serie. Nr. 38. Paris, 1874; 40. 

Schuler-Libloy, Friedrich, Abriss der Europäischen Staats- und Recht.s- 
geschichte. Berlin, 1874; 8«. 

Societas, Reijia, Scientiarum UpsaJienfiis .- Nova acta. Seriei tertiae Vol. VIII. 
Fase. II. Upsaliae, 187.9; 4^. — Bulletin meteorologique mensuel de 
l'Observatoire de TUniversite d'Upsal. Vol. IV., Nrs. 1 — 12; Vol. V. 
Nrs. 1—6. Upsal, 1872 & 1873; 4". 

Verein für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskuude : Mecklenbur- 
gisches Urkundenbuch. VIII. Band. Schwerin, 1873; 4^. 



Wolf. W. Roye's Dialogue between a Christian Father and his stnbborn Son. 391 



William Eoye's Dialogue between a Christian 
Father and his stubborn Son. 



Nach dem einzigen auf der Wienei- k. k. Hofbibliothek befindlichen 

Exemplare herausgegeben 

von 

Adolf Wolf. 



Einleitung. 

William Roy ist in der englischen Literatur als Ver- 
fasser einer heftig-en Satyre gegen Cardinal Wolsey und als 
Mitarbeiter des protestantischen Märtyrers, W. Tyndale, bei 
seiner englischen Uebersetzung des Neuen Testamentes be- 
kannt. Dass er auch der Verfasser, oder vielmehr Bearbeiter 
einer in Form eines Gespräches zwischen einem Vater und 
seinem Sohne gehaltenen protestantischen »Streitschi-ift war, wusste 
man bisher nur aus den Verzeichnissen der von der katholischen 
Kii'che verbotenen Bücher und aus den Anfülirungen von 
W. Tyndale in der Vorrede zu The Parable of the Wycked 
Mammon (Works, ed. by Walter for the Parker Society. Cam- 
bridge, 1848—50, Vol. I.) und von Sir Thomas More in der 
Supplycacyon of Soulys; man hielt diese Schrift bis jetzt aber 
flu- verloren, da selbst in den grössten und reichsten Biblio- 
theken England's kein Exemplar derselben gefunden wurde. 
Ein glücklicher Zufall hat ein Exemplar dieses Werkes in 
dei- Wiener k. k. llofbibliothek erhalten, wo es im Mai 1872 
von dem Amanuensis derselben, Herrn Gröldlin von Tiefenau, 
in einem Sammelbande, der ausserdem noch die ebenfalls 
äusserst seltene erste Ausgabe der oben erwähnten Satyre 

•26* 



392 Wolf. 

Roy 's gegen Wolsey: ,Rede me and be nott wrothe | For I saye 
no tliinge but trothe/' (wiederabgedruckt von Edw. Arber. 
London, 1871) enthielt/ aufgefunden wurde. Die Bedeutung 
dieser bisher für verschollen gehaltenen Schrift für die Ge- 
schichte der protestantischen Bewegung in England geht schon 
aus dem Umstände hervor, dass sie in den von dem Erz- 
bischofe von Canterbury erlassenen Verboten ketzerischer 
Bücher stets unter den ersten genannt wird^ und dass der 



^ Ausser diesen beiden englischen Werken befand sich in diesem Sammel- 
bande noch Nicohuis Herborn, Enchiridiou locorum communium ad- 
versus hnjus temporis haereses. Coloniae, 1528. 8". Dass Ruy's Dialoge 
schon im 16. Jahrhundert in der k. k. Hofbibliothek war, beweist der 
handschriftliche Catalog von Biotins, der in den letzten Decennien des 
16. Jahrhunderts Bibliothekar der Wiener Hofbibliothek war, und diesen 
Sammelband unter der Nummer 5187 verzeichnet hat. (Indicum biblio- 
thecae Caesareae tomus I.) ,Anglicus quidam liber functo Enchiridio 
locorum communium adversus hujus temporis haereses: au«tore Nicoiao 
Herbron (sie) Ao. 1528 in 8«.' 

2 Mandatum Wilhelmi arch. Cantuariensis ad inquirendum de libris Novi 
Te.st. in lingua vulgari editis. Datum in Manerio nostro de Lamehith 
.3. die mensis Novembris Anno Domini 1526 . . . Nomina librorum hoc 
tempore prohibitorum una cum Novo Testameuto. The supplicacion of 
beggars. Tlie N. T. of Tiudall. A Dialocjne hetwixf the father and the. 
son etc. (Abgedruckt bei Wilkins, Concilia Magnae Britanniae et 
Hiberniae. Londini, 1737. Fol. 4 Vol. Vol. HI. p. 706, 707.) Auffallend 
ist, dass dieser erzbischöfliche Erlass vom November 1526, dessen Echt- 
heit freilich nicht über allen ZAveifel erhaben ist, bereits die Schrift von 
Roy verbietet, da Roy's Vorrede zu diesem von dem Verbote Ijetroffenen 
Dialogue vom 31. August 1527 datirt ist. Dieser scheinbare Widerspruch 
erklärt sich vielleicht durch die Annahme, dass Rü3's Arbeit schon vor 
Beendigung des Druckes in Abschriften nach England gelangt war. 

Die Stalula et ordinationes praelatorum in concilio provinciali 
Cantuarien.si edita ex Ms. Cott. Cleop. F. 11. (Wilkins, 1. c. III. 717 ff.) 
von 152it führen an: De haereticis et haereticorum libris. An fünfter 
Stelle wird genannt: ,Item alius Liber qui Dialogus inter patrem et 
filiuni vucatiir. Item ulius infamis liber, qui De sepultura Missae rliytli- 
mico sermono vernaculo couipositus est.' Das Liber de scpultura Missae 
ist die oben bereits erwähnte, von Ai'ber wiederabgedruckte Satyre Roy's 
gegen Wolsey, die auch unter dem Namen ,Tlio burying of the Masse in 
Rliyme' bekannt ist. In der Proclaniation against erroneous books des 
Ery.bischofs von Canterbury vom Jahre 1530 wird ebenfalls unter den 
häretischen Werken angeführt: ,A Disputucion between the father and 
the son (Wilkins, 1. c. III. 737— 739); in dem von dem Bischöfe von 
Loiiiluii l.'i.SI veröffentlichten Memorandum gegen ketzerische Bücher 



William Koye's Dialogue botween a Christian Father aiul liis stiiliborn Sou. 39o 

Cardinal Wolsey dieselbe durch seine Agenten in Deutschland 
mit solchem Erfolge aufkaufen Hess, dass sie bis auf ein ein- 
ziges, durch einen glücklichen Zufall gerettetes Exemplar so 
spurlos verschwunden ist, dass selbst ihr Titel verschieden an- 
gegeben wird, und dass Sir Thomas More in seiner im 
Sommer 1529 erschienenen Supplycacyon of Soulys von der- 
selben sagt: ,. . . Theu cam sone after out in prynt the dya- 
loge of frere Roye and frere Hyerome | betwene ye father and 
ye sonne agaynst ye sacrament of ye aulter' etc. ^ Diese An- 
führung ist so unsicher, dass es fast zweifelhaft scheinen 
kcinnte, ob More wirklich die von uns wiederabgedruckte 
Schrift meint; er spricht von einem Dyaloge of frere Ivoye 
and frere Hyerome zwischen einem Vater und seinem Sohne 
gegen das Altarssacrament ; Roy's Dialogue ist jedoch sicher 
von ihm allein bearbeitet^ während frere Hyerome ohne 
Zweifel William Barlow ist, der mit Roy Verfasser des 
vornehmlich gegen AVolsey gerichteten satyrischen Gedichtes 
war und 1568 oder 1509 als Bischof von Chichester starb, ^ 



heisst es: ,The fu'st boke.is this, 1. The disi)iit;icioii betwbcte the fathyr 
and the sou.' (S. Furiiivall, Fr. J. Politieal, Relisious, and Love Poems. 
Froni the Archb. of Canterl)nry's Lanibeth Ms. No. 30(') etc. London, 
186G (im 15. Bande der Earhj Englixh Text Society). S. 34: ,Memoran- 
diini, the first sonday of Advent in the yere of our lorde Ml fyue him- 
dreth & xxxitli these ßokes folovvyng- were opyuly at poules crosse by 
the authorite of my Lorde of London vnder his Autcntycal sealc by the 
doctor that that day jjrechide, prohibite and straitely commaunded of no 
inaner of man to be red, vnder payne of suspeucion, and a greter payne, 
as more large api)eryd in for sayde antoryte.) 

Noch in den von dem Bischöfe von London, Bonner, geg-ebenen 
Injunctions von 1542 kommt ein Catalogue of prohibited books vor, 
darin Nummer 1 wieder The Disputation betweeu the father and the 
son ist. 

1 Ich fülirc die Stelle Moro's nacli dein Citate von Arl)er in dem Wieder- 
abdrucke von Rede me and be nott wrothe etc., S. 12, au, da mir die 
eno-lisch geschriebenen Werke des Sir Tli. More leider nicht zugänglich 
sind. 

2 S. über ihn Tanner, Bild, liritannico-hib. p. 75 f. Dass er an der 
Satyre gegen Wolsey mitgearbeitet hat, geht aus der von Tanner mitge- 
theilten Stelle des von ihm an König Heinrich VlIL gerichteten Schrei- 
bens hervor, in dem er die Irrthümer seiner Jugend widerruft und ge- 
steht: ,1 liave made certayn bokes and have sotired tiieym to bc em- 
printed: As tlie tretise of Tke bitri/all of the Mause' etc. Der Umstand, 



394 Wolf. 

auch ist die Behauptung More's, dass Roy's Dialog-e g-egen 
das Sacrament of ye aidter gerichtet sei, nur th eil weise richtig 
und bezieht sich vielleicht eher auf die ebenfalls dem Roy 
zugeschriebene Schrift: ,Liber compilatus per fratrem Williel- 
mum Roy contra Septem sacramenta ecclesiae', deren Existenz 
blos aus Anführungen bekannt ist. Wichtig für unser Buch 
ist die Stelle von Tann er (Bibliotheca britannico-hibernica, 
Londini, 1748. fol. p. 645) über Roy: . . . Argentinum abiit, 
ubi scripsit Int er i^rAtrem Christimmm et ßlium contumacem dia- 
logum christianam , Üb. 1. Jgnotum vobis non est charissimi/ 
da sie den Anfang der Widmung Roy's richtig wiedergibt: 
,It is not vnknowne to you all mylordes' (fol. P), es muss 
also Tanner's Gewährsmann Roy's Dialoge in der Hand 
gehabt haben, oder von einem Vorgvänger eine auf Autopsie 
beruhende Kunde erhalten haben 5 leider ist die Quelle, welche 
Tanner am Schlüsse seiner kurzen Notiz über Roy anführt, 
überaus dürftig. Tanner's Notiz lautet folgendermassen: ,Roye 
(Gulielmus). In Praefatione Gulielmi Tindali in Paraholnm 
impiae Mammonis, hie Gulielmus videtur fuisse monachus 
Grenovicensis, qui cum Tindalo commoratus per aliquot tera- 
pus ejus studiis promovendis austero animo et moribus auxi- 
lium tulit et deinde Argentinum abiit, ubi scripsit Inter 
jpatrem Christiami,m et ßlium contumacem dialogum christianam, 
lib. 1. ,Ignotum vobis non est charissimi.^ Adversiis cardinalem 
Wolseyum, lib. 1. ,Progredere parve libelle,' Idem forte hie 
fuit frater Roy, quem D. Thomas Morus meminit scripsisse 
An exposition on the VII. chapter of tlie epist. to the Corin- 
thians. More Opp. Anglic. p. 342. Claruit A. D. 1530. Et 
juxta Morum in PortugalÜa llammis consumptus est. Bai. par. 
post. p. 102. In dem am Schlüsse der Stelle Tanner's citirten 
Balaens, Scriptorum illustrium maioris Brittanniae posterior 
pars (Basileae, 1559. fol. p. 102) lautet die betreffende Stelle: 
jGuilhelmus Roye, aetate sua vir non ineruditus, in patria 
lingua scripsit, inter patrem Christianum et lilium contumacem, 
Dialogum christianum, Lib. 1. Ignotum vobis non est, chariss. 



dass er luikl Hioronj'mus, hald Gulielmus genannt wird, ist vielleiclit 
d<adnrfh /,ii erklären, dass Hieronynuis sein Klostername war, den er, 
naclidem er dasselbe verlassen hatte, wieder ablegte. 



William Roye's Dialogue tetween a Christian Fatlipr am! his stubborn Son. 39ö 

Aduersiis Cardinaleni Vuolsium, Lib. 1. Progredere parve 
libelle, nee. Et alia quaedam. Claruit anno Domini 1530.^ In 
der altern Ausg-abe (Ipswich, ir)4H. 4" fol. 254*") noch kürzer: 
,Giiilheluius Roy, olim (ut fortur) Minorita scripsit^; sein 
Gespräch ,Inter patrem^ etc. wird gar nicht erwähnt, sondern 
blos die Satyre gegen Wolsey. 

Von den Lebensumständen Roy 's ist wenig mehr be- 
kannt, als was Bale und nach ihm Tanner berichten; Alles, 
was über dieselben und über Roy's Antheil an der Tyndale- 
schen Uebersetzung des Neuen Testamentes in gleichzeitigen 
Werken und Documenten erwähnt worden ist, hat Edward 
Arber, der sich durch seine gcAvissenhaften und sorgfältig 
erläuterten Wiederabdrücke selten gewordener Werke der 
englischen Schriftsteller des 16. bis 18. Jahrhunderts um die 
englische Literatur grosse Verdienste erworben hat, in der oben 
bereits angeführten Herausgabe der Satyre gegen Wolsey (English 
Reprints. Rede me and be nott wroth etc. Carefully edited by 
Edw. Arber. London, 1871. p. 4 — 14) und in dem Wieder- 
abdrucke des ersten Druckes der Tyndale'schen englischen 
Bibelübersetzung (Facsimile Texts. The iirst printed English 
New Testament. Translated by William Tyndale. Photo-litho- 
graphed from the unique fragment, now in the Grenville Col- 
lection, British Museum. Edited by Edward Arber. l^ondon, 
1871. 4". p. 27 — 36.) zusammengestellt, und wir müssen uns 
darauf beschränken, diese biographischen Angaben hier in 
Kürze zu wiederholen und können dieselben nur mit wenigen 
Zügen, die wir der Vorrede Roy's zu dem hier wiederabge- 
druckten Werke und den Calendars of State Papers entneh- 
men, vermehren. 

Von den Familienverhältnissen Roy's wissen wir nun 
aus einer Aeusserung desselben in der Vorrede zu seinem 
Dialoge, dass seinem Vater eine jüdische Abstammung fälsch- 
lich vorgeworfen wurde. ,Ye and where as they hade no 
thynge wheron to grounde theym selves agaynst vs, they were 
nott aschamed faulcely to diffame theym, Avhich longe before 
that tyme were dead and rotten, as my faiher. Thynkynge 
that defamynge of hym, they shulde qwenche and dercken the 
cleare and evident light of god. whiche they hate worsse then 
other toade or addre, as a thynge agaynst their bellies moste 



396 Wolf. 

noyous and contraiy, sayinge, his father ivolde eate noo porke, 
what frute cau suche a tre bryngo fortlie. But knowynge that 
the innocency, bothe of my father and also of me, is not vn- 
knowne (in that behaulfc) vnto all the nobles of the realnie, 
I lytell regarde tlieyr heddy vndiscrecion' etc. (A little trca- 
tous or dialoge etc. fol. 2".) So viel wir wissen, ist bis jetzt 
dieser Vorwurf der jüdischen Abstammung gegen Roy noch in 
keiner gleichzeitigen polemischen Schrift aufgefunden worden; 
seine Abwehr galt vielleicht nur mündlich herumgetragenen 
Klatschereien. Roy widmete sein Büchlein ,To the Right 
noble Estates and to all wother of the toune of Cales^ und 
gewiss ist, dass sein Name, wenn er sich auch selbst Roye 
schreibt, einen mehr französischen als englischen Anstrich hat. 
In dem Calendar of State Papers. Letters, foreign and domestic 
of the Reign of Henry VIII. Arranged by J. S. Brewer. 
Vol. I. (London, 1862. 4^) findet sich unter der Nummer 5712 
vom 22. December 1514 eine ,Copy of the pleadings in a Court 
of pie-powder held at Calais 22. Decembre 6. Henry VIII.; 
before Humphrey Baunaster . . . aldermen, in an action brought 
by Thos. Thucker, of the staple at Calais, against Peter Roy, 
Peter Le Negro and Barth. Costopolegrino for cheating at 
Cards and dice. The defendants deny the charge, and state 
that they have played with many noblemen in England.' Un- 
möglich wäre es nicht, dass Roy's Familie aus Calais stammte. 
Unerwähnt darf auch nicht bleiben, dass in demselben Bande 
des Cal. of St. Pap. unter Nummer 3014 vom 2^'). Februar 
1512 ein William Roy, native of Bi-abant, vorkommt, dessen 
Denization unter diesem Datum angeführt wird. 

William Roy's Geburtsjahr und Geburtsort sind nicht 
bekannt; er studirte in Cambridge und war Mönch in dem 
Franciscanerkloster von Greenwich, das sich der besonderen 
Gunst der Königin Katharina, der ersten Gemahlin Hein- 
rich' s VIII., erfi-eute. ' 

Der reiche I^ondoner Kaufmann, Humphrey Monmouth, 
der ein heimlicher Protestant war, versah Roy mit Geld, um 



' Dass die Erwähnung Roy's mit dem Beisätze Apoatata und Tyndale's in 
der Bulle Leo's X. vom 17. Juni 1520, in der die Excommunication über 
Luther und .seine Anliänger ausgesprochen wird, die Dabney in seinem 
Memoir über Tvndaie i^The New Test, of J. C. By Will. Tyndale. An- 



William Roye'8 Dialogue between a christiau Father auil bis stnbborii Sou. 307 

nach Duutschland reisen und in Wittenberg- unter Luther 
Studiren zu können. Dies g-eht aus den in dem Calendar of 
State Papersj für. and doni. of the Keign of Henry VIII. Arr. 
by J. S. Brewer. Vol. IV. part. 2. (London, 1872. 4«.) Seite 
1877 unter dem Datum des 14. Mai 1528 nach Strype's Ec- 
clesiastical Memorials (Oxford, 1822. Vol. I. p. 588) abge- 
druckten Anklage-Artikeln g-egen Humphrey Monmouth wegen 
Ketzerei hervor: ... 3. That he has helped to persons occu- 
pied in translating- the Bible . . . as . . . friar Roye, an apo- 
state Observant. 4. That he helped Tyndalle, priest and friar 
Roye to go to Almayne to study Luthers sect. etc. William 
Tyndale verliess London im Mai 1524 und segelte nach 
Hamburg, ein Jahr später, im Frühjahre 1525, muss Roy nach 
Deutschland g-ekommen sein, denn im Juli oder August dieses 
Jahres kam er mit Tyndale zusammen in Köln an und unter- 
stützte ihn bei der Drucklegung seiner englischen Ueber- 
setzung des Neuen Testamentes, die bei Peter Quentel, dem 
berühmten Kölner Buchdrucker, mit aller Heimlichkeit veran- 
staltet wurde. Im September 1525 erfuhr Johannes Coch- 
laeus, der bekannte Gegner Luther's, von diesem Drucke 
und es gelang ihm mit Hilfe des Kölner Patriciers und Agen- 
ten Heinrich's VIII., Hermann Rinck, einen Befehl des 
Rathes der Stadt Köln an den Buchdrucker, diesen Druck 
einzustellen, zu erwirken. Tyndale und Roy, deren Namen 
Cochlaeus nicht erfuhr, und von denen er nur schrieb : , Verum 
Duo Angli Apostatae, qui aliquandiu fuerunt Vuittenbergae'' (?), 
erhielten frühe genug Wind von dem Sturme, der gegen sie 
losbrach, und flohen mit den fertig gedruckten Bogen nach 
Worms. 1 Hier vollendeten sie den Druck der Quarto-Ausgabe 

dover, 1837. p. .51) anführt, erst lange nach dem Erscheinen dieser Bulle 
gegen 1530 in das Exemplar des Bischofs von London hineincorrigirt 
wurde, unterliegt keinem Zweifel. Siehe Anderson, The Aimals of tlie 
English Bible (London, 1845. 2 Vols.), Vol. I. p. -203. Anm. 2(5. 
^ S. Cochlaeus, Jo. Comraentarii de Actis et Scriptis Mart. Lutheri. 
Moguntiae, 1549. Fol. S. 132—137. Wiederabgedruckt ist dieser Bericht 
des Cochlaeus von der englischen Bibel-lTebersetzung von Anderson 
(Ann. uf the Engl. Bible. Vol. L 8. 5Ü— 59) und nach diesem theilt 
auch Arlter in seiner Ausgabe des Fragmentes des Wormser Druckes 
der Tvadale'schen Uebersetzung (Facs. Texts. The first pr. Engl. New 
Test. etc. pag. 20 ff.) denselben mit. 



398 Wolf. 

der Uebersetzung des Neuen Testamentes (Jänner oder Februar 
1526) und veranstalteten die eben daselbst gedruckte Octavo- 
Ausgabe des Neuen Testamentes. In Worms trennte sich im 
Frühjahre 1520 Roy von Tyndale • und begab sich nach 
Strassburg. Hier hat er den jetzt wieder aufgefundenen Little 
Treatous aus dem Lateinischen in's Englische übersetzt und 
drucken lassen und sich über ein Jahr daselbst aufgehalten, 
was schon daraus hervorgeht, dass die Widmungsschrift des 
Little Treatous, wie bereits oben erwähnt (S. 2 Anm.), aus 
Strassburg, 3L August 1527 datirt ist, was durch das 
Zeugniss Tyndale's überdies bestätigt wird. - Im Sommer 1527 
kam auch der schon oben genannte Jerome Barlowe, der 
ebenfalls Mönch in Greenwich gewesen war, nach Strassburg, 
mit dem dann Roy die Satyre gegen Wolsey verfasste, die, 
wie Arber (Rede me etc. S. 6) nachweist, wahrscheinlich im 
Frühjahre 1528 niedergeschrieben und in demselben Jahre in 
Strassburg von Joh. Schott gedruckt wurde, der auch den 
Little Treatous gedruckt hat. Ein Vergleich der beiden, in der 
Wiener Hofbibliothek in einem Bande vereinigt gewesenen 
Schriften stellt es ausser allen Zweifel, dass beide von dem 
nämlichen Drucker mit denselben Lettern gedruckt wurden. 
Bestätigt wird diese Behauptung durch das höchst interessante 
Schreiben des uns schon bekannten Herrn. Rinck an den 
Cardinal Wolsey vom 4. October 1528, welches sich mi British 
Museum befindet und das Arber (Facs. Texts, The first 
printed Bible etc. p. 32 — 36) mit einer englischen Ueber- 
setzung seinem vollen Inhalte nach mittheilt, ^ und, wenn auch 
nicht so ausdrücklich, durch das etwas ältere Schreiben des 
Franciscanermcinches und Agenten Wolsey's John West vom 

' lieber die Berechtigung dieser Zeitbestimmung vgl. Arber, Facs. Texts 
etc. p. -26 f. 

2 S. Arber, 1. c. p. 26. 

3 Im Auszuge auch im Cal of State Pap. Lett. for. and dom. of Henry VTII. 
Vol. IV. part. "2. 4. Oct. 1528, wo auch ein ähnlicher oder gleichlauten- 
der Brief Rinck'.«« an Heinrich VIII. vom nämlichen Datum ohne weiteren 
Auszug des Inhalts erwähnt wird, der sich im Record Office befindet. 
Das Verdienst, zuerst auf Kinck's Schreiben aufmerksam gemacht zu 
haben, gebührt aber Anderson, der dasselbe in seinen Annais of the 
Engl. Bible (Vol. I. p. 201 ff.) in englischer Uebersetzung mittheilt. 



William Roye"s Dialogue hntween a chri«tiaii Fatlier and his stubborn Soq. 899 

2. September 1528 an John Hackett, den eni,''lischen Gesandten 
in den Niederlanden. Wir lassen diesen Brief West's, den 
Arber nicht erwähnt, nach dem im Cdlendar of State Pap. 
Lett. tbr. and dom. of Henry VIII. Vol. IV. part. 2 mitf2;e- 
theilten Auszuge hier nachfolgen: „ . . . I have spoken to Francis 
Brykman, bookbinder of this town, and he teils nie that 
Petygnele, Roy and Jerome Barlowe, friars of onr religion, 
and Hucthyns, otherwise Tyndall, made the last book (burying 
of the Mass?) that was made against the King and iny lord 
Cardinal, and that John Scott, a printer of Straysbourg, 
printed them. There is a whole pipe of them at Frankfort; 
and he desired me to write him a letter, whether he should 
buy them or not. If so he intends to send Roye with the 
other two to Cologne, to receive the money for the books, 
where I and Herman Ryng, of Colog-ne, shall take them. 
Our convent at Antwerp, 2. Sept. 1528." (Hol. p. 1. Add. 
Record Office.) Räthselhaft ist, wer unter dem sonst ganz un- 
bekannten Petygnele gemeint ist, und West verfällt in den- 
selben Irrthum wie Rinck, Tyndale für mitbetheiligt an der 
Abfassung der Satyre gegen Wolsey zu halten. Roy scheint 
Strassburg im Frühjahre 1528 bald nach dem Drucke der 
Satyre verlassen zu haben, denn gegen Ostern desselben Jahres 
befand er sich in Frankfurt a. M., wie aus folgender Stelle in 
dem oben (S. 8) angeführten Schreiben Rinck's hervorgeht. 
jLiterae gratiae vestrae ad me datae per dominum Johannem 
West, sacerdotem ordinis divi Francis[ci] de Observantia, 
scriptae quinto Augusti, le apud (sie) Hampton Körte, in 
vestrae gratiae pallat[ioJ mihi a Colonia ad Fraucofordiam in 
biduo celeri nuncio sunt missae et perlatae, 21. Septembris, 
de comraercandis undique libris Anglica lingua excussis, et de 
capiendis Roy et Huckynck. ' At illi et eorum complices a 
paschate"^ et proximis quadragesimae nundinis Francofordiae 
non sunt visi, neque scitur quo abierunt, superstites ne sint an 



' Gemeint ist Tyndale, dessen Bcinamo Hitcliyns von Rinck voistünniiclt 

geschrieben wird. 
- Arber bemerkt /.w dieser Stelle: ,Easter Day in 1Ö-2S teil im 12. April. 

Therefore Tj-ndale, or Roy, or both nf tliom wcre at Frankfort fair .•ilxnit 

April 15-.'8.' 



400 



Wolf 



vita functi. Neque Johainnjs Sehott, civis Argeutinensis et 
eorum chaleogniplms se seire clixit quo evanuissent/ Weiter 
erzählt Kinck, er habe Wolsey's lirief, der wahrscheinlieh den 
Auftrai>- enthielt, diese ketzerischen Bücher anzukaufen, vor 
drei Wochen, also in der ersten Hälfte Septembers erhalten, 
und fährt dann fort: ,. . . audivi et percepi illos ipsos libros 
Judeis Francofordiae certo aere vel nunimo oppigneratos esse, 
et tum quam primum pro ipsis consequendis ex me ipso ela- 
borabam, et sollicitus eram. Chalcographus autem Johannes 
Schott praeter faenus Judaeis dandum et sui laboris mercedem 
et papiri sumptum exig-ebat, et illi se eos venditurum aiebat 
qui plus pecuniae offerret/ Rinck kaufte von den Frankfurter 
Juden mit Unterstützung des von ihm bestochenen Bürger- 
meisters und Rathes der Stadt Frankfurt alle Exemplare zu- 
sammen, so dass er hoffen konnte, es werden nur wenige oder 
gar keine nach England gelangen können, überdies erwirkte 
er von dem Rathe der Stadt Frankfurt den Befehl an Schott, 
den Druck dieser Bücher einzustellen und das (3riginal-Manu- 
script abzuliefern. Dann fährt Rinck in seinem Schreiben fort: 
,Insuper et summa opei'a curabo in praedictis Roy et Huckyug- 
caeterisque regiae gratiae et vestrae aemulis et rebellionibus, 
tum capiendis, tum ubi locorum agant, percipiendo, ut dominus 
Johannes West et filius meus Hermannus Rynck, et Johannes 
Geilkyrche, meus minister ore et praesentes testabuutur^ etc. 
Es gelang jedoch Roy und Barlowe, diesen Nachstellungen zu 
entwischen, und Roy war sogar bald im Stande, seine damals 
ohne Zweifel misslichen Geldverhältnisse zu verbessern und 
Geld zu einer heimlichen Reise nach England aufzutreiben, 
wo er sich vor dem December 1528 durch einige Zeit bei 
seiner Mutter aufhielt. Dies geht aus einem Briefe hervor, 
den der uns schon bekannte John West am 17. December 
1528 schrieb, der aljer Wahrscheinlichkeit nach an Bryau 
Tuke gerichtet ist. ,Syr, The cause of my Avriting uuto your 
Mastership at this time is this. Our father minister, who is 
Father \\'illiam Robbynson, Warder of Greenwicli, was yester- 
day or this day, at my Lord's Grace to complain upon me 
and that my Lord should take away the commission from me. 
And all because they will not let me come to London and to 



William Roye's Dialoguc botween a cliristian Fathor and liis stubboni Son. 401 

seek for them that my Lord knoweth of, cand to enquire where 
Roy was, when he loas in England with Ms mothei-' etc. ' 

Von nun an ist Roy plötzlich wie verschollen, wir wissen 
weder, wie lang er sich in England aufgehalten, noch wohin 
er sich dann gewendet hat. 

1 Dieser Brief ist abgedruckt bei Arber, Rede me etc. S. 13 f. und im 
Auszug-e im Cahndar of State Pap. Letters, for. and dorn, of Henry VIII. 
Vol. IV. p. 2. Es dürfte vielleicht Manchem nicht ganz unwillkommen 
sein, wenn wir hier aus dem mehrerwcähnten Bande dieser voluminösen 
und nicht leicht zugänglichen Sammlung die Acteu.'^tücke , die sich auf 
die Verfolgung Tyndale's und Eoy's in den Niederlanden und Deutsch- 
land während der Jahre 1526 — 1528 und auf den im Auftrage Wolsey's er- 
folgten Aufkauf ihrer in Deutschland gedruckten "Werke beziehen, zu- 
sammenstellen. 

Nr. 2607. Lambeth. 3. Nov. 1526. (Brit. Mus.) Befehl des Erz- 
hischofs von Canterbury an John Voyley, Bischof von Exeter, 
nach englischen Uebersetzungen des Neuen Testamentes Nachforschun- 
gen anzustellen, da sie ketzerische Abscheulichkeiten enthalten. Dabei 
befindet sich eine Liste verbotener Bücher, in der unter Anderem vor- 
kommt: A Bialogue befinxt the Father and the Son. Abgedruckt ist 
dieses erzbischöfliche Mandat, das mit dem des Bischofs von London, 
Tuiistal, (abgedr. bei Foxe und Strype) ganz ähnlich i.st, nach Wil- 
kins, Concilia, IIL 706. (S. oben S. 2 Anm.) 

Nr. 2652. 24. Nov. (ßecord Office.) Brief von John Hackett an 
Wolsey aus Antwerpen. Er habe seit seiner Ankunft Nachforschungen 
nach den neu gedruckten Bänden der englischen lieber Setzung 
(<1. i. nacli Tyndale's in Wonns gedrucktem Neuen Testamente) ange- 
stellt, habe erfahren, dass zwei Männer in dieser Stadt (Antwerpen) die- 
selben drucken (?) und verkaufen. Er liat deshalb dem Lord of Palermo 
geschrieben, der von Mylady (der Statthalterin) einen Befehl an den 
Margrave dieser Stadt erwirkt hat, sich die grösste Mühe zu geben, um 
diese Bücher aufzutrei})en und den Druck einzustellen. Er schliesst zwei 
der neu übersetzten Bände dem Briefe bei und hotft binnen 1-1 Tao-en 
viele derselben dem Feuer übergeben zu können. Eine Proclamation 
wird demnächst gegen das Drucken, Verkaufen oder Kaufen solcher 
Bücher erlassen werden. 

Nr. 2721. 22. Dec. 1520. (Brit. Mus.j Brief von John Hackett 
an Wolsey aus Mecheln. Er habe vom Stadtrathe von Antwerpen das 
Verbrennen der ketzerischen Bücher verlangt, dieser wolle diesem Be- 
gehren jedoch nur unter der Bedingung uachkonnnen, dass nian ihm 
eine Uebersctzung d<'rsolben in's Holländische oder Lateinische vorlege. 
Nr. 27'.l7. 12. Jäimor 1.-,27. (Brit. Mus.) Brief Hackett's an 
Wolsey. Der Margrave und der Rath von Antweri)en haben die engli- 
schen Bücher zum Feuer verurtheilt, don nrni-krr Clir. Kmlboven ver- 
bannt und den 3. Theil seines Vermögens confiscirt. 



402 Wolf. 

Nur eine, aber keineswegs sicher verbürgte Nachricht ist 
noch über sein fnihzeitig-es, gewaltsames Ende auf uns ge- 
kommen. Sir Thomas More, bekanntlich ein eifriger Katholik 
und heftiger Gegner der protestantischen Bewegung in Eng- 
land, bekämpft in der Preface zu seiner Confutacyon of Tyn- 

Nr. 3132. 23. Mai 1527. (Brit. Mus.) Brief Hackett's an Wolsey 
aus Barow. Einige Antwerpener Drucker haben auf den Markt verschie- 
dene englische Bücher gebracht, die den Titel: ,Ny[we] Testament' 
führten. Er habe gehört, dass auf den letzten Markt in Frankfurt a. M. 
mehr als 2000 ketzerische englische Bücher gebracht wurden und dass 
einige englische Schüler Luther's die Bibel in's Englische zu über- 
setzen beginnen. Der König oder Wolsey wurden gut thun, deswegen an 
die Statthalterin der Niederlande zu schreiben. 

Nr. 3960. 24. Febr. 1528. (Brit. Mus.) Robert Ridley, Priester, 
an Henry Gold. Er tadelt strenge ,this common and vulgär translation 
of the Nev/ Testament into English, done by Mr. William Hitchyns, 
otherwise called Mr. W. Tyndale and Friar William Roy' und klagt 
diese Uebersetzer als Ketzer und Apostaten an, wie dies ihr vertraiiter 
Umgang mit Luther und seinen Anhängern und ihre Commentare zu 
Marcus und Matthäus beweisen. Es ist seltsam, dass von Seite der Gegner 
Tyndale und Roy wiederholt der vertraute Umgang mit Luther vorge- 
worfen wird, während bis jetzt noch kein sicheres Zeugniss dafür vor- 
liegt, dass Tyndale und Luther sich persönlich gekannt haben ; von Roy 
ist es auch nicht erwiesen, dass er in Wittenberg studirte. Auch das 
Zeugniss von Buschius (s. Spalatin's Diarium bei Sehelhorn , Amoeni- 
tates. Vol. IV. p. 431 f.) beweist nicht die persönliche Bekanntschaft 
Luther's und Tyndale's. 

Nr. 4260. 14. Mai 1528. (Strype, Mem. L 488.) Die Anklage- 
Artikel wegen Ketzerei gegen Humfrey Munmouthe. (S. oben S. 397). 

Nr. 4693. 2. Sept. 1528. (Brit. Mus.) Brief von John West an 
John Hackett. (S. oben S. 399). 

Nr. 4S10. 4. Oct. 1528. (Brit. Mus.) Brief von Herm. Rinck an 
Wolsey. Leider scheinen die Auszüge, die in dem Üal. of State Pap. von 
den einzelnen Urkunden mitgetheilt werden, nicht immer ganz zuver- 
lässig zu sein; so heisst es in dem Auszuge, der ans dem mehrerwähn- 
ten wichtigen Schreiben Rinck's mitgetheilt wird: ,Will use all his 
power to get possession of lieretical books. Went to tiie fair at Frank- 
fürt, armed with mandates fnmi tlie Pope and the Emperor and coiu- 
pelled John Sckott to confesse that he had prinled in Etnjlbih, German, 
French and otlier langnages 1000 books of six quires' etc., während diese 
Stelle bei Arl)er (Facs. Texts, p. 35), der den Brief in extenso mittlieilt, 
folgendermass(!n lautet: ,Hoc itaque modo, regiae gratiac et vestrae 
omnibusijue tum religiosis tum saecularibus subditis Anglici regni in 
salutem et connuodum ((uantum potui divino opitulamine et iuxta vestrae 
gratiac mandatuui, liaereticorum librns inquisivi neque laburi neque 



William Roye'ti Dialogue between a Christian Fatlier aml liis stu1>l)oiii Son. 403 

dalle's Answere etc.^ die 1532 erschienen ist, Tyndale's Ex- 
jiosifion of 1. Corintlüan. VII. c. , die er irriger Weise Roy 
zuschreibt und äussert sich bei dieser Gelegenheit folg-ender- 
massen: ' 



pecuniae parcens, sed Francofordiam ad luuidinas abii, tum pai)ali tum 
Caesareo mandato cum ipsis egi, praesertim usus sum iisdem privilegiis 
vel mandatis quae a divo Maximiliane Caesare, et nunc moderno impera- 
tore Carolo consecutus sum olim, calcographum ipsum Johannem Scliott 
coram consulibus iudicibus et senatoribus Francofordieusibus iureiurando 
compuli, ut fateretur qnot Libros tales excusserit in Ihigua Aiiglicn, Ger- 
manica, Gallica aut aJio ideomate, func ad nacramentum dictum fatehatiir 
quod soluvi niille sex quaternioimm et adhuc mille libi-os vovem quatcrnio- 
nuvi Angfico servione excussisset, et hoc iussu Koy et Huckyngk, qui 
aere charentes, libros excussos solvere non poterant, multo minus eos in 
caetei-is Unguis excudi facere.' Es wäre auch, von diesem positiven Zeug- 
nisse abgesehen, höchst verwunderlich gewesen, wenn Roy den Dialogus, 
der, wie wir weiter unten sehen werden, nach seiner eigenen Ang-abe 
die englische Bearbeitung einer lateinischen Uebei'setzung aus dem 
Deutschen war, auch deutsch hätte drucken lassen. 

Nr. 4811. 4. Oct. 15-^8. (Rec. Off.) Brief Rinck's an König Hein- 
rich vin. 

Nr. 4826. 7. Oct. 1528. (Rec. Oö'.) John Hackett an Wolsey. 
Er hat ihn durch die Briefe vom 20. August, 12. und 13. September 
und 5. October von dem Vorgefallenen in Keuntniss gesetzt, wie der 
Ueberbiinger derselben, John West, ihm zeigen wird. Um seine Zwecke 
zu erreichen, muss West die Erlaubniss erhalten, seine graue Kutte ab- 
zulegen. 

Nr. 4827. 7. Oct. 1528. (Rec. Off.) Hackett an Wolsey. Diesen 
Morgen übergab er einen Brief an West. Herr de Chevanne, der Bruder 
des Lords von Palermo, gab ihm einen Brief an Wolsey. Der Ueber- 
bringer dieser Briefe ist Herm. Rinck, der Sohn, der Briefe von seinem 
Vater, der ein treuer Ritter des Königs ist, bei sich hat. 

Nr. 5018. London, 9. Dec. 1528. (Brit. Mus.) Brief von Brian 
Tuke an Gardincr. Er habe auch an Hackett geschrieben, dass WoLsey 
We.st mit den nothwendigen Instructionen betreffs der Ketzer an ilin 
senden werde. Schickt die Briefe Hackett's an West, der Wolsey am 
Freitage sah. West weiss nichts vini ilinen, su dass Wolsey mit ilmen 
thun kann, wie ihm beliebt. 

Nr. 504.3. 17. Dec. 1528. (Brit. Mus.) Brief J..hn West's an 
[Brian Tuke]. (S oben S. 400.) 

' Wir theilen diese Stelle nach Arber, Rede me etc. 8. 4(i4 mit, da uns, 
wie schon erwähnt, More's in englischer Sprache erschieneneu Werke 
leider nicht zu Gebote stehen. 



404 w ,. I f. 

jThnt work hatli no naino <>f tlic maker, but some wene 
yt was tVore Roy, wliyoli whon ho was talliMi in heresy, thoii 
t'oundo yt vnlawt'iill to lyue in cliastyto. aiul ranno out of hys 
(n'diM-, and liath svniu's soui>ht mnnv a t'also vnlvetull wav to 
lyuo by, whorein bo mado so many oliauiiii-es, tliat as BayfeKl 
ji uotbor berotyqiu' aiul bito bunied in smytbt'old toUlo vuto 
raö, bc niado a mote ondt' at biste, and was burued iu 
PortuiiaU'.' 

Riebard Bayt'iold, der tViiber Kämmerer des Benedik- 
tinerklosters l^urv St. Kdniond gewesen war, hatte sieh in 
Deutsebbind an Tyndale und Frytb ani»eseldosseu und war im 
Sonnner l5o(^ mit einer bedeutenden Anzald eno^liscber uml 
hiteiniseher protestantiselier Büeber naeh Kuiiland zurüek- 
i>'ekehrt; er wiederliolte dieses Wai>niss noeli zweimal, wurde 
im November 1581 verhaftet und starb am 27. desselben Mo- 
nates den Tod auf dem Seiieiterhaufen. Die Naehrieht, die er 
vor seiner Verbrennuni»- dem I^onlkanzler Sir Th. More mit- 
theilte, dass Rov in Portugal verbramit worden sei, klimrt 
nicht sehr wahrseheinlieh und war vielleicht eine absieiitliehe 
IrreführuniT dieses allzu eifriiren Ketzerverfolirers. In dem 
Kaleniler. der den Acts and Monuments von Jojm Foxe vor- 
aui^eht [Y\\v Actes and ^lonuments. A new edition. A\'ith a 
\n\'\. dissertation by G. Townsend, edited by St. R. Cattley. 
London, 1841— IS4S». 8 Vols. Vol. l.\ wird unter .lern C Mai 
aiiiiefllhrt: Frver Kov mar. l"),')!. Der Todestair wird nicht 
aniiCi;eben ; vielleicht soll es der t>. ]\[ai sein. Woher aber der 
durch Zuverlässig'keit nicht eben sich auszeiclinende protestan- 
tische Älartyroloi»" die Nachricht über das Todesjahr Roy 's er- 
halten habe, wird nicht mit<j;etheilt. An einer andern Stelle 
seines A\'erkes (vol. 4. S. tUUi) sagt Foxe: ,In this year (löol) 
" as WC tlo nnderstand hi/ türers nott\s of old reifisfers (^was sind 
dies iur tyifisttrs und wo möi»-en sie sieh jetzt betindenV"! and 
otherwise, friar l\oy was burned in Bortui^al; but what his 
exaniination, or artieles, or cause of his death was. wc can 
have no understandinj»-; but what his doetrine was. it m.-iv be 
easilv iudired , from the testimonies, whicb je left Iutc in 
Enjjchind.' 

lieber Roy's (^harakter äussert sich nicht nur sein katho- 
lischer Gci^'ner, Sir Th. Moiv, sondern auch sein Glaubens- 



William Boyes DialogTie between a Christian Father and Ms Etnbborn Son. 405 

genösse William Tyndale. der sich seiner bei der Herstellung- 
und Drucklegung der ersten Ausgabe seiner englischen Ueber- 
setzung des Xeuen Testamentes bedient hatte, ungünstig. In 
der Address to the Reader, welche ,The Parable of the Wycked 
Mammon' etc. (gedruckt 1528 in ]\Iarburg in Hessen) voran- 
geht, spricht sich Tyndale folgendermassen über Roy und 
seinen Antheil an der englischen Uebersetzung aus: ,Whyle I 
abode a faythtul companyon ' which now hath taken an other 
vyage vpon him, to preach christ where (I suppose) he was 
never yet preached (God which put in his herte thyther to goo 
sende his sprite with him, comforte him and bringe his pur- 
pose to good effecte) one William Roye a man somewhat 
craftye when he cometh %Tito new acquayntaunce and before 
he be thorow knowen and namely when all is spent, came 
vnto me and offered his helpe. As longe as he had no money, 
somwhat I could ruele him: but as sone as he had goten him 
money, he became lyke hym seife agayne. Xeuerthelesse I 
suffered all thinges tyll yat was ended whych I coulde not 
doo alone wythout one both to wryte and :<• helpe me to com- 
pare ye textes together. When that was ended I toke my leue 
and bode him farewel for oure two lyues, and as man saye a 
daye longer. After we were departed he went, and gate him 
new frendes which thinge to doo he passeth all that ever I 
yet knewe. And there when he had stored hym of money he 
gote him to Argentine where he professeth wonderfull faculties 
and maketh bost of no small thinges. A yere after that and 
now. xii. monethes before the pryntinge of this worke- came 
one Jerom-^ a brother of Grenewhich also, thorow wormes to 



' Arber, der sowohl in den Facs. Texts, The first printed etc. als in Rede 
me etc. diese Stelle Tyndale's mittheilt, kann sich nicht mit Sicherheit 
darüber aussprechen , wen Tyndale unter diesem erwarteten faythful 
companyon gemeint habe, hält es jedoch fiir nicht unwahrscheinlich, 
dass es Thomas Hutton gewesen sein dürfte, der am 24. Februar 1529 
den Märtyrertod starb. Wir sind bei Wiedergabe dieser Stelle Arber ge- 
folgt, da die Ausgabe der Parker Society, die wir oben angeführt haben, 
durch die Modemisirung der Orthographie leider sehr an Brauchbarkeit 
verloren hat. 

- Der Druck der Parable of the Wycked Mammon wurde am 8. Mai 1528 
vollendet. 

3 Barlow, s. oben S. 393. 

Siteniigtber. d. phil.-hist. Ol. L>lXV1. Bd. lU. Hft. 27 



406 Wolf. 

Argentine, sayenge tluit lie enteridod to be Christes disciple 
an other whyle and to kepe (as nye as God wolde gyue hini 
grace) the profession of his baptem, and to gett bis lyuinge 
with bis bandes^ and to lyue no longer ydely and of the 
swete and laboure of those captyues whiche tbey had taugbt, 
not to byleue in Cbryst: but in cuttsbowes and russet coetes. 
Wbicb Jeroni witb all diligence I warned of Royes boldnesse 
and exborted bym to bewarre of bym and to walke quyetl}^ 
and witb all pacienee and longe soiferinge acordinge as we 
bave Cbryste and bis apostles for an ensample, wbicb tbinge 
be also promysed me. Neuertbelesse when be was comen to 
Argentine William Roye (wbos tonge is able not only to make 
foles Sterke madde, but also to disceyue tbe wisest tbat is at 
tbe fyrst sygbt and acquayntaunce) gate bim to bym and set 
bim a werke to make rymes, whyle he hym seife translated a 
dialocje out of laten in to Englysh, in ivhose prologe he pro- 
myseth moare a greate deal than I fere me he will euer paye . . .' 

ßeacbtung verdient aueb nocb folgende Stelle dieser 
Schrift Tyndale's, die wir nach Walter's Ausgabe der Werke 
Tyndale's für die Parker Society (I. 41 f.) mittbeilen müssen: 
,It becomes not then the Lord's servant, to nse railing rhymes, 
but God's Word . . . Tbe word of God is tbat day wbereof 
Paul speaketb, [I. Coi\ 111.] wbicb sball declare all things, 
and tbat fire wbicb sball try every man's work, and consume 
false doctrine: witb tbat sword ougbt men sbarply to figbt and 
not to rail with foolish rhymes. Let it not offend thee, tbat 
some walk inordinately; let not the wickedness of Judas cause 
the to despise the doctrine of his feU.ows. No man ougbt to 
tbink tbat Stepben was a false preacher, becaiise fhat Nicholas, 
which ivas chosen felloio ivith him to minister unfo the tvidoivs, 
feil after into great heresies, as histories make mention. Good 
and evil go always togetber, one cannot be known witbout tbe 
other/ 

Die hier angeführten Stellen aus dieser Schrift Tyndale's 
sind für unsere Kenntniss von Roye und seinem jetzt wieder- 
aufgefundenen Werke in mehr als einer Beziehung wichtig, 
namentlich sind die Worte Tyndale's: ^he hym seife translated 
a dialoge out of laten into Englysh, in whose prologe he pro- 
layseth moare a greate deal' etc. für die Identität des Lyttle 



William Roye's Dialogne between a Christian Fatlier aml his stuliborn Son. 407 

treatotis mit dem Dialoiius iuter patrem cliristianum et filium 
contumacem von entscheidender Bedeutung, wie sich weiter 
unten ergeben wird. 80 wenig bekannt uns die näheren 
Lebensumstände Roy's sind, ebenso verworren und unklar sind 
die gleichzeitigen Nachrichten über seine Schriften. A r b e r 
macht zu der mehrerwähnten Stelle Tyndale's: ,tchyle he hym 
seife iranslated a dialoge otit of lafen into Englysh' folgende 
Anmerkung (Facs. Texts, S. 28), die hauptsächlich wegen des 
Citates aus Sir Th. More's Supplicacyon of Soulis für Roy's 
literarische Thätigkeit von grosser Wichtigkeit ist: ,This 
translation is now apparently lost. The author of the original 
Latin work (which I have also been unable to see) is un- 
known. Its title is given by Park (Harl. Mise. IX. 3) as Jnter 
•patrem Christiannm et filium contumacem dialogum Cliristiannm. 
That this work is also the same as Roy's book against the 
seven sacraments is proved by the following passage in his 
(nämlich Sir Th. More's) Supplicacyon of Soidys (in ans wer 
to Simon Fyshe's Supplication for the Beggars) published be- 
fore More had become Lord Chancellor (25. Oct. 1529). The 
refereuce is important as fixing the order in which the several 
works became known in England. The dates will be seen lo 
coniirm Tyndale's Statement; that Roy's two works were 
printed at Strasburg in 1527. (Dies steht jetzt, wie sich aiis 
dem Schlüsse der Widmung Roy's ergibt, für den Lyttle 
treatous unzweifelhaft fest.) „They parceyuyng thys, haue ther- 
fore furste assayd the fürst way all redy, sendyng forth Tyn- 
dals translacyon of the new testament in such wyse handled 
as yt shuld haue bene the fouutayn and well spryng of all 
theyr hole heresies. For he had corrupted and purposely 
changed in many placys the text, with such wordys as he 
myght make yt seme to the vnlerned people, that the scrypture 
affyrmed theyr heresyes it seife. Then cam sone after out in 
prynt the dyaloge of frere Roye and frere Hyerome, betwene 
ye father and ye sonne agaynst ye sacrament of ye aulter; 
and the blasphemouse boke entytled the beryeng of the masse 
(i. e. Rede me, etc.). Then cam forth after Tyndals wykkyd 
boke of Mammona (dated 8 May 1528) and after that his 
more wykkyd büke of obydyence." (dated 2 October 1528) 
fol. xix. b.' Die k. k. Ilofbibliothek besitzt leider den oben 

27* 



408 Wolf. 

in dieser Anmerkung- Arber's angeführten neunten Band der 
Harleyan miscellany niclit; wir verdanken Herrn Richard 
Henry Wood aus Manchester die gütig-e Mittheilung der be- 
züglichen Stelle. ,Roy appears to have been an Ecclesiastic, 
he resided some time with Tindal whoni he assisted in his 
studies. He was one of the Translators of the New Testament 
printed at Hamburg or Antwerp in 1526. He afterwards went 
to Strasburg- where he wrote ,Inter patreni Christianum et 
filium Contumacem dialogum christianum' and suffered the 
stake in Portugal for heresy/ Diese Notiz ist, wie man sieht, 
noch dürftiger als die von Bale und Tanner. Man wird die 
Armuth der Nachrichten über Roy und seine Werke begreif- 
licher finden, wenn man bedenkt, dass selbst Zeitgenossen, wie 
Sir Thomas More, über ihn und dieselben schlecht unteri'ichtet 
sind. Wie die oben angeführte Stelle der Supplicacyon of 
Soulis zeigt, schreibt Sir Thomas die Verfasserschaft des Dya- 
loge, den Roy, wie dies nicht nur durch seine Widmung, son- 
dern auch durch Tyndale's Zeugniss bewiesen wird, allein 
bearbeitet hat, der vereinten Thätigkeit des Frere Roy and 
frere Hyerome zu; ebenso unrichtig ist die Behauptung- More's, 
dass der Dyaloge gegen das Sacrament des Altares gerichtet 
sei (s. oben S. 393), da, wie wir sehen werden, Roy's Schrift 
eine populäre Unterweisung im christlichen Glauben ist, in 
der, wie natürlich, die Lehre vom Altarssacramente nicht nur 
nicht umgangen werden kann, sondern eine Hauptrolle spielt. 
Es ist dagegen nicht unmöglich, dass Roy der Verfasser einer 
bis jetzt noch nicht wieder aufgefundenen Schrift gegen die 
sieben Sacramente ist, denn die oben (S. 392 Anm.) citirten 
Statuta et ordinationes Praelatorum in concilio prov. Cantua- 
riensi von 1529 führen unter den haereticorum libris auch an: 
,Alius liber compilatus per fratrem Wilhelmnm Roy contra 
Septem saciamenta' , während der Dialogus inter patrem et 
filium schon früher aufgezählt worden ist; ebenso wird in dem 
Memorandum des Bischofs von London von 1531 verboten : 
A Boke made by freer Roye ayenst the sevyn sacrameutis', 
als Nummer 1 der verbotenen Bücher kommt aber die 
jdisputacion betwixte the fathyr and the son^ vor. Sir Th. 
More's schon früher' erwähnte Behauptung (s. oben S. 394), 
dass Roy der Verfasser der Exposicion on the VH. chapter 



William Roye'a Dialogne between a Christian Father and his stubborn Son. 409 

of the ep. to the Corinthians gewesen sei , dürfte auf einer 
Verwechlung mit Tyudale beruhen, der diese Exposition ver- 
fasst hat. Unzweifelhaft richtig ist die Bemerkung More's 
über das rasch auf einander folgende Erscheinen des Dyaloge 
und der Satyre gegen Wolsey. In dem schon mehrfach er- 
wähnten Briefe Herrn. Rinck's an Wolsey kommt die 
für uns hier wichtige Stelle vor: ,. . . calcographum ipsum 
Johannem Schott coram consulibus . . . iureiurando compuli, 
ut fateretur quot libros tales excusserit in lingua Anglica, 
Germanica, aut alio ideomate, tunc ad sacramentum dictum 
fatebatur quod solum mille sex quaterniomcm et adhuc mille 
libros novem quaferniomim Anglico sermone excussisset^ etc. 
(S. oben S. 402 Anm.) Der Dyaloge besteht aber aus fünf 
ganzen Quaternionen und je einer halben Quaternio am An- 
fange und Ende, so dass die Gesammtzahl sechs sich ergibt, 
und Roys Rede me etc. hat neun Quaternionen. 

Die etwas hämische Bemerkung Tyndale's in seiner 
Parable of the Wycked Mammon über Roy: ,in whose prologe 
he promyseth moare a greate deal than I fere me he will euer 
paye' bezieht sich offenbar auf folgende Stelle in Roy 's, dem 
Dyaloge vorangehender Widmung: , Whose cruell tyranny 
foxye cavillacion, and resistence, have moare inflammed ray 
hert, and couraged my mynde, to go aboute the translacion of 
holy scripture. Insomoche that I have allredy j^artly tfanslated 
certayne hohes of the cid testament, the whiche, with the healpe 
of God, yerr longe shalbe brought to lyght.' (Fol. 2**.) Und 
am Schlüsse der Widmung kommt Roy auf diese Uebersetzung 
des alten Testamentes abermals zurück: ,But seynge that we 
can do nothynge of oure selves, I beseche you all, der 
bretheren, to praye vnto the lorde for me, that I maye hav^e 
both mynde and strengthe wother soche bokes to translate, 
and the whole aide testament, wherby ye of englonde, maye 
also knowe and heare the voyce of youre true shepherde' etc. 
(Fol. 4*". I Wie weit diese Uebersetzung des Alten Testamentes 
bereits gediehen, ob sie nach dem Hebräischen oder nach der 
Vulgata verfasst gewesen sei, lässt sich nicht bestimmen, da 
bis jetzt keine Spur von derselben aufgefunden worden ist 
und man bis auf diesen Augenblick von dieser Uebersetzung 
Roy's gar nichts wusste. 



410 Wolf. 

In der Widmungsschrift äussert sich Roy über den Dya- 
loge selbst folg-endermassen : ,. . . I happened on a smale 
worcke, whiche after my iudg-ement is a treatous very ex- 
cellent, late turned oute of donche into latten.' (Fol. 2''.) Das 
Gespräch zwischen Vater und Sohn war also nicht, wie mau 
bisher geglaubt hat, ursprünglich lateinisch abgefasst, sondern 
aus dem Deutschen in's Lateinische übersetzt, und diese letz- 
tere üebersetzung war es, welche Roy englisch bearbeitete. 
Dass dutch, oder wie Roy dies Wort schreibt, donche im An- 
lange des XVI. Jahrhunderts und noch viel später ganz all- 
gemein für deutsch, und nicht blos, wie heutzutage, für hollän- 
disch gebraucht wurde,' lässt sich durch eine lange Reihe von 
Zeugnissen nachweisen, aus denen wir einige in der Anmer- 
kung' zusammenstellen, Roy selbst setzt die Bedeutung, in 



' In einer Depesche von John Hackett an Cardinal Wolsey d. d. Mechlin, 
(20.) Febr. 1527, die in dem Cal. of State Pap. Lett. for. and dorn, of 
Henry VIII. Tom. IV. part. 2. S. 1296 abgedruckt ist, heisst es: ,He 
says also, that he hears from Dutchlmid , that Wallop has been seen at 
Venice . . . Hears that Mr. George (Fronsberg) the captain of the Dutch- 
men in Italy, is as great a Lutheran, as may be' etc. William Tyndale 
gebraucht Dutchland ebenfalls füi" Deutschland, wie folgende Stelle seiner 
Answer to Sir Thomas More Dialogue (Works, vol. III. S. 40) beweist: 
The pope consenteth not that God's law is good. For he hath ft>rbidden 
lawful wedlock vnto all his, over whom he reigueth a.s a temporal tyrant 
with laws of his own making, and not a hrother exhorting them to keep 
Christ's; and he hath granted unlawful whoredom unto as many as 
bring money; as through Dtifchland every priest, paying a gildren unto 
the archdeacon, shall freely and quietly have his whore, and put her 
away at his pleasure; and take another at his own lust; as they do in 
Wales, in Ireland, Scotland, France and Spain.' Der Herausgeber macht 
folgende Anmerkung zu dieser Stelle: ,By Dutchland, Tyndale means 
Germany; and that licensiug of sin, to which he alludes had formed the 
ninety first article in the list of a hundred grievances transmitted to pope 
Adrian IV. from the diet of Nuremberg, not more than eight years before 
Tyndale's composing this answer. These ,Centum gravamina nationis 
Germanicae' were published in 4" at Nuremberg 1523; and may be seen 
in Brown's Fascicnlus verum expetend. Lond. 1690. Fol.; where the 
words of Gravam. xci are : Item in locis plerisque episcopi et eorum 
officiales non solum tolerant concubinatum dummodo certa persolvatur 
pocunia^ sed et sacerdotes continentes, et qui absque concubinis degunt, 
concubinatus censnm persolvere cogunt' etc. 

De maus theilt in seiner jüngst erschienenen Biographie Tyndale's 
(William Tyndale. London. S. a. S. 440 f.) ein Schreiben des Agenten 



William Eoye's Dialogue between m. Christian Father and bis stubborn Son 411 

der hier dii^ses Wort, gebruucht ist, ausser Zweifel, wenn er 
in der Widmung fortfährt: ,Whiche in the redynge of it, 
greatly delited me, and that nott only because of the due and 
naturall ordre of it, but rather because I se fhere as I am 
(lohere this hoke is coraenly in vse) bothe yong-e and olde, 
practyse in lyvynge all those thinges whyche the book teach- 
eth by wrytynge/ (Fol 2". 3\) 

Das deutsche Originalwerk war also in Strassburg (there 
as I am) allgemein im Gebrauche (comenly in vse); wer war 
aber der Verfasser dieses Werkes und welchen Titel führte es, 
wo und wann sind das deutsche Original und die lateinische 
Uebersetzung erschienen? Auf alle diese Fragen müssen wir 
die Antwoi't schuldig bleiben; wir haben umsonst die Werke 
eines Zwingli, Oecolampadius. Bucer, Capito, Matthcäus Zell, 

Lord Cromwell's in Antwerpen, des Kaufmannes Robert Flegge, vom 
Jahre 1535 mit, in dem es heisst: ,. . . Then I was informed, that the 
marquis of Barough (i. e. Rergen-op-Zoom) was departed two days before, 
towards Dutchland as governor and ruler of the Princess of Denmark, to 
conduet her to lier husband the Palsgrave' etc. (Audi Anderson druckt 
in seinen Annais of tlie Engl. Bible, I. 429 diesen lirief ab.) 

Westcott veröifentlicht in seinem Werke: ,A general view of 
the History of the English Bible (-2. ed. London, 1872. S. 59) das Titel- 
blatt der Bibelübersetzung von Miles Cover dale vom Jahre 1535, in 
dem es heisst, dass dieselbe ,is faithfuUy and truly translated out of 
Dutch and Latin into English'. In der Vorrede dieser Uebersetzung 
äussert sich Coverdale: ,. . . And to lielp me herein I have had sundry 
translations not only in Latin but also of the Dutch interpreters , whora 
because of their singiilar gifts and special diligence in tlie Bible I have 
been the more glad to follow' etc. Ebenso sagt Coverdale in der Vor- 
rede zu seiner 1538 erschienenen Uebersetzung: ,. . . as through the 
Holy Ghost were not the Author of his Scripture as well in the Hebrew. 
Greek, French, Dutch and in English as in Latin.' 

Und noch Miles Smith sagt in der Vorrede zu der auf König 
Jacob I. Befehl veranstalteten Bibelübersetzung von 1611: ,. . . Neither 
did we think much to consult the translators or comentators, Chaldee, 
Hebrew, Syrian, Greek or Latin, no nor the Spanish. French, Italian or 
Dutch' etc., wo die Zusammenstellung ebenfalls keinen Zweifel aufkom- 
men lässt, dass unter Dutch Deutsch gemeint ist. Bekanntlich nennt der 
Nordamerikaner den Deutschen noch jetzt Dutchman. Vgl. überdies auch 
die Wörterbücher von Worcester, .\ Dictionary of the English Language 
(London, s. a. 4") und von Hoppe, Englisch-Deutsches Supplement- 
Lexicon (Berlin, 1871), s. v. dutch. 



412 Wolf.. 

Myconius, Bullinger und Anderer durchforscht, ohne das 
deutsche Original entdecken zu können, und auch die biblio- 
graphischen Werke von Panzer, Weller u. s. w. haben uns 
keinen Auf'schluss gegeben. Wir haben namentlich die Werke 
der frühesten Anhänger Zwingli's und der ältesten Strassburger 
Protestanten durchgesehen, da die Wahrscheinlichkeit nahelag, 
als Verfasser des Originals unseres Dialogue einen Schweizer 
oder Strassburger zu vermuthen; wir suchten dann auch unter 
den Werken Luther's und seiner bedeutendsten Anhänger, waren 
aber nicht so glücklich, diese Schrift auflinden zu können, die 
nach Roy's Zeugniss um 1527 in Strassburg allgemein verbreitet 
war und, ein seltener Fall, der sich nur durch die Rücksicht 
auf die nicht deutschen Glaubensgenossen in den Nachbarländern 
erklären lässt, aus dem Deutschen in's Lateinische übersetzt 
worden war. Wir müssen es daher einem Theologen vom 
Fache überlassen, den Verfasser des Dialogue zu entdecken. 
Das von Roy bearbeitete Werkeheu war, wie ein kurzer 
Ueberblick seines Inhaltes zeigen wird, recht eigentlich ein 
Vaderaecum des protestantisch-christlichen Glaubens und durch 
seinen volksmässigen, allgemein verständlichen Ton ganz ge- 
eignet, die Lehren der Reformatoren in weiteren Kreisen zu 
verbreiten. 

Die Vorrede oder eigentlich Widmung Roy's ,To the 
Right noble Estates, and to all wother of the toune of Cales' 
umfasst vier Blätter. In derselben erw'ähnt er zuerst, wie dass 
es allen seinen Herren und Meistern, und allen seinen guten 
Freunden und Brüdern in Christo nicht unbekannt sei, dass in 
dem vorigen Jahre (mithin 1526) das Neue Testament unseres 
Erlösers ihnen durch das treue und fleissige Studium von 
Einem ihrer Nation, einem Auserwählten Gottes, Namens 
William Hitchyns, zugänglich gemacht w'orden sei, dem er als 
Gehilfe und Theilnehmer der Arbeit Beistand geleistet habe. 
Diese Arbeit sei allen denen insbesondere, die sich selbst 
allein für apostolische Männer und ,spretuall doctours' halten, 
sehr verhasst : ,Insomoche that withoute delaye in greate hat- 
ered and vennemous barkynge, openly at paulis Crosse, did 
that was in theym, to disanull, forbidde and blaspheme, the 
most« holyest werde of God' etc., eine Anspielung auf das 
Verbrennen der Tyndale'schen Bibelübersetzung durch Bischof 



William Roye's Dialogue between a Christian Father anrt his stobborn Son. 413 

Tonstall im October 1520 bei St. Pauls Gross in London. 
Dann folg-t die von uns schon oben (S. 395 f.) angeführte Stelle, 
in der sich Roy gegen die fälschliche Anschuldigung, dass 
sein Vater kein Schweinefleisch essen wollte, vertheidigt. Es 
betrübe aber sein Herz sehr, fährt er fort, zu sehen, dass der 
Preis des kostbaren Blutes Christi so verächtlich von unreinen 
Schweinen unter die Füsse getreten, und seine heilsame Lehre 
durch das Heulen und Bellen solcher grausamer und schänd- 
licher Hunde verboten werde. Ihre grausame Tyrannei habe 
sein Herz entzündet und seinem Geiste Muth eingeflösst, sich 
an die Uebersetzung der heiligen Schrift zu machen. So habe 
er einige Bücher des Alten Testamentes schon zum Theile 
tibersetzt, die mit Gottes Hilfe binnen Kurzem an das Licht 
gebracht werden sollen. Dann folgt die Stelle, in der Roy be- 
richtet, wie ihm, da er darüber nachgesonnen habe, eine kleine 
Abhandlung für den gemeinen Mann zu schreiben, die ihn 
fähiger machen sollte, die tiefen Geheimnisse und grossen ür- 
theile Gottes, die in dem Alten Testamente und in den Pro- 
pheten enthalten sind, zu verstehen, dieses kleine Werk in die 
Hände gefallen sei. (S. nun die oben S. 410 f. mitgetheilten 
Worte Roy's.) Dieses Buch erkläre, was der Glaube an Gott 
und die Liebe gegen die Nächsten sei, und das so deutlich 
ohne alle papistische Sophistik und Täuschung, dass selbst 
Kinder von sieben Jahren Dinge einsehen, die noch vor einiger 
Zeit bejahrte Männer nicht zu begreifen im Stande waren, als 
da sind die Macht, Güte und Gnade Gottes, und den Gang 
seiner Werke u. s. w. So habe er sich denn entschlossen, 
zuerst den Männern von Calais und dann allen seinen andern 
Landsleuten diesen kostbaren Schatz darzureichen , und er 
bitte und ermahne Alle (,I also require and exhorte the com- 
men people'), dass sie dieses Buch nicht lesen mögen, wie sie 
dies mit ,vayne storys or fables' zu thun gewohnt sind. Die 
Früchte bürden grösser sein, als der Beginn zu versprechen 
scheine, denn das Wort Gottes dringe, wenn es aufmerksam 
und reiflich überdacht werde, durch seine Inspiration in das 
Herz ein. Es würde daher ohne Zweifel den Lesern grosse 
Frucht und grossen Nutzen bringen, wenn sie an gewissen 
dazu festgesetzten Stunden mit ihrer Familie und namentlich 
mit ihren Kindern den Inhalt dieses Buches besprechen und 



414 Wolf. 

mit Gebet das bereits Gelesene wiederholen \\ürdeu. Denn 
gute Dinge gefallen nach zehnmaligem Lesen sowohl dem 
Leser als dem Zuhörer. Durcii solche Mittel würden die Be- 
herrscher finden, dass das Volk auch der weltlichen Gewalt 
viel gehorsamer sich erweisen werde. Diese Abhandlung, fährt 
er dann fort, sei in der Form eines Gespräches zwischen 
Zweien, einem Vater und seinem Sohne, abgefasst, den er in 
der Kenntniss Christi unterrichte. Roy schliesst seine Widmung 
mit dei- Bitte, für ihn zu beten, dass Gott ihm die Kraft ver- 
leihen möge, andere solche Bücher und das ganze Alte Testa- 
ment zu übersetzen, so dass auch die Engländer in den Stand 
gesetzt werden, die Stimme ihres treuen Schöpfers zu erkennen 
und zu hören u. s. w. Datirt ist die Widmung, wie schon er- 
wähnt, aus der Stadt Strassburg am letzten Tage des August 
im Jahre unseres Herrn 1527. 

Auf Blatt 5" fängt das Werk selbst an, das die Ueber- 
schrift führt: ,A Brefe Dialoge, bitwene a Christen Father 
and bis stobborne Sonne, whome he wolde fayne brynge to 
the right vnderstondynge of a Christen maus lyvynge.' Dieser 
zweite Titel entspricht, wie man sieht, ganz dem lateinischen 
Titel, unter dem Roy's Werk citirt wird: ,Inter patrem Chri- 
stianum et filium contumacem dialogus christianus.' 

Das Gespräch beginnt nach einigen einleitenden Worten 
damit, dass der Sohn den Vater fi'agt, worin das Leben eines 
Christen bestehe? Der Vater antwortet: In einem standhaften 
Glauben an Gott und inniger Liebe gegen den Nächsten. Der 
Sohn fragt nun: Was nennst du den Glauben? Der Vater er- 
wiedert: Der Glaube ist die feste Ueberzeugung, dass die Ver- 
sprechungen Gottes uns durch Christum erfüllt werden, wie 
dies deutlich in unserem Glaubensbekenntnisse erklärt ist. 
Der Vater spricht dem Sohne das Glaubensbekenntniss vor 
und es folgt nun eine Besprechung der einzelnen Artikel des- 
selben, die bis Blatt 48'' reicht. Zuerst also: Was ist Gott? 
lieber die Eigenschaften Gottes. Ueber Christus und die 
Rechtfertigung durch den Glauben an ihn. Nutzlosigkeit der 
sogenannten guten Werke, als der Beichten , Wallfahrten, des 
Fastens, Messe-Lesens und Hörens, der Eheverbote u. s, w. 
Ebenso unnütz und schädlich sind die Gelübde der Ehelosig- 
keit, der freiwilligen Armuth, und das Mönchwesen. Auf 



William Eoye's Dialoguo between a Christian Fatlier aml Jus stabborn Son. 415 

Blatt 21" kommt Roy auf das Abendmahls -Sacrament zu 
sprechen; dasselbe ist blos ein Erinnerungszeichen ,this shulde 
be but a remembraunce howe that Christ tVely ^eve Ins boddy 
and bloudde for the redempcion of as many as god bis tather 
from the begynnynge of the worlde had predestinate to be- 
come partakers of bis sonnes bloudde' und etwas weiter unten 
bekämpft er entschieden die Behauptung, dass Christus seinen 
wirklichen Leib und sein Blut seinen Anhängern zum Genüsse 
gegeben oder dieselben unter den Gestalten des Brotes und 
Weines verborgen habe. ,Son. He gave not then at bis last 
sopper bis materiall boddy and bloudde vnto theym to be 
eaten corporally, not yet hid it vnder breade nor vnder wyne. 
Father. In no wyse' etc. (Blatt 2V.) 

Wie man sieht, tritt Roy oder vielmehr der Verfasser 
des Werkes sowohl gegen die katholische Lehre von der 
Wandlung als gegen die lutherische Ansicht von der Con- 
substantiation auf. ,And after the wordes were spoken the bred 
which he toke and blist, remayned breade, and wyne, wyne, 
as the lorde hym silfe testilieth in the gospell' etc. (Fol 21*'). 
(Dazu wird angeführt die Bibelstelle Luc. xxij.) Wir haben 
absichtlich bei diesem Punkte etwas länger verweilt, da 
gerade die Lehre vom Abendmahle die Anhänger Zwingli's 
von denen Luther's trennte und sich der unbekannte Verfasser 
des Lyttle Treatous hier als einen Anhänger des ersteren zu 
erkennen gibt. Die polemische Besprechung der Lehre vom 
Abendmahle dauert bis Blatt 25^ Die Anrufung der Heiligen 
ist nicht nothwendig. (Blatt 28*.) Christus ist das einzige 
Haupt der Kirche. Auf Blatt 32* kommen die Sacramente an 
die Reihe. , Christen men vse theym as they are indede, for to- 
kens of spretuall thynges, and that to forther dedes of love 
and charite between theym selves and vnto all men.' Die 
Taufe der Neugeborenen wird vertheidigt. lieber den Gebrauch 
der Sacramente, namentlich des Altarssacramentes. (Blatt 36'' ff.) 
Auf Blatt 43'' folgt eine Lehre, wie der Christ sein Leben an- 
ordnen solle und 44'' beginnt die Erklärung des Vaterunsers, 
an die sich 45'' eine Anweisung über die richtige Art und 
Weise des Gebetes anschliesst. Blatt 47' über die Eintheilung 
des täglichen Lebens eines christlichen Jünglings. Anempfeh- 



416 woit. 

lung des Lesens des Neuen Testamentes in eng'Hscher Sprache. 
Nützlichkeit des Lesens guter Bücher, wie z. B. des Livius, 
und der Kenntniss der alten Sprachen und des Hebräischen. 
Eine Zusammenstellung kurzer Moralregcln beschliesst das 
Werkchen. 

Ob und welche Zusätze Roy aus Eigenem zu dem von 
ihm übersetzten Originale machte, darüber zu urtheilen wird 
man erst dann im Stande sein, wenn der deutsche Urtext 
oder die lateinische Uebersetzung, welche Roy vorlag, ent- 
deckt worden sein werden; gegenwärtig lassen sich mit Be- 
stimmtheit als Aenderungen, oder sagen wir lieber Localisi- 
rungen, welche Roy mit Rücksicht auf sein englisches Publi- 
cum vornahm, nur auf Blatt 15" die Namen der englischen 
Heiligen S. Toncombre und Sir Jhon Shorne und auf Blatt 47* 
die Erwähnung des Neuen Testamentes in englischer Sprache 
bezeichnen. 

Die polemische Schrift, welche Roy bearbeitet hat, ist, 
wie aus der vorstehenden Inhaltsübersicht hervorgeht, auch 
für die Geschichte des deutschen Protestantismus von grosser 
Bedeutung, da sie eine der ältesten nicht lutherischen Be- 
kenntnissschriften noch aus der Zeit vor dem Augsburger 
Glaubensbekenntnisse enthält; es ist zu hoffen, dass die Ent- 
deckung des deutschen Originales nicht lange auf sich warten 
lassen werde. 

Das Format des Little Treatous ist ein kleines S^ oder 
vielmehr 16«; die Höhe des Büchleins beträgt 13 Centimeter 
8 Millimeter, die Breite 9 Centimeter 4 Millimeter. Die An- 
zahl der Blätter beläuft sich auf 48 mit den Signaturen a — g 
(aij-aiiij; b — bv [eigentlich qv, ein umgekehrtes b], c— cv; 
d— dv; e — ev; f — fv; g — güj), von denen a und g Duernionen, 
die übrigen dagegen Quaternionen sind, so dass also die An- 
gabe Rinck's von den sechs Quaternionen bestätigt wird, da 
zwei Duernionen einer Quaternio gleich sind. Das Buch ist 
mit gothischen Typen oder black letters gedruckt, es hat 
weder Custoden, noch Seiten- oder Blattzahlen, auf die volle 
Seite kommen 28 Zeilen. Grosse, in Holz geschnittene Initialen 
kommen vor J auf Blatt P und A auf Blatt 5\ Das Titelblatt 



William Eoye's Dialogue between a Christian Father and his stubborii Son. 417 

ist mit einer in Holz geschnittenen Randverzierung- versehen. 
Das Wasserzeichen des Papieres ist ein Ochsenkopf. An Ab- 
kürzungen kommen vor: der Strich ober den Vocalen und 
ober m und n, ein Zeichen für er am Ende eines Wortes und 
ein ähnliches für auslautendes es, ein eigenes Zeichen für etc. 
Eigenthümlich ist oo zusammengestellt. Die Abkürzungen 
stimmen mit einziger Ausnahme des Zeichens für er vollkom- 
men mit den Abkürzungen überein, welche in dem einzig er- 
haltenen Fragmente der Cöln-Wormser Quarto-Ausgabe der 
Tyndale'schen Uebersetzung des Neuen Testamentes vorkom- 
men, ebenso zeigen beide Drucke die charakteristische Zu- 
sammenstellung des 00. (Siehe die mehrfach citirte Ausgabe 
von Arber: ,Facsimile Texts. The first printed English New 
Testament.^ London, 1871. 4".) In den Abkürzungen, den 
Lettern, der Zeilenanzahl, dem Wasserzeichen des Papieres 
zeigt sich die vollste Uebereinstimmung dieses Druckes mit 
dem der ersten Ausgabe von Rede me and he nott lorothe, so 
dass es, wie wir schon oben hervorgehoben haben, gar 
keinem Zweifel unterliegen kann, dass beide Drucke der- 
selben Officin entstammen und ungefähr gleichzeitig gedruckt 
wurden. 

Es erübrigt uns noch, das Verfahren, das wir bei der 
Herausgabe befolgt haben, anzugeben. Wir haben die Ortho- 
graphie und Interpunction des Originales strenge beibehalten und 
auch die zahlreichen Druckfehler stehen gelassen; die bedeuten- 
deren haben wir in den Anmerkungen verzeichnet und ausge- 
bessert. Die Uncorrectheit und die vielen oft sinnstörenden Druck- 
fehler, wie z. B., um nur einige wenige anzuführen, palynly (Fol. 3") 
für plainly, tho (Fol. 6'') statt do, ehe (Fol. 7") statt the, pf 
(Fol. 33'') statt of, pleasunat (Fol. 47") statt pleasaunt u. s. w. 
dürfen bei einem Drucke des 16. Jahrhunderts in einer den 
Setzern unbekannten Sprache, und bei der Heimlichkeit und 
Eile, mit welcher, um sich gegen Verfolgungen zu schützen, 
auch in Strassburg der Druck beendigt werden musste, nicht 
Wunder nehmen. Die Abkürzungszeichen, die, wie wir oben 
bemerkt haben, nicht zahlreich sind und sich ohne Schwierigkeit 
auflösen liesen, haben wir nicht geglaubt, durch eigene Typen 
wiedergeben zu sollen. Nach dem Vorgange Arber's und der 



418 Wolf. 

meisten neueren Herausgeber altenglischer Werke haben wir 
ausgefallene Buchstaben zwischen Klammern im Texte ein- 
geschaltet. 

Wien, Weihnachten 1873. 

Adolf Wolf. 

Nachschrift. Nachdem der Druck der Einleitung 
bereits begonnen hatte, erhielt ich von dem mehrerwähnten 
Herrn Edw. Arber, dessen aufopfernde Güte mir gegenüber 
ich nicht genug anerkennen kann, in einem Briefe vom 
17. April 1874 eine Notiz über einen Londoner Druck Walter 
Lynne's vom Jahre 1551, der einen, wie es scheint, ziemlich 
getreuen Wiederabdruck des , Dialoge^, jedoch mit Hinweg- 
lassung der Widmungsschrift Roy's und ohne Anführung des- 
selben als Uebersetzers enthält. Der Titel dieses Werkes 
lautet : 

The true be- | liefe in Christ and bis sacra- | mentes, 
set forth in a Dialoge betwene a j Christen father and his 
sonne, verye ne- | cessary to be learned of all men of what | 
estate soever they be. | 

Q My sonnes, heare the enstruccions of | youre father, and 
geue hede that ye maye | haue knowledge: for I haue geuen 
you a I good doctrine, se that ye forsake | not my lawe. 
Prouer- | biorum. iiij. | 

Imprinted at London for | Gwalter Lynne, dwellinge on 
Somers | kaye, by Byllinges gate. | Anno Domini M. D. L. \ 
Cum Priuilegio ad Imprimendiim solum. j ! 

Das Werk besteht, wie Roy's Dialoge, aus 96 Seiten, 
von welchen auf Titel und Vorrede 8 entfallen; so weit Arber 
nach den ihm von mir mitgetheilten Stellen aus Roy urtheilen 
konnte, ist die Uebereinstimmuug beider Werke eine genaue, 
Lynne hat selbst die Orthographie Roy's beibehalten. Lynne 
hat seinen Druck der Herzogin Anna von Somerset, Gemalin 
des im Jahre 1552 hingerichteten Protectors Edward Seymour, 
Herzogs von Somerset, gewidmet, seine Widmung ist datirt: 

' Die hier mit Cursivsclirift gedruckten Worte sind im Originale mit eben 
solcher Schrift, die übrigen mit black letters gedruckt. 



William Roye's T>ialogue Vetwepn a Christian Fathor and liis stubborn Son. 419 

jGeuen at Loudon in the yeare of our Lord. M. D. and L. 
The XX. daye of Januarye' (das ist 20. Jänner 1551, da be- 
kanntlich damals das neue Jahr erst mit dem März beg-ann). 
Interessant sind folgende Stellen der Widmung-: ... I thoug-ht 
it conueniente that I (chaunseinge vpou this litle boke, and 
entendinge to set it forth to be reade of all men, . . .) should 
dedicate the same to your grace . . . 

. . . The autlior of the boke / know not. Only this I 
finde (vielleicht aus Roy's Widmungsschrift, die er dann 
unterdrückt hätte) that it was fyrste loritten in the dttche tong, 
and theu translated into latine. But whoso he were that first 
wrote it, or that translated it into latine: certain I am that it 
is ryght Godly, . . . 

I would wyshe therfore, that al men, women, and 
chyldren woult read it. Not as they haue bene here tofore 
accustomed to read the famed storyes of Robinhode Clem of 
the cloughe, wyth suche lyke to passe the tyme wythal . . . 

Das Exemplar des British Museum, welches Arber in 
seinem Briefe an mich beschrieben hat, wurde im Jahre 1849 
von dieser Bibliothek angekauft und ist in dem Cataloge 
des Brit. Mus. unter dem Schlagworte ,Jesus Christ^ ein- 
getragen. 

Durch die Entdeckung dieses Druckes von Lvnne ist es 
nun fast unzweifelhaft, dass ein Exemplar des Dialoge von 
Roy nach England gekommen ist und der Vernichtung ent- 
ging; man möchte zu der Annahme geneigt sein, dass bei 
demselben die Widmungsschrift Roy's gefehlt habe , wenn 
nicht die oben angeführte Stelle, in welcher Lynne sich über 
die Herkunft des Buches äussert, auf seine Bekanntschaft 
mit Roy's Widmung hinzuweisen schiene. Ein religiöser oder 
politischer Grund zur Unterdrückung dieser Widmung und 
zur Verschweigung des Namens Roy's konnte unter der prote- 
stantischen Regierung Eduard VI. nicht wohl vorhanden sein. 
Jedenfalls geht aber aus dem Umstände, dass Lynne nach 
nur wenig mehr als 20 Jahren seit dem Erscheinen von Roye's 
Dialoge es wagen konnte, denselben ohne Nennung des engli- 
schen Uebersetzers entweder ganz oder theilweise wieder ab- 
zudrucken, hervor, dass Roy's Ueberscitzung zu jener Zeit in 
England selbst unter den eifrigen Protestanten schon ganz 



420 Wolf. 

verschollen sein musste. Ob übrigens Lynne wirklich einen 
vollständigen Wiederabdruck des , Dialoge' veranstaltet habe, 
kann erst durch eine sorgfältige Vergleichung der beiden 
Drucke entschieden werden, die hoffentlich, nachdem nunmehr 
Roy's Uebersetzung durch unsern Abdruck wieder allgemein 
zugänglich wird, in England in Bälde unternommen werden 
wird. Walter Lynne's , Beliefe in Christ' ist mir in Wien 
nicht zugänglich und dürfte schwerlich ausser England auf- 
gefunden werden. 

Wien, im April 1874. 



William Roye's Dialogne between a Christian Father and lii« stnbhorn Son. 421 

[Fol. 1".] ' 



A LYTLE TREATOUS OR DIALO- 
GE VERY NECESSARY EOR 
ALL CHRISTEN MEN 
TO LEARNE 
AND 
TO 
KNOWE. 



SitzungBber. d. phil.-hiRt Cl. LXXVI. Bd. 111. Kit. 28 



422 Wolf. 

[Fol. 1".J 



To the Right noble Estates, and to all wother of 

the toune of Cales, Wiliam Roye de- 

syretli grace and peace, 

from God the 

fatlier 

and 

from the lorde Jesus 

Christ. 



IT is not vnknowne to you all my loi'des, and masters, 
and all wother my singuler gode frendes and bretheren in 
Christ, howe that tliis last yere, the newe testament of oure 
saveour, was delyvered vnto you, through the faythfuU and 
diligent stodye of one of oure nacion, a man no doute, ther 
vnto electe and chosen of God, named William Hitchyns, vnto 
whome I was (after the grace geven rae of the lorde) as 
healpe felowe, and parte taker of his laboures, that every 
cristen man, myght therby heare and vnderstonde, at home, 
and in his owne housse, the sprete of God speakynge therin, 
and thorowe his holy apostels. Whiche oure labour and stodye 
specialy vnto theym that presume and thyncke thyem ' selves 
alonly to be apostolicall men, and spretuall doctours, was most 
odeous. [Fol. 2".] Insomoche that withoute delaye, in greate 
hatered and vennemous barkynge, openly at paulis crosse, did 
that was in theym, to disanull, forbidde, and blaspheme, the 
moste holyest werde of God, fode of many a povre soule, 
longe famniysshed with the sower dowe, of their importable 
and dissaytfull traditions. Ye and where as they hade no 

' theyrti. 



William Roye's Dialoffue between a Christian Father and Ins stnbliorn Son. 423 

thyiige wheron to oroiinde tbeyru selves agayust vs, they were 
nott ascbamed faulcely to diffame theym, whiche long-e befbre 
tbat tyme were deed and rotten, as my father, Thynkiug-e that 
defamynge of hym, they shulde qwenche and dereken the cleare 
and evident ligbt of g-od. whyche they hate worsse then other 
toade or addre, as a tbyng-e agaynst their beilies moste noyous 
and contrary, saynge, his father wolde eate noo porke, what 
frute can socbe a tre brynge fortbe. But knowynge that the 
innocency, bothe of my father, and also of me, is not vuknowne 
(in that bebaulfe) vnto all the nobles of the realrae, I lytell 
regarde their heddy vndiscrecion. Yet it is vnto my berte a 
coresaye ^ amonge all wotber moste greveous, to se the pryce 
of the precious bloudde of Christ so despitfully to be troden 
vnder fote, by socbe vncleane swyne. and the moste hol 
[fol. 2^] som doctrine therof, to be forbidden, thorowe the 
howlynge and barkynge of socbe cruell, and infame dogges. 
Whose cruell tyranny foxye cavillacion, and resistence, have 
moare inflammed my bert, and couraged my mynde, to go 
aboute the translacion of holy scripture. Insomoche tbat I have 
allredy partly translated, certayne bokes of the olde testament, 
the wbicbe, with the healpe of God, jerr longo sbalbe brought 
to lygbt. Notwithstondynge in the meane season 1 castynge 
in my myude the meane peoples capacite, and the greate 
supersticion, whiche so longe hatbe rayned and hadde vpper- 
bonde, thought it very necessary to make some smale treatous, 
wberby somwhat they mygbt be the better prepared, and taugbt 
bowe to demeane theym seines, in the profunde misteries and 
greate iudgementes of God, conteyned in the old testament, 
and propbetes. And whyles I tbus ymagened, I happened on 
a smale worcke, whiche after my iudgement, is a treatous very 
excellent, late turned oute of douche into latten. Whiche in 
the redynge of it, greatly delited me, and that nott only 
because of the due and naturall ordre of it, but rather 
because I se there as I am (wliere this boke is comenly in 
vse) [fol. 3"] bothe yonge and olde, practise in lyvynge, all 
tbose tbinges whyche the boke teacheth by wrytynge. Ye 



1 = corsey. Vgl. Nares, Glussary, ed. Halliwell & Wriglit. London, 1859. 
Vol. I. p. 193. 

28* 



424 Wolf 

truely soche thyng-es, as greate vniuersites, and notable Rabys 

knowe nott. Ye never shall knowe, to the intent tbat God 

uever knowe theym also. It declareth what is faythe in God, 

and charite towardes mannes neghboure. and that so evidently 

(all papisticall sophistry and delusion set asyde) that even 

babes of seven yeare olde palynly ' perceave thinges that a 

while agone men of greate age coulde nott apprehende as are 

the power, goodnes, and mercy of god, and the course vf ^ his 

workes. What the anchre of fayth is, which is eternall pre- 

destinacion and aspercion of Christis bloudde, wherwith alonly 

we are clensed from synne. The vnderstondynge whereof, 

Paul calleth the wysdom hydde vnder the mistery of christis 

Crosse, vnknowne to the wyse of the worldde. For oute of it 

proceadeth, myldnes of the mynde, gentle behaveour, soffraunce 

of evyls, softnes, temperancy, and all chastnes of lyfe, whiche 

all are the frutes of the sprete, Avheare oute, as oute of an 

originall sprynge or fountaine, floweth towardes God, and 

amonge men, peace, and charite, which in the realnie of Christ, 

is a iewell [fol. 3''.] most precious. Nowe therfore, all wother 

thinges set asyde, I have determened first to präsent vnto 

you vand'^ so forth vnto all wother of my countre and nacion 

this so singuler a treasure, Nothing doutinge but that it shalbe 

bothe plesaunt and acceptable to the elect and chosen of god, 

litle regardinge the vngodly, which hate nothyng but that that 

is good, and that thynge whyche allwayes and every whear is 

proffitable. I also require and exhorte the commen people 

that they rede not this boke as they are wont to rede vayne 

Storys or fahles, hastly renny[n]ge there over. For when they 

shall end it, more frute shall apere, then the begynning semeth 

to pretende. For the Avorde of God hearde, and well pondered, 

entreth (thorowe his inspyracion) into the herte only. Doutles 

therfore it shulde be vnto the reders greate frute and proffyt, 

yf at certayne howres there vnto apoynted, they diligently 

did discusse somwhat by ordre therof, and that among theii- 

owne housholde, and singlerly wheare as yueth is. and let it 

not be tedious vnto theym once or twise, with prayei-, to repete 

that they have alredy redde. For goode thynges ten tymes 



' Für j)lahüy. ^ l/" ' an(i. 



William Roye's Dialogue between a Christian Father and his stubborn Son. 4:25 

redde ag-ajne please bothe the reder, and the hearer also, By 
the meanes wherof [fol. 4".] the lordes and ruelers of the 
reahne, shall perceave and fynde, those to be bothe meke and 
mylde, and to the temporall power obe dient, whoni before as 
fearce lyons they feared. God no doute hathe his electe 
among-e oure people also. For the worde of God can not be 
ydle, whose frute is greate, and a sure perswasion of the 
kyndnes of God towardes hit, havynge in it sylfe aboundant 
charite, wherewith above all wother thynges, the commen well 
is knytt togedder. For asnioche therefore as of all soche 
thynges the right enformacion commeth by commeninge, this 
treatous is made in maner of a dyaloge bitween twayne, 
whiche speake together. That is to saye a good Christen man 
and his sonne, whom he goeth aboute to enforme in the^ 
knowdedge ' of Christ. Werfore he that entendeth to socke 
here out eni swetnes , lirst must conceave in hymsilfe the 
flammes of a Christen herte, whiche of their owne natura 
lighten aud inflam there - neghbour. That when by redynge he 
is made ryche, he shall also be gladde and able to healpe and 
sucker wother. Howe can a man warme a nother, when he him 
silfe is frosen for colde? Ye knowe I suppose that one blynde 
shuld not leade the wother, least they faule bothe into the pytt, 
[fol. 4''.] But seynge that we can do nothynge of oure selves I 
beseche you all;, der bretheren, to praye vnto the lorde for rae, 
that I maye have both mynde and strenghte wother soche 
bokes to translate, and the whole olde testament, wherby ye 
of englonde, maye also knowe and heare the voyce of youre 
true shepherde, walke in his waye, folowe the thrueth ', and 
fynally obteyne everlastynge lyfe. Amen. 

Written in the cite of Argentyn the last daye of 

August the yere of oure lorde a thou- 

sande fyve honderd, 

and «even and 

twen- 

ty. 



') the. knowUdge. 2) their. 3) truth. 



426 Wolf 



[fol. 5\] 

A ßrefe Dialoge, bitwene a Christen Father and 

his Stobborne Sonne, whom he=wolde ^ fayne 
brynge to the right vnderstondynge of a Christen 

mans lyvynge. 

ABove all pleasure and worldely delyte (dere Sonne) to 
here or too rede the pure worde ofF God, semeth to me a 
thynge moste swete, plesaunt and ainiable with oute compareson 
to the comforte and dyreccion of a Christen man. The sonne. 
Thvnkest thou thv sylfe then a Christen man? The Father. 
God forbid eis. So. Where by knowest thou that? The Fa. Be- 
cause thoi'owe the commaundmentes of God I knowledge my 
sylfe a synner. And agayne through his godly promesses, and 
that by the merites of Christ, I doute nott but that I am one 
of goddis chosen children. For christ hath cleansed me from 
svnne with his death. So. Thou sayst well, but wherin consisteth 
the lyfe of a Christen man, teil me. Fa. In a stedfast faythe 
towardes God, and pure love withouten siraulacion toawades^ a 
mannis neghbour. So. What callest thou fayth? Fa. It is a 
lyvely and stedfast perswasion of the mynde, wherby [fol. 5''.] 
we dou[t] not but that the promeses of God are geven vnto 
vs by Christ, as it is evidently declared in oure crede. So. I 
praye the rehearce this crede, vnto me. Fat. I beleve in God 
the father almyghty, maker of heven and of erth, and in Jesus 
Christ his only begotten sonne, oure lorde. whiche is conceved 
by the holy gost, borne of Mary the virgyn, whiche soffered 
vnder Pons Pilate, was crucified. deade, and buried, descended 
doune to hell, the thyrde day rose agayne from deeth, ascended 
vp into heven, and sitteth on the ryght hond of God the father 
almyghthy. From whence he shall coiüme to iudge bothe quycke 
and deade. I beleve in the holy gost, an holy Christen churche, 
the Company of sayuctes, and remission of synnes, the rysinge 
agayne of the flesshe, and the lyfe everlastynge. Amen. 



' he wolde. - towardes. 



William Roye"6 Dialogne between a Christian Father anrt his stubborn Son. 42 t 

Son. Thou hast sayde very well, hutt lett it nott bc tedious vnto 

the to declare, after what mauer thou vnderstondest these 

thynijes. And fyrst teil me, what is God? Fa. He is almyg^hty, 

maker of heven, and erth, Father vnto me, and of asniany as 

beleve. So. ^^^hy eallest thou God thy father? Fa. Because 

1 am sure of his goodnes and grace. And perfectly knowe in 

my hert, that whatsoever go- [Fol. 6*.] de thynge is in me, it is 

of his gyfte, and that he never g-eveth but that whyche is goode. 

And that for my wealthe. Son. Why eallest thou hym almyghty, 

and maker of heven and erth? Fa. Surely not withoute a greate 

cause, seynge that he is almyghty and doeth all thynges alone, 

partly by his creatures, and partly withoute their administracion. 

So that none evill maye happen vnto me, but rather, al 

troubles, adversites, and temptacions shuld happen for my 

wealth, for asmoche as he my deare father before hath so 

promesed vnto me. So. Thou hast withouten fayle discretty 

answered. Fa. Then yf thy father, master, or eiiy wother 

reprehend, chasten, or warne the for the best, remembre that 

God doeth it. They are the ministers and servauntes of God, 

thus christenly to teache and informe the. Wherfure it shall 

become the bothe to heare, and also to obey to their sainyges. ' 

Se that thou nowe therto do thy diligence. So. What wother 

thynge vnderstondest thou by these wordes? Fa. Truely I also 

perceave by them, that God is every wheare. and that he 

dayly seeth my herte, and knoweth my thoughtes. Wherby 

remayneth in me soche a feare and dreade that I am whole 

abashed and [Fol. 6".] ashamed, other to thynke or to do eny 

thynge, that shulde nott become a Christen man. Ye morover 

1 have therby a greate and a fervent desyre^ and luste 

to thynke and to do that thynge whiche is goode and plesaunt 

in the syght of God my father almyghty Beynge asured that 

he continually beholdeth and marketh all that 1 do. And that 

it is greate pleasure vnto hym, when he seith me do my 

duety. Se thou therfore deare sonne, thatt the shamfastnes of 

evill doynge, and love of all honesty and well doinge continewe 

thy gydes. And so refrayne the frora synne, and continually 

stere the too- well doynge. Ye and yf we alwayes, and in 



1 



sayinges. - to. 



428 Wolf. 



erery' place, be it never so secret, thinke that God beholdeth 
vs, moche the better shall we ordre and determyn oure lyfe, 
and not be geven to tho^ thynges whyche are not agreable to 
a Christen man. So. wherby knowest thou the almyghtynes of 
God? Fa. I ymagen it to be present in my herte, and perceave 
by dayly experience all thynges to be vayne and transitory, 
and that many thynges happen dayly, the causes where of are 
vnknowne vnto vs, scriptiire bearynge witnes therunto. As in 
the fyrst chapter of Genesis Moses sayde, In the begynnynge 
God shupe heven and erth. And (Fol. 7=^.) in the fyrst chapter 
of ehe 3 gospell of Saynct Ihon, In the begynnyng was that 
werde, and that werde was with God. and God was that werde, 
the same was in the begynnynge with God. all thynges were 
made by it. etc. So. Why speakest thou of thy sylfe onli, 
when thou sayest, I beleve? as though thou diddest nothynge 
regarde the fayth of wother men. and yet we shulde beleve, 
that they also beleve. Fa. Doutles because I nether beleve in 
wother creature, nor yett sett my hope in wother man, beynge 
wele asuered that the rightous man liveth by faythe. And when 
I remember this, I cannot but saye with all my herte, I beleve. 
So. Go to then, yf the rightous live by fayth, and therby is 
made rightous, thou arte then saved and hast no nede of Christ, 
nor of his merites? For be thy sayinge, it is sufficient to beleve 
in God the father almyghty, maker of heven and of erth. 
Fa. He is to me very necessary. For yf I lacke hym, no remedy, 
I must also lacke God. even as it is written of the hethen in 
the seconde chapter vnto the ephesians. No man can beleve in 
God, savynge thorowe one Jesus Christ. S. Shewe me by what 
reason. Fa. Because God can not be knowne with oute Christ, 
as a ten- (Fol. 7^.) der and mercyfull father, but rather for a 
cruell and strayght iudge, and as one that litell regardeth and 
setteth nothynge by thynges mortall. So. Declare I praye the 
these thynges somwhat playnlyer to me. For as yet I perceave 
not thy meanynge. Fa. I knowe well that God is to be loved 
above all thynges, and my neghbour even as my sylfe. as 
apereth in the xxij. c. of mathew. for love that procedeth oute 
ij. Ti. j. of a pure herte, a gode conscience, and a stedfast belefe. 



1 



wery. ' dn. ^ the. 



William Koye's Dialogue between a Christian Father and liis stuMiorn Son. 429 

is the ende of tlie lawe. So. Thou settest nothynge tlien by 
the other commundenmtes of God. Fa. Yes, and that greatly. 
For Christ cam nether te ^ destroye, nor yet to disanull the 
lawe. but rather so renued it, that nowe it is called a newe 
lawe, greatly differynge from that it was before. For whear as 
it was wrapped , and entangled with inanyfolde outwarde 
ceremonies, and sore burthens, it is nowe renued and made 
sprituall, and losed from all soche bondage and is in the herte 
of man, and not in the dementes oft the worlde. Wherfor as 
farforth as the commaunmentes forther and healpe love and 
belefe, they are not only written commaundmentes, but the 
sprete whyche is in vs, byndeth vs also there vnto and are 
fastned bothe to gedder in this say- [Fol. 8^.] inge, Love thy 
neghbour as thi silfe. For he that loveth his neghbour, mat.xxij 
hath fulfilled the lawe. To declare therfore howe that I nede 
Christ, and howe it is vnpossible with oute hym to beleve in 
God. thou shalt vnderstond that I wolde gladly bothe love 
God, and my neghbour, with the same love, and acordyngy as 
the lawe commaundeth. yet is it a thinge vnpossible for me to 
do. Wherfore I confesse my sylfe a transgressor and breaker 
of the lawe, whych damneth me therfore. For he is acorsed 
that fulfilleth not all whatsoever the lawe commaundeth. Yet 
when I remember that Christ hath satistied for me, I feale 
and perceave in my herte, all thynges to be safe and forgeven. 
For in hym and by him, we are set atone with God. And 
where as before he was vnto vs a cruell iudge (through the 
fulnes of grace and mercy that we have receaved by Christis 
bloudde) he is becom oure tender und mercyfull father. Here 
mayst thou perceave, howe that withoute Christ, I can nether 
beleve nor yet love God as my father, but rather hate hym 
and grudge at hym, as at a cruel iudge. For there is no man 
but he knowethe that the lawe worketh anger and causeth 
hatred. Butt lo Christ maketh intercession for vs. Which ro. ü.,. 
[Fol. 8^.] for my sake becam corsed, that therby I myght 
obtayne of God both blyssynge, and all wother goode thynges. 
O a gracious chaunge, and a thynge to be of vs all affectuusly 
desyred. And nowe wheare as this tender mercy, and incomparable 



« io. 



430 



W 1 f. 



goodnes of God is knowne, greace, hoape, and stedfast trust in 
God dayly nioare and moare floweth into mannes conscience. 
ye I am sure, and have no doute, bat tliat Chiüst is my 
redempcion and also satisfaccion. Wherfore I saye moreover, 
and in Jesus Christ liis only begotten sonne. These wordes 
hange and are knytt (by this lytell worde, and) vnto the fore 
rehearsed sentence, even as many members in one boddy, and 
therfore ought they nott to be devyded one from another. but 
in one fayth we shulde beleve theym togedder. So. Well sayde. 
Belefe then iustifyeth a man, and thou belevest in Christ, nowe 
art thou ryghtous, and nedest to do no moo goode woi'kes. 
Fa. Howe and after what maner 1 nede the commanndmentes of 
God, is before rehearsed, and it semeth me playne ynough, that 
he vnto whom the gyfte of belefe is geven, receaveth also ther- 
Avith, a very prompte sprete, whyche contynually furthereth the 
honoure and glory of good ' tawar [Fol. 9'"^.] dis every mam. '^ 
Whyche glory, then encreaseth, and is furthered, when I am 
to my neghbour as God is to me. That is, kynde, mylde, and 
mercifull. whyche thynges are the very ymage of God in vs. 
And for this cause I ought to do my neghbour goode. Yett 
have I no nede of hym, as of one, by whome I shulde or 
myght obtayne mercy. For I hadde it or ever I coulde with 
my herte do hym eny goode. And that thorowe Christ only. 
So. Why, are not syngynge and redynge in the churche goode 
workes? Fa. No trueiy, for all soche thynges are done withoute 
fayth. Morover God with bis holy worde never ordened soche 
maner of redynge nor synginge. Ye he hateth it. Forwhere 
as all outwarde workes shulde be to the conforte of oure 
neghboure, this healpeth no man, but rather hurteth and 
hyndreth all men. For God wylbe honored and worshipped in 
the sprete only. So. Me semeth (yf I well vnderstonde the) 
that thou wylt saye, that goode workes serve but for a mannis 
neghbour only. Fa. 1 saye forthermore that oute of this grounde, 
confessions, pardons, pilgremage, makynge of difFerence bi- 
twene dayes and meates, Hearynge and redynge of masse, ye 
shortly to conclude, all [Fol. 9^.] thynges that the outwarde 
churche hitherto hath brought vp, and kepte, are vayne and of 

' God. - mati. 



William Roye's Dialogae between a Christian Kather ;iii(l Ins stnbborn Snn 4ol 

none effecte. For even as they are fayned and commaunded 
withouten the worde of God. even so oute of theyni cometh 
nether goodnes nor yett proffitl to mannis neghbour. But 
contrary wyse cause grete cost and expenses, wlierwith many 
a povre person greatly myglit have bene relyved and conforted. 
So. Doutles it is even so. No man can denye it. Go t'orthe and 
shortly declare the resydue. Fa. It is not withoute a cause 
that Jesus is called a redemer. For he saveth his people Mat i. 
froin their synnes. Christ is asmoche to saye as Anoy|n]ted. 
He is of his father anoynted and sanctified above all wother. 
And in hym dwelleth the fulnes of the godhed coi. i.j. 
corporally. Wherfor I never thynke of the manhod of Christ, 
seperatynge it from the diuinite which sent hym. And therfore 
I adde sayinge, Oure lorde. For he is also eure lorde as 
concernynge his humanyte. For God hath geven hym mat. ui. 
power over all that is in heven and on erth. So. What avayleth 
it me that Christ is oure lorde. Fat. Hawe, marvellus moche 
no doute, once that we here maye lyve the surlyer, and also 
perfectlyer knowe and vnderstonde what chri- [Fol. 10".] sten 
liberte is. For seynge that Christ is oure lorde, it foloweth that 
we are lordes over all thynges, and that nothynge can hurte vs. 
So. I wolde faine heare huwe therby thou can st declare jo. iv. 
that. Fa. Surly it is nothynge diffuse. Christ dwelleth in eo. xij. 
vs and we in hym as sayth saynet' Ihon. Where i.cor. xij. 
vnto agreeth the seconde chapter of the epistle to the ephesians 
sayinge that we are all members of one body wherof the heed'^ 
is Christ. The whych is lorde over all thynges. and maketh 
vs also with him lordes over all, forasmoche as we are with 
hym oure heed^ of one nature. And nowe wheare as is no 
soche liberte, nether is Christ theare. And wheare as he is 
absent we cannot but be in bondage vnto the lawe. wherfore 
Paul warneth that we becom no more the servauntes of men- 
and that we soffre not oure selves to be deceved through the 
dementes of the worlde. So. Maye eny lawe, or temporall 
constitucion bynde a Christen man? Fa. No soch as ij. corint. 
make difference betwene dayes, forbid meates, and vüj. u. x. 
defende wedlocke etc. For soche are divlysshe doctryus. ko. xüIj. 

' sainf. - head. 



432 Wolf. 

Bnt ' a gode Christen man sliuld nothynge be g-reved to obey 
vnto soche ordinacions, and lawes, as their heddes and ruelars 
institute, and make for the commen well. Ye rath- [fol. 10''.] 
ther ho shulde soffre bo[t]he bodi and g-oodes to perysshe, then 
R... xiij. onee to withstonde theym, remembrynge in hym sylfe 
Tit. iij. that he whyche is rebelleous vnto the temporall power, 
resistith agaynst the ordinacion of Grod. So. Howe yf a man 
make a vowe, never to eate of this or of that meate, or never 
to mary, is he bounde evermore to kepe it? Fa. A Christen 
mannes worde shulde be ye ye, naye naye. and loke what he 
promeseth, yf it be to his neg'hborus^ fordeil. -^ that ought he 
to kepe and fulfill. But yf it be agaynst the commaundmentes 
of God, in vowynge it, he synneth, and when he goeth aboute 
to fulfill it, then synneth he doble. So. What sayest thou? 
Fa. What soever he be that byndeth hym sylfe to eny exteriall 
bondage, wherby his soule is captive, he evidently doeth 
agaynst Paulis learnynge. For he sayeth in the first chaprer^ 
vnto the galathians. Stond fast in the liberte wherwith Christ 
hath made vs fre, and wrappe not youre selves agayne in the 
yoke of bondage. In soche case a Christen man hath nether 
power, over body nor soule, but is altogether by baptem 
Ro. vj. offered vp into God, that he myght become lyke vnto the 
viij. Image of his sonne. And a man lyveth not for hym sylfe, 
bout^ to the lorde, as [fol. 11".] scripture sayeth, wheare as it 
declareth that we only are made free. And though all thinges 
are vnder vs, and we their lordes. yet charite constrayneth vs 
to be servauntes vnto all men. So that it is nott lawfull in no 
wyse, for a Christen man to withdrawe hym sylfe from the 
due Service that he oweth to his neghboure, and to submytt 
hym sylfe to I wote neare '^ what maner of supersticious in- 
vencions of the enemy. Wer he nott worsse then madde, 
whyche wolde beleve that he ought to robbe and steale, that 
he myght have wherwith to do almes dedes? No more is it 
laufuU for a man to withdrawe hym sylfe from the workes of 



' hut. - neigbhonrs ^ = advantage. Siehe Halliwell, ,T. O. A 

Dict. of Archaic and Prov. Words. Lond. 1S47. VI. I. p. 370. und St ratmann, 
F. H. A Dict. of the old Engl, language compiled from writings of the XIII., 
XIV. and XV. cent. Krefeld. 1867. p. 211. ' chapter. * hut. ^ never. 



William Roye's Dialogue between a cliiistian Father and Ins stubborn Sou. 40'i 

niercy aud love, and after liis owne folysshe fantasy to cloase 
hym sylf'e in a corner, wheare as he can hiit seke hym sylfe, 
and unfriitfully, serve a feawe slowe bellyes^ for the love that 
he hath vnto ydelnes, and that with a vowe of commen dissi- 
mulacion. Son. May nott a man vowe powerte? Fa. It is not 
in oure power, other tobe ryche or povre, but it fortuneth 
vnto every man after the will and blessynge of God almyghty. 
But it is commaunded vnto all men to laboure with their hon- 
des, that they might therbi have wherwithall to releve Kphe. v. 
them that lacke, yett oure [fol. 11.'.] beliy bestes nowe ij. tess. üj. 
adayes (whom men call, Monkes, frires, Chanons, Nonnes etc.) 
promes that they never wyll have thynge in proper, and yet 
in the meane whyle they devowre vp the bloud, and swett of 
the wother povre people, manifestly ag-aynst thys commaundment 
of Paul, from the whiche no man can be exempt, ij. tes. üj. 
sainge, He that laboreth not, shall not eate. So. lawdest thou 
these mennes vowes? and soche as take apon^ theim to lyve 
chast, and never to mary. Fa. God forbidde that ij. tim. üij. 
ever I shulde prayse that thynge whiche is founde and brought 
vp by the devyll. So. why virginite no doute is an excellent 
thinge, ye insomoche that Christ and also his glorious mother 
saynct Mary kepte it vndefiled. Fa. It is with oute fayle a 
thinge angelicall to live chaste, and after soche a maner to leade 
a mannis lyfe, whearby he may more commodiusly withouten 
lett geve attendaunce vnto the honour of God. As Paule for a 
season did, no dout. But yf thou refrayne thy silfe from 
wedlocke, as though thus doynge, thou shuldst suppose to 
deserve somwhat therfore, as of duety, truely thou arte farre 
out of the waye. ye thou temptest God, as though he hade not 
taught US goode workes ynowe. For through oute the whole 
bibill we fynde no [fol. 12*.] commaundment of virginite that 
ever God gave. Contrary wyse as sone as he hadd made the 
worlde, he ordened matrimony sayinge, It is nott goode that 
man shulde be alone. Agayne let nott the woman be Genn.ij. 
seperated from her husband etc. So. Aman lyveth moche more 
(piyetly out of matrimony, then he cando there in. Fa. ye but 
no man ought to seke his particular well und proffyt, but that 



* upon. 



434 Wolf. 

that is for the commen well and his neglibours conforte. 
Wherfore every man in bis tyrae oug-ht to have bis owne wyfe, 
and to lyve in wedlocke, excepte God singulerly call hym 
there frome, accordyrge ' to the generali commaunndment of 
God. So. Howe shalt thou knowe whether thou arte called to 
live chast, or in wedlocke? Father. In the mean whyle we are 
bounde to the commaundment of God tyll charite and obedience 
constrayne vs too^ do wother wyse. As, yf the lorde call a 
man to an office pertaynynge to the g'lory off hys name, and 
welthe of bis neghboure (wherin if wedlocke shulde be hin- 
draunce) he ought then to remayne S3'ngle as Paul did. He 
that called hym will aboundantly geve him wherwithall to 
acomplysshe his vocacion. And so brydle hys flesshe, that he 
shall be able too^ live chaste, and purly to fulfyll that [fol. 12''.] 
he hath taken in honde. So. I heare well then, that thou 
woldest that as many as are nott called to some especiall office 
by God, shulde mary, Fa. No doute, but that with their eiders 
consent. So. Why, may nott yonge men mary withouten their 
fathers mynde and will ? Fa. In no wyse. ye and they so mary, 
it ought to stonde to noue effect, because they are as yett 
vnder thier^ fathers power, vnto whom syngulerly they ought 
to obey, and to do no thynge (specially yf it be of eny greate 
wayght) vnknowynge vnto theyr eiders. So. what and theyr 
fathers and mothers (as often happeneth) be therin negligent. 
Fa. Lett them be, yett becommeth it not the, after thyne owne 
brayne to do what pleaseth the. But then shuldest thou take 
counsell with thy frendes, kynsfolke, and wother honest men, 
vnto whom thou shuldest open thyne herte, and desyre theym 
to commen wyth thyne eiders therof, and to helpe the, whose 
counsell as farrforthe as it is godly, thou shalt obey, and 
folowe. So. I parceave by thy saynges, that thou in all 
outwarde thynges wilt have a Christen man to be free, and his 
conscience not te^* be bounde by eny worldly constitucion or 
ceremony. and that he frely shulde con- [fol. 13".] tynewe in 
the liberte obtayned by Christ. Yf it be so, then maye he do 
what he will. Fa. Nott so. He shulde rather have evermore a 
regarde vnto the strayght iudgement of god almyghty. W'hiche 

' according. ^ to. ' theyr. * to. 



William Roye's Dialogne between a Christian Father and his stubborn Son. 435 

though he be to hym a fatlier most füll oflF mercy, yett is he 
a iudg-e also strayght and rightous. and therefore all wayes 
behave hym sylfe, as a membre, or instrument, wherin god 
only maye be knowen to work vnto his glory, and Christen 
mens edificacion, and nott vnto their hinderaunee or detriment, 
accordynge to the doctryne of Paul every where. and specially 
where as he declareth vnto the Gallathians what the Gai. v. 
liberte of a Christen manne is saynge. Brethren ye were called 
into liberte, only lett nott youre liberte be an occasion vnto the 
flesshe but in love serve one another. This shiilde a Christen mane 
often remembor, and therby as neare as he canne^ stody to kepe 
hym silfe from all evill occasion gevynge. So. Declare this vnto 
me somwhat playnlyer. Fa. Ytt is lefuU, indifferently for a Christen 
manne withouten scruple of conscience, to eate, and to j. tim. lüj. 
dryncke of all that God hath created and ordened Mat. iv. 
vnto mannes fode, so that therby he misedify not his eo. xüij. 
neghbom-e. Foryf his brother be greved by the reason, of his 
meate, [fol. 13''.] then walketh he nott acordynge to ro. xüij. 
charite. Lykwyse there is none ydole in the worlde, nor yett 
thynge ther vnto offered of eny valewe. Nothwithstondynge, yf 
one whieh as yett is weake in his conscience, for lacke of 
knowledge of the trueth, eate of eny soche offeryuge, doutles 
he is defoyled. Yf he also whiche perceaveth the trueth, eate 
therof withoute respecte of the feblenes of his brothers belefe, 
and therby provoke hym to eate of the same, triily he abuseth 
his liberte also and destroyeth for apece of meate, his j. co. vüj. 
brother bought with the most precious treasiire of christis 
blowdde. Furthermore, ydols are nothynge in the worlde as 
Faul evidently sheweth in the pistles to the Corinthians, j. co. vüj. 
and that there is but one god, and one lorde Jesus Christ, 
and therfore shulde we llye all manner worshippynge of theym. 
nott inwardly in the herte alone, but also in every exteriall 
thynge. Wherfore he that hath power to avoyde soche falce 
ydols out of the waye, and to clense churches, ordened only 
for the administracion of goddis werde, from all abomiuacions, 
as are domme stones, blynde stakes, and deffe postes, with all 
soche paynted mammettes ' on bordes, or pillers, and negligently 



' Siehe Nares, Glos arv s. v. 



436 woit 

oniitteth it vndone (where as in his [fol. 14".] conscience he 
knoweth soche vayne and vnprofitable thyng-es to serve for 
no goode porpose, but puffed vp in his owne witt soffereth 
theym to remayne, as a stomblynge blocke, and occasion of evill, 
vnto the weake) abuseth g;retly his fredom. and maye with 
oute fayle wayte for the sharpe scourge, and cruell iudgement 
of god. Son. To whom is this power or authorite committed? 
Eo. xiij. Fa. To oiire temporall lordes, ruelers, and superiours, 
with their debities and assigneis. For they by goodis ^ worde 
and ordenaunce have receved the swearde temporall, therwith 
to chasten, put downe, and disanull, all that agaynst god and 
his wholy worde is. And to have no regarde vnto the iniquite 
and vngodlines, of the mayntayners of soche abhominable 
seduccions above rehearced, with their sacrifices, masses, dedde 
mennes songes. etcet. (for beynge Baals prestes, thei have no 
Phil. iij. god savynge their belly only) but fervently to confounde 
and disanull, whatsoever maye be occasion to the weake 
conscience of a Christen manne, to swarve from the hope, 
truste, and confidence, of the precious bloudde of his swete 
saveoure Jesus Christ. As did goode Josias the kynge. Whiche 
i. re. xxiij. tokc outc of the wayc (though as [fol 14''.] yett the 
people were nott fully converted to the lorde) al ydols, and 
abhominacious made, and brought vp withoute the worde of 
god. which only was of power to clense mennes hertes from 
ydolatry, and to endcM^e theym with the perfett knowledge 
and true love of his godly maieste. and so doynge fullfelled ^ 
the due office belongynge, vnto a true prynce or rueler. Or eis 
shulde Hosea the last kynge of Israhel have bene fautlesse. 
which before god was accounted and iudged for an evill doar, 
because he destroyed not the golden caulves, and did nott heawe 
downe the hye places, wherin men worshipped theym, notwith- 
stondynge that he gave liberte and soffered the people to go 
vp vnto Jerusalem, and there to accomplisshe their homage 
and sacrifice, due to the lorde, after the lawe and prophettes. 
Insomoche that he was overcome by the kynge of the Assirians, 
and at the last miserabely punnisshed by the lorde, which toke 
a vengraunce •' «»f the grett negligence committed agaynst hym. 



' Qod'fi. ^ fiilßlfd. ' veriffeance. 



William Roye's Dialogiie between a Christian Fatlier and liis stubborn Son. 437 

Wherfore deare chylde, this power belongeth to uo manne, 
savynge only to oure temporal lordes and rulers. Never tlie 
lesse take thou goode hede, that these faulce goddes have no 
place in thyne herte, whiche is the [fol. 15*.] temple j. co. üj. 
and dwellynge place of god allmyghty, therin to be j. Co. vj. 
honoured and worshipped. But in outwarde meknes ij. co. vj. 
and myldnes of herte and Avorke laboure one to go ko. xij. 
before another in all dedes of charite and due seruyce (with 
honoure and obedience ther vnto required) toward ko. xüj, 
youre heddes and lordes temporall, fathers, uiothers, j. tim. vj. 
and all youre eiders. Before Stockes and stakes, stones Mat. xv. 
and pillars se that ye once putt no honde to youre cappe, nor 
yet bowe ye youre kne, butt morne in youre hert, for mar. vij. 
the blyndnes of theym which thus abuse the honoure j. Pet. ij. 
due vnto god. and with fervent prayer for theym , conimitt 
all power and vengeaunce vnto god and to the ministers Ecd.» xxvj. 
of liis power, whose duety is every where to promoute ro. vüj. 
his honoure, to defende the confessours of his name, and to 
eschewe all occasions of evill amonge their even Christen. For 
wo vnto theym which are called vnto this power, and yett be 
of so weake a courage, and fehle an herte, that rather they 
wolde forsake god and denye his wholy commaundement, then 
once to sofFre a filippe or to heare an evill worde for his sake. 
Ye alas for the more parte are hayle felowes with his enemies, 
and flatter theym dayly, and geve, theym soche auda- [fol. 15''.] 
cite, that every where his glorius name is evill spoken Rom. ij. 
of, and continually blasphemed. Where as they openly Mat. x. 
shulde confesse Christ. And at all seasons be redy rather to 
soffre death, then willyngly to withstond hym in one iote. 
Oure duty therfore is fervently in all oure oracions (which 
through the sacrilice of a pure hert we offer vnto the lorde) 
to desyre for theym soche a sprete, and godly mynde as 
becommeth theym to have for the accomplisshment of tho '^ 
thynges which to his godly will and honoure are most plesaunt 
and agreable. So. Howe thynkest thou, maye I not pray to 
wholy S. Toncombre, ■' Sir Jhon shorne, ' or to wother soche 



1 EzechieJ, 26. 2 ^/jg, 3 Siehe Auui. am Eude. * Siehe Anm. 

am Ende. 

SiUuugBber. d. i.Uil.-bibt. Cl. LXXVl. l;d. III. Hft. 29 



438 Wolf. 

wholy saynctes to make intercession for me? Fa. No surely, 
yf thüu be a Christen man for a Christen man, as nere as he 
canne endevereth hym silfe to folowe thc rule left vnto hym 
Ko. xüij. for an instruction by Christ, that is wholy scripture. 
which every where sayeth, that whatsoever is done with outen 
j. Tim. ij. fayth is synne. sendynge vs vnto one Jesus Christ, 
which alone is mediatoure bitwixte god and vs. Which with 
outen ceasynge prayeth for my synnes, stablisseth my fayth, 
and assuereth me of lyfe everlastynge. So. Why then prayest 
thou eny more? Fat. Be cause the [fol. KV'.] lorde hath geven 
ma. xxvj. me commaundement so for to do. Because also I cary 
Luc.xj.xvüj. aboute with me the olde Adam, and feie in my silfe 
the members of the lawe, which withstonde the lawe of my 
Ro. vij. mynde. Insomoche that in me, (that is to saye in my 
flesshe) I canne perceave no goodnes. Wherfore I praye that the 
name of god maye be sanctifyed. and that with oute delaye 
his kicgdom maye aproache. So. I se well a Christen manne 
j. Jo. iij. maye synne. Fa. Mann synneth two maner awayes. The 
vngodly to death, throughe their obstinate mynde, and grett 
maliciousues, wherby they persever in the workes of dercknes. 
and that because they are vessels of wrathe, and knowe nothynge 
howe to liope in god, nor yett to trust vnto his godly promeses. 
Contrary wyse the godly by fragilite only of their flesshe and 
that füll sore agaynst their will, havynge all wayes in theym 
the seed [of] ' faythe whiche assuereth theym of the mercy of 
god their father wherfore they cannot synne vnto death, nor 
yet remayne in workes of dercknes. but causetii theym to beleve 
that Christ is their brother end ^ thorowe his bloudde to be 
Ro, viij. clensed from synne. So. Seynge a Christen manne maye 
joan. vj. synne. howe shall I vnderstande Christis sayinge, he 
that beleveth in me hath life [fol. IG''.) everlastynge. Where as 
manifestly, he that synneth is ded? Fat. Through belefe we 
have that lyfe, but not fully. and that by the reason of the 
imperfection of oure belefe. Wherfore so farforthe synne we, 
Joan. vj. and are ded as we lacke of oure belefe.. For god hath 
included all thynge in vnbelefe, that he myght have mercy ou 



' Der leere Raum zwischen seed und faythe zeigt deutlich, dass ein Wort, 
wahrscheinlich of, von dem Drucker ausgelassen worden ist. 2 artd. 



Williarn Roye's Dialogue between a Christian Father aml Ins Btubliorn Son. 439 

all. which thynge causeth vs to meke oure selves, and ro. vij. 
sendeth vs to god, thorowe Christ. And that specially because 
that in oure flesshe is uothynge to be fnunde savynge only 
vnstablenes of herte, and desperacion of niynde. But contrary 
wyse in the promeses of god, throwe the merettes of Christ, 
is all surenes of mvnde, and stedfastnes of herte. And he that 
diligently remenibreth this, dieth gladly from all that he is of 
hym seife, putynge his only trust and confidence in god his 
most mercifull father. Sonne. By what meanes myght I be 
assuered here of? Fa. This suerteshyppe is so wrapped in 
fayth, that the ferventer thy fayth is, the suerer thou mayst 
be there of. For yf thou sett abacke all worldely hope and 
trust, and ernestly indever thy silfe, to folowe Christ, and in 
hym to settle thyne herte, and to have thy solace only, thou 
sone shalt perceave by thyne owen frute, what maner mat. vij. 
a tre [fol. 17*.] thou arte. For this purpose sayth the lorde 
by Ezechiel the prophet. Halowe ye my saboth daye, Ezoe. xx. 
that it maye be a token bitwene you and me, wherby ye maye 
knowe that I am youre lorde god. Wherfore yf thou feie thy 
silfe prompte and redy to do the workes of mercy vnto thy 
neghbours, and to soflfre all maner of aduersities paciently. 
thou mayst surely knowe that god is with the. and that through 
his mercy he hath ehaunged thyne herte. and thus by the 
workes be assuered of thy fayth e. Son. Forthe on declare the 
wother poyntes of thy belefe. Fat. Which is conceaved by 
the wholy gooste borne of Mary the virgen, which also soffered 
under Pens Pilate. was crucified, ded, and buried. Son. What 
betoken these sayinges? Fat. Seynge (as apereth by the 
gospell of S. Luke) that he is conceaved by the opera- Luce. j. 
cion of the wholy gooste, I suerly afferme, that he is with out 
spot of synne. and nott as we are conceaved and borne psai. i. 
by oure mothers in sinfall iniquite. And that of the virgyn 
mary. to fulfill that whiche longe before was profecyed by the 
prophet Esaias, sayinge. A virgyn shall conceave and brynge 
forthe a sonne etc. And because his whole life was Esa. vij. 
but a continuall sufferinge of grett paynes, [t"i»l. 17''.] laboures, 
and thrauldoms for owre synnes only. I saye whiche jo. x. vj. 
soffered vnder Pons Pilate. etc. For he cam into the worlde 
to fulfill his fathers will, and so to delyver hyme silfe to death 

29* 



440 Wolf. 

for oure redempcion. We deserved punnysshement and death, 
j. Pe. iij. and he wliicli never committed offence sofFered it. the 
rightous^ for the vnrightous. and that ou the Crosse vnder Pons 
Pilate, at that tyme beyng-e the Emperours debite of Rome 
in Jerusalem. For the power and authorite of Jury ' was taken 
genn. xiii. awayo, accordyngc to Jacobs prophecy. Insomoche that 
Psai. ij. they had no more power to iudge eny man to death. Wher- 
fore to accomplesshe the prophecy, the hethen holpe to condempne 
Coi. ij. hym, and that to the moste shamfullest death possible, 
tliat is of the Crosse. W herby he losed vs from shame and also death, 
,j. Pet. ij. leavynge vs and 2 ensample to folowe his fote steppes. That 
is to saye that we shulde crucify oure olde Adam, with his carnall 
desyres. And therfore dyed he through his fathers obedience, 
offerynge hym silfe throwe the eternall sprete, with outen spott 
vnto god allmyghty, with his bloudde to pourge oure consciences 
from ded workes. Wherfore in lyke maner he became the 
Ebr. viij. mediatoure of the newe testament. That [fol. 18".] as 
Ebr. ix. sone as his death was füll ended for oure transgressions 
of the fyrst testament. they which wer called myght receve 
the promes of eternall inheritaunce. For asmoche as god the 
ij. Co. iij. father hathe made hym to be synne (for vs) which 
knewe no synne that we by hym shulde be that rightousnes 
whiche before god is alowed. For doutlesse he dyed after 
tlie same maner that we deye, and was buried. wherfore it 
becommeth vs to deye and to be buryed with hym also. And 
that can we not do, excepte we forsake all flesshely workes, 
and sofFre god only to worke in vs. For this is the halowynge 
of the Saboth daye which fyrst after this lyfe shalbe fulfild. He 
descended downe to hell (as clerly apereth by the scripture, 
Tsai.' xvi. that all his therbv shuld be delivered both from death 
Act. ij. also hell. So. How cannst thou be fre from death, seynge 
thou arte a manne, and scripture aflirmeth that all men must 
once dye? Fa. Though Christen menne shlepe in the lorde. yett 
ueb. ix. dye they not, for the soule departynge out of this 
wretched boddy entroth immediatly into grett ioye and rest, so 
wat.* xxij. remaynynge vntill that oure lorde shall awake it agayne. 
Christ is oure lyfe in whom yf we dwell , withouten dout 

1 Jeu-ry. - an. ^ Psal. ■* Maf, 



VVUliam Koye's Dialogue bttween a cliiistian Faiher and his stubborn Son. 441 

through ruercy obteyued yn hyme, we shall perpetually j. Co. xv. 
[tbl. IS*".] live, and with hym aryse agayne. seynge he uo. nij. 
was delivered for oure synnes, and rose agayne the thryde 
daye to iustyfy vs. And as s. peter sayth, once soffered j. Pet. üj. 
for synnSj the iust for the vniust, so to bringe vs to god. and 
was killed as pertaynynge the flesshe, and yett was quickened 
in the sprete. Wherfore my dere sonne, yf we be risen agayne 
with Chi'ist, lett vs seke those thynges whieh are above wheare 
as he sitteth ou the right honde of god his father. So. coi. üj. 
What comforte fyndest thou here in? Fat. Marvelous grett with 
outen fayle. For loke as 1 surly knowe that he soffered j. ret. üj. 
death for my synnes, and that it was vnpossible that he ro, vj. 
shulde remayne therin. even as sure am I, that by his death 
satisfaction sufticient is made, wherby both hell and death are 
overcome. And therfore shulde we no lenger continewe Coi. ij. 
in death. but in renewynge of oure lyfe, fei-vently laboure for 
immortalite. which is, wheare as he ascended vp into heven, 
and sitteth on the ryght honde of god the father allmygthy. 
This artikle have we in the fyrst chapter of the Actes. In 
hevenly thynges, and on the right honde of god, are as moche 
to saye, as he is constitute in the raost excellent power of god 
above all hevens, and angels. that he [fol. 19*.] mygt fulfill 
all thynges. which are here beneth. That is to saye, Eph. üij. 
that with his sprete and gostly gyftes, he ordre, rule, and 
governe vs. wherby remayneth vnto me, in tyme of aduersite, 
and temptacion a grett staye and conforte. For as moche as 
I consider that Christ so entierly ' hath loved me, that ko. üij. 
he hath sreveu his owne silfe for mv sake, what canne nowe 
be lackynge vnto me? or what evill maye fortunc vnto me. 
seynge that he \\hich so affecteously hath lovcd me , is 
kvno-e and lorde over all that is on erthe here beiieathe, 
or in heven above wheare as he nowe is. and from Ma. xwüj. 
whence (as I faytlifully beleve) he shall comc to iudge bothe 
quicke and ded. He cam once to brynge vs through hym 
vnto the father. That is to saye, he sett vs (which were 
his fathers enenemies, - and bondmen vnto the devill ) attone 
agayne with hyme. makynge of a crewel iudge a mercifull 
father, by the meanes that he made satisfaction for oure synnes, 

1 entirely. '^ emiemiea. 



442 ^*"if. 

with his death and passion. Insomoche tbat we once knowynge 
liyni a meicifull father, shiild not (after the maner of evill 
doars) dreade hym as a tyrannt^ but hence forthe feare hym, 
as a rigthous lorde, and so love hym with a chyldly love, that 
both niynde and worke al wa- [fol. 19''.] yes and every where 
manifestly declare in oure Hvynge that we are of his electe 
and chosen, clensed from the olde Adam, and renewed with 
the newe man which is acceptable vnto god by the nierittes 
of Christis blonde. For his seconde commynge suerly shalbe 
to iudge bothe quicke and ded, That is manifestly to geve 
iudgement accordynge as every manne hath by his worke 
declared the imperfection of the rote of his belefe. Which 
j. Cor. iij. after the goodnes or badnes of it silfe bringeth forth 
other goode or bad frute. wherby the whole tre (that is to 
saye the whole manne) is tirst knowne of men in this Ivfe, 
and at the commynge of the sonne of manne in the last daye, 
openly shalbe iudged. Where as we are all from the begyn- 
nynge reserved, by his eternall preordinacion and godly wisdom, 
other to death everlastynge , or eis predestinate vnto life 
eternall. Which godly secret shall fyrst be declared in the 
mat. XXV. last dayc af ' iudgement ordened alonly forte reprove 
openly the vessels of iniquite, vtterly apointed vnto the per- 
petuall fyre of hell (beynge even deade, thougth ^ they seme to 
leve). And also for to approve the lively, and quicke vessels 
of mercy, Avhich live in Christ Jesu, manifestly admittynge 
theym vnto joye. Which man [fol. 20\j was never able, nether 
j. Cor. ij. to se, to heare, nor yet to ymmagion. So. Seynge thou 
sayst that he shall descende openly as he ascended, to geve 
this iudgement, thou belevest not that he is here with vs 
continualli? and yett he hym silfe sayeth. wheare two or thre 
ma. xviij. uit. are gaddered together in niy name, theare am I 
in the middes of theym. Fa. Through his sprete he is with 
vs vnto the ende of the worlde. but for as moche as it is 
spretually, man yett beynge wrapped in this mortall flesshe, 
entangled with so manyfolde myseries, and saverynge all wayes 
erthely, can never corae to the knowledge therof, vntill the 
tyme that he thorowe a stedfast belefe in god, and sure hope 



' of. - though. 



William Roye's Diaingue between a Christian Father and liis stabborn Son. 44P> 

in his proineses, perceave howe that by Christ we have obteyned 
g-race for grace. Wliich knowledge dryveth hym so joan. j. 
ferventlj vnto liis mercy, that in all his doynges he seketh 
only the e^loiy ol' god and his neghbours welthe, and so 
aproacheth to the trewe love of god and also of his neghboure. 
And thus knowynge god tor his father, he cannot bnt nedes 
miist have Christ his singnler redemer continually betöre his 
owne eyes. and that spretually. And so consydre the grett 
benefytes obtained by his deth and passion. and also, the 
ensamples of brotherly [fol. 20\J love and charite which he 
lefte vnto hym? 80. Whye, is he then never present with vs 
boddely, as he honge on the Crosse? and as they whome men 
call gostly fathers , Doctoiirs , and preachers , do aferme, 
sayinge, that as often as one of theyni, or of their anoynted 
secte saye over a pece of bred, this is my boddy, through 
the vertue of these wordes, he beynge theare corporally, 
converteth that bred into his boddy? Fa. They beynge Mat. xv. 
blynde wolde fayne leade wother blynde with theym into the 
pitt of erroure. For suerly so to afferme playnly repungneth 
agaynst these articles of oiire belefe and wholy scripture. He 
ascended vp into heven, and sitteth on the right honde of God 
the father alhnyghthy. From whence he shall come to iudge 
bothe quicke and dedde. He sayde also vnto his Jo. xvij. 
disciples. It is expedient that I departe from you. and many 
soche places mo. Wherby it evidently apereth that Christ 
never gave theym eny soche authorite, or commaundement. For (as 
Paul sayth) what soever thynge is written, it is written ro. xv. 
for oure wealthe and comforte, therby to be made the better, 
and to receave more spirituall comforte and instruction. So. 
Howe then are these wordes to be vnderstond- [fol. 21".] de? 
Fa. Even as the lorde tought Paul his faythfull disciple to 
vnderstonde theym. which declarynge theym vnto the Corrinthians, 
saveth. As often as ve eate of this breade, and dryncke j. co. xj. 
of this cuppe, ye shewe the lordes deathe tili he come. as he 
shulde saye, as often as ye thus receave bred and dryncke 
together, call to youre remembraunce , and declare one to 
another the lordis death, tili the tyme come, that he shall 
come agayne in the lykenes and silfe same body wherin he 
apered before vnto his apostles. This same was the lordis 



444 Wolf. 

meanynge when he spake theym hym silfe. whiche did, and 
spake all thynges for oure welth. He g-ave bis body and blonde 
spretually vnto bis disciples to be eaten and drouken. Tbat 
is, tbat they shnlde beleve, tbat be wolde offer vp bis boddy 
and bloud on tbe Crosse to god bis fatber for tbe redempcion 
of many. Tbat tberby tbe newe and everlastynge testament 
(wbicb is bitwixte god and vs, tbe knot of commenaunt ' tbat 
be sbuld be oure god, and we bis cbosen cbildren) mygbt be 
amonge godes electe pupplissbed. So. Tbe affecte of tby 
sayinges after myne vnderstondynge is only, tbat tbis sbulde 
be but a remembraunce bowe tbat Cbrist frely gave bis boddj^ 
and bloudde for [fol. 21'*.] tbe redempcion of as many as god 
bis fatber from tbe begynnynge of tbe worlde bad predestinate 
to become partakers of bis sonnes bloudde. by tbe reason 
wberof eacbe one of Cbristes flocke, stedfastlv mave beleve 
bym silfe to be clensed from sinne, and delivered from bondage 
Rom. ix. of deatb and bell, by tbis acceptable sacrifice made 
and done, bitwixte Cbrist oure saveoure, and god bis fatber. 
Luc. xxij. Fa. I canne none wotberwyse immagion. For be sayde 
bym silfe, wbicb sbalbe broken and geven for you etc. So. He 
gave not tben at bis last sopper bis materiall boddy and 
bloudde vnto tbeym to be eaten corporally, nor yet bid it 
vnder breade nor vnder wyne? Fa. In no wyse, for he remayned 
bodily sittynge before their eyes. And after tbe wordes were 
spoken tbe bred wbicb be toke and blist, remayned breade, 
and wyne, wyne. as tbe lorde bym silfe testifieth in tbe 
Luc. xxij. gospell. Wbeare as in all goddis workes, after he 
once bad spoken tbe worde, all tbynges are and continewe 
witb outen ficcion trewe. and so apere in dede in their owne 
nature, wbether they be spretuall, or eis naturally corporall. 
Joan. ij. After be once bad made wyne of water, it bad nether 
coloure nor taste of water eny more, but was wyne in dede. 
Joan. ix. He [fol. 22*.] made hym also wbicb was borne blinde, 
naturally to se. Insomocbo tbat tbe pharises beinge never so 
frowarde coulde not denye it. Lykwyse he reased Lazarus 
Joan. xj. from deatb to lyfe agayne, tbat every man mygbt se 

1 comnant = covenant. Vgl. Halliwell, A Dictiouary of Archaic words. 
Londou, 1847. Vol. I. p. 26G. 



William Koj-es Diulogu- between a Christian Father and his stubborn Son. 445 

that he lived indede. And after this maner he geveth vnto 
vs his boddy and blonde, that is to saye spretually, wherwith 
the soule once feade through belefe, immediatly feleth all 
spretuall ioye and conforte. that is to saye, faythe towardes 
god his mercifull father, hope in the promeses of Christ, and 
love and charite towardes his even Christen. For he sayde, 
he that eateth my flesshe aud drynketh my bloudde, is joan. vj. 
in me and I in hym. This is spretually done, wherby the 
children of belefe, are strengthed in their fayth, and folowe 
the fote steppes of their master Christ. Serve their brethren, 
and hate the worlde. Wherby as through thynges most cer- 
tayne, the inuisible presence of god is apprehended. yet in 
the meane tyme, there is no bodely presence of Christ nether 
in breade, nor yett in wyne. Sonne. Canst thou prove by 
scripture that he gave not hyme silfe vnto his disciples, and 
vnto those whiche säte aboute hyme, in forme of breade for 
to be eaten, nor yet in wyne to be dr- [fol. 22'*.] roncken? 
Fa. Ye, for he hym silfe sayeth in the .vj. chapter of Ö, Jlion, 
that the flesshely eatynge and drynkynge of his boddy and 
bloudde stondeth to none effecte. sayiuge, the wordes whiche 
I speake vnto you, are sprete and lyfe. that is. they speake 
of a spretuall maner of eatynge and drynkynge, and of that 
thynge which bryngeth to lyfe, and that inwardly throwe belefe. 
And therfore can there nether carnall thynge, nor creature 
belongynge vnte the vngodly, be other sprete or lyfe. So. Are 
then the wordes rehearced in the .vj. chapter of Jhon^ of one 
meanynge with Christis sayinge of bred and wyne ? Fa. There 
is no difference, savynge only that at his last supper the lord 
gave there vnto the signe or token. but yet is the meanynge 
one. For in the forsayde place the lorde sayde, the breade 
that I will geve is my flesshe which 1 will geve for tlie life 
of the worlde, whiche silfe same thynge he also dcclaicd at 
his last supper, sayinge. take, and cate, this is ma. xwj. 
mv boddy which for you shalbe geven. whiche bothe are but 
one maner of speakinge, and therfore ought after one Marti, xüij. 
maner tu be vnderstoude, and that (as apereth in the Luc xxij. 
.vj. chapter of S. Jhon. aud in the teuthe eleventh and twelth ' 



twelfth. 



446 Wolf. 

chapters of. S. Paul in tlie [fol. 23*. J fyrst pystle vnto 
the Corrinthtans' spretually and not corporally for as mosche^ 
as Christ is gostly fode in the herte which cannot be gnawen 
with teth lyke wother materiall meate. So. Ye^ but these 
wordes are mervelouse playne, this is my body, and ag-ayne 
this is my bloudde. Fa. The lordes wordes are üght, and 
lighten the vnderstondyng-e of the simple, directinge theym 
all wayes to belefe and love. wher vnto all prophecy shulde 
ij. Pet.j. agre and be proporcionable, that is to saye all 
interpretacion of scripture. For yf we only shulde leane vnto 
ma. xxiij. the bare wordes therof , it were nether lawfull for 
Lnce X. me to Call my father , father, nor yet to grete eny 
mat. X. manne in the waye , not to weare shewes on my fete 
and soche wother many moo. We must therfore leane vnto 
ij. cor. iij. the livynge sprete, and not vnto the ded letter, and 
marke wele in oure mynde that what soever the lorde other 
spake or did, was all for our spretuall comforte, which thynge 
only dependeth of hym. This well pondered, we canne never 
gretly swarve from the trueth. as longe as we declare these so 
playne wordes, with soche wother lyke maner of sentences, 
pertayninge to one meanynge of the sprete. Wherfore lett vs 
evermore with an evident and playne sen- [fol. 23''.] tence, 
expowne and declare another which is dercker and herder. 
as longe as they pretende but one thynge or meanynge. and 
so vnderstonde all thynges after the mynde and meaninge of 
the Speaker of theym. So. What frute then receavest thou by 
these wordes? Fa. It bryngeth to my remembraunce the 
mercifullnes of god my father, graunted and geven vnto me, 
through the sacrifyce made of Christis boddy and bloudde on 
the Crosse, for oure redempcion once for ever. which thynge 
the oftener that I call to remembraunce the more fervently it 
is by these wordes, renewed, quickened, and strengthed, in my 
herte, Insomoche that I suerly beleve and knowe that Christ 
with all that he canne do, is myne. Not that he therfore shulde 
be breade, or eis hidden other vnter brede or wyne. but 
because I doute not, that he once hath soffered death for 
me. whose maner was ever wonnt to declar spretuall thynges by 

' Corinthiann. 2 much. 



William Roye's Dialogue between a Christian Father aml liis stubborn Son. 447 

corporall tockens ordi-ynge hym silfe all ways after soche a 
kinde and playne wyse, that oure dull and rüde capacite the 
better therby niyg-ht feie and perceve bis niynde and joan. xx. 
purpose. as aperetb where as he had blowen on bis disciples, 
he sayde^ receave ye the wholy gost. tbis blowinge was not 
the wh- [24^.] oly gost. Foi- he was nether therin, nor yet 
tbervnder. but yet the disciples thorowe their beleve receaved 
hym inuisibly into their hertes even as we do christes body 
vnder the signe or token of bred and wyne, though he nether 
be in nor yet vnder theyni. Tbis bred entreth into the body, 
but the bodd}- of Christ thorowe the operacion of the wholy 
gost, commeth by the worde of god into the herte. For the 
ontwarde worde is only a sounde or a voyce, betokenynge that 
inwarde worde wherby god through bis sprete speketh in the 
hertes of bis belevynge children. were ' as they represent vnto 
the children of vnbelefe but a voyd thynge or a vayne voyce. 
These sacrementes and signes tberfor betoken the body of 
Christ spretually there to be present, whom they which are 
grafte in belefe only receave and after tbis nianer .loan. vj. 
spretually eatinge hym, they live evermore. Son. Ye but Paul 
saveth, whosoever shall eate of this bred, and drinke tbis 
cuppe vnworthly, shalbe giltly- of the body and j. Cor. xj. 
bloudde of the lorde. and howe canne he be gilty of that thynge 
which after thy savinge is not theare present? Fa. Take never 
one pece of scripture here, and a nother gobbet there. but 
marke well what precedeth, and what foloweth, and thou shalt 
perceve that [fol. 24''.] Paul calleth theim vnworthy eaters, which 
raisvsed this supper, eatynge and drynkynge dronken, where as 
wother hongered and thirsted. by reason Avhere of, the charite, 
of wother which were called brethren, was broken, there as it 
shulde have bene vndefiled. because that the lordes breade 
which they thus ought to have broken in fervent love and 
charite wone with another, for a remembraunce of j. cor. xij. 
the incompai-able love of Christis death and passion, wherewith 
they were vnyed and knet together , was after this wyse 
institute and vsed to be devided and receaved, but for a witnes 
or testiraoniall, as they did eate of one breade, even so to be 

' where. 2 guihy. 



448 w.if. 

all members of one boddy. But paule evidently enformed of 
tbe contrarj amonge the Corrinthians (whome he calleth slowe 
j. Co. xj. beilies, and sekers alonly of theym selves in all 
Phiii. üj. ydelnes and superfluite, after the maner of oure newe 
g'oddes nowe a daies, which with their faulee interpretacion of 
these forsayde Christis wordes, so blynde mennes soules, and 
derken their vnderstondynge, that therby they have so g-otten 
their heddes vnder their girdles, that they suppose theym 
selves nether to have eyes to se, eares to heare, nor tonges to 
speke. But even as they saye so miist they do. [fol. 25".] as 
they Orden, that must they afferme to be goode. and that they 
do, that are they constrayned to alowe. Insomoche that the 
silly soules are nowe brought into soche a belefe, that they 
suppose the prestes to have thorowe these wordes power to 
make their lorde of a pece of breade. And that it is sufficient 
for the clensynge of their consciences, yf a mortall man, be he 
never so vngodly wicked or vnrightous, once a daye eate this 
faulee ydole and fayned god, ymagened of breade. Wherby 
they are brought into all thrauldom, aduersite, and captivite, 
Insomoche that yf a pover manne, or womanne, have for theym 
and their children but one loafe of brede, or one chese, soche 
a pilled marchaunt, which at home liveth in all aboundaunce 
and ydleness, must have it at his pleasure and commaundement 
agaynst all charite, and concorde of love) for their breakynge 
of this godly Institution of love nameth theym vnthworthy ' 
eathers and drynkers of the lordis supper, and gilty of the 
boddy and bloudde of Christ. So. Ys not the breade then 
which we breake part takynge of Christis boddy? Fa. Yes. 
So. Howe canne that bc exceptc we eate eache one of it? 
j. Cor. ix. Fath. Marke welo what paul sayeth in another [fol. 25''.] 
j. Cor. X place also. Are not they whiche eate of tho sacrifice 
parte takei-s of the auiter? Yet is there none of theym, that 
corporally do eate in the sacryfice eny gobbet of the auiter. 
But they are parte takers of the auter whiche belonge vnto 
the exteriall offeryngr"^ or sacrifice there of. Even so are they 
part takers of the boddy of Christ which eate of one breade 
together in the unite and love lefte vnto theym by Christ, and 
mat. xiij. ars counted, and iudged to be of one Company and 

' unworthy. - oß'en/ng6. 



William Roye's Dialogue between a Christian Fa'tlier and his stutborn Son. 449 

churche, whether they be goode or ev[i]le vntill the tyme of 
harvest come. After the same manner they are parte takers of 
devils which eate of thyng-es ofFered vnto ydols, and j. cor. i. 
yett eate they no devils. Therfore dere sonne se thou strengthe 
thy faythe with a continuall remembraunce of Christis passion. 
And stryve with no manne dispiitynge of eny soche matters. 
For the congregacion of Chi-isten men are not wont j. co. xj. 
to vse soche vayne disputacions. But vnto theym, whome thou 
seest diligently enquyre for the knoweledge, of the trueth, geve 
a swete and lovely answer of thy belefe. And loke j. Pet. üj. 
that thou diligently evermore laboure to seke Christ, wheare 
as he sitteth on the ryght honde of godde his father. ma. xxvj. 
That is in a spretuall, and in an incomprehensi- Luc. ixij. 
[fol. 20".] ble beynge and power of god the father. Which 
through his sprete continually is in vs, workinge in oure hert 
hate agaynst evill, and desyre and love towardes goodenes. 
Sonne. Gode geve me grace so forto do. and accordynge to 
thy doctryne , I will vse bothe sacrementes and also their 
sacrementall tokens. For nowe am I well assuered, that there 
is non exteriall thynge of eny effeete where as the sprete 
inwardly worketh nott in the hert. I require the furthermore, 
what thynkest thou, when thou remembrest that Christ shall 
come to geve iudgement? Fath. Truly that at that daye angels, 
mcn and devles, muste apere before the trone of the maieste 
of the sonne of God JE8VS Christ, vnto whom is reserved 
all power and iudgement wherwith in that howre he shall (in 
the twjTicklynge of an eye) condempne bothe bodyes Mat. xxvüj. 
and also soulles of theym whiche here in this lyfe Luc. xxj. 
have not had a trewe belefe, and frutes there vnto agreable, 
to fyre everlastynge, and contrary wyse admitt the joan. v. 
children of belefe to ioye eternall. Wherfor in the meane whyle 
I ought to praye withoute ceasynge vnto my lorde Christ, 
that it maye please his bounteous goodnes to admitt mat. xxv. 

me vnto the nombre of his chosen, [fol. 26''.] and to present me 
vnto his father, perfect and withouten spott, praye for me, 
and to renewe me in tlie sprete accordynge to the Ephe. üj. 
newe manne which after a godly wyse is shapen, in riglitousnes 
and trewe holines. For with oute his ayde, I lose Ma. ixv. 
bothe oyle and laboure. and for this cause I crye vnto god 



450 Wolf. 

almig'hty for grace and marcy' in liis sonnes name. So. What 
lüloweth in thy belefe? Fa. I beleve also in tlie holy goost. 
So. What is tliat to saye? Fa. That it is vnpossible for me 
tliorowe rayne owne workes to obtayne other Christ or his 
promeses. For the naturall manne perceaveth not the thynges 
j. Co. ij. of the sprete of god. Wherfore the father pulleth 
and calleth me vnto hyme thorowe his sprete. which in Christ 
Joa. xvj. quickeneth, and maketh me bothe holy and spretuall, and 
teaeheth me all thynges. Insomoche that of my silfe, I wote neare 
howe nor what I shulde praye. He prayeth for me, reneweth me, 
leadeth and compelleth me wother wyse to do, then my flesshely 
mynde or desyre inclyneth me vnto. He assuereth me of mercy, 
and sealeth me vnto the daye of deliveraunce. This article putteth 
backe all falce hope and trust in my silfe, and of myne owne 
workes. Which are evermore evill, and withouten sprete. [fol. 27*.] 
And therfore beleve I in the holy goost, and not in myne 
owne myght aund possibilite. So. What distinction makest 
thou in the godhed? that is, bitwene the fathei", sonne, and 
holy goost? Fa. God, his worde, and his sprete, are but one. 
Deu. vj. and thus to beleve is sufficient, withouten eny further 
enquyrannce. for the searcher of the raaieste of god, shalbe 
overthrowne from glory. It is sufficient for me that I knowe 
that my lorde god is one god. and that he through his eternall 
worde, which was with hym in the begynnynge made all 
Jüan. j. thynges. and with his sprete continueth in all creatures, 
ordereth and preserveth theym in their beinge. And that his 
sprete power, and gyfte is in vs, which stereth the belevers, 
awaketh, dryveth, and leadeth theym agaynst all flesshely lustes 
and desyres. Wherfore he that nether feleth nor beleveth this 
sprete in his herte, surely hath but a ded belefe, which alonly 
clyncketh on the tippe of his tonge, beynge not roted in his 
herte. For he verely beleveth in the holy goost which knoweth 
that fayth, hoape, and charite, are the gyftes of god, and that 
above the natui-e and capacite of manne. I furthermore beleve 
in an wholy chiisten churche. So. What inaner a chui'che is 
this? [fol. 27''.] Fath. It is a Company gaddered or assembled 
together of true and faythfuU Christen people. which as 



lercr/. 



William Roye's Dialogue between a christiau Father and his stubborii Son. 451 

members of one body (by the operacion of the wlioly gost) 
are fastened in one hed Christ Jesus tlieir lorde. of wliom 
they receave the moysteoure of belefe and goode workes which 
causeth theym exterially to vse the werde of god, bis baptem, 
and his last supper, as tokens materiall of thynges most godly 
and spretualh Which churche generally taken, comprchendcth 
nott ouly those w^hiche nowe lyve and beleve, with them which 
here after shall beleve. but also as many as are departed oute 
of this lyfe, and rest in the fayth of Abraham, of the which 
whole nombre Christ is hed. That is to saye, of the Coio. j. 
whole body of his churche made, bilt, and edyfied, of belevers. 
whome Paul diligently exhorteth to kepe the unite of the 
sprete in the bonde of peace. and to be one body, Eph. üij. 
and one sprete, even as they are called in one hoape of their 
vocation sayinge moreover vnto theym, let there be but one 
lorde, one faythe, one baptein, one god and father of all. 
which is above all, thorowe all, and in vs all. To whome be 
glory for ever moare amen. Son. Thou saydst before that no 
manne shulde praye to sainctes. and [fol. 28\] here thou 
sayest that they are of the Company of this Christen churche. 
Wherfore doutlesse they praye for vs, and healpe vs weake 
members, with their continuall intercession to god. Fa. With 
outen fayle, they nowe livynge in god, affectoussly ' desyre the 
welth and saluacion of all goddis choserv yet have I no 
commaundment of god eny soche intercession to desyre. But 
he sheweth to me through his godly werde everywhere, iiat. xj. 
that my heulth and conforte stondeth in the praier and 
intercession of oure onlv mediatour (Jhrist Jesus. So. Wherfore 
desyred Paul then the prayers of theim which wer alive? Fa. 
That through many, the glory of god myght be forthered. the 
ded, we shulde committ to god, in whom they rest. So. Go 
to then. Yf Christ be the hed of this (Uiurche, his churche 
must be inuisible, as he is in a celestiall and spretuall beynge, 
vnpossible to be aprehended or sene with eny corporall eyes. 
Fa. Even so is it and therfore belefe I the wholy Christen 
churche. So. Forwhat cause callest thou (Jhrist an k... xij. 

hed? Fa. Because that as by the reason of the hedd j. cor. xij. 



afffxtiioutily. 



452 ' Wolf. 

Epii. iiij. all goodnes commeth vnto the boddy, even so by hym, 
bis members receave of god almyg-bty mercy, and also the holy 
gost tu governe and to worcke in theyra all that go- [fol. 28\] 
ode is. So. Wheare is this churche ? here at Rome^ or at Con- 
stantinoble? Fa. There as are Christen belevers. though that 
the daye of manne no where canne shewe it for a certainte, 
yet must we beleve this churche to be in dede. for as niany 
as beleve, and hertely desyre godlines, are members there 
of. And therfore can she not be subdewed to no power 
temporall. But god the father hath ordened eure lorde Jesus 
Christ only to be her hed, ruler, and Kynge. So. Are synners 
also of this churche? Fa. Ye some of theym. namely that are 
called with an holy callinge. not after their dedes. But for 
ij. Tim. j. the purpose and grace of hym that called theym. which 
grace was geven vnto theym thorowe Christ Jesus before the 
worlde Was. ' Soche pertayne vnto the body of Christis churche. 
Noman can pull theym from. hym for his hevenly father which 
hath geven theym vnto hym is above all. and hath predestinate 
Joa. xvj. theym to be his heyres, accordinge to his owne purpose, 
whiche worketh all thynges after his owne will, tbat they shulde 
Ephe. j. be vnto the prayse of his glory, which before hoaped in 
Apo. vij. xij. xxij. Christ, wherby they were clensed in the bloude 
of the lambe. But as many as are not chosen before, and called 
thervnto, shy- [fol. 29^] ne they never so fayre outwardly, 
and be they never so grett in reputacion of menne, yet are 
they in no Avyse of the Christen Company, but remayne of 
theym, of whome sainct Jhon speaketh saynge, there are many 
^ j. Joau ij. antichristes (that is to saye falce Christen men) which 
are departed from vs but they were not of vs. For yf they 
had bene of vS;, they wolde no doute have continewed w^ith 
vs. But Faul beynge assuered to be one of this boddy and 
Ro. viij. churche, sayde with grett ioye. There is nether tribulacion 
nor angw^sshe, persecution nor hongre, nakednes, ieopardy nor 
yet swcarde, - that shalbe able to parte vs from goddis love. 
ye I am sure that nether death nor lifo, angell, rule nor power, 
nether eny wother creature shalbe able to departe vs from 
goddis love which is in Christ Jesu oure lorde. So. This can 



William Roye's Dialogue betweeii a Christian Fatlier and liis stubborn Son. 453 

I well perceave. for Christ and his body is one tliynge \Yherin 
yf one once be grafted, in tyme requyred he bringeth forthe 
the frute there of. wheare none hypocrysy, nor ontwarde 
dissiraulacion can healpe. So. What is the power and ma. xxüj. 
authorite of this churche? Fa. Paul declareth saynge. The 
lorde hath geven me power to edyfy, and not to ij. co. xüj. 
destroye. which thynge perteyneth to eache one of the mem- 
[fol. 29''.] bers of this boddy, seynge that all thynges ought to 
be done for the edificacion of the congr[eg]acion, and not to 
the destruccion. vnto the which entent all spretuall gyftes 
lykwyse shulde be vsed and ministred amonge theym. j. co. xij. 
Son. Have they whom menne call lordes of the spretualte non 
wother power? Fa. Judge in thyne herte whether they be 
members of this body or not. Yf they were, they shulde also 
be ministers of the congregacion, and fulfill the office of a 
trewe shephearde. and nether soifre theym selves to be called 
lordes or masters. nor yet their shepe to be devowered of 
wolveSj but rather after Christis example put their owne j. cor. üj. 
bodies in ieoperdy for theym. Son. They make men sore astnnnyed 
with theyr coursse and excommunicacion. Fa. The excom- 
municacion of Christis congregacion, is an acte of gret charite, 
and brotherly love. Wherby wother shulde refrayne joau. x. 
theym silves from the life and learnynge of hym which is 
acoursed or excommunicate. ordened to the entent that therby 
the wicked myght the better come to the knowledge of hym 
sylfe. and at the last confounded and asharaed of his owne 
ofFence and misdede before his brethren, confesse hym silfe 
to be as an infecte and rotten mem- [t'ol. ,'30'.] bre, worthy to 
be reiecte from the whole bodv. and so with amendment desire 
helpe and foryeveues of Christ and his lioly Company. So. Is 
thio excommunicacion nedfull vnto the churche of Christ? 
Fa. Ye surely, that Christen men cannot be without it. For 
herby prove they all thynges, and kepe that gode is, and 
beleve not every sprete, but prove theym whether they are off 
god or nott. And herby syngulerly beware of faulce j. cor. v. 
learnynges. and so exchewe all faulce and disceatfuU delusions 
of the wicked. So. The right coursse or excommunicacion as 
they saye cannot be, except it be declared in the polpet. 
Fa. Loke howe moche the more a manne perceaveth j. t^sa. v. 

Sitzungsber. d. phil.-hist. Cl I.XXVl. Bd. UT. Hft 30 



454 Wolf. 

j. Jo. inj. another to synne, or to do a^aynst fayth and charite, 
mat. vj. so moche the more he must consyder that he is 
Titum. iij. acoursed of god , and the diligentlyer ought he to 
j. Cor. V. exchewe and flye his Company. Excepte that for the 
Ephe. vj. amendment of hym which hath offended, his Company 
j. Tes. iij. were nedfull, and no manne therby ofFended. But be 
ij. Ti. iij. cause every man of the cong-reg'acion hath not the gyft 
to iudge spretes, I holde hym for an hethen, and acoursed, 
which hereth not the admonicion of the churche. and that 
withdraweth not hyme silfe from all soche, lest he geve vnto 
Tit. iij. his owne frailnes an occasion [fol. SO*".] to faule. For of 
god are acoursed and excommunicate, all covetous people, 
j. Co. V. whormongers, dronkardes, and all soche as name theym 
selves Christen, and by the reason of their mischevous livynge 
cause the name of god, and his glorious gospell evill to be 
spoken of. and for tliis cause ought I to seperate n)y silfe 
from theym. lett wother in the meane whyle iudge theym 
acordynge to merci. flye , or soffre theym. For he withouten 
j. Jo. iij. fayle which denyeth that Christ is come in the flessh, 
or eis he (what ever he be) that through the workes of derckenes 
is a stomblynge blocke to the whole Company, openly (of whose 
amendment yf their ' be no hoape) before theym all ought to 
be excommunicate, that is to saye expulsed out of the con- 
gregacion. wherin we ought to take goode hede, that we do it 
of pure love withouten malice and that we pubblisshe not oure 
brothers vnknowne defaultes to his defamacion vndiscretly. 
lest we begynne a newe tyranny, pharisaicall hipocrysy, or 
discorde vnder the coloure of excommunicacion. for then shulde 
it prepare a redy waye to destroye bothe the gospell and also 
all Christen liberte. Wherfore Paul almost every wheare teacho^th 
Rom xvj. vs to flye falce doctrynes, and bryngers vp of newe 
j. Ti. iiij. sectcs folo- [fol. 31".] winge Christ his master, which 
in the xviij. c. of. S. Mathew, enformeth the members of his 
churche after what maner they shulde behave theym selves 
Avith soch<\ concludynge, that yf there be amonge theym eny 
that will not heare the rigiit admonicion of the congregacion, 
he which knoweth it, ought to take hym as au hethen, and as 



1 tlipre.. 



William Roye's Dialoijue betwoon a cliriBtian Fatlipr aiul Ins stubborn Son. 4i)0 

a pulilican. and thertore Clirist sayth, let hym be vnto ma. xvüj 
the as an open synner. He sayth not, vnto tlie hole chiirche. 
Flye thou hym with compassion, and lett the eongregacion do 
tliat thynge whiche accordynge to love and charite, is con- 
formable vnto tlie doctrjn of their hed. Son. Byndeth this 
coursse the soule also ? Fa. Yt is not ordened to destroy, but 
rather to edify the cong-regacion with all. iSo. Wherefore then 
sayth the lorde, what soever ye bynde on erthe, it shalbe bounde in 
heven? Fa. The power of byndynge, in christis churche ma. xvüj. 
or congregacion, is alonly with the word of god, declared in the 
lawe and pophettes ' (which is the kayes of the kyngdom of 
god, to shitt and to open with all) maiiyfestly to pupblisshe 
and shewe a synner, yf he repent and beleve the promeses of 
god through Christ and his gospell, to be delivered from the 
coursse of the lawe, and consequent- [fol. 31"'.] ly to be losed 
out of the bondes of death and captiuite of hell. Contrary 
wyse, yf he go aboute to iustify hym silfe, and to repute euy 
creature nedfull, or of more value, for his sahiacion, then is 
tlie bloudde of Christ, with this goddis worde strayghtly, to 
condempne and declare hym to be the chylde of dampnacion, and 
presoner of hell. F'or by this meanes is a manne, knowne other 
to 1)0 of Christis menbers, and parte taker of his kyngdom or 
not. Son. I perceave nowe that for this intent Paul j. Cor. v. 
openl}^ did exeommunicate hym which amonge the Corrinthians 
kepte his mother elawe-. Fa. He which openly synneth, openly 
ought to be corrected. Ye and yf he will not mekly soffre their 
correccion beforo all men to be declared as an infect schepe 
and rotten member, with this coursse worthy to be cutt from 
the boddy of Christen luen. after that (as longe as he con- 
tinueth in his maliciousnes) never to eate of the lordes bred, 
nor yet to drinke of his cuppe with the congregacion. Notwith 
stondinge where as he schulde nede ayde or socoure, in eny 
thinge concerninge neghbourhode, we are bonnde by the com- 
maundemcnt of charite to do oure best for liyiii. and by all 
meanes possible to seke howe to wynne hym agayne. So. Christen 
men [fol. o"i".| then of duty are bownde to warne and admo- 
nisshe one another, and to flye theym whiche are sclaunderous 



prophetes. - mnt.her en Inwe = .stepniother, Stiefmutter. 

30* 



450 Wolf 

vnto the name of Christ, as farre fortli as they know it, and 
thinke it for the amendment of hym which is faulen. But nowe 
I wolde thou declai'edst to me, what profite these outwarde 
signes, which menn call sacramentall, bringe to the congrega- 
cion, seinge that it only consisteth in Christ, and is fre from all 
outwarde dementes of this worlde. Fa. Christen men vse j.heym 
as they are in dede, for tokens of spretuall thynges, and that 
to forther dedes of love and charite bitwene theym selves, and 
vnto all men. And be cause they knowe that they live only by 
faytlie, they fyrst vse the signe or tokeu thereof, that is to 
saye baptem, for the augmentacion and eucreace ther of. As 
thus. Loke even as one which of a gret manne is receaved 
vnto his Service, as yet is not knowne uor declared vnto wother 
of that mans housholde to be one of their Company or felis- 
shippe tili that he have on his badge or liverey. Even so 
though that a man be of the sed of abraam, and honsse of 
Israel, borne of Christen father an[d] mother, yet is he not 
mauifestly declared to be of Christis housse and congregacion 
tili that he openly be clothed with the garment of baptem, 
which is nothynge but [fol. 32^.] a signe or token declarynge 
hym to be of christis flocke and nombre, makynge hym before 
god, nether better nor worsse. but betokeneth the baptem of 
Christ, which in the sprete and fire purifieth mans conscience 
from synne, and geveth trewe rightousnes to as many as tho- 
rowe this baptem exteriall have put on the lorde Jesus Christ 
spretually. For it is the maner of wholy scripture commenly 
to take signes and figures for thynges by theym represented. 
Titum. iij. as the baptem of water , for Christis baptem. And 
therefore Paul nameth it a bathe of the newe byrth, and a 
puttynge on of Christ. Son. What are they which shulde be 
baptised? Fa. All they whome by the rule of charite (which 
beleveth and hopeth all thynges vntill that the contrary many- 
festly apere) we maye suppose to partayne vnto the promeses 
of the lorde. For whomsoever god accordynge to the porpose 
of his eleccion witteth save to ascrybe vnto the flocke of his 
electe, hym ought we with this signe of baptem to knowledge 
for eure brother, and felowe of one vocacion. So. But howe 
Mat. vij. canne manne knowe whether he be elect of god or no? 
Fa. Surely by the frutes of his herte and specially yf they be 



William Eoye's Dialogue betweeu a Christian Father and his etiibborn Son. 457 

grownded in brorherly i love and charite, as Chr- [fol. 33'.] ist 
sayth hym silfe in the xiij. c. of. S. Jhon. Sonne. What hoape 
hast thou then of litell babes, which nether are able to confesse 
their belet'e, nor yett to brynge forthe the tViites of love? are 
they belong-ynge to this churche, and pertaynynge to the pro- 
mes of mercy, or notV Fa. Loke as Abraams childien were 
not excluded froin the comnaiint - made bitwene hym and the 
sed of Israhel, no more are oui-e children, beynge in Gen. xvij. 
dedde the true posterite of Abraham (havynge also vnto thejTn 
specially the promeses of mercy promesed) excluded Rom. ix. 
froni it. wherfore we beleue theym to be members of Christis 
body, vntil that they come to age and shewe the con- Joan j. 
trary in their livynge. and declare by the workes of derckues 
theym selfes to flye, aud to hate the lyght. For this cause 
Christ wolde and commaunded children to be brought vnto h-ym, 
blyssed theym, and sayde, vnto soche belongeth the kyngdom 
of heven. Oure baptem is no better then Christis blissynge. 
For as moche then as Christ declared theim (thus dojTige) to 
be parte takers of his fathers promes, we also ought ta •' hoape 
that the kyngdom of heven belongeth vnto theym. Wherefore 
we receave theym unto the congregacion of Christis churche 
with this out- [fol. 33''.] warde token of baptem. Lyke exo. süj. 
as oure forfathers did their children with their circumcision in 
the lawe. So. I wolde gladly heare one precepte or commaund- 
ment geven in scripture, that we shulde baptyse theym, as the 
lawe compelleth to circumcyse mens children the eyght Ex. xxij. 
daye of their birthe. Fa. We have nowe obtayned the daye 
sprynge, delivered by christ oute pf ^ the cloud (wherein they 
wandred blyn[d]folded with the vayle of the lawe j. Cor. i. 
and ceremoniesj and walk in the cleare lyght of the newe 
lawe, that is to saye the bonde of love, which is in the herte, 
and consisteth in none outwarde ceremony. wherefore we have 
no nother commaundement geven vnto vs, savynge alonly this 
which directeth every member of Christis boddy in this con- 
gregacion to do all thynges to the honoure of god for the well 
and proffet of oure neghboure, and that wyth a good mynde, 
and a fervent love, where as oure fore fathers did all thynges 

1 hrother-ly, - comnant. Siehe Anm. zu Bl. -'1». S. 444. 3 fo. * of. 



458 Wulf. 

by constraynte and y[r]eveous compulsiun vuder a shaddowe. 
j. Cor. X. For the cuinmauudment uf love sett a syde, all thynges 
are fre for vs, and we bowndu vutu nothyuge. Soune. Why, 
doth iiöt the lorde Cüinniaunde bapteni, wlien he sayth Go and 
mat. ui. teaclie all nacions batpisynge ' the^mi in the na- 
[t"ol. 34'.] me of the father, and the sonne, and the holy gooste? 
Father. Yf thou well vnderstonde what betöre is rehearsed, 
thou shalt evidently se by this texte, at'ter what manner he 
taught his diseiples to bringe theym which laye in darckenes 
into the light uf trueth and after tliey ouee hadde knoweledge 
thej-e of, by this baptem to adniitt theym vnto the Company 
of Christis housholde, and so openly declare theym to be losed 
from the bondes of derckenes, and to be grafted in the light 
Kom. ix. of the gospell of god. Wherefore they after this 
maner toke the gentyles for Israel as wele as the Jewes. There- 
fore he nether here with forbod, nor yet commaunded baptem. 
but with foawe wordes declared, howe they shulde begynne to 
prcaehe the worde of god amonge the hethen. Son. I se well 
then that this is the maner whiche Christ wolde that his dis- 
eiples, and all wother shulde have where as they declare the 
glad tydynges of Christis bloudde. For no manne wolde sofFre 
hym silfe and his children to be baptised in Christis name, 
excepte he fyrst wist what Christ were. Wherfore preachynge 
necessarily muste precede. But what sayst thou vnto eure bap- 
tem^ which of so longe a season [tjhus hathe bene kepte after 
one fassiou, and [fol. 34'.] maner? Fa. Many thynges in the 
begynnynge of Christis churchc were vsed and observed, which 
we are nothynge bownde to kepe, as pertaynynge to outwarde 
thynges, which we ought to committ vnto the arbitrement of 
charite, which iudgeth and commaundeth not only thynges neces- 
sary to be done, but also ordeneth a tyme wherin all thynges 
j. Cor. X. to eure neghbours comforte shulde be other observed 
or eis ministred. which wother wyse cannot bynde vs. So. What 
provayleth baptem vnto babes? Fa. It bryngeth to oure re- 
membraunce the promeses of the grett goodnes and mercy of 
god. wherby he declareth him silfe to be oure mercifull father. 
And for this cause are the children committed vnto their eiders, 

' Ijaplist/nye, 



William Royo's Dialoguü betweeu a christuu F.itUer aml his stubboru Soii. 459 

jind ohurclie. wliicbe uro buwuudo tu uorisslie aud brynge theyia 
vp, as iiienibres consecrate only vntu the gloiy of gud. wherby 
die childicn shall have grett occasion to live honcstlj aud iu 
the feare of god, and eiders obcdieuce. For once perceav^-nge 
theym selves tlirough the tender luercy of Christ to be pukle out 
of the wilde olyve tre, and to be grast ' in the natural Kom xj. 
olyve tre, they schall agret deale the feruenter eudever theyni 
selves every where to brynge forthe frute acceptable to [fol, oo".] 
god, and pleasauut to manne, aud mekliar heare their eiders 
admonisshment, and correcciou, when they saye, dere chylde 
thou arte christened, and oftered vp vnto the lorde, renieiuber 
tlierefore that thou arte accouipted of the nombre of goddis 
e'hoseu. wherefore se that thou leadc a godly lyfe. Thus and 
thus oughtest thou to do. And this or this to flye. But yf he 
offende, and after soche warnynge and adnionisshment there 
folowe uone amendmeut. then ought he to be separate ma. xviij. 
and excluded, by the lordis last sopper from the boddy of 
christis churche. So. Divers there are which saye that the 
baptem of yonge babes is very noyous, and an occasion to 
niany, evill to live. Fa. Do what thou canst, yet shalt thou 
never be able to satisfye soche people. Though we deferre the 
baptem of a childe vntill he come to age of discresion (as they 
will have) yet is he never the bettcr. For he beynge then 
never so roted in vnbelefe, maye for a season dissemble a 
fayned belefe, and vnder soche a pretence, he beynge an in- 
fecte wedder, cople himsilfe among the pure flocke of Christis 
shepe, to their gret hyndraunce aud trouble. F'or it shulde be 
laufull for no manne to denye baptem to eny persone, howe 
wicked so ev- [fol. 35\] er he were, yf he once with tonge 
name hyme silfe a Christen manne. So. Is not this to take 
the name of god iu vayne, when the baptiscr sayeth, I bap- 
tyse the in the name etc.? Fath. No. But he taketh the name 
of god in vayne which wyttiugly doth baptyse one, home he 
knoweth shall so wikedly live, that by the meanes of bis mis- 
chevous lyfe, the name of god cannot but be evill spoken of. 
But when it is vnknowne vnto vs whether he be a shepe or a 
goate^ whome by baptem we receave into the congregacion, 



graft. 



460 Wolf. 

accordynge to charite, we ever ought to hope of the better. 
Act. vüj. As Peter did, when he baptised Simon the sorcerer, 
by whome afterwarde the name of god was gretly blamed. We 
lykewyse offende not in admittynge soche vnto vs vuknowyngly 
and thorowe love, whyls they are yet yonge, for we knowe not 
what goddes will and pleasure is to do with theym. but accord- 
ynge to the ensanple of Christ must hoape well of theym, and 
iudge theym heyres of the proraesed kyngdom. Which thynge 
we witnes with oure outwarde baptem. Neverthelesse when 
they com to discrecion, and shewe the contrary in their dedes, 
we ought nothynge to ponder this exteriall baptem, but to ex- 
j. Cor. V. clude theym oute of oure com- [fol. 36".] pany accord- 
ynge to Christis doctryne. Though the churche of god shall 
never vnto the daye of the lorde be withouten faulce dissem- 
blers and hipocrites, yett shall abhominable and manifest synners 
be expulsed there oute, which thynge cannot be, excepte before 
they were admitted there vnto for rightous. Sonne. Compen- 
diously of this mater I praye the teil me the effect. Fa. 1 
knowe well that a manne ought to iudge and to hoape the 
j. Co. xiij. best of every manne, tili the contrary playnly apere, 
and therfore ought we to beleve that Christen mens children 
Gen. xvij. arc bclongyngc vnto the bonde of mercy. Even as 
were Abraams children. Nowe then seynge that baptem is no- 
thynge but a begynnynge, or renewinge into the Company of 
Christen men (which is fre, from all outwarde ceremonies) we 
ought to deale with theym this token of oure fellisshippe. for as 
moche as our lorde called theym vnto hym, layde his hondes 
on theym, blest, and sayde to theym, the kyngdom of heaven 
belongeth vnto soche. So. Herby then will 1 abyde, that mann< 
consecrateth faythfull mens children vnto god, be they never 
so yonge by baptem. Whereby the Company of chi'istis con- 
gregacion is augmented, receavyng continually newe mern- 
[fol. 36''.] bers in one body, whereof Christ is hed. Fa. Ye but 
marke the chefe poynt. whiche is that spretuall birthe, and 
death of the flesshe remayne in the. which are signified in 
this baptem. Remember that thou arte the chyldc of god, and 
that thy angell beholdeth the face of god continually, that 
thou never schuldest offende thy neghboure, but as farre as 
thou canst and mayst to further and healpe theym, puttynge 



William Koye's Dialog^ie betweeii a Christian Father and his stubborn Son. 4:0 1 

theym also in remembraunce of their spretuall baptem , beto- 
kened by this outwarde signe. Tu g-eve the lykwyse t'orther 
informacion , Christen men vse the lordis last supper, t'or the 
renewynge of their belefe. and to testif}' theyr g-oode j. co, xij. 
niynde and meke herte through love towai'des their neghbours. 
For the eatynge of" the lordis bred, and drynkynge of his cuppe, 
refressheth their belefe in Christ, and declareth a fervent love 
which we shulde have vnto theym of the houssc of god, wher- 
with we are knet as members of one body together. For we 
thyncke, beleve, and saye, Swete lorde, we thanke the that 
thou hast offered vppe on the Crosse thy boddy, and bloudde, 
for oure redempcion, which thynge, gode lorde, as thou com- 
raaundedst, we here with bred and wyne aflferme and testify 
to be done indede for [fol. 37".] the reinission of oure synnes. 
And thus spretually eat we thy boddy, and dryncke thy bloudde. 
Which conifortable and very necessary remembraunce, renewed 
with the worde of god, by bred and wyne, is the foode of our' 
soules vnto lyfe everlastynge, wherby we are strengthed, and 
made apte vnto all goodness. So. Why, strengthe then the 
sacramentes the consciences of menne? Fa. Not of theym 
selves but the remembraunce whiche commeth by theym, through 
the holy gost refressheth, strengtheth , and stablissheth in vs 
belefe and also love. For in breakynge of bred together j. co. x. 
we knowledge oure selves to be members of Christ with as 
niany as love hyme, and ofFer oure selves all ways in one hope 
to the healpe and comforte of oure brethren, as one bred and 
one body. And because the Corrinthians vsed this thynge after 
an vnright maner, Paul did reprehende theym. For when they 
shulde have renewed the bonde made with Christ and j. Co. xj. 
their brethren, they had theyr seuerall bankettes overcloyinge 
theym selves with meate an[dj drincke, where as their poore 
brethren for nede soffered grett honger and penury. So. After 
what mauner shulde a manne then worthely ordre hym there 
vnto? Fa. Paul did ' [fol. oT*".] biddeth hyme examen hym silfe, 
searchynge and gropynge in his owne conscience, and herte, 
whethei- he doute, or stedfastly beleve, that the lorde also for 



1 = bid; dies zeigt die Wiederholung^ der Silbe bid in biddeth am Anfange 
von Rl. 37''. 



462 Wolf. 

him hatli offered vppe his boily iind bloiidde. and that thereby 
he is become with all Christen nien, a member of his body, 
theyni to serve and obey. and to despyse nur hate no manne. 
And where as he feleth tliis belefe or love to be fehle or 
l'aiute, stedfastly to call vnto god for ayde, streng'the and so- 
coure, throughe his hed Christ. So. Is he then worthy of the 
lordis bred? Fat. Ye, for he desyreth to be knet vuto Ohrist 
and his members with all love and service. He knoweth surely, 
and thanketh the lorde for the offerynge vppe of his body and 
bloudde on the crosse to god his father ahnyghty for his sake. 
j. Cor. xj. For he that indiflferently eateth and drynketh at this 
niealc as he doth at wotlier, with outen eny thanckfull remem- 
braunce of Christis death and passion, for a very triieth he 
eateth, and receaveth his owne dampnacion, be cause he con- 
sidereth nott wherfore that iiieale was Institute and ordeued. 
Nor yet maketh difference bitwene the members of the lordis 
boddy (there gaddered together in the vnite of love and thancke 
gevynge) and wother matteriall meate and dryn- [fol. 38".] cke. 
Manne here ouglit to have a respecte to the body of Christ, 
and to consider howe dere a thinge it is to be by the manes 
of his body and bloud incorporate with hym. And lykwyse 
with a stedfast belefe shewe the silfe same thinge to his 
brethren, which there with one assent (for as moche as they 
are lyke membres) geve thankes to god their father for the 
tender mercy and kindnes receved throwe christ their lord. 
So. I se well then, that all that do not this, are but hipocrites. 
and dessemble that thinge in outward fode, which is not in their 
herte roted by faythe and love. and so cannot but bothe despyse 
their brethren, and sett the pryce of Christis precious bloudde 
at nought. Fa. It foloweth also dere sonne ^ that to remember 
Christis passion, declare his deathe, and to examen his owne 
conscience, whether he (as is before sayde) worthely eate and 
drincke at this meale, with due difference makinge of christes 
body or not, is a spretuall memory howe that in Christ we all 
are one body. And that only by the redempcion, satisfaccion, 
and sanctifyiuge, geven to vs through the aspercion of his 
Rom. iij. most prccious bloudde we are iustifyed and not by 
Gai. ij. eure goode dedes, merittes, or deservinges. For this 
cause was this last mele ordened by the lord, as apereth in the 



William Koye's Üialogue hetween a chiisti;iu Father aiul liis ütubbora Son. 4bo 

gospell of. S. Jlion, und [fol. rjS''. | iu Paulis pistle j. Cor. x, xi. xij. 
tu the Corinthians. wliicli trom tlie beyyiuiynge to the ende 
sownde nothyni>'e but fayth aud thankes gevyng'e to the lorde, and 
love to oure brethreu. Aud thertore ought we nonc wother wyse 
to vnderstonde theyui. Wliertoro with thcym tliat despyse tliib 
Christis remembrauuce, and perscver in the worckes of darck- 
ues (as are, dronckardes, Avhoremougers, aud soche wother, 
ileserybed in the tyft chapter of the fyrst pistle to the Cor- 
riuthians, and in the fyft of tlie Ephesians) loke thowe in 
no wyse kepe eonipauy. and that thou breake not the lordis 
bred with theyui. But at all times se thou fervently in Christis 
name desyre of god thy father to grownde the iu the trewe 
love and perfett belefe. and to graunt the, the trewe vnder- 
stondyuge of bis godly worde and will. For the kyugdoni of 
god stoudeth uether in outwarde thynges, nor in ti'ansitory 
wordes but only in the power of god. Though thou never so 
gretly beleve, excepte it live iu thy hert, it is before god of 
none effeete. Further to procede in our fyrst purpose, An holy 
eompauy of sayutes. Son. What is that to saye. Fa. Here 
with I kuowledge as mauy as are parte takers with vs of this 
exteriall baptem, aud Christis super (yf they with pu- [fol. 39".] 
re faythe and charite deelare theyni selves as niembers of 
Christis bodyj to be saintes, and amonge tlieyui selves to have 
all thynges eommeu. Son. What are they which are not of 
this commenalte ? Fa. As niany as come not theriuto Joan x. 
throwe Christ, as are all Jewes, hethen, heretykes, and open 
synners, which ymagen auother luauer of belefe and livinge 
after their owne fautasy. Wliom Ave diligently ought to flye as 
authours, and bryngers vppe of sectes, and inventours of newe 
learnynges, aud gevers more occasion vnto stryfe, then to mayu- 
tayne peace aud vnite. Wherfore we ought more to enibrace 
thynges grownded iu scripture, aud aproved by the Company 
of sainctes, then presouiteously to geve credence, or to approve 
eny strawnge, or newe fangled learnyug. And for this purpose 
shulde none of Christis cougregacion be agreved to bestowe the 
geftes geven vnto theyni für the welth aud pi-ofit ol iheir even 
Christen. For loke as one meinber of the body is j c« xij. 
ayde and healpe vnto the whoale, even so ought eache one of 
vs to bo vnto eure brethreu. It shulde also be no more 



464 w ü 1 f. 

discomfort, nor tedious vnto vs to se oure weake members (that 
is to say vnstable brethren) then the excelleut, endewed with 
[fol. 39".] the nobeler i?yftes, Ibr the welthe of the hole body. but 
Rom. ij. with compassiou rather soffer with theym, and liealpe 
to beare their burthena. and not (lift vp in oure owne mynde) 
preferre oure selves, und iudge wother. but remember that we all 
Rom. xij. are one in Christ Jesu. And that we live not for oure 
j. Co. xij. selves, but for the welth and comforte of oure brethren, 
Eph. iiij. by that meanes to wynne many vnto Christ. Marcke this 
poynt well deare chylde. For henee spryngeth^ that all prayer, 
and goode worcke, of hole christendom, commeth to the ayde, 
socoure^ and comforte of eache one of Christis members. And 
therfore do they ag-aynst the hole Company of saynctes, which 
seil their goode workes, make fraternites, and founde channtreis 
or perpetuiteis, for theym selves, or their frendes. Sonne. Why 
sayest thowe I beleve the remission of synnes? Fa. These 
wordes declare that we whiche are pertaynynge vnto this holy 
Company, through belefe obtayne remission of those synnes 
which we dayly committ through fraylnes of oure flesshe. 
So. Wherfore serveth then tlie Popes perdons? Fa. For 
payne procured and deserved for synne. Which god requyreth 
of vs after he hath forgeven oure synnes. So. Why, doth god 
reserve eny soche pay- [fol. 40'.] ne vnto hym? Fa. Oure newe 
Heb. xij. goddes saye so. Butyet it is contraiy. God chastenneth 
ma. xriij.i his with many tribulacions, and divers manners of 
affliccions, to make theym knowe theym selves. and so to 
exercyse theym selves in meknes. Which thynges nether lye 
in mannes will nor power, other to admit, or eis to eschewe. 
Wherfore the Popes pardons and remissions, stonde to non 
effecte savynge only to brynge menne into a waverynge belefe, 
and vaine hope. and so to clense mens purses, and to dryncke 
up their sower swett and labours. Son. What is then master 
parsons momblynge, when he waggeth his honde over oure 
heddes, makinge vs beleve to be clensed from oure synnes, 
through his murmuracion, which he calleth absolucion? Fa. No- 
thinge but a crafte to picke mens purses with all. For as longe 
as the Pops foundlinges, grownde theim selves, and cause 



• Mut. xoiij. (?) 



William Roye's Dialogue between a Christian Father and bis stubborn Son. 405 

wother to hang-e on mens invencions and tradicions, Howe canne 
they vnto wother open the kyngdom of godde, vvlien they theym 
selves are not able to entre therin? Yf they were Christen 
men, they wolde confesse the werde, and frute of Christis 
Crosse only. Wherl)y (godde worckynge inwardly with belefe) 
the povre soiiles which are bownde [fol. 40'']. with tlic bondes 
of death, and hell, niyght be losed, and made fre vnto the 
kyngdom of heven. For as longe as god cleuseth theym not 
with the belefe of the lambes bloudde shod for theym, synne 
rcmayneth, and they co[n]tinewe in bondage. As many ther- 
fore as preache foryevenes of synnes thorowe the vertue of 
the wordes, are but deceavers. for it commoth by the power of 
the holy goost, which powreth belefe into oure hertes. Joan. x. 
8on. I se well then, thoii sottest nothynge by confcssion? 
Fa. Not by the confession nowe a dayes vsed. For simple 
people therby are so blynded that-they suppose a feawe babb- 
lynge wordes to have vertue forte pourge their synnes. and that 
by confession and workes there vnto pertaynynge, they ob- 
tayne, mercy, grace and foryevenes. Which thinges consist in no 
transitory worke, but in the tender mercy of god graunted thorowe 
Christis bloudde only. »Son. I durst not affirme this sayinge, 
seynge that wholy scripture so offen maketh mencion of it. 
Fath. It maketh no mencion of eny eare tale, which men call 
confession. but of wother maner confessions both necessary and 
also proftitable. 8on. What are they? Fa. Fyrst we confesse 
oure selves with god almyghty, knowledgynge [fol. 41".] oure 
offence, misdede, and synne, sayinge from the bottom of oure 
hert with the prophet Dauid, I will confesse ray trans- iv. xxxij. 
gressions to the lorde. Ye and thou hast forgeven me the ini- 
quite of my synne. Secondaryly we confesse vs, when we re- 
concile oure selves vnto oure brethren "when they have eny 
thynge agaynst vs. as apereth by our saveours sayinge in the. 
V. chap. of.S. Mathewe. When thou ofFerest thy gyft at the 
aulter etc. He thridlv maketh a proftitable confession, which 
mekely heareth hym that charitably reprehendeth his de- 
fault, and therafter enforseth hym silfe to amend- ma, xvüj. 
ment. for yf he did not perceave hym silfe to iiave erred, 
he wolde in no wyse abyde the reprehencion of his brother. 
Fourthly, every Christen manne ought to knowledge hym silfe 



4G6 Wolf. 

ix synner before all wother, and so desjre their prayer, as 
apereth in the v. cliap. of.S. James pistle. The sprete of god 
driveth eveiy trewe belever to this confession. Even as tlie 
sprete of erroure dryveth nowe a dayes blynde people vnto 
this papisticall eare tale. Whicli is not only agaynst Christ, but 
also ag-aynst all godly scripture, the ordinacion of oure redemp- 
cion, fredom of godis electe, and chosen. Which all depend 
singulerly in belefe, and not in [fol. 41'',] workes, as shall 
apere at the day of iudgment. So. Why shall all menne aryse 
then agayne in the flesshe. Fa, They which departe hence in 
the lorde, reste in belefe (called Abraams läppe) with all wother 
creatures abydynge that daye, wherin their bodyes shall be 
Ko. viij. losed, For then shall the glory of godde, so longo wayted 
forre, manyfestly be declared in vs, and all creatures delyvered 
from the bondage of corrupcion, and apere afresshe as they 
j. Cor. XV. were before. Also whatsoever in vs at that tyme re- 
raaynetli vnporged, shall by deathe be swallowed vppe, and we 
restored immediatly other to payne, or eis to Joye eternall. 
Wherfore I also beleve everlasting lyfe. So. What a lyfe is 
this? Fa. Surly Joye withouten end ordened vnto the children 
of belefe. and deadly torment withouten releace ordened for 
the vessels of wrath, and children of vnbelefe. For loke as 
they of the housse of Abell, in this lyfe have thorowe belefe 
(though the worlde despyse theym) obteyned the fyrste frutes 
spretually of all inwarde Joye and celestiall comfort. Even so 
have they off the stocke of Cayin here deserved with the 
workes of vnbelefe, to be fettered with the fetters of eternall 
fyre, whervnto at that daye they shalbe iudged. For the rig- 
Abac. j. jfol. 42\] htous liveth by his fayth. And lyke wyse 
the vnrightous dieth thorowe his vnbelef. Wheroute procede 
both lyfe and deathe withouten ende. He whiche beleveth, as 
yet is not perfet, for as moche as he yet is in thrauldom and 
bondage, by the reason of the flesshe, vnto synne, and vnto 
deathe, where as then he shall be delivered from theym bothe, 
and in god live for evermoare. As Christ sayeth in the gospell 
.To=i,. vj. of. S. Jhon. He that liveth, and beleveth in me, shall 
.loan iij never deye. Agayne. He that beleveth on hyme shall 
not be lost, but have overlastynge lyfe. The vnbelever lyke 
wyse at that tyme shall receave füll deathe with outen ende 



William Royp's Pialogup l'etween a chvistiaii Fatlier ;inil liis etubborn Son. 407 

as there also apereth Sonne. A Christen man is ordcnod then, 
whether he wake or slepe, eatc or dryncke, continually to la- 
boure for eternall thynges. Wherfore though they soffer never 
so gret persecueion, or affliccion. Ye even deatlie, yet they 
in dede are assuered they canuot deye. But hoAve maye Joau. v.j 
tliat be? For the rightous maye dye, and or he dye faule into 
incredulite. Fath. Douiles ' lyfe everlastynge consistetli in 
the sprete, and mortifieacion of the flesshe. whervnto boddily 
calamities, adversites, and death temporall healpe not a litell. 
But yet will god neverl '^ [fol. 42^] soffre them so to erre in 
thynges of wayght that therby they shulde hence departe in 
daunger of dampnacion. For he is true and knoweth his, whome 
he so clenseth here, by death temporall, that they ij- Ti. ij. 
herafter wayte with outen spot (clothed in whyte vesteurs ■' for 
hym that shall geve an answer for theym, and admit theym to 
their eternall inheritaunce. So. Where is purgatory then? 
Fa. Truly in the graunges, cellers, and porses of oure anoynted 
and shorne Company, heaped vp and fullilled vnder a coloure 
of this purgatory. Which thynge in no wyse canne stonde 
with fayth. Wherfore he that beleveth that there is an ever- 
lastynge life, admitteth no purgatory. For he whiche hence 
departeth, withouten delaye entreth into lyfe, or eis Joan vj. 
into death endles. So. Ye but oure Doctours, preachers, and 
teachers, saye that purgatory is the waye to everlastynge lyfe. 
Fa. Menne maye lye. Therfore geve thou credence to Hom. in. 
hym that deceaveth no manne. Which sayeth. I am .'o. xüij. 
the waye, the trueth, and lyfe. So. Yet must we fyrst make 
satisfaccion for oure synncs or we canne come to hym. 
Fa. Christ is for vs satisfaccion and redempcion sufti- j. <"". j. 
cient. Whiche for the synnc of all the worlde, gave and 
offered hym silfe, doin- [fol. 4o\] ge that all the worlde was 
not able to do. for he only had power to open the Apoc. v. 
boke claspes. So. They saye that Paul affermeth purgatory. 
where as he sayeth, somc bilde on Christ, wodde, haye, stoble 
etc. But every maus worcke shalbe made manifest in j. <:orr. üj. 
the daye of the lorde. and that through fyre he shall soffre 
losse. but he hym silfe shall be saved, even as through fyre. 



' doutles. 2 never. ' vesluren. 



4G8 Wolf. 

On this texte grownde tliey their purgatory. Fa. Paul speaketh 
here nothynge of eny state of the wother worlde. but of the 
doctryne of lyfe, which is fownded on the trewe founda- 
cion Christ. Which yf with outen the worde of g-od, by the 
counsell or decre of manne be bi t vp, doutlesse in the tyme 
of aduersite and death, through the fyre of temptacion, shall 
soffre losse, vet the bihler hvme silfe shalbe saved, because 
his g-rounde and fowndacion is Christ. Wherfore clensed by 
this fyre, he shalbe repayred ag-aync on his stedfast founda- 
cion Christ. Which thynge belongotli to no purgatory. Wherby 
thou niayst se howe vndiscretly they pervert this saynge of 
Paul. And not only this. but lykwyse uiany wother siuiilitudes 
Mat. V. and parables. as is that of the last farthynge. and 

soche lyke. which ought none wother wyse to be interpreted, 
then after [fol. 43''.] the lordis intent, and speakyngc. So. Whye 
ioynest thou att the last ende, this word, Amen? Fat. Because 
it is a coniirmacion of all that before is rehearced. With the 
which I hartely and in a stedfast belefe, desyre vnto all Christis 
chosen lyfe with outen ende. Amen. Son. This withouten fayle 
is a perfett waye and belefe, which thou hast shewed vnto me. 
Wherfore dere father, the better to come here vnto, I gladly 
somwhat wolde by the have informacion howe and after what 
maner I shulde begynne to institute and ordre my life. seynge 
I am as yet yonge, and nowe through thy frutfull instruccion 
brought out of grett dercknes, into a clere light of my cen- 
science.^ Fa. It is vnpossible for eny mortall manne to de- 
scrybe that thynge so well to the, as the sprete of god (of whom 
yf thou once taste) inwardly shall inspyre and teache the. But 
after what wyse, I in my youthe behaved my silfe ;, and yet 
continewe, geve ear, and I shall shewe the. At myne vprysynge 
in the mornynge, I consyder before what I ought to do, and 
to eschewe. Wherof I have a speciail learninge by the con- 
tinuall meditacion of goddis tenne commaimdementes. wherin 
(as in a myroure most pure and clene) I behold what a christenne 
mans [fol. 44".] livynge shulde be and agaynst which of theym 
I have most offended. For the diligentlier I thus do, agret 
deale for the more evidently perceave 1 myne vnabilite, other 



con-icience. 



William Roye's Dialogne between a cliristiati Fathpr and liis stubborn Son. 409 

to accomplisshe tho ' thynges which the Lord liath commaimded 
vnto me, or eise to flv those thvnires which he hatli forbodden 
me. seyinge clerli that the nature of my flesshe is clene con- 
trary to god and his will. So. This knowledg^e of thy silfe 
doutlesse is very necessary. but teil nie, is thy conscience 
herby satisfied, and at rest? Fa. Kather broug-ht into gret 
vnquietnes, and sorowe. Ye alinost dryven into desperation. And 
therfore I seke all the wayes possible, howe I myght roid. üj. 
do tho ' thynges which fayth (wherof hidderto we have spoken) 
requyreth of me, yf I will come to quyetnes of conscience. 
Which favthe throus-h Christ sendeth me to e-od mv mercifull 
father. Wheare as these thynges only are to be fownde 
abowndantly. Son. Informe me after what maner sekest thou 
theyni? Fatli. Trewely with fervent prayer and supplicacion, 
often renewed. So. Let me heare this prayer also and after 
what maner thou therin behavest thy silfe. Fa. In thought and 
desyre, as one which deply lyeth wrapped in payne and an- 
gnisshe ,"- I only set hoape [fol. 44''.] and comforte in one god, 
and to hyme crye and call, as vnto my tender father. besech- 
ynge hyme to encreace his glory in me. and to make me 
soche a one as he wolde I shulde be. and to foryeve my synnes 
hidder to comraitted, and preserve me frome theym to come. 
I praye agaynst non aduersities nor tribulacions. So. Hath not 
the lorde tought vs a special prayer, sayinge, thus Mat. vj. 
shall ye praye. Oiire father which arte in heven etc.? Fath. The 
lorde doth not constrayne vs to saye these wordes. But by 
thevm he declareth vnto vs, of what mynde and herte we 
ought to be when we praye. And not that we shulde thyncke 
that the excellency or vertue of prayer shulde consist in the 
whisperynge of a feawe wordes. But whenne I here or saye 
theym, I remember. and am warned, what the vowes and de- 
syres of my herte shulde be wherby once come to my silfe, 
I lett the wordes alone. Ye often tymes wIkmi 1 have sayde 
the fyrst, or seconde wovde. Für when I once begynne to 
faide into meditacion, I by and by forgett all vocall wordes. 
Son. What is then thvne hertes desvre .iiid atfeccion in these 
wordes? Fa. When 1 saye. Oure father which arte in heven. 



' th''. - anguisshf!. 

Sitzungsber. d. pbil.-hiet. Gl. LXXVf. Bd. III. Htt 31 



470 Wolf. 

I conceave by a certayne imaginacion and hoape [fol. 45\] füll 
of all conforte and consolacion, that he is oure mercifull lorde 
and father. and that he will have vs for bis childreo, and in- 
heretours of hevenly thyng-es. wheare as he is, havynge power, 
and myght above all boddyly and carnall fathers with outen 
compareson. Wherfore I saye also, halowed be thy name. and 
that above all creatours, which are in heven, on erth, and 
vnder erthe. as of god, most füll of myght. By whose wisdom 
all that made is, was created, through whose mercy the lost were 
repayred, and with whose love, their beynge, livynge, and con- 
tinewynge, is and persever. Whom after this maner I every 
where, and at all tymes, honowre and knowledge, for a gra- 
cious lorde, and a mercifull father, not to me alone. But to as- 
many as with me crye and call to bim with me sayinge. Thy 
kyngdom come to vs. that he through bis sprete, and the me 
rites of bis sonne Christ, overcome in oure hertes (which is 
bis temple) the tyranny of the devill, expell antichrist bis de- 
bite, with all bis lawes and tradicions, and through bis gospell 
therin be only witsafe to rule and governe, that we evermore 
with mynde, thought, and berty ioye, maye saye, Thy will be 
fulfilled, as it is in heven, even so on erth. Which is as moche to 
saye, that bis godly will [fol. 45^] with outen lett or impediment, 
have bis course and worcke, in vs, as it bathe in hevenly creatures. 
And so to brydle oure flesshe, that it knowledge hym lorde, go- 
verner, and ruler of it above all creatours. So. All that thou bid- 
derto hast prayde, after my capacite, are but one thinge. Fat. Truetb 
it is. For with these forsayde thre poyntes, we only praye that 
the glory and kyngdome of god, maye so in vs be declared, 
that therby hys name specially maye be lauded, praysed, and 
glorifyed. and then mekly I lyfte vp my herte and saye, Oure 
dayly bred geve vs this daye. desiringe but that which only is 
necessary for the sustentacion of my body. confessynge also 
here by, that temporall goodes are gyftes of bis mercy, and 
necessary for vs. Then saye I both with herte and mynde. For- 
geve vs oure trespases, even as we forgeve theym which tres- 
pas vs. Because we are v nable to make recompence for oure 
dayly transgression, I desyre also of god through bis only 
mercy foryevenes. Which maye no manne obtayne excepte be 
before, with all meknes and rayldhes of herte forgeve every 



William Roye's Dialogue between ;i cliiistian Father aml liis stubhorn Son. 4 t 1 

manne tlieir offences done against hjm. and with the same 
herte desyre god allrayg-lity, as lie forgeveth wotlier to for yeve 
hyni bis trespases. For so done forthwith [fol. 4t)".] I desyre hym, 
that he leade vs not into temptaciou, but deliver us from evill 
Anieu. for as moche as we are with out ceasynge vexed, 
troubled, aud tempted of Satlian, and his membres here in 
this lyfe, we praye the lorde to deliver vs from the devill. 
That he with his crafty and manyfokle delusions, withdrawe vs 
not frome god, and make vs by inpacience rebelleous to his 
will and coramaundment. So. Thinnkest thou on all these 
thinges as often as thou prayest. Fa. Naye, but in generali, 
for I desyre of hyme, to live accordinge to his purpose and 
will, and that he impute not my synne to me, but healpe, pre- 
serve, and defende me, as a kynde and a tender father doeth 
his chylde. And when I have thus prayd (accordinge to the 
will and ininde of theym vnder whome I am) I prepare 
me with all diligence other to my studdy or to laboure. 
So. What arte thou acustumed to do or ever thou go to meate. 
Fa. Well assuered that we frely maye eate of all meates with- 
outen scruple or offence (as above is sayde) I thancke god 
almygty after the maner that here foloweth sayinge. Lorde god 
most mercifull, and father füll of all pete, whose goodnes, and 
ryches continewe withouten ende, which norisshest, and fedest 
all that life in it hath, we thancke the [fol. 46''.] for this meate, 
halowed by thy godly worde which abundantly thou gevest 
vnto vs. Wherfore we beseche the, that thou also wilt witsafe 
with the livinge bred of thy hevenly worde (which doth pro- 
cede out of thy godly mouthe) above all thynges to fede oui-e 
soules, that we hence forth maye continewe withouten ende in 
the life of thy grace Amen, Which thinge done, I eate and 
dryucke as though 1 were before the lordis sight (which seith 
every where) soberly. And when I have takeu my refressynge ' 
necessary, 1 thancke hyme sayinge. For us muche goode lorde 
and father, as thou hast shapen vs, and dayly fedest vs, to 
the intent that thy glory throughe vs shulde be increaced and 
forthered, grauut vs this daye and ever-more so to live, that 
eure lyfe maye be conformable to thy will, and for the con- 



refrenshiiiy, 

31' 



472 ' Wolf. 

tinewall lawde and prayse of thy name. and a liglit for the 
wealth and edificacion of my neg-hbours. And so with outen 
flackynge to amende oure lives that with a meker sprete and 
milder mode hence forth whe ' maye have oure conuersacion 
amonge all men. And so by pacience to be made stronge in 
all aduersite, only trustynge in the oure lorde, and mereifuU 
father through Christis merittes Amen, So. Wherin passest 
thou the residue of thy tyrae? Fa. When [fol. 47*.] I was of 
thyne age I Avent to scole, and with all diligence studied. 
So. wherin? Fa. Yt is gretly to be pondered what a manne 
begynneth in his youeth to learne, and that beeause he cannot 
lyghtly forgett it when he commeth to age, Whe[r]fore I spe- 
cially rede the newe testament in englisshe. And at sorae voyd 
tyme the storys written by Titus Liuius, And when I rede 
theym, I remember that I am a Christiane offered vppe to 
god, and therfore rede I theym with feare. seynge that, that 
matter shulde be to me most pleasunat-, and comfortable, 
which clearly sheweth me the waye to god, Yet at some tyme 
labouringe I maye rede, or heare soche wother treatises, as 
teache me to knowe the waies of the wicked, and vngodly 
deceytes of the worlde, craftynes, and delusions of the devill 
and his servauntes. Soche workes also, as shewe and teache 
howe a manne ought to behave hyme silfe in the lawes and 
institutes of his temporall lordes and heddes. Wherby he 
myght (yf nede requyre) be made the apter, to the administra- 
cion, and service of the .commen well. For doutles there is 
no Christen manne, but he shall (havynge his wit and vnder- 
stondynge qiiickened by the redinge of theym) sone perceave 
that fayth and charite, are both goode and proffitable. and all 
wo- [fol. 47''.] ther thynges but vayne and transitory, end ^ 
füll of pareles ^. And wheare as the knowledge off a perfett 
belefe, and a moderate redynge oflf these worldely storyes are 
to gether, doutlesse there is the reders minde more aud moi'e 
withdrawne from the worlde. Yet ought a Christiane diligently 
exercyse hyme silfe in redinge of scripture. whervnto tonges, 
as hebrewe, greke, and laten healpe not aliteil, specially for 
the vnderstondyuge of the profounde misteries of god. So, Howe 



we. ^ pJeasanttt. ^ and. ^ perilea. 



William Roye's Dialogue betweeii ;i Christian Father and bis stubborn Soa. 4<ö 

were it possible for mc to learne so many tonges? Latten 
shalbe sufiiceut for me. For as I suppose thou w ilt not anoynt 
me prest? Fa. Thou mayst innianer with one laboure learne 
as njoche g-reke and hebrewe with thy laten, as shall sufFyse. 
For one tonge healpeth, and garnessheth another. Insonioche 
that by theym a manne sone maye come to the trewe mean- 
vnge and intent ofF the aiithoure, and obtayne a profownde 
iudgement in all thynges. And though rhou ' learne godly 
tonges, yet mayst thou remayne and be a temporall manne, 
and continewe wholy ofFered vppe vnto god and therfore 
wottest thou not what the lorde will make of the. Yf he call 
the to preache his werde, or to serve the commenalte, or to 
eny wother office or occupacion, that shalt thou the beter 
do with all me- [fol. 48".] knes and love. So. With goddes 
healpe deare father I will endever my silfe to folowe thyne 
iuformacion and counsell. for nowe I well perceave that I 
shulde in all thinges ordre and purpose my lyfe, vnto the 
honoure and lawde of god, and welth of my neghboure. Fat. Go 
to then for a conclusion. Remember that thou art bownde to 
obeye thyne eiders as god hym silfe. And therfore breake 
thyne owne will, stonde not in thyne owne consayte. repute 
all menne better, and wyser then thou art. Prayse not thy 
silfe. Yf wother comraende the laude thou god, that in the he 
hath wrought some tliinge worthy of prayse. Be frendly, and 
serviable towardes all menne. Have feawe wordes. Or thou 
speake, consyder whether it be trewe, and proffytable or not. 
Leave the worst; and saye the best. Reioyce wheare as thou 
seist eny thynge done with goodenes and honest. Where thou 
perceavest the cont[r]ary be ashamed. Be peasable and make 
peace wheare thou canst. Desyre no wreke, but committ all 
vengeauncG to god. Folowe thyne eiders counsell. and as many 
as are lovers of honeste. Here godes worde gladly and with 
diligence. And vtterly committ thy silfe to Christ, which 
for thy sake soffered deathe on the crosse. For yf 



thou. 



474 ^voif. 

thou do not , thou shalt withoute do ' [fol. 48\] donte, 

with an harde iudgement be eondempned. 

Specially flye evill Company, and 

geve none eare to soche as 

commen fylthely, vn- 

honestly , or 

super- 

sticiosly. And all wother thynges necessary 

for thy wealth, doutlesse thou shalt learne 

of god thy father allmyghty, 

Which hath chosen the 

to lyfe everlast- 

ynge A- 

men. 



1 Dieses ,<io' wird am Anfange des Blattes 48". wiederholt. 



William Koye's Dialogue betweeu ii Christian Father and his stubboiu Son 475 



A u m e r k u u g. 

Blatt 15". ,Howe tliynkest thou, inaye I not pray tu wholy 5. Ton- 
comhre, Sir Jhon slioine^ etc. 

S. Tonrom/ire. Siehe Nares, Glossary, ed. Halliwell and Wrij^ht. 
London. 18511. Vol. I., p. SW: ,Toncomher, Saint. Mentioned witli a 
Saint Tronion, in tlie uld Mystery uf the 1 Ps, bat neither saint has been 
further traeed. 

At saynt Toncovibei-, and saynt Tronion, 
At saynt Bothulph, and saynt Anne of Buckston. 

O. P. ], 55.' 

Hazlitt liest aber in seiner neuen Ausgabe dieses Stückes (A select 
Collection of old English plays. 4th Edit. London. 1874. 8". Vol. L S. SM): 

At St. Uucumber and St. Trunnion 

und macht dazu folgende Anmerkung: 

Respectiug St. Uncumber, see ,PopuIar Antiquitics of Great Bri- 
tain'. n. 1.S6. 

Die Stelle bei Brand, Observations on populär antiquities. Arranged, 
revised &c. by Sir Henry Ellis. (London. 1841. 8".) Vol. L, S. 201, 
auf welches Werk sich obiges Citat ohne Zweifel bezieht, lautet: ,Iu 
Micliael Wodde's Dialogue (cited under Palm Sunday) A. D. 1554, 
Signat. c. ii. b. we read : ,If we were sycke of the pestylence we ran to 
Sainte Rooke ; if of the ague, to Saint Pernel, or Master John Shome (siehe 
die nächste Aum.); if men were in prison, thei praicd to St. Leonarde: if the 
Welclinian wolde have a pursse, he praicd to Darvel Gathcrne; if a wife 
were weary of her husband, she offred otes at Poules, at London, to 
67. Uncumher. Thus have we been deluded with their images'. 

Sir Jhon Shorne. Siehe Na res, 1. c. Vol. II. p. 790: ,Shorue, 
Mr. Jolin. Whoever he was, niust have been held an eminent saint. In the 
Four Ps, the palmer boasts that he has been at all famons shrines; among 
the rest, 

' At mayster Johan Shorne in Canterbury. 

O. P. 1. 61.' 

,He Said, he wäre not the same [coat] since he came last from 
sir John Shorne.^ 

Legh's Accedence of Armorie. 
Preface. 



i7b Wolf. W. Roye's Dialogue betweeii a Christian Father and his stubborn son. 

Latimer says, 

,Ye shall not thinke tliat I will speake of the popish pilgrimage, which 

we were wont to use in times past, in ninning hitlier and tliither; to 

Mr. John Shorne, or to our lady of Walsinghani. No, no, I will not speake 

of such fooleries.' 

Latimer, p. 186. b. 

,0f liis history, or his shrine , I have not been fortimate enough to 
learn anything more, bnt from his being called Sir, we may conjectiire that 
he had been a priest of Sho7iie, in Kent.' 



Rieger. Ueher eine Urkunde Ludwig des Ueut&oheu für das KlosU'r Klieiuau. 4< t 



Ueber eine Urkunde Ludwig des Deutschen für 

das Kloster ßheinau. 

Ein Beitrag- zui" Gescliiclite des K;ui/Jeiwescns im Mittelalter. 

Von 

Karl Rieger. 

Im Staatsarchive zu Zürch in der Abtlieilung Kloster- 
archiv Rheinau befindet sich die nachstehende, meines Wissens 
noch unedirte Urkunde Ludwig des Deutschen: 

Ch. In nomine sanctae et individuae trinitatis. Ilhidowicus 
divina favente g[ratia rex]. Oportet ig-itur nos, qui divino su- 
mus muuere quodammodo prae c[eteris mort]alibus sublimati, 
eins in omnibus || parere praeceptis, cuius dementia praelati 
sumus atque cuius praecell[imu]s munere, loca utique sibi 
servata nostro relevari iuvamine atque regali tu[eri] munimine, 
quoniam id uobis et ad mortalem vitam transigenduni et ad 
aeternam feliciter obtinendum profuturum liquide credimus. 
Qua propter comperiat omnium fidelium nostrorum praesentium 
scilicet et futurorum sollercia : qualiter nos ob nostrae mer- 
cedis augmentum et pro remedio auimae domni avi ac geni- 
toris nostri nee non pro salute dilectae coniugis nostrae ac 
carissima prole concessimus quasdam res proprietatis nostrae 
ad monasterium , quod vocatur Rinhowa, id est illam proprie- 
tatem , quam Odilleoz habuit , ut perpetiialiter permaneant ad 
monasterium praescriptum Rinhova, ubi nunc Wolvini abbas 
esse dinoscitur, quod etiam volumus, ut sit securiter diebus 
vitae per hoc nostrae auctoritatis praeceptum, post obitum vero 
suum licentiam habeant, inter se eligendi abbatem , quamdiu 
ibi talem iuvenire potuerint, qui secundum deum et seculum 
veluti decet dignus existat. Et ut haec auctoritas largitionis 



478 Kii'ger. 

nostrae finnior habeatur, et per futiira lempora a fidelibus 

nostris verius credatur, et diligentius observetur, nianii propria 

nostra subter eam firmavimus et aunuli uostri inpressione 

assiti^nare iussimus. 

tSignum (M) Hludoviei Serenissimi reg-is 

Hobarhardus cancellarius ad vicem Grimoldi recognovit et 

[Sig-nuni subscr.J (L. S.). 

data XII [I kl aprilis] anno XXXVII reg-ni Hludoviei serenissi 

m[i regis in orientali franjeia regnante, indictione 111. Actum 

Francono fürt i[n dei nomine felieijter Amen.' 

Diese Urkunde ist bisher nur im Regest von Meyer von 
Knonau im Archiv für Schweizerische Geschichtsforschung 
Bd. 1. p. 7(3 Nr. 8 mitgetheilt, und daselbst als echtes Diplom 
Ludwig des Deutschen angeführt/^ ohne weitere Angabe über 
ihre Originalität. Diese jedoch ist unzweifelhaft; alle äusseren 
Merkmale, vor allem aber der Schriftcharakter des Documentes 
sprechen hiefür. Ein Vergleich mit den anderen Urkunden 
Ludwig des Deutschen aus dieser Zeit ergibt, dass unser 
Diplom von dem Recognoscenten, dem Canzler Hebarhardus 
selbst geschrieben. Es ist dieselbe Hand, welche unter anderen 
Böhmer: 797 (Original in Wien), 815 (Mabillon de diploma- 
tica Facs.), 836 (Original in St. Gallen) schreibt. 

Wenn ich den Abdruck dieser Original-Urkunde mit 
einer längeren Auseinandersetzung begleite, so rechtfertigt sie 
sich durch den Stoff, der ihr zu Grunde liegt. Wohl ist der 
Fall nicht selten, dass, wie hier, ein Original über Copien und 
Ueberarbeitungen in Vergessenheit geräth; aber selten sind 
wir bei engbegrenztem Gebiete in gleich günstiger Lage, klar 
zu sehen. Denn nicht nur ist hier Original und Ueberarbei- 
tung erhalten, sondern Dank der Ueberlieferung ist uns zu- 
gleich der Ueberblick über ein ziemlich vollständiges, dieselben 
Rechtsverhältnisse betreffendes Urkunden-Material ermöglicht. 



' Das Original ist au einigen Stellen, ,clio sich jedoch leicht ergänzen 
lassen, schadhaft. Die Lücken iu der Datirungszeile sind ans einer an- 
deren Fassung dieser Urkunde, von der noch weiter unten gesprochen 
wird, ergänzt. Das wohlerhaltene und echte Siegel ist neben dem Signum 
suhscriptionis durchgedrückt. 

■^ Ibid p. (59. Wir haben nur diejenigen Kaiser- niul Kiinigsiirkiiudeu be- 
arbeitet, deren Echtheit uns erwiesen schien. 



Ueber eiue Drkuude Ludwig des Deutsclicii für diis Klubter Rheiuau 47'.' 

Unter gleichem Datum und in der Hauptsache g-leichen 
Inhalts sind bisher bekannt: Eine Urkunde in Zapf Monum. 
anecdota p. 436 ex autographo. Dieses angebliche Original ist 
ebenfalls im Staatsarchive zu Zürch (Klosterarchiv Rheinau). 
Die Urkunde ist in demselben erweitert. Dem Schriftcharakter 
gemcäss gehört dasselbe in das X. Jahrhundert. An diese 
Fassung; haben sich die meisten Forscher g-ehalten.' 

Ferner eine Urkunde Ludwig- des Deutschen im Auszug- 
bei Neugart Cod. Alemanniae I. p. 374. ex chartulario Rhcnau- 
giensi n. XIV. Der Schriftcharakter dieses Rheinauer Chartu- 
lars entspricht der ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts. Das 
ganze Chartular ist von einer Hand geschrieben und reicht in 
seinen Aufzeichnungen nicht über das Jahr 1126. Vermuthlich 
ist dieses Jahr auch das Jahr der Entstehung desselben. 

Die Urkunde ist also in drei Fassungen erhalten : in der 
oben mitgetheilten Originalform (A) , in einer erweiterten 
Fassung (B) und endlich im Rheinauer Chartular (C), welches 
die Urkunde in Form ß aufgenommen hat. 

In der Originalfassung hatte auch Zapf die Urkunde ge- 
kannt, sie wird aber von ihm nur beiläufig erwähnt, so p. 436 
n. x: in altero demum duplicato diplomate, p. 437 nach n. d. : 
sub eodem dato exstat alterum diploma pariter autographum 
eundem sensum iisdem verbis .exprimens, non nihil tamen 
abbreviatum , p. 288 cuius duplicatum exemplar, ut in gra- 
vioribus [Ludovicus] solebat, expediri curavit. Er hält also A 
für ein Duplicat von B und begründet diese Annahme durch 
den Hinweis auf Mabillon und das Chron. Gottwicense. — 
Diese Annahme ist aber durchaus unhaltbar; die Differenzen 
zwischen A und B sind zu wesentlich, um B etwa für eine 
spätere Abschrift eines Duplicates von A zu halten. Vielmehr 
ist B durch Interpolation aus A entstanden. Freilich muss 
man die Umarbeitung der Vorlage als sehr geschickt aner- 

' So BöLuiL-r Reg. Carol. 8*26; Sickcl Beiträg-e zur Dii)l()iii;itik 11. S. 
n. lüfi. Hidber Schweizerisches llrkiiiidenregister tiTH uiul Meyer von 
Knonau Im Archiv für bchweizerisehe Geschichtstorschiing p. 75 Nr. 7. 
Auch der letztere hält die Fassung H, i)i)scli<iii ihm das Original, wie 
aus Regest Nr. 8 liervoigeht, bekannt war, für echt, nadi den» vi>n ihm 
au.sgesprochenen und von mir oben augeführten Grundsatze, das.s er nur 
die erwiesen ecliten Urkunden bearbeite. 



480 



Rieger. 



kennen ; die Formeln des Textes B entsprechen im Ganzen 
dem Kanzleigebrauclie der Karolinger; mit Recht hat daher 
Sickel, der die Urkunde nur in der Form B kennt, diese auf 
Grund der kauzleigemässen »Sprache unter die echten Urkun- 
den aufnehmen können. Die Thatsache der Interpolation, so- 
wie der Grad der Geschicklichkeit bei der Umarbeitung der 
Vorlage ergibt sich aus dem Vergleiche von A mit B. Durch 
Hinzuziehen des übrigen hiehergehörenden Urkundenmaterials 
erhalten wir zugleich den zur Erläuterung des Falles noth- 
wendigen Einblick in die innere Geschichte des Klosters 
Rheinau. 

Das Verhältniss zwischen A und B — denn C kommt 
nicht in Betracht, da nur unbedeutende stilistische Differenzen 
mit B zu nennen wären — ist nicht nur als Vei'hältniss zwi- 
schen einem Original und einer späteren Interpolation, welche 
beide, wie schon gesagt, erhalten sind, interessant, sondern 
durch den Zusammenhang mit anderen Urkunden, welche die 
hier berührten Fragen behandeln, wird die Erläuterung dieser 
beiden Fassungen gleichbedeutend für die Geschichte der 
Ueberlieferung, wie für die Entwicklung der Institutionen und 
des Kanzleiwesens im Mittelalter. 

Was zunächst das Verhältniss von A zu B betrifft, so 
wird eine Vergleichung der differirenden Stellen, wie ich sie 
hier folgen lasse , über die Bedeutung der Differenzen , sowie 
über den Formelcharakter der interpolirten Stelle Aufschluss 
geben. 

Rein formaler Natur ist der Unterschied der Corrobora- 
tionsformel in den beiden Ueberlieferungen. 



A. 

Et ut haec auctoritas lar- 
gitionis nostrae firmier ha- 
beatur et per futura tem- 
pora a fidelibus nostris ve- 
rius credatur et diligentius 
observetur, manu propria 
nostra subter eam firma- 
vinuis et annuli nostri in- 
pressione assignare iussimus. 



B. 

Et ut haec nostrae largifionis auc- 
toritas in succedentibus annis ab 
Omnibus dei ßdelibus nostris fir- 
mius haheatur et dilirjentius obser- 
vetur nostrae confirmationis prae- 
ceptum conscribi iussimus , pro- 
/.»rirtque manu nostra illud ßrma- 
vimns et annuli nostri impress